Nr. 203. Abonnements- Bedingungen: Abonnements. Breis pramumerando Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 M wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Boft- Beitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luremburg, Bortugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz " Eriocint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 25. Jahrg. Die Infertions- Gebühr Beträgt für die sech gespaltene Stolonels geile oder beren Raum 50 Pig., für politische und gewerkschaftliche Vereins und Bersammlungs- Anzeigen 30, Bfg. Kleine Anzeigen", das erste( fettgedrudte) Wort 20 Big., jebes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Bort 10 Bfg. jebes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inferate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition it bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Die Kongo- Annexion. Brüssel, Ende Auguft. Sonntag, den 30. August 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. der notwendigen Reformen und weiter auch wegen Regierung zu trauen ist, geht aus dem im letzten Graubuch der fallenden Kautschukpreise und der erhöhten Ge- veröffentlichten Memorandum an die Regierung der Verstehungskosten verschlechtern. Der Kolonialbesib wird einigten Staaten hervor, worin es heißt, daß es heute leider aber auch die staatliche und gesellschaftliche Organisation des noch unmöglich sei, ein Datum für die vollständige Mutterlandes entscheidend beeinflussen. Denn Militaris und endgültige Aufhebung der in Arbeit zu Nach einer endlosen, ermüdenden, in wirren Zickzackgleisen mus und Marinismus, die es in Belgien bisher nur leistenden Steuer anzugeben. Hier liegt auch einer taufenden Diskussion hat die belgische Kammer das Kolonial- zu bescheidenen Ansätzen gebracht haben, wird weit das Tor der gefährlichsten Keime eines Konflikts mit England. Wohl gesetz auch in zweiter Lesung angenommen und die Annerion geöffnet, eine an ihm materiell interessierte industrielle und hat die englische Regierung aus die feste Datierung der Aufperfekt gemacht. Gegenwärtig legt noch der Senat die legte finanzielle Schicht der Bourgeoisie wird sich formieren und hebung der Zwangsarbeitssteuer verzichtet, aber unter der Hand an die Vorlagen und so ist der um den allerhöchsten das Land wird in das für den neutralen Kleinstaat besonders ausdrücklichen Voraussetzung, daß im Kongo geeignete Maß Geschäftsmann Leopold gescharten Clique der Finanzjobber gefährliche Getriebe der internationalen Politik hineingerissen. regeln getroffen würden, die Dffupationsrechte und die Ver und Kolonialwucherer doch gelungen, ihre Ernte noch vor dem Damit aber läutet auch dem traditionellen belgischen fügungsfreiheit der eingeborenen Bevölkerung über die natürHerbst unter Dach zu bringen. Konstitutionalismus die Totenglocke und der lichen Bodenprodukte zu erweitern. Daß es nicht schwer In der Tat ist die Annexion so gut wie vollzogen, tapitalistische Imperialismus wird sein an- fallen dürfte, in den Bestimmungen des Verwaltungsgesetzes Belgien ist seit voriger Woche ist die Reihen der Kolonien maßender Erbe. Man braucht, um diese neue Psychologie und gar in der Handhabung, die ihm zweifellos zuteil besitzenden Länder getreten. der belgischen Bourgeoisie zu erkennen, nur die gewissenlose werden würde, den Mangel einer solchen Vorsorge zu sehen, Eine Rückschau auf den Weg des Gesetzes zeigt nicht nur Preisgabe der bürgerlichen Freiheitsrechte ins Auge zu fassen, liegt auf der Hand. Die Mehrheit der Kammer hat eine Fülle der sonderbarsten Ministerkrisen und Regierungs- die im Verwaltungsgesez für den Kongo verübt wird. Die sowohl den Zusazantrag Lorand abgelehnt, der niederlagen, die mit ihren Pifanterien noch den letzten Augen- nach dem Kongo ausgewanderten Belgier verlieren die bürger- eine aus vier vom Parlament ernannten Mitgliedern geblick würzten, sondern auch jenes denkwürdige Votum der lichen Rechte. wählte Schußkommission für die Eingeborenen einsetzen wollte Maiwahlen, die eine Majorität bon 150 000 Stimmen gegen In der Kolonie besteht keine Preßfreiheit, teine und ihre Ernennung dem König zugewiesen. Ebenso hat die Annexion ergaben. Es war danach nur zu begreiflich, Vereins- und Versammlungsfreiheit. Man sie den Antrag Vandervelde berworfen, der dem daß die Regierung trotz ihrer angeblichen Zuversicht, daß das dürfe die Kolonialregierung nicht entwaffnen, hat der Justiz- Generalgouverneur der Kolonien die Aufgabe zuwies, sich Land die Annexion wünsche, es nicht wagte, die Frage der minister Reufin gemeint die Amendements der Sozialisten, ganz besonders mit der Erhaltung und Erweiterung der gesamten Wählerschaft zu unterbreiten.( Die Kammer die diese bürgerlichen Freiheiten wenigstens für die Europäer Eigentums- und Offupationsrechte der Eingeborenen zu bewird bekanntlich bei den regulären Wahlen stets nur zur Hälfte oder auch nur für die Belgier, die den Kongo bewohnen, zu fassen. Wenn die belgische Regierung nichts dazu tut, sich erneuert.) retten versuchten, wurden abgelehnt. Das tünftige von dem Verdacht, das Raubregime des Kongostaats unter Vielleicht konnte man sich wundern, daß die Verstimmung Regime der Kolonie ist überhaupt ein taum verhüllter Ab einer neuen Firma fortsetzen zu wollen, zu befreien, so wird des Volkes kein stärkeres Ausdrucksmittel als den Stimmzettel folutismus, der dem König die Fortsetzung feiner dunklen die im englischen Weißbuch publizierte Warnung Sir Edward gesucht hat und die Kolonialclique hat auch nicht verfehlt, Machenschaften mit den Stonzessionsgesellschaften ermög- Greys leicht praktisch werden, die darauf verweist, daß diese anscheinende Indifferenz zu ihren Gunsten zu deuten. lichen soll. Abgelehnt wurden alle sozialistischen An- England den vertragsmäßig eingeräumten Rechten, wegen der Aber man darf eben doch nicht verkennen, daß eine träftigere träge, die das Recht der Abgeordneten, in die Geschäfts- es mit der Kongo- Regierung in Unstimmigkeit geraten sei, Temperamentsentladung der Massen eine mehr ins Auge gebarung der Kolonialregierung, besonders in die Archive größere Aufmerksamkeit schenken müsse. fallende Rechtsverlegung, eine unmittelbarere, drastischere der Finanzverwaltung Einsicht zu nehmen, sicher stellen Man sieht, die Zukunft droht noch mancherlei Unheil zu Schädigung voraussetzt, als die Uebernahme des Kongo- wollten. Abgelehnt die Anträge, die die geseg gebären. Aber selbst im günstigsten Fall bleibt die Annexion Staates mit sich bringt, deren gefährliche Folgen gebende Gewalt dem Kolonialrat übertragen und ein Geschäft, das sich dem großherzigen" König und der bielleicht erst nach Jahren zu empfinden sein werden. für wichtige Gegenstände, insbesondere auch für die Ein- nach Profiten und bureaukratischen Schmaroßerplätzen Und es soll auch nicht verschwiegen werden, daß richtungen des Steuersystems und für Konzessionen lüsternen Bourgeoisie rentieren kann, den 22 Millionen jeder Versuch, die Massen in Bewegung zu bringen, schon von Eisenbahnen, Bergwerken, Wäldern und Schwarzen aber eine Verlängerung der von Regierungswegen infolge der völligen Desorganisation hätte scheitern Gebäuden die Form des Gesetzes vorschreiben wollten. organisierten Plünderung, den arbeitenden Massen Belgiens müssen, die das Kongo Problem in allen parlamentarischen An genommen wurde der Entwurf der Kommission, der die schweren Lasten und die gesteigerte Korruption des in das Parteien hervorgerufen hat. Eine energische Obstruktion die gefeßgebende Gewalt durch den König Getriebe der imperialistischen Staatswesen hineingetriebenen in der Kammer hätte wohl des Wiederhalls im Lande nicht mittels Detreten ausüben läßt, mit Ausnahme der für Landes aufladen muß. Einen Vorgeschmack bom neuen entbehrt, aber der weckende Ruf blieb aus. Der König und Geseze vorbehaltenen Gegenstände. Herr Renkin verteidigte belgischen Nationalismus hat man schon in der letzten fein im eigentlichsten Sinne- Geschäftsministerium" profi- diese Fassung, indem er sagte, es sei unmöglich, der Debatte und nicht zuletzt von Vandervelde zu kosten tierten von der Schwäche der Opposition mehr als von der Kolonie die gesetzgeberische Autonomie zu verleihen, bekommen. Es ist unerfreulich, berichten zu müssen, Stärke ihres Anhangs. Die Opposition der von Beernaert fie müsse also Belgien übertragen werden, und zwar dem daß auch der belgische Sozialismus im erwachenden geführten anständigeren Elementen der konservativen Partei König, denn das Parlament sei zu langsam. weltpolitischen Frühling ziemlich taumelig geworden wurde durch die Zweideutigkeit der reichlich mit Kongo- Ausnahmen seien nur für die durch das Gesetz der ordent- ist. Die Realpolitit" eines Vandervelde, Interessenten durchsetzten Doktrinärliberalen und durch die lichen gesetzgebenden Gewalt vorbehaltenen Gegenstände fest- die sozialtheoretischen Schrullen eines Denis, der sich Konfusion bei den Sozialisten reichlich komppensiert. sett, d. h. für das Budget; für die Staatsrechnung für die in die Idee eines internationalisierten Kolonialsystems verDie bekannten Seitensprünge Vanderveldes haben Anleihen; für die Fälle der Ministerverantwortlichkeit; für bissen hat, haben die sozialistische Aktion im Parlament bisder ganzen sozialistischen Opposition das Rückgrat gebrochen. die Genehmigung der Staatsverträge. Ferner für die weilen ihrer historischen Aufgabe, die innerhalb des bürgerWelche moralische Autorität hätte ein Appell der Sozialisten infolge einer föniglichen Delegation dem General- lichen Staatsorganismus wirkende Kraft der revolutionären an das Volk gehabt, nachdem der bekannteste Parlamentarier gouverneur der Kolonie zugewiesenen Angelegenheiten. Klassenbewegung des Proletariats zu sein, entfremdet. der Partei in der peinlichen Sizung vom 9. Juli unter dem Die Dekrete bedürften der Gegenzeichnung und der vor Hoffentlich werden die kommenden Kämpfe gegen die klerikale heftigen Protest fast der ganzen Fraktion gegen den Ver- hergehenden Begutachtung durch den Kolonialrat. Herrschaft und das jedem sozialistischen Fortschritt mit tagungsantrag der Opposition gestimmt hatte, der die Diesem die gesetzgebende Gewalt zu verleihen- wie dies steigendem Selbstbewußtsein widerstrebende kapitalistische Regierung zwingen sollte, vor dem Abschluß der Debatte über Vandervelde beantragt hatte- widerspreche den Grund- Ausbeutertum der Partei die Energie und Geschlossenheit wie den Verlauf ihrer Unterhandlungen mit England Aufschluß zu prinzipien des belgischen Staatsrechts, die es nicht gestatteten, das flare Erfassen der Leistungen, die sie dem Proletariat geben. Nachträglich ist diese Publikation erfolgt und sie beweist eine aus Abgeordneten der Nation zusammengesette unverant- schuldet, wiedergeben. gleich dem englischen Weißbuch wie viel Stonflitts- wortliche Leitung damit zu betrauen. Einen ähnlichen Nonnur # wie stoff unter den„ wohlwollenden" Redensarten der Diplomatie stitutionalismus" gab der doktrinärliberale Symans tund, Lloyd George und feine deutsche Reise. verborgen ist. der die Uebertragung der gesetzgebenden Gewalt an den König Unter den gegebenen Umständen den prinzipiellen mit der Berufung auf die doch einer ganz anderen Zeit entLondon, 27. August. Meinungsverschiedenheiten und der taftischen Unsicherheit und stammende holländische Gesetzgebung begründen wollte Mit Ausnahme Winston Churchills, der außerordentlich rasch Zuchtlosigkeit war die sozialistische Opposition darauf und im übrigen meinte, von Absolutismus sei keine Rede. zu einer der höchsten politischen Stellungen emporgestiegen ist, dürfte beschränkt in ununterbrochenen Einzelgefechten gegen die Denn das Wort„ König“ im Gesetz bedeute soviel wie Re- es taum noch einen Politiker in England geben, der das Auge des schlimmsten Bestimmungen des Kolonialgesetzes und die gierung. Publikums mehr auf sich lenkt, als Lloyd George. Er wurde int brückenden Bedingungen der Annexionsvorlage anzufämpfen. Das Kolonialgesetz ist das Ergebnis eines schmutzigen Jahre 1863 bon fleinbürgerlichen Eltern in Wales geboren und für Bei äußerster Kraftanstrengung und bisweilen glänzender Ent- Geschäfts, zu dem sich drei Parteien verständigt haben: der die juristische Laufbahn bestimmt. Er hat es aber nicht einmal faltung parlamentarischer Talente war der Erfolg doch sehr absolute König bekommt für seine Sultanslaunen, der Groß- zum Barrister( Rechtsanwalt), sondern zum Solicitor( Rechtsbescheiden. Denn die Leopoldische Clique konnte sich doch kapitalismus für seine Profitgelüfte, der Kleritalismus für fonfulenten) gebracht. In England ist die Advokatur in zwei Pronicht dazu verstehen, dem Kolonialfapitalismus die Giftzähne seine Herrschgier einen Freibrief. Kaum daß sich die Ne- fessionen geteilt. Der Theorie nach verteidigt der Rechtsanwalt ausbrechen zu lassen, um derentwillen sie ihm just das Land gierung, um ihrer liberalen Hilfstruppe ein konftitutionelles aus Motiven der Gerechtigkeit und darf mit der Partei, für die öffnen will. Feigenblatt zu lassen, zu kleinen Zugeſtändnissen herbeigelassen er juristisch wirkt, nicht in Berührung kommen. Seine Pflicht ist, Für die von einigen Radikalen, namentlich Lorand hat, wie zur Festsetzung der ministeriellen Gegen vor dem Richter zu plädieren und dem Rechte zum Siege zu ver tapfer unterstützte sozialistische Opposition waren zwei Gesichts- zeichnung für die Ausgaben des dem König überwiesenen helfen. Den Auftrag hierzu erhält er vom Solicitor, der mit der punkte maßgebend: das politische und wirtschaftliche Inter- Spezialfonds von 50 Millionen und die zur Disposition des flagenden oder beklagten Partei verkehrt und sich mit ihr über die esse der belgischen Bürger und das Interesse Königs bestellten Annuitäten von insgesamt 45 Millionen. Gebühren einigt, aber vor dem Richter nicht plädiert. Der Solicitor der Eingeborenen im Kongo. In zahllosen Abänderungsanträgen bemühte sich die ist also ein Vermittler zwischen Partei und Rechtsanwalt. Das Mag man sich zur Kolonialpolitit an sich wie immer Opposition die Vorlage für die Eingeborenen günstiger war der Beginn der Laufbahn von Lloyd George. Im Jahre 1890 stellen, so ist doch das eine gewiß, daß die Uebernahme des zu gestalten und die schlimmsten Formen der Versklavung und wurde er als Radikaler( Linksliberaler) ins Barlament gewählt, Kongo für Belgien auf eine unabsehbare Zeit hinaus eine Ausplünderung zu beseitigen. Auch hier waren ihr nur be- aber erst im Jahre 1904 begann er das Ohr des Unterhauses zu schwere wirtschaftliche Belastung zur Folge scheidene Erfolge beschieden und im großen und ganzen gewinnen, besonders wegen seiner Angriffe auf den schutzöllnerisch haben wird. Die notwendigen tostspieligen Investitionen bleibt die Sklaverei an der Tagesordnung. Am wichtigsten imperialistischen Chamberlain. Seine Angriffe zeigten wenig von werden zuguterletzt von den Steuerzahlern bestritten werden ist die durch die packende Beredsamkeit des Genossen Wissen oder tiefem, originellem Denken, wohl aber zeichnete er müssen, wenngleich das Verwaltungsgesetz in seiner Formu- Royer durchgesetzte Bestimmung, die die direkte oder in- fich durch einen bissigen Sarkasmus und geschickte Debattierkünfte lierung durch die 17. Sommission die Trennung der Attiva direkte