Ar. A4. Bbonnements-Bedlngungen: ■SonnfmenJS. Preis tränumctanbo> vieileljihrl. 530 TOf, monaü. 1,10 MI, wöchcmlich 28 Psg, frei in? HauS. Einzelne Kummet 6 Pfg, gorattagS. »urnrner mit Uluftricttei gonmagS- Seüagt.Die Keuc Welt' 10 Ptg, Polt. SibonncmciU: 1,10 Marl pro Monat. gingetragen in die Post. ZeitungS. Preisliiie. Unter Kreuzband für Deutschland und Oeslerreich. Ungarn 2 Marl, für da- übrige iluSIand 5 Marl Uro Monat. PostabonnernemS nehmen an: Belgien. Dänemarh Holland, Italien. Luxemburg, Portugal, «urnünien. Schweden und die Schweig. SS. Jahrg. CriiSllnl tSglldi außer Olouta». Derlinev Volksbl�kk. Zcntralorgan der rozialdernokratifd�en Partei Deutfchlands. Ole Tn!ernons'6cbiH)f Beträgt für die sech-gesstaltene Kolonei- geile oder deren Raum b0 Psg., für doiitische und gewerkschaftliche BereinZ- und BersamminngS-Anzeigen M Psg. „kleine Snreigen", dad erste(fett- gedruckte) Wort 20 Psg., jedeS weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- ftellen-Anzeigen das erste Wort 10 Psg, jedes weitere Wort b Psg. Worte Über lb Buchstaben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Übt nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Zelegramm■ Adresse: „SoiiaiderneKral Berlin". Redaktion: SM. 68, Lindcnstraaac 69 Fernsprecher: Amt IV. Nr. tSSZ. Li» vewiri'ungzvei'luch. Die badischen und bayerischen Genossen haben entgegen dem Sinne der Lübecker Resolution der Regierung das Budget bewilligt. Das geschah in Baden, um das Odium grundsätzlicher prole- tarischer Klasienpolittk von sich abzuwälzen und dadurch für die Nationalliberalen bündnisfähig zu werden. In Bayern wurde die Budgetbewilligung u. a. damit motiviert, daß man das Wohlwollen der bürgerlichen Regierung nicht durch Ablehnung des Etats leichtfertig verscherzen dürfe. Das waren. wie wir bereits ausführlich dargelegt haben, Gesichtspunkte, die sich mit dem Wesen unserer bisherigen sozialistischen Ausfassung nicht vertragen, die nichts anderes bedeuten als eine Verleugnung des konsequenten Klassenkampsstandpunktes und eine plumpe Nach- ahmung der blockliberalen Taktik. Demgegenüber hat nun Genosse EiSner in der.Fränkischen Tagespost" den Versuch unternommen, die ganze Streitfrage von neuem hcilloS zu verwirren. Und zwar sucht er diese Verwirrung durch eine klügelnde Sophistik anzustiften, die er selbst eine.rein begriffliche Voruntersuchung nennt. Zwar gesteht Eisner selbst ein, daß er durch sein.logisches Gerüst" für die„praktische Politik keine auf alle Fälle gültige Regel geben" kann. Nichtsdestoweniger gelangt er bei seinen Begriffsspielereien schließlich zu dem Ergebnis, daß die Budgetabstimmung„kein Mittel des proletarischen, sozialistischen Endkampfes, sondern ein Mittel des politischen TageSkampfeS" sei. Eine Formulierung, die zwar auch wieder nur die völlige Ver- wirrung der politischen Begriffe beweist, aber von den Lesern der „Fränkischen Tagespost" offenbar als eine stichhaltige Ver teidigung der Budgetbewilligung aufgefaßt worden ist. Untersuchen wir, wie sehr die„rein begriffliche" Voruntersuchung EiSners dazu angetan ist, alle politischen Realitäten zu ignorieren und alle wirklich prinzipielle und taktische Klarheit zu derdunkeln. Die erste Frage EiSners lautet:„Wie muß eine Partei in der Minderheit stimmen?" EiSner beantwortet die Frage folgender' maßen: „Eine Partei darf, daS ist der erste Grundsatz, in der Minderheit nicht anders stimmen, wie sie stiinmen würde, wenn sie in diesem Angenblick der Abstimmung die Mehr- beit hätte oder infolge besonderer Parteikonstellanonen mit anderen Gruppen zusammen ausschlaggebend wäre." Vcriverfe man, so führt Eisner auS, die Budgetbewilligung zwar grundsätzlich, lasse man jedoch Ausnahmen zu. daß die Sozial demokratie da, wo sie in einzelnen Landtagen die Mehrheit habe, für das Budget stimmen dürfe, so sei das eine„unehrliche Politik", ja im Grunde„gar keine Politik"! Verwerfe man die Zustimmung zum Budget prinzipiell, so müsse man auS dem Prinzip auch alle Konsequenzen ziehen. Man dürfe also niemals für das Budget stimmen, da ja auch dann, wenn in einem Einzelstaat die Sozialdemokratie die Majorität habe, sie damit den Charakter des Klassenstaates noch nicht aufheben könne. Man sieht, Eisner gibt sich hier wirklich als„K on s e q u e n z e n- macher". Er stellt sich wieder einmal auf den Standpunkt des Entweder— Oder. Entweder darf die Sozialdemokratie niemals, sei es unter welchen Umständen immer, für das Budget stimmen, oder sie hat die Budgetsräge überhaupt nicht als eine prinzipielle Frage zu betrachten, sondern kann das Budget auch dann bewilligen, wenn sie nichts anderes zu erreichen hofft, als dadurch das Wohlwollen eines Ministers zu erkaufen I Solche„begriffliche" Haarspalterei vermag nicht nur keine„auf alle Fälle gültige Regel zu geben", sondern sie ist überhaupt sinnlos. Die Politik des Entweder— Oder existiert nur im K 0 p f e e i n e s S 0 p h i st e n. Sie ist unbrauchbar für die Praxis. Freilich liebt gerade Genosse Eisner dieses famose Entweder— Oder. So bat er ja auch in der Frage der Maifeier die Alternative gestellt: Entweder allgemeine Arbeitsruhe oder überhaupt keine Aibeitsnihe. So hat er für die Frage des preußischen W a h lr e ch t S k a m p f e s die famose Formel geprägt: Entweder der politische M a s s e n st r e i k oder— die„heroische Resignation" einer unbedingten Unter st ützung deSLibera- l i s ni u S, von dem er selbst der Meinung ist, daß er sich der Junker als einer Schutztruppe gegen den Sozialismus bediene! Solch schöne„begrifflicke" Herousarbeitungen der Gegensätze haben also keinen anderen Wert, als den der bloßen Gedankenspiclerei oder der rabulistischen Beschönigung des schamlosesten OpportmiiSmuS! Auf die politische Praxis übertragen stiften sie nichts als b 0 d e n- lose st e Verwirrungl Oder ist eS nicht ein Nonsens der höchsten Potenz, den Satz auf- zustellen, daß eine Partei in der Minderheit nicht anders stimmen dürfe, als sie stimmen würde, wenn sie in diesem Augenblick die Mehrheit hätte? Ein solcher Fall läßt sich nur in einem forma- listische Spielereien liebenden Hirn austüfieln. In der Wirk- lichteit kann er ja nicht vorkommen! Denn lvenn eine Partei sich in der Minderheit befindet, kann sie eben nicht in diesem gleichen Augenblick ausschlaggebend sein! Das kleine Körnchen polinscher Vernunft, das in diesem„ersten Grundsatz" steckt, ist daS. daß die Ablehnung des Budgets durch die Sozialdemokratie natürlich nicht nur dann zu erfolgen hat, wenn die Stimmen der Sozialdemokraten nicht in die Wagschale fallen. Nein, der Grundsatz, daß das Budget abzulehnen ist. behält auch seine Geltung, wenn die sozialdemokratische Abstimmung für die Abstimmung ausschlaggebend ist. Ein Umstand, dea wir bereits in Nr. 201 des Vorwärts" in dem Artikel:„Weshalb stimmen wir gegen das Budget?' berück- sichtigt haben. In diesem Artikel wurde aber andererseits dargelegt, daß auch Umstände eintreten können, wo wir für das Budget stimmen müssen— nicht zur Aufrechterhaltung des Klassenstaates, sondern im Interesse der Förderung unseres prole- tarischen Klassenkampfes! Denn darauf kommt eS an: Während die süddeutschen Genossen ihre Zustimmung zum Budget damit zu rechtfertigen suchen, daß gewisse ungenügend aufgeklärte Schichten die Ablehnung des Budgets nicht verstünden oder daß eine prinzipielle Ablehnung des Budgets die bürgerlichen Parteien oder Regierungen verschnupfcn könne, gilt für die Befürworter der prinzipiellen Ablehnung des Budgets nur d i e Ausnahme, daß durch die ausnahmsweise Be- willigung des Budgets der proletarische Klassenkampf nicht nur nicht gehemmt, sondern gefördert wird! Den Unterschied dieser beiden Auffassungen vermag man freilich nicht durch eine„rein begriffliche Voruntersuchung" zu erkennen, sondern nur durch das Eindringen in das Wesen und die Praxis des proletari- schen Klassenkampfes! Wenn aber EiSner meint, diejenigen, die auf dem Standpunkt der prinzipiellen Ablehnung des Budgets stehen, dürften deshalb in keinem Falle für die Budgetbewilligung eintreten, weil ja auch dann, wenn die Sozialdemokratie in einem Landtage die Mehrheit habe, durch diese Mehrheit der Klassencharakter des Staates nicht aufgehoben werden könne, so braucht sich Eisner auf diese Entdeckung wahrhastig nichts zugute zu wn. Man braucht wirklich kein„Evolutionist" im Sinne der Calwcr, Bernstein, Kolb usw. zu sein, um ganz genau zu wissen, daß der sozialdemo- kratische Staat nicht auf einen Anhieb ins Leben gerufen werden kann. Es ist eine uralte Erkenntnis, daß die Sozialdemokratie auch innerhalb der heutigen Gesellschaftsordnung jede Möglichkeit, mittels der Klinke der Gesetzgebung die Lage des Prole tariats zu verbessern und dadurch die politische AktionS- fähigkeit der proletarischen Klassenkampfpartei zu stärken, zu benutzen hat. Der Unterschied zwischen Marxisten und Ncvisionlsten besteht nur darin, daß die Marxisten dabei nie- mals daran denken, durch kleine, meist auch nur vermeintliche Augenblickserfolge, durch Stimmenfängerei und K 0 m p r 0 m i s s e l e i den grundsätzlichen Klassenkamp abzustumpfen, während die revisionistische Taktik gerade darauf hinausläuft, durch allerhand Kompro- m i s s e l e i und kleinliche politische Schacher- geschäfte die grundsätzliche Führung des prole- tarischen Klassenkampfes zu vernachlässigen. Die weiteren drei Fragen basieren auf der grundfalschen Voraussetzung und Beantwortung(EiSner beantwortete ja seine erste Frage sofort durch Unterschieben einer durch nichts be- wiesenen Voraussetzung) seiner ersten Frage. Die zlveite Frage lautet: „Wären wir in der Mehrheit jetzt gezwungen(soll wohl heißen „wären wir, wenn wir jetzt die Mehrheit hätten, gezwungen"), für das bayerische Budget zu stimmen?" Auch diese Frage ist nichts als eine absolut zwecklose Begriffs- spielerei. Die Frage würde nur dann einen Sinn haben, wenn sie lautete:„Sind wir, sobald wir die Mehrheit haben, unter allen U m st ä n d e n gezwungen, für das bayerische Budget zu stimmen?" Eisner aber stellt wiederum die Frage so:„Wie würde die bayerische Fraktion handeln, wenn sie jetzt(also in einem Augen blick, wo sie nicht die Mehrheit hat) die Mehrheit hätte?' EiSner konstruiert also wieder einen unmöglichen Fall, den er dann in seiner Weise beantwortet. Einem ernsthaften Politiker kann natürlich nicht zugemutet werden, sich mit einem unmöglichen Falle zu beschäftigen. Wir haben aber auch keine Ursache, die Frage zu beantworten, wie die bayerischen Genossen zu handeln hätten, wenn sie später einmal in der Mehrheit wären. Denn bei Beantwortung dieser Frage käme alles auf die näheren Umstände an. ES wäre möglich, daß unsere Genossen in Bayern das Budget bewilligen könnten und müßten, indem sie sich einfach für daS kleinere Uebel entschieden. Die Entscheidung zugunsten deS kleineren UebelS bildet ja in der sozialdemokratischen Politik eine alte Praxis. Hat doch die sozial- demokratische NeichstagSstaktion den Eaprivischen Handelsverträgen zugestimmt, die einen Getreidezoll von 3,50 M. festlegten, weil ohne ihre Zustimmung der 6 Mark-Zoll aufrecht erhalten geblieben wäre I So könnten möglicherweise die bayerischen Genossen für einen besseren Etat stimmen müffen, um die Geltung deS schlechteren, älteren Etats zu verhüten. ES läge freilich auch die Möglichkeit vor, daß trotz alledem die bayerischen Genoffen den Etat ablehnen müßten, weil die ganze politische Konstellation, vom Standpunkt deS proletarischen Klassenkampfes aus betrachtet, die A u S- Nutzung eines Konfliktes bedingte. Diese Möglichkeit erkennt selbst EiSner, indem er schreibt: „Anders freilich läge die Sache, wenn die politische Situation in Bayern so beschaffen wäre, daß wir es auf einen Konflikt mit der Regierung ankommen lassen Ivollten und könnten, wenn eS sich um Biegen oder Brechen handelte; dann tritt gerade die Budgetverschlechierung vollständig zurück, dann wäre es unsere Aufgabe, die Massen zu überzeugen, daß es sich bei unserem Ver- hallen um keine Entscheidung normaler ruhiger Politik handelte, sondern um eine Aktion von geschichtlicher umwälzender Be- deulung. um eine Kriegserklärung, durch die wir mit dem Sieg eine neue Acra in Bayern zum Heile der ganzen Nation herauf- führen wollten. Wären die Vorbedingungen für solch' entscheiden- des Unternehmen gegeben, so würden die Maffen uns trotz der Budgetverweigerung zujubeln." Nach diesem politischen Lichtblick fällt EiSner freilich sofort in seine„begriffliche" Gedankenspiclerei zurück, indem er fragt:„Ist die Situation jetzt gegeben, würden wir wirklich, die Mehrheit vor- ausg»setzt, jetzt divjem Mmisterilim die Mittel verweigern, in der Expedition: 8Äl. 68» L.indenstrasse 69» Fernsprechcr: Amt IT, Rr. 1984. Absicht, einen Konflikt heraufzubeschwören und zu gtund- stürzenden A e>1 d e r u u g e n des ganzen bayerischen Staats- lebens auszunutzen?" EiSner gerät hier wieder in feine Entweder— Oder- Politik. Entweder grundstürzende Aenderung oder block« liberale KonzessionSpolitik. Daß eS auch ein Mittelding geben kann, daß man zielbewußte Klassenpolitik treiben und die Techtel« mechtelei mit bürgerlichen Parteien und Regierungen vermeiden kann, auch wenn man nicht gleich revolutionäre Konflikte durchzuführen bereit ist, begreift Genosse Eisner eben nicht. Sein Schema für die sozialdemokrasische Taktik ist das Entweder— Oder. Entweder Massenstreik, entweder revolutionäre Konflikte, ent- weder Barrikadenkampf oder— die Benutzu»g aller bürger- lichen Schleichiticge des politischen TazeskampfeS! Daß eS auch ein Drittes gibt, die Einhaltung jener Politik, die seit Jahrzehnten die sozialdemokratische Partei beobachtet hat: die Organisation und vom Geiste deS Klassenkampfes getragene Auf« llärung der Maffen, die Aufspeicherung politischer Kräfte im Prole- tariat für die noch bevorstehenden schweren Kämpfe, d a S geht nicht in den Kopf des Genossen EiSner. Was freilich kein zureichender Grund dafür ist, dieser Begriffsstutzigkeit deS Genossen Eisner wegen unsere bisherige Klaffenkampstaktik auf- zugeben und die Entweder-Oder-Taltik deS Genoffen EiSner, zu akzeptieren, die ja im Grunde nur die Taktik revisionistischer Kom- Promisselei mit bürgerlichen Gewalten ist! Die dritte Frage deS Genossen EiSner lautet:„Müssen wii dem Staat die Mittel verweigern, weil er ein Klassenstaat ist?" Hier entdeckt Genosse Eisncr, daß der Grundsatz, dem Klaffen- staat die Mittel zu seiner Fortexistenz zu verweigern, durch die ganze bisherige Praxis der Partei bereits durchbrochen ist. Denn die Sozialdemokratie habe auch bisher dem Klassenstaat eine ganze Reihe von Mitteln zur„Verbesserung d e S Klassen» st a a t e S" bewilligt. Genosse Eisner macht da wieder eine sehr originelle Entdeckling. Die Spzialdemokratie glaubte bisher dadurch, daß sie durch die Benutzung der Klinke der Gesetzgebung für die proletarischen Bevöllerungsschichten bessere Existenz- Verhältnisse schuf, bessere Bedingungen für den proletarischen Klassenkampf geschaffen zu haben. Genosse EiLner aber eut- deckt, daß all die Mittel zur ökonomischen und intellektuellen Hebung des Proletariats, daß alle Beweise für die Kulturarbeit der Sozial- demokratie nichts als eine„Verbesserung des Klassen« st a a t e S" gewesen sind! Denn, so argumentiert Eisner, wenn wir dem Klassenstaat alle Mittel verweigern, weil er Klassenstaat ist, so müssen wir nicht nur in j e d e m F a l I e das Budget ablehnen, sondern auch auf jede parlamentarische Mitarbeit ver- zichten, denn jedes Gesetz ist ein Gesetz des Klassen st aateS. Auch hier schlägt wieder einmal die Logik des Genossen EiSner in Unsinn um. Nicht der„Verbesserung des Klassen- st a a t e S" dienen die vom Proletariat den herrschenden Klassen abgerungenen Mittel zur materiellen und intellektuellen Hebung der Arbeiterklasse, sondern der Stärkung des proletarische» Klassenkampfes. Allerdings würde die Sozialgesetzgebung. würden alle günstigeren Steuergesetze, würden die Verbesserunge» der Gehälter der unteren Beamten usw. eine„Verbesserung des Klassen- staateS", d.h. der Position d e r h e r r s ch e n d e n Klasser. sein, sofern nicht die sozialdemokratische Partei durch griindsStzlich» Aufklärung und Belehrung aller proletarischen Schichten dafür sorgte. daß die nichtbesitzenden Klasse» für den proletarischen Klassenkampf gewonnen werden! Daran hat es aber die sozialdemokratische Partei bisher nicht fehlen lassen. Erst die revisionistische Taktik de» Budgetbewilligung, die wir jetzt in Süddeutschland erlebt haben, würde diese parlamentarische Tätigkeit des Proletariats ihres klassenkämpferischen Charakters entkleiden! Denn wenn man der Regierung zum Dank für ihr Entgegen» kommen das Budget bewilligt, wenn man, wie daS ja von David, Kolb, Gradnauer usw. vorgeschlagen wird, bei dem Kampf um die Volksrechte die Aufklärung über die wirtschaftlichen Gegensätze voll» ständig ausschaltet, ja, durch seine Agitationsweise nicht nur in bürgerlichen, sondern auch in proletarischen Kreisen den Anschein erweckt. als gebe es eine Gemeinsamkeit der Interessen zwischen ausbeutenden und ausgebeuteten Klassen, so würde diese parlamentarische und agitatorische Taktik allerdings eine„Ver» befferung des Klaffenstaates" bedeuten, eine Befestigung der Herr- schast der privilegirrten Schichten! EisncrS vierte Frage lautet:„WaS bedeutet die Ludget- ablehnung?" Er beantwortet sie dahin, daß die Vudgetablchnung nichts sei als eine Waffe der parlamentarischen Politik. ein politisches Machtmittel innerhalb des Klassen» t aateS zu seiner EntWickelung und Ueber» Windung. Diese Definition ist insofern unanfechtbar, als die Ablehnung deS Budgets im Parlament erfolgt, sie also eine Waffe der„parla- mentarischen" Politik darstellt. Wenn freilich unter der parlamen- tarischen Politik die Politik des Parlamen telnS gemeint ist, die unsere süddeutschen Genossen jetzt eingeschlagen haben, die blockliberale Politik, von deren Grundsätzen sie sich leiten lassen, so ist diese Behauptung, wie wir gezeigt haben, mit aller Schärfe zurückzuweisen. Und daß die Budgetablehnung„eine Waffe innerhalb des K l a s s e n st a a t e ö bildet, ist natürlich auch richtig, denn im sozialistischen Staat dürste eine Budget- ablehnung für die Sozialisten ja wohl nicht mehr in Frage kommen l Wenn damit aber gemeint sein soll, daß sich die Sozialdemokratie den politischen Gepflogenheiten der auf dem Boden des Klassen» 't a a t e s stehenden Parteien anzupassen hat, so ist dagegen chärsste Verwahrung einzulegen! Und nun noch ein Wort über das Ergebnis der EiSnerscheu »rein begrifflichen Voruntersuchung". ES lautet bekanntlich: ,Di« Budgetavfilmmung ist kein Mittel deZ proletarisch- sozialistischen Endkampfes, sondern ein Mittel des politischen Tages- kampfes." Daß die Budgetabstimmung ein Mittel des sozialistischen Endkampfes sei, ist natürlich nur eine vage Begriffskonstmktion des Genossen Eisner. Für ihn existiert ja zwischen revolutionärem Endkampf und unserem heutigen Gegenwartskampf kein logisches und historisches Bindeglied. Natür- lich kann die Budgctabstimmung in dem entscheidenden Kampf zwischen Proletariat und Bourgeoisie ihre Rolle spielen. Aber sie ist nichtsdestoweniger lein ausschließliches Mittel des End kampfes, sondern die Konsequenz deS proletarischen Klaffen- kämpf ess überhaupt"! Ausnahmen sind nur dann zulässig, wenn sie durch das Interesse deö proletarischen Klassenkampfes geboten sind. Sie ist also zwar ein Mittel des politischen TageS- kampfes, aber keineswegs im Sinne des bürgerlichen Parlamen- tarismuS. der politischen KonzessionS- und Schacher- Politik, des Versuchs, sich bei Regierungen und anderen Parteien beliebt zu machen. Ausschlag- gebend ist vielmehr für jede Budgetbewilligung dnS Interesse deS proletarischen Klassenkampfes, der Gesichtspunkt, die Erkenntnis deS Proletariats vom Wesen deS KlassenstaatrS, von der Gegensatz- lichkeit der Klassenintercssc» zu vertiefen! Der Nachweis dafür aber, daß die opportunistische, nach dem Nezept des bürgerlichen Parlamentarismus arbeitende, kleinlich rechnnngsträgerische Politik der süddeutschen Budgetbewilliger, statt Aufklärung über den proletarischen Klassenkampf zu verbreiten, nur die politische Verflachung und Entnervung der pro- lctarischen Wählcrmassen zu fördern vermag, ist unseres Erachtens in unseren früheren Artikeln durchaus beweiskräftig geführt worden! Sei' Isslllioneaichlvinckel und die allgemeine Cage in Dänemark. Kopenhagen, 10. Sept.(Eig. Ber.) Das Ministerium Christensen hat am Mittwoch über die durch Albertis Schwindeleien geschaffene Lage beraten. Das Ergebnis war, daß sämtliche Minister übereinkamen, ihre Aemter nicht nieder» zulegen. Man war also im Irrtum, wenn man glaubte, daß die Herren, die die vielen Jahre niit vlberti zusammenarbeiteten, die ihn gegen die nur allzu berechtigten Angriffe von sozialdemokratischer. radikaler. ja konservativer Seite bis zum letzten Augenblick in Schutz nahmen, nun unter dem Drucke dieser Blamage vonssder StaatSleitung zurücktreten würden. Ob sich das Ministerium Christensen aber noch lange halte» kann, ist jedenfalls ziveifelhaft. Nach Verlauf eines Monats tritt der dänische Reichstag zusammen. vis dahin werden wohl die Betrügereien Albertis so weit untersucht sein, daß man einen klaren Ueberblick über die Sache haben wird. Die Minister werden dann Auskunst geben müssen, wie es möglich war, daß sie von den Verbrechen ihres geschätzten Kollegen nichts merkten und so durch ihre unglaubliche Fahrlässigkeit zu M i t» schuldigen an dem Landesunglück�werden konnten. Die Partei, deren Ministerium Alberti angehörte, war bekannt- lich eine demokratische und nennt sich noch„Linken-Reformpartei"; sie hat aber ihre dcmokratisch-radikalen Ideale von ehemals schon lange preisgegeben. Dennoch unternahmen es konservative Blätter, gleichsam der.Demokratie" die Schuld an AlberttS Verbrechen zuzuschieben. Anknüpfend hieran schreibt unser Bruderorgan �Sozialdemokraten": „Die Rechte— diese elende Partei, die die Staatskasse um viel mehr Millionen geplündert hat als Alberti auf dem Gewissen hat— sucht die Lage zu ihren Gunsten auszunutzen, indem sie die Demokratie für das Geschehene verantwortlich macht. Dazu ist zunächst zu sagen. daß Alberti in jeder Hinsicht ein ausgeprägter Rechten mann war. Er hat sogar seinerzeit Anklage erhoben gegen Leute, die ihn alZ zur Linkenpartei gehörend bezeichnet hatten. Und er war außer- dem in seinem Wahlkreis Köge von der Rechtcnpartei gewählt, sowohl damals, als er den Demokraten Hörup(bei später Verkehrsminister wurde) stürzte, wie nachher. Aber dann sollte die„Nationaltidende" auch nicht im Unklaren darüber sein, daß die grüßten Schurken st reiche der Machthaber in den nichtparla m entarisch regierten Ländern statt- finden, in den Staaten der Alleinherrschaft. Alberti ist nur ein ganz Kleiner, verglichen mit den RegierungSraubtieren. die Ruß- I a n d ausplündern. Gestohlen wird unter dem Kapitalismus in allen Ländern, aber mit dem Unterschied, daß. wo die Demokratie die Macht hat, die Diebe im Parlament und in der Presse verfolgt werden und zwar so lange, bis die Verbrechen aufgedeckt sind.— Gestern schrieben einige Blätter, daß wir das Ucbel an der W u r z e l packen müßten, wenn wir unser öffentliches Leben von den Krankheiten heilen wollen, deren Ausschlag AlbertiS Verbrechen sind. Aber deö UebelS Wurzel ist einzig und allein der Kapitalismus und wir zweifeln daran, daß jene Blätter uns helfen werden, dieses Uebel auszurotten.* Heute fand die erste Vernehmung AlbertiS durch den Untersuchungsrichter statt. Sie dauerte nur ganz kurze Zeit und soll im allgemeinen nur bestätigt haben, was der Verbrecher schon der Polizei eingestanden hatte. Diejenigen, die den Schaden von AlbertiS Schwindeleien zu tragen haben, sind vor allen» die Landleute und Vertrauensmänner, die ihr Geld in der Sparkasse de? Bauernstandes angelegt hatten; dann die Interessenten der Butterexportvereinigung, die ebenfalls bedentende Verluste erleiden. Hierzu kommen verschiedene Privat- leute, die dem Schwindler Gelder geliehen hatten oder mit ihm in Geschäftsverbindung standen. Unter ihnen ist ein Schwager AlberttS, ein Arzt, dessen Verlust sich auf lOOOOO Kronen belaufen soll. Ein Gerücht besagt, daß auch der dänische König einen Verlust erleidet und zwar von einer Million Kronen, die er dem Betrüger seinerzeit geliehen haben soll. DaS Gebäude der Bauernsparkasse in der Rh Westergade war noch gestern daS Ziel vieler Landleute, die mit der Eisenbahn oder zu Wagen geko,nmen waren, um sich an Ort und Stelle Aufklärung über die Lage zu verschaffen. Zwischen ihnen»md den Vorstandsmitgliedern der Kasse, die nach den Bureaus kamen, entstand oft ein derber Wort- Wechsel. Auch Ole H a n s e n, der bis Ende Juli Landwirtschaftsminister war und nun Nationalbankdirektor ist, kam gestern nach dem Ge- bäude der Kasse. Ungefähr 20 Jahre lang hat er dem Alberti als kontrollierendes Vorstandsmitglied und zweiter Vorsitzender zur Seite gestanden und nichts von den 14 Jahre lang betriebenen Fälschungen und Betrügereien entdeckt. Er weinte, als er gestern die Bureaus der Sparkasse verließ, aber auf Mitleid konnte er bei den ge- schädigten Sparern nicht rechnen. Sorgen der Slitobriitenführer. Man schreibt unS aus Petersburg: Seit Wochen bereits schlagen die Oktobristenführer unaufhörlich Alarm. Die Hauptzeitung der Oktobristen, der„Goloß MoSkwi", in seinen Leitartikeln, sowie der Oktobristenführer Herr Alexander Gutschkow in Unterredungen mit Vertretern der Presse, wissen von eM'n neuen, in tM Hpfkreil-N geplaMn Aitklltgt gegLfi die russische„Verfassung* zu erzählen. Der Staats- streich soll darin bestehen, daß die„Konstitution" für ungültig er- klärt, die„gesetzgeberische" Reichsduma auseinandergetrieben und an deren Stelle eine beratende Versammlung(Scmsky Ssobor) einberufen, der„konstitutionelle" Premiermini st er S t o l y p i n seiner Stelle enthoben und durch einen Großfürsten(gemeint ist Nikolai Nikolajewitsch) ersetzt wird. Die Oktobristenführer fordern alle„konstitutionell Gesinnten" auf, an- gcsichts dieser drohenden Gefahr sich zur Verteidigung der„so schwer erkämpften Verfassung" zu vereinigen. Natürlich soll die führende Rolle bei dieser Verteidigungsaltion der Oktobristenpartci überlassen werden. Allen Alarmgerüchten der Oktobristen gegenüber behauptet die offiziöse„Rossija", daß man„in den höheren Kreisen" nicht im entferntesten' daran denkt, irgendwelche Aendcrungen in der„neu geschaffenen Staatsordnung" zu unternehmen, daß man im Gegen- teil mit dieser Ordnung vollkommen zufrieden sei, sowie auch m i t dem Herrn Premierminister Stolypin, dessen zu- künftiger Tätigkeit man in höheren Kreisen voller Zuversicht entgegenblickt. Das Amüsanteste an der ganzen Polemik ist, daß beide Parteien sich den Premierminister Stolypin zu ihrem Helden erkoren haben. Stolypin, der Erfinder der neuesten„Konstitution", der Organi- sator des letzten Staatsstreichs, der Urheber der Auflösung der ersten und zweiten Duma, der Organisator der Kriegsgerichte und Verteidiger der Folterkammern— gerade dieser Mann wird als Stütze der„neu geschaffenen Ordnung" oder, nach der Terminologie der Oktobristen, als Stütze der„russischen Verfassung" gefeiert! Ihre angebliche Rettungsaktion wollen die Oktobristenführer unter der Parole„für Stolypin" durchführen. Schon diese Tat- fache berechtigt zu einem gewissen Mißtrauen den oktobristischcn Alarmgerüchten gegenüber, ja zur Annahme, daß Stolypin selbst den ganzen Froschmäusekricg zwischen den Oktobristen und der„Rossija"(der sich die„Nowoje Wremja".