Nr. 228. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 fg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost Bbonnement: 1,10 Mark pro Monat Eingetragen in die Post- Beitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen un: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal Rumänien, Schweden und die Schweiz Cricheint täglich außer Montags. Vorwürts Berliner Volksblatt. 25. Jahrg. Die Infertions Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 60 Pfg., für bolitische und gewerkschaftliche Bereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Morte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition is bis 7 Uhr abends geöffnet. Zelegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Die Ehre des Rechtsanwaltsstandes. Am 10. Oftober wird der Oberreichsanwalt bom Ehrengerichtshof für die deutschen Rechtsanwälte zu Leipzig fordern, daß er unseren Genossen Dr. Karl Liebtnecht als unwürdig der Anwaltsrobe aus dem Stande der Rechtsanwälte ausschließe! Die Standesehre der Rechtsanwälte, so wird der Anfläger behaupten, leidet es nicht, daß der wegen Hochverrats zu einem und einem halben Jahre Festungshaft Verurteilte den Anwaltsberuf weiter ausübt. So wird er behaupten im Auftrage der regierenden Bureaukratie und im Sinne der die Regierung bestimmenden Scharfmacher aus Bourgeoisie und Junfertum, denen die Verurteilung unseres Genossen zu langer Freiheitsstrafe nicht genügt, die sie begleitet sehen wollen von der Ehrloserklärung und Eristenzvernichtung des Verfolgten. Das Reichsgericht hat es abgelehnt, den Genossen Liebknecht für ehrlos zu erklären. Der Ehrengerichtshof der Rechtsanwälte soll es tun, soll feststellen, daß der Mann, dem das Reichsgericht zuerkannt, daß er nicht aus ehrloser Gesinnung gehandelt hat, als er nach Meinung der Reichsrichter ein politisches Verbrechen beging, unwürdig ist, dem Stande der Rechtsanwälte weiter anzugehören. Vor dem Ehrengerichtshof zu Leipzig hofft die regierende Bureaukratie zu erreichen, was ihr vor dem Ehrengericht der Anwaltskammer zu Berlin nicht zu erreichen gelang. urteilen! Dienstag, den 29. September 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Ides reichsgerichtlichen Urteils als bindend anerkannte, zur Frei- haben, daß nicht jedem Angehörigen der Partei die Vorsicht und iprechung gelangt. Da nach§ 55 Abs. 3 der Rechtsanwalts- Ordnung die Tatsache einer strafgerichtlichen Verurteilung für sich allein nicht notwendig auch ehrengerichtliche Bestrafung nach sich zieht, so hatte das Ehrengericht selbständig zu prüfen, ob der im Strafverfahren festgestellte tonkrete Tatbestand zugleich eine Verletzung der dem Angeschuldigten nach§ 28 a. a. O. obliegenden besonderen Amtspflichten enthält und ehrengerichtliche Sühne erfordert. Gejebeserkenntnis zugetraut wurde, die zur Vermeidung jedes Konflikts mit den Strafgeseßen auf einem solchen Gebiet erforderlich ist. Der Angeschuldigte dagegen konnte, zumal er als Jurist die Meinungen anderer, nicht juristisch gebildeter Führer der Partei nicht als richtig anzuerkennen brauchte, für seine Person von der gesetzlichen zulässigkeit seiner Propaganda und insbesondere davon überzeugt sein, daß der Inhalt seiner Schrift nirgends gegen das Strafgeset verstoße. Und wenn der Angeschuldigte, wie das Reichsgericht feststellt, auf Seite 103 seiner Schrift einen Ausspruch Mesliers zitiert: allenthalben erkläre die Reaktion die Kaserne als fatrofantt, überall behandele sie den Antimilitarismus als Hochberrat", so tann in dieser Aeußerung, auf die seitens der föniglichen Staatsanwaltschaft in der Hauptverhandlung vor dem Ehrengericht besonders hingewiesen worden ist, feineswegs ein Beweis dafür gefunden werden, daß auch der Angeschuldigte in jeglicher Art antimilitaristischer Propaganda ein hochverräterisches Unternehmen erblickt habe. Vielmehr ist nach dem Zusammenhange nicht zweifelhaft, daß er mit jenem Zitat gerade der Meinung hat Ausdruck geben wollen, es sei unrichtig und ungerecht, den Antimilitarismus schlechthin als Hochberrat zu behandeln. Wenn der Angeschuldigte ferner nach den Feststellungen des Reichsgerichts( Seite 7 des Urteils) es für notwendig erklärt hat, daß die antimilitaristische Agitation wegen ihrer besonderen Gefährlichkeit unter die Leitung speziell geschulter und mit allen Fußangeln des Gesetzes vertrauter Personen gestellt werde, so hat auch dies zu anderen Feststellung nicht führen können. Denn das Ehrengericht ist überzeugt, daß der Angeschuldigte hiermit nicht hat zum Ausdruck bringen wollen, die antimilitaristische Pro paganda folle von Leuten betrieben werden, die es verständen, das Gesetz zwar zu verlegen, sich aber durch besondere Geschicklichkeit der Bestrafung zu entziehen, sondern daß er damit hat fagen wollen, die Propaganda dürfe nur solchen Personen anvertraut werden, die die Grenze zwischen gefeßlich zulässiger und gesehlich strafbarer Tätigkeit innezuhalten wüßten. Glauben geschenkt. daß der Angeschuldigte sich nicht frivol oder leichtfertig über die Frage hinweggesetzt hat, ob sein Vorgehen gesetzlich statthaft der strafbar sei, daß er vielmehr auf Grund ernstlicher, wenn auch vielleicht durch Parteieifer getrübter Prüfung zu der Annahme gelangt ist, sein Vorgehen stehe mit den geltenden Gefeßen nicht in Die Abfassung und Verbreitung der mehrerwähnten Drudschrift stellt sich als eine außerhalb der Berufstätigkeit des Angeschuldigten liegende Handlung dar, durch die er den pol is tischen Zielen seiner Partei zu dienen gesucht hat. Politische Betätigung ist das Recht jedes Staatsbürgers und muß somit auch dem Rechtsanwalt in weitestem Maße freistehen. Dabei macht es grundsäglich keinen Unterschied, ob die politische Richtung, zu der ein Rechtsanwalt sich bekennt und die er durch öffentliche Wirksamkeit zu fördern sucht, sich in mehr oder minder starkem Gegensatz zu der herrschenden Staats- oder Gesellschaftsordnung ftellt; denn wenngleich der Rechtsanwalt in seinem Beruf als Organ der staatlichen Rechtspflege an der Verwirklichung und Aufrechterhaltung der bestehenden Rechtsordnung mitzuwirken hat, würde es doch den Intentionen der deutschen Justizgesetzgebung nicht entsprechen, wenn hieraus allein eine Beschränkung seiner außerhalb bes Berufes liegenden politischen Betätigung abgeleitet würde. Der Rechtsanwalt übt zwar in seiner Berufstätigteit ein öffentliches Amt aus, er ist aber darum nicht Beamter( vergl.§§ 31, 359 .- St.- G.- B.). Aus seiner Berufsstellung kann daher auch nicht gefolgert werden, daß er in seiner öffentlichen und politischen Zätigteit an dieselben Rücksichten und Beschränkungen gebunden sei wie ein öffentlicher Beamter. Eine politische Betätigung, die ihrer Art und ihren Bielen nach mit den Pflichten eines Staatsbeamten unvereinbar sein mag, braucht darum einem Rechtsanwalt noch nicht verwehrt zu sein. Deshalb ist auch die öffentliche Bekundung der Zugehörigkeit zur Sozialdemokratie und die aktive Das Ehrengericht, die erste Instanz des ehrengerichtlichen Betätigung dieser politischen Gesinnung an und für sich noch nicht Verfahrens, hat den Genossen Liebknecht bekanntlich am als eine Verfehlung gegen die besonderen Anwaltspflichten anzuEntscheidend aber fiel für die Feststellung des Ehrengerichtes 29. April 1908 von der Anklage, die ihm als Rechtsanwalt sehen( vergl. Entscheidungen des Ehrengerichtshofes Band 3 ins Gewicht, daß seine Mitglieder den Angeschuldigten als einen Charakter kennen, in dessen Wahrheitsliebe fein obliegenden Pflichten verletzt zu haben, freigesprochen, Seite 281, Band 6 Seite 241, 244, Band 12 Seite 48). hat erflärt, daß er nicht unwürdig sei, dem Anwalts- Damit foll freilich nicht ausgesprochen sein, daß die politische 3 weifel zu feben ist. Das Ehrengericht hält es für stande weiter anzugehören. Und in diesem Ehrengericht haben Betätigung eines Rechtsanwalts niemals eine Verlegung der ausgefchtoffen, daß der Angeschuldigte sich durch unwahre die Standesgenossen des Angeklagten geurteilt. ihm nach§ 28 a. a. D. obliegenden Standespflichten enthalten Erklärungen den Konsequenzen seiner politischen Tätigkeit zu ent tönne. Eine solche Pflichtverletzung wird vielmehr hier, wie auch ziehen suche, und hat deshalb seiner Versicherung, daß er von der Im Ehrengerichtshof zu Leipzig, in der Berufungsinstanz sonst bei der beruflichen und außerberuflichen Tätigkeit des Rechts- gefeßlichen Zulässigkeit der von ihm betriebenen Propaganda und werden vier Reichsgerichtsräte und drei Reichsgerichtsanwälte anwalts namentlich dann in Frage kommen, wenn er die von den der Veröffentlichung seiner Schrift überzeugt gewesen sei, vollen urteilen; vier Richter, die dem Anwaltsstande überhaupt nicht allgemeinen gefeßlichen Vorschriften, insbesondere von den Strafangehören, drei, die eine besondere, von den übrigen An- gesehen gezogenen Schranken übertritt. Wie aber auf anderen widerhandlung gegen das Strafgesek nicht gemacht werden konnte, Wenn somit dem Angeschuldigten der Vorwurf bewußter Zus wälten streng geschiedene Gruppe in der Anwaltschaft bilden. Gebieten ein Verstoß gegen das Strafgesetz nicht immer zugleich so konnte ferner auch nicht angenommen werden, daß sein( nach den Die Standesgenossen Liebknechts haben ihn frei- eine ehrengerichtlich zu fühnende Verfehlung darstellt, so muß dies Feststellungen des Reichsgerichts irriger) Glaube an die Zulässigkeit gesprochen- Nichtstandesgenossen sollen ihn verum so mehr gelten, wenn ein Anwalt bei politiſcher Betätigung seines Vorgehens auf einem Mangel an Gewissenhaftigkeit beruhe das Gesetz verletzt. In einem solchen Falle wird eine Verfehlung Seine Standesgenossen haben erklärt, daß die Ehre des gegen die Pflichten des§ 28 der Rechtsanwaltsordnung insbesondere und ihm um deswillen nicht zur Entschuldigung gereiche.