Pr. 223. Bbonncments-Bcdingungen: ■Sonncmenlä• Preis vränumercmdo, vierieljährl. Z.Z0 Ml, monatl. l.lv Ml.. »vöchenllich 28 Pfg. srei WS HauS. Einzelne Nummer 6 Pfg. EonrUagZ. Nummer nüt Muslricrlcr TomitagS- BeUage.Die Neue Welt' lo Pfg. Post- Wonncment: 1.10 Marl vro Monat. Eingetragen w die Post-ZeitungZ- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutichland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl dro Monat. PostabonnemeMS nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweis, öWitlDl tiatl« auBtr mootuL 25> Jahrg. Verlinev Volksblcttt. vle snlertlsnz-eediids leträgt für die sechszespaltene Kolonel« »eile oder deren Raum M Pfg, für volitische und gewerlschastlichc BercinZ- und Perlammllings-Anzeigen 30 Pfg. „Kleine Hnreigen", das erste(fettgedruckte) Wort 20 Pfg, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellcn-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg, jede? weitere Wort 5 Pfg. Worte über lö Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nüchsic Nummer müssen bis SNhr nachmittags in der Expedition »bgegeben werden. Tie Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „SKisWilMliral BtrUn". Zcntralorgan der fozialdcmokrat! feben Partei Deutfcblanda. Redaktion: 8W. 68, Lindcnetrasae 69. Fernsprecher: Slmt IV, Str. 1383. Mittwoch, den Ä3. September Expedition: 8M. 68, Lindenatrasee 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Hbonnicrt auf den„Vorwärts"! Ter bevorstehende Winter stellt doZ deutsche Volk vor schwere politische Entscheidungen. Durch die frivole Finanzwirtschaft der herrschenden Parteien, durch ihre leichtfertige Bewilligung stetig steigernder HeercS- und Floticnvermehrungsforderungen, ohne die Beschaffung der zur Deckung nötigen Geldmittel, sieht sich die Ne- gierung zu einer neuen, umfassenden Reichsfinanz- reform gezwungen, zu einer noch weit schärferen Anziehung der Steuerschraube als vor zwei Jahren. Noch sind die neuen Steuer Projekte de3 Reichsschatzamtes nicht in ihren Einzelheiten bekannt: aber sicher ist, daß die jährliche Steuerlast um mindestens 400 Millionen Mark erhöht werden soll, und daß von dieser enormen Summe mindestens 300 Millionen Mark durch Erhöhung der Steuern auf Bier, Tabak und Branntwein aufgebracht, also aus der breiten Masse des werktätigen Volkes herausgepreßt werden sollen. Im Reichstag wird der Kampf um die geplante Steuer- Vermehrung auSgcfochten. Seine Verhandlungen werden also in den kommenden Monaten von besonders schwerwiegender Bedeutung sein. In einer politisch so bewegten Zeit darf in keinem Arbeiter- Haushalt das Blatt der zur Erkenntnis ihrer Lage gelangten Berliner Arbeiterschaft: der„Norwärts" fehlen; denn nur er vertritt schneidig und energisch, ohne Rückstcht auf die Anfeindungen der Staatsgewalt und der herrschenden Klassen, das Interesse der nach der Verbesserung ihrer Wirtschaft- lichen Lage, nach Befreiung aus den Fesseln dcS Kapitalismus strebenden Arbeiterklasse. Und die Ueberschüsfe, die der„Vorwärts" abwirft, fließen nicht in die Privatkasse eines reichen Unternehmers zur Vermehrung seines Vermögens, sondern in die sozialdcmo- lratische Parteikasse, das heißt in den Kampffonds deS deutschen Proletariats; sie kommen also der Arbeiterklasse dadurch, daß sie ihre Kampfmittel verstärken, selb st wieder zu gute. Doch nicht nur die innere Reichspolitik steht vor schweren Auf- gaben; auch«if dem Gebiete der Auslandspolitik ist die Lage nicht minder ernst. Durch den Sultanwechscl in Marokko ist der Gegen- satz zwischen der deutschen und französischen Marokkopolitik aufs neue verschärft worden; und ferner hat der überraschende Umschwung in der Türlei, der Sieg der jungtürkischen Refonnbewegung, aus der Balkanhalbinsel eine Reihe neuer bedeutsamer Fragen aufgeworfen. Außerdem stehen höchst wichtige Beratungen im Pmfßifcben Hbgeordnetenbaufe bevor, in dem zum erstenmal die sozialdemokratische Arveiterschaft durch eine eigene Fraktion vertreten ist. Die neue Session wird schon im Oktober beginnen Sieben der Besoldungsauf- besserung für Beamte und Lehrer werden vornehmlich Steuererhöhungen und schulpolitische Fragen zur Verhandlung gelangen und unseren Landtagsabgeordneten Gelegen- heit bieten, im Dreiklassenparlament die Rechte der Arbeiterschaft wahrzunehmen. Demnach wird das kommende Vierteljahr sich voraussichtlich zu einer politischen Roebsaifon von ganz besonderer Bedeutung gestalten. In solcher Feit kann niemand auS dem Volke, der sich für das politische Leben interessiert, eines Blattes entbehren, das ihn über die Fragen der Politik und des öffentlichen Lebens schnell und zuverlässig unterrichtet und gegen- über der schamlosen Jnteresfenpolitik der Privilegierten energisch seine Interessen vertritt. In Berlin kommt als solches Blatt für das werktätige Voll nur der„Vorwärts" in Betracht. Alle anderen Blätter dienen dem Interesse bestimmter kapitalistischer Schichten oder unter der MaSke der Unparteilichkeit dem Erwcrbsinteresse ihrer Besitzer und Untenichmer. Der „Vorwärts" wird seinerseits sich nach Kräften bemühen, den Pflichten zu genügen, die ihm seine Stelle als Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands in der politischen Presse auferlegt und neben instruktiven politischen Leit- artikeln und ausführlichen Parlamentsberichten es nicht an belehrenden Artikeln über das internationale Wirtschaftsleben, den Stand der Sozialgesetz- gebung. die Arbeiter- und Gewerkschafts- Verhältnisse, sowie an reicher Unterhalt ungSlektüre fehlen lassen. Steuerpivchologiiches. Die Blockparteien befinden sich zurzeit auf der Steuer- suche, und man kann wieder einmal gründlich die Wahrheit des alten Spruches kennen lernen, daß jedermann nur d i e Steuern für gerecht und zulässig hält, die ein anderer bezahlt. Den wahren Znsammenhang der Steuerfrage haben wir in den letzten Wochen wiederholt behandelt und mehrfach nach- gewiesen, daß— abgesehen von unserer grundsätzlichen Stellung zu allen indirekten Steuern— das Problem der Finanzrcform überhaupt nicht durch Steuern gelöst werden kann, denn der Kern dieses Problems ist eben der, daß bisher jede durch neue Steuern erzielte Einnahmeerhöhung des Reiches binnen kurzer Zeit durch die ungeheuren, stets wachsenden Ausgaben wieder aufgefressen worden ist, und daß das auch weiterhin so gehen wird, so lange die gegenwärtig beliebte Finanzwirtschaft anhält. Woraus folgt, daß eine wirkliche„Reform" nicht bei den Einnahmen, sondern bei den Ausgaben einzusetzen hat, vor allem bei den Militär- ausgaben, die aber wirksam nur eingeschränkt werden können, wenn man das gegenwärtige Heersystem durch die VolkSivchr ersetzt. Dies aber will die Bourgeoisie nicht, lvcil die Volks- lvchr ihr nicht in gleichem Maße wie das stehende Heer als Waffe gegen das Proletariat dienen würde. Deshalb wird das Deutsche Reich aus der Finanznot bis auf weiteres nicht herauskommen, selbst wenn sich die gelahrten und ungelahrten Stcucrsuchcr noch so heftig die Köpfe zerbrechen. Es lohnt deshalb auch kaum, alle die auftauchenden Steuerprojekte nach der finanziellen Richtung hin auf ihre Wirksamkeit zu prüfen. Wenigstens nicht, so lange man nicht ernstlich an die Beseitigung der Finanzsorgcn des Reiches denkt. Die können sie nicht beseitigen. Dagegen können sie für die Lebenshaltung des Volkes allerdings die größte und schädlichste Bedeutung haben und müssen von diesem Gesichts- Punkt auS sehr ernstlich geprüft und bekämpft werden. Interessant ist aber das Benehmen der Steuer sucher in psychologischer Hinsicht. Wie die Raubtieriustinkte wieder entfesselt»Verden,»vie alle die Phrasen von„Patrio tismus", von„Aufopferung für das große Ganze" zuschandcn werden, wie jeder bestrebt ist, die Opfer von sich abzutvälzcn und anderen aufzuhalsen, kurzum,»vie wieder einmal der Kampf aller gegen alle in seiner ganzen Widerwärtigkeit cnt- brannt ist: das ist ein Gegenstand, der es fast verdiente, durch den Pinsel eines großen Malers festgehalten zu werden. Aber den Sieg in diesem Wettstreit dcS widrigsten EgoisinuS tragen doch»vicdcr unbestritten die Ä g r a r i e r davon. Die gesamte kapitalistische Wirtschaft ist ja auf Selbst- sucht, auf Egoismus aufgebaut, aber eine solche Un- vcrschänithcit, eine solche schier naive Selbstverständlichkeit, für sich Vorteile, für die anderen Lasten zu fordern,»vie sie bei den Wortführern der Agrarier gang und gäbe ist, bringen die anderen doch nicht immer fertig. Man höre nur. wie sich in der., D c u t s ch e n T a g e s z c i t u n g" Herr Oertcl in eigener Person zu der Steuerfrage äußert. Zunächst das bekannte Gcschivätz, daß die Finanzreform keine Parteifrage, sondern eine Frage der„nationalen Notwendigkeit" sei. WaS aber versteht Herr Oertcl unter„nationaler Notivendigkeit"? Im»vesentlichen nichts weiter als den Bestand und den Profit der von ihin vcr- tretenen Berufsklasse. Er schreibt: „Freilich wird die finanzielle Sicherheit nicht allein durch neue wenn auch noch so ergiebige Steuern geschaffen und geivährleistet. Wenn diese Stenern den Bestand und die Selbständigkeit der Einzelstaaten gefährden, tvenn sie die Volksteile, die anerkanntermaßen die stärksten Träger des Staatsgedanke nS und der Staatszukunft sind, übennäßig belasten oder gar ihre wirtschaftliche Grundlage bedrohen: dann kann eine derartige Finanzreform vielleicht das Reich über die Schlvierigkeiten der nächsten Jahre hin- weghelfen, aber sie gefährdet und vernichtet gleichzeitig die finanzielle Sicherheit der Zukunft. Daran muß fest- gehalten werden. Nur dann bleibt das Reich fest und gesichert, wenn die Einzelstaaten ihre finanzielle Selbständigkeit aufrecht er- halten können und»venu diejenigen V 0 l k S k r e i s e gesichert und in ihrem Bestände geschützt bleiben, ohne die Staat und Reich nicht dauern und gedeihen können." „Diejenigen Volkskreise", das heißt,»vie Herr Oertcl dann »veiter andeutet,— Mittelstand. Also die bekannte agrarische Spiegelfechterei, die vorgibt, für den gesaintcn Mittelstand, für die kleinen Landtvirte, ja für das gesamte Volk zu arbeiten, indes sie im»vesentlichen nur die Interessen der großen Grund- bcsitzcr»vahrnimmt. Nachdem so an Stelle des Staats und der Gcsainthcit einzelne Volksteile gesetzt sind, ist-die Bahn frei, um für diese Volksteile Bevorzugungen zu fordern im Namen des gesamten Staatsinteresscs. Alles, was diesen Volksteilen einen Sonder- vorteil bringt, ist nunmehr einfach„iin Staatsinteresse" nötig. Und im Fordern ist Herr Oertel»vahrlich nicht blöde: „Betrachtet man die Angelegenheit unter diesem Gesichts- Winkel, so wird man auf solche direkten Steuern verzichten müssen, welche das Rückgrat der finanziellen Sicherheit der Einzelstaaten bilden. Atan»vird aber auch solche Steuern nicht planen und vorschlagen dürfen, Ivelche geeignet sind, den Mittel- st and und insbesondere die Land»virtschaft nicht nur über Gebühr zu belasten, sondern künstig in ihrem Be- stände zu gefährden. Daß zu diesen Steuern die geplante Nachlaßsteuer gehört, die auch auf solche Erbschaften gelegt werden soll, welche an Kinder und Ehegatten fallen, bedarf nach unseren früheren Darlegungen keiner nochmaligen besonderen Hervorhebung. Man mag diese Steuer noch so vorsichtig gestalten, man mag noch so viele Erleichterungen gewähren: sie bedeutet doch tatsächlich eine Gefährdung gerade der Volksteile, die für die finanzielle und politische Sicherheit des Reiches von höchstem Werte sind. Eine derartige Steuer lvirkt also dem eigentlichen Zwecke der Finanzreform, der Sicherung der Zukunft des Reiches, geradezu und uinnittclbar entgegen." Eine feine Logik! Und insbesondere eine echt„patriotische" Logik! Zuerst stellt man die unbewiesene Behauptung auf, man selbst sei„anerkanntermaßen" der eigentliche Träger der Staatszuknnft. Dem folgt die ziveite unbewiesene Behauptung, man werde durch die Nachlaßsteucr nicht nur„über Gebühr belastet", sondern geradezu„in seinem Bestände gefährdet". Und ans diesen zivei ganz»villkürlichen, falschen Behauptungen wird dann keck der Schluß gezogen, die Nachlaßstener würde der Sicherung der Zukunft deS Reiches entgcgenivirkcn. Und dieser ganze Aufwand von Trugschlüssen dient n»r dazu, u m sich von einem angemessenen Beitrag zu den Lasten des„ Vatcrlairdes" zu drücken! Des Vaterlandes, das doch gerade den Agrariern seit Jahr und Tag ungenicssene Reichtümer in den Schoß lvirftl So brachte die„Hilfe" dieser Tage folgende Zusammenstellung: »ES wurden im Jahre 1907 pro Kopf an Zoll bezahlt für Getreide und Hülsenfrüchte.. 4,27 M. Petroleum........ 1,23„ Kaffee......... 1,21, Wein.......... 0,37, Holz.......... 0,33„ Schmalz........ 0,22„ Südfrüchte........ 0,18„ Eisenwaren....... 0,14„ Butter und Margarine... 0,13„ Baumivolleiigarne..... 0,12„ Pferde......... 0,12„ Rinder und Schafe..... 0,12„ ES folgen dann mit geringeren Beträgen Kakao, N/fiS, Baumwollenwaren, Fleisch, Maschinen, Oclfrüchtc, Käse, Gewürze, Wollwaren usw.... Nicht das ist aber das fchlimnrste, daß diese Zölle bezahlt werden müssen, sondern daß durch sie gleichzeitig alle Preise, auch d e r e i n h c i m i s ch e u Erzeug- nisse in die Höhe getrieben»verde 11. Wir zahlen riesenhafte Stcucru an Privatleute. Ist cS da ein Wunder, wenn das Deutsche Reich sich vor Armut nicht zu helfen weiß?" In der Tat, riesenhafte Stencrn an Privatleute. Und diese Privatleute, die die Steuern der Armen und Aermsteu einsacken, das sind zum großen Teil die Agrarier I Dafür statten sie jetzt ihren Dank ab, indem sie sich mit Händen und Füßen sträuben, durch die Nachlaßsteucr auch mal etlvaS zu bezahlen, und statt dessen— gemütvoll wie immer— eine neue Bclastuug der Armen vorschlagen I Herr Oertcl fährt nämlich fort: „Welche Steuern in erster Linie zu empfehlen seien, liegt für jeden unbefangenen(!) Beurteiler der Angelegenheit auf der Hand. Man»vird in erster Linie die Gcuußmittcl heranziehen müssen. die eine höhere Steuer vertragen, Iveil sie nicht ein tatsächliches und unabweisbares Bedürfnis befriedigen und»veil sie in den meisten anderen Ländern weit höher belastet find als im Deutschen Reiche." In erster Linie Genußmittel, wodurch dann zugleich die Einkünfte der ländlichen Kapitalisten wieder erhöht»Verden könnten I Und das nennt man dann in bekannter Bescheiden- heit ein-- Opfer, das die Landivirtschaftskapitalistcn bringen: „Man stellt die Sache vielfach so dar, als ob die Erhöhung dieser Gcnußmittelsteuern eine besondere Konzession an die Agrarier sei. Das ist durchaus nicht der Fall. Diese Genuß- mittel belasten die Land»virtschaft ebenso»vie die anderen Stände: ja einige von ihnen bedeuten tat- sächlich eine stärkere, unmittelbare oder mittelbare Belastung der Landtvirtschaft.". Schließlich werden wir noch hören niüssen, daß auch der Getreidezoll ein„Opfer" sei, das die Junker bringen. Denn da infolge der Zölle alles teuerer geworden sei, müsse der Junker doch auch mehr für seinen Unterhalt bezahlen. Und so schließt denn Herr Oertel, nachdem er noch eine Dividendensteuer empfohlen, dreist und gottesfürchtig mit den Worten: „Wir sind zu Opfern bereit, aber nicht zn solchen, welche nicht nur die finanzielle, sondern die politische Zukunft des Deutschen Reiches, statt sie zu sichern, gefährden müssen." Die Ausführungen sachlich zu Prüfen hat keinen Wert. Nur den Einblick, den sie in die Psyche der Junker gelvähren, wollten»vir unseren Lesern nicht vorenthalten. Sydows„ieichsfinanzreform". Endlich hat der Reichsschatzsekretär sich bewogen gefühlt, den Schleier, der seine Steuerpläne umhüllte, eii»»vfcttig zu lüften. Er hat für das Oktoberheft der„Deutschen Rund- schau" einen Auiiatz über Aufgaben und Wege der R e i ch s f i ä N z r e f o r ffr FeWiebm, See Sie GruuSzüge seiner Reform der Reichsfinanzen darlegt. Tas betreffende Heft gelangt crft am 25. d. M. zur Ausgabe: doch ist die ..Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schon heilte in der Lage, daraus die wichtigsten Ausführungen mitzuteilen. Herr Sndow versichert sparen zu wollen, doch selbst nach allen„möglichen Ersparnisse n" ist noch immer ein Mehrbedarf von' 2— 21A Milliarden Mark für die nächsten 5 Jahre nötig, also pro Jahr eine Erhöhung der Reichsein- nahmen von 450 Millionen Mark. Dieser Betrag setzt sich zusammen aus den vorhandenen Fehlbeträgen, aus den Neu- auforderungen der Sozialpolitik durch Witwen- und Waisenversicherung. der Erhöhung der Beamten gehälter, den not- wendig werden Zuschüssen für den Reickisinvalidensonds. den erhöhten Summen für die Schuldentilgung und für die Ab- lösung der gestundeten Matrit'ularbeiträge, den Ausfällen bei der Absetzung der Zucker- lind Beseitigung der Fahrkarten- steuer. Da die in Aussicht genomnienen Einnahmen aber nicht alsbald voll zur Wirksamkeit gelangen, ergibt sich, wie Herr Sydow berechnet, ein Jahrcsbetrag von annähernd 500 Millionen Mark. Wie ist diese selbst nach allen„möglichen Ersparnissen" noch nötige Niesensumme von 500 Millionen Mark p r o I a h r aufzubringen. Die„Nordd. Allgem. Ztg." läßt darüber den Reichsschahsckretär sagen: „Die Einkommensteuern sind bereits von den Einzelstaaten und Kommunen stark ausgebaut,„allein in Preußen gibt es Wll Städte und Landgemeinden, die Zuschläge zur Staats- einkommensteuer von mehr als 200 Proz.(es finden sich solche bis zu 405 Proz.), darunter fast 100 mit 2S0 Proz. und mehr erheben. Ein Zuschlag von 200 bis 250 Proz. ergibt bereits eine Belastung des Einkommens von im ganzen 12 bis 15 Proz. Hierzu kommen dann noch die oft nicht unerheblichen Zuschläge für Kirchen-, Schulsteuern und ähnliches. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer Verbrau chsbe st euerung durch das Reich. Ohne Besteuerung des Massenkonsums, die in Deutschland bis setzt weit weniger entwickelt ist als in anderen großen Staaten, läßt sich der Fehlbetrag nicht decken. Branntwein, Bier und Tabak sind„schon um deswillen besonders geeignete Steuerobjekte, weil sie reine Ge- nußmittel sind und daher die Unterwerfung unter die Steuern seitens der Konsumenten in gewisser Weise den Charakter der Frei- Willigkeit trägt..... Es muß nur dafür gesorgt werden, daß die Steuer auch wirklich auf die Massen übergehen kann und nicht im wesentlichen auf dem Gewerbe hängen bleibt, da- mit nicht blühende Industrien ruiniert werden." Ob noch Steuern auf andere Gegenstände dcS allgemeinen Gebrauches zur Aufbringung der erforderlichen Mittel herangezogen werden sollen, bleibt mit Rücksicht auf die noch nicht abgeschlossenen Vorarbeiten und schwebenden Verhandlungen unerörtert... Zur Schaffung eines Ausgleichs erklärt eS der Minister für unbedingt geboten, die Verbrauchssteuern durch Abgaben zu ergänzen, die den Besitz treffen. Nach motivierter Ab- lehnung gewisser Vorschläge, wie Dividenden-, Umsatzsteuer usw., befürwortet er die Besteuerung der Erbfälle durch Einführung einer allgemeinen Nachlaßsteuer, die den Nachlaß als solchen trifft.