Nr. 220. Abonnements- Bedingungen: Ebonnements. Breis pranumerands Bierteljährl. 8,80 M., monatl. 1,10 M möchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Belt 10 Bfg. Bost. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat Eingetragen in die Boft- Beitungs. Breisliste. Unter Areuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Cidrint tiglio außer Montage. Vorwärts Berliner Volksblatt. 25. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf. stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition is bis 7 Uhr abends geöffnet. Zelegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonnabend, den 19. September 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Partei- und Gewerkschaftsgenossen! Demonstriert am Sonntag vormittag durch den Besuch der Friedenskundgebung für den Völkerfrieden, gegen die Kriegshezze! Die Entscheidung. Nürnberg, 18. September, 4.30 nam. ( Privatdepesche des Vorwärts".) lan der Auffassung festhielten, daß es das Recht der und gleichen Wahlrechts in Ungarn fördern könnte. Organisationen der Einzelstaaten sein müsse, Die Pflicht zu dieser Erörterung entspringt nicht bloß nach bester Ueberzeugung über die Frage der Budget- aus dem Gefühle der Solidarität, welche das kämpfende Proletariat über alle Staatsgrenzen hinweg verbindet; und abstimmung selbständig zu entscheiden. Eine eigenartige Erklärung, an der der Vordersatz den natürlich gar nicht aus irgend einem großösterreichischen" Bedürfnis, welches in dem selbständigen Staate Ungarn nur Nachsatz oder der Nachsatz den Vordersatz aufzuheben scheint, eine österreichische Provinz erblickt. Zu dieser freundnachbarDer heutige Vormittag hat die Entscheidung in Wir glauben indessen, diese widerspruchsvolle Erklärung dahin lichen Hilfe fühlen sich die Arbeiter in Desterreich vor der Frage der Budgetbewilligung gebracht. Sie auslegen zu dürfen, daß die süddeutschen Fraktionen in allem aus der Erinnerung an ihren eigenen Wahlrechtsist so ausgefallen, wie das nach dem Verlauf der Debatten freier, selbständiger Entscheidung zu der Ueber- fampf verpflichtet, dessen stärkster Antrieb bekanntlich das. zu erwarten war. zeugung gelangen werden, daß eine Budgetbewilligung durch das Ministerium Fejervary Kristoffy verkündete WahlZur Abstimmung standen im wesentlichen zwei Refo- fünftig nur in den Ausnahmefällen zulässig reformprogramm in Ungarn war, wodurch die Einführung des Intionen, die Frohmes und die des Parteivorstandes. ist, die die Lübecker und die im Sinne sich mit ihr deckende allgemeinen Wahlrechts in beiden Staaten eine zwar unDie Resolution Frohmes wollte vermitteln, den füd- Nürnberger Resolution nach nunmehr zweifelsfreier geschriebene, aber nichtsdestoweniger unerläßliche, neue gemeinsame Angelegenheit geworden ist. Nicht minder leitet sie deutschen Genossen eine unzweideutige Willensfundgebung des Deklaration des Parteitags vorsehen. aber das Bewußtsein, daß ihr eigener Fortschritt in so lange Die Sozialpolitik. Nürnberg, 18. September( 8,30 Uhr nachm.) ( Privatdepesche des Worwärts".) Parteitages ersparen. Sie begnügte sich mit der Be- Wir bringen also der Minderheit des Parteitags das nicht als bollendet betrachtet werden fann, als stätigung der Lübecker Resolution und forderte Vertrauen entgegen, daß sie den Willen der nicht die Swingburg des Unrechtes auch in dem verfür künftige Fälle einer Budgetzustimmung eine vorhergehende Partei gewissenhaft respektieren wird. Sollten bündeten Staate gebrochen ist, daß es also auch ihre Verständigung zwischen Fraktion, Landesvertretung und Partei wir in unserem Vertrauen getäuscht werden, so wären aller- eigene Sache ist, um welche der Stampf in Ungarn geht. Was vorstand. Diese Resolution wurde mit 217 gegen 160 dings die letzten Konsequenzen aus solchem Verhalten zu an ihr liegt, wird die Sozialdemokratie in Desterreich tun, um der Wahlreform in Ungarn die Wege zu ebnen. JnsStimmen abgelehnt. Daß sie die beträchtliche Zahl ziehen! besondere wird sie es treffen, den Machthabern mit der nötigen bon 160 Stimmen auf sich vereinigte, fam daher, daß eine Anzahl Genossen aus Besorgnis, durch die Nebellion Deutlichkeit klar zu machen, daß der Treubruch, der in der Zustimmung der Krone zu den schändlichen Absichten der der süddeutschen Genossen könnten schwere Parteiwirrnisse entKoalitionsregierung läge, auch von ihr als der Bruch eines stehen, für dieses unzulängliche Kompromiß stimmten. dem Proletariat geleisteten Bersprechens aufgefaßt werden müßte. So sehr die Sorge dieser Genossen um die äußere EinDer Nachmittag der heutigen Verhandlungen gehörte der Denn darüber, was die Koalitionsparteien planen, kann heit und Geschlossenheit begreiflich ist, so erfreulich ist es Sozialpolitit. Jn 18/ stündigem hochinteressantem Referat heute tein Zweifel obwalten: ihre Wahlreform ist ein Hohn doch, daß die Kompromißresolution Frohme nicht an behandelte Moltenbuhr das Thema: Die Sozial- auf den Gedanken des allgemeinen und gleichen Wahlrechts. genommen wurde. Denn ihre Annahme hätte nur neuen politik und der neue Kurs". Die Verkommenheit der bürgerlichen Parteien, die ihre Verwirrungs- und Verdunkelungsbestre- Die Rede war in gewissem Sinne eine Ergänzung der Programme just dann preisgeben, wenn sie sie verbungen Vorschub leisten tönnen. Zunächst wäre vorhergehenden Debatten, der Nachweis für die Richtigkeit der wirklichen können, bewährt sich auch an der Stossuthes nicht zum Klaren Ausdruck gekommen, daß die große Marrschen Massenkampftheorie, schen Unabhängigkeitspartei, die sich in ihrer Oppositionsder Lehre bon ber zeit als Fahnenträgerin des demokratischen Fortschrittes Mehrheit der Pardeidelegierten der Auffassung ist, Sonzentration des Kapitals und der ausschlaggebenden Be- gebärdete, als Regierungspartei aber alles verrät, was daß sich die Abstimmung in Bayern, Württemberg deutung der ökonomischen Faktoren, gegen die alle parla- fie einst angebetet hat. Man weiß nun, was Graf and Baden mit dem Lübecker Beschluß nicht in mentarische Schlaumeierei und alle diplomatisierenden Künste Andrassy, der Wahlreforminister, nach langen Mühen ausEinklang bringen läßt. Zweitens wäre der Sag, daß fläglich versagen. geheckt hat: eine Wahlreform, die erstens dem Magyarendie Resolution den Beschluß des Lübecker Parteitages be- Moltenbuhr wies nach, daß die Blockpolitik gerade für die stamme, der in Ungarn nicht einmal die Hälfte der Bestätigt, dadurch entwertet worden, daß auch jene Sozialpolitik, den Prüfstein fortschrittlicher Entwickelung, äußerst| bölkerung ausmacht, das unerschütterliche Uebergewicht im süddeutschen Genossen für sie stimmten, die, ungünstig sei. Das Großunternehmertum habe die Kosten der Reichstage verschafft und zwar ein Uebergewicht, das über während der letzten beiden Tage so oft emphatisch erklärt Hottentottenwahlen aufgebracht, natürlich nicht, um Sozial- schlechtweg schamlose Wahlgeometrie herbeigeführt werden, die eine Dreiviertelmehrheit hinausgeht. Das soll durch eine hatten, für sie sei die Frage der Budgetbewilligung feine aus politik zu fördern. Die foloffale Konzentration des Kapitals den magyarischen Bezirken die Mandate mit Scheffeln zumißt, den Grundsäßen des sozialistischen Klassenkampfes her- gerade in der Schwerindustrie habe nicht nur den wirt. wogegen den Nationalitäten, wie der hochnäfige Budapester Jargon zuleitende, sondern nur eine tattische", eine reine schaftlichen, sondern auch den politischen Einfluß die Rumänen und Slowaken benennt, sogar der gegenwärtige 8 wedmäßigkeitsfrage". Der Satz der Partei- des Unternehmertums gestärkt. Ein Zeichen des arbeiter Befitstand verfümmert werden soll. Zweitens hätte die Wahltag bestätigt die Lübecker Resolution", wäre also eine und sozialreformfeindlichen Treibens des Unternehmertums fei reform auch das Regime der heute herrschenden Klassen, der feudalen wächserne Nase geworden, die sich jeder nach seinem des Professor Tille höchst bemerkenswerter Versuch, durch Gentry und der Budapester Pseudointellektuellen zu konservieren; Gutdünken zurechtgetnetet hätte. Das bewies Schaffung einer reinen Großindustriellenpartei den reaktionären, wofür ein Pluralwahlrecht aufgeboten werden soll, Klassisch die Auslegung der Lübecker Resolution selbst durch sozialpolitisch bremsenden Einfluß dieser machtvollen Unter- das über die belgischen drei Infamien noch hinausgehen und die Budgetbewilliger! nehmergruppen zu steigern. Und doch ermögliche die gewaltig breiten Massen, die heute rechtlos sind, in anderer Form. deffen Effekt fein anderer wäre, als die Vergewaltigung der Endlich war es, wie Genosse Ebert in seinem ruhigen gestiegene Produktionstraft, sowie die unerhörte Das Ergebnis der Wahlreform, die das Mittel feien sollte, und sachlichen, in Form wie Inhalt der Situation ent- Preissteigerung durch Kartelle und Syndikate die Er die bedrückten Klassen zu befreien, wäre also eine neue sprechenden Schlußworte nachwies, ganz unent- höhung der niedrig gebliebenen Löhne, Knechtung und eine dauerndere und empfindlichere als der schieden gelassen, in welcher Art denn in einem Falle speziell auch die Einführung des Acht stunden- heutige Wahlrechtsraub. Denn zu der Wahlgeometrie und zu der abweichender Meinungen die Verständigung zu erfolgen habe. tage 3. Pluralität, dem neuen Unrecht, würde sich das alte gesellen: Denn damit, daß auf den Einspruch des Partei- Der Redner geißelte weiter die sozialpolitische Heuchelei die öffentliche Abstimmung und die zentrale Wahl( daß es vorstandes hin die Entscheidung auszusehen der bürgerlichen Parteien, speziell des Zentrums, namentlich für einen Wahlbezirk immer nur einen Wahlort und nur ein und dem Parteitage selbst zu überlassen sei, fein heuchlerisches Trugspiel mit der Witwen- und Waisen- Wahllokal gibi), den befitlosen Klassen also die Freiheit der wollten sich ja die süddeutschen Budgetbewilliger, wie Segi versicherung. Er formulierte sodann die wichtigsten sozial- Ungarn, die mit der feierlichen Verkündigung des allgemeinen Wahl völlig genommen wäre. Die Wahlreformbewegung in ausdrücklich betonte, nicht einverstanden erklären! politischen Forderungen des Augenblics: eine wirk- und gleichen, geheimen und gemeindeweisen Wahlrechts durch Die Annahme der Resolution hätte also die Situation lich durchgreifende ernsthafte Witwenversicherung, die Krone begann, würde nach diesen Fälschungsplänen in nicht geklärt, sondern künftige Konflikte die Ausdehnung der Versicherungsgeseze auf eine Reform münden, die von den Versprechungen auch nicht geradezu heraufbeschworen. die Landarbeiter, Schaffung eines einheitlichen Ar- eine erfüllt, tein einziges Unrecht beseitigt und ein trauriger Nachdem die Resolution Frohme und weiterhin ein beiterrechts, Sicherstellung des Anteils der Arbeiter an Schritt nach rückwärts wäre. Amendement zur Parteivorstands- Resolution gefallen waren, Wohlfahrtseinrichtungen usw. Wird die Krone diesen Schritt machen wollen! Monarchen gelangte die unveränderte Resolution des In der Debatte ergänzten die Genossen Paul Müller- find zwar selten Schwärmer für demokratische Fortschritte, und Parteivorstandes zur Abstimmung. Sie wurde Hamburg, Hoch, Sachse und Dr. Duard die Dar- bas allgemeine und gleiche Wahlrecht steht im Statalog der nunmehr, da ein Teil der Befürworter der Resolution Frohme legungen durch wertvolle Anregungen. dynastischen Interessen nicht gerade an erster Stelle. Doch für die Resolution des Parteivorstandes stimmte, mit 258 Zum Schluß wurde beschlossen, den nächsten Parteitag in darf man bei der Beurteilung der Sachlage in Ungarn eben gegen 119 Stimmen, also mit starter 3 weidrittel- Leipzig abzuhalten. majorität angenommen. " " Wird die Krone wortbrüchig? Daran schloß sich noch ein kleines Nachspiel. Genosse Segit verlas im Namen von 66 füddeutschen Delegierten eine Ertärung des Inhalts, daß sie zwar dem Parteitag Aus Wien wird uns vom 15. d. M. geschrieben: das Recht zugeständen, über die prinzipiellen und Die österreichische Sozialdemokratie wird Ende dieses Monats tattischen Richtlinien für die gesamte Partet eine Gesamtberatung abhalten, um auf ihr die Maßregeln zu bindende Beschlüsse zu fassen, daß sie aber gleichwohl erwägen, durch welche sie die Erringung des allgemeinen nicht vergessen, daß die Wahlreform dort als ein wahres Königsprogramm angefangen ward, daß sich in ihr ein Stück bewußter imperialistischer Politik verkörpert, die den Widerstand und Aufruhr der Grafen durch die Entfesselung der Volfskräfte bannen und brechen will. Wohl ist es richtig, daß sich der feudale Uebermut, der zu der langjährigen Krise führte, feither gründlich verflüchtigt hat, daß aus den trozigen und anscheinend unversöhnlichen Rebellen sehr rasch ergebene Höflinge geworden sind, die beute bei der Krone, die fie einft au demütigen gedachten, nun wehmütig um Hilfe winseln. Aber soviel Einsicht wird in der Hofburg doch noch vorhanden sein, um zu erkennen, daß sie die Verbesserung ihrer Stellung, daß sie eine Erhöhung ihrer dynastischen Macht ausschließlich dem Wahlreformprogramm dankt, daß ihr der schüchterne Versuch einer volkstümlicheren Politik Vorteile einge- bracht hat, auf die sie vor drei Jahren wohl selbst nicht gerechnet. Daß die Koalitionsherren heute sehr billig zu haben wären und fiir die Zustimmung zu ihren Wahlrechtsfälschungen gern den Preis zahlen möchten, um dessentwillen die Krone den Kampf begann, die militärischen Forderungen also glatt be- willigen würden, ohne daß ihnen die geringste dekorative Konzcssion gemacht wird, ist allerdings richtig; aber die Krone würde damit nur den Augenblick gewinnen, alle Zukunft jedoch verlieren. Die Rekruten, die der König bekäme, wenn er die Wahlreform fallen ließe, wären also wirklich teuer bezahlt. Ueberdies müßte eine machtvolle Erhebung der Arbeiter auf der einen, der Nationalitäten auf der anderen Seite der Krone auch die Erkenntnis vermitteln, Ivohin das Schiff steuert: daß ihre Zustimmung, welche die Wahlreform ver- fälschen läßt, von den unterdrückten Nationen und Klassen als Kriegserklärung aufgefaßt würde und beantwortet werden müßte. Eine redliche Wahlreform ist für Ungarn heute die erste Notwendigkeit der Zeit, und es ist unmöglich, daß sie das Opfer gewissenloser Schliche und Kniffe wird. politische(lebersickt. Berlin, den 18. September 1908. Die Anklage gegen Schücking. Den, Vlockfreisinn hat all sein Jammern nichts genützt, die preußische Burcaukratie wird es sich nicht nehmen lassen, auf der politischen Ehre der verachteten Partei mit ihren Füßen herumzutrampeln. Die„Franks. Ztg." teilt heute mit, daß die Anklageschrift gegen den Bürgermeister Schücking an dem Ziel der Amtsentsetzung se st hält. Dabei haben alle Untersuchungen und Zeugenvernehmungen. nicht im geringsten neues Material ergeben. Die Anklage baut sich nach wie vor ausschließlich auf die schriftstellerische Tätigkeit Schückings auf. Sie be- hauptet, daß der Angeklagte sich durch Unehrerbictung gegen den Landesherrn(I) und gegen die Satzungen bestehender Gesetze und Anordnungen der Behörden unter wissentlichen und leichtfertigenFälschungen sowiedurchdiepersönltchen Beleidigungen der vorgesetzten Dienstbehörden und der In- Haber anderer öffentlicher Aemter amtlich unwürdig gezeigt habe. Was den Inhalt der Anklage im einzelnen betrifft, so wird zunächst darin geleugnet, daß das Verfahren einen - politischen Charakter gehabt habe. Inkriminiert ist ungefähr der ganze Inhalt des Buches über die Reaktion in Preußen. ES sind aber hier nicht nur vom Verfasser der An- klage die einzelnen beanstandeten Sätze des Buches ans ihrem natürlichen Zusammenhang gerissen, sondern sie sind durch Entstellungen, Fortlassungen und Hinzusügungen ein- zelner Worte in ihrer Bedeutung vielfach so verändert, daß der eigentliche Sinn nicht wiederzuerkennen ist. Hervorzuheben ist noch, daß dem Angeklagten vorgeworfen ist, er habe den König, dem er Treue geschworen, und andere deutsche Bundes» fürsten mit Persönlichkeiten von minderwertigen Charakter- eigenschaften gleichgestellt. Soweit die Angaben der„Franks. Ztg.". Sind sie, woran kaum zu zweifeln ist, richtig, dann bedeuten sie die denkbar stärkste Demütigung, die dem Freisinn überhaupt zugemutet werden konnte. Es wird interessant sein, wie der Freisinn sich damit abfinden wird.—_ Agrarische«Arbeiterfreundlichkeit". Ein nationalliberales Blatt wandte sich dieser Tage gegen die geplante Erhöhung der Tabaksteuer mit der Begründung, datz jede Verteuerung des Tabaks es unmöglich machen würde, die am stärksten konsumierten(SS Proz.) Zigarrensorten in Preis- läge bis S und 6 Pfennigen ohne stärkere Zuhilfenahme inländischen Tabaks herzustellen. Damit werde die Zigarren- industrie in Norddeutschland für diese Sorten vollkommen aus« geschaltet werden. Jedermann werde sich künftig solche billigen Zigarren nur noch in Süddeutschland bestellen, wo der beste in- ländische Zigarrentabak produziert werde. Die„Korrespondenz des Bundes der Landwirte' bemerkt dazu— und die„Deutsche Tagesztg." druckt den Senf nach—: „Wenn durch eine Erhöhung der Tabaksteuer eine starke Zu» hilfenahme des inländischen Tabaks für Herstellung der Massen- verbrauchs-Zigarren notwendig werden soll, so müssen wir im Gegensatz zu den„National-Zeitungs"-Freunden das als ein sehr wirksames Argument„für", nicht„wider" eine solche Steuererhöhung ansehen." Die Aeußerung ist charakteristisch für die»Arbeiterfreundlichkeit" der Herren Agrarier. Die Hauptsache ist, daß der inländische Tabak- anbau gefördert wird und die Bauern ein gutes Geschäft machen, ob die Industrie in Norddeutschland geschädigt wird, große Arbeiter- schichten ihre Arbeit verlieren und die kleinen Konsumenten gezwungen werden, sich mit„Pfälzer" und„Uckermärker" zu begnügen, ist gleich- gültig. Was geht die Agrarier die Arbeitslosigkeit der Zigarren- arbeiter und die Zigarre des„Pöbels" an? Die Herren Junker können es fich, dank der Vermehrung ihrer Einkünfte durch die Agrar- zölle, gestatten, echte Importen zu rauchen.— Oldenburgische Landtagswahlen. Die Wahlmännerwahlen im Großherzogtum Oldenburg ergaben bisher, wie telegraphisch gemeldet wird, einen großen Erfolg unserer Partei. Soweit sich bisher übersehen läßt, erlangten unsere Genossen in Delmenhorst, Sande, Neuende und in Ober st ein die Mehrheit der Wahlmänner. In der Stadt Oldenburg siegte dagegen mit ganz knapper Mehrheit die Liste der bürgerlichen Parteien._ Pius IX. und AntoneM. Die Verehrer deS Papstes Pius IX. beweiben mit Eifer seine Seligsprechung; doch ist von verschiedenen Seiten Ein- spruch erhoben. Besonders deshalb, weil er die Familie Falconieri um einen Teil ihres Vermögens gebracht hat und weil er zweitens den in allerlei unsauberen Liebesaffären ver- wickelten, als Schürzenjäger bekannten Kardinal Antonelli jahrzehntelang als Staatssekretär im Vatikan geduldet hat, obgleich er von dessen Treiben unterrichtet war. Die„Voss. Zeitung" bringt dazu folgende Aeußerungen eineS katholischen Geistlichen: „Das zwanzigste Jahrhundert", daS Organ der Neforrn- katholiken, bringt in einem ausführlichen Artikel aus Rom eine lange Reihe von Gründen gegen die beabsichtigte Kanonisation, die nach dem Autor hauptsächlich von den französischen, spanischen und südamerikanischen Lischöfen betrieben wird, welche auch die fanatischsten Agitatoren für die UnfehlbarleitSerklärnng dieses Papstes gewesen sind. Das schwerste Hindernis für die Seligsprechung Pia NonoS erblickt jedoch das rcform- katholische Blatt in der Tatsache, daß dieser Papst zum Minister, ja zmn Premierminister, zum Staatssekretär einen Mann wie Antonelli hatte, und daß er ihn rund 30 Jahre in dieser Stellung beließ, d. h. bis zu dem Tage, an dem Antonelli starb, bis zum Jahre 1873. Die ganze Unpopularität der Rc- gierung Pius IX. schreibt sich davon her, daß von 1813 bis zum Sturz der weltlichen Herrschaft des Papste? Antonelli der eigentliche Regent deS Kirchenstaates war. Dann heißt es in dem Artikel weiter:„Nun ist es aber Klerikalen wie Liberalen in Rom bekannt, daß. Kardinal Antonelli nichts weniger als ein Ehrenmann war. Er opferte die Interessen des hl. Stuhles und des Kirchenstaates, ohne sich die mindesten Gewissensbisse zu machen, seinen Privatinteressen, seinem Ehrgeiz und seinen Leidenschaften. Noch schlimmer war, daß Antonelli ein moralisch ganz verkommener Mensch ohne religiösen Halt war. PiuS IX. wußte, besonders in den letzten IS Jahren, ganz genau, in welchem Ruf Antonelli stand, er kannte das zügellose Leben, das er im vatikanischen Palaste selbst führte, und doch fand er nie den Mut, ihn zu entlassen. Pius IX. war ein Mann. vor dessen sittlicher Lebensführung man alle Hochachtung haben mutz, und gerade deshalb hätte er um so mehr Antonelli davonjagen sollen. Er hat es nicht getan, obwohl er darum gebeten wurde von Kardinälen. Bischöfen, Prälaten und einflußreichen Personen der römischen Laienwclt. Man wird erwidern, daß eS aber eine Schwäche war, wenn Pia Nona eZ nicht wagte, Antonelli zu ent- lassen. Ganz recht, dann muß man aber beifügen, daß man einen Mann, der solche Schwäche gezeigt hät, nicht selig sprechen kann." Und dies um so weniger, als der Seliggesprochene die nächste Anwartschast auf die Heiligsprechung hat. Wie eS mit der Schwäche Pius IX. in diesem Punkte bestellt war, zeigt ein Scherzwort dieses Papstes, das zur Zeit des vatikanischen Konzils in bezug auf einen anderen Prälaten der Kurie in Rom kursierte, dessen Ernennung zum Kar- dinal betrieben wurde: er habe der Schürzenjäger schon drei im Vatikan, er wolle nicht noch den vierten. Daß eS überhaupt in dieser Beziehung am Hofe Pius IX. von Anfang an Übel aussah, bezeugt auch Geheimrat Professor Dr. v. Schulte-Bonn, der bekannte Führer der Alt- katholiken, im ersten Bande seiner vor kurzem erschienenen«Lebens- erinncrungen". Gießen 1308. Als Schulte 1854 in Roin war, machte er schon die Beabachtung, daß die Prälaten der Kurie in gar keiner besonderen Achtung standen.„Man konnte," schreibt er,„oft von den LiebeSaffären derselben erzählen hören, wobei Antonelli und einer der ersten Beamten die Hauptrolle spielten." Der bekannte ackvoostus diaboli wird also im KanonisationZ- Prozeß Pius IX. um Material nicht verlegen sein. Reichsverbands-Erfolge. Die Geldgeber des Reichsverbandes wollen Erfolge sehen, sonst knöpfen sie ihre Taschen zu und die KommiS des Reichs- Verbandes können sehen, wo sie bleiben. Deshalb müssen diese Bedauernswerten, wenn sie keine Erfolge aufweisen können, solche erfinden. Der Abg. v. Kaufmann in Wolfenbüttel war kaum ge- storben, als auch schon die„Korrespondenz des ReichsverbandeL" verkündete, daß der Reichsverband sofort die Wahl- arbeit begonnen habe. Der„Erfolg" ist, daß der Mischmasch- kandidat mir 10771 Stimmen erhielt, 3351 weniger, als der verstorbene v. Kaufmann erhalten hatte. Von diesem eklatanten Miß- erfolg sagen die Rcichsverbändler ihren Geldgebern natürlich nichts; dafür lügen sie ihnen einen Erfolg gegen die Sozialdemo- kratie vor, weil unser Kandidat 800 Stimmen weniger erhalten hat, als früher. Die Korrespondenz des Reichsverbandes verkündet, die Sozialdemokratie habe 10 Proz. ihrer Stimmen eingebüßt; dagegen vorschweigen die Rcichsverbändler, daß ihr Kandidat Kleye nicht weniger als 22 Proz. der Stimmen verloren hat. Der Wahlkreis Wolfenbüttel ist ein fast rein ländlicher, die Be- teiligung bei Nachwahlen ist fast stets eine schwächere, so daß die 800 Stimmen Verlust durchaus leinen Erfolg der Reichsverbändler darstellen.—_ „Staatsmann" Behrens. Im Stöckerschen„Reich" beschäftigt sich der christlichsoziale Abgeordnete Behrens mit der Abordnung englischer Arbeiterführer und deren Adresse an die Arbeiter Deutschlands. Herr Behrens ist der Meinung, daß diese Veranstaltung, soweit sie eine Demonstration gegen den Krieg sein soll,„höchst überflüssig" und, weil sie von Sozialdemokraten ins Werk gesetzt wird, völlig eindruckslos ist. Und nun belehrt Herr Behrens die englischen Arbeiter, daß sie sich einer „rührenden Unkenntnis" hingeben, wenn sie meinen, daß die Sozial- demokratie mit ihren„höchstens 2'/, bis 3 Millionen Anhängern die Vertreter der Arbeiter Deutschlands seien." In nationalen Dingen seien die deutschen Sozialdemokraten von der Masse der Arbeiter Deutsch- lands durch eine Kluft getrennt; besonders in Fragen von Krieg und Frieden seien die Aeußerungen der„paar Millionen Sozial- demokraten" fiir daS Gros der deutschen Arbeiter„ziemlich belang- loS' und es mache nicht den mindesten Eindruck, wenn jetzt englische Arbeiterführer in einer„sensationSlustigen Genossenversammlung" eine Friedensdemonstration unternähmen. Zum Schluß weist Herr Behrens den Engländem, wohin sie sich zu wenden haben, um den gewünschten Eindruck zu erzielen. Man höre: „Die englischen Gewerkschaftler haben im allgemeinen von » der deutschen Arbeiterbewegung kein rechtes Bild. Sie sehen die deutsche Bewegung und die deutschen Verhältnisse vornehmlich durch die Brille, welche ihnen von den sozialdemokratischen Gewerkschaftlern und Sozialdemokraten auf den internationalen Kongressen und durch die deutsche rote Presse aus die Nase gesetzt wurde. Ueber die chri st lich- nationale Arbeiter- bewegung und speziell über die christlichen Gewerkschaften sind sie falsch unterrichtet und in Vorurteil befangen. Tatsächlich stehen die meisten englischen Gewerkschaftler den christ- liche» Gewerkschaften Deutschlands ihren Grundsätzen und Praxis nach viel näher als wie den sozialistischen Gewerkschaften. Wenn die englische Abordnung ihren Aufenthalt dazu benutzen wollte, auch die»ichtsozialistische Arbeiterbewegung Deutschlands zu studieren, so ivürde das für die Be- Ziehungen der Arbeiterschaft Englands und Deutschlands zu ein- ander Wert besitzen und die englischen Gewerkschaftler würden sich von dem Wahn befreien, noch fernerhin die Sozialdemokraten als die Repräsentanten der deutschen Arbeiter zu bewachten." Ja, warum wenden sich denn die Engländer auch nicht an die Herren Stöcker und Mumm mit ihrem christlichsozialen Anhang von 60000 Wählern, oder an den greulichen Kuddelmuddel, der sich „chriftlichnationale Arbeiterbewegung" nennt und dessen Stärke darin besteht, daß die katholischen wider die evangelischen Arbeiter, die christlichen Gewerkschaften gegen die ultramontanen Fachabteilrmgen losschlagen? Oder warum vertrauen sie ihre Sache nicht dem Staats- mann Behrens an, der es fertigbringt, sich den rheinisch-westfälischen Großindustriellen als Wahlmachcr zur Verdrängung sozialdemokratischer Abgeordneter anzubieten, der eS mit seiner Stellung als Arbeiter« führer für vereinbar hält, bei dein ReichSvercinSgesetz für die RechtloSmachung fremdsprachiger Arbeiter zn stimmen? Die Eng- länder müssen in der Tat über die Verhältnisse in Deutschland schlecht unterrichtet sein, daß sie einen Mann von der Fähigkeit und dem Einfluß des Herrn Behrens und die Bedeutung der von ihm geleiteten Arbeiterbewegung nicht zu schätzen wissen.-» Die Verhältniswahl bei den Gewervegericht««. Der Reichstag hat am 11. März 1303 in einer Resolution dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß die Verhältniswahl bei den Gewerbe- gcrichten als gesetzliche Regel eingeführt werde. In einer dieser Tage an sämtliche Regierungspräsidenten gesandten Verfügung des preußischen M i n i st e r S für Handel und Gewerbe loerden diese ersucht, auf die Gemeindebehörden und Vertretungen der weiteren Kommunalverbände einzuwirken, damit der Grundsatz der Verhältniswahl, der bei den Kanfnmniis- gerichten bereits gesetzliche Regel ist, auch bei den Gewerbe- gerichten weitere Geltung erlange und dadurch den Wünschen. die in der Resolution deS Reichstages zum Ausdruck kommen, Rechnung getragen werde. Der Minister weist darauf hin, daß bis jetzt nur bei einer geringen Zahl von Gewerbegerichten die Wahl der Beisitzer statut- gemäß nach dem Verhältiiissystem festgesetzt sei. Der Minister er- sucht,„das Weitere zu veranlassen" und nach Verlauf eines Jahres zu berichten. Die Regierung beabsichtigt also— trotz deS Beschlusses deS Reichstage»— nach wie vor es tu das Belieben der Kommunen zu stellen, ob sie die Verhältniswahl einführen wollen. Die g e s e tz- liche. die obligatorische Einführung wird weiter hinaus- geschoben.—_ Rcform der Krankenversicherttng. Ueber die Grundzüge der Reform der Krankcnbersiche» rung weiß die„Neue pol. TageSd." zu berichten: „Daß die Rcform unter dem Zeichen der Zentralisierung stehen wird, darf als sicher angenommen werden, da auch alle politischen Parteien sich hierfür ausgesprochen haben. Ebenso dürfte der als notwendig erkannte Zwang zur Zentralisation, an Stelle eines freiwilligen Zusammenschlusses, in dem Reformwerk enthalten sein, da auch hierüber die Parteien, die Gewerkschaften und die Kranken» kassenverbände einig sind. Daß die jetzt bestehende gesetzliche Zu- lassungsgrenze von 50 Mitgliedern sehr erheblich heraufgesetzt wer- den muß, darf ebenfalls als feststehend angesehen werden. Ferner wird sich eine Verringerung der jetzt bestchendcn acht Versicherungsformen als not iv endig er- weisen, und zwar dürfte in erster Linie die Gemeinde- Versicherung in Fortfall kommen, die überhaupt nur als Notbehelf seinerzeit geschaffen wurde. Ebenso kann man die Bau- krankenkassen wegen ihres ständigen Rückganges als entbehrlich ansehen, besonders wenn durch die Reform auch für die ländlichen Kreise Krankenkassen mit abgestuften Bei- trägen nach Gefahrenklassen eingerichtet sind. Andererseits wird man die Knappschaftskassen ihrer Sonderstellung wegen und die Ortskrankenkasscn. die heute die Hälfte aller Versicherten um- schließen, unbedingt beibehalten. Ueber die Betriebs- und Innung?- lassen werden sich die Ansichten erst noch klären müssen. Daß die ganze Zentralisation lediglich nach Zweckmähigkeitsrücksichten u>M nicht nach historischen Erwägungen eingerichtet werden soll, darf als feststehend gelten."_ Tie Agitation des Polnische« Berufsvereins. Aus Bochum wird uns geschrieben: Die Verschmelzung der polnischen Berufsvereinigung(Sitz Bochum) mit dem Polnischen Verband(Sitz Posen) ist jetzt zur Tatsache ge- worden. Am 14. d. M. fand in Bochum eine Vorstandssitzung beider Organisationen statt, die nach längerer Beratung zu folgendem Beschluß gelangte: Die neue Organisation erhält den Namen:„Polnische Berufs- Vereinigung" mitdcm Sitz in Bochum. Bis zur Generalversammlung sind für die Mitglieder die Statuten derjenigen Organisation bindend. der sie augenblicklich angehören. DaS Organ des Posencr Verbandes „Sila"(Die Kraft) stellt mit dem 1. Januar 1309 sein Erscheinen ein und erscheint mit gleichem Tage und unter gleichem Titel als. daS Organ der„Polnischen Berufsvereinigung". Schließlich wird ein Vorstandsmitglied des Posencr Verbandes in den Zentralvorstand der Polnischen Berufsvereinigung eintreten. Die freien Gewerkschaften werden dadurch einen schwereren Stand haben, namentlich in den Provinzen Posen und Westpreußen, wo infolge der preußischen EnteignungSpolUik die Wogen des aufgestachelten Nationalitätenhasses fich förmlich überschlagen. Die Polnische Berufsvereinigung, die Arbeiter aller Berufe als Mitglieder aufnimmt und angeblich schon annähernd 50000 Mitglieder zählt, wird vor- aussichtlich jetzt alle Hebel in Bewegung setzen, um die unorganisierten polnischen Arbeiter in Posen und Westpreußen, wo sie bisher infolge Grcnzstreitigleiten mit dem zirka 6000 Mitglieder zählenden Posencr Verbände nicht recht vordringen konnte, zu gewinnen. Mit dem Beuthener Verbände zur gegenseitigen Hilfe, der an 10 000 Mitglieder haben soll, sind ebenfalls Verhandlungen im Gange, die in allernächster Zeit wahrscheinlich das- selbe Restiltat wie mit dem Posencr Verbände zeitigen werden. Der Borstand der Polnischen BerufSvereinigung erläßt bereits in polnischen Blättern einen Aufruf, worin er die Arbeiter auffordert, aus den freien Gcwerlschaften auszutreten, weil diese ihr Geld gerne annehmen, jedoch ihren Bedürfnissen nicht die nötige Beachtung schenlen, und weil die deutschen Arbeiter den hakatistischcn Bestrebungen ihr Ohr leihen. ES wird sogar den freien Gewerkschaften vorgeworfen, daß sie die polnischen Arbeiter germanisieren wollen, obwohl die polnischen.Arbeiterfreunde" ganz genau wissen, daß die Wahrheit am entgegengesetzten Ende liegt; gibt doch die Generalkommission für ihre polnischen Mitglieder die in Posen erscheinende„OSwiata" und der Bergarbeiterverband die „Gazeta Gormicza" heraus. Leider finden die„Nationalpolen" unter den polnischen Arbeitern noch immer viele Leichtgläubige. Die Hakatistengesellschaft hat die polnischen Arbeiter in eine derartige Erbitterung gebracht, daß sie den unsinnigen Verdächtigungen gegen die»preußischen" freien Gewerkschaften Gehör schenken. Heraus aus den Kriegervercinen! Die Vertreterversammlung des KyfshäuserbundcS der SevtschtN LartdeSkriegerverbändc hat eine Resolutien gefaßt, die sich dagegen wendet, daß die bürgerliche Presse Kritik an der Stellung ocr Kriegcrvercine zur Sozialdemokratie und zu den freien Gewert- schaftcn geübt hat. Dann heißt eS in der Resolution weiter: „Tic Satzungen der deutschen Kriegcrvercine bedingen bei ihren Mitgliedern monarchische Gesinnung und Vaterlandsliebe und machen deren Betätigung zur Pflicht; die Anhänger und Förderer der Sozialdemokratie und der von ihnen geleiteten oder beeinflußten Vereinigungen verneinen diese Gesinnungen und deren Ausübung grundsätzlich und bclämpfcn sie. Infolgedessen ist eine Gemeinschaft zwischen beiden nicht möglich, denn die Kricgervercine beanspruchen dasselbe Recht, wie jede andere Ver» cinigung, nur solche Mitglieder unter sich zu dulden, die den Voraussetzungen ihrer Satzungen entsprechen. Die Vertreter- Versammlung erklärt ferner die in der gedachten Tagespresse auf- gestellten Behauptungen für unwahr, daß die Kriegcrvcreine ver- suchen, die politische Gesinnung ihrer Mitglieder in ungehöriger Weise auszuforschen, ihre politischen An- sichten zu beeinflussen und zu bevormunden oder gar die Kamera den-Arbeit er zugunsten der Arbeitgeber zu schädige n." Tatsächlich treiben die Kriegervereine die unglaublichste Gr- sinnungsschnüffelei, sie verhindern ihix Mitglieder, durch Anteil- nähme am wirtschaftlichen Kampf ihre Lage zu verbessern. Da in diesen Tagen die Reservisten zur Entlassung ioinmen, haben unsere Parteigenossen allerwärtS die Pflicht, die Reservisten darauf auf- merksam zu machen, daß sie mit dem Beitritt zu einem Kriege» verein sich dem Unternehmertum ausliefern» Oeftcmicb. Die richtige Antwort. Budapest, 17. September. Unter dem Eindruck der gestern don der Polizei gegen die demonstrierenden Arbeiter ver- übten Brutalitäten ist gestern ein Austuf verbreitet worden, in dem die Bevölkerung zu neuen Demon- strationen aufgefordert wird. Die nächsten Demonstrationen für das gleiche Wahlrecht finden am nächsten Sonntag statt.— Die Freiheit in Ungarn. Die„Tribuna", das in Arad(Ungarn) erscheinende r u- m ä n i s ch e Organ, veröffentlichte kürzlich eine Statistik der politischen Prozesse, Maßregelungen, Mißhandlungen und sonstiger Verfolgungen, denen die nichtmagyarischen Völker und die sozialistischen Agitatoren seit dem 8. April 1906. dem Tage, an dem das jetzige ungarische Kabinett die Zügel der Regierung in Ungarn übernommen hatte, ausgesetzt waren. Wie die„Tribuna" bemerkt, erhebt die Statistik keines- wegs Anspruch auf Vollständigkeit, sondern umfaßt nur diejenigen Prozesse und Verfolgungen, welche an das Licht der Oeffentlichkeit gelangt sind. Zu bemerken ist noch, daß während dieser ganzen Zeit, wie auch früher, kein Fall verzeichnet wurde, in dem etwa ein Magyare wegen Aufreizung gegen die Nichtmagharen oder gegen die Sozia- listen bestraft worden wäre. Die„Tribuna" widmet diese Statistik dem großen Friedens- freund, dem Unterrichtsminister Grafen Albert A p p o n y i, der auf der diesjährigen interparlamen torischen Kvn- ferenz für den guten Ruf Ungarns, des klassischen Landes der politischen Freiheit und Gleichheit, eintreten wird. Wir haben leider nicht den Raum, um diese Statistik der infamsten politischen Unterdrückung in all ihren empörenden Ein- zelheiten wiedergeben zu können. Ihr Schlußresultat find 124 Jahre 6 Monate 27 Tage Gefängnis und 89 3KK Kronen Geldstrafe. Die hierbei sich ergebenden Prozeßkosten dürften sich auf rund 120 000 Kronen beziffern. Dieser Albert Apponhi ist eine der widerlichsten Ge- stalten der Budapester Unterdrückungsclique. Klerikaler Reaktionär und eitler Streber, mißbraucht er seine Macht zu der rücksichtslosesten Magyasicrungspolitik. Vor Europa aber bemüht er sich, die Rolle eines gebildeten, humanen, zivilisierten Menschen durchzuführen. Wären die interparlamentarischen Friedens- konferenzen ernste Veranstaltungen, so hätten sie diesen in seiner Heimat verachteten und verhaßten Menschen längst aus ihrer Mitte gewiesen. Wir haben aber nur gelesen, daß er im eifrigsten Gespräch mit dem Fürsten Bülow gesehen wurde. Wurden da viel- leicht die Erfahrungen der preußischen Polenpolitik mit denen der magyarischen Unterdrückungspolitik ausgetauscht? Dänemark. Alberti nnd der Dänenkönig. Kopenhagen, 17. Sept.(Eig. Ber.) Die dem Hof nahestehende„Berlingsle Tidende" bringt eine Erklärung, die besagt, daß die von einem anderen Blatt gebrachte und auch von ausländischen Zeitungen übernommene Mitteilung. Alberti habe vom dänischen König ein Darlehn in bedeutender Höhe erhalten, jeder Wahrheit entbehrt, und daß auch das Gerücht, der König habe nach der Katastrophe der seeländi- schen Bauernsparkasse eine Summe zur Verfügung gestellt, gänzlich grundlos ist.