Ur. 199. Hbonnements-BcaingungtD: BOonnemfntä. Preis pränumerando, Sierteljährl. 3�0 Ml., monatl. 1,I<> Ml, wöchenllich 2S Pig. frei WS Haus. Einzelne Nummer K Pfg. SonmagS- nununer mit illuftricrler Sonntags. Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Poll. Wdonncnient: 1,10 Marl pro Monat. Eingelragen w die Posl-ZeiiungS» BreiSiisle. Unter Kreuzband für Deutschland und Oeslerreich» Ungarn 2 Marl, für daS übrige LuSlanb 3 Marl pro Monat. Pofwbonnemems nehmen an: Belgien, Dänemark Hollands Italien, Luxemburg. Portugal, ffiumönita Schweden und die Schweiz. 25. Jahrg. CrUltlüt lZgllch ufio dcDtiat. Verlinev Volksblnkk. Die InlfrtlonS'Gebflljr detrligi für die sechSgespaUcne Kolonel« Seile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und VersammlungZ-Rnzeigen 30 Pig. „Kltiiu Hnxeigtn", daS erste fsett- gedruclie) Wort 20 Pfg.. jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- pellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächst! Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition »bgegeben werden. Die Expedition ist biS 7 Uhr abends geöffnet. Zlelegramm- Adresse: »L»x!!Utw0iilüt BtrliB". Zentralorgan der rozialdemokrattfcben Partei Deutfchtands. Redaktion: SM. 68» Lindenstraasc 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Expedition: SM. 68» Qindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1S84. Weshalb stimmen ivlr gegen das Kudget? 1!» Die Diskussion über die Frage, wie sich die Sozialdemo kratie in den Landtagen der deutschen Einzelstaaten bei der Budgetabstimmung zu verhalten hat, schlägt allmählich eine Richtung ein, daß es fast scheint, als sei die Höhe gewisser Etatsposten, der in den einzelnen deutschen Bundesstaaten be liebte Steuermodus oder die größere oder geringere Höflichkeit der Negierungen gegenüber den sozialdemokratischen Landtags fraktionen das Entscheidende, und als solle demnach die Höhe der einzelnen Etatspostcn und die Kulanz der bundesstaat lichen Negierungen zum Kriterium für die Zulässigkeit der Budgetbewilligung gemacht werden. Gewiß, da die süd deutschen Genossen, die die Budgetbewilligung unserer badischen und bayerischenLandtagsfraktionen verteidigen, derenZusttnmiung nicht tiefer zu begründen wissen, als daß sie auf die sogenannten „Kulturaufgaben" in ihren Landtagsbudgets hinweisen und die gelegentliche Toleranz süddeutscher Regierungen gegenüber Arbeiterveranstaltungen(Vereinsfesten, Umzügen, Kongressen und so weiter) preisen, so ist es durchaus notwendig, die Etats der betreffenden Einzelstaaten zu analysieren, den engen organischen Zusammenhang des Deutschen Reiches mit seinen einzelnen Vundesbestandtcilen nachzuweisen und das Ver- halten der süddeutschen Regierungen gegen sozialdemokratische Staatsbeamte und Staatsarbeiter klar zu stellen. Diese ganze Arbeit ist schon deswegen nötig, um die Faden- scheinigkeit der von den Verteidigern der Budget- beivillignng aufgestellten Gründe und die eigenartige Genüg- samkeit mancher unserer süddeutschen Genossen im Ver- gleich zu den belgischen, holländischen, französischen Genossen nachzuweisen, in deren Ländern der Militarismus ohnmächtiger, und die Kirchenbudgets und Zivillisten geringer sind als in Baden, Bayern oder Württemberg, zumTeil sogar ganz fehlen, die aber trotzdem aus diesen„ganz speziellen Verhältnissen" nicht das Fazit ziehen, daß sie aus Er- kenntlichkeit für ihre väterlichen Landesregierungen die Budgets bewilligen müssen. Aber so nötig auch die Kritik der Gründe ist, welche die ans Ostelbien nach Bayerns Fluren verschlagenen Bewilli- gungstheoretikcr vorzubringen wissen, so trifft diese Kritik doch nicht das Wesentliche der Streitfrage; denn nicht deshalb ver- weigern wir das Budget, weil uns gewisse Etatsposten oder Apanagen zu hoch sind, sondern weil wir eine Klassenkampf- Partei sind und von unserem Klassenkampfstandpunkt in dem heutigen bürgerlichen Staat, mag er nun etwas mehr feudal oder demokratisch ausgestaltet sein, nicht nach Hegels Definition die„Wirklichkeit der sittlichen Idee" sehen, sondern eine Herrschaftsorganisation der Bourgeoisie: eine Herrschaftsorganisation, die mit allen ihr zur Verfügung stehenden Machtmitteln die heutige kapitalistische Wirtschaftsordnung aufrecht erhält und sich unserer Bekämpfung dieser sogenannten Ordnung mit ihrem ganzen staatlichen Apparat feindlich gegenüberstellt. Deshalb, weil dieser heutige Staat nicht unser Staat, weil seine Ordnung nicht unsere Ordnung ist, weil seine Regierung nicht unser Ausschuß zur Vertretung unserer Proletarischen Fnteressen, sondern ein Verwaltungsausschnß der herrschenden Klassen ist— deshalb verweigern wir ihm die Mittel zur Aufrechterhaltung seiner selbst und seiner gegen unsere Be- strebungen gerichteten staatlichen Machtmittel. Ob das Budget etwas größere oder kleinere Summen für den Militarismus anslvirst, ob das Kultusbudget fünf oder sieben Millionen Mark beträgt und die vom Regierungsausschuß der Bourgeoisie unterhaltene Polizei öffentlich Demonstrationen gestattet oder nicht, das mag in anderer Hinsicht nicht unwichtig sein; für die Frage, ob unsere Abgeordneten für oder gegen das Budget zu stiinmen haben, ist es gleich- gültig. Sie haben, wenn sie den Klassenkampfcharakter unserer Partei anerkennen und das Ziel unseres Kampfes in dem Sturz der heutigen Staats- und Wirtschaftsordnung, in der Vergesellschaftung der Produktionsmittel erblicken, auch dann gegen das Budget zu stimmen, wenn die Kirche vom Staat getrennt wäre, an die Stelle des stehenden Heeres ein Milizheer träte und das Budget gar keine Aus- gaben für irgendwelche herzoglichen, königlichen oder kaiser- lichen Hofhaltungen verlangte. Die Frage steht durchaus nicht anders wie im gewöhnlichen Privatleben. Wie ein Arbeiter, der sich seiner Klassenlage und seines Interessengegensatzes zum Unternehmertum beimißt gc- worden ist, in keinem Fall einen Arbeitgebcrvcrband durch Geldhergabe unterstützen darf, der mit allen seinen Macht- Mitteln die Löhne niedrig zu halten und die geivcrkschaft- lichen Organisationen zu sprengen sucht, ebensowenig.kann ein Sozialdemokrat für das Budget des Bourgcoisstaates stimmen; denn wie der Arbeitgebervcrband nichts ist als eine Organi- sation zur Wahrung der Interessen der in ihm organisierten Arbeitgeberschaft, so ist auch der Staat nichts anveres, als dieOrganisation der herrschen- den Klasse oder Klassen(es können sich natürlich auch mehrere Klassen zur Herrschaft vereinigen und meist ge- (schieht das auch) zur Wahrung ihrer Interessen. Oder ist vielleicht der bayerische, württembergische oder � badische Staat eine Herrschaftsinstitution der Arbeiter, und 'die Regierung dieser Länder ein Verwaltungsausschuß zur Wahrnehmung proletarischer Interessen? Wenn diese Sachlage nicht immer klar erkannt wird, so ver- danken wir das zum größten Teil dem Ueberwuchern des bürger- .lichen Parlamentarismus, der leider mit seinen Anschauungen über die Natur und EntWickelung des Repräsentativstaates, seinen Zweckmäßigkeits- und Taktikerwägungen auch in unsere Reihen tiefer und tiefer eindringt. Ganz naturgemäß. Jeder steht in gewissem Maße unter dem Einflüsse seines Milieus, der geistigen und materiellen Umwelt, inmitten welcher er lebt, und jemehr unsere Partei in das parlamentarische Ge- triebe eindringt, je mehr sie in der parlamentarischen Sphäre lebt und webt, desto mehr lernt sie auch die auftauchenden Fragen unter dem parlamentarischen Gesichtswinkel betrachten, desto mehr färbt der bürgerliche Parlamentarismus ab— nicht nur auf die Abgeordneten, sondern nicht minder auf die Wähler, oft ohne daß diese sich der allmählichen Aenderung ihres Gesichtswinkels bewußt werden. Das ist eine Gefahr, die uns allen droht. Der Grad der Widerstandskraft gegen diese Einflüsse mag bei dem einzelnen verschieden sein, je nachdem, wie fest seine Anschauungen auf sicherem Grunde theoretisch verankert sind; bis zu gewissem Grade ist jedoch jeder der Einwirkung zugänglich. Je mehr aber diese Gefahr droht, desto notwendiger ist es, immer wieder den Blick auf die großen Richtlinien der Entwicklung zu richten und auf die Grundlagen der sozialdemokratischen Bewegung zurück- zugreifen. In der Entwickelungsgeschichte des bürgerlichen Parlamen- tarismus und besonders in der Stellungnahme der auf- strebenden Bourgeoisie zu dem Budget- und Steuer- verweigerungsrccht früherer Zeiten finden»vir manchen Beitrag zu der Streitfrage: Dürfen»vir als Sozialdemo- traten für das Budget st im in en? Nehmen»vir zunächst England. Sobald der Adel und die großen Städte eine gewisse Machtstellung gegenüber dem Königtum erlangten, suchten sie das Steuercrhebuugsrecht der Könige mehr und mehr einzuschränken, und schon in der „bloZna obarta", der großen Verfassungsurkunde, die Johann ohne Land im Jahre 1215 erließ, mußte er in den Artikeln 14 bis 16 zugestehen, daß der König nur dann, wenn es sich um die Auslösung seiner Person, die Erteilung der Ritterwürde an seinen Sohn und die Verheiratung seiner ältesten Tochter handele, eine„billige und gemäßigte Unterstützung" erheben dürfe, daß er aber andere Erhebungen und Auflagen nicht anordnen dürfe ohne Einwilligung des gemeinen Rats. Im steten Kampfe gegen die Königsgewalt, die immer wieder dazu griff, eigenmächtig Steuern auszuschreiben, suchte das Parla- ment sein Steuerbeivilligungs- und-vcrioeigerungsrecht iinmer mehr zu erweitern und, nachdem 1292 durch ein Gesetz auch der kleine Adel(die Gentry) und die Städte und Flecken das Recht erhalten, Abgeordnete in das Parlament zu senden, wurde 1297 in die Charte die Bestimmung aufgenommen, daß fortan auch ohne Zustimmung der bürgerlichen Abgeordneten keine Steuer mehr erhoben werden solle. Eine Aufstellung des jährlichen Staatshaushalts»vurde jedoch nicht verlangt; die Steuern wurden vom Parlament bewilligt, je nachdem sie ihm nötig schienen; nur wenn be- sonders große Subsidien vom Parlament begehrt wurden, forderte dieses den Nachweis des Bedürfnisses und eine Ueber- ficht über die Finanzlage. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts »vurde es zwar Sitte, daß die Schatzverwaltung jährliche An- schlüge der Schatzeinnahmcn und-ausgaben aufstellte, aber nur zu dem Zweck, selbst eineii besseren Ucbcrblick über die finanziellen Verhältnisse zu geivinnen, nicht um die Nebersicht dem Parlament vorzulegen. Die Könige aus dem Hause Tudor, besonders Heinrich VIII. und Elisabeth suchten in ihrem Besweben, das Parlament zu schwächen, auch dessen Steuervcrlveigcrungsrecht einzuschränken, indem sie sich durch Konfiskationen, Privilegicnschachcr, Ockonomie im Haushalt Geld zu verschaffen trachteten und die Forderung neuer Subsidiengeivährung möglichst vermieden. Nachdem aber die Finanzlage sich iininer mehr verschlechtert hatte, kam es unter Jakob 1. und seinem Sohn Karl I. zum Konflikt init dem Parlament. Als 1613 Jakob I.»vicder neue Mittel forderte, opponierte das mit der Politik des Königs, besonders mit seiner Stellung gegenüber dem Katholizismus unzu- friedene Parlament, beschwerte sich über die Willkür bei der Erhebung verschiedener Taxen und Zölle und verstand sich nur zu ganz unzulänglichen Geldbeivilligungen. Energischer als sein Vater suchte Karl I. sich die von ihm geforderten Mittel zu verschaffen; doch das Parlaincnt bewilligte die bisher gewöhnlich für die ganze Dauer der Regierungs- zeit gewährten Pfund- und Tonnengclder(Eingangs- und Ausgangszölle) mir auf ein Jahr, und als Karl I. eigenmächtig diese Abgaben»veiter erhob, Zivangs- anleihen auferlegte, Geldbußen und Schiffsgelder einführte, protestierte das Parlaincnt und erklärte sie für ungesetzlich. Mehrinals wurde das Parlament aufgelöst, doch das neu- gewählte opponierte regelmäßig noch energischer als das auf- gelöste, und nachdem der Appell an die Waffen mit dem Siege der Parlamentstruppcn über die„Kavaliere" geendet hatte, bestieg Karl I. bekanntlich 1649 das Blutgerüst. Unter Karl II.(1666— 1688) erfuhr das Budgetrecht des Parlaments»vettere Ergänzungen. Besonders wichtig ist, daß 1668, um die Verwendung der bewilligten Gelder für andere als für die vom Parlament bestimmten Zwecke zu verhindern, zum erstenmal die Appropriationsklausel eingeführt wurde, die genau den Ziveck der Verwendung festsetzt: eine Klausel, die später, erweitert und verschärst, fester Parlaments- brauch wurde. Zugleich mußte sich die Regierung dazu ver- stehen, dem jährlich zusammentretenden Parlament einen Vor- anschlag des voraussichtlichen Jahresbcdarfs vorzulegen. Nach der Beendigung der„gloriosen Revolution" im Jahre 1638 hat sich dieses Budgetrecht des Parlaments stetig erweitert, aber im Anschluß an die früheren alten Gesetze und Traditionen, so daß heute die betreffenden Bestiinmungen ein Gemengsel alter Forinalitäten mit hochmodernen Rechts- begriffen bildeu. Ein Teil der Ausgaben des englischen Budgets steht fest, das heißt diese Ausgaben sind durch frühere Gesetze als permanente festgelegt und zu ihrer Deckung die Einkünfte aus besonderen Abgaben und Steuern angewiesen. Solche gesetzlich festgelegten, nicht jährlich neu zu bewilligenden Ausgaben sind: die Aufwendungen für die Verzinsung der Staatsschuld, die Zivilliste, die Richtergehalte und gewisse Gerichtserhaltungs- kosten, die Kosten des diplomatischen Dienstes usw. Die wichtigsten Ausgaben, darunter die Ausgaben für Heer und Marine, die innere Verwaltung, Wissenschaft und Schule, öffentliche Arbeiten, Justtzdienst sowie für den größten Teil des Auswärtigen Amts, das Handels- und Schatzamt, das Kolonialwesen usw. werden jährlich bewilligt. Sie werden einzeln beraten und einzeln über sie abgestimmt, darauf— gewöhnlich erst gegen Ende der Session— die bewilligten Posten in einer Etatsliste zusanunengestellt und die Appro- Priationsklausel hinzugefügt mit der Bestimmung, daß alle genannten Einnahmen ausschließlich und allein für den fest- gesetzten Zweck verwendet»verden müssen. Dann wird das dieser Art zustandegekommene Finanzgesetz, Appropriationsbill genannt, dem Parlament nochmals zur Gesa in t- abstimmung vorgelegt. Erst wenn in dieser das Gesetz die Mehrheit der Stimmen erhält, gilt das Budget als bewilligt. Natürlich findet das Budget immer eine Mehrheit; denii die Regierung ist in England bekanntlich nichts anderes a l S der Negierungsausschuß der Parlamentsmajorität. Er regiert nur so lange, als sie»vill; denn jederzeit kann sie ihn dadurch, daß sie ihm ein Mißtrauens- Votum ausstellt, zur Abdankung zivingen. Außerdem kann sie jeden Minister, der die ihm bewilligten Gelder für andere Zivecke gebraucht, als für welche das Parlament sie bestimmt hatte, zur Verantwortung ziehen. Eine Ablehnung des Budgets durch die regierende Parlamentsmehrheit wäre also inkonsequent und unsinnig; denn»venn die Regierung nichts als die Sach- walterin der herrschenden Partei im Parlament ist und ständig deren Kontrolle untersteht, so ist es ganz widersinnig, dieser Sachwalterin die Mittel zu versagen, deren sie zur Erfüllung ihrer Aufgabe bedarf. Das wäre ganz ebenso, als»vollten »vir zur Wahrung unserer Parteiinteressen einen Partei- Vorstand»vählen, diesem genau im einzelnen vor- schreiben,»vas er zu tun hat, einen ständigen Kontroll- ausschuß zur Ueberivachung seiner Arbeiten einsetzen und dann hinterher ihm doch die Mittel versagen, deren er zur Wahrung unserer Interessen bedarf. Die Abstinimung über die Appropriationsbill ist deshalb im englischen Parlament eine reine Formalität. Der Vor- sitzende stellt einfach die Frage, ob das Haus das Gesetz an- nähme,»vorauf aus den Reihen der Zustimmenden mit„Ja" geantwortet»vird. Der Vorsitzende konstafiert darauf, daß die Bill angenonunen sei— und dainit ist die Sache erledigt. Es läßt sich deshalb auch nicht fest- stellen, wie die einzelnen Parlamentsmitglieder stimmen. Nur in sehr bewegten Zeiten stellte hin und wieder die Opposition den Antrag auf Ablehnung des Budgets. Charak- teristisch ist jedoch, daß die Jrländer früher, be- sonders unter Parnells Führung, Wert darauf legten, ihre Ablehnung des Budgets zu bekunden und deshalb demonstrativ „N e i n I N e i n l" schrien, d a s i e E n g l a n d s H e r r- schast über die grüne Insel nicht als rechts- gültig betrachten. Infolge der Tatsache, daß in England die Regierung ledig- lich der gcschäftSführendc Ausschuß der Parlamentsniehrheit und das Budget nur der WillenSausdruck dieser Mehrheit ist, sind denn auch in den beiden letzten Jahrhunderten cigent- liche Budgetverweigerungen durch das englische Parlament nicht mehr vorgekommen mit Ausnahme eines nebcnsäch- lichen Falles im Jahre 1784. Als nämlich in jenem Jahre der Premierminister Pitt das englische Unterhaus aufzulösen drohte, verzögerte dieses die Beschlußfassung über die Appro- priationsbill, um daS Ministeriuin lahmzulegen. Pitt, der sich der Zustimmung des größten Teils der Wählcrmasse ziemlich sicher fühlte, löste aber trotzdem das Unterhaus auf, und die Wahlen brachten denn auch der Regierung eine ge- waltige Mehrheit, die einfach die von der Regierung inzwischen ausgegebenen Summen guthieß, in die unerledigte Appro- priationsbill aufnahm und diese genehmigte. Wäre die frühere Parlamentsmehrheit nicht von der Wählerschaft durch die Wahl desavouiert»vorden, hätte natürlich Pitt gehen müssen. Zur MgctaMtiminung. 9fn8_ Süddeutschland wird uns geschrieben: Die »Schwäbische Tagwacht" bat sich in der Debatte über die Frage der Budgetbewilligung zu Änfang ziemlich reserviert ver- halten, wozu sie wahrlich auch alle Ursache hatte. Denn gerade die schwäbischen Genossen haben durch ihr im vorigen Jahre gegebenes böses Beispiel die guten Sitten der Bayern und Badenser verdorben. Dag ihnen ihr DtZziplinbruch verhältnismäßig milde angerechnet wurde, ist dem Umstände zuzuschreiben, daß sie für ihre Abstimmung öffentlich keine Gründe angaben, sonst aber den Anschein erweckten, daß höhere politische Erwägungen ihnen ihre Stellungnahme auf- gezwungen hätte. Da zur Zeit der Bndgetabstimmung der in Stuttgart ab- zuhaltende internationale Kongreß bevorstand, so glaubte man, und glaubt heute noch, unsere Fraktion hätte sich ausschließlich von opportunistischen Erwägungen leiten lassen und deshalb für das Budget votiert, um der Regierung keinen Borwand zu geben, der Abhaltung des Kongresses Schwierigkeiten zubereiten. Eine brutale Antwort auf dieses Entgegenkommen gegen die Regierung war be- kanntlich die Ausweisung des englischen Delegierten Queich, der für einen Augenblick vergessen hatte, daß er sich nicht mehr im »perfiden Albion", sondern in der Hauptstadt des»freiesten deutschen Bundesstaats" befand. Jetzt bringt unser schwäbisches Partciblatt einen W. K. gezeichneten Artikel, aus dem hervorgeht, daß der Verfasser auch bei unseren badischen Genossen annimmt, ihr Votum für das Budget des Klassenstaates sei das Resultat„höherer politischer Erwägungen". Ganz richtig sagt er zu Anfang, daß die von der Fraktion angegebenen Gründe keine Gründe seien, weil die Anforderungen für Arbeiter und Unterbeamte in jedem Budget wiederkehrten. Mer etwas anderes sei es, wenn man die allgemeine politische Situation in Betracht ziehe. Voraussetzung ist beim Genossen W. K., daß die Abstimmung für oder gegen das Budget eine rein taktische Frage ist, die mit unserer prinzipiellen Stellung für oder wider die bürgerliche Klassengesellschaft nichts zu tun hat. Von diesem Standpunkt aus findet er, daß unsere badische Landtags- fraktion ans w a h l t a k t i s ch e n Gründen für das Budget ge- stimmt habe. Denn, so heißt es in dein Artikel, eine Verweigerung de? dies jährige nEtatsdurch unsereFraktion hätte mit großer Wahrscheinlichkeit eine Zentrums- Mehrheit im nächsten badischen Landtag zur Folge gehabt. Stimmten die Sozialdemokraten gegen das Budget, so tvar die Regierung mit der Genehmigung des Etats— schrecklich zn saaen— auf das Zentrum angewiesen. Sie könnte mit dem Finger auf die Sozialdemokraten zeigen, die sie gezwungen hätten, sich an das Zentrum zu halten! Mau sollte eine solche Argumentation bei einem Partei- blatt für unmöglich halten! Was in aller Welt geht uns das an, wenn eine Regierung auf die Zentrumshilfe angewiesen ist? Ist es die Aufgabe der sozialdemokratischen Abgeordneten in den Parlamenten. der Regierung die Hilfstruppen zu st e l l e n, nur damit sie zum Zentrum sagen kam, wir brauchen euch nicht,>vir hätten unser Budget durch die Freundlichkeit der Sozialdemokraten auch ohne euch beloilligt erhalten?! Daß unsere Stärke in der Kritik liegt und daß uns diese rücksichtslose Kritik vom proletarischen Klassen st andpunkt das Vertrauen aller Unterdrückten sichert, daran scheint der Verfasser des auffälligen Artikels nicht gedacht zu haben, als er der badischen Landtagsfraktion, um ihr zu Hilfe zu kommen, Motive unterschob, die direkt unsozialdemokratisch sind! Aber, so sagt Genosse V. X. weiter, wir müßten auch deshalb für das Budget stimmen, um den liberalen Parteien nicht einen Vor- wand zu geben, den G r o ß b l o ck abzulehnen, richtig gelesen: abzulehnen. Ja, gibt es denn einen Menschen, der auch nur einen Moment annehmen kann, die Liberalen hätten den Großblock mit uns im Jahre 1905 geschlossen zu unserem Nutzen, nach- dem wir uns Hilfe heischend an sie gewandt hatten? Nein, die Liberalen sind zu uns gekommen, weil sie uns not- wendig brauchten. Wir haben sie in der Stichwahl in zwölf Kreisen unterstützt, wovon ihnen elf Kreise zugefallen sind und nur einer durch die Unterstützung des Zentrums an die Bauern- bündler fiel i unser Gewinn betrug aus dem Stichivahlabkominen zwei Mandate. Sollte im nächsten Jahre der erste Wahlgang so ausfallen, daß wir den Liberalen nichts bieten können, oder daß eine Zentrums- konservative Mehrheit nicht mehr zn verhindern ist, so schließen die Liberalen mit uns sicherlich kein Bündnis ab. Denn dafür, daß sie sich mit uns kompromittieren, wollen sie Mandatsgewinne einstreichen. Ob wir dann in der Budgetfrage so oder so gestimmt haben, daran denkt niemand mehr in solchen Situationen I Die einmütige Ablehnung des Budgets seitens unserer badischen Landtagsfraktion hat weder die Nationalliberalen in Freiburg und Heidelberg- Land, noch das Zentrum in Karlsruhe und Lörrach abgehalten, für uns zu stinunen und uns zu Man- baten vcrholfen, die sie sich gegenseitig nicht gönnten. Durch unsere schwächliche Haltung in der Budgetfrage haben wir selbst bei unseren Gegnern kaum an Ansehen gewonnen. Aber selbst wenn dem nicht so wäre, wenn die bürgerlichen Parteien uns nicht für bündnisfähig hielten, weil wir unseren sozialdemokratischen Standpunkt zu prinzipiell vertreten, so wäre das auch ein Grund für uns, diesen prinzipiellen Ständpunkt nur um so nachdrücklicher zu vertreten I Denn sonst gerät die Partei gleich dem Liberalismus auf jene schiefe Ebene einer liebedienerischen Konzessionspolitik, auf der es kein Halten mehr gibt!