( Val. Seine Standesgenossen haben erklärt, daß die Ehre des dann nicht angenommen werden können, wenn die Zuwiderhand- Seite 70 und 123; Band 12, Seite 114, 115.) Das Ehrengericht Entscheidung des Ehrengerichtshofes Band 7, Seite 16; Band 10, Anwaltsstandes das Verbleiben Liebknechts im Rechts- lung gegen das Gesetz nicht in bewußter Auflehnung gegen die ist auf Grund der im Vorstehenden dargelegten Umstände überzeugt, die Nichtstandesgenossen sollen staatliche Rechtsordnung bestanden hat und nicht auf unehrenhafte anwaltsberuf erfordert erkennen, daß die Ehre des Anwaltsstandes seinen Ausschluß Gesinnung zurückzuführen ist. Ein Anwalt, der im Eifer des politischen Kampfes in einem einzelnen Falle über die Grenzen des fordert! Die Nichtstandesgenossen sollen den Standesgenossen gefeßlich zulässigen hinausgeht, ohne sich der Strafbarkeit seiner Handlung bewußt zu sein, und der hierbei nicht von sittlich versagen, was ihre Ehre ist! Das ist das Ehrengerichtsverfahren, das die regterende werflichen, sondern von ehrenhaften Motiven geleitet war, macht sich Was endlich die Gesinnung anbelangt, aus der die für strafbar Bureaukratie den deutschen Rechtsanwälten auferlegt hat! der Achtung nicht unwürdig, die sein Beruf erfordert. Nach beiden Richtungen hin ist das Ehrengericht im gegebenen erachtete Handlung des Angeschuldigten hervorgegangen ist, so hat Ueber die Ehre der Anwälte wacht nicht die Vertretung der Falle zu einem für den Angeschuldigten günstigen Ergebnis gelangt. schon das Reichsgericht in seinem Urteil ausgesprochen, daß sie Anwälte selbst, sondern eine Körperschaft von Nichtanwälten! Nach den Feststellungen des Reichsgerichts hat die strafbare nicht als ehrlos angesehen werden könne, weil nicht nachweisbar sei, Am 10. Oftober soll sie ihr Urteil fällen. Die Ver- Handlung des Angeschuldigten darin bestanden, daß er in der daß der Angeschuldigte bei Abfassung seiner Schrift nicht nur handlung ist nicht öffentlich, wie die vor dem Ehrengericht. oben näher dargelegten Weise auf die am letzten Ende gewaltsame feiner politischen Ueberzeugung gefolgt sei. Das Ehrengericht ist Umsomehr halten wir es für unsere Pflicht, der Beseitigung des stehenden Heeres hinarbeitete. Der Angeschuldigte darüber hinaus auf Grund des Ergebnisses der Hauptverhandlung Deffentlichkeit jetzt das Urteil zu unterbreiten, das das hat damit eine der wichtigſten verfaſſungsmäßigen Einrichtungen und auf Grund feiner Kenntnis der Person des Angeschuldigten zu des Reichs zum Gegenstand seines Angriffs gemacht. Daß er sich der positiven Feststellung gelangt, daß der Angeschuldigte ausEhrengericht am 29. April gesprochen hat. Die Deffentlich aber bewußt gewesen sei, hiermit auch gegen das schließlich von politischen Motiven zur Veröffentlichung seiner feit hat ein Recht darauf, vor dem Spruch des Leipziger Strafgefeß zu verstoßen, hat das Ehrengericht nicht Schrift bestimmt worden ist und daß er damit nichts anderes Ehrengerichtshofes zu wissen, aus welchen Gründen die nur nicht für erwiesen erachtet, sondern es ist auf Grund bezweckt hat, als den Bielen seiner Partei und Standesgenossen Liebknechts ihn, entgegen dem Antrag der des Ergebnisses der Hauptverhandlung und auf Grund der Ber: damit nach seiner Ueberzeugung dem Volkswohl Staatsanwaltschaft, für würdig erachteten, ihr Berufskollege fönlichkeit des Angeschuldigten überzeugt, daß er an die rechtliche zu dienen. Deshalb fällt troß der an sich schweren strafrecht. zu bleiben. Ein Recht darauf, zu erfahren, wie die Anwälte zulässigkeit seines Vergehens geglaubt hat. An dieser Feststellung lichen Verfehlung des Angeschuldigten auf seinen Charakter kein selbst über die Anwaltsehre denken, bevor die Nichtanwälte ist das Ehrengericht durch die Tatsache der Verurteilung des An- Makel; deshalb hat er auch nach der Ansicht des Ehrengerichts, geschuldigten im Strafverfahren nicht gehindert; denn die zumal er sich sonst sowohl in seiner beruflichen Tätig. erklären, was darunter zu verstehen sei. Frage, ob der Angeschuldigte sein Verhalten selbst als ftrafbar feit wie in seinem Privatleben durchaus tadel. So drucken wir denn hier den wesentlichen Teil des um- erkannt hatte, ist vom Strafrichter nicht entschieden worden und frei geführt hat, die vom Anwaltsstande erforderte Achtung nicht fangreichen Urteils wörtlich ab. Gefällt haben es: Geheimer brauchte von ihm nicht entschieden zu werden, weil ein Frrtum verloren. Justizrat Dr. Krause als Vorsitzender, Justizrat Mar hierüber den Angeschuldigten vor krimineller Strafe nicht schützen Aus diesen Gründen konnte eine Verfehlung gegen§ 28 der Jacobsohn, Justizrat Dr. Stranz für den verhinderten fonnte. Das Ehrengericht aber hat diese Frage berneint, ob Rechtsanwaltsordnung nicht festgestellt werden. Selbst wenn Justizrat Stubenrauch, Rechtsanwalt Mar Hahn für den ver- gleich es nicht verkannt hat, daß der Angeschuldigte ein geistig hoch aber eine solche Verfehlung anzunehmen wäre, hinderten Justizrat Kleinholz, Rechtsanwalt Wilte als Beisiger; stehender, politisch und juristisch geschulter Mann ist, von dem er würde das Ehrengericht doch mit Rücksicht auf die Besonderheit des als Vertreter der Staatsanwaltschaft fungierte Generalstaats- wartet werden kann, daß er die rechtliche Zulässigkeit seiner eigenen Falles und mit Rüdsicht auf die Integrität der Person des AuSandlungen im allgemeinen zutreffend zu beurteilen vermag. Der geschuldigten von einer ehrengerichtlichen Bestrafung abgesehen anwalt Dr. Ma chler, als Gerichtsschreiber Rechtsanwalt Angeschuldigte ist ein überzeugter und leidenschaftlicher Anhänger haben. Daß nicht jeder Verstoß gegen die Anwaltspflichten Herrmann. der sozialdemokratischen Partei; es ist deshalb trotz seiner Intelli- ehrengerichtliche Sühne erfordert, ist anerkannten Rechts.( Vgi. Einleitend gibt das Urteil des Ehrengerichts einen Aus- genz und Bildung die Annahme keineswegs von vornherein aus- Entscheidung des Ehrengerichtshofes Band 11, Seite 120.) Sier zug aus der Begründung des Reichsgerichtserkenntnisses. Dann zuschließen, daß er im Eifer für die Partei und für die Sache, die liegt nach der Ansicht des Ehrengerichts ein Fall vor, in bent er vertritt, nicht dasjenige Maß von Objektivität zu bewahren ver- disziplinarische Ahndung neben der vom Strafrichter erkannten mocht hat, das zur Erkenntnis der vollen Tragweite und ins- Strafe nicht geboten erscheinen würde. Das Reichsgericht hat hiernach alle Tatbestandsmerkmale der besondere der Strafbarkeit seines Verhaltens erforderlich war. Vorbereitung zu einem hochberräterischen Unternehmen nach§§ 86, Dabei war auch zu berücksichtigen, daß die Fragen, die bei der straf81 Nr. 2, 82 des Strafgesetzbuches für gegeben erachtet. Es hat rechtlichen Beurteilung der Handlungsweise des Angeschuldigten in aber nicht feststellen können, daß die für strafbar befundene Hand- Betracht kamen- wie zum Beispiel die Frage der Anwendbarkeit lung auf ehrloser Gesinnung beruhe, da nicht nachweisbar sei, daß des 81 Nr. 2 N.-St.-G.-B. auf den Fall der Aenderung einer ter Angeschuldigte bei Abfaffung der Schrift nicht nur feiner polis einzelnen berfassungsmäßigen Einrichtung im Gegensatz zu der tischen Ueberzeugung folgte. Deshalb ist nicht auf Buchthaus- Verfassung im ganzen feineswegs einfache und uns strafe, sondern auf Festungshaft erkannt worden, deren Dauer mit umstrittene find.( Vgl. John in Holzendorffs Handbuch, Rücksicht auf die nicht geringe Gefährlichkeit des Vorgehens des Band 3, Seite 12; Beseler Pr. St.-G.-B., Seite 224.) Auch daß Angeschuldigten auf ein und ein halbes Jahr bemessen wurde. der Angeschuldigte( wie das Reichsgericht Seite 14 des Urteils des Auf Grund dieses Tatbestandes ist gegen den Angeschuldigten näheren dargelegt hat) sich in der Frage der antimilitaristischen ehrengerichtliche Hauptverfahren eröffnet Propaganda seit langer Zeit in bewußtem Gegensatz zu den worden. In der Hauptverhandlung, in der das Urteil des Reichs- Führern der deutschen Sozialdemokratie befindet, daß einzelne von gerichts zum Zwede der Beweisaufnahme verlesen und der Ange- diefen Führern jene Propaganda für taktisch unflug und für geschuldigte persönlich verhört worden ist, hat der Vertreter der fährlich erklärt hatten, nötigt nicht zu dem Schlusse, daß er die Abföniglichen Staatsanwaltschaft die Ausschließung des An- fassung und Verbreitung seiner Schrift für strafbar erachtet haben Wie werden nun am 10. Oktober in Leipzig die Reichsgeschuldigten aus der Rechtsanwaltschaft bean- muß. Die Warnungen anderer Führer fonnten( mindestens nach gerichtsräte und die vom Präsidium des Reichsgerichts siebentraat. Das Ehrengericht ist jedoch, wenngleich es die feststellungen der Auffassung des Angefchuldigten) sehr wohl darin ihren Grund mal gefiebten aristokratisch exklusiven Reichsgerichtsanwälte fährt es fort: баз Widerspruch. Anklage freizusprechen. Die baren Auslagen des Verfahrens waren Der Angeschuldigte war somit von der gegen ihn erhobenen nach§ 94 der Rechtsanwaltsordnung der Kasse der Anwaltskammer zur Last zu legen. Dr. Krause. Jacobsohn. Dr. Stranz. Hahn. Wilte. So haben die Standesgenossen des Hochverräters aus dem lebendigen Gefühl ihrer Standesehre und ihrer genauen Kenntnis des Angeklagten geurteilt, und zwar in boller Einmütigteit, obwohl sie gewiß das sind, was man in bürgerlichen Streisen hochrespektable und loyale Herren nennt. Der Vorsitzende ist der Vizepräsident des Abgeordnetenhauses, ein Rechtsnationalliberaler. ittfcilcn? Welche Vorstellungen über die Standesehre des ihnen ganz fremden Nechtsanwaltsstandes werden diese Herren entwickeln? Oft genug haben sie über diese Ehre laxer gcurteilt. als die aus Anwälten bestehenden Ehren- gerichte. Oft genug haben sie dadurch eine leb- hafte Mißstimmung in der Anwaltschaft erregt. Aller- dings aus dem sehr guten Grunde, weil sich diese Milde in einer dem Anwaltsstande nicht gerade schmeichel- haften Weise zumeist bei Fragen der gewöhnlichen bürgerlichen Ehrenhaftigkeit zeigte; weil sich bei jenen Nichtanwälten wiederholt die Neigung zeigte, im Punkte der persönlichen Ehrenhaftigkeit beim Anwaltsstands mäßigere Ansprüche zu erheben, als bei Beamten; weil man im Punkte der persönlichen Ehrenhaftigkeit der An- Waltschaft von oben herab einen geringeren Maß- stab aufzuoktroyieren suchte. In politischen Dingen dagegen, die die persönliche Ehrenhaftigkeit nicht berühren, pflegen die Herren in Leipzig zumeist schärfer zu urteilen, als die Anwälte selbst; im Punkte der Loyalität sind sie bestrebt, die Anforderungen höher zu schrauben, als die Anwaltschaft will. Das ist kein Zufall, sondern die notwendige Konsequenz der amtlichen und beruf- lichen Stellung, die die Mitglieder des Leipziger Ehren- gerichtShofs einnehmen. So ist die„freie Advokatur" in eine unwürdige Abhängigkeit gepreßt, die das Ansehen des Anwalt- standes in doppelter Beziehung herabdrückt. Der Oberreichsanwalt wird sich am 10. Oktober bemühen, die sieben Nichtanwälte des Ehrengerichtshofes zu überzeugen, daß der Genosse Liebknecht gegen den Willen der Anwaltschaft aus der Anwaltschaft herausgeworfen werden müsse, daß die Anwaltschaft von der ihr gebührenden Ehre und Achtung keine gehörige Ahnung habe und ihr von der Leipziger Vorsehung das nötige loyale Ehrgefühl eingebläut werden müsse. Immerhin dünkt es uns eine etwas starke Zumutung an den Ehrengerichtshof, den nach allen Richtungen v o r t r e f f- lich fundierten Freispruch voni 29. April, der von den aufs beste orientierten Standesgenossen mit hoher Sorg- falt und Gewissenhaftigkeit gefällt ist, auf Grund einer not- wendig geringeren Sach- und Personenkunde nach dem Wunsche der anwaltsfremden, staatlichen Bureaukratie umzu- stürzen I Die Oeffentlichkeit wird jedenfalls Gelegenheit haben, den Spruch der Nichtanwälte mit dem der Anwälte zu der- gleichen!