Mr. 216. Abonnements- Bedingungen: bonnements Breis pränumerando Bierteljährl. 8,30 ML, Renat 1,10 9, wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags nummer mit Wustrierter Sonntags Beilage Die Neue Welt 10 Bfg. Boft. Abonnement: 1,10 Mart bro Monat. Eingetragen in die Bost- Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Erideint täglich außer Montags. Vorwürts Berliner Volksblaff. 25. Jahre Die Infertions- Gebühr Beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder beren Raum 50 Bfg., für bolitische und gewerkschaftliche Vereins und Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Bfg., jebes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Big, fedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Zelegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Deutscher Familienfinn". " Dienstag, den 15. September 1908. " Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. durch die Notwendigkeit, auch für die jüngeren Kinder Genosse bert gibt eine Darstellung der Bemühungen des zu sorgen, zugrunde gerichtet wird- auf alle Fälle Barteivorstandes in Sachen der Lokalisten. 5000 Mitglieder bleibt es wahrlich ganz gleichgültig, ob der Erbe seien übergetreten, der Rest bekämpft in perfider Weise Partei nach Abfindung seiner Geschwister von dem, was ihm ver- und Gewerkschaften und kann nicht mehr zur Partei gehörig beProfessor Adolf Wagner, bekanntlich ein streng bleibt, noch eine fleine Abgabe zahlt, denn die wird trachtet werden. Tonservativer Mann, hat es mit den Agrariern verdorben, ihn sicher nicht ruinieren und ändert nichts an den erhaltenden Genosse Shulz legt den Grundriß der Tätigkeit der Parteiweil er deren Heze gegen die Erbschaftssteuer als das be- oder zerstörenden Tendenzen des Erbrechts. Dagegen ist es schule und des Bildungsausschusses dar. Er wendet sich dann unter zeichnet hat, was es ist, nämlich als hinfällige, höchst bezeichnend, wie die ländlichen Besitzer, die seit Jahren lebhaftem Beifall gegen einen Artikel Maurenbrechers in der rein phrasenhafte Argumente". In der Tat, aus dem Zoll- und Steuerwesen des Reiches auf Kosten der Fränt. Tages post", der über den Charakter der proletarischen prüft man die Behauptung, die Erbschaftssteuer verlege das übrigen Bevölkerung große Vorteile ziehen, sich sträuben, auch Massenaufklärung die wundersamsten Ansichten entwickelt und meint, deutsche Familiengefühl", etwas näher, so zeigt sich, daß sie ihrerseits einmal eine Last auf sich zu nehmen. daß die materialistische Geschichtskenntnis den Massen schaden würde, echt agrarischer Humbug ist. Die, Deutsche Tagesztg." Jrgend etwas Beweiskräftiges für oder gegen die Erb- weil sie zur Indolenz verleiten könne. Das sei, so führte Schulz aus, hat überhaupt keine irgendwie sachlichen Beweise vorzubringen schaftssteuer kann also die Darstellung des Westfälischen eine ganz unsozialistische Ansicht. Wenn sich die Arbeitergewußt. Sie begnügt sich mit der Redensart, daß nach Merkur" nicht beibringen. Statt dessen aber wirft sie, wie schaft schon vor 40 Jahren auf dem Nürnberger Vereinstag gegen deutscher Familienauffassung" der Besitz der Gatten, Eltern schon bemerkt, ein höchst bezeichnendes Licht auf das, was diese bürgerliche Art der Bildungsdufelei und Leithammelei gewendet und Kinder in gewissem Sinne Gemeinschaftsbesitz, daß die man im agrarischen Jargon Familiensinn" nennt. habe, so werde sie heute erst recht nichts von solcher Methode wissen Gütertrennung zwischen Ehegatten„ undeutsch" und daß man überlege mur: der Westf. Merkur" bedanert, daß nach wollen.( Stürmischer Beifall.) der Vater nach germanischer Auffassung" eigentlich nur heutigem Recht der älteste Sohn des Bauern den Hof nicht Eisner verteidigt zweimal die Auffassung Maurenbrechers. Nicht der Verwalter des Gutes für die Kinder ist. Man allein erbt, sondern daß die übrigen Kinder Anrecht auf zwedlos fei die theoretische Schulung der Massen, wohl aber unmög fieht, der Schwerpunkt dieser Ausführungen liegt in der ihr Pflichtteil haben. Dadurch, so doziert er, ist die Zukunft lich, gebe es doch verdiente Führer in der Partei, die sich scheuten, möglichst häufigen Wiederholung der Worte deutsch" und der Familie" gefährdet. Ja, was verstehen diese Herren über die Mehrwerttheorie zu sprechen. Der Masse müßten erst „ germanisch", denn eben wo Begriffe fehlen, da stellt denn eigentlich unter" Familie"? Gehören da die Elementarkenntnisse, das Stoffliche beigebracht werden. Die Parteiein Wort zur rechten Zeit sich ein. Mag nämlich der Vater jüngeren Kinder nicht mit dazu, sondern schule könne leicht Schüler zur Anmaßung verleiten, auch ein halbjähriger immerhin nach germanischer Auffassung" nur der Sachwalter nur die ältesten Söhne? Wo bleibt das„ Heimatgefühl", wo Rurfus fönne teine geeigneten Lehrer für die Massen erzeugen. des Gutes für die Kinder sein, so ist darum doch immer nicht die Liebe zur ererbten Scholle", weun die meisten Kinder des Gegen Eisner wendet sich scharf Genoffin Rosa Luxemburg. abzusehen, weshalb es undeutsch" sein soll, daß die Kinder Bauern von der Scholle vertrieben werden? Man sieht für die Die Kritit an der Parteischule sei berechtigt und notwendig, Eisners beim Tode, des Vaters eine Abgabe von ihrem Gut zahlen. agrarischen Hirne rechnen als vollgültige Menschen nur die Kritit sei jedoch die Starikatur einer Stritit. Eigentümlich sei es mit Phrasen nichts als Phrasen. ältesten Söhne. Denn so steht doch die Frage: soll der seiner beteuerten Ehrfurcht vor der Theorie bestellt, aus lauter ChrAelteste allein erben und die anderen Kinder mit einer mehr furcht wolle er die Massen vor Erkenntnis theoretischer Auffassung oder minder geringen Abfindung in die Besitlosigkeit, ins überhaupt bewahren. Die Nürnberger Methode sei vollends der Proletariat hinausgestoßen werden, oder sollen alle Kinder zu Nürnberger Trichter. Der einzige Maurenbrecher solle über alle gleichen Teilen erben, wobei Aufteilung des Hofes, sei es Gegenstände dozieren!( Stürmischer Beifall.) Auch Klara in natura, sei es dem Werte nach unausbleiblich ist? Bettin polemifiert unter lebhaftester Zustimmung gegen Eisner und Maurenbrecher, der durch seine unsozialistischen Auffäge in der nationalfozialen Hilfe". die Partei kompromittiere. " Inzwischen hat jedoch ein anderes Blatt es unternommen, den agrarischen Bedenken gegen die Erbschaftssteuer so etwas wie eine sachliche Begründung zu geben. Und die zeigt den deutschen Familiensinn" der agrarischen Herrschaften in seinem vollen Glanze. Der Westfälische Mertur" legt in einem längeren Artikel dar, daß der bäuerliche Besitz an und für sich schon durch das jetzt geltende Erbrecht gefährdet sei. Er schreibt: „ Der Tag, an dem der Bauer stirbt, bedeutet heute für den Hof einen kritischen Tag erster Ordnung. Die älteren bäuerlichen Rechte ließen die Substanz des Hofes im Vererbungsfalle intakt zugunsten des Anerben; die Miterben wurden hinsichtlich ihrer Kindesteile in der Hauptsache auf die angesammelten Früchte verwiesen... Der Tottinghamer Trade- UnionsKongreß. Es handelt sich hier um ein Problem, das keineswegs neu ist. Schon im Altertum sind ganze Bölker zugrunde gegangen, weil sie es nicht zu lösen vermochten. Entweder dem ältesten Noch eine ganze Reihe anderer Redner spricht gegen Eisner, der Sohn allein blieb der Besitz vorbehalten- dann versant die merkwürdigerweise feinerlei Unterstügung findet, obwohl ihm außer weitaus größte Masse der Bevölkerung in bitterste Armut; einem Teil des Auditoriums auch eine Anzahl Delegierter Beifall oder der Besitz wurde unter alle Stinder verteilt dann war spendete. Schließlich wird die Debatte geschlossen und er nach ein paar Generationen so zersplittert, daß niemand eine die Tätigkeit der Parteischule anerkennende mehr sich von ihm ernähren fonnte. Resolution mit übergroßer Mehrheit angeHeute hat das Problem für die Gesamtmasse des Voltes nom men. .... Seitdem nach Aufhebung dieser deutschrechtlichen Normen nicht mehr dieselbe Bedeutung wie ehedem, weil wir heute Sämtliche 362 Mandate wurden von der Mandat. der Bauernstand unter den römischen Pflichtteils zwang des nicht mehr so ausschließlich wie in früheren Zeiten auf die prüfungskommission und im Plenum ohne Debatte an geltenden bürgerlichen Rechts gestellt wurde, ist die Zeit der Un- landwirtschaftliche Produktion angewiesen sind. Aber für die erkannt! berleßlichkeit der Höfe vorüber. Heute ergreift jeder Vererbungs- ländlichen Grundbesitzer besteht es allerdings noch in seiner fall die Substanz, indem die Miterben vom Hofe selbst ihr Erbteil ganzen Schärfe fort. Und da hat es zu jenem falten, grauLoslösen. Da eine Teilung in naturali mit der bäuerlichen Be- famen Egoismus geführt, der selbst die nächsten Anverwandten triebsform unvereinbar ist, so vollzieht sich der Erbvorgang in nicht schont und im Namen des deutschen Familienfinns" der Regel so, daß der Anerbe auf den Hof Schulden aufnimmt, verlangt, daß die eigenen Brüder und Schwestern vom Besitz und mit dem geliehenen Gelde die Anteile seiner Geschwister aus der Familie verjagt und in die Besiglosigkeit hinausgestoßen zahlt. Das geltende Erbrecht bedeutet also für den Bauernstand werden!! London, 12. Sept.( Eig. Ber.) einen gesetzlichen Zwang zur Verschuldung. Ein folcher Zwang Heute hielt der 41. Jahreskongreß der britischen Trade- Unions Man erkennt aber nun leicht, daß das Problem in einer in Nottingham seine Schlußfizung ab, so daß es nunmehr würde um seines Swedes willen gewiß gerechtfertigt fein, voraus auf Privateigentum beruhenden Gesellschaft überhaupt möglich ist, ein Gesamturteil über seine Beratungen zu fällen. Der gesetzt, daß die Verschuldungshöhe selbst bei einer zahlreicheren nicht gelöst werden kann. Hier gibt es in der Tat nur die Kongreß zeigte einen Fortschritt in der sozialistischen Erkenntnis, Familie nicht eine Summe übersteige, die der Hof normalerweise grausame Wahl, ob durch Aufteilung des Erbes alle, oder wenn auch noch eine vollständige Abkehr vom politischen und ökono im Laufe einer Generation wieder ersetzen kann; andernfalls durch Ausschließung der jüngeren Kinder der größte Teil mischen Denken der Bourgeoisie nicht verzeichnet werden kann. Die würde der nächste Erbfall den Hof unter ungünstigeren wirtschaft der Nachkommen zugrunde gerichtet werden soll. Erst die Gewerkschaften befinden sich in einer Uebergangszeit von der lichen Verhältnissen treffen, der zweitnächste unter noch ungünstigeren, Enteignung des Grundbesites, die tom mu liberalen zur sozialistischen Weltanschauung. und damit wäre das Schicksal des Hofes für die Zukunft be- nistische Produktion kann diesen Schaden heilen. Der Uebergang würde sich rascher vollziehen, wenn die theoretische Bildung fiegelt. Tatsächlich aber bedingen beispielsweise die gesetzlichen der sozialistischen Elemente der Trade Unions eine beffere Pflichtteilsquoten des Preußischen Landrechts für einen Hof im wäre. Und daran fehlt es nicht nur in Arbeiterkreisen, sondern auch gemeinen Werte bon 45 000 m. bei fünf Kindern eine Schuldenin bürgerlichen Streifen. Dafür aber ist das praktische Leben Englaft von 24 000 m. lands hochentwidelt und zwingt zur Ergreifung von Maßregeln, die dem herrschenden Denken weit voraus find. Die Entwickelung voll zieht sich noch unbewußt. Es wird dann weiter geschildert, daß die preußische Regierung im Laufe des vorigen Jahrhunderts wiederholt zulegt noch 1898- durch Geseze versucht hat, dieser Gefahr der Auflösung bäuerlichen Besizes zu steuern; aber viel habe das nicht geholfen: Auch heute noch muß in den meisten Erbfällen der Hof zu gunsten der Miterben bis nahe an die Hälfte seines Ertragswertes verschuldet werden; auch heute noch sind die meisten länd lichen Grundbefige laum in der Lage, ihre Erbverluste im Laufe einer Generation annähernd wieder zu ergänzen; auch heute noch bedeutet daher der Tod des Besitzers eine Krisis, in welcher die Zukunft der Familie auf der väterlichen Scholle oft auf des Messers Schneide steht." Dies sei der Grund, weshalb die bäuerliche Bevölkerung sich gegen eine Ausdehnung der Erbschaftssteuer auf Kinder und Ehegatten sträube: Unsere Heerschau. Der erste Tag. Nürnberg, 14. September. ( Privatdepesche bes Vorwärts".) Die Beschickung des Parteitages, der heute um „ Velodrom" eröffnet wurde, ist anscheinend stärker, als auf allen früheren Tagungen. Uhr im Die Delegierten nehmen die Hälfte des geräumigen Saales ein, die andere Hälfte ist durch Zuhörer dicht befezt. Leider läßt die fuftit viel zu wünschen übrig. Typisch für diesen Gang der Dinge war die Eröffnungsrede Shadletons, die vom ganzen Parlamentarischen Komitee des Kongresses, das heißt von den Vertrauensmännern der britischen Ge werkschaften abgefaßt war. Die Betonung der sozialpolitischen Maß regeln der liberalen Regierung; die Hervorhebung ihrer Schwächen; das Vertrauen zur Regierung, Arbeiterfragen international zu regeln; die scharfe Stritit der Haltung der Regierung gegenüber Arbeitslosigkeit Nach der Wahl des Bureaus richteten die ausländischen und der Tadel gegen die liberalen Arbeiterabgeordneten Maddison Delegierten, für England Duelch und Sanders, für und Vivian; der Glaube an die internationalen Schiedsgerichte, Belgien Huysmans, für Desterreich Winarsti und schließlich der Appell an die internationale Solidarität der Arbeiter, für den Jüdischen Arbeiterbund in Rußland Schön- das alles ist ein Gemisch von liberalen Traditionen und sozia berg Begrüßungsansprachen. Den Grundton aller diefer Reden listischen Empfindungen. Die Rede gab ein richtiges Bild von der bildete die Betonung der Friedensliebe des Proletariates geistigen Berfaffung der Arbeitermassen des Vereinigten Königaller Länder und das Gelöbnis, den Kampf gegen die frivole reiches. Etwas Aehnliches würde herauskommen, wenn die Und es find wahrlich nicht die schlechtesten Instinkte unserer Bölferverhezung durch kapitalistische Interessentengruppen fünftig mit verschiedenen Gewerkschaftsverbände Deutschlands sich zu einem Bauern, die gegen die neue Schlinge fich aufbäumten; es ist der größter Energie weiterzuführen. gemeinschaftlichen Kongreß versammelten. In rein praktischen Familiensinn, es ist die Bietät vor den vergangenen Darauf erstatteten Parteivorstand und Kontroll fozialpolitischen Fragen würden sie wahrscheinlich zufammenGenerationen und die Hoffnung auf das heranwachsende Ge- tommission ihre Berichte. Parteisekretär Müller schilderte in gehen, aber bei der Begründung und Schärfe der Fassung der schlecht, es ist das Heimatgefühl und die Liebe aur er großen Bügen die politischen Nämpfe des letzten Jahres und die sozialpolitischen Forderungen würden sich die Unterschiede bemerk erbten Scholle, es ist, furz gesagt, gerade die Gesinnung, die Maßnahmen, die von der Partei zur Abwehr der ungeheuer ge- bar machen. Nur in einem Punkte steht der britische Gewerkschaftsden Bauernstand zu einem so eminent nationalen Faftor macht, steigerten Agitation der Gegner geftoffen wurden. In Sachen der kongreß einheitlicher da als ein allgemeiner deutscher Gewerkschaftsdie in ihren Tiefen erschüttert und verlegt wird durch die Besorg. Jugendorganisation habe sich fein Barteitag auf eine bes fongreß stehen würde: in der Frage der Verweltlichung der nis, infolge staatlicher Steuertechnik dereinst aus dem Erbe der stimmte Form festgelegt. Die gewerkschaftlichen Jugendabteilungen Schule. Der Nottinghamer Stongreß nahm gegen eine ber Bäter verjagt zu werden.".. wollten feineswegs die politisch- proletarische Aufflärung erfegen, viel schwindende Minorität katholischer Arbeiter eine Resolution an, die Diese Darstellung ist ja geeignet, mitleidige Gefühle zu mehr beabsichtige man, die jungen Leute aller Berufe ein die Trennung zwischen Kirche und Schule verlangt, wobei von allen erwecken und gegen eine Steuer, die man nicht bezahlen will, Heitlich zusammenzufassen zu unpolitischen Bildungsvereinen. Mednern betont wurde, daß die Nesolution von dem Standpunkt Stimmung zu machen. Aber wer seinen Verstand zu Hilfe Selbständig leit und Selbstverwaltung sollten nicht ausgehe, daß Religion Privatsache sei, in die sich der Staat nicht nimmt, muß doch selbst bei oberflächlicher Prüfung schnell getroffen werden, nur müßten Personen von Talt und pädagogischem mischen dürfe. Diese Ansicht wird in England von vielen frommen herausfinden, daß die rührselige Geschichte eigentlich mit der Talent die Berater bilden. Nur gegen autonome Jugendorgani- Christen geteilt. Erbschaftssteuer gar nichts zu tun hat. Mag es fationen sei man, und nur gemeinsam mit den Gewerkschaften könnte mun wahr sein oder nicht, daß der mittlere bäuerliche Besitz die Partei das große Wert vollenden. Dem liberal- fozialistischen Charakter des Kongreffes entsprach es auch, daß eine Mehrheit dafile stimmte, die Regierung au ersuchen StaatSzuschüsse zu den ArveitZlosenfondZ der Gewerlschasten zu ge» währen, während eine andere Mehrheit eine Nesolutionablehnte, die der Regierung den Dan! für das Merspcnsionsgesetz aussprechen wollte. Die Debatte über letztere Resolution kulminierte in der Rede des Delegierten der Briefträger, Stuart, der erklärte:„... Die Re- gierung hat dies Zeugnis nicht verdient, den Dank verdienen die Arbeiter, die der Regierung diese Konzession abgerungen haben, da sie stark genug waren, die Regierung zur Einbringung dieser Vorlage zu zwingen." Erwähnt zu werden verdient auch die Debatte über die Resolution betreffend Einrichtung von obligatorischen Schiedsgerichten für gewerb- liche Streitigkeiten. Die Befürworter der Resolution wiesen auf die Tatsache hin, daß in den letzten 10 Jahren nicht einmal ein Drittel der Streiks erfolgreich war. Die Gegner der Resolution sahen in ihr eine Bankrotterklärung deS Gewerkschaftswesens. Die Resolution wurde mit 1099 000 Stimmen gegen 64S000 verworfen. Die Minderheit ist indes größer als in früheren Jahren. Im übrigen wurden alle sozialpolitischen und demokratischen Resolutionen, wie Achtstundentag, Ausbau der bestehenden Schutz- gesetze, allgemeines Wahlrecht für Männer und Frauen, Zahlung von Wahlkosten und Diäten, Vergesellschaftung der Eisenbahnen und Minen einstimmig angenommen. Die Krüe in Dänemarlt. Kopenhagen. 13. September. Mg. Ber.)� Bis zuletzt hat daS dänische Ministerium geglaubt, die Schande Mbertis überleben zu können, obwohl doch Christensen in der kurzen Zeit, die er als Finanzministcr fungierte, seinem Freunde und Kollegen von der Justiz, dem größten Betrüger des Landes, noch ein Darlehn aus der Staatskasse von IVa Millionen zufließen hatte lassen. Aber am Sonnabend nahm die Regierung Christensens plötzlich ein Ende; dazu bedurfte es aber deS Eingreifens des Königs, ein Vorgang, der in wirklich konstitutionell und parlamcn- tarisch regierten Ländern nicht gewöhnlich ist. Der Minister des Aeußern, der konservative LehnSgraf Raben-Levetzau hatte, nicht wie üblich durch den Chef des Ministeriums, sondern direkt vom König seinen Abschied verlangt. Da wurde Christensen zum König gerufen, und das Ergebnis der„Beratungen über die Lage" war, daß daS ganze Ministerium gehen mußte. Das Ministerium Christensen ist am 13. Januar 1905 inS Leben getreten. Man hatte sich zu der damaligen Ministcrkrise eine Zeit ausgewählt, in der der Reichstag Ferien hatte. DaS Ministerium De nutzer, daS erste der Linkenpartei, war besonders wegen seines militaristischen KricgSministerS M a d s e n wieder einmal von den Sozialdemokraten arg in die Enge getrieben worden. Madscn, früher auch als Kanonenagent der Firma Krupp tätig, suchte hinter dem Rücken und gegen den Willen deS FolkethingS die Befestigung Kopenhagens auSzuvanen und hatte sich nan, entlich die vor dem Hafen liegende Insel Saltholm dazu ausersehen. Er verwandte zu seiner FestungSbaucrei Ersparnisse, die er bei anderen Posten seines Budgets machte. Er durfte dergleichen nicht tun, denn der Reichstag hatte ja beschlossen, wofür die Gelder seines Ressorts verwandt werden sollten und was mit den FestungS- werken in Zukunft geschehen sollte, das war eine der Hauptfragen, die der vom Parlament eingesetzten Landcsverteidigungskommission zur Beratung vorlagen. Nachdem unsere. Genossen den Kriegs- minister auf seinen Schleichwegen ertappt hatten, war sein Ver- bleiben im Amte unmöglich geworden. Aber die starken Männer der Regierung, der Justizminifter A l b e r t i und Christensen, damals Kultusminister, brachten es dahin', daß nicht nur Madsen, sondern auch der Marineminister Johnke, der ein Gegner der FestungSbauten war, gehen mußte und ebenso der Ministerpräsident Professor Deuntzer und der Finanzminister Hage. Der ehcnialige Volksschullehrer Christensen wurde nun Chef des neuen Ministeriums und zugleich Kriegs- und Marineminister. Auch im übrigen fand man nicht für alle ledigen Posten die„zuverlässigen" Männer in der Linkenpartei, so daß man den Minister deS Aeußcm auS den Reihen der Konservativen holte. Christensen war als Folkethingsmann Vertreter der alten anti- militärischen Anschauungen seiner Partei. Noch in einer Militär- debatte des JahreS 1899 sagte er:„Wir können unsere Neutralität nicht verteidigen durch Waffengewalt, und wir müssen unS klar machen, daß wir das nicht können." Und als im Jahre 1901 der berühmte„Systemwechsel" erfolgt war, da waren eS die Männer vom ersten Linkenministerium, die in radikalsten Worten von der politischen Zukunft sprachen. Zunächst sollten nun die großen Programmforderungen der Partei: das allgemeine, gleiche Wahlrecht, Schleifung der Befestigung Kopenhagens und Herabsetzung der Militärausgaben, durchgeführt tverden. Was in dieser Hinsicht unter Deuntzer. der wohl ehrlich liberal gesinnt, aber schwach war. geschehen war. war weniger als null, denn die Militärausgaben stiegen. Unter Christensen wurde wohl das Gemeindewahlrecht verbessert, auch für die Frauen eingeführt, aber keineswegs wirklich demokratisch gestaltet. Zudem wurden unter dem Druck der sozialdemokratischen Agitation eine Reihe anderer Reformen durchgeführt oder trotz aller Bemühungen unserer Genoffen verpfuscht. So die Reform des Gerichts- Wesens, die die Unterschrift des Millionendiebes Alberti Dürnberg. Nürnberg, 13. September. Als wir gestern abend in Nürnberg eintrafen und nach Meldung bei dem in den Räumen des stattlichen Hauptbahnhofs selbst unter- gebrachten EmpfangZbureau aus die Straße traten, trieb uns ein kalter Herbstwind leichten Sprühregen ins Geficht. Heute bedeckt ZeuS nur zuweilen seinen Himmel mit Wolkendunst— meist läßt heller Sonnenschein die zahlreichen Türme und Giebel der male- rtschesten aller deutschen Städte sich scharf in den blauen Aether oder das grelle Weiß lichtdurchgluteter Wolken zacken. Des„deutschen Reiches Schatzkästlein", wie ein jedem Delegierten— neben der„Geschichte der Nürnberger Arbeiterbewegung"-- von den Nürnberger Genoffen gestifteter Führer das markanteste Stück Mittelalter- licher Kulturgeschichte nennt, präsentiert sich den Gästen im schönsten Staate. Und w der Tat:„Keine andere deutsche Stadt bietet wie Nümberg in seinen prächtigen Kirchen, seiner auf der Höhe gelagerten mächtigen Burg, seiner Fülle stilvoller Patrizier- bauten, endlich in dem trotzigen, ungemein inalerischen Gürtel seiner von unzähligen Türchen und Türmen gekrönten Stadtmauer ein so gerundetes und kraftvolles Bild mittelalterlichen Städtelebens und mittelalterlicher bürgerlicher Kultur. Als wir heute schon in früher Morgenstunde in beschaulicher Einsanikeit einen Gang durch die hallenden Gaffen machten und dann an dem gewaltigen Stadtgraben entlang promenierten, fühlten wir uns aus dem hastenden Zeitalter Zeppelins und der Gebrüder Wright versetzt in die geruhigen Zeiten HanS Sachsens und Albrecht Dürers, lieber den Türmen der Stadtmauer und den spitzen Giebeln der angrenzenden Häuser schwärmte eine Wolke Schwalben, wie einst Ivohl in den Tagen der höchsten Betriebsamkeit eines stolzen und kunstsinnigen Bürgertums, und über das wildwuchernde Gesträuch des Stadtgrabens, über die trägt und in vielen Punkten ein Produkt der politischen Fäl- schungen dieses ehrlosen Justizministers ist. Während der Ministcrkrise von 1905 wurde Christensen von seinen Wählern über seine Stellung zur Forderung der Herabsetzung. der Militärausgaben und der Schleifung der Festungswerke befrag:. Er antwortete:„Die Festung ist eine Tatsache, um die wir nicht herum kommen, und in Zukunft will ich darüber keine Unannehmlichkeiten mehr hören." Als er dann am 17. Januar als neugebackener Ministerpräsident und Verteidigungsminister im Folkething seine Programmrede hielt, sagte er, daß keine Aus- ficht auf wesentliche Herabsetzung der Militäraus- gaben vorhan den sei. Seine Parteifreunde in der„VerteidigungS- kommission" des Reichstages haben in diesem Sinne eine starke Er- höhung der Militärausgaben vorbereitet. Seine Partei ist bereit, auch in dieser Hinsicht die alten guten Grundsätze zu verraten, aber ihm selbst ist eS nicht vergönnt, als Minister dies neue militärische Programm der.Linkenpartei" durchzuführen. Ob er in Zukunft als Folkethingsmauu dafür wird wirken können, ist noch sehr fraglich. Er soll in enger finanzieller Verbindung mit Alberti gestanden haben, in Geldangelegenheiten von diesem Schwindler abhängig gewesen sein. Seine näheren Parteifreunde haben sogar früher einmal einige tausend Kronen für ihn gesammelt, um ihn unabhängig von Alberti zu machen. Er hat die Gabe zurückgewiesen, weil er ihrer nicht bedürfe. Man glaubte ihm damals. Nun denken viele wieder anders über die Sache. politische Qcberlicbt. Berlin, den 14. September 1908, Strandgeplauder. Fürst Bülow genießt noch seine Ferien in Norderney. Zu den Genüssen gehört auch offenbar, daß der Fürst sich von Zeit zu Zeit über Weltpolitik reden hört, und da der deutsche Reichstag für gewöhnlich nicht versammelt ist, so befriedigt der Kanzler dies Harm- lose Bedürfnis in Interviews, natürlich mit auswärtigen Jour- nalisten. Ein eigentümlicher Hang treibt ihn, sich dazu just die Vertreter der realtionärsten und deutschfeindlichsten Blätter auSzu- suchen. Vor einiger Zeit war's ein Herr von der„Nowoje Wremja", diesmal ein Vertreter deS„Standard". Offenbar versucht Fürst Bülow die Wirkung seiner Liebenswürdigkeit an den inter- nationalen Gegensätzen, nachdem eS ihm in Deutschland selbst so gut gelungen, durch bloße Liebenswürdigkeit die Gegensätze zum Schweigen zu bringen und die steisinnige Opposition in seine ge- treueste Garde zu wandeln. Sechs Spalten füllt daS Interview im„Standard", eine lange Polemik gegen die englischen Chauvinisten und ihre Hetzereien. Da der Kanzler außeramtlich sprach, finden sich auch ein paar sehr vernünftige Aeußerungcm So erklärte Bülow, daS Publikum schreibe den Aeuße- rungen hoher Persönlichkeiten viel zu viel Be- d e u t u n g zu, ohne zu wissen, unter welchen Umständen und in welcher Gcmütsstimmung die Worte der hohen Persönlichkeit ge- fallen sind. Die Mißverständniffe, die so entstehen, seien eine der größten Gefahren der heutigen Zeit. DaS ist eine Ansicht, die wir teilen, nur meinen wir, daß Fürst Bülow als providentionellcr Staatsmann das Publikum vor einer Anzahl solcher Aeußerungen eigentlich hätte behüten müffcn. Mit Recht warnte Bülow auch das englische Publilum, den AuS- lqffungen gewisser Professoren, die angebliche höfische und sonstige Verbindungen hätten, zuviel Bedeutung beizulegen, und von gutem Geschmack zeugt auch seine Versicherung, er lese die Auslassungen des Professors Schiemann höchstens einmal in sechs Monaten. Nach einer ausführlichen Widerlegung aller Deutschland zu- geschriebenen kriegerischen Pläne folgte dann der Schluß- akkord nach dem jetzt üblich gewordenen Schema: Deutsch- land wolle den Frieden, aber nicht den Frieden um jeden Preis, sondern einen„Frieden in Ehren", eine etwas verllausulierte Versicherung, die gewöhnlich keinen besonderen Erfolg hat und auch diesmal nicht viel genützt hat. Der„Standard" bespricht in einem Leitartikel die neue Leistung sehr unwirsch und so wird es schon notwendig, den Absichten des Fürsten Bülow. das englische Volk von dem festen Willen deS deutschen Volkes, den Frieden und die Eintracht in Europa unter allen Um- ständen aufrecht zu erhalten, mit zweckmäßigeren Mitteln zu über- zeugen. Es trifft sich sehr günstig, daß in Berlin am 20. September die große Versammlung stattfinden wird, in der die Vertreter der deutschen und der englischen Arbeiter ihre un- verbrüchliche Solidarität bekunden werden. Wir wissen im voraus, daß diese Kundgebung nicht auf solche Harthörigkeit stoßen wird wie die Aeußerungen des deutschen Kanzlers bei der Redaktion des englischen konservativen Blattes. Die Verfassungsfrage in Mecklenburg. Wie der„Franlf. Ztg." berichtet wird, wird der außerordentliche Verfassungslandtag, der bekanntlich wieder am 12. Oktober in Schwerin zusammentritt, nur von sehr kurzer Dauer sein. DaS GroS der Ritterschaft steht nach wie vor auf dem Standpunkt, daß die Regierungsvorlage glatt abzulehnen sei. Plan wird es auch nicht für nötig halten, seine Wlehnung in einer milderen Form Mauertürme hinweg grüßten ernst und stolz die energischen Kon- turcn der gewaltigen Burg wie vor ein paar hundert Jahren. Nur dräut keine Feldschlange mehr aus den Schießscharten, nur zeugt hin und wieder ein langer Riß in der Mauer von dem Alter dieses zyklopischen Verteidigungswerkes. Und ach: jetzt läutet und surrt die elektrische Bahn vorüber, und dort um die Ecke faucht gar unter warnendem Hupengetön ein Auto, um in echt Berliner Tempo die stark geneigte Kurve zu nehmen I DaS ist Nürnberg I Umgürtet von der fünf Kilometer langen Stadtmauer, beherrscht von der Burg, überragt von seinen Domen, liegt das alte Nürnberg inmitten des neuen, des modernen Nürnberg mit seinen breiten, lichten modernen Straßen, mit seinen Proletarierquartieren. Das zünftige Handwerk ist auch in dieser altertümlichsten Stadt Deutschlands von der Industrie abgelöst worden. Den Gcsellenverbänden, die, wie Schoenlank eS so an- schaulich dargestellt, nianch scharfe Fehde mit den Meistern auS- gekämpft, sind die modernen Gewerkschaftsorganisationen gefolgt, denen in Nümberg wohl 40 000 Arbeiter angeschlossen sind l Und selbst der breite Graben und die wuchtige Stadtmauer mit ihren Bastionen und Türmen haben nicht einmal daS alte Nürn- berg�gegen die umstürzenden Geivalten des Zeitalters deS Dampfes und der Elektrizität schirmen' können. Zwischen den exklusiven Patrizierbauten, die erstaunt auf das bunte Straßentreiben einer Großstadt des 20. Jahrhunderts herabschauen, haben sich neue Häuser mit protzenhaft trivialer Fassade eingedrängt. Neben Kramläden und Bräustuben von wahrhaft urväterlichem Gepräge werfen«doch- elegante" Läden, werfen die Spiegelscheiben„modernster" Caf6s ihre aufdringliche Lichtflut auf die Gaffen. Ja, was noch schlimmer ist, hier und da hat sich ein„Restaurant" oder Cafö gar stilwidrig in einen ehrwürdigen Bau eingenistet, in dem höchstens der beleibte Wirt zum„bunten Oechslein" seinen Gästen»igenhändig den Zinnkrug vor die Naje setzen sollte..» vorzubringen, da die Regierung ihrerseits es nicht fvr nffkig gehckBen habe, auch nur durch die kleinste Aendenmg der Vorlage zu zeigen, daß sie zu einem Entgegenlommen bereit sein könnte. Die Herren geben sich auch gar nicht mehr die Mühe, diesen ihren Entschluß geheimzuhalten, denn es ist Anordnung gegeben, daß bereits zun: 14. Oktober, also zwei Tage nach Eröffnung des Landtages, die Sitzungszimmer des Engeren Ausschusses im Ständehause zu Rostock hergerichtet werden sollen. Das mecklenburg-schwerinsche Ministerium will, wie der Ge- währsmann des Frankfurter Blattes weiter mitteilt, die Ver- fassungsfrage, falls die Ritterschaft alle Vorschläge ohne weiteres ablehnt, vor das Forum deS Bundesrats bringen. Im Grunde genommen, ist es besser, die alten mecklenburgischen Berfassungszustände bleiben vorläufig— allzu lange kann eine wirkliche Reform doch nicht mehr hinausgeschoben werden— noch bestehen, als daß der vom Ministerium ausgebrütete widerliche Wechselbalg Gesetz wird, denn an der Herrschaf: des feudalen Junkertums wird durch diese so« genannte Verfassungsreform nichts geändert. Es werden daduräi lediglich die Einkünfte des Großherzogs enorm vermehrt; ein Teil des heutigen LandeSvcrmögens zu„Krongut" gestempelt; die Macht- stellung des Ministeriums vergrößert und in weiterer Folge der Bc- völkerung neue Steuerlasten aufgebürdet. Einen anderen Zweck hal die ganze„Reform" nicht.— Der kleine Befähigungsnachweis. Am 1. Oktober tritt bekanntlich der sogenannte kleine Be- fähigungSnachweis in Kraft, der dazu auSersehen ist, wieder einen Teil des alten Zunfttums aufleben zu lassen. Nach der Novelle der Neichsgewerbeordnung, die der Reichstag im Mai d. I. beschlossen hat, wird von diesem Tage an die Bc- fugnis zur Anleitung von Lehrlingen in Handwerlsbetrieben nur noch solchen Personen zugestanden, die vor dem 1. Oktober 1884 geboren sind und die Meisterprüfung bestanden haben. Haben solche Personen die Meisterprüfung nicht für dasjenige Gewerbe oder denjenigen Zweig des Gewerbes bestanden, in welchem die Au- leitung der Lehrlinge erfolgen soll, so haben sie die Befugnis dann, wenn sie in diesem Gewerbe entweder die Lehrzeit zurückgelegt und die Gesellenprüfung bestanden haben oder fünf Jahre hindurch persönlich das Handwerk selbständig ausgeübt haben oder während einer gleich langen Zeit als Werkmeister in ähnlicher Stellung tätig gewesen sind. Die höhere Verwaltungsbehörde kann Personen, welche diesm Anforderungen nicht entsprechen, die Bc- fugnis für Anleitung von Lehrlingen widerruflich verleihen. In den Ausführungsbestimniungen, die der preußische Handelsministc: für Preußen erlassen hat, empfiehlt er mit Rücksicht auf die tief ein- schneidende wirtschaftliche Bedeutung dieser Maßnahme besondere Vorsicht. Jedenfalls sei es gut, bei allen Verleihungen und Eni- Ziehungen der AnIeitungsbefugniL Handwerkskammern und Innungen zu befragen. Die Novelle bestimmt weiter, daß jeder Lehrling nach Ablauf der Lehrzeit die Gesellenprüfung ablegt. Zur Meisterprüfung werden nur solche Personen zugelassen, die eine Gesellenprüfung bestanden haben. ES ist nicht nötig, daß der Geselle seine Gesellenprüfung in dem Handwerk abgelegt hat, in der er seine Meisterprüfung ab- legen will. Wer zum Beispiel in seiner Gesellenzeit umsattelt. braucht für die bevorstehende Meisterprüfung nicht erst noch eine Gesellenprüfung im neuen Handwerk abzulegen. Ausnahmen bc- treffs der Gesellen- und Meisterprüfung sind für ältere Handwerker zulässig, wollen sie heute noch den Meistertttel erwerben, so kann ihnen die Gesellenprüfung erlassen Verden, wenn sie eine solche früher nicht bestanden hatten. ES soll in Zukunft streng darauf gesehen werden, daß der Meistertitel nur von Handwerkern geführt wird, die die Meister- Prüfung bestanden haben und das 24. Lebensjahr zurückgelegt haben. Für die Uebergangszeit gilt die Bestimmung, daß Personen, die vor dem 1. Ottober 1908 daS Recht der Lehrlingshaltung besaßen, den Bestimmungen der Novelle aber nicht entsprechen, also nicht Meister sind und nach dem 1. Oktober 1884 geboren sind, ihre Lehrlinge auslernen lasten dürfen. Nach dieser Zeit haben sie sich den Bestimmungen deS Gesetzes zu unterwerfen, wenn sie ferner Lehr- linge anleiten wollen. Während der ersten fünf Jahre nach den: Inkrafttreten, also bis zum 1. Ottober 1913, darf die Zulaffung zur Meisterprüfung vom Bestehen der Gesellenprüfung nicht abhängig gemacht werden.—_ v. Liebert, der Große. Herr Abg. v. Liebert, Generalkommandeur deS ReichSverffandeS gegen die Sozialdemokratie, hat am 7. d. M. auf dem Sedan- kommerS des Alldeutschen Verbände? in Potsdam eine seiner bc- kannten geistvollen Festreden gehalten, in der er nach dem Bericht der „PotSd. TageSztg." gesagt haben soll: „Sedan bedeute auch den Sieg des Germanismus über das Romanentuin. Mit Sedan wurde die französische Weltherrschast gebrochen und Deutschland begann Weltmacht zu werden. Ferner bedeute Sedan den Sieg des Protestantismus über den UltramontismuS, vor allem aber schuf eS uns das protestantische Kaisertum und brachte unS das einst verlorene Land an den Vogesen wieder.". Vielleicht entschließt sich Herr v. Liebert auch noch einen„Reichs- verband gegen Katholizismus und Zentrum' zu gründen.— So zeigt Nürnberg ein wundersames Doppelbild. Zur Ehrfurcht und zur sinnenden Betrachtung stimmen die Gotik und das Barock seiner prächtigen Kirchen- und Profanbauten.„Die gute alte Zeit" des Bürgertums mit ihrem biderben Bürgerflnn, ihrem das Hand- werk zur Kunst adelnden Fleiff ihrer kernhaft schlichten Poesie, aber auch mit ihrem starren Autoritätsglauben, ihrem engherzigen Kasten- geist wird in uns lebendig. Aber diese patriarchalischen Reminiszenzen und Stimmungen umspült, überflutet der Strom des gegenwärtigen Leben?, des gegenwärtigen Kampfes. Nicht daß wir uns auf gewisse Errungenschaften der Neuzeit besonders viel zu gute täten— etwa auf das gräßlich gezierte und öde Cafühaustreiben oder aus das „Kabarett", das natürlich auch in Wrnberg nicht fehlen darf. Und wenn auch der Kraft- und Duft-Wagen. der die Gäßchen der Altstadt oft zu lebensgefährlichen Engpässen macht, zuweilen unseren Verdruß erregt: wir verkennen darum noch lange nicht die weit- und schicksalsbezwingende Macht der modernen Technik, die ja jetzt in: lenkbaren Luftschiff Zeppelins und vielleicht mehr noch in dem Luft- outo des amerikanischen Brüderpaares ihre jüngsten Triumphe gefeiert hat. Sache de» Volke», unsere Sache ist es. die moderne Technik, die moderne Wissenschast in den Dienst der Menschheit zu stellen, den Menschen, der im Dienste des Kapitalismus nur ein Sklave der Maschme ist, zum freien, glücklichen Herrn der Maschine zu machen! Und wenn wir dabei angesichts der steinernen Zeugen einer zwar begrenzten, aber in sich geschlossenen Kultur der Vergangenheit erkennen, in welchem Zustande grauenvoller Barbarei heute noch die große Mehrheit deS Volkes lebt— um so besser! Helfen wir eine Gesellschaftsordnung schaffen. Ivo der Mensch nicht mehr im Sklaven- joche der armseligen nackten Notdurst frondet, sondern wo ihm der Lebensunterhalt etwas Selbstverständliches, etwas Geistiges ist, da- mit er darüber hinaus sein Leben menschenwürdig, künstlerisch zu gestalten vermag I ChryMche«inigfeit. Die christlichen, richtiger ultramontancn Gelverischaftcn sind eifrig bemüht, die evangelischen Arbeiter zu sich hinüberzuziehen— einmal um ihre Mitgliederzahl zu vergrößern, dann auch zu dem Zwecke, um ihren ultramontanen Charakter zu verdecken. Denn es geht nicht gut an, sich als„interkonfessionell" zu bezeichnen und die Abhängigkeit vom Zentrum abzuleugnen, wenn neun Zehntel der Mitglieder der christlichen Gewerkschaften katholisch sind und die evangelischen Arbeiter nicht die mindesten Anstalten machen, diesen Prozentsatz zugunsten der„Jnterkonfessionalität" um- zuändern. Nun tun zwar die christlichsozialen Stöckerleute alles mögliche, die evangelischen Arbeiter für die christlichen GeWerk- schaften zu gewinnen, aber ihr Einfluß ist trotz des Spektakels, den sie von ihren„Erfolgen" machen, doch nur gering, und so bleibt es nach wie vor dabei, daß sich die christlichen Gewerkschaften mit dem Anhang aus ultramontanen Arbeiterkreisen begnügen müssen. Auch auf dem letzten Delegiertentag der evangelischen Arbeitervereine in Halle haben die Christlichsozialen ihre Ztetze für die christlichen Gewerkschaften ausgeworfen, aber wieder ohne jeden Erfolg. Di« Führer der evangelischen Arbeitervereine sind zwar den Sozialdemokraten nicht gewogen und sie tun alles mög- lich, ihre Leute von den sozialistischen Gewerkschaften abzuhalten, aber sie sind doch auch den Ulttramontanen nicht hold, und da sie nicht hoffen können, den Zentrumseinfluß in den christlichen Gewerkschaften zu brechen, dafür aber fürchten müssen, daß ihre Schäfchen inmitten der ultramontanen Mehrheit an ihrem evangelischen und— da ja das Zentrum in„nationaler" Hinsicht für nicht kittelrein gehalten wird— auch an ihrem„nationalen" Bewußtsein Schaden leiden, so verhalten sie sich im allgemeinen den Lockungen gegenüber, die aus den christlichen Gewerkschaften ins evangelische Arbeiterlager hcrüberschallen, recht schwerhörig, zum Teil sogar direkt ablehnend. So schreibt Pfarrer Just, einer der namhaftesten evangelischen Arbeitervereinsführer, in dem Verbandsblatt der schlesischen Arbeitervereine: r3Kan hatte in Halle gegen einen unsichtbaren Feind zu kämpfen, gegen Mächte, die nicht selber auf dem Plan er- schienen, sondern nur einzelne Vertreter sandten, die mit ge- bundener Marschroute marschieren mußten. Nicht nur die christlichen G e we r k s.ch a fit e n,.sondern auch die sich als deren Protektorin aufspielende christlichsoziale Par- tei haben in Halle versucht, den Gesamtverband zu über- rumpeln und auf irgendeine Weise ins Schlepp» tau zu nehmen. Wie Kinder(gemeint sind die christlichen Gewerkschaftsführer), die ein eingelerntes Vcrschen bei jeder Gelegenheit aufsagen, hatten sie sich ihre Reden ausgearbeitet und hielten sie nun, ob sie paßten oder nicht, und der Schluß- refrain hieß immer wieder: Werdet christlichsozial und christ- liche Gewerkschafter. Aber die anderen Abgeordneten sangen nicht mit und dadurch kamen die Redner aus dem Zu- sammenhange und aus der Ruhe. Diese unermüdliche und staunenswerte Unverfrorenheit hat die Hallenser Tagung unerquicklich gemacht." Man sieht, von einer Geneigtheit der evangelischen Arbeiter- vereine, sich von den christlichen Gewerkschaften ins Schlepptau nehmen zu lassen, ist aus diesen Worten nichts zu spüren. Und so werden sich denn die christlichen Gewerkschaften trotz des„intcr- konfessionellen" und„politisch neutralen" Mäntelchens wohl damit abfinden müssen, als da? zu gelten, was sie wirklich sind: ultra- montane Unternehmungen zum Schutze des gentrums._ Ter Liberalismus und die Lehrer. Zu der materiellen Not der Bolksschullehrer gesellt sich der Gewissenszwang. Namentlich die preußischen Lehrer wissen ein Liedchen davon zu singen. Zwar sagt die preußische Verfassung: Feder Preuße hat das Recht, durch Wort, Schrift, Druck und bild- liche Darstellung seine Meinung frei zu äußern; wie diese Meinungsfreiheit aber in Wirklichkeit aussieht, ist hinlänglich bekannt. Diese materielle und geistige Misere der preußischen VollsschuUehrer und ihre unausbleibliche Rückwirkung auf die Volksschule wird in einem Artikel des liberalen „Leipziger Tageblattes" treffend dargelegt und unter anderem fest- gestellt, daß nach der Statistik vom Li). Juni 1906 821 Lehrer bis höchstens 750 M., 8311 bis höchsten 1000 SR, 7277 bis höchsten? 1200 M. und 10 831 bis Höchstzns 1500 M. Dicnstcinkommen hatten. Also 27 089 Lehrer, d. h. fast ein Drittel aller preußischen Volks- schullchrer, hatten bis höchstens 1500 M. Diensieinkommen. „Es bedarf keiner langatmigen Auseinandersetzungen"—l heißt es dann in dem Artikel,—«um darzutun, daß eine Volksschule, deren Lehrkräfte so unzureichend besoldet werden, nichts Vollendetes leisten kann. Denn natürlich wenden sich diejenigen jungen Leute, die im Leben vorwärts kommen wollen, einem Beruf zu, der ihnen bessere Aussichtet bietet. Der Gedanke, in einem abgelegenen Dorf alle Bildungsquellen und alle ästhetischen Genüsse zu entbehren, i n sozialer Abhängigkeit von einem„Patron" und unter der steten Bevormundung des Ortsgeistlichen zu leben, zudem aber dieses Leben nur notdürftig fristen zu können, ist für strebsame und energische Menschen kemesiocgS ver» lockend. Es ist unvermeidlich, daß die besseren Elemente sich anderen Berufen widmen werden, so lange dem Lehrer nicht eine einigermaßen befriedigende materielle Lage gesichert ist." Es heißt dann weiter: „Mit dieser materiellen Hebung deS Standes muß dann freilich auch noch eine soziale und moralische.Standeserhöhung" verbunden fein. Die fachmännische Schulaufsicht muß überall durchgeführt werden, und' es muß der politische Ge- sinnungSzwang aufhören, der jetzt gegen die Lehrer geübt wird.... .Selbstverständlich gibt es für die politische Betätigung deS Lehrers eine Grenze. Der Staat kann seitens sei it erLehrer keine sozialdemokra- tische Propaganda dulden: er kann nicht zugeben, daß die Lehrer ein Geschlecht heranziehen, das den Staat und seine wichtigsten Institutionen negiert. Hier beginnt der innere Widersinn(Ij. Wenn dem Lehrer jedoch nicht nachgewiesen werden kann, daß er den Unterricht zu einer staatsfeindlichen politischen Agitation ausnutzt, so ist eS selbstverständlich, daß er wegen außerdienstlicher Be- Uitigung seiner politischen Gesinnung nicht behelligt werden darf." DaS ist echt liberal I Das Blatt fordert demnach die politische Betätigungsfreiheit für die Lehrer nur so weit, als es dem Libera- liSmuS in den Kram paßt. Liberal zu denken und liberalen Vereinen anzugehören, das darf dem Lehrer nicht verwehrt werden, denn sonst werden seine heiligsten Menschenrechte verletzt: aber die Grenzen der liberalen Anschauungen darf er nicht überscheeiten. dann hören die Menschenrechte auf.