BSeniKOffltS'Bf dlngungen: SBsnnnnent?• 9tei} pränumerando, vierleljährl. SLl> Md. monatl. l.lv Mk, wöchenllich 28 Pfg> frei WS Hau-. Einzelne Nummer 6 Plg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Weif lv Big. Post» Abonnement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen w die Post. ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband ffit Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 8 Marl pro Monat. PostabonnemenlS nehmen an: Belgien. Dünemarü Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, vumiwien. Schweden und die Schwei» «au« sa»««u!» aioitut. SS. Jahrg. Verlinev VolKsblakk. ZcntraXovqm der fozialdemokrati fchen partei Deutfchlands. Die InfertlonS'GebQlir tetrügl für die scchZgespaltene ßolonel« ictlc oder deren Raum M Pfg., für polittsche und gewerlschastliche Vereins« und BersamniIungS-Anzeigen SO Psg. „Kleine Htircigen", da- erste(fett« gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weiicre Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaj- pcllcn.Anzcigen da? erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort S Pfg. Worte über IL Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist biS 7 Uhr abends geöffnet. Delegramm- Adresse: »5»gsl»iliws>liül Rems". Unter dem elendesten aller Nahl- Werne. Ueber die Urwähler zur LaudtagSwahl In den Berliner Wahlbezirke« ist jetzt eine vorläufige amtliche Zu- sammenstellung erfolgt. Auszugsweise sei folgendes daraus mitgeteilt: In den 12 Wahlbezirken wurden insgesamt 415 922 Stimmen abgegeben, davon waren 2179 ungültig. Die größte Zahl der ungültigen Stimmen, nämlich 764, entfiel auf den 12. Bezirk (Moabit). Erstaunlich groß ist die Zahl der Wähler, deren Partei- stellung amtlich nicht ermittelt werden konnte.— Im 12. Wahlbezirk(Moabit) haben von 85 088 eingeschriebenen Wählern der dritten Abteilung nur 17 240 trotz intensiver Agitation ihr Wahlrecht ausgeübt. Die Freisinnigen erhielten 2777 Stimmen, die Konservativen 2831 und die Sozialdemokraten 23 84? Stimmen, 477 entfielen auf nationalliberale Wahlmänner und 3065 auf Wahlmänner unbekannter Parteistellung, wobei zu berücksichtigen ist, daß die meisten Urwähler zwei Wahl- männer wählen konnten, das heißt zwei Stimmen hatten. In der zweiten Abteilung dieses Bezirks stimmten von 7843 eingeschriebenen Urwählern 4310, davon 1257 liberal, 3561 sozial- demokratisch. 1443 konservativ, 422 nationalliberal und 961 fiir Wahlmänner unbekannter Parteirichtung. In der ersten Abteilung wurden dann von 1451 eingetragenen Wählern 867 gezählt, die 888 stei sinnige. 414 sozialdemokratische, 423 konservative und 187 nationalliberale Stinimen abgaben, während 138 Stimmen auf Personen entfielen, deren Parteirichtung nicht bekannt gewesen ist. Insgesamt wurden in dem Moabiter Wahlbezirk 43 172 Stimmen abgegeben, darunter rund 4160 Stimmen für Wahl- männer uktbekannter Parteirichtung und 764 ungültige Stimmen. Im 7. Wahlbezirk sind folgende Ergebnisse ermittelt: Ins- gesamt wurden 46 292 Stimmen abgegeben, darunter 223 ungültige. Es stimmten in der dritten Abteilung von 37 199 eingetragenen Wählern 20 149. Diese gaben 27Z4 freisinnige. Zl S0Z sozial- demokratische, 28 konservative und 2132 unbekannte Stimmen ab. In der zweiten Abteilung erschienen von 8900 eingetragenen Wählern 4681 und stimmten für 2457 freisinnige, 4323 sozial- demokratische, 1 konservativen und 1009 Wahlmänner unbekannter Parteirichtung. In der ersten Abteilung erschienen von 1176 ein- geschriebenen Wählern 679, die 982 freisinnigen, 160 sozial- demokratischen und 63 unbekannten Wahlmännern ihre Stimmen gaben. Auch im 6. Wahlbezirk ist die Zahl der ungültigen Stimmen picht klein. Sie stellt sich auf 146 bei 46 301 abgegebenen Stimmen. Es ist dies aber der einzige Berliner Wahlkreis, in dem die Zahl der für unbekannte Parteileute abgegebenen Stimmen gering ist. Gegenüber rund 4160 im 12. Bezirk, sind es im 6. Bezirk nur 133. Im letzteren(dritte Abteilung) kamen 20 787 Urwähler von 40 663 eingeschriebenen und gaben 3762 liberale, 83 848 sozialdemokratische, 23 konservative und 70 Stimmen für unbekannte Wahlmänner ab. In der zweiten Abteilung stimmten von 8180 eingetragenen Wählern 4176 für 2965 frei- sinnige, 4459 sozialdemokratische, 24 konservative und 51»un- bekannte" Wahlmänner. In der ersten Abteilung übten von 1133 eingeschriebenen Urwählern 657 ihr Wahlrecht aus. Sie stimmten für 963 freisinnige. 159 sozialdemokratische und 12.unbekannte" Wahlmänner. Die Freifinnigen erhielten in sämtlichen 12 Berliner Wahlbezirken 75 350, die Sozialdemokraten 339 873, die Konservativen 9247. die Nationalliberalen 1036 Stimmen der Nest von 29 018 entfiel auf Wahlmänner nicht zu ermittelnder Parteirichtung. In der dritten Abteilung wurden insgesamt 41 910 freisinnige. 238 415 sozialdemokratische, 6961 konservative, 477 nationalliberale und 22 654.unbekannte" Stimmen von 195 490 Urwählern abgegeben. Eingeschrieben waren: 395 557. In der zweiten Abteilung stimmten von den 75 043 ein- tragenen Urwählern 41 129 und zwar 24 397 freisinnig. 39 831 sozialdemokratisch. 2167 konservativ. 422 nationalliberal 6529 für.unbekannte" Wahlmänner. In allen 12 Bezirken der erstenAbteilung erschienen 7434 von 12119 eingetragenen Wählern, die 9133 freisinnige, 2627 sozialdemokratische. 619 konservative. 137 nationalliberale und 832 Stimmen für"unbekannte" Wahlmänner abgaben. B e m e r k e n S w e r t ist, daß nur im 12. Wahlbezirk(Moabit) die nationalliberalen Stimmen(1036) gezählt worden sind und sowohl im S., als auch im 11. Wahlkreis nicht eine konservative Stimme abgegeben worden ist. Im 5. waren es 13(konservative), im 7. noch 29 und im 4. 39 Stimmen, die auf konservative Wahlmänner fielen. Von den insgesamt abgegebenen 445922 Stimmen entfielen 50 403 auf den 10. Wahlbezirk, 47 644 auf den 9., 46 301 auf den 6., 46 292 auf den 7., 43 306 auf den 8., 43 172 auf den 12.. 39 656 auf den 11.. 37 296 auf den 5., 26 934 auf den 4., 26 094 auf den 3., 20 179 auf den 2. und 18 595 auf den 1. Bezirk. Wenn wir diese vorläufigen amtlichen Zahlen etwas übersichtlicher gruppieren und mit dem Ergebnis der Landtags- wähl von 1903 vergleichen, ergibt sich das folgende. An der Landtagswahl beteiligten sich in Berlin: Urwähler 1904 1908 178 SS0 244 0öS Es wurden gültige Urwähler-Stimmen abgegeben: 1903 1903 326 780 443 743 Diese Urwählerstimmen verteilten sich folgendermaßen: 1903 1903 sozialdem. sozialdem. tnsge?ami �4; W« Insgesamt f;— ooß von vs>ttmmcn aiq q© 1 1 tn m c n a-öiöU 218 238=66,8% WM 330873=74,5% Unterscheidet man zwischen bürgerlichen und sozial- demokratischen Urwählerstimmen, so bietet sich folgendes Bild: 1903 bürgerl. soziald. Stimmen Stimmen 103 542 218 233 1903 bürgerl. soziald. Stimmen Stimmen 112 870 330 870 + 4328+ 112 635 Also: Von den rund 117000 Stimmen, die 1908 mehr abgegeben wurden als 1903, entfielen mehr als 96 Prozent auf die Sozialdemokratie und noch nicht ganz 4 Prozent auf die bürgerlichen Parteien! Die Sozialdemokratie kann also mit ihren Fortschritten in Berlin zufrieden sein I Ueber die Verschicbungen der Stimmen der bürgerliche» Parteien geben folgende Zahlen Auskunft. Es erhielten Urwählerstimmen: 1903 1908 Freisinn... 55782 75350 Konservative. 40 663 9 747 Sonstige..... 12 097 27 773 Man sieht, daß der S t i m m e n z u w a ch s des F r e i- s i n n S sich lediglich aus dem Verschwinden der Konservativen erklärt, die diesmal zum großen Teil für die freisinnigen Blockbrüder eintraten! Das elendeste aller Wahlsysteme wird nun dadurch ins hellste Licht gerückt, daß der Freisinn mit seinen 75 000 Urwahlstimmen sechs Mandate in Berlin eroberte, während sich die Sozialdemokratie mit ihren 330 000 Stinimen ebenfalls mit sechs Mandaten begnügen mußte! Eine jede freisinnig-konservative Stimme wog also 4% mal so schwer wie eine sozialdemokratische Stimme! Dabei ist das Berliner Wahlresultat für die nichtbesitzende Klasse im Verhältnis noch ein ganz ausnahmsweise günstiges! Und was wird der regierungsfähig und damit für die Regierungspolitik verantwortlich ge- wordene Freisinn tun, um dies elendeste aller Wahlsysteme hinwegzufegen?!_ „Deutsche fntereffen" in der türhel. Ii. „Deutschlands Levanthehandel ist rasch gewachsen", lesen wir in der letzten Nummer der„Zukunft".„Im Jahre 1900 hat es für vierunddreißig, im Jahre 1904 für fünfundsiebzig Millionen Mark Waren in die Türkei eingeführt. Im Tonnen Verkehr stand es 1906 noch an der achten Stelle; aber auch hier war die Zunahme über alles Erwarten schnell gekommen. Eisenbahnkonzessionen, Dampferlinicn, Bankfilialen, Geschütz lieferungsmonopol, Aufträge aller Art."(„Die Zukunft" XVI. Jahrgang, Nr. 47, S. 281.) Wenn wir hinzufügen, daß die Konzessionen und Aufträge ungeheuere Bor teile für die deutschen Kapitalisten bringen, wie wir im vorigen Artikel gezeigt haben. so könnte man doch mit den Erfolgen der deutschen Politik in der Türkei zufrieden sein. Trotz aller Erfolge konstatiert aber die„Zu- kunft":„... unsere Orientbilanz ist schlecht". Herr Horden ist namentlich mit der internationalen Stellung Deutschlands unzufrieden. Aber auch vom Standpunkte der Interessen der deutschen Kapitalistenklasse kann man die„Orientbilanz" als nicht ganz befriedigend betrachten. Zwar haben die deutschen Kapitalisten in der Türkei vieles erreicht, aber der Boden für weitere wirtschaftliche Eroberungen, für Verwirklichung jener weitgehenden, von denen im vorigen Artikel die Rede war, scheint nicht so gesichert zu sein, wie eS die deutschen Kapitalisten wünschten. Oesterreich-Ungarn, Fran5 reich, England fangen an, den Deutschen in der Türkei den Boden streitig zu machen. Wenn sie sich bisher damit be gnügten, den deutschen Bestrebungen auf diplomatischem Wege Widerstand zu leisten, so scheinen sie jetzt geneigt zu sein, so- zusagen zum Angriff überzugehen. Sie verlangen nämlich für sich dieselben Vorteile wie Deutschland. Zuerst kam Oesterreich mit seinen Balkan-Eisenbahnplänen, dann Eng- land mit den neuen mazedonischen Projekten, die am Ende doch auch rein wirtschaftliche Interessen verfolgen, dann Frankreich. Auch Rußland schloß sich der Bewegung an, obwohl es keine wirtschaftlichen Vorteile dabei zu erwarten hatte. Deutschland blieb isoliert. Zwar standen noch der Sultan persönlich und seine Kamarillaregierung unter Deutsch- lands Einfluß. Aber auch die deutsche Diplomatie wagte es nicht, zu einem Krieg gegen alle Großmächte zu raten. Zweifellos hat diese peinliche Lage der türkischen Regierung nicht unerheblich zu der politischen Umwälzung beigetragen, die Revolution beschleunigt und die Nachgiebigkeit des Sultans mit hervorgerufen. Laut Gerüchten aus russischen diploma- tischen Kreisen soll es sogar die deutsche Diplomatie ewesen sein, die dem Sultan den Rat gab, den �onstitutionalisten e.ntgegenzukommen. Denn auch die deutsche Diplomatie konnte keinen Ausweg für die „innigst geliebte" türkische Kamarillaregierung finden, keine Abwehrmittel gegen den Ansturm der Großmächte empfehlen. Ob die deutsche Diplomatie in der Tat so vernünftig gehandelt habe, wollen wir dahin stellen. Allein die Mög- lichkeit solcher Gerüchte bezeigt, wie unsicher Eroberungen sind, die ausschließlich durch persönliche Einwirkung und„innere Freundschaft" erworben wurden. Daß man auf diesen Wegen zu keinen dauernden Erfolgen käme, war schon vor Jahren auch für manche Anhänger der deutschen Eroberungs- Politik in der Türkei klar. Sie verlangten daher rascheres Vorgehen in der Erlangung von Konzessionen, mehr Energie in der EntWickelung der wirtschaftlichen Tätigkeit im Orient. So lesen wir in einem vor sieden Jahren erschienenen Buche:„Die Steine(in Mesopotamien) schrein, sie rufen uns (Deutschen) zu: Herbei in dies alte Land, herbei, laßt nicht andere, Raschere eher begreifen, worum es sich hier handelt"(Dr. Paul Rohrbach, Im vorderen Asien, Berlin 1901, S. 82). Nunmehr scheinen„andere" bereits begriffen zu haben, „worum es sich handelt". Eigentlich wußten sie auch früher, worum es sich handelt, griffen aber nicht so rasch zu, aus verschiedenen Gründen. England und Frankreich ivaren allzu sehr mit großen Plänen im fernen Osten und in Afrika be- schäftigt, Oesterreich konnte infolge der inneren Wirr- nisse an keine Eroberungspolitik denken. Jetzt sieht alles anders aus. Oesterreich, durch die grund- sätzlichen inneren Reformen gestärkt, ist bereit, dieselben„Welt- politischen" Wege zu gehen, die die anderen Großmächte schon längst gewählt haben. Als erstes Objekt seiner„Welt- politischen" Tätigkeit müssen natürlich die benachbarten Balkan- staaten dienen. England und Frankreich, die den Handel auf den Balkanstaaten eigentlich nie ganz vernachlässigt haben, sind geneigt, ihn in großem Maßstäbe weiter zu führen, wo- zu auch die veränderten Verhältnisse in der Türkei selbst größeren Spielraum darbieten. An flüssigem Gelde fehlte es iveder in England, noch in Frankreich, und um das flüssige Geld vorteilhafter anzrUvenden, werden die Franzosen und Eng- länder jetzt ini„nahen" Osten eine ebenso rege Tätigkeit ent- falten wie bisher im„fernen" Osten und in Afrika. Auf seiner Rückreise von Konstantinopel äußerte sich der französische Finanzminister über die Donau— Adria— Bahn wie folgt: „Frankreich, das für seinen materiellen Ueber- fluß Anlagen suchen muß, wird sich gewiß m i t einer starken Quote an diesem Kulturwerk beteiligen". (Berl. Tagebl. 1908 Nr. 426). Auch England und Oesterreich, wahrscheinlich auch Italien, werden sich an diesem wie an allen anderen„Kulturiverken" zu beteiligen suchen. Und keiner von diesen Staaten wird es natürlich zulassen, daß den deutschen Kapitalisten irgend welche Sondervorteile zugestanden werden. Und Deutschland wird sich diese„Gleichberechtigung" gefallen lassen müssen. Denn den früheren Einfluß in der Türkei besitzt es nicht mehr: der ist mit dem Zusammenbruch des alten türkischen Regimes verschwunden. Es stst klar, daß die großen Hoffnungen und Pläne der deutschen Kapitalisten keine Aussicht mehr auf Erfüllung haben, auf wirtschaftlichem Gebiet sind die„deutschen" Interessen im Orient durch die türkische Revolution zu Schaden gekommen. Aber auch in rein politischer Hinsicht wird die türkische Revolution schwerlich Deutschland zugute kommen. Die konstitutionelle Türkei hat keine Veranlassung, Deutschland politisch näher zu treten, als irgend einer anderen europäi- schen Großmacht. Der deutsche Kapitalismus und der deutsche Militarismus haben volles Recht mit der türkischen Revolution unzufrieden� zu seiu. Aber das deutsche Volk!... Ja, die Interessen� des deutschen Volkes spielten keine Rolle in der Orientpolitik,! die Interessen des deutschen Volkes sind daher auch nicht in; Mitleidenschaft gezogen durch den Bankrott dieser Politik.� Cine deutiche Hhtion für lüulcy Gfcfld. Die.Norddeutsche Allgemeine Zeitung' veröffentlicht an erster Stelle ihrer Nummer folgende Meldung: Wie wir erfahren, hat die kaiserliche Regierung durch ihre Vertreter den Regierungen der Signatarmächte von Algeciras mitteilen lassen, daß die kaiserliche Negierung an» gesichts der neuen Lage in Marokko die Signatarmächte von Algeciras darauf hinlveifen zu sollen glaube, daß cine rasche Anerkennung Muley HafidS im Interesse der endlichen Beruhigung der marokkanischen Bcrhältniffe liege. Dies« Note ist wieder eine jener Plötzlichkeiten, durch die sich Deutschland in der Weltpolitik so manche bedenkliche Blößen gegeben und die ganze Welt argwöhnisch gemacht hat. Aeusierlich ist das Vorgehen korrekt, aber niemand kann darüber im Zweifel fein, daß die Note in der Sache einen Vorstoß gegen das französisch-englische Zusammengehen in Marokko bedeutet und die Stimmen der franzö- fischen und englischen Presse laffen da? auch deutlich genug erkennen. Nachdem eben unsere Offiziösen die Erfolge der Cronberger Zu- fammenkunft gepriesen haben, erfolgt jetzt ein Schritt, der alles, was die Aussprache der beiden Staatsoberhäupter am Verhältnis Deutschlands zu England gebeffert haben soll, wieder in Frage stellen muß. Allerdings sucht die deutsche Negiernng ihr Vorgehen als sehr harmlos hinzustellen. Einem AuSfrager des„Berliner Tage- blattS" ist vom Auswärtigen Amt mitgeteilt worden: Die offiziellen französischen Kreise urteilen richtig, wenn sie die Reise des Konsuls Bassel nach FeS lediglich auf wirtschaftliche Gründe zuriickfuhrcn. Zu einer Erregung ist um so weniger Grund, als der französische Konsularbeamte, ein Algerier, sich seit Wochen bereits zur Wahrnehmung der fron- zösischen Interessen in FeS befindet. Bassel hat keine Mission von Sachen der Anerkennung Mulcy Hafids. Bei dem in Deutschland unternommenen Schritt handelt es sich nur um einen Vorschlag oder um eine Anregung und nicht etwa um die Einleitung einer Sonderaltion Deutschlands. Darüber hat die deutsche Regierung keinen Zweifel gelassen, denn sie hat gleichjeitig mit ihrem Vorschlage den Mächten mitgeteilt, das; sie damit nicht beabsichtige, aus dein Konzert der Mächte nnszuschcidcn, sondern dasi sie vielmehr Gewicht darauf lege, nach wie vor im Nahmen der Akte von Nlgeciras in allen Stücken mit den andern Vertrags- mächten d'nooorck vorzugehen. Der deutschen Regienmg erschien aber der jetzige Augenblick besonders ge- eignet, eine rasche Klärung der Marokko-Frage herbeizuführen, durch die die wirtschaftlichen Interessen aller europäischen Staaten schon io lange und stark beeinträchtigt worden. Sie ist der Ansicht, das; Muley Hafid heute in Marokko der einzige aller Prätendenten ist, der tatsächlich die Macht in Händen hat,'und der imstande ist, eingegangenen Verträgen Achtung und eingegangenen Verbindlichkeiten Erfüllung zu verschaffen. Nicht minder ist die Regierung von der Richtigkeit ihrer Anschauung überzeugt, dag es für die politischen wie Wirtschaft- lichen Interessen der Mächte besser ist, daß es in einein Lande wie Marokko einen von den Mächten anerkannten Sultan gibt, als eine Anzahl nicht anerkannter Kronprätendenten, die sich sortgesetzt gegenseitig bekämpfen. Aus denselben Gründen glaubt die Regierung endlich, dast man— immer im Gesamtinteresse der Mächte— drn als Sultan anerkennen soll, der tatsächlich Macht und Einflutz genug hat, sich ans eigener Kraft in dieser Stellung zu halten. Aus diesen Erwägungen heraus glaubte die Regierung die Initiative ergreifen zu sollen, um die Anerkennung Muley Hafids bei den Mächte» anzuregen. Sie steht nicht auf dem Standpuiilt, dag die Anerkennung Hasids erst erfolgen dürfe und könne, nachdem Muley Hafid feierlich die Bestimmungen derAlgeciras-Akte fürsich als bindend anerkannt habe. Vielmehr erblickt sie in der AlgeciraS-Akte für Marokko ein onus, das wie eine Hypothek auf dem Lande liegt, und gegen die zu regieren überhaupt unmöglich fei. Und deshalb erscheint es ihr unwesentlich, ob Muley Hafid die A l g e c i r a s- Akte vor seiner Anerkennung als Sultan feierlich anerkennt. Man zweifelt nicht daran, dag er gar nicht anders kann, als sich streng auf den Voden der Akte zu stellen und glaubt, daß man nach seiner Anerkennung sehr rasch durch diplomatische Verhandlungen dahin gelangen wird, dast Muley Hafid ebenso die AlgeciraS- Alte wie andere Verpflichtungen seines Vorgängers anerkennen werde. Alle diese schönen Worte ändern nichts daran, daß Frankreich und England das Vorgehen der deutschen Regierung peinlich empfinden werde». Und da? ist in einer Situation, die nicht be- sonders beruhigend ist, auf alle Fälle bedenklich. Das deutsche Volk muß gegen solche auswärtige Politik um so lebhafter protestieren, als ein dringliches Interesse des deutschen Volkes an den Dingen in Marokko gar nicht vorhanden ist. Es handelt sich dort lediglich um die Interessen einiger deutscher Kapitalisten. Weil einige Kaufleute und Finanzkreise infolge der marokkanischen Wirren etwas geringere Profite haben, deswegen werden die ohnehin nicht recht befriedigenden Beziehungen Deutschlands zu den Westmächten auf eine nicht un- bedenkliche Probe gestellt I Das ist eine Politik, gegen die sich das deutsche Proletariat energisch wird wehren müssen. Ob übrigens dem Sultan Muley Hafid die plötzliche deutsche Protektion sehr angenehm sein wird? Vielleicht erinnert er sich daran, daß sein Bruder Abdul AstS einst der Schützling der deutschen Politik vor, daß Wilhelm II. in Tanger landete und die Souveränität des Sultans zu schützen versprach. Und hernach blieb Abdul Asts doch nichts weiter übrig, als sich den Franzosen in die Ärme zu werfen. Die Spuren sollten schrecken... » London, 2. September.