— Neben der also offenbar falschen Mitteilung von dem königlichen Darlehen an Alberti tauchte nämlich das Gerücht auf, der König habe sich bei einer Sammlung für die geschädigten Bauern an die Spitze gestellt und selbst nicht weniger als fünf Millionen Kronen gezeichnet. Wenn es Leute gab. die dies geglaubt haben, so haben sie also des Königs Gutmütigkeit ganz bedenklich überschätzt. Aber es scheint, daß der Dänenkönig wenigstens wie andere große Leute dem Lande in dieser ernsten Lage mit Worten zu Hilfe kommen will. Unmittelbar im Anschluß an jene Erklärung bringt nämlich die „Berlingske Tidende" einen Artikel„von sehr geachteter Hand", und man glaubt hier allgemein, daß der König dieser Artikelschreiber ist. Es wird da ausgeführt, daß die Forderung, daß Christensens Re- gierung das Sühneopfer für Albertis Verbrechen sein sollte, durch- aus berechtigt war, denn der Ministerchef habe in unerhörtem Maße durch seine Selbstsicherheit und in blindem Ver- trauen trotz der immer stärker werdenden Warnungen Albertis Stellung auch noch nach dessen Austritt aus dem Ministerium u n t e r st ü tz t und g e st ä r k t. Es wird dann weiter darüber politisiert, daß die Demission auch deswegen notwendig war, weil sonst da? Bestreben der„Allianz zwischen den sozialistischen, radikalen und ultrareaktionären Elementen" zur Verdrängung des Ministeriums das Land auf ungangbare Wege geführt hätte und eS unmöglich geworden wäre, die Landesverteidigungsfrage zu lösen usw. Eine Allianz zwischen Sozialdenwkraten und Erzreaktionären oder Konservativen hat selbstverständlich nie bestanden; was damit gemeint ist, ist einfach die Tatsache, daß nachdem die Sozialdemokraten, unterstützt von den Radikalen, eine Fülle von Beweisen für die Korruption in der Justizverwaltung vorgebracht hatten, auch einige Konservative gegen Alberti auftraten, während allerdings die bis zuletzt Alberti- treuen Reformparteiler über all die schweren Beschuldigungen gegen ihren großen Mann und Schwindler lachend hintoeg gingen. Natürlich ändert der erzwungene Abgang des Ministeriums Christensen nichts an der durch Albertis Schwindeleien geschaffenen politischen Lage. Bei den FolkethingSwahlen im nächsten Jahre werden die Reformparteiler jedenfalls nicht wieder die Mehr- heit erhalten und darum auch keine parlamentarische RegierungS- Partei mehr sein können. In den vielen Versammlungen, die unsere Genossen nun in allen Teilen deS Landes abhalten und die zum großen Teil schon vor Albertis Fall geplant waren, tritt die Tatsache sehr deutlich zutage, daß die Wählerschaft der Reform- Partei bedenklich abnehmen wird, natürlich vor allem zum Vorteil der Sozialdemokratie, deren Vertreter kein Mittel unversucht ließen, um den verbrecherischen Justizminister beizeiten dorthin zu bringen, wo er hingehört. Rechtsgelehrte und Politiker Dänemarks zerbrechen sich nun auch den Kopf darüber, auf welche Weise man die Unterschrift Albertis von der Reform des Gerichtswesens beseitigen kann. Dazu werden verschiedene Vorschläge gemacht, einen gangbaren Weg hat man aber noch nicht gefunden. Da dieses Werk der Gesetz- gebung nicht mir die Unterschrift eines Millioncndiebes trägt. sondern auch in wichtigen Punkten das Produkt eines politischen Fälschers der liberalen und demokratischen Grundsätze der Rechts- pflege ist, wäre eS das beste, wenn der Reichstag nach den Neu- Wahlen eine gründliche Revision deS Gesetzes vornehmen würde. Durchgeführt ist die Reform noch nicht; sie erlangt erst Gesetzes- kraft, wenn auch ein neues Gesetz über die Gerichtsgcbühren und Richtergehälter fertig sein wird. Der Untersuchungsrichter Schau hat nun eine gründliche Durch- suchung der Bureau in öbel Albertis vornehmen lassen. Sein großer Geldschrank, ein Dokumentenschrank, verschiedene andere Gegenstände, mehrere schwere Säcke voll Briefe, Protokollen und anderen Schriftstücken wurden nach der Kriminalkammer geschafft. Bei der Aufräumung im Geldschrank deZ Verbrechers fand man ein Oere, die kleinste dänische Kupfermünze l Die Untersuchung der Bücher undBelege hat unter anderm ergeben, waSlman vorher schon wußte. daß Alberti nicht nur als Leiter der Bauernsparkasse, sondern auch als der deS ButterexportvereinS ungeheure Fälschungen verübt hat. Er selbst hat nun eingestanden, daß die Geschäftsbücher des Butler- exportvercins voll von Fälschungen sind. Uebrigens scheint die mit diesem Verein in Verbindung stehende englische Butter- importfirma W i l l e r u. Riley vor dem Bankerott zu stehen. Da sie fällige Wechsel nicht akzeptiert hat, glaubt man in Kopenhagener Börsenlreisen, daß sie ihre Zahlungen einstellen werde.— Schweden. Ein schreckliches Klasscnurteik. Malmö, 18. September. Heute wurde das Urteil ge- sprachen in dem Prozeß wegen deS B o m b e n a n s ch l a g e s, der am 12. Juli gegen arbeitswillige englische Arbeiter auf dem als Logisschiff verwendeten Dampfer „Amalthea" verübt wurde. Die Angeklagten Nilson und Rosberg wurden zum Tode, Stern zu l e b e n s- länglicher Zwangsarbeit, zwei Angeklagte zu sechs beziehungsweise zwei Monaten Zwangsarbeit und die Angeklagte Natalie Malmström zu 100 Kronen Geldstrafe verurteilt. Zwei Angeklagte wurden freigesprochen.— Ciirhet. Eiscnbahnerftreik. Während die Angestellten der a natolisch en Bahnen die Arbeit wieder aufgenommen haben und der Betrieb wieder hergestellt ist, ist aus der Hauptlinie der Orientbahnen der S t r e i k proklamiert, da die Direktion die Forde- rungen der Angestellten ablehnte. Die Regierung verhält st' anscheinend neutral.—_ Das beleidigte Bulgarien. Das Verhältnis zwischen Bulgarien und der Türkei hat sich in der letzten Zeit sehr verschlechtert. ES kam dies ja auch in der mitgeteilten BrüSkicrung des bulgarischen Vertreters zum Ausdruck. Jetzt ist ein geheimes Programm des bulgarischen Revolutionskomitees bekannt geworden, das zur Fort- setzung des Kampfes mit allen Mitteln auffordert, da die Jung- türken die Forderung der Autonomie Mazedoniens nicht erfüllen. Nur daß die Methoden, die in der alten Türkei an- wendbar tvaren, seit dem jungturkischen Siege wohl wenig erfolg- reich sein dürften.-- perHen. Ein Ultimatum. TäbriS, 18. September.(Meldung der Petersburger Telegr.- Agentur.) Am ed Lauleh veröffentlichte ein offizielles Ulli» matum, indem er von den Revolutionären die Auslieferung ihrer Waffen fordert. Sollte die Auslieferung im Laufe von 43 Stunde» nicht erfolgen, so wird das Bombardement auf das Stadtviertel der Revolutionäre angedroht. Die Revolutionäre beschlossen, W i d e r st a n d zu leisten, die Europäer nicht aus der Stadt zu lassen und sogar den Abgang der Post zu verhindern. Eine Abteilung Makureiter steht mit fünf Geschützen etwa 35 Kilometer von hier. Die Endschumen richteten an die Gesandt- schasten in Teheran die Bitte um Bermittelung und um Wiederherstellung der Verfassung. Marokko. Die Antwort Englands. Paris, 13. September. Nach einer Meldung der„Agence HabaS" ist nunmehr die französische Regierung benachrichtigt worden, daß England mit der französisch-jpanischen Rot« voll- kommenein ver standen ist. vekleumcker cker Sozialdernoliratlt als€rpr(sfer vor Gericht. Chemnitz, 17. September. Unter gewaltigem Andränge des Publikums, das schon vor Bc- ginn der Verhandlung den geräumigen Verhandlungssaal deS Schwurgerichts füllte, begann heute die Verhandlung gegen Amandus Schubert, Paul Rabe und Amman Schubert. Nach Feststellung ber persönlichen Verhältnisse, die u. a. ergab, daß Amandus wegen Betrugs im Jahre 1893 und in diesem Jahre wiederholt wegen Beleidigung aus. Anlaß seiner Broschüre bestraft ist, wurde der Eröffnungsbeschluß zum Vortrag gebracht. Danach haben alle drei Angeklagte gemeinsam, Amandus und Rabe gemeinsam, und schließlich Amandus allein, Erpressungen verübt und versucht. Der ganze Tag wurde mit der Vernehmung der Angeklagten ausgefüllt, die sämtlich bestritten, sich irgendwie strafbar gemacht zu haben. Gleich eingangs der Verhandlung holte sich Rabe eine Zurechtweisung vom Vorsitzenden; er bat ums Wort zur Geschäftsordnung! Auch mit Amandus gab es eine kleine AuS» einandersetzung. Er hatte anzugeben, wovon er vor seiner Ver- Haftung gelebt habe und geantwortet: Von Unterstützung durch meine Eltern, vom Verdienst meiner Frau und von dem Verdienst, den mir der Verkauf meiner Broschüre brachte. Und von Winkel- schrifistellereil fügte der Vorsitzende hinzu. Herr Präsident! Das bestreite ich! erwiderte Amandus und der Vorsitzende sagte: Und wenn Sie es bestreiten, es ist doch sol Den Hauptkoup führten die drei Angeklagten im Frühjahr 1906 an einem jetzt 84jährigen Privatmann L. auS. Sie erleich- terten ihn um 1200 Mk.I Dabei machten sie sich die Familien- Verhältnisse L.s zunutze. Dieser hat eine junge Frau, die im Sep- tcmber 1903 einen Knaben gebar, der nach einigen Wochen wieder starb. Den alten L. jagten sie so in Angst, daß er ihnen gegenüber fast willenlos wurde. Sie beschuldigten ihn der versuchten Abtrei- bung und dann der Vergiftung fccS Kindes. Sie sagten ihm, sie Hütten Zeugen, die ihre Aussagen beschwören würden. Ihm sei das Zuchthaus sicher. Weil bei der Bearbeitung des alten L. Rabe als„Stadtkassierer" Rabe figurierte und L. später einen Brief an den Stadtkassierer Rabe schrieb, der einem Ratsbeamten Rabe be- händigt, von diesem aber an seinen Vorgesetzten abgegeben wurde, ging das Erpressertrio ein. Alle drei wurden auf Grund des Brief- inhaltes im Januar 1907 verhaftet.— Ein anderer Fall betrifft den frechen ErprcssungLversuch auf den Eisenbahnbetriebsdirektor a. D. B. in F r i e d e n a u bei Berlin. Dieser hatte, weil er linder- los war, die Nichte Amandus Schuberts, deren Eltern kurz nach ihrer Geburt starben, im Jahre 1890 an Kindesstatt angenommen. Amandus und Nabe drohten dem alten Herrn mit einem Skandal; sie wollten die Geburt seiner angeblichen Tochter in einem Werke veröffentlichen, wenn er es nicht vorziehen würde, ihnen eine größere Summe Geldes zu geben. Trotz der ganz ungewöhnlichen Frechheit, mit der sie auch diesem alten Herrn auf den Leib rückten, blieb der Mann fest und drohte ihnen mit Strafanträgen, tvenn sie nur irgendetwas gegen ihn und seine Tochter unternehmen würden. Dann folgt ein Fall, in dem Amandus allein eine unverschämte Erpressung gegen rine.il Dr, Sch. ig Alteyburg verübt hat. 60 Mk. fielen dabei für ihn üb. Es handelte sich dabei um einen in Schulden geratenen Bruder des ArzteL; der Bruder war in Chemnitz Schutzmann und diesen und den weiteren Umstand, daß die Eltern sich guten RufeS erfreuten und Brüder des Schutzmannes Offiziere und Beamte sind, der Bater aber Geistlicher ist, machte sich Amandus zunutze.— Auch die in R o ch l i tz wohnenden Eltern eines jungen Lehrers fielen dem Erpresser in die unsauberen Hände; 30 M. war hier die Beute.— Ohne Erfolg traten dann Amandus und Rabe in einer Testamentssache in Chemnitz auf, wobei sich Amandus in der Rolle eines Ratsbeamten gefisl. Schließlich versuchten sich die„edlen" Seelen noch am Vertrauens- arzt der Ortskrankenkasse, Dr. K., dem sie Geld erpressen wollten unter Hinweis auf die in Aussicht stehende Herausgabe der berüch- tigten. Broschüre. Dieser bot Amandus aber kaltlächclnd-— eine Zigarre! Rabe machte sich Dr. K. gegenüber auch noch einer ver- suchten Nötigung schuldig. Die Angeklagten bestritten sämtlich, strafbare Handlungen begangen zu haben und gaben harmlose Schilderungen der Vorgänge, wobei sie sich mehr oder weniger ver- rannten. Die erhaltenen Gelder seien ausnahmslos frei» willige Geschenke für Bemühungen gewesen, Morgen marschieren die 13 Zeugen auf! Klus der parteL Massenversammlung in Nürnberg. Nach Schluß des Parteitages wird eine große Massenver» sammlung unter freiem Himmel stattfinden. Div bayerische Staatsrcgierung hat hierzu das Ludwigsfeld, einpn früheren Militärübungsplatz, zur Verfügung gestellt.— Es werden unter anoeren sprechen Huysm ans- Brüssel, Queich» London und Rosa Luxemburg. Zur Bubgetfrage in Staat unk» Gemeinde Uns wird geschrieben: In Nr. 213 des„Vorwärts" sieht sich Genosse W e st m e y e r, Redakteur der„Schwäbischen Tagioacht. veranlaßt, nochmals auf die Stuttgarter Parteiversammlung zurückzukommen und die Einbringung eines Amendements von mir zur Resolution Dunckcr- Zetkin-Westmeyer zu glossieren. Westmeycr nennt die Einbringung des Amendements ein „humoristisches Zwischenspiel" und eine„kuriose Aktion", die ja von niemand anderem als höchstens von mir selbst ernst genommen werden könne, nnd fühlt sich dann berufen, eine von Sachkenntnis nicht getrübte Epistel loszulassen, daß die Budgetfrage im Staat eine ganz andere Sache sei, wie die Budgetfrage der Genieinden. In einer redaktionellen Note, erklärt sich auch die„Vorwärts"» Redaktion mit den Ausführungen des Genossen Westmeycr ein- verstanden und freut sich darüber, daß auch nicht einmal„dieser brüchige Strohhalm" als Argument in der Kudgetfrage zu ver- wenden ist., Ich will nun unumwunden zugeben, daß ich das Amendement deshalb einbrachte, um die ganze Haltlosigkeit und Inkonsequenz des Antrages Dunckcr-Zetkin» West meyer anzunageln. Dieser Antrag bezieht sich nicht nur auf die Lübecker, sondern auch auf die Dresdener Resolution, und es kann darüber gar keinen Zweifel geben. daß, wenn man schon grundsätzlich auf dem Standpunkt steht, daß„jede Bewilligung von Mitteln zu verweigern ist, welche geeignet sind» die herrschende Klasse an der Regierung zu erhalte»", konsequenterweise auch die Budgets der Gemeindeverwaltungen unter allen Umständen abzulehnen sind. Ich wußte, daß sobald die Frage aus dieses Gebiet hinübergesvielt toird, diese Genossen sofort erklären werden,„ja, Bauer, dies ist was ganz anderes". Diese Vermutung ist eingetroffen und die Inkonsequenz dieser Prinzipiemoächter auch schlagend nachgewiesen. Ich selbst bin der Mühe enthoben, dicS in einer mehr oder weniger langen Begründung zu tun, da es die„Leipziger V�o l k s z e i t u n g" schon auf das gründlichste besorgt hat. Ab? nämlich die„Chemnitzer V o l k s st i m m e" auf die gleichen Konsequenzen hinwies, die sich ergeben, wenn man unter allen Umständen in den Parlamenten gegen das Budget stimmt, er- klärte das Leipziger Parteiorgan folgendes(Nr. 207 vom 7. September 1908): Zunächst findet in den meisten Stadtverwaltungen ga r k e i ne Gesamtabstimmung über den Etat statt, w'o sie aber vorkommt, muß sie natürlich im verneinenden Sinne ausfallen. Hinter welchem Monde ist man denn in Chemnitz zu Hn'use, wenn man über diese ganz selbstvcr- ständliche Konsequenzen der sozialistischen Grundauffassung noch nicht im klaren ist? Nach dieser Feststellung des Leipziger Organs erübrigt sich für mich, die haltlosen Beweisführungen des Genossen Westmeyer im„Vorwärts" zu widerlegen und ich kann ihm nur den freund- schaftlichcn Rat geben, sich über die„kuriose Aktion" mit der „Leipziger Volkszeitung" auseinanderzusetzen, die sicher konsc- quenter ist, und die vielleicht auch ihm nachweisen kann, welcher Mond seiner Gcburtsstätte vorgelagert ist. Karl Vorhölzer. Genosse Vorhölzer hat sich die Sache sehr leicht gemacht. Er gibt sich keine Mühe, die Gründe, die Genosse Westmcyer in seinem Artikel angeführt hat, zu widerlegen, ihm genügen ein paar Zeilen in der„Leipziger Volkszeitung". Bei aller Hochachtung, die wir für unser Leipziger Bruderblatt haben, und so sehr lvir im allge- meinen mit ihm übereinzustimmen pflegen, so können wir es doch nicht als mibcdingte Autorität anerkennen. In der vorliegenden Frage halten wir de» vom Genossen Westmcyer hier entwickelten Standpunkt für richtig. Genosse Kaulsky hat übrigens aus dem Parteitag die Frage, wie über das Gemeindebudget abzustimmen sei. �ür eine offene, nicht unter die Dresdener Resolution fallende erklärt. Red. t>.„Vorwärts". Warnung! Alle Parteigenossen resp. Vorstände von politischen und gewerkschaftlichen Organisationen werden vor einem Reisenden gewarnt, der unter Vorspiegelung falscher Tatsachen große Posten Bleistifte und Federn verkaust. Der Betreffende gibt an, Redakteur an der„Frankfurter Volksstimme" gewesen zu sein und infolge Nervenschwäche und heftigen ZittcruZ der rechten Hand seine Tätigkeit ausgeben mußte. Ferner bekäme er eine Pension von monatlich 60 M. aus der Parteikasse und soll vom Parteivorstand aufgefordert worden sein, mit genannter Ware sich an die Organi- sationsleiter zu wenden. Außerdem hat er ein EmpsehlungZ- chreiben von der„Frankfurter Volksstimme" und Papiere, die mit zirka 100 Stempeln verschiedener Organisationen und auch dem des Parteivorstandes versehen sind. Nach eingezogener Er- kundigung bei der„Frankfurter Volksstimme" ist daselbst noch nie ein Redakteur tvegen Krankheit entlassen worden und ist dabcr dieser Reisende nur ein Schwindler. poiizeilickes, Ocrkhtlichea usw. Das RcichSvercinsgeseti in der Praxis. Die Genossen R e k u t t und Findeklec in Königsberg halten wegen Uebertretung des§ 8 des RcichsvereinsgesetzcS polizeiliche Strafmandate erhalten; Rekutt als Einberufer der Versammlung sollte 30 M. und Findcklca als Leiter der Ver- sammlung 13 M. bezahle», Ivcil in einer öffentlichen Holzarbeiter- Versammlung der Gauleiter Stuschc-Werliu politische Er» örtcrungcn gepflogen haben sollte. Die Polizei hatte diese Er- örtcrung in der im Zcit.lugsbcricht wiedergogebeiien Aufforderung an die Versammelten, sich der sozialdemokratischen Partei anzu- schließen, gesehen. Die Versammlung diente aber zur Werbung von Mitgliedern für de» Holzarbciterverband. Sie war deshalb nicht anmeldepflichtig. Das Schöffengericht, da? zur Entscheidung angerufen lvurde, gelangte zu einer Verurteilung. Ein« mündliche Begründung wurde nicht gegeben. Die Berufungstammer, die sich am Mittwoch mit der Sache zu befassen hatte, gelangte zur Freisprechung der beiden Genoffen und führte aus: Nach dem neuen Vereinsgesetz sei eine Anzeige für Versammlungen nur erforderlich, wenn politische Angelegenheiten er örtert werden sollen. Versammlungen, in denen öffentliche Angelegenheiten besprochen werden, bedürfen der Anmeldepflicht nicht. Die Straffammer sei nicht zu der Ueberzeugung gekommen, daß von vornherein die Absicht bestanden habe, eine politische Versammlung zu veranstalten. Es handle sich um eine gelegentliche Abschweifung des Referenten, der zum Anschluß an die Sozialdemokratie aufforderte. Dieses Urteil deckt sich völlig mit dem Sinn des Gesetzes, sonst könnte jede nichtpolitische Versammlung ohne weiteres zu einer politischen werden, sobald etwa ein Diskussionsredner auf das politische Gebiet abschweifen sollte. Eine politische Versammlung ist nur dann gegeben, wenn der Zweck der Versammlung der ist, politische Angelegenheiten zu erörtern. Redakteurfreuden. Genosse Oskar Hoffmann von der Freien Presse" zu Glberfeld hat das Gefängnis bezogen. Er wird dort zwei Monate verweilen. um eine angebe liche Polizeibeleidigung zu fühnen. Soziales. Weshalb landwirtschaftliche Arbeiter entlassen werden. Der 60 Jahre alte Knecht G. trat bei einem Landwirt in Hochheim in Arbeit. G. hatte früher einen Unfall erlitten, konnte aber von der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft keine Rente er halten, da seine Verlegung nur aus einem Leistenbruch bestand. Nach einigen Tagen wurde aber der Alte wieder entlassen und er hielt von seinem Arbeitgeber, einem biederen Landwirt, folgendes Zeugnis ausgestellt: Der Tagelöhner A. G. aus W. hat drei Tage bei mir gearbeitet. Derselbe war sehr fleißig. Ich konnte diesen Mann nicht länger behalten da die hiesige Krankenkasse mir diesen Mann nicht aufgenommen." Hochheim, den 2. 9. 08. H. Wagner. G. hatte natürlich in seiner Unkenntnis dies geglaubt und gegen feine Entlassung nichts erwidert, da er ja alt und gebrechlich" sei. Nur gegen die Krankenkasse hat er eine Wut, weil diese ihn wieder brotlos gemacht habe. Welche Krankenkasse in Betracht kommt, ist aus dem Zeugnis nicht zu ersehen. auch der Alte wußte es nicht. Sollte die Ortsfrankenkasse Hochheim damit gemeint sein? Das wäre doch unerhört und im Jafalle Pflicht der Kaffe, fich darüber zu äußern und dem Unternehmer den Standpunkt flarzumachen. Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. Mißstände bei der Firma Bergmann. = einstimmig alle weiteren Forderungen der Arbeitnehmer abzus lehnen und die zurzeit bestehenden Lohn-, Akkordsäße und die Arbeitsbedingungen durch eine Arbeitsordnung festzulegen." Die Arbeiter wissen nun, was sie von den Unternehmern zu erwarten haben, die sich vereinigten, um mit ihren Arbeitern endlich zu friedlichen Arbeitsverhältnissen zu kommen". Wir fürchten, die Herren sind dazu auf einem verkehrten Wege! Um die Gelben". diese Täuschung nicht mehr aufrechterhalten, so werden die Fabri kanten jedenfalls dafür sorgen, dem Publikum weiszumachen, daß die Maschinenarbeit eigentlich besser und reinlicher sei als die Handarbeit. Vorläufig herrscht allerdings noch die Ueberzeugung, sowohl bei den Konsumenten wie bei den Produzenten, daß bes fonders das Aroma und der Geschmack der besseren Tabatsorten durch die Berührung mit der Maschine stark beeinträchtigt wird. Daß die Fabrikanten nun plötzlich den guten Ruf Berlins als Herrn Lebius gefällt es nicht, daß wir neulich mitteilten, im Zentralsik der Handarbeit aufs Spiel sehen, ist offenbar eine gelben Arbeitsnachweis würden den vorsprechenden Arbeitern 50 Pf. Folge der Zigarettenpapier- und Banderolensteuer, deren Gins für eine wertlose Sache abgenommen. Offenbar meint Herr führung dem Umstande zuzuschreiben ist, daß der Vorsitzende der Rebius, wir sprächen von einer für ihn wertlosen Sache. So Fabrikantenorganisation seinerzeit der Reichsregierung mit seinen wars nicht gemeint. Eine Bel- Etage in Charlottenburg ist zweifel- Fachkenntnissen zur Seite sprang. Als die neuen Steuergesehe los nicht zu verachten. Daß aber die Sache für die Arbeiter in Kraft traten, da ließ die Firma Garbaty in Berlin durch wertlos ist, mag sich Herr Lebius von seinem Freund Beiers Säulenanschlag verkünden, daß sie den Verkaufspreis ihrer dorf bestätigen lassen. Der hats behauptet und der muß doch den Zigaretten pro 10 Stück von 30 auf 35 Pf. erhöht habe. weil sie gelben Rummel kennen! nach wie vor bestrebt sein werde, Handarbeit zu Liefern. Aber im selben Augenblick hatte dieselbe Firma in ihrem neuen Betriebe zu Pankow schon Der Maschinenfabrikant Karl Flohr( Chausseestraße)), feines 8igarettenmaschinen aufgestellt, um der viels fommunal- politischen Zeichens auch liberaler Stadtvater, suchte sich gepriesenen Handarbeit den Garaus zu machen. Im übrigen eine Schar Getreuer im Betriebe zu sichern. Ein gelber Unter- wurden in der Versammlung noch folgende Firmen genannt, die stüßungsverein, angegliedert dem Bunde der Gelben, fand alle Maschinenarbeit eingeführt haben: Carmen Sylva( Inhaber Förderung. Wer ihm untreu wurde, um dann der zielbewußten Wedsmann), Herbstoli, Manoli und Kressin. Die Firma Organisation beizutreten, wurde entlassen. In den letzten Wochen, Problem wird nach eigener Aussage ihres Chefs die Maschinenungefähr seit Anfang August, sollen etwa 40 solcher Abtrünnigen arbeit am 1. Oktober d. J. einführen. Bei dieser Firma waren entlassen worden sein. Natürlich wurde nach den Verführern ge- noch vor einem halben Jahre über 100 Personen tätig, jezt find sucht. Zu diesen rechnete man den Mechaniker B., einen Vertrauens- es nur noch 55 oder 60, und diese haben nicht ausreichend Arbeit, mann des Deutschen Metallarbeiterverbandes. Er wurde entlassen. obwohl noch niemals ein so geringer Lagerbestand vorhanden war 3. flagte beim Berliner Gewerbegericht auf Zahlung einer Ent- wie jetzt. Manche der bekannten Zigarettenfirmen lassen ihre worden sei, einen übertragenen Afford fertig zu machen. schädigung von 81 M., weil er ohne gefeßmäßigen Grund verhindert Maschinenarbeit in einem anderen Betriebe herstellen und suchen Der fie vor ihren eigenen Arbeitern zu verheimlichen. Sie halten sich Beklagte wandte ein, der Kläger habe Grund zu der Entlassung dann noch ein kleines Arbeitspersonal, um mit ihrer Handarbeit", gegeben. Er habe während der Arbeitszeit die Pläge anderer die oft mit Maschinenware vermischt an den Mann gebracht wird, Arbeiter aufgesucht und mit ihnen Unterredungen begonnen, um renommieren zu können. fie zu bewegen, aus dem Unterstüßungsverein( gelben Verein) auss zutreten und dem Deutschen Metallarbeiterverband beizutreten. Beklagter beruft sich auf Bestimmungen der Arbeitsordnung, worin es unter anderen heißt: Kein Arbeiter darf den ihm angewiesenen Blak verlassen oder durch andere Lokale gehen, wenn es nicht seine Arbeit erfordert. Zusammenkünfte, Beratungen und Versammlungen in den Räumen, Höfen und Zugängen der Fabrik sind ohne Genehmigung berboten." vereins und ein Ingenieur, traten dem Beklagten bei, sie stükten Zwei Zeugen des Beklagten, der Vorsitzende des Unterstüßungssich jedoch wesentlich auf Mitteilungen anderer. Die Maschinenarbeit kostet das 1000 Zigaretten nur 72 bis 75 Bf., tommt also um rund 2 M. billiger als die Handarbeit. Natürlich werden Tausende von Zigarettenarbeitern und-Arbeite rinnen dadurch brotlos gemacht. Die Banderolensteuer, die die Einführung der Maschine so stark befördert hat, hat ja nach den Ausführungen der Reichsregierung sich außerordentlich gut be währt, und die Industrie" soll nicht geschädigt sein. Die Fabri fanten und auch die Händler haben bei Einführung der Steuer ihre Interessen zu wahren gewußt; die Arbeiterschaft ist es, die Publikum wird betrogen. wieder einmal die ganze Last zu tragen hat, und das taufende " Die ersammlung erblickt in dem Streben der hiesigen Zigaretten abranten, die bisher übliche Handarbeit durch Maschine sarbeit zu ersetzen, einen Versuch, die Lasten der Banderolensteuergesetzgebung auf die Schultern der Arbeiter ab zuwälzen. Da die ausgedehnte Verwendung von Maschinenarbeit an Stelle der Handarbeit nur unter Täuschung des rauchenden Publikums über den Qualitätswert der bezogenen Waren möglich ist, so verpflichten sich die Tabatarbeiter Berlins, diese Vorgänge aufmerksam im Auge zu behalten und diejenigen Betriebe, welche Maschinenarbeit in den Handel bringen, ohne sie als solche zu bezeichnen, in geeigneter Weise zur öffentlichen Kenntnis zu bringen." Vom Referenten sowohl wie in der Diskussion wurde aus. Der Kläger trat entschieden der Behauptung entgegen, daß brüdlich betont, daß die Arbeiterschaft dieses Berufes, so wenig er während der Arbeitszeit irgndwen zu beeinflussen versucht habe. wie in anderen Berufen, so töricht ist, sich der Einführung arbeit nur während der Pausen und außerhalb des Betriebes sei das vor- sparender Maschis. zu widersehen. Sie ist aber der Meinung, gekommen. Er blieb auch dabei gegenüber der Aussage eines jungen daß hier eine Versus.echterung des Produktes vorliegt, über die Arbeiters Hartwig, welcher aussagte, er sei mehrmals bom Kläger man noch dazu das Publikum zu täuschen sucht, und mit der die angegangen worden, aus dem Unterstüßungsverein auszutreten, Fabrikanten nicht nur die Arbeiterschaft, sondern auch die und zwar auch während der Arbeitszeit. Dieser Zeuge ist auch Zigarettenindustrie Berlins überhaupt schwer schädigen werden. ausgetreten aus dem gelben Verein und deshalb entlassen Es wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: worden. Die wurde schriftliche Austrittserklärung aber außerhalb des Betriebes im Beisein des Klägers ausgefertigt. Der Betriebsingenieur Neumann behauptete, der junge Mann sei auf der Straße von B. willenlos mitgezogen worden. Kläger protestierte energisch dagegen, daß er Leute gepreßt hätte, dort auszutreten und in den Verband einzutreten. Solche Leute könne man gar nicht gebrauchen. Hartwig habe ihn selber im Betriebe gefragt, wie er es mache, auszutreten. Allerdings habe er ihm ein Stück Papier gegeben, aber gleich gesagt, am besten regele man die Sache außerhalb des Betriebes, was denn auch geschehen sei. Die Kammer 5, unter dem Vorsitz des Herrn Dr. Liebrecht, stellte sich Donnerstag auf den Standpunkt, daß es nur auf die Vorgänge während der Arbeitszeit innerhalb des Betriebes anfomme, und zwar in der Richtung, ob dadurch die Arbeitsordnung übertreten sei. Kläger wurde abgewiesen. Entgegen den Einwere gen des nahm der Gerichtshof auf Grund des alkanethen Eindrud ber Verhandlung und der Aussage des Zeugen Hartwig an, daß Kläger wiederholt auch während der Arbeitszeit auf den Arbe..splätzen anderer, und einmal in einem anderen Saal, auf Kollege einzuwirken versucht habe. Das sei ein Verstoß gegen die oben zitten Bestimmungen der Arbeitsordnung, der seine Entlaffung vo Beendigung des Affords rechtfertige. Er habe in dem Falle nur inspruch auf den Mindestlohn für die geleistete Arbeit gehabt. nit falle sein Entschädigungsanspruch in Höhe des geforderten Betrags. A Die Arbeiter und Arbeiterinnen der Firma Bergmann, Elektrizitätswerte, Oudenarder und Hennigsdorfer Straße, hielten am Donnerstag in den Pharus- Sälen eine start besuchte Versamm lung ab. Völkel vom Deutschen Metallarbeiterverband referierte. Die Firma Bergmann hat sich in kurzer Zeit zu einem Riesenbetriebe entwickelt. Ueber 3000 Leute find dort angestellt, aber in allen Abteilungen herrscht große Unzufriedenheit und zahlreiche Klagen werden über bestehende Mißstände erhoben. Die Arbeiter werden gezwungen, lle berstunden zu machen; sie wehrten sich schon oft dagegen und vor längerer Zeit wurden 25 Proz. Zuschlag gefordert und auch bewilligt, jetzt aber ist der Zuschlag wieder verweigert worden, und man verlangt, daß die Arbeiter sich fügen. Bei der Festsetzung der Arbeitsordnung wurden die Arbeiter nicht um ihre Wünsche gefragt. Ein Ar beiterausschuß besteht nicht mehr; die Arbeiter haben darauf verzichtet, sobald sie fahen, daß der Ausschuß zur Ohnmacht verurteilt war; seit dem Frühjahr 1907 haben sie keinen Arbeiterausschuß mehr. Sehr viel lassen die sanitären Einrichtungen zu wünschen übrig; die Waschräume sind unzulänglich, an 8 Waschhähnen müssen sich 70 bis 80 Personen waschen, die auf enge Räume angewiesen sind. Die Speisesäle werden nicht sauber gehalten; die Garderoben sind Bretterverschläge, die oben offen sind und die Kleider gegen Schmuß nicht schützen. Auch über die Kantinen wird geklagt, und man möchte gern wiffen, wo die Ueberschüsse aus den Kantinen bleiben. Die Ventilation ist schlecht; Der Pentralverband der Glasarbeiter und Arbeiterinnen es fehlt an Schutzvorrichtungen bei den Maschinen; die Behandlung durch die Meister ist oft eine ungerechte; sehr niedrige Löhne, Deutschlands ist bei dem Unternehmertum der Glasindustrie, das 37% Pf. bis 45 Pf. pro Stunde, werden vielfach nur gezahlt. Im zu dem beslorganisiertesten gehört, nicht gut angeschrieben. Ande Deutfches Reich. Terror. In der im übrigen nur kurzen Diskussion hatte ein Herr Robert Wolf, der sich„ Arbeitervertreter" nennt, versucht, eine lange Rede vom Stapel zu lassen, die sich auf alles mögliche, nur nicht auf die Tagesordnung bezog. Alle wohlgemeinten Er mahnungen durch den Vorsitzenden Börner, daß er doch zum vorliegenden Thema sprechen möchte, waren erfolglos. Man mußte dem Manne, der übrigens in Berliner Arbeiterversammlungen schon als Konfusionsredner bekannt ist, schließlich das Wort entziehen. Er hatte in der Versammlung ein Flugblatt oder vielmehr Bresse" sich über seine rettenden Ideen ausschweigt, für allerlei eine Geschäftsreklame verbreitet, worin er, weil die sämtliche Steuerprojekte Propaganda macht und sich am Ende als„ Arbeiterbertreter" zur Auskunft in Prozeßangelegenheiten sowie zu günstiger und humaner Durchführung" empfiehlt. Wer den Mann in Bersammlungen reden gehört hat, tann sich denken, was für Erfolge der als Prozeßvertreter erzielen muß. Glühlampenwert hat man viele Abzüge gemacht, in der Rohrs ten Unternehmern ist es inmore Watafung der Organisation Letzte Nachrichten und Depefchen. zieherei, in der Wickelei herrschen unleidliche Verhältnisse durch um nichts nach. Ganz besonders erachteten die Unternehmer die die Anmaßung der Meister. So wurde die Reihe der Klagen fortgefeßt und in der Diskussion durch die Erfahrungen der einzelnen Arbeiter illustriert. Keine Stimme erhob sich zur Verteidigung der angegriffenen Firma. Der Referent Bölkel wie auch der Schlußredner des Abends, Mahle vom Deutschen Metallarbeiterverband, zeigten die einzige Möglichkeit, eine Verbesserung der Verhältnisse herbeizuführen, in einem gemeinsamen Vorgehen und im Anschluß an den Verband, in der festen Organisation aller Arbeiter des Betriebes. Bersammlung: Die folgende Resolution fand einstimmige Annahme in der " Die in den Pharus- Sälen versammelten Arbeiter und Arbeiterinnen der Firma Bergmann protestieren mit aller Entschiedenheit gegen die im Betriebe bestehenden Mißstände und bas geübte Unterdrückungssystem, im besonderen auch gegen das überhandnehmende Ueberstundenwesen. Die Versammelten versprechen, treu zu ihrer Organisation, dem Deutschen Metallarbeiterverband, zu halten und für den Ausbau ihrer Organisation zu sorgen, um zu geeigneter Zeit mit Hilfe ihres Verbandes auch bei der Firma Bergmann bessere Zustände herbeizuführen." Die Berliner Goldwaren- Industriellen und ihre Arbeiter. Die Reichsfinanzreform vor dem Bundesrat. mittag zum ersten Male nach den Ferien unter dem Vorsitz des Berlin, 18. September.( W. Z. B.) Der Bundesrat trat heute Reichskanzlers zu einer Sigung zusammen, an welcher die leitenden Minister und Finanzminister der Bundesstaaten teilnahmen. Als erster Gegenstand stand die Reichsfinanzreform auf der Lages. ordnung. gegenwärtige Krise für die günstigste Gelegenheit, wo sie der Organis fation eine Schlappe beibringen können. Dem rücksichtslosen Vorgehen der Unternehmer des Südens und Westens gegen die organiterten Glasmacher, das in Maßregelungen und Aussperrungen besteht, hat sich nun auch die Direktion der Glashütten von Gertraudenhütte und Usch, zweier Städte, die im Posenschen liegen, angeschlossen. Schon immer war ihr die Organisation ein Dorn im Auge. Kein Mittel war ihr zur Schwächung der Organisation zu schlecht. Maßregelungen. Räumung der von den Hütten gestellten ordnung gewesen. Trotz alledem gelang es ihr aber nicht, die Wohnräume und viele andere Schikane find bisher an der TagesOrganisation zu vernichten. Jetzt hat die Direktion der beiden Sütten aber zu einem der verwerflichsten Mittel gegriffen, um der Organisation den Garaus zu machen. Das Schneidemühler Tageblatt" bringt aus Ufch folgende Notiz: Den hiesigen Usch Glasmachern und denen in Gerordnung des deutschen Finanzwesens die Arbeiten mit allem Nach druck zu fördern. traudenhütte, die dem sozialdemokratischen Glasmacherverbande angehören, war von der Direktion mit Kündigung gedroht worden, wenn sie nicht aus dem Verbande ausscheiden. Dieselben haben daher beschlossen, aus dem Verbande auszutreten und einen neuen Verein zu gründen." Leute, die sonst immer über den" Terrorismus der Arbeiter" den Mund vollnehmen, werden das Vorgehen der Glasgewaltigen, trotzdem es ein Attentat auf das Koalitionsrecht ist und gegen die Gewerbeordnung verstößt, ganz in der Ordnung finden. Verfammlungen. Der Reichskanzler Fürst Bülow eröffnete die Sigung mit einer längeren Ansprache, in der er auf die große innerpolitische und nationale Bedeutung der Verhandlungen hinwies und an die an wesenden Vertreter der verbündeten Regierungen die Aufforderung richtete, angesichts der unbedingten Notwendigkeit einer NeuDer föniglich bayerische Vorsitzende im Ministerrate, Staats. minister Dr. Freiherr von Podewils erklärte namens der von ihm bertretenen Regierung seine volle Uebereinstimmung mit den Darlegungen des Reichskanzlers, wobei er gleichzeitig die Einmütigkeit betonte, mit der die verbündeten Regierungen an die Lösung der bevorstehenden Aufgabe heranzutreten gewilt feien. Seinen Ausführungen schloffen sich die leitenden Minister von Sachsen, Württemberg, Baden, Hessen, sowie Vertreter weiterer Bundes staaten mit entsprechenden und eingehenden Erklärungen an. Hierauf wurden die zur Reichsfinanzreform eingebrachten Gefeßentwürfe den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Die bulgarischen Eisenbahner und die Regierung. Sofia, 18. September.( Meldung des Wiener t. t. Tel.- Norr. Bureaus.) Aus Anlaß des auf der Hauptstrede der Orientbahnen Sarambey- Konstantinopel und auf den Nebenlinien auss gebrochenen Ausstandes hat die Regierung Maßnahmen in Aussicht genommen, um eventuelle Ruhestörungen auf den bulgarischen Strecken zu verhüten und bei längerer Streifdauer den Verkehr durch Truppen des Eisenbahnbataillons aufrechtzuerhalten. Der Vorstand des Arbeitgeberverbandes der Edelmetallindustrie schickt uns einen Bericht über die am Mittwoch abgehaltene Versammlung des Verbandes. Nach diesem Bericht wurde in der Vers fammlung des Arbeitgeberverbandes nach lebhafter Debatte einstimmig beschlossen, teinen neuen Tarifmit dem Metall arbeiterverbande abzuschließen. Ferner wurde die Der unlautere Wettbewerb in der Berliner Zigaretteninduftrie. Mitteilung andtes in einer Goldarbeiterversammlung be= mängelt, daß am 21. August Verhandlungen mit den Unternehmern Mit diesem Thema beschäftigte sich eine öffentliche stattgefunden hätten; das sei nicht der Fall gewesen. Schließlich Tabatarbeiterversammlung, die am Donnerstag in nahm man die folgende Resolution an: den Musilersälen stattfand und den großen Saal samt den Galerien " Die am 16. September 1908 im Restaurant Schultheiß, füllte. Das Referat hielt der Arbeitersekretär ranz Schmidt Berlin. Neue Jakobstr. 24/25, tagende Versammlung des Arbeit aus Dresden. Die Zigarettenindustrie Berlins hat sich aus recht geberve cbandes der Edelmetallindustrie für Berlin und die Pro- kleinen Anfängen binnen wenigen Jahren echt großkapitalistisch vinz Brandenburg erklärt: Die in den Bekanntmachungen im entwidelt. Daß es ihr gelang, die Konkurrenz aus Dresden, dem „ Vorwärts" Nr. 195 und Nr. 200 angegebenen Gründe für die Hauptort der deutschen Zigarettenindustrie, zu überwinden, beruht Kündigung des vor zwei Jahren geschlossenen Vertrages für durch hauptsächlich darauf, daß sie Handarbeit lieferte und dem Publikum aus falsch, da es allen Arbeitgebern obigen Verbandes ganz fern auch flarzumachen verstand, daß die so hergestellten Bigaretten liegt, die Arbeitsbedingungen ihrer Arbeiter zu verschlechtern. weit schmackhafter sind als die der Maschinenarbeit. Diese UeberDie Zusammenschließung der Arbeitgeber hat vielmehr den 3wed, zeugung drang denn auch dermaßen durch, daß, als seinerzeit die den fortwährenden Treibereien und Verhebungen gewiffer Ar- mit Maschinen geklebten Hülsen eingeführt wurden, das beitnehmer ein Gegengewicht zu bieten, um mit ihren Arbeitern baufende Publikum selbst diese Zigaretten zurüdwies, in der endlich zu friedlichen Arbeitsverhältnissen zu kommen. Die Ar- Meinung, auch der Tabak sei mit der Maschine verarbeitet. Nun beitgeber erklären hiermit ausdrücklich, daß weder jetzt noch in find jedoch die Zigarettenfabrikanten Berlins dazu gekommen, die früheren Versammlungen von irgendeiner Seite vorgeschlagen Maschinenarbeit. tatsächlich allgemein einzuführen. Man will das worden ist, Lohn- und Akkordherabsehungen vorzunehmen. Da in aller Heimlichkeit machen, so daß die Raucher nach wie vor gegen beschließt der Verband, gegen die Stimme des Herrn Rost, I glauben, es sei Handarbeit, was ihnen verkauft wird. Läßt sich Berantw. Rebatt.: Georg Davidjohn, Berlin. Inseratenteil berantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Sierau 5 Beilagen u. Unterhaltungsbl Arbeiterrifiko. Beuthen, 18. September.( B. S.) Der Zugführer Schmallo geriet auf der Julienhütte unter einen Güterzug. Er war fofort to Schmalloch ist Familienvater. Brüssel, 18. September.( B. H.) In Loeuto St. Pierre find zwei Brunnenarbeiter in einer Tiefe von 10 Metern von eins stürzendem Mauerwerk verschüttet worden. Die Rettungsarbeiteu werden mit großer Energie betrieben, da die Verschütteten noch Lebenszeichen von sich geben. Nr. 220. 25. Jahres 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sounabend, 19. September 1908. Jahrgang. Der Parteitag in Türnberg. 4. Verhandlungstag. Nürnberg, 18. September 1908. Bormittagssitung Singer eröffnet die Sigung 9% Uhr mit der Mitteilung, daß die sozial. demokratische Partei Dänemarks, die zurzeit ihren 12. Rongreß abhalte, von diesem dem Parteitage brüderliche Grüße gesandt habe mit dem Wunsche für erfolgreiche Arbeit. ( Beifall.) Und daß er im Namen des Parteitages diese Grüße erwidert habe. Die Diskussion über die Budgetbewilligung wird fortgesetzt. Reil- Stuttgart: nicht mutwillig heraufbeschworen, theoretischen Erkenntnis und der grundsätzlichen Auffassung, und hätten.( Sehr gut!) Statt dessen haben sie, wie fast alle Gegner daß sie zum Ausdrud kommen muß in der Einheitlichkeit unserer Resolution, geradezu miteinander gewetteifert, um sich an unserer Aktionen. Und da kann ich nicht umhin zu er- Heftigkeit, an Leidenschaft, an strupelloser Wahl der klären, daß die süddeutschen Fraktionen die Einheitlichkeit der Kampfmittel zu überbieten.( Sehr richtig!) Man war geradezu Aktion nicht nur in dem Sinne gestört haben, daß die Einheitlich- systematisch bestrebt, den eigentlichen Streitpunkt, den Kern desStreites, feit der Gesamtpartei dadurch in die Brüche geht, sondern auch zu verschieben und die Sache so darzustellen, als wenn die Parteisoweit die füddeutschen Staaten selbst in Frage kommen.