Anhaltung der Neger zur 8wangsarbeit aus, die den Angegriffenen reizten. Seitdem wurde Lloyd George und Passiva der Kolonie von denen des Mutterlandes fest- für die Ronzessionsgesellschaften oder für zu einem hervorragenden Mitglieder der liberalen Partei, deren sezt und auf Antrag Woestes, des gegenwärtig gegen das sonstige private Unternehmungen untersagt. Die Führer Sir Henry Campbell- Bannerman ihn beim Rücktritt der Minifterium intrigierenden fleritalen Drahtziehers, auch die Regierung mußte sich dazu verstehen, in einer präzisen Gefeßes- tonservativen Regierung im Dezember 1905 zum Handelsminister Zinsengarantie Belgiens für die Kongorente abgelehnt worden bestimmung auszusprechen, daß die als Steuer trop der machte. ift. Die Raubwirtschaft der Konzessionsgesellschaften und die Bemühungen der Opposition für fünf Jahre zugelassene Im neuen Parlamente, das aus den Januarwahlen 1906 Profitmacherei des Königs wird, wenn wohl auch zum Fronarbeit- besser gesagt die Negerjagd herborging, wurde Lloyd George von der konservativen Opposition Schein gemildert, wie bisher fortgehen und nur die wenigstens nicht den Gesellschaften zur Eintreibung überlassen zuerst für einen radikalen Echwäßer gehalten. Bald aber wurde Finanzen der nunmehrigen Kolonie werden sich infolge werden darf. Wie wenig freilich der humanitären Moral der sie anderer Meinung und schloß den Handelsminister in ihr Herz. Er Btä'cfjfe eine Ech!ffa�rks5ill ciü, in d'er ei die JnkekesseA Set Reeder schützte. In der Verwaltung seines Ressorts hat er es sich stets angelegen sein lassen, sich mit den Kapitalisten zu verständigen. Tann kam die Agitation der Eisenbahner um Anerkennung ihrer Organisation und um höhere Löhne und kürzere Arbeitszeit, die die Gefahr eines allgemeinen Bahnerstreiks in sich schloß. Am Vor- abend der Arbeitsniederlegung der Eisenbahner gelang es Lloyd George jedoch, die Arbeiterführer einzuschüchtern und ihnen einen Ausgleich aufzuzwingen, der die Anerkennung der Geweckschaft ausschloß, und anstatt bessere Arbeitsbedingungen erhielten die Arbeiter die Möglichkeit, Schiedsgerichte zu bilden. Diese gcwerk- schaftsfeindliche Haltung wurde Lloyd George von den Unter- nehmern als eine der größten Taten gutgeschrieben. Schließlich hat er sich die Schutzzöllner durch sein neues Patentgesetz, das am 23. d. M. in Kraft tritt, besonders verbunden. Dieses Gesetz bricht mit dem Freihandel, indem es ausländischen Patentartikeln nur dann den Schutz des Gesetzes gewährt, wenn die Patentinhaber ihre Fabrikation in genügendem Umfange in England betreiben. Zahl- reiche deutsche Industrielle sind dadurch gezwungen, Fabriken in England zu gründen, Staats- und Gemeindesteuern in England zu zahlen, englische Arbeiter zu beschäftigen und hier ihre Waren herzustellen, anstatt sie, wie früher, nach England einzuführen. Das deutsche Kapital muß jetzt den englischen Reichtum vermehren helfen. Diese ministerielle und legislative Tätigkeit machte Lloyd George zum populärsten Mann in den Kreisen der herrschenden Klassen. Als Campbell-Bannerman vom politischen Leben zurück- trat und das Kabinett umgestaltet wurde, verlangten die Konser- vativen ebenso eifrig wie die Liberalen, daß Lloyd George einen höheren Posten erhält; es wurde ihm auch der erledigte Finanz- Ministerposten anvertraut, von dem Asquith zurückgetreten war, um Premierminister zu werden. Der Kabincttsrang des Finanz- Ministers steht nur demjenigen des Premierministers nach. Auf diesem Posten scheint ihm das Glück weniger günstig zu sein. Seine Uebernahme des Finanzrcssorts fiel mit dem Beginn der Wirt- schaftSkrise zusammen, die sich auch im Rückgange der Staatsein- nahmen stark bemerkbar macht. Von seinem Vorgänger Asquith (dem gegenwärtigen Premierminister) hat er aber große Vcr- pflichtungen übernommen: für Alterspensioncn und für die Auf- rechterhaltung des maritimen Zwei-Mächte-Standards zu sorgen. Das Betreiben einer Sozialpolitik wird von der Arbeiterpartei ver- langt; die Steigerung der Flottenausgaben verlangen die Flotten- Politiker unter Hinweis auf die umfassenden Rüstungen Deutsch- lands. Angesichts dieser großen Forderungen und des Rückganges der Staatseinnahmen muß sich der Finanzminister auf ein be- deutendes Defizit gefaßt machen. Man spricht von einem Defizit des Etats 1908/09 und 1909/10 von etwa 200 Millionen Mark. Das bisherige Gleichgewicht im Staatshaushalte ist also gestört und den- noch sind enorme Ausgaben für die Flottcnctats der nächsten Jahre erforderlich. Wie man erzählt, hat Lloyd George diese Sachlage selnen Kollege» geschildert und den Minister des Aeußeren, Sir Edward Grcy ersucht, Schritte zu einem Einverständnis mit Deutschland zu mache». Das Einverständnis soll selbstredend den Zweck haben, die Flottcnprogramme einzuschränken. Grey entsprach dem Wunsche seines Kollegen und hielt vor Schluß der letzten parlamentarischen Tagung eine deutschfreundliche Rede und legte auch dein König nahe, anläßlich seiner Begegnung mit dem deutschen Kaiser die Frage der Beschränkung der Flottenrüstungen zu berühren. Zu diesem Zwecke wurde ihm Sir Charles Hardinge, für den Grey dem Parlament gegenüber die Verantwortlichkeit über- nommen hat, mitgegeben, der tatsächlich diese Frage mit dem Kaiser in Kronberg besprochen hat. Das Resultat wurde bereits an dieser Stelle mitgeteilt: Bis 1911 soll weiter gerüstet werden. Um sich über die Stimmung in Deutschland zu orientieren, ging Lloyd George nach Berlin. Als unerfahrener Diplomat ließ er sich— entgegen den Gepflogenheiten britischer Minister— von einem Vertreter der„Freien Neuen Presse" über äußere Politik interviewen. Seine Auslassungen, die nebenbei gesagt, mit unseren Ansichten, die im Artikel„Freihandel und Politik" geäußert wurden, merkwürdig übereinstimmten, erregten das Mißfallen der öffentlichen Meinung Englands. Lloyd George ging sodann nach Berlin, aber nicht mehr als äußerer Politiker, sondern als Sozialpolitiker. Er studierte in Deutschland die Gesetze betreffend Arbeiterversicherung. um manches davon in seiner ministeriellen Tätigkeit zu benutzen. Bei seiner Rückkehr nach London wurde er über diese Gesetze ausgefragt, die er im großen ganzen lobt. Er hat sich in Deutsch- land auch mit Arbeiterführern und Sozialdemokraten unterhalten (mit dem Genossen Simanowski von der Zcntralkommission der Krankenkassen und dem Genossen K o h n von der Ortskrankenkasse der Kauflente. Red. d.„Vorw."), von deren praktischem Sinn und sittlichem Ernst er eine sehr gute Meinung gewonnen hat. Man hatte ihm offenbar die roten Teufel Deutschlands n,it blutigen Farben gemalt, und er war ganz überrascht, vernünftige Männer, praktische Politiker und besonnene Führer zu finden. Man darf ruhig behaupten, daß sein Verkehr mit deutschen Sozialdemokraten ihn zu einem besseren Einblick in daS Wesen der modernen Arbeiterbewegung verholfen hat. Legen Beweis dafü� au- geboten, daß A. seit 4. April 1898 ununterbrochen in Arbeit stand und einen Lohn von zuerst 1,19 M., dann seit dem Jahre 1993 einen solchen von 1,29 M. im Winter und 1,39 M. im Sommer pro Tag erhielt, während die anderen Arbeiter einen nur um geringes höheren Lohn bezogen. A. war also seit dem Jahre 1898 imstande, weit mehr als ein Drittel dessen zu verdienen, was Ar- beiter mit der gleichen Ausbildung zu verdienen pflegen. Das Schiedsgericht wies jedoch die Berufung zurück und erklärte, daß die Ausführungen des ange- fochtenen Bescheides nicht zu beanstanden sind.(!) Es heißt dann weiter:. „Dr. Sch. in Fr. hält den Kläger zwar erst seit dem 29. De« zember 1906 für dauernd invalide und fügt hinzu, daß sich der Zustand des Klägers seit 1897 soweit gebessert habe, daß Kläger grobe mechanische Arbeiten verrichten tonnte. Diese Annahme ,st nicht stichhaltig. Kreisarzt Dr. L. kennzeichnete die Bc- schäftigung des A. als eine solche, bei der mehr das Gefühl und die Gewohnheit, als körperliche Fähigkeiten ausschlaggebend wären. A. habe es nur einem besonderen Zufall zuzuschreiben, daß er sich noch bis zum Jahre 1906 nützlich machen konnte.".»- Arbeitet ein Versicherter, der Invalidenrente erhält, und verdient mehr als ein Drittel dessen, was Arbeiter mit der gleichen Ausbildung zu verdienen pflegen, dann wird er nicht mehr als invalide angesehen; die Rente wird ihm entzogen. In unserem Falle hat ein Arbeiter acht Jahre hinter- einander gearbeitet zu einem Lohn, der nur wenig dem anderer Arbeiter nachstand. Dieser Arbeiter soll aber invalide sein. Wird nämlich der Arbeiter als invalide er- klärt, so ist er nicht mehr berechtigt, Marken zu kleben; die Anwartschaft auf Rente wäre dann erloschen; die Anstalt und das Reich spart Geld. Das Reichsversicherungsamt hob auf eingelegte Revision durch das Arbeitersekretariat Berlin die Entscheidung des Schiedsgerichts auf und verwies die Sache zur. nochmaligen Verhandlung an das Schiedsgericht zurück. Begründend sagte das Reichsversichcrungsamt unter. anderem: „Die Erfahrung lehrt, daß Arbeiter, deren Sehkraft stark geschwächt ist. in der Regel zu gröberen Perrichtungen noch recht wohl imstande sind, und es hieße unter Umständen den Fleiß und die Anstelligkeit bestrafen, Ivenn man Leute dieser Art von den Wohltaten der Arbeiterversichcrung ausschließen wollte. Außerdem kann nicht ohne weiteres vermutet wer- den. daß ein Arbeitgeber, der einen- Arbeiter von der Art des Klägers länger als acht Jahre beschäftigt,,,» dies lediglich auA«Humani, tat" tu e." Die lange Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses spräche dafür, daß sich der Kläger als eine brauchbare Kraft er- wiesen hat. Mit dieser Entscheidung hat sich das Reichs- versicherungsamt auf den einzig richtigen Standpunkt gestellt. Daß, was über die Humanität der Arbeitgeber gesagt ist. ist den Arbeitern eine allbekannte Tatsache. Verdient der Arbeiter den Lohn nicht, den er erhält, so wird er entlassen, selbst dann, wenn er jahrzehntelang dein Arbeit- geber seine besten Kräfte gewidmet hat. Rücksicht ist ein Artikel, der bei den Arbeitgebern sehr rar ist. Das Schieds- gericht wird nun nach nochmaliger Prüfung der Sachlage dem Arbeiter die Rente zusprechen müssen, Der Achtuhr-Ladenschluß ia Dresden. Den Morgenblättern zufolge tritt auf Verfügung der Kreis- hauvtmar.ujchast hier der Achtuhr-Ladenschluß am 7. September in Kraft._ Zsinftlerische Bescheidenheit. Die Jnnungsbaulünstler der Provinz Hannober tagten soeben linier dem Borsitz des berühmten Mittelstandsobersten Max Küster in Lüneburg. Unter anderem beschäftigten sie sich auch mit der Reform der Arbeiterversichcrung. Ihre diesbezüglichen arbeiter- freundlichen Wünsche spiegeln sich in der zur Annahme gelangten Resolution wieder, in der es u. a. heißt: .Der Bezirkstag erhebt Einspruch dagegen, daß den Arbeit- gebern bei den wichtigen Beschlüssen über die Beittäge und Unter- stützungen nur ein Drittel der Stimmen zustehen soll, daß also die bisherige Ungerechtigkeit den Arbeitgebern gegenüber, die darin besteht, daß ihnen die Teilnahme an"einer Einrichtung, zu der sie einen erheblichen Teil der Lasten tragen, zur U n m ö g- Ii ch k e it gemacht wird,, ferner beibehalten wird. Wenn sie, wie beabsichtigt, die Hälfte der Beiträge übernehmen sollen, dann erscheint es als ein selb st verständlicher Akt der Ge- rcchtigkeit, daß ihnen nebe» dem Vorsitz auch die Hälfte der Sitze in der Verwaltung zugeteilt wird." Mit einer verblüffenden Ungeniertheit erklären also die Hanno- derschen Bauzllnftler, daß eine Teilnahme an der Verwaltung der Krankenkassen hier nur dann würdig ist, nur dann von Gerechtigkeit die Rede sein könne, wenn die Mehrheit, der Einfluß der Arbeiter gebrochen wird. Der jetzige Zustand ist nach ihrer Auffassung eben unter aller Unternehinerwürde. Sollen sie aber künftig gar die Hälfte der Beiträge zahlen, dann verlangen sie neben der Hälfte der Beisitzer auch noch den Vorsitz. Damit würden die Arbeiterbeisitzer ein für allemal in die Minderheit gedrängt, die Arbeiter in der Verwaltung nur die Rolle von Statisten spielen. Zu einem solchen .selbstverständlichen Akt der Gerechtigkeit" haben sich bislang nicht einmal die industriellen Scharfmacher aufzuschwingen vermocht. Es geht doch nichts über zünftlerische Bescheidenheit.— Daß die Bau- zünftler vor allen Dingen die Jnnungskrankenkaffen erhalten sehen möchten, sei nur im Vorbeigehen bemerkt. 6cwcrkrcbaftUcbC9o Gelbe Führer. Wir teilten vor einiger Zeit schon die Tatsache einer Scheidung — von einer reinlichen Scheidung zu sprechen, ist wohl hier de- plaziert—. also einer Scheidung unter den Gelben mit. die nicht reinlich ist. Da eS sich auf beiden Seiten um Leute handelt, die von Mutter Natur mit einem recht mobilen Mundwerk gesegnet find, so war zu erwarten, daß die Trennung nicht ganz ohne gegenseitige Komplimente vor sich gehen werde. Und in dieser auch von uns aus- gesprochenen Erwartung haben wir keine Enttäuschung erlebt. Herr Beiersdorf, der Gegen-Gelbe, hat sich mit dem tat- kräftigen Herrn Meinke vom verflossenen Maßregelungsbureau der Tischlermeister, dem berühmten Herrn S ch m i d t und anderen, weniger bekannten gelben Größen vereinigt. Er gibt mit den Genannten gemeinsam unter dem Namen„Deutsche Arbeituehmer« Zeitung" ein Konkurrenzunternehmen zum„Bund" des originalgelben Herrn Lebius heraus, in dem dieser wie folgt konterfeit wird: .Der„Vorwärts" schrieb bor einigen Monaten einen Artikel, betitelt.Ist LebiuS ein Ehrenmann und stellte talsächlich Be- hauptungen auf. welche beweisen sollten, daß LebiuS kein Ehren- mann sei. Einige Termine in dieser Sache haben bereits statt- gefunden, doch wollte immer noch nicht die Sonne es an den Tag dringen. Wir sind nun die letzten, welche Herrn Bürger LebiuS elwas Schlechtes nachreden wollen, aber als wir ahnungslos im Zuhörerraum saßen und der für Herrn Lebius jedenfalls etwas peinlichen Situation mit auf- richtiger Teilnahme beiwohne» wollten, da wurde uns von maß- gebender Seite mitgeteilt, daß der Termin ausfalle. Scbade. dachten wir, wir hätten wirklich gewünscht, daß die Ehre des Herrn LebiuS wieder hergestellt würde. Herr L., der„gelbe Häuptling", war also nicht vernehmungSsähig, infolgedessen mußt» hie Angelegenheit vertagt werden. Wenn wir schlecht denken würden f» konnte man auf den Gedanken kommen, daß irgend etwas jettcht ganz in Ordnung sei, und ein altes Sprichwort sagt:»Zeit gewonnen, alles gewonnen." Wir möchten hoffen, daß Herr» Lebius die Li eparat ur seiner Ehre ohn« Eid gelingen möge. Hat er es doch vor einigen Wotbe» verstanden, wieder einen von denjenigen, welche ihm in de» Erreichung seines Zieles im Wege lvaren, mit de» bei ihm gewohnten Mitteln aus dem Wege zu räumen. Einer der Angestellten des gelben Arbeitsbundes, der vundessekretär Beiersdorf, wurde von diesem Ehrenmann beschuldigt»ohne dessen Wissen eine Drucksachenbestellung in Höh« ve» 400 M. gemacht zu haben. Eine unwahre Behauptung l Herr Lebins hat Beiersdorf den Auftrag kraft feines AmteS als erster Vorsitzender erteilt, die Drucksachen zu bestellen. Um sich einen Beweis zu ersparen, wälzte er. was nicht gerade von besonderer Tapferkeit zeugt, wenn sich auch im Innern sein Gewissen wohl geregt haben mag, die Schuld auf einen anderen ab. Glück wird chm dieser Alt horribler Ver- leumdung nicht bringen. Denn das alte Sprichwort bewahrheitet sich