Nr. 218. Abonnements- Bedingungen: bonnements Breis pranumerando Bierteljährl. 3,30 m, monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Boste Abonnement: 1,10 Mart pro Monat, Eingetragen in die Bost- Beitungs Breisliste. Unter Areuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Bumänien, Schweden und die Schwei Cribeint täglich außer montage. Vorwärts Berliner Volksblatt. 25. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Solonel geile oder deren Raum 50 Big., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 fg. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gebructe) Bort 20 Bfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pig., jebes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Vor der Enticheidung. Nürnberg, 16. September, 3,45 nachm. ( Privatdepesche des Vorwärts".) " Donnerstag, den 17. September 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. weisen, bewiesen auch sie unbewußt zu viel. Ihre Aufgabe Schiedsgerichte Propaganda zu machen. Diese Vereinigung war es, darzulegen, daß für die Budgetbewilligung jene be besteht wie die meisten Leser wohl zu ihrer Ueberraschung fonderen und zwingenden Umstände in Frage kamen, bernehmen werden bereits seit 20 Jahren, aber sie tritt die nach der Lübecker Resolution ausnahmsweise eine 8u- zum erstenmal in Berlin zusammen. Der Grund, warum erst stimmung zum Budget gestatten. Dieser Nachweis mußte ihnen so spät die Wahl auf Berlin fiel, liegt darin, daß die VerDer Parteitag konnte heute früh nur zwei Reden ent- natürlich mißlingen, selbst wenn man sich wie Hildenbrand des anstalter daran zweifelten, daß der Konferenz in amtlichen und nichtamtlichen Kreisen die gewünschte Aufnahme gegennehmen, die Bebels, der eine, und die Timms, frampfhaften Mittels bediente, eine Bemerkung Singers in Lübeck teil werden würde. zu Diese Bedenken find der drei Stunden lang sprach. Es wurde nämlich be- dahin auszulegen, daß es Sache und Recht der Landes- fo wird uns gefagt jezt geschwunden. Und schlossen, nach Bebel, der das Referat über die Frage fraktionen sei, den Sinn der Resolution nach Belieben in der Tat: an der Stonferenz werden nicht nur freisinnige, der Budgetabstimmung übernommen hat, auch je zu deuteln. Aber darüber hinaus mühten sich beide Redner sondern auch nationalliberale, freikonservative und konservative einem Redner der bayerischen, badischen und württembergischen um den Nachweis, daß die grundsätzliche, normale Budget- Parlamentarier teilnehmen. Noch mehr: der Reichskanzler Genossen unbeschräntte Redezeit zu gewähren. ablehnung, die doch die Lübecker Resolution fordert, überhaupt selbst wird feierlich den Kongreß eröffnen und, wie wir Timm sprach als erster Süddeutscher für die bayerischen sinnlos sei, daß man nicht aus dem grundsätzlichen Motiv des prophezeien können, eine mit Zitaten reich geschmückte Friedensrede reden, die von den versammelten Parlamentariern mit Genossen. proletarischen Klaffenkampfes heraus das Budget abzulehnen großem Beifall aufgenommen werden wird. Am lautesten Es ist platterdings unmöglich, hier auch nur in den habe, sondern nur gelegentlich aus Gründen rein parlavon allen aber werden unsere Freisinnigen klatschen, die in gröbsten Umrissen den Inhalt der Reden zu ffizzieren. Es ist mentarischer Gelegenheits- und Opportunitätspolitit. So den letzten Jahren sich für diese Beschäftigung besonders auch überflüssig, da ja der eingehende Bericht gleichzeitig bor- bewiesen diese Genossen gerade, welche tiefe Kluft der An- trainiert haben. liegt. Dafür ist über die Art der beiden Redner einiges zu schauungen sie und ihre Anhänger von der großen Mehrheit der Aber liegt nicht trotz allem in dieser geänderten Haltung sagen. Partei trennt, die sich zur Lübecker und Dresdener Resolution der deutschen Regierung ein Zeichen der Zeit, zeigt sie nicht doch, Bebel sprach knapp und prägnant, in der Form bekennen. Gerade indem man plausibel zu machen suchte, daß, wie die freisinnige Presse verkündet, die große liberale äußerst maß boll, in der Sache jedoch scharf und daß es sich nur um eine Zeremonie, eine bloße Idee der Humanität und des Fortschritts ein Stück vorwärts bestimmt. Er empfahl die unveränderte Annahme Formalität handle, offenbarte man, wie sehr man sich marschiert ist? Und in der Tat, auch wir glauben eine gewisse Wandlung fonstatieren zu können. nur daß wir diese der Resolution des Parteivorstandes, die die grundsägliche bereits in seinen Grundanschauungen von der grund Wandlung just nicht bei der deutschen Regierung zu er Stellung der Partei erneut festlegt und sich darauf beschränkt, säglichen Auffassung der Sozialdemokratie entfernt hat. tennen glauben. In feinem anderen Lande steht der Stultus statt den Budgetbewilligern einen Tabel auszusprechen, die Um die eigene Entfernung vom sozialdemokratischen des Militarismus so in Blüte wie in Deutschland. Ueberall unerlägliche Feststellung zu machen, daß die Budgetbewilliger Standpunkt zu verdecken, gefielen sich sowohl Frank wie sonst klagen auch die bürgerlichen Parteien immer mehr über in Baden und Bayern nicht im Sinne der Lübecker Resolution Hildenbrand darin, den Gegnern der Budgetbewilligung die wachsenden Lasten der Striegsrüstungen, über die Liebäugeln mit den antiparlamentarischen Ideen des Anarcho- alle Stulturaufgaben, alle sozialpolitischen Fortschritte verhandelten. Und ein Teil der Gäste, die nach Genosse Timms Rede war im Gegensatz zu der Bebels Sozialisten Dr. Friedeberg zu imputieren, eine um so nachlässigt werden. ungeheuer weitschichtig angelegt, ohne daß den Kritikern törichtere Unterstellung, als ja Dr. Friedeberg gerade Berlin gereift sind, sind in der ehrlichen, wenn auch nach der Budgetbewilligung irgend ein nennenswertes Moment in Berlin seiner Bestrebungen wegen aus der Partei- unserer Meinung etwas naiven Absicht nach Berlin gekommen, Nachdem durch die Förderung der Schiedsgerichtsidee die Verminderung entgegengehalten worden wäre, das neu gewesen wäre oder organisation ausgeschlossen worden ist. der europäischen Rüstungen vorzubereiten. Aber in Deutschdie Frage in eine andere Beleuchtung gerückt hätte. Die man sich dergestalt einen Popanz antiparlamentarischer, die land ist es ja berpönt, gilt es als„ nationaler Verrat", die Rede war im wesentlichen nur die Wiederholung der früher praktische Arbeit verneinender" Radikaler" zurecht gemacht hatte, Notwendigkeit unaufhörlicher Rüstungsvermehrung auch nur von Vollmar, Grillenberger und anderen Genossen in Frank- rannte man offene Türen mit dem Lob der praktischen Arbeit zu bezweifeln und als Zeichen des Vaterlandsfeindes, eine furt beziv. Lübeď vorgebrachten Gründe. Im übrigen verlor ein; als ob die Radikalen in den Parlamenten nicht genau Regierungsforderung abzulehnen. Und die ganze Wandlung, sie sich teils in belanglose Nebensächlichkeiten, teils versuchte so energische praktische Arbeit leisteten wie irgend ein Budget- die sich in Deutschland vollzogen hat, besteht nur darin, daß fie die Streitfrage völlig zu verschieben und der Mehrheit der bewilliger oder sonstiger Revisionist, und als ob nicht ein die letzte bürgerliche Partei, die noch manchmal etwas Opposition Partei einen Südfall in anarchistelnde Auf- himmelweiter Unterschied bestände zwischen wahrhaft prat. gegen das Begehren Molochs zu machen gewagt hatte, ihre fassungen zu unterstellen. Gleich zur Einleitung entrüstet e tischer Arbeit für die materielle und kulturelle Hebung des früheren Grundsäge verraten hat und, in völlige Regierungssich Timm 4 Stunden lang über den schlechten Ton, Proletariats und dem unglücklichen, dem bürgerlichen nechtschaft berfunken, militärfromm geworden ist bis auf die eriveichten Stnochen. Fürst Bülow hat keinen Grund mehr, natürlich nur über den der Budgetbewilligung verurteilen. Parlamentarismus abgeguckten Versuche, durch grundsazloses die Friedensreden der bürgerlichen Parlamentarier abzulehnen. den Presse. Was er selbst unter gutem, partei- Entgegenkommen und Sichanpassen sogenannte praktische Politik weiß er doch, daß ihren Worten keine Taten folgen, daß genössischem, brüderlichem Tone versteht, bewies zu treiben! Auch Frank drohte in seinen überaus pathetischen seinen Militär- und Marinevorlagen von dieser Seite keine er zum Schluß durch die ostentativ wiederholte Behauptung, Schlußausführungen damit, daß sich die sich die badische Gefahr mehr droht. Unter solchen Umständen wird die Bedaß der ganze Parteistreit von den Radi- Frattion der Resolution des Parteivorstandes weder fügen teiligung dem Kongreß eine für die Regierung Zwar wird deswegen fein Retrut talen mutwillig vom 3aune gebrochen worden könne noch werde, denn mit dem Makel eines Miß- nüzliche Sache. tein Panzerschiff ungesei! Auf derselben Höhe stand die Methode des Redners, trauens votums behaftet könnten die süddeutschen weniger eingestellt werden, Aber es fann nicht schaden, wenn durch Verlesen endloser Zitate den Anschein zu erweden, als Parlamentarier feine ersprießliche Tätigkeit mehr ausüben. baut bleiben. das in der Welt nicht gerade als pazifitisch" berufene seien die Gegner der Budgetbilligung Gegner der Für seine Person schloß sich auch Hilden. Deutschland nun auch einmal für den Weltfrieden ein paar praktischen Arbeit, während die ganze Parteitätigkeit brand dieser ungeheuerlichen Erklärung Worte übrig hat. Der Verrat des Freisinns hat den deutschen die Notwendigkeit und traditionelle Uebung praktischer an, als ob die Resolution des Parteivorstandes auch nur Militarismus so start gemacht, daß er nicht einmal mehr mit Tätigkeit beweise. Dagegen ging Timm sorgfältig ein Wort demütigenden Zadels enthielte, als ob sie nicht voller Offenheit für seine Liebe einzutreten braucht und um den Nachweis herum, inwiefern denn die bayerische einzig fünftigen Budget bewilligungen gleicher sich vor Europa den Lurus eines bißchens FriedensBudgetbewilligung auch nur insoweit notwendig ge- Art vorbaute! Aber das ist es ja gerade, was die Budget- heuchelei gestatten darf. Gerade die Einmütigkeit aller bürgerlichen Parteien in Deutschland mit der Regierung, wesen sei, als die Ablehnung des Budgets eine Verschlechte- bewilliger verhüten wollen! dann der die Forderungen des Militarismus und Militarismus und Marinismus rung für Arbeiter und Beamte bedeutet hätte. Die ganze Logit der Timmschen Rede war die: wenn bayerische Landtagsabgeordnete Simon und zu erfüllen, erlaubt es ihnen, an diesem Friedenskongreß in wir überhaupt praktische Arbeit leisten, uns überhaupt am der badische Landtagsabgeordnete Eichhorn holder Eintracht teilzunehmen, freudig begrüßt von denselben Organen, die, wie die„ Voffische Zeitung" noch gestern in der Parlamentarismus, an der Schaffung sozialer Reformen be- den Standpunkt der Minderheiten der beiden Fraktionen. Marottofrage am verantwortungslosesten den Gegensatz zu teiligen, so fönnen wir auch das Budget bewilligen, selbst Tiefen Eindruck machte es, als Genosse Simon die Be- Frankreich geschürt haben, um morgen dieselbe gewissenlose wenn der angebliche Zwang nur in dem Streben liegt, auf hauptung, die Arbeiter selbst verlangten die Budget- Hezze aufs neue zu betreiben. die Unwissenheit politisch erst zu erziehender Schichten und bewilligung, glänzend widerlegte und aus dem Sozial- Brauchen wir da noch ein Wort zu verlieren, um die Empfindlichkeit der Regierung oder bürgerlichen Parteien demokratischen Handbuch für Bayern selbst zu erklären, daß die deutsche Sozialdemokratie Rücksicht zu nehmen! die schlagende Verteidigung der grundsätzlichen Budget- dieser Konferenz nicht teilnehmen kann, gerade weil Die stärkste Leistung aber war der Schluß. ablehnung berlas, die am Vormittag der bayerische es ihr um den Frieden, um den Kampf gegen den ernste Sache ist? Und wvie die Zimm verlas eine kategorische Erklärung der Landtagsabgeordnete Timm als einen angeblichen Konsens Militarismus eine ernste Sache bayerischen Budgetbewilliger, daß sie sich einem zu qualifizieren versucht hatte. Auch Eichhorns Dar- deutschen, so haben auch die französischen und belgischen ihnen nicht gefallenden Parteitagsbeschluß nicht fügen, sondern legungen über die Art der in Stuttgart getroffenen heim- Sozialdemokraten, die diesen Veranstaltungen nicht immer die gleiche Stepsis entgegengebracht haben wie wir, sich einer dem Willen der Gesamtpartei Widerstand leisten würden! lichen Verständigung über die Auslegung der Lübecker Beratung ferngehalten, die durch die Begrüßung eines Bülow Und diesen Worten wurde noch die gefährliche Wen- Resolution und seine Schilderung der politischen Zustände im vorhinein entwertet ist. So fehlen diesem Kongreß die dung hinzugefügt:„ Wir können und werden uns nicht Badens erregten lebhaftes Interesse. Vertreter des Proletariats, des entschlossensten Kämpfers für einem wider uns gerichteten Parteitagsbeschluß unterwerfen, Ueberhaupt war die Teilnahme an den Verhandlungen den Frieden. Nur einige Arbeiter Englands, die durch den weil wir als freie Männer entscheiden müssen und uns nicht eine Leidenschaftlich gespannte. Während die Aus- berechtigten Glauben an die Ehrlichkeit mancher englischer einem Terror von außen fügen können." führungen Franks und Hildenbrands bei der Minderheit der Radikaler bewogen, dem Kongreß beiwohnen, bilden eine Ausnahme. Ein nach den Grundsäßen der Demokratie entscheidender Delegierten und dem Auditorium häufige 3 u stimmungsParteitag darf also teine taftischen Richtlinien festlegen! Me tundgebungen auslöften, entfesselten die Pointen der ob das nicht anarchistelnde Auffassung wäre! beiden anderen Redner den stürmischen Beifall der Mehrheit Es wird sich zeigen, ob die Drohung mehr als ein des Parteitages. Schredschuß sein soll! Nürnberg, den 16. September( 9.37 nachm.) ( Privatdepesche des Vorwärts".) Heute nachmittag versuchten die Genossen Dr. Frant 0 In je halbstündiger Rede bertraten Morgen folgt die eigentliche Diskussion, zu der sich mehr als 80 Redner gemeldet haben. Worte und Caten. " and Hildenbrand in je 1 stündigen Reden den StandHeute tritt in Berlin ein interparlamen punkt der Budgetbewilligung zu rechtfertigen. In ihrem Eifer, tarischer Kongreß" zusammen, der dem Zwecke dienen die Berechtigung der Abstimmung ihrer Fraktionen zu be- foll, für die Idee der Beilegung internationaler Konflikte durch an an Aber auch sie wissen, daß ernster und wichtiger als alle Beteuerungen der bürgerlichen Welt, das Gefühl der proletarischen Solidarität ist, das heute die ganze Arbeiterinternationale erfüllt. Die Versammlung, die die Berliner Arbeiter nächsten Sonntag abhalten werden, wird wahrhaftig eine viel bedeutsamere, ehrlichere und virtungsvollere Demonstration für den Völkerfrieden sein, als die Reden von bürgerlichen Parlamentariern, der Nutznießer und Verteidiger des kapitalistischen Systems, das die Gegensäge zwischen den Nationen erzeugt, welche diese Herren durch ihre Resolutionen wieder aus der Welt schaffen zu wollen vorgeben. Internationale fozialiftiiebe Konferenzen. f)a8 Exekutivkomitee des Internationalen Sozia- listischen Bureausund der Interparlamentarischen Sozia- listischen Kommission hat für Sonntag, den 11. Oktober, im Volks- Hause zu Brüssel eine Sitzung des Internationalen Sozialistischen Bureaus einberufen. Als Tages- o r d n u n g sind bis jetzt die folgenden acht Punkte vorgeschlagen worden: 1. Die Frage der Aufnahme nichtsozialistischer Gruppen in das Bureau und ihre Zu lassungzu den Internationalen Soziali st enkongressen.(An- trag der britischen Sektion.) 2. Ueber das gemeinsame Vorgehen der Pro- letarierund Soziali st en der betreffenden Länder, um europäische und Kolonialkonflikte zu verhüten, mit denen uns die Regierungen dieser Länder, sei es durch ihr Einverständnis, ihre Zwietracht oder ihre Intrigen, bedrohen.(Antrag der französischen Sektion.) 3. Das Bureau kommt periodisch wenig st ens zweimal im Jahre zusammen.(Vorschlag der britischen Sektion.) 4. Jede angeschlossene Sektion oder Partei zahlt einen Mindestbeitrag von 100 Fr. für jede Stimme.(Vorschlag des Exekutivkomitees.) S. Die Verteilung der Stimmen, wonach Un« garn und Schweden je 12 Stimmen bekommen. 6. Die Aufnahme der Demokratischen Partei in Chile. 7. Die Frage der Soziali(tischen Zionisten. 8. Die Frage der französischen Vertretung. Nach einer in Stuttgart angenommenen Resolution(Absatz? der Statuten der Interparlamentarischen Kommission findet jedes Jahr, nach der Sitzung des Bureaus, eine Versammlung statt, zu der alle Mitglieder der parlamentarischen Gruppen zugelassen werden, deren Parteien angeschlossen sind. Deshalb ruft das Bureau auf Montag, den 12. Oktober, die dritte Versammlung der Interparlamentarischen Kommission zusammen. Auf der Tagesordnung steht der von der Tagung zu Stuttgart überwiesene Punkt: Ueber die Tätigkeit der Jnterparlamenta- rischen Kommission in der I nter p arlamentarischen Vereinigung zur Förderung des Friedens und der Internationalen Schiedsgerichte. Außerdem sollen die Vertreter der einzelnen Fraktionen in all- gemeinen Zügen Bericht geben, was auf gesetzgeberischem Gebiete von den sozialistischen Parlamentariern während der letzten Session geleistet worden ist.__ Offiziersgepiter und Veteranen- befyilfen. Neben den Reichsbeamtengehaltsgesesten, die nach neuester Meldung dem Reichstage noch vor der Einbringung des Etats oder gleichzeitig mit ihm im Dezember vorgelegt werden sollen, wird dem Reichstage auch eine Offiziers- besoldungSvorlage zugehen. Die Vorlage, die seit dem Februar in den Grundzügen fertig stand, ist bisher nicht geändert worden. Sie schlägt eine Neuregelung der Gehälter bis zum Hauptmann einschließlich vor. Die Subalternoffiziere erhalten ihr Gehalt in Zukunft nach Altersstufensätzen wie die Zivilbeamten; sie beginnen mit 1500 M. und steigen um 300 M. alle vier Jahre bis 2100 M. Das Endgehalt erreichen sie hier also nach acht Jahren, ab- gesehen davon, ob sie Oberleutnantscharge bekleiden oder nicht. Bisher betrug für den Leutnant der Mindestsatz 1290 M., für den Oberleutnant der Höchstsatz 1890 M. Die beiden Ge- Haltsklassen für die Hauptleute fallen ebenfalls fort; das Grundgehalt beträgt 4000 M.(bisher 3400 M.), es steigt alle vier Jahre um 600 M. und erreicht mit acht Jahren den Höchstsatz von 5200 M.(bisher 4600). Für Unteroffiziere und Mannschaften wird der Etat eine kleine Erhöhung der Löhnung und kostenfteie Lieferung der Putzmittel in Höhe von 3 Millionen Mark bringen; entgegen dem Offiziersbesoldungsgesetz, das rückwirkende Kraft zum 1. April 1908 erhält, erhalten die Mannschaften ihre erhöhte Löhnung erst mit Beginn des neuen Rechnungsjahres. Trotz der traurigen Finanzlage des Reiches und der von der„Nordd. Allgem. Ztg." angekündeten„Sparsamkeit" sollen also auch die Gehälter der Hauptleute und Leutnants erhöht tverden, und zwar gleich in ausgiebigem Maße. Ob in der jetzigen Zeit der Finanznot und der wirtschaftlichen Krise für derartige Besoldungserhöhungen der richtige Zeitpunkt ist, danach fragt die Regierung nicht erst. Sie hält die Er- höhungen für nötig und fordert sie deshalb kurzweg. In bezug auf die vom Reichstag befürwortete Erhöhung der Neteranenbezüge ist dagegen die Regierung viel zaghafter. Sie hat gegen eine mäßige Erhöhung zwar nichts ein- zuwenden— aber Vorbedingung ist, daß der Reichstag ihr zunächst dafür die nötigen Mittel bewilligt. Erst dann läßt sich nach ihrer Meinung über die Sache reden. Die konservative„Korrespondenz- Woth" veröffentlicht nämlich folgende halboffiziöse Auseinandersetzung: Das Deutsche Reich gibt seinen Veteranen und Kriegsinvaliden Beihilfen und zwar werden Veteranen pro Jahr 120 M. Beihilfe gewährt, während die Kriegsinvaliden, abgesehen von der Kriegs- zulage, eine nach dem Grade ihrer durch den Krieg verursachten Erwerbsbeeinträchtigung abgestufte Rente beziehen. Sowohl die Rentenempfänger als der Reichstag haben wiederholt sich für eine Erhöhung der Bezüge ausgesprochen. Die Regierung hatte bisher eine ablehnende Haltung eingenommen, will aber der Angelegenheit näher treten, wenn sich das Resultat der neuen Reichsfinanzreform übersehen läßt. Bis jetzt gibt das Reich für diese Zwecke jährlich 21300 000 M. aus. Die laut gewordenen Wünsche gehen in folgenden Richtungen: 1. Die KriegSteilnehmerbeihilfen von 120 M. allen Veteranen ohne Rücksicht auf ihre Erwerbsunfähigkeit und Bedürftigkeit zuzu- wenden; 2. Zuwendung der Beihilfe für alle Veteranen, die weniger »IS 600 M. jährlich verdienen; 3. Gewährung eines Gnadenquartals für Witwen und Waisen; 4. Gewährung eines GuadenmonatS für die Hinterbliebenen; 6. ärztliche Unterstützung auf Staatskosten; 0. Erhöhung der Beihilfe von 120 auf 240 M. für die Veteranen, die weniger als V00 M. jährlich verdienen. Ter Reichstag hatte den Wunsch geäußert, allen Veteranen in «mterftützungsbedürftiger Lage, die weniger als 600 M. Jahreseinkommen haben, über 60 Jahre alt find und deren Erwerbsfähigkeit auf weniger als ein Driitel herabgesetzt ist, eine Beihilfe von 120 M. zu gewähren. Mit Rücksicht auf den Unistand, daß bei Beratung der Reichs- finanzreform der Reichstag seine Wünsche in dieser Richtung dringender wiederholen werde, sind regierungsseitig Berechnungen betreffs aller Wünsche angestellt worden, um zu zeigen, welche finanziellen Opfer die Erfüllung der Wünsche bedingt. Will der Reichstag bei der bekannten Finanzlage des Reiches den Veteranen mehr geben, so muß er dies bei der NeichSfiuanzreform zahlenmäßig berücksichtigen. ES sind zurzeit 500 000 Kriegsteilnehmer vorhanden, die ans Reichsmitteln weder gesetzliche Jnvalidenpension noch Unterstützungen nach Maßgabe des Allerhöchsten Gnadenerlasses vom 22. Juli 1884 beziehen; erhielte jeder die Beihilfe, so wären 60 Millionen, also 38'V« mehr wie bisher, erforderlich. Wolle man die Beihilfe auf 240 M. erhöhen, so wären rund 93 Millionen erforderlich. Würde man alle Veteranen unterstützen, die weniger als 600 M. verdienen, so betrüge die Mehrausgabe zehn Millionen. Der Wunsch, den Hinterbliebenen noch auf gewiffe Zeit hinaus Zuwendungen zu machen, geht viel zu weit. Zurzeit werden 177 500 Veteranen unterstützt, dies ist ein Drittel aller Veteranen, mehr dürften auch kaum unterstützungsbedürftig sein. Interessant ist, daß nach den Ermittelungen der Regierung der oben skizzierte Wunsch des Reichstags die Veteranen schlechter stellen würde; es handelt sich in diesem Falle um etwa 160 000 Mann, für sie würden nur 19 Millionen erforderlich sein, es würden also 17 000 Veteranen unberücksichtigt bleiben. Würde der Reichstag für diese 160 000 Mann aber 240 M. Beihilfe ge- währen, so würden 38 Millionen nötig sein, wobei zu berücksichtigen ist, daß die 17 000 Veteranen, die über diese Zahl jetzt unterstützt werden, trotz der Mehrausgabe unberücksichtigt bleiben. Erhöhung der Offiziersgehälter auf jeden Fall; Er- höhung der Veteranenbeihilfen hingegen nur, wenn sich Verein als ein politischer zu betrachten und daher die Berufung zu verwerfen." Gegen daS Urteil ist bereits Revision angemeldet. Ein Sydowsches Steuerprojekt. Der„Verl. B.-E." versichert, genauere Mitteilungen über den Inhalt der neuen Gas- und Elcktrizitätssteucr erhalten zu haben. Wie er behauptet, wird dicsc Steuer die Konsumenten und Pro- duktionsbetricbe weit härter treffen, als man nach den bisherigen Angaben annehmen konnte. Die neue Steuer wird nicht nur eine Lichtsteuer sein, sondern die gesamte elektrische Energie und der gesamte Gasverbrauch wird in die Besteuerung einbezogen. Ter E.rtrgg her Neuer wird puj die. fcßsxm.e Ni.min.fi von 60 Mil- liortcn Mar? veranschlagt, KaS kür dadurch erreicht Kerben könnte, daß der Steuersatz in Höhe van fünf Prozent vorgesehen sei. Daraus ergäbe sich, daß die Fabrikation wie der Betrieb der Elek- crizitätsgesellschaften unter der Steuer in hohem Grade leiden werden, da auch die Fabrikate, wie Glühlampen, Bogenlichtkohlen and Quecksilbcrlampen, d. h. also die wirklichen Lichtquellen� ver- (feuert werden. , Die Verantwortung für diese Mitteilungen müssen wir dem ge- -kannten Börsenblatt überlassen. Seine Angaben erscheinen geradezu ungeheuerlich; aber was ist unter der neuen Blockära unmöglich? Bischöfliche Fachvereine. Der Kampf zwischen den von den Bischösen begünstigten katho- .fschen Fachvereinen Berliner bezw. Trierscher Richtung und den christlichen", richtiger katholischen Gewerkschaften treibt immer eigen- .rtigere Blüten. Jetzt ist bereits die Erbitterung der christlichen Gewerkschaftsführer gegen die Intrigen und die hinterlistigen Ver- dächtigungen der um die Bischöfe scharwänzelnden FachvereinZleute ,o weit gediehen, daß sie letztere der ,, Spionierarbeit" und .»es Mißbrauchs ihrer Amtsgewalt, der unberechtigten Ab- solutionsvcrweigerung zeihen. So sagte z. B. der Reichstags- abgeordnete Giesberts in einer vorgestern in Hagen abgehaltenen Ärbeiterversammlung, man besitze in den führenden Kreisen der christlichen Gewerkschaften die sichersten Beweise, daß von feiten oer Fachvereine in der rücksichtslosesten Weise gegen die christlichen Gewerkschaften gearbeitet würde. Man suche sich an die Bischöfe zu -rängen, um diese gegen die christlichen Gewerkschaften scharf zu nachen, man suche geistliche Personen, die der christlichen Gewerkschafts- oewegung sympathisch gegenüberstünden, bei der geistlichen Behörde zu verdächtigen, ja man gehe sogar so weit, ihre Predigten zu kontrollieren, und zwar genössen die FachabteilungS- fekretäre den traurigen Mut, diese Spionierarbeit zu der- -ichten. Im Saarrevier sei eS sogar vorgekommen, daß man -inem Arbeiter die Absolution verweigert habe, weil er ein Freund der christlichen Gewerkschaften gewesen.sei._ Freisinnige Faseleien. AuS dem Wahlkreis Memel-Heydckrug berichtet die freisinnige Presse, in Schmelz bei Memel sei es in einer liberalen Wähler- Versammlung infolge des Verhaltens der Sozialdemokraten zu stürmischen Auftritten gekommen, obwohl der Vorsitzende Redefreiheit zugesichert habe. Die Polizei hätte mit blanker Waffe eingreifen müssen und der Fusel, offenbar schon vor Beginn der Versammlung den in Aussicht genommenen Opfern gespendet, hätte seine Wirkung nicht verfehlt. Der Parteibeamte MertinS wäre verschwunden, als die Polizei mit den unschuldigen Arbeitern ins Handgemenge gekommen sei. Es sind das ganz niedrige Verleumdungen, die von dem Blatt des Herrn Schwabach, dem„Memeler Dampfboot". verbreitet werden. Tatsache ist folgendes: Tie ungemein ordinäre Kampfesweise des „Memeler Dampfboot" und die unsagbar niedrige Agitations- weise des Herrn Schwabach. der sich seiner Gegner dadurch er- wehren will, daß er zum Dreinhauen auffordert, hatten es bewirkt, daß die Arbeiter den Entschluß faßten, mit Schwabach einmal ab- zurechnen. Sie gingen deshalb in die liberale Ver- sammlnng in Schmelz, erhielten aber nicht das Wort zur Diskussion. Dafür wurde von den Liberalen die Polizei geholt, die den Saal räumen sollte. Mit blanker Klinge ging man auch tatsächlich gegen die Versammlungsbesucher vor und entfernte sie mit Gewalt aus dem Saale. Zu größeren Störungen kam es nicht, dank der N ü ch t e r n h e i t der Genossen und dank den Bemühungen des Genossen MertinS, der durch- aus nicht ausgerückt war, sondern alles aufbot, um einen Exzeß zu verhindern. Das ist die Wahrheit über die Vorgänge in Schmelz. Der Stern des Herrn Schwabach ist übrigens im schnellen Sinken begriffen. Während es ihm im vorigen Jahre mit Geld, Schnaps und Bier gelang, zahlreiche Wählermassen ans seine Seite zu bringen, pfeift man ihn jetzt aus, wo er sich blicken läßt.— Nach der Schmelzer Versammlung versuchte er in Bomnielswitte sein Glück. Hier fand die Versammlung Sonnabend mittag statt, um die Sozial- demokraten fernzuhalten. Doch man hatte sich verrechnet. Als wieder keine Redefreiheit gewährt wurde, bemächtigte sich auch hier der Versammlung eine solche Unruhe, daß Schwabach sein Referat nicht halten konnte, sondern verduften niußte. Selbst die agrarische„Ostprenßische Zeitung' erklärt, die Szenen in der Schmelzer Versammlung seien eine Frucht der maßlosen, geradezu unerträglichen Verhetzung seitens der Schwabachpartei.— Das neue Vcreinsrecht in der Verwaltungspraxis. Bekanntlich wurde die erste Mitgliederversammlung des Sozial- demokratischen Vereins Breslau, die unter dem neuen Vereinsgesetz stattfand, polizeilich überwacht und polizeilich aufgelöst, als der Vor- sitzende, Parteisekretär Ncukirch, die Beainten zum Verlassen des Lokals aufforderte. Auf die erhobene Beschwerde hin wurde die Auflösung nicht nur vom Polizeipräsidenten gebilligt, sondern Genosse Neukirch erhielt auch noch einen Strafbefehl über 60 M. Eine Uebertreiung des VereinsgeseetzeS sollte insofern vorliegen, als es sich um eine öffcnt- liche Versammlung gehandelt haben sollte. In der Hauptsache be- gründete die Polizei diese Annahme damit, daß etwa 100 Frauen an der Versammlung teilgenommen hatten. Auf den gegen den Strafbefehl erhobenen Einspruch wurde Ncukirch freigesprochen, da jene Frauen bereits Mitglieder des Vereins waren, doch ist mittler- weile von der Anklagebehörde gegen das von ihr selbst beantragte Urteil Berufung eingelegt worden. Die Entscheidung steht noch au?. Aus Anlaß der Versammlungsauflösung. hat Genosse Neukirch seinerseits ein Verwaltungsstreitverfahren gegen den Polizeipräsidenten eingeleitet und stand dieser Tage Termin vor dem BreSlauer Bezirksausschuß an. Hier ist dem Kläger zwar geglaubt worden, daß die Frauen dem Sozialdemokratischen Verein bereits als Mit- glieder beigetreten waren, trotzdem aber wurde ans Abweisung der Klage erkannt. Der Bezirksausschuß stellte sich nämlich auf den Standpunkt, die Bestimmungen des alten Statuts über die Auf- nähme von Mitgliedern könnten sich naturgemäß nur auf Männer bezogen haben. Es hätte also erst eine Aenderung der Statuten vor- genommen werden müssen, bevor Frauen als Mitglieder aufgenommen werden konnten. Eine solche Aenderung aber hätte nur von einer Generalversammlung vorgenommen werden können; eine gewöhnliche Mitgliederversammlung hätte nicht das Recht gehabt, die Aufnahme der Frauen zu beschließen. Es sei nicht ohne weiteres anzunehmen, daß nach dem neuen Vereinsgesetz auch Frauen jederzeit das Recht hätten, dem Verein bei- zutreten, denn es gebe viele Vereine, die nur Männer aufnehmen, wie es ja anch Vereine gebe, in denen nur Frauen Mit- glieder werden könnten. Jedenfalls sei eine vorherige Statuten- änderung erforderlich gewesen, mindestens hätte man dem Polizei- Präsidium von der Aufnahme von Frauen Mitteilung machen müssen. Da diesem nicht bekannt gewesen sei, daß die Frauen Mitglieder seien, habe es annehmen müssen, daß es sich um Gäste handle. Da- durch rechtfertige sich die Auflösung. Der Bezirksausschuß sei der Ansicht, daß die Frauen zur Zeit der Versammlung die Mitglied« schast rechtmäßig noch nicht erworben hatten, und daß demnach die Versammlung einen öffentlichen Charakter gehabt habe. Jetzt wird sich noch das Obcrverwaltungsgericht mit der Sache zu beschäftigen haben.—_ Ruf der Anklagebank. Morgen Donnerstag ergeht der Prozeß gegen den bekannten Amandus Schubert und' gegen Rabe, die beide wegen Er- Pressung angeklagt sind. Die Verhandlung, für die drei Tage an- gesetzt'sind, wird � vor dem Chemnitzer Schwurgericht geführt. Amandus Schubert ist ein ehemaliger Angestellter der Chemnitzer Ortskraukenkasse und in Deutschland allgemein dadurch bekannt ge- worden, daß er eine Sudelbroschüre wegen angeblicher Mißstände in dieser Ortskraukenkasse veröffentlicht hatte. Bekanntlich ist diese Broschüre in ganz Deutschland vom Reichsverbande verbreitet worden, um sie gegen das Selbstverlvaltungsrecht der Ortskranken- kassen zu benutzen. Auf Grund der Broschüre ist seinerzeit eine Untersuchung gegen den Vorstand der Chemnitzer Ortskrankenkasse eingeleitet worden, das Verfahren gegen die Vorstandsmitglieder mußte aber eingestellt werden.— Deutsche Kolonialtruppen. Zu dem gestern von uns gemeldeten Betragen deutscher Ko- lonialtruppen in Antwerpen erklärt das offiziöse Wolffsche Tele- grapbenbureau: Berlin, 16. September. Wegen der in Antwerpen angeblich vorgekommenen Ausschreitungen der mit dem Dampfer„Bürger- meister" zurückgekehrten Angehörigen der Schutztruppe für Südwest- aftika ist sofort eine eingehende Untersuchung eingeleitet worden.— Englanä. Ein Streik-Schiedsgericht. London, 15. September. Das Lokalverivaltungsamt kündigt die bevorstehende Errichtung eines ständigen Schiedsgerichtshofes zur Schlichtung von Arbeits st reitigkeitcn an. Die Zusammensetzung des Gerichtshofes wird bei jedem Streitfall eine andere sein., Die Vorsitzenden sollen einer besonderen Liste angesehener un- parteiischer Persönlichkeiten, die sich diesem Dienst unterziehen wollen, entnommen werden. Ein oder zwei Schiedsrichter sollen aus zwei Listen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern im gleichen Verhältnisse ernannt werden. Erforderlichenfalls wird das Handelsamt technische Beisitzer ernennen, denen aber kein Stimmrecht zusteht.— Dänemark. Der Albcrti-Skandal. Tie Verbrechen Albertis und ihre Folgen werden sclbstverständ. lich noch lange im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stehen. Das ist um so mehr begreiflich, als Tausende von Menschen durch die Schwindeleien geschädigt sind und selbst noch nicht recht wissen. wie hoch ihre Verluste sein werden.„Daily Mail" berichtet, daß Alberti in der Woche bor seiner Verhaftung in London war, um neue Darlehne für die Butterexportvereine auf- zunehmen. Auf Grund dieser Notiz hat der Vereinsvorstand sofort um Aufklärung nach England telegraphiert; die Antwort, die man erhielt, soll sehr unklar sein. Es ist möglich, daß die Betrügereien, die Alberti gegen den Exporwerein verübt hat, sich auf weit mehr als die erst angenommene Suimne von 4 bis 5 Millionen Kronen belaufen. Uebrigens soll der dänische Kronprinz dieser Tage davon gesprochen haben, daß die Gesamtsumme der Veruntreuungen rund 27 Millionen betragen werde. Man ist in dieser Hinsicht noch immer auf Vermutungen angewiesen. Denn von dem Ergebnis der Untersuchung gegen Alberti erfährt man fast gar nichts, da sie unter Ausschuß der Ocffentlichkeit stattfindet. Den Butterexporwerein hat Alberti im Jahre 1883 gegründet. Er sollte dazu dienen, den Verdienst, den die privaten Exporteure erzielten. denBauern. dcnAnteilhabernderGcnossenschaftsmeiereien, selbst zukommen zu lassen. Die Methode, wie Alberti das Geschäft in Gang zu bringen suchte, war die, daß er die Butter auf dem englischen Markt zu Preisen anbot, die oft niedriger waren, als die, welche die Exporteure den Meiereien in Dänemark selbst zahlten. Er soll dafür die Abnehmer mit dem Gewicht der Ware betrogen haben. Die Vertreter der leitenden Banken in Kopenhagen haben gestern gemeinsam mit dem bei der Bankkrise im Frühjahr einge- setzten Komitee darüber beraten, ob die Hauptbankcn als Garantie für die Miuernsparkasse eintreten, und den Sparern ihre einge- zahlten Gelder sichern sollten. Das Ergebnis war jedoch, daß man eine derartige Verpflichtung nicht übernehmen wollte. Man meinte, daß man mit einem Risiko von nicht weniger als 15 Millionen Kronen rechnen müsse.» Von den durch Albertis Schwindeleien kompromittierten Ministern hat sich nun auch Sigurd Berg zu rechtfertigen ge- sucht, und zwar in einer Rede zu Kolding. Im Gegensatz zu den kleinlauten, fast bittenden Ton in ChristenscnS Manifest trat der Minister des Innern recht großniäulig auf und spräche wegwerfend von den Angriffen Borgbjcrgs„auf gewisse administrative Hand- lungen" Albertis, denen die Regierung ebensowenig Wert hätte bei- messen können, wie dem vielen anderen„Geschwätz", das jahrelang über Alberti im Umlauf gewesen sei. Der Reichstag, der ja nun schon am 28. September, acht Tage früher als sonst, zusammentritt, wird wohl auch dieser gefallenen Größe der Reformpartei klar machen, daß, wenn jahrelang die schwersten Beschuldigungen gegen einen Justizminister erhoben wer- den, noch dazu mit Beweisen belegt,«ign nicht so leicht darüber hinweggehen darf. Dottand. Stein allgemeines Wahlrecht. Amsterdam, 13. September. Bei der Eröffnung der Generalstaaten verlas der Vor- sitzende des Ministerrats HemmLkerk die Thronrede. Ihr Inhalt beansprucht kein Interesse. Aber— sie schweigt sich gänzlich aus über die Wahlrechtsfrage: sie erwähnt sie mit keinem einzigen Worte und stempelt so die Regierungs- erklärung zur Lkriegserklärung an die Arbeiterklasse Hollands! Diese wird durch die brutale Verweigerung des allgemeinen Wahlrechts, um das sie schon jahrelang geduldig und zäh kämpft, geztvungen, zu verschärften Mitteln zu greifen. Rücksichtslos wird sie schon bei der iin Juni 1909 stattfindenden Kammerwahl die herrschenden Parteien bekämpfen müssen und sich vorbereiten, ihre ganze Macht in die Wagschale zu werfen, um sich das allgemeine Wahl- recht zil erzwingen. Unsere Redner auf der Wahlrechts- denionstration vom letzten Sonntag, worunter sowohl Mit- glieder des Partcivorstandes und der Kaninlerfraktion als auch die Führer der GcwerkschaftSzentralen, wiesen beinahe aus- nahmslos darauf hin, daß die Verbitterung über den Ausschluß von über einer halben Mllion Arbeitern von derWahlurnc immer weitere Kreise erfaßt, und daß die Leiter der Arbeiterbewegung, dem aus dem organisierten Proletariats selbst auskommenden Drange folgend, schärfere, selbst bis zum Massenstreik sich steigernde Kampfesmittel in Erwägung ziehen müsse. Bleiben die herrschenden Klassen dabei, sich zu weigern, das allgemeine Wahlrecht herauszugeben, dann kommen die Folgen ihrer Weigerung aus ihre Häupter.— Rußland. Hundert Verhaftungen. Petersburg, 16. September. Die Geheimpolizei nahm gestern umfangreiche Haussuchungen in allen Stadtteilen vor und fand drei Bomben und große Mengen Dynamits. Etwa 100 Personen, vorwiegend besserer Stände, unter ihnen ein Polizeibeamter, tvurden ver- haftet. Acht Bezirkskomitecs der s o z i a l r e v o l u t i o n ä r e n Partei und das Zentralbureau des russischen Eisen- bahnarbeiter-Verbandes wurden aufgehoben. OirKei. Deutschland als Scharfmacher. Eine geradezu ungeheuerliche Meldung bringt die„Frank- furter Zeitung" ans Konstantinopel. Die Angestellten der anatolischen Eisenbahnen, die geradezu Hundemäßig elend bezahlt wurden, waren in den Generalstreik getreten, wodurch fast der gesamte Bahnverkehr stillgelegt wurde. Die Ans- ständigen haben offenbar eingesehen, daß dies eine schwere Schädigung des Wirtschaftslebens mit sich bringen muß, wes- halb sie kurzerhand die Direktion absetzten und den Betrieb in eigener Regie weiterführten. Es ist meist deutsches Kapital, das in diesen Bahnen angelegt ist. Die wegen ihrer halsstarrigen Haltung abgesetzte Direktion wandte sich mit der Bitte um Beistand an die deutsche Botschaft in Konstantin opel und der Botschafter Freiherr Marschall v. Bieberstein hat die Pforte sofort ganz energisch aufgefordert, dieser„Rebellion" mit allen Mitteln entgegenzutreten. Unter den Angestellten der anatolischen Eisenbahnen sind auch deutsche Staats- angehörige, die natürlich mit in den Streik eingetreten sind, und es wäre nun der Schande Gipfelpunkt, wenn die türkische Regierung gegen diese Arbeiter und Angestellten etwa Gewalt anwenden müßte, weil der deutsche Botschafter es als seine vornehmste Pflicht ansieht, das deutsche Kapital in Schutz zu nehmen. Wenn die Deutschen im Orient, der vermutlich rasch wirtschaftlich aufblühen wird, immer verhaßter werden, dann dankt man das der mehr als sonderbaren Haltung der diplomatischen Vertretung Deutschlands am Goldenen Horn. � Fortdauer des Streiks. Konstantinoprl, 16. September. Die Angestellten der Anatolischen Eisenbahn desavouierten die gestern abend abgegebene Erklärung ihres Präsidenten und setzen den Streik fort. Sie er- klärten, nur mit der Generaldirektion verhandeln zu wollen. Auch bei der Orientbahn muß mit dem Generalstreik gerechnet werden.— JMarokho. Die Haltung der Mächte. San Sebastian. 15. September.(Meldung der Agence HavaS.) Der Minister des Aeußern hat bereits mehrere Antworten auf die französisch-spanische Marokko- Note erhalten. Mehrere Negierungen gaben ihre Zustimmung zu erkennen. Andere, insbesondere die deutsche Regierung, teilten mit. sie würden die Note prüsen. Huö der parte!» Berichtiguug. In dein Parteitagsbericht über die Verhandlungen vom Montag, den 14. September, yt ein Irrtum der Berichterstattung zu berich- tigen: In der Begrüßungsrede des englischen Genoffen Queich muß statt Wir haben protestiert gegen die Entsendimg der englischen Flotte in die deutschen Gewässer... gelesen werden: Wir haben protestiert gegen die Entsendung der englischen Flotte nachKronstadt..._ Ein Wahlkompromiß zwischen Sozialdemokraten, Liberale» und Agrarier». Aus D e l m e n h o r st wird der„Bremer Bürge r- z e i t u n g" zu den oldenburgischen LandtagSwahlen geschrieben: Um die sechs Delmenhorster Mandate bewerben sich die Agrarier; sodann eine Gruppe der Liberalen, unter der Führung des Bauunternehmers Twisterling, Direktor Göricke und Genossen, die mit den Agrariern paktieren wollen. Eine zweite Gruppe der Liberalen, unter der Führung des Betriebs- bcamten Eisenkolb, Redakteur HelmerS usw., versucht den Anschluß nach links und will mit unserer Partei ein Bündnis schließen. Dieses Bündnis ist denn anch abgeschlossen worden. Unsere Partei hat«S indes nicht nötig, mit irgend einer Partei zu paktieren, zumal die katholischen Arbeiter sich diesmal nicht ins Schlepptau des BllrgervereinS nehmen lassen und Stimmenthaltung proklamiert haben. Mit einer einzigen Ausnahme, vor zirka acht Jahren, ist die Partei stets selbständig in den Wahlkampf eingetreten; bei der einzigen Ausnahme wurde das Bündnis erst nach Abschluß der Wahlmännerwahlen geschlossen. Jetzt jedoch bindet man sich bereits vor den Vorwahlen die Hände. Und mit welchem Gegner verbindet man sich! Als seine Auserwählten werden ge- nannt: Bürgermeister Koch und Lehrer Grape. Nach dem dritten Kandidaten ist man noch auf der Suche. Nach allen Anzeiche» zu rechnen, will man noch einen Agrarier mitnehmen. Wahrlich, ein herrliches Trio: So- z i a l d e m o k r a t e n, Liberale und Agrarier Arm in Arm zur Oldenburger Landtags wähl. An der Spitze Vürgernreister Koch, der bei Gelegenheit des vor- jährigen Bauarbeiterstreiks in Delmenhost 50 Gendarmen nach Delmenhorst zog, die die Arbeiter mit Säbelhieben traktierte», und schließlich den kleinen Belagerungszustand über diese Stadt verhängte. Wer waren nun die Anreger zu diesem tollen Bündnis? Unter anderen befand sich auch der Redakteur der„Delmenhorster Nachrichten". HelmerS, darunter. Lange vor und während der letzten RetchstagSwahl waren eS die hiesigen„Nachrichten", die, aus der Quelle des NeichSlügenverbandeS, unsere Partei begeiferten und bc- sudelten. Aus dem Grunde wurde auch dieser Ableger des NeichSlügenverbandeS von der Partei und den Gewerkschaften bc- kämpft und boykottiert. Und heute, anläßlich der LandtagSwahl? Alles ist vergessen! Es lebe der Kompromißl Selbst wenn man sich dabei kompromilttert. Bemerkt sei, daß der Parteisekretär Schulz auS Bant sich warm fürs Kompromiß aussprach. poliLeiUcsies,(ümcbtlicheo uTw. „Feierabend"- Prozesse. Herr Meyer von dem bekannten Ver- sicherungsblättchen„Nach Feierabend" in Leipzig hatte gegen drei unserer Partciblätter Klage erhoben, die am Sonnabend vor dem Schöffengericht in Leipzig zur Verhandlung stand. Die Klage gegen den Genossen Vetter von der„Breslauer Volkswacht" iel auS, da der Vertreter nicht rechtzeitig erschienen war. Der Ge- nosse Mehlich vom„Stettin er Volks boten" und der Genosse Mollenbuhr von der Elberfelder„Freien Presse", die beide daS bekannte„Wohltätigkeitsunternehmen" des Herrn Meyer gebührend gekennzeichnet hatten, wurden wegen ormaler Beleidigung zu Geldstrafe und zwar M e h l i cb zu 60 M. und M o I k e n b u h r zu 80 M. verurteilt. Auf der Anklagebank saßen in diesem Prozeß indes der„Feierabend" und der Herr Meyer. Sozialed* Die Echulcn im Lande der Junker? Der„Osts.-Ztg." schreibt man: Im Dorfe Degow(Kreis Kol- kerg-Körlin) werden schon lange 220—240 Kinder in 4 Klassen von 2 Lehrern unterrichtet! Bereits seit fünf Jahren schweben Vcr- Handlungen über die Anstellung eines dritten Lehrers. Bis heute ist es allerdings bei Erhebungen und Verhandlungen geblieben. Der erste Lehrer wurde nun zu einer sechswöchigen militärischen Uebung eingezogen und dieserhalb schon beizeiten bei der Schul- leitung die Entsendung eines Vertreters beantragt. Ein Schul- amtskandidat konnte nicht überwiesen werden, dagegen wurde am Tage vor Beginn des Unterrichts der 2. Lehrer aus Drosedow für die Vertretung in Degow designiert. Dieser konnte der Anordnung jedoch nicht Folge leisten, da er gleichfalls zu einer vierwöchigen militärischen Uebung eingezogen wurde. Die Vertretung wurde nunmehr dem zweiten Lehrer in Zernin aufgegeben, und hier hat nunmehr der alte erste Lehrer, der im vergangenen Winter eine schwere Krankheit überstanden hat, allein 136 Kinder zu unter- richten! Das; bei einem solchen Schulbetriebe der Erfolg der Arbeit gänzlich in Frage gestellt wird, liegt wohl klar auf der Hand."— Die Wertung des Lehrers durch die bildungsfeindliche Junkersippe reizt natürlich nicht zur Ergreifung des Lehrerberufs. Im März d. I. hatten sich zur Aufnahmeprüfung in die Präparandenanstalt in A n k l a m nur 17 Schüler gemeldet. In R u m m e l s b u r g wurden im August d. I. von 23 Schülern 21 aufgenommen. Um dieselbe Zeit waren in B e l g a r d auch nur 17 Knaben erschienen, von denen nur 12 fest aufgenommen werden konnten. Es war also unmöglich, die für einen Kursus bestimmte Norm von 30 Zöglingen zu erreichen. Daß infolgedessen nicht blast die Quantität, sondern auch die Qualität des Lchrerstandcs zurückgehen muß, liegt aus der Hand. Früher meldeten sich an obigen Anstalten 50— 70 Schüler zur Aufnahme, aus denen die 30 Befähigsten herausgesucht werden konnten. Heute must man nehmen, was man kriegt— ganz gewist nicht zum Vorteil unserer Volksschule und ihrer Zöglinge. Danach fragen aber die Junker wenig! diese Gesellschaft braucht ja die Volksschulen nicht zu besuchen. Deshalb müssen die Arbeiter danach trachten, ihren politischen Einfluß zu vergröstern, um die Volks- schule aus einem Instrument des Klassenstaates zu einem mächtigen Hebel des Fortschritts und der Freiheit umzuwandeln» GetverKlcKaftlicbed. Berlin und Umgegend« Der Streik der Rohrleger und Helfer aufgehoben. In der am Mittwoch abgehaltenen Versammlung der Streikenden führte Handle aus: Nach den in der vorigen Woche mit dem Vertreter der Unternehmer gepflogenen Besprechungen sollten am Dienstag Verhandlungen zwischen den beiderseitigen Vertretern statt- finden. Es ist aber nicht dazu gekommen. Der Vertreter der Unter- nehmer sagte die Verhandlungen ab mit der Begründung, chie Unter- nehmer seien verhindert; die Verhandlungen sollten bis Freitag verschoben werden. Aus diesem Verhalten der Unternehmer schliestt die Streikleitung, dast dieselben die Angelegenheit verschleppen wollen. Es sei den Unternehmern nicht darum zu tun, durch Verhandlungen eine Vereinbarung mit dem Metallarbciter-Verband auf der Grund- läge seines Tarifs herbeizuführen, sondern es komme den Unter- nehmern nur darauf an, sich vor einer tariflosen Zeit zu schützen. Unter Berücksichtigung dieser Sachlage ist die Konferenz der Ver- trauensmänner der Streikenden nach eingehender Beratung dazu gekommen, den Streikenden zu empfehlen, den Streik jetzt, auf der Höhe des Kampfes, abzubrechen und in eine tariflose Zeit ein- zutreten.— Wenn die Versammlung diesem Vorschlage der Vertrauensmänner zustimmt, dann handle sie in richtiger Kouscguenz des Beschlusses vom 30. August, welcher besagt: Ehe wir den Tarif der Unternehmer annehmen, arbeiten wir lieber ohne Tarif.— Weiter führte der Redner aus, man könne natürlich nicht sagen, dast dieser Ausgang dcS Kampfes ein be» friedigender sei. Als der Streik für die aufgestellten Forderungen beschlossen wurde, konnte man annehmen, dast die Mehrheit der Kollegen sich auf die Seite der Streikenden stellen würde. Das sei nun nicht eingetreten. Im Gegenteil habe es der Wiesenthalsche Verband vermocht, seine Mitglieder zum schändlichsten Verrat der Arbeiterinteressen zu bewegen, indem er die Stellen besetzte, welche durch die Arbeitsniederlegung frei geworden waren.— Man könne aber auch nicht sagen, dast die Streikenden eine Niederlage erlitten haben, denn der Abbruch des Kampfes fei nicht gleichbedeutend mit mit der Annahme des Tarifs der Unternehmer. Für den Metall- arbeiterverband besteht kein Tarif mit den Unternehmern. Zwischen den beiderseitigen Organisationen gibt es jetzt keine Vereinbarungen, es sei denn, dast sich die Unternehmer früher oder später bereit finden, mit dem Metallarbeitcrpcrband einen seinem Standpunkt ent- sprechenden Tarif abzuschliesten. Nach kurzer Diskussion stimmte die Versammlung mit großer Mehrheit der Beendigung des Streiks zu. Ueber die Tarifverhandlungc» für das Glasergcwerbe wurde am Dienstag in einer Mitgliederversammlung der Berliner Zahlstelle des Glaserverbandes berichtet. Man nahm Kenntnis vom Stand der Dinge, ohne bestimmte Beschlüsse zu fassen. Die nächste Mit- gliederversammlung, wo über den weiteren Verlauf der Tarif- Verhandlungen berichtet wird, findet nicht am Montag, sondern Mittwoch statt. Die Bierfahrer in den Berliner Jung- und Weißbierbrauereien haben in der letzten Zeit einige Verbesserungen ihrer Lohn- und Arbeitsbedingungen durchgesetzt. Der Deutsche Transportarbeiter- verband hat für die bei ihm organisierten Bierfahrer mit mehreren Brauereien günstige Tarifverträge abgeschlossen. Zuerst, stellten die Fahrer in der Brauerei von Schulz Forderungen auf, die auch bewilligt wurden. Die Jungbierfahrer erhalten eine Extra. Vergütung von 20 Pf. für die halbe Tonne. Drei Fahrern wurde der Lohn von 18 auf 24 M. pro Woche erhöht, dem Stallmann von 24 M. auf 26 M., die Bezahlung der Mitfahrer ist um 1 M. erhöht worden. In der Brauerei von Willens gelang es dem Ver- bände, nach mehrmaligen Verhandlungen Verbesserungen für die Bierfahrer zu erzielen. Die Jungbierfahrer erhalten dort einen Wochenlohn von 24 M. bei einem Umsatz bis zu 200 M. und für jede 50 M. mehr an Umsatz einen Lohnzuschlag von 2 M. Die Fatzfahrer erhalten 25 M. Lohn pro Woche und für jede halbe Tonne verkauften Bieres 50 Pf.„Spundgeld". Die Mitfahrer erhalten 33 M. pro Woche und zwar 18 M. von der Brauerei und 15 M. von dem Fahrer. Die im inneren Betriebe beschäftigten Arbeiter erhalten 23 M. Wochenlohn. Diese Löhne sind um etwa 3 M. höher als vorher und für die letztgenannten Arbeiter um 4 M. höher. Für den Fastfahrer, der die Filialen zu besorgen hat. bezahlt die B r a u e r e i den Mitfahrer, früher hatte der Fahrer die Hälfte des Lohnes für den Mitfahrer zu bezahlen. Die Arbeits- zeit, die früher eine unbegrenzte war, ist auf ö'ch Stunden fest- gesetzt worden. Ebenso ist die Arbeitszeit für Stalleute und Re- servekutscher geregelt und beträgt von jetzt ab 10 Stunden pro Tag. Die Bezahlung der Ueberstunden für diese drei Kategorien ist ebenfalls neu eingeführt.— Für die in der G e n o s s e n s ch a s t s- brauerei Südost beschäftigten Fahrer und Mitfahrer sind ebenfalls bessere Bedingungen erreicht worden. Die Fastfahrer haben 1 M. mehr au Lohn pro Woche und 20 Pf. mehr an Pro- Vision für die halbe Tonne Weißbier(nämlich eine Erhöhung von 30 auf 50 Pf.) erhalten. Die Flaschenfahrer erzielten eine Er- höhung der Provision von 5 auf 10 Pf. pro Kasten. Diejenigen Fahrer, welche das Bier nach den Filialen zu schaffen haben, er- Lerantw. Redakteur: HanS Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.t' halten für jedes zurückgebrachte halbe Tonnengesäß 10 Pf., vorher erhielten sie dafür keine Entschädigung. Den Mitfahrern ist der Lohn von 23 auf 33 M. erhöht worden, den Rescrvekutschern von 25 auf 28 M. pro Woche, und die bisher unbegrenzte Arbeitszeit ist auf 10 Stunden pro Tag festgesetzt worden.— Die Fahrer der Brauerei Urbach haben ebenfalls Zugeständnisse errungen, die voin 1. Oktober ab in Kraft treten sollen. Die Faßfahrer werden 3 M., die Reservefahrer und Stallcute 1 M. �Zulage pro Woche erhalten und haben außerdem jeden zweiten Sonntag ganz frei. Den Jungbierkutschern ist auf jede Tonne zwei Liter„Vergießbicr" und eine Vergütung von 20 Pf. pro halbe Tonne zugebilligt worden. Das sind Erfolge, die in der jetzigen Zeit des wirtschaftlichen Niederganges um so höher anzuschlagen sind, da sie ohne offenen Kampf durch das geschlossene Vorgehen der Arbeiter allein und ihrer Organisation, den Deutschen Transportarbciterverband, er- rungen worden sind. Achtung! Täschner! Portefeuiller! In der Taschenfabrik von David Sch ei er, Ritterstr. 