Nr. 227. Abonnements- Bedingungen: S bonnements Breis pränumerando Bierteljährl. 8,80 m, monatl. 1,10 M wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. nummer mit illuftrierter Sonntags. Beilage Die Neue Belt" 10 Bfg. Bost bonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Beitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Crideint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 25. Jahrg. Die Infertions Gebühr beträgt für die sechsgespaltene stolonel. zeile oder deren Naum 60 Pig., für bolitische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pig. Kleine Anzeigen". das erste( fettgedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Morte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist 6is 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Werbt neue Lefer für den ,, Vorwärts". Mit dem 1. Oktober beginnt ein neues Abonnements- Quartal. Alle Leser, die bisher den„ Vorwärts" gehalten haben und sich dessen ungestörten Fortbezug sichern wollen, besonders alle, die den „ Borwärts" durch die post beziehen, fordern wir auf, ohne Verzug ihr Abonnement zu erneuern. Schwere politische Kämpfe, wichtige Entscheidungen stehen dem deutschen Boll in dem nächsten Vierteljahre bevor. Zur Aufbefferung der durch die leichtfertige Finanzwirtschaft der herrschenden Parteien völlig zerrütteten Reichsfinanzen fordert die Regierung herauszupreffen. Sonntag, den 27. September 1908. Der nationale Krieg. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. an den Deutschen verübt haben, ist unentschuldbar; was die glorreiche Armee durch den Leutnant Meyer mit der Ermordung der zwei slovenischen Jünglinge getan hat, ist ein entfeßliches Verbrechen. Das ist der schauerliche Kreislauf der nationalen Verblendung: als abstoßende Posse beginnt und als grimmige Tragödie endet sie. Aus Wien wird uns vom 25. September geschrieben: Der nationale Chauvinismus feierte in diesem Sommer in Desterreich Orgien, wie sie selbst dieser durchwühlte Staat, böhmischen Landtages geführt. Es ist die erste Mittlerweile hat der nationale Krieg zur Verwüstung des in dem der Bürgerkrieg nie erlischt, selten erlebt hat. Dret Todesopfer sind die blutige Spur dieser gehässigen Kämpfe, Seffion des heuer neugewählten Hauses, und man hat große durch die nichts erreicht und verändert wird, die mit dem Hoffnungen auf fie gejeẞt. Insbesondere erwartete man, daß wahren nationalen Empfinden, das die intellektuelle und kul- der böhmische Landtag endlich die große Schuld der Zeit zahlen turelle Hebung des Volkes bezweckt, nichts gemein haben und keit der Arbeiter in dem größten Industrielande besteht. Dazu und der Schmach ein Ende setzen werde, die in der Rechtlofigan den niedrigsten Instinkten einer gewiffenlosen Demagogie hatte die Regierung ihre Vermittelung angeboten und eine ihre nie versiegende Quelle befizen. Dem von den Bajonetten a blreform ausgearbeitet, die den Arbeitern, wenn der tschechischen Gendarmerie erstochenen Deutschen von Berg- auch lange nicht ihr volles Recht, doch das Wahlrecht und eine reichenstein im Böhmerwald gesellen sich als Totenvpfer nun die zwei slovenischen jungen Leute in Laibach, deren Tod dem angemessene Vertretung im Landtag verschafft hätte. Aber frebelhaften Leichtsinn eines Leutnants als Verbrechen zuzu- und Willkür den Gegensatz der zwei Nationen nicht aufzuder böhmische Landtag, der als Verkörperung von Unrecht schreiben ist, der auf eine kleine Menge die todbringenden Ge- lösen vermag, hat die Obstruktion im Leibe und der geringste schoffe richten ließ. Und überall ist in den nationalen Erzessen Anstoß vermag den Widerwillen der Deutschen, die den LandNache das eigentliche Motiv. In Bergreichenstein, 500 Millionen Mark nener Steuern. einem kleinen deutschen Städtchen in Südböhmen, tagte die tag der tschechischen Mehrheit als eine Fremdherrschaft Den Hauptbetrag dieser Riesensumme gedenkt man durch die Generalversammlung des Deutschen Böhmerwaldbundes, eines empfinden, zur offenen Auflehnung zu steigern. Der„ AnErhöhung der Verbrauchssteuern, vornehmlich auf Bier, Branntwein der nationalen Schutzvereine der Deutschen in Böhmen, gegen wird, war auch leicht gefunden. Der Landesausschuß( das ist und Tabat, zu gewinnen, also aus den ärmeren Volksschichten wäre. Aber die aus allen Gebieten Böhmens zusammenge hatte in die Landtagskanzlei, die aus fünf Beamten besteht, deren sachliches Wirfen am wenigsten Einwand zu erheben das vom Landtag gewählte Verwaltungsorgan des Landes) strömten Teilnehmer wußten den Festtag nicht besser als mit Der Kampf gegen diese Steuerpläne, in dem die Sozialdemo- einem Angriff auf die tschechische Beseda( Vereinshaus) zu nur tschechische Beamte berufen, angeblich weil der Turnus es so bedingte, die Forderung der Deutschen nach Berufung fratie voraussichtlich die Führung übernimmt, wird den Hauptteil feiern, der sich aus Schmähworten, förperlicher Bedrohung und es so bedingte, die Forderung der Deutschen nach Berufung der kommenden Reichstagssession in Anspruch nehmen. Doch steht Steinwerfen zusammensetzte. Ihnen wurde sogleich, in wo- schlossen die Deutschen die Obstruktion, und da ihr der Obersteines deutschen Aktuars aber glatt abgelehnt. Deshalb benicht nur die innere Reichspolitik vor schweren Entscheidungen, auch möglich noch gebäffigerer Weise, in Schüttenhofen ver- ichlossen die Deutschen die Obstruktion, und da ihr der Oberstauf dem Gebiete der Auslandspolitik drohen schwere Gewitterſtürme. gotten, das die Bahnstation für Bergreichenstein ist und wo landmarschall gestern mit einer Lift, die übrigens der GeDer Sultanswechsel in Maroffo wie der Sieg der jungtürkischen wieder die Tschechen in überwiegender Mehrheit sind. Dort schäftsordnung widersprach, begegnen wollte, fam es in der wurden, auf die alarmierende falsche Nachricht hin, das geftrigen Sigung zu einem leidenschaftlichen Sturm, der an Reformbewegung haben neue bedeutsame politische Fragen auf tschechische Vereinshaus in Bergreichenstein wäre„ demoliert die schlimmsten Badeni- Zeiten erinnert und zur Sprengung worden, die zurückfahrenden Deutschen in schändlichster Weise der Situng führte. Da die Lahmlegung des Landtages die Auch die preußische Politik steht vor fchweren attackiert, von den behördlichen Organen aber nur ganz un- gefamte innerpolitische Situation gefährdet, da sich die Aufgaben. Wie das Reich, arbeitet jezt auch Preußen mit zureichend geschützt, so daß eine künstlich erregte Menge ihre fönnten, was wieder den Bestand der Koalitionsregierung beTschechen ihre Revanche leicht in Wien am Reichsrat holen einem Defizit. Beträchtliche Steuererhöhungen sind nötig, vor- Wut an einer Handvoll Leute schrankenlos austoben konnte, droht, hat sich der Ministerpräsident selbst zur Bermittelung aussichtlich eine Steigerung der Einkommen was wieder die Erregung in Bergreichenstein aufstachelte und geworfen. steuer um mehr als ein Drittel. Und neben der Steuerfrage au Straßenaufläufen führte, bei der die von einem tschechischen entschlossen. Ob sie ihm gelingen wird, ist fraglich, denn die werden das preußische Dreiklassenparlament die Besoldungs- sirtsfommissär in wenig gewissenhafter Weise befehliate Hochflut des strupellosen Chauvinismus reißt alle Dämme werden das preußische Dreiklassenparlament die Besoldungs- Gendarmerie gegen die Menschenmenge einen Bajonettangriff nieder, welche die Vernunft aufgerichtet hat. aufbesserung der Beamten und Lehrer sowie wichtige schul- richtete, der einer Anzahl von Menschen Verwundungen beipolitische Auseinandersetzungen beschäftigen. In solcher Zeit darf in keinem Arbeiterhaushalt das Arbeiterblatt, der fehlen. „ Vorwärtz“ Doch ist nicht nur nötig, daß unfere bisherigen Lefer ihr Abonnement erneuern, sondern daß sie auch im Streise ihrer Freunde und Gesinnungsgenossen, in Werkstatt und Fabrit, neue Abonnenten werben. Soll das Blatt der Berliner Arbeiterschaft die ihm gestellte Aufgabe erfüllen, so muß sein Einfluß auf die Masse des werftätigen Volfes weiter und weiter ausgedehnt werden. Jeder neuherangezogene Leser bedeutet eine Vermehrung unserer Kampfesreihen, eine Verstärkung der Machtstellung unserer Partei. Und noch viele der Lässigen und Gleichgültigen gibt es, die zu gewinnen find. Noch immer liest ein großer Teil der Berliner Arbeiter sogenannte parteilose" Blätter, die regelmäßig, wenn es gilt, bei " brachte und einen ganz Unschuldigen tötete. Eine Wiederholung. Nicht viel anders entstanden die schmählichen Erzesse in Laibach, der Hauptstadt des fast ganz slovenischen Krains. München, 26. September. Auch hier war Nache die Triebfeder. Bor etwa zwei Wochen hielt der Cyrill- und Methudverein, der Schulverein der ( Privatdepesche des Vorwärts.) für keinen passenderen Ort auszuwählen als das Städtchen tratie erläßt folgenden Aufruf: Der Landesvorstand der bayerischen Sozialdemo Slovenen, seine Generalversammlung ab. Er wußte sich hierBettau in Steiermart, das zwar im slovenischen Gebiete Sozialdemokratische Partei Bayerns! Der Vorstand der liegt, aber überwiegend deutsch ist; die Bevölkerung besteht Gesamtpartei hat einen Aufruf erlassen, in dem die Parteiaus etwa dreitausend Deutschen und fünfhundert Slovenen. genossen aufgefordert werden, die Beschlüsse des Nürnberger Solche Besuche" gehören leider zum Inventar der Politik Barteitages in die Tat umzusetzen und den gemeinsamen unserer Slaven, und obwohl sie fast durchgängig mit blutigen Sampf für die Befreiung des arbeitenden Volkes mit verNaushändeln enden, so wollen weder Tschechen, noch Slovenen stärkter Straft fortzusetzen. Wir können uns diesem Aufruf auf sie verzichten. Aber bei aller Hochachtung vor der natio- nur anschließen und die Mitglieder unserer Landessuche, welche von den Deutschen als Einfälle in ihr Gebiet er- bedarf einer Klärung nalen Gleichberechtigung ist die Zweckmäßigkeit solcher Be- organisation zu seiner Befolgung auffordern. Nur ein Punkt achtet werden, schwer zu erkennen; die kulturelle Bedeutung Er betrifft die Frage der Budgetbewilligung. Der Klärung und Richtigstellung. der Veranstaltung würde wohl nur gewinnen, wenn sie auf Vorstand der Gesamtpartei spricht die Erwartung aus, daß heimischem Boden, unter Teilnahme einer gleichgesinnten natio- der vom Parteitage in dieser Frage gefaßte Beschluß von Lohnkämpfen, Aussperrungen und Streiks nalen Bevölkerung abgewickelt würde. An den gehässigen allen Genossen beachtet werde. Dies wird auch unsererseits das Interesse der nach Verbesserung ihrer Lage ringenden Arbeiterschaft fie fielen besonders stürmisch aus weil sich die Deutschen aus mehrheit stets Anspruch darauf hat, mit Aufmerksam. Gegendemonstrationen fehlte es natürlich auch in Bettau nicht sicher geschehen, da der Meinungsausdruck einer Parteitagsden Unternehmern gegenüber zu wahren, den kämpfenden Arbeitern den anderen deutschen Städten des steirischen Unterlandes teit gehört zu werden. Auch da, wo er nicht in den Rüden fallen. Suffurs herbeigerufen hatten. Tatsächlich soll den sloveni- bindend wirten tann, und das ist in Wohl ist ein Teil dieser sogenannten parteilofen Blätter etwas schen Festgästen an jenem Tage sehr übel mitgespielt worden bezug auf die Budgetbewilligung der Fall. billiger als der„ Vorwärts"; aber für die Mehrausgabe von sein, und sicherlich verdienen dieſe Erzesse, die zum deutschen In Uebereinstimmung mit der von den süddeutschen Delewenigen Pfennigen pro Monat bietet der„ Borwärts" eine weit Wefen fo wenig passen, den schärfſten Tadel, wenngleich nicht gierten in Nürnberg abgegebenen Erklärung erkennen wir dem größere Anzahl von politischen, voltswirtschaftlichen in Süd- Steiermark, wo um jeden fußbreit Bodens hart ge- partei die oberste Entscheidung zu in allen prinzipiellen und verhehlt werden kann, daß sie bei der nationalen Verbitterung deutschen Parteitage als der legitimen Vertretung der Gesamtund sozialwissenschaftlichen Artikeln, ausführ fämpft wird, von den Slovenen vorausgesehen werden konnten, lichere Berichte über die Parlamentsverhand vielleicht auch vorausgesehen worden sind. Von den sloveni in den taktischen Angelegenheiten, die das ganze Reich belungen, über den Stand der Gewerkschaftsschen Demagogen wurde nun die Parole: Rache für Bettau! rühren. Wir sind aber auch der Ansicht, daß in allen speziellen bewegung und Sozialgefeßgebung sowie über ausgegeben und in Laibach, einer einstmals deutschen Stadt, Landesorganisation die geeignete und zuständige Angelegenheiten der Landespolitik die die Berliner Kommunalpolitik. Und daneben bringen wo noch heute neben etwa 30 000 Slovenen die stattliche Mino- Instanz ist, die auf dem Boden des gemeinsamen Programmes andesorganisation die geeignete und zuständige das tägliche Kleine Feuilleton" sowie die Beilagen: rität von 5000 Deutschen lebt, auch gründlich exekutiert. Dret Tage lang dauerten die Erzeffe, während derer die Deutschen den Gang der Landespolitik nach den besonderen Verhältnissen ,, Unterhaltungsblatt" und Neue Welt" einer wahren Schreckensherrschaft ausgesetzt wurden, für die selbständig zu bestimmen hat und daß daher die jeweilige eine reiche Fülle von Romanen, Novellen und fleinen Stizzen, von dem es die deutsche Minorität in der slovenischen Stadt nie- Ermessen der den Landesorganisationen verantwortlichen Landauch nicht ein Schatten von Berechtigung vorhanden war, nach- Entscheidung über die Budgetbewilligung dem pflichtgemäßen literarhiſtoriſchen, kunſtgeſchichtlichen, naturwiſſenſchaftlichen, ethno- mals an Zurückhaltung und Anpassung hatte fehlen laffen. tagsfraktionen vorbehalten bleiben muß. logischen, geographischen, technischen, Kulturgeschichtlichen Auffäßen Deshalb erregten diese Ausschreitungen das größte Aufsehen München, 25. September 1908. und Notizen. und eine berſtändige Regierung hätte ihr Umsichgreifen wohl Mit Parteigrüß verhindern können. Die Zentralregierung, die immer nur an ihre politischen Geschäfte denkt, war jedoch ratlos; erst ließ sie die Demonstranten", die von dem Bürgermeister Hribar, der auch die Polizeigewalt inne hat, geradezu befehligt wurde, Dieser Aufruf des bayerischen Landesvorstandes ist im wesentlichen durch die Zeitungsspedition frei ins Haus geliefert, für Berlin und ruhig gewähren, um zum Schluß finnlos zu wüten und harm- eine Wiederholung der Erklärung der 66, die dadurch nicht besser wird. Umgegend: Der Vorwärts" kostet mit Einschluß des Unterhaltungsblattes" und der Neuen Welt", durch die Post bezogen: pro Vierteljahr 3,30 Mark, " pro Vierteljahr 3,30 Mart, " Monat 1,10 " unter Kreuzband bezogen, für Deutschland und Desterreich- Ungarn: pro Vierteljahr 6 Mart, " Monat 2 Der Landesvorstand. lose, unschuldige junge Leute zu erschießen. Was an den zwet Wir können daher auch nur mit aller Schärfe wiederholen, was wir jungen Leuten berübt wurde, grenzt beinahe an bewußten zur Erklärung der 66 und zu der Auslegung, die die Parteiorgane Mord; soll doch auf eine ganz ungefährliche Menge von etwa von München, Nürnberg und Mannheim ihr und dem Schweigen des dreißig Menschen eine regelrechte Schießerei veranstaltet wor- Parteitags nach ihrer Abgabe gaben, bereits gesagt haben: Die den sein, für die es, auch vom gemeinpolizeilichen Stand- Bartei würde sich selbst aufgeben, wenn sie die punkte aus, feine Rechtfertigung gibt. Was die Slovenen in Geltung des Majoritätsprinzips innerhalb ihrer Laibach die Arbeiter haben sich peinlich ferngehalten-Drganisation antasten ließe." Ganz Verfehlt ist die Behaichtung dcS LcmdesvorstandeS, dafz iiber die Haltung der Landtagkfraktionen, überhaupt über die LaudcZaugelegenheiteii nur die LandcSorganisatioiien, nicht die Gcfamtpartei zu enischeideu habe. In die Einzelheiten der Landesangelegenheiteu wird die Vertretung der Ge- samtpartei selbstverständlich niemals hineinreden. Wohl aber hat sie das Recht, darüber zu urteilen, ob sich die Be- tätigung der LaudeSorganisation.innerhalb deS Rahmens der Parteigrundsätze und der Beschlüsse der Gesamtpartei hält. Die Landesorganisatiouen und die Landtagsfraktionen können selbständig sein nur innerhalb der Grenzen, die durch Parteigrundsätze und Gesamtparteibeschlüsse gezogen werden. Reichsrecht geht vor Landesrecht— auch in der Partei! Das ist selbstverständlich und iv er die Einheit der deutschen Sozialdemokratie will, der darf daran nicht rütteln! Da; sächsische AahIrechKgeaerre wird kommenden Montag wieder beginnen. An diesem Tage tritt die Wahlrechtsdeputation der zweiten Kammer des sächsischen Landtages wieder zusammen. Die Arbeiterschaft Sachsens hofft von der Drciundzwanzigerkommission überhaupt nichts mehr; sie weiß, es kann sich dort nur darum handeln, das zwischen den Konservativen und Nationallibcralen vereinbarte Kompromiß zu halten oder scheitern zu lassen. Etwas anderes ist von dieser Deputation, die monatelang nutzlos die Zeit ver- trödelt hat, ohne etwas fertig zu bringen, nicht zu erwarten. Das Kompromiß aber ist derart, daß es selbst im besten Falle nur ein neues Wahlunrecht bringen könnte das in mancher Hinsicht beinahe noch schlimmer ist als das jetzige Drciklasscn- Wahlsystem. Nach diesem Kompromißmonstrum soll die zweite Kammer aus 96 Vertretern gebildet werden, statt der jetzigen 83. Für die Stimmbcrcchtigung soll zweijähriger Wohnsitz am Orte der Listen- aufstellung erforderlich sein, wodurch allein schon viele Tau sende von Arbeiterwählern, die genötigt sind, häufig ihr Domizil zu wechseln, ihres Wahlrechts beraubt würden. Das schlimmste daran ist aber das Plnralwahlrccht. Danach kann ein Wähler je nach Alter und Besitz neben der Grundstimme noch bis zu 3 Zusatzstimmen erhalten. In erster Linie soll eine Zusatzstimme dcnHaus-und Grund- be sitzern, also den sogenannten Ansässigen, gegeben werden, aber nur denen, deren Grundbesitz mindestens 7b Steuereinheiten aufbringt. So schließt man die sogenannten Häusler aus, die zunächst Arbeiter oder Kleinhandwerker sind, aber ein eigenes Häuschen besitzen. Von diesen„Hausbesitzern" befürchtet man offenbar eine entschiedene Neigung für die Sozialdemokratie. Sodann soll eine Zusatzstimme erhalten, wer ein Einjährig- Frei willige n zeugnis hat, damit will man den„Ge- bildeten" eine Extrawurst sichern, und man hofft, so auch dem Besitz nützen zu können. Der Selbständigkeit soll auch eine Zusatzstimme gesichert werden, doch sollen nur die Hand- werksmeistcr als selbständig gelten, die dauernd zwei G e- seilen beschäftigen» damit schließt man die Kleinmeister aus, von denen man weiß, daß sie wenigstens zum Teil der Sozialdemokratie zuneigen. Andererseits aber sollen alle Staats- und Gcmeindebeamtcn mit mehr als 1800 M. Einkommen, bei denen man nationale Hurrastimmung voraussetzt, eine Selb- ständigkeitsstimme erhalten. Eine Zusatzstimme soll ferner noch erhalten, wer mehr als 2200 M. Einkommen ver st euer t. Zu dieser Einkommensgrenze ist man offenbar deshalb gelangt, um jeden Arbeiter sicher von einer Zuschlags- st i m m e auf Grund des Einkommens ausschließen zu können. Schließlich soll noch dem Alter eine Zuschlagsstimme gewährt werden; doch ist man sich noch nicht darüber klar, ob 43 oder 50 Lebensjahre als Bedingung festgesetzt werden sollen. Doch wird man, weil die konservative Mehrheit dafür ist, sicher auf 50 Jahre kommen. Dazu wird man umso mehr geneigt sein, weil dann nur in seltenen Fällen Arbeiter die Greisenstimme erreichen werden.— Bemerkt sei noch, daß mehr als 4 Stimmen kein Wähler erhalten soll. Diese kurze Kennzeichnung des sächsischen Wahlkompromisses offenbart deutlich genug, daß es eine Ausgeburt von Volksfeind- lichcr Bosheit und kleinlichstem Parteiegoisinus der besitzenden Klasse ist. Jeder Absatz ist darauf zugeschnitten, die Arbeiter zu entrechten, jeder einzelne Passus schlägt dem früher vom Minister Hohenthal verkündeten Grundsatze ins Gesicht, daß die arbeitende Klasse ein besseres Wahlrecht bekommen soll. Ueber die Aussichten für diesen Wcchselbalg läßt sich be- stimmteS noch nicht sagen. Eine gefährliche Klippe droht ihm noch in der Wahlkreiseinteilung. Darüber haben sich die Wahlrechtsschacherer noch nicht einigen können und die Regierung hat abgelehnt, eine Wahltreiseinteilung auszuarbeiten. Indes hat ein Geheimrat während des Sommers die Arbeit auf eigene Hand unternommen. Er soll damit auch fertig sein. Doch ist noch ganz ungewiß, ob die gerade in diesem Punkte sehr eifer- süchtigen bürgerlichen Jnteressenpolitiker dadurch zusriedenzu- stellen sind und ob die Regierung etwas davon wissen will. Bisher hat sich der Graf Hohenthal auf dem Standpunkt ge- stellt, für ihn existiere ein Kompromiß noch nicht, solange nicht in allen Punkten eine vollständige Einigung der Parteien erzielt sei, er könne deshalb zu den bisherigen Vorschlägen keine Erklärung abgeben. Die Regierung müsse an ihrem System(Pluralwahlrccht mit Verhältniswahl und Körperschaftswahl) festhalten. Indes, ob- wohl sich der Minister auf sein System so festgelegt hat, daß man annehmen müßte, er müsse mit ihm stehen und fallen, ist doch auch ein Techtelmechtel mit den bürgerlichen Wahlrechtsschacherern nicht ganz ausgeschlossen. Wenigstens hat sich Graf Hohenthal in der letzten Zeit über diesen Punkt so unbestimmt ausgelassen, daß man ein Nachgeben der Regierung zugunsten des oben skizzierten jämmerlichen Kompromisses für möglich halten könnte. Für die Arbeiter gibt es unter diesen Verhältnissen natürlich nur eine Losung: Rücksichtsloser Kampf für das all- gemeine, gleiche und direkte Wahlrecht unter entschiedener Ablehnung der Kompromiß-Miß- geburt, wodurch der jetzige Zustand empörender Volksentrechtung zwar etwas geändert aber eher verschlimmert als verbessert würde. poUtifchc GcbcrHcbts Berlin, den 26. September 1908, Freifinnige Geldbeschaffung. Die freisinnige Partei befindet sich ebenso wie das Deutsche Reich in schweren Finanznöten, und sie sucht deshalb geschäfts- sinnig nach Mitteln, ihre Kassen zu füllen. Das ist begreiflich, denn zum Kriegführcn gehört nach Montecuculis weisem Ausspruch Geld und nochmals Geld. Auch andere Parteien pflegen, wenn sie nötig Geld brauchen, sich an ihre Anhänger zu wenden und zur Zahlung und Sammlung von Beiträgen aufzufordern. Doch darauf be- schränkt sich der Freisinn nicht. Er wendet sich nicht n u r an seine Anhänger, sondern an alle, die etwas haben, und wenn diese auf seine Aufforderung nicht reagieren, dann begnügt er sich nicht damit, daß er philosophisch denkt, keine Antwort ist auch eine Ant- wort, sondern er greift zu Drohungen und terroristischen Pressionen. So versendet z. B. der„Freisinnige Wahlrechtsausschuß" zurzeit folgendes Zirkular: „Nachdem der unterzeichnete Freisinnige WählrechrSausschuß bereits zweimal bei Ihnen angefragt hat, ob Sie bei seinen Bestrebungen mitwirken wollen oder nicht, erlauben wir uns heute zum letzten Male, dieselbe Frage an Sie zu richten. Es ist uns selbst einigermaßen peinlich, durch diese erneute Anfrage Ihnen Ungelegenheiten machen zu müssen, aber Sie werden verstehen, daß u n s e r e Ge s ch ä sts st e l l e ein berechtigtes Interesse daran hat, diejenigen Kreise kennen zu lernen, die bei dem großen allge- meinen Kampf für die Umgestaltung der preußischen Volks- Vertretung tatkräftig aus unserer Seite stehen wollen. Wir erlauben unS, dieser unserer letzten Anfrage das zweite Flugblatt des Freisinnigen Wahlrechtsausschusses beizulegen. Sie werden aus diesem Flugblatt ersehen, daß wir bemüht sind, mir Eifer und in durchaus sachlicher Weise den Angriff gegen das jetzige Dreiklassenwahlrecht zu leiten. Außer Flugblättern haben wir bisher mehrere Broschüren zur Bekämpfung des preußischen Wahlsystems herausgegeben und zahlreiche Protestversammlungen in allen Landesteilen abgehalten. Wir hoffen, daß Sie unserem Ausschusse zur Unterstützung seiner Aufgabe einen Beitrag zür Verfügung stellen, der Jhjccm sachlichen Interesse und Ihrer sozialen Stellung entspricht. Die Beiträge sind an die Geschäfts- stelle des Freisinnigen Wahlrcchtsausschusses, Köthener Straße 48, einzusenden. Mit vorzüglicher Hochachtung Freisinniger Wahlrechtsausschuß." In ihren Blättern entrüsten sich die Wortführer des Freisinns über die Arbeiter, die vor der letzten Laudtagswahl, um die öffent- liche Stimmabgabe ad absurdum zu führen, erklärt haben, sie würden nur denen ihre Kundschaft zuwenden, die für Arbeiter- kandidaten stimmen; bei der Beschaffung von Geldmitteln für ihre Kassen wenden aber diese Freisinnigen noch weit terroristischere Methoden an. Sie legen sich Listen der Begüterten an und fordern diese zur Zahlung an die freisinnigen Fonds auf. Erhalten sie keinen Beitrag, dann drohen sie, wie das obige Zirkular zeigt, den Nichtzahlcnden damit, daß sie bei weiterer Zahlungs- Verweigerung ein schlechte Note in den freisinnigen Listen erhalten würden, da die Geschäftsstelle des Freisinnigen Wahlausschusses ein berechtigtes Interesse daranhabe, diejenigen Kreise kennen zu lernen, die zu den Fr ei- sinnigen hielten. Eine Drohung, die sicherlich nicht weniger deutlich und nicht weniger„terroristisch" ist, als die Ankündigung der Arbeiter, bei Einkäufen in erster Reihe jene Geschäftsleute berücksichtigen zu wollen, die für Arbeiterkandidaten stimmen, Fürst Eulenburg und das Kammergericht. Der II. Strafsenat deZ Kammergerichts hat den Beschluß der ersten Strafkammer des Landgerichts Berlin I. betreffend die Haftentlassung des Fürsten Enlenburg aufgehoben und beschlossen, die Freilassung von einer Sicherheitsleistung von 100000 Mark abhängig zu machen. Wir finden ganz begründet, daß das Kommergericht eine Sicherheitsleistung von 100 000 Mark fordert; denn wenn Fürst Eulenburg eines guten Tages, wie anzunehmen ist, nach dem Auslande verduftet, fallen wenigstens diese 100 000 Mark an die Staatskasse.—_ Unterricht in der Volksschule. Das Kultusministerium hat eine neue Verfügung über den Unter- richt in den Volksschulen erlassen. ES heißt darin: Tie Lehr- und Stoffpläne enthatten nicht selten zu viel Unterrichtsstoff: dadurch wird leicht die gründliche Durch- arbeitung beeinträchtigt und es wird die Gefahr einer nur oberflächlichen Aufnahme der Lehrstoffe herbeigefüyrt. Dies ist zu verhüten; eher ist der Umfang des Stoffes zu beschränken, als daß nur eine mechanische Aneignung des letzteren erreicht wird und die Schüler nicht zur Beherrschung des- selben gefördert werden. Hiernach bedürfen die Lehr- und Stoff- Pläne einer eingehenden Durchsicht. Das Unterrichtsverfahren vollzieht sich zuviel nur in Form von Frage und Antwort; der Selbständigkeit und den selbständigen Leistungen der Kinder(dem selbständigen Zusammen- fassen. Vortragen, Rechnen, Messen, auch dem selbständigen Nieder- schreiben u. a) ist mehr Raum zu gewähren. Dabei richtet sich dag Fragen zu oft nur auf die Ergänzung durch einzelne Wörter oder sogar auf Selbstverständliches: die Fragen sind zu leicht und rufen nur wenig das Interesse der Schüler hervor; es ist nötig, die Denkarbeit und Urteilskraft der Kinder mehr in Anspruch zu nehmen. Den Uebungen im mündlichen und schrist- lichen Ausdruck ist besondere Sorgfalt zuzu- wenden. Die Kinder sollen befähigt werden, ihre Gedanken verständlich und sprachlich richtig darzulegen. Was den Religions- umerricht betrifft, so ist unter' Beachtung der aufgestellte» Lehr« Pläne dahin zu wirken, daß eine Ueberhäufung mit Un terrichtsstoff vermieden wird, um nicht die religiös-sittlichen Einwirkungen aus die Kinder zu beeinträchtigen. Geistloses Einlernen soll nicht Platz greifen. Bei der gedächtnis- mäßigen Aneignung der Religionsstoffe i st ein U e b e r m a ß zu vermeiden. An allerlei mehr oder minder guten Verordnungen fehlt es im Schulwesen ebensoweilig als beim Militär« und beim Eisenbahn- Wesen; doch jstehen sie größtenteils nur auf dem Papier. Auch von der obigen Verfügung dürfte infolge der heutigen geistlichen Schulaufsicht und des Einflusses der evangelischen und katholischen Orthodoxie nur jener Teil zur Ausführung gelangen, der eine Beschränkting des Lehrstoffes empfiehlt. Daß auch darauf ge- halten wird, die Selbständigkeit und die Denkkraft des Kindes zu fördern und die„gedächtnismäßige Aneignung der Religionsstoffe" einzuschränken, halten wir für höchst zweifelhaft; denn eine solche Reform des Unterrichts widerspricht der Auffassung der herrschenden Klassen in Preußen.— Junkerliche Unverfrorenheit. Die beiden Mecklenburgischen Regierungen haben, wie die „Vossische Ztg." berichtet, die von der Ritterschaft beschlossene G e- Haltsaufbesserung der ritterschaftlichen Lehrer gutgeheißen; die Erhöhung des Grundgehalts von 800 auf 1000 M. und Vermehrung der fünf AlterSzulagen von je 100 M. um eine, also auf S Zulagen. Wer aber glauben wollte, daß jeder Lehrer nun 200 M. Gehalt niehr bekäme als bisher, wäre in einem dicken Irrtum befangen. Die Sache macht man ganz anders l Die Wohnung, die solange 100 M. bewertet worden war, ist vom 1. Oktober ab um 50 M. gesteigert, ohne daß die Ritter verpflichtet sind, sie etwa in einen angemessenen Zustand zu bringen und in solchem zu erhalten. Für die Durchfiitterung einer Kuh für den Lehrer durste der Ritter bisher sich 90 M. anrechnen, in Zukunft 123 M. Um 13 M. wird der Garten höher eingeschätzt, und so sind wenigstens 100 M. von der beschlossenen Erhöhung da, ohne daß das ritterschaftliche Portemonnaie auch nur einen Pfennig herzugeben brauchte.~ Kann man sich eine stärkere Verhöhnung der Lehrer und Umgehung der Gesetze vorstellen? Der Unverfrorenheit der bildungsfeindlichen Jimkersippe wird erst dann ein Ende bereitet werden, wenn durch Einführung verfassungsmäßiger Zustände die Sozialdemokratie ihren Einfluß auch im Lande der Ochsenkövfe zur Geltung zu bringen vermag. Dieser bequeme Weg junkerlicher Großmut wird erst dann unmöglich. Zu Verlvundern ist freilich, daß sie die Natural- leistungen nicht um noch 100 Mark höher bewertet haben, denn da- durch wäre die Gehaltsaufbesserung doch eine noch viel erheblichere geworden.—_ Die neue Weinstener. Ueber die neue Weinsteuer weiß die„Deutsche Weinzeitung" folgende genaue Angaben zu machen. In Betracht komme eine Flaschenweinsteuer, welche die Besteuerung in eine zweifache Abgabe scheidet: 1. eine Grundgebühr von 10 Pfennig, welcher jede Flasche ohne Rücksicht auf den Wert des Weines, Obstweines usw. unter- liegen soll, und 2. eine Wertzuschlagssteuer mit progressiven Sätzen in einer Skala nach bestimmten Wertgrenzen für den Verkauf von Flaschenweinen. Durch die Wertzuschlagssteuer soll namentlich der Konsum von„Luxusweinen" getroffen werden, wäyrend die Flaschen- weine in niedrigerer Preislage nur geringere Abgaben, in der untersten Wertgrenze überhaupt mir die Grundgebühr tragen sollen. Die sogenannten„alkoholfreien" Getränke sind nicht in die Be- steuerung anfgenonunen.—_ Arbeitslosigkeit in Dresden. Die sozialdemokratischen Stadtverordneten in Dresden brachten in der letzten Stadtverordnetenversammlung folgende Jntee- pellation ein: „Was gedenkt der Rat zu tun, um die bereits vorhandene Beschästigungslosigkeit eines großen Teils der werktätigen Be- völkerung Dresdens zu mildern, und ist es dem Rat möglich. durch geeignete Maßnahmen ein weiteres Uebcrhandnehmen der Arbeitslosigkeit zu verhindern?" Arbeitersekretär B u ck schilderte in der Begründung die große Arbeitslosigkeit. Im Juli habe sie nach Auskunft aller Dresdener Arbeitsnachweise schon 10 764, die Zahl der offenen Stellen nur 3899 betragen. Es sei Pflicht der Stadtverwaltung, für Arbeits- gelegenheit zu sorgen. Der Rat erklärte, daß zirka 4 Millionen Mark zur Verfügung ständen für städtische Bauten. Er sei gegen Notstandsarbeiten, die sich auch bei den Arbeitern keiner Sympathie erfreuten und mit denen eine andere große Stadt Fiasko gemacht hätte. Er würde der Frage der Arbeitslosigkeit seine Aufmerksamkeit widmen. Auch Oberbürgermeister Beutler wandte sich gegen Oeffnung neuer Baugelegenheit(Straßen) und fand damit natürlich den Beifall der Grundstücksbesitzer._ Rücksicht auf das Ehrgefühl. Vor dem Kriegsgericht in Breslau hatten sich der Leutnant Perschke wegen Heraussorderung zum Zweikamps mit tödlichen Waffen und der Oberleutnant Wagner wegen Kartelltragens zu ver- antworten. Bor Eintritt in die Verhandlung beschloß das Gerichr, die Oeffentlichleit während der ganzen Dauer der Ver- Handlung und auch während der Verkündung der ll r t e i l s g r ü n d e(I) auszuschließen und zwar aus dienstlichem Interesse und in Rücksicht auf das Ehrgefühl derbe- teiligte n Offiziere. Das Urteil lautete gegen Perschke ans zwei Monate Fesiungshast und gegen Wagner auf einen Tag Festungshaft. Aus Rücksicht auf das Ehrgefühl der Beteiligten darf also niemand erfahren, um was eS sich bei dem Duell gehandelt hat. Das läßt darauf schließen, daß die Sache sehr schmutzig sein muß. Tie vorlänfige Entlassung von Strafgefangene» in Bayern. DaS bayerische Justizministerium hat eine Belamumachung mit Ausführungsbestimmungen über die vorläufige Entlassung von Strafgefangenen erlassen. Die vorläufige Entlassung kann erst erfolgen, wenn der zu einer längeren Zuchthaus- oder Gefängnis- strafe Verurteilte drei Viertel. mindestens aber ein Jahr seiner Strase verbüßte und während dieser Zeit sich gut gc- führt hat, wenn er seiner vorläufigen Entlassuim zugestimmt. wenn Gewähr dafür gegeben ist. daß er am Entlassungsorte Aufnahme und Forlkommen, insbesondere Gelegenheit zu redlichem Erwerb finden wird. Die vorläufige Entlassung kann widerrufcu werden, wenn der Entlassene ein neues Verbrechen oder Vergehen verübt, wenn er sich der Schutzaufsicht entzieht, wenn er sich trotz Verwarnung dem Müßiggang oder dem Trünke ergibt, mit übel- berüchligten Personen verkehrt oder von einem ungeordneten Lebens- wandel nicht abläßt, wenn er die ihm verschaffte Erwerbsgelegen- hcit ohne rechtfertigenden Grund aufgibt.