( Sehr leitung mit der parlamentarischen Tätigkeit unserer süddeutschen richtig!) Wenn gestern gesagt worden ist, durch diese Debatte Genossen an sich nicht einverstanden wäre, und dagegen ankämpfte. würde unseren süddeutschen Genossen besonders den badischen, Bebel hat doch ausdrücklich erklärt, daß unsere Genossen in den süddie demnächst vor ihren Landtagswahlen stehen außerordentliche deutschen Parlamenten ihre volle Schuldigkeit getan haben, und ich Semmnisse bereitet werden, so frage ich: Wer trägt die Schuld darf hinzufügen, daß in der Parteileitung feiner fibt, der das nicht Und wie sehen diese Hemmnisse aus? Ist es vielleicht unterschreibt. Ich glaube sogar, sagen zu dürfen, daß dies die einein erhebendes Gefühl, wenn unseren Genossen in Baden von den mütige Meinung des Parteivorstandes ist. Wir behaupten ledig Gegnern gesagt wird: Ach, Ihr kleine Hand voll Landtagsabge- lich, daß die erfolgte Zustimmung unserer süddeutschen Genossen ordneter seid ja nicht einmal unter Euch einig gewesen! Daß in zum Budget mit den Beschlüssen des Barteitages, insbesondere der Bayern und Baden eine Minorität gegen die Budgetbewilligung Lübecker Resolution, unvereinbar ist. Und, Parteigenossen, diesen war, hätte die Genossen von der Majorität stubig machen müssen, Streit haben wir da hätten sie es sich erst recht überlegen sollen, ehe sie den Parteitag vor eine vollendete Tatsache stellten. Timm hat eine Aeußerung getan, der ich voll und ganz beistimme, nur im anderen Sinne wie Timm es uns zum Vorwurf gemacht hat. Wir haben vielmehe als sie gemeint war. Er hat gesagt, es scheine, als ob Theorie alles versucht, alles mögliche getan, um diesen Streit zu vermeiden. Es wird nach außen hin einen wenig erhebenden Eindruck und Praxis nicht immer in engster Verbindung stehen. Be- Timm sagte: Jch klage, auch den Parteivorstand an, daß er nicht machen, was wir in den letzten zwei Tagen hier getrieben haben deutet die Praxis nur die Umsehung der Theorie in die Tat, eingegriffen hat. Ich verlange, daß der Parteivorstand, wenn irgend ( Sehr richtig!), vor allem auf die Masse unserer eigenen Anhänger. dann allerdings trifft Timms Meinung für die Süddeutschen zu. eine Kleinigkeit darauf hindeutet, daß eine große Aktion gemacht Die Gegner aber fönnen sich die Hände reiben, denn wir haben uns Von der Vorstandsresolution, die diese Einheit von Theorie und wird, zusammentritt und mit seiner Erklärung nicht erst kommt, in diesen zwei Tagen arge Blößen gegeben. Es entspricht schon Braris für die Zukunft festlegt, sagt Heymann, daß sei die Ein- wenn das Haus angezündet ist, sondern vorher den Mut hat, mit der ganzen Bedeutung der sozialdemokratischen Partei Deutschlands heitlichkeit in der Knechtschaft. Wer wird denn bei uns Partei- einer solchen Erklärung vorzugehen." Ich frage Sie, Parteigenossen, nicht, auf die Erörterung dieser praktisch- taktischen Einzelfrage mitglied? Nach unserem Organisationsstatut derjenige, der die sind wir bei diesem Streit nicht genau so vorgegangen, wie es zwei Tage unserer wichtigen Zeit und darüber zu verwenden. Ich Grundsäße der Partei anerkennt. Und in dem Moment, wo er Timm von uns verlangt hat? Als wir erfuhren, daß unsere meine, wir sollten es genug sein lassen des grausamen Spiels( Sehr es tut und Mitglied geworden ist, hat er in freigewollter Disziplin badischen Fraktionsgenossen gewillt waren, für das Budget im richtig!) und zur Vernunft zurückkehren.( Buruf: Ja, bitte!) Die sich diesen Grundfäßen unterzuordnen( Sehr richtig!) daß darf badischen Landtage zu stimmen, da haben wir uns gesagt, daß Erbitterung, mit der diese zwei Tage gekämpft worden ist, und mit die Partei von seinem Tun und Handeln verlangen. Und wenn daraus zweifellos ein Parteistreit entstehen müsse, und das wir der vielleicht ich möchte es nicht wünschen der Kampf heute wir aus unserer grundsätzlichen Auffassung heraus Disziplin alles versuchen müßten, diesen Streit zu vermeiden. Wir haben noch fortgesetzt wird, wäre völlig unverständlich, wenn nicht halten, wie kann man da von Einheitlichkeit der Knechtschaft uns deshalb nicht, wie uns Frank unterstellt, an unverantwortliche längst in der deutschen Sozialdemokratie zwei reden? Ist denn unsere grundsäßliche Auffassung in bezug auf Buträger, sondern an die für uns in Betracht kommende Instanz Parteieneinander gegenüberständen, und wenn nicht Militarismus und Marinismus immer die gleiche gewesen? der Parteiorganisation, an den badischen Landesvorstand gewendet. bei jeder Erörterung einer solchen Einzelfrage neben der speziellen, Selbst diejenigen, die in der Theorie manchmal andere Anschau: Das geschah am 4. August, also zu einem Zeitpunkt, wo über die einzelnen Entscheidung, die zu treffen ist, noch Nebenzwecke in ungen zum Ausdruck bringen, sind in der Praxis doch einig. Nicht Absicht der Badenser noch nicht das geringste in die Oeffentlichkeit tracht kämen, für beide Richtungen. Weil man diese Nebenzwecke Einheitlichkeit der Knechtschaft ist es, nein, innerer Drang auf gedrungen war. Man hatte aber offenbar in Baden nicht den Mut, hüben und drüben verfolgt, darum scheut man auch nicht davor Grund unserer Ueberzeugung. Ich muß aber entschieden Ver- uns gegenüber offen und klar zu erklären, daß man bereit und zurück, mit aller Absichtlichkeit in den Debatten den Gegner zu ber- wahrung gegen die Behauptung einlegen, daß die große Masse der gewillt war, für das Budget zu stimmen. Wollte man haben, wie wunden, und vergißt dabei, daß jeder von uns hinterdrein an den süddeutschen Genossen nach Annahme der Vorstandsresolution nachträglich behauptet worden ist, daß wir diese Mitteilung vertrauSchmerzen dieser Wunden selber persönlich zu leiden hat. Ich in normalen Fällen will ich einmal sagen in Zukunft eine lich behandeln sollten, dann hätten die Badenjer das von uns verselbst bin fein eingeschworenes Mitglied einer der beiden Parteien, Bewilligung des Budgets billigen werde. langen fönnen. Jedenfalls hätten sie uns auf unsere Anfrage eine von denen ich sprach, ich habe daher auch keinen Nebenzweck im Der Genosse Keil ist der einzige gewesen, der diese Behauptung Auskunft geben müssen. Frank hat in sehr beredter Weise den Auge, sondern bilde mir ein, daß ich mir in diesem heftigen Kampfe zurüdgewiesen und auf das richtige Maß zurüdgeführt hat. Auch Lassalleschen Grundsatz und Ausspruch: Man soll offen aussprechen, vor und auf dem Parteitage volle Objektivität bewahrt habe. Ich bei einer Ablehnung des Budgets bietet sich zur Leistung positiver was ist, für sich reklamiert. bin der Meinung, daß auf beiden Seiten unglaubliche Fehler gemacht Arbeit noch Gelegenheit in Hülle und Fülle. Sind denn nicht alle 3u jenem Zeitpunkt aber scheint der Genosse Frant, scheint die worden sind, vor allem durch die übertriebene Behandlung, die die unsere Abgeordneten im Reichstage oder in den Landesparlamenten badische Fraktion, scheint der badische Landesvorstand sich an diesen Frage in den norddeutschen Blättern und später in norddeutschen stets mit der ganzen Kraft dafür eingetreten, den herrschenden Grundsaß nicht erinnert zu haben.( Sehr gut!) Sonst hätte er Bersammlungen gefunden hat. Aber die süddeutschen Genossen lassen das möglichste abzuringen, was ihnen abzuringen war? offenbar uns gegenüber aussprechen müssen, um was es sich haben es sich nicht nehmen lassen, es den Norddeutschen später gleich Steil betonte sehr richtig, daß das, was wir für die arbeitenden handelt. Statt dessen hat man sich hinter das bekannte Schweigezu tun. Da ich fein Anhänger der unbedingten Budgetverweigerung Klaffen erringen konnten, mit der Budgetbewilligung absolut nichts gebot versteckt. Timm hat auch gesagt, das Vertrauen in der bin, hätte ich gewünscht, daß ihre Anhänger die Fehler allein ge- zu tun hat. Wenn unsere bayerischen und badischen Genossen Partei ist viel wesentlicher als Resolutionen. Ich gebe da Timm macht hätten. Jedenfalls ist es jetzt beffer, die begangenen Fehler Sarauf hinweisen, daß sie in der letzten Periode eine ganze Reihe nicht ganz unrecht. Aber wo blieb das Vertrauen der badischen einzugestehen, als neue hinzuzusehen.( Sehr richtig!) Der erste von Forderungen durchgesetzt haben, dann beweist das ja gerade, Parteileitung zum Parteivorstand, als wir diese Frage an sie Fehler ist tatsächlich von den süddeutschen Frattionen gemacht daß das die Budgetverweigerung nicht berührt, daß die Stellung richteten?( Sehr richtig!) Wenn einmal Parteitagsbeschlüsse worden( Hört! hört!), deren Mitglied ich bin. Ich halte es aber nahme der bürgerlichen Parteien und der Regierung dadurch vorliegen, dann sind sie eben nicht allein bindend für die Parteidoch für angezeigt, die Debatte von überflüssigem Ballast zu be- absolut nicht tangiert wird. Denn das letzte Mal haben doch unsere leitung, sondern für die Gesamtheit der Parteigenossen, für jeden freien. Es wäre besser gewesen, wenn die süddeutschen Fraktionen bayerischen und badischen Genossen das Budget abgelehnt. Troß- Parteigenossen. Frank hat sich bemüht Frank oder Hilden. sich nicht auf den Standpunkt gestellt hätten, daß die Sibung, in der dem haben sie aber ihre Forderungen in erhöhterem Maße als brand, aus der Parteigeschichte eine ganze Reihe von Fällen über die Budgetfrage beraten wurde, ausschließlich eine kombi- früher durchgesetzt. Die Erfahrung hat uns doch schon zur Genüge vorzutragen, wo Parteitagsbeschlüsse nicht beachtet worden sind. nierte Fraktionssitung sein sollte. Sie hätten besser getan, außen- gelehrt, was wir auch schon auf Grund unserer theoretischen Er- Diese Fälle können meines Erachtens hier nicht entscheidend sein. stehende Genossen heranzuziehen.( Sehr richtig!) Ein weiterer kenntnis wissen müßten, nämlich daß die herrschenden Klassen uns hier um unseren heutigen Fall handelt es sich um einen Beschluß Fehler ist der, daß die Begründung der diesmaligen ausnahms- in der Gegenwart nicht deshalb so bekämpfen, weil wir unsere des Parteitages, der jahrelang praktisch durchgeführt worden ist, weisen Zustimmung zu dem Budget in den süddeutschen Staaten grundsätzlichen Anschauungen zum Ausdruck bringen, sondern vor durchgeführt worden ist, ohne daß die Partei Schaden gelitten hat, in einer Weise gegeben wurde, daß sie in ihrer logischen Konsequenz allen Dingen, weil wir praktische Arbeit leisten und dadurch den durchgeführt worden ist zu Zeiten, wo die Partei geradezu gläns auf die dauernde Zustimmung zum Budget führt, die auch die Ge- Herrschenden etwas abringen.( Rebhafte Zustimmung.) Ich ver- zende Fortschritte gemacht hat. nossen in den süddeutschen Staaten nicht dulden. In der Sache weise auf die Gemeinderatswahlen in Elsaß- Lothringen. Warum felbst halte ich es aber auch für verfehlt, zu sagen, daß wir bei der hat sich z. B. in Straßburg und Mülhausen die ganze Ordnungs- ist die Vorbedingung für unseren Erfolg. Sie ber Die allgemeine Geschlossenheit der Partei Budgetabstimmung unbedingt unseren prinzipiellen Standpunkt des sippe zusammengetan, um unsere Genossen aus den StadtGegensatzes zur beſtehenden Staatsordnung zum Ausdruck bringen parlamenten zu vertreiben? Weil sie praktische Arbeit geleistet und langt aber die Interordnung der Minderheit unter müssen. Das hat auf die Dauer nicht die Wirkung, die wir uns für unsere Genossen eine ganze Menge von Vorteilen errungen Parteitagsbeschlüsse von jedem einzelnen. Wenn das die Mehrheit, sie verlangt die Respektierung der davon versprechen, sondern es bindet uns die Hände und außerdem haben. Man sagt, es handelt sich um eine zweckmäßigkeitsfrage. nicht mehr geschicht, dann kommen wir zur Desorgani fehlt es uns ja gar nicht an anderen Gelegenheiten, bei denen wir Ich bestreite das, will mich aber auf diesen Standpunkt stellen. unsere grundsätzliche Stellung der Staatsordnung gegenüber zum Da frage ich Sie aber: Was erreichen Sie da bei Ihrer Aftion, fation, dann kommen wir zu anarchistischen zu. Ausdruck bringen können. Wenn die bisherige Geschichte eine Geständen, dann ist die Aktionskraft, die Schlagkraft schichte der Klassenfämpfe ist, wie uns im Kommunistischen Mani- wenn Sie das Budget angenommen haben? Wenn unsere südfest gelehrt wird, dann wird sie auch nicht aufhören, eine Geschichte deutschen Genossen betonen, daß die sozialen Verhältnisse bei ihnen der Partei gelähmt.( Sehr wahr!) Timm sagte, ich bin der Klassentämpfe zu sein. Wir haben es diesmal für erforderlich nicht so verschärft sind, so haben wir doch danach zu forschen, warum überhaupt der Meinung, daß manche Dinge, die zu einer öffentdie sozialen Gegensätze noch nicht so scharf wie in Nord- und lichen Staatsaktion zum Schaden der Sozialdemokratie gemacht gehalten, aus der gegebenen Situation heraus für ein Budget zu Mitteldeutschland sind. Die Antwort kann nur die sein: Weil die werden, besser erledigt würden, wenn man sich kollegial zuſammenwir die Budgetfrage nicht zu einer Frage der Demonstration gegen Dann aber haben wir gerade in der Agitation die unüberbrückbare Gleichberechtigung aus. Nun, Parteigenossen, nehmen stimmen. Schließlich bin ich auf der einen Seite der Meinung, daß industrielle Entwickelung noch jüngeren Datums ist.( Sehr richtig!) fände allerdings nicht vom Standpunkte der Herrscher und Beherrschten, sondern vom Standpunkte der vollen die bestehende Staatsordnung machen sollen, andererseits bin ich der Aluft, die das Proletariat von den herrschenden Klassen scheidet, Sie doch unseren Brief zur Hand Meinung, daß dadurch die Frage, ob wir positive praktische Poli- in den Vordergrund zu stellen, um sie den breiten Massen begreif- den wir an den badischen Landesvorstand gerichtet haben! Nicht Sie haben eine Abschrift tit treiben wollen, nicht entschieden wird. Praktische Politik fann jeder treiben, der das Budget ablehnt, und negative Politik kann ich zu machen. Das können wir aber nimmermehr dadurch, daß ein Wort werden Sie in dem Briefe finden, das verleßend wirkt. jeder treiben, der es annimmt.( Sehr richtig!) Es gibt ja nicht nahmen der herrschenden Klassen üben und zum Schluß dem Budget feiner ganzen Form nach so gehalten ist, wie es sich unter Kamewir bei den einzelnen Positionen schärfste Kritik an den Maß- Wer wagt zu behaupten, daß dieser Brief nicht inhaltlich und cinmal in allen Staaten eine Endabstimmung über das Budget. Ich betrachte diese Endabstimmung als unser wichtigstes parlamen zustimmen, das tönnen wir nicht, wenn wir kein gutes Haar an raden, wie es unter Amtsgenossen sich geziemt?( Sehr richtig!) tarisches Kampfmittel. Naturgemäß wird dieses Kampfmittel bei dem Klassenstaat lassen und dann im Parlament die Mittel zu wir haben eine kollegiale Aussprache versucht. Was soll da die den Verhältnissen zwischen uns und den bürgerlichen Parteien in seiner Erhaltung bieten. Wenn Timm uns den Rat gegeben hat: Behauptung von Timm über Herrscher und Beherrschte? der Regel Anwendung finden müssen, aber nicht immer und" Zurück zum Vertrauen", und wenn er damit meint, daß wir in Sie kann auf uns nicht zutreffen. Sie trifft auf keinen Fall zu unter allen Umständen, denn sonst würden wir eine Politik gewissem Grade den herrschenden Klassen vertrauen sollen( Unruhe), für die Parteileitung. Wenn man dennoch mit solchen Redenstreiben, wie der Stier im Porzellanladen. So wenig wir sonst bei dann meine ich, daß für eine Demokratie die höchste Tugend das arten hier vor den Parteitag tritt, dann erweckt man den Ver= jeder Gelegenheit gegen jeden beliebigen Gegner und zu allen Mißtrauen ist.( Lebhafte Zustimmung.) Wenn er aber hat sagen dacht der Stimmungsmacherei.( Sehr richtig!) Dann Zeiten ein und dasselbe scharfe Kampfmittel anwenden, ebensowenig wollen, daß das Vertrauen in unseren Reihen mehr ausgebaut erweckt man den Verdacht, daß solche Wendungen für die Wirkung dürfen wir unter allen Umständen und zu allen Zeiten die schärfte und wieder hergestellt werden soll, dann stimme ich ihm vollkommen auf die Parteigenossen berechnet sind, daß man die ParteiArt des Kampfes gegen die Regierung anwenden. Wir müssen zu Dann kann es aber nimmermehr angehen, daß Geberden- genossen aufputschen will gegen ihre Organisation, gegen differenzieren lernen. Wir werden ja leider nicht oft in die Lage späher und Geschichtenträger hier beachtet werden( Lebhafte 3u ihre selbstgeschaffene Disziplin, gegen die Parteileitung.( Sehr kommen, die Regierung durch Außerkraftsekung dieses Kampfmittels ſtimmung), sondern die gemeinsamen Anschauungen müssen zur wahr!) Wir konnten das Schweigegebot der Badenser nicht stillzu schonen, aber die Möglichkeit dazu müssen wir haben. Denn Grundlage der Situation gemacht werden. Dann werden wir schweigend hinnehmen nicht, weil wir uns persönlich darüber wir würden sonst unter Umständen nicht nur die Annahme eines auch zu einem guten Resultat für die Partei und damit für die brüskiert fühlten, das kann nicht in Frage kommen - nein, hier für die Arbeiter ungünstigeren Budgets herbeiführen, sondern auch proletarischen Massen kommen.( Lebhafter Beifall.) standen wichtige Interessen der Partei auf dem noch manchen anderen Schaden anrichten, wenn wir dieses Mittel Ein Antrag Müller- Köln auf Schluß der Debatte Spiel. Nicht uns Personen, sondern der Gesamtheit hat man blindlings anwenden. Aus der Verwirrung, in die wir geraten sind, wird mit großer Mehrheit angenommen. in einer grundwichtigen Frage die Auskunft verweigert, in einer und die gestern ihren Höhepunkt erreicht hat, gibt es keinen anderen Frage, die für die Gesamtpartei von allergrößtem Interesse ist. Ausweg als die Annahme der Resolution Frohme. Nun soll unsere telegraphische Antwort an den badischen Landes( Zustimmung.) Ich verfolge damit keinerlei Nebenziede, ich stehe im Schlußwort: Parteigenossen! Parteivorstand und Kontroll- vorstand es den Süddeutschen angetan haben. Ich muß schon nicht im Verdachte, daß ich auf eine Verwässerung der sozialdemo- kommission haben sich gestern abend noch einmal mit der Situation sagen, daß es mich etwas verwundert hat, daß meine badischen fratischen Taktik hinarbeite. Und wenn ich trotzdem versichere, daß beschäftigt, wie sie sich aus unseren bisherigen Verhandlungen er- Bandsleute auf einmal so zart besaitet sein sollen.( Heiterkeit.) die Resolution des Vorstandes, obwohl die süddeutschen Fraktionen geben hat. Nach Lage der Dinge, und nachdem auch gestern nach- Ich erinnere mich daran, daß einmal einer meiner Sandsleute voraussichtlich nur in ganz seltenen Fällen bei freier Entscheidung mittag geradezu systematisch auf die Zuspizung der Gegenfäße hin- auf einem Parteitag in ganz richtiger Selbsterkenntnis von den Resolution des Vorstandes uns ungeheuren Schaden für unser prakt: wir unmöglich unseren Standpunkt verlassen. Wir haben deshalb noch gesagt worden, es sei sehr bedauerlich, daß Ignaz Auer nicht tisches Wirken zufügen würde, so müssen Sie mir das glauben. Bei der Annahme einer anderen Resolution als der von Frohme werden noch gestern abend einmütig beschlossen, auf unserer Resolution zu mehr unter uns weile. Ich glaube, dem stimmen wir alle zu. beharren.( Bravo! und Hört! hört!) Die Genossen Timm, Frank Aber das eine darf ich sagen, wenn Ignaz Auer das Telegramim davon bin ich fest überzeugt den Frieden in der Partei und Hildenbrand haben von der ihnen gewährten unbeschränkten an die Badenſer verfaßt hätte, dann wäre es etwas kräftiger aussobald nicht bekommen. Zur Spaltung wird es hoffentlich nicht Redezeit ausgiebigen Gebrauch gemacht. Ich mache ihnen daraus gefallen.( Große Heiterkeit und Beifall.) Das Telegramm ist kommen, aber Frieden werden wir nicht bekommen, und der tut keinerlei Vorwurf, sondern heve das nur hervor, weil es mir da- verfaßt von einem unserer Genossen, der parteinotorisch als die uns einzig not. Bei der Annahme des Antrages Frohme werden auch die süddeutschen Fraktionen aus der Debatte Lehren ziehen und nach unmöglich ist, ihren Ausführungen in allen Einzelheiten zu geborene Liebenswürdigkeit gilt.( Buruf: Pfannkuch!) bei ihren Abstimmungen Rücksicht auf die Stimmung in der Partei folgen. Es ist mir nach der Geschäftslage des Parteitages nicht richtig!( Heiterkeit und Sehr gut!) Erst als die wiederholten Aufnehmen. Wenn wir den Antrag Frohme annehmen, dann wir möglich, die Diskussion einer eingehenden Würdigung zu unter- forderungen an den badischen Landesvorstand unbeantwortet blieben, sind wir an die Oeffentlichkeit getreten und haben die diefe Debatte die lekte Debatte über die vorliegende Frage inner- siehen, ich muß mich auf das Allernotwendigste beschränken. halb der Partei gewesen sein.( Lebhafter Beifall.) Es handelt sich für mich darum, dem Parteitage, der Partei, der Sache den Parteigenossen unterbreitet. Dazu kam Oeffentlichkeit gegenüber das Vorgehen der Parteileitung zu rechtdie Stuttgarter Konferenz. fertigen und die gegen uns erhobenen Vorwürfe zurückzuweisen. Ich habe durchaus nichts einzuivenden gegen die Zusammen. Ich habe zunächst namens der großen Majorität der Alle Redner, insbesondere auch Timm, Frank und Hildenbrand, fünfte unserer Parlamentarier, wenn sie sich über parlamentarische Hamburger Delegiertem zu erklären, daß wir für die haben anerkennen müssen, daß Bebel die Auffassung der Partei- Erfahrungen auseinandersehen und verständigen, aber anders ist Vorstandsresolution stimmen werden,( Beifall.) und leitung in ruhiger und fachlicher Weise vertreten habe, Hildenbrand es, wenn sich solche Konferenzen damit beschäftigen, ob Parteitagszivar deswegen, weil wir die Einheitlichkeit und Geschlossenheit hat sogar anerkennen müssen, daß Bebel in versöhnlichem, aus- beschlüsse beachtet werden sollen oder nicht.( Sehr richtig!) Damit der Partei für unumgänglich notwendig halten. Wir sind aber gleichendem Tone gesprochen hat. Ich hätte nur gewünscht, daß greift man in die Organisation ein, damit überschreitet man seine der Meinung, daß diese basieren muß auf der Einheitlichkeit der Timm, Frank und Hildenbrand sich Bebel zum Muster genommen Kompetenzen, damit muß böses Blut erregt werden. Tatsächlich vir Frhu Zieh- Hamburg: bei. Ebert Sehr Hat man sich doch in Stuttgart üder die Budgetbewilligung der- ständigt. Gewiß war uns gesagt worden, daß einmal eine solche Konferenz stattfinden soll, aber von dem Termin haben wir nichts erfahren, sind auch nicht eingeladen worden.(Hört! hört!) Diese Vorgänge waren eS, die der . Auseinandersetzung einen heftigen und— wie ich gern zugestehen will— zum Teil giftigen Charakter gegeben haben. Wie wir zur Preßpolemik in diesem Fall stehen, das hat Bebel schon erklärt. Ich kann das nur unterstreichen als die Auffassung des Partei- Vorstandes. Man hat uns heftige Vorwürfe darüber gemacht, daß wir gegen die Art der Polemik nicht eingeschritten sind. Aber Sie dürfen nicht vergessen, daß der Partcivorstand im Mittelpunkt der Diskussionen gestunden hat, und gerade der Parteivorstand war es, der von den süddeutschen Blättern fortgesetzt, zum Teil sogar in der heftigsten Weise angegriffen worden ist. Genosse Ouessel hat in Darmstadt geradezu unglaubliche Vorwürfe gegen uns erhoben. (Hört! hört!) Ich erinnere weiter an die Notiz der„Münchener Post" über unser Polizeiaufgebot und an die Liebenswürdigkeiten, mit denen wir in der„Fränkischen Tagespost" bedacht worden sind. (Lebhaftes Sehr richtig!) Wenn wir eingreifen wollten, dann hätten wir nach beiden Seiten hin eingreifen müssen. Dann aber wären wir Richter in eigener Sache gewesen, und Sie werden mir zugeben, daß unter den obwaltenden Umständen das unmöglich gewesen wäre. Es ist gesagt worden, daß wir eigentlich die G e- schobenen wären, man hat von Leuten gesprochen, die der Partei die Taktik vorschreiben, aber nicht den Mut hätten, sich in den Kampf zu wagen. Frank ist sogar recht deutlich geworden. Er hat uns als„Fahnenträger der Berliner", als„die Gefangenen der Berliner" und dergleichen bezeichnet. Das soll heißen, der Parteivorstand trifft seine Dispositionen nach dem Wunsche der Berliner, er ist der Handlanger der Berliner.(Sehr richtig! bei den Süddeutschen.) Genosse Frank sollte als Jurist doch wissen, daß er für derartige Behauptungen auch Beweise antreten muß. Wo sind die Beweise? Es ist nichts a l s leeres Gerede, Klatsch und Tratsch, den man in Süddeutschland verbreitet. (Lebhafte Zustimmung.) In Berlin hat man in einer ganzen Reihe von Versamlungen den Berliner Parteifunktionären vor- geworfen, daß sie Werkzeuge des Parteivorstandes seien.(Sehr richtig! bei den Berlinern.) Bei den Debatten über die Maifeier waren wir die Gefangenen, das Werkzeug der. Generalkommission. So versucht man Stimmung zu machen, wenn die Parteileitung etwas unternimmt, was einem nicht angenehm ist. Damit will man den Berliner Parteivorstand treffen, damit will man in Süd- Deutschland gegen uns Stimmung machen, will man appellieren an die niedrigsten Instinkte. Man appelliert an den blödesten Partikularismus.(Lebhafte Zu- stimmung.) Der Parteivorstand achtet mit großer Gewiss enhaftig- keit darauf, daß seine Beschlüsse und Handlungen lediglich ge- troffen werden nach seiner eigenen, besten Ucberzeugung; und jede Einmischung, möge sie kommen, woher sie wolle, wird von uns in der allerentschiedensten und rücksichtslosesten Weise zurückgewiesen. (Bravo!) Ich erkläre mit aller Bestimmtheit, daß alles, was im vorliegenden Falle geschehen ist, entsprungen ist der eigenen Ucber- zeuguna der Parteileitung, und daß keinerlei Einwirkung von außen her von irgendeiner Seite aus erfolgt ist. Wenn man die Reden von Timm, Frank und Hildenbrand hörte, dann mußte man zu der Annahme kommen, daß die Frage der Budgetbewilligung für die Partei eine offene fei. Das ist nicht der Fall. Die Frage ist in Lübeck entschieden» der Lübecker Beschluß ist gefaßt— einmütig gefaßt worden—, ja, er ist gefaßt worden unter fast einmütiger Zu- stimmung der damals anwesenden zahlreichen Landtagsabgeordneten. Der Streit dreht sich darum, wie Absatz 3 der Lübecker Resolution aufzufassen und praktisch an- zuwenden ist. Für uns ist für die Auslegung die I n t e r- pretation maßgebend, die Bebel als Antragsteller gegeben hat. Für die Richtigkeit dieser Auffassung möchte ich auf einen Vorgang hinweisen. Ich war damals Mitglied der Bremer Bürgerschaft. Wir Landtagsabgcordneten sind in großer Zahl mit Bebel zusammengetreten und haben ihm gesagt, daß seine Resolution praktisch nicht durchführbar fei, da es Fälle gebe, wo man für das Budget stimmen müsse, und es ist besonders auf die Fälle von Gotha und Hessen hingewiesen worden. Bebel hat sich unserer Auffassung angeschlossen. Er hat den Landtagsabgeordneten die Formulierung des dritten Absatzes überlassen. Wir Ab- geordneten waren einig, daß Bebel die Interpretation dieser Bestimmung in dem Sinne geben soll, wie er eS in der Tat im Plenum getan hat.(Widerspruch von David.) Ge- nosse David.das bestreiten Sie? Ich erinnere mich dessen bestimmt. Ich weiß, daß auch hier auf dem Parteitag Ab- geordnete sind, die sich dieses Vorganges erinnern. Ich habe mit dem Genossen David, mit Hildenbrand und anderen, die damals mit zugegen waren, über diesen Vorgang gesprochen, und die Ge- nassen haben erklärt, sie erinnerten sich dieser Vorgänge nicht mehr. (Hört! hört!) Nach dem Verlauf der stattgcfundenen Auseinandersetzungen sind wir in der Parteileitung nach wie vor der Meinung, daß d i e Zustimmung zum Budget sich mit dieser Be- stimmung der Resolution in Lübeck nicht ber- trägt, immer ausgehend von der Auffassung, daß die von Bebel jn Lübeck gegebene Interpretation die richtige ist. Ich kann auf alle Einzelheiten, die für den Nachweis dieser unserer Auffassungen in Frage kommen, jetzt nicht eingehen. Ich glaube, das ist auch nicht notwendig. Ich will nur auf einige wesentliche Punkte hin- weisen. Für Baden, glaube ich, ist die Sache völlig klar, nach- dem der Minister Bodmann unsere Fraktionsmitglieder, unsere Partei im Landtage geradezu mißhandelt hat. Nachdem er sich in solcher Weise gegen unsere Partei erklärt hatte, durfte man schon deshalb der Regierung das Budget nicht bewilligen.(Sehr richtig!) Dazu kommt der Fall Schaufele, der meines Erachtcns nicht aus- gesclmltet werden kann, wenn man auch jetzt einige Staatsarbeiter in Baden Gemeindevcrtreter sein läßt. Was gibt den badischen Genossen denn"5ie Garantie, daß morgen nicht wieder dasselbe wie im Falle Schäufele eintritt? Warum denn dieses unbedingte Ver- trauen zu Regierungserklärungen und zu Erklärungen von Ministern? Wenn man auch nur einen Teil des Mißtrauens, das der badische Landesvorstand gegen uns bekundet hat, gegen die Minister und die Regierung in solchen Fällen zur Anwendung bringen würde(Lebhafte Zustimmung), so könnten sie gar nicht so argumentieren, wie es geschehen ist.(Zuruf: Gotha!) Darauf komme ich noch. Unsere bayerischen Genossen haben in der Hauptsache ihre Zustimmung zum Budget mit den sozialpolitischen Fortschritten, die sie errungen haben, motiviert. Aber unsere bayerischen Abgeordneten haben doch auch in früheren Sessionen ganz erhebliche sozialpolitische Fortschritte errungen und haben trotzdem gegen das Budget gestimmt. Schon deshalb lag kein zwingender Grund vor, diesmal zuzustimmen. Wollte man den Standpunkt der bayerischen Abgeordneten konsequent durchführen, so müßten wir, wie schon wiederholt gesagt worden ist, in der Tat immer für das Budget stimmen. Man müßte schließlich auch dazu kommen, für'den Rcichsetat zu stimmen, der auch Hunderte von Millionen an Ausgaben für Staatsarbeiter und mittlere und kleine Beamte enthält. Die Gegner können die Ablehnung des Reichsetats in derselben demagogischen Weise bekämpfen, wie sie die Ablehnung des Staatsbudgets bekämpfen. Darüber sollten wir uns doch klar sein, daß das Verhalten der Gegner für unsere Taktik nicht entscheidend fein kann. Wenn wir darauf Rücksicht nehmen sollen, müßten wir unter allen Umständen auf eine fchiefe Bahn kommen. Hildenbrand hat gesagt, er bedauere, daß wir im Partei- vorstand nicht einen Viktor Adler hätten. Ich will ihm das gar nicht bestreiten. Aber sagen müßte ich ihm doch, daß ihm mit Viktor Adler in diesem Fall gar nicht geholfen wäre. Es ist schon wiederholt auf den Artikel des Genossen Viktor Adler? der am Sonntag in der„Wiener Arbeiter-Zeitung* stand, hingewiesen worden. Gestatten Sie mir, einige interessante Stellen daraus zu verlesen; „Alles das kamt dazu beitragen, die Taktik der Süd- deutschen soweit zu verstehen, als dies überhaupt möglich ist, nicht aber dazu führen, sie zu billigen. Am wenigsten richtig ist das Argument, das am häufigsten gehört wird; und das auch unS Oesterreichern die Gegner vorhalten, wenn sie unsere Ablehnung des Budgets als unlogisch darstellen wollen. Weil die Sozialdemokraten an der Gestaltung des Budgets mitwirken, weil sie sogar eine ganze Reihe von Abänderungen und Reformen durchgesetzt haben, darum waren sie keineswegs ver- pflichtet, nun auch für das Budget, wofür sie die Verant- Wartung doch keineswegs übernehmen wollen, zu stimmen. Die Bewilligung des Budgets kann auch keineswegs die Bedingungen für die Annahme ihrer Anträge erleichtern und wird auch in Zukunft kaum ihren Einfluß auf weitere Erfolge verstärken. Ihre Zustimmung kann im Gegenteil von der herrschenden Partei als erzwungene Anerkennung ihrer Vor reffstchkeli gedacht und agitatorisch ausgebeutet werden, vielleicht in viel emp- findlicherer Weise als die angeblich unlogische Ablehnung des Budgets. Schließlich aber waren die bayerischen Genossen unseres Er- achtens verpflichtet, zu erwägen, ob die Vorteile, die ihre neue Taktik möglicherweise im besten Falle bringen konnte, den Nach- teil aufzuheben vermochte, den der Streit mit sich brachte, in den sie dadurch mit der Mehrheit der Gesamtpartei geraten mußten." Diese Ausführungen wird Hildenbrand wohl nicht für sich akzeptieren, und ich glaube sogar, daß Genosse Adler gar nicht so unrecht hat mit dem Hinweis, daß sich die süddeutschen Partei- genossen durch ihre Budgetzustimmung bielleicht sogar ge- schadet haben.(Zustimmung.) Wenn wir in Betracht ziehen, wie unsere süddeutschen Genossen in den letzten Wochen ihre Re- gicrung und die Mehrheit im Landtage herausgestrichen haben, dann glaube ich, daß ihnen dies bei ihrer Agitation noch mehr schaden wird, als irgendeine Budgetablehnung. Aber bei dieser Auffassung, die wir mit großer Entschiedenheit auch jetzt noch ver- treten, verkennen wir keineswegs, daß man sehr wohl über die Frage, über die wir uns unterhalten, verschiedener Meinung sein kann. DaS ist nichts neues. Wir haben nirgends und niemals während des ganzen Streites bestritten, daß die süddeutschen Ab- geordneten bei ihrer Budgetabstimmung in gutem Glauben gehandelt haben. Wir haben nie bestritten, daß sie in dem Glauben sein konnten, mit ihrer Budgetabstimmung der Partei und der Arbeiterklasse zu dienen. Das haben wir, als wir am vergangenen Dienstag uns mit den Süddeutschen ausein- andersctzten, ganz offen und klar von vornherein er- klärt. Wie wir hier in Nürnberg mit der Kontrollkommission zusammengetreten sind, hat an der Spitze unserer AuSein- andersetzungen diese einmütige Erklärung ge- standen.(Sehr richtig!) Ich muß weiter hervorheben, daß der Absatz 3 unserer Resolution, worin erklärt wird, daß die Zu- stimmung zum Budget mit dem Lübecker Beschluß nicht zu ver- einbaren ist, durchaus nicht als Mißtrauensvotum aufzufassen ist._ Auch das haben wir bei unserer Auseinander- fetzung ganz klipp und klar erklärt. Wir haben gesagt: Wir können unmöglich eine Resolution vorlegen, in der unsere süd- deutschen Parteigenossen gedemütigt werden, durch die die Positionen unserer süddeutschen Genossen in den Parlamenten und gegenüber den Gegnern erschüttert wird. DaS haben wir auch bei den Ver- Handlungen, die wir mit den süddeutschen Parteigenossen geführt haben, ausdrücklich erklärt. Der Absatz 3 unserer Resolution ist lediglich eine sachliche Entscheidung über die Streitfrage. Es soll entschieden werden, ob die süddeutschen Parteigenossen oder die Pertcileiter in der Auslegung des Ab- satzes 3 der. Lübecker Resolution recht hatte;?.(Zuruf: Gotha!) Darauf komme ich noch. Um diese Entscheidung kommen wir nicht herum. Nachdem wir wochenlang die häßlichsten Auseinander- fetzungen geführt Haben, wird es die ganze Welt, werden eS unsere Parteigenossen nicht verstehen, wenn der Parteitag in seiner Entscheidung der eigentlichen Streitfrage ausweichen wollte.(Sehr richtig!j Das habe ich auch am Dienstag in der Sitzung mit den Süddeutschen gesagt, und das war es, was mir von dem Genossen Segitz das Prädikat als „Scharfmacher" eingebracht hat.(Hört, hört!) Ich darf aber hinzufügen, daß er und seine süddeutschen Genossen es gewesen sind, die später erklärt haben, daß sie nach dieser Interpretation im Absatz 3 unserer Resolution durchaus kein Mißtrauensvotum erblicken. Also eS kam uns auf die sachliche Entscheidung an und dieses R«cht der sachlichen Entscheidung eliner Streitfrage müssen wir unter allen Umständen dem Parteitage vorbehalten.(Sehr richtig!) Wir haben die mildeste Form gewählt, und ich bin ermächtigt, für die Kontrollkommission und den Parteivorstand zu erklären, daß— wenn Ihnen vielleicht das Amendement Schütz zu unserer Reso- lution, wonach der Absatz 3 folgende Fassung erhalten soll:„Die Bewilligung des Budgets in den verschiedenen Landtagen ist un» vereinbar mit den Resolutionen von Lübeck und Dresden" an- nehmbar erscheint, werden wir uns nicht widersetzen, daß diesem Amendement zugestimmt wird. Damit scheidet eben der Fall Gotha aus. Jedenfalls werde ich— wenn Sie so beschließen— die Gothaer Angelegenheit hier nicht mehr eingehend zu erörtern brauchen, aber ich muß dabei bleiben, daß auch bei der Annahme dieses Amendements an der sachlichen Entscheidung, die di« Reso- lution beabsichtigt, nichts geändert wird. Nun einige Worte zum Absatz 2, der am meisten angefochten wird. Er lautekk „Als notwendige Folge idieser grundsätzlichen Auffassung ist angesichts der Tatsache, daß die Gesamtabstimmung über das Budget als Vertrauenskpndgebung für die Regierung aufgefaßt werden muh, jeder gegnerischen Regierung bei der Gesamtab- stimmung das Budget zu verweigern. ES sei denn, daß die Ab- lehnung desselben durch unsere Genossen die Annahme eines für die Arcbiterklasse ungünstigeren Budgets zur Folge haben würde." Dagegen ist von Timm in seiner Rede der Einwand erhoben worden, daß die Resolution praktisch nicht durchführbar, nicht an« wendbar sei. daß sie eine Verschärfung der Lübecker Resolution bedeutet.(Sehr richtig!) Das muß ich ganz entschieden bestreiten. Auch nach dieser Formulierung ermöglicht die Resolution auch künftig in den Ausnahmefällen, die wir in Lübeck im Auge gehabt haben, für das Budget zu stimmen. Wir haben unter allen Um- ständen nur die Absicht, die Lübecker Resolution aufrecht zu erhalten. Wir sind gar nicht gewillt, sie zu verschärfen. Wir wollen aber dem dritten Absatz ein« be- stimmte Fassung geben, damit künftig Streitigkeiten und unrichtige Auslegungen vermieden werden. Ausnahmefälle sind auch nach der jetzigen Formulierung zulässig. Auch der Gothaer Fall, den wir übrigens für selbstverständlich halten. Nun hat Timm der Resolution gegenüber ausgeführt:„Wie steht eS denn in Bayern? Nehmen wir an, daß kein Budget zu- stände kommt, dann gilt das frühere. Die Ausgaben können aber nur insoweit realisiert werden, als sie die Natur eines vorher zu überfehenden Staatsbedürfnisses haben, und wenn die Mittel nicht ausreichen, dann befriedigt die Regierung zunächst jene Staatsbedürsnisse, die auf gesetzlicher Verpflichtung beruhen und dann die, die ihr als die dringlichsten erscheinen. Erst durch dag Finanzgesetz wird die Regierung gebunden. Wenden wir den Grundsatz von Bebel auf Bayern an, so würde, wenn wir gegen ein Finanzgesctz stimmen, das den Arbeitern Vorteile bringt, das andere Budget in Kraft treten, und würden wir das tun» würde es mit unserer Vertretung vorbei sein." Demgegenüber vergleichen Sie den Wortlaut unserer Reso- lution, wo es ausdrücklich heißt, daß dem Budget zugestimmt werden kann, wenn die Ablehnung desselben durch unsere Partei. genossen die Annahme eines für die Arbeiterklasse ungünstigen Budgets zur Folge haben würde. Ich glaube, gerade diese Formu- lierung trifft auf den von Timm angezogenen Fall zu. Die Ge- nassen wären in einem solchen Falle in der Lage, das Budget zu retten. Nun sagt Timm: Das ist gut gesagt, aber wie sollen wir feststellen, wie die gegnerischen Parteien stimmen werden, besonders bei dem Verhalten der Bündler im Landtage? Ich will zugeben, daß die Bündlcr sich einmal entschließen könnten, gegen das Budget zu stimmen, trotzdem sie im bayerischen Landtage von 133 Man- datcn nur 12 haben, und kaum mit unseren Genossen zusammen- gehen würden. Aber selbst zugegeben, es könnte die von Timm angekündigte Möglichkeit eintreten, glaubt Ihr denn, Partei- genossen, daß die bayerischen Bündler, che sie das Budget ablehnen, es sich nicht überlegen werden, daß damit auch die Errungen- schaften für die Bauern verloren gehen? Weiter kommt in Be- tracht, daß das für die StaatSarbeitcr und Staatsbeamten an Lohn- und Gehaltsaufbesserung Errungene eigentlich Vertrags- rechtlicher Natur ist, und durch Ablehnung des Budgets eigentlich gar nicht alteriert wird. Anders liegt es bei den Errungenschaften für die Bauern, die allerdings in der Regel nicht staatsrechtlicher Natur sind» und durch Ablehnung des Budgets getroffen werden. Ich glaube auch sagen zu müssen, daß der Fall, daß bürgerliche Parteien das Budget ablehnen, nur in außerordentlich seltenen Fällen eintreten wird. Es handelt sich da nicht um Konflikte, die sich in der Dunkelheit abspielen, sondern um Vorgänge, die mit aller Klarheit in die Er- fcheinung treten. Ich will da ein praktisches Beispiel an- führen aus meinen Erfahrungen. Jn Bremen hatten wir den Fall, daß die weitaus größte Mehrheit der Bürgerschaft, die bürger- liche Linke, mit dem Senat in einen überaus heftigen Verfassungs- konflikt geraten war. Wir haben diese rabiaten Liberalen wohl so weit veranlassen können, daß sie mit uns Obstruktion trieben, daß die Mehrheit der Bürgerschaft bei der Wahl eines Senats- Mitgliedes die„Bürgerschaft" verließ; als wir ihnen aber später geraten haben, mit uns zusammen dem Senat das Budget zu ver- weigern, haben sie dieses Ansinnen weit von sich gewiesen. Partei- genossen! Nach allem, was ich nach der Richtung hin ausgeführt habe, müssen wir dabei bleiben, daß unser Vorschlag keine Ber- schärfung der Lübecker Resolution ist, sondern daß unser Vorschlag praktisch durchführbar ist. und daß unsere süddeutschen Partei- genossen sich sehr wohl auf den Boden unseres Vorschlages stellen können. Noch eines muß ich besprechen. ES ist gestern mehrfach Bezug genommen worden auf die Verhandlungen, die wir hier mit den süddeutschen Parteigenossen geführt haben. Dabei ist versucht, Bebel in Widerspruch zu setzen m i t mehreren anderen Mitgliedern des Parteivor» stand es. Ich kann Ihnen darüber, wie der Vorstand und die Kontrollkommission zu dieser Entscheidung und Festlegung der Reso- lution gekommen sind, folgendes mitteilen: Wir hatten zu Sonn- tag eine Sitzung vereinbart. Bebel ist leider durch einen Vorfall in seiner Familie verhindert gewesen, dabei zu erscheinen, hat uns aber brieflich seine Ansicht in der Sache mitgeteilt. Die von uns formulierte Resolution hat Bebel dann vorgelegen und er hat sich mit dem sachlichen Inhalt voll und entschieden einverstanden erklärt. Er hat lediglich eine ganz un- wesentliche und formale Aendcrung gewünscht. Ich habe Auftrag, im Namen Bebels dies mit allem Nachdruck und' mit aller Deutlichkeit festzustellen. DaS hat Bebel aber auch bereits in der Verhandlung, die wir mit den Süddeutschen gehabt haben, erklärt. Und nun hat Segitz gestern über die Vorgänge in jener Verhandlung sich geäußert, wozu ich mich noch kurz erklären muß. Es ist richtig, daß Segitz die Verhandlungen eingeleitet hat, aber über die Art. in der er das gestern getan hat, waren wir geradezu alle entsetzt.