32, haben sämtliche Arbeiter wegen Nichtinnehaltnng des Tarifvertrages die Arbeit eingestellt. Jcg- licher Zuzug ist streng fernzuhalten.' Die Ortsvcrwaltung Berlin des Verbandes der Sattler. Achtung! Friscurgehilfen! Differenzen sind beigelegt, Sperre somit aufgehoben bei Mühl er t, Danziger Straße 87; O! s ch e w s k i, Lichtenberg, Gürtelstraste 0. Verband der Friseurgehilfen. Von der Brauerei Oswald Berliner erhalten wir folgende Zuschrift: In Ihrer Nummer 215 vom Sonntag, den 13. er., befindet sich unter der Rubrik„Brauereiarbeitcr" eine unsere Firma be- treffende Bekanntmachung, die den Tatsachen nicht entspricht, und ersuchen wir Sie hierdurch, auf Grund des§ 11 des Gesetzes über die Presse vom 7. Mai 187� folgende Berichtigung an derselben Stelle, an der die in Rede stehende Notiz gestanden hat, zum Ab- druck zu bringen: Es ist nicht wahr, dast die Brauerei Oswald Berliner einen in fester Arbeit stehenden Brauer aus der Brauerei Senst in Potsdam geholt hat. Der betreffende Brauer hat vor längerer Zeit vorübergehend bei der Brauerei Senst gearbeitet und hat sich als arbeitslos bei uns gemeldet. Da wir berechtigt sind, auf Grund der Tarifverträge auf Prozentsatz 12 Arbeitnehmer einzustellen, im Interesse der Arbeitnehmer aber von diesem Recht bisher fast noch gar keinen Gebrauch gemacht haben, was daraus hervor- geht, dast der hier erwähnte Brauer der zweite ist, den wir in diesem Jahre auf Prozentsatz eingestellt haben, so kann von einem arbeiterfeindlichen Vorgehen der Brauerei Oswald Berliner ab- solut keine Rede sein. Im übrigen möchten wir nicht unerwähnt lassen, daß wir aus freien Stücken, ohne dazu verpflichtet zu sein, bereits 6 Arbeiter mit einer Jahresrente von je 600 Mk. pensioniert haben, was man uns gewiß nicht als arbeiterfeindlich auslegen kann, Hochachtungsvoll Brauerei Oswald Berliner, Max Ephraimsohn, Veurlctzeg Reich. Ein Berein gelber Beamter. Montag abend hielten die in der Maschinenfabrik Augsburg be- schäftigten kaufmännischen und technischen Angestellten, soweit sie aus ihren Organisationen ausgetreten sind, eine Versammlung ab, in welcher eine Resolution angenommen wurde, in der der Fabrik- direktion volles Vertrauen ausgesprochen wurde. Zugleich wurde daS Vorgehen des Bundes technischer und industrieller Beamten scharf verurteilt und der Vorschlag gemacht, einen eigenen Verein zu gründen, der die guten Beziehungen zwischen An- ge st eilten und Betriebsleitung zu wahren ge- sonnen i st. Damit hätten die Scharfmacher der Maschinenfabrik Augsburg, die zugleich die geistigen Leiter des Verbandes Bayerischer Metall- industriellen sind, ihren Zweck erreicht. Sie können nun ihre Be- amten gegen einander ausspielen und der Kampf gegen die Mit- glieder des Bundes technisch-industrieller Beamten kann aufs neue beginnen. Letztere sind sämtlich gegenüber den Lockungen und Drohungen der Direktion standhaft geblieben, während die anderen Vereinen angehörigen Angestelllen aus diesen ausiraten und sich die bereits gezahlten Beiträge von der Direktion ersetzen ließen. Die Versammlung war seitens der Direktion„angeregt" worden. Zum Streik in der Stcingutfabrik in Neusörnewitz. , Nunmehr sind auch die Porzellanmaler und zum Teil auch die Porzellanmalerinnen in den Streik eingetreten und dadurch ver- schlechterte sich die Situation für die Firma ganz erheblich; denn die Ware kann nicht vollständig ferrig gemacht werden. Vor kurzem richtete die Firma das folgende interessante Schreiben an einen Arbeiter. „Vom Bahnhofe bis zu unserer Fabrik stehen immer noch einige Streikposten. Wir machen aber darauf aufmerksam, dast Sie sich von diesen nicht abhalten lassen brauchen, da Sie genügend Schutz bei den hier stationierten Gendarmen finden." Wir haben ja kürzlich schon gemeldet, dast die Gendarmen nur zum Schutz der A r b c i t s w i l l i g e n da sind. Bei Uebergriffen der Streikenden gegenüber den Streikposten geben sie den An- gegriffenen den„Rat":„Stellen Sie sich nicht hin l" Es ist bei dem ganzen Kampf festzuhalten, dast eS sich um einen Kampf um das Koalitionsrecht handelt. Die Firma verlangte von den Arbeitern den Austritt aus der Organisation und Beitritt zu den„Gelben"._ Gerichte-Zeitung. Eine Ehefrau unter Fürsorgeerziehung. Ein seltener Fall deS Vergehens gegen das Fürsorge- erziehungsgesetz beschäftigte die zweite Strafkammer des Landgerichts I. Angeklagt war ein junger Handlungsbeflissener L., der beschuldigt wurde, seine— Ehefrau der Fürsorgeerziehung entzogen zu haben. Gegen die letztere war, als sie noch unverheiratet war, die Fürsorgeerziehung beantragt worden. Gegen diesen Antrag waren mehrere Beschwerden er- hoben worden, die den Jnstanzenzug durchmachten, aber sämtlich als unbegründet zurückgewiesen wurden. Die Fürsorgeerziehung wurde endgültig angeordnet. Noch ehe das Streitverfahren zu Ende war, hatte der Angeklagte das Mädchen geheiratet und das junge Ehepaar hatte eine gemeinsame Wohnung bezogen und sich als Eheleute polizeilich angemeldet. Später kam es zu einer ort- lichen Trennung zwischen ihnen: der Angeklagte mietete sich ein Zimmer und erhielt dort wiederholt den Besuch seiner Ehefrau und seiner Schwiegermutter, die ihm Essen brachten. Trotzdem soll der Angeklagte der Polizei gegenüber, die auf die Frau fahndete, um neuerdings den Fürsorgeerziehungs- b e s ch l u ß auszuführen, geleugnet haben, den Aufenthalt seiner Ehefrau zu kennen. Der Angeklagte verwies demgegenüber darauf, daß er seine eheliche Gemeinschaft mit dem Mädchen, das er ge- heiratet, vorschriftsmäßig angezeigt habe. Die Polizei habe auch den Aufenthalt seiner Frau in der gemeinsamen Wohnung genau gekannt; seine Frau sei sogar eines Tages in der Angelegenheit der Fürsorgeerziehung auf das Polizeiburcau zitiert, aber wieder nach Hause entlassen worden, nachdem dem Wacht- mcister und dem zuständigen Polizeileutnant das Dokument der Eheschließung vorgelegt worden sei. Nach einjähriger Dauer seiner 'Zh,Gl»cke, Berlin, Dryck«.Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Ehe habe er sich von seiner Frau getrennt, kenne ihren Aufenthalt nicht und betreibe seine Ehescheidung.— Das Gericht hielt eS bei dieser eigenartigen Sachlage für notwendig, zu einem neuen Termin den betreffenden Polizeileutnant und den Wachtmeister als Zeugen vorzuladen._ Ein Opfer der Rennbahn und seiner sonstigen noblen Passionen ist der Korrespondent Paul E b e r l i n g geworden, toelcher gestern aus der Untersuchungshaft der ersten Fcrienstrafkammer des Landgerichts III vorgeführt wurde, um sich wegen Unterschlagung der Summe von 10 500 M. zu verantworten.— Der Angeklagte war Generalvertreter der Kühlmaschinenfabrik von Quiri u. Co. in Schültigheim i. Elsaß, die in Wilmersdorf in der Passauer Straße ein Zweiggeschäft unterhielt. Als Leiter dieser Filiale war der Angeklagte, der schon früher in der Fabrik selbst beschäftigt gewesen war, eingesetzt worden. In seiner früheren Tätigkeit in Schültigheim hatte sich der Angeklagte das vollste Vertrauen zu erwerben gewußt, so daß man ihm ohne jede Bedenken in dem hiesigen Zweiggeschäft nach jeder Richtung hin Vollmacht erteilte. Zur Befriedigung seiner noblen Passionen vergriff sich Eberling an den von ihm eingezogenen Geldern und verdeckte die Unterschlagungen durch falsche Buchungen. Eines Tages war er spurlos verschwunden. Eine sofortige Revision der Kasse und der Bücher ergab ein Manko von über 10 500 Mark. Der Angeklagte hielt sich in verschiedenen Hotels in Berlin auf, wo er bald ermittelt und verhaftet wurde. Der Staats- anwalt beantragte eine Gefängnisstrafe von einem Jahr und zwei Monaten. Das Gericht erkannte auf ein Jahr Gefängnis, Ein Nachspiel zum Caputher Maurerstreik. Die Potsdamer Ferienstrafkammer beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung mit der Berufung des Maurers Weiß aus Kolonie FricdrichLhöhe bei Caputh, der vom Potsdamer Schöffengericht wegen Ucbcrtretung des Z 153 der Rcichs-Gcwcrbeordnung zu fünf Tagen Gefängnis verurteilt worden ist. Im April d. I. streikten die Caputher Maurer und stellten an allen Zufahrtstellen Streik- Posten aus, um den Zuzug Arbeitswilliger zu verhindern. Der Leiter der Streikbewegung war der Angeklagte Weiß, der im Strcikburcau bei Rietsch die An- und Abmeldungen der Arbeiter entgegennahm. Am 0. April d. I. fuhr der Z i m m c r g e s c l l e S t a n k o per Rad nach Caputh, um beim Zimmcrmeistcr Schulz Arbeit zu nehmen. Er wurde von Streikposten augehalten und nach Verabreichung eines Geldbetrages nach Michendorf geschickt. Trotzdem kam er mittags wieder zurück und verlangte vom Streikposten die Auslieferung seines Geschirrs, das er anstandslos erhielt. In Begleitung des Zimmer- lehrlings Fritz Husch fuhr er nun zu Schulz. Bisher hatte die Anklage nichts auszusetzen. Sie richtet sich aber dagegen. daß ein Mann, der von dem vorausfahrenden Husch als Weiß er- kannt wurde, dem Stanko nachfuhr und ihm die Worte zurief: „Na, warte, heute abend!" und dann schleunigst wieder Kehrt machte. Darin liegt die Ilcbertretung und darum die Gefängnis» strafe. Weiß versuchte nun als unbescholtener Mann durch einen von seinem Pertcidiger, Justizrat R. Josephsohn, geführten Alibi- beweis darzutun, daß er zur fraglichen Zeit im Streikburcau s a st und mit den als Zeugen geladenen Maurern B e e g e und K a p i tz Skat gespielt habe, was auch die Zeugen bestätigten. Ob aber nicht auf einige Minuten Weist das Bureau verlassen habe, konnte von den Zeugen schon mit Rücksicht auf die lange Zeit seit dem Vorgange nicht unter dem Eide verneint werden. Der einzige Belastungszeuge war der Lehrling Husch, der im Fahren den Weist bestimmt erkannt haben will. Während der Ver- teidiger die Freisprechung seines Klienten hinsichtlich des Mangels bestimmter Feststellungen beantragte, verwarf das Gericht die Be- rufung unter Hinweis auf das uneidliche Zeugnis des 15jährigen Lehrlings. Das Strafmaß schien dem Gericht angemessen. Den Alibibeweis des Angeklagten hielt eS für mißlungen, Letzte Nachrichten und vepelchen. Würger Cholera. New Dork, 16. September.(B. H.) Den letzten Berichten aus Mauila zufolge sind während der letzten 43 Stunden 354 Cholera- fälle festgestellt worden, in den letzten 20 Stunden waren 210 TodeS- fälle zu verzeichne», darunter 14 in der Stadt selbst. Die Gesamt- zahl der Cholerafälle für das letzte Jahr belauft sich auf 16 788 Er- lrankungen, von denen 7681 einen tödlichen Ausgang hatten. Antwerpen, 16. September.(B. H.) Die Hafeubehörden haben umfassende Mastregeln getroffen gegen die Einschlcppnng der Cholera durch russische Schiffe. Sämtliche aus Rußland kommende Schiffe und Matrosen müssen desinfiziert werden. Die Eisenbahnen haben weniger strenge Mastregeln getroffen. Petersburg, 16. September.(W.T.B.) Die Stadt Kre« mentschug ist für choleragefährlich, die Gouvernements Woro- nesh, Kiew, Orel, Poltawa, Cherson, die Stadt Nicolajew, dasTerekgebiet, die Wolga von T w e r bis N y b i n s k und die Ladogakanäle sind für cholerabedroht erklärt worden._ Neuer Riesenbrand in Konstantinopel. Konstantinopel, 16. September.(W. T. 93.) In der Stambultt Vorstadt Jedi-Kule wurden gestern durch eine FeucrSbruust 160 Häuser zerstört._ Angehende Eulenburger. München, 16. September.(B. H.) Au? dem königlichen Pageninstitut in München wurden sechs Zöglinge ausgeschloffen, die sich unsittlicher Verschlungen schuldig gemacht hatten. Lebendig verbrannt. München, 16. September.(B. H.) Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich heute abend in der elektrischen Unterstation der Aus» stellung. Der 40jährige Obermonteur Bayer stürzte infolge Aus» gleitens auf die Stromleitung, die ihm durch den ganzen Körper ging. Der Mann wurde lebendig verbrannt. UmS tägliche Brot. Nürnberg, 16. September.(B. H.) Auf den Viktoriawerken. find die Arbeiter tvegcn Lohndifferenzen in den Streik getreten. Die unmittelbare Ursache ist die Herabsetzung der Akkordlöhne. Schwimmende Bomben. Petersburg, 16. September.(W. T.®.) In der Nähe des Denkmals Peters dcS Großen wurde von Bootsleuten eine in der Newa fchwimmnde Kiste aufgefiscvt, welche sechs Bomben enthielt. Beim Auspacken explodierte eine Bombe. Es wurde niemand verletzt. Ueberfchwcmmung in Spanien. Madrid, 16. September.(B. H.) Nach langer Trockenheit hat feit vier Tagen starker Regen eingesetzt, der grotze Verheerungen an» gerichtet hat.' Alle Flüsse in der Provinz Toledo und in der Provinz Monia sind über die Ufer getreten. Mehrere Brücken sind eingestürzt. Das Wasser führt verendetes Bich und Mobiliar mit sich. In Cartagena steht ein ganzes Häuserviertel unter Wasser und zahl« reiche Gärten sind zerstört._ Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 5 Beilagen u.llnterbaltungSbl. Br. 218. 25. Jahrgang 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Donerstag, 17. September 1908. Der Parteitag in Türnberg. 3. Verhandlungstag. Nürnberg, 16. September 1908. Bormittagsfitung. Singer eröffnet die Situng um 9 Uhr mit der Mitteilung von dem gestrigen Wahlsieg in Ludwigshafen- Speyer.( Stürmischer Beifall.), Die Budgetbewilligung. Es wird in die Verhandlung der Frage der Budgetbewilligung eingetreten. Dazu liegen vor die Resolution 126 und die Anträge 74 bis 85*), die sämtlich mit zur Verhandlung gestellt werden. Der Parteitag hat beschlossen, daß nach dem Referenten Bebel einem badischen und einem bayerischen Genossen das Wort mit unbeschränkter Redezeit gegeben wird. Es liegt ein Antrag des Genossen Böhle vor: „ Nachdem auch die Frage der württembergischen Zustimmung zum Budget in die Resolution des Parteivorstandes aufgenommen ist, auch einem württembergischen Abgeordneten das Wort mit unbeschränkter Redezeit zu aeben." Böhle begründet kurz den Antrag. Der Parteitag stimmt zu. Bebel: Barteigenossen! Ich hoffe, daß der stürmische Beifall, den Sie der Verkündigung des Wahlresultates bei der Nachwahl in Ludwigshafen soeben gezollt haben, etwas beruhigend auf unsere Debatten, in die wir jetzt eintreten, einwirken wird, denn das Refultat zeigt uns allen, daß die Partei in glänzender Weise marschiert, aber auch vor allem, daß wir alle Kräfte zu gemeinsamer Arbeit daran zu sehen haben, um unser Ziel zu erreichen.( Lebhaftes Bravo!) Ich habe von 14 Jahren, als ich in Frankfurt a. M. auf dem Barteitag ebenfalls zu der vorliegenden Frage das Wort nahm, ausgesprochen, daß ich noch nie in einer so demütigenden und georückten Stimmung die Bühne betreten hätte wie damals in Frantfurt, und ich sage Ihnen ganz offen, es wäre mir der größte Gefallen erwiesen worden, wenn wir nicht in die Lage gekommen wären, heute abermals, und zwar zum dritten Male, über diese Frage zu verhandeln. Ich hatte geglaubt, daß nachdem in Lübeď mit sehr großer Mehrheit, und zwar unter wesentlicher Zustimmung der süddeutschen Genossen die damalige Resolution angenommen worden war, ein Weg gefunden worden sei, der es für die Zukunft *) 74. Teltow Beeskow und Berlin V: Die heutige Teltow- Beeskow Generalversammlung erblickt in dem Verhalten der badischen und bayerischen Landtagsfraktion einen Disziplinbruch und erwartet oon dem Nürnberger Parteitag, daß derselbe in ganz entschiedener Weise dazu Stellung nimmt. 75. Frankfurt a. M.: Der Parteitag erklärt, daß er die Zustimmung der badischen und bayerischen Landtagsfrattion zum Budget nicht billigt und für einen Verstoß gegen den Beschluß des Lübecker Parteitages ansieht. 76. Sorau Forst: Die Generalversammlung des Wahlreises Sorau- Forst verurteilt die Zustimmung unserer süddeutschen Landtagsabgeordneten zum Gesamtbudget des bayerischen und badischen Staates. Die Generalversammlung spricht die Erwartung aus, daß die Resolution des Lübecker Parteitages stritte Beachtung erfährt. Um allen parlamentarischen Entgleisungen die Epiße abzubrechen, ersucht die Versammlung den Nürnberger Parteitag, aus der Lübecker Resolution den Passus zu streichen, der von einer„ Budgetbewilligung aus zwingenden Gründen" handelt. 77. Berlin III: Die Versammlung des 3. Berliner Wahlfreises verurteilt die langerhand vorbereitete Budgetbewilligung der bayerischen und badischen Landtagsfraktion als einen schweren Verstoß gegen die Grundsäße und Beschlüsse der Gesamtpartei. Sie erklärt die Berufung auf den 3. Abjaß der Lübecker Resolution als durchaus verfehlt. Zwingende Gründe hat keine der Fraktioner für ihre Zustimmung anzuführen vermocht. Die Versammlung verurteilt ebenso die Weigerung, dem Parteivorstand als der von der Gesamtpartei bestellten Parteileitung Auskunft über die Beschlüsse der Fraktionen zu erteilen, als einen groben Verstoß gegen den Sinn des Organisationsstatuts und die Einheit der Partei. Ebenso fann das Verhalten derjenigen Parteipresse, die dem Vorgehen jener Fraktionen zugestimmt hat, nicht gebilligt werden. Die VersammTung fordert eine Regelung in dem Sinne, daß der 3. Absatz der Lübecker Resolution gestrichen wird. den Grundsäßen des proletarischen Klassenkampfes sehen und insbesondere das Gesamtbudget normalerweise ablehnen. Eine Zustimmung zu dem Budget kann nur ausnahmsweise aus zwingenden, in besonderen Verhältnissen liegenden Gründen gegeben werden." überflüssig mache, uns nochmals mit dieser Frage zu beschäftigen. Das ist leider nicht der Fall. Vor den Parteitagen in Frankfurt und Lübeck hatte diese Frage in der Parteipresse und Partei kaum irgendwelche große Erregung hervorgerufen. Ganz anders diesmal! Wir sind in Diskussionen in der Presse und in Versammlungen eingetreten, die von einer Erregung Zeugnis abgelegt haben, die In der Rede, mit der ich meinen Antrag begründete, führte man bei dieser Frage kaum für möglich gehalten hätte. Wenn ich aus:" Nach meiner Auffassung sind es nur ganz ausnahms man sich fragt, was denn eigentlich die Ursache war, daß von vorn- weise Fälle, für die einmal der letzte Satz der Resolution in Frage herein eine so mächtige Erregung einsette, so muß ich sagen, das kommen könnte. Da man sich Iwenn man einen solchen Satz vorwar die außerordentliche Ueberraschung, als wir auf einmal er- schlägt fragen muß, wann könnte das wohl sein?, so will ich fuhren, daß unsere süddeutschen Landtagsabgeordneten in Stutt- Ihnen die zwei Fälle anführen, die dabei für mich in Betracht gegart zusammengetreten wären, und sich verständigt hätten, für kommen sind. Der eine Fall, der infolge der eigentümlichen dieses Jahr für das Budget zu stimmen; und da schon Monate über Budgettechnik, die ja nicht überall gleich ist, eintreten kann, und diese Verständigung vergangen waren, ohne daß die weiteren Kreise der auch in Hessen bereits eingetreten ist, ist der, daß ein für die der Parteigenossen das geringste davon gehört hätten, war die Er- Steuerzahler günstigeres Budget gefallen und ihnen ein un regung um so größer. Man war aus diesem Grunde der Meinung, günstigeres aufgehalst wäre, wenn unsere Genossen nicht für das es handle sich hier um eine Art Pronunziamento gegen einen erstere gestimmt hätten. Man zieht dann eben das kleinere Uebel Parteitagsbeschluß. Es ist nicht meine Absicht, auf die Diskussion dem größeren vor. Der andere Fall ist folgender: Im Gothaer in der Presse und in den Vereinen, die in den letzten Wochen über Landtag siken 9 Genossen von uns und 10 Gegner. Nehmen Sie die hier zur Erörterung stehende Frage stattgefunden hat, irgendwie an, nach der nächsten Wahl ist es umgekehrt. Dann verlangen wir einzugehen. Ich möchte dringend bitten, daß auch die Redner selbstverständlich, daß unsere Genossen in Anbetracht ihrer nachher das, soweit als möglich, unterlassen. Es ist kein Zweifel, Majorität das Budget nach ihrer Auffassung gestalten, und daß in diesen Diskussionen herüber und hinüber in der schärfsten dann müssen sie auch dem Budget zustimmen." Das waren die Weise geschossen worden ist, daß sehr heftige und wie ich gar beiden Fälle, die ich damals für eine Möglichkeit der Zustimmung nicht anstehe zu erklären teilweise sehr ungerechtfertigte An- zum Budget angeführt habe. Nun sagte der dritte Absatz der Regriffe und Beschuldigungen erhoben worden sind. Wenn wir diese solution von diesen Fällen nichts, weil es überhaupt nicht üblich ist, Hier zum Gegenstande der Erörterung machen wollten, dann daß man gewissermaßen Motive in die Resolution aufnimmt, und fönnten wir wohl die ganzen kommenden Tage noch zur Verfügung so konnte ja der Fall eintreten, daß unsere süddeutschen Freunde stellen, um uns ausschließlich mit dieser Frage zu beschäftigen. erklären: Ja, der Sab, wie er hier steht, gibt uns das Recht, auch andere Fälle als gegeben anzuschen und danach zu handeln. Ich ( Sehr richtig!) Der Lübecker Beschluß war eine Art Kom- will mich für einen Augenblick auf diesen Standpunkt stellen. Ich promiß. Ich hatte eine Resolution dort eingebracht, die ver- will annehmen, es soll noch ein dritter, außerordentlicher Fall, an schiedentlich von unseren süddeutschen Landtagsgenossen heftig an- den wir gar nicht gedacht haben, vielleicht auch nicht benken konnten, gegriffen und für unannehmbar erklärt wurde. Wir traten in die vorgekommen sein. Ja, Parteigenossen, decken sich denn die Gründe, Verhandlungen ein, und das Endresultat war, daß ich zu der Ueber die diesmal von unseren Freunden in Baden und Bayern für die zeugung kommen mußte, es könnten Fälle eintreten, wo eine strikte Zustimmung zum Budget als maßgebend erachtet werden, auch nur Ablehnung des Budgets der Partei zum großen Schaden gereichen irgendwie mit dem dritten Absatz der Lübecker Resolution? Ich bemüsse, und daß man in solchen Fällen unseren Landtagsgenossen streite das auf das allerentschiedenste. Wir werden das sofort eine gewisse Freiheit der Entscheidung geben müsse. Die Re- sehen, wenn wir uns die Gründe, wie sie von unseren Freunden in Baden und Bayern angegeben sind, ansehen. Die badischen Ges solution lautete: " In Erwägung, daß die Einzelstaaten ebenso wie das Reich nossen haben durch den Mund des Genossen Frank erklären den Charakter des Klassenstaates tragen und der Arbeiterklasse lassen: Mit Rücksicht darauf, daß für die kommende Budget. die volle Berechtigung nicht einräumen, sondern in ihrem Wesen periode verhältnißmäßig erhebliche Beträge zur Erhöhung der als Organisation der herrschenden Klassen zur Aufrechterhaltung Beamtengehälter und Arbeiterlöhne angefordert werden, stimmt ihrer Herrschaft anzusehen sind, spricht der Parteitag die Er die sozialdemokratische Fraktion für das Etatsgesetz. Diese Abwartung aus, daß die sozialdemokratischen Vertreter in den ge- ftimmung soll kein Vertrauensvotum für die Regierung sein. Die setzgebenden Körperschaften der Einzelstaaten sich bei ihren Ab- Politik des Ministeriums wird vielmehr wie bisher von der stimmungen nicht in Widerspruch mit dem Parteiprogramm und Fraktion energisch bekämpft werden, da die Regierung wiederholt in Wort und Tat wie z. B. im Falle des Eisenbahnarbeiters entsprechende Selbständigkeit der Landesorganisation und ihres Schäufele den Grundsatz der staatsbürgerlichen Gleichheit gegenüber Angehörigen der sozialdemokratischen Partei verlegt und Vorstandes gegenüber dem Parteivorstande einzutreten. 81. 3. Hamburger Wahlkreis, Distritt Hamm: nach ihrer Haltung im Bundesrat, namentlich auch bei Beratung Die Distriktsversammlung Hamm des dritten Hamburger Wahl- der Reichsfinanzreform, wichtige Volksrechte geschädigt hat. Nach kreises erblickt in den jüngsten Vorgängen innerhalb der Partei, dem die sozialdemokratische Fraktion am Zustandekommen der wie sie bei den Statsabstimmungen im badischen, bayrischen und Beamtengesehe nach besten Kräften mitgearbeitet hat, hält sie sich vorher im oldenburgischen Landesparlament bei der Abstimmung für verpflichtet, mitzuwirken bei der Beschaffung der Mittel, die über ein abgeändertes Wahlgefez zutage getreten sind, das Be- zur Ausführung dieser Gefeße notwendig sind. Nar aus diesem streben einzelner parlamentarisch tätiger Genossen, sich von dem Grunde hat die Fraktion es unterlassen, ihr Mißtrauen gegen die bisher mit Erfolg bewährten Gesamtwillen der Partei unabhängig Regierung durch Ablehnung des Gesamtetats zum Ausdruck zu zu machen. Die Abstimmungen in Baden und Bayern lassen er- bringen." kennen, daß dort Parteigenossen durch vorher wohlüberlegtes Handeln den Disziplinbruch vorbereitet und durchgeführt haben. Die Versammlung beauftragt ihre Delegierten auf dem Parteitag so zu wirken und zu stimmen, daß den schuldigen Genossen die schärfste Mißbilligung vom Parteitage ausgesprochen wird. 82. Dortmund: Die Generalversammlung erklärt die ZuStimmung der badischen und bayrischen Landtagsfraktion zum( Lebhafte Zustimmung.) Es ist mir schier unbegreiflich, wie man Budget für einen schweren Verstoß gegen die Lübecker Resolution bei einer so scharfen Kritik an dem Verhalten des badischen und erwartet, daß der Parteitag zu Nürnberg dieser Resolution Ministeriums gegenüber der Sozialdemokratie und auch sonst eine Fassung gibt, die derartige Vorgänge für die Zukunft unmög- dazu kommen konnte, dem Budget ein" Ja" zu geben. Ueberall in lich macht. In dem Verhalten des badischen Landesvorstandes der Welt, wo parlamentarisches Leben existiert, gilt die Zustim gegenüber dem Parteivorstand erblickt die Generalversammlung mung zum Budget als ein Vertrauensvotum für die Regierung, eine schwere Auflehnung gegen den Geist des Organisationsstatuts,( hört! hört!) und wenn unsere Parteigenossen in Baden geglaubt die geeignet ist, die Geschlossenheit und Schlagkraft der Partei aufs haben, dieses durch eine Reihe kritischer Bemertungen abschwächen zu sollen, so will ich ja ihren guten Willen anerkennen, aber logisch schwerste zu gefährden. ist ihr Verhalten in keinem Falle.( Sehr richtig!) Der Hauptgrund und sozusagen der einzige im Gegensatz zu den bayerischen Ges nossen, deren Erklärung ich nachher besprechen werde, und die eine Reihe weiterer Gründe anführen, ist für die Badenser, daß erhebliche Beträge zur Erhöhung der Beamtengehälter und Ar beiterlöhne gefordert waren; deswegen stimme man zu. Parteigenossen, haben aber die Bayern seit 14 Jahren so oft die Landtagsperiode wieder kam regelmäßig gegen das Budget gestimmt, und ebenso die Badenser mit Ausnahme des Jahres welches Veranlassung gab zu unseren Verhandlungen in 83. Barmen- Elberfeld: Der Parteitag in Nürnberg hält an den ersten beiden Abfäßen der Lübecker Resolution fest, wonach das Budget normalerweise abzulehnen ist. Der dritte Abjaz ist folgendermaßen zu fassen: Eine Zustimmung zum Etat darf nur erfolgen, wenn unsere Partei in einem Landtage die Mehrheit hat und infolgedessen das Budget ihrem Verlangen entsprechend gestaltet werden kann. Barteigenossen! Als ich diese Erklärung gelesen habe, war ich im höchsten Grade erstaunt, denn ich mußte annehmen, daß nach der Kritik, die der Redner der Sozialdemokratie an der Handlungs. weise der badischen Regierung geübt hatte, ihr gar nichts anderes übrig bliebe als ein glattes, Nein". 78. Berlin IV: In der Stellungnahme der süddeutschen fozialdemokratischen Landtagsabgeordneten zur Budgetbewilligung der Einzellandtage erblidt die heute, am 18. August, tagende Ge der Parteitag in Nürnberg nicht nur den durch Budgetbewilligung übed. Wäre die Auffassung richtig, daß, indem man gegen das tagswahlkreis einen groben Verstoß gegen der Lübecker Parteitagsbeschluß und somit einen völligen Bruch der unbedingt erforderlichen und hochzuhaltenden Parteidisziplin. Dieser Vorgang bedeutet einen kräftigen Vorstoß der revisionistischen Arbeit, einen Schritt nach rechts, eine Annäherung an die Bürgerlichen, zur Reformpartei. Die Generalversammlung erwartet deshalb, daß der in Nürnberg stattfindende Parteitag mit aller Deutlichkeit erklärt, daß die Beschlüsse der Parteitage auch für die süddeutschen Landtagsabgeordneten bindend sind. Die Stel lungnahme des Parteivorstandes als oberste Instanz der Partei und die Haltung des„ Vorwärts" als Zentralorgan in dieser Angelegenheit ist deshalb nur zu billigen." 79. Berlin V: Jn Erwägung: daß die Arbeiterklasse in den Einzelstaaten weder die volle Gleichberechtigung noch die gleiche Behandlung mit den herrschenden Klassen genießt; daß die Einzelstaaten vielmehr nach ihrem Wesen und ihrer Organisation den Charakter des Klassenstaates haben, d. h. die vornehmste Stütze der fapitalistischen Wirtschaftsordnung sind und demgemäß weder die Art der Staatseinnahmen noch der Staatsausgaben den Forde rungen der Sozialdemokratie an eine Staatsverwaltung entsprechen; daß die Regierungen dieser Einzelstaaten durch ihre Zustimmung zu den Maßnahmen des Bundesrats( Umsturz- und ZuchthausvorTage, indirette Steuern auf den Massenverbrauch, Lebensmittelzölle und Liebesgabenpolitit, Militarismus, Marinimus usw.) die Arbeiterklasse aufs ungerechteste und schwerste schädigen; die Bewilligung des Budgets aber als ein Vertrauensvotum für eine Regierung und als Billigung ihrer wesentlichsten politischen Maßnahmen angesehen wird, erwartet der Parteitag, daß die sozialdemokratischen Vertreter in den Landtagen künftig gegen das Budget stimmen werden. Die Mitglieder sozialdemokratischer Fraktionen haben sich der Teilnahme an höfifchen Deputationen und Veranstaltungen zu enthalten. 80. Darmstadt: Die im Gewerkschaftshaus tagende Parteiversammlung stellt sich in der Frage der Budgetbewilligung streng auf den Standpunkt der Lübecker Resolution, worunter fie versteht, daß, wo immer es ohne größere Nachteile für die Gesamtheit angängig ist, gegen das Budget gestimmt werden soll, um den heutigen Klassenregierungen unser Mißtrauen auszudrücken. Nur in ausnahmsweisen Fällen kann dafür gestimmt werden. Dabei ist aber ausdrücklich hervorzuheben, daß die Zustimmung kein Vertrauensvotum für die Regierung sein soll. 84. Hamburg II: Der sozialdemokratische Verein des zweiten Hamburger Wahlfreises spricht die Erwartung aus, daß begangenen Disziplinbruch badischer und bayerischer abgeordneter scharf rüge, sondern auch Vorsorge treffe, daß in Zukunft für derartige Vorkommnisse eine Berufung auf Parteitagsbeschlüsse auch formell unmöglich sei. 85. Berlin I: In Anbetracht 1. daß die Etatbewilligung der badischen und bayerischen Genossen ein Verstoß gegen die Parteigrundsätze ist, 2. daß hier außerdem ein direkter Vorstoß gegen eine Parteitagsresolution, also ein Disziplinbruch, vorliegt, 3. daß die Geheimhaltung und die Brüstierung des Parteivorstandes zeigt, daß sie sich des doppelten Disziplinbruchs boll bewußt waren, 4. daß die Folge derartiger Handlungsweise zur Schwächung der Partei in prinzipieller und organisatiorischer Hinsicht und schließlich zur völligen Auflösung der Partei führen muß, spricht der Parteitag die Erwartung aus, daß die zuständigen Organisationen allen Disziplinwidrigkeiten ihrer Abgeordneten entschieden entgegentreten werden. Resolution Nr. 126. Der Parteitag bestätigt von neuem die Resolutionen von Lübeck und Dresden, die aussprechen: daß der Staat, solange er sich in den Händen der befizenden Klassen befindet, ein Organ der Klassenherrschaft darstellt und ein Mittel zur Niederhaltung der besiklofen Volksmassen bildet, daß die politische Aufgabe des proletarischen Klassenkampfes die Eroberung der Staatsgewalt durch Ueberwindung der Gegner ist, daß jede Politik des Entgegenkommens an die bestehende Staatsund Gesellschaftsordnung abgelehnt werden muß. Als notwendige Folge dieser grundsätzlichen Auffassung und angesichts der Tatsache, daß die Gesamtabstimmung über das Budget als Vertrauensvotum für die Regierung aufgefaßt werden muß, ist jeder gegnerischen Regierung das Staatsbudget bei der Gesamtabstimmung zu verweigern, es sei denn, daß die Ablehnung desselben durch unsere Genossen die Annahme eines für die Arbeiterklasse ungünstigeren Budgets zur Folge haben würde. Die Bewilligung des Budgets in den Landtagen von Württemberg, Baden und Bayern ist daher unvereinbar mit den Resolutionen von Lübeck und Dresden. Die grundsägliche Verweigerung des Budgets entspricht vollkommen der Klassenlage der besizlosen Volksmassen, die eine unverföhnliche Opposition gegen die bestehende, dem Kapitalismus dienende Staatsgewalt notwendig macht. Die arbeitenden Klassen immer wieder nachdrücklich darüber aufzuklären, ist eine unerläßliche Aufgabe unserer agitatorischen Parteivorstand und Kontrolltommission Die Versammlung fordert deshalb den Delegierten des Wahlfreises Darmstadt- Groß- Gerau, Genossen Raab, auf, entschieden Arbeit. für die Aufrechterhaltung der Lübeder Resolution und für die dem1901 Budget stimmt, man damit auch alle Beamtengehälter und Arbeiterlöhne verweigert, ja, so haben sie das auch schon früher getan. ( Lebhafter Widerspruch bei den Süddeutschen.) Dann bitte ich, mir zu erklären, wie man jeßt nach 14 Jahren auf einmal zu einer entgegengesetzten Ansicht kommt. In jedem Parlament- sogar in deutschen Reichstag kommt es vor, daß eine Reihe von Forderungen gestellt werden, denen auch wir als Sozialdemokraten unsere Zustimmung geben. Wir stimmen mit Rücksicht auf das ganze System, das der deutsche Reichstag repräsentiert, in der v. Bismard Ministerpräsident geworden war mit dem Auftrag, Schlußabstimmung gegen das Budget. Als 1863 in Preußen Herr den Konflift herbeizuführen, erklärte die Budgetkommission des preußischen Landtages, daß sie dem Budget die Zustimmung nicht gebe, daß sie aber damit nicht ausspreche, daß sie im einzelnen die Sache noch etwas anderes hinzu. Wir sind Positionen für die Gehälter verweigere. Bei uns kommt zu der prinzipielle Gegner der heutigen Staats- und Gesellschaftsordnung. Aus diesem Grunde sind wir Sozialdemokraten. Unsere ganze Tätigkeit ist darauf gerichtet, die bestehende Staats- und Gesell schaftsordnung zu untergraben, d. h. eine Tätigkeit zu entfalten, bei der wir die Zustände der heutigen Staats- und Gesellschaftsordnung den Massen in einer Weise flar zu machen suchen, die ihnen zum Bewußtsein bringt, daß das unnatürliche, ungerechte, sie schwer belastende Zustände seien, an deren Stelle notwendiger. weise andere, gerechtere Zustände zu treten hätten. Aus diesem Grunde können wir prinzipiell einer Regierung, deren Aufgabe es ist, die bestehende Staats- und Gesellschaftsordnung gegen ieden Angriff von sozialdemokratischer Seite aufrecht zu erhalten, unter keinen Umständen ein Budget bewilligen. ( Lebhafte Zustimmung.) Das ist die prinzipielle Seite der Sache. Nun steht hier in Frage aber noch etwas anderes. Wie kam es denn, daß die Regierung nicht bloß in Baden, sondern auch in Bayern, auch in Preußen, das nächste Mal im Reich, das übernächste Mal in Württemberg( Zurufe der Süddeutschen; Unruhe. Der Vorsitzende bittet um Ruhe.).... die Beamtengehälter und Arbeiterlöhne erhöhen will? Die Belastung des deutschen Volkes durch den Zolltarif, die Verteuerung der notwendigen Lebensmittel ist die Ursache. Ich habe den Gewinn für die Agrarier auf 1250 Millionen Mark be rechnet niemand hat mich widerlegt. Heute nehme ich an, daß er cher größer als kleiner ist. Als die Konstellation der politischen Lage es mit sich brachte, daß im Dezember 1906 der Reichstag aufgelöst wurde und wir zu den Hottentottenwahlen von 1907 tamen, da hat die Regierung, um die kleinen Beamten der Sozials demokratie abspenstig zu machen, ihnen Gehaltserhöhungen ber �procheft.(Lebhafte Zustiivmung.) Nachher ließ sich auch eine Er höhung der Löhne der Staatsarbeiter nicht vermeiden, zumal dö freie Jndustricarbeiterschaft ihre Lohnverhältnisse durch Lohnkämpse zu verbessern versucht hat. Wie w i r in dieser Situation, für die die Negierung allein die Verantwortung trägt, nun die Pflicht haben sollten, für das Budget zu stiinmen, weiß ich wirk lich nicht. Noch ein anderes. Die Wirtschaft des Deutschen Reiches hat die Finanzvcrhältnisse der Einzelstaatcn ganz außer- ordentlich ungünstig beeinflußt. In den meisten Staaten fehlen die notwendigsten Mittel für Kulturaufgaben. Run steht die Sache so. daß wegen der Mehrsorderungcn, welche die Einzclstaaten für die Beamtengehältcr und Arbeiterlöhne zu stellen gezwungen sind, auf der anderen Seite eine Steuercrhöhung eintreten muß; also die Arbeiter werden mit doppelten Ruten gepeitscht; erst halst man ihnen den Zolltarif auf, und verteuert ihnen die notwendigsten Lebensmittel, und wenn dann aus dieser Situation heraus Be- amten und Staatsarbeiter höhere Löhne gezahlt werden müssen, werden die Arbeiter auch noch zu höheren Steuern herangezogen. Ich habe den Eindruck, als wenn unsere Parteigenossen in Süd- deutschland ihre Tätigkeit etwas zu eng auffassen, daß sie sich gewissermaßen Scheuklappen anlegen und nur auf das nächste Feld blicken, aber den Zusammenhang mit dem Großen und Ganzen verlieren.(Lebhafte Zustimmung.) So ist eigentlich diese ganze Budgetbewilligung zu erklären. Wir können bei einer derartigen Frage die Regierung nicht beeinflussen in bczug auf die Reichs- Politik. Die Reichspolitik hat es herbeigeführt, daß wir in 20 Jahren von 720 auf 4500 Millionen Mark Schulden gestiegen sind. Auch haben die eigentlichen Einnahmen des Reiches eine gewaltige Steigerung erfahren, weil nicht nur die Zölle auf Lebensmittel bedeutend erhöht sind, sondern auch, weil noch eine Reihe anderer Lasten für die Arbeiter entstanden sind. Di« Forderungen für die Militär-'. Marine- und Äolonialpolitit sind von sämtlichen deutschen Re- gierungen unterstüi�t und bewilligt worden. Wir müssen gegenwärtig wieder 500 Millionen Mark neue Steuern haben, wir wissen alle, einerlei, wie das Steuerbukett sich gestaltet, daß doch der größte Teil der Summen, die aufgebracht werden müssen, aufdie Arbeiter abgewälzt wird. Da müssen wir doch fragen: Wie stehen die süddeutschen Regierungen dazu? Wie können wir eine solche Politik unterstützen, die in erster Linie gegen die Arbeiter gerichtet ist? Nun ist eS doch ein starkes Stück, daß sie von uns noch ein V c r- trauensvotum haben wollen. Und wir haben noch über ganz andere Maßnahmen zu klagen. Wir haben nach dem Fall des Sozialistengesetzes die Umsturzvorlage, einige Jahre später die Zuchthausvorlage und dann die Vorlage wegen der sogenannten Rechtsfähigkeit der Berufsvereine gehabt. Alles das waren Aus- nahmegeseiie gegen die Arbeiterklasse. Ich habe aber nicht gehört, daß die süddeutschen Staaten gegen eine derartige Gesetzgebung protestiert hätten.(Zuruf: Auch Bayern?) Wogegen denn? >(Zuruf: Gegen die Zuchthausvorlage!) Gegen die Zuchthausvor- läge 1890— nun, dann freut es mich, aber das kann Euch noch immer nicht veranlassen, der bayerischen Regierung ein Wer- trauensvotum zu erteilen. Dazu kommt weiter, daß wir in den nächsten Jahren wieder eine neue Militärvorlag« bekommen werden, das ist ganz zweifellos. ES geht nicht an, daß wir da quasi uns eine schwarze und eine weiße Seele konstruieren. Die schwarze Seele sitzt in Berlin, und die weiße Seele ist in den süd- deutschen Staaten.(Heiterkeit.) Ich glaube ja ganz gern, daß die Reichspolitik den süddeutschen Regierungen ihre Existenz als selbständige Staaten immer prekärer macht, weil sie ja dazu führt, daß man mit den vielen Regierungen, die mit jedem bureau- kratischen Verwaltungsapparat ganz ungeheure Summen erfordern, aufräumen will, und weil dadurch die zentralistisch« Idee gefördert wird. Die Regierungen in kleinen Staaten machen nur mit sauer- süßer Miene die Forderungen mit. Die bayerische Regierung sitzt in dem sogenannten Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten. Wir haben aber nicht gehört, daß sie gegen die auswärtige Politik, die für das Reich schon so ungeheuer schädlich geworden ist und weiter werden wird, irgendeine Verwahrung eingelegt hat. Sie ist also mit für deren Fehler verantwortlich zu, nachen. Es heißt den Zusammenhang dieser Dinge vollständig verkennen, wollte man annehmen, daß man dadurch, daß man bei den verschiedensten Re- gierungen Interpellationen und Anträge eingebracht l>at, die süd- deutschen Regierungen zu bestimmen glaubt, ihre Haltung zu ändern. Bei diesem Zusammenhang des Reiches und der Einzel- ftaaten, wenn es sich um die Frage der Budgetbewilligung handelt, enuß man sich immer noch sragen, ob die Regierung nach allen Richtungen hin ihre Schuldigkeit getan hat, und das wird niemand von uns zu behaupten wagen.(Lebhafte Zustimmung.) Nun ist in der Erklärung der Badener Genossen auf den Fall Schänfclo hingewiesen worden. Der ist Eisenbahnarbeiter in den Großher- zoglichen Eisenbahnwerkstättcn und ist in Karlsruhe von unseren Genossen als Kandidat sür die Stadtvcrordnctenwahlcn aufgestellt worden. Daö hat die Regierung nicht geduldet. Zweifellos ist das ein Faustschlag in das Gesicht der badischcn Arbeiterklasse, und ganz mit Recht hat damals Genosse K o l b erklärt, daß man nach einem solchen Vorgange kein Budget bewilligen könnte. Der Fall ist nicht rückgängig gemacht worden, trotzdem aber erklärt man nun, durch die Bewilligung des Budgets der Regierung das Vertrauen. Das ist aber nicht der einzige Fall. Ich erinnere die badischcn Genossen nur daran, daß die Regierung vor drei Jahren in Konstanz gegen unsere auswärtigen Genossen Dr. Adler, Greulich und L u i-- fchini vorgegangen ist und ihnen das Reden verboten hat.(Sehr richtig.) Nun hat man freilich gesagt: Unsere Lage in Baden er- fordert eS, daß man der Regierung eine solche Haltung des Entgegenkommens beweist und namentlich auch den l i b c- ralen Parteien, mit denen wir bei den nach st en Wah- len wiederzusammengehen, um keine Zentrums- Mehrheit aufkommen zu lassen. Ich habe gegen ein derartiges Techtelmechtel immer meine großen Bedenken gehabr, und besonders in diesem Fall bin ich sehr im Zweifel, ob die von unseren Genossen geplante Taktik die richtige ist. Soviel ich tveiß, haben in Baden d:e verschiedenen liberalen Parteien 28 Abgeord- riete, mit einigen Demokraten im ganzen wohl 32 oder 33; Zentrum und Konservative zählen etwa ebensoviel und den Ausschlag geben immer die 12 Sozialdemokraten. Das wird m. E. auch dann der Fall sein, wenn wir bei den nächsten Wahlen keine Kompromisse mit einer anderen Partei eingehen würden, auch dann wird unseren Genossen diese dominierende Stellung im Landtag verbleiben(Zu- ruf: Das ist denn doch noch sehr zweifelhaft!). Dann ist es jeden- falls eine Doltorfrage. Es wäre noch schöner, wenn wir auf eine derartige Konjekturalpolitik hin unsere ganze Taktik vollständig ändern wollten; dann verlieren wir ja allen Boden unter den Füßen.(Lebhaste Zustimmung.) Nun ist es ja unseren badischen Genossen nicht gerade übelzunehmen, wenn sie eine Zentrumsmehr- heit nicht wollen, aber in Bayern liegen die Dinge ganz anders. Da scheinen sich unsere Parteigenossen mit der ZcntrumSpartei ganz gut zu stehen, in Baden aber hat man einen wahren Horror vor der Zentrumsmehrheit. Da soll der badische Staat vor den Altramontanen gerettet werden. Die Regierung empfindet aber offenbar nicht das Bedürfnis dazu, denn die Haltung, die sie gegen- über unseren Genossen eingenommen hat, beweist doch alles andere, als daß sie mit einer derartigen Politik von unserer Seite einver« standen ist. Kolb hat erklärt, daß die Budgetabstimmung zu den Dingen gehöre, mit denen man sein Entgegenkommen gegen die Regierung betätigen wolle. Er hat weiter ganz offen hinzugesetzt. daß auch der Gang zum Begräbnis des alten Groß- h e r z o g s, den er und Frank gemacht haben, bereits zu dem Zweck unternommen worden sei, um der Regierung zu beweisen, daß die Sozialdemokraten in Baden nicht die schlimmen Leute sind, für die man sie hält. Wenn das politische Taktik ist. wenn das die Mittel find, mit denen wir politische Eroberungen mgchen ttjjltoi, dann höre» wir auf, Sozialdemokraten zu scick. (Sehr wahr! Lebhafte Zustimmung.) Es ist denn auch in der Tat in Prcßäußerungen, die ich hier nicht anführen will, dahin gekommen, daß man als Endresultat ansehen kann: ES handelt sich nichtmehrum eine einmalige, ausnahmsweise Zustimmung zum Budget, nein, man will regelmäßig da- für stimmen! Und wenn eS nunmehr so weit geht wie in Baden, daß man sagt, die ganze Taktik der Partei bewegt sich i n unlöslichen Widersprüchen, so will ich diese Frage heute hier nicht erörtern, bin aber bereit, sie jeden Augenblick auf einem anderen Parteitage zu erörtern, weil ich mir sage, daß diejenigen, die eine grundstürzen de, andere Taktik von uns ver- langen, aufhören, Sozialdemokraten zu sein, daß auch die Partei aufhören würde, sozialdemokratisch zu sein, und daß sie ihren Namen in den einer fozialreformerischcn Arbeiterpartei umwandeln müßte.(Lebhafte Zustimmung.) Und nun noch ein drittes. Ganz anders wie in B a y e r n und Baden liegt es wieder in Hessen. Dort sehen wir, daß Nationalliberale und Zentrum im trauten Verein gemeinsame Sache machen und unsere Freunde Ulrich, David usw. aüS dem hessischen Landtage hinauSdrängcln.(Sehr richtig? Zuruf.) DaS gehört allerdings hierher, weil es beweist, welcher Verlaß auf die bürgerlichen Parteien ist.(Singer bittet dringend, die Zwischenrufe zu unterlassen, die die Verhandlungen nur aufhalten.) Als der Genosse G e ck als Vizepräsident der badisckzen Kammer aus formalen Gründen sich weigerte, bei dem Begräbnis des Groß- Herzogs zu erscheinen, hat man ihm in der Kannner den Stuhl vor die Tür gesetzt. Ich finde das ganz in der Ordnung. Die bürgerlichen Parteien, die auf dem Boden ihrer Auffassung— der bürgerlichen Welt— stehen, sagen sich, daß ein Mann, der seine republikanische Gesinnung in dieser Weise dokumentiert, nicht mehr ihr Vizepräsident sein dürfe. Ucber die Frage der Absetzung GeckS vom Vizepräsidium ist es dann in der Kammer zu Auseinander- setzungen gekommen, und unsere Parteigenossen haben namentlich den Minister des Inneren— Freiherrn von Bodmann— scharf angegriffen, weil er sich in diese Angelegenheit eingemischt hat. Dabei waren unsere Leute zweifellos im Recht. Darauf ver- teidigte sich Herr von Bodmann Ivie folgt: ihm sei vor allem die Ausschaltung der Sozialdemokratie ans dem Präsidium erwünscht erschienen, und er habe sich der Sache wegen ihrer großen poli- tischen Bedeutung angenommen.„In einer Beziehung"— fährt der Minister fort—„muß seitens der Regierung zwischen ihnen (den Sozialdemokraten) und den bürgerlichen Parteien ein Unter- schied gemacht werden. Ich bin der Ueberzeugung, daß ein Sozialdemokrat nicht Staatsbeamter sein kann, und ick finde es tief be- dauerlich, daß die bürgerlichen Parteien sich zur Wahl eines Sozial. demokraten im Landtag entschließen, sei es auch nur aus taltischen Erwägungen zur Erreichung eines höheren Zieles." So geht die Rede weiter. Das ist die stärkst« moralische Ohrfeige- die unseren Parteigenossen erteilt werden konnte. Und schon das Gefühl der Manneswürde hätte unsere Partei- genossen veranlassen sollen, einer Regierung, deren Minister eine 'olche Sprache führt, unter keinen Umständen das Budget zu bewilligen.(Lebhafte Zustimmung.) Aber nicht allein dieser Minister, sondern auch Herr v. Marschall und Staatsminister v. D u s ch haben sich in ganz ähnlicher Weise gegen die Sozialdemokratie ausgesprochen. Um nicht mißverstanden zu werden, will ich ausdrücklich erklären: Ich bin nicht erbost darüber, daß diese Minister das getan haben. Ich finde eS im Gegenteil ganz in der Ordnung. Ich bin nur im äußersten Grade darüber aufgebracht, daß unsere Parteigenossen nicht o viel ManncSgefühl und parteige nöffif che Würde haben, um den Ministern auf ihre derartigen Provo- kationen entsprechend zu antworten.(Stürmische Zu- timmung.) Der Redner der badischcn Genossen wird ja nachher Zarauf Bezug nehmen, daß die Regierung keineswegs von der Moti. Vierung, die die badischen Genossen ihrer Zustimmung zum Budget gegeben haben, erbaut gewesen sei, denn der Minister habe sich bitter darüber beschwert. Ich stehe nicht an zu erklären, daß Herr v. Honsel! offenbar ein sehr ungeschickter Herr ist. Für ihn war die gebotene Antwort die. daß er sagte, aus welchen Motiven Ihr Sozialdemokraten das Budget bewilligt, ist mir gleichgültig. Die Hauptsache ist, daß ich auch ohne Eure Zustimmung regieren kann. Auf die früheren Vorgänge in Baden will ich nach dieser Richtung nicht eingehen. Ich komme nun zu der Erklärung unserer bayerischen Genossen. L/a wiro gesagt: „DaS vorliegende Budget enthält außer den Mitteln zur Er- füllung einer größeren Anzahl von Kulturaufgaben u. a. für den so wichtigen Ausbau unserer Wasserkräfte, die Elektrisierung von Eisenbahnstrecken, auch erhebliche Beträge für die Aufbesse- rung der Arbeiter in Staatsbetrieben, der Lehrer und Beamten. Wenn nun auch diese Aufwendungen in zahlreichen Einzelheiten selbstverständlich keineswegs genügen können, so erblicken wir doch in ihrer Gesamtheit einen Fortschritt und haben ihnen deshalb zugestimmt. Obwohl wir keinen Anlaß haben, unsere grundsätzliche Stellung dem herrschenden System gegenüber zu ändern und diesem irgendwelches Vertrauen auszusprechen, er» kennen wir doch an, daß durch Errungenschaften, wie die des direkten Wahlrechtes für den Landtag, der Verhältniswahlen für die Gemeinden und die Anerkennung der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung der Sozialdemokratie in Bayern sich Ansätze zu einer besseren Entwickclung zeigen, die wir im Interesse des bayrischen Volkes mit allen Kräften fördern wollen. Deshab werden wir, ohne damit vor dem Volke die Verant- Wartung für die Regierungspolitik oder den Gesamtinhalt des Budgets zu übernehmen, und ohne damit unserer künftigen Stellung irgendwie vorzugreifen, dem vorliegenden Finanzgcsetz unsere Zustimmung geben. Die bayerischen Genossen haben ähnlich wie die badischcn sich auf die Aufwendungen der Beamten und Arbeiter bezogen. Darüber habe ich das Nötige schon gesagt. Wenn sie weiter auf den Ausbau der Wasserkräfte, die Elektrisierung der Eisenbahnen usw. hin- weisen, ja, Parteigenossen, das sind doch ganz selbstverständliche Dinge auch für einen bürgerlichen Staat. Es ist nichts weiter als die Entwickelung der ökononnschen und physikalischen Kräfte, die in einem Lande vorhanden sind, um die Wirtschaft des gesamten Landes zu heben. Das hat mit Sozialdemokratie absolut nichts hu tun. Wir sind nicht nur für derartige Dinge, wie sie jetzt in Boyern ausgeführt werden, sondern uns werden ja gar nicht genug Eiesnbahnen gebaut, noch nicht genug Kanäle, noch nicht genug Telegraphen usw. Wir sehen in einer derartigen kulturellen Tätigkeit zugleich eine indirekte Förderung unseres eigenen Be- strebcns, daß uns dadurch immer mehr erleichtert wird, in die Massen einzudringen. Wie man dies also zum Gegenstande eines besonderen Vertrauensvotums machen kann, verstehe ich nicht, denn wenn daS in der Tat ein Grund sein soll— damit komme ich wieder auf die Frage der regelmäßigen Budgetbewilligungcn—, wenn daö ein Grund sein soll, dann kommt man überhaupt niemals mehr in die Lage, gegen ein Budget zu stimmen(Sehr richtig!), denn derartige Forderungen kommen in jedem Landtagsetat vor, das ein« Jahr mehr, das andere Jahr weniger. Es wird hin- gewiesen auf die Criverung des direkten Wahlrechts. Ja, es ist sehr schön, daß wir es in Bayern erobert haben. Dir haben uns darüber gefreut. Wer seien wir d»ch ehrlich gegen uns selbst: Das haben wir nicht unserer eigenen Macht und Kraft zu verdanken. Wenn wir in Bayern und Baden das allgemeine Wahl- recht erlangten, so deshalb, weil die Konstellation der Parteiver- Hältnisse das Zentrum nötigte, es auch zu verlongen. Wenn man den Norddeutschen vorgehalten hat: Was habt Ihr denn erreicht, Ihr in Preußen, seht uns einmal an, was wir erlangt haben! so antworte ich: Eure Tätigkeit in Ehren, Ihr habt Euch durchaus � brav gehalten, Ihr habt all?S steige w.gS in Euren Kräften steht. den Staatskarren vorwärts zu schieben. Aber auf Nee anderen Seite soll man doch nicht mehr behaupten, als billigerweise gerecht- fertigt werden kann. Ich weiß nicht, wann wir in Preußen das allgemeine Wahlrecht bekommen werden. Ick fürchte, es wird erst zu haben sein, wenn wir mehr als das allgemeine Wahlrecht erobern. (Sehr gut!) Tort sind ganz andere Kräfte, dort haben wir im Osten das Junkertum, in Rheinland, Westfalen und Schlesien eine starke Bourgeoisie. Wir haben in Preußen keine bürgerliche Partei, die wirklich für das allgemeine Wahlrecht eintritt, denn auch das Zentrum ist nur platonisch dafür zu haben.