— Mecklenburgische Gesetzgeber. Wer in Mecklenburg ein Rittergut kauft, der kaust damit gleich- zeitig die Würde des Landboten und Gesetzgebers. Ob auch die Qualitäten eines solchen, das läßt sich schwer feststellen, weil die Verhandlungen des berühmten mecklenburgischen Landtages hinter verschlossenen Türen stattfinden. Begründet wird dieses Privileg der Junker damit, daß die„Rittergutsbesitzer am engsten mit den Interessen des Landes verknüpft" seien. Wie eS damit steht, zeigt der jetzl wieder erfolgte Verkauf deS Rittergutes Tessenow bei Parchim, das in zirka 11 Jahren siebenmal den Besitzer gewechselt das glückliche Land Mecklenbiirg in demselben Zeitraum also mit vielen verschiedenen„Gesetzgebern" beglückt hat! Und solche Fäll? sind nichts Seltenes im Oootritenlande.— Eine freisinnige Haupt- und Staatsaktion. Genosse Mehring schreibt uns: Zu meinem lebhaften Bedauern bin ich gezwungen, die Leset deS„Vorwärts" mit einer„Lappalie" zu behelligen, aus der die freisinnigen Reichstagsabgeordneten Kopsch und Mugdaa eine Haupt- und Staatsaktion machen zu wollen scheinen. Am 26. Februar d. I. beschuldigte Herr Kopsch den Genoffen Ledebour und mich im Reichstage der ehrlosen Handlung, als eingeschriebene Mitglieder der sozialdemokratischen Partei die hiesige„Volks-Zeitung" in angeblich bürgerlich-demokratischcm Sinne redigiert zu haben, während Herr Mugdan die kostbare Zeit des Reichstages beanspruchte, um von einer freisinnigen Sieges- feier zu erzählen, an der er vor 18 Jahren mit Ledebour und mir teilgenommen habe. Von Ledebour sofort gestellt, widerrief Herr Kopsch seine Behauptung, aber nur. soweit sie sich auf Ledebour bezog. Ich war deshalb gezwungen, im„Vorwärts" vom 29. Februar gegen die Verleumdung des Kopsch zu protestieren. wobei ich einige scherzhafte Glossen über die von Herrn Mugdan in den Reichstag geschleppte Kneipgeschichte machte. Mehrere Monate darauf kam die„Freisinnige Zeitung" auf die Sache zurück, aber nicht, um nunmehr endlich die Verleumdung des Kopsch zu widerrufen, sondern um mich wegen der scherzhaften Glossen über Herrn Mugdans und meiner gemeinsamen Kneiperei als Fälscher zu denunzieren. Ich würde auf den abgeschmackten Widersinn nicht erst geantwortet haben, wenn die„Freisinnige Zeitung" für meinen kleinen Ulk nicht die sozialdemokratische Partei als solche verantwortlich gemacht hätte. So antwortete ich im„Vorwärts" vom 16. Juli, wobei ich den ursprünglichen Anlaß des Streites erwähnen mußte, und um die ganze Geschichte nicht noch einmal breit zu treten, in ein paar Zeilen Kopsch und Mugdan als gemeinsame Firma behandelte. Dazu glaubte ich bei ihrem innigen FreundschaftZverhältnis berechtigt zu sKin. Nun haben mich aber beide wegen dieser paar Zeilen ge- richtlich als böswilligen Nerleumder belangt. Die Sehnsucht, endlich einmal eine sozialdemokratische„Ver- leumdung" zu erwischen, dauert also fort, und dazu möchte ich mir einige Worte erlauben. Was den Kopsch anbetrifft, so hat er bisher, weder im Reichs- tage noch sonst öffentlich, die unter dem Schub der parlamentari- scheu Redefreiheit gegen mich geschleuderte Verleumdung wider- rufen. Will er mich jetzt gerichtlich belangen, weil ich in not- gedrungener Abwehr auf seinen groben Klotz einen groben Keil gesetzt habe, wissend, daß ich wegen seines parlamentarischen Privilegs keine Widerklage anstrengen kann, so bin ich nicht so grausam, der freisinnigen Partei zu mißgönnen, daß einer ihrer erleuchtetsten Köpfe in ihren Lorbeerkranz dies neue Reis flicht, dessen sich noch keine andere parlamentarische Fraktion rühmen kann. Wenn sich hingegen Herr Mugdan dadurch beschwert fühlt, daß ich ihn für die Handlungsweise seines intimen Freundes ver- antwortlich gemacht habe, so nehme ich diese Belehrung gern cnt- gegen und stelle mit aufrichtiger Genugtung fest, daß in der Reichstagssitzung vom 26. Februar d. I. nur Herr Kopsch die parlamentarische Redefreiheit mißbraucht hat, um mich zu ver- leumden, Herr Mugdan dagegen sich darauf beschränkt hat, das hohe Haus durch die historisch vollkommen wahre Notiz zu er- frischen, daß er vor 18 Jahren mit mir gekneipt hat. Und danach will ich dem Schöffengericht überlassen, die an- gchlich lädierts Ehr? der beiden Volksvertreter zu repariere�.*— Ocftemicb. Die Obstruktion. Auch die Abendsitzuug des böhmischen Landtages war obstruiert. Die Deutschen verhinderten die Sitzung durch Geschrei, gellendes Pfeifen, Tronipetenblafen und Pultdeckelfchlagen. Dann sangen sie drei Strophen der„Wacht am Rhein*. Dies löste einen riesigen Tumult aus. Die Schlußszene schildert die ,N. Fr. Presse* folgendermaßen: „Während der Sturmszenen vor der Prasidententribüne war der Abgeordnete Walters von einem tschechischen Abgeordneten mit Tinte im Gesicht beschmiert worden. Abg. Walters erklärte mit lauter Stimme: Ich kenne den tschechischen Llb- geordneten, der sich so gemein benommen hat und werde ihn ohrfeigen, sobald ich ihn treffe." Die Kompromißverhandlungen der Regierung haben vorläufig noch kein Resultat gehabt, die tschechischen Vertrauensmänner haben die Teilnahme an den Verhandlungen überhaupt abgelehnt.»» franfcmcb. Gegen das Blatt Herv'ss. Paris. 26. September. Auf Antrag des Kriegsministers kvar seinerzeit eine Untersuchung gegen das Blatt„Guerre Sociale" wegen einiger antiinilitaristischer Artikel eingc- leitet worden. Der Verwalter des Blattes ist nunmehr auf Antrag des Untersuchungsrichters verhaftet worden. In den inkriminierten Artikeln wurden bekanntlich die Rekruten aufgefordert, im Falle einer Mobilmachung zu reLoltieren. Englancl. Arbeitslosendemonstration. Manchester. 26. September. 2666 Arbeitslose drohten gestern das Rathaus anzugreifen, in dem gerade ein Zivilempfang stattfand. Die Polizei schritt ein und zerstreute die Menge. Mehrere Personen wurden ver- letzt, darunter auch einige Polizisten. Tie Menge versuchte sodann einen Angriff auf das Grecnwich-Armenhaus, indem sie Nahrung und Obdach forderte, wurde jedoch auch hier von der Polizei zerstreut. Tie Nachwahl in Newcastle. London. 24. September.(Eig. Ber.)' Tie Haltung der Arbeiterpartei in der Nachwahl von Newcastle wird in sozialistischen Kreisen abfällig beurteilt. Ein gut unter- richteter Artikel erscheint darüber in der neuesten Nummer der„New Age", in dem darauf hingewiesen wird, daß die Arbeiterpartei auch bei den letzten Nachwahlen in Dundee und Montrose die sozialistischen Arbeiterkandidaten im Stichs gelassen habe und im allgemeinen wenig Mut zeige. Auch in der Nachwahl von Newcastle ziehe sie sich vom Kampfe zurück, obwohl da alle Ursache fiir Sozialisten vorhanden sei, den Kampf aufzunehmen:„Newcastle war soeben der Mittel- Punkt eines langwierigen Streiks(der Maschinenbauer gegen die Reeder, ein Streik, der acht Monate gedauert hat), in dem der wesentlichste Gegensatz zwischen Kapital und Prole- tariat klar zum Ausdruck kam. Es war also vor allem er- forderlich,, den wirtschaftlichen Gegensatz in einen politischen Kampf umzusetzen..-. Dann ist zu bedenken, daß die Lokal- organisaticmen der Partei den Kampf wünschten. Und nur weil die Partei ihnen die Hilfe versagte, wurden sie geschlagen. Woher soll sie nun den Enthusiasmus für die kommenden Kämpfe nehmen, wenn den Arbeitern der Kampf untersagt wird, um sie dann dem Feinde preiszugeben? Mit einem Worte: Die gegenwärtige Friedenspolitik der Parteiführer führt zur Ver- nichtung ihrer Armee bei den nächsten Hauptwahlen." Zu bemerken ist noch, daß sowohl im„Labour Leader" wie in der„Clarion" Proteste gegen die Haltung des Partei- Vorstandes erschienen sind. Kulgarten. Der Konflikt mit der Türkei. Die bulgarische Regierung erklärt mit allem Nachdruck, daß sie keineswegs gesonnen ist, die Expropriation der Orient- bahn rückgängig zu machen. Sie sei nur bereit, die Gesellschaft zu entschädigen. Es handelt sich dabei um die in Ostrumelien ge- lcgenen Bahnstrecken. Diese Strecken liegen eigentlich auf tür- k i s ch c m Gebiet, da Ostrumelien staatsrechtlich ein Bestandteil der Türkei ist. Die Türkei ist auch Besitzerin der Bahnstrecke, während der Betrieb der orientalischen Eisenbahngesellschast übertragen ist. an deren Spitze hauptsächlich deutsche und österreichische Kapita- listen stehen. So ist es klar, daß die Besetzung dieser Linien durch Bulgarien den türkisch-bulgarischen Konflikt noch verschärft hat. Bekanntlich hat dieser Konflikt damit begonnen, daß Herr Gescho.w, der bulgarische Vertreter in Konstantinopcl, zu einem diplomatischen Diner nicht zugezogen wurde. Die türkische Regie- rung gab dabei in ihrer Antwort auf die bulgarische Beschwerde deutlich die Absicht zu erkennen, Bulgarien daran zu erinnern, daß es nach den Bestimmungen des Berliner Vertrages ein V a s a I l e n- staat der Türkei sei. Nach dem§ 13 des Berliner Vertrages ist Bulgarien der Türkei sogar tributpflichtig Bulgarien hat allerdings diesen Tribut nie bezahlt und sich stets als unabhängigen Staat betrachtet. Die alte Türkei war auch viel zu hilflos, um ihre Rechte gegenüber Bulgarien zur Geltung zu bringen. Um so größere Erregung mußte der Zwischenfall Geschow in Bulgarien, PgA jetzt plötzlich feine Selbständigkeit in Frage gestellt sah, hcrvox- rufen, Und cs änkwortete mit der Abberufung seines diplomätischen Vertreters. Die Besetzung der Eisenbahn macht zugleich eine andere Frage akut, die der Selbständigkeit von Ost-Rumclicn. Unmittelbar nach dem russisch-türkischen Kriege von 1377 wurde im Vertrage von San Stefano Ost-Rumclien dem damals eben geschaffenen Fürstentum Bulgarien einverleibt. Der Berliner Kongreß aber schaffte diese Bestimmung des San Stcfanoschcn Vertrages ab und erklärte Ru- melien für eine türkische Provinz, der aber eine Selbstverwaltung und ein vom Sultan ernannter und von den Großmächten bestätigter ch r i st l i ch e r Gouverneur unter europäischen Garantien zuge- standen wurde. Aber auch Bulgarien wurden vom Kongreß einige Rechte zuerkannt, nämlich das Recht, die Balkanpässe und einige Landstraßen in Besitz zu behalten. Auf diese letzte Bestimmung stützte sich der bulgarische Fürst Alexander von Batten- b e r g im Jahre 183S bei seinem mißlungenen Versuch, Ost-Rume- lien der Türkei zu entreißen. Auf diese Bestimmung hält sich auch jetzt die bulgarische Regierung in ihren Ansprüchen auf die rume- lische Eisenbahn, indem sie den Begriff Landstraße auch auf die Eisenbahnlinie auszudehnen versucht. Die Türkei hat sich nun an die Mächte gewandt, um ihre Jnter- vention gegen die Verletzung des Berliner Vertrages durch Bul- garten zu verlangen. Damit wird die Frage der Anerkennung der tatsächlich schon lange bestehenden Unabhängigkeit Bulgariens akut. Doch ist es ungewiß, ob sie nicht wiederum vertagt werden wird. Oesterreich und Deutschland scheinen die Absicht zu haben, sich in der rein staatsrechtlichen Frage auf Seiten Bulgariens zu stellen. Da- gegen werden die Interessen der deutschen und österreichischen Kapi- talisten an der Orientbahn Wohl stark genug sein, um die deutsche und österreichische Regierung gegen die bulgarischen Ansprüche auf- treten zu lassen. Immerhin war die Expropriation der Bahnstrecke für Bulgarien ein ganz nützlicher Akt. Denn die Türkei wird allem Anschein nach die Rückgabe an die Gesellschaft mit staatsrechtlichen und vielleicht auch mit wirtschaftlichen Zugeständnissen erkaufen müssen. Auf jeden Fall aber dürften die Beziehungen zwischen Bulgarien und der Türkei noch auf lange hinaus ziemlich gespannt bleiben, perllen. Einberufung des Parlaments. Petersburg, 25. September. Wie der Petersburger Telegraphen-Agentur aus Teheran gemeldet wird, hat der Schah die Zusammenberufung des Medschläs und des Senates für den 14. November verfügt. Verhaftungen. Teheran, 26. September. Gestern sind hier zahlreiche Der- Haftungen vorgenommen worden. Unter anderen wurde Jamini- Nisam verhaftet, der bei der Grenzregulierung zu Seistan als persischer Kommissar fungierte. Man fand bei ihm belastende Briefe. Janrini- Nisam war schon einmal zum Tode verurteilt, dann vom Schah zwar begnadigt worden, verlor aber Rang und Orden.— Die Wahlen in Aserbcidschan sind bis zur Wiederherstellung der Ordnung aufgeschoben worden. Die Perser in Konstantinopel. Koustantinopel, 23. September. Infolge einer Depesche der geistlichen Führer von Kerbelah, in der es heißt, derjenige. welcher den Reaktionären gegen die Liberalen von Täbris helfe, sei kein Mohammedaner, betrachtet die hiesige persische Kolonie den Schah als Ketzer und erkennt ihn nicht mehr an. Zugleich erklärte sie, den hiesigen persischen Botschafter nicht mehr als Botschaster, sondern nur als Oberhaupt der Kolonie ansehen zu wollen. Infolgedessen hat der Botschafter seine Entlassung genommen und sich an einer für die Kämpfenden von Täbris ein- geleiteten Sammlung mit 10 000 Frank beteiligt. Island. Ein oppositionelles Parlament. Vor kurzem haben die Neuwahlen zum isländischen Paria- ment, dem Alling, stattgefunden. Sie endeten mit einem großen Sieg der Oppositionspartei, die der Regierungspartei 13 ihrer alten Mandate abgewann und es damit auf 23 Abgeordnete brachte. ES wurden nur' neun Regierungsparteiler gewählt, dazu kommen jedoch sechs vom dänischen König ernannte Mitglieder des Attings. Die Oppositionspartei fordert größere politische Selbständigkeit und, in ihrer radikalsten Form, gänzliche Unabhängigkeit Islands von Dänemark. Bekanntlich kam Dänemark im Jahre 1903 diesen Bestrebungen so weit entgegen, daß es den Isländern einen eigenen auf der Insel ansässigen Minister zugestand, ein Amt, das bis dahin vom dänischen Justizminister, zuletzt von dem Millionendieb Albcrti, mitverwaltet wurde. Diese Reform befriedigt aber die Isländer keineswegs, zumal der neue Minister von der dänischen Regierung selbstherrlich ernannt wurde, was man in Island als einen Bruch der Landesrechte bezeichnete. Das Beispiel, das die Norweger mit ihrer Losreißung von Schweden gaben, ist natürlich auch nicht ohne Einfluß auf die ihnen stammverwandten Isländer geblieben. Amerika. Die politische Korruption. New Aork, 26. September. Coleman D u l p o n t hat sein Amt als Mitglied des Exekutivkomitees und als Direktor des Bureaus des Republikanischen Nationalkomitecs nieder- gelegt wegen seiner Beziehungen zum S chi e ß p u l v e r- trust, der von der Regierung auf Grund des Antitrust- gesetzes verfolgt wird. Dieser Schritt ist auf die d e m o- kratischen Angriffe gegen die Aufrichtigkeit des Ver- sprechens der Republikaner zurückzuführen, eine Regelung hin- sichtlich der Korporationen vorzunehmen. Chicago, 26. September. Wegen der Angriffe H e a r st s gegen die Standard Oil Company hat H a s k e l l, der Schatzineister des demokratischen Nationalkomitees, der zugleich Gouverneur von Oklahoma ist, seine A e m t e r niedergelegt. Er gibt zu. daß der Grund hierfür i» den Angriffen Roosevelts und Hearsts gegen ihn liege, stellt dagegen fest, daß in seinem Verzicht nicht ein Zuaeständnis für die Berechtigung der gegen ihn erhobenen Anklagen aus- gesprochen werdm solle._ Eue der Partei. Der Nürnberger Parteitag in den Organisationen. Der sozialdemokratische Verein Augsburg nahm am Freitag in sehr gut besuchter Versammlung den Bericht der Delegierten vom Nürnberger.Parteitag entgegen. Genossin Greifenberg und Genosse Walter legten die Gründe, die sie für die Resolution des Partcivorstandcs zu stimmen veranlaßten, in eingehender Weise dar. Landtagsabgeord- neter Genosse Rollwagen vertrat mit Wärme den Standpunkt der Minderheit. Nach einer Reihe von Rednern, die teils für teils gegen die Stellungnahme der Süddeutschen sprachen, die aber alle für strikte Durchführung der Partcitagsbcschlüsse ein- traten, wurde die Versammlung abgebrochen. Sic soll am 3. Ok- tober zu Ende geführt werden. � Eine Versammlung des sozimdcmokratischen Vereins Donau. e s ch i n g e n(Baden) erklärte sich mit dem Beschluß des Partei. tages zur Budgetftage einverstanden und warnte von Un- einigkeit, Ans dem Geschäftövericht des niederrheinischcn AgitationskemiteeS an den niederrheiuischen Parteitag, der am 11. und eventuell 12. Oktober in Solingen tagt, teilen wir folgendes mit: Der Agitationsbezirk umfaßt die 12 Wahlkreise des Regierungsbezirks Düsseldorf und die beiden weslsälischen Wahlkreise Hagen- Schwelm und A l t e n a- I s e r l o h n. Versammlungen fanden im Berichtsjahre statt 1339, darunter 932 Versammlungen der sozialdemokratischen Vereine; die Wählerversammlungen zur Landtagsivahl sind in diesen Ziffern nicht einbegriffen, wohl aber die annähernd 200 W a h l r e ch t s v e r s a m m l u n g e u, die fast durchweg Massenversammlungen waren. Flugblätter wurden, außer denen zur Laudtagswahl von den Kreisleitungen zur Verbreitung gebracht im ganzen 1 328 009, vom Agi- tationSkomitce 326 500 Flugblätter, darunter 12 300 für die Frauen, und 72100 broschierte Flugschristen usw. Der Agitations- kalendcr gelangte in 203 000 Exemplaren zur Verbreitung und die Monatsschrift„Morgenrot" in 232 000 Exemplaren.— Die O r g a- n i s a t i o n hat wohl an innerer Festigkeit zugenommen, weniger aber an Mitgliedern. Die wirtschaftliche Krise hat hier in ganz auffälliger Weise lähmend gewirkt. Einer Zunahme von 1321 Mitgliedern in 9 Kreisen steht eine Abnahme von 390 Mitgliedern in den übrigen 3 Kreisen gegenüber. Es ist also ein Zuwachs von 931 Mitgliedern— 4,1 Proz. zu verzeichnen. Die Gesamtzahl der organisierten Genossen betrug am 1. Juli 1908 23 708 gegen 22 774 im Vorjahre. Die Kreise mit Mitgliederverlust sind M.-Gladbach, Krefeld, Mülheim-Duisburg, Lennep-Itemscheid-Mettmann und Solingen. Besoldete Parteisekretäre haben die Wahlkreise Düsseldorf, Dilisburg, Mülheim, Elberfeld- Barmen, Essen, Hagen-Schwelm, Lennep- Remscheid-Mettmann und Solingen.— Auch die Frauenbewegung hat scheinbar einen Rückgang auf- zuweisen. Im Vorjahr zählte die„Gleichheit".3722 Abonnenten, m diesem Jahre 3496. Es ist aber dabei zu berücksichtigen, daß in einem Teil der Wahlkreise mit denr Schluß des alten Geschäftsjahres mit der losen Organisation gebrochen und die Aboilnentinnen der „Gleichheit" Mitglieder der Organisation wurden. Hierbei dürfte der Verlust eingetreten sein.— Der Partei- beitrag beträgt seit dem 1. Juli d. I. in allen Wahlkreisen mindestens 40 Pf. pro Monat? die Genossinnen zahlen, soweit der Uebertritt in die Organisationen erfolgt ist, 30 Pf. pro Monat und erhalten als Gegenleistung die„Gleichheit".— Bildung Saus schüs sc bestehen in den Kreisen Elberfeld- Barmen, Düsseldorf, Essen, Solingen. Remscheid und Krefeld. Ein Bildungsverein der Jugendlichen besteht nur in Solingen mit 200 Mitglieder», in den anderen Kreisen besteht hie lose Organisation mit der „Arbeitenden Jugend" als Bindemittel.— Täglich erscheinende Parteizeitungen gibt es im Bezirk acht, darunter vier Kops- blättcr. Die Beteiligung an den Komm unal wählen ist in stetem Wachsen begriffen. Im letzten Jahre beteiligten sich unsere Genossen in 38 Genreinden an der Wahl, darunter in 13 zum erstenmal. Bei 13 Wahlen siegten sie und erlairgten dadurch 36 Mandate, von deneir jedoch 13 schon in ihrem Besitz waren. Fast überall ist eine be- deutende Zunahme der sozialdemokratischen Stimmen zu verzeichnen. Die Zahl der sozialdemokratischen Gemeindevertreter be- trägt inr Bezirk 121 gegen 103 im Vorjahre. Auch mit dem Ergebnis der Landtagswahl erklärt sich der Berichterstatter zufrieden. Nach den Feststellungen unserer Genossen erschienen in den 13 Landtagswahlkreiscn 60 144 sozialdemokratische Urwähler zur Stimmabgabe und 1244 sozialdemokratische Wahl- männer wurden gewählt. Gegenüber der Wahl von 1903 stieg die Zahl der sozialdemokratischen Urwähler in Lennep-Remscheid- Solingen von 7014 auf 13 432, in Elberfeld-Barmen von 6903 auf 12 300, in Essen Stadt und Land von 378 aus 10 830, in Düsseldorf von 1934 auf 7000, in Hagen- Schwelm von 1083 auf 3200. In Lennep-Remscheid-Solingen und Elberfeld-Barmen hatte unsere Partei an Urwählerstimmen die absolute Mehrheit.— Es wurden 138 Wählerversammlungen abgehalten und 833 000 Wahlflugblätter verteilt. Die Kassenverhältnisse'haben eine bedeutende Besserung erfahren. Die Mitgliedsbeiträge sind von 38 909,30 M. im Vorjahre auf 77 760,93 M. im letzten Jahre ge- stiegen. Auf jedes Mitglied fällt ein durchschnittlicher Beitrag von 3,28 M. gegen 2,33 M. in, Vorjahre. Die Gesamteinnahmen sind gestiegen von 79 879,82 M. auf 143 563,36 M., also um 79,8 Proz. Die Beiträge an das Agitationskomitee stiegen von 8367,41 M. auf 9634,97 M. und die an den P a r t e i v o r- st a ii d von 10 394,90 M. auf 13 913,76 M. Die Kassen- bestände betrugen am 1. Juli d. I. 14443,19 M. gegen 12 712,44 M. am Schluß des Vorjahres. Schließlich mag noch erwähnt sein, daß der Bericht auch ein ziemliches Register polizeilicher und g erichtlicher Verfolgungen aufweist, die zu einem wesentlichen Teile in die Zeit der Wahlrechtskämpfe fallen. polireUusttg» ßmcbtHches ufw. Strafkonto der Presse. In einem Beleidigungsprozcß. den dct Herausgeber des Scnsationsblättchcns„Deutscher Kampf"— Dr. jur. Arthur Pleißner in Leipzig— gegen den verantwortlichen Redakteur der„Leipziger Volkszcitung'. Genossen Keimling, an- gestrengt hatte, wurde dieser zu 100 M. Geldstrafe verurteilt. Die angebliche Beleidigung wurde in einer Notiz der„Lcip- zigcr Volkszeitung" gefunden, in der der Sittenapostel Pleißner ge- schildert wurde, wie er auf einem Maskenball sich im zärtlichen Tcte-g-tete mit Mädchen vergnügte. Die Presse in der NcvisionSinflanz. Die Firma Ph. Holz mann, Berlin, sollte durch daS „Norddeutsche V o l k S b l a t t" in Bant beleidigt sein, und Genosse Stahl wurde deshalb zu 1000 Mark Geldstrafe verurteilt. Veranlassung zu einer Abrechnung des„Volksblattes" mit Holzmann gab folgender Vorfall: Die Gesellschaft Holzmann hatte in Wilhelmshaven Arbeiten in der Hafeneinfahrt auszuführen. Am 19. März hatte man dabei eine sogenannte Trosse in der See vergessen, und vier Arbeiter wurden beauftragt, sie in einem Boote zu holen. DaS Boot schlug um und die Arbeiter ertranken. Da? „Volksblatt" machte nun der Gesellschaft eine Reihe von Pflicht« Verletzungen zum Vorwurf. ES sei um die fragliche Zeit schon finster und stürmisch gewesen, so daß man die Arbeiter hätte gar nicht in See lassen dürfen. Das Boot sei schon öfters vorher gesunken, ein sogenannter„Seelenverkäufer". Weder Rettungsboote noch Ringe seien zur Stelle gewesen. An eine Bergung der Leichen habe man erst ganz spät gedacht. Im Anschluß daran folgte eine scharfe Kritik der Arbeitsverhältnisse bei der Firma. Die Revision gegen daS Urteil wurde verworfen. )Zus Inclultne iihä k>anclel. Eine Kalamität. Aus Danzig wird gemeldet: Die über unserer Stadt schwebende G c t r c i d e s p e r r e ist mit den schwersten wirtschaftlichen Nach- teilen verbunden. Nicht weniger als 1300 Waggons mit Getreide standen am Donnerstag vor den Getreidespeichern an der Moltlau und konnten nicht entladen werden, weil cs an Arbeitern zum Eni- laden des Getreides, an Spcichcrräumcn zur Unterbringung des- selben und an Dampfern zur Verfrachtung fehlt. Eine solche Kalamität ist für Danzigs Gctrcidchandel noch nicht dagewesen. Die Handclswclt hatte sich auf einen so frühen Eingang des Ge- treides nicht gefaßt gemacht, daher die Stockung des Handels. Es fehlt an Elevatoren zum Entladen des Getreides, und weil die alten Arbeiter ausgestorben sind, auch an Trägern.(Da liegt der Hase im Pfeffer!) Man hat starke Leute angenommen und ihnen sogar 15 M. T a g e l o h n gezahlt; aber nach ein paar Stunden waren diese Leute, welche die Säcke mit zwei Zentnern Ladung nach de» obere» Räumen der Speicher fragen mußten, müde und legten die Arbeit mit der Begründung nieder, daß sie diese auch nicht für 100 m. Tagelohn wollten berrichten. Gutes Geschäftsergebnis. Das Effener Steinkohlenbergiver? brachte für die Monate Januar bis einschließlich Auguft einen Betriebsgewinn 2 565 213 M. heraus, gegen 2 449 609 M. in der gleichen Zeit des Vorjahres. Der Abschluß der Phönir.A.- G. Berlin und Umgegend. Der Streit der Gemeindearbeiter von Malmd. rungen. Der Präsident des kaiserlichen Gesundheitsamtes. Berlin NW. 23., 18. Geptember 1908. Geschäftsnummer 9161/08. Schränken, müsse man für ausreichende Ventilation forgeft. Mit Hilfe zahlreicher Lichtbilder zeigte der Nedner, wie technisch vollEinem Beschluß der Repräsentantschaft der Landesorganisation endete Einrichtungen für diesen Zived geschaffen werden können. fichern und zu erhalten, das läßt die Kurzsichtigkeit der Unter- des gewerkschaftlichen Landessekretariats sowie die Vorsitzenden des notwendig sei. Andererseits appelliere er an die Selbsthilfe jedes Sich einen Arbeiterstamm durch angemessene Entlohnung zu der schwedischen Gewerkschaften entsprechend, waren der Vorsitzende 8um Schluß äußerte er sich dahin, daß eine Reihe gesetzlicher Maßder Beschäftigten nehmer nicht au; die Profitwut macht blind! Transportarbeiter und des Grob und Fabritarbeiterverbandes während der verflossenen Woche in Malmö, um in dem Streit der einzelnen, burch peinlichste Sauberkeit den Erkrankungen möglichst vorzubeugen. Die zahlreich besuchte Versammlung lohnte dem Gemeindearbeiter Verhandlungen anzubahnen oder wenigstens einer Redner durch lebhaften Beifall für seine interessanten Ausfüh weiteren Ausdehnung des Kampfes auf andere Berufsgruppen vorzubeugen. Sie haben ihr Ziel trop aller Bemühungen nicht erreichen fönnen und sind am Freitag wieder heimgekehrt nach Stod. Gewerbe, der fönigliche Regierungs- und Gewerberat zu Berlin Zu dieser Versammlung waren der Minister für Handel und holm. Die sogenannte Wohlfahrtskommission der Stadt Malmö hat und der Präsident des kaiserlichen Gesundheitsamtes eingeladen. die Verhandlungen abgelehnt, stellte zvar den Organisationsver- Als Vertreter des Ministers sowie des föniglichen Regierungs- und tretern anheim, nochmals um eine Verhandlung nachzusuchen, Gewerberats war Herr Gewerberat Hartmann erschienen. Dagegen knüpfte daran jedoch Bedingungen, die von vornherein unannehmbar Obwohl das letzte Halbjahr schon start im Zeichen des wirt. erscheinen mußten. Die Versammlung der Streitenden hat es hatte das kaiserliche Gesundheitsamt folgendes Schreiben gesandt: schaftlichen Rüdganges stand, hat der Phönig dank der gehobenen dann auch abgelehnt, von neuem um Verhandlungen nachzusuchen. Preise und der Preispolitik der Rohstoffverbände für das Geschäfts- Das war am Dienstag. Um Mitternacht beschlossen die Kohlen jahr 1907-08 doch noch einen Hochkonjunkturabschluß erzielt. Der fuhrleute, die Arbeit auf den Pläßen einzustellen, wo einige Mohgewinn stellt sich auf 26 355 486 M.( im Vorjahre 26 410 006 ihrer Kollegen wegen Arbeitsverweigerung an den von StreifMart) und einschließlich des Vortrages aus dem Vorjahre auf brechern bedienten städtischen Kränen entlassen worden sind. 1035 897 M.( im Vorjahre 1 094 616.) 27 391 383 M.( im Vor- handelt sich hier um einen Streit bei Privatunternehmern, und da jahre 27 504 622 M.). Nach Abzug der Abschreibungen von das schwedische Unternehmertum in starken Zentralverbänden or 11 092 016 M.( im Vorjahre 8 101 583 M.) verbleibt ein Reingewinn bon 16 299 367 m.( im Vorjahre 19 403 030 M.). Die in Klammern angeführten Ziffern des Vorjahres enthalten die Erträgnisse der angegliederten Nordsternzeche nur für ein halbes Jahr, wie auch die zum Erwerbe von Nordstern ausgegebenen 28 000 000 m. neuer Aftien im Vorjahre nur eine Halbjahresdividende erhielten. Es wird der Generalversammlung vorgeschlagen werden, 11 Proz. ( im Vorjahre 17 Proz.) Dividende mit 11 000 000 M.( im Vorjahre 14 620 000) zu verteilen, eine Million( im Vorjahre auch eine Million) zu außerordentlichen Abschreibungen zu verwenden, 310 000 M.( im Vorjahre eine Million) zu Wohlfahrtszweden zurückzustellen und nach Abzug der sabungs- und vertragsmäßigen Gewinnanteile von 1392 067 M.( im Vorjahre 1747 142) noch 2 597 300 M.( im Vorjahre 1035 897) auf neue Rechnung vorzutragen. werde. Der Syndikate Macht. E3 ganisiert ist, sich überhaupt außerordentlich kampflüstern zeigt, muß man auf neue Massenaussperrungen gefaßt sein. Dazu kommt, daß auch in der schwedischen Hafenarbeiterschaft große Unzufrieden. heit herrscht, weil die Reeder und Stauereiunternehmer das Mitte Juli getroffene Uebereinkommen nicht ehrlich innehalten, fortgesett die organisierten Hafenarbeiter durch unorganisierte Gelegenheitsarbeiter zu ersezen suchen und, ebenfalls entgegen den Abmachungen, die in einzelnen Hafenorten vorhandenen Stauereiarbeitergenoffenschaften boykottieren. Die zuständige Organisation ist der Verband der baugewerblichen Hilfsarbeiter, und nur dieser hat das Recht und die Pflicht, dort zu agitieren. Die Bezirksleitung. J. A.: E. Strehlte. Deutfches Reich. Für die gefl. Einladung zur Beteiligung an der Versamm lung am 21. 