immer I»Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein", oder„Ehrlich währt am längsten". Seine Bureau- damen hatten dieselbe Erfahrung machen müssen. Auch sie mußten ohne Grund das gastliche Heim des Herrn Lebius verlassen. Da- malS nämlich, vor einem Jahre, als der.Bund" noch im Anfangsstadium lvar, konnte man allerdings noch nicht wissen, daß daS Geschäft sich in kurzer Zeit so hob, und nun mußten eben diejenigen das Feld räumen, welche Herrn L. vor einem Jahre gekannt haben, als noch eine Eierkiste das Küchenspind darstellte. Heute bewohnt der Herr eine Beletage im feinsten Viertel Charlottenburg S. Hochmut kommt vor dem Fall." Wir sind nicht neidisch und gönnen Herrn Lebius gewiß die Beletage an Stelle der Eierkiste. Aber ein Ehrenmann,_ der in der Beletage wohnt, sollte weniger glücklichen Sterblichen nicht ge- wohnheitSmäßig vorwerfen, sie„mästeten" sich von Arbeiter« groschen. Daß Herr Lebius seine Beletage auS Unternehmergroschen bezahlt, bestreitet er ja selbst. . Herr Beiersdorf kommt übrigens an einer anderen Stelle der„Arbeitnehmer-Zeitung" auf den besagten Hammel, in diesem Falle die Krankheit des Herrn LebiuS im.VorwärtS"-Prozetz zurück und schreibt: .Wir hoffen, daß Herr LebiuS nicht wieder, wie in seinem Prozeß gegen den„Vorwärts", gerade an dem Tage, an dem er sich unS gegenüber verantworten soll, krank wird� oder wenigstens nicht vernehmungsfähig ist. In der am nächsten Tage abgehalteneu Versammlung, in der Herr LebiuS der Hauptredner des TageS war, hat man aller- dings den Eindruck nicht gehabt, als ob Herr Lebius nicht vernehmungsfähig sei." Herr Beiersdorf wirft zum Schluß die Frage auf i »Also meine Herren, das ist die Wahrheit, und fragen Sie fich selbst, wer unler unS der anständigste Mensch ist?" Herr LebiuS antwortet darauf im„Bund" mit keinem Don. Er ist offenbar im Augenblick wieder einnml nicht vernehmungsfähig. So antworten wir denn mit den Worten des Antonius: Denn Brutus ist ein ehrenwerter Mann; Das sind sie alle, alle ehrenwert I Heute, Serifa Mick rlmgegenck. Achtung, Rohrleger und Helfer! am Sonntag, findet im Friedrichshakn die Ver- sammlung statt, die endgültig darüber entscheiden wird, welche Stellung die Rohrleger und Helfer Berlins zu der Antwort der Arbeitgeber einnehmen müssen. Deshalb ermahnen wir die Kollegen nochmals, unter keinen Umständen diese Versammlung zu versäumen. Jeder muß zur Stelle sein! Da die Interessen eines jeden Kollegen sowohl als wie die Interessen der Allgemeinheit, die Mitarbeit aller Rohr- leger und Helfer erfordert, so erwarten wir, daß alle Kollegen ihre Schuldigkeit tun und pflichtgemäß in der Versammlung im Lokale Friedrichshain erscheinen. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Berlin. Verband der Kupferschmiede. Verband der Schmiede. Achttmg! Zigarettenarbeiter und-Arbeiterinnen Berlins! Nachdem der Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Tabak arbeiterverbandeS die Mitteilung geworden war, daß in der Zigarettenfabrik„Carlo Jsaudoro", Berlin, Schmidstr. 26, die orts- üblichen Akkordlöhne nicht gezahlt werden, begaben sich dessen Ver- ttauenSleute am 8. August er. behuss Rücksprache nach dieser Firma. Die Vertrauensleute in Gemeinschaft mit der Fabrilkommission wurden bei dem Chef der Fabrik vorstellig und derselbe stimmte dem ihn, vorgelegten Tarif zu. Durch diesen Tarif wurden die in diesem Betriebe bisher gezahlten Löhne nm 30 Pf. bis 45 Pf. für 1000 Stück Zigaretten erhöht. Leider hielt der Inhaber der Firma sein Wort nur bis zur ersten Lohnzahlung. Nach dieser Zeit ver« stand es dieser Herr, die ihm durch ihre Lohnforderung mißliebig gewordenen Arbeiter aus seinem Betrieb zu entfernen. Die neu eintretenden Arbeiter wurden zuerst gefragt, ob sie Mitglied des Verbandes wären. Bei einzelnen Sorten wurde nun der Lohn um 65 bis herab zu 20 Pf. für 1600 Zigaretten gekürzt. Kollegen und Kolleginnen I Die Zigarettenfabrik Jsaudoro ist bis auf weiteres gesperrt. Darum meidet diesen Betrieb. Deutscher Tnbakarbeitcr-Verband. _ Zahlstelle Verlin. Achtung. Zimmerer! Ueber die Bauten des Unternehmers H a r r i e s in Hamburg ist von der dortigen Zahlstelle des Ver- bandes der Zimmerer, ioegen schlechter Behandlung seitens des Poliers Wilhelm Segler, die Sperre verhängt worden. Segler soll seitens der Berliner Innung hingeschickt worden sein und dürfte daher den Berliner Kameraden bekannt sein. Die Wirkung der Sperre geht daraus hervor, daß Segler, um Arbeitswillige zu erhalten, sich schriftlich nach Berlin gewandt hat. Die Ber- liner Kameraden mögen, falls ihnen Ancrbietungen nach Hamburg gemacht werden, hierdurch gewarnt sein. Die Verbandsleitung. Versammlungen. Achtung, Steinsetzer und Nnmmer! Der Steinsetzmeistcr Herr E. Junge versucht, seine Arbeiten einem Subunternehmer zu übertragen. Die Baustellen Rosenthal und Blankenburger Straße, zivischen Malchow und Blankenburg sind so lauge gesperrt, bis an dieser Stelle die Sperre für aufgehoben erklärt wird._ Die Ortsverwallung. Deutkeheo Reich. Achtung, Steinsetzer! In Schwerin i. Mecklenburg sind Differenzen ausgebrochen, zur Arbeitsniederlegung geführt haben. Zuzug ist fernzuhalten. _ Der Zentralvorstand. die Ter neue Tarifvertrag für das rheinisch-westfälische Baugewerbe. Der nach monatelang«!, mühevollen Verhandlungen zustande gekommene Tarifvertrag für das Baugewerbe in Rheinland und Westfalen liegt jetzt vor. Von feiten der Arbeitnehmer nahmen an dem Vertragsabschluß teil die Gaue Köln und Dortmunö" des Zentralvcrbandes der Maurer Teutschlands und des Zentralver- bandes der Zimmerer Deutschlands, sowie die Bezirke Bochum, Frankfurt a. M., Köln, Münster, Paderborn des Zeutralberbandes christlicher Bauhandwcrker und Bauhilfsarbeiter. Von feiten der Unternehmer ist am Abschluß beteiligt der Verein der Arbeitgeberverbände für das Baugewerbe in Rheinland und Westfalen. Dieser Verein umfaßt das eigentliche rheinisch�west- fälische Industriegebiet, den Bezirk des Arbeitgeberverbandes'-in der Rheinprovinz(Bonn, Köln, Krefeld, Düsseldorf, M.-G l a d b a ch, Gummersdorf, HU dem. N eu ß, Geldern, Goch. G ü l i ch) und die Gebiete des Schutzverbandes der bergischen baugewerblichen Betriebe. Der Vertrag gilt für 98 Bezirke, zu denen zahlreiche kleinere Plätze gehören, so daß er an etwa 600— 700 Orten in Kraft sein dürste. Die normale Arbeitszeit beträgt 10 Stunden. In einigen Orten mit ländlichem Charakter darf täglich eine halbe bis eine ganze Stunde länger gearbeitet werden. Für Köln, Düffel- d o r f und die meisten belgischen Bezirke wurde die Arbeitszeit auf QVj Stunden festgelegt. Ueberstunden, Nachtarbeit, Sonntags- arbeit und Arbeit an gesetzlichen Feiertagen sind in besonderen Fällen auf Verlangen des Arbeitgebers zu leisten. Die Lohnhöhe bewegt sich für Maurer zwischen 38 und 45 Pf. im rheinisch-west- fälischen Industriegebiet. Die höchsten Löhne werden in den In- dustriemittelpunktcn. wie Bochum, Dortmund, Dui Sbnrg, Essen, Gelsenkirchen, Hattingen, Herne und Witten, gezahlt. Der Lohn der Zimmerer steht im allgemeinen mit dem der Maurer auf gleicher Höhe, während die Hilfsarbeiter durchschnittlich 10 Pf. weniger die Stunde erhalten. In den Lohn- gebieten, wo nach dem 1. April 1906 keine Lohnerhöhung vorge- nommen wurde und auch nicht bis zum 1. April 1909 vorgesehen ist, tritt mit dem 1. April 1909 eine Erhöhung des Stundenlohnes um einen Pfennig ein. Im rheinisch-weftfälifchen Industriegebiet sind davon betroffen: Bochum, Dortmund, Essen, Gel- senkirchen(Land), Hörde, Mühlheim(Ruhr) Ober- hausen, Necklinghausen. Köln, im Bezirk des Arbeit- gebervereins für das Baugewerbe in der Rheinprovinz, zahlt den höchsten Lohn mit 60 Pf., während in Jülich der niedrigste mit 40 Pf. gezahlt wird. In den belgischen Bezirken wird der Höchst- lohn in Barmen, Elberfeld, G r ä f r a t h, H öh s ch e i d, Ohligs und Solingen mit 58 Pf. bezahlt. Zuschläge zu vor- stehenden Lohnsätzen wurden vereinbart: für Ueberstuuden 10 Pf., im rheinischen Vertragsgebiet 15 Pf., für Nachtarbeit 50 Proz., im belgischen Vertragsgebiet 75 Proz, für Sonntagsarbeit und Arbeiten an gesetzlichen Feiertagen 100 Proz. usw. Der Vertrag hat Geltung vom 10. Mäi 1908 bis 81. Mörz 1910. Kündigung findet nicht statt. Verhocadlungen über Fort- setzung oder Erneuerung haben vier Monate vor Ablauf zu be- ginnen._ Der Glastrstreik in München ist nach siebenwöchiger Dauer mit Erfolg beendet worden. Da die Streikenden schon im Juli mit einer großen Zahl unorganisierter Meister einen Tarif ab- geschlossen hatten, gingen nunmehr auch die dem Arbcitgcbcrvcrband angeschlossenen Glasermeister auf einen neuen Tarif ein. Der Lohn beträgt bei 9�stündiger Arbeitszeit, während welcher der Genuß geistiger Getränke verboten ist, nach vollendeter Lehrzeit im 1. Jahre 35 Pf., im 2. und S. Jahre 40 Pf. und nach 3 Jahren mindestens 50 Pf. HusUnck. Ein Streik der Kupferschmiede ist in Zürich ausgebrochen an- läßlich des Ablaufes des Tarifvertrages. Tie Streikenden ber» langen den Neunstundentag und Lohnerhöhung. Der Bereln Berliner Hausdiener, Mitgliedschaft I des Deutschen Transportarbeiterverbandes, hielt am Mittwoch bei Keller in de» Köpenickerftraße, eine außerordentliche Generalversammlung ab, um zu der Froge der einheillichen Regelung der Anträge Stellung zu nehmen. Werner hielt das einleitende Referat. Infolge der Krise ist für diese Gruppe die Summe für Kraulen-, Arbeitslosen« und Notfallunterstützung bedeutend höher, als an Beiträgen auf« gebracht wurde. Nack den Aiischlußbedingungen soll das Vermögen des Vereins Berliner Hausdiener im Jnteresie der ehemaligen Mit« glieder verwandt werden. Eine Versammlung der Funktionäre auS den Reihen der 25 Pf.-Zahler hat sich nun mit dieser Frage eingehend beschäftigt und beschlossen, der Generalversammlung zu empfehlen, den Beitrag auf 40 Pf. pro Woche zu erhöhen. Die Unterstützungen werden nach dem Verbandsstatut gezahlt. Bei Todesfällen soll die Differenz zwischen Verein?- und Verbandsstatut aus dem Vermögen des ehemaligen Vereins Berliner Hausdiener zugezahlt werden. Die in großer Zahl Anwesenden erklärten sich nach längerer Diskussion einverstanden und beschlossen gegen wenige Stimmen, die Vorschläge betreffs Unterstützung bei Todesfällen an« zunehmen und den Beittag auf 40 Pf. pro Woche vom 1. Oktober d. I, ab zu erhöhen. Die Zahlstelle Berlin beS BuchbinberverbanbeS hielt am 28. August im großen Saale des Gewerkschaftshauses eine General- Versammlung ab, die sich zunächst mit einem Antrag der Ortsver- waltung, beim Verbandsvorstand die Anstellung eines neuen Be- amten der Zahlstelle zu beantragen, beschäftigte. Nach der Be» gründung des Antrages durch den Bevollmächtigten Klar erscheint die Anstellung besonders deswegen notwendig, weil es dem mit der Arbeitsvermittelung betrauten Beamten bei der außerordentlich großen Zahl Arbeitsloser nicht möglich ist, die ihm sonst noch ob- liegenden Burcauarbeiten rechtzeitig zu erledigen. Anstellung und Besoldung des Beamten ist nach dem neuen Verbcmdsstatut Cache des Verbandsvorstandes und der Verbandskasse.— Der Antrag rief eine lebhafte Diskussion hervor. Von weiblichen Mitgliedern wurde ein Unterantrag gestellt, wonach der Posten mn einer Frau besetzt werden sollte, weil die weiblichen Mitglieder in der Zahl« stelle zahlreicher sind als die männlichen, die bestehenden drei Beamtcnstellen aber mit Männern besetzt sind. Da schließlich aber der Antrag der OrtLvcrwalwng abgelehnt Wurde, kam dieser Unterantrag nicht zur Abstimmung. Im zweiten Punkt der Tagesordnung wurde ein Antrag der Ortsverwaltung angenommen, wonach arbeitslose Mitglieder, nach- dem sie seit zwei Wochen, und abermals nachdem sie seit vier Wochen ausgesteuert sind, eine Unterstützung aus der Lokalkass« erhalten sollen, die für die verheirateten männlichen Mitglieder 10 M., für die ledigen und die weiblichen Mitglieder 5 M. beträgt. Die Ortsverwaltung ist berechtigt, bei dieser Unterstützung solche Mitglieder auszuschalten, die weder Mai- noch Extramarkeu bezahlt haben. Eine Einschränkung, wonach die Ortsverwaltung das Recht erhalten sollte, auch solche Mitglieder, die sich nicht in einer Not- läge befinden, auszuschalten, wurde abgelehnt. Bedingung dieser außerordentlichen Unterstützung ist im übrigen, daß die betreffenden Mitglieder in Berlin mindestens 52 Wochenbeiträge gezahlt haben« Der Beschluß gilt vorlajlfig bis zum 1. März 1909, Letzte JVachnchtcn und DepeCeben. Obstruktion w Siiddeutfchlaud! München, L9. August.(Privatdepesche des ,CotB>3rÖ*.J Tie„Münchener Post" bringt heute unter dem Titel; „Die Wahlpolitik" den Bericht des„Borwirts" von der Generalversammlung des 2. Hamburger ReichStagSwahl- kreifes, der beschloffen hat, noch einen dritten Delegierte» z» entsenden, und fährt dann fort: „Dieses Beispiel ist in einer Reihe norddeutsche» Wahl» kreise vor- und nachgeahmt worden. Kreise mit«ner ganz geringen Organisierten�ahl haben— aus wessen Kosten?— drei Delegierte gewählt. Damit hat fich der Parteivorstand aus den Staudpuukt des Polizeiaufgebots gestellt. Durch die Massen« dclegatlonen von Parteigenossen, die, ohne die Gründe der süddeutschen Parteimitglieder zu kennen, bereits ein ge» bundencs Mandat haben, hat man den sachliche« Boden völlig verlasse« und die brutale Gewalt an die Stelle parteigenössischer Diskussion gerückt. Unter diesen Umständen erscheint es nötig, daß die süddeutschen Parteigenossen erwägen, ob sie fich überhaupt noch an dem Parteitag beteiligen uud das Objekt einer solchen uuwürdtgeu Polizeikomödie bilde» wolle n."_ Eisenbahnunglück auf Bahnhof Münchelerg. Küfirin, 29. August.(W. T. B.) Amtliche Meldung. Auf Bahnhos DahmSdorf-Müncheberg stieß heute mittag 1 Uhr der Per- fonenzug 255 bei der Einfahrt mit einer von derDrehscheibe kommenden Rangierlokomotive zusammen. Beide Lokomotiven sowie der Packwagen, der Postwagen und ein Wagen IV. Klasse find entgleist, die Zuglokomotive, der Pack- und der Postwagen sind stark beschädigt. Schwerverletzt ist der Führer der Rangierlokometive, leicht- verletzt find zwei Reisende und zwei Zugbeamte. Da» Gleis Berlin- Schneidemühl ist voraussichtlich zwölf Stunden gesperrt, der Betrieb wird unter Benutzung des dritten BahnhosSgleiseS aufrecht erhalten. Für die Materialsammlung des Reichslügeuverbaudes. Gernrode a. Harz, 29. August.(B. H.) Der am hiestgen Staatkbahnhofe diensttuende Bahnhofsvorsteher Küster ist seit Dienstag abend verschwunden. Die Ursache hat eine am genannten Tage vorgenommene außerordentliche Revision der Stationskasse gegeben, wobei größere Fehlbeträge entdcckt worden sind. Wohin sich der Ge- flüchtete begeben hat, ist noch nicht bekannt. Mannheim, 29. August.(B. H.) Die Höhe der Untrrschlrife des Gcmcinbrdircktors Joachim in Heddesheim ist inzwischen auf 128 000 M. angewachsen. Joachim wurde gestern abend in das Gefängnis in Mannheim übergeführt. München, 29. August.(B. H.) Gestern abend wurde hier der ehemalige Pfarrer ans Alt-Herbcrdingrn wegen einer Reihe von Be« trügereien verhastet._ AuS Hunger in den Tod. Sarstedt, 29. August.(B. H.) Hier hat sich aus XahrungS» sorgen der Kupferschmied E. aufgehängt. Bei einer DergnügungSfahrt verunglückt. La Rochelle, 29. August.(B. H.) 14 Touristen unternahmen in einem Boot eine Vergnügungsfahrt, wobei das Fahrzeug scheiterte und drei der Insassen ertranken; die übrigen 11 konnten gerettet werden._ . Die Eh-lera. Petersburg, 29. August.