„Wenn man kleinere Vermögen unter 10- bis 20 000 M. freiläßt, die Steuersätze selbst mäßig bemißt und die Sonder- brstimmungen für den Grundbesitz, die in Würdigung seiner Eigenart schon das bestehende Erbschaftssteuergesetz vorsieht, noch dahin erweitert, daß die auf den Grundbesitz fallende Steuer in Form einer Rente bezahlt werden kann, so trägt ' man allen berechtigten Einwänden Rechnung." In eingehender Auseinandersetzung mit den Gegenargumenten betont der Minister„seine feste Ueberzeugung",„daß eine Finanzreform lediglich auf Gebrauchsabgaben ein Ding der U n m ö g l i ch ke i t ist, und daß die Hinzufügung der allgemeinen Nachlaßsteuer eine conditio sine qua non für das Zustandekon, men der Reichs- sinangreform bildet". Auch ein Vorschlag, bei testamentslosen Verlassenschaften den Fiskus an Stelle ent- sernter Seitenverwandten zu setzen, wird akzeptiert." Ferner sollen die Matrikularbciträge über den gegen- kvärtigen Satz von 40 Pf. hinaus erhöht, der Mehrbetrag aber durch Vereinbarung von Bundesrat lind Reichstag für eine Reihe von Jahren festgelegt werden. „Auf diese Weise käme," so meint Herr Sydow,„das Ouotisierungsrecht des Reichstages, und zwar bei einer den Besitz belastenden Auflage, zur Geltung, und die Bundes- ftaatcn wären für eine Reihe von Jahren gegen Ueber- raschungen von feiten deö Reiches gesichert. Eine derartige Ordnung hätte noch eine sehr wichtige Folge: sie würde die Stellung des Reichsschatzsekretärs bei der Aufstellung des ReichShauShaltöetats außerordentlich stärken. Solange die Verweisung von Ausgaben des Reichs auf die Matrikular- beitrage nicht begrenzt ist, fehlt dem Schatzsekretär gegenüber den Anmeldungen der RessortS der wirksamste, weil allein überzeugende Einwand: non babeo peeuniam, es ist kein Geld dafür da. Sind dagegen die Matrikularbeiträge periodenweise gebunden, so steht ihm ein Argument zur Seite, dessen zwingender Logik sich kein Ressort entziehen kann." Der Aufsatz schließt mit den Worten: „Die Ordnung der Reichsfinanz ist eine Lebensfrage für daS Deutsche Reich und seine Gliedstaaten. Sie muß geläst werden, und zwar jetzt, da jede Hinausschiebung die Lösung nur noch erschweren kann. Ich vertraue darauf, daß diese Erkenntnis sich im Reichstage wie im deutschen Volke in ihrem vollen Ernste durchsetzen wird. Es scheint mir kaum denkbar, daß das Gc- dcihen, ja der Bestand des Deutschen Reiches, das mit so viel Arbeit, so viel Idealismus, so viel Selbstlosigkeit und so viel Blut geschaffen und zusammcngekittet ist, aufS Spiel gesetzt werden sollte, weil das deutsche Volk trotz seiner steigenden Wohlhabenheit nicht die zur Erhaltung des Reiches erforderlichen Mittel hätte aufbringen wollen." Herr Sydow bestätigt also, was wir schon mehrfach her- ßorgehobm haben, daß eine Vermehrung der Reichseinnahmen um 400 Millionen Mark nur dann ausreicht, wenn beträcht- liche Ersparungen vorgenommen werden, daß aber, wenn in bisheriger Weise weiter darauf losgewirtschaftet wird und beim Heer und der Marine größere Sparsamkeit nicht für „möglich" gehalten werden sollte, mindestens eineSteigc- -ung der Jahreseinnahme um S00 Millionen Mark Nötig ist. Weiter bestätigt der Sydowsche Artikel, Saß die Regierung in ihrem bekannten Wohlwollen für die änneren Volksschichten plant, den lveitaus größten Teil dieses Betrages von 500 Millionen Niark durch höhere Besteuerung von Bräunt- mein, Bier und Tabak zu gewinnen, also die breite Volksmasse für die Leichtfertigkeit büßen zu lassen, mit der seit mehr als im Jahrzehnten die herrschenden Klassen in billigem Patria- tisnius eine Heeres- und Flotten fordcnmz nach der anderen bewilligt haben. Dagegen sollen die Taschen der Wohlsiwiertcn, die die gegenwärtige traurige Finanzlage des Reiches verschuldet haben, möglichst geschont und ihnen außer der Steuer auf Champagner und feine ausländische Weine nur eine geringe Nachlaßsteuer auferlegt werden: jedoch keine Reichsver- mögens-, keine Reichseinkommen-, keine Dividenden-, keine Kupon steuer. Zwar richtet zum Schluß seines Artikels Herr Sydow einen flammenden Appell an den„I d e a l i s in u s" und die„Selbstlosigkeit": aber dieser Appell gilt nur für die ärmeren Volksschichten: die reichen haben dadurch, daß ihre Vertreter im Reichstag für die Heeres-, Marine- und Kolouialausgabcu stimmten, schon so reichlich ihren patrio- tischen Opfermut bewiesen, daß man ihnen nicht auch noch zu- muten kann, die Kosten ihrer Bewilligungen zu tragen. politiscke CleberficKt. Berlin, den 22. September 1908. Die„kommandierenden Generäle". Prinz Heinrich von Preußen hat anläßlich seiner amerikanischen Reise den Journalisten Amerikas gesagt, daß der Kaiser sie als kommandierende Generäle betrachte. Wie der Prinz das gemeint hat, sei dahingestellt, jedenfalls haben es die bürgerlichen Jour- nalisten Amerikas ernst genommen. Jetzt tagen diese„komman- dierenden Generäle" aus aller Herren Länder in Berlin. Die Pforten des Reichstages haben sich ihnen geöffnet, die Minister und Staatssekretäre sind aufmarschiert, an ihrer Spitze der Staatssekretär des Auswärtigen, Herr v. Schön, der die Erschienenen in der Sprache dcS Diplomaten begrüßte. Darauf großer Jubel! In keinem zivilisierten Lande spielt die bürgerliche Presse eine so schäbige Rolle wie in Deutschland, in keinem Lande, etwa von Rußland abgesehen, legt man der Presse solche Daumschrauben an als wie in unserem Junkerstaat. Die ganze jetzige Veranstaltung ist auch den preußisch-deutschen Verhältnissen trefflich angepaßt. Rauschende Empfänge, schöne Reden und Festessen! Wer von einem solchen Kongreß praktische Resultate erwartet, muß sehr optimistisch veranlagt sein. Die bürgerliche Presse aller kapitalistischen Staaten steht im Dienste bestimmter Interessengruppen und mutz ängstlich darauf bedacht sein, die Interessen ihrer Auftraggeber nicht zu ver- letzen. Deshalb kann solchen Zusammenkünften ein eigentlicher Wert kaum beigemessen werden. Daran ändern alle schönen Reden nichts. Fürst Eulenburg aus der Haft entlassen. Die Entscheidung über das Schicksal des Fürsten Eulenburg ist Dienstag mittag gefallen. Der Fürst kommt nicht in das Unter- suchungsgefängnis, auch nicht von Gerichts wegen in ein Privatsanatorium, wie in den letzten Tagen verlautete, sondern in Freiheit! Vielmehr, er ist schon in Freiheit. Die Beschlußkammer des Landgerichts I hat gestern mittag nach längerer Beratung ent- schieden, daß Fürst Eulenburg auf den Antrag seineS Verteidigers, JustizratS W r o n k e r sofort auS der Untersuchungshaft entlassen loird. Auch die Polizeibewachung kommt in Fortfall! Der Haftentlassungsantrag des JustizratS Wronker stützte sich auf daS ärztliche Gutachten des Professors Kraus und des GcrichtsarzteS Dr. Stürmer. In dem Gut- achten heißt es:„1. Der Fürst ist jetzt nicht verhandlungS- fähig; 2. der Fürst ist auch in absehbarer Zeit nicht verhandlungsfähig; 3. der Gesundheitszustand de? Patienten hat sich während des Aufenthaltes in der Charitä ent- schieden verschlechtert; 4. der Fürst hat in der Charits drei notorisch ern.ste Krankheiten durchgemacht; 5. die längere Inhaftierung kann nicht nur l e b e n S- verkürzend wirken, sondern wird es auch; 6. diese An- gaben stützen sich nicht auf subjektive Aeußerungen und Empfindungen deS Fürsten, sondern lediglich auf den objektiven Befund der Aerzte."— Der Staatsanwalt hatte beantragt, den Fürsten in das Untersuchungsgefängnis einzuliefern.... Fürst Eulenburg ist nun wieder sein freier Herr, die lästigen Kriminalbeamten sind zurückgezogen Worden. Wann der Fürst die Charitä„aus freiem Antriebe" verläßt, ist noch unbekannt. Lange zögern dürfte er nicht! Wir haben diesen Ausgang der Affäre schon vor Monaten vorausgesagt.—_ Reichsverbnudsmanier. Die liberale„AugSburger Abendzeitung" leistet sich in ihrer Nummer vom 10. September in einer Wahlbetrachtimg über die Ludwigshafener Wahl eine Verleumdung der Sozialdemokratie und deren neugewählten Abgeordneten Genosien Binder, die bald dem Schatze des ReichsverbandcS einverleibt werden dürfte. In dem Artikel heißt es: „Das Amt des ersten Adjunkten(daS Binder bekleidet hat) war wohl früher unter der bürgerlichen Verwal- tung ein Ehrenamt, seitdem jedoch die Sozial- demokratie dieses Ehrenamtes habhaft ge- worden ist, hat man die Stelle.so gut dotiert, daß derJn Haber das Vrotbacken einem anderen überlassen kann. Die wirtschaftliche Macht, welche die Sozialdemokraten auf dem Stadthause heute auszuüben vermögen, sichert ihr in unserer Stadt eine große Menge Mit- und Nach- länfer." Nach bekannten Mustern beschuldigt man hier die Sozialdemo- kratie, daß sie ihren Einfluß auf dem Rathause dazu benutzt hat, um einem der ihrigen eine auskömmliche Brotstelle zu verschaffen. Diese Behauptung ist eine niederträchtige Lüge! In Wirklichkeit ist der Sachverhalt folgender: Bis zum Jahre 1901 wurde der Posten des ersten Adjunkten(soviel wie stellvertretender Bürgermeister) ehrenamtlich versehen; durch die im Laufe der Zeit sich mehrende Arbeitsleistung des Adjunkten beschloß der damalige Stadt- rat, dem acht Sozialdemokraten angehörten, bestimmte Dienst- st u n d e n für dieses Amt festzulegen und in daS Budget ein Bureau- averfum von 2400 M. einzusetzen. Für den Antrag traten nicht allein die Sozialdemokraten, sondern auch die Liberalen und das Zentrum in ihrer Mehrheit ein. Damals versah aber nicht Genosse Binder, sondern ein Angehöriger der bürgerlichen Parteien-- namens Gangler— den Posten eines Adjunkten. Erst vier Jahre später— 1905—. wurde Binder zum Adjunkten gewählt. Auch die im Jahre 190S erfolgte Erhöhung deS Büreau- aversumS von 2400 auf 3200 M. geschah nicht"auf Antrag eines Sozialdemokraten, sondern des der liberalen Partei angehörenden Oberbürgermeisters Krafft.—_ Wohlwollende Ermahnungen richtet die»Kölnische Zeitung" an die englischen Arbeiter, die am Sonntag im Verein mit den Berliner Sozialdentokraten für die Sache des Friedens gewirkt haben. DaS Blatt erklärt sich mit der Tendenz deS englischen ArbeiterbosucheS durchaus einverstanden und eS heißt die Engländer, lvcnn ihr Besuch auch nur einem Teile des deutschen Volkes, nämlich den organisierten Arbeitern gilt, aufrichtig willkommen. Aller- dingS, so schließt daS Blatt, hätten sich die englischen Arbeiterführer „sagen müssen, daß das Bekanntwerden mit den Vertretern nur einer Parteirichtimg doch nur ein beschränkt richtiges Bild I gibt, und daß«tan über Deutschland nur dann urteilen kann, wenn man seine Untersuchungen auf breiterer Grundlage veranstaltet, als sie von der politisch voreingenommenen und mit einem großen Teil des Volkes in Unfrieden lebenden sozialdemokratischen Arbeiterorgarn- sation geboten wird." Die Engländer werden sich gesagt haben, daß eS ein vergebliches Beginnen sei, bei denjenigen Parteien für die Sache des Frieden? zu werben, deren Augehörige als Panzerplattenfabrikanteu und sonstige Prozentpatrioten an den fortwährenden KriegSrüstungcu interessiert sind und die, wenn von oben in die KriegStrompcte gc- stoßen wird, sich verpflichtet fühlen, kräftig mitzututen. Die breite Masse des Volkes ist der Völkerschlächterei ebenso überdrüssig wie dem unaufhörlichen Wettrüsten und sie lebt in dieser Hinsicht mit der Sozialdemokratie nicht in Unfrieden, sondern im besten Ein- vernehmen.—'_ Ein Staatsanwalt, der zum Boykott auffordert. In Görlitz sprach am Sonnabend in einer öffentlichen Ver- sammlung, zu der nur Angehörige der bürgerlichen Parteien ein- gelade» waren, ReichöverbandSgcneral Liebert. In der Diskusfio» ergriff u. a. auch der hiesige Erste Staatsanwalt Hannemann da? Wort und forderte nach dem Bericht der bürgerlichen Presse zum Boykott gegen die Inserenten der„Görlitzer BolkSzeitu ng",�lnseres Parteiorgans, auf.— Eine Zierde des Stationalliberalismus. Vor der Strafkammer des Hannoverschen Landgerichts wurde heute gegen den Reichstagsabgeordneten Held wegen BetrugsversuchcS und Erpressung verhandelt. Die Anklage wurde erhoben auf Grund des Ergebnisses der Beleidigungsklage, die Held im vorigen Jahre wegen Angriffe, die im Wahlkampfe gegen ihn gerichtet wurden, angestrengt hatte. Von der Anklage, daß Held im Geschäftsverkehr mit der Firma Terlinden betrügerische Manipu- lationen vorgenommen hatte, erfolgte Freisprechung, weil die Sache verjährt sei. DaS Gericht erklärte sich nicht in der Lage, in die vom Justizrat Sello als Verteidiger im Interesse des An- geklagten geforderte Beweisaufnahme einzutreten. Die Erpressung sollte Held dadurch begangen haben, daß er durch Drohungen gegen die Kaufleute Flemming und Pommer unberechtigterweise Regreß- anspräche erhoben habe. Auch in diesem Falle erfolgte Freisprechung, weil das Gericht annahm, daß der Anspruch gegen Flemming in gutem Glauben und mit voller Berechtigung erhoben wurde, und daß im Falle Pommer ein solcher Anspruch überhaupt nicht geltend gemacht worden sei._ Bürgerschaftswahl in Hamburg. Am Dienstag fand im 62. Bezirk der allgemeinen Wählerklasse — diese Stadthälfte wählt noch nach dem alten Wahlgesetz— eine Nachwahl statt für einen Wahlcntrcchter, der aus dem Landes- Parlament ausscheiden mußte, weil er für das verflossene Etatsjahr keine Steuern zu bezahlen vermochte.(Wer aus geschäftliche! oder sonstigen Gründen keine Steuern bezahlt hat. oder wer mit seinen Steuern im Rückstände ist. geht seines Wahlrechts verlustig.� Die Wahlagitation wurde recht lebhaft betrieben. In Betracht kommen in diesem Bezirk außer unserem Genossen Lüth ein An- Hänger der Wahlrechtsvcrschlechterung und«in Gegner derselben, ein sogenannter„entschieden" liberaler Beamter. *»* Hamburg, 22. September.(Privatdcpesche deS„Vorwärts".) Es erhielten Koch(Lib.) 597, Lüth(Soz.) 391, Schmidt(Reakt.) 270 Stimmen. In der nächsten Woche findet Stichwahl zwischen Koch und Lüth statt. Die Wählerschaft des Bezirks besteht größten- teils aus Beamten._ Berichtigung. In der Notiz vom 19. September mit der Ueber- schrist„Reichsverbandserfolge" ist uns ein Irrtum unterlaufen. Der Bauernbündler Kleye hat nicht 10 771, sondern 11 422 Stimmen er- halten. 1907 hat u Kaufmann 14 122 Stimmen erhalten. Der Verlust beträgt also 2700, nicht 3351 Stimmen.— Oeftemich. Der Wahlrechtskampf in Ungarn. Die ungarischen Arbeiter haben am Montag trotz des Polizeiverbotes ihre Demonstration für das Wahl- recht abgehalten. In 25 überfüllten Versammlungen wurde die Forderung nach dem gleichen Recht gestellt und der schärfste Protest gegen das infame Pluralitätswahlrccht er- hoben. Nach den Versammlungen veranstalteten die Arbeiter, ohne sich um die Polizei zu kümmern, einen großen Demon st rations umzug durch die Hauptstraße». Stürmische Hochrufe auf das allgemeine Wahlrecht wechselten ab mit dem Gesang der proletarischen Kampflieder. Die Polizei war gegenüber den Arbcitermassen machtlos und ließ sie schließlich ruhig gewähren. Es ereignete sich kein ernsterer Zwischenfall. DaS in den Kasernen konsignierte Militär bekam keine Arbeit. Gegen 11 Uhr nachts fand die mächtige Demonstration ihr Ende.— Dänemark. Alberti als Spekulant und Stellerjägcr. Kopenhagen, den 20. September. DaS Verhör Alberti? wurde gestern vormittag fortgesetzt. Man legte ihm Abrechnungen vor, die man in seinem Geldschrank gefunden hatte. Aus diesen Schriftstücken ging klar hervor, daß ein großer Teil seiner Schwindeleien von fehlgeschlagenen Spekulationen in amerikani- schen Goldminenaktien herrührt. Es zeigt sich, daß Alberti auf diese Weise 6 Millionen Kronen verspekulierte. Zwischen den Schriftstücken fand man Kontobücher, die Abrechnungen und Ab- schlüsse zwischen Alberti und der„London Joint Stock Bank" von 1891 bis September 1907 enthalten. Außerdem zeigt es sich hierbei auch, wie Alberti seine Privatspekulationen mit den Geschäften deS ButterexportvereinS vermengt, daß er für beides eine gemeinsame Kasse geführt hat, und daß der Verein die Verluste tragen sollte, die er bei seinen Spekulationen erlitt. Ueber die Zeit vom September 1907 bis zu Albertis Verhaftung fehlt jede Rechnungslegung. Darüber wird aber wohl jene Bank Ausschluß geben können. Der Verbrecher selbst weigert sich und behauptet fortgesetzt, daß ihn sein Gedächtnis ganz im Stiche lasse. Der Untersuchungsrichter ist zu der Ueberzeugung gekommen. daß Alberti wichtige Dinge zu verheimlichen sucht, um die Untersuchung aus irgend einem Grunde zu verzögern. Uebrigens hat Alberti auch eine Anzahl Dokumente verbrannt; man fand Reste davon im Ofen seine« PrivatlabinettS. ES ist klar, daß er alle Mittel anwendet, um Polizei und Richter über den Umfang seiner Schwindeleien zu täuschen.»EkStrabladct", ein radikal- liberales Blatt, brachte gestern die sensationelle Mitteilung, daß in diesem Sommer im Ministerium darüber verhandelt wurde, daß Alberti an die Spitze der ObervormundschaftSbehörde gestellt werden sollte. Erst habe er bei seinem Abgang al« Justiz- minister daS Finanzmini st erium übernehmen wollen; das habe jedoch nicht den Absichten des Ministerpräsidenten Ehristensen ent- sprachen, und da habe man ihn als Obervormund anstellen wollen. Die Obervormünderci verfügt über ein Kapital von fast 210 Millionen Kronen, das aus Erbteilen unmündiger Personen besteht und daS, wenn der Plan gelungen wäre, der Per- waltung der Millionendiebes anheimgefallen wäre. Der jetzige Obervormund Trolle sollte ein Amt am Höchstgericht erhalten, weigerte sich jedoch, seine alte Stellung aufzugeben, und daran scheiterte der schöne Plan.„ElStrabladets" Redaktion hat den Obervormund Trolle selbst um Ausklärung über die Sache ersucht; der wollte sich aber am liebsten gar nicht darüber äutzern und die Mitteilungen weder ableugnen noch bekräftigen. Danach scheint also die Sache auf Wahrheit zu beruhen. Abgesehen von seinen übrigen Privatspekulationen, seinen Millionendiebstählcn in der Vauenisparkasse und dem Butter- exporwcrcin, hat Alberti bekanntlich sein Amt als Justizmiinst« in schnödester Weise mitzbraucht, um Geld oder Gcldeswcrt zu er- haschen. Zu diesem Zweck konzessionierte er auch eine„Landwirt- schaftslotterie", die zur Veranstaltung von Pferdcwettrcnncn diente. An der Rennbahn liegen grotze Grundstücke, die Albertis Eigentum waren, und natürlich durch jenes Unternehmen im Werte steigen mutzten. Nun stellt sich aber heraus, datz der schlaue Iustizminister als Grundbesitzer vom KricgSministerium eine Summe von rund SOVOO Kronen erhalten hat, wofür er auf die Bebauung und Parzellierung der Grundstücke Verzicht leistete. Er erhielt also Barzahlung für die KÄnzession der Rcnnbahnlotterie. Nachdem„Socialdcmokraten" diesen Schwindel beleuchtet hat, sieht sich der Ministerpräsident und Kriegsminister Christcnscn zu einer Erklärung genötigt und veröffentlicht die bei Abschlutz jenes Handels- geschäftes gewechselten Schriftstücke. Danach hat Christensen selbst die Anlegung der Rennbahn wie den Schutz der angrenzenden Grundstücke vor der Bebauung im Interesse der LandeSver- teidigung für notwendig erachtet und aus diesem Grunde dem I u st i z m i n i st e r i u m. und damit also dem G r u n d st ü ck- speckulanten Alberti, die Konzessionierung der Lotterie empfohlen. Die Sache erscheint um so schlimmer, als Christensen sich leicht hätte überzeugen können, datz die Alberti- schcn Grundstücke aus Sumpf und Moorboden bestanden, der sich überhaupt nicht zur Bebauung eignet. Ciirhd. Der Eisenbahnerstreik. Konstantinopel, 21. September. Der Ausstand bei der Orientbahn ist beendet. Die Ausständigen nahmen den vom Polizeiministcr gemachten Lorschlag, die Streitfragen einem Schiedsgericht zu unterbreiten an. Ein Ober- fchiedSrichtcr wird vom Ministerium für Handel und öffent- liche Arbeiten ernannt werden. Der örtliche und der curo- päifche Verkehr wurden sofort wieder aufgc- nommen.— Marokko. Die deutsche Antwort. Die deutsche Antwortnote auf die identische stanzösisch- spanische Note in der Marokkoangelegenheit wurde heute vom Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Herrn v. Schoen, dem französischen Botschafter Cambon und dem spanischen Geschäfts- träger übergeben.— Amerika. Die politische Korruption. Weitere Veröffentlichungen H e a r st s beweisen, daß nicht nur hervorragende Mitglieder der republikanischen, sondern ebenso auch solche der demokratischen Partei in dem Solde des Petroleumtrusts stehen. Hearst nennt den führenden demokratischen Senator B a i l e y als Werkzeug des Trusts und behauptet, datz auch der Gouverneur H a S k e l l, der Schatzmeister der demokratischen Partei, den Trust unrecht- mätzigerweise begünstigt habe. Die Enthüllungen erregen großes Aufsehen und werden sicher der sozialistischen Agitation förderlich sein.—______ Der nürnberger Parteitag in der Parteipreile. II. £inc sehr unberechtigte Auslegung der Haltung des Parteitages zur Erklärung der C6 und zugleich eine sehr ge- fährliche Deklaration dieser Erklärung selbst finden wir in den Parteiorganen von München, Nürnberg und Mannheim. ES schreiben: „München« Post": Aus dieser mangelhaften Erkenntnis der Lage ergab sich dann später auch unter der Führung Singers der Widerstand des Parteivorstandes gegen eine, die Autorität des Parteitages sichernde Einigung mit den Süddeutschen. Das Milieu des vierten Berliner Wahlkreises hielt eben die Leiter der Partei gefangen und nahm ihnen den Ueberblick über das Ganze. So verurteilte sich die verantwortliche Parteileitung selbst dazu, von einer gebundenen Mehrheit einen formalen Beschlutz durchsetzen zu lassen, der für die Minderheit weder ein heiliges Evangelium noch überhaupt bindend sein kann. Datz es so kommen müsse, war den leitenden Personen nicht nur in der Diskussion von allen Rednern der süddeutschen Mehrheit nachdrücklich erklärt worden, auch in der vertraulichen Besprechung hätte der Ernst der Lage ihnen klar werden müssen. Aber eine unbegreifliche Hart- näckigkeit siegte über die Pflicht, das Ganze zu beachten. Und diese Hartnäckigkeit wich nicht einmal in dem Moment, in dem durch Zurückziehen seiner Resolution und die Empfehlung des Antrages Frohme der Parteivorstand einen für alle Teile be» sriedigenden Beschlutz hätte herbeiführen können. Besser wie von der Parteileitung war von den Führern der Gewerkschaften, von der Mehrheit der anwesenden Reichstags- abgeordneten die Situation erkannt worden. Sie blieben fest, als der Antrag Frohme � gegen«ine stattliche Mnderheit nieder» gestimmt war, und votierten gegen die formell wie inhaltlich un- logische und sachlich ungerechte Resolution der Parteileitung. Unter denen, die also gegen die Resolution 126 stimmten, waren manche, die in Sachen der Budgetabstimmung eine andere Meinung hatten wie die süddeutsche Mehrheit. Aber sie erkannten mit der Mehrheit der süddeutschen Delegierten, datz diese Frage überhaupt in den Hintergrund getreten war und nun im Vorder» gründe die Notwendigkeit stand, darüber zu entscheiden, ob eine Zufallsmajorität ein für allemal das Recht erhalten solle, über wichtige Angelegenheiten der Landespolitik ihren Willen unter Ausschaltung der Landesorganisationen diktatorisch zum Evange- lium zu erheben. Ob Berlin, Leipzig und Brandenburg über die Köpfe der Parteigenossen in den Einzclstaaten hinweg die Taktik für die cinzelstaatliche Politik anbefehlen solle. Der Vorsitzende des Parteitages und mit ihm der Parteitag selbst war sich jedenfalls völlig klar über die Sachlage(angesichts der Erklärung der 66), denn als Singer sagte:«Der Partei- tag nimmt Kenntnis von dieser Erklärung, sie geht zu Protokoll." erhob sich nicht der geringste Widerspruch, und auch im Schlutz- Worte Singers spielte das heilige Evangelium keine Rolle mehr. So steht als Ergebnis der Nürnberger Tagung fest, datz d i e Resolution des Parteivorstandes zwar der forma le Ausdruck der Meinung einer Partei. tagsmehrheit war, datz sie aber die freie Eni- schlietzung der Landtagsfraktionen nicht be- einträchtigen und die Landcsorganisationen in keiner Weise binden kann. Mit dieser Tatsache mutz sich die Partei abfinden Und sie wird es um so eher können, nachdem die Abstimmung gezeigt hat, datz die süddeutsche Auffassung unter den Parteigenossen in allen Teilen des Reiches verstanden und gewürdigt wird. Diese Selbständigkeit der Landcsorganisationen aber schädigt nicht etwa die Einheit der Partei, sie fügt sie vielmehr fester, indem sie an die Stelle einer einseitigen Diktatur einiger zufällig cinflutzrcicher Parteibezirke die demokratische Verantioortli'chkeit dcs Parteiganzen setzt. „Fränkische Tagespost"(Nürnberg): ........ Das(die Erklärung der 66) bedeutet, datz die süd- deutschen Fraktionen und die süddeutschen Landesorganisationcn sich unbeschadet der angenommenen Vudgctresolution auch künftig von Fall zu Fall entscheiden müssen. Sie können von dem Recht der Budgetbcwilligung, das sie sich in dieser Er- ilärung, ohne den m i n d e st e n W i d e r s p r u ch des P a r- teitages zu finden, ausdrücklich vorbehalten haben, in künftigen Fällen Gebrauch machen oder auch nicht. Damit hat sich Süd deu t s ch la nd die Bewegungsfreiheit erkämpft, ohne die e s überhaupt keine Landes- Politik treiben könnte. Seine Lage ist jetzt gün- st i g e r als zuvor, da nun die unklare Lübecker Rcso- lution nicht mehr existiert, und ditneuc keine Bindung für s i e ist. Alle Befürchtungen, datz man von dieser Be- wegungsfreiheit einen für die Partei schädigenden Gebrauch mache» könnte, sind schon durch den Gang des Nürnberger Parteitages selbst hinfällig geworden. Denn von keiner Seite wurde auch nur be- hauptct, datz die bisherige Tätigkeit der bayerischen Fraktion irgend- ivie gegen unsere Grundsätze verstoßen hätte; im Gegenteil, die Tätigkeit wurde lebhaft gerühmt. Wenn aber wirklich die For- inalität der Budgctzustimmung ein Abrücken von unserem Klassen- kämpf wäre, so hätte doch das in der sonstigen Tätigkeit der Fraktion viel schärfer hervortreten müssen, als in jener flüchtigen Zeremonie, die so wenig Raum für revolutionäre Demonstration gibt, datz selbst mit den gründlichsten wissenschaftlichen Hilfsmitteln gelegentlich nicht einmal ermittelt werden kann, ob sie überhaupt geschehen fei. ... Die Erklärung zugunsten der Bewegungsfreiheit wurde mit verschwindenden Ausnahmen von allen süddeutschen Delegierten unterzeichnet. Gegen die Resolution des Vorstandes stimmte ein volles Drittel des Parteitages. Das war ein von keiner Seite er- lvartetcr Erfolg der Süddeutschen. Man hatte ganz offenbar bei der Vorbereitung dieses Kampfes und noch während der Parteitags- Verhandlungen bis zuletzt darauf gerechnet, datz nur eine verschwin- dcnde Minderheit fest bleiben würde. Nun zeigte es sich, wie gründlich man sich in Norddoutschland über die Stimmung getäuscht hatte, und die erste sehr verständige Wirkung dieser Erkenntnis bestand darin, datz man jeden Protest gegen die Erklärung der Minderheit, auch jede Jnter- pretation untcrlic tz." „Volksstimme"(M a n n h e i m): ..... Nach den Umstände n, unlcr denen diese Erklärung erfolgte, konnte kein Zweifel darüber bestehen, datz es sich nicht um ein blotzeS„Rückzugsmanöver" oder eine blotze p l a- tonische Kundgebung, sondern nm eine Kundgebung von höchster praktischer Bedeutung handle. Die Erklärung besagte nichts mehr und nichts weniger, als datz die Süddeutschen auch fernerhin oer Gesamtpartei angehören wollen, es aber ablehnen, sich für ihr taktisches Verhalten in landcSpolitischen Einzelfragcn durch einen Beschlutz der Gcsamtpärtci bindende Vorschriften machen zu lassen. Der Parteitag konnte über diesen Sinn der Er- klärung nicht im Zweifel sein. Er Jvar es auch nicht, und wenn er zu der Erklärung der Süddeutschen schwieg, wenn er diese Er- klärung einfach zu Protokoll nahm, so ohne Zivcifel deshalb, weil er in oieser Feststellung der Selbständigkeit in landes» politischen Fragen keinen ausreichenden Grund sah, die Einheit und Geschlossenheit der Partei zu sprengen. ES war deshalb im höchsten Grade dcplazicrt, tvenn der „B o r w ä r t s" am Freitag die Drohung aussprach, datz man„die letzten Koltsequcntzen ziehe i>", nützte, falls die Süd- deutschen sich weigern sollten, den Nürnberger M e h r h e i t s- b e s ch l u h als Richtschnur für ihr taktisches Verhalten anzucr- kennen. Es gibt hier nichts zu drohen, nachdem der Nürnberger Parteitag die unzweideutige Erklärung der Süddeutschen selbst widerspruchslos aufgenommen hatte. Wie die Dinge sich weiter gestalten werden, bleibt abzuwarten. Ob die süddeutschen sozialdemokratischen Abgeordneten in der nach- stcn Legislaturperiode für oder gegen das Budget stimmen werden, kann heute nicht vorausgesehen werden. DaS wird von den Umständen abhängen, insbesondere von dem Mast der Zu- geständnisse, die unS seitens der Regierungen und der bürgerlichen Parteien gemacht werden. Die Frage, ob Zustimmung zum Budget oder Ablehnung desselben, wird wie bisher einer sorgfältigen Prüfung unterzogen werden und die Zustimmuna wird auch in Zukunft nur erfolgen, wenn wirklich zwingende Gründe für die. selbe vorliegen. Es wird insbesondere abzuwarten bleiben, ob bei einer eventuellen Annahme des Budgets durch eine süddeutsche Fraktion von feiten der norddeutschen Terroristen wiederum ein Parteikrakeel heraufbeschworen wird, wie es der jetzige gewesen ist und ob dann wirklich„die l e tz t e n K o n s e- q u e n z e u" gezogen werden sollen. Wie gesagt, man wird das abwarten müssen, und wir in Süddeutschland warten es ruhig ab." � � Es bedarf kaum des Nachweises, daß die Deutung, die diese drei Parteiblätter dem Schweigen deS Parteitages zur Erklärung der 66 geben, total falsch und unberechtigt ist. Der Parteitag hat nicht zweieinhalb Tage der Erörterung der Budgctfrage geividmet, hat nicht in namentlicher Abstimmung einen schwerwiegenden Beschlutz gefaßt, um dann hinterher in aller Gemütlichkeit schweigend anzuerkennen, daß sich nie- mand nach diesem Beschlutz zu richten braucht! Wenn er die Erklärung der 66 ohne Gegenkundgebung hinnahm, so geschah eS oben, weil er gar keine Veranlassung hatte, die Sache, die eben durch einen gültigen Beschluß er- ledigt war, wieder aufzurollen! Er war dazu umsowenigor genötigt, als der Wortlaut der Erklärung unentschieden läßt, ob sie eine platonische Rechts- Verwahrung oder die Ankündigung sein soll, datz die Unter- zeichner sich dem Parteitagsbc schlutz nicht fügen werden. So lange die Minderheit in einer demokratischen Partei nicht unzweideutig erklärt, datz sie das Grundgesetz der Demokratie, die Unterordnung unter den Willen der Mehr- hcit, brechen will, so lange mutzte man die Erklärung so aus- legen, wie eS durch den„Vorwärts" und viele andere Parteiblätter, auch solche, die der Budgetbewilligung nicht schroff ablehnend gegenüberstehen, bisher ge- schehen ist. Nämlich als eine Ankündigung, daß die Unter- zeichner ihre Bedenken gegen den Beschlutz ausdrücklich auf- recht erhalten, datz sie die Verantwortung für die Folgen ab- lehnen, aber alles das unter Anerkennung der Pflicht, den Mehrheitswillen zu respektieren. Die drei oben zitterten Parteiblätter geben der Erklärung eine andere Auslegung, deuten sie als die direkte An- kündigung, datz der Beschlutz des Parteitags von den sozialdemokratischen Fraktionen der süddeutschen Landtage nicht als bindend anerkannt, daß er n ich t beachtet werden wird. Angesichts dessen wollen wir mit aller Entschiedenheit feststellen« daß die von den Parteiorganen au München,! Nürnberg, Mannheim beliebte kühne Deutung/' ber Parteitag habe durch Schweigen einer solchen Ankündigung zugestimmt, nicht zutrifft! Die Partei würde sich selbst aufgeben, wenn sie die Geltung des Majoritätsprinzips innerhalb ihrer Organisation antasten ließe. » �» Wie die wirkliche Meinung der Parteitagsmehrhcit beim Anhören der Erklärung der 66 war, dafür wollen wir noch eine Stimme zitieren, die von einer Seite kommt, welche ursprünglich für den Vermittelungsvorschlag Frohmes ein- getreten ist, also nicht einer besonders schroffen Auslegung verdächtig ist. Die „Volksstinmie"(Frankfurt a. M.) schreibt: „... Ehe die Entscheidung fiel, Häven wir den Vermiitelungst antrag Frohme befürwortet, weil er uns eine Brücke zu der so not- wendigen Verständigung zu schlagen schien, ohne uns dabei zu ver- hehlen, datz er unler Ilmständen nur einen faulen Frieden bringen würde; aber nun der Parteitag sein Votum für die Resolution des Vorstandes abgegeben, ist eS gut, ist es besser so. Klare Lage und reine Luft ist damit geschaffen! Die Frage der Budgeibewilligung ist als eine prinzipielle, nicht als eine taktische Frage anerkannt worden und einer Budgctbewilligmig auZ Gründen, die einer bnrger- lichen Partei entsprechen, ein Riegel vorgeschoben haben. Trotz der Erklärung Segitz', die von Singer mit lühlex Ruhe zn Protokoll genommen wurde, sind die Süddeutschen an' diesen B e s ch l u tz gebunden, denn bewutzt und disziplinwidrig gegen ihn verstoßen, heißt die nutzer st en Konsequenzen heraus- fordern, die dann allerdings ohne Sentimentalität gezogen werden müßten, nicht nur um der Autorität beS Parteitages, sondern mehr noch um der taktischen Einheit und Schlagfertigkcit der Partei willen, die einen Parteiflügel mit Klaffen« kampfcharakter in Norddeutschlaiid und einen ohne Klaffeulampf- charakter in Süddeutschland nicht vertragen kann." Huq der Partei. Der GTste. Genosse S ü d e I u in erklärt in der„Fränkischen Tages« p o st", wenn er an der Abstimmung deS Parteitages über die Budgetfrage hätte teilnehmen können, so würde er gegen die Vorstandsresolutio» gestimmt haben. Die Erklärung der 66 süddeutschen Delegierten unterschreibe auch er. Eine Berichtigung zum PartcitagSbericht. In Nr. 220 des„Vorwärts" ist im Parteitagsbericht ackS in die Orgamsationskommissioii gewählt fälschlich der Genosse Heinrich Hüttmann-Frankfurt a. M. angegeben. Tntsächlich ist der Genosse Wilh. D i t t m a n n- Frankfurt a. M., Parteisekretär, w die Organisationskommission gewählt worden. polizeUtchts, Gerichtliches ukw. Eine» nicht alltäglichen Verlauf nahm eine Gerichtsverhalldlimg, die am Montag vor dem Schöffengericht Alten bürg wider den verantwortlichen Redakteur unseres Ältenburger Parteiorgans, die „Altenburger Volkszeitung", angesetzt war. Kläger war der Agent des ReichsverbandcS zur„Bekäinpfung" der Sozial- demokratie, August Mertens, ein ob seiner Klagelust weithin bekannt gewordener Angestellter des Liebertschen Berbandes. Er fühlte sich beleidigt durch den Abdruck zweier Notizen ans dem„Sächsischen Bolksblatt" und dem„Vorwärts". Gleich bei Beginn der ersten Verhandlung kam es zu einem scharfen Protest des der Mertens- beleidigung beschuldigten Redakteurs Genossen Dikreiter Ivider den Vorsitzenden des Gerichts, den durch seine feindselige Haltung wider die Sozialdemokratie bekannt gewordenen Amtsrichrer Dr. Schmidt. Es ist das jener Richter, der Sozialdemokraten für ungeeignet hält, als Schöffen und Geschworene zu amtieren und den ein gelindes Entsetzen befallen hat, als er hörte, datz „irgendwo sogar ein sozialdemokratischer Reichstagsabgeordneter als Geschworener berufen" worden sei. Auf Grund dieser Schreiberei im„Recht" und verschiedener anderer Vorkommnisse hat Genosse Dik- reiter diesen Richter wiederholt wegen Besorgnis der Befangenheit abgelehnt, welche Ablehnung regelmäßig vom Landgericht als„im- begründet" zurückgewiesen worden ist. Der Amtsrichter Dr. Schmidt, den unser Genosse auch wegen Beleidigung verklagt hat, bei seinem eigenen Amtsgericht verklagt hat, erklärte nämlich, er sei gegen de» Redakteur Dikreiter nicht voreingenommen. In der ersten Sache des Mertens beteiligte sich der angeklagte Genosse anfänglich an der Verhandlung, bis eS zur Feststellung der Vorstrafenliste kam. Genosse Dikreiter verwies auf die Akten, wo alles fein säuberlich aufgeschrieben stehe. Bei dieser Gelegenheit gab »un der Richter, entgegen dem überall und an allen Gerichten geübten Gebrauch auch die Urteile bekannt, die im Wege der Pcivatllage am Amtsgericht Altenburg wegen Preffcbeleidigung wider Genosse Dikreiter erkannt worden sind. Merkwürdigerweise waren das aber nie Urteile, die auf Privatklagen von Reichsverbändlern hin erkannt wurden. Genosse Dikreiter protestierte in entschiedener Weise gegen dieses Verfahren und beantragte eilien Gerichtsbeschluß hierüber, der dieses Verlesen untersage. Er habe nicht das geringste Bedürfnis, etwas zuzugeben, das er für unberechtigt halte. ES er- ging GcrichtSbeschlutz dahin, datz in der Verlesung der Urteile, dienichtim Strafregisterauszug stehen, fortzufahren sei. Auf diesen Beschlutz hin erklärte Genosse Dikreiter, datz er sich nicht mehr an den Verhandlungen beteilige» werde und nicht ein Wort mehr äutzere. Und dabei blieb eS. Mertens und sein Vertreter redeten an ihrem Gegner vorbei. Ebenso daS Gericht. DaS Urteil lautete auf 160 M. Geldstrafe. Gegen dieses Urteil ist sofort Berufung angemeldet worden. Im zweiten Falle ging? etwas lebhafter zu. Genosse Dikreiter lehnte vor Eintritt in die Hauptvcrhandlung den Amtsrichter Schniidt wegen Besorgnis der Befangenheit ab. Der Fall lag sonnenklar zu Tage, nichtsdestoweniger fand eine lange Beratung des Gerichts statt, deren Ergebnis in offenbarem Widerspruch mit der Straf- Prozetzordnung darin bestand, datz der abgelehine Richter die Ver- Handlung weiterführte. Er stützte sich dabei auf die Abweisung der früheren Ablehnungen durch das Landgericht. Im Fortgang der Verhandlungen erklärte der Angeklagte, datz er jede Angabe über seine Personalien verweigere und dag er sich n i ch t a n d e n V e r- Handlungen beteilige. Als über einen Antrag des Klägers Be- schlutz gefagt wurde, erhob Genosse Dikreiter scharfen Protest wider daS Verfahren des Vorsitzenden und bestritt die Gesetzlichkeit und Zulässigkeit des Verfahrens. Er stellte von neuem einen AblohnungSantrag, dem natürlich wiederum nicht stattgegeben wurde. Nichtsdestoweniger wurde die Ver- Handlung ausgesetzt mit der Begründung, datz Zeugen in de? Sache zu vernehmen wären, weil der Angeklagte jede Aussage ver- lveigere und— und weil er da« osiensichtltche Bestreben verfolge, die Hauptverhandlung zu verschleppen. Gegen das hier beliebte Verfahren des Amtsrichters wird natürlich Beschwerde eingelegt werden und man darf neugierig sein, zu erfahren, wie das übergeordnete Gericht über die sonderbaren Maßnahmen des Schöffen- gerichts Altenburg entscheidet. Huö Industrie und Handel Klage über Kartellpreispolitik. Jin Jahresbericht der Handelskammer zu Limburg a. d. Lahn wird Klage geführt über die Preispolitik deö KohIensyndikatS und deS WalzdrahtverbandeS. Die Hersteller von gezogene»' Drähten und Drahtstiften hätten mit ihren Verkaufspreisen den erheblichen Preissteigerungen deS WalzdrahtverbandeS nicht folgen können, Iveil die Walzwerke gleichzeitig als Konkurrenten auftreten und, mit der Höhe des Preises zufrieden, keine genügend große Spannung zwischen den Preisen von Walzdrähten, gezogenen Drähten und Stiften mehr bestehen ließen. Die Maschinenfabrikation des Bezirks, welche schon im zweiten Halbjahr 1907 auf Lager arbeitete, um den Arbeiter bestand auf alter Höhe zu erhalten, habe durch das lange, zähe Fest- halten der Syndikate an den Nohmaterialpreisen empfindliche Ner luste erlitten. Die reinen Walzwerke seien durch den Wettbewerb der großen gemischten Werke in eine bedrängte Lage geraten, die Folgen treten auch für die Gießereien sehr fühlbar in Erscheinung Größte Hochofenwerke mit eigenen Gießereien sind vor kurzem bei den großen Staatsbahnlieferungen mit in Konkurrenz getreten und haben den reinen Gießereien Taufende von Tonnen weggenommen, da die Hochofengießereien, weil sie eben das Roheisen selbst er- zeugen, naturgemäß auch billigere Gußwarenpreise stellen können, während die reinen Gießereien zu teuren Preisen von Syndikaten kaufen müssen._ Industrielle und gewerbliche Zusaniiitenschlüsse. Eine internationale Vereinigung in der Kunstdllngersabrikation, die Verkaufsvereinigung für Stickstoffdünger, G. m. b. H.� in Berlin firniiert, hat den Verkauf von Kalkstickstoff sStickstoffkalk) für Deutsch land. Ocsterreich-Ungarn, Dänemark, Holland. Russisch-Polen und die russischen Ostseeprovinzen sowie für Mexiko und Südamerika übernommen. Sieben Gesellschaften sind beteiligt. Der Verband deutscher HäuteverwertungSvereinigungen beschloß, an den Kasseler Bedingungen festzuhalten, sie weiter anszubancn, insbesondere aber streng a»f die Zahlung von Handgeld bei den Auktionen zu halten. Käufer, welche sich am Kippemachen, d. h. an einem gemeinsamen Einkauf beteiligen, um nachher eine neue Ver- steigerung anzustellen und die Ueberschüsse zu verteilen, sollen von den Auktionen ausgeschlossen werden.. Die Abhaltung von Zentral auktionen wird den einzelnen Sektionen überlassen. Infolge der am 1. Juli laufenden JahreS erfolgten Auflösung der internationalen Vereinigung der Röhrenfabrikanten sind in Deutschland die Handelspreise für schwarze und verzinkte GaSröhren um 5 Proz. ermäßigt worden. I» Berlin hat sich vor einiger Zeit unter Führung des Holz- einfnhrhanseS Finke u. Bünemann in Bremen eine Anzahl be- deutender deutscher Holzcinfuhrhäuser vereinigt und ein Syndikat gebildet, das den Namen„Schutzverband deutscher Holzimporleure" mit dem Sitz in Bremen führt. In der am Dienstag in Berlin abgehaltenen Versammlung der Vereine Deutscher und Europäischer Emaillierwerke, welche den gestrigen Beratungen der für die Bildung eine? Syndikats in Be- iracht kommenden größeren Werke folgte, wurde einmütig beschlossen, die gestern mitgeteilten gemeinsamen Preismaßnahmcn zu unter- stützen. ES wurde ferner in Aussicht genommen, zwischen der Mehr- zahl der übrigen Werke eine dauernde Verständigung über Preise und gemeinschaftliche VcrkaufSbedingungcn herbeizuführen, so daß ein Zufammenlvirken dieser Vereinigung mit den, geplanten Ver- bände Europäischer Emaillierwerke stattfinden kann. Rückgang der Roheiscnerzengung. Nach den Ermittelungen des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller betrug die Roheisen- crzeuaung in Teutschland und Luxemburg während des Monats August 1908 insgesamt 935 445 Tonneu gegen 1010770 Tonnen im Juli 1903 und 1 117 545 Tonnen im August 1907. Soziales. Schlachtergesellen als Verkäufer. Mit der Zuständigkcitsfrage der in Schlächbcreibctrieben arbeitenden Angestellten haben sich sowohl die Kaufmanns- wie auch die Gewcrbegerichte sehr häufig zu beschäftigen. Besonders in jüngster Zeit mehren sich die Fälle, daß Schlächtergesellen, die auch eine Verkaufstätigkeit im Laden ausübten, ihre Klagen beim Kaufmannsgericht geltend machen. So erhob der Schlächter- geselle Sermann Z. einen Lohnanspruch gegen den Schlächtermeister Wilh. Boldt vor der 1. Kammer des Kaufmannsgerichts. Z. er- klärte, daß er bei Beklagten in der Hauptsache als Verkäufer eingetreten war und auch meist Verkaufstätigkeit auszuüben hatte. Das Geschäft des Beklagten ist nur geringen Umfanges, zum Wurst- verkauf war eine Verkäuferin engagiert. Dagegen mußte Kläger das Fleisch meist selbst abhauen, während er angab, von der Fabri- kation von Wurst usw. nichts zu verstehen. Der Vorsitzende bestätigte den Beisitzern, daß im Fleischergcwerbe in der Tat eine große Arbeitsteilung herrscht, was am besten daraus hervorgeht, daß beim Arbeitsnachtvcis an zehn verschiedene Spezialfächer ver- langt werden. Trotzdem erklärte sich das Kaufmannsgericht für unzuständig und verwies den Kläger an das Gewerbegericht. Die überwiegende Tätigkeit des Klägers sei doch eine gewerbliche. Anders lag die Sache in einem kürzlich von der 3. Kammer entschiedenen Falle. Hier hatte der Kläger auch die Schlächterei erlernt, hatte dann aber eine vollständige kaufmännische Ausbildung genossen. Er hatte für Beklagten einen großen Markthallenstand zu leiten. Das Kaufmannsgericht hielt sich in diesem Falle für zuständig, nicht nur weil der Kläger feiner Ausbildung nach auch Kaufmann sei, sondern weil der Beklagte offenbar beim Engagement des Klägers auf dessen kaufmännische Ausbildung besonderen Wert gelegt hatte und er ihn deshalb für besonders geeignet hielt, dem Markthallenstand vorzustehen. GcwerkfcbaftUcbcs. Die Aussperrung in der Lancashirer BaumtvoMndnstrie. 500000 Arbeitern droht Arbeitslosigkeit! Die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Arbeitgebern und den Arbeitnehmern in der Lancashirer Baumwollindustrie sind mit der Schließung der Betriebe durch die Spinnereibesitzer, die am Montag in Kraft trat, in offene Feindseligkeit über- gegangen. Damit ist in einer der wichtigsten Industrien Englands zwischen Kapital und Arbeit ein Kampf ausgebrochen, wie er verhängnisvoller gerade zu diesem Zeitpunkt kaum zu denken ist. England befindet sich gegenwärtig in einer wirtschaftlichen KrisiS, die sich über das gesamte vereinigte Königreich erstreckt. In allen Gewerben herrscht Mangel an Aufträgen und infolge dessen Arbeitslosigkeit; selbst diej.dcm öffentlichen Verkehr dienenden großen Unternehmen, wie die Eisenbahn- und Telephongesellschaften, ent- lassen zahlreiche Leute, und die Telephongesellschaften erklären dazu, daß an Wiedereinstellung von Arbeitern aus längere Zeit hinaus nicht zu denken ist. Dazu kommt jetzt die Aussperrung in Lancashire, die sofort 110 000 Arbeiter mit einem Gesamtwochenlohn von 131000 Pfund Sterling außer Beschäftigung setzt. Binnen einer Woche wird die Zahl der unfreiivillig Feiernden auf 200000 steigen, und innerhalb weiterer drei Wochen werden es. da dann die Garnvorräte erschöpft sind und auch die Webereien den Betrieb einstellen. 