5. M. danke ich verbindlich. Zu meinem Bedauern bin ich indessen nicht in der Lage, Ihrem Wunsche wegen der Entsendung eines Vertreters zu den Verhandlungen zu ents fprechen. Dem taiserlichen Gesundheitsamt gehen so viele Eins ladungen zur Teilnahme an Versammlungen zu, daß die Arbeitskräfte seiner Mitglieder zur Erfüllung ihrer eigentlichen Aufgabe nicht ausreichen würden, wenn allen diesen Versammlungen Abgeordnete des faiserlichen Gesundheitsamtes beiwohnten. Ich bemerke zugleich ergebenst, daß das kaiserliche Gesundheitsamt bon jeher den in den Schleifereien zutage tretenden Schädlich keiten seine Aufmerksamkeit widmet, daß es, wie aus dem beis gefügten Schleifermerkblatt zu ersehen ist, bemüht ist, solchen tunlichst abzuhelfen, und daß es auch fortlaufend alle Bestrebungen zur Herbeiführung noch vervollkommneterer Zustände mit Interesse verfolgt. ( gez.) Bumm. Achtung, Fliesenleger! Es wird hiermit darauf hingewiesen, daß mit dem 1. Oktober sich der Lohn von 88 auf 90 Pf. pro Stunde erhöht. Des weiteren wird dringend gewünscht, daß alle arbeits- An den Branchenvertreter der Schleifer lofen Kollegen( nur schriftlich) sofort ihre Adressen abgeben Herrn Franz Thurau, Berlin. möchten, da es uns in nächster Zeit möglich sein wird, nach außerHierzu bemerkte Thurau, daß er die gute Absicht des halb Fliesenleger unterzubringen. Vor dem Gewerbegericht Schleifermerkblattes nicht verkenne, jedoch das, was in dem Schleifer ist festgesetzt worden, daß die Bestimmungen der§§ 4 und 5 des merkblatt gesagt ist, von den Unternehmern nicht durchgeführt werde. Was von den Shudikaten zu erwarten wäre, wenn die öffentist Fahrgeld, Lauf- und Logisgeld auch bei Akkordarbeit zu zahlen hängende Schleifermerkblatt vielfach ganz gelb geworden, so daß Lohntarifs auch Anwendung auf den Akkordtarif finden. Somit Infolge der Staubentwickelung sei das in den Arbeitsräumen aus liche Kontrolle und Kritik ihre Machtgelüfte nicht etwas zügelte, lehrt oder es sind dementsprechend die Affordsähe zu erhöhen. die Schrift nicht mehr zu erkennen sei! Das beweise am besten, eine Auslaffung in der Generalversammlung der Aplerbecker Hütte. Hermann Waldheim, Schöneberg, Meininger Straße 8. wie wenig die Unternehmer sich um die Gesundheit ihrer Arbeiter Man beschäftigte sich mit der Frage der Auflösung des Düsseldorfer Roheisensyndikats. Ein Aktionär meinte, man solle das Kohlen schrift: Bom Berbande der Fabritarbeiter erhalten wir folgende Zu- tümmerten. Thurau dankte dem Vortragenden für seine lehr. reichen Ausführungen und richtete die Aufforderung an die Ver syndikat und die beteiligten Banken veranlassen, auf die dem Syndikat Bu der Notiz Arbeiterflagen in Spandau" vom Freitag ist au sammelten, im Falle der Erhebung einer Enquete über die Gefund widerstrebenden Werke Pressionen auszuüben. Geheimrat Wenland berichtigen, daß nicht der Verband der Fabrik-, Land-, Hilfsarbeiter beitseinrichtungen in den einzelnen Betrieben den Verband in diesem tonnte bem Rate nicht zustimmen, weil eine differenzielle Behand die zuständige Organisation für die Erdarbeiter ist und demzufolge Stampfe um die Gesundheit kräftig zu unterstützen. lung einzelner Werte durch das Kohlensyndikat Mißstimmung bei auch feine Agitation unter den Kanalarbeitern betrieben hat. Es der Regierung hervorrufen und die öffentliche Meinung erregen war dort nur ein Mitglied unseres Verbandes beschäftigt, welches Der Verband der Friseurgehilfen beschäftigte sich in einer am Donnerstag abgehaltenen Bersammlung mit der von dec Also man würde ganz ungeniert Terror ausüben, wenn uns diese Klagen mitteilte. nicht die Kritik der Presse zu befürchten wäre. Freien Vereinigung selbständiger Barbiere gegründeten foges nannten Freien Hilfskrantentasse. torn als Referent gab zunächst einen Ueberblick über die Entstehung und Entwickelung Eine neue Jndustrie? Der Maschinenbauschullehrer Roggenkämper der Krankenkassen. Schilderte dann, wie die Freie" von dem Lage in Hagen hat angeblich ein einfaches Verfahren erfunden, nach an, wo die Gehilfenschaft Forderungen stellte, thre bis dahin zur welchem fich jeder beliebige Gegenstand mit Metall überziehen läßt. Schau getragene Freundschaft für die Gehilfen ablegte und offen Danach lassen sich Töpfe aus Asbest mit einem Metallmantel und versteckt als Gegner auftrat. Mit der Errichtung ihres Arüberziehen. Solche Gefäße sollen die Wärme noch weniger aus- Der Betriebsdirektor Bleyberg der städtischen Straßen- beitsnachweises wurde der Anfang gemacht. Nachdem die bisher strahlen, als die Fabrikate der Thomasgesellschaft. Gipsfiguren er- bahn in Chemnitz macht schon wieder von sich reden. Wie ein Autos bestandene, über ganz Deutschland sich erstreckende Kasse für die halten das Aussehen von Metallfiguren, Papierbecher werden in trat waltet er seines Amtes, und den Beamten gegenüber spielt Mitglieder die Kosten nicht zu tragen vermag, gründete man jekt filberne Becher verwandelt, desgleichen Holzknöpfe in Silbers, Glass er sich auf wie ein kleiner Stumm. Hatte er sich da einmal nachts eine Hilfskrankenkasse, um auf Kosten der Gehilfen diefe lebensoder Goldknöpfe. Wenn sich das Verfahren einbürgert, wird man mit einem Extrawagen(!) der städtischen Straßenbahn vom Bahn- fähig zu machen. Am Orte bestehen bereits für den Beruf zwei auf dem Warenmarkt wieder eine bedeutende Umwälzung erleben. gofe abholen lassen. Als er erfuhr, daß sich ein Wagenführer dar- Orts- und eine Innungsfrankenkasse, welche zusammen 3000 Mits über mißliebig ausgesprochen hatte, entließ er den Mann deshalb. glieder haben. Schon diese sind infolge der Zersplitterung nicht Bom amerikanischen Eisenmarkt entwirft Iron Age" ein etwas Andere Gründe hatte B. nicht. Der Entlassene ging nun zum leistungsfähig. Die Freie Bereinigung, welche im Vorstand der bertreten ist, hätte sich ein Verdienst erworben, wenn sie nunmehr erreicht, und die Aussichten find günstiger, besonders be- dann wieder bei dem gestrengen Herrn Betriebsdirektor meldete, für eine Verschmelzung zum mindestens der beiden Ortskaffen ge züglich der Ausfuhr nach Südafrika und Argentinien. In den wäh- fagte biefer:" Weil Sie beim Stadtrat waren, stelle wirkt hätte. Die Hilfskaffe wird aber noch hinter den Mindest rend der letzten Woche getätigten Umfägen find enthalten: 56 000 ich Sie erstrecht(!) nicht wieder ein." Der Transport- leistungen der Ortskaffe zurückbleiben. Originell ist die Heimlich. Tonnen Platinen zur Ausfuhr nach England mit Lieferung in den arbeiterverband hatte deshalb und anderer ungerechtfertigter Ent- feit, mit der die ganze Geschichte inszeniert wird. Bemerkensivert nächsten vier Monaten, 30 000 Tonnen Formeisen nach Kanada, lassungen wegen Klage bei dem Rate und den Stadtverordneten ist auch der Umstand, daß noch kein Statut vorliegt, obgleich die 4000 Tonnen Baumaterialien nach Argentinien und 500 Tonnen geführt, und in deren letter Sigung führte Genoffe Straube noch Staffe am 1. Oktober d. J. in Funktion treten soll. Der GehilfenBleche nach Südafrika. Die Tendenz für Roheisen ist ruhig. Es einige Fälle an, die zeigten, daß Bleyberg feine Machtbefugnisse schaft ist zu empfehlen, dieser Kasse fernzubleiben. Auch went wurden 40 000 Tonnen von basischem Roheisen, zum Teil mit Liefe- überschreitet. Dabei schüttelten selbst bürgerliche Stadtverordnete die Arbeitgeber, wie das bereits geschehen, das Arbeitsverhältnis rung im ersten Quartal 1909, zum Preise von 15 Dollar per Tonne den Kopf. Es wurde vom Dezernenten für das Straßenbahnwesen von der Mitgliedschaft zur Hilfskaffe abhängig machen. In der verkauft. Südliches und nördliches zur Fabrikation von Röhren nochmalige Untersuchung der Angelegenheit zugesichert. Damit gab sehr lebhaften Diskussion wurden die Ausführungen des Referenten geeignetes Eisen wurde zum Preise von 15-16 Dollar per Tonne man sich vorläufig zufrieden. Unsere Genossen werden ein wach- ergänzt. Große Sensation rief die Mitteilung hervor, daß die franto Wert verkauft. Die südlichen Produzenten bestehen auf festen sames Auge haben! Meister den Eintritt in die Kasse propagieren mit dem Hinweis Preisen für Lieferungen im nächsten Jahre. Von Kolumbia wurde darauf, daß wöchentlich 25 M. Krankengeld gewährt werden. Dazu ein Auftrag für Lieferung von 20 000 Tonnen Stahlröhren erteilt. Arzt und Arznei, bei einem wöchentlichen Beitrag von 54 Pf. Das Geschäft in Stahlschienen liegt ruhig. Altmaterialien notierten Folgende Resolution fand einstimmige Annahme: etwas schwächer.. W Ein schneidiger Herr! freundlicheres Bild: Im Exportgeschäft sind normale Verhältnisse Stadtrat, um seine Wiedereinstellung zu erreichen. Als er ſichtag. Die Freie Vereinigung, welche im Vorstand der Gewerkschaftliches. Die Straßenbahner haben in großer Anzahl den Wert der Organisation erkannt und sind dem Deutschen Transportarbeiter verbande beigetreten. Weil das dem Herrn Betriebsdirektor nicht paßt, wie eine von ihm an die Straßenbahner erlassene Bekannt machung besagt, haben in der Nacht zum Freitag diejenigen, die der Organisation noch nicht angehören, eine geschlossene Versammlung abgehalten, zu denen sie nur diejenigen hineinließen, die sie mit Karte eingeladen hatten. Anderen wurde der Eintritt nicht erlaubt. Man versucht jedenfalls, einen Seil in die Straßenbahnerbewegung hineinzutreiben. Man fürchtet aber das Licht der Deffent. lichkeit. Soll etwa eine gelbe Gewerkschaft gegründet werden? Das muß sich ja bald zeigen. Husland. " Die Versammlung des Friseurgehilfenverbandes, Zweig verein Berlin, erblidt in der Gründung einer Freien Hilfstasse durch die Freie Vereinigung selbständiger Barbiere und Friseure einen Zersplitterungsversuch des ohnehin zum Nachteil der frankenversicherten Arbeiter im Barbiergewerbe schon start zersplitterten Gebietes der Krankenversicherung und weist diesen Bersuch zurück. Die Versammlung ist der Ueberzeugung, daß die Freie Vereinigung bei Schaffung einer vierten Berufstrantentaffe für Berlin nicht von der Absicht geleitet wurde, im Sinne der Krankenfürsorge zu wirken, als vielmehr von ihrem Arbeits geberstandpunkt, und beschließt deshalb die Neugründung zu meiden und etwaigen Versuchen, die Gehilfen zum Beitritt zu nötigen, energisch entgegenzutreten." Der Bluthund im sozialen Kampfe. Gegenwärtig verzeichnen wir in Berlin einen Streit der Fensterputzer, über dessen Verlauf wir weiter unten berichten. An dieser Stelle aber möchten wir auf einige Begleiterscheinungen in diesem Kampfe aufmerksam machen, die namentlich die Aufmerksamkeit derer verdienen, welche den Arbeitern so gern vorzuwerfen geneigt sind, daß diese unsere bauert fort. Seitens des Unternehmerverbandes werden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Streifenden niederzutnütteln. Grsozialen Nämpfe durch die Art verschlimmern, in der sie, die staunlich ist es, was sich die Kundschaft Arnheims gefallen lassen felben zu führen pflegen. Die sonst so Entrüsteten schweigen muß. Die Qualität der Arbeitsivilligen muß selbst Herrn jezt völlig. Es sind nämlich im Berliner Fensterpugerstreit he im nicht geheuer vorkommen, denn zur Beaufsichtigung derselben Letzte Nachrichten und Depefchen. die Unternehmer, die frisch- fromm- fröhlich- frei das Faustrecht für den sozialen Krieg proflamieren. So brachte der Lokal- Anzeiger" dieser Tage folgendes Inserat: Der Streik der Fensterpuher werden denselben Aufseher beigegeben, denen Herr Arnheim 7,50 M. pro Tag zahlt. Die Arbeit flodt. t. Fürth, 26. September.( B. H.) Sämtliche Glaspolier Wie in allen derartigen Fällen geht die Polizei ganz besonders scharf vor. Den Streifenden ist der Aufenthalt in der Nunges werke stellen von Montag an den Betrieb auf 4 Wochen ein sowie Brüdenstraße vollständig verboten, und wehe dem Streifenden, Zur Beaufsichtigung Arbeitswilliger werden einige Die türkische Streitwelle. der sich in diesen Straßen sehen läßt: chne Federlesen wird er verfräftige Leute verlangt Berliner Fenster- Neinihaftet. Die Untenehmer Darkow, Dresdener Straße, Schle- Konstantinopel, 26. September.( Meldung des Wiener t. L gungs- Anstalt, Rungestr. 9, Hof. Otto Arnheim u. Co. finger, Brunnenstr. 86, rauert, Rigdorf ,, Donaustraße, Telegr.- Korr.- Bureaus.) Die Ausstandsbewegungen hier und an Traut Herr Arnheim seinen Arbeitswilligen nicht? Neumann und Quiel find von den von uns schon genannten anderen Orten dauern fort und dehnen sich auf fleinere ArbeiterDder sollen die Aufsichtspersonen eventuell den Schwächlichen Firmen diejenigen, welche sich in ganz hervorragender Weise für unter den Raußreißern behilflich sein? Ach nein! Man sucht Arnheim ins Zeug legen. Der Restaurateur Ba u I, Brüdenstr. 13, gruppen und Privatgeschäfte aus. Auch im Kohlenbecken von nach amerikanischem Muster, Pinkertons", die den Streifen- duldet in seinem Lokale zavar die Streitbrecher, läßt dagegen die Heraklea ist ein Ausstand ausgebrochen. Ein Kanonenboot mit den im Unternehmersolde mit kräftiger Faust, unter Um- Streifenden durch Schuhleute hinausbringen. An die Kundschaft 60 Soldaten ist zur Berstärkung der Gendarmerie dorthin ab. ständen auch mit dem Revolver in der Hand, entgegentreten arnheims gelangte gestern ein Birkular, welches dieselbe über die Ursachen des Streits aufklärt. Die Situation ist nach wie vor günstig für die Streifenden. sollen! Verfammlungen. gegangen Konstantinopel, 26. September.( B. 5.) Die Arbeiter der Heratlea- Kohlenminen sind in den Ausstand getreten. Die Lage in Zunguldak wird kritisch, da etwa 4000 Arbeiter sich aus dem Minengebiet dorthin begaben und eine drohende Haltung einnehmen. Die Regierung ist entschloffen, mit Energie borzugehen.... Die Cholera. Das ist keine Uebertreibung. Die Leute, die sich Herrn Arnheim zu dem gewünschten Zweck zur Verfügung gestellt haben, sind mit Schlagringen, Revolvern und anderen Mordwaffen ausgerüstet. Ein Herr Bohne aus der AckerDie Berufskrankheiten der Metallschleifer. straße hat einen auf Menschen dressierten Sund an seiner Seite, wenn er den Streifbrecher der in den Schleifereien und galvanischen Anstalten beschäftigten elm Montag fand im Gewerkschaftshaus eine Versammlung schutz ausübt. Schlagringe und Revolver sind nicht Arbeiter und Arbeiterinnen statt, in der Herr Professor Dr. Manila, 26. September.( B. H.) Die Cholera- Epidemie mehr ungewohnte Waffen im Kampfe für das Unter Sommerfeldt einen Vortrag über:" Ursache, Wirkung und breitet sich immer mehr aus. Vorgestern wurden 40 Strankheitsfälle nehmertum. Der Bluthund ist etwas wirklich Neues! Berhütung der Berufskrantheiten im Schleiferberuf" hielt. Der fonstatiert; von gestern morgen 8 Uhr bis nachmittags 5 Uhr Bas sagen unsere Sozial Ethiter dazu, die so gerne Vortragende schilderte zunächst die Eigenart des Schleiferberufes, die so gerne Vortragende schilderte zunächst die Eigenart des Schleiferberuses, fonstatiert; von gestern morgen 8 Uhr bis nachmittags 5 Uhr die Milderung der Klassenkampferscheinungen konstatieren? die Verwendung der hier notwendigen Materialien und fam dann wurden 25 weitere Cholerafälle verzeichnet. Was sagen die Scharfmacherorgane, was sagen die Arbeit auf die Krankheiten der einzelnen Berufe zu sprechen, wobei er Fünf Arbeiter ertrunken. geber- Beitung" und die" Post" dazu? Werden sie beschämt nachtvies, daß die Krankheits- und Sterblichkeitsziffer im Schleifer Barcelona, 26. September.( W. T. B.) Infolge Renterns schweigen oder werden sie die Bluthunde als dem Staat beruf neben der der Steinarbeiter die höchfte sei. An Hand von besonders nütliche Elemente" preisen? Wir glauben fast das Lichtbildern zeigte er dann verschiedene erkrankte Lungen, so z. B. einer Barte ertranten hier fünf Arbeiter. eine Riesellunge, die Lunge eines Steinarbeiters, die auch im lettere. Der Bluthund ist ja geradezu das Symbol des über Schleiferberuf bei den Steinschleifern vorkommt, eine EisenoxydLeichen gehenden, in rücksichtslosester Profitgier sich voll- lunge, eine Schleiferlunge, und wies nach, wie gefährlich einzelne Effen, 26. September.( B. H.) In Sterkrade wurde der Ar. fressenden Kapitalismus! Erkrankungen bei diesen Arbeitern werden können. Um den ge- beiter Brizdela von 4 Personen erstochen. Die Täter wurden fährlichsten Urheber der Schleiferkrankheiten, den Staub, zu be- bereits verhaftet. Berantw. Redakt.: Georg Davidsohn, Berlin. Inseratenteil verantw: Th, Glade, Berlin, Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW Sierau 5 Beilagen " Eine Bluttat. . 227. 25. Jahrgang 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sonntag, 27. September 1908. zu übermitteln. Dieses Schreiben, dessen Inhalt schon das schlechte Gewissen des Briefschreibers und dessen berechtigte Scheu vor der Eine bösartige Verrätergefellichaft. effentlichkeit verrät, hat folgenden Wortlaut: Herr Erkelenz, der Hirsch- Dunckersche Jesuit, empfahl im Jahre 1906, bei gemeinsamen Kämpfen mit den Zentralverbänden möglichst den Radikalen herauszubeißen, um vor allem in der Oeffentlichkeit recht stark zu erscheinen. In Betrieben, in denen seitens der Verbändler ein Streik vermieden werden möchte, folle zum Streit gedrängt werden. So wurden den Verbänden Verlegenheiten bereitet. Die Hauptaufgabe der Gewerkvereine sei eben, den Verbänden im Kampfe mit dem Unternehmertum Schwierigkeiten zu bereiten. Immer müsse das Augenmerk darauf gerichtet sein, die Kassen der Verbände zu schwächen. Müßten sie dann den Streik abbrechen, dann sei diese Situation geschickt auszunüßen, den Verbänden Feigheit vorzuwerfen, um die Mitglieder mit ihren Führern unzufrieden zu machen. In solchen Situationen sei es dann leicht ngiich, Mitglieder für die Gewerkvereine zu kapern. Gewiß müsse man solche Sachen mit Geschick anzudrehen wissen, denn im Arbeiter stecke eben ein Stück natürlichen Solidaritätsgefühls, das ihm ein solches Vorgehen unsympathisch erscheinen lasse. Deshalb dürfe man auch in diese Taktik nur wenige und gut befähigte Mitglieder einweihen. Die Sprache müsse dazu da sein, um die Gedanken zu verbergen. Wenn es dann weiter gelinge, in einem gemeinsamen Kampfe Verbesserungen zu erreichen, dann müßten die Gewerkvereins= mitglieder den Kampf abbrechen oder weiterarbeiten und die Stellen der streikenden Verbändler be= sehen. Daraus resultiere dann in der Regel eine Niederlage für die Verbändler, außerdem erwachsen ihren Kassen bedeutende Kosten, weil daraus ja auch noch nach Beendigung des Kampfes die auf der Strede Gebliebenen unterstüßt werden müßten. Dies in furzen Zügen die von Erkelenz empfohlene Tattit. Zu seinem Leidwesen blieben diese Grundzüge" aber nicht geheim, ein günstiger Wind wehte diese feinen Pläne auf den Redaktionstisch der Metallarbeiter- Beitung" und so machte denn dieses Klassische Zeugnis Hirsch- Dunderscher Jesuiterei die Runde durch die moderne Arbeiterpresse. Natürlich beeilte sich nun die Hirsch- Dunckersche Presse, Erkelenz zu desavouieren. Seine Ratschläge wurden als unglüdlicher Seitensprung" bezeichnet. Allerdings aber hatte Erkelenz schon früher in der„ Badisch- Pfälzischen Volkszeitung" Gelegenheit genommen, darauf hinzuweisen, daß seine Absichten dem Generalrat der Gewerkvereine schon seit Wochen bekannt seien und von ihm gebilligt würden. Und trotzdem auch Erkelenz vom Zentralrat später notgedrungen in der Oeffentlichkeit desabouiert wurde, spielt er nach wie vor eine hervorragende Rolle in der Hirsch- Dunckerschen Bewegung und gehört auch heute noch zu den führenden Geistern jener Richtung. Bitterfeld, den 17. Februar 1907. An die Neumärkische Ofenfabrik in Giesenbrügge bei Glasoto. Auf das Schreiben vom 14. d. Mts. teile ich hierdurch ergebenst mit, daß ich augenblicklich nicht in der Lage bin, Ihnen Werkstubenarbeiter( so ist der geläufige Ausdrud für Töpfer, die mit den Formen von Defen beschäftigt werden. Ned.), zur Verfügung stellen zu können. Gerade Werkstubenarbeiter werden in diesem Jahre mehrere gesucht, denn ich habe bereits von einigen Firmen den Auftrag, von unserem Verein Leute zu besorgen, die eingestellt werden sollen. " Dieser Lange, der sich hier bar jedes Feigenblattes als Verräter im Stampfe befindlicher Arbeitsgenossen anbietet, ist kein gewöhnlicher Sterblicher. Er ist der besoldete Generalsekretär des Gewerkvereins der Töpfer und Ziegler, und außerdem der Re dakteur des Organs dieses Vereins, des Deutschen Töpfers". Aber auch als lekterer war er schon stets bemüht, in seinem Blättchen die in seiner Organisation befindlichen gelben Auchgewerkschaftler zu schüßen und über deren Arbeiterverrätereien den Mantel Hirsch- Dunckerscher Liebe zu decken. Kein Wunder mehr nach dieser Aufdeckung, sie sind ja Fleisch von seinem Fleisch.... " Auch wirft dieser Brief ein grelles Schlaglicht auf die so biel und oft gerühmte politische Neutralität" der HirschDunderschen Gewerkvereine. Man beachte den Passus des Briefes Wir wollen den Herren Sozialdemokraten zeigen, daß auch ohne sie gearbeitet werden Zu diesem Zwecke habe ich bereits Bekanntmachungen er tann! Das also ist die berühmte Neutraliät" der Hirschlassen, sollten sich nun mehrere melden, so bin Dunckerschen Führer! Kampf gegen die Sozialdemokratie, Stampf ich recht gerne erbötig, auch Ihnen einige gegen die freien Gewerkschaften, und damit Kampf gegen die Arzuzuweisen, damit wir den Herren Sozialdemo= beiterrechte, Arbeiterwohlfahrt, Stampf damit für die blockpolitische fraten zeigen können, daß auch ohne diese Reaktion! Wahrlich, der Brief läßt einen tiefen Einblick zu in gearbeitet werden kann. die Dunkelfammer der Hirsch- Dunderschen Arbeiterführer, er zeigt, wohin der Weg dieser kapitalistischen Klopffechter führen foll! Indem ich noch höflich bitte, über mein Schreiben nichts zu verraten, denn sonst komme ich in alle sozialdemokratischen Blätter als Streifbrecherlieferant und darf taum öffentlich auftreten, um nicht von diesen Leuten niedergebrüllt zu werden. Und man beachte weiter den Schlußpassus des Briefes! In allen Streitfragen auf friedlichem Wege mit den Arbeitgebern! Und wenn es Fußtritte vom Unternehmer nur so hagelt, immer friedlich, das ist die Parole, das ist das eines Es dürfte Ihnen bekannt sein, daß wir eine derartige Glaubensbekenntnis Arbeiterführers Handlungsweise nicht gutheißen, sondern wir wollen alle hirsch- Dunckerscher Observanz. Streitfragen auf friedlichem Wege mit den Arbeitgebern regeln. Ergebenst K. Lange, Generalsekretär des Gewerkvereins der Töpfer, Bitterfeld, Zimmerstr. 4. " Begierig sind wir darauf, zu hören, was die Hirsch- Dundersche Presse zu dieser fulminanten Stilübung eines ihrer Auserwählten sagen wird. Jedenfalls wieder mal ein ungeschickter Seitensprung". Wir aber sind überzeugt, daß der Mann nur nach der ihm überreichten Schablone arbeitet, nach dem Erkelenzschen System, das Gemeingut der Hirsch Dunderschen Führer geworden zu sein scheint. " Hirsch- Dunckerisch gleich gelb, ein Unterschied ist nicht mehr vorhanden. Wenigstens bezüglich der Taten nicht. Aber dafür ernten diese würdigen" Vertreter von Arbeiterinteressen auch den Lohn ihrer Verrätereien. Die Gewerkvereine gehen den Krebsgang. Und zwar kraft des natürlichen Solidaritätsgefühls", das nach Erkelenz den Arbeitern mehr oder weniger innewohnt. Es muß ja auch dem Beschränktesten mit der Zeit ein Licht aufgehen über diese Zweiseelentheorie Hirsch- Dunderscher Führer! Mit heuchlerischen Worten vertreten sie Arbeiterinteressen, zer= Handlangern von Unternehmerinteressen! Deshalb ist ja aber auch der Werger erklärlich, der aus jeder Zeile der Gewerkvereinspresse herauszulesen ist, sobald sie über irgendeine gelbe Neugründung berichten muß. Sie sicht darin ihre ganz natürlichen Konkurrenten... Erläuternd wollen wir noch hinzufügen, daß die Leitung der fraglichen Ofenfabrik gegen die zentralorganisierten Töpfer schon wiederholt mit Maßregelungen vorgegangen war. Im Jahre 1905 maßregelte sie den Vorsitzenden und den Kassierer, 1906 warf fie wieder den Vorsitzenden hinaus. Beide Male sahen die Arbeiter von einer Gegenmaßregel wegen ungünstiger Geschäftslage ab. Als aber im Februar 1907 wieder der Vorsitzende, der im Betrieb bereits 14 Jahre beschäftigt war, hinausgeworfen wurde, da schlug das dem Faß den Boden aus. Die Töpfer traten in den Streit und verlangten die Wiedereinstellung ihres Kollegen. Der Firma aber kam es noch auf mehr an, auf die Bertreten sie mit ihren Taten und degradieren sich zu verächtlichen nichtung der Organisation und Herabsehung des Lohntarifs. Deshalb nahm sie den Kampf auf und wandte sich auch bald nach Ausbruch des Kampfes in richtigem Instinkt an den Generalsekretär Lange in Bitterfeld, und siehe da, sie erhielt nicht etwa eine entrüstete Absage von diesem Arbeiter führer", sondern das soeben abgedruckte verbindliche Schreiben. Darin bedauert dieser Generalsekretär, daß er augenblicklich über keine Mannschaften verfügt, die er dem Unternehmer als Handlanger zur Vernichtung des Koalitionsrechtes und der Herabdrückung der Arbeiterlöhne zusenden kann. Aber er eröffnet dem Unternehmer die tröstliche Aussicht, ihm sobald als möglich hilfstruppen zuzusenden und stärkt wenigstens ihm Für die Annahme, daß das Erkelenzsche Rezept Gemeingut auf diese Weise das Rückgrat. Dieser Arbeiterführer, der heute der Hirsch- Dunckerschen Führer geworden ist, spricht auch ein noch an der Spitze seiner Organisation steht, merkt aber doch, Schreiben, das im vorigen Jahre der Generalsekretär der daß er sich in diesem Schreiben eigentlich nackt und bloß als Hirsch Dunderschen Töpfer und Ziegler, Herr Streitbrecher agent schlimmster Art Art prostituiert Lange in Bitterfeld, an die Leitung einer Ofenfabrik und deshalb winselt er auch den Unternehmer an, nur ja dieses in Giesenbrügge gerichtet hatte und das der„ Töpfer" jetzt durch Schreiben geheim zu halten, da er sich ja sonst in keiner Versammcinen glüdlichen Zufall in der Lage ist, der breiten Oeffentlichkeit lung mehr sehen lassen dürfe! Was aber das wichtigste ist: Nach seiner Tattit wird im allgemeinen berfahren. Verschiedene Vorgänge auf gewerkschaftlichem Gebiete sprechen sogar dafür, daß planmäßig im Sinne der in der Oeffentlichkeit desavouierten Erkelenzschen Ratschläge gehandelt wird. Es mehren sich die Fälle immer mehr, in denen Hirsch- Dunckersche Arbeiter von ihren Führern zu nacktestem Arbeiterverrat angehalten wurden, wenn es fich darum handelte, den freien Gewerkschaften eins auszulvijchen Kleines Feuilleton. Der primitive Mensch in Vergangenheit und Gegenwart. Von den Verhandlungen der 80. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte, die inzwischen in Köln zu Ende geführt wurden, ist der Vortrag des Prof. Iaatsch( Breslau) über den primitiven Menschen noch nachzutragen. Mlaatsch auf seiner dreijährigen Forschungsreise festgestellt hat, bestehen viele gemeinsame Züge zwischen der Neandertalrasse und den heutigen Eingeborenen Australiens, welch lettere vielfach noch unter den altdiluvialen Mammutjägern Europas stehen. Die Uraustralier sind aus einem gleich zu Beginn der Menschenausbreitung abgesprengten Teil der alten Urhorde hervor gegangen. Die niederen Zustände, welche der fossile primitive Mensch der Vergangenheit Europas und derjenige der australischen Gegenwart gemeinsam haben, verweisen auf die gemeinsame Wurzel der Menschheit und gelten daher für alle ihre Zweige, fomit auch für unsere Vorfahrenreihe, wenn diese auch keineswegs über den Neandertaltypus führen dürfte und die Australier heute nur unsere armen, infolge ihrer langen Isolierung rüdständigen Vettern darstellen. Die zukünftige Bahn der Hirsch- Dunderschen Gewerkvereine ist klar vorgezeichnet. Die ehrlich denkenden Elemente schwenken mit der Zeit ab zu den freien Verbänden, die unlauteren gehen zu den Gelben. So ist diese gewerkschaftliche Richtung zwischen zwei Mahlsteine geraten. Ihr schließliches Verschwinden aber bedeutet für die deutsche Gewerkschaftsbewegung einen Vorteil. Denn lieber eine gelinde Verstärkung der offiziellen gelben Vereine, als diefes Satyrspiel einer Gewerkschaftsgruppe, bei der Worte und Taten weit auseinanderklaffen. Bei den Gelben sieht man wenigstens flar, woran man ist. Die Gewerkvereine aber gleichen dem Hidalgo, der außen glatte Manieren und Worte zur Schau trägt, und dann aus dem Hinterhalt über den in Sicherheit Gewiegten herfällt und ihn desto sicherer zu vernichten sucht. Darum fort mit ihnen! Landesherrn vor. Er habe nämlich die Angehörigen der Korps angegriffen; der Kaiser aber sei Korpsstudent gewesen. Ferner führt die Anklageschrift aus, da seine Vorwürfe ungerechtfertigt feien, so sei er ein gänzlich unwahrhaftiger Charakter. Wie gerechtfertigt diese Vorwürfe sind, beweist folgender Vorfall, den die Antlagebehörde noch nicht einmal gekannt hat. Schüding hatte von einem Polizeidiener, der betrunken war, höhnisch erzählt, er sei blau" gewesen. Nun ist blau bekanntlich die Farbe des preußischen Infanteriewaffenrocks; dieser Waffenrock ist der Rock des Königs, daher hat Schücking mit dieser Aeußerung seinen König offenbar verhöhnt. Es kommt aber noch eincs hinzu. Ein glaubwürdiger Mann, der den betreffenden Polizeidiener in seinem Rausch gesehen hat, versichert, sein Gesicht sei nicht blau, sondern im Gegenteil rot gewesen. Schücking hat außerdem gelogen; er ist also ein gänzlich unwahrhaftiger Charakter. -Aus Byzanz. Bei einem Trabwettfahren mit schweren Buchtpferden war auch der bayerische Prinz Arthur zugegen. Ein ofalblatt berichtete darüber u. a.:" Prinz Arthur rechtfertigte seine weithin bekannte Popularität dadurch, daß er die zum Start aufgestellten Fahrer in huldvollster Weise ansprach. Auch für iedes der anwesenden Pferde hatte er ein leutseliges Wort." - Zum Pressekongreß. Schreiben können Sie alle frei von der Leber weg, meine Herren, nur muß Ihre Leber hof. fähig sein!" ( Jugend".) Notizen. - Theaterchronit. Im Berliner Theater wird am Mittwoch noch einmal Freytags Journalisten" gegeben, auf die sonst das Königl. Schauspielhaus ein Monopol hat. Bertha v. Suttner hat ihre Memoiren geschrieben, die. Anfang Oftober erscheinen werden. In seiner Einleitung entwarf der Vortragende eine kurze historische Uebersicht über die Entwickelung der Lehre von den fojfilen Menfchenrassen. In Deutschland wurde dieselbe Jahrzehnte hindurch gehemmt durch den Einfluß Rudolf Virchows, der die wahre Bedeutung des berühmten Neandertal- Stelettfundes( 1857 Düsseltal) vollkommen verkannte, indem er dessen abweichende Schädelbildung( das Original liegt im Provinzialmuseum in Bonn) Ohne ein Studium der niederen Stufe des Primitivmenschen für etwas Krankhaftes hielt, tros neuer gleichartiger Funde, die können wir unseren eigenen Zustand nicht verstehen, denn mit 1887 aus Belgien( Grotte von Spy) bekannt wurden. Erst durch eisernen Klammern ist die Gegenwart an unfere niedere Vergangendie heftigen Kämpfe des Vortragenden, der das Gliedmaßensfelett heit gebunden. Mitten in unsere scheinbar hohe Kulturwelt ragen der Neandertalrasse untersuchte und Schwalbes neue Studien über die alten Zustände noch hinein und offenbaren sich in Bestialitäten das Schädeldach wurde der von Virchow fast bis zu seinem Tode und Borniertheiten, die zu dem Homo sapiens( weiser Mensch, aufrecht erhaltene Widerstand gebrochen, im Jahre 1901. 3u das ist die wissenschaftliche Bezeichnung des Menschen in der Tiergleicher Zeit tam der neue Fund von Menschenresten aus der alten reihe) schlecht passen. Die Konsequenzen einer paläontologischen Diluvialzeit zur Kenntnis, der in Kroatien, zu Krapina bei Agram Betrachtungsweise beschränken sich nicht auf das Körperliche, sie gemacht wurde, wobei unter Beteiligung des Vortragenden der betreffen auch das Kulturelle, das Geistige und das Psychische. typische Neandertalcharakter der betreffenden Fragmente festgestellt. Der Vortragende entwirft das Bild, welches wir aus diesen Rich wurd. An der Eristenz einer mit den Riesenformen der Eiszeit- tungen vom Urmenschen zu machen haben, indem er die Beobtierwelt und wahrscheinlich schon vorher in Mitteleuropa weit ver- achtungen an den lebenden Australiern dazu benutzt, um die Lücke. breiteten primitiven Menschenrasse war daher nicht mehr zu unserer Kenntnisse von der paläolithischen Menschheit Europas zu zweifeln. Ganz neuerdings hat nun Professor Alaatsch ein neues ergänzen. Er fommt zu dem Urteil, daß der primitive Mensch Neandertalsfelett ausgegraben, und zwar in Südfrankreich, in dem weder als schlecht noch als dumm bezeichnet werden darf, wenn er durch seine altsteinzeitlichen Funde längst wohlbekannten Bézèretal auch einem Unfundigen so erscheinen könnte. Die Australier sind Dordogne. Dort hat ein Schweizer Gelehrter, Herr D. Hauser, enorm entwicklungsfähig, es wird ihnen nur nicht das Verständnis der seit Jahren jene klassischen Fundstätten systematisch nach Stein- und die Hilfe zuteil, um den ungeheuren Sprung aus altstein werkzeugen durchgräbt, schon im April ein Menschenstelett in un- zeitlicher Naivität in die moderne Kultur ungefährdet ausführen Die Europäertinder wiederholen den„ primitiven gestörter Schicht in einer bisher ganz unberührten Grotte von Be zu können. Moustier gefunden. Herr Hauser wartete mit der Hebung bis Menschen" in vielen ihrer Beschäftigungen, Neigungen, Fehler und zum Eintreffen Professor Klaatsche Mitte August. Beide hoben Tugenden. Mit dem Begriffe des Unrechts und der Sünde" muß nun den Skelettfund, dessen Bergung trotz der enormen Brüchigkeit man beim primitiven Menschen vorsichtig sein, manches, was fo so gut gelang, daß Professor Klaatsch den Schädel aus Hunderten erscheint, ist nur ein niederer Zustand, eine Unfähigkeit. So ist von Bruchstücken so vollständig herstellen konnte, wie es noch bei die Scheidung des Wirklichen von dem Eingebildeten anfangs feinem Neandertalfund gelungen war. Freilich fonnte sich die sehr schwer, solange wie bei den Australiern die Träume für in Paris und Madrid zufallen. leichte Deformation, welche alle Schädelteile durch den langsamen, Wahrheit gehalten werden; daher darf der Hang zum Lügen weder in viel Zehntausenden von Jahren wirkenden Erddruck erfahren bei Australiern, noch Europäerkindern zu tragisch genommen werden. hatten, nicht ausgleichen lassen. Durch die genaue Untersuchung Anders steht es mit dem Diebstahl, der dem Ürmenschen fremd wurde festgestellt, daß ein jugendliches, vermutlich männliches ist; Treue im Halten von Vorsprechen, gegenseitige Liebe innerIndividuum vorlag, welches in allen seinen Teilen ganz spezifisch halb der Gemeinschaft und der Horde, Pietät vor dem Alter und die Kombination von Merkmalen zeigte, die am Stopfffelett wie vor den Toten sind Fundamentaltugenden der Menschheit. Aus an den Gliedmaßenknochen als charakteristisch für den Neandertal- dem Traumleben ist der Glaube an die Unabhängigkeit der Seele typus erkannt worden war. Nach Professor Nlaatsch vereinigt vom Körper und daher die Idee der Unsterblichkeit als ein uralter diese fossile Nasse Zustände, welche heute bei voneinander sehr ver- Besitz der Menschheit zu erklären. Die Sorgfalt der Bestattung schiedenen Rassen vorkommen. In dem kurzen, gedrungenen Bau zeigte sich auch bei dem Neandertalmenschen, der in Schlummer der Extremitätenknochen liegt ein Anklang an heutige arktische stellung auf Feuersteinplatten gebettet war. Der primitive Mensch, Nassen, wie die Estimos vor, die Stärke der Knochen und das unser Ahne, ist als ein hochstehendes Wesen zu schäßen, das in foloffale Gebiß erinnern an Afrikaneger, mit denen auch am Schädel mancher Hinsicht an Kraft der Individualität und Kampfesmut manche Nebereinstimmungen bestehen. Die Neandertalmenschen seinen Epigonen der Kultur überlegen war. waren von mittlerer Statur, das Gesicht sehr lang, Augen- und Nasenhöhle ungewöhnlich weit, der Schädel niedrig, aber sehr lang und breit. Die Heberaugenwülste umrandeten fast halbkreisförmig Gin Unwürdiger. Die Anklageschrift gegen den von oben die großen Augenhöhlen. Wie schon Hurlch geahnt und Bürgermeister Schüding wirft ihm Unebrerbietigkeit gegen den Humor und Satire. " Ein neuer Trano Halo wurde in einem Gemälde, das dem Fürsten Bentheim- Steinhart( Westfalen) gehört, entdeckt. Es stellt die Halbfigur eines lachenden Fischerjungen dar und ist zurzeit in der Königl. Gemäldegalerie im aa g ausgestellt. - Garafates Nachlaß beträgt nach Pariser Meldungen 8 Millionen Frank, von denen je 100 000 Frank den Stonservatorien - Ein Preisausschreiben für Ballonhallen will die Luftschiffbau- Zeppelin- Gesellschaft erlassen. Es ist eine Halle geplant, in der zwei Schiffe gebaut und untergebracht werden können. Die innere Breite der Halle soll 43, die Höhe 20 und die Länge 152 bis 160 Meter betragen. Ge. Tote und Gefängnisinfassen als schworene. Bei der Auswahl von Geschworenen für die bevorstehende Sibungsperiode hat das Karlsruher Landgericht wenig Glück gehabt. Unter den Geschworenen, deren Namen, wie die Köln. 3tg." bemerkt, amtlich bekannt werden, befindet sich nicht nur ein stadtbekannter Kaufmann, der schon vor wenigen Monaten unter Teilnahme der gesamten Bevölkerung zu Grabe geleitet worden ist, sondern auch ein Pforzheimer Bankier, der schon seit Wochen wegen beträchtlicher Unterschlagungen zu Karlsruhe im Gefängnis jigt und seiner Verurteilung vor dem Schwurgericht entgegensicht. Die Besetzung der Geschworenenbank verspricht dem nach mancherlei Ueberraschendes. Der nürnberger Parteitag in der Parteipreiie. .VI. ..Gothaer Bolksblatt": „Wie bedauern, daß der Antrag F r o h m e, der bei Budget- abstimmungen eine vorherige Verständigung mit dem Parteivor- stand vorschlug, keine Annahme fand, wenn er auch eine bedeutende Minderheit aus sich vereinigte.... Nach Ablehnung des Frohme- schen Antrages blieb freilich nichts übrig, als dem Antrage des Parteivorstandes zuzustimmen, sollte der Parteitag in dieser Frage nicht resultatlos auseinandergehen. Man gibt sich aber einer Täuschung hin, wenn man glaubt, daß die Streitfrage damit er- ledigt sei. Die Erklärung der 66 süddeutschen Delegierten läßt hierüber keinen Zweifel. Finden die süddeutschen Abgeordneten die Zustimmung ihrer Landcsorganisationen, dann wird die Frage in viel schärferer Form und in größerem Maßstabe früher oder später wieder aufgerollt werden. Hoffen wir, daß bis dahin eine Verständigung erzielt und daß namentlich die Bedeutung der Bud- gctbewilligung auf ihr richtige? Maß zurüdfgeführt wird. Wir bedauern die Erklärung der süddeutschen Delegierten. Wir hätten lieber gewünscht, daß sie sich dem Parteitagsbeschluß rückhaltlos unterworfen hätten, wenn auch mit dem Vorbehalt, dafür zu wirken, daß einer der nächsten Parteitage einen ihren Wünschen Keffer entsprechenden Beschluß fasse. Jedenfalls zeigen aber alle Vorgänge vor und während des Parteitages, daß Mei- nungsvcrschiedenheiten sich nicht durch Beschlüsse wegdckretieren lassen. Sie müssen entweder ausgetragen oder nebeneinander ge. duldet werden. Sind sie wichtiger prinzipieller Natur, dann gilt das erstere, und dann darf auch eine Spaltung nicht schrecken; sind sie aber taktischer Natur oder betreffen sie neben- sächliche Dinge, dann soll man Duldung üben... «Reußische BolkSzritnng"(Greiz).