_ Piuralwafflrecht in Uugaro. AuS Wien wird uns unterm 23. August geschrieben? Endlich wird auch die ungarische Wahlreform das Licht der Welt erblicken müssen: der Entwurf wird dem Reichstag unmittel- bar nach seinem Zusammentritt vorgelegt und er soll noch in diesem Jahre Gesetz werden. Zeit hat sich das Koalitionskabinett für seine erste und dringendste Aufgabe, wie sie in der Vereinbarung mit der Krone bezeichnet wurde, auf Grund welcher den Koalitionsparteien die Regierung anvertraut wurde, ausreichend gelassen. Graf An- drassy, der Wahlreformminister, hat xs zuwege gebracht, mit dem Entwurf zweieinhalb Jahre zu vertrödeln, die Reforni, die bestimmt war, das feudale Regime im Magyarenstaat an der Wurzel zu treffen, solange zu verschleppen. Die lange Zeit ist allerdings gut angewandt worden, denn nach allem was man hört, ist unter den Händen der Koalitionsieutc au� dem fruchtbaren und weittragen- den Gedanken der Fejervary und Kristoffy ein reaktionärer Wechsel- balg goivorden, der alles andere sein wird als das allgemeine und gleiche Wahlrecht, das den Völkern in Ungarn so feierlich ver- sprachen worden ist. Was das gegenwärtige Wahlrecht hervor- bringt, ist zweierlei schweres Unrecht: einesteils eine schrankenlose. ungezügelte Herrschaft des Magharcnstammes über die anderen Völker, die der Zahl nach zusammen fast die Mehrheit bilden; und die vor keiner Brutalität zurückschreckende Herrsthast einer schmalen Oberschicht über alle Klassen der Gesellschaft, d. h. also das unvcr- hüllte Junkerregime, an dem die bourgeoisen PluSmacher als Teilhaber partizipieren. Als der Kaiser» von der junker- lichen Anmaßlichkeit, die mit bürgerlichem Unabhängigkeitssinn nicht verwechselt werden darf, in seinem eigenen dynastischen Be- sitze bedrängt, durch die Fejcrvarysche Regierung die Wahlreform, von der die Herren Magyariens nie hören wollten, in den Mittel- fiüttti des staatlichen Lebens stellte, wollte et mii der Allgemeinheit und Gleichheit des politischen Rechtes die Junkerherrschaft der- Nichten; diese Wahlreform wäre ein Stück imperialistischer Politik im Innern geworden. Die Koalitionsregierung wird daraus eine Wahlreform machen, die zwar gewisse, gar zu arge Unerträglich- leiten abschafft, im Wesen den bisherigen Zustand aber unver- ändert beläßt, die Vorherrschaft der Grafen und Addvokaten also konserviert. Vor allem soll das Wahlrecht auf die des Schreibens und Lesens Kundigen beschränkt werden; es würde also,' da die Zahl der Analphabeten in dem als Hort des Fortschrittes gerühm- ten Ungarn ungemein groß ist(biS87Proz. der Bevölkerung), alles andere denn allgemein sein. Die schlimmste Verfälschung wird freilich die P Iura Ii tat sein: der Entwurf will das Plural- Wahlrecht bis zu drei Stimmen einführen, den bürgerlichen Klassen damit etwa 1% Millionen fingierte Stimmen zuwenden, was vielleicht die Hälfte aller wirklichen sein wird. Die Ein- schränkung der Wahlberechtigung und die Pluralität würden in zwei Richtungen wirken: erstens den Magyaren ein künstliches Uebergewicht schaffen und zweitens in dem agrarischen Lande zur vollständigen Erwürgung der besitzlosen Klassen führen. Nicht genug daran, soll auch die öffentliche Abstimmung erhalten bleiben, dieses ärgste Vergewaltigungsmittel und dieser Urquell der so berüchtigten ungarischen Wahltorruption; wenigstens überall dort, wo die nicht- magyarischen Wähler, die der magyarische Hochmut mit dem Sammelnamen„Nationalitäten" belegt(wogegen die Magyaren die„Nation" sind), angesiedelt sind. Das gegenwärtige ungarische Wahlsystem ist nämlich so eingerichtet, daß es im zivilisierten Europa einfach unverständlich bleibt—> fast so unverständlich wie der preußische Unsinn. Jeder Wahlbezirk, wie groß immer er auch sei, kennt nur ein einziges Wahllokal; umfaßt er, wie etwa in Budapest, noch soviel Wähler: sie müssen in einem Wahllokal abstimmen, und besteht er, wie auf dem Lande, aus zahllosen, von einander sehr entfernten Dörfern: alle Möhler müssen sich in einem Ort versammeln und in demselben Wahllokal abstimmen. Diese Abstimmung ist aber öffentlich; sie bietet also zu Er- Pressungen und Bestechungen die herrlichste Gelegenheit. Die ge- meindeweise Abstimmung soll in den nichtmagharischen Bezirken gleichfalls nur in sehr reduzierter Form bewilligt werden; die ge- Heime aber nur in den vorwiegend magyarischen Wahlkreisen. Wie also die Reform vorbereitet wird, wird sie von den Grundsätzen der Demokratie und Gerechtigkeit wenig enthalten; da sie einen reifen Reformgedanken entstellt, würde sie mehr ein Rückschritt, denn eine EntWickelung sein. Die Frage ist nun, ob der Kaiser zu dieser Reform, die von dem, waS er als königliches Reformprogramm verkündete, himmelweit verschieden ist, seine Zustimmung, ohne die die Einbringung im Reichstage unmöglich ist, geben wird. Man darf diese Frag« wirk- lich stellen, denn wenngleich Dynasten für Grundsätze der Demo- kratie sonst blutwenig übrig haben und es sie wenig berührt, wenn Grundsätze der politischen Gerechtigkeit verletzt werden,"' so steht die Sache doch hier anders. Denn die ungarische Wahlreform braucht auch die Dynastie: braucht sie als Mittel zur Erhaltung ihrer Stellung, die von der Junkerherrschaft ausgehöhlt und herad- gedrückt wird. Zwar sind die einst so protzigen Koalitionsherren nun sehr unterwürfig, und von dem frischfröhlichen Uebermut gegen- über„Wien" ist in Budapest heute blutwenig zu spüren. Aber diese Veränderung in den Kräfteverhältnissen hat nur die Furcht vor der Wahlreform bewirkt, und ist erst die Furcht gebannt, so steht Habsburg wieder dort, wo es oft stand: vor der Kapitu- lation. Wird man in der Hofburg die Situation verstehen? Viel Hoffnung besteht nicht, denn gegenüber der ewigen Jubeliererei kommen ernsthafte Erwägungen nicht auf— vorausgesetzt, daß man zu ihnen noch die individuelle Kraft besitzt. Wie die Dinge stehen, könnte nur eine kraftvolle Erhebung der Ar» beiterklasse das Schicksal wenden, das über die ungarischen Völker heranzieht und das ihnen zugedacht ist von denselben Fak- ioren, die ihre Befreiung als den rettenden„Köylgsgedankett" vor zwei Jahrxn feierlich verkündet haben. Russische Greuel. Das„Russische Bulletin" veröffentlicht ein offizielles Dokument, das einen Einblick gewährt in das„Reich der Toten", das die Zarcnreaierung für die politischen Gefangenen in Sibirien hergerichtet hat. Am 3. Juli d. I. erließ der Chef der Zwangsarbeits- anstaltcn in Rertschinsk, Oberst Sabello, folgenden Be- fehl. Nr. 2997: „Am 11. Juni d. F. reichten 17 Insassen deZ Akatujewschen Ge- sängnisses auf den Namen des ProkuratorS des Tschitaer Bezirks« gerichts ein Gesuch ein, in dem sie Klage erhoben gegen die Hätte de? GefängnisregimeS, und desgleichen dagegen, daß eS den Chefs der Gefängnisse in der NertscknnSker Katorga laut Order vom 11. Mai d. I. ad. Nr. 2952 vorgeschrieben ist, das obligatorische Singen von Gebeten nach dem Morgen- und Abendappell in die Tagesordnung der Gefangenen einzustellen. Diese Gesuche wurden vom Herrn Prokurator dem Militärgouverneur des Transbaikalgebictes übermittelt, worauf er folgende Resolution abfaßte: 1. Es gibt keine beiläufigen Rund- schreiben, sondern nur solche, die strikte befolgt werden müssen. 2. Gebete gehören überall, wo Menschen leben, zur allgemeinen inneren Ordnung. 3. Wo das Gesetz es als zulässig betrachtet, Schuldige körperlich zu züchtigen, kann das die Erleuchtung des Ge- Wissens nur fördern und stellt durchaus keine Verhöhnung des Christenmenschen dar. 4. Auf der Katorga werden keinerlei politische Parteien anerkannt und darum nicht als zulässig betrachtet. 5. Die„Freiheit" wird in der Freiheit und nicht im Zuchthaus verwirklicht, wo keine Freiheit gestattet wird. S. In der Katorga gibt es keine„Politischen", sondern bloß Arrestanten, die zur Verbannung und Zwangsarbeit verurteilt sind. 7. Jegliche „Komplikationen", die im Gesuch erwähnt sind, dürften von feiten der Administration derartige schroffe Maßregeln wachrufen, daß event. das Beten und Singen besser erscheinen dürfte. 8. Wo kein religiöser Glaube existiert, kann auch von religiöser Toleranz keine Rede sein. 9. Dem Prokuralor ist nicht das Recht verliehen, sich in die innere Ordnung der Gefängnisse ein- zumischen. 10. Wer infolge eines Staatsverbrechens ins Zuchthaus geraten ist, der sollte sich nicht auf das Allerhöchste Manifest vom 30. Oktober 1905 berufen; es wäre besser gewesen, die Wohltaten desselben vor der Gefängnishaft zu genießen. 11. Gesuche über ein strenges Regime werden von niemand aus den Reihen der höheren Administration des Gebietes und Landes berücksichtigt werden. 12. Wer einmal ins Gefängnis geraten ist, soll dessen eingedenk sein, daß er sich nicht in Freiheit befindet.— Die Beschwerde, die von den 17 Insassen des Akatujew- schen Gefängnisses, die diese Resolution gezeitigt hat, rügte entsetzliche Zustände. Ein Brief, der vor einiger Zeit in der russischen Parteiprcsse veröffentlicht wurde, gibt folgende Schilderung: „Die Stimmung ist hier furchtbar. Zusammenstöße sind un- vermeidlich. Akatuj ist jetzt ein Reich der Toten: kein Laut dringt von dort her. In Algatschi sind Blut, Leichen, Körperstrafen an der Tagesordnung.... S5ie Obrigkeit verlangte, daß man in den Zellen Gebete singen soll. Wir weigerten uns. dies zu tun. Alle werden in den Karzer geschleppt. In je einem sitzen 4—5 Personen. Vor den Karzern sino Soldaten postiert. Einige Genossen sind erkrankt. Aus dem Lazarett wurde einer in den Karzer geschleppt. Er brach einige Bretter vom Fenster ab. Der älteste Ausseher wollte ihm Handfesjelo anlegen und versetzte ihm. als u Widerstand keiftet«. einige Schläge und fährte 7 Kondoisoldaten ekn: dk Exekutlon üe« gann. Alle Gefangene sind gefesselt. Der Direktor drohte, alle durchpeitschen zu lassen." Uebrigens sind die Zustände in den Gefängnissen des europäischen Rußlands nicht besser. Eine Liste, zusammen- gestellt aus den Notizen der russischen Presse in der letzten Woche des Juli und der ersten Augustwoche zeigt, daß kaum ein Tag vergeht, da nicht irgendwo der Hungerstreik be- gönnen wird, Gefangene hingemordet werden, Selbstmordversuche unter den Gefangenen stattfinden oder Gefängnisepidemien ausbrechen. Selbst während der finstersten Reaktion unter Alexander III. waren die ustände nicht so entsetzlich, wie unter dem„konstitutionellen" ikolaus II. Nach dem bekannten Rundschreiben des Chefs der Hauptgefängnisverwaltung Kurlow sind die Er- mordungen von Gefangenen an der Tagesordnung. Im Luk- jano-Gefängnisse zu Kiew wurden hier von den Schildwachcn ohne jeden Anlaß ermordet: Ende Februar der Bauer Abram Jndyk(Mitglied der sozialrevolutionären Partei), 28. Febr.— der Student Jossilcwitsch(Sozialdemokrat), 29. März— der Student Spiridon Schul und Fräul. Perlmann, 11. Juni— Rabinowitsch(Bundist), 23. Juni— Fräulein Schemigonow. Im Verlaufe von vier Monaten also sechs Ermordete. Was Wunder, wenn die Gefangenen, anstatt einzeln hingeschlachtet zu werden oder dem Wahnsinn oder Gefängnisepidemien zum Opfer zu fallen, es vorziehen, entweder ihrem Leben frei- willig ein Ende zu machen oder— auf die Gefahr hin, im ungleichen Kampfe zu fallen— gewaltsame Flucht- versuche zu unternehmen. Zuweilen gelingen dieselben auch, meist schlagen sie aber fehl und enden mit Metzeleien, die zahlreiche Opfer fordern. Es ist noch in aller Erinnerung, wie die Zarenschcrgcn bei der Unterdrückung der„Gefängnis- unruhen" in Jekaterinoslaw hausten, wo 40 Gefangene getötet und 33 verwundet wurden. Biese Metzelei ist charakteristisch für die Haltung der Admintsiratton, die aus den blut- getränkten Instruktionen des Chef« der Hauptgefängnisverwckl- tung Kurlow die logischen Schlüff« zieht. Sie tut das um so bereitwilliger, als auch das Haupt der Petersburger Regierung Stolypin durch den Danl, den er den Henkern in Jekaterinos- lalv für ihre„brave Haltung" ausdrückte, den Beweis er- brachte, daß er die grauenhasten Zustände in den Gesang- nissen« die Meuchelmorde und Metzeleien vollauf billigt. poUtifcbe Qebcrficbt. Berlin, den 25. August 1908, Erhöhung der Brausteuer? Wie das„Berk. Tageblatt" von unterrichteter Sekte erfähtt. sind durch die Zollbehörden Erhebungen eingelcitet-worden über die Bierpreise in den Schank statten und den R o h n u tz e n, welchen die Berkäufer erzielen. ES sollen die Schankstätten in drei Gattungen unterschieden werben, und zwar solche, in denen die oberen Gesellschaftsllassen Verkehren, femer solche, wo Bürger und Geschäftsleute vorwiegend sich aufhalten, und drittens solche. welche für Handwerker, Arbeiter und die unteren Bevölkerung�- klassen bestimmt sind. ES waren bereits vor zwei Jahren ähnliche Ermittelungen angeordnet und von den Reichs- bevollmächtigten für Zölle und Steuern ausgeführt worden. Diese hatten jedoch das Ergebnis, daß der Rohnutzen der Lerlänfer vielfach ein exorbitanter genannt werden konnte, besonders im Hin» blick auf die weit niedrigeren Verkaufspreise in Bayern trotz der bedeutend höheren Steuer. ES wurden daher im Reichstage von einigen Abgeordneten Zweifel über die Richtigkeit der Ermittelungen erhoben und die Folge davon war, daß sie in noch größerem Um- fange allgemein durch die Organe der Zollverwaltung angeordnet wurden. Diese Ermittelungen sind bis zum Schlüsse des Monats August dem Reichskanzler(Reichsschatzamt) einzureichen. Demnach befindet sich auch eine weitere Belastung deS Vieres unter den Sieuerplänen des Herrn Sydow.— Folgen der Polizcimastnahmen. Heute fand in Magdeburg eine von über 5000 Personen be- suchte Versammlung statt. Der Saal konnte die Scharen nicht fassen und mußten deswegen noch Tausende im Garten verbleiben. Nachdem der Referent— Rechtsanwalt Landsberg— über die Verfolgungen, die die Magdeburger Polizei in den letzten Jahr- zehnten gegen die Arbeiter ausgeübt hat, gesprochen hatte, wurde — laut Beschluß der Versammlung— die Versammlung in den Garten verlegt, die bei nächtlicher Beleuchtung einen sin- posanten Eindruck bei allen Teilnehmern hinterließ. Es wurde eine Euirüstungsresolution angenommen, in der sich die Versammelten einmütig verpflichten, für die Stärkung der politischen Organisation der Sozialdemokratie einzutreten, um sie gegen alle gegenwärtigen und zukünftigen Willküralte der Polizei widerstandsfähig zu machen. Die Versammlung war, wie alte Parteigenossen sagen, die größte seit vielen Jahren; man kann sich nur erinnern, daß eine Ver- sammlung, in der August Bebel gesprochen hatte, ein« ähnliche Be- sucherzahl aufweisen konnte. Die Entrüstung über das Vorgehen der Polizei ist so allgemein, daß schon jetzt eine große Anzahl von Mitgliedern für den sozialdemolratischen Verein neu gewonnen ist; diese soll noch vermehrt werden durch ein« nächster Tage einsetzende Hausagitation für die Partei.— „Reichslügenverband". Dieser Tage berichtete die Presse, daß in Hannover einige unserer Parteigenossen verurteilt worden sind, weil sie einer Ord» nungsstütze nachgesagt haben, daß er Mitglied des„Reichs- lügenverbandes" sei. Auf den angebotenen Wahrheits- beweis dafür, daß der Rcichsvcrband gegen die Sozialdemokratie haarsträubende Lügen verbreitet, ließ das Gericht sich nach dem Wortlaut des Berichts deshalb nicht ein, weil ja nicht nach- zuweisen sei, daß der Reichsverband wissentlich die Un- Wahrheit gesagt habe. Eine derartige Begründung mag etwas für sich haben, wenn man sich auf den von der neudeutschen Rechtsprechung ja zuweilen für angebracht gehaltenen Standpunkt stellen will, daß es bei der Prüfung des Wahrheitsbeweises darauf ankomme, vom Angeklagten das Unmögliche zu verlangen, nämlich daraus, daß in diesem Falle der notorisch mit den schimpflichen Mitteln der Lüge und Verleumdung operierende Reichsverband sich etwa vor den Richter- tisch hinstelle und eidlich bekräftige, was zwar alle Welt weiß, was er selber aber bei der Strafe der Vernichtung seiner Existenz nicht zugeben darf. Der Reichsverband wird sich hüten und gerichts. notorisch seine eigene Schanoe bekunden, mag sie auch in Wirklich- keit noch so offenkundig sein. Vielmehr wird er mit der un- schuldigsten Miene von der Welt erklären, er habe selbst die haar- st raubend st en, unsinnig st en Lügen über die Sozial- demokrarie stets und ständig verbreitet in der Ueberzeugung, daß sie lauteres Gold seien. Stellt man sich aber auf den vernunftgemäßen Standpunkt. den z. V. das Schöffengericht in Kassel eingenommen hat, als es am 2. Juni 1908 in einer ähnlichen von Reichsvcrbändkern an- gestrengten Klage den Redakteur des dortigen„Volksblatt" freisprach, so wird der Aichtee einsetzen, daß es kaum etwas Leichtere Z auf dir Welk gibt, als den Wahrhcits» beweis dafür zu erbringen, daß der Reichsverband im Kampf gegen die Sozialdemokratie mit vollem Bewußt- sein lügt und verleumdet. Es ist notorisch und vom Reichsverband bei verschiedenen Gc- lcgenheiten zugegeben worden, daß er die sozialdemokratische Presse sehr genau liest. Daher muß er dann auch in dem Falle, daß er keine Idioten als Angestellte hat, davon unterrichtet sein, wenn sozialdemokratische Blätter ihm an Einzelfällen seine Lügen- hastigkeit nachweisen. In einem seiner Flugblätter schreibt der Rcichsverband, daß die Sozialdemokratie Ehe und Familie beseitigen, die Religion ausrotten, dem deutschen Volke das Vater- land nehmen wollen, daß sie den Meineid empfehlen, und was dergleichen Unsinn mehr ist. Der Rcichsverband weiß und mutz Witzen, daß derartige Verleumdungen nicht nur von der svzialdeni akratischen Presse, sondern selbst von detn anständigen Teil der G e g n e r unserer Partei auf das b ü n d i g st e widerlegt worden sind. Das hindert den Reichsverband aber nicht im geringsten, diese Verleuindungen imm-r und immer wieder von neuem aufzutischen. Kam doch die„Neichsverbairdskorrespon- denz" Nr.'20 erst vor wenigen Wochen wieder mit der Mein- e i d s l ü g e angetrabt. Sehen wir aber selbst von allgemeinen Lügenwendungen ab und beschränken uns auf ganz konkrete Fälle, so ist auch dann spielend leicht der Nachweis zu erbringen, daß der Reichsverband Tatsachen als richtig hinstellt, trotzdem er von ihrer Unrichtigkeit überzeugt sein muß. Ein Beispiel für viele. In Nr. 21 dieses Jahrganges übte die„Reichsverbands. korrespondenz" den vielbeliebten Kniff, von sozialdemokratischer Finanzmihwirtschaft in Offenbach a. M. zu faseln. Sie schrieb u. a.:„Die Finanzoperationen der sozialdemokratischen Schatz. mcister verdienen aber einmal recht beleuchtet zu werden. Die Verbrauchsabgabe an Fleisch brachte der Stadt bisher z. B. 130000 M. Einnahme. Mit stadtväterlicher Huld haben die Genossen die Aufhebung dieser Verbrauchsabgabe beschlossen." Da die Redaktion der„Reichsverbandskorrespondenz" die sozialdemokratische Presse sehr genau verfolgt, mutzte sie wissen, daß es sich um eine Verleumdung handelt, die bereits am 4. Sep- tember 1907 von dem Organ des Reichskanzlers v. Bülow, der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung", verbreitet und auf der Stelle in den sozialdemokratischen Blättern auf das bündigste abgefertigt worden ist. Damals wies unsere Presse darauf hin, daß der Beschluß aus Llufhcbung des Oktrois erstens einstimmig von der Stadtver- ordnetenversammlung in Offenbach a. M. gesaßt wurde, daß also auch die nationalliberalen Stadtväter sich dafür er- klärt hatten. Dann wies unsere Presse nach, daß dieser Beschluß in Ausführung des§ 13 des Zolltarifgesetzes für das Deutsche Reich gefaßt wurde, wonach ein Oktroi auf Lebensmittel vom 1. April 1910 ab ohnedies nicht mehr von Ge- meinden erhoben werden darf. Ebenfalls wies unsere Presse nach, daß am 1. April 1890 unter„reichstreuer" Jdealwirt- schaft, als noch kein Sozialdemokrat die Stadtverordnetenversamm- lung verunzierte, auf jeden Einwohner Offcnbachs eine reine Schuldenlast von 21,17 M. kam, wohingegen die„sozialdeino- kvatische Mißwirtschaft" es am 1. April 1900 dahin gebracht hatte, daß auf jeden Ejnwohner ein reines Vermögen von 122,84 M. entfiel. Das alles hatte die sozialdemokratische Presse den Verleum- düngen der Norddeutschen Allgemeinen gegenüber schon im Sep- tember 1907 so deutlich dargelegt, daß eS dem Reichsverband gar nicht entgangen sein konnte. Und trotzdem tischte seine Korrespondenz die Lügen von damals im Juni 19 08 skrupellos von neuem auf. Ein Nichter, der den Beweis für die hier angeführten Tat- fachen überhaupt zuläßt, mutz, ganz gleich, ob er der Sozialdemo- kratie objektiv oder feindlich gegenübersteht, ohne weiteres zu der Ueberzeugung kommen, daß ein Mensch von Gesittung gar keiye andere Bezeichnung für den Rcichsverband gegen die Sozial- deinokratie übrig haben kann als die des R e i ch S l ü g e n v e r- band es.—_ Was geht in Dentsch-Ostafrika vor? Wir haben über die Unruhen in Turu und Jyambi bereits berichtet. Sonderbar ist nun, daß bisher über diesen Borfall nichts weiter verlautbart wurde. Weder über die Ursachen der Unruhen, noch darüber, ob nunmehr jede Gefahr beseitigt ist. Daß die schnelle Justiz, die an zwei«Großzauberern' geübt wurde, indem man sie kurzerhand aufhängte, beruhigend gewirkt hat, ist nicht wohl an- zunehinen. Selbst die„Hamburger Nachrichten" äußern ihr Be- fremden in folgenden Sätzen: „Die Unruhen in den Gebieten von Turu und Jyambi werden nun in einein Telegramm des Gouverneurs, der sich dazu allerdings erst auf telegraphjsche Anweisung aus Berlin herbeiließ, als„nicht schwerwiegend" bezeichnet, und es wird weiter gesagt, daß sie ohne„Kampf im Keime erstickt' seien. Zwei Großzauberer seien hingerichtet, achtzehn verhaftet worden. Diesen Angaben widerspricht sofort der nächste Satz des offiziellen TelegraminSI«Die Truppen- abteilnngen bleiben vorläufig in jenem Gebiete, bis die Ruhe gänzlich wiederhergestellt ist." Was ist nun richtig? Ist der Auf- stand schon„im Keime erstickt' oder muß die Ruhe noch„gänzlich wiederhergestellt" werden? Es ist ganz unmöglich, daß der Auf- stand schon ganz unterdrückt ist, denn dann ließe der Gouverneur sicher nicht rund 300 Wann«vorläufig i» jenem Gebiete".—• Die Führer des katholischen Volkes. Die Zenirumspresse veröffentlicht die Namen der Mitglieder des in Düsseldorf ncugewählten Zentralkomitees der Katholikentage. Unter den 24 Mitgliedern befindet sich ein Fürst, drei Grafen, ein Baron, sieben höhere Geistliche, ebensoviel Journalisten, dann eine Anzahl Industrielle— aber kein Arbeiter, nicht einmal ein Bauer oder Handlverker. Die Arbeiter sind gut genug, den Katholikentagen die Massen zu stellen, an den klerikalen Größen vorbei zu defilieren aber mitzureden haben sie nicht.— Aufgehobenes Zeugniszwangsverfahren. Wie die„Frankfurter Zeitung" meldet, ist die in dem bekannten Zeugniszwangsverfahren festgesetzte Geldstrafe von 60 Mark auf- gehoben und gleichzeitig das Verfahre» eingestellt worden. Der Freisinn und die Wahlrechtöbewegung in Preusien. Der zur Freisinnigen Vereinigung gehörende Abgeordnete Pott- hoff hat zur Wahlrechtsrcform in Waldcck ein Flugblatt heraus- gegeben, in welchem es wörllich heißt: „Die Hoffnungen auf eine kräftige WahlrcchtSbewegung in Preußen, die man an die jüngste Landtagswahl knüpfte,' sind arg rnttänscht worden. Außer der Sozialdemokratie hat nur ein kleiner Teil des Bürgertums(vor allem die vom Freisinn abgelöste neue Gruppe der Demokralischen Vereinigung) die Wahlrechtsfrage in den Mittelpunkt des Wahlkampscs gestellt. Im übrigen ist eine ein- heitliche Schlachtlinie der Freunde eines guten Wahlrechts nicht zustande gekommen. Vielmehr haben die verschiedenen Parteien m der Angst um einige Mandate widerspruchsvolle und zum Teil geradezu schmachvolle Kompromisse mit ihren schlimmsten Gegnern abgeschlossen." In sreisiunigen Kreisen ist man natürlich wütend auf Potthoff, weil er so rücksichtslos die Verlotterung im Freisinuslager aufdeckt, aber der Aerger beweist nur. daß er mit seiner Kritik nur zu recht hat..—_ Ter Flensburg er Wahlskaudal. Ter freisinnige Landtagsabgeordnete Dr. DuuS-FlenZburg, den die freisinnnigen und agrarischen Wahlmänner gemeinsam gegen den bisherigen natioikalliberaken Vertreter, Prof. Metger, am 16. Juni wählten, hat, wie aus Kiel gemeldet wird, gegen den Vorsitzenden des Ausschusses des Provinzialverbandes der nationalliberalen Partei Schleswig-Holsteins und Lübecks, Justizrat Schirren-Kiel, bei der Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige ivegen Beleidigung eingereicht. Schirren hatte Ende Juni die Akten der national- liberalen Parteileitung Schleswig-Holsteins über die FleuSbnrger Wahl veröffentlicht und erklärt, daß es für ihn keinem Zweifel unterliege, daß die linkslibcrale Parteileitung von Dr. Duus ab- sichtlich irregeführt und getäuscht und ohne deren Wissen zum Heiser seines Vorgehens gemacht worden sei.— Oeftermeb. Zusammenstöße zwischen Deutschen and Tscheche«. Am Abend des Freitag kam es in Gablonz zu Zusammen- stoßen zwischen Deutschen und Tschechen, welche sehr ernste Formen annahmen und bis spät in die Nacht andauerten. Die Tschechen promenierten in der Hauptstraße. Darauf sammelten sich etwa tausend Mann der deutschen Jungmanuschaft auf der Straße an, wobei es zwischen diesen und den Tschechen zu ernsten Reibereien kam, in deren Verlauf die Tschechen mit Stöcken auf die Deutschen los- schlugen. Daraufhin gingen auch die Deutschen zur Abwehr über und die Schlägereien nahmen nach und nach derart ernste Formen an. daß die Polizei mit aller Energie einschreiten und die Menge zerstreuen wollte. Da jedoch die Menge inzwischen auf mehr als zweitausend Personen angewachsen war, konnte die Polizei nicht mehr der Lage Herr werden und sah sich genötigt, sämtliche Gassen der inneren Stadt abzusperren. Mehrere Tschechen wurden verhaftet und bei ihnen Steine und andere Wurfgeschosse vorgefunden. Später kam eS vor dem Gasthause, in welchem die tschechischen Vereine ihr Heim haben, zu neuerlichen Zusammenstößen, worauf auch die Straße, in welcher sich dieses Gasthaus befindet, von der Polizei abgesperrt wurde. Erst in später Nachtstunde gelang eS den Bemühungen der Polizei, die Ruhe wieder herzustellen.— vlngarn. Rcgierungshetze gegen das KoalitionLrecht der Eisenbahner. Der Handelsmiuister Kossuth hat einen Erlaß gegen den Ver« band der Eisenbahnarbeiter herausgegeben, der die Zerstörung dieser Organisation zum Zweck hat. Der Erlaß erklärt: 1. Es seien in den Verband statutenwidrig Mitglieder aufgenommen worden, die nicht Eijenbahnarbeiter, sondern Arbeiter der Staatsbahn- Maschinenfabrik sind. 2. Es seien Personen Funktionäre, ohne Eisenbahnarbeitcr zu sein.(Es sind das gemaßregelte Eisen- bahner.) 3. Es werde den Mitgliedern das Fachblatt«Der ungarische Eisenbahner' zugeschickt, der sich mit der Richtung identifiziert, die systematisch gegen die Unternehmer hetzt. 4. Es nehmen an den Sitzungen des Verhandes«fremde Elemente' teil. die die Beschlüsse beeinflussen. Kossuth erteilt dem Ober- inspektorat der Eisenbahnen folgende Weisungen: Die Sektion der Arbeiter der Staatsbahnmaschinenfabrik ist aufzulösen und der Ver- band hat die von de» Mitgliedern vom Beginn ihrer Mitg lied- schaft an gezahlten Beiträge innerhalb eines Monats bei der Fabriksdirektion zu erlegen. Die Bestellung von Nicht- eisenbahnern zu Funktionären ist untersagt. Die Verein« barnng mit dem Fachblatt ist aufzulösen und ein Fachblatt herauszugeben, dessen Richtung vom Ministerium streng zu überwachen ist. Binnen zivei Wochen ist ein Ver- zeichnis sämtlicher Mitglieder vorzulegen. Den Sitzungen dürfen nur Mitglieder beiwohnen. Erscheint ein Nichtmitglied, ist die Sitzung sofort' aufzulösen und die Bcschlüste sind ungültig. Sollten diese Verfügungen nicht pünktlich befolgt werden, wird der Verband aufgelöst. Die Privat- bahnen werden aufgefordert, Angestellte, die.Hetzen", wenn sie definitiv sind, in Disziplinaruntersuchung zu ziehen, und wenn sie nicht definitiv sind, unverzüglich zu ent- lassen.— Rußland. Eine Arbeiterdemonstration in Petersburg. Eine ungeheure Menge von Arbeitern versammelte sich am 19. August, 6 Uhr nachmittags, auf dem Preobraschensky-Friedhof vor den Massengräbern der Opfer des Blutsonntags. Es wurden einige Reden gehalten und hierauf revolutionäre Lieder gesungen. Inzwischen rückten starke Trupps von Polizisten zu Fuß und zu Pferde an, die die Mengr zerstreuten. ES wurden einige Ver- hastungen borgenommen. Cüi-kd. Eine„Strafe GotteS". In den jungtürkischen Kreisen ist man wegen deS Brandes in S t a m b u I höchst beunruhigt, da die Alttürlcn die Version ver- breiten, dieser Brand sei eine Strafe Gottes wegen der Reform» belvegung._ Zurückziehung der europäischen Gendarmerieoffizlere ails Mazedonien. Außer den österreichisch-ungarischen Offizieren de? WilajetS Koffowo, die bekanntlich teils beurlaubt, teils nach Uesküb ein- berufen worden find, sind auch die russischen und f r a n- zösischen Gendarinerieoffiziere in die Hauptorte ihrer Bezirke Saloniki und Serres berufen worden. Teils sind sie bereits beurlaubt, teils werden sie beurlaubt werden. Die gleiche Maßregel ist auch von italienischer und englischer Seite beantragt. Ihre Ausführung wird für die nächsten Tage erwartet. Tie Eiuberiisuug der ösierreichisch-ungarischen Offiziere nach Uesküb beziv. ihre teilweise Beurlaubung machte bei der Pforte und in den Kreisen der Jungtürken einen ausgezeichneten Eindruck. Es liegen viele Danlesäußerungen vor. jMarobko. Der Triumph Mulay HafidS. Aus allen Hafenstädten des Landes liegen Meldungen vor, daß die Beamten Mulay Hafid als legitimen Nachfolger deS Sultans Abdul Asis anerkennen.