400 000 Mann sein mit einem Gcsamt-Wochenlohn von 440000 Pfd. Sterl. denen in den nächsten zwei Wochen noch 100 000 Mann sich anreihen. Die englischen Statistiker berechnen, daß in den unmittelbar und mittelbar von der Banmwoll-Jndustrie abhängigen und mit ihr in Ver- bindung stehenden Gewerben ebenfalls rund 500 000 Mann arbeitslos werden würden, so daß dann gegen 1000 000 Arbeiter und Arbeiterinnen mit einem Familienanhang von etwa 3 Millionen Personen in Mitleidenschaft gezogen sein würden. Was die ArbeitSeinstellnug finanziell für die Spinneretbesitzer bedeutet, davon kann nian sich eine Vorstellung aus der Tatsache machen, daß rund 44 Millionen Spindeln aufhören zu arbeiten. Bei Vcrantw. Nedakt.:&tm Davidsohn, Berlin. Inseratenteil verantw.z' mäßiger Berechnung wird man jede Spindel mit 1 Pfd. Sterl. an« setzen müssen, so daß. unter Mitveränschlagung der Gebäude, Maschinen usw., ein Kapital von 50 Millionen Pfimd Sterling (1 Milliarde Mark!) brack liegt. Die Ursache dieser Krisis ist die von den Spinnereibesitzern an die Arbeiter gestellte Forderung, diese sollten sich mit einer Lohn- Herabsetzung von 5 Proz. einverstanden erklären. Begründet wurde und wird dieses Verlangen mit der allgemein ungünstigen Lage der Lancashirer Baumwollindustrie. Und es muß in der Tat zugegeben werden, daß diese Begründung kein leerer Vorwand ist. Die große Mehrzahl der Spinnereien arbeitet gegenwärtig nnt Verlust, wie Kenner der Verhältnisse versichern, derart, daß im Durchschnitt jede Spinnerei wöchentlich 100 Pfd. Sterling zusetzt. Nur liegt der größere Teil der Schuld auf feiten der Spinnereibesitzer selber oder wenigstens einer gewissen Gruppe unter ihnen. Die Sache liegt nämlich so, daß der günstige Geschäftsgang, welchen die Lancashirer Baumwollindustrie in den letzten Jahren hatte, massenweise Neugründnngen von Spinnereien veranlaßtc, von denen der größere Teil aus spekulativen Berechnungen ins Leben gerufen wurde von Leuten, die die vorteilhafte Gesamtlage des Gewerbes in der Weise anSmitzten, daß sie neue Unternehmen gründeten, deren Aktien und Anteil- scheine sie mit größter Beschleunigung weitergaben. Eine Folge dieser maßlosen Grllndertätigkeit war natürlich eine gewaltige Erhöhung der Erzeugung, und hier mußte früher oder später ein Rückschlag unvermeidlich kommen. Solange die günstige Wirtschaft- liche Lage in der ganzen Welt dauerte, konnte auch der höhere Beschäftigungsgrad aufrechterhalten wecden. Als aber der Wirtschaft- liche Niedergang, von Amerika kommend, einsetzte, da mußte für die Lancashirer Baumwollindustrie die kritische Zeit heran- nahen. und diese Notlage tritt jetzt in schärfster Form in Erscheinung. Die Lager für Fertigerzeugnisse sind überall überfüllt, der Absatz stockt, und es ist vorläufig gar keine Aussicht auf eine Besserung, denn die wirtschaftliche Lage im ganzen Lande steht noch völlig unter der Einwirkung der amerikanischen Depression, obgleich in den Vereinigten Staaten selber eine Wiederaufwärtsbewegung bereits zu bemerken ist. Die Arbeiter wissen sehr Wohl, auf welche Ursachen die KrisiS in ihrer Industrie zurückzuführen ist und haben auch erklärt, daß für sie keine Veranlassung besteht, die Folgen der Sünden spekulativer Aus- schreitungen anderer zu tragen. Deshalb haben sie auch den Vor- chlag der Arbeitgeber, die fünfprozentige Lohnherabsctzung solle zum 1. Januar 1909 auf jeden Fall in Kraft treten, in dieser Form abgelehnt. Sie wollen sich mit der Lohnherabsetzung nur unter der Voraussetzung einverstanden erklären, daß keine Besserung in der Kon- junktur bis zu diesem Zeitpunkt zu verzeichnen ist. Diese Forderung der Arbeiter entspricht jedenfalls mehr dem Geiste des auch von den Baum- wollindustriellen anerkannten BrooNandS-Abkommcns, welches die gleitende Lohnskala" entsprechend den Schwankungen der Konjunktur aufstellt, als das Verlangen der Spinnereibesitzer, die eine Lohn- Herabsetzung unter allen Umständen festlegen wollen, auch für den Fall, daß eine bessere Konjunktur eintrete. Die Arbeiterverbände scheinen denn auch fest entschlossen zu ein, auf diese Vorschläge nicht einzugehen und eS lieber auf die Entscheidung durch den Kampf ankommen zu lassen. Sie können das auch in der Tat mit einiger Ruhe unternehmen, denn sie ver- ügen über beträchtliche Mittel, eine ihrer Organisationen allein über etwa 15 Millionen Mark, so daß sie, mit den ihnen von anderen Gewerkschaften vertragsmäßig zufließenden Hilfsgeldern, in der Lage wären, mehrere Monate hindurch hohe Streik- Unterstützungen zu zahlen. Die ernste Stimmung der Oeffentlichkeit angesichts dieser Sachlage ist daher nicht unbegründet, und ollgemein wird der dringende Wunsch ausgesprochen, die Regierung möge vermittelnd eingreifen, um zu verhindern, daß in einer Zeit, die mit ihrem allgemeinen Notstand an die 1840er.Hnngerjahre" erinnert, eine erzwungene Arbeits- losigkeit in Lancashire mit ihren unübersehbaren Folgen die ohnehin schwierige Lage im ganzen Lande gefährlich verschärfe. Warnend wird auf die immer bedrohlicher werdenden Kundgebungen der hungernden Arbeitslose» in allen großen Städten, wobei eS in Glasgow bereits zu Zusammenstößen mit der Polizei gekommen ist. hingewiesen, und die allgemeine Hoffnung richtet sich jetzt auf den Handelsminister Winfton Churchill und das neue VermittelungSamt, das er kürzlich erst geschaffen hat. Die nächsten Tage müssen hier die Entscheidung bringen, wenn daS Unheil, daS nun im Zuge ist, abgewendet werden soll. Berlin und dmgegend. Zum Streik der Fensterputzer bei der Firma Arnhei m u. Co. ist zu bemerken, daß sich derselbe zu einer Machtfrage zwischen der Organisation der Fensterputzer und der der Arbeitgeber entwickelt. Alle Hcbcl werden seitens der letzteren in Bewegung gesetzt, um die Streikenden durch Arbeits- willige zu ersetzen. Wie üblich, findet sich auch die Polizei bereit- willigst ein, um sich in den Dienst des Unternehmers zu stellen. Herr Arnheim sucht nunmehr im ArbcitLmarkt geübte Fensterputzer, denen er einen Lohn von 26 M. als Anfangslohn bietet. Be- merkenswert ist hierbei, daß Herr Arnheim seinen Arbeitern Löhne von 15, 17, 18 bis 23 M. zahlt und diese Löhne noch als zu hoch bezeichnet, während derselbe den Arbeitswilligen 26 M. bietet. Bis heute ist es gelungen, jeden Zuzug fernzuhalten. Nach wie vor ersuchen wir um strengste Solidarität. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirk Groß-Berlin. Herr Arnheim sendet uns eine Zuschrift, in der er unter Berufung auf das— Strafgesetzbuch auffordert, zu berichtigen, daß von unserer Mitteilung über Maßregelungen in seinem Betriebe „jedes Wort unwahr" sei. Ueber den auSgcbrochcnen Streik habe er erst aus unserem Blatte Kenntnis erhalten.— Bezüglich der Maßregelungen können wir Herrn Arnheim mitteilen, daß er den Vertrauensmann der Organisation, der ein Jahr vier Monate bei ihm gearbeitet hatte, entließ und trotz versuchter Verständigung seitens der Organisationsleitung nicht wieder einstellte. Der Ver- band erklärte den Mann für gcmatzregelt. Das blieb nicht der einzige Fall. Herr Arnheim fand immer wieder die Leute heraus, die sich für den Transportarbeiterverband ins Zeug legten und entließ sie. Das nennt man eben maßregeln. Achtung, Tapezierer! Die Firma P. R e d c l s h e i m c r, Werkstatt: Klosterstr. 63, Geschäftslokal: Französische Straße 22— 23, ist wegen Differenzen für Polsterer, Dekorateure und Näherinnen gesperrt. Die BcrbandSleitung. Oeutkcbes Reich. Generalaussperrung in Tuttlingen. Der Verein der Schuhfabrikantcn faßte gestern abend den Beschluß, sämtliche Fabrikarbeiter auszusperren für den Fall, daß die Kündigung der Zwicker in drei Fabriken, die am Sonnabend erfolgt ist, nicht bis zum nächsten Sonnabend 9 Uhr morgens bedingungslos wieder zurückgenommen worden ist. Von der Aussperrung würden 2000 Arbeiter betroffen werden. Achtung! Stukkateure und Rabitzcr! Bei der Firma Richard Gerschel, Bau Königl. Residenzschloß Posen, sind Differenzen ausgebrochen. Arbeitsangebote sind daher abzulehnen. Für die Gauleitung: Aug. Dieterich Em der frauenbewegung. Die Nürnberger Tagungen. Naturgemäß treten die Verhandlungen der Frauenkonferenz und die Beschlüsie, die der Parteitag in bezug auf die Frauenorganisation gefaßt hat. in der öffentlichen Diskussion und Würdigung zurück hinter der ParteitagSdebatte über die Frage der Budgetbcwilligung. Aber eS wäre verkehrt, wollte man den erwähnten Verhandlungen keine große praktische Bedeutung beimcsicn. Im allgemeinen dürfen die Genossinnen mit den Beschlüssen deS Parteitages über die Frauen« organisation zufrieden sein. Tie Genossinnen haben innerhalb der Parteiorganisation die volle Gleichberechtigung. Ihre Stimmen zählen gleich denen der Männer und die Posten als Funktionäre können von ihnen unter denselben Voraussetzungen, wie sie die Männer zu erfüllen haben, besetzt werden. Selbstverständlich kann nicht alles paragraphiert werden. Respektieren die Genossen bei Ent- scheidnugen den Geist, von dem die ParteitagSbeschlüsse getragen sind, dann iverden die Genossinnen keine Ursache finden, sich zu be- klagen. Wo aber doch Schwierigkeiten sich ergeben, wo Engherzig- keit und Vorurteile als störender Faktor sich geltend machen und zur Intoleranz gegenüber den Genossinnen führen sollten, da wird in den meisten Fällen Zurückhaltung das beste sein. Anstatt auf den Schein zu bestehen, soll man nach Möglichkeit versuchen, durch fleißige Mitarbeit die Anerkennung zu erzwingen. Nicht abgezirkelte Rechte und Pflichten sollen die Träger der Zusammenarbeit sein; die Praxis und heilige Begeisterung für die Sache werden die Wege weisen für ein ersprießliches, alle befriedigendes Zusammenwirken. Nach den Deklarationen zu den ge- faßten Beschlüssen dürfen die Genossinnen die Gewißheit haben, daß ihnen Gelegenheit geboten wird, auch in Zukunft besondere Frauen- konferenzcn abzuhalten, auf denen die nicht in den Nahmen der Parteiorganisation hincinpaffenden Fragen, die die Genossinnen als Mütter und politisch nicht Gleichberechtigte speziell interessieren, erörtert werden können. Dem Wunsche, den bestehenden Frauen- und Mädchen-BildungZ- vereinen nicht daZ Lebenslicht auszublasen, ist Rechnung getragen worden. Aber die Jugcndabtcilung deS Berliner Vereins wird man wohl auflösen müssen. Zwar ist daS nicht direkt in dem Beschluß über die Jngciidorganisation ausgesprochen, aber eS ist bedingt durch die begründenden Reden. Ganz besonders durch die Referate über Jugenderziehung und Jugendorganisation auf der Frauenkonferenz. Beide Rescrentinnen stellten sich auf den Standpunkt der gemein- famen Erziehung der Geschlechter, eine Auffassung und Forderung, die von keiner Seite Widerspruch fand. Die trefflichen Ausführungen der Genossinnen Zetkin und Dunkcr haben überhaupt erneut die Frage der Jugenderziehung zu der Bedeutung einer eminent wichtigen Parteisache erhoben. Konsegnentc, von Vorurteilen und falscher Pietät losgelöste Kinder- und Jugenderziehung ist die beste, die fruchtbarste Forderung des Sozialismus, der MenschheitS- befreiung von materieller und geistiger Knechtschaft. Diese Erziehung ist aber in der Hauptsache Aufgabe der Frauen der Genossinnen I Deren Pflicht ist es daher auch, sich eingehend über die Verhandlungen auf der Frauenlonferenz zu informieren. Sie nüissen durch eifriges Studium in die Materie eindringen und die gewonnene Kenntnis im Geiste der auf der Frauenlonferenz erfolgten Belehrungen bei der Kindererziehung ver- werten. Geschieht das, erfaffen die Genossinnen die Bedeutung der Frage, gibt die Begeisterung für die Sache des Proletariats ihrer Fähigkeit erhöhten Schwung, dann darf die Nürnberger Tagung. auch von diesem Gesichlspunkt aus betrachtet, als eine der be» deutungsvollsten angesprochen werden. Versammlungen— Veranstaltungen. Dritter Wahlkreis. Donnerstag, den 24. September, abends 8'/- Uhr, Leseabend im Gewerkschaftshause, linker Seitenflügel DX Saal der Handels- und Transportarbeiter. Letzte Nachrichten und Dcpefcben. Nachwahl. Braunfchwcig, 22. September.(SB. T. B.) Bei der heutigen ReichstagSstichwahl im 2. Braunschwcigischen Wahlkreise(Wolfen. büttrl-Helmstedt) wurden nach den bisher(11 Uhr 13 Min. abends) eingegangenen Mcldungpn abgegeben: Für Kleye(verein, nat. Parteien) 15 427 und für Riele(Soz.) 8894 Stimmen. KlehcS Wahl erscheint somit gesichert. „Meineid". Frankfurt a. M., 22. September.(B. H.) Die hiesige Straf- kamnier verurteilte gestern den 16 Jahre alten Christoph Noidcrt aus Eckardt und den im gleichen Alter stehenden Ferdinand Zengert aus Romsthal, zwei noch vollständig knabenhaft aus» sehende Burschen, wegen Meineides zu je einem Jahre Ge- fängniS._ Kirchweihfreuden. Krefeld, 22. September.(B. H.) In St. Tönis wurde bei der Kirmes der Bergmann Elsen erstochen.— In Mcerzcck wurde bei einer Schlägerei ein Bergmann getötet, drei andere verletzt. Aeroplan-Aufstieg. Paris, 22. September.(B. H.) Der Luftschiffer Malincot hat heute einen erfolgreichen Aufstieg mit seinem Aeroplan unter» nommen, indem er über Jssh, Malacoff und Mcudon einen Flug machte. Die Fahrt vollzog sich in einer durchschnittlichen Höhe von 50 Meter. Der Aufstieg fand 8 Uhr 44 Minuten und die Landung um 0 Uhr 39 Minuten statt. Der Luftschiffer, welcher ein einfacher Arbeiter ist, wurde lebhaft beglückwünscht. Der Tod im Schacht. MonS, 22. September.(B. H.) In der vergangenen Nacht erfolgte im Schacht Nr. 8 der Zeche in ElongeS bei 575 Meter Tiefe eine Explosion schlagender Wetter, wobei drei Arbeiter verschüttet und getötet wurden. Alle drei waren verheiratet und hinterlassen drei Frauen und sechs Kinder._" Ucberfchwemmungen in Spanien. Madrid, 22. September.(B. H.) Infolge starker Regengüsse ist in der Provinz Murzia der Fluß Segura über seine Ufer ge- treten. Drei Männer wurden von der Strömung erfaßt und sind ertrunken. Auch aus verschiedenen Ortschaften Andalusiens werden Verheerungen, verursacht durch die Ucberfchwemmungen, gemeldet. Die zwei„Konstitutionellen". Konstantinopel, 22. September.(B. H.) Die Zeitung „Turquie" meldet, der Sultan werde eine Sondcrmission mit Ge- schenken an den Zarcnhof entsenden. Schadenfeuer. Boston, 22. September.(B. H.) Eine Feuersbrunst zerstörte gestern einen großen Teil des Jndustriestadtviertcls Chelsca. Mehrere Personen wurden schwer verletzt, drei sollen in den Flammen umgekommen sein. Der Materialschaden wird auf Millionen Mark veranschlagt. Zh. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag:VorwärtSBuchdr.u.VerlagSanstalt Paul Singer LcCo., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u.Untrrhaltungsbl. Nr.M. 23. Ikhrgang. kilqk Ks.Amiills" Rettin filbMitt IHittiüiiiI, 23. Zkplmbtt 1308. m cedili; ein Lhrenmann? Diese Streitftage beschäftigt schon seit längerer Zeit daS Gericht, ivelches der bekannte Renegat, setzige Führer der Gelben, Herr R u d o I f L e b i u s als Prioatkläger gegen unseren verantworilichen Redakteur, Genossen Mermuth, angerufen hat. Das Schöffen- geeicht hat den Genoffcn Mermuth wegen Beleidigung zn einer Geld- strafe von hundert Mark verurteilt, weil der„Vorwärts" am 26. Juli 1907 eine Bemerkung machte, welche dcni Sinne nach besagt, Lebius habe sich durch eine unwahre Angabe über einen Vorgang in einer Mctallarbeiterversammlnng nicht als Ehren- mann gekennzeichnet. Das Schöffengericht hat sich auf den Stand- Punkt gestellt, das; es unter allen Umständen eine Beleidigung sei, tvcnn man jemanden die Eigenschaft des Ehrenmannes abspricht. Den vom Beklagten Mermuth angebotenen Beweis, das; Lebius i n der Tat kein Ehrenmann sei, hat das Schöffengericht ab- gelehnt, aber doch anerkannt, das; Lebius keine einwnndsfrcie Persönlichkeit ist. Die Berufung, welche Mermuth gegen dies Urteil einlegte, hatte zunächst den Erfolg, daß die Straskamn'.er den Wahrheis- beweis über die Qualität des Klägers Lebius zulies;. Ein Termin, der am 3. Slpril vor der Strafkammer stattfand, wurde vertagt, um den Beweisanträgcn des Beklagten stattzugeben. Tie erneute Verhandlung fand am Dienstag statt. Zunächst wurde der Vorgang festgestellt, welcher den Anlas; zu unserer Be- inerkuug über Lebius gab. Dieser hatte in seiner gelben Zeitung „Der Bund" behauptet. Genosse Cohen habe in einer Versammlung gesagt:„Kollegen, wir wollen nicht länger mit den Gelben bis- kuticrcn, packt die Bande am Genick und werft sie hinaus". Zwei Zeugen a u S den Reiben der Gelben, die in jener Versammlung waren, bekundeten, das; sie diese Worte nicht gehört haben.— W u s ch i k vom Metallarbcitervcrband sagte au?, dafc eine derartige Bemerkung nicht gemacht wurde, und das; an dem Zeitpunkt, wo LebiuS diese Worte aus Cohens Munde gehört haben will, infolge des Auftretens von Lebius ein solcher Lärm herrschte. dag überhaupt kein Wort eines Redners gehört werden konnte. Während des LärmS habe LebiuS die Bei- sammlung verlassen. Mermuth hat Widerklage gegen LebinS erhoben. Die- selbe stützt sich aus fünf Artikel, die Lebius in seinem gelben Blatte „Der Bund" veröffentlicht hat. In diesen Artikeln wird die Rc- daklion des„Vorwärts" in der unflätigsten Weise beschimpft. „Lügen dcZ„Vorwärts",„ K a s ch e in m e n st a n d p u n k t des „Vorwärts",„Heuchelei des roten Hetzblattes", „BorwärtS-Clique" usw. DaS sind die Ausdrücke, mit denen Lebius die„VorwärtS"-Reda!tion belegt. Den wesentlichsten Punkt der Verhandlungen bildete die Frage, ob Lebius wirklich als Ehrenmann gelten kann. In dieser Hinsicht hatte Mermuths Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosen- f c l d. schon in der vorigen Verhandlung eine Reihe von Beweis- anträge» gestellt. Infolgedessen sind mehrere auswärts wohnende Zeugen kommissarisch vernommen worden. Einige dieser Aussagen sind ohng Bedeutung. Wesentlich ist jedoch die Aussage des Genossen Bredenbeck in Dortmund, der Lebius von dessen früherer Tätig- keit an unserem dortigen Parteiorgan her kennt. Bredenbeck hat ausgesagt, es schwebe ihm so vor, als habe LebiuS einmal gesagt, er, LebiuS, habe gleichzeitig für Zeitungen ver- schieden er politischer Richtungen polemische Artikel geschrieben. Auch in der von LebiuS früher herausgegebenen Zeitung „Sachsenstimme" hat der Zeuge derartiges gelesen. Als LebiuS noch Redakteur der„Rheinisch-Westfälisckicn Arbeiterzeitung" in Dortmund war, habe er für dieselbe einen Artikel geschrieben, der von dem Ver- halten der Polizei gegenüber solchen Wirten, die ihre Lokale der Sozialdemokratie zur Verfügung stellen, handelte. In diesem Artikel schrieb LebinS, er sei am besten in der Lage, zu beurteilen, daß die Polizei nicht gut informiert sei. den» er habe früher selber Berichte an die Polizei geliefert. Dieser PassuS ist auf Veranlassung des Zeugen auS dem Artikel entfernt worden. Rechtsanwalt R o s e n f c l d berief sich darauf, daff LebinS einen Artikel, betitelt„Crinnernngen eines früheren Sozialdemokraten" geschrieben und darin ausdrücklich erwähnt habe, das; er gleichzeitig für Blätter verschiedener politischer Richtung geschrieben habe und zwar für ei» z e n t r u m S f r e u u d l i ch e s. ein n a t i o n a I« liberales und sozialdemokratische Blätter. kleines feuilleton. Jedermann— ein Scharfrichter. Daff die Todesstrafe aus Humanitären, wissenschaftlichen und Zweckmässigkeitsgründen nicht mehr aufrechtzuerhalten ist, darüber sind Wissenschaft und Volks- empfinden sich längst einig. Wenn trotzdem noch Gründe für das Weiterbestehen der Todesstrafe vorgebracht werden, so beweisen sie durch ihre Absurdität, das; diese grope Barbarei auf keine Weise mehr zu rechtfertigen ist. DaS Tollste für und darum Beweiskräftigste gegen die Hinrichtung hat ein GerichtSarzt und Geh. Medizinalrat aus Glciwitz namens Dr. Kornfeld jetzr erst wieder beigesteuert. In der„Zeitschrift für Medizinalbeamte" tritt er für eine Abänderung der gerichtlichen Tötung in dein Sinne ein, dah die Exekution eine jeweils verschiedene, dem Verbrechen angemessene sein müsse. Sie soll öffentlich und zwar nicht durch den Henker, sondern unter mög- lichster Mitwirkung der Kläger durch Beauftragte vollzogen werden, die an der Achtung teil haben, welche jedes Mitglied dc-Z die schwerste Strafe verhängenden Gerichtshofes zu beanspruchen hat. Dr. Korn- selb teilt eine Reihe von Mordprozessen mit. die ihm zu beweisen scheinen, daß eine Modisikation der Todesstrafe am Platze sei. Es soll also offenbar das Henkeramt rehabilitiert werden, indem jeder Bürger unter Umständen das Recht und die Pflicht erhält, in aller Form Rechtens und. unter Assistenz der Strafgewalten selbst luge»m Auge, Zahn um Zahn und Kopf um Kopf zu forden und je nachdem zu rädern, henken und zu köpfen. Alles nach juristischen Prinzipien und hübsch individualisiert. Diesen famosen Reorganisator vorzeitlicher Talion und Mehrer des Bürgerrechtes sollten alle Gegner der Todesstrafe aufrichtig Dank Iviffen. Denn er hat mit seinem verzweifelten Versuch gezeigt, daff vemünftige Gründe für die Todes- strafe nicht mehr beizubringen sind. AuS der Geschichte der Cholera. DaS schreckliche Gespenst ker Cholera, das jetzt wieder seinen unheimlichen Schatten in Europa auftauchen läht, war bis zum Jahre 1817 bei uns ganz unbekannt. Es trat auf als die eigentliche Pest des 19. Jahrhunderts, die Gemüter in demselben namenlosen Schrecken er- füllend, wie im Mittelalter der„schwarze Tod". In Indien hat die Cholera schon Jahrhunderte früher gewütet. Ein portugiesischer Arzt des 16. Jahrhunderts, Gorcia da Horta, beschreibt ausführlich eine von ihm„Mordechi" genannte Krankheit, deren Symptome und deren Verlauf die gleichen Merkmale aufweisen, wie. noch heute die indische Cholera. � Aus dem 17. Jahrhundert sind uns dann eine Anzahl Berichte überliefert, die von Epidemien rfiolera- ähnlicher Krankheiten zu melden wissen, so 1664 ein Bericht des Arztes NcviörcS�auS NimeS und 1672 die Schilderungen von Dydcnham und Torti aus London. Doch lassen sich diese Seuchen nicht mit Sicherheit mit der Cholera identifizieren. Jedenfalls breiteten die ersten entsetzlichen Seuchcnzüge der Cholera, die von t£U7 bis und dsnn von 1Ä6 bis WM auch über Europa ver- LebiuS gab diese Tatsache zu, behauptete aber, es habe sich nur um Lokalberichte ohne jede politische Färbung gehandelt. Zum weiteren Beweise dasür, daß Lebius nicht als Ehren- mann gelten kann, berief sich Rechtsanwalt Rosen seid ans daS Zeugnis eines Schriftstellers Kahl, dieser werde bekunden, daß ihn Lebius beauftragte, eine Broschüre zu schreiben mit dem Titel „Dichtimg und Verbrechen". In der Meinung, eS handele sich, wie ihm LebiuS versicherte, um eine literarische Studie, habe Kahl den Auftrag angenommen. Er sollt? für die Arbeit ein monatliches Honorar von 199 M. erhalten. Während Kahl an der Broschüre arbeitete, sah er ans den Weisungen, die ihm Lebius gab, daß die Broschüre keineswegs eine literarische Studie, sondern eine gegen den Schriftsteller Karl May gerichtete Schmähschrift werden sollte, die bestimmt war, May als Schriftsteller tot zu machen. Lebius verlangte, daß die Schmähschrift noch vor dem 3. April veröffentlicht werden solllc. Das ist nämlich der Tag, an dem Karl May als Zeuge in dem Prozeß Lebius gegen Wcrnmth vernommen werden sollte. ES sollte also noch vor dem Prozeß gegen den Zeugen May Stimmung gemacht werden. Kahl lehnte es ab, an einem solchen Machwerk zu arbeiten. Er forderte sein Manuskript von Lebius zurück. Dieser aber wollte es nur dann zurückgeben, wenn Kahl das bereits erhaltene Honorar von 499 Mark zurückzahle. Kahl war hierzu nicht in der Lage. Lebius veröffentlichte dann die Broschüre unter Kahls Nameu, wobei er jedoch nur einen kleinen Teil des Kahlschen Manuskripts benutzte, während der größte Teil von ihm selbst herrührte. Das Gericht lehnte diesen BewciSaiiirag ab, weil es sich nur um persönliche Differenzen zwischen Kahl und Lebius handele, die übrigens erst nach Einleitung des gegenwärtigen Prozesses ent- standen seien und deshalb nicht als Beweismittel für diesen Prozeß gelten könnten. Rechtsanwalt Rosenfeld erklärte hierauf, er sei mm- mehr gezwungen, weitere Anträge zu stellen. Der Ver- leidiger machte Zeugen namhaft, welche bekunden können, daß Lebius in einem Gespräch mit Schriftstellern sagte: Gesetz und Moral sei Mumpitz, Geld sei die Haupt- fache; bei den Journalisten sei es Grundsatz: Wer uns am meisten zahlt, der hat uns. Wer solche Anschauungen als seinen Grundsatz prollamiert— sagte der Verteidiger—, der könne doch nicht als Ehrenmann an- gesehen werden.