(W. T. B.) Nach einem amtlichen Bulletin sind in der Woche vom 21. bis 28. August 1199 Cholera» erkrankungen mit 573 Todesfällen und seit dem 21. Juli, dem Aus- bruch der Epidemie, 3141 Erkrankungen mit 1595 Todesfällen vor, ___ M_______ JPH-______. PI__.|__»gtzmiiM«.-' Verantw. Redakteur: Hans Weber« Berlin. Inseratenteil verantw.; Th.GtolfcBerlin. Druck u-Perlag: Vorwärts Buchdr,».VerlagSguftalt Ppul Singer& Co,. Berlin LW. Hierzu 4 Beilage«. . 208. 25. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sonntag, 30. Auguf 1908. ,, Die Statuten der Gewerbe- und Kaufmannsgerichte". Zur Frage der Budgetbewilligung. Siebner schildert die große Verschiedenheit der Ortsstatute und die Lebhaftes Interesse erweckt die Behandlung der Konkurrenzklausel, daraus resultierenden Nachteile, betont die Notwendigkeit der Schaf- wozu Stadtrat Dr. Grbel- Mannheim das Referat übernomment Eine Parteiversammlung in Stuttgart beschäftigte sich gestern fung cines Normai statuts, und zieht aus den gemachten hat. Redner weist einleitend darauf hin, daß die mißbräuchliche, abend mit der Zustimmung der württembergischen, badischen und Erfahrungen die Schlußfolgerung, daß man sich heute in allen Anwendung der Konkurrenzklausel einen erheblichen Umfang an bayerischen Fraktionen zum Etat. Der Referent, Genosse West- beteiligten Kreisen darüber klar sei, daß als das beste Wahlsystem genommen, und die Reformierung dieser Bestimmung dringend maier, sprach sich entschieden gegen die Haltung der Fraktionen das der Proporzwahl zu betrachten sei. Redner fordert notwendig sei. Redner ist gegen das völlige Verbot, will dagegen aus. Der Korreferent, Landtagsabgeordneter Genosse ferner die gebundenen Listen, mit Stellenwahl nach Frant- die Dauer auf 1 Jahr herabgesett wissen. Der Abschluß mit Heymann, machte geltend, daß der dritte Absatz der Lübecker furter Muster, sowie die Vornahme der Wahlen am Sonntage. Minderjährigen und Lehrlingen soll verboten sein. Die Klausel resolution noch zu Recht bestehe. Ueber seine Anwendung hätten allein er redet auch dem Wahlrecht der Arbeitslosen das Wort, und soll außerdem nur zulässig sein während der Dienstzeit und von will der„ heillosen Verwirrung", die jetzt herrsche, ein Ende gemacht einem Mindesteinkommen von ctiva 3000 M. abhängen, auch sollte die Abgeordneten zu entscheiden, die auch allein die Verantwortung wissen. Wir können und wollen, sagte er, dem Klassenstaat der eventuelle Schaden nachgewiesen werden und die Klausel selbst trügen. nicht den Boden unter den Füßen wegziehen, sondern müssen der gebundenen Listen, da die Freiheit der Wahl" geschützt werden Auch müsse für die bei Nichtkaufleuten Beschäftigten die Materte Stadtrat Dr. Flesch- Frankfurt a. M. ist gegen das System notariell und in einem besonderen Vertrage festgelegt werden. darauf hinwirken, daß er sich allmählich zum sozialistischen Staat müsse. Wenn einheitliche Statuten zustande kommen, so müsse geregelt werden. Koslowski- Hamburg Verbandsbeamter entwickelt. Engels habe in einem Artikel des alten„ Vorwärts" dabei doch der Selbstverwaltung der Gemeinden das Recht bleiben, der Handlungsgehilfen) weist auf ein ähnliches in Desterreich zu bereits ausgeführt, daß die ganze Tätigkeit der Sozialdemokratie das Wahlsystem bestimmen zu können. Clauß- Hamburg stande gekommenes Gesetz hin. Er bekennnt sich als grundsäßlicher auf den Parlamentarismus gerichtet sei. Liebknecht und andere( Vertreter des Deutsch- nationalen Handlungsgehilfenverbandes) Gegner der Klausel, ist aber auch zufrieden, wenn die Grenze haben gesagt:„ Wir wachsen in den Zukunftsstaat hinein". Darum meint, das Frankfurter System sei zu verwerfen, dagegen das der auf 5000 M. gesetzt wird, und fordert ferner die Weiterzahlung haben wir nicht unter allen Umständen dem bürgerlichen Staat die streng gebundenen Liſten zu empfehlen. Die Freiheit der Wahl des Gehalts für die Gültigkeitsdauer der Klausel. nach dem Frankfurter Muster lasse eine prinzipielle Richtung bei Mittel zu verweigern. Wir bieten ihm ja auch in allen Versamm- den Wahlen kaum noch erkennen. In der Stimmabgabe müßten Arbeiter bis jetzt gar keinen Schutz gegen die KonkurrenzKörsten( Gewerkschaftssekretär) weist darauf hin, daß der lungen Mittel an in der Form von Einkommensteuer, Vermögens- sich doch Grundsäße offenbaren. Die jahrelangen Bemühungen klausel genieße. Er erinnert an den trassen Fall aus Worms steuer usw. Heymann brachte zum Schluß eine Resolution ein, die der Organisationen, ihre besten Leute als Beijißer zu wählen,( Freiherr Heyl v. Herrnsheim), und fordert die bedingungslose unter anderem besagt: werde bei dem freien Listensystem durch einige verärgerte Quer- Aufhebung der Klausel, da diese in Wirklichkeit nur dazu dienen Die am 28. August abgehaltene Parteiversammlung erklärt: köpfe einfach über den Haufen geworfen und das geforderte Prinzip müsse, dem Unternehmer oder Geschäftsinhaber billige Ar. 1. Die im Jahre 1907 erfolgte Zustimmung der württem- der Verhältniswahl zerstört. Auch Dr. Brenner- München beitskräfte zu sichern. Von seiten der Arbeiter könne man bergischen Landtagsfraktion zum Etat ist durch die Verhandlung wendet sich scharf gegen das System der freien Listen. Die indi- die Klausel nur als auf Schikane berechnet betrachten, sei daher auf der vorjährigen württembergischen Landesversammlung in viduelle Freiheit habe im prattischen Leben ihre Grenzen. Die als Verstoß gegen die guten Sitten anzusehen. Sie beenge den Eßlingen erledigt und gibt zu einer erneuten Beschlußfassung Rüdsichtnahme auf die Indifferenten, die sich das Arbeiter und Angestellten in der Entwickelung, und müsse sogar teinen Anlaß. ganze Jahr nicht um die Vertretung oder die Wahlen bekümmerten, dazu dienen, das Erfinderrecht an den Unternehmer abzutreten. 2. Die diesjährige Zustimmung der badischen und bayerischen nun aber plötzlich bei den Wahlen eine so verderbliche Tätigkeit mit( Lebhafter Widerspruch und starker Beifall.) Zur Bekräftigung Landtagsfraktion zum Etat unterliegt in erster Reihe der Be- den freien Listen treiben können, daß sie die langen Bemühungen seiner Ausführungen verliest Redner darauf aus einem Statut der urteilung durch die badische und bayerische Landesorganisation, der Organisationen lahmlegen, sei durchaus unangebracht. Für. E.-G. eine Bestimmung, wonach Erfindungen im Bea die zu prüfen haben, ob die Zustimmung zum Etat sich mit der ein Normalstatut, nach dem Muster preußisch- ministerieller Vor- trie be alleiniges Eigentum der Firma sind und Lübecker Resolution im Einklang befindet. lage, fann Redner sich nicht erwärmen. Bürgermeister diese Verpflichtungen auch noch nach dem Austritte fortVoigtel- Brandenburg will die Arbeitslosen von der Wahl aus- bestehen. Als Redner dann bezüglich der Stellung der Nichter geschlossen wissen. gegenüber der Gültigkeit solcher Vereinbarungen bemerkt, daß auch der Richter bei aller persönlicher Objektivität doch ein Produkt des ihm umgebenden Milieus sei, dem er sich nicht entziehen könne, erheben sich stürmische Schlußrufe und lebhafter Widerspruch, doch ein großer Teil der Anwesenden stimmt ebenso leb. haft zu. Der Tumult ist so start, daß Redner in seinen Ausführungen eine Pause machen muß. 3. Die Zustimmung zum Etat tann in feinem der drei in Frage kommenden Fälle als ein Disziplinbruch angesehen werden. Die Frattionen waren vielmehr berechtigt, die Frage, ob ihre Zustimmung sich mit der Lübecker Resolution im Einklang befindet, selbständig zu prüfen und unter Uebernahme der Verantwortung gegenüber ihren Parteiorganisationen selbständig zu entscheiden. 4. Der Parteitag von Nürnberg hat daher weder die Aufgabe, die in Betracht kommenden Parteigenossen wegen eines Verstoßes gegen die Parteidisziplin zu tadeln, noch den Entscheidungen ihrer Landesparteiorganisationen vorzugreifen. 5. Ein materieller Anlaß, die Lübecker Resolution abzuändern, ist durch keine der drei erfolgten Abstimmungen gegeben. Die Versammlung ersucht daher den Parteitag, die Budgetdebatte im Sinne dieser Resolution zu behandeln und alle dazu vorliegenden Anträge durch Uebergang zur Tagesordnung zu erledigen. Die Versammlung beauftragt die Delegierten des ersten württembergischen Reichstagswahlkreises in diesem Sinne auf dem Parteitag zu wirken." Dieser Resolution wurde von etwa 20 Genossen eine andere Resolution entgegengesetzt, welche besagt: " Die heutige Parteiversammlung erblidt in der Zustimmung füddeutscher Abgeoroneten zum Gesamtbudget einen Verstoß soiwohl gegen die Lübecker Resolution von 1901, als auch gegen die Dresdener Resolution von 1903. Die Versammlung nimmt Stellung dagegen, die Entscheidung so wichtiger Parteifragen, die der Masse der Parteigenossen vorbehalten bleiben müssen, in das Dunkel kombinierter Fraktionssigungen zu verlegen. Die Versammlung ist der Meinung, daß die ständige Zuspizung der wirtschaftlichen und politischen Gegensäke auch in Süddeutschland eine Aenderung der seitherigen prinzipiellen Haltung der Partei nicht rechtfertigt." Für diese Resolution sprachen sich vier Genossen aus, die zum Teil sehr scharf ihre Meinung entwidelten. Alsdann wurde die Versammlung auf Montag bertagt. = Eine Einigung über den Ausbau des Normalstatuts wird nicht erzielt, einig ist man sich nur darin, daß das Proporzwahlsystem an sich festgelegt werden soll. = Landtagsabgeordneter Mo Ithau Mainz fucht bermittelnd zu wirken. Er erkennt die Schädlichkeiten der Konkurrenzklausel an, will aber auch nicht ganz darauf verzichten, da verschiedene Betriebe nicht ohne die Klausel auskommen könnten, z. B. die chemische Industrie. Alsdann referiert Rechtsanwalt Dr. Galland- Posen über: ,, Das Recht des Arbeitszeugnisses". Redner gibt zunächst eine Darstellung der Entstehung der Gewerbeordnung, und behandelt dann eingehend die Spezialfrage des Arbeitszeugnisses. An der Hand einiger Gewerbegerichtsurteile legt Redner unter anderem klar, daß dem Arbeiter auch dann noch ein Beugnis auf Verlangen ausgestellt werden muß, wenn er dies bei feinem Abgange nicht gleich gefordert. Ein Retentionsrecht steht dem Unternehmer am Zeugnis ebenso wenig zu, wie am Lohne. Die weitere Debatte bringt fast nur Wiederholungen für oder Bemerkungen über den Charakter des Arbeiters dürfen in dem wider. Senator Grote- Hannover wünscht die Annahme einer verlangten Zeugnis nur insofern Aufnahme finden, als sie aus- Resolution auf mittlerer Linie, wobei ihm unter großer Heiterkeit drücklich im Zusammenhange mit den dienstlichen Obliegenheiten eines Teiles der Versammlung die Behauptung entschlüpft: die des Arbeiters stehen. Redner fordert die Verpflichtung zur Aus- Klausel sei an sich nicht unfittlich, denn man könne doch beiden stellung des Zeugnisses vom Tage der Kündigung an, und übt Vertragschließenden nicht das Recht der freien Wahl" nehmen. scharfe Kritik an zwei Urteilen des Hamburger Oberlandesgerichts Ein Beschluß kommt nicht zustande, zumal dies sazungsgemäß und des Kammergerichts, in denen ausgesprochen ist, daß der auch nicht zulässig ist, Unternehmer nur dann schadenersatzpflichtig für unrichtige Zeugnisse ist, wenn ihm nachgewiesen wird, daß er grob fahrlässig oder arglistig gehandelt hat. Nicht mit Unrecht betont der Referent, daß die Urteile den Eindruck erwecken, als ob den Richtern das Arbeitsverhältnis nur aus den Gesindeordnungen bekannt sei. Bemerkenswert ist noch eine vom Redner erwähnte Entscheidung des Reichsgerichts, wonach die Arbeiter im Zeugnis auch getrennt nur ihre" Führung" oder nur ihre Leistung" In gut gelungener Reproduktion wird dem Leser die Stadt vor bescheinigt fordern können. Der Korreferent, Rechtsanwalt Abel- Essen, behandelt die Augen geführt, in der heuer das„ rote Parlament" tagen soll. Da Gr erwähnt hierbei auch eine Entscheidung des Kammergerichts das Gewerkschaftshaus mit seinem historischen Hof" und das Frage der Kennzeichnung auch der Zeugnisse durch Merkmale usw. sind still verträumte, malerische Winkel, alte Tore und Türme, gegen Berliner Fabrikanten, wonach den Unternehmern gestattet Parteitagslokal. Ginen geschichtlichen Ueberblick über das Werden sein soll, eine sogenannte negative Kennzeichnung des Arbeiters und Wachsen der alten Frankenstadt gibt Nürnbergs Reichstags 3. B. in der Form vorzunehmen, daß die vereinigten Unternehmer abgeordneter Dr. A. Südekum. Georg Gärtner schildert Aus der Partei. Zum Parteitag. * Die„ Neue Welt" hat eine Nürnberg- Nummer herausgebracht. Verbandstag Deutscher Gewerbe- und Kaufmanusgerichte. Surchweg einige lo ben de Worte im Zeugnis vermerken, den zu die Anfänge der modernen Arbeiterbewegung in Nürnberg. fennzeichnenden Arbeiter aber nur die Art und Dauer des Jena, 28. August 1908. Dienstes bescheinigen. Zur besonderen Empfehlung" sei der Zweiter Verhandlungstag. Unternehmer nicht verpflichtet. Mit Recht wendet sich Redner Die heutige Sitzung beginnt mit einem Referat des Stadtrats gegen diesen und andere juristische Kniffe", indem er betont, daß Dr. Glücksmann- Rigdorf über: man damit gegen den Geist des Gesetzes verstoße. Kleines feuilleton. Gegenwart nicht dulde, und daß er zurückbleiben müsse. Auf die Entgegnung des Unterpräfekten:„ Meine Kinder, das ist nicht recht!", soll der heldenhafte Krieger sein Schwert gezückt haben, Seine Erlebnisse am türkischen Verfassungstage schildert ein mit der Drohung, dem Unterpräfekten den Kopf abzuschneiden. Ich Schiveizer, der in der kleinasiatischen Stadt Mersina lebt, in der hege jedoch berechtigten Zweifel an dieser Mordgeschichte. Denn Neuen Zürcher Zeitung". Dem unterhaltenden Bericht seien es ist fraglich, ob der Träger der Waffe imftande gewesen wäre, cinige charakteristische Einzelheiten entnommen.