(Sehr richttgl) Das war nicht die Art der Einleitung von Einigungsverhandlungen, sondern da? war ein Pronunziamento, eine klipp und klare und kühle Erklärung:„W enn Ihr nicht so verfahrt, wie lvir wünschen, dann fügen wir uns unter keinen Um» ständen einem Beschlüsse des Parteitages."(Hört I HörtI) Wir haben trotzdem stundenlang mit den süddeutschen Ge- nossen verhandelt, wir haben, wie Sie wissen, hier die wichtige Per- Handlung über die Maifeierfrage, bei der, wie vorauszusetzen war, der Parteivorstand heftig angegriffen wurde, wobei wir eine Vor- läge, auf die wir den allergrößten Wert legten, nicht verteidigen konnten, wir haben diese Sitzung versäumt auf die Gefahr hin, daß unser Vorschlag abgelehnt wird, um eine Möglichkeit zu finden, mit den süddeutschen Parteigenossen übereinzukommen; die süd- deutschen Genossen erklärten aber rundweg, sie stehen nach wie vor auf dem Boden des Lübecker Beschlusses, aber einer Auslegung, die die wir ihm geben, stimmen sie nicht zu. Am Schluß der VerHand- lung allerdings hatte Segitz, als wir gingen und einsahen, daß wir nicht zusammenkommen könnten, einen Vorschlag gemacht. Er hat erklärt:„Wir sind bereit, der ganzen Resolution des Parteivor. standcs mit einer Aenderung zuzustimmen.(Zuruf der Süd- deutschen: Hinzunehmen I) Meinetwegen können Sie sagen(Zuruf: Schlucken!),.... also gut, dann sagen wir: Segitz hat erklärt: „Wir sind bereit, die Vorstandsresolution hinzunehmen, wenn im entscheidenden Absatz 3 eine Aenderung vorgenommen wird. wenn in diesem Satze bestimmt wird, daß in der Regel daS Budget abgelehnt werden soll. Ueber die Ausnahmen, wenn dem Budget zugestimmt werden soll, soll überhaupt nicht bestimmt werden.(Lachen.) Das soll Sache der Landesorganisationen sein." Das lvar doch der Vorschlag? Segitz bestätigt mir das. Sie werden mir zugeben, daß wir nach Lage der Dinge ganz außerstande waren, diesem Vorschlage von Segitz zuzustimmen. Segitz hat uns weiter erklärt, daß diese Entscheidung einem Beschlüsse der süddeutschen Delegierten entspreche, die Montag ge» tagt hat, wozu man allerdings die süddeutschen Abgeordneten, die gegenteiliger Meinung waren, absichtlich nicht einge- laden hat.(HörtI Hört!)(Zuruf von S e g i tz: DaS ist doch selbstverständlich!) So waren in der Tat unsere Verhandlungen und ich füge noch hinzu, daß„der Scharfmacher Ebert" dort erklärt hat, daß wir im Vorstand und in der Kontrollkommission nach wie vor gewillt seien, alles zu tun, um einen Weg zu finden, auf dem wir uns zusammenfinden können.(Zuruf bei den Süddeutschen: Habt Ihr aber nicht getan!) Ich glaube, dieses Verhalten unserer Vertreter in dieser Sitzung zeigt ein anderes Bild, als eS gestern Segitz dazuftellcn versuchte.(Sehr richtig!) Noch eins: Ich weiß nicht, was das für eine Art ist, aus einer so ernsten Verhandlung, einer vertraulichen Verhandlung, Einzelheiten herauszureißen und sie in die Ocffcntlichkeit zu werfen, in der Absicht, Personen zu verletzen oder zu verdächtigen. Parteigenossen! Diejenigen, die unserer Verhandlung beiwohnten, wissen, datz auch einem bekannten, mir persönlicki sehr lieben Parteigenossen in dieser Auseinander- setzung eine böse Entgleisung passiert ist, die er sicher in der Ocffentlichkeit nicht vertreten würde. Ich sage ganz offen: Wenn man das in der Ocffentlichkeit gegen diesen Genossen ausnutzen wollte, was ihm in der begreiflichen Aufregung entsprungen ist. so würde ich sagen, daS ist unschön, das ist unfein, das gehört sich nicht. tLebhafte Zustimmung.) Parteigenossen! So viel süddeutsches Wesen habe ich noch in mir. daß ich sage, eine solche Art, wie Segitz versuchte, die Verhandlungen darzustellen, das ist nicht süddeutsche Art. Nun zur Resolution Frohme? Bei aller wohlwollenden Aufnahme dieser Resolution muß ich aber doch fragen: Wie soll dadurch überhaupt eine Verständigung herbeigeführt werden können? Verhehlen wir uns doch nicht, daß die Anschauungen der Parteileitung und die der süddeutschen Ge- nossen über die Auslegung der Lübecker Resolution weit a u S- ein andergehen, und wenn wir da» nächste Jahr, wenn die Württcmberger zum Budget Stellung nehmen müssen, zusammen- sitzen, dann werden sich ganz natürlich dieselben Gegensätze zeigen. (Sehr richtig!) Wenn wir uns nicht einigen, dann ist die alte Geschichte wieder vorhanden, dann ist der Streit von neuem da. (Sehr richtig!) Anders wäre es, wenn diese Resolution festlegte, ßtt die Entscheidung zu treffen hat. Fr ahme hat gestern seine Resolution so interpretiert, datz eine Zustimmung zum Budget nur erfolgen könne, wenn ke,ne der hier genannten Parteiinstitutionen Einspruch erhebt. Das ist eine klipp und klare Sache, worüber sich v,el- leicht reden liest e. Uns ist aber gestern abend erklärt worden, dast die süddeutschen Genossen diese For- inulierung. wie sie Frohme wünschte, abge- lehnt haben.(Hört! hört! Frank und Auer rufen: Wer hat das erklärt?) Wenn ich mich recht erinnere, hat Frohme das selb st den Parteigenossen mit- geteilt. Unter diesen Umständen ist es für uns unmöglich, eine andere Stellung einzunehmen als bisher. Dast die Resolution Thiele ohne weiteres abzuweisen ist. liegt auf »»» Hand. Uns ist der Ernst der Situation wohl bewust t. Nichtsdestoweniger wissen wir� keinen an- deren Ausweg als die Entscheidung in die Hände des Partei- tagcS zu legen. Möge die Entscheidung ausfallen, wie sie wolle. wir erwarten mit aller Bestimmtheit, dast jeder Parteigenosse, mag er heisten, wie er will, soviel demokratisches Prinzip im Leibe hat. dast er sich der Entscheidung unterwirft.(Lebhafte Zustimmung.) Es sind in der Aus- cinandersetzung heftige Worte gefallen. Man hat von Trennung gesprochen. Das wäre cinVcrbrechen an der deutschen Arbeiterbewegung, wie es schlimmer nicht gedacht werden kann.(Lebhafte Zustimmung.) Die Phalanx, die ein Bis- m a r ck mit den brutalsten Mitteln des Polizelstaats nicht zu sprengen vermochte, die bisher allen Stürmen stand- gehalten hat. die sollte gelöst und gebrochen werden wegen dieser Frage, um die wir uns hier streiten? Tie machtvollste Kul- turbewegung, welche die Welt bisher gesehen hat, sollte zum Gc- spött aller Volksfeinde werden? Tort oben im Saale leuchtet der Spruch:.Proletarier aller Länder vereinigt Euch!* Das ist das Motto, das wir den Arbeitern aller Länder der ganzen Welt zurufen. Und das deutsche Proletariat, das bis- her den Arbeitern der ganzen Erde ein leuchtendes Vorbild für solche Einigkeit gewesen ist. daS sollte von diesem Podium herab» steigen, sollte sich zum Gaudium der Gegner s e I b st z e r- fleischen? DaS kann nicht geschehen, das darf nicht geschehen. Wenn wir diesen Parteitag verlassen, dann soll es weder Sieger noch Besiegte geben, nur Kampf- genossen, die gewohnt sind, nach erfolgter Aussprache den Willen der gesamten Partei zu respektieren und wieder einig und geschlossen zu marschieren. Zu marschieren acaen den gemeinsamen Feind.(Stürmischer Beifall.) ES folgen persönliche Bemerkungen. Geih-Mannheim: Ich dacht«, daß ich eS nicht nötig Hütt«, über den Verkehr zwischen dem badischen Landesvorstand und dem Parteivorstand noch weiter zu sprechen. Nachdem aber Ebert in seinem Schlutzworte darauf eingegangen ist, erkläre ich folgendes: Wir haben am 4. August einen Brief des Vorstandes bekommen, durch den wir gefragt wurden. wie es denn eigentlich mit der Sache stehe, man habe gehört, dast die Bayern und die Badenser für das Budget stimmen wollten. Wir sollten Auskunft darüber geben, ob ettvas Wahres daran sei, damit oer Vorstand in die Lage käme, auf Anfragen wahrheitsgemätz zu antworten. In dem Briefe stand nichts davon, dast der Vorstand für sich als eigene Korporation Auskunft verlange.(Lachen.) Wir muhten daher der Meinung sein, dast diese an den Parteivorstand gerichteten Anfragen seitens des.Vorwärts"' und der„Leipziger Volkszeitung" erfolgt feien. Schon bevor der Brief aus Berlin bei uns«intraf, war in der.Leipziger Volkszcitung" der bekannte Artikel mit der Ueberschrift„Wirdö bald?" erschienen. Wir wollten dem Vorstand eine ganz authentische und sichere Nachricht geben, und haben deshalb den folgenden Montag abgewartet, wo wir zur Fraktionssitzung nach Karlsruhe geladen waren. Hier wurde gesagt, man sei bereit, diesmal für das Buogct zu stimmen, aus den bc- reits von Frank angeführten Gründen. Die Landeskommission schlost sich dem an. Sic war der Meinung, daß die Lübecker Reso- lution dadurch nicht verletzt würde. Aber cS wurde weiter gesagt: Wir werden nur für das Budget stimmen, wenn das Teckungsgesetz angenommen und das Bcamtcngesctz gesichert sei. Die Regierung hatte nämlich gedroht, falls das Deckungögesetz nicht in ihrem Sinne angenommen werde, das Beamtengesetz zurückzuziehen, und dann tvären unsere Genossen genötigt gewesen, gegen das Budget zu stimmen. Diesen Moment wollten wir abwarten. Mir war auf eine Anfrage von der Fraktion mitgeteilt worden, dast das Deckung?- gesetz am nächsten Tage erledigt sein sollte. Aus diesem Grunde erließen wir daS SGveigegebot, bis die Fraktion wüßte, wie sie stimmen würde. Nun hat sich aber die Entscheidung über da? Deckungsgesetz bis zum Dienstag hingezogen, und nachdem daS Telegramm von den Kindereien eingetroffen war, das uns so er- freut hat, haben wir sofort bei der Fraktion angefragt, wie es mit der Teckungsfrage stehe. Als die Entscheidung am Dienstag fiel, erschien bereits der Artikel im„Vorwärts" über Partciverrat, In- lubordination usw.(Frank: TaS ging vom Parteivorstand aus.) Wir konnten gar nicht anders handeln. Wir hatten den beskcn Willen, dem Vorstand zu antworten, aber wir wollten ihm eine präzise Antwort geben. Wir verwahren uns dagegen, daß wirunsgegen den Vorstand auflehnen wollten. Singer: Der Vorredner hat zwar keine persönlichen Bemerkungen ge macht, ich habe mich aber doch für verpflichtet gehalten, ihn aus reden zu lasse», weil ich eZ als Unfreundlichkeit angesehen hätte, wenn ich dem Vorsitzenden des badischen Landesvorstandes die Mög> lichkcit dazu nicht gegeben hätte.(Lebhafte Z: stimmung.)� Frohme: Lbert erwähnte eine Mitteilung, die ich Singer gemacht hätte. Um von vornherein jeder Mihdeutung vorzubeugen, habe ich zu er- klären: ich habe im Einverständnis mit Singer mich erboten, mit den süddeutschen Parteigenossen auf der Basis meiner Resolution eine Verständigung zustande zu bringen, und es war ganz selbst verständlich, dast ich nicht nur berechtigt, sondern auch verpflichtet war, dem Genossen Singer davon Mitteilung zu machen, welche Bc dingungen die Süddeutschen stellten. Das werden unsere süd- deutschen Parteigenossen mir zugeben und Singer wird es bestätigen. Timm gibt namens der Mehrheit der süddeutschen Dele- gierten folgende Erklärung ab: Wir werden derResolutionFrohme trotz aller Bedenken z u st i m m e n. um einen weiteren Beweis zu liefern, wie hoch uns die Gcschlosienheit und das Gesamtwohl der Partei steht. In der vorgesehenen Art der Verständigung erblicken wir auch den Weg. die Frage der Budgetabstimmung in einer Weise zu sichern, die das gegenseitige Vertrauen mehr als bisher sichert und weder die Selbständigkeit der Fraktion außer acht läßt, noch eine den verfassungsrechtlichen Bestimmungen der Einzclstaaten ividersprcchende Bindung bezweckt. Würde aber die Resolution Frohme in irgendeiner Weise verschärft, so würden wir sie ab- lehnen. Singe» schlägt folgenden A b st i m m u n g s m o d u s vor: Es soll zunächst über den Antrag Schöpflin und die Resolution Thiele und darauf in n a m e n t l i chch er Abstimmung über die Resolution Frohme abgestimmt werden. Durch die Annahme der Resolution Frohme wäre die Resolution der Parteileitung erledigt, wird aber die Resolution Frohme abgelehnt, dann soll zunächst der AbändcrungS- an trag Schütz zur Resolution der Parteileitung und dann diese Resolution selb st zur Abstimmung gelangen, und zwar würde absatzweise abgestimmt werden. Die Gesamt- abstimmung würde eine namentliche sein, die Anträge 74 bis LS würden sich durch Annahme der Resolution der Parteileitung erledigen. Sollte diese Resolution abgelehnt kb erden, würden diese Anträge der Reihe nach zur Abstimmung kommen. Heine: Der Vorschlag von Singer ist zwar korrekt, aber über die Vorstandsresolution müßte vor der Resolution Frohme abgestimmt werden.(Widerspruch.) Ich bin natürlich nicht der Meinung, dast der Vorschlag Singers aus Absicht gegen jemanden erfolgt ist, aber es ist nicht denkbar, datz eine Ab- stimmung über eine Resolution erfolgt, bevor eine schärfere er- lcdigt ist. Das hat auch Ebert vorhin erklärt. Es wird Genossen geben, die für den Fall der Ablehnung der Resolution der Partei- leitung, und nur für diesen Fall, sich der Resolution Frohme an- schließen würden.(Widerspruch der Berliner.) DaS würden gerade Sie sein, Genossen aus Berlin.(Erneuter Widerspruch der Berliner.) Vielleicht begnügen Sie sich auch damit nicht, aber logisch wäre es doch, dast man erst über das weitergehende Verbot abstimmen würde. Nach dem Vorschlag von Singer könnte es passieren, dast überhaupt nichts zustande kommt. Singer: Ich bin dem Vorredner dankbar, dast er in die Lauterkeit meiner Absichten keinen Zweifel setzt, aber ich glaube, das hätte nicht erst betont werden brauchen. Im übrigen stimme ich ihm nicht zu. Es mutz den Befürwortern der Resolution Frohme, die das Mindere wollen, die Möglichkeit gegeben werden, wenn dies abgelehnt Wirw das Schärfere anzunehmen. Der Wille aller Gruppen des Parteitages kommt viel eher bei Annahme meines Vorschlages als bei der Annahme desjenigen von Heine zum Aus. drucks(Lebhafte Zustimmung.) Ich lasse die Frage der Absicht bei Seite, ich würde mich schädigen, wenn ich mich gegen einen solchen Vorwurf verteidigen müßte. Mein Vorschlag bezweckt, den Willen des Parteitages zum Ausdruck zu bringen und dabei jeder Richtung die Möglichkeit zu geben, voll zur Geltung zu kommen. Wer das will, kann gar nicht anders, als meinen Vorschlag an- nehmen. Kappler-Altenburg schließt sich den Ausführungen Singers an. Redner erklärt, dast er zwar auf dem Boden der Resolution des Vorstandes stehe, aber trotzdem für die Resolution Frohme stimmen werde, weil er cS nicht verantworten könne, den Unfrieden in der Partei noch weiter zu fördern. Diesen seinen Standpunkt könne er durch den Vor- schlag von Singer zum Ausdruck bringen. Adler-Kiel ist gleichfalls mit den Ausführungen SingerS einverstanden. Heine: Singer must in etwas erregter Stimmung sein, wenn er aus einer so harmlosen und gut gemeinten Bemerkung etwas wie eine Spitze herausliest. Ich hatte durchaus keine Hintergedanken. Singer hätte nicht so pikiert zu sein brauchen, Auer-München erklärt, dast die süddeutschen Genossen für den von Singer vor geschlagenen AbstimmungSmoduS sind. Der Parteitag schließt sich mit überwältigender Mehrheit dem Vorschlage Singers an. Zunächst wird der A n t r a g S ch ö p f l i n. Nr. 13ö, in beiden Teilen mit großer Mehrheit abgelehnt, ebenso der Antrag Thiele. Hierauf wird in namentlicher Abstimmung die Resolution Frohme mit 217 gegen 160 Stimmen abgelehnt. > Singer: Ich habe mitzuteilen, dast Dr. S ü d e k u m nicht anwesend sein kann, weil er wegen schwerer Krankheit in seiner Familie ab- berufen ist. Er hat mich ausdrücklich gebeten, das mitzuteilen. Nunmehr bringt Singer die Resolution des Partei- Vorstandes und der K o n t r o l l l o m m i k s i o n zur Lid stimmung. und zwar zunächst in einer Vorabstiinmung den Ab änderungsantrag Schütz zum dritten Absatz der Resolution. Der Antrag Schütz wird in einfacher Ab stimmung ab gelehnt und dann werden die einzelnen Sätze der Vorstandsresolution mi)i Mehrheit angenommen. Hierauf findet die Gesamtabstimmung über die Vor standsresolution statt. Sie ist eine namentliche. Während das Ergebnis dieser Abstimmung festgestellt wird, ersucht Singer, die Vorschlagsliste für die Neu wählen deö Vorstandes und der Kontrollkom- Mission zu machen. Die beiden Beisitzer werden von der Kontrollkommission bestimmt. Für diese» Jahr soll darunter eine Genossin sein. Genossin Baader(zur Geschäftsordnung): ES ist mir bekannt geworden, dast ich auf die BorschlagSliste gesetzt worden bin. Ich bitte von meiner Person Abstand zu nehmen. Ich habe die Gründe bereits auf der Frauenkonferenz und den vorangegangenen Besprechungen mit den Frauen klar. gelegt. ES ist dicS mein eigener Entschluß, den ich mir reiflich übet legt habe. Es ist mir aber ein lebhafter Wunsch, mit der jüngeren Genossin, die in den Parteivorstand gewählt werden wird, in schwesterlicher Gemeinschaft zu arbeiten und unsere Bewegung zu fördern. Nur die Liebe zur Bewegung hat mich veranlaßt, meinen Entschluß zu fassen.(Bravo!) Singer verkündet nunmehr das Ergebnis der Abstimmung. Mit Ja haben gestimmt 258 Mitglieder des Parteitages, mit Nein 11V. Die Resolution de? Parteivorstandes und der Kontroll- kommission ist also angenommen. (Die Listen über die namentlichen Abstimmungen werden im Protokoll veröffentlicht werden.) Singer: Zu einer Erklärung gebe ich dem Genossen Segitz das Wort, Segitz: Parteigenossen! Im Auftrage von 66 Delegierten aus Bayern. Baden. Württemberg und Hessen habe ich folgende, von jedem einzelnen Delegierten unterzeichnete Er- klärung abzugeben: .Die unterzeichneten Parteimitglieder erklären: Wir er- kennen dem deutschen Parteitag als der legitimen Vertretung der Gcsamtpartci die oberste Entscheidung zu in allen prinzipiellen und in den taktischen Angelegenheiten, die das ganze Reich be- rühren. Wir sind aber auch der Ansicht, dast in allen speziellen Angelegenheiten der Landespolitik die Landcsorganisation die ge- eignete und zuständige Instanz ist, die auf dem Boden des gemeinsamen Programms den Gang der Landespolitik nach den besonderen Verhältnissen selbständig zu bestimmen hat, und dast die jeweilige Entscheidung über die Budgetabstimmung dem pflichtgemäßen Ermessen der ihrer Landcöorganisatio» der- antwortlichen LandtagSfraktion vorbehalten bleiben must/'(Leb- hafter Beifall bei den Süddeutschen.). Singer: Der Parteitag nimmt Kenntnis von dieser Erklärung; sie geht zu Protokoll. Ich schlage nunmehr dem Parteitag bor, sich zu vertagen. Der Parteitag ist damit einverstanden, Schluß 12%, Uhr. m s* Das Antworttelcgramm, das der Parteitag an den Kongreß der dänischen Bruderpartei richtet, hat folgenden Wortlaut: „Der Nürnberger Parteitag der deutschen Sozialdemokratie danlt für die herzlichen Brudcrgrüste und erwidert sie. Wir wünschen Euren Verhandlungen den besten Erfolg für die Sache der Proletarier aller Länder. Der Nürnberger Parteitag. J. A.: Singer,* RachmittagSfitzvag. Tora eröffnet die Sitzung um 3 Uhr. Sozialpolitik und der neue Kur». Zu diesem Antrag der Tagesordnung liegt die Resolution 123 und der Antrag 12 vor. Referent Molkenbuhr? Man sollte meinen, daß es bei unö in Deutschland vom reinen Zufall abhängig ist, ob einmal in der Sozialpolitik Fortschritte möglich sind oder nicht. Die Gegner von heute sind die Freunde von morgen, um übermorgen in anderer Konstellation sich wieder geschlossen gegenüberzustehen. An Stelle der Freihandelspolitik trat die Periode der Schutzzölle; dann kam die Aera der Februar- erlasse, in der es schien, als ob wirklich Sozialpolitik getrieben werden solle, bis das soziale Kaisertum sehr bald vor dem Stumm- scheu Scharfmachertum kapitulierte. Der kurzen Periode der Handelsvertragspolitik folgte die agrarische Periode, in der das Zentrum Trumpf war, die eigentliche Periode Bülow. Mit dem Zentrum als Trumpf hat man den Wuchertarif von 1962 gemacht, mit dem Zentrum als Trumpf die Steuerreform 1666. Und 1967 tritt dann wieder eine ganz andere Parteikonstcllation ein. Da wird vielleicht mancher sagen, bei einem solchen Hin und Her kann es auch einmal eine Konstellation geben, in der die soziale Politik Trumpf ist, und es hat ja Leute gegeben, die vom Block Sozial- Politik erwartet haben. Die Zahl der sozialpolitischen Anträge im Reichstage könnte ja auf eine Neigung zur Sozialpolitik schließen lassen. Aber bei nähcrem Zusehen finden wir, daß der Block unfähig ist, überhaupt Sozialpolitik zu treiben. Soweit im Block der Liberalismus zur Aktion gelangt, ist es ein Liberalismus im Gegensatz zum Sozialismus, ein Liberalismus für rein kapi- talistische Politik. Es ist kein Zufall, dast gerade unter dem Block- kurs der bekannte Alexander Tille im Saarrevier die Frage der Gründung einer Parte: der Arbeitgeber aufwirft, die die Gesetz- gcbung so beherrschen soll wie bisher der Bund der Landwirte. Die Blockpolitik wurde ja eingeleitet durch den Brief an Liebcrt, wodurch der Reichslügenverband zur Bülowschcn Wahlmaschine gemacht wurde und in dem bezüglich der Sozialpolitik nur der eine Satz stand, dast in keinem Lande der Welt so viel für die Arbeiter gesorgt sei wie in Deutschland. Das bcwog den Zentral- verband der deutschen Industriellen, die Mittel herzugeben für die Blockwahlen. Die äußersten Gegner der Sozialpolitik haben die Wahlen bezahlt. Sie sind die Herren der Situation, und will der Block ihre Unterstützung auch ferner haben, so must er ihre Wünsche befriedigen. Die Zentralverbändler hatten recht, den Fürsten Bülow zu unterstützen, denn noch nie hat es einen solchen Stillstand in der Sozialpolitik gegeben wie unter Bülow. Und das in einer Periode eines unerhörten wirtschaftlichen Auf- schwunges in ganz Deutschland, dem ein moderner Staatsmann in demselben Tempo auch mit der Sozialpolitik folgen müßte. Diese EntWickelung, diese Organisation, wie sie in den Kartelle» und anderen kapitalistischen Gebilden sich heraus entwickelt haben. konnte auch ein so kühner Denker wie Marx in ihrem Umfange und in ihrer Größe nicht vorausahnen. Die Kapitalanhäufung bedeutet eine gewaltige Steigerung der Macht der Kapitalisten, und mit dem wirtschaftlichen Einfluß wächst auch der politische Einfluß dieser Klasse, und daraus ergibt sich eine Entrechtung der in der Produltion tätigen Personen, wie man sie unter früheren wirtschaftlichen Systemen kaum gekannt hatte. In den Vorteilen des GrostbetriebeS ist die Akkumu» lation des Kapitals ursprünglich begründet. Indem die Wissenschaft in den Dienst der Produktion gestellt wurde, wurden aus den Laboratorien der Forscher die grasten chemischen und elektrischen Fabriken, und auch die alten Industrien wurden voll- kommen umgewandelt. In der weiteren EntWickelung wurden dann eine Reihe selbständiger Produktionszweige zusammen- gekoppelt, und so entstanden die großen gemischten Werke, kurz, eS kam eine völlige Umwandlung der Industrie� Mehr und mehr bilden sich große Werke und an Stelle des ein« zelnen Kapitalisten treten die Aktiengesellschaften. Wir haben zur- zeit 6000 Aktiengesellschaften mit mehr als 14 Milliarden Mark Kapital in Deutschland. An Stelle des persönlichen Arbeitgebers ist das inpersonelle Kapital getreten. Aus der ganzen Produktion fast sehen wir einen früher wesentlichen Faktor ausgeschaltet: die Menschenfreundlichkeit des Arbeitgebers, seine persönlichen Bc« Ziehungen zum Arbeiter, die bei den bürgerlichen Sozialpolitikern eine so große Rolle spielten. Was die Herren dereinst vom Mensch- lichkettsgefühl de? Unternehmers crlvarteten, must jetzt vom gefühl- losen, inpersonellen Kapital durch die Gesetzgebung errungen werden. Die Konzentration des Kapitals hat die freie Konkurrenz für eine große Reihe von Produktionszweigen be seitigt. Mit Preiskonventionen fing cS an. Sehr bald wurden sie überall überholt durch 12. Frankfurt». M. Die Generalversammlung des Sczialoemokratischen Vereins Frankfurt a. M. beantragt, der Parteitag möge den Parteivorstand beauftragen, zusammen mit der Gencralkommission der Gewerkschaften bereits vor Beginn der ReichStagSverhandlungen über die sogenannte große Gewerbenovelle eine umfassende Partei- und Gewerkschaftsagitation in die Wege zu leiten, welche auf die Errringung des gesetzlichen Neunstundcn- tages für Männer und Frauen mit UebergangSbestimmungen zur allmählichen Einführung des Achtstundentages durch das neue Gc» setz abzielt und für gesundheitsgcfährliche Industrien noch kürzere gesetzliche Arbeitszeiten fordert. Resolution Nr. 123: Die technische EntWickelung der Industrie führt zur be« schlcunigten Konzentration deö Kapitals, die in den Kartellen und Syndikaten ihren bisherigen Höhepunkt erreicht hat. Die Konventionen. Kartelle und Syndikate, die zur Trustbildung führen, sind notwendige Erscheinungen der kapitalistischen Entwickclung. Durch die Kartellbildung und die Gründung von Berufs» genosscnschaften sind jene Unternchmcrorganisationen gestärkt, die ihre Spitze gegen die Interessen der Angestellten und Arbeiter richten und bestrebt sind, die Angestellten und Arbeiter völlig zu entrechten. um die Ausbeutung steigern zu können. Die bürgerlichen Parteien, die in den letzten Jahren eine große Anzahl sozialpolitischer Anträge gestellt haben, deren In- halt sie aus früher von Sozialdemokraten gestellten Anträgen entnehmen. haben weder die Fähigkeit noch den Willen, die in diesen Anträgen gestellten Forderungen durchzuführen. Die Regierung hat durch die neuesten Entwürfe zur Gewerbe- ordnung und Arbeitskammergesetz offen bekundet, daß sie nicht gewillt ist, eine Sozialpolitik zu treiben, die den Widerspruch des Zcntralverbändes deutscher Industrieller hervorruft. Angesichts aller dieser Erscheinungen wird es notwendiger als je. datz das Proletariat alle feine Kräfte zusammenfaßt, um seine physisch« und moralische Gesundheit und Kampffähigkeit zu erhalten und zu steigern. Es ist dringend notwendig, daß jeder Arbeiter der Gewerkschaft seines Berufes angehört. Ebenso notwendig aber ist eine energische politische Agitation innerhalv wie austerhalb des Parlaments zur schleunigen Durchführung der im letzten Abschnitt unseres Parteiprogramms sowie der in der Münchener Resolution über die Arbeiterversichcrung gestellten Forderungen. Es ist ferner zu fordern: 1. Schaffung eines einheitlichen Arbeiterrechts für alle gegen Lohn oder Gehalt beschäftigten Personen. 2. Schutz der staatsbürgerlichen Rechte, Freizügigkeit, KoalitionS- recht usw., gegen Angriffe durch Privatberträge. Verbot der Konkurrenzklausel, Pcrsonalkonventionen und ähnlichen Ab, machungen, die die Angestellten und Arbeiter in ihrer Be« ivcgungSfreiheit zu hindern geeignet find. 3. Sicherung des geistigen Eigentums an Erfindungen und Entdeckungen.> 4. Gesetzliche Vorschriften für sogenannte WohlfahrtSeinrich- tungen, wodurch eine Kontrolle ermöglicht und das Eigen- tumsrecht der Angestellten und Arbeiter an den gezahlten B/iträgen sichergestellt wird, Molkenbuhr. He Kartelle«ttb Syndikate, die als alleinige Abnehmer der Waren vom Produzenten und alleinige Verkäufer gegenüber dem Konsumenten dann auch die Pro- duktion regelten durch Kontingentierung der Produktion auf die einzelnen Werke. Im Jahre 1905 wurden in dem Deutschen Reiche 985KarteIle ermittelt, deren kolossalen Einfluß auf den ganzen Produktionsprozeß ein Blick auf die Kartelle der Schwerindustrie, das Kohlen- und Kokssyndikat und den Stahlwerksverband zeigt. Die Kartelle sind da und sind notwendige Erscheinungen unserer großen kapitalistischen EntWickelung, und es ist eine große Utopie, zu glauben, daß sie durch irgendwelche Gesetzgebung wieder aus der Welt ge- schafft werden können. Dem rheinisch-westfälischen Kohlen s y n d i k a t gehören 72 Zechen an mit einer Jahresproduktion von 77 Millionen Tonnen Steinkohle. Diese große Macht hat es ver- mocht, den Kohlenpreis seit den 80er Jahren von 4,50 und 5 M. bis auf 10,75 und 11,75 M. hinauszubringen, und sie hielt auch den verheerenden Stürmen der Krise stand. Da haben die Arbeiter ein Recht, einen steigenden Anteil an der Produktion auch für sich zu beanspruchen. Der ganze Gewinn dieser Organisation kommt ja Nicht einmal allein im steigenden Preise zum Ausdruck, denn bei diesem werden auch die Arbeiterlöhne für die gewonnenen Neben- Produkte mitverrechnct. Der Stahlwerks verband vereinigt 32 Werke, die für 1907 eine Beteiligungszifser von 11 871 000 Tonnen angesetzt hatten, das ist annähernd Vs der gesamten Weltproduktion an Eisen, fast 2 Millionen Tonnen mehr als die gesamte englische Produktion beträgt. Und in der Konzentration des Kapi- tals ist bereits ein U e b e r g a n g zur Trustbildung vor- Händen, die für das Eisen schon beinahe zum Ausdruck kommt in Thyssens Konzern. Aehnlich liegt es in der chemischen und elektrischen Industrie. Die Großbanken werden zu Herrschern. Es gibt Leute und Parteirichtungen, die durch A n t i k a r t e l l- gesetze diese EntWickelung aufhalten zu können glauben, z. B. das Zentrum. In Amerika hat man das getan mit dem Erfolg, daß die Trustbildung nur um so schnellere Fortschritte macht. Uns interessiert hier nur die Frage, wie diese Organi- sationen aus die Arbeiterschaft wirken. Bei der Kartellenquete erklärten ihre Vertreter: um die Arbeiterschaft kümmern wir uns nicht in den Kartellen, da existieren keine Ver- cinbarungen. Aber dieselben Leute, die in den Kartellen sitzen, sind auch im rheinisch-westfälischen Kohlenshndikat, im Bergbau- lichen Verein, und da sind sie allerdings sehr mit der Arbeiter- schaft beschäftigt. Und wenn.es da noch nicht zum Ausdruck kommt, dann im Zechenverein, einem Verein für Maßregelung der Arbeiter. Nach dem großen Bergarbcitcrstreik wurde ein Vertrag bekannt, wonach die Mitglieder des Bergbaulichen Vereins bei einer Konventionalstrafe von 1500 M. für jeden einzelnen Fall der Ueber- tretung verpflichtet wurden, keine von einem anderen Mitgliede entlassene Arbeiter binnen vier Monaten nach der Entlassung auf- zunehmen. Arbeiter, die wegen Vergehen gegen die Disziplin ent- lassen worden waren, durften überhaupt nur auf Grund eines Komiteebeschlusses angenommen werden.(Hört! hört!) 1890 kam dann der Kühnemännerverband, dem sich auch die königlich preußische Regierung mit ihren Eiscnbahnwerkstätten usw. anschloß, weiter der Zcchenvcrband, der Tabaksvcrciu u. a., so daß wir eine geschlofscue Kapitalistcnverschwörung gegen die Arbeiterklasse haben.(Lebhafte Zustimmung.) Und nicht nur gegen die Hand- arbeiter wandten sich die Unternehmerkoalitionen, sondern auch gegen die Kopsarbeiter, die sogenannten Privat- angestellten. Ich erinnere an das Vorgehen der Metall- industriellen von Augsburg gcg«n die Techniker. Dieser sogenannte „n e u e Mittelstand" spielt eine ganz erhebliche Rolle in unserer modernen Produktion. In den Kruppschen Werken sind 5700 sogenannte Beamte angestellt. Wenn jeder von ihnen 1000 M. mehr Gehalt bekommt, so macht das schon annähernd 6 Millionen Mark aus. Gegen diesen neuen Mittelstand geht man vor mit der Konkurrcnzklausel und der Erfinderklausel. Tie Bezahlung dieser Leute ist verhältnismäßig sehr gering. Nach einer Umfrage des Vereins für Sozialpolitik haben 00 Proz. der Privat- ange st eilten ohne Ho chschulbildung in Berlin ein Jahreseinkommen von weniger als 2100 Mark, von denen mit Hochschulbildung 40 Proz.!(Hört> hört!) Man sagt, die Arbeiter in den Krankenkassen bezahlen ihre Aerzte schlecht. Aber nirgends werden von den Krankenkassen so geringe Löhne gezahlt wie von den Kapitalisten an die Angestellten nüt Hochschulbildung. Von den Angestellten mit Hochschulbildung, die unter 2100 Mark Gehalt haben, haben 6 9 Proz. ein Einkommen unter 1200 Mark(Lebhaftes Hört! hört!), bis 3000 Mark haben 25 Proz. der Angestellten ohne Hochschulbildung und 25 Proz. derer mit Hochschulbildung, über 3000 Mark nur 13 Proz. ohne Hochschulbildung und 30 Proz. mit Hochschulbildung, davon 2 Proz. der Leute ohne Hochschulbildung und 6 Proz. mit Hochschulbildung mehr als 4000 Mark.(Hört! hört!) Also auch die sogenannten Privataiigestclltcn werden immer mehr proletarisiert. Wagen die Arbeiter Forderungen zu stellen, so gehen die Kartellunternchmcr terroristisch mit grossen Aussperrungen bor. Als im Jahre 1900 in Hamburg 61 Nieter einen Stundenlohn von 2 Pf. mehr forderten, wurden daraus 10 000 Werftarbeiter ausgesperrt. Genau dasselbe haben wir in diesem Jahre in Stettin erlebt. Während der einzelne Unternehmer bei der Aus- sperrung riskiert, seine Kunden zu verlieren, laufen die großen Syndikate diese Gefahr nicht, sie finden sicher einen Markt für ihre Produkte. Aber ganz abgesehen davon, daß die meisten Unter- nehmcr ihren Kunden die Bedingung aufgezwungen haben, daß bei einem Streik keine Forderung auf Erfüllung des Lieferu ii gsver träges gestellt werden kann, ist jetzt die Situation so, daß ein Streik für die kartellierten Unternehmer häufig geradezu eine günstige Marktlage herbeiführt. Wenn es den Kohlenbaronen nicht gelungen wäre, im Jahre 1903 den Streik zu provozieren, so hätten sie 1906 und 1907 die Kohlenprcisc nicht so enorm in die Höhe treiben können. Mit den sogenannten Wohlsahrtseiurichtungen, den Pensionskassen, den beliebten gelben Gewerkschaften, sucht man die Arbeiter zu Verrätern an ihren Klassengenossen zu machen. Wenn die Arbeiter mit Arbeitsniederlegung drohen, falls eine ihrer Forderungen nicht erfüllt wird, so wird das von den Gerichten als Erpressung angesehen. Wenn aber die Unternehmer mit Aussperrung drohen, falls die Arbeiter sich nicht einen Lohnabzug gefallen lassen, gilt das nicht als Erpressung. Unsere Justiz geht ja bekanntlich nach dem Grundsatz: Wenn zwei dasselbe tun, so ist es nicht dasselbe. Dazu kommt der gewaltige politische Einfluß der Groß- i n d u str i e l l e n. Der Zentralverband deutscher In- dustrieller bezahlt dem Fürsten Bülow die Wahlen, er unterzieht jedes Gesetz, was sich irgendwie nüt Sozialpolitik befaßt, einer meist abfälligen Kritik. Wie gerade die Stellung der Industriellen zur Regierung ist, so ist auch der sozial- politische Kurs. Auf einer Versammlung des Zentralvcrbandes der Industriellen am 28. Oktober v. I. begrüßte Herr Vopelius seine Gäste mit folgenden Worten:„Meine Herren! Dann habe ich die Freude, seine Exzellenz den Minister v. Rheinbaben hier begrüßen zu können. Exzellenz v. Rheinbaben ist ja eigentlich kein Ressortminister für den Zentralverband, aber seine frühere Stellung als Regierungspräsident eines außerordentlich in- dustriellen Bezirkes, hat ihn überall in die Lage gebracht, die In- dustrie zu verstehen, und so bin ich sicher, er ist einer der wärmsten Freunde der Industrie." Also alle Minister, außer dem preußischen Finanzminister, werden von Herrn Vopelius als R e s s o r t m i n i st e r für den Zcntralverband bezeichnet, und keiner dieser Minister hat es gc- wagt, dagegen zu protestieren. Die Industrie nützt ihren poli- tischen Einfluß ebenso ihren Lohnsklavcn gegenüber aus, wie die Junker dies bei den Landarbeitern tun. Wenn es für die Land- arbeiter noch so wenig Arbcitcrschutz gibt, so rührt das auch daher, daß die Landarbeiter der Sozialdemokratie bis heute noch zum größten Teil fernstehen, denn alle Sozialgesetze sind fast aus- l schließlich ein Erfolg der Wirksamkeit der Sozialdemokratie. Ohne die Chartisten wäre in England seinerzeit der Zehnstundentag nicht durchgesetzt worden. Die deutsche Sozialdcmo- kratie hat seit 1863 fortgesetzt sozialpolitische An- regungen gegeben. Die ganze Versich erungsgesctz- gcbung wurde zuerst von Bebel angeregt. Aber die Sozialgesetzgebung hat sich immer in sehr bescheidenen Grenzen gehalten. Selbst zur Zeit des bekannten Februarkurses hat man kapituliert bor dem brutalen Machtgebot jener Scharfmacher, welche gegen das sogenannte soziale Königtum energisch Front machten. : In der S e e m a n n s o r d n u n g ist teilweise der Acht- stundentag durchgeführt, und bei der letzten Siegelung hat man ver- schiedene Bestimmungen, die bis dahin fakultativer Natur waren, zu einem zwingenden Recht gemacht. Aber man darf nicht ver- gessen, daß Fürst Bülow dieses Gesetz von seinem Vorgänger über- nommen hatte. Was ist während der Amtszeit deS Fürsten Bülow selbst geschehen? Er trat sein Amt an, als die bekannte 12 000 M.- Affäre spielte, also als die Arbeiter mit dem Zuchthausgesetz beglückt werden sollten. 1903 kam das Kindcrschutzgesetz und dann eine Novelle zum Krankenkassengesetz. Es folgte der Gesetzentwurf über die Berufsvereine, womit man die Arbeiterschaft knebeln wollte. Das ist das, was man„B ü l o w s ch e Sozialpolitik" nennt.(Hört! hört!) Posadowsky, der immerhin einiges Verständnis hatte, der aber beim Zenrralverband in Ungnade gefallen war, wurde entlassen. Die Industriellen haben auf ihren Zusammenkünften eine Atarsch- route für die Regierung aufgestellt. Sie wollten zunächst eine Revision des Krankcnkassengesetzes nach der Richtung hin, daß die Unternehmer die Hälfte des Beitrages bezahlen sollten, um auf diese Weise den Einfluß der Arbeiter zu verdrängen, die Sozial- demokratie zu schwächen und die Verwaltung der Kassen in die Hände der Unternehmer zu legen. Selbstverständlich werden die Unternehmer, wenn sie die Mehrheit in den Kassenverwaltungen haben, alles daran setzen, um die Leistungen auf das ge- setzliche Mindestmaß zu beschränken.