— Ferner bot der Verteidiger Beweis dafür an. daß Frau Lebius im Auftrage ihres Mannes die Frau des Schriftstellers Karl May ersucht habe, sie möge ihren Mann dahin beeinflussen, daß er in dem gegenwärtigen Prozeß eine unwahre, dem Kläger LebiuS günstige Aussage mache.— ES handelt sich nämlich um eine. wie behauptet wird, von Lebius beranlaßte Postkarte, welche sich als ei» gegen May gerichteter Erpressimgsversuch qualifiziert.— Ferner berief sich Rechtsanwalt Rosenfeld darauf, daß gegen Lebius ein Verfahren wegen verlkiimderischcr Beleidigung, Bedrohung und Erpressung schwebt. Weiter bot der Verteidiger Beweis dasür an. daß Lebius sich mit einem Redakteur Paul Schmidt von der„Dresdener Volkszeitung" in Verbindung gesetzt und diesen ersucht habe, ihm Interna in bezug auf andere Nedaktciire der„Dresdener Volks- zeitung" mitzuteilen.— DaS sei eine Verleitung zum Treubruch die sich ein Ehrenmann nicht zuschulden kommen lasse. Lebius bemerkte hierzu, daS Verfahren gegen ihn wegen Ver- lcumdung, Bedrohung und Erpressung stütze sich auf eine Anzeige, die Karl May gegen ihn erstattete. Er sei bereits vor der Staats- anwnltschast deswegen vernommen worden. � lieber die Affäre mit Paul Schmidt gab LebiuS folgende Daistellnng: Er führe eine Klage gegen die Redaktion der„Dresdener Volkszcitung". Um sich Material für diesen Prozeß zu verschaffen, habe er sich an Paul Schmidt gewandt, der ihm als Polizeispitzel bekannt s e i. Schmidt sei nicht Redakteur, aber Mitarbeiter der„Dresdener VolkSzeiwng", deren Redaktion auch wisse, daß Schmidt Polizeispitzel ist. Trotzdem dulde man ihn bei der„Dresdener Volkszcitung", Ivo er ans und eingehe, denn man sei in der Redaktion der Meinung, hcerend chinfuhrcn, ein Gefühl lähmenden Entsetzens über die Welt. Tie ticfpcssimistifche Stimmung, die damals in der Welt- schmerzdichtnng und in Schopenhauers Philosophie ihren Ausdruck fand, erhielt durch diese Geißel der Menschheit neue Nahrung und einen düster tragischen Hintergrund. Eine wahnsinnige Furcht ergriff auch die klarsten Geister, und gerade dieser Schrecken schien sie um so sicherer der furchtbaren Krankheit auszuliefern. So ist der„ungekrönte König der Geister", der Philosoph Hegel, der Cholera zum Qpfcr gefallen. Welch ungeheuere Erregung sich der Massen bemächtigte, davon erzählt Madame de Boigne i» ihren Erinnerungen. Das Pariser Volk glaubte sich durch diese neue Seuche vergiftet und tötete vier Unglückliche, die es für Gift- mischcr hielt. In einer einzigen Nacht verloren in nur einer Straße von Paris 32 Kinder Vater und Mlutter. An einem Tag starben in Paris 1799 Menschen. Eue hat in einigen seiner Romane das grauenvolle Schauspiel einer Eholeraepidemie mit allem Reo- lismus geschildert. Aber in dieser Not regten sich auch die heroi- scheu und die tatkräftigen Elemente des Mcnschcngcistes: ein gc- waltigcr Kamps ist von der Wissenschaft und der Hygiene gegeu diesen asiatischen Eindringling geführt worden und großartige Erfolge haben dieses Ringen mit der Krankheit gekrönt, der zuerst die Menschen hilflos ausgeliefert schienen. Ein gewaltiges künstle- risches Symbol der Cholera und der aufgeregten Volksstimmung in den 89cr und 49er Jahren hat Alfred Rethel geschaffen, da er den Tod auf einem Mlaskensest darstellte, wie er den durch die Krankheit starr Hingestreckten wildgrmsend mit seiner Knochen- Violine zum Tanz aufspielt und hoch aufgerichtet, die Geißel in der Faust, starr gerade ausblickend, als scheußliche Mumie, der entsetzliche Festgasi auf den Marmorstufen des Saales sitzt. Auch Hebbels Gedanken und Phantasien haben sich, wie seine Tagebücher ausweisen, des öfteren mit der Cbolera beschäftigt. Die Hain- burgcr Eholeraepidemie von 1892 fand eine erschütternde dichte- rische Gestaltung in Ricarda Huchs Romgn«Erinnerungen von Ludolf Urslcu". Musik. Daß der„berühmte Geigenvirtuose" Pablo de Sarasate am Montag gestorben ist, wird vor allem in rein menschlicher Weise traurig stimmen. Seit nahezu einem halben Jahrhundert war er „der bewunderte Liebling" der Konzertsäle; und noch im borigen Winter freute sich der an» Technischen interessierte Musikhörer des stattlichen Zauberers auf dem Könzertpodium, der schier nnverwüstlich aussah. Am tiefsten wohl wird der Verlust seine spanische Vaterstadt Pamplona treffen. Er war dort am 19. März 1844 geboren und hat der Heimatstadt zugute kommen lassen, was er nur immer von seiner Persönlichkeit und von den Früchten seiner üppigen Konzertreisen dorthin abgeben konnte. Ein eigenes Sarasate-Muscum wurde der Träger seiner persönlichen Erinnerungen. Ein Ausdruck wie der vom„berühmten Geigenvirtuosen" sagt bereits, wo seine Stärke lag. Wie zwei Menjchenaller vorher die Polizei könne durch Schmidt, da man ihn kenne, doch nicht? von Bedeutung erfahren. Lebius behauptete ferner, Schmidt habe ihm bereits Mitteilungen der gewünschten Art gemacht nud dafür von ihm 10 M. erhalten, die er mit Dank angenommen habe. Hierauf trat in der Verhandlung eine mehrstündige Pause ein, die benutzt werden sollte zur Herbeischaffung der auf daS genannte Verfahren gegen Lebius bezüglichen Akten. Nach Wiedereröffming der Verhandlung stellte sich heraus, daß die Akten zurzeit nicht zu haben find, da sie sich zum Zweck der Vcrnehinimg des Lebius in Chnrlottenburg befinden. Rechtsanlvalt Rosenfeld teilte mit, er habe während der Pause telephonisch bei der Redaktion der„Dresdener VollSzeitung" angefragt und den Bescheid erhalten, daß Paul Schmidt Mitarbeiter des Blattes, aber kein Polizeispitzel sei, daß Schmidt allerdings 19 M. von Lebius erhalten habe, jedoch nicht als Entgelt flir interne Miiteiliingen, sondern nm alte Schulden des LebiuS zu begleichen. Zu diesem Zwecke habe Schmidt die 19 M. dem Geschäftsführer der„Dresdener Volkszeitung" übermittelt. Lebius bleibt demgegenüber dabei, daß er die 19 M. für erhaltene Mitteilungen an Schmidt gezahlt habe. Lehius bleibt auch dabei, daß Schmidt ein Polizeispitzel sei und sucht diese Behauptung durch folgende Angaben zu bekräftigen: Schmidt habe für den„Sachsenspiegel" eine Notiz gegen einen Polizeibcamten geschrieben. Mit Bezug darauf habe Lebius zu Schmidt gesagt: Wie kommen Sie dazu, so etwas gegen ihren Vor- gesetzten zu schreiben. Dan» habe er, Lebius, der Polizei von dieser Notiz Schmidts Mitteilung gemacht. Rechtsanwalt Rosenfeld beantragte nun. daß auch Paul Schmidt als Zeuge vernommen werde, denn wen» festgestellt werde, daß Lebius soeben an dieser Stelle falsche Angaben gemacht habe über den Zweck der an Schmidt gezahlten 19 M., dann würde das allein ausreichen, um ihn nicht als Ehrenmann erscheinen zu lassen. Lebius sagte, es sei ihm durchaus erwünscht, wenn über alle von der Gegenseite ausgestellten Behauptungen eingehend Beweis erhoben werde. DaS Gericht beschloß, die Verhandlung zu vertagen und die von der Verteidung des Beklagten vorgeschlagenen Zeugen zu laden. Zum nächsten Termin sollen als Zeugen geladen werden: Paul Schmidt. Frau Lebius, auch der heute nicht vernommene Zeuge Kahl soll gehört werden. Ferner ReichstagSabgeordueter S ü d e k u»n und Genosse S i n d e r m a n n, die_ Auskunft geben sollen bezüglich der Behauptung, daß Lebius gefälschte Briefe ver- »ffentlicht habe, die er als von der Gräsin Montignoso her- rührend ausgab. Auch uns kann eS sehr erwünscht sein, daß über alle diese Dinge Klarheit geschaffen und zu diesem Zwecke recht gründlich in die Vergangenheit des Herrn Lebius hineingeleuchtet wird. SmcKw- Deining. Folgen des Alkohols. Wegen Gotteslästerung mußte sich vor der 1. Strafkammer deZ Landgerichts II der Sattlergeselle H. aus Teltow verantworten. Die der Anklage wegen Vergehens gegen den§ 166 St.-G.-B. zugrunde liegende Straftat liegt schon über zwei Jahre zurück. Am Pfingstsonntag, den 3. Juni 1996, hatte der Angeklagte schon vom frühen Morgen an stark gezecht, so daß er sich schon gegen 19 Uhr vormittags in ziemlich stark angetrunkenem Zustande befand. In dieser Stimmung betrat der Angeklagte die S t a d t I i r ch e in Teltow, in welcher der PfingstgotteSdicnst abgehalten lvurde. Anfänglich verhielt sich H. auch ruhig. Mitten in der Predigt begann er jedoch plötzlich zu skandaliercn und laut zu sprechen. Alle Bemühungen, den Angeklagteil zu beruhigen, blieben fruchtlos. Er rief dem Prediger verschiedene Worte zu, die als ein Vergehen gegen den§ 166 angesehen werden mußten. Als sich eine alte Frau, die neben dem Augeschlildigten saß, über dieses skandalöse Benehmen des H. beschwerte, erhielt sie von diesem einen Stoß, sodaß sie in der Kirchenbank zusammenstürzte. H. nnißte schließlich gewaltsam aus der Kirche gebracht iverdeu. Vor Gericht erklärte der Angeklagte, daß e s ihm selb st unverständlich sei, wie er sich zu einer derartigen Handlungsweise habe hinreißen lassen können. Die Strafkammer erkannte, da es sich um einen ganz grob- lichen Exzeß handele, trotz der bisherigen Unbescholtenheit des An- geklagten auf eine Gefängnis st rase von drei Woche». N. Paganini, so war jetzt Sarasate unbestritten der größte Könner im Geigenspicl. Solche Töne hörte man kaum jemals wieder; ihre Ucberwindung all dessen, was an die Mechanik ihres Ursprungs mahnt, ihre Reinheit und„Schönheit", die vollendete Herrschaft über ihre verwickeltsten Kombinationen: all das war überreich vorhanden. Diese Triller für die Damm I Und wie gleich e i n ,Ton dem anderen I Dies ist also die Grundlage, auf der sich i�n eine Künstlerschaft der Tonwelt aufbauen kann— wie l-.us der malerischen Virtuosität eine Künstlerschaft des Bildes. Nur war damit Sarasate auch zu Ende. Auf der Virtuosität seiner exakt gleichartigen Töne baute sich nichts von dem Künstlertum auf, das ihr als einem Mittel zum Zweck erst den wahren Wert gibt. Schon allein die Kunst- stückchen-Programme seiner Konzerte zeigten es. Und Berlin besaß gerade den Gegenpol dazu. Bülows vielzitiertes Wort:„Gegen den Sarasate ist der Wilhelms ein Joachim", faßt am schärfsten zusammen, was Sarasates Bedeutung den Kunstfreund lehrt. BZ, Notizen. — Bühnenchronik. Emmy D e st i n n von der königlichen Oper hat sich bei einem Gastspiel in Prag eine leichte Gehirn- erschlltterung zugezogen; sie kann deshalb vorerst nicht auftreten. — K u n si ch r o n i k. Im Berliner Papierhause, Dessaner Straße 2, bietet der Berliner Künstler und baugewerbliche Fach- Ichrer Eduard Liesen eine Ausstellung seiner Arbeiten. Sie umfaßt Natursludie» und Originalzeichnimgen. Die Ausstellung ist täg- lich von 11 bis 2 Uhr bei freiem Eintritt zu besichtigen.— Eine Ausstellung belgischer Kunst wird am 1. Oktober im SezessionSgebäude eröffnet werden. Sie wird viele bisher in Berlin nicht gesehene Werke enthalten. So wird man von Konstantin Meunier noch einige bisher außerhalb Belgien? nicht ausgestellte Arbeiten sehen, ivie daS Originalmodell des„Schlagwetters"(aus dem Löwencr Museum) und einige große Oelgemälde aus Brüsseler Privatsammlungen. Die Kunst des jüngst verstorbenen Jos Lambeaux wird durch eine Bronzcgruppe„Der Kuß"(au? dem Antwerpencr Museum) sowie durch ein Fragment des Kölossalreliefs der„Menschlichen Leidenschaften" vertreten sein. Ferner werden aus Privatsammlnngen ausgestellt: u. a. Werke von Joseph und Alfred Stevens sowie eine Sondcrscrie von über 20 Radierungen, Zeichnungen usw. von Felieien R o p s. — Wissenschaftliche Kongresse. Bom S. bii 11. Oktober wird der Dritte internationale Kongreß für die Für- sto r g e G e i st e s k r a n k e r in Wien abgehalten werden.— Der Dritte internationale Kongreß für S ch u l g e s u n d h c i t S- pflege wird vom 29. März bis 2. April 1919 in Paris ab- gehalten werden. In Verbindung damit soll eine große Ausstellung aller Gegenstände veranstaltet werden, die zu der SchulgesimdheitS- pflege in Beziehung stehen. Versammlungen. ®!e Aentralkommission der Krankenkassen hatie am Freitag iekne Versammlung der Kassenvorftände und Verwaltungsdcamtcn einberufen. O. Schulze erstatte Bericht vom Verbandstage der Ortskrankenkassen. In Anschluß daran beauftragte die Ver- sammlung die Zentralkommission, bei der geschäftsführendcn Orts- Krankenkasse dahin zu wirken, daß bei künftigen Vcrbandstagen die Leitsätze der zu haltenden Referate wenigstens 8 Tage vor dem Verbandstage den angemeldeten Vertretern zugestellt werden. .Hierauf teilte Simanowski mit, daß über die Beschaffenheit der Milch, welche den Kassenmitglicdern von den Milchhändlern auf Kosten der Kassen geliefert wird, häufig geklagt wird. Er ersuchte die Kassenvorstände, Beschwerden, welche über mangelhafte Bc- schaffercheit und minderes Maß der Milch bei ihnen einlaufen, der Zentralkommission zu übermitteln, damit sie das weitere ver- anlassen könne. Nun erstattete Albert Kohn Bericht über den Kongreß deS Deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Ge- tränke. Besonders gedachte er eines Vortrages von Pros. Gruber und empfahl den Krankenkassen angelegentlichst die Verbreitung deS nächstens im Druck erscheinenden Vortrages. Im letzten Punkt der Tagesordnung teilte Simanowski mit, daß sich die Zentral- kommission mit dem Magistrat von Schöneberg in Verbindung gesetzt hat wegen Benutzung des von demselben eingerichteten, am 1. Oktober in Betrieb zu setzenden Krankentransportwesens. Der Versammlung lag eine Gebührenordnung des Schönebcrger Krankentransports vor, die der Redner als günstig bezeichnete. Dic� Versammlung erklärte sich damit einverstanden, daß auf Grund dieser Gebührenordnung ein Vertrag abgeschlossen werde. hatte Der Friseurgehilfenverband(Zweigverein Berlin und Vororte) ! zur Hebung des Versammlungsbesuches eine Kontrolle ein- geführt. beschlossen. die sich seboch als zwecklos erwicS. Statt dessen wurde zur Belebung der Versammlungen durch gute Referate beizutragen. Die Versammlung am 17. Septeinber hörte einen Vortrag des Genossen Dr. Stulz über„Erkrankungen des Nervensystems". In überaus anschaulicher Weise behandelte der Redner sein Thema und erntete den einmütigen Beifall der Versammlung, zumal er einen zweiten Vortrag über diesen Gegenstand in Aussicht stellte. Nach Bcant- Wartung der gestellten Anfragen wurde auf die nächsten G e iv e r b e- gerichtSwahlen aufmerksam gemacht, denen kein wahlberechtigter Kollege fernbleiben darf. Mit einem Hinweis auf das demnächst stattfindende 18. Stiftungsfest schloß die Versammlung. WanerstandS-Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburcau. l)+ bedeutet WuchS,— Fall,—•) Unl erPegel. Bnefhaften der Rcdahttoii. Tie fUVlfiltAe SvrcchsNnide findet Lindenftraße Nr. U, zweiter Hof, dritter Eiugailff. liier Treppen, J3SJF~ Fahrstuhl~QSGI wochentäglich abends von?>/, bis O1/, Ubr statt. Geöffnet 9 Ubr Sonnabends beginnt die Sprechstunde Ilm n Nbr. Jeder Anfrage ift ein Buchstabe und eine Kahl als iviert, eichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Brirfkastru rönnen Tage vergehen. Eilige Fragen trage mau in der Sprechstunde vor. A.©. 80. Verjährung kann, ohne daß Sie es wissen, unterbrochen sein.— Werkmeister 88. Scchswöchentliche Kündigung gilt. Die erwähnte Konkurrenzklausel gilt.— Hellmuth 10. Kommen Sie in die Sprechstunde.— Radkc. Antrag wäre aussichtslos.— F. G. 1. e Sie rlausta — Kr inoniereli.—«rüger. Kommen Sie in die Sprechstunde.— Cbce- Dchöuelvetoe SO. Abzug ungerechtfcriigt.— G. B. 119. Sie finden das Gewünschte in Siadthagens„Arbeitcrrecht".— A. K Nicht verjährt. — E. S. 70. Kommen Sie in die Sprechstunde.— Wiclaud. Nein. — C. B. 989. Kommen Sie in die Sprechstunde.— H. Ei. 13. La. Witterungsübersicht vom SS. September 1908, morgen? 8 Uhr. Lwinemde Hamburg Berlin Kranks.a M. München> Wien* I 770 SO 768 OSO 769 SO 765 N 765 D 766 NO 2 heiter 4 bedeckt 3 bester I heiter 8 Nebel Ihalb bd. 11 v 9 19 7 10 Haparanda 760 W Petersburg 77l SW Scillq tlberdeeo Paris O 755 O 765 O 761 Still 2 wolkig 2 halb bd. 7 Regen 2 bedeckt wolkig Wetterprognose für Mittwoch» den S3. September 1908. Trocken und zunächst meist heiter, etwas wärmer bei mäßigen uärd» lichen Winden: später zunehmende Bewölkung. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung. Ukearer. Mittwoch, 23. September. Ansang VI, Uhr. von Barnhelm. Deutsches. Medea. Kammerspiele. Lhsistrata. Anfang 8 Uhr. Lesstng. Der Raub der Sabinerinnen. Berliner. Mercadet. NeueS. Außerhalb der Gesellschaft. NeueS Schauspielhaus. Der Koloniaifkandal. Kleines. 2X2—5. Komische Oper. HofsmannS Er- Zählungen. Residenz. Das Glück der andern. Hebbel. Der Liebhaber. Westen. Ein Walzertraum. Schiller 1».«Wallner- Theater.) Julius Cäsar. Sch'Urr Eharlottenburg. Ein Teufelskerl. Friedrich» Wtlhelmftädt. Schau- spielhaus. Großmama. Thalia. Das MitternachtSmädchen. üiiitspielhaiiS. Die blaue Maus. Trtanon. Fräulein Jofette— meine Frau. Neues Operette«. Die Dollar- Prinzessin. Sorütng. gaza. Luisen. FlachSmann als Erzieher. Bernhard Rose. Der Theaterleusel. Apollo. Trilby und Svengali. Spe» »ialitäten. Metropol. Donnerwetter— tadel- los. Gebrüder Herrnfeld. Das kommt davon. Vorher: ES lebe das Nachtleben. «vasiogr. SpezlalitSten. Wintergarten. Spezialitäten. Kasino. Familie August Knoche. Spezialitäten. FolieS-Caprice. Die Brautschau. Die lästige Witwe. Gart Haverland. Spezialitäten. Gustav Behrens. Feine Sachet Ausgezeichnet! Spezialitäten. ReichSpallen. Stettiner Sänger. Walhalla. Spezialitälcn. Urania. Taudeustraste 18/49. Abends 8 Uhr: Eine Niisahrt SIS zum zweiten Katarakt. Sternwarte. Jnvalidenftr. 57/62. Heues Theater. Abends 8 Uhr: Antzerhalb der Gesellschaft Donnerst Freitag: i. 1. Male: Wahrheit. eit. Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Ein Walxertranm. Sonntag nachm. S'L Uhr, zu halben Preisen: Die lustige Witwe. fslöMMitoöWtÜistiltgs Schauspielhaus. Mittwoch. 23. Septbr.. Ans. 8 Uhr: Großmama. Junzsesellenschwank in i Akten von Max Dreher. Donnerstag: Egmont. Freitag: Großmama._ Hebbel-Theater. Könlggrätzer Str. 57/58. An,. 8 Uhr. Heute und solgende Tage: Der Liebhaber. t.»!8ön-Ihks!ös. MendS 8 Uhr: Ftachsmann als Erzieher. Donnerstag: Helga. Freitag: Helga. Sonnabend nachm. 4 Uhr Kindervorstellung: Rübezahl. Abends ö Uhr: glachsmann al» Erzieher. Sonntag nachm. 3 Uhr: Anna Liese. Abends: Ausgewiesen. Montag: Flachsmann als Erzieher. Urania. Wissenschaftliches Theater. TaubenstraCe 48/49. Abends 8 Ubr: Eine Nilfahrt bis zum zweiten Katarakt. Berliner Theater. Ansang VI, Uhr. Oer Traum ein Leben. Lortzing-Theater Bellc-Alliancestratze 7/8. Heute 8 Uhr- Gastspiel Hedwig Lange. Zaza. Sonntag nachm. 3'!, Uhr: Madame Bonivard. Residenz-Theater. — Direktion: Richard Alexander.— AbendS 8 Uhr: Das Glück der andern. Lustspiel in 4 Akten von Francis de Crotsset. Deutsch v. Franz Schreiber. Georg Eartier: Richard Alexander. Morgen und solgende Tage: DaS Glück der andern. Sonntag, 27. September, nachm. 3 Uhr: Habe» Sie nichts zu vcr- zollen? Lustspielhaus. AbendS 8 Uhr: Die blaue Maus. Aieue« Opcrcttcn-Tlieator, Schissbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. AbendS 8 Uhr: Hie DoIlarprlazcHaln. Operette in 3 Akten von Leo Fall. ramMiM Bfflr. Frantwrtcr SW. 132. Der Dlieatertcufcl. Berliner Volksstück in vier Akten von Oskar Wagner. Anfang 8 Uhr. WochentagSprcise. Donnerstag: Kabale und Liebe. Freitag: Der TheaterteuscI. AW Ab 8 Ubr: Das dedeutende Attrattions- Programm. H3/,: Trilby und Svengali? Kunst und Mysterium. O'l, Vera Vioietta. 10'/. Panl f�padoni der König der«.irastjongieure. Eröttnunxs- proxrsmm. Von Publikum u. presse Mnzend beurteilt. W. Woacks Theater Direttivu: Rod. Olli,«nrnnenfte. 16. Kommatz, ober: Der Fluch deS alten Geigers. Origmal-Charaktergemälde v. Gallert. Ansang 8 Uhr. Entree»O As. Donnerstag: Die Räuber. Sonnabend zum erstenmal: Die alte Geschichte. Schiller-Tlieater. 0.(Wallner-Theater.) Mittwoch, abends 8 Uhr: Zum 1. Male: daMa» Ciisar. Trauerspiel in 5 Aufzügen von William Shakespeare. Dounerslag.abendsllUhr: Jallus Cäsar. Freitag, a b c n d S 8 Uhr: .lallas Cäsar. Schiller-Theater Lharlollondiirg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Eia Trufelskerl. Historisches Komödie in 3. Akten von Bernard Shaw. Donnerstag, abends8Uhr: Ein Teufelskerl. Freitag, abend« 8 Uhr: Ein Tentclskerl. Lutherstr. 22/24. Pcrnianente Eisbahn. (Täglich bis 1. Mai 1909) von morgens 10 Uhr bis nachts 12 Uhr geöffnet.— Täglich von 12 Uhr ab lirollog Konxert. Allabendlich 9 u. 10 Uhr: Reigen, Quadrillen, Kunstlaus. v.erst.Kunstläufeni u.Läuserinnen. Brauerei Friedriehshain fHlhcr Lipps, am KUnlgstor. Oekonom: Ernst Llcbing.■■ Heute: Bayerisches Keller- Fest Fronten-Fcnerwcrk. Anlang G I hr. Entree Ä5 PI. Metrapol-Theater Zum 23. Mole: Donnerwetter tadellos! Große Johresrevuo in einem Vorspiel u. 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Paul Linoko. In Szene gesetzt von Dir. liichaxd Schultz, Die Tänze einstudiert v. Ballettmeister Louis Gundlaoh. Massary- Perry Holden- Bender öiarnpietro- Kettner Pfann- Thielscher Anf, 8 Uhr,— Rauchen pestattoi. Sonntag, 27. September, präz. 3 Uhr nachm. zu Gunsten der beim Brande von Donaueschi ngen geschädigten Einwohner. n der Onginalbesotzung: Oboe Extra-Entrce. Der Riese aller Riesen Pisjakoff Eintritt SO Pf. Kinder, Soldaten 25 Pf. Rixdorfer Theater Bcrgstrasie 147. Mittwoch, den 23. September 1908: Der Dieb. Ein Stück in 3 Akten v. H. Bernstein. Ansang 8 Uhr. Hs! H Bm v Täg last'Theater Burgstr. 24, 2 Min. t>. Bhs. Börse. Täglich 8 Uhr. Galerie 30 Pf. Oer pzende Septemher-Spielplanü 12 Attraktionen 12. U. a.i The 5 RaTmes Les Myosotis Alcide u. Alberti Der Seekadett. Singfptel tn 2 Akten. Familicnkarten, wochentags z. Halbem Kassenprcis gültig überall gratis! (xGthriicter Herrnfeld- Anfang Thoalnp Vorverk. 