„Neußifchc Tribüne"(Gera) und „Weimarische Volkszeitung"(Jena): „Auf den bürgerlichen Blödsinn, daß eine Handvoll Berliner die Partei vergewaltigen, brauchen wir nicht weiter einzugehen, die Abstimmung über die Resolutionen zur Budgetfrage hat be- wiesen, daß es mehr als zwei Drittel der gesamten Parteivertreter waren, die die Budgetbewilligung nicht billigten. Namentlich hat es uns gefreut, daß der Genosse Bock-Gotha diesen Standpunkt für alle thüringischen Delegierten zum Ausdruck bringen konnte.... Es erfüllt uns... mit Genugtuung, daß der Partei- vorstand von seiner Resolution nicht abgegangen und sich nicht zu abschwächenden Konzessionen hat verleiten lassen. Der Nürnberger Parteitag Hot deutlich von neuem die vom Dresdener Parteitag festgelegte Richtlinie für unseren Klassenstandpunkt bestätigt. Wir bleiben eine Partei des proletarischen Klassenkampfes. Der Parteitag als Vertretung der Gesamtpartei hat ge- sprochen, er hat die Budgetbewilligung verworfen. Dem Beschluß dr Gesamtpartei haben sich auch unsere süddeutschen Genossen zu fügen. Der Genosse Segitz hat zwar eine Erklärung verlesen, die das Hauptgewicht der Entscheidung über die Budgetabstimmung in den Landcsparlamenten in die Hände der Landesvorstände der Partei legt, sie also der Kontrolle der Gesamtpartei entziehen will. Welchen Zweck diese Erklärung haben sollte, ist uns nicht recht er- sichtlich. Einen Einfluß auf die Entscheidung des Parteitages hat sie nicht." „Dresdener Bolkszeitung": ...... Würden wir das, was wir jetzt erlebt haben, in seinen Konsequenzen ausdenken, so würde entweder die Gefahr zur Wirklichkeit werden können, daß eine Zersplitterung und Spaltung der Partei eintritt oder aber die andere Gefahr, daß eine Minder- heit nur widerwillig, nur mit dem Gefühle der höchsten Unlust den Beschlüssen der Mehrheit Folge leistet. Beide Aussichten wären gleicherweise schlimm und für die deutsche Arbeiterbewegung der- verblich. Beiden Gefahren muß unseres Erachtens mit allem Eifer unserer Parteigenossen ent- gegcngewirkt werden. So richtig es ist, daß die Beschlüsse der Mehrheit Geltung haben müssen, so richtig ist es aber auch, daß die Majorität nicht ohne Rücksicht auf Minoritäten verfahren möge, wenn nicht schließlich das große Ganze gefährdet werden soll. Gerade die Sozialdemokratie muß versuchen, dem Grund- sähe vom Recht der Minorität Beachtung zu schenken. Die Sozialdemokratie fordert aus besten Gründen für Vertretungskörperschaften die Wahl nicht nach Majorität, sondern nach Proportionalität, damit auch die Minder- heiten, ihbcr Stärke gemäß, gerecht vertreten werden. Dieses Prinzip kann aber auch bei Parteibeschlüssen zur Geltung gelangen. Minderheiten sollen Mehrheitsbeschlüsse anerkennen, Mehrheiten sollen aber auch Minderheitsüberzeugungen nicht unberücksichtigt lassen. Minderheiten sollen nicht überstimmt werden, sondern es soll Verständigung mit ihnen herbeigeführt werden." „Volksstimme"(Chemnitz): „Wir legen der Budgetfrage nicht die große prinzipielle Be- deutung bei, wie ein Teil der Gegner der Bewilligung. Trotzdem wir sie für eine in erster Linie taktische Frage ansehen, können nach unserer Auffassung Sozialdemokraten einem Budget nur in zwingenden Ausnahmefallen zustimmen, wie der Lübecker Beschluß besagt. Die badischen Budgetbewilliger haben schließlich ihre Haltung mit dem Hinweis auf die Parteikonstellation bei den be- vorstehenden Landtagswahlen zu begründen gesucht. Die Bayern halten nicht einmal einen solchen Grund anzugeben. Die Debatte hat nicht ergeben, daß ein zwingender Grund zur Annahme des Finanzgesetzes vorlag. Was Timm und andere vortrugen, waren keine überzeugenden Argumente. Besser wäre cS gewesen, die Frohmesche Resolution hätte eine Mehrheit gefunden. Zwar an den tatsächlichen Verhältnissen wäre dadurch nichts geändert worden. Nur der äußere Eindruck wäre ein günstigerer gewesen." „Sächsisches Bolksblatt"(Zwickau)- „... Nichts aber hat wohl mehr zur Erschütterung des gegen- fettigen Vertrauens beigetragen, als die mit mehr Eifer als Ge- schick betriebene Aufspürung von Prinzipienverrätereien oder was man dafür hielt. Diese Sucht, überall gleich eine Aufgabe der sozialistischen Grundsätze zu wittern, die fast krankhafte Sucht, sich dann nicht etwa mit einer ernsten Rüge zu begnügen, sondern gleich in einem Tone über die vom Pfade der Parteidisziplin ver- meintlich abgeirrten Genossen herzufallen, den man sonst kaum dem Gegner gegenüber anzuschlagen beliebt, ist eine der Haupt- Ursachen gewesen, daß der innere Partcizwist schließlich solche Formen angenommen hat, daß die Verständigung in Nürnberg so ungemein erschwert worden ist. Der Beschluß entspricht... an sich völlig den Erwartungen, die wir bereits in unserem Bcgrüßungsartikcl zum Parteitag aus- gesprochen hatten. Nur darin behagt uns der Beschluß nicht, daß man es sich nicht hat verkneifen können, noch ganz ausdrücklich aus- zusprechen, daß die Bewilligung des Budgets in Württemberg, Baden und Bayern mit den Beschlüssen von Nürnberg und Dresden unvereinbar war. Um des inneren Parteifriedens hätte man sich wirklich nicht darauf versteifen sollen, dieses Mißtrauensvotum— trotz der ganz zahmen Fassung und trotz aller gegenseitigen Er- klärungen wird jedermann die fragliche Stelle als ein solches auf- fassen müssen— noch besonders hineinzuschreiben.... Jetzt ist jedem, der eS mit seinen sozialistischen Grundsätzen wahrhaft ernst nimmt, jedem, der den Parteitag als oberste Parteiinstanz an- erkennt— und das muß jeder, der ein Mitglied der sozialdcmo- kratischen Partei Deutschlands sein und bleiben will— die Mög- lichkeit genommen, den Lübecker Beschluß irgendwie noch anders S« deuten." Der Sctzöneberger Frauenmord vor dem Schwurgericht. Zu Beginn der gestrigen Sitzung bat der Verteidiger des Angeklagten, die Mittagspause in die Zeit zwischen 11 und 12 Uhr zu verlegen. Der Angeklagte habe gestern infolge der späten Mittagspause völlig kaltes Essen im Gefängnis erhalten. Der Vor- sitzende erklärt, daß er nach Möglichkeit dem Angeklagten entgegen- kommen wolle, aber doch darauf hinweisen müsse, daß in diesen Tagen auch alle anderen Prozeßbeteiligtm bezüglich ihrer Mahl- zeiten große Unbequemlichkeiten in den Kauf nehmen müssen. Uns dünkt, die Gefängnisverwaltung muß in der Lage sein, dem Untersuchungsgefangenen auch um 4 Uhr warmes Mittag- essen zu verabfolgen. Die Tatsache, daß täglich Gefangene, deren Termine lange dauern, kaltes Essen erhalten, spricht fiir durchaus unzulängliche Einrichtungen des Moabiter Gefängnisses. Von den Verdachtsmomenten gegen den Angeklagten seien nachfolgend die bis jetzt erwähnten angeführt. Hervorgehoben werden mag, daß die bisherigen Verhandlungen einen sicheren Schluß darauf, ob die als Leiche aufgefundene Slanina in ihrer Behausung oder außerhalb derselben getötet ist, nicht zu- lassen. Dem Angeklagten wird u. a. als belastend vorgehalten, daß in der Zeit vom 17. bis 22. Dezember mehrere Zeuginnen in seine Wohnung kommen wollten, aber nicht über die Eingangstür hinausgekommen seien und von dort aus gewisse Wahrnehmungen gemacht haben wollen. Nach dem Verschwinden der Slanina soll ferner ein Beamter der Sittenpolizei erschienen sein und vergeblich an die Wohnungstür geklopft haben. Angeklagter bemerkt hierzu, er habe die Zeugin Frau Richter beauftragt gehabt, ihm mitzu- teilen, wenn jemand komme, und ihn durch Klopfen zu wecken, wenn er schlafen sollte. Frau Richter habe ihm auf Befragen immer gesagt, es sei niemand dagewesen. Richtig sei, erklärt ferner der Angeklagte, daß in der Wohnungstür eine Ritze gewesen sei, die von der S. als Guckloch benutzt wurde, und daß diese Ritze von innen mit Siegellack verdichtet war; falsch sei aber die Behauptung, daß diese Verdichtung erst nach dem Ver- schwinden der S. vorgenommen worden sei. Kurze Zeit nach dem 17. Dezember ist Stube und Küche der Wohnung frisch aufgewischt worden, es sind frische Gardinen angemacht worden usw. usw. Der Angeklagte erklärt, daß er dies mit Rücksicht auf das nahe Weih- nachtsfest getan habe. Er bestreitet ferner entschieden, daß eine Zeugin in der Nacht vom 19. Dezember 12 Uhr in der Grüne- waldstraße ihn gesehen habe, wie er einen schweren braunen Karton wegtrug. Das sei ganz unmöglich, weil er zu jener Zeit ganz wo anders gewesen sei, wie er durch Zeugen beweisen könne. Der Angeklagte gibt zu, daß er einige Zeit nach dem Verschwinden der S. deren noch nicht vollbezahlte Nähmaschine verkauft und da- bei gesagt habe,„seine Frau sei im Krankenhause". Auch die Wirtschaftsgegenstände habe er verkauft, weil er wegen Zahlung der Miete in Verlegenheit war. Zu den vom Vorsitzenden dem Angeklagten vorgehaltenen„verdächtigen" Wahrnehmungen ver- schiedener Zeugen gehört folgende Behauptung einer Zeugin: Sie sei einmal in der Stube gewesen, wo der Angeklagte schlief. Die Zeugin will wahrgenommen haben, daß der Angeklagte von einer Ratte geträumt habe, der man Beine und Kopf abgeschnitten habe. Der Angeklagte bestritt, daß ihm von Frauen oder Mädchen seiner Bekanntschaft der Mord auf den Kopf zugesagt worden sei. Einer Frau, die ihm gesagt:„Wenn die Slanina weg ist, dann hast ÄU sie beiseite geschafft", habe er das einzig Richtige geantwortet:„Du bist verrückt!" In ähnlicher Weise widerlegt er die ihm vor. gehaltenen Behauptungen anderer Zeugen. Falsch sei, daß er nach dem Verschwinden der S. ein verstörtes und auffälliges Wesen an den Tag gelegt habe, richtig dagegen, daß er mit Vorliebe in den Zeitungen die Rubriken über Unglücksfälle und Verbrechen gelesen habe. Dies habe darin seinen Grund, daß er der Meinung gewesen sei, die S. könnte verunglückt sein. Der weiße Schal, der bei der Leiche gefunden sei, sei seinerzeit von ihm gekauft worden, die S. habe ihn aber in kalten Tagen zu ihrem Schutze getragen. Einen Karton von der Art desjenigen, in dem die Leichenteile gefunden worden, habe er weder besessen noch habe sich ein solcher in der S.schcn Wohnung befunden. Zum Schluß seiner Vernehmung er- klärt der Angeklagte:„Ich stehe mit dem Mord unter keinen Um- ständen in irgendwelcher Beziehung? ich weiß nicht, wie sie weg- gekommen ist nnd habe keine Ahnung, wer es gewesen sein kann." Ein Messer habe er nie besessen und bestreite, daß Zeugen bei ihm ein solches gesehen haben können. Auffindung der Leiche. Längere Zeit nimmt der Bericht der Zeugen Weichensteller Heinze und Bahnarbeiter Ungewitter über die Art der Auffindung der Leiche in Anspruch. Zwischen den für den Güterverkehr be- stimmten Bahngleisen befinden sich Entwässerungsschächte von ver- schiedener Tiefe, die nach oben durch eiserne Türen abgeschlossen sind. Diese Schächte sollten gereinigt werden und als nun die beiden Zeugen die Tür des einen Schachtes in die Höhe hoben, bemerkten sie den großen mit dem Rumpf eines Frauenkörpers gefüllten brau- nen Pappkarton in dem schmutzigen Gewässer schwimmen.— An diese Zeugenaussagen schloß sich die Aussage de? Medizinalrats Dr. v. KobilinSky, der als erster ärztlicher Sachverständiger an den Ort der Auffindung der Leiche gerufen worden war. Nachdem der Rumpf aufgefunden war, wurde die Schöneberger Feuerwehr her- beigerufen. Sie pumpte den Schacht aus, man fand aber die feh- lenden Kürperteile dort nicht. Es wurde daher der zweite Schacht ausgepumpt, der von dem ersten durch zwei Gleise getrennt ist. Da fand man dann auf dem Grunde, im Schlamme liegend, zwei fest- verschnürte Pakete, in Kleiderstoffe gewickelt. Das erste, größere Paket, enthielt die Beine der Ermordeten, das zweite Paket den Kopf, der ganz besonders fest eingewickelt war, so daß keine Luft zutreten konnte. Nach dem Gutachten des Sachverständigen kann keine lange Zeit zwischen dem Tode der Ermordeten und dem Hin- einbringen des Körpers in das Wasser verstrichen gewesen sein, aber es ist die Möglichkeit vorhanden, daß die Leiche schon längere Zeit, vielleicht auch schon monatelang, im Wasser gelegen hat, da sie sehr dicht verpackt, der Zutritt der Luft ausgeschlossen und die Witterung so war. daß die Verwesung recht lange aufgehalten wurde. Gerichtsarzt Sanitätsrat Dr. Friedemann gibt sein Gutachten dahin ab, daß angenommen werden kann, die Leiche habe mindestens schon zwei Monate im Wasser gelegen, ehe sie gefunden wurde. Nach dem Befuiüx der Obduktion könne gesagt werden, daß Kopf und Beine durch sehr exakte, sachgeschicktc Schnitte vom Rumpfe getrennt worden sind. Einen Anhalt, daß die Schnitte noch bei Lebzeiten der Ermordeten ausgeführt wurden, habe man nicht, andererseits seien auch keine äußeren Anzeichen eines gewaltsamen Todes festzu- stellen gewesen. Insbesondere waren äußere Anzeichen einer Er- drosselung oder Erwürgung nicht vorhanden, doch ist die Möglichkeit des Erwürgcns ohne äußere Verletzung vorhanden. Die Lunge der Ermordeten war ausgedehnt und dieser Zustand läßt den Verdacht einer Erstickung zu.— Auf Befragen erklärt der Sachverständige nochmals daß der Schnitt recht kunstzerecht geführt war; er kann von jemand ausgeführt sein, der solches kunstgerechtes Schneiden öfter gesehen hat.— Rechtsanwalt Bahn: Es könne doch wohl auch ein Krankenwärter sein, der vielfach Operationen beigewohnt hat. Die Slanina hat Beziehungen zu einer solchen Persönlichkeit ge- habt. ES werden diesbezügliche Anträge vorbehalten.— Der als- dann vernommene Medizinalrat Dr. Hoffmann schließt sich den Ausführungen des SanitätsratS Dr. Fricdemann an. Blutspuren? Dem Gerichtschcmiker Dr. Jeserich sind verschiedene KleidungS- stücke des Angeklagten, sowie die Seitenwände der Bettstelle ein Stück Tapete und ein Strohsack zur chemischen Untersuchung über« wiesen worden. Der Sachverständige hat im Strohsack Menschenblut festgestellt, ebenso einige Blutspritzer— gleichfalls Menschenblut— an der Tapete an der Seite des Bettes. Das Blut im Strohsack kann MenstruationSblut sein, die Blutflecke au der Wand sind in schräger Richtung von oben nach unten angespritzt. Die Möglichkeit, daß sie durch kräftiges Abspritzen deS Blutes von einem blutigen Finger entstanden sein können, ist vorhanden- Bei der chemischen Untersuchung deS Magens haben sich Spürest Irgendwelches Gifte? absolut nicht vorgefunden. An den sonstigen dem Sachverständigen übergebcnen Gegenständen sind Blutspuren nicht Vorhände»: gewesen. Der Angeklagte erklärt auf Befragen, daß nicht bloß er selbst, sondern zeitweise auch die Slanina auf dem Strohsack geschlafen habe.— Ein eigenartiges Berdachtsmmnent. Der Zeuge Kriminalschntzmann Willing bekundet auf Bc» fragen folgendes: An der Leiche zeigten sich zwei Röcke, von denen der oberste Rock zwei Zentimeter kürzer gewesen sei wie der dar- unter befindliche Rock. Aus dieser Tatsache folgert die Anklage. daß die Ermordete schwerlich mit einem solchen zu kurzen Ober- rock aus die Straße gegangen, die Kleider ihr vielinehr erst nach ihrem Tode angezogen sein dürften, mit einem Worte, daß die Slanina in ihrer Wohnung ermordet sei. Der Zeuge muß die beiden Kleider nochmals aufeinander legen und kommt beim Nach- inessen wieder zu dem Schluß, daß das obere Kleid zwei Zenti- Meter kürzer sei als das untere. Auf Wunsch eines Geschworenen wird die Messung nochmals vorgenommen, indem die beiden Kleider in hängender Lage gemessen werden. Hierbei ergibt sich, daß in Wirklichkeit das obere Kleid länger ist als das untere.— Rechtsanwalt Bahn stellt hiernach fest, daß falsch gemessen worden sei und hält es für erstaunlich, daß in einer so wichtigen Sache ein solcher Irrtum, der dem Angeklagten verhängnisvoll werden konnte, passieren konnte. Der Zeuge erwidert, daß er die Messung nur so vorgenoinmen habe, indem er die Kleider aufeinander legte. Der Verteidiger meint, daß doch hätte daran gedacht werden müssen, daß Frauen ihre Kleider in hängendem Zustande tragen.— Ein Eisenbahnarbeiter Mrhberg wird darüber vernommen,, daß er Anfang Februar einmal in den Gully, in wclchein der Karton mit dem Rumpf der Leiche gefunden worden, seine Schippe zum Aufbewahren eingestellt und dabei nicht» von einem Paket bc- merkt habe, doch Fi die Möglichkeit gegeben, daß dieses Placieren der Schippe habe vor sich gehen können, ohne daß das Paket be- rührt wurde. In der Strafanzeige der Slanina gegen den Angeklagten vom 25. August 1967 beschuldigt sie ihn des Diebstahls, der Zuhälterei und Kuppelei. Der Staatsanwalt hat darauf unter dem 17. Juni 1968 den Angeklagten dahin beschieden, daß er daL Verfahren ein- gestellt habe. Letzteres ist später wieder aufgenommen worden. Ein Zeuge Schankwirt Gust. Pohlmnnn, bei dem der An- geklagte verkehrte, bekundet, daß er ein sogenanntes Genickfäiigermesser besitze und im Gespräch von dem Angeklagten gehört habe, daß dieser auch ein solches Messer habe. Gesehen hat der Zeuge das Messer nicht. Der Angeklagte habe auch über das Verschwinden der Slanina mit ihm gesprochen und dabei gesagt: er habe seine Braut zur Kontrolle gebracht und seitdem sei sie verschwunden. Der Zeuge hat ihm gleich gesagt, daß dies wohl nicht stiinme. Ferner hat der Angeklagte dem Zeugen davon erzählt, daß er Weihnachtsgeschenke für seine Braut gekauft habe. Schließlich bc- kündet der Zeuge, daß er bei dem Angeklagten ein oder zweimal einen ähnlichen Schal gesehen habe, wie der an der Leiche gefundene.— Der Angeklagte bestreitet, daß er zu der Zeit, als er den Pohlmann kennen ge- lernt, überhaupt noch einen weißen Schal besessen habe. Ein Messer habe er nicinals besessen. Der Ze»lge Schuhmacher Adolf Daumann wohnt bei einer Frau Krumme. Er kennt den Angeklagten schon seit acht Jahren. Auch die Slanina hat er gekannt, da diese vielfach zu Besuch bei Frau Krumme ka>n. Er weiß, daß der Angeklagte mit 20 Jahren anfing, mit Frauenzimmern zu verkehren. Am 17. Dezeinbcr habe er erzählt, daß die Slanina verschwunden sei. Frau Krumme habe sofort gesagt:«Hermann, Du hast sie wohl umgebracht? Wenn das Frühjahr kommt, werden sie sie wohl finden!" Der Angeklagte habe sich darauf geäußert:„Wenn sie sie nicht finden, können sie mir nichts beweisen."— Rechtsanwalt Bah»»: Hat die Frau Krumme nicht die ganze Sache humoristisch behandelt und unter anderem gesagt:„Sie wird wohl als.Kalbfleisch in der Laubenkolonie hängen."— Zeuge: Das ist möglich: Frau Krumme ist humoristisch aufgelegt.— Der Zeuge sagt weiter auL: Die Slanina habe sich öfter darüber beschwert, daß der Angeklagte sie roh behandele. Zu der Zeit, als sie der Angeklagte schon verlassen hatte, habe sie einmal gesagt, er habe ihr einen Zahn ausgeschlagen, und dabei habe sie einen Zahn gezeigt, welcher wackelte. Stach ihrer Behauptung habe der Angeklagte ihr auch gesagt:„Wenn sie die Anzeige nicht zurücknimmt, dann haue ich ihr den Kopf ab." Einmal hatte er ihr nach ihrer Behauptung wieder stark gedroht, so daß der Zeuge und die Krumme nach Schöneberg fuhren, um sie eventuell zu schützen.— Auf Befragen� bestreitet der Zeuge noch, daß die Slanina jemals zwei Kleider übereinander getragen habe.— Ein Geschworener fragt den Zeugen, ob er denn Roheiten des Angeklagten gegen die Slanina selbst mit angesehen habe? DieS verneint der Zeuge, erNärt aber auf eine weitere Frage, daß er auf Grund der Erzählungen der Slanina den Angeklagten eines Mordes für fähig halte.— Rechtsanwalt Bahn beantragt die Vorladung einer Zeugin, der gegenüber der Zeuge gesagt haben soll: die Krumme helfe der Kriininalpolizei durch belastende Aussagen nur deshalb, weil sie hoffe, von der Belohnung 756 M. abzubekommen.— Der Zeuge bestreitet dies. Eine eigenartige„Feststellung". Staatsanwalt Dr. Kühn stellt durch Befragen der Zeugen fest, daß die Frau Krumme einen Artikel in dem„Vorwärts" der- anlaßt habe, in welchem sie lebhaft Beschwerde darüber führte. daß sie immer gezwungen werde, ihre Zeit der Kriminalpolizei zu opfern. Diese nach dem Bericht des als zuverlässig bekannten Vcrickt- erstatterS erfolgte„Feststellung" entspricht nicht der Wahrheit. Wie der Artikel des„Vorwärts"„Eine Klage über die Kriminal- Polizei" vom 2. April 1968, 2. Beilage, ergibt, hat Frau Krumme sich nicht darüber beschwert,„daß sie immer gezwungen werde, ihre Zeit der Kriminalpolizei zu opfern", sondern hat über die Umgangsformen der Kriminalpolizei— die Beamten stießen sie vor sich her— und darüber Beschwerde geführt, daß ihr, die von �7 Uhr abends bis 1 Uhr nachts der Kriminalpolizei bei der Aufsuchung des Angeklagten half, nicht einmal 16 Pf. zum Nach- hausefahren gegeben waren. Der Artikel schloß mit den voll- berechtigten Worten: „In bicscin Umgänge mit dein Publikum scheint unseres ErachtcnS auch der Schlüssel zu liegen, wieso die Polizei trotz aller schönen Versprechungen auf Belohnung usw. immer mehr die Hilfe des Publikums entbehren und viele Verbrechen leider unaufgehellt bleiben." Vielleicht nehmen die Prozeßbeteiligtcn Gelegenheit, den Wortlaut des Artikels zur Verlesung zu bringen. Schaden könnte es nichts. In der weiteren Beweisaufnahme bekundet der Zeuge Da«- mann, er habe ein Taschenmesser bei dem Angeklagten nie gesehen. Nach seiner Airsicht ist der An- geklagte früher ein ordentlicher Mensch gewesen und hat auch gutes Geld verdient, seit seinem Verkehr mit Frauenzimmern sei er leichtsinnig geworden, habe manchmal gar nicht gehandelt und auch gespielt.— Auch der Händler O. Wrycz-Rekowski bezeugt, daß der Angeklagte früher immer ein anständiger Mensch war. ulctzt aber gespielt hat. Als die Slanina verschwunden war, hat er K.ngeklagte nach der Bekundung des Zeugen eines TageS in einem Restaurationslokal seht betrübt dagesessen und bitterlich geweint. Auf die Frage, was ihm denn sei, habe er gesagt: „Wenn ich bloß wüßte, wo sie steckt." i Er habe dabei weiter hinzugesetzt: er habe ihr zu Weihnachten Noch neue Sachen, ein ganz neues Kostüm und neue Schnürstiefel gekauft und kurz bor Weihnachten sei sie verschwunden. Auf den Hinweis, dag man sie ja wohl finden werde, habe er gesagt: er glaube nicht, daß sie noch zu finden sein werde, dann aber wieder geäußert: er werde mal nach Dresden und Leipzig fahren, um zu sehen, ob sie vielleicht dort aufgetaucht sei,— Der Zeuge bekundet noch, daß der Angeklagte einmal einen Ucberzichcr I angehabt habe, der auf der Rückseite einest Fleck, der wie Blut aus- sah, zeigte. Seine Frau habe aus diesem Anlaß zu ihm gesagt: „Hermann, was hast Du denn? Du siehst ja aus, als ob Du bei einem Schlächter gewesen bist. Am nächsten Tage habe der Angeklagte den Ucberziehcr nicht mehr gehabt, sondern sich schnell seinen neuen versetzten Ueberzieher für 7 M. eingelöst.— Der Angctlagte erklärt hierzu: Die Blumenhändler Pflegen gewöhnlich des Nachts in der Friedrichstraße auf die Droschken oder Automobile loszustürzen, welche von Herren mit Damen bestiegen werden. Bei einem solchen Versuch, seine Blumen an den Mann beziv. an die Frau zu bringen, sei er auf dem besprengten Asphaltpflastcr ausgerutscht und daher habe der Fleck auf dem Paletot gerührt. Die Diskussion über dieses Thema endet mit dem ikrgebniS, daß es sich um denselben Ucber« zieher handelt, den Dr. Jcserich untersucht hat; ohne Blut daran zu finden.— Der Angeklagte erklärt, daß er an dem bewußten Tage geweint habe, weil er über den schlechten Äeschäftsgany be- trübt gewesen sei. Die Polizei habe sehr scharf den Händlern Unter den Linden und in der Friedrichstrahe auf die Finger gesehen.— Auf Befragen eines Geschworenen bekundet der Zeuge noch, daß der Angeklagte immer ein sehr guter Mensch gewesen sei. Er habe Ausbrüche der Roheit nie an ihm gesehen und deshalb es auch gar nicht glauben wollen, daß er eine solche Bluttat begangen haben könne. Er traue ihm den Mord auch heute noch nicht zu. Zwei Kriminalbeamte hätten ihm aber gesagt: er sei der Mörder! Ein Messer hat der Zeuge nie bei dem Angeklagten gesellen.— Die als- dann vorgerufene Zeugin Minna Wagner ist die Schwester des An- geklagten. Sie erklärt, ihre Aussage zu verweigern. Rechtsanwalt Bahn betont, daß der Angeklagte seinerseits den dringenden Wunsch hatte, daß seine Schwester aussage. Nach der Mittagspause wird der Kaufmann Lazarus als Zeuge vernommen, bei Ivelchcm der Angeklagte verschiedene Gegenstände, u. a. den fraglichen Schal, gekauft Häven soll. Der Zeuge glaubt den bei der Leiche vorgefundenen Schal als denjenigen wieder- erkennen zu können, den er in seinem Geschäft verkauft hat. Ve- stimmt könne er jedoch nicht mehr angeben, ob auch der Angeklagte einen derartigen Schal gekauft habe. Der Schutzmann Tieye-Schöncberg bekundet ferner noch einen Vorfall, der sich bei der Verhaftung eine» gewissen Mühlenbcck ereignet hatte. Dieser wurde ivcgen Zuhälterei festgenommen und war höchst erregt bis zu dem Augenblick, alö man ihm den Grund mitteilte. Erst dann war er beruhigt. Zeuge hatte damals den Eindruck gewonnen, als ob Mühlcnbeck, der mit Wagner bei der Slanina gewohnt hatte, etwas Näheres über das Verschwinden der Slanina gewußt hat. Als der Zeuge die Prostituierte Schüler nach dem Verbleib der Slanina fragte, antwortete diese:-„Na, die wird wohl im Frühjahr aus dem Landwchrkanal gezogen werden. Die wird wohl von ihrem Liebsten umgebracht sein!" Der Zeuge hat damals auf diese Aeußerung keinen Wert gelegt, da seinerzeit der Verdacht eines Mordes überhaupt noch nicht bestand. Der Markthallcnarbeiter Schalk hat häufig mit dem Auge- klagten zusammen mit Blumen und Apfelsinen gehandelt. Ob der Angeklagte eine Wachstuchdeckc gehabt hat, kann er nicht sagen. Der Markthallenarbeiter Theodor Müller bekundet dagegen, daß der Angeklagte eine Zeitlang eine Wachstuchdecke über seinem Han- delskorü gehabt hatte. Der Zeuge schränkt schließlich seine Aus» sage dahin ein, daß er nicht sagen könne, daß es gerade ein Wachstuch g ewcsen sei, mit dem Wagner seinen Korb zuge- deckt hatte. Der HauSdiencr Dautsch hat wiederholt gesehen, daß der Angeklagte eine Wachstuchdeckc über den Korb gedeckt hatte. Der Zeuge gibt die Möglichkeit zu, daß die ihm vorgelegte Wachstuch- decke, in welcher der Kopf der Ermordeten eingepackt war, die- jenige ist, die der Angeklagte über den Korb gedeckt hatte. Dem Zeuge hat auch einmal ein Taschenmesser bei dem Angeklagten ge- sehen. Als Rechtsanwalt Bahn auch an diesen Zeugen die Frage richtete, ob er nicht durch die Belohnung von 1000 M etwas beeinflußt sei, für den Angeklagten ungünstig auszusagen, bemerkt der Borsitzende, daß man dann jeden Belastungszeugen als un- glaubwürdig hinstellen könne, da er ja auch an der Belohnung möglicherweise partizipiere. Rechtsanwalt Bahn stellte den An- trag, das rote Plakat, welches sich seinerzeit an den Anschlags- Jaulen befunden hat, dem Gericht vorzulegen. Frau v. Wrhcz-Nckowöki bestätigt die Angaben ihres Ehemannes km allgemeinen. Sie selbst kann nichts Wesentliches über den Angeklagten bekunden. Auf eine Frage des Vorsitzenden bekundet die Zeugin, daß sie eincL TageS den Paletot des Wagner ab- gebürstet und hierbei einem großen Fleck auf dem Polctot bemerkt habe, der wie ein Blutfleck aussah. Als sie den Angeklagten fragte, ob er mit Schlächtern Umgang habe, sei er ihr die Antwort schuldig geblieben und habe am nächsten Tage den Paletot versetzt. Bei einem Streit, den die Zeugin mit Wagner hatte, äußerte dieser im scherzende» Tone:„Die Weiber müßten alle abgeschlachtet werden." Die Zeugin Frau Richter, welche mit der Slanina auf dem- selben Flur geioohnt hatte, bekundet folgendes: Die Slanina hätte ihr kurz vor ihrem Verschwinden erzählt, daß ihr Wagner wegen der Anzeige sehr viel zusetze und sie zwingen wolle, diese zurück- zunehmen, obwohl dies nicht ginge. Den schwarzen Rock, der bei der Leiche gefunden worden war, habe die Slanina stets nur im Hause getragen, da er schon alt und schlecht gewesen sei. Die S. sei auf der Straße auch stets sehr ordentlich gekleidet gegangen und habe ihr selbst gesagt, daß sie den schwarzen Futtcrrock nur noch im Hause trage. Auf Anregung eines Geschworenen bekundete die Zeugin, daß sehr leicht der aus Wolle bestehende schwarze Rock durch das Wasser eingelaufen und kürzer geworden sein könne. Nach 8 Uhr abendS soll noch die Zeugin Nnnve vernommen werden, die kurz vorher auf dem Korridor einen Ohnmachtsanfall erlitten hatte. Die Zeugin erklärt aber, noch VcrhandlungSfähig zu sein. Sie ist, während die Emma Clanina im Krankenhaus lag, mehrere Tage mit dem Angeklagten in der Wohnung der S. gewesen. Die Zeugin bestreitet, daß Wagner ihr Zuhälterdienste geleistet' hat. Vor dein Untersuchungsrichter hat die Zeugin be« kündet, daß Wagner eines Tages, als er ihr erzählt habe, daß er von der Slanina angezeigt fei, geäußert habe: Wenn das A.s mich angezeigt hat. so schlage ich sie tot. Wenn ich Knast schieben (inS Gefängnis gehen) soll, so gehe ich über ihre Leiche, dann weiß ich wenigstcnS wofür. Trotz wiederholter Ermahnungen er- klärt die Zeugin, sich bierauf nicht mehr besinnen zu können,„da sie sehr nervös sei". Die jetzige Aussage der Zeugin wird deshalb protokolliert. Die Verhandlung wurde um 0 Uhr abendS abgebrochen und soll erst am Dienstag fortgesetzt werden, da am Montag eine andere EchwurgerichtSsgche unbedingt erledigt werden maß. Soziales. Der Konkurrenzklauselkricg der große» Warenhäuser gegeneinander geht, wie eine vor der dritten Kammer dcS Kauf« mannSgerichtS stattgehabte Verhandlung bewies, trotz aller Proteste der Handlungsgehilfcnverbändo und trotz der augestellten Regierungserhebungen lustig weiter— zum Schaden der unter den Konkiirrenzverboten leidenden Angestellten. Und mit Recht verglich der Vorsitzende diesen modernen WarenhauZkampf mit der in einem älten Sprichwort enthaltenen Sentenz, in dem es heißt, baß sich die Könige streiten, während es die Bürger ausbaden müssen. Der zur Verhandlung stehende Fall, in dem lviederum die Firma A. Wertheim gegen einen zum„Kaufhaus des Westens" übergetretenen Verkäufer K. eine Konventionalstrafe einklagt, lag insofern besonders kratz, als dieser bei Uebernahine der ihn bindenden Verpflichtung gerade zwei Tage volljährig war.� K. halte sich verpflichtet, u. a. in kein Unternehmen einzutreten, bei dem„der Kaustnann A. Jandorf in Berlin beteiligt ist". Im zuwider- handelnden Falle sollte der Verkäufer das Doppelte des im Konkurrenzunternehmen zu beziehenden JahreSgehalts alS Strafe verwirkt haben. Da der Beklagte im„K. d. W." 250 M. Monatsgehalt bezog, so beantragte die Firma Wertheim, ihn zur Zahlung von 0000 Mark zu verurteilen. Der Vorsitzende nmchte den Vertreter der Firma W. darauf aufmerksam, daß eine derartige Strafe recht hart erscheine angesichts dessen, daß Beklagter bei Vertragsschlutz gerade erst volljährig geworden war, und daß ein so junger Mann sich schwerlich der Tragweite der eingegangenen Verpflichtung bewußt sei. Der klägerische Ver- treter ermäßigte seinen Antrag auf 2000 M. Trotzdem der Be- klagte jetzt aus dem„K. d. W." austritt, hielt daS Gericht immer noch eine Strafe von 1500 M. für angemessen. Auch hielt es im Einklang mit einer landgerichtlichen Vorentscheidung das auf Charlottenburger Gebiet liegende„K. d. W." als mit unter die VertragSvcrpflichtung fallend, obgleich es im Vertrage „in Berlin" heißt.