—________ Hus der Partei. Zum Parteitag. Ein Widerspruch aus Baden. Der Genosse Kolb war im Irrtum, als er in seinem„Volks» freund'-Artikel behauptete, die Mehrheit der badischcn Kammer- fraktion finde mit ihrem Verhalten in der B u d ge t b e w i l l i- gungssrage keinen Tadel unter der badischen Parteigenossenschaft. Am Sonntag protestierte in Kehl dje Wahl» i r e i s l o n f e r e n z des 7. Reichstagswahlkreises entschieden gegen die neue parlamentarische Taktik und gegen die gehässige Polemik des„Vollsfreuno". Die Konferenz würde unter normalen Ver, Hältnissen aus die Entsendung eines Delegierten nach Nürnberg verzichtet haben; jetzt aber hielt sie es einstimmig für nötig, dem Genossen F. Kiesling das Mandat zu erteilen, um durch sein Votum aus dem Parteitag erkennen zu lassen, daß in der badisa;en Parteigenossenschast nicht alle am Karren des Kolbschen Rcvisionis- mus ziehen. Die mit Mehrheit beschlossenen Resolutionen lauten: „Die Konserenz erblickt in der Budgetbewilligung der sozial- demokratischen Landtagsfraktion einen Verstoß gegen den Be- schluß des Lübecker Parteitags und erlvartet vom Nürnberger Parteitag Vorkehrungen, welche solche Verstöße in Zukunft un- möglich inachen. Tie aufs schärfste zu verurteilende Geheimnis- trämerei des Badischen Landesvorstandes betrachtet die Konferenz. Als gegen das denrokrgtische Prinzip verstoßend.' Sie tadelt die boreilige KäMmerberichiersiakkuitg deS Abg. Kolb und das Verhalten der„Volksfrcund'-Redaktion; dee Landcsvorstand wird beauftragt, dahin zu wirken, daß die Redak» tion des„Vvlkssreund" durch wirklich geeignete Genossen vcrboll- ständigt wird." Der zweite Absatz der Resolution bezieht sich auf eine„vor« eilige" Besprechung einer Kammerverhandlung durch den„Volks- freund". Es war darin mitgeteilt, daß Genosse Kolb den Stand» Punkt der Sozialdemokratie in einer Rede bei der Frage der Lehrer« gehälter vertreten habe. In Wirklichkeit hatte dieser TageSord-- nungspunkt indes Zeitmangels wegen, vertagt werden müssen. » BudgetbewillionngS-Billigungen in Bayern. Parteiversammlungen in Fürth, Regens bürg und München haben auf die Berichte der sozialdemokrakischen Land- tagsabgeordneten hin die Budgetbewilligung gebilligt. In Fürth erklärte Genosse Abg. Segitz u. a.: Der besondere Fall der Lübecker Resolution sei nach Ansicht der Fraktion durch die zahl- reichen Verbcsserungen gegeben gewesen, die sie im Etat durchgesetzt habe, durch die Gewährung der staatsbürgerlichen Gleichheit für bis Sozialdemokratie, des Koalitionsrechts für die Staatsarbeitcr, die Verbesserung des Kommunalwahlrechts n. a. m. Durch die bisherige Haltung sei die Fraktion um den gan- zen Erfolg ihrer politischen Arbeit gebracht worden— die Gegner hätten die Ablehnung des Budgets in der raffiniertesten Weise ausgenützt. � In der Diskussion sprach Genosse E i s n e r- Nürnberg. Ev befürchtet parteischädigende Debatten auf dem Parteitag, die nichts nützen würden, da die süddeutschen Partei« genossen sich doch die Entscheidung von Fall zu Fall vorbehalten müßten. Die Ablehnung des Etats in Preußen und im Reich sei selbstverständlich. Als Muster stellte EiSner die österreichischen Genossen hin, die nach ihrem großen Siege sich nicht gestritten hätten, wie die deutschen 1903 in Dresden, ob sie einen Vizepräsidenten stellen sollten, sondern den Posten ein- fach angenommen hätten. Die Neigung zu unfruchtbaren Streitig- leiten sei eine innere Schwäche der Partei; wenn sie mehr zu arbeiten hätte, würde sie sich nicht mit solchem Krimskram befassen. Wer aus Preußen komme, der habe ein Gefühl, ob es sich denn überhaupt noch verlohne, Politik zu treiben. Immer auf die Zu» kunft vertrösten, befriedige keinen Politiker, er verlange auch das Brot der Gegenwart. Was die bayerische Fraktion in den elf Monaten erreicht habe, sei mehr, als was in Norddeutschland in Jahrzehnten erreicht werde. Er betrachte die Abstimmung nicht als ein Vertrauensvotum für Regierung und bürgerliche Parteien, sondern als Anerkennung unserer wachsenden Macht.— Genosse Mirsberger begrüßte die Abstimmung. Er habe schon lange die Erfahrung gemacht, daß die frühere Haltung der Fraktion uns bei der Agitation schwer geschadet habe. Nur in einem Punkte müsse er den norddeutschen Genossen recht geben: eS sei falsch, daß man die Sache so geheim be- handelt und zu der Konferenz der Landtagsfraltionen nicht einen Vertreter des Parteivorstandes eingeladen habe. Wenn das geschehen wäre, so wäre auch der Skandal vermieden worden. Die Resolution» die einstimmig angenommen wurde» lautet: „Die Versammlung ist mit der Tätigkeit der sozialdemokra» tischen Fraktion im bayerischen Landtage nach jeder Richtung hin einverstanden. Die Versammlung erkennt an, daß die wichtigen Beschlüsse, welche der Landtag in der abgelaufenen Session bezüglich der Gehaltsaufbesserung der Beamten und Lehrer gefaßt hat, der außergewöhnliche Aufwand für die Ar- beiter im Staatsbetriebe, der Proporz für die Gemeindewahlen, der Ausbau der Wasserkräfte des Landes, Beschlüsse, die zum Teil auf die Initiative der sozialdemokratischen Abgeordneten zurück- Zuführen oder mindestens unter ihrer Mitwirkung zustande gc- ommen sind, insbesondere aber die Anerkennung der vollen staatsbürgerlichen Gleichberechtigung die Voraussetzungen ent- halten, welche nach dem Beschlüsse des Lübecker Parteitages die Zustimmung zum Finanzgesetz rechtfertigen. Die Versammlung billigt deshalb die Abstimmung der sozial«.. demokratischen Abgeordneten über das Finanzgesctz vollauf." In RegeniSburg erklärte eine Parteiversammlung nach einem Vortrage des Parteisekretärs Walter- Nürnberg ein- st i m m i g ihre Zustimmung zu dem Verhalten der sozialdemokra- tischen Landtagsfraktion, die durchaus logisch und konsequent gc- handelt habe. Das Land befinde sich— dank der Energie und Tat- kraft der Partei—.in ständigem politischen Fortschritt, und wenn die Genossen in der Endak stimmung gegen das Finanzgesetz gestimmt hätten, so hätte das im Lande einfach niemand verstanden. EL handele sich um kein Vertrauensvotum für die Regierung, aber man müsse im parlamentarischen Leben praktische politische Arbeit leisten können, wenn man bestimmenden Einfluß aus dio Geschicke deS Landes gewinnen wolle. Lebhaft zu bedauern sei die Art der Diskussion, die sich aus diesen Fragen entsponnen habe und die nur den Gegnern willkommenes Material biete. Man solle sich bemühen, den Auseinanbersetzungen einen kanreradschaft- lichen Ton zu geben. Ja München referierten die Abgeordneten Timm und M ü l l e r. Letzterer konstatierte ausdrücklich, daß die Zustimmung zum Budget in erster Linie wicht von d e n A k a d e m i k e r n der Fraktion, sondern von den Arbeitern angeregt und sehr nachdrücklich befürwortet worden ist. Die Rechtfertigung der Abstimmung der Fraktion fand bei der Versammlung leb- h a f t e n B e i f a l l. In der Diskussion, in der sich keine Gegner zum Wort meldeten, wurde erklärt, es hätte eine scharfe Kopfwäsche für dre Fraktion gegeben, wenn sie diesmal nicht dem Budget zugestimmt hätte. Gegen 6 Stimmen wurde schließlich eine Resolution angenommen, die den sozialdemokratischen LandtagSabgeordncten die volle Anerkennung für ihre Tätigkeit während der Landtags- scssion ausspricht. Die Versammlung begrüßt es, daß die Mün- chcner sozialdemokratischen Abgeordnete» unter strenger Be- achtung-der sozialdemokratischen Prinzipien das Interesse ihrer Wähler, der Gesamtpartei und des werktätigen Volkes wirksam, nachdrücklich und erfolgreich vertreten haben. In der Zustimmung zum Budget sieht die Versammlung die logische Konsequenz der Arbeit der sozialdemokratischen Abgeordneten. Die zwingenden, besonderen Gründe seien ge- gebe», die gemäß des Lübecker Parteiwgsbeschlusses eine An« nähme des Budgets vollauf rechtfertigen. Die Generalversammlung der Organisasion des Wahlkreises Z n l l i cha u- C rjo s se n � S ch w i e b u s delegierte den Kandi- datcn des 5lrerses, den Genossen G raucr-Berlin. Die Frauen des Kreises werden noch in besov�reu Versammlung über ein« eventuelle Delegation beschließen. BildungSlcstrebunge». Der BildungSanSschnß in Gera wird einen ständigen Unterrichtskörper ins Leben rufen. Im kommenden Winterhalbjahr werden unterrichten: Genosse Drechsler: Naturwissenschaft, Genosse F r ä n k e l: Sozialgesetzgebung,«�und Genosse Leven: Die politischen Parteien in Deutschland. Der Kursus wird voraussichtlich am 12. Oktober beginnen und Mitte März 1909 beendet sein. ES sind wöchentlich 3 Siunde» vorgesehen. Jeder Teilnehmer soll in der Regel nur an einem der vor« gesehenen Fächer teilnehmen; Ausnahmen sind nur im EinverstäudniS niit den Lehrern und dem Bildungsausschuß zulässig. Für den zirka 15 bis 20 Stunden dauernden Kursus ist im voraus eme Mark zu entrichten. Mehr als 50 Personen köinien an einem Abend nicht teilnehmen. Auch jugendliche Mitglieder der Gewerkschaften sind zu den Kursen zugelassen. Ueber Zulassung der eingegangenen Meldungen entscheidet der Bildmigöausschuß endgültig. Lehr- büchcr. die votloendig find, stellt der BildmigZauSschuß zur Per» lügung. LllS den OtsonlfaHitten. Die Generalversammlung der Organisation des Wahlkreises Z kl l l i ch a u» K r o s s e n- S ch w i e b u s, die mit 85 Delegierten beschickt war, zeigte einen erfreulichen Fortschritt im Parteileben. Die insgesamt 80 Versammlungen führten der Organisation 131 männliche und 53 weibliche Mitglieder neu zu. 72 neue Abonnenten der„Märkischen Volksstimme" wurden gewonnen. Die Landtags- Wahl brachte zum erstenmal sozialdemokratische Wahlmänner und zwar 22 bei ��sozialdemokratischen Urwählerstimmen. 2 Versamm- lungslokale auf dem flachen Lande vermehren die verfügbaren Lokale im Kreise auf 6 Säle. In Sommerfeld, SchlviebuS und Leitersdorf sind Auskunftsstellen errichtet. 1274 M. Einnahme stehen 985 M. Ausgabe gegenüber. Zum Vorort wurde wiederum SchwiebuS.bestimmt und der Kreisvorstand wiedergewählt. Die Beiträge der Frauen wurden, vorbehaltlich der Beschlüsse der Pro- vinzialkonferenz auf 15 Pf. festgesetzt. Zur Proviuzialkonferenz ent- sendet der Kreis die Genossen S ch u Iz- Schwiebus. Schulze- Sommerfeld und W a l t e r- Züllichau. Eue Induftrie und Ftandel. Der Arbeitsmarkt im Juli. Das amtliche.Reichsarbeitsblatt" veröffentlicht folgende Schilde- r«ng des deutschen Arbeitsmarktes im Juli des Jahres: Die Gesamtlage des Arbeitsmarktes zeigte im Juli keine er- hebliche Veränderung gegen den Vormonat. Es machten sich die bekannten Saisoneinflüffe geltend Landwirtschaftliche Arbeiten, Bädersaison, Stille im Buchdruckgewerbe); im übrigen zeigte der Kohlenbergbau ziemlich gleichmäßige und günstige Be- schäftigung, nur aus dem Saarbezirk'wird von einem Rück- gang der Anforderungen der Großindustrie berichtet. Auch der Braunkohlenbergbau und die Brikettindustrie hatten gut zu tun. In der Roheisenindustrie zeigt sich immer noch Zurückhaltung der Ab- nehmer, die zum Teil durch die Unsicherheit über die Ver- längerung des Roheisensyndikats beeinflußt wird. In der Eisen- aießerei lvaren die süddeutschen Werke meist zufriedenstellend be- schäftigt, wogegen der Bestand an Aufträgen bei den nord- und mitteldeutschen Werken mäßig war. In der Beschäftigung der Stahl- und Walzwerke hat sich im Juli nichts geändert, sie hielt sich auf einem mittleren Niveau. Der allgemeine Maschinen- bau war im allgemeinen zufriedenstellend beschäftigt, ebenso der Lokomotivenbau und der Eisenbahuwagenbau. Die Lage der elektrischen Industrie war unverändert günstig. Im Baugewerbe hielt sich die Beschäftigung auf der Höhe des Vormonats! eine weitere Verschlechterung trat ein in fast allen Zweigen der Textilindustrie, so daß sich in dieser Industrie nicht unerhebliche Betriebseinschränkungen erforderlich machten. Ebenso war auch die Konfektion nur mäßig beschäftigt, wogegen die Putzfeder- und künstliche Blumenindustrie viel zu tun hatten. Die chemische Großindustrie zeigte in den meisten Zweigen nach wie vor günstige Verhältnisse! eine Besserung zeigte in diesem Monat auch die Spielwarenindustrie im Zusammenhang mit der Saison. Die Binnenschiffahrt wurde durch den niedrigen Wasserstand erheblich beeinträckitigt, die Frachtschiffe konnten wegen des niedrigen Wasserstandes vielfach nur ungenügend ausgenutzt werden. Bei den an das Kaiserliche Statistische Amt berichtenden Kranken- lassen ergab sich vom 1. Juli auf den 1. August eine Abnahme der Beschäftigungsziffer um 22 067 Personen gegenüber einer Zunahme von 5083 Personen im gleichen Monat des Vorjahres. Die Berichte der Arbeitsnachweise lauten sehr ungleich, die Arbeitslage in Berlin war ziemlich ungünstig; aus Bayern lauten die Berichte besser, Ivo- gegen in Baden wieder ein Rückgang eingetreten ist. Die Verkehrs- einnahmen aus dem Güterverkehr der deutschen Eisenbahnen waren auch im Juli niedriger als ini Vorjahr und zwar um 2 176 542 M. Es bedeutet dies gegen das Vorjahr eine Mindereinnahme von 76 M. oder 2,82 Proz. auf den Kilometer. Kohlenproduktion und Kohlenverdranch der Welt. Dem.Prometheus" zufolge hat sich die Kohlenprodultion der Welt im Jahre 1806 aus rund 005 Millionen Tonnen belaufen. Neun Zehntel dieser Produktionsmenge entfallen auf die fünf Staaten: Nordamerika, England, Deutschland, Frankreich und Belgien. Rechnet man die Kohlenprodultion auf den Kopf der Bevölkerung des betreffenden Landes um, so kommen in den Vereinigten Staaten auf den Kopf 4,35 Tonnen, in England 5,75 und in Deutschland 2,62 Tonnen. Der Kohlen verbrauch pro Kopf der Bevölkerung stellt sich in den drei genannten Staaten auf 4,30, 3,00 und 1,04 Tonnen. Den stärksten Kohlenexport zeigt England mit 80 Millionen Tonnen; in weitem Abstand kommen dann Deutschland mit 10,55 und Amerika mit 8 Millionen Tonnen Export. Die Kohlenproduktion der Welt wie der einzelnen Länder ist in stetem Wachsen begriffen; nur die französische Produktion geht etwas zurück. Gewcrkrcbaftliche*). va' canny. Dem Junkersprößling Frcihcrrn von Reiswitz läßt der „Ruhm" seines Machwerks„Ca* canny" nicht mehr ruhig schlafen. Alle paar Wochen macht er in seinem Scharfmacher- blatte, gen.„Arbeitgeber-Zeitung", die staunende Welt von neuem darauf aufmerksam, daß er sogar eine Broschüre ver- brachen hat, der es offenbar an Absatz fehlt. So ist in Nr. 34 vom 23. August 1908 wieder ein Leitartikel:„Ca' canny" benamst, in welchem der Edle breitspurig erklärt, daß die Broschüre großes Aufsehen erregt habe, denn es„erhob sich im deutschen Blätterwalde ein mächtiges Rauschen." I Welche Aufschneiderei I Die Folge dieser Publikation sei gewesen, daß„Parteigänger und Freunde, Blutsverwandte und Wahlverwandte der Arbeiterbewegung mit heißen Schwüren erhärteten": in Deutschland wäre für die Politik der Leistungsverringerung kein Platz. Wer trotzdem diesen Plan unterstütze, falle der Verachtung aller Freunde der Wahrheit anheim! Seit dieser„entrüstete Protest" der„Bluts- verwandten und Wahlverwandten"(welch' herrliche Junker- spräche l D. R.) allgemach verklungen" sei, forschte die Re- daktton des sauberen Blattes nach„ausreichenden Beweisen" für ihre Behauptungen, die ja längst von jedem faulen Arbeit- geber bestätigt worden waren, um den bösen„Kritikern" den Mund zu stopfen,„daß in der Sache sozusagen System stecke, wie es in der Broschüre bezüglich der Ca' canny-Politik der englischen Gewerkschaftler behauptet worden war". Jubelnd legt das Blatt nun heute einen„Beweis" auf den Tisch des Hauses nieder. Von„befreundeter Seite" wurde der Redaktion„Einblick" in einen Briefwechsel gestattet,„der jene Lücke der Beweisführung in einwandsfreier Form aus- zufüllen vollauf geeignet erscheint". So was macht neugierig l Doch wie schade; die Junker- rcdaktion hat etwas zu schnell„Einblick" in den Briefwechsel getan. nämlich den Namen der Gewerkschaft gar nicht in der„Eile" gemerkt. Deshalb schreibt man bloß: „Bureau der Gewerkschaft X. Z.— Datu m." Das wahrheitsliebende Blatt darf es uns nach den gemachten Er- fahrungen nicht verargen, wenn wir vorerst den ganzen Schwindel nicht glauben können. Rücksicht auf eine Gewerk- schaff hat das Scharfmacherorgan doch bis heute noch nicht Verantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: ' genommen und hätte zur Nachprüfung doch ruhig die Gewer!- schaff nennen können, wenn ein einzelner Brief„die Lücke in der Beweisführung" ausfüllen soll. Der„Brief" selbst enthält die Mitteilung, daß die Zahlstelle W. dem Gewerkschaftsvorstande mitgeteilt habe: „daß Sie für die zweiwöchenlliche Lohnperiode bei einer Arbeits- zeit von nur Tfa Tagen einen Lohn von 117 M. erarbeitet haben."„Die natürliche Folge eines solchen Verdienstes in einer Zeit beschränkter Arbeitsgelegenheit im selben Betriebe für alle Kollegen ist nicht ausgeblieben. Es ist leider den Kollegen der Preis für die Artikel, die Sie in dieser Zeit gearbeitet haben, herabgesetzt worden." „Die Nichtigkeit der Mitteilung der Verwaltung voraussetzend, hat der Vorstand Jbre S e l b st s u ch t und Rücksichtslosig- keit, mit welcher Sie die Kollegen schwer geschädigt haben, scharf verurteilt." Der Schluß des Briefes enthält eine Mahnung und die Mitteilung, daß im Wiederholungsfalle Ausschluß aus dem Verbände erfolge. Sicher wird dieser„Brief" wieder die Runde durch alle Scharfmacherblätter machen und auch die Bemerkung der Redaktion:„Das ist Ca'canny-Politik in des Wortes verwegen st er Bedeutung"! Das können wir gerade nicht finden, selbst wenn der Brief nicht wieder gefälscht wäre. Erstens sind alle Gewerk- schaften eigentlich prinzipielle Gegner des Akkordsystems. Stimmen nun alle Angaben in dem„Briefe" des Gewerk- schaftsvorstandes, so ist doch kein Grund zur Auffegung vor- Händen.„In einer Zeit beschränkter Arbeits- gelegenheit", wie es im Bericht selbst heißt, schuftet ein Akkordarbeiter in— V'/z Tagen 117 Mark Lohn zusammen! Die tägliche Arbeitszeit wird nicht an- gegeben! War nun die Folge, daß durch dieses Vorgehen des„Fleißigen"„der Preis für die Artikel herab- gesetzt worden ist", so hatte doch der Verband recht, dem egoistischen Kollegen etwas ins Gewissen zu reden und von „Selbstsucht und Rücksichtslosigkeit" zu reden." Es war eigentlich seine Pflicht die anderen Kollegen zu schützen, weitere Preisdrückerei zu verhüten. Doch davon versteht ein Herr von Reiswitz jedenfalls sehr wenig, wie er auch diese „Praxis"„im h ö ch st e n Grade unmoralisch be- zeichnet." Obwohl der Edle die Blockpolitik mitmacht, hat er doch keinen Respekt vor dem Leibblatt„Bülowitschens", der„Frank- furter Zeitung". Im Anschluß an den gekennzeichneten Erguß kommt er auf den„Nieterstreik beim Stettiner Vulkan" zu sprechen und schimpft, daß„in den Blättern vomSchlage der „Frankfurter Zeitung"" den Stettiner Protzen so zugesetzt worden sei. Er vergißt aber das eine, daß Blätter „vom Schlage der„Frankfurter Zeitung"" die Geschäfte der Unternehmer weit besser und geschickter ver- treten, als sein eigenes Blättchen, und daß die„Frankfurter Zeitung" die großen Annoncen dieser„Vulkane" weiter er- halten wird, von den„Herren des Vulkan" weit lieber und aufmerksam gelesen wird, als die täppische„Arbeitgeber- Zeitung" des Edlen Junker v. Reiswitz! Berlin und Umgegend. Achtung, Maschinenformer! Bei der Firma Härtung in der Prenzlauer Allee sind wegen Preisreduzierung Differenzen ausgebrochen. Alle Maschincnformer werden ersucht, sich vor der Annahme von Arbeit bei der Firma Härtung im Bureau des Metallarbeiterverbandes, Eharitestr. 3, nach den Verhältnissen zu erkundigen. Achtung, Metallarbeiter! In dem Betriebe Dey, Zeitreajfter- Syndikat, Schönhauser Allee, haben sämtliche Mechaniker, Schlosser, Dreher wegen Maßregelung die Arbeit niedergelegt. Der Betrieb ist für Metallarbeiter aller Branchen streng ge- sperrt. Die Ortsvcrwaltung. Berichtigung. In Nr. 198 des„Vorwärts" ist in dem Bericht von der Rohrlcgcrversammlung folgender Satz enthalten:„Die Vertreter der Arbeitgeber schienen zuerst wenig Wert darauf zu legen, in Verhandlungen einzutreten; sie verhielten sich streng ab- lehnend und der Vorsitzende Brandt erklärte, daß es ganz ausge- schlössen sei, eine Lohnerhöhung zu gewinnen." Dieser Satz entspricht nicht dem von mir Gesagten. Nicht der Vor- sitzende der Schlichtungskommission Herr Brandt hat die Er- höhung der Stundenlöhne für vollständig ausgeschlossen erklärt, sondern der Obmann der Arbeitgeber. Otto Handle. Achtung, Kleber! Die Firma Bade u. DangerS, Nürnberger Straße 48/40 ist für Kleber gesperrt. Die VerbandSleiiung. Eine«freie unabhängige Berufsorganisation". Der Arbeitsnachweis der Berliner Gcschäftsdiener- und und Packer- Vereinigung 1007, Nieberwallstrahe 4, hat sich als Vermittelungsstelle für„Hirsche" für das Warenhaus Herm. Tietz etabliert. Vor einigen Tagen benötigte die Firma Hausdiener und Tischler. Mit Hausdienern konnte man dienen. Um aber auch das Geschäft mit Tischlern machen zu können, setzte sich der Beauftragte der Vereinigung mit dem.,Hirsche"-Arbeits- Nachweis in Verbindung, und unter dem Deckmantel dieser Berufs- vercingung fanden Hirsche Eingang in den Tietzschen Betrieb. Wenn sich die Berliner Geschäftsdiener- und Packer-Vercinigung 1007 das Aushängeschild„freie unabhängige Berufsorganisation" leistet und derartiges fertig bringt, so muß man das doch etwas tiefer hängen. Veutfeves Reich. Bei den G cwerbcgerichtSwahlen in Kulnibach, die am Sonntag nach dem Proporz stattfanden, hatten sich die liberalen Arbeiter in trauter Scelenharmonie mit den Gelben zum Niederreiten der freien Gewerkschaften verbündet. Aber trotz ihres großen Geschreis, trotz aller Treibereien und trotz kräftigster Unterstützung durch das Unter- nehmertum brachten sie es nur auf 140 Stimme», während die Liste der freien Gewerkschaften 470 Stimmen erzielte. Diese besetzten fünf Beisttzerstellen, die Gelbblauen müssen sich in einen Sitz teilen. Ein bayerischer Scharfmnchcrverbanb der Tapezierer, Dekora- teure und Möbelfabrikante» ist gegründet worden. Die I n n u n- gen und lokalen Arbeitgcberverbände dieser Berufe lösten sich in einer Versammlung, die am Sonntag in München stattfand, auf und gründeten einen„Bayerischen Tapeziermeister- und Möbelfabrikantenverband" nnt dem Sitz in München. Zweck des Verbandes ist, die Mitglieder vor der „Abmurksung" durch die Gehilfen zu schützen und in Zukunft die Streiks mit Generalaussperrungen zu beantworten. Um dies durchführen zu können, wird sich der bayerische Verband dem Zentralverband der Arbeiterschutzverbände dieser Gc- werbe anschließen. Der Zcntralverband beabsichtige, so plauderte der in die Vorstandschaft gewählte Herr S cha I l e r-Nürnberg aus, in Zukunft nur noch Tarife abzuschließen, die sämtlich am 31. Dezember eines Jahres ablaufen. Diese Menschenfreunde glauben, um diese Zeit den Gehilfen besser die Bedingungen diktieren zu können. Die Gehilfen werden nun wissen, was ihre Pflicht ist._ Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstak Hueiand* Anarchistische Verleumdungen gegen die dänischen Gewerkschaffe«. Neben den immer von neuem auftauchenden Kriegsplänen der Arbcitgebervercinigung wird gegenwärtig in der dänischen Unter- nehmcr- und„Anarchisten"-Pressc eine ungeheuerliche verleumde- rische Hetze gegen die Arbeiterorganisationen betrieben. Diese Art Blätter entrüsten sich einesteils über die„T y r a n n e i" in der Gc- Werkschaftsbewegung, nämlich darüber, daß die einzelnen Berufs- gruppen sich bei allgemeinen Kämpfen den Beschlüssen der Gewerk- schastszentrale fügen müssen, anderenteils zetern sie über die „Disziplinlosigkeit" der Gruppen, die sich, wie jetzt di- Schuharbciter, so schwer entschließen können, dem Willen der Gc- samtheit der Gewerkschaft Folge zu leisten. Besonders wird aber gegen die größte der dänischen Gewerkschaften, den„Arbeitsmanns- verband" gehetzt, Kcr gerade jetzt seinen Verbandstag abhielt. Dieser Verband hat einige Gcnossenschaftsunternehmen ins Leben gerufen, von denen eines, die Svendsborg Margarine- f a b r i k, vor ungefähr anderthalb Jahren liquidierte. Sämtliche Gläubiger erhielten jedoch ihr Guthaben voll ausbezahlt, was dem Verband schwere Opfer kostete. An diese Angelegenheit wurden von gewissenlosen Leuten Verleumdungen geknüpft, wie die, daß die Liquidation jenes Unternehmens durch Unterschlagungen not- wendig geworden sei. Es ist längst bewiesen, daß es sich hier um infame Lügen handelt. Gleichwohl werden sie jetzt von neuem auf- getischt, und man faselt sogar davon, der Verband der dänischen Gewerkschaften habe den Vergleichsvorschlag des Ministers nur angenommen aus Furcht, daß bei einem allgemeinen Kampf Un- regelmäßigkeiten im Kasscnwcsen der Organisationen an den Tag kommen könnten. Bei den Verleumdungen tut sich besonders ein ehemaliger Arbeiter namens Ehr. Christensen hervor, der noch vor einem Jahre die Leitung des Arbeitsmannsverbandes gegen dergleichen Beschuldigung energisch in Schutz nahm. Er gibt nun ein Blatt heraus, das erst„Änarkisten"(„Der Anarchist") hieß, nun den Titel„Socialisk Arbejdcrblad" führt, Streilbrcchergesuchc aufnimmt, vom Unternehmertum unterstützt und auch in einer Druckerei hergestellt wird, die der Arbeitgebervereinigung angehört, also ein rechtes Streikbrecherblatt ist, weshalb es auch während des Zeitungsdruckcrstreikes nicht erscheinen konnte. Dieses �Arbeiter- blatt" behauptete am Dienstag, im Arbeitsmannsverband wären Unterschleife von% Millionen Kronen begangen worden, und die- selbe Behauptung brachte„M i d d a g s p o st e n", ein Schmutzblatt. dessen Redakteur eine ihm vor Jahren zuerkannte Gefängnisstrafe nicht abzusitzen braucht, weil er dem nunmehr abgegangenen Justiz- minister Alberti versprochen hat, ihn und seine Freunde nicht mehr anzugreifen. Der Verbandstag der Arbeitsmänner nahm gegen die Verleumdungen in einer Resolution Stellung.