„Swct" usw. frei- willig angeschlossen haben) inszeniert habe. Was Herr Stolypin dabei verfolgt, ist unklar. Wahrscheinlich will er nur. angesichts der bevorstehenden Anleihe, vor Europa den Schein erwecken, als ob in Rußland wirklich eine Verfassung existiere und er, Stoly- pin, der richtige Beschützer dieser Verfassung sei. Was aber die Oktobristenführer bestreben, ist klar. Die Gerüchte über eine von außen drohende Gefahr sollen die Meinungsverschiedenheiten inner- halb der Oktobristenpartei selbst ersticken und eine etwaige Spaltung in der Partei verhindern. Denn von einer Spaltung wird in den Oktobristenkreisen schon längst gesprochen, was bei der bunten Zu- sammensetzung dieser Partei leicht zu begreifen ist. Den Kern der Partei bilden zwar Großkapitalisten, aber Kapitalisten verschiedener Kategorien: Großgrundbesitzer, Fabrikbesitzer, Kaufleute und Finanziers. Sie sind alle Konstitutionalisten, aber jede dieser Kategorien will eine solche Verfassung in Rußland haben, die die Staatsgewalt in ihre Hände legt. Die Großgrundbesitzer, die den rechten Flügel der Oktobristenpartei bilden, sind größtenteils adeliger Abstammung und finden, daß die Oktobristenpartei ihre Interessen nicht energisch genug fördert, sie glauben eher ihr Ziel zu erreichen, wenn sie sich der Partei deS Fürsten P. Trubczkoi anschließen würden, die eine rein feudalistische Verfassimg erstrebt. Die Fabrikbesitzer sind Gegner der feudalistischen Be- strebnngen jener Großgrundbesitzer; die Kaufleute verlangen, daß die Handelsintcressen in erster Linie gefördert werden usw. So- lange die revolutionäre Massenbewegung dauerte, konnten die Parteiführer alle diese Elemente durch den Hinweis auf die drohende Volksrevolution zufainmeirhalten; jetzt aber sucht Herr Gutschkow durch das Gespenst einer„Revolution von oben" auf seine widesrpenstigen Parteigenossen einzuwirken. Den Lärm über den drohenden Staatsstreich darf»nan also bloß als eine Vorbereitung zu dem bevorstehenden Parteitage der Okto- bristen betrachten, als ein Mittel, die Parteieinigkeit zu fördern. Dem Parteitage wird ein neues Programm und ein neues Organisationsstatut vorgelegt werden, bei deren Ausarbeitung, wie Herr Gutschkow selbst bestätigt hat, daS Programm und Statut der deutschen——- nationalliberalen Partei als Vorbild gedient hat. Das wird allerdings ein nettes Programm werden. politische(lebersiebt. Berlin, den 11. September 1303. Profitabler Flottenpatriotismus. In der„Rheinisch-Westfälischen Zeitung", dem bekannten Organ der Kohlenwucherer und Panzerplattenpatrioten wurde dieser Tage eine lange Zuschrift des geistlichen Rektors Professor I. H. Schütz aus Köln veröffentlicht, der durch Flottenbroschüren bekannt geworden ist, die»vegen ihrer Hnrratcndenz von den Flottentreibern umso begieriger aufgegriffen wurden, als der Verfasser ein k a t h o- lischer Geistlicher ist. Wie man aus der in dem Essener Blatte abgedruckten Zuschrift ersehen kann, hat sich für Herrn Schütz die Flottenbegeifterung prächtig gelohnt. Wie der Herr offen eingesteht, ist er in großer Schuldennot gewesen und hat sich durch nn- bedachte Unternehmungen schwere Schulden aufgehalst. Da ist er. um seine Verhältnisse zu sanieren, auf den Ge- danken gekoinmen,„patriotische und sozialhistorische Schriften" zu verfassen. Er schreibt darüber: „Meine Flottenschriften, die in letzter Zeit auch von den Studierenden an allen deutschen Universitäten verlangt wurden, Warden denn auch in einer Riesenauflage abgesetzt, und so k a>n ich letztes Jahr zu den» erfreulichen Resultat. endlich»nit in einen auf zirka 80000 M. mitZinseS- zinsen angeschwollenen Schulden auf 12000 M. heruntergekommen zu sein, die ich mit einer populären Kolonialschrift ebenfalls zu tilgen hoffe." Herr Schütz, der Flottenbegeisterte, hat also durch seine Wasser» patriotischen Broschüren 68000 Marl verdient, und den Rest seiner Schulden gedenkt er—— durch eine kolonialschwärmerische Broschüre sich vom Halse zu schaffen. Der Herr ist von einer mehr als seltenen Offenherzigkeit. Da hätte er ein übrige» tun und sagen sollen, woher die vielen Tausende stammen: denn wer die relative Geringfügigkeit der Autoren- Honorare kennt, für den ist eS von vornherein klar, daß die un« erhörte Summe von 63000 Mark unmöglich aus der Kasse des Verlegers jener Broschüren stammen kann. Es liegen drei Möglichkeiten vor, drei Quellen, aus denen die Tausende stammen können: 1. der Flottenverein, 2. geheime RegierungSfondS, 3. daS interessierte Panzerplattenkapital. Wir sind in der Lage, auf Grund zuverlässiger Jnformattonen zu erklären, daß die 63 000 M. zum weitaus größten Teile Privatgeschenke von an den Flotten- lieferungen interessierten Großindustriellen an Herrn Schütz sind. Die Summen wurden Herrn Schütz unter dem Vorwande gezahlt, daß sie eine Entschädigung für die gegen ihn gerichteten Angrisse dex Zentrumspresse seien. In Wirklichkeit wollte daS Panzerplattenkapital den Flotteuagitawr im Gewände des katholischen Priesters subventionieren, weil man sich von dessen Tätigkeit einen bedeutenden Erfolg bei dem katholischen Volks- teile»md mittelbar bei der ZentrumSprcsse versprach. Die an Herrn Schütz gezahlten Summen sollten den Profitpatrioten Millionengewinne bringen. Ein interessanter Blick in die Geheimlverkstatt der Flotten» Agitation.—_ Die Reichsfinanzreform soll, wenn man den Nachrichten des Berliner.Lokal-Anzeiger'" glauben darf, mit einigen Reformen versüßt werde»», die in weiten Volkskreisen sehr populär sind. Heute abend meldet der»Lokal- Anzeiger": � „Neben der Aufhebung der Fahrkartensteuer werden die vcr- bundcten Regierungen, wie wir erfahren, anläßlich der geplanten Rcichsfinanzreforn» auch die Wiederabschaffung des er- höhten OrtSporroS beantragen. Belannilich war eS der Reichstag, der bei der Stengelschen Reichsfinanzreform die Beseitigring de" billigen OrtSportoS beschloß. Der jetzige Reichs- fchatzfekretär Sydow war damals Unterstaatssekretär im Reichs- Postamt und machte aus seiner Gegnerschaft gegen diesen Beschluß kein Hehl." Die Nachricht muß mit der größten Vorsicht aufgenommen werde»», denn heute wird z. V. von anderer Seite mitgeteilt, daß die Regierung die F ah r k a rten st euer kemeLwegS aufheben, sondern i»ur reformieren wolle. Au Stelle der jetzt geltenden staffcl- förmigen Steuer soll eine prozentuale Bestelicrung der ganze» aus dem Personenverkehr resultierenden Einnahmen gesetzt werden. Und zwar rechnet»nan»nit einen» Sprozentigen Zuschlag. Die Einnahmen auS der Steuer»nachen jetzt 3'/i> Proz, aus. ES würde also eine Erhöhung der Steuer und eine Ausdehnung auf die 4. Klasse Platz zu greifen haben. Und das nennt»nan dann»Reform' I— Kriegsmarine und Segelsport. Der Deckoffizier a. D. Theodor Kämmerer hat im Vet- läge der Attenhoferschen Druckerei in Straubing ein 20 Seiten starkes Schriftchen erscheinen lassen, das den Titel führt: „Kiel?— Wilhelmshaven? Etwas von der wahrscheinlichen KriegSbasiS unserer Flotte." Im ersten Teil der Schrift kommt der Verfasser auf die maritime Stellung Frankreichs und Englands uns gegenüber zu sprechen und stellt fest, daß ü» einem etwaigen Seekriege zwischen den erstgenannten Mächten die Nordsee als Operationsbasis zu betrachten sei. Diese Operationsbasis, der Jadebusen, könne aber im Ernstfalle beiin jetzigen Stande der Dinge in unserer Marine nicht ausgenutzt werden, weil cS an einer Kricgsschiffstation in der Nordsee und einem seetüchttgen Personal, das in stürmischer See operieren könne, fehle. Die Ursache dieser Kalamität ist nach Ansicht des Verfassers darin zu suchen, daß die Flottcnopcrattonen meistens nach der ruhigen Ostsee verlegt würden, wodurch Kiel zum„tonangebenden" Hafen Deutsch- landü geworden sei. DaS gute Bürgertum von Wilhelms- Häven, das früher gewisse Vorteile von der Kriegsschiffs- station in der Nordsee hatte, ist finanziell geschädigt und in seiner EntWickelung gehemmt worden, wie überhaupt die wirl- schaftliche Entwickclung des Nordseestrandes unter der vom Reiche gepflogenen Bevorzugung der Ostsee und des Kieler Hafens gelitten hätte. Der Verfasser spricht es offen aus, daß die absichtliche Vernachlässigung WilheliuShavel»S nicht nur in der marinetcchnischen Minderwertigkeit des Schiffs- Personals liege, sondern auch der seit 1890 in der Marine eingerissene Segelsport, der in der Jade nicht ausführbar war, die Verlegung deö MarineschwerPunktcS nach Kiel bedingte. Man kennt die Wirkungen lind Begleiterscheinungen des von hoher Stelle alljährlich in 5ticl geübten und empfohlenen Segelsports, an dem sich»»ur kapitalkräftige und sonst„hono- rige" Leute beteiligen. Sogar aus Amerika wurden die reich gewordenen Ochscnschlächter und Eisenbahnbaucr eingeladen tind fettert. Daß die herrliche Kriegsmarine bei der„Kieler Woche"— so wird der feudale Segelsport in der Ostsee be- zeichnet— den wirkungsvollen Hintergrund abgibt und die Schiffsmannschaften vielfach als Statisten figurieren müssen. ist ebenfalls bekannt und schon in der sozialdemokratischen Presse kritisch besprochen worden. ES ist daher nicht uninteressant, zu hören, was der Oberdcckoffizier Kämmerer zu der Kieler Woche zu sagen hat: „Ich möchte diese Abhandlung nicht schließen, ohne mal die „Kieler Woche" marineprosaisch zu bcleuchien; sie wird von den Marinesachschriftstellern leider zu poesievoll geschildert. Der hohe Wert des Kieler Segelsports für die Kriegsmarine wird doch etwas zu überschwenglich gefeiert. Waö hat die Marine an sich mit diesen» Sport zutun? Die paar Offiziere, die ein Sportfahrzeug haben, repräsentieren doch»vahrlich nicht die Kriegsmarine, und die letztere selbst ist an diesem Sport nicht mit einem Prozent beteiligt. Aber den Wert deö Kieler Sports ver- kennen, hieße»nit geschlosiencn Augen in daS Leben sehen. Der Kieler Segelsport hat fraglos die Anregung zu dem binnenländifchen Ruder- und Segelsport gegeben, und daS Boll selbst hat dadurch nur Vorteil, denn dieser Sport ist einer der wenige»», die den Körper und Geist gesunden. Aber dieser pompös hervorgehobene Wert des Kieler Sportes, der förmlich für die Kriegsmarine der Odem Gottes fein soll, hat doch eine sehr üble Rückseite. Billig kommt dieser Sport unserer Kriegsmarine nicht zu stehen, und ich will doch einmal durch einige Anregungen dara»lf hinweisen, daß die Kehrseite dieses pompösen Sport« nicht allen Staatsbürgern unbekannt ist. Der hohe Wert der»Kieler Woche" kommt zunächst nur der Haute- volee und Hautesinanee zum Vorteil, denn für den armen Offizier und jdie Mannschaft bringt er nur viele Mühen. Die Mannschaft wird während der Sports- zeit tüchtig im Bootsdienst, und das vornehmlich in der Freizeit, angespannt. Sie bildet bei diesem Sport recht viel den Statisten« und den dekorativen Hintergrund; ihre Kleidung wird erheblich mehr in Mitleidenschaft gezogen als sonst. Der Farbanstrich der Schiffe soll tipptopp sein, aber der „Etat" an Farbe, an Bronze oder Gold, an feinen Malerfarben speziell, an Seife und Soda usw. ist nicht„dehnbar" und dieses zeitigt das allbekannte„Besorgen". Obwohl schließlich der Staat diese» Besorgen doch tragen muß, so darf aber der„Besorgende" nicht ganz mit leeren Taschen kommen; ich kenne als ehemaliger Dcckoffizier das recht genau. Und am anderen Morgen geht der Deckoffizier zur Werfe„besorgen". Ich habe das wie jeder andere Seemann getan und will dafür auch gar keinen Dank haben, aber oft fragt man sich doch: Für wen sorgst Du Dich eigentlich? Durfte ich mich als„Mann" etwa in den Sports- kreisen je blicken lassen? Nein, aber der Fremde, dem zu Hause der Schusterjunge oft ungeniert auf den Stiefel spuckt, der spielte hier Hautevolee; er war sozusagen mternational. Hinter dem Sportgigerl, dessen Lebcnßwcrt oft unter Null ist, muß der Deckoffizicr zurückstehen; ja, wegen eines solchen HansioilrsteS muß»nan nicht selten seineFreizeit im Vorführen der Kriegstechnik hingeben. Der einzige Vorteil, den der Untermilitär von diesem berühmten Segel- sport hat. ist der, dast eZ berhältniSmaszig diel Urlaub gibt; man kann dem Trubel oft ausweichen. Daß während dieser Zeit auch die Dampfboote der Schiffe und der Werften doppelte Kohlen d e r b r a u ch e n, ist selbstverständlich." Wir haben nichts dagegen, wenn die von dem Verfasser als„Sportgigerln" und..Hansivürstc" bezeichneten Personen Segelsport treiben wollen; wir verlangen nur, daß sie die Kosten ihres Vergnügens aus eigener Tasche bezahlen. Aber die„Kieler Woche" zwingt auch die Flotte zu allerlei Extra- Ausgaben, und diese Ausgaben muß der deutsche Steuerzahler bestreiten. Es ist nötig, daß im Reichstag bei der Beratung des Marine-Etats Rechenschaft über die Auf- Wendungen für die„Kieler Woche" verlangt wird. Neue Kolonialausgaben. Dem Reichstage soll eine Borlage zugehen, die weitere Mittel zum Ausbau des Hafens von Swakopmnnd in Höhe von acht Millionen Mark erfordert. Dieser„Hafen" von Swalop- mu»d ist ein richtiges Schmerzenskind unserer Kökonialpolitik. Zuerst ist in die See eine Mole gebaut worden, an der die Schiffe anlegen sollten. Noch kurzer Zeit war die Mole total versandet. Nun half man sich damit, daß über die Mole hinaus ein langer Steg gebaut wurde. Der„Hafen" versandete unterdessen immer mehr. Die Budgetkommission des Reichstages hörte vor ein paar Jahren die Gutachten zweier Kapitäne der Hamburg- Amerika-Linie, die über- einstimmend erklärten, daß man dort bauen könne, was man wolle. der Hafen werde immer wieder versanden. Jetzt soll eine neue Brücke von 800 Metern Länge in die See hinaus gebaut werden, die natürlich auch ungeheuere Unterhaltungskosten verschlingen würde. Die Versandung des Hafens kann aber auch dadurch nicht auf- gehalten werden, man rechnet aber damit, daß der Sand mit der . Zeit einen festen Wall bilden werde.— Unsere Kolonialhoffnungen werden also jetzt in des Wortes vollster Bedeutung auf Sand gebaut.—_ Kriegervereine und Christlichsoziale. Da? Kricgervereinsorgan„P a r o l e" bestreitet der Sozial- demokratie das Recht, sich als die Vertretung der Arbeiterschaft„auf- zuspielen", da doch zahlreiche Arbeiter nicht sozialdemokratisch seien; gerade die Kerntruppe der Kricgervereine besteht aus Arbeitern und diese seien patriotisch und königstreu und wollten von der Sozial- demokratie nichts wissen.„Die Kriegervereine— schreibt dann das Blatt— verwehren den Kameraden auch keineswegs, ihre Rechte in den Gewerkschaften wahrzunehmen. Müssen denn aber alle Arbeiter sozialdemokratischen Gewerkschaften angehören." Hierauf antwortet das christlichsoziale„R eich":„Diese letzte Frage ist längst mit klarem„Nein" beantwortet worden. Mit freudiger Anerkennung haben wir erst kürzlich der patriotischen und auch sozial-unterstützenden Wirksamkeit unserer Kriegervereine gedacht. Da die Kriegervereine in die wirtschaftlichen Kämpfe nicht eingreifen können, andererseits aber die Bekämpfung der Sozialdemokratie ihre Pflicht ist, so wäre eS dringend wünschenswert, wenn mit größerer Entschiedenheit für die christlich-natio- nale Arbeiterbewegung Stellung genommen würde. Der Sozialdemokratie geschähe Abbruch und den Arbeitcrmitgliedern der Bereine würde zu einer auf nationalem Boden stehenden wirtschaftlichen Interessen- Vertretung verholfcn." So gehört sich's: die Christlichsozialen preisen die Hurravereine und diese weisen ihre Arbeitermitglieder den christlichen Gewerk- schaftcn zu. in deren Gefolge die Christlichsozialen politische Geschäfte zu machen hoffen. Die Stöckerleute bleiben damit der Nolle getreu, die sie allezeit gepflegt haben: die spärlichen und schmutzigen Brocken zu sammeln, die andere ihnen zuwarfen. Fett iverden sie dabei allerdings nicht, höchstens daß sie sich vor dem Hungertode retten.—_ Arbeitslosigkeit. In Bielefeld fand am Donnerstag eine von mehr als 900 Arbeitslosen besuchte Versammlung statt, die nach einem Referat deS Reichstagsabgeordneten Genossen Severina eine Resolution annahm, in welcher der Magistrat der Stadt Bielefeld dringend ersucht wird, Maßnahmen zu treffen, die geeignet sind, die Arbeitslosigkeit zu mindern, insbesondere durch die Borbereitung und Inangriffnahme von Notstandsarbeiten sBauten, Straßenanlagen und-Verbesserungen) den Beschäftigungslosen Arbeit zu verschaffen. Die Versammlung hält ein Eingreifen der Stndtvenvaltung für um so mehr geboten, als alle Anzeichen darauf hindeuten, daß eine weitere Verichlcchte- rung des ArbeitSmarkteZ in den Wintermonaten durch die Ber- -mehning der Arbeitslosen auS den in den Bauberufen beschäftigten Arbeitern eintreten wird. Zurzeit sind in der Metallindustrie allein 1500 Arbeiter arbeitslos bezw. müssen ein bis vier Tage in der Woche feiern. Im ganzen dürften 2000 Personen von der Krise be- troffen sein. Eine genaue Zählung wird am 12. d. M. vor- genommeil._ Schmerzlose Ohrfeigen. Vor der Ferienstrafkammer des gemeinschaftlichen Landgerichts Gera hatte sich der öö Jahre alte Kriminalwachtmeister Steudcl wegen Vergehens gegen die ßZ 340 und 223 zu verantworten. Steudel, der erst vor ivenigeu Wochen einem Arbeiter zu einer Ge- fängnisstrafe von acht Monaten verholfen hatte, hatte bei einer Polizei- lichen Beruehmung einem Angeschuldigten, der ihn beleidigt hatte, einen Schlag iiiS G e> i ch t versetzt, nach seiner eigenen und der Aussagen zweier als Zeugen geladener Schutzleute einen leichten Klapps, nach der eidlichen Aussage des Geschlagenen aber eine der- artige Ohrfeige, daß er noch am anderen Tage Schmerzen hatte und nicht essen konnte. Nach dem Schlage hat Steudel die Vernehmung welter fortgesetzt. Der Staatsanwalt hielt Körperverletzung in Aus- Übung des Amtes für vorliegend und beantragte unter Annahme mildernder Umstände— 30 M. Geldstrafe. Das Gericht erkonnte auf E i n st e l l u n g des Verfahrens. Der Angeklagte habe nicht den Willen gehabt, den betreffenden Angeschuldigten schmerzhaft zu verletzen und habe die ihm zugefügte Beleidigung auf der Stelle durch eine tätliche Beleidigung erwidert. Da aber kein Strafantrag wegen Beleidigung vorliege, sei das Verfahren einzustellen. Die Staatskasse habe die Kosten zu tragen. Nach dieser juristischen Logik hätte somit auch ein Arrestant das Recht, eine beleidigende Bemerkung des Polizisten oder Gendarmen mit der sofortigen Verabreichung einer Ohrfeige auszugleichen. Raten möchten wir eS freilich niemand, weil das Gericht schließlich wieder zu einer anderen Auffassung kommen könnte. Schmerzlose Ohrfeigen gab es bisher nur in der Spruchpraxts der Militär- gerichte, jetzt teilt auch die Polizei schmerzlose Ohrfeigen aus.— .Lizentiat Weber als Steuerreformer. Der Ausschuß des Gesamtverbandes der evange» tische n Arbeitervereine Deutschlands hat anfangs Sep- tember in Kassel eine Sitzung abgehalten. Der„Evangelische Arbeiterbote", das Blatt des GesamtverbandcS, berichtet darüber u. a.:„Zu dem schriftlich vorliegenden Bericht gibt Pfarrer Weber vertrauliche Mitteilungen auS der Sitzung des Flotten- Vereins in Danzig, insbesondere über die Wahlangelegcnheit des Vorsitzenden. Er spricht sich dann dafür aus, daß von feiten der evangelischen Arbeitervereine alles getan werde, nm die deutsche Arbeiterschaft von der Notwend.i gleit der in- direkten Steuern zur Sanierung der Reichs- finanzen zu überz eugen." i Der Gesamtverband der evangelischen Arbeitervercine gehört als korporatives Mitglied dem Flottenvercin an; sein Vorsitzender, Lizentiat Weber, fehlt auf keiner Tagung des Flottenvereins, wo er dann die Sympathien seines AnhängcrhäufleinZ für die„größere Flotte" überbringt. Pfarrer Weber, der Hans Dampf in allen Gassen, weiß, was er seinen Gerreuen, deren Politik der Stumpf- sinn ist. bieten kann. Deshalb braucht man sich nicht zu wundern, wenn er es jetzt unterninnnt, den evangelischen Arbeitern einzureden, daß sie sich für die Erhöhung der indirekten Steuern, also für die Beraubung des eigenen Beutels, begeistern müssen. Zum Glück ist der Einfluß der Weberleute auf die deutsche Arbeiterschaft nicht groß genug, daß es ihnen gelingen könnte, allzu viele Arbeiter zu be- tölpeln.-»_ Rote Schleife». Bei einem Begräbnis in Lemsdorf bei Magdeburg wurden auch zwei Kränze mit roten Schleifen im Leichenzuge getragen. Vor dem Niederlegen der Kränze auf dem Grabhügel wurden jedoch die Schleife» entfernt. Ein Gendarmeriewachtmeister hatte aber trotz- dem Anzeige erstattet, und einer der Kranzträger erhielt ein Straf- mandat über 0 Mark wegen Ilebertretung einer Polizeiverordnung. Auf erhobenen Einspruch hin sprach daS Schöffengericht Magdeburg de» Angeklagten frei. Die betreffende Polizeiverordnung verbietet zwar das Anbringen roter Schleifen, aber nicht das Tragen von Kränzen mit roten Schleifen.—_ Oeftemicb. Tas österreichische für das ungarische Proletariat. Budapest, 11. Septeinber. Eine gestern abend ab- gehaltene Konferenz der ungarischen f o z i a l d e in o- k r a t i f ch e n Partei beschloß, an der am 27. September in Wien stattsindenden von der österreichischen Sozialdemokratie einberufenen internatio- nalen Konferenz, welche sie als einen erhebenden Akt der internationalen Solidarität betrachtet, teilzunehmen, um das österreichische Proletariat auf die Gefahren aufmerksam zu machen, welche durch die Fälschung der ungarischen W a h l r e f o r m der Demokratie, dem Arbciterschutz und der sozialen Gesetzgebung der beiden Staaten der Monarchie drohen.— Schweiz. Ausdehnung der Proportionalwahl. Basel, 8. September.(Eig. Ber.p Die BaSlcr Regierung hat abermals eine fortschrittliche Aktion eingeleitet. Sie hat dem Großen Rate eine Vorlage unterbreitet, durch die die gegenwärtig nur für die Großratswahlen bestehende Proportionalität auch auf den weiteren Bürger- rat und die evangelische Kirchensynode ausge- dehnt werden soll. Namentlich erstere Behörde ist bisher sast ausschließlich eine Domäne des ärgsten Zopfbürgertums ge- wescn, m die unsere Partei trotz ihrer Stärke leinen Eingang finden konnle, obwohl sie die stärkste Partei im Kanton ist. Die Verwendung von gedruckten bezw. zu Hause ausgefüllten Stimm- zetteln wird auch für die Wahl dieser Behörden zugelassen, da- gegen die durch nichts gerechtfertigte Beschränkung für den zweiten Wahlgang beibehalten, die Stimmzettel erst im Wahllokal auSzu- füllen. Entiveder lasse man auch für den zweiten Wahlgang ge- druckte Stimmzettel zu oder man verlängere die Frist zwischen dem ersten und zweiten Wahlgang von acht Tagen aus zwei oder drei Wochen und gestatte mindestens, daß der Stimmzettel zu Hause ausgefüllt werde. Es kann aber dieses zugelassen werden und ebenso die.Verwendung gedruckter Stimmzettel neben der Vcr- längerung der Frist zwischen dem ersten und zweiten Wahlgang. Mit der sonstigen fortschrittlichen Tendenz der Neuerung verträgt sich die alte Engherzigkeit nicht gut. Ausgedehnt wird schließlich auch die Pflicht der Annahme, der Wahl ins Wahlbureau auf sämt- liche Stimmberechtigte, während sie heut«'nur für die Mitglieder des Großen Rates und die Gemeindcräte in den Landgemeinden besteht, öcbwcdcti. Der Zug nach links. Stockholm, 10. Sept.(Eig. Ber.)' Durch die Neuwahlen, die noch bis Ende dieses Monats dauern. wird die zweite Kammer des Reichstags jedenfalls eine weit radi« kalere Zusammensetzung erhalten als bisher. Die wichtigste Tat- fache, die jetzt, nachdem über die Hälft« der Abgeordneten schon gewählt sind, hervortritt, ist der mächtige Fortschritt der Sozialdemokratie. Sie batte bisher nur 17 Vertreter unter den 230 Abgeordneten der 5tammer. und von den 17 kamen auf die Kreise, die bis jetzt gewählt haben, nur vier. Nun sind diese vier Genossen nicht nur mit weit größerer Stimmenmehrheit wiedergewählt worden, sondern unsere Partei hat auch noch f ü n f neue Mandate hinzuerobert, so daß man jetzt bereits mit 2 2 sozialdemokratischen Abgeordneten rechnen kann. Ihre Zahl wird aber jedenfalls noch bedeutend wachsen, wenn erst Stockholm, Göteborg sowie Malmö und die Landschaft Schonen mit ihrer fast durchweg sozialdemokratischen Arbeiterschaft zur Wahl kommen. Aber nicht nur die Sozialdemokratie, auch die L i b c- ralen, die doch insoweit liberal und demokratisch sind, daß sie die von den Konservativen veranstaltete Hetze gegen die Sozial- demokratie nicht mitmachen, haben starke Fortschritte zu verzeichnen. Sic haben bereits 11 neue Mandate erobert und nur 2 verloren. In Kreisen, wo unsere Geiwssen aus eigener Kraft kein Mandat erobern können, unterstützen sie ehrlich liberale Kan- didaten gegenüber den Konservativen, die in jeder Legislatur- Periode von neuem den Versuch machen« die Arbeiterschaft durch schärfere ZwangSgesctze zu knebeln, franhrdeb. Ein Schlag gegen das KoalitlonSre'cht. Unsere Leser erinnern sich noch des etwa dreistündigen Streiks der Elektrizitätsarbeiter in Paris. Die Gewerkschaft hatte den Streik beschlossen, um ihren Lohnforderungen größeren Nachdruck zu geben. Von 6 bis 9 Uhr abends war Paris ohne elektrisches Licht. Dieser Streik hat nun ein bemerkenswertes Nachspiel gezeitigt. Der Sänger einer Musikhalle, deren Beleuchtung gleichfalls eingestellt war. haben gegen den Sekretär der Gewerkschaft, Pastaud, auf Schadenersatz geklagt und Pastaud wurde auch wirklich zum Schadenersatz von 8 Fr. verurteilt. Zwar nmßte der Richter anerkennen, daß der Streik ein durchaus gesetzliches Mittel ist. Er fand aber, daß in diesem besonderen Falle der Streik keinem gewerkschaftlichem Bedürfnis ent- sprachen hätte, sondern nur einer Art Mobilisation der Ar- bester gedient und daher aus einer boshaften Absicht ent- sprungen sei. Dadurch aber habe sich Pastaud schuldig ge- macht. Es unterliegt keinem Zweifel, daß das unglaubliche Urteil, das den Entscheid über die Berechtigung eines Streiks in die Hände der bürgerlichen Justiz legen und damit das Koalitionsrccht illusorisch machen würde, von der Berusungs- instanz wird aufgehoben werden müssen. Aber es � ist bezeichnend für die reaktionären Strömungen, die jetzt in FrankLeiK cmch die Justiz erfaßt ha�en,— Rußland. Die Tolstot-Feicr. Petersburg, 10. September. Das Befinden Tolstois ist heute gut. Ter Dichter verlebte den Tag im Kreise seiner Familie und widmete sich literarisckien Arbeiten. AuL allen Teilen der Welt treffen zahllose Huldigungstclegra mm e in Jasnaja Poljana ein, von denen der Jubilar tief gerührt ist. Die auL ganz Rußland, selbst aus den entferntesten Gegenden Sibiriens hier vorliegenden Meldungen bekunden, daß der T o l st o i t a g die gebildete Welt des Reiches in der Huldigung für den Dichter vereint. Infolge der polizeilichen Maßregeln beschränkt sich der äußere Ausdruck der Feier auf die Abhaltung geschlossener Festsitzungen, auf die Begründung literarischer Stiftungen und die Äbsendung von Gratulationsdepeschcn. Vor allein sind Stadtbehörden, Universi- täten, wissenschaftliche Institute und literarisch� Vereine an der Ehrung des Dichters beteiligt. Die ersten Schriftsteller Rußlands veröffentlichten in den Blättern Fcstartikel. Die� Haltung der Behörden ist in den einzelnen Gouvernements vericbjedcn und teil« weise schwankend. So wurde in Simbirsk eine schon genehmigte Fcstaufführung in letzter Stunde verboten.— Eingeäscherte Kasernen. Plozk, 11. September. Die Kasernen deS Ukrainischen Husaren-RegimcntS wurden durch innerhalb zweier Tage angelegte Brände nahezu zerstört.-- pcrficn. Fortdauernde Kämpfe. TacbriS» 11. September. Von Ain ed Danke h enisaichte Reiter haben daS auf dem Wege nach Dschulfa 20 Werst von hier entfernt liegende Dorf Savdan beschossen und nie berge- b rannt. Ain ed Dauleh hat gestern auS Teheran Verstärkungen von 3000 Mann aller Waffengattungen mit vier Feldgeschützen er- halten. Man erwartet einen Angriff auf die Stadt.— Mrokko. Der Streit um die Anerkennung. Die Erregung der französischen Presse über die Haltuag der deutschen Regierung, die mit solch geräuschvollem Eifer sich aus die Seite Mulay Hafids gestellt hat, dauert au. Jedenfalls fügt die neuerliche Verschlechterung der deutschen und französischen Beziehungen dem deutschen Volke s o große Nachteile zu, daß sie durch keine Erfolge, die die deutsche Diplomatie in Marokko erzielen könnte, auf- gewogen werden. Der„Petit Parisien", der häufig die An- sichten der französischen Regierung wiedergibt, kann mtt Recht die Frage aufwerfen, ob denn„das Problem des Azizismus oder des Hafidismus wirklich so wichtig sei, daß eS zu endlosen diplomatischen Debatten auseinander gczerrt werden müsse und so eine ewige Störung guter internationaler Beziehungen bilde, die für die Friedensarbeit aller Völker notwendig seien". In der ,.Humanit6" tritt I a n r ö s mit gewohnter Entschiedenheit gegen jede Verschärfung des Konflikts auf und warnt die französische Regierung, zu harte Bedingungen für die Anerkennung Alulay Hafids zu stellen. Unterdessen ist die Uebereinstiminung zwischen der spanischen und der französischen Regierung über die an die Mächte zu richtende gemeinsame Note erfolgt. Die Mitteilung an die Mächte soll demnächst erfolgen. Es wäre dann Zeit, wenn dieser neueste diplomatische Kampf bald zum Abschluß käme. Befürchtungen in Algier. Paris, 11. September. Wie„Matin" aus Algier meldet, wurde in Rovi�o durch eine Volkszählung unter den Eingeborenen die Befürchtung erweckt, daß Mannschaften zur Entsendung nach Marokko ausgehoben werden sollten. Dem Maire gelang es nur teilweise, die hiergegen protestierenden Leute zu beruhigen. Die Behörden von Algier haben energische Maßregeln zux Unfrechterhaltung dex Ordnung getroffen.