— Der Beklagte entschloß sich dann, der Kosten- ersparnis wegen 1500 M. vergleichsweise anzuerkennen. Genau wie seinerzeit bei der Gründung dcS ,K. d. W." ent« wickelt sich jetzt durch das„P a ss a g e- K a u s h a u s" ein Rattenkönig von Konkurrenzllauselprozesien. Massenantroge auf einstweilige Verfugungen gegen frühere Angestellte vom„K. d. W." u. a. laufen beim Kaufinannsgcricht täglich ein und mehreren ist auch bereits stattgegeben worden._ Gerichts-Zeitung Wie die Rixdorfer Polizei für die Landtagswahl wirkte. Unser Genosse Aß mann hatte zur Landtagswahl au? Sammellisten in der üblichen Weise Beiträge sammein lassen, auch von einzelnen Gästen in Wirtschafte», in denen er sich gerade befand. Die Polizei, welche davon gehört hatte, ststierte ihn und nahm ihm die Sammelliste, die er gerade bei sich hatte und das Saraus geiammelte Geld ab. Außerdem schickte sie ihm sowie den Genossen Schrciter und Strasser, ivelche die Listen ausgegeben hatten. Straf in andate über je 2i) M. Auf Widerspruch wurden die drei Genossen dieser Tage durch das Rirdorfer Schöffengericht freigesprochen. Das Gericht führte entsprechend den Ausführungen des Ver- teidigers Dr. H e r z f e l d aus. daß nur Hauskollekten, d. h. Sammlungen von Haus zu Haus, wenn sie ohne Genehmigung des Oberpräsidenten erfolgten, strafbar feien, nicht aber Sammlungen in einzelnen Wirtschaften oder in Versamm- lungen, geschweige solche unter Kollegen in Werkstätten, Fabriken und dergleichen._ Eine Lehrerin vor den Geschworenen. Die LZjährige Hilfslehrerin Kreszenz Wittensöldner hatte sich in zweitägiger Verhandlung vor dem ober- bayerischen Schwurgericht wegen eines Verbrechens der Körperverletzung mit Todesfolge, begangen in der Ausübung ihres Amtes, zu verantworten. Die Angeschuldigte, die im Jahre 1008 aus dem Seminar entlassen wurde, wurde zu- letzt in Battenkirchen B. A. Mühldorf einem 78jähriaen Lehrer als Hilfskrast beigegeben. Sie hatte die ersten drei KlassrNi insgesamt 48 Schüler, zu unterrichten. Die Anschuldigung ging nun dahin, daß sie in den drei Fällen die 0�- j ä h r i g e Schmiedstochter Katharina Sahlötorfer während des Unterrichts lvt cd erholt mit dem Kopfe auf die Schulbank oder auf das Katheder aus st letz, in Erregung darüber, daß das Mädchen unaufmerksam war. Am 20. Januar d. I. züchtigte sie das Kind der Eheleute Sahlstorfer abermals und zwar stieß sie vus Mädchen wieder derart mit dem Kopfe auf die Schulbank aus, daß es eine große Beule an der Stirne erlitt und am anderen Morgen%8 Uhr verstarb. Nach dem SeltwnSbefund und dem Sachverständigengutachten ist der ein- getretene T o d des Krudes eine Folge der Mißhandlungen. Die Angeklagte stellte jede Schuld in Abrede, der Vater des verstorbenen Kindes habe die als Zeugen geladenen Kinder becin- flußt. Durch zahlreiche Schulkinder werdeil jedoch die Behaup- tungen der Anklage gestützt. Die Geschworenen sprachen die Wittensöldne? lediglich zweier Vergehen im Amte schuldig. Das Gericht verurteilte darauf die Angeklagte zu der auffallend niedrigen Strafe von— einem Monat G e- fängnis. Wäre die Strafe gleich niedrig ausgefallen, wen» daL Kind eines der Richter durch eine ähnliche Roheit getötet wäre? Die Einrcichung polnischer Theaterstücke zur Genehmigung der öffentlichen Ausführung betraf ein Verwaltungsstreit, durch den eine Belehrung von Polizei und höherer Verwaltungsbehörden durch daS ObervcrwaltungS- gericht erzielt wurde. Herr Brzcski zu Jesewitz(Kreis Marien- Werder) hatte alö Vorsitzender des katholischen VolkevercinS der Polizei drei polnische Theaterstücke mit der Bitte eingereicht, ihre Aufführung zu genehmigen. Die Polizciverlvaltung eröffnete ihm, sie könne die Stücke nur prüfen, wenn sie in deutscher Uebersetzung eingereicht würden. Wenn er die Ueb e r s e tz u n g c n der dem Gesuch beigelegten, in polnischer Sprache abgefaßten Stücke nicht rechtzeitig einreiche, könnte die Aufführung nicht geduldet werden. Wegen des Verlangens der Einreichung deutscher Ucber- sctzungen beschwerte sich B. vergeblich beim Landrat und beim RegterungSpräsidenten und klagte dann gegen den Regierungspräsidenten beim ObcrverwaltungSgericht. Dieses gab der Klage statt» hob die Bcschiverdcbescheide aus und setzte die polizeiliche Verfügung, durch die die Prüfung der Stücke von der Einreichuna deutscher Uebersetzungcn abhängig gemacht wurde, außer Kraft. Begründend wurde ausgeführt: Auf den Inhalt der Stücke brauche nicht eingegangen werden, denn ein Verbot der Aufführung sei ja durch die angefochtene Verfügung noch nicht ausgesprochen worden. Es sei hier nur zu entscheiden, ob die Polizei eine deutsche Uebersetzung fordern durfte. Nun bestimme ja daS GeschäftSsprachcngesetz, daß die deutsche Sprache die ausschließliche Sprache aller Behörden, Beamten und politischen Körperschaften des Staates sei und daß der schriftliche Verkehr mit denselben in deutscher Sprache stattfinde. Danach seien Ge- suche usw. allerbingS in deutscher Sprache zu machen. Das sei geschehen. Die zur Genehmigung eingereichten polnisch.'» Theaterstücks feien aber nur Anlagen des Gesuches. Deutsche Uebersctzunaen dieser Anlagen könnten auf Grund des GeschästösprachcngesetzcS nicht gefordert toerden. ES könnte sich demnach nur fragen, ob allgemeine Polizeiliche Gesichtspunkte das Vorgehen der Polizei rechtfertigten. Das sei ebenfalls zu verneinen. Allerdings sei daS Gericht der Ansicht, daß die Polizei von den Beteiligten, um ihre Amtsgewalt ausüben zu können, jede notwendige Auskunft zu verlangen berechtigt sei, und daß die Beteiligten dann die Pflicht hätten, sie zu erteilen. Wenn die Polizeiverwaltung nicht ganz im klaren sei, welche Tragweite bestimmte Ausdrücke in polnischen Schriftstücken, also auch in polnischen Theaterstücken hätten, dann könne sie Auskunft ver- langen. Das könne sie aber nicht dahin ausdehnen, daß sie ver- lange, daß von vornherein deutsche Ucbersctzungen der polnischen Theaterstücke einzureichen seien. Der Kläger müsse deshalb obstcgen.< Versciumung des RcligiottsunterrichtS. Die freireligiöse(deutsch-katholische) Gemeinde zu Frankfurt am Main läßt durch ihren Prediger Klauke freireligiöscn Unter- richt erteilen, und zwar auch in der Nähe Frankfurts, so in Hcddern- heim an Kinder aus dieser Gegend und aus Eschersheim. Ter Müller Kaiser auS Eschersheim, der vor etwa 1M> Jahren auS der evangelischen Landeskirche ausgeschieden ist und Mitglied der frei- rctihiöscn Gemeinde ist, ließ nicht mehr seine 12jährige Tochter am christlichen Unterricht in der Volksschule in Eschersheim teilnehmen, sondern schickte sie nun zum freireligiösen Unterricht des Herrn Klauke. Dessen Unterricht wurde nicht als gleichwertig anerkannt und Herr Kaiser in zweiter Instanz vom Landgericht Frankfurt am Main zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er das Kind nicht am christlichen Unterricht in der Volksschule teilnehmen ließ. Das Landgericht erklärte den Einwand für un beachtlich, daß seinerzeit der Frankfurter Senat die freireligiöse Gemeinde als Religionsgesellschaft staatlich anerkannt habe und ihr dieser Charakter nach der Einverleibung in Preußen verblieben wäre. Iii der Beziehung betonte das Landgericht, daß der Ort der Be- schulung maßgebend wäre, und das sei das früher kurhessische Eschersheim. Da sei aber die freireligiöse Gemeinde nicht aner» kannt. Durch Teilnahme des Kindes an deren Unterricht sci nicht für einen ausreichenden Ersatz des Religionsunterrichts in der Volksschule gesorgt. Der erste Strafsenat des K a m in e r g e r i ch t s verwarf am Donnerstag die Revision des Angeklagten mit folgender Begründung: Durch das Bürgerliche Gesetzbuch seien die landesgesetzlick�cn Bestim- mungen über die religiös« Erziehung der Kinder nicht berührt worden. Es sei deshalb im vorliegenden Falle auf die kurljcssische Verordnung vom 13. April 1853 zurückzugehen. Sie schreibe vor: Eheliche Eltern haben über die kirchliche Erziehung der Kinder zu bestimmen, mit der Mäßgabe, daß die g e t r o f f e n e Bestimmung für die Kinder vom 7. bis zum 14. Lebensjahr unabänderlich gilt, mit Ausnahme des Falles, daß der Vater einer anderen christlichen Kirche beigetreten ist. Hier sei früher die Bestimmung auf die christliche Erziehung gerichtet gewesen. Wenn Angeklagter nun aus der Landeskirche ausschied und der freireligiösen Gemeinde beitrat, so sci er nicht berechtigt gewesen, das Kind vor vollendetem vier- zehnten Jahre der christlichen Erziehung zu entziehen, denn die freireligiöse Gemeinde sei nicht eine„andere christliche Kirche" im Sinn« der zitierten Bestimmung. Er hätte die Tochter weiter am Religionsunterricht in der Volksschule teilnehmen lassen müssen. Wegen Verbreitung„unzüchtiger" Schriften ist die NaturHeilkundtge und Herausgeberin einer Zeitschrift für Naturhcilkunoe Fräulein Minna Kube in Charlottenburg am 13. Juni vom Landgericht III in Berlin zu einer Geldstrafe von 100 M. verurteilt tvorden. Für die Vorträg«, welche st« über sexuelle Angelegenheiten hält, hatte sie ciiie Broschüre verfaßt, in welcher sie verschiedene Fälle abnormen GeschlcchtScnipfindcns dar- stellte. Diese Schrift wurde für 50 Pf. den Zubörerinnen, Frauen und Mädchen, zum Kampfe angeboten. Die Fälle stamnicn aus ihrer eigenen Praxis; einige sind von Dr. Magnus Hirschseld, dem Begründer des„wissenschaftlich-humanitären Komitees"(Tendenz: Aufhebung des§ 175), dargestellt. Diese Schrift hat das Land- gericht für eine unzüchtige angesehen.— In ihrer Revision be- hattptete die Angeklagte, das Gericht habe Inhalt und Zweck ihrer Schrift bollständig verkannt. Das Gericht habe in der Broschüre nur eine Zusammenstellung von geschlechtlichen Abnormitäten gesehen, geeignet, das Scham- und Sittlichkeitsgefühl in aeschlechtlickjcr Beziehung gröblich zu verletzen, aber aus den gewählten Ueberschriftcn ergebe sich ja klar, welchen Zweck sie mit diesen Darstellungen ver- folgt habe. Die Schrift sei auf wissenschaftlicher Grundlage ans- gebaut und diene wissenschaftlichen Zwecken. Unmöglich könne Auf- klärung über geschlechtliche Dinge unzüchtig sein. Der Ret chs- anwalk erklärte, da» Urteil gebe zu Bedenken keinen Anlaß, und das Reichsgericht erkannte am Freitag auf Verwerfung der Revision. Der finanzielle Zusammenbruch des Juweliers Wilhelm Zimmermann» dessen Schuldenlast nicht weniger als 1% Millionen Mark betrug, hatte gestern vor der 5. Strafkammer des Land- gerichts I ein gerichtliches Nachspiel. Unter der Anklage des KonkursvergchenS mußte sich der bisher unbescholtene Angeklagte verantworten. Der Angeklagte wurde beschuldigt, als Schuldner, welcher seine Zahlungen eingestellt hat, in der Absicht die Eröffnung des Konkursverfahrens hinauszuschieben, Waren auf Kredit entnommen und erheblich unter dem Wert veräußert zu haben, ferner keine Bilanz gezogen und die gesetzlich vor- geschriebenen Handclsbücher nicht ordnungsmäßig geführt zu haben, so daß sie keine Uebersicht über die Vermögenslage gestatteten.— Im Jahre 1890 eröffnete der Angeklagte, der Uhrmacher gelernt hatte, in der Oranienstraße 200 ein kleines Uhren- und Goldwaren- geschäft, welches sehr gut florterte. Mit der Zeit ersparte sich Z. ein kleines Kapital. DicS hatte zur Folge, daß er von einer gewissen Großmannssucht überfallen wurde. Er lieh sich fremdes Kapital, ließ seinen Laden ausbauen und errichtete Zweiggeschäfte. Schon beim Abschlüsse des ersten Geschäftsjahres ergab es sich, daß die Spekulation des Angeklagten cm Schlag ins Wasser ge- wesen war, denn es stellte sich eine ziemlich erhebliche Unterbilanz heraus. Trotzdem er kein Betriebskapital hatte, arbeitete er weiter und muht sich nun in Kredit- und Wechselgcschäfte einlassen. Im Jahre 1904 ergab sich bereits eine Unterbilanz von 1L3000 Mark. Obwohl der Angeklagte verpflichtet gewesen war, angesichts dieser Vermögenslage sofort die Eröffnung dcS Konkursverfahreiis gegen sich zu beantragen, erweiterte er mit Hilfe eines kolossal hohen Kredits sein Geschäft immer mehr. Im Jahre 1900 betrug die Unterbilanz schon 4 32 000 M. Endlich im Oktober 1907 beantragte der Goldwarenfabrikant Müller, der allein eine Forde- rung von 150000 M. an den Angeklagten hatte, die Eröffnung des Konkursverfahren. Der Konkursverwalter stellte fest, daß Zimmermann mit einer Unterbilanz von annähernd 7 00 0 00 M. gearbeitet hatte. Da aber nur ein Lager im Werte von 135 000 M. vorhanden war, die Schuldenlast des Angeklagten etwa IVb Millionen Marl betrug, kommen für die zahlreichen Gläubiger nur 15 Proz. heraus. Der Bücherrevisor Kruse stellte mit vieler Mühe aus den sehr unordentlich und völlig unübersichtlich geführten Büchern des Angeklagten fest, daß dieser um drängende Akzeptvcrpfllchtungcn zu begleichen, die ganzen Jahre hindurch große Posten Brillanten und Schmucksachen erheblich unter Wert verschleudert hatte, um ein Konkursverfahren möglichst lange hinauszuschieben. Der An- geklagte selbst behauptete, daß er bei verschiedenen Kredit- gcschäften, insbesondere von einer Pariser Firma, von der er Brillanten bezogen habe, in den Preisen sehr hochgenommen worden sei und daher die Differenz komme. Verschiedene andere Lieferanten fanden Brillanten und Schmucksachen noch mit ihren Original- auszeichn uiigcn versehen, zu billigeren Preisen als sie selbst ge- liefert hatten, in Versatzgeschüftcn in Hamburg ivicder. Haupt- sächlich hatte der Angeklagte mit Brillanten, die er selbst auf Kredit enlnoniinen hatte, ein richtiges Schlcudergcschäft betrieben, um seinen Verbindlichkeiten, die in die Hunderttauseude gingen, nach- kommen zu können. Die Staatsanwaltschaft leitete erst ein Verfahren wegen betrügerischen Bankerotts ein, da der Ver- dacht aufgetaucht ivar. daß Zimmermann Bücher beiseite geschafft und fingierte Forderungen aufgestellt hatte. Der Nachweis hierfür ließ sich aber nicht erbringen, so daß Z. nur wegen einfachen Konkursvergehen angeklagt wurde. Der Staatsanwalt hielt den Angeklagten im Sinne der Anklage für überführt und beantragte mit Rücksicht darauf, daß dieser in einer überaus frivolen und einer Treu und Glauben geradezu hohnsprechenden Weise gehandelt babe, eine Gefängnisstrafe von zweiJahrcn und dreiJahre Ehrverlust. Das Gericht nahm an, daß der Angeklagte, wenn auch leichtsiiniig, so doch nicht unehrenhaft gehandelt habe. und erkannte bei sofortiger Ver Haftung auf etnJahr Gefängnis. A. JANDORF& Co Spittelmarkt Belle Alliancestrasse Grosse Frankfurterstrasse Brunnenstrasse Wir verabfolgen Montag, Dienstag, Mittwoch bei Einkäufen die Kottbuser Damm Doppelte Anzahl Rabattmarken Glas Von dieser Vergünstigung sind nur wenige Artikel ausgeschlossen. Montag, Dienstag, Mittwoch- Soweit Vorrat Steingut Wasserbecher gepresst..... 6. Teekannen Butterdosen gepresst... 18, 28PL. 10, 15PM. Käseglocken geprest... 28, 48PL. Dessertteller geprent. 4, 6.| Kaffeetassen Unterlassen mit Zuckerschalen gepresst 18, 28PL.| 18, 25P. Milchtöpfe....... 10, 15, 20 Pt. 10, 15,20P. 15, 20. Kompottschalen Kaffeeservice 9 teilig Kompottschalen 3 Stück... Sturzflaschen farbig........... 18pf. Speiseteller flach oder tief...... 28 Pf. Dessertteller Bratenplatten... 1.05, 1.35 Kartoffelschüsseln............ 1.75 18, 23 Pt. Saucieren........ Beilageschalen Kompottschalen Terrinen Porzellan dekoriert Dessertteller 15, 20, 25 PL.| Kaffeebecher.... 8, 10, 12 PL. Butterglocken Obertassen massiv, mit Goldrand.... Kaffeekannen veilchendekor..... 58 PL. 8PÅ. 98Pf. 1.95, 2.95 Tafelgeschirr ,, Feston" mit Goldrand Essteller blan Zwiebelmuster........ 12PI. Stullenteller zwiebelmuster 9, 10PM. blan Vorratstonnen blau Zwiebelmust. 35 Pf. Gewürztonnen blau Zwiebelmust, 15pt. Essig- oder Oelflaschen 35. 95 Pt. 65 Pf. 75, 95 Pf. 3.35 12 Pl. Weiss Essteller...... ach 10 ,. 10,... tiet 15 Pl. 15Pl.| Kabaretts 2 teilig. 38, 9 PL. 9P. 5Pt. press Satz 3 Stück... 48Pt. Gambrinusbecher ... V Liter 10pt. Teebecher mit Bordüre............ Rot- oder Rheinweingläser 20 Pt. Bierbecher Viktoria mit Goldrand 18pt. Sportlikörgläser mit Goldrand 20pt. Dessertteller geschliffen 20, 25P. Kompottschalen schiffen 38,75 pt. Einmachegläser 6, 8, 15P. mit ohne Pf. Stullenteller....... Kompotteller Bratenplatten oval.... 23 bis 98 pt. Bratenplatten und... 25, 33Pt. 25, 33P. Saucieren................. 40, 58Pf. 40, 58P. Kartoffelschüsseln....... 65P. 3 teillig 75Pt. Spargelschalen........ 18PL. Gurkenschalen......... 12Pt. Kompottschalen oval... 10,15P. Kaffeekannen...... Kaffeekannen............. 15, 25 PL. Teekannen......... 25, 35, 48PI. Kaffeetassen Unterlassen 8, 10PL. mit blau Zwiebelmuster. Satz 7 Stück Salatieren blau Zwiebelmuster 1.65 Brotplatten blan Zwiebelmuster.. Salz- oder Mehlmesten 48 Pl. blau Zwiebelmuster 25 Pl. ............. 1.95 Heringskasten...... Kummen..... 5, 6, 7th 18t 5 bis Waschgarnituren4 teilig 1.70, 2.25 tellig 2.65, 3.25, 4.50 5 Waggon Emaille hervorragend Eimer ca. 26 oder 28 cm, ...... 42 PL. Nachtgeschirre 25, 33, 38 PL Topfdeckel.......... 7, 8, 10, 12 PL. Schmortöpfe ohne Ring ca. 20 cm 48PL Schmortöpfe Ring 48, 55, 70Pf. Schmortöpfe Ring 38, 48, 55 Pl. Kasserollen mitRing 48, 55, 70P. Kasserollen Ring 32, 38, 45 P. ohne | für mit Becher m. oder ohne Ausguss 10, 13, 15 Pf. Reibeisen....... 18,25PL Küchenschüsseln 18,25,30 PL Tassen mit Untertassen.8, 10, 12 PL ****** billig ca. Maschinentöpfe 15 cm 10, 20 cm 15 PL Schaffnerkannen 25, 38,48 PL Teller tief oder flach............ 8, 10, 15 PL Brotkapseln 4, 6 oder 8 Pid........ 1.95 mit Wasserkessel Sack Wasserkessel Sack 1,35, 1.55| Petroleumkannen 1.45, 1.65 Wasserkessel Gas 65, 75, 85Pf. Waschschüsseln Seifnapf 55, 65 Pf, Milchtöpfe Ausguss 42, 55, 65P. Müllschaufeln Kaffeekannen.... 35, 45, 55P. mit Eisen- u. Blechwaren Eiserne Gardinenstangen ca. 100 120 140 160 180 cm 10 13 16 18 22Pt. Zuggardinen- Einrichtungen verstellbar, komplett......... 45, 55P. Stangen für Schelbengardinen, ausziehbar 8Pf. Gallerie- Eisen............... Paar 5 Pf. Rollenkasten für Zuggardinen, Paar 12PL. Verzinnte Ringe Dutzend... 2, 3PL. 3 Porzellan- Ringe1 1 Loch 1 2 Stück 3 Pf. Porzellan- Quasten.............. 4 P. 4P. Schnurführer.. 4 Pf. Konsolhaken Dutzend 8, 10, 12 Pf. Teppichnägel... Dutzend 15, 18Pf. Bildernägel Dutzend 4, 5, 6, 8Pf. Müllschaufeln........... 33, 38 Pf. Kehrichteimer Aufschrift u. Deckel 1.95 Borstenwaren 48, 75, 95 Pf. 48, 75, 95P. 30, 42, 48Pf. 5.95 Haarbesen Haarbesen Handfeger Gaskocher 2 Loch........ Gaskocher unten oben geschlossen 8.75 4 Loch, u. 2 Gasplätten mit Erhitzer 4.75 Roßhaarbesen 95, 1.35, 1.65 Messerputzschmirgel Dose 20 Pt. Roßhaarhandfeger... 55, 75Pt. mit Klosetbürsten 48, 75, 95P. Ringständer... 32 Messingfuß 55 Pf. Spiritusplätten. vernickelt.. ff. vernickelt.. 6.75 Ascheimer......... 48, 75, 95P. Kohlenkasten 95, 1.25, 1.50 Waschständer.. 45, 75, 95 Pf. Waschtische 2.25,2.65,2.95 Briefkasten lackiert 38, 48, 65 Pf. ***** Teppichhandfeger... 38, 45 Pf. Stahlspähne.......... Packet 15 Pf. Packet 15 Pf. Bohnertücher............ 25 Pf. Klosetbürsten... 35, 38, 45P. Schrubber 18, 25, 30P. Abstäuber 25, 38, 48Pf. 25, 38, 48Pf. Abstäuber feder. 95,1.25, 1.50 Fensterleder extra groß.......... 95Pt. Teppichklopfer.. 28, 38, 45 Pf. Waschtoiletten geschlossen, 16.50 Scheuerbürsten 10, 15, 18Pt. verschiedene Klappdeckel und Garnitur komplett ***** Strauß| Sand, Seife, Soda Garn. 95, 1.65 Wannen oval.. 1.25, 1.65,2.10 Eimer ca. 28 cm 55, 65 PL. Wassermaß mit Konsole 42, 48Pf. Holzwaren Küchentisch 5.90 gestrichen m. Muschelufsatz 6.95 **** Küchenstühle 1.25 strichen 1.90 Küchenrahmen.... 2.95, 3.95 Handtuchhalter Besenhalter......... 85, 1.25 1.95, 2.25 Küchenkonsole. 38, 48, 55 Pf. mit mit Tür und Kohlenkasten..... 1.95, 2.50 Putzkommoden Schubkästen.. 2.45 Putzkommoden 2Schubkästen.. 2.95 4.75 Presskohlenschränke..... Putz- od.Wichskasten 38, 42 Pf. Leitern Plättbretter 95 Pf. Stufe 33 Pf. bezogen 1.95 Wringmaschinen 9.75, 10.75 ca. 36 cm Walzenlänge... Wirtschaftswagen 1.25, 1.65 Spirituskocher 28. Messerputzmaschinen... 2.95, 5.90 Ausführungen Berantwortlicher Redakteur: Geora Davidsohn, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlaa: Vorwärts Buchdruckerci u. Verlaasanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Str. 27. 25. Jahrgang 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sonntag, 27. September 1908. Aus der Frauenbewegung. Sechster Wahlkreis, 11. Abteilung. Montag, den 28. September, 8 Uhr, bei Franke, Badstr. 19. Tegel. Dienstag, den 29. September, 81, Uhr, bei Halfes, Brunow straße 23, Bortrag Genosse Heinig: Die Frau und der Sozia lismus“. Stationen Barometer stand mm Wind Bumpp Windstärke Better Il Stationen Temp. n. T. 5° 6.4°. Barometer Wind richtung Windstärke Better in der Sache zu erheben.- Da nichts gegen die Dame unter nommen wird, muß man annehmen, daß weder der Hof noch die Regierung, noch die Militärbehörde es für zweckmäßig hält, die Sache gerichtlich flarzustellen. Das ist um fonderbarer, als gerade Die Mädchenschändungen in der Leibgarde des Dänenkönigs. von Verführung oder Bergewaltigung von Kindern im Alter von Jm Juli dieses Jahres berichteten wir, daß die Borsteherin des zehn bis zwölf Jahren durch königliche Leibgardisten die Rede war. dänischen Magdalenenheims Stovtofte" auf der Jahresversammlung Die einzige praktische Folge der Enthüllingen ist, daß der alte Witterungsübersicht vom 26. September 1908, morgens 8 Uhr. der Inneren Mission die königliche Leibgarde in Kopenhagen be- Portier von Amalienborg- Schloß, in deffen Stube die Gardisten fchuldigte, eine große Anzahl blutjunger Mädchen verführt und ihre verbrecherischen Orgien feierten, in Gnaden und mit Pension verdorben zu haben, daß die Soldaten auch unter sich allgemein entlassen wurde. Die Innere Mission hat, so weit ihr Anhang in Frage kommt, homosexuelle Ünzucht trieben und schließlich, daß in den Kreisen der Innern Mission oder der Vereine chriftlicher junger Männer, auch eine polizeiliche Untersuchung veranlaßt. Diese ist jedoch noch nicht beendet. Vermutlich wird man es auch auf dieser Seite für den leitenden Personen, Bäter der und sogar unter die gut befinden, gegen Fräulein Esche keine Ariflage zu erheben. folcher Mädchen finden feien, ehelichen Kinder solcher zu jenem Rettungsheim überwiesen wurden. Es war eine der letzten Regierungshandlungen des jetzt als Millionendieb hinter Schloß und Riegel fizenden Justizministers Alberti, daß er gegen die Vorsteherin des Magdalenenheims, Fräulein Esche, ein Verfahren wegen Majestätsbeleidigung einleitete. Sie mußte dann auch vor dem Untersuchungsrichter erscheinen; aber vor einigen Tagen ist das Verfahren plöglich eingestelt worden, mit der Begründung: es habe sich teine Veranlaffung ergeben, Antlage Goldwaren Jadustrie Belmonts& Königstrasse 46. Bitte genau auf Hausnummer 46 an achten, da hönfig Verwechslungen vorgekommen. In 30 m langer Auslage fladen Sie Tausende Schmuckgogenstände mit deutlicher Preisnotierung ausgestellt. uns Versammlungen Veranstaltungen. Erfter Kreis. Montag, den 28. September, 8%, Uhr, bei Engel, Seydelstr. 80. Sanfaviertel, Donnerstag, den 1. 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Pfund 35 Pt. 25 PL Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. ( Siche Wochen Spielplan.) Sonntag, den 27. September. Freie Volksbühne. Nachmittags 3 Uhr: 5. Steilung im Neuen Schauspielhause: Die Kinder der Exzellenz. 11. Abteilung: nachmittags 3 Uhr im Lessiny Theater: Die bersunkene Glode. 10. Abteilung: nachmittags 3 Uhr im Thalia- Theater: Tedeum. Montag, den 21. September. 15.( IV.) A bendabteilung: abends 7 Uhr im Neuen Schaus spielhause: Fauit. Neue Freie Volksbühne. Nachmittags 22 Uhr im Deutschen Theater: Kettenglieder; in den Kammerspielen): Des Meeres und der Liebe Wellen; nachmittags Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Der Montblanc. Montag 8 Uhr: Der Montblanc. Z OOLOCISCHER CARTEN Heute Sonntag: 50 Pf. Eintritt: Kinder unt. 10 Jahren d Hälfte. Ab nachmittags 4 Uhr: Militär- Dopp.- Konzert Morgen sowie täglich: Gr. Militär Konzert. Schiller- Theater. O.( Wallner- Theater.) 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Unter Linden 3 Uhr: im Neuen Theater: Jahr Eingang Schadow- Straße No.14. markt in Pulsnig; im Neuen Operetten- Theater: Der Opernball; im Schiller- Theater O.: Stein unter Steinen; im Schiller= Theater Charlottenburg: Göz bon Berlichingen; im Friedrich Wilhelmstädtischen Schauspiel hause: Die Nibelungen; im Hebbel- Theater: Cyprienne. Die Stärtere; im Berliner Theater: Emilia Galotti. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Mercadet. Morgen: Der Traum ein Leben. Heute Sonntag Eintrittspreis 25 Pf. Pf. Reichhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Seetieren, Reptilien etc. 160,1 Passage- Panoptikum. Ohne Extra- Entree. Der Riese aller Riesen Neues Theater. Pisjakoff Wahrheit. Lustspiel in 4 Aften von Clyde Fitch. Anfang 8 Uhr. Morgen und folgende Tage: Wahrheit. Eintritt 50 Pf. Kinder, Soldaten 25 Pf. Passage- Theater. Kleines Theater. Heute zwei Vorstellungen. Sonntag, den 27. September 1908, nachm. 3 Uhr: Ein idealer Gatte. Abends 8 Uhr: 2 mal 2= 5. Montag: 2 mal 2= 5. Dienstag: 2 mal 2 Mittwoch: 2 mal 2 = = 5. 5. Nachm. 3-7 Uhr( kleine Preise). Abends 8-11 Uhr. Heute Sonntag, den 27. d. M., nachm. 3 I. n. abends 7, 11. Große außerordentliche Gala- Vorstellungen Rachmittags auf allen Blägen ohne Ausnahme 2 Ein Kind frei. Jedes weitere Kind unter 10 Jahren halbe Preise( außer Galerie), abends jedoch volle Preise. In betd. Borit., nachm. u. obends: Die neueste u. größte Sensation: ? Butterflies? 36 Original- Marokkaner 36. Röders: Reinats Luft: Voltigeure. 8 Personen Rowlands: Truppe 8 Personen bcm Ringling Brothers Show Amerika. Leoparden- Gruppe, Dressurwunder Miß Vallecitas. Nackte Schönheiten. Klaffiche Bildhauerkunst in Bronze. S spanische Maultiere, dressiert von Herrn Bono. Das borende Känguruh. Clown Armando mit seinen dressierten Affent.. Dir. Alb. Schumanns neue u. moderne Dreffuren. Ferner famil. Spezialitäten, Clowns, Auguste, Akrobaten zu Pferde, musikalische Clowns usw. -AVA Berliner Eis Palast Qutherstraße 22/24.- Ständige Eisbahn. 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Lortzing- Theater 159/13 Belle- Alliancestraße 7/8. Heute 3, Uhr: Madame Bonivard. Abends 8 Uhr: Letter Sonntag! Gastspiel Hedwig Lange. Zaza. Residenz- Theater. Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: -O Donaueschingen geschädigten Einwohner. In der Originalbesetzung: Donnerwetter tadellos! Große Jahresrevue in einem Vorspiel u. 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Paul Lincke. In Szene gesetzt von Dir. Richard Schultz. Die Tänze einstudiert v. Ballettmeister Louis Gundlach. Massary Perry Holden Bender Giampietro- Kettner Das Glück der andern. Pfann George Cartier: Richard Merander. Hierauf:" Der felige Ottave." Octave: Richard Alexander. Nachm. 3 Uhr zu über die Hälfte ermäßigten Breisen: Haben Sie nichts zu verzollen? Luisen- Theater. Nachmittag 3 Uhr: Anna- Liese. Abends 8. Uhr: Ausgewiesen. Montag: Flachsmann als Erzieher. Dienstag: Helga. Mittwoch: Theater. Donnerstag: Helga. Freitag zum erstenmal: Aennchen bon Tharau. Lustspielhaus. Nachm. 3 Uhr und abends 8 Uhr: Thielscher Abends 8 Uhr: Zum 21. Male: Donnerwetter- tadellos! Rauchen überall, gestattet. WINE BARTEN EröffnungsProgramm. Ton Die blaue Maus. Publikum u. Presse Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. glänzend beurteilt. Sonntag, 27. Sept., nachm. 3 Uhr: Der gehörnte Siegfried. Sieg frieds Tod. Abends 8 Uhr: a Im weißen Rößt. Pollo Dienstag: Großmama. DERNHARD ROSE THEATER Gr. Frankfurter Str. 132. Der Theaterteufel Anfang 8 Uhr. Sonntagspreise. Nachmittag 3 Uhr: Kabale und Liebe. Halbe Preise. Montag: Stabale und Liebe. Dienstag: Der Theaterteufel. Theater 26 8 Uhr: Das bedeutende Attraktions. Programm. 8: Trilby und Svengali? Kunst und Mysterium. Vera Violetta. 10% 4: Paul Spadoni der König der Kraftjongleure. Größter Konzertsaal Berlins. Oek: Ernst Liebing. Heute, 27. September 1908: Einmaliges Gastspiel der belter Hamburger Sänger. Anfang 6 Uhr. Wilh. Wolffs Entree 50 PI. Nach der Soiree: TANZ- KRÄNZCHEN. Etablissement Ballschmieder. 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Der Seekadett. Brunnen- Theater Singspiel in 2 Aften. Hagenbeck- Schau. welcher von einem Eisbär Wiederauftreten des Direktors Willi Hagenbeck, sehr schwer verletzt wurde ? Java? und die übrigen Schlager des Programms. Tägl. abends 8 Uhr: Gr. Vorstellung. Jeden Sonntag, Mittwoch u. Sonnabend: 2 gr. Vorstellungen, nachm. 4 Uhr u. abends 8 Uhr. Jeden Sonnntag von 11 Uhr vorm. bis 12, Uhr: Besichtigung u. Fütterung d. Raubtiere. Jeden Wochentag ab 10 Uhr vorm. bis 12, Uhr mittags: Hochinteressante Raubtier Dressur- Proben. Besichtigung und Fütterung der Raubtiere gegen ein Entree von 50 Pf. für Erwachsene und 25 Pf. für Kinder. Badstraße 58. Dtreftion. Willy Voigt. Sonntag, den 27. September 1908: Schützenliesl. Boltsitud mit Gelang in 4 Alten von Leon Treptow. Mujit v. G. Steffens. Kaffenöffnung 6 Uhr. Anfang 7 Uhr. Montag, den 28. September 1908: Der Salontiroler. Ruftspiel in 4 Aften von G. v. Mosers Anf. 8 Uhr Rassenöffnung 7 Uhr. Luisen-Theater. SO., Reichenberger Straße 34. Sonntag, den 27. September 1908, abends 8 Uhr: Erinnerungsaufführung zur demnächstigen 30 jährigen Wiederkehr des Tages des Sozialistengesetz- Erlasses: ,, Ausgewiesen." Soziales Drama aus der Zeit des Sozialistengesetzes von Karl Böttcher. 12 Jahre wegen ,, Gefährdung der öffentlichen Ordnung" polizeilich verboten gewesen! Die Leser des Vorwärts" haben gegen Vorzeigung dieses Inserats an der Theaterkasse دو auf Plätzen von 1,50 M.: 25 Pf. Vergütung, auf Plätzen von 2,00 M. aufwärts: 50 Pf. Vergütung. Ausschneiden! Stadt- Theater Moabit. Alt- Moabit 47-49. Sonntag, den 27. September 1908: Muttersegen oder: Die Verle von Savoyen. Bolksstück mit Gesang in 3 Aften. Kasseneröffnung 6 Uhr. Anf. 7 Uhr. Gustav BehrensTheater. Goltzstr. 9. [*] Gutschein für 1-3 Personen! Cinzano MAXA echter Torino- Vermouth- Wein als magenstärkendes Getränk zu jeder Zeit für Jedermann nützlich u. stärkend. Berliner Cinzano Volks- Chor Sonnabend, 3. 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M. 71719,91 1 202,08 Sparfonds- Konto 66 501,43 Darlehensschulden- Stonto 23 814,40 19 052,15 18 345,78 Entwässerungsanlagen- Stont. 1 500, Kautions- Konto I Zahlstelle d. Freien Volksbühne. Stautions- Stonto II Bantguthaben- Konto Kassa- Konto Tilgungsfonds- Konto Alhambra Staffa- Stonto Wallner- Theaterstraße 15. ypothekenschulden M. 91 309,91 48 676,63 23 969,29 146 000, 47 000, 14 000, Konto I Konto II Konto III 1 250, 100, " P " 2 238,25 Stonto IV Stonto V Binf.- Konto I . 15 000, 15 000, 1 398,11 Schuldverschreib.- Konto I 590, 2 263,55 Jeden Großer Ball 418 010956 Sonntag: Großes Orchester. Anjang Sonntags 5 Uhr. A. Zameitat. Saldo- Bortrag bom 31. März 1907 II Coupon- Konto I. Kreditoren- Stonto. Reservefonds Gewinn- u. Berl.-R.( Gew.) Gewinns und Verlustrechnung. Abschr. Markgrafen- Säle Inventar- Stonto, 5%, Abfr Markgrafendamm 34. Amt VII 4277 Jnh. Hermann Scholtz. Heute: Gr. Ball. Säle von 100-1000 Personen zu Festlichkeiten und Versammlungen. 2 Kegelbahnen. 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M. 483,69 1 281,80 Cinzano Cinzano Cinzano Cinzano Cinzano wird ärztlich empfohlen als tägliches Frühstücksgetränk allen schwächlichen blutarmen magenleidenden Personen. vor Tisch wirkt appetitanregend und kräftigend. vor kaltem Bier erwärmt und schützt vor Erkältung des Magens. mit Mineral- oder Selterwasser ist das beste Erfrischungsgetränk. wird erzeugt aus reinem Naturwein unter Zusatz von ausgewählten heilkräftigen Kräutern. 16 ist auf der ganzen Welt bekannt und eingeführt. Wer Cinzano trinkt hat das Richtige gewählt. Zu haben In besseren Geschäften und Lokalen. Möbel auf Kredit. Stube und Küche Auzahlung von 15,00 an. Einzelne Möbelstücke Anzahlung 3,00 an. Wochenrate 1,00. Teppiche, Gardinen, Portieren, Steppdecken, Bett- und Leibwäsche, Herren- und DamenGarderoben, Sport- und Kinderwagen, Gas- und PetroleumKronen, Bilder, Spiegel, Uhren Wochenrate 50 Pr. Waren- Kredithaus 48902] Wedding. Reinickendorferstr. 113, am Stadtbahnhof Wedding. J. 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Arbeiter- Baugenossenschaft ,, Paradies" zu Berlin Anfang Oktober beginnen die neuen Sonntags- und Wochentagskurse für Anfänger sowie auch Borgeschrittene. Näheres besagen die Prospekte. 44132* ( Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht) Die Revisionskommission: Der Vorstand: Alb. Langer, Fr. Zimmermann, D. Dppenborn, Dtto Herzog. Borsigender. G. Dorner, P. Müller. Der Aufsichtsrat: Paul Schiffle, Borsigender. 127/9 Heber 100 morgen neu aufgefchloffenes Gelände, 5 Minuten vom Bahnhof Kaulsdorf 20 Pfennig- Tour Güterbbf. 8jähr.Ansiedelung, billige Wohnungen, bester lehmig. Gartenbod., Gas- u. Wasserleit., günst. Zahlungs. beding, langjähr. Sypothet. Jezt noch R.von 10 M. att. Austunft auf unser. Terrain an d. Hönowerstraße u. im Bahnhof- Rest. Bobey, Bes. Nieschalke& Nitsche Berlin, Neue Königstr. 16 Prachtsäle Alt- Berlin Blumenstraße 10, neben dem Residenz- Theater. Hiermit erlaube ich mir höflichst anzuzeigen, daß ich am 1. Oktober obengenanntes Etablissement eröffne. 