„ Den Armeniern," den eingerosteten Säbel aus der noch rostigeren Scheide zu bringen, schreibt er, war es bis zum Tage der Befreiung untersagt, sich und ob die Klinge eine Schneide hatte." ohne schriftliche Vollmacht des Gouverneurs ihres Wohnortes nach Konstantinopel zu begeben. Und um dieser Verfügung besonderen Nachdruck zu geben, hatten die Zollbeamten den Befehl, keinen feller so Musik. Aber die St. A. Döscher plaudert in einem Lesenswerten Artikel von den künstlerischen und kunstgewerblichen Sehenswürdigkeiten, an denen Alt- Nürnberg so überreich ist, wie keine zweite deutsche Stadt. Die beigegebenen Bilder illustrieren in geeignetster Weise die einzelnen während das eigentliche Volt, die Menge der Intelligenten ohne mammonistische Belastung, für die der Bayreuther doch litt und schuf, hübsch draußen stehen muß?! " Es werden wie üblich 20 Feftaufführungen Wagnerscher Werke, nämlich dreimal der„ ting bes Nibelungen", dreimal, Die Meistersinger", dreimal Tristan und Isolde", zweimal" Tannhäuser" geboten und der ganze Zyklus mit der besten und künstlerisch reifsten Gabe des Prinzregenten- Theaters, mit den Meistersingern", dem sonnigen, in überlegener Heiterkeit eines philosophisch refignierten Geistes erstrahlenden Triumphlied der freiMünchener Festspiele. Jfar- Athen, die süddeutsche Kunst-, geborenen neuen deutschen Kunst über alte modrige Zunft- und RegelArmenier die Schiffe besuchen zu laſſen. Kaum war die Ber- Bier- und Fremdenmetropole, steht in üppigster Blüte. Erotischer funst würdig eröffnet. Heinrich enote, der begaffte Mittelpunkt faffung erklärt, wollten die Armenier durch Besuch der ankommenden Schiffe der Bemannung und den Passagieren zeigen, daß Wassenimport: Russen, Boruffen, Sachsen, Siamesen, Italiener, des anglo- amerikanischen, speziell weiblichen Interesses fang feinen fie nunmehr auch freie Bürger des türkischen Reiches seien. Die Mecklenburger, Spanier und das maßgebende Element mit dem Walter Stolzing stimmlich gewiß glänzend, aber mit den willkürlichen Bollbeamten widersetzten sich diesem Ergusse freiheitlicher Gesin- großen Portemonnaie: das angloamerikanische, füllt die Stadt. Der Manieren eines amerikanischen Bravourtenors. Die Stritit sagte ihm nung, indem sie die Einschiffung zu verhindern suchten. Die Ar- fuebelbärtige, dickbäuchige Nudelmeier mit dem großen Durst und die Wahrheit. Darauf wurde er heiser und der Berliner Ernst der zum Glück gerade in den oberbayerischen menier nahmen aber die Boote im Sturm und segelten und dem kleinen Gehirn flucht und schimpft( soweit er nicht zu den Kraus, ruderten nach den Dampfern. Die Beamten in allgemeinen, vom Legionären der Fremdenindustrie gehört) über die damischen Vorbergen sommerfrischelte, mußte in letter Stunde per Automobil Er fang bis jeßt mit größtem Erfolg zweimal Gouverneur bis zum Zollwächter, wissen durchaus nicht, woran Fremden", die sich in seinem Bräuhaus, auf seinem Sommer- geholt werden. sie sind und wem sie zu gehorchen haben. In dieser Beziehung breit machen. unverschämt Den Tristan hat die Maß den Tristan und zweimal den Siegmund. man neu inszeniert. Künstlerdekorationen! Malerisch sehr wirkungsherrscht hier die reinste Anarchie. Es ist dem ruhigen und fried gebenden im Benusberg" und in der Rheingoldlichen Charakter der Bevölkerung zu verdanken, daß bei all diesem Gold- Fabrit, im Prinzregenten- Theater nämlich, sie schmunzeln boll, bildmäßig geschlossen, lassen sie im Vermeiden der KulissenFreiheitstaumel teine Ausschreitungen stattfinden und noch kein über den flotten Betrieb. Es schmunzelt die„ Kleine Erzellenz", der landschaft in der Gruppierung der Personen, im Stil der Gewänder, Blut geflossen ist. Vom Schießen ist nichts zu fürchten, wenn man Mann im Schatten von Speidel, der Nachfolger des alternden in der naturgetreuen Beleuchtung deutlich den Einfluß der Stilbühne der föstlichen Geschichte Glauben schenken darf, daß einem aus der Bühnenlöwen und Gründers des Bayerischer Wagner- Theaters Nr. 2 auf der Ausstellung erkennen. Den Hauptanziehungspunkt für die Fremben bildet nach wie Verbannung zurüdfehrenden General auf seine Bemerkung, daß Bossart. Es schmunzeln auch die Königl. bayer. Zivilliste und er erwartet hätte, unter dem Donner der Kanonen empfangen zu die Münchener Stadtväter, denn die trotz der gleichzeitigen Bayreuther bor der Ring, das zur Tat gewordene dramatische Kunstwerk der werden, geantwortet wurde: es wäre dies auch der heiße Wunsch Konkurrenz fast regelmäßig ausverkauften Häuser geben Gewißheit, Bukunft" und doch in feiner ästhetischen Theorie als Gesamtkunstwert der Bevölkerung gewesen, aber sie wäre selbst mit den Kanonen daß für 1909 der Gemeindezuschuß von 56 000 Mart für das Prinz mit sozialisierten Teilfünften längst überwundene Kunstwerk der neuester Konstruktion nicht in der Lage, ihren Gefühlen den ge- regenten- Theater( den teuersten deutschen Theaterbetrieb, denn er ruht Vergangenheit, Unter Felig Mottl, dem genialen Wagnerwünschten Ausdruck zu verleihen, da kein Pulver da sei. Wenn 11 Monate im Jahre völlig!) nicht erhöht zu werden braucht. Ein Blick Interpreten, und fast ganz mit eigenen Kräften der Münchener Hofdie Verfassung von der Bevölkerung mit großem Jubel begrüßt auf das ungeheuere Rund des Amphitheaters. In den Fürstenlogen", oper befezt, kam das Drama zu einer stilistisch sehr hoch zu wird, so steht es anders bei den höheren Beamten, die, sich mit der Konzession des demokratischen Amphitheaters an das alte Rang- wertenden Darstellung. Auf das Geklatsche Begeisterter" antwortet ihren verhältnismäßig großen Gehältern nicht begnügend, die Be- und Standestheater, einige heftig von der europäischen Hurrafanaille in München, zum Unterschied von Bayreuth, nach wie vor der völkerung bestahlen und von ihr erpreßten, was zu erpressen war. beopernguderte rudimentare Mitglieder des Fachvereins europäischer eiserne Vorhang. Es ist nur begreiflich, daß die so lange Jahre schmählich behandelte Monarchen", darunter die blasierten, genußfattest Gesichter der interBevölkerung die Umwälzung benützt, um sich zu rächen, und sich nationalen Plutokratie, denen Wagner mindestens ebenso viel wert ist wieder in den Besitz des ihr gestohlenen Eigentums zu sehen. Gou- wie Karlsbad, die Jungfraubahn und Lawn Tennis. Welche Satire= Tolstoi und der Gouvernent bon Ddessa. verneure, hohe Offiziere werden ohne weiteres angezeigt und ins auf das von Wagner erträumte demokratische Publikum, dem das Bekanntlich find alle russischen Zeitungen, die Tolstois Artikel„ Ich Gefängnis gesetzt. So kam vor einigen Tagen ein Oberst mit demokratische Kunstwerk Erlösung aus der, gemeinsamen Not"( Bolt tann nicht schweigen!" abgedruckt haben, in Strafe genommen fünf Frauen in Mersina an. Er wollte am folgenden Tage das der Zusammenschluß aller derjenigen, die eine gemeinsame Not worden. Als mun, so wird der Frantf. 8tg." aus Odessa geWeite suchen, wurde aber auf telegraphischent Befehl des Gou- empfinden. Siehe Kunst und Religion") bringen soll! schrieben, der Redakteur eines dortigen Blattes sich in die Kanzlei verneurs von Adana hin verhaftet und unter Verwünschungen vom Wenn man Bilanz zieht über die durchschnittliche Phy- des Generalgouverneurs Tolmatschew begab, um sich Aufklärung Volte zum Gefängnis begleitet. Vor seiner Abreise von Adana siognomie, das moralische und geistige Niveau dieser über den Grund der Strafe zu erbitten, wurde ihm folgende Antwollte der seiner Betrügereien und Gewalttätigkeiten wegen ver- aufgeblasenen Geldsackmenschen, so tommt man zu dem wort zuteil:" Warten Sie nur", schrie der ergrimmte General haßte Oberst sein in wenigen Jahren gestohlenes und bei der zwingenden Eindruck, daß die Wagnerkunst diesen niemals Herzens- gouverneur, warten Sie nur, es wird sich schon noch ein wahrer Ottomanischen Bank niedergelegtes Vermögen von über 1½ Mil- fache werden wird, niemals Hans Sachs, Walter Stolzing, Siegfried Patriot finden, der uns von dem großen Schurken der russischen lionen Franken zurückziehen. Die Bank verweigerte jedoch die und das, was ihr tiefstes Wesen ausstrahlt, eine notwendige innere Erde befreien wird! D, wie gerne erwürgte ich ihn mit eigenen Auszahlung. Einer Volksmenge, die sich mit einem Sonderzuge Forderung ihrer geistigen Kultur werden wird. It's nicht eigentlich Händen!" Solche und noch mehrere ähnliche Ausfälle mußte der nach Adana begab, wollte sich auch der Unterpräfekt von Mersina jammerschade, daß für diese seidene Plebs das Wagner- Werk in verblüffte Redakteur anhören, und der Ton sowie die drohende anschließen. Als er im Begriffe war, in den Bahnwagen zu steigen, Bayreuth wie in München in möglichster Vollkommenheit der Haltung des Generalgouverneurs ließen feinen Zweifel darüber, daß crtlärte ihm der Plazhauptmann, daß die Reisegesellschaft seine stilistischen, musikalischen und szenischen Wiedergabe bereitet wird, es ihm mit seinen Bemerkungen Ernst war. W Notizen. W. Aussätze. Einheitlich fugM sich Text und Dild ztt einem schönet» Ganzen zusammen. Die Leser werden sicher au der Nürnberg- Nummer der„Neuen Welt" ihre Freude haben, Eine interessante Entdeckung.'. - Der sozialdemokratische Verein des 10. badischen Reichstags- Wahlkreises in Karlsruhe nahm sich am Lsstempclabgabe. die aber auf Heller und Pfennig an das Reich abzuladen sind, Preußen daher nicht zugute kommen. 150 000 M. aus dem für Rechnung der Lotteriekasse stattfindenden Spiel von Frei- oder Ersatzlosen, 13 311 000 M. planmäßige Ge- winnabzüge des Staates. 15 000 M. für nicht abgehobene Gewinne infolge Vergeßlichkeit der Spieler oder Verlust der Lose. Diese Einnahmen belaufen sich also— ausschließlich der Rcichsstcmpel- abgabe— auf 13 556 000 M., wobei die Gelvinnabzüge die Haupt- einnähme bilden. Von diesen Einnahmen sind die Ausgaben zu bestreiten. Diese sind: 1 270 000 M. Gewinnprovision der Lotterie- einnehmer, 2 770 000 M. für Besoldungen der 41 Beamten, für persönliche, sächliche Ausgaben und für Renten für die an der preußischen Lotterie beteiligten anderen Staaten(2 477 000 M.f Abgesehen von dieser Rente, die im Laufe gewisser Zeit ganz fort- fallen wird, betragen die Verwaltungskosten 283 000 M. So stehen 13 556 000 M. Einnahme 4 040 000 M. Ausgabe» gegenüber, was einen Reingewinn von 0 516 000 M. ausmacht. Treten noch außerordentliche Ausgaben hinzu, wie diesmal der Neubau eines GeschäftSgebäudcs für die General-Lotteriedirektion mit rund 200 000 M., so ist der Reingewinn geringer. Das neue Geschäftsgebäude soll, wie im Anschluß hieran mitgeteilt sei, neben dem Oberverwaltungsgericht in der Jägerstr. 56 errichtet werden, da nach dem Anschlüsse verschiedener Bundesstaaten an die preußische Klassenlotterie die bisherigen Räume nicht mehr ausreichen, Lauft keinem Pastor nach! Aus Staaken(bei Spandau) hatten wir in Nr. 105 ge« meldet, daß eine dort wohnende Braut, die samt ihrem Bräutigam zu ihrer Eheschließung den„Segen" der Kirche für nötig hielt, dem Pastor nicht mehr würdig schien, mit Kranz und Schleier vor den Altar zu treten. Ihr wurde von dem Herrn Pastor die Bedingung gestellt, auf Kranz und Schleier zu verzich. ten, und das tat sie denn auch, um nicht in der Kirche einen Skandal zu erleben. Der strafende Verkünder des Gotteswortcs ging aber noch einen Schritt weiter: bei der kirchlichen Einsegnung des Paares machte er zum Thema seiner Predigt nicht den von dem Paar selber ausgewählten Bibelspruch, sondern wählte einen anderen, der ihm„paffender" schien. Als infolgedessen der Schwiegervater der jungen Frau während der Feier die vernehmliche Bemerkung machte, das sei nicht der richtige Spruch, brach der Pastor die Feier ab, entließ die jungen Eheleute ohne den„Segen" de r K i r ch c und bewies ihnen hiermit, daß man zur Eheschließung wirklich nicht den Pastor nötig hat. Dem Staakener Pastor hat es nun ganz und gar nicht gefallen, daß wir dieses Vorkommnis veröffentlicht und daran die Mahnung geknüpft haben, überhaupt keinem Pastor nachzu- laufen. Als Vorsitzender des Gemeindekirchenratcs von Staaten schickt er uns jetzt ein Schreiben, daS er für eine„Berichtigung" hält und im„Vorwärts" abgedruckt zu sehen wünscht. Der Herr P a st o r— sein Name ist P f a u t s ch— belehrt uns, eSsei„Itrch- liche Ordnung" in Staaken und an anderen Orten, daß Myrte und Schleier nur den Brautpaaren zukommen, die noch nicht in die che- liche Lebensgemeinschaft eingetreten sind. Die Belehrung war über- flüssig; es weiß ja jeder, daß die Kirche sich solche„Rechte" anmaßt. Pastor Pfautsch macht sodann genauere Angaben darüber, ob und wie weit das Paar bereits jn die eheliche Lebensgemeinschaft ein- getreten gewesen sei. Auch diese Angaben sollen wir hier mitteilen, so verlangts der Herr Pastor unter Berufung auf das Prcßgesetz. Bildet dieser eigenartige Seelsorger sich im Ernste ein, daß bei seinem Versuch, die allerpersönlichsten Verhält- nisse von Mitgliedern seiner Gemeinde öffent- lich zu erörtern, wir ihm Helferdien st c leisten werden? Pastor Pfautsch versichert, ein Recht auf Auswahl des Predigttextes bestehe nicht, es könne aber bei Kranztrauungcn ein Wunsch geäußert werden. Im„Vorwärts" war gesagt worden, es sei in Staaken„üblich", daß daS Paar selber den Predigttext auS- wählt. Dieser Brauch gilt dort in der Tat als etwas so Setbstver- ständliches, daß er die Kraft eines Gewohnheitsrechtes erlangt hat. Wenn Pastor Pfautsch bei der„Trauung" ohne Kranz den von dem Paar bereits ausgewählten Spruch durch einen anderen ersetzen wollte, so hätte er das vorher sagen sollen. Ter eigenmächtig von ihm gewählte Spruch werde, sc sagt er, öfter bei Trauungen verwandt; jede Anspielung habe ihm fern gelegen. Auf Teilnehmer der Feier hat aber der Spruch verstimmend gewirkt, damit wird der Herr Pastor sich abfinden müssen. Wir selber sind freilich der Ansicht, daß wirklich kein Grund zur Verstimmung vorlag; das haben vir ia auch schon in Nr. 105 an- gedeutet. Weder die Entziehung von Kranz und Schleier, noch die Ersetzung des ausgewählten Spruches durch einen anderen, noch die Mießliche Borenthaltung der„Trauung" kann ein Grund sein, sich groß aufzuregen. Lauft keinem Pastor nach, wenn Ihr heiraten wolltl Ihr werdet auch ohne ihn miteinander glücklich Werden._ Schulkinder zum Hurraschrcicn scheinen wieder gebraucht zu werden. Schüler der ersten Klasse der 178. Genieindeschule in der Eberswalderstratze brachten am Freitag ihren Eltern die Mitteilung heim, die Eltern um Erlaubnis zu fragen, ob sie am Paradetage mitgehen dürften: sie sollten nicht Spalier bilde», sondern könnten auf der Tribüne sitzen. Gleichzeitig sollten die Kinder ihren Eltern sagen, daß es ja das letztcmal vor der Einsegnung sei, wo sie die Parade unentgeltlich sehen könnten, denn später kostete es ja Geld. Wer nun die Erlaubnis der Eltern habe, solle 20 Pf. Fahrgeld Und drei Paar Stullen mitbringen. Hoffentlich sind die Eltern vernünftig genug, ihre Kinder zu Hause zu behalten und nicht als Hurraschreier und Statisten der- wenden zu lassen. Boykottierende Viehkoinmissionäre. Der Verein!der hiesigen Vichkommissionäre hat. wie die„Deutsche Fleischer-Zeitung" meldet, über eine in Zahlungsschwierigkeiten befindlich gewesene Engros- schlächterfirma den Boykott verhängt. Es darf ihr auch gegen Bar- zahlung kein Schlachtvieh verkauft werden. Auch wird kontrolliert, ob Kollegen für die boykottierte Firma Einkäufe besorgen. Der Verein der Schweineengrosschlächtermeister wird dagegen Stellung nehmen. Der Fremdenverkehr in Berlin und Wien, lieber die Eni- Wickelung des Fremdenverkehrs in Berlin und Wien hat die stati- stische Abteilung des Wiener Magistrats eine lehrreiche Zusammen- stellung gemacht. Sic zeigt, daß Berlin eigentlich keinen Grund hat, die üblichen Klagen über Mangel an Fremden anzustimmen. Zu Anfang der 70er Jahre war der Fremdenverkehr in Berlin und Wien ungefähr derselbe. Aber schon 1888 wurde Wien von Berlin um 180 000 Fremde übertroffen. 1900 waren es schon 381 000, 1007 gar 567 000 Fremde mehr. Der Berliner Fremdenverkehr ist also mehr als doppelt so groß als der Wiener. In Berlin ist vor allem der Be- such der Ausländer fortgesetzt im Steigen, während er in Wien zurück geht. Von 1905— 1907 ist in Wien der Besuch der Aus- länder um 3000 zurückgegangen, während er in Berlin um 35 000 zugenommen hat. Abgesehen von den Oesterreichern, Ungarn und den Bewohnern der Balkanhalbinsel übt Berlin auf alle Nationen eine weit größere Anziehungskraft aus als Wien. 1907 kamen Skandinavier nach Berlin 25 934, nach Wien 1005, Russen nach Berlin 71 742, Wien 23 243, Engländer nach Berlin 12 707, Wien 3776, Franzolcn nach Berlin 8772, Wien 5339, Schweizer nach Berlin 4729, Wien 2010, Italiener nach Berlin 3127, Wien 2586, Amerikaner nach Berlin 22 899, Wien 5133. Der Ocsterreicher selbst geht mehr nach Berlin, als der Deutsche nach Wien. In den letzten drei Jahren sind 90 000 Oesterreicher und Ungarn in Berlin, aber nur 80 000 Reichsdeutsche in Wien gewesen. 