(Sehr richtig!) Die Konstellation der Parteiverhältnisse ist im Norden eine andere als im Süden. Im Süden hat das Zentrum ein Interesse am allgemeinen Wahlrecht, weil'cS nur auf diese Weise zum Siege gelangen konnte. Aber Ihr habt auch hohe Preise dafür zahlen müssen. Ihr habt eine Wahlkreis' einteilung gutheißen müssen, die auf lange Zeit hinaus dein Zentrum die absolute Herrschaft im bayerischen Landtage gewähr- leistet. Ihr habt zugeben müssen, daß das Wahlrecht vom 21. auf das 25. Lebensjahr hinausgeschoben ist. Ich mache Euch daraus keinen Vorwurf. Ich gebe zu, daß die Eroberung des allgemeinen Wahlrechtes an sich diese Opfer wert war. Ihr habt in Bayern niemals solche Kämpfe zu führen gehabt, wie wir sie in Preußen geführt haben.(Lebhafte Zustimmung?) Das war für Euch un» nötig, und die weiteren Kämpfe, die noch kommen werden, werden weit über das bisherige hinausgehen. Die Klugheit gebietet mir» nicht mehr zu sagen. Aber in der glatten Weise, wie es in S ü d d e u t sch l a n d geht, geht es bei uns im Norden nicht. Da wird eines Tages Kopf und Kragen daran- gescyt werden müssen.(Lebhafte Zustimmung?) Aber alles zu seiner Zeit. Di« Dinge marschieren nicht nack unseren Wünschen. Wir müssen uns nach den Dingen richten.(Sehr gut!) Wenn Ihr also in Bayern in die Position gekommen seid» so ist das erklärlich. Das soll Euer Verdienst nicht abschwächen, aber die Sache muß man auf den richtigen Standpunkt stellen. Das Zentrum hat eben die Situation begriffen, und mit seiner Hilfe ist es gelungen, das allgemeine Wahlrecht durchzusetzen. � Und wie steht es mit der Frage der Verhältniswahl bei den Gemeinden? Für das Dorf hat man sie abgelehnt, ganz erklärlich, da dominiert das Zentrum. In den Städten hat das Zentrum nach seiner Meinung bisher zu wenig gehabt, da hat es also freudig Eurem Antrage zugestimmt. Ich begrüße das. weil damit ein sehr wichtiges Prinzip wenigstens in einem Staate Deutschlands verwirklicht ist. Wir erkennen auch die sozialen Reformen an, die Ihr durchgesetzt habt, z. B. die für die Bergarbeiter. Aber wir wollen uns auch darüber nicht täuschen, daß auch diese Art von Konzessionen ihre Schranken hat. In Bayern stehen heute in bczug auf sozialreformerische Fragen die Dinge ungefähr so wie Ende der 40er Jahre in England zwischen Tories und Wighs. Den Zchnstundentag haben die TorieS gegen die Wighs beschlossen, weil sie die Konservativen, die Herrscher des Landes, den Liberalen, den Herrschern der In- dustrie, das Leben sauer machen wollten. Ganz ähnlich ist eS mit unserem Zentrum. Wolltet Ihr einmal den Versuch machen, m i t Sozialreformen für Landarbeiter und Dienst» boten hervorzutreten, dann werdet Ihr vom Zentrum eine ganz andere Antwort bekommen. Das Jen- trum ist ganz naturgemäß industriefeindlich. Es tut alles, um der kapitalistischen Entwickclung Einhalt zu gebieten. Und wie war es 1877 in der Schweiz? Die ganzen Bauern stimmten für Verkürzung der Arbeitszeit in den Städten. Aber als sie dann sahen, daß dadurch die Arbeiter in Scharen vom Lande in die Stadt liefen, wollten sie von einer Sozialreform nichts mehr wissen. Mit einem Wort gesagt: Heute ist in Bayern Zentrum Trumpf. Aber abgesehen davon hätte auch eine Reihe anderer Umstände unsere bayerischen Genossen bewegen müssen, gegen daS Budget zu stimmen. Da war vor allem das KultuSbudgct. Da ist Herr v. Wehner, der Kultusminister. Herr b. Wehner in Batiern und Holle in Preußen sind von der gleichen Farbe. Beide sind Reaktionäre bis auf die Knochen.(Zustimmung.) In bezug auf Befriedigung von Kulturbedürfnisscn in Bayern ist das Zentrum die rückständigste Partei, die man sich denken kann.(Sehr richtig!) Wie kann man einem solchen Ministerium den Kultus- etat bewilligen? Genosse Tixrm hat in einer Versammlung gesagt:„Wir haben in unserer Kritik der Regierung gegenüber nicht zurückgehalten. Dies trifft besonders auf den Etat Anton von Wehners, gcnarmt der„Unterhachinger", zu, mit dem wir manchen ernsten Kampf auszufechten hatten, weil er als ein ge- treuer Schildknappe des gegenwärtigen übermütigen Zentrums handelte." Timm erwähnte auch das Verhältnis des Ministers gegenüber dem Lehrer Beyhl, er meinte, wir haben Wehner als Reaktionär rücksichtslos bekämpft. Schöne, große Worte! Und dann stimmt man für das Budget!(Heiterkeit und Sehr gütl)� Glaubt einer von Jlchen, t>aß ein anderes Ministerium einen Be- amten, der so auftritt wie Beyhl, nicht ebenso behandeln würde, bielleicht noch schlimmer als Herr v. Wehner? Ihr sprecht von der allgemeinen Gleichberechtigung, Ihr beruft Euch darauf, daß ein Minister sagte, es sei jetzt kein Verein vor- handen, dem anzugehören einem Beamten ver- boten ist. Das hat ein Minister gesagt.(Zuruf: Namens der Regierung.) Namens der Regierung? Wenn ich nicht irre, ist dieser Minister der Ministerpräsident Freiherr von P o d e w i l S.(Zuruf.) Ja, tvcnn man so intim mit den M)- nistern verkehrt, wenn man förmlich Hausfreund bei den Ministern geworden ist. wenn man ihren Einladungen folgt, wenn man der Frau Mini st er die Hand küßt (erneute große Heiterkeit), wenn solche Beziehungen zwischen Sozialdemokratie und Ministern bestehen, dann wird allmählich der Oppositionsgeist eingelullt, dann kommt allmählich eine ganz andere Stimmung und eine Farbe, über die ich mich gar nicht mehr wundere.(Zustimmung)) Was rch jetzt sage, trifft unsere Leute ohne Unterschied, einerlei, wo sie stelzen oder sitzen.(Heiter- keit.) Herr v. Po dewils sagte am 18. Oktober 1907— eS handelte sich um den Fall Rohhauptcr—, auch ein Eisenbahnarbeiter, dem im Gegensatz zu Baden die Regierung für die Ausübung feines Mandates nichts in den Weg legte: „Das Bcrhältnis der Staatsbeamten zum Staate sei öffcnt- fich rechtlicher Natur, der Staatsbeamte sei durch den feierlichen Eid gebunden. Ein Staatsbeamter, der sich zu einer politischen Richtung bekenne, welche die Grundlage der monarchischen Ver- .fassung verneinte, feste sich dadurch in einen unlösbaren Gegen- fast zu dem ganzen Dienstverhältnis, namentlich zu seinem Eid." Nun, Parteigenossen, dieser Standpunkt Podcwils ist durchaus korrekt vom Standpunkt eines monarchischen Ministers aus. Da- gegen läßt sich nichts sagen.(Zuruf.) Ach, ich will jetzt nicht an. sangen. Vergleiche zu ziehen. Jchhabedie Ueberzeugung. oaß diese Grundsätze auch in Zukunft die maß- gebenden sein werden bei der bayerischen Regie- r u n g— eS müßte denn sein. daßdieSozialdemokratie in Bayern allmählich s o zahm wird, daß von der StaatSregierung absolut nichts mehr dagegen einzuwenden ist. Dann läßt man Beamte auch in sozialistische Vereine eintreten. Aber wenn Ihr als Sozialdemokraten auftretet, und dann ein Beamter seine? oppositionellen Gesinnung in diesem Sinne Ausdruck gibt, glaube ich bestimmt, daß er seinen letzten Gang nach dem Bureau gemacht hat.(Heiterkeit und Zustimmung.) Also auch nach der Richtung ist die Auffassung, die unsere Genossen in Bayern von der Sache haben, durchaus falsch. Und dann, Parteigecossen, wir wollen uns doch nur einige Jahre hier nach Nürnberg und Fürth zurückver- setzen. Als wir vor zwei Jahren die großen Arbeiter. a u s st ä n d e hier hatten, als die Polizei in der g e w a I t. tätigsten und rücksichtslosesten Weise gegen unsere Leute vorging, was habt Ihr da für eine Genugtuung be. i o m tn�fi? rOig ijb Keine! GlgM Ihr, daß dieselbe Polizei bei gleichem Anlaß nicht ebenso vorgeben wird? Da irrt Ihr Euch gewaltig. Und wenn das als selbstverständlich erachter wird, dann kann man ein solches Regierungssystem unter keinen Umständen unterstützen. Ich komme»och auf einen anderen Fall. Ich war ganz er- staunt, als im Frühjahr o. I. Genosse S e g i tz in der Kammer den Minister des Inneren fragte, ob er den Magi st rat Fürths nicht wieder die Rechte in bezug des Versammlungs- und Vereinsrechtes einräumen wollte, die jede andere Stadt in Bayern habe. Die Sache ist kurz folgende: Ich habe im Jahre 1881 in Fürth eine Versammlung abgehalten, also unter dem Sozialistengesetz, gegen die der Fürther Magistrat, der damals demokratisch war, nichts einzuwenden hatte. Damals wurde dem Fürther Magistrat von der Regierung das Recht genommen, künstig das Vereins- und Versammlungsrecht auszuüben, das dann an die Kreisregierung übertragen wurde. Es war ein G e w a l t st r e i ch, eine unerhörte Maßregel. Ich habe natürlich geglaubt, die Sache sei längst zu Ende, und da höre ich zu meinem größten Erstaunen aus der Anfrage des Genossen Scgitz, daß nach 27 Iah- ren dem Magistrat von Fürth noch dies Recht borenthalten wurde. Und Genosse Segitz hat nicht etwa eine zustimmende Antwort be- kommen, sondern der Minister hat den Zustand gerechtfertigt.(Zu- ruf von Segitz.) Nun, Ihr habt Ivahrhaftig keine Ursache, darüber zu lachen. 14 Tage danach ist es aufgehoben worden, aber daß ein solcher Zustand 27 Jahre bei Euch dauern konnte, ist ein Skandal, eine Schmach, eine Schande?(Segitz ruft: Das er auf- gehoben wurde, ist ein Erfolg!) Die Sache ist also jetzt beseitigt, sichatabergerade27 Jahre gedauert, und da meine ich allerdings, Parteigenossen, daß das gerade Dinge genug sind, die unsere Parteigenossen veranlassen müßten, von einer Zustim- mung zum Budget Abstand zu nehmen. Die Situation, die Ihr als maßgebend für die diesmalige Zustimmung angesehen habt, wird wiederkehern. Parteigenossen, es ist in Versammlungen in einer, jede Zwei- deutigkeit ausschließenden Weise gesagt worden:„Wir in Süd- deutschland müssen Freiheit in der Bewegung haben, wir müssen nach unserem Gutachten entscheiden , können, wie wir handeln wollen. Wir können uns das. was der Lübecker Beschluß bot, nicht mehr nehmen lassen."(Zuruf.) Bitte, ja—- Ihr habt erklärt, den Lübecker Beschluß wollen wir haben, wenn eine ähnliche Deutung möglich ist, wie Ihr(zu den Süddeutschen) sie ihm zuletzt gegeben habt.(Zuruf der Süd- deutschen: Sehr richtig!) Ja. sehr richtig, das heißt, die ganze Bin- dung hört auf.(Widerspruch der Süddeutschen.) Natürlich. Ihr könnt machen, was Ihr wollt, wir werden Jahr für Jahr derartige Debatten wiederhaben. Genossen, ich kann Euch sagen, ich habe mehr als genug, noch ein drittes Mal dieselben Debatten zu haben — da möchte ich dafür sorgen, daß sie ein für allemal unmöglich sind.— Nun müssen wir uns doch bei all den Dingen einmal fragen: Was ist denn seiner ganzen Natur nach der heutige Staat? Darüber kann es doch keinen Zweifel geben: Der heutige Staat ist die politische Organisation zum Schutze der bürgerlichen Gesellschaft und zur Aufrcchterhaltung des bürgerlichen Eigentums. Der heutige Staat ist der Schützer der bürgerlichen Produktionsweise, d. h. des Rechtes der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, der Aufrechterhaltung des Lohnsystems, der Lohnsklaverei der heutigen Gesellschaft, das ist die Aufgabe, die der Staat zu erfüllen hat, um, sobald daran gerüttelt wird, mit all seinen Mitteln, all seiner Macht, all seinen Kräften dem entgegenzutreten. Nun, Parteigenossen, was' ist denn hierbei das Entscheidende? Die kleinen augenblicklichen Erfolge oder das Endziel?(Lebhafte Zu- stimmung.) Das Streben nach der Aufhebung der kapitalistischen Gesellschaft, nach der Umwandlung des heutigen Staates in einen sozialistischen Staat? Doch zweifellos das letzte.(Erneute leb- hafte Zustimmung.) Das haben wir unausgesetzt im Auge, und da tritt di- Regierung uns entschieden entgegen. Die Bewilligung des Budgets heißt unter solchen Umständen nicht nur die Anerkennung, sondern die Unterstützung des Systems, dem wir nach unserem Programni entgegenzutreten haben. Nun sagt man: Ihr habt da leicht Theorien entwickeln, aber draußen bei der Masse steht es anders. Das haben wir vor 14 Jahren gehört, das haben wir vor sieben Jahren ge- hört, das hören wir heute wieder. Nun möchte ich fragen: Was hat es denn den Bayern geschadet, daß sie 14 Jahre lang das Budget verweigert haben?(Lebhafte Zustimmung.) Wir haben seitdem verschiedene Neichstagswahlcn gehabt, Landtags- Wahlen und Gemeindewahlen. Allüberall haben wir Fortschritte gemacht. Der Genosse Kolb hat mit vollem Recht und mit be- sonderer Emphase nach dem Ausfall der letzten Hottentottenwahlen erklärt, daß gerade in dem revisionistisch verseuchten Baden die Sozialdemokratie verhältnismäßig am stärksten zugenommen hat. Das war zu einer Zeit, wo sie beständig gegen das Budget gestimmt hatten. Es ist also keinerlei Schaden, keinerlei Nachteil ein- getreten. Aber die Belehrung, daß wir dem Borurteil der Massen Rechnung tragen müßten, geht gegen unser Prinzip, gegen unsere Grundsätze.(Lebhafte Zustimmung.) Ich kämpfe seit 45 Jahren gegen die Vorurteile der großen Masse, der bürgerlichen Gesellschaft, die ja der großen Masse eingepflanzt sind in der Schule, in der Kirche, in der Presse, durch alle möglichen Veran- stältungen. Wo der Kampf ausbrach, hatten wir immer großen Erfolg. Wir sind in immer größere Kreise gedrungen, nicht nur im Norden, auch im Süden. Wenn Ihr den Massen unser Pro- gramm entwickelt, im bayerischen Wald oder sonstwo, wenn Ihr ihnen auseinandersetzt, was unser Endziel ist, wenn Ihr von all- gemeiner Expropriation und kavitalistischer Produktionsweise sprecht, nun, so sind das doch alles Fragen, die der Bauer schwerer versteht, aber die ihn weit mehr interessieren als die Frage des Budgets. Also nach all diesen Richtungen haben wir unsere prin- zipielle Iluffassung zu vertreten. Sto�n wir auf die Massen, die unseren Standpunkt richtig begreifen, so haben wir diesen unsere Grundsätze klarzumachen! Parteigenossen, es gibt im Deutschen Reiche keinen Arbeiter, der auf die Dauer unseren Lehren und Gründen wider st chen kann.(Stürmischer Beifall!) Ich, der ich jetzt vor Ihnen stehe, ich war vor 45 Jahren und noch später einer der grimmigsten Gegner der Sozialdemokratie und war doch auch damals wahr- scheinlich kein dummer Kerl.(Heiterkeit.) Und so unendlich viele. Wir sind alle aus Saulussen zu Paulussen geworden. Wir haben im Kampf mit der Sozialdemokratie die sozialistischen Schriften gelesen, studieren müssen, und da wurden wir ganz allmählich um- gewandelt. Und so wie uns ist es Millionen ergangen und wird es weiteren Millionen ergchen.(Lebhafte Zu- stimmung.) Das können wir nicht erringen durch kleine Kon- Zessionen, durch Kriechen am Boden, indem wir zu den Massen heruntersteigen, nein, das erreichen wir nur. indem wir die Massen zu uns emporheben, indem wir sie begeistern für unsere großen Ziele.(Lebhafter Beifall.) Wenn wir in diesen« Sinne arbeiten, bleibt uns der Sieg sicher, nicht aber, wenn wir glauben, wir müßten nach allen Richtungen Rcchnungsträgerei treiben.(Sehr richtig!) Gewiß, kein Mensch kann mit dem Kopfe durch die Wand.(Sehr richtig!) Auch im Reichstage tun wir alles, was wir tun können, um eine Besserung der Lage der Arbeiterklasse herbeizuführen. Wir tun es, nicht indem wir glauben, daß es in dem Maße geschehen wird, wie wir es wünschen.(Sehr wahr!) Wir tun es, um die Arbeiter- klasse kampsfähiger, leistungsfähiger für den Kampf um unser großes Ziel zu machen.(Lebhafte Zustimmung.) Das erreichen wir aber nicht dadurch, daß wir durch Vertrauensvoten den Glauben der Massen an unsere eigenen Prinzipien erschweren. (Lebhafter Beifall? Widerspruch.) Ihr(zu den Süddeutschen) weist hin auf die Leute im Wald, auf die Leute in den entfernten Gegenden; nun, wir haben in Norddeutschland auch solche Gegenden, wir haben Ost- und Westpreußen, Posen, Pommern.(Zuruf eines Süddeutschen: Dicht bei Berlin auch!)(Heiterkeit und Unruhe.) — Ach, das ist ein schlechter Witz, den Parteigenossen in Berlin sind wir ungeheuer viel Dank schuldig.(Lebhafte Zustimmung.� Ten verlangen sie gar nicht, aber gesagt mutz es werden, wenn Ihr solche öden Witze macht.(Heiterkeit und Beifall.) Wir haben also in Norddeutschland auch Arbeiter, deren Aufklärung besonders schwer ist, aber deshalb dürfen wir unsere großen Ziele nicht aus den Augen lassen, dürfen wir der Regierung kein Entgegenkommen beweisen. Ich kann Sie, Parteigenossen, nur dringend bitten, daß Sie die vom Parteivorstand und der Kontroll- kommission vorgeschlagene Resolution mit möglich st großer Majorität annehmen möchten.(Stürmischer Beifall/ Als erster Redner mit unbeschränkter Redezeit erhält für die Mehrheit der bayerischen Fraktion das Wert Timm- München: (Zuruf: Berliner Bayer!) Ebenso wie in dieser Frage, ohne uns gehört zu haben, die Parteipresse vorzeitig Stellung genommen hat, tun Sie(zu den Zurufcrn) das auch. Ich würde es für richtig halten, wenn Sie mit solchen Anreden wie„Berliner Bayer" so lange zurückhalten wollten, bis Sie gehört haben, was ich gesagt habe.(Lebhafte Zustimmung bei den Süddeutschen!) Ich sage Ihnen offen, daß es kein erhebendes Gefühl für mich ist, hier eine Sache vertreten zu müssen, die sich bei ruhiger, nüchterner und leidenschaftsloser Beurteilung ganz von selbst ergibt. Vom Arbeiterstandpunkt aus habe ich das Gefühl, daß in einer Zeit wie gegenwärtig, Ivo sehr wichtige allgemeine politische Fragen: die Reichsfinanzreform, die Verschlechterung der Arbeitervecsicherung an uns herantreten, wir eigentlich besseres zu tun hätten, als uns über die Dinge zu unterhalten, die eigentlich für erledigt gelten sollten. Die umgestaltende Kraft der Sozialdemokratie mutz ge- schlössen auf das Ziel losarbeiten, durch die gemeinsame praktische Arbeit für die Interessen des Volkes, der Arbeiterklasse zu kämpfen, und die Kreise zu gewinnen, die noch nicht zu uns gehören. Statt dessen verschwenden wir einen sehr erheblichen Teil unserer kost- baren Zeit auf Auseinandersetzungen, deren Wert im umgekehrten Verhältnis zu dem Zeitaufwand steht, den sie kostet.(Sehr richtig!) So wenig erhebend mir meine Aufgabe selbst vorkommt, so werden Sie es doch verstehen, wenn ich als Vertreter der Angegriffenen sehr ausführlich spreche. Es handelt sich um die Auslegung der Lübecker Resolution, besonders um den Absatz 3. Es handelt sich darum, ob wir bei unserer Zustimmung zuin Finanzgesetz in Bayern zwingende, in den Verhältnissen liegende Gründe hatten, ebenso wie sie die badischen in diesem und die württembergischen Genossen im vorigen Jahre zu haben glaubten. Wir haben dem Finanzgesetz zugestimmt. Bebel hat gemeint, daß die Gründe, wie sie im Absatz 3 der Lübecker Resolution verlangt werden, für uns nicht vorgelegen haben. Aber bevor ich darauf eingehe, möchte ich eines noch besonders hervorheben. Im schärfsten Gegensatz zu der ruhigen, sachlichen Auseinandersetzung Bebels über die Budgetbewilligung der süd- deutschen Genossen, die ich im höchsten Maße anerkenne, hat der„Borwärts" als verantwortliches Zentralorgan die Leiden- schaft in einer Weise aufgestachelt, die als un- erhört bezeichnet werden muß.(Lebhafte Zustimmung bei den Süddeutschen.) Wir müssen das hier zur Sprache bringen, schon um ähnliches für die Zukunft zu verhüten. Seit einigen Jahren reißt in unserer Partei eine eigentümliche Kampfeswcise ein. die wir früher nicht gekannt haben. Unverantwortliche Per- sonen in unserer Partei hatten vor einigen Jahren das Bestreben, die verantwortungsvollen Gewerkschaftsführer von der Masse loszulösen, die Massen gegen die Führer aufzuhetzen. Dieses Kesseltreiben gegen die Gewerkschaftsführer ist nur das Vorspiel für die Kampfmethode gegen die süddeutschen Parteigenossen ge- Wesen.(Sehr richtig!) Aber kein geringerer als Bebel hat wiederholt auf Parteitagen den Appell an die schwielige Faust auf das entschiedenste verurteilt. Auch der jetzige Kampf gewisser Parteigenossen gegen die süddeutschen Parteigenossen ist nichts anderes als die skrupellose Aufstachelung der Genossen gegen ihre parlamentarischen Ver- treter.(Heiterkeit. Unruhe, lebhafter Widerspruch. Ruf: Das hat ja gar nichts damit zu tun!) Ich habe Verschiedenes zu sagen, was Ihnen vielleicht unangenehm ist und werde mich darin durch- aus nicht stören lassen.(Sehr richtig!) Wir alle von der baye- rischcn Landtagsfraktion sehen unser Tätigkeitsgebiet nicht Haupt- sächlich im Parlament. Ich habe in zehn Monaten 20 Versammlungen in den verschiedensten Distrikten Bayerns abgehalten, und meine übrigen Kollegen haben es ebenso gehalten. Da können Sie� uns doch wohl zutrauen, daß wir mit unseren Massen im engsten Kontakt sind. Schon deshalb sollten Sie den Kampf unter- lassen, aber es liegt System darin. Ich habe die Empfindung, daß unsere theoretisch gebildeten Parteigenossen zu wenig mit der Masse in Berührung kommen. Ich habe Hochachtung vor aller wissenschaftlichen Arbeit, aber wenn eine Wissenschaft losgelöst wird von der Praxis, mutz sie zu sehr einseitigen Ergebnissen führen. Ich habe den Eindruck bei bestimmten Personen, daß bei ihnen die Theorie zu wenig Verbindung mit der Praxis hat. Bei dem Ernst, den die Behandlung der Sache erfordert, muß ich Sie alle dringend bitten, sich in der sachlichen Prüfung unserer Gründe durch nichts beeinflussen zu lassen. Sollte es wirklich der Fall sein, daß irgend jemand mit seinem fertigen Urteil zu dem Parteitag gekommen ist, so appelliere ich an ihn, es zurückzustellen, bis er unsere Gründe gehört hat. Diesen Appell richte ich besonders an die Theoretiker, die bereits den Stab über uns gebrochen haben. Wenn kein anderer Grund zu einer sachlichen Prüfung für Sie vorhanden ist, so doch der, daß Sie es hier nicht mit einzelnen Personen zu tun haben, denn mit verschwindenden Aus- nahmen stehen die bayerischen Parteigenossen hinter uns trotz aller Treibereien, die erfolgt sind, um uns von der Masse zu trennen. (Lebhafte Zustimmung der Süddeutschen.) Zunächst einiges zur formellen Seite der Streitfrage. Wie kam die Lübecker Resolution zustande? In Frankfurt lag eine Resolution vor, die da besagte, daß unsere Fraktion— da die Gesamtbewilligung des Budgets als Bar- traucnSvotum gilt— gegen das Budget zu stimmen habe. Hierzu wurde ein Amendement Stadthagen angenommen, statt„da" „soweit" zu sagen. Die so veränderte Resolution wurde abgelehnt. Es kam kein Beschluß zustande. Die Fraktionen waren frei. Im Jahre 1901� nahm dann der Lübecker Parteitag wieder Stellung zur Budgetfragc. Es kam ein Kompromiß zustande, das die For- mulicrung des Absatzes 3 der Resolution auf Grund eingehender Beratungen mit den Landtagsabgeordneten brachte und zwar wurde die Resolution nur deshalb angenommen, weil Absatz 3 die not- wendige Bewegungsfreih.'it einräumte. Wer entscheidet nun über die Auslegung? Auch hierüber hat der Parteitag in Lübeck ent- schieden. Singer, der sich gegen Absatz 3 wandte, erklärte: „Wer entscheidet denn, was besondere Verhältnisse, was zwingende Gründe sind?" Er fügte hinzu:„Das entscheiden diejenigen, die die Abstimmung vornehmen." Es bestand also Einigkeit darüber, daß die zuständige Fraktion ent- scheidet.(Widerspruch. Zurufe: Das ist die Ansicht von Singer!) Singer hat zweifellos als der Mann, der die Ge- schäftsführung in Händen hatte, seine Anschauung zum Ausdruck geben wollen darüber, wer entscheidet.(Zuruf: Seine An- schauung!) Ju der Debatte hat sich niemand dagegen gewendet. Es bestand Einstimmigkeit darüber, daß die Landtagsfraktionen nach pflichtgemäßem Ermessen zu entscheiden haben.(Wider- spruch.) Wollte man eine andere Meinung zum Ausdruck bringen, dann hätte man das klar und entschieden festlegen müssen. Ich bin also vollständig berechtigt zu behaupten, daß die beteiligte Fraktion zunächst vollständig frei und unabhängig darüber zu ent- scheiden hat, ob die besonderen Verhältnisse gegeben sind. Wenn damals irgendeine andere Deutung und irgendeine andere Meinung zum Ausdruck gekommen wäre, dann hätten sich die be- teiligten Genossen der in Betracht kommenden Staaten ganz ent- schieden dagegen gewendet, weil eine andere Deutung unmöglich ist— auch für die Zukunft.— Das betone ich schon jehk— La die Freiheit dxr in Frage kommenden Vertreter vollkommen gewahrt werden muß.(Sehr richtig! bei den Süddeutschen.) Also die Fraktionen hatten zu entscheiden. Das haben wir in Bayern, das haben unsere Genossen in Baden gemacht. Kritik an den Handlungen der parlamentarischen Vertreter zu üben, ist ein selbstverständliches Recht der Presse. Aber wir konnten verlangen, daß die Kritik in sachlichen Formen erfolgte. Wenn man zu schärferen Mitteln übergehen wollte, dann mußte man zunächst erst einmal unsere Gründe hören. Aber was schreibt das Zentralorgan? Es spricht von Disziplinbruch, von parla- mentarischem Kretinismus(Hört? hört! Pfui! und Lachen), von Bücklingen des Dankes an die Vertreter des Klassenstaates, von einem System des Partikularismus. Es erhebt den Vorwurf, man wolle an Stelle des proletarischen Klassenkampfes das bürgerliche blockliberale System des Parlamentelns, das Abschachern und das Abschmeicheln von Zugeständnissen setzen. Und es sagt ferner, die süddeutschen Abgeordneten hätten sich nicht wie demokratische Volks- Vertreter, sondern wie Mitglieder einer höfischen Fronde benommen. Ja, das Verantwortliche Zentralorgan der Partei steigert seine An- griffe soweit, daß es uns Parteifrondeure nennt. Kann eine solche Sprache der Partei förderlich sein?(Frohme: Nein!» Auf die'„Leipziger Volkszeitung" gehe ich nicht ein. Das ist Sache der sächsischen Genossen selbst. Ich bin aber nicht so ethisch» ästhetisch— ich glaube, so heißt die Lesart jetzt— veranlagt, daß ich persönlich mich durch den Ton verletzt fühle, namentlich nicht über die Art des Kampfes der„Leipziger Volkszeitung". Aber das will ich sagen, wenn ich Gcschäftslciter des Neichsverbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie wäre, so würde ich im Stillen wünschen, daß diese Leute an der Parteipressc in Leipzig der Partei noch recht lange erhalten bleiben.(Widerspruch, Zustimmung und Gelächter!) Der Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemo- kratie— das spreche ich in aller Ruhe aus— kann sich gar keine besseren Leute Wünschen als die. die solche Anwürfe gegen uns ge- richtet haben.(Zustimmung und Widerspruch.) Aber so ganz Vogel- frei sind wir denn doch nicht. Die Partei hat sich gültige Grundsätze geschaffen, die noch heute für den Verkehr der Parteigenossen untereinander maßgebend sind. In der Taktikresolution des Erfurter Partei» tages, die Bebel eingebracht hat, und die noch heute zu Recht be- steht, heißt es: „Der Parteitag erklärt ausdrücklich, daß die Kritik an den Handlungen oder Unterlassungen der Parteiorgane und der par- lamentarischen Vertreter der Partei ein einem jeden Partei- genossen zustehendes, selbstverständliches Recht ist, er verlangt aber, daß diese Kritik in Formen geübt wird, die eine sachliche Auseinandersetzung dem angegriffenen Teile ermöglichen. Er fordert insbesondere, daß kein Parteigenosse persönliche Anschul- digungen oder Anklagen öffentlich erhebt, bevor er sich nicht von der Richtigkeit der erhobenen Anschuldigungen oder Anklagen überzeugt und alle ihm nach der Organisation zustehenden Mittel erschöpft hat, um Abhilfe zu schaffen. Endlich ist der Parteitag der Anschauung des in den Statuten der internationalen Ar- beitecassoziation von 1864 ausgesprochenen Grundsatzes, daß Wahrheit. Recht und Sitte als die Grundlage für das Betragen aller ihrer Mitglieder untereinander und gegen alle ihre Mit- menschen ohne Rücksicht aus Farbe, Bekenntnis oder Nationalität anzuerkennen sei, auch heute noch die Richtschnur für die Per» Handlungen der Parteigenossen sein muß." Man könnte ja sagen, die Verhältnisse haben sich seitdem der- ändert.(Heiterkeit.) Nun, in seinem Wahlaufruf vom 15. Dezcm- ber 1996 empfiehlt der Parteivorstand den Parteigenossen dringend: „Vor allem raten wir Euch, führt den Wahlkampf sachlich. Unsere prinzipielle und taktische Stellung ist so, daß wir nicht zu persönlichen Verunglimpfungen der Gegner zu greifen brauchen. Ueberlaßt diese Kainpfesweise den bezahlten Agenten des Reichs- Verbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie." Die Genossen, die dagegen gesündigt haben, könnten ja sagen, das war den Gegnern gegenüber gemeint.(Heiterkeit.) Inner- halb der Partei gelten solche Grundsätze nicht. Da ist jeder Vogel- frei, weil wir ja eine Partei der Brüderlichkeit sind.(Heiterkeit und Sehr gut!) Wer so argumentiert, den möchte ich an den weiteren Aufruf des Parteivorstandes vom 9. Februar 1997 er- innern. Dort heißt es: „Es soll ferner auch nicht verschwiegen werden, daß die viel- fachen Meinun�verschiedenheiten und Differenzen, die wir in den letzten Jahren hatten, in der Presse und in Zusammen- künften aller Art, oftmals in einer Weise ausgetragen wurden, die unseren Gegern Stoff zu Angriffen lieferte. Hier haben »vir künftig— ohne Ausnahme— uns die größte Reserve auf- zucrlegcn. Müssen Meinungsverschiedenheiten im Interesse der Partei ausgetragen werden, so darf dies nur in der streng fach- lichen Weise geschehen. Wir dürfen keinen Augenblick vergessen, daß wir Parteigenossen sind und jeder von uns das Recht hat, zu verlangen, daß seine abweichende Meinung als ehrlich gemeint und im Interesse der Partei geltend gemacht, angesehen wird." Ich frage Sie, wenn in diesem Aufrufe zugegeben wird, daß die Auseinandersetzungen, die wir früher hatten, mit Schuld an der ungeheuren Wahlniederlage getragen haben, ist es dann nicht un- verantwortlich, daß jetzt loieder in der gleichen Weise vorgegangen wird?(Lebhafte Zustimmung.) Es sind leider die alten Partei- traditionen bei den jüngeren Leuten etwas in Vergessenheit ge- raten. Ich erinnere bei dieser Gelegenheit an die Erklärung, die die ReichStagsfraltion im Jahre 1885 zur Zeit der Differenzen über die Dampfersudventionen veröffentlicht hat, und in der c» hieß: „ In der letzten Zeit waren im„Sozialdemokrat" offene und bersteckte Angriffe gegen die sozialdemokratische Fraktion des deutschen Reichstages zu lesen. Die Angriffe gingen teils von der Redaktion, teils von den Korrespondenten des Blattes aus und bezogen sich vorzugsweise auf das Verhalten der sozialdemo- tratischen Reichstagsmitglieder in der Frage der Dampfersub- ventionen. Auch ist eine Resolution der Züricher Genossen, die sich gegen die Haltung der Fraktion in dieser Sache aussprach, nicht bloß im Parteiorgan veröffentlicht, sondern auch in ein- zclneii Abzügen in Deutschland verbreitet worden, offenbar in der Absicht, eine Art Entrüstungsbewegung gegen die Fraktion her- vorzurufen. Wenngleich die sozialdemokratische Reichstags- fraktion weiß, daß durch derartige Angriffe ihre Stellung nicht erschüttert werden kann, so betrachtet sie doch ein solches Ver- fahren als durchaus ungehörig. Sie bestreitet der Redaktion und den Korrespondenten des Parteiorganes keineswegs das Recht der Kritik. Sie erachtet es aber für eine schwere Schädigung der Parteiinteressen, wenn die Beschlüsse der Abgeordneten in einer Weise besprochen werden, tvelche geeignet ist, die Fraktion in den Augen der fcrnerstchenden Parteigenossen herabzusetzen. Das Parteigefühl unserer Genossen, an welches wir appellieren, mutz ihnen sagen, daß ein solches Verfahren geeignet ist, die Aktions- fähigkeit der Partei zu vermindern, und in wichtigen Momenten sogar zu lähmen. Statt den gewählten Vertretern der Arbeiter in solcher Weise den schwierigen Kampf gegenüber dem mächtigen Feinde noch zu erschweren, sollte sedcr Parteigenosse bestrebt sein. den Keim der Zwietracht zu ersticken, und das vereinigende Band fester und fester zu knüpfen." Die Fraktion war also damals der Meinung, daß eS ein frivoles Beginnen sei, wenn das Vertrauen zu einer parlamen- tarischen Körperschaft in dieser Weise erschüttert wird. Ich frage Sie, ob nicht wir, die wir in gleicher verantwortlicher Stellung sind, nicht den gleichen Anspruch auf eine sachliche Würdigung unserer Tätigkeit haben, und ich frage Sie, ob es innerhalb der Partei- genosscnschaft so weit gekommen ist, daß in ziigclloscm Ton jeder für vogelfrei erklärt wird, und daß man keine Rücksicht mehr �u nehmen hat auf die Schlagfertigkeit der Partei?(Sehr gut!) Ich klage aber auch den Parteibor st and an. Ich klage ihn an, daß er nicht eingegriffen hat. Ich verlange, daß der Parteivor stand— und nur so kann es für später Ruhe geben wenn irgend eine Kleinigkeit in der Partei darauf hin. Sie für selbstverständlich halten müssen. Aber es tann gefagt| gelegenheiten orientieren, damit er in den einfachsten Dingen nicht deutet, daß eine große Aktion daraus gemacht werden soll und werden, daß es nicht ganz so liegt, wie Bebel auseinandergesezt mehr so schlecht Bescheid weiß. System der gebundenen Mandate wurden an " Wie ist das bayerische Budget gestaltet? und des unter es genügen ja bei uns Kleinigkeiten dazu, den Zündstoff zu hat. Daß alle diese Sachen bewilligt werden mußten, weil Ich freue mich über den Fortschritt, den unsere Parteibewegung entzünden ich verlange also, daß der verantwortliche Partei- infolge der Zoll- und Aushungerungspolitik der Regierung auch seit 1894 gemacht hat. Ich bekenne Ihnen offen, daß ich damals vorstand, seine sämtlichen Mitglieder dann zusammentreten, und daß entsprechendere Zulage gegeben werden muß, das ist gewiß richtig. eine gegen die Budgetbewilligung gerichtete Resolution mit unter fie mit ihrer Erklärung nicht erst kommen, tvie nach Aber es kommt doch darauf an, ob nicht durch das schrieben habe. Ich habe mir später, als ich mit dem Budget zu Dresden, wie nach der Reichstagswahl, wenn der Schaden Antreiben einer Gruppe, hinter der eine Macht steht wie tun hatte, doch gesagt, Du hast die Sache ziemlich leicht genommen. angerichtet, das Haus angezündet ist, sondern ich verlange, die Sozialdemokratie, die Regierung vorangetrieben Sie können mir das als Schwäche auslegen, aber ich habe damals Daß man borher fich auch nicht scheut, sondern den werden kann.( Sehr richtig!) Segitz war Vorsitzender des nicht gewußt, was ein Budget ist.( Heiterfeit und Sehr gut!) Schön Mut hat, mit einer folchen Erklärung voranzugehen. sozialen Ausschusses, der die sämtlichen Arbeitersachen vorzubereiten ist es nicht, das zu sagen, aber ich habe den Mut, das zu be Und ich verlange, daß das gegenüber allen Parteiorganen geschieht, hat, und er hat es verstanden, in den 27 Gizungen so zu dis- kennen. und nicht nur gegenüber solchen Leuten, bei denen man meint, man ponieren, daß bei jedem einzelnen Etat die Ers tönne den Mut dazu hernehmen.( Unruhe.) Der Vorwärts" hat gebnisse des sozialen Ausschusses vorlagen, und die Das Zivilbudget besteht aus einem ordentlichen und einem die Meinung vertreten, daß das finanziellen Konsequenzen gezogen werden konnten. Früher außerordentlichen Budget. Im ordentlichen Etat belaufen sich die die Arbeiterangelegenheiten so verschleppt, daß erst direkten Steuern auf 46 millionen. Diesem Etat am Schlusse der Session Beschlüsse zustande kamen, die nur den haben wir selbstverständlich zugestimmt, ebenso einer Reihe anderer mit Recht auf die Parteitage angewendet werde, ein System, das Wert hatten, nach außen hin zu prangen, ohne daß die finanziellen Etats, so dem Etat der Verwaltung der Bergwerke, jeder Demokratie ins Gesicht schägt. Warum hat der Parteivorstand Konsequenzen gezogen wurden; diesmal, twie gesagt, bei jedem Etat. Sütten und Salinen, der Verwaltung der often nicht den Mut gefunden zu sagen, so geht es nicht, wir dürfen aus So gelang es z. B. beim Etat der Jagd-, Forst- und Triftverwaltung und Telegraphen, dem Eisenbahnetat, dem Etat dem Parteitag keine Aktion der Terroristen machen( Lachen und der geschickten Führung unserer Leute, noch 667 000 Mart mehr für besondere Betriebe des Staates unter diesen Bravo 1), sondern von Parteigenossen, die sich untereinander aufzu einzustellen, als beabsichtigt war. Auch beim Etat der besonderen Betrieben befindet sich das königliche Hofbräuhaus in klären haben durch sachliche Gründe.( Sehr richtig!) In diesem Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung haben wir eine München( Heiterkeit); für den Etat der Verwaltung der Zusammenhange ist auch die berühmte Stuttgarter Geheimkonferenz größere Summe mehr einsetzen tönnen. Es kommen da Es kommen da viele 3ölle und indiretten Steuern haben wir natür zu beleuchten. Wie war denn die Sache? Genosse Bebel hat gegen Parteigenossen in Betracht, die in deren Betrieben arbeiten und lich nicht gestimmt. Zu die bayerische Fraktion den Vorwurf erhoben, sie hätte Scheu- unsere Tätigkeit genau verfolgen. Es ist doch bei uns ganz anders, den Einnahmen unsere Zustimmung geben, und zwar steht diese neun Zehnteln mußten wir flappen bor den Augen, wir kennten die allgemeinen wo die Staatsarbeiter organisiert find, als in Preußen, wo das unsere Haltung im vollen Einklange mit der unserer Parteigenossen Zusammenhänge nicht. In aller Ruhe muß dem Genossen Bebel nicht möglich ist. Unsere Staatsarbeiter verfolgen unsere Tätigkeit in den übrigen gesetzgebenden Körperschaften. Von den Ausgaben iſt gesagt werden, daß diese seine Auffassung eine durchaus irrige ist. viel mehr kritisch. Wir haben in Versammlungen ihre Stimmungen zunächst der Etat des föniglichen Hauses und Hofes mit 5,4 Millionen Das geht daraus hervor, daß die erste Konferenz, die wir kennen gelernt. Wir haben es verstanden, eine Petition der christ zu nennen. nach Mürzburg einberufen hatten, gerade den Zwed hatte, über lichen Arbeiter, Es ist gar nicht darüber zu reden, daß unsere Verdie der Regierung zunächst den Nahmen der bayerischen Genossen hinaus eine Aktion mit sichtigung überwiesen war, zur Berück- waltung in Deutschland mit den 44 Millionen, die die verschiedenen dem Finanzausschuß zu unterstüßen zu helfen, über- Monarchen bekommen, außerordentlich teuer ist. Natürlich haben von der wir uns fagten, daß weisen, und brachten es fertig, daß eine weitere Summe wir gegen den Etat gestimmt. Zunächst haben wir für den Etat sie die Vertiefung der Demokratie int Deutschland herbei- von 82 000 Mark für Urlaubsgewährung Arbeiter, die für das Staatsministerium gestimmt, unter den die so wichtige führen, gegen das System des Junkerabsolutismus in Preußen über 10 Jahre im Betriebe find, gerichtet sein und der gesamten Partei zugute kommen sollte. Das sind Fragen, die wichtig genug sind, daß wir uns eingehend Süßheim in vierständiger Rede ausführlich den Standpunkt eingestellt wurden. Fabrik und Gewerbeinspektion fällt. Zum Etat der Justiz hat Wir haben bei dieser Gelegenheit den Parteivorstand um seine damit beschäftigen. Es mochte zunächst fleinlich erscheinen, aber es unserer Partei dargelegt, wir haben hier die Ausgabe für den Meinung gebeten, haben ihn als eine kollegiale Instanz angesehen, ist immerhin für die in Betracht kommenden Arbeiter ein bedeutender Scharfrichter zu streichen beantragt, im übrigen aber zugestimmt, haben immer gesagt, daß wir bereit sind, die preußischen Genoffen sozialer Fortschritt. Dann kam diesmal die wichtige Frage des denn es mit den uns zu Gebote stehenden Mitteln in ihrem schwierigen Gehaltsregulativs und des Beamtengesetzes, und Bebel irrt auch Gebiete ist uns gelungen, unseren Einfluß auf dem Wahlrechtstampfe zu unterstützen. Ist das Partikularismus? hier, wenn er meint, daß die Beamtenaufbefferung ohne weiteres selbst der Vorwärts" anerkannte. des Strafvollzuges auszuüben, was ja später Ist das eine zu enge Tätigkeit? Der Parteivorstand hat uns gelommen wäre. Die Sache liegt vielmehr so: Seit 1883, wo die Staatsministeriums Es kommt der Etat des Unter damals mitteilen lassen, Innern. wenn er abkommen könnte, würde Sozialdemokratie im bayerischen Landtage tätig ist, hat die Frage steht das Gebiet der Arbeiterversicherung, auf dem große Vorteile diesem die Konferenz beschickt werden. Ich will auf die einzelnen eines Beamtengesetzes und eines vernünftigen Gehaltsregulativs eine errungen wurden. Dann kommt wieder ein betrüblicher Etat, der Verhandlungen der Konferenz nicht eingehen. Insbesondere das außerordentliche Rolle gespielt. Und die sozialdemokratische Fraktion Etat des Staatsministeriums des Junern für kirchliche und halte ich für wichtig- haben wir angeregt, ob es nicht gehen war immer der Treiber. Diesmal lagen würde, daß wir unsere Redner austauschen, die SüdSchulangelegenheiten. Wir haben zwar dafür gestimmt, deutschen müssen ihre Redner nach Norddeutschland dirigieren und das Gehaltsregulativ und das Beamtengeset aber den Standpunkt unserer Partei dem Minister gegenüber die Norddeutschen die ihrigen nach Süddeutschland. Wir glaubten, vor. Es hat in der Gesetzperiode 18, Millionen Mark erfordert. den bayerischen Ministern voll gewahrt. Es ist richtig, daß Herr v. Wehner daß sich eher eine gewisse Verständigung erzielen ließe, und daß Un wir haben im Ausschuß drei Genossen gehabt und es ist uns da rückständigsten ist einer der rücksichtslosesten und stimmigkeiten, die sich immer wieder auch bei uns zwischen Nord gelungen, die Gehälter der niedrigen Gruppen be- bekämpft haben. Aber bei unserer Abstimmung mußten wir daß wir ihn auf das schärfste und Süd ergeben, am besten ausgeglichen würden, wenn wir uns gegen- deutend günstiger zu gestalten, als es die Regierung unterscheiden, ob der Etat in seinem größten Teile Ausgaben für seitig mehr verstehen lernen. Es ist kein Gebrauch von dieser An- vorgeschlagen hat. An den Gehältern der Klasse 1 bis 12, das sind Kulturzwecke enthält oder nicht. regung gemacht worden. In dieser Konferenz ist bereits die Frage der die oberen Beamten, wurden 870 470 M. gestrichen. Bei der Klasse während allein die Ausgaben für Erziehung und Bildung sich auf Der Etat beträgt 38 Millionen, Budgetabstimmung beraten worden. Auf diesen Konferenzen, die 13 bis 17, das sind die mittleren Beamten, wurden 526 200 26 Millionen belaufen. Wir haben zirka 8 Millionen dieses Etats immer tagen, werden selbstverständlich keine Beschlüsse gefaßt. Aber Mark zugesetzt. In der Klasse 18 bis 30, das sind die unteren Be- abgelehnt und 30 Millionen bewilligt. Unter den 38 Kapiteln des es haben dort die verschiedensten Redner, zuerst Genosse Segitz und amten unsere Parteigenossen sind es zum großen Teil, die auf Etats enthält eines die Ausgaben für die Landesuniversität. dann auch Vertreter der bayerischen und württembergischen Genossen uns gerechnet haben da ist es gelungen, eine Summe von Sea utsty müßte hier allerdings dem Klassenstaat die zu der Frage gesprochen. Von unserer Seite wies ich darauf hin, 1112 750 m. mehr einzustellen. Und wie hat sich die Sache nun Mittel für die Universitäten verweigern. Aber wir kommen da in daß wir gegenwärtig unter besonders schwierigen Berhältnissen im einzelnen gestaltet? Ich muß das hier sagen, da die Vereinen Widerspruch. Kautsky hat sich ja auch die Grundlage seiner stehen, und daß wenn die Entwickelung weiter so ihren Lauf hältnisse von unserem Zentralorgan vollkommen theoretischen Bildung auf den Universitäten des Klassenstrates nehmen würde- wir ernstlich zu überlegen haben würden, ob nicht unrichtig berichtet worden sind.( Hört! hört!) und geholt. die besonderen, zwingenden Gründe vorliegen, und ich habe schon nicht ohne Grund. Es sind da Meldungen in die Welt hinaus- kommen, so wie Kautsky nur in grauer Theorie machten, ohne Freilich, wenn alle Akademiker, die zu unserer Partei damals den Standpunkt vertreten, daß wir gegangen, die vollkommen falsch waren. Das ersehen Sie an dem Berücksichtigung der realen Verhältnisse, dann ließe sich vielleicht. innerhalb des Lübecker Beschlusses den nötigen Spielraum einen Beispiel an der Klasse 18, bei den Bahnmeistern und Werkführern. im Parteiinteresse darüber reden, ob wir nicht dem Klassens Da betrug das Anfangsgehalt 2115 M. und stieg in 26 Dienst- staate die Mittel für die Universitäten verweigern sollten.( Große haben. Genosse Pfannkuch hat seine abweichende Meinung dahin jahren auf 3015 M.; jest steigt es von einem Anfangsgehalt Heiterkeit.) geltend gemacht, daß er der Ansicht sei, es fönne erst dem Budget von 2215 M. in 19 Dienstjahren auf 3115 M. In der Klasse 25, Auch dem Etat des Staatsministeriums für die Finanzen haben zugestimmt werden, wenn die sozialdemokratische Fraktion ausschlag die Botendiener usw., stieg früher das Gehalt in 27 Dienstjahren wir zugestimmt, und natürlich auch der Neuregelung der gebend sei. Aber gleichviel, welche Auffassung vertreten wurde, von 1231 M. auf 1555 M., jezt von 1500 m. in 19 Dienstjahren Besoldungsverhältnisse der Beamten und der Aufwenn man diese Dinge als Freund miteinander bespricht, dann anf 2100 M. Dann die Klasse 30, Bahnwärter, Straßenwärter, besserung des Einkommens der Geistlichen und Volksschulfrage ich Sie, konnte es in irgeneiner Weise überraschen, welche Waldwärter usw. Bisher war das Anfangsgehalt 780 M., nachlehrer. In seinem Artikel in der Neuen Zeit" schreibt Kautsky, Strömung bei uns in Süddeutschland vorhanden war? Hat denn 26 Dienstjahren Höchstgehalt 1080 M. Jetzt haben sie ein Anfangs die Gehälter der Beamten seien bereits vorher bewilligt gewesen. der Genosse Pfannkuch dazu war er doch delegiert- den übrigen gehalt von 1200 m., nach 12 Dienstjahren von 1700 M. Höchst Damit ist ihm eine große Entgleisung passiert. Diese Ausgaben Mitgliedern des Parteivorstandes nicht berichtet? Wir waren voll- gehalt. Für die unteren Beamtentlassen hatte die Regierung 1100 m. stehen nämlich im Finanzetat. Aehnlich ist das außerordentliche ständig baff, als man furz vor unserer Abstimmung getan hat, als angefeßt. Unserem Eintreten ist es mit zu danken, daß das An- Budget zusammengesetzt. Ich frage Sie nun bei ruhiger, nüchterner ob man gar nicht informiert wäre. Und noch ein weiteres. Auffangsgehalt auf 1200 m. heraufgesetzt wurde. Ich frage Sie, Betrachtung: Sicht ein Zivilbudget des bayerischen Staates dieser Konferenz wurde aus Gründen, die mit der Budgetabstimmung Parteigenossen, sind das Dinge, die sich von selbst nicht doch etwas anders aus, wie es sich der eine oder nicht zusammengehören, sondern mit der bayerischen Politik und mit verstehen und sind das nicht Sachen, die auch andere gedacht hat?( Burufe: Nein!) Dazu kommt, daß wir in Meinungsverschiedenheiten zwischen uns und den Württembergern nicht von unseren theoretischen Genossen be- Bayern zusammenhängen, angeregt, ob nicht eine noch malige Konobachtet werden?( Hört! hört!) Es sind das alles Sachen, das direkte Wahlrecht ferenz stattfinden könnte, und es wurde dabei auch ausdrücklich die für die Lebensverhältnisse der unteren Bevölkerungsklassen von betont, man könne sich dann weiter über die Budget- außerordentlicher Wichtigkeit sind. Wir Sozialdemokraten haben errrungen haben; ich gehe nicht darauf ein, aus welchen Gründen. frage unterhalten. Es wurde den Württembergern übertragen, die also, im Rahmen unseres Parteiprogramms stehend, alles auf- Ich möchte nur erklären, daß sowohl die Auffassung von Bebel, als Konferenz einzuberufen und ausgesprochen, daß sie innerhalb geboten, die soziale Lage der Arbeiter zu bessern. Wir haben uns Kautsky durchaus nicht übel. Man kann ein großer Mann der Wissenschaft auch die von Kautsky darüber vollständig irrig ist. Ich nehme das dreier Monate stattfinden sollte. Alles im Beisein des Partei- bemüht, das möglichste zu tun, was notwendig war. Bei der genossen Pfannkuch vom Parteivorstand! Wenn Pfannkuch nur den Lehreraufbesserung haben wir fräftig getwirft, sodaß eine Summe und ein großer Theoretiker fein, aber doch dadurch, daß man dauernd Wunsch geäußert hätte, auch an der zweiten Konferenz teilzunehmen, von 3 565 000 m. bewilligt wurde. Wir haben unsere Hand geübersehen. Ich begreife sehr wohl, daß Kautsky darüber nicht gezwungen ist, an einem Blaze zu figen, wichtige Unterströmungen so wäre selbstverständlich dagegen nichts zu sagen gewesen. Ich boten, daß bei allen anderen Kulturfragen vorgegangen wurde. Bebel frage alle, die dort anwesend waren, ob irgend eine Strömung fagt ja in der Frage der Wasserkraft: das ist selbstver- informiert ist. Wir haben dann in Bayern den Gemeindegegen den Parteivorstand herrschte.( Buruf: Richt im geringsten ständlich, das muß die Regierung machen. Das ist nicht selbst propora errungen, wir haben eine Vertretung in der !) entrafstelle für Handel und Industrie und im Wir haben uns freundschaftlich, kollegial beraten. Ich bin über- verständlich. Wer die Sache einmal studiert, und erfährt, wie die Eisenbahnrat, wir haben die Teilnahme der Arbeiter sentralstelle für Sandel und Industrie und im haupt der Meinung, daß manche Dinge, die zum Schaden der Regierung in Bayern zu der jezigen Auffassung gekommen ist, daß an der Bauaufsicht, wir haben das Koalitionsrecht Sozialdemokratie zu einer einer öffentlichen Staatsaktion gemacht mit der Gewinnung der Wasserkraft vorangegangen werden muß, der für alle Staatsarbeiter. Der Verkehrsminister werden, besser erledigt würden, wenn man sich follegial wird finden, daß es der Stellung unserer Barteigenossen, insbesondere zusammenfindet; allerdings nicht vom dem Stand der planmäßigen Tätigkeit, die unser Parteigenosse Adolf Müller mußte ausdrücklich erklären, daß er an alle Dienst. punkte der Herrscher und Beherrschten, sondern auf diesem Gebiete entfaltet hat, zu danken ist, daß sie nun stellen weisung erlassen würde, daß fie mit von dem Standpunkte der kollegialen Gleich endlich diesen Standpunkt einnimmt.( Lachen.) Nicht um unserer Gine solche Weisung ist natürlich auch ergangen. unseren Organisationen zu verhandeln haben. berechtigung.( Sehr gut bei den Süddeutschen.) Die Württem schönen Augen willen( Zuruf: Nein!), ganz sicher nicht, sondern Eine solche Weisung ist natürlich auch ergangen. während wir bayerische Abgeordnete an der ersten Konferenz, wo es und lebhafter Widerspruch.) Wir müßten ja eine traurige sozialamten verboten jei. Der Finanzminister hat wiederholt erberger Parteigenoffen haben dann zu der Konferenz eingeladen, und weil man die Macht, die hinter uns steht, respektieren muß.( Lachen ist von der Regierung erklärt worden, daß es in Bayern feinen Verein gäbe, dem beizutreten den Bes fich um die Aktion für den preußischen Wahlkampf handelte, voll demokratische Partei sein, überhaupt eine traurige Kulturpartei, ffärer. müssen, daß das Koalitionsrecht der Arbeiter zählig anwesend waren, haben wir zu der zweiten Konferenz, nach wenn wir meinen sollten, daß wir nicht auch auf den gegenwärtigen in feiner Weise geschmälert werden solle. Als dem einmal festgestellt war, daß keine Beschlüsse gefaßt werden sollten, Klassenstaat einwirken sollten.( Zustimmung, Lachen, Widerspruch fieben Mitglieder von unseren einundzwanzig für eine genügende und Bewegung.) Ist denn die Sozialdemokratie politisch so macht wir ihn über einen Fall interpellierten, wo ein Beamter von Delegation gehalten. Fünf find schließlich Das beweist Ihnen schon, daß wir die Frage der Budget Deutschland, was fulturell besteht, der Sozialdemokratie zu danken. flärte der Minister, daß er das Verhalten nur da gewesen. los in Deutschland, daß wir nicht erklären sollten, es ist alles in einen Vorgesetzten gezwungen wurde, aus einem fozialdemokratischen Verein auszutreten, er abstimmung durchaus ( Lebhafter Veifall. Buruf: Selbstverständlich!) Vorgesezten nicht billigen fönnte.( Hört! hört!) nicht als eine Haupt- und Staatsaktion Es ist dann von Anfang an gesagt worden, der Disziplinbruch Diese Tatsachen müssen wir anerkennen, wir wollen die Regierung der baherischen Genossen qualifiziere sich noch um so schärfer, weil nicht loben, aber feststellen, was iſt. Denn das soll doch nach in Bayern Lassalle immer noch ein politischer Grundsatz der Sozialdemokratie fein. Dann kommt der Fall Noßhaupter. der Militäretat Weiter des aufgefaßt haben, und daß bei uns alle anderen Motive eher vor handen waren als die, uns in irgend einer Weise gegen Parteitagsbeschlüsse aufzulehnen, sondern wir haben immer gesagt, wir müssen uns im Rahmen der Lübecker Resolution halten. Ich bedauere, daß mit in dem Budget enthalten war und wir ihm zugestimmt haben. ich so ausführlich auf diese Angelegenheiten eingehen mußte. Das war eine besondere Anklage gegen uns, und, Parteigenoffen, Das ist ja auch etwas Selbstverständliches. Aber manches, was wir Aber nachdem diese Dinge Dinge in der Preßpolemit eine nicht ohne Absicht hat der Vorwärts" sie gebracht. Er hat sich ge- als selbstverständlich ansehen, ist anderswo nicht selbstverständlich. so bedeutungsvolle Rolle gespielt haben, muß ich Gelegenheit sagt, daß das die Empörung am besten aufstacheln werde, wenn Noßhaupter hat in rücksichtsloser Weise den sozialistischen Standnehmen, ste darzustellen, wie sie sich in Wirklichkeit abgespielt haben, man sagt, der Militäretat war dabei, und soweit sind die Leute punkt vertreten und hat in keiner Beziehung der Regierung gegenüber weil ich noch immer überzeugt bin, ich habe nicht die Aufgabe, den schon gesunken, daß sie auch dem zugestimmt haben. Parteigenossen! geschwankt. Er hat es sehr scharf verurteilt, daß die Gehälter der Parteifonflitt zu erweitern, sondern dahin zu wirken, daß wir uns Die Sache wäre ganz abgetan nach der loyalen Minister so gewaltig erhöht worden seien. Er ist nicht gemaßnach Möglichkeit zusammenfinden. Notiz, die der Vorwärts" nachher gebracht, daß regelt worden. Wir halten es für selbstverständlich, daß ein Ab" Ich muß nun begründen, weshalb die bayerische Landtagsfraktion er sich geirrt hätte, wenn nicht ein anderes Parteiorgan, ein geordneter seine Meinung zu vertreten hat, und daß die Sozialdem Finanzgesetz diesmal die Zustimmung gegeben hat. Zunächst wissenschaftliches Parteiorgan, wiederum mit dieser Behauptung auf- Demokratie es anstreben muß, eine gleichberechtigte betone ich, die treibenden Glemente bei dieser Zustimmung waren getreten wäre. Ich muß deshalb erklären, wir haben beschlossen, Partei zu sein. Das wollen wir ja auch nach dem ziveiten Teil nicht unsere akademisch gebildeten Genossen, in namenicher Abstimmung am 31. Januar gegen den vayrischen unseres Programms. Gestern ist der Bürgermeisteradjunkt sondern die Arbeiter.