43542* Ich gestatte mir gleichzeitig, die 7 Festfäle in jeder Größe, bis 800 Personen fassend, mit Theater und Konzertbühne( beste Akustik) zu Festlichkeiten, Kommersen, Versammlungen zc. bestens zu empfehlen. Ferner erlaube ich mir noch auf die drei mit allem Somfort ausgestatteten und den Bestimmungen des Verbandes entsprechenden Kegelbahnen aufmerksam zu machen. Bur eventuellen Rüdsprache sowie Entgegennahme von Aufträgen stehe ich täglich von 10-12 und 3-7 Uhr in meinem Kontor, Blumenstraße 10 sehr gern zur Verfügung und wird es mein eifrigstes Bestreben sein, mir die Gunst der geerhrten Gäste im höchsten Hochachtungsvoll Maße zu erringen. Fritz Schmidt. Empfehle allen Freunden und Bekannten zum bevorstehenden Umzuge und später mein Glas-, Porzellan-, Steingut-, Nippes-, Lampen- und Emaillewaren- Geschäft sowie sämtliche Küchen- Artikel zu den billigsten Preisen. bei der Landsberger Alles. 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April d. J. vor, die sich auf 70 Betriebe erstreckte, von denen jedoch nur 30 Sternmacher beschäftigten und zwar 115, unter ihnen 94 organisierte und 24 Kerumacherinnen, unter denen nur 3 organisierte waren.. Eine Versammlung der Kernmacher und Kernmacherinnen der Eisen und der Metallgießereien fand am Donnerstag bei Wilfe in der Brunnenstraße statt. Der Branchenvertrauensmann Gezti beDie Bersicherungsangestellten und ihre Organisation. richtete hier über die Statistit, die Ende August zur Feststellung der Wir brachten seinerzeit einen Versammlungsbericht, in dem Zahl der beschäftigten und der organisierten Kernmacher aufge Es fand nun in der Versammlung eine rege Aussprache über den Versicherungsangestellten als zuständige Organisation der Vernommen wurde. Sie erstreckte sich auf 36 Eisengießereien. Be die Organisations- und Arbeitsverhältnisse statt. Namentlich wurde band der Bureauangestellten empfohlen wurde. In einer Zuschäftigt waren hier 442 Kernmacher, unter ihnen 354 organisterte, Wert darauf gelegt, daß mehr Fühlung zwischen den Branchen der schrift des Verbandes der Handlungsgehilfen wurden dann später und 26 Kernmacherinnen, von denen nur 7 organisiert waren. Von in den Eisen- und der in den Metallgießereien tätigen Kernmacher die Versicherungsangestellten für diesen Verband reklamiert. Demden organisierten Sternmachern gehören 317 dem Deutschen Metall- genommen wird, da es häufig vorkommt, daß Kernmacher von der gegenüber stcüt eine erneute Zuschrift des Verbandes der Bureauarbeiter- Berband an, 8 dem Fabritarbeiter- Verband, 4 dem Handels- einen zur anderen Branche übergehen. Außerdem wurde über die angestellten an uns fest: Waßgebend für die Zugehörigkeit zu und Transportarbeiterverband und 25 dem Hirsch- Dunderschen Ge- gelbe Seuche gesprochen, die ja jezt in der Zeit der Krise um so ge- einer gewerkschaftlichen Organisation find allein die wirtschaftlichen werkverein. Im April dieses Jahres war die Zahl der in den fährlicher erscheint. Mehrere Redner bemerkten jedoch, daß diese Verhältnisse und diese drängen die Versicherungsangestellten mit Eisengießereien beschäftigten Kernmacher noch 474; es sind also Gefahr häufig überschätzt werde. Unter den Kernmachern haben die Notwendigkeit zur Organisierung in den Verband der Bureauanseitdem nicht weniger als 32 Arbeiter in dieser fleinen Branche| Gelben im allgemeinen nur wenig Einfluß gewinnen können, und so gestellten. October liebrill DENKMÅLER der Bekleidungskunst Winter- Moden 1908/09 Tobbietet unser soeben erschienener Haupt- Katalog No. 35 Boledoitboitl Drift Diesés vortrefflichen Ratgebers polick beim Einkauf von Herren- und Knaben- Kleidung bellebe sich jeder zu bedienen. alamit Tausende anaufgeforderte Anerkennungsschreiben que altes Walttellen beweisen die Reel/ ität und Prelswürdigkeit unserer guten Waren. 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Luisenpark, Wilhelms- Aue 112. ename nedeZehlendorf. Sell Mickley, Potsdamer Straße 25. Friedrichsfelde. adaptat nedal dhulz, Wilhelmstraße 11. Ober- Schöneweide. Wilhelminenhof, Wilhelminenhofstraße. Tages- Ordnung: 1. Berichterstattung vom Nürnberger Parteitag und Diskussion. 2. Bericht von der Brandenburger Provinzialkonferenz und Diskussion. 3. Mitteilungen. 205/17 In Charlottenburg außerdem: Aufstellung der Kandidaten zur Stadtverordnetenwahl. Zu allen Versammlungen legitimiert das Mitgliedsbuch des betreffenden Wahlvereins! Erscheinen ist Pflicht! Zentralverband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. Mittwoch, den 30. September 1908, abends 8% Uhr, in den Neuen Arminhallen, Kommandantenstr. 58/59: Außerordentliche General- Verfammlung. 139/ 13* Tagesordnung: 1. Bericht über die Tarifverhandlungen mit dem Verband der Berliner Beton- und Eisenbetonbaugeschäfte. 2. Diskussion. 3. Berschiedenes, Mitgliedsbuch legitimiert. Bahlreichen Besuch erwartet Der Sektions- Vorstand. Deuticher Metallarbeiter- Verband. Arbeitsnachweis: Hof I. Amt III. 1289. Verwaltungsstelle Berlin. Charitéstraße 3. Orts- Krankenkaffe der Konditoren, Pfefferküchler und verwandten Gewerbe. Freitag, den 2. Oftober 1908, abends 8 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstraße 58/59: Die Vorstände. Partei- Speditionen: Zentrum I: Frit 3inte, Mauerstr. 89. Zentrum II: Albert Hahnisch, Auguststr. 50, Eingang Joachimstraße. Wahlversammlung 2. Wahlkreis, Best en: Gustav Schmidt, Kirchbachstr. 14, Hoch für sämtliche Mitglieder. Tages- Ordnung: Wahl von 94 Delegierten ( Arbeitnehmer) zur Vertretung in der General bersammlung. Wahlberechtigt und wählbar sind männliche und weibliche Mitglieder über 21 Jahre, welche im Befige der bürgerlichen Ehrenrechte find.[ 18415 Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Gustav Naumann, Vorsitzender, Rigdorf, Biebrichstraße 10. parterre. Süden und Südwesten: Hermann Werner Gneisenaustr. 72, Laden. 8. Wahlkrels: St. Friz, Prinzenstr. 31, Hof rechts part. 4. Wahlkreis: Diten: Robert engels, Rüdersdorferstr. 3, am Küstrinerplaz. Wilhelm Mann, Petersburgerplatz 4( Laden). 4. Wahlkreis, Südosten: Paul Böhm, Laufiperplaz 14/15 ( Laden). 5. Wahlkreis: Leo 8ucht, Immanuellirchstr. 12( 507). 6. Wahlkreis( Moabit und Hansaviertel): Karl Anders Salzwedelerstr. 8, im Laden. Wedding: Rarl Weiße, Nazarethkirchstraße 49. Rosenthaler und Oranienburger Vorstadt: Qermann Raichte, Aderstr. 36, Eingang Antlamerstraße. Gesundbrunnen: Frapp, Stettinerstr. 10. Schönhauser Vorstadt: Karl Mars, Lychenerstr. 123. Alt- Glienicke: Wilhelm Dürre, Nudowerstr. 83 II. Hof III. III. 1987. Märkischer Hof" Charlottenburg: Gustav Scharnberg, Gesenheimerstraße 1, Ede Dienstag, den 29. September, abends 8 Uhr, in Kellers) Neuer Philharmonie", Köpenicker Straße 96/97: Versammlung aller in der Gold- u. Silberwaren- Industrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Zages Ordnung: 1. Der gegenwärtige Stand unserer Tarifbewegung. Referent: Stoll. Handke. 2. Distuffion. Kollegen und Kolleginnen! In dieser Versammlung wird Ihnen die Antwort der Arbeitgeber mitgeteilt. Mit Rücksicht darauf, daß am 1. Oktober b. 3. der gegenwärtige Tarif abläuft, ist es dringend notwendig, daß die weitere Stellungnahme der Arbeitnehmer endgültig festgelegt wird. Da es sich hier also um die Interessen der Gesamtheit handelt, darf niemand von Ihnen fehlen. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. ArbeiterSamariter Kolonne. Winter- Kursus 1908/1909. Der Kursus beginnt in ber 1. Abteilung Dresdener Str. 45 am Montag, den 5. Oktober. Brunnenstr. 154 am Dienstag, den 13. Dktober. 12345 2. 99 3. 99 4. 99 5. 99 in Schöneberg bei Wielo ch, Grunewaldstr. 110, am Donnerstag, den 8. Dftober. in Lichtenberg bei Bedmann, Samariterstr. 11, am Donnerstag, den 8. Oftober. in Rigdorf bei Thiel, Bergstr. 151/152, am Montag. den 12. Oftober. Das Thema des ersten Abends in jeder Abteilung lautet: leber Anatomie( Bau des menschlichen Störpers) mit Demonstrationen an Wandtafeln und Präparaten. ell Die Ortsverwaltung. Bettfedern, Betten, Inlette kauf. Sie am besten Hornstr.2 b. Neumann. Möbel laufen Sie am billigsten und besten beim Fabrikanten Emil Ruflar Tischler Innungsmeister BERLIN S.( am Moritzplatz) 291/3" Prinzenstr. 34. Einschreibegeld 50 Pf., Monatsbeitrag 25 Pf. Die Bibliothek steht den Teilnehmern zur Berfügung. Der Besuch des ersten Abends steht Langjährige Garantie! jedem als Gast frei. Die Lehrstunden finden in jeder Abteilung vierzehn tägig statt. Beginn derselben 9 Uhr abends. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Teilzahlung. Gegründ. 1883. Zel. IV. 473. Admiralstraße 18c. Fernsprecher: Amt 4 Nr. 4594. Am 1. Weihnachtsfeiertag ist der große Saal frei; lleine Säle Sonnabends und Sonntags zu vergeben. Jeden Sonntag: Gr. Ball. Goethestraße, Laden. Wilmersdorf- Halensee: 5lle, Sigmaringenstr. 5. Lichtenberg, Friedrichsfelde, Wilhelmsberg: Otto Seifel, tronprinzenstraße 4, I. Rummelsburg, Boxhagen:. Rofentrans, Alt- Borhagen 56. Grünau: Franz St Lein, Bahnhofstr. 6 III. Bohnsdorf und Falkenberg: 6. Pfeifer, Bohnsdorf, Ge noffenschaftshaus. Heinrich, Nedarstraße 2, im Laden. H. Grupe's Festsäle Schmargendorf: Gustav Kaminsty, Cunoftraße 2. Annenstr. 16. Säle zu allen Festlichkeiten, Große Vereinszimmer. Vorzügl. Küche. Solide Preise. Schöneberg: Wilhelm Bäumler, Martin Lutherstr. 51, im Laden. Tempelhof: M. Müller, Berlinerstr. 41/42. Ober- Schöneweide: Julius Grunow, Edisonftr. 10, I. Nieder- Schöneweide: Bonatowsky, Hasselwerberstr. 8. Mittagstisch täglich& Gorichte, Johannisthal: Bielide, Staiſer- Wilhelm- Blag& ΠΑΛ 50 und 60 Pf. Stolas, Kolliers, Krawatten, Muffen, Herren- u. Kinder Garnituren, Pelzjacken, Pelze, garnierte Pelzhüte, Baretts, Pelzdecken, nur eigenes Fabrikat, in größt. Auswahl, aus bestem Material. Kein Zwischenhändler, daher Fabrikpreise. Verkf. bis 9 abends. Sonntags Adlershof: Erich Steuer, Hadenbergstr. 5, II. Königs- Wusterhausen: Friedrich Baumann, Amtsgarten 3. Köpenick: Friedrich Woid, Stiegerstr. 6, Laden. Friedrichshagen: Reinhold Schmidt, ilhelmstr. 53. Friedenau- Steglitz- Südende: 5. Bernjee, Schloßftr. 119, Hof I, in Steglit. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: . Mohr, Düppelstr. 32, und Fr. Schellbase, Ahornftr. 15 a. Marlendorf: Hermann Reichardt, Kurfürstenstr. 34. Baumschalenweg: H. Hornig, Marienthalerstr. 18, I. Treptow: Rob. Gramen3, Kiefholzstraße 412, Laden. Neu- Weißensee: Kurtuhrmann, Sedanstr. 105, parterre Reinickendorf- Ost, Wilhelmsruh und Schönholz: B. Gurich, Grünerweg 46 I. Tegel, Borsigwalde, Wittenau Waidmannslust, Hermsdorf und Reinickendorf- West: Paul Kienast, Borfigwalde, Rauschstraße 10. Pankow- Niederschönhausen: Mühlenstr. 73. Bernau- Röntgental: Heinrich Brose, obesteinstr. 74, part. Eichwalde, Zeuthen, Miersdorf und Hankels Ablage: Erich 8immermann, Eichwalde, Kaiser- Friedrich- Straße 8. Teltow: Wilhelm sejler, Hohersteinweg 7. Nowawes: Wilhelm Jappe, Priesterstr. 46. Spandau: toppen, Jagonftr. 9. Mahlsdorf und Kaulsdorf: Hugo Scheibe, Mahlsdorf, Walderfeestr. 14. Sämtliche Parteiliteratur fowie alle wissenschaftlichen Werte werden geliefert. geöffnet. Annahme von Inseraten für den ,, Vorwärts". F. Kalman, Kürschnermstr. Kommandantenstr. 15, Tel.: I, 3917, gegenüber Beuthstr., vorn 1 Tr. Bitte ausschneiden. DE 245/1 Arbeiter- Bildungsschule Berlin. Sonntag, 27. September 1908, im großen Saale des Gewerkschafts: 6/ 15* hauses, Engelufer 15: Vortrag des Herrn Otto Roth- Berlin über: ,, Im Reiche der schwarzen Diamanten" ( mit zahlreichen Lichtbildern). 1. Die Entstehung der Steinkohle| 3. Nebungen ( mit 14 Lichtbildern); 2. Das Leben und Treiben im der Rettungsmannschaften( mit 4 Lichtbildern); Steinkohlenbergwert( mit 31 4. Die Arbeiterkolonien( mit 15 Lichtbildern); Lichtbildern); 5. In den Kohlenhäfen von Ruhrort( mit 9 Lichtbildern). Eröffnung 6 Uhr. Beginn 7 Uhr. Eintritt 30 Pf. Garderobe( gegen Borzeigen des Billetts) frei. Nach dem Vortrag: Gemütliches Beisammensein mit Tanz. Zentral- Verband der Zimmerer und verwandten Berufsgenossen Deutschlands. Zahlstelle Königs- Wusterhausen und Umgegend. Feier des zehnjährigen Stiftungsfestes am 3. Oktober, abends 8 Uhr, in Neumühle bei Hermanns( Bellevue). Gäste, Freunde und Gönner des Verbandes ladet freundlichst ein 255/ 4* Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Ortsverwaltung Berlin. Bezirk Moabit, Wedding und Gesundbrunnen. Montag, 28. September, abends 6 1hr( gleich nach Feierabend): Bezirks- Versammlung in Schölzels Gefellschaftshaus, Bohenstr. 12. Zages Drdnung: Freireligiöse Gemeinde. Beschließende 62/4 Gemeindeversammlung am Montag, den 28. September, abends 8 Uhr, bei Julius Meier, Sebastianstraße 39. Zages Ordnung: 1. Innere Gemeindeangelegenheiten. 2. Statutenänderung. 3. Ersakwahl von vier Revisoren und einem Ordner. Nur vollberechtigte Mitglieder haben Zutritt. Achtung! Achtung! Bewilligte Bäckereien! Parteigenossen! Arbeiter! Hausfrauen! Am Sonntag, den 4. Oktober 1908, erscheint wiederum die große Liste sämtlicher bewilligten Bäckereien Berlins und Umgegend, was wir bei dem Oktober- Umzuge besonders zu beachten bitten! Bitte aufbewahren! Um obige Liste so einwandsfrei, wie nur irgend möglich zu ges stalten, ist eine eingehende Kontrolle aller bewilligten Bädereien Berlins und Umgegend vorgenommen worden. Dabei ist festgestellt, daß viele Bäckermeister sich wohl sehr gern die laufenden Empfehlungen im " Vorwärts" gefallen ließen, dagegen, und zum Teil sogar schon seit langer Zeit, den ehrenwörtlich unterschriebenen Tarif der 1. Bortrag des Stollegen Nitschke. 2. Wahl eines Beitrags- Bäckergesellen in keiner Weise einhalten, sondern ihn in der fammlers. 3. Berbandsangelegenheiten. Bilderrahmenmacher. struzellosesten Weise ständig insofern durchbrechen, als un: organisierte Gesellen von den Innungen und wucherischen Agenten bezogen werden, der freie Tag nicht gegeben und Ueberstunden nicht mehr bezahlt worden find, überhaupt sich in jeder Weise als Montag, den 28. September, abends 6 Uhr( gleich nach Feierabend): ausgesprochene Arbeiterfeinde entpuppt haben! Branchen- Versammlung Den Tarif haben durchbrochen und gelten daher als zurückgezogen: im Gewerkschaftshanse, Engelufer 15( Saal 3). Zages Ordnung: Brüsselerstr. 43, Januczed. Fehmarnstr. 23, Bark. Glogauerstr. 2, Stopan. 1. Vortrag des Kollegen Langhammer. 2. Bericht der Kom- Hagenaunstr. 1, Hanke. mission. 3. Branchenangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Korbmacher. Kaftanien- Allee 83, Filiale. Kopenhagenerstr. 49, Ruhrt. Nazarethkirchstr. 39, Zibell Nachfl. Naunynstr. 62, Heilmann. Prinzen- Allee 13, Möbius. Reichenbergerstr. 95a, Tschente. Straßmannstr. 2, Fr. Hante. 24, Bander( legt Wert darauf boykottiert zu sein und zu bleiben). Montag, den 28. September, abends 8%, Uhr, im Gewerkschafts: Schliemannstr. 37, Filiale Hanke. hause, Engelufer 15, Saal 7: Branchen- Verfammlung Zages Drdnung: 1. Vortrag der Genoffin Martha Jeetze über: Der Kampf nm eine tulturwürdige Menschenexistenz". 2. Disfuffion. 3. Branchenangelegenheiten. Branche der Musikinstrumenten- Arbeiter. Tegelerstr. 11, Lenzner. Nieder- Schönhausen. Buchholzerftr. 8, Richter. Rixdorf. Bergstr. 72, Kahlert. Schöneberg. Belzigerstr. 61, Sternchen. Kyffhäuserstr. 4, Paul. Gustav Müllerstr. 35, Schmidt. Weißensee. Friesedeftr. 23, Thiele. Langhansstr. 75, Rauber. Achtung! Auf vielfache Anfragen stellen wir fest, daß die Bäderei von Hanke, Mariannenstr. 7, nicht mit den bewilligten Hankeschen Großbäckereien identisch ist, Montag, den 28. September, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, sondern lediglich den Namen gemein hat und die Backwaren aus der unEngelufer 15, Saal 1: Branchen- Versammlung. Tages Drdnung: 1. Vortrag des Landtagsabgeordneten H. Ströbel über:" Die Eine Partie 4154L* imit. Perser Teppiche getrene echter Perser Kopien von wunderbarer Farbenpracht auf beiden Seiten benutzbar. Ungefähre Größe 97 99 90X185 cm M. 3,75( bish. 6,00) 130X200 160X230 200X300 250X350 300X400 72 27 39 19 39 5,50 8,75( 12,75( 21,50( 28,50) 8,25) 29 37 12,75) 18,50) " " 17 19 37 28,50( 39,00) Passende Bett- u. Pult- Teppiche Stück 75 Pf., 1,00 und 1,50 M. Nach auswärts per Nachnahme. Teppich- Spezial- Haus Emil Lefèvre Berlin Süd. Seit 1882: nur Oranienstr. 158. Habe nirgends Filialen! Pracht- Katalog mit ca. 600 gratis und franko. + Westmannst Trauermagazin Hauptgeschäft Berlin W., Mohrenstraße 37a, fein Eckhaus, und Berlin NO., Gr. Frankfurter Str. 115, tein Edhaus, erreicht seine Leistungsfähigkeit und seine billigen Preise durch Raumersparnis u. geringeSpesen Geschmackvolle Auswahl in fertiger Trauer- Garderobe für Damen und Mädchen. Die Harnleiden Ibre Gefahren, Verhütung und Beseitigung von Dr. med. Schaper, BERLIN Preis 1 Mark. Stes Tausend bewilligten Bäckerei von Weidner, Falckensteinstr. 45, bezogen wird. Man sehe sich also vor Täuschungen, die augenscheinlich be: Ferlag Max Richter Frankfurt( Oder) absichtigt find, vor. 18665 Der Vertrauensmann. Buschmühl.- Chaussee Von der Reise zurück. Reichsfinanzreform. 2. Branchenangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Tanz- Lehrinstitut Richard Heinrich Dr. Alfred Simonsohn Mitgliedsbuch legitimiert. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Die Branchenkommission. NB. Die Vertrauensleute werden ersucht, auf die Versammlungs. kontrollzettel in den Mitgliedsbüchern aufmerksam zu machen. Laden- und Kontorimöbel- Branche. im Festsaale 1 des Gewerkschaftshauses, Engelufer 15. Sonntag, den 4. Oktober, nachmittags 3 Uhr, beginnt der Hauptkursus in dieser Saison. Anmeldungen werden in meiner Wohnung sowie vor Dienstag, den 29. September, abends 8, Uhr, im Englischen Beginn des Unterrichts entgegengenommen. Garten, Alexanderstr. 270: Branchen- Versammlung. Zages Drdnung: Hochachtungsvoll 4412L* Richard Heinrich, Tanzlehrer, Wrangelstr. 107, Amt 4, 10381. Jeden Sonntag Große Gesellschaftsstunde, von 6 Uhr ab: 1. Vortrag über:" Die Lage in der Berliner Holzindustrie". wozu ergebenst einladet Referent: Stollege Langhammer. 2. Branchen und Werkstattangelegenheiten. Einsetzer. Mittwoch, den 30. September, abends 8 Uhr,= im Gewerkschaftshanje, Engelufer 15, Saal 7: Branchen- Verfammlung. Zages Ordnung: 1. Besprechung über die Delegiertenwahl zu den Generalversammlungen. 2. Verbandsangelegenheiten. 3. Berschiedenes. Perlmutter, Horn-, Steinnuß- KnopfArbeiter und Arbeiterinnen. Mittwoch, den 30. September 1908, abends pünktlich 6 Uhr: Branchen- Verfammlung im Gewerkschaftshause, Engelufer 15( Saal 5). Zages- Ordnung: 1. Die am 1. Oftober in Kraft tretenden Menderungen des Verbandsstatuts. 2. Branchenangelegenheiten. 91/3 D. 0. Invalidenstraße 129. Quartett- Gesang zu Beerdigungen empfiehlt zu jeder Zeit Gustav Voigt, Chordirig., SO.33, Görlitzer Str. 56, part. Empfehlen den Genossen unser Sargmagazin Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berliner Reichstags- Wahlkreis. ( Landsberger Viertel.) Bezirk Nr. 397b. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Maurer Adolf Henze Am Friedrichshain 14. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 28. September, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen halle des Zentral Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 220/15 Der Vorstand. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Am 24. September verstarb im Alter von 36 Jahren an der Proletarierkrankheit unser lang. jähriges Mitglied 139/12 Adolf Henze ( Nord- Dit). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 28. September, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Verbandsleitung. Zentralverband deutscher Brauerei- Arbeiter. Berlin Sektion II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Bierfahrer[ 44/1 Ernst Feldt ( Viktoriabrauerei, Abteilung I) plöglich verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung erfolgt heute Sonntag, nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Friedhofes der Luthergemeinde in Lankwiz, Marienfelderstraße. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Todes Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß am 24. September unfer zweiter Sohn Georg im Alter von 9% Jahren auch an Scharlach gestorben ist. Dies zeigen tiefbetrübt an 44572 August Pattioch und Frau, Bastianstraße 4. Die Beerdigung findet Montagnachmittag 5% Uhr von der Leichenhalle des St. PhilippusApostelfriedhofes, Müllerstraße, Ede Seestraße aus nach dem städtischen Friedhof statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und für die zahlreichen Stranzspenden anläßlich der Beerdigung unferes inniggeliebten Sohnes und Bruders Willi Haase sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten sowie dem Brandenburger Maschinenseger Verein, den Kollegen von der Deutschen Tageszeitung" und von der GutenbergDruckerei unseren herzlichsten Dant. Auguste Haase. Erich Haase. " Graumann's Festsäle und Garten. Beerdigungsinstitut Dr. Simmel Bühne. 27 Naunynstr. 27. 3 Kegelbahnen. " Solidi H. Fischer& Kreutzberger, Rixdorf, Pflügerstraße 70. Sonnabende im Oktober, November, Dezember etc. noch frei. Ede Friedelſtr. Amt Rigdorf jetzt 495 379 Sie Sollen nicht Verband der Sattler. zurück Ortsverwaltung Berlin. Donnerstag, den 1. Oktober, abends 8%, Uhr: Allgem. Mitglieder- Versammlung in den Armin- Hallen, Kommandantenstr. 58-59. Zages Drdnung: " 1. Geschäftliches. 2. Vortrag des Stadtverordneten Genossen Emil Wutzky über: Arbeitskammern". 3. Diskussion. 4. Der Streit bei der Firma D. Scheier und das Verhalten des Kollegen Rosenthal. 5. Berschiedenes. Um zahlreichen Besuch dieser Versammlung ersucht 157/17 Die Ortsverwaltung. bleiben Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, dicht am Moritzplatz, 10-2.5-7. Sonntags 10-12, 2-4 sondern sich persönlich ohne Kaufzwang überzeugen! Nach soeben beendeter Engros- Saison verkaufe ich direkt an Private Astrachan, Plüsch-, Pelz- Konfektion, die vornehmsten Neuheiten in hochelegante gediegene Façons! Letzte Modeerscheinungen! bedentend billiger wie in jedem Laden- oder Detail- Geschäft! Mäntel, Kimonos, Paletots, Capes, Kostüme, Kleider, Röcke, Blusen, Fantasiepièçen, Abend- u. Theatermäntel anfangend von Mark 5,-, 8,-, 10,-, 12,-, 15,-, 20,-, 25,-, 30,- bis Mark 250,-. Ein großer Posten Wert zum großen Teil weit höher; Doppelte! teilweise sogar um das Uebergangsmäntel zu M. 8,- per Stück, zum Aussuchen! Jede Pièce wird kostenlos für jede Figur geändert. Sonntag, den 27. d. Mts., bleibt mein Geschäft der Feiertage wegen geschlossen! Eleg.Trauer Magazin Separat Abteilung Auswahl& Preise konkurrenzles. Besuch Vormittags erbeten, da Nachmittags zu starker Andrang. Man achte genau im eigenen Interesse auf meine Firma und Hausnummer! Haupt- Berlin W., Mohrenstr. 37a( d. Jerusalemer Straße, kein Eckhaus, 2. Haus v. geschäft: Konfektionshaus Westmann, C und Berlin No., Gr. Frankfurterstr. 115 kein Eckhaus, 2. Haus von d. Andreasstraße. ( 53 email! sus im pleas Passage Kaufhaus Friedrich- Strasse 110- n1-112. BERLIN Oranienburgerstr. 54-55-56-56a Vereinigung erstklassiger Spezialgeschäfte bli Eröffnung zodanindro Montag, 28. September, Nachmittag 5 Uhr 190 tommie Die Königlichen Eisenbahn- Direktionen Hamburg, Dresden, Leipzig, Hannover, Frankfurt am Main, München, Köln, Breslau, Posen, Königsberg, Danzig, Stettin, Bremen, Lübeck, Cassel, Magdeburg werden anlässlich der Eröffnung des Passage- Kaufhauses in den nächsten Wochen Extra- Züge nach Berlin und zurück verkehren lassen. Die Fahrpreise sind auf etwa die Hälfte ermässigt, die Fahrzeiten wesentlich verkürzt, malf die Züge enthalten nur Wagen II. Klasse. Die Fahrt- Teilnehmer erhalten Vorzugspreise in den Hotels und Theatern. Die Ausgabe der Fahrkarten erfolgt durch uns. Anfragen und Vorbestellungen sind zu richten an die ,, Verkehrs- Abteilung des Passage- Kaufhauses". Die genauen Termine geben wir gemeinsam mit den Königlichen Eisenbahn- Direktionen demnächst bekannt. 17: 7-1 Sab badway 2 Verantwortlicher Redakteur: Georg Davidsohn, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW, Nr. 327. 23. IahrMg. I Sfilüic Ks Lsmäris" ßnlim NslksM Zonntaz. 27. September M8. sie liataittophe auf öer Hochdahn. Ein entsetzliches Unglück hat sich gestern auf der Hochbahn ereignet. Ein vom Bahllhof Leipziger Platz nach dem Bahnhof Möckernbrücke fahrender Zug der Hoch- und Untergrundbahn überfuhr gestern nachmittag gegen 2 Uhr am Gleisdreieck das Haltesignal und fuhr einem von der Bülowstratze kommenden, nach Bahnhof Möckernbrücke fahrenden Auge iu die Flanke, wobei der Führerwagen des letzteren vom Viadukt fiel, wäh- rend die beiden anderen Wagen des Zuges auf dem Viadukt stehen blieben. Bis 3 Uhr nachmittags waren 13 Tote und 8 Verwundete geborgen. Nach einer späteren Meldung find 17 Personen tot, 18 verwundet, darunter eine Anzahl recht schwer. Ueber die Ursache des Unglücks geht uns folgende Darstellung zu: Bekanntlich befindet sich zwischen den Stationen Bülowstrahe und Leipzigerplatz einerseits und Bülowstraße— Möckernbrücke anderer- seits das Gleisdreieck, über dessen Entstehung und Bedeutung wir bei Erbauung der Hoch- und Untergrundbahn mehrfach berichtet haben. Das Gleisdreieck hat den Zweck, den Verkehr zwischen den jeweiligen drei Stationen derartig aufrecht zu erhalten, daß Verkehrsunterbrechungen vermieden werden. Vor einiger Zeit verkehrten die Züge nur direkt bis zum Leipziger Platz und dann zur Bülowstraße und später wurde wieder das Gleisdreieck umfahren. An dem spitzen Ende des Dreiecks nach dein Bahnhof Möckernbrücke zu befindet sich eine Weiche, die von den vom Bahnhof Bülowstraße und vom Leipziger Platz nach der Möckernbrücke fahrenden Zügen benutzt wird. Un- mittelbar an dieser Weiche hat sich die Katastrophe zugetragen. Der von der Bülowstraße herkommende Zug hatte keine Durchfahrt zum Bahnhof Möckernbrücke. Der Zugführer hätte also vor der Weiche halten müssen. Dagegen hatte der vom Leipziger Platz nach der Möckernbrücke angemeldete Train freie Einfahrt. Kurz, etwa zwei Meter hinter der Weiche wurde nun der Zusammenstoß herbei- geführt. Der nach dem Bahnhof Bülowstraße anfahrende Zug wurde von dem anderen Train, der zu gleicher Zeit dasselbe Gleis be- fahren wollte, von der rechten Seite angefahren. Die Katastrophe. Der Anprall erfolgte mit solcher Gewalt, daß der vorderste Wagen Nr. 3 des angefahrenen Zuges nach der Außenseite flog und aus dem Gleis gerissen wurde. Er stürzte gegen das Geländer, das wie ein Rohr vor der starken Gewalt umknickte. Einige Sekunden blieb der Wagen oberhalb des Brückenbaues in der Schwebe, und da sich das Vorderteil immer mehr nach unten senkte, so mußte auch der obere Teil nachgeben. Krachend schlug der Waggon iu dem Hofe des Grundstückes Luckenwalder Straße 2, auf dem die Wagen der Kühlhallenanlagen- Gesellschaft standen, auf. Die Szenen, die sich jetzt abspielten, waren von furchtbarer Wirkung. Ein vielstimmiges Geschrei ertönte aus dem Wagengewirr heraus und laute Klagerufe der Verletzten wurden vernehmbar. Der Wagen zweiter Klasse Nr. 231. der an den Wagen Nr. 3 angehängt war, blieb noch vor dem Absturz bewahrt. Teilweise hing er gleich- falls etwas in der Schwebe. Die Passagiere, die in diesem Waggon saßen, kamen mit dem Schrecken davon. Unter den Insassen des abgestürzten Waggons hatte daS Schicksal furchtbar gewütet. Der Waggon war von etwa 3S Personen besetzt gewesen. Die Sitzplätze waren fast säintlich besetzt. Zumeist waren es Frauen und junge Mädchen, die in dem Waggon gesessen hatten. Ein großer Teil von ihnen sollte einen jähen, unerwarteten Tod finden. Die Bergungsarbeiten. Als die von der Schöneberger Straße herbeigeeilte Feuerwehr eintraf, fand sie eine schwierige Aufgabe vor. Da man anfangs die Folgen der Katastrophe nicht übersehen konnte, so wurden noch eine ganze Reihe von Löschzügen alarmiert, und nach kurzer Zeit waren Hunderte von Mannschaften an den Bergungsarbeiten. Auch die Krankenwagen des Verbandes für erste Hilfe wurden herbeirequiriert. Ebenso alarmierte man die nächsten Polizeireviere und Aerzte aus der Nachbarschaft. Ebenso wurde die Unfallstation am Tempelhofer Ufer in Anspruch genommen. Nur wenige der mitheruntergestürztcn Fahrgäste vermochten sich allein auS dem verunglückten Wagen her- auszuhelfen. Die meisten mußten durch Feuerwehrleute heraus- getragen werden. Sie wurden sofort auf Bahren gelegt und in den Krankenwagen nach dem Krankenhause am Urban und teils auch nach dem städtischen Krankenhause in der Gitschinerstraße gebracht. Da unter den, Wagen, der kopfüber in die Tiefe gestürzt war, noch zahlreiche Personen lagen, so mußte der schwere Waggon hoch- gehoben werden. Die Szenen, die sich bei den Rettungsarbeiten ab- spielten, sind kaum zu beschreiben. Hier rief eine verzweifelte Mutter nach ihrem Kinde, dort klammerte sich ein junges, schwerverletztes Mädchen an seine Freundin und dazwischen klangen die Schmerzens- schreie der unter dem Waggon begrabenen Verunglückten. Oben an der Brücke hing der Waggon zweiter Klasse, der eben- falls jeden Augenblick herunterzustürzen drohte. Aber trotz der hohen Gefahr, die vorhanden war. machten sich die Mannschaften der Feuerwehr an die Bergungsarbeiten. Auch zahlreiche Zivil- Personen beteiligten sich unverdrossen und ungeachtet der großen Gefahr an den Arbeiten. Zuerst versuchte man den umgestürzten Waggon mittels eines mächtigen Taues und mittels Holzstützen hochzuheben. Aber trotzdem sich mehr als hundert kräftige Männer bei der Arbeit beteiligten, wollte es nicht gelingen, den mehr als zweihundert Zentner schweren Motorwagen hochzubekommen. Man stellte schließlich eine Winde auf und jetzt glückte es, den Wagen aufzurichten. Unendlich traurige Anblicke boten sich jetzt den An- wcsenden. Eine Leiche nach der anderen wurde unter dem Waggon hervorgeholt und auf die Seite gelegt. Zumeist waren es junge Mädchen aus dem mittleren Stande. Der einen Toten war der Kopf vollständig zermalmt, an einer anderen Leiche fehlten die Arme und einer dritten waren die Beine zer- schmettert. Wer nicht einigermaßen starke Nerven besaß, vermochte den Anblick kaum zu ertragen. Auch zwei Kinder sollten den Tod bei der Katastrophe finden. Außer ihnen waren es noch vierzehn erwachsene Personen, die an Ort und Stelle oder auf dem Transporte nach den Krankenhäusern starben. Die Kranken- wagen und besonders das Krankenautomobil des Verbandes für erste Hilfe waren fortwährend unterwegs. Mit großer Aufopferung machten sich nicht allein die Feuerwehrleute, sondern auch die Polizei- bcaintcn und viele freiwillig herbeigeeilte Männer an die NettungS- arbeiten. Erst nachdem man sich vergewissert hatte, daß niemand, mehr unter dem Wagen lag, wurden die Bergungsarbeiten eingestellt und zu den Räumungsarbeiten geschritten. Im Laufe des Nach- mittags stellten sich verschiedene Herren von der Direktion der Hoch- bahugesellschaft, höhere Beamte der kgl. Eisenbahnverwaltung und des kgl. Polizeipräsidiums ein. Auch Branddirektor Reichel erschien an der Unglücksstätte. Einer der mit abgestürzten Fahrgäste giht über die Katastrophe folgendes Bild. Es ist der Primaner Julius Deutschert aus der Alten Jakobstraße 172, der mit seinem Vater und seiner älteren Schwester Martha iu dem Wagen Nr. 3 gesessen hatte. Auf dem Bahnhos Bülowstraße waren die Drei eingestiegen, um bis zum Bahnhof Prinzenstraße zu fahren. In dem Äugenblick, als die beiden Züge unter lautem Krachen zusammenstießen, hatte der junge D. das Gefühl, als ob eine Entgleisung stattfinde. Er rief seinen Angehörigen schnell ein ermahnendes Wort zu und hielt sich dann sofort an der oberen Haltestange fest. Glücklicher- weise saß er am Ausgange und so machte er den Absturz an der Messingstange schwebend mit, ohne sich besonders schwer zu verletzen. Er war dann der erste, der aus dem verunglückten Wagen heraustrat. Die Katastrophe hatte auf den jungen Menschen eine solche nachteilige Wirkung ausgeübt, daß er noch nach einer Stunde wie geistesabwesend herumlief. Vergeblich suchte er später nach dem Vater und der Schwester. Auf der Unfallstation am Tempelhofer Ufer erhielt er die ersten Notverbände. Andere Verunglückte hatten Beinbrüche, schwere innere Berietzungen, Armbrüche,.erhebliche Quetschungen usw. erlitten. Ein anderer Augenzeuge, der in dem Zuge saß, der vom Leipziger Platz kam, Herr Dr. Treitel, Frankfurter Allee 15, gibt über die Katastrophe folgenden Bericht. Er wollte vom Leipziger Platz nach der Warschauer Brücke fahren. Zu seinem Schrecken beobachtete er, wie dicht hinter dem Gleisdreieck der von der Bülowstraße an- kommende Zug sich nach demselben Gleis zu bewegte, auf das der Zug vom Leipziger Platz zustrebte. Wenige Sekunden später spürte er eine heftige Erschütterung des Waggöns und kurz darauf sah er, wie der aus den Gleisen gehobene Wagen Nr. 3 abstürzte. Dr. T. suchte sofort nach dem Hof der Kühlanlagen-Gesellschaft zu gelangen, um den Verwundeten beizustehen. Auf seine Veranlassung wurden fünf Verletzte nach dem Krankenhaus am Urban gebracht. Zehn der Leichen wurden im Laufe des Nachmittags nach dem SchauhauS gebracht und können dort rekognosziert werden. Sechs Tote liegen noch in den beiden Krankenhäusern. Der Direktor der Hochbahngesellschast Baurat Paul Wittich gibt die folgende Darstellung der Katastrophe: „Zusammengestoßen sind zwei Züge der Linien Westen- Osten und Stadt— Osten. Ter Führer des letzteren, vom Bahn- Hof Bülowstraße her kommenden Zuges hat das über dem Gleisdreieck befindliche Haltesignal übersehen. Einen Moment später kam der vom Leipziger Platz nach Osten fahrende Zug, der nicht sofort bremsen konnte und daher trotz verminderter Schnelligkeit aus der Weichenkreuzung den aus dem Außen- gleise befindlichen Zug mit furchtbarer Gewalt beiseite drängte, so daß dieser das Schutzeisen durchbrach und vom Viadukt herunterstürzte. Der erste Wagen ist fürchterlich zertrümmert, der zweite Wagen, der Wagen 2. Klasse, blieb hängen. Der Motorführcr ist tot." An der Unglücköstelle. Ein an der Unglücksstelle weilender Mitarbeiter unseres Blattes schreibt uns: Grauenhaft ist der Anblick der Unglücksstelle. Eine dichte Menge Menschen drängt sich wie eine Mauer in den Hof. Ueberall bleiche, erschreckte und angstverzerrte Gesichter. Auf den umliegenden Dächern haben sich viele Menschen aufgestellt. Die Straßen berder Unglücksstelle sind mit Neugierigen überflutet. Unter den Trümmern liegen Kämme, Hüte, Schleier, Kleider- fetzen, Spazierstöcke und andere Gegenstände. Auch einzelne Glieder soll der Trümmerhaufen noch bergen. Noch war das Gerücht im Umlauf, daß noch Leichen darin enthalten seien, doch wurde dies von maßgebenden Persönlichkeiten entschieden bestritten. Einer Fra» sollen die Arme und Beine abgequetscht sein. Als man das zerschellte Wagengerippe hochwand, schrie sie mark- erschütternd. Ein Herr, mit dem wir sprachen, und der im zweiten Wagen saß, der auch demoliert ist, aber noch auf dem Gleis hing, war durch Stoß und Schreck ohnmächtig geworden, blieb aber sonst unverletzt. Ein junger Schüler soll beide Eltern verloren haben, er selbst kam mit geringfügigen Verletzungen davon. Viele der Leichen waren vollkommen schwarz und blau von dem Strom getroffen. Im zweiten Wagen flogen bei dem Zusammenstoß Personen direkt durch die Fensterscheiben, andere sprangen in der Angst hinab in den Hof. Zum Glück war unten ein Sandhaufen, der den Sturz milderte. Auch war es eine glückliche Fügung, daß der Wagen, als er entgleiste, auf das Haus aufprallte, sonst wären alle vier Wagen in die Tiefe gestürzt. Einige Tote lagen noch abends in den Kühlhallen und werden nach und nach abgeholt. Nach uns überbrachten Mtteilungen sollen auch unsere hiesigen Krankcnhauscinrich tungen wieder einmal versagt haben, indem Kranke mangels an steten Betten zurückgewiesen werden mußten. Die Un- glücksstelle wurde von zahlreichen Photographen aufgenommen. Blut- lachen und blutgetränkte Gegenstände legen Zeugnis ab von dem Entsetzlichsten Ereignis, das Berlin je erlebt hat. «. Ein Angestellter der Kraftstation, der die Katastrophe in ihrem Entstehen beobachtete, macht darüber folgende Mitteilungen:„Ich stand auf dem Hofe der Kraftstation in der Trebbiner Straße und vernahm plötzlich einen lauten Schrei. Emporblickend sah ich, wie ein auf dem direkten Gleis heranbrausender Hochbahnzug seitlich gegen den Schlußwagen eines vom Leipziger Platz kommenden, in gleicher Richrung fahrenden Train stieß. Es erfolgte ein heftiges Krachen und im nächsten Augenblick flog in einem förmlichen Bogen der erste Wagen dritter Klasse des anfahrenden Zuges über den Bahndamm hinweg nach dem Hofe der Gesellschaft für Markt- und Kühlhallen, der mit demjenigen der Kraftstation verbunden ist. hinunter. Ein unheimliches Krachen und Prasseln, ein entsetzlicher, markdurchdringender Schrei— ich stand einen Augenblick wie betäubt. Als ich an den herab- gestürzten Wagen herantrat. sah ich zu meinen, nicht geringen Erstaunen neben demselben einen fremden Mann. Ihm lief das Blut aus einer klaffenden Kopfwunde, die Beinkleider waren zerfetzt. In der Annahme, daß ein Unberufener auf den, Hofe geweilt und von dem herabgefallenen Waggon gestreift worden fei, fragte ich den jungen Mann:„Wo kommen Sie her?" Er stierte mich kurze Zeit an, deutete dann auf den Hochbahuwagen und sagte mit tonloser Stimme:„Dort bin ich herausgekommen". Der Ver- letzte erzählte dann, daß er in den, Augenblick des Anpralles eine der Stützstaugen ergriffen und unwillkürlich an das Leuster gestürzt sei. In demselben Moment aber erhielt er einen gewaltigen Ruck und wurde aus dein Fenster hinausgeschleudert. Dies geschah an- scheinend in dem Augenblick, als der Wagen in die Tiefe flog.