„Der Kongreß," heißt es darin,„spricht seine Verachtung aus gegenüber den Ver- suchen, durch Aussäen von Zwietracht und Mißtrauen unter den Arbeitern die alte, wurzclfeste Organisation der Arbeitsmänner zu zerstören, wie es gestern ein paar hiesige, von Albertis Gnade und Almosen abhängige Schmutzblätter unternahmen." Die Resolution wurde Ritzaus Depeschenbureau zur Ver- breitung überwiesen; das Bureau weigerte sich jedoch, den gegen Albertis Schmutzblätter gerichteten Passus auszunehmen. UebrigenS haben sämtliche Mitglieder des Verbandsvorstandes gegen die Ver- lcumder Anklage erhoben. Der„Anarchist" Christensen war auch eingeladen, auf dem Verbandstag Rechenschaft über seine Bchaup- tungen zu geben, erschien aber nicht, weil er just zur selben Zeit die streikenden Schuharbeiter über die vorzügliche Methode franzö- sischer Generalstreiks belehren wollte. Da ging der Arbeitsmanns- vcrbandsvorsitzende L y n g s i e nach der Schuharbeitervcrsami.nlung, wo ihm auch ohne weiteres das Wort gestattet und seine Rede mit stürmischem Beifall aufgenommen wurde. Er schloß, an Ehr. Christensen gewandt, mit den Worten:„Du bist ein elender Ver- räter, ein Lump und ein Judas, der sich unseren ärgsten Feinden verkauft hat."— Da dieser sich als Anarchist und Sozialist auf- spielende Günstling der Kapitalisten seine Verleumdungen trotz aller Gegenbeweise immer zu wiederholen pflegt, sind eben starke Mittel notwendig, um ihn unschädlich zu machen. Abwehr der neuen MassenauSsperrung in Dänemark. Die Schuharbeiter Kopenhagens haben am Sonntag in ihret außerordentlichen Generalversammlung mit 407 gegen 382 Stimmen beschlossen, die Arbeit wieder aufzunehmen. Damit ist auch ihrer- seits das zwischen dem Verband der Gewerkschaften und der Arbeit- gebervereinigung getroffene Ilebereinkommcn anerkannt und der Unternehmcrorganisation der Grund für die zum 31. August ange» kündigte Masscnaussperrung genommen. Die Generalversammlung der Schuharbeiter sprach aber auch in einer Resolution ihre Mißbilligung darüber aus, daß die Re» präsentantschaft des Gewerkschaftsverbandes das vom Minister Berg vorgeschlagene Uebereinkommen gutgeheißen hat, und zwar in der Meinung, daß der Gewerkschaftsverband sich damit verpflichtet habe, vorläufig keine Forderung auf Verkürzung der Arbeitszeit zu er- heben. Das ist jedoch ein Irrtum, der von Leuten, die auf eine Zersplitterung der Gewerkschaftsbewegung hinarbeiten, verbreitet wird. Tatsächlich besagt das Uebereinkommen in dieser Hinsicht, daß jene Forderung in Berufen, wo besondere Verhält» nisse dafür shrechen, sofort erhoben werden kann, und daß die Forderung nach einer allgemeinen ArbcitSzeiwer- kürzung erhoben werden kann, sobald die Gewerkschaften selbst meinen, daß die Verhältnisse danach angetan sind. Letzte]Nacbricbten und Depefcbcn. Zeppelin auf der Walze. FricdrichShafen, 25. August.(B. H.) Graf Zeppelin empfing gestern den Direktor Favorit-Hannover-Lindcn und ließ sich bereit finden, einige Worte an das deutsche Volk auf eine Platte zu sprechen. Die fünf Minuten währende Ansprache ent- hielt einen Dank für die Unterstützung seine? Unternehmens und dessen Zukunft._ Entdeckte Falschmünzcrwerkstatt. Essen a. Ruhr, 25. August.(B. H.) Der hiesigen Polizei ist es gelungen, innerhalb vier Tagen zwei Falschmünzerwerkstätten zu ermitteln. Die Polizei beschlagnahmte viele falsche Zweimark- stücke und das dazu gehörige Material. 20 000 Obdachlose in Konstantinopel. Stambul, 25. August.(B. H.) Die Zahl der Obdachlosen be- läuft sich auf zirka 20 000. Die Ottomanische Bank spendete 2000 türkische Pfund zugunsten der Abgebrannten. Subskriptionslisten wurden überall aufgelegt. i., Berlin S VV. Hierzu 2 Beilagen u. Unterhaltunasbl. iL 199. 25. ZaMSg. L Ifilnjf des Joraätff Knlim JSolliolilntt. Öne Verhöhnung der Partei. Wir haben gestern den, gelinde gesagt, groben Unfug aufgedeckt. 6» von gewissen süddeutschen und auch einigen revisionistischen nord- veutschen Blättern mit den wundersamen archivalischen Ausgrabungen des Genossen E. N. getrieben wird. Weil Genosse E. N. im Staub der sächsischen Parlamentsakten die Entdeckung gemacht haben will, daß auch die sächsischen Genossen gewohnheitsmäßig f ü r den Etat gestimmt hätten, soll auf einmal die Frage der Budgetbewilligung jede Be- deuwng verloren haben. Sonderbar I Zwei Parteitage haben sich in der eingehendsten Weise mit dem Problem befaßt. Bon beiden Seiten, nicht nur von der norddeutschen, sondern auch von der süd- deutschen, sind alle erdcnllichen Argumente für und wider in« Feld geführt worden. Bon den süddeutschen Genossen standen keine geringeren als B o l l m a r und G r i l I e n b e r g e r in der ersten Schlachtlinie. Sie vertraien ihre Auffassung von ihrem Standpunkte aus mit allen Gründen der Logik, mit aller Ausnutzung der durch die Parteigckchichte gegebenen Präzedenzfälle, mit allem Temperament. Und als sie trotzdem aus den Parteitagen in der Minderheit blieben, bewiesen sie. daß ihnen die Demokratie in Fleisch und Blut übergegangen war, und.sündigten hinfort nicht mehr". Aber die Bollmar und Grillenberger waren bei alledem nur arm- selige Schacher I Sie hatten, trotzdem Wollmar selbst im sächsischen Landtag gesessen, keine blasse Ahnung davon, daß gerade die in Frankfurt und Lübeck so prinzipiell sich gebärdenden sächsischen Abgeordneten, die Geyer und Bebel, auf dieselbe Bant der Sünder gehörten wie die buhe zischen und ba->>>.. n Budgetbewilliger. Es mußte erst der Genosse E. N in der VireSdcuer Arbeiterzeitung" im Jahre 1008 kommen, um zu beweisen, daß die Sachsen, weil sie nicht immer gegen das Budget gestimmt haben, Fleisch vom Fleische der bayerischen und badtschen Budgetbewilliger seien und alle Ursache hätten, sich mucksmäuschenstill in den finstersten Winkel zu verkriechen. Denn E. N. machte ja die Entdeckung, daß das amiliche Protokoll wiederholt die einstimmige Annahme des Budgets registriert hatte. Daß das amtliche Protokoll einen bureaukratischen Fehler begangen und das beabsichtigte Nein in ein Ja v e r- wandelt haben könnte, dieser Gedanke kam dem regierungsglänbigen Genossen E. N. natürlich nicht einen Augenblick I Bielmehr mußten die Geyer, Bebel, Kaden usw.— d. h. die Ge- nossen, die 1894 und 1901 gegen die Budgetbewilligung angekämpft hatten, in der verschwiegenen Klausur des sächsischen Abgeordneten- Hauses derselben Sünde gefrönt haben wie die von ihnen so scharf angegriffenen Bayern und Badenser I Selbst der Gedanke, daß dann die Wollmar und Grillen- berger nicht nur, wie die Bebel und Geyer, kindische Heuchler, sondern bemitleidenswert unwissende Taktiker gewesen wären, hinderte den Genossen E. N. nicht an der Ausstreuung seiner neuen Heils! uschaft für den süddeutschen Separatismus! Aber es kommt noch besser: Die.Fränkische TageS- p o st', deren Ehefredakteur, ein geborener Berliner und kaum jähriger Bayer, noch 1901 im.BorwärtS' entschieden gegen die Budgetbewilligung Stellung genommen hatte, wird durch die Enthüllung des Genossen E. N. auf einmal dahin inspiriert, daß der ganze Streit um die Budget- bewilligung nur eine lächerliche Zeitvertrödelung des Nürnberger Parteitages, eine.Entwertung' des Partei- tage? ist! Er hofft, daß nach der— durch Geyers nnd Bebels Erklärungen für jeden ehrlichen und denkenden Genossen erledigten—.Enthüllung' deS Genossen E. N. nun die Budgetdebatte den Nümberger Parteitag überhaupt nicht mehr beschäftigen, vielmehr schon vorher an ihrer eigenen Haltlosigkeit in sich zusammenbrechen werde I Er schreibt nämlich: »Die.Münchener Post', die sonst Sinn für Humor hat. erklärt gegenüber der„Tagespost', der Sachsenfall sei durch- aus nicht scherzhaft. Sie schreibt: kleines feiriUetou. FeilerSbriinst« in Konstantinopel. Konstantinopel, das jetzt von einer so furchtbaren FeuerSbrunst heimgesucht wurde, könnte man mit Fug die„Stadt der Brände" nennen, denn ein in den engen Gassen unter den Holzhäusern jäh aufloderndes Feuer ge- hört zu den gewöhnlichsten Erscheinungen des nächtlichen Lebens. Eine so gewaltige Ausdehnung wie diesmal aber hat die Zer- störung durch das verheerende Element schon seit langem nicht an- genommen, und sogar die wenigen antiken Monumente, die den Stürmen der Jahrhunderte noch widerstanden haben und mit ihren ehrwürdigen Trümmern auch gerade von den Feuersbrünsten der Antike und des Mittelalters Zeugnis ablegen, waren schwer ge. fährdct. Der letzte Riesenbrand, der Konstantinopel in em Feuer- meer verwandelte und mehr als 8000 Häuser zu einem ungeheuren Trümmerhaufen zusammenwarf, brach in Pcra am 5. Juni 1870 aus. Die segensreichste Folge dieses Unglücks war die Reorgani- sation der Konstantinopelcr Feuerwehr, die unter der Leitung deS Gründers der Budapestcr Feuerwehr, des ungarischen Grafen Szecheny-Pascha nach europäischem Muster vorgenommen wurde. Das türkische Feuerwehrregiment besteht gcgenlvärtig aus sechs Bataillonen mit zwei Obersten, einem Oberstleutnant und vier Majoren an der Spitze und besitzt seit 1889 auch ein Marine- Bataillon. Daneben besteht aber auch noch die Einrichtung der alten aus dem Volke freiwillig zusammengebrachten Lösch. kompagnien, der sog. Tulumbadschis, denen ein Heer von Wasser» trägern zur Seite steht. Es ist eines der interessantesten Schau- spiele türkischen Lebens und Treibens, solch ein nächtlicher Brand in Konstantinopel; von vielen Reisenden ist eS uns beschrieben worden und einem jeden bietet es sich dar, der einige Zeit am Goldenen Horn weilt. In die tiefe Dunkelheit der nächtlichen Gassen von Stambul, die im ersten schweren Schlafe liegen, flammt Plötzlich ein unruhiges rotes Licht von einem der beiden Signalturme, auf denen Tag und Nacht wachsame Augen die weiten Häusermassen überblicken; gleich darauf dröhnen dumpf verhallend die sieben Kanonenschüsse der Nachtbatterie über den Bosporus. Weit aus der Ferne schrillt ein einzelner Ruf, der verworren anwächst, und sich auf WindeSflügcln in einem wachsenden Brausen durch winklige Gassen und Gäßchen fort- pflanzt:„Feuer! Feuer in Stambul!" Unheimlich lebendiges Leben brandet plötzlich überall da, wo eben noch totes Schweigen geherrscht. Halbnackte Gestalten jagen wie gespenstige Schatten an den Häuserreihen hin und vor ihnen her fliegt ihr eintönig dröhnendes, ihr gellendes Schreien. Noch scheint alles ein Spuk der Nacht, ein phantastischer Traum in der tiefen Ruhe, die sich Momente lang geheimnisvoll wieder über die Dächer lagert, nachdem der erste Lärm der Signale wie die wilde Jagd vorüberfuhc. Da plötzlich loht eine Feuersäule zum Himmel auf; blendender Lichtschein bricht jäh in das Dunkel und ein glühendes, von Rauch umwogtes Flammenmeer scheint in den fahlgeröteten Himmel hineinzuwachsen. Die gierige Fcucrzunge leckt an dem trockenen �ölzernea Gebälk der elenden Häuser und flgckert Pfeilgeschwind- .Wir glauben auch einigen Sinn für Humor zu be- sitzen, meinen aber in dem Falle, daß die Tragik der Situation den unfreiwilligen Humor dieses hilflosen Erklärungs- gestammels sGeyers) verschlingt. Denn krasser kann das System der bewußten brutalen Ungerechtigkeit gegenüber den süd- deutschen Parteigenossen nicht der Oeffent- lichkeit erwiesen werden, als durch diese von den sich für radikal haltenden sächsischen und preußischen Parteiorganen gebilligte Er- k l ä r u n g." Wir verstehen es wohl, daß man über die neuerliche Partei- diskussion die Geduld verliert, und daß einem manche Er- scheinungen die Galle ins Blut treiben können. Dennoch möchten wir weder den Humor noch die Ruhe verlieren, um so weniger, als in der Sache selbst kein Zurückweiche» möglich ist. Denn darüber sind sich doch hoffentlich die klugen Politiker, die diesen unreifen, parteischädigenden und Partei- tagsentwertenden Lärm angefangen und organisiert haben, von vornherein klar gewesen? Stehen die Dinge aber so, dann beweist die Absicht, den Nürnberger Parteitag zu weitläufigen Debatten über eine völlig unveränderliche Sache zu verwenden, nur das eine, daß wir— trotz der wichtigen Tagesordnung— übermäßig viel über- flüssige Zeit Hab en." Also: Zwei Parteitage haben sich in ernsthaftester Weise über die Frage der Budgetbewilligung ausgesprochen, haben in aller Form durch eine Resolution Richtlinien für die Gesamipartei ge- schaffen— die erfahrensten Genoffrn diesseits und jenseits des Mains haben sich an diesen Debatten und Beschlüssen beteiligt— infolge der neuerlichen Budgetbewilligungen hat sich in der ganzen Parteipresse der ernsthafteste Meinungs- a u s t a u s ch über die Frage der Budgetbewilligung entsponnen— und trotzdem: Weil der Genosse E. N. in der.Dresdener Volkszeitung' ein paar absolut beweislose Negierungs- Protokolle ausgegraben hat, soll nunmehr die Diskussion über die Frage der Budgclbewilligung üdersiüssig, lächerlich und dazu an- getan sein, den Nürnberger Parteitag zu„entwertrn"! Wenn die Lächerlichkeit einen Menschen töten könnte, müßte sie unbedingt den politisch ahnungslosen Feuilletonistcn, der durch seine Aprryus schon seit Wochen jede ernsthafte Parteidiskusston zur grotesken Kapriolenschneiderei herabzuwürdigen sucht, tödlich treffen I Oder kann eS etwas unerhört Lächerlicheres geben, als daß ein Mann, der, kaum seit Jahresfrist in Bayern tätig und 1901 noch prinzipieller Gegner der Budgetbcwilligung, jetzt, nach Aufwirbeln einer geflissentlich jede Klarheit verhüllenden Akte n st a üb wölke, erklärt, alle früheren und alle künftigen Debatten seien liichcrlich, überflüssig, porteientwürdigend, weil... durch die angebliche Abstimmung der sächsischen Abgeordneten diese Frage längst für die Partei entschieden sei?II Daß dieser.bayerische HiesrI", wie ihn in berechtigter Per- spottung die.Leipziger Volkszeitung" genannt hat, zugleich die Stellungnahme der süddeutschen Fraktion für„unabänderlich" er- klärt, wie auch der P a r t e i t a g zu den strittigen Fragen Stellung nehmen möge, krönt nur die unerhörte Lächerlichkeit dieses Wortführers angeblich süddeutscher Anschauungen I Wir schätzen unsere süddeutschen Genossen denn doch zu hoch ein, als daß sie auf das Niveau dieser unsäglichen Joc.-Politik herabzusinken vermöchten! 12. partettlig der Sozialdkmoliratie Pgmmtrils. K ö S I i n, 23. August. Heute traten hier die Delegierten der pommerschen Sozial- demokratie zu ihrer 12, Tagung zusammen. Die 1t Wahlkreise der Provinz sind durch 8S Delegierte vertreten; im ganzen sind 7t Ge- »offen anwesend. Der sich auf zwei Jahre erstreckende T ä t i g k e i t s- von Gäßchen zu Gäßchen. Im düsterlichten Ungewissen Feuerschein rast die Löschmannschaft heran. ES sind kraftvolle, kaum bekleidete Burschen, die zu acht die Spritze auf der Schulter tragen; im Eil- fhritt gehts vorwärts, und sind sie vom Lauf ermattet, dann fliegt ie Spritze auf acht andere Schultern und im Nu sind sie am Orte des Schreckens, die Wasserträger hinterdrein, die mit Wasser- schläuchen beladencn Maultiere antreibend. Alles weicht ihnen aus; mit größter Ruhe und Kaltblütigkeit geht alles vor sich und meistens gelingt es den wackeren Männern, die sich mit dem fatalistischen Gleichmut des Türken in die Flammen stürzen, zu retten und der Gewalt des Elementes Einhalt zu bieten... Nirgends Ivohl hat die Feuerwehr mit so ungeheuren Schwierig- leiten zu kämpfen wie in Konstantinopel. Die Flammen fressen sich in das Holzwcrk ein und zehren die Häuser im Nu auf. Die Gasse, in der einmal die Lohe ausgebrochen und der rote Hahn triumphiert, sind rettungslos dem Verderben verfallen. Nur die anliegenden Viertel sind noch zu schützen und mefftens gelingt es der Feuerwehr, die Wut deS Elementes auf kleinem Raum zu be- Sirenzen. Das ist nur bei größter Ordnung und mutigster Eni- chlosscnheit der Mannschaften möglich. Und wirklich ist der Kon- tantinopeler Feuerwehrmann von hingebendem Eifer; er ver- richtet Wunder. An ihrer Spritze hängt die Mannschaft mit zärt- ltcher Liebe; man schmückt sie und putzt sie, gibt ihr Kosenamen wie einem jungen Mädchen. Diesmal aber scheint aller Mut und aller Eifer der Tulumbadschis vergeblich gewesen zu fein; mitten im Zentrum StambulS hat sich daS Feuer eingenistet und seine heißen Flammcnarme um das ganze Viertel geschlungen. Nicht nur die Holzhäuser, die schnell wieder aufgebaut werden, auch die Monumente der Größe und Schönheit des alten Bhzanz sind in Ge- fahr geraten. Es handelt sich hier vor allem um den großartigsten der alten A a u ä d u k t e, an denen daS alte Konstantinopel so reich war; eS ist die noch heute in Gebrauch befindliche Wasserleitung, die zur Zeit HadrmnS angelegt wurde und von Valens, dessen Namen sie führt, neu aufgebaut ist. Auch die Säule des Kaisers Marcian ist bedroht, dieser prächtige 1b Meter hohe Bau, der trotz seines stark beschädigten Pidestals und Kapitels so laut von der Macht des römischen Kaiserreiches kündet. Noch andere Prunk- fäulen römischer Baukunst befinden sich hier, kostbare unersetzliche Ueberreste des unbeschreiblichen Monumentenreichtums, der das Byzanz Konstantins zum achten Weltwunder machte. Da ist die sog.„verbrannte Säule", deren roter Porphyr nur mühsam der Gewalt mehrerer Feuersbrünste hat widerstehen können. Nr- sprünglich war sie SS Meter hoch; die Statue Kaiser Konstantins als Apollo mit einer Strahlcnkrone aus den Nägeln des heiligen Kreuzes blickte von der Höhe gebieterisch herab. Aus diesen Säulen, Obelisken und Säulenstümpfen, die noch heute von dem „Rom des Ostens" und seinem Glanz erzählen, ersteht das Bild einer mächtigen Vergangenheit so lebendig, daß wir den Verlust aufs tiefste bedauern würden. DaS neue Karat. Das Karat, das am häufigsten als Ge- Wichtseinheit für Diamanten, aber auch für andere Edelsteine, schließlich auch� als eine Eradbezeichnung kür die Feinheit des Goldcö gebraucht wird«.hat eine merkwürdige Geschichte. Der bericht der Agitationskommission liegt gedruckt vor. Wenn auch nicht über so gewaltige Fortschritte berichtet werden kann, wie auf dem letzten Parteitag, so ist doch jetzt eine gewisse Stabili- sierung eingetreten. Die Zabl der politisch Organisie rten stieg von 4695 auf 8908. Im Jahre 1906 waren 3,3 Proz. der sozialdemokratischen Wähler von 1903 organisiert, jetzt sind es 11.4 Proz. der Wähler von 1907, die Zahl der Parteivereine erhöhte sich von 66 auf 83. Die Finanzverhältnisse haben eine Besserung erfahren. An den Partcivorstand führten sämtliche 14 Krcisvcreine in der Berichtszeit 5251,97 M. ab gegen 1755,72 M. in den beiden vorhergehenden Jahren. Der Agitationslommissson konnten 4862.69 M.(943,— M.) zugeführt werden. Der monatliche Beitrag betrügt 20 Pf., nur in Stettin werden bereits seit zwei Jahren 3V Pf. erhoben. Der Mangel jeglicher Lokale in einzelnen bildete in der Agitaiion ein großes dieses UmstandeS und mangelnder Kräfte kreise vom Stettiner Sekretariat aus Ter Pommersche Volkskalender wurde Kreisen Hemmnis. Infolge müssen vier Wahl-- verwaltet werden. in 287 000 Exem- plaren verbreitet.„Der Pommer', der alle zwei Monate erscheint und unentgeltlich abgegeben wird, wird in Höhe von 16 000 Exemplaren an 338 Orte versandt. Der Wahlkreis Randow-Greifeithagen gibt seit einem Jahre ebenfalls eine Agitationsschrift„Der Sozialdemokrat" zweimonatlich heraus, die bisher in im ganzen 125 000 Exemplaren verbreitet wurde. An Agitationsbroschüren wurden insgesamt 71 500 Stück und an Flug- blättern 553 500 Exemplare verbreitet. Auch den WahlkrciSleitmigen wurden geeignete Schriften zur Verfügung gestellt. Außer Sitzungen und Konferenzen wurden 351 öffentliche und 080 Wahlvereinsversammlungen abgehalten. Verschiedenen Orten wurden Bücher und ganze Bibliotheken mit 725 Bänden zur Ver-- fiigung gestellt. In 824 Füllen wurden durch den Sekretär, Genossen Horn, RechtsauSkünfte erteilt und die notwendigen Schriftsätze angefertigt. Die Reichstagswahl 1907 erforderte 843 000 Flugblätter. 815 000 Stimmzettel und 157 Versammlungen. Ferner wurden 61 000 Exemplare deS„Pommer", 3000„Aufrufe an die Eisenbahner", 30 000 Flugblätter an die Frauen und Mädchen verbreitet. Trotz aller gegnerischen Machinationen und besonders der schamlosen Agitation des Reichslügenverbandes stieg die Stimmenzahl der Partei von 56 353 ans 60 510. Stimmenverluste waren leider in vier Wahl- kreisen zu verzeichnen, ebenso der Verlust der beiden Mandate. Die Gesamtlosten der Wahl betrugen 25 441,83 M., der Zuschuß des Parteivorstandes 12000 M. Die Wahlrechtsbewegung wurde durch eine erhebliche Zahl gutbesuchtcr Versammlungen entsprechend gefördert. Ihre Fort- sctzung waren die L a n d t a g S w a h t e n, an welchen sich leider in» folge der traurigen Verhältnisse nur die größeren Orte von sieben Wahlkreisen beteiligen konnten. Trotzdem ist gegen die letzte Wahl ein Fortschritt zu verzeichnen. Ein genaues Resultat war indessen noch nicht festzustellen. Zu den 4625,34 M. betragenden Kosten der Wahl leistete der Parteivorstand eine Beihilfe von 1000 M. Während die Beteiligung an der M a i f e i e r 1907 noch eine gute war, ist in diesem Jahre ein nickt unerheblicher Rückgang zu verzeichnen. Der Bericht führt das darauf zurück, daß durch die zu späte Veröffentlichung der Vereinbarung zwischen Parteivorstand und Generalkommisston Verwirrung entstanden sei z ferner habe auch die Krise die Arbeitsruhe beeinflußt. Die Presse, die von Verfolgungen nicht verschont wurde. hat den allgemeinen Fortschritt nicht mitgemacht. Zwar ist die Zahl der Abonnenten des.Volksboten" gewachsen. dafür aber sind die Einnahmen aus dem Inseraten» geschäft zurückgegangen. Infolgedessen machte sich eine Verminderung des RedaktionsstabcS, der erst am 1. Oktober 1906 auf drei Mann verstärkt worden war, auf zwei Mann notwendig. Der Plan, die Druckerei in Parteieigentum zu überführen, wovon man sich allgemein eine Besserung des Parteigeschäfles verspricht, wird den Parteitag beschästigen. Die Gemeiudevertreterwahlen brachten der Partei erfreuliche Erfolge. Der Bericht verzeichnet 39 sozialdemokratische Vertreter in 14 Orten. Bon der Frauen» wie der Jugendbewegung sagt der Bericht, daß die Erfolge leider nicht den Erwartungen entsprochen haben. Der Sonntagabend war der Konstituierung des Parteitages gewidmet. Die sachlichen Verhandlungen beginnen am Montag. Name stammt nämlich von dem Samen des JohanncSbrotbaums, der in Afrika vor Alters dazu benutzt wurde, Gold abzuwägen und in Ostindien einen ähnlichen Gebrauch bei der Wägung von Dia- manten fand. Wie alle alten Maße ist dies Gewicht erheblichen Verschiedenheiten untern orfen, indem die einzelnen Länder eS nicht in gleicher Höhe angenommen haben. Die Unterschiede schwankten allerdings meist nur zwischen 205 und 206 Milligramm« gaben aber doch zu Mißhclligkeiten Anlaß, so daß man sich beim Tiamantenhandcl auf einen bestimmten Betrag geeinigt hat. Noch jetzt aber ist das Karat eine umständliche Einheit, und es ist durchaus zeitgemäß, daß es einer Reform unterworfen werden soll. So hat die Internationale Konferenz für Maße und Gewichte in Paris im Oktober vorigen Jahres einstimmig beschlossen, als Normalgewicht für Diamanten und andere Edelsteine die allge. nieine Annahme eines metrischen Karats von 200 Milligramm zu befürworten. Der Vorschlag hat namentlich in Deutschland, Frankreich, Spanien und Belgien eine sehr günstige LlUfnahmo gefunden, aber eS war zu erwarten, daß man in England, wo ja Fuß und Zoll und die Fahrenheit-Grade hartnäckig festgehalten werden, anderer Meinung sein werde. In der Tat haben sich einige bedeutend« englische Diamantenhändler auf eine Anfrage seitens des dortigen Handelsministeriums mit solcher Energie da- gegen ausgesprochen, daß die englische Regierung borläufig keine weiteren Schritte in der Sache unternehmen wird. Schließlich dürfte aber die Einführung des neuen MaßcS In allen Ländern einen Druck auch auf England ausüben. Das französische� Ministerium hat bereits einen Gesetzentwurf des metrischen Karats ausgearbeitet, und zwar soll danach das einfache Karat als Ge- Wichtsbezeichnung in der bisherigen Bedeutung verboten werden. Die englische Stellungnahme hat übrigens auch in Indien Anstoß erregt, da die Handelskammer in Bombay sich gleichfalls für die Vereinbarung eines internationalen Karats ausgesprochen hat, Hnmor und Satire. A e n g st I i ch.„Sie deklamierten: Diesen Gruß der ganzen Welt— eS muß doch heißen: Diesen Kuß der ganzen Weltl" „Ja, meine Frau saß doch im Saale 1" — Deplaziert.„Kennst Du den Herrn näher» der Dir beim Fußballspiel die Zähne eingetreten hat?" „Freilich I Mit dem stehe ich auf freundschaftlichem Fuße!" — Nervös. Bäuerin(in der Sommerfrische):„Das ist 'mal a nervöse Dame, die wir jetzt bei uns wohnen haben; die ärgert sich über jede Wanze, die an der Wand kriecht!" — Kein Wunder.„Warum ist der Diurnist Hungerle wohl an Größenwahn erkrankt?"—„Er erhielt neulich einen Erprefferbrief."