(Sehr richtig!) Die Beiträge der Unternehmer werden dann in Wirklichkeit nicht höher sein als jetzt, aber die Arbeiter werden ausgeschaltet sein. Die Unternehmer wollen weiter eine Erweiterung des§ 134 des Unfallversicherungsgesetzes, der die Ansammlung eines Reserve- fonds vorschreibt, die angeblich die Brücke bilden soll, um später einmal eine Verschmelzung aller Vcrsichcrungszweiglp herbei- zuführen. Sie verlangen, daß für die Witwen- und Waisen- Versorgung zunächst Grundsätze herausgegeben werden sollen, damit sie dann endgültig zu dem Gesetz Stellung nehmen können. Die Privatbeamten sucht man mit der Pensionsversicherung zu ködern, als ob für sie etwas ganz Besonderes damit geschaffen werden soll; aber der Zcntralverband verlangt hier die Z u l ä s s i g k e i t der Konkurrenzklausel, und ferner fordert er, daß nur die Beamten mit geringem Gehalt versichert werden, sowie daß in den einzelnen Betrieben die jetzigen Kassen neben der Reichs- Versicherung bestehen bleiben. Mit anderen Worten: es soll aus den Pensionskassen der einzelnen Werke eine Fessel geschmiedet werden, um die Beamten dauernd an das Werk zu fesseln. Ter Zcntralverband stiräubt sich ferner dagegen, daß.in den Werken mit ununterbrochener Arbeitszeit die Achtstunden- s ch i ch t eingeführt wird. Er sagt, die Industrie könne das nicht vertragen. Die Arbeiter könnten den Lohnausfall nicht ertragen, und es würde auch die erforderliche Zahl von Arbeitern fehlen. Nun, wir sehen, daß in den kontinuierlichen Betrieben überall zwei oder drei Schichten bestehen, ein Mittelding gibt es nicht. Wenn man also den Achtstundentag nicht will, dann bleibt dauernd der Zwölfstundcntag. Hierbei kommen vor allem solche Betriebe in Frage, welche in Kartellen organisiert sind oder aber wo noch Monopolbetriebe bestehen,, also Betriebs» die sehr wohl in der Lage sind, die Preise so zu gestalten, daß sie selbst Mehrausgaben, die aus der Verkürzung der Arbeitszeit entstehen, leicht tragen können. Haben wir für Feuerarbeitcr aus See den Achtstundentag cingc- führt, dann ist es nicht einzusehen, weshalb der Achtstundentag nicht auch für Feuerarbeitcr auf dem Lande durchgeführt werden soll. Wenn jene Herren behaupten, daß sie nicht die Kosten tragen können, so ist das eine bewußte Lüge, denn seit einem Jahr- zehnt ist die Produktivität so gestiegen und die Ausbeutung in jenen Werken so gewachsen, daß bei der ganzen Industrie der Achtstundentag heute mit Leichtigkeit durch- geführt werden könnte. Die Großindustrie ist eine derjenigen Industrien, denen wir etwas genauer in die Papiere blicken können. Wir wissen, wie viele Werke im Deutschen Reiche be- trieben werden, wir kennen die Zahl der beschäftigten Arbeiter, die Menge der erzeugten Produkte, die dafür bezahlten Preise, wir kennen für einen erheblichen Bruchteil der versicherten Arbeiter die Löhne, und können daher schätzen, wie hoch im allgemeinen die Ausgaben für Löhne sind. Wir kennen ferner die Höhe der Preise für Rohstoffe, so daß wir mit einiger Genauigkeit nach- prüfen können, wie sich die Verhältnisse dort entwickelt haben. Von 1895 bis 1906 steigerte sich die Produktion von 5 017 000 Tonnen auf 11 894 000 Tonnen. Die Zahl der beschäftigten Ar- beitcr erhöhte sich von 205 000 auf 355 000. Dagegen ist der Lohn im rheinisch-westfälischen Jndustriebezirk, wo er am höchsten ist, einschließlich der Versicherungsbeiträge nur von 1114 auf 1554 M. pro Kopf gestiegen. Diese Steigerung müssen wir aber im Hinblick auf den erzielten Profit betrachten. Es sind im Jahre 1895 693, im Jahre 1904 1280 und im Jahre 1906 1740 Millionen Mark als Erlös aus den verkauften Waren erzielt worden. Durch- schnittlich wurden von jedem Arbeiter produziert: 1904 24, 1905 30, 1906 33 Tonnen. Der Durchschnittspreis der Produkte stieg von 127 auf 146 M. Während also der Preis der Tonne um 19 M. stieg, blieb der Lohn auf die Tonne berechnet, konstant, denn 1395 kam auf eine Tonne Produkte einschließlich der Vcrsicherungs- beitrüge ein Lohn von 45,60, im Jahre 1904 ein Lohn von 45,64 und im Jahre 1906 ein solcher von 46,46 M. Der Lohn ist also im ganzen um 86 Pf. gestiegen, eS hat demnach eine Verschärfung der Ausbeutung der Arbeiter stattgefunden. Auf je 100 Tonnen fertiger Produkte kam 1895 ein Arbeitslohn von 35,83 M., 1904 ein Lohn von 33,81 M. und 1906 ein Lohn von 31,71 M. Wir sehen also, daß ein Lohnrückgang von 4,12 M. eingetreten ist, sobald man den prozentualen Betrag berechnet. In derselben Zeil sind zwar auch die Ausgaben für Eisenerze gestiegen, auch die Preise für Kohlen, aber infolge der technischen Verbesserung der Betriebe wurden weniger Kohlen gebraucht, so daß das variable 5lapital gesunken und der Mehrwert gestiegen ist. Der Achtstunden- tag könnte also ohne jede Schädigung durchgeführt werden.(Sehr gut.) Wir sehen toeiter, daß mit dem intensiven Anspannen der Arbeiter die Unfallgefahr gestiegen ist. In der Hütte der Walzwerksberufsgenosscnschaft kamen auf 1000 Versicherte 152 Unfälle, 1904 191 Unfälle und 1966 198 Unfälle. Als ich diese Zahlen im Reichstage vorbrachte, da ergriff eine paar Tage später Herr v. Tirksen das Wort und verlas den Brief eines Gcwerbeinspektors, der ihm mitteilte, daß diese prozentualen Zahlen nicht maßgebend seien, da die Pro- duktivität gestiegen sei, und entsprechend der Produktivität der Arbeit auch die Unfallziffern steigen müßten. Hiernach müßten also, wenn es einnial gelingen sollte, die Produktivität zu verfünffachen, sämtliche Arbeiter aus- nah mslos Unfälle erleiden. Nein, es ist falsch, daß die Unfallgefahr ini Verhältnis zur Produktivität steigt. Die Zahl der entschädigten Unfälle ist doppelt so schnell gestiegen, wie die Produktivität der Arbeiter. Man sollte schon allein mit Rücksicht auf Leben und Gesundheit der Arbeiter einen kürzeren Arbeitstag verlangen, denn je komplizierter die Maschinen werden, desto größere Anforderungen werden an die Aufmerksamkeit der Arbeiter gestellt. Werden nun die Blockparteien bereit sein, den Forderungen. der Arbeiter zu entsprechen? Wir haben in der Resolution gesagt, daß die Forderungen der Blockparteien schon in früheren Tagen von uns erhoben worden sind.(Sehr richtig!) Wir sind in der Lage, für jeden einzelnen Fall die Quelle nachzuweisen. Den Zehnstundcntag z. B. haben die Sozialdemokraten schon 1867 gefordert, ebenso den Kinderschutz und die in der Gewerbe- Novelle vorgelegte Fassung, an Stelle von Fabrik zu sagen: Betriebe mit zehn und mehr Arbeitern. Sehr viel tun die Herren sich auf die Forderung von Arbeitskammern zugute. Als bei der Nachwahl im 16. sächsischen Wahlkreise ein sogenannter Sozialpolitiker damit agitierte, sagte ich zu ihm:„Wie sind Sie zu diesem Ausdruck gekommen, doch nur wie ein Vagabund zur goldenen Uhr."(Heiterkeit.) Der Ausdruck stammt aus einem im Jahre 1876 vorgelegten Antrag Fritz s che und Genossen. Genau so verhält es sich mit der Forderung des Neichsarbcitsamtes. Die reichsgesetzliche Ärbeiiervcrsicherung wurde schon im Jahre 1873 von Bebel gefordert. Ueberall hat man Misere früheren Forderungen kopiert! (Sehr richtig!) In der Resolution haben wir gesagt, daß die Block« Parteien weder den Willen noch die Fähigkeit haben, solche Forde- rungen durchzusetzen. Tatsächlich gibt es nicht eine einzige Forde- rung, in den genannten Anträgen, gegen welche die Blockparteien nicht schon gestimmt hätten, als w i.r s i e z u e r fr a u f st e l l t e n. Man geht da nicht einmal so weit, die konsequente Durchführung solcher Bestimmungen zu fordern, die bereits gesetzlich festgelegt sind. Wir haben im Reichs- tage beantragt, daß den Alkordarbeitern, wenn ein Akkord zustande kommt, ein Mindestlohn gesichert sein soll, wie er von den gleich- artigen Arbeitern bei Zeitlohn verdient wird. Dieser Autrag war nichts weiter als die Nachbildung einer Vorschrift des Bürgerlichen Gesetz- bucheS, aber selbst diesen Antrag wollte man nicht gelten lassen. Wir erleben eS weiter, daß man mit Rücksicht aus die gelben Gewerk- schaften die Bestimmung des§ 134 Absatz 2 der Gewerbeordnung, wonach Geldstrafen nicht die Hälfte eines Tagesverdienstes übersteigen dürfen, umgeht, indem man einen Teil des Lohnes nicht Lohn, sondern„Prämie" oder„Tantieme" nennt. Man sichert den Arbeitern Prämien zu, die verwirkt sind in dem Augen- blick, wo sie mal zu spät kommen, oder wo sonst etwas passiert, und diese Prämien sind in der Regel höher als der halbe Tagesverdienst. Als wir forderten, daß als Lohn im Sinne des Gesetzes auch alle Prämien, Tantiemen usw. gelten sollten, daß also dem Unfugc desUintaufenS eiiiötiegel vorgeschoben werde, waren es die Heyl und Genossen, die sagten: mit den niedrigen Strafen kommen wir nicht au-Z. Man erkannte offen an. daß die ganze Praxis nur eine Umgehung des Verbotes d e s Z 134 i st. Aber trotzdem stimmte die Mehrheit, auch das Zentrum, gegen unseren Antrag.(Hört! hört!) DaS Zentrum agitiert ja damit, daß es gewissermaßen der Vater der Witwen- und Waisenvcrstchenmg ist. Wie verhält es sich damit? Es stehen in den letzten Jahren rund 43 Millionen jährlich für diesen Zweck zur Verfügung. Bei der Begründung seines Antrages sagte Triniborn, daß keinerlei Beiträge von den Versicherten erhoben werden sollten. Also mit 43 Millionen jährlich will man eine Witwen- und Waisenvcrsorgung einrichten. Das ist doch die ä r g st e Heuchelei.(Sehr richtig!) Will man eine Witwen- und Waisen- Versorgung, dann muß man recht erhebliche Büttel zur Verfügung haben. Wir hatten am 1. Dezember 1900 unter 56 Millionen Einwohnern 2 000 413 Witwen, also auf je 1000 Einwohnee 42,87 Witwen. Rechnen wir dazu die Waisen, deren Zahl mau ja ungefähr aus der Unfallversicherungssiatistik ermitteln kann, so kommen auf je 100 Witwen 141 Waisen. Demnach gäbe eS auf je 1000 Einwohner rund 101 hilfsbedürftige Personen, die zu unterstützen wären. Nach der Berufszählung von 1895 kommen auf je 1000 Einwohner 427 Er- werbstätige. Diese 427 Erwerbstätigen hätten demnach die 101 Per- sonen zu ernähren. Will man jeder Witwe nur 100 M. jährlich geben, so müßte jeder Erwerbstätige einen Betrag von 24 M. entrichten. Rechnen wir bei den Witwen nüt einer Jahresrcnte von 136 Mark, wie sie der Uiifallrcute entspricht, so hat man bereits 600 bis 700 Millionen Mark im Jahre aufzubringen, also den 15. Teil von dem, was aus den Gctreidezöllen herauskommt. Wenn also Trim- b o r n sagt, wir wollen nicht, daß Beiträge erhoben werden, so heißt das mit anderen Worten, man will die Witwen- und Waisen Versorgung nicht!(Sehr gut I) ES gilt, unsere sozialpolitischen Förderungen möglichst energisch zu vertreten. Wir zwingen dadurch die anderen Parteien wenigstens zu Scheinlonzessionen, oder wir können dadurch um so eher darauf hintveisen, daß alle Parteien, mögen sie sich auch noch so oft ein sozialpolitisches Mäntelchen umhängen, Gegner der Arbeiterklasse find. Wir haben unsere bekannten Forderungen: Achtstundentag, Ueberwachmig der gewerblichen Betriebs, Erforschung der Arbeitsverhältnisse in Stadt und Land durch Reichs- ftatistik, all' diese Forderungen, die im„Erfurter Programm" niedergelegt sind und weiter die Forderungen, die wir an die Arbeiterversicherung stellen und in der Münchener Resolution nieder- gelegt haben, energisch in den Vordergrund zu stellen, wir haben eine große Bewegung in Szene zu setzen, daß von Nord und Süd, von Ost und West immer wieder gefordert wird, diese Dinge endlich einmal zur Durchführung zu bringen. Wir haben nicht nur für die Industriearbeiter, sondern für die Arbeiter aller Kategorien ein einheitliches Recht zu schaffen; wir haben dafür zu sorgen, daß der Arbeitcrschutz erweitert. die Gesindeorduung und die Landesgejctze gegen die Arbeiterschaft abgeschafft, daß durch Reichsgesetze die Bergarbeiterverhältnisse ge- regelt, die Eisenbahnarbeiter, die eigentümlicherweise der Gewerbe- ordnung nicht unterstehen, unter gewerblichen Schutz gestellt, dann aber auch nach der privatrechtlichen Seite Sicherungen getroffen werden. Wir haben in unsere Resolution einige neue Forderungen aufgenommen: außer der Schaffung eines einheitlichen Arbeiter- rechtes vor allem den Schutz der staatsbürgerlichen Rechte, der Freizügigkeit, des KoakitionLrechtes gegen den Angriff durch Privatverträge, ein Verbot der Konkurrenzklausel, der Personal- konventionen und ähnlicher Abmachungen, die die Freiheit der Ar- bester beeinträchtigen.(Sehr gut!) Derartige Forderungen sind um so nötiger, als bei dem Auswachsen der Großproduktion in Kartelle den großen Unternehmcrorganisationen gegenüber der Arbeiter aufhört, Vertragschließender zu sein, vielmehr Objekt eines Ver« träges wird, den die Arbeitgeber unter sich schließen. In diesen Abmachungen, diesen Kartellen, de» Personalkonven» tionen der chemischen Fabriken usw., die sich verpflichten, niemanden aufzunehmen, der nicht von der letzten Firma die den Betreffenden beschäftigt hat, empfohlen wird, ist ein Stück Sklavenhaubel etabliert worden, das auf dem Wege der Gesetz- gebung bekämpft werden muß. Ganz ähnlich verhält es sich mit der Koiikiirrenzklauscl. Bei den Großsyndikaten hat ja die Kundeu- liste aufgehört, Betriebsgeheimnis zu sein. Der ursprüngliche Anlaß der Konkurrenzklaiisel fällt damit weg. Man soll den bestrafen, der ans unlauterem Wege sich in den Besitz eines Betriebsgeheimnisses setzt und im übrigen dem Angestellten sein geistiges Eigentum sichern, auch wenn er aus dem Betriebe herausgeht.(Sehr richtig!) Wir verlangen dann weiter Vorschriften für die sogenannten Wohl- fahrtZeinrichtungen, eine Kontrolle, die das Eigentumsrecht an den von Angestellten und Arbeitern bezahlten Beiträgen sicherstellt. Diese sogenannten Wohlfahrtseinrichtuiigen, diese Pensions- und Uiitersiützuiigskassen usw., die dazu angetan find, die gelben Gewerkschaften zu züchten, werden ja ans dem- selben Fonds gespeist, aus dein sonst die Löhne gciioinmen werden. Man fesselt damit den Arbeiter anS Werk, um ihn auf die Dauer billiger zu haben. Mit diesem Unfug muß aufgeräumt werden. Wo solche Kassen existieren, sollen sie der Kontrolle der Arbeiter wie auch der öffentlichen Kontrolle unterivorfen sein. Das Geld, das dem Arbeiter ab- genommen wird, soll sichergestellt werden. Vielleicht wird das dazu führen, daß die eine oder die andere der Kasse nicht mehr aufrecht erhalten lvird. (Fortsetzung in der 2. Beilage.) Verantwortlicher Redakteur: Georo Davidsehn, Berlin. Für den Inseratenteil vcrantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Kr. 220. 25. Jahrgang. 2. KkilM Ks ,|otiiiirts" Kerlim AldsM Zsumbend, 19. September 1908. ver Parteitag in Nürnberg. (Fortsetzung auZ der 1. Beilage.) Molkenbuhr(fortfahrend): Ich weih nicht, ob die Arbeiter das zu bedauern haben, Venn sie sollten darauf drängen. daß die öffentlich- rechtliche Versicherung derartig ausgebaut und ergänzt wird, dah sie auf WohlfahrtSkasien von einzelnen Fabriken nicht angewiesen sind, Jeder Arbeiter soll sich da-Z, was er zum Unterhalt feiner Familie braucht, selbst erwerben können, und im übrigen soll die Reiche Versicherung eintreten.(Sehr richtig I) Aber gerade auf diesem Gebiete herrscht überall Stillstand. Um die Art der Sozial reform, wie sie gegenwärtig im Block betrieben wird, so recht ins helle Licht zustellen, hätte ich nur nötig, die im letzten Jahr verabschiedete Unfallversicherungsnovelle im einzelnen zu erörtern. Es gilt. überall eine Agitation einzuleiten, um die soziale Gesetzgebung vorwärts zu treiben. Da heißt es, in Versammlungen die Arbeiter aufrufen, daß sie fordern, worauf sie ein Recht haben. Sie haben ein Recht darauf, daß ihre Gesundheit, ihr Leben geschützt wird, daß sie ein menschenwürdiges Dasein führen können, und das kann nur dadurch erlangt werden, daß man auch innerhalb der heutigen Gesellschaft in der Sozialpolitik daS bewilligt, vaS bewilligt werden kann.(Lebhafter Beifall.) Quarck-Frankfurt begründet den Antrag t2. Er will das, waS Molkenbuhr in um- fassender Weise als Gesamtprogramm in der Sozialpolitik entrollt hat. für die allernächste sozialpolitische Praxis festlegen. Er setzt ein bei unierem bekannten, sozialpolitischen Programm und führt aus, daß für die Unterstützung der Aktionen unserer Parlamen tarier nichts dienlicher sein kann, als noch vor Fusanimem tritt des Reichstages eine großzügige, aememschaftliche Agitation von Partei und Gewerkschaften für den Rem punkt de? Arbeiterschutzes, nämlich die Verkürzung der Arbeitszeit � ins Werk zu letzen. Wir wollen eine Lehre ziehen aus der Verabschiedung des ReichSvereinSgesetzeS, bei der die Aktion unserer Abgeordneten nicht durch eine umfassende Agitation unterstützt worden ist. ES kann keine günstigere Gelegenheit geben als diese, die Mafien aufzuklären über das Blockregime, das den Arbeitern eine Kleinigkeit hinwirft, was zwar als einen Schritt vorwärts erscheint, aber den regierungsfreundlichen Unternehmern nicht weh tut. ES gilt, den Arbeitern auseinander zu fetzen, wie ungenügend— selbst unter dem augenblicklichen Stand der Dinge— die Vorschläge in der Gewerbe- Novelle sind, insbesondere der Vorschlag des gehnstunden- tageS für die Frauen und Mädchen. Ist doch nach den Ver- öfscntlichungen des Reichsstatistischen Amtes durch die gewcrkschaft lichen Kämpfe der Arbeiter jetzt schon erreicht, daß für Männer und Frauen eine Arbeitszeit von mehr als zehn Stunden überhaupt nur noch in 110 Betrieben vorkommen und für etwa 8000 Arbeiter, während 130 000 Arbeiter eine Arbeitszeit von9 Stunden errungen haben. Da ist der Vorschlag der Gewerbenovclle ein wahrer Bettelpfennig. Den neunstündigen Arbeitstag fordern wir in der Resolution als zunächst erreichbar im Gegensatz zum zehnstündigen Arbeitstag in der Gewerbenovelle. Seit der Berlcpschschen Reform und den kaiser« lichen Erlassen von 1892/1303 bietet sich jetzt zum ersten. nml die Gelegenheit, an diesem Hauptpunkt anzupacken und dem Parlament und der Reichsregierung darzulegen. dafv sie seit 15 Jahren nichts mehr zu schaffen wissen rmd leisten können als diese kleinen, ungenügenden Vorschläge. Unsere Gegner sind früher aufgestanden als wir. Der Zentralverband der Industriellen und andere Scharfmacherverbände sind längst am Werke mit ihrer Miniertätigkeit gegen diese sozialpolitische Novelle. Da gilt eS. mit der gesamten Energie, die wir durch Verbindung von Partei und Gewerkschaften erreichen, einzusetzen und damit auch zu- gleich die prinzipielle Aufklärung der Massen zu fördern an der Hand dieser bestimmten Aufgabe. ES gibt gar keine volkstümlichere, keine praktischere Arbeit. SS gilt, den Arbeitern klar zu machen, an der Marx'schen Broschüre.Lohnarbeit und Kapital", die auch in unseren Gewerkschaften viel zu wenig verbreitet ist, daß jede Verlängerung der Arbeitszeit eine Vergrößerung der industriellen Reservearmee bedeutet. Knauer-Sonneberg: Ueber die Resolution des Vorstandes und die Resolution Frankfurt besieht wohl keine Meinungsverschiedenheit. Wir müssen aber auch P r o t e st erheben gegen die beabsichtigte Vernichtung der Selbstverwaltung der Kranken- kassen. Den gewollten Zweck wird man ja nicht erreichen, da die Beamten der Krankenkaffen, die man heraustreibt, in demselben Augenblick frei werden für die Partei und die Gewerkschaften. Aber man schadet der Gesamtarbeiterschaft dadurch, daß ein Stillstand im Ausbau der Krankenkassen eintreten wird. Darum müssen wir uns mit Händen und Füßen dagegen wehren, daß uns die Selbstverwaltung genommen wird. Dagegen müssen die Gemeinde-Krankenkassen verschwinden, die auberordentlich viel weniger leisten als die Ortskassen. Ziegler-Bremerhaven macht mif die Mißstände in den Betriebs krankenkassen aufmerksam. Es sollten darüber Erhebungen vorgenommen werden. In den Betriebskrankcnkassen der Wersten in Bremerhaven wird es den Arbeitern unmöglich gemacht, ihre Familien zu versichern. Wieder- holte Anträge in den Generalversammlungen auf Einführung einer Familienversicherung sind abgelehnt worden, obwohl die Arbeiter sich bereit erklärt haben, die Beiträge dafür aufzubringen. Man erklärt einfach, die Sache steht nicht auf der Tagesordnung, es wird nickt darüber verhandelt. Durch den Mangel einer solchen Versicherung geraten viele Arbeiterfamilien in Not und Elend. Ein weiterer Mißstand besteht in der Betriebs- krankenkaffe des Norddeutschen Lloyd, der bekanntsich vom Deutschen Reich eine Subvention bezieht. Er besteht darin, daß besonder? jetzt bei der Krise Arbeiter, die lange Zeit krank ge- wesen sind, oder im Verdacht stehen, daß sie krank werden könnten. vor resp. nach der Krankheit entlasten werden. Schon wieder- holt sind Familienväter zu mir gekommen, die lange Zeit beim Norddeutschen Lloyd beschäftigt waren und haben mir unter Tränen ihre Not geklagt. Selbst solche Arbeiter, denen man, bevor sie sich zur Kur begaben, versicherte, daß sie ohne weiteres nachher wieder eingestellt werden würden, �sind dann doch nicht wieder angenommen worden. Diese Mißstände müffen mehr in der Oeffentlichkeit gegeißelt werden. Man sollte das Material sammeln, um bei der Acnderung des Krankenkassen- geseyes den Beweis führen zu können, in welch rücksichtsloser Weise die Unternehmer w den Betriebskrankenkassen ihre Macht benutzen. (Sehr wahr l) Paul Müller-Hamburg: Molkenbuhr führt an, daß durch die SecmannSordnung für die seemännischen Arbeiter Teutschlands der Achtstundentag gesetzlich garantiert sei, soweit ihre Dienstzeit in die Tropen fällt.- Er wollte offenbar den Unternehmern, die sich gegen die Einführung des Acht- stundentages in der Industrie wenden, beweisen, daß dieser bereits teilweise eingeführt ist. Ich mutz aber zu den Ausführungen Molkenbuhrs einige kritische Anmerkungen machen. In der Praxis steht nämlich diese Bestimmung des Ge- fetzeS nur auf dem Papier. Die scheinbaren gesetz- lichen Garantien der achtstündigen Arbeitszeit im§ 35 der SeemannSordnung werden durch den§ 34 desselben Gesetzes vollständig aufgehoben. Dieser Paragraph be- stimmt, daß der Schiffsmann auch in den Tropen jederzeit jeden ihm übertragenen Dienst ausüben muß und die Auslegung dieser Bestimmung durch die Reeder und durch die Gerichte ist eine solche, daß die achtstündige Arbeitszeit illusorisch gemacht wird. Ich erkläre dies vor dem Parteitag, damit die binnenländische Bevölkerung sich keinen Illusionen hingibt über die Romantik des Seemannslebens. (wie sie ihnen in illustrierten Zeitschriften vor Augen geführt wird Mit Nachdruck möckte ich besonders den Schluß der Resolutton Molkenbuhr unterstützen, der eine scharfe, gesetzlich ga ' ranticrte Kontrolle der sogenannten WohlfahrtZunterncbmungen der Unternehmer fordert. Solche Pensionskassen, Invaliden kassen usw. werden auch von den großen deutschen Reedereien zu dem ausgesprochenen Zwecke geschaffen, sie als Kncbelungs institut gegen die Arbeiterschaft zu verwenden. Im Falle des Austritts aus dem Betriebe haben die Arbeiter nicht den geringsten Anspruch auf Rückzahlung der bereits eingezahlten Beträge und haben auck bei der Verwaltung dieser Kassen kein Wort mitzu- reden. Die WohlfohrtSeinrichtungen sollten daher mit aller Schärfe erkämpft werden.(Beifall.) Hoch-Hanau: Aus den ReichStagSberhandlungen vom vorigen Winter über die Gewerbeordnungsnovelle geht klar hervor, daß die Arbeiter nichts zu erwarten haben. Fast alle unsere Anträge sind niedergestimmt worden. Ueberhaupt haben die Arbeiter von den bürgerlichen Parteien in der Sozialpolitik nur insoweit Ziigeständiiiste zu erwarten, als es die Festlegung der von den Gewerkschaften bereits den Unternehmern abgetrotzten Errungenschaften betrifft. Wie arbeiterfeindlich die Sozialpolitik gerade unter dem neuen Kurs sich gestellt hat, dafür ist der beste Beweis das skandalöse Vorgeben der preußischen Regierung mit dem Legitimationszwang für ausländische Arbeiter, den unsere Genossen im Reichstage mit Recht als Verfassungsbruch bezeichneten Dieser Zwang ist von einer Reihe von Bundesstaaten an- genommen worden, und auch die bayerische Regierung soll mit ihm im Prinzip sich einverstanden erklärt haben. Der Arbeits- kammerentwurf hatte ftagloS nur die Absicht, die gelben Gewerkschaften zu fördern. Bei der Regelung der Tarif- vertrage möchte man die Gewerkschaften haftbar machen für alle Verstöße gegen Vereinbarungen mit den Unter- nehmern. Bei dem Entwurf über die Anerkennung der Berufsvereine hat man das Streikrecht weiter Schichten der Arbeiter eindämmen wollen, und neuerdings sammelt man Material, um bei der nächsten Gelegenheit diesen Zweck zu erreichen. Den versuch, bei der Novelle zur Kranken- Versicherung den Berufsgenossenschaften die schlimmsten arbeiter- feindlichen Rechte nur bescheiden einzuschränken, bat die Regierung in- folge des Widerstandes des Zentralverbandes deutscher Industrieller, der die ganze Arbeitgeberschaft mobil gemacht hat, wieder aufgegeben, wenn man das auch zu verheimlichen sucht. Den Arbeitern aber will man auch die Selbstverwaltung in den Krankenkassen beschneiden, nur. weil sie es wagen, von den ihnen gesetzlich gewährleisteten Rechten Gebrauch zu machen. Gegen die Erhebungen über die Letriebskrankenkassen habe ich nichts einzuwenden. Aber durch Erklärungen unserer Genossen erreichen wir nichts. Die Unter- nehmer wissen ganz genau, wie die Dinge liegen, und wollen die Betriebskrankenkaffen gerade wegen dieser Mißslände. Was wir zu tun haben— und in diesem Sinne begrüße ich den Antrag der Frankfurter— ist, zu protestteren und die Arbeiter zu allgemeinem Widerspruch aufzurütteln. Nur wenn die Arbeiter mit aller Kraft gegen die ungünstigen Bestimmungen der Novelle zur Krankenversicherung protestieren und bessere verlangen, können wir einen Druck auf die bürgerlichen Parteien ausüben. Sachse- Bochum: Molkenbuhr und Hoch haben schon die Gründe angegeben, weg- halb den Unternehmern so viel an einer Verschlechterung dcS Krankenkaffengesctzes liegt. Vielleicht kommt noch ein anderer Grund für sie hinzu. Auf dem Krankenkassenkongreß in Braun- schweig ist auf den Fragebogen— nur 213 waren eingelaufen— festgestellt worden, daß die Arbeitgeber die Krankenkaffen um 284000 Mark betrogen haben.(Hört! hört!) Damit solche Betrügereien nicht mehr anS Licht der Oeffentlichkeit kommen, will man das Gesetz ändern. Auch sind Bestrebungen im Gange, um die Unfallversicherung zu verschlechtern. Die landwirtschaft- lichen Bcrufsgenosscnschaften drängen darauf, daß die kleinen Unfallrenten unter 25 Proz. abgeschafft werden. Hauptsächlich sind eS die christlichen Bauern, die solch« Wünsche haben. Im preußischen Landtage haben sich nationalliberale und Zentrumsabgeordnete zu Wortführern solcher Wünsche auf. geworfen, und auch im Reichstage sind Zentrumsabgeordnete für diese Forderung eingetreten, so erst kürzlich der Zentrums- abgeordnete Irl und der christlichsoziale Dr. Vurkhardt. Die Re- gierung hat sich ziemlich nachgiebig verhalten. Sie gab die Zahl der Beträge an, womit die kleinen Unfallrenten die landwirtschaft- lichen Berufsgenossenschaften belasten. Sie mußte aber gleichzeitig zugeben, daß 44 Proz. der jetzigen Unfallrentner nichts bekommen würden, wenn die Unfallrenten unter 25 Proz. beseitigt würden. Ferner sucht man auch den Reichszuschuß für die Arbeitskammern zu beseitigen. Das Reich braucht eben sehr viel Geld, und hier will man sparen. An alle Versicherungsanstalten ist die Auf- forderung ergangen, möglichst knapp in der Be- willigung der Renten zu fein. So sind denn auch in diesem Jahre 42000 Renten weniger bewilligt.(Hört! hört!) Während früher der Reichszuschuß jährlich um 3, 4 oder 5 Millionen stieg, ist er im letzten Jahre auf 51 Millionen stehen geblieben. Ebenso wird schon jetzt gegen den gesetz- lichen Reichszuschuß für die Witwen- und Waisenversicherung vom Bunde der Landwirte und der»Deutschen Tageszeitung" Sturm gelaufen. Wir werden dahin wirken, daß die Regierung hält, was sie beim Zollgesetz versprochen hat. Auch in anderer Weise soll das Zollgesetz durchbrochen werden. Bekanntlich sollen von 1910 ab die städtischen Oktrois beseitigt werden. Aus eigener Er- fahrung kann ich mitteilen, daß einzelne Blocklcute sich an mich gewandt haben, wie wir uns zur Beseitigung dieser Bestimmung stellten, in Bayern gäbe eS viele Gemeinden, die dann ruiniert feien, ein wahrer Umsturz würde«intreten. Wir haben natürlich mit einem blanken„Nein" geantwortet. So sucht man gesetzliche Versprechungen zu annullieren. AuS alledem geht her- vor. daß im Herbst, wenn Vorstand und Generalkommission sich zu beraten haben, eine kräftige Agitation eingeleitet werden muß. Das Schlußwort erhält Molkenbuhr: Ich denke, mit der Agitation auf Erweiterung des Arbeiter- fchutzeS kann jederzeit begonnen werden, auch dann, wenn«ine be- sondere Anregung des Vorstandes und der Generalkommiffion nicht vorliegt, weil es sich hier um Dinge handelt, die dem Partei- Programm entsprechen. Ich will aber zugeben, daß von Zeit zu Zeit eine einheitliche Agitation notwendig ist, und zwar besonders gegenwärtig.(Erneute Zustimmung.) Wenn Müller sagte, daß die Bestimmungen der Seemannsordnung, die den Achtstundentag für Feuerleute in transatlantischer Fahrt und für Seeleute in den Tropen vorsieht, wesentlich nur auf dem Papier stehen, so gilt das eigentlich für alle Bestimmungen des ÄrbeiterschutzeS, deren Durchführung nicht von starken Organisationen überwacht und erzwungen wird. Deshalb habe ich auf die Notwendigkeit einer Organisation der Arbeiter in meiner Resolution hingewiesen. So geht es überall. In den kleinen Orten z. B., wo die Bäcker keine Organisation haben, da ist die Bundesratsverordnung, die eine Maximalarbeit von allerdings 12 bis 13 Stunden vorschreibt, nur auf dem Papier vorhanden. Jetzt muß die Agitation für die Ausdehnung des ArbeiterfchutzgefetzeS einsetzen, weil der Reichstag sich augenblicklich mit der Reform der Gewerbeordnung befaßt. Die Motive zu dieser Reform zeigen deutlich, daß man selbst im Reichsamt des Innern nicht genau darüber unterrichtet ist, was eigentlich in der Gewerbeordnung steht.(Hört! hört!) So wird § 120» von den Kommentatoren, darunter dem verstorbenen Wilhelmi, so ausgelegt, daß seine Bestimmungen zum Schutze der Arbeiter gegen Gefahr an Leib und Gesundheit sich auf alle selb- ständigen Gewerbetreibenden einschließlich der Handwerker und der hauSgewerblichcn Arbeiter beziehen. Di« Motive behaupten, daß dieser Schutz für hauSgewerbliche Arbeiter nicht besteht. Dagegen sucht der neue Z 139ci den bisherigen Schutzbestimmungen der Gc- Werbeordnung den Giftzahn im Sinne der Unternehmer auSzu- reißen, indem er die Schntzbestimmungen gegen übermäßig lange Arbeitszeit, die in§ 120 für hausgewerbliche Arbeiter vorgesehen sind, beseitigt.(Hört! hört!) Daß dieser§ 120a sich auch auf hauSgewerbliche Arbeiter bezieht, geht auch daraus hervor, daß eine Reihe von Verordnungen, die sich nur auf diese beziehen, er- lassen worden sind. So hat der jetzige Minister v. Rheinbaben als Regierungspräsident von Düsseldorf die Benutzung von Bleigewichten in der HauSweberei verboten und keine Behörde hat darin eine Ucbcrtretung der Gewerbeordnung gesehen. In einem sächsischen Bezirke ist durch- Verordnung die Verwendung von Bleifarben zur Herstellung von Spielwaren verboten worden, wenn die Arbeitsstätte zugleich die Schlafstelle ist. Hier handelt es sich also offenbar um Familienbetriebe. AuS alledem geht klar hervor, daß man sich so stellt, als kenne man die Gewerbeordnung nicht, um einen Teil deS bis« herigen ÄrbeiterschutzeS zu eskamotieren.(Leb- hafte Zustimmung.) In den Motiven wird weiter behauptet, daß BundeSratSverordnungen nur für das ganze Reich erlassen werden können. Offenbar hat der Bundesrat die Gewerbeordnung nicht durchgelesen, denn der h 34 besagt ausdrücklich, daß die kaiserlichen Verordnungen und AuSführungSbestimmungen des Bundesrats auch für bestimmt« Bezirke erlassen werden können. (Lebhaftes HörtI hört!) Da liegt der Widerspruch auf der Hand. Unsere Fraktion mutz mehr fordern, als die Novelle zur Gewerbe- ordnung bietet.(Lebhafte Zustimmung.) Es wird z. B. in der Motivierung gesagt: So muß in den gesundhcitsgefährlichen Be- trieben in der Regel den Arbeitern das Mitnehmen von Nahrungs- Mitteln und geistigen Getränken oder das Rauchen bei der Arbeit verboten werden. Auch muß ihnen die Reinigung der Hände usw. vor der Einnahme der Mahlzeiten sowie die Benutzung der ihnen von den Arbeitnehmern zu stellenden Schutzvorrichtungen zur Pflicht gemacht werden. Gewiß kann man die verschärften Be- stimmungen im allgemeinen nützlich finden, aber warum schreibt man dann nicht in das Gesetz hinein, daß eS nur Vorschriften sein müssen zur Verhütung von Krankheiten und Unfällen? Und weiter frage ich: warum sagt man denn nicht einfach, daß der Arbeiter dem Unternehmer unbedingt Gehorsam schuldet, gemäß Bestimmungen, ähnlich wie sie in der SeemannSordnung und in den Gesetzen für landwirtschaftliche Arbeiter bestehen? ES muß hier eine Beschränkung eingeführt werden. Charakteristisch ist es, daß die Verstöße gegen die Vorschriften mit Geldbuße bis zu 300 M. oder mit entsprechender Haft oder Gefängnis geahndet werden sollen. Der Arbeiter, der es unterläßt, seine Hand zu waschen, soll genau so bestraft werden wie der Fabrikant, der die Gesundheit Hunderttausender von Arbeitern aufS Spiel fetzt. (Hört! hört!) Das ist eine eigenartige Bestimmung. ES entsteht dadurch folgende Gefahr: Es ist z. B. im Unfallversicherungsgesetz eine Bestimmung vorhanden, wonach dem Arbeiter, welcher bei Begehung eines Verbrechens oder vorsätzlichen Vergehens ver- unglückt, die Rente aberkannt wird. Bleibt nun die Strafe aus Z 147 bestehen, dann ist die Bestrafung wegen dieser Vorschriften eine VergchenSstrafe, die unter Umständen den Verlust der Unfallrente zur Folge haben kann. Darum ist diese Bestim- mung so gefährlich. Man kann die ganze Gewerbeordnungsnovelle durchnehmen, sie ist nach der einen Seite unvollkommen, nach der anderen Seite enthält sie geradezu gemeingefährliche Be- stimmungen, und aus diesem Grunde ist es geboten, eine Agitation dagegen zu entfalten und die Arbeiter aufzuklären über das, was ihnen droht, und über das, was sie im Augenblick fordern müssen. Dazu halte ich die gegenwärtige Zeit für angebracht. ES kommt darauf an, in jene Gegenden einzudringen, wo bisher die Arbeiter noch hinter anderen Parteien herlaufen; hier muß man den Ar- vettern klarmachen. waS sie zu fordern berechtigt sind. Dadurch werden ihnen die Augen geöffnet, und schließlich werden die Ar» beitcr, die bei den letzten Wahlen noch den Gegnern Heeresfolge geleistet haben, umgestimmt, und wir können sie bei den nächste» Wahlen als Wähler in unseren Reihen zählen.(Beifall.) Die Resolution 123 und der Antrag 12 werdet» ein, stimmig angenommen. Mit Rücksicht auf die borgeschrittene Zeit wird das Referat G e he r S über die R e-i chs fi nanzr e f or m auf Sonn- abend vertagt. Der Schluß der Sitzung wird durch die Erledigung berfchie« dener Angelegenheiten ausgefüllt. Zunächst erhält Kaden da? Wort, um oem Parteitag noch eine Entscheidung de« Kontrollkommission mitzuteilen: In Schneeberg in Sachsen waren schon seit Jahren Differenzen unter leitenden Parteigenossen ausgebrochen, die so sehr ausarteten, daß ein Schiedsgericht einberufen werden mußte, welches den Genossen Dehm und Seidel die Rechte aberkannte, Ehren- und Vertrauens- ämter innerhalb der sozialdemokratischen Partei— auf unbestimmte Dauer— zu bekleiden. Nur auf Beschluß der KreiSorgani- sation können sie m dies« Rechte wieder eingesetzt werden. Dem Genossen NeeS wurde eine Rüge und dem Genossen Jakob ein Verweis erteilt. Während die Genossen Dehm, Seidel nnd NeeS sich bei dem Urteil beruhigten, rief der Genosse Jakob die 5wn> trollkommission an rmd verlangte, daß der gegen ihn geschehene Verwei-beschluß aufgshoben und die drei Genossen aus der Partei ausgeschlossen würden. Die Kontrollkommission kam nach Prüfung deS sehr umfangreichen Materials zu dcm Votum: Da» Urteil gegen den Genossen Jakob wird aufgehoben. Sein Antrag auf Ausschluß der drei Genossen mußte abgelehnt werden, da nicht Genosse Jakob, sondern nur die Organisation berechtigt war, einen derartigen Antrag zu stellen. Ich bitte den Parteitag, diesem Be- schluß beizutreten. Der Parteitag tritt dem Beschluß der Kontrollkommission debattelos bei. ES folgt die Beratung de« Anträge, die die Or»aull»tlonSfrage betreffen. Anträge 13—20, 56, 122 und 129; die Anträge IS, 19 und 20 werden nicht unterstützt. 13. Lübeck: In Zukunft sind vor sehr wichtigen Aktionen und Vereinbarungen, die von der Haupt-Parteileitung getroffen werden sollen, die Vorstände resp. Vorsitzenden der LandcSorgani- fationen oder Agitatio.lSkomitees zu einer Konferenz zusammen». zuberufen; mindestens muß jedoch ihre Ansicht eingeholt werden. 14. Agitationskomitee für den 11» 12» 13. und 14. sächsi» sehen Wahlkreis: Dem Parteivorstand wird empfohlen, bei wchtigen, die Gesamtpartei betreffenden Fragen die Vorsitzenden der Landes, bezw. Bezirkskomitees vorher gutachtlich zu hören oder sie zu einer Besprechung zus-ammcnzubcrufen. 15. Solingen: Einheitliche Beiträge für ganz Deutschland einzuführen. 16. Frankfurt a. M.i Nach dem Vorbild des Bremer Parteitages wählt der Parteitag eine Organisationskommission, die Auf Vü�schlag Boh Singer iüirb' zunächst der Anftag 16 zur Debatte gestellt. Der in diesem Antrag vorgesehenen K o in- Mission sollen, falls der Antrag angenommen wird, alle übrigen Anträge überwiesen werd-"v Pfannkuch: Wir haben uns bereits in der Debatte über den Geschäftsbericht damit befaßt, daß das Organisationsstatut schon wegen der Frauen- Organisation einer Aenderung bedarf, und es sind auch sonst Wünsche auf Abänderung hervorgetreten. Selbstverständlich kann der Parteitag nicht ohne genügende Vorbereitung diese Aende- rungen vornehmen. Ich erinnere daran, daß wir seinerzeit auf Beschluß des Bremer Parteitages auch eine Kommission ein- gesetzt haben, die dem Parteitage in Jena ein neues Organisations- statut unterbreitete, das die Kreiswahlvereine als Grundlage der Organisation festlegte. Bis auf einige Wahlkreise, in denen eine nennenswerte Organisation zu schaffen noch nicht möglich war, ist diese Grundlage der Organisation durchgeführt, und sie hat in bezug auf die Gewinnung sowohl als auch in bezug auf die Auf- klärung der Mitglieder und in bezug auf den Finanzeffekt unsere Erwartungen, wenn auch nicht voll, so doch in hohem Maße erfüllt. Ich halte es für das richtigste, auch jetzt wieder eine Kommission einzusetzen mit der Aufgabe, das Organisationsstatut zu revidieren und dem nächsten Parteitage eine Resolution zu unterbreiten. Eine Vorschlagsliste, die von den Antragstellern selbst zusammengestellt ist, erlaube ich mir, dem Bureau zu über- reichen. Haberland- Barmen: Auch ich halte die Wahl einer Kommission für die beste Lösung der Frage. Daß eine Aenderung des Organisationsstatuts nötig ist, unterliegt gar keinem Zweifel. Ich erinnere nur an die Vor- schriften über das Schiedsgerichtsverfahren. Es erscheint Wünschens- wert, die Einleitung von Ausschlüssen zu erschweren. Heute kann es leicht vorkommen, daß ganz kleine Parteiorganisationen wegen verhältnismäßig geringfügiger Ursachen Ausschlußanträge stellen. Ich würde der Kommission empfehlen, zu erwägen, ob es nicht wünschenswert ist, in das Statut aufzunehmen, daß nur die Wahlkreisorganisation berechtigt ist, Anträge auf Ausschluß zu stellen. In den großen Kreisen gilt das ja heute schon als etwas. Selbstverständliches. Weiter würde es sich empfehlen, mildere Strafen einzuführen. Wir kennen heute nur den unbedingten Ausschluß aus der Partei, aber eine Rüge oder ein Tadel ist nicht zulässig. Weiter wäre eine Einschränkung der Zahl der Dele- gierten zu empfehlen. Von Jahr zu Jahr ist eine immer größere Zahl von Wahlkreisen auf dem Parteitage vertreten. Aber je mehr Kreise sich vertreten lassen, desto größer wird die Zahl der Dele- gierten. Sie wird schließlich so groß, daß geordnete Verhandlungen nicht mehr möglich sind. Schon aus diesen wenigen Andeutungen sehen Sie, wiz notwendig die Einsetzung einer Kommission ist. Nöthlich- Lechhausen: Obwohl ich anS einem rein ländlichen Wahlkreise komme, bitte ich die Kommission doch, im Interesse der Gerechtigkeit die Ein- führung des Proportionalsystems ins Auge zu fassen. Hiermit schließt die Debatte. Der Parteitag beschließt die Einsetzung einer Kommission, der die vorliegenden Anträge über» wiesen werden. Singer: Damit ist selbstverständlich nicht gesagt, daß die Kommission nur auf Grund dieser Anträge zu arbeiten hat. Die Kommission ist natürlich frei. Diese Anträge soll sie nur mit erwägen.