„Ich bin gerettet, meine Eltern sind tot. Fetzt gehe ich nach Hause, was soll ich?" Ohne eine Träne zu vergießen, starren Auges taumelte der junge Mann zurück." Die Nachricht von der Katastrophe verbreitete sich in Berlin mit Blitzesschnelle. Zu Tausenden strömten Neugierige nach dem Schöneberger Ufer und versuchten, in die Trebbiner Straße hineinzudrängen, die jedoch durch einen starken Polizeikordon � gesperrt war. Nach sämtlichen Hochbahnstationen eilten die Leute, welche Angehörige unterwegs wußten und befürch- teten, daß diese verunglückt sein könnten. Doch nirgends konnten sie Auskunft erhalten. Die Stationen der Bahn waren geschloffen und an den Eingängen waren rote Plakate angebracht mit folgender Inschrift:„Wegen Störung auf Dreieck bis? gesperrt!" Aber auch an der Unfallstelle selbst war keine Auskunft zu erlangen. Die Verunglückten wurden sofort, als sie aus den Trümmern hervor« gezogen waren, in die bereit stehenden Krankenwagen geladen und fortgeschafft. Vis zur Ankunft der Wagen wurden die Leichen der tot aus dem Wagen hervorgeholten Personen in den Kellern der Kühlhallen-Gesellschaft aufbewahrt, um dann gleich nach Ankunft der Transportgefährte fortgeschafft zu werden. Von einer Feststellung der Personalien der Verunglückten konnte unter diesen Umständen keine Rede sein. Die Arbeiten für die Freilegung der Gleise der Hochbahn wurden sofort in Angriff genommen. Zunächst waren die entgleisten Wagen des angefahrenen ZugeS wieder in die Schienen zu heben und der demolierte Schlußwagen desselben auf eine neue Achse zu setzen, damit der zweite Zug, der dicht an dem Gitter des Bahndammes stand, aus der gefährlichen Absturznähe entfernt werden konnte. Der drohend herabhängende Wagen zweiter Klasse Nr. 271 wurde mit Seilen umschlungen, um sein Herabfallen zu verhindern. Erst dann konnte er nach dem Bahnkörper zurück« gezogen werden. Die Namen der Opfer. Tot sind: Käte Blaß, Mariannenplatz 4; Paul Engel, Angestellter im„Kaufhaus des Westens";. Else Gentes, genannt Scholz, Vlüchcrstraße 23; Ncander Gutheim, Steinmctzßraßc 75; Hohcisel, Ripdorf. Pflügerstraße 13; Wilhelm Heinrich, Kulm- straße 4; Otto Kühntopf, Schlosser, Gitschinerstraße 33; Richard Lange, Tischlermeister» Fruchtstraße 3; Bruno Löwin- söhn, Hugo Löwinsohn, Grcifswnlderstraße 224; Herta Mar- tcus, Verkäuferin, Blumenthalstraße 9; Joseph Mikosch, Tischler: Richard Mendt, Architekt, Andreasstraße 12; Emma Schneider, Ncucnburgcrstraße 12; ein unbekannter Mann, Fensterputzer bei einer Berliner Fensterputzgesellschaft i.u der Rungestraßc 9. V e rl e tz t s i nd: Else Bade(leichter Schädelbruch); Georg Gregor, Höchste- Straße 22(komplizierter Unterschenkclbruch); Paul Fürchncr, Kopcnhagener Straße 49(Schädelbruch); Wilhelm Schumann, Urbanstraßc 180(komplizierter Unter- schenkelbruch); Fräulein Marie Luise Klöpper, Steglitzer Straße 47(Rippenbruch): Fräulein Elise Rill, Lindenstraße 2 (Beckenbruch); Fabrikant Wilhelm Deutscher, Alte Jakob- straße 172(Kopf- und Gesichtsverletzungen); Fräulein Klara Deutscher, Alte Jakobstraße 172(Rippcnbruch); Astäulein Elsbcth Rödiger. Vlüchcrplatz 2(Quetschungen); Karl Gc- sellius, Zugführer, Camphauscnstraße 14(Unterschenkelbruch): Otto Klemm, Zugbegleiter, Göbenstraße(Bechenbruch); Karl Lindeinann ans Perleberg(leicht verletzt), Partei-?Zngeiegendeiten. Zweiter Wahlkreis(Süden). Heute Sonntag veranstalten die Genossen im Lokal von Rabe, Fi cht est r. 29, ein Kaffee- kochen und Kinderfest, verbunden mit Tanz. Anfang nach- mittags 2 Uhr. Abends ö Uhr Vortrag. Eintritt frei. Tanz 20 Pf. Die Genossen werden gebeten, mit ihren Familien vollzählig zu erscheinen. Die WbteilungSführer. Dritter Wahlkreis. Heute, Sonntag, den 27. September, abends 6 Uhr, findet in den Arminhallen(großer Saal), Komman- dantenstr. 58-59, eine Versammlung für Männer und Frauen statt. Genosse Stürmer spricht über„Arbeiterschaft und Kirche". Nach der Versammlung gemütliches Beisammensein. Eintritt inklusive Garderobe 20 Pf., Tanz frei. Sechster Wahlkreis. Für die 7. und 8. Abteilung findet ein Lichtbildervortrag nebst Besichtigung des astronomischen Museums und des Rieseufernrohrs in Treprolv am heutigen Sonntag, den 27. September statt. Anfang des Vortrages nachmittags 5 Uhr. Nachzügler können auch an dem Vortrage um 7 Uhr teilnehmen. , Der Vorstand. Charlottcnburg. Am Dienstag, den 29. September, abends 8�/z Uhr, findet im großen Saale des Volkshauses die General- Versammlung des Wahlvereins statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Bericht vom Parteitag. Referent: ReichstagSabgcordneter Fritz Zub eil. 2. Aufstellung der Kandidaten zur bevorstehenden Stadt- vcrordnctenwahl in der 5. und 8. Gruppe. 3. Vereinsangelegen» heitcn. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Schöncbcrg. Am Dienstag, den 29. d. M., abeizds 8 Uhr, findet in den„Neuen RathauSsälen", Meininger Straße 8, die Versamm- lung des Wahlvereins statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Bericht vom Nürnberger Parteitag, Referent: Genosse Küter. 2. Wahl eines Kassierers und eines Schriftführers. 3. Wahl einer Genossin in den Vorstand. 4. VereinSangelegenheiten und Verschiedenes. Der reichhaltigen Tagesordnung wegen wird die Versammlung pünktlich eröffnet. Der Vorstand. WilmerSdorf-Halensee. Am Dienstag, den 29. d. M., abends 8'/» Uhr, findet im„Luisenpark", Wilhelms-Aue 112, die Mit- g l r e d e r v e r s am mlung des Wahlvereins statt. Tages- ordnung: 1. Bericht vom Parteitag, Referent: Genosse Groger. 2. Abrechnung vom Hl. Ouarlal. 3. Vcreinsangelegenheiten. Der Vorstand. Schmargendorf.� Am Dienstag, den 29. September, abends S'/a Uhr, findet im Wirtshaus Schmargendorf, Warnemünder Straße 6, eine Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Frau I e e tz e- Nixdorf hält' einen besonders die Frauen interessierenden Vortrag, und sind hierzu Gäste, Männer wie Frauen, herzlich ein« geladen. Groß-Lichtcrfelde. Morgen Montag, den 28. September, abends 3 Uhr, findet im„ K a i s e r h 0 s" die ordentliche Mitglieder-Versammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: l.„Das Ergebnis des Nürnberger Parteitages". Referent: Genosse Kro h n b e r g» Rvivawes. Diskussion. 2. Die verflossene Genicindewayl. i>. LZer- cinSaiigelegeilheiteii. Der Bvrftand. Zehle»dorf. Am Dienstag, den SS. b. M., odendS 8'/z Uhr, findet im Lokal von Benno Mickley die Versammlung des Wahl- Vereins statt. Tagesordnung: Bericht vom Parteitag in Nürnberg. Referent ist der Genosse Krähnberg. Gäste sind willkommen. Der Vorstand. Lankwitt. Am Mittwoch, den 30. d. M., abends 8 Uhr, findet die regelmäßige Mitgliederversammlung im Lokal Ebel, Marien- selber Straße 9. statt. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag des Genossen Hoffmann über:»Der Klassenstaat", LereinSangelegen- Helten und Verschiedenes. Nicdcr-Schönhause». Die diesmonatliche Wahlvereinsversamm- kung fällt wegen der nächsten Dienstag, den 29. September. im Lokal von L i e d e m i t am Kirchplatz in der Zeit von 12 Uhr mittags bis 8 Uhr abends stattfindenden Gemeindevertreter- Ersatzwahl aus. Die Parteigenossen werden ersucht, am Wahltage pünktlich abends S Uhr in ihren Bezirkslokalen zu erscheinen. Wenn jeder seine Schuldigkeit tut, muß es uns gelingen, unserem Kandidaten Genossen Otto Rif-mann zum Siege zu verhelfen. Der Vorstand. NowaweS. Mittwoch, den 30. September, abends SVa Uhr, findet im Lokal des Herrn Max Singer, Priesterstr. 31. eine Volksversammlung für Männer und Frauen statt. Landtags- abgeordneter Genosse Adolf Hoffmann spricht über:„Staat, Kirche und Schule".______ Berliner JVacbricbten. In der Kochkunstausstellung. Die„Neue Welt" in der Hasenheide steht augenbliMch im Zeichen des Lukullus. Der Verband der Gast- und Schank- Wirte für Berlin und die Provinz Brandenburg hat zusammen mit dem Zweigverein des Internationalen Verbandes der Köche(Berlin) die gesamten Räumlichkeiten dcS großen Etablissements, die noch durch mächtige Zeltanlagen erweitert sind, in Beschlag genomnien. Am Freitagvormittag um 11 Uhr wurde daselbst die Zweite Gastwirts- und Kochkunst- ausstellung eröffnet. Schon am Tage der Eröffnung hatte sich, besonders in den Abendstunden, ein zahlreiches Publikum eingefunden, um beim Licht der zahllosen elektrischen Lämpchen durch die einzelnen Säle zu wandern. Aus dem Rahmen einer sehr ge- fchniackvollen Dekoration, umkränzt von prächtigen Rosen- girlanden, leuchten die Wunder der Kochkunst auf, denn die Ritter vom Kochlöffel haben hier das Schönste und Beste, was das menschliche Hirn auf diesem Gebiete ersinnen kann,. den verlangenden Blicken der Besucher preisgegeben. Aber auch sonst sind, neben den einfachsten und luxuriösesten Er- Zeugnissen der Möbelindustrie, sämtliche Einrichtungen. Maschinen und Gegenstände, die das Gastwirtsgewerbe und die Küche erfordern, ausgestellt. Gleich rechts beim Eingang bietet sich dem Auge� ein Raum dar, der mit Musikwerken, Orchestrions und elektrischen Klavieren ausgestattet ist. Auf weichen Polstern sitzen einige Damen und Herren und lauschen den Klängen eines dieser Instrumente. Man kann hier zur Freude feststellen, daß auf diesem Gebiete eine Wendung zum besseren eingetreten ist. und der Zeitpunkt scheint nicht mehr allzu fern zu sein, wo die entsetzlichen ncrvenzerstörenden Dreschmaschinen und Hammerwerke,„so man Orchestrions nennt", im Museum für Altertum ihren dauernden Platz erhalten werden. Kaum wenden wir uns dem nächsten Räume zu, wo an weißgedeckten Tischen hungrige Ausstellungsbummler dem energischen Pochen ihres MagenL Rechnung tragen, als uns auch schon mehrere junge Damen umschwirren, um mit Grazie Ausstellungslose— an den Mann zu bringen. Mit leisem Erröten gestehen wir, daß. selbst wenn uns das Glück aus zarter Hand winken würde, wir nichts mit Tafel- oder Küchen- gegenständen anzufangen wüßten, weil— lveil... Und die Vertreterinnen Fortunas blicken uns an, so Verständnis- innig und vorwurfsvoll... Im nächsten Augenblick hat uns der große Saal mit seinem wogenden Gedränge verschlungen und neue Eindrücke stürmen auf uns ein. Durch lachende, schwatzende und schnatternde Gruppen winden wir uns durch die schmalen Gänge. Ueberall stoßen wir auf typische Gestalten des Berliner Gastwirtsgewerbes. Breite, massige Körper, ein- gezwängt in den prallsitzenden Bratenrock, der jeden Moment aus den„Fugen" zu gehen droht. Auf der Brust prangt das Vereiusabzeichen und über dem feisten, jovialen Gesicht zeichnet sich unverkennbar der Schimmer sonniger Be- friedigung.„Na, mein Herr, eine Kostprobe gefällig?" Eine niedliche Blondine lacht uns schelmisch an. Um uns herum stehen junge und alte, meist aber weibliche Besucher. die von kleinen Papptellerchen mit winzigen Blech- löffelchen Vanillespeise schlecken— Kostprobe zu zehn Pfennig.„Das Geschäft geht am besten," meint ein riesiger Gastwirt zu seinem Begleiter. Weiter unten sind mehrere Bouillon- und Maggisuppenkioske, die ihre Präparate zur Reklame, aufgebrüht in kleinen Tassen, gratis ausschenken. Wer Lust hat, kann sich mit einem Dutzend Tassen den Magen anfüllen. Ein junger Mann bietet auf einem Tablett Scheiben von Wnrstwaren auch unentgeltlich an und findet mehr Zuspruch wie die Vouillonkapseln. Wie im Traume schlendem wir an den Bergen von ausgesuchten Delikatessen, wie sie der verwöhnteste Gaumen sich nur wünschen kann, an gewaltigen Batterien von Konservenbüchsen und Fruchtgläsern, an knusprigen Braten, an Kühlrämnen mit mächtigen Fleischklumpen und so weiter vorbei. An einem Sektausschank haben sich mehrere Herren im Zylinder zum Dauertrunk niedergelassen und die kleinen Scktteufel treiben bereits ihren tollen Spuk. Einer der Zecher hält sogar eine längere Rede aus dem Stegreif, deren Sinn wir allerdings nicht ganz kapieren. Von der Galerie herab schmettert die Musik ihre munteren Weisen und in einem intimen Winkel konzertiert eine Kapelle mit Streich- instrumenten. Plötzlich taucht hinter einem Berg von Likör- und Kognakflaschen eine stattliche Brünette auf und ruft uns mit glockenheller Stimme zu:„Na, Schatz, wir beide wollten doch schon längst mal'n Schnaps trinken!" „Und mich ergreift's, ich weiß nicht wie,"— dieser Attacke halten wir nicht stand, hier ist Flucht die beste Rettung. Von ben Heimstätten der Stadt Berlin zeigen in diesem Sommerhalbjahr diejenigen für lungenkranke M ä n n e. andauernd die ungewöhnlichen Frequenzverhält- nisse, auf die wir schon im vorigen Monat hinwiesen. Die Heimstätten Gütergotz und Buch haben sich bereits im August nicht mehr gefüllt, während in früheren Jahren zur Sommerszeit gerade bei den lungenkranken Männern die Zahl der Aufnahmebegehrenden und Wartenden sehr hoch war. In: September pflegte ja der An- drang regelmäßig schon wieder nachzulassen, aber s o l c e r, wie in diesem Jahre, w a r s in den Heim statten für lungenkranke Männer denn doch noch niemals zu Beginn des Herbstes, Das tonn um so mMr über- raschen, da diesmal der Herbst uns bisher eine sehr beständige Witterung gebracht hat. Wenn es wabr wäre, daß das Wetter von wesentlichem Einfluß auf die Heimstättenfrequenz ist, so müßte sie gerade jetzt noch sehr hoch sein. Eine Aufftellung vom 24. Sep- tember d. I. ergibt aber für Gütergotz 18 freie Betten(von über- Haupt 98), für Buch 40 freie Becken(von überhaupt 150), macht zu- sammen 58 feie Betten lvon überhaupt 248). Hiermit der- gleiche man, daß im Jahre 1907 eine auf den 26. September bc- zügliche Aufstellung für Gütergotz und Buch zusammen erst 36 freie Betten nachwies, und daß im Jahre 1906 eine Aufstellung vom 27. September für beide Heimstätten zusammen sogar nur von 12 freien Betten zu melden wußte. Die Frage nach den U r- fachen dieses sehr auffälligen Frcquenzrückganges ist schon früher von uns dahin beantwortet worden, daß der eingetretene Be- schäftigungsmangel, nachdem er zu einer Minderung de�r männlichen Krankenkassen inK tglieder geführt hatte, ganz naturgemäß schließlich auch auf die Frequenz der Heim- stätten hat einwirken müssen. Wie weit dabei der Umstand mit- spricht, daß in solchen Zeiten auch die Krankenkassen minder be- reilwillig einen Heimstättenaufenthalt zu bewilligen Pflegen, das ist schwer zu beurteilen. Anders liegen die Dinge bei den übrigen Heimstätten, sie waren am 24. September noch nahezu voll besetzt und wiesen nicht weniger Vormeldungen als im Vorjahre um dieselbe Zeit auf. Am 24. September d. I. war in den Heimstätten Blankenfelde und Malchow(beide für lungenkranke Frauen) noch kein Bett frei, und es waren noch 57 Personen vorgemeldet, so daß die Wartezeit noch 18 Tage betrug. In der Heimstätte Heinersdorf(für genesende Männer) war zwar ein Bett frei, an- scheinend nur zufällig, aber vorgemeldet waren noch 61 Personen, und die Wartezeit betrug noch 30 Tage. Am schlimmsten sah eS in der Heimstätte Blankenburg(für genesende Frauen) aus, wo zwar gleichfalls ein Bett frei war, aber noch 140 Personen auf Aufnahme warteten, so daß die Wartezeit sich noch auf 45 Tage stellte. Wann wird übrigens die neue Heimstätte „Upstall-Blankenburg"(für genesende Frauen) eröffnet werden? In Aussicht genommen war die Eröffnung für Anfang Juli, aber noch jetzt wird darauf gewartet. Sie ist für 95 Betten eingerichtet, so daß sie dem längst unerträglich gewordenen Mangel für genesende Frauen endlich einmal abhelfen könnte. Die giftige Herbstzeitlose. Wie der„Vossischen Zeitung" ge- schrieben wird, erkrankte dieser Tage ein Knabe, der sich mit der Pflanze viel zu schaffen machte und einen abgebrochenen Blumen- stiel in den Mund nahm. Es wird deshalb darauf aufmerksam ae- macht, daß die Herbstzeitlose in allen ihren Teilen ein starkes Gift, das Colchicin, enthält. Laubenkolonien. Eine überaus erfreuliche Maßnahme hat am Sonnabend die Markthallendeputation in bezug von Verpachtung städtischen Gemeindelandes beschloffen. Das unter der Verwaltung dieser Deputation an der Äniprodestraße gelegene zirka 6000 Qua- dratruten große Gelände wurde bisher an einen General- Pächter vermietet, der unter beliebiger Festsetzung des Pacht- Preises dieses wiederum an die sogenannten Laubenkolonisten der- pachtete und einen erheblichen Ueberschuß erzielte. Nunmehr hat die Deputation einstimmig beschlossen, von der weiteren Verpachtung an eine Person Abstand zu nehmen und das Land in kleinen Par- zellen direkt an die Laubenkolonisten zu vergeben. Eine aus den Stadtverordneten Hermann Sch u b e r t, Fasquel und Grohe bc- stehende Kommission soll mit den bisherigen Unterpächtern in Ver- bindung treten, um eine für beide Teile befriedigende Lösung herbei- zuführen. Hoffentlich trägt diese mit Freuden zu begrüßende Maß- regel dazu bei, daß auch die anderen städtischen Berwaltungen diesem Beispiele folgen und der Ausbeutung der Laubenkolonistcn durch hohe Pachtbeträge seitens der Gencralpächter ein Ziel setzen. — Vielleicht macht sich auch die städtische Grundeigentumsdeputation diesen Beschluß zu eigen. Umsteigefahrscheine bei der Straßenbahn. Der Umsteigetarif der Berlin-Charlottenburger Straßenbahn soll am 1. Oktober ge- wisse Veränderungen erfahren, zu denen die Anregung zum Teil von der Charlottenburger Stadtgemeinde ausgegangen ist. Es werden verschiedene Teilstrecken im Urnsteigeverkehr nicht unbeträcht- lich verlängert und neue Umsteigerelationen eingeführt. Dagegen werden andere Umsteigerelationen aufgehoben, die vom Publikum gar nicht oder nur in sehr geringem Maße benutzt werden, seitdem verschiedene Anschlußbetriebc durchgeführt wurden, die das Um- steigen überflüssig machen. So wird die Umsteigestelle an der Wich- mannstrahe eingezogen. Dagegen wird man künftig von den Char- lottcnburger Linien aus nach Wilmersdorf umsteigen können. Auch iverden neue Möglichkeiten geschaffen, durch Umsteigen nach Moabit, besonders der Paulstraße, zu gelangen. Die Einzelheiten sind aus den Aushängen zu ersehen, die in den durch Charlottenburg ver- kehrenden Wagen angebracht sind. Ein gefährlicher Mitmensch. In der Schönhauser Vor- stadt wird eine Nachtszene, die blutig geendet hat, viel be- sprachen. Ein Herr Spick, der früher Schutzmann war jetzt bei der Müllabfuhr der Wirtschaftsgenossenschaft Berliner Grund- besitzcr den Posten eines Inspektors hat und im Hause Kopcn- Hagener Straße 31 wohnt, verweilte in der Nacht vom Sonn- tag zum Montag in einem Restaurant der Kopcnhagencr Straße und sah dem Damespiel zweier Gäste zu. Dem einen, einem Bureauvorsteher D., bot er an, er wolle mal mit ihm eine Partie spielen. D. ging nur zögernd darauf ein, mit dem ihm kaum be- kannten Manne zu spielen, und er lehnte dann eine zweite Partie ab, weil SP., als er verloren hatte, zu streiten begann. Ueber die Ablehnung regte Sp. sich noch mehr auf. Er schleuderte seinem Partner die Worte ins Gesicht:„Sie sind ein ganz ehrloser Mensch! Sie haben überhaupt keine Ehre!" und fügte hinzu:„S'e haben mich ja auch schon zweimal angebettelt." Die letztgenannte Bemerkung mußte von den Zuhörern dahin aufgefaßt werden, daß D. bei Sp. um Armenunterstützung gebeten habe. Sp. ist nämlich bekannt als Mitglied einer Armenkommission, er beileidet in ihr das Amt des Vorstcherstellvertretcrs. D. wies entrüstet den ihm gemachten Vorwurf als beleidigend zurück und erklärte, dafür werde er Sp. belangen. Sp. schloß:„Das andere wird sich finden". Er verließ dann das Lokal, wartete einige Zeit vor der Tür und entfernte sich schließlich. Nachher machte auch D. sich auf den Weg. Als er in die Astader Straße eingebogen war, trat etwa an der Ecke der Korsörer Straße ihm plötzlich ein Mann ent- gegen mit den Worten:„Na, da sind Sie ja". Da D. in dem Manne den aufgeregten Spieler von vorhin erkannte, so wollte er an ihm vorbei, aber schon schwang der andere seinen Stock und hieb den Wehrlosen dreimal über den Kopf. D. stürzte hin, verlor die Besinnung und blieb hilflos liegen. Als er wieder zu sich kam, fühlte er, daß er mit Blut überströmt war. Er raffte sich auf, um sich nach Hause zu schleppen, wurde aber wieder bewußtlos und sank zu Boden. Zum zweiten Mal sich auf- raffend, bemerkte er, daß er inzwischen auch noch beraubt wordeil war; aus der Hosentasche hatte man ihm sein Portemonnaie mit etwa 40 M. herausgeholt. In der Nähe seiner Wohnung traf er endlich zwei Bekannlc, die sich seiner annahmen und ihn in einer Droschke zur Unfallstation in der Schönhauser Allee fuhren. Dort lourde festgestellt, daß er c-in paar Kopfwunden von be- trächtlicher Größe davongetragen und einen bedeutenden Blutverlust erlitten hatte. Der Verletzte wurde nach Anlegung eines Verbandes in seine Wohnung gebracht. Er hat gegen Sp., den bestimmt erkannt zu haben er versichert, Anzeige erstattet. Russische Golbschwindler. Nachdem man von dem Treiben der russischen Goldschwindler lange nichts mehr gehört hatte, machen äe sich nun wieder in allen Teilen des Deutschen Reiches recht un- angenehm bemerkbar. Sie scheinen ihr unsauberes Gewerbe jetzt im großen zu betreiben und versenden an Uhrmacher und Gold- Warenhändler gedruckte, in russischen und polnischen Städten auf- gegebene Schreiben, in welchen ihnen je 50 Pfund Berggold in Stücken von 1 Solotnik zu einem Preise von 25 Proz. unter dem Goldkurse zum Kauf angeboten»Verden. SMaucvweise werden die Jntsressenlen nach dem betreffenden russisches Orte bestellt,»Sa mit ihnen verhandelt und ihnen auch eine Probe wirklich echten Goldes übergeben wird. Wenn sie ocn Gesamtpreis bezahlt haben und ihnen das gekaufte Quantum übergeben wird, entpuppt sich der Solotnik Gold leider als Messing. Tie Hereingefallenen aber können nicht gegen die Schwindler vorgehen, weil in Rußland der Goldexport durch Private strengstens verboten ist.— Personen, die derartige Briefe erhalten, sollten weiter nichts tun, als sie gleich den Briefen der spanischen Schatzschwindler dem Papierkorb anvertrauen. Aussehen erregte Freitag vormittag gegen 11 Uhr an der Elsafser- und Chaussecstraßen-Ecke eine„Dame", die nicht un- bedenklich hin und her schwankte. Als die Person auf die Sand- berge geriet, die in der Gegend infokg» von Ausschachtungsarbeiten aufgehäuft sind, kam sie zu Fall und konnte sich nicht mehr er- heben. Ein herbeigerufener Schutzmann stellte fest, daß es sich um einen in Fraucnklcidern steckenden Mann handelte und nahm ihn mit zur Wache. Mit vergoldeten Münzen arbeitet gegenwärtig ein Schwindler, durch den besonders Droschkenkutscher und Straßenbahnbeamte ge- schädigt werden. Ter Gauner engagiert an Haltestellen Droschken zu größeren Fahrten und gibt nach Beendigung derselben ein Zwanzigmarkstück in Zahlung, auf welches er sich den Restbetrag herausgeben läßt. Zu spät erst erkennt der Kutscher, daß er einem raffinierten Betrüger in die Hände gefallen ist, denn das an- gebliche Zwanzigmarlstück besteht aus einer wertlosen, schwach ver- goldeten Münze. In der gleichen Weise versucht der Bursche Straßenbahn- und Omnibusbeamte hineinzulegen. Da er ver- mutlich auch in kleineren Geschäften das eigenartige Manöver zur Ausführung bringen wird, sei vor dem Schwindler gewarnt. Selbstmordversuch eines Arztes. Durch einen Sprung auS dem dritten Stockwerk versuchte sich in der vergangenen Nacht der aus Rostock zugereiste Dr. Paulig das Leben zu nehmen. Dr. P. hatte in einem Hotel in der Nähe des Anhalter Bahnhofes Wohnung genommen, und dem Dienstpersonal war sofort das seit- same Wesen, das er zur Schau trug, aufgefallen. In einem An- falle von Geistesstörung ritz der Lebensmüde in der letzten Nacht plötzlich das Fenster in seinem Zimmer auf und stürzte sich in die Tiefe. Er zog sich schwere innere Verletzungen zu und wurde nach dem Krankenhause am Urban gebracht. Explosion eines öOOtourigen TyimmoS. Bei den Siemens- Schuckcrt-Werken am Nonnendamm wurden in der vorletzten Nacht Versuche mit einer 500tourigen Dynamomaschine angestellt, deren Umdrehungszahl indessen weit über die normale Grenze hinaus getrieben werden sollte. Als das beabsichtigte Moximun: noch nicht ganz erreicht war, explodierte die Maschine, und einzelne Teile durchflogen den Raum und schlugen an zwei Stellen durch die schmiedeeiserne Dachkonstruktion. Da bei derartigen forcierten Ex. perimenten und bei der notwendigen hohen Inanspruchnahme des Materials die Möglichkeit eines Defektes niemals von der Hand gewiesen werden kann, wurde der Versuch bei Nacht, also in Ab- Wesenheit der Arbeiterschaft angestellt, so daß kein Unfall zu ver- zeichnen ist. Der Materialschaden ist, abgesehen von der zerstörten Maschine und einigen Dachbindern, ganz unbedeutend. „Ter Montblanc" lautet der neue Vortrag, der am FreitagaljehS zum ersten Male in der„Urania" in der Taubenstraße vor einem geladenen Publikum gehalten wurde. Der Verfasser des Vortrags, Herr Dr. Mühlstaedt, führt uns auf unseren Wanderungen in die Täler und Höhen des Königs der Alpen. Zunächst besuchen wir die Umgebung des Montblanc, sowohl von der französischen wie italic- nischen und schweizerischen Seite. Wir besuchen den Genfer See, Montreal, das Rhonethal, St. Moritz, um schließlich mit der Berg- bahn nach Chamonix zu fahren und längere Zeit in seiner herrlichen Umgegend zu verweilen, dabei Sitten, Land und Leute kennen zu lernen. Hier strömen aus aller Welt die Touristen zusammen, von hier aus besteigt der größte Teil derselben die Höhen des Berg- riescns. Nicht wenige allerdings sollen darunter sein, die diese Besteigung nur mittels Fernrohrs mitmachen. Auch nach dem italienischen Chamonix, nach Courmazeur, geht unsere Reise, um dann im zweiten Teile des Vortrages uns auf eine Höhenwanderung zu begeben. Und nun durchleben wir die Freuden und Leiden eines Bergkraxlers, wie er aus geraden und ungeraden Wegen, mit Leitern Gletscherspalten überkletternd, seinem Ziele zustrebt und wie ihn dabei auf das Portemonnaie bedachte Führer mindestens bis zum Grand Plateau schleppen, weil sonst die Bezahlung eine erheblich geringere ist. Vom Gipfel des Montblanc genießen wir eine großartige Fernsicht. Der Vortrag, der von Herrn Wegncr vorzüglich wiedergegeben wurde, wurde durch zahlreiche farbige Lichtbilder veranschaulicht und beifällig aufgenommen. Arbeiter-BildungSschule Berlin. Da in der ersten Ankündi- gung des heute abend im großen Saale des Gewerkschafts- Hauses stattfindenden Lichtbildervortrages versehentlich ein: falsche Zeit angegeben war, bitten wir die heutige Annonce zu beachten. Um jede Störung zu vermeiden, wird um pünktliches Erscheinen gebeten. Der Berliner BolkSchor veranstaltet am Sonnabend, 3. Ottober. abends 8 Uhr, in Happoldts neuem Konzertsaal, Hasenheide 32/38, einen BrahmSabend unter Mitwirkung von Fräulein Anni Bremer(Gesang). Herrn Professor RobertKa h n(Klavier). Herrn Karl Kling er lerste Violine), Herrn Rywkind(zweite Violine), Herrn Williams(Violoncello) und des ChorS. Der Eintritt kostet einschließlich Garderobe 50 Pf.— an der Abendkasse ist er- höhter Preis. Die Billeltverkaufsstellen sind im heutigen Annoncen- teil zu ersehen.— Heute abend 7 Uhr findet in Habels großem Saal, Bergmannstraße 6/7. ein Einführungsabend für das Konzert statt, an dem Frau Maria GerdeS-Rauter- Bremen (Klavier), Herr Dr. G u t t m a n n(Gesang) und Herr Leo K e st e n« berg(Vortrag und Klavier) mitwirken. Der Eintritt beträgt 25 Pf. Nachher ist geselliges Beisammensein mit freiem Tanz. Arveiter-Samariterkoloune. Anfang Oktober beginnt ftr unseren 5 Abteilungen je ein neuer Kursus zur Ausbildung in der ersten Hilfe bei plötzlichen Unglücksfällen und Erkrankungen. In einer großen Stadt wie Berlin kommen auf Bauten und in Fabriken Unfälle in großer Zahl vor und es dauert sehr häufig lange Zeit bis ein Arzt zur Stelle ist. Hier kann ein im Sama- riterwesen Ausgebildeter dem Verunglückten sehr viel nützen; oft sogar ist sofortige Hilfe entscheidend für das Leben des Verletzten. Erste Hilfe ist die beste Hilfe. Das Schicksal eines Verwundeten hängt von demjenigen ab, der den ersten Verband anlegt. Deshalb sollten alle Arbeiter und Arbeiterinnen einem solchen Kursus bei» wohnen, damit sie in der Lage sind, sich und ihren Arbeitskollegen in der Stunde der Gefahr zu nützen. Der Kursus beginnt in jeder Abteilung mit dem Vortrage über Anatomie(Bau des menschlichen Körpers). Die Lchrabende finden I4tägig statt. In jeder Abteilung befindet sich eine Bibliothek, welche den Teilnehmern unentgeltlich zur Verfügung steht. Alles loeitere über Beginn des Kursus siehe heutiges Inserat. Eventuell können auch Lohrpläne durch den Vorsitzenden E. Stein, Charlottenburg, Kaiser-Frtedrich-Straße 40, bezogen werden. Feurrwehrnachrichten. Die Berliner Feuerwehr hatte in der letzten Nacht in der Naunhnstr. 80 zu tun. Dort brannten in einem Keller Kohlen u. a. Am Ostbahnhof war ein Holzschuppen mit Spähnen in Brand geraten. Bei einem Alarm nach der PotS- damer Straße 27 handelte es sich um den Brand einer Kiste auf dem Boden des Hauses und bei einem zweiten Alarm nach der Potsdamer Straße 82g um blinden Lärm. Der 16. Zug mußte einen Küchenbrand in der Adolfstr. 8 löschen.Schornsteine brannten Schliemannstr. 5, Bergstr. 38 u. a. Stellen. Körbe, Wäsche usw. wurden Schenkendorsstr. 6 ein Raub der Flammen. Linkstr. 2 war auf einem Klosett Feuer ausgekommen. Wegen einer Harnstoff- Vergiftung wurde die Wehr nach der Kuglerstr. 