(Privatdepesche des„Vorwärts'.) Der Antrag der deutschen Regierung an die Signatarmächte der Algeciras- akte, Mnlay Hafid anzuerkennen, sowie die plötzliche Abreise des deutschen Vertreters von Tanger nach FeS, haben hier Miß- fallen hervorgerufen. Man sieht darin den Versuch Deutschlands, sich eine bevorzugte Stellung in FeS zu schaffen. Diese Handlungen der deutschen Regierung, sagen die„TimeS", stehen im Widerspruch zu den Friedensworten des Kaisers. DaS Recht auf Initiative komme Frankreich und Spanien zu, denen Zeit gelassen werden müsse, sich über die neue Lage zu verständigen. Die OMtruMion der„Wncheim Polt" im Spiegel der Parteipreiie. II. Dresdener„Volkszcitung": . Wenn in einigen Wahlkreisen dazu geschritten wird, die schon erfolgte Delegation unter ausdrücklicher Berufung darauf zu verstärken, daß eine möglichst große Mehrheit gegen die Süddeutschen geschaffen werden soll, so ist dies unseres Wisiens ein bisher in der Partei noch nicht geübtes Verfahren, wenn es auch formell einwand- frei ist. Unstatlhaft aber wäre es ganz und gar. wenn es wahr wäre, daß Kreise mit ganz geringen Organisationen Delegierte zum Parteitag senden, für deren Delegationskosten andere Kreise ans« kommen. Daß der Parteivorstand irgendwie beteiligt sein könnte, wie die„Münchener Post' fragt, das halten wir für völlig aus- geschlossen. Und ein noch schlimmeres Zeichen des gegenwärtigen erregten Parteizustandes«st es, wenn nun in München gedroht wird, daß man sich überhaupt nicht am Parteitage beteiligen wolle. Die Prüfung der Mandate unterliegt dem Parteitage und wir ver- trauen, daß der Parteitag einschreiten wird, falls unstatthafte Methoden bei der Delegierung vorgekommen sein sollten. Andrerseits erwarten wir auf das dringendste, daß die Münchener und süddeutschen Ge- nossen sich zu voreiligen und überaus parteigefährlichen Schritten. wie sie die„Münchener Post' andeutet, nicht werden hinreißen lassen. Wir halten eS für falsch und höchst bedauerlich, daß die„Münchener Post' Gedanken ausspricht, die zur Spaltung der Partei und zu un- absehbaren Zwistigkeiten führen müßten. Sollten nun etwa die norddeutschen Parteigenoffen erwidern: Macht ihr Süddeutschen, was ihr wollt, wir gehen unfern Weg! Das würde den Zustand weiter verschlimmern. Es gilt vielmehr, daß alle Parteigenoffen, denen das Wohl der Partei daS höchste Gesetz ist, daran arbeiten, daß der Konflikt nicht»och immer mehr zugespitzt wird. Von allem anderen abgesehen, sollten doch jedenfalls die Er- fahrungen des letzten Jahrfünfts warnen, sich plötzlichen Leidenschaftlichkeiten zu überlassen und den Streit zum äußersten zu treiben. Wir möchten doch in dieser Stunde erinnern, daß wir z. B. im Jahre 1903 uns nicht weniger hitzig über die Frage gestritten haben, ob wir einen Vizepräsidentensitz im Reichstage besetzen dürfen oder nicht. Aus dieser Streitfrage erwuchsen schließlich die schweren Debatten auf dem Dresdener Parteitag. Ein halbes Jahr später gewann in weitesten Kreisen der Partei die Ueberzeugung die Oberhand, daß wir uns wegen jener Frage nicht so sehr hätten befehden sollen, und heute ist die ganze Frage völlig veraltet und hinfällig geworden. Nicht viel anders war es im Jahre 1905, als die Generalsireilfrage die Ge- müter erregte und der heftigste Konflikt zwischen Partei und GeWerk- schaften ausbrach. Es bedurfte dann erst vieler Mühe, um diesen Konflikt auszugleichen, und gegenlvärtig ist auch die Diskusston des Generalstreiks ganz und gar in den Hintergrund getreten. Nicht anders wird es sicherlich mit der süddeutschen Budgetabstimmung sein. Wollen wir den brndermörderischen Zwiespalt zwischen nord- deutschen und süddeutschen Parteigenossen fortführen und aufs äußerste treiben, um bald darauf zu der nüchternen Erkenntnis zu kommen, daß damit der Partei keinerlei Nutzen und der Arbeiter- schaft keinerlei Segen bereitet worden ist?I Es ist hohe Zeit, daß die Diskussion über die Budgetabstimmung wieder in ruhige Bahn gelenkt wird. In solchen Auseinander- setzungen ist die Leidenschaftlichkeit nicht der rechte Berater. Da gilt es Vielmehr: Mehr Toleranz und ruhig Blut! „Volksbote", Stettin: Wir wissen nichts davon, daß„eine Reihe mit ganz geringer Organisicrtenzahl' das Beispiel der Hamburger nachgeahmt hätten. Daß aber ein großer Kreis, nachdem er früher von seinem vollen Rechte keinen Gebrauch gemacht, weil er meinte, es läge nichts prinzipiell Wichtiges vor und es könne Geld gespart werden, nun- mehr, nachdem die Situation sich verändert hat, derselben anpaßt, um seinerseits zu verhindern, daß die industriell und geistig fort- geschrittenen Kreise nicht von den rückständigen überstimmt werden, — das könneit wir durchaus verstehen und halten es für recht und billig. Die Süddeutschen können ja in ihrer Sache Urabstimmung beantragen; sie würden dann wohl ihr blaues Wunder erleben. Die Drohung, sich an« Parteitage nicht zu beteiligen, ist aus keinen Fall zulässig. Der Parteitag wird auf diesen politische« Er- pressungSversuch wohl gebührend antworten. „Volksblatt für Bochum': Daß der Parteivorstand als Urheber des gerügten Verfahrens bezeichnet wird, ist unbegründet; jedenfalls liegen keine Anzeichen dafür vor. daß er es veranlaßt hat. Daß er aber stark Partei er- griffen hat in dieser Frage ist allerdings richtig und das erklärt wohl die im Zorn über das ganz ungerechte Verfahren gegen die süddeutschen Genossen gemachte Bemerkung der.Münchener Post' gegen den Parteivorstand. Aber die Schlußbemerkimg der„Münchener Post' zeigt, wohin die unwürdige Hetze gegen die Süddeutschen schon geführt hat. Es wird kluger, politisch einsichtiger und gerecht urteilender Männer auf dem Parteitage bedürfen, um die Partei vor einem Schaden zu be« wahren, wie sie ihn noch nicht erlitten hat. „V-lkSblatt", Kassel: DaS ist in der Tat das stärkste, was bisher über den Main zu uns„Preußen' herübergekonunen ist. Wir wollen nicht voreilig urteilen und deshalb annehmen, daß wir eS mit der Entgleisung eines unsagbar verärgerten oder bedenklich nervösen Genossen zu tun haben. Aus den süddeutschen Blättern, die morgen eintreffen müssen, wird zu ersehen sein, ob unsere Vermutung richtig ist, oder aber ob die Dinge viel ernster stehen, als wir seither angenommen haben. „VolkSstimme", Magdeburg: Die Diskussion über die rein sachlichen Differenzen hat in letzter Zeit tatsächlich bereits Formen angenommen, daß es jedem Unbefangenen geboten scheint, im Interesse der Partei dringend vor Ueberspannung deS Bogens zu warnen. Unsere Gegner warten seit langem vergeblich auf eine Spaltung in der Partei. Der Gegenstand, der jetzt mit so großer Erregung in ein- zelnen Parteiorganen behandelt wird, scheint uns wirllich nicht dazu angetan, diese Spaltung herbeizuführen. Aber auf beiden Seite» sollte doch bei solchen taktischen Meinungsverschiedenheiten das Be- streben vorherrschen, gegenseitig sich zu v e r st e h e n und über Fehler aufzuklären, nicht ober durch die Macht der Delegierten- zahl zu„siegen". Ein solcher.Sieg" wäre für beide Teile verhäng- nisvoll. „Reußische Tribüne", Gera: Der Schlußsatz ist... so ungeheuerlich, daß wir kaum glauben können, daß er mit ruhiger Ueberlegung niedergeschrieben sein kann. Er redet einen offenen Bruch mit der Parteigeschichte, der Einheit der Partei das Wort. Die Drohung, dem Parteitage fernzubleiben, ist zu ungeheuerlich, als daß sie die beabsichtigte Wirkung haben könnte, nur die Reichslügenverbändler werden darüber triumphieren. Die Drohung der Münchener Redaktion wird vielmehr auch den gleichgültigsten Parteigenoffen zeigen, wohin das Bestreben einer gewissen Richtung geht: auf eine partikularistische Absplittrrung von oer Gesamtpnrtei, um sich der Kontrolle der Gesamtheit zu entziehen. Dagegen mutz auf das allerschärfste protestiert werden. „Bolksfreund", Braunschweig: So heiß wird die Suppe wohl nicht gegessen werden. Immer- hin ist die Anmerkung der„Münchener Post", die es eine nnwürdige Polizeikomödie nennt, wenn Wahlkreise in einer wichtigen Sache von einem guten Rechte Gebrauch machen, ein starkes Stück. Eilte so hämische Verdächtigung, wie die Frage:„Auf wessen Kosten?', die man nur auf den Parteivorstand beziehen kann, sollte man eigentlich nur in einem Reichsverbandsblatte zu finden erwarten, nicht aber in einer parteigenöffisch sein wollenden Diskussion der Parteipresse. Der Parteivorstand wird der.Münchener Post" wohl die Antwort nicht schuldig bleiben. „Volksblatt für Harburg": Jedenfalls war sich die„Münchener Post' der Bedenstmg ihrer Worte nicht ganz bewußt. Oder weiß man denn in Süddeutschland nicht, daß es laut Organisationsstatut jedem Wahlkreise frei steht. bis zu drei Delegierte zum Parteitag zu entsenden? Angesichts dessen ist es ein starkes Stück von einem Parteiblatte, von.brutaler Gewalt" und„unwürdiger Polizeikomödie' zu sprechen. Uns dünkt, aus der„Münchener Post' spricht das schlechte Ge- wissen. „Arbeiterzeitung", Essen: Da hört denn aber doch bald verschiedenes auf I Man mag über das Vorgehen der Hamburger Genossen denken wie man will, so- lange diese Genossen den dritten Delegierten auf ihre Kosten senden(und daß dies in Hamburg geschieht, ist selbstredend I), weil die Beratungsgegenstände ihnen wichtig genug erscheinen, ist das ihr gutes Recht. Etwas anderes ist eS, wie wir schon einmal schrieben, mit den Kreisen, die nur über eine geringe Zahl von Organisierten verfügen und doch drei(teilweise natürlich wahlkreisfremde) Delegierte senden. DaS sind ungehörige Schiebungen, die unter allen Um- ständen verurteilt werden müssen, die übrigens auch genau das Gegenteil von dem erreichen, was ihre Urheber wollen. Tatsächlich ist von einer Anzahl Kreise in dieser Weise gesündigt worden, und wir wünschten sehr, daß der Parteitag solche Schiebungen derbe ver- urteilte. Wenn aber nun die„Münchener Post' herkommt und schreibt, „damit hat sich der P a r t e i v o r st a n d auf den Standpunkt deS Polizeiaufgebots gestellt', so ist das ein Verfahren, das alles in den letzten Debatten schon hier und da geleistete Unschöne übertrifft. Der P a r t e i v o r st a n d hat doch verdammt die Hamburger nicht ver- anlaßt, den dritten Delegierten nachzuwählen! Daß die Anregung, die Süddeutschen möchten den Parteitag nicht beschicken, ein nennenswertes Echo finden wird, wagen wir einstweilen zur Ehre der süddeutschen Parteigenossen zu bezweifeln. Die„Münchener Post" hat in ihrer Mittwochnummer noch nicht die(vom Pressebureau verbreitete Erklärung des Parteivorstandes abgedruckt. Dagegen druckt sie den Artikel der„Dresdener Volkszeitung' ab und erklärt dazu: «Der Gedanke vom Hinauswerfen, von Spaltung und so weiter ist nicht süddeutschen Ursprungs. In Berliner, in Leipziger und anderen Versammlungen, in einigen norddeutschen Parteiorganen wurde er breit und behaglich erörtert. Das Parteivorstandsmitglied Pfannkuch hat in einer Berliner Versammlung die Bezeichnung„Bertrauensbruch" für das Verhalten der süddeutschen Parteigenoffen zur offiziellen norddeutsch«« Scheidemünze gestempelt» Eine Fluk San Beschimpfungen zum Teil ganz persönlicher Natur ergießt sich aus den Referaten und Organen der Partei in Norddcutschland aus die Süddeutschen. Aber nicht genug damit: die strammen Ankläger, die mit Recht das Prozeßgebaren des Klassenstaates bekämpfen, wenden das System des fertigen Urteils für das Gerichtsverfahren der Partei an. Sie lassen ihre Delegierten schwören, daß sie die Verdächtigen verurteilen iverden, gleichwie auch ihre Verteidigung sein mag. Wenn das die Art ist, nach der die Berliner Parteileitung die Geschlosseheit der Partei herbeizuführen vermeint, so ist sie mit Blindheit geschlagen. Die südbayerische Parteigenossenschaft ist einstimmig der Mei- nung, daß Geduld und Milde gerade zum Ueberdruß von uns geübt worden sind. Und daß wir uns dafür bedanken, als Partei- genossen zweiter Klaffe behandelt zu werden." Die„Fränkische Tagespost" in Nürnberg schreibt in der Dienstagsnummer: Wir haben uns über diesen neuen Zwischenfall bisher nicht geäußert. Wir glauben aber den Sinn der Demonstration der „Münchener Post" richtig zu verstehen, wenn wir ein paar Fragen an die deutsche Gesamtpartei richten, deren kurze Beantwortung über das Recht oder Unrecht unseres Münchener Partciblattes cnt- scheiden dürfte: Welchen Wert kann man den Parteitagen zumessen, wenn im voraus für einen bestimmten Zweck eine Mehrheit mit ge- bundenem Mandat organisiert wird? und welchen Ertrag können dann noch Debatten haben, wenn ihr Ergebnis von Ansang an feststeht? Was soll eine so im voraus zur Minorität verurteilte Gruppe von Delegierten tun, zumal wenn man ihr von Anfang an klar gemacht hat, daß sie eigentlich nicht mehr zur Partei gehört, wenn also das gebundene Mandat— vergleiche©eljet in Leipzig— das Verlangen strikter Unterwerfung oder Ausschluß bedeutet? Trifft den deutschen Parteivorstand eine Mitverantwortung, wenn er es unterläßt(nur so haben wir die, sonst irrtümliche Adressierung der Münchener Erklärung aufgefaßt), seinen mo- ralischen Einfluß dagegen einzusetzen, daß die Reichshauptstadt ihre durch Zusammendrängung großer Arbeitermassen(nicht einmal durch günstige Organisationsvcrhältnisse) herbeigeführten reichlichen Mittel verwendet, um eine vollständige Ausnutzung des formalen Delegationsrechts in Kreisen zu ermöglichen, die parteiorgani- satorisch gar nicht in Betracht kommen? Würde der Parteivor- stand sich verpflichtet fühlen, gegen diese Praxis einzuschreiten, wenn sie ihm zur Kenntnis käme, zumal wenn er etwa unterrichtet sein sollte, daß es nicht zum erstenmal, sondern schon beim Mann- heimer Parteitag geschehen ist? Seit wann endlich hält man das gebundene Mandat für eine demokratische Forderung? Weiß man wirklich nicht, daß das ge- bundene Mandat die„�parlamentarischen' Vertretungen im Zeit- alter des absoluten Königtums entwertete, daß dagegen das freie und allgemeine Mandat eine der bleibenden Errungenschaften der großen französischen Revolution ist? „Pfälzische Post", Ludwigshafen: So begreiflich uns die Erregung der„Münchener Post'«r- scheint, so möchten wir doch dringend davon abraten, ihrem Vor- schlage zu folgen. Es wird sich auf dem Parteitage Gelegenheit bieten, diese Mandatsmacherei gebührend zu kennzeichnen und dabei zu charakterisieren, wie der Streit um die Budgetbewilligung der- art mit„geistigen Waffen" ausgetragen wird. Das genügt einst- weilen. „Offenbacher Abendblatt"; Wir begreifen den Aerger der süddeutschen Genossen über das gekennzeichnete Vorgehen ihrer norddeutschen Gegner in der Bud- getbewilligungsfrage und wir halten es mit ihnen für bedauerlick, daß insbesondere Wahlkreise mit schwachen Organisationen lediglich zu dem Zweck, die Freunde der Budgetbcwilligung in Nürnberg niederzustimmen, sie nicht durch die W u ch t der Argu» m e n t e im Kampf der Geister, sondern durch die Z a h l der Stimmen zu schlagen, zur Absendung möglichst vieler Vertreter geradezu veranlaßt werden. Aber die„M. P." schießt in ihrer Erbitterung nach unserer Ueberzeugung doch erheblich übers Ziel hinaus, wenn sie einmal den P a r t e i v o r st a n d für jenes Vorgehen der Berliner, Hamburger usw. Genoffen verant- wortlich machen will und dann, wenn sie als Antwort darauf einer Nichtbeteiligung der süodeutschen Partei- genossen am Parteitage das Wort redet. Die formelle Berechtigung der betreffenden Wahlkreis«, drei Delegierte zum Par- teitag zu entsenden, kann nicht bestritten werden und auch eine starke Beschickung des Parteitags muß an sich erfreulich erscheinen. Folgen daher die süddeutschen Genossen dem Beispiel der norddeutschen, indem sie auch so viel wie möglich Delc- gierte wählen, auch nachträglich dort noch, wo die Sache schon erledigt war, dann wird man ja sehen, wie das vom Norden gegebene Beispiel wirkt. Eine Nichtbeteiligung-ani Nürnberger Parteitag aber würden wir für einen schwerer. Fehler halten, dessen Folgen für die Gesamtpartei unabsehbar werden könnten. Die„Mainzer BolkSzeHung" druckt die Aeußerung der„M. P." ab und sagt nichts dazu. «Schwäbische Bolkszeitung", Augsburg: Wir nehmen ohne weiteres an, daß der Parteivorstand dem jedenfalls bedenklichen Treiben einzelner„Unentwegter" völlig fern steht. Immerhin sind Dinge, wie sie aus Hamburg geschildert, entschieden verwerflich. Wenn auch jedem einzelnen Wahlkreise das Recht ungeschmälert bleiben soll, so viel Delegierte auf den Parteitag zu entsenden, wie es ihm zweckmäßig erscheint, so muß unter allen Umständen gegen die Art der Begründung der Delc- gation, wie es in Hamburg und in anderen Orten geschehen. Ver- Wahrung eingelegt werden. Die strittige Frage, die unseres Er- achtens die Bedeutung durchaus nicht hat, die ihr von verschiedenen Seiten zugemessen wird, läßt sich jedenfalls am besten und leich- testen dann lösen, wenn auf beiden Seiten ruhig Blut bewahrt wird. Dies ist sicher auch im Interesse der Gcsmntpartei gelegen. „Norddeutsche Bolksstimme", Bremerhaven: Diese Ansicht des Münchener Parteiblaites ist so bezeichnend für die Auffassung der süddeutschen Genossen von der Lage der Sache, daß kein Wort der Kritik scharf genug ist, den Versuch, einen Parteitagsboykott zu inszenieren, zu verurteilen. „Oberfränkische Volkszeitung", Hof i. B.: Wenn nun aber gar versucht wird, den Nürnberger Parteitag zu desavouieren und somit die deutsche Sozialdemokratie in eine norddeutsche und eine süddeutsche Partei zu spalten, so ist das eine Hetze gegen den Parteivorstand und eine r e v i- sionistische Ausnutzung eines taktischen Feh- lers, gegen die wir auf das schärfste Protest erheben müssen. Wenn die Berliner und Hamburger Genossen hinsichtlich der Ent- sendung von Delegierten eine ihrer Zahl entsprechende Vertretung anstreben, so berechtigt das die„Münchener Post' nicht im ge- ringsten, den Parteitag als Polizeikomödie zu bezeichnen und gar dessen völlige Ignorierung zu verlangen. Wenn schon der Revi- sionismus solche Blüten treibt, daß man die Einheit der Partei zerstören möchte, so werden die Parteigenossen überall dagegen Stellung zu nehmen und sich gegen die Berwässerung der Prin- zipien mit aller Energie zu verwahren haben. Freilich versteht man es im revisionistischen Lager vorzüglich, den Spieß umzudrehen und aus einer sachlichen Auseinandersetzung eine persönliche Fehde zu machen. Jetzt aber, wo die Maske gefallen ist und man eher die Eintracht der Partei untergraben als die Verantwortung für eigenes Tun tragen will, jetzt ist es die P f l i ch l aller b a y e- r i s ch e n Parteigenossen, sich um jenes Banner der Prin- zipicntreue zu scharen, das uns seit Jährzehnten von Sieg zu Sieg getragen hat. „Bolksstimme", Mannheim: Wir selbst sind der Meinung, daß die süddeutschen Partei- genossen mit derselben Ruhe, die sie in der Budgetdebatte bisher belviesen �aben, iic Dinge an s i ch herankommen lassen sollten. Sollte sich dann auf dem Parteitag zur Ge- wihheit zeigen, daß der Wille zu ehrlicher Verstfindigung tatsächlich nicht vorhanden ist, dann wäre immer noch Zeit dazu, die Kon- Sequenzen zu ziehen. Vorläufig geben wir, trotz der bcfrcmd- lichen Erscheinungen, die sich auch in der Frage der Beschickung des Parteitags gezeigt haben, die Hoffnung nicht auf, daß eine Ver- ständigung möglich ist. Wir wiederholen unseren auch von einem Teil der norddeutschen Parteiprcsie sympathisch auf- genommenen Vorschlag, die Budgetsrage sofort zu Beginn des Par- teitags einer vom Parteitag selbst zu wählenden Kommission zur Behandlung zu überweisen. Diese Kommission hätte die Auf- gäbe, die Frage, um die es sich handelt, in aller Ruhe und Sach- lichkeit zu erörtern und die Grundlagen einer Verständigung zu schaffen, für die dann wohl auch im Plenum sich eine Mehrheit finden würde. Auch unsere norddeutschen Parteigenossen werden bis zum Parteitag hoffentlich noch zu der Ueberzeugung kommen, daß man den Bogen allzu st raff nicht spannen darf. Sollten sie es dennoch versuchen, so hätten nicht die süddeutschen Parteigenossen, sondern sie selbst die Verantwortung für die Folgen zu tragen. »Sächsisches Bolksblatt". Zwickal. Der Ausdruck„Polizeikomödie" für eine Selbstverständlichkeit, d'e unter Ausnutzung des parteigesetzlichen Rahmens erfolgt, ist unerhört und zeigt, wie hoch die Erbitterung jenseits des Mains wegen der Kritik an der Budgetbewilligung gestiegen ist. Auf dem Parteitage wird dieser Ausdruck wohl seine schärfste Rüge finden. Das schlimmste ist jedoch an dem Schluhsatz der Münchener Aus- lassung die Stelle von der„Erwägung der süddeutschen Genossen, ob sie nicht dem Parteitage gänzlich fernbleiben sollen". Glück- licherweise langt es hierzu nicht, denn die süddeutschen Genossen sind nicht so fanatisch gesinnt, dast sie nicht, allen Konflikts un- geachtet, zum Parteitag erscheinen sollten, politiscke(leberlkdt. Berlin, den 2. September 1908. Sydotv an der Arbeit. Schatzsekretär S h d o w hat seinen Urlaub beendet und ist nach Berlin zurückgekehrt, nachdem er vorher noch seinem Vorgänger im Amte, dem Freiherrn v. Stengel, einen Besuch abgesrattet hatte. Herr v. Stengel hat ja Erfahrungen genug gemacht auf dem Gebiete der Sanierung der Reichsfinanzen, und froher Hofinungen voll dürfte Herr Sydow kaum von ihm geschieden sein. Die Summe von vier- hundert Millionen Mark als Mindest bedarf soll f e st st e h e n, doch wird damit gerechnet, dast der Ertrag der neuen Steuern in den ersten Jahren hinter dem Voranschlag zurückbleiben wird, weshalb man im ersten Jahre auf wenig st enS drei- hundert Millionen Mark neuer Einnahmen rechnet. Damit nreint man das Defizit für 1908/09 decken zu können. Hoffentlich hört diese verdächtige Geheimniskrämerei nun bald auf l DaS deutsche Volk hat ein Recht darauf, Klarheit über die Steuerpläne der Regierung zu erlangen. UebrigenS sind auch der hanseatische Bundesratsbevollmächtigte Dr. Kluegmann und der Direktor im Reichsschatzamt Dr. Kühn bei Freiherrn v. Stengel eingetroffen. Ob nur aus alter Anhänglich- keit oder um sich Rat zu holen, steht dahin. Zur Ersatzwahl in Speyer-Ludwigshafen. Die Zentrumspartei im Wahlkreise Speyer-Ludwigshafen hat jetzt einen endgültigen Beschluß über ihr Verhalten bei der bevor- stehenden Ersatzwahl gefaßt. Die Vertrauensmänuerversammlung hat nämlich beschlossen, für die am 15. September stattfindende ReichStagSersatzwahl keinen eigenen Kandidaten aufzustellen, und ist es allen Wählern zur Pflicht zu machen. Nach beiden Seiten st rikte Wahlenthalt nng zu üben. Wer durch irgendwelche Umstände gezwungen ist zu wählen, s möge einen weißen oder durch- strichenen Zettel abgeben.