_(„Meggendorser Blätter.') Notizen. --DerfranzösischePhysikerHenryBecquerel, der Entdecker der nach ihm benannten Becquerel-Strahlen, ist im Alter von nicht ganz 58 Jahren gestorben, Ale MdterlcbatzbeftltnmuDstD ziftande ftonsncn. Dcis ziemlich häufige Vorkommen von Milzvranderkrankungen Oei den in Rofihaarspinnereien, Haar- und Borstenzurichrereien und Pinsel- und Bürstenfabriken beschäftigten Personen und das Ver- langen der Arbeitervertreter inr Reichstage um Einführung des Desinfektionszwanges haben den Bundesrat veranlagt, am 28. Januar 1839 denselben für die in diesen Betrieben verwendeten Haare und Borsten und Schutzbestimmungen für die damit be- schäftigten Personen auf Grund der Ermittelungen des R.-G.-A. sReichsgesundheitsamtes) zu erlassen. Zwar wurde durch die vor- geschriebenen Desinfektionsverfahren nicht die vollständige Verhütung von Milzbranderkrankungen erreicht, da man keine zu intensive Ein- Wirkung des strömenden Wasserdampfes vorschrieb, durch eine Zusatzbestimmung vom 22. Oktober 1392 wurde auch für ver- arbeitetes Ziegenhaar der DesinfcktionSzwang eingeführt. Für die in Gerbereien, Fell- und Häutelagern beschäftigten Arbeiter wurde aber, obwohl sie nicht weniger von Milzbrandinfekttonen betroffen werden, von den Inhabern dieser Betriebe ein wirksamer Desinfektionszwang ihres Arbeitsmaterials sowie die Einführung wirlsamer Schutzbestimmungen für ihre Ar- beiter durch allerlei Schwierigkeiten bisher hingehalten, die schlief;- lich, wie nachstehende Daten zeigen, nur mit größter Resignation seitens des R.-V.-A.(Reichsversicherungsamtes) und des R.-G.-A. (ReichsgesundheitSamteS) endlich in sehr beschränktem Umfange in den dieserhalb mit dem Vorstande der Leder- Berufs- genossenschaft gepflogenen Verhandlungen angenommen. � Schon am 18. April 1891 war im„Deutschen Reichsairzeiger* Nr. 92 eine vom R.-G.-A. verfaßte.Belehrung über Gesundheits- schädigungen durch den Verkehr niit ausländischen Rohhäuten* er- schienen. Da dieselben aber keine verpflichtende �behördlichen Be- stimmungen, sondern nur Vorschläge und Ratschläge enthielten, so hatten sie keine bemerkbare Wirkung. Ende 1391 ersuchte das R.-V.-A. die Lederindustrie-Berufsgenossenschaft um eine Aeußerung, ob sie die Aufnahme besonderer Bestimmungen über die Behandlung der Felle milzbrandkranker Schafe in die Unfallverhütungsvorschriften beabsichtige. Die Genossenschaft verneinte darauf die Notwendigkeit und Nützlichkeit solcher Bestimmungen. Die Milzbranderkrankungen nahmen nicht ab. Das wurde z. B. in einer Bekanntmachung des Hamburger Medizinalkollegiums vom 26. Juni 1992 und in dem Rundschreiben der anhaltischen Regierung. Abteilung des Innern, Vom 7. August 1992 anerkannt. Mitte 1992 sah sich das R.-V.-A. genötigt, dem Vorstande der Berufsgenossenschaft unter Hinweis auf zahlreiche, namentlich in Kirchhaim, Bezirk Frankfurt a. O., vorgekommene Milzbrandfälle zu erklären, daß eine Ergänzung der Unfallverhütungsvorschriften dringend notwendig sei. Nun wurden die technischen Aufsichlsbeamten der Berufsgenossenschaft vom Vorstande um ge- eignete Vorschläge zur Ergänzung der bestehenden Unfallverhütungs- Vorschriften ersucht. Infolgedessen reichte der technische Aussichts- beamte Möser im Oktober 1992 einen Entwurf ein, der sich im wesentlichen an eine Verordnung des Regierungspräsidenten von Schleswig-Holstein anschloß und für die Bearbeitung trockener aus- ländischer Häute sowie inländischer Schaf- und Ziegenfelle Geltung haben sollte. Am 22. November 1992 veröffentlichte das R.-G.-A. im .Reichsanzeiger* Nr. 27S noch eine neugearbeitete„Belehrung über die Gesundheitsschädigungen durch Häute". Aber da auch sie nur in Ratschlägen bestanden, blieben sie ebenfalls ohne Wirkung. Im Dezember 1992 wurde den, R.-V.-A. der Mösersche Entwurf vom Vorstande vorgelegt, in dem aber eine Beschränkung der Bestimmungen auf ausländische Felle und Häute vor- geschlagen wurde. Das R.-V.-A. erklärte sich hierauf mit dem Ent- wnrf im allgemeinen einverstanden, verlangte aber seine Ausdehnung auch auf inländische Schaf- und Ziegenfelle, da tatsächlich auch bei Bearbeitung solcher inländischen Felle Milzbrandvergiftmigen vorgekommen waren. Der Vor st and der Berufsgenossenschaft erörterte in seiner Sitzung vom 27. Juni 1993 die Angelegenheit„ein- gehend", wie er in seinem Berichte sagt, und gab nach mehrfachen Sitzungen Ende September 1993 dem R.-V.-A. Kenntnis, daß dem Moserfdhen Entwurf mit einigen Aenderungen zugesttmmt sei. Das R.-V.-A. veranlaßte nunmehr die Anhörung der eingetragenen Berussvereine, namentlich des Zentralvereins verdeutschen Lederin du st rie, und legte den Entwurf dem Staatssekretär des Innern vor, der auch das Reichsgesundheitsamt zu einer Begutachtung desselben heranzog. Im Mai 1996 fand dann auf Veranlassung deS R.-G.-A. eine Beratung mit Vertretern des R.-V.-A. unter Teilnahme eines Vertreters der Leder-Berufsgenofsenschaft statt. Den ans dieser Beratung hervorgegangenen Entwurf übersandte dann das R.-V.-A. der Berufsgenossenschaft zur eventuellen Einleitung des in 8 113 des Unfallverhütungsgesetzes vorgeschriebenen Verfahrens(Ein- holung gutachtlicher Aeußerungen der Sektionen und Beratung mit Arbeitervertretern). Die Sektionen waren mit dem ihnen vorgelegten Entwurf größten- teils nicht einverstanden. Nach den von ihnen eingesandten Aeußerungen erschien eine nochmalige mündliche Beratung_ im Genossenschaftsvorstande wünschenswert. Inzwischen wurden über die nach dem 1. Januar 1396 aus Gerbereien zur Anzeige ge- kommenen Milzbrandvergiftungen statistische Ermittelungen angestellt. Auf Grund derselben gelangte der G e n o s s e n s ch a f t s- v o r st a n d zu der Ansicht, daß der Betrieb der Gerbereien und Lederfabriken durch die Sicherheitsvorschriften erschwert und die Unternehmer, namentlich die kleinen, in unendlicher Weise belästigt würden. Die wirksamsten Maßnahmen seien in der Belehrung der Unternehmer und Arbeiter über die bestehende Milzbraudgefahr und in einer rechtzeitigen und sachgemäßen Heilbehandlung zu erblicken. Von dieser grundsätzlichen Stellungnahme gab der Genossen- schaftsvorstand dem R.-V.-Ä. Kenntnis, veröffentlichte sie auch in der Presse und legte sie den Unten, ehmerorganisationen vor. Die bedeutendste der letzteren, der Zentralverein der deutschen Lederindustriellen, setzte die Angelegenheit auf die Tages- ordnnng seiner Hauptversammlung, die 1907 in Hamburg abgehalten wurde. Hier wurde eine Resolution angenonimen, dahüi- gehend, daß die Verhältnisse bei der Milzbranderkrankung noch nicht spruchreif seien. Man wisse trotz dauernder Beobachtung noch nicht endgültig, bei welcher Arbeit die Milzbranderkrankung hauptsächlich eintritt. Infolgedessen ersuche nian das R.-V.-A., ehe Vorschriften erlassen Iverden, in Verbindung mit dem vi.- G.- A. festzustellen, bei welcher Arbeit die Ver- giftung eintritt, und dabei namentlich die Aerzte zu hören. Man behauptete auch, daß, nachdem verschiedene Aerzte die besten Erfolge bei Behandlung der Milzbranderkrankungen aufzuweisen gehabt haben, die Frage nicht mehr ein so ernstes Gesicht habe wie früher! Wenn Unfallverhütungsvorschriften erlassen werden, so sei man im Prinzip nicht dagegen, man müßte sich aber gegen eine Reihe Einzel- heilen des vorliegenden Entwurfes erklären, so gegen die Vorschrift der Trennung der Lager von den Wohnränmen, die in kleineren Betrieben undurchführbar sei; aus demselben Grunde gegen den vorgeschriebenen festen Fußboden, ferner gegen die Bestimmung, daß den Arbeitern Arbeitsanzüge und Schutzkappen geliefert werden sollen, also auch von den Arbeitern angelegt werden sollen, denn sie würden die Arbeiter bei der Arbeit nur hindern. Der Präsident des R.-V.-A. lud zum 4. Januar 1998 den Gcnossenschaftsvorstand zu einer neuen Konferenz ein, zu der auch ein Vertreter des R.G-.-A. zugezogen war. Hier legte der Ge- nossenschaftsvorstand einen neuen Entwurf vor, in dem er im Ein- Verständnis mit den Sektionen im wesentlichen nur folgende Ge- sichtspunktc berücksichtigte: 1. Belehrung der Betriebsuntcrnehmcr und Arbeiter über Milzbrandgefahr durch eine vom R.-G.-A. unter Anhörung der Berufsgenossenschaft aufzustellende Anleitung, L. Anbringen von Aushängen in den Betriebsräumen über Ent- stchung und Bekämpfung der Milzbrandpergiftungen nach Analogie efflK englischen Plakates, das den Mitgliedern der Lerufsgenossen- schaft zur Verfügung gestellt werde, 3. Zurückhaltung solcher Ar- beiter, die wunde Hautstellen haben, von Arbeiten, die eine An- steckungsgefahr bieten, 4. sofortige Verbringung jedes Milzbrand- verdächtigen Arbeiters in das nächstgeeignete Krankenhaus. Da- neben wurden einige Bestimmungen des vorherigen Entwurfs, denen eine gewisse vorbeugende Wirkung beigelegt wurde und deren Durchführung möglich sei, beibehalten, besonders über verschließ- bare Lagerräume, vorsichtige Behandlung der Häute und Felle, Wascheinrichtung und abgesonderten Speiseraum. Bei der gs4stündigen Besprechung der Angelegenheit kam die Konferenz schließlich wieder zu der Ueberzeugung, daß„die vor- liegende Frage noch nicht genügend geklärt sei, um der Industrie sie besonders belastende und in ihren Wirkungen zweifelhafte Be- stimmungen aufzuerlegen". Man stellte sich daher auf den Boden des neuen Entwurfs der Berufsgenossenschaft, der nur in einigen wenigen Punkten kleine Aenderungen erfuhr. Die Vorschriften sollten aber nur auf 3 Jahre erlassen werden, und es sollte nach dieser Zeit auf Grund der inzwischen zu machenden Feststellungen eine Durchsicht der Vorschriften stattfinden. Die Vorschriften des neuen Entwurfs, die sich übrigens nicht, entsprechend dem Vor- schlage der Genoffenschaft, als spezielle Vorschriften, sondern als ein Nachtrag zu den allgemeinen Unfallverhütungsvorschriften darstellen sollten, wurden inzwischen den Sektionsvorständen zur Begutachtung nach§ 113 des Gesetzes übermittelt. Auch wurden die Sektionen um die Auswahl der Krankenhäuser, die sich zur Be- Handlung der Milzbranderkrankten besonders eignen und denen jeder Milzbranderkrankte alsbald zu überweisen sei, ersucht. Ferner wurde wegen Ausarbeitung eines Plakats und Belehrung der Arbeiter über Milzbrand das Erforderliche(!) veranlaßt, der Entwurf auch durch die Fachblätter zur Kenntnis der Mitglieder gebracht und diese ersucht, etwaige Wünsche in bezug auf die Fassung dem GenossenschaftSvorstande mitzuteilen. Dieser Entwurf kam dann in der Genossenschaftsversammlung am 2 2. Mai 1993 in Eisenach zur Beratung. Hier teilte der Vorsitzende zunächst mit, daß in der Konferenz, die am 4. Januar 1998 im R.-V.-A. stattfand, ein« Einigung mit der Aufsichtsbehörde dahin erzielt worden sei, daß auch den Bedenken der Genoffenschaft hinsichtlich der Einrichtung der Lagerräume sowie deren Reinigung und Desinfektton Rechnung getragen sei. In der gemeinsamen Be- ratung des Entwurfs durch den Genoffenschaftsvorstand und die gewählten Arbeitervertreter(die mit besonderen Anträgen nicht durchdrangen und sie zurückzogen) habe man sich ebenfalls über den Entwurf vollständig geeinigt.(Die Auslassungen der Arbeiter- Vertreter selbst werden aber mit keinem Worte erwähnt.) Tann wurden die einzelnen Paragraphen des Entwurfs besprochen: Im Titel und in den einzelnen Paragraphen soll vor dem Wort „Ziegenfell" das Wort„roh" und statt des Wortes„Häute" das Wort„Rohhäute" gesetzt werden(wodurch viele Ziegenfelle und Häute von den Bestimmungen ausgeschaltet werden). Von der beantragten Einschaltung der Worte„nach Möglichkeit" vor„in besonders verschließbaren Lagerräumen* wird abgesehen, nachdem der Vorsitzende einfach erklärte, daß man gar keine besonderen Lagerräume einrichten, sondern nur einen verschließbaren Lattenverschlag von dem allgemeinen Verkehrsraum ab- zusondern braucht. Ebenso erklärte der Vorsitzende eine Streichung des Satzes„sie(die Häute) dürfen insbesondere unnötigen Er- schütterungen nicht ausgesetzt werden", für nicht nötig. Denn Manipulationen beim Umlagern und Transport fielen nicht unter diese Bestimmung. So wußte man, nachdem andere unbequeme Bestimmungen schon vorher aus dem Entwurf ferngehalten waren, die Zustimmung auch der Inhaber der kleineren Betriebe zu der neuen Fassung des Entwurfs zu erhalten und damit zugleich die Zustimmung des R.-V.-A. zu erlangen, sondern auch den Beifall des Zentralverens der deutschen Lederindustrie, der nun in seinem Geschäftsbericht für 1997 schrieb:„Wir können in dieser Frage einen Erfolg des Zentralvereins insofern feststellen, als, wenn wir nicht eingegriffen hätten, wahrscheinlich Vorschriften zur Einführung gelangt wären, die die lederindustriellen Betriebe, soweit sie rohe Schaf- und Ziegenfelle sowie trockene ausländische Rohhäute verarbeiten, stark belastet haben würden, ohne daß den Arbeitern mehr Vorteile daraus erwachsen wären als aus dem jetzt festgelegten Entwürfe." Ob die Arbeiter von diesem durch das Verhalten der Be- rufsgenoffenschaft und das Eingreifen des Zentralvereins so ein- geschränkten Entwurf der Unfallverhütungsvorschriften einen Vorteil, d. h. eine Abnahme ihrer Unfälle und der Milzbrand- infektionen erfahren werden, das muß erst die Zukunft lehren. Aber die hier in möglichster Kürze wiedergegcbenen, länger als sieben Jahre eine notwendige Verordnung hinhaltenden Ein- Wendungen, Einschränkungen und Abschwächungen der Arbeitgeber- Vereinigungen zeigen, mit welcher Hartnäckigkeit diese jede Ver- besserung der Lage der Arbeiter hinzuhalten und zu kürzen suchen und wie richtig das von einem Regierungsvertreter ausgesprochene Wort war:„wirarbeitenjadochnurfürSi e"� Internatiovale Zchneider-Kouftrea;. Frankfurt a. M., 24. Aug. Im Anschluß an den Berbandstag der Schneider wurde heute früh die 6. internationale Schnerderkonferenz eröffnet. Anwesend sind 28 Delegierte, und zwar von Deutschland 19, Amerika 1, Däne- mark 1. England 3, Oesterreich 1, Schweiz 1, Ungarn 1 und Hol- land 1. Der internattonale Sekretär, S tü hm er- Berlin, gab zu- nächst eine Ueberficht über die Entstehung und EntWickelung der internationalen Verbindungen und einen kurzen Bericht über seine Tätigkeit. Die erste inter- nationale Konferenz fand gelegentlich des internationalen Arbeiter- kongresses am 8. August 1833 in Zürich statt. Dort wurde beschlossen, daß jedes Land einen Korrespondenten ernennt, die miteinander in Verbindung treten sollen. Aber schon auf dem zweiten Kongreß, der 1896 in London stattfand, sah man die Notwendigkeit der Er- richtung eines Sekretariats ein und wurde die Genossin Klara Zetkin als Sekretärin eingesetzt. Im Jahre 1999 übernahm dann Stühmer dieses Amt. Die Verbindungen mit den einzelnen Ländern sind enger geworden und heute dem Sekretariat 11 Länder angeschlossen. Amerika hat sich bereit erklärt, sich ebenfalls anzu- schließen. Für die reisenden Kollegen ist durch die Gegenseitigkeit der Unterstützung manche Verbesserung geschaffen worden. Die Vereinheitlichung der Mitgliedsbücher, Beitragsmarken usw. hat in den letzten Jahren weitere Fortschritte gemacht, sodaß die Bücher beim Ueberschreiten der Landesgrenze in den meisten Ländern nicht mhr umgetauscht werden brauchen. Seitdem die internationalen Verbindungen bestehen, sind Streikbrecher aus anderen Ländern in Deutschland seltener geworden. Auch hatten di« Verbindungen zur Folge, daß die Arbeitgcberverbände ebenfalls suchen, internationale Beziehungen anzuknüpfen.— Der Kassenbericht des Sekretariats schliefst bei einem Bestand von 2399 M. mit 2449,81 M. Einnahmen und 149,81 Ausgaben ab. Ein mündlicher Bericht über die Organisationsverhältnisse in den einzelnen Ländern wird nicht erstattet, sondern auf die vorliegenden gedruckten Berichte verwiesen. Der Dänische Schneiderverband zählt 3293 Mitglieder(davon 1999 Frauen). In den Städten sind fast alle Kollegen organisiert und wird nirgends mit Unorganisierten zu- fammengcarbeitet. Der wöchentliche Beitrag der Mitglieder ist 49 Oere für Männer und 18 Oer« für Frauen.(49 Oere sind 45 Pf.) Der Verband besitzt ein Vermögen von 76 999 Kronen. Der Bericht des Englischen Schneider- und Schnei- derinnenverbandes gibt eine ausführliche Schilderung der Schneiderbewegung in England seit den frühesten Jahren. Schon vor 299 Jahren sollen die Schneider Englands in einer Anzahl lokaler Organisationen vereinigt gewesen fein, diq bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen erstrebten. Im Jahre 1866 wurde aus einem Kongreß SoN lokalen Se«sKN Set: ZenkralverSand'(?n«kgamated> Society of Tailors) gegründet und am Ende dieses Jahres zählte der Verband schon 11 327 Mitglieder in 199 Filialen. Diese Mit- gliederzahl hielt aber nicht an. Der große Londoner Schneidcrstreik, der vom April 1867 bis April 1868 dauerte und mit einer vollstän» digen Niederlage für die Arbeiter endigte, hatte einen Mitglieder- rückgang bis auf rund 4999 zufolge. Ein Grund dieses Mitglieder- schwunds war mit die Ausschreibung von Extrabeiträgen bis zu 4,59 Mark pro Woche. Die Mitgliederzahl stieg dann in den nächsten vier Jahren bis auf 12 999. Von da blieb die Mitgliederzahl stabil. Sie erreichte im August 1996 mit 22 999 ihren Höhepunkt und siel dann wieder um Tausende; Ende 1397 betrug sie 13 842, bei über 399 Filialen. In Frankreich zählte der Verband am 15. Mai 1998 nur 1569 Mitglieder mit 39 angeschlossenen Filialen. Es sei sehr schwer, in der Bekleidungsindustrie die Arbeiter und namentlich die Heim- arbeiter zu organisieren. Tie Auflage der Fachzeitung bewegt sich zwischen 2299 bis 2499 Exemplaren gegen 1799 im Jahre 1996. Der Jahresbeitrag ist auf 1,29 Frank(gleich 1 M.) festgesetzt. Der Allgemeine Kleidermacherverband in Holland wurde im Jahre 1896 gegründet. In der Bekleidungsindustrie sind zirka 69 099 Personen beschäftigt. Der Verband zählte aber nur rund 699 Mitglieder. Der Verband der Schneider und Schneiderinnen für Bosnien und Herzegowina zählt 259 Mitglieder. Der Oesterreichische S ch n ei d e rb er b a n d wurde 1895 gegründet, doch war er anfangs nur ein Bindeglied zwischen verschiedenen selbständigen Fachvereinen. Der Verband hatte mit großen Schwierigkeiten, besonders sprachlicher Natur, zu kämpfen. Der Verbandsvorstand war bemüht, daß allen berechtigten Bcstre- bungen und Forderungen der einzelnen Nationen entsprochen werde. Dadurch ist es gelungen, die einheitliche Form zu erhalten. Die Ge- samteinnahmen betrugen 1397 142 133 Kronen, die Ausgaben 156 572 Kronen und das Vermögen 35 624 Kronen, Die Mit- gliederzahl betrug Ende 1997 7223. Der Ungarländische Schneiderfachverein zählte 1997 5456 Mitglieder, davon 769 Frauen. Er hat in verschiedenen Städten des Landes 47 Kollektivverträge, die sich auf 12 259 Ar- beiter erstrecken, abgeschlossen. Obgleich die Gewerkschaften in Ungarn an der Inszenierung von Streiks nicht teilnehmen, keine Streikfonds sammeln und keine Streikenden unterstützen dürfen, fanden 1997 im Berufe doch 47 Streiks und 4 Aussperrungen statt, an denen 2396 Arbeiter teilnahmen. Den Streikfonds sammelt an Stelle des Verbandes das Fachblatt, das juristisch Eigentum einer Person ist. Die Lohnbewegungen sind aus diesem Grunde in Ungarn sehr schtner zu führen und ist deshalb eine Verbesserung der Arbeitsverhältnisse viel schwerer zu erreichen als im Westen Europas. Es geht aber auch hier vorwärts. In der Schweiz sind ungefähr 9— 7990 männliche und 20 999 weibliche Personen im Schneidergewerbe tätig. Von diesen sind zirka 2159 im Schweizerischen Schneiderverband organisiert, Die Unterstützung bei Streiks wird durch folgende Resolution geregelt: „Die auf dem Internationalen Schneiderkongreß versammel- ten Delegierten der verschiedenen Länder versprechen, dafür ein, zutreten, daß bei allen größeren Streiks und Aussperrungen gegen» festige finanzielle wie moralische Unterstützung erfolgt sowie nach Kräften dafür sorgen zu wollen, daß der Zuzug während eines Streiks oder einer Aussperrung von dem davon betroffenen Laude ferngehalten wird. Die Delegierten erwarten von den Kollegen aller-Länder, sich die Beschlüsse zu eigen zu machen und verlangen. daß sie sich bei etwa ausbrechenden Streiks oder Aussperrungen sofort mit dem internationalen Sekretär in Verbindung setzen, damit die notwendigen Schritte eingeleitet werden können." Der Punkt Regelung des GegenseitigkeitSverhält» nisses bei den Unter st ützungSeinrichtungen nimmt einen sehr breiten Raum, der Verhandlungen ein. Man einigte sich schließlich auf folgende Resolution: „Der Internattonale Kongreß der Schneider in■ Frankfurt am Main 1398 bringt folgende Regelung der gegenseitigen Unter» stützungen in Vorschlag: Unterstützuirgen werden nur den Mit- gliedern der dem Internattonale« Sekretariat angeschlossenen Organisationen gewahrt. Reise- und Streikunterstützung sind so- fort beim Uebertritt zu gewähren. All« anderen Unterstützungen sind nach einjähriger Karenzzeit nach den statutarischen Bestim- mungen des betreffenden Landes zu zahlen. Ins Ausland reisend« Mitglieder sind verpflichtet, sich ordnungsgemäß ab- und bei der Ankunft sofort anzumelden." Die schon früher festgesetzten Bestimmungen für das Sekretariat werden erneuert. Als Sekretär wird Stühmer-Deutschland wieder- gewählt. Die nächste Konferenz soll 1912 tagen. Damit sind die Arbeiten der Konferenz, auf der 87 915 organi- sierte Schneider(von Deutschland allein 49 744) vertreten sind, er- ledigt. Vorsitzender Stühmer schließt si« mit einem Hoch auf die internationale Schnciderbewegung. Soziales* Menschenopfer im Bergbau. Das neuerliche große Grubenunglück auf der fiskalischen Grube „D u d w e i l e r" im Saargebiet hat die öffentliche Aufmerksamkeit wieder auf die Bcrufsgefahren des Bergmannes gelenkt. Sie sind trotz der gegenteiligen Versicherungen nicht geringer, sondern größer geworden. Das soeben herausgegeben« I. statistische Beiheft der ministeriellen„Zeitschrift für Bergbau, Salinen- und Hüttenwesen" bringt für unseren Bcrgarbeiterschutz sehr un- günstig zeugende Zahlen. Noch in keinem Jahre waren die vom Bergbau Preußens geforderten Menschenopfer so zahlreich wie 1997. In diesem Jahre sind 1473 Bergarbeiter direkt getötet worden: über 499 mehr wie jährlich während der unglücksreichen Periode 1991/951 Relativ erhebt sich 1997 die bergmännische Totenziffer über die weitaus meisten Jahresdurchschnittsziffern seit 1861. Von 1999 Steinkohlen-, Braunkohlen-, Erz- und Salzbergleuten in Preußen verunglückten tödlich 1861—1866. 2167 1891—1990. 2135 1867—1880. 2465 1991—1995. 1861 1831—1830. 2455 1997... 2247 Eine wesentliche Verringerung der Todesfälle im Laufe be� letzten 4 Jahrzehnte ist also nicht zu konstatieren; vielmehr ergibt ein spezieller Vergleich mit den Unfallzahlen vor mehr als 49 Jahren eine Zunahme der Arbeitcrverunglückungen. Vergleicht man die Unfälle in den Hauptkohlenbezirken, so stellt sich überall eine vermehrte Arbeitertötung heraus. Es verunglückte:; pro 1999 Bergarbeiter in 1991/1905 1997 Oberschlesien.... 2157 251� Niederschlesien... 1399 1539 Ruhrgebiet..... 2112 2151 Saargebiet..... 1367 4412 Aachen-Düren... 1665 1796 Frappierend ist auf alle Fälle das relativ starke Wachsen bev, Unfälle seit Inkrafttreten der Bergarbeiterschutzgesetznovelle vom Jahre 1995. Nicht als ob dieses Gesetz die Unfallhäufigkeit im Schlimmen beeinflußt hätte, aber es hat, wie die Praxis lehrt, sich als unwirksam für den Arbeiterschutz erwiesen, was die Arbeiter- führcr voraussagten und weshalb sie gegen das Gesetz opponierten. Die erschreckend hohe Unglücksziffcr im fast nur fiskalischen Saar- gebiet ist die Folge von zwei Massenunglücken(„Reden" und „Mathildenschacht"), die allein fast 299 Menschen das Leben raubten. Daß nun schyn wiedep der angebliche ,MujtexbergbW" im fislaliMa ®««tgeWel«S MassenMMiI T.55ttTOei!et'J| p» veüagm ha?. spricht nicht zugunsten der dortigen Werke. Hier Vierden nach der Versicherung der Ncgierungsleute die gesetzlichen Schutzmatzregeln besonders peinlich durchgeführt; infolgedessen darf behauptet werden, daß die Bergarbeitcrschutzvestimmungen durchaus ungenügend sind. Hauptsächlich verunglückten die Bergarbeiter durch Stein- und Kohlenfall: er tötete letztjährig sofort 470 Bergleute. 163 wurden durch Schlagwetter getötet, 267 durch Sturz in Schächten und durch maschinelle Fördereinrichtungen. 159 bei der Fahrt in Schächten, 51 bei der Schictzarucit; 207 kamen bei der Uebertagsarbeit zu Tode. Die Verunglückungen infolge von Explosionen haben sich absolut und relativ erfreulicherweise erheblich verringert, und zwar von 0,62 pro 1000 Arbeiter in der Periode 1891/1900 auf 0,17 pro 1000 in der Zeit 1901/1905. 1906 ging die Ziffer weiter auf 0,10 pro 1000 zurück, schnellte aber 1907 wieder auf 0,46 pro 1000 empor. Immerhin zeigt gerade das ziemlich stetige Herabgehen dieser Unglücksziffer, datz es wohl möglich ist, die angeblich„unab- Wendbaven Bergbaugefahren" mit Hilfe der Technik bedeutend ab- zuschwächen. Der Umstand, datz die Unglücksfälle infolge von Stein- uird Kohlenfall, noch mehr aber die Verunglückungen infolge von maschinellen Fördereinrichtungen zunehmen, beweist die Vermehrung der Betriebsgefahren durch das eingerissene rasende Betriebstempo. Mit dem Einsetzen der flotten Geschäftsperiode beginnt auch die Unfallvermehrung. Von 1000 Arbeitern verunglückten 1904 1705, 1905 1744, 1906 1836 und 1907 2247. Der enge Zusammenhang zwischen Unfallvermehrung und Geschäftskonjunktur ist unverkenn- bar. Dadurch ist auch des Uebels Kern aufgezeigt: die Abhetzung 'der Arbeiterl Mit der billigen Redensart, der Bergbau werde stets Menschen- vpfer fordern, kommt man nicht über die Tatsache hinweg, datz in anderen bergbautreibenden Ländern die BergmannSverunglückungen bedeutend geringer sind wie bei uns. In dem an Alter und Aus. dehnung dem preutzischen weit überragenden englischen Kohlen- bergbau verunglücken jetzt relativ über 40 Proz. weniger Menschen wie vor 3V— 40 Jahren. 