— Hmmha. „Verfassungswidrig". Vor kurzem gelangte ein Gesetz zur Annahme, daß den Eisen- bahnen dadurch den Besitz von eigenen Bergwerken unmöglich machen wollte, daß der Transport von Kohle ans eigenen Minen ihnen untersagt wurde. Nun sind die Gerichte den Eisenvahngesell- schaften zu Hilfe gekommen. AuS Philadelphia, 10. Septbr., wird telegraphiert: Das Bundesgericht der Vereinigten Staaten erklärte die H e p b u r n- K l a u s e I des Eisenbahngesetzes für verfassungswidrig, durch welche den Eisenbahnen der Transport von Kohle auS eigenen Minen aus einem Staate zu einem anderen, aus- genommen zu eigenem Gebrauch, verboten wird. Die Entscheidung betrifft Eisenbahnen, die über 90 Prag, der Kohlenlager Pennsyl- vaniens verfügen. Die Regierung wird gegen die Entscheidung Berufung einlegen._ Hus der Partei. Am Ende ihres Lateins scheint die„M ü n ch e n e r P o st" in Sachen der Verteidigung der' Budgctbewilligung zu sein. In einem„Die Budgetbewilligung" überschriebcnen Leitartikel— dem dritten— vom Freitag, den 11. September, klammert sie sich in ihrer Hilflosigkeit an die Be- hauptung, daß die sozialdemokratische Fraktion in Berlin unter Führung des Genossen Singer den städtischen Etat bewil- l i g t habe, und müht sich im Schweiße ihres Angesichts ab. den Nachweis zu liefern, daß dieser Etat seinem Charakter nach auch nicht anders als das bayerische Staatsbudget geartet sei. Hinkt dieser Vergleich an sich schon, so ist es um so Unverstand- licher, das, die., München« Post" geflissentlich unserer Feststellung aus dem Wege geht, daß die Behauptung von der Bewilligung des Haushaltungsetats der Stadt Berlin durch die sozialdemokratische Fraktion eine unwahre ist! Wir haben diese Tatsache wiederholt in unserem Blatte festgestellt. Aber waS schert das die„Münchencr Post". Diese Tatsachen passen ihr einfach nicht in den Kram, und so ignoriert sie sie einfach. Wie Vogel Strauß steckt sie den Kops in den Sand und schreibt furchtlos darauf los. Es mutz schlimm um eine Sache bestellt sein, wenn man zur konsequenten Entstellung seine Zuflucht nehmen muß,_ Die Taktik im Wählrechtskampfe. Zu dem Vorschlage des Genossen Gradnauer, im Wahlrcchtskampf für Preußen und Sachsen eine andere Taktik einzuschlagen, nimmt auch die„Chemnitzer Volksstimme" in scharf ablehnendem Sinne Stellung. Sie schreibt unter anderem: „Wir sind rm Gegensatz zu Gradnauer der llcbcrzeu- gung, daß eS eine p o l i t i f ch e I I l u s i o n ist, zu glauben, daß in Preußen und Sachsen, selbst dann, wenn wir„alles vermeiden", was dem Bürgertum die Anhängerschaft in der Walürechtsfordc. rung erschwert, das Bürgertum weder fest in der Wahlrechtsfrage sein wird, noch„möglichst weit mit uns geht". Gradnauer selbst zeichnet den politischen Typ. des Bürgertums, hei dem es gelang, bei beh Ueberrumpclukigslvahlen vom Januar ISO?»die Rechts- frage der Wahlreform durch nationalistische und retchsverbändle- rische Wahlparolen zu übertönen. Pros. Delbrück, der bekannte freikonscrvative Publizist, hat einmal in den„Preuszischen Jahr- büchern" ganz treffend ausgeführt, daß die Reaktion im Freisinn wachsen müsse. Die Masse des Mittelstandes und der Klein- bürgcr, die Börsenleute und freisinnigen Kapitalisten, seien gc- radezu Befürworter der immer reaktionärer lue r d e n de n P o l i t i k d e s F r e i s i n n s. Sie machten mit, was die Kopsch, Wiemer usw. cntrieren. Hier berührt Delbrück die Kernfrage, von der aus die Haltung der bürgerlichen Par- tcien in der Wahlrechtsfrage beurteilt werden muh. Sachsen, das allgemeiner und früher als Preußen die Klassengegensätze von moderner In- dustrie-Arbeiterschaft und modernen Groß- Unternehmern gesehen hat, sah darum auch schneller als Preußen das machtvolle ßl n>o a ch s e n der Wirtschaft- I i ch e n und politischen Arbeiterorganisationen, die leidenschaftlichen politischen Kämpfe, sah z u e r st den Zu- sammenschluß aller bürgerlichen Parteien gegen die sozialdemokratische Flut. Was Sachsens Sozialdemokratie jahrelang als selbswerstäudlich im politischen Kampfe hielt, die bürgerliche Koalition gegen uns hat für die Sozialdemokratie anderer Bundesstaaten lMZ im größeren Maße begonnen und ist 19ll7 allgemein durchgeführt worden. Je höher die wirtschaftliche Entwickclung eines Landes die wirtschaftlichen Gegensäye ausgereift, um so sicherer schwinden die sozialen Mittelschichten aus dem Wirtschaftslelien und damit die Zwischen- Parteien der bürgerlichen Opposition aus dem politischen Leben... Wo sind in Preußen und in Sachsen die bürgerlichen Wahlrechtsvarteien, die man nicht durch politische Taktlosigkeiten vor den Kopf stoßen darf? Vielleicht meint Gradnauer, daß „radikale Kraftworte" das Bürgertum abstoßen könnten. Ab- gesehen davon, daß es eine merkwürdige Sorte von Partei sein muß, die ihren prinzipiellen Kampf für das allgemeine Wahl- recht aufgibt oder modifiziert, weil die Methode der Agitation einer anderen Partei ihr nicht gefallen, so liegen doch die Dinge u m g e k e h r t, als sie Gradnauer unserer Meinung nach beur- teilt. Richtig ist schon, daß in der Mehrzahl der Parteizeitungcn den pflaumenweichen Wahlrechtsdemagogen aus den liberalen Parteien und dem Zentrum massive Anklagen entgegengeschleu- dert wurden, aber diese Kraftworte sind nicht U r s a ch e der bürgerlichen Retirade' in der Wahlreform, sondern Wirkung. Weil diese bürgerlichen Wahlrcchtsparteien um so feiger wurden, je energischer das Proletariat das Wahlrecht forderte, darum die massiven und berechtigten Anklagen gegen sie... So richtig es ist, daß die Sozialdemokratie allein den Kampf um das Wahlrecht des Volkes führen mutz, so sicher trifft dafür die Schuld jene bürgerlichen Parteien, die nur theoretisch für das allgemeine Wahlrecht, nicht aber für den Kampf um die Eroberung des allgemeinen Wahlrechts zu haben sind. Und s o Iv i r d, weil sie es muß, die Sozialdemokratie auch in Zukunft den Wahlrechtskampf allein führen." Die Parteigenossen der Unterweserorte zur Budgetfrage. Bremerhaven, 1». September. Die Parteiorganisationen für die Unterweserortc Bremerhaven, Lehe und Geestemünde befaßten sich in zwei Versammlungen am Sonnabend, den 5. und Mittwoch, den 9. September, mit dem Nürnberger Parteitag und insbesondere in erschöpfender, fast achtstündiger Debatte mit dem Verhalten der süddeutschen Genossen zur Budgetfrage. Von sämtlichen Rednern sprachen sich die meisten entschieden gegen ein Paktieren mit dem Gegenwartsstaat aus. Diese fand nur drei Verteidiger, die im wesentlichen der Entscheidung des Nürnberger Parteitages nicht borgegriffen wissen wollten. Schließlich fand unter Ablehnung einer weitergehenden, schärferen Resolution gegen eine starke Minorität ein Antrag Annahme, der besagt: „Die Versammlung steht nach wie vor auf dem Boden der Lübecker Resolution. Sie hält jedoch den letzten Absatz als irreführend für überflüssig und erwartet vom Nürnberger Parteitag, daß er Mittel finden wird, um den einmal gefaßten Beschlüssen auch dauernd Geltung zu verschaffen." i Die wiirttembergischcn Genossen zur Budgetbewilligung. Ein klares Bild, wie sich die Mehrheit der Parteigenossen zur Bndgetfrage stellt, läßt sich aus den bis jetzt vorliegenden Berichten nicht gewinnen. In Botnang wurde eine scharfe Resolution st e g c n die Vudgctbewilliger angenommen, Vaihingen kann tu der Abstimmung einen Verstoß gegen die Lübecker Resolution nicht erblicken. Die dort angenommene Resolution fährt fort: „Es ist a n z u n c h m c n, daß beide Fraktionen vor der Zustim- mung ihre Gründe in Anbetracht der Verhältnisse reiflich erwogen, um hierüber Rechenschaft ablegen zu können. Eine Notwendigkeit, die Lübecker Resolution zu verschärfen, liegt nicht vor." Auch die Genossen in Hall sind der Meinung, der Lübecker Beschluß sei von den Abgeordneten respektiert worden. In K o r n w c st h e i m sprach sich die Mehrzahl der Redner gegen die Budgctbewilliger aus. Ein Beschluß wurde nicht gefaßt. In Schwenningen wurde nach reger Debatte mit schwacher Mehrheit ein Resolution ange- nommen, die ausspricht, daß die Versammlung in der Zustimmung zum Budget eine Verletzung festgelegter Parteigrundsätze und einen Verswß gegen die Lübecker Parteitagsresolution nicht erblicken könne. All diesen Genossen, die noch immer der Meinung sind, die Budgetbcwilligung verstoße nicht gegen die Lübecker Resolution, dürfte eine in Reutlingen mit 49 gegen 5 Stimmen angenommene Resolution die Augen öffnen. Referent war Landtags- abgeordneter H e y m a n n. Die Resolution dürste die Meinung des Referenten wiedergeben. Es heißt darin: „In der Schlußabstimmung zum Etat liegt nicht der Aus- druck des Vertrauens zu den Personen, welche die jeweiligen Re- gierungen repräsentieren, vielmehr ist bei der Schlußabstimmung maßgebend, ob die Arbeiten der sozialdemokrati- schen Fraktion bei der E j n z e l b e ra t u n g der Etats einen positiven oder negativen Erfolg zu verzeichnen hatten. Daraus ergibt sich, daß dem Verhalten bei der Schlußabstimmung keinerlei Prinzip zugrunde liegt, sondern zeitliche und örtliche Zweck- m ä ß i g k e i t s g r ü n d e den Ausschlag zu geben haben. Ob diese örtlick>en und zeitlichen Umstände in richtiger und dem Interesse der Partei dienender Weise gewürdigt worden sind, haben die Landesorganisationen zu entscheiden..." Daß diese Resolution in diametralem Gegensatz zur Lübecker Resolution steht, wird von keinem Genossen, der die Lübecker Reso- lution kennt, ernstlich bestritten werden. Totenliste der Partei. Am Donnerstagmorgen starb in Lübeck der Genosse Ad. Stall im Alter von 59 Jahren. Bereits unter dem Schandgesetz entfaltete er, der von Beruf Tischler war, eine eifrige Tätigkeit für unsere Sache. Wie sehr der Verstorbene das Vertrauen der klassenbewußten Arbeiterschaft Lübecks besaß, ergibt sich daraus, daß ihm die Leitung der Gcnossenschaftsbäckerei anver- traut wurde, die unter seiner Direktion zu einem blühenden Unter- nehmen wurde. Ferner übertrug man dem Genossen Stall später die Bewirtschaftung des stolzen Heims der Arbeiter, des präck'tigen- Vereinshauses, in dem seinerzeit der Parteitag tagte. 14 Jahre laust gehörte Stall der örtlichen Parteileitung an. und seinem Wirken ist es mitzuverdanken, daß die Sozialdemokratie Lübecks zu ihrer gegenwärtigen Größe herangewachsen ist. Ehre seinem Andenken! Bon der schweizerischen Sozialdemokratie. Die Geschästsleitunst der schweizerischen sozialdemokratischen Partei in Biel veroffeni licht in der Parteipreste einen längeren Aufruf zu den Nationalratswahlen, die am 25. Ok- tober stattfinden. Sie fordert zunächst die Genossen auf, womöglich in allen Wahlkreisen sozialdemokratische Kandidaten aufzustellen und erinnert sodann daran, daß unsere Partei vor drei Jahren in 24 Wahlkreisen auf 37 Kandidaten 65 000 Stimmen vereinigte, aber verantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: nur zwei Mandate eroberte, so darben bürgerlichen Parteien_ 165 Mandate verblieben. Ein gemeiner, nach dem Muster des beutießen Reichslügenverbandes von den bürgerlichen Parteien geführter Wahl- kämpf hatte den Raub von vier sozialdemokratischen Mandaten und so die Entrechtung der Arbeiterschaft zur Folge. In einem Rückblick auf die verflossene dreijährige Amtsperiode des Nanonalrates wird konstatiert, daß er auf sozialem Gebiete für die Arbeuer gar nichts geleistet, dagegen die Reaktion gefördert und gestärkt hat. Der Auf- ruf schließt: „Protestieren wir am 23. Oktober zugleich durch unsere Stimmabgabe gegen alle Willkür und Bevormundung, welker wir in der heutigen Gesellschaft ausgesetzt sind. Jede Stimme für einen sozialdemokratischen Kandidaten ist ein Stein für unser Zukunftsgebäude des Sozialismus, eine Bresche ins ver- lotterte Mauerwerk des kavitalistischen Klassenstaates. Da? besitzlose Volk eilt am 25. Oktober überall zur Urne für die Kandidaten der Arbeiterschaft unter dem Rufe: Gesetzlichen Schutz und Schirm dem Volke der Arbeit I Hilfe für die Opfer des Kapitalismus! Strafe für die Zertreter des Vereinsrechtes! Nieder mit der AuSuahmegesetzgebung! Es lebe die Sozialdemokratie!" Die Geschäftsleitung der sozialdemokratischen Partei des Kantons Zürich beruft auf den 27. September den k a n- tonalen Parteitag nach Horge» ein. Aus der Tagesordnung stehen u. a. Wiedererwägnug des früheren PancilagsbeschlusseS betreffend Aufstellung voller fozialdemonratischer Listen in allen vier Nationalralswahlkreiseit dcS Kantons Zürich, Ständeratswahl, Ein- sührung des proportionalen Wahlsystems im Kanton Zürich. Eine sozialdemokratische Rütlifahrt veranstalteten am letzten Sonntag unsere Genossen der Urschweiz. Es war eine machtvolle Kundgebung von 1599 Teilnehmern, au die die Genossen Greulich und Alb isser Ansprachen hielten. Musik- und Gesaugsvorträge sorgten für den gemütlicheu Teil der Zusammenkunft._ 6ewerkrcbaftUcbc9* Berlin und Qmgczencl. Gewerkschaftliches Jubiläum. Das Jubiläum seines 25jährigen Bestehens feiert heute abend in den Räumen der Brauerei Friedrichshain der Verein Berliner Hausdiener, der jetzt eine Sektion des TranSportarbeiterverbandes ist. Für die ernsthafte Feier ist ein würdiges Programm vor- gesehen, das allein schon zeigt, wie kulturfördernd die moderne Arbeiterbewegung auf das bildungshungrige Proletariat einzu- wirken vermochte. Eine schön ausgestattete Festschrift gibt den Be- suchern des Festes außerdem einen Einblick in die Geschichte der Organisation._ 50 Pfennig für eine wertlose Sache. Es ist bekannt, daß die gelbe Unternehmerschutztruppe nicht eigener Kraft, sondern der Protektion durch die Unternehmer und der Ausnutzung der wirtschaftlichen Not der Arbeiter«ihre Existenz verdankt. Durch welche Mittel die Gelben ihre Mitglieder„ge- Winnen", das lehrt ein Beispiel, welches uns folgendermaßen mit- geteilt wird: Ein Schlosser hatte nach langer Arbeitslosigkeit in der Ber- lincr Motorfabrik zu Reinickendorf eine Arbeitsstelle gefunden. Ehe er dieselbe antrat, mutzte er, wie es im Bunde der Kühne- männer üblich ist, deren Kontrollbureau in der Gartenstratze auf- suchen, um sich dort den Arbeitsschein, d. h. die Berechtigung, die selbst gesuchte Arbeit antreten zu dürfen, erteilen lassen. Aber damit nicht genug. In der Berliner Motorfabrik wurde»außerdein dem Schlosser L. aufgegeben, sich auch in der Chausseestraße, im Bureau der Gelben, vorzustellen. Dies Verlangen machte den Schlosser bedenklich, denn mit der gelben Garde wollte er nichts zu tun haben. Als er seinen„Arbeitsschein" in der Gartenstraße erhalten hatte, fragte er daselbst, d. h. auf dem Bureau des Ver- bandes der Metallindustriellen, an, ob er denn nun auch nach der Chausseestraße— nach den Gelben— gehen müsse? L. erhielt die Antwort:„Ja, da müssen Sie auch hin."— Gern hätte L. diesen Gang unterlassen, aber es war ja die Vorbedingung für den Antritt der Arbeit, und L. war lange arbeitslos. Er entschloß sich also zu dem schweren Gang und dachte, wenigstens könne er ja mal sehen, was man in der Chaussecstraße von ihm verlange. Ohne ihn weiter zu fragen, legte man dort dem L. einen Schein vor. der die symbolische gelbe Farbe trug, forderte ihn zur Unterschrift und zur Bezahlung von 59 Pf. Eintrittsgeld auf. Als L. bemerkte, er besitze keine 59 Pf. mehr, erteilte ihm der Angestellte der Gelben einen im derben Unteroffizierston gehal- tenen Anschnauzer, weil er nicht gleich gesagt habe, daß er kckin Geld besitze. Man hätte ihm dann keinen gelben; sondern einen anderen Schein ausgestellt und ihm würden dann die 59 Pf. in der Fabrik bei Auszahlung des Lohnes abgezogen werden. L. erhielt nun einen anderen Schein, unterschrieb ihn, und ging von dannen. Bei näherem Zusehen stellte sich heraus, daß L. durch seine Unter- schrift Aufnahme in den gelben Verband bctvirkt hatte. Aber die neue Kameradschaft wollte dem L. nicht behagen. Lieber wollte er auf die Arbeit verzichten und weiter bummeln, als sich den Gelben verschreiben. L. schickte also den Schein an das Bureau der Gelben zurück und trat die Arbeit nicht an. Wenn schon, wie es oft geschieht, die Anwendung durchaus statthafter Propagandamittcl der freien Gewerkschaften von den Gegnern als Terrorismus bezeichnet wird, wie soll man denn erst das Treiben der Gelben und ihrer Protektoren nennen? Der Unternehmer zwingt den Arbeiter, der Beschäftigung bei ihm sucht, dem Bund der Gelben beizutreten. Ter Uirternehmerverband billigt und unterstützt anscheinend dies Treiben, und die Führer der Gelben schämen sich nicht, die Arbeiter aufzunehmen, die ihnen wider Willen zugetrieben werden, und sid» wohl meist nur unter dem Druck schtverster wirtschaftlicher Not diesen Leuten zutreiben lassen und ihre Groschen in deren Kasse zahlen. Freilich, aus Neigung oder gar aus Ueberzeugung würde sich kaum eine Hand- voll Arbeiter um das gelb« Bauner scharen. Nur durch Terroris- mus der schlimmsten Art können die Gelben ihre Reihen mehren und ihre Kassen füllen._ Schmiede und Metallarbeiter. Die Filiale Berlin des Zentralverbandes der Schmiede hielt am 19. September bei Dräscl eine außerordentliche Mitgliederver- sammlung ab, um Stellung zu einer Bekanntmachung des Verbands- Vorstandes zu nehmen, dick in Nr. 32 der„Schmiedezeitung" erschienen ist und das Ergebnis von Verhandlungen mit dem Deutschen Metall- arbeiterverband enthält. Diese Bekanntmachung hat in den Kreisen der Mitglieder große Aufregung hervorgerufen, tveil man in dem Verhalten des VcrbandsvorstandeS einen schweren Verstoß gegen den Beschluß der Verbandsgeneralversammlung in der Vcrschmcl- zungsfrage erblickt. Die Cleneralversammlung des Schmicdever- bandes, die Ende Mai in Dresden stattfand, hatte einen Antrag auf Anbahnung einer Verschmelzung mit dem Deutschen Metall- orbeiterverband abgelehnt mit 32 gegen nur 9 Stimmen. Die eifrigsten Vertreter des Antrages waren die Hamburger Dcle- gierten, und in Hamburg machte sich dann auch eine starker Un- Wille gegen den Beschluß der Generalversammlung geltend. Es kam so weit, daß diese Zahlstelle nun eigenmächtig mit 542 gegen 432 Stimmen den Uebertritt zum Metallarbeitcrverband beschloß. Der Verbandsvorstand, der in Hamburg seinen Sitz hat, hatte alles aufgeboten, um dort den Mitgliedern klarzumachen, daß sie sich der Entscheidung des Verbandstages zu fügen hätten, konnte jedoch den Beschluß nicht verhindern, tlm nun doch noch Ordnung in die Angelegenheit zu bringen und dem Verlust einer so großen Anzahl von Mitgliedern vorzubeugen, nahm der Verbandsvorstand Rücksprache mit den Vertretern des Metallarbeitervcrbandes. Das Ergebnis war eine Erklärung, die besagt, daß der Metallarbeiter- verband den korporativen Uebertritt sowie den Uebertritt großer Gruppen von Mitgliedern der Zahlstelle Hamburg des Schmiede- Th.Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstali Verbandes ablehnt, den Mitgliedern vielmehr empfiehlt, in ihrer Organisation zu bleiben, und daß Einzelübcrtritte innerhalb eines Vierteljahres, nämlich bis zum l. November 1998, vom Metall- arbeiterverband ebenfalls abgelehnt werden; ferner, daß der Ver- bandsvorstand der Schmiede sich verpflichtet, mit dem der Metall- arbcitcr in unverbindliche Verhandlungen über die Vereinigung beider Verbände einzutreten und dann in der nächsten Verbands- generalversammlung darüber zu berichten. In Hamburg hatten diese Vereinbarungen das Gute zur Folge, daß die Zahlstelle nun beschloß, bis zur nächsten Generalversammlung, die über zwei Jahre stattfindet, unbedingt im Schmiedeverband zu bleiben. Die entschiedenen Gegner der Verschmelzung verurteilen jedoch das Verhalten des Verbandsvorstandes, und diese Tatsache trat auch in der außerordentlichen Mitgliederversammlung der Berliner Zahl- stelle zutage. Der Referent Hentschel/ legte der Versammlung eine Resolution vor, die das Vorgehen des Verbandsvorstandcs entschieden verurteilt, in der ferner die Meinung ausgesprochen wird, daß die Abmachungen ungültig sind, und schließlich die Ein» bcrufung einer außerordentlichen Verbandsgeneralversammlung zur Erörterung der Angelegenheit verlangt wird. Der Verbands- Vorsitzende L a�n ae, der in der Versammlung anwesend war, ver- teidigt� die Haltung des Verbandsvorstandcs und legte ausführlich dar/welche Gründe dabei maßgebend waren. Es folgte eine leb- hafte Diskussion, und sie endete damit, daß die vorgelegte Reso- lution angenommen wurde, und zwar in ehren ersten Sätzen, die das Vorgehen des Verbandsvorstandcs verurteilen, gegen drei Stimmen und, soweit die Einberufung einer außerordentlichen Generalversammlung in Frage kommt, mit 65 gegen ,43 Stimmen. Hierauf berichtete S ch l i n s k y über den Kampf im Rohr- l e g e r g c w e r b e. an dem auch 14 Mitglieder des Schmiedever- bandcs beteiligt sind. Es, wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: „Die am 19. September 1998 in Dräsels Festsälen tagende außerordentliche Mitgliederversammlung der Zahlstelle Berlin nimmt, Kenntnis von dem Kampf im Rohrlegergewerbe. Sie spricht den Streikenden ihre vollste Sympathie aus und verpflichtet sich, die um ihre Menschenrechte kämpfenden Arbeits- brüdcr noch Kräften zu unterstützen. Tic Versammlung verurteilt auf daS schärfste den Verrat des Allgemeinen deutschen Metallarbeitervc.bandes, und spricht jenen Personen, welche sich zu Arbeitswilligen degradieren ließen, ihre tiefste Verachtung aus. Die Versammelten vervflichten sich, die Oeffentlichleit über daS gemeingefährliche Treiben dieser Schädlinge der Arbeiter- belvegung aufzuklären und für genügende Kennzeichnung jener Personen zu sorgen, welche den Verrat schon vor langer Zeit vorbereiteten." sZuslsnd. Ter Trade-UnionSkongretz. London, 9. September. Die heutige Sitzung war zwei Gegenständen gewidmet: der Resolution betreffend das Verbot der Ausfuhr britischer Streikbrecher. dann einer Darlegung des Verhältnisses zwischen den Trade» Unions und der Arbeiterpartei. Zur«rstercn Reso- lution sprach Sex ton, der Delegierte der Liverpooler Dock- arbeiter. Er verlangte von der Regierung die Anwendung der Foreign Enlistments Act auf die Ausfuhr britischer Streikbrecher: ebenso wie es Briten verboten ist, während eines Krieges im Auslande sich von einer der kriegführenden Parteien anwerben zu lassen, so soll es auch strafbar sein, lväyrend eines ausländischen Streiks britische Arbeiter nach dem Streikgebiete auszuführen. Durch die Vorgänge der letzten Jahre gewöhnte mau sich im Auslande, Großbritannien als Streikbrecherland zu betrachten. Der gute Name des britischen Gcwerkschaftswesens habe dadurch einen Schaden erlitten, der nicht wieder gut zu machen ist. Aber die Streikbrecher seien nicht so stark zu verurteilen wie das System. das sie erzeugt. Nachdem mehrere Redner im selben Sinne ge« sprachen hatten, wurde die Resolution einstimmig angenommen. lieber das Verhältnis zwischen den Trade» Unions und der Arbeiterpartei sprach der Arbeiter- abgeordnete Henderson. Er sagte, das Verhältnis lasse nichts zu wünschen übrig. Die Arbeiterpartei überzeuge sich immer mehr, daß die Trade-Unions das Rückgrat der Arbeiterbewegung bilden. Dies sei besonders hervorzuheben, da ein Teil der Presse große Anstrengungen mache, die beiden Zweige der Arbeiterbewegung von- einander zu trennen. Man wolle den Trade-Unions einreden, daß die Sozialisten sie gefangengenommen hätten und deshalb großen Gefahren entgegengingen. Aber man merke die Absicht und weise dieses Gerede ab. Die Arbeiterpartei habe keinen anderen Wunsch und keine andere Politik, als den Arbeitern zu dienen. Im Geiste dieser Politik wirke sie unausgesetzt, deshalb wachse die Arbeiter- Partei. Ihre Fortschritte seien ununterbrochen. Beim Abschlüsse des ersten Jahres ihres Bestandes zählte sie 375 999 Mitglieder, jetzt 1 972 999. Und im Unterhause habe sie auch die rein gewerk- sck)aftlichen Abgeordneten für ein harmonisches Zusammenwirken in allen Arbeiterfragen gewonnen. Man versucht Euch zu schrecken mit der sozialistischen Resolution, die auf dem letzten Kongreß ics Arbeiterpartei in Hull angenommen wurde. Aber auch in diesem Punkte habe die Arbeiterpartei nur das getan, was die Trade- Unionskongresse so oft getan haben. Jius der frauenbewegung. Versammlungen— Veranstaltungen. Lichtenberg. Montag, den 14. September, abends Vz9 Uhr, bei Ertelt, Pfarrstr. 74(früher Pähl): Mitgliederversammlung deS WahlvercinS, Abteilung der Frauen. Vortrag:„Das BildungS» wesen und die Frau". Referentin: Genossin MruS. Bericht von der Kreisveriammlung. Welßeiiser. Montag, 14. September: Mitgliederversammlung bei Herrn Roßkopf, König-Chaussee 38. Vortrag von Gen. Alt mann:»Die neue Frau".— Nur Mitglieder haben Zutritt. Letzte]Macbr lebten und Depefeben, Reichstagsnachwahl in Wolfenbüttel-Helmstedt. Braunschweig, 11. September.(W. T. B.) Bei der heutigen Rcichstagsersahwahl im zweiten braunschwcigischen Wahlkreise wurden bis 9 Uhr abends gezählt: für Kleye(verein, nationale Parteien) 3124, für Dedekind(Welse) 1976, für Rieke(Soz.) 2223 Stimmen. Wahrscheinlich hat Stichwahl zwischen Kleye und Ricke stattzufinden. Vraunschweig, 11. September.(W. T. B.) Bis 19% Uhr waren gezählt für Kleye(Vereinigte nationale Parteien) 19 318, für Dedekind(Welse) 5669 und für Rieke(Soz.) 6333 Stimmen. Das Ergebnis aus einigen kleinen Orten steht noch aus, doch ist Stichwahl zwischen Kleye und Rieke sicher. Die Nationalliberalcn, die seit 1893 da? Mandat besitzen, be» hauptetcn bei der Hottentottenwahl das Mandat mit 14 122 Stim» men. Unsere Genossen brachten 7998 Stimmen auf und die Welsen vereinigten auf ihren Kandjdaten 4876 Stimmen._ Giftige Pilze. Frankfurt a. M.» 11. September.(B. H.) In Sprendlingen ist die Familie Staar, bestehend aus drei Kindern, Vater und Groß- vatcr, nach dem Genuß von Pilzen, die Staar im Walde gesam» melt hatte, schwer erkrankt.__ Schiffskatastrophe. Rio de Janeiro, 11. September. Nach Blättermeldungen ist der englische Dampfer„Spartian Priuce" nach einem Zusammen» stoß an der Küste von Ceara gesunken. Vierzehn Matrosen werde» vermißt.__ jaulSinFr L: Co., Berlin L W. Hierzu 3 Beilagen ü.UnterbaltusaSvb Dr. 214. 25. Illhrga»g. t SkiliM Ks Jotiüärls" Kerüm lollislilntt. Zsmabtlld, 12. Septemlift 1908. 5. Konferenz der fozinliftifchen fFrauen Deutfcblands. Nürnberg, den 11. September 1908. Unter zahlreicher Beteiligung trat heute die 3. Konferenz der sozialistischen Frauen Deutschlands in der..Goldenen Rose" zu- lammen. Um'/»lO Uhr eröffnete die Zentralvertrauensperson Ge- nossin Baader die Verhandlungen und hieß die Erschienenen herz- lich willkommen. Die Zabl der Delegierten ist bedeulcnd gröster als bei der vergangenen Konferenz. Wir sehen viele neue Gesichter, viele, die herangereift sind zu tüchtigen Parteigenossinnen. Aber manche liebe Genossin fehlt, so die Genossin Kolditz aus Ehemnitz, unsere liebe Mutter Ebel aus Hamburg, die Genossin Mahn ans Magdeburg und manche andere. lZn Ehren der Verstorbenen erheben sich die Anwesenden von ihren Plätzen.) Unsere diesmalige Konferenz hat eine wichtige. wenn auch nicht sehr umfangreiche Tagesordnung. Wir iverden diesmal nicht nur über unsere Tätigkeit in den letzten zwei Jahren Rechenschaft abzulegen haben, sondern wir müssen auch zu der durch das neue Vereinsgesetz ermöglichten Neuorganisation der Genossinnen Deutschlands Stellung nehmen. Wir müssen weiter die Frage der Ki n d e rerzieh un g verhandeln, die für uns doppelt wichtig ist, weil das neue Vcreinsgesetz die Jugend entrechtet hat und wir dafür sorgen müssen, dost die Jugend in sozialistischem Sinne erzogen wird. Ich hoffe, daß unsere Konferenz fruchtbringende Arbeit leisten wird.