1904— 1907 gingen von je 1 Million Reichsdeutschen 1394 nach Berlin, 547 nach Wien, von 1 Million Dänen 2088 gegen 82, Schweizer 1302 gegen 515, Hol- länder 972 gegen 108, Engländer 233 gegen 96, Franzogen 180 gegen 134, Italiener 53 gegen 81. Verlegung von Straßenbahnlinien aus der Leipziger Straße. Die Straßenbahn ist genötigt, in den Nächten dieser Woche vom 31. August bis zum 5. September eine Reihe von Linien aus der Leipziger Straße zu verlegen. Die Verlegung beschränkt sich aber auf die Zeit von 2 Uhr nachts bis zum Wiederbeginn des Betriebes. Inzwischen wird die Kreuzung der Oberleitung über der Straßen- kreuzung mit der Charlottenstraße ausgewechselt. Die Linie 53 Danzigcr Straße— Nixdorf geht dann zwischen der Behren- und Zimmcrstraße nicht durch die Charlottenstratze, sondern von der Kanonierstraße durch die Französische., Jerusalemer und Zimmer- straße. Die Linien 6 Moabit— Küstriner Platz, 74 Kniprodestraße— Schöneberg, 76 Frankfurter Allee— Wilmersdorf und 87 Treptow— Schöneberg fahren dann zwischen der Mauer- und Jerusalemer Straße in beiden Richtungen nicht durch die Leipziger Straße, son- dern durch die Mauer-, Kanonier-, Französische und Oberwallstraße, über den Hausvogteiplatz und durch die Jerusalemer Straße. Dem Bräutigam in den Tod gefolgt. Durch Selbstmord hat ein junges Brautpaar den Tod gefunden. Vor einigen Tagen nahm sich der Kaufmann C. aus Halensee das Leben. Der noch junge Mensch hatte sich oft auf Rennbahnen aufgehalten und durch Wetten viel Geld verloren. Die Verluste waren in letzter Zeit so starke, daß er schließlich weder ein noch aus wußte. In der Verzweiflung legte C. Hand an sich; er erhängte sich in der Hekwrstraße an einem Baum. Ein Schutzmann fand am anderen Morgen die Leiche- des Lebensmüden. Die Braut des C., die 23jährige Verkäuferin Hedwig Maaß, die bei dem Schlächtermeister Fischer in der Ansbacher Straße 25 angestellt war, zeigte nach dem Selbstmord des Bräutigams ein niedergeschlagenes Wesen. Sie nahm sich das Schicksal des Geliebten so zu Herzen, daß auch sie sich entschloß, in den Tod zu gehen. Borgestern nachmittag besuchte sie Bekannte in der Arndtstraße. Auf dem Wege dorthin kaufte sie sich einen Revolver. Während das junge Mädchen nun einen kurzen Augenblick allein im Wohnizimmer war, holte es die Waffe hervor und zagte sich eine Kugel in die Brust. Tödlich getroffen sank die Lebensmüde nieder. Ein herbeigerufener Arzt vermochte nur noch den infolge Herz- schusses eingetretenen Tod zu konstatieren. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Aus dem Zuge gestürzt und schwer verletzt worden ist vorgestern abend die 14 Jahre alte Tochter des Kaufmanns Ermel aus Königs- Wusterhausen. Das Mädchen hatte zur Fahrt nach Hause von der Station Wildau einen Vorortszug benutzt und sich anscheinend an dem Schloß bat Coupe tür zu schaffen gemacht. Plötzlich gab diese nach und dw kleine E. stürzte aus dem in voller Geschwindig. keit sich bewegenden Train auf den Bahnkörper, und zwar so un- glücklich, daß sie unter die Trittbretter geriet. Obwohl Mitreisende sofort durch Ziehen der Notbremse den Zug zum Halten brachten, wurde die Verunglückte noch eine Strecke weit mitgeschleift, ehe sie aus oer entsetzlichen Lage befreit werden konnte. Das Mädchen wurde von Bahnbeamten nach dem Bahnwärterhäuschen gebracht und sofort ein Arzt herbeigerufen, der eine schwere Gchirnerschütte- rung und zahlreiche äußere Verletzungen feststellte. Die E. wurde nach dem Krankenhause übergeführt, wo sie in bedenklichem Zu- stände darniederliegt. Ein entsetzlicher Straßenunfall ereignete sich gestern vormittag gegen'/zil Uhr vor den Augen Hunderter von Passanten am Andreasplatz. Dort werden am Grünen Weg Kanalisationsarbeiten ausgeführt und an den dort aufgestapelten Röhren spielten gestern vormittag mehrere Knaben. Als der 5 jährige Karl Kaliski den Röhrenstapel erklettert hatte, stieß plötzlich ein vorbeikommender Geschäftswagen an diesen an. Die schweren Röhren gerieten ins Rollen und begruben den kleinen K. unter sich. Straßenpassanten alarmierten sofort die Feuerwehr, doch eye dieselbe eintraf, hatten die Kutscher in der Nähe haltender Arbeitswagen ihre Pferde vor die Leitungsrohre gespannt und so den Knaben aus seiner entsetzlichen Lage befreit. Der Verunglückte wurde nach der Unfall- station am Grünen Weg gebracht, wo der anwesende Arzt erhebliche Quetschungen und Knickungen der Rippen und Verletzungen an den Oberschenkeln feststellte. Als ein Wunder ist es zu betrachten, daß der Junge, der später nach einem Krankenhause übergeführt wurde, nicht vollständig von der schweren Last zermalmt worden ist. Einen eigenartigen Telephonschwindel hat ein Schlächtergeselle, der vorgestern festgenommen wurde, betrieben. In letzter Zeit wurden zahlreiche Schlächter im Süden der Stadt und in Ripdorf wiederholt in später Abendstunde telephonisch angerufen und ihnen mitgeteilt, daß bei dem und dem Molkereibesitzer eine K"h zwecks Notschlachtung sofort abgeholt werden müsse. Traf dann ein Fuhr- werk bei dem erwähnten Molkereibesitzer ein, so stellte sich heraus, daß sämtliche Kühe im Stall wohl und munter waren. Ein Engros- schlächter wuroe in kurzer Zeit dreimal auf derartige Weise be- schwindelt. Teilweise mutzten die angerufenen Schlächter erst Fuhr- werke mieten. Vorgestern konnte der Urheber der seltsamen Schwindelmanöver endlich dingfest gemacht werden. Vom Fern. sprechamt Ripdorf aus war festgestellt worden, daß die nächtliche telephonische Bestellung von dem Fernsprecher eines Britzer Re- staurants aus gemacht worden war. In dem Uebeltäter wurde dann ein Schlächtergeselle ermittelt. Störungen im Fernsprechbetriebe werden wieder einmal durch Drahtmarder in großer Zahl herbeigeführt. Heute wird uns über zwei Fernsprechdrahtdiebstähle berichtet. Von der Leitung zwischen der Köpcnicker Landstraße und der Königsheide wurden größere Mengen Draht abgeschnitten und entwendet. Außerdem wurde an der Liebcnwalder Chaussee zwischen Blankenfelde und Nordend die Fernsprechleitung durch Drahtmarder zerstört. Für 3000 M. Damenmäntel gestohlen. Die Einbruchsdiebstähle in der Damcnkonfcktionsbranche häufen sich in der letzten Zeit in ganz erheblichem Maße. Gestern wurde schon wieder über einen derartigen Diebstahl berichtet. Eine aus mehreren Mitgliedern bestehende Einbrecherbande drang nachts in das Damenkonfektions- geschäft von Langwalo in der Stettiner Straße 12 ein. Die Diebe, die mit Hilfe von Nachschlüsseln, Dietrichen und Brecheisen„arbei- tcten", rissen die Warenbestände aus den Regalen heraus und schleuderten alles das, was sie nicht mitnahmen, wüst auf die Erde. Zur Beute fielen den Tätern Damenmäntel, Behänge, Stoffe usw. im Gesamtwert von nahezu 3000 M. Zeuge gesucht. Der betreffende Herr im grauen Winterpaletot, welcher eine Frau, die am 4. Februar vor dem Hause Gleim- straße 9-» infolge Glatteises fiel und sich den linken Arm brach. Hilfe leistete und sie bis in die Schönhauser Allee zur Unfall- station begleitete, wird gebeten, seine Adresse snach der Korsörer- straße 12 bei Suchantke, Schuhmacher, gelangen zu lassen. Drei BerbandSbücher vom Deutschen Holzarbeiker-Berband find in der Gegend des Gesundbrunnens verlorengegangen. Es sind die Nummern 5898, 1534, 5865. Der Finder wird gebeten, dieselben im Restaurant Karl Döhling, Brunnenstr. 79, abzugeben. Im Wissenschaftlichen Theater der Urania gelangt in dieser Woche der mit zahlreichen farbigen Bildern und Wandelpanoramen ausgestattete Vortrag:„Ueber den Brenner nach Venedig", der uns auf dieser allerersten und schönsten Gebirgsstraße von den Wundern des Rosengartens bei Bozen, über Trient, Verona bis nach Venedig führt, am Sonntag und Donnerstag zur Darstellung. Am Montag und Sonnabend wird der Vortrag:„Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat" wiederholt werden, während am Dienstag der Vortrag:„Durch Dänemark und Südschwcden", und am Mittwoch und Freitag der Vortrag:„Von der Zugspitze bis zum Watzmann" gehalten werden wird. Arbeiter-Bildungsschule Berlin. Am Sonntag, den 6. Sep- tember, Familienausflug nach Schmargendorf. Abfahrt der Süd- ringzüge nach Halensee: Schlesischer Bahnhof 1.26, Jannowitzbrücke 1.29, Alexanderplatz 1.31 usw., Potsdamer Bahnhof 1.45. Treff- Punkt für Nachzügler von 2l-h Uhr nachmittags ab: Restaurant „Schützenhaus", Jnh. H. Meißner, Hundekehlestr. 20 in Schmargen- dorf, auch mit der Straßenbahn zu erreichen. Dem Berliner Aouarium wurden von Herrn Dr. Magers- Charlottenburg vier Wüsten-Warane überwiesen. Diese Sand- Warane, Bewohner der Vorwüste und echten Wüste Nordafrikas, verraten sich als solche schon durch ihr sandfarbenes, graugelb und bräunliches Gewand, daß sie wie andere Reptilien in der periodisch wiederkehrenden„Häutung" wechseln. Erwachsene Tiere dieser stattlichen Echse erinnern durch ihre Größe an ein Krokodil, denn sie erreichen eine Länge von 114 Meter und werden wegen ihres Mutes, ihrer Bosheit und Wehrhaftigkeit von den Eingeborenen gefürchtet. Durch Vermittelung des New Aorker Aquariums er» hielt unser Aquarium zwölf große Exemplare eines ebenso seltenen wie interessanten, aus dem Antillenmeer stammenden GasteS; es sind sogenannte Schwertschwänze, welche gemeinhin zu der Klasse der Krebs- oder Krustentiere gestellt werden, jedoch durch die Eigenheit, daß sie statt der bei allen übrigen Krustcrn sich findenden zwei Fühlerpaar« nur ein einziges Paar solcher Anhänge be- sitzen, eine entschiedene Verwandschaft mit den Spinnen bezw. Skorpionen erweisen. Deshalb wird man die Riesenkruster— auch Pfeilschwanzkrebse genannt—, die eine Länge von einem halben Meter(ohne Schwanz) erreichen, als den letzten Rest eines ausgestorbenen Gliedertierstammes betrachten dürfen oder müssen. DaS Palast-Theatcr in der Burgstraße wird am Sonnabend, den 5. September, seine Vorstellungen beginnen. Der Zoologische Garten ist in den Besitz eines Hirschferkelpaares gelangt, einer Wiederkäuerform, die zu den allergrößten Selten- heiten in unseren Tiersammlungen gehört. Diese zur Gruppe der Zivcrgmoschustiere zählenden, auf dunkelbraunem Grunde sehr leb- Haft weiß gezeichneten Geschöpfe bewohnen in ihrer Heimat (Kamerun) das verschlungene Dickicht der Flußufer und stürzen sich bei Gefahr ins Wasser, wo sie, ganz untergetaucht, regungslos eine Zeitlaug verharren. Das schmucke Pärchen hat hier im Antilopen- hause unmittelbar links am Eingang Unterkunft gefunden. Der ZirkuS Schumann trifft demnächst in Berlin wieder ein und wird am 12. September seine erste Vorstellung geben. Feuerwehrnachrichten. Gestern früh kam in einem Pferdestall in der Frankfurter Allee 103 Feuer aus, das die Balken ergriff. Es gelang, die Pferde in Sicherheit zu bringen und die Gefahr auf den Stall zu beschränken. Der 15. Zug hatte in der Wilhelmshavencr Straße 16 einen Brand zu löschen, der in einer Badestube aus- gekommen war. Ein Kcllerbrand wurde aus der Alexanderstraße 57 gemeldet. In der Oranienstraße 101-102 mußte ein Schaldeckenbrand gelöscht werden. Der 3. Zug wurde nach der Bernauer Straße 48 gerufen, wo ein Schornstein brannte. In der Möckern Straße 131 hatte sich ein« Person mit Gas vergiftet. Wiederbelebungsversuche mit Sauerstoff waren erfolglos. Arbeiter-Samariter-Kolonne. Montag abend 9 Uhr: 1. Ab- teilung, Dresdener Straße 45, Vortrag über: Transport Erkrankter und Verunglückter mit Uebungen. Ferner Anleitung zur Ein- richtung eines Verbandskastens resp. Hausapotheke. Da dies die letzte Stunde des Winterkursus ist, wird um rege Beteiligung ersucht. Der Berliner Arbeiter-Radfahrerverein, Bund„Solidarität". feiert am Sonnabend, den 5. September, sein 4. Stiftungsfest in den Räumen der Brauerei Friedrichshain. Vorort- P-sackricbten. Eharlottenburg. Einen Rechtfertigungsversuch unternahmen, wie uns aus Char- lottenburg geschrieben wird, die„Liberalen" in einer der letzten Nummern ihres hiesigen Lokalbläitchens. Unter Bezugnahme auf ein von unserer Seite im 5. Bezirk verbreitetes Flugblatt suchen die „Liberalen" sich gehörig herauszustreichen. Zuerst protestieren sie gegen die Beschuldigung, daß sie bei Ungülttgkeitserklärung der Mandate unserer Genossen Scharnberg und Flcmming umgefallen wären. Diese Ableugnungsversuche sind natürlich leeres Gerede. Wäre es den„Liberalen" in der Tat Ernst gewesen, die Mandate unserer Genossen nicht anzutasten, so hätten sie ja den Entscheid des Oberverwaltungsgerichts abwarten können. Man gibt sich doch sonst nicht mit allen Beschlüssen des Bezirksausschusses zu- Wieden. Wenn seitens unserer Genossen Scharnberg und Flcmming die eingelegte Berufung nicht aufrecht erhalten wurde, so bedeutete das durchaus keine Anerkennung des Entscheides des Bezirksaus». schusses, sondern die Berufung war auS rein formalen Gründen gegenstandslos geworden. Aber auch gegen die„liberale Klüngelwirtschaft", von der schon der frühere Stadwerordnetenvorsteher Justizrat Rosenberg voraus- sehend gesprochen hatte, führt das liberale Blatt recht windige Argu- mente an. Man bestreitet, jemals bei der Besetzung der Stadtrats- Posten Parteipolitik getrieben zu haben. Was die guten Leute doch für ein merkwürdig kurzes Gedächtnis haben. Es ist doch noch gar nicht so lange her, daß bei den letzten Ergänzungswahlen zum Magistrat von den„Liberalen" ein alter Stadtrat abgesägt wurde, der nicht den Vorzug genoß,„liberal" zu sein. Um aber die Form zu wahren, gerieten die„Liberalen" in eine rührende Fürsorge um das körperliche Befinden des auf einmal schwerkrank sein sollenden Stadtrats. Kein Wort fiel über die Tätigkeit des Nichtwiederge- wählten. Die„Liberalen" mußten selbst die amtliche Tüchtigkeit des Mannes stillschweigend anerkennen. Aber er mußte gegangen werden. Warum? Nur damit einer der„liberalen" Stadtrais- Postenanwärter untergebracht werden konnte. Und da haben diese Leute die Stirn, ihre Unparteilichkeit in alle Welt hinauSztischreicn und in pharisäischem Stolz zu fragen:„Können Sozialdemokraten so unparteiisch sein?" So unparteiisch sind wir nun freilich nicht, aber auch wir schätzen die Fähigkeiten, die zu einem Amte berechtigen, bei unseren Gegnern. Und wir, die Sozialdemokraten, waren es, die Dr. P e n z i g zum Stadtrat vorgeschlagen hatten, nicht die „Liberalen" waren es. Sie hatten wahrscheinlich nicht den Mut, denjenigen ihrer Fraktionskollegen für einen Stadtratspostcn kandidieren zu lassen, der wohl die Fähigkeit dazu besaß, der aber als SchuldcputationSmitglied von der Regierung nicht bestätigt wurde. Und gegen die Regierung wagt kein„Liberaler" vom hcuti- gen Schlag im Ernst Opposition zu machen. Doch auch Arbeiterfreunde wollen die„Liberalen" sein und neidisch sehen sie auf die Sozialdemokratie als Arbeiterpartei. „Wenn ich gewählt werde, werde ich beweisen, daß die Sozialdcmo- kratie in Charlottenburg überflüssig ist," sagte bei seiner Aufstellung der„Morgenpost"-Kandidat des 5. Bezirkes schon 1907. Er fiel durch. Aber die„Liberalen" finden Gefallen an dieser Redensart, sie wiederholen sie. Dafür stimmten sie aber in der Stadtverord- netenversammlung gegen die Gewährung einer städtischen Hilfe für die Arbeitslosen. Sie verwiesen die arbeitslosen Arbeiter auf das Steineklopfen und-— auf die Selbsthilfe. Ferner stimmten die„Liberalen" gegen die Unterstützung einer durch die Arbeiter- organisation errichteten Rechtsauskunftsstelle, sie bewilligten aber 3000 M. pro Jahr zur Unterstützung eines bürgerlichen Unter- nehmens ähnlicher Art.'