—_ Ein selbstverständliches Dementi. Vor einigen Tagen ist die Meldung aufgetaucht, daß hei der Regierung die Absicht bestehe, das billige Ortsporto wieder ein- zuführen. Diese Meldung wird vom Reichspostamt—- wie nicht ander? zu erwarten war— kategorisch dementiert. DaS war zu erwarten, denn Kraetle und Fortschritt passen zusammen, wie die Faust aufs Auge.-_ Der preußische Landtag soll, wie eine hiesige konservative Parlamentskorrespondenz zu be- richten weiß, im Oktober im königlichen Schlosse persönlich durch den König eröffnet werden. Wie wir hören, steht es fest, daß die Er- öffnung am 20. Oktober, vormittags 11 Uhr, im Weißen Saale er- 1 folgt. Der Termin wird nach der stattgehabten StaatSministerial- sitzung am kommenden Freitag bekanntgegeben werden.— Wie der- lautet, sollen die prettßischen Beamtengesetze am 21. Oktober vom Ftnanzminister Frhrn. v. Rheinbaben dem Landtage vorgelegt Iverden und am gleichen Tage zur B e r ö f f c n t l i ch u n g gelangen. Von einer früheren Belanntgabe will man im Finanzministeriuiit nichts wissen. Der alte Brauch, der auch bei der Etats- einbringung in Preußen gilt, soll nicht gebrochen werden. Das Reich geht in dieser Richtung weniger bureaukratisch vor, veröffentlicht die Etats vor der Einbringung und will auch die Finanzpläne veröffentlichen, sobald der Bundesrat entschieden hat. Am 22. Oktober dürften wegen der Hoffestlichkeiten die Sitzungen des Landtages ausfallen, auch war es bisher üblich, nach der Ein- bringung wichtiger Borlagen einige freie Tage für FraktionS- besprechungen zu reservieren.— Nach der Eröffnung deS Landtags hat übrigens noch eine neue Präsidentenwahl stattzufinden. DaS Präsidium, das am 26. Juni gewählt worden war, hätte gemäß § 9 der Geschäftsordnung nach vier Wochen wiedergewählt werden müssen. Da die Herbsttagung als zweite Session der neuen Legis- laturperiode gelten wird, so muß eine neue Wahl stattfinden, wie sie zu Beginn jeder neuen Session nötig ist. Diese Wahl gilt für die Dauer der ganzen Session, ist also nach vier Wochen nicht zu wieder- holen.—_ Vermuckerungsbestrebtmgen in Hamburg. In Hamburg ist die Kirche vom Staate so ziemlich getrennt und daher ist es auch zu erklären, daß die Volksschulkinder nicht allzu grausam mit Bibelsprüchen und sonstigem religiösen Memorier- stoff malträtiert werden. Klagte doch vor einiger Zeit der Haupt- pastor Dr. Rode in der Hamburger Bürgerschaft, daß es hamburgische Lehrer gebe, die in den wenigen Religionsstunden staatsbürgerlichen Unterricht erteilten. Diese„Lücke" möchte der aus Dunkelmännern bestehende Kirchliche Verein durch Errichtung eines Seminars zur Ausbildung christlicher Religionslehrer ausfüllen, die dann durch privaten Unterricht die geistige Dressur der Volksschüler vor- nehmen sollen. Der Kirchliche Verein verlangt, daß be- stimmte Kinder vom Religionsunterricht in den Schulen dispensiert und dann von ihm unterrichtet werden sollen. Diesen Vermuckerungsbestrebungen werden selbstverständlich unsere Genossen im Hamburger Landesparlament energisch entgegentreten und ent- sprechend unserem Programm die völlige Beseittgung des ReligionS- Unterrichts in den Schulen verlangen. Das Organ der hamburgischen Lehrerschaft, die„Pädagogische Reform", wendet sich sarkastisch gegen die„Seelenrettungskurse für unschuldige Kinder" und bemerkt,„die gesetzgebenden Körperschaften Haniburgs müßten sich nunmehr die Frage vorlegen, ob es nicht besser ist, wenigstens den Katechismnsunterricht aus den öffentlichen Schulen zu beseitigen". Wir empfehlen gründlichste Aufräumungs- arbeit auf diesem Gebiete.--_ Militärjustlz! Wegen Achtungsverletzung und Beharren im Ungehorsam stand der Grenadier Bartel bor dem Dresdener Kriegsgericht. Während des Gewehrreinigens befahl ihm ein Unteroffizier, einen Putzlappen zu holen. Der Grenadier ging, sagt aber:„Da kann man ja nicht Lappen genug schaffen I" Als der Angeklagte dann lange in seinem Schrank nach einen, Lappen suchte, wurde er vom Unter» offizier aufgefordert, den Schrank zu schließen. Dies soll der An- geklagte nicht schnell genug! getan haben. Es folgte eine Meldung und dann die Anklage. Das Gericht erkannte mit Mick- ficht auf die große„Disziplinlosigkeit" auf 7 Wochen Gefängnis, während welcher Zeit der Grenadier über die eiserne Disziplin nachdenken kann. O welche Lust, Soldat zu fem!—> Oertcmicb. Eine Demonstratio». Budapest, 14. September.(Privattelegramm deS„Vor- wärts".) Die Sozialdemokraten veranstalteten heute trotz des Verbotes der Polizei einen Umzug für das allge» meine Wahlrecht nndgegen die Klerikalen Ungarns. Dabei kam es zu Zusammenstößen mit einer Prozession, die anläßlich des Katholikentages stattfand. Die Polizei wandte sich in brutalster Weise gegen die Sozialdemokraten und hieb mit blanker Waffe drein. Zahlreiche Arbeiter wurden verivundct und viele Verhaftungen vorgenommen. Rolland. Für das gleiche Wahlrecht. Haag, 14. September. Gestern fand hier eine große Kundgebung zugunsten des allgemeinen gleichen Stimmrechts statt. Sie nahm einen imposanten Verlauf. Es wohnten derselben 30(XX) Personen bei. 950 Verbände waren vertreten. 12 Redner hielten während des Meetings, welches veranstaltet Ivorden war, Ansprachen. U. a. wurde darauf hingeiviescn, daß insgesamt 500 000 Arbeiter beiderlei Geschlechts ein Wahlrecht nicht besitzen. �omegen. Sozialdemokratische Beamte. Kristiania, 3. September.(Eig. ver.) Die staatlichen Beamten und kommunalen Angestellten in Nor- lvegen sind sehr gut organisiert, aber trotzdem ist eS ihnen nicht möglich gewesen, bcffere Lohnverhältnisse zu erzwingen. Die Organisationen haben meist andere Aufgaben als Berbesserung der Lebensbedingungen ihrer Mitglieder. Die Löhne werden vom Storthing und von Stadtparlamenten bewilligt, wo die Arbeiter und Angestellten bisher wenig Einfluß gehabt haben. Und gibt eS dann mal eine GcsinnungSzulage auf der einen Seite, so wird auf der anderen Seite die direkte oder indirekte' Steuerschraube sofort fester angezogen. Zu dieser Erkenntnis sind nun auch die Angestellten ge- kommen. Die Bewegung des letzten Jahres beweist deutlich, daß Zulagen in Gestatt von guten Redensarten die Patriotischen Gefühle durchaus nicht mehr befriedigten. Sämtliche Eisenbahn- angestellte hatten bereits mit Streik gedroht, falls ihren Forderungen nicht entsprochen worden wäre. Der Druck von oben wird aber immer stärker. DaS SolidaritätSgefühl erwacht auch bei den Staatlichen. Bor einigen Tagen gründeten die öffentlichen An« gestellten einen sozialdemokratischen Verein in der Er- tenntniS, daß ihre sozialen und politischen Interessen ganz und gar mit denen der selbständig organisierten Arbetter zusammenfallen. Die Angestellten können eS nicht länger erdulden, als Diener be« handelt zu werden, die sich nur dankbar zeigen sollen, weil man sie m Dienste hat. Die Schutzleute sind in diesem Verein stark vertreten.—_ Rußland» Der ewige Ausnahmezustand. Petersburg, 12. September. Durch kaiserlichen Uka» ist der K r i e g s z u st a n d in den Ostseeprovinzen mit dem 23. d. M. aufgehoben und durch den verstärkten Schutz ersetzt worden. In einigen Gegenden des Gouvernements Jekaterinoslaw ist der außerordentliche Schutz verlängert worden. OWiei. Eifcubahnerstreik. Konstantinopel, 14. September. Auf der anatoltschen Bahn wurde heute der Generalstreik proklamiert. Das RegicrungSprogramm. Konstantinopel, 13. September. In einem Interview mU einem Korrespondenten der Petersburger Telegraphen-Agentur er- klärte der M i n i st e r des Ae u ß e r n Tewfil Pascha, die neue Türkei werde gegen sämtliche Mächte eine friedliche und freundschaftliche Politik betreiben, jedoch ihre nationalen Interessen wahren und sich nicht in internationale Zwistigkeiten einmischen. Falls die Türkei Kulturkräfte nötig haben sollte, würde sie diese, dem Beispiel anderer Länder folgend, aus dem Auslande berufen und zwar aus eigenem Antriebe. Ein systema- tisches kulturelles Eindringen anderer Mächte in das türkische Gebiet werde auf die Dauer unmöglich, da die Türkei selber ein Kulturstaat geworden sei. Auf Mazedonien übergehend, erklärte der Minister, die Türkei werde jetzt in Maze» donien Reformen in gleicher Weise wie im ganzen Reiche einführen. Zu allererst stehe eine Justizreform bevor. Das mazedonische Budget werde bedeutend erleichtert werden, da keine Notwendigkeit vorliege, daselbst wie bisher zahlreiche Truppen zu halten. Die dreiprozentigen Zuschlagszölle würden vorläufig nach wie vor für die Bedürfnisse des mazedonischen Budgets verwandt werden, doch beabsichtige er, über diese Frage ein neues Einver- nehmen herbeizuführen, wenn er mit den Mächten über Handelsverträge verhandeln würde. Die Reformen müßten den Wohlstand der mazedonischen Bevölkerung heben, toaß natürlich auf das mazedonische Budget günstig wirken würde. Einigkeit der Jungtürken. Konstantinopel, 14. September. Es wird bestätigt, daß zwischen dem Dezentralisationskomitee, mit dem Prinzen Sabah-Eddin an der Spitze, und dem Komitee für Einheit und Fortichritt eine vollständige Einheit erzielt worden ist. Der verstimmte Diplomat. Konstantinopel, 14. September. Der bulgarische diplomatische Agent Geschow reiste vorgestern abend nach Sofia ab als Zeichen der Unzufriedenheit und Protest dagegen, daß er zu dem diplo- matischen Galadiner, das der Minister des Aeußcren Tewfil Pascha gab, keine Einladung erhalten hatte. Konstautinopel, 14. September. Den türkischen Blättern zu- folge erklärte der Großwesir auf die Schritte, welche vom bul» garischen diplomatischen Agenten Geschow wegen der unter- bliebenen Einladung zum diplomatischen Diner unternommen wurden, beide Regierungen bildeten, da Bulgarien nur ein Vasallenstaat der Türkei sei, vom politischen Gesichts- Punkt aus nur eine Regierung. Infolgedessen könne der bulgarische diplomatische Agent an dem Diner der Vertreter der auswärtigen Staaten nicht teilnehmen. Er könne nur bei dem Diner für die Minister und die ottomanischen Würdenträger zusammen mit dem Vertreter Aegyptens zugezogen werden. Wie dieselben Blätter melden, erklärte das bulgarische Ministerium des Aeußern dem türkischen Kommissariat in Sofia, daß das Unterlassen der Einladung Geschows zu einem Bruch der Beziehungen führen könnte. Die von Geschow bei einigen Botschaftern unter- nommenen Schritte seien wirkungslos geblieben. Die ganze türkische Presse billigt die Haltung der Pforte und gibt der Ansicht Ausdruck, daß der Zwischenfall ohne jede politische Bedeutung sei. Der Vorfall ist bezeichnend für das zunehmende Selbst, bewußtsein der jungtürlischen Machthaber. Marokko. Die Anerkennungsfrage. Die franzvsisch-spanische Note ist heute den Mächten offiziell übermittelt ivorden. Ucber ihren Inhalt meldet der Telegraph aus Paris: Die ftanzösisch-spanische Note stellt zunächst die Forderung auf, daß die Frage der Anerkennung Mulay Hafids nach den- jenigen Grundsätzen gelöst werden soll, nach denen das Ein- - vernehmen der Mächte in der marokkanischen Frage seit AlgeciraS gebildet und aufrechterhalten worden ist. Frankreich und Spanien haben berücksichtigt, daß ihr Sonderinteresse in Marokko sie dazu bestimme, den anderen Regierungen Vorschläge zu machen. Bei der Formulierung dieser Vorschläge haben sie es sich zur Richtschnur genommen, daß die Anerkennung des neuen Machsen einzig und allein von der Erlangung von Garantien ab- h ä n g i g gemacht werden müsse, die g e m e i n s a m für alle fremden Interessen gegeben würden. Diese Garantien sollten sein: erstens: Bestätigung der Akte von AlgeciraS und Billigung der zu ihrer Anwendung getroffenen ExekutionSmaßregeln', insbesondere der Rechte, die Frankreich und Spanien zur tleberwachung der Kriegs- konterbande zur See übertragen sind. Ferner: Bestätigung aller anderen Verträge und Verpflichtungen des Machsen gegenüber den fremden Regierungen, dem diplomatischen Korps und gegenüber Privatpersonen. Drittens: Uebernahme der Verantwortlichkeit für die Schulden des Machsen, während die Schuldforderungen der Privatpersonen später geprüft werden sollen. Viertens: Bestätigung der Vollmachten der Entschädi- gitngSkonimission in Casablanca sowie Uebernahme der Verantwott- lichkeit für die Bezahlung der Entschädigungen durch den neuen Sultan. Amtlicher und ausdrücklicher Widerruf des heiligen Krieges durch einen fcherififchen Brief an die Städte und Stämme, sofortige Inangriffnahme der notwendigen Maß- regeln zur Herstellung der Sicherheit in der Umgebung der Häfen und auf den in das Innere führenden Hauptstraßen. Falls diese Garantien gegeben sind, könnte Mulay Hafid als Sultan amtlich anerkannt werden, Ivobei die Mächte sich das Recht vorbehalten, unmittelbar von dem neuen Sultan die Regelung derjenigen Fragen zu fordern, die ihre eigenen Jnter- essen berühren, un besonderen was Frankreitb und Spanien betrifft, Wiedererstattung ihrer ntilitärlschen Ausgaben und/- Bezahlung von Entschädigungen für die Er- mordung Angehöriger ihrer Nationen. Ferner heißt es in de» Note, daß eS angemesie» fein würde, wenn der neue Sultan für standesgemäßen Unterhalt Abdul Asis Sorge trage. Schließlich empfiehlt sie die Beamten Abdul Asis dem BilligleitSgefühl Mulay Hafid». In dcr Note ist also die Frage der Anerkennung Mulay Hafids von der Frage dcr Rückerstattung dcr militärischen Ausgaben Frankreichs gelöst. Diese blieben späteren Ver- Handlungen zwischen Frankreich und Marokko vorbehalten. Damit ist die momentane Schivierigkeit. die sich aus dein Zwiespalt zwischen dcr deutschen und französischen Diplomatie ergeben hat. zunächst umgangen, um allerdings in einem späteren Zeitpunkt aufs neue aufzutauchen. Immerhin ist es möglich, daß die Anerkennung Mulay Hafids. an die sich in den letzten Wochen so viel unnütze Erregung geknüpft hat. nun ziemlich rasch vollzogen wird, Unterdessen hat Mulay Hafid dem belgischen Gesandten. als ältesten des diplomatischen KorpS in Tanger, ein Schreiben überreicht, das besagt, er erkenne die von seiiicni Nor- gänaer eingegangenen Verpflichtungen, insbesondere die Akte von AlgeciraS, an, bitte um Aucrke nnung seines der Mächte und rechne zur Durchführung der in bei Akte vorgesehenen Reformen auf ihre Unterstützung.— Kanada. Neuwahlen. Ottawa, 14. September. Die Regierimgsbkätter teilen mit, das Sir Wilftied Laurier wahn'cheiiilich heute die Aitflösuitg des Parlaments verkünden und das Datum für die Neuwahlen festsetzen wird. Die Neuwahlen werden um so größeres Jnteressr haben, als diesmal die S 0 z i a l i st e n sich ernltlich an dem Wahl- kämpfe bcteiliaen werden.— Die Tngendorganlfaflon und Genofle Cegien. Gegen die am S. September stattgefundene zweite Kon- ferenz der Vereinigung der freien Jugendorgan i- sationen bat Genosse K. Legien in Nr. 112 des„Vorwärts" und Genosse R. S ch m i d t in der Versammlung der Berliner Holz- arbeiter den Vorwurf erhoben: Die Konferenz habe den Parteitag vor eine vollendete Tatsache gestellt, die Gründung einer Zentral- Organisation beschlossen. Genosse Legien dürfte wissen, daß erstens der Parteitag dieZweck Mäßigkeit der verschiedenen Organisationsformen aus vereinsgesetzlichen Gründe» mit Rücksicht auf die Existenz der bestehenden Jugend- organisationen, die als die geeignetsten vielleicht in Frage kommen, nicht einmal erörtern, geschweige denn darüber beschließen kann. Ein gutgemeinter Beschluß des Parteitages könnte gar leicht das Gegenteil des gewollten Zweckes bewirken. Zudem hat aber die zweite Jugendkonferenz gar nicht eine Gründung , beschlossen! Bereits 1� Jahre besteht die Organisation. Unmitielbar nach dem Mannheimer Parteitag, der den selbständigen Jugend- organisationen seine Sympathie aussprach, fand die Generalversamm» lung des Mannheimer Verbandes junger Arbeiter statt. In Nord- dcutschland bestanden damals drei Vereine sBerlin, Bernau, Harburg), die sich dem Mannheimer Verbände seines ausgesprochen politischen Charakters wegen nicht anschließen konnten. Der Mannheimer Ver- band war den freieren süddeutschen Verhältnissen angepaßt. Trotzdem versuchte er auch in Preußen eine Agitation zu entfalten. Ein solches Unternehmen war natürlich recht gefährlich, nicht allein für die daran beteiligte Jugend, sondern für die in bester Eni- Wickelung begriffene Jugendbewegung überhaupt, und nicht zuletzt für die Arbeiterbewegung. Der Mannheimer Verband erklärte indes — und gar nicht so ganz mit Unrecht— als einzige Zentralorganisation berufen zu sein, auch in Norddeutschland seine Tätigkeit zu entfalten. Auf Raten mehrerer älterer erfahrener Genossen, unter denen sich auch Genosse Karl Liebknecht befand, traten die drei norddeutschen Vereine auf der Weihnachten 1906 in Berlin tagenden Konferenz zu einer nur allzu losen Verbindung (Vereinigung) zusammen. Ein Ausschuß(Geschäftsleitung) von drei Personen ward eingesetzt. Von der anfangs beab- fichtigten Gründung einer Zentralorganisation sollte auf Raten führender Genossen vorläufig abgesehen werden. Das geschah denn auch I Doch gar bald sollten die Beteiligten die Unterlaffung bereuen. Die Jugendbewegung nahm einen gewaltigen Aufschwung. Nur ein paar Zahlen. Die Vereinigung entwickelte sich also: 1907 Januar.. 3 Vereine mit 1483 Mitgliedern April... 14.„ 2282 Juli.... 22„„ 2867 Okiober.. 23„„ 33S3„ 1908 Januar.. 27„„ 4013 April... 33„, 4594 Außer den festen Vereinen bestanden Ende Juni dieses Jahres drei lose Mitgliedschaften mit 875 Mitgliedern. Danach zählte die Ver- einigung Ende Juni dieses Jahres 36 Vereine mit 5431 Mitgliedern. Das bedeutet eine Zunahme von 3948 Mitgliedern oder 266 Proz. in l'/a Jahren! Nach Auflösung des Mannheimer Verbandes(3. Mai 1908) suchten mehrere süddeutsche Vereine, die trotz des Darmstädter Auf- lösungsbcschlusses weiter bestanden, den Anschluß an die Vereinigung nach. So wurde diese ohne ihre ursprüngliche Absicht nach Süd- deutschland gedrängt. Und auf dem am 30. August d. I. in Leipzig stattgcfundenen Vertretertag sämtlicher in Deutschland bestehenden Jugendorganisationen(das Zentralkomitee für die Jugendagitation in Mannheim einbegriffen) einigten sich alle Anwesenden auf ein Programm, nach dein bisher die freien Jugendorganisationen Nord- deutschlands gearbeitet haben. Damit war also schon in Leipzig die Grundlage einer einheitlichen Organisation geschaffen. Infolge des Wachstums der Vereinigung wurde da? ihr im Jahre 1906 gegebene Kleid zu eng. Schon bald zeigten sich bedenk- liche Riffe. Der Geschäftsleitung wurde auf der zweiten Konferenz heftig vorgeworfen, daß sie nicht schon längst die so notwendige Reform der Organisation vorgenomnien habe. Aus verschiedenen Gründen war dies früher nicht möglich. Aber jetzt auf der zweiten Konferenz mußte die in der Praxis bereits ausgeübte Tätigkeit der Organisation formell festgelegt werden. Entsprechend der schon seit Auflösung des Mannheimer Verbandes notwendigerweise aus- gedehnten Tätigkeit mußte das Statut korrigiert, die Leitung von drei auf fünf Personen, die Entschädigung des Lorsitzenden von'75 M. auf 125 M. erhöht werden. Votlü tour l Daß uns von den leitenden Genossen geraten worden sei, auf diese notwendige Reform zu verzichten, trifft nicht zu. Diese unsere Absicht war aber allen Interessenten längst bekannt. Schon in der Nummer vom 1. Juli d. I. der„Arbeitenden Jugend" waren die betreffenden Anträge publiziert. Ein jeder, der unsere Organisation kennt, hielt sie eben für selbstverständlich. Ihre Unterlassung wäre gleichbedeutend mit der Vernichtung der Organisation. Der organi- sierten Jugend darf man es aber nicht verübeln, wenn sie so lange an ihren unter vielen Mühen und schweren persönlichen Opfern ge- schaffencn Organisationen festhält, als nicht andere bessere Ein- richtungen an ihre Stelle gesetzt sind. Die zweite Jugendkonferenz hat ferner auf Raten leitender Ge- nassen die Altersgrenze für aufnalunefähige Mitglieder auf 18 Jahre herabgesetzt und nicht nur für Einzelmitglieder, wie Genosse L e g i e n annimmt, sondern für alle Aufnahmesuchenden. Die Ortsvereinc haben sich ihr Statut, da die örtlichen Verhältnisse nicht überall die gleichen sind, zwar selbst auszuarbeiten. Die Konferenz hat aber auf Drängen der Leitung ausdrücklich be- schlössen, daß in dem von der G e s ch äftS le i tu n g auszuarbeitenden Musterstatut für die Orts- vereine eine Altersgrenze von 18 Jahren vorzu- sehen ist. Somit ist verhindert, daß die Jugendorganisation zum Tummelplatz Mißvergnügter werden könnte. Die aus der Jugendorganisation hervorgegangenen Aelteren können natürlich nicht mit dem vollendeten 18. Lebensjahre aus der Organisation hinaus- geworfen werden. Vielfach sind sie unentbehrlich für die Bewegung. Sie dürfen aber selbstverständlich nur dann in der Jugend- organisation verweilen, wenn sie zugleich Mitglied ihrer Gewerk- schaft werden. Tatsächlich zählen unsere Organisationen sehr wenig über 18 Jahre alte Mtglieder. Der Berliner Verein besaß Ende 1907 von 2072 Mitgliedern nur 226 über 18 Jahre alte. Die an leitender Stelle stehenden etwa» über 18 Jahre alten Mitglieder haben teils an der Gründung der Organisation vor vier Jahren mitgewirkt und sozusagen von der Pieke auf gedient. Genosse Schmidt hat nun noch behauptet': die Berliner Jugend- organisation sei entgegen des Rates leitender Genossen in diesem Jahre auch für die weibliche Jugend geöffnet worden. Das war gar nicht nötig. Bereits seit vier Jahren nimmt der Verein nach seinem Statut auch weibliche Jugend- liche auf. Eine Aenderung dieser Bestimmung des Statuts durfte der Vorstand nicht vornehmen, jedoch hatte er die Absicht, die Generalversammlung darüber entscheiden zu lassen. DaS wurde aber von den älteren beratenden Genossen nicht gewünscht. Nie- m a l S haben wir die erst in diesem Jahre errichtete Jugend- abteilung des Frauenvereins bekämpft, obgleich unsere Organisation— wie gesagt— seit vier Jahren die weibliche Jugend organisiert und wir prinzipiell die gemeinsame Erziehung der Geschlechter fordern, und die christlichen Jungfrauenvereine jähre- lang scharf bekämpften, weil sie eine künstliche Scheidewand»nner- halb der Jugend errichtet haben. Die Aeußerungen der Genoffen Legien und Schmidt laffen er- kennen, wie gut es gewesen wäre, wenn die Generallommission der höflichen Einladung der Jugendorganisation, an der zweiten Jugend- konferenz teilzunehmen, gefolgt wäre. Die Genossen hätten einen tieferen Einblick in die Jugendorganisation erhalten. Auch wäre eS Verantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: vielkeicht nicht nötig, jetzt darüber zn streven, wie dies oder jenes hätte bester gemacht werden können. Der eine Geist durchwehte die ganzen Verhandlungen: der Arbeiterbewegung zu dienen. Die Jugend fühlt sich eins mit der Gesamtheit des kämpfendenProletariats. Und wenn einigeJugend- liche energisch betont haben,„unter allen Umständen",„mag kommen was will", ihre selbständigen Organisationen zu erhalten, so nur darum, weil sie in der Ueberzeugung leben, damit der Arbeiterbewegung den besten Dien st erweisen zu können. Darum keine Vergewaltigung der Jugend, sondern verständiges Entgegen konimen, Einigung. Wenn von diesem Gedanken die Verhandlungen in Nürnberg getragen werden, dann werden unsere Feinde, die jetzt ein Freudengeheul über die Uneinigkeit zwischen Jungen und Alten anzustimmen beginnen, zu ftüh triuniphiert haben! Die Jugend. die Zukunft gehört der modernen Arbeiterbewegung l Max PeterS. Gewcrkfcbaftlicbca. Berlin und Umgegend. Eine Jubilcitlmsfeier der Berliner Hausdiener. Der Verein Berliner Hausdiener, der jetzt die Verwaltungs- stelle I des Deutschen Transportarbeiter-Verbandes bildet, feierte am Sonnabend seinen 25. Geburtstag. Das genaue Datum der Gründung des Vereins ist der 20. September 1833. Wie bei allem, was sich in Natur- und Menschenleben zu Großem entwickelt, war auch hier der Anfang klein. Es waren 21 Hausdiener, die sich an jenem Tage zusammenschloffen. Ihres Vereines Zweck war vor allem: Hebung des sittlichen Standes der Hausdiener Berlins, Unterhaltung der Mitglieder durch Vorträge und gesellige Zusammen- künfte, sowie die Stellenvermittelung. Nach Verlauf von drei Jahren wurde das Unterstützungswesen zum Hauptzweck des Vereins gemacht. Aber damals schon trat in den Kreisen der Mitglieder die Meinung zutage, daß der Verein doch auch anderen, weiter reichenden Zielen dienen könnte und sollte, daß er wie andere Arbeiterorganisationen für Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse sorgen müßte. Darüber kam es zu inneren Kämpfen. Es bildeten sich auch Konkurrenzorganisationen wie der„Unterstützungsbund der Hausdiener Berlins von 1866", die „Freie Vereinigung der Hausdiener" und später der.Zentralverein der Haus- und Gcschäftsdiener Berlins". Wiederholt wurden Ver- schmelzungsversuche gemacht. Aber selbst zu Anfang der neunziger Jahre, nachdem das Sozialistengesetz gefallen war, vermochte der Gedanke der Einheitsorganisation nicht durchzudringen, und noch viel weniger der Gedanke einer Kampforganisation. Noch im Jahre 1394 mußte über den Verein Berliner Hausdiener wegen Abhaltung der Vereinsvergnügungen in gesperrten Lokalen die„Vorwärts"- Sperre verhängt werden. Damals, nach zehnjährigem Bestehen, hatte der Verein 672 Mitglieder. Man scheute sich vor der Be- schäftigung mit den Lohn- und Arbeitsverhältnissen und sozial- politischen Dingen dermaßen, daß man die Erörterung solcher Fragen geflissentlich aus den Versammlungen fernhielt. Im zweiten Jahrzehnt der Vereinstätigkeit kam allmählich aber mitj der un- widerstehlichen Gewalt einer naturnotwendigen Entwickelung eine andere Auffassung über Zwecke und Ziele des Vereins zun» Dlirchbruch. Mit dem Wachsen der Mitglicderzahl, die 1889 schon 1330 betrug, kamen Vorstände ans Ruder, die durch Ver- anstaltung von sozialpolitischen u»»d ähnlichen Vorträgen den Mit- gliedern Stoff zu ernstem Nachdenken boten. Man befaßte sich mit der Frage des Achtuhr-Ladenschlusses, der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe, der Kranken-, der Unfall- und Jnvaliditäts- Versicherung, und nach und nach brach sich die Ueberzeugung Bahn, daß die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der Berufsgenossen eine der Hauptaufgaben der Organisation sein müsse. Im Jahre 1903 beteiligte sich der Verein in Gemeinschaft mit dem Lokalvcrband an den Erhebungen des Bundesrates über die Lage der Angestellten und Hilfsarbeiter im Handelsgewerbe. Im Jahre darauf wurde der Allgemeine Transportarbeiter-Kongreß, und 1906 der HandelshilfSarbeiter-Kongreß auch durch Delegierte des Vereins Berliner Hausdiener beschickt. Mm» be- schäftigte sich mrf diesen Kongressen mit der Frage der Einheitsorganisation. Aber erst im November 1906 kam unter Mitwirkung der Eewerkschastskommisston der Anschluß an den Handels- und Transportarbeiterverband tatsächlich zustande. Damit war der Verein endgültig in die festgefügten Reihen der ihrer großen und ernsten Aufgaben bewußten Arbeiterbewegung einge- treten. Inzwischen war die Mitgliederzahl beständig gewachsen; im Geschäftsjahre 1904/1905 zählte der Verein 6554, und in diesem Jahre des UebertrirtS zum Zentralverband bereits 9300 Mitglieder. Wie nach und nach die Zwecke der modernen Arbeiterbewegung zur Geltung kommen, erkennt man am besten ans den Kassenberichten. Erst in dem Bericht vom Jahre 1903/1904 finden wir einen Posten für Streikunter st ützung. Es sind 300 M., aber die wurden »»icht für Kämpfe im eigenen Beruf ausgegeben, sondern den aus- gesperrten Webern in Crimmitschau gespendet. Der Kassenbericht des folgenden Geschäftsjahres eirthält für Streik- und Gemäß- regeltenunterftützung die Summe von 1822,50 M., wobei allerdings Notfallsunterstützung, sowie 700 M. für die streikenden Bergarbeiter mitgezählt sind. Im Geschäftsjahr 1905/1906, das sich auf fünf Quartale erstreckte, gab man 2753 M., und 1907 3892 M. für Streik- und Gemaßrcgcltenunterstützung ans. Seine kranken Mitglieder unterstützte der Verein im Jahre 1902/03 mit 7470 M.;« in» Jahre darauf wurden 10 464 M. dafür aus- gegebe»», in den fünf Quartalen 1905/06 waren es 21 081,50 M., und 1907 erforderte die Kranlenunterstützung 15 055,85 M. Geregelte Arbeitslosenunterstützung wurde zum erstenmal im Jahre 1905/06 gezahlt und zwar in der Höhe von 11 299,75 M.; 1907 kostete dieser UnterstützungSzweig dem Verein 11 919,25 M. Nicht ohne schwere innere Kämpfe und verhältnismäßig recht langsam hat sich der Verein Berliner Hausdiener zu dem entwickelt, was eine Arbeiterorganisation sein soll und muß. Daß es nicht schneller ging, hat seine Ursache in den besonderen Berufs» Verhältnisse»». Leichter ist es, dem Handwerksgesellen und Industrie- arbeite! den Gedanken der Kampforganisalion beizubringen, als dem Hausdiener. Nur allzu sehr verharren die Arbeiter dieses Berufs noch in dem unbedingten Kadavergehorsam. Eine gute, feste Stellung zu erhalten, scheint ihnen nur zu oft noch als des Strebens höchstes Ziel, und glauben sie das erreicht zu haben, so ertragen sie geduldig. was man ihnen auch zumutet. Daß diese unterwürfige Gesinnung im Schwinden begriffen ist, daß auch die Handelshilssarbeiter zum Klassenbewußtsein erwachen und er- kennen, daß sie dem verbündeten Unternehmertum als festgefügte Masse gegenübertreten müssen, dafür zeugt die Entwickelung ihres Vereins und Zentralverbandes. Seinen 25. Geburtstag feierte der Verein Berliner Hausdiener am Sonnabend in den Räumen der Brauerei Friedrichs ham. Der gewaltige Saal vermochte die Masse der Festteilnehmer nicht zu fassen. DaS Programm der Feier wie ihr ganzer Verlauf zeugten dafür, daß auch jener Kulturgedanke, den die Gründer des Vereins In die Worte„Hebung deS fiktsichen Stande? der Berliner Hau»- diei»er" kleideten, in der neuen Kampforganisation eine gute Pflegestätte gefunden hat. Keine Tingcltangelciei», keine mehr oder minder anrüchige Couplets gab es hier zu hören. Mit feinem Kunstgeschmack war das Programm zusammengestellt. Das Berliner Sinfonieorchester unter Leitung seines Dirigenten Fischer bot eine Reihe der besten Musikstücke in trefflicher Ausführung und die Konzert- sänger Hilda und Tommy Steffens sangen Lieder, die zu Herzen gingen und jung und alt erfreuten. Die Festrede, die das Vorstandsmitglied Otto Schulz hielt, war kurz und kernig beseelt von den Gedanken, die nun Zweck und Ziel des Vereitls, des Zentralverbandcs und der ganzen Arbeiterbewegung bilden. Die Pensionskasse der Allgeineinen Berliner OmnibnS» Aktiengesellschaft. Jeder, der im Betriebe der genannten OmnibuSgesellschast beschäftigt ist, bat bei seinein Eintritt eine Erklärung zu unterzeichnen, wodurch er der für den Betrieb bestehenden Pcnsions-, Wilwen- und Waisenkaffe beitritt, und sich verpflichtet, die laufen- den Beiträge zu zahlen, welche ihm von seinem Lohn abgezogen werden.— Der von den Kassenmitglicdern zu leisteirde Beitrag beträgt 4 Proz. ihres Lohnest beziehungsweise Gehalts. DaS Kassenstatut bestimmt unter anderem, daß Mitglieder, welche frei- willig oder unfreiwillig ausscheiden(das heißt also, aus ihrer Stellung entlassen werden oder dieselbe selbst aufgeben, denn anders ist ein Ausscheiden aus der Kasse nicht möglich), falls sie noch nicht ein volles Jahr Mitglied sind, von den gezahlten Bei- trägen nichts zurückerhalten. Wer ein bis drei Jahre Mitglied war, erhält 94, wer länger als drei Jahre war, den vollen Betrag zurück. Mit der Bestimmung, daß bei einem Aufhören der Mitglied- schaft vor Ablauf eines Jahres von den Beiträgen Nichts zurück- erstattet wird, sind die Werkstattarbeiter der Allgemeinen Omnibus- Gesellschaft unzufrieden. Sie beschäftigten sich deshalb am Sonn- tag in einer vom Deutschen Metallarbeiterverbaird einberufenen Versammlung mit dieser Angelegenheit. Da wurde unter anderem hervorgehoben, daß die bezeichnete Bestimmung für die Werkstatt- arbeiter eiiie erhebliche Schädigung bedeute. Nach der Natur de? Betriebes könne für viele Wrekstattarbeiter von einer dauernden Beschäftigung gar keine Rede sein. Liege viel Arbeit vor, dann würden neue Arbeiter eingestellt und wieder entlassen sobald tvenigcr Arbeit vorhanden ist. Alle dieser Arbeiter erhalten bei ihrer Entlassung von den Wochen- oder auch monatelang gezahlten Beiträgen nichts zurück. Es handelt sich in solchen Fällen um Geldbeträge, die für einen Arbeiter recht erheblich sind, denn der wöchentliche Beitrag zur Pcnsionskasse beträgt je nach der Höhe des Lohnes 1,30 bis 1,60 M. Es wurde weiter bewerft, daß in letzter Zeit eine Anzahl von Klempnern, die einen Stundenlohn von 70 Pf. hatten, entlassen worden und an deren Stelle solche für 60 Pf. eingestellt worden seien. Auch in diesem Falle hatten die Entlassenen, soweit sie»toch nicht ein Jahr beschäftigt waren, den Verlust ihrer Beiträge zu erleiden. Ebenso sei es den Arbeitern ergangen, die seinerzeit nach dem großen Brande des Omnibus depots in der Köpenicker Straße entlassen wurden I Die angeführte Bestimmung — so wurde weiter ausgeführt— sei ja, wenn nicht für die Direktion, so doch für ihre Beamten geradezu ein Anreiz, Arbeiter vor Ablauf des ersten Jahres zu entlassen, um der Pensionskasse Einnahmen zu sichern, denen keine Gegenleistungen der Kasse gegenüberstehen. Gerade die Beamten und sonsttge fest Angestellte hätten ja Vorteile von der Kasse, die, wie ein VersicherungS- techniker der Gesellschaft berechnet habe, ohne die Beiträge der Arbeiter nicht lebensfähig sei. Die Werkstattarbeiter aber hätten gar kein Interesse, hohe Beiträge zum Vorteil der Angestellten zu entrichten. Die Versammlung stellte sich auf den Standpunkt, daß es den Interessen der Wcrkstattarbeiter am meisten entspräche. wenn sie der Pensionskasse überhaupt nicht angehören brauchen. Sollte sich das nickt erreichen lassen, dann müsse auö Gerechtig» keits- und Billigkeitsgründcn gefordert werden, daß die Statute» der Kasse dahin abgeändert werden, daß auch denen, welche vor Ablauf eines Jahres austreten, die Beiträge voll oder doch»wmde- stens zu drei Vierteln zurückerstattet werden.> Die Versammlung setzte ein« Kommission ein, welche au einem der nächsten Tage im Sinne dieser Forderungen bei der Direktton der Allgemeinen Berliner Omnibusgescllschaft vorstellig werden soll. Nchtimg, Kleber! Die Sperre über die Firma Weniger in Spandau. Bauten Charlottenburg. Fritschestr. 23—26, Halensee, Küstriner Straße 22, Spandau, Hamburger Straße 112, ist aufgehoben. Die VerbandSleitung. Veurkcbe» Reich, ArdeitSlosendemonstration. Gegen die Arbeitslosigkeit in Posen hatte daS dortige Ge" Werkschaftskartell eine öffentliche Versammlung einberufe»». Der Referent Genosse Bergemann konstatierte in derselben, daß zur- zeit 14 Proz. der organisierten Arbeiter, die dem Gewerkschaftskartcll angeschlossen sind, ohne alle die anderen dem Kartell fernstehenden, arbeitslos find. Er konstatierte ferner, daß weder die städtischen noch die staatlichen Behörden auf die im März von feiten des Kartells er- folgten Eingaben betreffs Linderung der Arbeitslosigkeit durch In- angriffnahme längst beschlossener städtischer Arbeiten eine Antwort gegeben haben. Augenblicklich werden in Posen sogar bei dem Neubau des Osfizierkasinos des 20. Fuß- Artillerie- Regiments eine Anzahl Soldaten zum Verrichten von Maurer- und Zimmerer- arbeiten beschäftigt. Der Kartellausschuß hat sich dieserhalb schleunigst an das Generalkommando gewandt und um Abhilfe dieses Hebel- standeS ersucht, ist bis setzt aber ohne Antwort geblieben. Da auch die zurzeit aufgeführten Staatsbauten den Winter über liegen bleiben sollen, so ist für den kommenden Winter eine äußerst üble Lage zu befürchten. Die stark besuchte Versaminlung nahm ein- stimmig eine Resolution an, welche für den kommenden Winter ganz entschieden die Vornahme von Notstandsarbeiten fordert. Letzte j�achrichten und Depefcbcn. Die Pocken in Duisburg. Duisburg, 14. Sept.(B. H.) Gestern ftüh ist ein Pocken- krankes Kind im hiesigen Epidemienhause gestorben. Zurzeit befinden sich im Epidemienhause noch 11 Pockenkranke. Katastrophe auf hoher See. Rio be Janeiro, 14. Sept.(B, H.) Der englische Dampftr „Scartau Prince" ist bei den Rokka-Jnseln gesunken. Der Kapitän und 6 Matrosen sind gerettet. Tie übrige Mannschaft ist wahr- scheinlich ertrunken. Der Dampfer ist am 14. August aus New Vor! abgegangen. Abgestürzt. Dortmund, 14, September.(B. H.) Der Montagearbeiter T i g g e s von der Firma Heinrich Lehmann u. Co. in Düsseldorf stürzte von eincin Neubau auf dem Eisen- und Stahlwerk Hocsch aus einer Höhe von vierzehn Metern herab. Ter Verunglückte starb in der vergangenen Nacht.__ Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstaft Paul Singer L- Co, Berlin LW. Hierzu 4 Beilagen«.UnterhaltungSbl. � Br. 216. 25. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Dienstag, 15. September 1908. Der Parteitag in Пürnberg. Nürnberg, 13. September 1908. Die Eröffnung. In der städtischen Festhalle im Luitpoldhain fand heute um 7 Uhr abends die feierliche Eröffnung des Parteitages statt. Die Festhalle ist ein Riesengebäude aus Eisen und Glas. Vor zwei Jahren wurde fie als Maschinenhalle für die Landesausstellung erbaut. Nichts ist in ihrem Ansehen verändert. Alle Verhältnisse gehen bei ihr ins Ungeheure. Das gewaltige Glasdach ruht auf freistehenden Eisenträgern. Der Blick des Eintretenden vermag faum bis zum Ende des langgestreckten Raumes zu bringen. Alles ist auf Maffenwirkung berechnet. Nach zuverlässiger Schäzung bietet sie Raum für 25 000 Personen. Und nun stelle man sich diesen alle gewohnten Verhältnisse weit hinter sich lafsenden Saal im Glanz unzähliger Bogenlampen bor von einer unübersehbaren Menge gefüllt. Kein Parteitag hat je etwas Aehnliches gesehen. Die Nürnberger Arbeiter wissen wahrlich das 40jährige Jubiläum der Gründung der Partei in ihrer Stadt zu feiern. Hier sind Massen aufgeboten und in einem Raum vereinigt, wie sie keine andere Bartei aus einer Stadt heraus zusammenbringen kann. Fast verschwindet das Häuflein der Delegierten und es find an nähernd 400-, das sich um die in der Mitte einer Längsseite errichteten Tribüne schart, in dieser Menschenflut. Es erscheint unmöglich, daß die Stimme eines Redners durchdringt, und bielleicht wird es notwendig, die sachlichen Verhandlungen der Vorversammlung auf morgen zu verschieben. " Um 6 Uhr ist kein Stuhl mehr frei, und noch immer strömen neue Massen heran. Von Zeit zu Zeit hrausen Hochrufe durch den Saal, wenn ein bekannter Führer erblickt wird. Um 7 Uhr setzt die Musik ein. Das Philharmonische Orchester bringt Richard Wagners Einzug der Gäste auf der Wartburg" und die Ouvertüre zu Tannhäuser" zu Gehör. Dann braust der Massenchor der vereinigten Arbeitergesangvereine Nürnbergs und des Arbeiterfängerbundes durch den Saal. 900 Sänger bat Wendelin Weißheimer, unser Parteiveteran, um seinen Stab oersammelt, und der von ihm komponierte Chor des unsterblichen Herweghschen Gedichts" Bet' und arbeit"" gelangt zu machtvoller hinreißender Wirkung. Vorsitzender Singer: Die nächste Sibung des Parteitages findet morgen vormittag 9 Uhr im Herkules- Velodrom" statt. Die Sißung ist geschlossen. · " daß sie sich loszulösen haben von den bürgerlichen tischer Ausdruck verliehen wurde. Am Arbeitervereinslag gu Parteien und Vereinen, in deren Schlepptau fie bisher Nürnberg im Jahre 1868 vollzog sich die notwendige Scheidung der gelebt hatten. Dieser Beschluß gibt dem Vereinstage von 1868 proletarischen Klassenbewußten Arbeiter von dem bürgerlichen nicht nur die Weihe, sondern hebt ihn auch heraus aus allen Ar- Arbeiterverein. In Uebereinstimmung mit dem Programm der beitertagungen, denn auf Grund dieses Beschlusses erfolgte der An- internationalen Arbeiterassociation wurde auf dem Arbeiter. schluß der deutschen Arbeitervereine an die Internationale Asso- vereinstag zu Nürnberg der Programmsatz an die Spitze gestellts ziation. Von dem Augenblick an waren die deutschen Arbeiter- Die Emanzipation der arbeitenden Klassen muß durch die bereine, wenn auch noch nicht in die Reihen der Sozialdemokratie arbeitenden Klassen selbst ertämpft werden. Der Kampf für die getreten, die damals noch nicht existierte, so doch auf Grund Befreiung der arbeitenden Klassen ist nicht ein Kampf für Klassensozialistischer Ueberzeugungen als in sich geeinte, geschlossene, von privilegien und Monopole, sondern für gleiche Rechte und Pflichten ben bürgerlichen Parteien losgelöste Partei konstituiert. Der Vor- und für Abschaffung aller Klassenherrschaft. Bei unentwegter stand der deutschen Arbeitervereine, deren Vorsitzender unser Ge- Festhaltung dieser Grundsätze ist die sozialdemokratische Partei in nosse Bebel war, schlug dem Vereinstage vor, sich ein selbständiges Deutschland groß und start geworden und auf ihre jeßige Höhe Programm zu geben und als dieses Programm das der Inter- gelangt. Bei den hierzu erforderlichen Klassenfämpfen, bei be nationalen Arbeiteerassoziation anzunehmen. Schon darüber, ob ständiger Fühlung mit dem entrechteten und leidenden Proletariat dieser Vorschlag, auf die Tagesordnung kommen sollte, entspann war aber die Partei nicht gehindert, auch für die Gegenwart Er sich ein Streit. Die Vertreter der bürgerlichen Parteien wünschten, folge zu erzielen, ja die Klassenfämpfe bedingten sie; hat doch daß die Programmfrage überhaupt nicht oder doch erst auf einer selbst Bismard anerkannt, daß das bißchen Sozialreform in späteren Tagung beraten werden sollte, aber die Mehrheit schloß Deutschland nur den Sozialdemokraten, das heißt sich dem Vorschlag des Vorstandes an, die Programmfrage tam als unserem Klassenkampfe zu verdanken sei. Das Ziel, das die Sozialdemokratie sich gesteckt hat: Eine andere erster Punkt auf die Tagesordnung. Als die Hauptverhandlungen begannen, da war es ebenfalls Staats- und Gesellschaftsordnung zu erringen, in welcher ein ein Parteigenoffe, dessen Tod wir leider in den letzten Jahren jeder die Frucht seiner Arbeit genießen kann, ist nur dann zu verzu beklagen hatten, Robert Schweichel, der als Referent wirklichen, wenn die Proletarier aller Länder einig und ent in- geiftvoller, durchschlagender Beweisführung den Anschluß an schlossen sind, ihr Ziel durchzuführen. Dies hat die Internationale Arbeiteraffoziation empfahl. Es ist selbstver- aber selbstverständlich zur Vorausseßung, daß auch in den einzelnen ständlich unmöglich, in diesem Riesenraum Ihnen eine ausführ. Ländern die Proletarier in den Klassentämpfen zur Erringung. liche historische Darlegung der Verhandlungen jenes Arbeiter dieses Zieles einig in der Festhaltung der sozial. tages zu geben. Lassen Sie mich aber kurz darauf hinweisen, demokratischen Grundsäße sind, jedenfalls aber alles daß die Diskussion, die sich an das Referat anschloß, bei der zu vermeiden haben, was irgendwie geeignet sein könnte, diese Mehrheit der Redner getragen war von dem Wunsche und dem Klaffenkämpfe abzuschwächen. In dieser Hoffnung und ErBestreben, die Arbeiter loszulösen von der bürgerlichen Gesell- wartung wollen Sie auch mir als Parteiältesten und einem der schaft, fie auf eigene Füße zu stellen, und in Rücksicht darauf, Mitkämpfer am Arbeitervereinstag vom Jahre 1868 gestatten die daß ihre Klaffenlage eine eigene Vertretung der Arbeiter er Genossen und Genossinnen zu begrüßen und ihnen ein herzliches forderte, fie loszulösen von allen anderen Parteien. Es wurde mit Willkommen zuzurufen.