—_ Beginnt die Wallfahrt nach Norderney? Die freisinnige„Weser-Zeitung" läßt sich schreiben: „Kommerzienrat R. Schmidt- Elberfeld, der bekannte frei- sinnige Parlamentarier, hat sich nach Norderney begeben. Er hat sich mit seiner Gattin nach der schönen ostfriesischen Insel auf« gemacht. Politische Bedeutung hat wohl diese Reise vorläufig noch nicht; aber, da Reinhard Schmidt wiederholt vom Reichs- k a n z l e r eingeladen wurde, so kann immerhin die Reise Ve- deutung erlangen." Vielleicht dreht eS sich bei diesem Besuche nur erst um eine Sondierung darüber, wer alles vom Freisinn der Ehre gewürdigt werden soll, beim Kanzler zu dinieren, um bei dieser Gelegenheit .überzeugt" zu werden._ Die Heiligsprechung Pius IX. Vor der Kongregation der Riten in Rom wird zurzeit der Prozeß wegen Heiligsprechung deS Papstes Pius IX. verhandelt. Gegen die Heiligsprechung hat nun die Familie Falconieri beim Präsidenten der Kongregation, dem Kardinal Cretoni, in aller Form Widerspruch erhoben, weil angeblich Pius IX.„unter Mitwirkung des Kardinals Antonclli und anderer Untergebener sich in wider- rechtlicher und verbrecherischer Weise die Fideikommißgüter der Familie angeeignet habe". Diese Besitzungen haben einen Wert von 30 Millionen Lire. Die angebliche Beraubung soll in die Jahre 1849 bis 1865 fallen. Vor den bürgerlichen Gerichten Roms ist diese Angelegenheit bereits feit 1900 anhängig gemacht.— Lustschiffspende statt Speisung der hungrigen Schulkinder. Der Magistrat zu Frankfurt a. M. hatte beantragt, 10000 M. für den Stuttgarter Zeppelinfonds zu bewilligen. In der heuttgen Stadtverordnetenversammlung beantragte die Sozialdemokratie, diese 10 000 M. dem Frankfurter Verein zur Speisung armer Schulkinder als außerordentliche Unter- stützung zuzuwenden und dem Grafen Zeppelin mitzuteilen, daß die beiden städtischen Behörden mit dieser Zuwendung die Kulturtat des Erfinders in seinem Sinne ehren wollen. Nachdem der freisinnige Stadtverordnete und Landtags- abgeordnete Funk mit einerseits und andererseits seine „Sympathie" mit diesem Antrag Ouarck ausgesprochen hatte, stimmte er und mit ihm alle Freisinnsdemokraten(mit einer einzigen Ausnahme) für den Magistratsantrag. Damit war der Antrag Ouarck abgelehnt. Dazu ist zu benicrken, daß zurzeit Not und Elend bei der Frankfurter Bevölkerung Heimatrecht erworben haben, und, wie kürzlich erst vom Ver- band der Maurer festgestellt wurde, die Arbeitslosigkeit seit zwanzig Jahren nicht mehr so groß gewesen ist, wie in diesem Jahre. Trotzdem gibt man lieber 10000 M. für Luftschiffe, als für hungernde S ch u l k i n d e r l Ob Zeppelin an dieser Spende Freude hat i? Die Sozialdemokraten als Treiber. Die„Kölnische Bolkszeitung" bemerkt zu dem Bericht de» sozialdemokratischen Parteivorstandes über den Stand der Organisation und der Fiuanzen« „Für die Zentrumspartei ergeben sich die Lehren auT diesen Mitteilungen von selbst. Wenn auch die Organisation der Zentrumspartei in manchen Landesteilen musterhaft durchgeführt ist, so hapert es doch vielerorts noch sehr damit. Vor allem mangelt es an Parteisekretären. Zum mindesten müssen für die einzelnen Landesteile Parieisekretariate eingerichtet werden, wie solche für Rheinland(Köln), Nassau, Westfalen(Münster) und in Baden bestehen. Auch fehlt eS noch an einem der Zentrums- fraklion in Berlin zu Diensten stehenden allgemeinen Parteisekretär. Soll das aber ermöglicht werden, so müssen sich die Mitglieder der Zentrumspartei mehr als bisher dazu verstehen, für die Partei- zwecke finanzielle Opfer zu bringen." ES steht fest, daß die Zentrumspartei, weirn die Sozialdemokratie nicht wäre, es in ihrem Lager bei den alten gewohnten und bc- queinen Zuständen gelassen hätte, wo der Herr Pfarrer, unterstützt von einem kleinen Parteiklüngel, die ganze Organisation darstellte und die Agitation sich auf die Verkündigung des Kandidaten und die Hcrbeischlcppung der Getreuen zu den Wahlen beschränkte. Aus dieser Ruhe hat die Sozialdemokratie das Zentrum unsanft auf- gerüttelt, so daß neulich ein Zentrumsparteisekretär auf einem Partei- tage der westfälischen Ultramontanen gestehen mußte:.Die Sozial- demokratie hat»ms auf den Schwung gebracht!"— Ein Nachklang zu«n Katholikentage. In einem Artikel dcS in Guesen erscheinenden radikalpolnischen Organs.Lech" wird dem Zentrum folgendermaßen der Text gelesen: „Auf dem diesjährigen Katholikentage wurden alle möglichen Dinge berührt, nur von den Polen hat man ge- schwiegen. Die katholischen Männer in Dllsieldorf werfen mit den Phrasen umher, sie repräsentierten in Deutschland das Recht und die Freiheit, mit keinem Worte aber erwähnten sie der Polen, mit keinem Worte verleugneten sie ihren H a k a t i s m u s. War denn den Leitern des Katholiken- tagcs nichts von dem Enteignungögcsetz bekannt, das gegen dcutsckic Katholiken angewendet wird? War nickt den Stützen deS Katboli- ziSmuS in Deutschland die Gelegenheit gegeben, dieses Vorgehen genügend zu brandmarken Z Sie haben aber lieber geschwiegen von dem Unrecht, das man an ihren Brüdern bc- geht, weil diese Polen sind und mau sich bei der Regierung nicht unbeliebt machen will. Die Welt strebt nach Licht und Freiheit und erkennt sofort die Heuchelei, wenn diese auch noch so sehr mit dem Mantel der Unschuld sich zu verdecken sucht. Ihr seid nur um Eure eigenen Interessen besorgt. Wir wollen Euch die bittere Wahrheit ins Gesicht sagen': Ihr wollt nur die Regierung wieder in die Hände bekommen. ES wäre Euch angenehm, wenn Ihr Euch wieder in der Sonne der Regierung wärmen könntet. Ihr seid dabei in Uebertreibung und Byzantinismus verfallen. Ihr schweigt von den Polen, weil eS heute nicht lohnend ist, sich eines geknechteten Volkes anzunehmen. Es war bequemer, abgedroschene Phrasen über un- moralische Bücker auszusprechen und Tele- gramme in die Welt zu schicken, weil man sich damit niemand unbequem macht... Der Herzog vou Sachsen- Altenburg hat aus Anlaß seines Ge- burtstages am 31. August, deS ersten nach seinem Regierungsantritt, der im März erfolgt ist, eine Amnestie erlassen, und zwar in der Art, daß vollständiger oder teilweiser Straferlaß oder Unilvandlung in eine mildere Strafe, vorzeitige Entlassung oder Strafaufschub mit der Aussicht auf Begnadigung bei Wohlverhalten verfügt worden ist. Außerdem hat er noch 64 Ritterkreuze verschiedener Orden, 50 Medaillen, 17 Ehrenkreuze und Ehrenzeichen sowie einige 20 Titel verteilt. Eines solch reichen Orden- und Titelsegens erinnern sich in dem kleinen Ländchen selbst die bekannten ältesten Lente kaum. Keimzeichnend für die Verhältnisse in diesem kleinen Ländcken ist eS, daß noch niemals ein Sozialdemokrat einer Amiiestie teilhaftig ge- worden ist. was doch selbst schon in dein reaktionären Sachsen, Preußen und Mecklenburg der Fall war. Als vor einem halben Dutzend Jahren einmal aus irgend einem Anlaß eine allgemeine Amnestie erlassen wurde, wurden zwei sozialdemokratische Preßsünder, von denen jeder 75 M. in die Staatskasse zahlen sollte, sogar auS- drücklich von der Einbeziehung in die Amnestie ausgeschlossen. Vom christlichen Bruderkrieg. Die„Trierische LandeSzeitung", die eZ mit den katholischen Fachabtcilungen hält, macht sich daS Vergnügen, den christlichen Gewerkschaftsführern, die sich jüngst in Zürich gegen die Einmischung der Bischöfe in die wirtschaftlichen Bestrebungen der kntholisckcu Arbeiter aufgelehnt haben. entgegenzuhalten, was die Herren Schiffer und Genossen bei früheren Gelegenheiten über die soziale Wirksamkeit der Bischöfe und ihre Verdienste»m das wirt- schaftliche Wohl der Arbeiter gesagt haben. Zum Schluß bemerkt daS Trierer Zentrumsblatt:„Es berührt eigentümlich, daß dieselben Leute, die in Zürich eine solch trotzige Sprache gegen die Bischöfe geführt haben, kurz nachher auf der Düsseldorfer Katholiken- Versammlung als Lehrer der katholischen Arbeiter aufgetreten sind. Die Schamröte steigt einem zu Gesicht, wenn inan sich die Arbeiterredner und ihre Reden auf den Katholiken- Versammlungen in Köln, Essen, Würzburg, Düsseldorf ansieht und zugleich an die Vorgänge in Zürich denkt."— Eine neue Viehzählung. Auf daS wiederholte dringeudc Verlangen der landwirtschaftlichen Körperschaften, insbesondere des LandesökonomiekollcgiumS. wird am 1. Dezember d. J. eine neue Viehzählung für Preußen vor« genommen werden._ Soldatenschinder. Wegen Mißhandlung eines Untergebenen stand der Vizefcldwebel Franz Schumann von der Oelouomieableilung des I. Armee- lorps vor dem KönigSbergcr Kriegsgericht. Schumann hatte den Oekouomiehaiidwerker Otto Riemann dreimal an den Ohren gerissen. und zwar das letzte Mal am 28. Juli d. I. mit dem Erfolge, daß Riemann infolge der Mißhandlung im linken Ohr eine Zer- reißung des Trommelfells davontrug. Die Mißhandlung wurde in der Weise borgenommen, daß der An- geklagte sein Opfer an beide Ohren faßte und diese herum drehte. Während Riemanu bezüglich der beiden ersten Fälle keine Meldung machte, brachte er den letzten Fall zur Anzeige, da er, wie er sich gleich nach der Tat des Bizefcldwebels zu einem Kameraden geäußert hatte, keine Lust habe, sich zum Krüppel macheit zu lassen. Die Ursache zu der Mißhandlung soll der Umstand gegeben haben, daß Riemann, der Schuhmacher ist, an dem- selben Tage bis 3'/z Uhr nachmittags nur 200 Paar Absätze angefertigt hatte, während nach der Ansicht seines Pcinigers 250 Paar hätten fertig werden müssen. Mit Rücksicht auf die bisherige gute Dienstführung de? Angeklagten beantragte der Anklagevertreter 10 Tage gelinden Arrest. Das Gericht erkannte auf 14 Tage gelinden Arrest und meinte, der Angeklagte habe für seine Tat einen genügenden Grund nicht angegeben. Sei es, daß er sie infolge einer üblen Au- gewohnheir begangen oder daß er sich in der seiner Aussicht unter- stellten Abteilung gewissermaßen eine P a s ch a w i r ts ch a f t an- geeignet habe. Seine Tat sei geeignet, bei den Leuten Miß- Kimmung zu erregen, die dann in Zerstörung von Dienstgegenständen oder auf andere Art sich leicht bei den Soldaten Luft machen könpe. Solchen U ebergriffen müsse daher energisch(?) entgegengetreten Werdens daher bekam der Angeklagte die„enorm strenge" Strafe von— 14 Tagen gelinden Arrest.—- Etwas schlechter ging es dem Sergeanten Schulz vom Train- bataillo» Nr. 1. Er hatte den Soldaten Brück mit der Klopfpeitsche in der brutalsten Weise mißhandelt. Seinem Opfer hatte er dreißig Hiebe versetzt, die blutunterlaufene Striemen zurück- ließen. Dafür bekam der Soldatenschinder 45 Tage Ge« fängniS. In einem anderen Falle mußte er freigesprochen werden, da der Mißhandelte als Zeuge zu keiner belastenden Aus- sage zu bewegen war, obwohl er im Borverfahren ganz bestimmte Angabe» über die Mißhandlungen gemacht und der Angeklagte die Möglichkeit zugegeben hatte, sich auch an diesem Soldaten vergriffen zu haben._ Oeftemtd). Aufhebung deS Todesurteils gegen Siczinskr. Der oberste Gerichtshof zu Wien erkannte auf Aufhebung des Urteils de? Lemberger Gericklshofcs, wonach der Mörder des Statt- Halters Grafen Potocki, SiczinSki, zum Tode durch den Strang verurteilt lourde. und ordnete eine neue Ver- Handlung vor dem Lemberger Schwurgericht an. In der Begründung des Erkenntnisses wird ausgeführt, daß ein Nichtigkeitsgrund gegeben sei, weil der Lemberger Gerichtshof die Antrage der Verteidigung auf Prüfung d e s G e i st e S- zustandes des Angeklagten und die Untersuchung seines Vorlebens in psychopathischer Beziehung rechtswidrig ab- gelehnt hatte.~ Schweiz. Sozialdemokratische Wahlerfolge. Zürich, 31. August.(Eig. Ver.) Im Bezirk Winterthur ist gestern nach heftigen Kämpfen im zweiten Wahlgange der Genosse Schüler mit 5643 gegen 5590, also mit einer Mehrheit von 63 Stimmen als B e z i r k s a n w a l t (Untersuchungsrichter) gegen den GericktSsnbstitiiten Dr. Hofmann gewählt worden. Im ersten Wahlgang am 9. August hatte Genosse Schuler 4047, sein Gegenkandidat 4513 Stimmen erhalten, so daß die sozialdemolratische Stimmcnzahl gestern um 1596, die bürgerliche hm 1072 Stimmen gestiegen ist bei einer Stimm- beteiligung von 80 Proz. ES ist dies der erste sozial- demokratische Sieg, der aus eigener Kraft in diesem Bezirke errungen worden ist. Der als Bezirksanwalt gewählte Genosse Schuler war früher Metallarbeiter, seit fünf Jahren Bezirksrichter. Im B e z i r k B i e I hat die Partei in der Ersatzwahl in den Großen Rat einen Sieg errungen, indem sie daS Mandat behauptete. Genosse Ryser wurde mit 1817 gegen 1764 Stimmen gewählt. Bei den Verfolgungen gedeiht unsere Partei also recht gut.— Italien. Italienische Journalisten im Solde des Kongostaates? Rom, 31. August.(Eig. Ver.) Eine belgische Zeitung,„Le Patriote", hat bekanntlich unlängst Enthüllungen veröffentlicht über die Verwendung von Schmiergeldern, die der belgische Kongostaat in fast allen europäi- schen Ländern an die Presse zu verteilen pflegte. Auch Italien steht auf der Liste und zwar sollen daselbst an BefiechungSgelder jährlich über 40 000 Lire verteilt worden sein. Die Zentralstelle für die Ver« tcilung bildete, nach dem belgischen Blatt, der belgische Konsul in München. Von den Italien zugedachten Geldern gelangten 20 000 an einen Agenten des KongostaateS in Rom, der sie an die Provinzpreffe verteilte, 12 000 Lire gingen direkt einem großen römiscken Blatte zu. 3000 Lire einer kleinen Zeitung der Hauptstadt und 6000 einem Abgeordneten, der Journalist ist. Die Gegen- leistung der„anständigen Presse" hätte darin bestanden, die Schrecken der Zivilisationsarbeit im Kongo zu verschweigen und den italicni- schen Arbeitern die Auswanderung in die berüchtigten Kautschuck- Wälder des Kongo zn empfehlen. Begreiflicherweise fordern die Blätter, deren Ueberzeugung nicht feil ist, eine Untersuchung des italienischen Pressevereins über die schweren Anschuldigungen. Bis jetzt hat in Rom der„A v a n t i", die republikanische„Ragione",„Giornale d'Jtalia" und „Messagero" in diesem Sinne geschrieben; die„Tribun a" und der„P o p o l o R o m a n o" schweigen sich aus und die„Vita" meint, auch ohne Untersuchung könne man wissen, wer die beiden bezahlten Blätter seien. Auch die Journalisten, die Deputierte sind— wenig mehr als ein Dutzend— werde» sich bemühen, den Ehrenmann in ihrer Mitte ausfindig zu machen. Die Sache soll auch im Parlament zur Sprache kommen.— Rußland. Der spionierende Zar. Es gehört zu den in bürgerlichen Kreisen besonders weit vtt- breiteten Legenden, Zar Nikolaus, der„Gefangene in Petcrhof", sei ein willenloses Werkzeug in den Händen der Hofkamarilla und habe nichts gemeinsam mit den Greueltaten, die täglich, stündlich in seinem Namen vollbracht werden.. Wenn diese Behauptung in ihrer ersten Hälfte auch ziemlich zutreffend erscheinen dürfte— die.Intelligenz" und„Willensstärke" Nikolaus IL sind ja bereits sprichwörtlich geworden!— so stellt sie in ihrer zweiten Hälfte eine krasse Verzerrung der Tatsachen dar. Nikolaus IL ist nicht nur als Haupt der regierenden Clique für alle Negierungsgreucl voll und ganz verantwortlich, er betreibt sein „Handwerk" auch mit Leib und Seele und übertrifft in dieser Be- ziehung selbst manche seiner Borgänger. Die in Paris erscheinende Zeitschrift„Byloje", die dem Studium der Geschichte der russischen Freiheitsbewegung gewidmet ist, ver- öffentlicht interessantes Material zu dieser Frage. Sie stellt mit Ge- wißheit die Existenz deS sogenannten„Zaren blattes" fest, daS unter dem Namen„Sammlung der beachte»L- wertesten Angaben des Polizeidepartenients" in Manuskriptform<500—600 S. groß) 10 bis 15 mal jährlich erscheint und ausschließlich für den Zaren bestimmt ist. ES wird unter der direkten Leitung des Ministers deS Innern von den Mitgliedern des Komitees für ausländische Zensur zusammengestellt und enthält eine detaillierte Uebersicht des vom Polizeidepartemcnt zutage geförderten Spionagematerials. Aus der im„Bhloje" wiedcrgegebenen Inhaltsangabe des „ZarenblatteS" für das Jahr 1898 ist ersichtlich, welche Themen den Zaren am meisten interessieren. Da finden sich Kopien geöffneter Briefe. Angaben von Provokateuren und Verrätern, Denunziationen, Mitteilungen von Spionen usw. Alle Details des Kampfes gegen die Revolution werden dem Zaren mitgeteilt, der gesamte Schmutz deS russischen Spionagesystems wird vor dem„Selbstherrscher aller Reußen" aufgedeckt. Und unter allen diesen Mitteilungen prangen unentwegt die Worte des Zaren:„Mit Vergnügen gelesen". ES verlohnt sich im Zusammenhange damit, auf einen Vorgang hinzuweisen, den Alexander Herzen in seinem berühmten„Kolokol" in den 00er Jahre mitteilte. Als man Alexander II. ein Verzeichnis von Personen unterbreitete, die einen Londoner Emigranten besucht hatten, warf er es ins Feuer, weil er es als Schmach für sich empfand, polizeiliche Denunziationen zu lesen. Sein Enkel jedoch kennt keine angenehmere Lektüre, als Briefe und Berichte von Lock- spitzeln. Mrokko. Ein marokkauischer Vorstosz an der südalgerischen Grenze. Paris, 2. September. General Bailloud telegraphiert von gestern abend 9 Uhr 30 Minuten: Budenib wird seit 1 Uhr nachmittags angegriffen. Bis 7 Uhr richteten die Feinde ihre Anstrengungen besonders auf das Blockhaus, dann wurde der Au- griff schwächer. Auf feiten der Franzosen wurden zwei Fremdenlegionäre verwundet, die Feinde hatten große Ver« lüfte. Amerika. Rückgang der repnblikamschen Partei. Bei den S t a a t s w a h l e n im Staate Vermont siegte der republikanische Kandidat für den Gouverneurposten Prouth mit nur etwa 28 000 Stimmen Mehrheit über den demokratischen Gegen- landidaten. Die» ist die kleinste republikanische Majorität im Staate Jetmoni seit 1892. Auf die damaligen vermonter StaatZwahien ,olgte der demokratische Nationalsieg. Angesichts der Wahlkampagne jitr Präsidentschaftswahl wurde der republikanischen Stimmenmehrheit bei den Vermonter Staatswahlen im ganze Lande mit dem größten Interesse entgegengesehen.