_ Lin neues Flottenbauprogramm. Die Leitung des Deutschen Flottenvercins verfolgt eine Von ihrem Standpunkt aus recht geschickte Taktik. Die „K e i m l i n g e" im Flottenverein haben zweierlei an der jetzigen Leitung auszusetzen. Erstens, daß sie nicht energisch gegen den Vorstand des Bayerischen Landesverbandes des Flottenvercins, d. h. gegeO die als„Kcimstürzer" geltenden Herren v. Spie? und v. Braun sowie gegen den Freiherrn v. Würtzburg Front macht und diese zwingt, ihre Aemter nieder- zulegen; zweitens weil sie nichtdieTirpitzsche„Genügsamkeit" durch das Aufstellen neuer, über das offizielle Flottcnbauprogramm weit hinausgehender Forderungen anspornt und so das Marineamt zwingt, seine bisherige„Bescheidenheit im Fordern" aufzugeben. Die Leitung des Flottcnvereins hat sich nun allem Anschein nach entschlossen, die zweite Forderung, die des Vorwärtstreibcns des Marineamts, zu der ihrigen zu machen und wieder, wie einst unter„Heim", agressiver aufzutreten, um dadurch die andere Forderung der „Keimlinge" in den Hintergrund zu schieben. So wurde denn in der Präsidialsitzung, die gestern in Berlin stattfand, über die inneren Streitigkeiten zwischen dem Vorstand des Bayerischen Landes- Verbandes und den Anhängern des Generals Keim schnell hinweggegangen, dafür aber ein langes Arbeits-, richtiger Forderungspro gamm ausstellt, und dieses sofort durch Wermittelung eines hiesigen Korrespondenzbureaus in alle Welt hinausbefördert. In diesem nach dem Grundsatz„Wenn man einmal beim Fordern ist, kommt es auf eine Handvoll mehr nicht an" fabrizierten Programm heißt es: „Nachdem durch die Flottengesetznovelle von 1908 der Bau des Linienschiffsersatzes für die nächsten vier Jahre in raschen Fluß gekommen ist, muß unser Streben der Beseitigung einer bei der Ausstellung der Novelle von 1906 vielleicht nicht vermeid- baren, folgenschweren Maßnahme, nämlich der Anrechnung schwacher geschützter Kreuzer auf die Zahl der vom Gesetz gewollten Panzerkreuzer sowie der inneren Aus- ge staltung der vorhandenen Flotte gelten. Unsere Gegner und vielleicht auch manche unserer Vereinsmitglieder werden wohl den Einwand erheben, eine Zeit, in der die Volks- Vertretung sich mit der so schwierigen Regelung der Reichssinanzen zu befassen habe, sei schlecht gewählt für die Aufstellung neuer Marine» forde rungen. Wir sind aber der Meinung, daß e S gerade jetzt, wo durch eine eingreifende Finanzreform Mittel für die Zulunst bereitgestellt werden sollen, die richtige Zeit ist, daraus hinzuweisen, daß noch wichtige Bestimmungen des Flottengesetzes ihrer Ausführung harren. Wir müssen also dafür eintreten, daß die Finanzreform trotz aller Schwierigkeiten in großzügiger Weise durchgeführt wird mit der Absicht, unter allen Umständen die für unsere nationale Wehrkraft erforderlichen Mittel zu schaffen." Dann wird ausgeführt, daß nur sechs der großen Panzer- kreuzer untauglich bezw. unverwendbar sind und für sie schnellstens Ersatz geschaffen werden muß: „ES stehen auf der Liste der großen Kreuzer sechs Schiffe, die weder zu dieser Schiffsklasse gezählt, noch an ihrer Stelle der- wendet werden können, die aber durch ihr Vorhandensein den Neubau der vom Gesetz vorgesehenen sechs Panzerkreuzer so lange verhindern, bis ihre gesetzliche Lebensdauer erschöpft ist. Ihr Ersatz soll aus diesem rein formalen Grunde erst in den Jahren 1911 Vis 1919 vom Stapel laufen, also 1916 bis 1920 verwendungSbereit sein. ES liegt auf der Hand, daß dies dem Sinne des Gesetze» nicht entspricht. Die unmittelbare Folge dieser Verhältnisse ist, daß gegenwärtig und auch für die nächsten Jahre die Zahl der großen Kreuzer ganzunzu- reichend i st. Von den fertigen Panzerkreuzern sind vier der aktiven Flotte zugeteilt, zwei werden als Versuchsschiffe verwendet und der einzig übrige„Blücher" wird erst in etwa IVa Jahren verwendungsbereit fein; wird wohl„Fürst Bismarck" ablösen müssen. Irgendeine Materialreserve ist dann in der Heimat nicht mehr vorhanden, während wir im Auslände noch auf Jahre hinaus durch einen einzigen Panzerkreuzer vertteten sind— die zweitgrößte Handelsmacht der Erde I Die Streichung der sechs geschlltztenKreuzer auö derListe der großen Kreuzer und ihr tunlichst baldiger Ersatz durch moderne Panzerkreuzer erscheint also das nächste Tie� ouf�daS wir hinwirken müssen." Also zunächst müssen sofort sechs große neue Panzer- kreuzer gebaut werden. Doch das genügt, wie tveiter be- hauptet wird, den berechtigten Ansprüchen nicht. Auch die Reserveflotte müßte verstärkt werden, und zwar müssen, da nur sechs im Kriegsfall zu verwendende Schiffe vorhanden sind, eigentlich aber 17 vorhanden sein müßten, noch elf hinzu- gefügt werden. Wörtlich heißt es nämlich im letzten Teil des famosen Programms: „Ein Anfang zur Ausführung dieser Bcstinimung des Gesetzes ist zwar schon gemacht, indem zwei Schiffe der Siegfried- und eines der Brandenburg-KIasse in Dienst gehalten werden und eine Hälfte ihrer Besatzung zur Besetzung je eines zweiten Schiffes ihrer Klasse ausbilden; dies gibt aber erst sechs im Kriegs- fall zu verwendende Stämme, während wir deren siebzehn haben sollen. Dazu kommt noch, daß auch die aktive Schlachtflotte heute— zehn Jahre nach dem ersten Flottengesetz— noch nicht voll im Dien st sich befindet. sondern aus Mangel an Mitteln statt siebzehn nur sechzehn Schiffe zählt. Ein solcher Zustand bedarf dringend der Aenderung." Den Vorwurf übergroßer Bescheidenheit kann man aller- dings gegen diese Forderungen nicht erheben, besonders nicht, wenn man die jetzige jämmerliche Neichsfinanzlage in Betracht zieht. Wird nur die kleinere Hälfte dieses Flottenprogramms akzeptiert, dann stehen wir in drei Jahren bereits wieder vor einer neuen„Reichsfinanz- r e f o r in". denn es wird sich dann inzwischen herausgestellt haben, daß schon wieder die Reichseinnahmen hinter den Reichsausgaben um eine halbe Milliarde zurückbleiben und deshalb nach der offiziellen Regierungslogi! entsprechend per- mehrt werden müssen._ oestmeichilche RcichsMmnz. Wien, 27. September,(Eig. Ber.) Heute tagte im Ottakringer Arbeiterheim in Wien die Reichs konferenz der österreichischen Sozialdemokratie, die zur Unterstützung des Wahlrechtskampfes der Sozialdemo- kratie Ungarns einberufen wurde. Just zur richtigen Zeit ist die Konferenz zusammengetreten. Gestern hat die sozial- demokratische„Nepszava"(Volksstimme) in Budapest den bisher geheimgehaltenen Wahlreform Plan der ungarischen Koalitionsregierung enthüllt und damit Licht darüber verbreitet, auf wie schmähliche Weise die Regierung das allgemeine Wahlrecht, zu dessen Einführung sie sich in dem bekannten Pakt mit der Krone verpflichtet hat, verraten will. Danach erhält allerdings jeder 24 Jahre alte männliche Staatsbürger das Wahlrecht. Aber die Analpha- beten erhalten nur eine Zehntelstimme: je zehn des Schreibens und Lesens unkundige Wähler erst einen vollgültigen Wähler; die übrigen Wähler unterscheiden sich in solche mit einer Stimme, mit zwei und mit drei Stimmen. Nach den ebenfalls von der„Nepsvaza" veröffentlichten statistischen Tabellen des Ministeriums werden 1 279 924 Analphabeten 127 992 Stimmen, 1 534 443 Wähler Einzelstimmen haben, 866 267 Doppelwähler 1 132 543, 217 791 dreifache Wähler 653 373 Stimmen haben. Außerdem soll das Wahlrecht nur ausnahms- weise geheim, in der Regel öffentlich sein. Also eine schäm- lose Verfälschung des allgemeinen Wahlrechts, ein unerhörter Wortbruch, für den die Regierung nun auch die Krone ge- Winnen will. Die Reichskonferenz ist von 149 österreichischen Dele- gierten aller Nationen besucht. Aus Ungarn sind neun Ge- nassen als Gäste erschienen und vier Magyaren, zwei Kroaten, ein Deutscher, ein Serbe und ein Slowake. Die Konferenz wurde vom Abgeordneten S k a r e t im Namen der Reichsparteivertretung eröffnet, der namentlich die ungarischen Gäste begrüßte. Ins Präsidium wurden gewählt Abgeordneter Perner st orfer(Deutsch), Steiner (Tschechisch). Kristan(Slowene), Abgeordneter Pittoni (Italiener) und Abgeordneter Ku nicki(Pole). Aus Ungarn, wo heute aus Anlaß der Rcichskonferenz in 47 Orten Wahlrechtsversammlungen tagen, sind aus jedem dieser Orte Begrüßungstelegramme eingelaufen. Das Referat erstattet, Abg. Bikt-r Adler: Er verwies darauf, daß am 23. September 1992 ebenfalls eine Reichskonferenz in Wien tagte, die sich mit der ungarischen Wahl- rcform beschäftigte. Damals hatte der ungarische Minister Kristoffy das allgemeine Wahlrecht in Ungarn einführen wollen, aber der österreichische Ministerpräsident Baron Gautsch hatte im Kronrat dagegen Einspruch erhoben, weil darin eine Gefahr für Oesterreich liege. Das war die Veranlassung zu unserer damaligen Reichs- konferenz, die das Signal zu unserem großen Wahlrechtskampfe gegeben und schließlich dazu geführt hat, daß wir nun in Oesterreich ein Volksparlament haben, ein Parlament, das— es mag gewiß noch viele Gebrechen haben— doch unser Parlament ist, das wir mit eigener Kraft geschaffen haben. Es ist gewissermaßen eine Pflicht der Dankbarkeit, toenn wir den ungarischen Brüdern heute sagen: Wie Ihr damals zu uns gestanden habt, so stehen wir heute zu Euch.(Lebhafter Beifall.) Die internatio- nale Solidarität ist kein leeres Wort. Das Proletariat jedes Landes führt seine Kämpfe auch für die Proletarier der anderen Länder. Aber weit über diese internationale Solidarität hinaus sind wir kämpfende Sozialdemokraten Oesterreichs mit dem Proletariat Ungarns verknüpft. Oesterreich und Ungarn haben staatsrechtlich eine Reihe sogenannter gemeinsamer Angelegenheiten. Aber während die herrschenden Klaffen als gemeinsame Angelegenheit die gemeinsame Ausbeutung der Völker durch den Militarismus haben, ist unsere gemeinsame Angelegenheit: das Recht des Volkes auf die breiteste Grundlage zu stellen und gemeinsam gegen die Knechtung der Massen durch eine kleine Clique zu kämpfen. Aber wenn wir den Wahlrechtskampf der ungarischen Genossen auch als unsere eigene Sache ansehen, so haben wir dafür auch gewissermaßen egoistische Motive. Denn wir alle wissen, wie wir in Oesterreich darunter leiden, daß es e i n B a r b a r e n st a a t ist, mit dem wir durch tausendfältige Beziehungen verknüpft, durch täglichen Wechselverkchr verbunden sind, ein Staat, in dem der Arbeiter absolut rechtlos ist und ausgeliefert der Willkür und dem Ueder- mute einer feudalen Clique. Jeder wirtschaftliche, soziale und politische Fortschritt wird dadurch in Oesterreich gehemmt, und es ist bezeichnend, daß nahezu die ganze bürgerliche OeffentlilMit in Oesterreich auf der Seite der ungarischen Regierung steht, die auch der Hort der Unterdrückung in Oesterreich ist. Aber wir meinen, es sollten sich außer uns auch noch andere Leute mit der ungarischen Wahlreform beschäftigen, weil es auch ihre eigene Angelegenheit ist. Wie Baron Gautsch— der allerdings seither sich durch unseren Wahlrechtskampf zu einer besseren Ueberzeugung bekehren ließ—, vor drei Jahren gegen die ungarische Wahlreform Einspruch erhob, weil sie eine Gefahr für Oesterreich bilde, so verlangen wir jetzt von der öfter» reich ischen Regierung, daß sie an niaßgebender Stelle darauf aufmerksam mache, daß ein Beirat an den Völkern Ungarn» eine Gekahr ist nicht nur für den Frieden Ungarns, sondern auch für die ruhige und fortschreitende politische, Wirt- schaftliche und kulturelle Entwickclung Oesterreichs(Beifall). Wir können die ungarischen Minister unseren ungarischen Genossen überlassen, aber mit den Leuten, die Oesterreich regieren, müssen wir reden. Und wir erheben hier offen die Forderung, daß die österreichische Regierung erkläre, sie könne es nicht verantworten, sie könne nicht ohne ihren Widerspruch den Betrug an den Arbeitern