( Stürmischer Beifall.) Mehrheit beschlossen, dieses Programm, den Vorschlag des Vororts zu akzeptieren und im Anschluß daran nahm man einen Protest der bürgerlichen Parteien gegen diesen Beschluß entgegen; und am nächsten Tage, als die Verhandlungen weiter geführt werden sollten, kam eine Erklärung der bürgerlichen Delegierten, daß sie an den Verhandlungen jenes Verbandstages nicht mehr teilnehmen wollten, weil der Verband durch das angenommene Programm eine Richtung eingeschlagen hatte, die ihren Interessen nicht entsprach. Der Verbandstag war schon damals, wie sich erfreulicheriveise ja auch später die Sozialdemokratie weiter entwidelte, ein Freund kräftiger durchgreifender Beschlüsse und ging einfach über diesen Protest zur Tagesordnung über. Die bürgerlichen Vertreter waren aus dem Verband ausgeschieden, Werte Festversammlung! Parteigenossen und Parteigenossinnen! der Verband arbeitete weiter und das war der Geburtstag Mir ist seitens der hiesigen Mitgliedschaft des Wahlvereins der der deutschen Sozialdemokratie. Durch diesen Anhrenvolle Auftrag zuteil geworden, Sie in Nürnbergs Mauern zu begrüßen, zu begrüßen an der Stätte, wo schon so viele und schluß an die Internationale Arbeiterassoziation durch den Beschluß eines selbständigen sozialdemokratischen Programms war der Angroße Kämpfe geführt worden sind für die Freiheit des Volkes, floß gegeben zur Gründung der sozialdemokratischen Partei, bie tag, Nürnberg 1908" weist die Statue der Freiheit, die auf dem sowohl auf politischem wie auf gewerkschaftlichem Gebiete. Eben sich ein Jahr später in Eisenach auftat und ihr Programm ent- offenen Altan des schlichten Holz- und Fachwerkbaues unter find 40 Jahre verflossen, seitdem in Nürnbergs Mauern der erste sprechend jenem Beschluß festsette. Dort ging die sozialdemo- Gaal, der teine Galerien hat, ist geteilt. Born siten unter der Blumenschmud steht, auf das Rongreßlokal hin. Der geräumige Irbeitertag versammelt war, der dem Nürnberger Poletariat die kratische Arbeiterpartei nach sechsjährigem Kampf mit dem von Wege gezeigt hat, auf denen es dereinst das Ziel erreichen wird, vassalle gegründeten Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein in Bühne, auf der das Präsidium Plaz genommen hat, vor der das es erstrebt. Außer dieser Tagung haben noch eine Reihe die deutsche sozialdemokratische Partei auf. So dürfen wir mit Rednertribüne die Delegierten an langen Tischen, der hintere Teil anderer in Nürnberg stattgefunden, so im Jahre 1849, 1862, 1868, freudigem Stolz in Erinnerung an jene Vorgänge sagen, daß die ist für die Zuhörer bestimmt. Der Saal ist einfach geschmückt: zwei 1869 und 1874. Daß alle diese Tagungen nicht unfruchtbar geblieben deutsche Sozialdemokratie hier auf diesem Parteitag in Nürnberg berger und Liebknecht, an den Wänden Tafeln mit Sinn alte Parteifahnen am Eingang, daneben die Bilder von Grillen. find, daß wir in Nürnberg in der Arbeiterbewegung Fortschritte zugleich einen ihrer ehrenvollsten Tage feiert.( Beifall.) gemacht haben, zeigt wohl am deutlichsten unsere heutige Tagung. Wenn ich nunmehr kurz die anderen Gegenstände erwähne, sprüchen, vor allem der Ruf: Proletarier aller Ränder vereinigt Wir können mit Stolz zurückblicken auf das, was hier geleistet die damals in Nürnberg verhandelt wurden, so möchte ich sagen, euch!" und im Hintergrunde auf der Bühne wieder die Statue der worden ist, wenn wir daran denken, daß noch im Jahre 1871 in wir sind mittendrin in der Gegenwart. Damals wurden ver- Freiheit und rechts und links von ihr Postamente mit den Büsten Nürnberg nur 340 Stimmen bei der Reichstagswahl handelt die indiretten Steuern, die Wehrfrage und von Marg und affalle. abgegeben worden sind, daß wir es aber schon im Jahre andere Fragen, die noch heute von ungemeiner Bedeutung für Singer eröffnet um 9 Uhr die Situng. Die Konstituierung 1874 auf 5300 Stimmen und 1897 auf 20 000 Stimmen gebas arbeitende Volk sind und für deren Erledigung in einem dem des Parteitages wird fortgefeßt. Zu Schriftführern werden auf bracht haben. Und gerade bei der Wahl im verflossenen Jahre, sozialdemokratischen Programm entsprechenden Sinne wir heute Vorschlag von Dr. Frant- Mannheim gewählt: Frl. Baader. wo man glaubte, in ganz Deutschland die Sozialdemokratie nieder- mitten in der Arbeit stehen. Berlin, Liepmann- Berlin, Knieriem- München, Sämann. reißen zu können, da haben wir in Nürnberg den Beweis erbracht, Indem ich diesen Gegenstand verlasse, möchte ich nur noch Stuttgart, Pollender Leipzig, Winkler- Freiburg, Schü Daß die Gegner uns nicht zur Strecke bringen können. Wir haben eine Ehrentafel aufrichten für diejenigen Genossen, die damals Breslau, Lesche- Hamburg und Milius. Stettin. In die in diesem Wahlkampfe einen gjänzenden Sieg errungen und haben 35 000 Stimmen aufgebracht.( Lebhaftes Bravo!) Das auf dem Verbandstag tätig waren und die wir die Freude haben, Mandatsprüfungskommission werden auf Vorschlag von Sachse. st ein Erfolg, auf den Nürnberg stolz sein kann. Auch mit unserer noch heute unter den Lebenden zu sehen. Es leben von den Mit Bochum gewählt: Frau 8ieß- Hamburg, Wolderski- Berlin, Beteiligung an den bayerischen Landtagswahlen haben wir Erfolge aliedern dieses Verbandstages noch die Genoffen Be bel, Löwen. Trinks- Karlsruhe, Sindermann- Dresden, Zorn- Fürth, stein, Greulich- Zürich, Demmler- Geher," Stolle. Leopold Zeiß, Mehrlein Breslau, Schadowo- Kottbus, errungen. Bereits 1893 eroberten wir 4 Mandate, die wir allersings durch verschiedene Umstände im Jahre 1905 wieder verloren Gesau. Dr. Degen- Fürth. Lassen Sie mich von dieser Stelle Schmitt- München. diesen Männern Dank aussprechen dafür, daß sie die Pioniere der Entsprechend der Anregung des Effener Parteitages wird auch Nach dem Vors jaben. Wir können aber sagen, daß wir die Scharte, die wir zu Sozialdemokratie vor 40 Jahren waren, Dank dafür, daß sie die eine besondere Beschwerdekommiſſion eingefeßt. ener Zeit erlitten haben, inzwischen ausgewekt haben. Bei der ' chten Bandtagswahl am 31. Mai 1907 haben wir von 6 Man- lange Zeit in reger Tätigkeit an der Spike der Partei ihren schlag von Scheidemann- Kaffel wird diese zusammengesetzt saten 5 erobert. So haben wir auf allen Gebieten Erfolge haben bis zu dem Tage, an dem wir mit stolzer Freude bekennen Grundsäßen treu geblieben, die Sozialdemokratie geführt, beschirmt aus den Genossen: Frau Baumann Hamburg, W. Raith. München, Raab Darmstadt, Wicky- Mülhausen, Meyerzu verzeichnen. Auch wenn wir die Zahl der Mitglieder nicht nur fönnen, daß die sozialdemokratische Partei die stärkste Partei Seidelberg, Seeger Leipzig, Honrath Aachen, Faber. in den Gewerkschaften, sondern auch bei der politischen Organic Deutschlands ist.( Lebhafter Beifall.) Frankfurt a. D., Fahrow- Berlin. sation betrachten, können wir wohl sagen, daß es in Nürnberg bortvärts und wieder vorwärts gegangen ist. Gine ausführliche Darstellung der Geschichte der Nürnberger Arbeiterbewegung ist neuerdings von der Partei hier herausgegeben. Kaum sind die lekten Töne verhallt und der Sturm der Bee geisterung vorübergerauscht, den Komposition und Vortrag gewedt hatten, so tritt es ist 7% Uhr geworden, Genosse Dorn Nürnberg an den Rand der Tribüne und spricht: Die Nürnberger Arbeiterschaft, ja, die Arbeiterschaft von ganz Deutschland blickt auf die Tagung des diesjährigen Parteitages. Wie wir auf unseren früheren Parteitagen immer Großes gechaffen haben für die Arbeiterschaft, so wollen wir wünschen und hoffen, daß auch dieser Parteitag die Hoffnungen erfüllt, die auf ihn gesetzt werden. Es ist die Pflicht auch des diesjährigen Parteitages, neue Anregungen zu geben, damit unsere Agitatoren hinausziehen können zu neuen Kämpfen, zu neuen Siegen. Wenn wir alle von diesem Wunsche beseelt sind, dann werden wir am Schlusse des Parteitages fagen können: Schwere Kämpfe haben wir durchgefochten, aber wir haben uns doch wieder vereint zu gemeinsamer Arbeit im Inter. effe des Proletariats. In diesem Sinne heiße ich Sie alle, speziell die Delegierten aus ganz Deutschland, nochmals herzlich willkommen.( Lebhafter Beifall.) Singer( mit stürmischem Beifall begrüßt): Werte Genossen und Genossinnen! Im Auftrage des Partei borstandes trete ich an diesen Plaz, um in seinem Namen und im Namen der gesamten Partei herzlich zu danken für den festlichen Empfang, den die Nürnberger Parteigenossen dem Parteitag bereitet und für die herzlichen Worte des Vorredners.( Beifall.) Die Empfindung, die der Vorredner zum Ausdruck gebracht hat, durch zittert heute jedes sozialdemokratische Herz. Wir alle sind der Ansicht, daß dieser Parteitag dazu berufen ist, die Meinungsverschiedenheiten auszugleichen, die über eine Reihe von Fragen guftauchten, und ich möchte gleich an dieser Stelle der Üleberzeugung Ausdruck geben, daß der Spruch des Parteitages für jeden Parteigenossen ein Heiligtum, ein Evangelium sein muß.( Lebhafter Beifall.) 0 Genossen und Genossinnen! Wir haben Tage schwerer Arbeit vor uns. Die Gegenstände, die hier in Nürnberg auf diesem Parteitag verhandelt werden sollen, sind wichtig. Ich verzichte darauf, in diesem Augenblid die einzelnen Punkte ausführlich zu skizzieren. Aber dem Wunsch und der Hoffnung lassen Sie mich Ausdruck geben, daß jeder Teilnehmer des Parteitages in seinen Reden und Beschlüssen getragen sein wird von der unerschütterlichen Ueberzeugung, daß alles, was auf diesem Parteitag beschloffen werden wird, der Partei zum Vorteil und zum Wohle dienen wird.( Beifall.) Es wird namentlich eine Frage fein, die uns ausgiebig be und mit dieser Hoffnung möchte schäftigen wird. Wir wollen ich schließen wir wollen uns vornehmen, auch diese Frage in rein fachlicher Weise zu erledigen. Aber heute darf ich schon erklären, daß ich es als die höchste Aufgabe dieses Parteitages betrachte, bolle Klarbeit in dieser Frage zu schaffen, und den Gesamtpartei refpettiert und beachtet wird. unverbrüchlichen Beschluß zu fassen, daß der Wille der ( Beifall.) Parteigenoffen! Indem ich nunmehr namens der bisherigen Parteileitung den Nürnberger Parteitag für eröffnet erkläre, laffen Sie mich Sie auffordern, den Willen und die Ueberzeugung, nur das Beste der Partei zu fördern, zu bekräftigen, indem Sie mit mir einstimmen in den Ruf: Die deutsche Sozialdemokratie, fie lebe hoch!( Die Versammlung stimmt brausend in das Hoch ein.) Genoffen! Nach dem bisherigen Brauch bitte ich Sie nunmehr, den Parteitag zu konstituieren und zunächst zwei Vorfißende mit gleichen Rechten und Pflichten zu wählen. Genosse Knieriem schlägt zu Vorsitzenden bor die Genossen Dorn- Nürnberg und Singer. Die Delegierten beschließen einmütig nach diesem Vorschlage. Singer: Jch erkläre zugleich im Namen des Genossen Dorn, daß wir die Wahl annehmen und unser Bestes tun wollen, um die Geschäfte des Parteitages erfolgreich zu führen und zu erledigen. ( Beifall.) Ich schlage nun vor, unserem verehrten Senior, den Genossen 2öwenstein, zu einer kurzen Ansprache das Wort zu geben ( Lebhafter Beifall), und werde dann vorschlagen, die weiteren geschäftlichen Verhandlungen auf morgen zu vertagen da es einfach unmöglich ist, in diesem Raum aeschäftliche Dinge abzumachen.( Zustimmung.) Bon neuem folgten Musik und Massenchor. Besonderen Ein. brud machte der von Weißheimer komponierte Chor der Dichtung Emanuel Wurms: Empor zum Licht". So war ein würdiger und schöner Rahmen für den unvergeßlichen Abend geschaffen. 1. Verhandlungstag. Nürnberg, 14. September 1908. Bormittagssitung. Im Herkulessaalbau wurde heute mit den Arbeiten des Partei. tages begonnen. Neben der Inschrift„ Sozialdemokratischer Partei. Die vorgeschlagene Geschäftsordnung wird gutgeheißen. Dis Tagungszeit wird festgesezt von 9-1 Uhr und von 3-7 Uhr. Es folgt die Festsetzung der Tagesordnung. Die vom Parteivorstand vorgeschlagene Tagesordnung lautet: 1. Geschäftsbericht des Vorstandes, a) Allgemeines, b) Organisation, und zwar: 1. Frauenorganisation, 2. Jugendorganisation. Be richterstatter: S. Müller- Berlin. c) Kasse und Presse. Berichterstatter A. Gerisch. Berlin. d) Bildungsausschuß. Berichterstatter Heinrich Schulz. 2. Bericht der Kontrollkommission. Berichterstatter A. Kaden. 3. Parlamentarischer Bericht. Berichterstatter G. Eichhorn. 4. Maifeier. Berichterstatter R. Fischer. 5. Sozialpolitik und neuer Kurs. Berichterstatter Q. Molten. buhr. 6. Die Reichsfinanzreform. Berichterstatter F. Geyer. 7. Sonstige Anträge. 8. Wahl des Parteivorstandes, der Kontrollkommission und des Ortes, an dem der nächste Parteitag stattfinden soll. Zur Tagesordnung liegen die Anträge 1-5*) vor. Brüdner- Berlin zieht mit Rücksicht auf die Geschäftslage die Anträge 2 und 3 zurüd. Singer: Antrag 1 deckt sich mit einem Vorschlag, den ich machen wollte, nämlich, daß wir die Frage der Budgetbewilligung als besonderen Punkt behandeln und zwar im Anschluß an den parlamentarischen Bericht. Parteivorstand und Kontrollkommission werden Ihnen hierzu eine Resolution unterbreiten, die Bebel begründen wird. Im Anschluß daran würde ich vorschlagen, einem bayrischen und einem badischen Genossen das Wort mit unbeschränkter Redezeit zu erteilen, damit sie die Mög lichkeit haben, ihre Gründe ausgiebig darzulegen. Damit wäre die Frage erledigt, weil ja dann eigentlich zwei Korreferenten ernannt sind.( Bustimmung.) Zu dieser Frage liegt noch folgender *) 1. Kassel: Bei Punkt 3 der Tagesordnung( Parlamentarischer Bericht) die Frage der Budgetbewilligung in den bundesstaatlichen Lanotagen erneut ga erörtern. Wir sind hier in Nürnberg auf einem klassischen Parteiboden. Schon der Borredner hat auf den fünften Vereinstag der Deutschen Arbeitervereine hingewiesen, der ain 5., 6. und 7. September 1868 in Nürnbergs Mauern, au auf städtischem Grund und Boden, wenn auch nicht in dieser Festhalle, sondern im Rathause, getagt hat. Wir haben die große Freude, die damaligen beiden Vorsißenden in unserer Mitte begrüßen zu können, unsern Genossen Bebel und unseren Genossen Löwenstein, die beide noch in Rüftigkeit, Eifer und Fleiß den Interessen der Partei dienen.( Lebe hafter Beifall.) Auf der Tagung im Jahre 1868 waren 108 Vereine mit 13 965 Mitgliedern durch 103 Delegierte bertreten. Gabriel Löwenstein( mit stürmischem Beifall begrüßt): Was diesem Nürnberger Vereinstage den Stempel aufdrückte, was Werte Versammlung! Genoffen und Genossinnen! Sie ihn charakterisierte, was ihn zu einem Ehrentage der Sozialdemo- werden wohl alle mit mir Freude und Genugtuung darüber fratic gestempelt hat, das ist die Annahme eines Bro- empfinden, daß wir heute den Gedenktag feiern, an welchem bor gramms, welches bis dahin noch fehlte, und der Beschluß, daß 40 Jahren nicht nur der Ruf crscholl: Proletarier aller Länder 5. Berlin IV: Auf die Tagesordnung des Parteitags zu sehen: die Arbeitervereine Politit, daß fie Klaffenpolitik treiben müffen, vereinigt Euch!, fondern wo auch diesem Sturmrufe fofort brate, Die gegenwärtige Kriegsheze in Deutschland," 2. Berlin IV und Driesen: Der Parteitag wolle den Punkt: " Genossenschaftsbewegung und Sozialdemokratie" auf die Tages. ordnung sehen. 3. Genosse Ritter- Berlin III: Auf die Tagesordnung zu sehen: " Das Genossenschaftswesen und seine Bedeutung für die Arbeiter. Klasse". 4. Der Vorstand des sozialdemokratischen Vereins Magdeburg beantragt, auf die Tagesordnung des Nürnberger Parteitags als besonderen Punkt zu sehen: Die auswärtige Politik und die Sa zialdemokratie". Ankrag W a l t h e r- Augsburg bor, der jedoch nicht genügend unterstützt wird: Der Parteitag wolle beschließen: 1. Die Frage der Budgctbewilligung wird als besonderer Beratungsgegenftand, als Punkt 3, behandelt. 2. Es wird eine Kommission von 15 Mitgliedern ernannt, welcher die Borbereitung dieses Punktes übertragen wird. Bei der Wahl dieser Kommission sollen nicht allein die an der Frage direkt Beteiligten, sondern auch solche Berücksichtigung finden, welche sich in der Polemik noch nicht festgelegt haben. 3. Zu der Berichterstattung der Kommission wird ein Re- ferent und ein Korreferent don dieser bestellt. Es wird erst nach dem Referat im Plenum verhandelt. Der Parteitag stimmt dem Vorschlage von Singer ohne Debatte zu. Dadurch erledigt sich der Antrag 1. Den Antrag 4 begründet Schluß-Magdeburg: Sie wissen, daß Bebel bereits im Briefe nach England eine Stellung einge- nommen hat, die sich nicht ganz deckt mit Maßnahmen des Berliner Aktionsausschusses. Wir müssen die Frage einmal verhandeln und zwar soll dabei nicht nur die gegenwärtige Kriegshetze be- sprachen, sondern überhaupt erörtert werden, was die Partei zu tun hat, um die öffentliche Aufmerksamkeit mehr auf die aus- wältige Politik zu lenken. Kllter-Berlin zieht mit Rücksicht darauf, daß der Parteivor- stand die Absicht hat, eine Resolution für die auswärtige Politik vorzulegen, den Antrag b zurück. Singer: Ich kann bestätigen, daß der Parteivorstand und die Kontrollkommission dem Parteitag eine Resolution über die aus- wältige Politik unterbreiten werden. Bei dieser Beratung kann auf das eingegangen werden, was dieser Antrag bezweckt. Antrag 4 wird abgelehnt. Singer teilt weiter mit, daß der Geschäftsbericht des Bor- standes über die verchiedcnen Materien getrennt behandelt werden soll, und zwar soll Müller über die Organisation referieren, E b e r t über die Lokalistenfrage, G e r i s ch über die Kassenver- Hältnisse und die Presse und Schulz über den Bildungsausschuß. Der Parteitag stimmt auch diesem Vorschlage zu, und ge- nehmigt die Tagesordnung entsprechend den Vorschlägen von Singer. Zunächst gibt Genosse Singer eine Berichtigung zu dem Preßbericht über die Sitzung vom Sonntag(Eröffnungs- sitzung), die etwa folgendermaßen lautet: Es soll nicht heißen: daß die Parteitagsbeschlüsse den Genossen ein Heiligtum und Evangelium sein sollen, sondern: die Parteigenossen müssen es als ihre erste Pflicht betrachten, die Beschlüsse dcs Par- teitages unverbrüchlich hochzuhalten. Dann ergreift Singer das Wort zur Begrüßung der ausländischen Dele» gierten: Wir haben auch in diesem Jahre das Vergnügen, Genossen von den ausländischen Bruderparteien begrüßen zu können, und zwar eine erheblich st ä r k e r e Anzahl als im vorigen Jahre. Als Delegierter der englischen Sozialdemokratie ist er- schienen Genosse Queich, der vielen von uns schon persönlich bekannt ist, und Genosse Sanders, der die Labour Party and Fabian Society vertritt. Die deutsche Sozialdemokratie Oester- reichs entsendet uns die Genossen Schuh meier, Winarsky und die Genossin Popp. Ferner ist für die niederösterreichische Landespartei Genosse David- Wien erschienen. Belgien delegiert den Genossen Huhsmans, den Sekretär des Internationalen Bureaus, den Genossen Müller vom Deutschen Verein in Brüssel und den Genossen M ä u l e b r o u k für die Junge Garde in Belgien; die Schweiz den Genossen Moor als Vertreter der Partei, das ausländische Komitee des Allgemeinen jüdischen Arbeitervereins in Rußland die Genossin Schönberg. Ich heiße alle Gäste herzlich willkonimen und spreche im Namen des Parteitages den Dank dafür aus. so viele Delegierte der Bruder- Parteien des Auslandes begrüßen zu können. Ich hoffe, unsere Parteigäste werden mit unseren Brudergrützen an die aus- ländischcn Parteien die Ueberzeugung aus den Verhandlungen unserer Tagung mitnehmen, daß die deutsche Sozialdemokratie nach wie vor ihrer internationalen Solidarität und Verpflichtung sich bewußt bleibt, daß die deutsche Sozialdemokratie in ihrer Organi- sation und ihren Verhandlungen sich als Glied der proletarischen Parteien aller Länder fühlen, durch ihre Verhandlungen aufs neue beweisen wird, daß die Einheit und Geschlossenheit der Partei nach wie bor besteht und daß die deutsche Sozialdemokratie es sich nicht nehmen lassen wird, sowohl in der prinzipiellen Vertretung der sozialdemokratischen Grundsätze als auch der praktischen Politik, die sie zur Bekräftigung und Erfüllung ihrer Grundsätze ein- geschlagen hat, zwar ein dienendes Glied des internationalen Proletariats, aber auch, wie sie mit berechtigtem Stolze von sich sagen kann, als mitwirkendes und wichtiges Glied der inter- nationalen Arbeiterbewegung nach wie vor angesehen zu werden. (Bravo!) Es nahmen darauf die ausländischen Delegierten zur Begrüßung des Parteitages das Wort. Queich- London hielt folgende vom Genossen Ledebour übersetzte Ansprache: Es ist nicht meine Absicht, hier auf innere Parteifragen Deutsch- lands einzugehen, die ja in einem jeden Lande von den Genossen des Landes für sich geregelt werden müssen, oder Schwierigkeiten zu erörtern, die in anderen Ländern entstehen. Mir kommt es darauf an, die großen gemeinsamen Gesichtspunkte hervorzuheben, die uns in dem Kampfe gegen die kapitalistische Gesellschaft vcr- binden. Wir haben Gelegenheit gehabt, in Deutschland die Tätig- keit der Partei sowohl auf ökonomischem als auf politischem Ge- biete kennen zu lernen. Wir haben auch außerdem Gelegenheit gehabt, die außerordentliche Energie der deutschen Gewerkschaften zu sehen, wir haben ihr prächtiges Gebäude bewundert und freuen uns über ihre EntWickelung. Wir haben gleichzeitig, wie schon früher, die politische Tätigkeit der deutschen Sozialdemokratie be. wundert, und da kommt es mir vor allem daraus an, auf die- jenigen Fragen einzugehen, die gemeinsam im Interesse der inter- nationalen Sozialdemokratie von den Parteigenossen aller Länder erledigt werden müssen: die Sicherung des inter- nationalen Friedens.(Beifall.) Wir haben in der letzten Zeit in allen europäischen Ländern, besonders in England und Deutschland, so viel von der Kriegshetzerei gehört. Ich brauche den deutschen Genossen nicht zu versichern, daß wir englischen Partei- genossen ebenso wie Sie mit aller Energie für die Aufrecht- erhaltung des Friedens eintreten. Wir werden alles tun, was in unserer Macht steht, um internationale Konflikte zwischen England und Deutschland im Keime zu ersticken. Denn wir sind uns wohl alle darüber klar: Wenn internationale Konflikte ent- stehe.» wenn Kriege zwischen den Völkern ausbrechen, so sind es nicht die Völker, die sie verursacht haben. Die Völker sind in ganz überwiegender Mehrheit alle friedlich gesinnt. Die Ursache zu den Kriegen ist zu suchen bei den herrschenden Klassen. Man sagt mit Recht, daß wir in England ein demokratisches Verfassungs- leben haben, daß in England das Volk in letzter Linie über feine Geschichte selbst entscheidet. Das ist zutreffend, sofern man nur die inneren Angelegenheiten des Landes in Betracht zieht. Aber «s trifft nicht auf die äußeren Angelegenheiten zu. Auch in Eng- land wird über den Kopf des Volkes hinweg durch die herrschenden Klaffen, durch die Vertreter der Regierung die Kriegshetze ge- fördert. Jluch in England erfährt das Volk nicht alles, was es wissen müßte über den Gang in der auswärtigen Politik. Auch in England werden durch Diplomaten, durch die Kabinette, hinter den Kulissen des öffentlichen Lebens die Fäden gesponnen, die unter� Umständen zum Kriege führen können. Eine eigentliche Antikriegspartei im Sinne des Woötes gibt es auch, ab- gesehen von den sozialistischen Parteien, in den europäischen Ländern nicht. Auch die bürgerlichen Parteien treten nicht als eigentliche Kriegsparteien auf. Aber wir wissen, daß es Interessen gibt, Jntcressenberbände, die in allen Nationen am Ausbruch eines Krieges außerordentlich interessiert sind, die aus dem Kriege Nutzen ziehen. Die Vertreter dieser Kriegsinteressen sind es, die gleich den Geiern über den blutigen Schlachtfeldern schweben, üm aus dem Gemetzel und aus der Schlächterei ihre Beute zu ziehen, und gegen diese Kriegsinteressenten vorzugehen haben wir nicht bloß jetzt, das haben wir im ganzen Laufe der EntWickelung stets für unsere Pflicht gehalten. Als der Burenkrieg auszubrechen drohte, haben wir englischen Sozialisten von Anfang an unter großen Schwierigkeiten, entgegen der öffentlichen Meinung, gegen diese Kriegshetzerei gewirkt. Und wäre damals das englische Volk unserem Rate gefolgt, so hätte sich das Sprichwort bewährt:„Vorher ge- warnt, ist vorher geschützt." Leider sind wir damals nicht durch- gedrungen. Erst nachher hat sich auch der Mehrheit des englischen Volkes die Ueberzeugung von der unglaublichen Torheit dieses Krieges bemächtigt. Und auch in der letzten Zeit, als bei uns die Kriegshetzerei gegen Deutschland entstand, haben wir bei jeder Ge- legenheit, wo irgendwie Komplikationen zu entstehen drohten, uns dagegen gewandt. Wir haben protestiert gegen die Ent- sendung der englischen Flotte in die deutschen Gewässer, weil wir darin eine Demonstration gegen Deutschland erblickten. Wir haben protestiert gegen die Reise des Königs Eduard nach Reval. Wir haben protestiert gegen diesen Besuch, nicht nur deswegen, weil wir auch darin eine jener diplomatischen Machenschaften erblickten, die bis zu einem gewissen Grade gegen Deutschland gerichtet sind, sondern wir haben auch dagegen protestiert, daß der Vertreter des englischen Volkes sich soweit erniedrigte, die Hände des Zaren zu drücken, die noch trieften vom Blute seiner eigenen Untertanen.(Beifall.) Und, Parteigenossen, wenn wir in diesem Geiste handelten, wenn wir in diesem Geiste bei jeder Ge- legenheit für die Aufrechterhaltung des Friedens gewirkt haben, so fühlten wir uns bei dieser Friedensaktion nicht als Engländer, wie auch Ihr Euch nicht bei solchen Gelegenheiten als Deutsche fühlt. Wir fühlen uns als Vertreter der Macht, die die Geschicke der Menschheit in ihren Händen trägt. Genossen und Genossinnen! Laßt uns darauf hinwirken, daß die Beziehungen der Völker nicht mehr geregelt werden durch Geheimverträge der Diplomaten, sondern daß überall die Völker selber über ihre Geschicke bestimmen und in voller Oeffentlichkeit ihre Beziehungen zueinander regeln, dann wird es dahin kommen, daß wirklich Friede und Freundschaft unter den Völkern der ganze» Welt herrscht.(Lebhafter Beifall.) SanderS-London: Genoffen und Genossinnen! Ich habe die Ehre, dem Parteitage die brüderlichen Grütze der englischen Labour-Party and Fabian Society zu überbringen. Diese englische Arbeiterorganisation be- glückwünscht die deutsche Sozialdemokratie zu ihrem schönen Erfolge bei den Wahlen zum preußischen Landtage und zu dem un- aufhörlichen Wachstum ihrer Bewegung. Gleichzeitig soll ich der aufrichtigen Dankbarkeit und Bewunderung Ausdruck verleihen für die Art, wie die deutsche Sozialdemokratie gegen die Versuche an- gekämpft hat, Feindschaft zwischen unsere beiden Völker zu säen und einen Krieg zwischen Deutschland und England zu entfesseln. (Beifall.) Die Interessen der Arbeiter der ganzen Welt, besonders aber die des englischen und deutschen Volkes sind auf das engste mit der Fortdauer des Friedens verknüpft. Sie erheischen ge- bieterisch, daß internationale Streitigkeiten anders beigelegt wer- den, als durch Anwendung barbarischer physischer Kraft. Was die deutsche Sozialdemokratie hier zu Lande getan hat, um den Ar- bcitern die Wahrheit dieses Wortes klar zu machen, werden wir auch in England fertig bringen. Wir werden mit äußerster Energie alle Versuche bekämpfen, einen Krieg zwischen Deutsch- land und England als unvermeidlich hinzustellen. Schon jetzt haben wir zu diesem Zweck Maßnahmen getroffen, die nicht ohne Erfolg geblieben sind. Je besser die organisierten Arbeiter der Welt ein- ander in ihren Bestrebungen sich verstehen, um so schwerer wird eS für die Herrschenden werden, einen Krieg zu beginnen. Möge dieser Parteitag nicht nur zur Stärkung der sozialdemokratischen Bewegung in Deutschland beitragen, sondern möge er auch das Band zwischen den Arbeitern dieses Landes mit allen Ländern enger knüpfen. Das ist unser aller Wunsch in England.(Leb- hafter Beifall.) Winarski-Wien: Ich habe den ehrenvollen Auftrag, Sie im Namen der öfter- reichischen Sozialdemokratie zu begrüßen. Schon auf dem S. Vereinstag der deutschen Arbeitervereine vor 40 Jahren waren Dele- gierte der jungen österreichischen Arbeiterbewegung anwesend, wo die Selbständigkeit der Arbeiterbewegung und die Unabhängigkeit von der Bourgeoisie beschlossen wurde. Seit dieser Zeit haben wir stets in engster Gemeinschaft Mt der deutschen Bituderpartei gewirkt. Mit Bewunderung und HockMchtung haben wir den glänzenden Aufstieg der deutschen Sozialdemokratie beobachtet und auf allen Parteitagen haben wir neues gelernt. Auch dieser Partei- tag wird uns Gelegenheit zum lernen geben und wir haben das um so notwendiger, weil wir sehen, daß auch die bürgerlichen Parteien Oesterreichs von den bürgerlichen Parteien Deutschlands zu lernen suchen. Die Parole des Zusammenschlusses aller bürgerlichen Elemente gegen die Sozialdemokratie wird auch in Oester. reich ausgegeben. Und seitdem das neugewählte Parlament, für das wir in schwerem Kampfe 88 Sitze errangen, zusammengetreten ist, haben wir auch eine mächtige Koalition aller bürgerlichen Parteien innerhalb des Parlaments gegen dre Sozialdemokratie. Dieser Parteitag wird uns vor allem deshalb interessieren, weil wichtige taktische und organisatorische Fragen auf ihm erörtert werden. Wir sind fest überzeugt, daß die Hoffnungen der Gegner wieder einmal zuschanden werden. Wir sehen in der öffent- lichen Verhandlung dieser Fragen nur einen Beweis für die Stärke der deutschen Sozialdemokratie.(Beifall.) Uns interessiert auch das Problem der Jugendorganisation. Wir selber in Oesterreich haben seit langer Zeit eine Jugend» organisation, die in engster Gemeinschaft mit der Partei arbeitet und von der Partei wie von der Gewerkschaftskommission ideell und materiell unterstützt wird. Wir haben in Oestereich mit der Jugendorganisation die besten Erfahrungen gemacht. Wir hoffen, daß diese Frage zum Wöhle der Gcsamtpartei auf diesem Parteitag gelöst wird. Wir haben stets Schulter an Schulter in engster (stemeinschaft trotz der trennenden Grenzen zusammengestanden. So wollen wir auch weiter wirken. Wir hoffen, von Euch zu lernen und auch in Eurer jetzigen Tagung Gelegenheit zu gemein- samer Arbeit zu finden. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen im Namen der österreichischen Sozialdemokratie den besten Erfolg zu ihren Verhandlungen und begrüße Sie mit dem alten Partei- kampfruf: Es lebe die internationale, revolutionäre Sozialdemo- kratie Z(Lebhafter Beifall.) HuiömanS-Belgien: Die belgische Arbeiterpartei schließt sich den Friedens- Äußerungen unserer englischen und österreichischen Genossen an und begrüßt Sie brüderlich. Zwei Ereignisse haben die Politi! unseres Landes in der letzten Zeit charakterisiert, ersten? die Wahlen und zweitens die Uebernahme des Kongostaates. In den Wahlen haben wir mit einigen Parteigenossen gesiegt und haben zwei Mandate den Klerikalen abgenommen und drei den Liberalen. Unsere Stimmenzahl hat sich um 8 Proz. erhöht. In der Kolonial. frage haben wir mit einer Ausnahme im Sinne der Stuttgarter Resolution gehandelt. Belgien hat den Kongostaat annektiert, nicht, weil Belgien das wollte, sondern weil die Großmächte, und zwar England und die Vereinigten Staaten, es wollten und auch weil unser sehr verliebter, aber sehr wenigbeliebter König(Heiterkeit und sehr gut!) es zu bunt gemacht hat. England und die Vcr- einigten Staaten haben Belgien aufmerksam gemacht auf die Grausamkeiten im Kongostaate; Deutschland hat das leider nicht getan.(Hört hört!) Wir haben im letzten Jahre die Mißwirtschaft Leopolds kennen gelernt. Gegenüber den Groß- mächten versprach er 1884 die Freiheit des Handels. Und was tat xr? Kr msnopylifikrte den Handel und perfprach den Groß, » mächten deN Schwarzen ein Vater zu sein. Und toaS tat etf Er nahm die Peitsche und märtyrisierte die Neger des Kongo- staates. Weiter versprach er Belgien, daß es den Kongostaat un- entgeltlich übernehmen könne. Und war tat er? Er bat um 54 Millionen Trinkgeld.(Sehr gut!) Belgien hat also den Kongostaat nicht annektiert, es ist der Kongostaat, welcher Belgien annektiert. Die Korruptionen im In- und Auslande haben Sie auch kennen gelernt. Sie haben gehört, von den„Belgiern" in Deutschland, Sie haben gehört von den Parlamentariern in Italien und auch von den Businesmen(Geschäftspolitikern) in den Ver- einigten Staaten. Also ist Belgien hineingetrieben in den englisch-deutschen Gegensatz, und unsere Neutralität ist dadurch geschädigt worden. Neue Opfer müssen wir bringen für den Mili- tarismus und vielleicht auch für den Marinismus. Aber wir werden weiter kämpfen mit Ihrer Unterstützung für den inter- nationalen Frieden, für die EntWickelung unserer Macht. Wir nehmen zur Devise die Worte, die dort stehen: Trotzig kämpfen. nicht verzagen, kalten Blutes alles wagen.(Bravo!) Genossin Schönberg-Rußland: Im Auftrage des Ausländischen Komitees de? Allgemeinen jüdischen Arbeiterbunoes in Rußland, Livland und Polen über- bringe ich dem Nürnberger Parteitag und damit der gesamten deutschen Sozialdemokratie die berzlichsten Grüße und Glück- wünsche. Wir haben stets mit lebhaftestem Interesse alle Schritte der deutschen Bruderpartei verfolgt. Ihre Kämpfe haben unseren Mut und unsere Energie gestählt. Das jüdische Proletariat hat zu leiden unter der wüsten, nationalistischen Hetze, die von dem Schwarzen Hundert unter der offenen Billigung der Regienmg veranstaltet wird. Schon kommt es in einigen Städten wieder zu Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung, und wer weiß, ob nicht binnen kurzem das jüdische Proletariat wieder wird zu den Waffen greifen müssen, um sein Leben und seine Ehre zu verteidigen. Deshalb aber läßt es seinen Mut nicht sinken, denn es weiß, es kommt die Stunde, wo die Revolution, die jetzt scheinbar zu Tode getroffen am Boden liegt, sich wie der Riese Antaeus mit neuen Kräften erhebt und dem Zarismus den Gnadenstoß versetzen wird. Dieser Sieg der russischen Revolution wird der Sieg des Proletariats der ganzen Welt sein. Wenn über Rußland die goldene Morgenröte der politischen Frei- heit aufsteigt, so ist«s wiederum die deutsche revolutionäre Sozialdemokratie, zu der wir aufschauen werden, um aus ihren Kämpfen und ihren Siegen zu lernen. Möge dieser Sieg nicht mehr fern bleiben.(Lebhafter Beifall.) Singer: Ich habe dem Parteitag mitzuteilen, daß uns von der dänischen Sozialdemokratie in Kopenhqgen sowie von dem Zentralbureau der russischen sozialdemo- kratischen Arbeiterpartei warme Begrüßungsschreiben zugegangen sind. Die russischen Genossen danken insbesondere für die Unterstützung, die ihm die deutsche Sozialdemokratie in ihrem Kampfe gegen den Zarismus hat zuteil werden lassen. Ferner ist wie immer ein Schreiben von unserem alten Genossen Lehn er aus London eingegangen, der leider durch seinen körperlichen Zu- stand verhindert ist, selbst zu schreiben, es sich aber nicht hat nehmen lassen, durch eines seiner Familienmitglieder dem Parteitage seine Grüße und Wünsche zu übermitteln. Ferner sind Begrüßungen eingegangen aus dem 17. württembergischen Kreise, aus Ilmenau. aus Breslau usw. Ich danke all den Einsendern dieser freund- lichen Begrüßungen. Der Parteitag tritt hierauf in die Tagesordnung ein. Den allgemeinen Geschäftsbericht erstattet Parteisekretär Müller-Berlin: Sie haben den ausführlichen, gedruckten Bericht über die Tätigkeit des Parteivorstandes und der Partei im allgemeinen vor sich. Ich werde mich daher auf einige statistische Nach. Weisungen und Ergänzungen beschränken. Der Bericht ergibt. daß die Tätigkeit der Partei eine rege gewesen ist. Wenn die Zahl der Ausgänge im Bureau einen Rückgang erfahren hat gegen das Vorjahr, so liegt das daran, daß wir diesmal ein Geschäfts- jähr von nur 11 Monaten hatten. Trotz der Krise haben sich die Organisationsverhältnisse gebessert, wenn auch nicht ein gleicher Zuwachs zu verzeichnen war wie im Vorjahre. Er beträgt nur 10,7 Proz. gegen vorher 38 Proz. Nur mit 12 Wahlkreisen haben wir keine Verbindung. Besonders erfreulich ist, daß auch in der Zeit der Krise die Zahl der Wahlkreise zugenommen hat. die ihre Beiträge erhöht haben. Es erheben jetzt 66 Wahlkreise einen Beitrag von 10 Pf. wöchentlich resp. 40 Pf. monatlich. Diese Beitragserhöhung ist notwendig, weil die Ausgaben der Organisationen immer mehr wachsen. Vor allem werden aus vielen Wahlkreisen immer mehr Anforderungen an Ausgaben für Bildungsbestrebungen gestellt, als das früher üblich war. Unsere Gegner, insbesondere der Reichsverband, behaupten immer, daß die sozialdemokratische Partei Jahresbeiträge von 36,80 Mk.. 52 MI» ja sogar 66 Ml. erhebe. Demgegenüber wollen wir feststellen, wie gering eigentlich die Beiträge sind. WaS das LrganisationSverhältnis anlangt, so sind in 26 Kreisen über 25 Proz. der Wähler organisiert. An der Spitze steht Leipzig. Land mit 41,7 Proz. ES folgen Hannover mit 30,5 Proz., Nürnberg mit 37,8 Proz» Erlangen mit 37,6 Proz» Pinneberg mit 36,9 Proz» Offenbach mit 36,6 Proz» Bremen mit 35,7 Proz» Hamburg III mit 33,4 Proz» Altona mit 33,2 Proz» Hamm mit 33 Proz., Westhavelland mit 32,5 Proz» Dresden-Land mit 30,7 Proz., Bielefeld mit 30.5 Proz» Verden mit 20,4 Proz» Har- bürg mit 29,2 Proz» Dresden rechts mit 28,3 Proz» Lübeck mit 28,1 Proz» ebenso Reuß j. L» Delmenhorst mit 27,0 Proz» Ham- bürg I mit 27,6 Proz» Hamburg II mit 27,4 Proz» Friedberg mit 26,9 Proz» Speyer mit 26,6 Proz» Meißen mit 26,1 Proj» Berlin VI mit 25 Proz» Geestemünde mit 25,1 Proz. ES lst dabei zu berücksichtigen, daß hier nur die großen Wahlkreise ge- nannt sind. Selbstverständlich kann in kleinen Wahlkreisen mit sehr geringer Wählerzahl unter Umständen auch ein hoher Prozent- satz erreicht werden, der aber wenig beweisen würde. Die Zahl der Wähler läßt sich nicht absolut vergleichen mit der Zahl der Organisierten, weil unter diesen auch die unter 25 Jahre alten und die Frauen enthalten sind. Dadurch werden z. B. die Bezirke ungünstiger gestellt, in denen bereits früher Frauen organisiert werden konnten. Weiter haben wir statistische Auszüge gemacht icher die Zahl der Organisierten in den einzelnen Wahlkreisen. Diese Statistik ist von Bedeutung, wenn wir über die Anträge auf Einführung des proportionalen Systems beraten werden. Nach der Statistik haben wir 83 Wahlkreise unter 100 Mitgliedern. 41 Wahlkreise mit 100—200 Mitgliedern, 21 Kreise mit 200 bis 300 Mitgliedern. 27 Kreise mit 300—400 Mitgliedern. 18 Kreise mit 400—500 Mitgliedern, 10 Kreise mit 500—600 Mitgliedern, 0 Kreise mit 600—700 Mitgliedern, 12 Kreise mit 700— 800 Mitgliedern, 11 Kreise mit 800—900 Mitgliedern. 6 Kreise �nit 900 bis 1000. Mitgliedern. 51 Kreise mit 1000—2000, 26 Kreise mit 2000—3000. 16 Kreise mit 3000— 4000, 7 Kreise mit 4000—5000, ebensoviel mit 5000—6000, 8 Kreise mit 6000— 7000, 4 Kreise mit 7000—8000, 2 Kreise mit 8000—9000, 3 Kreise mit 9000—10 000. 2 Kreise mit 10 000—11000, 1 Kreis mit 13 000—14 000, 1 Kreid mit 14 000—15 000, 1 Kreis mit 15 000—20 000, 1 KreiS mit 20 000— 21 000, 1 Kreis mit 21 000—22 000, 1 Kreis mit 23 000 bis 24 000 und 1 Kreis mit 25 000—26000. Die Agitation gegen das Reichsvereinsgesetz haben wir von vornherein mit den Gewerkschaften gemeinsam betrieben. Natürlich mußte die Agitation spezialisiert werden, weil unsere Genossen in Süd- dcutschland und den gemischt-sprachigen Gegenden sehr viel mehr von neuen reaktionären Bestimmungen betroffen wurden als die Genossen in Preußen und Sachsen. Es kam dazu, daß in einer Reihe von Bundesstaaten die Kräfte auf die Wahlrechtsbewegung konzentriert wurden. Wir haben daher in diesem Falle nicht Ver- sammlungen über ganz Deutschland an einem Tage angeregt. Es ist auch notwendig, daß nach dieser Richtung hin sich nicht eine Schablone einbürgert. In der nächsten Zeit wird eS nun vor allem darauf ankommen, zu kontrollieren, wie das Reichsvereins- hesetz tatsächlich in Deutschland gchand'habt wird. Wir haben Za in dieser Richtung in der kurzen�Zeit seines Bestehens schon die allerschlechtesten Erfahrungen gemacht. Ich erinnere vor allem an Breslau und Magdeburg, wo man die Vcr sammlungcn geschlossener politischer Vereine ebenso behandeln will, wie Versammlungen, die als öffentliche politische Versamm lungcn nach dem Vereinsgesctz zu betrachten sind. Es mutz den Behörden immer mehr klar gemacht werden, wie nach den Er klärungen im Reichstage und den auf Grund dieser Erklärungen erlassenen Verordnungen das Rcichsvereinsgesctz aufzufassen isb Ich erinnere an die bekannte Verordnung der Landräte in Preutzen im Auftrage des Ministers des Innern, in der es aus drücklich heißt:„Es darf deshalb auch, soweit das Gesetz für ein behördliches Einschreiten gegenüber Vereinen, Versammlungen Raum läßt, ein solches doch niemals in kleinlicher und unnötig rügender Weise erfolgen, sondern nur dann eintreten, wenn es zum Schutze eines erheblichen staatlichen Interesses tatsächlich nötig ist und nur in dem zur Erreichung diekcs Zweckes gebotenen Ilmfange. Auch auf Umwegen soll das gesetzliche Vereins- und Versammlungsrecht durch die Behörden nicht beeinträchtigt werden.' Eine ähnliche Erklärung ist auch für Sachsen von dem Minister Hohenthal erlassen worden. Es wird deshalb Aufgabe der Fraktionen im Reichstage und in den Landtagen fein, die behörd lichen Organe, die sich um diese Erklärungen nicht kümmerw Spießruten laufen zu lassen. Eine andere Frage, die noch nicht abschließend verhandelt werden konnte, ist die Frage der Organisierung der Land und Waldarbeiter. Diese Arbeiter hat bisher der Verband der Fabrik- und Landarbeiter für sich reklamiert. Dagegen setzte seit längerer Zeit eine Reaktion ein, weil dieser Verband in den Fabriken, namentlich der chemischen Industrie, noch ein sehr großes Organisationsgebiet hat, so daß es ihm einfach unmöglich ist, auch noch die Organisierung der Landarbeiter vorzunehmen. Wir haben ja auf dem Gewerkschaftskongreß schon von Legten gehört, daß beabsichtigt ist, eine besondere Organisation der Land- und Wald arbeiter zu gründen, und inzwischen hat auch der Verbandstag der Fabrikarbeiter mit 35 gegen 31 Stimmen beschlossen, daß er in Zu- tunst auf die Landarbeiter verzichte und daß diese einer besonderen Organisation zugeführt werden sollen. Selbstverständlich wird auch ein besonderes Landarbeiterorgan gegründet werden. Daß diese Organisation vielfach anders zu behandeln ist, als die übrigen Ge werkschaften, ergibt sich schon aus den besonderen gesetzlichen BeD Hältnissen, unter denen die Landarbeiter, insbesondere in Preußen leben. Es ist erfreulich, daß wir uns von jetzt ad auch im preußischen Landtage der Landarbeiter ganz besonders werden annehmen können. Wir können uns der Erklärung des Vertreters der General- tommission Sabbath auf dem Verbandstage der Fabrikarbeiter nur anschließen, daß die Gründung eines besonderen Landarbeiter- Verbandes höchst dringend ist. Es ist das eine Aufgabe, an der Partei und Gewerkschaften ein großes Interesse haben, sie gemein sam im Interesse der Landarbeiter und im Interesse der gesamten Arbeiterbewegung zu lösen. In einer ganzen Reihe von Orten sind bereits Verbindungen mit den Landarbeitern angeknüpft. Es werden dort politische Organe schon von Landarbeitern gelesen und das gemeinsame Arbeiten wird sicher die besten Früchte tragen. Wir haben weiter im Bericht darauf hingewiesen, wie bei den preußischen Landtagswahlen Partei und Gewerkschaften in innigster Fühlung gestanden haben und daß wir der Gewerk- schaftSpresse eine Reihe von Artikeln zur Verfügung stellten, in denen auf die Bedeutung hingewiesen werden sollte, die die preußischen Landtagswahlcn, insbesondere für die Gewerkschafts bewegung, haben. Es waren sechs Artikel allgemeinen Charakters, und einer, der ganz besonders für die Bauberufe zusammen gestellt war. Auch in bezug auf die Parteischule sind wir neuerdings mit den Gewerkschaften in Beziehung getreten. Die Darstellung in der Presse über eine Vereinbarung mit der Generalkommission ist nicht ganz richtig, schon weil diese nach ihren Satzungen und Mitteln zu solchem Abkommen nicht in der Lage ist. Wir haben der Generalkommission erklärt, daß wir bereit sind, einzelne Sitze auch an Mitglieder der Gewerkschaften zu überweisen. So werden wir auch auf dem am 1. Oktober beginnenden Kursus je einen Vertreter des Bergarbeiter, und des Maurervcrbandcs begrüßen können. Zum nächsten Jahre hat uns der Transportarbeiterverband die Zu Weisung von einem oder mehreren Kollegen zugesagt, so daß wir hoffen, daß auch in bezug auf die Parteischule eine innigere Ver bindung zwischen Partei und Gewerkschaft stattfinden wird. Die Unterhaltungskosten für die Familien der Parteischüler werden nicht mehr von der Zentrale, sondern von den Bezirken getragen werden. Natürlich werden Bezirke mit geringeren Mitteln Zu- schüsse erhalten. Die Parteischule war kritisiert worden. E s i st aber gar nickt daran zu denken, sie etwa eingehen zu lassen.