(Zu- stimmung.) Auf Grund einer Vorschlagsliste, die von Delegierten der be- treffenden Landesteile zusammengestellt ist, werden in die Kommission gewählt: Wolderski» Berlin, Schubert» Berlin, Braun» Königsberg, Schütz» Breslau. Gewehr» Elberfeld, L e i n e r t» Hannover, H ü t t m a n n- Frankfurt am Main,. Bartels» Altona, B e i m S» Magdeburg, Segitz- Nürnberg, Auer» München, W a s n e r» Stuttgart, Frank- Mannheim, B a u d e r t- Weimar, Sindermann- Dresden, L i p i n s k i» Leipzig, E t u b b e-Ham- bürg, H u g« Bant, Raab- Darmstadt, Zetkin- Stuttgart. Z> e tz» Hamburg. Außerdem erhält der Parteivorstand daS Recht, zwei Mitglieder in die Konmnsfion zu delegieren. Damit sind die Anträge zur Organisation erledigt. aus Vertretern der einzelnen Landesteile zusammengesetzt ist und den Auftrag erhält, eine Revision des Organisationsstatuts der Partei vorzunehmen und rechtzeitig vor dem nächstjährigen Partei» tag den Entwurf eines neuen Organisationsstatuts zu veröffent- lichcn. Bei der Revision ist u. a. zu berücksichtigen: die endgültige Rege- lung der Frauen- und Jugendorganisation, die Aenderung des Schiedsgerichtsverfahrens, der Wahlmodus zu den Parteitagen eventuell durch Einführung des Proportionalwahlverfahrens, die Festsetzung eines einheitlichen Geschäftsjahres für alle OrtS-Wahl- kreis- und Bezirksorganisationen und die Anpassung des Geschäfts- jahres der Gesamtpartei an dasselbe. 17. B e r I i n VI: Dem§ 1t des Statuts folgende Fassung zu geben: § 11. Der Parteitag usw.: 1. Die Delegierten der Partei aus den einzelnen Reichstags. Wahlkreisen mit der Maßgabe, daß Kreise, welche bis zu 5000 Mitglieder haben, durch drei, auf je weitere 5000 Mitglieder noch je einen Delegierten mehr vertreten sind. 2. Mitglieder der Fraktion. 3. Mitglieder des Parteivorstandes und der Kontrollkommission. Die Mitglieder usw. 18. Siebenter sächsischer WahlkrmS(Meißen): Der Partei. vorstand erhält den Auftrag, alljährlich ein Adressenverzeichnis der Vorsitzenden der Kreisorganisationen oder Kreisvertrauensleute herauszugeben. Diese Verzeichnisse sind den Leitern der Kreis- Organisationen in gewünschter Anzahl zur Verfügung zu stellen. 19. Lechhausen: ß 11 Absatz 1 des Organisationsstatuts dahin abzuändern: m 1. Die Delegiertenwahlen zu den Parteitagen sind nach Reichstagswahlkreisen, nicht wie bisher nach Ortsvereinen vor- zunehmen.... 2. Auf 1000 Mitglieder soll ein Delegierter kommen, m,t der Einschränkung, daß kein Wahlkreis mehr als drei Delegierte entsenden kann._...„ 3. Hat ein Wahlkreis weniger als 1000 Mitglieder, ist selbem der nächstgelegcne Wahlkreis anzufügen. 4. Die Kandidaten werden in einer Wahlkreislonferenz aufgestellt und sind, wenn in einem Wahlkreise drei Delegierte zu wählen sind, sechs Kandidaten aufzustellen usw. 5. Die Delegationskostcn trägt der oder die betreffenden Wahlkreise. S. Die TageSdiäten sind von dem Parteitage festzusetzen; Reisediäten bestimmt der betreffende Wahlkreis. 20. W e st l i ch e S W e st f a l e n: Für alle Parteiorgani- fationen der einzelnen Wahlkreise, sowohl der Bczirksverbände als auch der Gesamtheit, ist das Geschäftsjahr das Kalenderjahr, also die Zeit vom 1. Januar bis ultimo Dezember. 56. Frankfurt a. M.: Der Parteitag wolle eine Korn- inission einsetzen, welche zu prüfen hat, inwieweit unsere Partei- geschäfte aller Art eine richtige geschäftliche Organisation haben. und hat diese Kommission dem Parteivorstande eventuelle Ab- anderungsvorschläge zu machen. 122. Magdeburg: Der Parteitag wolle die Einführung eines einheitlichen Beitrages für ganz Deutschland beschließen. 129. Die Unterzeichneten beantragen gemäß Antrag 16, eine Organisationskommission einzusetzen und derselben die Anträge 15, 17, 19 und 20 als Material zu überweisen. AlbertRudolph- Frankfurt a. M, und 25 Genossev, ES folgen die Anträge zur Tagesordnung deS nächsten Parteitages. Die Anträge 117—120*) werden sämtlich unterstützt. Pfannknch bittet, die Anträge nicht in der bindenden Form anzunehnien, sondern sie dem Parteivorstande zur Erwägung zu überweisen. Es können im Laufe deS Jahres Verhältnisse eintreten, die den Parteivorstand zwingen, die Tagesordnung anders zu gestalten, als es die Antragsteller wünschen. Der Parteivorstand würde dann in die Verlegenheit kommen, gegen einen bestimmt ausgesprochenen Parteitagsbeschluß zu verstoßen. Singer ieilt mit. daß inzwischen ein Antrag eingegangen ist, die Anträge 117—120 dem Parteivorstand zur Erwägung zu überweisen. Zubeil bittet, trotzdem dem Antrage 117 zuzustimmen. ES ist schon sehr häufig beantragt worden, die Landarbeitersrage auf die Tages- ordnung eines Parteitages zu setzen. Der Parteivorstand hat aber noch niemals Gelegenheit gefunden, diese hochwichtige Frage zur Beratung zu stellen. Unsere Zukunft liegt nach meiner lieber- zeugung darin, daß wir die Landarbeiter in großer Zahl ge- Winnen. Ich bitte daher den Parteivorstand, diese Frage auf die Tagesordnung des nächsten Parteitages zu setzen. Mielcnz- Stettin befürwortet ebenfalls den Antrag 117. Der letzte PassuZ des Parteiberichtes hat sich eingehend über diese Frage ausgesprochen und daS Interesse, das die ländliche Bevölkerung daran nimmt, sollte auch die Partei ganz Deutschlands veranlassen, dazu Stellung zu nehmen. Nur wenn die Landarbeiter über unsere Ziele aufgeklärt werden, werden wir das Joch der Junker in den östlichen Provinzen brechen können. Der Antrag auf Ueverweisung der Anträge t17 bis 120 wird angenommen. Nunmehr werden die Anträge über den Ort deS nächsten Parteitages zur Beratung gestellt. Neben dem Antrag 121, der Eisenach vor- schlägt, ist ein schriftlicher Antrag eingegangen, den nächsten Partei- tag in Chemnitz abzuhalten. Lcber-Jena: Unser Antrag ist hauptsächlich deshalb gestellt worden, weil vor 40 Jahren der Kongreß der deutschen Sozialdemokratie in Eisenach getagt hat. Vor kurzem hat der Genossenschaftstag mit 800 Delegierten dort getagt. Für die Unterkunft der Parteigenossen ist also gesorgt. Auch stehen uns schöne Lokale zur Verfügung. Der Antrag, den nächsten Parteitag in Chemnitz abzuhalten, wird von den sächsischen Genossen zurückgezogen und dafür beantragt, Leipzig zu wählen. Dieser Antrag wird nach kurzer Befürwortung durch Sinder- manu, nachdem der Antrag, Eisenach zu wählen, abgelehnt ist, mit großer Mehrheit angenommen. ES wird nunmehr noch der Antrag 51, bei der Beschickung der Parteischule Südwestdeutschland in höherem Maße zu berücksichtigen, zur Debatte gestellt. Pfannkuch: Ich halte den Antrag für gegenstandslos. Die Auswahl wird in der Weise getroffen, daß der Parteivorstand rechtzeitig eine Veröffentlichung erläßt, in der die Vezirksleiter auf- gefordert werden. Vorschläge zu machen von Genossen, die sie zur Aufnahme in die Parteischule für geeignet halten. Die Antragsteller nehmen offenbar an, daß die Schüler in ihre Bezirke zurückkehren und ferner dort ihre Tätigkeit ausüben, wo sie her- gekommen sind. DaS ist aber durchaus nicht der Fall. Der Antrag würde also den Zweck, den er haben kann, nicht erreichen, und ich bitte, es bei der bisherigen Gepflogenheit zu belaffen. Der Antrag 51 wird abgelehnt. Lipinski-Leipzig: Wir waren höchst überrascht, daß unS diesmal für daS nächste Jahr die Ehre zuteil werden soll, den Parteitag zu empfangen. Wir haben seit Jahren den Wunsch ausgesprochen. Leipzig ist die Geburtsstadt der Sozialdemokratie und hat stets bewiesen, daß es die Tradition der Partei hochhält. Ich habe im Austrage der Leipziger Delegierten für den uns erteilten Auftrag zu danken. Wir werden bemüht sein. Ihnen einen durchaus würdigen Empfang in Leipzig zu bereiten. (Bravo I) Inzwischen sind die Vorschlagslisten für die Vorstands» und Kontrollkomniifsionswahl eingegangen. Für den Parteivorstand werden vorgeschlagm: Als Vorsitzende: Bebel und Singer. Als Kassierer: G e r i s ch. Als Sekretäre: Ebert, Molkenbuhr. Müller und Pfannkuch. Als Beisitzerinnen: Helene Grünberg und Luise Zieh. Als Mitglieder der Kontrollkommission werden vor- geschlagen: B o ck- Gotha, Braun- Königsberg, Brey- Hannover, B r ü h n e- Frankftirt a. M.. Dorn- Nürnberg, von Elm- Ham- bürg, Ernst- Berlin, Geck- Offenburg. Hildenbrandt- Stutt- gart, Kaden- Dresden, Kleemann- Leipzig, Könen- Ham- bürg, Sachse- Bochum, Timm- München, Ulrich- Offenbach, Z e tlin- Stuttgart. Singer teilt mit, daß Dorn- Nürnberg wegen ArbeitSüberhäufung auf eine etwaige Wahl verzichtet. Schluß 7 Uhr. Resolution gegen die Kriegshetze, Das gemeingefährliche und verbrecherische Treiben bestimmter Kreise, zwei Kulturvölker wie das englische und deutsche gegenseitig zu verhetzen und zum Krieg« aufzustacheln, dient nur den eng- herzigen und kurzsichtigen Interessen der ausbeutenden und Herr- schenden Klassen. Es steht im sckrofssten Gegensatz zu der Ge- sinnung internationaler Brüderlichkeit der ausgebeuteten Massen aller Nationalitäten, welche durch die engste Solidarität der Jnter- essen miteinander verbunden sind. Angesichts der Opfer an Gut und Blut, welche jeder Krieg gerade den werktätigen Massen auf- erlegt, und der ungeheuren materiellen und kulturellen Schädi- gungen, welche er für die Gesamtheit deS Volkes mit sich bringt, angesichts der weltwirtschaftlichen und weltpolitischen Zusammen- hänge, denen zufolge jeder Konflikt zwischen zwei Kulturnationcn die Gefahr eines Weltkrieges in sich birgt, macht es der Parteitag dem Proletariat Deutschlands zur besonderen Pflicht, gemäß der Resolution des Internationalen Sozialistenkongresses in Stutt- gart mit allen in Betracht kommenden Mitteln für die Ueber- Windung des chauvinistischen Geistes und die Sicherstellung des Friedens einzutreten. Pgrteisorstand und Kontxollkvmmission. 117. Teltow- BeeSkow- Storkow-Charlotten- burg, Stralsund, Rügen, Berlin m. Königsberg und 5liederbarnim: Auf die Tagesordnung des nächsten Parteitages zu setzen:„Die Landarbeiterfrage und die Organisation der Landarbeiter". 118. Bayreuth: Auf die Tagesordnung des nächsten Partei- tages die Agrarfrage zu setzen. 119. Teltow-Beeskow: In Anbetracht der lauen Be- teiligung der Parteigenossen an der Genossenschaftsbewegung, möge sich der Parteitag eingehend mit derselben beschäftigen, eventuell ist die Genossenschastssrage auf die Tagesordnung des nächsten Partei- tageS zu setzen. Der Parteitag möge sich klar für die Genossenschafts- bewegung aussprechen und die Genossen auffordern, dieselbe mehr wie bisher zu unterstützen. 120. Nieder-Barnim: Auf die Tagesordnung eines der nächsten Parteitage zu setzen:„Sozialdemokratie und Genossenschafts- weien". IZus cler frauenbeiivsgung. Die Schäden der gewerbsmäßigen Stellenvermittelung für dl« Hausangestellten wurden in einer öffentlichen Versammlung besprochen, die vom Verein der Hausangestellten nach dem Saale des Zentral-Arbcits- nachweeises, Berlin, Gormannstratze, einberufen worden war. Frau Emma Ihrer als Referentin wies nach, daß die schlechtest gestellten Hausangestellten am häufigsten wechseln. Sie unterzog dann den als Mittel zur„Scßhaftmachung" gedachten Berliner Unterstützungs- und Belohnungsfonds einer kritischen Würdigung. Aus diesem Fonds, wozu die Dienstmädchen die bekannten Bei- träge leisteten, würden seit 1864 nur noch in ganz außerordentlichen Fällen den Dienstboten Prämien gegeben, während im übrigen ein Hospital für alte Dienstboten geschaffen sei. Es sei ein eigen an- mutendes Verfahren: die wirtjckastlich Schwachen würden mit Beiträgen belastet, damit sie nachher von ihrem eigenen Gelde für treue Dienste belohnt würden. Für das Hospital seien von den Dienstboten 1891 rund 41 400 M., 1895 rund 37 980 M. und 1898 rund 28 300 M. aufgebracht worden. Anspruch aus das Hospital hätten bei 10 Jahren Dienstzeit in Berlin Mädchen im Alter von 60 Jahren, bei 15 Jahren Berliner Dienstzeit im Alter von 55 Jahren und bei 20 Jahren Berliner Dienstzeit im Alter von 50 Jahren ab. Da erhielten sie dann Wohnung, Rcini- gung der Wäsche und 50 Pf. täglich für Nahrung und Kleidung. Damit wolle man die Mädchen an die Herrschaft fesseln, wozu noch die Prämiierung durch den Berliner Hausfrauenverein komme. Ein Ehrenzeichen erhalte, wer 30 Jahre in derselben Familie ge- dient habe.(Heiterkeit.) Derartige Mittel, der Fluktuation ab- zuhelfen, wären absolut verfehlt. Wolle man einen Anreiz zum längeren Bleiben geben, so läge doch der Gedanke sehr nahe, mit dem Mädchen einen angemessenen Lohn mit der Maßgabe zu vereinbaren, daß er von Zeit zu Zeit in bestimmter Weise steige. Ganz abgesehen von der Behandlung.— Bei der heutigen Lage der Dinge sähen wir. daß der Weizen der Privatstellen- Vermittler blühe. Im Jahre 1894 ergab eine amtliche Umfrage, daß in Preußen 5126 Vermittler waren, die 381 206 Stellen in einem Jahre vermittelten. In ganz Deutschland seien 7000 Ver- mittler gewesen, deren Zahl jetzt auf 10 000 gestiegen sei, und das trotz der gesetzlichen Beschränkungen(Gewerbeordnung und Ministerialerlasse von 1901 usw.). In Breslau ergab 1904 eine polizeiliche Umfrage, daß von 26 Vermittlern im Gastwirtsgewerbe 8016 Stellen vermittelt wurden, woraus man bei einer Durch- schnittsgcbühr von 6,40 M. eine Einnahme von 51 815 M. erzielte. In Wirklichkeit sei die Einnahme weit höher noch, denn Kellner, Köche, Portiers zahlten 15 bis 30 M. Vermittelungsgebühr. Die privaten Stellcnvcrmittler beständen zu einem großen Teil aus recht bedenklichem Material. Nach einer seinerzeit vorgenommenen behördlichen Feststellung waren von den Berliner Vermittlern 346 wegen Diebstahls, 109 wegen Körperverletzung, 25 wegen Kuppelei und 241 wegen anderer Vergehen bestraft, während ein erheblicher Teil mindestens übel beleumundet war. Von den weib- lichen Vermittlern, die etwa ein Drittel ausmachten, nähmen viele die stcllensuchendcn Mädchen ohne Familicnanhalt in Kost und LogiS. Das sei eine große Gefahr für die Mädchen, die hier Unterschlupf suchen müßten. Ohne Angehörige und meist ohne Geldmittel seien sie der Vermieterin ganz ausgeliefert. Diese werde keinen Anlaß haben, sie schnell unterzubringen. Je mehr daS Mädchen bei ihr in Schulden komme, je mehr habe sie es in ihrer Hand. Namentlich schweren sittlichen Gefahren seien die Mädchen auf diese Weise ausgesetzt. Allerdings könne nach der auf Grund der Gewerbeordnung ergangenen ministeriellen Verordnung durch die Ortspolizeibehörden den Vermittlerinnen das Gewerbe der Beherbergung und Beköstigung der Stellenlosen untersagt werden. Eine klare, durchgreifende und wirksame Regelung dieser Frage sei aber nicht gegeben. Rednerin teilte noch verschiedene Zahlen- reihen mit, durch die die horrende Ausnutzung der Arbeitslosen durch private Stcllenvermittler illustriert wird, und empfahl den versammelten Hausangestellten die Benutzung der gemeinnützigen Stellennachweise, die auf paritätischer Grundlage beruhen. In Preußen gäbe es bereits 276 kommunale oder mit kommunaler Unterstützung betriebene Arbeitsnachweise, die in einem Jahre 322 772 Stellen vermittelten. Wenn sich der Verein der Haus- angestellten, wie beabsichtigt, dem Berliner Zcntralarbcitsnachweis anschließe, dann wäre es Sache der Mitglieder, die privaten Ver. mittler zu meiden, den Zentralarbcitsnachweis zu benutzen und für dessen Benutzung lebhaft einzutreten. Vor allem müsse sich, wer noch nicht darin sei, dem Verein der Hausangestellten an- schließen, dessen Aufgabe es sei, in jeder Beziehung die Interessen der Hausangestellten zu vertreten.(Lebhafter Beifall.) In der Diskussion betonte Fräulein Klausner, daß den Dienstboten mit Almosen in Form von Prämien nicht gedient sein könne. Wenn gute Arbeit richtig entlohnt werde, werde das Mädchen auch länger in der Stellung bleiben. Im öffentlichen Arbeitsnachweise werde dem Interesse des Hausangestellten dadurch entgegengekommen, daß man vor Abschluß eines Vertrages genau die Zahl der Zimmer, der zum Haushalt gehörigen Personen, die Höhe des Lohnes und andere Bedingungen feststelle. Manche Herrschaften seien zwar deshalb sehr erregt und wollten davon nichts wissen. Das sei aber nie ein Grund gewesen, von diesen Feststellungen abzugehen. Im Gegensatz zum öffentlichen Arbeits- Nachweis könne die Mietsfrau niemals ein wirkliches Interesse für das Wohlergehen des Mädchens haben. Denn die Herrschaft, die die schlechteste Stelle habe, die am meisten wechsele, sei ja ihre beste Kundin. Verschiedene Hausangestellte nahmen das Wort, um ihre Er- fahrungen bei Herrschaften und gewerbsmäßigen Vermittlern mit- zuteilen. Bei einer Herrschaft, wo die nervöse Frau alles terrori- sierte, waren im Scebade im Zeitraum von 4 Wochen 7 Köchinnen. Das Kinderfräulein, daz 8 M a r k für die Stellung bezahlt hatte, wäre am liebsten auch bald gegangen, blieb aber wegen der Kündi- gungSfrist acht Wochen, wofür sie 50 M. Lohn erzielte.— Eine Frau konnte ein Mädchen nicht gebrauchen, weil es kein Geld hatte, Auslagen zu machen.„Herrschaften", die 10 Zimmer zur Ver- ftigung hatten, muteten dem Mädchen zu, auf dem Hängeboden zu schlafen. Wasch- und Reinemachefrauen müssen dem Vermittler 50 Pf. pro Tag abgeben, bei einem Tagesverdienst von 2,25 M. Die Vermittler ließen sich sogar unterschreiben, daß sich die Ver- mittelte für ein andermal nicht durch die Herrschaft selber be- stellen lasse. Natürlich verpflichtet das die Frauen nicht.— Die Vorsitzende, Fräulein B a a r, schloß die Versammlung mit einem Aufruf zur Organisation. Huö Induftne und fjandd. Enorme Gehälter. Nach dem letzten Jahresbericht der Großen Berliner Straßen» bahn-Gesellschaft erhielten die Dircktionsmitglieder Gehälter zwischen 30 000 und 100 000 Mark, das heißt weit mehr als die höchsten Staatsbeamten. Außerdem wurden noch rund 560 000 Mark Tantiemen an die Direktion und Beamte gezahlt, darunter 244 000 Mark Tantiemen an vierzehn Mitglieder des Aufsichtsrats. Ministerialdirektor a. D. Micke bezog allein für seine Person mehr als 150 000 Mark, das heißt fast dreimal so viel als der höchste Reichsbeamte- Kapitalserhöhung der Berliner Handelsgesellschaft. Die Dresdner Bank und der A. Schaaffhausensche Bankverein allgemein mittelgut; gute Ernte im Nordkaukasus, Kleinhaben, wie fie mitteilen, den zwischen ihnen bestehenden Interessen- rußland, in den Gebieten der Kama und Wjatka, im Kaum weist der Geldmarkt eine beffere Lage auf, so beginnen gemeinschafts- Bertrag insofern abgeändert, als die Zusammen. Gebiet der baltischen Provinzen, im Weichselgebiet; unbefriedigend auch schon die großen Industriegesellschaften und Banten mit neuen verfung der Gewinne und die Einrichtung des Delegationsrats vom im Mittelwolgagebiet, im Südwesten, im nördlichen Teile des Dons Kapitalserhöhungen. Auch die Berliner Handelsgesellschaft vermag 1. Januar 1909 ab in Wegfall tommen. Die bisherige Form der diesem Zuge der Zeit" nicht zu widerstehen. Sie will ihr Grund- Interessengemeinschaft und die mit der Gewinnpoolung für gebietes und teils in der Krim und im Zentrum. Hafer allgemein jedes der beiden Institute tapital um 10 Millionen Mart erhöhen. Offiziell teilt sie mit: mittel. Die Berteilung des guten und des unbefriedigenden Er der verbundene Beschränkung freien Bewegung hat mannigfache Unzuträglichkeiten mit trages ist ungefähr wie bei Gerste; am meisten unbefriedigend im sich gebracht, während die beiden Verwaltungen aus der Erfahrung Wolgagebiet. Der Ernteertrag ist allgemein durch Nässe im der verflossenen Jahre die Ueberzeugung gewonnen haben, daß die Norden und Dürre im Süden während des Monats August geerstrebten Vorteile der Interessengemeinschaft sich auch ohne eine schädigt worden. solche Beschränkung erreichen lassen. Durch die anderweit getroffenen Vereinbarungen ist für die Fortdauer der intimen geschäftlichen Beziehungen und der gegenseitigen Vertretung in den beiden Aufsichtsräten Vorsorge getroffen. Rußlands Ernte. Eingegangene Druckschriften. Der Verwaltungsrat der Berliner Handelsgesellschaft hat auf Antrag der Geschäftsinhaber beschlossen, auf den 7. Oftober 1908 eine außerordentliche Generalversammlung der Kommanditisten einzuberufen, deren Tagesordnung die Beschlußfassung über die Erhöhung des Grundkapitals der Gesellschaft um 10 Millionen Mark sowie die Festsetzung der Bedingungen für die Ausgabe dieser neuen Anteile bilden wird. Die Kapitalserhöhung wird begründet durch die namhafte Steigerung des gesamten Geschäftes der Gesellschaft seit der legten Vermehrung im Jahre 1903 und durch das mit der gleichzeitigen Erweiterung der geschäftlichen Beziehungen verbundene Petersburg, 17. September. Laut Handels- und IndustrieAnwachsen der Anlagen, zumal fich auch allgemein in den letzten zeitung" ist der Ernteertrag im europätschen Rußland für Winterweizen Jahren in der Art wie in der Ausdehnung der bank- allgemein unbefriedigend. Befriedigender ist der Ertrag nur im geschäftlichen Transaktionen eine immer stärker werdende Weichselgebiet und in den baltischen Provinzen, in den nordöstlichen GouInanspruchnahme der Kapitalkraft geltend gemacht hat. Bei vernements, im östlichen Kaukasus, im Südwesten und in der Krim. der Geſellſchaft hat sich s der Umsatz seit der letzten Kapitals- Sommerweizen allgemein gutmittel; unbefriedigend in den Mittel- und erhöhung im Jahre 1903 um mehr als die Hälfte gesteigert. Nach Unterwolgagebieten, in Bessarabien und Cherson; gut in KleinrußDurchführung der geplanten Kapitalserhöhung wird sich das Grund- land und teils in den nördöstlichen, baltischen und Weichseltapital auf 110 Millionen Mark und der gesetzliche Reservefonds auf gouvernements und im Nordkaukasus. Roggen allgemein mittel- Verlag B. Vopelius in Jena. rund 34 Millionen Mark stellen. Es ist in Aussicht genommen, die mäßig; unbefriedigend in Kleinrußland und den füdlichen Gouverneneuen Anteile, welche vom 1. Januar 1909 ab gewinnberechtigt sein ments, im Dongebiet, im westlichen Teil des Zentrums, in Samara, sollen, den alten Kommanditisten im Verhältnis von 10 zu 1 zum in den westlichen Gouvernements und in Polen; gut im oberen Bezuge mit 145 Prozent anzubieten. Dieser Bezugspreis stimmt und Mittelwolgagebiet, in den Gebieten der Hinterwolga, mit dem der legten Kapitalsvermehrung im Jahre 1903 überein. der Kama und Wjatka und den baltischen Provinzen. Gerste Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Nachmittags 4 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzmann. Abends 8 Uhr: Sonnabend, 19. September. Ueber den Brenn er nach Venedig. Anfang 7, Uhr. Königl. Opernhaus. La Traviata. Königl. Schauspielhaus. Clavigo. Torgauer Heide. Deutsches. Medea. Kammerspiele. Anfang 8 Uhr. Gespenster. GOLOGISCHER Schiller- Theater. O.( Wallner- Theater.) Sonnabend, abends8 Uhr: Das Opterlamm. Schwant in 3 Aufzügen von Dstar Walther und Leo Stein. Sonntag, nach m. 3 lb r: Stein unter Steinen. Sonntag, abends 8 Ubhr: Das Stiftungsfest. Montag, abends 8 Uhr: Der Richter von Zalamea. B Schiller Theater Charlottenburg. Sonnabend, abends 8 Uhr: Ein Teufelskerl. Historisches Schauspiel in 3 Aften von Bernard Shaw. Sonntag, nach m. 3 Ubr, Götz von Berlichingen. Sonntag, abends 8 Uhr: Das Opferlamm. Montag, abends 8 Uhr: Ein Tenfelskerl. ZCARTEN Zirkus Schumann. Täglich nachm. 4 Uhr: Leffing. Die Macht der Finsternis. Großes Militär- Konzert. Berliner. Mercadet. Neues. Außerhalb der Gesellschaft. Neues Schauspielhaus. Fauft. I. Teil.( Anfang 7 Uhr.) Kleines. 2 × 2= 5. Komische Oper. Tiefland. Residenz. Das Glück der andern. Hebbel. Der Liebhaber. Westen. Ein Walzeitraum. Schiller 0.( Wallner Theater.) Opferlamm. Schiller • Charlottenburg. Ein Teufelskerl. Friedrich Wilhelmstädt. Schau: spielhaus. Als ich wiederfam. Thalia. Das Mitternachtsmädchen. Lust vielhaus. Die blaue Maus. Trianon. Fräulein Josette- meine Frau. Neues Operetten. prinzessin. Lorking. Baza. Die Dollar Eintritt 1 M., von abends 6 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Heute Sonnabend, den 19. d. Mts., abends präzise 7, Uhr: Erste Grande Soirée High Life Gala- Programm und Original 36 Marokkaner 36. Kimito. Tragödie von B. Gersdorff. 30 Seiten. Terafoya. Die Dorfschule. Trauerspiel von B. Gersdorff. 48 Seiten. Verlag A. Ahn, Köln a. Nh. Straubes Taschenplan von Berlin. Breis 25 Pf. Jul. Straube, Berlin SW. 13. Lohnstatistik von H. Greulich. 152 Seiten. Verlag der Buchhandlung des Schweizerischen Grütlivereins, Zürich. Neue Gedichte von Margarete Beutler. 112 Seiten. Berlag Bruno Cassirer, Berlin W. 35. Zehn Jahre Bibliothekarbeit. Von G. Hennig. 40 Pf. Verlag Leipziger Buchdruckerei A.-G. in Leipzig. Einsame Liebe. Roman. Brosch. 3 M. Verlag Desterheld u. To, W. 15. Berlin Wische Stadt- und Universitäts- Chronik von M. Schmeizel. 4 M. Jenaische Amerikanische Jugendgerichte von G. Stammer. 80 Pf. R. v. Deders Berlag, Berlin S.W. 19. . Die Bank. Monatshefte für Finanz- und Bankwesen. 9. Heft. Bon Lansburgh. Quart. 4 W. Bantverlag Charlottenburg, Wielandstr. 13, Fachblatt für Holzarbeiter. Nr. 9. Herausgegeben vom Deutschen Holzarbeiter- Verband. Berlag: Berlin, Neue Friedrichstr. 2. XIV. Saison. Zirkus Busch. Sonnabend, den 19. September, abends 7%, Uhr: Gala- Premiere ,, Barbarossa". ( Bilder aus der Blüte der deutschen Kaisergelt 1155-1184.) Große Original- Ausstattungs- Pantomime des Zirkus Busch in 6 Bildern. I. Bild: Die Hochzeit zu Würzburg. Das große Turnier. Lanzenstechen. Die großen Fechtproduktionen zu Pferde und zu Fuß. Kämpfe mit dem ZweihandNackte Schönheiten. wert. Fechten mit Schwert und Dolch. Das borende Känguruh. Clown Armando m. seinen dressierten Affen. Rowland Trappe, 8 Berf., b. Zirkus Ringling Brothers Berliner Theater.us merita.- 9 Zuft- Boltigenre.- Leopardengruppe der Mis Vallecithas. Sämtliche Spezialitäten. Sonntag: Zwei Borst. Anfang 7 Uhr. Der Traum ein Leben. Neues Operetten- Theater, Schiffbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Anjang 8 Uhr. Die Dollarprinzessin. Operette in 3 Alten von Leo Fall. Residenz- Theater. Direftion: Richard Alexander. Bum erstenmal: Luifen. Flachsmann als Erzieher. Bernhard Rose. Der Theaterteufel. Das Glück der andern. Apollo. Trilby und Svengali. Spe. zialitäten. Metropol. Donnerwetter tadel Ios. Gebrüder Herrnfeld. Das tommt davon. Borher: Es lebe das Nachtleben. Passage. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Rafino. Familie August Anoche. Spezialitäten. Folies- Caprice. Die Brautschau. Die lästige Witwe. Carl Haverland. Spezialitäten. Gustav Behrens. Feine Sache! Ausgezeichnet! Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Walhalla. Spezialitäten. Urania. Taubenstraße 48/49. Lustspiel in 4 Aften von Francis de Troisset. Deutsch v. Franz Schreiber. Georg Cartier: Richard Alexander. Morgen und folgende Tage: Das Glück der andern. Luisen- Theater. Abends 8 Uhr: Flachsmann als Erzieher. Sonntag nachm. 3 Uhr: Ausgewiesen. Abends 8 Uhr: Helga. Montag: Flachsmann als Erzieher. Rachmittags 4 Uhr: Bon der Zug DERNHARD ROSE THEATED spite zum Wahmann. Abends 8 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Sternwarte, Invalidenftr. 57/62. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Außerhalb der Gesellschaft. Morgen und folgende Tage: Außerhalb der Gesellschaft. Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Ein Walzertraum. Sonntag nachm. 3% Uhr, zu halben Breisen: Die lustige Witwe. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Sonnabend, 19. Septbr., Anf. 8 Uhr: Als ich wiederkam. Sonntag nachm. 3 Uhr: Derge hörnte Siegfried. Siegfrieds Tod. Abends 8 Uhr: Jm weißen Rößl. Montag: Egmont. Hebbel- Theater. Röniggräger Str. 57/58. Anf. 8 Uhr. Heute und folgende Tage: Der Liebhaber. Lortzing- Theater Belle- Alliancestraße 7/8. Heute 8 Uhr: Baftspiel Hedwig Lange. Zaza. Sonntag nachm. 3%, Uhr: Madame Lustspielhaus. Bonivard. Abends 8 Uhr: Die blaue Mans. Gr. Frankfurter Str. 132. Bum erstenmal: Der Theaterteufel. Anfang 8 r. Wochentagspreise. Metropol- Theater Unter persönlicher Leitung des Komponisten Paul Lincke. Zum 15. Male: Donnerwetter tadellos! Große Jahresrevue in einem VorDanksagung. Von meiner Bißwunde soweit hergestellt, daß ich mein Krankenlager verlassen kann, ist es mein erstes, auf diesem Wege allen meinen Freunden, Bekannten, Gönnern und Interessenten meiner Dressur für die überaus zahlreiche Teilnahme durch Telegramme, Briefe, Karten und Blumen meinen aufrichtigsten und. herzlichsten Dank zum Ausdruck zu bringen. Mit größter Freude konnte ich bei dem mich betroffenen Unglück konstatieren, wie weitgehender Sympathien ich mich in allen Schichten der hochgeschätzten Bevölkerung zu erfreuen habe und wirkte die gesamte Teilnahme wie Balsam auf meine Wunden. Daher nochmals allen, allen tausend aufrichtigen Dank. 157/10 Mit größter Hochachtung Berlin, den 19. September 1908. Willy Hagenbeck, Artist, Direktor der Hagenbeck- Schau. WIND FORTH ARTEN EröffnungsProgramm. Von spiel u. 9 Bildern v. Jul. Freund. Publikum u. Presse Musik von Paul Lincke. In Szene Schultz. Die Tänze einstudiert v. Ballott- glänzend beurteilt. Sanssouci, Straße meister Louis Gundlach. Massary Perry Holden Bender Giampietro- Kettner Pfann Thielscher Rauchen gestattet. Anf. 8 Uhr. Passage- Theater. Abends 8 Uhr: Na endlich! Pariser Extravaganz mit Paulette van Roy und das kolossale Eröffnungsprogramm 14 erstklassige Spezialitäten. Direttion Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: Hoffmanns 6. Norddeutsch. Sänger und Tanzkränzchen. Beg. Sonnt. 5, wochent. 81. Morgen: Brunnen- Theater II. Bild: Im Schlosse Chiavenna. III. Bild:( Aus den lombardischen Feldzügen.) Die Etsch- Klause. Der Ueberfall. Berrat an Barbarossa. Der Sturm auf Beschießung den 35 Meter hohen Wartturm und die Felsenburg. durch die Steineschleudern. Erzwingung der Beste durch den toutühnen Reiterangriff auf den brennenden Zurm! Uebergang über die Etsch. IV. Bild: Der Reichstag zu Erfurt. Der Bannspruch gegen Heinrich den Löwen. V. Bild: Das Friedensfest zu Mains. Der Nitterschlag der Söhne Barbarossas. Ballett. Kronen Att mit dem großen Pagen. Schlußbild: Der Kyffhäuser, Barbaroffas Blid in die Zukunft. Apotheose. Ferner erftes Auftreten des Der goldene Schulreiters Herrn Karl Reinseh als Gast, sowie das große Gala- Programm. pollo CPOLLO Rixdorfer Theater a Theater Bergstraße 147. Sonntag, ben 20. September 1908: Ab 8 Uhr: Das gr. Attraktions. Der Der Kaufmann von Venedig. Programm. 8814: Trilby und Svengali? Schauspiel in 5 Aften v. Shakespeare. Kunst und Mysterium. Badftraße 58. Dreftion: Willy Voigt. 9%: Vera Violetta. Sonntag, den 20. September 1908: Theodora. Drama in 5 Aufzügen und 7 Bildern bon Victorien Sardou. Staffeneröffnung 7 Uhr. Anf. 8 Uhr. Passage- Panoptikum. Ohne Extra- Entree. Der Riese aller Riesen Pisjakoff Eintritt 50 Pf. Kinder, Soldaten 25 Pf. W. Noacks Theater Direttion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. 10%: Paul Spadoni der König der Kraftjongleure. Walhalla Variete- Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Anfang 8 Uhr. Das neue große September. Programm. 12 glänzende Spezialitäten. alast- Theater Burgstr. 24, 2 Min. v. Bhf. Börse. Täglich 8 Uhr. Galerie 30 Pf. Der einzig daftehende Eröffnungs. Spielplan! 12 Attraktionen 1. Ranges 12. 1. a.: The 5 Rahnes, Schleuderbrett Afrobaten. Montani Sisters, Doppeldrahtseil- ft. MiB Jrene and Große Extra- Klassiker- Borstellung. Maxwell, musikal. Birtuosen. Dazu: Die Räuber. Trauerspiel in 5 Aufz. von Schiller. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Bf. Nach der Vorstellung: Tanz. Der Seekadett. Singspiel in 2 Aften. Familienkarten, wochentags z. halben Frifier u. Bigarrengeschäften gratis! Anfang 7, Uhr. Parodie- Theater Dresdener Straße 97. Heute: Cavalleria Rustikana umb die urkomische Burleste ,, Berlin steht Kopp". Anfang Sommt. 8, wochent. 8, Uhr. Gebrüder HerrnfeldAnfang Theater. 11-2 Uhr. Vorverk. 8 Uhr. 57 Kommandantenstr. 57 Bum 50. Male: Das kommt davon! mit dem Vorspiel: Es lebe das Sonntag: Kommah oder: Der Kaffenpreis gültig, in allen Barber Nachtleben. Große Elite- Soiree. Tanz. 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Die Leser des ,, Vorwärts" zahlen gegen Vorzeigung dieses Inserats an der Theaterkasse lur 60 pf. für I. Parkett. ::: Auf allen übrigen teureren Plätzen 25 Pf. Ermäßigung des Kassenpreises.:: Ausschneiden! Gutschein tür 1-3 Personen! 4,50, 3. Volksgarten- Theater Steffel- Anzüge 7,25, 6,-, 5. 50 Weiße Jadetts für Friseure, Kellner, Konditoren, Köche usw. am Bahnhof Gesundbrunnen. Voranzeige. Die Preise gelten für normale Größen. Sonntag, den 20. September 1908: Baer Sohn Großes Erute- Dank- Feft Brückenstr.11. Chauffeeftr.29/ 30. Gr. Frankfurterstr. 20. Haupt- Satalog gratis und franto. Bei Bestellung von Hosen ist die Bundweite und die Schrittlänge, bei Jadetts und Kitteln die Brustweite anzugeben. 35092* Nachdruck verboten! FÜR 1 MARK wöchentliche Teilzahlung Hefert bas Versandhaus Berliner Herren- Moden ( nur Stralanerstr. 28-20, am Molten marit) Garderobe fertig n. nach Maft ohne Breisauffchlag. Berarbeitung haltbarer Stoffe unter Garantie für tadellofen th. 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September, nachmittags 3, Uhr, von der Leichenballe des neuen Bauls- Kirchhofes aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 229/13 Der Voritand. Deutscher Prima la salbiteine( betanute Transportarbeiter- Verband. Castan's Ohne Extra- Entree! Im Reiche " Panoptikum Friedrichstraße 165( Eeke Behrenstraße) Pschorrpalast. 写 der Zwerge! ( 4 Damen, 4 Herren.) Vereinsbilletts halbe Preise. An alle Bekannte, Freunde und Gönner! Erlaube mir die ergebene Mitteilung zu machen, daß ich am Sonnabend, d. 19. September, nachm. 3 Uhr, ein Spezialgeschäft und eleganter HerrenKnaben- Bekleidung fertig und nach Maß eröffne. Es wird mein Bestreben sein, dem geehrten Publikum stets gute, reelle Ware zu billigen Preisen zu liefern. In der Hoffnung, daß meine verehrten Freunde und Bekannten ihr Wohlwollen mir auch weiter schenken werden, zeichne Mit aller Hochachtung Schul Anzüge J. Lehrer Berliner Straße 11 ( am Hermannplatz). Am Sonnabend, den 19. d. M., erhält ein jeder Kunde ein vornehmes Geschenk gratis. 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Mts. verstarb ber Kollege Albert Sellmann, Kniprodeftr. 18/19. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet hente Sonnabend, nachmittags 4%, Uhr, von der Leichenhalle des Auferstehungs- Kirchhofes, Weißensee, Lichtenbergerstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Verwaltung I. Moldauer 15 Prinzenstraße 64, im Laden. Straßenbahn- Bergütung. Cigarren reellster Fabrikate. Billigfte Engros- Preife! 100 St. 2,85 M. SI. Merito Cabinet 3,60 Gunda Leon Ersell. Straette II 9 " 4, 4,50 5, Alteza " " 5,50 Senta 6, 400 Stad franto Nachnahme. Czollek& Geballe Zigarren- Engros. Berlin C., Um Mittwochabend 10% Uhr perstarb plöglich unsere liebe Mutter, Tante, Swieger- und Großmutter 16525 Berta Hehde, am geb. Jaursch. Die Beerdigung findet Sonntag, den 20. September, nachmittags 2, 1hr, von der Leichenhalle des neuen LutsenKirchhofes, Hermannstraße, aus statt. Sebastianfte. 39. Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme und Neue Promenade 7, 1. Etage, bie zahlreichen Kranzspenden bei der ( Kein Laden.) Preisliste franko! Geöffnet bis 8. Sonntags b. 9.- 1. Folies- Caprice Durchschlagender Erfolg! Beerdigung meines lieben Mannes, unferes Baters, Großvaters und Schmiegervaters Albert Wedel fagen wir allen Freunden und Betannten sowie dem Rauchklub„ Edelweiß", dem Sozialdemokratischen Wahlberein Rirdorf( Bezirk 15), dem Verbande der freien Gast- und Schanlwirte( Drisverwaltung Rig Die lästige Witwe. borf) unseren herzlichen Dank. Die Brautschau.- Bunter Teil. Vorverkauf von 11-2 Uhr a. d. Theaterkasse. Anf. 8 Uhr. Rigdorf, den 17. September 1908 Bitwe Anna Wedel geb. Schult. Der Total- Ausverkauf wegen vollständiger Auflösung meines Kaufhauses bietet Ihnen nie wiederkehrende Preise in allen Abteilungen meines grossen Lagers. Nachstehend einige Beispiele: Ein Posten Kleider- Lastings doppet breit, verschiedene Farben, Water Jetet Ein Posten Hemdentuche.... 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Partei- Angelegenheiten. aufmerksamen, mißtrauischen Beobachter fleine Trupps von höchstens drei uniformierten Beamten auf, die in kurzen Zwischenräumen die Revierwache verlassen. Unauffällig schlendern Die Zahl der Luftschifferunfälle mehrt sich. Und alle sind sie sie nach zwei bestimmten Punkten in der nächsten Umgebung wohl darauf zurückzuführen, daß die in Frage kommenden Aeronauten, des abzusuchenden Geländers, und bald ist die betreffende feien fie Vertreter des Aeroplan- oder auch des Ballonsystems, geParkanlage oder Laubenkolonie, fast ohne daß die Straßenzwungen werden, aus ihren noch unzureichenden Apparaten Achtung! Schiffer- Versammlung. Heute abend 8 Uhr passanten etwas gemerkt haben, mit einem ziemlich dichten Höchstleistungen herauszuholen, zu denen diese nicht fähig find, findet im Lokal von Keller, Köpenicker Straße 96/97, eine Polizeikordon umgeben. Die da mit ihren kleinen und großen statt still und emsig weiter zu bauen. Das ist die Folge des kapitalistischen Systems, die jeden Erfinder um den doch nun Schiffer- Versammlung statt. Referent ist Schriftsteller May Sorgen auf dem Laub ruhen sie ahnen noch nichts von einamai notwendigen finanziellen Erfolg zittern läßt für den Fall, Schütte über das Thema:" Die Entstehung der dem schnell nahenden Inheil. Bis auf ein verabredetes Zeichen von allen Seiten die Pickelhauben und die Blendlaternen durch daß er von einem Konkurrenten in seinen Leistungen geschlagen Religion". Hehen Schönhausen. Dienstag, den 22. September, abends die Büsche blizzen. An der Peripherie hat man nur wenig wird. Wo solche Befürchtungen nicht bestehen, wie etwa beim deutschen Militärluftschiff, da sind auch statt sprunghafter Fortschritte 8 Uhr, findet unfere fällige Mitgliederversammlung im Lokal des Ausbeute gefunden. Den meisten Freischläfern dort ist es noch Genossen E. Herschleb, Berliner Str. 93, statt. Tagesordnung: rechtzeitig geglückt, die rettende Straße zu erreichen. Aber in stiller emfiger Arbeit allmählich die größten Höchstleistungen er- 1. Vortrag über das Reichsvereinsgefeß. Referent Genosse Schent. drinnen im Park wird der Kreis immer enger gezogen, immer reicht worden. 2. Bericht von der Kreis- und der Verbands- Generalversammlung. neue Unglückliche werden aufgestöbert und wie genteine VerNach dem Absturz des Barseval- Ballons forderte Regierungsrat 3. Vereinsangelegenheiten. Der Vorstand. brecher nach einem Sammelplatz geführt, wo ihrer schon der Martin in der Täglichen Rundschau" Drachenflieger für die deutsche berüchtigte grüne Wagen in doppelter und vermehrter Auflage Luft- Marine.