8 Uhr. lUCttICr. 11-2 Uhr. 67 Konunandanteastr. 57 Das kommt davon! mit dem Vorspiel: Es lebe das Nachtleben. Konüldie in 3 Akten von Anton und Donat Herrnfeld.• XIV. Saison! Zirkus Busch. I Mittwoch, den 23. September, abends präzise 7'/, Uhr: Ciroße Vorstcllang! Mr. Ifoudinl mit seinem(ges. gesch.) Kannen- trick. Cebr. Saxon! Mlle.| Mariska Rersoy. Acrlal Smith, Mathilde Renz, Schulrciterin. Ernst Schumann, Ncndrcssuren. I Um 10 Uhr ca.: V»rV»Arc88ANI Gr. Original-Ausstaltungs- Pant. I des Zirkus Busch in 6 Bildern. Borher: Das gr. Programm. alhalla- Variete Theater I Weinbergsweg I9JZ0, Rosenth.Tor.l Anfang 8 Uhr. DaS neue grosse September- 1 Programm.— 12 glänzendes _ Spezialitäten. Parodie-Theater Dresdener Strasse 97. Heute: Cavallcrla� Ru.tlkana und die urkomische Burleske „Heriiii«tebt Kopp". Ansang Sonnt. 8, wochcnt. 8'/, Uhr. Passage-Theater. Abends 8 Uhi: Na endlich! Pariser Extravaganz mit Paulette van Roy und das kolossal» Ercffnungsprotjramm | 14 erstklassige Spezialitäten.! Sanssouci, 8�7 Direktion Wilhelm Reimer. Montag, Donnerstag und Sonntag: Boftus NortSliiiger und Danzkränzcheu. Einakter, Ensembleszenen. Aktuelle Vorträge In Wort und Lied usw. Leg. Sonnt. 5. wochent. 8U. Der grosse Ibcatersaal ist«wch sür einige Mitt- Woche /tu vergeben. Casinc-Tkcatci» Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr Familie August Knoche. Berliner Gesangsposse in 3 Akten. August Knoche: Dir. Hans Berg. Vorher b. glänzende ErössnungSprogr. Sonntag 4 Uhr: stolol tdingobiisch. eeiehshatlaa-Thaalel l'ÄxUck! Stettiner Hänger Meyeel, Britten, Seidel, Horst, Schröter, Eher»- berger, Bilhllgen. Otto Schräder u. 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Reise zurück Dr, med. Karl Reinhardt spezialärztliche Institute für Geschlechtskrankheiten, Haut-, Harnleiden, Schwäche, Potsdamer Str. 117 ('/als— 2 u.'/.S— 9 abends), Noander- straBo 12(nahe Jannowitzbr.,'/alO— 11 u.'/,5—'/.S). Vollkommenstes kombiniertes Heilverfahren bei frischen und veralteten Fällen. AuSsiihrliche Broschüre über den Wert sämtl. übt. Heilmethoden in verschloss. Kuvert gratis und postsrei. 183/13 Von der Reise zurück' 159/4 Dr. Paul Richter Spezialarzt für Hautkrankheiten. Berlin/, Uhr, aus dem Slnstalts-Friedhose in Buch statt, Fahrgelegenheit: Bom Stettiner Bahnhof spätestens 1>/,.UHr. 103/20 Die Orlsvcrwaltung I. für den yerMeiehstapahlkreis. Todes- Anzeige. Am 20. September verstarb unser Mitglied, der Hutmacher EictLmrd Streich Namlerstraße 36. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 24. September, nachmittags 4'/, Uhr, von der Leichenhalle der Hinimetsahrts- Gemeinde, Nordend, aus statt, Um rege Beteiligung ersucht 229/14 Oer Vorstand. Zentralverein für alle in der iMrancheheschältigteDArheiierl Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege und lang- jähriger Kassierer [Edimnl Streich nach achttägigem Krankenlager am Sonntagnachmiltag 5'/, Uhr gestorben isL Ehre seinem Andeuken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 24. September, nachmittags 4'/, Uhr, von der Leichenhalle der Himmelsahrts- Gemeinde in Nieder-Schönhausen (Nordend) aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 70/0 Die Ortsverwaltung. Sozialdemokratischer Wahlvereio des Todcs-AnzelKe. Am 20. September verstarb unser! Mitglied, der Kutscher Franz Neil Prinz Eugenstr. 11. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 23, September, nach- mittags 4'/. Uhr, vom Virchow- Krankenhause auS»ach dem Nazaretb-Kirchhos, Neinickendors- West, statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Verband der Kupierseiiiede Deutsehlands. Filiale Berlin. killen Kollegen zur Nachricht, daß der Kollege herm. Ulbert Henke im Alter von 00 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heule, Mittwoch, nachmittags 4 Uhr, vom Gemeinde-Friedhos in Rixdors, Mariendorser Weg, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 100/4 Die Filiaivsrwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die schönen Kranz. spenden bei der Beerdigung meines lieben Murales, unseres treusorgenden Pater» 1777b .Johannes Kasten sagen wir den Kollegen der Firma Bergmann. EleklrizitätS- Gesellschaft, sowie den Mitgliedern de« Gesang. vereinS.Alte Eiche- hiermit unjerev innigsten Dank, Agnes Kasten geb. Hallman» und Kinder. /SC IlJEC üWl ZMC zmz ■z&sc. �mz �2SC A WERTHEIM EMAILLIERTE GESCHIRRE Kasserollen$11° Kasserollen Rj'ng Schmortöpfe Rtn| 8 Größen 45 Pf. bis 1.75 Schmortöpfe 70 pf.b.2.75 8 Größen 1 5 Pf. bis70pr. 4 Größen 75 Pf. bis 1.40 Fischkocher"'Deckel 5 Größen 2.25 b. 7.50 Bratpfannen lang 10 Größen 1.10b. 3.60 Bratpfannen rnnd 5 Größen 40 Pf. b. 90pr. 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Die Lokalkonnnission. 2. Wahlkreis sSüden). Am Sonntag, den 27. Sep- t e m b e r, findet bei Rabe, Fichtestr. 29, ein gemütliches Kaffee- kochen und Kinderfest mit Tanz statt. Außerdem wird abends 6 Uhr ein Vortrag gehalten werden. Eintritt frei. Tanz 20 Pf. Die Genossen der anderen Abteilungen werden gc- beten, sich zahlreich zu beteiligen. Die Abteilungsführer. Rixdorf. Die Billetts zu unserer am Sonntag, den 27. September, nachmittags präzise 2'/z Uhr stattfindenden Theatervorstellung„Der Mein eids b auer" sind nur noch in beschränkter Zahl vorhanden und bitten wir die Genossen und deren Angehörige, sich recktzeitig damit zu versehen. Billetts, die sich noch in Händen der Zahlstellen-, Bezirks- und Viertelskassierer befinden, müssen spätestens bis Donnerstag, den 24. September in der Spedition, Neckar st ratze 2 abgegeben werden, andern- falls sie als verkauft gelten. Von Freitag findet der alleinige Verkauf nur noch in der Speditton statt. Der Ausschutz. Wilmersdorf. Am Freitag, den 25. September, findet für die Bezirke 4 bis 16 eine Flugblattverbreitung statt. Um eine schnelle Erledigung zu ermöglichen, bedarf es der Mitarbeit aller Genossen. Der Vorstand. Grost-Lichtcrfclde. Arbeiter I Parteigenossen! Die im März stattgefnndene Gemeindewahl für den Westen ist für ungültig er- klärt worden. Die Neuwahl findet am Freitag, den 25. September, von vormittags 11 bis abends 8 U h r in B o r ch e r t s K a s i n o, K y l l m a n n st r. 7(Viktoria- platz) st a t t. Alle Wähler, die am 1. April oder auch später aus dem Wcstbezirke verzogen sind, gleichviel wohin, sind wähl- berechtigt und müssen ihr Wahlrecht ausüben. Die Notwendigkeit der Wahl von sozialdemokratischen Gemeinde- Vertretern ist uniso zwingender, als die Lichterfelder Gemeinde- Vertretung gar nicht daran denkt, auch nur die elementarsten sozialen Pflichten zu erfüllen. Dazu kommt noch die ausgesprochene Feind- schaft der auf dem Rathaus dominierenden Kapitalistenvertretung, die unter anderem das kommunale Wahlrecht zu ver- schlechter» suchte und die Streikklausel zum Schutze des Unter- nchmcrtumS in den Verträgen der Gemeinde einführte.— Da der Wahlkampf voraussichtlich ein äutzerst heftiger werden wird, appellieren wir an alle Arbeiter lind Parteigenossen, ihre Pflicht am Wahlrage zu erfüllen. EskommtaufjedeStimmean. Da die Wahlzeit bis 8 Uhr abends ausgedehnt ist, hat jeder Wähler genügend Zeit, sein Wahlrecht auszuüben. Wahlkarte oder sonstige Legitimation ist mitzubringen. Die sozialdemokratischen Kandidaten sind: Paul Held, Metallarbeiter, Dürerstr. 10. Adolf N e u m a n n, Vergolder, Steinäckcrstratze 24. Kaspar Wenzel, Zeiwngsexpedient, Krunnnestratze 2. Heute abend 8 Uhr findet im Birkenwäldchen eine öffent- liche Komniunalwähler-Versammlung statt, in welcher der LandtagSabgcordnete Genosse B o r g m a n n sprechen wird. Adlcrshof. Ten Parteigenossen zur Nachricht, datz am Donners- tag, den 24. September, abends 3Vz Uhr. die Mitgliederversamm- liiiig des Wahlvereins bei Kaul, BiSinarckstratze 16, mit folgender Tagesordnung stattfindet: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Be- richt vom Parteitag. Genosse G r o g e r- Rixdorf. 3. Diskussion. 4. Wahl einer Genossin in den Vorstand. 5. Parteiangelegenheiten und Verschiedenes. Eichwalde. Heute, Mittlvoch, abends 3 Uhr, findet im Lokal Lindcmann in Zeuthen eine autzerordentliche Generalversainmlung des Wahlvereins statt. Der Vorstand. Zossen. Donnerstag, den 24. September, abends 3>/z Uhr. findet inr Kurznerschen Lokal, Baruther Str. 10. unsere Wahl- vercinsversammlung statt. Die Tagesordnung wird in der Ver- sammlung bekannt gegeben. Der Vorstand. Friedrichshage». Heute, Mittwoch, den 23. September, abends ßh'z Uhr, findet in Lerches Bllrgersälen(Rundteil) die fällige Wahl- Vereinsversammlung statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Mafchke über Jugendorganisation. 2. Diskussion. 3. Vereins- angelcgenheiten. 4. Verschiedenes. Der Vorstand. Bvxhagen-Rnmmclsbiirg. Heute, Mittwoch, abends 8>/z Uhr, veranstaltet der hiesige Wahlverein bei Tempel. Alt-Boxhagen 56, die erste BildungSversanmilung für seine weiblichen Mitglieder. Vortragende ist die Genossin Ihrer. In dieser Versammlung soll auch über die fernere Gestaltung der geplanten Frauenversamm- lungen gesprochen werden. Auch werden die Genossen zu dieser Versammlung freundlichst eingeladen. Ter Vorstand. Berliner JMacbricbten. Ter bcporstchendc Oktoberumzug veranlaßt uns, die Parteigenossen und ,.Vorwärts"-Abonnenten darauf hinzuweisen, ihre Unimcldung nach der neuen Wohnung rechtzeitig zu besorgen. Die Biitglieder der Wahlvereine tun gut, sich bei ihrem Bezirks führer abzumelden unter Angabe der neuen Wohnung, während die„Vorwärts"-Abonncnten ihren Spediteur baldigst von dem Wohnungswechsel in Kenntnis setzen wollen. Nur derjenige kann darauf rechnen, auch in der neuen Wohnung von Anfang an seine Zeitung zu erhalten, der die diesbezüg- liche Mitteilung von seinem Wegzuge nicht bis auf den letzten Tag aufschiebt. Bei dieser Meldung an den Spediteur ist besonders auf genaue Angabe der Lage der neuen Wohnung zu achten, ob Vorder- oder Hinterhaus, Ouergebäude oder Seitenflügel, wieviel Treppen, ob rechts oder links. 30 Millionen für die neuen städtischen Hafenbnnten. Die �iädtische Verkehrsdeputation besichtigte gestern die in Arbeit befind- lichen Hafenanlagen am Stralauer Anger, den sogenannten Osthafen. Mittelst elektrischen Bootes wurde die Strecke abgefahren. Die Er- löutcrunge» gab Stadtbaurat Krause. Hauplsächlich handelte es sich um die Frage deS Bahnanschlusses, da der Minister einer Niveau- krcuzung der Stralauer Allee die Genehmigung versagt hat. In den im MagistratSsiyungSsaal fortgesetzten Verhandlungen wurde festgestellt, datz daS erste Projekt für diese Bahnanlage von feiten der k ö n j g- lichen Eisenbahndirektion selbst aufgestellt wurde und auch die polizeiliche Genehmigung erhielt. Wenn nun auch der Betrieb durch die Unterführung wesentlich erschwert würde, so dürfe das Projekt daran nicht scheitern, wenn, und dies sei die wichtigste Frage. der Hafen alS Tarifstation intens der Eisenbahnvchörds anerkannt würde. Das letztere sei vom Minister in Aussicht gestellt. Die Kosten erhöhen sich von acht auf neun Millionen. Die Kaufmannschaft soll mit Rücksicht auf den seinerzeit abgeschlossenen Bertrag hiervon ver- ständigt und um Zustimmung ersucht werden. Allseitig wurden die projekliertcn Bauten als das mindeste angesehen, was ausgeführt werden mutz, sobald die obigen Vereinbarungen zum Abschlug ge- langt sind. Eine nicht unerhebliche Verteuerung der Speicherbauten verursacht die vom Branddirektor geforderte Durchführung in Eisenbeton. Die Deputation gab ihre Zustimmung, umsomehr als sich beim grotzen Brand in Baltimore herausgestellt hat, datz solche Bauwerke unversehrt geblieben waren. Das im weiteren vorgelegte Projekt für den Westhafcn. am Grotzschiffahrtswege Berlin-Stettin, bedeckt eine Fläche von 36,5 Hektar, bietet Platz für hundert 600-Tonn- schiffe, ivie sie den neuen Schiffahrtskanal befahren werden. Zu- nächst sollen aber nur Anlagen zur Ausführung kommen, die geeignet sind, 77 solcher Schiffe Raum zu bieten. An der Spitze der sogenannten Hafeniiisel soll ein Freihafen errichtet werden. Die Anlegung an dieser Stelle ermöglicht die begucmste Absperrung gegen den übrigen Hafen. Die Gesamtlosten betragen inklusive Grundwert 30 Millionen Mark. Es ivird beabsichtigt, den Hafen bis zur Er- öffiumg des Grotzschisfahrtswegcs Berlin-Stettin fertigzustellen. Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordnetciivcrsammlilng am Donnerstag, den 24. September d. I., nachmittags 5 Uhr. Berichterstattung über die Vorlage betreffend die gegen die Nichtig- keil der Gemeindewählerliste erhobenen Einsprüche.— Anträge von Mitgliedern der Versammlung, den Magistrat zu ersuchen, schleunigst Vorkehrungen zu treffen, um der für diesen Winter im erhöhten Matze drohenden Arbeitslosigkeit in wirkungsvollster Weise entgegen- treten zu können— sowie mit der Staatsregierung in Verhandlung zwecks Ucbernahme der Sicherheitspolizei zu treten.— Vorlagen betreffend: die Bewilligung von Mehrkosten bei den Neubauten des Friedrich- Werderschen Gymnasiums und der Genieindedoppelschule in der Bochumer Stratze,— die Festsetzung anderer Fluchtlinien für de» Platz v, Abteilung X1 des Bebauungsplanes,— die Einrichtung einer Arbeitslosenversicherung und Mit- teilung über die Dauer der Arbeitszeit in den einzelnen städtischen Betrieben,— die Zahlung eines Zuschusses zu den Volks- schullasten a» die Gemeinde Britz, die allmähliche Einziehung der Schulen 57 und 72.— die Benutzung deS hiesigen Polizcigesäng- nisses zur Unterbringung von Lichtenberger Polizeigefangenen bis zur Bereitstellung des neuen Polizcigesänqnisses in Lichtenberg, längstens aber bis 1. April 1909— und Ueberweisung von Gelände an der Fröbelstratze und an der Persiusstratze an die Stratzen- reimgungSdeputation und Erbauung zweier Fahrzeugdepots daselbst. Dreimarkstücke sind an Stelle der alten Taler ausgegeben worden. Die neue Münze unterscheidet sich von den Zwei- und Fünfmarlstücken nur durch die' Größe; sie ist etwas kleiner als der frühere Taler. Einsprüche gegen die Gemeindewählerliste für Berlin sind diesmal nur in geringer Zahl erhoben worden— wie immer in den Jahren, die uns keine allgemeinen Ergänzimgsivahlen zur Stadtverordneten- Versammlung bringen. Selbstverständlich erklärt sich das nicht daraus, datz in solchen Jahren die Lückenhaftigkeit und Fehlerhaftig- keit der Gemeindewählerliste minder arg wäre als sonst, sondern nur daraus, datz die meisten es für überflüssig hallen, die Liste zu kontrollieren, wenn sie keine Wahlen zu erwarten haben. Diese Gleich- gültigkett ist nicht unbedenklich, da ganz plötzlich durch Mandats- iiiederlegung oder Todesfall eine Ersatzwahl nötig werden kann. In solchem Fall hat schon mancher Wähler, der die Kontrollierimg der Wählerliste sich sparen zu können geglaubt hatte, am Wahltage sehen müssen, datz er nicht in der Liste stand,' so datz er auch das Wählen sich diesmal„sparen" konnte oder vielmehr mutzte. Die Wählerliste Fahr für Jahr zu prüfen, sollten alle Wähler schon deshalb für ihre Pflicht halten, tveil die inimer wiederholte Fe st- stellung der Uilzuverlässigkeit der Wählerlisten doch nicht ganz wirkungslos bleibt, sondern immer aufs neue beiträgt zur Erhöhung der Sorgfalt, niit der die Listen angefertigt Iverden. Wenn Jahr für Jahr sämtliche Wähler die Liste kontrol- lierten— man würde staunen über die gewaltige Zahl der Irrtümer, die dabei zutage kamen. Diesmal sind nur sechzehn Einsprüche erhoben worden, aber selbst bei dieser geringe» Zahl ist es nicht ohne Interesse, die ein- zelnen Fälle näher zu betrachten. Der Stadtverordnetenausschutz. der die Einsprüche geprüft hat, ist zu dem Ergebnis gekommen, datz in sieben Fällen der Einspruch zurückzuweisen, aber in den neun übrigen Fällen nachträgliche Aufnahme in die Wähler- I i st e zu gewähren sei. Die Zurückweisung wird von dein AuSschutz empfohlen: bei zwei Personen, weil sie noch nicht ein Jahr in Berlin wohnen; bei vier Personen, tveil sie mit Steuern im Rück- stände sind; bei einer Person, weil die Aufforderung, den Erwerb der preußischen Staatsangehörigkeit nachzuweisen, unbeachtet gelassen worden war. Von den anderen neun Personen waren zwei nur„irrtümlich" nicht in die Liste auf- genommen Ivorden; vier hatten„als in Preußen nicht staats- angehörig" gegolten, konnten aber nachweisen, datz sie die preußische Staatsangehörigkeit noch rechtzeitig erworben hatten; drei sollten„als Schlafburschen gemeldet" worden sein, es zeigte sich aber, datz sie tatsächlich als C h a m b r e- garnisten gemeldet worden waren. Bezüglich dieser drei letztgenannten Wähler hat der Ausschutz bemängelt, datz aus den Feststellungen nicht ganz llar hervorgehe, ob sie auch tatsächlich als Chainbregarnistcn wohnen, d. h. das Berfügungsrecht über einen Wohnraum haben, das als Voraussetzung des GemeiiidewahlrechtS gilt. Künftig soll, so versprach es im AuSschutz der Magistratsverttetcr, das Wahlburcau des Magistrats nähere Feststellungen hierüber durch die Polizei vornehmen lassen. Wir find neugierig, was alles da „ftstgestellt" und dazu verwendet werden wird, Arbeiter auS Chambregarnisrcn in Schlafburschen zir verwand e l ir und sie um ihr dem Berlii, er Stadt- frei sinn unbequemes Gemeindewahlrecht zu bringen._ Unter dem Verdacht der Cholera. Offiziös wird gemeldet: Berlin, 22. September. Bei einer auS Petersburg zugereisten Dame, die gestern abend wegen Cholera- verdacht in das Rudolf- Virchow-Krankenhaus hier eingeliefert worden ist, haben die bakteriologischen Untersuchungen bisher den Choleraverdacht nicht bestätigt, auch der Verlauf der Erkrankung ist bisher ein anderer, wie man ihn sonst bei Cholera beobachtet. Sollte wider Erwarten die noch weiter fortgesetzte bakteriologische Untersuchung doch das Vorliegen von Cholera ergeben, so wird dies sofort �bekannt gegeben werden. Im übrigen sind trotzdem sämtliche Vorsichtsmatzregeln so getroffen worden, als ob es sich tatsächlich um Cholera handelte. So hat nicht nur eine Desinfektion des von der Erkrankten bewohnten Hotelzimmers mit Jnhalr, sondern auch des Transportwagens, der Kleider der Erkrankten, der Transporteure und des Hotelpersonals, daS mit der Erkrankten in Berührung gekommen ist, stattgefunden. Es sind auch die Personen selber, die mit der Erkrankten in Be- rührung kamen, unter Beobachtung gestellt worden. Der Ehemann der Erkrankten, ein russischer Staatsrat, ist gleichfalls im Virchoiv- Krankenhanse untergebracht, obgleich er bisher völlig gesund ist. Selbstverständlich sind die Erkrankte wie ihr Gatte im Krankenhause völlig abgesondert. Wie wir ferner erfahren, hat gestern vormittag im ReichSamte des Innern eine Konferenz stattgefunden, die sich mit der Frage der Ergreifung voll Matzregeln zur Bekämpfung der Choleragefahr be- schäftigte. In dieser Konferenz waren Mitglieder des Kultus- Ministeriums, des Reichsgesundheitsamtes, des Reichsamtes deS Innern, des Reichsmarincamts und des Kriegsministeriums vertreten. Gester» nachmittag wurden zwei g esun d e Personen, Aus- länder, vom Schlesischen Bahnhof in die Infektionsabteilung ein- geliefert und zwar unter dem Verdacht der AnsteckungSsähiglcit. Zu ernsteren Besorgnissen liegt bis jetzt und besonders mit Rücksicht auf die Verhältnisse und die getroffenen Matznahmen kein Grund vor. Es sei daran erinnert, datz auch im Jahre 1893 bei der großen Choleraepidemie in Hamburg in Berlin nur 13 Erkrankungen an ollolora asiatica zu verzeichnen waren, die fast sämtlich günstig verliefen. Einer Berliner Korrespondenz hat der Direktor des Königs. Instituts für Infektionskrankheiten, Geheimrat D a f f k Y, folgendes mitgeteilt: Es liegt trotz allem für das Publikum noch keine Veranlassung vor, sich zu beunruhigen. Das Reichsscuchengesetz sieht alle Even- tualitätcn vor, so datz besondere Matznahmen nicht notwendig sind. Fälle von asiatischer Cholera sind in den letzten Jahren in Berlin vereinzelt im Herbst i m m'e r zu verzeichnen gewesen. Die Aufgabe der Sanitätsbehörde wird es natürlich bleiben müssen, den Ausbruch einer Epidemie zu verhüten. Einzelne Fälle werden sich trotz schärfster Ueberwachung der Grenzen, der Stromgebiete und der Häfen beim heutigen internationalen Reiseverkehr nicht vermeiden lassen, jedoch voraussichtlich nur sporadisch auftreten. Selbstmord auf den Schiene». Der zerstückelte Leichnam einer unbekannten Frauensperson ist gestern auf den Gleisen der Stadt- bahn aufgefunden worden. In der Nähe des Forsthauses Gnmc- Wald stietz ein Strcckenbcamler auf die Leiche. Die unbekannte Selbstmörderin dürfte etwa 25 Jahre alt gewesen sein. In der Kleidertasche hatte sie die Photographie eines jungen Mannes ver- borgen. Vermutlich handelt es sich hier um den Abschlutz einer Liebestragödie. Als Leiche gelandet wurde gestern im Tegeler See der Kellner Steudel, der am Sonntagnachmittng mit mehreren Bekannten eine Scgclbootfahrt unternommen hatte. Das Fahrzeug kenterte bei Baumwerdcr und die Insassen fielen ins Wasser. Während die anderen gerettet werden konnten, fand St. in den Wellen den Tod. Ein folgenschwerer Zusammenstoß zwischen einem Straßcnbahnzng und einem Sprengwagen erfolgte gestern nckchmittag an der Ecke der Hoch- und Badstratze. Ein Sprengwagen der städtischen Stratzen- reinigung, der von dem 68 Jahre alten Kutscher Wilhelm Ritzmanu, Liebcnwalder Stratze 5 wohnhaft, geführt wurde, wurde von einem Stratzcubahnzug der Linie Pm,ww— Mittelstratze unt solcher Gewalt angefahren, datz er ein Srück fortgeschleudert wnrde. R. flog im grotzen Bogen auf den Fahrdamm. Er zog sich schwere innere Ver- letzungen sotvie mehrere Rippenbriiche zu und wnrde in hosstumgs- losem Zustande in das Virchow-Krankenhaus eingeliefert. Zcugrngcsuch. Am Montag, den 7. d. M., abends 9'/« Ith! wurde ein Mann gelegentlich eines RenkonlreS mit einem Schutz- mann durch Säbelhiebe verletzt. Die von ihm aufgeschriebenen Adressen von Zeugen des Vorfalls kamen auf der Fahrt nach der Unfallstation abhanden, speziell vermißt er die Adresse eines Herrn in hellgrauem Paletot mit Zylinder, der seinerseits auch einige Adressen notiert hatte und bittet diesen wie auch andere Zeugen um Angabe ihrer Adresse an Emil Elster- mann, Berlin'L0., Reichenbergersir. 