— Eue der parteu Badische Organisationen zur. Budgetfrage. In Durlach sprach in einer Versammlung des sozialdemo- kraiischcn Vereins Landtagsabgeordneter Genosse H o r st über die �rage. Er selbst habe in der entscheidenden Fraktionssitzung von Mark, und zwar in den absolut mündelsicheren Grenzen, und der Rest einem Arbeiterunternehmen gegeben sei. Mit der Ver» fchmelzungsfrage habe man bisher schlechte Erfahrungen gemacht, so daß man nur mit Bedenken an Verhandlungen heran- gehe. Er glaube aber, daß die Zeit kommen werde, wo die Ver- schmelzung der Verbände des Baugewerbes vor sich gehen müsse, vielleicht eher als man denke durch die technische EntWickelung im Bauwesen, im Eiscnbetonbau. Aber auch ohne eine Verschmelzung sei zwischen den Verbänden in bezug auf wichtige Aktionen, na. mentlich die Lohnbewegung, ein gemeinsames Handeln möglich. Gegenüber den Stukkateuren schließt Redner sich der an deren unkollegialem Verhalten geübten Kritik entschieden an. Mit den Zementierern stehen Verhandlungen zwecks Anschlusses im nächsten Jahre bevor. WaS die Konkurrenz der ausländischen Maurer be- treffe, so benutze der Vorstand jede Gelegenheit, um auf Grund der internationalen Beziehungen nach dieser Richtung hin eine Einwirkung auf die ausländischen Organisationen auszuüben. Gegenüber den Italienern habe der Vorstand für die Agitation durch Flugblätter und Redner alles getan, was ihm möglich war. ES sei ohne weiteres klar, daß in dieser Beziehung noch viel mehr geschehen müsse, namentlich müsse man versuchen, durch in Deutsch- land naturalisierte italienische Kollegen an die italienischen Maurer in Deutschland agitatorisch und werbend heranzukommen. Daß ein deutscher Kollege soweit italienisch lerne, um dieser Aufgabe gewachsen zu sein, sei mit fast unüberwindlichen Schwierigkeiten verknüpft, wie bisherige Versuche gelehrt haben. Trotzdem sei der Vorstand nicht abgeneigt, allen auf solchen Unterricht gerichteten Wünschen zu entsprechen. Andererseits empfehle sich, daß jüngere Kollegen, die viel wanderten, auf diese Sache ihr Augenmerk richteten, indem sie vielleicht einmal zunächst unter Italienern in der Schweiz und dann in Italien längere Zeit arbeiteten, um die Sprache zu lernen und diese zu dem erörterten Zwecke im Interesse des Verbandes verwerteten. Bömelburg rechtfertigt dann die Haltung des Vorstandes in der Frage der Extrabeiträge, namentlich daß er in Köln seinen darauf gerichteten Antrag zurück- gezogen und dann trotzdem Extrabeiträge ausgeschrieben habe. Den Extrabeitrag verdanke der Verband lediglich den Berliner Kollegen, die eine Bewegung unternommen hätten zu einer dafür durchaus ungeeigneten Zeit. Der Vorstand habe von dieser Auffassung nie. mals ein Hehl gemacht. Als die Bewegung aber im Gange war, wäre eS eine Verräterei gewesen, wenn der Vorstand nicht dafür gesorgt hätte, daß er trotz der großen Aufwendung für diese Be- wegung stets in der Lage war, allen an ihn herantretenden Auf. gaben gerecht zu werden. In diesem Moment aber gegen die mit den Extrabeiträgen im Rückstände befindlichen Mitglieder aufs schärfste vorzugehen, wie mehrfach gefordert sei, sei nicht angängig gewesen; das hätte nach außen hin als Moment finanzieller Schwäche aufgefaßt werden können, namentlich auf feiten der Unternehmer. Bon der offen ausgesprochenen Forderung nächst. jähriger Extrabeiträge solle man abstehen. Wenn solche durch außerordentliche Vorkommnisse nötig werden follten, würden die erforderlichen Maßnahmen ergriffen. Den Beschluß darüber solle man nicht aus der Hand des Hauptvorstandes nehmen. In der Agitation habe der Vorstand alles getan, was in seiner Macht gestanden habe, aber es komme nicht allein darauf an, sondern auch die Gau» und Zweigvereinsvorsitzenden müßten ihre volle Schuldig- keit tun. Zu bedenken sei, daß einer wirkfamen Agitation der Bit- dungsmangel in weiten Kreisen infolge der mangelhaften Volks- schulbildung große Schwierigkeiten bereite, wenn es in dieser Hin- ficht gegenüber der Vergangenheit auch wesentlich besser geworden sei. Zum Schluß appelliert Redner an das gegenseitige Vertrauens- Verhältnis.„Wir müssen gegenseitig alle von uns voraussetzen, daß jeder den ehrlichen Willen hat, nach besten Kräften für die Gesamtheit zu wirken und zu streben. Dann werden wir auch die Kraft und Macht haben, alles durchzuführen, was im Interesse der Organisation nötig ist."(Lebhafter Beifall.) Angenommen werden die Anträge des Vorstandes betr. Uebernahme der Kosten für den Besuch der Unterrichtskurse durch die Verbandskasse und der Entsendung geeigneter Mitglieder des Verbandes zur Parteischule, dagegen der Antrag Lübeck a b g e- lehnt, welcher den Zweigvereinen das Vorfchlagsrecht für die Schüler der Unterrichtskurse zuwenden will. Ein Antrag Tribsees, bei der Beschickung der Unterrichtskurse auch die kleinen Vereine zu berücksichtigen, wird, weil schon auf vorigem Verbandstage be- schlössen, als erledigt erklärt. In bezug auf die Agitation wird dann ein Antrag des Vorstandes und derGau- vorstände angenommen, der für den Monat Oktober in allen Zweiavereinen Versammlungen bestimmt, mit der Tagesordnung:„Wirtschaftliche Krisen, ihre Ursachen und Wirkungen." Diese Agitation soll durch ein vom Vorstand herausgegebenes Flugblatt unterstützt werden. Außerdem soll in den ersten Monaten des nächsten Jahres im ganzen Verbandsgebiet eine planmäßige Hausagita» tion unternommen werden. Dieser soll sich dann in den Früh- jahrSmonaten wieder eine allgemeine Versammlungs- a g i t a t i o n. unterstützt durch Flugblattverteilung, anschließen. Endlich soll nach dem Ilntrage im Sommer nächsten JahreS vom Verbandsvorstande ein« Broschüre herausgegeben werden über die Ursachen und Wirkungen der Wirt- schaftskrisen. Die Broschüre soll 5 Pf. kosten und jedes Mit- glied durch die Zweigvereine verpflichtet werden, diese Broschüre zu erwerben. Eine Reihe verschiedener anderer Anträge betr. Agitation, die allerlei SpezialWünsche aus den einzelnen Vereinen enthalten und sich im wesentlichen mit dem Inhalt des vorstehenden Antrages decken, wird entweder abgelehnt oder als erledigt erklärt. Nachdem dann dem Ausschutz Entlastung erteilt ist, ist der erste Punkt der Tagesordnung erledigt. Es folgt der 2. Punkt: Gericht vom diesjährigen Gewerkschnfiskongretz in Hamburg. Berichterstatter M u t h führt in Kürze aus, daß der Kongreß Ölie reiche Tagesordnung zu erledigen hatte, darunter zwei Punkte von besonderer Bedeutung für die Arbeiterbewegung, die Form der Jugendorganisation und Erziehung und die Maifeier. Die Debatte über letztere war im Gegensatz zu früheren Debatten wesentlich abschwächend beeinflußt durch die Vereinbarung des Par- teivorstandeS und der Gegeralkommission über die Regelung der Feier und die Unterstützung der infolgedessen gemaßregelten Ar- beiter. Diese Verständigung habe wohl allseitig Anklang gefunden. allerdings seien manche politische und gewerkschaftliche Kreise mit der Vereinbarung, namentlich was die Regelung der Unter- stützungsfrage dabei betreffe, nicht einverstanden. Die Frage solle nach dem Beschluß des Kongresses zwar noch einmal von den beiden Instanzen geprüft werden, es sei aber kaum anzunehmen, daß etwas anderes dabei herausspringe. In der Jugendorgani- sa t i o n sei man zu der Erkenntnis gekommen, daß mit der bisherigen Form recht wenig Erfolg erzielt sei. wenn man die Zahl der in den katholischen und evangelischen Jünglingsvereinen ver- einigten Jugend dagegen halte. Genosse Robert Schmidt habe auf dem Gewerkschaftskongreß mit Recht betont, daß es gar nicht auf eine geschlossene Organisation der Jugend ankomme, zumal dem infolge des neuen Reichsvereinsgesetzes große Schwierigkeiten entgegenstanden. ES komme nicht darauf an, die jugendlichen Köpfe mit allerlei politischen und wirtschaftlichen Fragen voll- zupropfen, als vielmehr sie allgemein bildend aufzuklären und die Sünden der' preußisch-deutschen Volksschule dadurch auszutilgen. Diese Arbeit an der Jugend sei um so nötiger, als die kapita- listische Produktion immer mehr jugendliche Arbeiter in ihr Joch schmiede. Ihre Zahl sei in 10 Jahren um 65 Proz. gestiegen. Redner hebt dann die auch auf dem Kongreß mit lebhafter Genug- tuung konstatierte gewaltige Aufwärtsbewegung der freien Ge- werkschaften hervor, deren Zahl an Mitgliedern von 1 344 863 im Jahre 1905 auf 1 865 000 im Jahre 1907 gestiegen sei, und das trotz aller feindlichen Maßnahmen der Regierenden. Diese EntWickelung gebe die Gewähr, daß die Arbeiterorganisationen auch die arbeiter- feindlichen Bestimmungen des neuen Reichsvereinsgesetzes zu schänden machen werden, das namentlich der Agitation unter den fremdsprachlichen Arbeitern, die besonders daS Grubenunternehmer. tum in großen Scharen ins Land ziehe, große Schwierigkeiten bereite. Den Bericht über den internationalen Arbeiterkongreß erstcchtet darauf Silberschmidt. Der Kongreß sei von 25 Na- tionen mit 887 Delegierten, darunter 289 deutsche, beschickt worden. Leider fehlten die englischen, französischen und amerikanischen Ge- werkschaften. Redner skizziert die Schwierigkeit des Verhandlungs- apparates der internationalen Kongresse infolge der sprachlichen Unterschiede. Der diesmalige Verlauf sei trotzdem technisch ein mustergültiger gewesen. Die deutsche Delegation beschäftigte sich vorher auch schon mit der M a i f e i e r, sie einigte sich auf eine Resolution, wonach die Feier in einer Form zu begehen ist. wie sie durch den Beschluß des Mannheimer Parteitages festgelegt ist. Der als eventuell vorgesehene Plan, in bezug aus die Maifeier mit einem Antrage an den Kongreß heranzutreten, wurde infolgedessen fallen gelassen. Ueber die Kolonialpolitik sei es zu leb- haften Auseinandersetzungen gekommen zwischen den beiden Rich- tungen, deren eine die gegenwärtige Kolonialpolitik als ein System der Eingeborenen-Ausrottung und-Ausbeutung unter allen Um- ständen ablehne, während die andere die nun einmal bestehende Tatsache der Kolonialpolitik, die durch die Haltung der Sozial- demokratie und der Arbeiter nicht beeinflußt werde, anerkennt und an ihr nur die Wirkungen und Begleiterscheinungen der gegen- wärtigen Gesellschafts, und Wirtschaftsordnung bekämpft. Weiter beschäftigte sich der internationale Kongreß mit dem Frauen- st r m m r e ch t. sich zu der Auffassung bekennend, daß der Frau das politische Stimmrecht aus sozialen Gründen zukomme. Die Tätigkeit der Frau gehöre heute nicht mehr allein der Familie, sondern sie bilde immer mehr ein Glied der kapitalistischen Pro- duktion und müsse deshalb mit allen Mitteln im öffentlichen Leben ausgerüstet werden, um ihre Stellung und Rechte in dieser Be- ziehung wahren zu können. Der Kongreß wurde dann auch ver- anlaßt, Stellung zu nehmen zu dem Verhältnis zwischen Partei und Gewerkschaften, weil es darüber noch nicht überall zu der völligen Klärung gekommen sei wie in Deutsch- land, sondern im Gegenteil nur-wenige Länder die Wohltat ge- regelter Beziehungen genießen. Der Kongreß beschloß die bekannte Resolution, die festlegt, daß Partei und Gewerkschaften jede zwar besondere ihrem Wesen und Zweck entsprechende Aufgaben zu er- füllen haben, daß eS aber auf dem wachsenden Gebiet des prole- tarischen Klassenkampfes Aufgaben gibt, in denen ein Erfolg nur durch gemeinsames Zusammenwirken zu erzielen ist. Zu fordern sei, daß die Gewerkschaften mit sozialistischem Geiste erfüllt würden. In bezug auf die Ein- und Auswandern ngsfrage der Arbeiter stellte sich der Kongreß auf den Standpunkt, daß im Ar- beitsleben der Nationen unbedingt Freizügigkeit herrschen müsse, daß dabei aber darauf zu dringen sei, daß die fremden Arbeiter nicht Streikbrecherkolonnen bildeten oder herabdrückend auf die Lebenslage der heimischen Arbeiter einwirkten. Zu regeln sei diese Frage durch Verständigung der Organisationen der einzelnen Länder. Redner geht dann noch auf die Verhandlungen des inter- nationalen Kongresses über Militarismus und inter- nationale Konflikte ein, wobei der Kongreß sich bekannt- lich auf den Standpunkt stellte, daß die Arbeiter aller Länder im Falle eines drohenden Krieges alle Mittel anwenden sollen, um dem vorzubeugen, wie denn überhaupt dahin zu streben sei, die Völker aller Kulturländer solidarisch einander näher zu bringen. Die Stellungnahme des Kongresses in dieser Frage habe eine größere Wirkung in den politischen Kreisen ausgeübt, als man im allge- meinen annehme. Den Bericht über die internationale Maumkonserenz erstattet H ü 1 1 m a n. Bisher haben deren zwei stattgefunden. Die internationalen Beziehungen seien aber jetzt so stark geworden, daß die Konferenzen zu einer ständigen Einrichtung werden würden. Ihre Notwendigkeit für die deutschen Maurer und Bau- Hilfsarbeiter ergebe sich aus der Tatsache, daß sie in Deutschland mit dessen fortschreitender EntWickelung zum Industriestaat im gleichen Maße unter der Einwanderung fremdländischer Arbeiter zu leiden hatten, um so mehr, als gerade die Heranziehung ar- beitswilliger ausländischer Arbeiter als Streikbrecher bei Lohn- bcwegungen und Streiks von den Regierungen und der Polizer gefördert und unterstützt wurde. In dieser Beziehung habe die internationale Konferenz die Aufgabe, die Mißstände zu beseitigen. Durch Abschlüsse von Kartellverträgen zwischen den Organisationen der einzelnen Länder sei darin auch ein wesentlicher Schritt vor- wärts getan, wenn natürlich auch noch viel zu tun sei. Einer Regelung unterstehe ferner die gegenseitige Unterstützung bei großen Bewegungen, sowie Abmachungen über den Erwerb der Mitgliedschaft und des Unterstützungsbezuges der Arbeiter in den fremden Ländern. Nur auf dem Boden der internationalen Soli- varität seien die Mißstände auf diesem Gebiete zu beseitigen. Dieser Aufgabe solle auch daS internationale Sekretariat dienen, das auf dem Stuttgarter Kongreß beschlossen wurde. Auch die Frage des ArbeiterschutzeS und speziell des Arbeitsnachweises sei international zu lösen, um der Tätigkeit der Werbeagenten für Streikbrecher im Auslande einen Riegel vorzuschieben. Mit chem Ausbau der Organisationen in den einzelnen Ländern sei zu er- hoffen, daß in nicht allzu ferner Zeit daS Ziel völliger internationaler Verständigung erreicht werde. Auf Vorschlag Bömelburgs wurden die drei Berichte ohne Debatte zur Kenntnis genommen. Alsdann wurde eine siebengliedrige Kommission gewählt, um die Frage der Anstellung eines Sekretärs im Verbände zur Er- füllung literarischer Aufgaben zu beraten. Bömelburg gibt dann für den nächsten Punkt der Tages- ordnung: Beratung der auf Statutenänderung vorliegenden Anträge einige einleitende Erläuterungen. Diese Anträge beziehen sich in der Hauptsache auf die Erweiterung der Unterstützungseinrich- tungen und die dadurch bedingte Regelung der Beiträge. Die De- batke über diesen Punkt ist der Sitzung am Mtkwochbormitkag vorbehalten. Zur Vorberatung der Anträge ist eine 15gliedrige Kommission eingesetzt. Hus Induftm und Randel. Herbstsaison im Baugewerbe. Die Bautätigkeit blieb im laufenden Jahre nicht mir hinter der Intensität im Jahre 1906, sondern auch hinter der des Vorjahres, die schon eine Abschwächung gegen 1900 gezeigt hatte, recht erheblich zurück. Unter den 70 deutschen Städten, für die der Beschäftigungs- grad im Baugewerbe während dieses Jahres erfragt wurde, waren noch nicht zehn, die über eine befriedigende Bausaison berichten konnten. AuS allen Gegenden wurde über eine starke Er- mattung oder auch über eine Stockung des Baugeschäfts geklagt. In den Städten und Jndustriebezirken war die Lage durch- schnittlich ungünstiger als auf dem platten Lande. Aber auch hier war im laufenden Jahre die Bautätigkeit weniger lebhaft als 1906 und 1907. Die Hoffnung, daß die Herbstmonate eine lebhafte Nachsaison bringen würden, scheint sich auch nicht mehr erfüllen zu wollen, vor allem deshalb nicht, weil die Erleichterung am Geldmarkt ihre Wirkungen auf daS Baugewerbe noch nicht zu äußern vermochte. Für Bau- zwecke ist Geld noch immer knapp. Die finanziellen Vorbereitnngen für die Inangriffnahme von Bauten während der Herbstmonate müssen jetzt schon erledigt sein, um mit einer lebhasten Nachsaison rechnen zu können. Aber das ist nicht der Fall, und darum wird man im allgemeinen annehmen können, daß die ArbeiSgelegen- heit im Baugewerbe während der nächsten Monate un- befriedigend bleiben wird. Die Bautätigkeit während des SommerS sowie die Aussichten für die Herbstmonate ergeben siir die verschiedenen Gegenden Deutschlands zwar eine Reihe charakteristischer Unter- schiede, aber ändern an dem allgemeinen unerfreulichen Urteil nichts. In den ö st lichen vorwiegend landwirtschaftlichen Provinzen war die Ermattung der Bautätigkeit im Hochsommer vielleicht nicht so intensiv wie in den übrigen Teilen Deutschlands, aber auch hier wird doch in den meisten Orten über knappere Arbeitsgelegenheit geklagt. In Tilsit ist man mit dem gegen- wärtigeu Stande der Bautätigkeit unzufrieden, hofft aber noch auf eine Besserung im Herbst. Königsberg, Graudenz und Bromberg bieten keine günstigen Aussichten, während wiederum in Thorn, Schneidemühl und Posen etwas mehr Zuversicht besteht. Recht unbefriedigend sieht eS in der Provinz Schlesien aus. In Breslau, Görlitz. Liegnitz, Freiwaldau wurde im Hochsommer sehr wenig gebaut und die HerbstauSsichtcn werden als unfreundlich be- zeichnet. EtwaS reger war in Beuthen nur die öffentliche Bau- tätigtest, während die private Unternehmungslust träge blieb. Der einzige größere Ort in Schlesien, in dem da? Gepräge der Bautätigkeit lebhaftere Züge aufweist, ist Glogau; hier wird nicht nur rege gebaut, auch die Herbstsaison verspricht lebhaft zu werden. Im übrigen Nord« und in Mitteldeutschland stockt in den Städten viel- fach die Bautätigkeit; nicht eine größere Stadt gab es, in der nicht über ein Daniederliegen der Bautätigkeit geklagt würde. Die Deutsch-Luxemburgische Bergwerks-«nd Hütten- Aktiengesellschaft plant eine Ausdehnung ihres Betriebes und will zu diesem weck für 18 Millionen Mark neue Aktien sowie für Millionen Mark �/«Prozentige Obligationen ausgeben. Für 4 Millionen Mark Aktien sollen davon den Aktionären des Steinkohlenbergwerks Louise Tiefbau zum Umtausch gegen ihre Aktien angeboten werden, während der Rest des Be- träges größtenteils zur Abstoßung von Bankschulden dienen soll. Eine Mitteilung des AufsichtSrats besagt darüber: Von den auf heute nach verlin einberufenen AuffichtSräten der Deutsch- Luxemburgischen Bergwerks- und Hütten- Aktien- gesellschaft und des Dortmunder Steinkohlenbergwerks Louise Tiefbau ist beschlossen worden, den auf den 3. Oktober ein- zuberufenden Generalversammlungen die Vereinigung beider Unternehmen, ferner die Ausgabe von 13 Millionen neuer, ab 1. Januar 1909 divideudenberechtigter Aktien der Deutsch- Luxemburgischen Bergwerks- und Hütten-Miengesellschaft und von 8 Millionen zu 4'/g Proz. verzinslichen zu 103 Proz. rückzahlbaren hypothekarisch eingetragenen Obligationen vorzuschlagen. Hiervon sind 4 Millionen Mark neue Aktien für den Erwerb des Louise Tiefbau-UnternehmenS bestimmt, besten Aktionären der Umtausch ihrer Aktien derart angeboten werden soll, daß auf je 3000,-- M. Louise Tiefbau-Akticn neue Aktien der Deutsch-Luxeniburgischen Bergwerls- und Hütten» A.- G. im Nennwerte von 2000,— M. gewährt werden. Dabei ist zu berücksichtigen, daß sich im Besitz der Deulsch-Lnxemburgischen Bergwerks- und Hüiten-A.°G. bereits Aktien von Louise Tief- bau im Betrage von etwa einer Million Mark befinden. Die übrigen neu zu schaffenden Deutsch- Luxen, burger Aktien sollen zur Abstoßimg der Bankschulden von Deutsch- Luxemburg und Louise Tiefbau dienen; diese Aktien(14 Millionen Mark) werden den alten Aktionären von Deutsch-Lnxemburg» zum Bezug« im Verhältnis von 1: 2 gegen einen Preis von 107 Proz. an- geboten, wobei das BezugSrccht auch den durch die Transaktion mit Lonise Tiesbau neu hinzutretenden Aktionären gewährt wird. Die Kohlenpreise im Kleinverkauf. In vielen Städten stehen die Kohlenpreise im Detailverkehr noch immer über dem Stande des Vorjahres. Nach den Juli- Notierungen kostete in Berlin 1 Zentner Steinkohle, der im Juli 1907 1,49 M. notiert hatte, im Juli 1908 1,64 M.; bei Braunkohlen, Koks und Briketts ist eine ähnliche Spannung wie in Berlin vor- handen. Koks ist sogar noch um 24 Pf. oder 16 Proz. teurer als 1907. In Stettin ist der Preis ebenfalls überwiegend höher als im Vorjahr: Steinkohlen kosten 1.30 M. gegen 1,26 M.. Koks 1,35 M. gegen 1,31 M. Auch in Breslau, weiter in einigen westdeutschen Städten, wie in Barmen ist die Tendenz steigend. In Magdeburg hat sich Braunkohle verteuert, während Steinkohle und Koks stabil geblieben sind. Koks hat sich bemerkenswerterweise so ziemlich an allen Plätzen verteuert. Von Berlin abgesehen weisen z. B. auch Königsberg, Stettin, Posen, Breslau und Hannover höhere Kokspreise auf als im Juli 1907. Von den Städten, in denen die Kohleiipreise nur zum Teil höher, zum Teil aber niedriger waren als im Vorjahr, ist vor allem Königsberg zu nennen. Steinkohlen, schlesische und schottische, sind im Preise ge- funken, dagegen sind KokS und Steinkohlenbriketts teuerer geworden. In Hannover ist der Steinkohlenpreis heruntergegangen, Braun- kohlen, Koks und Briketts find dagegen im Preise gestiegen. In Elberfeld ist der Preis für Anthrazit etwa? gesunken, für die anderen Kohlen- respektive Koksarten sind die gleichen Preise bezahlt worden wie im Vorjahr. In einigen Städten sind allerdings die Preise niedriger als im Vorjahr. Zu diesen gehören in erster Linie Danzijj und Altona, wo die Konkurrenz der britischen Kohle auf das Preisniveau drückt. Soziales. Die Wichtigkeit von Arbeiisbefcheinlgunsei» aus ben Jahre» 1888—1890. Für diejenigen Arbeiter und Arbeiterinnen, die in den Jahren 1883, 1889 und 1390 berufsmäßig, wenn auch nicht ununterbrochen, Lohnarbeit geleistet haben und die beim Inkrafttreten des AlterS- und Jnvalidenversicherungsgesetzes daS 40. Lebensjahr zurückgelegt hatten, Verringert sich die Wartezeit zum Bezüge der Altersrente um so b!e! BcitragSwochen, als beim Inkrafttreten deS Gesetzes das 40. Lebensjahr überschritten war. Für jedes über daS 40. Lebensjahr hinausgehende Jahr werden 40 Wochen in An- rcchnung gebracht. Hat ein Versicherter in den Jahren 1888— 1890 Berufsarbeit nicht verrichtet oder kann er den Nachweis dafür nicht erbringen, so hat er erst einen Anspruch auf Altersrente, wenn er die Warte- zeit, die 1200 Beitragswochen beträgt, erfüllt hat. Der Nachweis, daß jemand in den drei dem Inkrafttreten des Gesetzes vorhergehenden Jahren Berufsarbeit verrichtet hat, wird nur dann erlassen, wenn innerhalb der ersten 5 Jahre nach Inkrafttreten deS Gesetzes eine die Versicherungsp flicht de- gründende Beschäftigung für die Dauer von mindestens 200 Wochen bestanden hat. Der am 20. Mai 1880 geborene Tischler K. erhob bei der Landesversicherungsanstalt Berlin den Anspruch auf Gewährung der Altersrente, wurde jedoch mit seinem Anspruch abgewiesen, da er in der Zeit vom 1. Januar 1891 bis 31. Dezember 1895 nur 109 Beitragsmarken geklebt und den Nachweis, dass er in den Jahren 1883. 