Ungarns begehen lassen. Wir schätzen als Real- Politiker die wirkenden politischen Kräfte so ein, wie sie wirklich sind. Wir suchen uns nicht darüber zu täuschen, daß die Well nicht so ist, wie wir sie wünschen. Und so wußten wir, daß die Stellung der Krone in dieser Angelegenheit eine ä u h e r st wichtige Sache ist. Wir sind nicht die berufenen Vertreter dynastischer Interessen. Es ist nicht unsere Aufgabe, die Dynastie über ihre Interessen aufzuklären, und wir können gestehen, daß wir aus der Geschichte Habsburgs nie Hoffnung schöpften, daß das Wort der Krone in die Wagschale gelegt werde für das Recht des Volkes. Monarchen haben es ja immer sehr schwer, einen klaren Blick in politischen Dingen z.u bekommen, und sie haben alle Milderungsgründe, die eine schlechte Umgebung dem Politiker verleiht. Aber es hat sich gezeigt, daß die Tatsachen so stark gesprochen haben, daß selbst die Krone, die fürwahr nicht in den Traditionen d-s allgemeinen Wahlrechtes aufgezogen ist, erkennen mußte: gegenüber dem Ucbermut der herrschenden Junker, die das Reich an den Rand des Abgrunds bringen, gibt es nur eine Rettung: den Appell an die Völker. Der König von Ungarn war es zuerst, dem diese Erkenntnis kam, und was der König von Ungarn versprochen hat, das hat bis jetzt erst der Kaiser von Oesterreich gehalten. Die Ungarn warten noch aus die Erfüllung des Ver- sprechens deS Königs von Ungarn. Parteigenossen! Ich habe die Hoffnung, daß es in der Geschichte nicht einmal heißen wird: Die Krone hat in Oesterreich einmal in einer entscheidenden Zeit einen lichten Moment gehabt, aber als die augenblickliche Gefahr vorüber schien, ist die alte Verblendung wiedergekehrt. Wir müssen gestchen, wir begreisen es nicht, wie sich die Krone darüber täuschen kann, daß, wenn sie nicht festhält an dem wirklichen, unverfälschten allgemeinen, gleichen Wahlrecht, nicht nur die Völker, sondern auch der Staat und sie selb st einer verhängnisvollen Zukunft entgegengehen. Wenn man zu wählen hat zwischen der Unzuftiedcnheit einiger adliger Familien, dem Aerger einiger privilegierter Ausbeuter der Volkskraft und auf der anderen Seite mit der Enttäuschung, dem Groll und der steigenden Verbitterung jener Millionen von Menschen, die die Kraft des Volkes ausmachen: da, glaube ich, dürfte eigentlich die Wahl nicht schwer sein. (Lebhafter Beifall.) Die ungarische Regierung beginnt nun, an den Pakt, den sie geschlossen hat, hcrumzudeuten. Graf Andrassy spricht von einem Wechsel des Königs und will dagegen seine Einwendungen machen. Aber die Geschichte richtet sich nicht nach den Regeln des Wechselrechts. Mag man an dem Pakt deuteln und mäkeln, für die Empfindung der Massen wird eins bleiben, falls sich die Krone beugt: Einmal haben die Völker in Oesterreich ihr Ber- trauen gesetzt auf das Wort der Krone, und dieses eine Mal hat man sie im Stich gelassen!(Stürmischer Beifall.) Das wird dic einzige historische Tatsache sein, die eingebrannt sein wird in das Bewußssein der breiten Massen in Ungarn, und ich meine, daß diese Tatsache zu vermeiden eine klügere Politik wäre als einzuhandeln von der Koalition den Verzicht auf allerlei militärischen Mumpitz. Dr. Adler beantragt dann eine Resolution, worin zunächst er- klärt wird, daß sich die österreichische Sozialdemokratie mit dem ungarischen Proletariat in seinem Kampfe um das gleiche Recht solidarisch erklärt. Die Demokratisierung Ungarns wie Oesterreichs ist, heißt es weiter, eine notwendige Bedingung für die vernünftige Artung des Verhältnisses zwischen Oesterreich und Ungarn. Nur von einem demokratisierten Ungarn und einem demo» kratisierten Oesterreich können die Grundlagen des Friedens ge- schaffen werden, der beiden Staaten Selbständigkeit und Freiheit verbürgt. Die jüngsten Erklärungen der ungarischen Regierung lassen erkennen, daß sie plant, statt des allgemeinen, gleichen Wahl- rechtes, für dessen Durchführung sie sich der Krone verpflichtet hat und dessen Bürgschaft das feierlich vor der Oeffentlichkeit gegebene Wort des Kaisers von Oesterreich und Königs von Ungarn ist, das korrupte und korrumpierende System des Pluralvotums, der öffent- lichen Wahl, zu setzen. Dieser unerhörte Wortbruch der Koalitions- regierung und der freche Versuch, die Krone in den Schein der Mitschuld an diesem Wortbruch zu bringen, ja die Verantwortung dafür und die unvermeidlichen Folgen, die in dem Bewußtsein der Völker Ungarns zur Wirkung kommen müssen, auf die Krone zu über- wälzen, ist eine Provokation, die den schärfsten Widerspruch not- wendig macht. Die Sozialdemokratie Oesterreichs tut darum nur ihre Pflicht, wenn sie alle verantwortlichen Macht- faktoren ernstlich davor warnt, dieses, die politische Zukunft nicht nur Ungarns, sondern auch Oesterreichs gefährdende politische Verbrechen geschehen zu lassen; sie ermutigt das klaffen- bewußte Proletariat Ungarns, das den Wahlrechtskampf mit be- wunderungswürdigem Mut geführt hat, unerschrocken und zähe aus- zuHarren bis ans Ende und sie erklärt, ihrer Pflicht eingedenk zu zu sein, es bei diesem Kampfe um das gute Recht brüderlich zu unterstützen. Dann sprachen die Vertreter aller Nationen Oesterreichs und Ungarns: Abqeordiieter N e m e c für die Tschechen, Abgeordneter Pittoni für die Italiener, Dr. D r o b n e r für die Polen, K r i st a n für die Slowenen, dann aus Ungarn B u ch i n g e r für die Magyaren. B u k s e g für die Kroaten, B r e st a n s k i für die Slowaken. Kittel für die Deutschen, Dusanovics für die Serben, D e m c- t r o v i c für Bosnien, worauf nach Adlers Schlußwort die Resolution unter großer Begeisterung emstimmig ange- nommen wurde. Zum Schluß wurde nach den Referaten der Abgeordneten S o u k u p(Tschechisch) und Schäfer(Deutsch) eine Reso- lution gegen dienationalenKrawalleinBöhmen u n d F r a i n angenommen. politische Geberftcbt. Berlin, den 28. September 1998. Die Wehrsteuer als Nachlaststeuer. Die„Köln. Ztg." fährt fort, die Sydowschen Steuer- Projekte in kleinen wohl eingeteilten Porttonen ihren Lesern aufzuttschen. In der Sonntagsnummer behandelt sie die Wehr- steuer in ihrer Verbindung mit der Nachlaßsteuer und plaudert dabei folgende Einzelheiten aus: „Es ist erfreulich, daß die verbündeten Regierungen ihren Widerstand gegen die Wehrsteuer aufgeben. Am 29. November 1997 hat der preußische Finanzminister v. Rheinbaben den national- liberalen Vorschlag der Einführung» einer Reichswehrsteuer lebhaft bekämpft. Er hat damals die Gründe alle angeführt, die gegen eine Wehrstcuer sprechen, aber im Volke hat man diesen Widerstand nicht verstanden. Der Militärdienst kostet Geld und bedeutet Berufsstörungen, nicht nur in den ein und zwei Jahren, in denen der Wehrpflichtige bei der Fahne steht, sondern namentlich auch durch die Uebungen, zu denen Reservisten und Landwehr- männer herangezogen werden. Weshalb soll der Wohlhabende vor allem nicht ein Entgelt dem Staate zahlen, wenn er oft wegen kleinen körperlichen Fehlern von dem Heeresdienst befreit ist? DaS ist dic Argumentation deS Volkes, und sie dürfte wohl richtig sein. Nun soll die Wehr st euer mit der Nachlaß st euer kom- biniert werden. Dieser Gedanke ist insofern glücklich, als dadurch die besondere Veranlagung der Wehrsteuer mit " Schiffahrtsabgaben. all ihren Schwierigkeiten wegfällt. Ferner soll die Wehrsteuer griffe Vaterland" und" baterländische Ehre" find ja in gewiffen sstrationen Ser fozialdemokratischen Partei nur solche treffen, die ein nicht unbeträchtliches Vermögen Streifen höchst tonfus und furios; daß aber das Schweinetreiben zu zugunsten des allgemeinen Landtagswahlrechts hinterlassen. Läßt man den Nachlaß unter 20 000 m. frei, so kann den Aufgaben der Landesverteidigung gehört, haben wir bisher doch statt. Die vor der Krankenkasse versammelte Menge wurde man nicht fagen, daß die Armen neubedrückt werden. Bei noch nicht gewußt! von der Polizei auseinandergetrieben; hierbei einer Wehrsteuer von 1½ Proz. zahlt der 20 000 m. betragende wurden einige Personen, die der Aufforderung, den Platz zu Nachlaß eines Mannes, der nicht gedient hat, 300 M. Wehrsteuer, verlassen, nicht Folge leisteten, verlegt. Am Nachmittage tver 100 000. hinterläßt, zahlt 1500 M.; eine Million wird mit Die Reichsregierung scheint in der Frage, wieweit der Artikel 54 wiederholten sich die Demonstrationen vor der Statt15 000 M. belastet. Wenn man bedenkt, was heute beispielsweise der Reichsverfassung der Erhebung von Schiffahrtsabgaben auf halterei und auf dem Marktplatz. Hier wurde ein Polizeinatürlichen Wasserstraßen widerspricht, reine Bahn schaffen zu ein Einjährigenjahr bei der Stavallerie koftet, wie hoch sich Auf- wollen. Schon bei der Berhandlung der Interpellation über die beamter durch einen Steinwurf an den Kopf verwundet; sonst wand und Berufsstörung bei den folgenden Uebungen belaufen, Schiffahrtsabgaben kündigte der Reichskanzler an, daß im ereignete sich kein Zwischenfall wird man anerkennen müssen, daß der Steuerfas von 1½ Prozent Ministerium für öffentliche Arbeiten eine Gefeßesvorlage ausdes Nachlasses nicht zu hoch gegriffen ist. Die Wehrsteuer entspricht gearbeitet würde, die als Hauptinhalt die authentische InterDer böhmische Landtag. dem Grundsatz steuerlicher Gerechtigkeit und wird der Reichskasse pretation des Artikels 54 der Reichsverfassung zugunsten der Zu- Wien, 26. September. Der Vorstand der deutschen Landeine hübsche Summe einbringen." lässigkeit der Schiffahrtsabgaben haben werde. Diese Ausarbeitung tagsabgeordneten Böhmens erschien bei dem Ministerund forderte die sofortige Es läßt sich natürlich nach den kurzen Angaben der ist, wie der Köln. 3tg." aus Berlin gemeldet wird, so weit gediehen, präsidenten Freiherrn v. Bed daß wahrscheinlich die Vorlage noch in der kommenden Session an Schließung des böhmischen Landtages. Der Minister Köln. 8tg." fein fsicheres Urteil über die Kombination der den Reichstag gelangen kann. Durch die Annahme einer solchen präsident erwiderte, der böhmische Landtag stehe vor der Frage der Wehr mit der Nachlaßsteuer fällen; aber nach den An- Verordnung soll den grundsätzlichen wissenschaftlichen Erörterungen Wahlreform, deren Fortgang zu fördern Pflicht der Regierung deutungen des Kölner Blattes scheinen die Autoren des be- über die Möglichkeit der Erhebung der Schiffahrtsabgaben auf na- sei. Im böhmischen Landtage handele es sich feineswegs um untreffenden Entwurfs nicht ungeschickt verfahren zu sein. Ver- türlichen, durch Kunstbauten der Schiffahrt dienstbar gemachten überbrückbare Differenzen, sondern um das zufällige Zusammenschiedene Bedenken gegen die Wehrsteuer sind durch die ge- Wasserstraßen ein Ende bereitet und der Boden geebnet werden für treffen widriger Umstände und Mißverständnisse, die beseitigt werden wählte Form recht geschickt beseitigt. den Abschluß der schon jetzt schwebenden Verhandlungen, die auf eine tönnten. Der Ministerpräsident empfahl, im Landtage eine ständige Erhebung von Schiffahrtsabgaben abzielen. Einrichtung zu treffen zur Beratung von Entwürfen sowie von dauernden Vorkehrungen, die der Sache des nationalen Friedens dienen könnten. Er