— Rednerin begrüstt hierauf die beiden anwesenden österreichischen Gäste, die Genossinnen Popp und P ö l tz e r. Zu Vorsitzenden mit gleichen Rechten werden die Genossinnen Zetkin- Stuttgart und Z i e tz- Hamburg gewählt. Nachdem das Bureau konstituiert ist, übernahm Genossin Zieh mit Worten des Dankes den Vorsitz und begrüßt nochmals die beiden österreichischen Genossinnen.(Bravo l) Genossin Grünberg-Nürnbcrg begrüßt die Konferenz im Auftrage der Nürnberger Genossinnen. Nürnberg, die schöne alte Pegnitzstadt, mit ihrer stolzen Paneigeschichte von nunmehr 40 Jahren, kann leider nicht von einer alten sozialistischen Frauenorganisation reden. Die Vereinsgesctze haben es verhindert, daß die Genossinnen in früheren Jahren sich der Partei anschlössen. Immerhin beschäftigte man sich hier schon 1875 mit dem Gedanken. die Frauen zu organisieren. Und daß sich auch die Genossinnen schon damals an der Mitarbeit beteiligten, beweist die Tatsache, daß einige von ihnen während des Sozialisten� gesetzes in Anklagezustand verfetzt wurden. 1889 setzte in der Nähe der Stadt Fürth eine Arbeiterinnenbewegung ein und 1891 in Niirn berg. Die erste Versammlung verfiel damals der polizeilichen Auf lösung, aber 1392 wurde ein Frauen- und Mädchenbildungsverein nach Berliner Muster begründet. Er wurde auch aufgelöst und 60 Frauen bekamen damals ein Strasinaudot. Jede Organisation der sozialistischen Frauen wurde im Keime er- stickt und erst 1906 setzte eine erfolgreiche Frauenbewegung ein, die es bis jetzt auf 450 Mitglieder gebracht hat. Neben ihr wurde die gewerkschaftliche Organisation der Arbeiterinnen gefordert. Grillenberger und S e g i tz haben hier besondere Verdienste. 1904 waren 1584 Arbeiterinnen gewerkschaftlich organi- fiert. 1905 wurde in meiner Person eine Sekretärin angestellt, um die Agitation unter den Arbeiterinnen einheitlich zu regeln. Ende 1907 war die Zahl der organisierten Arbeiterinnen auf 5234 ge- stiegen. Im letzten Jahre gelang es auch hier eine moderne Djenstbotenbelvegung zu schaffen. Selbstverständlich haben wir in Nürnberg noch ungeheuere Arbeit zu tun. Die Ge- meindeverwaltung in Nürnberg ist noch sehr rückständig. An der Tagesordnuug der Konferenz interessiert namentlich die Kindererziehung. Tausende von Müttern, die ihrem Ver- dienst nachgehen müssen, sind ihrem Hause entfremdet. Wenn die Konferenz einen Weg sindet, daß die Frauen trotzdem einen er- zieberischen Einfluß auf ihre Kinder ausüben können, würden wir es lebhaft begrüßen.— Genosse Haugenstrin übermittelt der Kon- fcrenz die Grüße des sozialdemokratischen Wahlvereins Nürnberg und des Gauvorstandes Nordbayern.— Genossin Pöltzer: Bei Ihnen sind jetzt die Schranken des Vereinsgesetzes gefallen. Wir in Oesterreich haben noch daran zu kämpfen. Darum werden wir aus Ihren Beratungen sehr viel lernen können. Besonderes Jnter- esse bringen wir der Frage, die Sie behandeln werden, entgegen, wie die Erziehung der Jugend im Hause erfolgreich gestaltet werden kann.(Lebhafter Beifall.) Liemes feiuUetou. Anatole France über Tolstoi. Zur selben Zeit, da die russische HcukerSregierung, die entwürdigte russische Kirche und die tcrroristi- schen Ordnungsmänner ihren größten Dichter und Apostel schmähen und mit ihrem lächerlichen Banne belegen, hat Anatole France, als berufener Vertreter europäischen Schrifttums, Tolstoi in der „Humaiiito" diese tiefempfundene Ehrung bereitet: „Laßt uns in Tolstoi den erhabensten und großen Gedanken be- grüßen, der sich heute über die Menschheit erhebt. Ein epischer Romantiker, ist Tolstoi unser aller Lehrer durch die Be- obachtung der Wesen sowohl in den äußeren Zeichen, die sie von ihrer Natur kundgeben, als in dem, was sie verborgen halten. Er ist unser Meister durch die Fülle und die Kraft der Schöpfung, die sein Werk beseelt? er ist unser Lehrer durch die unfehlbare Wahl der Umstände, die geeignet sind, dem Leser das Gefühl des Lebens in seiner unendlichen Kompliziertheit zu geben. Und die Spuren feines Genies finden sich in den Werken aller Abschnitte seiner Tätigkeil. Tolstoi ist für uns auch ein unerreichbares Muster geistigen Adels, des Mutes und der Großmutz. Mit heroischer Seelenruhe und furchtbarer Sanftheit hat er die Verbrechen einer Gesellschaft denunziert, die von den Gesetzen nichts als die Gutheißung ihrer Ungerechtigkeiten und Gewalttaten verlangt. Darin gerade ist Tolstoi einer der besten. Wenn wir auch, minder gläubig als er, in der Einfalt und der Resignation nicht das Heilmittel für alle llebel des Daseins finden sollten in der Stunde, da wir in die rauhen industriellen Bollwerke unseres ehernen Zeitalters ziehen, um ein bißchen Gerechtigkeit zu predigen, so werden wir doch in unserem Herzen dos Bild des großen evangelischen und patriarchalischen Pan von JaSnaja Poljana bewahren, dieses neue» Halbgottes der Felder und der Wälder. Was das antike Griechenland durch daS Zusammenwirken der Städte und die harmonische Entwickelung der Jahrhunderte ersonnen und verwirklicht hat: einen Homer, das hat die Natur mit einem Schlage für Rußland getan, indem sie Tolstoi schuf, Tolstoi, die Seele und die Stimme eines gewaltigen Volke?, der Strom, an ivelchem jahrhundertelang die Kinder der Menschen und die Hirten der Menschen trinken werden." „Köpenick". Die Londoner„Times" vom 9. September enthält ein„Eingesandt" unter diesem Titel, das einen Seeleutnayt a. D. zum Verfasser hat und das deutfche Leser interessieren dürfte. Vor einigen Jahren befand sich der Berfasicr des„Eingesandt" in den Reichslanden, um die Schlachtfelder des deutsch-französischen Krieges zit studieren. Er trug einen grauen Zivilanzug, ein Flanellhemd, lange Stiefel und in der Hand hatte er einen Regenschirm. Von der deutschen Sprache verstand er nur etwa 40 Worte, die er mit echt englischem Akzent aussprach. Im ganzen machte er den Ein- druck eines englischen Globetrotters. In der Umgebung von Wörth traf er ungefähr ein Dutzend deutscher Soldaten, die es Hierauf tritt die Konferenz in die>TageSordnnng ein. Sie lauter: 1. Bericht der Zentralvertrnucnsperson: a) Agitation, b) Presse. Referentin: Genossin Baader. 2. Die Neuorganisation der Geuossinnen. Referentin: Genossin Z i e tz lHamburg). 3. Die sozialistische" Erziehung der Jugend. a) Die Erziehung im Hause. Referentin: Genossin Dun ckcr. b) Die Jugendorganisation. Referentin: Genossin Zetkin. 4. Verschiedene Anträge. Bericht der Zeutralvertraueusperso» Genossin Baader: Eine große Reihe von Aufgaben hat uns die Frauenkonferenz in Mannheim gestellt. Wir sollten für den Schutz der Schwangeren und Wöchnerinnen sorgen, für den Kiuderschntz agi- tiereu und die Auflläruug unter die Dienstboten tragen. Wir hatten gewiß alle den Wunsch, sofort mit diesen Arbeiten zu be- ginnen, aber die Auflösung des Reichstages kam uns dazwischen. Freilich gab uns diese Auflösung die beste Gelegenheit zu erhöhter Agitation. Taufende von Frauen find aufgerüttelt Ivorden, und wenn unsere Frauenkonferenz heute so gut besucht ist, dann ist das auch eine Wirkung dieser Agitation. Die Frauen sind lebendig geworden, der Geist des Widerstandes gegen die Unterdrücker ist in ihnen erwacht, und wenn die Frauen auch viele Eigenschaften haben, die unserer Bewegung nicht gut sind, so haben sie doch eine, die uns sehr' willkommen ist: Hartnäckig und energisch halten sie an dem fest, was sie einmal ergriffen haben.(Lebhafte Zustimmung.) Wir baben bei den Wahlen zwar iveniger Abgeordnete bekommen, aber dafür mehr Agira- toreu gewonnen, und die Erfolge haben gezeigt, daß wir auf dem rechten Wege sind. In den größeren Städten haben wir versucht, eine D i e n st b o t e n b e w e g u n g ins Leben zu rufen. Das ist uns auch gelungen. 1907 waren in ganz Deutschland nur 5000 organisierte Dienstboten. Seitdem ist ihre Zahl bedeutend gestiegen und in Hamburg allein gibt es jetzt bereits über 4000 or- ganifierte Dienstboten. In vielen Fällen ist es uns gelungen, das Los der einzelnen Dienstboten zu bessern und ihnen der Herrschast gegenüber das Rückgrat zu steifen. Wir haben weiters für den W ö ch n e'r i n n c n- und Kinder schütz agitiert und ftir die Verkürzung der Arbeitszeit. Besonders eifrig war unsere Agitation bei den R e i ch s t a g s w a h I e n. Wir haben ein Flsugblatt in einer Auflage von einer Million Exemplaren verbreitet, in dem wir darlegten, welch gr»ßes Interesse die Frauen gerade an diesen Reichslagswahlen haben. Unsere Agitation hat sich so vermehrt, daß häufig ein Mangel an Rednerinnen herrschte. Wir haben überdies das System der Rede- und D i s k u s s i o n s a b e n d e ausgebaut und damit aus scheuen und gedrückten Frauen, die sich nicht trauten, ein Wort laut zu sprechen, viel' fach tüchtige Agitatorinnen herangebildet. Diesen Diskuisions' abenden ist es auch zu danken, daß unsere Parteiliteratur jetzt bedeutend mehr gelesen wird als früher. Uns kommt es vor allein darauf an, die Köpfe zu revolutionieren. Die Frau soll wisien, was der Sozialismus will. Die Polizei hat denn auch diesen Bildungsabenden volle Aufmerksamkeit geschenkt und- sie mit der Begründung schikaniert, es seien poliiischc Vcreiusabende. So ganz unrecht hatte sie damit nicht.(Heiterkeit.) Da man aber Ideen nicht totschießen kann, so erreichte die Polizei nur, daß die Genossinnen sich um so enger zusammenschlössen. Jetzt sind wir durch das neue Reichsvereinsgesetz in Vereinsangelcgenheiten von allen Hindernissen befreit und den Männern gleichgestellt worden. Ich habe ja leider keinen Mann (Heiterkeit), aber Sie dürfen jetzt mit Ihren lieben Männern in die politischen Vereine und Versammlungen Arm in Arm gehen. (Heiterkeit.) llnsere Kassenverhältnisse haben erfreuliche Fortschritte gemacht. Es muß das Persönlichkeitsbewußtsein in der proletarischen Frau heben, daß sie selbst die Mittel für die Bewegung aufgebracht hat und daß, obwohl die Fraueulöhne niedriger sind als die der Männer und obwohl die Pfennige von den ohnehin schon geringen Wirtschaftsgeldern ab- geknapst werden müssen. Die Rednerin erinnert an die erfolgreiche Tagung der ersten Internationalen Frauenkonferenz, deren wichtigste Tat die Errichtung einer internationalen Zeniralstelle war. Sie wies ferner auf die hervorragende Tätigkeil hin, die die Fraueil an der letzten preußischen Landtags wähl entfaltet haben. Hier konnten sie einmal zeigen, wie sie den preußischen Staat hassen. Sie haben sich nicht nur auf die Agitaktiou beschränkt, sondern hoben den kleinen Geschäftsleuten, die von den Arbeitergroschen leben, auf den Zahn gefühlt und sie gefragt, wem sie ihre Stimmen geben wollten, sagten sie, wir wollen für die Gegner der Sozialdemokratie stimmen, dann war die Antwort: Gut, dann ._______ sich auf einer Waldwiese bequem gemacht hatten. Er trat an sie heran, um mit ihnen zu plaudern, und stellte an sie die Frage:„Seid Ihr Preußen?" Worauf alle etwa? entrüstet antworteten:„Nein I Wir sind Sachsen!" Um sie zu besänftigen, sagte er ihnen:„Ich bin Angelsachse I" Bald erhob sich ein Soldat und reichte ihm freundschaftlich die Hand. Er gab ihnen dann englischen Rauchtabak und erzählte ihnen in gebrochenem Deutsch, daß er die Schlachtfelder besichtigt habe und erwähnte ganz bei- läufig, er sei Seeoffizier. Die Erwähnung de? Wortes„Offizier" wirkte wie ein elektrischer Schlag. Instinktiv nahmen die Soldaten eine geradere Haltung an, setzten sich auf, knöpften ihre Röcke zu und schnallten die Säbel an. Der Offizier erzählte dann weiter: „Geht Ihr nach Niederbronn?" fragte ich.„Ja," antworteten die Soldaten. Welch böser Geist mir diese� Frage eingab, kann ich nicht sagen, aber, oblvohl sie im Spaß gestellt war, erwiesen sich ihre Folgen als eine große Ueberraschung.„Auch ich", fuhr ich fort,„gehe nach Niederbronn. Ihr seid mein N e g i ni e n t und ich bin Euer Ober st." Rasch sprangen sie auf die Beine, formierten sich, standen still wie zur Parade.„Rechts um!" kommandierte ich, und wir marschierten ab." Unterwegs schloß sich ihnen noch ein Soldat an und er führte sie nach Niederbronn, wo er von ihnen Abschied nahm. Die Soldaten salutierten und marschierten vorüber mit der Regelmäßigkeit eines Uhrwerks. Der englische Seeoffizier war von diesem Kadalvergehoriam außerordentlich überrascht, und als später die Köpenickaffäre sich ereignete, die Deutschland dem Hohngelächter der Welt preisgab, da war er— angesichts seiner Erfahrung— kaum überrascht von der Macht, den ein Schnhflicker in Uniform ausüben konnte. Der Name des Offiziers ist Henry Chamberlain. Humor und Satire. Die Wiedergeburt der Türkei. Die Türkei wird jede fremde Einmischung verhindern und die Reformen selber vornehmen.— Der Zar wird seine Spezial- konstitution in Vorschlag bringen, da sie sich in der Person des Generals Liakow in Persicn so gut bewährt hat.— Der Sultan wird, um seinem Volke zu gefallen und feine früheren Irrtümer wieder gut zu machen, eigenhändig die früher im Bosporus Er- tränkten wieder herausfischen.— Die Freiheit, die einzige und wahre, wird(wohlverwahrt im Käfig) aus Europa herbei- geführt und dem Volke vorgeführt werden.— Die verantwortlichen Minister werden nicht mehr stehlen, sondern Geschäfte machen.— Wie jedes Land, das was auf sich hält, wird auch die Türkei seine Bevölkerung in zwei Klassen einteilen: in solche, die arbeiten und solche, die bei der Arbeit der anderen zuschauen.— Sollten die Hungernden auch in Zukunft zu essen verlangen, so werden wohlgenährte und gut gekleidete Soldaten ihnen die Nutz- losigkeit ihrer Forderungen vordcmonstrieren.— Die armen Teufel, die sonst für Allah und Mohammed zu sterben pflegten, Iverden nunmehr für Isaak, Kahn u. Co. in den Tod marschieren. (O'�skietts an bsiuro.) seid Ihr unsere Feinde und wir werden die Kundschaft eines anderen. Unser heutiger Staat terrorisiert fortgesetzt das Proletariat. Die öffentliche Stimmenabgabe macht es tausenden Arbeitern unmöglich, so zu wählen, wie sie wählen möchten. DaS Unternehmertum bedroht sozialdemokratische Arbeiter mit Entlassung. Da haben wir gemeint, auch einmal den Terrorismns predigen zu dürfen.(Sehr richtig!) In einem Zirkular habe ich den Genossinnen mitgeteilt, daß wir die Mittel. die die herrschende Gesellschaft gegen uns anwendet, auch einmal gegen die herrschende Gesellschaft anwenden müssen. Die herrschende Gesellschaft hat natürlich über unseren Terrorismns Zeter und Mordio geschrien. Ein bürgerliches Blatt hat denn mein ver- trauliches Zirkular in die Hände bekommen, um daraufhin kräftig auf mich loszuschlagen. Ich habe mich gefreut, als ich d«s las, denn ich sagte mir, unser Terrorismns ist eine W a f f e d e r Not- wehr, die wir ein nächstes Mal noch energischer g e- brauche n wollen.(Lebhafter Beifall.) Nötig ist � es, daß wir zu diesem Zweck die Hausfrauen� aufklären. Glücklicherweise sind unsere Frauen ja in keiner Weise furchtsam. Ich erinnere nur an den Jandorfschen Boykottkampf, wo sie sich durch die Polizei in keiner Weise einschüchtern ließen. Die Entwickelung hat eS von neuem bestätigt: es gibt nur ein hüben und drüben, nur der Sozialismus kann die Arbeiter- schaft von alle m geistigen und materiellen Elend erlösen. Er wird die Finsternis überwinden und auch diejenigen zu sich herüberziehen, die heute noch im Banne der Kirche stehen. Wir haben mit dem Himmel nichts zu tun, wir wollen uns viel- mehr die Erde gut und schön gestalten. Wir wollen das Göttliche im Menschen wecken, wir wollen jedem den größtmöglichen Anteil an der Kultur verschaffen. Werben wir deshalb für den Sozialismus, dann ist unser die Welt.(Lebhafter Beifall.) In der D e b a t t c werden die Themata„Agitation und Presse" getrennt behandelt. Genossin Köhler-Düsseldorf: Trotz der Schwierigkeit der Auf- klänmgstätigkeit bei den Frauen, sind in den letzten Jahren recht große Erfolge zu verzeichnen. Gegen die„schwarze Garde" müssen wir einen schweren Kampf führen. Ich war auf dem Katholikentage, da hat Professor Zahn gesagt, daß der Sozialismus unter den Frauen verhetzend wirke und den Unglauben in jedes Heim trage. Er meinte, es fei ein Skandal, daß man Frauen in das öffentliche Leben hinausdränge.(Hört I hört!> Auch gegen das politische Wahlrecht der Frauen im Anschluß an einen Antrag des Zentralwahlkomitees der Katholiken Deutschlands, wonach in Zukunft den Frauen die vollberechtigte Teil- nähme an den Zentrumsparaden ermöglicht iverden sollte, sprach man sich aus. Als eine Frau den Mut hatte, das Wort zu ver- langen, geriet das Bureau förmlich ans dem Häuschen über diese Frechheit. Graf Praschma gab ihr auch das Wort, indem er aber betonte, daß er eine Ausnahme mache. Die Rednerin befaßte sich mit der Herstellung kirchlicher Gewänder und bat nur, daß man dem Ausbau der kirchlichen Kunst größere Aufmerksamkeit schenken möge.(Große Heiterkeit.)— Dr. Pieper aus M.-Gladbach tritt für die Gründung kalholi» icher Dieiistbotenvereme ein. Natürlich Ivollten darin die Herr« schaftcn den Vorsitz führen und die Berechiigung der Forderungen, welche die Dienstboten stellen, prüfen, um auf diese Weise der Sozialdemotratie daS Wasser abzugraben. Gleich- berechiigung im politischen Leben hätten die Frauen nicht zn verlangen, sie hätten sich hauptsächlich in der christ- lichen Charitas zn betätigen. Wir müssen alles tun, um gegen die Verblödung durch die katholische Kirche aufzutreten. Haben doch Frauen ihre Männer mit Schmutz beworfen, tveil sie sozialdemokratisch gewählt haben, sind doch Frauen auf offener Straße auf die Knie gefallen, um ihrem Herrgott zu danken, daß die Sozial- demokraten bei den Wahlen nicht gesiegt haben. Deshalb noch einmal: Wir haben alle Energie aufzuwendn, um die Jugend aus den schwarzen Banden zu erlösen und der Sozialdemokratie zuzuführen.(Lebhafter Beifall.) Genossin Grciscnbcrg(Augsburg): Auch in Bayern versucht man, die Frauen im Bann der Kirche zu halten, und unter Polizei- lichen Eingriffen hat auch die bayerische Frauenbewegung zu leiden. Das alte Vereinsgesetz wurde sehr schikanös gegen uns Frauen ge- handhabt. Trotzdem hat unsere Bewegung ganz hübsche Erfolge ge- macht. Eine im Vorjahre abgehaltene Konferenz hat bewiesen, daß wir eine große Menge in der Kleinarbeit tätiger Genossinnen haben. 1322 Frauen haben sich in Bayern als Sozial- demokratinnen dadurch legitimiert, daß sie monatlich einen Beitrag von 10 Pf. zahlen. Die von uns veranstalteten DisknssionSabende sind gut besucht und tragen auch schöne Früchte. Fast in jeder politischen Versammlung ergreift jetzt auch eine Frau das Wort, und Notizen. — Theaterchronik. JmSchiller-TheaterChar- lottenburg wird Tolstois erschütterndes Drama„Die Macht der Finsternis" am Sonntag, den 13. September, wiederholt. — Ein teures Rezept. Zu dem Rezept gegen den Haar- Verlust, das ivir dieser Tage brachten, schreibt uns ein Arzt: „Sie lasten unberücksichiigt, daß— nach der deutschen Arznei- taxe 1908— 1 Gramm salzs. Piloc. 1,80 M. kostet, also 20 Gramm 36 M., daß also das Haarwuchsmittel etwa 40 M. lostet. Geht eine Arbeiterfrau mit dem Rezept in die Apotheke und fragt nicht vorher nach dem Preise, so betastet sie sich mit der fast für sie un- erschwinglichen Summe und erhält ein Mittel, daö obendrein nur gegen gewisse Arten des Haarausfalles wirksam ist und in diesem Falle durch viel billigere andere Mittel ersetzt iverden kann. Ueber- dies gehört Pilocarpin zur Tabelle 0 der Gifte, die der Apotheker ohne ärztliches Rezept nicht abgeben darf. Es kommt also noch das ärztliche Honorar hinzu, und die meisten Aerzte dürften von dem hohen Preis des Pilocarpin, der übrigens sehr wechselnd ist, keine Kenntnis haben. Es wäre wohl hier, loie in so vielen anderen Fällen, wo Rezepte kritiklos verwendet werden, angebracht, wenn e? dem Arzt überlassen bliebe, nach fachkundiger Kenntnisnahme des Falles das von ihm für nützlich erachtete Rezept zu verschreiben." -- Gefälschte G e s ch i ch t s n r k u n d e n.* Ende'Jnni'dieses JahreS ging durch die Zeitungen die überraschende Nachricht, daß die bisher niir aus Hcrodot bekannte Nmschiffung Afrikas unter dcni ägyptischen König Necho(588—5,70 v. Chr.) nun auch durch ägyptische Inschriften bestätigt worden sei. Eine solche Inschrift, auf einen großen Stein skarabäus eingemeißelt, war der Pariser Akademie der Inschriften vorgelegt worden, ohne daß sich gegen ihre Echtheit ein Widerspruch erhoben hätte. Kurz darauf erfuhr man von einem zweiten Skarabäus, der, zwar mit abweichendem Text, auf dasselbe Ereignis Bezug nahm. Nur von Berlin aus waren von vornherein Zweifel bekundet ivorden. die auf dem Historikertage in Berlin bekräftigt wurden. Inzwischen sind durch die Aegyptologen A. Erman und H. Schäfer beide Skarabäen als moderne Fälschungen auf daö unzweideutigste nachgewiesen. So bleibt für die bemerkcns- werte Nmschiffung Afrikas nur Herodots Geschichtswerk als Ouclle. — Neue Ozean riefen. De Entwickelung der Dampfer- kolosse, die den Ozean durchpflügen, führt zu immer noch gewaltigeren Bauten. In Belfast werden eben zwei Dampfer für die White- Star-Linie gebaut, die alle bisherigen noch übertreffen. Sie werden 268 Meter lang, 38 Meter breit sein und einen Tiefgang von 11 Meter besitzen. Die entsprechenden Abmcstnngen bei der„Maure- tania" und„Lusitania" von der Cunard-Linie sind 240 beziehnngs« weise 26,8 Meter. Die neuen Schiffe werden jedoch nur mit je 45 000 Pferdelräften ausgestattet, die ihnen eine Geschwindigkeit von etwa 22 Knoten in der Stunde verleihen sollen. Die Kosten jede» der beiden Dampfer werden sich auf den enormen Betrag von etwa 28 Mill. M. stellen. €8 ist zu hoffen, daß es auch in dem sK Warzen Bayern so hell werden wird, daß auch die Frauen über die Geschicke mitzubestimmen haben.(Großer Beifall.) v. Elm- Hamburg wendet sich gegen Aeußerungen der Genossin Ottilie B a a d e r über den Terra ris mus bei den preußischen LandtagZwahlen. Sie hätte noch mehr betonen sollen, daß wir den TerröriSmuS grundsätzlich verwerfen und für vcr- kehrt halten, die wirtschaftliche Macht zu mißbrauchen, um jemanden zu zwingen, gegen sein- eigene Ucberzeugung zu wählen. Rur in der R o t w e h r und um das LandtagSwahlrecht in seiner scheußlichen Gestalt-cd absurdum zu führen, und seinen Wider« sinn zu beweisen, ist der TerrorismuZ von uns angewendet worden. Der Redner plädiert sodann dafür, daß die Frauen sich mehr um die Genossenschaften kümmern sollten. � Gerade hier haben die Frauen die Möglichkeit, Besonderes zu leisten. Die genossew schaftliche Bewegung kann zur Verstärkung des Proletariats in seinem Kampfe gegen dag Kapital ausgenutzt werden. Mit Terro rismus kann nie eine dauernde wirtschaftliche Macht erlangt werden. DieS läßt sich nur erzielen, wenn wir dauernd organisieren. Es ist ein Irrtum, wenn man glaubt, daß wir damit etwas für uns schaffen, wenn wir Leute zwingen, einmal gegen ihre Ueberzeugung für uns zu stimmen. Genossin Nehmitz-Bochum erzählt, wie sie durch daZ brutale Vorgehe» der herrschenden Gewalten zu einer sozialdemokratischen Mitstreiterin geworden sei, und berichtet über die Schikanierungen der Polizei und den Druck, den die Zentrumspartei aus die Arbeiterfrauen ausübt. Bei den ReichstagSwahlen hat man die Frauen mit Stimmzetteln von den Lokalen fortgewiesen, aber sie gingen nicht.(Bravo I) Die Lehrer haben versucht, die Kinder in der Schule zu beeinflussen, daß sie auf ihre Eltern einwirken sollten. Trotz alledem haben wir gute Fortschritte zu verzeichnen. 1244 Frauen sind in unserem Bezirke der losen Organisation beigetreten und S26 Leserinnen der„Gleichheit" haben wir gewonnen. Jetzt nach dem neuen Vereinsgesetze haben wir die Möglichkeit, den Kampf gemeinschaftlich mit den Männern zu führen. Bor allem aber müssen wir die Jugend gewinnen, damit wir den Kampf noch intensiver aufnehmen können als bisher.(Beifall.) Genossin Wackwiii-DreSden weist darauf hin, daß der Reichstag keine direkte Stellung zum zehnstündigen Arbeitstag für die Krauen genommen hat. In Sachsen ist wohl innerhalb der Textilindustrie in einzelnen großen Jndustriebezirken die zehnstündige Arbeitszeit eingeführt, aber im Durchschnitt besteht der dreizehn« stündige, ja sogar der fünfzehnstündige Arbeitstag für die Frauen. ES muß also im Parlainent für die Frauen mehr geschehen, vor allein muß die Volksvertretung eine ganz andere werden.(Sehr richtig I) Auch die Kinderausbeutung ist in Sachsen durch die Heimarbeit eine furchtbare, namentlich im Bositlande im sächsischen Erzgebirge. Die Frage des Terrorismus ist gelöst, wo die genossenschafllicbe Bewegung mehr Ausbrcilung gewinnt. Wenn wir die kleine» Existenzen zwingen, gegen ihre Ueberzeugung zu stimmen, so werden wir sie nur zu unseren ge- borenen Feinden im geheimen machen und geheime Feinde sind die schlimmsten. Wir sollten neben der politischen und gewerkschaftlichen Organisation hauptsächlich die genossenschaftliche Organisation fördern. In enlschiedenster Weise werden wir mit der bürgerlichen Frauenbewegung abzurechnen haben. Die bürger- lichen Frauen halten jetzt mit uns in den Fabriken Vorträge und bemühen sich don nach Möglichkeit, die Aufklärung der Arbriterinnen zu verhindern.(Hört l Hört!) Ja, sie leisten den Fabrikanten Spitzeldienste, ob die Arbeiterinnen gewerkschaftlich oder politisch organisiert sind. Solche Arbeiterinnen werden dann ent- lassen. Nicht nur die katholische Geistlichkeit, auch die Protest an- tische versteht eS, auf die Frauen der Arbeiter einen Druck aus« zuüben. Auch die protestantische Geistlichkeit ist eine geschworene Feindin der modernen Arbeiterbewegung. Wir niüssen deshalb noch weit energischer an der Aufklärung der Frauen arbeiten.(Beifall.) Genossin Wagner- Chemnitz: Auch bei unS in Sachsen macht die Frauenbewegung Fortschritte, nicht zum wenigsten in Chemnitz. Die letzten Reichstagswahlen haben auch den Frauen die Augen geöffnet. Unsere Genossinnen haben sich an den letzten Vertreterwahlen der Ortskrankenkasse beteiligt. Bisher wurden bei diesen Wahlen 600 Stimmen abgegeben. 1907 beteiligten sich über 12000 Personen daran und 1716 weibliche Personen haben das Stimmrecht ausgeübt. Dabei wurden 979 Stimmen fiir das Gewerkschastökartell abgegeben und nur 737 für den nationalen ArbeiterauSschuß. (Bravo I) Wir hätten noch besser abgeschnitten, wenn nicht die Ver- käuferinnen in Gruppen zum Wahllokal geführt worden wären. Insgesamt wurden von den Frauen über 4000 Stimmen ab« gegeben. Was v. Elm über die Notwendigkeit des Anschlusses an qie Genossenschaften gesagt hat, kann ich nur unterschreiben.(Bravo I) Genossin Zietz-Hamburg kommt noch einmal auf die Frage de» TerrorismuS zu sprechen. Wie sind die Gegner über nns hergefallen, als sie von dem TerröriSmuS der sozialdemokratischen Frauen hörten. Dieselben Leute, die nicht nur ihre wirtschaftliche Macht, sondern die gesamten organisierten Machtmittel des Staates benutzen, um uns zu terrorisieren, wagen unS Vorwürfe zu machen. Wir haben den TerröriSmuS nicht um seiner selbst willen gepredigt, sondern uns einfach in der Notwehr befunden. Und da ist der Terrorismus nicht nur erlaubt, sondern geradezu eine sittliche Pflicht. Vielfach haben wir mit unserem Vorgehen Leute davon abgehalten, gegen ihre Ueberzeugung zu stimmen, und ihnen den Rücken gesteift. Die kleine» Geschäfts- leute sind ja selbst rechtlos wie wir. Wenn wir sie zu uns heranziehen, handeln wir nur in ihrem eigenen Interesse. Wir ver- urteilen den TerroriSmuS'ebenso wie die öffent- liche Stimmabgabe, weil wir in ihr ein Mittel sehen, TerroriS- mus zu üben. Wir müssen aber unS selbst zur Machtlosigkeit verdammen, wenn wir in der Notwehr nicht von allen Mitteln, die uns zu Gebote stehen, Gebrauch machen. Wir würden aber uns selbst zur Macht losigkeit verdammen, wenn wir nicht in der Notwehr von allen Mitteln, die uns zu Gebote stehen, Gebrauch machten. Die t n t e r« nationale Frauenkonferenz in Stuttgart hat dazu ge führt, die Beziehungen der Genossinnen in den verschiedenen Ländern zu bessern. Wir haben vor allem erreicht, daß jetzt die Frage des Frauen st immrechtS auf eine einheitliche und grundsätzliche Bast» gestellt worden ist.(Sehr richtig 1) Mit diesen Erfolgen können wir sehr zufrieden sein.