( hört! hört!) Der Ausfall der Wahl Militäretat zu stimmen. Der bayrische Militäretat ist ein Quotenetat. Binder in Ludwigshafen als Reichstagskandidat für Ludwigsin Bayern brachte uns eine Anzahl Mandate, die uns selbst- Er wird ja aus dem allgemeinen Reichsetat herausgeschnitten, hafen gewählt worden. Er ist in gewissem Sinne Beamter. verständlich eine höhere Verantwortlichkeit auferlegten. es geht auch daraus hervor, daß er in keinerlei Zusammenhang wir werden zum Landtage als Nachfolger für Ehrhart wahrSchon in der ersten Fraktionssizung haben wir unseren Aktionsplan mit den übrigen Finanzgefegen steht, weil er am 1. April bescheinlich einen bayerischen Lehrer aufstellen. Wir festgelegt. Wir haben es darauf angelegt, die Regierung zu zwingen, ginnt und der andere Etat am 1. Januar angeht. Er ist halten es für ganz selbstverständlich, daß er in jetzt bei der direkten Wahl und der für uns günstigen Situation so ein jährlicher Etat, und der andere ein zweijähriger. feinem Amte bleibt, wir wollen nicht, daß ein Sozialviel wie möglich für die Arbeiter zu bewilligen. Die Lohn- Der Vorwärts" aber, der das zwar zurückgenommen hat, der demokrat gemaßregelt wird, wenn er seinen revolutionären Haffenerhöhungen, die sonstigen sozialen Verbesserungen, die Aus- Borwärts", der es vordem uns als das größte Verbrechen an- bewußten sozialistischen Standpunkt vertritt. Wir haben alle Vergestaltung der Pensionskasse usw. betragen in dem dies- rechnete, sagt nachher ganz gelassen, es sei das übrigens ganz be- anlassung, mit aller Schärfe und Verve, ohne unser Endziel aus den maligen Finanzgesetz zirka acht Millionen Mart. Ich habe langlos.( hört, hört!) Parteigenossen! Das muß ich schon jagen, Augen zu verlieren, auch für die politische Freiheit in Deutschland gar teine Veranlassung, in irgend einer Weise die bayerische ein Parteiorgan, das sich Zentralorgan nennt, das besetzt ist mit zu kämpfen. Regierung zu loben. Es ist mir das vom politischen Standpunkt zivölf Redakteuren, sollte über diese einfachen Finanzgeschichten doch ( Fortsetzung in der 2. Beilage.) aus unangenehm, daß ich hier Tatsachen feststellen muß, die ich und die nötige Kenntnis haben. Er sollte sich genügend über unsere An Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. 5,. 218. a.»« 2. Keilllge des Jormarts" Kerliaer Jalblilatt«»m Der Parteitag in Nürnberg. (Fortsetzung aus der 1. Beilage.) Timm(fortfahrend): All das spielt natürlich bei der Frage, wie wir unS bei der Gesamtabstimmung verhalten sollen, eine Rolle. Es ist richtig, datz sich unter dem System Feilitzsch Zustände in Bayern entwickelt haben, die durchaus rückständige sind. Aber als der neue Minister Brettrcich kam— ich lobe keinen Minister, ich stelle nur Tatsachen fest—, da waren die alten Zustände nach 14 Tagen beseitigt. Wenn Sie die Verhandlungen gelesen haben, dann werden Sie wissen, dah speziell Genosse Segitz das Verdienst reklamieren kann, daß mit diesen Zuständen aufgeräumt worden ist. Natürlich stehen unsere praktischen Erfolge weit hinter dem zurück, was wir für .nötig halten. Die Regierung hat ihren Standpunkt gewahrt, aber die neue Minisicrgarnitur hat doch eine andere Position einnehmen müssen als die alte. Ist das nicht genau dieselbe Auffassung wie die der Reichstagsfraktion? Hat diese nicht auch gegenüber einem Berlepsch, gegenüber einem Posadowsky in der letzten Zeit eine andere Haltung eingenommen als früher? Genau so machen auch wir politische Unterschiede, und wenn wir das nicht tun wollten, wäre das gefährlich für unsere Stellung. Es wird jetzt gewitzelt über Arbeiterdiplomaten. Das ist ja auch eine Methode mit einer gewissen Absicht. Wenn ein Arbeiter Kenntnisse erlangt, wenn er unabhängig denken lernt, dann kommen solche Angriffe, dann appelliert man an den Arbeiterinstinkt, um ihn von der Masse zu lrennen. Wenn wir Wert darauf legen, immer neue Anhänger in allen Schichten der Bevölkerung zu gewinnen, dürfen wir uns nicht an die Zwirnsfäden bloßer Formalitäten hangen; der Fortschritt und das Interesse der Arbeiter mutz für unsere Haltung ausschlaggebend sein. Das haben wir uns gesagt. Auf dem Lübecker Parteitag hat Bebel auf das Bei. �"iel von Gotha hingewiesen und gemeint, wenn wir die Mehrheit haben, könnten wir dem Budget zustimmen. Auch KüutSky hat das als etwas Selbstverständliches akzeptiert. Nehmen wir einmal an, wir hätten im bayerischen Landtage die Mehrheit. dann würde das Budget auch noch kein sozialdemo- k r a t i s ch e s sein, denn außer uns hätte dann noch die Regierung und die Kammer der Reichsräte mitzureden. Nehmen wir an, daß kein Budget zu stände kommt, dann gilt das frühere. Die Ausgaben können aber nur insoweit realisiert werden, als sie die Natur eines vorher zu übersehenden Staatsbedürfnisscs tragen. Und wenn die Mittel nicht ausreichen, befriedigt die Re. gicrung zunächst die Staatsbedürfnissc, die auf gesetzlicher oder rechtlicher Verpflichtung beruhen, und dann die, die ihr als die dringlichsten erscheinen. Erst durch das Finanzgesetz wird die Re- gierung gebunden. Wenden wir den Grundsatz von Bebel auf Bayern an, so würde, wenn wir gegen ein Finanzgesetz stimmen, das den Arbeitern Vorteile bringt, das andere Budget in Kraft treten, und würden wir das tun, würde es mit unserer Vertretung vorbei sein. Und es unterliegt keinem Zweifel, daß das alte Budget ungünstiger ist, und daß dann die Aufbesserung der Lehrer und Beamten unter den Tisch gefallen wäre. Die Arbeiter würden das einfach nicht verstehen, die Christlichen würden daraus Kapital gegen uns schlagen. Selbst 5tautsky steht ja auf den, Standpunkt, daß das kleinere Uebel vorzuziehen ist, und wie die Verhältnisse in Bayern liegen, ist es das kleinere Uebel, dem wir zugestimmt haben. Kautsly läßt ja sogar den„ernsthaften Politiker" zu. Das hat mich eigentlich gewundert. Denn seiner Auffassung nach hätte er doch, da er jeden Parlamentarismus verurteilen mutz, auch die er n st hafte Politik verurteilen müssen.(Heiterkeit und Widerspruch!) Für die Auslegung der Lübecker Resolution ist nicht nur die Auffassung von Bebel matzgebend, sondern auch die der anderen Redner. So hat Ivos in Gotha Bebel gegenüber den Standpunkt vertreten, datz man auch, ohne die Mehrheit zu haben, unter Umständen den Etat bewilligen müsse. Er sagte: „Ich will Ihnen einmal vorführen, was wir bisher dank unserer Stärke erreicht haben: Die Entschädigung unschu � Verurteilter nicht aut, sondern auch die unschuldig Verhafteter, eine Gewerbeaufsichtsbcamtin, eine Erhöhung der Löhne der Tomänenarbeiter von l,L0 auf 3 M., die in den Etat eingestellt sind, die Bewilligung von 2000 M. für das Arbeitersekretariat ohne jede andere Bedingung als der Uebcrnahm« der un- parteiischen Auskunftserteilung durch einen Reaierungsvertreter. Wir haben den zum mindesten moralischen Erfolg erreicht, datz unser Bock Vizepräsident geworden ist und, obwohl er gegen die Regierung gewählt wurde, sofort bestätigt worden ist. Nicht eine einzige Versammlung mehr wird von der Polizei überwacht, alles Zugeständnisse, iveil man wutzte, datz wir eine so starke Macht sind. Diesmal ist der Etat einfach verlängert worden, weil ein neues Steucrgesetz in.Vorbereitung ist. Wenn wir nun zu unseren Wählern kommen und sagen würden, das alles haben wir erreicht, aber dem Gesamtetat haben wir unsere Zustimmung verweigert, glauben Sie, datz unsere Wähler das begriffen hätten?" Interessant ist es. datz nach JooS eine große Anzahl von Rednern gesprochen hat, darunter Bebel und Wurm, datz ihm aber kein einziger entgegengetreten ist. Warum wird also nicht dem Etat zugestimmt? Dazu kommt noch ein anderes. Die G o t h a e r Genossen haben tatsächlich die Sünde begangen, sie haben dem Etat zugestimmt, aber keiner hat sich darüber aufgeregt. Da kann man sehen, wie ein Unter- schied gemacht wird.(Sehr richtig!) In die Resolution des PartetvorstandeS hat man eine Mihbilligung der süddeutschen Ge- nossen hineingelegt. Württemberg, Bayern und Baden sind ver- urteilt worden, aber Sachsen und Gotha hat man unbehelligt ge. lassen. G«her hat erklärt, datz die sächsischen Abgeordneten weder aus taktischen noch aus prinzipiellen Gründen dem Budget zuge- stimmt haben. Aber zugestimmt haben sie. In Breslau hat Bebel gesagt, wie er über die denkt, die es nicht wissen, wie sie im entscheidenden Moment zu handeln haben. Es ist charakteristisch, datz die Sachsen, die bei welterschütternden Er» eignissen geschlafen haben, die nicht wissen, was sie tun, doch sehr genau wissen, datz wir, weil wir wissen, was wir tun, aus der Partei ausgeschlossen werden sollen. (Sehr gut! Heiterkeit und Unruhe.) ES wäre Pflicht des Partei- Vorstandes und der verantwortlichen Parteiorgane gewesen, nach dem ersten Sündenfall in Gotha einzutreten. Wenn die Frage die Bedeutung hat, die man ihr beimitzt, dann hätte man damals schon in Gotha ein Exempel statuieren müssen. Die Resolution des Parteivorstandes enthält eine Mihbilligung. Im vorigen Jahre hat Württemberg gesündigt, aber es hat Gnade gefunden vor den Augen des Herrn.(Heiterkeit.) Unsere württembcrger Genossen, haben dem Budget aus den gleichen Gründen zugestimmt wie wir. Das geht aus dem Bericht der sozialdemokratischen LandtagSfraktion deutlich hervor. Der Internationale Kongreß hat nur eine sehr untergeordnete Rolle gespielt, und ich muh erklären, datz wir uns jii einer solchen Konzessionspolitk? nicht herbeilassen sollten. Wir haben uns bei unserer Zustimmung zum Budget von polt. tischen Rücksichten im Interesse der Partei, im Interesse ocr Wähler, im Interesse der Arbeiterklasse leiten lassen, nicht aber oon anderen Gesichtspunkten. Wir müssen auch die Verhältnisse berücksichtigen, mit denen wir in Bayern zu tun haben; hier be». stehen die christlichen Organisationen der Eisenbahner, des Post- Personals und der übrigen christlichen Organisationen, in denen Staatsarbeiter organisiert sind. Die christlichen Agitatoren sind uns immer nachgefahren nach unseren Versammlungen und haben dargelegt: Ja, die Sozialdemokratie ist zwar die- jenige, die im einzelnen etwas gibt, aber im großen lehnt sie ab. Wenn wir die gewerkschaftlich organi- sierten Arbeiter in Bayern für die Sozialdemokratie gewinnen wollen, dann darf es uns nicht gleichgültig sein, bei dieser rein formalen Sache uns bei der Gewinnung neuer Anhänger zu schaden. Bebel wirft heute die Frage auf, was e n t- scheidend sei, die Sozialreform oder das Endziel, und er stellt sich auf den Standpunkt, kleinliche Konzcssionen dürfe man nicht machen. Aber so ist die Frage nicht zu stellen! Führt nicht eine durchgreifende Sozialreform zum Endziel? Denn die Frage ist, ob wir auf diesem wichtigen sozialen Gebiete irgend etwas vernachlässigen dürfen. Auf dem München« Parteitag hat Bebel der Arbeit der bayerischen Genossen Lob gespendet. Er hat erklärt, datz wir mit unserer Haltung zur Sozialreform das beste getan haben. An solchen praktischen Fragen läßt sich unser Stand- punkt deutlich klarmachen, läßt sich zeigen, datz die Sozialdemo- kratie gewillt ist, den Unterdrückten zu helfen. Auch Liebknecht hat seinerzeit bei der Auslegung des zweiten Teils unseres Pro- gramms gesagt, man solle sich nicht in das Wölkenkuckucksheim des Zukunftsstaatcs flüchten, sondern im Gegenwartsstaat mit den uns zu Gebote stehenden Mitteln für uns Vorteile hcrauszu- schlagen suchen. Es ist bei uns in der Partei so, wenn wir unser Verhalten vertraten, ist immer gesagt worden, wir hätten unseren Standpunkt gewechselt und leider mutz man sich mit Zitaten her- vorragender Genossen bewaffnen. So hat Bebel zum Beispiel vor zwanzig Jahren, am 17. Mai 1889, auf dem internationalen Kon- gretz in Paris, gesagt: „Es ist eins der wichtigsten Symptome für den Gang unserer EntWickelung, datz man heute die Frage einer internationalen Arbeiterschutzgesetzgebung erörtern mutz. Vor noch kaum zwanzig Jahren wäre es unmöglich gewesen, mit einem solchen Programm Verhandlungen zu eröffnen. Die Arbeiterbewegung beschäftigte sich damals weniger mit der Praxis als mit der Theorie. Die Diskussion der prinzipiellen Fragen legte die Meinung nahe, dag die Umgestaltung der Gesellschaft unmittelbar vor der Tür stehe. Seitdem hat man eingesehen, datz die bürgerliche Gesellschaft für den Augenblick noch Widerstandsfähigkeit genug besitzt, um sich aufrecht zu erhalten, und datz andererseits die Kräfte der Ar- beiterklasse noch nicht genügend erstarkt sind, um die notwendige Neugestaltung der Gesellschaft herbeiführen zu können. Di« praktischen Fragen, die Fragen nach dem, was gleich gefchelzen soll, um unmittelbaren Nutzen zu schaffen, drängen sich in den Vordergrund, und sie haben dazu umsomehr ein Recht, als sie die Kraft besitzen, die Arbeiter mehr und mehr in die sozialistische Strömung zu ziehen und dem Sozialismus die Wege zu ebnen." (Hört, hört!) So decken sich unsere Gründe vollständig mit dem, was Bebel sagte. So hat die bürgerliche Gesellschaft auch heute noch Wider- standSfähigkcit genug, liegt es heute nicht so, datz wir nicht die ge- nügende Macht besitzen, und datz wir mit allen Mitteln der Taktik die Arbeiterklasse stärken zu suchen müssen? Diese Ausführungen von Bebel waren nicht etwa eine Entgleisung, sondern systematisch verfolgt er diesen Gedanken weiter. In Halle sagt er: „Das Vertrauen der Arbeitermasscn haben wir nur, weil diese sehen, datz wir praktisch für sie tätig sind und sie nicht aus die Zukunft des sozialistischen Staates verweisen, von dem man nicht wettz, wann er kommen wird. Die Arbeiter erkennen tu unserer Partei ihre politische Vertretung, weil sie sehen, datz wir schon heute nach Kräften dahin wirken, die Lag« der Arbeiter, soweit es auf dem Boden der heutigen Gesellschaft möglich ist. zu verbessern. Auf diesem Standpunkt haben wir stets gestanden und müssen wir ferner stehenbleiben, wenn wir als Partei über» Haupt fortbestehen wollen." Diesen Gedanken hat er systematisch weiter gesponnen auf dem Parteitag in Erfurt: „Wir wissen, datz wir all die Hunderttausende zumeist nicht deshalb haben, weil sie sagen, das Zion der Sozialdemokratie ist nicht unser Zion, nicht darum schlictzen sie sich uns an, son- dern sie sagen: Unsere Partei ist die einzige, die für die ar- bettenden Klassen eintritt." „Und sind sie erst zu uns gekommen", sagt Bebel,«dann ist es selbstverständlich, datz sie, die anfangs nur in Hoffnung auf Vorteile und vielleicht aus nebensächlichen Ursachen sich unS schon angeschlossen haben, mehr und mehr von uns erobert werden, datz sie schlietzlich ganz Sozialdemokraten sind. Mit den wenigen, die sich klar sind. Staat und Gesellschaft zu erobern, ist daß eine reine Unmöglichkeit. Wenn Sie das glauben, dann sind Sie nichts als politische Toren."(Hört! hört!) Das sage nicht ich. sondern immer wieder unser Genosse Bebel, und ich sage, datz die Fragestellung Soztalreform oder Endziel ganz verkehrt ist. sondern logisch mutz es heitzen: Durch die soziale Reform zum Endziell (Sehr richtig!) Durch die Gewinnung der Massen z u IN E n d z l e l I Die Massen müssen gewonnen werden dadurch, datz wir systematisch, praktisch für sie tätig sind, und diese systematische, praktische Politik haben wir getrieben, ohne datz wir das Endziel ver- g e s s e n haben. ES soll einer auftreten und uns anklagen, datz wir nicht bei jeder Gelegenheit den sozialtstischen Standpunkt ver- treten haben.(Sehr richtig I) Jetzt soll nach Karl Kautsky die Budgetbewilligung eine Anerkennung des Klassenstaates sein. Das verstehe ich nicht recht. Ich mag vielleicht in solchen Dingen nicht so beschlagen sein. Den Klassenstaat müssen wir doch anerkennen; er ist doch da.(Sehr gut!) Ich mutz die Mauer anerkennen, die da ist. Der Begriff ist— m. E.— nicht ganz richtig konstruiert. Man macht dann die Formel noch weiter und sagt: Ja, zwar Mit- arbeit am Parlament, zwar Wahlen; man hat vollkommen den früheren anarchistischen Standpunkt aufgegeben und angeblich be- kämpft man auch jetzt den sogenannten anarcho-sozialistischen Standpunkt. Aber das mutz ich sagen, Klarheit besteht nicht m den Ausführungen, die z. B. Bebel in der„Neuen Zeit" entwickelt hat. Schon dadurch, datz wir in das Parlament eintreten, erkennen wir doch den Klassen st aat an.(Sehr richtig!) DaS läßt sich doch absolut nicht bestreiten. Wir sollen doch nicht bloß negieren, pro- testieren, sondern auch praktisch arbeiten. Der Standpunkt des reinen Ncgiercns ist aufgegeben worden, und da muh man sich doch die wirkungsvollste politische Macht sichern, darf man sich nicht an formalistische, kleine Gründe halten, sondern da müssen wir auch die Konsequenzen ziehen, die wir z. B. wie die Württemberg«, Badens«, Gothaer. Weimarer usw. gezogen haben. Das ist unter den gegebenen Verhältnissen notwendig. Will man daS Gegenteil, dann soll man offen und klar auftreten.(Sehr wahr!) Dann soll man reinen Tisch machen, dann soll man sagen: Der bisherige Standpunkt der Partei ist nicht aufrecht zu erhalten, und dann soll man— und die ganze Art scheint darauf hinaus- zugehen— den radikalen Standpunkt vertreten und soll sagen: Gegen jeden Parlamentarismus! Stürmische Zustimmung der Süddeutschen.) Das st die einzige logische Konsequenz.(Zuruf: Da geht es auch hin!) Und ich habe das Gefühl, wenn ich die Tatsachen heranziehe, e s steht eine große Anzahl von Parteigenossen. die 1399 und 1891 gegen die sogenannte Unabhängigkeitsbewegung 'elben Standpunkt, den da» gekämpft haben, a u f d e m s« malS die Unabhängigen eingenommen (Lebhafte Zustimmung der Süddeutschen.) haben. So liegen die Dinge in der Praxis. Und da sagt Kautsky: Wir dürfen dem Klasscnstaate keine Mittel bewilligen! Ja, was macht denn unsere Rcichstagsfraktion? Wie steht denn die zu den einzelnen Etatspositioncn? Genosse Singer, der nicht im Verdacht steht, irgendwie rechts oder links zu tanzen, sondern der gerade durch geht, hat am 19. Januar den Standpunkt vertreten, für eine vernünftige Gestaltung der Erbschafts-, Rcichseinkommen- und Vermögenssteuer würde er die Hand bieten. Bebel hat wiederholt der Klassenregierung Mittel angeboten. Sie wissen, daß seinerzeit in der Auseinandersetzung mit den Unabhängigen eine breite Debatte eingenommen seine Handlungsweise am 25. Juni 1890 im Reichstage, wo er sich bereit erklärte, für rauchloses Pulver und bessere Uniformen Mittel zu bewilligen(Hört! hört!),„weil," sagte er, „ich überzeugt bin, datz in Wahrheit eine produktivere Ausgabe nicht gemacht werden kann". Und als er sich den Unabhängigen gegenüber in Halle zu verteidigen hatte, da sagte er:„Wenn ich verhindern will, datz Ihr durch äußere Kennzeichen eine bequeme Zielscheibe für die Feinde werdet, habe ich damit irgendetwas getan, was vom Partcistandpunkt aus verwerflich wäre? Dann habe ich nichts weiter getan, als meine Bereitschaft erklärt, dafür zu sorgen, datz im nächsten Kriege nicht Tausende unserer Genossen durch die Ungeschicklichkeit der Regierung zwecklos auf die Schlacht- dank geführt werden."(Hört! hört!) Ferner sagte Singer am 13. März 1908— ich führe das nur an, um zu zeigen, datz wir in, unserer taktischen Haltung einig gehen—, datz der Standpunkt, dem Klasscnstaat keine Mittel zu bewilligen, niemals von unserer Partei vertreten worden ist.(Sehr richtig!) Singer hat die Bereitwilligkeit erklärt, zwei Millioiten für Zeppelin zu bewilligen(Hört! hört!); er hat dabei ausgeführt:„Wir sind der Ueberzcugung, datz, wenn auch vorläufig überwiegend militärische Zwecke mit dem Luftschiff verbunden sind(Hört! hört!), das Werk Zeppelins über den militärischen Zweck hinaus wissen- schaftlichen und Vcrkehrsintcrcsscn dienen und damit zu einem Kulturwerk für die ganze Welt werden wird." Also keine Rede von dem nur verneinenden Standpunkte, dem Klasscnstaat keine Mittel zu bewilligen. Und der Genosse Bebel! In der Reichs- tagssitzung vom 3. Februar d. I. wurde die Frage, unter welchen Umständen die Sozialdemokratie im Reichstage den Etat bewilligen würde, von ihm in folgender Weise beantwortet. Die sozialdemokratische Partei hatte beantragt, die Löhnung der Mannschaften zu erhöhen, und Graf Oriola sagte darauf, das sei rein agitatorisch, die Sozialdemokratie lehne ja doch schlietzlich den Etat ab. Darauf antwortete Bebel: „Wenn Sie für dringende und notwendige Aus- gaben Einnahmen in einer Form beantragen, die unsere Billigung findet, so werden wir für sie stimmen." Und unter„Hört! hört!" und Heiterkeit fuhr er fort:„Jawohl, wir werden aber niemals einem Etat unsere Zu- stimmung geben, der in der Hauptsache Einnahmen aus Lebens- mittelzöllen und indirekten Steuern auf die notwendigsten Lebens- bcdürfnissc der grotzen Masse enthält(Sehr richtig! bei den Sozial- dcmokraten)— für einen solchen Etat wird niemand von der sozialdemokratischen Partei eintreten können und eintreten dürfen bei Strafe der Vernichtung durch die Wählerschaft."(Hört! hört! bei den Süddeutschen.)„Wenn Sie also in anderer," sagt Bebel, „gerechter Weise, einerlei ob im Wege einer Einkommen-, Ver- mögcns- oder Erbschaftssteuer, mit einem Worte im Wege einer direkten Steuer, so datz auch den reichen Leuten empfindlich ge- macht wird, was der Militarismus dem deutschen Reiche kostet, wenn Sie auf diese Weise die Lasten des Reiches für Militär- zwecke aufbringen wollen, werden Sie stets unsere Unterstützung finden."(Hört! hört! bei den Süddeutschen.) Ich habe voraus- geschickt, daß dies nichts Neues, datz es immer Tradition der Partei gewesen ist. Aber wenn Karl Kautsky sagt, wir dürfen dem Klassenstaat überhaupt keine Mittel bewilligen, so beweise ich, datz der Standpunkt, den Kautsky als theoretischen ver- tritt, weit entfernt ist von der praktischen Haltung unserer Partei.(Sehr richtig!) Damals hat der„Vorwärts" einen Bericht gebracht, in dem er Bebel sagen läßt:„Dann werden wir auch für den Etat stimmen." GS hat damals keine Entrüstung in der Berlin« od« sonstigen Arbeiter- schaft gegeben. Man hat diesen Standpunkt offenbar für ganz richtig gehalten. Auch hier der praktische Bebel gegen den theoretischen Kautsky. Kein Wort davon, datz dem Klassenstaat die Mittel zu seiner Existenz verweigert werden sollten! Und heute tritt man auf und nimmt uns gegenüber einen ganz anderen Standpunkt ein! Als Vertreter des Volkes im Parlament müssen wir das Per-, trauen beanspruchen, nach bestem Wissen und Können die Int«- essen der Wähler zu vertreten. Unsere Fraktionen» können nur als Körperschaften selbständiger Männer wirken, während jede Direktive von außen ihnen den notwendigen Einfluß und die notwendige Bewegungsfreiheit nehmen müßte« (Sehr richtig! bei den Süddeutschen.) Entweder eine selbständige parlamentarische Bertreiung oder keine!(Sehr richtig! bei den Süddeutschen.) Damit steht ncch nicht im Widerspruch, datz die parlamentarischen Vertreter sich auszusetzen haben und datz sie unterstehen der Kontrolle ihrer Wähler und der zuständigen Organe, die dafür geschaffen sind, Aber wenn sie wirken wollen, dann darf die Einwirkung nicht in, der Weise geschehen, wie sie von dem verantwortlichen Organ der Partei erfolgt ist. Parteigenossen! Wenn Si« eine Direktive, schaffen wollen, die dahin gehen soll, daß die parlamen». tarischen Vertreter in irgendeiner Weise in, ihrer verantwortlichen Stellung eingeschränkt? werden sollen, dann sag« ich, gleichviel in welcher Form eK geschieht, es ist unannehmbar.(Lebhafte Zustimmung der Süd, deutschen.) Persönliche Verständigung mit allen Parteigenossen. ein versöhnliches Jnsbenehmcnfetzcn, Verständigung in loyaler Weise— aber keine Herrscher«nd Beherrschten! (Lebhafter Beifall der Süddeutschen.) Kein Einfluß, gleichviel! von wem er auch sei. Dagegen werden wir uns auch aus demo-, kratischen Gründen aufs äußerste und entschiedenste wcndenv (Stürmischer Beifall der Süddeutschen.) Der verstorbene Drees- bach hat unmittelbar nach Lübeck die Unterstellung, als ob seine Fraktion durch den Parteitag gezwungen gegen da» Budget stimmen, werde, im badischen Landtage mit Entrüstung zurückgewiesen. Dreesbach hat damals namens seiner Fraktion erklärt, sie würden kein Mandat annehmen, für das sie eine Direktive von außen be- kämen, noch einen Beschluß fassen, der gegen ihre Uebcrzeugung sei. Unter der ganzen Fraktion war damals auch der Parteigenosse Adolf Geck.(Hört! hört!) Wir alle stehen auf demselben Stand- Punkt, und dieser Standpunkt liegt im Interesse der Partei und im Interesse der Arbeiterklasse. Er steht auch nicht im Widerspruch mit der Theorie dcS Klassenkampfes. Wir wollen die politische Macht erobern. Schon in der Taktikresolution des Erfurter Partei- tages wird scharf betont, die Eroberung der politischen Macht kann nicht das Werk eines Augenblickes, die Frucht einer momentan ge- lungenen Ueberrumpelung der Gegner sein, sondern ist nur durch zähe und ausdauernde Arbeit und geschickte Benutzung aller Mittel und Wege, die sich der Propasianda unserer Ideen bieten, zu er- langen. Wer sicb zu diesem Grundsatz bekennt, mutz seinen polt- tischen Einfluß einsetzen. Er mutz daran arbeiten, daß von innen heraus schon eine Umgestaltung dcS Klasscnstaates stattfindet. Ich habe früher auch auf einem anderen Standpunkte gestanden, habe die Resolution auf dem Frankfurter Parteitag mit unterschrieben. DaS kann man mir doch aber nicht zum Vorwurf machen. Auch Matutat, der auch in Berlin war, hat sich in Württemberg überzeugen Nlüssen, daß der Ständpunkt falsch Kar. Auch Auer hat mit unterschrieben und hat den schärfsten Standpunkt einge- nommen und hat diesen Standpunkt dann geändert. In Dresden stellte Bebel fest, daß in Frankfurt die stärkste Rede gegen Wollmar Auer gehalten hat.„Heute," meinte Bebel,„würde er diese Rede wohl nicht mehr halten," und Auer sagte dazu,„sehr richtig I" Also Auer, der doch ein kühler Kopf war, und dem Sie doch das Zeugnis ausstellen müssen, daß er wußte, was er wollte, hat diesen Stand- Punkt nicht mehr aufrecht erhalten können. Und, Parteigenossen, aus der Erkenntnis der Verhältnisse habe auch ihn nicht mehr aufrechterhalten können. Da ist das eine Sache der politischen Ehr- lichkeit, daß ich das hier erkläre.(Beifall bei den Süddeutschen.) Es wird jeder seinen Standpunkt in diesen Dingen ändern können, und wenn ich das tue, so verwahre ich mich dagegen, Par- tikularist in irgendeiner Weise zu sein. Ich wüßte nicht wie und ich wüßte nicht wo. Unter solchen Umständen, wie sie in Bayern liegen, gibt es nichts anderes, als den Standpunkt, den wir einge- nommen haben. Die vom Parteivorstand eingebrachte Resolution ist für uns einfach unannehmbar. Ich sehe ganz von der mißbilligenden Form ab. Eine Mehrheit kann nicht überzeugen, sie kann sagen: Eure Gründe erkennen wir nicht an, wir müssen sie mißbilligen. Das begreife ich, aber die Resolution enthält Worte, die sachlich unhaltbar sind. Sie kann nur so aufgefaßt werden, daß die Sozialdemokratie nur dann, wenn sie die Mehrheit hat, einem Budget zustimmen kann. Nehmen Sie folgenden Fall: Es gelingt uns in Bayern, eine große Anzahl von Forderungen durchzusetzen, für deren Ablehnung wir nicht die Verantwortung übernehmen können. Nun müssen wir doch wissen, wie unsere Gegner stimmen. Wir haben die größten Schwierig- leiten mit den Bauernbündlern, nach deren Meinung die Arbeiter schon zudiel erhalten. Diese könnten beschließen, gegen das Bud- get zu stimmen, um dke Errungenschast für die Arbeiter zu Fall zu bringen. Sie würden sich sagen: Die Sozialdemokraten müssen mit uns stimmen, sie sind doch an Nürnberg gebunden. Können Sie uns in so unnatürlicher Weise binden? Und würden wir wirklich dafür stimmen, dann würde— es wird ja nicht geprüft; man läßt dann die Genossen nicht mehr zum Worte kommen, es wird gleich verurteilt von dem Zentralorgan, wo doch Leute mit juristischer Bildung sitzen, die eigentlich wissen müßten, daß man erst den anderen Teil hören mutz— dann würde man uns also Parteifrondeure und schlimmeres nennen, und wir hätten wieder einen Krach. Diese Sache machen wir nicht noch ein- mal mit.(Lebhafte Zustimmung bei den Budgetbewilligern.) Deshakb ist diese Resolution für uns völlig un- annehmbar. Dereinzige Weg, auf dem wir uns finden können, ist, daß Sie in loyaler Weise die Lübecker Re- sokution auslegen. Sie müssen deshalb von dem V e r- langen der Unterwerfung und von der ewigen Re- solutionsmacherei, die nur immer zu neuen Schwierig- keiten führt, abstehen. Wir müssen endlich zum gegenseitigen Ver- trauen kommen, das Vertrauen in der Partei ist viel wesentlicher als alle Resolutionen.(Zustimmung.) Sie dürfen die Sache nicht vom Standpunkt der Herrschenden auffassen, sondern müssen uns als gleichberechtigte Körper- schaft betrachten. Es darf bei uns nicht alles nach augenblicklichen Stimmungen gehen, danach, wie der oder der aufgelegt ist. Unsere Politik geht ja auch heute nach den Stimmungen, die hier und da herrschen, die ganzen Debatten ent- stehen dadurch, daß von irgendeiner unverantwort- licheN Seite die Brandfackel angezündet wird, und dann haben wir den Parteikrakeel, heute wegen der Budgetfrage, morgen vielleicht wegen der Konsumvereinsfrage, einer Gewerkschaftsfrage oder der Maifeier. Und das alles in so verbissener Form, daß da- gegen keine Resolution schützen kann.— Die Dinge werden erst anders werden, wenn wir zueinander Vertrauen haben. Liebknecht hat in Erfurt mit Stecht gesagt:„Das Revolutionäre liegt nicht in den Mitteln, sondern im Ziel. Der beste Beweis für die Aichig- keit der Taktik ist hier erbracht und unsere Taktik hat sich herrlich bewährt." Die Budgetablehnung stellt man als etwas besonders Radikales hin, während sie doch nur eine Waffe ist, die wir wie das Eintreten für den Freihandel dem Liberalismus entlehnt haben. Nein, sie ist nichts Radikales, sie ist einfach eine Frage der Taktik. (Sehr richtig!) Das hat auch Genosse Bebel in Frankfurt zuge- standen, als er sagte: Man kann sehr wohl, das verstehe ich, zu der Ansicht kommen, daß es sich hier nur um ein« Frage der Taktik und nicht um eine Frage des Prinzips handelt. Haben wir doch in Sachsen ursprünglich eine andere Taktik geübt als gegenwärtig." Und im übrigen hat sich auch die Genossin Zetkin namentlich auf den Standpunkt gestellt, daß es sich um eine taktische Frage handelt. Taktische Fragen aber entscheidet man nur nach ihrer Zweckmäßigkeit. Darauf legt man sich nicht fest und läßt sich nicht darauf festlegen, soweit man überhaupt noch im Interesse der Arbeiterschaft für die Partei tätig sein will.(Sehr richtig!) Die Gestaltung der parlamentarischen Tätigkeit in den einzelnen Landesteilen muß man der zuständigen Landesorganisation über- lassen. Sie allein verfügt über die nötige Kenntnis der Verhältnisse. Der Parteitag sollte sich darauf be- schränken, Ratschläge zu geben. Ich bin selbst dafür, daß wir alle im engen Kontakt bleiben, und wenn der Parteivorstand seine Tätigkeit für die Partei ernst aufsüßt, so soll er ein Interesse daran haben, sich über die Taktik in den verschiedensten Landes- teilen zu informieren. Eine solche freundschaftliche Fühlung ist sehr wünschenswert und viel wichtiger als eine Resolution. Ich bin gewiß kein Partikularist, die Sache ist ja beinahe ins Lächer- liche gezogen worden. Ich habe in meiner Tätigkeit in Preußen so viel erfahren, daß ich voll die große Opfcrwilligkeit unserer nord- deutschen Genossen anerkenne. Obwohl die bayerischen Genossen auch opferwillig sind, habe ich den bayerischen Genossen öfter die Berliner als Muster der Opferwilligkeit vorgehalten. Es ist nicht zu verkennen, daß die Norddeutschen unter schwierigen Verhält- nissen arbeiten, aber auch an der Berliner Tätigkeit gefällt mir manches nicht. Als z. B. bei dem Landtagswahlkampf von gewisser Seite von Schulstrcik und Steuerverweigerung gesprochen wurde, da habe ich doch einige Fragezeichen dahinter gemacht. Ich habe das Gefühl, daß vielleicht doch eine andere Taktik hätte heraus- kommen müssen, aber ich maße mir darüber kein endgültiges Urteil zu. Keiner von uns hat es für angebracht gehalten, die Berliner wegen ihrer Tätigkeit irgendwie anzugreifen. Aber auch die Berliner Genossen müssen lernen, daß bei der Vielgestaltigkeit der Verhältnisse in den verschiedenen Staaten mit ganz anderen tak- tischen Mitteln gekämpft werden muß. Sie tun unserer großen Sache einen viel besseren Dienst, wenn sie, was an demokratischen Errungenschaften in den süddeutschen Staaten errungen ist, auch für ihre Staaten durchführen. Sie sollten es nicht machen wie Kautsky, der, vielleicht in der besten theoretischen Meinung, von oben herab über die süddeutschen Errungenschaften geurteilt hat, als ob das gar nichts wäre. Wenn die Auffassung von der politischen Gemütlichkeit im Süden die richtige wäre, dann hätte ja der Junker Oldenburg in Preußen und der Liberale Hehl in Hessen recht, wenn sie sich gegen die politische Freiheit wenden. Unsere Fortschritte im Süden haben doch dazu gefuhrt, daß der Staatsstreich bei uns in Deutsch- land vermieden worden ist. Die Brutalität der preußischen Junker würde ohne dlese Erfolge viel weiter gehen.(Sehr richtig!) Auf demselben Standpunkt steht Bebel, den ich hier wieder gegen Kautsky ausspielen mutz. Am 22. März hat Bebel im Reichstage erklärt, Bülow sei kein Staatsmann, aber Prinz Ludwig von Bayern sei ein Staatsmann.(Heiterkeit.) Am 24. März sagle Bebel, ohne Preußen wäre Deutschland das fortgeschrittenste Land der Welt.(Große Heiterkeit.) Wenn das richtig ist, muß Ihre politische Taktik eine andere werden. Sie darf sich nicht darauf beschränken, uns nur zu kommandieren, Sie müssen mit uns zu einer Verständigung kommen. Im Wahlrechtskampfe sind uns auch große Schwierigkeiten durch die Haltung der Norddeutschen er- wachseti, die ütrsere Haltung nicht verstehen konnten. Damals hat man uns immer den vernünftigeren Bebel vorgehalten. Alle diese Umstände sollten zu einer ruhigeren, vernünftigeren Beurteilung der Sachlage zwingen. Aus unserem Erfolge geht doch klar her- vor, daß auch wir etwas vom Sozialismus im allgemeinen und auch etwas von den Bedingungen des politischen Kampfes im besonderen verstehen. Wir können uns daher nicht Ihren Willen zum Schaden unserer Bewegung aufzwingen lassen. Eine Resolution, wie Sie sie unS vorschlagen, würde— ich spreche das in aller Ruhe aus— für uns unannehmbar fein. Hier gibt es keine Unterwerfung, sondern nur den entschiedensten Widerstand. Wir hoffen aber, daß Sie es nicht bis zum Aeußerstcn kommen lassen werden. Unsere Erklärungen werden Ihnen eine andere Kenntnis von den Dingen gegeben haben. Sie dürfen sich in diesem Augenblicke, wo es sich um die fernere Geschlossenheit der Partei handelt, nicht darauf stützen, daß Sie be- reits gebunden sind. Sie müssen als freie Sozial- demokraten handeln und den Mut haben, Ihre, nach reif- licher Erwägung gewonnene, vielleicht anders als bisher geartete Beurteilung der Streitfrage vor Ihren Genossen zu vertreten, wenn Sie der Wahrheit einen Dienst leisten und wenn Sie den mutwillig heraufbeschworenen Partei st reit (große stürmische Unruhe; Sehr richtig! bei den Süddeutschen)(mit erhobener Stimme)... den mutwillig heraufbeschworenen Partei st reit (stürmischer Beifall bei den Süddeutschen; er- neuter st ürmi scher Widerspruch) und den damit be- gangencn Fehler wieder gutmachen wollen,— das sage ich in aller Ruhe— dann setzen Sie die Partei keiner Kraftprobe aus, ver- trauen Sie vielmehr uns, wie wir Ihnen vertrauen, daß wir, wie Sie, das Beste der Partei im Auge haben, und daß ein jeder in der Partei am besten die einzelnen taktischen Maßnahmen kennen und treffen wird, die unserer gemeinsamen großen Sache dienen sollen.(Wiederholter lebhafter Beifall bei den Anhängern der Budgetbewilligung und einem Teile des Publikums.) Singer: Ich bin jetzt in der Lage, dem Parteitage Mitteilung zu machen von dem zahlenmäßigen Resultat der gestrigen Wahl in Speyer-Ludwigshafcn. Binder hat 21 937 Stimmen bekommen, der bürgerliche Kandidat Buhl 12 697.(Lebhaftes Bravo.) Die Sozialdemokratie hat mehr als 3999 Stimmen gewonnen, der Block 1999 verloren.(Erneutes lebhaftes Bravo.) Hierauf wird debattelos beschlossen, von dem für Donnerstag nachmittag geplanten Ausflug in die Fränkische Schweiz Abstand zu nehmen, und zwar wegen der Geschäftslage. Die Verhandlungen werden sodann auf Nachmittag vertagt. Nachmittdgsfitzung. Singer eröffnet die Sitzung um 3 Uhr und bringt zwei geschäfts- ordnungsmäßige Anträge zur Abstimmung. Ein Antrag Rudolph« Frankfurt a. M. verlangt eine Redezeit von 39 Minuten für je einen Vertreter der Minorität der bayerischen und badischen Landtagssraktion. Der Antrag wird angenommen. Es werden das die Genossen: Simon- Nürnberg und Eichhorn sein. Der andere Antrag von W e l S verlangt, daß in der Diskussion abwechselnd je ein Befürworter und ein Gegner der Vorstandsresolution zu Worte komme. Wcls-Berlin führt aus, daß bis zum Schlüsse der Bebelfchen Rede bereits 76 Wortmeldungen vorlagen, davon die ersten 31 mit ganz geringen Ausnahmen von Anhängern der Budgetbewilligung. Segitz-Fürth: Ich hätte an sich gar nichts dagegen, kann mir aber nicht vorstellen, wie das gemacht werden soll, wer entscheidet, ob für oder gegen. Es gibt auch noch andere Resolutionen wie die des Vorstandes. Singer: Die Redner selbst erklären durch Meldung beim Bureau, ob sie für die Annahme der Vorstandsresolution sind oder nicht. Dabei haben sie volle Freiheit, in ihrer Rede auch die an- deren Resolutionen zu behandeln. Ulrich-Offenbach: Wenn es sicher ist, daß die Reihenfolge der Wortmeldungen sonst maßgebend ish können wir den Vorschlag akzeptieren. In dieser Loraussetzung wird der Antrag angenommen. Dr. Frank-Mannheim: Daß so viele Abgeordnete und Vertrauensleute der Partei aus Süddeutschland nahezu einmütig in der vorliegenden Streitfrage vor Ihnen stehen, hat manchen unter Ihnen— ich weiß es— bedenklich gemacht und zur Vorsicht gemahnt.(Zuruf: Oder nicht!) Denn jedes Wort der Beschimpfung oder Bedrohung, das gegen uns sogenannte Disziplinbrecher geschleudert worden ist, fiel und fällt zurück auf die Arbeiterklasse selber.(Zuruf: Machen Sie uns bloß nicht graulig!) DaS Proletariat will eine Welt gewinnen und gestalten und soll nach der Meinung mancher Leute nicht imstande sein, ein paar Dutzend Abgeordnete und Vertrauensleute richtig auszuwählen. Wenn man bloß die„Leipziger Volkszeitung" liest, muß man zu der Ueberzeugung kommen, daß in Süddeutschland planmäßig lediglich die Verräter und die Kretins in den Landtag geschickt werden, während die Klassenbewußten daheim bleiben. Wie erklärt sich denn die Einmütigkeit der süddeutschen Genossen? Ein Teil jener Leute, die das Gras des historischen Materialismus wachsen hören, hat eS sich in dieser Frage ideologisch sehr leicht gemacht. Man sprach von Minierern und Verschwörern, die ihren Einfluß geltend gemacht hätten. Die„Neue Zeit" hingegen hat versucht, uns wissenschaftlich gerecht zu werden. Sie hat unsere Rückständigkeit zu erklären versucht aus der Betriebsstatistik. Ich will auf dieses Gebiet, das mancher von uns als wissenschaftliche Spielerei be- trachtet,(Sehr richtig!) heute nicht folgen, ich will auch nicht in den Streit darüber eintreten, welche Kultur die wertvollere ist, die nord- deutsche oder die süddeutsche, denn darüber sind wir uns alle einig, daß das Protetariat im Norden wie im Süden sich seinen Anteil an der Kultur erst erst erobern muß. Es waren— ich versichere Sie— keine revisionistischen Verschwörer, die uns beeinflußt haben. Wir sind nicht wie die Kinder hinter dem Nattenfänger von Hameln hinter irgend einem Menschen unter dämonischem Einfluß hergelaufen, und eS war auch kein bayerischer oder Berliner Hiesel, der uns den Dolch auf die Brust gesetzt hat. Ich versichere Sie, unser Einschluß war hervorgegangen aus ernsten. sachlichen Beratungen. Wir waren der Meinung, um ein Wort des alten Liebknecht zu gebrauchen, daß das Parteiprogramm mit den erläuternden Parteibeschlüssen kein papierner Papst sei, sondern daß wir berechtigt> und verpflichtet seien, selber zu denken nnd z u prüfen. dann aber auch zu handeln.(Sehr gut I) Des- ivegen haben wir den Anspruch, daß Sie anerkennen, wir hätten mit unserem Vorgehen keinerlei Disziplinbruch getan oder beabsichtigt. Was wir gewollt oder getan haben, war der Ausfluß unseres parteigenössischen Pflichtbewußtseins, und des- halb werden wir zu unserem Beschluß und zu unserer Ncberzcugung stehe» wie Männer.(Lebhafter Beifall bei den Süddeutschen.) Unser H a n d e l n ist nach unserer Ueberzeugung der Ausfluß unserer B efteili g ung am parlamentarischen Leben überhaupt.(Sehr wahr!) Deshalb haben diejenigen, die uns be- kämpfen, ganz konsequent dazu kommen müssen, daß sie zunächst den Wert und die Bedeutung des Parlamentarismus überhaupt herabzusetzen suchten.(Sehr richtig!) Es ist dieselbe Weise und derselbe Text, wie er im Jahre 1699 und 1389 von den Berliner Jungen gesungen worden ist. (Sehr richtig!) Dieselbe Kampfmethode auch. Es wird zunächst prophezeit, daß die Versumpfung der Partei eintrete, und außerdem werden die Massen mißtrauisch gemacht gegen die Führer in ge- hobener Lebensstellung.(Sehr richtig l) Ein Unterschied, cm wichtiger:� 1L99 richleten die Berliner ihre vergifteten Pfeile gegen die Genossen Liebknecht und Bebel und die ganze Parteileitung. (Stadthagen: Die Berliner?) Die damaligen Berliner ja! (Stadthagen: Donnerwetter I) Heute ist leider der Partei- vorstand der Fahnenträger der Berliner geworden.(Lachen.) Ich habe mich, wem Ihnen baS komisch klingt, milde auZgedrlllK. ES gibt auch Leute, die meinen, der Parteivorfiand sei der Gefangene der Berliner. (Stürmisches Gelächter; lebhafte Zustimmung.) Wenn wir zu det Auffassung gekommen sind, daß das so ist, so will ich das nicht zum Anlaß nehmen, hier Vorwürfe gegen den Parteivorstand zu erheben. Aber eines muß und wird gesagt werden: diese D e b a t t c ist Haupt- sächlich so vergiftet worden, weil ein Teil der Genossen, und nicht der schlechteste, in der irrtümlichen Meinung lvar, es handle sich um ein Komplott gegen die Einheit der Partei. Gerade Leute, die in der Sache uns recht gaben, haben gemeint, sie lassen in dem Punkte nicht mit sich spaßen, wenn die Partei, mit der sie verwachsen seien, angegriffen werden soll. Es ist im„Vorwärts" und in anderen Blättern fort und fort die Rede gewesen von der „Geheimkonferenz", in der der schwarze Plan ausgeheckt sei. Und da haben wir nun gewartet und erwartet, daß aus der Mitte des Parteivorstandes heraus, der eS besser wissen mußte, ein Wort dagegen gesprochen würde.(Zuruf von Molkenbuhr.) Sie haben ketne Auskunft gebraucht, Genosse Molkenbuhr. Wenden Sie sich nur an Ihren Kollegen Pfannkuch. Ich frage drn Genossen Pfattttkuch wiederholt: Waren Sie nicht dabei in Würzburg auf der Abgeordnetettkottferenz. als in Ihrer Anwesenheil— ohne Ihren Widerspruch— beschlossen wurde, daß die süddeutschen Ab- geordneten in Stuttgart zusammen kommen wollten, um d i e Budgetfrage zu erörtern? Gleichzeitig wurde beschlossen, daß auf dieser Stuttgarter Konferenz lediglich eine Aussprache statt- finden würde, daß aber keinerlei Beschlüsse gefaßt werden dürften. Das hat Pfannkuch gewußt, das hat der Partei- Vorstand gewußt, und wir sind der Meinung, daß ein Partei- vorstand,-der die Einheit und Geschlossenheit der Partei unter allen Umständen als das Höchste ansieht, die Pflicht gehabt hätte, von dieser wichtigen Tatsache dem„Vorwärts", dem er nahe steht, Mitteilung zu machen.(Pfannkuch: Haben Sie beschlossen, wann die Konferenz stattfinden sollte?— Müller: Sind wir ein- geladen worden?) Ich habe mich deutlich genug ausgedrückt. Wenn Pfannkuch auch nur entfernt den Wunsch geäußert hätte(Lebhaftes Ha!)— es war in Würzbttrg, als wir den Parteivorstand hinzu- gezogen haben, eine preußische Angelegenheit und damit eine deuftche Angelegenheit, für die, wie wir glaubten, der Parleiporstattd mit uns Interesse hat. Was hat er geantwortet? Wenn einer von uns abkommen kann, wird er da sein.(Hört! hört!) Wir konnten nach dieser hingeworfenen Bemerkung nicht ahnen, daß der Parteivorstand Wert darauf legt, unseren Auseinandersetzungen beizuwohnen.(Lebhafte Zurufe aus der Mitte der Delegierten.) Ich gebe es vollständig auf, Ströbel vom Gegenteil zu über- zeugen, aber es würde mich interessieren zu erfahren, ob die „Vorwärts"- Redaktion und auch Ströbel von dieser Tatsache etwas gewußt hat.(Zuruf: Ströbel hat gar nichts gesagt!— Ströbel ruft:„Es ist eine Infamie, mir das zu unterschieben!") Singer: Ich kann nur dringend raten, die Verhandlungen nicht durch unnütze Zwischenrufe lebendiger zu gestalten.(Zuruf: Sticht provozieren I) Bis jetzt hat der Redner nichts gesagt, was Anlaß zum Einschreiten gegeben hätte. Ich bitte also, Stühe zu halten und die Situation nicht noch zu verschärfen. Frank(fortfahrend) Von der Gewohnheit, scharfe Worte gegen Parteigenossen zu gebrauchen, ist der„Vorwärts"- Redakteur Ströbel auch hier nicht abgegangen. Er hat mir Infamie vorgeworfen, weil ich ihn fragte, ob er von dieser, meiner Meinung nach wesentlichen Tatsache etwas gewußt hat. Ich hätte lieber ein„Nein" gehört. Das Gedankenschema, nach dem man die Süddeutschen be- urteilt und verurteilt, ist sehr einfach. Man sagt: Der heutige Staat ist ein Herrschaftsinstrument der besitzenden Klassen. Das Parlament dient dem gleichen Zwecke, also kann für die unter- drückte arbeitende revolutionäre Klasse das Parlament im wcsent- lichen nur dem Zwecke der Agitation und Demonstration dienen. Wenn diese Anschauung Sie wirklich beherrschte, hätinr S i e bitter Unrecht getan, als Sie die Anarcho- sozialisten aus der Partei herausdrängten. Denn dann wäre Ihr geistiger Vater der frühere Genosse Dr. Friedeberg. Wir anderen aber konnten eS nicht ver- stehen, wenn Sie für diesen wertlosen Parlamentaris- mus Opfer bringen wollten. Wir können dann nicht be- greifen, warum Sie auf die Straße steigen und Freiheit und Leben wagen wollen, bloß um die Bahn frei zu halten für den parlamentarischen Kretinismus. Wir sind überzeugt, daß die meisten der deutschen Arbeiter anders denken, und wir sind über- zeugt, datz Lassalle die Stimmung der deutschen Arbeiter viel besser getroffen hat, wenn er den Leipziger und damit den deutschen Arbeitern zurief:„Ihnen, meine Herren, den notleidenden Klassen, gehört der Staat, denn aus Ihnen besteht er." Lassalle hat weiter gesagt, das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht sei die Grund- bedingung aller sozialen Hilfe und das einzige Mittel, um die materielle Lage der Arbeiter zu verbessern. Wir wissen heute, datz durch die Arbeit in den Gewerk» s ch a f t e n und Genossenschaften der parlamen- tarischen Arbeit' erst Rückhalt und Kraft gegeben wird. Aber wir sind überzeugt, datz durch das Zusammenwirken dieser drei Faktoren die materielle und geistige Lage der Arbeiter- klaffe gehoben werden kann, zum Teil schon gehoben worden ist. Die zähe rastlose Kleinarbeit der Gewerkschaften wäre überflüssig und sinnlos, wenn sie der Ansicht wärest, datz es geschichtlich un- möglich ist, die Löhne der Arbeiter über das unbedingt notwendige Existenzminimum herauszuheben; das eherne Lohngesetz hat sich als unhaltbar erwiesen. Wenn Sie aber sagen, das sei dem Parlamentarismus geschichtlich unmöglich, so würden Sie damit das überwundene eherne Lohngesetz aus dem Gebiete der Oekonomie übertragen in das Felo der Politik. Wenn Sie � aber mit uns der Uebcr- zeugungsind, datz eine gewisse Besserung durch positive Arbeit möglich ist, dann dürfen Sie uns nicht unerträg- liche Fesseln dadurch anlegen, datz Sie einen dauernden Zwang zur Ablehnung des Gesamtb tidgets statuieren. Ich appelliere an diejenigen, die den Klassenkamps täglich führen, nicht blotz im Munde— an die Gewerkschaften. (Sehr gut.) Sie verhandeln wochenlang, monatelang mit den Unternehmern um Pfennige, und am Ende ihrer Tätigkeit prüfen sie die gesamte Lage des Gewerbes, ihre wirtschaftliche Lage über» Haupt, und untersuchen, ob sie danach zu dem Tarifvorschlag ja oder nein sagen sollen. Wenn ihnen dann jemand zumuten wollte, sie dürften zwar den Tarif Posten für Posten durchberaten, wären aber gezwungen, am Schlüsse unter allen Umständen nein zu sagen Uautcs Lachen. Rufe: Lächerlich!)--. Man sagt. durch Annahme des Gesamtbudgets würden wir den Klassenstaat anerkennen und ihm die Mittel bewilligen. Mein Freund Timm hat Ihnen schon gesagt, datz der Staat eine Tatsache ist, mit oder ohne Anerkenntnis. Wir wollen diesen Staat umformen und erobern. �aS geschieht nicht dadurch, datz man mechanisch von Zeit nein sagt, sondern durch zähe andauernde Arbeit.(Sehr rtchtig.) Mein Beispiel über den Tarifvertrag hat Ihre Heiterkeit erregt, aber vergessen Sie nicht: Es lätzt sich nicht leugnen, datz ;eder Gewerkschaftler, der einen Tarifvertrag mit dem Unter- nehmcr abschlietzt, damit die Tatsache anerkennt, datz für die Ver- tragszeit die auf Ausbeutung beruhende gesellschaftliche Ordnuna noch besteht, datz sie eine Tatsache ist.(Lachen.) Nach unserer Meinung ist das, was wir eben tun, ein echt deutscher Streit um eine Zeremonie, um ein Nichts. Es soll der Staat gewissermatzen in der Idee verneint werden. Als wenn dadiklch von dem Gebäude des Staates nur ein Sternchen verrückt wird.(Sehr wahr!) Wiegt es dem- gegenüber nicht schwerer, wenn eine so grosse Zahl süddeutscher Parteigenossen von dem Zwange zur Ablehnung des Budgets schwere Nachteile befürchten? Ist es nicht merkwürdig, datz gerade diejenigen deutschen Länder, in denen man Erfahrungen gesammeU Ijaf, gegen die Bindung auftreten? In Preußen haben Sie eS leicht gehabt; ihren Landtagsabgcordneten sind innere und äußere Kämpfe erspart geblieben, sie haben noch keine gehabt. Sie wissen, daß unZ Süddeutschen Ihr preußischer Wahlkampf eine ernste Sache ist, über die wir nicht lachen, und wenn ich eben konstatierte, daß es Ihnen leicht geworden sei, in dieser Frage radikal aus- sehende Regeln aufzustellen, so bitte ich Sie, daß Sie das als Aus- flutz eines ernsten Bestrebens um das Gedeihen der Partei auf- fassen.(Sehr gut!) Wir haben die feste Ueberzeugung, daß der Konflikt, in dem wir stehen, lediglich ein Ausfluß der Tatsache ist, daß die Preußen bisher ein allgemeines, gleiches und direktes Wahlrecht nicht besitzen. Hätten sie ein anständiges Wahlrecht und eine der Stärke des preußischen Proletariats entsprechende Vertretung, dann würde zweifellos auch für Preußen der Tag von Damaskus kommen und aus dem Saulus Singer würde ein Paulus werden. Sie haben sich und andere in eine Aufregung hineingeredet durch die Behauptung, daß wir einen Disziplin- b r u ch begangen hätten, und von Leipzig aus kam die Anklage des Parteihochverrats— man merkt die Nähe des Reichs- gcrichts.(Große Heiterkeit.) Wenn wirklich ein Disziplinbruch vorgelegen hätte, wäre das etwas so Unerhörtes gewesen? Die ganze Geschichte der Partei, der ganze Weg, den wir machen, sind geradezu besät mit Disziplinbrüchen.(Sehr richtig! Frohme: Von Anfang an!) Sie wissen, daß der Parteileitung in Halle von den„Jungen" der Vorwurf gemacht wurde, daß s i e St. Gallen nicht gehalten hatte, durch den Kom- St. Gallen nicht gehalten hätten, durch den Kom- promisse zur Unterstützung bürgerlicher Parteien verboten waren. Die Fraktion hat das Gegenteil getan, und damals waren die Attentäter Bebel, Liebknecht u. a. Sie haben sich nicht ge- scheut, zu sagen: Ja, wir haben gegen einen Parteitagsbeschluß gehandelt, aber wir glaubten damit dem Interesse der Partei zu dienen. Dann später 1902 wurde in München nach leidenschaftlich klingenden Reden Bebels beschlossen, dem bürgerlichen Kandidaten, der sich um unsere Stimmen bewerbe, eine ganze Anzahl verfäng- lichcr Fragen vorzulegen. Was ist daraus geworden? Zeigen Sie uns einen bürgerlichen Abgeordneten, dem diese Fragen wirk- lich vorgelegt worden sind. Sie werden das nicht können; hm- gegen können wir Ihnen bürgerliche Abgeordnete zeigen, die damals mit unserer parteigenössischen Hilfe gewählt worden sind, unter Verleugnung i>es Münchener Beschlusses. Und ist es nicht weiter von einem Parteitage beschlossen worden, daß die Leipziger die Pflicht hätten, sich an den Landtagswahlen zu beteiligen? Wer war es denn, der diesen Beschluß miß- achtete und die Fahne der Rebellion dagegen aufpflanzte? Das waren die Leipziger!