1889 und 1890 berufsmätzig Lohnarbeit verrichtet, nicht erbracht hatte. Hiergegen wurde vom Arbeitersckretariat Berlin beim Schieds- gericht für Arbeiterversicherung in Berlin Berufung eingelegt und eine Bescheinigung der Ortskrankenkasse der Tischler beigebracht, desgleichen Bescheinigungen von Arbeitgebern, aus denen hervor- ging, dag K. in den Jahren 1888— 1890 berufsmäßig Lohnarbeit verrichtet hat. Das Schiedsgericht erkannte den Anspruch des K. als gerechtfertigt an und verurteilte die Landesversicherungsanstalt zur Zahlung der Altersrente� In der Begründung wurde aus- geführt, daß K. in den ersten i Jahren seit Inkrafttreten des Ge- setzes nur 109 Marken geklebt hat, er den Nachweis zu erbringen habe, daß er von 1888— 1890 berufsmäßig Lohnarbeit verrichtet hat. Dieser Nachweis sei von ihm geführt worden. Große Mühe hat es K. gekostet, die Bescheinigungen herbeizu- schaffen, da ein Teil der Firmen in den 18— 20 Jahren, die vergangen waren, sich aufgelöst hatten, der damalige Inhaber der- storben war usw. usw. Die Versicherten, die da in den Genuß der verkürzten Warte- zeit kommen wollen, tun gut, sorgfältig ihre Papiere aufzu- bewahren, insbesondere Arbeitsbescheinigungen aus den Jahren 1888, 1889, 1890. Sie schützen sich dann später vor vielen Unan- nehmlichkeiten._ Ein doppelter Beinbruch— grober Unfug. Diese originelle Entdeckung ist Eigentum der Polizeibehörde in Nachen. Ein seit 15 Jahren fast erblindeter Invalide war bei dem Versuch, auf einen fahrenden Wagen zu steigen, fehlgetreten. Dabei war ihm ein Rad des Wagens über den rechten Fuß ge- gangen. Der Fußknochen war dabei zweimal gebrochen. Auch das linke Bein_ war schwer verletzt. Da der Unfall an sehr belebter Stelle passierte, sanmlelte sich schnell eine Anzahl Passanten und— der Ordnung halber auch ein Schuhmann an. Der Mann des Ge- fctzeS forderte den Verunglückten auf, seiner Wege zu gehen und keinen Straßenauflauf zu verursachen; er ließ sich auch nicht be« lehren, daß mit einem doppelt gebrochene» Fuße sich nicht marschieren ließe. Die Rettungswache zu benachrichtigen, lehnte er ab mit dem Bemerken: er fei nicht der Diener des Verunglückten. Die traurige Szene wurde indessen durch Anwohner beendigt, indem diese für die Ucberführung des Verletzten ins Krankenhaus sorgten. Dort traf auch einige Tage nachher ein Strafmandat über sechs Marl oder zwei Tage Haft wegen groben Unfug ein. Die Polizei hatte richtig herausgekriegt, daß der Verunglückte durch seine Hilfe- rufe gelärmt und einen Straßenauflaus verursacht habe und deshalb gemäß Z 361 Abs. 4 zu bestrafen sei. Auf erhobenen Widerspruch bequemte sich die Polizei nachträglich,„wegen der be- sonderen Umstände des Falles" das Strafmandat zurückzuziehen. Ein Putzerstreit. Die Putzer M., K. und W. verlangten durch Klage beim Gcwerbegericht vom Meister Frenze! insgesamt 58 Mark. Im Vcrgleichstermm der Kammer III machte der Kläger M. zur Begründung folgendes geltend. Nachdem man in der Kolonne mehrere Wochen an dem fraglichen Bau gearbeitet habe, hätte sich heraus. gestellt, daß der AkkordprciS nicht ganz ausreiche. Der Kolonnen- führer habe dem Meister die Sache klargestellt, und dieser habe zu- gestanden, daß die Putzer nicht' für den„fahlen Lohn"(die übliche Abschlagszahlung von 8 Mark) arbeiten sollten, sondern daß ihnen pro Mannn und Tag je eine Mark nachgezahlt werden solle. Es sei also gleichsam(auf Anregung des Vorsitzenden präzisierte M. den Anspruch dahin) an Stelle des Akkordverhältnisses ein fester Tagclohn von 9 statt 8 Mark getreten. Die eine Mark Zuschlag beanspruchten nun die Kläger. Sie behaupteten, sie sei ihnen nicht gezahlt worden, wohl aber vier anderen Putzern aus der Kolonne. Der Vertreter des Beklagten bestreitet die behauptete Abmachung überhaupt. Die Kläger wollen'aber dafür ourch Vernehmung des Kolonncnführers und eines anderen Kollegen Beweis antreten. Der Vorsitzende lehnte die Vernehmung ab, weil die vorgeschlagenen Zeugen als Mitglieder der Kolonne Partei seien, und blieb auch dabei» als Kläger M. darauf verwies, daß der Kolonnenführcr und der andere Putzer ja oie Mark Zuschuß erhalten hätten, sie also nicht als Kläger in derselben Streitfrage in Betracht kommen könnten. ES blieb somit nur der Eid als Beweismittel. Die Kläger schoben den Eid dem Beklagten zu. Dessen Vertreter nahm ihn"für den Beklagten an. Es mußte ein neuer Termin angesetzt werden. Entschädigungsanspruch wegen versäumter Zusendung deS KrankenkasscnbncheS. Die Heimarbeiterin Frau W. beanspruchte durch Klage beim Berliner Gewerbegericht von der Firma Kopclanskh und Posner eine Entschädigung für etwa drei Wochen, weil ihr das Kranken« kasscnbuch innerhalb dieser Frist nicht zugestellt wurde, obwohl sie cs, nachdem ihr Arbeitsverhältnis zur Firma bereits gelöst war gefordert hätte. In der Verhandlung vor der Kammer I des Ge- werbcgerichtS bestätigte eine Zeugin ihre Behauptung, daß ihr von der Buchhalterin die Einsendung des Buches versprochen wordeu sei. Die Buchhalterin selber gab zu, nicht beschwören zu können daß sie cS nicht versprochen habe. Gefordert habe die Klägern die Zuschickung, al» sie ihr eS wegen Abwesenheit der maßgebenden Personen nicht aushändigen konnte. Möglicherweise hätte sie auf das Verlangen der Klägerin gesagt, das würde sich schon finden.— In der Bcrhondlung wurde noch die Frage erörtert, weshalb denn Klägerin ivährend der drei Wochen nicht einmal zur Firma ge- gangen sei und an ihr Buch erinnert habe, zumal sie öfter in der Nähe gewesen sei. Die Klägerin betonte demgegenüber, sie habe die einmalige Forderung für genügend gehalten.— Der Gerichts- Hof unter dem Vorsitz deS Gewcrberichters le Mifeur ging davon aus, daß der Klägerin die Zusendung versprochen sei. Er ver- urteilte die Beklagten zur Zahlung von 14 Mark als Entschädigung für eine Woche. Die Klägerin sei, so wurde ausgeführt, bercchtif/ gewesen, eine angemessene Zeit auf die Einsendung dcL BuchcL zu warten. Für eine solche Zeit könne sie, nachdem sie eS nicht erhielt, den entstandenen Schaden ersetzt verlangen. Zweifel, lvö stehe fest, d«tz in der Konkurrenz der stellungsuchenden Heim- arbeiterinnen diejenigen, die nicht volle Papiere hätten, benachteiligt wären. Darum sei in Uebereinstimmung mit den Behauptungen der Klägerin eine Schädigung infolge Nichtbesitzcs des Kranken! kassenbucheS anzunehmen. Als entschädigungspflichtige angemessen« Wartefrist rechne da» Gericht eine Woche und es habe die Beklagte deshalb in dieser Höhe verurteilt. Den Rest des Schadens müsse Klägerin als selbstverschuldet tragen, denn sie hätte demnächst die Firma nochmals an das Buch erinnern können untz habe es nicht getan, obwohl sie mehrmals in der Nähe des Geschäfts gewesen sei. JIiis der frauenbewegung. Die zukünftige Aufgabe der Frauenbildungsvereine legt die„Gleichheit" in einem Artikel dar, dem wir Raummangels wegen stark gekürzt folgendes entnehmen: „Bon dem Augenblick an, wo die Genossinnen es als selbst- verständliche Pflicht erachten, ihrem Rechte zur politischen Organi- sation gemäß sich den sozialdemokratischen Vereinen anzuschließen, nimmt der Zwittercharakter, die Zwitterstellung der Frauen- bildungsvereine ein Ende. Das Gebiet ihres Wirkens wirb scharf abgegrenzt, denn die gesamte politische Tätigkeit der Genossinnen vollzieht sich einzig und allein innerhalb des Rahmens der sozial- demokratischen Partei. Die Frauenbildungsöereine weroen in der Tat zu„unpolitischen" Organisationen. Auch die Sorge für eine tiefere theoretische und allgemeine Bildung der Proletarierinnen geht von besonderen Frauenorganisationen an die allgemeinen Parteiinstitutionen über. Damit ist ausgeschlossen, daß sie— wie manchmal in der Vergangenheit— von einzelnen Persönlichkeiten als Zentren theoretischer oder praktischer Quertreibereien miß- braucht iverden. Tagegen ist die Möglichkeit vorhanden, daß die Frauenbildungsvereine sich mit ganzer Kraft zwei sehr wichtigen Tätigkeitsgebieten zuwenden. Das erste ist die Erziehung der Hausmütter, das andere die Fürsorge für Kinder. Das Bedürfnis nach einer besseren Ausbildung der prole- tarischen Hausfrauen und Mütter wird nicht nur von diesen selbst empfunden, sondern von großen Schichten ihrer Klasse. Gewiß: die EntWickelung des kapitalistischen Wirtschaftslebens schränkt das frühere hausmütterliche Schalten und Walten des Weibes weiter und weiter ein und überträgt immer neue Zweige desselben Be- rufsarbeitern und Berufsarbeiterinnen außerhalb des Heims. Aber mit dem kulturellen Aufstieg des Proletariats wachsen gleichzeitig die Anforderungen, welche an die Wirtschaftsführung der Haus- frauen gestellt werden. Der Klassenkampf hm und verfeinert die Persönlichkeit des Arbeiters und macht ihn dadurch„begehrlicher". Der klassenbewußte Proletarier weiß für sich und die Seinen eine gute und gesunde Ernährung zu würdigen, wie auch die vielseitigen Vorteile einer geordneten sauberen Häuslichkeit, auf der trotz aller Dürftigkeit ein Schimmer von Behaglichkeit und Schönheit ruht. Er schätzt vor allem im Hinblick auf das Befrciungsringen seiner Klasse, daß unter einsichtsvoller mütterlicher Pflege und Erziehung die Kinder gesund an Leib und Geist heranwachsen, von früher Jugend an mit dem Geist deS Sozialismus erfüllt, ein Geschlecht starker, zukunftsfroher Kämpfer. Die Armeleutschule tut so gut wie nichts, um die jungen Proletarierinnen für ihre späteren Pflichten als Hausmütter, als Kinderpflegerinnen und Erziehe- rinnen auszurüsten. Was bürgerliche„Wohlfahrtseinrichtungen" in dieser Beziehung nachzuholen suchen, steht nicht im Verhältnis zu denl vorliegenden Bedürfnis. Davon abgesehen, ist es in der Regel seiner Natur nach unzulänglich, trägt nicht selten den bitteren Geschmack der„Wohltat" und wird oft genug durch die Tendenz vergiftet, der Erweckung und Klärung des proletarischen Klassen- bewußtseins entgegenzuwirken. Proletarischen Frauenbildungs- vereinen steht ein weites und fruchtbares Tätigkeitsgebiet offen, wenn sie ssch angelegen sein lassen wollen, die Proletarierinnen für ihre Sonderaufgaben als Frauen in der Familie befähigter zu machen, wenn sie all die Fragen und Wissensgebiete pflegen, die dafür von Bedeutung sind. Hand in Hand mit der Bildung der Hausmütter kann die praktische Betätigung zur Fürsorge für Kinder gehen. Wir denken sie uns in der Art, wie sie gegenwärtig schon zum Beispiel von der Kindcrschutzkommisston der Dresdener Genossinnen ausgeübt wird. Diese überwacht die Durchführung deS Kinderschutzgesetzes und sucht darüber hinaus der kapitalistischen Ausbeutung der Kleinen, wie ihrer leiblichen und seelischen Mißhandlung durch Pfleger. Rabeneltern usw. zu wehren. Uns ist ferner die schöne Betätigung der Genossinnen in Schöneberg und anderen Berliner Vororten gegenwärtig, welche an den schulfreien Nachmittagen wie in den Ferien proletarische Kinder sammeln und zur Erholung und Spiel ins Freie führen. Bedenkt man. wie viel an körperlicher und geistiger Fürsorg« viele Zehntausend proletarischer Familien ihren Kindern unter dem Drucke der Not schuldig bleiben müssen, so zeigt sich, wie groß und segensreich das WirkungSgcbiet ist, das in der aufgezeigten Beziehung bor proletarischen FrauenbildungS- vereinen liegt. Sicherlich: die Genossinnen müssen mit den Ge- nassen zusammen energisch dafür kämpfen, daß die Gesellschaft die Pflichten erfüllt, welche ihr für Pflege und Erziehung deS proletarischen Nachwuchses zufallen. Jedoch solange diese das gar nicht oder nicht in rechter Weise tut, ist es ihre Pflicht, auf dem Wege der Selbsthilfe dazu beizutragen, daß dem kämpfenden Prole- tariat ein körperlich und geistig-sittlich starkes Geschlecht heran- wächst. Sie können tun, was das proletarische Heim nicht mehr zu leisten vermag, und was die Gesellschaft noch nicht leisten will. Zweifellos ist eS möglich, die allgemeinen Bildungsinstitutc des klassenbewußten Proletariats derart auszubauen, daß sie das Bedürfnis nach zweckentsprechender Ausbildung der Hausmütter befriedigen. Die nötige genossenschaftliche Fürsorge für die prole» tarischen Kleinen kann— je nach ihrem besonderen Objekt— von der gewerkschaftlichen und politischen Organisation, vom Arbeiter- sekrctariat, von besonderen Kommissionen usw. übernommen werden. Allein ob dies überall und jederzeit zweckmäßig wäre, ist eine Frage, die wir nicht allgemein unbedingt bejahen möchten. Eine andere Erwägung noch drängt sich auf. Die beiden hervor- gehobenen Arbeitsgebiete scheinen besonders geeignet, die selb- ständige Betätigung solcher ivciblichen Kräfte auszulösen, die— so treu sie zu dem kämpfenden Proletariat stehen— aus verschiedenen Gründen in der politischen und gewerkschaftlichen Bewegung sich nicht auswirken können. Diese Kräfte aber sind es, die in der Hauptsache den Stamm der Frauenbildungsöereine bilden werden. Angesichts der grundsätzlichen Reife, welche die proletarische Frauenbewegung erreicht hat, befürchten wir daher auch nicht, daß die Existenz der betreffenden Organisationen im weiblichen Prole- tarriat zu einer verderblichen Zersplitterung der Kräfte und Mittel führen wird. Die Genossinnen sind genügend geschult, um nie zu vergessen, daß die Proletarierinnen sich vor allem auf politischem und gewerkschaftlichem Gebiet als Klassenkämpserinncn betätigen müssen, und daß den meisten von ihnen eine darüber hinausgehende Wirksamkeit im öffentlichen Leben durch ihre Klassenlage verwehrt ist. Unsere Bewegung ist aber auch genugsam erstarkt, um ertragen zu können, daß verhältnismäßig kleine Gruppen von Frauen sich Aufgaben zuwenden, die zwar nicht unn. ittelbar auf dem Schlacht- feld, aber doch im Interesse des kämpfenden Proletariats liegen, vorausgesetzt immer, daß dadurch höhere Pflichten der proletarischen Solidarität nicht vernachlässigt Iverden. Dafür, daß die Bäuine der FraucnbildungSvereine nicht in den Himmel wachsen, sorgen schon zwei Umstände. Die feste Abgrenzung ihrcö Wirkungsgcbictes von der politischen Aktion und die Knappheit der Groschen und Minuten, welche die Mehrzahl der Proletarierinnen für ihre öffent- liche Betätigung verwenden können. Solange es den Wkännern nicht unter Hinweis auf die Vergeudung von Kraft, Zeit und .Mitteln durch Beschlüsse der Partciinstauzen verwehrt ist, sich in Kegel-, Rauch-, Skatklubs usw. zusammcnzutun, liegt auch kein Grund vor, den Frauen allgemein Vereine verbieten zu wollen, die unter Umständen eine recht nützliche Tätigkeit entfalten können. Wir begrüßen aufs freudigste die Zusammenfassung der prole- tarischcn Frauen und Männer als gleichverpflichtete und gleichberechtigte Kämpfer in der nämlichen Organisation. Sie entspricht der grundsätzlichen Auffassung der Sozialdemokratie von der Gleich- berechtigung der Geschlechter, wie den praktischen Interessen des kämpfenden Proletariats. Die konsequente Durchführung des Prin- zips der Gleichberechtigung darf jedoch nicht zu Prinzipienreiterei entarten, welche eine mechanische äußere Gleichmacherei an die Stelle der gewissenhaften, gerechten Prüfung aller tatsächlichen Verhältnisse setzt, welche für die Betätigung der Geschlechter in Betracht kommen. Uns sollte schrecken, was die bürgerliche Frauen- bemcgung in dieser Beziehung gesündigt hat." Versammlungen— Veranstaltungen. Achtung, 2. KrciS! Heute, Donnerstag, den 3. dieses Monats, abends 8)4 Uhr. Leseabend bei Hemp, Urbanstraße 170, wozu die Genossinnen freundlichst einladet Die Vertrauensperson. 0. Wahlkreis. 5. Abteilung: Donnerstag, den 3. September, abends 8V2 Uhr, Leseabend bei Hübner, Wattstraße 7.— 4. Abteilung: Freitag, den 4. September, abends 8� Uhr, Leseabend bei Lcppicn, Brunnenstraße 30. Die Vertrauensperson. Seriebts- Leitung. Polizeikampf gegen Lokalboykott. Wie in den meisten Vororten Berlins, so haben auch in Mahls- dorf an der Ostbahn unsere Parteigenossen einen harten Kampf um die Erlangung ausreichender Versammlungssäle zu führen. Die Gastwirte, welche den sozialdemokraiischen Arbeitern ihre Lokale zur Abhaltung von Versammlungen verweigern, halten cs trotzdem für ihr selbstverständliches Recht, von denselben Arbeitern bei Soimtagsausfliigen und dergleichen möglichst viel Geld ein- zuheimsen. Wenn unsere Parteigenossen gleiches mit gleichem vergelten und dahin wirken, daß den ungastlichen Gast- Wirten, die keine Arbeiterversammlungen in ihren Räumen dulden, auch bei anderen Gelegenheiten die Kundschaft der Arbeiter entzogen wird, dann rufen diese Wirte die Hilfe der Polizei an und die Polizei hilft ihnen gegen die Arbeiter. Zwar ist der Boykott ein durchaus erlaubtes Kampfmittel, aber wenn es von sozialdemo- kratischen Arbeitern gegen solche Leute angewandt wird, die ihnen die Ausübung des Versammlungsrechts unmöglich machen, dann findet die Polizei Bestimmungen und Verordnungen heraus, deren Anwendung die Ausübung des Boykottsrechts praktisch unmöglich machen soll. Eine Erfahrung dieser Art machten vier Parteigenossen in Mahlsdorf, die am ersten Pfingstfeiertage an die Ausflügler Zettel verteilt hatten, welche zur Meidung derjenigen Lokale aufforderten, die unseren Genossen zu Versammlungen verweigert werden.— Einer der betreffenden Wirte nahm Anstoß an dieser Zettelverteilung. Er ersuchte den Gendarm, dagegen einzuschreiten. Der Gendarm kam der Aufforderung deS Wirte? nach. Er zeigte die vier Parteigenossen an. Diese erhielten daraufhin eine Polizei- liche Strafverfügung, welche jedem der Zettelverteiler eine Strafe von 10 Mark auferlegte. Die vier Geuoffen sollen durch die Verteilung der Zettel den s 300 Absatz 10 des Strafgesetzbuches übertreten haben, soloie eine die äußere Heilig« hallung der Feiertage betreffende Provinzial-Polizeiverordmmg vom 4. Juli 1898 und eine für den Amtsbezirk Kaulsdorf erlassene Polizeiverordnung vom 11. Mai 1900, welche unter anderem das Verteilen von Druckschriften ohne polizeiliche Genehmigung verbietet. Vor dem von den vier Genossen angerufenen Schöffen- gericht Lichtenberg, welches am Mittwoch über diese„Straf- tat" verhandelte, machte der Verteidiger Dr. Kurt Rosenfeld geltend, daß weder der angeführte Paragraph de» Strafgesetzbuchs, noch die Polizeiverordnungcn durch daS Verteilen der Zettel verletzt worden sind. Die öffentliche Ordnung sei nicht gefährdet, die Sonntagsruhe sei nicht gestört worden und die Polizeiverordnung, welche die Verteilung von Druckschriften von einer polizeilichen Ge- nehmigung abhängig macht, könne hier auch nicht an- gewandt werden, da sie sich, in Uebereinstimmung mit dem Preßgcsetz, nur auf Drucksachen für den gewerblichen Verkehr beziehen kann, nicht aber ans solche der hier vorliegenden Art. Die Angeklagten müßten deshalb freigesprochen werden. Das Gericht verurteilte die Angeklagten zujelöM. Geld- st r a f e. Es hielt eine Uebertretung des Z 366 Absatz 10 des Strafgesetzbuchs sowie der Kaulsdorfer Polizeiverordnung, nicht aber der Provinzial-Polizeiverordnung für vorliegend. In der Urteilsbegrün- dung sagte der Vorsitzende Richter, die Strafe sei deshalb erhöht worden, weil die verteilten Zettel gehässigen Inhalts feien, denn es iverde darin zum Boykott derjenigen Gastwirte aufgefordert, die nicht Sozialdemokraten sind. ES ist erstaunlich, wie der Richter zu dieser irrigen Annahme gekommen ist. Aus dem Wortlaut des von dem Richter selbst In der Verhandlung verlesenen Zettels geht klar und deutlich hervor, daß die betreffenden Wirte nicht deshalb boykottiert werden, weil sie keine Sozialdemokraten sind, sondern ihre Lokale sollen deshalb nicht besucht werden, weil sie den Arbeitern zu Ver- sammlungen verweigert werden. Das ist doch etwas wesentlich anderes. Hier hat also das Gericht eine gar nicht be« stehende Tatsache als Grund für eine Strafvcrschärfung angenommen. Unterschlagung von krankcnknsscnbciträgcn. Die Vergehengegen das Krankenkassengesetz nehmen in erschreckender Weise überhand, daß kein Tag ver- geht, ohne daß die Strafkammern über einen oder mehrere Fälle dieser Art zu verhandeln hätten. Der typische Fall ist der, daß Arbeitgeber die den Ar- veitern abgezogenen Krankenkassenbeiträge nicht abliefern. iveil sie in finanzielle Bedrängnis geraten und zum vorgeschriebeneu Termin die erforderlichen Gelder nicht auftreiben können. Bei solcher Sachlage kommen die pflichtvergessenen Arbeitgeber zu- meist mit einer gelinden Geldstrafe da- von. Eine viel empfindlichere Strafe verhängte gestern die Ferienstrafkammer des Landgerichts I über die In- haberin einer Schneiderwerkstatt, Frau Luise Herfurt. Die Angeklagte beschäftigt mehrere Arbeiterinnen und hat geflissentlich drei derselben überhaupt nicht in ihrer Lohnliste geführt. Sie hat eine geraume Zeit hindurch diesen drei Arbeiterinnen regelmäßig die Kranke nkassenbeiträge von, Lohn abgezogen, diese Beträge aber der zuständigen Krankenkasse, die von der Existenz dieser Arbeiterinnen überhaupt keine Ahnung hatte, in rechts- widriger Absicht vorenthalten. AIS die Sache durch Zufall herauskam, hat die Angeklagte den Betrag der hintcrzogenen Beiträge der Krankenkasse zugestellt, sie konnte sich aber hierdurch von eiucr Anklage auf Grund deS § 82b des Krankenversicherungsgesetzes nicht befreien.