18,73/82 wurden im englischen Kohlen- bergbau 2,24 von je 1000 Arbeitern getötet, 1883/92 waren es 1,81, 1893/1902 nur noch 1,39 und 1907 sind eS 1,32 gewesen I Im preutzi- schen Kohlenbergbau verunglückten 1907 tödlich 2,397 von 1000 Ar- beitern, das sind 72 Proz. mehr als in England I Diese markante Tatsache ist doch nicht zu übersehen. Bon 1900 bis inklusive 1907 sind im preutzischen Bergbau 8886 Arbeiter tödlich verunglückt, jährlich über 1000 Menschenleben direkt vernichtet, ungeachtet der Verkrüppelten! Das bedeutet auch grotze volkswirtschaftliche Verluste, um auch diese Seite der traurigen Sache hervorzuheben. Die Reduzierung der Bergarbeiter- schaft um mehr als 1000 pro Jahr kommt einem vielfachen Mil- lionenverlust gleich. Wenn auch die Getöteten durch Tausende andere„Hände" ersetzt werden: die rapide Dezimierung der ge- schulten Arbeiter mutz naturnotwendig die Qualität der Belegschaften vermindern. Deshalb sollten die Bergwerksunternehmer im eigenen Interesse den wohlbegründeten Arbeiterschutzforderungcn keinen Widerstand entgegensetzen, sondern sich selbst sagen, datz die grötzt- mögliche Verschärfung des Arbeiterschutzes auch im wirtschaftlichen Interesse des Bergunternehmertums liegt- Allerdings ist bei der bekannten sozialpolitischen Einsichtslosigkeit gerade dieser Unter- nehmerkategori« einstweilen nicht auf deren Umkehr zu vernünfti- geren Anschauungen zu hoffen. Den Bergarbeitern liegt eS ob, mittels verstärkter Organisation sich besseren Lebensschutz zu er- zwingen, MutterschaftSkassen. Die Krage der Mutterschastskasien ist von eminenter Bedeutung, sodass«S sich verlohnt, Umschau zu halten, wo solche schon existieren. In England besteht eine Mutterschastsversicherung, die sich die Versicherten aus eigener Kraft geschaffen haben, und eine Art Mutterschaftskasse ist auch den verschiedenen anderen Krankenkassen angegliedert. So bezahlt die englische Hilfskasse Hearts of Oak an die Frauen ihrer Mitglieder 30 Schilling Entbindungsgelder; in den letzten Jahren wurden an mehr als 30 000 Wöchnerinnen Unter- stütz» ngsgelder geleistet. In Mailand besteht dank dem energi- schen Vorgehen von Frau Paola Schiff seit kurzer Zeit eine Mutter- schaftskasse. Als Beitrag sind eine einmalige grötzere oder regel- mätzige kleinere Zahlungen zu entrichten, verschieden hoch, je nach dem Alter, in dem die Beteiligte in die Versicherung eintritt. Ein Mädchen kann schon mit dem ersten Jahre in die Versicherung auf- genommen werden. Die Kasse bezahlt für jede Entbindung 30 Lire; doch gehören ihr erst 55 Personen an. Die französische Versicherung Mutualite maternelle be- steht schon seit 1891 und hatte bis 1903 nur 1765 Mitglieder. Dann aber wurde die Beteiligung viel reger und bis Ende 1906 hatten sich 12 000 Teilnehmer der Kasse angeschlossen. Wahrscheinlich hat die Erfahrung dabei mehr gewirkt als Propaganda. Der Erfolg war auch tatsächlich grotz. Von 1000 entbundenen Frauen, die der Versicherungsanstalt angehören, haben im Jahre 1906 nicht weniger als 871 selber gestillt, während die Volkszählung in Berlin im selben Jahre ergab, datz nur 332 Säuglinge von je 1000 Muttermilch er- hielten. Erstaunlich ist auch die geringe Quote der Säuglingssterb- lichkcit bei der Matcrnite; sie steträgt nur 3— 4 Proz. In Deutschland gibt es vorderhand nur einen gesetzlichen Wöchnerinnenschutz für die in den Krankenkassen Versicherten und private Hilfe. Datz das aber nicht genügt, liegt auf der Hand, wenn auch die 5 065 600 M.,'die von der deutschen Krankender- sicherung 1906 bei 3 008 600 weiblichen Versicherten(wozu noch in einer Anzahl Kassen die mitversicherten Frauen der männlichen Mitglieder kommen) für Schwangeren- und Wöchnerinnenunter- stützung ausgegeben werden, ganz anders ins Gewicht fallen als jene winzigen Versuche im Ausland. Die Milzbrandgefahr und ihre Bekämpfung. Auf der Konferenz der Lederindustrieberussgenossenschast, die Anfang 1908 in Berlin abgehalten worden ist, wurde auch über die Bekämpfung der Milz- brandgefahr in Gerbereien und Lederfabriken beraten. Ueber die Ausdehnung, Entstehung Und Bekämpfung dieser gefährlichen Be- rufskrankheit gibt Ingenieur Robert Wille einige wichtige Aus- führungen in der Zeitschrist„Eoncordia". Laut dem Bericht des Medizinalinspektors Legge sind in den Jahren 1899— 1905 77 Milzbranderkrankungen bei den mit der Verarbeitung von Rotzhaaren und Borsten beschäftigten Personen vorgekommen. Von diesen 77 Erkrankten starben 18. Die nähere Untersuchung stellte fest, datz die meisten Erkrankungen bei der Bearbeitung von gekräuseltem Rohhaar und beim Haarsichten vorkamen, verhältnismähig wenig bei der Verarbeitung von langem glatten Haar �ür Webezwecke. Das gefährlichste Material ist das aus China stammende Mähnenhaar, ebenso wie das aus Sibirien und Rutzland stammende Rohmaterial. Dagegen hat sich bis jetzt ken. Fall von Milzbranderkrankung fest- stellen lassen, der durch Haare aus England, Amerika und den Kolonien hervorgerufen wäre. Das einzige Mittel gegen Milzbrandinfektion ist eine gründliche Desinfektion des Rohmaterials, der die Gewerbeinspektoren alle Aufmerksamkeit zuzuwenden haben. Der Urlaub der städtischen Arbeiter wurde in Nürnberg durch Magistratsbeschlutz neu geregelt. Der Urlaub wird, nach der Dienst- zeit abgestuft, auf 3, 5 und 7 Tage bemessen. Werkmeister erster Klasse erhalten bis zu 10 Tagen Urlaub. Em der f raiienbewecfung, Die Genossinnen des Kreises Niederbarnim veranstalteten am Montag bei Trapp in Tegel eine öffentliche Frauenversammlung, in der Genosse Paul John über die Auf- gaben des deutschen Parteitages und der Frauenkonfcrenz einen Vortrag hielt. Im Gegensatz zu dem Essener Parteitag, so be- gann der Redner, scheint es, datz in Nürnberg recht lebhafte De- battcn ausbrechen werden. Und der Parteikonflikt, der so Plötz- lich aufgetaucht ist.v erheitzt sogar eine gewisse Heftigkeit für die Behandlung der strittigen Frage über das Verhalten der Genossen in den Parlamenten. Trotzdem ist zu erwarten, datz die Ausein- andersetzungen damit endigen werden, datz die Interessen unserer Partei wiederum eine Förderung erfahren. Essen hinterlietz aus seinen Beratungen noch einen Rest, der Anlas; geben könnte zu längeren Debatten, wenn nicht der Lauf der Dinge in der Ee- lverkschaftsbewegung dies überflüssig gemacht hätte, nämlich in bczug auf die Haltung der Partei zu den getverkschaftlichen Organi- sationen lokaler Art. Nürnberg wird nur die Aufgabe haben, zu konstatieren, datz wir mit der lolalistischen Bewegung abgeschlossen haben. Man hat in diesen Kreisen die überwiegende Bedeutung und die Notwendigkeit der Zentralverbände anerkannt, und was noch übriggeblieben ist, verliert sich in anders gearteten Bestrebungen.— Die Beschickung des Parteitages, auf die der Redner dann zu sprechen kam, anders zu regeln, wird schon der Frauenorgan i- s a t i o n wegen notwendig sein. Die Frauen haben noch ein weites Organisationsfeld, das eine sorgfältige Beackerung erfordert. Auf dem Parteitag wie auf der Frauenkonferenz wird äuch die Frage der Jugendorganisation das starke Interesse der Frauen in Anspruch nehmen. Hier gilt es, eine befriedigende Lösung zu finden. Die Jugend mutz um ihrer selbst willen orgcun- siert werden, und will man Charaktere bilden, so mutz man der Jugend auch eine gewisse Selbständigkeit einräumen. Auf der anderen Seite mutz verhütet werden, datz die Jugendorganisation zur Folie wird für Parteigenossen, denen es unangenehm an- kommt, in Partei und Gewerkschaft von der Picke au zu dienen und die deswegen sich bescheiden, ihr angeborenes Feldherrntalent in der Jugendbewegung zu betätigen. Redner verweilte dann bei den Wünschen nach Verbilligung und Vermehrung der Partei- schriften und er meinte, daß man eher von einer Ileberfülle als von einem Mangel in dieser Beziehung reden könnte, und damit länge auch die geringe Vertiefung in die Parteiliteratur zusammen. Früher hatten wir wenige, aber gute theoretische Schriften, die von den angehenden Genossen auch gelesen wurden. Heute haben wir eine Unmasse von Parteischriften über Einzelfragen, und die Genossen wissen nicht mehr, was sie davon lesen oder wenigstens bevor- zugen sollen. Ueber die„Neue Zeit" werde genörgelt, datz sie zu „langweilig" sei; aber eine wissenschaftlich ernste Zeitschrift könne nicht kurzweilig sein. Nicht dieser, sondern dem Leser, der kein Interesse daran nimmt, müsse der Vorwurf gemacht werden. Der Redner gab Rätschläge, wie man mit grötzerem Nutzen Wissenschaft- lich ernste Sachen liest. Man sollte sich stets bemühen, einzu- dringen in eine Sache, sie zu studieren, sobald ein Interesse da- für rege wird. Mit wachsender Erkenntnis wird auch der Genutz daran grösser werden.— In der Frage der Maifeier liegen eine Reihe von Anträgen vor, die erfreulicherweise sich damit be- schäftigcn, wie die Feier am besten und wirksamsten durchzuführen seu— Den Höhepunkt der Verhandlungen werde jedenfalls die Dis- kussion über das Verhalten der süddeutschen Parteigenossen bilden. Ihr Verhalten müsse eine scharfe Verurteilung erfahren zum Besten der Bewegung und des proletarischen Klassenkampfes. Der Redner schlietzt mit dem Ausdrucke der Zuversicht, datz trotz allen Konfliktstoffes auch dieser Parteitag unserer Bewegung von reichem Nutzen sein werde. Als Delegierte von Niederbarnim wurde die Genossin Neu- mann gewählt. Genossin K i e n a st gab darauf einen Bericht über den Stand der Kasse für die Zeit vom 10. Dezember v. I. bis 24. August d. I. Eingaben und Ausgaben bilanzieren mit 80 M. An Ertrabei- trägen wurden 136,05 M. eingenommen, die an den Wahlverein des Kreises abgeliefert worden sind. Genossin Naumann hielt zum Schluh eine kurze Ansprache und schloß die Versammlung mit einem Hoch aus die Partei, Oencdts-Leitung. Der schwere Bauunfall, der sich seinerzeit auf dem Neubau des Neuen Operetten. Theaters am Schiffbauerdamm ereignet hatte, gelangte gestern unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Lieber vor der 3. Ferien- strafkammer des Landgerichts l zur Verhandlung. Wegen fahr- lässiger Körperverletzung war der Ingenieur Samuel V o tz angeklagt. Im Frühjahr v. I. wurde die Ausführung des Baues des Neuen Operetten-Theaters auf den Grundstücken Schiffbauer- dämm 25 u. 26 in Angriff genommen. Zum Aufwinden von Steinen, Mörtel und anderen Baumaterialien hatte die Firma Votz u. Walter in der Koloniestratze einen grotzen elektrisch be- triebenen Lastkran errichtet. Der Kran, an dem sich eine Art Fahrstuhl zur Beförderung der Lasten befindet, war am 20. Juni bis zur Höhe von 25 Metern beinahe fertig montiert. Gegen Mittag arbeiteten gerade der Monteur Litzmann und der Hilfs- arbeiter Junkhuhn an den eisernen Verbindungsteilen des Kraus, als be'de plötzlich bemerkten, datz der ganze turmartige Aufbau ins Wanken geriet. Die beiden Arbeiter erkannten sofort die grotze Lebensgefahr, in der sie schwebten, und versuchten noch durch schnelles Herunterklettern sich in Sicherheit zu bringen. In diesem Augenblick stürzte auch schon der ganze Turm mit einem donner- ähnlichen Krachen nach der Wasserfront zu um. Glücklicherweise passierten in diesem Augenblick keine Fußgänger die Unfallstelle, sonst wäre ein entsetzliches Unglück herbeigeführt worden. Als sich der aufgewirbelte Staub verzogen hatte, sähen die Augen- zeugen, datz unter den Eisentrümmcrn die zwei Arbeiter, die zuletzt auf dem Kran gearbeitet hatten, begraben waren. Erst durch die Feuerwehr konnten sie wieder mit vieler Mühe befreit werden. Junkhuhn hatte einen schweren Knöchelbruch erlitten, während Litzmann mit leichteren Verletzungen davonkam. Um die Ursache des Unfalles festzustellen, wurden sofort verschiedene Bau- sachverständige hinzugezogen. Diese stellten fest, datz die eisernen Streben, welche die Laufschienen des Krans mit dem Mauerwerk verbinden sollten, herausgerissen waren. Es ergab sich weiter, datz die eisernen Streben in nicht ausreichender Meise mit dem Mauerwerk verbunden waren und datz ferner der betreffende Teil der Mauer nicht genügend belastet gewesen war, um den kolossalen seitlichen Zug aushalten zu können. Diese Ermittelungen führten zur Erhebung einer An- klage gegen den Inhaber der Firma.— Vor Gericht machte der Angeklagte geltend, datz er für die Ausführung des Kranbaues einen als zuverlässig erprobten Montagemeister angestellt habe, der die volle Verantwortung übernommen habe. Als dieser verreist sei, habe er einen gewissen Gräfe zu seiner Vertretung beordert. Er(Angeklagter) sei damit einverstanden gewesen, da ihm Gräfe von seinem Montagemeister als zuverlässig� und mit den ein- schlägigen Arbeiten als genau vertraut empföhlen worden war. In der Beweisaufnahme ergab es sich, datz Gräfe wiederum den mitverunglückten Litzmann, der von Beruf Schieferdecker ist, Mit der Ausführung betraut halte. Der Staatsanwalt hielt den Änge- klagten nur insoweit einer Fahrlässigkeit für überführt, als er nicht die genügende Sorgfalt in der Auswahl seiner Angestellten getroffen habe. Der Antrag lautete deshalb auf 300 M. Geldstrafe. Das Gericht nahm jedoch an, datz der Angeklagte nicht für den Unfall verantwortlich zu machen sei, da er die Ausführung der Arbeiten einem ihm als zuverlässig empfohlenen Monteur übertragen habe, für dessen Versehen oder Nachlässigkeiten er nicht einzustehen brauche. Obwohl die Sache sehr zweifelhaft liegt, habe das Gericht zugunsten des Angeklagten eine Fahrlässigkeit seiner- seits nicht angenommen und deshalb auf Freisprechung erkannt. � Lelchenflebbet??. Ein teures Schläfchen hatte sich der Werkmeister H. geleistet, welcher gestern als Zeuge in einer Strafsache gegen den Gelegen- heitsarbciter Willi H e ck e r t vor Gericht erscheinen mutzte.— Am 14. Juni d. I. hatte der in einer Fabrik in Charlottenburg angestellte H. an einer Geburtstagsfeier eines dort wohnhaften Kollegen teilgenommen. Als er durch den Tiergarten ging, fühlte er mit einem Male eine derartige Bleischwere in den Beinen, datz er sich schleunigst auf einer Bank niederlassen mutzte. Schon nach wenigen Minuten ruhte H. sanft in Morpheus Armen. Als er durch einen Schutzmann geweckt wurde, schien schon die helle Sonne. Zu seinem nicht geringen Entsetzen bemerkte H. nunmehr, datz er sich ein recht teures Schläfchen geleistet hatte, denn seine Uhr und Kette wie auch sein Portemonnaie mit 48 M. waren spur- los verschwunden. Die Kriminalpolizei ermittelte den Leichen- flcdderer in der Person des jetzigen Angeklagten Heckert, in dessen Besitz nur noch die Uhr gefunden wurde. Der Staatsanwalt be- antragte 6 Monate Gefängnis, das Gericht ging jedoch darüber hinaus und erkannte auf 1 Jahr Gefängnis. Emgegangene Dmekfrfmften. „Volkswirtschaftliche Blätter". Herausgegeben im?k»ftrage deS Deutschen Volkswirtschaftlichen Verbandes von Dr. Herm. Mm. Krüger» Berlin. Karl Hehmanns Verlag. Berlin IV. 8. Zeitschrift für Sexualwissenschaft. Von Dr. M. Hirschfeld. Nr. 8. 1 M. Verlag:<Ä. H. Wigand in Leipzig. Die praktische Dachschichtung. Bon Fr. AlthauS. 2,50 M. Verlag: H. 81. Weber, Berlin NO. 18. Süddeutsche Monatshefte. Heft 9. Von P. N. Cohmann. 1.50 M. Selbstverlag in München 23. Pfui Deibel—»och eenenk Lustiges von Anno Toback. Kart. Preis 1 M. Leipzig, Georg Wigand. Proletarierkrankheit und kranke Proletarier. Von D. Thomas. 20 Pf. Verlag.Voltsstimme", Frankfurt a. M. Christentum und Klassenkampf. Von Fr. SS. Förster. 292 Sellen. Verlag Schultheh u. Co. in Zürich. Bericht des Borstaudes des Verbandes der Schneider, Schneiderinnen und Wnschearbeiteriimen Deutschlands. 1306 bis� 1908. 124 Seiten.— Bericht des Sekretärs an die Internationale Schneiderkonserenz Frank« surt a. M. 1908. 55 Seiten. Vcrlagsaiistalt Paul Singer u. Co., Berlin 81V. 63. Führer ins Leben. B. Otto. Kindesnlundart. Band I. 139 Seiten. Modern Pädagogischer und Psychologischer Verlag, Berlin IV. 30. Die Wahrheit über das Leben. Von H. Lubenow. 80 Ps. Asgard- V erlag in Leipzig. Geschäftsbericht 1907/1908. F. Bendix Söhne. Druck: Haujzmann, Berlin. Protokoll über die Verhandlungen des 4. Allgemeinen Kongresses der llrankcnkasscn Deutschlands. 60 Ps. Verlag: Zentralkommission der Ztrankelikafscn Berlins und der Vororte. Berlin, Engcl-User 15. Aus Paris Lodrous Tagen. Roman von R. Freiherr v. Schnehcn. 7,50 M. Die Stadt der Verheistung. Von Tcrramare. 1,70 M. Verlag: C. Konegcn, Wien. Das geschlagene Heer. Roman von O. Hahn. 2 M. R. Saltlers Verlag, Leipzig. Ärchitektur-Konkurrenzen. Herausgegeben von H. Scheurembrandt. 8. Hest. Verlag: E. Wasmuth, Berlin IV. 8. Tie Heilstätten Beelitz und sonstige Einrichtnngen der Landes- versicherungsansialt Berlin im Kampse gegen die Tuberkulose. Druck: W. u. S. Löwenthal in Berlin. Mitieiluugeu der Deutschen Orient-Gesellschast zu Berlin. Nr. 37. Verlag: Berlin IV. 30. „Häusliches Glück" von H. v. Kahlenberg. Concordia, Deutsche Verlagsanstalt, H. Ehbock, Berlin W. 30. Geb. 1,60 M. „Neue Generation". Hest 8. Herausgcberin: Dr. Helene Stöcker. Verlag: Ostcrheld u. Co., Berlin IV. 15. Die Krankenversicherung im Entwurse der österreichischen Regierung. Von Dr. E. Löwenstein. 1,20 M. Verlag: A. Troschel, Groh-Lichterscldc, Bellevuestr. 44b. Die Bank. Monatshefte für Finanz, und Bankwesen. Herausgeber 8l. Lansburgh, Bankverlag. Charlottenburg, Wielandstr. 13. Die Weltsprache. Eine swdte zur Frage ihrer Reform. Von Pros. Dr. L. Psaundler.' Stuttgart, Frankhsche Verlagshandlung. 20 Ps. Unfälle und Erkrantungeu im Ruhrbergbau. Vou G. Werner. 30 Ps. Verlag: O. Maler w Leipzig. Reclams Uuiversal-Bibliothek. 6011. Einfache Geschichten von F. Coppce.— 6016. Eine Jungfernrevolte von L. Nohmann.— 6017 und 18. Die BörsenschicdSgprichtsordnunge» von Wien, Prag, Trieft Graz, Linz und Czcrnowitz von Dr. G. Scheu.— 5019—20. Kodak. Skizzen von P. Lombroso.— Einzelnummer 20 Pf.— Verlag: PH. Reclam in Leipzig. Fachblatt für Holzarbeiter, klugusthest. Herausgegeben vom Deutschen Holzarbeiter-Verband. Verlag: Th. Leipart in Swttgart. Jahresbericht des Zentralvorstandes deS sozialdemokratischen Zentral. Wahlvereins für den 6. schleswig-holsteinschen ReichstagSwahilrcis 1907/08. 34 Seiten, Verlag: E. Eilten in Oltenscu. Der Fall Schücking in der Presse. 25 Ps. Buchverlag der.Hilst», Schöneberg-Berlin. Das Blnnbuch, Wochenschrist. Herausgegeben von H. Ilgen stein u. S. Kienzl. Concordia Deutsche Lcrlagsanstalt, H. Ehbock in Berlin IV. 30. ierleljährlich 3,50 Vi. StraubeS Spczialkarte der Umgebung von Freienwalde. Preis 75 Ps. Verlag: Jul. Straube, Berlin 8 IV. 13. Nene preusstsche Jagdordnung vom 17. Juli 1907 nebst Aus. sührungSbestimmungen. Verlag: L. Schwarz u. Comp., Berlin 3. 14. Preis 1 M. Lcbensrätfel. Schauspiel von W. H. Klink. 60 Pf.— Verlag: Süddeutsche Jmmobilienzeitung in Böckingen-Heilbronn. Jahresbericht der vereinigten Vorstände der drei sozialdemo. kratischen Vereine in Hamburg 1907/08. 85 Seiten. Verlag: E. Dubbcr in Hamburg. Handbuch für die Bevollmächtigten des Deutschen Bilchbindcr-Vcr- bandeS. 272 Seiten. Verlag: E. Kloth, Berlin, Kottbuscr Damm 23. Gesnudhcits-Kalender 1909. Redigiert von Dr. Müller, Dr. Körner und Dr. Schmitt. Preis 50 Pj.— Verlag: Müchener Volksbuchhandlung. München, Sendlinger Str. 20. Plate». Die neue Heilmethode. Lieserung 11—15. Pro Liestrung 40 Ps. Verlag: Bong u. Co. Berlin W. 57. 11. Jahresbericht 1907 des Arbcitcr-Sckretarialz Stuttgart. 68 Sellen. Selbstverlag. Das Forum. Nr. 3. Von Dr. G. Morgenstern. Selbstverlag, Wien, «ls-kslr. 34. Die Gartenstadt Hcllera«. Bericht von W. Dohm. 50 Ps. T. DIcdcrichs Verlag in Jena. Die vereinigte» Staaten von Europa. Von R. Stein. 60 Ps. Verlag: W. Süsscrott. Berlin W. 30. Die Entzauberten. Roman von P. Loli. Gebd. 5 M. Verlag: Wcdciind u. Co.. Berlin 8. 14. Ter Monismus. Zeitschrift. Herausgegeben vom Deutschen Monistenbund. Jährlich 12 Hefte. 2,40 M. Einzeihest 30 Ps.— Verlag: Berlin\N. 57. Weg frei für das Esperanto! Von A. Seidel. 1,50 M. Verlag: H. Walther, Berlin W. 30. Die Bolkögesundheit. Nr. 3. Erscheint monatlich einmal. Jährlich 3 M. Geschäftsstelle: H. Findeisen, Mciheu. „März", Halbmonatsschrift siir deulschc Kultur. Herausgeber: L. Thoma, H. Hesse, A. Langen, K. Aram. Zweites Allgujthest. Preis 1.20 M. Verlag von A. Langen in München. WasserstandS-Nachrichte« der Landesanstalt für Gewässerkunde, mllgetellt vom Berliner Wetterbureau. '1+ bedeutet Wuchs,— Fall,—') llutcrpeget. Fiir de» Inhalt dir Jnservt« übernimmt die Nedaktion dem Pttblikum gegenüber kewerlet Bcrnntwortung. Zhcztcr. Mittwoch, den SS. August. Ansang 7'/, Uhr. KSnigl. Opernhaus. Der PostMlon von Lonjumeau. KSnigl. Schauspielhaus. Die Ra« benstcincrtn. Nemes tönig!. Operntheater. tKagavete. Deutsches. WaS ihr wollt. Kauimerspiele. Nju. An- saug S Uhr. Ansang S Uhr. Lessing. Der Raub der Eabine. rinnet r SZcnes. Saccarat. Pienes SchauspielhanS, Die DollalPrinzessln. Kleines. 2X2�5. Komische Oper. Der Zerriflene. Nesidenz. Der Floh im Ohr. Hebbel. Cyprienne. »nttipielhanis. Die blaue MauS. Trianou. F-äuiein Josette— meine Wefte». Ein Walzertraum. Sriiillrr«».(Wallner- Theater.) Der Prophet. Schiller(sharipttenburg. Das letzte Mittel. Friedrich> Wilbetmftödt. Schau- ipietliaus. Die Diebin. Luise». Suse. Thalia. Mirternachtsmädchen. AernKiird Nose. DaS Geheimnis von Nelo Kort. Meiropol. Das muh man seh'n. «lpollo. Vera Vialetta. Spe- zialitSIen. Gebrüder Herrufeld. DaS kommt davon. Borher: ES lebe das Nachiicben. Gasinge. Spezialitäten: Verliner Prater. Die Welt ein Paradies. Ansang 7 Uhr. Carl Haverlaud. Spezialitäten. Gustav Vehrens. Die Gulden- Prinzessin. Spezialitätsn. Mclchspaileu. Sleltiner Sänger. Walhalla. Spezialitäten. llr»»ia. 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OOUICISCHIR GARTEN Täglich nachm. 5 Uhr: Ulr-Doppel-M Eintritt 1 M., von abends 6 Uhr ab 50 PI., Kinder unter 10 Jahren —— die Hälfte.-- Casino-Theater Lothringer Str. 87. Täglich 8 Uhr. Wiedei*- Eroffnung Ssmiadtvd, hm 29. August. Villettvorverk. täglich von 10'/, bis VI, Uhr sür die ersten? Vorstellungen. Ab 8 Uhr- Die AttraktionS. Novitäten. »'/.»'/. ?er» Violett». vaudeville-Operette von Ed. EySler. 10'/,: Oral Zeppelin aus seiner grohen Fahrt. Ab 7'/, Uhr: Konzert im Theatergart. Efötimmgs- Programm. The Zanclgs— Joseph Joseph), Sänger — Ephraim Thompson, dressierte Elephanten— Okabo, Japan erTrupp Jongl« e— Die 8 Mowatts, Keulen- eure— Dia 12 Tiller-Girla, engl. Gesangs- O. Tanitruppe— Cornalla und Eddie, amerikanische Exzentriks— Der Zukunftsprsls, Wettrennen m. lebenden Pferden. Karl Hsrö, Zauberkünstler. Boyer de lafory, französ. Sängerin. Der Biograph. Reichshallen-Tlieater Täglich: J Stettiner 1 Sänger. // Vü Ans. Wochentags 8 Uhr, vAAi-,u< Sonntags 7 Uhr. ReichShallen Garten und Restaurant: Milieär-Konzert. Welz iI!M-Mr. Schönhauser Allee 148. Täglich: Mit oullcn Segeln. Lebensbild in 3 Alien. Dazu ersthlasflge Spezialitäten. tV.ZftmGksTksstsr Direktio»; Roh. Dill, tininnetiftr. 16. Lebte Woche! Angeklagt! Krlminalschauspiel In 7 Bildern. Abonn. bedeut. EemäS. Ansang deS Konzerls 7, der Vorstellung 8 Uhr. Sonnabend: Königin Linse. Sanssouci Kottbueer Straße 8. Direktion Wilhelm Reimer. ... Sonntag, Montag, JS*» Donnerstag i ErftNasstge Künstler Tanzkränzchen. ivurcnneg noue» Programm.) Sonntags Beginn 6, wochent. 8 Uhr. emimeii-TIieüier Badstratze 68. Dlrett.: Willi Voigt. Fest-VorsteNund zum 40jährigen Bühnenjubiläum den Karl Möller. »«CNN Kcal. tfrflflflfflße Spezialitäten. The Horos Kurt Ellys Paul Coradlni, Mr King and Mi8 Cooks BUgler« 8 wilde Königslöwen. Sonnabend, 30.«ugust: Benestz. Vorstellung zum Besten der Hans. kellner: Der Finch des Goldes. Lorvertaus von 10 Uhr ab. Gustsv Behrens- Theater. Schlller-Tlieafer. Schiller• Theater Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr' Dna letale mittel. (Wallner-Theaier.) Morwih-Oper. Mittwoch, abends 8 Ubr: Populäre Vorstellung b. halb. Preisen: Zum letztenmal; Iber Brnphet. Gr.Operi. 4 Akt. v.Kiaeomo Meyerbeer. Donnerstag. abendS8Ubr: Populäre Vorstellung b. halb. Preisen: Zum letztenmal: Die Znnberilbte. pfreitag, obenß« 8 Ubr: Abschtedsvorst. H-'lnrleh Bttlel: .Martha oder Der Markt zu Richmond Schwank in drei Aufzüge» von Philipp Berger. Donnerstag, abenbS8llhr: Dn» i8tlftnng«fe»t. Freitag, abends 8 Uhr'. Stiftungsfest. Friedricbsberg. Fernsprecher Nr. 8. Frankfurter ChnagMoe 6. Jede» Mittwoch: Großes 51 S litär- Konzert ausgeführt von der Lugendwehr. JSoir«« der ApolIo-8ängei*. Nach der Vorstellung: FamiUen-Kräncohen. Berliner Praler-Tlieater Kastanien-Allee 7— 9. Berlin wie es weint und lacht. Volksstück mit Ges. in 8 Akten und erstklassige Spezialitäten. Anf. Sonnt. 4 Uhr, Wochent. 4'/, Uhr. Im Saale: Täglich gr. Ball. PretS 25 Ps prolkwitrkraukheit und Krnuke Proletarikr. Sin veitrag zur Hebung der VoltSgesundHeit. 4. Auslage, LS.— 30. Tausend. PretS SÖ Ps. Expedition des„Vorwärts" > 1 Indens tr. 69(Laden). ________________________■■■ �■ Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Jnjeratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Berlag:VorwärtSBuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co« Berlin SW» IV eu! Ken t Bien I Die Guldenprinzessin. Operette. Wiederaustreicn von Gustar Gehren, und 19 erstklassige Lpozialitstea. DuStes KinematograpH. Ansang 8 Uhr. Sonntags 6 Uhr. foUes- Liniensir. 122, a. d. Friedrichstr. Telephon Amt in 8650. Sonnabend, den 29. August Premiere. DolKsgartett-Theater — am Bahnhos Gesundbrunnen.— Heute: Konzerf, Theater»na Spezialitäten-Vorstellung. STcnes Riesen-Programm. „Alt-Heidelberg die feine." Ab. 9'/, Uhr: Gadbin Ii, Todesstur,. Bitte aasschneiden! Vorzugsbillett! Titaseope-Theater, 110 Jnvalidenstrafts 110 zirka 700 Personen lassend, gültig sür 1—4 Personen statt 75 Ps. nur 50 Ps. . 5V.. SV smm. 80.. 80. Sonnabend, Sonntag ungültig. Kliems jax— Ml Bommer-Cheater. — Hasenheide 13—18.