(Zurufe.) Ich weiß schon, daß es etwas anderes ist, ob ein Disziplinbruch in Leipzig erfolgt oder in Süd- deutschland.(Sehr gut! und Heiterkeit.). Wir sind überzeugt, daß wir einen Disziplinbruch nicht begangen haben, daß zwingende Gründe im Sinne deS Lübecker Beschlusses für uns vorlagen. Welche Gründe das waren, will ich Ihnen kurz auseinandersetzen: Das meiste hat Timm schon gesagt. Eines will ich vorausschicken: Das, was an dieser Parteidebatte das Bc- dauerlichste ist, ist die Tatsache, daß wir durch die Angriffe provo- ziert und gezwungen worden sind, zu unserem Bedauern in ge- wissem Maße unsere Regierung zu loben.(Sehr richtig!) Unsere temperamentvolle Genossin von der Frauenkonferenz möge es mir nicht verübeln, wenn ich ein sehr ungalantes russisches Sprich- wort anführe: Behandle Deine Frau wie einen Apfelbaum, schüttle sie! Wir wenden dieses Sprichwort auf unsere Regierung an, man muß sie schütteln, damit die Früchte herabfallen, und deshalb bedauern wir. daß wir gezwungen sind, sie in gewissem Rahmen hier zu loben. Sie wissen, daß wir der badischen Re- gicrung nicht Vertrauen, sondern Mißtrauen ausgesprochen haben, aber wir bestreiten nicht, daß durch manche politischen Vorkomm- nisse und Zugeständnisse die Stimmung für die Budgetbewilligung geschaffen worden ist. Ich will das ein für allemal vorausschicken: Wir wissen, daß es bescheidene Errungenschaften sind, und daß ein moderner Staat, wenn er seine Interessen recht verstände, tausendmal mehr bewilligen müßte. Aber wir wissen auch, daß kein bürgerlicher Staat der Arbeiterschaft von allein etwas heraus- gibt, alles muß erkämpft werden.(Sehr richtig!) Wir haben in Baden während dieser Tagung erreicht, daß die Organisation der Staatseisenbahnarbeiter ausdrücklich an- erkannt i st. Die Regierung hat sich verpflichtet, in wichtigen Fällen s i ch direkt mit den Organisations- leitcrn in Verbindung zu setzen, während sie früher er- klärte, sie verhandele lediglich mit den Arbeitern oder deren Aus- schüssen. Gewiß wird dadurch der Klassenstaat nicht aus den Angeln gehoben, aber wenn wir damit vergleichen, daß in Preußen die Eisenbahnarbeiter verhindert werden, sich einer Organisation anzuschließen, daß nicht einmal die Frauen der Eisenbahnarbeiter einem Konsumverein angehören dürfen, dann haben wir docb Grund zu sagen, daß etwas erreicht worden ist. Weiter ist uns die Zusage gemacht worden, daß in den Eise nb ahnrat. der allerdings nur beratende Stimme hat. die Arbeiter als ge- werkschaftliche Vertreter zugezogen werden. Das ist jedenfalls ein Ausfluß der Erkenntnis, daß die Macht der Arbeiterklasse Gleichberechtigung und Berücksichtigung auf allen Gebieten des staatlichen Lebens erfordert. Weiter ist von der Regierung bei wichtigen Fragen z. B. bei dem Entwurf über die Arbeitskammern ein Gutachten der freien Ge- werkschaften eingeholt worden. Unser Fabrikinspektor und der Minister von Bodmann, der gegen uns die Hetzreden gehalten hat, haben sich in der Kammer ausdrücklich auf den Standpunkt gestellt, den die freien Gewerkschaften dem Entwurf gegenüber eingenommen haben. Er hat sich für das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht für alle Arbeiter über 21 Jahre ohne Unterschied des Geschlechtes erklärt(Hört! hört!) und hat diesen Standpunkt unzweifelhaft im Bundesrate vertreten. Es ist weiter in der Kammer durch den Fabrikinspektor unter Zustimmung des Ministers erklärt worden, daß sie es ablehnen müßten, die christlich-nationale Arbeiterbewegung zu emp- fehlen auf Kosten der freien Gewerkfchaften. (Hört! hört!) Endlich können wir auf den badischen Bahnhöfen die badische Parteipresse verkaufen. Ich weiß, daß bei der Wertschätzung, die unsere süddeutsche Partei- presse in den meisten Kreisen genießt, dies nicht besonders wertvoll erscheinen mag.(Heiterkeit.) Aber für uns hat eS den Wert, daß wir dadurch bcweifen: Wir sind auf dem Wege zur vollen bürgerlichen Gleichberechtigung. Nun war aber der Grund zur Budgetbewilligung nicht zu suchen in den kleinen Zugeständnissen an unsere Landtagstätigkeit, sondern der Grund war der: Es war im letzten Landtag eine wesentlich e Erhöhung der Ar- beiterlöhne und Beamtengehälter zugesagt wor- den. Es ist nicht so. daß bloß Gendarmen und Staatsanwälte davon Nutzen haben, wie ein norddeutsches Blatt schrieb, es waren Tausende von Eisenbahnarbcitern, Wcgearbcitern, Burcaudienern, lauter arme Teufel, Proletarier, die wir gewinnen wollen und können. Im einzelnen waren es gewiß nicht Riesensummcn; wenn z. B. die Weichensteller früher ein Anfangsgehalt von 600 und ein Höchstgehalt von 900 M. hatten, während sie jetzt ein Anfangsgehalt von 1000 M. und ein Höchstgehalt von 1400 M. haben, so werden Sie mit Recht sagen, das sind immer noch erbärmliche Gehälter. Aber für eine Arbeiterfamilie bedeutet es etwas; wir haben es für erstrebenswert gehalten, daß wir oen Anteil der Arbeiter am Ge- samtcinkommcn des Landes erhöht haben. Aber ich sage ganz offen, und Bebel deutete es schon an: wir haben Uoch einen Grund gehabt, der bei unseren Fraktionsberatungen aus- scklaggebcnd war. Wir haben diesen Grund bei den Erklärungen nicht angegeben, weil wir uns nicht für verpflichtet hielten, unseren Gegnern die Motive unseres politischen Handelns mitzuteilen. Sie. Parteigenossen, haben Anspruch, den Grund zu hören. Wir haben bei den Mrleiea" ti eine politische Konflellatickch wie sie selten vorkommt. Es besteht keine Mehrheit einet bütger- lichen Partei, wir zwölf Sozialdemokraten sind das rote Züng- lein einer parlamentarischen Wage, und wir haben diesen parlamentarischen Zustand dadurch herbeigeführt, daß wir bei den vorigen Landtagstoahlen im Jahre 1905 im zweiten Wahl- gange den sogenannten Großblock bildeten, daß wir zusammen- gingen, offen zusammengingen mit den Liberalen aller Schattierungen, auch mit den Nationalliberalen. Nun, Parteigenossen! Wir haben dadurch erreicht, daß das Land bewahrt blieb vor einer klerikalen Mehrheit, die sonst unter allen Umständen eingetreten wäre. Und wir sind stolz darauf, daß wir das erreicht haben.(Lachen und Zurufe.) Genossen! Ich sagte Ihnen schon, nach meiner Ansicht wäre unsere Haltung dieselbe gewesen, wenn die Liberalen im Begriff gewesen wären, sich eine Mehrheit zu erkämpfen. Im Interesse des Landes hielten wir es für notwendig, zu verhindern, daß eine einzige bürgerliche Partei die Mehrheit erhielt, weil wcr glaubten, dadurch den Einfluß der Arbeitervcrtretung� zu erhöhen. Nun haben wir für die Neuwahlen, die im nächsten Jahre bevorstehen, uns die Hände in keiner Weise gebunden. Welche Taktik bei den Wahlen eingeschlagen wird, ist Sache der badischen Genossen, deren selbständige Organisationen darüber die Entschei- dung treffen werden. Aber wir haben eines erkannt: Es wurde von unseren Gegnern, vom Zentrum, im Parlament und außerhalb derselben als Hauptgrund gegenüber der Regierung und gegenüber den Liberalen ausgespielt: Was wollt ihr Liberalen denn machen? Die Sozialdemokraten sind durch ihren Partei- beschlutz gebunden, das Budget abzulehnen. Wenn wir Zentrumsleute nun einmal den Spieß umdrehen und auch einnial das Budget ablehnen, dann sitzt ihr ohne B u d g e t d a. Ob das Zentrum diesmal von dieser wiederholt vorgetragenen Drohung Gebrauch gemacht hätte, weiß ich nicht und glaube ich nicht. Aber wir haben uns für berechtigt und verpflichtet gehalten, dem Zentrum diesen billigen Trumpf aus der Hand zu schlagen, und uns den Weg frei zu machen, unsere Entschließungen mögen lauten, wie sie wollen. Bebel hat gesagt, wir haben unsere Manneswürde der- leugnet dadurch, daß wir einer Regierung mit einem Minister wie Bodmann die Mittel bewilligt hätten, der uns so scharf angegriffen hat. Bebel hätte hinzufügen können, falls er unterrichtet worden ist, daß wir dem Mini st er v. Bodmann kein Wort schuldig blieben, daß wir ihn rücksichtslos sofort und später bekämpft haben. Wenn wir am Schlüsse aus den Erwägungen, die ich hervorhebe, zur Annahme des Budgets gekommen sind, so wollten wir diesem Minister ein Vertrauensvotum am aller- wenigsten erteilen. Aber eines darf noch gesagt werden: Auch dieser Minister hat in den wenigen Monaten seiner Amtstätigkeit erheblich Wasser in den Wein hinein tun müssen. Es ist uns gegenüber damit operiert worden, daß der Eisenbahnarbciter Schaufele von der Regierung gemaßregelt sei, weil er eine Kan- didatur der Sozialdemokratie für das Karlsruher Rathaus ange- nommen hat. Ich meine in Norddeutschland, in Preußen— ich mache Ihnen daraus keinen Vorwurf— war der Konflikt nicht möglich.(Sehr richtig!) Dort können Sie, wenn Sie wollen, jeden Tag derartige Fälle haben, dort wird aber nicht immer darüber geredet, dort regt sich niemand darüber auf. Aber betonen möchte ich doch: Seitdem dieser Fall vor- gekommen und die schärfste Kritik im Karlsruher Rathaus und im Landtag gefunden hat, seitdem ist diese Praxis von der badischen Eisenbahnverwaltung aufgegeben worden. Wir haben damit nicht in der Presse renommiert, in der gleichen Eisenbahnwerkstätte, aus der Schäufele sollte entlassen werden, wo er sich für uns wählen ließ, sind seitdem eine ganze Zahl Arbeiter von der fozialdemo- kratischen Partei als Gemeindevertreter ge- wählt worden, auch für das Karlsruher Rathaus. Auch wird gesagt, wenn Ihr dem Budget zustimmt, geht der Klassencharakter der Partei verloren. Wir sind dieser Ansicht nicht. Wenn es jemals Sozialdemokraten geben würde, die den Klassenkampf aufgeben sollten, würde der Klassen- kämpf sie nicht aufgeben, denn der Klassenkampf ist nicht begründet in der Anschauung unseres Vertrauensmannes oder eines Abge- ordneten, sondern in den Verhältnigen, und die sind nicht aus- zurotten durch parlamentarische Beschlüsse, llm waS handelt es sich? Ein großer Teil von Ihnen ist hergekommen, nicht um uns zu überzeugen, sondern um uns zu überstimmen. Ich freue mich, daß Widerspruch erfolgt ist. Es hat Zeiten gegeben in den letzten Wochen, wo ein solcher Widerspruch nicht erwartet werden konnte, wo die Parole lautete: Es foll dafür gesorgt werden, daß wir überstimmt werden.(Zustimmung und Widerspruch.) Ich wdß nicht, was Sie tun wollen und was Sie tun werden. Aber was rsk damit gewonnen, wenn Sie uns eine Bindung mit auf den Weg geben, die wir nicht annehmen können. Was ist für Sie und für die Partei gewonnen, wenn wir vielleicht nach einem Beschluß von Ihnen das nächste Mal in den Landtag kommen und das Budget ablehnen müssen, obwohl die Gegner wissen, daß wir vielleicht gegen unsere Ueberzeugung stimmen! Wäre damit der Partei oder der Arbeiterbewegung ein Dienst er- wiesen? Würde damit der Klassen st aat erschüttert werden? Vielleicht durch das Gelächter, mit dem uns unsere Gegner empfangen würden.(Sehr gut!) Das können Sie nicht wollen. Wir halten Sie heute noch für unsere Kampfgenossen, für unsere Brüder, die mit uns zusammen schaffen wollen. Sie dürfen uns nicht in eine Situation bringen, die nach unserer Kenntnis der Verhält- nisse eine Förderung der Arbeiterinteressen un- möglich machen würde. Unser verstorbener Genosse Auer hat einmal uns Süddeutschen den Rat gegeben, wie wir uns in einem solchen Falle verhalten sollten. Er sagte, wir sollten denken: Das sind ja zwar Esel, aber ich füge mich. Dieser gutgemeinte Rat, dessen eine Hälfte vielleicht manchem sympathisch ist(Große Heiter- keit), entspricht nicht der heutigen Situation. Ich bitte Sie i m Namen der Einigkeit, die wir alle wollen: Bringen Sie eS nicht zum äußersten, wenn die Partei zerrissen würde... (Zuruf: Wer will das denn, das wollt Ihr vielleicht!) Wir sind doch keine Kinder, die sich gegenseitig die Schuld zuschieben wollen, wir sind hier beifammen. um ernst zu beraten, was geschehen soll, um ein Unglück abzuwenden.(Zuruf: Sie wollen, daß es nach Ihrem Kopfe geht!) Wir würden mit Ihnen eine Zer- reitzung der Partei für ein Unglück halten, nicht bloß für die Norddeutschen und die Süddeutschen, nicht bloß für die Sozialdemokratie, sondern für die ganze politische EntWickelung von Deutschland und Europa.(Sehr richtig!) Die Debatte, wie sie bisher geführt ist, und das Ergebnis entsprach nicht dem Geist, der sich dem Ernst der Lage bewußt ist. Wir alle gehen davon aus, daß der Feind draußen steht und nicht unter uns.(Sehr wahr!) Man hat eine Resolution vorgelegt, die man sogar noch für milde hält, von der man gemeint hat, die Süddeutschen würden direkt verblüfft sein über die entgegen- kommende und gütige Form.(Sehr richtig!)"Wir bc- trachten die Resolution als das Gegenteil des Entgegenkommens. Sie ist für uns durchaus unannehmbar.(Lebhafte Zustimmung bei den Süddeutschen.) Es ist schon hervorgehoben, daß wir es nicht verstehen, warum in der Resolution auch nicht andere Staaten mit aufgeführt worden sind. Warum haben Sie Gotha vergessen? Die Gotha er haben noch nach Lübeck für das Budget gestimmt in einer Situation, die nicht den von Bebel angeführten Fällen entsprach. Bock hat öffentlich bei unseren Besprechungen erklärt: Man hat in dem einen Fall für das Budget gestimmt. um die Stellung eines Ministers zu stärken, Seil«iß regktipßörerxr ppr der Tür gestandett hak. Im anderen Falle wurde dem Budget zu« gestimmt, um die Vorteile eines guten Domänen« ankaufs für den Staat einzusacken. Diese beiden Fälle beweisen, wie mannigfach die Möglichkeiten sind, die die Ge- nossen in den Parlamenten zwingen können, entgegen der Reso- lution dem Budget zuzustimmen. Ist es nun Ihre Meinung, daß künftig die Gothaer Genossen, wenn sie durch ihre Abstimmung einen etwas freier gesinnten Minister am Ruder erhalten können, das nicht mehr tun dürfen? In der Resolution ist gesagt, wenn man eine Verschlechterung verhindern kann, dann darf man den Grundsatz der Ablehnung des Budgets fallen lassen. Wenn man aber etwas Gutes erreichen kann, dann darf man es nicht tun. Das verstehen wir nicht. Den Bedürfnissen des parla- mentarischen Lebens wird die Resolution nicht gerecht. Bei der Besprechung hat einer unserer Genossen erklärt, die Lübecker Resolution hat für die Vernunft noch eine Spalte gelassen, die Resolution des Parteivorstandes höchstens noch eine Ritze. Der Fall, den die Resolution im Auge hat, ist ein Fall, der vielleicht in 100 Jahren einmal vorkommen könnte. Damit ist es nur verfchleicrt, daß künftig für alle Fälle und un- bedingt die Zustimmung zum Budget unmöglich gemacht wird. Nun wird uns entgegengehalten: Ihr habt doch früher jähre- lang das Budget abgelehnt und habt Fortschritte dabei gemacht. Wir haben in Baden eine Zunahme der Stimmen der Reichstagswähler von 29 Proz. gehabt. Wir stehen damit an erster Stelle unter allen deutschen Staaten und Provinzen. Sachsen z. B. hat um 5 Proz. abgenommen. Aber darauf kommt es gar nicht an, fondern darauf, ob wir den Zwang mitmachen sollen, das Budget ablehnen zu müssen. Das ist etwas Neues. 1894 wurde in Frankfurt über- Haupt kein Beschluß gefaßt. Die Lübecker Resolution von 1901 läßt die Möglichkeit offen und Drecsbach hatte auch damals— trotz des Beschlusses— im Landtage erklärt, daß er eine Bindung nicht anerkenne. Es konnte uns also von den Regierungen und den gegnerischen Parteien nicht entgegengehalten werden, daß wir den Etat unbedingt ablehnen müßten, gleichviel wie er sich ge- staltet. Die jetzige Resolution aber würde unsere parlamentarische Stellung untergraben. Auf dieses Exempel ist bisher eine Probe noch nicht gemacht worden, weil eben bisher eine vollständige Bindung nicht bestand. Ich verkenne nicht die Unterschiede zwischen Süd» deutschland und Norddeutschland. Wenn Süd- deutschland eine fast 100jährige parlamentarische Tradition hat, so dürfen wir das nicht übersehen. Aber wir überschätzen das nicht. Im Gegenteil, wir wissen, daß durch die EntWickelung des Kapitalismus über die Eigenart der deutschen Stämme förmlich eine Nivellierungswalze hinübergeht. Hier handelt es sich nicht in erster Reihe um einen Gegensatz zwischen Nord und Süd, denn wir haben— das erkenne ich gern an— sehr gute süddeutsche Parteigenossen, die aus dem Norden gekommen sind, ebenso wie Sie in Berlin sehr viele Süddeutsche haben, die dort Berliner geworden sind. Nein, der Gegensatz ist ein anderer. Was die Verbitterung und Erbitterung geschürt hat, war die Tatsache, daß eine Ueberstimmung drohte von denjenigen Staaten, die kein Landtagswahlrecht haben. Wir haben ja auch Parteitagsbeschlllsse gefaßt, mit denen einzelne von uns nicht einverstanden waren. Ich erinnere an die Kämpfe über die Maifeierfrage. Wie wurde da mit Erbitterung herüber und hinüber geschossen. Aber damals hatten die Beschlüsse ihre Wirkung auf das ganze Reich ohne Unterschied erstreckt, und das war das Versöhnende. Das gab dem Parteitag auch das moralische Recht, unter allen Umständen die Disziplin scharf anzuziehen und durchzuführen. Hier aber liegt es anders. Ein Beschluß in der Budgetfrage würde nur diejenigen Staaten treffen, die ein Wahlrecht, die eine Vertretung der Arbeiter haben, und die Staaten, die ein Wahlrecht nicht haben oder nicht mehr haben, wie Sachsen und Preußen, liefern die Stimmen für einen Beschluß, dessen Wirkung sie nicht felbst spüren, sondern dessen Wirkung die Staaten fühlen, deren Vertreter sich gegen den Beschluß gewendet haben.(Lebhafter Beifall bei den Süddeutschen.) Das ist der Kernpunkt. Ich bitte Sie noch- mals, überlegen Sie sich Ihre Abstimmung. Die Resolution des Parteivorstandes darf nicht angenommen werden. Wohl wissen wir, daß ein Parteikörper Disziplin haben muß.(Lebhaftes Sehr richtig!) Das ist die Mutter der Siege. Aber die Staaten ohne Landtagswahlrecht dürfen nicht die anderen Staaten majorisieren. (Zuruf: Wo bleibt dann die Einheit der Partei?) Ich sage ja, es soll Disziplin sein, aber das schließt nicht aus, daß in dem durch Parteistatut gegebenen Rahmen Eigenarten bestehen. Schauen Sie hinaus auf die alten Türme in Nürnberg, wie da die Steine, jeder einzelne verschieden, gestaltet sind, und wie sie doch alle höhenwärts streben; und wenn Sie ein paar Schritte zurücktreten, dann sehen Sie nur mächtige Quader, dann haben Sie den Ein- druck der Geschlossenheit. Ich glaube, es ist möglich, Disziplin zu halten und doch die Eigenart nicht zu töten.(Sehr richtig!) Wenn Sie auf unser einzelstaatliches Verhältnis einwirken wollen, so kann man darüber reden, aber dann wäre zunächst nötig eine Aenderung des Partei st atuts. Es wäre nötig, daß die Einzelstaaten und Provinzen dem Parteivorstande gegen- über eine geordnete Vertretung hätten, damit er nicht auf unver- antwortliche Zwischenträger angewiesen wäre.(Lebhafter Beifall bei den Süddeutschen.) Es ist in den letzten Tagen oft hingewiesen worden auf den Nürnberger Vereinstag von 1868, und von mancher. Seite wurde in nicht mißzuverstchender Weise mit dem Gedanken' gespielt, daß vielleicht Nürnberg, wo der Geburtstag der Partei gefeiert wurde, eine traurige Bedeutung erhalten könnte. Ich bitte Sie auch, in der Geschichte zurückzublicken, aber nicht soweit. Ich bitte Sie zurückzublicken auf das Jahr 1375, auf das Jahr, in dem die deutsche Arbeiterklasse, die bisher getrennt marschierte, sich vereinigt hat. Ich bitte Sie, daran zu denken, daß damals ein Programm angenommen wurde gegen den Rat unseres großen wissenschaftlichen Führers Karl Marx, ein Programm, das sicherlich wissenschaftlich mangelhaft gewefen ist. Aber damals haben unsere Genossen Liebknecht und Bebel das un- vergänglich historische Verdienst sich erworben, daß sie der Wissen- schaft gegenüber die Forderungen der Praxis und der deutschen Arbeiterschaft durchgesetzt haben.(Bravo!) Ich hoffe, ich wünsche und erwarte vom Nürnberger Parteitag, daß auch heute wieder die Genossen etwaige wissenschaftliche Bedenken zurück st eilen gegenüber derForderung, daßdie deutsche Arbeiteirkkasse einig bleiben muß und soll.(Lebhafter Beifall der Anhänger der Budgetbewilligung.si Singer teilt mit. daß zum Antrag 165 der Zusatz eingegangen ist, in dem Absatz 2 der Lübecker Resolution das Wort„normaler- loeise" zu streichen. Für die W ü r t t em b e r g e r Fraktion erhält das Wort —- mit unbeschränkter Redezeit— Hildenbranb- Stuttgart: Parteigenossen! Wir Württemberger sind dem Parteivorstand außerordentlich dankbar, daß er uns in seine Resolution mit auf» genommen hat, daß er dem Parteitag vorschlägt, auch uns zu vcr- urteilen, weil wir diesem Entgegenkommen es verdanken, unser Verhalten vor der deutschen Sozialdemokratie rechtfertigen zu können, und weil uns dadurch auch Gelegenheit gegeben wird, unsere volle Solidarität mit den anderen Fraktionen der süd» deutschen Staaten auszudrücken.(Bravo! bei den Süddeutschen.) Es ist ja etwas auffallend, daß der Vorstand in diesem Jahre uns einen Rüffel zu erteilen beantragt, nachdem er im vorigen Jahre durch die Nichtanschncidung der Frage in Essen zweifellos zum Ausdruck gebracht hat, daß er unsere Gründe als zwingend an- erkennt. Auch aus der Rede Bebels, der mit keinem Worte unsere Zustimmung zum Budget irgendwie kritisiert hat, geht hervor, daß wir uns im Nahmen des Lübecker Beschlusses ge- halten haben. Ganz falsch aber wäre die Anschauung, als ob unser Verhalten von dem Verhalten der anderen Fraktionen Süddeittjchlands SU unterscheiden war«, Im Auftrage meiner Fraktion muß ich erklären. Daß wir eine Ausnaßmestellvng für uns nicht in Anspruch nehmen. Es waren zum großen Teil dieselben Gründe, die uns zu unserer Stellung der- anlaßt haben. Die Anklage gegen uns geht auf Disziplinbruch und Parteiverrat. Die„Leipziger Volkszeitung" hat unsere Stellungnahme als parlamentarischen Kretinismus bezeichnet. Ich habe seit Jahren verlernt, die„Leipziger Bolkszeitung" ernst zu nehmen.(Unruhe.) Ich glaube, daß meine bescheidene Ansicht auf die Redaktion keinen sonderlichen Eindruck machen wird. Ich glaube, wir werden, solange den Leipziger Parteigenossen eine solche Kampfes- art ihrer Redaktion recht ist, uns einig darin finden muffen, daß jeder anständige Mann in der Arbeiterbewegung von der „Leipziger Volkszeitung" Tag für Tag angespuckt wird.(Große Unruhe; Widerspruch und Zustimmung.) Wir sind nicht die ersten, denen die„Leipziger Volkszeitung" angekündigt hat, daß sie mit glühendem Eisen aus der Partei ausgebrannt lvedden müßten. Aber deshalb reklamiere ich doch, als Parteigenosse anerkannt zu werden, vielleicht mit größerem Rechte als Leute, die sich gewöhnt haben, die Parteigenossen zu beschimpfen. Ich nehme die„L e i p- ziger Volkszeitung" nicht ernst.(Zuruf: Das merkt man!) Etwas anderes ist es mit dem„Vorwärts". Der „Vorwärts" ist das offizsielle Parteiorgan. Der Parteivo r st and hat die moralische Verant- Wartung für den„Vorwärts". Er hat sie dokumentiert, als er entgegen dem Willen und den Intentionen des Parteitages in Jena seine Allmacht durch eine Neubesetzung der Redaktion gezeigt hat.(Unruhe.) Ich will darüber hier nicht streiten. Genug, er hat die Verantwortung. Und er übernimmt sie auch mit seiner Resolution. Mir tut es leid, daß ich hier Dinge vor der Oeffentlichkeit berühren mutz, von denen ich voraussehe, daß unsere Gegner sie uns später in den parlamentarischen Verhandlungen entgegenhalten wenden. Es ist das für Sie, die Sie nie in der Lage sind, in verantwortungsvoller Stelle die Partei den Gegnern gegenüber zu vertreten(Lebhafter Widerspruch und Lachen), vielleicht unverständlich. Ich nehme es Ihnen nicht übel, wenn Sie lachen. Mir ist es nicht gleichgültig, wenn uns in den par- lamentarischen Verhandlungen ein Gegner mit solchen Waffen gcgenübertreten kann. Man hat versucht, die württemberger Zu- stimmung zum Etat als eine Entgleisung hinzustellen. Unsere Zustimmung war keine Entgleisung. (Hort I hört I) Ich glaube, daß kaum in der deutschen Sozialdemo- kratie— auch im Parteivorstande nicht— ein Beschluß je gefaßt worden ist, der Gegenstand so gründlicher Beratung geworden wäre, als unsere Zustimmung zum Etat im vorigen Jahre. Keine Partei- instanz kann gewissenhafter, ja ängstlicher die Wirkung eines Beschlusses auf die Partei prüfen, als wir es in diesem Falle getan haben. Und ich will noch mehr verraten, schon um nachzuweisen, wie wenig es sich um eine planmäßige Aktion handelt. Nach tagclangen Vorberatungen stand in der Fraktion die Sache so, daß die Mehrheit sich für die Zustimmung zum Budget und eine Minder- heit sich für die Ablehnung erklätte. Da hätten wir nun zum Bei- spiel, dem Nürnberger Parteitag folgend, von unserem Mehrheits- recht Gebrauch machen und die Minderheit vergewaltigen können. Wir haben uns aber gesagt, daß eine B u d g e t a b st i m m u n g eine Parteikrakeelerei nicht wert sei.(Vielfache Rufe: Sehr richtig!) Wir haben es mit den Berlinern gehalten, die seither der Budgetabstimmung keinen Wert beigemessen haben und haben gesagt, nein, die Mehrheit tritt von ihrem Standpunkt zurück unter der Bedingung, daß mit dem Parteivorstande und den änderest süddeutschen Fraktionen beraten wird, ob sie überhaupt gezlvungen sind, regelmäßig die Budgets abzulehnen. Durch diese? Nachgeben der Mehrheit war zwei Tage vor der Abstimmung die Ablehnung des Budgets beschlossen. Am Tage der Abstimmung selber sind auch Genossen der Minderheit zu der Auffassung gekommen, daß die Gründe für die Bewilligung nicht leichterhand abzuweisen waren, daß die R ü ck s i ch t auf d i e A g i t a t i o n, auf die P o p u l a- larität im Lande, auf die Entwaffnung der Gegner nicht zu unterschätzen sei. Dazu kam die Erkenntnis, daß unsere Abstimmung nicht ohne Einfluß sein würde auf die Haltung der Regierung dem internationalen Kongreß gegenüber, und da waren wir uns des Ernstes der Situation durchaus bewußt. DaS kann doch die Partei mit dem Lübecker Beschluß nicht gewollt haben, daß wir einer reinen Formalität wegen unsere guten Gründe propagandistischer Art preisgeben müssen. In dieser Situation haben wir vielleicht eine Stunde vor der Abstimmung unseren früheren Beschluß verändert und haben geglaubt, im Dienste der deutschen Sozialdemokratie, im Dienste der Partei, der ganzen Bewegung keinen Fehler zu begehen und keinen Schaden hervor- zurufen, wenn wir entgegen unserem vorher gefaßten Beschluß in diesem ausnahmSweisen Falle einmal das Budget annahmen. Wir waren sicher, daß damit keine Aenderung unserer Stellung zum Klassenstaat und auch nicht eine solche der Regierung unserer Partei gegenüber irgendwie eintreten könne. Also ich glaube, Ihnen bewiesen, zu haben, daß wir nicht beabsichtigt haben, die Partei zu verraten oder die Disziplin leichtfertig zu brechen, und daß von einer wohlllber- legten Schädigung der Partei und Mißachtung der Parteitags- beschlüsse nicht die Rede sein kann. Nun die Gründe, die bei der ersten Beratung schon entscheidend waren, daß es nicht richtig sein kann, daß die Sozialdemokratie, die Partei des Lebens, des wirtschaftlichen und politischen Lebens, auf eine Schablone jahrzehntelang festgelegt wird(Sehr gut i), die Meinung, daß eS der Sozialdemokratie gar nicht entspricht, diese Budgetablehnnng zu einer Kapital- frage, zu einer Seins, des Nicht Vorstand drückt in rinzipienfrage, zu einer Frage eins der Partei zu machen. Der Partei- seiner Resolution aus, daß die Gesamt- abstimmung über das Budget als Vertrauensvotum für die Regierung aufgefaßt werden muß. Ich habe mir Mühe gegeben, in der einschlägigen Literatur Belege dafür zu finden, ob unsere Partei oder eine andere Partei überhaupt offen auf dem Standpunkte steht, daß die Abstimmung über das Gesamtbudget eine Vertrauens- oder Mißtrauens- frage sei. Es ist mir in unserer Literatur kein Fall bekannt ge- worden, wo das irgend einmal beschlußmäßig oder sonstwie fest- gelegt worden wäre, wenn man nicht den Lübecker Beschluß so auffaßt. Und ich kann Ihnen sagen, bei uns in Württemberg ist kein einziger Politiker, der bis jetzt gedacht hatte, daß die Zustimmung zum Finanzgesetz der Ausfluß eines besonderen Vertrauens darstellt. Man hat bei uns in den politischen Parteien auch nicht daran gedacht, die Ablehnung zu einer besonderen Mißtrauenskundgebung zu benutzen. Keinesfalls aber gilt das Umgekehrte. Unsere Zustimmung zum Budget ist die An- nähme, daß die vorgelegte Verteilung der Steuereimmhmen und Darstellung der Ausgaben ohne weitere Beanstandung akzeptiert wird. Aber die Ablehnung ist kein Mißtrauens- Votum. Wenn die Ablehnung des Budgets eine Mißtrauens- erklärung darstellt, so kann sie nicht wirkungsvoll sein, wenn sie — einem KaiechlsmuS gleich- alljährlich ohne Rücksicht auf die politische Konstellation schablonenmäßig angewendet wird. (Sehr richtig!) Sie wird eine wirksame und entscheidende Waffe sein, wenn'ch sie zu besonderer Betonung meines Miß- trauens benutze, sobald ich einen besonderen Grund dazu h ab e. Wir haben in Württemberg zwölf Jahre hindurch das Budget abgelehnt und dadurch den Seisall aller Parteigenossen, auch aller radikalen gefunden. Glauben Sie aber nicht, daß das an unS Beteiligten ebenso vorübergegangen ist wie an Ihnen, die Sie der Sache fern standen. Ich. weiß aus persönlicher Beobachtung, daß unsere Gegner— und wir haben in unserem Landtag nicht zu unterschätzende Gegner, die unsere Propaganda sehr erschweren— in diesen ganzen Jahren immer mit den Mitteln hausieren gegangen sind, daß sie den Arbeitern erklärt haben: Gewiß, die Sozialdemokratie hat schöne Reden gehalten, sie haben Aber was nützen für die Arbeiter wunder immer mehr verlangt, als alle Reden und Forde- rnngen und die großartigsten Ankündigungen von höheren Löhnen, wenn am Schlüsse durch die Ablehnung des Budgets die dazu notwendigen Mittel verweigert werden?(Lachen.) Glauben Sie nicht, daß Sie damit eine besondere Jnielligenz be- weisen, wenn Sie darüber lachen, das haben auch wir getan und haben jahrelang in Versammlungen und in Parlamenten zu wider- legen gesucht. Aber immer sind Herr Gröber und Herr Hieber ge- kommen und haben gesagt:„Halten Sie doch keine großen Reden, das ganze Gebaren ist ja lächerlich. Sie lehnen am Schlüsse ja doch die Mittel ab. Wenn wir alle so handeln würden, würde es keinen Fortschritt geben."(Zuruf.) Mein lieber Genosse Ledebour, Herr Hicber geniert sich auch vor Ihnen nicht, und wenn sich auch jemand vor Ihnen genieren sollte, so ist es mir unverständlich, daß Sie mir ins Wort fallen, wo Sie doch als mein Kollege wissen, daß ich noch nie daran gedacht habe, daß auch nur der Gedanke Platz greifen könne, im Reichstag das Budget an zu- nehmen. Die Verhältnisse im Reich und in den Einzelstaaten sind grundverschiedene. Wenn wir in Württemberg der preußischen Regierung gegenüber gestanden hätten, wären wir wahrscheinlich nnt einer Verhandlung von einigen Minuten fertig geworden. Bei einer Regierung wie der preußischen hätte keiner von uns auch nur die leiseste Konzession gemacht. Aber ich kann die württembergische Regierung nicht mit derselben Pciische schlagen, wie die preußische verdient.(Sehr gut.) Ich will daS kurz begründen. Sie haben ja nachher das Recht zu prüfen, ob ich noch innerhalb oder außerhalb der Partei stehe, wenn eS Ihnen nicht radikal genug klingt. In der Lübecker Resolution ist als be sonderes Kriterium zum Ausdruck gebracht, daß der Staat von heute prinzipiell die Gleichberechtigung der Sozial- demokratie gegenüber anderen Parteien ab lehnt. Ich weiß, daß auch bei. nnZ die Sozialdemokratie noch nicht in allen Dctailpunkten diese Anerkennung errungen hat. Aber ich fordere Sie alle auf, mir nachzuweisen, w o die Gleichberechtigung der Arbeiter in politischer iehung durch die wiirttem bergische Regierung in den letzten Jahren ausdrücklich verletzt worden ist. Infolge unserer Tätigkeit und unseres Einflusses, den wir durch die hinter uns stehenden Masten zum Ausdruck bringen konnten, hat sich der bei uns in früheren Jahren der Soziaide mokratie gegenüber e in g e n o mm en e S t a n d p u n kt von Grund aus geändert. Ich rede nicht davon, daß eS in der Justiz in Württemberg heute anerkannt ist, daß die politische Ge- s i n n u n g als Sozialdemokrat k e i n G r u n d ist zum Ausschluß vom Amt eines Schöffen und Ge- s ch w o r n e n. Wir haben aber seit Jahren durch die Ar- beiter gewählte Vertreter in der Zentral st eile für Handel und Gewerbe, einem Institut, das für die Fabrikinspektion bei uns von ungeheurer Bedeutung ist. Wir haben Organisationen der Eisenbahnarbeiter, in denen bekannte Parteigenossen in leitender Stellung stehen, also Dinge, die Sie bielleicht nicht als an- erkemienswert bezeichnen, die aber bei Ihnen jedenfalls absolut ausgeschlossen sind.(Sehr richtig!) Wir haben doch vor zwei Jahren durch unsere Vertretung für die Werkstellenarbeiter der Staats- betriebe den neunstündigen Arbeitstag erreicht und dieses Vorgehen ist der bestinunende Grund für die preußische Verwaltung gewesen, um auf diesem Gebiete zu folgen.(Hört! hört!) Wir haben uns außerordentlich gefreut, daß es uns durch unsere parlamentarische Tätigkeit möglich war, auch den Arbeitern in Preußen diese Wohltat zuteil werden zu lassen. Wir haben in der letzten Zeit eine Aenderung der Finanzgesetzgebung, eine Aenderung unserer Verfassung erhalten, haben das gleiche, alige meine und direkte Wahlrecht er- kämpft, in einem Teil des Landes das Proportionalwahlrecht. Und wenn eS uns nicht gelungen ist, bis jetzt eine Mehrheit im Landtag zu erreichen, so ist nicht daS Wahlrecht schuld, sondern die noch zu geringe Anzahl unserer Anhänger. ES ist in den letzten Zeiten gar noch kein Fall bekannt geworden, wo bei irgend einer Wahl die Regierung oder ein Ver- treter derselben irgendwie die Beeinflussung eiueS Staatsangestellten oder eines Privaten versucht hätte. Alle diese Gründe haben, nicht als einzelne für sich, sondern in ihrer Gesamtheit einen gewissen Einfluß ausgeübt, und wird unterstützt durch die Tatsache, daß auch bei uns im vorigen Jahre eine allgemeine Beamten- und Arbeiteraufbesserung durchgeführt wurde, die mit unserer Hilfe durch ändert- halb Millionen Mark verstärkt und wesentlich zugunsten der Arbeiter abgeändert wurde. Bei unseren Beratungen war es ein Parteigenosse, der nicht in den Verdacht kommen kann, Revisionist zu sein, oder opportunistische Anschauungen zu haben, aber durch die Erfahrungen der letzten Reichstags- wähl nachdenklich geworden war, der erklärt hat, wir müssen aus agitatorischen Bedürfnissen daran denken, ob nicht durch die Haltu.. g in dieser Frage uns in der Propaganda Nachteile zugefügt werden können.(Hört I hört I) Die Arbeiter der Staatsbetriebe und auch die übrigen, seien gar zu leicht geneigt, die Behauptung, daß wir durch die Ab- lehnung des Budgets alle früheren Verbesserungen illusorisch machen, als richtig anzuerkennen. Sie betrachten diese Stellung- nähme als Interesselosigkeit und als Falschheit, aber aus diesen rein praktischen Erwägungen und aus dem Bedürfnis heraus, der Partei keinen Schaden zuzufügen, ist in einem großen Teile unserer Fraktion die Idee durchgedrungen, daß es notwendig sei. unsere Stellungnahme durch Zustimmung zum Budget zum Ausdruck zu bringen. Also von einem Disziplin bruch, von einem Parteiderrat kann bei uns gar nicht die Rede sein. Wer auf diesem Parteitage durch Annahme der Parteivorstandsresolution das Mißttauensvolum gegen uns zum Ausdruck bringt, der soll nicht vergessen, daß unsere Er- wägungen und unsere Beschlußfassung aus dem guten Herzen für die Partei entsprungen sind; der erklärt, daß wir gewissenlos unter Sticht- beachtung der Parteitagsbeschlüsse der Partei Schaden zufügen wollen. Das müssen Sie sich bei Ihrer Abstimmung überlegen. Ich habe früher gesagt, wir sehen in der Abstimmung keine prinzipielle Sache, keine Staatsaktion und habe betont, daß wir damit ganz der Meinung sind, tvie die s o z i a l d e m o- krattschen Stadtverordneten in Berlin. Der Berliner Etat ist wesentktchergrößer und umfangreicher als unser württembergische Etat und Sie werden zugeben, daß auch die Berliner Kommunalverwaltung eine wesentliche Einrichtung des Klassen st aateS darstellt. D i e Berlinerhaben aber bis jetzt nie daran gedacht, das Budget abzulehnen.(Lebhafte Zustimmung der Berliner Delegierten: Wir haben ja nie zugestimmt.) Parteigenossen! Für wie dumm müssen Sie mich halten, wenn Sie annehmen, daß ich, ohne etwas in der Hand zu haben, den Berliner Stadtverordneten hier einen solchen Vorwurf machen werde. Ich weiß aus langjähriger Erfahrung, daß mit den Berlinern auf den Parteitagen schlecht Kirchencssen ist, wenn man nicht beschlagen ist. Ich hätte auch diese Ber- liner Geschichte nicht zum Gegenstand der Erörterung gemacht, wenn sie nicht so sehr interessant gewesen wäre. Die„Münchener Post" hatte vor längerer Zeit sich einmal das Vergnügen gemacht, daS Berliner Budget festzustellen und hatte dabei gefragt, warum denn die Berliner, die so kritisch seien gegen die Bayern und Badenser, doch selbst gar kein Verständnis dafür gezeigt hätten, daß die Budgetabslimmung eine so große Staatsaktion sei. Da hat sich natürlich der„Vorwärts" riesig entrüstet: eine solche Verlemndmig, eine solche Gemeinheit und Niedertracht, wie in der„Münchener Post" gibt eö nicht wieder.(Heiterkeit bei den Süddeutschen.) Die„Münchener Post" aber hat sich erlaubt, noch auf ihrem Stand- Punkt bestehen zu bleiben— dies verächtliche Blatt.(Heiterkeit bei den Süddeutschen.) Die RedaNiou des„Vorwärts" ist natür- lich über Berliner Verhältnisse genau informiert und sie schreibt folgendes: Unüberwindliche Abneigung gegen die Wahrheit. Die„Münchener Post" wiederholt in ihrer Sonntagsnummer: „Die sozialdemokratischen Stadtverordneten Berlins haben das Budget nie abgelehnt. Der„Vorwärts" hat... festgestellt, daß die sozialdemo- krattschen Stadtverordneten Berlins niemals für den Etat der Stadt Berlin gestimmt haben. Ist eS der„Münchener Post" nicht möglich, ihre die süddeutschen Genossen irreführende Behauptung richtigzustellen?" Die„Münchener Post" hat bis heute ihre Behauptung nicht richtiggestellt, das hat mich außerordentlich interessiert. Ich habe mir gedacht, ist denn die„Münchener Post" genau so schlecht wie der „Vorwärts"?(Große Heiterkeit.) Ich habe hier den stenographi- schen Bericht der Stadtverordnetensitzung vom 31. März Ob am Abschluß der Etatsberatung. Da werden eine große Anzahl von Einzeletats angenommen. Verschiedene unserer Redner beteiligen sich mit großer Verve daran. Ich habe dabei gesehen, wie die Ber- liner Parteigenossen im Rathause uns zum mindesten nicht nach- stehen in der Vertretung der Arbeiterinteressen, daß sie ganz wie wir in derselben revisionistischen und opportunistischen Weise ver- suchen, Kleinigkeiten der kapitalistischen Klasscnstaatorganisation abzuringen. Und dann sagt nach dem amtlichen Bericht der Stadt- verordnete Liebenow: Nachdem wir nunmehr mit sämtlichen EtatZ fertig sind, schlage ich Ihnen vor, den Stadthaushalt für 1906 im ganzen festzustellen, in Einnahme und Ausgabe mit 130 467 646 M. und dann heißt es weiter:„Die Versammlung beschließt demgemäß..(Zurufe der Berliner.) Parteigenossen! So ungefähr könnten wir es auch haben, tvenn wir das wollten. Aber Sie verlangen ja von uns, daß wir nicht stillschweigen, wenn diese große Staatsaktion sich bollziebt, Sic verlangen nicht nur, daß wir geduldg und vergnügt der An- nähme des Gesamtbudgets durch andere zusehen, sondern Sie ver- langen von uns auch, daß wir das Budget ausdrückKch in der Form einer besonderen Mißtrauenskundgebung ablehnen.(Sehr richtig!) (Wurm: Weil Sie namentliche Abstimmung haben!) Ich gebe zu, daß meine Intelligenz bei weitem nicht heranreicht an die Intelligenz der Berliner Stadtverordneten, aber so weit glaube ich doch die Berliner parlamentarischen Verhältnisse zu kennen, daß es auch dort möglich ist, daß die sozialdemokratische Fraktion einen Antrag auf namentliche Abstimmung stellen kann und daß der nicht abgelehnt wird. Wenn der Antrag dann zur Abstimmung kommt, so könnten die Berliner mit derselbe» demonstrativen Wucht, wie sie sie von uns verlangen, den Etat von Berlin ablehnen» um ihre Gegnerschaft zum Klassenstaat zum Ausdruck zu bringen. (Sehr gut!) Ich bin nur der Meinung, daß dadurch der Klassen- staat um keinen Zentimeter verrückt Wersen, würde. Aber was dem einen recht ist, muß auch dem andern billig sein. Ich habe Ihnen damit nur demonstrieren wollen, daß die Berliner mit uns der Meinung sind, daß die Annahme des Budgets nicht eine Frage von prinzipieller, grundlegender Bedeutung ist(Widerspruch), sondern eine Frage von bloßer geschäftlicher Bedeutung, die nur aus tob tischen, aus Zweckmäßigkeitsgründen zu einer Demonstration be- nutzt werden kann oder nicht. Die Resolution des Partcivorstandes schlägt nun eine Verschärfung der Lübecker Resolution vor. Ich will noch einmal kurz an die Parteigeschichte dieses Falles erinnern. Im Jahre 18114, als sie zum ersten Male erörtert wurde, hatten die Süddeutschen das Glück, Grillenberger und Wollmar zum Wortführer zu haben. Es ist unzweifelhaft, daß jene viel wirksamer all die Argumente zusammengetragen haben, als es uns möglich ist. Aber die Parteigenossen von damals waren sich wohl des Ernstes der Situation bewußt, was es bedeutete, einen Teil der Partei durch ein in gewisser Beziehung zwingendes Mittel zu fesseln und haben es abgelehnt, diesen Zwang aus- zusprechen, sie haben keinen Beschluß gefaßt. In Lübeck war die Situation etwas anders. Aber die süddeutschen Abgeordneten von damals fanden beim Parteivorstand noch so viel Gehör, daß sich der Genosse Bebel dafür einsetzte, ihnen die gewünschte Freiheit nach Möglichkeit zu erhalten. Der Parteitagsbeschluß erklärt ja die Abstimmung für eine prinzipielle Frage, setzt aber so- fort in der Resolution eine Ausnahme fest, und der Be- schlutz hört damit auf, ein Prinzip darzustellen. Wir haben in der Zwischenzeit seit Lübeck eine Veränderung unserer politischen Situation in verschiedenen Staaten erlebt. Die sozialdemokratische Partei ist stärker und kräftiger geworden. Die Parteigenossen, die unter den schwierigsten Verhält- nissen uns in der parlamentarischen Vertretung die Wege geebnet haben, waren damals der Meinung, daß dieser parlamentarische Weg uns zu� praktischen Resultaten führen solle und daß, wenn wir einmal die Gelegenheit haben. Vertrauensmänner in das Par- lament zu schicken, wir diesen dann auch das Vertrauen zeigen müssen, daß sie nach Pflicht und Gewissen die Parteiforderungen vertreten. Genosse Timm hat die Frage ganz auf den richtiger Nenner zurückgeführt. Es handelt sich um die Frage des gegenseitigen Vertrauens und um weiter nichts. UnS haben diejenigen, die in den vorigen Wochen gegen uns Stellung genommen haben, ohne unsere Gründe zu kennen, dieses Vertrauens von vornherein für unwürdig er- klärt. Sie haben unsere Stellung innerhalb der Partei und innerhalb unseres Landes bereits heute in einer Weise untergraben, daß wir schwer jju tun haben werden, das Uebcl wieder gutzumachen.(Lcbbafte Zustimmung bei den Süddeutschen.) Wir sind gezwungen, bei jeder Wahl diejenigen, die wir vorschlagen, den Wählern als vertrauenswürdige Männer zu empfehlen und in ihren Diskussionen werden die Wähler dann von den Gegnern irregeführt, wenn wir auch immerhin das Vertrauen haben, daß sie imstande sind, zu prüfen, ob die Haltung unserer Abgeordneten für oder gegen das Budget im Interesse der Partei liegt, oder ihr zum Schaden gereicht. Die Vorstandsrcsolution enthält die pro- gramiilntifche Erklärung des Mißtrauens gegenüber Parteigenossen, die seither parlamentarisch gewirkt haben, und wenn Sie uns mit diesem Mißtrauen belasten, g e b e n Sie unseren Gegnern eine Waffe in die Hand, die sie bei jeder Gelegenheit gegen uns benutzen werden. Sie werdcn uns vorhalten: Was wollen Sie, Sie sind ja von ihrem eigenen Parteitag als Männer proklamiert, die gar nicht das Vertrauen verdienen, eine solche Stellung einzunehmen! Es geht mir wider die Rat«r. Ihnen zu sagen. wenn Sie dle Resolution annehmen, dann wird dadurch ein Unglück geschehen. Lieber sage ich, daß ich persönlich auf die Mitarbeit verzichte, als daß ich proklamieren sollte, die Partei solle Schaden leiden. Aber das kann ich Ihnen sagen: Mit der Vorstnndsresolution belastet» ist es mir und meinen Genossen nicht mehr möglich, im Parlament wirksam für die Arbeiter einzutreten. Das können Sie nicht wollen und das dürfen Sie schon in Norddeuischland aus dem Grunde nicht wollen» weil Sie uns dann ein Unrecht tun, dessen Tragweite Sie nicht ermessen können. weil Sie selber nichts darunter zu leiden haben. �Stürmischer Beifall bei den Süddeutschen.) Ich weiß nicht, ob wir auseinandergehen sollen von diesem Parteitag, ohne daß es möglich wäre, in dieser Frage zu einer Verständigung zu kommen. Die Rede des Genossen Bebel heute früh war, wie die Rede eincS Parteiführers sein muß, in versöhnlichem und aus- gleichendem Ton gehalten.(Sehr richtig!) Ich bedaure nur, daß wir nicht den Viktor Adler in unserem Parteivorstand haben, der sich aus den Standpunkt stellt: in parlamentarischen Fragen wird gehandelt und nicht geredet, werden nicht Resolutionen gefaßt. Mortsctzusg in der S. Beilage.) dt» anderen. Aber was__„_ i_,_____________ Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber- Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts iSuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 218. 25. Jahrgang. 3. MW des„ Der Parteitag in Dürnberg. Einigkeit und der Geschlossenheit der Partei. lachhafter Beifall Bei den Süddeutschen.) (Fortsetzung aus der 2. Beilage.) Hildenbrand- Stuttgart(fortfahrend): Der Parteidorstand tveitz und das ist das Gefähr liche an der Situation—, das; er es mit alten Parteigenossen zu tun hat, die wie er mit ganzer Seele an der Partei und an ihrer Tätigkeit in der Partei hängen. Weil er das weiß, deshalb ver- traut er daraus, daß wir auch mit dem Stigma des Mißtrauens- Votums belastet weiter mitarbeiten werden. Parteigenossen! Am Tisch des Präsidiums sitzt der Genosse Singer. Er hat uns gestern in unserer Konferenz, als wir den Versuch gemacht haben, einen Ausgleich zu schaffen, zu verstehen gegeben) daß es endlich« nderZeit sei, mit den Verschleierungen und Verkleiste- rungen ein Ende zu machen.(Hört, hört!) Wenn das einer von uns sagt, die wir' hier gegen eine Anklage uns ver- teidigen, und mit Vorwürfen der fchioersten Art belastet, wie sie uns in den letzten Wochen entgegengetreten sind, sich versteigt, so nehmen Sie uns das nicht übel. Aber der Mann, der an der Spitze unserer Partei steht, hat die Aufgabe, zu ver- einigen, und nicht zu trennen.(Lebhafter Beifall bei den Süddeutschen.). Die Anklage auf Parteiverrat und Disziplinbruch weise ich weit von mir.(Bravo!) Wenn ich Sie auffordere, uns zu schützen vor diesem Stigma, so sage ich, wäre es die aller- erste Aufgabe des Parteivorstandes und seines Pir ä s i d en t en, daß sie aus unserer Seite stehen und daran denken würden, daß, wenn wir uns heute auch noch so sehr erregen über diese Frage, doch wieder ruhige Zeiten kommen.(Sehr wahr!) Ich erinnere daran, wie es gegangen ist. als wir uns seinerzeit über die Frage d>er Beteiligung an den preußischen Landtagswahleu unterhielten. Da habe ich zu denen gehört, die der Meinung waren: Was ist das für eine Situation, ein Land wie Preußen mit einer solchen Arbeiter- schaff, nnt einer solchen Organisation soll stillstehen, soll schlafen, wo die Geschicke des Volkes in der Gesetzgebung beraten werden? Ich habe damals dafür gestimmt, daß die preußischen Genossen sich an den Landtagswahlen beteiligen sollten, und wir sind genau wie heute als dumme Kerle, als halbe Parteigenossen behandelt worden, die es gar nicht ernst meinen mit der Partei. Mit größter Gehässigkeit wurden damals die Beratungen geführt. Und als wir zu Hause waren, war alles ruhig. Heute aber schreibt die„ V o r w ä r t s"-Redaktion Jubelartikel darüber, daß es gelungen ist, in den preußischen Landtag Abgeordnete z u w ä h l e n. So gut Sie hierin unserem Beispiele gefolgt sind, so ist es noch mit einer ganzen Reihe anderer Dinge geschehen. Ebenso haben wir uns in der eindringlichsten Weise über die Frage der Annahme des Vizepräsidentcnpostens unterhalten. Wer es gewagt hätte, dafür zu stimmen, war nur ein halber Parteigenosse, ein Revisionist. Die Oesterreicher haben es einfacher gemacht: Sie haben nicht geredet, sie haben eS gemacht.(Sehr gut!) Die Leute., die wieder den Budgetkrakeel auf dein Gewesen haben, sind zum großen Teil Leute, die noch niemals dartm gewöhnt waren, für ihre Tätigkeit innerhalb der Partei irgend eine Verantwortung zu tragen. Und das beleidigt. das kränkt uns, daß der Parteivorstand nicht im stände ist, zu ver- hüten, daß alle diese Kämpfe in erster Linie von Leuten veranlaßt werden, die gar nicht in die Lage kommen können und wollen, dieselbe die Verantwortring wie wir zu übernehmen, und dann auch die Konsequenzen aus diesen Be- schlüssen zu tragen.(Bebel: Da-Z ist ja unmöglich.) Ja, das ist sehr möglich, Genosse Bebel, darüber denken nicht nur ich, sondern auch andere Leute so. ES gibt keine Partei in der Welt, die sich ihre taktische Beschlußfassung, ihre Richtung vorschlagen läßt von Leuten, d i e nicht mitten im Kampfe stehen, die «nS nur dirigieren wollen, aber uicht mit uns arbeiten.(Lebhafter Beifall bei den Süddeutschem Große Unruhe.) So geht es eben in solchen Kämpfen, da kommen auch solche Dinge zur Sprache, die dein Einzelnen unangenehm sind, die aber bei solchen Gelegenheiten auch zum Ausdruck gebracht werden müssen, um mit Lassalle zu sagen, was ist!— Es sind dieselben Parteigenossen, die uns vor wenigen Jahren zu überzeugen suchten, daß es notwendig sei, durch den Parteitag beschließen zu lassen, daß d�e r M a s s e n st r e i k angewendet werden müsse. In Jena haben wir uns ja beinahe darüber die Köpfe zerschlagen.(Bebel: Unglaublich l) Genosse Bebel, Ich habe Ihre Rede von damals jetzt vor dem Nürnberger Parteitag noch einmal gelesen, auch die von Rosa Luxemburg.(Pfannkuch: Auch die von Elm?) Auch die. ES war nicht die schlechteste.(Pfannkuch: Nein, aber die röteste. Heiterkeit.) Ich will nur feststellen, diejenigen, die die Resolution abgelehnt haben, wurden damals auch nur als halbe Genossen, als zweifelhafte Charaktere hin- gestellt. Unser Jenaer Parteitag ist vorübergegangen, der Mann- heimer auch, und ich bin der Meinung, wenn wir den Massenstreik machen, beschließen wir ihn nicht erst.(Zuruf Bebels.) Ja, dann sind wir verschiedener Meinung. Genosse Bebel, ich bin der Meinung, den Massenstreik mutz man niachen, aber nicht an die Wand malen. So wie es mit diesen Dingen gegangen ist, geht es mit der Bndgetbewilligung auch. Ich kann nicht das Verdienst in Anspruch nehmen, schon einmal prophezeit zu haben, daß einmal eine Zeit kommt, wo eine andere Abstimmung über die Budgetfrage auf dem Parteitage notwendig werden wird. Es tut mir leid, daß wir so viel Nervenkraft und Energie an die Beratung dieser Bndgetfrage hier setzen müssen.(Sehr richtig!) Sie wären viel nötiger anzuwenden gegen andere Leute, gegen NichtParteigenossen.(Sehr richtig I) Heute erregen wir uns, aber trop dieser Erregung kann ich versichern, daß ich getrosten Mutes von Nürnberg nach Hause gehe. Ich weiß, daß ich zu denjenigen Besiegten gehören werde, deren Anschauungen später ein- mal anerkannt und durchgeführt werden. Die Frage wird so lange eine Frage dcS Prinzips sein, als sie sich auf einzelne beschränkt. Sie wird aufhören, es zu sein, sie wird auch zur praktischen Frage werden, sobald auch die anderen mit darunter zu leiden haben. Die Resolution ist für imS un- annchmbar, wenn der Vorstand nicht eine Aenderung vornimmt, und wenn Sie von Ihrer Mehrheit Gebrauch machen— das Recht haben Sie ja dazu�— so haben Sie uns einen Beschluß aufgedrängt, der uns nach unserer Ueberzeugung unsere Stellung erschwert, unsere Er- folge verhindert und deshalb ist er unannehmbar. Ich habe keinen Auf- trag, Ihnen zusagen, was wir tun, wenneoie von der Mehrheit Gebrauch inachen, aber ich für meine Person kann Ihnen sagen: Nehmen Sie die Resolution an, s» haben Sie uns damit nicht der Pflicht ent- buildcn, bei jeder nächstjährige» Biidgctberatung z» überlegen, ob eS das Interesse der Arbeiter„nd das Ansehen der Partei erfordert, dagegen oder dafür zu stimmen. Wir werden dabei selbstverständlich, soweit ich dabei in Frage komme, etwas vorsichtig sein, wir sind etwas gewitzigter geworden. Wir werden die Kollegen vom Partei- vorstand vor die Frage stellen, mit uns vorher zu beraten, um nicht eine Situation h la St. Gallen zu schaffen.