(Sehr richtig!) Das kritische Material und die Er- fahrungen genügen in keiner Weise, um irgend eine Aendcrung ein- treten zu lassen. Es ist eine bessere Auswahl der Schüler empfohlen worden. Aber wie geschieht denn die Auswahl? Zunächst durch Vorschläge der einzelnen Agitationsbezirke, die dort geprüft sind. Dann wird ein Ausschuß des Lchrerkollegrums eingesetzt, der das Schülermaterial prüft und für die engere Auswahl Vorschläge macht. Dann erfolgt eine erneute Prüfung nach der Richtung, daß die einzelnen Bezirke Deutschlands in der Parteischule Pertretung finden. Wir wollen in keiner Weise etwas gemein haben mit der Art und Weise, wie der Neichsverband seine Agitatoren heranzieht, die ja nichts als ein verschlechterter Abklatsch der Münchcn-Glad- bacher Jesuitenschule ist, nur in das Evangelische übersetzt. Gewiß wäre für viele, ja für die meisten ein einjähriger statt des Halb- jahrkursus sehr gut. Aber auch in einem ganzen Jahre läßt sich all das notwendige Wissen nicht beibringen. Worauf es ankommt, ist. dem Schüler die Methode des Denkens und ArbeitenS beizu- bringen, damit er, wenn er in seinen Beruf zurückkehrt oder ein Partciamt bekleidet, sich selbst weiterhelfen kann. Wir haben in der letzten Zeit infolge einer Enguete gehört, wie die einzelnen Schüler über die Erfahrungen auf der Parteischule denken. Aber wir haben ja da ein bessere? Material zur Prüfung: Wenn der Kursus zu Ende ist, hält der Parteivorstand unter Hinzuziehung der Lehrer eine gemeinsame Sitzung mit den Schülern ab, in der die Schüler ihre Erfahrungen und Meinungen zu Protokoll geben. Die Aussicht, etwa nach Abschluß des Kursus eine Stellung für die Schüler in der Partei zu sichern, können wir nicht gewähren, schon weil die meisten Stellen in der Partei durch örtliche und Bezirks- organisationen besetzt werden. Aber von den 64 Schülern der beiden Kurse sind heute schon zwei Drittel in Stellungen in der Partei oder in Gewerkschaften. An den Kursen nehmen auch eine Reihe von Agitatoren teil, die ihren bürgerlichen Beruf haben, selbständig sind und gar keine Parteianstcllung wollen. Nach dem Bericht ist auch das vom Essener Parteitag beschlossene Pressebureau eingerichtet worden. In der kurzen Zeit seines Bestehens hat sich schon seine Notwendigkeit ergeben. Insbesondere hat die kleinere Parteiprcsse mehrfach ihre Befriedigung über die Nachrichten vom Pressebureau ausgesprochen. Gewiß ist noch vieles besser zu machen und nachzuholen, mit Rücksicht auf die Verschieden- artigkeit der Bedürfnisse der großen, mittleren und kleinen Presse. Für die Uebernahme der Telephonkosten auf Generalunkosten deS Pressebureaus müssen noch erst weitere Erfahrungen gemacht werden. Die Kosten sollen ja zum Teil auf die Parteiblätter repar- tiert werden. Ebensowenig war es bisher möglich, gewerkschaftliche Berichte einzuführen. JnderKontrollederPrehgeschäste haben wj.r einen Schritt vorwärts getan. Mit der Erledigung der Geschäfte im westlichen Industriegebiet ist Genosse Heinrich beauftragt. Wir beabsichtigen, ähnlich auch in anderen Bezirken vorzugehen. Ein Jahr der Arbeit liegt hinter uns. In den einzelnen Bundesstaaten hatten wir Wahlrechtskämpfe zu bestehen. Der preußische Land- tagswahlkampf hat bewiesen, was zu erreichen ist, wenn Kleinarbeit geleistet wird. Im Jahre 1903 sind in Berlin allein mehr Stimmen abgegeben, als im Jahre 1993 in ganz Preußen. lHort! hört!) Selbstverständlich ist mit den Wahlen die Wahlrechtsbewegung nicht beendet. Wir werden noch sehr viele Arbeit zu leisten haben. Darüber werden wir natürlich andere, größere Aufgaben nicht vernachlässigen. Sie können sicher sein daß auch das neue Jahr ein Jahr sein wird, wo es keine Ruhe gibt Ich komme nun zu den Vorschlägen über die Frauen organisationen. Diese sind zunächst nur als provisorische zu betrachten. Eine endgültige Regelung erfolgt, wenn der Parteitag die Revision des Organisationsstatuts beenden wird, was ja voraussichtlich in den nächsten Jahren geschieht. Ich kann mich in dieser Sache kurz fassen, weil ja die Frauenkonferenz den Vor schlügen ihre Zustimmung erteilt hat. Ich beziehe mich da auk die Vorschläge der Genossin Zetkin, die Ihnen durch die Press bekannt sind. Wir haben bisher schon in einer Reihe von Bundes staaten die Möglichkeit gehabt, die Frauen der Organisation an- zugliedern, und da vorher diese Möglichkeit durch das Gesetz be� schränkt war, haben wir verstanden, sie der losen Organisation fo gut anzupassen, daß man mit Recht sagen kann, sie haben auf die reaktionären Bestimmungen des Gesetzes gepfiffen und getan, was im Interesse der Sozialdemokratie allgemein und im Interesse der sozialdemokratischen Frauenbewegung im besonderen notwendig war.(Sehr richtig) Das Reichsvereinsgesetz bedeutet ja nur einen unwesentlichen Fortschritt nach dieser Richtung hin. Be kanntlich ist das Gesetz nur zustande gekommen, weil es den Agrariern nicht mehr paßte, alljährlich die Vorstellungen im Zirkus Busch ohne ihre Frauen zu besuchen. Wir schlagen zunächst vor, daß keine Sonderorganisationen der Frauen ge� gründet werden sollen. Wir halten das für absolut selbstverständ lich. Die deutsche Sozialdemokratie steht ja seit langem auf dem Standpunkt, daß vor allem Einheitlichkeit der Bewegung not- wendig ist. Frauenbildungsvereinc sollen nur dort als Ausnahmen bestehen bleiben können, wo die Genossinnen des Ortes mit den Genossen dies wünschen. Aber die Mitgliedschaft in solchen Frauenbildungsvcreinen darf unter keinen Umständen einen Ersatz für die Zugehörigkeit zur Organisation bilden. In erster Linie sind die Frauen verpflichtet, der Wahlkreisorgan i sation beizutreten. Es liegt kein unbedingtes Bedürfnis vor, alle Frauenbildungsvereine unmöglich zu machen. In einer ganzen Reihe von Orten haben die Frauenbildungsvereine Aus- gezeichnetes zur Aufklärung der Frauen geleistet und daher ist die Erhaltung dieser Vereine empfehlenswert. Aber dringend muß daran festgehalten werden, daß die Frauen in diesen Ver- einen nur diskutieren, daß sie sich über Probleme der Sozial- demokratie aufklären, aber unter keinen Umständen feste, für die Organisation bindende Beschlüsse fassen können. Wir schlagen ferner vor, daß die Beträge für die Frauen niedriger sein können als für die Männer. Man hat hieraus gefolgert, daß da- durch ein Sonderrecht für die Frauen statuiert werden solle. Ich halte diesen Vorwurf für unberechtigt. In erster Linie haben wir dafür zu sorgen, die Frauen in Massen zur Organisation Hera» zuziehen, und wir haben ja auch bei Beratung der Beiträge für die Frauen in letzter Zeit in einer ganzen Reihe von Organisationen die Erfahrung gemacht, daß nachträglich die Beiträge niedriger festgesetzt worden sind, als die Frauen es selbst woll- t e n. Zweifellos liegt ein Bedürfnis vor. die Möglichkeit niedri- gerer Beiträge für die Frauen zu schaffen. Es sollen dann— entsprechend ihrer Zahl— die Genossinnen im Vorstand vertreten sein, zum mindesten soll eine Genossin dem Vorstande angehören. Ich halte das für selbstverständlich. Wir wollen doch dadurch einen Ersatz schaffen für die Vcrtrauensperson. Wir müssen im Vor stände eine Frau haben, die in Fühlung bleibt mit der Gesamtheit und das Notwendige tue, um bei der Organisation der Eigenart der Frauen Rechnung zu tragen. Es ist gesagt worden, daß dieser Passus teilweise undurchführbar sei, weil in einer Reihe von Orten Genossinnen nicht vorhanden sind, die dem Vorstände angegliedert werden könnten. Diese Frage braucht uns nicht zu berühren, wir haben nur den Grundsatz aufzustellen, was zu geschehen habe. Wo keine Frauen sind, oder wo sich keine Frau bereit erklärt, in den Vorstand einzutreten, kann selbstverständlich keine Frau gewählt werden. Absatz 5 unserer Vorschläge enthält den Passus, daß die Frauen die für die Frauen notwendige Organisation zu betreiben haben. Selbstverständlich muß die Gesamtheit des Parteivor- tandes die Gelder zur Agitation bewilligen. Eine getrennte Kassenführung ist n i ch t mehr g e st a t t e t.— Gegen Absatz 6, der zunächst Bezug nimmt auf die Frage der Delegation, hat sich Widerspruch erhoben. Ursprünglich hatten die Frauen das Recht, besondere Delegierte zum Parteitage zu wählen. Dieses Recht wurde ihnen auf dem Berliner Parteitage— auf Antrag der Go nossin Baader— wieder genommen. Aber auf Grund späterer Erfahrungen wurde die Bestimmung auf dem Frankfurter Partei tage wieder eingeführt, und auch bei der Beratung des Organi- 'ationsstatutcs in Jena und Mannheim hat man die Sonder- bcstimmung stehen lassen. Die ganzen Vorschläge sind als Pro- v i s o r i u in zu betrachten, es wird sich ja zeigen, inwieweit bei der Neuregelung des Organisationsstatutes eine Aenderung. Platz zu greifen hat. Wenn durch das Proportionalwahlsystem die Vertretung überhaupt anders geregelt wird, wird es natürlich nicht mehr �notwendig sein, besondere Rechte für die Frauen zu tatuieren. Sollte die Praxis etwas ergeben, was wir nicht wünschen wollen, nämlich, daß die Frauen in bezug auf die Delegation nicht zu ihrem Rechte kommen, dann wären wir immer noch in der Lage, besondere politische Frauenschutzbestimmungen einzuführen,(Heiter- keit) die es den Frauen ermöglichen, unter allen Umständen auf dem Parteitage vertreten zu sein. Ziffer 6 bestimmt, daß das Z e n t r a l- b u r e a u der Frauen bestehen bleiben soll. Auch das empfehlen wir aus Zweckmäßigkeitsgründcn. Das Bureau hat bereits Fühlung mit den meisten Wahlkreisen, und es liegt keine Veranlassung vor, daß sich der Gesamtvorstand der Partei in seinen Sitzungen mit allen Einzelheiten der Frauenorganisation befaßt. Wichtige An- gelegenheiten muß er natürlich in seiner Gesamtheit erledigen. Es ist schon deshalb selbstverständlich, weil ja auch in der Zentral- lasse keine getrennte Kassenführung vorgesehen ist, sondern weil die Bewilligung der Mittel durch den gesamten Partcivorstand zu erfolgen hat. Die Bestimmung, daß eine Vertreterin der Ge- nossinnen im Zentralburcau dem Vorstand angegliedert werden öll, ist mißverstanden worden. Das ist so auszulegen, daß aus dem Bureau eine Frau zu den Sitzungen des Vorstandes delegiert wird. Die Frauenkonferenz hat ja beschlossen, daß zwei Ge- nossinnen in den Parteivorstand aufgenommen werden, die in Zukunft die Frauenorganisation für Teutschland zu betreiben haben. Wir wünschen auch, daß die Genossinnen genau so wie alle übrigen Mitglieder des Parteivorstandes vom Parteitag ge- wählt werden. Sache des Parteitages ist es, sich zu entscheiden. wen er wählen will. Er ist souverän, aber die Wahlen sollen nicht auf Grund eines indirekten Wahlmodus erfolgen. Keine Bestim- mungen sieht unser Vorschlag vor über die Frage des Weiter- bestehenS der Frauenkonferenzen. Ich halte es für selbst- verständlich, daß die Frauenkonferenzen auch in Zukunft abgehalten werden. Das ist durchaus berechtigt. Es geht nicht an, daß der Zarteitag der Gesamtpartei sich mit diesen speziellen Fragen be- chäftigt, denn sonst würde es dahin kommen, daß wir länger als eine Woche tagen oder den Parteitag mit den geschäftlichen An- gelegenheiten belasten müßten und das liegt gewiß nicht im Jnter- esse der Partei. Mit Rücksicht darauf, daß die Frauenkonferenz ihr Einverständnis erklärt hat und daß es sich nur um ein Pro- visorium handelt, bitten wir. unserem Vorschlage zuzustimmen, bis eine endgültige Regelung erfolgt. Nun zur Frage der Jugendorganisation. Ein An, trag wünscht freilich, daß wir aus taktischen Gründen diese ganze flrage nicht behandeln. Ich glaube aber, daß es nicht angängig t, von einer Behandlung der Frage abzusehen, wenn ich es auch ür unbedingt erforderlich halte, sie einer Kommission zu überweisen, >ie dem Parteitag geeignete Vorschläge zu unterbreiten hat. Aller- dings erscheint es mir nicht möglich, auf alle Fragen einzugehen, die in den letzten Wochen und Monaten im Zusammenhang mit der Frage der Jugendorganisation in der Parteipresse erörtert worden rnd. Sie wissen alle, daß unsere Jugendorganisationen in Deutsch- jungen Garde zugestellt worden ist, ist ja auch ausgesprochen, dag man erwartet hätte, daß der Parteitag in Bremen der Frage der Gründung von Jugendorganisationen nähertreten würde, was er aber nicht getan hat, und kurz nach dem Bremer Parteitag sind Jugendorganisationen gegründet worden aus der Jugend heraus, unter Anteilnahme einer Reihe erwachsener Genossen, die sich dafür interessierten, aber nicht im Auftrage der zuständigen Instanzen handelten. Im September 1994 ist die„Junge Garde" gegründet worden. In Offenbach ist schon ein Jahr früher die Gründung eines Jugendvereins erfolgt und bald darauf wurde auch in Berlin eine Jugendorganisation gegründet. Aus der Verschiedenartigkeit der Verhältnisse ergab es sich, daß diese Organisationen in Nord- deutschland unpolitisch, in Süddeutschland politisch waren. Der Parteivorstand hat demgegenüber eine abwartende Stellung ein- genommen. Es ist zivar behauptet worden, daß die Art und Weise, wie die Frage von vielen Genossen behandelt worden ist, in Wider- spruch steht mit den Beschlüssen der internationalen Kongresse von Paris und Stuttgart. Das ist nicht der Fall, auch im Auslande haben wir lofe Jugendorganisationen, und es ist noch niemandem eingefallen zu behaupten, daß diese im Widerspruch zu den� Beschlüssen der internationalen Kongresse stehen. Auch der Essener Parteitag hat ja einen Beschluß gefaßt, der sich prinzipiell mit der Frage der Jugendorganisation befaßt und der zunächst die inter- nationale Betreibung der Schaffung von Jugendorganisationen verlangt. Wir haben keine Veranlassung genommen, dieien Be- schluß sofort auszuführen, wir hätten cS nicht verantworten können, in einem Moment, wo das Reichsvereinsgesetz bereits in der Schwebe war, wo die Reaktion bereit war, jede Jugendorganisation un- möglich zu machen, eine intensive Agitation zur Schaffung von Jugendorganisationen einzuleiten. Wir waren nicht in der-age, offizielle Agitatoren hinauszuschicken, um Jugendorganisationen zu gründen, denn dann wäre auch der dümmste Staatsanwalt im- stände gewesen, zu konstruieren, daß es sich um politische Organi- sationen handelt. Wir haben nicht erwartet, daß ein taktisch so unglücklicher Antrag vom Parteitag angenommen wird.(Sehr richtig!) Auch über die Verhandlungen zwischen Parteivorstand und Generalkommission sind Unrichtigkeiten ver- breitet. Von einem Gcheimkonvcntikcl kann gar keine Rede sein. Der Parteivorstand ist zu der Sitzung der Zentralvorstände einge- laden worden. Er hatte auch ein Mitglied dahin delegiert. Wir waren vollkommen informiert über das, was dort bor- ging. Andererseits kann man es auch den Gewerkschaften über- lassen, über alles, was in den Konferenzen der Zentralvorstände beraten wird, der Oeffentlichkeit Mitteilung zu machen.(Sehr richtig!) Ich habe schon auf der Darmstädter Konferenz der„Jungen Garde" erklärt, daß wir im Prinzip mit der Gründung einver- standen waren, aber ich stelle ausdrücklich fest, daß eine Ueberein- stimmung tatsächlich erfolgt ist, nachdem das Reichsvereinsgesetz angenommen war, wenn wir auch nn Prinzip einig waren, so haben wir uns doch nicht am 24. April 1908 auf gemeinsame Grundsätze festgelegt. Wir hatten aus taktischen Gründen vereinbart, daß — wenn das Reichsvereinsgesetz noch nicht erledigt wäre— auch der Gewerkschaftskongreß den Abmachungen nicht die Zustimmung geben sollte. Auch aus der Bekanntgabe unserer Stellungnahme kann uns kein Vorwurf gemacht werden. Am 24. April erfolgt« die Zu- timmung und bereits acht Tage später auf der außerordentlichen Generalversammlung der„Jungen Garde" in Darmstadt gab Robert S ch u, i d t— im Auftrage der Generalkommission und nicht im Auftrage des Pärteivorstandes— Erklärungen ab. Wir haben damals bereits gar keinen Zweifel über die Stellung des Parteivorstandes gelassen. Wenn uns von der„Leip- ziger Volkszeitung" der Vorwurf gemacht ist, wir hätten hinter dem Berge gehalten, so ist das nur dadurch zu erklären, daß die Redak- tionen selbst unserer großen Blätter so schwach bescht sind, daß so etwas einmal in der Hitze passieren kann. Sie wissen ja, daß selbst die„Leipziger Volkszeitung" im vorigen Jahre monatelang einen akademisch gebildeten Redakteur zur Erweiterung ihres Re- daktionsstabes gesucht hat, doch nicht etwa, damit Lensch einen atisfaktionsfähigen Kollegen hat?(Große Heiterkeit.) In bezug auf unsere Haltung gegenüber den Jugendovgrmi- sationen kann uns kein Vorwurf gemacht werden. Partcivorstand und Generalkommission haben alles getan, was getan werden konnte. Nachdem durch das Reichsvereinsgesetz ein neuer Rechtszustand geschaffen war, muhte natürlich die vorhandene Jugendorgani- ation dazu Stellung nehmen. Daraus, daß die norddeutsche Or- ganisation unpolitisch war, ergab sich, daß sie keine Veranlassung hatte, irgendwelche Aenderungcn eintreten zu lassen.(Sehr richtig!) Die süddeutschen Jugendorganisationen dagegen waren aus- gesprochene politische Organisationen. Sie unmöglich zu machen, war ja der Zweck der neuen Bestimmung des ReichsvereinsgesetzeS, und es war dann selbstverständlich, daß ich auf der Darmstädter Konferenz erklärte, daß politische Jugendvereine unmöglich ind, und daß wir deshalb auf anderem Wege versuchen müßten. die Jugend M sozialistischem Geiste zu erziehen und sie über das Wesen des Sozialismus aufzuklären.(Sehr richtig!) Der Vorwurf, daß die„Junge Garde" vor der Reaktion zurückgewichen ist, trifft nicht zu. Sie hat die richtigen Konsequenzen aus dem Reichsvereinsgesetz gezogen, als sie sich auflöste. Sie hat sich damit dem bestehenden Rechtszustande angepaßt.(Sehr richtig!) Es ist gesagt worden, die„Junge Garde" hätte nicht ohne Kämpf ihre Position aufgeben dürfen.(Sehr wahr!) Mit Recht ist bereits erwidert worden, daß es mit unserem Verantwortlichkeitsgefühl 'ehr schlecht bestellt sein müßte, wenn wir die„Junge Garde" in einen Kampf mit der Polizei und den Gerichten hineinziehen wollten.(Sehr gut!) Wir dürfen uns doch nicht verhehlen, daß die Rechtsverhältnisse unter dem neuen Vereinsgesetz viel schlimmer liegen als früher. Nicht nur der Vorstand, der Jugendliche auf» nimmt, wird in Zukunft bestraft, sondern es kann auch jeder Jugendliche unter 18 Jahren, der dem Verein angehört, bestraft werden. Dazu kommt, daß in einer ganzen Reihe von Städten. besonders in Berlin, fortwährend Versuche gemacht werden, unsere Organisationen zu bespitzeln. Sie können sich also denken, wie es den Jugendlichen gehen würde, und schon deshalb mußten wir uns darüber klar sein, daß Politik in solchen Vereinen nicht getrieben werden darf. Unsere Resolution, die sachlich mit der des Gewerkschaftskongresses übereinstimmt, ist mißverstanden worden. Es ist so hingestellt, als ob der Partcivorstand genötigt sei, die gewerkschaftlichen Fachabtcilungen als Ersatz für die frühere selbständige Jugendorganisation anzü» che». Davon kann gar keine Rede sein. Die gewerkschaftlichen fachabteilungen müssen hier ganz ausscheiden, sie haben ganz andere Aufgaben. Wir haben ja auch nur bei ganz wenigen Gewerkschaften Fachabteilungen, nur da, wo die besonderen Verhältnisse sie be- nngen. Die meisten Gewerkschaften denken gar nicht an die Grün- dung von Fachabteilungen, sie sind auch nicht dazu verpflichtet. Unserer Meinung nach darf die Jugend nicht beruflich getrennt din, sondern im Interesse der EntWickelung des KlasseiibcwnßtscinS muß die Jugend aller Berufe in einem Orte gemeinsam ibre Bildungsbestrebungen fördern. Es kann auch nicht die Rede davon ein, daß die Jugendorganisationen irgendwie mit dem politi- chen TagcSkampfe in Berührung kommen. Wir beabsichtigen viel- mehr, im Sinne unserer Weltanschauung die Bildungsbestrebungen der Jugendlichen zu fördern und die Lücken in ihrer Schulbildung auszufüllen. Wir haben z. B. das wieder auszuschalten, was der. Jugendlichen in der Geschichte gelehrt wird, wir haben dje Jugendliche» im Sinne der in a t e r i a l i st i s ch e n G e s ch i ch t s- auffassung zu unterweisen z wir haben ihnen in bezug auf das religiöse Programm näherzutreten, weil ja gerade aus diesem Gebiete unendlich viel gesündigt wird. Ich erinnere da nur an den Satz:„Jesum Christum lieb haben ist mehr wert als alles Wissen." Wir haben ferner die Naturwissenschaften in das Bereich der Betrachtungen zu ziehen, wir haben die Jugend über Berfas snilgSfragcn und voltswirtschaftliche Fragen aufzuklären. Daneben darf die körperliche Pflege der Jugend nicht land keine Gründung der Partei oder der Gewerkschaften sind, vernachlässigt werden. Am meisten erörtert wurde in den großen In dem AeiiM. der seinerzeit der erste« Jugendkonjerenz der I Dislussiymn der hetzten Zeit die Frage der besonderen Jugend- Als ich das gelesen hatte, habe ich mir gesagt:„ Heiliger Nepomut, wenn es uns einfiele, der Jugend selbst in der losesten Organisationsform so wenig Bewegungsfreiheit zu geben, wie die katholische Kirche! Die denkt gar nicht daran, irgendwie der Jugend Selbständigkeit zu geben." Man braucht nur die Grund fäße zu lesen, die an die Präsiden der Vereine weitergegeben wurden, an die Vorschriften, wie der Meister sich um das Wohl seiner Lehrlinge und Gesellen zu kümmern habe, um den ganzen Geist kennen zu lernen. Es ist gesagt worden, selbständige Jugendorganisationen find deshalb notwendig, weil sie das beste Grziehungsmittel sind, um das Verantwortlichkeitsgefühl des einzelnen zu stärken, die Persönlichkeit zu erziehen und Charaktera zu entwickeln. Das beruht zum Teil auf Uebertreibung. Es tommt vielmehr auf den Geist an, der in den Organisationen herrscht, als auf die Form. Wenn die sozialdemokratische Partei, die erwachsene, bas Sozialistengeset überwunden hat, wenn sie, auch in der losesten Form Charaktere erzogen hat und Idealismus in die Herzen verpflanzen fonnte, so wird das bei der empfängLicheren Jugend erst recht möglich sein. Auch nach der anderen Seite wird sehr übertrieben. Vor allem ist Abfab 5 unserer Borschläge, die ja auch die Zustimmung der Generalkommission gefunden haben, so aufgefaßt worden, als ob das Wort:" Be fondere Jugendorganisationen" die Selbstverwaltung der Jugend vollständig einschließen sollten. Das ist durchaus nicht damit gesagt. Es soll nur gesagt werden, daß die Jugend nicht ziellos sich selbst überlassen werden soll. " haben, die sich in der ganzen Welt sehen lassen kann,( Lebdas Wort Parteisekretär Ebert- Berlin: Genoffe Singer: Das Wort zur Berichterstattung über den Bunit Bildungsausschuh“ hat Genosse Schulz= Berlin: organisationen un zum abfah 5.) an folgerte aus diesem schaffent. Es darf nicht so kommen, daß, wenn der Parteifag über schiedenste zu verurteilen fei. Der Parteitag hat dem zugestimmt Baffus, es solle die selbständige Regung der Jugendorganisationen die Frage der Jugendorganisation beschließt, die Gewerkschaften und es liegt kein Anlaß vor, von dieser grundsäglichen Auffassung unterbrüdt werden. Dabon kann keine Rede sein. Niemand denti sagen können: das paßt uns nicht, wir werden abseits stehen und der vorigen Parteitage abzuweichen, was sich nach den Vorkommdaran, etwa die Arbeiterjugend unter Kuratel zu stellen, sie schul- uns um die ganze Sache nicht fümmern. Nein, Partei und Ge- nissen der letzten Zeit als richtig erwiesen hat. Ich erinnere nur meistern zu wollen. Wir müssen aber im Auge behalten, daß in werkschaften haben das größte Interesse daran, daß diese Frage an das Verhalten dieser Organisation bei dem augenblicklich in allen Fragen, bei denen die Jugendorganisationen herangezogen gemeinsam gelöst wird in einer Weise, wie sie sowohl Partei Berlin tobenden Kampfe im Rohrlegergewerbe. werden können, immer das politische Moment ausgeschaltet und und Gewerkschaften befriedigt. Wenn Sie in diesem Sinne die Auch mit diesem Verbande sind seit Essen Einigungsverhands das Bildungsmoment in den Vordergrund gestellt werden Abmachungen, die wir getroffen haben, besiegeln, dann werden nur muß. Daher sind alle die Vorwürfe, daß man der Jugend der ganz wenige Jahre vergehen, und wir wereon den Vorsprung, den lungen gepflogen. Ich habe dem Bericht in dieser Beziehung nichts sozialdemokratischen Partei weniger Bewegungsfreiheit geben die fonfessionellen Verbände vorläufig haben, eingeholt haben. Wir hinzuzufügen und bitte Sie, auch hier unserem Antrage zuzuwolle, als die chriftlichen, besonders die katholischen Organisationen werden dann neben der großen politischen Partei und der großen gewesen wäre, sich den Beschlüssen des Essener Parteitages anzustimmen. Wenn auf jener Seite der ernstliche Wille vorhanden stimmen. Wenn auf jener Seite der ernstliche Wille vorhanden thu Jugend geben, ganz hinfällig. Gewerkschaftsbewegung auch in Deutschland eine Jugendbewegung schließen, dann hätte es auch in diesem Falle zu einer Einigung tommen müssen. Zum Schluß einige Worte zu den gewerkschafthafter Beifall.) lichen Streitigkeiten in Solingen. Dieser Streit hat in den Zur Berichterstattung über die Einigungsverhandlungen letzten Jahren überaus heftige Formen angenommen. Dem Parteis lebten Wochen auch hier zwischen den streitenden Parteien zwischen den Zentralverbänden und den Lokalisten nimmt nunmehr vorstand und der Generalkommissior ist es aber gelungen, in den Einigungsverhandlungen anzubahnen. Diese Verhandlungen sind freilich noch im Stadium der Vorverhandlungen, so daß über den Wir haben Ihnen über diese Einigungsverhandlungen im Stand der Dinge hier nichts Bestimmtes gesagt werden kann. schriftlichen Bericht bereits Mitteilung gemacht. Danach ist fest- Ich bin aber beauftragt vom Parteivorstand und von der Kontrollgestellt, daß es durch die Verhandlungen gelungen ist, etwa 5000 fommission, den Parteitag dringend zu bitten, den Streit in Bokalisten den Zentralverbänden zuzuführen. Ueber die Zahl der Solingen hier nicht zu erörtern aus taktischen Gründen. Der jenigen, die bei der Freien Vereinigung" geblieben sind, tann Parteitag hat jedenfalls den einmütigen Wunsch, daß es den Verbestimmtes nicht mitgeteilt werden. Einmal sind außer den ge- handlungen gelingen möge, den in Solingen seit langem bestehenden schlossen mit ihren Vereinen übergetretenen auch eine große Anzahl Bruderzwist beizulegen.( Lebhafte Zustimmung.) Noch ein Wort Ginzelmitglieder von den Lokalvereinen in die Zentralverbände zum Antrage Bebels. Ich bitte, ihm Ihre Zustimmung nicht zu übergegangen und zweitens waren die Angaben der Freien Ver- geben, schon mit Rücksicht auf die Verhältnisse in Solingen. Daeinigung" über ihren früheren Mitgliederbestand mit größter Vor- gegen hoffe ich, daß Sie unsere Resolution*) einmütig annehmen ficht aufzunehmen. Jedenfalls steht heute fest, daß die Freie werden. Sie gibt eine flare Scheidelinie zwischen uns und den Vereinigung" mit dem bei ihr verbliebenen Rest der Mit- Elementen, die absichtlich und bewußt bestrebt sind, die Einheit glieder für die gewerkschaftlichen Kämpfe nirgends mehr ernst- und Geschlossenheit des proletarischen Klassentampfes zu stören. lich in Frage kommen kann. In der politischen Haltung der( Bebhafter Beifall.) Lokalisten ist seit dem letzten Parteitag eine wesentliche Aenderung nicht eingetreten. Sie find zwischen Sozialismus und Anarchismus hin- und hergependelt, und der Rest der Mitglieder, der bei der Freien Vereinigung" berblieben ist, hat sich schließlich ganz offen zu den anarchistischen Bestrebungen der Syndi Die Hamburger Genossen haben, während die Bartei- talisten in den romanischen Ländern bekannt. Auf ihrem letzten Schulz: Es ist hier mehrfach auf den Vereinstag der Arbeiter. genossen noch darüber stritten, das Problem eigentlich praktisch tongreß in diesem Jahre hat die" Freie Vereinigung" zwar nicht vereine hingewiesen worden, der hier vor 40 Jahren getagt hat. schon gelöst. Sie haben eine im besten Sinne mustergültige Orga- ihr früheres Programm geändert, fie gab ihm aber eine andere Auch ich möchte auf ihn kurz Bezug nehmen. Diese Arbeiter- und nisation eingerichtet, und zugleich in einer Form, die durchaus im Interpretation. Die Interpretation wird als authentisch erklärt Arbeiterbildungsvereine, die zu einem Verband vereinigt waren, Einklang mit den gefeßlichen Bestimmungen steht. Da heißt es und es wird weiter bestimmt, daß diese Interpretaion für die Ge- standen anter bürgerlicher Beitung und neben Politikern wie Mar im Absatz 5 an der Spize:„ Den jungen Leuten soll die Selbst schäftsleitung und für die Redaktion der„ Einigkeit" berbindlich irsch, Richter, Sonnemann gehörten zu ihr auch wohlverwaltung ihrer Organisation möglichst vollständig überlassen sein soll. Auf einige Punkte dieser Programmreden muß ich hin- meinende Gelehrte wie Roßmäßler, Wuttke, Büchner werden." Auf die Hamburger Organisation hat ja auch auf dem weisen, um darzutun, daß unsere Charakterisierung der Freien und F. A. Lange. Aber es war feine Klarheit des Wollens vorGewerkschaftstongreß Robert Schmidt in seinem Schlußworte Vereinigung" gerechtfertigt ist. So fagte der Referent:„ Wir handen. Das Bildungsprogramm", das man entworfen hatte, schon ausdrücklich Bezug genommen. Mit dem Wort:" Besondere müssen uns das Organ der französischen Syndikalisten zum Muster umfaßte Unterricht in den Elementarfächern, im Singen, Zeichnen Jugendorganisation" haben wir nicht aussprechen wollen, daß wir nehmen, das nicht hin- und herpendelt, das nicht anarchistisch, aber und der Buchführung, englisch und französisch, Volkswirtschaft, Gecine selbständige Jugendorganisation haben wollen, sondern nur auch nicht parlamentarisch- sozialdemokratisch, sondern einfach ein sehestunde, Geschichte und Naturwissenschaft. Demgegenüber gab eine im Zusammenhange mit der großen Arbeiterbewegung. Aber Organ der syndizierten Gewerkschaften ist, die sich aus Interessen- es bereits Männer mit proletarischem Klassenbewußtsein, die gegen damit kommen wir auch gleich auf die Schwierigkeiten des Pro- vertretungen zusammenseten das bedeutet Syndikat die die„ Bildungsduselei", wie Bebel sich später einmal ausdrückte, blems. Es kann nicht die Nede davon sein, daß Partei und aber weil sie Gewerkschaftler sind auf dem Boden des Front machten. Diese Männer mit proletarischem Klassengefühl Gewerkschaften unter den bestehenden gefeßlichen Verhältnissen Klassenkampfes stehen. Dieser Kampf kann jedoch nach ihrer Mei- hielten die politische und wirtschaftliche Aufklärung für notirgendwie sich die Organisationen der Jugend angliedern. Eine nung nicht durch Beteiligung an der Gesetzgebung geführt werden. wendiger. Auch F. A. Lange, ein wirklicher Arbeiterfreund, folche Organisation mit größtmöglicher Selbstverwaltung kann nur Sie verstehen darunter nicht, daß sie irgendeiner politischen Partei stellte sich auf ihre Seite und verlangte in seiner Arbeiterfrage angegliedert werden an Bildungsorganisationen, die einen ganz angehören müssen, sondern sie meinen, den Klassenkampf auf wirt- die„ dienende Unterordnung der Bildungsbestrebungen unter die ausgesprochen unpolitischen Charakter haben. In Hamburg haben schaftlichem, auf ökonomischem Gebiete durch Generalstreits, die, action großen Zwede" der politischen und genossenschaftlichen Aktion. Hier wir solche Bildungsorganisationen auch in Leipzig und Dresden. directe", die Sabotage, die sogenannte passive Resistenz, usw. führen in Nürnberg geschah der endgültige Bruch mit den bürgerlichen In Berlin haben wir die Arbeiterbildungsschule und werden wahr zu müssen. Wenn wir unsere, auf dem siebenten Kongreß be- Volksbildungsaposteln. Ein Jahr darauf konnte die Bildung der scheinlich in nächster Zeit einen Bildungsausschuß bekommen, wie schlossenen Leitfäße ansehen, wo es heißt, daß wir die auf Beseiti sozialdemokratischen Arbeiterpartei erfolgen. In Nürnberg hatte ja überhaupt eine Lewegung im Gange ist, eine möglichst große gung der Klaffenherrschaft gerichteten Bestrebungen unterstützen, die Richtung gefiegt, die die Befreiung der Arbeiter nicht durch die Zahl solcher unpolitischer Bildungsausschüsse hervorzurufen. Vor die begründet sind in der sozialistischen Weltanschauung und ihren breiten Bettelsuppen bürgerlicher Wissenschaft und durch Wohl. allem muß selbstverständlich in bezug auf die Altersgrenze Vor- Ausdruck finden in der Propaganda für die Idee der Maffen- resp. wollen erreichen wollten, sondern durch den Klassenkampf, und die forge getroffen werden. Die Resolution besagt darüber nichts. der Generalstreiks, und diesen Sab richtig verstehen und aus der Selbständigkeit der Arbeiterklasse auch in geistiger Beziehung Die ganze Frage wird ja einer Kommission überwiesen werden. legen wollen, so unterscheiden wir uns in keiner Weise von den die größte Beachtung beimaß. Ihr galt die politische und ökono Wir stimmen wohl alle darüber ein, was auf der General syndikalistischen Gewerkschaften in Frankreich, Italien und den mische Befreiung der Arbeiter als das Biel und als Mittel dazu versammlung der Jungen Garde gesagt worden ist: Wenn die anderen Ländern." Auch in bezug auf die Stellung zum Maffen der rücksichtslose politische Kampf. So ist es bis heute geblieben, Jugend das 18. Jahr erreicht hat, hat sie die Pflicht, sich den streit hat man eine neue Interpretation gegeben, die für die und die Sozialdemokratie ist groß und stark dabei geworden. Aber politischen und gewerkschaftlichen Organisationen anzuschließen, Charakterisierung der Freien Vereinigung" wesentlich ist. Der dieses Programm bedeutet nicht einen Verzicht auf die Arbeiter. der gewerkschaftlichen aber schon vor dem 18., soweit sie organi- Referent fagte:„ Wir müssen definieren, daß wir nicht nur den bildung, sondern nur einen Verzicht auf die Bildungsdufelei, auf sationsfähig ist." Nun erwarte ich ja ganz bestimmt, daß die Massenstreit, sondern jeden Solidaritätsstreit, bei dem es sich um das Vielerlei ohne Beschränkung auf bestimmte Zwecke. Die Bil bestehenden Vereine, soweit sie sich nicht wie die süddeutschen auf- die Berbesserung der Lage der Arbeiter, um die Herbeiführung dungsarbeit war von jeher ein wichtiges Hilfsmittel im Klassengelöst haben, sich den Verhältnissen anpassen werden. Ich kann höherer Menschenrechte handelt, mitzumachen haben. All dieses tampfe. In diesem Sinne waren unsere besten Männer- wie aber erklären, daß, selbst wenn das nicht der Fall sein sollte, gehört zum Massenstreit, so lange es sich nicht um einen politischen Lassalle und Marg Lehrer und zu diesen Männern der weder der Parteivorstand noch die General Massenstreit, das heißt um einen Streit des Parlamen- Wissenschaft gesellen sich die schlichten Arbeiter, die sich von Dorf tommission irgend einen Versuch machen wird, tarismus wegen handelt. Dieses lehnen wir ab, denn es ist ein und Volksschulbildung zu einem so bewunderungswürdigen Stande etwa der Jugendorganisation das Genic zu Ding der Unmöglichkeit, Arbeiter aller Art nur zum Zwed der des Wissens heraufarbeiteten. Ich nenne Grillenberger, brechen. Ich betone das gegenüber den Preßerörterungen der Niederlegung der Arbeit zu bewegen, um auch dadurch irgend ein Meisbach, Dreesbach, Ehrhart, Auer, dem in der lebten Zeit, als ob es sich um eine Erdrosselung, eine Abwürgung Wahlrecht zu einem Landtage zu erreichen." Es ist zweifellos, daß Dorfschule der Lehrer sagte, es werde im Leben nichts aus ihm bon Parteiwegen handelte. Selbstverständlich müssen wir neben die" Freie Vereinigung" sich mit diesen programmatischen Er- werden. Nun, wir sind vollauf zufrieden mit dem, was aus ihm diesen Bildungsbestrebungen auch für die politische Aufklärung klärungen in Gegensatz zu der Resolution gestellt hat. Allerdings geworden ist.( Lebhafte Zustimmung.) In diesem Sinne hat die der Jugend sorgen. In den Vereinen kann es nicht geschehen; hat man nicht den Mut gehabt, das offen und klar zum Ausdruck Sozialdemokratie seit ihrem Bestehen die Arbeiterbildung betrieben, auch deshalb ist es notwendig, unter allen Umständen in den ein- zu bringen, man treibt vielmehr ein erbärmliches Versteckspiel, in- und unser heutiger Bildungseifer ist nichts neues in Ziel und zelnen Städten. wie es die Resolution verlangt, Agitations- dem man sich hinter der parteipolitischen Neutralität versteckt. Was Stoff. Wohl aber kann heute im Hinblick auf die Methode und fomitees einzurichten. In der Begründung des Vereinsgefeßes man feit langem den Gewerkschaften zum Vorwurf gemacht hat, die Intensität der Bildungsbestrebungen neues gefunden werden. motivierte die Regierung die Nichtaufnahme einer Bestimmung das hat jetzt die Freie Vereinigung" zum Grundsaß erklärt. Wie Wir betreiben die Arbeiterbildung jest intensiver als früher, weil über die Jugendlichen damit, daß es auch auf anderem Wege nun aber diese politische Neutralität von der Freien Vereinigung" wir es in den letzten Jahren immer schmerzlicher empfunden haben, möglich sei, an die Jugend heranzukommen. Diesen Beweis wollen gegen die Sozialdemokratie geübt wird, zeigt folgendes Beispiel: daß der Ausdehnung der Partei in die Breite die Entwickelung in wir allerdings liefern. Vor allem werden diese Komitees sich In Nr. 26 der„ Ginigkeit“ vom 27. Juni d. J. wird in bezug auf die Tiefe nicht entspricht, und die Methode eine andere ist, weil bei zu befassen haben mit der wichtigen Frage der Begründung einer die Sozialdemokratie gesagt:„ An der hündischen Ergebenheit der dem ungeheuren Wachstum der Partei jetzt beffere Mittel vor. Beitung für die Jugendlichen, mit einem Blatt, in dem die bezahlten Schreiber der Parteipresse ersicht man, daß es in Deutsche handen sind, um an die Massen heranzukommen. Je besser die politische Aufklärung der Jugend betrieben wird, in ber das Not- land von der Geringschäßung, welche die ausländischen Genossen der theoretische Grundlage bei dem einzelnen und in der Masse ist, wandige über den Sozialismus gesagt wird in einer Form, die deutschen Dreimillionenpartei zuteil werden lassen, die nichts desto leichter sind wir in der Lage, uns in unseren Aufgaben zurechtder Jugend zuträglich ist; auch in bezug auf das Wesen des weiter tann, als ihren Parteigößen, den Führern, nachäffen, die zufinden. Eigentlich ist es erst zwei Jahre her, daß die Partei die Militarismus und Kapitalismus. Selbstverständlich wird sich diese die revolutionäre Aufgabe des Sozialismus preisgegeben haben, Bildungsangelegenheiten in diefem neuen Sinne planmäßig in die Jugendorganisation nicht nur beschränken auf die Jugend vom aus Eitelkeit, Schwäche und Bequemlichkeit, oder um sich eine aute Hand genommen hat. Dabei wurde die Arbeit noch durch die 14. bis zum 18. Jahre, sondern wir werden auch Bestrebungen Einnahme zu sichern."( Hört! hört!), Reichstags- und Landtagswahl beschränkt, und um so erstaunlicher zur Organisierung der Jugendlichen bis 20 Jahren in ihnen fördern müssen. bleibt es, was in dieser kurzen Zeit erreicht worden ist. Das ist cin glänzendes Zeugnis für die Arbeitsenergie und Lebenskraft der Partei.( Sehr richtig!) Ueber die Parteischule will ich jetzt nicht sprechen. Ich behalte mir vor, in der Diskussion oder im Schlußwort darauf einzugehen, falls es notwendig wird. Ich glaube, diese Probe genügt, um Ihnen zu zeigen, wie man Wir haben jetzt bereits auf beide bestehende Jugendorgane in der Praxis die politische Neutralität übt. Man hat sich diesen 20 000 Abonnenten. Es wird gut sein, wenn ein solches Blatt Grundsatz einfach aus 3wvedmäßigkeitsgründen geschaffen. Die gegründet wird, was in ganz Deutschland seine Abonnentenzahl Erfahrung lehrt nämlich, daß die Freie Vereinigung" überall da finden kann, das sich vor allem vor dem Auslande nicht mehr zu auftaucht, wo infolge gewerkschaftlicher Kämpfe Differenzen und verstecken braucht. Es ist in der Resolution auch Bezug genommen Unstimmigkeiten zwischen Gewerkschaftsmitgliedern und Gewerkauf den Lehrlingsschuß. In dieser Frage arbeiten ja Jugendorga- schaftsleitung entstanden sind. Da sucht die Freie Vereinigung" nisationen und Gewerkschaften ohne Differenz gemeinsam. Die ihr Süppchen zu kochen und bei dieser Gelegenheit ist es auch verBahl der bisher organisierten Jugendlichen ist freilich noch ver- ständlich, warum sie sich den harmlosen Charakter der politischen hältnismäßig gering. Wir haben nach der letzten Gewerbezählung Neutralität gab. Das ist auf dem Kongres in einer Rede ziemlich im Jahre 1895 nahezu 3 Millionen Arbeiter und Arbeiterinnen unverblümt zum Ausdruck gekommen. Es heißt da wörtlich:„ Auf im Alter von 14 bis 18 Jahren erwerbstätig gehabt. In den Grund dieses Kommentars das ist die Programmrede fönnen evangelischen Jünglingsvereinen find etwa 120 000 organisiert und wir in der Agitation den Gegnern klarmachen, daß wir nicht in den katholischen 200 bis 240 000. Gegenüber dieser großen Zahl Anarchisten find." Das wollen sie, wenn es geht, um in solche nimmt sich unsere Jugendorganisation noch ziemlich gering aus mit Kreise einzubringen, wie ich sie Ihnen angedeutet habe. Man ihren etwa 10-12 000 Organisierten. Wir haben alles Intereffe fann wohl mit Fug und Recht behaupten, daß die Hauptbetätigung baran, möglichst einmütig und einheitlich in dieser Frage der Orga- der Freien Vereinigung" heute nur noch besteht in einer perfiden nisation der Jugendlichen vorzugehen. Sie wird nur zweckmäßig Bekämpfung der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften. gelöst werden können, wenn Partei und Gewerkschaften Diesem Treiben muß nun endlich ein Ende gemacht werden. Wir Hand in hand gehen. Zum Beispiel sind uns tonfeffionelle müssen eine flare, unzweideutige Scheidelinie zwischen uns und Bildungsvereine noch weit voraus in bezug auf die Beschaffung von ihnen ziehen. Diese bietet uns die Resolution, die so aufzufassen Lokalen, in denen sich die Jugendlichen im Winter treffen können. ist, daß nicht allein die Mitgliedschaft, sondern auch jede Betätigung Hier müssen noch sehr viel Kosten aufgewendet werden, wenn wir für die Freie Vereinigung unvereinbar ist mit der Zugehörigkeit Gleichwertiges schaffen wollen. Auch ein gut geleitetes Organ der zur Sozialdemokratie. Nun noch einige Worte zu der Stellung Jugendorganisation als Agitationsmittel wird wahrscheinlich in den gegenüber dem Allgemeinen Deutschen Metallersten Jahren größere Zuschüsse erfordern. Ich kann deshalb nicht arbeiterverband", dem Wiesenthalschen Verband. Schon annehmen, daß sich ein großer Widerstand gegen diese gemeinsamen auf dem Mannheimer Parteitage hat die Stontrollkommission geAbmachungen von Partei und Gewerkschaften, wie ich sie dargelegt legentlich einer Beschwerde die Entstehungsgeschichte dieses Ver. habe, geltend machen wird. Sie werden mit mir darin einig sein, bandes nachgeprüft und hat dabei festgestellt, daß die früheren Mitdaß wir vermeiden müssen, auf diesem Gebiete Differenzpunkte zu den entstandenen Differenzen ihr Beschwerderecht nicht ausgenutt glieder des Deutschen Metallarbeiterverbandes bei haben und sofort zur Gründung des Wiesenthalschen Ver. bandes geschritten sind. Die Kontrollfommission hat damals *) 6. Parteivorstand und Kontrollkommission: Der Parteitag begrüßt den infolge der Einigungsverhandlungen erfolgten Uebertritt der lokalistischen Vereine in die Zentralverbände. Die Vereine, die trotz der geführten Verhandlungen bei der reien Vereinigung der Gewerkschaften geblieben sind, haben durch ihr Verhalten bekundet, daß sie entgegen den Beschlüssen der Parteitage und des Internationalen Sozialistentongresses in Stuttgart, die dringend gebotene einheitliche Organisation des wirtschaftlichen Stampfes der Arbeiterklasse nicht wollen. Die Freie Bereinigung deutscher Gewerkschaften hat sich auch in offenen Gegensatz zur Partei gestellt, indem sie unter Anlehnung an die anarchosyndikalistischen Bestrebungen die Sozialdemokratie gefliffentlich bekämpft und schmäht. Nachdem weiter die Einigungsverhandlungen mit dem Allgemeinen Deutschen Metallarbeiterverband, dessen im Gegensatz zur übecker Resolution erfolgte Gründung schon vom Mannheimer Parteitag als schwere Schädigung der Arbeiterbeweauna bezeichnet worden ist, zu keinem Ergebnis geführt haben, erklärt der Parteitag: Jede Mitarbeit von Parteigenossen in den mit der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften verbundenen Vereinen sowie in dem Allgemeinen Deutschen Metallarbeiterverband ist unvereinbar mit den Grundsätzen und Interessen der Sozialdemokratie. *) Abs. 5 der vom Parteivorstand und der Kontrollkommission gesagt, daß diese Bersplitterung entschieden zurückgewiesen werden wer einer anderen als der freien Gewerkschaft angehört. 7. Dortmund: Mitglied in der Partei kann nicht sein, borgelegten Resolution lautet: müsse. In Essen lag dann auch ein Ausschlußantrag gegen diese wer einer anderen als der freien Gewerkschaft angehört. Damit diese Zwede auch ohne besondere Jugendorganisation Mitglieder vor. Bei ihrem Bericht zu diesem Antrage hat die erreicht werden können, fino in den einzelnen Orten Kommis- Kontrollkommission erklärt, daß die Gründung und die Existenz ( Fortsetzung in der 2. Beilage.) fionen für die Jugendagitation" au bilden. dieser Organisation im Interesse des Klassenkampfes auf das ent Berantwortlicher Bebalteur: Sons Weber. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th, Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Verlaasanstalt Baul Singer& Co. Berlin SW :.216. 25. Ikhrgasg. 2. Ifilap Ks Jotmätls" Sttliiift DslksdlM Der nürnberger Parteitag. (Fortsetzung aus der 1. Beilage.) Schulz(fortfahrend): Nur ein kurzes Wort über die Stellung der Partei- schule im Rahmen der ganzen Bildungsarbeit. Sie hat die Aufgabe, einen kleinen Kreis, zirka 30, � geeigneter, also intellektuell befähigter und charaktervoller Genossen ein halbes Jahr lang systematisch zu unterweisen vornehmlich in der Theorie der Volkswirtschaft, im wissenschaftlichen Sozialismus, in der sozialen Entwickclung, in der Geschichte, jedenfalls auch in praktischen Färbern, vornehmlich aber in der Theorie, denn wir sind der Mci- nung, daß der einzelne in seiner verantwortlichen Partcistellung um so rascher, zuverlässiger und richtiger seine Entscheidung in jedem aktuellen politischen oder wirtschaftlichen Einzelfall treffen kann, je tiefer und je gefestigter seine theoretische Einsicht ist, und daß auch der einzelne, was von jedem Parteischüler nach bestem Wissen und Gewissen verlangt wird, um so besser andere aufklären und belehren kann, je'klarer er selbst über die sozialen und ökono- rv'chen Zusammenhänge und die daraus erwachsene sozialistische Theorie unterrichtet ist.