„ Orville Wright landet stets sanft und glatt wie ein harrt. Es ist ein richtiges Kesseltreiben, bei dem die Polizei Vogel", schrieb Herr Martin. An dem solid gebauten, von Gas nicht gerade zartbesaitet vorgeht, manchen Paradehieb, manchen unabhängigen Drachenflieger der Gebrüder Wright vermag ein Wind Säbelschlag mit flacher Klinge austeilt und hinter jeden bon 12 Metern in der Sekunde nichts zu zerbrechen." die Flüchtling modernen Bluthunde pardon " " = Berliner Nachrichten. Moderne Menschenjagd. " Und an demselben Tage, an dem in Berlin diese Zeilen im Bevor die Herbststürme wild auch über das Häufermeer Bolizeihunde hetzt. Volle zwei Stunden hat die polizeiDruck das Licht der Welt erblickten, da brach Wrights Aeroplan bei der Reichshauptstadt brausen, nimmt Frau Hermandad noch liche Menschenjagd gewährt. Kein Busch, kein Baum ist Windstille in der Luft zusammen, da stürzte in Amerika sein fübner einmal einen fräftigen Anlauf, um Hunderten ihrer Schutz- unbesehen geblieben. Was dem Polizeiauge entging, rissen Führer und Erfinder zu Boden und riß ein Menschenleben, das sich befohlenen" die Suche nach billigem Winterquartier zu er- und bissen die dressierten Polizeiföter aus dem vergessenden ihm anvertraute, in den gräßlichen Tod der Zerschmetterung! leichtern. Die mildtätige Dame vom Alexanderplatz weiß Schlafe der Armut. Befriedigt reichen sich die Führer der Washington, 17. September. Bei einem Ausflug, den schon, wie und wo sie ihre hungernden, frierenden losen Zug- einzelnen Abteilungen die Hände, stolz überzählen sie, was Orville Wright heute mit Leutnant Selfridge vom Signalforps vögelchen zu suchen hat. Ein eigenartiger, wohldurchdachter zur Strecke gebracht ist, und suchen mit dem behaglichen Geder Bundesarmee unternahm und bei welchem er die Flugschnelligkeit Apparat ist es, den sie zu diesem menschenfreundlichen Zweck fühl, wieder mal die verdammte preußische Beamtenpflicht erhöhen wollte, brach bei der vierten Umkreisung des Egerzierplates von ausgeflügelt hat und mit Tralala und Halali in Szene fett. erfüllt zu haben, ihr weiches Lager auf im molligen Heim. Fort Myers der linte Schraubenflügel des„ Aeroplans". Der rechte Schraubenflügel arbeitete weiter. Infolgedessen kippte der Aeroplan" Menschenjagd ist's, Jagd auf gehetztes Edelwild des„ Weltenum und beide Insassen wurden hinausgeworfen. Wright erlitt schwere schöpfers". Berletzungen am Arm und Hüfte, vermutlich auch innere Ber- Mitten zwischen den Steinkolossen liegt eine weitgedehnte Sträflicher Tierfultus. letzungen. Selfridge wurde am Kopfe verlegt, der Aeroplan" ist Dase, ein Stückchen Frieden auf dem wirtschaftlichen Kampf- Die moderne Tierschutzbewegung, der zahlreiche Personen völlig zerstört. Die Verwundeten wurden in das Hospital von platz der nimmer rastenden Weltstadt. Hunderttausende flüchten aus den höchsten Ständen sehr nahe stehen, ist in ihren AusFort Myers gebracht. Selfridge ist seinen Wunden erlegen. sich hierher aus den Wohnungen und Fabriken nach des ge- wüchsen auf dem besten Wege, sich unsterblich lächerlich zu Wie es heißt, hätte Wright den Apparat mit neuen größeren schäftigen Tages Last und Mühe, pumpen die angetränkelten machen. Aus dem auf schönen menschlichen Gefühlen basierenden Schrauben versehen, um die Abnahmeprüfung der Militärverwaltung Arbeiterlungen voll gesunder, ozonreicher Luft, föhnen sich im sachgemäßen Tierschutz ist ein alle vernünftigen Grenzen überbesser bestehen zu fönnen. Als die eine der beiden Schrauben in Reiche von Allmutter Natur für furze Stunden aus mit dem schreitender Tierlurus geworden. Solange es sich hier um folge der Belastung durch den Motor brach, fing der Apparat an, Dornenweg des Proletariers. Jahraus jahrein immer das einzelne verschrobene Geister handelte, die in übertriebener mit unheimlicher Geschwindigkeit um seine Längsachse zu freisen felbe erquickende Bild ist es mit der düsteren Schattenseite Tierschwärmerei gewisse Tiere verhätschelten, konnte man und stürzte dann ab. Wright überträgt nämlich die Arbeit der Großstadt, bis die Blätter fallen und des Sommers darüber einfach die Achseln zucken. Nachgerade fängt man eines Motors auf zwei seitlich angebrachte Schrauben. Der blendende Herrschaft zu Ende geht. Und selbst in dieses aber an, mit allerlei Hausgetier einen fast freventlichen Stult Unfall hat gezeigt, daß dies eine Fehlkonstruktion ist Eiland des Friedens greift rücksichtslos Frau Hermandad mit zu treiben, der ebenso zur Spottsucht als zum schärfsten und daß man für Drachenflieger nur eine genau im angeborener Rauheit tief hinein. Ihr ist es Lebensbedürfnis, Tadel reizen muß. In England hat man zum Besten Widerstandsmittelpunkt des Apparates liegende Schraube an überall da aufzutauchen, wo der arme Mensch seinen Frieden vierfüßiger Lieblinge der Reichen einen neuen Frauenberuf ins wenden darf. Wäre nur eine Schraube vorhanden ge- fucht. Warst du jemals obdachlos, lieber Leser? Hast du nur Leben gerufen: den der Hundebonnen. Ihnen fällt die Aufwesen, so wäre der Apparat im sogenannten Segelflug gelandet. ein einziges Mal bange Nachtstunden ohne Heim durchwacht? gabe zu, nach Art der Privatlehrerinnen stundenweise im Hause Das Weiterarbeiten der zweiten Schraube führte den Unfall herbei. Hat es dich in deiner grenzenlosen Verlassenheit gegraut vor ihrer Pfleglinge zu erscheinen und diese in den hundert Für Luftballons, die nicht so leicht drehen, wie ein Drachenflieger, dem polizeilichen Massenbett in der Fröbelstraße und bist du Künsten zu unterrichten, die ein wohlerzogener Hund besitzen hat die Anwendung zweier nebeneinander liegender Schrauben teine todmüde niedergesunken auf einem Haufen Laubes unter den muß. Gelingt es der Hundebonne nicht, den schlummernden Gefahr. Aber auch hier wäre vielleicht die Anwendung überschüßenden Baumkronen einer Berliner Parkanlage? Oder Genius des Hundeviechs zu wecken, so fann sie ihrer baldigen einander liegender liegender Schrauben besser, da man dann hat man dich gar mit der scharf zupackenden Polizeifaust aus Entlassung sicher sein. Vornehme Hunde müssen eben unbeim Versagen oder Abstellen einer Schraube immer einer Schraube immer noch dem ersten tiefen Schlaf gerüttelt, dir noch dein armseliges bedingt Genie besigen, gerade so wie gewisse vornehme manövrierfähiger bleibt, als wenn eine Schraube feitwärts arbeitet. Nachtlager unter freiem Himmel geneidet? Dann weißt du, Menschen schon als Doktor oder Professor zur Welt kommen. Uebrigens ist das Fliegen mit den Aeroplanen noch völlig was Obdachlosigkeit für ein grauenvolles Los ist... und Die Hundebonne soll aber auch weniger dankbare Aufgaben Nebungssache und wird es vielleicht immer bleiben. Die Gebrüder was eine„ Razzia auf die Armen" bedeutet. erfüllen, insbesondere muß sie die Paradeköter, die in ihrem Bright haben unter gewöhnlichen Verhältnissen den Apparat so Die Berliner Polizei kennt auch hier zweierlei Maß. Sie Heim auf Samt und Seide schlafen, für ihre notwendigsten in der Gewalt, daß sie sich erlauben konnten, auch den Motor aus unterscheidet eine kleine" und eine große" Razzia. Ganz Bedürfnisse an die frische Luft führen und für den möglichst dem Mittelpunkt der Trageflächen zu entfernen. Derfelbe steht nicht unvermutet, oft erst am Spätnachmittag, fommt von oben", rassereinen Umgang sorgen. Neben dieser hündischen Erbor oder unter dem Führer, sondern rechts neben demselben. vom Alexanderplat, der Alarm, daß da oder dort nach allen ziehungsgabe ist es dann noch eine äußerst schwere ExtraDie Gewichtsverteilung des Apparats ist also eine unsymmetrische. Regein der Polizeifunst eine Treibjagd auf Menschen veran- funst, sich in die tausenderlei Launen der Hundeherrinnen zu Auch das dürften die Erfinder einmal mit einem Kopfsturz bezahlen. staltet werden soll. Geheimnisvoll wird der Befehl von schicken. Es würde der Stadt der Intelligenz" natürOrville Wright wird von den Folgen feines Unfalls wahr Revier zu Revier weitergegeben. Ganz bestimmte Vor- lich etwas fehlen, wenn sie diese blödsinnige Mode scheinlich erst in sechs Wochen wieder hergestellt sein. Nach An- schriften bestehen für solchen Kriegszustand gegen das nicht nachäffen wollte, und so werden jetzt auch schon bei uns gaben der nächsten Augenzeugen traf der abgebrochene Teil der Schraube die Stüßer des Steuers. Der Aeroplan überschlug sich niederste, ärinste Proletariat. Nun können die Polizeier mal an der Spree Hundebonnen gesucht. Eine weitere Form von nicht, fondern neigte sich auf die linke Seite. Wright versuchte zeigen, was sie von des Königs Felddienst im Stopfe behalten verrücktem Tierfultus wird bald aus Amerika importiert das Gleichgewicht wieder herzustellen, aber im nächsten Moment haben, können vielleicht den Sabul ziehen und tapfer drein werden. In den größten Städten der Union find regelrechte fauste der Apparat nieder und schlug mit sehr großer Gewalt auf hauen auf Wehrlose. Hundehotels gegründet worden, in denen die vierbeinigen Kleines feuilleton. Fürsten der Finsternis. Und wenn sie Euch auch wirklich helfen sollten, so helfen sie Euch mit Hilfe des Teufels, zum Schaden Eures Seelenheiles." Natürlich verfehlen solche Reden ihre Wirkung nicht. Der alte Andrei verlangt keine Bezahlung für seine Ratschläge; das überläßt er der schlauen Marfa, die die Besucher zu freiwilligen" Spenden anregt und zu diesem Zwecke eine große Sammelbüchse aufgestellt hat. Gib nur, gib von Herzen!" sagt sie." Wenn Du mit Geld kargst, ist das Mittel, das er Dir gegeben hat, nicht so wirksam; wenn Du aber viel gibst, gereicht es Dir zu Heil und Segen!" Und die Sammelbüchse füllt fich mit den Spargroschen der armen unwissenden Leute, " Theater. " " Humor und Satire. " " Am Opernhaus. A. Was laden die Leute für Biegelsteine ab, wird wieder gebaut?" B.: Nein, das sind die stil echten Backstein- Eintrittskarten mit Keilschrift zur neuen Bantomime " Sardanapol"." 〃 Herbstman över. Was macht denn der blaue" Häuptling in den Stoppelfeldern? Schwenkt nach links, wenn rechts tommandiert ist! Bildet sich wohl ein, er wär' Bürjermeister von Husum jeworden?" " " " P Der Choleraheiler von Petersburg. Die grenzenlose Unwissen heit und der trasse Aberglaube der Volksmassen machen eine wirt. fame Bekämpfung der in Petersburg ausgebrochenen Choleraepidemie beinahe illusorisch. Es herrscht in breiten Schichten ein großes Mißtrauen gegen die Aerzte und ein unverkennbarer Argwohn gegen die Sanitätsmaßregeln; man spottet über die Verordnungen, welche Vorsicht beim Genuß roher Früchte und ungekochten Trinkwassers empfehlen, und wendet sich mit einem - Die gequetschten Schwurfinger. Ein Termin in geradezu fanatischen Haß gegen die energischen Maßregeln, die Westpreußen. Der Richter fordert den Beklagten auf, die Hand zu die Isolierung der Kranken und die schleunige Bestattung der an erheben. Herr Richter, ich kennt heit dem Eid nich schwören, weil der Cholera Verstorbenen bezwecken. Und einer Bevölkerung, die Im Berliner Theater müht sich die neue Direktion daß ich mir nemlich, und ich hab' mir die Eidfinger beklammt." auf einem so niedrigen Kulturniveau steht, sagt man, daß in zu zeigen, was sie kann und will. Den Journalisten", denen nur Ach, faule Ausrede! Sie haben eben Angst vor dem Eid!" Zeiten großer Epidemien Selbstschutz das beste Abwehrmittel sei! ein ephemeres Probedafein gegönnt( das tgl. Schauspielhaus hat ( ,, Lustige Blätter.") Schon tauchen an allen Ecken und Enden Dunkelmänner_auf, die das Monopol und erlaubts nicht länger) war, folgte am Donnerstag Erster Gedanke. Da schaut, Seppenbauer, auf Deiner das Mißtrauen des Volkes gegen die Aerzte und die Sanitäts- Grillparzers phantastisches Märchenstück: Der Traum " Was moanst D', Burgermaßregeln systematisch zu nähren wissen. In der" Peterburgstaja ein eben". Dieses vormärzliche Selbst- und Beitbekenntnis Wief'n geht der Luftballon nieder!" Gazeta" wird das Treiben eines solchen sonderbaren Heiligen" refignierender Schwäche ist heute als Wolfsstid, als das es in moasta, was i' Schad'n verlanga foll dafür?" recht anschaulich geschildert. Der Wundermann, der im Geruch Wien einst populär war, nicht mehr denkbar. Aus der- Der Statistiker beim Mittagessen. Es ist ja der Heiligkeit steht, heißt Andrei und treibt sein Wesen in dem Idylle sind wir längst heraus. Aber eg enthält auch in richtig, Doris, daß der normale Mensch jährlich 15 Pfund Salz zu Vorort Lesnoi; er hat aber auch in Petersburg selbst eine Woh- dem bunten Rahmen des Spektakelstüdes" doch noch mehr sich nehmen soll, aber auf einmal soll er das doch nicht tun." nung, in welcher er Audienzen erteilt und sich von den Gläubigen als Trostgründe für den Schwächling, der hier durch die- Es fett fi nig! Sagen Sie' mal, guter Freund, ist fonfultieren läßt. Schon zur Zeit der Podenepidemie wußte der Wirklichkeitsmacht gewinnenden Traumerlebnisse vor der rauhen das ein guter Gasthof?" Wunderheiler einfältige Leute an fich zu locken und sie von der Berührung mit der Welt zurückgeschreckt wird. Daß der Weg zu gut untergebracht?"- D freili'!" Rost gut und preiswürdig?" Woll, woll!" ,, Und man ist dort wunderbaren Wirkung seiner Fläschchen, Salben und Mixturen zu Macht und Ruhm des Tatmenschen über Schuld und Verbrechen „ Sell scho'!"" Hinreichend Betten?" überzeugen. Jekt, in der Cholerazeit, ist der Zulauf zum Heil- führt und daß ihre Behauptung neue Verbrechen heraufbeschwört, tünstler natürlich noch größer. In der Wohnung des alten das verstehen wir heute besser denn je. Und daß die„ Größe" oftanzen?" Wanzen aa'- feit si nig!" mürrischen Männchens erscheinen vom frühen Morgen bis zum lächerlich flein in ihren Anfängen ist und ihren Aufstieg dem blöden späten Abend Leute aus dem Wolfe: Männer und Weiber, Greise Bufall nur zu oft dankt, erleben wir heute mehr denn je. So kann und Jünglinge, Damen mit modernen Riesenhüten und Herren, uns das hohe Lied der Resignation sehr wohl zur Nachdenklichkeit die tief beleidigt wären, wenn man sie nicht für intelligent hielte. stimmen, wenn wir auch sein Glücksziel von des Innern stillem - Vorträge. Jm Verein für Frauen uno Als Empfangsdame waltet eine sehr geschwäbige, schlaue Megäre, Frieden" als den verfänglichsten aller Träume erkennen. Mädchen der Arbeiterklasse spricht am Montag, den die sich Marfa Petrowna nennt. Mit großer Redegewandtheit Was die neue Direktion sonderlich gelockt hat, gerade diesen 21. September, Dr. Kern über den der Arbeiterklasse besonders macht sie für die Heilkunst des alten Andrei Reklame. Scharen Grillparzer als Antrittsstück zu wählen, ist mir nicht flar. An Aus- ans Herz gewachsenen italienischen Maler Giovanni Segantini. von Besuchern umringen den Wunderdoktor. Silf und laß uns stattung fann sie schon wegen der Naumverhältnisse nicht mit anderen Der Vortrag, der durch Lichtbilder illustriert wird, findet in einem nicht im Stich!" fleht ein abgehärmtes Weib. Bete!" herrscht sie Bühnen konkurrieren.( Trotzdem bot man bei manchen Mängeln großen Saal des Deutschen Hofes( Luckauer Str. 15), abends der Alte an und beginnt sie dann auszufragen. Er hört dabei gar Anerkennenswertes.) Der schauspielerischen Betätigung bieten die 8 Uhr, statt. nicht auf die meist sehr weitschweifigen Auseinanderseßungen der Traumbilder nicht allzuviel. Die Typen sind etwas blaß. Die-Ein allgemeiner deutscher Iinbentag, der Heilungsuchenden und regt sich nur auf, wenn von Aerzten ge- einzige Charakterrolle, den das böse Prinzip verkörpernden über die Berufsfähigkeit und Berufsmöglichkeit Blinder beraten soll, sprochen wird. Du warst beim Arzt?" wettert er. Nun, dann Neger Banga, steigerte A. Heine fraftvoll ins Dämonisch wird vom 2.- 4. Juni 1909 in Dresden abgehalten werden. Als gehe doch wieder zu ihm hin, mein Täubchen. Für Dich will ich Mephistophelische aber doch nicht ohne Gewaltsamkeiten( besonders im besondere Beratungsgegenstände find u. a. in Aussicht genommen: nicht beten. Die Aerzte sind nicht Söhne des Lichts, sondern Söhne überhafteten Versprechen). Herr Clewing war als Rustan der Der Blinde im Handwerk und Gewerbe; der Blinde als Musiker; der Finsternis, deren Vater der Teufel ist." Schüchtern erlaubt überschwängliche Schwächling, der er sein soll, temperamentvoll und der Blinde in den Geisteswissenschaften. sich einer der Besucher zu bemerken: Man sagt, daß wir nicht lyrisch- weich aber auch zappelig. Dem stummen Greis Kaleb unreifes Obst essen, und daß wir uns impfen lassen sollen. gab Herr Meinhard die starre Sprache der Mienen und des „ Lüge, alles Lüge!" schreit der Alte. Obst ist eine Gabe Gottes, Auges. Josef Kleins bleicher Mann vom Felsen hatte des Grausund eine Gabe Gottes kann keinen Schaden bringen. Und lichen genug und auch die anderen Besetzungen waren auf guter Impfungen empfiehlt man Euch? Die Diener der Finsternis Gesamthöhe. So wird man denn sagen fönnen: es war zivar tein wollen Euch eben ihren Stempel aufdrücken, zum Ruhme des Treffer, aber eine Leistung, die sich sehen lassen kann г. 1 Notizen. „ Gnua!" „ Keine ( Fliegende Blätter.") - Kunst chronit. Für das Kaiser- Friedrich- Muscum wurde ein kunsthistorisch interessantes Bild von Pieter Lastmann, dem Lehrer Rembrandts, erivorben. Es stellt Susanna mit den beiden Alten dar. Rembrandt hat das Bild in einer Zeichnung topiert und auf diese Zeichnung ist die Komposition Rembrandts ( Berliner Darstellung) des gleichen Stoffes zurückzuführen. Freunde der reisenden Millionäre standesgemäße Unterkunft finden können. Die eigenartigen Etablissements bieten den reisenden Kötern allen Komfort der Neuzeit, von luxuriös aus- gestatteten Baderäumen bis zum Turnraum und Barbiersaal. Ein in der Hundepflege besonders geschultes Dienstpersonal sorgt für die Bequenilichkeit der hohen Gäste und vor allem dafür, daß sie ihre heimischen Gewohnheiten nicht zu ändern brauchen. In dem Saale des Hundebarbiers findet man eine reichhaltige Sammlung kostbarer Essenzen und Seifen, mit denen den Hunden ihre Toilette gemacht wird. Man könnte über solche und ähnliche Narrheiton, die ja schließlich Geld unter die Leute bringen, herzlich lachen, wenn nicht auch etwas Ernstes dabei herausschaute. Der Tierkult steht in widerlichstem Gegensatz zu der schnöden Menschenbehandlung, die sich fast immer genau dieselben reichen Leute angelegen sein lassen. Das bekannte Wort, daß der Tierfreund auch ein guter Mensch ist, hat hier nur frag- würdigen Wert. Wir kennen in Berlin recht vornehme Herr- schaften. denen für ihre Tiere nichts zu teuer ist, die aber für den würdigsten Bettler nicht einen Pfennig übrig haben. Ihre Köter und Katzen fütrern sie kugelrund mit Schokolade und Marzipan, den» armen Menschen reichen sie nicht ein Stück Brot. Um einen überfahrenen Hund können sie Tränen weinen, auf einen verunglückten Arbeiter blicken sie niit mitleidsfremder Neugier. Wird ihnen eine Subskriptions- liste unterbreitet zur Errichtung eines Hundekirchhofs oder des modernen Hundchotels, so greifen sie sofort in die Tasche. Soll der Geldbeutel für bedürftige Menschenkinder in An- spruch genommen werden, dann ist er leer. So zeigen die lachhaften Gewohnheiten der Vornehmen und Reichen auch auf diesem Gebiete des Luxus den moralischen und geistigen Verfall, der in ihren Kreisen immer tiefere Rinnen wühlt. Auch der Arme liebt seine Haustiere, aber in edlerer Weise. Er teilt mit ihnen sein letztes Stück Brot und überrechnet, wie unendlich viele hungrige Menschen satt gemacht werden könnten von den enormen Kosten, die der überhandnehmende, sträfliche Tierluxus und Tierkultus der mitten im Golde sitzenden Verschwender erfordert. Die Beköstigung iu den Krankenhäusern der Stadt Berlin soll also nun„reformiert" werden. Man will, so meldeten wir bereits am Freitag, sie abwechselungsreicher gestalten und auch schmackhafter. Beschlossen hat das die Kommission, die aus Anlaß der im Virchow-Krankenhaus vorgekommenen Vcr- giftungcn durch Fleisch über die etwa erforderlichen Verbesserungen berät. Mar dieser Beschluß endlich„nötig"? Haben nicht in den Krankenhäusern unserer Stadt jahraus jahrein Tausende von Patienten, wenn sie Essen als unschmackhaft zurückwiesen, sich sagen lassen müssen, daß sie„ohne Grund mäkeln"? Haben nicht die Wärter, die unaufhörlich über die Mangelhaftigkeit der Beköstigung klagen mutzten, es oft genug zu hören gekriegt, daß sie„eben niemals zufriedenzustellen" seien? Und ist nicht, wenn der„Vorwärts" solche Klagen veröffentlicht hatte, dreist behauptet worden, das sei nur darauf berechnet, Unzufrieden- hcit unter den Kranken und dem Wartepersonal zu erregen und gegen die Krankenhausverwaltungen zu«Hetze n"? Das alles scheint jetzt plötzlich vergessen zu sein— vergessen, weil ganz unerwartet auch mal die Pflegeschwestern Grund hatten, sich zu beklagen. Die Vergiftungserscheinungen, die im Virchow. Krankenhaus bei den Pflegeschwestern nach dem Genuß von Schabefleisch aufgetreten waren, haben sich als segenbringend er- wiesen. Die bürgerliche Presse» die den Klagen der Patienten und des Wartcpersonals kein Gehör geschenkt und zu allen Veröffentlichungen des„Vorwärts" geschwiegen hatte, schlug sofort Lärm, als die Pflegeschwestern kamen und klagten. Ebenso bereitwillig zeigte im Rathause sich die freisinnige Stadtverordnetenmehrheit, an einer Aussprache über die vorgekommenen Vcrgistungserscheinungen sowie über etwa vor- handcne Mängel der Beköstigung teilzunehmen. Fast schien es, als sollte der Staub, der da aufgewirbelt worden war, nur zu rasch sich wieder legen. Diejenige Presse, die gern mit dem Magistrat„Fühlung" behält, begann schon nach wenigen Tagen einzulenken. Im..Lokalanzeiger" las man eine Strafpredigt über den Unverstand der Patienten. die nicht einsehen wollen, wie gut man es im Krankenhause mit ihnen meint. Auch die„Morgenpost" gab sich dazu her, die Zuschrift eines Krankenhausarztes(unterzeichnet Dr. K.) zu der- öffentlichen, der allerlei über„die drei Diätformen" erzählte und die Beköstigung für„schmackhaft, kräftig, reich- »ich und individuell" erklärte. Diese Zuschrift ist in den Krankenhäusern im Kreise der Patienten, denen sie bekannt geworden war, viel erörtert worden und hat lebhaften Widerspruch hervorgerufen. Ein Leser unseres Blattes, der lange im Krankenhaus Moabit liegt und gleichfalls die„Morgenpost" mit dem ärztlichen Loblied auf die Krankenhauskost zu Gesicht bekommen hat, schreibt uns, daß man dort selbst bei der ersten Diätform manche der von dem Dr. K. aufgezählten Genüsse vergeblich sucht. Kompott zum Sonntags- gcricht gebe es keineswegs regelmäßig, höchstens alle 14 Tage. Das frische Obst, von dem der Arzt spricht, müsse hauptsächlich durch die Angehörigen mitgebracht werden. Butter werde so knapp gewährt, daß sie bis zum Abend nur dann reiche, wenn zum Nachmittags- kaffee die Semmel trocken gegessen werde.„Wer weiß, was für ein Essen der Dr. K. bekommt!" sagt der Einsender im Hinblick auf das von diesem gesungene Lob der Krankenhaus- kost. Zu der Behauptung des Dr. K., daß die Patienten oft bei der Entlassung eine ganz beträchtliche Gewichtszunahme aufweisen, bemerkt der Einsender:„Von dem hiesigen Essen kann keiner schwer werde n." Er führt die Gewichtszunahme auf die Extrakost zurück, die von den Angehörigen mitgebracht wird. Auch Dr. K.s Hinweis auf die vielen Hundert Pfund nicht ge- nossener Speisen, die täglich in die Tränkeimer wandern, beweise noch nichts für die Reichhaltigkeit der Kost, eher lasse sich daraus auf einen Mangel an Schmackhaftigkeit schließen. Den Verteidigern der Krankenhauskost hatte in den letzten Tagen auch der M a g i st r a t sich angeschlossen. Nach den reu- mutigen Bekenntnissen, die er in jener Stadtverordnetensitzung abgelegt hatte, war ihm angesichts des in der bürgerlichen Presse sich ankündigenden Umschwungs der Stimmung bald wieder wohler zu Mute geworden. Durch den Magistratsbericht- erstatter wurde dann den Zeitungen eine NotiA übersandt, die im Anschluß an die Meldung des im Virchow-Krankenhaus angeord- neten Wechsels des Küchenpersonals sagte:„Ob aber damit an- gesichtS der Größe der Anstalt und der Zahl der Kranken, di« stets zu Beschwerden geneigt sind, die Klagen auf- hören werden, erscheint zweifelhaft." Es habe, so hieß eS weiter in der Notiz,„sich herausgestellt, daß die Männer weniger als die Frauen und von diesen wieder die besser- situierten und gebildeteren weniger als die übrigen über das Essen usw. klagten." Hier fehlt nur noch, daß hinzugefügt wird, auch unter den Pflegefchwestern feien ngch dem Genuß des SchabefleischS„die gebildeteren weniger als die übrigen" erkrankt. Nachdem der Magistrat diesen ebenso dreisten wie törichten Angriff gegen die mit der Beköstigung unzufriedenen Patienten hatte verbreiten lassen, durfte man sich eigentlich darauf gefaßt machen, daß aus den Beratungen der eingangs erwähnten Kom- Mission tvcnig herauskommen würde. Um so mehr muß»nan davon überrascht sein, daß jetzt die Beköstigung, mit der die „besscrsituierten und gebildeteren" Patienten angeblich so sehr zufrieden sind, dennoch geändert werden soll. Ob der Be- schluß wirklich ausgeführt werden wird? Die Konzessionsverlängerung der Großen Berliner und der Schöneberger Magistrat. Der Schöneberger Magistrat hat auf die an ihm ergangene Aufforderung, sich auf das Gesuch der Großen Berliner auf Er- teilung der Konzession aus 90 Jahre zu äußern, an den Ober- Präsidenten eine Antwort gelangen lassen, die, wie wir dem«Berl. Tagebl." entnehmen, folgenden Wortlaut hat: „Die Bedenken find formeller und materieller Natur. Was die formelle Seite anlangt, so gibt zunächst die Zuständigkeitsfrage zu schweren Bedenken Anlaß. Gemäß§ 7 des Klcinbahngesetzcs ist der Bezirksausschuß und nicht der Provinzialrat in erster Instanz zu- ständig, soweit eine Stadtgemcinde beteiligt ist. Daß etwa im Falle der Beteiligung einer Provinz die Zuständigkeit deS Pro- vinzialrats konsumiert werden sollte, davon besagt weder der Wort- laut, noch der Sinn, noch die Fassung des Z 7 das Geringste. Euer Exzellenz Ersuchen bezeichnet den Antrag der Großen Berliner Straßenbahn als den Antrag aus Erlaß eines Ergänzungsbeschlusses im Sinne des§ 7 des KleinbahngesetzcS. Die Gesellschaft beantragt nun aber wörtlich nur eine Aus- dchnung der Tauer der Zustimmung zur Benutzung von Straßen und Plätzen. Aus dieser Verschiedenheit glauben wir einen zweiten Einwand herleiten zu müssen. Der Z 6 des Gesetzes handelt von der Zustimmung der Wegeunterhaltungspflichtigen. Im engsten örtlichen und inhaltlichen Zusammenhange mit§ 6 bestimmt§ 7, daß diese Zustimmung im Falle der Verweigerung ergänzt werden kann. Daß eine Ergänzung der Zustimmung auch in dem stalle statthaft sei, wenn die Zustimmung schon erteilt ist,«ine solche logisch auch undenkbare Anordnung trifft das Gesetz nicht. Un- streitig hat Schöneberg die Zustimmung schon im Vertrage von 1897 erteilt, und daraus folgt, daß die Große Berliner Straßen- bahn etwas logisch Unmögliches und gesetzlich nicht Sanktionierte? forderte, wenn sie den Antrag auf§ 7 des Gesetzes gestellt hätte. Tatsächlich fordert sie aber auch gar nicht die Ergänzung nach§ 7, sondern sie stellt einen Antrag, der im Gesetze überhaupt nicht ge- stattet ist, nämlich den Antrag auf Ausdehnung der Dauer der Zu- stimmungen. Sollte diese Ansicht reprobiert werden, so ist an drifter Stelle hervorzuheben, daß Schöncberg nach dem Vertrage mit der Straßenbahn im Jahre 1937 das Recht hat, die gesamte Bahnstrecke zu übcrnehnien. Dieses Recht ist ein wohlerworbenes, das den Schutz der Rechtsordnung genießt und durch ein Ergänzungsver- fahren ebensowenig aus der Welt geschafft werden kann wie der Vertrag selbst. Was schließlich die allgemeinen VcrkehrSinteressen anlangt, fo betrachten wir die Erteilung der Konzesston auf fast ein Jahr- hundert an die Große Berliner Straßenbahn� als den schwersten Schlag, den die Verkehrsverhältnis sc Groß-Berlins jemals erleiden könnten. In allen Großstädten geht das Bestreben dahin, die Straßenbahnen mit ihren ncrvenzerrüttenden Begleiterscheinungen und ihrer Verkehrs- hemmenden Gebundenheit an ein Gleise nach und nach zu beseitigen: in vielen Großstädten, wie zum Beispiel Paris, läßt man sie nach Möglichkeit überhaupt nicht aufkommen. Diese Bestrebungen sind insbesondere in neuester Zeit vollberechtigt, nachoem vollwertige Ersatzmittel auf dem Verkehrsmarkte erschienen sind in der Gestalt von Untergrundschncllbabnen und elektrischen Automobilzufuhr- wagen. Hier liegen trotz kleinster noch bestehender Mängel und trotz der zeitigen noch hohen Elcktrizitätsprcise die Mittel für eine ideale Vcrkehrsgcstaltung nicht nur für die Zukunft, sondern sckion für die unmittelbarste Gegenwart. Eine hundertjährige Konzessio.» an die Große Berliner Straßenbahn erteilt, hätte mit unbedingter Notwendigkeit zur Folge, daß Groß-Berlin, die Hauptstadt des Deutschen Reiches, in der Befriedigung der Vcrkebrsbedürfnisse binter jeder Provinzialstadt zurückstellen würde und sich demnächst Zustände entwickeln würden, deren Tragweite unabsehbar wäre. Wir hegen das feste Vertrauen, daß die Behörden des Staates an der Schwelle einer neuen Verlehrsära einem rückständigen Verkehrs- unternehmen zum Schaden von drei Millionen Bürgern eine Kon- Zession auf ein Säkulum nicht erteilen lverdcn," Prügel statt Lohn? Wer vom Arbeitgeber Lohn fordert, den er nicht zahlen will, kann eS erleben, daß er obenein noch Prügel davonträgt. Gegen einen Sern» Honig, Inhaber einer Blusen- und Unter- r o ck- K o n f e k t i o n in der Scvdelstraße. erhob am Freitag vor dem Gewcrbcgericht Berlin eine Witwe P. den Vorwurf, daß er in dieser Weise mit ihr verfahren sei. Sie hatte ihm Blusen ge- liefert, für die ein Arbeitslohn von 1,2b Ml. pro Stück vereinbart worden war. Die Blusen sollten nicht vorschriftsmäßig angefertigt worden sein, darum wollte Herr Honig pro Stück 2b Pf. vom Lohn abziehen. Frau P. wehrte sich hicrgeflen, und schließlich forderte Herr Honig, daß sie ihm den angeblich entstände- nen Schadenmit 3 M. pro Stück ersetze, wofür sie dann die Blusen behalten dürfe. Selbstverständlich ging Frau P. auch hierauf nicht ein. Bei den Verhandlungen über diesen Punkt, die im Geschäftslokal des Herrn Honig zwischen ihm und Fron P. statt- fanden, soll er, so versichert sie, sie gepackt und hinaus- gestoßen haben, so daß sie sich in ärztliche Behandlung begeben mußte. Wegen dieses Auftrittes hat Frau P. gegen Herrn Honig Anzeige erstattet, vorerst ober stand sie vor dem Gewerbcgericht als Klägerin wegen ihrer Lohnforderung. Herr Honig war nicht persönlich erschienen, sondern ließ sich durch einen Angestellten ver- treten. Dieser wendete ein, die Blusen seien verpfuscht worden, auch befinde sich ein Teil davon noch in den Händen der Klägerin. Was an den Blusen verpfuscht sei, konnte er nicht sagen. Ucbrigens habe, fügte er hinzu, Herr Honig gegen Frau P. Klage eingereicht wegen einer Forderung von 117 Mark, die er für die verpfuschten Blusen an sie stellen müsse. Da die Parteien keine Neigung bc- kündeten, sich zu einigen, so ordnete der Gewerberichter an, daß beide Sachen zu verbinden seien zu gemeinsamer Verhandlung und Entscheidung. Es wurde daber ein neuer Termin anberaumt, zu dem auch Herr Honig persönlich erscheinen und die Vorlagen mit- bringen muß, nach denen Frau P. die Blusen angefertigt hat. Selbstmord einer Fünfzehnjährigen. Vorgestern abend beging die 15 Jahre alte Stieftochter Helene N e u ni a n n des Sckutz- mannS G. in der elterlichen Wohnung in der Beusselstraße Selbst- mord, indem sie sich mit einem Tesching des Stiefvaters eine Kugel in dierechte Schläfe schoß. Als die Eltern zurück- kehrten, fanden sie die Tochter noch lebend auf dem Sofa liegen und schafften sie nach dem Krankenhanse Moabit, wo sie bald nach der Einlieferung starb. Das junge Mädchen zeigte feit einiger Zeit ein überspanntes und schwärmerisches Wesen, das auf seine Sucht. Romane zu lesen, zurückzuführen ist. Ein aufregender Borfall mit tödlichem Ausgange hat sich gestern nachmittag vor dem Hause Reinickendorfer Straße 87 zugetragen. DaS vierjährige Söhnchen Rudolf der Witwe Block. Reinickendorfer Straße 4S wohnhaft, war mit dem Großvater auf die Straße ge- gangen und hatte gespielt. Als der Kleine den Fahrdamm betrat, kam ein Fuhrwerk der Eierhandlung von Abrahainsohn entgegen- gefahren»ind der Knabe, der auf den Biirgersteig flüchten wollte, wurde voin Vorderrad erfaßt und überfahret». Die Räder des Wagens gingen ihm über die Brust hinweg. Der Großvater, der den Vorgang mit ansehen mußte, tnig das Kind sofort nach der Unfallstation in der Lindower Straße, wo aber nur noch der Tod festgestellt werden konnte. Der Kutscher, der wohl ein böses Ge« wissen haben mochte, entzog sich seiner Feststellung durch die Flucht. Schwer verunglückt ist gestern nachmittag der 35 Jahre alte Kutscher Max Schmidt aus der Reinickendorfer Straße 33. Er fuhr mit einem Steinwagen am Nordhafcn entlang und war auf seinem Sitz eingeschlafen. Sch. verlor plötzlich das Gleichgewicht und stürzte so unglücklich auf das Straßenpflastcr hinab, daß er eine blutende Kopswunde und eine schwere Gehirnerschütterung erlitt. Ter Verunglückte erhielt auf der Unfallstation in der Lindower Straße die erste Hilfe und wurde dann nach dem Rudolf Virchow-Krankenhause übergeführt. Eine wüste Szene entwickelte sich vorgestern abend um 11»/, Uhr in der Lothringer Straße in der Nähe des Rosenthaler Tores. Die 28 und 41 Jahre alten Arbeiter August B e r g e r und Ferdinand Niebuh r wurden dort, als sie eine Schanlwirtschaft verlassen hatte», von zwei fremden Bursche» ohne jede Ver» anlassung überfallen. Die Angreifer schlugen mil den Worten, na, da haben wir sie ja, ohne lveiteres auf sie ein. Während die Ueberfallencn sich verteidigten, kamen aus den Lärm gegen dreißig Personen herbeigelaufen, die ebenfalls in die Schlägerei verwickelt wurden. Der Vorsteher des 62. Revier-?. Polizeileutnant Junghaus bot vier Schutzleute von seinem und drei vom 12. Revier auf. um dem Kampf ein Ende zu machen. Berger und Niebuhr kamen übel w e g. Der erstere erhielt neun, der andere sieben Kopfwunden, ein 28 Jahre alter Kellner Max Sprenger erhielt einen Stich in die rechte Hand. Die Verletzten wurden auf der ReltungSwache in der Kastanienallee verbunden. Ein Maurer und zwei Arbeiter wurden nach der Ncvierwache gebracht, aber wieder entlassen, weil ihnen eine Teilnahme an der Schlägerei»ncht nachzuweisen war. Ein Diebstahl in der Pfandkammer. Ein ungewöhnlich dreister Diebstahl ist am gestrigen Tage in der städtischen Pfandkammer verübt worden. Dort befand sich ein Vertiko, das am Tage vorher bei einer Zwangsversteigerung verkauft worden war und gestern abgefahren werden sollte. Da in der Halle auch gestern Ver- steigerungcn vorzunehmen waren, wurde das Möbelstück vorüber- gehend auf den Hof gestellt, von dem cS bald danach verschwand. Wie festgestellt wurde, waren zwei junge Leute auf dem Hofe er- schienen, hatten aus der Nachbarschaft einen Fuhrmann gemietet, dem sie erzählten, sie hätten das Vertiko gekauft, und beauftragten ihn, es nach der Bernauer Straße zu fahren. So wurde das Wertstück aufgeladen, ohne daß die Angestellten der Pfandkammer Verdacht schöpften. Nach der Angabe des Fuhrmannes standen die beiden jungen Leute, als er in die Bcrnauer Straße einbog, dort vor einem Hause und erklärten, daß sie das Vertiko allein nach der Wohnung bringen wollten. Sie lohnten den Kutscher ab, der sich um den Verbleib des Möbels nicht Weiter bekümmerte. Zweifellos ist der Schrank von den beiden Dieben nach einer in der Nähe befindlichen Wohnung oder zu einem Trödler geschafft worden. Schrecklich zugerichtet wurde gestern nachmittag der 21jährige Arbeiter Wilhelm Wernicke aus der Gleimstr. 54. W. war in einer Fabrik in der Badstrahe beschäftigt. Gestern nachmittag war er mit anderen Arbeitern dabei, große Spiegelscheiben fortzuschaffen. Eine der Scheiben kam zu Fall und stürzte unglücklicherweise auf den rechten Arm des jungen Mannes. Von der Hand bis zur Schulter wurde dem Verunglückten der Arm furchtbar zugerichtet. Schlagadern und Sehnen tvurden durchgeschnitten und die Knochen zersplittert. Blutüberströmt schafften die Kollegen den W. nach der Rettungswache, wo der Arm sofort unterbunden»verde» mußte. In besinnungslosem Zustand wurde der Schwerverletzte, dessen Zustand infolge der starken Blutverluste ein recht bedenklicher ist, nach der königlichen Klinik gebracht. Eine Einbrecherbande erbeutete in der letzten Nacht Schuh- waren im Werte von 2999 Mark im Schuhwarcngeschäft von Moser in der Kommanduntenstraße. Die Diebe drangen mit Hilfe von Dietrichen und Nachschlüsseln in den Lagerxaum und packten mehrere Hundert Paar Schuhe, Herren- und Damcnstiefel in Bündeln zusammen und schleppten die Beute ungehindert davon. Feuerwehrbericht. Von drei Seiten au? wurde gestern die Berliner Feuerwehr nach der Lessingstraße im Hansaviertel alarmiert. Vor dem Hause Nr. 14 war eine große Fuhre Heu in Brand ge- raten. Haushoch schlugen die Flammen empor. Der IS. Zug mußte mit mehreren Schlauchleitungen Wasser geben, um die Gefahr zu beseitigen. Das Heu ivar natürlich nicht mehr zu retten, nur mit Mühe gelang eS, die Pferde in Sicherheit zu bringen. Gleichzeitig mußte m der Müllerstr. 61» ein Wohnung-ibrand gelöscht werden. Grober Unfug lag einer Feuermeldung zugrunde, die den 8. Zug »ach der Görlitzer Str. 54 rief.— Der 29. Zug»vurde wegen einer GasauSsirömung nach der Spandauer Str. 11—13 und der dritte »vegen eines Brandes nach dem Exerzierplatz an der Schwedter Straße alarmiert-, ein Zaun war dort in Brand gesteckt lvordcn. Auf der Treptow-Ttcrnwarte spricht am Sonntag, den 29. er., nachmittags um 5 Uhr, Herr Dozent Jens Lützen über„Das Licht der Fixsterne" und utn 7 Uhr über„Die Mark und die Eis- zeit". Das Thema des Vortrages am Montagabend um 9 Uhr lautet:„Kann die Erde untergehen?" Die Vorträge, die gemeinverständlich und mit zahlreichen Lichtbildern ausgestattet sind, finden während des Neubaues der Trcptow-Sternwarte im Restaurant Knape, vormals Zenner, Treptower Chaussee 22, statt. Mit dem großen Fernrohr ist am Tage die Sonne, abends ein Fixstern und der interessante Planet Saturn zu beobachten. Mit kleineren Fernrohren werden den Besuchern beliebige Objekte gezeigt»_ Vorort- JMachncbtern Charlottenburg. Ein Kind verbrannt. In dem Hause K r u»n m e S t r a ß e zu Charlottenburg ereignete sich gestern vormittag ein schweres Brandunglück. Dort hat die Witwe B r u n d k e, die sich als Aufwärterin und Waschfrau mühsam ernährt, mit ihren acht Kindern eine auS zwei Stuben und Küche bestehende Keller- Wohnung inne. AIS die Frau sich gestern wie gewöhnlich zur Arbeit begeben und ihre beiden jüngsten Kinder, die vierjährig� Tochter Gertrud und den sechsjährigen Sohn Ernst, allein in der Wohnung zurückgelassen hatte, kam in einer Vorderstube Feuer aus. Die Gefahr wurde von Straßenpassanten erst bemerkt, als gegen �>11 Uhr plötzlich Flammen aus den Kellerfcnstern schlugen, Beherzte Männer eilten sofort nach dem Eingang im Hofe, wo ihnen der kleine Ernst schon laut scheiend entgegengelaufen kam. Die in ihrem Bettchen liegen gebliebene T r u d e konnte aber nicht mehr gerettet werden, da die Wohnung schon voll- ständig verqualmt war. Als die schnell herbeigerufene Feuer- lvchr aus der Lützoiv-Wache eintraf, war das Kind schon eine Leiche. Das Gesicht»aar fast bis zur Unkenntlich- keit verbrannt. Wie das Feuer ausgekommen ist, steht noch nicht fest. Trotzdem die Feuerlvehr kräftig Wasser gab, konnte doch nicht verhindert werden, daß fast die gesamte Wohnungs- cinrichtung ein Raub der Flammen wurde. Die Leiche des vcr- brannten Kindes wurde nach dem Schauhause geschafft.