(Zuruf: Na also!) Also nehmen Sie»mscre Aeußerung nicht als eine Drohung. als eine Absicht zur Spaltung der Partei, aber erkcnncir Sie daraus, daß wir überzeugt sind, daß Sie versuchen, uns tu unserer Stellung, in unserer politischen Ehre zu kräiiken, und das sollten Sie nicht tun, im Interesse der Simoa-Nürnberg (mit 30 Minuten Redezeit): Ich will ans die Polemil in der Presse nicht eingehen. Auf beiden Seiten ist gefehlt worden. Und niemand als ich verurteilt schärfer, daß über da? Ziel hinausgeschossen wurde. Ganz unnötig verschärst wurde aber die Behandlung der Frage von vornherein durch den Landesvorstand der badischen Parteigenossen, die dem Parteivorstand erklärt haben, hier haben wir ein Schweigegebot.(Sehr richtig!) Wäre das nicht ge- schehen, so wäre die Diskussion nicht in dieser Schärfe geführt worden.(Sehr richtig!) Es wurde in der„Frmikischen Tagespost" die Meinung ausgesprochen, daß wir einander vorbeireden; und es ist so. Aber warum reden wir einander vorbei? Weil eben die Parteigenossen, die für das Budget gestimmt haben, von Voraussetzungen ausgegangen sind, die wir nicht billigen können. ES wurde hier gesagt, daS Parteiprogramm ist kein ,)papierner Papst". Und auch ich stehe auf dein Standpunkt, daß wir nicht Parteibeschlüsse fassen können, die Gültigkeit haben für immer und ewig. Aber wenn man zu der Auffassimg gelangt ist, daß Beschlüsse nicht mehr aufrecht erhalten werden können, daiui soll man den Weg gehen, den man bisher gegangen ist.(Sehr richtig!) Dan» soll man auf den Parteitag gehen, und soll die Abänderungen zu erlangen suchen.(Lebhafte Zustimmung.) Deshalb wären all die wunderschönen Auseinandersetzungen hier viel angebrachter gewesen vor einem Parteitag, den man nicht vor das Faktum der Budgetbetvilligung gestellt hätte, sondern auf dem man beraten hätte, aus welchen Gründen man die Abstimmung beim nächsten Male ändern müsse. (Sehr richtig!) Das wäre der richtige Weg gewesen, der uns vor solchen Erschütterungen, vor solchen parteischädigenden Diskussionen bewahrt hätte. Meine Kollegen in der Fraktion des bayerischen Landtags, die für das Budget gestimmt haben, waren der Auffassung— und ich will gern zugestehen, daß das nicht vorgeschobene, sondern tatsächliche Auffassung war daß sie sich mit der Zustimmung zun: Budget im Nahmen der Lübecker Resolution bewegten. Die Aus- führungen Singers kann Timm für seine Anffassimg nicht heran- ziehen. Es gibt da auch noch Ausführungen von anderen Genossen und Genossinnen in dieser Frage. Und da ist doch außerordentlich charakteristisch das, was die Genossin Zetkin angeführt hat, um eine Verschärfung der Resolution abzuwehren. Sie sagte:(und zwar war das gegen eine Singersche Streichung gerichtet)„Nehmen Sie den Antrag Bebel an. Ich fürchte nicht, daß der PaffuS zum Hinter- türchen fübrt, mittels dessen die Genossen den Beschluß um- gehen. Ich fürchte keine Sophisterei. Gegen Illoyalität hilft uns auch die feingeschliffene Resolution nicht." Betrachtet man die Frage von dem GesichtSpnnkte der Lübecker Resolution aus und wie die Mehrheit für die Resolution zustande gekommen ist, so muß man sagen, die Auffassung der Genossen war irrig. Die Zu- stimmung zum Budget in Bayern läßt sich unter die zwingenden Gründe nicht zusammenfassen. ES wurde soviel davon gesprochen, daß, wer im praktischen Leben steht, wer die Fühlung mit der Masse nicht verloren habe, zu einer ganz anderen Auffassung kommen müsse. Ja, man soll sich doch nicht so hinstellen und tun, als wenn man allein nur in Fühlung mit der Masse st e h e.(Sehr gut I) Aber so ist es gar nicht. W i r waren gar nicht die Geschobenen. Ich möchte den bayerischen Parteigenossen sehen, der an uns hingetreten wäre und von uns verlangt hätte, wir sollten für das Buget stimmen. (Hört, hört!) Sechs Wochen vor der Vudgetbewillignug fand der bayerische Parteitag statt und hier wurde von keinem Delegierten Budgetbewilliguiig erwähnt.(Lebhaftes Hört, hört!) Daß die Genossen sich hinter ihre Abgeordneten stellen, ist er- klärlich. Aber geschoben haben sie uns nicht. Ja, ich wage zu behaupten, daß— wenn wir gegen das Budget gestimmt hätten— nicht ein einziger Widerspruch bei der Berichterstattung in der Versammlung laut geworden wäre.(Lebhaftes Hört, hört! Zuruf: Beweisen!) Ich werde eS beweisen. Wir haben bisher in Bayern das Budget abgelehnt, und es ist außerordentlich charakteristisch, womit diese Ablehnung im Handbuch begründet ist, das den agitatorisch tätigen Genossen mit auf den Weg gegeben wird. Da heißt eS: „Die Sozialdemokratie hat vom ersten Tage ihrer Anwesen� heit im bayerischen Landtage an unbestritten eine eminent praktische Tätigkeit entfaltet und aus einer ganzen Reihe von Gebieten sich als die hauptsächlichste Triebfeder des Fortschritts erwiesen. So hat denn auch der giftigste Gegner nicht vermocht, unserer LandtagSfraktion den sonst so beliebten Vorwurf eines Mangels an positiver Arbeit zu machen. Anstatt dessen sucht man aber ab und zu— wenn alle Kampsmittel versagen— mit einem anderen Einwände gegen sie Stimmung zu niachen. Man erkennt zwar notgedrungen an, daß sie si'ir alle nötige» und kulturellen Dinge. für Bildung und Erziehung, für Verkehr und Industrie, für Gewerbe und Landwirtschaft, � Arbeiter und StaatSangcstellte mit Eifer eingetreten ii(,_ und die bei den einzelnen Abschnitten deS Staatshaushaltes dafür erforderlichen Mittel bewilligt hat. Aber, fügt man hinzu, wenn die Sozial- demokraten bei der Schlußabftimmung über das Finanzgesetz sich ablehnend verhalten, verweigern sie doch alle Mittel für die Staatsbedürfnisse. Diese Behauptung ist aber gruud- falsch und zeigt, soweit eS sich nicht um eine verwerfliche, absichtliche Irreführung der Wähler handelt, von einer im- gewöhnlich geringen Kenntnis des inländischen und ausländischen Parlamentarismus, dcuu es ist eine alte Art auch bei bürgerlichen Parteien, wenn sie sich in einer scharfen Oppositionsstellung be fanden, daß sie die Gesamtabsiimmung über das Budget dazu be. nutzten, um ihre ablehnende Hallung gegen das herrschende System zum Ausdruck zu bringen."(Lebhaftes Hört! hört!) Ich wage weiter zu behaupten, daß wir uns in Bayern noch niemals in einer günstigeren Situation befunden haben, wenn man schon einnial die Gründe billigt, die für die Bewilligung des Budgets angeführt werden können— ich billige sie nicht— ich wiederhole, eS war die Situation für uns niemals günstiger wie diesmal, daS Budget abzulehnen.(Hört! hört!) Wir haben dem Kultus- uiinister Wehn er Verfassungsbruch vorgelvorfen. Unser Freund Scgjtz hat in einer geharnischten Rede nachgewiesen, daß der Minister die Verfassung verletzt hat. Er hat seine Rede mit den Worten geschlossen: „Die Frage ist nämlich die, ob der Minister das Recht habe, auf Grund der Verfassung den Lehrer Behl zu maßregeln. Diese Frage muß mit allem Nachdruck verneint und scharf hervorgehoben werden, daß in dieser Sache die Staatsregicrung sich einer Vor- lctzung der Verfassung schuldig gemacht hat. Meines Erachtens wäre eS Aufgabe des Landtages, daraus die Konsequenzen zu ziehen, den Versuch zu machen, ein Verfahren zur Ministeranllage gegen die Staatsregicrung einzuleiten."(Hört! hört!) Wenn wir in der Erklärung, die wir gegen das Budget ab- gegeben haben, gesagt hätten, wir erkennen zwar an. daß auf den und den Gebieten Fortschritte erzielt sind, daß uns ans manchen Gebieten Entgegenkommen gezeigt ist, wir lehnen aber daS Budget ab, weil wir einem Ministerium, das den Verfassungsbruch eines seiner Mitglieder deckt, kein Vertrauen entgegenbringen können, dann hätten wir unsere Haltung auch dem Jndiffereniesten klar machen könne».(Lebhaftes: Sehr richtig!) Also auch nach dieser Richtung hin bestand kein zwingender Grund. das Budget zu bewilligen. Daß gewisse An- sähe zur Gleich oerechtignng vorhanden sind, erkenne ich an, aber auch nur Ansätze. Das Beamtengesetz, das von uns in seinen einzelnen Artikeln auf daö entschiedenste be- kämpft wurde, und gegen welches ich mehrere Male in FraktionS- sitzungen gesprochen habe, ebenso wie Adolf Müller und Schmitt, dieses Gesetz habe ich als ein Ausnahmegesetz gegen uns s e l b st bezeichnet. Ich habe mich trotzdem dem Beschlüsse der Mehrheit gefügt, weil ja hier kein Parteitagsbeschluß vorlag. Ich kann»rich selbst, wenn ich Gegner eines Gesetzes bin, einein Ve- schlusse der Fraktion fügen, wenn nicht ein Beschluß des Partei- tages dem entgegensteht.(Sehr richtig!)— Dieses Gesetz sagt in seinem Artikel 11: „Der Beamte hat alle Obliegenheiten des ihm übertragenen Amtes den Gesetzen, Verordnungen und Dienstvorschriften cnt- sprechend gewissenhaft wahrzunehmen, und sich durch sein Ver- halten in und außer dem Amte der Achtung, die sein Beruf erfordert, würdig zu erweisen." Artikel 16 lautet: „Die Teilnahme an einem Verein, dessen Zweck oder Be- strebungen den staatlichen oder dienstlichen Interessen zu- widerlaufen, ist den Beamten untersagt."(Hört! Hört!), Und in Artikel 24 heißt es: „Die Vorschriften in dem Artikel 11 über das Verhalten außer dem Amte, sowie die Vorschriften der Artikel 14, 17 und 26 finden auch auf die einstweilen oder zeitlich in Ruhestand ver- setzten Beamten entsprechende Anwendung. Auf die im dauern- den Ruhestände befindlichen Beamten finden lediglich die Vor- schriften in dem Artikel 11 über das Verhalten außer dem Amte, sowie die Vorschriften der Artikel 14 und 20 entsprechende Anwendung." (Lebhaftes Hört? Hört! Zuruf: Ist ja desavouiert!) Mir wird zugerufen, das ist von Pfaff desavouiert, da er erklärt habe, in Bayern bestehe zurzeit kein Verein, dem ein Beamter nicht angehören könne. Dem- gegenüber steht aber die programmatische Erklärung des Ministerpräsidenten Podewils» die Bebel vorher verlesen hat. Warum hat man sich dann g c- weigert, diese Artitcl zu streichen?(Zuruf: Wegen der Staatsbeamten!) Wir wollen uns doch darüber nicht streiten. Wenn man einem Lehrer Beyhl wegen einiger kräftiger Worte die Disziplinicrung androht, dann wird, wenn der Lehrer, den wir als Nachfolger für Ehrhart als Kandidaten aufzustellen beabsichtigen. in Versammlungen unsere programmatischen Forderungen auf Trennung der Kirche vom Staat und der Kirche von der Schule be- gründet, Herr v. Wehner erklären: Was fällt denn dem Menschen eigentlich ein!(Sehr gut!) Man glaube doch nicht, daß, wenn man schon jemand zu disziplinieren droht, der nur einige wenige kräftige Worte gefunden hat, im Interesse einzelner Berufskollegen, man dann einen Sozialdemokraten, der wirklich sozial. demokrajtische Propaganda entfaltet, ungc- schoren läßt.(Lebhafte Zustimmung.) Aber noch ein anderes: In derselben programmatischen Erklärung, die Herr v. Podewils über den Fall Roßhaupier abgab, äußerte er sich auch über die Reichstagsauflösung, und zwar sagte er, in erster Linie sei nur das Urteil der militärischen Autoritäten, nicht aber das Ermessen des Parlamentes als aus» schlaggcbend anerkannt worden. Es durfte nicht der Eindruck hervorgerufen werden, als ob die Truppenzahl durch das Parlament ziffernmäßig eingeschränkt werden könnte. Es durfte nicht ein Präzedenzfall geschaffen werden. Aus diesen Gründen hat die bayerische Regierung sich mit der Auflösung des Reichstages ein- verstanden erklärt, falls der Reichstag den Nachtragsetat ablehne oder die Beendigung des Aufstandes durch Aufstellung einer Ziffer einschränken sollte.(Hört! hört!) Also die Ncichspoliti! wurde in diesem Falle vollständig gebilligt. Ich kann nicht auf all das eingehen, was Frank gesagt hat. Ich will nur eines hervorheben. Wenn Frank Tarifabs chlü sie mit der Budgetbewilligung vergleicht(Heiterkeit), dann beweist er höchstens, daß er von Tarifabschlüsscn nichts versteht. Jetzt erleben wir das Schauspiel, daß in Versammlungen und auf Parteitagen die Handlung der Regierung und der Mehrheitsparteien unseres Staates gebilligt werden, ein Schauspiel, das in der Geschichte der Sozialdemo- kratie einzig dasteht.(Stürmischer Beifall.) Man nimmt eine Resolution an, worin man von außergewöhnlichen Auswendungen für die Staatsarbciter spricht. Unsere Reden im Landtag waren ganz anderer Art, dort haben wir darauf hingewiesen, daß die Zuwendungen gar nichts bedeuteten, daß sie nicht einmal so viel ausmachten, als das Leben durch Erhöhung der Lebensmittelpreise, durch die Steigerung der Mieten verteuert worden ist.(Sehr wahr!) Und nun mit einem Biale gibt man dem Zentrum diese Waffe in die Hand, damit es hinausgehe und sagen könne:„Seht, das haben wir gemacht, wir haben so Vor- treffliches für die. Arbeiter geleistet, daß selbst die Sozialdemokratie erklärt: Das sind außergewöhnliche Aufwendungen, denen man zustimmen muß." Ein weiteres: Heute nach 40 Jahren, nachdem wir 314 Millionen Stimmen im Reiche auf uns vereinigten, heute, nachdem Partei- und Gewerkschaftsbewegung eminente, vor Jahren ungeahnte Fortschritte gemacht haben, heute fragen wir uns, ob die Taktik, unter der wir unsere Siege erfochten haben. richtig ist oder nicht.(Sehr gut!) Offen gesagt, das ver- stehe ich nicht. Ja, wenn es richtig wäre, daß wir den Genossen das nicht begreiflich machen können; aber so liegen die Dinge nicht. Wollen wir unsere Handlungen und unsere Taktik so ein- richten, daß uns die Gegner nicht angreifen können, daß uns die Indifferenten verstehen, dann behalten wir unser Parteiprogramm nur hübsch in ber Tasche. (Sehr gut!) Nehmen wir aber einmal an, wir würden dadurch die Mehrheit gewinnen, dann wäre es doch unsere Aufgabe, unser Programm zur Durchführung zu bringen. Die Regierung würde den Landtag auflösen. Glauben Sie, daß die Massen uns dann noch einmal wählen würden?(Sehr richtig!) Ach, man soll doch nicht so töricht sein. Die Massen, denen wir gar nicht klar gemacht haben, warum wir so stimmen, die wir aufzuklären verabsäumt haben, diese Massen werden sagen:„Donnerwetter, was fällt Euch denn ein, dazu haben wir Euch nicht gewählt." Wir können der indifferenten Masse vüel leichter begreiflich machen, warum wir den Etat ablehnen, als warum wir eine Trennung der Kirche vom Staat und der Schule von der Kirche herbeiführen wollen.(Lebhafte Zustimmung.) Es wurde gesagt, wir können nichts ändern, wenn uns eine ge- bundene Marschroute mit auf den Weg gegeben wird. Ich möchte wissen, ob in der Dresdener Resolution keine gebundene Marsch- route liegt, denn es wird dort ausdrücklich betont, daß die Zei- stimmung zum Etat unter allen Umständen zu verweigern ist. Ich war ja nicht dabei, aber ich hätte auch für diese Resolution gestimmt, und tatsächlich ist sie auch mit ganz wenigen Ausnahmen angenommen worden nnd� zwar mit Hilfe der Stimmen aller bayerischen Genossen.(Hört! hört!) Es wird weiter gesagt, es dürfe keine Herrscher bei uns geben. Nein, wir sind Gleiche unter Gleichen, und wenn der Parteitag zu der Auffassung gelangte, daß in irgendeiner Frage nicht so go» handelt worden ist, wie es der Auffassung von den Interessen der Gesamtheit der Partei entspricht, dann war es bisher so, daß die Mi no r i t ä t sich gefügt hat. Sehen wir, daß ein Beschluß nicht haltbar ist, dann arbeiten wir dahin, auf dem nächsten Parteitage einen anderen Beschluß herbeizuführen. Also ich sehe nicht ein, daß zwingende Gründe vorhanden waren, die es uns unter allen Umständen nnmöczlich machten, gegen das Budget zu stimmen. Ich habe schon erklärt: Ich habe die feste Ueberzeugung, meine Kollegen in der Fraklion waren der Auffassung, daß sie ihre Zustimmung mit der Lübecker Resolution vereinbaren könnten, und da stehe ich auf dem Standpunkt, daß man diese ehrliche Auffassung auch auf Seiten derer, die anderer Meinung sind, anerkennen soll.( 3ustimmung.) Wir wollen anerkennen: Ihr konntet vielleicht diese Auffassung haben, aber Ihr habt der Resolution eine falsche Auslegung gegeben. Ist das der Fall, so muß es doch einen Weg der Verständigung geben. So liegen die Dinge nicht, daß man sagen kann; Eure Entscheidung bedeutet ein Mißtrauen gegen uns, und damit fönnen wir nicht ins Land hinausgehen. Das wünsche ich nicht, und ich glaube, Sie alle können das nicht wünschen, daß es auf diesem Parteitag Besiegte oder Sieger gibt. Es muß ein Weg zur Verständigung gefunden werden, und wenn ich auch nicht in der Lage bin, Ihnen einen praktischen Vorschlag zu machen, fo müssen wir doch im Laufe der Diskussion noch dahin tommen, daß wir den Parteitag mit der Erklärung berlassen können: Wir sind heftig aufeinander geprallt, wir haben unsere Meinungen ausgetauscht, aber wir sind zu einem Resultat gekommen, auf Grund dessen wir nach wie vor brüderlich zusammenarbeiten können, um endlich den Sieg zu erringen. Wenn wir das wollen, wenn uns allen darum zu tun ist, eine Ginigung herbeizuführen, wenn wir die Pflicht, für die Befreiung der Arbeiterflasse zu wirken, ernst nehmen, dann muß ein Weg der Verständigung gefunden werden, und bei einigermaßen gutem Willen bürfte das nicht unmöglich sein.( Beifall.) Für die Minderheit der badischen Fraktion erhält das Wort Eichhorn: Deshalb dürfen wir auch nicht auf die Resolution Frohme kommen. Dann hat Hildenbrand cine Mitteilung gemacht, die er Die würde nichts bessern. Für uns in der Minderheit der badischen einer Aeußerung entnommen hat, die ich gestern in einer Konfe Fraktion und eine Zeitlang für die Gesamtheit der Fraktionen, war rens getan habe, die, wie ich betone, auf Wunsch der süddeutschen bindend der Lübecker Beschluß. Genossen stattgefunden hat, ein Wunsch, dem Parteivorstand und Wir haben uns feinen Augenblick gescheut, das offen und ehrlich Kontrollkommission nachzukommen sich für verpflichtet gefühlt anzuerkennen. Als Drees bach 1902 in der badischen Kammer haben. Hildenbrand teilte mit, ich hätte gestern gesagt, ich habe die die Ausführungen machte, die Timm verlesen hat, habe ich nach Verkleisterung fatt, es müsse Klarheit geschaffen ihm geredet. Die Gegner, der Zentrumsführer Wader, ein werden. Das ist richtig. Ich habe aber damit ganz dasselbe nationalliberaler Parteiführer und der Demokrat Muser gesagt, was Segit eine Viertelstunde vorher von Dann hat glaubten Dreesbach nicht, daß er nicht aus Rücksicht auf den seinem Standpunkte aus gesagt hat. Lübecker Beschluß, sondern aus innerer Ueberzeugung gegen das Hildenbrand persönlich gesagt: Ein Mann in einer Stellung, wie Budget stimme. Ich habe dann natürlich aus parteigenössischem ich sie habe, der hat zu einigen und nicht zu trennen. Pflichtgefühl vor unseren Gegnern nicht gegen meinen eigenen ch bemerke, daß ich gestern Hildenbrand auseinandersetzte, daß Parteigenossen polemisiert. Es kommt das leider ja auch vor. Wir diesen Grundsäßen zu folgen gerade die Absicht der Resolution gehaben das im letzten Winter im Reichstage erlebt. Ich habe aber wesen sei. Ich habe Hildenbrand gestern gesagt, daß wir gestern be ausgesprochen:" Wir fassen im Gegensatz zum Demokraten Muser müht waren, aus der Resolution jedes Wort herauszulassen, was die Bewilligung des Budgets als ein Vertrauensvotum als Mißachtung, als Vorwurf gegen unsere süddeutschen Genossen auf, das darin liegt, daß man der Regierung des Staates die ausgelegt werden konnte. Das den Parteigenossen mitzuteilen, hat Mittel zur Weiterarbeit bewilligt und ihr vertrauensvoll Hildenbrand heute vergessen. Ich überlasse es dem Urteil der die Verfügung über das Budget in die Hände Parteigenossen, ob feine Bemerkung berechtigt war. legt," und habe dann weiter ausgeführt:„ Es kommt nicht allein auf die Ausgaben und Einnahmen des Budgets an, sondern darauf, wie die Politik der Regierung überhaupt beschaffen ist. Das ist auch in der Lübecker Resolution ausAntrag 133: Der Parteitag erhebt energischen Protest gesprochen." Und ohne zu polemisieren, habe ich wenigstens in iener Sigung den Gegnern gegenüber diesen Standpunkt auch gegen die von der Mehrheit des Reichstages geschaffenen AusVerbot der Muttersprache in öffentlichen Ver. etwas gewahrt, den die Fraktion seitdem ununterbrochen nahmegefebe gegen die Polen und besonders gegen das eingenommen hat, bis zur letzten Abstimmung. 1904 wurde ich sammlungen. Das Bestreben der hatatistischen Regierung, beauftragt, im Namen der Fraktion eine die Polen systematisch zu germanisieren, kann die Sozialdemokratie nicht nur nicht dulden, sondern sie muß es auch mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln bekämpfen. Zugleich fordert der Parteitag die polnischen Proletarier auf, fich der sozialdemokratischen Partei anzuschließen, denn nur auf diesem Wege, durch die Stärkung der Klassenpartei des Proletariats, kann die herrschende Reaktion, deren Teilerscheinung die polenfeindliche Politik ist, er Brüdner und 22 Genossent. folgreich bekämpft werden. Erklärung zum Budget abzugeben, die ganz kurz und bestimmt lautete: Weil wir dem heutigen lassenstaat die Mittel zu seiner Politik nicht bewilligen wollen, stimmen wir gegen das Budget." Schluß 6% Uhr. Antrag 134: Der Parteitag bestätigt von neuem die Resolution des Lübecker Parteitages. Es beschließt, um Streitigkeiten über eine eventuell aus zwingenden Gründen notwendig erscheinende Zustimmung zu einem Budget zu vermeiden, daß sich die Fraktionen in den Einzellandtagen darüber zunächst mit ihren Landes. vorständen und dem Parteivorstand zu verstän Frohme und 22 Genossen. bigen haben. lution zur Budgetfrage zu streichen. Antrag 135: beantragt, den legten Absatz der Lübecker Reso Georg Schöpflin mit 19 Genoffen. Die Minderheit der badischen Fraktion erblickt in der Zuftimmung zum Budget einen Verstoß, der dadurch hervorgerufen ist, weil man glaubte, daß sich die Haltung decken ließe durch den Schlußsaz der Lübeder Resolution. Ebenso wie Frank verlangt, daß man die Haltung der Partei würdige nach dem Grundsatz der Erwägung ernster Männer, ebenso verlange auch ich, daß man die Haltung der Frattions minderheit unter diesem Gesichtswinkel würdigt. Es ist in der badischen Fraktion von der sehr starten Minderheit, 5 unter 12, nachdrücklich darauf hingewiesen worden, daß die Zustimmung zum Budget einen Verstoß gegen die Lübecker Resolution bedeutet. Es Und 1906 die Genossen Kolb und Frank gehörten daist mit allem Nachdruck auf die Folgen einer solchen 3utlärung abgegeben mit einer Begründung, die inhaltlich und mals der Fraktion schon an hat Adolf Ged eine längere Gr= stimmung aufmerksam gemacht worden. Alle Gründe der Mehrheit sind geprüft worden, und die Minderheit ist zu der An- Prinzipiell genau dasselbe befagt. Das ist beschlossen von der schauung gekommen, daß diese Gründe nicht zwingender Mehrheit der Fraktion, einstimmig, wenn ich mich recht erNatur feien und auch nicht unter die Bestimmungen innere. Ich glaube, Stolb hat aber in der Fraktionsberatung der Lübecker Resolution fallen. Man hat die Gründe schon seinen anderen Standpunkt vertreten. Aber bei der Beschluß der Minderheit in den Wind geschlagen. Hätte die Mehrheit der fassung hat er sich jedenfalls auf den Standpunkt gestellt, das Fraktion loyal handeln wollen, hätte sie schon an den Budget ist abzulehnen, und zwar unter dem prinziEffener Parteitag herantreten müssen, denn schon damals Da hatten wir also die grundsäbliche Ablehnung von piellen Gesichtspunkte der Lübecker Resolution. entstand die Meinung, daz die Lübecker Resolution 1902 bis einschließlich 1906. Und nur 1908 kam die ihnen zu enge Fesseln auflegte. Wäre es nicht möglich Schwentung. Nun sagte die Mehrheit unserer Fraktion, es gewesen, durch den Essener Parteitag die Resolution ändern zu ist ja gar keine Prinzipienfrage, es ist eine tattische Frage. lassen, so hätte man in diesem Jahre noch gegen das Budget und man ist noch etwas weiter gegangen. Man hat von leerer stimmen und sich dennoch an den Nürnberger Parteitag 3eremonie gesprochen, von einer leeren Formensache, die gar wenden müssen.( Sehr richtig!) Man sagt, daß die norddeutschen feine Bedeutung habe. Na, Parteigenossen, das eine werden doch Die Sozialpolitik und der neue Kurz. Genossen die Brandfadel erhoben hätten, daß unsere Verhandlungen alle, auch die, die für die Bewilligung gesprochen haben, zugeben" Die technische Entwickelung der Industrie führt zur beschleu provoziert seien von einigen unverantwortlichen Parteigenossen, müssen, daß wir vorerst noch im Klassenstaat leben, daß nicht nigten Konzentration des Stapitals, die in den Kartellen und Syndie in die Verhältnisse der einzelnen Parlamente nicht eingeweiht nur das ganze Reich als solches, sondern auch seine Bestandteile, ditaten ihren bisherigen Höhepunkt erreicht hat. Die Konventionen, find. Nein. Wenn jemand die Verantwortung trägt für die Bundesstaaten, Klassenstaaten an sich sind. Da wird Kartelle und Syndikate, die zur Trustbildung führen, find notdiese Anschauung, dann sind es die Mehrheiten der Land- man doch weiter zugeben, daß das Budget den Lebensnerv wendige Erscheinungen der kapitalistischen Entwickelung. Durch tagsfrattionen in Süddeutschland infolge ihres illoyalen bes Staates darstellt, daß es der rechnungsmäßige Ausdrud die Kartellbildung und die Gründung von Berufsgenossenschaften Verhaltens. Man spricht von Zwischenträgern, um der De- für die Herrschaftsverhältnisse im lajien staate finb jene Unternehmerorganisationen gestärkt, die ihre Spike gegen batte ein persönliches Gepräge zu geben und Stimmung zu machen, ist. Wenn man das zugibt, wenn man zugibt, daß im Pudget sich die Interessen der Angestellten und Arbeiter richten und bestrebt, ich weiß nicht, was damit gemeint ist. Ich weiß nicht, ob der Partei- die Tendenzen der Regierungspolitik berförpern, dann braucht man vorstand es nötig hat, Mitteilungen aus unberantwortlichen Streifen zu erhalten in Formen, die man als Zwischenträgerei bezeichnen fann. Die Genossen, die solche Vorwürfe erheben, sollten den Mut haben, zu sagen, wer die Zwischenträger sind. Stuttgarter Konferens aus Resolution zum Punkt: und die Angestellten und Arbeiter böllig zu entrechten, um die Aussich nicht zu wundern, daß die Haltung unserer Parteigenossen im beutung steigern zu können. Die bürgerlichen Parteien, Parlament, die jetzt für das Budget gestimmt haben, bei den ein- bie in den letzten Jahren eine große Anzahl sozialpolitischer Anzelnen Budgettiteln eine ganz andere gewesen ist, als bei der träge gestellt haben, deren Inhalt sie aus früher von Sozialdemo Schlußabstimmung. Daß wir im Klassenstaate leben und ihn sehr traten gestellten Anträgen entnehmen, haben weder die Auf der Würzburger Konferenz wurde die Frage energisch bekämpfen, kann man auf jeder Seite der dicken steno- Fähigkeit noch den Willen, die in diesen Anträgen Auch gestellten Forderungen durchzuführen. Die Regierung hat der Budgetbewilligung aunt ersten Male angeschnitten, aber die graphischen Berichte unserer Einzellandtage nachlesen. Vielleicht Gewerbeordnung Verhandlung ist auf Einspruch unterblieben. neuesten Entwürfe zur in unserem badischen Landtage haben wir den Beweis das durch die Mangel an Zeit, vielleicht auch, weil sich eine solche Frage nicht für. So hat Kolb mit vollem Recht beim Justizetat die Arbeitskammergefes, offen bekundet, daß sie nicht gewillt ohne weiteres und unvorbereitet behandeln läßt. Nebenbei belassenjustiz festgestellt. Sein Boltsfreund" hat ganz ist, eine Sozialpolitit zu treiben, die den mertt ist es auch nicht loyal, wenn man nicht alle Abge- richtig in seiner Schlußkritik über den Landtag auf die Schwen Widerspruch des Zentralverbandes deutscher ordneten über die Pläne verständigt. Ich, der ich tung der badischen Regierung nach rechts und ihrer Industrieller hervorruft. Angesichts aller dieser Era allerdings in diesem Jahre verhindert war, oft im Landtage zu Kriegserklärung gegen die Sozialdemokratie fcheinungen wird es notwendiger als je, daß das Proletariat fein, aber seit dem Jahre 1901 dem badischen Landtage angehöre hingewiesen. In seiner Schlußrede sprach Kolb gang richtig von alle seine Kräfte zusammenfaßt, um seine physische und moralische und früher keine Sigung versäumte, ich wurde nicht von den dem Aschenbrödel Wolfsschule" im badischen Staat. Gesundheit und Kampffähigkeit zu erhalten und zu steigern. Würzburger und Stuttgarter Konferenzen unterrichtet. Erst an Und diese Kritik können sich die bayerischen und württem. Es ist dringend notwendig, daß jeder Arbeiter der Gewerk Tage vor der Stuttgarter Konferens, als ich bom bergischen Genossen merken, denn bei ihnen liegen die Schulschaft seines Berufs angehört. Ebenso notwendig aber ist Reichstage heimkehrte, hörte ich zufällig, daß eine Konferens verhältnisse eher noch schlimmer. Und da fommt eine energische politische Agitation innerhalb wie außerhalb stattfinde, die sich auch mit der Budgetfrage beschäftigen werde, und rank und stellt die Theorie vom Apfelbaum auf, der geschüttelt des Parlaments zur schleunigen Durchführung der im letzten daß Kolb dazu delegiert sei. Früher kannte man eine solche werden müsse, und sagt, man fönne eine ganze Menge schöner Abschnitt unseres Parteiprogramms sowie in der Münchener Delegation nicht, da erging an alle Abgeordneten das Ersuchen, Früchte vom großherzoglich badischen Apfelbaum schütteln, und Resolution über die Arbeiterversicherung gestellten Forderung. daran teilzunehnten. Man hat behauptet, die Diese stellten die zwingenden Gründe" für die Budgetbewilligung Es ist ferner au fordern: 1. Schaffung eines einheitlichen dar. Es ist richtig, die Eisenbahnerorganisation ist anerkannt. Arbeiterrechts für alle gegen Lohn oder Gehalt beschäftigten Aber einstweilen ist es nur ein Versprechen. Bei den Ar- Personen, 2. Sub der staatsbürgerlichen Rechte, fei ganz belang los gewesen. Ich glaube, es war Irich, der beiterkammern hat Minister v. Bodmann eine Erklärung zugunsten reizügigkeit, Stoalitionsrecht usw. gegen Angriffe durch Privatgefagt hat, fie diente lediglich dazu, Drucksachen auszutauschen. des gewerkschaftlichen Kampfes abgegeben, aber ausdrüdlich nur berträge, Berbot der Konkurrenzklausel, Personaltonventionen ( Heiterkeit.) Am Montag nach der Konferenz tam sob zu für jeine Person, und man hört ja immer bei solcher Ge- und ähnliche Abmachungen, die die Angestellten und Arbeiter in mir, begrüßte mich und sagte, indem er aus seiner Freude kein legenheit vom Ministerium, daß man im Bundesrat einen ihrer Bewegungsfreiheit zu hindern geeignet find. 3. Sicherung Sehl machte was ich an feiner Statt auch gemacht hätte-: Ich Einfluß habe. Für die Erhöhung der Gehälter sind des geistigen Gigentums an Erfindungen und Entfann Dir eine Mitteilung machen daher seine Freude daß wir auch in früheren Jahren eingetreten und haben das Budget bedungen. 4. Gesetzliche Vorschriften für sogenannte Wohl. Bollmar festgestellt hat, am Schlusse der Konferenz boch abgelehnt. Man hat vergessen, daß der Apfelbaum auch sehr und das Eigentumsrecht der Angestellten und Arbeiter an den fahrtseinrichtungen, wodurch eine Kontrolle ermöglicht hätte bolle Einmütigkeit darüber geherrscht, wurm sti chige Früchte trägt: Alaffenurteile gegen und das Eigentumsrecht der Angestellten und Arbeiter an den daß das Budget bewilligt werden müsse." und als Streitfünder usw., Versammlungsverbote, selbst bezahlten Beiträgen sichergestellt wird." besondere Bestärkung seiner Freude bezeichnete er, daß Genosse gegen Kolb.( Kolb: Ich habe den Vortrag doch gehalten!) Das Neil, der bisher als Gegner gegolten habe, derselben Meinung ist ganz gleichgültig. Aber die Regierung hat ihn Dir verboten. Resolution zum Punkt fei. So lag es in Wirklichkeit mit der Stuttgarter Konferens. Ich erinnere an die Steuergesete, und auch im letzten BeEs ist nicht richtig, daß besonders zwingende Gründe den Beschluß der babischen Frattion herbeigeführt haben. Ich meine vielmehr, ben Klassen dienende, die Arbeiterklasse schwer schädigende und den Die ben materiellen Interessen der befizenden und herrschen. daß der Stuttgarter Beschluß den eigentlichen Anstoß dazu ge Weltfrieden bedrohende Militär, Marine- und Kolo. geben hat, für das Budget zu stimmen.( Sört! hört!) Nun wird nialpolitit des Deutschen Reiches führt zu ununterbrochen behauptet, daß der Beschluß durch die Lübecker Resolution und die Das muß man doch alles mit berücksichtigen, wenn man den steigenden Ausgaben, deren Deckung bei dem jetzt geltenden Steuer Bewegungsfreiheit, die sie gibt, gedeckt sei. Nachdem Bebel, der großherzoglich badischen Apfelbaum schütteln will. Und wenn ge- systera nicht zu erlangen ist. Troßdem seit dem Jahre 1888, dem berufenste Interpret( David: Die Resolution rührt ja gar nicht fagt wird, wir bilben das Bünglein an der Wage, nun, in 4 Jahren Regierungsantritt des jebigen Kaisers, die eigenen Einnahmen des von ihm her! Bebel: Die Resolution ist von mir eingebracht!) so beflariert hat, verstehe ich nicht, warum man sich nicht in Lübeck haben wir ein einziges Mal den Ausschlag gegeben. Reiches von 821 Millionen Mart auf 1732 Millionen im Jahre 1907 mit aller Schärfe und Deutlichkeit gegen diese Deflaration gewehri aufbefferung zu beffern. Aber unsere Abstimmung war gana Reiches von 720 Millionen Mart auf 4300 Millionen angewachsen. hat, das ist jedenfalls nicht geschehen. Von den beiden Fällen, in benen die Bebelsche Resolution die Zustimmung zum Budget frei- gleichgültig, eine große Mehrheit war ohnehin für Die Steuern, des Reiches find ungerecht und un. Sen Antrag gesichert.( hört! hört!) Ich bedauere, daß es wirtschaftlich. Durch die Bölle und Verbrauchsgibt, trifft nicht einer für die Mehrheit der Badener Fraktion zu mir die Redezeit nicht ermöglicht, auf die inneren Gründe, die viel abgaben werden die ärmsten Klassen der Bevölkerung ( Lebhafte Buftimmung.) In einem solchen Konflikt, noch dazu, wichtiger sind, einzugehen. Vielleicht bietet sich noch im Laufe der am schärfsten betroffen. Dabei fommt nur ein geringer wo die Minderheit so start wie in diesem Falle ist maren 5 unter 12 hätte die Majorität einsehen müssen, daß die Diskussion die Möglichkeit. Weber den Standpunkt der Abstimmung höchst bedenklich sei. Sätte man nicht feinen Umständen hinausbrängen lassen. Die liberal fein wollen, wie die Stuttgarter Fraktionsmehrheit, als sie von ihrem Beschluß zurüdtrat, jo hätte man doch wenigstens an den ist das mindest e.( Bustimmung.) Die Resolution spricht Vorstand schreiben und sagen sollen, es wären Differenzen in der einen Tadel, teine kritit aus, fie forbert nur Alar Fraktion, wir forderten ein Gutachten darüber, wie die Lübecker Re- heit, die müssen wir haben. Sorgen wir, daß wir nicht durch folution aufzufaffen sei.( Lebhafte Zustimmung.) Das hat man solche Opportunitätspolitik immer weiter auf die schiefe Ebene nicht getan, benn man wollte es nicht. Damit fällt geraten, auf die Ebene einer forrumpierten Politik, wie wir es auch die Frohmesche Resolution.( Lebhafte Bu- bei einer anderen Partei in der letzten Zeit gesehen haben! e stimmung.) Wir kommen damit nicht weiter, als mir jest schon find. Man will eben den Parteivorstand nicht fragen. Man erfennt ihn nicht als eine ausschlaggebende Instanz an, weil er die besonderen Verhältnisse in den einzelnen Landtagen nicht fennen soll. Ja, man fommt sogar von der Praxis des Parteitages ab, die Mehrheitsbeschlüsse des Parteitages anzuerkennen. Frant hat den Schatten des verstorbenen Dreesbach heraufbeschworen, es wäre beffet gewesen, er hätte es nicht getan. Seit wann ist es denn eine Schande, im bürgerlichen Parlament vor bürgerlichen Parteien einzugestehen, daß man sich den Beschlüssen der Partei zu fügen hat?( Sehr gut!) Ist es denn Mode, es zu loben, daß jemand sagt, das, was der Parteitag beschließt, tue ich nicht, ich lasse mich überhaupt nicht binden? In einer Partei, und gerade in einer Partei, die die Disziplin so not wendig hat, wie die unferige, gehört es zur Ehrenpflicht jedes Parteigenossen, Die Disziplin hochzuhalten und zu zeigen, daß man ver. steht, sich den Beschlüssen des Parteitages unterzuordnen.( Beifall.) a mtengeset haben wir nicht durchsetzen können, daß Beamte wegen ihres politischen Verhaltens nicht gemaßregelt werden dürfen. Auch haben wir eine Gleichstellung der Frauen nicht erreicht. wir un 3 unter Die Diskussion wird auf morgen bertagt. Singer( persönlich): Reichsfinanzreform: Moltenbuhr. Bruchteil der Millionen, die die Steuerzahler ausgeben, in die Reichstae. Der größte Teil der durch Getreides, Bieh- und Fleischzölle, Garn, Eisen- und andere sogenannte Schutzölle auf Gebrauchsartifel der breiten Waffen dem Bolte abgenommenen Summen fließt in die Taschen der Großgrundbesiker und Großkapitalisten, die nur eine verhältnismäßig geringe Steuerquote für die Reichstaffe leisten. Gesunde Finanzverhältnisse können nur geschaffen werden, wenn die Ausgaben für Militär, Marine und Kolonien herabgesett und die Steuern der Zahlungsfähigkeit der Steuerzahler angepaßt werden. Der Parteitag protestiert gegen die Erhöhung bereits bestehender sowie die Einführung neuer Steuern auf Massen. Ich habe zu den Ausführungen von zwei Genoffen je eine per- berbrauchsartikel. Insbesondere protestiert der Parteisönliche Bemerfung zu machen. Timm hat meine Lübecker Aus- tag gegen die dem russischen Steuersystem entlehnte führungen für seine Ausführungen in Anspruch genommen. Ich Banderolensteuer auf Bigarren und Tabak sowie gegen die will, da ich kein Freund von harten Ausbrüden gegen Partei- Erhöhung der Biersteuer. Ferner protestiert der Parteitag genossen bin, dies nur als eine unbegreifliche Auffassung bezeichnen, gegen Steuern auf 2icht und Kraft.( Petroleum, Gas, die man sich nur erklären kann, wenn jemand etwas anderes aus Elektrizität usw.) Der Parteitag fordert die Abschaffung den Aeußerungen heraushören will als darin steht. In Lübeck aller indiretten Steuern, Bölle und sonstigen steuer warnte ich vor der Annahme von Absatz 3 aus folgendem Motiv: politischen Maßnahmen, welche die Interessen der Allgemeinheit Es würden dann diejenigen Genossen, die sich Absatz 3 für ihre den Interessen einer bevorzugten Minderheit opfern. Er fordert Auffassung zunuke machen wollten, zu entscheiden haben, ob das die Einführung einer stufenweise steigenden Steich zwingende Gründe find. Das halte ich für unrichtig, das führe zur einkommen und Vermögenssteuer, die Reform Verwirrung, zu Mißhelligkeiten. Diese Warnung vor Absatz 8 der Erbschaftssteuer durch Heranziehung aller größeren legt Timm als Zustimmung aus, indem er fagt, ich hätte burch Erbschaften und Erhöhung der Steuerfäße nach dem Umfang des meine Aeußerungen festgestellt, daß die Genossen ein Recht haben, Erbgutes und nach dem Grade der Berwandtschaft, insbesondere auch außerhalb dieser beiden Bedingungen zu entscheiden, was die erbschaftssteuerliche Beranziehung des Erbgutes für Ehegatten awingende Günde sind. und Kinder," Geyer. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Berantwortung. Theater. Donnerstag, 17. September. Anfang 7%, Uhr. Königl. Opernhaus. Carmen. Königl. Schauspielhaus. Maria Stuart.( Anf. 7 Uhr.) Deutsches. Stettenglieder. Kammerspiele. Frühlings Erwachen.( Anfang 8 Uhr.) Berliner. Der Traum ein Leben. Anfang 8 Uhr. Leffing. Die Macht der Finsternis. Neues. Der Prinz d'Aurec. Yenes Schauspielhaus. Faust. I. Zeil.( Anjang 7 Uhr.) Kleines. 2 × 2= 5. Romische Oper. Tosca. Residenz. Der Floh im Dhr. Hebbel. Der Liebhaber. Westen. Ein Walzertraum. uitspielhaus. Die blaue Maus. Trianon. Fräulein Josette- meine Frau. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Schiller- Theater. O.( Wallner Theater.) Schiller Theater Charlottenburg. Donnerstag, abends8Uhr: Donnerstag, abends 8 Uhr: Das Stiftungsfest. Schwant in 3 Atten von Gustav bon Moser. Freitag, abends 8 Uhr: Eine Nilfahrt bis zum zweiten Der Richter von Zalamea. Katarakt. OOLOGISCHER Z CARTEN Täglich nachm. 4 Uhr: Großes Militär- Konzert. Eintritt 1 M., von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Sonnabend, abends8 Uhr: Das Opterlamm. Das Opferlamm. Schwant in 3 Aufzügen von Oskar Walther und Leo Stein. Bum 1. Male: Ein Teufelskerl. Freitag, abends 8 Uhr: Sonnabend, abends 8 Uhr: Ein Teufelskerl. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Berlin. Sonnabend, den 19. September, in der ,, Neuen Welt", Hasenheide Nr. 108-114: Zur Feier des Metropol- Theater 16. Stiftungs- Festes Unter persönlicher Leitung des Komponisten Paul Lincke, Zum 13. Male: Schiller 0.( allner Theater.) Donnerwetter Das Stiftungsfest. Schiller Charlottenburg. Das Opferlamni. = tadellos! Große Jahresrevue in einem VorFriedrich Wilhelmstädt. Schauspiel u. 9 Bildern v. Jul. Freund. spielhaus. Als ich wiederfam. Neues Operetten. Die Dollar prinzessin. Lorning. Baza. Vuisen. Flachsmann als Erzieher. Thalia. Das Mitternachtsmädchen. Bernhard Nose. Das bemooste Haupt. Tipolo. Trilbh und Svengali Spe gialitäten. Io3. Metropol. Donnerwetter- tabel sebrüder Herrnfeld. Das tommt davon. Vorher: Es lebe das Nachtleben. Passage. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Rajino. Familie August Stnoche. Spezialitäten. Folies- Caprice. Die lästige Witive. Die Brautschau. Berliner Prater. Berlin, wie es weint und lacht.( Anf. 7 Uhr.) Carl Haverland. Spezialitäten. Gustav Behrens. Feine Sache! Ausgezeichnet! Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Walhalla. Spezialitäten. Urania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Eine Nilfahrt bis zum zweiten Satavalt. Sternwarte, Invalidenftr. 57/62. Hebbel- Theater. Königgräger Str. 57/58. Anf. 8 Uhr. Heute und folgende Tage: Der Liebhaber. Berliner Theater. 1. Eröffnungsvorst. Anfang 7%, 11hr. Der Traum ein Leben. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Der Prinz d'Aurec. Freitag: Der Prinz d'Aurec. Sonnabend und Sonntag: Außer halb der Gesellschaft. Neues Operetten- Theater, Schiffbauerdamm 25, a. d. Luisenstr Anfang 8 Uhr. Die Dollarprinzessin. Operette in 3 Affen von Leo Fall. Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Ein Walzertraum. Sonntag nachm. 3, Uhr, zu halben Preisen: Die lustige Witwe. Lortzing- Theater Belle- Alliancestraße 7/8. Heute 8 Uhr: Saftfpiel Hedwig Lange. Zaza. Residenz- Theater, Direttion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Der Floh im Ohr. Musik von Paul Lincke. In Szene gesetzt von Dir. Richard Schultz. Die Tänze einstudiert v. Ballettmeister Louis Gundlach. Massary- Perry Holden- Bender Giampietro- Kettner Pfann Thielscher Anf. 8 Uhr. Rauchen gestattet. Passage- Panoptikum. Ohne Extra- Entree. Der Riese aller Riesen Pisjakoff Eintritt 50 Pf. Kinder, Soldaten 25 Pf. Passage- Theater. Abends 8 Uhr: Na endlich! Pariser Extravaganz mit Paulette van Roy und das kolossale Eröffnungsprogramm 14 erstklassige Spezialitäten. WINE BARTEN EröffnungsProgramm. Von Publikum u. Presse Konzert: Berliner Sinfonie- Orchester Direktion Max. Fischer 40 Künstler unter Mitwirkung hervorragender Solisten. Kinematograph. Nach dem Konzert: Gr. Ball.( Zwei Orchester. Anfang 8%, Uhr. Billett 50 Pf.( Tanz frei.) Während des Konzerts bleiben die Saaltüren geschlossen. Rauchen vor Beendigung des Programms nicht gestattet. Programme unentgeltlich an der Kontrolle. Billetts sind im Bureau, bei den Zahlstellenkassierern sowie in nachstehenden Lokalen erhältlich: S. bei Erbe, Hasenheide( gegenüber der Neuen Welt); Karl Grumbach, Schönleinstr. 6; SO. bei Liebehenschel, Mariannenstr. 48. Das Komitee. 90/4 Zirkus Schumann. Heute Donnerstag, den 17. b. Wits., abends präzise 7%, the: Elite- Abend Gala- Programm und Original 36 Marokkaner 36. Clown Amando mit seinem bogenden Känguruh. Nackte Schönheiten. Rowland Truppe, 8 Berf., b. Zirkus Ringling Brothers aus Amerila. 9 Luft- Voltigeure. Leopardengruppe der MiB Vallecithas. Sämtliche Spezialitäten. Brauerei Friedrichshain früher Lipps, am Königstor. Oekonom: Ernst Liebing. Heute: Freie Volksbühne Aufführungen im Gerhart Lessing- Theater: Hauptmann: Die versunkene Glocke. Thalia- Theater: Te Deum Komödie von Ernst Rosmer. Neues Schauspielhaus: v. Wolzogen: Die Kinder der Exzellenz. Hebbel: Judith. Shakespeare: Julius Cäsar. Sardou: Rabagas. Goethe: Faust.( I. Tell.) Einige neue Mitglieder können sich noch melden in den Zahlstellen von Börner, Ritterstr. 15, Gottfried Schulz, Kottbuser Tor, Horsch, EngelUfer 15. 241/16 Der Vorstand. In Vertr.: G. Winkler. Zirkus Busch. Parodie- Theater Donnerstag, den 17. September, abends präzise 7%, Uhr: Große Vorstellung! U. a. Mr. Houdini Mlle. Mariska Reesey Gebr. Saxon! Das phä nomenalste menschlicher Kraft. Die Aerial Smiths! Ferner Mathilde Renz, Schulreiter. Dresdener Straße 97. Heute: Cavalleria Rustikana und die urtomische Burleske ,, Berlin steht Kopp". Anfang Sonnt. 8, wochent. 8%, Uhr. Casino- Theater Lothringer Str. 37. Familie Täglich 8 Uhr Herr Burkhardt- Foottit, Scul August Knoche. reiter. Herr Ernst Schumann, Neudreſsuren. Mons. Gerard und Fontana, Reiffünstler, sowie das große Programm. Gebrüder HerrnfeldVorverk. Anfang Theater. 11-2 Uhr. 8 Uhr. 57 Kommandantenstr. 57 Berliner Gesangsposse in 3 Atten. August Knoche: Dir. Hans Berg. Borher d. glänzende Gröffnungsprogr. Sonntag 4 Uhr: Der Brandstifter Hochzeitsreise. Walhalla Yaucte Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Anfang 8 Uhr. Das neue große September. Programm. 12 glänzende Spezialitäten. Bayerisches Keller- Fest Das kommt w.Noacks Theater Fronten- Feuerwerk. Anfang 6 Uhr. Entree 25 Pt. Stadt- Theater Moabit Alt- Moabit Donnerstag, den 17. September: 47/49. Wohltäter der Menschheit. Schauspiel in 3 Aufzügen Kaffe 7 Uhr. 16295* von Felix Philipps. Vorstellung 8 Uhr. Berliner Eis- Palast Lutherstr. 22/24. Permanente Elsbahn. 2000 qm Lauffläche. Bon morgens 10 1hr bis nachts 12 Uhr geöffnet. Täglich von 12 1hr ab: Großes Konzert. Allabendlich 9 u. 10 Uhr: Reigenlaufen und Kunstlaufen der Professionalls. Vornehme Restau rationsräume. Elegantes Café. Eintrittspreise: Bormittags 10 bis nachm. 5 1hr 75 Pf., von nachm. 5%, Uhr au 1 M. Kinder unter 12 Jahren bis Uhr abends 50 Pf., Abonnements à 30 Bons zu 22,50 M. Sonntags 5 ab 10 Uhr morg. Entree 1 M., Kinder unt. 12 Jahren b. 4 Uhr nachm. 50 Pf. Rixdorfer Theater Bergstraße 147. glänzend beurteilt. Sonntag, ben 20. September 1908: Der Kaufmann von Venedig. apollo Theater Schwank in 3 Aften von G. Feydeau. 5 8 Uhr: Das gr. AttraktionsDeutsch von Wolff- Jacoby. Freitag, 18. September: Steine Vorstellung. Sonnabend, den 19. September, zum erstenmal: Das Glück der andern. Programm. 8: Trilby und Svengali? 9: Kunst und Mysterium. Vera Violetta. Schauspiel in 5 Aften v. Shakespeare. Anfang 7, Uhr. Folies- Caprice Durchschlagender Erfolg! Die lästige Witwe. Die Brautschau.. Banter Teil. Vorverkauf von 11-2 Uhr a. d. Theaterkasse. Anf. 8 Uhr. Luisen- Theater. Paul Spadoni Sanssouci, S Abends 8 Uhr: Flachsmann als Erzieher. Freitag: Premiere: Theater. Sonnabend: Flachsmann als Erzieher. Sonntag nachm. 3 Uhr: Ausgewiesen. Abends 8 Uhr: Helga. Montag: Flachsmann als Erzieher. der König der Kraftjongleure. DERNHARD ROSE THEATER Br. Frankfurter Str. 132. Das bemooste Haupt. Schauspiel in 4 Aften von Roderich Benedig. Lustspielhaus. Morgen: Kabale u. Liebe. Theaterteufel. Anfang 8 Uhr. Wochentagspreise. Abends 8 Uhr: Die blaue Maus. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Donnerstag, 17. Septbr., Anf. 8 Uhr: Als ich wiederfam. Freitag: Egmont. Sonnabend zum erstenmal: GroßMama. Sonntag nachm. 3 11hr: Der ge jörnte Siegfried. Siegfrieds Zob. Sonnabend zum erstenmal: Der Kottbuser Direttion Wilhelm Reimer. Heute Donnerstag: Erstklassige Nummern. TanzGr. Elite- Soiree Kränzch. bont Hoffmanns Norddeutsch. Sänger davon! mit dem Vorspiel: Es lebe das Nachtleben. Romödie in 3 Alten von Anton und Donat Herrnfeld. B Gustay Direktion: Rob. Dill. Große Extra- Vorstellung. Kommaß, oder: Der Fluch des alten Geigers. Driginal- Charaktergemälde in 4 Aften. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Sonnabend 1. Klassikervorstellung: Die Räuber. Volksgarten- Theater am Bahnhof Gesundbrunnen. Für die Winter- Saison empfehle eine 400-1000 personen faffenden Festfäle auch Sonntags an Bereine und Gewerkschaften zu günstigen Bedingungen; auch noch Behrens- einige unabende frei. Rastaurant Waldkater Theater. Charlottenburg, am Bahnh. Jungfernheide. Goltzstr. 9. Sebentag und Sonnabend, Reichshallen Theater Feine Sache! Ausgezeichnet! Täglich: Stettiner Sänger. Anf. wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Reichshallen Garten und Restaurant: Militär- Konzert. P alast- Theater Burgstr. 24, 2 Min. v. Bhf. Börse. Täglich 8 Uhr. Galerie 30 f. Der einzig dastehende EröffnungsSpielplan! 12 Attraktionen 1. Nanges 12. 11. a.: The 5 Rahnes, Schleuder brett Akrobaten. Montani Sisters, Doppeldrahtseil- 2. MIB Jrene and 1 Maxwell, mujital. Birtuosen. Dazu: Der Seekadett. Singspiel in 2 aften. Familienkarten, wochentags 3. halben Staffenpreis gültig, in allen Barbier, Beg. Sonnt. 5, wochent. 81. Frifier u. Bigarrengeschäften gratis! Das tägliche Ziel vieler 1000 Schaulustiger bildet die Hagenbeck- Schau Berlin, König-, Ecke Neue Friedrichstraße. 218/8 Täglich abends 8 Uhr: Große Vorstellung. Jeden Sonntag, Mittwoch u. Sonnabend 2 große Vorstellungen, nachm. 4 n. abends 8 Uhr. leden Sonntag von 11 Uhr vorm. bis 12 Uhr Besichtigung u. Fütterung der Raubtiere. Jeden Wochentag ab 10 Uhr vorm. bis 12, Uhr mittags hochinteressante Raubtier dressur- Proben. Besichtig. u. Fütterung d. Raubtiere geg. ein Entree v. 50 Pf. f. Erwachs. u. 25 Pf. f. Kinder. Große Ausstattungsoperette. Neu! La belle Rose, Prima: Ballerina. Neu! Georg Thierry gen. Silvester- Schäffer II. 10 Spezialitäten 10. Anfang 8 Uhr. Sonntags 5%, Uhr. Donnerstag Unterhaltungsmuftt. Gemit, liches Beisammensein. Sonntags: Gr. Ball.- Kaffeeküche. + Hygienische Bedarfsartikel. Neuest. Katalog m. Empfehl.viel. Aerzte u.Prof. grab uf H. Unger, Gummiwaronfabrik Berlin NW Friedrichstrasse 91/92 Heute früh ley 8 Uhr! kannte noch niemand meine herabgesetzt billigen Preise. Ich empfehle einen Posten getragener Monatsgarderoben, in feinsten Werkstätten gearbeitet, von Herrschaften, Kavalleren, Reisenden nurWochen gebrauchte Monats- Anzüge 8, 10, 14, 18 Mk. Monats- Paletots 6, 8, 12, 16 Mk. Monats- Hosen.. 2.50-5.00 Mk. Auch mache ich auf meine grosse Abtellung neuer Garderoben aufmerksam. J.Wand Heuptgeschäft: Grosse Frankfurterstr. 116 2. Gesch.: Chausseestr. 89| 3. Gesch.: Chausseestr. 86 Gesellschafts- Anzüge werden billigst verliehen. 1009190 A. WERTHEIM KONSERVEN Dose Dose Dose 1/2 Dose 1 Dose 1/2 Dose Kaiser- Schoten extra 1.25 68 Pf. Gemischtes Gemüse II 65 38 Pf. Bruch- Spargel! I 1 MK. 55 Pf. Kaiser- Schoten 1.10 60 Pf. Gemischtes Gemüse 48 30 Pf. Bruch- Spargel II 75 43 PL Junge Schoten extrafein 90 50 Pf. Dose Dose Bruch- Spargel ohne Köpfe 65 38 Pt. Junge Schoten I 80 45 Pf. Spargel- Köpfe 1.50 80 Pf. Dose Dose Abschnitt- Spargel 44 27 Pf. Junge Schoten II 55 33 Pf. Riesen- Stangen- Spargel 1.90 1.05 Grünkohl 35 23 Pl. Junge Schoten III 48 Pf. Stangen- Spargel 1.35 73 Pf. Wirsingkohl 35 23 Pt. Junge Schoten IV 38 Pf. Karotten I Karotten 68 40 Pf. Stangen- Spargel II 1.20 Stangen- Spargel III 65 Pf. Kohlrabi 25 Pf. 95 53 Pf. Pfefferlinge 45 28 PL Karotten in Streifen 48 30 Pf. 30 Pf. 73 Pf. Glas 70 Pf. extra stark 1.25 68 Pf. 1 Dose 2 Dose Saure Kirschen ohne Steine 95 53 Pf. Pfirsiche Saure Kirschen mit Steinen 65 38 Pf. Melangefrüchte Mirabellen 68 40 Pf. Johannisbeeren Reineclauden 85 48 Pf. Riesen- Bruch- Spargel 1.35 Bruch- Spargel 1/2 Znaimer Gurken Senf- Gurken nele Glas 65 Pf. Stangen- Spargel extrastark 1.50, 80 Pf.