— Der Staats- anwalt hält diesen Fall nicht für geeignet, nur mit einer Geldstrafe gesühnt zu werden. Durch derartige Machenschaften werde der jozialpolitische Gedanke, der dem Gesetze zugrunde liege, vollständig unterbunden und der Arbeiter um die Wohltaten, auf die er nach dem Gesetze einen Anspruch habe, gebracht. Der Staatsanwalt brachte daher aus diesen Erwägungen heraus eine Strafe von sechs Wochen Gefängnis in Antrag. Der Gerichtshof entsprach diesem Antrage._ Ein ElendSbild. In die Not deS Lebens gewährte eine Verhandlung Einblick, die sich gestern vor der 1. Ferienstrafkammer des Landgerichts I ab» spielte. AuS der Untersuchungshaft wurde der Schlosser Paul G. vorgeführt, um sich wegen Unterschlagung. Urkundenfälschung und Betruges sowie versuchten Betruges zu verantworten. Er ist schon mehrfach vorbestraft, es handelte sich also bei ihm um Verbrechen im strafschärfenden Rückfall, worauf iu erster Linie Zuchthaus steht. Der Angeklagte besitzt eine sehr ordentliche und achtbare Frau, die. wie ihre an den Ehemann nach dem Untersuchungsgefängnis ge- richteten Briefe beiveijen, in inniger Liebe an ihm hängt. Der Ange- klagte hat sich auch eine ganze Reihe von Jahren straflos geführt, ist aber durch eine besonders schwere Lebenslage schließlich wieder auf Abwege gedrängt? Das Kammergericht d e r Iv a r f die hiergegen vom Augellagten .--------- e m;,v. o,.. eingelegte Revision, weil die Vorentscheidung einen Rechtsirrtum nicht habe erkennen lassen. Insbesondere sei genügend festgestellt, worin das Verschulden des Angeklagten zu erblicken sei. worden. Die Beweisaufnahme ergab folgendes Viid: Der Aw geklagte leidet so stark an Gelenkrheumatismus, dah seine rechte Hand deformiert und seine Arbeitsfähigkeit stark herabgemindert ist. Er befand sich dann lange Zeit ohne Arbeits- verdienst, da seine Frau über Jahr und Tag an einem schweren Unterleibsleiden erkrankt war und er zu ihrer Pflege zu Hause bleiben mutzte. Die Krankheit der Frau fratz bald die wenigen Notgroschen auf, was zu versetzen war, wurde versetzt und mit Hilfe des Sohnes, der in einer Fabrik arbeitete, aber auch kränkelte, gelang cS, sich einige Zeit über Wasser zu halten. Als dann aber der Sohn auch arbeitsunfähig wurde und in eine Lungenheilstätte gebracht werden mutzte, wurde die Bedrängnis inmier größer. Der An- geklagte fand keine Arbeit, und da er, wie er behauptet, sich vergeh- lich um Armcnunterstützung beworben hatte, wntzte er bald nicht mehr ein noch aus. Da wollte es der Zufall, datz er, wie er der- sichert, auf der Stratze ein Paket mit Formularen zu Rezepten vorfand, wie sie von Aerzten in der Krankenkassen-Praxis angewendet werden, um in Apotheken bezw. Drogerien die unentgelt- liche Hergabe von Medizin. Verbandsstoffen usw. an die betr. Patienten zu veranlassen; die Bezahlung dieser Rezepte erfolgt dann durch die Krankenkassen. Diese Formulare benutzte der Angeklagte dazu, um sich Geld zu verschaffen. Er füllte die Formulare in der Weile aus, datz irgend ein Arzt, dessen Namen er unleserlich hinkritzelte, einem Arbeiter Meyer, Neumann oder Lehmann Lysoform, Verbandswatte, Verbandsbinden und dergleichen verschrieb. In einzelnen Fällen bewog er die Drogisten, ihm'ansiatt der verschriebenen Verbandsstoffe bares Geld zu geben, indem er ihnen sagte, er besitze noch von früheren Verordnungen genügend. Manchmal lieh er sich auch anstelle der verschriebenen Waren Seife geben, die er dann auf den« Wege des Handels in Schauklokalen zu Gelde machte.— Der Angeklagte war ganz geständig. Das auf diese Weise erworbene Geld will er, wie er unter Tränen versicherte, dazu benutzt haben, um sich und seineFrau vor dem Verhungern zu schützen. Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Dr L i s s e r II empfahl den Angeklagten, der in jeden, Punkte die Wahrheit gesagt habe, einer möglichst milden Beurteilung, da er sich in unsagbar bedrängter Lage befunden habe. Der Gerichtshof billigte dem Angeklagten auch mildernde Umstände zu und ver- urteilte ihn zu sechs Monaten eine Woche Gefängnis, wovon 2 Monate auf die Untersuchungshaft angerechnet wurden. Auch wurde die Haftentlassung bewilligt. Bestrafung zu starker Rauchcntwickclung de-Z Autobus. Der Berliner AutobuSftihrer Jurisch sollte die Verordnung vom 2g. September 1906 verletzt haben, und zwar in folgender Bestimmung: Der Kraftwagenführer ist bei Leitung des Wagens zu besonderer Vorsicht verpflichtet, namentlich hat er dafür zu sorgen, datz Belästigungen durch Rauch und Dampf möglichst ausgeschlossen werden. Das Landgericht hielt für festgestellt, datz der Kraftomnibus J.s bei einer Abfahrt vom Halleschen Tor derart starken Rauch und Geruch habe ausströmen lassen, datz Vorübergehende belästigt wurden. Jurisch wurde mit folgender Begründung zu einer Geldstrafe verurteilt: Ganz zu ver- melden sei die Rauch- und Geruchentwickelung zwar nicht, immer- hin aber könne nach dem Gutachten des Sachverständigen der Führer die Nauchentivickelung in gewissen Grenzen halten. Da ?ier nun die Rauchentwickelung eine übermätzige gewesen sei, so olge daraus, datz Angeklagter die nötige Vorsicht nicht habe ob- walten lassen. Polizcibeamte schlagen nicht. Ein Beleidigungsprozetz, den der Kriminalkommissar W i e l a n d iu Frankfurt a. M. gegen die Redakteure der an- archistischen Wochenblätter„Der Revolutionär" und„Der freie Arbeiter" angestrengt hatte, beschäftigte gestern die erste Feriensirafkammer des Landgerichts I. Aus der Strashast wurden vorgeführt der Tischler Richard Fischer und der Gürtler Paul Schmie!. Im Februar d. I. fand in Frankfurt a. M. eine Arbeits- loseiiversammlnng statt, in welcher zwei Anarchisten namens Busch und Müller als Redner auftraten. Die Versammlung Ivurde von dem Kriminalkommissar Wieland in dem Augenblicke aufgelöst, als Busch in feinet Rede sich einer Aufforderung zur Begehung von Ge- Walttätigkeiten im Sinne des Z HO des St.-G.-B. und einer Auf- reiznng zum Klassenhatz nach§ 130 schuldig machte. Busch selbst wurde durch den Kommissar verhaftet, lieber diesen Vorfall er- schienen am 8. Februar d. I. in den erwähnten anarchistischen Feit- fchristen Artikel, in denen das Verhalten des Kriminalkommissars Wieland kritisiert wurde. Es wurde unter anderem die Behauptung aufgestellt, datz Busch nach seiner Festnahme auf der Polizei- wache mit einem Gummi schlauch mißhandelt worden sei. In seiner kommissarischen Vernehmung war von Busch diese Behauvtung bestätigt worden, während seitens der beteiligten Polizeibeamten diese Angabe als völlig aus der Luft gegriffen bezeichnet wurde.— Die Strafkammer hielt beide Angeklagten des Vergehens gegen die§§ 185, 186 für überführt und erkannte gegen Fischer auf sechs Wochen und gegen Schmie! auf drei Wochen Ge- fän g nis zusätzlich sowie auf Einziehung der Platten und Formen. Außerdem wurde dem Beleidigten die Publikationsbefugnis zu- gesprochen._ Bnefhaften der Redaktion. Tie snrlstlsch« SprrihsNinde finvtl Liudeaftrahe Nr. 3, zweiter Hof, dritter Eingang, vier Trcpvcn, MF- F a h r st» h l-MA wochentaglich abends von?>/> bis s>/, Ndr statt. tSeönue« 7 Nhr Sonnabends degiuu» dt« evrechstunde NM« Uhr. Jeder Slnfra«- ist ei» Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizutüaen. Briefliche Antwort Wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Briefkasten können 14 Tage vergehen. Eilige Frage» trage man iu der Svrechswude vor. P. R., Rixdorf. In der Nr. 68 des„Borwätts" vom 20. März, 3. Beilage, finden Sie die Frage: was ist abzugsfähig vom Ewkommen bei Steuerveranlagung? vollständig beantwortet. Sie können die Nummer hier in der Expedition, vielleicht auch in Ihrer Spedition, Neckarstr. 2, ein- sehen.— S." 43. Wir haben uns wiederholt mit der von Ihnen ge- nannten Kranleiikafse beschäftigt und vor derselben gewarnt. 2. 1906.— A. L. 402. Wir würden Ihnen raten, bei der Steuerdeputation um Stundung cinzukommen. Dann würde eS gewiß zu einer solchen Maß- regel nicht kommen.— Charlotte 54. Wir halten es ja für Schwindel. — Laubenkolonie.„Laubcnkolonist", Pankow. Florastr. 14.— 100. Berg. 1. Wir haben schon wiederholt gewarnt. 2. Osfenbacher Krankenkasse, Hinz, Prinzenstr. 66.— G. 333. Sollten Sie nicht lieber mit Ihren Eltern sprechen. Sic sind ja noch nicht vertragsjähia.— A. H. 87. Die Dienst- Herrschast muß während sechs Wochen sür die Erkrankte eintreten.— Z. Nein. — SW. H. 100. Ein geschlossener Vertrag mutz erfüllt werden, es sei denn, daß die Voraussetzungen, unter denen der Vertrag geschlossen ist, nicht zutrcsfen. Dann müßte auj Aufhebung des Vertrages geklagt werden.— F. S. 100. Die Sachen der Frau hasten nicht. Gegen eine Psändung müßte die Frau Einspruch erheben. — Stein. Der MietSverlrag«ntsch-ldek. P. F. Wie immer. Ew laubnis wird vor Ablauf eines Jahres nicht erteilt.— L. L. 100. Sie können nicht klagen.—«5. P. P. 1. Nein. 2. Fa.— T.Duftis in Originalpackung, ges. geschützt. Feinste 6, 8 n. 10 Pf. Zigarre. Milde und aromatisch. Nachahmung wird gerichtlich verfolgt. Anfragen befördert u. F. D. E. 778 an Badolf Masse, Berlin SW. ••••••• Elffeno Werkstätten! Möbelfabrik Julius Apelt, Tischler-Meister M Adalbertstraße No. 6 «492* Hochbahnhof Kotlbuser Tor Für bestes u. trockenes Material garantiert! 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Tagesordnung: Staat, Kirche und Schule. Referent: Landlagsabgeordneter Genosse A d o l Hoffmann. Agitiert für Massenbesuch. Der Borstand. berliner JNtecbncbten. Im Äinderhause. In der Flucht der langen Häuserreihe würde man dieses vortreffliche und gemeinnützige Institut kaum herausfinden würden nicht an der Vorderseite zwei niedliche Säuglinge den Zweck des Hauses plastisch zum Ausdruck dringen. Weist das Vorderhaus ganz den Charakter der älteren Miets kasernen auf, so verrät das stattliche Quergebäude mit seinen glasierten Kachelsteinen und den hohen breiten Fenstern durchaus seine neuzeitliche Entstehung. Es ist kurz vor 12 Uhr. Die Oberin ist noch nicht aw wcsend und wir drücken uns in eine Ecke und lassen die Mütter mit ihren kleinen Patienten durch. Jede erhält von der Schwester ein grünes Kuvert, auf dem mit rotem Stift etwas geschrieben steht; dann verteilen sie sich in die einzelnen Räume. Gleich darauf weckt uns eine Stimme aus unserem Sinnen auf. Eine jugendliche, hübsche Erscheinung, in ähn- licher Tracht wie die Schwester, stellt sich uns als Oberin dieser Abteilung vor. Wir hatten erwartet, eine alte, ehrwürdige Matrone zu treffen und waren nun, ehrlich gestanden, an genehm enttäuscht. Nach einer kurzen Unterhandlung, bei der eine gewisse S:cheu, wie sie der Presse gegenüber oft zum Ausdruck kommt, nicht zu verkennen war, die aber nach und nach verschwand, nahmen wir den Rundgang durch die Anstalt auf. Zuerst ging's in die tiefer gelegenen Spül- und Kühl räume, wo die Milchflaschen gereinigt werden und wo Eis' schränke und Kühlanlagen vie Milch und sonstige Materialien vor schädlichen Einflüssen schützen. Von hier ging's in die Küche, wo es angenehm orodelte und verführerische Düfte die Nase umfächelten. Ueberall dieselbe Akkuratesse, überall peinliche Reinlichkeit. Noch einen Blick ins Nebenzimmer, wo einige Schwestern an der appetitlich gedeckten Tafel ihre Mittagsinahlzeit einnehmen, während in dem Zimmer der Oberin die Assistenzärzte essen; dann nehmen wir den Weg nach dem oberen Stockwerk, der den inter essantcsten Teil des Instituts, nämlich die Klinik, enthält. Zwei helle, vorzüglich gelüftete Räume nehmen uns auf Die wohltuende, freundliche Stimmung gibt ihnen ein eigen' artiges Gepräge. Der unangenehme Eindruck, den man gewöhnlich in anderen Krankenhäusern empfängt, kommt hier gar nicht auf. Und es ist durchaus anzuerkennen, daß die Leitung des Hauses das möglichste getan hat, um den Räumen den trüben Charakter einer Klinik zu nehmen und ihnen einen wohligen, fast heiteren Anstrich zu verleihen. Es werden hier Kinder bis zu 14 Jahren aufgenommen. In eisernen Bettstellen, auf blendend weißem Linnen, ruhen die kranken Proletarierkinder und fühlen sich in den weichen, schönen Bettchen ordentlich mollig. Auf einem gedeckten Tisch in der Mitte des Zimmers steht ein Schreibzeug und mehrere Rosen- und Blumenbuketts strömen ihren köstlichen Duft aus und gewähren einen herzerquickenden Anblick. Am Fenster steht eine kleine Bank nebst Stühlchen und ein Spieltisch, den zwei Töpfe mit rankendem Immergrün schmücken. Hübsche Puppen bilden das Ideal der kleinen weiblichen Patienten und die Wände zieren Bilder, die dem Verständnis der Kleinen angepaßt sind. Eine große Spieldose sorgt mit heiteren Weifen für das Gemüt, bringt Abwechselung in die langen Stunden der Leidenszeit. Im Nebenraum liegen die kranken Säuglinge, für deren Wohlergehen in der erdenk- lichsten Weise gesorgt ist. Sie ruhen in kleinen, hübschen Wiegen und ein Schleier wehrt den lästigen Besuch der auf- dringlichen Fliegen ab. Jedes Kind hat seine eigene Bade- und Wascheinrichtnng. Töchter aus der oberen Gesellschaft warten und pflegen die Kleinen und bilden sich in einem ein- jährigen Kursus zu Krankenpflegerinnen für Kinder aus. Soeben kommt der Oberarzt, Dr. Oberwarth, der schon von Anfang an an diesem Institut wirkt, mit seinen Assistenten, um die kleinen Patienten zu konsultieren. Auch hier stoßen wir zunächst auf eine reservierte Haltung, die aber bald in gewinnende Liebenswürdigkeit umschlägt. Wir begeben uns solange, bis die Aerzte ihren Rundgang beendet haben, in das Laboratorium, das uns anmutet, wie Faust's Hexen- küche.„Mit Gläsern, Büchsen rings umstellt, mit In- strumenten vollgepfropft", so bietet sich uns dieser mysteriöse Raum dar, wo uns aber Herr Dr. Oberwarth sehr bald wieder herausholt und uns nach dem Vordergebäude führt, das die Wöchnerinnenunterkunft enthält. Wir erfahren noch, daß für die Kinder, die täglich nach der Klinik gebracht werden, �irka 20 Spezialärzte tätig sind. Ein schönes Zeugnis für dieses Werk, das der Initiative und zum größten Teil auch der Prwatkasse des Professors Neumann entsprungen ist, der zurzeit infolge Ueberanstrengung erkrankt ist. Im Vorderhause finden wir 30 Säuglinge in ihren kleinen Bettchen; für kranke ist ein gesonderter Raum vor- handen. Hier liegt, in den Kissen versteckt, ein Kind, das bei der Einlieferung ganze— 3 Pfund wog. Nun hat es sich aber schon prächtig herausgemacht—„wir bringen's durch," erklärt die Oberin, mit mildem Antlitz und dem schlichten Häubchen auf dem grauen Haar, befriedigt. Mit mütterlichem Stolze führt sie uns von Wiege zu Wiege, immer erklärend und mitteilsam. In einem Bettchen liegen zwei allerliebste, bildhübsche Zwillinge mit großen, blauen Augen und rundem, vollem Gesicht. Sie bilden die Freude aller Anwesenden. In dieser Anstalt werden hilfsbedürftige Wöchnerinnen mit ihren Säuglingen ohne Entgelt aufgenommen und sorg- fältig gepflegt, bis sie als gesund entlassen werden können. Mutter und Kind stehen fortdauernd unter ärztlicher Be- wachung. Das Gewicht der Milch, die das Kind von der Brust trinkt, wird jedesmal durch die Wage festgestellt. Die tauglichen Wöchnerinnen erhalten, sofern sie Lust haben, Siesten als Ammen zugewiefen. Uns wuids aber aesaat. ' daß unter zehn kaum eine oder zwei imstande sind, ein Kind zu nähren, da sie meist durch Kummer und Entbehrungen zu weit heruntergekommen sind. Die Oberin erzählte uns er greifende Episoden aus ihren reichen Erfahrungen, Jammer bilder aus der Tiefe des Volkes, erschütternde Tragödien, die deshalb nicht geringer sind, weil sie alltäglich vorkommen. Ein kleiner, dunkellockiger Knabe mit klugen Augen, mit einem reizenden Schelmengesicht, gehört zum„eisernen Be- stand", wie der Arzt scherzend erklärt. Er ist der Liebling des ganzen Hauses. Seine Mutter hat ihn als Säugling gebracht und sie arbeitet noch im Heim. Mit dem„fremden Onkel" schließt er sofort Freundschaft und zeigt uns noch die hellen, luftigen Schlafräume der Wöchnerinnen. Unterrichts- kurse in der Säuglingspflege werden, sowohl für Un- bemittelte als auch für Bemittelte, im Hause abgehalten. In einem Bureau wird Rat und Auskunft erteilt. Es würde zu weit führen, alles Gute und Nützliche in diesem mustergültigen Institut zu schildern, das in den heutigen Verhältnissen leider nur einen Tropfen Wasser auf einen heißen Stein bildet. Hier bietet sich der sozialen Er- kenntnis und Betätigung ein weites Feld. Die Kommune hätte hier noch große Aufgaben zu erfüllen, Aufgaben, deren Lösung sie nicht allein der Privatwohltätigkeit überlassen sollte._ Aus dem Tieföauwcsen. In der gestrigen Sitzung der städtischen Tiefbaudeputation wurde unter anderem die beantragte Durchlegung der bekannten Privatsache zwischen der Alten Jakob- und Alexandrinenstratze: Simeon st ratze von der Wasiertor- bis zur Jakobstratze beraten. Von den Anliegern und Besitzern dieser Stratze sind der Stadt- gemeinde vor etwa neun Jahren 68()(X) M. für die Uebernabme gc boten worden. Obgleich inzwischen das Pflaster dieser Stratze sich weiter verschlechtert hat und grotze Aufwendungen erforderlich sind, wollen die Anlieger nur 64 006 M. für die Uebernahme an die Stadt zahlen. Die Deputation lehnte mit Rücksicht auf die Kosten der Durchlegung und Neupflasterung die Uebernahme usw. der Privatstratze ab.— Der ortsstatutarische Steinpflaster preis für Berlin wurde auf 13,70 M. pro 1908 festgesetzt. Von der Erhebung von Beiträgen zu den Kosten des Baues der Achenbach- Brücke wurde Abstand genommen Genehmigt wurde die Einrichtung einer Gartenanlags in der Wall- stratze an der Grünstratze auf dem früheren Grundstück von Ravens Dann beschäftigte sich die Deputation mit dem Antrage der Gemeinde Reinickendorf wegen Abänderung und Festsetzung von Flucht- l i n i e n für die Abteilung X 1 des Bebauungsplanes und die Anlage einer Stratze durch den Schillerhain und Bewilligung einer Entschädigung. Die Deputation beschlotz, den Plan den Wünschen der Nachbargemeinde Reinickendorf entsprechend ändern zu lassen, wozu ein Genieindebeschlutz herbeigeführt werden mutz. Zur Gerade- lcgung des Spreeweges zwischen dem Grotzen Stern und der Bellevue- allee soll ein Flächenaustausch mit dem Fiskus stattfinden und der Reitweg etwas eingeschränkt werden. Dieser Plan fand die Zu- stimmung der Deputation._ AuS den Gemriiideschulcit: Erfreuliches nud Unerfreuliches. Zum Beginn des Winterhalbjahres sollen neue Gemeinde- schulhäuser fertig werden. Es werden daher mehrere Schulen verlegt: die 87. Schule(für Mädchen) und die 93. Schule(für Knaben) beide aus dem Mietshaus Memeler Stratze nach dem neuen SchulhanS Bromberger Stratze; die 257. Schule (bisher für. Knaben und Mädchen, fortan nur für Knaben) aus dem Mietshaus GrcifSwalder Stratze nach dem neuen Schulhaus Bötzow« stratze; die 269. Schule(für Knaben) aus dem Mietshaus Schönhauser Allee 108 und die 274. Schule(für Mädchen) aus dem Mietshaus Stargarder Stratze beide nach dem neuen Schulhaus Sounenburger Stratze; die 42. Schule(für Knaben) und die 275. Schule(für Mädchen) beide aus dem Mietshaus Schön- Häuser Allee 103 nach dem neuen Schulhaus Driesener Stratze; die 277. Schule(für Knaben und Mädchen) aus dem Mietshaus Gethsemnnestratze nach dem neuen Schulhaus Greifenhagener Stratze nördlich der Ringbahn; die 231. Schule(für Knaben und Mädchen) aus dem Mietshaus Wielefstratze und die 263. Schule(für Knaben und Mädchen) aus dem Mietshaus Berlichingensiratze beide nach dem neuen Schulhaus Bochumcr Stratze; die 239. Schule(für Knaben und Mädchen) aus dem Mietshaus Wcitzcnburger Stratze nach dem neuen SchulhanS Christburger Stratze 7. Zu gleicher Zeit werden verlegt die 256. Schule(für Knaben und Mädchen) aus dem Mets- hauö Pofener Stratze und die 287. Schule(für Knaben und Mädchen) aus dem Mietshaus Frankfurter Allee 27 beide nach dem Mietshaus Memeler Stratze, das von der 87. und der 98. Schule verlassen wird. Schon diese Aufzählung kann eine ungefähre Vorstellung davon geben, bis zu welchem Umfang der Notbehelf der Miels- schulhäuser in den letzten Jahren sich entwickelt hat. In dem laufenden Sommerhalbjahr sind nahezu 700 Klassen in Mietsräumen untergebracht. Zum Oktober wird ja hierin eine merkliche Aenderung eintreten, doch werden im Winterhalbjahr immer noch fünf- hundert Klassen auf MietSräume angewiesen sein. DaS Winterhalbjahr bringt auch wieder eine Ve�r mehrung der Schulen, die dem Osten, Nordosten, Norden, Nordwesten zu- gute kommt. Aber gleichzeitig fährt die Schulverwaltung leider fort, in anderen Stadtteilen Schulen aufzulösen, die sie für „überflüssig" hält. Die 275. Schule(für Mädchen), die aus der Schönhauser Allee nach der Driesenerstratze übersiedelt, wird durch ein„Filial" verstärkt, das das alte Heim, das Mietshaus Schön- hauser Allee 