erklärte, er werde demnächst weitere dahingehende Vorschläge machen. Rippler, der Fabelerzähler. Die zwar nicht mit einem Ueberfluß von politischem Verstand, aber mit reger Phantasie ausgestattete Tägliche Rundschau" leistet bekanntlich recht Anerkeunenswertes in der Erfindung niedlicher Sensationsmeldungen. In ihrer Nummer 451 vom 25. September tischte sie in Ermangelung anderen sensationellen Stoffes ihren Lesern folgende Geschichte auf: 0 Veränderungen im Mitgliederbestande des deutschen Reichstags. Dänemark. Die Regierungspartei über Alberti. Der am 4. November wieder zusammentretende deutsche Reichstag wird voraussichtlich vollzählig zusammentreten können, nachdem alle durch den Tod gerissenen Lücken allmählich wieder bis dahin Die Eröffnung des Parlaments. erfekt worden sind. Seit dem 1. April d. J. hatte der Reichstag Kopenhagen, 28. September. Die Session des Parlaments vier Mitglieder durch den Tod, eins durch Mandatsniederlegung Die Verwaltung des fürstlichen Hoftheaters zu Gera berloren. Infolge Ablebens wurden erledigt die Mandate bon: ist heute eröffnet worden. Vom Landsthing und Folkething wurden hatte billige Borstellungen für Arbeiter in Aus- Bromberg 1( Colmar- Czarnikau- Filehne), bisher Bindler( fonf.), die bisherigen Präsidenten Steffensen und Thomsen wiederficht genommen. Diese löbliche Abficht wird jedoch schwerlich ersetzt durch Ritter( tons.); Braunschweig 2( Wolfenbüttel gewählt. zur Zat werden, weil die sozialdemokratischen Ge Helmstedt), bisher v. Kaufmann( Hospitant der Nationalliberalen), werkschaften Egtravorstellungen wünschen, da sie mit ersetzt durch Selehe( nationaler Mischmasch- Kandidat, ParteiKopenhagen, 28. September. Von der linken Reformpartei den anders gesinnten Arbeitern christlicher Gesinnung nicht anschluß noch vorbehalten); Pfalz 1( Speher) bisher Ehrhart, zusammen das Theater besuchen wollen. Man hätte ein derart( S03.), ersetzt durch Binder( Soz.); Potsdam 4( Prenzlau- und den Gemäßigten ist folgender Antrag bei dem Präsidenten gehässiges und untameradschaftliches Vorgehen nicht für möglich Angermünde) bisher v. Winterfeldt- Menkin( tons.), Erfahwahl steht des Folkething eingegangen: Indem das Folkething der Trauer halten sollen, aber die Sache beruht auf Wahrheit. Man hört, noch aus, Kreis wird aber der Partei erhalten bleiben. Durch über das Unglück Ausdruck gibt, welches das Verbrechen daß die Theaterverwaltung auf das dreiste Ansinnen nicht ein- Mandatsniederlegung erledigte sich das Mandat von Königs Albertis über das Volk gebracht hat, beschließt es, den Willen gehen wird, da sie nur Ertravorstellungen für alle Arbeiter berg 1( Memel- Heydekrug), bisher Schwabach( natl.), Ersazwahl auszusprechen, an der Milderung der Folgen des Unglüds mitfreise veranstalten will, fodaß nun den Arbeitern die Wohltat steht bevor, Ausgang unsicher, da die Konservativen als Gegen- zuwirken und unter der Leitung eines Ministeriums, das sich auf die fandidaten einen Litauer aufgestellt haben und der wieder- ehrheit des Foltethings stützt, an den Aufgaben zu solcher Veranstaltungen nicht zu teil werden dürfte." kandidierende Schwabach sich auch als Litauer betrachtet. arbeiten, deren glüdliche Lösung das Bolt erwartet. Diese schöne Erzählung hat sich die„ Tägliche Rundschau" von Anfang bis zu Ende aus den Fingern gefogen. Die Tatsachen, die dem Reichsverbandsblatt bei der Abfaffung der Lügennotiz als Unterlage gedient haben dürften, sind folgende: Der in Gera bestehende Bildungsausschuß hat mit dem fürstlichen Theater einen Vertrag geschlossen, wonach gegen ein Honorar bon 500 Mart Sonntagnachmittags- Vorstellungen zu veranstalten find. Die Eintrittskarten zu diesen Borstellungen vertreibt der Ausschuß, genau so, wie jede andere Privatperson, die ein Theater gemietet hat, auf eigenes Risiko. Weiter veranstaltet die Theaterleitung noch besondere Boltsund Arbeitervorstellungen, die mit den vom Bildungsausschuß vorgesehenen nichts gemein haben. Die sozialdemokratischen Gewerkschaften" haben weder mit der einen noch mit der anderen Art der Veranstaltungen etwas zu tun; auch weiß niemand in Gera etwas von Mißhelligkeiten der in der " Täglichen Rundschau" erwähnten Art. Somit liegt die Vermutung nahe, daß die Lüge in die Welt gefegt worden ist, um die Theaters berwaltung mit der Arbeiterschaft in Differenzen zu bringen. Dieser Plan scheint aber fehlzuschlagen, denn die Direktion hat auf eine besondere Anfrage hin erklärt, daß die Erfindung des Reichsberbandsblattes eben eine Erfindung sei und daß die erwähnten Theatervorstellungen bestimmt stattfinden würden. Gelber Terror. Der Kampf der Direktion der Maschinenfabrit Augsburg gegen die Mitglieder des Bundes technischindustrieller Beamten nimmt von Tag zu Tag schärfere Formen an. Die Feststellung, daß der Vorsitzende und der Stellbertreter der Augsburger Ortsgruppe des Bundes gemaßregelt wurden, ist der Direktion natürlich sehr unangenehm. In einer längeren Aufflärung sucht deshalb der Generaldirektor v. Buz diese Tatsache in der liberalen Augsburger Abendzeitung" hinwegzuleugnen und das brutale Vorgehen der Direktion als forrett hinzustellen. " Diesem Beschönigungsversuch des Protektors der Gelben tritt die Ortsgruppe Augsburg des Bundes der technisch- industriellen Beamten in aller Schärfe entgegen. In einer den hiesigen Zeitungen zugegangenen Richtigstellung des Bundes heißt es u. a.: = Die augenblickliche Stärke der Parteien ist folgende: 43 Sozialdemokraten, 60 Konservative, 25 Reichsparteiler, 6 Reformparteiler, 19 Mitglieder der wirtschaftlichen Vereinigung, 105 Zentrumsmitglieder, 20 Bolen, 52 Nationalliberale, 14 Mite glieder der freisinnigen Vereinigung, 29 freisinnige Volksparteiler, 7 deutsche Volksparteiler, 15 Wilde( hinzugerechnet ist vorläufig lehe- Braunschweig). Da zwei Wahlen noch ausstehen, so haben Eines der beiden behaupten die Konservativen sicher; vielleicht Konservative und Nationalliberale je ein Mandat zu verteidigen. nehmen sie auch den Nationalliberalen das ostpreußische Mandat ab, da der von ihrer Seite aufgestellte Litauer sich als Hospitant der tonservativen Partei im Falle der Wahl anschließen wird. Wider die Kriegervereine! es Rußland. Ein Bombenlager. Tiflis, 27. September. Gestern ist hier neben einem Hause ela großes unterirdisches Bomben und Waffenlager entbedt worden. Die Bahl der gefundenen fertigen Bomben beträgt etwa gewählt, daß der Zugang fich in einem Kamine des Hauses befand, hundert. Der Versteck dieses unterirdischen Lagers war derart hier führten zunächst 17 Stufen hinab, dann ein sechs Meter langer Gang in den weiten gewölbten Raum, über dem eine Laube mit gußeifernen Pfosten errichtet war. Diese Pfosten waren hohl und bienten dazu, der unterirdischen Niederlage frische Luft zuzuführen. Ein Bahnüberfall. Der Bezirkstag des sozialdemokratischen Bezirksverbandes Magdeburg, der am Sonntag in Magdeburg tagte, nahm folgende ber Station Besdanh ein Post zug, in dem sich eine militärische Wilna, 27. September. In der vergangenen Nacht wurde auf Resolution gegen die Kriegervereine an: Wache befand, von Räubern überfallen, mit Bomben beDie Agitation der Kriegervereine gegen die moderne Arbeiterworfen und beschossen. Ein Gendarm wurde getötet, fünf bewegung hat in der legten Zeit eine Form und einen Umfang andere Personen wurden verwundet. Die Räuber drangen in angenommen, daß mehr denn je Pflicht der Sozial- den Bostwagen ein, raubten einen Teil der Geldbriefe und entdemokratie und der freien Gewerkschaften ist, die Arbeiterschaft flohen darauf. Auf den benachbarten Stationen wurden einige berüber die reaktionären, arbeiterfeindlichen Biele bächtige Personen verhaftet; auf dem Bahndamm wurden sechs der Kriegervereine aufzuklären. Dem Beschlusse des Sprenggeschosse gefunden. Kyffhäuserbundes deutscher Landeskriegerverbände, daß die Kameraden die Pflicht zur Bekämpfung der Sozialdemokratie haben", und daß" Mitglieder der Kriegervereine nicht gleichzeitig freien Gewerkschaften angehören fönnen", segt der Bezirkstag des fozialdemokratischen Bezirksverbandes Magdeburg den Beschluß entgegen, Das neue Gesek über die Bergwerksbesteuerung in Elsaß- Lothringen Bulgarien. Die Expropriation der Orientbahn. Die bulgarische Regierung macht vorläufig nicht die geringfie Miene, die offupierte Eisenbahn herauszugeben. Nach einer offiziösen baß es pflicht eines jeben aufgeklärten Darstellung ist sie entschlossen, die durch die Betriebsübernahme der Arbeiters ist, die Militär- und Krieger Drientbahnstrede entstandenen Differenzen einer beide Teile bereine zu meiden. In den Kriegervereinen werden die Intereffen der Arbeiter- befriedigenden( 1) Lösung zuzuführen unter gewissenhafter schaft derart mit Füßen getreten, daß es fein Arbeiter mit seiner Schonung der Rechtsansprüche aller in Betracht kommenden InterEhre vereinbaren fönne, solchen Vereinen anzugehören. Der effenten. Als wahrscheinlichste Lösung gilt allgemein eine gütliche Bezirkstag fordert daher alle Arbeitermitglieder der blösung des der Betriebsgesellschaft der Drientbahnen zuKriegerbereine auf, unverzüglich aus den Krieger- stehenden Exploitationsrechtes durch käuflichen Erwerb seitens bereinen auszutreten. Er verpflichtet ferner jeden bes bulgarischen Staates. Bisher ist in Sofia tein Anlaß zu der Parteigenossen, wo immer sich die Gelegenheit bietet, über die Annahme vorhanden, daß nicht auch die Pforte und die Betriebsvolksfeindlichen Ziele der Kriegervereine Aufklärung zu verbreiten gesellschaft eine gütliche Lösung des Konflikts für die unter den obund zu ihrer Bekämpfung aufzufordern." waltenden Umständen richtigste Politik halten." Wir müssen gestehen, selten eine felten eine lustigere Berhöhnung Den Behauptungen der Direktion gegenüber stellen wir fest, der bürgerlichen Eigentumsbegriffe durch eine bürgerliche Regicdaß alles, was bisher unter unserem Namen veröffentlicht wurde, mit seinen Ausführungsbestimmungen ist am 14. September bon rung gelesen zu haben. Die Regierung setzt sich gewaltsam streng der Wahrheit entspricht und jederzeit von uns be- der Regierung publiziert worden. Danach unterliegen sämtliche in den Befis fremden Eigentums, und versichert fühl, wenn sie nur wiesen werden kann. Wenn mun Herr v. Buz meint, Bergwerke ob ein Betrieb stattfindet oder nicht der Flächen- eine Entschädigung leiste, so sei das ohnehin eine„ gütliche Lösung". daß wir der Direktion eine niedrige Gesinnung imputiert hätten, abgabe, wenn für deren Felder zu Beginn des Steuerjahres die Gleichzeitig fetzt die Stegierung auch die Volksmassen in Beso müssen wir die Direktion an ihren Prokuristen Herrn Pfeiffer Berleihung des Eigentumsrechtes gemäß dem Gefeße vom wegung. Gestern fand in Sofia eine von mehreren tausend verweisen, der den 17 Herren bom Technikerverband gegenüber 16. Dezember 1873 stattgefunden hat. Die Gewerbesteuer wiro Bersonen besuchte Versammlung statt, in welcher die Besitzdarlegte, daß die Maschinenfabrik Augsburg zur Sicherung geschuldet von den im Betrieb befindlichen Bergwerken nach Maß ergreifung der Orientbahnen durch die bulgarische Regierung ge