| Schoten mit Karotten se 55, ose 33 Pf. Dose Dose Heidelbeeren Dose Kalifornische Früchte Aprikosen in Gläsern Aprikosen Pfirsiche Dunst- Früchte Dose 2 Dose 1.30 70 Pf. 1.10 60 Pf. 88 68 PL. 2.85 Dose 1.95 Dose 2.50 58 Pf. Erdbeeren in Zucker 1.40 75 Pf. Birnen weiss ganze Frucht 70 40 Pf. Himbeeren 1.25 68 Pl. Aprikosen 1.20 65 Pf. Birnen halbe Frucht Apfelmus 75 43 PL Stachelbeeren in Gläsern 55 Pf. Johannisbeeren in Gläsern 55 Pf. 60 Pf. Kirschen in Gläsern 55 Pf. Preisselbeeren ca. 5 Kilo Apfelmus Heidelbeeren in Gläsern 55 PL. 35 Pf. Bratheringe Delikatess- Heringe Delikatess- Heringe Dose 83 Pt. Dose 52 Pf. Russ. Sardinen Anchovis Glas Glas 25 PG 25 Pf. ca. 1 Kilo 70- Pf. ca. 2 Kilo 1.35 ca, 5 Kilo 3.30 c. Kilio Erdbeeren sin Bismarckheringe Viktoria- Erbsen Kleine Erbsen Grosse Linsen ca. 2 Kilo 1.15 ca. 5 Kilo 2.85 ca. 2 Kit 1 Dose 90, 1 Dose 50 Pf. Dose 47 Pf. Dose 47 Pf. mox 280 ca. 53 ca. 5 Kilo 2.85 Stachelbeeren/ Dose 60, 1/2 Dose mays KOLONIALWAREN Pfund 17 Pr Pfund 16 Pf. Pfund 28 Pf. Mittel Linsen Pfund 20 Pf. Kaliforn. Aprikosen Pfund 65 Pf. Kaliforn. Aprikosen I Pfund 75 Pf. Bassein- Reis II Pfund 20 Pf Pfund 17 Pf. Pfund 25, 30, 38 Pf Rangoon- Reis I Java Reis Bruch- Reis Deutsche Makkaroni leicht gefärbt, fein und stark Ital. Makkaroni leicht gefärbt, fein und stark, Pfund 15 Pf. Pfund 34 Pf. Pfund 40 Pf. Eier- Makkaroni fein und stark Pfund 60 Pf. Handschnitt- Nudeln leicht gefärbt, 36 Pf. la Handschnitt- Nudeln Pfund Pfund 42 PG Extra Eier- Handschnitt- Nudeln Souchong- Tee im. Pakend 95 Pf. ca. 1 Pfund 60 Pf. KAKAO Pfund 85 Pf., 1.10 Deutscher Kakao Holländischer Kakao In Paketen und Pfund, Pfund 1.90, 2.20 SCHOKOLADE Haushalt- Schokolade Block- Schokolade Vanille- Schokolade Pfund 78 Pf. Pfund 80 Pf. Pfund 1,20, 1.30 si Perl- Kaffee Pfund 1.20 Mk. FLEISCHWAREN Gänsebrust Schlackwurst Schinkenspeck Mausschinken 2-3 Pfund schwer Pfund 1.50 Mk. Feine Leberwurst Pfund 95 Pf. Landleberwurst Pfund 90 Pf. Pfund 45 Pf. 45 Pf. Pfund 1.20 Mk. Pfund 1 Mk. Pfund 1.15 Mk. Zwiebelwurst Rotwurst Pfund 65,|| Pfund Zervelat- und Salamiwurst in Rinddarm AU ZervelatJunge Gänse Enten Pfund 1.10 Mk. Pfd. 20 Pf. Pfd. 33 Pf. Pfd. 65 pr Pf. Tafel- Birnen. 2.25, 2.85 Pfirsiche 5 Pfd. 50 Pf. Suppenhühner 1.75, 2.25 Brathühner 85P 1.10, 1.45 Tafel- Aepfel 5 Gravensteiner Aepfel. 1.10 Pfd. Rand gesetzl. geschützt. Derantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. Dr. St. 218. 25. Jahrgang. 4. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Donerstag, 17. September 1908. Auf Befehl Seiner Majeſtät! Der Parseval" verunglückt! Die beiden Berliner Luftschiffe, das Großsche und das Parsevalsche, sind bei ihren großen Probefahrten vor recht schwierige Aufgaben gestellt gewesen. Daß beide sie lösten, berdient anerkanut zu werden. Seit Wochen weht auf der norddeutschen Tiefebene ein recht ansehnlicher, oft mit Böen durchsetzter Süd- eft, trotzdem zeigten beide Ballons sich fast täglich über Berlin und machten ihre berühmten Dauerfahrten von 11½ und 13 Stunden. Wer vorgestern, 17 während der Parseval" seine Probe absolvierte, den Militärballon über Berlin in der Luft sah, wie er zierte, wie er abgedrückt wurde, wie er immer wieder neu in Kurs gebracht werden mußte, wer da sah, wie mehrfach der gewaltige Körper von den einsehenden Böen deformiert wurde, der wußte, daß die beiden Fahrzeuge keine„ Vergnügungsfahrt" machten, sondern einen ernsthaften Kampf mit dem Winde bestanden. In der Tat wurden die Probefahrten von Groß und Parseval ebenso vom Wetter beeinträchtigt, wie die Zeppelin seinerzeit begünstigt war. Ein Allerivelts- Sachverständiger leitartikelt im, Tageblatt" allerdings: " Ein Dzeandampfer, der seine Ausfahrt verzögert, weil ein Wind von 10 oder 12 Meter weht, verfiele der Lächerlichkeit." Solche Beurteilung der Sachlage, die sicher weit verbreitet ist, erklärt am besten das Himmelhochjauchzend Zutodebetrübt, mit dem manche Blätter die Erfolge und die Mißerfolge in der Luftschiffahrt aufnehmen. Der Dzeandampfer fährt im Wasser, nicht in der Luft. Und Dzeandampfer, die einen Strom von 10 oder 12 Meter totzufahren vermögen, wie dies unsere modernen lenkbaren Ballons in der Luft erfolgreich tun, gehören zu den Ausnahmen, sind Schnelldampfer allererster Qualität. Ströme im Wasser von 10 und 12 Meter, wie sie in der Luft etwas Alltägliches sind, würden unſeren ganzen modernen Verkehr auf dem Wasser gefährden, wie sie einen regelmäßigen Verkehr in der Luft für alle Zeiten undenkbar machen. Uns scheint im Gegenteil, daß die Ballonkonstrukteure in dem Bestreben, durch Leichtigkeit Schnelligkeit zu erreichen, die Solidität etwas außer acht gelassen haben. Für die Ballon- Motoren scheint dies zweifellos zu sein. Die Ballontörper sind anscheinend besonderen Strapazen ebensowenig gewachsen. Warum Parsevat fuhr. " Borgestern hatte der Barfebal" eine elfeinhalbstündige Dauerfahrt bei schlechtem Wetter glücklich unternommen, nachdem er borher schon mit derselben Gasfüllung eine Reihe von Fahrten absolviert hatte. Noch zwei Proben standen ihm bevor, eine Höhenfahrt und eine Wagenfahrt in verpadtem Zustande mit darauffolgender Füllung. In der Höhenfahrt wäre es vielleicht notwendig gewesen, eine Neufüllung vorzunehmen. Aber dazu kam es nicht. Urplöglich bekamen die Herren Groß und Parseval Befehl, ihre Ballons nach dem Bornstedter Felde bei Potsdam zu führen. Dort wollte der Kaifer eine Parade der deutschen Luftflotte abnehmen. Das„ Berliner Tageblatt" meldet darüber: Auf dem Paradeplag in Potsdam waren der Kaiser und die Kaiserin mit Gefolge in den leuchtenden gelben Automobilen erschienen und harrten seit 934 Uhr der Ankunft der beiden Luftschiffe. Die Bornstedter Seite war durch Militär und Hilfsmannschaften für etwaige Landungen abgesperrt worden, denn es schien feinesfalls unwahrscheinlich, daß der Kaiser bei leidlicher Witterung selbst einen Aufstieg im Ballon gemacht haben würde. Der Standpunkt der Hofgesellschaft, die sich aus etwa zwanzig Offizieren und zehn Damen zusammensetzte, war in einem Talfessel so tief, daß von dort aus nicht einmal der mit dem Winde ganz in der Nähe tämpfende Militärballon zu beobachten war, der überdies noch durch den Pfingstberg verdeckt wurde. Aus Westen her stieg eine schwarze Wolkenwand herauf und drohte strömenden Regen zu bringen, den sie später auch über die zahlreichen Zuschauer ausschüttete. Gleichzeitig nahm der Wind einen böigeren Charakter an.. Kleines feuilleton. Die Auffahrt. Während man so in Potsdam des befohlenen aeronautischen Schauspiels Harrte, wurden in Tegel die Vorbereitungen dazu getroffen. Ein Augenzeuge schreibt der„ Volks- Zeitung" darüber: ein dadurch gebrochener Rahmen stieß ein großes Loch in den Ballon hinein, so daß das Gas entwich. Der Ballon Klappte infolgedessen zusammen und fiel zum Teil auf das Dach einer Billa, zum Teil auf die Bäume bei der Billa, Trabener Straße 28. Die Bemannung der Gondel, welche aus dem Major Parseval, Hauptmann v. Kehler, Ingenieur Kiefer und einem Maschinisten bestand, blieb wohlbehalten. Das Luftschiff wurde gegen 12 Uhr von Mannschaften des Luftschifferbataillons fortgeschafft. Nach der Katastrophe. Ein Berichterstatter meldet uns: als in Auf dem Gelände der Luftschifferabteilung am Tegeler Schießplaz herrschte heute morgen lebhaftes Treiben. Kurz vor 8 Uhr rückten die Mannschaften der Luftschifferabteilung vor die beiden riesigen Hallen, die den Parseval- Kreuzer und das MilitärIuftschiff bergen. Bald darauf erschienen zahlreiche Offiziere, unter ihnen Erbauer, Führer und Begleiter der Luftschiffe, die in lebhaften Debatten die Frage erörterten, ob es ratsam sei, heute die geplanten Aufstiege zu unternehmen. Denn oben in einer Höhe Die erste Meldung von dem Unfall erging an die von 200 Meter schwankte der Fesselballon, der als Wilmersdorfer Feuerwehr. Straßenpassanten hatten von Windmesser dient und automatisch die Windstärke nach unten der Halenseer Brücke aus den Absturz des Ballons beobachtet und meldet, in bedenklichen Sprüngen hin und her. den nächsten Feuermelder gezogen. Schon war der erste WilmersOrdonnanzen wurden in furzen Zwischenräumen nach dem Bureau dorfer Löschzug im Begriff, das Depot in der Ringbahnstraße zu telephonisch gemeldet wurde, daß gesandt, um die letzten Nachrichten über die Windstärke ein- verlassen, Trabener Straße der Barjevalballon herunter zuholen. Immer wieder brachten sie die unerwünschte Meldung: der, sei. 13,9 Sekundenmeter". Fast schien es aussichtslos, gestürzt und explodiert Dane Brandinspektor mit dem zweiten Löschzuge daß die Fahrten unternommen werden konnten. Trotzdem nehl eilte daher sofort auch öffneten sich die eisernen Tore der Halle des Militär- zu der angegebenen Unfallstelle. Kurz nach dem Eintreffen rückte ballons, Kommandorufe erschallten schnarrend durch die Luft, die auch bald die freiwillige Fenerwehr von Grunewald Propeller begannen ihre surrenden Drehungen, und nach wenigen an. Es stellte sich heraus, daß der Ballon zwar abgestürzt, aber Augenblicken stand der Ballon zur Abfahrt bereit. Er wurde auf keineswegs explodiert war. Die eine Ballonhälfte lag zusammendas Terrain der Motorluftschiffahrtsgesellschaft hinübergezogen geklappt in dem Garten der Villa Trabener Straße 28, die andere und nahm den Inspekteur der Verkehrstruppen, Generalleutenant Hälfte hing in den Kiefern direkt neben der Villa und war noch mit v. Lynder, die Majore Groß, Sperling und Meister, Gas gefüllt. Für die Feuerwehr bestand nun die Hauptarbeit darin, diesen den Hauptmann v. Schulz, den Oberingenieur v. Basenach Ballonteil zur Erde zu bringen. Zunächst mußte natürlich der Ballon und zwei Ingenieure an Bord. In diesem Augenblic trat die Sonne durch die Wolken und ließ das Luftschiff in hellem Golde erstrahlen. Oben heulte der Wind gegen den schwankenden Fesselballon. Man schüttelte den Kopf, als das Kommando zur Abfahrt gegeben wurde, und man erzählte sich, daß die Sachverständigen dringend abgeraten hätten, die Fahrt zu unternehmen, daß aber Generalleutnant v. Lyncker darauf bestanden habe. Bald schwebte das Luftschiff in einer Höhe von etwa 100 Meter über dem Schießplak, machte einige Wendungen und verschwand in der Richtung nach Spandau in dem Nebel, der über dem Horizont lagerte. Eine Stunde später, Bunkt 9 Uhr, wurde auch der ParsevalBallon aus seiner Halle gezogen. Major Parseval ging in feiner blauen bayerischen Uniform geschäftig auf und ab und schien mit seinen Beratern auch jetzt noch die Be= denken gegen den Aufstieg zu erörtern. Da meldet eine Ordonnanz, daß der Wind eine Kleinigkeit nach gelassen habe, und Major Barjeval gab schließlich den Befehl zum Aufstieg. Außer ihm nahmen Hauptmann von Kehler, Ingenieur Kiefer und Werkmeister Weit in der Gondel Plazz. Die Propeller begannen zu arbeiten und der Motor stieß wie aus Uebermut eine gewaltige Rauchsäule aus. Um 9 Uhr 20 Minuten ertönte das Kommando zur Abfahrt. Der Ballon stieg rasch in eine Höhe von etwa 100 Meter und schlug ebenfalls die Richtung nach Spandau ein, um seinem Ziele nach Potsdam zuzusteuern." Die Katastrophe. die elfte Stunde durchschwirrten Berlin unheimliche Gerüchte von einem Unglück, das den" Parseval"-Ballon beEr wäre mitten durchgefnidt. Db Menschen troffen hätte. leben verurteilt seien, wußte man nicht. Endlich brachte der in unserem Sekretariat aufgestellte Fern drucker folgendes offiziöse Telegramm: Um entleert werden. Um beim Ausströmen des Gases Explosionen durch Flugfeuer zu berhüten, ließ Brandinspektor Dannehl sämtliche Feuerungen in der Villa herausnehmen. Das Einziehen des entleerten Ballons bot dann keine besonderen Schwierigkeiten mehr. Da beim Absturz schon zwei hohe Kiefern umgeriffen waren, fo erübrigte es sich, weitere Bäume zu fällen. Es war genügend Platz da, um die Bergung zu vollziehen. Gegen 11 Uhr konnten die Feuerwehren wieder in ihre Depots zurückfehren. Ueber die Ursache der Ratastrophe äußerte fich Herr Major v. Barjeval einem Berichterstatter des Lot.- Anz." gegenüber: 11 „ Die Panne des Ballons ist wohl in erster Linie darauf zurückzuführen, daß unser Luftschiff zu schwach gebaut ist. Der Unfall lehrt, daß für hohe Geschwindigkeit stärkeres Material verwendet werden muß. Jedenfalls ist es besser so, als daß die Militärbehörde nach der Abnahme des Ballons die Erfahrung des heutigen Tages hätte machen müssen. Auf unserer Fahrt wollten wir ausprobieren, ob der Ballon eine große Geschwindigkeit aushalten würde. Wir fuhren mit etwa 10 bis 11 Meter pro Sekunde in einer Höhe von etwa 200 bis 300 Meter." zu tun. Starr oder unftarr? der vom Mit dem System des Ballons hat der Unfall nichts Gegner und Freunde des einen oder des anderen Die Stabili Systems könnten ihn für sich ausbeuten. sierungsflächen sind eine Eigenheit, welche die Ballons Systeme Ein besitzen. wie Unfall, aller Barsevals könnte ihnen allen passieren. Eine Winde hin und hergeschleuderte, an der Wand des Ballons befestigte Latte muß jeden Ballon leckschlagen. Barjeval Berlin, 16. September.( 11 Uhr 50 Min.) Das auf der hat fogar, möchte man sagen, an der einzigen Stelle SchiffFahrt nach Döberitz begriffene Barjeval- Luftschiff wurde, als es bruch gelitten, wo er dem starren System Konheute vormittag 9 Uhr über dem Halensee manövierte, vonzessionen machte! Früher hatte er als Stabilisierungseinem Windstof erfaßt, geknickt und zum Sinfen gebracht; es ging auf das Dach einer in der Trabener Straße gelegenen Billa flächen schlauchartige Anfäße an dem Ballon, die der Wind aufblies, wie er dies bei dem wurmförmigen Anhängsel des Parseval- Sigsfeldschen Drachenballons tat. Parseval beseitigte diese Konstruktion, die allerdings nie eine Katastrophe wie die gestrige herbeiführen konnte und ersetzte sie durch den wirkungsvolleren Holzrahmen. nieder. Das Militärluftschiff wurde kurz vor 10 Uhr vormittags über Potsdam gesehen, konnte aber wegen des heftgen Windes nicht landen und kehrte nach dreimaligen vergeblichen Landungsversuchen nach Berlin zurück. Um 12 Uhr 55 Minuten brachte der Apparat folgende genauere Will man objektiv urteilen, so muß man sagen, daß weder Nachricht: Berlin, 16. September. Das Parseval- Luftschiff sollte heute die Verhimmelung des einen noch des anderen Systems benach dem Bornstedter Felde fahren, um dort dem Kaiser vorgeführt rechtigt ist, daß alle drei aber auch gleichmäßig die gewaltigen zu werden. Es fuhr mit einer Geschwindigkeit von 15 Metern Fortschritte der Motorluftschiffahrt in den letzten Jahren ergegen einen Wind von 10 bis 12 Meter Stärke. In der Nähe wiesen haben. Es wird sich zweifellos in der Luftschiffahrt des Bahnhofs Grunewald brach die linke Stabilierungsfläche und wie im Motorwagenbau und im Bootsbau mit der Zeit ein schreiben tann rechts und schreiben kann links, das würdige der Berliner Universität Vorlesungen halten, und Herr Professor Oberhaupt der Piepenbrinks und Konrad Bolz, der unverwüstlich Delitzsch wird ebenso lange an der Oper tanzen.( Jugend".) luftige journalistische Tausendfünstler zu sprichwörtlicher Berühmtheit gelangt sind, wieder zu begegnen, zu sehen, wie frisch Notizen. Internationale Wissenschaft. Mit dem Fortschreiten der Wissen trotzdem ein halb Jahrhundert über sie hingegangen, erhalten haben. schaft werden auch die nationalen Grenzen immer mehr beiseite ge Selbst das langfame Tempo der blafferen Szenen im Haufe des hause wird Goethes Faust in der neuen Inszenierung auch Theaterchronit. Im Neuen Schauspiel, schoben, und auf gewissen Gebieten wäre eine Entwickelung nicht Obersten erwedte feine Ungeduld, es lag ein Reiz patriarchalischer Sonnabend und Sonntag in Szene gehen. Die Premiere des denkbar gewesen, wenn nicht alle Länder ihre Erfahrungen und Gemächlichkeit darüber. Studien zur Auffindung gemeinsamer Schlüsse beigesteuert hätten. Der Bolz des Herrn Korff vom Wiener Burgtheater ent- Schwantes" Der Kolonialskandal" wird verschoben. Ein Zentrum der Wissenschaft ist die Royal Society( die wickelte sich im Laufe des Abends zu einem prächtigen charmanten Jahresbericht für 1907/1908 im verflossenen Berichtsjahre um Die Berliner Kgl. Bibliothek wurde nach dem fönigliche Gesellschaft", die 1645 als Privatgesellschaft zu Orford ges Burschen. Am Anfang befremdeten in Ton und Haltung Antlänge 56 884 Bände bereichert. Die Benutzung nahm um 11,5 Proz. auf gründet und 1658 nach London verlegt wurde; Staatsanstalt ist sie einer gewissen Eitelkeit, die aber mit dem Fortschritt des Stückes insgesamt 534 342 Bestellungen zu. Durch Schenkung und Kauf feit 1663) in London, an deren Arbeit 29 Länder teilnehmen. Die immer mehr zurücktraten und schließlich in dem Eindruck des Gesamt- fam eine Reihe seltener und kostbarer Handschriften in die BibMitglieder dieser Gesellschaft reichen ihre Mitteilungen ein, die dann bildes, das auf echt Bolzschen lebermut und Bolzsche Liebens- liothek. die Basis des von dem Institut herausgegebenen Katalogs bilden. Im Jahre 1906 gingen zum Beispiel 700 000 derartige Einzelberichte würdigkeit gestimmt war, ganz verschwanden. Den Glanzpunkt der - Professor Friedrich Adler, der als Professor und Leistungen bildeten in feiner Abtönung von Gefühl und ein. Den Vorstand des Unternehmens bilden Vertreter aller an Oberbaurat lange Jahre von Einfluß auf das Berliner Kirchenim Burlesken die moralische bauwesen war, ist 80jährig in Berlin gestorben. Die Berliner geschlossenen Länder; der Vorsitzende ist Prof. Armstrong. In dem Ironie die Liebesszenen, und Bureau in London arbeiten 13 fest angestellte Männer der Wissen den ehrenwerten Weinhändler und Wahlmann mit drastischem Erlöserkirche in Jerusalem zeigen seine frühere Stile nachahmende Eroberung der Piepenbrinks. Albert Heine verkörperte Thomaskirche, die restaurierte Schloßkirche in Wittenberg sowie die schaft, denen 19 Experten, die Vertreter der verschiedenen Gebiete Humor, aber für den harmlos behaglichen Charakter des Art, die genau so wenig schöpferisch war, wie das erstarrte Kirchenbeigegeben find. Die Jahresausgaben, ohne die Publikation des Stüdes zu ſtarter Unterstreichung der altoholischen Merkmale. Katalogs belaufen sich auf 44 000 W. Jedes Land hat wieder seine Meinhard war ein vorzüglicher, bei aller Somit Mitleid aus- tum, dem sie diente. speziellen Bureaus. In Deutschland untersteht das Zentralbureau lösender Schmod, Herr Dumte ein drolliger und doch diskreter Alpen sind nach dem Jahrbuch des Schweizerischen Alpenklubs im -Opfer des Alpensports. Jm Gebiet der Schweizer Professor Uhlworm, der mit 6 Assistenten arbeitet und die Nach- Bellmaus. Von den andern Darstellern seien hier nur noch Gustav leßten Berichtsjahre 28 Todesfälle bei Besteigung mittlerer Berge richten der verschiedenen Institute sammelt. Weitere Bestrebungen Bolz und Joseph Klein genannt, die sich mit den etwas farb- und 30 Todesfälle auf den höchsten Bergen vorgekommen. 25 bon des Bureaus gehen dahin, einheitliche Maße und Meßmethoden einzuführen, die auf streng wissenschaftlicher, also allgemein losen Rollen der beiden Wahlkandidaten in geschickter Weise ab- den auf eigentlichen Hochtouren Verunglüdten waren ohne Führer gültiger Basis Basis beruhen; ebenso versucht man einheitgewesen. Ein sehr hoher Prozentjaß der Unglücksfälle ist auf Humor und Satire. liche Bezeichnungen auf den verschiedenen Wissensgebieten Sas Edelweißsuchen zurückzuführen, 17 Abgestürzte hatten noch durchzuführen. An den jeweiligen Kongressen werden bestimmte Hebung des Lehrerstandes. In Preußen herrscht Edelweiß in den Händen. Kommissionen mit Spezialstudien über besonders wichtige Fragen leider ein Lehrermangel, aber auch ein Mangel an Unteroffizieren. Die Farbe der Bierflaschen und der Wert betraut, so daß die Arbeiten sich wirklich wie ein Netz über alle Ge- Der Lehrermangel läßt sich noch ertragen, denn Lesen, Schreiben des Bieres. Nicht nur die Wärme beeinträchtigt den Wohlbiete erstrecken. und Rechnen lernen die Kinder auch so, aber bedauernswerter und geschmack des Bieres, sondern auch die Sonne und das Tageslicht. So ist in dieser wissenschaftlichen Gesellschaft ein wertvoller bedenklicher ist der Unteroffiziermangel. Der Patriot muß auf Ab- Aus diesem Grunde sind farblose Flaschen zu verwerfen, aber auch Ansatz zu einer internationalen Organisation der Wissenschaften ge- hilfe sinnen, bevor es zu spät ist. Den Unteroffizieren muß ihr nicht alle gefärbten bieten vollständigen Schuh, sondern nur die Nun fann man zwei dunkelrotbraunen. Der unangenehme Geschmack, der infolge der schaffen. Freilich ist eine planmäßige und systematische Organisation Stand begehrensivert gemacht werden! indem einer Klappe schlagen, der Wiſſenſchaft in der privatkapitaliſtiſchen Geſellſchaft so wenig au interoffizier, der im Besige eines Zivilversorgungsscheines ist, vorhanden, sondern bildet sich erst durch die Gärung. jedem Einwirkung des Sonnenlichtes entsteht, war noch nicht in der Würze verwirklichen, wie eine Regelung der Produktion. eine Lehrerstelle gibt; Stellen genug sind ja da, und da jeder Unter- Was leistet der Dampf? Gegenwärtig beläuft sich die Theater. offizier lesen, schreiben und rechnen kann und überdies die Disziplin gesamte ausgenugte Kraft des gespannten Wasserdampfes auf der Berliner Theater: Die Journalisten" bon aus dem ff versteht, so wird er ein vorzüglicher Lehrer sein. Erde, unter Einschluß des Lokomotiv- und Dampfschiffsbetriebes, auf Gustav Freytag. Nach der furiofen Zwischenherrschaft Ferdinand Andererseits wird der Stand der Lehrer gewinnen, wenn ihm auf 120 Millionen Pferdestärken. Nach Professor Lewicki von der Bonus tritt das Theater in der Charlottenstraße unter Direktion diese Weise Sträfte aus höheren Gesellschaftsschichten zugeführt Technischen Hochschule in Dresden erheischt die heutige Dampf der vormals dem Brahmschen Ensemble angehörigen Herren werden. Die Lehrer würden sich sehr geehrt fühlen, wenn sie bei maschinenleistung der Erde bei zehnstündigem Betrieb an 300 ArbeitsMeinhard und Bernauer jetzt von neuem in den Kreis der ernst zu ihrem 50 jährigen Dienstjubiläum oder bei einer sonstigen geeigneten tagen 7200 Millionen Zentner Brennstoff die einem Geldwerte von 5700 Millionen Mark entsprechen. Den gesamten Betriebsaufivand rehmenden Berliner Bühnen ein. Die Vorstellungen wurden am Beranlassung den Titel Feldwebel erhielten. Dienstag mit der Generalprobe von Freitags Journalisten" bor Die Verschwisterung zwischen Ballett und mit Einrechnung aller Unkosten beziffert der genannte Gelehrte auf Der Dampffraft treten als die einem geladenen Publikum, das den großen in Einzelheiten renovierten Wissenschaft macht immer weitere Fortschritte; man kommt 11 Milliarden Mark im Jahre. Buschauerraum bis auf den letzten Platz füllte, eröffnet. Der Applaus dem idealen Ziele immer näher, die Wissenschaft auf die Höhe des beiden nächstwichtigen Kraftquellen Gas- und Wasserkraft zur Seite, flang warm und herzlich. Man freute sich, den altbekannten Ge- Balletts zu erheben. Zu diesem Zweck ist ein neuer Professoren- die es jedoch bisher nur zu einer Gesamtleistung von 5-6 Mil. stalten des Luftspiels, von denen einige der arme Schmod, der austausch in Sicht: ein Semester lang wird Fräulein Dell'Era an Pferdeftärken gebracht haben fanden. man dt. Eingegangene Druckfchriften. einheitliches System entwickeln, das sich von allen drei| Systemen der Jektzeit unterscheidet wie ein modernes Fahrrad mit seiner Uebersehung von den ersten alten Hochrädern. Abriß der Agrarfrage von Prof. Dr. Hike. 65 Pf. BoltsvereinsWie dieser Einheitsballon aussehen wird? Ja, wenn man's verlag, M.- Gladbach. Untersuchungen über den kollektiven Arbeitsvertrag in Berlin. wüßte, fönnte man ihn morgen bauen! Vorläufig glaubt ja serausgegeben von der Korporation der Kaufmannschaft von Berlin. jeder Konstrukteur, er allein hätte das Rezept in der Tasche! wandte Gebiete. Herausgegeben von Dr. 5. S. Archenhold. Verlag: Das Weltall. 22. Heft. Juustr. Zeitschrift für Astronomie und verTreptower Sternwarte in Treptow- Berlin. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen Direktion über ben Großhandel in den Zentral- Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr schwach, Geschäft still, Preise unverändert. Wild: Zufuhr mäßig, Geschäft etwas reger, Preise gut. Geflügel: Zufuhr reichlich namentlich in Gänsen, Geschäft schleppend, Preise nachgebend. Fische: Zufuhr genügend, Geschäft ruhig, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Breise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr über Bedarf, Geschäft still, Breise gedrückt. Die Geburt eines fräftigen Jungen zeigen hocherfreut an Ernst Lier und Frau Gertrud geb. Sobeck Warschauer Straße 76. Todes- Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, der Restaurateur Bruno Schröter, Fürstenberger Str. 2, am 15. b. M. sanft entschlafen ist. Die trauernde Witwe Ida Schröter geb. Schneider nebst Geschwistern u. Schwager. Die Beerdigung findet am Freitag, den 18. September, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Fürstenberger Straße 2, aus nach dem Zions- Kirchhof in Nordend ſtatt. 43502 Sozialdemokratischer Wahlverein des 6.Berl. Reichstags- Wahlkreises. Todes- Anzeige. Am 15. September verstarb unser Mitglied, der Gastwirt Bruno Schröter Fürstenbergerstr. 2. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 18. September, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause aus nach dem Friedhof der Zionsgemeinde in Nordend statt. Um rege Beteiligung ersucht 229/12 Der Boritand. Verband der haugewerblichen Hilfsarbeiter Deutschlands. Zweigverein Berlin u. Umgegend. ( Bezirk Wedding.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Joseph Piaschalla verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donnerstag, den 17. b. Mts., nachmittags 0 in der 5 Uhr, von der Reichenhalle des Sebastian Friedhofes Humboldtstraße in ReinidendorfBest aus statt. 31/12 Um recht rege Beteiligung ersucht Der Zweigvereinsvorstand. Verband der Buch- und Steindruckerei- Hilfsarbeiter u. Arbeiterinnen Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin. Zahlstelle II. Am 14. September, vormittags 9 1hr, starb nach schwerem Leiden unser Mitglied und Kollege Otto Brunzel im noch nicht vollendeten 61.Lebens. jahre. Ein ehrendes Andenken bewahrt dem Verstorbenen Die Zahlstelle Berlin. Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jerusalemer Kirchhofes, Nirdorf, Hermannstraße aus statt. 27/13 Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Stollege, der Drechsler Paul Schilling am 14. September gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Heute Donnerstag, den 17. September, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Zentralfriedhoses in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 90/12 Die Ortsverwaltung. Danksagung. des Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranzspenden anläßlich des Hinscheidens meines lieben Sohnes, unseres guten Bruders und Schwagers, Mechanifers Paul Wolff, sprechen wir hierdurch den Kollegen und Kolleginnen der verschiedenen Betriebe sowie allen Verwandten und Bekannten unseren innigsten Dank aus. 16245 Berta Wolff und Söhne. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf! Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Arbeiter Gustav Hohberg an Magenkrebs gestorben ist. 122/2 Die Ortsverwaltung. Todes Anzeige. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten, die traurige Nachricht, daß unser lieber Sohn Otto Pattloch im Alter von elf Jahren am Scharlach verstorben ist. August Battloch und Frau Bastianstraße 4. Die Beerdigung findet am Freitag, den 18. September, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des St. Philippus Apostel Friedhofes, Müllerstraße aus, nach dem städtischen Friedhofe, Seestraße( Ede Müllerstraße) statt. Hierdurch die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, der Rohrer 16215 Fritz Koppe am 12. d. Mis. plöglich am Herzschlag verstorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, 17. September, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen halle des St. Georgen- Kirchhofs, Neu- Weißensee, aus statt. Um stilles Beileid bittet 23w. Martha Koppe, geb. Sügler. Extra- UnterstützungsKasse für Buchbinder und verwandte Gewerbe zu Berlin. Sonntag, den 20. d. M., vor: mittags 10 Uhr, Melchiorstr. 15: Generalversammlung. Tages- Ordnung: 2. 1. Berlesung der Protokolle. Statutenänderung:§§ 3, 5, 6, 12 und 17. 3. Ergänzungswahl des Borstandes. 4. Verschiedene Staffenangelegenheiten. 16345 Der Vorstand. 3. A.: H. Herzhoff, Borsigender. NEUE Wartung Kleiner und mittlerer elektrischer Anlagen" von G. Sattler. Preis 1,50 M. Die Rauchfrage sowie ein Beitrag zur Lösung der Rauchfrage von Dampfteffelfeuerungen von A. Reichert und 2. Belican Preis 30 Pf. Selbstverlag, Berlin SO. 33, Büdlerstr. 45. Erhebungen bei den Sommer- und Winterbauten im Jahre 1906. Herausgegeben von der Zentralkommission für Bauarbeiterschutz zu Hamburg. Verlag S. Efftinge in Hamburg. Protokoll des 7. ordentlichen Verbandstages des Deutschen Holzarbeiter. Verbandes 1908. 276 Seiten. Selbstverlag in Stuttgart. Sjanin. Roman von Arßibaschet. 530 Seiten. Berlag G. Müller in München. Tätigkeitsbericht des sozialdemokratischen Vereins Frankfurt a. M. 1908. 40 Seiten. Selbstverlag Frankfurt a. M. Kothe Liederbuch. 12 Lautenlieder. Preis 2 M. Berlag: F. Hofmeister in Leipzig. Giovanni Segantini. Siebzehn Zeichnungen mit einem Geleitwort von Kozde. Preis i M. 6. Heft der Kunstgaben". Verlag von Josef Scholz, Mainz. " Taschenbuch für Maschinisten und Heizer" von N. Winkler. 21 Seiten. Selbstverlag. Preis 2,50..-„ Die Heizerschule" nebst Anhang:" Die Prüfungsfragen" 18. Bericht 1907/08 der Genossenschafts- Buchdruderei Solingen. von R. Winkler. 3. Auflage. Preis 1,50 M.„ Einrichtung und 15 Seiten. Selbstverlag. Zentralverband der Maschinisten und Heizer sowie Berufsgenossen Deutschl. Verwaltungsstelle Groß- Berlin. Todes- Anzeige. Am 14. September verstarb das Mitglied, Kollege Richard Jesehner. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 18. d. M., nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 145/20 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes Paul Lange sage ich den Genossen des vierten Kreises, dem Deutschen BuchbinderVerbande, der Firma Schreiber u. Co., sowie dem Männerchor der Transport arbeiter meinen herzlichsten Dank. Marie Lange nebst Tochter. Von der Reise zurück. Dr. W. Kramm, Ackerstr. 79. Lank- Berliner witzLotterie. Ziehung 6. Okthr, 1908. 485 Gewinne i. W. v. zus. Mark 10 000 1 Hauptgewinn i. W. v. Mark 5.000 and 484 Gew. i. W. v. zus. 5 000 Kleinster Gewinn i. W. v. 5 Mk. Lose à 50 Pf., 11 Lose nur 5 Mk. ( Porto u. Gewinnliste 20 Pf. extra) sind in allen Lotteriegeschäften u. den durch Plakate kenntlichen Verkaufsstellen zu haben sowie beim General- Debit Paul Steinberg& Co. G. m. b. H., Bankgeschäft Berlin C. 54, Bosenthalerstr. 11-13. Jahresbericht. Sozialdemokratischer Verein Elberfeld- Barmen. 1908. Santa Lucia Fl. 1.50 a. 2.00 Kraft- Rotwein Käuflich in Apotheken, Drogen-. Kolonial- Geschäften. In Apotheken, Drogen- u. Delikatessen- Geschäften, steht unt. ständiger Kontrolle d. chem. Laborator. Dr. C. Bischoff Das Geheimnis ein zartes, reines Gesicht, resiges, jugendfrisches Aussehen, weisse, sammelweiche Maut und blendend schönen Teint zu erhalten, besteht in täglichen Waschungen mit der echten Steckenpferd- Lilienmilch- Seife von Bergmann& Co., Radebeul. à Stück 50 Pfg. in allen Apotheken, Drogerien u. Parfümerien. Kapitän- Kautabak in feinster Qualität= wieder genügend am Lager. Die Rollen und Bündel( 10 Pf.- Vkf.) werden nur noch in Etiketten verpackt geliefert, um den immer wieder vorkommenden wertlosen Nachahmungen entgegenzuwirken. Kapitän- Kautabak unverpackt bitte daher, zurückzuweisen. weil unecht, Carl Röcker, Berlin D., Grüner Weg 112( Tel. Amt VII 3861). ,, Freischütz" Fruchtstraße 36a an der Großen Frankfurter Straße empfiehlt seine Säle zu Vereinsfestlichkeiten und Versammlungen in jeder Größe zu kulanten Bedingungen. Wo? machen wir am Sonntag unseren Ausflug? Nach Pichelswerder zum 4298L* 36602* Alten Freund. Empfehle auch diesen Sommer mein Lokal zu Land- u. Wasserpartien. SALAMANDER ROSENTALERTOR Verkaufsstellen sind eröffnet POTSDAMERSTR. 5 Salamander- Stiefel werden aus den besten Rohstoffen hergestellt, sind von tadelloser Arbeit und entsprechen der neuesten Mode Sie kommen zum Einheitspreis von M. 12.50 Luxusausführung. M. 16.50 für Herren und Damen zum Verkauf und sind als das hervorragendste Erzeugnis der deutschen Schuhindustrie anerkannt Fordern Sie Musterbuch V SALAMANDER Schuh- Ges. m.b.H. BERLIN CENTRALE und VERSAND- ABTEILUNG: W. 8, Friedrichstrasse 182 C. Königstrasse 47 SW. Friedrichstrasse 221 C. W. Rosentalerstrasse 1 Potsdamerstrasse 5 FahrräderMotorräder- Lager Billigste Preise. ReparaturWerkstatt. Sämtliche Zubehörteile. III, 3603. Arthur Berger, Danziger Str. 15. Möbel Schulz Reichenberger Str. 5. Gediegene Arbeit. Aeußerst billige Preise. Auch 39042 Ratenzahlung. Ausnahme- Angebot. Wir geben den Roman Der Idiot von Dostojewski. ( Berf. v. ,, Schuld und Sühne") zwei Bände( ca. 1000 Seiten) zu billigem Preise ab. Statt früher 8 M. jetzt nur 2 Mart. Nur noch eine kleine Anzahl am Lager. Expedition des„ Vorwärts" Lindenstr. 69.( Laden) ardinenG Spezialhans Emil Lefèvre Berlin, Oranienstr.158 Riesen- Auswahl! Abgepaste Fenster- 2 Flügel a Fenster 2.50 9,35, 485-150 M. Ganze Stücke- 22 Meter Länge a Stick 9,50-11, 16-48 M. Gardinen, Portieren, Stores, Vitragen, Tüllbettdecken usw. Einzelne Fenster spottbillig! mit ca. 600 Pracht- Katalog Abbildungen gratis und franko. Friedenskundgebung. Ueberreichung einer Adresse des englischen Volkes an das deutsche Volk. Sonntag, den 20. September 1908, mittags 12 Uhr, in der Neuen Welt, Safenhaide 108-114. Die Ueberreichung erfolgt durch eine Deputation von 20 englischen Arbeiterführern und Parlamentsmitgliedern. Von englischer Seite werden sprechen: f. Maddison, Internationale Schiedsgerichts- Liga. D. F. Shackleton, Präsident des Gewerkschaftskongresses. Von deutscher Seite werden sprechen: Karl Legien, Vorsitzender der Generalfommission der Gewerkschaften Deutschlands. W. A. Appleton, Sekretär der General- Federation der Gewerkschaften. Paul Singer, Borsigender der Sozialdemokratischen Partei. J. A. Allen, Präsident des Genossenschafts- Kongresses. Ueberseter: Eduard Bernstein. Massenbesuch erwarten Die Einberufer: Eugen Ernst für den Verband sozialdemokratischer Wahlvereine. Alwin Körsten für die Berliner Gewerkschaftskommiffion. Zentralverband der Maurer Deutschlands. Zentralverband der Töpfer Deutschlands Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- u. Zementbranche. Filiale Berlin. Am Freitag, den 18. September 1908, abend 7½ Uhr: Freitag, den 18. September 1905, abends S% Uhr, in den„ Neuen Arminhallen", 3 Agitations- Versammlungen. Kommandantenstraße 58/59, großer Saal: Außerordentliche Generalversammlung. Zages Drdnung: 1. Stellungnahme zu den Tarifverhandlungen mit der Unternehmer- Drganisation. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert! Zahlreichen Besuch erwartet 139/ 10* Der Vorstand. Zentral- Verband der Zimmerer Zahlstelle Berlin und Umgegend. Heute Donnerstag, den 17. September, abends 8½½ Uhr, im Gewerkschaftshause ( gr. Saal), Engel- Ufer 15: Außerordentliche Mitglieder- Versammlung. Zages Drdnung: 1. Die Tarifbewegung im Zimmergewerbe und die Aufgaben unseres Verbandes. Referent: Ramerad Gustav Lane- Leipzig. 2. Diskussion. 255/2 Um vollzähliges Erscheinen der Mitglieder ersucht Freitag, den 18. September cr., abends 82 Uhr, im. Restaurant " Zur Lebensquelle", Kommandantenstr. 20: Oeffentliche Versammlung Vortrag des Genoffen Landtags- Abgeordneten Heinrich Peus- Deffaut über: Klassenkampf und Charakterbildung." Freie Diskussion. Bahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Swinemünder Gefellfchaftshaus, Swinemünder Str. 42. Referent: Genoffe Gustav Schumann über: Volkserziehung und wirtschaftliche Entwickelung". Andreas- feftfäle, Andreasftraße 21. Referent: Genoffe Max Schütte über:" Die Schule von heute. Schellbase, Steglitz, Ahornftraße 15a. Referent: Genoffe Julian Borchardt über: Die Arbeiter und der Militarismus. Beitere Tages- Drdnung: Stellungnahme zu der am 29. Mai vertagten öffentlichen Versammlung zweds Einigungs. bestrebungen und Verschiedenes. Pflicht aller Kollegen ist es, für guten Besuch dieser Bersammlungen zn forgen! Niemand darf fehlen! Jeder Kollege begibt sich in die für ihn am nächsten gelegene Bersammlung. 193/3 Dr. Simmel Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, dicht am Moritzplatz, 10-2,5-7. Sonntags 10-12. 2-4. Sie erleben Freude! wenn Sie Ihre bunten Sommerkleider und Herrenanzüge mit Bechtels Salmiak- Gall- Seife" 290/18 waschen. Sie werden wie neu! Käuflich in Drogen- und Seifenhandlungen in Paketen zu 45 u. 25 Pf. 213/ 20* General- Depot: Kiewitz& Moock, Berlin SO. 36, Ratibor Straße 4. Der Einberufer: Paul Lenzner, Karlshorst, Roedelstr. 5. Stukkateure! Heute abend 8%, Uhr, bei Elsner, Kaiser Wilhelmstraße 18m: Große Mitglieder- Versammlung. Zages Drdnung: 1. Stellung zu den Anträgen der Filialen Dresden, Leipzig und Frankfurt a. M.( Gültigkeit von Verbandstagsbeschlüssen.) 2. Dis. fussion und Verschiedenes. 173/18 In dieser Bersammlung werden auch noch Meldungen zum Fach zeichenkursus angenommen. Es wird wegen der wichtigen Tagesordnung zahlreiches und pünkt: liches Erscheinen erwartet. Die Ortsverwaltung. Möbel. Komplette Wohnungseinrichtungen. Billigste Preise. Teilzahlung gestattet. Otto Piehl, Brunnenstraße No. 120. Amt III, 7209. Katalog gratis und franko. ORIGINAL SINGER AHMA Singer Nähmaschinen. 34982* Einfache Handhabung! Große Haltbarkeit! Sohe Arbeitsleistung! Weltausstellung Grand Prix Weltausstellung St. Louis 1904. Paris 1900: Unentgeltlicher Unterricht, auch in moderner Kunststickerei. Elektromotore für Nähmaschinenbetrieb. Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges. Berlin W., Leipzigerstr. 92. Filialen in allen Stadtteilen Eigene Werkstätten! H.K Klischee gesetzl, geschützt u. Nr. 25,103, Der Vorstand. 1000 Herbstostüme elegante moderne Fassons unvergleichlich billig aus feinem Tuch in den neuesten Farben und gediegenen englischen Fantasiestoffen 15, 20, 25, 30, 40 M Plüschpaletots, Jacketts u. Mäntel glatt und mit eleganter Litzen- u. Borden- Garnierung auch für stärkste Damen stets grosse Auswahl aus prima Velours du Nord und echt englischem Seal 80 M. 18, 25, 32, 45, 60, Elegant.Frauenmäntel u.Kimonos aus prima Tuch und Eskimos, schwarz und farbig 40 M. 15, 24, 30, 1500 Herbst- Paletots aus modernen englischen und Diagonalstoffen 7, 9, 11, 14, 16, 18, 21, 25 M. Sielmann& Rosenberg Kommandanten-, Ecke Lindenstrasse. 12 Schaufenster 2 Häuser vom Donhoff- Platz. Unsere Konfektion bietet durch Verarbeitung erstklassiger Stoffe u.Zutaten vollständige Garantie höchster Reellität, Möbelfabrik Julius Apelt, Tischler- Meister 41492* Kottbuser Tor jetzt: Adalbertstraße No. 6 Hochbahnhof Komplette Wohnungs- Einrichtungen Für bestes u. trockenes Material garantiert! Moderne Musterzimmer von den einfachsten stehen zur Ansicht Besichtigung ohne Kaufzwang erbeten. bis zu den elegantesten zu soliden Preisen in meinen modern eingerichteten zirka 1000- Meter umfassenden Geschäftsräumen. Müllerstraße 182/183 Kaufhaus Wedding Müllerstraße 182/183 Enorm billiges Angebot! Zum Umzug ca. 7000 Meter Gardinen, Meter 60, 45, 28 Pf. Zum Herbst- and Winterbedarf 900000000000000000000000 u. 500 Stores Stück 225, 175, 95 Pf. Einzelne Teppiche 1950, 1050, 6500 ca. 5000 Meter Kleiderstoffe, Meter 95 P., 75 PL, 48 PL., ca. 450 Damen- Blusen, stück 225, 150, 95 Pf., ca. 375 Kostümröcke Stück 6.50, 4.75, 2.95 M. Die Putzausstellung ist eröffnet und bitten wir um gefällige Besichtigung.) Trotz der billigen Preise auf alle Artikel 5 Proz. Rabatt oder Nordenmarken. Fürstenhof Köpenicker Straße 137, ( nahe Köpenicker Brücke) Inhaber: A. Zöís. Säle für Versammlungen und Kränzchen. Elegante Hochzeitssäle empfiehlt bei solidester und gediegenster Ausführung.- Küche allgemein anerkannt und belobt. 5 vorzügliche Kegelbahnen. Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort( fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort ( fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Teppiche mit Farbenfehlern, Fabrik niederlage Große Frankfurterstraße 9, parterre, Mauerhoff. Vorwärtslesern 6 Prozent Rabatt.. 15946* hoff. Steppdecken billigst Fabrik, Große Frankfurterstraße 9, parterre, Mauer15956* Gardinenhaus, Große Frankfurterstraße 9, parterre, Mauerhoff.* Sozialreform oder Revolution von Rosa Luxemburg. Zweite durchgesehene und ergänzte Auflage. Preis 50 Pf. Expedition Borwärts, Linden straße 69. Steppdecken, Wollatlas und Simili feide 3.25, 3.85, 4.35, 5.00, 5.75.* 1 Lambrequin in allen Farben 3.25, Portieren, Biolettatuch, 2 Shawls, 3.85, 4.75, 5.50, 6.75. Große Frant furterstraße 125. Problem Jeder Käufer erhält ein Geschenk. Ruhigster Schlaf auf neuesten, absolut geräuschlosen Patent- Matratzen von Westphahl& Reinhold, Berlin, Charlottenstr. 29/30. Beachte Stempel! Ueberall erhältlich. Metallbettstellen in jeder Preislage. Kleine Anzeigen Milchberfauf, neuester hygienischer; Kannen, Kübel, Flaschen, geeichte Maßgefäße. Otto Lindner, Gartenstraße 96. 1092* Teppiche, wenig fehlerhafte, Ausverkauf für die Hälfte des Wertes. Wolfs Teppichhaus, Dresdenerstr. 8 ( Stottbufertor). 1073* Kinderwagen, Sportwagen, Kinderbettstelle. Größere Raten Kassapreis, zurückgesetzte. gebrauchte spottbillig Andreasstraße 53. 326* Pfandlethhaus, Weidenweg 19. Spottbilligster verfallener Bettenverfauf, Gardinenverkauf, Steppdecken, Portieren, Taschenuhren, Schmuc sachen, Aussteuerwäsche, Teppichver fauf, Bettinlette, Garderoben, Berschiedenes spottbillig. 1135* Gloffen zu Yves Guhots und Sigismund Lacroix Die wahre Geſtalt des Christentums", von August Bebel. Preis 75 Pi., billige Ausgabe 30 Pf. Expedition Lindenstraße 69, 11678 Laden. Plüsch- und Zuchtischdecken mit Heinen Stidfehlern. Riesenauswahl. 1.65, 1.95, 2.50, 3.50, 4.85, 6.50, 7,25. Tüllbettdecken in weiß und crême Nähmaschinen. Bergüte bis 20,00, wer Teilzahlung lauft oder nachweist. Sämtliche Systeme. Postkarte bitte. Brauser, Frankfurter Allee 101, Laden. 1.95, 2.25, 2.75, 3.25, 4.50. 11698* Warenverkauf! Im PfandleihEnglische Tüllgardinen, Meter 35, haus, Hermannplatz 6. Bequemfte 40, 45, 50, 60, 75 Pfennige. 1170 Fahrverbindung Großberlins! Jeder Abgepaste Gardinen und Stores manns Einkaufsvorteil! Riesenaus 1.65, 2.25, 2.85, 3.65, 4.35, 5.25. E. Weißenbergs Teppichhaus, Große Frankfurterstraße 125. 1171st Teppiche, Riefenauswahl, mit Heinen Webefehlern 3.15, 3.85, 4.65; 5.85, 6.00, 7.50. 11728 Extraangebot! Salon- und Wohn zimmer Teppiche, Fabrikmuster, jezt mit 20 Prozent Rabatt. 1173 Läuferrefte in allen Breiten und Breislagen jetzt bedeutend unter Preis. # Möbelstoffe, Reste in Wolle und Plüsch in allen Farben. E. Weißenbergs Teppichhaus, Große Frankfurter. Straße 125. 1175* Verbrechen und Prostitution als foziale Krankheitserscheinungen von Paul Hirsch. Preis 2, Mart, geb. 2,50 Mart. Expedition Vorwärts, Lindenstraße 69. Gastronen, Petroleumtronen ohne Anzahlung, Woche 1,00. Louis Böttcher ( felbft): Borhagenerstraße 32( Bahnverbindung Warschauerstraße), Reinidendorferstraße 116, Schönhauser Allee 80, Potsdamerstraße 81, Rig dorf, Kaiser Friedrichstraße 247. ANZEIGEN für die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis 1 Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt- Expedition, Lindenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Fahrräder. 674* Schankgeschäft verläuflich Rigdorf, Möbeltischlerei liejert reelle Richardstraße 60. +103 Wohnungseinrichtungen, Schlafbunte Küchen. Raten- Fahrräder, Grammophone, Teil immer, zahlung. Kein Laden, nur Fabrik- zahlungen, ohne Aufschlag, Lothringerstraße 40. gebäude. Auch Sonntags. Harnad, Herrenfahrrad, Damenjahrrad Tischlermeister, Stallschreiberstraße 57, am Morikplay. Genossen 3 Prozent. wie neu, 45,00. Holz, Blumen. straße 36 b. 9778* Möbel, S. Grau, GneisenauGeschäftsdreirad, äußerst stabil, straße 10, billigste und beste Bezugs quelle. Kassa und Teilzahlung. 50,00. Holz, Blumenstraße 36b. Mahagoni Trumeau, Muschel- Fahrräder, gebrauchte, betten, Englischebetten, Frankfurter billig. Verleihinſtitut Weberstr. 52, 1199 Brikke. Allee 129. Ausschank, Fabriflieferung, Mittagtisch, 30 Halbe Bayrisch, 3 Halbe Malzbier, 5 Halbe Weißbier, viel Raftenbier, Miete 2000,00, Preismit Pianino, forderung 3000,00 Billard, weil Frau allein und frank. Wunsch große Brauereihilfe. Aus erteilt Vertreter Albuschat, funit Linienstraße 196, Rosenthalertor. Parteilofal wegen Todesfalls sofort verkäuflich Rirdorf, Kirchhofftr. 5. Möbel. Auf Teilzahlung. Möbeleinrichtung, Stube und Küche, Anzahlung 15 Mart an. Einzelne Möbelstücke 3 Mark an. Verliehen gewesene Möbel spottbillig. Berolina", Kaftanien allee 49. 1104+ Möbelangebot. Im Anhalter Bahnspeicher Mödernstraße 25, Anhalter Innenbahnhof, direkt Hochbahn station Mödernbrüde, stehen verschie bene Einrichtungen zum Verkauf. Darunter befinden sich hochmoderne Schlafzimmer, Speisezimmer, Herren zimmer, auch einzelne Salongarnis furen, Paneelsofas, Bibliotheken, Anfleideschränke, Nußbaumbüfette, Bronzefronen, Delgemälde, Schreibtische 28,00, Ruhebetten mit prachtvoller Hochfeine Diwandede 22,50, wunderschöne Säu wahl! Pfänderverkauf! 30,00, höchelegante staunendbilligste Jadettanzüge! Geh- lentrumeaus rodanzüge Herrenhosen! Sommer- Salonteppiche, schon 14,00 bis zu billiger Bettenverkauf! paletots! Winterpaletots 1 Enorm allergrößten Saalteppichen, aller Gardinen liebste Bimmerteppiche 8,00, reich verkauf! Teppichverkauf! Wäsche gestickte Uebergardinen, Spachtelstores, verkauf! Brautgeschenke! Goldene Tüllgardinen, Steppdecken, SalonTaschenuhren! Wanduhren! Ketten bilder, Standuhren, prachtvolle Plüsch auswahl i Ringeauswahl! Plüsch- tischdecken 5,00. Verschiedene Gelegentischdecken! Steppdecken! Näh- heiten, Uebernahme vollständiger maschinen!" Allererste Billigkeit!" Warenlager, Wirtschaften, Stonkurs Anerkannt: Hermannplag 6. Sonn- massen, Nachlässe zum schnellen Bertags geöffnet. kauf und Versteigerung. Otto Lideles Auktions- und Möbelspeicher, Mödernstraße 25. Stostenloser Transport. Lagerung. Teppiche zirka Möbel. 500 Pracht teppiche( Farbenfehler), jede Größe, zu Spottpreisen. Biele Schlafzimmer, Speisezimmer, Herrenzimmer, Solons, Süchen, Stronen, Delgemälde, Uhren, tausende Gegenstände unter der Hand. Auktionsannahme. Rasch, Grüner weg 3. +103 Federbetten, 17,00. Michel, Schö neberg, Hohenfriedbergstraße 20. Teppiche. Große Partien Teppiche fleinen Webefehlern, mit 200X300 11,75, 250 X 350 16,50, 300X400 20,00 Mart. Teppichhaus 2. Lefèvre, nur Potsdamerstr. 106B ( kein Laden). 1141 Drehrollen( Teilzahlung). Berliner Drehrollen- Fabrit, Baßmann straße neunundzwanzig. 1181* Steppdecken, volle Größe, Cres tonne 3,00, Tritot 4,25, Similifeide 4,25, Wolatlas 5,50, Normalschlafdeden 1,85, Sonderangebot. Teppich haus Emil Lefèvre, Oranienstraße 158. Teppiche, farbfehlerhaft, für halben Wert. Vorwärtslejern 5 Prozent Extrarabatt. Thomas, Dranien straße 160, Oranienplay. 4 11468* Donnerwetter- tadellos! Vollständig konkurrenzlos! Bin billiger, fast sämtliche Möbelhändler! Komplette Wohnungs- Einrichtung mit moderner Küche, frei Haus 250 Mart, bessere 325,-, 400,-, 475,-, 530,-, 600-1500 Mart Speiſezimmer, eichen, mit ſechs ederstühlen, komplett 525 Mart, beſſere 650, neue, 1031 Herrenfahrrad, Damenfahrrad, furze Zeit benutt 40,00. Große Frankfurterstraße 14, Hof geradezu. Sofort Stube und Küche, einzelne Stuben, Küchen Lehrterstraße 14/15, NW. 15465* Freundliche Hinterwohnungen, eine und zwei Stuben, Küche, sehr billig, 1. 10., eventuell sofort Rigdorf, Kaiser- Friedrich- Straße 53. * * Schöne Vorderwohnungen, zwei Stuben, Küche, Bad, billig, groß, 1. 10. Kaiser- Friedrich- Straße 53. Freundliche Gartenwohnungen, zwei Zimmer, Küche, groß, billig, 1. 10. Gleditschstraße 37, IV. Etage.* Freundliche Hinterwohnungen, eine und zwei Stuben, Küche, groß, billig, 1. 10. Steinmetzstraße 49. Schöne Vorderwohnungen, zwei Stuben, Küche usw. groß, billig, 1. 10., Mainzerstraße 12, an der + 142* Verschiedenes. Frankfurter allee. 10038* Zimmer. Möbliertes Bimmer, mit Staffee, 20 Mart. Lohde, Brizerstraße 44, born parterre. +85 -725 bis 1250. Ganz billige, auch bessere Herrenzimmer, Salons, Patentanwalt Bessel, Gitschiner Schlafzimmer, Ankleideschränke, Um ftraße 94a. 25558 baus, Plüschlofas, Ausziehtische, Lederstühle, Büfetts, Schreibtische, ChaiseTeilnehmer an einem englischen longues, Bettstellen, Kleiderschränke, Birtel( monatlich 4 Mart) werden geBertilos, moderne Küche in allen fucht. Privatstunden für Anfänger Farben, komplett 68-125 Mark! und Fortgeschrittene werden erteilt. egter Monat noch die billigen Preise G. Smienty, Schöneberg, Sedan Schlafstellen. Besichtigung in 6 Etagen 1 Hasemanns straße 57, III. Möblierte Schlafstelle für Herren. Gelegenheitskäufe in besseren Möbeln! Perut die Muttersprache beherrschen! Staligerstraße 36a, born 3 Treppen Berkauf nur Lothringerstraße 26, Schön- Erfolgreichen, leicht faßlichen Unterricht rechts.( Hochbahnstation Dranienhauser Tor. 16226* in Wort und Schrift der deutschen straße.) +10 Sprache erteilt Damen und Herren Möblierte Schlafstelle für zwei ( jeparat) auch abends ein tüchtiger +10 und gewissenhafter Brivatlehrer. Die Herren. Frau Wendt, Reichenberger Stunde foitet eine Mart. Eine Unter- ftraße 96a, Quergebäude III. Freundliche, richtsstunde wöchentlich genügt Ge separate, einfach fällige Angebote sind unter G. 4 an möblierte Schlafstelle bei älterer Expedition des Vorwärts" zu richten. alleinstehender Witwe zu vermieten. Destreich, Reichenbergerstraße of IV. Umzugshalber verkaufe Kleider fpind, Vertiko, Sofa, Auszugtisch, Stühle, Trumeau, Bettstellen, Küchenfachen spottbillig. Schuhmann, Bal demarstraße 27, born I. 16266 Nur an Privatleute verkaufe sofort zwei englische Bettstellen, Ausziehtisch, Säulentrumeau, Kleiderschrank, Stühle, Vertiko, Gastrone, Nähmaschine, Plüschsofa, Bilder, Plüsch portieren, Garnitur, Teppich, Verfchiedenes. Möbel fast neu! Chausseestraße 52, vorn II, Bölling, Flur eingang. 16236 Wirtschaft, Nußbaum, gut er halten, verkauft dringend Winkelmann, Dresdenerstraße 109, Duergebäude +113 parterre. Möbel berlauft Scharnow, Lhchenerstraße 2. + 73* Plüschiofa mit Stiderei 45 Mart. Eigene Werkstatt im Hause. Sämt liche Polsterarbeiten. Pantstraße 82.* Möbel. Soloffale Auswahl. Bertilos, Schlafzimmer. Küchen. Auch einzeln. Schreibtische. Zuchmann, Bank Straße 82. 1132* Billige Möbel aus Versteigerungen Auflösungen, Schränke Taschenjojas 45,-, Büfette, Schreibtische 35,-, Bücherschränke 58,-, Bierzugtische 68,-, Lederstühle 12, Trumeaus 30,-, Bettstellen, Tische, Garnituren, bunte Küchen 55,-enorm große Auswahl tompletter Wirtschaften jeder Stilart, billiger als Gelegenheitsläufe. Rennerts Möbelspeicher, Lothringerstraße 55. 11618* überall. Alles 200 bis 3000 Mart. 2148 Mietsgesuche. 42, 16335 Biolinunterricht( neue, doppelt fördernde Methode bis zur Vollendung) gibt erfahrener Stünstler wöchentlich, auf Wunsch auch nur eine Lektion a 1,25 M., bei zwei Schülern je 75 Pf. Anständiger älterer Mann( Ar Offerten unter D. 2 Expedition des „ Borwärts". [ beiter) sucht möbliertes Zimmer Kunststopferei von Frau Kotosty,( Alleinmieter), Gegend Voltastraße. Offerten A. 200,„ Borwärts" Schlachtensee, Surstraße 8, III. +92 * Mittagstisch! 0,50, 0,60 ein- Spedition, Stettineritraße 10. schließlich Getränke. Täglich drei Gerichte. Annenstraße 16, parterre. Volksfänger- Gesellschaft Balzó", +10 Manteuffelstraße 41. Aufpolsterung, Bettmatraße 4,00. Gofa 5,00, auch außerm Hause, Hoffmann, Neue Königstraße 30. Waschanstalt Karl Behrigt, Köpe nid, Glienickerstraße 29, liefert blenbend weiße Wäsche, im Freien ge trodnet. Bett, Leibwäsche, 3 Handtücher 0,10. Abholung Sonnabend. Junger Gesangverein sucht Mitglieder, Donnerstags, Reichenberger16326 Straße 86. Bus' Ballsalon, Große Frank furterstraße 85. Vereinszimmer zu bergeben. Der große Saal noch 16305 Fifi", 157/2 Arbeitsmarkt. Stellengesuche. Hausreinigung suchen Eheleute zum 1. Ottober unter M. S. 350 " Vorwärts"-Expedition Immanueltirchstraße.! +140 verlangt. Vorstellung abends 7-8 16016* 12038 Teppiche!( fehlerhafte) in allen Möbel direkt an Private zu Größen für die Hälfte des Wertes Fabrifpreisen. Außerdem enorm billig Im Teppichlager. Brünn, Hadelcher neue Möbel, Teppiche, Kronen aus Stellenangebote. Markt 4, Bahnhof Börse. 264/ 11* Auflösungen und Pfändungen. Be Chauffeure verlangt, welche durch Installateure und Händler kaufen fichtigung lohnend. Stube und Küche Zwei die Chauffeurschule Melchior, WaldeBronzegastronen, Bugampeln, Gas- Plüschportieren, einzelne Fenster 175.-, hochelegant 260, 1121 Stuben und hochmoderne Stüche 450,-, marstraße 55, oder deren Annahmebeleuchtungs- Gegenstände, Hängegas spottbillig. Vorwärtslejer 5 Prozent Nußbaum und Eichen- Wohnzimmer. stellen sich benachteiligt fühlen, werden brenner allerbilligst Großhandlung Extrarabatt. Thomas, Dranien- Möbelhalle Norden", Thiele, Alte Jakobstraße 125. Geschäftsleuten straße 160, Dranienplay. 