(Lebhafter Beifall.) Genossin Schleie-LudwigShafen berichtet über den Stand ihrer Organisation, die trotz ihrer Jugend bereits über 400 Mitglieder zähle. Am IS. September, dem Tage der Reichstagswahl, werden die LudwigShafener Frauen zeigen, waS sie leisten können. Sie werden sich offiziell durch Stimmzettelverteilen, Schlepperdienste bei den Wahlen beteiligen.(Beifall.) Genosse Henke-Bremen: Die proletarischen Frauen müssen selbst« verständlich auf ihre rückständigen Männer einwirken. Ganz besonders meine ich, daß die bayerischen G e n o s s i n e n das tun sollten. (Heiterkeit.) Wir haben eben hier gehört, daß auch die bayerische Polizei schikanös auftritt. Ich möchte die bayerischen Genossinnen bitten, die Genossen im Landtage daran zu erinnern, damit es nicht vorkoinme, daß die bayerischen Genossen ,m Landtage dann für diese Polizei die Mittel bewilligen.(Ruf: Sehr gut! Zuruf: Gehört nicht hierher I) In bezug auf die Bekämpfung unserer Bewegung ist der Liberalismus nicht besser als der UltramontanisinuS. Als der sozial- demokratische Antrag auf Einführung des Frauenwahlrcchts in der Bremer Bürgerschule verhandelt wurde, gebrauchten die liberalen Herren alle die alten Redensarten vom Slrümpfestricken und Essenkochen und lehnten unseren Antrag ab. Genossin Steinkopf-Berlin: Nur der Not gehorchend haben wir zu der Waffe deS Terrorismus gegriffen. Mit welchem Erfolge. dafür spricht die Wahl von sechs Sozialdemokraten in Berlin. Auch der Jandorf-Boykott wäre nicht gewonnen worden, wenn die Frauen uicht eingegriffen hätten. Die Berliner Arbeiterfrauen beweisen. daß wie die Ideen deö Sozialismus begriffen haben.(Lebhafter Beifall.) Genosse Klupsch-Dortmund: Die Aussühmngen des Genoffen d. Elm werden von den Gegnern ausgeschlachtet werden.(Sehr richtig!) Wer einen Kampf um politische Rechte führt, muß alle Mittel anwenden. 1906 fuhr man beim WahlrechtZkampf Kanonen gegen unS auf und heute sollen tvir den Geschäftsleuten nicht ein- mal sagen dürfen, daß sie uns nicht in den Rücken zu fallen haben. DaS wäre ja noch schöner I Dem Genossen Henke gegenüber möchte ich betonen, daß die Mittel, deren sich der Liberalismus bedient, noch lange nicht so schofel sind, als die Mittel des Zentrums. (Bravo I) Genossin Pollrttder-Leipzig: Nicht aus Liebe zum Terrorismus ist die Agitation bei den preußischen LandtagSwahlen so geführt worden, wie sie geführt worden ist. Wir haben die Geschäftsleute einfach darauf aufmerksam gemacht, wo ihre wahren Interessen liegen. In Lcipzig-Land ist die Zahl der organisierten Frauen von 2434 auf 2940 gestiegen. Auch in Leipzig-Stadt geht es voriväris. Unser Augenmerk müssen wir auf die Werbearbeit unter den jugend- lichen Arbeitern richten.(Bravo!) Darauf trat die Mittagspause ein. Die NachmittagSsitzunng wurde von Genossin Zetkin mit der Verlesung einer Anzahl Begrüßungsschreiben eröffnet, die von den Genossinnen aus E i s e n b e r g. dem Bundeskomitee des Schweizer Gewerkschaftsbundes, dem sozialistischen Frauenverein der Vereinigten Staaten von Nordamerika eingelaufen sind. Genossin Zetkin dankte für die Begrüßungsschreiben und für diese Glückwunsche und begrüßte die Genossin Angelika Balabanofs, die gleichmäßig in der russischen wie der italienischen Frauenbewegung tätig ist; wir sind auch dann, wenn wir national tagen, immer von internationalen Gefühlen beseelt und fühlen uns stets durchdrungen von jenem Geiste dcS revolutionären Sozialismus, der, so wenig er einen Unterschied de? Geschlechts kennt, auch nicht Halt macht vor den Grenzlinien, die durch politische Verhältnisse gezogen sind. Wir sind alle Bein vom Bein und Fleisch vom Fleisch de» inter- nationalen revolutionären Sozialismus, wo immer wir auch tagen. (Lebhafte Zustimmung.) Den Bericht der Mandatsprüfungskommission erstattet Genossin Baumann-Altona. ES sind 62 Delegierte mit 62 Mandaten außer den schon erwähnten Gästen vertreien. Außerdem sind noch einige Delegierte mit nicht ordnungsmäßig ausgestellten Mandaten an- wesend. Auf Vorschlag der Genossin Z i e tz wird beschlossen, die Genossinnen, die von ihrem Wahlkreis ausdrücklich mit der Ver« tretung der organisierten Frauen auf der Frauenkonferenz betraut sind, auch als Delegierte anzuerkennen. Darauf wurde die Debatte über den Punkt„Agitation" fortgesetzt. Genossin Lachemeicr-München beklagte den bestehenden Mangel an tüchtigen Agiratorinnen. Auf den deutlichen Rippenstoß deS Genossen Henke einzugehen, fehle ihr die Zeit. Die Budget- b e w i l l i g u n g der Bayern wird ja auf dem Parteitag ausführlich behandelt werden. Nur so viel will ich sagen: wenn Genosse Hcnle meinte, die bayerischen Frauen hätten alle Ursache, auf die bayerischen Genossen einzuwirken, so haben gerade die letzten Tage gezeigt. daß die norddeutschen Genossen, speziell die B e r l i n S, eö der Frauenbewegung gegenüber noch sehr an Entgegenkommen fehlen lassen.(Teilweises Sehr richtig I) Namentlich bei dem Uebergang zu dem neuen Reichs« Vereinsgesetz haben sich die nördlichen Genossen vielfach nicht auf der Höhe gezeigt. So wenig da? neue Gesetz uns bietet, so sollen wir es für uns auszunutzen verstehen. Genosse v. Elm-Hamburg: Meine AuSfübnmgen sind teilweise mißverstanden worden. Genoffc K l u p sch meinte, ich hätte die Gegner erst auf die Sache aufmerksam gemacbt. Das ist unrichtig, und die Gegner haben sich der Sache längst bemächtigt. Im übrigen hat die Debatte grundsätzliche Uebereinstimmungen darüber ergeben, daß wir niemanden zwingen dürfen, gegen seine poltische Ueberzeugung zu stimmen. (Sehr richtig!) WaS die Gegner zu einer Sache sagen, ist ganz gleichgültig. Wir haben uns aber zu staejen, welcher Standpunkt der richttge ist, den wir einnehmen müsten. Aus das Kleinbürgertum besonders zu rechnen, ist eine Illusion. Ein gemeinsames Interesse haben wir nur bis zu einem gewiffen Grade mit ihm, dann scheiden sich unsere Wege. Betrachten wir doch die Entwickelung im Auslände I WaS ist Schuld an dem Niedergang der russischen Sozial« demokratie? Einzig und allein das russische Kleinbürgertum. ES wird nie für unS zuverlässig sein. Deshalb müssen wir das, was wir schaffen, dauernd schaffen, und eine solch? dauernde Einrichtung ist die genossenschaftliche Organisation Neben der theoretischen Aufllärung müssen die Arbeiterfrauen darüber aufgeklärt werden, welche Macht sie in wirtschaftlicher Beziehung haben. Heute schließen sich die meisten Frauen nur wegen der materiellen Vorteile der Genossenschaftsbewegung an. Deshalb be« geistere ich mich aber nicht für diese Sache. Ich will die Bewegung zu einer größeren und besieren machen, zu einem wichtigen Teile der gesamten Arbeiterbewegung. Genossin Winlelniann- Frankfurt a. M.: In un» Frauen steckt ein gut Teil TerrorismuS, wenigstens behaupten es die Männer. Bei uns in Frankfurt haben wir die Geschäftsleute ebenfalls terrorisiert und sie gezwungen, in unserem Parteiorgan zu inserieren. Die Gegner üben ecnen ganz anderen TerröriSmuS auö. In den Frankfurter Schulen lehrten bei den letzten NeichStagSwahlen Lehrer ihre Schüler folgeuden VerS: „Wählt ihr Ouarck, Kostet das Brot eine Mac!» Wählt ihr Oeser, Wird das Brot größer." Genossin Eltmann-Recklinghausen schildert die Verhältnisse im Ruhrrevier,„im schwärzesten Winkel". Der Recklinghauser Wahlkreis werde deshalb auch das„schwarze Finsterland" genannt. Dort wird die Kanzel zu politischen Zwecken gebraucht. Am Altar müssen dieFrauen schwören, der Sozialdemokratie nicht beizutreten. Die Polizeischikancn sind in dem großen Reckling« Häuser Polizeivrozeß klar zutage getreten. Die Proletarier werden von der Polizei aus ihren Häusern und von ihren Arbeitsstellen gehetzt. Die Gewerkschaslsangestellten bekommen überhaupt keine Wohnung. Trotzdem hat die Frauenorgnnisation auch bei uns festen Fuß gefaßt. SSO Frauen gehören unserer Organisation an. (Lebhafter Beifall.) Genossin Kögler-Weißwaffer: In der Lausitz haben wir die gleichen Schwierigkeiten wie anderswo. Wenn wir unS dort politisch betätigen wollen, sagt man unS, wir sollten unS um unsere Wirtschaft bekünunern. Wenn wir aber den ganzen Tag in deu Fabriken arbeiten müssen, dann sagt man unS das nicht.(Sehr richtig 1) Wenn man unsere Arbeitskräfte nicht auf so unmenschliche Weise ausbeutete, hätten wir auch mehr Zeit zur Verrichtung der Hausarbeiten. In Weißwaffer sind übrigens auch einmal die bürger« lichen Frauen Hand in Hand mit den Proletarierinnen gegangen. Es geschah, als die Milch um zwei Pfennig teurer werden sollte. Der sozialdemokratische Arbeiterinncnvercin und unsere Presse nahmen sich sofort der Sache an und ein Milchboykott wurde be- schloffen. An diesen Boykott hielten sich auch die bürgerlichen Frauen, und er wurde siegreich durchgeführt.(Beifall.) Genossin Deuper-Esscn a. R.: In Essen sind jetzt über tausend Frauen organisiert(Bravo I), trotz aller polizeilichen Schikanen. Sogar auf den Klosetts sind die Franen beobachtet worden, so daß man nichts machen tonnte.(Große Heiterkeil.) Die„Gleichheit" haben wir zum obligatorischen BereinSorgan gemacht.(Beifall.) Genossin Claasen-Hamburg: Der Borwurf, daß uns im Norden die männlichen Genossen nicht genügend entgegenkommen, trifft aus meinen Wahlkreis, den dritten Hamburger, nicht zu. Hier stnv uns die Genossen in jeder Weise bei der Agitation unter den Genossinnen behilflich. Wir haben in Hamburg schon Bezirksvereine ohne Unter- schied deS Geschlecht?, und es gibt der Parteibewegnng einen statt- lichen Aufschwung. Man hat mir in Hamburg gesagt, ich sei lozu« sagen eine Gegnerin der Frauenbewegung. Das ist unrichtig. Ich will die Genossinnen nur im Rahmen der Parleibcwegung zur Mi:- arbeir heranziehen. Schlohmann- Lübeck: Ich möchte darauf hinweisen, daß im künftigen Jahre die Fragebogen über den Stand der Bewegung in vollkommenerer AuSsührltchkeit und rechtzeitig ausgefüllt werden. Dann möchte ich bitten, bor allem darauf zu sehen, daß die jüngeren Vertranenspersonen daS auch tun. Die Statistik über den Stand der Agitation ist sehr wertvoll.(Bravo!) Es folgt die Debatte über das Thema „Presse". Genossin Zieh: Die Zahl der Abonnenten der„Gleichheit" gibt einen gewissen Gradmesser für den Umfang der politischen Frauen- bewegungan. Wir müssen noch weit mehr tun, nicht nur für die Verbreitung sowohl der Frauenzeitung wie der Parteipresse. sondern auch für die schriftstellerische Mitarbeit der Genossinnen an den ein- zelnen Orten an der„Gleichheit" und an der allgemeinen Partei- presse. Ans dem Bericht deS ParteivorstandcS geht hervor, daß die„Gleichheit" Ende 1907 84 000 Abonnenten hatte. Inzwischen ist ihre Zahl auf 85 000 gestiegen. Diese Steigerung beweist, daß unsere Genossinnen sehr lebhaft die Agitation für die Verbreitung der„Gleichheit" betreiben. Dabei ist die Gewinnung von neuen Abonnenten bei der gegenwärtigen wirtschaftlichen Depression sehr schwierig. Nicht nur dte rednerisch rätigen Genossinnen, sondern gerade die Frauen, die unerkannt die Kleinarbeit verrichten, sind sehr eifrig in der Sammlung neuer Abonnenten. Hauptsächlich der„Gleichheit" ist es zu danken, daß unsere Genossinnen in so großer Zahl herangebildet sind zu Agitatorinnen. Die„Gleichheit" hat unsere proletarische� Frauen- bewegung vollständig freigemacht von der stauenrcchtlichen Ideologie, und das ist gut so. Die Genossin Zetkin möchte ich bitten, der„Gleichheit" ein Inhaltsverzeichnis für die Genossinnen zu geben, die die„Gleichheit" sammeln. Gerade, weil die„Gleichheit" viel Material über Löhne und Arbeitsbedingungen bringt, wäre es wünschenswert, daß sie als Nachschlagewerl bei unserer Agitation benutzt werden könnte. Die Kinderbeilage hat sehr guten Erfolg auf den jungen Nachwuchs ausgeübt. Genossin Greifenberg begründet einen Antrag auf obliga« torische Lieferung der„Gleichheit" an die organisierten Ge- nossinncn zu ermäßigtem Preise. Die„Gleichheit" sei nicht mehr nur eine Frauenzcitung, sondern das b e st c sozial- demokratische Familienblatt. Sie bildet ein Gegen- gewicht gegen die Schauerromane und Jugendliteratur, die heute die Jugend vergiften und ihr den knechtischen Sinn anerziehen will. der der bürgerlichen Gesellschaft anhaftet. Genossin Hagen-RegenSburg tritt für die Lieferung der „Gleichheit" zu ermäßigtem Preise an die Genossinnen ein.. Es bat sich gezeigt, daß die Genossinnen die„Gleichheit" lieb gewonnen babcn, und besonders sind es die Kinder, die in der Woche mehr- mals fragen, ob die„Gleichheit" noch nicht da ist. Ich bitte, den Antrag Greifenberg anzunehmen.(Bravo!) Genossin Winkelmann-Franlfurt a. M. tritt ebenfalls für den Antrag Greifenberg ein. Genossin Grünbrrg-Nürnbcrg: lieber den Antrag der Augs- burger Genossinnen kann man verschiedener Meinung sein. In Nürnberg wird die„Gleichheit" allen Genossinnen obligatorisch ge- liefert. Wenn das für ganz Deutschland geschehen sollte, müßte zunächst einmal der Parteibeitrag von neuem erhöht werden. Eben ist derselbe von 10 auf 25 Pf. erhöht worden und dieser Sprung ist. denke ich, hoch genug. Außerdem beträgt die Abonnentenzahl der„Gleichheit" schon jetzt 85 000, während es doch nur 30 000 politisch organisierte Genossinnen gibt. Das kommt daher, daß die Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeiterinnen 120000 beträgt, die größtenteils die„Gleichheit" von den Gewerkschaften geliefert erhalten. Schließlich würden viele Genossinnen bei An- nähme des Antrages Augsburg die„Gleichheit" doppelt geliefert erhalten. Der Antrag Augsburg muß daher abgelehnt werden. Genossin Kachler-Düsseldorf: Im niederrheinischen AgitalionS- bezirk liefern wir die„Gleichheit" allen Genossinnen gratis. Dafür bezahlen sie monatlich nur 30 Pf. Diejenigen Genossinnen, die (sie von der Gewerkschaft bekommen, zahlen nur 15 Pf. Wenn daS überall so gemacht würde, dann wäre der Einwand der Genossin Grünberg hinfällig. Es wäre am besten, die Angelegenheit den Bezirks- und KreiSorganisationen zur Regelung zu übertragen. Genossin Zetkin-Stuttgart: Es ist gewiß sehr schwer fiir die große Masse der proletarischen Frauen, abgesehen von dem Partei- beitrag noch ein Abonnement für die„Gleichheit" zu bezahlen. Ich sympathisiere auch deshalb mit der Tendenz des Antrages Augs- bürg. Dennoch möchte ich vor der Annahme desselben warnen. Wenn wir den Antrag annehmen, dann würde für eine Reihe von Genossinnen ein Ruhekissen geschaffen sein, auf dem sie sich schlafen legen mit der Begründung: Wir brauchen nicht mehr zu agitieren, die Genossinnen bekommen ja die„Gleichheit" um- sonst. Noch andere Gesichtspunkte sprechen gegen die Annahme deö Antrages Augsburg. Ich weiß, daß die Zahl der Abonnenten der „Gleichheit" an einem Orte gleichsam eine Quittung ist für den Fleiß und die Geschicklichkeit, mit der unsere Genossinnen an dem einzelnen Orte arbeiten. Der Wert dieser Quittung würde mit Annahme dieses Antrages herabgesetzt werden.(Sehr richtig!) Uebcrhaupt bildet die„Gleichheit" das lebendigste und stärlstc Bindemittel von Person zu Person, und gerade dieses Bindemittel möchte ich nicht missen. Dem Wunsche nach einem Jnhaltsver- zeichniS der„Gleichheit" werde ich gern entsprechen und den Wunsch nach einem Umschlag will ich dem Verlage unterbreiten. Zum Schluß kann ich nur den Wunsch aussprechen, daß die Mitarbeit der Genossinnen im Lande noch größer werde. Die„Gleichheit" hat im Jahre 1907 einen Ueberschuß von 15 690 M. erzielt. Der Ucberschuß würde noch bedeutend größer sein, wenn die Agitation nicht Taufende von Flugblättern und große Mittel erfordert hätte. Schließlich sucht die„Gleichheit" mit in erster Linie nicht Geschäfte zu machen, sondern den Aufgaben zu entsprechen, die die Genossinnen an sie zu stellen berechtigt sind.(Lebhafter Beifall.) Nachdem Genossin Wackwih-DreSden und Nehmitz-Bochum sich gegen den Antrag Augiburg erklärt haben, schließt die Debatte; der Antrag Augsburg wird abgelehnt. Der ZentralvertraucnSperson Genossin Baader wird D e ch a r g c erteilt. ES folgt Punkt 2 der Tagesordnung: Die Neuorganisation der Genossinnen. Dazu liegt folgender Lorschlßg der Vertrauens- Person vor: 1. Jede Genossin ist verpflichtet, der sozialdemokratischen Parteiorganisation ihres Orte« beizutreten. Politische Sonder- organisationcn i-nd den Frauen nicht gestattet. Heber das Fortbc, tehen besonderer ürrauenbildungsvereine entscheidet die Orga- nisation der einzelnen Orte. Di« Mitgliedschaft an ebensolche» Vereinen enthebt die Genossinnen nicht der Verpflichtung, der sozialdemolratiichen Parteiorganisation anzugehören. ?: Unaphangig von den Vereinsabenden der Männer sind für die weiblichen Mitglieder Zusammenkünfte einzurichten, die glftdcr" dienen uri� praktische Schulung der weibliche»» Mit« . Festsetzung der Beiträge von den weiblichen Mitglie« bleibt den einzelnen Organisationen überlassen. Empfeh- lenswert ist eS, die Beiträge für die weiblichen Mtist�der niedriger zu bemessen, als fiir die männlichen... « w i � weiblichen Mitglieder sind im Verhältnis zu ihrer «ay» i.m Vorstand vertreten, es muß diesem mindestens e,ne Genossin angehören. 5. Den weiblichen Mitgliedern des Vorstandes liegt eS ob. die notwendige Arbeit unter dem weibliebe,, Proletariat in uedereinstimmung mit dem gesamten Vorstande zu betreiben. 6. Solange betreffs der Beschickung der Parteitage durch Parteiorganisationen noch das bisherige Provisorium gilt, blei- b«n auch für die Delegierung der Genossinnen die jetzigen Be» stimmungcn des Parteistatuts in Kraft. Das Zentralbureau ver Genossinnneu bleibt bestehen, die Vertreterin der Genossinnen »/arin wird dem Parteivorstand angegliedert.. .„..Außerdem liegt ein Antrag des Vereins für Frauen und Madchen der arbeitenden Klassen zu Bannen vor, wonach das Fort» bestehen der grauenbildungsvereme für wünschenswert erklart önriw Die Referentin Genossin Zieh fützrt ans: Wir haben im letzten Jahre ein Reichsvcrcinsgesetz erhalten. Leider ist die Vereinheitlichung nicht im Zusammenhange mit der� Freiheit erfolgt. Kleinen Verbesserungen stehen eine ganze Reihe schlimmer Verböserungen gegenüber. Hätten wir Genossinnen mit entscheiden dürfen, hätten wir die Zustimmung zu dem Gesetz nicht gegeben. Der reaktionäre Charakter dieser „großen liberalen Errungenschaft" zeigt sich nicht nur� in dem Paragraphen gegen die jugendlichen und frcm dsprach- lichcn Arbeiter, sondern vor allem in den Bestimmungen, welche die P o l i z e i h e r r s ch a f t in Teutschland sanktionieren und sogar erweitern. Selbstverständlich müssen wir uns das Quentchen Freiheit, das uns das Gesetz bietet, nach besten Kräften unserer Bewegung nutzbar machen. Es ist klar, daß wir gemein- fame Kampfcsorganisationen zu schaffen haben. Was Berlin an- belangt, so haben die Frauenbildungsoereinc als politische Vereine aufgehört zu existieren. Sie dürfen nur noch als Mttelpunkt des geistigen Lebens dienen, soweit es sich im Rahmen der Politik hält. Sie dürfen keinen Ersatz für politische Vereine bilden. Bei der sozialen Stellung der Frau ist der Beitrag der Frauen niedriger zu bemessen als für die Männer. Es muß sich überhaupt für uns darum handeln, eine möglichst große Masse von Proletarierinnen zu organisieren und damit auch geistig zu fassen.(Beifall.) Ties kann aber nur mit einem möglichst niedrigen Beitrag ge- schehcn. Die politische Betätigung ist für die große Masse der Frauen doch Neuland. Aber der Grundsatz, daß die Frau in der Gemeinde zu schweigen habe, hat heute keine Geltung mehr. Wer diesen Grundsatz heutc�noch vertritt, verdient nicht den Namen eines Sozialdemokraten. Diese Auffassung ist ein arger Philisterzopf.(Lebhafter Beifall.) Doch auch solche Anschauungen vererben sich wie eine ewige Krankheit selbst noch unter Genossen fort. Weil diese Anschauungen noch unter Genossen vielfach auftreten, muß man sich durch eine kluge Auswahl der Themen und Verhandlungen den verschiedenen Jnter- essen anpassen: durch die Erörterung von Schul fragen das Interesse als Mutter, durch Besprechung des Arbeiter schutzes das der Frau als Arbeiterin wecken. Ihr Interesse als Hausfrau können wir erwecken, indem wir den Brot- und Fleischwucher beleuchten. Es muß auch Rücksicht darauf genommen werden, daß die Frauen durch die Hausarbeit an manchen Abenden, vor allem an den Sonnabenden verhindert sind. Versammlungen zu besuchen. Besondere Frauenvcrsammlungen sind auch deswegen notwendig, weil in allgemeine Volksversammlungen in erster Linie der Mann geht, und einer von beiden Eltern bei den Kindern bleiben mutz. Zweifellos kann eine Frau, die das Empfirrden der rückständigen Frauenwelt selbst durchmachte, auf die Frauen am meisten einwirken. Wenn daher der Organisationsentwurf emp- fiehlt, daß überall Frauen in den Vorstand zu wählen sind, so soll damit den Genossinnen kein Sonderrecht eingeräumt werden (sehr gut), wie es zu meinem Bedauern im bayerischen Landtage zum Ausdruck gekommen ist. Eine Arbeitsteilung in diesem Sinne ist wohl dringend notwendig. Dieselben Gründe, die für eine be- sondere Agitation unter den Frauen sprechen, sprechen auch für die besondere Aufklärungsarbeit bei den Zusammenkünften der Frauen, wo die Frauen in die Ideenwelt des Sozialismus eingefiihrt werden sollen. Wenn wir gegenwärtig in Hamburg zirka 4 0 0 0 Frauen in sozialistischen Vereinen haben, so ist das in erster Linie diesen besonderen Frauenzusammenkünftcn zu danken. Von der Heranziehung der Frauen zu politischer Mitarbeit profitieren nicht nur die Männer, sondern auch die Frauen. Wenn man sich an einzelnen Orten dagegen wendet, so ist das darauf zurück- zuführen, daß der Parlamentarismus dazu beige- tragen hat, die Tätigte it unserer polktischen Organisationen vor allem �darauf zuzuschneiden, Wähler heranzubilden.(Sehr richtig!) Die Frauen haben noch keinen Kurswert. Von solchen Gesichtspunkten aus sollten Sozialdemokraten die Frage der Frauenorganisation nicht beurteilen. Durch die Frauenkonfercnzen werden die Genossinnen miteinander bekannt und diese persönlichen Beziehungen sind für die Agitation sehr förderlich. Wenn auf den Frauenkonferenzcn aus unserem Parteiprogramm heraus besondere Fragen, die die Frauen interessieren, erörtert werden, so bilden die Frauenkonfercnzen gewissermaßen einen vor- bereitenden Ausschuß zum Parteitag für diese besonderen Fragen. Auch ein vorzügliches Agitationsmittel würden wir durch die Frauenkonferenzcn erlangen. Ich kann deshalb nicht glauben, daß der Parteitag ihr Aufhören beschließen wird. Daß die weiteren Forderungen des Organisationsentwurfs dcS Bureaus bestehen bleiben, hat auch in Hamburg Widerspruch gefunden. Das kann aber nur auf einem Mißverständnis beruhen. Wie an den einzelnen Orten Genossinnen in den Vorstand zu wählen sind, so soll auch die Vertreterin aller Genossinnen dem Parteivorstand an- gegliedert werden. Damit hört natürlich eine besondere Liste auf. Die Mittel sollen in die gemeinsame Parteikasse fließen. Ich bitte, daß Sie meinen Vorschlägen zustimmen und hoffe, daß der Parteitag meine Anträge annehmen wird.(Lebhafter Beifall.) Genossin Bollmann-Halberstadt spricht sich gegen den Ber- liner Unkrag in bezüg' auf Bestehenlassen Sä Mädchen- und Frauen. bildungSvereine aus. Solche könnten einen Schmollwinkel für solche Genossinnen bilden, die in der Partei nicht völlig zu ihrem Recht gekommen zu sein glauben. In der weiteren Diskussion wurde der Wunsch ausgedrückt, daß für die z w e i t e unbedingt notwendige Vertretung der Genossinnen im Parteivorstand die Genossin Zieh vom Parteitag gewählt werden möchte. Tarauf wurden die Verhandlungen auf Sonnabend morgen 9 Uhr vertagt.__ Versammlungen. Der Holzarbeitervcrband hielt am Donnerstag eine General- Versammlung ab. wo der Bericht über den Gewerkschaftskongreß auf der Tagesordnung stand. Robert Schmidt, der den Lc- rickit erstattete, gab ein anschauliches Bild von den Verhandlungen des Kongresses."Besonders eingehend behandelte er die F.rg- der Maifeier und der Jugendorganisation. Er sagte, ihm und den Gewertschastcn überhaupt sei der Vorwurf gemacht worden, sie wollten die Maifeier beseitigen. Dieser Vorwurf sei durhauS un- gercchtft.t'gt. Wir, sagte der Redner, haben uns seinerzeit gefragt, ob die Maifeier, Nie sie jetzt begangen wird, nach außen lim der T'.idruck macht, den«ine so große internationale De» on*ratioa. wie es di: Maifeier fein soll, machen müßte. Deshalb stand ft r mich der Gedanke im Vordergrunde, ob es nicht eine viel impo- saniere Demonstratum nare, wenn an dem Abend des I. Mai g-roße, wirklich imposante Versammlungen veranstaltet werden. Wir wollen keineswegs die Maifeier beseitigen. Mehr wie einmal haben wir betont, daß wir uns an dieser internationalen Kund- gcbnng beteiligen wollen. Die Partei hat unserer Auffassung nicht zugestimmt, sondern beschlossen, an der Arbeitsruhe festzu- halten. Mit diesem Beschluß der Partei war für uns die Sache erledigt, denn es ist doch selbstverständlich, daß ohne Uebereinstim- mung der Partei und Gewerkschaften an der Sache nichts geändert werden kann. Es fragte sich nun, was geschehen solle, wenn die Gewerkschaften nicht so, wie eS gewünscht wird, für die Arbeits- ruhe eintreten. Da hierbei die Unterstützung der Gemaßregelten eine Rolle spielt, so traten wir auf dem Internationalen Kongreß in Stuttgart dafür ein, daß die Partei zur Aufbringung der Unter- stützung mit herangezogen werden solle. Infolgedessen ist dann später das bekannte Abkommen zwischen dem Parteivorstand und der Generalkommission getroffen worden, wonach Partei und Gc- werkschaften gemeinsam für die Unterstützung aufzukommen haben. Tagegen läßt sich doch nichts einwenden. Wir wollen gar nicht, daß die Partei die Hälfte zahlt. An der Durchführung der Ar- beitsruhe wird durch das Ueberinkommen nichts geändert, auch nicht an den Beschlüssen der Organisationen über die Unterstützung ihrer Mitglieder. Was die Frage der Jugendorganisation betrifft, so sind mir in dieser Hinsicht Acußerungen unterstellt worden, die ich gar nicht getan habe. Die ganze Diskussion, welche in letzter Zeit über die Frage der Jugendorganisation gepflogen worden ist, trifft nicht den Kern der Sache. Es handelt sich darum: Soll die Organisaation der Jugend eine BildungZ- oder Propagandaorganisation sein. Ich bin der Meinung, daß nur junge Leute bis zu 18 Jahren ein Anrecht auf die M/itgliedschaft in den Jugendorganisationen haben können. Wer über 18 Fahre alt ist. gehört in die Gewerkschaft und in die Parteiorganisation. Unter diesen Umständen kann die Jugendorganisation nicht der Propaganda, sondern nur BildungS- zwecken dienen. Eine BildungSorganisation aber kann nicht voll den Jugendlichen geleitet werden. Das muß vielmehr Aufgabe der Erwachsenen sein. Unter eigener Leitung der Jugendlichen würde die Organisation nicht Bildung, sondern Verbildung verbreiten. Wir aber wollen, daß der Jugend eine tiefe, gediegene Bildung gegeben werde. Wie können wir denn überhaupt eine selbständige Organisation der jungen Leute von 14— 18 Jahren verlangen, da wir doch in unserem Parteiprogramm den Schulzwang bis zum 16. Lebensjahre fordern. Auf der Jugendkonferenz, die kürzlich in Berlin stattfand, waren nicht drei Vertreter im jugend- lichen Alter. Die heutigen Leiter der Jugendorganisation haben das jugendliche Alter längst überschritten. Es sind Leute, die ander- wärts verärgert, in der Jugendorganisation ein Feld für ihre Tätigkeit suchen.— Man hat uns entgegengehalten, wir wollten AildungSbestrebungen im bürgerlichen Sinne unter der Jugend verbreiten. Tarauf ist zu sagen: Da das Vereinsgesetz die jungen Leute unter 13 Jahren von jeder politischen Betätigung ausschließt, so bleibt für sie nur das Gebiet der Bildungsbestrebungen. Bil- dung brauchen die jungen Leute sehr notwendig. Wenn wir die Mittel dazu zur Verfügung stellen, so sollten die jungen Leute das mit Freuden begrüßen. Nicht darauf kommt es an, daß ein Verein der Jugendlichen da ist, sondern vielmehr darauf, was den jungen Leuten geboten wird. Um Bildung zu verbreiten, brauchen wir keine besondere Jugendorganisation.