— Artistische Leitung: Gornhard Lange. r-i.lich: ksoLesilotiMfltLlltet'- llllli 8l!e!iSi!tztl!II-VlZ!'ZtLiitt!!g. Mittwoch: Kinderfest. Donnerstag: Elitc-Dag. Kchmeizer Garten. Am KSnlgstor— Am Friedrichshain. Täglich; Theater-Vorstellung! Spezialitäten und Ball. Berliner leben. Volks stüll mit Gesang sti 3 Bildern. Mittwoch: Kinderfteudenftst. Volksbelustigungen. KinematograpH. Entree 30 Ps. An Woehontagen Ist Saal u. Garten an Vereins au FasUichkeiteo zu vergeben. Kaulsdorf 20 Pfennig-Tour SlstcrbHf. SjSbr.Angedelung, billige Wohnungen, bester lebm:g. iSanenbov., SaS- u. Wasserleir. giinst. Zahlung«. beding., langstihe. Sypothek. JeS« noch {jfö.eottlO|lff«an. AuSk. b. uns. dicht a. Terrain wob». Verlr. S.Stremetzne, »aulSdorf, SSnoweri'tr., u. Restaur. 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Bei der Wichtigkeit dieses Themas, die Arbeiterschaft auf dem Gebiete der Kunst mehr durchzubilden, sollte sich jeder Genosse veranlaßt fühlen zu erscheinen. Der Vorstand. berliner Nachrichten. Wissenschaftlicher Hokuspokus. ES ist acht Uhr abends. Aus dem Gewühl des Potsdamer Platzes retten wir uns in die stillere, bornehme Bcllevuestraße. Allmählich lösen sich auch noch andere Personen, Frauen, Kinder und Männer, aus der Lkette der Passanten und treten in den Vor- garten eines herrschaftlichen Gebäudes, dicht neben dem Künstler- hause. In dem breiten Torweg warten auch schon leise flüsternde Gruppen. Ueber dem Eingang leuchtet in stolzen Lettern das mysteriöse Wort:„Choralionsaal". Eine Tafel klärt den Fremd- ling einigermaßen über die rätselhafte Inschrift auf. Darauf ist verzeichnet, daß Sonntag vormittags und. Mittwoch abends je ein »Gottesdienst" in englischer und deutscher Sprache stattfindet. Wir schreiten an den Gruppen vorbei durch einen längeren Hof und gelangen an einen Vorraum, in dem Garderobenfrauen den Gästen gegen Aushändigung einer Marke ohne Entgelt Hut, Stock und Schirm abnehmen. Gedämpfte Orgelklänge dringen an unser Ohr. Die Außenstehenden verharren stumm und schweigend. Ein eisgraues Mütterchchr im Umschlagetuch steht, in sich versunken, an die Wand gelehnt. Daneben eine Dame im rauschenden Kostüm, mit wehenden Straußenfedern auf dem umfangreichen Hut. Auch einige junge Herren und eine Anzahl älterer Männer sind dabei, aber das weibliche Geschlecht überwiegt. Kinder stellen sich auf die Fußspitzen und recken die Näschen in die Luft, um irgend etwas Geheimnisvolles zu erhaschen. In der Mehrzahl rekrutiert sich das Publikum aus der exklusiven Gesellschaft, und die mehr oder minder geschmackvollen Toiletten, die sich hier so ausdringlich breit- machen, lassen auf wohlgefüllte Börsen schließen. Allmählich wird die Damenwelt ungeduldig. Sie drängt sich mit der ganzen Unbekümmertheit, die nun einmal das gute Vor- recht des„zarten Geschlechts" ist, in den Vorraum. Ein blut- junges geschniegeltes Herrchen tritt ihnen unter vielen Verbeu- gungen beschwichtigend entgegen:„Nur einige Minuten noch, meine Herrschaften, bitte, noch etwas Geduld. Der englische Gottesdienst ist gleich beendet." Die Tür ist auch schon geöffnet, man blickt in einen lichtdurch- fluteten, einem Konzertsaal ähnlichen Raum. Junge Herren, im schwarzen Gehrock, tragen geschäftig Stöße von Gesangbüchern in einen Nebenraum. Wir geben unterdessen, unter gewaltigem An- drang, unsere Garderobe ab und treten in den hohen, in blendendem Weiß gehaltenen und mit geschmackvollen, vergoldeten Ornamenten versehenen Saal. An der vorderen Breitseite erhebt sich das Podium mit dem zierlichen Rednerpult. Eine stolze Palme grüßt von oben herab, und zu ihren Füßen schmiegen sich zärtlich kleinere Topfpflanzen. Ein leuchtend roter Plüschvorhang verdeckt hinter dem Rednerpult die Tür. Die obere Wandfläche nimmt eine Orgel ein, und rings herum zieht sich eine Galerie, von der herab farbige Schleier wehen und stolze Federn nicken. Die Kommenden lassen sich in did lveichgepolsterten, bequemyn Klappsessel nieder, die ebenso, wie die breiten Läufer, in blahgrüner Farve gehalten sind. Außenherum zieht sich eine Reihe brauner Holzstühle. Nach und nach hat sich der Saal gefüllt. Ein Herr verteilt Gesangbücher. Die Damen fächeln sich Kühle an, die Herren fahren mit dem Taschentuch zwischen Kragen und Hals. Obgleich der Saal gut ventiliert ist, macht sich die erdrückende Schwüle der Tempera- tur doch beängstigend geltend. Der Schweiß perlt uns allen von der Stirn. Es ist 15 Minuten nach 8 Uhr. Aller Augen heften sich erwartungsvoll auf die rote Plüschportiere. Wie von Geisterhand gezogen, schiebt sich diese plötzlich zurück, und eine hohe Frauengestalt, in weißer Bluse und im schwarzen Nock, mit rötlich-blondcm Haar, erscheint im Rahmen der Tür und tritt an das Rednerpult. Ter Vorhang rollt wieder mit schlürfen- dein Geräusch zurück. Die Orgel stimmt ein stirchenlied an. Dann liest Miß Leplow, so heißt die Prcdigerin, deutlich und langsam, mit fremdem Akzent, zwei Bibelstellen vor. Wieder spielt die Orgel ein frommes Lied, und die Gemeinde singt stehend mit. Obgleich mir meine Nachbarin zu Hilfe komnit, ist es m-ir nicht möglich, den richtigen Psalm zu finden. Wir wenden deshalb die Zeit an, um Charakterstudien zu machen, bis sich wieder alle niedersetzen. Alsdann spricht Miß Leplow von ihrer Gesellschaft, die sich „Christian Science" nennt, daö heißt„Christliche Wissenschaft". Sic erzählt viel, sehr viel, von Gott, Geist, Jesu, vom Gesundwerdcn durch Beten, von der Ohnmacht der Aerzte, von Kranken, die von „medizinischen Autoritäten" schon„aufgegeben" waren und durch das Gebet, soll heißen: durch das System ihrer Gesellschaft, deren „gottbegnadete" Stifterin, Miß Eddy, die Rcdnerin in wahrer Ver- zückung preist, geheilt wurden. Aus dem„heiligen Buch", das diese verfaßt hat, verliest sie längere Auszüge, die uns persönlich aller- dings ziemlich konfus anmuteten. Wenn wir recht verstanden haben, so heilt es nicht nur Krankheiten und Gebrechen, sondern es inspiriert auch bei geschäftlichen Spekulationen und Unternehmungen. Demnach ist der Preis von 17 Mark nicht zu hoch, wofür schon der Absatz von vielen Tausenden Exemplaren zeugt. Auch lehrt dieses Werk, daß es„im Prinzip" keine unhcillmre Krankheit gibt, und in der Praris soll nach dieser Methode„fast" jede Krankheit, auch die von den Aerzten als unheilbar erklärten, geheilt werden. Dann wurde eine kleine Pause angesagt, die jeder dazu benutzen sollte, sein Innerstes zu ergründen, welchem Wunsche alle bereitwilligst nachkamen, da die blcierndc Müdigkeit schon den meisten die Augen zugedrückt hatte. Nun folgten, nach Art der Heilsarmee, die„Be- kenntnisse". Eine junge Dame erzählte in wohlabgerundeten Sätzen von haarsträubenden Heilungen durch dieses System, die sie erlebt habe. So ist unter anderem einem Manne ein abgc- schlagcner Daumen wieder nachgewachsen. Eine Frau teilte mit, daß ihr Mann durch die„Kunst einiger Professoren" blind wurde, aber durch das System Miß Eddys nach einigen Tagen vorzüglich sah. Ein junger Ausländer schilderte Fäll«, daß selbst die Frömm- sten ein Lächeln nicht unterdrücken konnten. So wurde einem jungen Künstler im Fahrstuhl die Hand zerschmettert. Er griff zu dem System Miß Eddys und nach einigen Tagen konnte er in einem Konzert wieder Violine spielen. Mir kam da unwillkürlich der VerS von Heinrich Heine ein: „Gar mancher spielt jetzt die Bratsche, dem dort kein Finger war heil." Die Cache roch offenkundig nach nicht einmal geschickt arran- giertcr Mache. Denn als die letzte„bekannt" hatte, stand die Miß sofort auf, obwohl sie bei den anderen immer einige Mi- nuten gewartet hatte. Wieder spielte die Orgel und die Menge sang. Nun noch eine Ansprache Miß Leplows, dann drängte die Masse dem Ausgang zu. Als uns die kühle Abendluft entgegen- schlug, atmeten wir erleichtert auf. Arme Aerzte, packt ruhig ein mit eurer Kunst._ Eisenbahn statistisches. Der Eisenbahnverkehr Groß- Berlins: II. und III. Klasse: Rückgang der Fri- brich st raße; Nikolassee. Das Ergebnis des Verkehrs vom Jahre IL07 liegt jetzt aus dem ganzen Eisenbahndirektions- bezirk Berlin mit seinen Einzelheiten vor. Der gesamte Stadt- und Ringbahnverkehr und der Vorortverkehr ergibt etwas mehr als 263 Millionen. Davon entfallen auf den Stadt- und Ring- bahnverkehr einschließlich Eichkamp und Grunewald etwas über ! 148�2 Millionen, auf den Vorortverkehr über 119lh Millionen. . Stadt- und Vorortverkehr betrug bei der Ringbahn zusammen : über 174lh Millionen. Interessant ist auch das Verhältnis der l beiden Klassen. Im inneren Stadt- und Ringverkehr der Stadt- : und Ringbahnstationen wurden III. Klasse etwas über 92 Millionen, � II. dagegen etwas über 23 Millionen befördert, ein Verhältnis, . das fast überall wiederkehrt. Von den einzelnen Gruppen des Vorortverkehrs, die die Eisenbahndirektion gebildet hat, hat den stärksten Verkehr die Strecke Potsdamer Fernbahnhof— Werder und Wannseebahn mit etwas über 36 Millionen. Es folgen die 1 Ringbahnstationen mit 15 Millionen, die Strecke Görlitzer Bahn- Hof— Königswusterhaus en mit 14�z Millionen, die Stadtbahn- stationen 11 Millionen, Kietz— Rummelsburg— Fürstenwalde 9%, Uorkstraße— Grotz-Lichterfelde und Zossen 8, Lehrter Bahnhof— Nauen 7, Nummclsburg— Straußbcrg fast 7, Pankow— Oranienburg 6, Stcttiner Vorortbahnhof— Bernau 4%, Reinickendorf— Tegel eine halbe Million. Bei dem Verkehr der einzelnen Stationen ist auffallend ein Rückgang beim Bahnhos Friedrichstraße. Dort wurden im Jahre 1966 noch 7 713 944 Fahrkarten verkauft, im Jahre 1997 dagegen nur noch 7 615 659. Ob der Rückgang aus die Fahrkartcnsteuer, eine Verschiebung in der Besiedelung oder andere Gründe zurückzuführen ist, läßt sich bei der Verschieden- artigkeit des in dieser Zeit zusammengefaßten Verkehrs kaum entscheiden. Sonst findet fast ausnahmslos eine mäßige Steigerung statt. Ein Unikum bildet der Bahnhof Nikolassee. Hier hat sich die Zahl der Fahrkarten von 1996 auf 1997 mehr als verdoppelt. Sie ist von 336 944 auf 725 742 gestiegen, obgleich die Ursache, das ehemalige Freibad Wannsee, erst im Herbst des Jahres entdeckt worden ist. Nach der Zunahme des Vorjahres entfallen mindestens 399 999 Fahrkarten im August und September vorigen Jahres auf die Anziehungskraft des Bades. „Urbaner Umgangston". In Krankenhäusern und ähnlichen Heil- und Pflege- anstnlten kann man oft die Erfahrung machen, daß bei leitenden Persönlichkeiten der„Vorwärts" nicht beliebt ist. Es gibt Anstalten, in denen keinem Patienten gestattet wird, unser Blatt zu lesen. Wird bei ihm ein ,Vorwärts"-Exemplar gefunden, das ein Besucher ihm mitbrachte, so konfiszieren sie's ihm ohne Gnade. In den Krankenhäusern der Stadtgemeinde haben die Maß- gebenden sich dazu bequemt, den„Vorwärts" zu dulden. Aber gern wird er auch dort noch nicht gesehen; Patienten, die sich unser Blatt bringen lassen, kriegen das bei jeder Gelegenheit zu spüren. Wie solche Antipathie zu erklären ist?.Man weiß es„oben", daß nur der„Vorwärts" rückhaltlos Mißstände aufdeckt, die in Krankenhäusern usw. sich finden. Darum fürchten sie ihn— und weil sie ihn fürchten müssen, verfolgen sie ihn mit ihrem Haß. Diese Stimmung wirkt leicht nach „unten" hin und überträgt sich auf Angestellte, die sich ihren Vor- gesetzten empfehlen möchten. Da entwickelt dann manchmal ein kleiner Gernegroß einen drolligen Eifer innerhalb seines Macht- bereicheS, den„Vorwärts" nicht aufkonimen zu lassen. Kürzlich hat im Urban-Krankenhause ein gelehriger Wärter eine recht amüsante Probe seines„Vorwärts"- Hasses geliefert. Dabei hat dieser„Vorwärts"-Hasser zugleich gezeigt, welcher Umgangston im Ver kehr mit Patienten ihm als angeniesten gilt. Es handelt sich um einen Wärter V o ß, der in der Abteilung für äußerlich Kranke auf Pavillon IH beschäftigt ist. Einem Patienten, der unser Blatt zu lesen wünschte, erklärte Herr Voß, so lange er— der Herr Voß— in Pavillon III sei, komme kein„Vorwärts" hinein. Der Patient ließ sich durch diese lächerliche Anmaßung nicht einschüchtern, sondern bestellte die ihm zusagende Zeitung. Durch einen anderen An- gestellten wurde sie ihm nach Pavillon III gebracht, und hier mußte nun Herr Voß in eigener Person dem Patienten den„Vorwärts" einhändigen. Er tat daS in der Weise, daß er daS gehaßte Blatt mit den Spitzen zweier Finger an der äußersten Ecke ergriff, wie wenn er fürchtete, sich daran schmutzig zu machen. So überreichte er es dem Patienten, und er fügte die Worte hinzu:„Hier haben Sie Ihr Mi st- b I a t t!" Der Patient zuckte die Achseln und würdigte den Mann leiner Antlvort. Als aber bei nächster Gelegenheit derselbe Vor- gang sich wiederholte, sagte der Patient dem Wärter:„Sie, ich verlange aber, daß Sie meine Zeitung künftig nicht mit zwei" Fingern, sondern mit der Pinzette anfassen: denn für Ihre schmutzigen Finger ist mir der„Vorwärts" zu schade". Herr Voß tat ihm diesen Gefallen nicht, sondern ergriff fortan den„Vorwärts", um ihn wortlos dem Patienten zu überreichen, mit— der ganzen Hand. Vom„Urbanen Umgangston" wollten wir in dieser Betrachtung sprechen; so hatten wir's wenigstens angekündigt in der Ueberschrift, die wir ihr gaben. Da möchten wir doch einem Miß- Verständnis vorbeugen, das hier vielleicht entstehen könnte. Die Bc- Zeichnung„urbancr Umgangston" darf nicht hergeleitet werden von dem Namen„Urban-KrankenhauS". Nein, der„urbane Umgangston" hat wirklich nichts zu tun mit demjenigen Umgangs- ton, den im„Urban- Krankenhaus' ein Sozialistenfresserchen, wie der Herr Voß, anzuwenden sich erlauben darf. Nach dem Sinn des Wortes„urban" in seiner übertragenen Bedeutung ist„urbaner Umgangöton" ein Umgangston, wie er zu finden ist an den Stätten höherer Gesittung und feinerer Bildung. Beim Armenvorstcher. In Berlin sind Armenvorsteher es gewöhnt, daß die Leute, die zu ihnen kommen, kein allzugroßes Quantum Empfindlichkeit mit- bringen, sondern geduldig alle Grobheit hinnehmen, mit der sie behandelt Iverden. Die Frau eines Maurers P., die einen Armen- Vorsteher in seiner Wohnung aufsuchen wollte, um ihm ein Anliegen vorzutragen, wußte nichts von diesem Borrecht unserer Armenvor- stehcr, grob sein zu dürfen. Frau P. rechnete auf eine freundliche und höfliche Behandlung und zwar um so mehr, da sie den betreffenden Herrn gar nicht mal um eine Unterstützung bitten und ihn über- Haupt nicht in seiner Eigenschaft als Armenvorsteher bemühen wollte, sondern nur bei ihm ihren Jungen zur Aufnahme in einen Knabenhort anzumelden gedachte. Der Herr Armenvor sie her, zu dem sie sich begab, ist nämlich im Hauplbcrus Gemeinde- schul lehr er-, er heißt Kricnelke. wohnt T h a e r st r. 22, unterrichtet an der 81. Gemeindeschule(Tilsiter Straße) und leitet die Annenkommission 114o(Teile der Petersburger Straße und Thaerstraße). Man hatte der Frau P. gesagt, sie solle den Jungen für den Knabenhort bei diesem Herrn Krienelke an- melden. Für Anne ist Herr Krienelke zu sprechen nach- mittags'M bis 4 Uhr, aber davon konnte ja Frau P. nichts wissen, und sie war ja auch keine Arme. Die Ahnungslose ging gegen Mittag nach seiner Wohnung. Ein Fräulein öffnete, anscheinend die Tochter, gleich darauf zeigte sich auch die Frau Gemahlin, und ängstlich fragte sie:„Was ist denn hier loS?" In unfreundlichem, barschem Ton rief sie dann:„Jetzt ist keine Sprechstunde I Nachmittags 4 Uhr l" und hiermit schlug sie die Tür zu. Frau P. erschrak. Sie selber ist— wir haben sie in längerer Unterredung kennen gelernt— eine freundliche Frau; aus einem kleinen Orte'Ostpreußens ist sie nach Berlin gekommen. So wenig, wie sie die Manieren unserer Armenvorsteher kennt, so wenig weiß sie, daß die lieben Gattinnen der Armenvorsteher leider manchmal dieselben Manieren annehmen. Schmerzlich berührt von soviel Unfreundlichkeit schritt sie kopfschüttelnd von bannen. Als sie am Nachmittag, diesmal mit ihrem Jungen, wieder nach der Wohnung des Herrn Krienelke ging, siel ihr auf, daß auf der Treppe des Hauses Thaerstr. 22 ein paar dürstig gekleidete Frauen warteten, darunter eine Frau, die sich in einem bereits sehr vor- geschrittenen Stadium der Schwangerschaft befand. Bald hörte sie, daß es Arme waren, die hier dem Augenblick entgegenharrlen. wo sie vor den gestrengen Herrn Armenvorsteher würden hintrelen dürfen. Noch nagte an ihr der Verdruß über die unliebenswiirdige Behandlung, die ihr selber einige Stunden vorher von der Gattin dieses Mannes zuteil geworden war. Aber dem Gespräch der wartenden Frauen entnahm sie jetzt, daß es Armen, die sich der Tür des Herrn Armen- Vorstehers genaht halten, noch ganz anders ergangen sei. Das Herz voll Bitterkeit, ging sie hinein, als sie an die Reihe kam, und so trat sie hin vor den Herrn Armenvorsteher und seine gleichfalls an- wesende Ehehälfte.„Na, was wollen Sie denn?" fragte er. Die Gattin fiel ein:„Die Frau war schon vormittags da." Heiß schoß es da der Frau P, ins Gesicht— und in Er- innerung an die ihr noch immer unbegreifliche Unfreundlichkeit vom Vormittag sagte sie vorwurfsvoll:„Sie als Lehrers« frau könnten sich schon ein bißchen anders be« nehmen." Verdutzt über so viel Kühnheit und zunächst ganz sprachlos starrten Herr Krienelke nebst Gattin die Frau P. an. Im uächstcn Augenblick aber nahm Herr Kr. sie am Arm, schob sie mit dem Rufe:„ R a u s I H i e r i st d i e T ü r I" auf den Flur hinaus und spedierte in beschleunigtem Tempo den Jungen hinterher. Noch ehe Frau P. recht wußte, was ihr geschah, sah sie sich mit dem weinenden Jungen auf der Treppe. In größter Aufregung ging sie nach Hause. Mancher mag daS, was Frau P. da bei Herrn Kr. erlebt hat, für sehr richtig halten; manchem anderen wird eS vielleicht sogar ein bißchen komisch erscheinen. Doch auf ein zart- besaitetes Gemüt pflegen solche Erlebnisse eine sehr tiefgehende Wirkung auszuüben, und insofern ist der hier geschilderte Fall ein doch nicht ganz unwichtiger Beitrag zur Beleuchtung der manchen Armenvorstehern eigentümlichen Art, mit Armen um zu- gehen. Was für ein Anliegen Frau P. hatte. danach war sie gar nicht gefragt worden. Dem Herrn Kr. scheint das auch sehr gleichgültig gewesen zu sein. Vermutlich hat er im voraus angenommen, daß er eine Arme vor sich habe, die Hilfe von ihm heischte. Aber von Frau P. braucht er das nicht zu er- warten, selbst dann nicht, wenn sie einmal wirklich in Not gerate» sollte. Sie hat nach diesen Erfahrungen uns unter den heiligsten Beteuerungen versichert, lieber als zu einem Armen- Vorsteher gehen wolle sie einen Strang nehmen und sich aufhängen. Wir glauben's ihr. Zeit ist Geld. Folgender Stoßseufzer über'das„Warten" geht uns zu: Vieles lernt der getreue Untertan in deutschen Landen durch die gütige Fürsorge seiner hohen Obrigkeiten von staatlichen oder städtischen Gnaden. Weniges aber so gründlich und durch sein ganzes Leben hindurch wie— das' Warten. Für das gute Sprichwort:„time is money"(Zeit ist Geld) scheinen bei uns Behörden und Verwaltungen aller Art noch keiner- lci Verständnis zu haben. Habt ihr euch wohl schon einmal herausgerechnet, ihr gcdul» diaeu Wärter, um wieviel Hunderte, ja Tausende sie euch dadurch schädigen? Von der Geburt bis zum Grabe? Denn noch bei eurem eigenen Leichenbegängnis müßt ihr warten— das heißt, falls ihr euch nicht erster Klasse begraben lassen könnt—, aber dann habt ihr zum ersten Male Zeit, und es kommt euch auf ein paar tausend Jährchen Ewigkeit mehr oder weniger nicht an. Und wo überall mutz nicht der fügsame Staatsbürger warten! Für unsere Postbehörde zum Beispiel scheinen die Automaten, die man doch sonst, mit allen möglichen Ueberflüssigkeiten gefüllt, im kleinsten Dorfgasthaus antrifft, noch etwas recht Fremdartiges zu sein. Mit Hilfe von Automaten könnte der Bedarf an Postwert» zeichen und Karten allerorten glatt und geschwind gedeckt werden; wo sich heute das Publikum hilflos vor den Schaltern verstaut, be- wuirdernswert lammeSmütig. Den im Anblick notleidender Menschen ergrauten Beamten der königlichen Lcihämter scheint noch nie der Gedanke gekommen zu sein, daß diese Armen, die da vielleicht das letzte Stück ihrer Habe zum Versatz heranschleppen, um Brot für die Ihren zu schaffen, ihre Zeit wahrlich zu nötig gebrauchen, um dort Stunden hindurch herumstehen zu können. Sollte der Staat, der doch auf seinen Versatzämtern, schlimmer als der verrufenste Wucherer, 12 Prozent Zinsen für das Darlehn beansprucht, wirklich nicht von Zeit zu Zeit ein paar junge, flinke Hilfskräfte dem unglaublichen Phlegma der im jahrzehntelangen Einerlei des Dienstes erstarrte» Herren an die Seite zu stellen haben? Das gleiche Schauspiel spielt sich auf jedem Steuerbureau und auf der Sparkasse ab. Man wundert sich, daß die Spar» einlagen beständig zurückgehen. Ein Grund von vielen vielleicht: weil die Leute einsehen, daß das Wenige, was sie an Zinsen er- halten, ihnen durch die Wartezeit auf der Sparkasse bei Ein- und Auszahlungen wieder verloren geht. Sollten unsere Mathematiker, die so viele nicht gerade unbedingt notwendige geometrische Rätsel» fragen zu lösen verstehen, nicht auch einmal einen Modus finden, diese Zinsberechnungen nach Tag und Monat geschwinder heraus- zubringen? Sogar der Genuß einer Vorstellung im Opernhause muß bei uns in Berlin, neben dem recht teuren Billettpreis, noch durch eine nichts weniger als genußreiche endlose Wartezeit in drangvoll- fürchterlicher Enge erkauft werden.'' Weshalb zwingt die hochwohllöbliche Polizei uns noch immer. in Wind und Wetter auf den vierten, fünften Straßenbahnwagen unserer Linie zu warten, nur weil sie zwischen den Sitzreihen keinen einzigen, auf den Außenperrons nur eine kleine Anzahl stehender Fahrgäste gestattet? Die wenigsten Berliner nur habcn's crgrübelt. Wahrlich:„Vernunft wird Unsinn, Woyltat Plage". Es scheint eine Fürsorge, die einst wohltätig zugunsten der über- lasteten Gäule der Pferdebahnen getroffen wurde, hier in drolliger Gedankenlosigkeit auf die fühllosen Elektromotoren ausgedehnt zu fein, deren Zugkraft es wahrlich auf ein paar Zentner mehr oder minder nicht ankommt. In Stadt- und Untergrundbahn aber läßt man unterdessen skrupellos auch die ärgste Ueberfüllung geschehen, die hier bei dem geringsten Betriebsunfall unübersehbares Unheil herbeiführ:» könnte. Als fast selbstverständlich wird erachtet, daß nur diejenigen Eisenbahnzüge eine 4. Klasse führen, die fast die doppelte Fahrzeit gebrauchen, als die im„Zeichen des Verkehrs" recht teuren Eilzüge. So muß die auf ihren täglichen Stundenverdienst angewiesene, arbeitende Klasse bei jeder Fahrtstrecke die>doppclte Stundenzahl müßig unterwegs bleiben und ihre Reise verhältnismäßig weit teurer bezahlen, als ein Kommerzienrat, der erster Klasse fährt. Von dem verstorbenen Frankfurter Rothschild wird erzählt, daß er auf die Frage, warum er nie zu Fuß gehe, geantwortet habe: „Ich bin nickt reich genug, um zu Fuß gehen zu können!" Nun, unsere hart utn ihre Existenz ringende Grvßstadtbcvölke» rung ist wahrlich nicht reich genug, um alle die ihnen aufgezwun» genen Wartestunden mit ihrer Arbeits- und Erholungszeit bv> zahlen zu könne». Diese Erkenn in!Z scheint unseren Behörden und Verwaltungen voch nirgends aufgegangen zu sein, denn die einzigen, die bei uns Nicht auf sich warten lassen, sind außer den gekrönten Häuptern Ida Pünktlichkeit bekanntlich die Höflichkeit der Könige)— die Pleite und der Gerichtsvollzieher l Daneicn geschossen. In einer Parteibersammlung in Fürth hat sich Genosse EiSner llker die Frage der Vudgetbewilligung ausgelassen und dabei nach emem Bericht der.Fränkischen Tagespost' folgendes gesagt: „Wir brauchen in Bayern nicht radikaler zu sein als die Ber- liner in der Gemeindevertretmig. Wenn die für den Etat stimmen, so ist es auch für uns kein Zeichen der Schwäche, wenn wir die Mittel, die wir im einzelnen bewilligt haben, auch im ganzen nicht versagen.' Die Behauptung des Genossen Eisner, die Berliner Stadt- verordneten stimmten in der Schlußabstimmung für den Etat, ist falsch. Obwohl die Kommunen mehr Verwaltungskörperschaften sind und deren Haushalt in gar keinen Vergleich mit dem des Staates gebracht werden kann, ist von den Berliner Genossen noch nie die Zustimmung zu dem Haushalt der Stadt Berlin erteilt worden. Genosse EiSner ist lange genug in Berlin gewesen, so datz man von ihm am allerwenigsten eine solche Behauptung hätte erwarten können; ihm hätte die Haltung der Berliner Stadtverordneten Fraktion zum Etat bekannt sein müssen. Ist ihm dies aber trotzdem in seiner Berliner Tätigkeit nicht bekannt geworden, so hätte er sich aus dem Studium der Verhand- lungen des Lübecker Parteitages über die Unrichtigkeit seiner Be- hauptung unterrichten. können. Dort hatten die Genossen Ulrich und Ehrhart die gleiche Behauptung aufgestellt. Ehrhart ging sogar soweit, zu behaupten, die Berliner Stadtverordneten hätten die Kosten für den Einzug des österreichischen Kaisers bewilligt. Da- Mals— also im Jahre 1901— erklärte Genosse Wurm folgendes: „Auf die Angriffe gegen unsere Tätigkeit in der Berliner Stadtverordnetenversammlung erwidere ich: 1. Es ist ein Grund- irrtum, das, wir für de» Etat der Stadt Berlin jemals gestimmt haben; 2. es ist nicht richtig, daß die Verhältnisse einer Stadt und eines Staates dieselben sind. Ein Staat ist autonom, macht sich die Gesetze selbst, nach denen er sich verwaltet. Eine Stadt aber vcrloaltet sich nach den Gesetzen, die ihr der Staat vor- schreibt. Wenn wir über die Stellung unserer Vertreter in den Gemeinden einmal gesondert diskutieren, so wird das sehr nützlich sein, denn erfreulicherweise nimmt ja die Zahl unserer Vertreter in den Gemeinden immer mehr zu, eS kommen aber auch häufig Fälle vor, in denen sie nicht wissen, wie sie sich zu vethalten haben. Was Ehrhart über die Berliner Sradtver- ordneten gesagt hat, stimmt leider nicht, so angenehm eS ihm auch wäre, wenn er uns etloaS am Zeuge flicken könnte. Ehrhart ist ja schon belehrt worden, daß er über