(Sehr richtig!) In diesem Jahre kann der B i l d u n g s a u s s ch u tz zum ersten Male über seine praktische Tätigkeit berichten. Die Durch- beratung der Leitsätze des Hamburger Parteitages hat er noch nicht bornehmen können. Es ist notwendig, daß der Parteitag die Anschauungen in dieser Frage klärt und die Stellung der Sozialdemokratie festlegt. Im nächsten Jahre muh das endlich geschehen. Uebrigens sind wir in der praktischen Bildungsarbeit stets einig gewesen. Das wichtigste Stück waren dii�Sanderkurse. 5493 Teilnehmer sind im letzten Jahre durch sie gegangen, ein deutlicher Beweis für dem BildungSeifer. In diesem Winter wird voraussichtlich die Anstellung weiterer Wanderredner notwendig sein. Es sollen besondere Wanderredner für Geschichte und Ncv turwissenschaft gewonnen werden. Auch für das nächste Weify nachtsfest soll ein erheblich erweitertes Verzeichnis von empfehlend werten Jugendschriften herausgegeben werden mit einem Anhang, der besondere Schriften für die arbeitende Jugend vom 14.— 13. Lebensjahr aufführt und selbstverständlich auch die parteigenössischcn Schriften berücksichtigt. Der Bildungsausschuh bittet die Partei- genossen, in ihrer Heimat zu Weihnachten Jugendschriften- ausstellungen— besonders unter Berücksichtigung auch der bildenden Künste— zu veranstalten, namentlich künstlerischen Wandschmuck, der dazu beitragen kann, das Proletarierheim etwas wohnlicher und angenehmer zu gestalten. Einige Wochen vor Weih nachten wird der Bildungsausschuß— gemeinsam mit dem Parten borstand— an die Redaktionen und Verlage der Parteiblätter den Wunsch richten, bei ihren Empfehlungen offenbare Schund- bücher auszuschließen, was ja eigentlich selbstverständlich wäre. Das neue Verzeichnis mit seinen L Nummern dürfte allen An- sprüchen genügen. In der Bibliothcksfrage haben wir die Wahr hcit deS Tichterwortes erfahren: Leicht beieinander wohnen die Ge danken, doch hart im Räume stoßen sich die Sachen. Die Schaffung der Musterkataloge war eine viel schwierigere Aufgabe, als wir vorausgesetzt hatten. Sie soll das Bibliothekivcsen der kleinen Arbeitervereine, besonders der politischen und gewerkschaft- lichen Organisationen fördern. Wir wollen an die Regelung deS Wanderbibliothekwesens herantreten. In zwei Punkten mutzte der Bildungsausschuß zu einem negaNven Ergebnis kommen: in der Herstellung eines Referentenverzeichnisses für wisienschaftliche Vor- träge und der Errichtung einer Klassikerbibliothek. Geplant ist die Verbreitung eines Flugblattes gegen Scherls Emporleserei, da Scherl sich in Arbeiterkreisen einzunisten versucht. Der Schaffung von populär gehaltenen Broschüren elementar einführenden Cha- rakters ist bisher noch nicht näher getreten worden. Die Schaffung einer Weltgeschichte, wie die.Schwäbische Tagwacht" angeregt hat, ist ein schöner Gedanke, aber schwer durchführbar. Er wird im Auge behalten werden. Die„Bergische Arbeiterstimme" wünscht eine präzisere Fragestellung bei Kontroversen in der Partei. Das wird der Bildungsausschuß dankend ablehnen. Die„Wremer Bürgerzeitung" wünscht eine Verständigung der Wanderredner über ihre Leitsätze. Derartige Konferenzen sind schon ins Auge gefaßt. Was die kritischen Meinungsäußerungen anlangt, so glaubt B a e r e r aus Harburg, ein Genosse von der alten Garde, der Bildungsausschuß sei überflüssig. Auch ohne ihn hätten sich tüchtige Kräfte herangeschult. DaS letztere ist richtig. Aber neue Verhältnisse brauchen neue Matznahmen. S ü d e k u m hat auf dem Würzburger Gautag gemeint, der Bildungsausschuß, wie er sich in Berlin gebildet habe, sei wenig fruchtbringend für die einzelnen Wahlkreise, es komme auf Bodenständigkeit an. Diese Kritik trifft den bestehenden Bildungsausschuß gar nicht. Zu- nächst hat sich in Berlin gar kein Vildungsausschuß gebildet, son- deru der Mannheimer Parteitag hat einen zentralen Bildungs- auSschuß der Partei Deutschlands eingesetzt. Sodann ist es nicht ein Bildungsausschuß von oben herab, wie Südekum meint, son- dorn im Gegenteil von unten herauf, und der jetzt existierende Bildungsausschuß kann gar nicht bodenständig sein, weil es sich nicht um preußische oder bayerische Bildungsfragen handelt, sondern um die gemeinsame proletarische Grundlage des Klassenkampfes. Die Wanderbibliotheken, die Südekum dankenswert ins Leben ge- rufen hat, sind auch nicht bodenständig. Im übrigen sollen neben dem ZentralbildungSausschnß Bezirksausschüsse errichtet werden,' die dann nach lokalen und bodenständigen Rücksichten verwaltet werden können. Der Artikel„Arbeiterbildung" in der Begrützungs- nummer der„Fränkischen Tagespost" beweist, wie notwendig die Besprechung und endgültige Beschlußfassung der Mannheimer Lcit- sähe über Volkserziehung ist, damit solche geradezu grotesken Be- hauptungen in Zukunft nicht mehr möglich sind, wenigstens nicht als sozialdemokratische Auffassung ins Land getragen werden können.(Sehr gut!) Behauptungen, die in den Einzelheiten den Eindruck machen, als wären sie nur aufgestellt, um zu beweisen, daß man auch entgegengesetzte Anschauungen als die bisher in der Partei üblichen mit einem Scheine logischer Berechtigung bekleiden kann.(Sehr gut!) WaS richtig an dem Artikel ist, das ist alte Parteianschauung: daß wir nicht Allerwcltsbildung zu treiben haben, sondern nur solche Bildung, die den Arbeiter zur Eni- scheidung über politische und ökonomische Fragen befähigt. Wir wollen auch noch dem Artikel zugestehen, daß eine indifferente Masse, die nicht geschult und zur selbständigen Entscheidung und Verantwortlichkeit erzogen ist, leicht von gewissenlosen Demagogen irre- geführt werden kann. Aber wie erreichen wir diese wünschenswerte Schulung der Massen? In diesem Punkte unterscheide ich mich grundsätzlich von dem Artikelschreiber. Er spricht es mit dankend- werter Offenheit aus: wozu Theorie, wozu Werttheorie, wozu materialistische Geschichtsauffassung, die Massen brauchen das nicht zu wissen, nur der Lehrer der Massen. Ich frage zunächst: warum der Lehrer? Wenn er es nicht zu lehren braucht? Vielleicht um ihm daS stolze Bewußtsein zu verschaffen, daß er mehr weiß als die dumme Masse, daß er über der Masse steht? Und dann: wer ist denn beim klassenbewußten Proletarier Lehrer, und wer ist Masse? Der Schüler von heute ist Lehrer von morgen, und mancher Lehrer täte besser, zum Schüler herabzusteigen, und von ihm zu lernen. (Sehr gut!) In der Parteischule haben Lehrer mehr als einmal gesagt, daß sie selbst aus dem Verkehr mit den Schülern/ aus dem proletarischen Empfinden, Denken und unmittelbarem Anschauen der Tinge sehr viel lernen, auch für die Theorie. Und weil ich keine Kaste von Lehrern beim Proletarier anerkenne, darum auch nicht den etwas wegwerfenden Begriff Masse, für die die Theorie an- gcblich keinen Wert hat, sondern der sie höchstens schaden kann, die nur ein so geistig minderwertiges Leben in der Tiefe unterhalb *r Lehrer führen. Wo fängt denn die Masse an? Kennt man unter Masse das, was wir indifferente Mitläufer nennen? Für die wäre freilich die methodische Unterweisung in dem theoretischen Sozialismus noch verfrüht oder doch schwer möglich. Sie stellt sich auch gar nicht dazu. Für die sind die Wanderkurse usw. auch gar nicht bestimmt. Meint man aber unter Masse die Scharen der hun- derttausende organisierter Arbeiter, die durch die Wanderkurse usw. erfaßten Funktionäre und bildungseifrigen Genossen, dann zeugt es von einer im Klassenkampfe und unier Partei- und Kampf- genossen ganz unangebrachten Arroganz, wenn der Lehrer hochmütig den besten Teil seines Wissens für sich behält und sagt: für Euch sind einige, von mir oll Koc zurecht gemachte Anwendungen der Theorie gut genug, das Geheimnis aber, wie man diese Anwen- düngen selbst machen kann, behalte ich für mich, das schadet Euch höchstens. Auf die Anwendung kommt es gerade an. Es ist bisher sozialistische Anschauung gewesen und wird es boffentlich auch bleiben, daß die Beherrschung der Theorie des Sozialismus auch im einzelnen die Fähigkeit entwickelt, in den tausend Fällen der Praxis den richtigen Weg zu finden. Tie sozialistische Theorie ist gerade ein Kompaß auf dem weiten, ufer- losen Meer der praktischen Tätigkeit. Wer über sie im klaren ist, wird nie den richtigen Weg verlieren. Wer dagegen die Theorie hochmütig mißachtet, dem fehlt die Richtschnur, der kommt in Ge- fahr, von Fall zu Fall nach opportunistischen Erwägungen zu handeln, und wer da sagt: Ich will ja theoretische Klarheit, aber nur für die Lehrer und Führer, der ist noch nicht frei von der alten bürgerlichen Auffassung, daß die Masse geleitet und ge- schoben werden muß. Pon dieser Aufassung hat sich die deutsche Arbeiterschaft vor 49 Jahren hier in Nürnberg frei gemacht, sie hat sich selbst für mündig erklärt, für fähig, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Sie hat damals ihren bürgerlichen Lehrern den Laufpaß gegeben, und Männer aus der Masse waren es, die entgegen den Mahnungen ihrer bisherigen Lehrer mit stolzer Ent- schlußkraft und proletarischer Intelligenz die deutsche Arbeiterschaft auf die eigenen Füße gestellt haben, und auf diesen eigenen Füßen ist sie seitdem vorwärts geschritten von Erfolg zu Erfolg. Die proletarische Masse wird sich nicht wieder an das Gängelband nehmen lassen, und das verhindert sie allein dadurch, daß sie die Kenntnis und Pflege der Theorie nicht ein Monopol der Führer sein oder werden läßt, daß sie— wie bisher— eine möglichst innige Verbindung von Theorie und Praxis pflegt, daß sie dem Theoretiker nicht die Teilnahme an der praktischen Arbeit erspart, und daß sie dem schlichten Arbeiter nach Möglichkeit einen Ein- blick in die befreiende Weite unserer sozialistischen Theorie ge- währt. Nach dieser Richtung ist der Vildungsausschuß tätig. Ich gebe mich der festen Hoffnung hin, daß dieser Parteitag diese Grundsätze in der Sozialdemokratie auch in bezug auf die Bil- dungssrage neu befestigen wird und damit der weiteren Tätigkeit des Bildungsausschusses eine klare Richtschnur gibt.(Lebhafter Beifall.) Schluß der Vormittagssitzung 1 Uhr. Nachmittags. Singer eröffnet die Nachmittagssitzung um 3 Uhr nachmittags mit der Mitteilung, daß ein Begrüßungsschreiben von der Freien Jugendorganisation aus Altona eingegangen sei. Der Antrag 7 (Dortmund)*) wird von Dortmund zurückgezogen, mit Rücksicht auf die Erklärung des Berichterstatters, daß seine Annahme die Ver- Handlungen mit den Lokalorganisationen in Solingen erschweren könnte. Hierauf wird zunächst der Bericht über Kasse und Presse entgegengenommen. Parteikassierer Gerisch: Nachdem es im letzten Jahre fast aus- gesehen hat, als ob wir mit unseren Parteifinanzcn dauernd auf dem Stande der Reichsfinanzen bleiben sollten, ist in diesem Jahre eine Besserung insofern eingetreten, als wir wenigstens nicht mit einem Defizit vor den Parteitag zu treten brauchen. Weit her ist es mit den erzielten Ueberschüsscn ja gerade auch nicht. Daß wir überhaupt mit einem Ueberschuß abschließen konnten, verdanken wir in erster Linie unseren Parteigenossen in Hannover, in Zwickau und Harburg, die in anerkennenswerter Weise die Dorlehne, die sie erhalten hatten, möglichst schnell wieder zurückzahlten. Im übrigen würde cS mit unserem Ueberschuß wesentlich besser gestellt sein, wenn unsere lieben Parteigenossen bei der Berechnung der an die Zentralkasse abzuführenden prozentualen Beiträge nicht immer von einer bedenklichen Schwäche befallen würden, unter deren Ein- fluß sie sich zugunsten der Lokalkasse und zuungunsten der Zentral- lasse verrechneten.(Heiterkeit.) Merkwürdigerweise zeigt sich diese Erscheinung im Osten und Westen, im Norden und Süden, bei den ältesten wie bei den jüngsten Parteiorganisationen im gleichen Maße. Die Organisation des Wühlkreises, in dem wir tagen, hat sich zum Beispiel um 3999 Mark zuungunsten der Parteikasse ver- rechnet. Sie meinte jedenfalls, daß statt 29 Prozent, die sie nach dem Statut abzuliefern verpflichtet war, 12 Prozent genügten. Die genaue Feststellung der Summe, um welche die Parteikasse in dieser Weise zu kurz gekommen ist, läßt sich in diesem Jahre noch nicht machen, weil das Geschäftsjahr der Parteikasse mit der Ab- rechnungszeit der lokalen Organisationen um einen Monat differierte. Tie Parteigenossen Preußens ohne Groß-Berlin haben rund 29 999 Mark zu wenig abgeliefert, die Genossen des König- reichö Bayern 9599 Mark. Die Genossen des Königreichs Sachsen haben über den Pflichtteil hinaus 5399 mehr an die Parteikasse abgeliefert, Württemberg desgleichen 699 Mark. Bezüglich der badischcn Organisationen ist leider eine Kontrolle nicht möglich, weil diese Organisationen sich dem Berliner Partcivorstand gegen über xin Schweigegebot auferlegt hatten.(Heiterkeit.) Di« be- treffenden Parteigenossen meinen wahrscheinlich, der Berliner Parteivorstand könne lange warten, ehe es ihnen gefällt, sich in den Topf gucken zu lassen.(Heiterkeit.) Das Großherzogtum Hessen hat bis auf eine Differenz von 8 Mark sein Pflichtteil eingesandt. Von den Kleinstaaten haben Sachsen-Weimar, Meiningen und Reuß ä. L. zusammen 876 Mark über den Pflichtteil abgeliefert. Die übrigen Kleinstaaten haben zusammen 3599 Mark zu wenig abgeführt. Bremen hat bis auf eine kleine Differenz ebenfalls den Pflichtteil eingesandt. Für Lübeck ist eine Kontrolle nicht möglich, weil die dortigen Genossen Anhänger deS Schweigegebotes sind. Insgesamt sind mindestens 33 999 Mark zu wenig an die Partei- kasse eingesandt worden. An die Spitze aller Leistungen haben sich diesmal unsere Hamburger Genossen gestellt, indem sie daS Viereindrittelfache des Pslichtteils abgeliefert haben. Sie haben damit sogar noch die Genossen von Groß-Berlin geschlagen, die nur das Zweivierfünftesfache des Pflichtteils abzuliefern ver» mochten. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, daß unsere Genossen von Groß-Berlin ganz gewaltige Aufwendungen für die Provinz Brandenburg gemacht haben und daß der LandtagSkampf des letzten JahreS immense Summen verschlungen hat. Die Genossen der übrigen Organisationen sollten sich jedenfalls Berlin und Ham» bürg auf diesem Gebiete, so weit es in ihren Kräften steht, zum Muster nehmen, und sich vor allem bei der Abrechnung größerer Korrektheit befleißigen, damit in Zukunft nicht wieder ein solcher Tadel ausgesprochen werden muß. Die Mitteilungen, die ich nur noch über de» Stand der Partcipresse zu machen habe, sind leider nicht entfernt so günstig, wie die An- gaben, die dem vorigen Parteitag unterbreitet werden konnten. Bei der schweren wirtschaftlichen Krise, unter der die Arbeiterschaft Deutschlands leidet, dürfte es eigentlich nicht überraschen, wenn die Ergebnisse noch viel ungünstiger gewesen wären. Im vorigen Jahre konnten wir den ungewöhnlich hohen Gewinn von 211917 *) 7. Dortmund: Mitglied in der Partei kann nicht seiih, syer einer anderen als der freien Gewerkschaft angehört» neuen Abonnenten der Parteipresse konstatieren. Im angelaufenen Jahre hat die Parteipresse in den Verbreiwngsbezirken, in denen die Krise noch verhältnismäßig milde einsetzte, ebenfalls noch eins Zunahme zu verzeichnen gehabt von insgesamt 45 999 neuen Abonnenten. Dafür haben aber leider eine ganze Reihe anderer Blätter große Verluste an Abonnenten zu verzeichnen gehabt, so daß insgesamt nur ein Gewinn von 11 582 neuen Abonnenten ge- blieben ist. Ohne die„Neue Zeit" und die„Gleichheit" hat die Parteipresse gegenwärtig 1 961 289 Abonnenten, gegenüber 1 949 997 Abonnenten im Vorjahre. Wir haben also das Errungene nicht nur festgehalten, sondern noch eine bescheidene Zunahme erzielt. Wenn Tausende von Arbeitern im Berichtsjahre ihr Organ mit schwerem Herzen abbestellt haben, so lag das eben an den Wirt- schaftlichen Verhältnissen. Wenn das leibliche Brot nicht mehr be- schafft werden kann, wenn der--Hunger der Kinder nicht gestillt werden kann, muß eben der Proletarier vorübergehend auf die gewohnte geistige Kost verzichten. Verhältnismäßig günstig sind die Einnahmen der Parteiprcsse gewesen. Während im Porjahre bei einem Zuwachs von über 299 999 Abonnenten und einer Ge- samteinnahme von 5 962 379 M. aus Abonnementsgeldern gegen das vorangegangene Jahr eine Mehreinnahme von rund 1 123 819 Mark konstatiert werden konnte, zeigt das abgelaufene Jahr bei einem Zugange von nur 11 582 neuen Abonnenten eine Einnahme aus Abonnementsgeldern in Höhe von 6 782 359 M. Das bedeutet gegen das Vorjahr ein Mehr von 829 989 M. Dieses ganz un» gewöhnlich günstige Ergebnis läßt sich nur so erklären, daß ein hoher Prozentsatz der im Vorjahre gewonnenen neuen Abonnenten nicht bereits ein ganzes Jahr zahlende Abonnenten gewesen sind, sondern erst am Ende des Berichtsjahres neu gewonnen wurden. Gleich günstig sind die Einnahmen aus Inseraten. Im Vorjahre betrug bei einer Gesamtcinnahme von 3 466 539 M. aus Inseraten die Zunahme gegen das Vorjahr 595 463 M. Im angelaufenen Jahre betrug die Gesamteinnahme aus Inseraten 4 295 322 M. Das ist gegen das Vorjahr ein Mehr von 733 783 M. Die meisten der Parteiorgane sind glücklicherweise geschäftlich soweit sichergestellt, daß sie einen Stoß aushalten können, und den schwächeren, noch in der EntWickelung begriffenen muß eben mit den Mitteln der Gesamtpartei über die kritische Periode hinweggeholfen werden. Die Parteipresse ist unsere wichtigste Waffe im Kampfe gegen den Kapitalismus, für ihre Erhaltung darf uns kein Opfer zu groß sein, dann wird sicher der schließliche Erfolg, daS verbürgt UNS die bisherige EntWickelung, nicht ausbleiben.(Bravo!) Den Bericht der Kontrollkommission erstattet Kaden-Dresden: Die Kontrollkommission hat auch im verflossenen Jahre die ihr zustehenden Arbeiten nach bestem Können erledigt. Sie hat die Prüfung der Geschäfte in Berlin und Stuttgart vorgenommen und alles in bester Ordnung gefunden, so daß ich namens der Kontrollkommission den Parteitag bitte, dem Parteivorstand Decharge zu erteilen. Die uns überwiesenen Be- schwerden haben wir einer eingehenden Behandlung unterzogen, um nach bestem Ermessen entscheiden zu können. Die Kontroll- kommission mußte sich auch mit Beschioerdcn befassen, die nicht in ihr Ressort fielen, die sie aber, um sie zur Erledigung zu bringen, dem Parteivorstand zur Entscheidung überwies. So bcschtoerte sich Friedrich H o h m a n n aus Riechrat bei Velbert, weil er in den sozialdemokratischen Volksverein in Velbert nicht als Mitglied aufgenommen wurde, obgleich er innerlich schon lange zur Partei gehöre. Er glaubt, die Nichtaufnahme sei er-, folgt, wegen seines Austritts aus dem Metallarbeiterverbande, Wir überwiesen diese Beschwerde dem Vorstand zur weiteren Behandlung.— In Hagen hatte ein Schiedsgericht den Ge, nossen Apenborn wegen Beteiligung an einem Werkstätten, klatsch eine Rüge erteilt. Hiergegen wandte sich Apenborn. Dis Kontrollkommission mußte diese Beschwerde zurückweisen, weil das in Frage kommende Schiedsgericht kein solche» war, wie es das Organisationsstatut vorschreibt.— Der Genosse Otto Moritz, Hamburg, führt Beschwerde über den Partcivorstand. Der Sach- verhalt ist folgender: Vor ungefähr 5 Jahren fand eine Partei» Versammlung des dritten Hamburger Wahlkreises statt, in deo einige derbe Worte fielen, die zur Klage führten. Moritz ist nun der Ansicht, daß der Genosse Schmelzmeyer die gefallenen Worte nicht richtig wiedergegeben habe, und er dadurch in Nachteil ge, kommen sei. Moritz stellte darauf an den Vorstand des drittens Hamburger Wahlkreises den Antrag, Schmelzmeyer aus der Partei- auszuschließen. Der Vorstand hat den Antrag Moritz abgelehnt, Moritz ist nun der Ansicht, sein Antrag hätte vom Vorstande. einer der nächsten Mitgliederversammlungen vorgelegt werden. müssen. Da dies nicht erfolgt ist, verlangte Moritz vom Partei- vorstand eine Untersuchung der Angelegenheit und Feststellung des genauen Inhalts der damals gehaltenen Reden. Der Vor- stand sah sich außerstande, diesem Perlangen nachzukommen und- lehnte ebenso das Verlangen der Herausgabe eines von Moritz. an den Vorsitzenden des 3. Hamburger Wahlkreises gerichtcten- Briefes über die von Moritz erhobene Beschwerde ab. Die Kontroll, kommission konnte nach genauer Prüfung des vorgelegten reich- lichen Aktenmatcrials dem Parteivorstand Nur beipflichten und die Beschwerde Moritz ablehnen. Die Kommission möchte deshalb beim Parteitage anregen, ob bei einer eventk. Revision des Partei» statuts die Frage der Verjährung nicht in Erwägung gezogew werden sollte.— Der Genosse Ke i l i n g erregte durch seine Handlungsweise, indem er den Geiwssen Scheub als Berichterstatter für Rüdesheim denunzierte, sowie durch Teilnahme als Turner an einer Ovation, welche dem Grafen Oriola vor seinem Schlosse gebracht wurde, das Mißtrauen der dortigen Parteigenossen. DeS- halb ist Keiling aus dem Wahlverein des Wahlkreises Friedberg- Büdingen ausgeschlossen worden. Das einberufene Schiedsgericht gab Keiling eine scharfe Rüge und hob den Ausschluß aus der Partei auf, schloß Keiling aber aus dem Wahlverein aus. Gegen diesen Schiedsspruch wandte sich der Wahlverein mit der Be» gründung, daß es nicht zweierlei Mitglieder geben könne. Dis Kontrollkommission erachtete die Beschwerde des WahlvereinS für berechtigt, hob den Beschluß deS Schiedsgerichts auf und schloß Keiling aus der Partei aus.— Genosse Karl Schröder, Zimmerer in Düsseldorf, wurde wegen Streikbruchs(Zusammen- arbeiten mit Streikbrechern) aus der Partei ausgeschlossen. Da- gegen legte er Berufung ein. Schröder ist Polier; ihm war gestattet worden, bei der Arbeit zu verbleiben, jedoch nicht mit Streikbrechern zusammenzuarbeiten. Dies war jedoch nicht zu. verhüten. Schröder erhielt bei seiner Anfrage, wie er sich zu verhalten habe, beim Hauptvorstande in Hamburg keine Antwort. Es fehlt im wesentlichen der Wortlaut des AuSschluhantrages, ebenso fehlen die Daten über den Verlauf des Streiks. Bei dieser unklaren Sachlage konnte ein Streikbruch nicht festgestellt werden. Die Kontrollkommission hat deshalb das Urteil des Schiedsgericht? aufgehoben.'. Durch Urteil des Schiedsgericht? ist der Genosse Tischler- meister H. B e e g e- Berlin aus der Partei ausgeschlossen worden. Im Vorjahre lief der zwischen dem Holzarbeiterverband und der Organisation der Unternehmer abgeschlossene Tarif ab. Die Tischler traten in eine Lohnbewegung und erstrebten eine Lohnerhöhung und Verkürzung der Arbeitszeit. Die Unternehmer lehnten aber diese Forderungen ab und beschlossen, noch vor Ab- lauf deS Tarifes die Arbeiter auszusperren. Beege, welcher dem Verein Berliner Tischlermeister angehörte, sperrte seine Leute ebenfalls aus und erklärte, daß er in ähnlichen Fällen ebenso handeln werde. Die Kommission konnte sich dem Urteil nur an- ..... en. —artin SchymanSkh in Ilmenau ist auf Antrag de? sozialdemokratischen Vereins durch Schiedsgericht aus der Partei ausgeschlossen worden. Er hatte einen unserer Genossen, der Ge, vieindevertreter war, Mitteilungen über Lohnverkürzungen der städtischen Arbeiter gemacht, und dieser hatte seiner Ansicht nach die Sache im Gcmcinderat nicht richtig vertreten und ihn als Gc- tvährsmann genannt. Darüber wurde er erbost und verlangte sein Schreiben zurück. Da es ihm nicht ausgeliefert wurde, klagte er aus Herausgabe, wurde aber abgewiesen. Das Schiedsgericht er- achtete ihn der Zugehörigkeit zur Partei für unwürdig und sprach ihm die Mitgliedschaft ab. Die Kontrollkommission hat das Urteil ausgehoben.— Die Schriftseher Beyer und C lau der vom «Sonnebergcr Volksfrcund" waren mit ihrer Druckerei in Diffe renzen geraten und wurden entlassen. Zu ihrer Rechtfertigung be- nutzten sie ein bürgerliches Blatt. Das Schiedsgericht nahm mit E> gegen 2 Stimmen eine ehrlose Handlung an und mit 4 gegen 3 Stimmen wurde der Ausschluß vollzogen. Die Kontrolle kommission konnte aus eine materielle Prüfung des Falles vcr- zichten, da sie dem Einspruch des Beschwerdeführers über die Be- fangenheit der Schiedsrichter stattgab. In dem Schiedsgericht haben die 2 Kläger bezw. Angegriffenen, also Angestellte des „Volksfreunds", als Richter gesessen. Eine solche Zusammensetzung des Schiedsgerichts widerspricht den elementarsten Grundsätzen einer unbefangenen Rechtsprechung. Die Kontrollkommission hob das Urteil auf.— Der Zimmerpolier Rudolf wurde des Streik- bruchs beschuldigt, da er während des Streiks der Berliner Bau- arbciter Lehrlingsarbeiten beaufsichtigt und geleitet hat. Das Schiedsgericht lehnte den Antrag auf Ausschluß aus der Partei ob und erteilte Rudolf eine Rüge, weil sein Verhalten nicht ein- wandfrci gewesen sei. Die Kontrollkommission hat das Urteil aufgehoben. Sie erblickt in der Handlungsweise des Rudolf einen Streikbruch und stimmte deshalb dem Ausschlußantrage zu. Schließlich habe ich noch eine traurige Pflicht zu erfüllen; auch in diesem Jahre hat der Tod wieder einen treuen Genossen aus den Reihen der Kontrollkommission gerissen: Franz Joseph Chrhart(die Genossen erheben sich von ihren Plätzen), der jahrelang uns ein treuer Mitarbeiter war. Wir werden stets in Ehren seiner gedenken. Diskussion zum Geschäftsbericht. Haase-Königsberg beantragt, sämtliche Anträge über die Jugendorganisation(Anträge 26 bis 56) und die auf der Frauenkonferenz dazu gefaßten Leitsätze einer sieb- zehngliedrigen Kommission zu überweisen, deren Bericht an das Plenum die Grundlage der Diskussion sein soll. Der Parteisekretär Müller-Berlin habe der Resolution des Parteivorstandes eine Auslegung gegeben, die vielfach von der vieler Genossen abweiche. Dies erfordere eine genaue Prüfung des Materials, und zwar um so notwendiger wegen des neuen Vereinsgesetzes. Der Parteitag st i m m t dem zu. In die Kommission für die Jugendorganisation werden ge- Wählt: Robert Schmidt-Berlin, Wels-Vcrlin, Ritter- Ruppin-Templin, Heinrich Schulz- Berlin, Stalten- Ham- bürg, Brandler- Bremen, Müller- Köln, Rudolf- Frank- furt a. M., S ch e i b- Leipzig, Dr. Frank- Mannheim, Sänger- München, W e st m e y e r- Stuttgart, G r u n wa l d- Mühlhausen, Haase-Königsberg, Z i e tz- Hamburg, Klara Z e t k i n- Stutt- gart, H. Müller-Berlin. Singer: Um eine falsche Auslegung für die Zukunft zu ber- hüten, stelle ich fest, daß, wenn auch Müller in die Kommission gewählt ist, damit nicht ausgesprochen werden kann, daß der Vor- stand zur Teilnahme an einer solchen Kommission nur dann be- rechtigt ist, wenn ausdrücklich eins seiner Mitglieder vom Parteitag hineingewählt worden ist. Ich nehme an, daß es die Ucberzeugung des Parteitages ist, daß dem Parteivorstande an sich das Recht zu- steht, in solchen Kommissionen die Meinung des Vorstandes zu ver- treten.(Zustimmung.) Von den zum Geschäftsbericht borliegenden Anträgen werden unterstützt: Zum Punkt BildungSausschuß die Anträge 53 und 54*), *) 53. Stuttgart: Der Parteitag beauftragt den Vildungsausschuß, die HebauSgabe einer sozialistischen Jugend- zeitung in die Wege zu leiten. 54. München I und ll: In Ausführung wiederholt ge- faßtcr Parteitagsbeschlüsse ist entsprechend der zum Referate „Volkserziehung und Sozialdemokratie" auf dem Mannheimer Parteitage angenommenen Resolution vom Bildungsausschuß baldigst ein Jugendorgan herauszugeben. 6. Parteivorstand und Kontrollkommission: Der Parteitag begrüßt den infolge der Einigungsverhand- kungen erfolgten Uebertritt der lokalistischen Vereine in die Zentralverbände. Die Vereine, die trotz der geführten Verhandlungen bei der Freien Vereinigung der Gewerkschaften geblieben sind haben durch ihr Verhalten bekundet, daß sie entgegen den Beschlüssen der Parteitage und des Internationalen Sozialistenkongresses in Stutt- gart die dringend gebotene einheitliche Organisation des Wirt- schaftlichen Kampfes der Arbeiterklasse nicht wollen. Die Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften hat sich auch in offenem Gegensatz zur Partei gestellt, indem sie unter Anlehnung an die onarcho-syndikalistischen Bestrebungen die Sozialdemokratie ge- flissentlich bekämpft und schmäht. Nachdem weiter die Einigungsverhandlungen mit dem Allge- meinen Deutschen Metallarbeiterverband, dessen im Gegensatz zur Lübecker Resolution erfolgte Gründung schon vom Mannheimer Parteitag als schwere Schädigung der Arbeiterbewegung bezeichnet worden ist, zu keinem Ergebnis geführt haben, erklärt der Parteitag: Jede Mitarbeit von Parteigenossen in den mit der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften verbundenen Vereinen so- wie in dem Allgemeinen Deutschen Metallarbeiterband ist unver- einbar mit den Grundsätzen und Interessen der Sozial- demokratie. 113. N ü ruber g: Der Parteitag möge eine ständige Ar- beitskommission wählen, die für den nächsten Parteitag eine Er- örterung der Agrarfrage vorbereitet und möglich macht. 21. Vereinbarung des P artvivorstand es mit den Genossinnen: 1. Jede Genossin ist verpflichtet, der sozialdemokratischen Parteiorganisation ihres Ortes beizutreten. Politische Sonderorganisationen der Frauen sind nicht gestattet. Heber das Fortleben besonderer Fraucnbildungsvereine entscheiden die Genossen und Genossinnen der einzelnen Orte. Die Mitglied- schaft in solchen Vereinen enthebt jedoch die Genossinnen nicht der Verpflichtung, den sozialdemokratischen Parteiorganisationen onzu- gehören. 2. Unabhängig von den Vereinsabenden der Manner sind für die weiblichen Mitglieder Zusammenkünfte einzurichten, welche ihrer theoretischen und praktischen Schulung dienen. 3. Die Festsetzung der Beiträg« für die Iveiblichen Mitglieder bleibt den einzelnen Organisationen überlassen. Empfehlenswert ist, die Beitrüge für die tveiblichen Mitglieder niedriger zu bemessen wie für die männlichen. 4. Die weiblichen Mitglieder sind im Verhältnis zu ihrer Zahl im Vorstand vertreten. Doch muß diesem mindestens eine Genossin angehören. 5. Den weiblichen Mitgliedern des Vorstandes liegt eS ob, die notwendige Agitation unter dem weiblichen Proletariat im Ein- vernehmen mit dem Gesamtvorstand und unter Mitwirkung der tätigen Genossinnen zu betreiben. 6. Solange betreffs der Beschickung der Parteitage durch die Parteiorganisationen noch das gegenwärtige Provisorium gilt, bleiben auch für die Delegierung der Genossinnen die jetzigen Be- stimmungen des Parteistatuts in Kraft. Das Zentralbureau der Genossinnen bleibt bestehen. Die Ver- tretcrin der Genossinnen darin wird dem Parteivorstand ange- gliedert. 24. Hamburg II und III: Die Institution der weiblichen Vcrtrauensperson ist aufzuheben, dafür ist der Parteivorstand um eine resp. zwei Personen zu verstärken. Unter den Mitgliedern des Parteivorstandes muß ein weibliches Mitglied sein, die die Agi- Nation unter den weiblichen Arbeiterinnen zu betreiben hat. zur Lokalistenfrage 6 und 113, zum Punkt Frauenorganisation die Anträge 21 und 24, 125 und 127. Nicht unterstützt werden die Anträge 25 und 52. Allgemeines, Presse, BildungZausschus) und Lokalistenfrage. Lcinert-Hannovcr: In den Agitationskalendern sind viele Inserate, die da nicht hineingehören. Der vom Parteivorftand herausgegebene Ost- preußische Kalender enthält eine Unmenge Inserate, die für die Partei ein Skandal sind,(hört! hört!) die wir auf der Agitation nicht vertreten können. Auch befinden sich Inserate aus dem Ausland in den Kalendern. Es werden Inserate vom Partei- vorstand unterstützt, die in der Parteipresse als Schundinserate bezeichnet werden. Dann haben wir auch Kalender mit Inseraten von Gastwirten. Das ist doch keine Ausführung des Essener Par- teitagsbeschlusses in der A l k o h o l f r a g e. Wir wollen doch den Landarbeitern etwas Gutes bringen und dürfen derartige Inserate nicht aufnehmen. Wir müssen beschließen, daß der Parteivorstand derartige Jnseratenmache nicht unterstützt, sonst kommen wir schließlich noch zu Flugblättern mit Inseraten. In dem Branden- burgischcn Kalender von 1368(hört! hört!) werden Musikwerke mit hurrapatriotischen Musikstücken empfohlen. Wir machen antimili- taristische Propaganda und in den Kalendern werden diese Musik- apparate empfohlen.(Heiterkeit.) Dieser öffentliche Skandal mit den Inseraten ist genau so im„Wahren Jakob". Wir sind doch in der Partei soweit, daß wir es nicht nötig haben, unsere Agitation von Inseraten bezahlen zu lassen.(Beifall.) Glück-Magdeburg: Mit den Inseraten wird ein großer Unfug getrieben._ Aber ich möchte doch nicht soweit gehen, zu empfehlen, daß wir sämtliche Inserate hinauslassen, denn dann müßten wir ja auch auf die Inserate in den Zeitungen verzichten. Es geht nicht, in dieser Sache einen Beschluß des Parteitages herbei- zuführen, wir müssen hier an den Takt des Einzelnen appellieren. Ich möchte im Auftrag der Magdeburger Genossen die Aufmerksani- keit der Oefentlichkeit auf das Verhalten der Polizeibehörde gegen unsere Parteiorganisation lenken. Auch andere Polizeibehörden haben solche ungesetzlichen Eingriffe vorgenommen und ich freue mich, daß die Reichstagsfraktion die Regierung darüber zu inter- pellieren beabsichtigt. Einige Worte zum Pressebureau. Das Bureau ist eingerichtet, nachdem die Parteipresse lange darüber debattiert hat, ob sich dieses Institut nicht zu einer r e v i s i o- n i st i s ch e n Falle gestalten werde. Ich freue mich, daß das Bureau verhältnismäßig gut funktioniert und daß die Blätter, die es verhältnismäßig viel benutzen, gerade diejenigen sind, die früher am meisten gegen die Errichtung des Bureaus opponiert haben. Es wird aber nötig sein, die Nachrichten auch auf das Ausland auszudehnen. Bedauerlich ist es, daß nicht seitens des Bureaus über die Verhandlungen des Parteitages vormittags ein Bericht an die kleineren Parteiblättcr gesandt wird. Als wir deswegen anfragten, erwiderte uns das Telephonsräulein: Der Partei- vorstand will es nicht haben. Das ist doch merkwürdig.(Sehr richtig!) Ich weiß auch keinen Grund, der den Parteivorftand dazu veranlassen sollte. Ich weiß auch nicht, ob dqs ans einen Wunsch des„Vorwärts" zurückzuführen ist.*) Der Parteivorstand sollte seinen Widerspruch aufgeben und auch vormittags über die Parteitagsverhandlungen an die Parteiblättcr berichten lassen. Singer teilt mit, daß der Antrag 23**) zurückgezogen ist. Eisner: Der Referent des Bildungsausschusses, Genosse Schulz, hat einige Bemerkungen über die gegenwärtig mit Recht so beliebte „Fränkische Tagespost" gemacht, die mir Anlaß geben, einige fach- liche Ausführungen über die Bildungsfrage zu machen. Ich bin in diese Diskussion wider meinen Willen hineingezogen worden. Eine beiläufige Bemerkung in der Parteitagsversammlung in Nürnberg, in der ich betonte, daß ich nicht der Meinung wäre, daß man einen Antrag über die Parteischule einbringen solle, ist in die Presse ge- kommen und hat in der Folge zu einer Konfusion Anlaß gegeben. Ich halte diese Frage mit der Parteischule in der Tat noch nicht für reif, glaube aber, daß sie in kurzer Zeit reif werden wird. Bis dahin können wir die eingehende Erörterung dieser Frage vertagen. Ich meine, die Parteischule ist schon heute in einer sehr erfreulichen Umwandlung begriffen. Sie verdankt ihre Entstehung— das wird zwar jetzt geleugnet, ist aber dennoch wahr— dem Mangel an geistigen Kräften in der Partei. Man hat also durch die Partei- schule den Wunsch erfüllen wollen, mehr Redakteure, mehr Arbciter- sekretäre usw. zu gewinnen. Im vorigen Semester wurde die Sache auch so gemacht, da hat man die Parteigenossen aus der Praxis herausgerissen und hat sie in Berlin ausgebildet. Jetzt ist man schon zu einer verständigeren Auffassung gekommen. Jetzt bildet man Parteifunktionäre aus. Man gibt einigen Partei- genossen unter großen Opfern die Möglichkeit, sich ein halbes Jahr wissenschaftlich unterrichten zu lassen. Dagegen läßt sich im Grunde wenig sagen, wenn die Opfer den Ertrag wert sind. Ich sehe in einer solchen halbjährigen Bildung bor allem den Vorteil, daß eine Anzahl von Parteigenossen Ehrfurcht vor der Wissenschaft erlangen, denn mit der Ehrfurcht entwickelt sich auch die geistige Bescheide»- heit. Je mehr der Mensch weiß, desto mehr ist er überzeugt, wie wenig er eigentlich weiß.(Sehr richtig!) Ich sehe also in der Parteischule wesentlich den Wert, daß die an ihr unterrichteten Parteigenossen dem häufig herrschenden Mißbrauch nicht verfallen, daß jemand, der ein wissenschaftliches Buch gelesen hat, am Abend sich schon hinstellt und einen wissenschaftlichen Vortrag hält.(Sehr richtig!) Die Parteischule hat den Zweck und nur den Zweck, einigen Parteigenossen die Möglichkeit zur Weiterbildung zu geben, und wenn die 36 Parteigenossen in jedem Winter Genies gleich Karl Marx wären, so würden sie doch nicht die Möglichleit haben, als vollendete Lehrer aufzutreten. Ich würde es bedauern, wenn es wahr wäre, was Schulz zu meinen scheint, daß die Parteischule dazu berufen ist, wissenschaftliche Lehrer auf die Provinz loszu- lassen. Wenn das erreicht wird, dann sollte man diese Schüler, die in einem halben Jahre so glänzende Resultate geben, lieber gleich an der Parteischule zu Lehrern machen. Wenn man liest, daß Parteischüler, die ein halbes Jahr Unterricht genossen haben, dann sofort einen Zyklus von 26 und einigen Vorträgen über die Wert- theorie halten, so glaube ich, liegt darin nicht die genügende Hoch- schätzung vor der Schwierigkeit der Wissenschaft und vor allem nicht die genügende Achtung vor dem Lchrerberuf im Proletariat.(Sehr gut!) Ich bin überzeugt, alte Parteigenossen wie Bebel, Singer, Scgitz. die ein mühevolles Leben der wissenschaftlichen Durchbildung hinter sich haben, würden heute nicht den Mut haben, über diele schwierigste nationalötonomische Frage vor Arbeitern einen Zyklus von 26 Vorträgen zu halten. Die Parteischule soll Schüler aus- bilden. Aber zwischen einem Schüler und einem Lehrer ist ein großer Unterschied. Wenn aus der Parteischule Lehrer mit Hohenzollernschnellrcife erzeugt werden sollen(Heiterkeit), so be- dauere ich die Partei, die von solchen Lehrern unterrichtet werden soll. Das steht in dem ausgezeichneten Artikel, von dem ich wünschte» daß er zur Grundlage der Diskussion überall da gemacht wird, wo Bildungsbcstrebungcn im Gange sind, den Genosse Maurenbrecher in der„Fränkischen Tagespost" geschrieben hat. (Lachen.) Man sagt, es gibt eigentlich keinen so großen Unterschied zwischen Lehrer und Schüler. Gewiß, es ist ein altes Wort, daß der Lehrer vom Schüler, wie der Schüler vom Lehrer lerne. Aber um Volksschullehrer zu werden, bloß um Elementarkenntnisse des Lesens und Schreibens den Kindern beizubringen, gehört eine außerordentlich große und umfangreiche Vorbildung. Lehrer, wie wir sie brauchen— ich rede gar nicht davon, ob akademische oder nichtakademische Vorbildung vorhanden ist—, wachsen nicht in einem halben Jahre, sie erwachsen in einem Leben der Arbeit und nur der Arbeit. Sie fallen nicht vom Baum, sie müssen sich ent- wickeln. Der Genosse Maurenbrccher, der jetzt Lehrer in unserem Bezirk Nordbaycrn ist, hat die unmaßgebliche Meinung aus- gesprochen, daß man bei der Massenbildung nicht mit den *>(Selbstverständlich hat der„Vorwärts" nicht die geringste Veranlassung, einen solchen Wunsch zu hegen, geschweige denn aus- zusprechen. Red d.„Vorwärts".) **) Tcltow-BeeSkow: Die Zahl der Mitglieder des Partei- Vorstandes ist um eine weibliche Selrctärin zu vermehren. schwierigsten theoretischen Problemen anfangen soll, sondern vötl unten einheitlich aufbauen soll. Der Genosse Schulz ist, soviel ich weiß, Lehrer an der Parteischule. Eine der ersten Aufgaben eines Schülers liegt darin, daß er lernt, Gedrucktes und Gelesenes richtig aufzufassen. Wenn man das von einem Schüler verlangt, so meine ich, müßte man cs auch von einem Lehrer verlangen.(Sehr gut! und Unruhe.) Es müßte denn sein, daß man es umgekehrt— wie Genosse Maurenbrecher es meint— machen will, daß zwar der Schüler etwas von materialistischer Geschichtsauffassung und historischer Dialektik wissen muß, aber nicht der Lehrer. Mauren- brccher ist der Meinung, daß man anfangen muß mit dem Unter- richt in den Tatsachen, mit der Kenntnis der großen Entwickclungs- linie der Menschheit, mit der unmittelbaren lebendigen Au- schauung. Wenn Sie einmal ältere Programme unserer Partei- bildungsschulen in Leipzig, zur Zeit als Liebknecht noch Lehrer war, durchsehen, so werden Sie finden, daß er ungefähr dieselben Themata behandelt hat, wie es hier Maurenbrecher für die Massen- bildung vorschlägt. Es scheint mir in der Tat eine Gefahr zu sein, daß man mit den schwierigsten theoretischen Problemen anfängt, anstatt erst einmal mit dem Stoff des menschlichen und gesellschaft- lichen Lebens zu beginnen. Es ist gewiß viel leichter, gewisse dialektische Formen zu begreifen, als die große stoffliche Anhäufung zu beherrschen.(Die Redezeit ist abgelaufen.) Ich muß schließen. Ich will nur noch sagen, cs liegt in dem Artikel Maurenbrechers keine Verachtung der Theorie, sondern eine Hochschätzung, die darin besteht, daß man cs eben nicht für möglich hält, wie Genosse Schulz, von vornherein die großen Massen mit den schwierigsten ökonomischen Problemen zu beschäftigen, sondern daß man, wie wir im Gau Nordbayern es tun, einen mächtigen Unterbau elementarer Kennt- nisse vorbereiten und auf deren Grundlage die theoretische Weiter- bildung vollziehen will.(Beifall; Zischen; erneuter Beifall.) Lehmann- Mannheim vermißt in dem Bericht nähere Angaben über die Verbreitung der Unterhaltungsliteratur der Partei und bedauert, daß die Satire in der Parteipresse zu wenig Beachtung finde. Der„Wahre Jakob" bi|� nach meinem Dafürhalten nicht das, was er bieten sollte. Er uvird daher auch in der Parteipresse sehr selten zitiert, viel seltener als„Gottlieb" im Tag oder der„Simplicissimus". In der Tat ist er heute mehr ein Familienblatt geworden. Er ist nicht das satirische Blatt, das mit scharfer Karikatur die Dinge kennzeichnet. Auch hat man bei den Karikaturen häufig den Eindruck, als habe der Zeichner weder die betreffende Person gesehen, noch auch eine halbwegs gute Photographie. In dieser Beziehung könnte besseres geleistet werden. Stubbe- Hamburg befürwortet den Antrag 136. Wenn wir mit den lokalen GeWerk- schaften fertig werden wollen, müssen wir gegen alle lokalistischen Organisationen Stellung nehmen. In Hamburg gibt es z7 B. außer der„Freien Vereinigung" lokalistische Organisationen der Bauhilfsarbeiter mit 866 Mitgliedern, der Hausdiener und Kontor- boten mit 1466 Mitgliedern und die bekannten Akkordmaurer mit 466 Mitgliedern. All unsere Bemühungen, uns mit ihnen zu verständigen, sind erfolglos geblieben, und die Führer der Gewerkschaften werden von ihnen mit Schmutz geworfen. Wir müssen auch daran denken, daß Neubildungen lokalistischer Organi- sationen außerhalb der„Freien Vereinigung" stattfinden können. Auch wenn in Solingen die Verhandlungen zu keinem Erfolg führen, würden die Betreffenden unter unseren Antrag fallen. Mit der Klage über die Inserate im Kalender haben die Genossen in Hannover durchaus recht. Arbeiter, die auf solche Inserate hineinfallen und betrogen werden, schieben dann der Sozialdemo- kratie häufig die Schuld zu. Es trifft auch nicht zu, daß so hohe Einnahmen durch die Annoncen erzielt werden. Man vergißt die Satz- und Papierkosten. Was«t>en Vorstandsbericht im allgemeinen anbetrifft, so habe ich die Beobachtung gemacht, daß das Zu- sammenarbeiten des Parteivorstandes mit den örtlichen Funh- tionären ein besseres werden müßte. Wir haben bei wichtigen Fragen oft die Beobachtung machen müssen, daß die Jnforma- tionen vom Parteivorstand recht spät eingehen. Ich erinnere an die Maifeier und auch daran, daß der Organisaftonsentwurf zur Frauenorganisation uns erst viel später zuging, als der vertrau» liche Entwurf in der„Gleichheit" verösffentlicht war. Bei wichtigen Fragen sollten zuweilen auch Konferenzen mit den einzelnen Sekretären stattfinden, wie das in der Gewerkschaftsbewegung der Fall ist. Wenn in Fragen wie der Maifeier vorher mit den ort- lichen Funktionären eine Verständigung stattfindet, wird es viel leichter sein, die Beschlüsse in den örtlichen Organisationen zur Sprache zu bringen. Ter Parteivorstand muß selbst versuchen, mehr Fühlung mit den örtlichen Organisationen zu bekommen da- durch, daß er mehr an den Provinzkonferenzen und Landesver- sammlungen teilnimmt, wie es zum Teil ja geschieht. T-ann werden Reibereien und Mißverständnisse sich leichter vermeiden lassen. In der Parteipresse werden vielfach Meinungen vertreten, die nur von den Redakteuren ausgeben und sich mit der Meinung der Parteigenossen nicht decken. Auch aus diesem Grunde ist cs besser. wenn der Parteivorstand immer in Fühlung zu kommen sucht mit den örtlichen Organisationen. Rosa Luxemburg-Berlin: Wenn ich das Wort ergreife, so tue ich es nicht, um gegen die Angriffe auf die Parteischule zu prolcstieren, sondern im Gegenteil, um mich zu beklagen über den Mangel einer ernsten, sachlichen Kritik. Die Parteischule ist ein neues und sehr wichtiges Institut, das von allen Seiten ernsthaft gewürdigt und kritisiert werden muß. Ich muß selbst bekennen, daß ich von Anfang an der Grün- dung der Parteischule mit größtem Mißtrauen begegnet bin, einer. seits aus angeborenem Konservatismus(Heiterkeit), andererseits weil ich mir im stillen Kämmerlein meines Herzens sagte, eine Partei wie die sozialdemokratische muß die Agitation mehr auf eine direkte Massenwirkung einrichten. Meine Tätigkeit an der Partei- schule aber hat diese Zweifel zu einem großen Teil gehoben, in der Schule selbst, in einem stetigen Kontakt mit den Parteischülern, habe ich gelernt, das neue Institut zu schätzen, und ich kann aus vollster Ueberzeugung sagen: ich habe das Gefühl, wir haben damit etwas Neues geschaffen, etwas Gutes damit geschaffen, das der Partei Nutzen und Segen bringen wird. Allerdings ist noch manches zu kritisieren, und cs wäre ein Wunder, wenn das nicht der Fall wäre. Wenn ich auch die Anregung auf eine Aenderung in der Auswahl der Schüler ablehne— denn wir haben als Lehrer die Erfahrung gemacht, daß die bisherigen Resullate ausgezeichnet sind, so daß ich mir ein besseres Elitekorps gar nicht wünschen möchte—, so hätte ich doch manches an dem Lehrplan auszusetzen. In dem Lehr- plan müßte mit an erster Stelle die Geschichte des internationalen Sozialismus stehen.