eines Auftrages eine Erklärung von Beamten gabe der gemäß Gefeß vom 8. Juni 1896 festzustellenden Ertragsbrauche, daß die Firma das Koalitionsrecht der Angestellten nicht fähigkeit. Als Förderabgabe werden erhoben% 4 Proz. des billigt, der bulgarischen Regierung Unter st üßung versprochen einschränke. Und diese Erklärung hatte er, nebenbei bemerkt, mittleren Verkaufswertes der gewonnenen Mineralien mit Aus- und sie aufgefordert wurde, die Bahnstrecken nicht zurückzugeben. gleich mitgebracht! Auch haben wir die Störung des nahme des Steinsalzes, ber Soolquellen usw. Von allen Steinsalz-, Auch in Rustschut und in mehreren füdbulgarischen Städten 60 1hrigen Friedens, von dem Herr v. Buz sprach, ganz und gar Solquellen und Kalibergiverken sowie von denjenigen Betrieben, fanden ähnliche Versammlungen statt. nicht auf unsere Rechnung zu segen. Dafür ist einzig und die die in solchen Bergiverken gewonnenen Erzeugnisse im An- Die Türkei steht natürlich auf dem Standpunkt, daß Bulgarien allein Dr. Guggenheimer berantwortlich zu schlusse an die Gewinnung weiter verarbeiten, wird eine Zusak- mit diesem Handstreich den„ Berliner Vertrag" verletzt habe, hofft ma che it. Erft, als Herr Dr. Guggenheimer ohne irgend steuer in Höhe von 1 Proz. der Ertragsfähigkeit erhoben. Nach aber, daß es den Bemühungen Deutschlands und Desterreichs gewelche Veranlassung unsererseits seine Absicht offen aussprach, mit§ 3 des Gesetzes vom 14. Juli 1908 ist die Oberbergbehörde befugt, lingen werde, Bulgarien zur Rückgabe der Eisenbahn zu bewegen. allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln den Bund zu ber- bie Entziehung des Bergwertseigentums au nichten, fezten wir uns naturgemäß zu Wehr.... Wir werden einem nicht im Betrieb befindlichen Bergwerk und Grubenfelde zu Die Antwort Bulgariens soll in den nächsten Tagen erfolgen. die Angelegenheit in einer demnächst stattfindenden Versammlung beschließen, falls innerhalb zweier Jahre vom Tage der Fälligkeit der Deffentlichkeit unterbreiten und behalten uns außerdem no die Flächenabgabe nicht entrichtet wird. weitere Schritte vor." Die Erklärung des Bundes deckt die verwerfliche Taktik der Scharfmacher der Maschinenfabrik Augsburg, die weit über die Grenzen Bayerns hinaus den Ton angeben, rücksichtslos auf. Im übrigen zeigt dieser Kampf um das Recht der Koalition, wie durch den Kapitalismus auch die Kategorien von Arbeitern dem Klaffenfampf zugeführt werden, die sich bisher und zum großen Teil Heute noch als ein Teil der bürgerlichen Gesellschaft gefühlt haben. Wir können mit der Entwickelung der Dinge zufrieden sein. Vaterlandsverteidigung und Schweinetreiberei. Im„ Münsterischen Anzeiger" heißt es am Schlusse eines Berichtes über den westfälischen Zuchtviehmarkt zu Hamm am 24. und 25. September: " Auch in den Abteilungen für Schweine und Geflügel herrschte rege Kaufluft. Die vorhandenen Tiere wurden bei guten Breisen fast völlig ausverkauft. Da der Verkauf in diesen Abteilungen freihändig erfolgte, waren die Preise im einzelnen nicht zu ermitteln. Nach Beendigung des Marktes begann sofort der Transport der Tiere nach dem Bahnhof, der mit Hilfe der tommandierten Soldaten aus Münster schnell von statten ging." Arbeitersekretäre find unsichere Kantonisten. an Das ist die Ansicht des Stadtmagistrats Hof. Er hat das Gesuch des dortigen Arbeitersekretärs Nähr um Verleihung des Heimatsrechtes mit der Motivierung abgelehnt, daß die Stellung eines Arbeiterfekretärs teine gesicherte fei. Für den Stadtmagistrat of scheinen die Arbeitersekreträre in ihrer wirtschaftlichen Position hinter den Nastelbindern zu rangieren. Eulenburg in der Schweiz. Wir haben schon vor einigen Tagen die Ansicht ausgesprochen, daß wenn sich der Zustand des Fürsten Eulenburg weiter im Galopptempo bessern sollte, er wohl balo einen Luftfurort im Aus lande aufsuchen werde. Jetzt wird bereits dem„ Berliner LokalAnzeiger" aus München telegraphisch gemeldet, Fürst Eulenburg habe in dem schweizerischen Bodenseeort Rohrschach eine Villa von 14 Simmern durch Agenten gemietet und werde zur Erholung im Oktober dorthin übersiedeln. Die Kaution für den Fürsten, die das Kammergericht in Höhe von 100 000 Mart verlangt hat, wenn er auf freiem Fuß belassen werden soll, wird gestellt werden. Oefterreich. Der Kampf um das Landtagswahlrecht. Sind denn aus der Garnison Münster Soldaten nach Hamm Lemberg, 27. September. Heute vormittag fanden bor kommandiert worden zum Schweinetreiben? Die Be- Sem Landtage und vor dem Krankenkaffengebäude Demon Marokko. Ein neuer Zwischenfall. Während man bereits hoffen konnte, daß die marokkanischen Angelegenheiten ohne allzuviel Aufregung von den Diplomaten endlich erledigt werden, hat sich in Casablanca ein Swischenfall ereignet, der der Hekpresse in beiden Ländern erwünschten Stoff zu neuen Erregungsversuchen bietet. Auf deutscher Seite ist besonders die Bossische Zeitung" bemüht, zu zeigen, daß sie an blödem Chauvinismus, wenn es darauf ankommt, sogar der " Tägl. Rundschau" überlegen ist. Bon verantwortlicher Seite wird dagegen die Sache wesentlich ruhiger behandelt. Nach deutscher amtlicher Darstellung handelt es sich um folgendes: Bei der Einschiffung von drei deutschen Deser teuren der Fremdenlegion wurden der deutsche Konsulat 3sekretär und der Konsulats soldat, welche die Deferteure auf den Dampfer abliefern sollten, von französischen Marinesoldaten angegriffen; ersterer wurde von einem Offizier mit dem Revolver bedroht, letzterer gefesselt und erst auf Einschreiten des deutschen Dragomans freigelaffen. Die Deserteure find in französischer Haft. Bestrafung der Schuldigen ist beantragt." Nach anderen Meldungen waren außer den drei deutschen auch ein russischer und österreichischer Staatsangehöriger an der Flucht beteiligt. Nun ist es ja etwas eigentümlich, daß gerade das offizielle Deutschland, das Land des Militarismus, mit solchem Eifer sich der Deserteure annimmt, wenn auch von unserein Standpunkt aus denjenigen die Sympathie nicht versagt werden kann, denen es gelungen ist, aus der Barbarei und Plackerei des Dienstes in der Fremdenlegion zu entfliehen. Andererseits müssen aber solche das internationale Recht be- rührende Fragen anders ausgetragen werden, als auf dem Wege der Gewalt. In Frankreich wird daher der Fall auch im ganzen und großen sehr ruhig behandelt und eine halbamtliche französische Meldung besagt, daß die Unter- suchung des Falles bereits eingeleitet und„zweifellos von französischer und deutscher Seite in demselben G e i st e geführt werden durfte." Der Standpunkt der deutschen Regierung wird in einem offenbar offistösen Berliner Telegramm der„Köln. Ztg." folgendermaßen dargelegt: „Der Zwischenfall ist im höchsten Grade bedauerlich. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß das Verhalten der französischen Soldaten gegen die deutschen Konsulatsbeamten durchaus rechts- widrig war, und daß weder die Bedrohung noch der gewalt- tätige Angriff auf die Beamten in irgendeiner Weise entschuldigt werden kann. Es sind daher auch sofort auf diplomatischem Wege von deutscher Seite Vorstellungen erhoben worden. Die Angelegenheit wird von der deutschen Regierung mit der durch die Umstände und die Schwere der Uebergrisf« gebotenen Entschiedenheit, aber auch in voller Ruhe weiter ver- folgt werden, und man darf annehmen, daß die nötige Remedur eintreten wird. Schon jetzt liegen Anzeichen vor, daß man von französischer Seite den Vorfall als ebenso bedauerlich betrachtet, wie auf deutscher Seite, zumal gerade jetzt durch das weite Ent- gegcnkommen der deutschen Note eine freundschaftliche Aussprache über die marokkanischen Verhältnisse in Erfolg versprechender Weise angebahnt war. Eine Beilegung des Zwischenfalles, so wie sie von deutscher Seite verlangt werden muß, wird um so leichter sein, als die französischen Ausschreitungen von untergeordneten Personen begangen worden sind. für deren Handeln die französische Negieruny nur dann als ver- antwortlich betrachtet werden kann, wenn sie sie decken würde. Man zlveifelt aber keinen Augenblick daran, daß das nicht geschehen wird, und daß dieser Zwischenfall in loyaler Weise erledigt werden wird." Wir möchten nur wünschen, daß die Verhandlungen wirk- lich in„voller Ruhe" geführt und baldigst beendet werden. Die deutsche Note. Paris, LS. September. Der spanische Minister des ?l e u ß e r n erklärte einem Berichterstatter des hiesigen„New Dork Herald": Die Antwort Deutschlands auf die.französisch-spanische Note muß als befriedigend angesehen werden. Die darin enthaltenen Anschauungen unterscheiden sich, was die durch die Thronbesteigung Mulay Hasids geschaffene Lage anlangt, nicht wesentlich von den französisch-spanischen. Die deutsche Antwort bereitet die Grundlage für eine freundschaftliche Erörterung in einer Stimmung allgemeinen Vertrauens vor. Die gegenwärtige Lage ist demnach ausgezeichnet, und wenn in den bevorstehenden Verhandlungen einige Schwierigkeiten entstehen sollten, so wird Spanien alles aufbieten, um sie zu ebnen und eine vollständige Einigung zwischen den beteiligten Mächten zu er- leichtern._ Die Zustimmung Oesterreichs. Wie», 23. September. Der„Politischen Korrespondenz' zufolge ist die Erwiderung Oe st erreich- Ungarns auf die fran- zösisch-spanische Marokko-Note den, französischen und spanischen Botschafter in Wien zugegangen. Sie lautet in allen wesentlichen Punkten zustimmend, betont aber die Notwendigkeit eines solidarischen Vorgehens Europas in der marokka- uischen Frage. Hmenka. Bryan gegen Roosevelt. New Uork, 23. September. In einem langen Brief an den Präsidenten Roosevelt wendet sich B r y a n gegen das Einsetzen der Stellimg des Präsidenten zur Unter- stützung der Kandidatur Tafts und erklärt, er könne es nicht für richtig halten, daß der Präsident seinen Einfluß benutze, um Mitglieder seiner Partei zu unterstützen, und daß er sein Amt, das für das ganze Volk da sei, Parteizwecken nutzbar mache. Bryan erklärt, daß. wenn Taft in die Fußstapfen Roosevelts trete, Tafts Begriffe über die Präsidentschaft sich mit den seinigen nicht verein- baren ließen. Zun, Schluß wirft Bryan Roosevelt Un- gerech tigkeit vor.—_ Der Nachfolger HaskellS. New Jork, 26. September. Zum Schatzmeister des demo- kratifchen Nationalkomitees, daS die Oberleitung in der Wahl- bewegnng innehat, wurde anstelle des Gouverneurs H a S k e l l von Oklahoma, der wegen der gegen ihn erhobenen B e f ch u l d i- gnngen zurückgetreten ist, der Herausgeber der»New Jorker Staatszeitung" Hermann Nidder ernannt.