— Fast gleichzeitig hatte die Charlottenburger Feuerlvehr in der F a s a n e n st r. 17 zu tun. Dort lvar in der Wohnung dcS Chauffeurs Gläser durch Unvorsichtigkeit Benzin in Brand geraten. Da Frau Gläser krank lvar, so hatte sie zur AuS- Hilfe ein siebzehnjähriges Dienstmädchen Klara W r o s ch e ck an- genommen� die gestern vormittag damit beschäftigt war» mittels Benzin Flecke aus einem Anzug zu entfernen. Dabei kam sie der Kochmaschine zu nahe, so datz sich das Benzin entzündete. ES erfolgte eine heftige Explosion, bei der die W r o s ch c ck durch die brennende Flüssigkeit Brandwunden an den Fügen davontrug. �luch das sich im selben Räume aufhaltende zweijährige Töchtcrchen Marie Gläser wurde von den Flammen erfasit und erlitt äusierst schmerzhafte Brandwunden am Unterleib. Nachdem die Samariter der Feuerwehr dem Kinde einen Notverband angelegt hatten, wurde es nach dem Krankenhause geschafft, Del! Brand selbst konnte in kurzer Zeit gelöscht werden, Nixdorf. Stadtverordnetenversammlung am Tonnerstag, delr 17. Sep- tember. An erster Stelle der Beratungen steht ein vom Magistrat vorgelegtes Ortsstatut über die Vermehrung der Zahl der Stadt- verordneten und Magistratsmitglieder. Danach soll vom 1. Januar 1309 ab die Stadtverordnetenversammlung aus 72(jetzt 60) Mit- - gliedern bestehen und vom 1. April 1311 ab die Zahl der besoldeten Stadträte aus 12 erhöht werden. Dcbattelos wird demgemäß bc- schlössen.— In den Vorstand der städtischen Sparkasse werden in a. der Stadtverordnete Thurow(Soz.) und der Genosse M ü n t n e r als Bürgerdeputierter gewählt.— An Stelle des zum Stadtrat gewählten Dr. Vogel treten in die Krankenhaus- dcputation Stadtverordneter Vincent und in die Gesundhcitskom- Mission Stadtverordneter Glasemann ein. Acußcrst lebhafte Zusammenstöße zwischen der sozialdcmokra- tischen Fraktion und dem bürgerlichen Block rief ein Antrag des Magistrats hervor, nach welchem der Vorsteherin der privaten Mädchenschule, Frl. Gunkel, ein neues, Richardplatz 13/14, zu er- richtendes, städtisches Schulgebäude zur Verfügung gestellt werden soll. Die hierfür festgesetzten Bedingungen schließen weitgehende Vergünstigungen durch die Stadt in sich. So deckt die fixierte Miete nicht entfernt die Verzinsung und Amortisation des Grundstückes und des- Gebäudes. Ferner übernimmt die Stadt die Instandhaltung der Schule, zahlt das Schul- dicnergehalt zur Hälfte und will bei Übernahme in städtische Regie— wofür als Termin der 1. Oktober 1918 in Aussicht ge- nommen ist—, der Vorsteherin eine Rente auf Lebenszeit in Höhe einer Oberlehrerinnenpension gewähren. Die geradezu ungeheuerliche Begünstigung dieser privaten Unternehmung be- gründete der Magistrat offenherzig damit, daß s o ibst„nur schwer Ueberschüsse aus der Schule" zu erzielen seien; die Stadt müsse aber eingreifen, da die gegenwärtigen Räume der fraglickien Schule vom Polizeipräsidium aus völligem Mangel an Sicherheit der- Kinder bei Feuersgcfahr beanstandet ivorden sind. Zunächst debütierte Stadtverordneter N o s e n o w als eifriger Fürsprecher der Vorlage und feierte mit Pathos die „vornehme Gesinnung" des Frl. Gunkel, die Streben nach Gewinn ausschließe, und rühmte derselben große Verdienste um Rixdorf nach.' Er verstieg sich sogar zu der Behauptung, daß ohne deren schule die Stadt nicht die EntWickelung gehabt hätte, wie eS tatsächlich der Fall sei. Die Stadtverordneten Wutzky(Soz.) und Dr. Silberstcin(Soz.) wandten sich energisch gegen die wunderlich- Vorlage und ihre unglaubliche Begründung. Daß die Privatschule— so sagten sie— jammerschlecht ist, braucht nicht erst betont zu werden. Sowohl auf die Räume, als auch auf das päda- gogischc Niveau trifft das zu, wie es ja auch bei einem auf Gewinn zugeschnittenen Institut nicht anders sein kann, das sich auf billige Lehrkräfte stützen muß und die Aufwendungen auf ein Minimum beschränkt. Da sollen nun die Steuerzahler herhalten, um diese Zustände einigermaßen zu beseitigen, und zwar so, daß— der Unternehmerin ihr Ueberschuß nicht geschmälert wird. Eine der- artige Begünstigung lehnen wir entschieden ab, wobei uns auch nicht der Köder in der Vorlage lockt, daß beim Eingehen der Gunkelschen Schule die Stadt eine zweite höhere Mädchenschule schaffen müßte, die wesentlich mehr Ausgaben erforderte. Darüber wird dann zu reden sein. Abgesehen vom Prinzip, nach dem Schur- angelegenheiten Sache der Stadt sind, können wir es als Vertreter der Bürger nicht verantworten, daß die Stadt einer Privatschul- lchrerin auf Jahre ihren Gewinn sichert und dieser dann obendrein noch eine Pension zahlt.— Bürgermeister Dr. Wcinreich wollte unfern Genossen nachweisen, wie sie mit ihren Ansichten gegen ihre eigenen.„doch sonst dem Fortschritt dienenden" Parteigrundsätze verstoßen, verunglückte aber kläglich dabei. Er schlug den gleichen logischen Purzelbaum wie Stadtverordneter Rosenow und be» hauptcte, zunächst schaffe man doch bestimmte Einrichtungen und erst dann komme das Bedürfnis für dieselben nach; so sei eS auch mit der Gunkelschen Schule gewesen. Ein weiterer Beweis für diese Theorie sei die Kanalisation.— Es war dem Stadtverordneten Wutzky(Soz.) ein leichtes, die unsere Kulturentwickelung auf den Kopf stellende hürgermeisterliche„Logik" gerade an der Hand der Kanalisationseinrichtung gründlich abzuführen, was auch die zu- stimmende Heiterkeit der Versammlung bewies— nicht zum Behagen des Herrn Bürgermeisters.— Nach weiteren, teils durch stürmische Demonstrationen gegen die Aeußcrungen der sozialdemo- kratischcn Redner unterbrochenen Plänkeleien, bei denen sich noch Stadtverordneter Rahmig in der Rolle des freiwilligen Spaß- nmchers produzierte, nahm die Blockmchrhcit die Vorlage begeistert an.— Mit der Verlegung der Fortbildungsschule für Frauen und Mädchen nach dem Schulhause Elbestraße ist die Versammlung ein- verstanden.— Auch die Anlagx einer 1%. Meter breiten Platten« gehbahn auf dem Bürgersteige des Kottbuser DammS wird ge- nchmigt.— Hierauf folgte eine geheime Sitzung. Ein schweres SittlichkeitSverbrechen wurde gestern abend an der 8 Jahre alten Tochter des Arbeiters Kober, Kaiser-Friedrich-Str. 86, verübt. Das Kind spielte mit einigen anderen Kindern in AbWesen- heit der Eltern auf der Straße. Ein etwa 40 Jahre alter Mann trat an das Mädchen heran und ersuchte eS, mit nach der Wohnung ihrer Eltern zu kommen, da er dort etwas abliefern wolle. In der Wohnung stürzte er sich über das wehrlose Geschöpf her, warf eS zu Boden und steckte ihm einen Knebel in den Mund. Hierauf ver« sing er sich in schwerer Weise an seinem Opfer. Der Unhold brachte ?ein Mädchen auch eine Verletzung bei. Als die Eltern später heim 'ehrten, fanden sie ihr Kind in einem beklagenswerten Zustand vor. Sie brachten es sofort zu einem Arzt in der Nachbarschaft. Der Täter ist leider entkommen. Wilmersdorf. Die Große Berliner Straßentahn hatte an den Magistrat das Ersuchen gerichtet, die Anlegung einer Straßenbahn- Endhaltestelle in der Prinzregenten st raße vor- nehmen zu dürfen. Der Magistrat hat im Einverständnis mit der VcrkehrSdeputation den Antrag unter der Bedingung genehmigt, daß die durch die Verlegung der Schienen entstehenden Mehrkosten der Asphaltierung von der Gesellschaft getragen iverden. Die letzte Sitzung der Stadtverordneten stimmte nach einigem Widerstreben dem Vorschlage zu.— Annahme fand auch eine andere Magistrats- vorläge, für eine gärtnerische Ausgestaltung des Kur- f ü r st e n d a m m e s, entsprechend den Anlagen auf Charlottenburger Gebiet, 7500 M. zu bewilligen.— Auch Wilmersdorf.hat schon seit Jahren unter dem Mißstande der„fliegenden Schul- klaffen" zu leiden. Zu den zwei in der Gemeindeschule I bisher vorhandenen kommt zum Wintersemester noch eine dritte. Der Ma- gistrat ersucht einer Vorlage die Zustimmung zu geben, die die pro- viforische Unterbringung dieser Klassen in der 4. Gemeinde- schule vorsieht. Die zu diesem Zwecke erforderliche Summe von 1600 M. wird von der Stadtverordnetenversammlung bewilligt.— Eine Vorlage des Magistrats beabsichtigt, die für die Asphaltierung der Nürnberger- und Spichernstraße und des Nürnberger Platzes verfügbaren aber durch die Untergrmidbahnprojekte nichtzu verwendenden Mittel zur Asphaltierung der Bernhard-, Lauen- burger- und Geisbergstraße zu verwenden. Diesem An- trage wird mit der durch Stadwerordneten Droese beantragten Er- Weiterung zugestimmt, auch die FürtherStraße zu asphaltieren. Ein Antrag des Stadw. Hebebrand verlangt eine Vermehrung der öffentlichen Bedürfnisanstalten. ES ist charakteristisch für eine Stadt von etwa 86000 Einwohner», daß sie nur vier solcher Häuschen besitzt. Der Bau von zwei weiteren Anstalten ist geplant; aber an eine weitergehende Vermehrung kann in diesem Jahre nicht gedacht werden.— Ans eine Anfrage des Stadtv. K l e t t k e, wieweit die Arbeiten des Magistrats betreffs eventueller Einführung der Bezirks- Wahlen gediehen seien, ergab sich, daß das jetzige Listenlvahliystem noch recht lange erhalten bleibt. Nach Ansicht des Magistrats machen die örtlichen Verhältnisse, die vielen unbebauten Grundstücke zurzeit eine gerechte Bezirlseinteilung unmöglich. Ueberdieö würden die Ergebnisse der 1910 stattfindenden Volkszählung eine Erhöhung der Zahl der Siadtverordneten erforderlich machen; dann könnke praltischerweise im Zusammenhang damit der Frage der Bezirks- einteilung wieder nähergetreten werden. Lichtenberg. Die städtischen Arbeiter beschäftigten sich mn Mittwoch in einer gut besuchten Versammlung mit ihren Anträgen zum nächsten Etat. Eingangs der Versammlung referierte Genosse Spieckermann über die Pflichten der Gemeinden gegenüber den städtischen Arbeitern. Der sehr instruktive Vortrag ivurde mit großem Beifall aufgenommen. Zu den Forderungen, die in ihren Einzelheiten in einer Anzahl Betriebsversammlungen der einzelnen Betriebe durch- beraten waren, sprach Kolleg« Polenske. Die Forderungen be- zwecken in erster Linie eine Verkürzung der Arbeitszeit auf 3 Stunden für die Schichtarbeiter und auf 3 Stunden für alle übrigen Arbeiter..Zurzeit besteht bezüglich der Arbeitszeit in den städtischen Betrieben ein wahres Tohu- wabohu. 8, 9, 10, 12, 18, ja 24 stündige Arbeitszeiten sind in den verschiedensten Betrieben noch vorhanden. Eine generelle Regelung der Arbeitszeit im Sinne der Forderungen ist eine dringende Notwendigkeit. Ferner beantragen die Arbeiter anstelle der jetzigen Stundenlöhne die Einführung von Wochenlöhnen unter Zugrundelegung einer wöchentlichen Arbeitszeit von sechs Tagen zu neun Stunden bezw. sechs Schichten zu acht Stunden, Gefordert wird ein Mindestwochenlohn von 2ö M. Der Höchstlohn soll nach fünf Jahren erreicht werden. Tie Lohnzulagen sollen alljährlich erfolgen. Die Arbeiter wollen damit dem jetzigen System der Zulagen, die in das Belieben der Vorgesetzten gestellt sind, ein Ende bereiten. Weiter Iverden Zuschläge für Üeberarbeit gefordert und zwar 50 Proz. für Ueberstunden und 100 Proz. für Sonn-, Feiertags- und Nachtarbeit. Wie miserabel es mit der Be- zahlung m einzelnen Verwaltungen bestellt ist, zeigt ein Blick in den Etat 1306 für den Friedhof. Dort sind z. B. für 8 Arbeiter und 2 Arbeiterinnen, also 10 Personen, ganze 9500 M. an Lohnsunnnen festgesetzt. Abgesehen davon, daß die Stadt die Verpflichtung hat, in ihrem eigenen Interesse für eine auskömmliche Entlohnung der Arbeiter zu sorgen, steht fest, daß die Mehrzahl der städtischen Arbeiter in den gewerblichen Betrieben der Stadt beschäftigt sind, Betriebe, die im letzten Jahre wieder ganz bedeutende Reingewinne ergeben haben. So z. B. das Gaswerk bei einer Arbeiterzahl von zirka 100 einen Rein- gelvinn von 170 000 M. neben IS 000 M. Gewinn anS dem Magazin und 2S V00 M. Abschreibungen. Im Wasserwerk sind diese Zahlen 150 000 M., 25 000 M. und 25 000 M., im Elektrizitätswerk 40 000 M., 6000 M. und 25000 M. Nebenher läuft noch eine ziem- lich hohe Amortisation der für die Werke aufkjenonunenen Anleihen. Der finanzielle Stand der Werke ist also em derartiger, daß die Frage:„kann" die Stadtverwaltung den Anträgen der Arbeiter Rechnung tragen, mit einem Ja beantwortet werden muß. Stach kurzer Diskussion gab die Versammlung durch einstimmige Annahme einer die Forderungen formulierenden Resolution den Anträgen ihre Zustimmung. Erwähnt sei noch, daß das Koalitionsrecht in den Betrieben der Stadt Lichtenberg noch nicht voll zur Anerkennung gelangt ist. Neben Klagen aus dem Elektrizitätswerk nach dieser Richtung ist eS in der Kläranlage ein Herr Eichmann, der sich dazu berufen fühlt, die Arbeiter von der Wahrnehmung ihrer ihnen gesetzlich gewährleisteten Rechte abzuhalten. Nieder-Schönetveide. Die letzte Gemcindevrrtretersitzung setzte den Termin der Ersatz- wähl zur Gemeindevertretung auf den 23. September fest. Die Wahlzeit ist von mittags 12 bis abends 8 Uhr. In einer früheren Sitzung hatte die Vertretung beschlossen, die Lehrer an der Knaben- Vorschule ebenso zu besolden wie die Volksschullehrer, jedoch wurde die Gewährung einer pensionsfähigen Funktionszulage abgelehnt. Dieser Beschluß ist von der Regierung nicht genehmigt worden,»nt der Motivierung, daß die Funktionszulage bei den höheren Lehr Personen mindestens 150 M. jährlich betragen muß. Es wurde deS halb ein Antrag der Schuldeputation angenommen, das Grundgehalt der Lehrer an den höheren Schulen auf 1550 M., bei einstweilig angestellten oder solchen, die noch nicht vier Jahre amtieren, auf 1270 M. zu erhöhen; die AltcrSzulage soll 250 M.. die MietS- enlschädigung 650 M., für noch nicht vier Jahre tätige Lehrer 400 M. betragen. Trotz eifrigster Agitation seitens der beiden HanS- besitzervereine sind die Anmeldungen zu derKnabenvorschule nur geringen UmfangeS. Die Schilldeputation hat deshalb beschlossen, eine MichaeliSklasie nicht einzurichten; jedoch soll es bei einer zwei maligen Einschulung bleiben. Die Kjnder solcher Eltern, welche die Einschulung zum Oktober wünschen, sollen in die letzte Mädchen- klasse aufgenommen werden; wünschen die Eltern dies nicht, so soll die Einschulung erst zum 1. April erfolgen und wird in diesen Fällen von der Gemeinde eine halbjährige Dispcnsion vom Unterricht bei der Regierung nachgesucht werden. Nach längerer Debatte wurde dem Beschlüsse der Schuldeputation zugestimmt. Der Aus zahlnng der etatSmäßig bewilligten 5000 M. an den Eigentümer Winkelmann wurde zugestimnit. Potsdam. Die Hand gespalten. Der in NowaweZ wohnhafte Maschinist Klicmann des Dampfers„Habermann" der kgl. Wasserbauinspektion wollte heute vormittag für ein undichtes Auspuffrohr einen Holz- pfropfen zurechtmachen. Beim Zuspitzen dcS Holzes nnt einem Beil ging ein kräftig geführter Hieb daneben und spaltete die linke Hand. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde Kl. ins städtische Krankenhaus gebracht.' Interessante Taucherübunge» kann man in diesen Tagen bei der Sacrower Fähre beobachten. 150 Meter von der Fähre ab standen seit einiger Zeit in der Sacrower Enge zivei Prähme mit einem Bohrgerüst verankert, von dem ein eisernes Rohr zur Ermittelung der Grunderde und Baufähigkeit des Bodens für einen Brückenbau in eine Tiefe von SV Meter getrieben worden war. Gestern in aller Frühe wurden die Prähme von einem Schleppzug angerannt. und binnen weniger Minuten sanken sie mit allen Werk- zeugen und Vorrichtungen. Zur Hebung der Geräte und Werkzeuge werden zwei Taucher eintreffen, die mit den Skophander- anzügcn in die Tiefe tauchen Iverden. Ketschendorf. In der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvercins hielt Genosse P a g e l s- Rixdorf einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag über„Die modernen Klassenkämpfe und unsere Aufgaben". Im letzten Teil seiner Ausführungen streifte er die Budgetbewillignng durch die süddeutschen LandtagSfraktionen. Redner bedauert das Abweichen von der bisherigen zielklaren Taktik. Die sich an das Referat anschließende Diskussion bewegte sich in gleichem Sinne.— ES folgten die Berichte über die Generalversammlung deS Zentral- wahlvereinS und der VcrbandSgcneralversammlung. Der Bericht- erstatter der letzteren brachte im Anschluß daran folgende Resolution ein:„Die heute, am 15. September, tagende WahlvereinSversamm- lung protestiert gegen die Festsetzung des Frauenbeitrages auf 10 Pf. monatlich. Die Versammlung fordert den Zentralvorstand auf, Mittel zu ergreifen, um diesen Beschluß aufzuheben und den Beitrag auf 20 Pf., wie in der übrigen Provinz Brandenburg, festzusetzen." Nach eingehender Diskussion fand die Resolution ein- st i m m i g e Annahme, Zum Schluß der Versammlung wurde vom Vorsitzenden noch bekannt gegeben, daß zwecks Agitation unter den Frauen zur nächsten Versammlung eine Genossin als Referentin ge- Wonnen werden solle. Vermifcbtes. Tie Cholera. Die Gefahr einer Verschleppung der Cholera nimmt eklistere Gestalt an. Wie notwendig die strengste Kontrolle der aus Rußland kommenden Passagiere auf Dampfern und Eisenbahnen ist, zeigt die Tatsache, daß nach einer telegraphischen Meldung aus HelsingforS der englische Dampfer„Saxon" gestern in Säkkijärvi mit ch olera- verdächtigen Krankheitsfällen an Bord angekommen ist. Im Laufe der Nacht starb der Steuermann; es liegt, wie festgestellt wurde, Cholera vor. Das Schiff geht morgen zur Quarantäne und Desinfektion nach Trängsund; die Kranken der Besatzung werden ins dortige Cholerakrankenhans gebracht werden. Im Cholerahospital auf Björkö starb gestern früh ein finnischer Seemann unter cho lera v erd ä ch tig e nErscheinungen. — Der Präfekt des französischen Norddepartements hat die ihm unterstellten Behörden angewiesen, die gebotenen Vorsichtsmaßregeln gegenüber Reisenden, die aus Rußland kommen, anzuwenden. In Petersburg rafft die Seuche von Tag zu Tag immer neue Hunderte von Menschen fort. Nach den vorliegenden Nach- richten sind von vorgestern mittag bis gestern mittag 632 Personen an Cholera erkrankt, 125 Cholerakranke sind ge- storben. Die Gesamtziffer der Erkrankten beträgt jetzt 1061. Seit dem Beginn der Epidemie in Petersburg sind 1669 Personen erkrankt und 488 gestorben. Die städtischen Schulen sind für anderthalb Monate geschlossen. In den Schulgebändcn werden Hospitäler eingerichtet. Zahlreiche Fremde ver- lassen die Stadt._ Verschollene SchiffSinannschast. Arn 2. Juli ist bei Wellington(Island) das Hamburger Vollschiff„Palmyra" gestrandet. Von einem voot wurden 16 Personen an Bord genommen. Am 22. August entsandte nun die Reederei S. La eis z, der� das Schiff„Palmyra" gehört, einen Dampfer, um das Boot aufzusuchen. Der Dampfer ist gestern zurückgekehrt, ohne von dem Boot oder seiner Besatz ting irgend eine Spur zu finden._ Der provisorische Ofen. Die Ehefrau des Arbeiters Müller in Tangermünde litt vor einigen Tagen besonders unter der frostigen Witterung, wollte aber noch nicht heizen. Um sich nun ein bißchen zu erwarmen, setzte sie sich aus einen mit glühenden Kohlen gefüllten Eimer. Bald schlief die Frau auf diesem provisorischen Ofen ein und durch die ausströmenden Kohlenoxydgase wurde sie betäubt. Ihre Kleider fingen nun Feuer. Durch den Brandgeruch wurden Nachbarn aufmerksam gemacht und befreiten die Besinnungslose aus ihrer lebensgefährlichen Lage. Mit schweren Brandwunden wurde die Frau nach dem städtischen Krankenhause gebracht. Schulde» wie ein Major. In dem Konkursverfahren über den Nachlaß eines verstorbenen Oberstleutnants von Alven sieben in Schöncberg soll die Schlußverteilung der„Masse" erfolgen. Die nicht bevorrechtigten Forderungen belausen sich auf rund 30 4 600 Mark, zur Deckung derselben steht ein Bestand von 2583 Mark zur Verfügung. Die Konkursgläubiger erhalten also noch nicht ein Prozent ihrer Forderungen. Krieg im Frieden. Bei Artillerieübungen zwischen Mcalvaro und San Fernan'so in Spanien wurden der„Epoca" zufolge fünfzehn Artille- risten durch eine Geschützexplosion, teilweise schwer, verletzt._ Ein wildgewordener Elefant führte gestern nn Budapest er Tiergarten ein schweres Unglück herbei. Er erfaßte«inen Wärter, der ihn geputzt und gereinigt hatte, mit dem Rüssel, drückte ihn gegen die Wand und durchbohrte mit seinen Stoßzähnen den Körper des Unglücklichen. Der Wärter wurde tödlich verletzt in das Krankenhaus übergeführt. Der Elefant hatte schon früher einen Wärter getötet. Oessentliche Blbliothek nnd Lesehalle zu mientgeltlich« Bt> »ntznng für jedcrmami, 81V., Sllexandrinenstr. 26. Geöffnet täglich von 5'/,—IS Uhr abends, cm Soun- und Feiertagen von 3—1 und 6— 6 Uhr. In den Lesesälen liegen zurzeit 515 Zeitungen und Zeitschristen jeder Art und Richtung auS. Allgemeine Kranken- nnd Sterbekafle der Metallarbeiter Hamburg.(E. H. 29.) Berlin 3: Heute, abends« Uhr, im Gelverk- schcistShause, Engeluscr 15, Saal 7.— Berlin 4: Heute, abends 8'/, Uhr, bei MerkoivSki, Andreasstr. 26. Sektion der wandergewcrbetreibenden Geschäftslente(Berlin nnd Umgegend): Heute, abend« S Uhr, bei Dräsel, Reue Friedrichstr. 35. Deutscher Nrbeitcr'Nbsttnrntcu-Bnnd. Ortsgruppe Berlin. Der Ausflug nach Buch wird der Friedenskundgebung am Sonntag wegen bis aus weiteres vertagt. Fretreltgtsse Geuieiude. Sonnlag, den 20. September, vormittag« 19 Uhr, in Frevers Festsälcn, Koppenstr. 29: Feier der Jugendausnahme. Die Festrede hält Herr Dr. Bruno Wille über das Them»:„Wir leben fort in unseren Kindern." Eintrilt für Erwachsene 23 Ps., für Kinder 13 Ps._ Witteruugsilbcrstcht vom 18. September 1908, morgens 8 Ubr. Stationen L 2 II vs .6 A 85.? Swtnemde. 770 750 Hainburg 769 OSO Berlin 770 Still Franfj.a.K.i 768 NO iNüiicheu 1768 Still Wien 76«« Detter 1 wölken! 2 Dunst — wollen! 1 heiter - wollenl 1 bedeckt w« h Stationen i? Havaranda i??! Still Petersburg 769 NW Scilly Äberdeen Pari» 759 SsO 760 S 764 OSO - wollen! 1 Nebel 1 Nebel 3 wollig 2wolkinl Wetterprognose für Sonnabend, den 19. September 1998. Trocken und vorwiegend heiter, nachts kühl, am Tage mild bei schwache» östlichen Winden. Berliner Wetterburea» WaflerftandS.Nachrichte» der LaiideZcuistolt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e l, Tilsit P r e g e I, Jnsterburg W e i ch I e l. Thor» Oder, Rattbor 0 Strossen . Frankfurt Warthe, Schrimm , LandSierg Rede, Bordamm Elbe, Leitmeritz 0 Dresden 0 Barby 0 Magdeburg 1+ bedeutet Wuchs,— Fall,—•) Unlerpegrl,—•) höchster Stand: 835 cm am 16. um 6 Uhr nachm. *** H. Greifenhagen Nachf. Brunnenstr. 17-18. Veteranenstr. 1-2. 3 Waggon Emaille, Porzellan, Steingut so lange Vorrat Emaille grau 85 PL. 50 60 cm Eimer.. 68 Pf., noubiau.. Ovale Wannen neublau.. 40 hervorragend billig WirtschaftsArtikel 95 PL. 1.95 2.95 Möbelklopfer..48 38 18 P. Eimer bunt oder Delft, mit Deckel..... 1.95 Kehrschaufeln weiss oder neublau 38 Pt. Teigschüsseln 38 42 46 cm rund, mit Henkel, neublau 1.50 1.95 2.75 Wasserkessel gross.. 68 50 PL. Schöpflöffel..... 18 28 P. Kaffeekannen ca. 5 Tassen Inhalt 50 PL. Sand- Soda- Seife- Garnitur 98 Pl. m. Einsatz u. Rohrbügel 2.95 Toilette- Eimer Steingut Spiritus Gaskocher 98 58 38 P. Kaffeemühlen..... 78 Pf. Verzinnte Waschtöpfe mit Ring. .4.85 3.95 2.50 Stück Küchen- Waagen 1.00 Eiserne Storesstangen 48 Pl. 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Souabend, 19. September 1908. Die städtischen Arbeiter proteftieren! Aus diesen Gründen nehmen die städtischen Arbeiter die von den Stadtverordneten in brüster Weise abgelehnten Anträge der sozialdemokratischen Fraktion von neuem auf. Die Versammelten beauftragen die Ortsverwaltung des Gemeindearbeiterverbandes und die Arbeiterausschüsse, diese Forderungen unverzüglich dem Magistrat beztv. den Betriebsverwaltungen zu übermitteln und erwarten von ihren Vertretern energische Wahrung ihrer Interessen, von den genannten Behörden aber eingehende Würdigung und Anerkennung ihrer berechtigten und wohlbegründeten Anträge. sammlung der städtischen Arbeiter Berlins nimmt empört Kenntnis geblich zur Kirche zu gehen. Als sie in später Abendstunde noch von der verständnis- und rücksichtslosen Behandlung, welche den nicht wieder zu Hause war und der Vater auf telephonische AnAnträgen der sozialdemokratischen Fraktion auf Verbesserung frage erfahren hatte, daß sie beim Gutsverwalter Seume sei, verder Arbeitsverhältnisse in der Stadtverordneten- Sitzung am mutete der Förster, daß seine Tochter wieder einer Andachtsübung 10. September zuteil wurde. des Weißenberg beiwohne, und seine Ahnungen hatten ihn nicht geDie Versammelten erklären demgegenüber: täuscht; denn abends in der zehnten Stunde wurde seine Tochter 1. daß die in den städtischen Betrieben gezahlten Löhne von Weißenberg und dem Rechnungsführer Tschiabas, ( u. a. 3,50 und 3,75 M. pro Tag) bei den gegenwärtigen auch ein Anhänger Weißenbergs, per Wagen nach der Oberförsterei Teuerungsverhältnissen in keiner Weise zum Unterhalt der gebracht. Hierüber furchtbar in Wut geratend, ergriff der Förster Familie genügen und unbedingt der Aufbesserung, bedürfen; einen Stod und verbläute den Gesundbeter und seinen An2. daß die unhaltbare Verworrenheit und Zerrissenheit der hänger ganz gehörig. Als er auf Weißenberg einschlug, rief ihm Arbeitsverhältnisse in den verschiedenen Betrieben nur seine Tochter zu: Vater, schlage ihn nicht, er ist mein durch eine allgemeine Arbeitsordnung, zu deren Schaffung eiland!" Auf die Strafanzeige der beiden Verprügelten die sozialdemokratischen Anträge einen ersten Schritt be- wurde die Anklage gegen den Förster erhoben. Der als Zeuge verdeuteten, beseitigt werden kann. nommene Weißenberg befundete, er wäre gegen Mittag des 21. Juli zu dem Gutsverivalter Seume gerufen mit dem Bescheide, Fräulein Bohm wäre dort in Ohnmacht gefallen. Noch ehe er das Zimmer betrat, hörte er, wie Fräulein Bohm rief: Komm nur, Du tannst mich erwecken. Er sei dann in das Zimmer getreten und habe heftig auf den Geist, von dem die junge Dame besessen, und welchen er sah, eingeredet, und nach kurzer Zeit war derselbe gewichen. Abends sei er dann noch einmal gekommen und habe eine Andacht abgehalten, an welcher auch Fräulein Bohm teilnahm, und hierbei wäre sie wieder in einen leichten Krampfzustand ver= fallen, von welchem er sie aber bald wieder befreite. Da es nun schon ziemlich spät war, habe er sich entschlossen, mit dem Rechnungsführer Tschiabas die junge Dame per Wagen nach Hause zu bringen, und hier hätten sie dann von dem Angeklagten ihre Hiebe bekommen. Er nähme ihm das aber nicht übel, denn der Herr Förster habe auch einen Geist, der ihn dazu ge trieben. Zu dieser Verhandlung war auch der praktische Arzt Dr. Moltenius aus Seegefeld geladen, der ausführte, daß der Förster infolge einer längeren Krankheit sehr nervös und aufgeregt sei. Er habe in dem Augenblic, als er die Tat beging, vor Aufregung nicht In der Diskussion sprachen zahlreiche Arbeiter im Sinne des gewußt, was er tat. Der§ 51 des Strafgesetzbuchs finde hier AnFreisprechung. Referats. Von allen Seiten wurde darauf hingewiesen, daß aufwendung. Auf Grund dieses Gutachtens erkannte das Gericht auf die Freisinnigen kein Arbeiter sich verlassen könne. Lebhaft be= dauert wurde die Zersplitterung der Gemeindearbeiter in zahlreiche fleine Vereine, die vollständig bedeutungslos sind und sogar müsse die eine große Organisation sein, in der sich alle zusammen ist am 15. Juli der Maler Hermann Zehr wegen Rückfalldiebstahls Schaden stiften. Der Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter finden, um gemeinsam ihre Rechte geltend zu machen, Die Re= solution wurde einstimmig angenommen. Die geradezu schmähliche Art der Erledigung ihrer Angelegenheiten in der Stadtverordneten- Versammlung ist den Versammelten ein neuer Beweis für die Notwendigkeit der Selbsthilfe. Sie erneuern daher ihr schon wiederholt abgegebenes Befenntnis der Zugehörigkeit zur modernen Arbeiterbewegung und fordern alle Arbeitskollegen kategorisch zum Anschluß an den Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter auf, um gegebenenfalls die Verbesserung ihrer Lebenslage mit den gewerkschaftlichen Machtmitteln erkämpfen zu können." Eine große Protestfundgebung der städtischen Arbeiter von Berlin fand am Donnerstagabend bei Freher in der Koppenstraße statt. Saal und Galerien waren bis auf den letzten Blaz gefüllt. Unverblümt gaben die Arbeiter ihrer Erbitterung über die Haltung der Mehrheitsparteien in der Stadtverordnetenversammlung vom 10. September Ausdruck und erhoben einen scharfen Protest dagegen, daß ihre berechtigten Forderungen durch einen Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung" einfach beiseite geschoben wurden. Der Referent des Abends, der Stadtverordnete Dr. Weyl, fand mit seiner scharfen Kritik an der Stadt Berlin als Arbeitgeberin den stürmischen Beifall der Versammelten. Er wies darauf hin, daß ein Vertreter der Mehrheitsparteien in jener Sihung selbst erflärt hatte, die Ablehnung der Anträge auf Verbesserung der Lebensbedingungen der Gemeindearbeiter müsse eine heftige Verbitterung unter den Zurückgewiesenen hervorrufen, aber die Vorwürfe dieses Mannes richteten sich nicht etwa gegen seine Parteifreunde, sondern gegen die sozialdemokratische Fraktion im Stadt parlament, weil sie diese Anträge vorlegte und die Annahme derfelben forderte. Dazu waren aber die sozialdemokratischen Vertreter verpflichtet als die erwählten Sachwalter der Interessen der Arbeiterschaft. Man hätte sogar erwarten dürfen, daß die Verwaltung von Berlin selbst mit einer Vorlage gekommen wäre, um die Löhne der städtischen Arbeiter zu erhöhen, nachdem die Stadt in einer Eingabe an den Reichstag gegen die Erhöhung der Zölle und indirekten Steuern ihre Bedenken geltend gemacht hatte. Die herrschende Teuerung ist von den Stadtbehörden anerkannt worden, aber eine Erhöhung der Einnahmen der Gemeindearbeiter wird Beharrlich verweigert. Wenn in einzelnen Betrieben kleine Lohnaufbesserungen, die auch nur Pfennigfuchserei darstellen, eingetreten sind, so hat man damit nur ein wenig dem Drängen und ftetigen Mahnen der Arbeitervertreter nachgegeben. Die Gründe, welche die Gegner veranlaßten, den Anträgen der Arbeiter stattzugeben, kennzeichnete der Redner in gründlichen Ausführungen als durchaus haltlos, als leere Ausflüchte. Sie wollen eben nichts bewilligen, erflärte er. Die Arbeiter sind keine Macht, die sie zu fürchten hätten. Von einer Sozialpolitik will man nichts wissen, sprach die Anträge der Arbeiter und zeigte, wie bescheiden die man treibt nur eine rüdsichtslose Finanzpolitik. Der Redner beForderungen gehalten sind. Große Anerkennung verdiene die Geduld, welche die Arbeiter bewiesen haben, indem sie allen Einfprüchen begegneten und überall anklopften, um zu ihrem Rechte zu gelangen. Man dürfe fich schließlich nicht wundern, wenn städtische Arbeiter die Armenverwaltung in Anspruch nehmen, weil fie bei ihrer geringen Entlohnung nicht auskommen. Die Geduld der städtischen Arbeiter könne auch einmal ein Ende nehmen. So sehr eine Arbeitseinstellung der Gemeindearbeiter von Berlin zu Daß es immer noch Leute gibt, von denen man jagr, fie werden bedauern wäre, so müßte doch die Wirkung eine außerordentliche nicht alle, bewies eine Verhandlung am Donnerstag vor dem sein, wenn eine solche Gefahr allen Ernstes droht. Die Drohung Schöffengericht zu Spandau gegen den fönigl. Förster Bohm aus allein wäre schon mächtig. Dazu gehört freilich zuerst, daß die Finkenkrug wegen Körperverleßung. In dem Dorfe Seegefeld Arbeiter sich in einer starken Organisation zusammentun, und das treibt seit einiger Zeit ein Magnetiseur, Spiritist und Amtlicher Marktbericht der Städtischen Markthallen Direktion über Marktlage: Fleisch: müßte der Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter sein. Nach Gesundbeter namens Weißenberg sein Wesen. Derselbe den Großhandel in den 8entral- Markthallen. der jezigen Lage der Dinge müßten die städtischen Arbeiter sich hält u. a. auch bei dem Gutsveripalter Seume zu Seegefeld ber- Zufuhr genügend, Geschäft flau, Preise unverändert. Bild: Bufuhr mäßig, Geflügel: Bufuhr sehr reichfagen, daß ein Kriegszustand. zwischen ihnen und der Stadt schiedentlich spiritistische Andachten ab und hat im Dorfe Geschäft rege, Breise wenig verändert. besteht( Starker Beifall), und da ist es ihre Pflicht, fest zusammen- eine ziemlich große Schar bon Anhängern, meist der begüter- lich, Geschäft lebhaft, Preise in Gänsen nicht befriedigend, sonst gut. Fische: Zufuhr genügend, Geschäft etwas lebhafter, Breise wenig berzustehen und unablässig für ihre Organisation zu agitieren. Der ten klasse angehörend. Zu den Besuchern dieser Andachten geändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Redner empfahl die folgende Resolution zur Annahme: hörte auch, gegen den Willen ihres Vaters, die 18 jährige Tochter Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr genügend, in Aepfeln Die im großen Saale von Freyer, Stoppenstraße 29, am des Försters Bohm, namens Waldtraud. Am 21. Juli cr. fuhr Frl. und Pflaumen über Bedarf. Geschäft etwas lebhafter, aber nicht befriedigend, 17. September tagende, von über 3000 Personen besuchte Ver-| Waltraud mit ihrem Rade von Finkenkrug nach Seegefeld, um an- Breise unwesentlich verändert. Gerichts- Zeitung. Gesundbeter. Fortsetzung des Komischer Heiliger. Eine höchst sonderbare Straftat gelangte Donnerstag gur Kenntnis des Reichsgerichts. Vom Landgerichte Halberstadt zu drei Monaten Gefängnis berurteilt worden. Er saß in Quedlinburg im Gefängnis und sollte am 17. Juni nach Bremen übergeführt werden. Vorher tourde er am ganzen Körper genau untersucht. Hierbei fand man unter seinen Kleidern versteckt ein dem Justiz fistus gehören. des Neues Testament, welches in eine andere Zelle gehörte. Das Gericht hat festgestellt, daß der Angeklagte sich dieses fremde Vermögensstück rechtswidrig angeeignet hat. Die Revision des Angeklagten wurde vom Reichsgerichte verworfen Serien- Verkaufs Schuhwaren- Fabrikate Sonstiger Preis M. 3,90 Serie I Sonstige Preise M. 4.50-4.80 unserer bewährten > zu befonders günftigen Ausnahme- Preifen!< DamenSpangenschuhe 2,90 für die Straße DamenSerie II Promenadenschuhe 3,50 Sonstiger Preis M. 5.90 zum Knöpfen und Schnüren Damen-, HerrenSerie III Strapazierstiefel Sonstige Preise M. 6.90-7.50 gutes Wichsleder Damen-, HerrenDamen- und Herrenstiefel bestes Chrom4,50 Serie IV Schnür- u. Schnallen- 5,50 Sonstiger Preis M. 7,50 Serie V Stiefel, vorzügl. Qualität Herrenleder teils mit Lackkappe. TACK Der Verkauf findet nur in unseren folgenden Filialen statt, worauf wir zu achten bitten! Berlin N., Reinickendorfer Straße 12 feinstes Box" 男 ,, Calf, amerik. Formen, 39 AusnahmeAusnahme" Preis Schaftstiefel 6,50 7,50 extra starker Boden SchuhFabrik Preis N.. 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Massenbesuch erwarten Die Einberufer: Eugen Ernst für den Verband sozialdemokratischer Wahlvereine. Alwin Körsten für die Berliner Gewerkschaftskommission. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Berlin. Branche der Vergolder. Montag, 21. September er., abends 8 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 58/59: Branchen- Versammlung. Zages Drdnung: 1. Vor breißig Jahren". Bortrag des Genoffen M. Schütte. 2. Diskussion. 3. Neuwahl des Branchenleiters. 4. Berschiedenes. Eintritt nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches. Bahlreiches Erscheinen dringend notwendig. 90/ 14* Der Branchenletter Deutscher Metallarbeiter- Verband Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Sauptbureau: Hoj I. Amt 3, 1239. Charitéstraße 3. Hof III. Amt 3, 1987. Montag, den 21. September 1908, abends 8 Uhr: Allgemeine Versammlung aller in den Schleifereien n. galvanischen Anstalten beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15, Saal 4. Zages Drdnung: Vortrag des Herrn Profeffor Dr. Sommerfeldt über: „ Ursache, Wirkung und Verhütung der Berufskrankheiten in unferem Beruf." Borgeführt durch zahlreiche Lichtbilder und Präparate. Zu dieser Versammlung lönnen die Kollegen ihre Frauen mitbringen. Bur Dedung der Unkosten wird ein Betrag von 20 Bf. erhoben. Bahlreicher Besuch wird erwartet. Montag, den 21. September 1908, abends 6 Uhr: Versammlung für die Metallarbeiter und Arbeiterinnen von Reinickendorf- Ost im Lokal von Sadau, Reinickendorf, Residenzstr. 124. Zages Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Bahn. fchafts- Unterkommission. 3. Berschiedenes. 2. Neuwahl der Gewerk. Die Wichtigkeit der Tages- Ordnung macht es jedem Metallarbeiter von Neinidendorf- Dit aur Pflicht, in der Bersammlung zu erscheinen. Die Vertrauenslente D. Perlebers Spezialhaus für Herren- und Knabenbekleidung Chausseestr. 63* Ecke Liesenstr. 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Gesezt wird: " Für je 50 Mitglieder einen Bers treter. Und: Für je 40 von den Arbeitgebern befchäftigte Staffenmit glieder". Gefekt wird: Für je 100 von den Arbeitgebern beschäftigte Raffenmitglieder einen Vertreter." 4. Sonstige Sassenangelegenheiten. Um pünktliches Erscheinen wird bringend ersucht. Die zugefandte Einladung legitimiert, ohne dieselbe fein Einlaß Der Vorstand. C. Frize, Bors, Stottbuserdamm 101. Centralhaus moderner Herrenkleidung Neue Friedrichstr. 35, neben der Zentral- Markthalle, liefert an jedermann elegante Herren- Garderoben Maß Dr. Schünemann nach was und fertig unter Ga Spezial- Arzt für 36462 Hant- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrichstr. 203, Ede Schüßenstr. 10-2, 5-7, Sonnt. 10-12 Uhr. rantie für tadellosen Siz gegen wöchentl. Teilzahlung von 1 M. an. Zuschneiderei u. Wertstättent.Hause. Auf Wunsch Besuch des Reisenden mit neuesten Stoffmustern. Sonntags geöffnet. 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Run traten Gottmannshausen und Gola an Westphal über das Gesicht lief. Sie packte ihn nun, um seine Festheran und erklärten ihm: Was willst du Vollgefressener? Was stellung zu veranlassen, an dem von ihm um den Hals getragenen Bildete die Grundlage einer Anklage wegen Körperverlegung, die die hat der Vollgefressene zu beftellen?" Dabei stieß der Angeklagte Golz Schlingengriff, wodurch die Schlinge sich zuzog. Einer der AnFangbeamten Albert Golz, Friedrich Gottmannshausen, ihn mit der Hand in das Gesicht und schlug ihn mit dem geklagten sprang feinem Kollegen zu Hilfe und es entspann sich ein Balter Kretschmer und Mag Sommerfeld vor die fünfte olagriff seiner Schlinge eine blutende Wunde am heftiges Ringen, wobei die blutende Frau w. auf den Straßendamm Straftammer des Landgerichts I führte. Das Schöffengericht hatte Stopf. Gleichzeitig stürzten auch Stretschmer und Sommerfeld auf gefchleift wurde. Diefen Tatbestand hat das Schöffengericht als seinerzeit folgenden Tatbestand festgestellt: Am 18. Oftober b. J. Westphal los und schlugen mit den Fäusten derartig auf durch die Beweisaufnahme festgestellt erachtet. Gola wurde zu jagten die vier Angeklagten in der Mehnerstraße hinter einem maul- ihn ein, daß er ohnmächtig wurde. Ein anwesender junger zwei Monaten, Kreticmer zu jech s 23ochen, torblosen Hunde her. Der in der Mehnerstr. 6 wohnende Schant- Mann sprang hierauf vor und schützte den zusammenbrechenden W. Sommerfeld zu einem Monat Gefängnis verurteilt. wirt Westphal, der mit seiner Ehefrau in der Tür seines Lokals durch Vorhalten eines Stuhles. Er wurde aber zur Seite gestoßen Gottmannshausen tam mit einer Geldstrafe davon. Die stand und der Jagd zufah, rief dabei aus:" Den Hund friegen sie und die Angeklagten wollten in das Lokal dringen. Als Straffammer verwarf die Berufung der Angeklagten. Warenhaus Wilhelm Stein Berlin N, Chausseestrasse 70-71. 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