— Man sagt zwar, die Jugend wolle ja in ihrer Organisation dem Rate der Erwachsenen folgen. Aber wie siÄft cS denn in Wirklichkeit damit aus? Der Parteiborstand hat sich an Peters, dem Leiter der Berlin« Jugendorganisation, gewandt und ihn ersucht, die Jugend möge von der Gründung einer Zentralorganisation einstweilen absehen und erst abwarten, welche Beschlüsse der Parteitag in dieser Frage fassen wird. Der Rat ist nicht befolgt worden. Die Jugend- konfcrenz hat eine Zentralorgazbsation gegründet. Weiter ist Peters der Rat vom Parteivorstand erteilt worden, hinsichtlich der Aufnahme weiblicher Mitglieder erst abzuwarten, wie sich die Jugendabteilung des Vereins der Frauen und Mädchen gestalten iverde. Trotzdem ist die Jugendorganisation auch für tveibliche Mitglieder geöffnet worden. Also der Rat der Erwachsenen, der Rat des Partcivorstandes, dem sich auch der Zentralvorstand von Groß-Berlin angeschlossen hat, ist nicht befolgt, sondern strikte abgelehnt worden. Hiernach erscheint es nötig, daß die Jugend eine andere Führung bekommt.— Es ist uns auch vorgeworfen. wir wollten in den gewerkschaftlichen Jugendabtcilungen Fach- simpelei treiben. Ich verweise darauf, daß die Vertreter der Ar- bcitcrschast in den Gemeinden seit jeher für die Verbesserung des Fachschulwesens eintreten, was auch erfreuliche Erfolge gehabt hat. Da haben unsere Vertreter also auch Fachsimpelci getrieben. Es gehört übrigens mit zu unseren Aufgaden, ein Stück Jachbildung unter den jungen Leuten zu betreiben, denn der technisch gut ge- bildete Arbeiter kann dem Unternehmer gegenüber ganz anders auftreten, wie der ungeübte Arbeiter.— Was die Lehrlinge an- betrifft, so ist ihre rechtliche und tatsächliche Stellung im Wirt- schastslebm eine so eigenartige, daß sie bei Lohnkämpfen völlig ausscheiden. Ich wbe in Hamburg betont, wir sollen mehr für den Schutz der Lehrlinge tun. Der Lehrling selber kann unter den heutigen Verhältnissen nicht seine Interessen vertreten, er kann sich dem Meister, oder auch dem Gehilfen gegenüber nick't selber Recht verschaffen, wenn ihm unrecht geschehen ist. Deshalb müssen die erwachsenen Arbeiter für die Lehrlinge eintreten.� Ich habe weiter betont, daß man die jungen Leute nicht in Lohnkämpfe ziehen kann. Die Berliner Jugendorganisation will nach ihrem Statut auch die wirtschaftlichen Interessen der jungen Leute wahren. Das bedeutet den Lohnkampf. Dieser aber ist Sache der Gewerkschaften und nicht Sache einer Jugendorganisation.— Wir haben in der Partei immer betont, daß die einheitliche Organisation eine unbedingte Notwendigkeit ist. Deshalb dürfen wir keine besondere Organisation haben, die unter Umständen auf das Gebiet der Parteiorganisation übergreifm würde. Eine bc- sondere Organisation der Jugend ist auch nicht nötig, weil ja vom 18. Jahre an jeder in die Partei und Gewerkschaft gehört.— Was die antiinilitanstische Propaganda betrifft, die man unter der Jugend betreiben will, so genügt cS, wenn ich daraus verweise, daß unsere Parteitage eine solche Agitation entschieden abgelehnt haben. Man würde damit die Jugend auch auf ein sehr gefährliches Gebiet leiten... �. Die Stellung des Gewerkschaftskongresses war die richtige. Die Erziehung kann nicht allein das Werk der Jugend sein. Sie soll inittäug fein, aber die Führung soll sie erfahrenen Genossen icb�rlassen So wird sie zum Nutzen für die Arl-citerbewegung werden. Für uns ist die Jugenderziehung eine Bildungsfrage, die im Interesse der Partei und Gewerkschaften gelöst werden muß. Unsere jungen Mitglieder werden sich überzeugen, daß wir ihr Bestes wollen. Unsere Jugend zu tüchtigen Mitgliedern der Partei und Gewerkschaften zu erziehen, das ist unsere Aufgabe.(Beifall.) L ü p n i tz, ein Mitglied der Berliner Jugendorganisation, trat dem Referenten in längerer Rede entgegen. Für die Selbständig- keit der Jugendorganisation und gegen die Ausführungen Schmidts führte er dieselben Gründe an, die auf der Jugendkonferenz vor- getragen und in allen wesentlichen Punkten in unserem Konferenz- bericht in der Dienstagnummer wiedergegeben sind. In der weiteren Diskussion trat Möbius für die Maifeier durch Arbeitsruhe ein. N i t s ch k e verteidigte den gewerkschaft- lichen Standpunkt in der Mmfcierfrage und tvandte sich gegen Adolf Hoffmann, der in einer Versammlung des vierten Wahlkreises gesagt habe, die Gctveckschaftssührer seien deshalb gegen die Ar- beitsruhe, weil sie die Millionen in den Kassen schützen wollen, damit sie, die Gewcrkschaftsangestellten. keinen Schaden im Bezüge ihrer Gehälter leiden. Gegen diese Acutzerung müsse Verwahrung eingelegt werden. Die Gewerkschaften seien für Arbcitsruhe, aber es müsse ein Erfolg zu sehen sein. Eine von L ü p n i tz eingebrachte Resolution, welche sich für selbständige Jugendorganisationen, im Sinne der Konferenz- bcschlüsse. ausspricht, kam nicht zur Abstimmung, da die Versamin- lung der Meinung ihre» Vorsitzenden Leopold war: Wenn der Hotzarbciterverband zu einer so wichtigen Frage einen Beschluß fassen solle, dann müßte das als selbständiger Punkt auf die Taues» ordnung gesetzt und vorher bekannt gemacht werden. Wetterprognose für Sonnabend, den 18. September 1908. Ziemlich kühl bei mäbigen westlichen Winden und veränderlicher Bewölkung: keine erheblichen Nlederschläae. Berliner Wetterbureau. »SSSSSSS� st/ Unserem Genossen«> � tfermsnn Karlow nebst Gemahlin Ä die herzlichsten Glückwünsche A zur silbernen Hochzeit. K � Die Genossen des 230 Bezirks. Deutscher Metallarbeiter-Verband� Verwaltungsstelle»erlitt. Tode«- AnBelg«. Den Kollegen zur Nachricht. vatz unser Mitglied, der Mechaniker Paul Wolff am S. t>. MlS. cm Lungcnleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung stndct heute Zonnabend, den 12. September, nachm. S'lt Uhr. von der Leichen- halle dcS Thomas-Kirchhoses in Ziixdors aus statt. Rege Beteiligung erwartet 121/19 liie Ortsverwaltung. Verband der Sattler Ortsvorwaltung Berlin. Am Mittwoch, S. September, verstarb unser Mitglied HermsHu Morawitz (Werkstatt Richard Vogel). Ehre seinem Andenken Z Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Nirdorser Gemeinde- Friedhoscs (Marlendorser Weg) auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 157/15 Die Orisverwaltung. 9r. Schünemann Svczial-Arzl sür 36462* Haut- und llarnleidcn, ItVaucn krank Ii<'i ton. Friedrichstr. 203, Ecke Schützenstr. 10-«, 5_7, gönnt. 10—18 litt. Dp. Simtnel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41,«loritzpiaiz, 10—2, 6—7. Sonntags 10—12. 2—4. H.Pfau letzt: Dircksenslraße 28 iwlschen Bahnhos �«L�eiMtl und Bollzeiprüsidium.- Ami VII. 1270!! Für Damen srelbllct« Bedienung.• iiejetont iür alle Krankenkassen. tzreift zu! den besten 41432* Monatsanzüge... v. 9,50M Abonnementsauzüge.. 13,00„ Pfandlethanzüge.., 11,00. Partieanzüge..''' W Webrodonziige... 14.00. Anzüge,«rsav f. Mass.«0,50. Winierpaletots...„ 9,50. Hose"-............ 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Hin und zurück 0.75,.tlindrr[15356 vMS, PST Berichtigung. WD In meinem Inserat vom 6. September muff es heißen: Große Auswahl moderner Küchen in farbigem Anstrich. Auf einzelne SlöboleitUcke Anzahlung von!t Mk. an, Wochenraten 1 Mk. M. Beiser, Lothringer Straße 67. lilcfornng frei Hnns.—— machen wir am«onittag unseren Ausflug? Nach ZMebelswereler zum 36602» Alten Freund. a Entpfehle auch diesen Sommer mein Lokal zu Land- u. Nafferpartien.\ Die Restbestände der Warenhaus-Artikel bestehend aus Glas-, Porzellan-, Emaille-, Seifen und Parfumerien, Schreib- und Lederwaren, Korb-, Holz- und Nickelwaren usw. habe Ich von der Firma �l�ai'dlliailS Fl*. PllllgSt& Co. kauflieh erworben und bringe» dieselben In den bisherigen Räumen Königstraße§3 III. Etage zu fabelhaft billigen Preisen zum Verkauf. Die Räumung muß schnellstens erfolgen, da über den Platz bereits anderweitige Dispositionen getroffen wurden. Fahrstühle nach allen Etagen. Louis Anders, Königstraße 33, Ecke Neue Priedrichstraße. Verantwortlicher Redalteur: Hans Weber, Berlin. Für de» Lnseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. 2. Kilaze to Jorrtrts" Knlim Sonnabend. 12. Septembkl 1908. Das Crfinder-IRccbt der angestellten und das beschäftigten gestern die handelsrechtliche Abteilung des I u r i st e n- t a g e s.. � Tie Referenten zu der ersten Frage, Dr. A l l f e l d- Würzburg und Dr. K l ö p p e l- Elberfeld legten eine Reihe sehr ausführ- licher Thesen vor, deren hauptsächlichster Inhalt sich wie folgt dar- stellt: Es ist an dem Beschlüsse des Kieler Juristentages festzuhalten, daß die Erfindung dem Angestellten gehört, der sie gemacht hat, und dem Geschäftsherrn nur, wenn dies durch Vertrag bestimmt ist. Darüber hinaus will Professor Allfeld aber durch eine Aenderung des Patentgcsctzes und des Gesetzes über den Gebrauchsmusicr- schütz festlegen, daß nur der wirkliche Erfinder aus diesen Schutz Anspruch hat. Am wichtigsten unter den Thesen ist aber die Be- stimmung, daß Vereinbarungen, durch welche jemand seine Er- findungen oder Eeistesschöpfungen an einen anderen ohne Entgelt uberläßt oder auf die Ehre der Erfindung oder Geistesschöpfung verzichtet, nichtig bleiben soll.— In der Diskussion vertrat Rechts- anwalt Jsay-Berlin den Standpunkt, daß die ganze Frage noch nicht spruchreif sei. Seit dem Kieler Juristcntage sei eigentlich noch gar nichts geschehen, uni sie schon wieder zu behandeln. Justizrat H ä u se r- Höchst, als Vertreter der Höchster Färb- Werke, legte in ausführlichen Darlegungen den Standpunkt der Großindustrie zu der vorliegenden Frage dar. Hervorragende Er- findungen würden von Angestellten nicht gemacht. Kämen sie' vor, dann beuge sich alle Welt vor dem Genieblitz. Die großen Er- finder brauche man nicht zu schützen. Die kleinen Erfinder würden aber von dem weit überwiegenden Teil der Großfirmen angestellt, um überhaupt etwas zu erfinden, und wenn sie das nicht leisteten, dann würden sie entlassen. Man mache also solche Anstellungen künftig unmöglich, wenn man der Großindustrie solche Verträge verbietet. Selbst große Erfindungen, wie die Nernst-Lampe oder der synthetische Indigo, seien unbenutzt geblieben und doch hätte jedermann Millionenaufwendungen dafür verlangt. Wenn sich die Erfinder der Ehre entziehen, so wollten die Entdecker von wertvollen Erfindungen gar nicht genannt sein, namentlich nicht große Gelehrte, die viele kleine technische Kniffe erfänden und damit viel Geld verdienten. Man sollte den Herren von der Wissenschaft das schöne Geld gönnen, das sie damit verdienten. (Heiterkeit.) Ueber die einzelnen Gesichtspunkte würden sich übri- gens verständige Prinzipale und Angestellte leicht einigen.(Leb- hafter Beifall.) Justizrat Dr. Edwin Katz-Berlin: Gegenüber dieser Fülle praktischer Erfahrungen müssen alle theoretischen Argumente schweigen. Der Referent Allfcld zog darauf die hauptsächlichsten seiner Thesen zurück. In der weiteren Diskussion traten die Rechtsanwälte Saul. Samuel und Jaffa entschieden für den Standpunkt der tcchnisch-industriellen Beamten sein. Es sei be- dauerlich, daß wohl- Vertreter der Industrie, aber kein Vertreter der Angestellten hier seien. Die Vertragssreiheit solle nichts ein- geschränkt loerden, nur die Vertragsunsreiheit, die heute aus den Angestellten infolge der wirtschaftlichen Ucbcrmacht der Unter- nchmcr lastet. Tie Angestellten fingen zum Teil mit unglaublich f cringen Gehältern an, und die Industrie bringe sie nicht in die >öhe, sondern halte sie niedrig. Die Vertragssreiheit der Unter- ncbmer werde täglich ausgebaut durch Konkurrenzklauseln, schwarze Listen. Ringbildungen.(Heiterkeit-� Die technischen Angestellten seien schon längst in das Proletariat hinabgesunken. Wie man die Arbeiter schütze, so dürfe man auch die Techniker nicht der schranken- losen Willkür der Unternehmer preisgeben. Der Korreferent Dr. Klöppel- Elberfeld trat auf Grund der Statistik der Behauptung entgegen, daß die technischen Ange- stellten schlechte Gehälter bezögen. Seine Anträge fanden An- nähme in folgender Form: 1. Die Erfindung gehört dem Angestellten, der sie gemacht hat. und nicht dem Geschäftsherrn, sofern nicht durch Vertrag das Gegenteil bestimmt ist. 2. Im übrigen empfiehlt es sich nicbt, die Vertragssreiheit über die Erfindungen oder sonstigen Geistesschöpfungen von Personen, die in einem Angestellten- Verhältnis stehen, zu beschränken. 3. Im Patentgesetz und Ge° brauchsmustcrgesctz ist zu bestimmen, daß dem Erfinder, falls seine Erfindung durch einen anderen angemeldet wird, ein im Wege der gerichtlichen Klage verfolgbarer Anspruch zusteht, als Erfinder in allen auf die Erfindung bezüglichen Urkunden und Publikationen des Patentamtes benannt zu werden. Ein seltsames, von der üblichen Auffassung weit abweichendes Gutachten hat zu der Frage des BovkottS Kammergerichtsrat Dr. Pape(Berlin) erstattet: Er erklärt in Uebereinstimmung m'.t einem Beschlüsse der Gesellschaft für soziale Reform den Boykott für ein gefährliches Kampfmittel, das keineswegs unentbehrlich sei. Er glaubt vielmehr in dem Boykott einen Krebsschaden unseres Wirtschaftslebens zu erblicken, der bereits einen bedrohlichen Um- fang angenommen hat. Kein Gesetz, auch die Gewerbeordnung nichr, habe den Boykott erlaubt. Im Gegenteil, das B. G.-B. habe im§ 826 jedes illoyale auf Schädigung fremder Rechtsgüter ab- zielende Verhalten unter Strafe gestellt, und Z 823, Abs. 1, habe unter den„sonstigen Rechten" auch das Recht aus freien und un- gestörten Erwerb geschützt. Im Gegensatz zur Rechtsprechung des Reich gerichts, der zufolge der Boykott an sich nicht verwerflich und auch die Anrufung weiterer Bevölkerungskreise durch die Presse erlaubt ist, wenn nicht wahrheitswidrige Angaben gemacht oder durch allgemeine Schlagworte gehetzt wird, glaubt daher der Gut- achter, jedem Boykottierten Klage auf Schadenersatz und Unter- lassung gegen den Boykottierenden geben zu sollen. Unter dieses Boykottverbot fallen nach seiner Auffassung auch die Ausforde- rungen der Handwerkervereine, nicht in Warenhäusern zu kaufen, selbst wenn die Warenhäuser in einer moralisch und wirtschaftlich verwerflichen Weise schleudern. Erlaubt erscheint ihm der Boykott nur als Begleiterscheinung eines Streiks, als Militärboykott, weil dieser ein Ausfluß der militärischen Kommandogewalt sei, und in der Form der schwarzen Listen, wenn bei diesen nicht die aus- drückliche Aufforderung hinzugesetzt werde, den Mann zu boykottieren, sondern nur mitgeteilt werde, was er getan und wcs- wegen er entlassen worden sei. Eine Aenderung der Gesetzgebung sei also nicht Vonnöten: eine energische Rechtsprechung könne schon jetzt die tückische Waffe deS Boykotts unschädlich machen. Der österreichische Gutachter Dr. E t t i n g c r(Wien) be- zeichnet diese Auffassung als einen atavistischen Rückfall in das Zeitalter der verschleierten Leibeigenschaft und der patriarchalischen Ordnung aller wirtschaftlichen und sozialen Beziehungen durch polizeiliche Normen. Eine widerrechtliche Handlung sei stets nur eine solche, die konkrete Normen oerletze, nicht aber genüge die Vor- letzung anderer Interessen.(Zui suo jura utitur, neminem laeckit: Wer seine Interessen verfolgt, braucht auf die Verletzung fremder Interessen keine Rücksicht zu nehmen. Nur die schwarzen Listen hält dieser Gutachter verboten, weil der Arbeitgeber nach der Ge- Werbeordnung dem Arbeiter kein Zeugnis ausstellen dürfe, das diesem das Fortrommen erschwere. Wegen der ganz besonderen Grausamkeit und der gehässigen Heimlichkeit hält der Gutachter dieses Verbot der schwarzen Listen, dieser modernen geheimen Feme, auch für wünschenswert. Einen vermittelnden Standpunkt nimmt Prof. Dr. Paul O e r t- m a n n(Erlangen) ein. Er geht davon aus, daß Streik und Aus- sperrung moralisch und rechtlich stets erlaubt seien, weil sie den gesetzlich legalisierten Zweck hätten, günstigere Lohn- und Arbeits- bedingungen zu erzielen. Der Boykott aber könne alle möglichen Zwecke verfolgen, daher sei die Absicht seiner Veranstalter in jedem einzelnen Falle aus Moral- und Rcchtswidrigkeit zu prüfen. Moral- widrig sei der Verruf, wenn er Selbstzweck, Schikane sei, wenn er aus bloßer Nachsucht oder zur Matzregelung politischer und sozialer Gegner verhängt werde. Im übrigen bedinge der Klassenkampf Machtentsaltung, und die Förderung der Klasscninteressen auch durch soziale Zwangsmittel sei nicht sittlich unerlaubt. Nur müßten die Mittel des Boykotts an sich erlaubt und im zu erreichenden Zwecke adäquat sciil. Hier kann der Zlveck nicht die Mittel heiligen. Niemand darf dauernd erwerbs- und brotlos gemacht, niemand darf ohne die gewichtigsten Gründe wirtschaftlich ruiniert werden. Unzulässig sind unbeschränkte Boykotts und ein unverhältnismäßig großer Schaden mackst haftbar. Der§ 826 des B. G.-B. gibt dem Richter eine genügende Waffe gegen Unmoral und soziale Gehässig- kcit. Notwendig sei nur noch, für Rechtswidrigkeiten die Arbeiter- crganisationen voll haftbar zu machen. Gericdts- Leitung. Theaterklatsch. Ein Bcleidigungsprozeß, den die Opernsängerin Louise Perrot gegen den Direktor des Lortzing-Theaters Georg Garrison angestrengt hatte, beschäftigte gestern wieder einmal das Schöffengericht Bcrlin-Tempelhof. Der Beklagte war erst im Anfang August d. I. von der Strafkammer in der Berufungsinstanz zu 166 M. Geldstrafe wegen verleumderischer Beleidigung des Fräu- lein Perröt verurteilt worden. Es handelte sich nunmehr um eine neue Beleidigung, die in einem Schriftsatz enthalten sein sollte, den Garrison durch den Rechtsanwalt Dr. Schlesinger an das Gericht hatte gelangen lassen. In diesem Schriftsatz stellte der Beklagte die Behauptung auf: Fräulein P. benutzte ihre Beziehungen zu einem Dr. M., um sich materielle Vorteile zu erschaffen, auch habe Fräulein P. sich von diesem einen Scheck über 16 666 M. ausstellen lassen. Fräulein P. stellte sofort gegen G. Strafanzeige wegen Beleidigung, da die behaupteten Tatsack>en zum Teil völlig unwahr, teils vollkommen entstellt waren.— Vor Gericht machte der An- geklagte geltend, daß ihm jene Mitteilungen von verschiedenen Seiten gemacht worden waren, so daß er an der Richtigkeit nicht habe zweifeln können. Er habe die Dinge dann zur Wahrung seiner Interessen in dem Schriftsatz wiedergeben müssen, so daß ihm der Schutz des§ 193 zuzubilligen sei. Ein von Garrison angebotener Vergleich wurde von der Klägerin strikte abgelehnt. Das Gericht hielt den Angeklagten der üblen Nachrede für schuldig und erkannte mit Rücksicht darauf, daß der Beklagte selbst sein Unrecht eingesehen und einen Vergleich angebe�» habe, nur auf eine Geldstrafe von 160 Mark. Schwere Jungen. Auf sieben Jahre unschädlich gemacht wurde gestern einer der gefährlichsten Berliner Einbrecher. Wegen schweren und einfachen Diebstahls im strafverschärfenden Rückfalle verhandelte die 3. Ferien- straskammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichts- direktors Dr. Lieber gegen den bereits mehrfach vorbestraften „Arbeiter" Otto K l i s ch e. Außerdem war der Arbeiter Karl H a m e l wegen Hehlerei angeklagt.— In der Nacht zum 30. März statteten Einbrecher dem Kaufmann Baumann, der in der Frank- surter Allee ein Galantrie- und Lederwarengeschäft betreibt, einen Besuch ab. Die Diebe sägten aus einer Kellertür das Schloß heraus und gelangten dann durch den Keller in den Laden des Bcstohkenen, wo sie Ringe, Lederwaren und sonstige Gegenstände im Gesamtwerte von etwa 600 M. entwendeten. Die Ermittelungen der Kriminal- Polizei führten zu keinem Ergebnis. Einige Zeit später machte die Polizeibehörde in Köpenick davon Mitteilung, daß ein in dem dortigen Gefängnis internierter Strafgefangener Aeußerungen getan habe, nach denen ein Teil der bei Baumann gestohlenen Waren bei dem jetzigen Mitangeklagten Hamel in der Forsterstraße versteckt gehalten werde. Der Kriminalwachtmeister Habermann nahm in der Wohnung des Hamel eine Haussuchung vor, welche noch einen Teil der Diebesbeute zutage förderte. Außerdem wurde in einem Ofen, unter der Asche versteckt, ein ganzes Sorti- ment Einbrecher Werkzeuge vorgefunden. In der einen Stube des H. schlief dieser mit seiner Ehefrau, ferner der Angeklagte Klische und zwei andere längst gesuchte Diebe, die sich dort un- angemeldet aushielten. Klische machte bei seiner Verhaftung Plötz- lich eine verdächtige Bewegung nach der Tasche. Der Beamte griff sofort zu und konnte dem gefährlichen Burschen im letzten Augen- blick noch einen scharfgeladenen Revolver abnehmen. Auf das Konto des Klische fiel ferner noch ein F a h r r a d d i e b st a h l, bei welchem er mit einem Schlagring den Schutzmann, der ihn ver- haften wollte, zu Boden schlagen wollte. Das Gericht hielt es für angebracht, die menschliche Gesellschaft auf möglichst lange Zeit von dem Angeklagten Klische, der einer der gefährlichsten Verbrecher sei, zu befreien. Das Urteil lautete deshalb gegen K. auf sieben Jahre Zuchthaus, zehn Jahre Ehrverlust und Polizeiaufsicht und gegen Hamel auf ein Jahr Ge> fängnis bei sofortiger Verhaftung. Erfolglose Revisionen. DaS Reichsgericht verwarf die Revision deS Vauhilss- arbeiters Bernhard I m h o f> der am 8. Juli vom Schwurgericht des Landgerichts I München wegen versuchter Erpressung, begangen an dem Kommerzienrat Luduvici, zu 10 Jahren Zucht- Haus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt worden war. Ferner verwarf das Reichsgericht die Revision der A n n a H a m m, die vom Schwurgericht Elberfeld am 11. Juli wegen Beihilfe bei der E r- mordung ihresEhemannsinder Nacht zum 16. November 1907 zu 14 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zn nnentgeltlicher Be- Nutzung sür jedermann, SW., Lllcrandrinenstr. 26. Geöffnet täglich von 5'/,— 16 Nbr abends, an Sonn> und Feiertagen von 9—1 und 3—6 Uhr. In den Lesesälen Itcgen zurzeit 615 Zeitungen und Zestfchri ten jeder Art und Richtung aus._ eSasierftandS-Nachrichte» der Landes anstait für Gewässerkunde, mitgeteilt»om Berliner Wettcrbureau. Wasserstand M e m e l. Tilsit V r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Natibor , Krosfcn , Frankfurt Warthe, Schrimm . Landsberg Netze, Vordamm Elbe, LciNneritz . Dresden m Barby , Magdeburg Wasserstand Saal«, Grochlitz Havel, Svandau') , Rathenow') Spree. Svrcmbcrgtz , Becskow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub » Köln Neckar, Hcilbronn Main, Wertheim M o j e l, Trier am 10. s. am 103 46 26 66 72 —56 23 492 299 328 60 153 74 feit 9. 9. om') —6 +2 0 0 0 —II —7 -14 —12 +4 —5 —7 -18 »)+ bedeutet Wuchs,— Fall,— ft Untervegel. ■ fu §l�0 8> rfl sjt0* 53 © •) e st®"' �...t«" �"... � #**, sW ji� ', V. J-■■*<* K"" 6j)� Für bcu Inhalt der Inserate übernimmt die Rebaktion bem Publikum gegenüber keinerlei Aerantwortuiig. €beatcr. Eonabend. lS. September. Anfang �i|, Uhr. Königl. Opernhaus. 1.» Lnrviai». Königl. Schauspielhans. Die Journalisten. Deutsches. Ein SommernachtZ« iraum. K a m in e r s p i e I e. Lhststrata. (Ansang 8 Uhr.) iinsaiig 8 Ubr. Lessing. Der Raub der Sabine- rinnen. Neues. Der Prin� d'Auree. Neues Schnnspielbaus. Faust. l. Teil.(Ansang 7 Uhr.) Kleines. SX2— B. Komische Oper. Tiefland. Residenz. Der Floh im Ohr. Hebbel. Der Liebhaber. r'»it>t>ielh»us. Die blaue Maus. Drianou. Fräulein Jofette— meine Frau. Westen. Ein Walzeitraum. Schiller O. iW»li,>ei• Tdeater.) Der Nichler von Zalamea. Schiue, Charlottenburg. Das Siisiungssest. Friedrich- Wilhelmstädt. Schau- spielhaus. Jni weißen RZssl. Neues Operetten. Die Dollar- Prinzessin. Lorpiug. Zaza. Luisen. Staatsanwalt Mexander. Dhalia. Das Mitternachtsmädchen. Bernhard giose. Das bemooste Haupt. Apollo. Vera Violelta. Epe- zialitäten. Metropol. Donnerwetter— tadel- loS. Gebrüder Herrnfelb. Das kommt davon. Vorher: ES lebe daS Nachtleben. Paiiage. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Kasino." Familie August Knoche. Spezialltätc». Folies Capriee. Die Lrautfchau. Die lästige Witwe. Berliner Prater. Berlin, wie eS weint und lacht.(Ans. 7 Uhr.) Carl Haverland. Spezialitäten. Gustav Behrens. Die Gulden- Prinzessin. Spezialitäten. Neichsdallen.«tettiner Sänger. Walhalla. Spezialiimen. Urania. T�o»l>r»liraste Abends 8 Uhr: Von der Lugspitze zum Watzuiann. Nachmittags 4 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Steriiivarte, Jnvalidenitr. 57/SS. lieues Idesler. Zum erstenmal: Oa Prinz d'Auree. Anfang 8 Uhr. Morgen und folgende Tage: Der Prinz d'Auree._ Water des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Ein WalKoi-tranm. Operette von Oslar Strauß. Sonntag nachm. 3'/. Uhr, zu halben Preisen: Die lustige Witwe. fnöllmk-WilkölliisMiLlZt!» 8e!igv8pigIkgU8. Sonnabend, 12. Sept.. Ans. 8 Uhr: Im weisen Nötzl. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der gehörnte Siegsried. Sieasrieds Tod. Abends 8 Uhr: AIS ich wtederlam. Montag: Im weißen Nößl. II« I» K I- VI« ontv Königgrätzer Str. 57158. Ans. 8 Uhr. Her I.iebhabcr. Komödie in 4 Akten v. Bernard Shaw. Morg. il. folg. Tage: Der Liebhaber. Lustspielhaus. ütßcnbS 8 Uhr: Die blaue Maus. IVene« Operetten-Thcntor, Schifsbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Neu einstudiert I Ansang 8 Uhr: »ie DoIIarprin�eaiOn. Operette in 3 Akten v. A. M. Willner. Luisen-Tlieater. Abends 8 Uhr: Staatsanwalt Alexander. Sonntag nachm. 3 Uhr zum erstenmal: Ausgewiesen. Abends: Helga. Montag: Flachsmann als Erzieher. mMMIM D'Är. Frankiurler Str. 132, Das bemooste Haupt Ans. 8 Uhr. Wochentagspr. ' Aus der Gartenbühne: Theatervorstellung. Bcn-Ali-Beh. srozvr, künstl. Menschen. Ans. 5 Uhr. Täglich: Irilty-Sveuxali? Kunst und Mysterium. PauK SpadoMi per König der Krastaihletik. 3'/,: Vera Violelta. flranla. WissensohaftlicheB Theater. Taubenstraße 48/49, Nachmittags 4 Uhr: üelisr den Brenner nacli Ifeneiiig. Abends 8 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzmann. Eintritt 1 M., von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren -- die Hfilfte.-- Residenz-Thsater. — Direktion: Richard Alexander.— Abends 8 Uhr: Der Floh im Ohr. Schwank in 3 Akten von G. Feydeau. Deutsch von Wolst-Jacoby. Ebandebise-Poche: Richard Alexander. Morgen und solgende Tage: Der Floh im Olir._ Melropol-Theater Unter persönlicher Leitung des Komponisten Paul Linckc. Zum 8. Male: Donnerwetter tadellos! Große Jahresrevue in einem Vorspiel u. 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Paul Linoke. In Szene gesetzt von Dir. Richard Schultz. Die Tänze einstudiert v. Ballettmeister Louis Gundlach. Anl. 8 Uhr.— Rauchen gestattet. Eröffnungs- Programm. The Zancigs— Joseph Joseph!, Sänger — Ephraim Thompson, dressierte Elepbanten— Okabe, Japaner- Truppe— Die 5 Mowatts, Keulen- Jongleure— Die 12 Tiller-Girls, engl. Gesangs- u. Tauxtrupp«— Cornalla und Eddie, amerikanische Exzentriks— Der Zukunftspreis, Wettrennen m. lebenden Pferden Karl Hertz, Zauberkünstler. Boyer de Lafory, französ. Sängerin. Per Biograph. I Passage-Theater. I Abends 8 Uhr: |Na endlicli!! Pariser Extravaganz mit Paulette van Roy und das kolossal« « Eroffßtingsprograimn» « 14 erstklassige Spezialitäten.» Ohne Extra-Entree. Der Riese aller Riesen Pisjakoff Eintritt 50 Pf. Kinder, Soldaten 35 Ff. Brunnen-Theater Badftraße 58. Direkt.: Willi Voigt. Täglich: Mit vollen Segeln. Erstklassige SpestalitSten. Sltichard Morcscos C wilde Königslöweu � spannendste Raublicrgruppe der Gegenwart. Vorverlaus von 10 Uhr ab. Mv Behrens- Theater. Xen! Xcu! Xcn! Am Strande von Helgoland. AusstatlungZ-Operelte. Wiederanslreteii von Gustav Behrens unb 10 ersiklassige Spezialitäten. Düstes Kinematogrnph. Anfang 8 Uhr. Sonntags 6 Uhr. Schiller-Theater. 0.(Wallner-Theatcr.) Sonnabend, abends 8Nbr: vor iilicbtsr von Kalanica. Schauspiel in 3 Aufzügen von Caideron de la Barca. Sonnlag, nalb in. 8 U b r. Stein unter Steinen. Sonntag, abends« Uhr: Hau Opferlamm. Wo n tag, abends 8 Ubr: OerRiebter von Zalamea. Schiller- Theater Gharlottsnburg. Sonnabend. abindS8Uhr: I»a» Stiftunxsfest. Schwank in 3 Alien von Gustav von Moser. Sonntag, n a ch m. 3 Ubr: CJUta; von Dcrlicliingen. Sunntag, a d e II b s« tl b r: vi« Ziaeiit der Einsterni». illioiitag. abends 8 Uhr: I>a, Stirtnnx»fe>>lt. Zlirlms Zctlimunn. Heule Sonnabend, den iL. September, abeudS Präzise 7'/, Uhr: IW<"««!«-'MG Eröffnungs-Vorst ellung. Tollst&ndig; neues Programm. Sonntag, den 18. September: Zwei brillante Vorstellungen. Nachm. 3'/, Uhr und abends 7'/, Uhr. NM" Nachm. ei» Kind frei. Brauerei Friedriehsham früher Lipps, Am Königstor. == Oekonom: Ernst JLiebing.......