— Soziales. Unteruehmertrutz. Wegen fortgesetzter Verfehlung gegen die Gewerbeordnung ver» urteilte das Karlsruher Gericht den Millionär Ferd. Thier« garten, Bnchdruckcreivesitzcr und Verleger der nationalliberalen .Bad. Presse", zu 1S0 M. Geldbuße. Er hatte gegen ein bezirksamtliches Strafmandat von S0 M. Einspruch erhoben, welches die großherzogliche Fabrikinspeklion veranlaßt hatte, weil die An- ordnungen zur genügenden Erwärmung der Arbeiter im Setzerraum unbefolgt blieben. In der Verhandlung teilte die Fabrikinspektton mit, daß sie mit dem KrösuS schon seit vier Jahren einen Kampf wegen der ungenügenden Lüftung des Arbeitsraumes führt. Herr Thiergarten steht als Trucker des Jahresberichtes der badi- fchen Fabrikinfpektion auf dem Staudpunkt, daß ihn der Inhalt nichts angeht; er will Herr im Haufe fein. Eue Induftne und Randel. Weltausstellung in Brüssel 1909. Die konstituierende Sitzung des deutschen Komitees für oie Weltausstellung in Brüssel, fand am Montag statt. Das Präsidium hat Kommerzienrat Ravenö über- nommen. Schmarotzerpflanze. Einen Beitrag zu der Forderung der Verstaatlichung des noch freien Versicherungswesens liefert folgende Notiz: Die Kölnische GlasversicherungS-Aktiengesellschast Köln a. Rh., dem Glasversicherungs-Kartell angehörend, welche ein Aktienkapital von 300 000 M. besitzt, worauf 25 Proz.= 75 000 M. eingezahlt sind, verteilte folgende Dividende: 189S— 98 je 100 Proz., 1899 S7'/z Proz., 1900 17'/, Proz.. von 1901-1906 25, 35, 40, 45 und 50 Proz., 1907 50 Proz. Abgesehen davon, daß allein aus den Prämien der Hausbesitzer und Ladcninhaber Kapitalanlagen von verantw. Redakt.: Georg Davidjohn, Berlin. Inseratenteil verantv. über 1 Million aufgespeichert wurden, besitzt die Familie deS Ge- sellfchastsdirektors Kessel von dem Aktienkapital allein zwei Drittel mit 200 000 M. Hätte das Aktienkapital vor einiger Zeit nicht eine Erhöhung erfahren, wären Dividenden von über 100 Proz. zur Aus- schllttung gekommen. Hausbesitzer und Ladeninhaber seufzen über die zu entrichtenden hohen Versicherungsprämien aller Art. Bei der Glasversicherung aber nicht mit Unrecht; sind vorstehende, geradezu unerhörte Dividendensätze doch geradezu ein Beweis, daß den Jnter- essenten billiger Versicherungsgelegenheit gegeben werden kann. Harpcuer Bergbau A.-G. Das Geschäftsjahr 1907 03 schließt ab mit einem Rohgewinn von 26154 500 M. Für Abschreibungen und Bergschäden werden rund 12 Millionen Mark abgesetzt. Die aus 11 Prozent vor- gesehene Dividende beansprucht(einschließlich Gewinnanteile) 8 264 852,75 M. Die Gesamtkohlenförderung des Geschäftsjahres stellt sich auf 7 405 532 Tonnen. Sewerkfcdaftlickes. Wie die Grubenbarone terrorisieren! Im uiederfchlesischeu Bergrevier werden den Gruben- arbeitern so ziemlich die niedrigsten Löhne von allen Kohlen- revieren Deutschlands' gezahlt, und selbst in Obcrschlesieu ist die Abhängigkeit der Bergarbeiter von den Verwaltungen nicht eine so unwürdige als wie im.Waldenburger Kessel. Deshalb wandern die dort ansässigen Arbeiter auch ständig zu Hunderten nach anderen Gegenden ab. Der Zorn des Scharf- inachertums ist darob ein gar gewaltiger, denn so billige und willige Ausbeutungsobjekte bekommen sie sobald nicht wieder. Man wird daher die Empörung der Herren zu würdigen wissen, die sie erfaßte, als sie erfahren mußten, daß der Magistrat zu Görlitz sich erdreistet habe, ihnen ihre Arbeits- sklaven wegzuschnappen, indem er für eine chm gehörende Grube im„Waldenburger Wochenblatt" kräftige Gruben- arbeiter bei hohem Akkordlohn und Vergütung der Reise- und Umzugskosten suchte. Dieser unerhörten Dreistigkeit der Görlitzer Schreiber- seelen mußte energisch zu Leibe gerückt werden. Und wenn man dabei auch die vom Gesetze errichteten Grenzen über- schritt— pah: wir Großindustriellen, wir sind der Staat; wir geben die Gesetze, aber sie sind nicht für uns! Freizügigkeit? Jawohl, für uns und unser Kapital muß sie sein! Der Grubenarbeiter aber hat kein Recht darauf; er ist unser Sklave. Er darf nicht dort arbeiten, wo man ihn besser be- zahlt als wir. Uns gehört er und seine Arbeit, und wehe, wer uns ihn streitig machen will. So beschloß denn die Sitzung des Bergbaulichen Vereins vom 14. Juli: 1. An das„Waldenburger Wochenblatt" wegen Verweige- rung der weiteren Aufnahme des Inserats heranzutreten. Man kann sich das„Herantreten" an ein von diesen Herren auf Gnade und Ungnade abhängiges Blatt vorstellen: neben- bei bemerkt, auch eine Illustration zu der auf dem Berliner Kongreß soeben gar pomphaft gefeierten Würde der bürger- lichen Presse. Aber das„Käseblatt" war leicht zu ducken; schärfere Saiten indes galt es, dem Görlitzer Magistrat gegen- über aufzuziehen. Und so wurde weiter beschlossen: 2. An den Magistrat zu Görlitz ein Schreiben zu richten, „in welchem Repressalien angedroht werden für den Fall der Nichteinstellung deS Jnserierens in hiesigen Blättern". Repressalien? Also doch wohl die Eiustellung oder Be- schränkung der Kohlenlieserung für die Stadt und ihre Be- wohner, sei es durch die Niederfchlefischen Gruben selbst, sei es mit Hilfe befreundeter Syndikate! Das Vergehen der ver- suchten Erpressung— oder ist es zur Vollendung gelangt-- hat selten klarer zutage gelegM als hier, und doch wird sich kein Staatsauwalt finden, der Anklage erhöbe. Hoch über dem Gesetze stehen die verbündeten Mächte der Großindu- striellen und des Junkertums. Interessant aber wäre es, zu wissen, was die bürgerlichen Selbstverwaltungsorgane von Görlitz zu solcher unglaublichen Unverschämtheit selbsthcrr- licher Scharfmacher zu sagen gehabt haben. Berlin und Umgegend. Achtung, Metallarbeiterk Wir ersuchen dringend. Arbeitsangebote-cach Nürnberg ab- zulehnen. Dort ist Streik und deshalb Zuzug streng fernzuhalten. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Der Tarifablauf bei den Bauanschlägern. Die Bauanschläger, im Deutschen Metallarbcitervcrband or- ganisiert, besprachen in einer außerordentlichen Mitgliedcrversamm- lung, die am Sonntagmorgen im„Englischen Garten" stattfand, ihre Stellungnahme zum Ablauf des Tarifs. In der Agitations- kvmmissiou wie in der Bertrauensmännerkonfcrenz ist die Angelegen- heit schon beraten»vorden, und man kam überein, den Mitgliedern die Kündigung des Tarifs nicht zu empfehlen. Dagegen scheinen die Unternehmer die Absicht zu haben, die Kündigung vorzunehmen. Der Vorsitzende Lange stellte die Angelegenheit zur Diskussion und bemerkte, daß der Tarif sicherlich einer Revision bedarf, daß aber gegenwärtig die Zeit dafür nicht günstig ist. Bei einer Ver- längerung des Tarifs würde allerdings ein Wunsch der Unternehmer erfüllt, nämlich die Ablaufszeit auf den 31. März 1910 zu ver- legen, aber damit haben noch viele Organisationen zu rechnen. Otto Handle stellte nachdrücklich fest, daß die Bauanschläger nicht aus einem Gefühl der Schwäche darauf verzichten, den Tarif zu kündigen. Sie halten nur die gegenwärtige Situation für un- günstig zu einem Angriff und sind bereit, unter den alten Bedin- Sungerc weiterzuarbeiten. Sollten sie aber von den Arbeitgebern erausgefordcrt werden, so werden sie den Kampf nicht scheuen, denn sie wissen, daß der Deutsche Metallarbeiterverband bereit ist, für sie einzustehen.(Beifall.) Die folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Die am 28. September im„Englischen Garten" tagende außerordentliche Versammlung der im Deutschen Metallarbeiter- verband organisierten Bauanschläger beschließt, in Anbetracht der ungünstigen Konjunktur von einer Kündigung des Tarifs abzu- sehen. Weiter verpflichten sich die Anwesenden, im Falle einer Tarifkündigung am 1. Oktober durch die Arbeitgeber, kräftig für die Organisation zu agitieren, um be» Ablauf des Tarifs Verbesserungen durchzuführen." Der Vorsitzende Lange betonte noch, daß die Bauanschläger wohl gerüstet seien, um Angriffe der Unternehmer abzuwehren, und nicht gewillt seien, sich Verschlechterungen, wie sie vielleicht die Unternehmer planen, gefallen zu lassen. Der folgende Antrag führte eine längere Diskussion herbei; er lautet: „Die Versammlung möge beschließen, die AgitationSkom. Mission zu beauftragen, bei der Ortsverwaltung Schritte zu unternehmen, um einen Uebertritt der Kollegen vom Verein der Bauanschläger Berlins unter vollen Rechten im Deutschen Metallarbeiterverband zu ermöglichen." Die' Arbeitgeber rechnen damit, daß zwei Organisationen be- stehen, die sie bei einem ausbrechenden Kampfe gegen einander ausspielen könnten. Damit geben sie sich aber einer Täuschu ng i Th. Glocke, Berlin. Druck it. Verlag: Torwarts Buchdr.».BerwösanstÄt hin. Der genanicke Verein ist nur klein und man hofft, daß viele e sich dem Deutschen Mctallarbeitcrverband anschließen werden, wenn man ihnen ein Entgegenkommen mit Rücksicht auf eine langjährige Mitgliedschaft und dadurch erworbene Rechte zeigt Der Antrag wurde angenomnicn. Zum Streik der Fensterputzer ist zu melden, daß trotz aller Anstrengungen der Unternehmer die Situation für die Streikenden äußerst günstig ist. Daß die übereifrige Polizei auch manchmal daneben greift, hat der heutige Tag gezeigt. Ein gänzlich un- beteiligter Arbeiter hatte das sonderbare Vergnügen, als Streik- Posten angesehen und zur Wache gebracht zu werden. Ein Junge, der wohl ebenfalls als Streikposten angesehen wurde, erhielt von einem Schutzmann einen Stoß, daß er aufs Stratzenpflaster flog. Der Unternehmer ölarl Schmidt, Jnsterburger Straße 5, hat der Streikleitung folgende Erklärung überreicht: „Ich Endesunterzeichneter verpflichte mich ehrenwörtlich, daß ich keine Streikarbeit für die Firma Arnheim verrichten werde." Die Stimmung unter den Streikenden ist ausgezeichnet. Herr Oskar Neumann, Rirdorf, Mainzer Straße 22, ersucht uns mitzuteilen, daß er mit der Firma Berthold Neumann, die sich für Herrn Arnheim ins Zeug legt, nicht identisch sei. Deuvlcbes Reich. Zur BerschmelzungSfrage beS Bortefeuiller- mit dem Sattler- verbände. Am Sonntag fand auf dem Bureau des Portcfeuillerverbandcs zu Offenbach eine gemeinschaftliche Sitzung der Vorstände und Aus- schüsse der beiden Verbände statt, in der man sich über die grund- jegendcn Bedingungen betreffend die Zusammenlegung beider Mrufs- verbände einigte. Dienstag abend findet in Offenbach cme gemein- schaftliche Versammlung der Portefeuiller und Sattler statt, der die in der erwähnten Sitzung beschlossenen Einigungsbedingungcn vorgelegt werden.- Die endgültige Beschlußfassung wird im Portefeuillerderbande in der Zeit vom 15. bis 22. November durch Urabstimmung vorgenommen werden; im Sattlecverband ist eine Abstimmung über die Verschmelzungsfrage nicht mehr nötig, da der Verband schon durch Beschlüsse seiner Generalversammlung seine Bereitwilligkeit zum Zusammenschluß mit dem Portefeuillerverband ausgesprochen hat. Hue der frauenbewegung. Ibsen. Für die Jugendabteilung des Frauen» und Mädchenbilduvgs- Vereins hatte dessen Leitung am Sonntagabend einen LAinstabend arrangiert, der dem nordischen Dichter Ibsen gewidmet war. Ge- nossin Z e p p l e r hatte es übernommen, die Persönlichkeit dieses gclvaltigcn Dramatikers dem Verständnis der jugendlichen Zuhöre- rinnen nahe zu bringen. Als Unterlage zu einem fruchtbringenden Gedankenaustausch gab die Vortragende in gedrängter Form eine Schilderung von dem Inhalt des fälschlicherweise als„Nora" übersetzten Dramas:„Ein Puppenheim", und verlas den letzten Akt, in dem die Handlung bis zum erschütternden seelischen Konflikt einer zur Persönlichkeit erwachten Frau hinausreist. Rednerin teilte noch aus ihren eigenen Erinnerungen mit, wie das Erscheinen der„Nora" besonders bei uns eine gewaltige Auf- regung hervorgerufen hat. wie lebhaft die Gemüter bei der Dis. kussion über die darin enthaltenen grundstürzenden Anschauungen sich erhitzten. Ein wahrer Entrüstungssturm sei losgebrochen, und besonders der Ausgang des Dramas als einfach unmöglich und unnatürlich bezeichnet worden. Hauptsächlich wurde betont: Eine echt« Frau und Mutter verlasse ihre Kinder nicht.