65, Hof L Fciierwchrnachrichtcn. Vergangene Nacht kam in der Linien» stratze 83a ein großer Ladcnbrand.'zum Ausbruch und gestern früh um 3 Uhr brannten im Hause Prinzenstratze 65 Balken usw. Wegen einer Gasvergiftung wnrde gestern vormittag die Wehr nach dem Wolffschen Pensionat in der Krausenstratze 9 gerufen. Samariter der Wehr benutzten nnt Erfolg einen Sauerstoffapparat. Ferner hatte die Feuerwehr in der Kochhannstratze 33 zu tun, loa in einer Wohnung Möbel und anderes brannten. Kleider wurden in der Steinmctzslratze 26 ein Raub der Flammen. In der Ritter- stratze 71 brannten Lacke und in der Waldenserstratze21, Alerandrincn- stratze 51 usw. alter Hausrat. Um ein Pferd aus einer Notlage zu befreien, rückten Mann- schaffen der Wache 3 nach der Eberswalder Stratze 4 auS. Es gelang, das Pferd aus der Grube, in die es gefallen war, gesund herauszuholen._ Vorort- JVachricbteih Schöneberg. Stadtverordnetenversammlung. Die letzte Sitzung beschäftigte sich mit der Angelegenheit betreffs die Konzess ionsvcr» länge rung der Großen Berliner Straßenbahn. Bekanntlich hatte der Oberpräsident der Provinz Brandenburg die Stadtgeuieinde aufgefordert, sich zu dieser Kmizessionsverlänge- rung bis zum 15. August zu äußern. Auf Antrag des Magistrats ist dann diese Frist bis zum 15. Oktober verlängert worden. Ter Magistrat hatte den gepflogenen Schriftwechsel der Stadtvcrord- netcnvcrsammlung zur Kenntnisnahme unterbreitet. Stadtv. Rhcinbacher(lib. Fr.) bedauert, datz der Ma- gistrat noch nicht weitere Schritte eingeleitet hat; es handelt sich hier um den Versuch, Schöncberg dauernd zu knebeln zugunsten einer Privatgesellschaft. Er, Redner, sei an und für sich kein Gegner, wenn Privatgesellschaften zu derartigen Zwecken bestehen, aber es hat seine G-reiezen. Es darf nichp soweit gel)en, datz die Gemeinden vollständig lahmgelegt werden.. Wenn man bedenkt. wie die„Große Berliner" Einspruch erhoben hat gegen den Bau von II n t e r g r u u d bahKe n in Berlin und sich jetzt auch anschickt, gegen die geplante Schönebcrger Unter. grundbahn Einspruch zu erheben, so mutz diesem Treiben cntgcgcngcrufen werden:„Bis hierher und nicht weiter!" Redner bedauert, datz in dem Verkehrszweckverband noch keine Verständigung gefunden worden ist. Bei diesem brutalen und rücksichts- losen Antrag müßte man erwarten, datz sich alle Gemeinden wie ein Mann dagegen erheben. Um die Verkehrsintcress'en kümmert sich die Gesellschaft nur insoweit, als ihre eigenen Interessen dabei in Frage kommen. Redner macht dann noch dem Magistrat Vorwürfe. datz er bisher weiter nichts getan hat, als um eine Fristver- längerung beim Obcrpräsidcnten vorstellig zu werden. Stadtv. Küter(Soz.) weist darauf hin, daß die Große Bcr- lincr Straßenbahn auf die einzelnen Gemeinden pfeift, sonst hätte sie sich wegen der Konzessionsverlängerung an die G e. mcinöcn selbst und nicht an den Oberpräsidenten gewandt. Es ist die höchste Zeit, daß hier ganz energisch eingeschritten wird. Die Gemeinden sollten über die kleinen Vorteile bin» wegsehen, die ihnen von der Großen Berliner Straßenbahn gewährt werden und sich zu einem gemeinsamen Vor- g le h c n zusammenschließe n. Es handelt sich nicht nur um die Kvnzessionöberlängerung, sondern anch der 19 Pfennig- tarif soll abgeschafft und das Publikum weiter geschröpft werden.'Redner bedauert ebenfalls, datz vom Magistrat noch keine weiteren Schritte eingeleitet sind. Stadtv. A3 o l k e n b u h r(Soz.) hätte erwartet, daß anch vom Magistrat in die Debatte eingegriffen worden wäre. Es handelt sich hier um eine Frage, wo jedes Mittel angewandt! verden mutz, um die KonzessionSperläfigermig zu verhindern. Große Fehler sind aber bereits in den früheren Jahren gemacht. Tie Vertrüge der Grotzen Berliner Straßenbahn Mit deck einzelnen Gemeinden Grotz-Bcrlinö hätten mit einem einheitlichen Termin abla�fenmüssen, statt Lessen hat jede Gemeinde ganz sorglos ihren eigenen Vertrag abgeschlossen und ein groger Teil dieser Verträge läuft länger als der Berliner Vertrag, der bekanntlich mit dem Jahre 1319 abgelaufen ist. Durch diesen Zu- stand sind der Großen Berliner Straßenbahn Machtmittel in die Hand gegeben, mit denen sie eventuell auch eine Vertrags- Verlängerung in Berlin durchsetzen kann. Daß die Große Berliner Straßenbahn das Kleinbahngesetz für ihre Zwecke so günstig auszunützen versteht, ist kein Wunder, wenn man bedenkt, welche Leute an der Spitze dieser Gesellschaft stehen. Die Große Berliner Straßenbahn ist eine Aktiengesellschaft, die auf Grund bestimmter Konzcssionen gegründet ist. Jede Verlängerung der Konzessionsdauer verlängert auch die Frist der Amortisierung des angelegten Kapitals und erhöht die Dividende. Die Konzessicnsoerlängcrung bedeutet mithin also ein großes Geld- geschenk an die Aktionäre und das muß verhindert werden. Die laugandaucrnden Verträge sind fast immer ein Hindernis für die EntWickelung der Gemeinden gewesen. Tie Gemeinden kommen durch solche Verträge in die allerschlimmste Lage. Was bedeuten Y0 Jahre in der Entwickelung der Gemeinden? Redner erinnert daran, wie sich das ganze Verkehrswesen entwickelt hat. Der Kon- zessionsverlängcrung zuzustimmen bedeutet, die jetzige Form des Verkehrswesens auf den Straßen aufrechtzuerhalten. Deshalb sollte sich keine Gemeinde auch nur einen Tag über dcä bereits bestehenden Vertrag binden lasten. Stadtvcrordnetcnvorftcher Lohausen slib. Vereinig.) bc- dauert ebenfalls, daß die Gemeinden Groß-Berlins in dieser Frage nicht wie ein Mann zusammenstehen und an die Oefsent- lichkeit treten. Der Magistrat würde sich ein großes Verdienst erioerben, wenn er die nötigen Schritte zu diesem Zusammen- gehen einleiten würde.. Eine wichtigere Angelegen- heit kann es kaum geben. Der Magistrat scheint aber gar nicht die Absicht zu haben, die Stadtverordneten- Versammlung zu Rate zu ziehen, sonst würde er nicht die ganze Angelegenheit der Versammlung nur zur Kenntnisnahme unter- breiten. Stadtrat W a l g e r sucht die Vorwürfe, die dem Magistrat gemacht wurden, mit dem Hinweis darauf als nicht gerechtfertigt zu ertlären, daß der Syndikus und Dezernent des Verkehrswesens zurzeit verreist ist. Der Magistrat hat das getan, was er tun konnte. Um das Anerbieten der Großen Berliner Straßenbahn zurückzuweisen, dazu brauche man die Stadtverordnetenvcrsamm- lung nicht. Wenn der Verkehrszweckverband noch nicht zustande gekommen ist, so liegt das eben an der Schwerfälligkeit, derartige Gemeinden unter einen Hut zu bringen. Vor allem handelt es sich jetzt darum, die Rechtslage zu prüfen und dann beim Ober- Präsidenten vorstellig zu werden. Beim Magistrat sind diese An- gelegenheiten in Bearbeitung. Stadtv. Zobel(lib. Frakt.).: Beim Magistrat scheint eine völlige Ratlosigkeit gegen das Vorgehen der Straßen- bahngesellschaft zu herrschen. Am 7. Juni ist das Schreiben vom Oberpräsidenten eingegangen und am 16. August habe man erst dazu Stellung genommen und um eine Fristverlängerung gebeten. Nachdem diese Fristverlängerung gewährt ist. geht der Dezernent in Ferien und kümmert sich um die Angelegenheit nicht weiter. Stadtv. Molkenltuhr(Soz.) macht ebcnsstills dem Magistrat den Vorwurf, daß er nicht mit dem hinreichenden Ernst an die Sache herangegangen sei. Das einzige, was getan worden ist, sei das Nachsuchen um eine Fristverlängerung. Ob nun weiteres geschehen soll, davon habe man nichts erfahren. Stadtv. Heyne(unabh. Vereinig.) schließt sich im wesent- lichen den Ausführungen der Vorredner an, nur hält er es für zweckmäßig, daß der Magistrat nicht mit allen Mitteln an die Ocffentlichkeit tritt. Es muß dagegen protestiert werden, daß auf Grund des geschriebenen Rechts ein Unrecht der ganzen Bürgerschaft getan wird. Nach Schluß der Diskussion werden folgende Anträge ein- stimmig angenommen: 1. Ten Magistrat zu ersuchen, mit den in dem Antrage der Großen Berliner Straßenbahngesellschaft genannten Ge- meindcn in Verbindung zu treten, um gemeinsam mit diesen Gemeinden Wwchrmaßregeln zu treffen, eventuell auch Person- lich bei dem Herrn Oberpräsidenten vorstellig zu werden. 2. Den Magistrat ferner zu ersuchen, auf die Aufforderung des Herrn Oberpräsidenten vom 7. Juli d. I. sich unter Hervor- Hebung der für uns maßgebenden Gründe dahin zu erklären, daß ivir beantragen, den Ergänzungsantrag der Großen Berliner Straßenbahngesellschaft abzulehnen. Zwei Anträge der beiden rechtsstehenden Fraktionen der Ver- sammlung, nach welchen Mittel verlangt werden zur Liefe- rung"on Frühstück und Mittagbrot an bc- dürftige Kinder der Volksschule, iverden nach kurzer Debatte einem Ausschuß überwiesen. Von den Begründern der Anträge wurde hervorgehoben, daß die jetzt herrschende wirtschaftliche K r i s i s einen großen Einfluß auf die Ernährung der Kinder ausübe. Von sozialdemokratischer Seite sowohl wie von der liberalen Fraktion wurde begrüßt, daß nun endlich auch die rechts- stehenden Fraktionen die Notwendigkeit derartiger Maßnahmen anerkannt haben, während früher die gegenteilige Meinung geltend gemacht wurde. Sodann wird beschlossen, den Magistrat zu ersuchen, bei Neu- errichtung von Bedürfnisanstalten mit Abortgclegenheit, wo es möglich ist, die Anlage unterirdischer Anstalten in Erwägung zu ziehen. Die vorgelegte Gebührenordnung für den städtischen Krankentransportwagen wird genehmigt. Angenommen wird ebenfalls ein Antrag, nach welchem die städtische Bauparzelle an der Berchtesgadener Straße, neben dem neu zu errichtenden Gymnasium zu einem Spielplatz herzu- richien ist. Ein Antrag des Magistrats verlangt die Errichtung einer Rechtsauskunftsstelle und Uebertragung dieser Anstalt an den schon bestehenden Verein für Rechtsauskunft. Stadtv. F r i tz s ch(Soz.) verlangt, daß die Anskunftsstelle in eigener Regie errichtet und betrieben werde. Die Stadt müsse die Stelle so gestalten, wie es den Bedürfnissen der Einwohner entspricht. Stadtrat Welger glaubt, daß durch Uebertragung dieser Stelle an einen Verein dicselibe mehr Vertrauen in der Bürger- schast genießen wird. Späterhin wäre dieselbe in eigene Regie zu übernehmen. Stadtv. Magnan(Doz.) zerstreute die Bedenken des Ma. gistratsvertrctcrs, und trat nochmals für die Errichtung in eigener Regie ein. Nach Ablehnung deS sozialdemokratischen Antrages, die Rechts- anskunftsstelle in eigener Regie zu errichten,>oird die M a g i- st r a t S v o r l a g e angenommen. Eine Petition, auch eine besondere Rechtsauskunftsstelle für Frauen einzurichten, wird dem Magistrat als Material überwiesen. Zur Beschaffung der nötigen E in r i ch tu ngs g e g e n° st ä n d e für die neuerbaute Schule in der Kolonnenstraße werden die nötigen Mittel bewilligt. Die Schule soll im Oktober bezogen werden. Eine NekrutriiabschiedSfrier veranstaltet am Sonnabend, den 26. d. M.. in Miethes Festsälen, Hauptstraße, der Arbeiterturnverein von Schönebera. Alle Rekruten und deren Bekannte sind bestens eingeladen. Die Feier beginnt um 0 Uhr. Rixdorf. Die Parteigenosse» werden auf die heute, Mittwoch, abends 8'/« Uhr. im großen Saale von Thiel, Bergstr. 151/162, stattfindende Versammlung der GewerkschaftSkommisston aufmerksam gemacht, in der der Genosse Brückner über ,.DaS Krankenversicherungsgesetz unter besonderer Berücksichtigung der Rechte der Versicherten",.spricht. Zu dieser Versammlung hat jedermann Zutritt. Durch«in herahstürzeudes Faß de» Fuß zerschmettert. Bei einem verhängnisvollen Unglücksfall ist ein vierjähriger Knabe zum Krüppel geworden. Vor dem Hause Hermannstr. 227 hatte ein Brauerwagen angehalten. Als das Gefährt später wieder wegfuhr, stürzte eine schwere Biertonne auf die Straße und traf unglücklicherweise den an der Bordschwelle stehenden Knaben Hans Fechner. Dem Kleinen wurde der rechte Fuß vollständig zerschmettert. Nieder-Schönhauscn. Auf zur Wahl! Nur noch wenige Tage trennen uns vom Termin der Ersatz- wähl zur Gemeindevertretung. Die Wahl findet am nächsten Dienstag, den 29. September, im Lolak von Lied e mit, am Kirchplatz, in der Zeit von 12 Uhr mittags bis 8 Uhr abends statt. Unser Kandidat ist der Genosse Otto Rißmann. Da die Wahl unter Zugrundelegung der im Januar dieses JahreL aufgestellten Wählerlisten stattfindet, ersuchen wir besonders die im Laufe des Jahres verzogenen Partei- genossen, ihr Wahlrecht möglichst frühzeitig auszuüben. Partei- genossen, die mit Nieder-Schönhausener in Verkehr stehen, ersuchen wir, diese auf ihre Wahlpflicht aufmerksam zu machen. Von Wichtigkeit ist eZ, daß eine größere Anzahl sozialdcmo- kratischer Wähler zum Beginn der Wahlhandlung in: Wahllokal a n tv e s e n d ist, um uns eine entsprechende Ver- tretung im Wahlbureau zu sichern. Ferner ersuchen wir, in den nächsten Tagen die die Wahl bc- treffenden Veröffentlichungen im„Vorwärts" zu beachten. Wem: jeder Parteigenosse während der kurzen Frist bis zur Wahl und am Tage der Wahl selbst seine Schuldigkeit tut, dann muß es uns gelingen, unseren Kandidaten Otto Rißmann in das Dorfparlament zu entsenden._ Weiftensee. Die letzte Geincindevcrtrctersitznng beschäftigte sich mit einem Antrage, die Vorschule der Realschule von derselben abzutrennen und eine Zentralvorschulc zu bilden, um so den Nachwuchs für die Ober- realschule als auch für das Realgymnasium zn liefern. Die Gelegen- heit ließen unsere Vertreter nicht ungenutzt, die Beseitigung der Vor- schule zu fordern. Ihr Sprecher, Genosse Tanbmann, forderte die Bildung von Einheitsschulen bis zum 14. Jahre. Es darf nicht das Bestreben sein, die Klassengegensätze den Kindern von Jugend an einzuprägen. Auch die fi::anz:elle Seite spreche für Aufhebung der Vorschule. Als emziger Redner für die Mehrheit sprach der Ge- meindevorsteher gegen diesen Vorschlag. Ein Antrag auf Beseiti- gung der Vorschule stehe nicht auf der Tagesordnung und wolle man die Vorschule auflösen, so müsse man dieselbe von unten ab- bauen. An eine solche Absicht ist vorläufig nicht zu denken. Gegen die acht Stimmen der Sozialdemokraten wurde die Zentralvorschule als errichtet betrachtet. Lichtenberg. Aus der GcwerkschaftSkommission. Die letzten beiden Sitzungen der Unterkommission beschäftigten sich hanptsäckilich mit den bevorstehenden Ersatzwahlen der Dele- gierten zur Ortskranlenkasse. Es ist mitzuteilen, daß dieselben für die 1. Wahlabteilung, umfassend die Betriebe östlich der Gürtelstraße, Dorfstraße und des Weißenseer Weges, ausschließlich der drei ge- nannten Straßen und die in Wilhelmsbcrg beschäftigten Kassen- initglieder am 28. d. Mts., für die 2. Wahlabteilung, umfassend die Betriebe in der Gürtelstraße, Dorfstraße und des Weißenseer WegeS, sowie den Stadtteil westlich dieser Straßen an: 29. d. Mts. statt- finden. Beide Abteilungen wählen in der Zeit von 5 bis 8 Uhr im Lokal von Gebr. Arnbold, Franlsurter Chaussee 5. Die Wahl ist geheim. Als Legitimation für die Kassenmitglicder gilt Mitglieds- buch oder Karte.— Unter Verschiedenen: wurde beschlossen, in jedem Jahre mindestens zwei öffentliche Gewerkschaftsversammlungen abzu- halten. Dieselben sollen im Frühjahr und im Herbst stattfinden. Während in der vorhergehenden Sitzung die Barbiere und der Ort Wilhelmsberg nicht vertreten waren, waren in der letzten Sitzung die Bauarbeiter und Handlungsgehilfen nicht anwesend. Arbeiter, Parteigenoffen! Seht die Wählerliste«ach! Die Liste der stimmfähigen Bürger Lichtenbergs sowie die Bezirkswählerlisten der II. und III. Abteilung liegt in Ge- mätzheit der Bestimmungen des§ 1 des Ortsstatuts vom 18. April 1908, betreffend die Liste der stimmfähigen Bürger in der Zeit vom K.?. bis einschliesslich 30. Septeniber d. I. an den Wochentagen von vormittags 8 bis nachmittags 3 Uhr, an den Sonntagen von 9 bis 12 Uhr vormittags im großen Sitzungssaal des Rathauses öffentlich aus. Während dieser Zeit kann jedes Mitglied der Stadt- gemeinde gegen die Richtigkeit der Liste Einwendungen er- heben; später eingehende Einsprüche werden nicht berück- fichtigt. ES ist dringend notwendig, daß sich jeder Wähler durch Einsichtnahme in die Liste überzeugt, ob auch sein Name richtig eingetragen ist. Wer nicht in der Liste steht, darf nicht wühlen. Wer nicht selbst die Zeit dazu haben sollte, beauftrage einen bekannten Genossen mit der Einsichtnahme. Grost-Lichterfelde.' Die Tagesordnung der letzten Gemeindevertretersitziing stand unter dem Zeichen von Polizeiverordnungen. Unv zwar handelte cS sich um die Beschränkung des Straßciihandels.„aus Verkehrs- rücksichten". Diese„Verkehrsrücksichten" sind natürlich nur daS Etikett, um der ganzen Maßnahme irgend einen gesetzlichen Halt zu geben. In der Tat hat Groß-Lichterfelde gar keinen Ver- kehr von Bedeutung, zum mindesten nicht einen solchen, der eine derartige Polizeimaßregel rechtfertigte. Der Erlaß dieser Polizeiverordnnug durch die Gemeindevertretung ist natürlich nur erfolgt im Interesse der HauS- b e s i tz e r und der Handel- und Gew erbetreibe noen— ist also ein Stück Mittelstandspolitik, und zwar auf Kosten der Minder- und Unbemittelten. Eine Gemeindevertretung, die es mit den sozialen Aufgaben ernst meint — müßte bestrebt lein, für die Versorgung mit guten und billigen Lebensmitteln alle geeigneten Maßnahmen zu treffen. Statt dessen sucht man hierorts jede Konkurrenz in dieser Be- ziehung fernzuhalten und die minderbemittelte Bevölke- rung den Handels- Monopolisten tributpflichtig zu machen. Es ist bekannt, daß gerade in Groß-Lichterfelde die NahrnngSmittel- preise höher sind als anderwärts. Die Wohlhabenden und Reichen werden davon am wenigsten betroffen. weil sie ihre Bedürfnisse meistens in Berlin decken; solange sie dort billiger kaufen können, pfeifen sie auf den hiesigen Mittelstand. Dafür darf er sich aber bei de» minder- und unbemittelten Schichten der Bevölkerung auf Grund solcher Polizeiverordnungen schadlos halten. In nicht weniger al« 24 Straßen soll der Straßenhandcl auS „VerkehrSrücksichten� verboten werden. Nur ein einziger Ge- weindcvertreter, Herr Metfer, bekämpfte die Poltzeiverordnung als ungerechtfertigt, konnte aber nichts weiter erreichen, als daß schließ« lich ein Teil der Steglitzer- und Branerstraße vom Verbot auS- genommen wurde.— Die andere Polizeivcrordnung betraf da« Gebiet der NahrnngS mittelkontrolle und zwar bezüglich eines der wichtigsten und notwendigsten Nahrungsmittel-- der Milch. Die Klagen und Beschwerden über verfälschte Milch haben sich in unserem Ort derart gehäuft, baß die Nölizeiverwaltung notgedrungen den Erlaß von Vorschriften über den Verkauf von Milch beztv. die Beaufsichtigung und Kontrolle der Molkereien forderte. Hier, wo es sich um hygienische Maßnahmen im Jntereffe der Gesundheit der Bevölkerung handelt, zn denen die Gemeinden verpflichtet sind, opponierte der Gemeinde- Vertreter Professor Dr. Kübler— er bezeichnete sich selbst unlängst als„Mann der Wissenschaft"— und machte„er- hcbliche Bedenken" geltend. Er fürchtet nämlich polizeiliche Schikauen gegen die Molkereibesitzer. Sonst hat der Herr Professor aber nie etwas von Polizei- schikanen gehört. Die Vorlage wurde angenommen. Nach Erledigung einiger kleiner Vorlagen, die kein besonderes öffentliches Interesse beanspruchen, nahm außerhalb der Tagesordnung der Gemeindcvertrcter Dr. S o u ch o n das Wort und gab seinem Bedauern Ausdruck, daß. wieder zwei Gemcindcvertreter ihr Amt als Armcnkommissare niedergelegt hätten. ES läge im Interesse der Gemeinde- finanzen, daß die Mitglieder der Gemeindevertretung dieses Amt behielten. Der Redner machte sogar den bürgerlichen Armen- kommissionen, die der Genrnndevertretung nicht angehören, ganz unverblümt den Vorwurf, daß sie mit den Mitteln der Gemeinde den Armen gegenüber zu freigebig seien!I AuS diesem Grnnde wünscht er für dieses Amt nur Gemeindcvertrcter, die man natürlich besser mrtcr Kontrolle bat. Diese unerhörten AuSführnngen fanden Zustimmung bei dem Schöffen Dr. Domino, der sich leider auf denselben Standpunkt stellte. Es ist Eingeweihten längst kein Ge- heirnüiS, daß die Armenfürsorge in dem reichen Groß-Lichtcr- selbe unter aller Kritik und ein Schandfleck für diesen„vor- nehmen Villenort" ist. Trotzdem hat man noch den Mut, in öffentlicher Sitzung die Armenkommiffare förmlich einzu- schüchtern und zn noch größerer Sparsamkeit oder auch Ablehnung gegenüber hilfsbedürftigen Armen aufzustacheln. Die Gemeindcfinanzen auf Kosten der Aerinsten in der geschilderten Weise„heben" zu wollen, ist geradezu ein moralisches Verbrechen. lind all das, weil die reichen Leute in Groß-Lichterfelde bequem und angenehm in einer mit allem Komfort einer Großstadt versehenen Vorortgemeinde wohnen, aber nichts bezahlen wollen. Es ist Zeit, daß die Arbeiterklasse durch selbst- gewählte Vertreter einmal hinter die Kulissen leuchten läßt. Die bevorstehende Gemeindewahl ist die beste Gelegen- heit dazu. Die Vertretung der Arbeiterklasse im Gemeinde- Parlament ist eine dringende Notwendigkeit; deshalb säume kein Wähler, seine Wahlpflicht am Freitag, den 2ö. September, zu erfüllen und den sozialdemolraiijchen Kandidaten seine Stimme zu geben. Rummelsburg. Die Brnudstiftungcn am hiesigen Orte wollen kein Ende nehmen. Gestern nachmittag sind wiederum zwei Brände angelegt worden. Und wiederum waren es zwei Grundstücke in der Bahnstraße und zwar die Häuser Nr. 83 und 84. Der Dachstuhl des Hauses Bahnstraße 84 ist zum größten Teil vernichtet worden. Als die alarmierte Feuerwehr eintraf, schlugen bereits mächtige Flammen aus den: Dach empor. Dagegen konnte daS Feuer auf dem Neben- grundstück Skr. 83 bald wieder gelöscht werden. Daß cS sich in beiden Fällen um Brandstiftung handelt, ist zweifellos. Vermischtes. Zum Brand der Pariser Telephonzentrale. An der Wiederherstellung der durch das Feuer zerstörten Telephonleitungen wird mit allem Nachdruck gearbeitet. Eine An- zahl Verbindungen mit dem Auslände konnten bereits im Laufe des gestrigen Tages provisorisch benutzt werden. So können unter- anderem jetzt wieder Gespräche mit Frankfurt a. M. und Berlin geführt werden. Im Laufe des heutigen TagcS gedenkt die Verwaltung die Verbindung mit den verschiedenen Städten Frankreichs wieder herstellen zu können. Die Pariser Tetlnehmer iverden jedoch mit ihren Anschlüssen eine längere Zeit warten müssen. Der Untcrstaat-Zselretär für Post und Telcgraphie wird zur Wiederherstellung der zerstörten Anlagen um Gewährung eines dringenden Kredites nachsuchen._ Neuer Flugrekord. Wilbur W r i g h t, der Bruder de? vor wenigen Tagen bei seinen Flugversuchen abgestürzten amerikanischen LviatikerS, unter- nahm gestern auf dem Gelände von L e Maus einen Flug, bei den: erstch eine Stunde 31 Minuten und 25 Sekunden in der Luft hielt. Die von ihm durchflogene Strecke betrug 66 Kilometer 666 Meter._ Unter den Trümmern begraben. Gestern früh ist die an einen Neubau stoßende Seitenwand der alten Natöapothcke in Kiel e i n g e st ü r z t, da sie anscheinend nicht genügend abgestützt war. Ein zwölsjährigeö Mädchen wurde mit in die Tiefe gerissen und getötet. Ein Nachahmer dcS Köpcnickcr Hauptmanns. Wie die Zeitung„Daily Telegraph" anö Plymouth meldet, erschien gestern ein Marineoffizier in Uniform au Bord des neuen Unterseebootes„C." wo er sich als n e u e r K o m::: a n d a i: t vor« stellte, die Mannschaft inspizierte und eingehend die technischen Einzelheiten deö Bootes besichtigte, worauf er" sich wieder entfernte. Einig« Stunden später erschien ein anderer Marineoffizier, der sich als wirklicher Kommandant l e g i t i n:: e r t e. Es ist daher anzunehmen, daß man es bei dem ersten Offizier nnt einem Spion zu tun hatte. Strasicnbahnzusammrnstoß. London, 22. September. In der Oldstrcet in London stießen gestern zlvci Straßenbahnwagen zusammen. Nonn Personen wurden verletzt, davon drei lebensgefährlich. Explofionskatafirophe. Nach einer Meldung au« Niederländisch-Jndien erfolgte in einem Pulvermagazin zu Kar.mg-Assim(Insel Bali) eine Explosion. Fünf europäische Soldaten wurden getötet und sechs ver- letzt; von den Eingeborenen werden acht als getötet oder ver- mißt und sieben als verletzt gemeldet. Sozialdemokratischer Lese- und Diökutierklub„Heinrich-Heine.