(Sehr richtig!) Gerade die Wanderlehrer des BildungSausschusses sollten diese Frage mehr würdigen, anstatt sich nur auf nationalökonomische Lehren zu beschränken. Die Ge- schichte des Sozialismus ist im Gegensah zur Nationalökonomie die Lebensschule. Wir empfangen daraus immer neue Anregungen. (Sehr richtig I) Die Schule krankt ferner daran, daß das Per» hältnis der Parteiorganisationen zu ihren Schülern nicht das richtige ist. Es müßte von Grund aus umgestaltet werden. Es kann jetzt vorlommcn, daß Parteiorganisationen Schüler in die Schule schicken, wie den Sündenbock in die Wüste, um sich nachher nicht mehr darum zu kümmern, was auS ihnen wird(Sehr richtig!), ohne sie einem genügenden Wirkungsfelde zur Verfügung zu stellen. Allerdings besteht auf der anderen Seite auch die Gefahr, daß an die Parteischüler, wenn sie einen Posten haben, gar zu große Anforderungen seitens der Genossen gestellt werden.(Sehr richtig I) Die Gnossen werden sagen: Du warst auf der Partei- schule, nun zeige einmal stündlich und auf jeder Stelle, was Tu gelernt hast. Solche Hoffnungen werden die Parteischüler nicht er- füllen können. Wir haben uns bemüht, ihnen von der ersten bis zur letzten Stunde klar zu machen, daß sie noch kein fertiges Wissen haben, daß sie noch weiter lernen müssen, daß sie ihr ganzes Leben lang lernen müssen. Wenn auch die Parteischüler später Gelegen- heit bekommen müßten, das Gelernte nutzbringend zu verwerten, so muß man andererseits auch dies berücksichtigen. Also es aibt ernste Gesichtspun?ke Mug.«m die Frage der Parteischule uach allen Seiten hin zu kritisieren. Aber solche Kritik, wie sie Eisner übt, ist nicht angebracht. Eisner hat eine solche große Ehrfurcht vor der Wissenschaft, daß mir davor bange wird. Ich fürchte, mit der Wissenschaft im allgemeinen und besonders mit der sozialistischen Wissenschaft bei Eisncr geht es so, wie mit Klopstock, auf den Lessing die gefügelten Worte sagte: Wer wird nicht unseren Klopstock loben? Doch wird ihn jeder lesen? Nein» Wir wollen weniger erhoben Und häufiger gelesen seinl Ein weiterer Beweis, wie leichtfertig die Idee von Eisner ist, ist das Beispiel, das er uns als Gegenstück zu der Parteischule entgegengehalten hat, den Nürnberger Trichier �Heiterkeit), den er sich hier geschaffen hat in Gestalt des Genossen Maurenbrecher. Maurenbrecher soll als einziger Lebrer hier dem Proletariat die gesamte Bildung übermitteln. Sein Glaubensbekenntnis hat er in einem— wie Eisner meint, ausgezeichneten— Artikel in der„Fränkischen Tagespost" niedergelegt, worin es heißt:„Wir treiben zu viel Theorie, müssen die Massen Theorie kennen?(Hört! hört!) Muß die Masse wissen, was materialistische Geschichtsauffassung ist? Ich sage nein!" Der Lehrer muß das wissen, um es in der Tasche zu behalten.(Eisner ruft: Nein, das steht nicht da, das haben Sie zugesetzt.) Natürlich, das habe ich zugesetzt,„aber für die Massenbildung hat das alles direkt keinen Werl, kann höchstens schaden." Das habe ich nicht hinzu- gesetzt, das hat Maurenbrecher gesagt und weiter:„Die Theorie ist in ihrer beabsichtigten Wirkung oft geradezu eine Erlötnng der Kraft und des Enrschlusscs zum Handeln." Die materialistische Geschichts- auffassung, die 40 Jahre einer glänzenden EntWickelung des Klaffen» kainpfes in Deulschland und der Welt geschaffen haben, die Theorien von ivkarx und Engels, die in Rußland das Proletariat vereinigt haben, haben in der großen Tat der russischen Revolution Kraft zum Entschluß und zum Handeln gegeben, aber Eisner, Maurenbrecher und andere urteilen nach sich selbst. Sie glauben, daß die materialistische Geschichtsauffassung in ihrer Weise gelehrt wird, und deshalb wünschen sie, daß an der Partei- schule nicht Theorie, sondern hauptsächlich die stoffliche Seile des Lebens gelehrt wird. Sie haben keine Ahnung davon, daß das Proletariat den Stoff aus dem täglichen Leben besser und schöner lernt. Das Proletariat kennt den Stoff besser als Eisner. Was der Masse not tut, ist die allgemeine Aufklärung, die Theorie, die uns die Möglichkeit gibt, den Stoff zu systematisieren und zu einer durch- dringenden Waffe für den Kampf mit dem Gegner zu schmieden. (Lebhafter Beifall.) Wenn mich je etwas überzeugt hat von der Notwendigkeit der Parteischule, so ist es die Kritik von Eisner. Knauer»Sonneberg: Die Massen der Parteigenossen haben eine schlechte Volksschule besucht, wir können das in der Parteischule Erreichte mit Freuden begrüßen.— Die Kontrollierung der Parteigeschäste ist sehr not- wendig. Daß das Parteiblatt in Königsberg Jahr für Jahr 17 000 M. verschlingt, kann nicht so weiter gehen. Die Parteipreffe muß den Mitteln angepaßt werden. Die Mittel brauchen wir zur Agitation. Eine Anzahl Parteigcschäfte müßten wie der„Vorwärts" ihre Ueberschüsse der Partei zur Verfügung stellen. Was den Bericht der Kontrollkommission anlaugt, so kann doch nicht jemand aus formalen Gründen Recht bekommen, der absolut im Unrecht ist. Man darf nicht zulassen, daß jemand zur bürgerlichen Presse läuft und die eigene Parteipreffe herunterreißt. Braun-Königsbcrg: Die außerordentlich absprechende Kritik LeinertS am ostpreußischen Kalender, mit dem wir unter den größten Schwierigkeiten gegen skrupellose Gegner und nicht ohne Erfolg arbeiten, hätte ich nicht erwartet. Diese Inserate geben kein Recht, von einem öffentlichen Skandal zu sprechen. Ohne Inserate können wir in den Zeitungen nicht auskommen, und auch die Kalender müssen sich finanziell möglich machen. Schwindelhafte Inserate nehmen wir nicht auf. Leinert hatte Gelegenheit genug, seine Kritik uns direkt oder beim Parteivorstand vorzubringen und nicht unseren Gegnern solches Material zu bieten. WclS-Berlin: Braun hat mir einen Teil seiner Ausführnugen gegen Leinert schon vorweggenommen. Wenn dieser von dem Brandenburgischen Kalender sprach, nun, der„Wahre Jacob" erscheint nicht in Brandenburg und wird nicht von Radikalen redigiert. Im„Wahren Jacob" finden sie ein Rezept für einen schneidigen Schnurrbart, ein Inserat über ein Nährpulver gegen Magerkeit und für volle, schöne Körperformen. Also das trifft nicht nur Norddeutschland, sondern auch Süddeutschland, nicht nur radikale, sondern auch anders redigierte Blätter. Wir können nur auf dem Boden diskutieren, daß man fragt, ob die Inserate überhaupt aufgenommen werden sollen oder nicht. Als Vorsitzender der Preß- kommission des„Vorwärts" weiß ich, daß häufig genug Beschwerden einlaufen, weil dieser oder jener trotz der strengsten Prüfung der Inserate sich übervorteilt glaubt. Unsittliche und offenbar sckwindel- hafte Inserate scheiden wir von vornherein aus. Die Inserate haben im„Märkischen Volksboten" 4300 M. Einnahme gebracht. Wir könnten aber das Dreifache an Einnahmen haben, hätten wir nicht zwei Drittel der Inserate zurückgewiesen. Wir nehmen also schon eine Sichtung vor. Die Anregung möchte ich unterstützen, daß der Parteivorstand öfter mit den Bezirks- und Landcskommissionen zusammenkommt, dann würden Auseinander- setzungen über die Maiseier usw. hier jedenfalls nicht mehr vor- kommen. Daß zur Lokalistenfrage bisher niemand sich zum Wort gemeldet hat. begrüße ich. Es beweist mir, daß der Parteitag in dieser Frage einig ist und der Resolution des Parteivorstandes ein- mütig zustimmen loird. Auch in der Verurteilung des Allgemeinen deutschen Metallarbeiter-Verbandes. Hier zeigt sich, wie un- berechtigt unsere vorjährige Mäßigung gegenüber dieser Organi- sation war. Hätten wir damals dem Wiesenthal gegenüber andere Saiten angeschlagen, dann wären diese Schweinereien nicht möglich gewesen. Die Wiesenthalsche Organisation verrät die orga- nisierten Rohrleger durch Vermittelung von Streikbrechern gemein- sam mit LebiuS und den Hirsch-Dunckerschen. Singer: Ich wäre am Schluß der Sitzung darauf eingegangen, tue es aber jetzt schon. Ich möchte den Parteitag ersuchen, die Akten der Ausschlußsache Wiesenthal, die vor einem Jahr auf diesen Parteitag vertagt ist, der Beschwerdekommission zu überweisen, da- mit dieser Parteitag damit zu Ende kommt. Grunwald: Vor einigen Tagen erschien in der„Fränkischen Tagespost" ein Artikel Eisners, der sich mit der Frage der Begriffsbildung be- schäftigte. Wenn man damit seine heulige Rede vergleicht, so muß man sich fragen, ob der Artikel von derselben Person geschrieben worden ist. Denn eine solche begriffsverwirrende Rede, wie sie heute Eisner im Anschluß an seine Kritik der Parteischule gehalten hat, wird schwerlich ihresgleichen finden. Da ist es natürlich gar kein Wunder, wenn in einer solchen allgemeinen Fassung, die in einzelnen Sätzen alle mögliche Deutung zuläßt, sich Wider- sprüche finden. Man wird ja Eisner gewiß Recht geben, daß der Beruf des Lehrers einer der schwierigsten und verantwortungsvollsten ist, aber daraus zu folgern, daß Arbeitern, die sein halbes Jahr, nachdem sie jähre-, vielleicht jahrzehntelang in der Partei tätig waren, die Parteischule besucht haben, das Lehren zu untersagen sei. ist nur möglich, wenn man alles in einen Topf wirkt. Denn diese Arbeiter, die dort von der Parteischule kommen. wollen nicht über alles Mögliche oder Unmögliche reden, den Ehrgeiz haben sie gar nicht, sondern sie wollen später über ganz konkrete theoretische und praktische Fragen ihre Bildung weitergeben. Dann schadet es auch gar nichts, wenn einmal einer über Theorie redet, das seine bescheidenen Grenzen übersteigt. Das Goethesche Wort: Laßt uns scheinen, bis wir werden, ist von tiefstem Inhalt.(Sehr richtig.) Ich meine, daß wir in das, was wir uns vornehmen, auch hmein- wachsen. In diesem Sinns kann e5 nichts schaden, wenn unter den Tausenden von Arbeitern, die als Lehrer aufgetreten find, sich Leute finden, die den Stoff nicht völlig beherrschen. Sie sind gerade dadurch hineingewachsen, daß sie ihre Grenzen überschritten haben. Ich kann es mir vorstellen, daß ästhetische Literaten bürgerlicher Tendenz in Fragen der Werttheorie nicht hineinlvachsen können, aber Arbeiter, die das Wesen dieser Werttheorie am eigenen Leibe verspüren und sich dann theoretisch unterrichtet haben, können in durchaus ehrlicher Weise lehren. Nock weiter als Eisner geht Maurcnbrecher. Und er hat diesen Artikel nicht nur in der„Fränkischen Tagespost", die ja immerhin noch ein Parteiorgan ist, gebracht(Heiterkeit), sondern sich in der „Hilfe" noch viel konsequenter und energischer über das ausgelassen, was er eigentlich denkt. Und er ist ehrlich und offen genug, daß er in der„Hilfe" nicht nur mit der bisherigen Praxis des Unterrichtens und Lernens, ein Ende gemacht haben will, sondern radikal vorgeht und dem Institut ein Ende gemacht wissen will. In der„Hilfe" beschränkt er sich nicht darauf, zu verlangen, daß die Theorie nicht die Massen gelehrt werden dürfe, sondern daß man die Theorie überhaupt aufgeben solle, auch für die Lehrer.(Hört! hört!) Maurenbrecher schreibt: Die Frage, ob es überhaupt möglich sein wird, jemals eine Pro- duktionsordnung zu finden, die allen Menschen das Gefühl des glücklichen Lebens als Kulturmenschen ermöglicht, ist mit den Mitteln geschichtlicher und psychologischer Er- fahrungen nicht zu erledigen.(Hört! hört!) Das heißt also mit anderen Worten: Das, was wir in der Praxis durch den täglichen Kampf um die politische Macht erreichen wollen, ist eine Sache, die durch geschichtliche und psychologische Erfahrungen nicht zu erledigen ist. Das heißt nicht nur die Theorie aufgeben, sondern auch den ganzen praktischen Klassenkamvf einfach für un- möglich, erfolglos und sinnlos zu erklären. Wer das mitmachen will, der mag ja zu allem anderen gut sein, aber zu einem Lehrer des klassenbewußten Proletariats scheint er mir der möglichst un- geeignetste Mann zu sein.(Lebhafter Beifall.) Berten-D ü s s el d orf:» Die Düsseldorfer Parteigenossen sind sehr unzufrieden ge- Wesen mit dem Beschluß der Kontrollkommission, den Ausschluß Schröders aufzuheben. Was ich aber besonders rügen muß, ist, daß die Kontrollkommission es nicht für notwendig hielt, irgend- eine Begründung an die Düsseldorfer Organisation zu schicken.— Parteischüler sind doch zum allergrößten Teile Genossen, die jähre- lang in der Arbeiterbewegung tätig sind, deren Grundbegriffe schon längst erfaßt haben und nur noch eine systematische Aus- bildung erhalten sollen. Der Vergleich mit dem Volksschullehrer, der erst noch jahrelang studieren muß, zeigt eine Art bürgerlicher Auffassung der ganzen Angelegenheit. Wenn Eisner die Wert- theorie eine sehr schwierige Frage nennt, so har er ganz recht, mancher lernt sie sein Leben lang ntcht.(Heiterkeit.) Als Schulz von dem Wirkungskreis sprach, welcher den Schülern der Partei- schule eingeräumt werden müsse, rief Eisner: Sehr richtig! Nun, in Hof hat man in diesem Frühjahr einen Redakteur gesucht. Ein Hofer Genosse, der im letzten Kursus einer der befähigsten Schüler war, hat sich gemeldet, lind was taten die Genossen von Hof? Sie stellten einen Genossen an, der 14 Tage vorher noch der national- liberalen Partei angehört hatte.(Hört, hört!) Fassen Sie den Beschlutz, daß die Parteischule weiter ausgebildet werden mutz, Mängel sind selbstverständlich vorhanden. Inzwischen ist ein A n t r a g Pi eck-Bremen eingegangen: „Der Parteitag nimmt mit Befriedigung von der Berichterstattung über die Parteischule Kenntnis und ersucht den Parteivorstand, für eine sachgemäße Erweiterung der Parteischule Sorge zu tragen." Pieck- Brem en: Die Beweise liegen vor, daß es den Kritikern der Parteischule nicht auf die Besserung, sondern auf die Beseitigung des Instituts ankommt. Eisner ist ja offen genug, das in seinem Artikel zu- zugehen. Wenn er wohlwollend für eine Massenbildung der Partei eintritt, so zeigt der Artikel Maurenbrechers, wie sich diese Leute die Massenbildung denken. Sie wollen eine willenlose Masse, die sie knebeln können, die nicht in der Lage ist, sich den Zusammen- hang der geschichtlichen Tatsachen zu erklären. Die Pärtei hat alle Ursache, denjenigen Leuten, die seit einigen Jahren systematisch versuchen, die Arbeiter von den zielklaren Wegen abzuleiten, sie auf Wege zu verleiten, die nicht zur Eroberung der politischen Macht führen, sondern dazu dienen, einzelnen rechtsstehenden Sozial- demokraten und linksstehenden Liberalen die Massen zu stellen für ihre sozialreformatorischcn Bestrebungen, die Wege zu weisen. Ich kenne viele Parteigenossen, die die Parteischule nicht besucht haben und doch Vorträge über Werttheorie halten.(Heiterkeit.) Welcher Vorwurf soll denn darin liegen, daß ein Parteigenosse aus der Parteischule 26 Vorträge gehalten hat. Er hat sie gehalten, um im kleinen Kreise interessierter Genossen sich selbst fortzubilden. (Sehr richtig!) Wir haben alle Ursache, das zu fördern, und der Ausdruck Elite-Bildung ist demagogisch. Wir können das Institut der Parteischule nur freudig begrüßen, wir wollen es nicht nur erhalten, sondern es sachgemäß ausbauen und erweitern. Ich denke mir das so, daß etwa ein dreimonatiger Sommerkursus sich dem halbjährigen Winterkursus anschließt, damit die Genossen, die zum Teil die Parteischule schon besucht haben oder auf geistig hoher Warte stehen, die Möglichkeit zu systematischer Fortbildung haben. Wir haben alle Ursache zu einem Votum des Parteitages, das der Befriedigung über die Parteischule Ausdruck gibt. Das Wohlwollen der Genossen, die fortwährende unterminierende Arbeit leisten, ist sehr durchsichtig. Ihnen kommt es auf den Inhalt an. auf das. was auf der Schule gelehrt wird.(Beifall.) Eisn«: Die Arbeiter, wenn sie die Arbeit aufgeben und Literaten von Profession werden, stiften stets„theoretisch" Unheil an und sind stets bereit, sich als Wirrköpfe von der angeblichen„Gelehrten"- Kaste abzuschließen. Das hat nicht der Genosse Maurenbrecher ge- schrieben, sondern Marx. Marx ließ seinen Aerger über den Ber- liner Parteigenossen Most aus. Alles, was Maurenbrecher ge- schrieben hat, ist keine Verurteilung der Arbeiter, sondern die Kon- statierung, daß sie überhaupt nicht einmal die Möglichkeit haben, Theoretiker zu werden. Wie gesagt, ich halte das übrigens für sehr übertrieben. Ich bin der Meinung, daß jeder normale und gesunde Mensch die Fähigkeit hat, alle Fragen der Menschheit mit einiger Mühe zu verstehen. Aber es handelt sich gar nicht um so psycho- logische Erwägungen, die die Genossen Grunwald und Luxemburg angestellt haben, daß die Arbeiter in große Theorien leichter ein- geführt werden können, als ein Theoretiker wie Karl Marx. Wo. gegen ich mich gewendet habe, ist lediglich der Ausspruch, daß ein halbes Jahr durchgebildete Genossen sofort als Lehrer auftreten. Sie haben die Parteischüler gehört, deren Argumente darin be- stehen, daß Parteigenossen, die es wagen, über die Methode der Parteischule anderer Meinung zu sein, nicht mehr in die Partei gehören.(Zuruf: Das hat niemand gesagt!) Das hat mein Vor- redner in seinen Schlußausführungen deutlich gesagt. Wenn das die Erziehung ist, dann wäre mein Urteil über die Parteischule ver- schärft worden. Ich halte es für nützlich, daß die Möglichkeit ge- geben wird, sich wissenschaftlich zu betätigen. Und ich schließe auch die Redakteure nicht davon aus, und ich persönlich würde großen Wert darauf legen, von den Genossen ein halbes Jahr unterrichtet zu werden und zu den Füßen der Genossin Luxemburg die neue Wissenschaft zu lernen.(Heiterkeit.) Das würde mir nichts schaden und der Genossin Luxemburg auch nichts. Im übrigen hat sie in der ersten Hälfte ihres Vortrages, worin sie eigentlich gegen mich polemisieren mußte,— denn wenn ich etwas sage, muß die Genossin Luxemburg gegen mich polemisieren(Sehr gut! und Lachen)—, hat die Genossin Luxemburg in der ersten Hälfte genau dasselbe gesagt wie ich.(Lebhafter Widerspruch und Zustimmung.) Nämlich, daß man in erster Linie die Geschichte lernen muß. Es handelt sich nicht darum, ob wir Marxisten sind oder nicht, sondern um die Methode des Unterrichts, und vor allem darum, daß wir nicht durch eine Halbbildung einen gewissen Anspruch unter Partei- genossen groß ziehen, den kein Parteigenosse der älteren Schule bisher erhoben hat. ES ist eine neue Mode, nicht eine alte Mode. daß Parteigenossen mit diesem Aplomb auftreten, und dann mit der Fülle der Wissenschaft des Jahrhunderts ausgerüstet, als ob jeder von ihnen ein Karl Marx oder ein Lassalle wäre, gegen andere polemisieren.(Unruhe.) Bescheidenheit ist der Anfang der Bil- dung.(Zuruf: Wie lange ist Maurenbrecher Genosse?) Mauren- brecher ist zwar noch nicht lange Genosse, aber er hat sich schon jahrelang wissenschaftlich betätigt. Man spricht von einem Nürn- bcrger Trichter. Nürnberg und Gau Nordbayern sind gegen« wärtig in der Lage, am meisten für die Volksbildung zu tun. Denn auch in Berlin hat es die Partei noch nicht dahin gebracht, die Wissenschaft so hoch zu schätzen, daß es einen Lehrer im Haupt- amt anstellte, der nichts weiter tut, als die Genossen zu bilden. Maurenbrecher ist bei uns auch keineswegs der einzige Lehrer, er ist nur gewissermaßen als Zentrum der Bildungsbestrebungen ge- dacht. Hierbei ist von uns der einzige Versuch gemacht, systematisch in einem bestimmten Bezirk wissenschaftliche Bildung zu verbreiten. Auch mein Kollege Weill hält Vorträge, ich halte Vorträge, und ich fordere Frau Luxemburg auf, wenn ihre Zeit es erlaubt, auch mal zu meinen Füßen zu lernen. Ich mache mich anheischig, wenn mir es meine Zeit erlaubt, auch einmal Vorträge über Marxismus zu halten. Ich pflege mich zu allen Vorträgen sehr gründlich vor- zubereiten. Mehr als je ist es heute notwendig, den Massen Ele» mentarbildung zu bringen. Wer wie ich gesehen hat, daß die Bil- dungsbestrebungen der Massen daran scheitern, daß ihnen die nächsten Begriffe und Worte fehlen, der wird mir beipflichten. Ich habe nichts gegen die Parteischule, aber wenn der Parteivorstand gleichzeitig die Mittel aufbringen kann, das Problem der Massen- bildung zu lösen, dann soll die Parteischule nebenher existieren und sich vergrößern. Unsere heutigen Arbeiter haben es viel schwerer als die Führer, die die Partei groß gemacht haben. Unsere Führer haben mit den einfachsten theoretischen Erörterungen an» gefangen, mit den großen allgemeinen Gesichtspunkten. Heute ist die Partei nicht mehr eine wissenschaftliche Gruppe, sondern eine große politische Partei. Jedes Zeitungsblatt, das heute hinausgeht, enthält eine solche Fülle von Stoff, daß ich behaupte, kein Blatt kann von den großen Massen vollständig verstanden werden. Das liegt nicht daran, daß die Massen heute dümmer geworden sind, sondern daß die Ansprüche sich außerordentlich ge- steigert haben. Ich erinnere mich eines wunderschönen Ausspruches von Molkcnbuhr, wie der anfing, sich zu bilden, wie er im engsten Kreis Schüler gewesen ist, wie er einmal erst zehn Minuten geredet hat, dann fünfzehn und zwanzig Minuten und auch dann noch nicht mit der Wissenschaft des ganzen Jahrhunderts ausgerüstet war. Er hält heute noch keine zwanzig Vorträge über die Wert- theorie.(Molkenbuhr: Ich habe einen Chklus von 6 Vorträgen gehalten!) Wenn Molkenbuhr darüber redet, dann hat er ein Recht dazu, er hat nicht nur ein halbes Jahr in der Parteischule zugebracht, sondern sein ganzes Leben der Arbeiterbewegung ge- widmet. Ich hätte eigentlich die Absicht, Maurenbrecher zu ver- teidigen. Ich verzichte aber darauf und will nur bemerken, daß mein Vorredner aus dem Artikel von Maurcnbrecher etwas ganz Falsches herausgelesen hat. Das beweist, daß die Parteischule in diesem Falle ihren Zweck gründlich verfehlt hat, denn die ganze Theorie vom Mehrwert läuft doch darauf hinaus, die Menschen denkfähig zu machen und sie zu selbständigem Handeln und krät- tigem Wirken zu erziehen. Bogt- Merseburg tritt dafür ein, daß Genossen, die noch lokalistischen Organisationen angehören, aus der Partei ausgeschlossen werden. Der Teil der Zimmerer der Freien Vereinigung, der in den Zentralverband übergetreten ist, besteht gerade aus den Leuten, die immer für die Partei gearbeitet haben, während die, welche bei der Freien Vereinigung geblieben sind, der Partei nicht angehört haben. Wohl behauptet die„Einigkeit", daß 00 Proz. ihrer Anhänger politisch organisiert sind. Es fragt sich aber, welcher politischen Partei sie angehören. Ich bitte den Parteitag, endlich Schluß zu machen. Wer nicht für uns ist, der ist wider uns.(Bravo!) Leinert- Hannover: Wels hat mir gegenüber darauf hingewiesen, daß mit den Inseraten 4300 M. eingenommen worden sind. Dabei sind aber die Kosten des Druckes und Papiere» nicht berechnet. Ich mußte diese Sache hier zur Sprache bringen, nachdem uns in Hannover ein Zirkular zugeschickt war von demjenigen, der die Inserate in alle Kalender bringen will. Es galt zu verhüten, daß die Inseraten- plage allgemein in Deutschland Eingang findet. Bei den Kalendern, denen der Parteivorstand Zuschüsse gibt, können wir wohl eine Kontrolle über die Reinheit der Agitation verlangen. Daß ich mit meinen Ausführungen die radikale Richtung habe treffen wollen, ist schon deshalb ausgeschlossen, weil ich mich sa auch gegen die Annoncen im„Wahren Jakob" gewandt habe. Klara Zetkin» Ich möchte einige Ergänzungen zu dem anführen, was unsere Genossin Luxemburg betreffs der Notwendigkeit sagt, sowohl dem Bildungsstoff der Parteischule, wie auch dem Bildungsstoff, der durch die Wanderkurse des Bildungsausschusses vermittelt wird, die Geschichte des Sozialismus hinzuzufügen. Der BildungS- ausschutz stimmt durchaus dem Gedankengange zu, den Genossin Luxemburg in dieser Beziehung entwickelt hat und hat auch bereits alle einleitenden Schritte getan, damit die Wanderkurse mach dieser Richtung hin ausgebaut werden. Das kann aber nicht eher ge- schehen, als bis die Kräfte vorhanden sind, die den BiloungS- ausschutz eine gewisse Garantie dafür bieten, daß die Geschichte des Sozialismus auch in einem wirklich gründlichen und befruch- tenden Sinne vorgetragen wird. Das sind Vorträge, die vor- bereitet werden müssen. Ich bin aber überzeugt, daß es gar nicht lange anstehen wird, daß durch die Wandcrkurse die sehr be» rcchtigten Forderungen unserer Genossin erfüllt werden.... Ich möchte dann einiges erwidern auf die Ausführungen Eisners. Er hat für die Bildungsbestrebungen den Ruf aus- gegeben: Zurück auf die Methode und die Art und Weise der theoretischen Bildung in der Partei, wie sie in den Anfängen der sozialistischen Arbeiterbewegung praktiziert worden ist, und er hat als mustergültig auf den Entwickelungsgang Molkenbuhrs hin- gewiesen. Ich sage, wenn wir auf die gleiche Bildungsmcthode und den gleichen Bildungsinhalt zurückgreifen wollten, so würden wir die 40 Jahre der EntWickelung, die seitdem verflossen sind, aus der theoretischen Geschichte der Partei ausstreichen. Wir haben aber nicht 40 Jahre umsonst gearbeitet, sind nicht 40 Jahre lang umsonst mit der sozialistischen Erkenntnis unter die Massen ge- gangen. Es ist jetzt eine ganz andere geistige und sittliche Atmo- sphare unter den Arbeitern vorhanden als vor 40 Jahren, und wir können oeshalb auch den BildungSstofs in ganz anderer Weise durch- dringen, zusammenfassen und den Massen übermitteln, als es in jener Zeit geschehen ist. Die Massen bringen heutzutage für die sozialpolitische Erkenntnis und Theorie eine ganz andere Psychologische Disposition mit als in den Zeiten, wo es galt, in geistiger Beziehung die Arbeiterbewegung erst von der bürgerlichen Ideologie überhaupt loszutrennen. Genosse Eisner hat sich ent- schieden dagegen verwahrt, daß die Parteischüler hinausgehen unter die Massen, um zu lehren, nachdem sie kaum fertig gelernt haben, sondern erst die tiefste, nachhaltigste Anregung erhalten babln. um weiter zu lernen. Aber wie liegen die Verhältnisse in der Partei, in den Gewerkschaften? Die Proletarier können nur arbeiten. können nur wirken, etwas werden nach dem Grundsatze, der auch in der Pädagogik gilt, daß im Lehren gelernt werden mutz. Das gilt auch für die Parteischüler. Um diesen Grundsatz in seiner ganzen Tragweite zu erfassen und zu verwirklichen, arbeiten sie meiner Meinung nach in der Partei- schule. Molkenbuhr ist ein lebendiges Beispiel dafür, was ein Proletarier auch in theoretischer Beziehung werden kann. Er hat den besten Beweis der theoretischen Reife arbeitend und lehrend, als Agitator unter den Massen, als Parlamentarier im Reichstag und im lebten Winter in Berlin erbracht, wo er abwechselnd mit der Genossin Luxemburg über die nämlichen theoretischen Probleme ge- lehrt hat in großen, von Hunderten besuchten Volksversamiiilungeu. Es ist von einem Artikel Maurenbrechers in der Hilfe" ge| ist die Masse? Die Masse ist stets die leidgeborene Herde, feines y er sie in das Haus des Dienstherrn eingebracht hat, beendigt seinen sprochen worden. Ich muß sagen, ich glaubte zu träumen. Seit wegs das wirkliche Volt. Sie ist das Unvoll, und nur die wenigen, Befih nicht, da er die tatsächliche Herrschaft darüber nicht aufwann ist denn der Parteitagsbeschluß von Dresden außer Kraft die über die Masse hervorleuchten, sind diejenigen, auf die es in gegeben oder sonst verloren(§ 856 B. G.-B.) und der Dienstherr gesetzt, daß Sozialdemokraten an gegnerischen Blättern mitarbeiten der Weltgeschichte ankommt." Und nun ist die Tatsache zu ver- auch nicht den mittelbaren Besitz daran erworben hat.(§ 868 sollen über Fragen, die das Lebensinteresse der Bewegung berühren? zeichnen, daß Maurenbrecher, der Sozialdemokrat, in dieser Frage B. G.-B.) Der Dienstbote bleibt daher Besizer der von ihm einGelten Parteitagsbeschlüsse, die für jeden Genossen gelten sollen, dieselben Anschauungen hat. Diese erheblichen Widersprüche, die gebrachten Sachen, und die Herrschaft kann Sachen, die sie nicht nicht auch für den Genossen Maurenbrecher?( Lebhafte Bustim- in den Ausführungen von Maurenbrecher liegen, müssen natürlich besitzt und zu deren„ Herausgabe" sie gar nicht in der Lage ist, auch mung.) Ich finde es von seiner Seite aus ganz begreiflich, daß er auf irgendeine Weise erklärt werden können. Ich erkläre mir sie nicht zurüdbehalten. Wollte man das Recht der Herrschaft so weit die" Hilfe" für die Veröffentlichung seines Artikels nach dem alten dadurch, daß Maurenbrecher als früherer Theologe gewohnt ist, ausdehnen, daß man sie für berechtigt erachtet, eigenmächtig dem französischen Sprichwort: Car on revient toujours à ses premiers das Kamel des Glaubens durch das Nadelöhr der Vernunft zu Gesinde seine Habseligkeiten wegzunehmen, so wäre dies kein amours( alte Liebe rostet nicht),( Große Heiterfeit.) benutzt. Wenn treiben.( Beifall und große Heiterkeit.) Zurückbehaltungsrecht, sondern ein gesetzliches Pfandrecht nach Art ich es aber auch menschlich begreiflich finden kann, so stehe ich doch des dem Vermieter nach§ 559 B. G.-B. an den eingebrachten Sachen nicht an, zu erklären, daß es meiner Ansicht nach feine ungeeignetere Liepmann Berlin: des Mieters zustehenden Rechts. Für die Annahme eines so weit, Tribüne für die Verbreitung unserer Grundsäße geben kann, als Eisner hat u. a. gesagt, es wäre Aufgabe des Parteivorstandes. gehenden Pfand- und Selbsthilferechts gibt der Wortlaut des§ 21, wie jenes Blatt, das systematisch, planmäßiger wie jedes andere darauf für einen gründlichen Unterricht der Masse zu sorgen und sie mit im Anhang des im Büchlein angebrachten Gesinderechts verlautet, ausgeht, die Sozialdemokratie zu forrumpieren, auseinander zu gründlicher Elementarbildung zu versorgen. Ich habe mit meinem feinen Anhalt. Der§ 21 der rheinischen Gesindeordnung hat folgenden loben und auseinander zu schimpfen.( Lebhaftes Sehr richtig!) untergeordneten Menschenverstande bisher geglaubt, daß das Auf- Wortlaut:„ Das Gesinde muß der Herrschaft den durch Vorsah oder In diesem Blatte sollte ein Sozialdemokrat am allerletzten schreiben. gabe des preußischen Staates oder der anderen Baterländer fei, die grobes Versehen zugefügten Schaden ersehen. Für den durch ge( Lebhaftes Sehr richtig!)) In Dresden hieß es, daß das Mit- ja auch nicht imstande gewesen sind, die Aufgabe zu lösen, die ringes Versehen zugefügten Schaden haftet das Gesinde nur dann, arbeiten von Sozialdemokraten an bürgerlichen Organen vor allem Eisner furzerhand dem Parteivorstande zuweist. Vielleicht fassen wenn es gegen den ausdrücklichen Befehl der Herrschaft gehandelt dem Zweck diene und deshalb sehr zu begrüßen sei, weil durch diese wir eine Resolution darüber, dann würde es schon gehen.( Heiter- oder sich zu solchen Geschäften vermietet hat, die einen vorzüglichen Mitarbeit die Erkenntnis über das Wesen der sozialistischen Be- feit.) Das ist ungefähr die Sachkenntnis, mit der man darüber Grad von Geschicklichkeit oder Aufmerksamkeit erfordern."- Ein wegung in bürgerliche Kreise getragen werde. Ist das aber Er spricht.( Sehr gut!) Eisner hat es für nötig gehalten, den Ber- 3urüdbehaltungsrecht des Dienstherrn besteht kenntnis vom Wesen der sozialistischen Theorie, wenn es in dem linern einen Hieb zu versetzen. Er sagte: Die Berliner haben noch nur für solche habseligkeiten des Gesindes, bie Artikel heißt, daß die Berwirklichung der sozialistischen Produk nicht einmal einen Lehrer angestellt. Ja, das ist ja eben das Un- ihm tatsächlich übergeben, an denen es ihm die tionsordnung nicht als Ergebnis der historischen Erfahrung erachtet recht, daß man ohne Sachkenntnis über alles Mögliche spricht. Die tatsächliche Herrschaft eingeräumt hat. werden darf? Was heißt das anders, als daß wir die Auffassung Berliner haben nicht einen Lehrer angestellt, sie haben ganze sei hier noch, da das Werkchen darüber nichts berichtet resp. nur preisgeben, daß der sogenannte sozialistische Zukunftsstaat mit ge- 3yklen von Vorträgen halten lassen. Wir haben vor anderthalb sehr flüchtig, daß die Herrschaft die Papiere nicht zurüdbehalten schichtlicher Notwendigkeit kommt als das Resultat der eigenen, Jahren sogar Maurenbrecher einen Zyklus von historischen Vor- darf. Kein Gegenstand der Zurüdbehaltung ist die Quittungstarte gefeßlichen Entwickelung der ganzen Gesellschaft? Was heißt das trägen halten lassen, so vorurteilslos waren wir.( hört! hört!) des Dienstboten für die Invaliditäts- und die Altersversicherung. anders, um mich populär auszudrücken, als daß der Sozialismus Auch Zyklen von naturwissenschaftlichen Vorträgen wurden ber. Es ist dem Dienstherrn ausdrücklich untersagt, die Karte nach Einals Wissenschaft zurüdgeführt wird nicht nur hinter der sozia anstaltet, und Moltenbuhr hat einen Zyklus von Vorträgen über Hlebung der Marken wider den Willen des Dienstboten zurüdzulistischen Utopisten, sondern daß er aus einer wissenschaftlichen Er- Mary gehalten. Es tut mir leid, daß Moltenbuhr den Thomas von behalten. Ebensowenig darf der Dienstherr dem Dienstboten tenntnis in eine pfäffische Glaubensformel verwandelt wird! Ich Aquino nicht kennt. Ich kann versichern, daß die 2500 Leute, die Krankenkassenbücher, Zeugnisse, Gesindebücher und andere Legitiglaube, es ist unbedingt notwendig, daß mit aller Schärfe ausge- den Vorträgen von Frau Luxemburg und Wolfenbuhr lauschten, mationspapiere zurückbehalten, da sie nicht unter dem Begriff„ Habsprochen wird, daß Persönlichkeiten, die in ihrer eigenen theoreti den Sinn der Vorträge erfaßt haben und davon befriedigt waren. feligkeiten" fallen. Die ganze Schrift verdient nach keiner Weise schen Reife noch einen derartigen Grad der Unentwickeltheit und Ich erinnere weiter daran, was wir sonst für die Volksbildung gelobt zu werden, schade für die 30 Pf., die einer dafür auswirft. Verworrenheit bekunden, am allerletzten berufen sind, das Prole- tun, wie viel Berlin sonst die Arbeiterbildungsschule zu fördern Von dem Herrn hätte man eine beffere Bearbeitung dieser Materie tariat über den Sozialismus zu unterrichten und lehrend und sucht. Ich gehe darauf nicht näher ein, um die Beit des Partei- erwartet. Der Preis des Werkes, bei der schematischen Zusammenführend voranzugehen.( Stürmische Zustimmung.) Wer eine der tages nicht allzusehr in Anspruch zu nehmen. Das, was Eisner stellung dabei, wie schon gesagt, äußerst mangelhaft, ist viel zu hoch; artige Auffassung vertritt, die im letzten Grunde ein Faustschlag hier gegen die Berliner ausführte, wenn auch in versteckter Weise, es kann daher niemandem empfohlen werden, sich diese Auslegung gegen unsere ganze wissenschaftliche Erkenntnis ist, jeden Augenblid trifft nicht zu. Es ist nicht richtig, daß wir in Berlin nicht des Dienstbotenunrechts, denn von einem Dienstbotenrecht zu aus der Theorie in die Bragis umzusetzen, sollte erst noch im genügend für die Ausbildung der Massen, für die Ausbildung sprechen, ist doch schon eigentlich Hohn, anzuschaffen. Dem Ver. Kämmerlein der Theorie sitzenbleiben, um dort zu lernen, sich still Einzelner getan haben. Wenn man sich hier auf dem deutschen faffer empfehlen wir ein besseres Studium der Gesindeordnung, bescheiden zur Kenntnis der sozialistischen Theorie durchzumausern, Parteitage hinstellt und es fertig bringt, der größten Organisation damit derartige Rechtsirrtümer für die Zukunft unterbleiben. ehe er daran geht, die sozialistische Auffassung zu revidieren. im Reiche einen solchen Hieb zu verfeßen, dann sollte man sich doch ( Langer, lebhafter Beifall.) vorher wenigstens über die Tatsachen informieren.( Sehr gut!) Brandler Bremen: Dr. Lensch- Leipzig: Soziales. Erwähnt Der Privatverkehr des Angestellten. Darf der Brinzipal den privaten Verkehr zweier Angestellten au berhindern trachten? Um die Beantwortung dieser Rechtsfrage handelte es sich in einem Prozesse, der gestern von der 4. Kammer assessors Dépène zur Verhandlung kam. Der Kläger M. hatte ſeine Tätigkeit als Kontorist bei der Internationalen Transport- Attiengesellschaft sofort eingestellt, nachdem er von seinem Kollegen B., mit dem er privatim verkehrte, erfahren hatte, daß der Direktor der beklagten Gesellschaft. 50 m. versprochen haben solle, wenn er den Berkehr mit ihm, dem Kläger aufgebe. Der Direktor stellte den Hergang folgendermaßen dar: Der Kläger fei anfangs ein gar. guter Beamter gewesen, verbummelte aber schließlich derart, daß ihm gekündigt werden mußte. Mit Bedauern machte er die Beob achtung, daß M. nicht nur selbst bersumpfte, sondern auch den 18 jährigen B. mit in den Strudel der Großstadt hineinzog. Beide wurden nachts an bekannten Rendezvouspläten der Bebewelt gesehen, und bei B., der früher geradezu eine Perle von einem Beamten" war, machten sich die Spuren der durchlebten Nächte deutlich bemerk. bar. Da der junge Mann auch ein verstörtes Wesen zur Schau trug, so nahm er ihn ins Gebet, und er bekannte ihm, daß er 50 m. Schulden habe. Hierauf sagte er zu B.: Gut, ich will Ihnen die 50 M. leihen, damit Sie sich rangieren fönnen, aber unter einer Bedingung: Sie geben den Verkehr mit M. auf. B. bat fich 24 Stunden Bedenkzeit aus, der Direktor zog aber daraufhin seine Proportion sofort zurüd. Diese Darstellung des Direktors wird durch den Hauptbeteiligten B. bestätigt. Der Kläger steht auf dem Standpunkt, daß er, nachdem der Direktor den Ber fuch gemacht hatte, ihn in Verruf zu bringen, Grund zur sofortigen Auflösung des Dienstverhältnisses hatte. Cisner und Maurenbrecher fuchen die Parteigenossen Ich hatte geglaubt, bei dieser Diskussion lediglich mit einer systematisch über die Taktik der Parteischule und Parteischüler irre persönlichen Bemerkung davonzukommen. Aber die Frage, die jetzt zuführen, weil sie sich selbst über die Grundlagen nicht flar sind. angeschnitten ist, veranlaßt mich doch zu einigen Ausführungen. Es ist durchaus falsch, zu behaupten, daß die Parteischüler sofort Zunächst aber muß ich mich mit einer Aeußerung des Genossen ihr neuerworbenes Wissen über die Werttheorie an die Genossen Müller vom Parteivorstand beschäftigen. Müller hat in seinem bringen. Sie suchen sich durch Vorträge in fleinen Streisen so des Kaufmannsgerichts in Berlin unter Vorsiz des Magistrats. Referat einen Wit gemacht, was ihm ja öfter passiert.( Seiterfeit.) ist es wenigstens bei uns in Bremen- die erforderliche Klarheit Er sagte, die Leipziger Volkszeitung" hätte deshalb einen zu schaffen. Und die Diskussion bewegt sich im fleinen umgrenzten akademisch gebildeten Redakteur gesucht, damit Lensch in der Re- Nahmen. Es ist die reine Demagogie, wenn Eisner und Maurendaktion einen satisfattionsfähigen Stollegen hat. Ich muß sagen, brecher behaupten, daß die große Masse in die theoretische Grundder Scharfsinn dieses Wizes. hat mich niedergeschmettert. Ich fragte lage des Sozialismus eingeführt wird. Es ist ebensogut DemaMüller, ob er den Wib ganz allein gemacht habe, denn er schien gogie, wenn sie so tun, als handle es sich bei der Parteischule um mir so geistreich, daß ich anfangs glaubte, der mit sei gewiffer Leute, die sich früher gar nicht mit Programm und Theorie des maßen Stollektivarbeit unserer Parteigenossen, nämlich das Partei Sozialismus beschäftigt haben. Die Genossen halten sorgfältige vorstandes.( Heiterkeit.) Aber Müller jagte, daß er ihn allein ge- Auswahl und schiden auch nur die tüchtigsten Schüler, die jahre macht habe. Sie sehen daraus, welche ftrahlende Geistes facel wir und jahrzehntelang, viel länger als Maurenbrecher, für die Partei im Parteisekretär Müller befizen.( Seiterfeit.) gearbeitet haben. Die Agitation Eisners und Maurenbrechers Die Debatte über die Parteischule ist ja in erster Linie von läuft nur darauf hinaus, die Parteischule zu beseitigen, und zwar Nürnberg aus durch Artikel der„ Fränkischen Tagespost" inszeniert. von hinten herum, da sie nichts Triftiges gegen sie einwenden Da besteht allerdings in weiten Parteikreisen der Eindruck, daß die können. Gerade Leute wie Maurenbrecher einschießlich Eisner Bolemit gegen die Barteischule nicht geführt worden wäre, wenn sind die ungeeignetsten Lehrer des Proletariats. Das lehrt uns, an Stelle von Luremburg, Cunow und der übrigen sogenannten bei der Wahl der Lehrer zur Parteischule vorsichtig zu sein und Radikalen die sogenannten Revisionisten als Lehver tätig wären. nicht Leute damit zu betrauen, die Gehirnbersimpelung und Gehirn ( Sehr richtig!) In der„ Fränkischen Tagespost" war ja gesagt, verkleisterung systematisch betreiben. daß keineswegs die Absicht bestehe, die Barteischule aufzuheben, man wolle nur die Parteilehrer aus Berlin wegziehen. Das ist nach meiner simplen Auffassung genau dasselbe, als wenn man einem Käfer die Beine ausreißt und das arme Tier vollständig bewegungs los bleibt. An fich ist es ja schwer, auf die Einwendungen von wird entgegengenommen. Ihn erstattet Woldersky- Berlin: Eisner einzugehen, nicht etwa, weil sie so außerordentlich treffend Der Parteitag ist besucht von 312 Delegierten. Dazu kommen: und richtig sind, sondern im Gegenteil wegen ihrer Allgemeinheit, bon Mitgliedern des Parteivorstandes 9, von der Kontrollkommission so daß man in der Tat nicht weiß, was man gegen solche allge- 8, vom Bildungsausschuß 1 Vertreter, 27 Reichstagsabgeordnete, meinen Behauptungen sagen soll. Er fordert uns auf, das Problem je 1 Vertreter der Neuen Zeit" und der Vorwärts"-Redaktion, der Massenbildung gründlich zu studieren. Dieses Problem ist im außerdem 10 auswärtige Gäste, so daß im ganzen 369 ParteiGrunde ja nichts anderes als ein Problem des Kapitalismus, und genoffen anwesend sind. Beanstandungen und Proteste lagen uns die Grundanschauungen, die er über das Problem der Massen nicht vor, daher beantragen wir, sämtliche Mandate für gültig zu bildung selbst hat, hat er dadurch dokumentiert, daß er den Artikel erklären. Das Wort wird nicht berlangt, sämtliche Mandate bon Maurenbrecher über den Schellendaus lobt als einen Artikel, der der gesamten Debatte als Grundlage dienen sollte. Genoffin werden für gültig erklärt. Eine Reihe von zuschriften sind eingegangen, darunter Luxemburg hat Ihnen ja schon einige Blüten aus diesem Artikel borgelesen, und Eisner selbst legt ja Wert darauf, daß möglichst ein Begrüßungsschreiben der russischen Sozialistenrevolutionäre viel daraus verlesen wird. Ich will diesen Wunsch als höflicher und der Sozialdemokratischen Partei Schwedens. Die Weiter berhandlungen wurden auf Dienstag bormittag vertagt. Parteigenosse erfüllen. Es heißt da: Damit schließt die Diskussion über diesen Punkt. Der Bericht der Mandatsprüfungskommission Hus der Frauenbewegung. Auch ein Kenner des Dienstbotenrechts. Das Kaufmannsgericht fah die Handlungsweise des Direktors als erlaubt an und billigte dem Kläger nicht das Recht zu, die Tätigkeit sofort aufzugeben. Es war zu berücksichtigen, daß der Direktor dem B. den Vorschlag nicht aus Eigennut, sondern vielmehr in der guten Absicht gemacht habe, den Angestellten von einem Verkehr abzubringen, der für ihn nach Ansicht des Direttors von schädlichem Einflusse sei. Ob diese Ansicht richtig oder irrig sei, käme nicht in Betracht. Ausbeutung im Musikergewerbe. Unglaubliche Zustände herrschen im Musikergewerbe im Königreich Sachsen, wo die Lehrlingszüchterei in vollster Blüte steht. Die Ausbeutung der jungen Leute, welche außerordentlich schädigend auf die Arbeitsgelegenheit für ausges lernte und ältere Musiter cintvirtt, hat dem Musiterverband für das Königreich Sachsen Veranlassung gegeben, ent schieden gegen diese Zustände Stellung zu nehmen. Der genannte Verband hat es erreicht, daß das Ministerium des Innern Erhebungen über die Lehrlingsverhältnisse im Musikergewerbe Eachsens hat anstellen lassen. Das Resultat dieser Erhebungen bietet ein Bild von Ausbeutung schlimmster Art. Es hat sich heraus„ Wer wirklich verstehen will, was Marr uns gebracht hat, muß erstens wissen, was vor ihm da war: also Wilhelm von Humboldt, Schlegel, Gervinus, Rante, um nur die Deutschen zu nennen, und er muß zweitens wissen, was seitdem von anderen gedacht und geleistet wurde. Eine einfache erklärende Lektüre der betreffenden Marrschen Stellen führt wahrhaftig nicht zu In Berlage der Effener Zentrumspresse( Fredebeul und ihrem wirklichen, das heißt zu ihrem sie richtig begrenzenden und Koenen) erschien ein Schriftchen über das Dienstbotenrecht in der einordnenden Verständnis, und mit der Wertlehre ist es nicht Rheinproving in sehr pompösen Ankündigungen. Es muß als anders. Er müßte mindestens Thomas von Aquino, Ricardo, höchst verdienstlich bezeichnet werden, daß Herr Beigeordneter Glose Böhm- Bahwerk kennen, ehe er über die Werttheorie reden sollte." es unternommen hat, Klarheit über das Dienstbotenrecht zu gestellt, daß es reine Lehrlingskapellen gibt, wo 48, 35, 30, 28 und Thomas von Aquino ist ein seit mehreren Jahrhunderten ver- schaffen." Sehr verlodende Anpreisungsworte für den Ankauf 16 Lehrlinge beschäftigt werden und ihnen nicht ein einziger Gefaulter Heiliger der katholischen Kirche.