die Bewilligung der Mittel für den Einzug des österreichischen Kaisers falstfi unterrichtet ist. Wir haben nicht nur nichts bewilligt,— im Gegenteil, Singer hielt eine sehr scharfe Oppositionsrede.' Demnach hat Genosse EiSner mit seiner Behauptung völlig da- neben geschossen._ Warnung. Es wird wiederholt davor gewarnt, Mictsverträge über Räume in neuerbauten oder umgebauten Häusern für eine Zeit abzuschließen, zu welcher die von der Ausfertigung des Rohbau- abuahmescheinS ablaufende Frist von ü Monaten für die Gebrauchs« abnahmeprllfung noch nicht verstrichen ist, da die Polizeiorgane vor Ablauf dieser Frist daS Bezichen der fraglichen Räume nicht dulden und nach den gesetzlichen Bestimmungen auch nicht dulden können. Die Polizeirebiere werden nach wie vor auf Anfragen ans dem Publikum über den voraussichtlichen Termin der Beziehbarkeit von Wohnungen in neuen beziehungsweise umgebauten Häusern bereit- willigst Auskunft erteilen. Aus dem Zuge gestürzt und schwer verunglückt ist die 18 Jahre alte Ida Nagelschmidt. Das junge Mädchen, welches in Friedrichs- Hägen in einer Konditorei angestellt ist, war gestern in Berlin gewesen und hatte bei der Rückfahrt nach dem oben genannten Borort einen gegen 11 Uhr vom Schlesischen Bahnhof abgehenden Zug benutzt, der gegen Uhr nachts in FriedrichShagcn eintraf. Die N. muß fest geschlafen haben und erst, als der Zug sich bereits wieder in der Richtung nach Erkner zu in Bewegung setzte, wurde sie wach, eilte zur Tür des EoupeS und sprang aus dem Zuge, ehe Mitreisende sie daran hindern konnten. Es wurde sofort die Notbremse gezogen, worauf der Zug zum Stehen gebracht wurde. Man fand das Mädchen blutend und bewnsztlos auf einem Kohlenhanfen liegen. Die N. hatte eine schwere Gehirn- erschütterung, sowie äußere Verletzungen erlitten. Die N. wurde, nachdem ihr von einem herbeigerufenen Arzt die erste Hilfe zuteil geworden war, in hoffnungslosem Zustande nach dem Krankenhause übergeführt. Haussuchungen und Beschlagnahme von Waffenteilen. Die Deutsche Munitions- und Wafscnfabrik vormals Ludwig Löwe u. Eo. hat bei vielen Angestellten Haussuchungen nach �Waffen- teilen vornehmen lassen, wobei, wie es heißt, ganze Wagenladungen der Fabrik gehörigen Eigentums gefunden worden sein sollen. Unter anderem fertige Militärgewehre, Modell 1898— diese sind aber erst von den Angestellten ans einzelnen Gewehrteilen zusammengesetzt worden—, ferner eine Menge von Gevxhrteilen, Schäften, Läusen, Schlössern, fertigen und halbfertigen Browningpistolen, Patronen- hülsen für Gewehre, Pistolen und Maschinengewehre. Außerdem vielerlei Werkzeuge, ganze Kisten sehr wertvoller Feilen und Schleifsteine. Da in der Fabrik 3500 Arbeiter beschäftigt sind und in den einzelnen Abteilungen immer zugleich 39— 40 000 gleichartige Gewehrteile bearbeitet werden, so konnte das Ab- handenkommen der Gegenstände trotz der strengen Kontrolle so lange unentdeckt bleiben. Die Direktion hatte aber ermittelt, daß sich einzelne Arbeiter aus Gewehrläufen und Gcwehrschäften, die sie abschnitten, Thermometer angefertigt und diese dann verkauft hatten. Es wurden verschiedene Arbeiter verhaftet, später wieder auf freien Fuß gesetzt. Gestern abend ist noch der Rostocker Str. 10 wohnhafte Büchsen- machcr Remhold Franke sistiert worden. Er hatte zu Hause eine eigene Büchsenmacherwerlstatt, in der er die Zusammenstellung von Militärgewehcen sowie Pistolen im großen betrieb. Es wurden bei ihm außer vielen Gewehrteilen und Werkzeugen fünf vollständig fertige Gewehre, mehrere Pistolen, viele scharfe Patronen und Va Zentner Pulver beschlagnahmt. Er wird sich deshalb auch wegen unerlaubter Aufbewahrung von Sprengstoffen zu verantworten haben. Die ftriniinalpolizei hatte gestern zusammen mit den technischen Fabrikleitern den ganzen Tag über mit der Abschätzung der gestohlenen Gegenstände, die mehrere Zimmer füllen, zu tun. Die Kriminalpolizei glaubt, daß sie weitere Personen nicht mehr festzunehmen brauchen wird, weil sich andere Arbeiter, die eventuell auch Teile mit nach Hause genommen haben, sich derselben entledigt haben werden. Jedenfalls dürften die Flußläuse so manches wertvolle Stück bergen. � Ob und wohin Gewehre verkauft worden sind hat sich bis jetzt nicht ermitteln lassen, weil alle einen Verlauf bestreiten. Eine nette Ueberrnschnng wurde gestem dem Kutsche'schen Ehe- paare Reinickendorfer Straße 40 zu teil, als es abends von einer Beerdigung heimkehrte. Die Korridortür war erbrochen und in der Wohnung sah eS aus wie in einem Trödlerkeller. Sämtliche Schränke und Behälter waren aufgebrochen und geleert. Die Gegen- stände waren wüst in den Zimmern umhergestreut und alle wert- bolleren Sachen verschwunden. Den Einbrechern waren Gold- und Silbersochen von beträchtlichein Wert in die Hände gefallen. Eine gefüllte Sparkasse hallen die frechen Diebe mitten durchgeschnitten »md ausgeraubt. Eine teuere Badereise hat der im Hause Gneisenausiraße 28 wohnende Kaufmann und Kommissionär Gustav Schnlhof unter- nommen. Als er gestern mit seiner Familie von einer Erholungs- reise heimkehrte, machte er die niederschmetternde Entdeckung, daß der Inhalt seines Geldschrankes im Werte von insgesamt 62000 Vi. Einbrechern in die Hände gefallen war. Die im Hochparterre be- legene Wohnung war völlig verwüstet. Die Einbrecher, die dort tagelang gehaust und sich an den Vorräten an Wein, Bier und Zigarren gütlich getan haben, konnten in aller Seelenruhe den Geldschrank erbrechen, indem sie ihn an beiden Seiten des Schlosses anbohrten und Stichflammen benutzten. Dann wurden die Riegel zurückgeschlagen und der Tresor erbrochen. Herr Schnlhof ist Köm- missionär für große Uhrenfabriken und betreibt auch einen Handel mit Edelsteinen. Er hatte daher ein großes Lager und so konnten für 40 000 Mark goldene Uhren, für 9000 Mark Smaragden, Saphire und Brillanten bis zu IVa Karat und 1400 Mark in barem Gclde gestohlen werden. Der Embruch, der offenbar schon vor einer Woche verübt wurde, ging in der Weise von stalten, daß die Einbrecher vom Hofe ans ein Kiichenfcnster durch Eindrücken der Scheiben öffneten, die Füllungen der verschlossenen Küchentür herausschnitten und jetzt freien Zutritt zu den Wohnräumen fanden. Von den Bewohnern des Hauses hat niemand geahnt, daß die unheimlichen Gäste mit ihnen unter einem Dache weilen. Die gestohlenen Gegenstände sind in dem großen Zeitraum der zwischen der Tat und der Entdeckung liegt, wahrscheinlich schon in andere Hände übergegangen. Auf die Einbrecher deutete eine ausgebrannte elektrische Taschenlampe aus nachgeahmtem Krokodilleder, ein kleiner geladener Revolver, die gegen die vorgefundene ausgetauschte, alte Kleidung und endlich ein Strumpf hin, die am Tatort zurückgelassen wurden. Mit lautem Knall explodierte gestern morgen eine leere Petroleum- tonne in der EiSlerschen Automobil-Reparatiirwerkstatt, Brandenburg« straße 26. Der Boden der Tonne flog dem in der Nähe stehenden Arbeiter Hielle mit großer Gewalt an die Beine und verletzte ihn so erheblich, daß er ins Krankenhaus geschafft werden mußte. Die Fensterscheiben der Werkstatt gingen fast sämtlich in Trümmer. Die Explosion ist darauf zurückzuführen, daß die Arbeiter die Tonne nach ihrer Entleerung fest verschlossen und so den sich erfahrungsgemäß dann bildenden Gasen jeden Ausweg versperrten. Nadfahrmarder treiben fortgesetzt in Berlin und den Vororten ihr Unwesen. Am Montag hatte der Arbeiter Schnbert, Jakobikirch» straße 7 wohnhaft, in Schöneberg vor dem Hause Chernskerstr. 13 nur einen Augenblick sein Rad(Marke„Habicht' Nr. 149 075 Torpedo- Freilauf) hingestellt, um in einen Laden zu gehen, als plötzlich ein lolcher Radmarder sich aufs Rad setzte und pfeilschnell verschwand. Ein arbeitsloser Schlosser hat am Vormittag deS 25. August zwischen 10 und 12 Uhr von der Turmstraße bis zum Bahnhof Vensselstraße seine gesamte Barschaft einschließlich der eben erhaltenen Arbeitslosenunterstützung in Höhe von 11,30 M. verloren. Vielleicht meldet sich der Finder und verhilft dem armen Teufel wieder zu seinem Vermögen. Meldungen nach Rostocker Straße 9 bei Grau. Feuerwehrnachrichten. In der letzten Nacht wurde schon wieder ein Dachstuhlbrand, diesmal vom Gesundbrunnen, gemeldet. Kurz nach 10 Uhr stand dort der Dachstuhl des Vorderhauses in der Soldiner Straße 99 in großer Ausdehnung in Flammen. Diese hatten an dem Inhalt der Bodenverschläge, der Dachkonstruktion usw. reiche Nahrung gefunden. Auch waren die Aufgänge schon total verqualmt. Brandmeister Tamm ließ deshalb von der Wriezencr und Soldiner Straße aus vorgehen. Eine Schlauch- leitung wurde über eine mechanische Leiter vorgenommen. Die Feuerwehr gab kräftig mit ihren Dampfspritzen Wasser, hatte aber trotzdem bis nach 1 Uhr zu löschen, bevor es gelang, die Gefahr für die angrenzenden Gebäude zu beseitigen. Der Schaden ist bedeutend. Die Entstehung loar nicht aufzuklären, weil die Flammen, als sie bemerkt wurden, bereits eine sehr große Aus- dehnung erlangt hatten. Gleichzeitig hatte die Feuerwehr in der Lhchener Straße 106. Sorauer Straße 27, Chausseestr. 100 und Reinickendorfer Straße 52 zu tun; in der Lhchener Straße 106 brannte eine Schneiderwerkstatt und an den anderen drei Stellen mußten Kellcrbrände gelöscht werden. Außerdem hatte die Feuerwehr noch in der Möckern» straße 127, Stralauer Straße 11, Weitzenburger Straße 26, Lichten- berger Straße 14 u. a. Stellen zu tun. Am Montagnachmittag um 2'ch Uhr stand der Dachstuhl d«S Hauses Gleimstr. 12 an der Cantianstratze im Norden in großer Ausdehnung in Flammen. Als der 3. Zug an der Brandstelle an» kam, waren die Bodenräume schon total verqualmt. Waren, sowie das Gebälk, der Fußboden und eine Menge Hausrat brannten bereits. Brandmeister Mander ließ sofort mit mehreren Schlauch- leitungen von Dampfspritzen kräftig Wasser geben, wodurch eS gelang, eine weitere Ausdehnung zu verhüten. Der Schaden ist aber trotzdem erheblich. Vorort- l�achrickten. tNixdorf. Das Dreiklassenwahlrecht zur Kommune wird trefflich charakterisiert durch die Steuergrenzen, die für die einzelnen Klassen gezogen sind. Die erste Klasse beginnt mit dem Steuersatz von 60 403 M. und schließt mit 904,60 M. Die zweite Klasse beginnt mit 904,21 M. und schließt mit 78,58 M. In der dritten Klasse wählt alles, was darunter versteuert. Die Zahl der in den einzelnen Klassen Wahlberechtigten wird noch besonders erweisen, daß auch in der Kommune nur der Gcldsack bestimmt. Je lebhafter die Beteiligung der Arbeiter an der Kommunalwahl, desto wuchtiger der Protest gegen das elende Drciklassenwahlrecht in der Kommune. Wildau-Hoherlchme. Bei der gestrigen Gemeindevertreterwahl wurden abgegeben bei der Ersatzwahl für unseren Genossen Schumann 149, für den Gegner 88 Stimmen, bei der Ergänzungswahl für Genossen Adolf Tänzer 139, für den Gegner 104 Stimmen. Unsere Genossen sind demnach beide gewählt. Gegenüber der vorigen Wahl erhielten wir einen Stimmenzuwachs von 15 bezw. 10 Stimmen, während die Gegner einen Stimmenrückgang von 13 bezw. 5 Stimmen erlitten. Schönwalde(Bezirk Pankow). Ein langjähriger, treuer Parteigenosse, der Gemeindeverordnete Maurer Wilhelm Karl, starb am Montag an der Proletarier- krankheit. Karl hat, solange eine sozialdemokratische Organisation am Orte besteht. stets in der vordersten Reihe gestanden, das Vertrauen der Genossen übertrug ihm daS Ehrenamt eines Gemeindeverordneten. War Karl auch kein großer Redner, in seiner schlichten Weise hat er für die große Sache der Arbeiterschaft gewirkt. Die Beerdigung findet ans dem Schönwalder Friedhofe statt. Näheres hierüber in der Donnerstagimmmer. Schönerlinde bei Fr.-Buchholz. Bon feinem eigenen Fuhrwerk überfahren und getötet wurde der Kutscher Paul Schönwald, Heidelberger Straße 32 wohnhaft. Sch. hatte einen Mölicltransport nach Basoorf ausgeführt und fuhr in der Nacht heim. Allem Anschein nach ist er auf dem Wagen ein- geschlafen und vom Wagen gefallen, wobei ihm die Vorderräder über den Kopf gingen und lebensgefährliche Verletzungen bei- brachten. Er wurde tot aufgefunden. Seine Lgge läßt vermuten, daß er noch im letzten Augenblick versucht hat. das Fuhrwerk zum Stehen zu bringen, denn er hielt die Führcrleine krampfhaft um- klammert.' Maricnfelde. Bon einem Schnellzuge erfaßt wurde in der Nacht vom 24. zum 25. August(12% Utzr) au der Uebersahrt am Bahnhof Warienfelde das Fuhrwerk des Handelsmann Busse aus Klein-Beeren. N«S Irgend einem Grunde soll die Barriere nicht heruntergelassen ge« wesen sein. Der plötzlich daherkommende Dresdener Schnellzug er- faßte das Fuhrwerk; das Pferd wurde getötet, während der Führer des Wagens außer einem Bruch des Fußes noch verschiedene andere Verletzungen davontrug. Nudow. Eine öffentliche Bcrsanimlung«nter freiem Himmel fand am Sonntag am hiesigen Orte im Palmschen Lokale statt, in der Ge- noffe Zubeil in eingehender Weise über Zweck und Ziele der Orga- nisation referierte. Hierauf wurde folgende Resolution angcnorn- inen:„Die Versammelten erklären sich mit den Ausführungen Ites Referenten vollkommen«inverstanöen und geloben, in Zukunft mehr wie bisher für die Jntcressea öer Arbeiterpartei einzutreten und sich unverzüglich der politischen Organisation anzuschließen." Am Sonntag, den 30. August, abends 6 Uhr, findet im Lokal von August Polin die Mitgliederversammlung des sozialdemokrw- tischen Wahlvcreins statt. Bernau. In der auch von Fronen außerordentlich gut besuchten Ber- sommlung des Wahlvereins referierte Genossin Neumann-Berlin über:„Welches Interesse haben die Frauen am öffentlichen Leben?" Der lebhafte Beifall, den Rednxrin am Schluß ihres interessanten Vortrages erntete, bewies, daß die anwesenden Frauen mit ihren Ausführungen einverstanden waren. In der darauf folgenden Dis- kussion wurde aufgefordert, das öen Frauen durch das neue Ver- einsgesetz zugestandene Recht der politischen Organisation nun auch voll auszunützen, welcher Aufforderung eine Anzahl der anwesen- den Frauen nachkamen. Hierauf wurde der Bericht von der Kreis- generalversmnmlung entgegengenommen. Zu dem vom Bildungs- auSschuh veranstalteten Kursus in Nationalökonomie wurden 16 Mitglieder deS Wahlvereins delegiert, darunter zwei Frauen. Unter Vereinsongelegenbeiten ersuchte der Bibliothekar, die aus der Bibliothek entliehenen Werke nächsten Sonntag von 11 bis 12 Uhr vormittags zurückzugeben. Ferner wurde aufgefordert, den Ar- beitergesangvcrcin„Freiheit" seitens der organisierten Arbeiter mehr als bisher zu unterstützen. Seitens der Frauen wurde Genossin Siemund als Beisitzerin in den Borstand gewählt. Schenkendorf bei Königö-Wnstcrhausen. Falscher Feueralarm. Auf dem Eisemannschen Grundstück» hier brannte am Sonnabend eine Probelampe. Der Schein derselben erhellte teilweise das ganze Dorf. Der Nachtwächter schlug bei so ungewöhnlicher Helle in seiner Bestürzung Feueralarm, der das ganze Dorf in Aufregung brachte, bis sich zum Gaudium der Einwohner der Irrtum ausklärte._ Lese- nnd DiSkntierklub»Südost«. Heute abend 8'/, Ubr Sitzung bei Tolksdors(Nachj. K. Scholz), GörUtzer Stratze 58. Gälte willkommen. Dtskntierrlub„Freies Wort«. Heute abend 6'/, Uhr bei Schulz, Schrcinerstr. 13. Gäjte willivmmen. VmfKakten der Redaktion. Sit inrtftlsili« evreih stunde flnbe« Si»d«nstr«sie Str. 9, zweiter Hos, dritter iSinaaug, vier Treppen, IM?" I a h r st n h l"v.ZZ woitientäglich abcnvs von?>/, die D'/a live ftott. vleöffnet 7 UNr Sonnabends beginn» die Sprechftuiite uin«1 Ilde. Jeder 2!»frage ist ei» vniiistab« und»ine tlahl als McrkzeiNie» beizniiigen.-vrieiliitie Slntwort wird»ulii erteilt. Bis zur Bcantwortuug im Briefkasten können II Tage vergcbc». Eilige Fragen trage man in der Sdrechstnudc vor. F. G. R. 80. Im Falle der Klage würden Sie leider verurteilt werden.— Miete I5J. Sine Klage gegen den Vater würde aus Grund des von ihm gemachten ZahlungSversPrechenS Aussicht aus Ersolg haben.— Winter. Ja.— ö). 1000. Wenn Sie keinen Einspruch erhoben haben, müssen Sie zahlen. Sonst loäre der Betrcsscnde mit der Klage abgewiesen worden.—«t> Z. 45. 1. Nein. 2. Ja 3. Ja. 4. Der Austritt aus der Kirche geschieht bei Gericht. Den Weg haben wir wiederholt angegeben- Zunächst schrijtliche Mitteilung, daß Sie cuiS der Kirche austreten wollen und um Ausnahme der AuStrltiScrklärung ersuchen, sodann innerhalb des LS. bis 42. Taget nach Eingang dieses Schreibens AnStviit durch Erklärung zu Proiokoll des Amtsgerichts.— O. N.»99. Nein. — 8. S. 1. Auch ohne ausdrückliche» Ehevcrtrag leben die Eheleute außer Gütergcineiiischasl. Ziveckmäßig ist es aber, vor der Ebc einen notariellen oder gerichtlichen Vertrag zu schließen, in dem ausdrücklich das Eigentum der Braut anerkannt und aus die Verwaltung seitens des Ehe. maimcs verzichtet wird. 2. Der Ucberlcbciide würde zu sorgen Hab n.— M. 990. In der ersten Hälfte de« zwcilen Monats des Quartals ist die Steuer sällig geworden.— F. W. 99. 1. Das ist unbekannt. 2. Der Antrag aus Bestellung eines Anwalts kann an daS Gericht gerichtet werden. 3. Ihr Bruder kann Ausschluß der Oesteiitlichteit beantragen.— W. B. 93. Ja.— P. Richter. Aehnttche Klagen habe» wir wiederholt behandelt.— M. E. 80. Leider würden Sie im Ktngewcgc voraussichtlich unterliegen.— 5 c M Sf Swtnemd». Hamburg Berlin Franks.aM. München Wien 758 WSW 758 SSW 759 SW 762 SW 764 SW 764 Still Wetter 3 wolkig 4 bedeckt Lbedeckt Zbedeckt 3 halb bd. heiter WS Sil i? tri lo 15 U 16 15 16 16 Stationen Ii KZ Wetter Haparanda 1 753 NO Petersburg 751 0 Scillq Aberdee» Paris 757 W 747 S 761 S 2baw bd. 2 bedeckt 4 wolkig 1 wolkig Zbedeckt > c* ff" ga WS, 8 11 16 13 16 Wetterprognose für Mittwoch, den 20. Angnst 1908. Ziemlich kühl, bisweilen aufklarend, jcdcklh vorwiegend bewölkt mit Regen» fällen und lebhaften südwestlichen Winden. Berliner Setterburea» Deitseher SolzarMter-Terband. Ortsverwaltung Berlin. Mittwoch, den 26. August, abends TVs 8lhi*s Generai-yersammiung � bei Freyer, Koppenstraße 29. TageS-Ordnung: w/io 1. Sttchwahl der Beisttzer zum Hauptvorstand, der Redisoren für die Haupitasse und der Preßkommission für die „Holzarbeiter-Zeitung". 2. Kassenbericht für das zweite Quartal, Bericht der Ortsverwaltung und der Arbeitsvermittler. 3. Bericht vom Gewerkschasts-Kongretz. �tttxUedsducb legitimiert. Die Ortsverwaltnng. ZKoüeN- unä LsbriktisMer Awie MoüvNSrssksler Donnerstag, de« S7. August, abendS 8'/, Uhr» Kranehsn»Versammlung. bei diodiirtSt, Gartenstrahe v. TageS-Ordnung: l. Bortrag dcZ Genossen Handke über:»Unternehmertum und Arbeiterschaft in der gegenwärtigen Krise«. 2. Branchen» und BerbandSangelegenheiten. JalousiesArbeiter Donnerstag, den 87. August, abends 8'/, Uhr: Sranehen» Versammlung bei Anton Boekor, Wcberstr. 17. Tages-Ordnung: 1. Vortrag:»Die wirtschaftliche Lage der Gegenwart«.& DiZ- tussion. 3. Branchenangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Obmann. kerlmutter-, Zlirn-, Steinnii])-M- Weiter und-Jlrbeiterinnen Donnerstag, den 87. August, pünktlich abendS v Uhr, Vranehen- Versammlung im eewerkaehafl.hanse, Engeluser 15 lSaal 6). TageS-Ordnung, 1. Branchenangelegenheiten. 2. DiSlussioa. 8. SrdeitSnachweiS. «. Verschiedenes. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist eS Pflicht einrS frden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Die Branchen-Kommisston. KäeherniröbeUsranelte Donnerstag, den 87. August, abeuds 8'/, Uhr, Sranehen» Versammlung im EnxH.ckon Garten, Alexanderstr. 87c. tW Die Kollegen von Weihensee und Rixdorf sind hierzu be- sonders eingeladen.— Mitgliedsbuch legitimiert. Die Ortsverwaltung. Stellmacher Donnerstag, de» 37. August, abendS Ms, Uhr» Sranehen» Versammlung t« Boacnthaler Hof, Roscnthaler Strahe 11/18. TageS-Ordnung: L Vortrag über:„Tie Aufgaben der Gewerkschaften während der Krise«. 2. Wie stellen sich die Kollegen zur Wiedererössnung der Zeichenschule. 3. Branchenangelegenheiten. 4. Verschiedenes. ZKödelpoUsrer, Beizer und ytagazinarbetter Donnerstag, den 87. August, abendS 8'/, Uhr» Sranehen- Versammlung bei Walter, Andreas str. 81» TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen BrUokaer über:.Sozlalvolitische Gesetz- gebung.« ä. DiSlnssion. 3. Stellungnahme zur Arbeitsvcrmitteiung. 4. Ver- bandsaw''"-— Danksagung. Sage allen Verwandten, Freunden und Bekannten, den Tischlern der Firma Mayer u. Hentschci sowie den Mitgliedern des Verbandes der irden Gast- und Schankwirte Berlins sllr die rege Beteiligung und zahlreich Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben ManneS und Vaters den herzlichsten Dank. 1L34b Hedwig Hansen nebst Sohn. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters sage» wir hierdurch allen Bekannten, Kollegen und Genossen sowie der Firma Ticke uusercu besten Dank. Wltwo Thomas 1222b nebst Kindern._ Danksagung. Sagen allen Verwandten. Freunden und Bekannten sowie den Mitgliedern der Sektion der Gips- und Zement- broncho des ZcntralverbandeS der Maurer und dem Sozialdemokrati- schcn Wahlverein Nixdvrs sür die rege Beteiligung und die reichen Kranz- svenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters unseren besten Dank. 1228b Witwe l,eonliardt u. Kinder. t SleUmamts t Trauernmgazin Hauptgeschäst Berlin W., Mohrenstraße 3Va, kein Eckhaus, und Berlin kiO., Gr. Frankfurter Str. 1 16, lein Eckhaus, erreicht feine Leistungsfähigkeit und seine bistigei, Preise durch Raumersparnis u. geringeSpesen Geschmackvolle Auswahl in fertiger Trauer- Garderobe für Dam«» und Mädchen.* Zurückgekehrt. IMäjßS. [Haben Sie Stoff? ftft fertigt daran Anzug od. Paletot nach Mass, schick, dauerh. Zutaten, von 20 M ark an. Moritz La band, Neue PromenadeS,II.( Stdtb. Börse). andsangelegei, hellen. Der Obmann. I»«11 Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berit«. Hauptbureau: Hos I. Amt 3, 1233. CharltAstraße 3. Hos Ol Amt 3, 1987. Donnerstag, 27. August, abends 8'/, Uhr: Atzenrntte KikWiemchlllmlmg in den Andreassälen, AndreaZstr. 21. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Unk. 2. Diskussion. 3. Verbands« und Branchenangelegenheiten. dl«. In dieser Versammlung werde» die BilleitS zum Klempner. vergnügen ausgegeben. 121/3 Zahlreichen Besuch erwartet_ Die OrtSderwaltung. Kunsfgeigenöauer E. Toussaint BERLIN C. Joachimstraße HC, liefert Reparaturen, aus Wunsch zugleich mit vorzgi. Tonverbesseruug. Spezialität: Erzeugung deS alt- italienischen Timbres sür grosze Säle an alte» u und neuen Geigen.:: Mäßiges Honorar.» iii MrsaetiEii und Hup. Von Horm. Wendel. '> Mrol» SO Hf.■ Expedition des„Vorwärts", lilndenatraOe 00(I,adcn). Sport» Sit gern im Haushalt, dann bereiten Sie sich Ihren Bedarf an Essig selbst aus Reichel'» WS-Gll? ♦ Marke»Lichtherz«. Eine Originalslasche gibt 18 Weinflaschen feinste» u. milden, keiuifreieu ii Shmiaclie-gsslg. 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Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daß mein innigstgeiiebter Mann, unser sorgsamer Vater, der Gürtler Fritz lienze nach von 6 schwerem Leiden im Alter 1 Jahren verschieden ist. Die» zeigt, um stille Teilnahme bittend an 407M Wwe. Marie Lenze u. Kinder, Rixdors, Prinz Handjerhstr. LS. Die Beerdigung findet am Freitag, den 28. August, nach. mittags 5:/, Uhr, von der Halle des neuen Rixdorser.. Kirchhofes, Mariendor ser Weg, aus statt. 80!is!ll0W!ssMi!tiei'VÄsei'eiii A![»rI«i»/z Uhr, von der Leichen- Halle des Emmaus-Kirchhoses in Rixdorf, Hermamistraße, aus statt, Um rege Beteiligung bittet 1236b Der Vorstand. Huste früh 6'/, Uhr verschied! I nach kurzem, schwerem Kranken- 1 1 lager unser verehrter Veretnswlrt, 1 | der Gastwirt August Quädig | im 57. Lebensjahre. Dies zeigen tiefbetrübt an Staaken, 24. August IVOS Sozialdemokrat. Wahlvereiii. Freie TurnerschafL Arb.-Gesangverein„Einigkeit". Arb.-Radfahrer».„Solidarität". Die Beerdigung findet am I Donnerstag, den 27. August, I nachmittags 4 Uhr, vom Trauer- hause, Berliner Straße 44, aus statt. 230/7 Allen Freunden und Bekainsten I l die traurige Nachricht, daß mein! lieber guter Mann, unser Vater, I Bruder, Schwager und Onlei.i | der Schlosser Hugo Gries im 42, Lebensjahre am 22. August vormittags 2 Uhr, im Krankel,-, hause am Friedrichshain nach I kurzem, aber schwerem Leiden an I Lungenentzündung plötzlich ver-I storben ist. Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 26, August, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des Zentral-Friedhoje» in Friedrtchsselde statt. Um stille Teilnahme bittet Berlin 0. 112, Sinwn-Dachstr. 82. Familie Gries. Große Dampfer» Ferienfahrten ««ch Wernsdorfer Schleuse A-u- Gosener Lerge. Jeden Sonntag. Montag. Mittwoch] Crhillinffchriirkp Donnerstag früh 9l(2 Uhr, nachm.? ab S Uhr. hin u. zurück 80 Pf.) Sonntags 75 Pj."TPS Hierzu ladet freundlichst ein I'unl �akveckler, 403SL» Restaurant zum Oder-Spree-Kanal. KMSlisss. Von nachmittags ca. 2 Uhr an(halb-\ nach ttünbt.) sonntags 30 Vf., wochentags 30 Ps./ Restaurant PI)arus--Sälenniiier-stp.i42. flr�BifinnnV Eämiliche Vereinsvorstände, Komitees usw.. welche v.KiI»N a in meinem Lokale Vergnügen abgeschlossen haben, bitte ich höflichst, Freitag, de» 38. d. M., abends 9 Uhr, sich bei mir einzufinden zwecks Rücksprache in geschäftlicher Angelegenheit. tliiHns Wernau. Von der Michaelbrücke Letzte diesjährige Extrafahrten. Heute«ittwoch: Abf. 10 Uhr nach Schmöckwitz u. Neue" Mühle; 2 Uhr nach Woltersdorf.— Donnerstag 10 u. 2 Uhr nach Wollersdorf.— Freitag 10 u. 3 Uhr nach Schmöckwitz u. Ziegenhals.— Sonnabend 3'/, Uhr abends: Letzte Moudscheinfahrt nach Müggelwcrder. Preis für jede Fahrt hin und zurück 50 Pf. 1237b_ Reederei€J. Zachow. Tel. Amt IV. LS21. Gustav Lindenhayn icfuiirionhoft Telephon: Am Telephon: Amt Grünau Nr. 17 GssMoiioft. ßriindll Friedrich- 8tr. 2. U1 Ullnll, 5 Minuten vom Bahnhof. Großer Garten. Vereinszimmer. 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