103, weiterbenutzen mutz. Neu eröffnet werden: eine 293. Schule(für Mädchen) im Mietshaus Frankfurter Allee 4, eine 294. Schule(für Mädchen) im neuen Schulhaus Bötzowstratze, in das auch die 257. Schule einzieht, eine 295. Schule(für Knaben) im Mietshaus Lütticher Stratze 7, wo bisher schon einige Klassen bestanden und als„Filial" der benachbarten 63. Schule geführt wurden. Neu kommt ferner hinzu eine 17. Schule(für Knaben und Mädchen) im Mietshaus Stargarder Stratze. das von der 274. Schule verlassen wird. Eine 17. Schule(für Mädchen) gab es bisher in der Ackerstratze, sie hört aber zum Oktober auf, als selbständiger Schulorganismus zu bestehen. Ihre Auslösung war längst beschlossen, die untersten Klassen sind schon im Frühjahr eingezogen worden, im Winterhalbjahr folgen die mittleren, von da ab werden die oberen als„Filial" der benachbarten 207. Schule geführt, bis auch sie eingezogen werden können. Zur Auflösung bestimmt sind auch die 67. Schule(für Knaben) und die 72. Schule für Mädchen), beide in der B r a n d e n b u r g st r a tz c. DaS Schulhaus wird gebraucht für die Pflichtfortbildungs- chule, die es bereits mitbenutzt; da„trifft es sich" prächtig, datz ausgerechnet jetzt die beiden Gemeindeschulen als„überflüssig" er- kannt werden. Schon zum Oktober nehmen sie keine neuen Schul- rekrutcn mehr auf, so datz jetzt die untersten Klassen wegfallen und päter die ganzen Schulen von selber eingehen müssen. Für Ge- meindeschulcn gilt es der Schulverwaltung als selbstverständlich, datz Klassen und Schulen schon dann als schwach besetzt und zur Auf- lösung reif aiizufehen seien, wenn ihre Frequenz erst auf ein er-' trägliches Matz herabzusinken beginnt. Am 1. Mai dieseZ Jahres sahen in der 67. Schule noch 637 Knaben, in der 72. Schule noch 635 Mädchen. Als Nnchbarschuler kommen in Betracht in der Wasscrtorstratze die 129. Schult mit 665 Knaben, die 112. Schule mit 645 Mädchen, in der Alter. Jakobstratze die 4. Schule mit 616 Knaben, die 6. Schule mir 689 Mädchen. Man kann sich denken, wie in den Nachbarschuler. die Frequenz steigen mutz, wenn die Schulen in der Brandenburgstratze eingezogen werden. Doch das kümmert nicht unsere Schulverwaltung. Der RathauSf/eifinn macht weitestgehende Sparsamkeit ihr zur Pflicht, und danach hat sie sich zu richten. Es handelt sich ja„nur" um die Schulen für Kinder des werktätigen Volkes, das bekanntermaßen«nichts zu der- langen" hat._ Die städtische Schuldepntation beschäftigte sich am Mittwoch mit der Mitteilung des ProvinzialschulkollcgiumS über die Zulassung von Lehrerinnen zur. Mittelschul- oder Rcktorenprllfung. Das Provinzial- schulkollegium hat diese Zulassung abgelehnt, aber anheimgestcllt, einer geeigneten Lehrerin unter bestimmten Voraussetzungen die Leitung einer Mädchenschule zu übertragen. Die Schuldepntation hat beschlossen, in Zukunft, wenn eine ganz hervorragend tüchtige Dame sich findet, die geeignet ist, eine Schule zu leiten, einen Ver- such zu machen. Gleichzeitig wurde aber beschlossen, beim königl. Provinzialschnlkollegium zu beantragen, den Lehrerinnen die Mög- lichkeit zu schaffen, die Rcktorenprüfnng und das Examen für Mittel- schulen zu leisten. Gegen die Richtigkeit der Gcmeindcwählerliste sind 16 Einsprüche erfolgt, die von der Stadtverordneten-Versammlung geprüft werden. Als Grund der Nichtaufnahme gibt der Magistrat in zwei Fällen an, irrtümlich nicht aufgenommen, in fünf Fällen, weil in Preußen nicht ortsangehörig gemeldet, in drei Fällen, weil als Schlafbursche gemeldet. In vier Fällen werden die Vorbenannten als Steuer- restanten bezeichnet, während zwei noch nicht lange genug in Berlin wohnen. Nach Unterschlagung von einer halben Million Mark ist der Geschäftsführer der Verkehrsreklame G. m. b. H. Erich Kurths aus der Albrechtstr. 14 flüchtig geworden. Die Betrügereien führte K. aus mit dem Leutnant a. D. Richard Schramm, der ebenfalls den Staub von den Pantoffeln geschüttelt hat und bereits steckbrieflich verfolgt wird. Nach Unterschlagungen, deren Umfang noch nicht feststeht, hat sich gestern der 40jährige Bankier Gustav Herzberg ans der Uhlandstratze 14 erschossen. Herzberg wohnte als Junggeselle mit seiner Schwester, einer Offizierswitwe zusammen und betrieb in der Friedrichstratze 126 ein kleines Bankgeschäft und eine preutzische Lotterieannahmestelle. Das ganze Personal bestand nur noch aus einem Boten und einem Lehrling, der Börscngänge be- sorgte. Nachdem Herzberg gestern morgen um 8 Uhr von Hause fortgegangen war, begab er sich in sein Geschäft und schrieb einen Brief, in dem er mitteilte, datz er sich an Depots vergriffen habe und sich das Leben nehmen werde. Dann ging er nach dem Admirals- gartenbad in der Nähe des Bahnhofs Fricdricbstraße und erschoß sich. Die Kriminalpolizei beschlagnahmte den Brief, nachdem die Revier- Polizei die Leiche nach dem Schauhause hatte bringen lassen, und den Barbestand der Kasse, im ganzen 6760 M. Wie hoch sich die Unterschlagungen belaufen, läßt sich nicht sagen, ehe die Bücher ge- prüft worden sind. Das Opfer der Klatschsucht wurde die 80 jährige Krankenpflegerin Frieda Zimmer aus der Speyer« Stratze 2. Das Mädchen bewohnte dort eine kleine Stube und war als Privatkrankenpflegerin tätig. In der letzten Zeit wurden über sie Gerüchte verbreitet, die ihre Sittenreinheit in Zweifel zogen. Da es dem Mädchen nicht gelang, die Urheber dieser Klatschereien zu ermitteln, fatzte sie, völlig gebrochen, den Entschluß, freiwillig ans dem Leben zu scheiden. Als die Wirtin ihr heute früh den Kaffee bringen wollte, fand sie keinen Einlaß und ließ die Tür gewaltsam öffnen. Die Schwester wurde leblos auf dem Bette liegend aufgefunden. Bor dem Gesicht trug sie eine AethermaSke. Durch Einatmung des Acthers war der Tod herbeigeführt worden, In einem hinterlassenen Briefe teilte die Lebensmüde mit, daß sie das Opfer niederer Klatschsucht gc- worden sei. Zwischen Himmel und Erde. Ungewöhnliches Aufsehen rief gestern nachmittag ein Borfall in der Blumenstraße hervor. Der 19 Jahre alte Schorusteinfegergeselle Karl Cramer, Landsberger Allee 49 wohnhaft, hatte auf dem Dache des Hauses Blumenstr. 22 die Schornsteine fegen wollen. Als er nun über ein Lausbrett, das zwischen einem der Schornsteine und der Dachspitze gelegt war, hinweg schritt, brach dieses plötzlich mitten durch und C. stürzte ab. Er hatte jedoch die Geistesgegenwart,, sich an dem am Dachfirst befindlichen Schornstein, gegen den er fiel, anzuklammern. So hing er denn zwischen Himmel und Erde. Aus dem Schornstein, der bei dem Anprall stark beschädigt worden war, löste sich nun ein Teil nach dem anderen heraus und die Situation wurde dadurch für den jungen Menschen immer gefährlicher. Endlich kamen zwei Kol- legen des G., die in der Nachbarschaft tätig gewesen waren, zu Hilfe. Sie befreiten ihren Kameraden und brachten ihn nach der Unfallstation am Grünen Weg. Der Verunglückte hatte bei dem Vorgang schwere innere Verletzungen erlitten. Er fand im Kranken- Haus am Friedrichshain Aufnahme. Unterm Autobus. Bei einem Zusammenstotz mit einem Auto- mobilomnibus der Linie Nixdorf— Moabit ist der Nadfahrer Max Jassie aus der Usedomstr. 21 schwer zu Schaden gekommen. Der junge Mensch war, auf dem GeschäftSrade fahrend, an den Omnibus herangeratcn und von der Maschine hcrabgeschleudert worden. Er stürzte unter den Autobus, dessen Räder über seine Beine hinweg gingen. Schwcrverletzr brachte ein Schutzmann den Ucberfahrencn nach der Unfallstation in der Kroncnstratze, wo er die ersten Not- verbände erhielt. I. fand später im Krankcnhause Moabit Aus- nähme. Arbeitslosigkeit und Selbstmord. Immer mehr häufen sich in letzter Zeit die Selbstmorde, die infolge von Arbeitslosigkeit verübt werden. Auch heute liegt wieder ein solcher Fall vor. In der ver- gangeuen Nacht machte der 27jährige Arbeiter Robert Eisenstein aus der Wriezenerstr. 27 seinem Leben gewaltsam ein Ende, er erhängte sich in der Wohnung am Türpfosten, Not und Entbehrung, durch Arbeitslosigkeit hervorgerufen, hatten den Lebensmüden zu seinem Schritt veranlaßt. Die im Rudolf Virchow-Krankenhause erkrankte» Schwestern sind. wie aus dem Rathause berichtet wird, sämtlich wieder hergestellt und tun bereits wieder Dienst. Die Untersuchung über daS Vorkommnis ist noch nicht abgeschlossen. Demnach waren die alarmierenden Nachrichten des„Berliner Tageblatt" über die Angelegenheit stark übertrieben gewesen. Aus dem Fenster des vierten Stockwerks auf die Stratze gestürzt hat sich gestern früh 7ll2 Uhr eine Frau aus dem Hause Metzer Str. 16. Die Aermste war sofort tot, die Leiche wurde nach dem Schauhause geschafft. Ueber die Ursache der Tat konnte genaues nicht festgestellt werden. Nrvciter-Bildungsschule Berlin. Am Sonntag, den 6. Sep- tember, FamilienauSflug nach Schmargendorf. Abfahrt der Süd- ringzüge nach Halenfee: Schlesischcr Bahnhof 1.26, Jannoivitzbrücke 1.29, Alexanderplatz 1.31 usw.. Potsdamer Bahnhof 1.45. Treffpunkt für Nachzügler von 2'/, Uhr nachmittags ab: Restaurant„Schützen- hauS", Jnh. H. Meißner, Hundekehlestr. 20 in Schmargendorf, auch mit der Straßenbahn zu erreichen. Ferner weisen wir nochmals darauf hin, daß die Vibliothe! während der Ferien jeden Donnerstagabend von 8—9 Uhr geöffnet ist, wo auch Beiträge entgegengenommen werden. Zeuge», welche gesehen haben, wie der Schlosser Paul Gennrich am 13. Juli, abends gegen 7 Uhr am Ningbahnhof in Tempelho durch Ueberfahren durch die Elektrische verunglückte, werden gebeten, ihre Adresse an Klara Gennrich, Kastanien-Allee 3ö, zu senden. Feucrwchrnachrichtc». In der letzten Nacht wurde die Feuerwehr wegen einer Gasvergiftung nach der Mittenwaldcr Straße 19 ge rufen. Leider zu spät. Eine Frau war schon tot und Wieder helebungsversuche erfolglos. Gleichzeitig erfolgte ein Alarm nach dem Exerzierplatz an der Schwedter Straße. Der Zaun mit der Hecke war dort in Brand gesteckt worden. Möbel, Gardinen usw wurden in der Brunnenstraße 7 und anderen Stellen ein Raub der Flammen. Teerdächer brannten Hohenstaufenstraße 64, Elisabeth Ufer 7, Claudiusstraßa. 17 und anderen Orten. In der Katzbach straße 3 mußte ein Bodenbrand gelöscht werden. Hausrat brannte dort. Ein Kellerbrand wurde aus der Linienstraße 23 gemeldet. Stroh und anderes war dort in Brand geraten. Der 1. Zug rückte nach der Landsberger Allee 146 aus, wo schon eine Stunde vor Ankunft unter entsetzlichem Geruch Fleisch in einem Topf brannte. In der Paulstraße 16 wurde die Leinewandbekleidung eines Ballons ein Raub der Flammen. Vorort- l�aclmcbtsn. Wohnungswesen in Wilmersdorf. Während anderswo die Bautätigkeit im vorigen Jahre heträchtz lich abgenonimen hat, ist in Wilmersdorf nach dem soeben heraus gegebenen amtlichen„Bericht über Bautätigkeit und Wohmnigs Produktion" von einein Rückgange kaum etwas zu merken gewesen. Im Jahre 1966 entstanden hier 144 Neubauten mit 2916 Wohnungen und 62 Gewerberäumen ohne Wohnung; im Jahre 1967 wurden her- gestellt 139 Neubauten mit 2952 Wohnungen und 65 Gewerberäumen. Es verdient Beachtung, daß die Produktion kleiner Wohnungen um ein geringes zugenommen hat, wohingegen die der mittleren Woh- nungen zurückgegangen ist. Wohnungen von einem Zimmer wurden hergestellt in Prozenten aller am Ort entstandenen neuen Wohnungen 1966: 8,41, 1967: 8,55. Bei Wohnungen von zwei Zimmern sind die entsprechenden Zahlen 31,55 und 32,79. Die Wohnungen von drei Zimmern sind hingegen von 22,99 auf 17,28 Proz. zurückgegangen. Das seit Jahren forzierte Streben, durch Niederreißen der alten Häuser die Arbeiterschaft aus dem Ort herauszudrängen, machte sich so stark geltend, daß ein erheblicher Mangel an kleinen Wohnungen eintrat. Dem Bedürfnis ist allerdings noch nicht entfernt genügt worden, so daß der kürzlich von uns an die Gemeinde gerichtete Appell. mit dem Bau von Arbeiterwohnungen vorzugehen, nach wie vor seine volle Berechtigung hat. Bedauerlicherweise scheint die Güte der kleinen Wohnungen sich verringert zu haben, denn während von den 1966 errichteten Gelassen von 1 und 2 Zimmern 51,45 Proz. Bade- einrichtung hatten, wiesen unter den 1967 errichteten kleinen Woh- nnngen nur 36,26 Proz. diesen Borteil auf. Auch die Anschlnsie solcher Wohnungen an Zentralheizungen sind von 23,11 auf 19.96 Proz. zurückgegangen. Warmwasserversorgung hatten von den 1967 erbauten Wohnungen 36,71 Proz., elektrisches Licht 36,86 Proz., einen Fahrstuhl 3,53 Proz., einen Staubsauger 1,88 Proz. Bei größeren Wohnungen bürgern sich diese Bequemlichkeiten immer mehr als Regel ein; so wiesen von den im vorigen Jahre erbauten Wohnungen von 5 und mehr Zimmern 92,64 Proz. elektrisches Licht auf, 82,46 Proz. hatten Anschluß an Zentralheizung, 96,95 Proz. hatten Warmwasserversorgung, 75,53 Proz. Fahrstuhlverbindung und 43 Proz, einen Staubsauger. Allen diesen Komfort in sich ver- einigt hatten 41,62 Proz. aller größeren Wohnungen. Auch an diesen Zahlen tritt die alte Erfahrungstatsache hervor, daß gesunde und bequeme Wohnungen heute noch wesentlich ein Privileg der Besitzenden find. Charlottenbttrg. In der am Dienstag aögehalteiicn Persmumlung 8f5 sozialdemokratischen Wahlvereiiis erstattete G e h r k e Bericht über die Generalversammlung des Kreises Teltow-Aeeskow. Hieraus hielt Genosse K a tz e n st e i n einen Vortrag über daS Genossenschaftswesen. Seine Ausführungen dienten in der Haupt- fache dem Nachweis, daß das Genossenschaftswesen, abgesehen von den niateriellen Vorteilen, die es den Beteiligten bringt, eine erzieherische Bedeutung habe, insofern die Mitglieder der Genossenschaften geschult würden zur Selbstverwaltung ihrer eigenen An- gelegenheiten und zur Solidarität. Am Schluß seines'Vortrages führte der Redner auS: In Groß-Berlin stehe die Genossenschafts- bewegung erst am Anfang ihrer EntWickelung. Sie könne sehr bedeutend vergrößert und erweitert werden, wenn sich die Arbeiter- schaft mehr als bisher an dieser Bewegung beteilige. An die Stelle des Widerstandes, den früher die führenden Parteigenossen in Berlin der Genossenschaftsbewegung entgegensetzten, sei erst eine kühle, in letzter Zeit eine freundliche Neutralität getreten, die sich aber noch mehr in wirkliche Freundschaft umsetzen müsse. Wenn erst, was ja bald geschehen werde, die beiden in Berlin bestehenden Genossenschafts- organisationen zusammengesaßt seien, und dann eine planmäßige Propaganda entfaltet werde, dann sei damit zu rechnen, daß sich die Konsumgenossenschaft ausdehnt über ganz Groß-Berlin und daß aus den jetzt noch kleinen Ansätzen des Genossenschaftwesens eine un- geheuere Macht werde. Solidarisch mit der Arbeiterbewegung müsse sich die Genossenschaftsbewegung entfalten. Im organisierten Pro- letariat liege die Stärke der Genossenschaften. Gegen die in manchen Orten herrschende Tendenz, die Genossenschaftsbewegung zu ver- bürgerlichen, müsse eine starle Macht geschaffen werden, ivelche ein- gesetzt wird für Arbeitergenossenschaften. Diese Macht müsse von Berlin ausgehen. Daß die sächsischen Genossenschaften die Führung des Arbeitergenossenschaftswesens übernehmen könnten, daran sei gar nicht zu denken. Wir müßten dafür sorgen, daß die Genossenschafts- belvegung gefördert wird im Interesse einer Erhvhnng der Lebens Haltung der Arbeiter, und weil sie ein Bild des Sozialismus in kleinem Umfange darstellt. Auckj müsse die Gesahr ver- mieden werden, daß eine neue wirtschaftliche Bewegung von der Arbeiterschaft getrennt werde.(Beifall.)— Bon einer Diskussion sah die Versammlung ab. Der Vorsitzende Z i e t s ch nahm hierauf das Wort zur Frage der B u d g e t b e w i l l i g u n g. ES sagte, der Wahlverein habe bisher noch nicht Gelegenheit gehabt, zu dieser Angelegenheit Stellung zu nehmen, es sei aber notwendig, dies noch vor dem Parteitage zu tun. Wenn auch die süddeutschen Regierungen liberaler seien und uns mehr Entgegenkommen zeigen mögen, wie die norddeutschen Regierungen, so sei doch von uns auch in Süddeutschland der Klassen- staat und die Klaffenregierung zu bekämpfen. Diese Bekäinpfung drücke sich, soweit der parlamentarische Kampf in Frage komme, am vollkommensten aus in der Ablehnung des Budgets, wodurch wir sagen, daß wir in scharfem, grundsätzlichem Gegensatz zur Regicrung stehen und ihr deshalb die Mittel zu ihrer Existenz verweigern. Aus diesem Grunde müsse die Frage der Budgetbewilligung in Süd deutschland ebenso behandelt werden, wie in Norddeutschland. Der Redner empfahl folgende Resolution: Die Versammlung des Wahlvereins Eharlottenburg sieht in der Budgetbewilligung der_ sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten in Baden und Bayern einen taktischen Mißgriff, der umso sckiwerer ins Gewicht fällt, als die Budgetbewilligung durch sozialdemo- kratische Mitglieder einer gesetzgebenden Körperschaft in der Gegen- wart mit den eigentlichen Aufgaben der Sozialdemokratie in schärfftem Widerspruch steht. K a tz e n st e i n sprach für die Annahme dieser Resolution und bemerkte ferner, auf Grund der Lübecker Resolution werde den Landtagsfraktionen die Möglichkeit gegeben, in gewissen Ausnahme- fällen für das Budget zu stimmen. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliege, das zu entscheiden solle man den betreffenden Fraktionen im Einverständnis mit dem Parteivorstand überlassen. Die von Grunwald und Genoffen auf der Generalversammlung vou Groß- Berlin beantragte bloße Streichung deZ letzten Absatzes der Lübecker Resolution sei ein Unding. Bruno Borchardt sagte, der Ablehnung des Budgets komme die symbolische Bedeutung, die man ihr beilegt, nicht zu. Da die Lübecker Resolution Ausnahmen zulasse und wir nicht wissen können, ob in Baden und Bayern solche Ausnahme fälle vorlagen, so gebe uns die dortige Budgetbewilligung durch unsere Genossen nicht Gelegenheit zum Protest. Weit wichtiger sei es dagegen, das Verhalten des badischen Landesvorstandes gegenüber dein deutschen Parteivorstande auf das schärffte zu rügen. Habicht befürwortete die Resolution Zietsch und meinte, die selbe sei noch nicht scharf genug, denn die Budgetbewilligung sei kein taktischer Mißgriff, sondern ein prinzipieller Verstoß. Katzen stein sagte zu Borchardts Ausführungen: Die Frage der Budgetbewilligung sei von sehr großer Bedeutung. Die Gründe, welche für die Bewilligung in Baden angeführt wurden, seien recht fadenscheinig, und die Bewilligung in Bayern sei ein Verstoß gegen die Lübecker Resolution. Das von Borchardt gerügte Verhalten de badischen Landesvorstandes sei weniger schuldhaft, denn er habe nicht aus eigenem Antriebe gehandelt, sondern die Fraktion habe ihn zum Schweigen verpflichtet. Hierauf wurde die Diskussion geschlossen und die Resolution Zietsch mit folgendem von Katzenstein beantragten Zusatz gegen einzelne Stimmen angenommen: Die Versammlung erachtet es für notwendig, die Frage, ob unter besonderen Umständen ausnahmsweise durch eine sozialdemo- kratische Fraktion einem Budget zuzustimmen ist. nicht durch die be tciligte Fraktion allein, sondern auch durch den Vorstand der Gesamtpartei entschieden wird. Zu diesem Zweck, sowie zur Ver- meidung sonstiger Mißhelligkeiten erscheint es geboten, zu allen wichtigen politischen Veranstaltungen, als Fraktionszusammenkünfte und dergleichen, den Parteivorstand einzuladen. Wilmersdorf. Die Blissc-Stiftung. Außer dem Mosseschen Erziehungsheim wird in Wilmersdorf nächstens noch eine große Waisenanstalü erstehen, nämlich die B l i s s e- S t i f t n n g, deren Vermögen aus dem Nachlaß eines der Wilmersdorfer Millionenbauern stammt. Die am 26. August 1967 verstorbene Witwe Blisse hat letztwillig ver- fügt, daß von dem Vermögen ihres Mannes 566 666 M. zur Er- bauung eines Waisenhauses auf dem Grundstück Wilhelms- Aue 116 in Wilmersdorf verwendet werden, wohingegen aus dem Zinsertrage von 2Vz Millionen Mark die Anstalt eingerichtet und fortgeführt werden soll. Während die Mvsse-Stiftung aber von religiöser Beschränktheit nichts weiß, steht die Blisse-Stiftung auf dem Standpunkt orthodoxer Voreingenommenheit. Im§ 8 der jetzt veröffentlichten Satzungen der Anstalt ist bestimmt, daß nur solche Waisen aufgenommen werden dürfen, die Kinder christlicher Eltern sind und auf rein evangelischer Grundlage erzogen werden sollen; ausdrücklich ist ferner vermerkt, daß die Kinder getauft und geimpft 'ein sollen. Die für gottgefällig gehaltene Anschauung vieler Frommen, daß Wohltaten sich nicht auf Andersgläubige und Un- gläubige erstrecken dürfen, kommt in dem Statut mithin besonders kraß zum Ausdruck. Die Zahl der in die Anstalt aufzunehmenden Knaben und Mädchen soll zwischen 26 und 56 betragen. Weiftensee. DaS„vergessene" Knäblcin. Einen eigenartigen Gast erhielt gestern ein Restaurant in der Langhanssträße in Weißensee. Eine junge Frau, die dort ein GlaS Bier getrunken hatte, ließ bei ihrem Weggange ein Palet aus dem Tisch zurück. Als dann der Wirt das Paket etwas näher in Augenschein nahm, machte sich ihm darin ein recht verdächtiges Geräusch bemerkbar. Er öffnete es und fand min zu seinem Erstaunen ein lebendes