( Große Heiterkeit.) Man dieses Schriftchens, das bei sehr ärmlicher Ausstattung, Oftab. hife gegenübersteht!! Auch hat sich ergeben, daß die Lehrlinge tann also nach den Anschauungen von Maurenbrecher und Eisner, format 23 Seiten start, 30 Pf. fostet. Der Verfasser behandelt die solcher Musikunternehmungen namentlich beim Aufspielen von der sich mit ihm solidarisch erklärt, über Werttheorie nicht einzelnen Verhältnisse der alten Gesindeordnung der Rheinproving Tanzmusil vielfach in einer das förperliche und sittliche Wohl ersprechen, wenn man nicht weiß, was der heilige Thomas von vom Jahre 1844, die längst durch die Zeitverhältnisse überholt heblich gefährdenden Weise ausgebeutet werden. Arge Misst ände Aquino dazu fagt, Nun wurde der Name Molfenbuhr in der worden sind. Ueber das Recht während des Dienstes sagt Herr hinsichtlich der den Lehrlingen zur Verfügung gestellten WohnDebatte genannt, und er gestand uns ja, daß er nicht nur einen, Glofe auf Seite 7 und 8 seines Machwertes folgendes:" Das Ge- und Schlafräume sind ebenfalls vorgefunden worden. Nachdem sondern sogar fünf Vorträge über die Werttheorie gehalten hat. finde muß unbedingt allen Schaden ersehen, den es der Herrschaft nun eine Ministerialberordnung fagt:„ Es hat sich er= Aber ich frage ihn, ob er denn auch vorher den Thomas von Aquino vorfählich oder grob bersehentlich zugefügt; den durch geringes Ber- geben, daß tatsächlich in manchen Musikunternehmungen den Lehrgelesen hat.( Große Heiterfeit. Bebel: Den haben wir alle sehen verursachten Schaden aber nur dann, wenn es gegen den aus. ingen gar keine Gehilfen gegenüberstehen oder doch die Zahl der nicht gelesen. fanntuch: Aber Frohme hat ihn gelesen. Er brüdlichen Befehl der Herrschaft gehandelt oder sich zu Diensten Lehrlinge zu der der Gehilfen in einem folchen Mißocthältnis neute Heiterfeit.) Ja, dann versteht Ihr ja alle auch nichts von vermietet hat, die eben zur Aufwendung einer vorzüglichen Auf- steht, daß eine wesentliche Beeinträchtigung der Be. der Werttheorie.( Große Heiterfeit.) Aber über diese An- merksamkeit und Geschicklichkeit verpflichten. Mit solchen Schaden- rufsausbildung zu befürchten ist, weiter, daß mehrfach die schauung ließe sich reden, wenn Maurenbrecher die wirklich tone erfabforderungen kann die Herrschaft gegen die Lohnansprüche des Lehrlinge in einem die Gesundheit und Sittlichkeit gefährdenden fequent und jedesmal vertreten hätte. Wenn Sie aber einmal Gefindes aufrechnen, auch kann sie die Sachen des Dienstboten Maße zum Aufspielen von Tanzmusiken und sonstigen Gelegenheiten bas beliebte Buch über die Hohenzollernlegende zur Hand nehmen, zurüdbehalten." Diese Auffassung ist eine total falsche, den Herr- herangezogen werden," weist das Ministerium des Innern die finden Sie darin eine höchst merkwürdige Auseinandersehung. fchaften sicher angenehme Rechtsauffassung. Der Herr Beigeordnete unteren Verwaltungsbehörden an, dem Lehrlings-, un"-wesen im Maurenbrecher sagt da:" Ich habe leider nicht die Zeit gehabt, hätte sich in dieser Frage besser unterrichten müffen. Musikergewerbe ihre besondere Aufmerksamkeit auzumich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen. Wer von seiner Gin Zurückbehaltungsrecht an den Sachen des Dienstpersonals wenden und gegen wahrgenommene Mißstände mit den gesetzArbeit als politischer Schriftsteller leben will, muß eine hurtige besteht nicht, wird leider irrtümlich aus dem§ 69 der Gesinde- lichen Mitteln einzuschreiten. Das sächsische Oberlandes Feder haben, und kann nicht solche Studien treiben, wie sie sonst crdnung von 1810 hergeleitet, wo es heißt:„ Kann der Schade weder gericht hat bereits prinzipiell entschieden, daß die Bestimmungen notwendig wären."( Sört, hört!) Dieses Wort von der gründ- aus rüdständigem Lohne noch anderen Sabfeligkeiten des Dienst der Tanzregulative, nach denen Lehrlingen und Fortbildungsschülern der Zutritt zu Tanzvergnügungen verboten wird, auch auf die lichen Vorbildung erinnert an den befannten Wiz von Börne, daß boten ersetzt werden Aus diesen Worten hat man bisher, so der Deutsche, wenn er sich einen Fled aus dem Rod reiben will, auch Herr Glofe, allgemein das Recht der Herrschaft abgeleitet, sich um Tanz aufspielenden Musikerlehrlinge an erst Chemie studiert.( Sehr gut!) Daher müßte man erst Thomas wegen ihrer Schadenersatzforderung an die Sabseligkeiten des gewendet werden dürfen. Im Anschluß hieran hat das bon Aquino lesen, ehe man über die Marrsche Werttheorie spricht. Dienstboten zu halten und diese so lange zurüdzuhalten, bis sie be- Ministerium den ausdrüdlichen Wunsch ausgesprochen, daß die Die Mitarbeit von Maurenbrecher an der Hilfe" erscheint in friedigt ist. Soweit es sich um solche bewegliche Sachen handelt, die Polizeibehörden die Vorschriften regelmäßig auch auf die einem merkwürdigen Lichte, wenn man sich darauf besinnt, daß der Dienstbote seiner Herrschaft übergeben hat, a. 13. aur Auf- Musikerlehrlinge anwenden und Ausnahmen nur in folchen Fällen Naumann den Maurenbrecher, als er zur Partei übertrat, mit ben bewahrung, mag hiergegen nichts einzuwenden fein. Dagegen ist bewilligen, in denen ein Mißbrauch der nachgelassenen Vergünsti Worten geleitete:" Gehen Sie und wirten Sie im Sinne des das Zurückbehaltungsrecht des Dienstherrn jedenfalls nicht zu er- gung ausgeschlossen ist. Es wäre dringend zu wünschen, daß einer derartigen a National- Sozialismus."( Hört, hört!) Genau so wie Mauren- ftreden auf Sachen, die das Gefinde bei dem Antritt des Dienstes brecher sich in diesem Artikel aussprach, und den Unterschied zwischen mitgebracht und sein Gewahrsam behalten hat. Zurüdbehalten beutung ganz gehörig zu Leibe gerüdt wird. Parteigenossen, die zu dumm feien, um die Werttheorie und den tann man nur Sachen, die man hält, die man im Besize hat. An historischen Materialismus oder, wie Gisner sagen würde, die Sachen aber, die der Dienstbote beim Zugang nur einbringt und Gegen die geplante Lichtsteuer wollen auch die städtischen Körper. historische Dialettit zu begreifen, genau so hat Professor Sohm die er während der Dienstzeit fortdauernd gebraucht, hat er die tatschaften von Liegnik im Interesse der Gemeinde wie der Einwohner fich in früheren Jahrgängen der Hilfe" ausgesprochen: Was sächliche Herrschaft, den Besitz behalten. Der Umstand allein, daß schaft energisch Protest erheben. Berantwortlicher Redakteur: Sans Weber. Berlin. Für den Inferatenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlaa: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. It. 216. 23. IahtMg. 3. Deilllßt des Lomaris" Dievsiag, lö. Septembet 1908. Em der Partei. Nürnberger BildungSwefe». Aus Nürnberg wird uns berichtet: Die Organisation des Bildungswesens in Nordbahern ist soeben zum Wschlutz gebracht worden. Der Bildungsausschuß hat daS Programm für die nächsten sechs Monate festgelegt. Der als Lehrer angestellte Genosse Dr. Maurenbrecher wird am 1. Oktober sein Amt antreten. Das Unternehmen wird am 80. September durch eine große Versammlung eingeleitet mit dem Thema„Arbeiter und Bildung", für eine zweite Versanimlung im November ist das Thema„Sozialismus und Christentum" vorgesehen. Für den eigentlichen Unterricht im letzten Quartal dieses Jahre? sind in Nürnberg und Fürth Vortragszyklen vorgesehen über Lassalle, Geschichte und Bedeutung der Städte, die Geburtsstunde des C h r i st e n t u m s. In einer großen Anzahl kleinerer Orte Nord- bayerns werden Einzelvorträge gehalten. Im ersten Quartal des nächsten Jahres folgt in Nürnberg und Fürth neben Einzelvorträgen ein Zyklus von 12 Vorträgen über die Entwickelung der sozialen Klassen in Deutschland. Dann vier Vorträge über Karl Marx und zwei über Goethes Faust von Kurt Eisner, je fünf Vorträge über Unternehmervereini- gungen und Handelspolitik und Sozialdemokratie von Dr. Weill. Im Gau werden kleinere Zyklen sowie juristische und hygienische Vorträge abgehalten. Für die Vorgeschrittenen finden jeden Sonntag Lese« und Diskutier st unden, für die Jugend jeden Sonntag nachmittags abwechselnd in Nürnberg und Fürth gesellige und belehrende Unterhaltungen statt. Arbeitslose erhalten an Werktagen nachmittags Gelegenheit, sich zu belehren und fort- zubilden. Ferner sind geplant Theatervorstellungen. Konzerte. Kunstabcnde, Führung durch Museen und naturwisienschaftliche Exkursionen. * Einen wichtigen Kommentar zu diesen Mitteilungen liefert der auch schon auf dem Parteitage besprochene Artikel Dr. Mauren- b r e ch e r s in der Sonntagsnummer der„Fränkischen TageS- post" über„Arbeiterbildung". Wir heben daraus die folgenden markanten Stellen hervor: „Wir können keine Allerweltsbildung in die Massen bringen, für die nun einmal die Vorbedingungen stanze Schulzeit, langsames Lernen bis zur Mitte der zwanziger Jahre, Muße zur Erholung, Lektüre und Kunstgenuß) in dem sozialen Leben der Masse heute nicht da sind. Wir können nur eben diejenigen Tatsachen und Fähig- keitcn übermitteln, die zur Entscheidung aktueller politischer und wirtschaftlicher Fragen notwendig sind. Ich lege den Nachdruck auf das Wort aktuell. Hier scheint mir der Fehler vieler Vorträge und Kurse zu liegen, die heute in der Parteischule und in der Provinz veranstaltet werden. Wir treiben zu viel Theorie I Muß die Masse die Wert- theorie kennen? Muß die Masse wissen, was materiali st ische Geschichtsauffassung ist? Ich wage die Ketzerei und sage: NeinI Der Lehrer muß das wissen und der theoretische Forscher mag darin weilergraben; � aber für die Massenbildung hat daS alles direkt keinen Wert, kann höchstens schaden. ES ist einfach Unfug, in wenigen Stunden einem Kreise von Menschen, der nicht die geringste geschichtliche, philosophische oder allgemein-begreifliche Vorkenntnis hat, die„materialistische Geschichtsauffassung" anzudemonstrieren. Wer wirklich ver- stehen will, was Marx uns gebracht hat. muß erstens wissen, was vor ihm da war: also Wilhelm von Hum- boldt, Hegel, Gervinus, Ranke, um nur die Deutschen zu nennen. Und er muß zweitens wissen, was seitdem von anderen gedacht und geleistet wurde. Eine einfach erklärende Lektüre der betreffenden Marxschen Stellen führt wahrhaftig nicht zu ihrem wirklichen, d. h. zu ihrem sie richtig begrenzenden und einordnenden Verständnis. Und mit der Wertlehre ist eS nicht anders. Ihr kleines Feuilleton. „Kunstabende". Nicht alles, was unter dieser Flagge segelt, ist Kunst, weder an sich, noch hinsichtlich der Darbietung. Es wird da nach beiden Richtungen hin schwer gesündigt. Wenn gulmeinende Enthusiasten und Dilettanten einen„Unterhaltungsabend" ver- anstalten, so ist das eher zu verzeihen, als wenn ausübende Gesangs- leute und„Rezitatoren" niederer Gattung unter Beilegung eines pomphaften Reklametitels sich erdreisten, ihren ausgeleierten Chan- sonetten- oder Variötöbühncnkram vor naiven Ohren auszubreiten. Es ist wahrlich die höchste Zeit, daß solche Jahrmarktsbuden- und Tingeltangelkunst von allen geselligen Arbeitervereinigungen fern- gehalten werden, weil dadurch, daß man ihr in unseren Reihen Unter- schlupf gewährt, die ersprießliche Erziehung des Volkes zur wirklichen Kunst illusorisch gemacht wird. Was nutzt es da. wenn wir emsig bemüht sind, wirkliches Verständnis in die Gemüter hineinzupflanzen? Gerade die Arbeiter haben Ursache genug, ernst wägenden Stimmen Gehör zu schenken. Es kommt uns darauf an, vor solchen zweifei- haften Elementen Warnungstafeln aufzurichten. Sie führen in ihrem kunterbunten Programm nur sogenannte„Schlager" im Genre der banalsten GesangskoupletS und Brettlliterawr. Ihr Deklamatormm ist auf den Geschmack der Besucher von„Kabaretts' zugeschnitten, um rohe Instinkte zu reizen. WaS aber Nacht, fchwärmern und Bildungsprotzen recht ist, sollte sozialdemokratischen Arbeitern noch lange nicht billig sein. Wie nun solchen Uebelständen wirksam begegnen? Nichts ist schwerer und doch einfacher alS dies. Bevor eine Arbeitervereinigung daran geht, einen Kunstabend zu veranstalten, veracwissere man sich über die künstlerische Qualität der ins Auge gefaßten Kräfte durch Nachfrage bei sachverständigen Genoffen. Ferner überlaffe man den� zur Mitwirkung heran- zuziehenden Künstlern nicht allein die Zusammenstellung des Vortragprogramms, weil eS viele gibt, die stets ein paar bewährte Steckenpferde vorzureiten geneigt find. Soll ein Programm eine geschlossene künstlerische Wirkung erzeugen, so muß es auch ein in sich geschloffenes Ganze« bilden. Solche Zusammenpaffung setzt aber gediegene künstlerische Bildung und Erfahrung voraus. Nun ist ja feit einiger Zeit auch in Parteigenössischen Kunst- darbietungen eine merkltche Emporhebung des Geschmacks zu ver« zeichnen, dank dem Zusammenwirken einsichtiger Vereinsleiter mit künstlerisch bewährten Kräften. Am Sonnabend und Sonntag wohnten wir zwei Kunstabenden bei, die einerseits vom Sozial- demokratischen Wahlverein für den ö. Berliner ReichStagswahlkreiS in den.Germaniasälen"» andererseits vom Sozialdemokratischen Wahlverein für den 1. Berliner ReichStagswahlkreiS in der„Neuen Philharmonie" veranstaltet wurden. Beide Veranstaltungen dursten aus die Bezeichnung.Kunstabend" Anspruch erheben. DaS erstere Programm war auf die Darbietung„Heiterer Kunst in Wort und Ton" gestimmt, und hatte, trotz dieses Charakters, nicht die mindesten Berührungspunkte mit Veranstaltungen, die unter ähnlichen Wimpeln reisen, gemein. Der orchesttale Teil, vorzüglich ausgeführt durch das„Neue Tonkünstlerorchester" unter Leitung seines Dirigenten Kranz Hollfelder, wies heitere Kompositionen von Mozart, müßt mindestens ThomaS von Aquino, Ricardo, Marx und Böhm- Bawerk kennen, ehe ihr über Werttheorie reden wollt. Es ist wirklich an der Zeit, die vielen jungen Genossen, die sich jetzt mit Feuereifer in die Studien stürzen, daran zu erinnern, daß echte Bildung ein langsames Gewächs ist, und daß sie, je umfassender sie ist, um so— bescheidener in theoretischen Formulierungen macht. „Wer nicht von zweitausend Jahren Sich weiß Rechenschaft zu geben, Bleibt im Tiefsten unerfahren, Muß von Tag zu Tage leben." Was wir für die Maffe der Parteigenossen brauchen, ist nicht die„Theorie des Sozialismus" oder„Die Lehren unserer Meister" oder wie die Ausdrücke sonst lauten, sondern es sind die Tat- fachen, auf Grund deren sie Entschlüsse zu fassen ge- zwungen sind. Die„Theorie" ist in ihrer, zwar unbeabsichtigten, aber doch sehr häufig vorhandenen Wirkung oft geradezu eine Ertötung der Kraft zum Entschluß und zum Handeln. Gerade weil sie für jedes neue Erlebnis sofort seine ökonomisch- historische„Notwendigkeit" nochweist, dient sie weit eher zur Ab- stunipfung der Energie und mahnt zum Dulden, Warten und Er- wagen, als daß sie scharf umrissene Ziele und aus dem Moment geborene Aktionsprogramme für den Willen schafft. Die Demokratie aber braucht eine Masse, die an Aktionen an Ziele, Pläne und rasche Entschlüsse gewöhnt ist. Der gewerkschaftliche Kleinkampf, der beinahe täglich die Masse selbst in Entschlüssen, Üeberlegungen und Plänen übt, der jeder Werkstubenbesprechung immer wieder die Frage vorlegt: Wagen wir's oder wagen wir's nicht?, der ist's, der die Tatkraft der Masse übt und spannt. Aehnliches muß unsere BildungSarbeit für die politische Tätigkeit leisten. Geschichte, Geschichte und immer wieder Geschichte: das ist da die grundlegende Forderung. Und zwar politische Geschichte be- stimmter Momente und Aktionen, nicht allgemeine Entwickelungs- geschichte der Menschheit in Achtstundenverdünnung. Geschichte, die die Zuhörer immer wieder vor Enlscheidungen stell:, sie die taktischen Schwierigkeiten früherer Jahrzehnte nacherleben und nachdenken lehrt, die diejenigen Perioden hervorhebt, in denen irgend ein großer Kampf um die Macht mit Glück oder Unglück gewagt wurde: das ist das vorzüglichste Bildungs- mittel, das wir haben. Also Geschichte der französischen Revolution, des Jahres 1348, der preußischen Konfliktszeit, der politischen Parteien, Biographien von Männern, die das Glück hatten, in großen Entscheidungen mit an verantwortlicher Stelle zu stehen(Lassalle steht uns da am nächsten; aber warum nicht auch Napoleon, Friedrich der Große, Bismarck, Disraeli und andere? Es braucht wahrhaftig keine Heldenverehrung zu sein; aber auch an: Gegner kann man lernen, wenn er ein Ziel und einen Willen gezeigt hat): kurz, Tatsachen, Aktionen, Entschlüsse? Das scheint mir mehr wert zu sein, als alle alten und neuen Katechismusformeln, die wir auswendig lernen könnten. Man sieht: nach Maurenbrecher gibt es zweierlei Bildung, wie es etwa in Preußen- Deutschland zweierlei Recht gibt: Die Theorie, die uns den systematischen Zusammenhang erkennen, die Masse der Tatsachen unter Gesetze einreihen und damit erst die Möglichkeit selbständiger Kritik und weiterer Forschung gibt, sie wird zum Privileg derLehrer; für die Masse g e n ii g t eS, wenn sie die von dem Lehrer gefundenen Resultate erfährt, sie übernimmt und nach den Weisungen des Lehrers in die gewünschte und ge- wollte Tat umsetzt. Zu viel zu wissen ist ungesund: die Theorie ist oft eine Ertötung der Kraft zum Handeln. Die Masse aber muß handeln; wie sie zu handeln hat, erfährt sie von ihrem Lehrer. Diese Auffassung von dem Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler ist nicht neu; im Jesuitenorden herrscht ein ähnliches System noch heute und auch einem protestantischen Pfarrer liegt der Gedanke von Hirt und Herden nahe. Aber eS ist neu, sie in einem sozialdemokratischen Blatt von einem Parteilehrer entwickelt zu finden. Doch sind wir unserer Sache auch sicher? An dem Orte, an dem wir diese Ausführungen finden, stehen sonst die Scherze— Joes. Hat sich Joe da am Ende mit uns einen zur Ab- wechselung einmal guten Witz erlaubt? Unüberwindliche Abneigung gegen dir Wahrheit? Die„MüncheoerPost" wiederholt in ihrer Sonntags- nummer: C. M. v. Weber und Johann Strauß auf. Dazwischen folgten deklamatorische Vorträge tLessing, Goethe, Heine), die durch Max Laurence— allerdings mit Hervorkehrung eines allzu prononcierten Kabarettstils— bestritten wurden. Echteste Kunst aber ließen Leo Kestenberg und Gertrud B i s ch o f f an beiden Kunstabenden hören. In Kcstenberg haben wir ja einen trefflichen Klaviervirtuosen, und Gertrud Bischoff entzückt als Konzertsängerin durch die Viel- seitigkcit ihrer Begabung, die ebenso vollendet dem einfachen Volks- liede wie dem schwierigen Kunstgesange gerecht wird. Ihre Vortrags- lunst verrät in allem die denkende Sängerin; ihre von jedweder Pose freie Erscheinung gewinnt sich im Sturm die Herzen der Zu- Hörer. Der Charakter des zweiten Kunstabends war ernst, ohne streng zu sein. Hier begegneten wir Nina M a r d o n- H o l z a m e r als Rezitatorin. Ihre Sprechweise, ihr Vortrag verrät eine selten hohe, mächtige Wirkungen hervor- rufende Stilbildung, die durch eine feierliche, sich ibreS Gegen- standeS stets bewußt bleibende Geste unterstützt wird. In Kestenberg. Gertrud Btschoff und Frau Holzamer haben wir— wenn wir nur ernstlich wollen— ein über jeder Geschäftsmäßigkeit stehendes Künstlertrifolium, bei dem der feinste Geschmack voll« kommen befriedigt wird. Nicht vergessen sei die Mitwirkung des MännergesangvercinS„Typographia", dessen Chorlieder- Vorträge sich durch künstlerische Vollendung auszeichnen, o. k. Theater. Nene« Theater:„Der Prinz d'Sarec", Komödie in drei Akten von Henri Lavedan. Warum die Direktion diese anderthalb Jahrzehnte alte und niemals jung gewesen« Komödie ausgegraben, blieb unverständlich. Die satirische Schilderung einer im Genußleben aufgehenden, ebenso unfähigen als hochmütigen Aristolratte, die Kontrastierung solcher Typen mit Typen bürger- licher Parvenüs, deren erworbene Millionen, bei aller Unsauberleit der angewandten Mittel, doch immerhin eine gewisse Intelligenz und hochgespannte Energie bezeugen, ist ein von dem französischen Gesellschaftsdrama oft und vielfach mit stark zugreifender Bühnen- geschicklichkeit behandeltes Thema. Wie effektvoll hatte z. B. längst noch Henri Bernstein in seinem am Neuen Theater gespielten„Simson" die Gegensätze dabei arrangiert I Er häufte nach französischer, vom Einfluß des Jbsen-Haupttnannschen Naturalismus noch immer unberührter Theatertradition in der dramatischen Handlung arge UnWahrscheinlichkeiten, aber die Szenen, die er der Handlung abgewann, waren dabei so temperamentvoll in ihrer Pointierung und Steigerung durchgeführt, daß die Spannung bis zum Schluß gewahrt blieb. Die Satire gegen die blaublüligen, den jüdischen Emporkömmling verachtenden und ihn parasitisch aus- beutenden Nichtstuer, erhielt so eine Stoßkraft, die über alles, was ein bloß polemisch spitzes Wortgeplänkel auf der Bühne vermag, weit hinaus ging. DaS Lavendansche Stück, das gleichfalls einen jüdischen Finanzier als Gegenspieler in die aristokratische Gesellschaft einführt, wirkt daneben wie mattes Feuilleton. Von einer Handlung ist kaum die Rede, die wenigen Ansätze dazu verraten nur ein gänzliches Un- vermögen zu motivieren. Auch fehlt jede intime Art der Seelen- malerey die für den Mangel an Bewegung irgendwie entschädigen Die sozialdemokratischen Stadtverordneten Berlins haben das Budget nie abgelehnt. Der„Vorwärts" hat in seiner Nummer 189 vom 26. August und in der Stummer 213 vom 11. September festgestellt, daß die sozialdemokratischen Stadtverordneten Berlins niemals für den Etat der Stadt Berlin gestimmt_ haben. I st es der„Münchener Post" nicht möglich einzugestehen, daß sie die Berliner sozialdemokratischen Stadtverordneten zu Umecht beschuldigt hat? Ist es der„Mllnchener Post" nicht möglich, ihre die süddeutschen Genossen irreführende Behauptung richtigzustellen?_ Ein Jahr„Kampf". Die wiffenschaftliche Revue der deutschen Sozialdemokratie in Oesterreich,„Der Kampf", tritt am I.Oktober in das zweite Jahr ihres Lebens. Die neue Zeitschrift, die von den Genossen Otto Bauer, Adolf Braun und Karl Renner redigiert wird, hat sich als eine wertvolle Bereicherung nicht bloß der öfter- reichischen, sondern auch der internationalen Partei- zeitschriften-Literatur erwiesen. Für die Oesterreicher bietet sie neben dem Raum für Fortbildung der allgemeinen Theorie der Arbeiter- beweglnig, für den Austrag wissenschaftlicher Streitfragen besonders die Stätte für die Untersuchung und Klärung der sehr schwierigen nationalen Probleme, mit denen unsere Bruderpartei zu ringen hat. Für die Genossen de? Auslandes werden dabei sehr wichtige und instruktive Einblicke eröffnet. Besonders wertvoll ist aber die neue Zeitschrist für sie durch eine Reihe vortrefflicher Artikel gewesen, die theoretische und �praktische Fragen behandelten, die der Arbeiterbewegung aller Länder ge- meinsam sind. Wir haben mehrfach Veranlassung gehabt, die treff- lichen Beiträge zu erwähnen oder auch auszugsweise wiederzugeben. Am Abschluß des 1. Jahrganges drängt es uns, den österreichischen Genossen zu ihrem wohlgelungenen Werk Glück zu wünschen. Möge „Der Kampf" weiter seinen Weg machen. DaS soeben erschienene Heft 12 des 1. Jahrganges enthält u. a. Otto Bauer: Der Kampf um die Landtage. Franz Pattermann: Arbeiterschaft und„Freie Schule". T. W. T e i f e n: Organisierte Arbeiter und die„Freie Schule". Karl Mann: Proletariat und Religion. Hugo Schulz: Die Zukunft der„orientalischen Frage". Dr. Richard Engländer: Die Renaiffance des Natur« rechtes. I n g. P a u l K a r: Die Eisenbahnverstaatlichimg«Md die Neu« organisation der Staatseisenbahnen. Max Winter: Die Böhmerwäldler als Lohndrücker. Josef Steiner-Paris: Die Lehren eines Generalstreiks. Bücherschau. Die Arbeiterbibliothel._ Die Freiburgcr Genossen und die„Sozialistischen Monatshefte". Der Vorstand der Parteiorganisation in Freiburg i. B. fS. badischer Reichstagswahlkreis) legt Wert darauf festzustellen, daß der Antrag zum Parteitage, die„Soziali st ischen Monatshefte" mit der„Neu en Z eit" zu verschmelzen. nicht von der Mitgliedschaft Frciburg, sondern von einen: einzelnen Mitglieds, dem Genossen Haas, gestellt worden ist. Die Freiburger Organisation ist also dafür nicht verantwortlich zu machen, die Angabe in der Zusammenstellung der Parteitagsanträge beruht auf einem Irrtum._ DaS Parteivureau i» Hamburg ist am 9. September nach Ham- bürg 36, Gr. Theaterstr. ii I verlegt worden. Gerichts-Zeitung� Eine diebische Krankenschwester mußte sich gestern in der Person der Krankenpflegerin Ida Sinz vor der 7. Ferienstrafkammer des Landgerichts I ver- antworten. Im Frühjahr dieses Jahres wurde die Angeklagte von einer Frau B., deren Mann schwer erkrankt war, als Kranken- Pflegerin engagiert. Da sie ein sehr stilles und bescheidenes Wesen zur Schau trug, gelang es ihr bald, daS vollste Vertrauen seitens könnte. Die drei Akte leben ausschließlich von der Redseligkeit und den gelegentlichen Bonmots der Personen. Mit jedem' Aufzuge wird das Gefühl der Leere intensiver. Nur in den Summen, die die dÄurecs pumpen und die der jüdische, in ihren Kreisen Anschluß suchende Finanzmann ohne Wimpern- zucken hergibt, zeigt sich ein höherer Flug der Phantasie. Vierbunderttausend hat der junge Herr an einem einzigen Abende verspielt. Da die Frau Mama eine millionenschlvere, durch Heirat zur Herzogin avanziertc Kaufmannstochter, nicht gleich mit dem Gelde herausrücken will, macht sich Baron von Horn, so heißt das jüdische Finanzgenie, aus der Begleichung dieser Kleinigkeit ein Vergnügen. Dreihunderttausend hat er der stolzen Herzogin, die ihn in Sachen ihrer Schneider- und Juwelenrechnungen des Ver- trauens würdigte, hinter dem Rücken ihres Mannes vorgestreckt. Als er auf Grund dieser Gefälligkeiten einmal etwas zudringlich wird, zieht er sich von der Dame eine eklatante Abfichr zu, für die er an dem Prinzen durch die Verlesung aller Schuldcnzahlen. auch der geheimen, boshaft Revanche nimmt. Die bürgerlich geborene Mama, die sich an: Schluß von ihrer Ahnenschwärmerei gründlich kuriert erklärt, greift noch einmal ins Portemonnaie, zur Rettung der Ehre, und der fatale Gläubiger muß abziehen. Herr Schroth in seiner Darstellung des Prinzen brachte das Gemisch von Schlaffheit, Dreistigkeit und zynischer Selbstironie, daS sich mit einer liebenswürdigen Glätte der Manieren paart, treffend zum Ausdruck. Gewandt repräsentierte Fräulein Reisenhofer die prinzliche Gemahlin, Christians den Finanzier._ dt Notizen. — Leonid Andresew hat seine„Geschichte der sieben Gehenkten", dle zuerst in unserem Feuilleton erschien und jetzt im Verlage von I. Ladyschnikow in Berlin herausgegeben ist, Tolstoi gewidmet. Auf diese Widmung erwiderte Tolstoi, daß „ihm der Ausdruck so guter Gefühle Leonid Andrejcws sehr an- genehm sei". Wir möchten das Erscheinen der deutschen Buch- ausgäbe nicht vorübergehen lassen, ohne unsere Bibliotheken usw. noch einmal ausdrücklich auf diese ergreifende Erzählung, die ein Meisterwerk künstlerischer Psychologie ist, aufmerksam gemacht zu haben, — Edmund Kretschmer, langjähriger Dirigent Dresdener Gesangvereine und Komponist der Opern„Die Folkiucger",„Heinrich der Löwe".„Der Flüchtling" und„Schön Rotraut", ist 73 Jahre alt in Dr e s d e n gestorben. — Stenographierte Trauer. Dem„Kunstwart" ist Kunde geworden von einer neuen Industrie, die vielversprechend ist. In den: Schreiben, mit dem trauernde Hinterbliebene auf die Mög» lictikciten moderner Kultur gebübrend aufmerksam gemacht werden, liest man:„Unterzeichneter Verlag hat sich erlaubt, die am Be- gräbnistage Ihres Herrn Gemahl gehaltene Grabrede stenographisch aufzunehmen und gestattet sich anbei dieselbe zuzustellen mit der Bitte um deren gütige Annahme. Ew. Hochwohlgeboren wird es anheimgcstellt, das Honorar hierfür gütigst selbst bestimmen zu wollen. Etwaige Nachbestellungen werden schnellstens geliefert und werden uns erlauben mit vorzufprech n." der Frau B. zu erwerben. Schon nach furzer Zeit bermißte diefe| tan habe. Wenn ein Beamter sich zu einer foldjen Aeußerung der Recht sei die Mage des Amtsvorstehers des Amtsbezirks Last als jedoch verschiedene Wäschestücke, die auf rätselhafte Weise plöglich steige, so erscheine sein Urteil nicht völlig objektiv. Der unzulässig abgewiesen worden, weil er persönlich interessiert sei. aus dem Schrank verschwunden waren. Als einige Tage später Amtsvorsteher erscheine deshalb nicht geeignet, die Klage auf Ent- Was geschieht denn nun dem Amtsvorsteher, dem wiederholt wiederum verschiedene Sachen spurlos berschwanden, wurde der ziehung der Gewerbegerechtigkeit anzustrengen, weil der Verdacht gerichtlich bescheinigt wurde, daß er sein Amt zur Betätigung Angeklagten doch etwas genauer auf die Finger gesehen. Diese gegeben sei, daß der Beamte ein besonderes Privatinteresse durch die persönlicher Feindseligteit au benutzen bermußte wohl Lunte gerochen haben, denn eines Tages war auch sie Anstrengung der Klage fördern wolle. Die Klage sei daher schon fucht hat? Wird ihm durch ein Disziplinarverfahren klar gemacht auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Die Angeschuldigte quar- wegen persönlicher Beteiligung des Amtsvorstehers als unzu werden, daß ihm zur Ausübung der Amtsgewalt die notwendige tierte sich nunmehr bei einer Gesindevermieterin&. in der Garten- lässig abzuweisen. Im übrigen sei durch die Verhandlung Unparteilich feit und Sachlichkeit mangelt? Oder wird straße ein. Auch hier stahl sie wie ein Rabe, ohne daß auf sie auch nichts beigebracht, was die Annahme rechtfertigen fönnte, er auch in Zukunft darüber zu entscheiden haben, ob ihm persönlich anfänglich auch nur der geringste Verdacht fiel. Schließlich wurde der Beklagte Grabow habe die Konzession für das Stutscherlokal zur Verfeindeten die Existenz genommen werden soll? die Diebin durch eine polizeiliche Durchsuchung ihrer Sachen ent- Förderung der Völlerei mißbraucht. Tarot. Bor Gericht bestritt die Angeklagte in beiden Fällen, sich eines Diebstahls schuldig gemacht zu haben. Die Bestohlenen retognoszierten die beschlagnahmten Sachen an der Hand ganz charakteristischer Erkennungszeichen als ihr Eigentum, während die Echwester der Angeklagten trotz aller Ermahnungen dabei blieb, daß die Sachen ihr gehörten. Das Gericht erkannte auf sechs Monate Gefängnis und fünf Tage Haft. Außerdem wurde die Angeklagte sofort in Haft genommen, da Fluchtverdacht vorlag. Schwere Jungen. Im Anschluß an die mit vorstehendem Titel von uns am 12. d. M. gebrachte Gerichtsverhandlung werden wir ersucht, mite auteilen, daß die Genossen Oswald Kelische, Romintener Straße 57, Paul Iische, Grimmstraße 24 und Richard KIische, Bergmannstraße 110, mit dem im Bericht genannten„ schweren Jungen" gleichen Namens weder identisch noch verwandt sind. Der Amtsvorsteher legte Revision ein und machte geltend, der Bezirksausschuß habe auf jene Worte kein entscheidendes Gewicht legen dürfen. Es käme für das Gericht doch vor allem darauf an, ob der Beklagte gejündigt habe. Wegen Unzulässigkeit hätte die Klage jedenfalls nicht abgewiesen werden dürfen. Das Oberverwaltungsgericht verwarf jedoch die Revision mit folgender Begründung: Ein Beamter dürfe nicht gegen jemanden mit der Klage auf Untersagung des Gewerbebetriebes vorgehen, wenn eine Feindschaft vorhanden sei, die seine UnAchtung! Blumen, Palmen- und Putzfeder- Arbeiter und befangenheit in der fraglichen Angelegenheit beeinflussen könnte. Arbeiterinnen. Donnerstag, den 17. September, abends 8 Uhr, in Ein Amtsvorsteher, der nicht klagen durfte. Ob überhaupt die lage erhoben werde, liege hier im Ermessen des Kubes Festjälen, Alte Jakobstr. 75: Versammlung. Tagesordnung: Die Den Menschen bringe ich noch raus!" Go oder Beamten. Dabei sei es aber von großem Wert, daß Einflüsse Rohn- und Arbeitsverhältnisse unserer Branchen und wie sind sie zu vers ähnlich, noch etwas schroffer im Ausdruck, hatte sich der Amtsvor- persönlicher Natur nicht entscheidend mitwirften. Im vor- bessern? steher des Amtsbezirts Last mit Bezug auf den Restaurateur liegenden Falle seien aber solche Einflüsse in einer Feindschaft Grabow im Ostseebad Brösen geäußert, gegen den er die Klage und Voreingenommenheit des Amitsvorstehers gegen den auf Entziehung der Schanktonzession angestrengt hatte. Grabow Wirt gegeben, denn es stehe ja fest, daß er in der fraglichen Zeit hatte das Strandlokal in dem Badeorte und sollte nach der Klage- gesagt habe, er wolle den Menschen hinausbringen. Unter den behauptung in der dazu gehörigen Kutscherkneipe" die Böllerei Umständen hätte der Amtsvorsteher sich an den Kreisausschuß wenden gefördert haben. Der Kreisausschuß des Kreises Danziger Höhe müssen und beantragen, daß ein anderer Amtsvorsteher oder ein wies die Klage des Amtsvorstehers ab und der Bezirksausschuß be- Bürgermeister mit der Erhebung der Klage betraut würde. Die stätigte das Ürteil mit folgender Begründung: Es stehe fest, daß Sache des damit Beauftragten wäre es dann gewesen, erst zu der klagende Amtsvorsteher die oben wiedergegebene Aeußerung ge- prüfen, ob die Erhebung der Klage geboten sei oder nicht. Mit Unserem Kollegen Karl Zick und feiner Heben Frau zur filbernen Hochzeit die herzlichsten Glückwünsche. Seine Werkstattkollegen. Sozialdemokrat. Wahlverein für den 4. Berliner Reichstagswahlkreis Frankfurter Viertel. Bezirk Nr. 310. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriger Genoffe, der Möbelpolierer 220/11 Franz Wolf Friedenstraße 62 plöblich gestorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Mittwoch, 16. September, nachmittags 3 Uhr, von der Leichen halle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Stollege, der Möbel polierer Franz Wolf am 11. September gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 16. September, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Zentralfriedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 90/9 Die Ortsverwaltung. Sozialdemokrat. Wahlverein für Schöneberg. Bezirk 6b. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Metallbrüder Julius Paetzoldt 15/20 im Alter von 39 Jahren an ber Proletarierfrankheit nach langen Leiden verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 16. September, nachmittags 5 Uhr, von der Leichen balle des Schöneberger Friedhofes, Marstraße, aus statt. 15/18 Um zahlreiche Beteiligung er lucht Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband Berwaltungsstelle Berlin. • Todes Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Metalldrücker Julius Paetzoldt am 13. b. Mis. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 16. September, nach mittags 5 Uhr, von der Leichen halle des Schöneberger Ffriedhofes, Marstraße, aus statt. 122/1 Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Grosse Betten 12 Mk ( Oberbett, Unterbett, 2 Riffen) mit boppeltgereinigten neuen Bett febern, beffere Betten 15, 19, 24 T.; 1 Schl. Betten 15, 20, 23, 29, 36 usw. 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Die Kollegen bersammeln fich beim Kollegen Stelaff um 4%, Uhr. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, baß unser Kollege, der Vergolder Ernst Haspel am 8 September gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 15. September, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Dantes- Kirchhofes, Müllerstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 90/10 Die Ortsverwaltung. Verband d. baugewerblichen Hilfsarbeiter Deutschlands. Zweigverein Berlin u. Umgegend. ( Bezirk Schönhauser Vorstadt.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Stollege Erich Schurwanz verstorben ist. 31/3 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Mittwoch, ben 16. b. Mis., nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause Storförer Straße 21 aus auf dem Friedhof der Gethsemane Gemeinde in Nieder- Schönhausen/ Nordend statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Zweigvereinsvorstand. Alle Aeußerungen, die ich über den Maurermeister Herrn Hermann Stußner, seine Frau und seine Tochter Frau Ponisch gesprochen habe, nehme ich hierdurch als unwahr reuevoll zurüd und warne vor weiterer Verbreitung. Theodor Pönisch, Ober- Schöneweide, Wilhelminenhofstr. 82B. Möbel Schulz Vielen Kranken ein großer Segen! F. S., not. cand. in Stuttgart schreibt: So lange ich denken kann, war ich nur ein halber Mensch. Ich bin stets müde und abgespannt gewesen, hatte, obgleich ich blutarm war, immer Nasenbluten und sah aus wie der Tod. Ich nahm alle möglichen blutbildenden Mittel ein, aber von einer Besserung war feine Spur. Mit der Zeit wurde ich melancholisch. Ein Freund von mir bestellte für mich 30 Flaschen Lamscheider Stahlbrunnen; schon nach der 5. Flasche bemerkte ich eine wesentliche Besse rung. Ich wurde frischer, lebhafter. Nachdem ich alle Flaschen verbraucht hatte, war ich ein anderer Mensch. 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Donnerstag, abends8uhr: Donnerstag, abends8 Uhr: Das Stiftungsfest. Das Opferlamm. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Berlin. Sonnabend, den 19. September, in der ,, Neuen Welt", Hasenheide Nr. 108-114: Zur Feier des 16. Stiftungs- Testes Konzert: Berliner Sinfonie- Orchester Direktion Max. Fischer 40 Künstler unter Mitwirkung hervorragender Solisten. Kinematograph. Nach dem Konzert: Gr. Ball.( Zwei Orchester. Anfang 8 Uhr. Billett 50 Pf.( Tanz frei.) Während des Konzerts bleiben die Saaltüren geschlossen. Rauchen vor Beendigung des Programms nicht gestattet. Programme unentgeltlich an der Kontrolle. Billetts sind im Bureau, bei den Zahlstellenkassierern sowie in nachstehenden Lokalen erhältlich: S. bei Erbe, Hasenheide( gegenüber der Neuen Welt); Karl Grumbach, Schönleinstr. 6; SO. bei Liebehenschel, Mariannenstr. 48. 90/4 Das Komitee. Zirkus Schumann. Heute Dienstag, den 15. d. Mts., abends präzise 7%, Uhr: Das Sensations- Programm. Neu! OriginalNen! Neu! Nen! 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Brunnen- Theater Sanssouci, Vera Violetta. Babftraße 58. Dirett: Will Voigt. Paul Spadoni der König der Straftjongleure. WING BATEN EröffnungsProgramm. The Zancigs- Joseph Josephi, Sänger Ephraim Thompson, dressierte Der Floh im Ohr. Elephanten Okabe, JapanerTruppe Die 5 Mowatts, KeulenSchwant in 3 Atten von G. Feydeau. Jongleure I Die 12 Tiller- Girls, Deutsch von Wolff- Jacoby. engl. Gesangs- u. Tanztruppe Chandebise- Boche: Richard Alerander. Cornalla und Eddie, amerikanische Bis Freitag: Der Floh im Ohr. Exzentriks Der Zukunftspreis, Sonnabend, den 19. September, Wettrennen m. lebenden Pferden. zum erstenmal: Das Glück des Karl Hertz, Zauberkünstler. andern. Boyer de Lafory, französ. Sängerin. Der Biograph. Neues Operetten- Theater, Schiffbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Neu einstudiert! Anfang 8 Uhr: Die Dollarprinzessin. Operette in 3 Atten v. A. M. Willner. DERNHARD ROSE THEATED ( Sr. Frankfurter Str. 132. Das bemooste Haupt. Anf. 8 Uhr. Wochentagspr. Auf der Gartenbühne: Letzte Vorstellung. Theatervorstellung. Spezialitäten. Anfang 5 Uhr. Reichshallen- Theater Gustav BehrensTheater. Coltzstr. 9. Feine Sache! Ausgezeichnet! Große Ausstattungsoperette. Neu! La belle Rose, Brimas Ballerina. Neu! Georg Thierry gen. Silvester- Schäffer II. 10 Spezialitäten 10. Täglich: Anfang 8 Uhr. Sonntags 5%, Uhr. Stettiner W. Noacks Theater Sänger. Direftion: Rob. Dill. Brummenftr. 16. Anf. Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr, Reichshallen Garten und Restaurant: Militär- Konzert. Muttersegen oder: Die Perle von Savoyen. Bollsstäd mit Gefang in 5 Aften. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Bj. Donnerstag: Kommah, od.: Der Fluch des Geigers. Sonnabend 1. Klassitervorstellung Die Nänber. Täglich: Mit vollen Segeln. Erstklassige Spezialitäten. 8 Richard Morescos 8 wilde Königslöwen ( pannendste Raubtiergruppe der Gegenwart. Borverkauf von 10 Uhr ab. Kottbuser Straße 6. Direttion Wilhelm Reimer. Montag, Donnerstag und Sonntag: XIV. Saison! Zirkus Busch. 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Donnerwetter Sonntag nachm. 3 Uhr: Ausgewiesen. Abends 8 Uhr: Helga. Folies- Caprice Durchschlagender Erfolg! Die lästige Witwe. Die Brautschau.- Bunter Tell. Vorverkauf von 11-2 Uhr a. d. Theaterkasse. Anf. 8 Uhr. Casino- Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr Familie tadellos! Große Jahresrevue in einem Vorspiel u. 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Paul Lincke. In Szene gesetzt von Dir. Richard Schultz. Die Tänze einstudiert v. Ballettmeister Louis Gundlach. Massary -O Perry Holden Bender Giampietro- Kettner Pfann Thielscher Rauchen gestattet. Anf. 8 Uhr. August Knoche. Berliner Prater- Theater Berliner Gesangspoffe in 3 Atten. August Knoche: Dir. Hans Berg. Borber d. glänzende Eröffnungsprogr. Sonntag 4 Uhr: Der Brandstifter Hochzeitsreise. Gebrüder HerrnfeldVorverk. Anfang Theater. 11-2 Uhr. 8 Uhr. 57 Kommandantenstr. 57 Das kommt davon! mit dem Vorspiel: Es lebe das Nachtleben. Stomödie in 3 aften von Anton und Donat Herrnfeld. alast- Theater Burgstr. 24, 2 Min. v. Bhf. 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KkllW ilkS.Imiirls" KllllM NckÄÄ. Uetlskitg, t5. ZeptmwMZ. Partei-?ZngelegenKeiten. Rixdorf. Die Mitglieder des Wahlvereins werden auf die heute eckend 8'/z Uhr stattfindende Versammlung in Hoppes Festsälen, Her- »nannstr. 49, ganz besonders hingewiesen. Diese Versammlung soll die Agitation für die im November stattfindenden Stadtverordneten- wählen einleiten. Die Tagesordnung lautet: 1. Bericht der Stadt- verordnetenfraktion. 2. Diskussion. 3. LereinZangelegenheiten, Vcr- lchiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Lritz-Buckow. Heute abend'/g9 IUhr findet die Vereins- Versammlung im Lokale des Herrn Schöneberg, Rudower Str. 66, statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen M. Schütte über: „Die Anfänge der Berliner Arbeiterbewegung". 2. Diskussion. 