— Gewiß, wir konnten häufig mit den „Liberalen" stimmen. Aber das besagt nichts gegen die Unzuläng- lichkcit der„Liberalen". Sondern die Differenz liegt darin, daß die„Liberalen" um so weniger für unsere Anträge stimmten. „Die Sozialdemokratie wird in Charlottenburg niemals viel erreichen," sagt das liberale Leibblättchen. Es hat recht! Sofern die„Liberalen" an der Macht bleiben, werden sie alle noch so gut gemeinte und ernst gewollte, wirklich positive Arbeit unserer Gc- nassen im Rathaus zu hintertreiben bemüht sein. Aber den Satz als Ableugnung des steten Wachsens des sozialdemokratischen Ge- dankenS in Charlottenburg verstanden, heißt einen grenzenlosen Unsinn aussprechen. Die Sozialdemokratie brachte an Stimmen bei der Stadwerordnetenwahl fast so viel auf. als die bürgerlichen Parteien zusammengenommen. Von 16 359 abgegebenen Stimmen waren 7492 sozialdemokratische. Und bei der letzten Landtagswahl standen 23 000 bürgerlichen Urwählerstimmen über 19 000 sozial- demokratische gegenüber. Die„Liberalen" haben es also nur dem traurigen Wahlrecht für die Gemeindevertretung und für den Land- tag zu danken, wenn die Sozialdemokratie in Charlottenburg „nichts erreicht". Im anderen Falle könnten sich die„Liberalen" sicherlich nicht so breit machen und mit ihrem leeren Gerede von Liberalität und Arbeiterfreundlichkeit die Wähler zum besten haben und der gutgläubigen Ooffentlichkeit Sand in die Augen streuen. Ein tödlicher Straßenunfall ereignete sich gestern vormittag in der Mommsenstraße. Dort spielte die drei Jahre alte Tochter Agathe des in dem Hause Nr. 35 wohnenden Schneidermeisters Uecker mit anderen Kindern. Plötzlich versuchte die Kleine den Fahrdamm zu kreuzen und geriet dabei unter die Räder eines Geschäftswagens, die ihr über den Kopf und die Brust hinweggingen. Ein sofort herbei- gerufener Arzt konnte nur den infolge Schädelbruchs eingetretenen Tod feststellen. Wilmersdorf. In der Mitgliederversammlung des Wahlverein» referierte am Dienstag Genosse Ritter über:„Die Aufgaben des Nürn- berger Parteitages". In ausführlicher Weise besprach er die dort zur Verhandlung stehenden Punkte.— Er gab der Meinung Aus- druck, daß in der M a i fe i e r f r a g e die„radikale" Richtung wohl nicht auf Ihre Rechnung kommen werde. Die Vereinbarungen des Parteivorstandcs und der Generalkommission seien durchaus keine Abwürgung der Maifeier. Ob.aber der Modus der Unterstützung der richtige sei, ist zweifelhaft, feststehe nur, daß die Gewerkschafts. kartelle die Unterstützungsfrage nicht regeln können. Zur Frauenfrage hofft Redner auf einen Beschluß, wie ihn die Berliner Genossen gefaßt haben. Betreffs der Jugendorganisation habe wohl der Gc- wcrkschaftskongreß das Rechte getroffen, der auf dem Wege der Verbesserung der Bildungsmittel die Jugend unter Leitung älterer Genossen heranbilden wolle. Der Jugendschutz sei Aufgabe der örtlichen Kartelle und Sekretariate. Die Budgetbewilligung der Süddeutschen betrachtet der Referent als einen Ausfluß zu partikular, st ischen An- sichten und verurteilt die Art und Weise der Bewilligung sowie das Verhalten gegenüber dem Parteivorstand. Hoffentlich beschließt der Parteitag die Streichung des dritten Absatzes der Lübecker Resolution. In der Diskussion verlangte ein Redner, daß mit den Lokalisten nun endlich tabula rasa gemacht werde, was der Referent im Schlußwort als vom„nur" gewerkschaftlichen Standpunkt wohl verständlich, jedoch durchaus unpraktisch bezeichnet. Ein der Ver- sammlung vom Vorstand unterbreiteter Antrag auf Neu» Besetzung des Spediteurpostens wurde nach längerer Debatte abgelehnt. Nieder-Schönhausen. Die Wahl für den ausgeschiedenen Gemeindevertreter Paetzold (Soz.) soll, wie verlautet, bereits in der zweiten Hälfte des Sep- tember stattfinden. Die Mitgliederversammlung vom 25. August in Neu-Carlshof wies einen sehr mäßigen Besuch auf. Es waren auch eine Anzahl Frauen amvcsend, die mit Interesse dem Vortrage der Genossin Jcetze-Rixdorf über:„Warum müssen sich die Frauen organisieren?" folgte,.. In historischen Darlegungen zeigte die Refercntin die Entwickelung der Rechte und Pflichten der Frau von einst und jetzt, und wie das Zeitalter der Maschine eine vollkommene Umwälzung im Wirtschastsgetriebe herbeiführte. Die Frauenarbeit und mit ihr die Kinderausbeutung hält ihren Einzug und macht es not- wendig, daß die Frau Schulter an Schulter mit dem Mann den Kampf ums Dasein aufnimmt. Eine Diskussion folgte dem bei- üllig aufgenommenen Vortrage nicht. Zum Bericht von der Kreisgeneralversammlung führte der Delegierte Genosse Schelle die Gründe an, die die örtlichen Tele- gierten vcranlaßten, die von ihnen zu vertretenden Anträge zurück- zuziehen. Der Vorsitzende Genosse Hellrich gab bekannt, daß alle Sommerfestbilletts, die nicht späte st ens bis zum nächsten Zahlabend abgerechnet sind, als verkauft gelten.— Die durch Fortzug notwendig gewordene Ersatzwahl ergab die Wahl des Genossen Weiß zur Lokalkommission und des Genossen Sckiaper zum Revisor. Das Mitglied Kubasch sollte sich wegen Boykottbruchs verantworten, zog es aber vor, dem Ausschluß durch Austritt vorzubeugen. Große Entrüstung rief die Mitteilung hervor, daß mehrere Wahlvercinsmitglicder, die mit dem fast einstimmig in der Generalversammlung gefaßten Beschluß in der Angelegenheit Paetzold nicht einverstanden sind, unter den Parteigenoffen Propaganda für den Austritt aus dem Wahlberein| dessen Körper bereits völlig steif bar, aus seiner entfeblichen Lage machen und zu dem 8wed eine Lifte zirkulieren ließen. Genoffe zu befreien. Der Verunglüdte wurde in bedenklichem Zustande nach Geride, dem die Liste ebenfalls unterbreitet wurde, verweigerte dem Krankenhause gebracht. die Auskunft über die ihm bekannten Veranstalter. Die Genossen Schelle, Joachimsthal, Beyer und Vesper verurteilten dieses partei- Beuthen. fchädigende Treiben in längeren Ausführungen. Unter Zustim=( Der Wahlvercin Eichwalde und Umgegend hielt am Mittwoch mung der Versammlung wurde eine baldige Untersuchung dieser in Zeuthen im Lindemannschen Lokale seine Generalversammlung Angelegenheit gewünscht. Gin Der Vorstand wird die notwendigen ab. Genosse Schumann referierte über das Thema:" Was wir Schritte sofort einleiten. vom Genossen Geride gestellter wollen?" Am 19. September soll die Sternwarte besucht werden. Antrag auf Ausschluß des Genossen Paetzold wurde durch Ueber- 3um ersten Vorsitzenden wurde Genosse W. Schulz( Miersdorf) und gang zur Tagesordnung erledigt. zum zweiten Vorsitzenden Genosse Wilke gewählt. Ober- Schöneweide. Segen der Armenunterstützung. Wie man gewissermaßen für bogelfrei erachtet werden kann, wenn man die Hilfe der Armenunterstützung in Anspruch genommen hat, lehrt nachstehender Fall: Die Witwe C., welche schon seit vielen Jahren im Orte lebt, berlegte existenzhalber ihre Wohnung nach dem Nachbarorte RiederSchöneweide. Hier war sie durch Krankheit gezwungen, von der Armenverwaltung eine Unterstützung von 12 M. anzunehmen. Eine Ersatzforderung des dortigen Gemeindevorstehers an die noch unter: stübungspflichtige hiesige Gemeinde hatte zur Folge, daß die Rückkehr nach hier verlangt wurde. In der Aufforderung der hiesigen Verwaltung ist allergnädigst die einstweilige Unterbringung im Sprizenhause in Aussicht gestellt für den Fall, daß es der Aermsten nicht sogleich gelingen sollte, eine Wohnung zu erhalten. zu beachten ist hierbei, daß die Frau durch Zimmervermietung fich einen leiblichen Unterhalt verschafft. Sie würde ihrer Gristenz beraubt sein, käme sie dieser weisen Aufforderung nach, abgesehen von den Ungelegenheiten, die ein plötzliches Verlassen einer gemieteten Wohnung zur Folge hätte. Wir fragen nun: Ist eine Gemeindeverwaltung wirklich dazu da, eine arme Frau durch ihre Maßnahmen vollends erst dem traffen Elend entgegenzuführen? Welchen Zweck mag es denn übrigens für die hiesige Gemeinde haben, wenn ihr Begehren erfüllt wird und die Frau im Spritzenhause über den Zweck solcher Bureaufratenstückchen grübelt? Groß- Lichterfelde. -lodoM norbigg Die Mitglieder des sozialdemokratischen Wahlvereins werden hiermit in Kenntnis gesezt, daß nach dem Beschluß der letzten Verjammlung von jetzt ab die ordentlichen Mitgliederversamm lungen des Wahlvereins nicht mehr monatlich, sondern viertel jährlich stattfinden. Die nächste Vereinsversammlung findet daher am letzten Montag des Monats September statt, vorüber noch näheres im Vorwärts" veröffentlicht wird. Diese vierteljährlichen Vereinsversammlungen sollen im wesentlichen der politischen und wirtschaftlichen Fortbildung der Mitglieder dienen, während die Zahlabende sich mit den internen Parteiangelegen heiten, Fragen der Agitation und Organisation beschäftigen sollen. Außerdem ist auf den Zahlabenden der Wunsch ausgesprochen worden, die bisher bestandenen Leseabende für die Frauen beizubehalten. Der Vorstand hat sich diesem Wunsche angeschlossen und wird der zuständigen Vereinsversammlung einen dahingehenden Antrag unterbreiten. Allenfalls nötig werdende außer ordentliche Mitgliederversammlungen werden rechtzeitig im Bore wärts" bekanntgegeben. Daß die Genossen auch ferner auf regen Besuch der Zahlabende bedacht sein müssen, ist selbstverständlich. Der Vorstand. Zoffen. Schlecht besucht war die am Mittwoch, den 26. August, stattgefundene Wahlvereinsversammlung. Aufgenommen wurden fünf Mitglieder. Den Bericht von der Kreisgeneralversammlung er stattete Genoffe Lau, den Bericht der Verbandsgeneralversammlung gab Genosse Wiesen. Eine lebhaftere Debatte trat nur bei dem letteren Bericht ein. Bei dem Puntt Frauenfrage wurde beschlossen, in nächster Zeit eine öffentliche Versammlung für Frauen abzuhalten und hierzu eine Referentin zu bestimmen. Die Einrichtung der Bibliothet erfolgt in diesem Monat und wird dieselbe Gude September eröffnet. Zum Schluß wurde die Verlegung des Ver sammlungstages beschlossen. Die Versammlungen finden jest jeden Donnerstag nach dem 20. im Monat statt. Kalfberge: Rüdersdorf. Durch herabstürzende Sandmaffen verschüttet wurde in Saltberge der vierjährige Sohn des dort wohnhaften Arbeiters Klaue. Der Kleine hatte mit anderen Kindern auf den sogenannten Sandbergen in der Seestraße des erwähnten Vorortes gespielt und war troh Abratens seiner Gefährten in eine etwa 2 Meter tiefe Grube binabgesprungen. Die anderen Kinder drängten sich nun an dem Rande der Aushebung zusammen und unter ihrem Gewicht gab plötzlich das Erdreich nach. Der kleine. wurde von den herabstürzenden Sandmassen vollständig verschüttet, während drei andere Knaben, die ebenfalls in die Grube gestürzt waren, sich selbst herausarbeiten konnten. Auf das Hilfegeschrei der Kinder eilten ein Steinmetzmeister und eine Frau hinzu, deren Bemühungen es erst nach geraumer Zeit gelang, den schon bewußtlosen Knaben, Sozialdemokratisch. Wahlverein für den 6.Berliner Reichstagswahlkreis. Todes- Anzeige. Am 28. Auguft verstarb unser Mitglied, der Tapezierer Robert Wilde Fennstraße 16. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 1. September, nachmittags 5 Uhr, bon der Leichenhalle des Dankes- Kirchhofes Reinickendorf, Scharnweber straße, Ede Blankestraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Am Freitag, den 28. d. M., früh verschied plößlich an den Folgen einer Blinddarmoperation unser lieber Kollege, der Schriftseter Franz Schenkewitz im 22. Lebensjahre. 13605 Wir verlieren in ihm einen braven Kollegen und Mitarbeiter und werden sein Andenten stets in Ehren halten. 1360 Die Verbandskollegen der Firma August Scherl G. m. b. H. am Die Beerdigung findet Montag, den 31. d. M., nachmittags 4 Uhr, auf dem Schöne berger Friedhof, Schöneberg, Mag straße 13/15, fstatt. Für die überaus herzliche Teil nahme bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes und Bruders Bruno Jux sagen wir allen Verwandten und Betannten, insbesondere auch dem Per fonal der Firma Gebr. Tellschow mie auch dem Turnverein" Fichte" für feine Mitwirkung besten Dant. 12816 Familie Jux. Am 29. August, morgens 5 Uhr, verstarb plöblich am Herzschlag unser lieber Kollege, der Schriftfeter Max Hamilton im Alter von 48 Jahren. Wir verlieren in ihm einen lieben, jederzeit hilfsbereiten Kollegen! 13316 Das Personal der Buchdruckerei H. S. Hermann. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 1. September, nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle des Luisen- Kirchhofes, Nirdorf, Hermannstraße, aus statt. Allen Verwandten und Freundea die traurige Mitteilung, daß meine liebe Frau Wilhelmina Jepp im 24. Jahre nach kurzem, schwerem Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, nachmittags 4%, Uhr, von der Leichenhalle des EmmausKirchhofes aus statt. 41162 Die trauernden Hinterbliebenen. Hans Jepp und Sohn. Nachruf. Am 28. August verstarb unser Chef, der Hoftischlermeister J. Groschkus. Bir verlieren in ihm einen gerechten Arbeitgeber und werden ihm ein dauerndes Andenken bewahren. 1302b Die Arbeiter der Firma J. Groschkus. Wochen- Spielplan der Berliner Theater. Königl. Opernhaus. Sonntag und Montag: Geschloffen. Dienstag und Mittwoch: Sardanapal.( Anfang 8 Uhr.) Donnerstag: Die Meisterfinger von Nürnberg.( Anfang 7 Uhr.) Freitag: Sardanapal.( Anfang 8 Uhr.) Sonnabend: Die lustigen Weiber von( Windsor. Sonntag: Sardanapal.( Anfang 8 Uhr.) Montag: Tannhäuser.( Anfang 7 Uhr.) Doktor Klaus. Dienstag: Klein Dorrit. Mittwoch: Wie die Alten sungen. Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Die Rabensteinerin. Montag: Donnerstag: Prinz Friedrich von Homburg. Freitag: Nathan der Weise. Sonnabend: Die Nabensteinerin. Sonntag: Hamlet. Montag: Die Braut von Messina. Neues fönigl. Opern- Theater. Sonntag: Die Bohème. Montag: Tannhäuser.( Anfang 7 Uhr.) Dienstag bis Sonnabend: Geschlossen. Sonntag: Der Evangelimann. Montag: Geschlossen Dienstag: Was Ihr wollt. Mittwoch: Medea. Donnerstag: Des Meeres Sonntag: Medea. Montag: Die Räuber. und der Liebe Wellen. Freitag: Medea. Sonnabend: Der Kaufmann von Venedig. Sonntag: Medea. Montag: Kettenglieder. Deutsches Theater. Deutsches Theater( Kammerspiele). Sonntag: Lysistrata. Montag: Aglavaine und Solysette. Dienstag: Ghges und sein Ring. Mittwoch: Frühlings Erwachen. Donnerstag: Gespenster. Freitag: Sozialaristokraten. Sonnabend: Lysistrata. Sonntag: Sozialaristokraten. Montag: Aglavaine und Solysette. Die Beber. Dienstag und Mittwoch: Der Raub der Sabinerinnen. Leffing- Theater. Sonntag: Der Raub der Sabinerinnen. Montag: Donnerstag: Rosenmontag. Freitag: Der Raub der Sabinerinnen. Sonnabend und Sonntag: Die Macht der Finsternis. Montag: Nosmersholm.( Anjang 72 Uhr.) Metropol Theater. Allabendlich: Das muß man seh'n!( Anf. 8 Uhr.) Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten. Apollo Theater. Allabendlich: Vera Violetta. Spezialitäten. Passage Theater. Allabendlich 8 Uhr: Spezialitäten. Sonntag nach mittags 3 Uhr: Spezialitäten. Berliner Prater- Theater. Allabendlich 7 Uhr: Die Welt ein Paradies. Walhalla Theater. Spezialitäten.( Anfang 8 Uhr.) Carl Haverland: Theater. Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Fröbels Allerlei Theater. Allabendlich: Mit vollen Segeln Spezialitäten. Gustav Behrens Theater. Spezialitäten. Reichshallen Theater. Allabendlich: Stettiner Sänger. Urania Theater. Taubenstraße 48/49. Sonntag und Donnerstag: Ueber den Brenner nach Benedig. Montag und Sonnabend: Die Gletscher der Hochgebirge und die Eiszeit unserer Heimat. Dienstag: Durch Dänemart und Südschweden. Mittwoch, Freitag und Sonntag: Von der Zug spige zum Wahmann.( Anjang 8 Uhr.) Sternwarte, Invalidenstr. 57-62. genommen. Briefkaften der Redaktion. -Die juristische Sprechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, zweiter Sof, dritter Eingang, vier Treppen, Fahrstuhl wochentäglich abends von 7 bis 9½ Uhr statt. Geöffnet? Uhr Sonnabende beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe nud eine Zahl als Werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Briefkasten können 14 Tage Gergehen. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. W. G. Bis zum 21. Lebensjahre. 2. J. 16a. Bei der evan an, bei der fatholischen Kirche bei einem Einkommen von 1500 M. an. gelischen Kirche werden Steuern erhoben bei einem Einkommen von 1200 M. Losch, Pankstraße. Verhältniswahlen, das heißt, daß auch die Minder heit in ihrem Verhältnis Bertretung findet. SW. 55. Wollen Sie sich an einen Arzt wenden. 2. H. 30. Der angegebene Grund rechts fertigt ein vorzeitiges Räumen der Wohnung nicht. Sprechen Sie doch einmal in unserer Sprechstunde vor. R. K. 22. Wenn Sie gegen Rohn im Gewerbebetriebe beschäftigt waren, sind Sie auch zur Stranten bersicherung anzumelden. Unfall 08. Wenden Sie sich mit Ihrem An.§. 25. Waisenhaus Berlin, Alte Jakobstr. 33/35. liegen an das Gewerkschaftssekretariat, Engelufer 15. M. Sch. Ja. F. K. 32. Eine Veröffentlichung darüber ist uns nicht bekannt. A. L. 67. Wenn er die Vorsicht außer acht gelassen hat, zu der er seinem Auftraggeber gegenüber verpflichtet ist, gewiß.- K.. 2. 13. Wenden Sie sich zuNeues Theater. Sonntag und Montag: Baccarat. Dienstag bis nächst an den Kultusbeamten derjenigen jüdischen Gemeinde, mit der Sie in Verbindung treten wollen. O. Grunow, Gastwirt. Die betreffende Montag: Außerhalb der Gesellschaft. Dienstag und Mittwoch: Die Kinder der Exzellenz. Donnerstag: Judith. Neues Schauspielhaus. Sonntag und Montag: Die Dollarprinzessin. Bersammlung hat den Antrag auf Einleitung des Ausschlußverfahrens anOhm 2. 1. Offenbacher Frauentasse, Brinzenstr. 66, Hinz. Freitag: Die Kinder der Exzellenz. Sonnabend: Faust. I. Teil.( Anfang 2. Handels- und Transportarbeiterverband, Engelufer 15. 3. Angaben hier7 Uhr.) Sonntag: Die Kinder der Erzellenz. Montag: Unbestimmt. über sind nicht veröffentlicht. P. W. 19. 1. Uns unbekannt. Kleines Theater. Täglich: 2X2= 5. Sonntag, 6. September, 2. Donnerstag 2, bis 3, Uhr. J. J. Sprechen Sie mit den einnachmittags 3 Uhr: Mandrogola. schlägigen Papieren in unserer juristischen Sprechstunde vor. 3. 1. Ja. Romische Oper. Sonntag: Der Zerrissene. Montag: Ge : Geschlossen. A. D. 108. Die Aufwärterin ist invalidenversicherungspflichtig. Es A. 1. Ja. Dienstag und Mittwoch: Tiefland. Donnerstag: Hoffmanns Erzählungen. müssen vom Beginn der Beschäftigung Marken geklebt werden. mittags 3 Uhr: Die Fledermaus. Abends und Montag: Tiefland. Dumm. Offenbacher Frauentasse, Hinz, Brinzenstr. 66. Freitag: Tosca. Sonnabend: Hoffmanns Erzählungen. Sonntag, nachO. P. 45. 1. 8,90 M. Hamburger Gewerkschaftshaus, Besenbinderhof. M. 50. Residenz- Theater. Täglich: Der Floh im Dhr. Unseres Wissens wird eine solche Mitteilung nicht gemacht. N. K. 1001. Wenden Sie sich persönlich an das Regimentsbureau des von Ihnen gewünschten Truppenteils oder an das Bezirkskommando GeneralPapestraße. 100. B. 5. Klagen Sie und legen Sie Ihr Beweismaterial bor. Breslau 45. 1. Jm Oftober. 2. Das kann Ihnen Ihre Drganisation sagen. 3. Lindenstr. 69, II. Hof IV. S. M. 50. Beide Fragen kann Ihnen nur ein Arzt beantworten. C. K. Sie können den Wirt auf Erfüllung der übernommenen Verpflichtung verklagen. J. W. 10. Bureau der Stiftungsdeputation, Poststraße 16. R. N. Ein schlägige Literatur finden Sie in der Buchhandlung Vorwärts: Auch dürfte Ihnen jedes Baubureau Auskunft erteilen. Ignoranz. Frauenarzt. Mg. A. 1. Auch wir halten die Kasse für verpflichtet, und empfehlen Beschwerde über die Stasse beim Landratsamt des Kreises Niederbarnim, Bahlung, mündlich oder schriftlich anzubringen. Friedrich Karlufer, mit dem Antrage, der Verurteilung der Kasse zur O. W. 1. Der Richter wird sich auch damit begnügen. A. S. 103. Machen Sie Ihre Ansprüche bei der Berufsgenossenschaft geltend. N. H., Birkenstraße. 1. Ja. 2. Dazu besteht eine Verpflichtung nicht. 3. So lange die Kinder 2. B. 100. Jawohl, und wenn nicht eine nicht Erwerb haben, nein. Kündigung ausgesprochen wird, bis zur Beendigung der vorgesehenen Sündigungsfrist.- J. G. 1. Der unterliegende Teil. 2. Ja. 3. Amtss gericht Tempelhof. Außerdem: der Meister ist Mitglied einer Innung, dann prinzessin. Neues Operetten Theater. Von Dienstag ab: Täglich: Die DollarHebbel Theater. Sonntag: Frau Barrens Gewerbe. Montag; Cyprienne. Dienstag: Frau Warrens Gewerbe. Mittwoch: Borm Tode. Die Stärkere. Mit Feuerspielen. Donnerstag: Frau Barrens Gewerbe. Freitag bis Sonntag: Der Liebhaber. Montag: Unbestimmt. Lustspielhaus. Täglich: Die blaue Maus. Trianon Theater. Täglich: Frl. Josette- meine Frau. Theater des Westens. Täglich: Ein Walzertraum. Schiller- Theater O. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Undine. Abends 8 Uhr: Die Jüdin. Montag: Fidelio. Dienstag: Der. Richter von Balamea. Mittwoch: Der Herr Ministerialdirektor. Donnerstag: Der Richter von Balamea. Sonntag: Der Herr Ministerialdirektor. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Stein Freitag: Stein unter Steinen. Sonnabend und unter Steinen. Montag: Der Herr Ministerialdirektor. Schiller Theater Charlottenburg. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Maria Stuart. Abends 8 Uhr: Hans Hudebein. Montag: Ein Fallissement. Dienstag bis Donnerstag: Das Stiftungsfest. Freitag: Der Herr Ministerial direktor. Sonnabend: Hans Hudebein. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Göz bon Berlichingen. Abends 8 Uhr: Die Macht der Finsternis. Montag: Das Stiftungsfest. --W Witterungsübersicht vom 29. August 1908, morgens 8 Uhr. Stationen Barometerstand mm richtung Wind Windstärke Wetter Friedrich Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Sonntag: Die beim Innungsschiedsgericht. Diebin. Montag: Geschlossen. ( Anfang 7, Uhr.) Dienstag bis Donnerstag: Egmont. Freitag: Als ich wiederfam. Sonnabend: Egmont. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der gehörnte Siegfried. Siegfried Tod. Abends 8 Uhr: Jm weißen Rößl. Montag: Als ich wiederkam. Thalia Theater. Allabendlich: Das Mitternachtsmädchen. Sonntag, 6. September, nachmittags 3 Uhr: Der Hochtourist. Luisen Theater. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Sufe. Abends 8 Uhr und Montag: Staatsanwalt Alexander. Erzieher. Mittwoch: Staatsanwalt Alexander. Donnerstag: Flachsmann Dienstag: Flachsmann als als Erzieher. Freitag: Helga. Sonnabend: Flachsmann als Erzieher. Swinembe. 752 25 Sonntag nachmitag 3 11hr: Suse. Abends 8 Uhr: Helga. Montag: Hamburg 753 SW Flachsmann als Erzieher. Berlin 756 WSW Bernhard Rose Theater. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Alt- Heidel berg, du Feine. Sonntag und Montag: Das Geheimnis von New Yort. Franti.a. M. 759 SW München 762 NW Bom Dienstag allabendlich 8 Uhr: Das bemooste Haupt. Wien Folies Cagrice. Täglich: Die lustige Witwe. Parodie- Theater. Täglich: Cavalleria rusticana und Berlin steht Gebr. Herrnfeld Theater. Täglich: Das kommt davon! Es lebe das Nachtleben.( Anfang 8 Uhr.) Stopp". Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und für die zahlreichen Stranzspenden bei dem Begräbnis meines inniggeliebten Mannes, unseres guten Baters, dem Gastwirt August Gnädig sprechen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere allen Bereinen für den letzten Geng zum Grabe unseren herzlichen Dank aus. 41152 Staaten, den 30. August 1908. Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, sagen wir hierdurch allen Kollegen und Kolleginnen, dem Verein„ Antons Ruh" sowie allen Freunden und Befannten unseren herzlichsten Dank. 1265b Bertha Jaerte und Kinder. Danksagung. Drehbare GUMMIRBSATZE Temp. n. T. 5° C. 4° R. Il Stationen Barometerstand mm Windrichtung Windstärke Wetter Temp. n. T. 15° C. 4° R. 15 Haparanda 742 N 11 4 bedeckt 11 1 Nebel 5 wolkig 13 7 wollig 7 halb bd. 14 Petersburg 749 S 5 heiter 16 Scilly 755 WS 741 SW 12 759 SS 4 bedeckt 15 2 wolfig 4 bedeckt 15 berbeen 6 bedeckt 16 Baris 762 Still bedeckt 18 Wetterprognose für Sonntag, den 30. August 1908. Beitweise aufflarend, dazwischen einzelne Regenschauer bei frischen westlichen Winden und wenig veränderter Temperatur. Berliner Betterburea ut. Verbind. d. Erschütterung d. Körpers, machen den Tritt geräuschlos schützen gegen Ausgleiten. Keine schiefen Absätze mehr. Von Jedermann leicht anzubringen. Bei Bestellungen genügt Umriss d. Absatzes Für Herren das Paar 1.00 Mk Für Damen das Paar 0.75 Mk. SALAMANDER SCHUH- GES. m. b. H. BERLIN W. Friedrichstr. 182, C. Königstr. 47, SW.Friedrichstr. 221 Quartett- Gesang zu Beerdigungen empfiehlt zu jeder Zeit Gustav Voigt, Chordirig, SO.33, Görlitzer Str. 56, part. Für die herzliche Teilnahme bei der 29 Beerdigung meines lieben, unvergeß lichen, guten Mannes, Baters, Bruders, Schwagers und Onfels sagen wir hierdurch allen Freunden und Bekannten sowie den Kollegen der Firma Dittmann unseren herzlichen Dant. 41182 Bitwe Gries nebst Kindern. 29 Danksagung. Sagen allen Berwandten, Freunden und Bekannten, dem Gesangberein und für die reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau und Mutter unseren besten Dant. H. Kirschke nebst Tochter. Gardinenhaus Bernhard Schwarz. Ballstr. 29 ( Flur Eing.) Gros& Detail. Fordern Sie Musterbuch V Vorortparzelle 290 M an. Brunnhofer, Berlin, Nollendorfstr. 3. Empfehle Freunden Restaurant. und Genossen mein * 2 Vereinszimmer, 30-50 Personen. Karl Roß, Kopernitusstraße 23. Zahn- Klinik. Preise Von der Reise zurüc Dr. Emil Hirsch Schulstr. 2. Von der Reise zurüd 151/18 13536 Swinemünder Dr. Levy, Straße 126. Bon der Reise zurüc Dr. Sußmann Augenarzt Charlottenburg, Berliner Straße 119. 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Diese in Aussicht stehende Beitragserhöhung hat Herrn Rahardt zu einem Wutanfall veranlaßt, indem er folgenden Aufruf veröffentlicht. An den Vorstand der Innungskrankenkasse der Tischlerinnung zu Berlin. Aus der Tagesordnung zu der zu Montag, den 31. d. M., angefekten außerordentlichen Generalversammlung der Innungstrantentasse ersehen wir zu unserem größten Erstaunen, daß sich trotz der vor zwei Monaten erneuten Erhöhung der Kassenbeiträge um 9 Pf. schon wieder eine Beitragserhöhung als notwendig herausstellt. Der Jnnungsvorstand vermag diesen beklagenswerten Zustand der Kasse in der Hauptsache nur darauf zurückzuführen, daß eine große Anzahl der Kassenmitglieder die Kasse als Faulkranke und Arbeitslose ausbeuten und die Aerzte mitleidsvoll jeden einzelnen als arbeitsunfähig schreiben. Sonntag, 30. Auguft 1908. befinden, bei welcher es sowohl Arbeitgeber wie Arbeitnehmer ist, Herrn Nahardt morgen abend die Antwort zu geben, die er doppelt schwer empfinden, wenn ihnen immer neue Opfer auf-| verdient. erlegt werden. Der ganze Brief des Herrn Rahardt ist nicht von sachlichen Der Innungsvorstand hält es deswegen als absolut er- Motiven diftiert, wie aus dem ganzen Inhalt seiner Epistel hervors forderlich, daß der Ausgleich der Einnahmen und Ausgaben der Kasse nicht nur durch fortgesetzte Erhöhung der Beiträge, sondern geht, sondern von dem Bestreben, in seiner Wut über ein paar vielmehr durch eine vernunftgemäße Herabsetzung der Leistung Pfennige Beitragserhöhung der Kassenleitung eins auszuwischen und herbeigeführt wird, zumal lettere in einer Zeit festgelegt wurden, die Stassenkranken erheblich zu schädigen. in welcher eine Zerrüttung der Kasse, wie wir sie leider gegen wäriig zu verzeichnen haben, nicht vorausgesehen werden konnte. Die Arbeitgebervertreter werden deshalb in der außerordentlichen Generalversammlung namens und im Auftrage jämtlicher Arbeitgeber unseres Gewerbes den folgenden Antrag stellen: 1. Eine dritte Erhöhung der Beiträge findet nur dann statt, wenn sich der Vorstand der Kasse bereit erklärt, eine durchgreifende scharfe Kontrolle der Kranken durch Austellung von zwei Arbeitgebern als Krankenkontrolleure vorzunehmen. 2. Wenn mit der Beitragserhöhung eine gleichzeitige Herabsetzung der Leistung stattfindet. 3. Wenn den Aerzten nachdrücklich zu Gemüte geführt wird, daß sie nur wirklich Kranken die Arbeitsunfähigkeit bescheinigen. Nur in der Annahme dieser unserer Anträge können wir eine allmälige Konsolidierung unserer Stasse erblicken. Zudem wir den verehrlichen Vorstand höflichst ersuchen, diese Anträge in der außerordentlichen Generalversammlung mit auf die Tagesordnung zu setzen, zeichnet Hochachtungsvoll Der Vorstand der Tischler- Innung zu Berlin. J. A.: C. Rahardt, Obermeister. Der Aufruf des Herrn Rahardt erhält außerordentlich schwere Auch die beharrliche Weigerung des Kassenvorstandes, eine durchgreifende Kontrolle der großen Anzahl Faulkranker einzu- Vorwürfe gegen Kassenleitung sowie gegen die Aerzteschaft. Der führen, trägt nicht zum wenigsten dazu bei, daß sich unsere bis letzteren wird nachgesagt, daß sie Leute frank schrieben, die in Wirkvor kurzem so blühende Krankenkasse in einem so verwahrloften lichkeit nicht krank find, faulkrant" wären. Gegen diese erdie Aerzte Aerzte sich hobenen Pflichtverletzungen werden die Zustande befindet. sich selber Was aber die Kassenleitung betrifft, Die wiederholte Erhöhung der Beiträge ist um so beklagens- 1 zu wehren wissen. werter, als wir uns gegenwärtig in einer geschäftlichen Misere so sind wir nicht im Zweifel, daß auch diese in der Lage Galdiaren Jadratris Barostas C Königstrasse 46. Bitte genau auf Hausnummer 46 zu achten, da höufig Verwechslungen vorgekommen. 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Wasserstand cm cm ¹) 168 +6 Saale, Grochliz -13 +1 150 -16 28 129 -9 Spree, Spremberg²) 66 Krossen Frankfurt Landsberg 103-7 115+2 Beeskow 82 -56 50+2 14-2 -11+4 -27 4-14 24+6 193 Köln 220-12 -155+4 71-1 Nedar, Heilbronn Main, Wertheim 48 88+4 Mosel, Trier 172+3 41 - Fall, *) Unterpegel. Warthe, Schrimm Neze, Bordamm Elbe, Leitmeriz . Dresden Barby Magdeburg 1)+ bedeutet Buchs, Einsegnungs- Geschenke in grösster Auswahl. Ecke Belmonte& Co., Berlin, Leipziger Strasse 35, Charlottstraße, Kelliers mit modernen Anhängern, mit Edelsteinen gefasst YOD 20 M. an. In Gold plattiert YOD 7-15 Mark. Kettenarmbänder in echt Silber von M. 1,50-8.-, auch mit reiz. Anhängern in Gold plattiert, von M. 3-15. Gold, Glieder- u. Ketten- Armbändor, mit Edelsteinen verziert, in allen Preislagen. Gold. Krawatten-Nadeln in verschied. Mustern M. an Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort( fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort ( fettgedruckt) 10 Pig. 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