Kind darin. Schleunigst schaffte er das ausgesetzte Kind nach der Polizei, die nun nach der Mutter 'ahndet. Der bürgermeisterliche Schuldner. Die Gemeinde muß einen recht hartnäckigen Schuldner vor Gericht laden, und zwar handelt eS sich um den früheren juristischen Hilfsarbeiter, jetzigen Bürger- meister von Liebenwalde, Herrn Dr. Albert, in Arbeiterkreisen bekannt als kommissarischer Verwalter der Ortßkranlenkasse während der Konfliktszeit. Dieser Herr hatte im vergangenen Jahre von dem der Gemeinde gehörigen Nieselgute Birkholz mit noch anderen Beamten drei Zentner Kartoffeln im Werte von 9 M. bezogen, hatte edoch das Bezahlen vergessen und wurde nunmehr des öfteren ge- mahnt, aber der Herr Biirgenneister von Liebenwalde hat bis heute noch keine Lust, seine Schuld zu zahlen, was er in einem großen Schreibebriefe auch dem Gemeindevorstande mitteilt, weil nach seiner Meinung die Kartoffeln nichts taugten und höchstens einen Wert von 7,56 M. hatten; einer Klage sieht er mit Ruhe entgegen. An- tatt die angeblich schlechten Kartoffeln zurzeit zur Verfügung zu tellcn, wie es im geschäftlichen Leben üblich ist. müssen dieselben sennoch den hohlen Juristenmagen gefüllt haben und nach Ansicht der Finanzkommission auch gut bekommen sein, denn diese hat be- chlossen, auf Zahlung des vollen Preises der Kartoffeln zu klagen. Stegkitz. Das„gebildete" Steglitz. Nächst dem behördlichen Boykott ist eS meistens die Befürchtung, daß das„bessere" Publikum sich zurückzieht, was die Besitzer größerer Lokale in den Vororten veranlaßt, ihre Säle den Sozialdemokraten zu verweigern. Das honette Bürgertum will nicht mit dem„ungebildeten Plebs" unter einem Dache hausen und deshalb müssen viele Lokalbesitzer, die aus rein geschäftlichem Interesse ganz gern auch die Groschen der Arbeiter nehmen würden, dem Rechnung tragen und ihre Säle sozialistenrein halten. Wie in Wirklichkeit die Bildung der ehrbaren Bürger und ihrer werten Familienangehörigen beschaffen ist, das erzählt uns in drastischer Weise ein Herr Jablonski im gutbürgev lichen„Steglitzer Anzeiger". Der Herr hat seine Studien in dem von der Steglitzer Arbelterschaft gesperrten und deshalb doch wohl zweifellos arbeiter» und sozialistenreinen„Albrechtshof" gemacht. Er schreibt u. a.: „Menschen ist der Eintritt gestattet", ein solches Plakat würde zum mindesten Exemplare der Gattung ftomo sapiens daran erinnern, daß sie sich in öffentlichen Lokalen anständig zu benehmen haben. Man kann schließlich über die Darbietungen der Hamburger Sänger oder des Theaterensembles im „AlbrechtShof" denken wie man will. eins aber kann man verlangen, daß sich die Besucher, so schwer es ihnen auch fallen mag, zur Gesittung zwingen. Man sehe sich nur einmal im Saale um: da läßt Frau Meyer die Frau Schulze in ihren weit geöffneten Mund schauen, damit sie sich von der Größe und Kostspieligkeit der Goldplomben überzeuge, und nebenan streitet man sich, ob Dillsauce besser zum Hecht passe als Buttersauce; einige junge Leute wiederum können nicht umhin, durch lautes unflätiges Redeu und Zuwerfen von Kuß- Händen die Aufmerksamkeit gewisser Damen auf ihr ultimo- kavaliermäßiges, pomadisiertes Aeußere zu lenken, um so fortgesetzt «ein Verstehen der Darbietungen in dem ohnedies schon akustisch unzulänglichen Saale unmöglich zu machen. Ist es ferner unbedingt notwendig, daß Kinder, die kaum 16 Jahre alt sind, zu solchen Veranstaltungen mitgenommen werden? Leuchtet es denn den Menschen, denen die Erziehung von Kindern überantwortet ist, nicht ein, daß eine Zote, mag sie auch noch so sehr in Zucker eingewickelt sein, verrohend wirken kann? Man braucht durchaus kein Synodale zu sein, um solchem— Unfug das Wort zu reden. Hinzu kommt noch, daß diese Kinder auch dem sich anschließenden Tanz zusehen dürfen, damit ihnen ja frühzeitig das Gefühl für den Rhythmus abhanden kommt; oder ist jemand so dreist zu behaupten, die Art und Weise, in der bei solchen Gelegenheiten dort getanzt wird, habe Anspruch auf Aesthctik? Ganz zu schweigen ist von den lauten, schamlosen Bemerkungen, mit denen das eine oder das andere tanzende Paar bedacht wird." Wenn der Herr seine bürgerlichen Klassengenoffen richtig ge- zeichnet hat— und wir haben keinen Grund, daran zu zweiftln—. mim gönnen wir dem„AlbrechtShof" sein gutes und besseres Publikum ohne Neid. ES wäre schade, venu er'S verlieren würde. Köpenick. Hilflos ertrunken. Beim Spiel hat das dreijährige Töchterchs« des Töpfers Kuppler aus der Luisenstraße 11 in Köpenick den Tod gefunden. Die Kleine war mit anderen Kindern an das User der Spree gegangen, um zu spielen. Beim Herumklettern auf einem schmalen Steg verlor sie das Gleichgewicht und stürzte in die Spree. Anstatt nun Hilfe herbeizurufen, rannten die anderen Kinder davon und überließen die kleine K. ihrem Schicksal. Hilflos mußte das bedauernswerte Geschöpf ertrinken. Versammlungen. Die Berficherungsangcstellten und die Organisatirn. Trotzdem die Lage der in den Versicherungsgesellschaften be» schäftigten Angestellten eine so überaus traurige ist, ist es bisher nicht möglich gewesen, eine erhebliche Anzahl dieser Angestellten zu organisieren. Selbstverständlich haben hiervon die Versicherungs- gcsellschasten den größten Vorteil. Um nun dieses patriarchalische Verhältnis auf recht lange Zeit zu erhalten, soll ein„Verband deutscher Vcrsicherungsbcamten" unter Protektion der Direktionen Anfang September d. I. in München gegründet werden. Die Leitung liegt vorläufig in den Händen eines lokalen Versicherungs, angestellten-Vereins in München. Zwecks Gründung einer Ortsgruppe in Berlin hatten sich des- halb einige Herren von dort aus hier eingefunden und eine Ver- sammlung nach dem Architektenhaus einberufen. Eine Bureau- Wahl gab es natürlich nicht. Einer der Herren versuchte die Not, wendigkeit zur Gründung eines derartigen Verbandes durch Vor- lesung eines Zeitungsartikels und des Statutenentwurss nachzu- weisen. Die ganze Gründung steht auf dem Boden der Harmonie- lehre. Durch Handinhandarbeiten mit den Direktionen(die als „stiftende" Mitglieder beitreten können) soll das auf„nationaler" Grundlage aufzubauende Vereinchen„die Hebung des Standes" der deutschen Versicherungsangestellien, die Pflege der Kollegialität und des„Standesbewutztseins", sowie die Unterstützung oer Mit- glieder und deren Hinterbliebenen bezwecken. Natürlich sind die Unterstützungen sowie die Höhe derselben ganz in das Belieben des Vorstandes gestellt. In der anschließenden Diskussion zerstörte der Vorsitzende des Verbandes der Bureau, angestellten, Giebel, die Illusionen dieser Herren derartig, daß sie an ein Wiederkommen in Berlin wohl vorläufig nicht mehr denken werden. Er führte in großen Zügen den Versammelten vor Augen, daß die Hebung des Standes von selbst komme, wenn man in erste» Linie versuche, die wirtschaftliche Lage der Angcstellten zu bessern. Dies kann natürlich nicht durch einen derartigen Verein und durch das Zusammenarbeiten mit den Unternehmern geschehen, sondern nur durch eine gewerkschaftliche Kampforganisation. Als Redner nun etwa eine Stunde in diesem Sinne gesprochen hatte, rückten die Herren am Vorstandstische hin und her; so etwas war ihnen anscheinend noch nicht vorgekommen. Zu einer Wider- legung der Ausfiihrungen waren die Herren nicht imstande; der Vorsitzende konnte nur mit Mühe und Not hervorstammeln, dasf Kampforganisationen noch nichts erreicht hätten. Julius Cohn wies darauf hin, daß der Verband der Burcauangcstellten, obgleich er eine Kampforganisation sei, den Abschluß eines Tarifvertrages zwischen den Krankenkassen Deutschlands und deren Angestellten erreicht habe und erläuterte dann noch den Begriff„national", mit dem sehr viel Unfug getrieben werde. Endlich erschien einer der Anhänger der Einberufer auf dein Plan und meinte, daß die Idee der Verbandsgründung doch nicht so schlecht sei; wenn die Veranstalter in dieser Versammlung schlecht abschnitten, so läge eS eben daran, daß unter ihnen keine Redner wären. Nachdem er dann unzählige Male betont hatte, daß er nicht reden könne, rief er unter dem brausenden Gelächter der Versammelten aus:„Na, wenn Sie alle Ihre Verbände haben, weshalb sollen wir nicht auch einen Verband gründen können?". Giebel brachte dann eine Resolution ein, wonach die Ver- sammelten erklären, daß sie die Gründung eines Verbandes der Versicherungsangestellten Deutschlands für überflüssig halten und die Entsendung eines Delegierten nach München ablehnen. Der Vorsitzende war jedoch trotz einer halbstündigen Geschäftsordnungs- debatte nicht zu bewegen, irgendeine Abstimmung vorzunehmen, Die Anwesenden verließen darauf auf die Ausforderung voH Giebel demonstrativ den Saal, so daß nur noch die Einberufer mit acht ihrer Getreuen den Saal zierten. Die Versicherungsangestellien mögen hieraus die Lehre ziehen daß es für sie die höchste Zeit ist, sich dem Verbände der Bureau, angestellten(Bureau: Linienstr. 8Il) anzuschließen, um so fü, menschenwürdige Lohn» und Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Dentscher Arbeiter>Zlbfti»ente»i>Bund. Ortsgruppe Berit». Freitag abend S'/, Uhr, Im Englischen Hos, Neue Roßstr. 3: Vortrag. Verband der Friseurgehilfe» Dentschlands.(Zweigverein Berlin und Vororte.) Donnerstag. 3. September 1303. abends gy, Uhr Rojenthaler istraße 11/12: Generalversammlung. Lese, und DiskutterNub„Wilhelm Liebknecht". Sitzung heut, abend 8'lt Uhr bei Buhl, Danzigcr Str. 33. Slmtllcher Marktbericht der städtischen Martthallen-Direktlon über den Großhandel in den Zentral-Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zusuhr schwach, Geschäft still, Preise unverändert. Wild: Zufuhr mäßig. Geschäft gut, Preise wenig verändert Geflügel: Zusuhr etwas über Bedars, Geschäft still, Preise wenig verändert. Fische: Zusuhr mäßig, Geschäft etwas lebhafter, Preise jür Hechte etwas anziehend, sonst wenig verändert. Butter und K ä s e: Geschäft lebhaft, Preise unverändert. Gemüse, Ob st und Südfrüchte: Zufuhr meist reichlich, besonders in Pflaumen, Geschäft schleppend, Preise gedrückt. WitternngSüberficht vom 2. September 1908, morgens 8 Uhr. Wetterprognose für Donnerstag, de» S. September 1908. Ziemlich küdl, zeitweise heiter, jedoch sehr unbeständig mit Regenschauerv und starken, später abnehmende» westlichen Winden. Berliner Wetterbureaa. Wasferstandö-Nachrichten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburcau. Wasserstand M e m e l, Tilsit B r e g e l, Jnsterburg Weichsel. Thor» Oder, Raftbor » Krofsen . Franksurt Warthe, Schlimm Landsbcrg Netze, Vordomi» Elbe, Leitmeritz , Dresden , Bardo » Magdeburg -t- bedeutet Wuchs,— Fall,—•) llnterpezel. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Bcrantwortung, UKearer. DsaaerStag. 3. September. Anfang 7»/, Uhr. Königl. Opernhaus. Die Meister- singer von Nürnberg. lAnjang 7 Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Prmz Friedrich von Homburg. Deutsches. DeS Meeres und der Liebe Wellen. Kammerspiele. Gespenster. (Ansang L Uhr.) Ansang 8 Uhr. Lesflng. Rosemnontag. Neues. Außerhalb der Gefellschast. Neues Schauspielhaus. Judith. Kleines. 2X2-S. Komische Oper. Hoffmanns Er- Zählungen. Residenz. Der Floh im Ohr. Hebbel. Frau WarrenS Gewerbe. «uitipielhaus. Die blaue Maus. Xrianon. Fräulein Josette— meine Frau. Westen. Ein Walzettraum. Schiller<».«Wallner. Tbeater.) Der Richter von Zalamea. Schiller �harlottenburg. Das StiswngZfest. Friedrich- Wilhelmstädt. Schau- spielhaus. Egmont. Luisen. Flachsmann als Erzieher. Thalia. Das Mitternachtsmädchen. Bernhard Rose. Das bemooste Haupt. Metrovol. Geschloffen. Apollo. Vera Violetta. Spe> zialitäten. Gebrüver Herrnfeld. Das kommt davon. Borher: ES lebe das Nachtleben. Pallage. Spezialitäten. Folies-Caprice. Die lästige Witwe. Die Brautschau. Berliner Prater. Die Welt ein Paradies.(Ans. 7 Uhr.) Carl Havrrland. Spezialitäten. Gustav Behrens. Die Gulden« Prinzessin. Spezialitäten. Reichsllallen.«lctliner Sänger. Walhalla. Spezialitäten. Urania. Tnubcnstrahe 4R/49. AbendZ 8 Uhr: lieber den Brelmer nach Venedig. Stern»iiar»r. Invaliden str. 67/62. Hebbel-TJioater. Königgrätzer Str. 57/58. Ans. 8 Uhr. Frau Marrens Gewerbe. Freitag z. erstenmal: Der Liebhaber. Sonnabend u. Sonntag: Der Lieb- haber._ Neues Theater. Antzerhalb der Gesellschaft. Ansang 8 Uhr. Morgen u. folgende Tage: Außer- halb der Gcsellslhast._ Ttieater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Ein Walzcrtraam. Operette von Oslar Strauß. Sonntag, ö. September, nachm. 3'/« Uhr, zu halben Preisen: Die lustige Witwe._ AbendS 8 Uhr: Flchslmtlll als Erziehtt. trcitag: Helga. ionnabend: StaatZanw. Mexander. LlbcndS 3 Uhr: Die blaue Maus. fsiöllliLlt-WilttölmLtöMeliez 8i!itZtI8piö!�3t!8. Donnerst., 3. September, Ans. 8 Uhr: Freilag zum erstenmal: MS ich wieder tarn. Sonnabend: Egmont._ Parodie-Tiieater Dresdener Straffe 97. Heute: Cavallcrla- Knstlhana und die urlomische Burleske „vei-lln»tvbt linpp''. Ansang Sonnt. 8, Wochent. 8'/, Uhr. Gebrüder Herrnfeld- Anfang ThßQfor Vorverk. 8 Uhr. lUCfllcr. 11-2 Uhp. 67 Kommandantenstr. 67 Das kommt davon! mit dem Vorspiel: Es lebe das Nachtleben. Komödie w 3 Akten von Anton und Donat Herrnfeld. Urania. Wissenscliaftliches Theater. Taubensfcraße 48/49. Abends 8 Uhr: M den Brenner naeli Ifenedig. UOIOCISCHEK GARTEN Tätlich nachm. 4 Ehr: GfliHppel-Kovl Eintritt 1 M., yon abends 6 Ubr ab 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren -- die Hälfte.-- Xenes Operetten-Theater. Schiffbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Neu einstudiert I Anfang 8 Uhr: Die Oollarpriiizeasln. Operette in 3 Allen v. A. F. Willner. j�oMIIer-Hieater. 0.(Wallner-Theater.) Donnerstag, abendSSUhr: Oer Richter von Zalamea. Schauspiel in 3 Auszügen von Calderon de la Barea. Freitag, abends 8 Uhr: Stein nnter Steinen. Sonnabend, abends8Uhr: Der Herr Ministerialdirektor. Schiller-Theater Charlollenbupg. Donnerstag, abends8Uhr: Das Stiftungsfest. Schwant in 3 Alten von Gustav von Moser. Freitag, abends 8 Uhr: Der Herr Ministerialdirektor. Sonnabend, abends 8Uhr: Hans Hnehebeln. Brauerei Friedrichshain LieMng, früher Lipps, Am Ktinigstor. Vom 3. September 1908 ab auf kurze Zeit täglich; Großes bayerisches Keller-Fest nach Sitten und Gebräuchen des Müncliener Gktoberfestes. Orig. bayr. KUnigskapelle, die Entersberger, die bayr. Schramm ein in Heimatstracht.— Cr. Fest-AuTführungen. Belustigungen jegl. Art.— Gr. Prämiierungen sowie Gratisverlosungen. Bedienung durch ca. 30 oberbayr. Madin in Hehnatstracht. Anf. 5 Uhr. Entree Wochentags 20 Pf.— Bei ungünstiger Winterung im groben Saal. Von 4—6 Uhr Kaffeekonzert bei freiem Entree. PrelevolhsbWe im Neuen Schauspielhaus» Lessing-Theater g Thalia-Theater» Herrufeld-Theater. Aufführungen: Die Kinder der Exzellenz. Die versunkene Glocke. Te Deum. □ Julius Cäsar. □ □ □ Faust. □ Judith. □ □ □ In Vorbereitung: von Viktor Sardon. DV Der Anfang der Fanst-Vorstcllnngen mußte anf 7 Uhr ausnahmsweise festgesetzt werden wegen der fünfstündigen Dauer der AuSührung Alle anderen Abendvorstellungen beginnen um 8 Uhr. Einige nene MfltgHedcr dünnen.ich noch in den Xahl.tcIIen melden. Der Tori«ttsnd. In Vertr.: G. W i n k 1 e r. -- � Residenz-Theater. — Dircttion: Richard Alexander.— um Besten der Abgebrannte» in lonaueschingen. Zum 100. Male: Der Floh im Ohr. Schwank in 3 Akten Von G. Feydeau. Deutsch Von Wolff-Jacoby. Morgen und solzende Tage: Der Aloh im Ohr. Fortxinx-Theater Belle-Alliancesirahe 7/8. Heute 8 Uhr: Gastspiel Hedwig Dange. ÄA2-K» 152/15* Eröffnungs- Programm. The Zanclgs— Joseph Josephl, Sänger — Ephraim Thompson, dressierte Elephanten— Ökabe, Japaner- engl. liesangs- u. ianziruppo— Cornalla und Eddie, amerikanische Exzentriks— Der Zukunftspreig, Wettrennen m. lebenden Pferden. Karl Herd, Zauberkünstler. Boyer de Lafory, französ. Sängerin. Der Biograph. MMMMI Wt. Frankfurter Str. 132. Das bemooste Haupt. Ans. 8 Uhr. WochentagZpr. • Auf der Gartenbühne: Bcn-Ali-Bey.— Gartenkonzert. Drosers künstl. Menschen. Ans. 5 Uhr. Sanssuuvi, sttasa'� Direktion Wilhelm Reimer. Heute Donnerstag: Erstlilassiga Nummern. Mie-Scipee Tanz Kränroh. von BolaisiorilSäßpp Beg. Sonnt. 5, wochent. 8 U. Der groffe Theatersaal ist noch für einige Mitt- woche zu vergebe». 0bne Extra Entree. Der Piese aller Riesen Pisjakoff Eintritt 50 Pf. Kinder, Soldaten 35 Pf. Passage-flieator. I Abends 8 Uhr: p Na endlich!! Pariser Extravaganz mit Paulette van Roy I und das kolossale Eröffnuugsprogramm 14 erstklassige Spezialitäten.» Metropol-Thealer Wegen Vorbereitung zur neuen J — bleibt das Tbeater bis inkl.— Freitag, den 4. September, geschlossen. Ab 8 Ubr; Die neuen Seusatious Attraktione«. U. a.: Trilby und Svengali? Kunst und Mysterium. Paul f�padoni der König der Krafiathletik. 9'/,: Vera Vialetla. Reichshallen-Theater Täglich: Stettiner A»s� WochenwiS 8 Uhr, «onntagS 7 Uhr. ReichShallen-Garten und Restaurant, Militär-Konzert. erullllen-fheslsr Badstrage 68. Direkt.: Willi Voigt Täglich: Der Fluch des Goldes. ErstklMe Speiialiliite». The Heros Kurt Ellyt Paul Coradinl, Mr.King andMIBCooko BUglers 8 wilde KönigSlölven. Voroerkaus von 10 Uhr ab. Sonnabend, 5. September: Groffe Benesizvorslellung für daL Schauspiel- personal:--Mit volle» Segel»." Walhalla TT* M ihV�fer IWeinbergsweg 19/20, Rosenlh.Tor. Anfang 8 Uhr. DaS vollständig neue Sep- tember- Programm.— Erst- �asst��p��tti�ten� Bund zur Aufklärung vo» Deutschlands Frauen und Mädchen. Der Zudrang zu Frl. Knbe'» Vorträgen Ivar bisher stets ein gke waltiger, so daff schon häusig um 1I,8 Uhr der Saal polizeilich geschlosse» werden muffte, und Hunderte von Frauen fanden leinen Einlaff. Da dir. neuen Vorträge eine wertvolle Ergänzung zu den bisher gehaltenen bilden und auch neue Lichtbilder vorgeführt werden, so sollte leine Frau, kein Mädchen versäumen, diese Vorträge anzuhören. Dieselben sind häufig von einschneidender Bedeuiiuig sür die Zukuiist, wie dies viele Zuschristeu be» weise». Qroßsr wissenschaftHcher SIsMMlte-VovfeaB mv für tarnen"TG Montng, den 7.(September: „BaÜsehmieder", Berlin N., Badstr. 16. Dienstag, den 8. September: „Sanssouci", Berlin SO., Kottbuser Str. 6. Mittwoch, den 9. September; „Deutsches Wirtshaus", Eixdorf, Bergstr. 136/137. Donnerstag, den lO. September: „Brauerei Königstadt", Berlin N., Sohönhausei Allee 16/11. Freitag, den 11. September: „Unionsbrauerei", Berlin S., Basenhaide 22/31. Montag, den 14. September: „Prachtsäle des Westens", Berlin W., Spichem-Str. 3, Dienstag, den 15. September: „Geimania-Prachtsiilo", Berlin N., Chansseestr. 110. Mittwoch, den 16. September: „Elysinm", Berlin O., Landsberger Allee 40/41, Donnerstag, den 17. September; ., Prachtsäle Nord-West", Berlin NW., Wiolefstr. 24. Freitag, den 18. September: „Kellers Festsäle", Berlin 0., Koppenstr. 29. Montag, den Äl. September: „Prachtsäle dos Ostens", Berlin O., Frankfurter Allee 151/152. Dienstag, den SS. September; „Maxkgrafensfile", Berlin 0., Markgrafendamm 34. Minna Kube Privatgelehrte, spricht über: Vom KZg'IaSi' zum KSenschen. Menschenzüchtung. Die phhstsche Veredelung der Rasse. Welche Wnder lassen sich von einer Mutter erwarten, die um einen elenden Lohn in einer Fabrik Tag sür Tag einer geistestötenden maschinellen Beschästigung sich hingibt? Vorbereitung zur Mutterschaft. Mutterschaftskurse. Die Gefahren der Mutterschaft. Das Weib als Matter. Das Weib als Amme. Was sagen die Acrzte zur üesclirSnknng der Kinderzahl? Wann ist sie gesetzlich erlaubt f £in dnnkier Punkt im Eeben der modernen Frau* Staatskinder oder Mutterrecht. ,DaS Recht aus die Mutterschaf!", eine Forderung zur Bekämpfung der Prostitution, der Frauen- und GejchlechtStrankhetten. 200 Tausend unehe» liche Kinder in Deutschland. Das nene Mntterreekt nnd die veränderte I-ösnng des sozialistischen ttedankens. Die Hygiene der Liebe. Die Früchte der Liehe. Das Weib in der Liebe. Von den Schönheiten des Weibes. Von den Krankheiten der Frauen und Mädchen, EintrltTsO Pfg. Jede Frau erhält wertvolle Ausklärung für ihr ganzes fernertS Leben l Nur für Frauen uud Mädchen über 18 Jahre i d-ö�Bundes- CharioUenimrg, Mommsenstraße 20. Cassno-Tbeater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Familie August Knoche« Berliner GesangSPosfe in 3 Akten. August Knoche- Dir. Hans Berg. Vorher d. glänzende EröffnungSprogr. Sonntag 4 Uhr: Der Brandstifter. Hochzeilsreise. W.Mseks7keater Dtrektton! Rod. lii». Brunneiistr, 16. Heute: Hesehlvssen. Sonnabend, den 5. September 1900; Eröffnung der Winter- Spielzeit! Zum erstenmal: Fremdes Blut. Schauspiel. Folios-fopieo Darcblagender Erfolg! Die lästige Witwe. Die Brautschau.— Bunter Teil. Vorverkauf von 11— 2 Uhr an der Theaterkasse. Berliner Prater-Theater Kastanien-Allee 7— 9. Berlin wie es weint und lacht. Volksstüok mit Ges. in 3 Akten und erstklassige Spezialitäten. Anf. Sonnt. 4 Uhr, Wochent. 4'/, Uhr. Im Saale: Taglich gr. Itall. Qa last-Theater Vurgstr. 24, 2 Min. o. Bhs. Börse. 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