8. Verschiedenes. Der Vorstand. Potsdam. Am Mittwoch in allen Bezirken: Zahlabend. Der 1. Bezirk umfaßt die innere Stadt links der Nauener Straße und die Teltower Vorstadt; Versammlungslokal: Restaurant Wegener, Am alten Markt(Ecke der Kaiserstraße). Der 2. Bezirk unifaßt die Stadt rechts der Nauener Straße und die Jäger- und die Nauener Vorstadt; Versammlungslokal: Wilh. Ladcnthin, Kaiser-Wilhelm- Straße. Der 3. Bezirk, die Brandenburger Vorstadt, hat als Wer- fammlungslokal den Viktoriagarten bestimmt. LSnigS- Wusterhausen und Umgegend. Den Parteigenossen zur Mitteilung, daß die nächste Wahlvereinsversammlung nicht am Mittwoch, den 16. September statrfinden kann; dieselbe ist auf Mittwoch, den 23. September verlegt und zwar findet sie im Lokale des Herrn Wedhom statt. Näheres wird noch bekanntgegeben. verlmer JVadmebten. Farbenwechsel. Jede Jahreszeit hat ihre Palette. Der Winter streicht nur Weiß über die Gefilde und ist am zufriedensten, wenn er alles. Totes und Lebendes, gleichmäßig darunter begraben hat. Der Frühling führt das Grün in allen Schattierungen und spritzt hier und da bunte Farbenflecke dazwischen. Beim Sommer überwiegen auf der Palette die farbigen Flecke im dunklen Grün. Der Herbst aber ist der Meister im Großen. Er hat wie der Sommer alle Farben des Regenbogens auf seiner Palette, aber anstatt sie auf Wiesen, Feldern und Gärten zu verteilen, läßt er die Blumen vergehen, um an ihrer Stelle die Baumkronen und Sträucher zu einem letzten farbigen Gesamtbilde zu vereinigen. Schon in der Stadt fällt aus den Ballonen die rote Per- särbung des wilden Weines auf. Um mehr zu sehen, müssen wir in unsere Mischwälder, in die Jungfernheide, nach Finken- krug oder Spandan wandern. Die Rotbuche hat von der Art, wie ihre Kronen die ganze Skala von Hell- zu Braunrot durchläuft, ihren Namen, während die Weißbuchen, die sich im Mischwalde so gern mit den Kiefern gesellt, sich wie die Birken und Ahornbäume gelb verfärben. Trüb ins Braune wandelt sich das Laub der Erlen, rote und violette Töne treten besonders an verschiedenen Sträuchcrn auf und bis zur Scharlachröte färbt sich die Eberesche. Je mehr eine Gegend an verschiedenartigen Holzgewächsen besitzt und je länger und sonniger der Herbst ist, um so lebhafter das herbstliche Farbenspiel. Denn es ist die Sonne, die auf einen im Herbste in den Blättern gebildeten Stoff(den die Botaniker Anthokyan nennen) einwirkt und ihm im Verein mit anderen Eigenschaften, die jede Pflanzenart besitzt, die Färbung gibt. Am Rhein, der einen warmen, sonnigen Herbst an seinen Geländen hat, ist in Deutschland die Herbstfärbung wohl am schönsten ausgebildet. Die größte Steigerung soll er als„Jndianersommer" an den Ufern nordamerikanischer Seen erreichen, was wieder mit der weitaus größeren Zahl der dort heimischen Holzarten und mit den langen Herbsten Nordamerikas zusammenhängt. Der wilde Wein unserer Ballone windet sich dort hoch auf die Bäume und ziert sie in brennendem Rot. Aber auch in unseren Wäldern sind herrliche Herbstbilder zu finden. Nur die hohen Kiefern, wo sie vorherrschen, ragen stolz und starr über den ein- gesprengten, verblaffenden Laubbäumen. Noch ein paar Wochen, dann stehen die kahlen Zweige der Erlen. Birken und Buchen zwischen den dunklen Wipfeln der Kiefernforsten, die sich nur um ein weniges dunkler färben und unversehrt den grimmen Winter erwarten._ SBettn van auf der Eisenbahn etwas verliert. Auf der Eisenbahn wird viel verloren, das ist ohne weiteres be- greiflich. Manches von dem Verlorenen wird durch die Finder ab- geliefert, aber nur weniges von dem Gefundenen wird durch die Verlierer zurückgefordert. In Berlin ist das Fundbureau der Eisen- bahn vollgepstopft mit Gegenständen aller Art, die gar nicht mal immer ganz geringwertig sind und dennoch nicht zurück- gefordert werden, sodaß sie schließlich in der Fundsachenaultion zu Spottpreisen verschleudert werden müssen. Woran das liegen mag? Zum Teil wohl daran, daß die Verlierer oft keine Ahnung davon haben, wo sie. ihr Eigentum verloren haben und wohin es geraten sein kann; zum anderen Teil aber gewiß daran, daß der bei der Eisenbahnverwaltung herrschende Bureaukratismus den: Publikum die Wiedererlangung verlorener Ge- genstände in unnötiger Weise erschwert. Ein Leser unseres BlatteS namens H. schildert uns die Erfahrungen, die er habe machen müssen, als er auf der Eisenbahn etwas verloren hatte und nun den Verlust anmeldete. H. war nach Feierabend von Berlin in einem Vorortzuge nach Kietz-RummelSburg gefahren, hatte beim Aussteigen eine Kaffeekanne nebst Ledertäschchen im Wagen liegen lagen, bemerkte aber den Verlust noch auf dem Bahnhofe und meldete ihn dem Stationsvorsteher unter Angabe des betreffenden Wagens. Der Verlierer fügte die Bitte hinzu, hinter dem davonfahrenden Zuge her nach der nächsten Station zu telephonieren, und er hoffte, daß schon der nächste von dort kommende Zug ihm sein Eigentum zurückbringen würde. Doch der Cisenbahnfahrgast denkt— und der Eisenbahnbureaukratismus lenkt. Der Stations- Vorsteher gab eine Auskunft, die H. dahin verstand, es müsse eine Depesche abgesandt werden, sie sei mit 60 Pf. zu bezahlen und zwar sofort, außerdem sei bei Abholung des Gegenstandes noch eine Ge- bühr von 60 Pf. zu entrichten. H. antwortete, er habe im Augenblick nicht genug Geld bei sich, um sofort eine Depesche bezahlen zu können, auch seien Kanne und Tasche nicht mehr so wertvoll, daß er noch 1 M. dafür opfern möchte. Darauf erklärte der Beamte achsel- zuckend, dann wandere das Verlustobjekt in daS Fundbureau, das am Schlesischen Bahnhof sich befinde und von SUhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags geöffnet sei. Also hatte H. sich an das Fundbureau zu wenden, doch so etwas ist leichter gesagt, als ein Arbeiter es tun kann. Genosse H. schreibt uns, eS sei ihm nicht möglich, in der Zeit von 9 bis 3 Uhr daS Fundbureau aufzusuchen, wenn er nicht einen Verdienstausfall er- leiden wolle; der voraussichtliche Verdienstausfall würde über den Wert der Kanne und der Tasche hinausgehen, darum habe er sich entschließen müssen, auf die Wiedererlangung seines Eigentums überhaupt zu verzichten. Er macht den Vorschlag, das Fundbureau bis zum Abend offen zu halten, dann werde es auch Arbeitern leichter möglich sein, dort nachzustagen. Der Vorschlag verdient Beachtung. Wäre das Fund- bureau länger geöffnet, so würde die Eisenbahnverwaltung wahr- scheinlich nicht so viele verlorene Gegenstände auf dem Halse be- halten. Wir nehmen an, daß auch ihr selber hiermit gedient wäre. Vor einiger Zeit wurde ja wohl gemeldet, man müsse das Fund- bureau vergrößern. Das würde unseres Erachtens nicht nötig sein, wenn nur die Eisenbahnverwaltung den Verlierern etwas mehr ent- gegenkommen wollte._ Ernteausstellung der Laubenkolonisten, Was der Fleiß der Laubenkolonisten zu schaffen vermag, das sah man wieder auf der diesjährigen Ernteausstellung, die von dem Bund der Pflanzervereine Berlins und Um- gegend veranstaltet worden war. Sie wurde am Sonntag und Montag im Etablissement„Zur Lebensquelle"(Kommandanten- straße) abgehalten; ausgestellt waren Erzeugnisse des Gartenbaues (Gemüse. Blumen, Obst), daneben Erzeugnisse der Viehzucht (Kaninchen. Geflügel). Der hauptsächlichste Zweck der vom Bund nun schon seit einer Reihe von Jahren veranstalteten Ausstellungen ist der, den Gartenbau in den Laubenkolonien Groß-Berlins durch einen anregenden Wettbewerb zu fördern. Aber auch für den Un- beteiligten, der nicht selber Laubenkolonist ist, sind sie nicht ohne Interesse. Die Abteilung der Gartenbauerzeugnisse war be- sonders gut beschickt und bot tüchtige Leistungen, die auch einem Berussgärtner Ehre gemacht hätten. Das Auge wurde erfreut durch eine bunte Fülle entzückender Blumen, den Gaumen reizte eine reichhaltige Sammlung prächtiger Gemüse. Freilich haben nicht in allen Laubenkolonien die Pflanzer mit dem Ertrag dieses Jahres zufrieden sein können. Die Dürre, die gerade der Juni brachte, ließ in den hochgelegenen Kolonien mit Sandboden manchen Pflanzer die trübe Erfahrung machen, daß nicht immer Segen der Mühe Preis ist. Dafür wurde aber in den niedriggelegenen Kolonien, in den oft über ein Zuviel an Feuchtigkeit geklagt wer- den muß, diesmal der Fleiß der Pflanzer um so besser belohnt. Auf der Ausstellung war unter den Gemüsen so manche Erfolgprobe zu sehen, die sich durch ungewöhnliche Quantität auszeichnete. Ein Kops Wirsingkohl zum Beispiel hatte das stattliche Gewicht von 17 Pfund erreicht; mehr kann selbst der Ungenügsamste nicht ver- langen. Auch an kräftig entwickelten Kartoffeln fehlte es nicht; die größten, die wir bemerkten, wogen 1)4 Pfund. Wie es aller- dings um die Qualität solcher Riesenprodukte steht, darüber kann bloßes Anschauen keien Aufschluß geben. Mit Mißtrauen, das von vornherein uns beschlich, betrachteten wir auch die hochragende Tabakpflanze von 1% Meter Länge, die in einer Rixdorfer Lauben. kolonie gezogen worden ist. Wie mag so eine Havanna aus Rixdorf schmecken? Die Viehzucht der Laubenkolonisten muß sich im wesentlichen auf Kaninchen, Tauben, Hühner, Enten beschränken. Die Auswahl, die auf der Ausstellung geboten wurde, war diesmal nicht groß. Die Witterung hatte manchem Pflanzer einen Strich durch die Rechnung gemacht, so daß er seine Tiere fernhalten mußte, weil sie in der Mauser steckten oder kränkelten. Einem Unkundigen kann bei einem Gang durch eine solche AuS- stellung die Erkenntnis aufdämmern, daß die Arbeit der Lauben- kolonisten reicher an Mühen ist, als es ans den ersten Blick scheint. Ohn' Fleiß kein Preis, das gilt auch hier. Daß auch sonst die Laubenkolonisten nicht„auf Rosen gebettet" sind, dafür sorgen schon — im„Vorwärts" ist daS oft gezeigt worden— die Herren „Generalpächter", die sich zwischen sie und die Besitzer isß Laubenlandes schieben.___ Ein Frauenmord in Grüna«. Vor den Toren Berlins ist in der Nacht zum Sonntag ein neues Kapitalverbrechen verübt worden. Auf Grünauer Gebiet, in der Nähe des Gemeinde-FriedhofeS, wurde Sonntag ftüh eine in den dreißiger Jahren stehende Frau erdrosselt aufgefunden. Die sofort angestellten Ermittelungen ergaben, daß man es in der Toten mit der 32jährigen Frpu des JnstrumentenmacherS Hugo B u ch h o l z aus der KönigSberger Straße 7 in Berlin zu tun hat. Als mutmaßlicher Täter ist der 2 /jährige Kutscher Erich Wollenberg, der zuletzt in der Thaerstt. 6 wohnte, verhaftet worden. An Einzelheiten wird uns über baS Verbrechen das folgende ge- meldet: In der sechsten Morgenstunde des Sonntags bemerkten drei Arbeiter, als sie an dem Grünauer Friedhofe vorübergingen, eine weibliche Leiche an der Kirchhofsmauer liegen. Als sie näher zusahen, erkannten sie. daß die Tot« zweifel- los ermordet worden war. Sie machten daher schleunigst Anzeige beim Gemeindeborsteher in Grünau, der seiner- seits auch sofort die Gendarmerie und die Behörden der umliegenden Ortschaften hiervon benachrichtigte. Auch die Berliner Kriminalpolizei wurde in Kenntnis gesetzt. woraus Kriminalkommissar Weiß mit zwei Polizeihunden nach der Mordstelle eilte. Die Hunde arbeiteten vorzüglich und liefen von der Leiche direkt auf daS HauS Rosestraße 5 zu, wo eine Schwester der Er mordeten wohnt. Auf diese Weise konnte die Persönlichkeit der Frau festgestellt werden. Durch Verhöre konnte bald ernnttelt werden. daß Frau Buchholz. die seit einiger Zeit von ihrem Manne getrennt lebte. Beziehungen zu einem Kutscher Wollenberg gehabt hatte. Alle Anzeichen sprachen dafür, daß nur dieser Mann als Täter in Frage kommen könne. Die Polizei stellte daher umfangreiche Recherchen an, die den Ver- dacht gegen den Kutscher Wollenberg verstärkten, so daß dessen Vcr- Haftung angeordnet wurde. Einige Kriminalbeamte begaben sich nach der Wohnung des Beschuldigten in der Thaerstraße 6, fanden aber niemand zu Hause. Erst am Spätnachmittag gelang eS, den Gesuchten in einer Gastwirtschaft zu ermitteln und festzunehmen. Er selbst bestreitet, die Tat begangen zu haben. Da aber schwer- belastendes Material gegen ihn vorliegt, wurde er nach dem Amts- gerichtsgefängnis in Köpenick geschafft. Die Leiche liegt in der Fciedhofshalle, wo die Obduktion stattfinden soll. Wie jetzt feststeht, ist der Mord in der achten Abend- stunde des Sonnabend ausgeführt worden. Frau Buchholz hatte sich kurz nach 7 Uhr aus der Wohnung ihrer Schwester entfernt, um bei einer Waschfrau Meier in Grünau Wäsche abzuholen. Zwischen und Va8 Uhr wurde der Kutscher Wollenberg mit der Er- mordeten zusammen gesehen. Wollenberg hatte ein Fahrrad bei sich und redete heftig auf die Frau Buchholz ein. so daß eS den Anschein hatte, als ob sich beide zankten. Schließlich warf Wollen- berg sein Rad über eine Hecke. Diese Szene spielte sich dies- seits der Bahn ab. Jenseits der Bahn hat dann niemand daS Paar mehr beobachtet. Das Fahrrad trägt die Marke„Reichs- rad Brillant" und hat imitierte gelbe Holzfelgen mit schwarzen Streifen und rote Gummimäntel. Es ist anscheinend gestohlen. Der Mörder hat sich nach der Tat auf einem Umweg« nach der Bahn begeben und zwar in nördlicher Richtung. Durch die Polizeihunde wurde die Spur ganz genau festgestellt. Bon einem Nachtzug üierfahren und getötet wurde der 80 Jahr« alte verheiratete Streckenarbeiter Georg Schubert. Gestern früh fand man seine Leiche auf den Schienen zwischen Bahnhof Steglitz und der Ueberführung an der Berlinickestraße. Die Leiche wurde nach der Steglitzer Kirchhofshalle gebracht. Vom Dache abgestürzt ist am Sonnabend, nachmittags S'/a Uhr, im Grunewald in der Herder-Sttaße der Dachdecker Julius Beuther. Derselbe war hier mit dem Eindecken von Dunstrohren beschäftigt und gerade im Begriff, sich seine Dachleiter im Haken zu befestigen, wobei der Absturz erfolgte. Er wurde schwerverletzt in daS städttsche Krankenhaus in Moabit eingeliefert. Im Wannsee ertrunken. Ein folgenschweres Bootsunglück hat sich am Sonntagnachmittag auf dem Wannsee in der Nähe des Freibades zugetragen. Der Glaser Nosinsky, der auf dem Wannsee ein eigenes Seegelboot besaß, wollte mit zwei jungen Mädchen eine Segelpartte unternehmen. Doch kaum hatte daö Boot das Ufer verlassen, als sich ein heftiger Sturm erhob und das Segelboot zum Kentern brachte. Alle drei Insassen fielen ins Wasser. Während es jedoch Nosinsky gelang, sich solange über Wasser zu halten, bis er von einem anderen Segellboot gerettet und aufgenommen werden konnte, wurden seine beiden Begleiterinnen, die 22 Jahre alte Schneiderin Anna Richter aus der Marchstraße 22 und die 2Sjährige Martha ReSke aus der Marchstraße 23 zu Charlottenburg von der Strömung ergriffen und mit fortgerissen. Die Leichen konnten im Laufe des gestrigen TageS noch nicht aufgefunden werden, die Potsdamer Fischerinnung wird daher heute den Wannsee ab- suchen. Der dcS Mordes an Kaufmann Engel verdächtige Serbe Kragu- jewicz wurde gestern wiederum vernommen. Ueber dieses Verhör wird aus Budapest gedrahtet: Kragujewicz gab zu, mit älteren Herren homosexuellen Verkehr unterhalten zu haben, behauptet je« doch, daß dies bei Engel nicht der Fall war. Seine engeren Freunde sollen Gardeoffiziere und hochgestellte Beamte gewesen sein. Seine Angaben wurden zur Prüfung auf Richtigkeit der Berliner Polizei mitgeteilt. Die Wirtin sagte aus, daß er auch in Budapest stets mit älteren Herren verkehrt habe, die Polizei hat festgestellt, daß Kragujeivicz aus Budapest keine einzige Geldsendung erhalten und die Berliner Reise mit 240 Kr. angetteten hat. Ein fremdes Haar, das seinerzeit auf Engels Leiche gefunden wurde, ist zur Untersuchung an dep Chemiker Dr. Jeserich, Charlottenburg, geschickt worden. Bom Gerüst abgestürzt. Ein bedauerlicher Unfall ereignete sich gestern abend in der Lüderitzstr. 4. Dort ist am Hause zwecks einer Reparatur ein Gerüst aufgestellt. AIS die dort beschäftigten Arbeiter nun Feierabend gemacht hatten und das Gerüst ohne Aufsicht war, kletterte der achtjährige Willi Kicinslick empor, verlor aber plötzlich das Gleichgewicht und stürzte w die Tiefe. Mit schweren Schädel- Verletzungen wurde er nach dem Paul-Gerhardt-Stist in der Müller- straße gebracht. Auf dem Rangicrbnhnhof der Anhalter Bahn, Gleis 81, w der Nähe der Weiche 78a, glitt vorgestern abend gegen 10 Uhr der Schirr- mann Friedrich Winkler aus Schöneberg, als er die Rangiermaschine Nr. 6153 besteigen wollte, von: Trittbrett ab. Er geriet mit dem linken Bein unter die rechte Hinterachse, wodurch es zwischen Fuß und Knie gebrochen und fast vollständig abgefahren wurde. Der Verunglückte fand im Urban-Krankenhause Ausnahme. Zirkus Schumann ist nun gleichfalls wieder nach der Reichs- Hauptstadt zurückgekehrt und hat am Sonnabend seine EröffnungS« Vorstellung gegeben. DaS Programm, das die Direktion den Be- suchern bietet, ist so reichhaltig, daß wir uns hier nur auf einige wenige Hinweise beschränken müssen. WaS zunächst die Reitkunst betrifft, so findet dieselbe hier namhafte Vertteter. Einen Tscherkessen- ritt führt Frl. Nanny aus, während sich Signora Ricardo als Salto- mortale-Reiterin und Frl. Claire als Schulreiterin produzieren. Die Dressurkunst ist gleichfalls reichlich und gut vertreten, in erster Linie durch die Pferdedressuren des Herrn Albert Schumann, durch Vorführung dressierter Maultiere sowie Esel und Elefanten. Am interessantesten für viele Besucher galt das dressierte Känguruh, das der Clown Armands vorführte. Neben anderen Kunststückchen führte es einen regelrechten Boxkamps mit seinem Herrn aus. WaS das Auftreten der Lustvoltigeure RoederS-Reinat» an- betrifft, so arbeitet diese Truppe in den.höheren Regionen' des großen ZirkuS mit einer Eleganz und Sicherheit, daß ver Beifall. der ihr gespendet wurde, voll verdient war. Zum Schluß trat eine Marokkanerttuppe auf den Plan, die wundervolle Gruppen bildete, vou denen die Pyramide besonders sehenswert war. Orgelkonzerte. Mittwoch, den 16. September, abend» 7Va Uhr, veranstaltet der kgl. Musikdirektor Bernhard Jrrgang in der S t. Marien-Kirche das nächste Orgelkonzert unter Mit- Wirkung von Frau Emmy Bollin-Haberlandt(Sopran). Herrn Kammersänger Emil Liepe(Baß) und Frau Assia Spiro-Rombro (Bioline). U. a. Passacaglia von Bach und Psalm 94(große Orgel- sonate) von Reubke. Der Eintritt ist frei I Programm mit Text 10 Pfennige. Am Donnerstag, den 17. September, abends 6>/g Uhr. beginnt Herr Organist Arnold Dreher in der ZionSkirche(Zionskirchplatz) seine regelmäßig Donnerstags nach dem IL. jeden Monats statt- findenden Konzerte. Derselbe beabsichtigt in diesem Winter mehrere Komponistenabende zu geben. Das Programm des Konzerts am 17. d. Mts. bringt ausschließlich Kompositionen von G. F. Händel. Mitwirkende: Frau Martha Dreyer-Wolff(Sopran). Herrn E. Goeldner und A. Dreher(Bariton) und Frau Bianca Becker- SamalewSka(Violine). Es werden u. a. Duette auS Judas Maeeabäus und Samson(für 2 Bässe) gesungen. Eintritt frei. Pro- gramm mit Text 10 Pf. Die Schwrdter Straße von der Gleimstraße bis zur Bernauer Straße wird behufs Umpslasterung vom 14. d. M. ab bis auf weiteres fär Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Der„Berein von Freunden der Treptow-Sternwarte" vermr- staltet seinen 213. Vortrags- und Beobachtungsabend am Mittwoch, den 16. September» abends 8� Uhr, im Hörsaal der Treptow-Sternwarte, der während des Neubaues im Restaurant Knapc. vormals Zenner, Treptower Chaussee 22, ein- gerichtet ist. Auf der Tagesordnung steht ein Lichtbildervortrag des Herrn Dozent Jens Lützen über das interessante Thema: „Die Spektroskopie in ihrer Anwendung auf die Himmelskund e". Nach dem Vortrage wird mit dem großen Fernrohr Saturn, dessen Ringsystem jetzt wieder deutlich sichtbar ist. gezeigt. Feiierwrhrbcricht. Am Sonntag früh gegen 6 Uhr wurde die Feuerwehr nach der Chausseestraße 22 gerufen. Eine Gefahr war nirgends zu entdecken. Einem Fenermann glückte es schließlich, den Täter in der Person eines gewissen Ruhr zu erwischen. Am Sonntagabend kam in der Neuen Königstraße 30 ein gefährlicher Kellerbrand zum Ausbruch. Der 1. Löschzug mußte längere Zeit Wasser geben,_ um die Gefahr zu beseitigen. Gleichzeitig hatte die Wehr am Mariannenplatz 23, Friedrichstraße 226, Stcinmetzstraße 76, Perleberger Straße 60 sowie Grünauer Straße 2 zu tun, wo Papier, Stroh. Schornstein usiv. brannten. Ferner hatte die Feuerwehr am Michaelkirchplatz 1 zu tun. Dort brannten Bette» u. a. auf einem Hängeboden. Kleine Wohnungsbrände beschäftigten, die Wehr in der Bülowstraße 102 mmd Gerhardtstraße 2. Der 17. 8ng mußte in der Hollmannstraße 9/10 einen Brand löschen, der durch Entzündung von Papier entstanden war. Kleider u. a. wurden in der Bevernstraße 2 durch unvorsichtigkeit ein Raub der Flammen. Außerdem wurde gestern die Feuerwehr noch nach der Feldzeugmeisterstraße 1, Gneisenaustraße 88, Rückertstraße 5 und nach verschiedenen anderen Stellen gerufen. Rixdorf. Vorort- Nachrichten. einem städtischen Friedhofe ble Polizei ebenfalls Machtbefugnisse Potsdam. befäße und die unliebsamen Vorkommnisse auch dann nicht be- Der zum Krongute Bornstedt gehörige frühere Schafftall, feitigt würden, wiesen unsere Redner darauf hin, daß jeht nicht welcher zur Aufbewahrung von Getreidevorräten diente, ist in der die Polizei die Schuldige sei, sondern diese erst stets auf Antrag Nacht vom Sonnabend zum Sonntag niedergebrannt. Es liegt der Kirchengemeinde einschreite. Um eine Unterlage bezüglich der wiederum, wie im Vorjahre beim Scheunenbrand, Brandstiftung Kostenfrage zu haben, beantragten unsere Genossen Einsetzung vor. Das Schloß war nicht in Gefahr, da dasselbe etwa 2 Stilo einer gemischten Kommission. Dieser Antrag wurde jedoch ab- meter von der Brandstätte entfernt liegt. gelehnt und gemäß einem Vorschlage des Stadtv. Lucht beschlossen, den Antrag dem Magistrat zu überweisen. Gerichts- Zeitung. Ein Fuhrwerksdiebstahl, 10 Punkte der Tagesordnung betrafen Abschlüsse der einzelnen Kassen, die debattelos genehmigt wurden, da das Kassenkuratorium diese geprüft hatte. Trotzdem in den Positionen EtatsüberMit dem Verbandstage deutscher Kaufmanns- und Gewerbe- schreitungen von 35 361,58 M. eingetreten sind, bleibt doch ein der mit einer ziemlichen Portion Diebesfrechheit am hellichten gerichte beschäftigte sich am Donnerstag, den 10. September eine Ueberschuß von 57 718,98 M. Der Magistrat wird noch über die Tage verübt worden war, lag einer Anklage zugrunde, welche vorvon der hiesigen Gewerkschaftskommission nach dem Thielschen Lokal Verwendung des Ueberschusses entsprechende Vorschläge bringen. gestern den Fuhrmann Mar Rost und den Klavierspieler Friedrich in der Bergstraße einberufene Bersammlung. Redner waren die Von einigen wichtigen Rechnungsabschlüssen ist die Endsumme in Schneider vor die 3. Ferienstrafkammer des Landgerichte L Genoffen Vieweg, Urban und Cohen. Gab der Genoffe Vieweg Ein- und Ausgabe: Staatssteuerkonto 190 733,73 M., Städtische führte. Am 25. Januar d. J. hatte ein Kutscher der Waschanstalt einen übersichtlichen Gesamtbericht, so behandelte Genosse Urban Sanalisation 209 477,70 M., Städtisches Wasserwerk 59 815,65 2. Lohengrin" in einem Hause der Fürstenwalder Straße Wäsche recht eingehend die Konkurrenzflausel, deren gänzliche Beseitigung Realschule 86 796,25 M. Der Antrag des Magistrats auf nach abzuliefern. Als er nach wenigen Minuten wieder auf die Straße durchaus zeitgemäß sei. Obwohl auch auf dem Gewerbegerichts. trägliche Bewilligung von 150 M. für zwei Delegierte zum Ver- trat, war das Fuhrwert verschwunden. Einige Tage später ettage die schädlichen Wirkungen der Konkurrenzklausel zugestanden bandstag deutscher Kaufmanns- und Gewerbegerichte in Jena fchienen bei dem Pferdehändler Brandt in Köpenid zwei Männer; wird einstimmig angenommen. Eine Anfrage des Stadtv. Dr. der eine stellte sich als" Fuhrherr Theodor Blank" vor, der zweite wurden, so konnte man sich doch nicht zur Forderung der gänz lichen Beseitigung aufschwingen. Genosse Körsten wies an der Schulze, wie hoch sich die Kosten für jede Sache bei Streitfällen gab sich als Makler aus und erklärte, daß er im Auftrage des anin Hannover soll die Summe geblichen Blank zwei Pferde zu verkaufen habe. Blank selbst wollte Hand reichlichen Materials nach, daß selbst Interessentenkreise, vor dem Gewerbegericht belaufen beantwortet Herr Bürgermeister Dr. Langer- nicht als Verkäufer aus gewissen Gründen auftreten. Da die wenn auch mit belanglofen Vorbehalten, die unhaltbarkeit des 35 M. betragen gegenwärtigen Zustandes zugegeben haben, und daß die bedingungs- hans dahin, daß sich dieser Sah auf etwa 7 M. in Köpenid stellt. beiden Pferde sehr preiswert waren, wurde der Handel perfekt. Lose Aufhebung dieser Bestimmung gefordert werden müsse. Ge- 3um 6. preußischen Städtetag in Königsberg i. Pr. wird seitens Der angebliche Blank, der bei der ganzen Unterhandlung mehr eine passive Rolle spielte, unterschrieb auch mit seinem Namen eine nosse Urban brachte einige besonders trasse Fälle in Sachen der der Versammlung der Vorsteher Herr Bette entsendet. Durch Verzug oder Niederlegung sind einige Schiedsmänner- Quittung. Kurze Zeit darauf stellte es sich heraus, daß die von B. Konkurrenzklausel zur Kenntnis der Versammlung. Ein Fall sei zu verzeichnen, nach dem ein Vertreter der Firma Wertheim gegen posten zu befeßen. Die Versammlung wählt demgemäß für den gekauften Pferde diejenigen waren, die mit dem Wäschewagen geeine Verkäuferin, welche im Kaufhause des Westens eingetreten 1. Bezirk( Gegend Grünstraße) Herrn S. Rühl zum Schiedsmann, ftohlen worden waren. Die Kriminalpolizei hatte inzwischen den war, vor dem Kaufmannsgericht die Verhängung von Haftstrafe zum Stellvertreter Herrn Fr. Koppe, Kieber Straße 6; im 2. Be- Dieb in der Person eines gewissen Otto Lange ermittelt, der beantragt hatte. Daß auch die Arbeiter mit jener Klausel be- zirk( Gegend Alter Markt) Herrn B. Müller, Wilhelmstraße, als aber den„ Verrüdten" spielte und der Frrenanstalt Herzberge über. läftigt werden, beweist der Fall des Lederkönigs Freiherrn von Hehl deffen Stellvertreter Herrn Beier; im 3. Bezirk( Gegend Bahnhof- wiesen wurde, aus der er allerdings schon wieder ausgebrochen ist. Gegen die beiden Angeklagten wurde Anklage wegen Beihilfe zu Herrnsheim in Worms, der seinen Arbeitern bei Wochenlöhnen straße) Herrn G. Purrmann zum Schiedsmann- Stellvertreter. Für die Ablösung der Lieferung von Deputatholz an den zum Diebstahl erhoben. Das Gericht nahm jedoch einen gegen den von 24 M. 5000 M. Ronventionalstrafe für den Fall auferlegt, wenn sie in bestimmter Zeit in einem Konkurrenzbetriebe ein Oberprediger beantragt der Magistrat Zahlung des 25fachen Be- Pferdehändler Brandt verübten Betrug und eine Urkundenfälschung treten. Die Konkurrenzklausel sei eine soziale Rückständigkeit, ihre trages für 90 Raummeter a 5 M., also 11 250 M. Jährlich find an und erkannte gegen Schneider auf ein Jahr und gegen gänzliche Beseitigung sei die Forderung des Tages. Genosse Cohen 90 Naummeter zu liefern, und zwar auf Grund einer alten gesez- Rost auf drei Monate Gefängnis. Bezüg berbreitet sich des näheren über die Referate über: Angliederung lichen Bestimmung. Die Versammlung stimmt dem zu. der Schlichtungskommission an die Einigungsämter" und:" Berlich des Ausscheidens aus dem Kreise Teltow haben sich die Austretung vor dem Einigungsamt". Er stellt aftenmäßig fest, daß fichten für eine Einigung gehoben. Der Magistrat will einen Be die von den Referenten aufgestellten Leitfäße der Braris nicht ent- richt über den Stand der Angelegenheit geben, was jedoch in der sprechen, was ihm allerdings sehr übel vermerkt worden sei. Das breiten Oeffentlichkeit nicht angängig erscheint. Der Magistrat Unausgefeßt nimmt die Choleraepidemie in Rußland immer Verhalten des Stadtrats Dr. Glüdsmann- Rigdorf, der zu der Ver- beantragt deshalb Einsetzung eines besonderen Ausschusses zur sammlung eingeladen, aber nicht erschienen war, wurde vom Ge- Renntnisnahme näherer Mitteilungen. Debattelos wird der An- größeren Umfang an. Nach vorliegenden Zahlen erkrankten in den noffen Cohen unter lebhafter Zustimmung der Versammlung als trag angenommen und ein neungliederiger Ausschuß eingesetzt. verschiedenen Gouvernements im Laufe der letzten Woche an der ungehörig bezeichnet. Dieser Herr konnte es sich nicht verkneifen, Unsere Fraktion ist in demselben durch die Genossen Herbst, Niete, Seuche 2296 Personen, von denen 1026 gestorben sind. Seit dem Woit vertreten. Die Vorlage des Magistrats betreffend das am nächsten Tage in seinem Schlußwort die am Tage vorher erledigte Angelegenheit nochmals anzuschneiden. Zur Sicherung von Ortsstatut für ein Schulfuratorium für die Realschule wird eben- Ausbruch der Cholera find 6747 Personen ertranft, 3130 davon Bauforderungen sprach dann noch Genosse Haese, der besonders falls einem Ausschusse überwiesen. In der Debatte über diese sind geftorben. Ein Telegramm vom 13. d. Mts. besagt, daß in Vorlage wurde von dem Vertreter unserer Frattion erklärt, daß Petersburg im Laufe des Sonnabend 86 Neuerkrankungen Sicherstellung der Löhne der Bauarbeiter verlangt. diese Vorlage unannehmbar sei, wenn nicht die Bestimmung, und 26 Sterbefälle zu verzeichnen waren, die Gesamtzahl wonach die Mitglieder des Kuratoriums von der vorgefeßten Be- der Erkrankungen betrug 166. Am Sonntag famen 118 Neu hörde bestätigt werden sollen, gestrichen werde. Der Kommission erkrankungen und 34 Todesfälle hinzu. Aus Tiflis für diese Vorlage gehören von unserer Fraktion die Genossen Woit tommt die Meldung, daß dort sieben Personen an der Cholera erund Wißler an. Für die Verbreiterung der Brüde über das Mühlenfließ in frankt find. Nunmehr scheint die Seuche auch nach Galizien überzugreifen. Nach einer telegraphischen Meldung aus der Friedrichshagener Straße werden 12 500 M. nachgefordert. Die Brüde war zuerst in einer Breite von 15 Meter geplant; Lemberg hat der Stadtarzt von Tarnopol bei einem aus Ruß sie soll jedoch jest 20 Meter in der Breite erhalten. Die Pflaster land Bugewanderten Cholerasymptome festgestellt. arbeiten sollen über die Brücke hinaus bis zum Anschluß an das Pflaster der Straße ausgeführt werden. Die Arbeiten sollen fofort beginnen. Die Mehrforderungen wurden einstimmig be willigt. Der Rest der Tagesordnung betraf kleinere Sachen. Genosse Urban ersucht dann noch die Anwesenden, soweit es ihnen möglich, die im Kaufmannsgewerbe tätigen Personen dem Zentralverbande der Handlungsgehilfen zuzuführen, damit der Kampf gegen die Konkurrenzklausel immer wirkungsvoller gestaltet werden kann. Lichtenberg. Ein Rohrbruch an der Kronprinzen- und Dderstraßen- Ede veranlaßte gestern eine erhebliche Ueberschwemmung. Die Feuerwehr Es wurde alarmiert, um den Keller eines Hauses auszupumpen. wurde auch nach der Polizei geschickt, aber die hatte teine Beit, erst nach reichlich einer halben Stunde tam ein Vertreter. Friedrichsfelde. Der erste Theaterabend in dieser Saison, vom Bildungsausschuß arrangiert, findet am 15. Oftober statt. Gegeben wird Der rote Beutnant". Wie in den Vorjahren, finden die Theatervorstellungen auch wieder im Stadttheater statt. Reinickendorf, " plaße zu tun. Das Speichergebäude, das etwa 20 Meter lang und ebenso breit war, brannte vollständig nieder. Nur die fahlen Mauern stehen noch. Da neben den großen Fourage- und Getreidevorräten auch mehrere Schrot- und Häckselschneidemaschinen vollständig vernichtet wurden, so ist der entstandene Schaden ganz bedeutend. Ueber die Entstehungsursache ist noch nichts ermittelt. Der Brand hatte zahlreiche Berliner Ausflügler angelockt, die bis gegen Mitternacht die Brandstätte umstanden. Weißensee. Vermischtes. Die Cholera. Neue Erfolge Orville Wrights. Drville Bright überbot gestern von neuem den von ihm auf gestellten Rekord, indem er einen 74 Minuten 24 Sekunden bauernden Flug ausführte, wobei er eine Höhe von 250& us erreichte. Einen zweiten Flug unternahm er mit einem Teilnehmer und blieb dabei 9 Minuten 6 Sefunden in der Luft. Ein Gattenmörder. In Nennhausen, Kreis West- Havelland, hat gestern abend der Tagelöhner Baul Steinbod feine Ehefrau nach vorauf gegangenem Streite durch Fuftritte getötet. Mörder wurde verhaftet. Des 25 Millionen Rapital 3,50 Frank Raffenbestand. Wie aus Nanch gemeldet wird, nahm die Polizei gestern eine Haussuchung in den Lokalen der Societé générale française et anglaise vor, welche mit einem Kapital von 25 Millionen Frank zur Förderung der Handelsindustrie und freundschaftlichen Beziehungen zwischen England und Frankreich gegründet worden war. Die gerichtliche Behörde beschlagnahmte die gesamten Ge. schäftsbücher und Storrespondenzen. Hierauf nahm fie eine Deff nung des Geldschrankes vor. In diesem wurden rund 3 Frant 50 Centimes in bar borgefunden. Eine ähnliche Haus. fuchung fand bei dem Direktor statt. Der Direktor ist ge flüchtet. Die Gesellschaft hat mehrere Filialen, bei welchen ebenfalls Haussuchungen stattgefunden haben, und zwar auf Grund einer Klage wegen Betruges. Weitere Haussuchungen stehen bevor. Briefkaften der Redaktion. Dof. Die juristische Sprechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, weiter dritter Eingang, bier Treppen, Du Fabr ftuh I Geöffnet 7 be wochentäglich abends von 7 bis 9% Uhr statt. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ift ein Buchstabe und eine Zahl als Wierkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Brieffaften können 14 Tage vergehen. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. O. 2. Wir halten Ihren Vorschlag für undurchführbar. Er untere bindet die gegenseitige Aussprache. Witterungsübersicht vom 14. September 1908, morgens 8 Uhr. Als eine Gemeindevertretung im Umherziehen wird sich in Bukunft die Vertretung von Friedrichsfelde zu betrachten haben. Die letzte Sigung der Gemeindevertretung hatte sich nämlich mit dem Antrag verschiedener Gemeindevertreter aus Karlshorst zu beschäftigen, die Sigungen der Gemeindevertretung abwechselnd in Friedrichsfelde und Karlshorst abzuhalten. Dieser Antrag Ein gewaltiger Brand kam am Sonntag abend kurz vor 6 Uhr wurde damit begründet, daß die Starlshorster Bürger den Wunsch in Reinidendorf- West in dem Getreidespeicher der Fouragehandlung hätten, auch einmal den Sibungen der Vertretung beiwohnen zubon C. Staamann, Scharnweberstraße 146/147 zum Ausbruch fönnen; es wird sogar verlangt, daß auch einzelne Kommissions. As die freiwilligen Feuerwehren von Reinickendorf- West und-Ost sizungen in Karlshorst abzuhalten seien. Gegen diesen Ausbruch des Lokalpatriotismus wendeten sich verschiedene Redner, so Genoffe anrückten, war das Feuer schon weit fortgeschritten. Helle Flammen Pinseler, der Bürgermeister, die Schöffen Reschte und Bechardschet. schlugen an allen Eden aus dem zweistödigen, langgestreckten Der Antrag sei, so sagte der Bürgermeister, nicht geeignet, die Speichergebäude. Die großen Futter- und Getreidevorräte, die in Gegenfäße zwischen den beiden Ortsteilen zu mildern, zumal die dem Speicher lagerten, führten dem Feuer immer neue Nahrung Gemeinde in Karlshorst gar keine eigenen Amtsräume befize. Alle zu, und bald brannte der Speicher in seiner ganzen Ausdehnung. Einwände halfen aber nichts, der Antrag der Karlshorster Ge- Auf den weithin fichtbaren Feuerschein hin waren auch die Feuermeindevertreter wurde mit 13 Stimmen angenommen. Als Lotal wehren aus Nieder- Schönhausen, Tegel, Wittenau, Wilhelmsruh für Abhaltung der Gemeindevertreterfibungen in Karlshorst wurde und Rofenthal zu Hilfe geeilt. Da von vornherein llar war, daß von dem Speicher nichts mehr gerettet werden konnte, so richteten das Restaurant" Fürstenhaus" in Aussicht genommen. die Feuerwehren ihr Hauptaugenmerk darauf, die angrenzenden Köpenick. Wohngebäude, die start gefährdet waren, zu schüßen. Unausgesetzt Aus der Stadtverordnetenversammlung. Eine umfangreiche wurde aus einer ganzen Reihe von Schlauchleitungen Wasser geTagesordnung beschäftigte die Stadtverordnetenversammlung in geben, doch erst nach zweistündiger Löschtätigkeit konnte die Hauptder ersten Sigung nach den Ferien. Die Wahl des in der ersten gefahr als beseitigt gelten, weshalb die fremden Wehren wieder Abteilung gewählten Herrn Dr. Lehmann wurde für gültig erklärt abrüdten. Die Ortswehren hatten aber mit der vollständigen und es fand im Anschluß an diese Beschlußfassung die Einführung Ablöschung und Aufräumung bis gegen Mitternacht am Branddesselben statt. Der Vorsteher gab Kenntnis von zwei Amtsniederlegungen, und zwar von der des Herrn Willnow als Magistratsmitglied und der des Herrn Gilam als Stadtverordneter ( zweite Abteilung). Während der Vorsteher zur Neuwahl eines Magistratsmitgliedes die Versammlung zum 2. Oktober einlud, soll die Ersatzwahl für Herrn Gilow mit den im November vor sich gehenden Ergänzungswahlen vorgenommen werden. Die Wahl eines stellvertretenden Stadtverordnetenvorstehers nahm längere Zeit in Anspruch. Von der liberalen Fraktion war Stadtv. Cunik borgeschlagen. Unsere Fraktion berlangte gemäß ihrer Stärke ebenfalls einen Sitz in der Leitung und schlug den Genossen Woik Aus der Gemeindevertretung. Binnen kurzer Zeit wird mit bor. Die stärkste Fraktion der Versammlung, die Freie Ver- den Arbeiten zur Verlegung des Druckrohrs nach Birkholz und der einigung bürgerlicher Stadtverordneter, präsentierte teinen Randi einzelnen Kanäle in unserem Ort begonnen werden. Zu diesem daten aus ihrer Mitte, sondern stimmte für Blessow, welcher eben- 3wed foll ein Kanalisationsbaubureau errichtet werden, und zurzeit Stationen falls Mitglied der Liberalen ist. Das Ergebnis war: für Blessow merden mit einem Ingenieur, zwei Kanalbautechnikern und einem wurden 12, für Woit und Cunik je 10 Stimmen abgegeben; Vermessungstechniker die Vorarbeiten vorgenommen. Eine Ver2 Bettel waren unbeschrieben. Das Los entschied, daß Cunik in größerung der Beamtenschaft wird vorgenommen, wenn die ArSwinembe. 763 23 die Stichwahl mit Blessow tam. In der Stichwahl erhielt Herr beiten es erfordern. Professor Brix, der Verfertiger des KanaliDamburg 766 WSW 7562 Blessow 18, Cunit 7 Stimmen. Da Herr Plefsom aber die Wahl fationsprojektes, war vertraglich verpflichtet, bis zum 5. September Berlin ablehnte, wurde ein dritter Wahlgang notwendig. Die Liberale ein spezielles Projekt vorzulegen, nachdem die Regierung das Frant.a. M. 771 S Frattion hielt wieder die Kandidatur Cunit aufrecht, unsere Ge- generelle bereits genehmigt hatte. Es wurde ihm jedoch eine Nach- Münden nossen gleichfalls die des Genossen Woit. Die größte Frattion gab frist bis zum 1. Oktober genehmigt, da die Fertigstellung besonderer Bien weiße Bettel ab, so daß Woit mit 11 gegen 9 Stimmen, die auf Umstände halber zurüdgeblieben ist. Die Bewirtschaftung des Cunis fielen 1 Stimme fiel auf Lucht, gewählt wurde. Riefelgutes erfordert die Einstellung ständiger Arbeiter, und ist 13 Zettel waren unbeschrieben. die Gemeinde bemüht, Arbeiterwohnungen zu schaffen, da im Ort Zu einer lebhaften Auseinandersetzung fam es beim Punkte: folche nicht zu haben sind. Dem Gemeindehausbauverein war bor .Errichtung eines städtischen Friedhofes", ein Antrag, welchen die einiger Zeit ein zinsfreies Darlehen von 60 000 m. gewährt worden. Freireligiöse Gemeinde gestellt hatte. Genoffe Herbst begründete Diese Summe follte der Kreis an die Gemeinde gegen 4 Broz. den Antrag, indem er ausführte, daß der Antrag einem längst ge- Binsen vorschießen. Nunmehr erklärt der Kreis, teine Mittel zu hegten Wunsche zahlreicher Einwohner entspräche. Die hohen Ge- befißen, und machte den Vorschlag, eine Anleihe bis zur Höhe von bührensäge mit einem Aufschlage pon 25 Proz., die die Kirchen- 50 000 m. bei der Kreissparkasse aufzunehmen. Diese Summe gemeinde auf ihrem Friedhofe für diejenigen Einwohner festgesetzt sollte dann mit 14 Proz. amortisiert werden. Der Gemeindehaushat, welche nicht der evangelischen Kirche angehören, sprächen für bauverein ist natürlich nun auch mit 50 000 M. zufrieden, nach Annahme des Antrages selbst. Auch die Vorkommnisse bei Be- dem Rezept: ein Sperling in der Hand ist besser als zehn auf dem erdigungen, die in einem Fall sogar zur Anklage wegen Haus- Dache. Selbstverständlich wurde die Vorlage gegen die sozialfriedensbruchs führte, tönnten sich vermeiden lassen durch die Er. demokratischen Stimmen angenommen. Der Binsfuß der Spar richtung eines städtischen Friedhofes. Herr Dr. Göhring( Freie fasse wurde von 3 auf 3% Broz. erhöht. Die Erhöhung tritt mit Vereinigung) will zunächst die Stärke der Freireligiösen Gemeinde dem 1. Oktober in Kraft. Die Festsetzung von Fluchtlinien für wissen, außerdem tofte die Stadt die Durchführung des Antrages das zwischen Falkenberger und Berliner Straße sowie zwischen ein Stück Geld. Von der Liberalen Frattion erklärt Stadtv. Rennbahn und Berliner Straße liegende Gelände wurde nach Lucht, sich den Ausführungen des Herrn Dr. Göhring anschließen dem Plane des Stadtbaurats Gerlach in Schöneberg genehmigt. zu müssen. Bevor man diesen Antrag annehme, sei die Kostenfrage zu regeln. Genosse Woif meinte, daß die Stärke der Freireligiösen Gemeinde nicht in Frage komme. 60 Proz. der Einwohnerschaft, die politisch hinter seiner Frattion stehen, seien für den Antrag, Auf eine Bemerkung des Stadtv. Schulze, daß auf Bernan. Unter den üblichen Zeremonien wurde am Sonntag die neuerbaute fatholische Kirche eingeweiht. Die Religton muß doch dem Volte erhalten werden. Barometerstand mm WindBump Windstärke Better Temp. n. G. 5° C.= 4° R. I Stationen Barometer Wind richtung Bindstärke Better Temp. n. T. 89335 5° 4° N. 4 heiter 10 Haparanda 762 NND 5 Regen 10 Petersburg 751 NND 4 bedeat 769 S 10 Scilly 4 bedeckt 10 berbeen 760 S 4 wollig 8 Baris 772 Still wolfent 3 heiter 10 2 wollig 2 Regen 3 wollig 13 1 wolfig 13 5 773 S 771 28 Wetterprognose für Dienstag, den 15. September 1908. Etwas wärmer, zunächst vielfach heiter bei mäßigen südwestliches Binden; später wieder zunehmender Bewölkung und leichter Regen. Berliner Wetterburea Wafferstands- Nachrichten ber Landesanstalt für Gewässertunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wafferstand am feit 13.9. 12. 9. cm cm) Bafferstand 213+1 Saale, Grochlit Memel, Tilfit Bregel, Snsterburg-6 eichsel, Thorn Dder, Ratibor Kroffen Frankfurt Barthe, Schrimm +4 162-6 161+48 103<-6 114<-4 35-1 15 Landsberg -1 +2 Neze, Bordamm Elbe, Leitmeriz Dresden Barby Magdeburg )+ bedeutet Buchs, Davel, Spandau) Rathenow³) Spree, Spremberg) Beesto Beser, Münden ain fett 13. 9. 12. 9. cm cm¹) 113 +15 39-5 32+4 72+2 69 -68 6-3 Rhein, Marimiliansau 550+46 264+1 273 Minden Naub -26+18 Köln Medar, Heilbronn 128 78-8 92 Main, Wertheim Mosel, Trier Fall, 3) Unterbegel 145+8 67 Sozialdemokratischer Wahlverein des vierten Berliner Reichstags- Wahlkreises. Dienstag, den 15. September, abends 8% Uhr: Fünf Versammlungen. 1. im„ Elysium", Landsberger Allee 40/41. Zages Drdnung: 1. Deutschlands Schutz und Wehr. 2. Diskussion. 4. in der Drachenburg", v. d. Schles. Tor. 5. bei Graumann, Naunynstraße 27. 2. bei Boeter, Weberstraße 17. 8. bei itfiu, Memeler Straße 67. Zages Drdnung in den von 2 bis 5 angeführten Versammlungen: ,, Die wirtschaftliche Krisis." Referenten sind die Genossen: Julian Borchardt, Fendel, Hildebrandt, Kloth u. Kubig. 220/10 Der Vorstand. Arbeiter. Hausfrauen des Westens! Mittwoch, den 16. September, abends 8% hr, im ,, Königshof", Bülowstraße 40: Volks- Versammlung. Zages Drdnung: 1.„ Das Genossenschaftswesen und seine Bedeutung für die Arbeiterklasse." Referent: Genoffe Max Barth. 2. Distuffion. 3. Genossenschaftliches. Bahlreiches Erscheinen aller Genossen und Genossinnen erwarten Die Agitationskommissionen des Westens der Konsumgenossenschaft Berlins und Umgegend. J. A.: Louis Ringel, Potsdamer Straße 78. BERLIN S. 03333 03333 03333 Meine Abteilung für Oranien- Platz Knaben- Bekleidung ist in Herbst- und Winter- Neuheiten sehr reichhaltig sortiert und unerreicht preiswürdig. aus kräftigem, blauem CheBlusen- Anzüge viot mit Tressen- Garnierung Gr. 1 M. 3.50 Sammet- Anzüge Knöpfen und Tresse. Gr. 1 M. 4.75 aus haltbarem Cheviot in vielen Dessins Joppen- Anzüge Jackett- Anzüge erstklassig verarbeitet Einsegn.- Anzüge 127/5 Zentral- Verband der Zimmerer Zahlftelle Berlin und Umgegend. Donnerstag, den 17. September, abends 8, Uhr, im Gewerkschaftshause( gr. Saal), Engel- Ufer 15: Außerordentliche Mitglieder- Versammlung. Zages Drdnung: 1. Die Tarifbewegung im Zimmergewerbe und die Aufgaben unseres Verbandes. Referent: Stamerad Gustav Laue- Leipzig. 2. Diskussion. 255/1 Um bollzähliges Erscheinen der Mitglieder ersucht Deutscher Holzarbeiter- Verband. Bahlstelle Rixdorf. Donnerstag, den 17. September, abends 8 Uhr, bei Thiel, Bergstraße 151/152: Mitglieder- Versammlung. Zages Drdnung: Die Urgeschichte der Kultur." Referent: M. H. Baege. Verbandsangelegenheiten. Um zahlreiches Erscheinen der Kollegen ersucht Die Ortsverwaltung. Der Vorstand. Einladung. 290/16 Sterbefasse 56. Donnerstag, den 17. September, abends 7, Uhr: Außerordentliche Generalversammlung im WeddingGesellschaftshaus, Müllerstr. 7, of geradezu. Der Vorstand. Bruch- Pollmann empfiehltsein Lager in Bruchbandagen, Leibbinden, Geradehaltern, Spritzen, Suspensorien fomie sämtliche Artikel zur Krankenpflege. Eigene Werkstatt. Liefer.f. Drts- u. Hülfs- Krantentassen Berlin N., 24882* aus prima Herren- Stoffen aus prima Stoffen, Ersatz für Maßarbeit Gr.1 M. 3.25 Für 9-10 15.50 Jahre. M. von M. 18.in allen Größen Knaben- Paletots u. Pyjacks und Preislagen. R. M. Maassen 03333 03333 Deutschlands größtes Spezial- Haus für Damen- u. 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Oftober in Kraft tretenden neuen Bestimmungen des Statuts. Referent: Kollege Ja e d. 3. Verbandsangelegenheiten. 90/7 Mitgliedsbuch und Vertrauensmännerfarte legitimiert. Die Ortsverwaltung. Achtung! Bodenleger! Achtung! Hente Dienstag, abends 8 Uhr: Branchen- Versammlung im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer Nr. 15. Lages Ordnung: 1. Der Strell bei der Firma Vogel. 2. Branchenangelegenheiten. Achtung! Portefeuiller. Achtung! Die Bersammlung am 16. September findet an diesem Tage nicht statt. Sonntag, den 11. Oktober, nachmittags 4 Uhr, findet in der Urania, Taubenstr. 48/49, eine Vorstellung: Eine Nilfahrt bis zum zweiten Rataralt statt. Billetts a 70 Pf. infl. Garderobe find bei den Vertrauens. leuten und auf dem Bureau, Sebaftianstr. 4, I zu haben. Die Ortsverwaltung. Dr. Schünemann Blumen- und Kranzbinderei Spezial- Arzt für 36462* Hant- und Harnleiden, von Robert Meyer, Friedrichstr. 203, Ede Schüßenstr. nr Mariannen- Straße 2. Frauenkrankheiten. 10-2, 5-7, Somnt. 10-12 Uhr. 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