- Vom 3. September 1903 ab auf kurze Zeit täglich; Große bayerische Keller-Feste Orig. bnyr. KönlKsknpelle, die l'ntersbersfer, die bnjr. Schrainiiicln in Heimntftracht.— Cr. Fest-AuffUhrungon. Belustigungen jegl. Art.— Gr. Prämilorungen sowie Gratlsveriosungon. Bedienung durch ca. 30 oberbayr. Madin in Hoimatstracht. Alst. 5 Uhr. Entree Wochentags 20 Pf.— Bei ungSnatigcr Witterung im groBen Saal. XIV. Saison! Zirkus Busch.! Sonnabend, den 12, September, abends 71), Uhr: Große Gala-Vorstellung. Mr. Moiwlmt der König der Ausbrecher! IMe Aerinl Smiths! Amerikas größter Trapez- Akt! Maxen Trio! Das Pliünomeualste menschlicher Kraft.— Müs. Mariska Recsey! sowie Austreten sämt- lichcr neuengaaieiten Künstler und j ] Künstle»innen Senntag. den 13. Sept.: Zwei grosse ansjerorbl. Gala-Borst. � lssi-?llkAtsr vuraftr. 24. S Min. v. Bhi. Sörfe. Täglich S Uhr Galerie 30 P. Der einzig bastehenbc EröffiiuugS- Spielplan! IS Attraktionen I. Ranges IS. U. a.: The S llahncs, Schleuder- Brett. Akrobaten. Mentani Sisters, DoppeldraHlseii-Akt. MiB Irene and Maxen, musikal. Virtuosen. Dazu: Der Scekadett. Singspiel in 2 Allen. Familienkartell wochentags z. halben Kassenpreis gültig in allen Barbier-, Frisier, u. Zigarrcngclchäjten gratis: Castan Panoptikum Frledrfchstraße - 165- (Ecke Behrenstraße) Pschorrpalast. Ohne Extra-Eutree! Im lleiche der Zwerg©! (4 Damen, 4 Herren.) Vereinsbületts halbe Preise. 2* K Vereine! Achtung! Gewerkschaften! Nene Armiii-Mallen Kommandantcnstr. 58/50.— Fcrnnpr. IV. 10155. Mp" Säle von 56—1666 Personen fassend. IgEg} WrtrSs 4W* t DieuStag vor Busstag. Bußtag, Toten- UlOti)' 1- vi ♦ sonntaa, Weihnächte», Ostern. 1487b» HoSSSSSSSSSSSOSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSi hfßliiß-ildkMl Dresdener Strasse 97. Heute: Cavallerla- Kastiknna und die urkomische BurleSke „Berlin steht Kopp". Ansang sonnt. 8, Wochent. 81/, Uhr. Oasino-Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr Famlllo August Knoche. Berliner GesangSposie in 3 Alten. August Knoche: Dir. HanS Berg. Vorher d. glänzende ErösinungSprogr. Sonntag 4 Uhr: Der Brandstister Hochzeitsreise._ ! Weinbergsweg 19/20, Rosenth.Tor.| Anfang S Uhr. j DaS neue grosse September- I Programm.— IS glänzende Spezialitäten. >ws■imiss« i in i iijiwj Folies-Caprice Durcbscblagcnder Erfolg! Die lastige Witwe. Die Brautschaa.— Bunter T eil. Vorverkauf von 11— 2 Uhr ». d. Theaterkasse. Auf. 8 Uhr. Grehrüder Herrnfeld- Anfang TilOafDP Vorvark. 8 Uhr. luceser. 11-2 Uhr. 57 Kommandantenatr. 57 Das kommt davon! mit dem Vorspiel: Es lebe das Nachtleben. Komödie in 3 Alten von Anton und lionat Ucrrnfcld. Reichshallen-Thealer Täglich: Stettiner Sänger. Ans. Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Reichshallen-Garten und Restaurant��ltilitär-Kon�ert� esi hülsen»Theater. SO., Belchenbcrser Straße 34. Sonntage den 13. September 1908, nachmittags 3(ihr: Erinnerungsaufführung zur demnächstigen 30jährigen Wiederkehr des Tages des Sozialistengesetz-Erlasses: 4•/ z Soziales Drama ans der Zeit des AlIC 1 Sozialistengesetios W TOn KarI Böttcher. 12 Jahre wegen„Gefährdung der öffentlichen Ordnung" poiizeilicii verbofen gewesen! __ Die Leser des„Vorwärts1* zahlen gegen Vorzeigung dieses Inserats an der Theaterkasse nur 60 pf. für I. Parkett. :::: Auf allen übrigen teureren Plätzen 25 Pf. Ermäßigung des Kassenpreises.:::: Ansschneiden! 4247L* C-utschcin für 1— 3 Personen! Das tägliche Ziel vieler IOOO Schau luwtigcr bildet die AM" Hagenbock-Schau Berlin, Königs, Ecke Neue Frsedrichstraße. 213'8* Tüslieh abends S L'hr: Oroße Vorstellung. Jeden Sonntag, Mittwoch u. Sonnabend 2 große Vorstellungen, nachm. 4 n. abends 8 Uhr. Lortzing=Theater Belle-Alliancestraße 7/8. Heute 8 Uhr: Jastsplet Hedwig Lange. 156/2* goiintngnachiniilag 3 Uhr: Am Altar. W.�koASkZTllsAter Dtreklion:»od. Gill, vrininenitr. Ib. Grosse Extra-Borstellniig« Mutterfegen oder: Die Perle von Savoyctt, Voltöslück mit Gesang in 5 Alten Ansang 8 Uhr. Enrree 36 Pf. Nach der Vorstellung: Tanz. Nolltsgarten-Theater — am Bahnhos Gesundbrunnen.— Für die Winter-Saison empfehle meine 400—1000 Personen fassenden Festsäle auch DountagS an Vereine und Gewerlschasten zu günstigen Bedingungen: auch»och einige Ionnabende irei._ Berliner! Praler-t h eater Kastanien-Aüee 7— 9. Berlin wie es weint und lacht. Volksstück mit Ges. in 3 Akten und erstklassige Spezialiiäten. Alst. Sonnt. 4 Uhr, Wochent. 4'/, Uhr. Bei ungünstiger Witterung Im Saal. Sanssouci, ÄT Direktion Wilhelm Reimer. Jcd. Sonntag, Montag N. Donnerstag: Mte-Äö Kränzch. von Hoflinannslfordd. Sängern Beg. Sonnt. 5, wochent. 8U. Morgen: Große Elito-Soiree. Tanz. frött flttl-Mr. Schönhauser Allee 148. Täglich: Mit uelleu Stgkl«. Lebensbild in 3 Akten. ' Dazu rrfiblaffigf SpeMiMea. • /dLSV-k« ' Lutherstr. 22/24. Permanente Eisbahn. Von morgen» 10 Uhr bis' nachts 12 Uhr geöffnet. Täglich von 12 Uhr ab: ------ Großes Renzert.------ Eintrittspreise: Vormittags 10 bis nachm. 5'/, Uhr 75 Pf., von nachm. B1/, Uhr an 1 M. Kinder unter 12 Jahren bis 5'/, Uhr I abends 60 Pf, Abonnements a 38 Bons zu 22,50 M. Sonntags ! ab 10 Uhr morgens Entrec 1 M., »inder unter 12 Jahren bis 4 Uhr nachm. 50 Pf. Montag, den J4. September bis 51/, Uhr 75 Pst: ab 5'/, Uhr: Zweiter| Eliteabend, verstärktes Orchester. Entree 2 M. 8';, Uhr: Neigen, laufen derProselhoiiellS. 9'/, Uhr-:! | Kunstlaufen von Mitgliedern de' j EiSIauivcretns Berlins. Neigen- lausen und Einzeilaulen. leden Sonntag von 11 Uhr vorm. bis 12'/, Uhr Besichtigung s. Fütterung Jeden Wachentag ab 10 Uhr vorm. bis 12'/, Uhr mittags hochinterossant« Kaub Besichtig, u. Fütterung d. Raubtiere geg. Pf' der Raubtiere. tierdressur-Proben. ein Entree ▼. 50 PL f. Erwachs, u. 25 FL L Kinder. Eine iüank Bechen tüpt ZetftabtHns Urfcrc elcgcr.tc fertige 10023! 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Amt 3, 1987, Montag, den 14» September 1908: MMz- Versammlungen für die gesamte Verwaltungsstelle Berlin in folgenden Lokalen: 1. �oräen: frankes festsäle, Badstr. 19, abends 8 Uhr. 2. forden: Vockbrauerei, Chausseestr. 64, abends 8 Uhr. 3. Moabit: LrUnings pracktlale, Wielefstr. 24, abends 8 Uhr. 4. Melten-Scköneberg: �üklke, Dennewitzstr. 13, abends 8 Uhr. 5. Süden: GewerKfcbattsKaiis, Engelufer 15 (großer Saal), abends 3 Uhr. 6. Orten-Licbtoibcrg: Litfins feftfätc, Memelerstr. 67, abends 8 Uhr. 7. Stralau-Rummelsburg: Ccmpcl, Alt-Vox- hagen, Ecke Bahnhofstraße, abends 8 Uhr. 8. MeilZenfee: Im Prälaten, Lehderstr. l22, abends 8 Uhr. 9. Obcrrcböncvmdc: Im Lokal nafTclwcrder, abends 5*1» Uhr. 10. Rixdorf; Hoppe, Hermannstr. 49, abends 8 Uhr. 11. Spandau: Sottwald, Schönwalderstr. 80, abends 8 Uhr. 12. Cbarlottmburg: Volksbaue, Rosinenstr. 3, abends 8 Uhr. 1 3. Hegel: �rapp» Bahnhofstraße, abends 6 Uhr. 14. friedricbebagen: kcrcbce BürgetTäk, Friedrichstr. 112, am Rundteil, abends 8 Uhr. TaflrSordmmfl in allen Versammlungen: Bericht von der am 3t. Aagust stattgefvadeaen Seaeral- Versammlung. FW- vdne tMtxlieUsduel» Kein Zutritt» HW Zahlreicher Besuch wird erwartet. 121/20 Protokolle über die Verhandlunge« des Gewerkschafts- kongresses in Hamburg sind zum Preise von SS Pf. pro Stück für die Mitglieder im Bureau nnd bei dem Kassierer zu haben.— Futterale für Mitgliedsbücher. pro Stück IV Pf., sind ebenfalls im Burraa und bei dem Kassierer zu haben. _ Die Ortsverwaltung. Zweigverein Berlin.— Sektion I. GeschSflSstell- Berlin O. 64, Mulackstr. 10, 1.— Fernsprecher Amt IN, 4518. Sonntag, den 13. September 1908, nachmittags 8'/, Uhr» Uersammlung im Grwerkschaftshause. Engel-Ufer IS, Saal 1. Tages-Ordnuna: 1. Abrechnung vom 2. Quartal 1908. 2. Beschlußsasfung über M« Höhe bei vom 1. Oktober d. I. zu leistenden LokalbeitragrS. ä Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung Ist eS Pflicht der Mtglieder, vollzählig in dieser Versammlung zu erscheinen. Der Vorntand. Zenifalverband deutscher Brauereiarbeiter. Zwclgvcrcln Berlin. Sektion II. Geschästsstelle: 0. 54, Mulackstr. 10. t_ Tel Amt Ut 4518. Sonntag, den 13. September 1908, nachmittags 1'/, Uhr: Grotze Mitglieder-Uersammiung im GewcrkschaftZhauS, Engel-Ufer lü(großer Saal). T a g e»> O r d n u n g- 1. Rechenschastsbericht vom 2. Quartal 1908. L. Die Durch sährung der VrrbandStagSbeschMfs« tn Berlin. 8. Diskussion. 43/17 Da um 5 Uhr der Saal geräumt wcrdm muh. werden die Kollegen ersucht, pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Die Ortsverwaltung. Verbatiii der Sattler Ortsverwaltung Berlin« Die nächsten Branchen Versammlunge» siiidcu an nachsolgenden Tagen statt Geschirrbranche: Mittwoch, den 16. September 1908. Treibriemenbranche: Montag, den 14. September 1908. Taschen-, Koffer- und Galanteriebranche: Donnerstag. den 17. September 1908. Militärbranche: Heute Sonnabend, den 12. September 1908. Linoleumleger und Teppichnäher: Donnerstag. 17. September. Wagenbranche: Donnerstag, den 17. September 1908. Eisenmöbel- u. Lcderstuhlpolstcrer: Donnerstag. 17. Septbr. Sektion Charlottenburg: Montag, den 14. September 1908. Um zahlreichen Besuch dieser Branchenversammlungen ersucht 157/16 Die OrtoTerwaltium. an iiir iSer Dentachlands. Zwigvcrcln Berlin n. Umgegend. Sonntag, den 13. September, vormittags 10 Uhr, finden in solgenden Lokalen AUitKUe4er-Vei'8si»inIiMkAen Mt. Sektion der Dachdccker-Hilfsarbeiter im Gewerkschaftshause. Engelufcr 15, Saal 7. Sektion der Rohrer bei H o f f m a n n, Koppenstr. 47. Sektion der Staaker im„Engl. Garten", Alexanderstr. 27g. Sektion der Fahrstuhlarbeitcr bei Huth, Michaelkirch- und Wusterhausener Straßen-Ecke. Sektion der Putzerträger vormittags 11'/, Uhr bei Obialo, Schivedter Straße 23. Montag, den 14. September, abends 8 Uhr: Sektion der Töpfcrträger bei Hahn, Nosenthalerstr. 67. Bezirk Zehlendorf, Sonnabend, den 19. September, abends 8 Uhr, bei MieckS. Karlstr. 12. Tagesordnung wird in den Beiiamnilungcn bekannt gemacht. 31/10 Um recht rege Beteiligung ersucht Der Zwe!gverci».?vorstaud. Ual-YeH If iMiiisii Iii Heizer ssie Vcrwall angsstclle Groß- Berlin. Sonntag, den 13. d. M., nachm. 4 Uhr, im»Englische» Garten-, Silexauderstr. 27 c; Hußerordentikhe Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Wuschick,„Das KoaMionSrccht der Arbeiter. ZZ 152 u. 153". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. gjBT" Wir verweisen aus die Anzeigen der BezirkSversammlungen am woch. Mittlvo I. A.: B. Schwittan. Meiter-Kadlabrer- Brai„Treiheit" I. Kreis, III. Bezirk, Provinz Brandenburg. Sonntag, den 18. September 1008: Großes Bezirksfest in den„Elchborn-Sülen", Belnlckondorf-West. Blüraenkorso CL.«> ReigenfaJiren.© Garten-Konzert. Im Saale: Großer Ball. 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Jahrgang. tüM des.Amiiris" Krim Aidsdisii. Sonnabend, 12. Sepleinber 1908. partci-?Zngelegenkeiten. Zur Lokallistc. Am heutigen Tage feiert der dem Arbeiter- Kaucher-Bund nicht angehörige„Rauchklub Havanna" im Lokal„Zur grünen Linde" in Lankwitz fein Stiftungsfest. Mr weisen nochmals darauf hin, dast das genannte Lokal der Ar- beiterschast nicht zur Verfügung steht und machen die Mitglieder obigen Vereins, so weit dieselben einer modernen Arbeiterorganisation angehören sollten, auf die eventuellen Folgen eines Voykotlbruches aufmerksam. In Falkcnhagen- Seegefeld bei Spandan hat der Inhaber des bisher dortselbst einzigen freien Lokals, Herr Schöneberg, seine Unterschrift ohne Angabe stichhaltiger Gründe zurückgezogen. Wir ersuchen speziell die Ärbeiterradfahrer, dies genau zu beachten. Aus besonderen Wunsch des G a st w i r t S Herrn Robert Riedel, Neue Mühle bei K ö n i g s- W u st e r h a» s en, teilen wir nrit, daß derselbe in Zukunft niemals in der Lokalliste geführt werden Ivill, d. h. er verweigert der Arbeiterschaft für immer seine Räume zu ihren Veranstaltungen. Es ist daher die selb st verständliche Pflicht jedes Arbeiters, diesen Wunsch des Herrn Riedel soweit als nur irgend möglich zu unter st ützen und dafür zu sorgen, daß die Arbeiterschaft genanntem Lokal fern bleibt. Die Lokalkommission. Berlin, zweiter Kreis.(1. und 2. Abteilung, Westen.) Sonntag, den 13. September, früh 8 Uhr Flugblattvcrbrei- t u n g von den bekannten Lokalen aus. Zweiter Wahlkreis. Am Sonntag, den 13. September, der- anstaltet der„Süden" eine Hcrrcnpartic zwecks Besichtigung der Anlagen und Wohnhäuser der Arbeiter-Bau- genossen schaft„Paradies" in Bohnsdorf bei Grünau. Treffpunkt früh 8>/z Uhr am Görlitzer Bahnhof. Abfahrt 8.40 nach Johannisthal, von"dort zu Fuß. Für Nachzügler Treffpunkt von mittags ab in Grünau bei Franz,„Zur grünen Ecke", Köpenickcr Straße 63. Um zahlreiche Beteiligung bitten Die Abteilungsführer. Wannsee. Heute Sonnabend,&l2 Uhr abends, bei Philipp: Wahlvereinsversammlnng. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mit- glieder. 2. Berichte: a) von der Kreisgcneralversammlung: b> Per- bandsgeneralversammlung Groß-Berlin; c) Gemeindevertretersitzung. 8. Geschäftliches. 4. Verschiedenes. Lichtenberg. Montag, den 14. September, abends Uhr, findet bei Ertclt, Pfarrstr. 74(früher Puhl), die Mitgliederversammlimg des Wahlvercins(Abteilung der Frauen) statt. Tagesordnung: 1. Vortrag: Das BildungSwesen und die Frau. Referentin: Genossin Mirus. 2. Bericht von der Kreisversammlung. 3. Vereinsangelcgen- Heiken. Sozialdemokratischer Wahlvcrcin Groß Lichtcrselde. Die Ersatz Wahl für die im März für ungültig erklärte Gemcindewahl im westlitbcn Bezirk findet am Freitag, de» 25. September, von 11 bis 8 Uhr statt. Behufs Stellungnahme zur Wahl findet eine außerordentliche Äiitglieder- Versa in mlung am Montag, den 14. September, abends 8 Uhr, im „Virlenwäldche n", Chausseestraße, statt. Der Vorstand. Berliner l�acbrickten. Die Straßenbahnen der Stadtgemeinde Berlin find erst seit Anfang Juli dieses Jahres in Betrieb. Ihre B e- Nutzung ist aber sogleich in den ersten beiden Monaten weit über den Voranschlag hinausgegangen, sodaß die rechnerischen Aufstellungen über ihre Rentabilität von vornherein über den Haufen geworfen worden sind. In den Etat der Straßen bahnen waren für das Etatjahr 1903 zunächst eingesetzt worden eine Fahrgeldeinnahme von 375 009 M. und eine Betriebsansgabe von 300 000 M., wobei auf einen Betrieb schon von Anfang Juni ab gerechnet wurde. Da für Verzinsung des Baukapitals sowie für Rücklagen zum Erneuerungsfonds 150 000 M. bereitgestellt werden mußten, so bezifferte sich die Gesamtausgabe auf 450 000 M. Es blieb mithin noch ein Defizit von 75 000 M., das aus Mitteln des Stadthaushaltes gedeckt werden sollte. Die Fahrgeld- einnähme von 375 000 M. wurde aus einem zchninouatigen Betriebszeitraum erwartet(von Anfang Juni 1908 bis Ende März 1909, womit das„Etatsjahr 1908" abschließt). Die erwartete durchschnittliche Einnahme auS Fahrgeldern beträgt pro Monat 87 500 M., pro Tag 1250 M. Nun hat aber bereits der erste Monat, der Juli, auS Fahrgeldern eine Einnahme von durchschnittlich 1448 M. pro Tag ergeben. Im August ist dann die Fahrgeldeinnahme auf durchschnittlich 1640 M. pro Tag gestiegen, und man darf hoffen, daß der September noch eine weitere Steigerung bringen wird. 1640 M. pro Tag ist schon ziemlich um ein Drittel mehr als die durchschnitt- liche Tageseinnahme von 1250 M., mit der der Voranschlag rechnete. Natürlich erhöhen sich, wenn die Verkehrsziffer steigt, auch die Be- triebsausgaben. Selbst wenn deshalb nicht ein einziges Wagen- kilometer mehr geleistet werden muß, so bleibt immer noch ein Plus an Stromverbrauch infolge stärkerer Belastung der Wagen. Aber die Erhöhung der Betriebsausgabe dürfte doch weit zurückbleiben hinter der Steigerung der Fahrgeldeinnahme. Schätzt man im Durch- schnitt des ganzen Etatsjahres die Einnahme pro Tag auf nur j.6662/3 Mark, so bekommt nian pro Monat 50 000 Mark, da? macht für neun Monate 450 000 Mark. Auf 450 000 Mark waren bei einem zehnmonatigen Betrieb die Gesamtaafwendungen für Betriebs- ausgäbe sowie für Verzinsung und Rücklage veranschlagt worden. Sie werden selbst bei einer Steigerung der Betriebsausgabe schwerlich für eine Betriebszeit von neun Monaten über diesen Betrag hinaus- gehen. Hiernach ist mindestens anzunehmen, daß schon im e r st e n Etatsjahr die Einnahme ausreichen wird, die Gesamtaufwendungen voll zu decken, so daß von vornherein kein Zuschuß aus dem Stadtsäckel geleistet zu werden braucht. Dieses Resultat wird jenen„Warnern", die nicht müde wurden, dem Straßenbahnwescn unserer Sladtgemeinde einen Mißerfolg zu prophezeien, vermutlich sehr— unbequem sein. Neuer Konkurrcnzeinwaud der„Großen Berliner". Die Direktion der„Großen Berliner Straßenbahn" hat gegen die jetzt von den städtischen Behörden Schönebergs beschlossene Untergrundbahn Ebers- straße-Nollendorfplatz bei den zuständigen Behörden den Konkurrenz- einwand erhoben. Damit betritt die„Große Berliner" denselben Weg, den sie gegenüber der Berliner Nord-Südbahn und der Unter- grundbahn Spittelmarkt— Schönhauser Allee im ersten Falle er- folgreich— gegangen ist, und Schöneberg steht ebenso wie Berlin ein langwieriger Prozeß um die angebliche Verkehrsentziehimg bevor, die durch die Schöncbcrger Schnellbahn der„Westlichen Berliner Straßenbahn" verursacht wird. So zeigt sich wiederum die„Große Berliner" als ein Hindernis in der Entwickelung des Verkehrswesens. Diese VerkehrSgesellschaft wird immer gemeingefährlicher. Neues Postamt im Fremden- und Bankenviertel. Ein zweites! großes Postamt wird zurzeit im eigentlichen Fremdenviertel von' Berlin errichtet. Es wird dort ein umfangreicher Bau in den ein- fachen, aber anziehenden Formen der deutschen Renaissance errichtet. Die ganze Anlage wird sich seinerzeit von der Französischen bis in die Jägerstraße erstrecken. Es ist denn auch vorgesehen, daß ein Zugang zu den Schalterräumcn sowohl von der Jägerstratze als von der Französischen Straße geschaffen wird. Auch sind dort be- sonders umfangreiche Schalterrümne für die Annahme von Briefen wie von Paketen geplant. Der Bau erfolgt in zwei Abschnitten nnd wird im ganzen einige Jahre beanspruchen. Zunächst wird der Teil in der Französischen Straße hergestellt, während die Grundstücke Jägerstratze 67/68 zur Zeit noch benutzt werden. Nach der Vollen- dung dieses großen Postamtes werden dort die Postämter 8 in der Taubenstraße, 49 in der Behrenstraße und 64 Unter den Linden vereinigt. Das Postamt wird so insbesondere nicht blos Vorzugs- weise den Fremden dienen, sondern auch vor allem dem lebhaften Postverkehr der in jener Gegend befindlichen Großbanken. Für ihre Bedürfnisse sind besondere Vorkehrungen in Aussicht genommen. Ein anderes anziehendes Postgebüude im Berliner Fremdenviertel besteht bekanntlich seit einiger Zeit in der Dorotheenstraße, wo auch das Kaiserliche Postscheckamt Berlin untergebracht wird. Ans der Magistratssitzung am Freitag. Nach eingehender Be- ratung wurde der von der städtischen Markthallen-Deputation be- antragte Ankauf des fiskalischen Geländes an der Panlstraße be- schlössen, vorbehaltlich der Zustimmung der Stadtverordneten- Versammlung, der noch eine ausführliche Vorlage zugehen wird, damit diese in der nächsten Sitzung beraten werden kann. Das Gelände umfaßt etwa O'/z Hektar und wird begrenzt von der Paul- straße, der Spree, dem Packhof und der Straße Alt-Moabit, hat Bahn- und Wafferanschluß. Es soll zum Bau einer Engros-Markt- halle für den Obst- und Gemüsehandel dienen. Der Fleisch- EugroSmarkt soll bekanntlich nach dem schon früher er- wordenen Terrain im Osten nahe dem Zentralviehhof verlegt werden. Die Zentralmarkthalle kann dann für den Engroshandel mit Geflügel, Fischen usw. eingerichtet werden. Es findet dcinnach eine Trennung des Engroshandels, wie er schon längst gewünscht worden ist, nach den Hauptbranchcn statt. Nach der Feriigsiellung der Engroshallen werden auch die Klagen über Platzmangel, Ver- kehrshindernisse usw. aufhören. Dann beschäftigte sich der Magistrat mit der Einführung des A ch t u h r l a d e n s ch l u s s e s in Groß-Berlin außer Sonnabends. Der schon mitgeteilte Beschluß der städtischen Gewerbedeputation fand die Zustimmung des Magistrats, nur bezüglich der Ausnahmen war der Magistrai der Ansicht, daß diese für Zigarren- und Zigarettengeschäfte sowie Blumenhandlungen genügten. Konfitüren- geschäfte müssen danach wie alle übrigen um L Uhr schließen. Einen breiten Raum nahmen die Beratungen über die Einrichtungen für die Speisung bedürftiger Volksschulkinder in Anspruch. Zur Förde- rung derselben wurde eine Kommission gewählt. Zu dem Automobilunfall auf der Tegeler Chaussee am Mittwoch erhallen wir von zuverlässiger Seite eine Darstellung, die von der von uns nach einer Korrespondenz wiedergegebenen Mitteilung ab- weicht. Danach hat der Wagen ein mätziges Tempo eingehalten. Beim Passieren einer Kurve platzte der linke Vorderreifen, wobei es den: Chauffeur nicht mehr möglich war, das Steuerrad zu halten. Der Wagen schlenderte mit der linken Hinterradachse gegen einen Baumstamm und durch diese plötzliche Erschütterung flog der Chauffeur van der Vehr so unglücklich vom Wagen, daß er tödlich verletzt wurde, während die beiden anderen Chauffeure mit dem Schrecken davonkamen. Ucber die zulässige Erhöhung von Arzthonorar- Rechnungen teilt die„Deutsche Krankenkassen- Zeitung" einen Fall von allgemeinem Interesse mit. Als ein Arzt einem Patienten seine Rechnung über 57 M. sandte, schickte letzterer sie mit der Anfrage zurück, auf welche ärztlichen Bemühungen sich die Forderung beziehe. Darauf prüfte der Arzt die Liquidation, spezialisierte sie nnd nahm nachträglich eine Erhöhung auf 175 M. vor. Der Patient zahlte nunmehr 57 M., verweigerte Zahlung des Mehrbetrages nnd wurde durch rechts- kräftiges, amtsgerichtliches Urteil zur Zahlung weiterer 24 M. ver- urteilt. Mit der Mehrfordcrung wurde der Arzt abgewiesen. Der Patient brachte nunmehr die Sache vor das ärztliche Ehrengericht mit der Begründung, der Arzt habe dadurch, daß er seine Rechnung nachträglich erhöhte, sich gegen die ärztlichen Standespflichten ver- gangen. Das Ehrengericht sprach jedoch den Arzt frei, der Ehren- gerichtshof bestätigte diese Entscheidung, da es jedem Arzte frei stehen mutz, nachträglich auf Grund genauer Ueberlegung und unter Zugrundelegung der Gebührenordnung Mehrforderungen zu erheben, zu denen er sich berechtigt glaubt. Daraus folgt, daß der ärztliche Ehrenkodex es für zulässig hält, einem Patienten das nette Sünimchen von 94 M. abzunehmen, welches das ordentliche Gericht als berechtigte Forderung nicht an- erkannt hat. Die Mordnffäre m der Genthiner Straße. Eine überraschende Aufklärung hat jetzt der Tod des Kaufmanns Julius Engel in der Genthiner Straße 26 gefunden, der seinerzeit wegen der merk- ivürdigen Begleitumstände so großes Aussehen erregte. Engel, dessen Leiche am 20. Juli in dem neben dem Laden belegenen Zimmer mit Strangulatiousinarken am Halse aufgefunden wurde, ist, wie sich jetzt herausstellt, ermordet worden. Als der Täter ist in Budapest auf Veranlassung der Berliner Kriminalpolizei ein rumänischer Student naniens Kragujevics verhaftet worden. Er soll den Engel im Schlafe' erwürgt und beraubt haben. Kragujevics soll bereits ein Geständnis abgelegt haben. Aus der Unfallstatistik. Am Donnerstag nachmittag ist der 52 Jahre alte Arbeiter Wilhelm Matzdorf aus Pankow vor dem Hause Prinzen-Allee 21 von einem mit Mauersteinen beladenen Arbcitswagen abgestürzt, dessen Führer ihn aus Gefälligkeit mit- genommen hatte. Er fiel vor das rechte Vorderrod, das ihm über Brust und rechten Arm ging. Den noch Lebenden schafften Passanten nach dem Flur des genannten Hauses und riefen einen Arzt herbei, der aber nur noch den infolge innerer Verletzungen eingetretenen Tod feststellen konnte. Die Leiche ist dem Schauhause zu- geführt worden.— Unter der Stadtbahn- Ueberführung am Bahnhof Atexanderplatz glitt mittags der 57 Jahre alte Portier Anton Bolz aus Schöneberg, nachdem er einen Omnibus verlassen hatte, auf dem Stratzcnpflaster aus und brach den linken Ober- schenke!. Nach Anlegung eines Verbandes auf der Unfallstation in der Keibelstraße schaffte man ihn nach dem Krankenhause am Friedrichshain.— Auf dem glatten Mosaikpflaster des Bürgersteiges vor dem Hause Ritterstraße 83 glitt gestern nachmittag die sechzig Jahre alte Kaufmannsfrau Elisabeth Rasch aus und trug einen Bruch deS linken Oberschenkelhalses davon. Auf einer Tragbahre brachte man die Verunglückte nach der Unfallstation in der Alexandrinenstraße und dann nach ihrer Wohnung.— Beim Spielen lies vorgestern abend der sechsjährige Sohn Walter des Malers Otto Behnisch vor dem Hause Metzer Straße 34 gegen das Automobil des Kaufmanns Johannes Sandmann und wurde einige Meter mit- geschleift. Auf der Unfallstation in der Schönhauser Allee stellte man einen Bruch des linken Oberschenkels sowie einige erhebliche Hautabschürfungen fest und sorgte für seine Ueberführung nach dem Lazarns-Krankenhause.— Beim Spielen auf einem Fischerkahn vor dem Hause Neu-Kölln am Wasser 23 fiel vorgestern nachmittag der siebenjährige Stiefsohn Franz Michalowski des Pförtners Karl Pastow in die Spree und ertrank. Die Leiche konnte nach etwa einer Stunde gelandet werden._ „Wahrhcits"klatsch. Eins der aus den bekannten trüben Quellen ihr Dasein fristenden, in Enthüllungen machenden Berliner Skandalblätter, die»Wahrheit", 1 bringt einen in ihrem üblichen Jargon gehaltenen Artikel zum Parteitag. Die Sensationsartikel dieser Sorte„Zeitungen" be- fassen sich sonst vornehmlich mit pikanten sexuellen oder noch lieber homoseruellen Jnternas aus der„flsunesss doree". Sie werden in der Regel ja wohl hinterher den beabsichtigten Zweck erfüllen. Einmal ist„Der Harem— in diesem oder jenem— Warenhause", ein andermal„Die Gräfin im Bouillonkellcr" der Ruf, mit dem die Straßenverkäufer der„Wahrheit" ihre Kundschaft anlocken. Diesmal scheint die erstrebte Belohnung schon vor dem Erswemen entrichtet zu sein. Wenigstens deuten alle Merkmale deuiuch nach jener Zentrale, auf welcher der, welcher getroffen werden soll, mit Recht nichts weniger als beliebt ist. Die„Wahrheit" weiß nämlich zu berichten, daß der Parteitag in Nürnberg sich mit dem Familien- leben eines führenden Berliner Parteigenossen, des Genossen Ernst, insbesondere auch mit dem Gerücht befassen wird, daß dieser zu einer ebenfalls in der Bewegung stehenden, von ihrem Manne getrennt lebenden Genossin in näheren Beziehungen stehe. Der verkleidete Schmock beweist damit seine„Sachkenntnis" in Erledigung solcher Fragen. Was das Familienleben des Genoffen Ernst anbetrifft, so haben wir uns erkundigt und leider erfahren, daß dasselbe ein unharmonisches ist. Das soll ja aber auch in den besten, dem Hintermann der „Wahrheit" nahestehenden Kreisen vorkommen, nur mir dem Unterschied, daß Ernst bereits vor längerer Zeit Schritte zur Lösung seiner Ehe getan hat. Der Parteivorstand, der angeblich in dieser Sache angegangen sei. hat ebensowenig wie der Parteitag mit dieser rein privaten Sache etwas zu tun. Der Herausgeber der„Wahrheit", der antisemitische Abgeordnete Bruhn, täte als würdiger Nachfolger Ahlwardts gut, vor seiner eigenen Tür zu kehren. Er könnte zum Beispiel jetzt schon über gewisse bevorstehende Gerichtsverhandlungen, die sich mit seiner ehrenwerten Person befassen, in seinem Blatte sehr interessante Einzelheiten berichten. Im Bernhard Rose-Thcatcr gelangt am Montag»Kabale*nd Liebe" neueinstudiert zur Aufführung. Zirkus Busch ist wieder nach Berlin zurückgekehrt und hat am Donnerstag seine erste Vorstellung gegeben. Soweit es sich um die zirzensische Kunst handelt, hat der Zirkus in nichts eingebüßt, nach wie vor sind die Leistungen des Herrn Ernst Schumann sowie des Schulreitcrs Footit auf dem Gebiet der Pferdedrcssur sowie auf dem der Reitkunst als erstklassige längst bekannt. Im nenen Programm sind aber eine ganze Anzahl Nummern eingefügt, die auch auf dem Programm der ersten Varietsbühnen stehen. Eine etwas eigenartige Vorführung bildet die des Fessellünstlers Houdini. Hondini verfügt über besondere Tricks. Er ist imstande, innerhalb weniger Minuten in der freien Manege vor den Augen des Publikums sich aus einer ihm festaugclegten tadellosen Zwangsjacke ganz allein zu befreien. Ein anderer Trick ist der sogenannte Kannentrick, im welchem Houdini in eine mit Wasser gefüllte Kanne, welche luft- und wasserdicht ist, gefesselt und der Deckel mit sechs Vorhängeschlössern versehen, ein- geschlossen wird. Innerhalb weniger Minuten befreit sich H. aus seiner gefährlichen Lage, allerdings hinter geschlossenem Vorhang. Eine andere Vorführung, die allgemeine Bewunderung hervorrief, ist die des S a x o n- T r i o S. Diese drei Kraftmenschen leisten Außerordentliches. Der eine drückt mit einer Hand ein Gewicht von 280 Pfund, der andere balanzicrt auf den Füßen ein Brett, auf dem zehn Männer sitzen. Schließlich heben zwei dieser Athleten mit den Füße» eine Brücke, über die in verhältnismäßig langsamem Tempo ein Kraftwagen im Gewicht von 3500 Kilo fährt. Ihre Leistungen wurden durch stürmischen Beifall belohnt. Großfeuer kam in der letzten Nacht gegen 12Vz Uhr am Rosen- thaler Tor zum Ausbruch. Dort standen in der Brunnenstraße 194 im linken und rechten Seitenflügel Lager- und Werlstättenräume der bekannten Goldleistenfabri! von A. Werkmeister jun. in großer Ausdehnung in Flammen. Diese hatten an den bedeutenden Vor- räten reiche Nahrung gefunden. Der Brandherd lag in den Kellern. Aus diesen drang dichter Qualm, der den Aufenthalt auf dem Hofe, sowie auf den Treppen unerträglich machte. Die Feuermänner konnten schließlich nur mit Rauchschutzapparaten ausgerüstet in den Kellern verweilen. Wegen der enormen Hitze mußten die Rohr- sührer von Zeit zu Zeit abgelöst werden. Gewaltige Wassermengcn lvurden von den Dampsspcitzen in die Glitten gespritzt. In den Kellern stand das Wasser bald fußhoch, aber trotzdem war von einem Nachlassen des Feuers um 2 Uhr nur wenig zu bemerken. Brand- direktor Reichel, der persönlich erschienen war und die Leitung übernommen hatte, ließ besonders die unter dem Hof liegenden Kellerränme unter Wasser nehmen. Als die Per- qualmung abnahm, wurde von allen Seiten angegriffen und es gelang dann, den Brand zu isolieren. Der Hofkeller mit den in den beiden Seitenflügeln liegenden Werkstättenräumen ist total aus- gebrannt. Der Schaden der Fabrik, die vor einiger Zeit schon einmal von einem erheblichen Schadenfeuer, das damals auf Brandstiftung zurückgeführt wurde, betroffen wurde, ist ganz bedeutend. Die Ursache des Brandes konnte nicht aufgeklärt werden. Die Feuer- wehr hatte bis gestern früh zu tun. Gleichzeitig hatte der 20. Zug in der Rungestr. 