4 gerufen. Ein üjähriger Knabe Ivar dort schwer erkrankt. Samariter der Feuer- wehr sorgten für den Knaben. Ferner hatte die Wehr in der Müllerstp. 77, am Bellealliancevlad 12 und anderen Stellen z« tun. Die Schönebcrger Feuerwehr hatie am Königsweg IS Mit einem Kellerbrand zu tun. Alter Haubsrat usw. brannte dort. Ein größerer Bodenbrand beschäftigte die Schönebergcr Feuerwehr dann noch in der Ebersstr. öö. Die Hauptwache mußte tüchtig Wasser geben, um die Flammen an weiterer Ausdehnung zu ver- hindern. Die Entstehung des Brandes wird auf Unvorsichtigieit zMlkgesührt._ Vorort- JVaebnebtern Der Taufschein beim Einschulen. Wir haben kürzlich die Praxis verschiedener Gemeindebehörden in den Vororten gerügt, bei der Einschulung den Taufschein der Kinder zu verlangen. Wir haben dargelegt, daß ein solches Ver- langen mit dem Zivilstandsgesetz auf dem Kriegsfuße steht. In Berlin wird im Gegensatz hierzu ein solches Verlangen nicht gestellt, hier begnügt man sich ganz korrekterweise mit dem Impfschein. Zu dieser Sache schildert uns ein Genosse eine Episode, die er vor einer Reihe von Jahren in einem Provinzorte erlebte, in welchem gleich- falls von ihm ungerechterweise der Taufschein eingefordert wurde. Der Genosse— H. ist sein Name— schreibt:„Im Jahre 1884 zog ich unter dem Zwange des Sozialistengesetzes nach meiner Verhaftung wegen sogenannten Hochverrates, um nicht aus- gewiesen zu werden, von Berlin nach Halle a. S. Hier mußte ich meinen ältesten Sohn, der in Berlin das erste Jahr zur Schule ge- gangen war, einschulen. Als ich dem Rektor die Papiere, bestehend in Schulabmeldung und Geburtsschein, vorgelegt hatte, entwickelte sich folgendes Zwiegespräch: Rektor: Den Taufschein bitte I— Ich: Bedaure den habe ich nicht.— Rektor: Ach. da schreiben Sie wohl an die Kirche in Berlin?— Ich: Das wird nichts nützen.— Rektor: O doch, dieselbe schickt ihn sofort I— Ich: Die Kirche, in der der Junge getauft ist, gibt es in Berlin nicht.— Rektor ssich auf- richtend): Das Kind ist wohl gar nicht getauft?— Ich: Nein.— Rektor(steht auf und klopft mir jovial auf die Schulter):»Lassen Sie doch das Kind taufen, tuen Sie es mir zu Gefallen!"— Ich (sehr liebenswürdig): Aber natürlich, Herr Rektor! Wenn ich Ihnen damit einen Gefallen tun kaim, sehr gern: Würden Sie so liebenS- .würdig sein, mir zu sagen, ob das Kind evangelisch oder katholisch werden soll? Rektor(sieht mir minutenlang starr in die Augen): Ja, das ist doch Ihre Sache I— Ich: Ja, Herr Rektor, so dachte ich schon vorHerl— Der Rektor sagte kein Wort mehr, überreichte mir das Schulbuch«nd hat nie wieder nach Taufe oder Taufschein gefragt._ Charlottenlmrg. ■ Recht viel Geduld müssen die städtischen Beamten und Arbeiter zeigen, ehe sie die endgültige Erhöhung ihrer Gehälter und Löhne erleben dürfen. Die bereits seit langem angekündigte Revision des Normalctats, die den Beamten und Arbeitern die erhofften Ge- Halts- und Lohnverbesserungen bringen soll, scheint noch im weiten Felde zu sein. Man kann daher die Ungeduld der Beainten und Arbeiter, die sich bei dem geschaffenen Provisorium nicht wohl fühlen, begreifen und findet die stets wiederkehrende Frage: Wann kommt die Revision? durchaus berechtigt. Seit mehreren Jahren sucht die Stadt die durch die erhebliche Verteuerung der Lebensmittel in den Einnahmen und Ausgaben eingetretene Differenz ihrer Angestellten durch Teuerungszulagen auszugleichen. Das Bestreben der sozialdemokratischen Stadtver ordneten war es von Anfang an gewesen, an Stelle der unvcrbind- lichen Teuerungszulagen feste Erhöhungen der Gehälter und Löhne zu setzen. Aber erst für den Etat 1303 sah der Magistrat diese feste Regelung vor, indem er eine Million Mark zur Er höhung der Gehälter und Löhne der im Dienste der Stadt Tätigen in den Etat einsetzte. Diese Million sollte auf die 7 Millionen Mark betragende Gehalts- und Lohnsumme in entsprechender Weise verrechnet werden. Da man sich aber im Magistrat selbst und auch in den Reihen der Stadtverordneten nicht so schnell über die„entsprechende Weise" würde verständigen können, wurde, bis diese endgültige Regelung der Gehälter und Löhne eintreten konnte, jedem besoldeten städtischen Beamten und Arbeiter, dessen Ein kommen nicht über 7000 M. beträgt, eine einstweilige Einkommens� crhöhung in Höhe von 7� Proz. des bisherigen Einkommens mit der Maßgabe sichergestellt, daß diese Verbeperung im mindesten ISO M. und auf keinen Fall über 300 M. ausmachen sollte. Diesem Provisorium stimmte die Stadtverordnetenversammlung in de: Sitzung vom 13. April in der Erwartung zu, daß dieses Ueber gangsstadium nicht so lange dauern und die endgültige Regelung dieser Sache am 1. Oktober abgeschlossen sein würde. Zu dieser Annahme waren die Stadtverordneten umso mehr berechtigt, als bereits in der Sitzung vom 28. März der Bürgermeister die Er- Wartung aussprach, daß schon am 1. Juli die Beratungen abge- schlössen und die Revision beendigt sein könnte. Diese bürger meisterliche Zuversicht hat sich als völlig unberechtigt gezeigt. Der t. Juli ist lange vorüber, der 1. Oktober steht vor der Tür und an eine baldige Erledigung der Sache ist gar nicht zu denken. Zur Vorberatung der Revision ist schon im März von der Stadtverordnetenversammlung ein Ausschuß eingesetzt worden. Dieser Ausschuß ist— so viel wie wir darüber erfahren konnten— bis heute noch nicht einberufen worden. Es ist also ganz ausgeschlossen, daß die endgültige Regulierung der Gehälter und Löhne noch zum Oktoberbeginn in Kraft treten könnte, ja, es ist fraglich, ob eL überhaupt noch in diesem Jahre etwas damit wird. Anscheinend ist sich der Magistrat noch nicht einmal einig, in tvelcher Weise die Erhöhungen vorgenommen werden sollen. Und auch unter den Parteien in der Stadtverordnetenversammlung sind die Ansichten darüber geteilt. So werden namentlich unsere Ver- treter gegen die bürgerlichen Stadtverordneten und den Magistrat darin einen schweren Stand haben, wenn sie eine gerechtere Berück- sichtigung der durchaus billigen Ansprüche der städtischen Arbeiter fordern werden. Wenn also die Beratungen abgeschlossen sein werden, läßt sich noch gar nicht bestimmt voraussagen. Aber dieser Zustand des ewigen Hangens und Bangens muß für die Wartenden mit der Zeit ein unerträglicher werden. Gewiß, die einstweilig weiter gezahlte erhöhte Teuerungszulage schützt die städtischen Arbeiter und Beamten ein wenig vor den Folgen der allgemeinen Teuerung. Aber dieses Provisorium hat auch die Unruhe und Ungewißheit bei den städtischen Lohnempfängern ge- schaffen, die immer noch nicht wissen, wie die endgültige Regelung ihrer Einkünfte aussehen wird. Um diesen Zweifeln ein Ende zu machen, haben die sozial- demokratischen Stadtverordneten bereits in der Sitzung vom 9. Scp- tcmbcr eine dahingehende Anfrage an den Magistrat gerichtet. Bis zur letzen Sitzung vom 23. September fand der Magistrat an- scheinend noch nicht die genügende Zeit, diese Anfrage beantworten zu können. Das steht mit den sonstigen Beteuerungen des Magistrats, daß ihm das Wohlergehen der Beamten und Arbeiter sehr am Herzen liege, im starken Widerspruch.— Umso rückhaltloser und nachdrücklicher werden die sozialdemokratischen Stadtverordneten die berechtigten Interessen der Beamten und besonders der Arbeiter wahrnehmen. Rixdorf. I» dem Streik der Fensterputzer der Firma Arnheim. Runge- straße 9 leistet der Unternehmer Krahnert, Rixdorf, Donau st raße dem bestreikten Unternehmer Liebesdienste, indem er durch seine Arbeiter die Kundschaft ArnheimS besorgt. Herr Krahnert glaubt für seinen Kollegen noch ein besonderes tu» zu müssen: er begleitet als Aufseher die Arbeitswilligen; wahrscheinlich in der Auffassung, dieselben vor den Streikenden schützen zu sollen. Da Herr Krahnert seine Kundschaft besonders in Arbeiterkreisen bat. wird mancher seiner Kunden ihn wohl viel lieber einmal als Aufseher seiner eigenen Arbeiter derartige Liebesdienste erweist. Ter Schatz i» der Häckselkifie. Der Molkereivesitzer Schuster. Bergstr. 81 in Rixdorf wohnhaft, benötigte für feinen Molkerei- betrieb einer Häckselkiste, in der Häcksel und anderes Futter auf- bewahrt wurde. Aber auch feine Barschaft in Höhe von 359 M. hatte Sch. in der Kiste verborgen. Er glaubte das Geld dort am sichersten vor Dieben versteckt zu haben. Hierin sollte er sich jedoch täuschen. In der gestrigen Nacht wurde die schwere Kiste von dreisten Einbrechern gestohlen. Sch. machte ein recht verdutzte? Gesicht, als er morgens den Platz, an dem die Kiste gestanden hatte, leer fand. Treptotv-Banmschulenweg. Eine ansterordentliche Generalllersautmlung des Waljlvercins beschäftigte sich mit dem Bericht der Dreizehnerkommission wegen Umgestattung der örtlichen Organisation. Nach dem Vorschlage der Kommission soll der Vorstand auS 8 Personen bestehen, jeder Ortsteil hat 4 Genossen zu stellen. Die Kassen- gcschäfte werden durch 3 Revisoren geprüft und nimmt der Ob- mann derselben an den Vorstandssitzungen teil. Unsere Gemeinde- Vertreter und die Parteispcditioncn unterstehen dem Vorstande. Es fällen dem Borstand innerhalb der Organisation folgende Auf- gaben zu: Vorbereitung aller Wahlen zu den gesetzgebenden Körperschaften, Arrangierung von Versammlungen und erforderlichenfalls Einleitung von Ausschlußverfahren gegen Mitglieder. Wird bei Gemeindcwahlen nur ein Ortsteil von der'Wahl be- troffen, so hat dieser das Vorschlagsrecht der Kandidaten. Werden Kandidaten vom Vorstande nicht anerkannt, so entscheidet eine Versammlung des Ortsteiles, der für die Wahl in Frage kommt. Dieser Beschluß ist für den Vorstand bindend und hat er die Verpflichtung, in der Generalversammlung, die die endgültige Nominierung der Kandidaten beschließt, für die gemachten Vor- schlüge einzutreten. Die Leitung der Parteiarbeiten in den beiden Ortsteilen wird von den vier Vorstandsmitgliedern des Ortsteiles und den Gruppenführern in Gemeinschaft mit den Bczirksführern und sonstigen Funktionären erledigt. Die Gruppenführer werden in den Versammlungen der einzelnen Ortsteile gewählt. Die Monatsversanimlungen der beiden Ortsteile haben in der Regel an demselben Tage stattzufinden. Die Verbindung mit dem Jen- tralvorstande geschieht durch den ersten Vorsitzenden, der über die Maßnahmen der Gesamtorganisation den einzelnen Ortsteilen rechtzeitig Mitteiluna zu machen hat. Nachdem noch Genosse Haß als Obmann der Kommission einige Aufklärungen gegeben hatte und die Genossen Magel und M i ck l e y mehrere kleinere redaktionelle Acnderungen an dem Entwurf gewünscht hatten, erfolgte die einstimmige An- nähme des Entwurfs. Hierauf kam es zur Wahl des ge- samten Vorstandes. 1. Vorsitzender E h m- Treptow, 2. Vorsitzender L ü d k e- Baumschulcnlveg, 1. Kassierer W i n t- r f e I d- Treptow. 2. Kassierer Magel- Baumschulenweg, 1. Schriftführer Mündt- Baumschulcnweg, 2. Schriftführer Weber- Treptow. Als Bei- sitzer wurden" die Genossinnen Ncuendorf- Treptow und R i e n e ck- Baumschnlenweg gewählt. Zu Revisoren wurden Schnorre, Hammer und Haß-Treptow bestellt. Unter Verschiedenem sprachen sich die Genossen Neuendorf und Karow für eine intensivere Agitation und Organisation unter den Frauen aus. Steglitz. Der letzten Gcmeindevertrctersitzung lag u. a. auch der Antrag der Westlichen Berliner Vorortbahn auf Verlängerung der Konzession zum Betriebe auf 99 Jahre zur Beschlußfassung vor. Er fand die verdiente Beachtung: e i n st i m in i g e d e b a t t e l o s e Ablehnung. Zu Ehren unseres vor kurzem verstorbenen Mit- bürgers Professor P a u l s e n beschloß die Versammlung, das an der Ecke der Flemming- und Arndtstraße im Bau begriffene Real- gymnasiun«„Pauften-Realgymnasium" zu nennen und ferner einen Platz herzugeben zur Aufstellung eines Denkmals, das die preußischen Gymnasiallehrcr dem verstorbenen Gelehrten widmen wollen. Die fortgesetzt starke Vermehrung unserer Bevölkerung machte aber- mals die Errichtung einer ganzen Anzahl von Lehr er st eilen sowohl an der Volksschule wie an den höheren Schule» nötig. Ferner lonrde für die Gemeindeschule III eine neue, ziveite Rektorstelle geschaffen und für den hauS- wirtschaftlichen Unterricht die Einrichtung einer vierten Ab- teilung beschlossei,. Das Schulgeld für Kinder auswärtiger Eltern, die die hiesige Volksschule besuchen, wurde auf 39 M. jährlich festgesetzt. Ihn die Gemeindegärtner auch im Winter be- schäftigen zu können, beabsichtigt der Gemeindevorstand, dieselben als Hilfshcrzer ausbilden zu lassen; er verlangte zu diesem Zwecke 189 M.. die bewilligt wurden. Diese Hilfshcizer sollen während der Wintermonate in den Schulen usw. betchäftigt werden. Die Sehn- sucht nach mehr Polizei, die von Hausbesitzerseite in einer früheren Sitzung geäußert wurde, fand Befriedigung durch Annahme eines Antrages des Gemeindevorstandes, wonach vier Kriminal- b eam te und ein N a ch tp o l i z e i w a ch t m e i sie r neu eingestellt werden sollen. (S rosi-Lichtsrfelde. Bei den Ersatzwahlen am Freitag für die ungültig erklärten Gemeindevcrtreterwahlen vom März d. IS. erhielten Kaufmann Schulze(von zwei Parteien aufgestellt) 824, Schirmer 457, Dr. Brandis 428, Engelmmin 442, Lehmann 424 Stimmen. Bon unseren Kandidaten erhielt Wenzel 329, Neumann 323, und Hecht 323 Stimmen. Demnach ist Schulze gewählt, zwei Mandate kommen zwischen den Bürgerlichen zur Stichwahl, bei der strengste Wahlenthaltung Pflicht der sozialdemokratischen Wähler ist. Bei der Hauptwahl im März erhielten die sozialdemokratischen Kandidaten 499, 488 und 483 Stimmen. Wenn auch ein großer Teil unserer Wähler verzogen ist, so läßt das jetzige Resultat leider aus eine große Gleichgültigkeit der Arbeiterschaft schließen. Mariendorf. Aus der Gemeindevertretung. Der Gemeindevorsteher teilte zu nächst mit, daß der Vertreter B r u ck e r t(Soz.) verzogen und dessen Mandat dadurch erloschen sei. Dem Antrage auf Vermehrung der Lehrkräfte am Reformgymnasium wurde zugestimmt. Ferner wurde die Verlegung des Wochen Marktes nach dem Gemeindeplatz Ecke Chaussee- und Prinzenstraße beschlossen. Dort soll auch eine Bedürfnisanstalt errichtet werden— die erste am Ortel Die hiesige Bäckeriimung hatte einen Antrag ans Errichtung einer gewerblichen Fortbildungsschule für daS Bäckergewerbe eingebracht. Gleichzeitig lag ein Antrag unserer Genossen vor, der die Errichtung einer Pslicht-Fort- b i l d u n g s s ch u l e für Jugendliche beiderlei Geschlechts forderte. Die Genossen Reichardt und Weber begründeten den Antrag. Sie führten au?. daß man nicht eine Fach- schule, die nur Lehrlingen eines bestimmten Betriebes zugute komme, schaffen, sondern gleich ganze Arbeit machen solle. Es wäre mfolge der mangelhaften Ausbildung durch unsere heutige Volksschule nötig, daß die Schulentlassenen im allgemeinen weiter- gebildet werden, ohne Rücksicht darauf, ob diese einen Beruf ergriffen haben oder nicht mcd ohne Unterschied des Geschlechts. Die Bürgerlichen konnten sich nicht dazu verstehen, auch weiblichen Personen den Unterricht zukommenzulassen, obwohl ihnen an der Hand reich- haltigen Materials nackigeiviesen wurde, daß damit schon anders Orte vorangegangen sind. Die Vertretung erklärte sich jedoch im Prinzip mit der Errichtung der obligatorischen Fortbildungsschule für mann- liche Personen einverstanden. Friedrichsfelde. Die Friedrichsfelder Gemeindevertretung tagte Freitagabend in der Kolonie Karlshorst. Nach der Mitteilung des Gemeindevorstehers Ungewitter. daß ihm der Titel„Bürgermeister" und dem besoldeten Schöffen Cassebaum der Titel„Beigeordneter" ver« liehen lvorden sei, wurde über einen Antrag beraten, die Staats- ersuchen, den Namen der Gemeinde mit dem Hinweis auf Unzuträglichleiten, die sich dadurch herausgestellt haben sollen, daß im allgemeinen nicht bekannt ist, zu welcher Gemeinde Karlshorst gehört. Namens der Friedrichsfelder Vertreter sprach sich der frühere'Landrat, Ritterguts- bcsitzer von Friedrichsfelde, v. T r e s k o w für den Antrag auS. Die Friedrichsfelder seien stolz auf ihre Kolonie, die eine außer- ordentlich schnelle und gute Entwickelnng genommen habe, und würden'sie gerne in die Ortsbezeichnnng aufgenommen sehen. E i n st i m m i g wurde darauf beschlösse». den Ort zukünftig Friedrichsfclde- Karlshorst zu nennen und die Genehmigung hierzu bei der Negierung nachzusuchen. Vermiscbtes. Iregierung zu ersuchen, den Namen der Gemeinde in Friedrichsfelde- Karlshorst umzuändern. Die Ge- meindevertrcter der Kolonie begründeten diesen Antrag Die Cholera. Petersburg, 26. September, Nach den vorliegenden Nachrichten sind in Petersburg im Laufe der letzten 24 Stunden bis gestern mittag 399 neue Choleraerkrankungen und 133 TodeS- fälle gemeldet worden. Die Zahl der Kranken beträgt 1831. Die österreichische Regierung hat zur Verhinderung der Ein- schleppung der Cholera außer der sanitären Grenzrevision aller auS Rußland kommenden Reisenden eine fünftägige sanitäre U e b e r tv a ch u n g derselben angeordnet. « �« Vor einigen Tagen berichteten wir, daß ärztliche Cholera» HilfScorps in de» verschiedensten Orten vom Volke bedroht und an einigen Orten direkt überfallen worden sind. Wo die Urheber dieser beklagenswerten Hetze zu suchen sind, zeigt eine Mitteilung der „Russ. Korresp.", die folgendermaßen lautet: In diesen Tagen, da die Volksphnntasie durch die grausigen Erlebnisse ohnehin besonders überhitzt ist, treibt die schwarze Presse mit Rücksicht auf die aktuellen Vorgänge eine sehr gefährliche Agitation. Die„Patrioten" haben es nämlich herausgefunden, daß die Cholera überhaupt von den Juden und Intellektuellen herrühre. Wie dürfe cS ge« schehen, klagt die„Nußkoje Snamja", daß Inden, die „schon dem Wesen ihrer religiösen Lehren nach unmöglich wissenschaftliche Sanitätsärzte sein können", als solche zur Ver- Wendung kommen? Was aber die Intellektuellen im all- fiemeincn anbetreffe, so habe man ihrerseits im Laufe der Jahre o viele Gemeinheiten und Verbrechen gesehen, daß man auf den Gedanken komme, ob nicht auch in der Cholerafrage das Prinzip„je schlimmer, desto besser" befolgt werde.„DaS Volk stirbt. CS sollte etwas geschehen. Und waS zu tun sei, daS weiß jedes Kind. Weshalb wird eS nicht vollbracht?" Und die Leser der „Rußkoje Snamja" verstehen sehr wohl diese Sprache. Durch eine ständige Schule eifriger Hetzpropaganda hindurch, die oft genug die Winke fallen läßt und zu richtigen Pogromanfforderungeii übergeht, haben cs die„patriotischen" Massen gelernt, sofort zu begreisen, wenn von Tun und Vollbringen die Rede ist. Die Jünger des echtrussischen Verbandes wissen es ohne weiteres, daß darunter die gewaltsame Abschaffung der Verfassung und die Ausrottung der Juden gemeint sei. Denn dieser Leitsatz wird bei jeder noch so unpassenden Gelegenheit den Verbandsmassen ein- getrichtert. Alle Mittel müssen diesen schwarzen Hunderten dienen, um ihren Haß gegen die vorwärtSstrebenden Elemente zu befriedigen. Mögen auch Taufende von Cholerakranken ohne ärztliche Hilfe verloinmen, was schiert es diese Leibgarde deö blutigen Nikolaus. Eisenbahnkatastrophe. Zu dem gestern von nnS gemeldeten Eisenbahnunglück wird auS St. Paul noch gemeldet: Nach einer dem hiesigen Bureau der Northern Paeifie-Eisenbahn zugegangenen Nachricht gehörte der bei goungspoint verunglückte Eisenvahnzug der Chicago Burlington uincey- Eisenbahn, die den Schienenstrang der Northern Pacific- Eisenbahn bei Aoungspoint benutzt. Die Zahl der getöteten Personen wird jetzt auf 19 geschätzt, viele Personen haben Verletzungen erlitten. Die Trümmer des verunglückten Zuges sind inBrandgeraten. �, Ein weiteres Eisenbahnunglück hat sich in Ungarn ereignet. Ans Budapest wird unS darüber berichtet: Bei Neupest stießen zwei Güterzüge infolge falscher Signalisimmg zusammen. Etwa 29 Waggons wurden zertrümmert, drei Bahn» angestellte verletzt. Die Gleise sind gesperrt, der Orient- expreßzug mußte halten. Die Passagiere trafen per Wagen in der Hauptstadt ein. Der Materialschaden ist bedeutend. Vom Hunde zerfleischt. Cm entsetzlicher Unglücksfall hat sich gestern in Jena zu« getragen. Dort wurden auf dem Grundstück eines Spediteurs zwei Arbeiter von dem Hofhunde, einem Bernhardiner, angefallen. Beide wurden schrecklich zerfleischt und mußten ins Krankenhaus eingeliefert werden._ Großfeuer im Antwerpener Hafenviertel.! Vorgesten abend gegen 11 Uhr brach in Antwerpen in dem zwischen dem Ostkai des Bassins Katendyck und der Rue des Indes gelegenen Häuserblock ein großes Feuer aus. das auch die Lager- platze einer Holzfirma ergriffen hat. Des Brandes, der große Warenvorräte vernichtet hat, konnte man erst in den Morgenstunden des gestrigen TageS Herr werden. Sozialdemokratischer Agitationsvcrei» für den Wahlkreis Arnswaldc-Frlcdebcrg. Heute nachmittag'/-3 Uhr wichtige TageS» ordnung. Allgemeine Kranken- und Sterbekaffe der Metallarbeiter (E. H. 29.) und Frauen-Sterbekasse, Filiale Berlin 7: Heute nachmittag'/.G Uhr im„Kotbergcr Salon", Kolberger Str. 23. Allgemeine Famllien-Stcrbekasse. Heute Zahltag: Ackersir. 123 bei Wiejenlhat und Mariannenstr. 43 bei Lievehenjchel von 3—6 Uhr. Amtlicher Marktbericht der städtischen Martthallen-Direktion über den Großhandel in den Zentral- Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr schwach, Geschäft schleppend, Preise unverändert. Wild: Zusrihr genügend. Kelchäst flau. Preis« wenig verändert. Geflügel: Ziisiihe weit über Bedarf, Gelchäst nicht lebhast genug. Preise niedrig Fische: Zufuhr genügend, Geschäft still, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig. Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte- gujuhr reichlich, Geschalt wenig besriedlgcnd. Preise be» hauptet.______ Wasserstands-Nachrichten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom _ Berliner Wetterburean. Wasserstand Memel. Tilsit P r e g e l. gnsterbnra Weichsel, Thon» Oder, Ratibor » Krossen , Frankfurt Warthe,«chrimm , LandSbcrg Netze, Vord-unm Elbe, Leiftueritz » Dresden » Barbu » Magdeburg ?+ bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpegrl. 126 Große Frankfurter Straße 126 ==== Eckhaus Koppenstraße.=== H Spezial- Geschäft für Damenkleider- Stoffe. S. 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September 1908, Wochen- Spielplan der Berliner Cheater. Rönigl. Opernhaus. Sonntag: Manon. Montag: Sardanapal. ( Anfang 8 Uhr.) Dienstag: Aïda. Mittwoch: Salome.( Anfang 8 Uhr.) Donnerstag: Tannhäuser. Freitag: Sinfoniekonzert der kgl. Kapelle. Sonnabend, nachmittags 2%, Uhr: Hänsel und Gretel. Die Puppenfee. Abends: Figaros Hochzeit. Sonntag: Sardanapal.( Anfang 8 Uhr.) Montag: Götterdämmerung.( Anfang 6%, Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Doftor Klaus. Montag: Die Mabensteinerin. Dienstag: Agnes Bernauer. Mittwoch: Goldfische. erstag: Die Jäger. Freitag: Die Rabensteinerin. Sonnabend: Iphigenie auf Tauris. Sonntag, nachmittags 22 Uhr: Wilhelm Tell. Abends: Die Jäger.( Anfang 8 Uhr.) Montag: Julius Cäsar. Neues tönigl. Opern- Theater. 7 Uhr.) Montag bis Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag bis Sonnabend: Paragraphen- Schuster. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der Dorfpfarrer. Abends und Montag: Paragraphen- Schuster. Deutsches Theater( Sammerspiele). Sonntag: Terakoha. Rimito. Montag: Gespenster. Dienstag: Frühlings Erwachen. Mittwoch: Sozialaristokraten. Donnerstag: Lysistrata. Freitag: Terakota. Stimilo. Sonnabend: Frühlings Erwachen. Sonntag: Sozialaristokraten. Montag: Gespenster. Carl Haverland- Theater. Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Gustav Behrens Theater. Spezialitäten. % Reichshallen Theater. Allabendlich: Stettiner Sänger. Briefkaften der Redaktion. of, dritter Eingang, vier Treppen, Sonnabend: Die Liebe wacht.( Anfang 7%, Uhr.) Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Frl. Josette. meine Frau. Abends und Montag: Die Liebe wacht. Theater des Westens. Täglich: Ein Balzertraum. Sonntag, 27. September, und Sonntag, 4. Oktober, nachmittags 3%, Uhr: Die lustige Witwe. Schiller- Theater O. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Stein unter Steinen. Abends: Julius Cäsar. Montag: Hans Hudebein. Dienstag Die juristische Ebrechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, gwelter bis Freitag: Julius Cäsar. Sonnabend: Das Stiftungsfest. Sonntag, Fahrstuhl nachmittags 3 Uhr: Stein unter Steinen. Abends und Montag: Julius ochentäglich abends von 7 bis 9% Uhr statt. Geöffnet 7 hr Sonnabende beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Cafar. Buchstabe und eine Zahl als Werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort Schiller Theater Charlottenburg. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: wird nicht erteil.. Bis zur Beantwortung im Brieffaften tönnen 14 Tage Göz von Berlichingen. Abends: Das Stiftungsfeft. Montag: Das Opfer vergehen. Gilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. lamm. Dienstag bis Donnerstag: Ein Teufelskerl. Freitag: Das M. 37. Ja, aber die Sparkassenverwaltung pflegt Auskunft ab Stiftungsfest. Sonnabend: Der Herr Ministerialdirektor. Sonntag, nachzulehnen. Sonntag: Uriel Acosta.( Anfang mittags 3 Uhr: Göz von Berlichingen. Abends: Ein Teufelskerl. Montag: werden, wenn Besorgnis vorliegt, daß sie unterstützungsbedürftig würde. H. S. 2. Eine neu anziehende Person fann zurückgewiesen Hans Huckebein. Friedrich Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Sonntag, nach- Unterstügungsverpflichtet ist diejenige Gemeinde, in der der Betreffende mittags 3 Uhr: Der gehörnte Siegfried. Siegfrieds Tod. Abends: Im Aussicht auf Erfolg. zwei Jahre lang gewohnt hat.. 2. 504. Die Klage hätte wenig Deutsches Theater. Sonntag: König Lear. Montag: Die Räuber. meißen Rößl. Montag: Egmont. Dienstag: Großmama. Mittwoch: gültig wäre ein gerichtlich oder notariell zu schließender Bertrag mit Ihrer M. S. 27. Ja. W., Berlin. Möglich und Dienstag: Kabale und Liebe. Mittwoch: König Lear. Donnerstag: Egmont. Donnerstag und Freitag: Großmama. Sonnabend, nachmittags Klaray 1000. Rabale und Liebe. Freitag: König Lear. Sonnabend: Kabale und Liebe. 4 Uhr: Hänsel und Gretel. Abends: Großmama. Sonntag, nachmittags Chefrau, durch den Sie das Eigentum übertragen. Nein. 8. G. 100. Nein. 3 Uhr: Der gehörnte Siegfried. Siegfrieds Tod. Abends: Madame Sans unerheblich. 2. Amtsgericht Bankow. Sonntag: König Lear. Montag: Medea. . O. 10. 1. Das irrige Datum ist Gêne. Montag: Großmama. P. B. 909. Das ist ungewiß. R. P. Alimente. 1. Ein Heimatsschein ist zweckmäßig, wenn auch Lorking Theater. Allabendlich: Baza. Sonntag, 27. September, nicht erforderlich. 2. und 8. Nein. m. D. 8. 1. Innerhalb sechs nachmittags 3%, Uhr: Madame Bonivard. Thalia Theater. Allabendlich: Das Mitternachtsmädchen. Wochen nach Kenntnis dieser Tatsache könnte die Klage auf ungültigkeit der Luisen- Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Anna Liese. Abends: The ausgestellt werden. 2. und 3. Die Klage hätte wenig Aussicht auf Erfolg. Leffing Theater. Sonntag: Gespenster. Montag: Die verfunkene Ausgewiesen. Montag: Flachsmann als Erzieher. Dienstag: Helga. wären hastbar. 2. Ja. Ramscheid. 1. Der Maurermeister und das Pionierkommando Abonnent 1863. Ihnen fällt die Hälfte des Glode. Dienstag: Gespenster. Mittwoch: Nora. Donnerstag: Gespenster. Mittwoch: Theater. Donnerstag: Helga. Freitag: Aennchen von Tharau. Freitag: Der Raub der Sabinerinnen. Sonnabend: Gespenster. Sonntag, Sonnabend, nachmittags 4 Uhr: Rübezahl. Abends: Anna Liese. Sonntag, Nachlasses Ihrer Ehefrau zu, außerdem die Hochzeitsgeschenke und das zum nachm. 3 Uhr: Die Weber. Abends: Gespenster. Montag: Unbestimmt. nachmittags 3 Uhr: Ausgewiesen. Abends und Montag: Nennchen von soweit aus Ihrer Darlegung ersichtlich, Gläubiger des Nachlasses. Von dem Haushalt gehörige Inventar. Ihre Kinder erben nicht mit, sind aber, Berliner Theater. Sonntag: Mercadet. Montag: Der Traum ein Tharau. Leben. Dienstag und Mittwoch: Mercadet. Donnerstag: Die Journalisten. Bernhard Nose- Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Kabale Nachlaß des Onkels würde die Hälfte an Sie, die Hälfte an die übrigen Abends: Der Theaterteufel. Freitag: Der Traum ein Leben. Sonnabend: Mercadet. Sonntag, nachm. und Liebe. Wegen der Straßenpflasterung Montag: Kabale und Liebe. 3 Uhr: Emilia Galotti. Abends: Mercabet. Montag: Unbestimmt. Dienstag: Der Theaterteufel. Donnerstag: Geschlossen. Freitag: Das müßten Sie mit der Gemeinde in Berbindung treten. Neues Theater. Allabendlich: Wahrheit. Stätchen von Heilbronn. Sonnabend, nachmittags 4 Uhr: Aschenbrödel. nicht aber von den Anliegern, fönnte ein 3wang ausgeübt werden. Abends: Der Theaterteufel. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Kabale und Wohnenden, die ein Grundstück in der Gemeinde haben, find die Stimmen Liebe. Abends: Das Kätchen von Heilbronn. der Forensen. 4. Staat. 5. Uns nicht bekannt. 6. Ja. 7. Bei Solberg. 8. Besteht aus mehreren. an die Gewerkschaft oder an den Gewerbeinspektor wenden.- A. V. Thorn. Baul 3. 1. Ja. 2. Die Betreffende soll sich 1. und 2. Nein. 3. Ja. 4. Die Polizei ist nicht berechtigt, das Vergnügen sichtlich einer öffentlichen Luftbarkeit zu. einer geschlossenen Gesellschaft zu verbieten. Dies Recht steht ihr nur hins 9. G. 72. 1. Ja. 2. Nein. Sie follten schleunigft gegen das Versäumnisurteil Einspruch einlegen. C. R. 77. Eine Verjährung liegt nicht vor, wenn seit dem 1. Januar 1905 Abschlagszahlungen geleistet sind oder ein ausdrüdlicher Eigentumsvorbehalt bei dem Kauf bereinbart ift. E.. 1000. Eine Klage gegen den Chef wäre nicht ohne Aussicht auf Erfolg. Offenbarungseid 98. Zur Leistung des Eides sind Sie B. C. 2. 20. Machen Sie nochmals unter Darlegung des Sachverhalts berpflichtet. Durch die Leistung entstehen teine Nachteile für Sie. wiederum ablehnenden Bescheid Beschwerde an das Landgericht ein. eine Eingabe an das Vormundschaftsgericht und legen Sie gegen einen M. 22. Leider ja. Auslande Ihre preußische Staatsangehörigkeit verloren, so erhalten Sie M. St. P. Haben Sie durch Aufenthalt im dicfe auf einen an den Regierungspräsidenten gerichteten Antrag wieder Neues Schauspielhaus. Sonntag: Faust. I. Teil.( Anfang 7, Uhr.) Montag: Judith. Dienstag: Der Dummtopf. Mittwoch: Faust. I. Teil. ( Anfang 7 Uhr) Donnerstag: Der Dummtopf. Freitag: Die Kinder der Exzellenz. Sonnabend und Sonntag: Faust. I. Zeil.( Anfang 7, Uhr.) Montag: Unbestimmt. 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Oftober, nachmittags 3 Uhr: Die blaue Maus. Trianon Theater. Sonntag, nachmittags 8 Uhr: Seine erste Frau. Abends: Frl. Josette meine Frau. Montag: Geschlossen. Dienstag bis blanc. Paffage- Theater. Allabendlich 8 Uhr: Spezialitäten. Sonntag, nachmittags 3 ühr: Spezialitäten. Balast- Theater. Ullabendlich: Der Seetadett. Spezialitäten.( Anfang Walhalla Theater. Spezialitäten.( Anfang 8 Uhr.) 7, Uhr.) Erben fallen. Grundstück 12. Bon dieser, Tütti 2000. 1. Nein. 2. Nein. 3. Die Stimmen der auswärts Briefkaften der Expedition. Ein alter treuer Abonnent. Wir werden Ihre Anregung in Bes rüdfichtigung ziehen. Kathreiners Malzkaffee führt dem Körper keinen einzigen störenden und schädlichen Stoff zu. Wissen Sie, was das heutzutage zu bedeuten hat? Möbel ganze Wohnungs- Einrichtungen fowie einzelne Stücke äußerst billig. Eigene Tischlerei- Werkstatt. 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Luisenstädtischer Kanal Brunnenstraße und Bahnkörper der Stettiner und Nordbahn Spandauer Schiffahrtskanal und Weichbildgrenze Jedem Einleger steht indeffen fret, bei der Anlegung eines Sparbuches nach Belieben unter allen unseren Sparkassen zu wählen, unzulässig ist aber die Anlegung mehrerer Bücher, etwa bei verschiedenen Kassen, auf den Namen einer Person. Jede der sechs Sparkassen nimmt nur auf die ihrer eigenen Buständigkeit unterliegenden Bücher Einzahlungen entgegen und leistet auch nur auf solche Bücher Auszahlungen, also Rasse A nur auf schwarze und rote Sparbücher, Stasse B nur auf blaue Sparbücher, Kasse C nur auf graue Sparbücher, Kaffe D nur auf grüne Sparbücher, Kaffe E nur auf. schwarz- rotgestreifte Sparbücher, Staffe F nur auf schwarz- blaugestreifte Sparbücher. Einzahlungen werden außerdem auch bei jeder beliebigen der vielen über die ganze Stadt verbreiteten Annahmestellen entgegengenommen. Die Benutzung dieser Annahmestellen möglichst in allen Einzahlungsfällen liegt ( zwecks schnellerer Abfertigung der abhebenden Sparer bei den Stassen selbst) im eigenen Interesse aller Sparer. Nebertragungen von Sparguthaben zwischen den verschiedenen Sparkassen unserer Stadt ers folgen auf Antrag der Sparer jederzeit kostenlos und ohne Unterbrechung der Verzinsung. Die Uebertragung ist bei der für das vorhandene Sparbuch zuständigen Kasse oder bei derjenigen Kasse, welche die tünftige Abfertigung übernehmen soll, unter Borlegung des Sparkassenbuches zu beantragen. Die neuen Stassen E und F werden für die Sparer werktäglich von 9 bis 2 Uhr geöffnet sein. Die Errichlung einer fiebenten Sparkasse für den östlichen Stadtteil in der Tilsiter Straße, nahe der Frankfurter Allee, steht bevor. Berlin, den 15. September 1908. Kuratorium der städtischen Sparkasse. Gehricke. 188/4 Postkarte If brick Thenew Gelegenteil sich reell Mobel auch auf Teitzahlung bei gerin. ger Anzahlung anzusitcaffen. 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