1162* Aderstraße 120( Gartenplab). Filiale: tend unter Preis. Saloneinrichtung sonen, im November frei. Speisezimmer, Herrenzimmer bedeu- einige Sonnabende, 230-400 Per gebeten, ihre Adressen unter G. 2 in der Haupterpedition dieses Blattes Engrosrabatt. 1004* 5,00 prachtvolle Betten, 9,00 Invalidenstraße 118( Stettinerbahn), 320,-, moderne Küchen 48,-, niederzulegen. Diskretion zugesichert. Riesenauswahl bürger: Büfette, Stühle, Steppdecken spottbillig, Fabrit Bauernbetten, nur Pfandleihe An- Speicher. große Säulen Zehn Mart Belohnung. Sekerlehrling gesucht. Reinte Große Frankfurterstr. 50/51. 2993 dreasstraße 38. 12068* licher Sohnungs- Einrichtungen von frumeaus 28, Chaiselongue mit schwarzer Terrier, mit Schöneberger und Grunwald, Prinzenstraße 42. Ohne Anzahlung, Woche 50 Pfennig, Landbett, zwei Deckbetten, zwei täufe gebrauchter wie neuer Möbel, Plüschsofas, Schreibtische 34,-, Sofa- weiß- braunen Pfoten, feit vierzehn Gelegenheits- Prachtdecke 22,50, Kleiderspinden 24,- und Dahlemer Marke, weißer Brust, Linoleumleger, mehrere, sofort Bilder, Spiegel. Ferner: Möbel, Stiffen, zweischläfrig 18,00, große Bolsterwaren, Teppiche, Gardinen, Raten 1,00. Aussteuer, Damast spottbillig. Aufbewahrung und Liefe: umbauten, Muschelbetten 36,-, aller Zagen entlaufen. Sander, Dahlem, 1205 Uhr. Kaufhaus Hermann Engel, Steppdecken, Tischdecken, Bettbezüge, bezüge, Plüschdecken, Gardinen, Por- rung, frei. liebste Zimmerteppiche 8,-, Salon Ladenbergstraße 4. 187/14 Portieren, Uhren, Gastronen, Herren- tieren, Steppdecken. Pfandleihe An- Möbel sowie ganze Wohnungs- teppiche 13,-, Faalteppiche 33, Jescheck Ensemble Gethsemane- Landsbergerstraße 86/87. + 71* 1207 Einrichtungen auf Teilzahlung bei reich gestickte Plüschportieren 8,50, ftraße 3. garderobe. Weber, Prenzlauerstr. 49. breasstraße 38. Blumenfärberin bei hohem Ge Besuch, eventuell. Postkarte. 1150* Bauerndeckbett, Unterbett, zwei geringer Anzahlung erhalten solide Spachtelstores 3,50, Tülldede 2,50, Klavierkursus, Monatspreis 3,00. halt, welche selbständig färben kann, Brautwäsche, Teppiche, Gardinen, Nissen 27,00, große Freischwinger, Leute in der Möbelfabrik August Bilder, Gastronen. Mar Hoffmann, Klavierüben frei! 20 Klaviere. Musik- sucht B. Schindelhauer, Alte JakobTischdecken, Portieren, Diwandeden, Regulatoren 9,00. Pfandleihe Andreas. Strauſe, Schüßenstraße 73/74. 924st Möbelengroslager, Friedrichstraße 6. akademie Albrecht, Dranienstraße 147 straße 156/157. Steppdecken, Läuferstoffe spottbillig ftraße 38. Fahrgeld wird vergütet. Möbelfabrik, Dranienstraße 58, Hochbahnstation Hallesches Tor. La( Morigplatz. Aschingerhaus). wegen Auflösung. Fischer, Potsdamer Sensationell. Großer Räumungs- direkt Moritplay. In meinen fünf gerung und Transport auch außerVereinslokal, Saal 51, mit ftraße 100. 11338* ausverkauf hocheleganter Herrens Etagen stehen komplette Wohnungs. halb fostenfrei. Sonntags geöffnet.* Nebenräumen, Dhmstraße 10. 157/4 Gelegenheitskäufe zurüdgesetter, Gasbronzekronen!!! Gaszug garderoben, spottbillige feste Tar einrichtungen von 165-5000 Mart fronen! 9,00. Salongastronen 10,00. preije. Herrenanzüge und Baletots, In jeder Holzart. Schlafzimmer 285, verliehener Möbel, ganzer Wirt Gasrohrlhren 1%. Schaufensterlicht, früher 25-60, jett 12-30 Mart, Salon, Herrenzimmer, Speisezimmer schaften sowie neuer Einrichtungen Gashängelicht spottbillig. 3weiloch Herrenhosen, früher 9-18, jetzt mit Umbauten 390 Mart, farbige billigst. Auch Teilzahlung. VorwärtsStoffrefte, Joppen, Küchen 45,- Besondere Gelegen- leser erhalten 3 Prozent. Neumann, gaskocher 3,00. Wohlauer, Wallner- 4-9 Mart, Geldschrankschlosser 1120 Besten, zurüdgesetzte Anzüge, spott: heit biete ich auch in zurüdgesezten, Tapezierer, Dranienstraße 202. 1182* theaterstraße 32. billige, aber feste Preise. Versand- verliehen geweſenen Möbeln, die Milchgeschäftseinrichtungen, haus Germania, Unter den bedeutend herabgesezt sind. Auf- Billige Möbel- Gelegenheitsläufe Restaurationsladen mit Wohnung, bei hohem Verdienst sofort gesucht. 16276* fallend billig: Chaiselongues 22, für komplette Wohnungs- Einrichtun- neu renoviert, sichere langjährige Er- Geldschrankfabrik H. F. Peltz, Schlafsofa 34, Plüschsofa 49, Paneel gen sowie Ergänzungsmöbel jeder werbsquelle, zu vermieten, aber nur Reisemuster, Kostüme, Damenusw. billigst Jordan, Michaelfirch mäntel, Baletots, Lifts, Jadetts, teils Gäulentrumeau 33, Bettstelle mit steigerungen im Möbelspeicher Frik reellen Wirt. Preis 1800,00. Curfofa 59, Garnitur von 75 Mart an, Stilart aus Auflösungen und Ber- an ganz zuverlässigen, nachweislich 10958* auf Seide, durchweg 9 Mart. Auzüge, Paletots nach Maß. Aus Julius Neumann, Bellealliance- atrage 16, engl. Bettstelle mit Doß, Weinbergsweg 17( nahe Rosen- havenerfstraße 1, an Klopftoditraße, Sprungfedermatraße 44, Muschelspind, thaler Tor). Schränke, Vertitos, dicht an Stadtbahnstation Tiergarten. find gesperrt: Bertiko 30. Besichtigung ohne Staus- Säulentrumeaus, Schreibtische 35, für Bodenleger Firma Körner, zwang erbeten. Gekaufte Möbel tön- Bettstellen, Ankleideschränke, Büfetts, nen beliebige Zeit fostenfrei lagern. Plüschsofas, bunte Küchen 58, moderne Zwischenmeister Hübner, Bau Jakob Wohnungen. Eventuell Bahlungserleichterungen. Schlafzimmer 250, Teppiche 9, Plüschsohn, Nickelsburger Plak 6; Rein Laden, dirett Fabrit. Sonn- portieren, Stores 2,50, Gastronen. Prächtige Balfonwohnungen billig für Korbmacher Firma Kaniga tags bis 2 Uhr geöffnet. Muster Alles billig und gut. Lagerung, fofort Soldinerstraße 32/34. 1102 in Lichtenberg; Reichert in Mar Geschäftsverkäufe. buch gratis. Transport frei. 1054K Lieferung kostenlos. Soldinerstraße 16 Drei-, Zwei- zahn; Schmidt, Dresdenerstr. 82; Parteilotal, fleines, langjährig Bunte Küchen, Hutbodenspind, Bettstelle, Matrake, wie neu, zimmerwohnungen sofort, auch später. für Bergolder Gruhl in Magde burg. bestehend, 1400 Mart Miete, bald Spiegelvertito, Trumeaus, Muschel- 15,00, Sleiderspind 10,00, Stüchen- Sonnenburgerstraße 27 Border 109 Tertabbildungen. Breis 2,50 M. verläuflich. Näheres Boffenerstraße 1, betten, Sofa, ganz billig, Frankfurter spind 8,00, Stommode 5,00, Sofa 10,00. und Hinterwohnungen, 2 Zimmer, Deutscher Holzarbeiterverband 16205 Allee 129, Lazarus. 11988 Palisadenstraße 23, Tapezierer. 157/3 fofort. Ortsverwaltung Berlin. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin, Für den Inferatenteil verantw: Th, Glocke, Berlin, Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Milchkübel, Sannen, Maße, Milch- Linden 21. fiebe, Wiegeschalen, Buttermaschinen straße 21. Ia Stoffreften, Monats, und nicht straße 105. abgeholte Sachen staunend billig. t 1201st* Eine gutgehende Nähmaschine billig Maßschneiderei Boß, Brunnenstraße 3, zu verkaufen. Schawer, Hohenloheeine Treppe, am Rosenthalertor. straße 7. 16315 Taschenbuch für Gartenfreunde. Ein Ratgeber für die Pflege und fachgemäße Bewirtschaftung des häuslichen Bier-, Gemüse- und Obit gartens von Mar Hesdörfer. Mit Expedition Borwärts, Lindenstr. 69. Eckladen. 1189 Vermietungen. 15396* Jm Arbeitsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeigen kosten 50 Pf. die Zeile. Selbständige Düsseldorf. Wegen Streiks und Differenzen Nr. 218. 25. IahkMg. 5 JcilMf Ks Jimirts" Minn Mslilolt. Donittlslag, 17. Zeptelttber 1908. parte!- Hngelcgenbeiten. Achtuilg! Schiffer-Versammluug. Am Sonnabend, den 19. September, abends 8 Uhr, findet im Lokal von Keller, Köpenicker Str. W/97, eine Schiffer-Versammlung statt. Re- ferent ist Schriftsteller Max Schütte über das Thema:„Die Entstehung der Religio n". Die Genossen, welche die Verteilung der Handzettel über- Nammen haben, wollen sich am Freitagabend frühzeitig in den bekannten Lokalen einfinden. Die Genossen des 6. Kreises (4. Abteilung) treffen sich in der Zeitungsspedition von Raschle, Ackerstr. 36(Ecke Llnklamer Straffe). Zur Loknlliste. In diesem Monat hat wiederum die Saison der Vereinsveranstaltungen, als da sind: Stiftungsfeste,. Rekruten- abschiedsfeiern usw., begonnen. Bestimnite Vereine sind eifrig be- mähr, in Fabriken, Werkstätten, überhaupt aus allen Arbeitsstätten möglichst viel Billetts umzusetzen. Wir ersuchen daher, in jedem einzelnen Falle an der Hand der Lokalliste genau zu prüfen, w o diese Veranstaltungen stattfinden, und überall dort, wo gesperrte Lokale in Frage kommen, dem Billetrvertrieb entschieden entgegenzutreten. Selbstverständlich ist, daß organisierte Parteigenossen sich unter keinen Umständen an Vergnügungen in gesperrten Lokalen beteiligen dürfen. Folgende Vereine veranstalten in gesperrten Lokalen Vergnügungen: Am 19. d. lvits. in Mnricndorf die„Freiwillige Feuerwehr der Gasanstalt Riariendors" dortselbst im Lokal von Herold, Chausseesirafie; ebenfalls am 19. d. Mts. der Lotterieverein„Kneif den Daumen' im Lokal „Patrizier-Festsäle', Schönhauser Allee 4, eine„Rekruten- A b s ch i e ds s e l er: am 2g. d. Mis. veranstaltet in Lichtenrade der Inhaber des«W aldrestaurants", Herr Hermann Gundlach, ebenfalls eine„Rekruten-AbschiedSseier". Für die or- ganisierten Parteigenossen bemerken wir, daß der Besuch obiger Veranstaltungen die eventuellen Folgen eines Boykottbruches nach sich zieht. Treptow- Baumschnlcnweg. Heute DonnerStag, abends 8'/z Uhr, findet im Lokale von Krause in Baumschulenweg, Kiefholz- straffe, eine Frauenversammlung statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Fendel über„Die Frau im Kamps". 2. Diskusston. 3. Wichtige Vereinsangelegenheiten. Der Vorstand. Reinickcndorf-Ost. Heute abend 8 Uhr findet im Restaurant Gründer, H o p p e st r a ff e 24 der in voriger Woche ausgefallene Leseabend des Wahlvereins(gemeinschaftlich für die weiblichen und männlichen Mitglieder) statt. Oranienburg. Die nächste Wahlvereinsversammlung am 20. September findet nicht im Lokal von Braun, sondern bei Schumann, Schützenstr. 84 statt. Die Genossen werden ersucht, nicht nur selbst zu erscheinen, sondern auch ihre Frauen mitzubringen. Der Vorstand. FriedrichIhagen. Sonntag, den 20., vormittags 8 Uhr, findet nochmals eine Flugblattverbreitung behufs Sammlung von Abon- nenten für die neu zu errichtende Partcispedition von den bekannten Bezirkslokalen aus statt. Wir bitten dringend, Mann für Mann zu erscheinen, da die für den vergangenen Sonntag angesetzte Ver- breitung wegen mangelnder Beteiligung nicht durchgeführt werden konnte. Die Zeiwngslommisfion. ganz Lehre Berliner IMacbrlcbten. ArbeitSwilligkeit im Krankenhause. Ob in Krankenhäusern die Patienten zu irgendwelchen Arbeiten genötigt werden können, darüber kommt eS zwischen Patienten und Pflegepersonal oft zu Streitigkeiten. Zur Arbeit zwingen kann man die Insassen eines Krankenhauses natürlich nicht; auch würde die Weigerung, zu arbeiten, ihnen nicht(wie das in Erholungs- und Genesungsheimen geschieht) als Verstoß gegen die Hausordnung an- gerechnet und mit Ausweisung aus der Anstalt geahndet werden. Es wird aber doch auf die Kranken ein mehr oder minder sanfter Druck ausgeübt, um allerlei Handreichungen und Hilfeleistungen von ihnen zu erlangen. Nun ist im Prinzip wohl nicht viel dagegen zu sagen, daß man in Krankenhäusern den Patienten die Möglichkeit gibt, sich irgendwie zu betätigen. Vielen Patienten ist durchaus damit gedient, wenn sie in der Rekonvaleszenz nicht zur Untätigkeit verurteilt bleiben. Bei manchen wird es sogar sehr nötig sein, daß fie noch im Kranken- hause sich wieder etwas Bewegung machen. Bedenklich ist bei einer Beschäftigung von Patienten im Krankenhausbetrieb nur das, daß da dem Mißbrauch Tor und Tür geöffnet wird. Wenn das Pflege- personal so mit Arbeiten überbürdet wird, daß es auch wichtige Handreichungen, die nur fachmäßig ausgebildeten Personen über- tragen werden sollten, auf rekonvaleszcnte Patienten abwälzen muß, dann wird das bißchen Gewinn, das der sich betätigende Patient vielleicht davon hat, zchnsach und hundertfach aufgewogen durch den Schaden, den das anderen Patienten bringen kann. Es gibt Patienten, die im Krankenhause jede Arbeitsleistung Verweigern. Forscht man nach dem Grunde dieses sehr nach Un- gefälligkeit aussehenden Vorhaltens, so zeigt sich oft, daß nur die Form, in der die Aufforderung zur Arbeit erging, den Patienten verschnupft hat.„Sie, Müller, kommen sie mal her, Sie können hier den Staub von den Röhren wischen I" So ungefähr muß sich ein vierzig- oder fünfzigjähriger Mann von einer Pflegeschwester, die im Anfange der zwanziger Jahre steht, kommandieren lassen. Aber das kann ihm selbstverständlich mir dann pasfieren, wenn er Arbeiter ist oder sonstwie zum„niederen Volk" gehört. Patienten, die„so'n bißchen was sind", werden in höflichcrem Tone angeredet und sogar„Herr" tituliert. Auch sind s i e sicher davor, überhaupt jemals zur Arbeit kommandiert zu werden. Arbeit ist das Vorrecht derjenigen, die dem Pflegepersonal nur„Sie, Müller I" heißen. Die Unterscheidung, die da zwischen Patienten und Patienten gemacht wird, ist natürlich nicht geeignet. denen die Arbeitsfreudigkeit zu steigern, bei denen man sie im Krankenhanse als„selbstverständlich" voraussetzt. Den Krankenhäusern fehlt es aber nicht an Mitteln, arbert- verweigerndePatienten arbeitswillig zu machen. Eines dieser Mittel ist die Kostschmälcrung. Das Wort klingt zwar ein wenig nach Gefängnis, aber wir finden kein anderes, um die Sache annähernd richtig zu bezeichnen. Es ist ein offenes Ge- heimnis, daß in Krankenhäusern diejenigen, die sich nützlich zu machen verstehen, bei der Verteilung von Speise und Trank auf mancherlei Bevorzugung rechnen dürfen. Man sagt sogar, daß die Bevorzugung offiziell geduldet werde und angeordnet sei. Begründen läßt sie sich wohl schwerlich damit, daß man arbeitenden Patienten auch eine besonders kräftige Kost reichen nrüsse; denn eine wirklich anstrengende Arbeit wird doch hoffentlich keinem Patienten zugemutet werden. Es handelt sich um nichts anderes, als um ekne Ver« günstigung, die von arbeitenden Patienten als Dank für geleistete Arbeit aufgefaßt wird. Anderen Patienten, denen solche Vergünsti- gung nicht zu teil wird, kann man's nicht verdenken, daß sie sich be- nachteiligt vorkommen. Wenn sie sehen müssen, daß Speise und Trank nicht lediglich nach Bedürfnis verteilt werden, sondern auch Willkür dabei mitspricht, so muß daS erbitternd wirken. Von der Bevorzugung bei Arbeitswilligkeit bis zur direkten Kostschmälcrung wegen Arbeitsverweigerung ist nur ein kleiner Schritt. Ein Fall von Kostschmälcrung aus diesem Grunde, von Kostschmälcrung im vollen Sinne des Worjes, wird uns aus dem in letzter Zeit so viel genannten V i r ch o w- Krankenhause bekannt. In Haus XV hatte ein Patient S., der an Rheumatismus litt, Binden wickeln sollen.„Ich bin doch nicht zum Arbeiten ins Krankenhaus gegangen," antwortete er der Schwester Marie. Am anderen Tage wurden bei der Schrippen- Verteilung ihm nur zwei Schrippen überreicht, während man ihm bis dahin regelmäßig drei gegeben hatte. Als er um noch eine dritte Schrippe bat. belehrte ihn Oberschwester Helene:„So un- gefällig, wie Sie gegen die Schwester sind, bin ich gegen Sie." Ein paar Tage blieb das so, dann half S. wieder Binden wickeln, und am nächsten Tage gab's für ihn— wieder drei Schrippen. Jetzt lehnte aber e r die dritte Schrippe ab. Die Oberschwester quittierte darüber mit den Worten:„Das war auch bloß ein Versehen". Wenn übrigens die Schrippen im Virchow-Krankenhaus nicht besser sind als die Probe Brot, die uns aus dieser Anstalt überbracht worden ist, dann hat S. an der dritten Schrippe wirklich nichts verloren. Das Brot war so wenig durchgebacken. daß es nach Farbe und Geruch noch merklich an einen eben ein- gerührten Teig erinnerte. Wie mag Kranken zumute sein, die an solchem Brot sich sättigen sollen I Gibt man Arbeitswilligen zur Belohnung für ihre Dienste besser ausgebackenes Brot? Die Schule im Dienste der Agitation, das ist in Berlin keine seltene Erscheinung. In den G e m e i n d e s ch u l e n wird von iehrern und Lehrerinnen vor den Ohren der Kinder mit Eifer gegen die Sozialdemokratie agitiert, sogar in einer Form, die im Widerspruch zu allem steht, was die Schule sonst über das Gebot„Du sollst Deinen Vater und Deine Mutier ehren" lehrt. Auch das ist vorgekommen, daß in Zeiten der Wahlagitation Lehrer ihre Zöglinge dazu verwandten, antisozialdemokratische Flugblätter zu knvertieren und ähnliche Wahlarbeilen zu leisten. Solche Un- gchörigkeiten und dreisten Uebergriffe erregen mit Recht die Ent- rüstung der Eltern, aber den schuldigen Lehrpersonen geschieht wohl nicht viel, wenn ihre vorgesetzte Behörde davon erfährt. Wir müssen das wenigstens annehmen; denn anders können wir kaum verstehen, wie derartige Dinge sich immer aufs neue wiederholen können. Kürzlich hat an der 202. Schule in der Ravenü- straffe die Lehrerin einer Klasse VI ihren acht- bis neunjährigen Zöglingen einen für die Eltern bestimmten Handzettel mit nach Hause gegeben, der ihnen den Besuch einer vom„Gewerk- verein der Heimarbeiterinnen Deutschlands zu veranstaltenden außerordentlichen Versammlung empfahl. Dieser Verein steht„auf christlicher Grundlage", drum hat die Lehrerin nicht zu fürchten, daß es ihr etwa an den Kragen gehen wird. Wir möchten aber keiner Lehrerin raten, einmal in gleicher Weise eine Einladung zum Besuch einer von sozialdemokratischen Arbeiterinnen zu veranstaltenden Ver sanlmlung unter ihren Zöglingen zu verbreiten. Einer Lehrerin die das wagen wollte, würde ihre vorgesetzte Behörde wahrscheinlich sehr bald die Wege weisen. Interessant ist übrigens, daß der er- wähnte Handzettel des Gewerkvereins der„christlichen" Heim- arbeiterinnen, der den Schulkindern überreicht wurde,„vor allem auch die vor derSchulentlassung stehenden jungen Mädchen' einlud. Noch schulpflichtige Kinder wurden aus gefordert, an der„außerordentlichen Versammlung" eines Gewerk- Vereins teilzunehmen! Man sieht, was alles möglich ist, wenn es sich nicht um Agitation für die Ziele sozialdemokratischer Arbeiter und Arbeiterinnen handelt. In der gestrigen Sitzung des Kuratoriums für die städtischen Heimstätten wurde mit Rücksicht auf die Erfahrungen im Rudolf Birchow- Krankenhause beschlossen, den Jnsaffen in Zukunft kein Schabefleisch mehr verabreichen zu lassen. An Stelle dessen sollen, um die Kost abwechselungsreicher und schmackhafter zu ge- stalten, Gemüse, Obst, Salate usw. verabreicht werden. Die Speise- reglementS sollen dementsprechend erweitert werden. Moderner Sklavenhalter. Fast unglaubliche Anschuldigungen Werden gegen einen Impresario erhoben, gegen den durch das Deutsche Nationalkomitee zur Bekämpfung des Mädchenhandels eme Anzeige erstattet worden ist. Ueber die Art und Weise, wie der Herr„Direktor" die von ihm zusammengestellte Künstlertruppe ausnutzt, zeigt nachstehende, von mehreren sich gegenwärtig in Berlin aufhaltenden jungen Mädchen gegebene Schilderung: In verschiedenen Tageszeitungen erscheint hin und wieder ein Inserat, durch welches ein Direktor Jonni Reimers, dessen Wohnsitz sich in Hamburg befindet,„junge Mädchen zur Ausbildung für die Bühne" sucht. Im Mai dieses Jahres erschien eine derartige Annonce in einem BreSlauer Blatt, worauf sich sechs Mädchen meldeten, mit denen resp. deren Eltern R. Verträge abschloß. In den Verträgen war eine viermonatige Ausbildungszeit vorgesehen, während welcher die Mädchen 2b M. Monatsgehalt sowie vollständige freie Station erhalten sollten. Die Mädchen waren verpflichtet, von etwaigen, ihnen gegebenen Trinkgeldern ein Drittel an den Direktor auszuhändigen. Engagiert war die Truppe fiir eine Künstlerfahrt nach Rumänien. Die Gesellschaft, die auS Mädchen zumeist im Alter von 141� bis 17 Jahren bestand, hatte die Ber- pflichtung übernommen, auf Bühnen zu singen und zu tanzen. Die erste Station wurde in Braila(Rumänien) gemacht, wo in einem Variete von 10 bis 12 Uhr abends aufgetreten wurde. Nach Schluß der Vorstellung mutzten die Sängerinnen zwischen dem Publikum Platz nehmen und bis zum frühen Morgen Wein und Champagner trinken. Sie erhielten von den männlichen Besuchern Trinkgelder, von denen sie sofort ein Drittel an Reimers abzuliefern hatten. Die 17jährige Hedwig Sch., die sich weigerte, das Geld auszu- händigen, wurde von dem S4jährigen Direktor blutig geschlagen. In Berlad ereignete sich ein Vergehen gegen eine Igjährige Berlinerin, das eine Anzeige gegen R. wegen Kuppelei zur Folge bat. In Bukarest sowie in Tecuciu hatten die Sängerinnen in verschiedenen Etablissements von morgens 8 bis 1 Uhr nachts zu singen und zu tanzen. In letzgenanntem Orte erhielten sie ein LogiS, das einem Gefängnis glich. Fünf Personen schliefen dort in einem kleinen Zimmer, in dem gerade Platz fiir zwei Betten und ein Sofa vorhanden war. Dabei war die Verpflegung eine derart mangelhafte, daß die Künstlerinnen sich gezwungen sahen, den Lebensunterhalt auS eigenen Mitteln zu bestreiten und Ersparnisse zu machen war ihnen unter diesen Umständen um so weniger mög- lich als von dem 25 M. betragenden Monatsgehalt ihnen noch 5 M. abgezogen wurden. Dabei stand die Truppe fortwährend unter Aufsicht des Direktor? oder dessen Frau, und die Mädchen durften nicht allein die Straße betreten. In Dachau gelang es einer Berlinerin, Fräulein I., einem dort wohnenden Deutschen ihr Leid zu klagen, und dieser benachrichtigte die Polizeibehörde und daS Konsulat. Durch das Eingreifen der Behörde wurde Reimers gezwungen, den Mädchen das Geld zur Rückreise nach Deutschland zu geben, wofür er jedoch Wertsachen als Pfand ein- behielt. Dabei war das Geld so knapp bemessen, daff es nur zur Deckung der Fahrtkosten reichte und die Künstlerinnen während der zwei Tage und eine Nacht währenden Fahrt hungern mufften. Garderobenangestellte. In der Bellevuestraffe befindet sich ein vornehmes, stark frequentiertes Weinrestaurant. Nicht weniger denn neun Garderoben sind dazu bestimmt, Hüte und Ucberzieher der Gäste fein säuberlich aufzuheben. Als Allgewaltige über die Garderobe herrscht eine Frau P., die natürlich bei dem Umfange der Garderobe nicht in der Lage ist. alles selbst zu machen. Sie hat deshalb Frauen angenommen, die mit der Abnahme und Herausgabe der Kleidungsstücke betraut sind. ES herrscht nun der Gebrauch, keine feste Grenze der Bezahlung für die Garderobenaufbewahrung zu setzen. Die Höhe wird in daS Belieben des Gastes gestellt, aber „der Wohltätigkeit sind keine Schranken gesetzt". Natürlich hat die Pächterin den Wunsch, möglichst viel aus ihrem„Unternehmen" herauszuschlagen. Und da stellt sie an die Garderobenangestellten— es sind zwölf an der Zahl— die sonderbarsten Anforderungen. Geben Gäste, die mit den Gepflogenheiten imf Lokal schon vertraut sind, der Bedienungsfrau etwa ein besonderes Trinkgeld, so ist das abzuliefern. Eine strenge Konttolle sorgt dafür, daß die Angestellten nichts für sich erhalten. Da müssen diese Leute beim Antritt des Dienstes in ein Buch eintrage», welchen Geldbetrag sie im Portemonnaie haben, müssen auch gewärtig sein, visitiert zu werden. Ganz raffiniert ist Vor- sorge getroffen, daß eine Angestellte auch nicht etiva einen Groschen, den sie extra erhielte, in die Tasche stecken kann. Die Frauen tragen nämlich sogenannte Kleiderschürzen, die nur vom Rücken bis zum Hals hinten offen sind und zugeknöpft werden. Wollte wirklich eine etwas in ihre Tasche stecken, so erregte das doch die Aufmerksamkeit der genau auspassenden Pächterin, deren Hauptarbeit fast aus- schließlich in der Kontrolle besteht. Dazu kommt, daß manche Angestellten Vorwürfe hinnehmen müssen, daß sie so wenig eingenommen hätten, das läge an ihrem Benehmen, sie seien nicht freundlich genug zu den Gästen. Je liebenswürdiger die Gäste behandelt werden, desto reichlicher fließt daS Trinkgeld. Das ist nun nicht jedermanns Sache. Man kann höflich und srenndlich sein und sich doch eine gewisse Reserve auferlegen. Und für diese nicht gerade beneidenswerte Stellung erhalten die angestellten Frauen pro Tag 2,25 M. Mancher wird das noch für eine anständige Bezahlung halten gegenüber anderen Entlohnungen. Dabei darf aber nicht vergessen werden, daß die Leute in der Woche nachmittags um 0, Sonntags um 5 Uhr regelmäßig antreten und bis zum Schluß, der um 2 Uhr erfolgt, arbeilen müssen. Rechnet man eine Stunde Wegs fiir Hinfahrt und eine für Rückfahrt, besser gesagt für Rückläufen, da nach 2 Uhr nachts nur noch bestimntte Straßenbahnen fahren, so kann man sich ein Bild von der glänzenden Stellung einer Garderobenangcstellten in dem vornehmen Weinrestaurant machen. Wie wir hören, soll der Wechsel auch gar kein geringer sein. Dabei soll gar nicht»och besonders darauf hingewiesen werden, daß diese Frauen während der ganzen Zeit keine Pause haben und nur verstohlen hin und wieder einen Happen von der mitgebrachten Stulle abbeißen müssen._ Vom Sclbstmördcrfriedhof im Grunewald. Den Selbstmörderfriedhof im Grunewald— wer kennt ihn l Er besteht seit mehr als dreißig Jahren— und ist in seiner Wald- einsamkeit eine kaum beachtete Stätte geblieben bis auf den heutigen Tag. In drei Jahrzehnten sind auf ihm reichlich vier- hundert Lebensmüde zur letzten Ruhe bestattet worden, vierhundert, die freiwillig die Bürde des Lebens von sich geworfen und in der Stille des Woldes den Tod herbeigerufen hatten. Abseits des Weges, der vom Bahnhof Grunewald quer durch den Forst nach dem Haveluser bei Schildhorn führt, liegt dieser Friedhof der Friedlojen, die im Tode Frieden suchten. Allsonntäglich flutet der Strom der Ausflügler auf dem vielbettetenen Waldwege dahin, plaudernde und lachende Menschen, voll Lebenslust und Lebensfreude. Nur wenige unter ihnen wissen, daß etliche hundert Schritte davon der schweigende Kiefernwald die Gräber der Lebensmüden birgt. Selten nur biegt ein Wanderer von der breiten Ausflüglerstraße ab, um auf schmälerem Pfad seine Schritte nach dem Selbsimörderfriedhofe zu lenken. Der Anblick, der hier sich ihm bietet, paßt vielleicht schlecht zu dem Sonntagsvergnügen, das er da draußen sich wünscht. Der Selbstmördcrfriedhof beflndet sich in einem Zustande der Vernachlässigung, der auf die meisten Besucher abstoßend wirken dürfte. Zwar fehlt eS auf ihm nicht an Gräbern, die von Hinterbliebenen liebevoll gepflegt werden. Wer den Friedhof feit Jahrzehnten kennt, wird sogar finden, daß in dieser Beziehung heute unendlich mehr als früher getan wird. Auch Denkmäler sieht man hier, schlichte nicht nur, sondern auch prunkvolle. Ihre Zahl hat besonders in neuerer Zeit sich vermehrt. Aber die meisten Gräber liegen da, von Gräsern und Farrnkräutern überwuchert, entzogen dem suchenden Blick, versunken und vergessen. Es ist wahr, viele dieser zusammengefallenen Hügel decken Schläfer, die niemand kennt, mehr noch solche, die niemand kennen will. Aber gewiß würde noch manches Grab von Hinterbliebenen gepflegt werden, wenn nur die Behörde, die über diesen Friedhof zu befehlen hat, ein klein wenig dazu beitragen wollte, die Pflege der Gräber zu erleich lern. Auf dem Selbstmörderfriedhof gibt es kein Wasserl Eine Rohr- leitung der Charlottenburger Wasserwerke geht, von Beelitzhof her» kommend, nahe am Friedhof vorbei. Es wäre ein Leichtes gewesen, einen Anschluß herzustellen, aber bisher ist das nicht geschehen. Auch einen Brunnen auf dem Friedhof zu bohren, ist keinem eingefallen. Vermutlich hat man die Kosten gescheut. Die Havel spendet ja Wasser. Wasser genug für jeden, der den viertelstündigen Weg bis dorthin samt dem viertelstündigen Rückweg nicht scheut, um eine Gießkanne zu füllen. Fast wie' Hohn muten die Mahnungstafeln an, die an den Bäumen be- festigt sind. Sie weisen den Besucher darauf hin, daß auch ein Selbstmörderfriedhof Pflege und Schutz verdient. Die eine sagt: „Die Blumen sind der Toten Eigentum, drum, Wandrer, schone sie wie ein Heiligtum"; und die andere:„Wanderer, der du dich nahst dieser Stätte de« Friedens, schone der Steine, die Liebe gesetzt den Toten". Die Verwaltung des Forstbezirkes Grunewald hat eS bisher nicht für nötig gehalten, wenigstens durch Wasser- beschaffung dafür zu sorgen, daß die„Stätte des Friedens" in einen einigermaßen würdigen Zustand gebracht werden kann. Sie scheint nicht mal hygienische Bedenken egen den Wassermangel zu haben, ber auf dem Friedhofe besteht. Die Leichenhalle mutz oft Leichen aufnehmen, die ercits stark in Verwesung übergegangen sind. Da wäre eine ganz besonders sorgfältige Reinigung nötig, aber wie soll die Reinigung orgfällia ausgeführt werden, wenn die damit bettautcn Arbeiter das Wasser mühsam von der Hasel heraufichleppen müssen. Den Arbeitern, die solche Leichen anfassen müssen, wird sogar die Reinigung der Hände dadurch erschwert, daß manchmal nicht Wasser genug da ist. Kennt denn keine Gesundheitsbehörde diese Dinge? Die Vernachlässtgnng des SelbstmörderfiiedhofeS würde wahr« cheinlich weniger groß sein, wenn die Besucher des Grunewalds ich mehr um ihn kümmern wollten. Gerade deshalb, weil er wenig beachtet wird und bei dem Mangel eines Wegweisers auch 'chwer zu finden ist konnte er in seinem trostlosen Zustande fich so lange erhalten. Die Abgeschiedenheit der Lage auf einsamer Wald- blöße gibt diesem Ruheplatz der Toten seinen eigenen Reiz, der so recht zu einem Sclbstmördcrfriedhof paßt. Sie entzieht ihn aber leider auch der öffentlichen Kritik und überliefert ihn der Verwahr- losung. Aus einem Rundgang schwer verunglückt. Ein Opfer seine? Be- rufe« ist der 64 Jahre alte Bauwächter Wilhelm Gluth auS der Koppenstr. 62 geworden. G. hatte u. a. auch den Neubau auf dem Grundstück Mannhcimstraße 48 zn bewachen. Als er gegen Mittcr- nacht einen Rundgang durch daS Gebäude machte, übersah er in der Dunkelheit einen tiefen Schacht und stürzte hinein. Erst nach längerer Zeit wurde der Verunglückte aus seiner qualvollen Lage befreit und nach der Rettungswache transportiert. Er hatte schwere innere Ver- letzungen erlitten. AuS dem Fenster gestürzt ist gestern nachmittag der sechsjährige Schulknabe Kurt Lcpp, dessen Eltern in der Hertzbergstr. 13 wohnen. Der Kleine hatte auf dem Fensterbrett der im zweiten Stockwerk be- lcgenen Wohnung gespielt. Als cr nach dem Hof hinuntersehen vollte, beugte er sich zu weit vor, verlor das Gleichgewicht und turzte kopfüber in die Tiefe. In schiververletztem Zustande wurde er nach dem städtischen Krankenhause gebracht. Von einem Automobil überfahren und getötet wurde gestern die 18 Jahre alte Tochter Elise des Eisenbahnbeamten Wojnewsti aus der Kantstraße. Das Mädchen hatte für die Mutter eine Besorgung zu machen. Als es auf dem Heimwege vor der Feuerwache in der Suarezstraße den Fahrdamm überschritt, kam in rasendem Tempo ein Privatautomobil herangefahren. Das Mädchen versuchte sich durch schnelles Laufen auf den Bürgersteig zu retten, doch bereits zu spät. Es wurde von dem Kraftwagen niedergerissen, und die Räder gingen dem bedauernswerten Geschöpf über die Brust hinweg. Der Chauffeur fuhr schleunigst davon. Die W. wurde nach der nahen Feuerwache getragen, wo bei ihr aber nur noch der Tod festgestellt werden konnte. Ein Telephonschwindler wurde gestern in der Person eines ge wissen Höflich, der wohnungslos war, verhaftet. In der Zeit zwischen 4 und 5 Uhr nachmittags wurden bei der Neuen Kramer licht- Gesellschaft telephonisch auf den Namen der Viktoria- Gasglüh licht- Gesellschaft Waren im Werte von 50 Mark bestellt. Durch Rückfrage bei der Firma wurde festgestellt, daß diese von diesem Auftrage nichts wußte. Nach einiger Zeit erschien ein junger Bursche mit einem Handwagen und wollte unter Vorzeigung einer Geschäftskarte der genannten zweiten Firma die Waren abholen. Mit Hilfe dieses Burschen gelang es, den Schwindler in der Person des oben Genannten festzustellen. In letzter Zeit sind in dieser Branche wiederholt derartige Schwindeleien verübt worden. Dr. die Der In der Irrenhausaffäre des Berliner Rechtsanwalts Dr. Ehrenfried, über die wir wiederholt eingehend berichtet haben, findet die Verhandlung wegen angeblicher Beleidigung von Verwandten des Genannten durch die Presse in Moabit am 19. und eventuell noch am 22. September statt. Angeklagt sind die verantwortlichen Redakteure der„ Großen Glocke", der Welt am Montag" und des „ Vorwärts", welche seinerzeit darüber berichteten, auf welche Weise Dr. Ehrenfried ins Jrrenhaus gesperrt worden ist. erste Termin wurde bertagt, weil der Berliner Streisarzt der Bimmer, der Notwendigkeit Internierung Ehrenfrieds attestiert hatte, verreist war. Nach dem Erscheinen der inkriminierten Artikel war Dr. Ehrenfried zum zweiten Male zwangsweise in der Privatirrenanstalt Bankwitz interniert worden, aber nach kurzer Zeit wiederum entflohen. Er hält sich jetzt in der Schweiz auf und gedenkt dort so lange zu bleiben, bis seine zu rechnungsfähigkeit gerichtlich erwiesen ist. Interessant ist, daß der Landgerichtspräsident Fabricius auf Grund einer Umfrage bei den Nichtern zu den Entmündigungsaften die Erklärung abgegeben hat, daß während der achtjährigen Tätigkeit Ehrenfrieds als Anwalt beim Landgericht I in Berlin Anzeichen geistiger Erkrankung nicht bemerkt worden sind. Ueber die neue Privatpost Courier beklagen fich zahlreiche Geschäftsinhaber, die auf Zureden sich zur Uebernahme einer Verkaufsstelle von Karten und Marken haben bereit finden lassen. Die be treffenden Geschäftsleute müssen die Erfahrung machen, daß das Karten- und Markenmaterial, das sie gleich bezahlen mußten, direkt wertlos ist, weil es erstens an entsprechenden Briefkästen dieser Gesellschaft fehlt, dann aber auch gar nicht auf eine regelrechte Beförderung der Karten gerechnet werden kann. Anträge an die Gesellschaft um Rückerstattung des für die Karten und Marken verauslagten Geldes sind von dieser stritte abgelehnt worden. Wir geben von dieser Sachlage Kenntnis, um weitere Kreise vor Schädigungen zu bewahren. Die nördliche Dammhälfte der Greifswalderstraße unter der Ueberführung der Ringbahn ist behufs Umpflasterung vom 16. d3. Mts. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Bezüglich der Regulierung der Bürgerstraße zwischen denn die Regierung würde ja doch die Bestätigung Bersagen. Darauf könne. und Rudower Straße stimmt die Versammlung habe die Fraktion vorgeschlagen, man solle dann wenigstens bei RungiusWahl der fünf erziehungstundigen Leute aus der Bürgerschaft, die dem Kommissionsantrage zu, nach dem der Fahrdamm 8,50 Meter neben fünf Magistratsmitgliedern und fünf Stadtverordneten in und die Bürgersteige je 3,25 Meter breit angelegt werden sollen. die Schuldeputation zu wählen seien, unseren Wunsch auf Beteili- Auch werden die Bäume beseitigt und die Anlieger mit 10 M. gung berücksichtigen. Auch das sei nicht geschehen. Man nehme das pro Quadratmeter zu den 22 320 M. betragenden Kosten heranDie Armenpflegekosten in 44 Fällen im Betrage von lehte Drittel aus den Reihen der Lehrer und der evangelischen und gezogen. katholischen Geistlichen. Die Arbeiterschaft, deren Kinder die Volks- 16413,16 M. find uneinziehbar. Dieselben werden von der Gemeindeschulen besuchten, sei einfach beiseite geschoben. Die Pflichtfortbil- bertretersitzung niedergeschlagen. Die Herren Emil Faller und G. dungsschule, ein langjähriges Kampfobjekt, werde endlich am A. Hoffmann haben in einem Lokal in der Wilhelmstraße ver1. Oktober ihre Pforten öffnen, allerdings nur in der Beschränkung schiedene, die Gemeindevertretung beleidigende Aeußerungen getan. auf gewerbliche Arbeiter und Lehrlinge. Weitergehende Wünsche Nachdem die Herren in einem Schreiben an die Gemeindevertretung der sozialdemokratischen Fraktion seien nicht berücksichtigt. Mit die Haltlosigkeit ihrer beleidigenden Aeußerungen zugestanden haben nur ganze Handlungsweise, die auf Trunkender Säuglingsfürsorge sei begonnen worden. Auch das sei nur und das zurückzuführen sei, auf tiefste unserem Drängen zuzuschreiben. Daß man mit der Ausführung heit bedauern, bes des Projekts einer städtischen Badeanstalt noch nicht weiter ist, schließt die Gemeindevertretersizung, Sache auf sich führte Redner auf die Verschleppungstaktik zurück, die so oft von beruhen zu lassen. Gerüchten zufolge hat der Gemeindes den bürgerlichen Vertretern gegenüber sozialhygienischen Maß- Baurat Grotjan von der Firma Hein und Andre ein Geschenk von nahmen angewandt werde, namentlich wenn es sich, wie hier, um 8000 M. als Provision angenommen. Wie der Gemeindevorsteher ein ganz modern gedachtes Institut handele. Allem Vorwärts- Schmiedigen mitteilt, hat ihm Herr Grotjan auf das bestimmteste drängen unserer Fraktion zum Trotz habe man immer wieder seit versichert, daß diese Gerüchte völlig aus der Luft gegriffen seien. vielen Jahren die Errichtung von Brausebädern in den Schulen Ihm ist ein solches, noch ein ähnliches Angebot noch nicht gemacht abgelehnt. Jetzt endlich werde damit in einer Schule ein Anfang worden. Gegen die Verbreiter des Gerüchts soll auch von seiten der gemacht werden. Redner berührte noch eine Reihe kommunalpoli- Gemeindevertretung Strafantrag gestellt werden, um die Sache bis tischer Fragen und die bekannte prinzipielle Stellung der Sozial- ins fleinste aufzuklären. demokratie dazu. Dann kam er zu dem Schluß, daß die Masse des Volks ihr Interesse daran öffentlich dokumentieren müsse, nament- Friedrichsfelde. lich auch durch Aufbringen einer erdrückenden Stimmenzahl bei den Wahlen im Herbst.( Lebhafter Beifall.) die Ueber die Aufhebung der Aufsichtsgebühren für die Luftbarkeiten wurde in der letzten Gemeindevertretersizung verhandelt. Der Antrags Stadtverordneter Dr. Silberstein ergänzte noch das Re- steller Bube legte dar, daß diese Aufsichtsgebühren von nur zirka zwölf ferat Conrads und führte Verschiedenes an, was zeigt, mit welcher Gemeindemitgliedern getragen, daß die Gebührenordnung von der Der Gemeindekompakten Rückschrittsmehrheit man es im Rigdorfer Stadtparla- Ortspolizeibehörde ungleich gehandhabt werde. ment zu tun hat. Trotz unseres Protestes habe man für eine vorstand empfiehlt, sich erneut dahin auszusprechen, daß auf diese Schule für Schwachbegabte Mietsräume für gut erklärt, die nach Erhebung von Aufsichtsgebühren vom nächsten Jahre ab verzichtet Lage und Art gerade für die elendesten der Kinder am aller- wird. Die Vertretung beschloß demgemäß. Der besonderen Erwähnung wert dürfte sein, daß die Gemeinde ungeeignetsten seien. 5000 M., für das Festessen zur Einweihung des Rathauses bestimmt, sollten nach Anträgen der Sozialdemo- mit der Firma Bruch sich seit längerer Zeit in Differenzen befindet, traten zur Speisung hungernder Kinder verwendet die entweder vor dem ordentlichen Gericht oder durch ein einzuwerden. Das sei verworfen worden und ganze 600 M. habe man segendes Schiedsgericht ihre Erledigung finden sollen. Die Firma dem freiwilligen Erziehungsbeirat für derartige Speisungszwecke droht der Gemeinde mit einer Klage, wenn die eingereichte Kostenüberwiesen. Wie mit zweierlei Maz gemessen werde, beweise die rechnung für Wasserhaltung nicht beglichen wird. Nach den mit der Tatsache, daß man dem bürgerlichen Oratoriumsverein, der es Firma abgeschloffenen Verträgen ist diese aber ohne besondere Vergar nicht nötig habe, nicht nur eine jährliche Unterstüßung gewähre, gütung für die Wasserhaltung verpflichtet. sondern auch die Aula des Realgymnasiums unentgeltlich zur Verfügung stelle, dagegen auf einen Antrag des Stadtverordneten Gen. Französisch- Buchholz. Wuzky, die Aula auch dem Rigdorfer Männerchor zur Verfügung zu stellen, erst Erhebungen über den angeblichen politischen Charat ter dieses Arbeitergesangvereins beschließe. 0 Gegenüber dem Genossen Rezerau, der etwas mehr Feuer in der Stadtverordnetenversammlung wünscht, verwiesen Thus row, Dr. Silberstein und Conrad im Schlußwort darauf, daß stets von der Fraktion versucht worden ist, soweit als möglich etwas im Rahmen des sozialdemokratischen Kommunalprogramms zu erreichen, und daß vielerlei Ansätze zum Bessern lediglich dem dauernden Drängen der sozialdemokratischen Fraktion zu verdanken feien. Ein Antrag des Genossen Reberau, in der obenerwähnten Protestsache, die Wählerlisten usw. betreffend, den Instanzenweg zu verfolgen, wurde dem Vorstand und der Fraktion mit der Maßgabe überwiesen, zu erwägen, ob und eventuell welche Schritte in der Sache zu tun seien. Lichtenberg. Arbeiter, Parteigenossen! Seht die Wählerliste nach! Feuerwehrbericht. Die Berliner Feuerwehr wurde Dienstag abend spät nach der Pasteurstraße 9 gerufen, wo in einer Räucher- Die Liste der stimmfähigen Bürger Lichtenbergs sowie die fammer Wurst, Fleischwaren aller Art usw. brannten. Gestern Bezirkswählerlisten der II. und III. Abteilung liegt in Gefrüh mußte in der Albenslebenstr. 8 ein Bodenbrand gelöscht mäßheit der Bestimmungen des§ 1 des Drtsstatuts vom werden, der zum Glück rechtzeitig bemerkt worden war, so daß er 18. April 1908, betreffend die Liste der stimmfähigen Bürger auf den Boden beschränkt werden konnte. Der 11. Zug hatte in der in der Zeit Baruther Straße 17 zu tun, wo in einer Küche Feuer ausgekommen war. In der Prinz- Eugen- Straße 5 brannten Portieren u. a. Ferner wurde die Wehr nach der Müllerstr. 49 und nach anderen Stellen gerufen. Die Schöneberger Feuerwehr hatte gestern in der Guzkowstr. 6 einen Zimmerbrand und in der Nollendorfstr. 28 einen Kellerbrand zu löschen. Rixdorf. Vorort- Nachrichten. vom 15. bis einschließlich 30. September d. J. an den Wochentagen von vormittags 8 bis nachmittags 3 Uhr, an den Sonntagen von 9 bis 12 Uhr vormittags im großen Sigungssaal des Rathauses öffentlich aus. Während dieser Zeit kann jedes Mitglied der Stadtgemeinde gegen die Richtigkeit der Liste Einwendungen erheben; später eingehende Einsprüche werden nicht berückfichtigt. Eine Rekrutenabschiedsfeier veranstaltet am 26. September die Freie Turnerschaft" im Lokal von Berger. Der genannte Verein hat die Arbeiterfestlichkeiten durch seine Mitwirkung unterstützt, weshalb der von ihm geplanten Veranstaltung bester Erfolg zu wünschen ist. Charlottenburg. Es ist dringend notwendig, daß sich jeder Wähler durch Einsichtnahme in die Liste überzeugt, ob auch sein Name Der sozialdemokratische Wahlverein Rigdorf nahm am Diens- richtig eingetragen ist. Wer nicht in der Liste steht, darf nicht tag in seiner bei Hoppe tagenden Mitgliederversammlung den Bewählen. Wer nicht selbst die Zeit dazu haben sollte, beaufricht der Stadtverordnetenfrattion entgegen. Stadt- trage einen bekannten Genossen mit der Einsichtnahme. verordneter Genosse W. Conrad referierte. Er kennzeichnete einleitend die bekannten ungerechtigkeiten des Dreiklassenwahlsystems, Marienfelde. die auch durch das Gesetz von 1900 in nichts gebessert seien. Dann besprach er die Angelegenheit seines Protestes gegen die diesmalige Einteilung der Wählerlisten, die, vorgenommen nach dem Gesetz von 1900, so ausgefallen ist, daß die dritte Abteilung 256 000 M. an Steuern mehr aufbringt, als die erste Abteilung. Der Wille des Ges setzgebers fei 1900 der gewesen, den plutokratischen Charakter des Klassenwahlsystems etwas zu brechen. Wo aber eine Verschlechterung eintrete, müsse es nach den maßgebenden Bestimmungen beim alten bleiben. So widerspreche vorliegend die vorgenommene Einteilung dem Sinne des Gesezes. Seinen Protest habe man verworfen. Es frage sich nun, ob es mit Rücksicht auf gewisse Bestim mungen des Gesetzes zweckmäßig sei, weitere Rechtsmittel zu ergreifen. Die Aussichten für die in diesem Herbst stattfin benden Stadtverordneten Wahlen seien hinsichtlich der zweiten Abteilung nicht so günstig geworden, wie man nach der stärkeren Heranziehung der Arbeiterschaft zur Steuer hätte ber muten fönnen. Denn durch die Teilung sei der Sab, von dem ab man in die zweite Abteilung komme, diesmal von 68 M. auf 78 M. hinaufgegangen. In der dritten Abteilung, die uns ja gehöre, türden wir, wenn die Vermehrung der Stadtberordneten erfolge, biesmal 11 Bertreter zu wählen haben, wovon 7 Hausbesiber sein müßten. Der Deutsche Transportarbeiterverband hielt am Sonntag im " Boltshause" eine gut besuchte Versammlung ab, in der Genosse Rehbein ein beifällig aufgenommenes Referat über: Einiges aus der Geschichte der Arbeiterbewegung" hielt. Eine im Sinne des Referats gehaltene Resolution, in der sich die Anwesenden zu agitatorischer Tätigkeit unter den Indifferenten verpflichten, gelangte einstimmig zur Annahme. Klage geführt wurde, daß für den Bezirk Charlottenburg noch feine Distriftskommission gewählt sei. Die nächste Bersanimlung soll am 11. Oktober stattfinden. Pankow. Der Kampf um die politische Macht lautete das Thema, das Genosse Dentzer in der letzten Wahlvereinsversammlung behandelte. In der Diskussion wurde die Frage der Budgetbewilligung behandelt und bedauert, daß dieselbe in verschiedenen Parteiblättern sehr persönlich geführt worden sei. Von der Lokalkommission wurde darauf hingewiesen, daß am Orte uns bekanntlich nur das Lokal von Kähne zur Verfügung steht und daß die Lokalliste besser beachtet werden möge. Das sei um so notwendiger, als dem Gastwirt wegen der Tanzerlaubnis an den Sonntagen Schwierigkeiten gemacht werden. Der Amtsvorsteher soll erklärt haben, der Wirt Wenn er sich die vom Halse schaffe, behabe genug Vereine. fomme er auch die gewünschte Erlaubnis. Die Versammlung protestierte entschieden gegen eine derartige Geschäftshandhabung des Amtsvorstehers. Nowawes. Dem Erstochen. In der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch wurde der Lackierer Mer Künzel aus der Wiesenstraße in Nowawes von dem aus Masuren in Ostpreußen eingewanderten Arbeiter Kotalit vor dem Grundstück der Jutespinnerei in der Wilhelmstraße in Nowawes erstochen. Der Mordtat war ein Streit im Lokal des Gastwirts Lehmann in der Bismarckstraße vorausgegangen. Arbeiter Fankhäsch aus der Wiesenstraße, der Künzel begleitete, verfegte Kowalit einen Messerstich von der Mitte des Schädels bis zur Stirn. Kowalit und sein Vater, welcher bei der Tat zugegen war, wurden verhaftet. Das Meffer zur Lat hatte Kowalit von dem Arbeiter Karl Schwittag erhalten, der ebenfalls verhaftet wurde. Künzel ist Vater mehrerer Kinder, von denen eins am kommenden Sonntag konfirmiert werden sollte. " Leses und Diskutierklub Wilhelm Liebknecht". Sizung heute abend 82 Uhr bei Buhl, Danziger Str. 93. Gäste willkommen. Verband der Friseurgehilfen Deutschlands.( 8weigverein Berlin und Vororte.) Donnerstag, 17. September 1908, abends 91% Uhr, Rosenthaler Straße 11/12: Versammlung. Eingegangene Druckfchriften. = Deutsches Wörterbuch von Fr. 2. R. Weigand. 4. Lieferung. 1,60 M. Verlag: A. Töpelmann in Gießen. Fritz Reuter Kalender auf das Jahr 1909. 1 M. Dietrichsche Verlagsbuchhandlung Th. Weißer in Leipzig. Nord und Süd. Monatsschrift. Heft 9. Selbstverlag, Berlin W. 35. Internationaler Bergarbeiterkongrek Paris. 90 Seiten. Toxteth Street, Higher Openshaw, Ashton jun, Printer. Manchester. T. Protokoll der fünften ordentlichen Generalversammlung des Zentral vereins der Formstecher Deutschlands. 100 Seiten. Selbstverlag. Naturgeschichte des Kindes von Dr. Defter. 1 M. Berlag: osmos in Stuttgart. Leo N. Tolstoi. Biographie und Memoiren. Herausg.: B. Birutof. II. Band. 554 Seiten. Verlag: M. Pertes in Wien und Leipzig. Elementargesehe der bildenden Kunst. Grundlagen einer praktischen Aeſthetit von Prof. Dr. H. Cornelius. Geh. 7 M., geb. 8 M. Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. Witterungsübersicht vom 16. September 1908, morgens 8 Uhr. Stationen Barometerstand mm Wind. 751 G richtung 767 Still Windstärke Better 2 bededt Temp. n. E. 5° C. 4° R. સેમ Il Stationen Barometer stand mm Wind 12 Haparanda 763 ND Bunpa Windstärke Better Temp. n. 6. 2009 6179 2 heiter 3 1 bedeckt 767 SS3 4 bebedt 14 12 Petersburg 755 NW 10 Scilly 2 Regen 1 moltig 3 bededt 13 berdeen 4 wolfig 13 Baris wollig 10 Wafferstands- Nachrichten ber Landesanstalt für Gewässerfunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Ein großes Schadenfeuer tam gestern nachmittag durch Unbor sichtigkeit in der Spiekermannstraße 31 zu Bankow zum Ausbruch. In einem bierstöckigen Fabrikgebäude hat die Bonbons Sminembe. 761 Was nun die Tätigkeit der Stadtverordneten angehe, so sei und Honigkuchenfabrik von August Bodisch ihre Arbeits- und Qamburg 761 WS da in erster Linie das Schmerzenskind die Volksschule. Rigdorf Lagerräume. Die Hauptvorräte an Honigkuchen usw. waren im Berlin 762 WSW 1 bedeckt müsse bei seiner kolossalen Bevölkerungszunahme alljährlich mit Dachboden in Kisten aufgestapelt. Hier entstand das Feuer. Die Frantj.a. M. 764 S Münden 766 S 768 S 1 heiter 10 einem Zuwachs von 2000 Schulkindern rechnen. Eine fleine Besse- Gefahr wurde erst bemerkt, als die Flammen aus dem Dache hervorBien rung sei in der Klassenfrequenz eingetreten; sie sei 1908 von 56,9 schlugen. Obgleich die sofort alarmierte Panfower freiwillige FeuerWetterprognose für Donnerstag, den 17. September 1908. auf 55,7 zurückgegangen. Das genüge natürlich noch lange nicht. wehr bald zur Stelle war, hatte das Feuer doch schnell an AusBiemlich mild, teilweise heiter, aber veränderlich mit leichten Regent. Es müsse durch möglichste Herabdrückung der Schülerzahl der Klasse dehnung gewonnen, so daß in kurzer Zeit nicht nur das Lager der fällen und schwachen südwestlichen Winder. ein möglichst guter Unterricht ermöglicht werden. Sei die Ge- Firma, sondern auch der darüberliegende Dachstuhl brannte. Erst Berliner Wetterbureau meinde zu arm, dann müsse es durch Zweckverbände oder auf an- nach mehrstündigem Wassergeben fonnten die Flammen erstidt derem Wege erreicht werden. Leider habe sich die Zahl der flie- werden. Der Schaden ist ganz beträchtlich, zumal auch die im dritten genden Klassen im letzten Jahre von 39 auf 43 vermehrt. Die Stock befindliche Tischlerei von Haase start in Mitleidenschaft gebürgerlichen Vertreter hielten uns immer entgegen, daß die Stadt zogen wurde. die freie Volksschule unterhalte und pro Volksschulkind jährlich 58 M. Briz. zahle. Das sage man aber nicht, daß sie für jeden höheren Schüler Aus der Gemeindevertretersizung. Der Vorstand der Drtseinen Zuschuß von 108 m. pro Jahr leiste. Eine von der Sozialden fratie längst vertretene Forderung sei insofern erfüllt, als frantentaffe zu Mariendorf hat beschlossen, die Gemeinden Budow, jest in zwei Schulen für Schwachbegabte mit entsprechender Klassen- Groß- und Klein- Ziethen von der Mariendorfer Kasse abzuzweigen einteilung 100 Knaben und 100 Mädchen unterrichtet würden. Die und richtet nun das Ersuchen an die Brizer Gemeindevertretung, erhöhte Summe für Freibäder und Schwimmunterricht, die die diese Gemeinden der Brizer Ortskrankenkasse anzugliedern. Sozialdemokraten beantragten, sei nicht bewilligt worden und den Gemeindevertretung lehnte jedoch dieses Ersuchen ab und gab den Antrag auf Einstellung von 12000 m. für zwei festanzustellend: drei Gemeinden anheim, unter sich eine gemeinsame Kasse zu bilden. Schulärzte habe man auch abgelehnt und statt dessen nur 800 M. Nach einer Mitteilung des Gemeindevorstehers hat sich die Große bewilligt für die ärztliche Untersuchung nur der Schwachbegabten. Berliner Straßenbahn bereit erklärt, die Linie 28, welche bis in die Wie immer, habe die Fraktion verlangt, daß eines ihrer Mitglieder Abendstunden zur Endhaltestelle am Brizer Rathaus fährt, von in die Schuldeputation entsandt werde. Da hätten sich die Herren früh bis spät abends bis zum Rathause durchzuführen unter der vom Bürgertum gedreht und gewendet. Ja, hieß es, man sei ja Bedingung, daß die Mehrkosten der Pflasterung der Rudower und fehr zufrieden mit den Leistungen der sozialdemokratischen Ver- der Chauffee- Straße ihr nicht in Anrechnung gebracht werden. Die treter in den Deputationen und Kommissionen, man solle ihnen Linie 47 weiter durch Briz zu führen, wurde von der Großen ( der Mehrheit) doch aber nicht zumuten, leeres Stroh zu dreschen, Berliner abgelehnt, da sie hierfür ein Bedürfnis nicht anerkennen Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Die Bafferstand Memel, Tilfit Bregel, Insterburg Weichsel, Thorn Dder, Ratibor Atroffen Frankfurt Habel, Spandau) Rathenow) am jeit am 15. 9. 14. 9. Bafferstand feit 15. 9. 14. 9. cm cm ¹) 212 +3 Saale, Grochlik cm cm³) 113-9 8 +6 44 0 136 -14 24 -10 210 -80 Spree, Spremberg) 72 107 -3 Beeskow 68 117-4 Beser, Münden -73 . Dresden Barby Magdeburg 38 18+2 -2-2 3+22 -134-8 83 45 100+1 0 Minden Stöln Nedar, Heilbronn Main, Bertheim Mosel, Trier 321 391 102 -15 161+6 1)+ bedeutet Wuchs, Fall, 3) Unterpegel. Landsberg Barthe, Schrimm Nege, Bordamm Ibe, Leitmeriz Rhein, Marimiliansan 555 Kaub 2230 66-11 380