9 zu tun. Dort brannten Spähne in einem Schacht. Der 12. Zug wurde nach der Solmsstr. 41 alarmiert, wo in einer Tapezierwerkstatt Feuer aus- gekommen war. Der 16. Zug rückte nach der Malplaquetstr. 25/26 aus, wo auf einem Neubau Feuer ausgekommen war. Ferner mußte ein Kellerbrand in der Palisadenstr. 77 und ein Küchenbrand in der Cuvrhstr. 33 gelöscht werden. In der Scestr. 18 brannten Säcke usw. in einem Schuppen und auf dem Exerzierplatz an der Schönhauser Allee eine Pappel. Einem Fahrradmnrder abgenommen: ein Brennabor-Zwcirad. Mod. 17, Nr. 336 563, 60 Zentimeter Rnhinenhöhe, Rahmen und Felgen schwarz emailliert, Lenkstange leicht nach unten gebogen und mit eingeätzten Verzierungen. Beide Reifen«Excelsior-Prima-Militär- Reif". Am Vorderrad Zyklometer, welcher die Zahl 1681,4 airzeigt. Am Sattel hängt ein Schloß, gestempelt 14. R G. M. Der Spitzbube ist entkommen. Abzuholen gegen Legitimation im FahrradhauS „Frisch auf", Walter Witlig u. Co., Berlin dl. 31, Brunnenstr. 35. Vorort- I�admeMem Rixdorf. Stadtverordnetenversammlung. Am Tonnerstagabend fand die erste Sitzung nach den Ferien statt. Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen kamen die gegen die Stadtverordnetcn-Wählerlistc erhobenen Einsprüche zur Verhandlung. Zu einer lebhaften De- batte kam es hier bei dem Protest des Genossen Conrad gegen die Gesaintausstcllung der Liste. Diese ist nicht nach dem Prinzip der Drittclung der Gcsamtstcucrsummc, sondern auf Grund der Be- stimmung des§ 13 des Kommnnalwahlgcsetzes erfolgt. Hiernack werden in Städten mit mehr als 10 000 Einwohnern alle Wähler, welche den auf den einzlnen entfallcudcn Turchschnittssieuerbctrag überschreiten, der 2. Wählerabteilnng zugeteilt. Die Berechnung dieses Durchschnitts hat zu einer beträchtlichen Erhöhung der Stcuergrenze für die 3. Abteilung geführt(auf 78 M.) und damit zu einer weiteren Verschlechterung des ohnedies schon übergenug plutokratischcn 5lvmmunalwahlrcchts fiir die Arbeiter. Wie weit die Verschlechterung geht, erhellt daraus, daß die der 1. Abteilung angehörenden rund 350 nnd die der 2. Abteilung zugewiesenen 3400 Wähler nur je 804 000 M., die 31 500 Wähler der 3. Ablcilung dagegen 1 061 000 M. an Stenern aufbringen. DyS bedeutet gegenüber der früher zugrunde gelegten Dritwlung des in Frage löm- Menden Steuersolls eine erhelttichc Begünstigung der reaktionären Wirkung des Wahlgesetzes, indem die Zahl der Wähler 1. und 2. Abteilung vermindert, die der 3. Abteilung noch erheblich bcr- mehrt wird. Gegen diese vermehrte Wahlentrechtung richtete sich der vorliegende Einspruch.— Stadtv. Eon. ad.(Sog.) plädierte für BerücksichtiAing seines Protestes und behauptete sehr richtig. daß bei Schaffung des Wahlgese�es von ISOt) der Gesetzgeber eine Ausmerzung der dem Dreiklassenwahlrecht anhaftenden gröbsten Ungerechtigkeiten, also eine gewisse Verbegerung gewollt hat. Wenn hier in Ripdorf bei Umwandlung deL Durchschnittsprinzips das Gegenteil sich herausstellt, dann mutz die Drittcluna beibehalten werden. Diese Lluffassung gehe auch aus Kommentaren des Ge- setzeS herbor, ganz besonders deutlich aus dem vom OberregicrungS- rat Evert herausgegebenen. Stadtverordnetenvorsteher Sander (namens des Wahlausschusses) und erster Bürgermeister Kaiser wandten sich gegen den Protest, der ihrer Meinung nach auf falschen AorauSsetzungcn beruht; denn dem Gesetze sei voll Genüge ge- schchen. Letzterer behauptete sogar, datz das DurchschnittSprinzip für Rixdorf gerade den verlangten Effekt im demokratischen Sinne ergebe. Die bürgerliche Mehrheit spendete diesen Ansichten Beifall und wies den Einspruch zurück. Neben den nach denr Turnus mit Ablauf dieses Jahres aus- scheidenden Stadtverordneten sind von den Neugewähltcn der 1. und 2. Abteilung noch je einer auszulosen. Das Los fiel auf die Stadt- verordneten Serno und Emmelut. Aus der 3. Abteilung scheiden rieben dem Stadtv. Gericke auch die Mitglieder der sozialdemokra- tischen Fraktion: Hoppe, Keil, Michalowsky, Sprecr und Tuschling aus.— Seitens der Bezirksverine Rixdorf-West,-Ost und-Süh sind Anträge auf Vermehrung der Stadtverordneten von 60 auf 72 eingegangen. Zur Vorberatung der Angelegenheit wird eine Kom- misston eingesetzt, der auch die Genossen Eonrad, Müller und Thurow angehören. Für die Teilnahme am 6. preutzischen Städtetagc in Königsberg am 5. und 6. Oktober schlägt der Magistrat vor, 8 Mitglieder aus seiner Mitte und 2 Stadtverordnete zu bestimmen. Stadtv. Groger (Soz.) beantragt 3 Stadtverordnete zu delegieren, da sonst— wie schon immer bei solchen Gelegenheiten— die 3. Abteilung keine Vertretung erhalte. Stadtv. Gröplcr will nur 2 Magistrats- Mitglieder ein 1 Stadtverordneten, den Vorsteher, delegiert sehen. Diesem Antrage stimmt der Block einhellig zu und lehnt die Vor- schlüge des Magistrats und des Stadtv. Groger ab. Die Errichtung der vom Magistrat beantragten neuen Lehrer- stellen für die höheren Lehranstalten wird einstimmig beschlossen, ebenso ein paar bauliche Veränderungen im Realgymnasium. Die Beseitigung des Diabaszementmakadams auf dem Fahr- dämm des Hermannplatzcs und dessen Ersatz durch Stampfasphalt genehmigt die Versammlung. Tie beiden letzten Gegenstände der Tagesordnung sollten in geheimer Sitzung verhandelt werden. Es waren dies die Gehalts- festsctzungen für die ersten wissenschaftlichen Beamten des voraus- sichtlich am 1. Oktober t!X>9 zu eröfsneden neuen Krankenhauses, sowie Bewilligung von Spenden für den Zeppelinfonds und für die Abgebrannten in Tonaucschingen. Die Stadtvv. Groger(Soz.) und Wutzky(Soz.) wandten sich energisch gegen die immer mehr hervor- tretende Manie, Vorlagen, die unbedingt öffentliche Verhandlung erheischen, in die geheime Sitzung zu legen. Die Bürgerschaft hat ein unbedingtes Recht darauf, über die Behandlung der beiden vorliegenden Punkte unterrichtet zu fein. Nachdem die Stadtvv. Nicmctz und Koye gegen die Oeffentlichkeit gesprock>en hatten, wurde mit Mehrheit beschlossen, beide Gegenstände öffentlich zu ver- handeln. Die Gehälter der dirigierenden Aerzte in der äußeren und inneren Abteilung des neuen Krankenhauses werden auf 6090 Mark mit dreijährigen Steigerungen um je 999 Mk. bis zum Höchstbetragc von 8999 M. festgesetzt. Der Prosektor soll 9999 M., der Oberapotheker 2399 M. erhalten; letzterer steigt von drei zu drei Jahren um 299 M. bis zu 3999 M. und erhält autzerdem freie Wohnung und Verpflegung. Gegen die Zeppelinspende ivendet sich Stadtv. Conrad(Soz.), indem er erklärt, datz Zeppelin mit Recht die Anerkennung der Äulturwelt gebühre, doch liege zu finanzieller Hilfe nicht der geringste Anlatz mehr vor. Hier habe das Reich einzugreifen, was von dieser und anderer Seite auch bereits umfangreich geschehen sei. Die Zuwendung von 1999 M. an die Donaueschinger, denen merkwürdigerweise nidst so die Mittel zufließen, sei aber durchaus am Platze. Stadtv. Rosenow spricht für Zeppelin und feiert diesen. Die Versammlung genehmigt gegen die Stimmen der sozialdemokratischen Fraktion 1999 M. für Zeppelin und einstimmig die gleiche Summe für Donaueschingen. Vermißt wird seit dem 27. August das siebzehnjährige Dienst- mädchen Charlotte de Rese, welches in der Kaiser-Friedrich-Stratze 49 in Rixdorf in Stellung ivar. Die R. sollte ihre Stellung am t. September Verlanen und zu ihren Eltern nach Sagau zurück- kehren. Ihrer Dienslherrin gegenüber äuherte die yi., datz sie nicht mehr nach Hause wolle und lieber fortlaufe. Die Vermitzte, die sich vermutlich umhertreibt oder in schlechte Hände geraten sein dürfte, ist etwa 1,99 Meter groh, hat dunlles, fast schwarzes Haar, volles frisches Gesicht und dunkle Augen. Wilmersdorf. Di« gcheimen Sitzungen der Stadtverordnetenversammlimg. Die Geschäftsführung der Stadtverordnetenversammlimg zu W i l m e r S- darf hat den Unwillen eines Mitgliedes dieser Körperschaft erregt. Der Stadtverordnete Dr. Wolfs legte der letzten Sitzung drei Anträge vor. deren erster die Aufhebung eines im Sommer dieses Jahres gefaßten Beschlusses über Amtsverschwiegenheit zum Ziel hatte. Ferner wollte der Antragsteller, datz zu den nicht öffentlichen Sitzungen der Stadtverordneteiiversammlung Stenographen hinzu- gezogen und daß die übertragenen Stenogramme sämtlichen Stadt- verordneten zugestellt würden. An diesen Antrag schloß sich noch ein dritter, der die Abänderung der Gcschäfisordnunq bezweckte und der Oeffentlichkeit größeren Spielraum verichaffen sollte. Alle drei Anträge schienen der Mehrheit kein großes Behagen.zu bereiten und nach längerer GeschäflSordnungsdebatte beschloß man, die Be- ratung über die von Dr. Wolff für notwendig gehaltenen Neuerungen in geheimer Sitzung vorzunehmen. Beachtenswert ist immer- hin die Aoußerung des Stadtverordneten Dr. Wolff, datz in keiner anderen kommunalen Körpenschaft Grotz-Berlins so viele geheime Beratungen abgehalten würden als in der Wilmersdorfer Stadt- verordnetenversammlung. Von der Richtigkeit dieser Behauptung wollten mehrere Widersacher des Herrn Dr. Wolfs zwar nichts wissen, aber ganz grundlos scheint sie doch nicht zu sein. Es handelt sich nach unlerer Meinung um ein altes Uebel, das in früheren Tagen ziemlich stark in der Wilmersdorfer Gemeindevertretimg grassierte und erst von den S o z i a I d e in o lr a t e n. die damals neu in diese Körperschaft eintraten, beseitigt wurde. Damals hielt man nämlich außer den eigentlichen geheimen Beratungen sogenannte Vorberatungen ab. Diese Vorberatungen unter Ausschluß --er Oeffentlichkeit befaßten sich mit den wichtigsten Gegenständen, »i« dann einige Tage später der Form wegen noch die öffentliche -Sitzung beschäfligtcn, aber hier natürlich in aller Geschwindigkeit ourchgepeitscht wurden, da alles, was man darüber sagen konnte, bereits vorher erörtert worden war. So wunderte sich dann das Publikum, wie Angelegenheite», die für die Gemeinde oft von außerordentlicher Bedeutung waren, im Handumdrehen und vielfach durch bloße Abstimmung abgetan wurden. Die sozialdemokratischen Stadtverordneten nannten dies Verfahren natürlich einen Verstoß gegen die Gemeindeordnung und erkundigten sich angelegentlich nach der gesetzlichen Stütze einer derartigen Geschäftsführung. Es »am die Antwort, daß e§ sich bei den Borberatungen doch nur um rein private Zusammenkünste gehandelt habe. Als dann die Sozial- demokraten sich noch nicht befriedigt zeigten, sondern die neugierige Frage stellten, ob den» der Gememdevorstand diese.privaten" Vor- beratungen, die sich doch mit öffentlichen Angelegenheiten befaßten nnd daher unter das preußische Vereins ge setz fielen, diesem Gesetz entsprechend bei der Polizeibehörde als Versammlungen an- gemeldet habe, blieb man die Antwort schuldig. Immerhin wurden von diesem Augenblick an keine Vorberatungen mehr abgehalten. Wir haben keine nähere Kenntnis von den Tatsachen, die den Stadt- verordneten Dr. Wolff zu seiuer Aeußerung veranlaßten. Aber wir können ihm versichern, daß wenn heute wie früher Sozialdemokraten in der Gemeindevertretung säßen, nicht mehr Gegenstände als dringend notwendig in geheimer Beratung verhandelt würden. Ober-Schöneweide. Gemcindcvcrtrctci-sitzung. Die von der Vertretung beschlossene Nmsatzsteuerordnungs-Aenderung ist von der Aufsichtsbehörde nicht genehmigt worden; sie sei unübersichtlich.— Die Petition der Gemeinde auf Ausdehnung de? Nachbarortverkehrs mit Köpenick hat die Postbehörde abschlägig beschieden mit der Moti- oierung, daß einerseits keine zusammenhängende Bebauung vor- handc», und andererseits die Einbeziehung Köpenicks einem späteren Anschluß mit Berlin hinderlich sei.—©aresfö der Straßen- bahnverbindung mit Karlshöh wurde mitgeteilt, daß dieselbe erst perfekt würde, wenn eine Wcitcrführung der Bahn bis Friedrichs- felde gesichert sei.— Für die Zwecke der Erwerbung des Hey deichen Grundstücks und Ausführung der Schmutz- und Regcnwaüer- kanalisation zivischcn Frischen- und Edisonstraße wird die Aufnahme einer Anleihe von 409 099 M. beschlossen. Der Firma Windschild u. Langelott werden KanakisationSarbeitcn für die Summe von 442 999 M. übertragen.— Ein Antrag des Gemeindevorstehers, dem Grafen Zeppelin 399 M. zu spenden, wurde mit großer Majorität abgelehnt. Für die Abgebrannten in Donau- e s ch i n g e n werden 109 M. bewilligt und für eine hiesige Geflügel- auSstellung ein Preis von 39 M. Treptow-Baumschulentveg. Der Gesangverein.Licdesfrrundschaft" veranstaltet zu morgen. Sonntaguachmiltag im Lokal von Speer, Baumschulenstraße 73, ein Preiskegeln, verbunden mit gemütlichem Kaffeckochcn und Tanz. Anfang 3 Uhr. Parteigenossen mit ihren Frauen sind dazu höflichst ein- geladen. Rummelsburg. Da? 19jährige Dienstmädchen Simrau, dessen Leiche bekanntlich unter rätselhaften limsländen dicht am Ufer des Dcssauschen Teiche? bei Rummelsburg gefunden wurde, dürfte nach den polizeiliche» Er- Mittelungen Selbstmord verübt haben. Der Schiffbauer Fritz Nowack au« Rummelsburg hat der Kriminalpolizei mitgeteilt, daß ein Arbeiter, den er vom Sehen kenne, ihm am 9. d. Mts. erzählte, ein junges Mädchen hätte sich am 3. September gegen 5 Uhr morgens in den Dessauschcn Teich gestürzt. Der betreffende Arbeiter hätte den Borgang mit angesehen, sich aber nichk weiter darum bekümmert, weil er, wie der Mann angegeben habe, sonst zu spät nach der Arbeitsstätte gekommen wäre. Die Kriminalpolizei ist jetzt bemüht, den Augenzeugen des Selbstmordes zu ennitteln. Bernau. Von der Stadwerordnetrnvcrsnmmlung wurde ein Beitrag von 199 M. für die Abgebrannten von Donaueschingen bewilligt. Dann erklärte sich die Versammlung mit der Uebernahme der Lindenbäume in der Klementstraße mit der Maßgabe der freien Bersügrmg ein- verstanden. Beim Bau des neuen Krankenhauses sollen Siegwart- Balkendecken Verwendung finden; es ist weiter beschlosieu worden, die Lieferung unter Verpflichtung einer Kaution der Zemcntfabrik in Biesenthal zu übertragen. Die Beschlußfassung über den Austausch von Läudereien mit der Stadt Berlin erfolgte in nichtöffentlicher Sitzung. In den Dienst der katholischen Kirche hat sich die Leitung unserer Stadt gestellt. Der hiesige Bürgermeister erläßt eine amttiche Bekanntmachung, in der mitgeteilt wird, datz aus Anlaß einer am 13. September geplanten Einiveihung einer neuen katholischen Kirche der Fürstbischof Kopp aus Breslau nach Bernau komme und in der die Herren Hausbesitzer und deren Stellvertreter gebeten werden, zu dieser Feier die Häuser mit Fahnen schmücken zu wollen. Derartige Angelegenheilen gehören unseres ErachtenS nicht zu den amtlichen Obliegenheiten der Bürgermeister. Bei derArbcit plötzlich vomTode ereilt wurde am DonnerStagmorgen der Maurer Jul. Giese von hier, Wcinbergstraße 99 wohnhaft. Giese hatte sich am betreffenden Morgen nach dem benachbarten Dorfe Zepernick begeben, um dort auf einein Neubau anzufangen. Er hatte sich, um nicht zu spät zur Arbeitsstelle zu kommen, etwas im Laufen übereilt. Kaum war er angelangt und hatte sein Ge- schirr abgelegt, als er umfiel und aus der Stelle verschied. Der Tod war durch Herzschlag erfolgt. Giese hinterläßt eine Frau mit drei Kindern. Spandau. Stadtverordnetenversammlung. Schon zu wiederholten Malen hat sich die Majorität der Versammlung gegen unnötige Reisen der Deputationsmitglieder ausgesprochen. Die Versammlung stellte sich immer auf den Standpunkt, datz es genüge, wenn ein oder zwei Sachverständige sich eine Anlage ansähen und nicht die ganze De- pulalion, von denen ein Teil doch nichts verstände. Nach einer ein- gegangenen Vorlage deS Magistrats wird um die Bewilligung von 189 M. nachgesucht für eine Reise, welche die Hafenbaudeputation zum Zwecke der Besichtigung der Schienen für die Hafenbahn unter- nommen hat. Die Besichtigung fand in Pankow, Potsdam und Werneuchen statt. An der Reise haben sich neun Herren beteiligt. Die Versammlung ließ sich auch nicht von der Zweckmäßigkeit der Reise überzengen und lehnte die Borlage gegen eine Stimme glatt ab. Wenn die Versammlung nun nicht später noch ein Einsehen hat, und sie wird eS sicher haben, dann müßten die DeputationSmitglieder ja die Reise aus eigener Tasche zahlen und das würde manchen deo selben doch recht unangenehm sein. Im Jahre 1397 hatte die Versammlung die bis dahin hier be- stehende Miete für Gasmesser abgeschafft. Trotzdem sich der Gas konsnm dadurch bedeutend vermehrt hatte, entstanden der Gasanstalt andererseits doch durch die unentgeltliche Beschaffung von Messern große Ausgaben, wie der Magistratsvertreter angab, bis zu 29099 Mark im Jahre. Der Magistrat hatte deshalb die Vorlage eingebracht, die Gasmessermiete wieder einzuführen. Hiermit stieß er aber bei der Versammlung auf großen Widerstand. Der Verein selbständiger Kaufleute hatte überdies noch eine Petition ein- gereicht, diese Gasmesjermiete nicht zu genehmigen. Die Versanlm« lung lehnte denn auch die Vorlage nach kurzer Debatte ab.— Gelegentlich der Beratung über Festsetzung deS Gehalts einer Oberlehrerin an der höheren Mädchenschule frug ein Stadtverordneter an, wie weit denn die Angelegenheit mit der Einrichtung von Klassen für schwachbegabte Kinder sei, welche die Versammlung schon vor längerer Zeit genehmigt hat. Der Stadtbaurat gab die Erklärung ab, daß der eingereichte Lehrplan von der Regierung noch nicht zurück sei. Sobald derselbe eintreffe, ivürdcn die Klassen ein- gerichtet.— Zum Entwurf für den Güter- und Viehtarif der Spandau-Bötzower Bahn, der genau wie der der Nauencr Kreis bahn ist, erteilt die Versammlung ihre Zustimmung. Ebenso erteilt die Versammlung ihre Zustimmung zur Annahme der Be- dingungen für die Einführung der Nonnendammbahn in das Spandauer Straßenbahnnetz. Die Bahn wird durch die Berliner, Havel-, Pots- damer Straße und Markt durch eine Schleife in die Breitestraße eingesührt. Nach dem Bahnhof fährt diese Bahn nicht.— Für die Einrichtung einer Sanilätswache im städtischen Krankenhause be- willigt die Versammlung das Anfangsgehalt eines Assistenzarztes mit monatlich 199 M. ES soll außerdem noch in der Polizeiwache und in der Wilhelmstadt je ein geprüfter Heilgehilfe für Hilfen in der Nackt stationiert werden. Hierüber wird der Versammlung noch eine besondere Vorlage zugehen.— Mit dem Ankauf deS Körnerscken Schneidemühlengrimdstücks für 239 909 M. ist die Versammlung ein- verstanden. Gegen eine Zahlung von 190999 M. werden dem WasterfiSkus die auf diesem Grundstücke ruhenden Wasserrcchte, die für die Stadt selbst kein große« Interesse haben, abgetreten. Durch Ankauf dieses Grundstücks wird endlich einmal die alte Flutrinne, genannt der deutsche Rhein, verschwinden. Dieser Groben wird zugeschüttet werden.— Für die ErweilerungS- bauten des Wasserwerkes und der Kanalisation in der Hochgericht- straße und deren Weitersührnng durch die Seegefelder- bis zur Klostcrstraße werden 37 999 M. bewilligt.— Die Hauprvorlagc der heuligen Sitzung bildete die Genehmigung zur Ausnahme einer An- leihe von 31 498 909 M. durch Ausgabe von Stadtanleihescheinen. Aus dieser Anleihe sollen bestritten werden für 1. Straßenregulierungen ans Anlaß! hofSllNlbaues....... deS Bahn» 4 383 500,90 ffP 3 685 031,34„ 2. Ankauf der Straßenbahn. (und zwar Kaufpreis an die Allgcm. Elektr.- Gesellschaft 3 350 990 M., Stempelkosten 12 752,59 M., Ausbau Fehrbelliner Tor- JohanneSsiift 72 278,84 M.. Straßenbahn nach dem Nonnendamm 259 999 M.) 3. Kanalisation und Wasserleitung..... 1 847 000,00 g (Erweiterung 1 279 000 M., Leitung nach dem Nonnendamm 559 090 M.) 4. Gasanstalt............. 3 335 000,00; (Erweiterung 3 000 000 M., Leitung nach dem Nonnendamm 335 000 M.) 5. RathauSnenban........... 2 000 000,00, 6. HccreSsiraße............ 2 126 000,00„ 7. Entfestiauiig rund.......... 11000900,00„ (Kaufgeld für Grunderwerb 2 806 638,99 M., für Pflasterung, GaS- und Wasserleituug 8 193 361,01 S.'k.) 3. Grundcrwerb zum Bahnhof Spandau-Dötzow 848 090,90„ 9. UmgemeindungS-Anleihe........ 1 390 300,00„ 10. KurSverlust und Unkosten rund 3 Proz... 918 524,94„ Summa 31 467 356,28 M- rund 31 468 000,00„ . Der Tilgungssatz bewegt sich für die einzelnen Titel zwischen IVi und Ü'/a Proz. Mit dieser Anleihe ist jedocb das Geldbedürsnis der Ä>tadt noch nicht erschöpft. Es werden an größeren Summen noch benötigt rund 3 Millionen Mark für den Ankauf deS Elsnerschcn Geländes und verschiedene Millionen für den Hafenbau. Wie nicht anders zu erwarte» war, entspann sich über diese Vorlage eine sumdenlange und zeitweise sehr erregte Debatte. Namentlich wurde beinängelt, daß bei dieser wichtigen Vorlage nicht einmal der Stadt- kämmerer anwesend ist(der Herr ist beurlaubt) und daß für die Hceresstraße 2 126 900 M. aufgenommen werden sollen, während man früher sagte, diese würde nicht mehr kosten wie 640 000 M.(Diese Summe ist von der Versammlung auch bereits genehmigt.) Eine eigentümliche Ansicht vertrat hierbei der Referent, Stadtverordneter Kaufmann P r a g e r(fteisinnig). Der Herr meinte, gerade daß man für die HeereSsiraße über zwei Millionen aufnehmen wolle, werde die ganze Anleihe an höchster Stelle leichter genehmigt werden. (Echt freisinnig!) Die Versammlung kam aber über diese Vor- läge noch zu keinem endgültigen Beschluß. Sie beschloß, noch eine zweite Lesung vorzunehmen, sobald der Kämmerer von seinem Urlaub zurückgekehrt sein wird. Dieser soll dann in einem Exposee angeben, in welcher Weise die Verzinsung und Tilgung ausgebracht werden soll.(Das wird der Herr gar nicht ge- »au angeben können, da doch verschiedene von den Unternehmungen sich selbst rentieren sollen, wie Straßenbahn, Gasanstalt usw. Außerdem soll ja das Geld nickt mit einem Mal, sondern nach und nach aufgenommen werden.) Nach Erledigung noch weiterer dreier Vor» lagen werden die übrigen der vorgerückten Zeit wegen vertagt. Vermifcbtes. Die Eroberung der Luft. Jeder Tag bringt neue Erfolge der Flugversuche Ordilk« W r i g h t s mit seinem„Aeroplan". Erst vor wenigen Tagen hatte er einen neuen Rekord im Dauerfliegen aufgestellt, fast eine Stunde konnte er sich mit seinem Apparat in der Luft halten. Gestern nun hat er seinen eigenen Rekord geschlagen. Wie eine Nachricht aus Washington meldet, gelang eS Orville Wright bei seinem letzten Ausstieg, während einer Zeit von 65 Minuten 52 Sekunden die Luft zu durchqueren. Die Windstärke betrug 12 Meilen in der Stunde.— Auch Wilbur Wright, der Bruder des erfolgreichen Flugtechuikers setzt mit Erfolg in Frankreich seine Probeflüge fort. Gestern hat er, wie aus Le Maus berichtet wird, zwei Flüge unternommen, von denen der erste 9 Minuten 20 Sekunden. der zweite 21 Minuten 45 Sekunden dauerte. Das französische Kriegsministerium hat den Flugtechnikern das Gelände des Lagers von Chalons zu Uebungszwecken überwiesen.— Wie es im Zeitalter des Militarismus selbstverständlich ist. verfolgen die Kriegs- Ministerien der.modernen" Staaten mit Interesse die Versuche zur Eroberung der Luft. Soll doch der LuftmariniSmuS ihnen im Zukunftskriege die Möglichkeit bieten, neue Methoden zur schnelleren Niedermetzelung der einander gegenüberstehenden Menschenmassen z« finden._ Ein Schweinepriester. Aus Z a b r z e wird gemeldet: Gestern abend wurde der katholische Pfarrer R e u m a n n wegen schwererSittlichkeitS- verbrechen verhaftet. Neumann ist fast 70 Jahre alt und war hier 21 Jahre Pfarrer._ „Sie konnte» zusammen nicht kommen"... Nach einer Meldung der.Heidelberger Ztg." ist der Tunnel« bau bei F o r b a ch auf der neuen Schwarzwaldstrecke Weißen» back— Kloster Neichenbach mißglückt. Wie üblich wurden die Tunnelstrecken von beiden Seiten eingeschlagen und vorgetrieben. Die beiden Teilstrecken trafen aber nicht in der Mitte zusammen, sondern ihre Achsen divergierten um acht Meter. Die eine Tunnelhälfte muß neu trassiert und der vorhandene Stollen sorgfältig wieder zugebaut werden, damit er dem Seitendruck der Gebirgsmassen Widerstand leisten kann. Der Schaden der badischen Staalsregierung wird auf ll'/a Millionen Mark berechnet. Die Schuld soll einen italienischen Arbeiter treffen, der aus Rache einen Absteckpfahl versetzt haben soll. Explosion auf einem Kriegsschiff. An Bord deS Panzerschiffs„John Ericsson" wurden, wie aus Stockholm gemeldet wird, infolge der vorzeitigen Entzündung einer in das Geschützrohr eingeführten Pulvcrladung ein Mann ge- tötetundzweiverletzt. ExPlofionSkatastrophe. Ein Madrider Blatt berichtet über den gräßlichen Verlauf«ineS Festes in der Gemeinde Santa Maria de Neda. Ein junger Mann zündete Knallbornben an, welche bei der Explosion in ernen Korb fielen, in dem sich noch weitere Brennstoffe befanden. Es erfolgte eine furchtbare Explosion, wobei 14 Personen, die sich in der Nähe befanden, verletzt wurden, darunter fünf lebenS- gefährlich. Der größte Teil der Opfer besteht aus Kindern, von denen eins bereits kurz nach der Katastrophe verstarb.__ Freie Jugendorganisation Berlin. Abt. 13, Sennabend, den t2. d, M., abcnvs 8 Uhr, bei Wiedemeyer, Schwedter Straße 29, Ecke Kastanien-Allee: Vortrag.— Abteilung Ebarlottenburg. Heute abend L'j, Uhr im Vollshause, Rostneustr. 3: Versammlung. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallcn-Direktion über den Großhandel in den Zcntral-Marttballen. Marktlage: Fleisch, Zufuhr reichlich, Geschäft schleppend, Preise n.everändert. Wild: Zufuhr genügend, Geschäft etwa» lebbaster. Preise wenig verändert. Gcslügel: Zufuhr f-hr reichlich. Geschäft rege, Preise behauptet. Fische: Zufuhr genügend, Geschäft ruhig, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Güd» s r ü ch t«: Zusuhr genügend, Geschäft still, Preise wenig verändert. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin, Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Berlag:Vorwärtt Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer Lc Co„ Berlin SW,