« Heute abend>/,S Uhr bei Bolze, Rodenberq-Dtraße 8. Lese- und Diekutierklub„Südost". Heute abend 8'/, Uhr Vor- trag über unser Parteiprogramm(Fortsetzung) bei Karl Schulz, Görlitz» Straße 28. Gäste willkommentz Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen-Dtrektion über den Großhandel in den Zentral-Martthallen. ivkarktlage: Fleisch: Zusuhr reichlich, Geschäst ruhig, Preise unverändert. Wild: Zufuhr knapp. Geschäst lebhast, Preise sest. Geflügel: Zufuhr reichlich, Geschäst ruhig, Preise nicht befriedigend. Fische: Zusubr genügend. Geschäst ziemlich rege, Preise für mittler« und große Hechte anziehend, sonst wenig verändert, großer« und große Krebse ohne jede Nachsrage. Butter und Käse: Geschäst ruhsg, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr genügend, Geschäst ruhig, Preise kaum verändert. ßmfhaftai der Expedition. Patienten in Beelitz, Önrti usw. Diejenigen unserer Abonnenten, die noch während des ganzen nächsten MonatS in der HeUstätle bleiben, wollen uns ivegeu der Ueberweisung von Freiexemplaren sosort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Rummern de» neuen Monats von der Post nicht gelicjert werden. All» Itzu-sstn müssen jeden Monat neu«ingefandtwerden. Verband der Maler, Saekierer, Anstreicher Filiale Sevlin. Mclchio�straßc 28. m, Ferusprccher Amt IV Nr. 4787. Donnerstag, 2L September, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Eugel-Ufer 15: Mtgüeüer Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Die deutsche Finanzreform. Referent: Reichstagsabgeordneter Emil Eichhorn. 2. Bericht und Neuwahl der Delegierten zur Berliner GewerkschastskommiKion. 3. Wahl eines Schriftführers, i. Verbandsangelegenheit. ===== Mitgliedsbuch legitimiert!-> 130;i» Um zahlreiches Erscheinen ersucht vlo ZentrsI-VerdsM iler Zimmerer Zablftelle Berlin und Clmgegetid. Heute Mittwoch, de» SS. September, abends 8>/2 Uhr, für die westlichen Vororte Friedenau-Steglitz, Mariendorf, Gr.-Lichterfelde, Teltow und Zehlendorf im„Kaiserhof", Gr.-Lichterfelde-Ost, am Kranolldplatz: Gemeinsame anßerordentl. Mitglirder-Uersnmmlnng. Tages-Ordnung: i. Tie Tarifbcwegung im Zimmergewerbe und die Aufgabe« unseres VerbenbeS. Referent: Kamerad CSnstav liauc-Scifjzig. 2. Diskussion. Um vollzähliges Erscheinen der Mitglieder ersucht vor W»rstand. NB. Zillen Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, dasi am Ionutag, de« II. Oktober 1948, nachmittags r. Uhr. im Bernhard Rose-Theater. Gr. Frankfurter Strafte 1ZS. unser Theaterstück„Tos neue Macht", Festspiel in 3 Auszügen von Ernst Preczang, zur nochmaligen Aussührung gelangt. Einlaftkarten a 75 Pf. bei freier Garderobe sind bei allen Bezirkssührern, BezirkSkassiercrn sowie im Dcrbandsbureau, Engcluser 15, zu haben._ 255/3_____ T. O»_ � Billige fiolitabake. Max Jacoby, Strelitrerstr. 52 Zahlstelle Berlin. Donnerstag, 24. September, abends S'/a Uhr, im„Rosenthaler Hos", Rosenthaler Strafte 11/12: DM" vesfeniliehe"NV ZieNmsvker- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Welchen Gang nimmt die Entwickclung im Berliner Wagen- baugewerbe? Rcserent: Genosse'WUhclm Siering. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten. 4. Verschiedenes. ple Itrancbenkonimisslon . Küehetmtdbelbranehe. Donnerstag, den 2t. Septbr.. abends S'l, Uhr, im Englischen Oarten, Zllexanderftr. 27c: Branchen- Versammlung Tages- Ordnung: 1. Bortrag des Kollegen Leopold über: Tie gegenwärtige Lage in der Holzindustrie. 2. Branchenangclegenheiten. Ole Kollegon von Wei&ensee und Blxdorf nd hierzu besonders eingeladen. - Mitgliedsbuch legitimiert:-:■■.■, i Ole Ortsvorwaltnng. •Jm« Modell« und Vabrikttsehlev sowie Modelldreehsler Tonnerstag, den 84. September, abends 8 Uhr, bei Schmidt, Garteustr.«: Branchen- Versammlung. Tage»- Ordnung: 1. Tie gegenwärtige Lage in unserer Branche. 2. Diskussion. 3. BranchenangelegenHelten. Maschinenarbeiter. Tonuerötag, de« 24. September, abends 8'/, Uhr, in B o e k e r S Frstsälen. Weberstr. 17: Branchen-Versammlung. TageS. Ordnung: des Genossen Link über:»Arbeiterverstchernng«. Branchenangelegenhetten. S0/lS Mitgliedsbuch legitimiert l Die Berfammlnng wird pünktlich eröffnet. Tie Branchenkommtssto». 1. Bortra 2. Diskussion, i n III (Elngetpagsne Genossenschaft mit besohränktsr Htfip'lioHt.) Tonnerstag, den 8. Oktober, abends 8 Uhr» im „Volkshans", Rostnenstr. 3(kleiner Saal): Ordentliche Generalyersaminlung. Tagoch. Ordnung: 1. Bericht b(S Vorstandes. 2. Bericht d«S SlussichtSratS. 3. Beschluh- silsung über die Bilanz. Verteilung deS UeberschusseS. Entlastung d«S Vorstandes.». Wahl des AussichtSratS.(Ersatz für ausgeschiedene AussichtZ- ralsmitglieder.) v. ZlntrSg« der Verwaltung, ö. Antrage der Mitglieder. Laut Statut müssen letztere drei Tage vor der Versammlung in Händen ier Verwaltung'»in._ Njgg Die grauen werden besonders eingeladen."W> WM- Eintritt nur gegen LegitimattonSkarte.*90 Zahlreichem Erscheinen der Mttglteder sieht entgegen die Verwaltung. Oer Vorstand. Oer Anlstlchtsrat. A. Sellin. R. Bado. B. Winkler. Die Verkaussstellen des Vereins befinden Wallstrafte 23. Tauroggener Strafte 10. Potsdamer Strafte 18. Weimarer Strafte 29. in Wllmersdorki tkhriststrafte 18. «auerstrafte 27. Bletbtreustrafte 2. Wilhelmsaue 27. __ In sämtlichen Verkaufsstellen werde» Mltgliederanmeldungen entgegengenommen. 127/7» Arbeiter! Konsumenten! Tretet der wirtschaftlichen Organisation bei! Der organisierte Kons«« regelt die Produktion; It ArbeitSnachweii>: BerwaltungSstell« Berlin. Hauptbureau: Hot I. Amt 3. 1139. ChariiestraBe 3. Hos III. Amt 3. 1987. Donnerstag, den 24, September 1908, abends 8 Uhr: Uersammluug der iu den eilen- u. llletäligiekereiea beschäftigten Kernmacher u. Kernmacherinnen 11 in PVilkes Festsaal, Bnmneustraße 183. Tages-Ordnung: I. Unsere Statistik über Beschäftignngszahl«. OrganisationS- Verhältnis. 2. BerbandSangelegenhoiteu. 3. BerschiedeneS. Mitgliedsbuch legitimiert. Donnerstag, den 24, September 1908, abends 8'/z Uhr: Krauchen-Persammwng der eiehtrornontenre n. Heller lZerlinz und Umgegend in Meyers Festsälen, Sebastianstraße 39. Tageö-Orbnung: 1. Vortrag dos Genossen Stadtv. Hermann Schubert über:„Wewerkschaftliche«ud politische Organtsation". 2. Diskussion. 3. VerdandSangetegenhetten und verschiedenes. AelitnngT Aclitim«! Wege« Ouartalsschluft müssen die Kollege», welche Erwerbslosen- Unter st üyung be- ziehen(Kranke), ihre Untcrstüizuna bis zum SV. Sep» tembcr 4V08 abgehoben haben. Ausactschlosfen davon sind diejenigen Kolleacn, welche sich in Krankenhäusern oder Heilstätten be- finden und«ach Schlnst der Krankheit ihre Unter- ftustuna atthebe«. 120/8 Die Ortsverwaltnng. Momi Schuhmacher. Mai Am Mittwoch, den 2S. September, abend« S'l, Uhr, findet im Lokal de« Herrn Knop, Pankstrofte 45, eine �ktfmittiiluig dn SWmchttgrhilftii von Berlin Norden statt. Tagesordnung: 1.«Die Lage der Schuhmachergehilsen in der ltgenwirtigen WirtschnflSkrifiS.' Referent: Kollege ttltdebrand. 2.�DstN Um zahlreiche» Erscheinen ersucht Oer lklnhornter. llölilsvIiU holAibeilss-VöslismI. TBilUsteUe ckarlottenburx. Donnerstag, de» 24. September, abends 8'/, Uhr, tu».Vollshause», Rofineustrafte S: Mitglieder-Bersammlnng Tagesordnung: 1. Wahl einesi ersten Bevollmächtigfea. s. VerbandSangelegenheite». S. Verschiedenes. 00/13 Tic OrtSverwaltnng. Leukeher Arheiler-Mtinentm-Zand. Ortsgrnpp« Neriin. Donnerstag, de» 24. September 1908. abends pünktlich SV, Uhr, im Restaurant„Zur LebenSquelle", Kommandautenstr. 20: Großer IilchtbUder-Vortrag des Genossen Hans Prull«Wcniigerode über: Das Werden der Welte«. Eintritt 29 Pf.— Alkoholische Getränke werden nicht ausgeschenkt l Um zahlreichen Besuch bittet LSI/1____ Ter Vorstand. : 1 1 Wir verkaufen derGraome, Ziselevre nuis aud.k«nst!.GtVkrbedetriebe. Montag, den 12. Oktober 1SS8 im Restaurant.Dresdener Garten'» Dresdener Str. 45: Abends«—8 Uhr im groften Saal» Wahl von 135 Arbeimchmcrvertretern für das Jahr 1909. Abends 7—8 Uhr im klemm Saale: von«3 Arbeitgebervertretern für das Jahr 1909. uns wählbar stnd Besitze der bürgerlichen hrcnrechte befindliche Mitglieder. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreiche Beteiligung erwartet Z77/L Ter Borstand. Wahlberechtigt grostjährig«, im B Ehrenrechte bcfin «Rederlago von JCedizinaf- Krall- Blutweinen empfiehlt zu Original-Preise« Emil Dietrich, Kolonialwaren und Delikatessen, Llchtonbors bei Berlin, _ Augustastr. 33. 159/1 an an I jetzt»och billigst List* Mark. in Petershageu. Ostbahn, Hill 1« Mark Seegefeld, am Bahnhof. Hill 1« Mark Kaulsdors, am Bahnhof., 10 iWsfk Bahnhof Sadowa. Biesdorf- Kaulsdorf-Snd, □ � ßO Mark an BieSdo rf. Stadtbahn, a Bahnhof. Vertausösiell. o. b. Bahnhöfen. Hieschalke& Hitsche Berlin, Neue Kdnlnatr. 18. teppdecken '«röhte AuSwadl. sthr preiswert, direkt in d. stobrit »oroNora atrohmaiidel, Berlin 8. ,4. 72 WiSlMg 72 U, W. 15, ioaehimsthaler StraBe 25/26, 9Ute Steppdecken werden anfgearbellet. ElnzlsesOiiter- nehincn oeutschlaniis (Daren- und Höbel-Kredit zu Kossaprelsen Diskreter Kassierung Lieferung direkt ab Fabrik oder Lager 25 P£twLllätitoh KsiiM Uoiien Julius Jttmann G.m.b.H. Link-Strass© 2'- Tb. 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Verantwortlicher Redakteur: Georg Tavidsohn, Berlin. Für denJnseratenteil veraniw.: TH.Glocke, Berlin. Druck u.Vvas am Jahresschluß einen Mitgliederbestand von mindestens 45 000 verheißt, eine bisher in der italienischen Partei noch nicht erreichte Zahl. Dem Sekretär wird Decharge erteilt. Etwas unruhig wurden die Wellen des Kongresses, als ein Genosse vorschlagt, den Opfern des Streiks von Parma einen Gruß zu senden, aber Genosse Costa beschwört taktvoll den Sturm, indem er den Lorschlag macht, alle nationalen und inter- nationalen Opfer des Klaffcnkampfes in den Gruß einzubegreifen. Zu neuen Kontrasten scheint der Z a r e n b c s u ch Anlaß geben zu sollen. Genosse Bergamasco schlägt vor. daß der Kongreß sich verbinden solle, im Falle eines Z a r e n b e s u ch e s in Italien den S e l b st h e r r s ch e r aller Nüssen auszupfeifen. Nach einigem Für und Wider wird dieser Vorschlag der Kommission für die Anträge zum Kongreß überwiesen. Es folgt dann der Bericht des Parteivorstandes, den Genosse P a o l o n i gibt. Er ist teilweise polemisch. In Rom hätte der JntegralismuS gesiegt mit dem ausdrücklichen Mandat, in der Partei die syndi- lalisusche und die reformistische Degeneration zu beschneiden. Es hätte sich dem Parteivorstande in den letzten zwei Jahren aber nur die Gelegenheit geboren, syndikalistische, nicht reformistische Exzesse zurückzuweisen. Paoloni spricht auch über die Haltniig des Vor- standeS zuni Eisenbahnerstreik, zum Streit von Parma und im allgemeinen über die Beziehungen zur Konföderation der Arbeiter. Der e r st e D i s k u s s i o n s r c d it e r ist T il r a t i. der nicht möchte, daß man jetzt über die prinzipielle Haltung des Vorstandes diskutiere. Diese Frage finde besser in der nachfolgenden Diskussion über die Taktik und den Generalstreik ihren Platz. Dann geht Turati auf die Frage der a u t o n o in e n Zirkel in Mailand über. Der Parteivorstand wolle, seinem Organifationsstatut zu Ehren, die Reforiitisteil zum Eintritt in die CinheitSorganisation zwingen. Man könne aber nicht ein Bündnis mit seinen Feinden schließen. Den Reformisten von Mailand läge nichts daran, aus dem Kongresse als Rc- ferenteit oder Abgeordnete geduldet zu werden. Sie wurzeln im Leben der Partei und fordern deshalb Zutritt zum Kongreß. Der Vorstand habe sich in Haltlosigkeiten gefallen. Entweder lehnte man dieGrundsätzc der Reformisten ab und stieße sie aus dem Parreiverband aus oder aber man ließe diese Grundsätze als echt und s o z i a I i st i s ch gelten, dann dürfte man aber d i e R e f o r m i st e n nicht aus formalen Gründen ausschließen. Redner kommt dann auf die Haltung der Mailänder Reformisten bei dem Generalstreik zu spreckten, der auf das Blutbad von P i e t r a s a n t a folgte. Weitere Kritiken wenden gegen den Parteivorstand die Genossen Modigliani, Bonavite, der vom Kongreß vielfach lebhaft unterbrochen wird, sowie Alfeni, der den, Vorstand die Ver- nachlässigung der Agitation in den südlichen Provinzen zum Vor- Wurf macht. Sehr heftig geht gegen den Parteivorstand Genosse Modigliani, ein Reformist, vor, der den Vorstand der Untätigkeit und Schlaffheit beschuldigt. Für die Südprovinzen habe man gar nichts getan. Die Stellung gegenüber den Gewerkschaften sei nicht die des Ein- Vernehmens, sondern beständigen Haders gewesen. Modigliani berührt dann auch die Siege der autonomen Zirkel. Der Vorstand hätte den Mut haben müssen, über das Organ i- s a t i o n s st a t u t weg zuschreiten und die Mailänder Reformisten als berechtigte Mitglieder der Partei anzuerkennen. Redner legt eine Tagesordnung in diesen, Sinne vor. Ihn, folgt ein Arbeiter. Genosse R a t t i, von der Mailänder Parteiorganisation. Für Turati gäbe es außer den Reformisten in der Mailänder Parteibewcgung nur dumme Jungen oder Verrückte. Die Reformisten seien eS, die die Einigung nicht gewollt hätten. Er weist daraus hin, toie ehrlich, mit wie großer Hingebung von der offiziellen Parteisektion auf die Herstellung der Einheit hingearbeitet worden sei. Genosse Lazzari, der sich auf Grund persönlicher Differenzen mit einigen Genossen als ein Hindernis der Einigung gesühlt hätte, sei sogar auS der Mailänder Organisation ausgetreten, um den Friedensschluß zu erleichtern.'(Beifall.) Der nächste Redner, Genosse B u s s i, Mitglied des Partei- Vorstandes, führt aus, daß man die einzelnen Handlungen des Parteivorstandes als Ausfluß der in Rom angenommenen integra- listischen Resolution ansehen müsse. Nicht alle Vorstandsmitglieder wären ganz mir dieser Resolution einverstanden gewesen.(Zivischen- ruf:„Wenn man von eiacm Grundsatz nicht überzeugt ist, braucht man sich nicht danach zu richten".) Bussi, fortsetzend: Jawohl, mein Freund, es gibt Umstände, in denen der einzelne einen Teil seiner Privatüberzeugungen zurückdrängen muß, um die Möglichkeit eines Zusammenschlusses auf wesentlichen Uebereinstimmungen zu finden. Hätte sich der Vorstand vor der ablehnenden und herrischen Haltung der Reformisten gebengt, so würde er sich eines Aktes der Schwäche schuldig gemacht haben. Indem er aber dem Organisationsstatut die denkbar weiteste Auslegung gab, handelte er aus Liebe zur Parteieinheit und aus brüderlichem Sinn für die Mailänder Sozia- listen.(Andauernder Beifall.) Lazzari, der nächste Redner, vertritt zunächst ein Votum, das das Verhalten des Parteivorstandes in Sachen des geplanten EisenbahncrstreikS beklagt. Dann hebt er die geringe Unterstützung und die geringe Propagandierung der italienischen Parteisektiou in, Auslände hervor. Schließlich kommt er auf die Frage der autonomen Zirkel zu sprechen. Gewiß, der Kongreß sei souverän und könne das Organisationsstatnt zerreißen und die Existenz zweier unab- hängigen Organisationen in Mailand erlauben i dann solle er aber wenigstens zur Tagesordnung Modigliani einen Zusatz anuehnren, der die Anerkennung der Parteidisziplin zur Pflicht niacht.(Beifall.) Man braucht e i n e s o l ch e D i S- z i p l i n. Ohne sie entferne sich die Partei immer mehr von der Aktion, die den tvahren Interessen des Proletariats entspricht. Von Beifall empfangen betritt Genosse ll'k o r g a r i. jetzt Chef- redaklcur des„Aoanti", die Rednertribüne. In einer langen Rede weist er die Anklagen gegen den Vorstand zurück. Noch nie hätte ein Parteivorsland so regelmäßige Beziehungen zur Konföderation der Arbeit hergestellt wie dieser hier. Auch hätte er für die Streiks alles getan, ivaS in seiner Macht stand. Für die süditalienische Propaganda hätte eS au Geld gefehlt infolge der großen Ansprüche deS„Avanti". Für die Agitation im ganzen Lande verfiigt der Nor- stand nur über zwei Propagandisten und den Parteisekretär L e r d a. WaS den Eisenbahnerstrei! betrifft, so hätte sich hierbei allerdings die Partei erlaubt, den Organisationen, die ihre Kinder sind, einen Rat zu geben. Das tverde sie sich immer wieder erlauben. Wir müssen den Mut haben, unS der Popularität entgegen- zustämmen, wir dürfen nicht die Lobhudler des Proletariats fein. Ihm hätte man vorgeworfen, daß er gleich nach dem römischen Blutbad auf der Piazza del Gesu eine Artikelserie in,„Avanti" veröffentlicht habe, um die Proletarier davon zu über- zeugen, daß es unrecht sei, die Soldaten mit Steinen und gar mit Mauersteinen zu bewerfen. Er schäme sich dieser Artikel nicht, im Gegenteil: er halte eS für eine bessere revolutionäre Erziehung, den Arbeitern zu sagen: werft keine Steine auf die Soldaten, aber wenn ihr sie schon werfen Ivollt, so lauft nachher nicht auseinander wie die Hasen, sondern nehnit mit Mut die Antwort entgegen.(Beifall.) Morgans entwirft die Geschichte der autonomen Zirkel in Mailand und zeigt, wie brutal und mit welch überlegenem Hochmut die Rc- formisten jeden Einigungsvcrsuch abgelehnt hätten. Sie spotteten über„die kleinen Menschlein im Parteivorstande", und da Treves, einer der Mailänder Autonomisten, in diesem Augenblick voll Susfi« sance lächelt, ruft Morgan, plötzlich ausbrechend, aus:„Mit Euren, Lächeln und Eure», Spott habt Ihr mehr Schaden getan als Ihr verantlvorten tonnt."(Langandaucrnder Beifall.) Von der offiziellen Parteisektion seien zwar auch Fehler begangen worden, aber sie haben doch besseren Willen gezeigt. Nachdem Genosse Lazzari in so versöhnender Weise von der Möglichkeit gesprochen hatte, die Tagesordnung Modigliani mit dem Zipatz Lazzari anzunehmen, reden mehrere Genossen den Autono- misten zu, doch eine Erklärung abzugeben, die auf Frieden deutet. In der Tat gibt Turati eine Erklärung in diesem Sinne ab. Er würde für die Tagesordnung mit Zusatz stimmen, aber er wolle erst sicher sein, daß der Zusatz keinen Doppelsinn enthalte. Wenn DiS- ziplin Zusammenleben und Arbeiten bedeuten solle mit denen, mit denen Leben und Arbeiten unmöglich sei, so verzichte er darauf. Er wolle daS bißchen Leben, was ihm noch bleibe, in Arbeit für die Sache anlegen, aber nicht weiter in inneren Kämpfen. Er und die Seinen seien aber zur Versöhnung gestimmt und bereit. TaS Lächeln, das Morgari an ihnen getadelt hätte, sei oft die MaSke blutiger Tränen gewesen. Die Reformisten wollen auf dem Boden der Partei arbeiten. .Obwohl diesen Erklärungen ein wesentlich verbindlicher Satz fehlt, begrüßt sie doch der Kongreß mit Jubel und Genosse Modigliani erklärt sich bereit, seine Tagesordnung, die den autonomen Zirkeln HeimatSrccht in der Partei gewährt, zurückzuziehen. Auch der Präsident Costa meint, daß die BeifallSbezeugungen bei den Worten Turatis und Lazzaris besser seien als jede Abstimmung. So gilt die Frage für heute in dem Sinne für erledigt, daß man die Existenzberechtigung der autonomen Zirkel anerkennt, lieber die Art ihrer Angliederung an die Partei wird man aber bei dem Punkt der Aenderungcn des Organisationsstatuts beraten müssen. Schließlich geht mit guter Mehrheit eine Tagesordnung Dugoni durch, die dem Parteivorstand die Billigung des Kongresses ausspricht und sein Verhalten'gutheißt, mit Rücksicht auf die Schwierigkeiten und finanziellen Hindernisse verschiedenster Art, die von Anfang an seiner Aktion entgegenstanden. *»* Florenz, 22. Sept., 8,03 Uhr nachm. (Privatdepesche des„Vorwärts".) Bei Abstimmung über die Taktik-Resolution siegte soeben eine reformistisch-integralistische Konzentration über reine Jntegralisten und Jntransigenten. Die Konzentration vereinigte rund 14 000 Stimmen, Jntegralisten 6000, die Jntransigenten 5000 Stimmen. Die wesentlichen Arbeiten des Kongresses find damit beendet. De» „Avanti" fällt den Reformisten zu. ioommen ea. 5000 Stück diverser Damenwäsche, l>esta�send Taghemden in nur prima Qualitäten mit Stickereien, Spitzen oder handgestickten Passen, Vorder- und Achselschluss, auÄS« fast für die Hälfte des Wertes zum Verkauf! 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