— Die aber das sagen, hätten den eigentlichen Geist der Szene gar nicht erfaßt. Nora fühle. daß sie, so wie sie ist. durchaus kein Mensch und vor allem keine gute Mutter ist. Deshalb müsse sie so handeln. Das sei der Sinn der Handlung. Da? schönste aber sei. daß«in großer Dichter sich dieses Problems angenommen und eS ausgesprochen habe, daß über der Ntzutter und Gattin der Mensch stehe; ein höheres Ideal könne man sich nicht denken. Ibsen sei Realist und doch der größte Idealist. Bezeichnend sei, daß, als die„Nora" in Deutschland zum ersten Male abgeführt werden sollte, keine Theatcvdirektion daS Stück mit dieser Schlußszene annehmen wollte. Ibsen erklärte daS Verlangen nach einem anderen Schluß für widersinnig, bequemte sich aber dann doch dazu, obgleich das Stück dadurch seinen eigentlichen Wert einbüßte. Heute habe man sich damit abgesunden und gebe die ur» sprüngliche Schlußszene. An diesen mit Aufmerksamkeit aufgenommenen Vortrag schloß sich ein interessanter Gedankenaustausch, wonach die Mßdchen noch ein kurzes Stündchen in gemütlicher Plauderei beisammen blieben. Letzte JVacbricbten und Depetcben« Eulenburg in der Schweiz. Berlin, 28. September.(W. T. B.) Auf eine von uns in Liebenbcrg eingezogene Erkundigung wird uns mitgeteilt, daß die Meldung. Fürst Eulenburg beabsichtige im Oktober nach Rohrschach in der Schweiz überzusiedeln, vollkommen er- funden ist.,»»_ Leopold will weiter hazardierr«. Brüssel, 28.'September.(B. H.) Große Aufregung hat hier ein Erlaß des Justizministers betr. die Hazardspisle hervorgerufen. König Leopold, der gestern dem Pferderennen beiwohnte, ließ, wie verlautet, in einem Gespräch einige Aeußerungen fallen, welche dar- aufhin deuteten, daß er mit diesem Erlaffe nicht einverstanden sei. Dreifacher Selbstmord. New York, 28. September.(B. H.) In Brooklyn ereignete sich ein sensationeller Selbstmord. Bewohner eines Hauses merkten, daß durch Risse der Decke Blut herabttäufelte. Man öffnete die darüber belegene Wohnung gewaltsam und fand drei Personen, die äugen- scheinlich Selbstmord begangen hatten, nebeneinander in einer großen Blutlache liegen._ Familientragödie. Budapest, 28. September.(B. H.) In Szatmar-Nemcti hat der reiche Grundbesitzer Alexander Szabe seine Frau sowie seinen Sohn, mit dem er fortwährend in Streit lebte, erschossen. Der Mörder wurde verhaftet._ Brände. Lemberg, 28. September.(B. H.)' Im jüdischen Theater brach gestern abend ein Brand aus, welcher das Garderobenmagazin völlig vernichtete. Sämtliche Kulissen und Kostüme sind ein Raub der Flammen geworden. Arad, 28. September.(D. H.). Die großen Holzlager der Finna Ländler sind durch Feuer vernichtet worden. Der Schaden beläuft sich auf über eine Viertelmillion. New N«rk, 28. September.(B. H.) � Wie aus Uttka berichtet wird, wüten gegenwärtig große Waldbrände in den AoirondakS. Starke Truppenabteilungen versuchen, das Feuer zu löschen, der Brand verbreitet sich jedoch mit rasender Schnelligkeit. Die Ort- schaft Long Lake West ist völlig vernichtet; die Einwohner sind ge» flüchtet.___' Läul Singer& Co., Berlin SW, Hierzu 3 Beilagen n. Unterhaltung�, gt228. 25. Jahrgang. Aikkstag, 29. Zeptember 1998. Me«ataltrophe aus der Hochbahn. Noch Immer steht die Berliner Bevölkerung unter dem Eindruck der furchtbaren Katastrophe, die sich am Sonnabendnachmittag am Gleisdreieck im Betriebe der Hochbahn ereignet hat. Allgemein ist die Anteilnahme, die man den Familien, deren Angehörigen bei dem Unglück den Tod gefunden haben oder sonst in Mitleidenschaft 'ezogen worden sind, entgegenbringt. Im Krankenhaus am Urban rrschte Sonntagnachmittag während der Besuchszeit ein form- er Andrang zu den Betten der eingelieferten verletzten rgäste. Glücklicherweise haben sich die Befürchtungen, dag Laufe des Sonntags noch weitere Verunglückte ihren wen Verletzungen erliegen würden, nicht bestätigt, und . hofft alle Patienten am Leben zu erhalten. Nur der Zustand Zugbegleiters Klemm und der Stenotypistin Rill gibt äugen- lich noch zu ernsten Bedenken Anlaß. Die anderen Verletzten iden sich zum größten Teile auf dem Wege der Besserung. erdings werden die nachteiligen Wirkungen, die durch die Kata- .ophe auf die Gemüter der Verunglückten hervorgerufen worden ,ind, sobald nicht beseitigt sein. Sie alle werden den furchtbaren Augenblick niemals vergessen und gar oft wird ihnen der entsetzlichste Moment ihres Lebens vor Augen treten. Tie Aufräumungsarbeiten. MS in die späte Nacht hinein haben am Sonnabend die Mann- schaften der Feuerwehr nnt den Aufräumungsarbeiten zu tun gehabt. Erst gegen 1 Uhr verließen sie die Unglücksstätle. Die Gleise wurden nvch in der Nacht vollständig frei gemacht. Der an dem ab- gestürzten Waggon anhängende Wagen zweiter Klasse, der be» kanntlich ebenfalls abzustürzen drohte, wurde mittels Winden wieder in die Gleise zurückgebracht. Der Zug wurde sodann nach der Werkstätte an der Warschauer Brücke transportiert. Der abge- stürzte Wagen liegt noch immer auf dem Hofe des Grundstücks Lucken- walder Straße 2. Die Trümmer werden sobald wie möglich fort- geschafft. Eine Untersuchung der Gleise an der Unfallstelle ergab, , daß sie irgendwelche Schäden nicht erlitten haben. Der Verkehr konnte infolgedessen Sonntagmorgen wieder fahrplanmäßig auf- genommen werden. Das Lcitungskabel, das an der Seite der Gleise entlang lief, war bei dem Absturz entzlveigerissen worden, wodurch jede Speisung mit Elektrizität für die Strecke Möckcrnbrücke— Leipziger Platz unterbrochen wurde. Erst nachdem der Schaden wieder ausgebessert war, konnte an eine Wiederaufnahme des Betriebes gedacht werden. Augenblicklich fahren die Wagen an der Unfallstelle etwas langsamer als sonst. Die Tote« sind jetzt sämtlich rekognosziert worden. Die Leichen sind alle im Schauhause untergebracht worden. Durch die Behörde sind sie vor- läufig beschlagnahmt worden, doch dürfte im Laufe des Montags die Freigabe erfolgt sein. Die einzelnen Beisetzungen finden voraus- sichtlich am Mittwoch und Donnerstag statt. Nach der amtlichen Feststellung handelt eS sich um sechzehn Tote. Die Namen haben wir bis auf den Fensterputzer Karl Scholz und die Frau Dr. Rosenthal v. d. Lehen, Prager Straße 11 wohn- Haft, mitgeteilt. Frau Dr. Rosenthal v. d. Lehen war die erste ärztliche Assistentin im Urbankrankenhause, in dem sie jetzt auch vcr- storben ist. AuS dem Krankenhanse entlassen. Von den Verwundeten konnten im Laufe des gestrigen Tages ans dem Urbankrankenhause fünf leichter Verletzte ent- lassen werden. Es sind dies: der Architekt Georg Bamborschkc aus der Kreuzbergstr. 50, der Damenschneider Fritz Netzel vom Kottbuser Damm 6, die Verkäuferinnen Else und Gertrud Blech ans der Fürbringerstr. 7 und der Bureaudiener Willi W i e b a ch aus der Lindenstr. 15. kleines feuilleton. Wilbur Wright über die Zukunft der Flugmaschine. Wilbur Wright, der in Le Mans seine Experimente fortsetzt, hat sich gegen den Korrespondenten eines englischen Blattes über die Zukunft der Flugmaschine geäußert.„Meine Ueberzeugung ist, daß in der Ent- Wicklung des Aeroplans die Dinge genau so verlaufen werden wie bei dem SiegeSzug der Dampstnaschine und des Automobils. Die Gesetze des Fluges sind jetzt praktisch ergründet und die Zukunft wird die gewonnenen Grundsätze nur wenig verändern. Anderer- seits aber wird zweifellos die Flugmaschine wesentliche Umwand lungen und Verbesserungen erfahren, genau wie es bei den Lokomo- iiven geschah, die in den letzten fünfzig Jahren wunderbare Fort- schritte gemacht haben und"doch die alten Grundsätze nicht vcr- leugnen. Nach meiner Ansicht ist die wissenschaftliche Grenze der Ausnutzung der Motorkraft so gut wie erreicht. Ich glaube nicht, daß es jemals möglich fein wird, mit einer gegebenen Pfcrdekraft ein größtes Gewicht zu heben, als es jetzt möglich ist. Vor zwei Jahren ' neb ein vierzehn RL.-Motor mein(300 Kilogramm schweres Aero- 'an; etwas Besseres können auch die modernsten Motore kaum 'ten. Schon die nächsten Jahre werden die Atmosphäre in der gebung der großen Städte von zahlreichen vereinfachten, sehr ,ren und sehr schnellen Flugmaschinen bevölkert finden. Nach ner Ansicht sind die ZukunfisauSsichten so wunderbar, daß ich rüber gar nicht sprechen möchte, da der Fernstehende mir kaum Glauben schenken lvürde. Darum will ich nicht in die Zukunft blicken, sondern für die Gegenwart leben und arbeiten. Die Flug- Maschine wird die Luft erobern, tvie die Eisenbahn die Erdober- fläche." Wilbur Wright beabsichtigt, wenn er seine Verpflichtungeil gegen Lazare-Weiller erfüllt hat, gemeinsam mit seinem Bruder Orville um den von der Londoner Zeitung»Daily Mail" auS- gesetzten 200 000 Mark- Preis sich zu bewerben; es handelt sich dabei um einen Flug von London bis Manchester, bei dem nur zwei kurze Landungen zum Zwecke der Aufnahme neuen HeiznngSmatcrialS für den Motor zulässig sind. Theater. Lessingtheater:„Gespenster.' Drama von I b s e n. In dein Zyklus glanzvoller Jbseit-Auffllhrungen, mit denen Otto Lrahm im Lcssingthcater an die großen Traditionen seiner früheren Tätigkeit im Deutschen Theater angeknüpft hat, erschien am Sonn- übend des Dichters erschütternsteS, ehemals mcistumstrittenes Werk: Gespenster". Das Mcnschenalter, das seit dem Erscheinen des DramaS hingegangen, hat ihm keinerlei Spuren des Alters auf- geprägt. Sein Reichtum ist so groß, daß eS stets neue Züge bietet. Der Blick dringt in das unendlich komplizierte Gewebe psychologischer Beziehungen mit jedem mal tiefer ein, der Eindruck unentrinnbar zwingender Notlvendigkeit, der Bann, der von den Szenen ausgeht, verstärkt sich noch. Das Symbolische, das in Ibsens späteren Stücken öfters mit einer gewissen störenden Absichtlichkeit hervortritt. wächst hier durchaus organisch aus einer im Grundton Als Schuldige verhaftet worden sind zwei Hochbahnangestellte, der Motorwagenführcr Schreiber und der Mitfahrer Gustav Wende. Sie sollen sich gegen § 310 des Strafgesetzbuches vergangen haben, der die zur Leitung der Eisenbahnfahrten und zur Aufsicht über die Bahn und den Be- förderungsbetrieb angestellten Personen mit Gefängnis von einem Monat bis zu drei Jahren bedroht, wenn sie durch Vernachlässigung der ihnen obliegenden Pflichten einen Transport in Gefahr setzen. Kriminalbeamte brachten beide mit einer Droschke nach dem Unter- suchungsgefängnis des Landgerichts II in Moabit, weil die Unglücks- stelle auf Schöneberger Gebiet liegt. Schreiber wurde vom Kriminalinspektor Weber dreimal verhört. Er behauptete zunächst bestimmt, sein Zug von der Leipziger Straße habe freie Fahrt ge- habt, sowohl nach dem Vor- als nach, dem Hanptsignal. Das Vor- signal zeigt bei freier Fahrt eine weiße und bei Halt eine grüne Scheibe. Es ist eingerichtet, damit der Motorführer, wenn das Signal auf Halt steht, rechtzeitig zu bremsen anfangen lann. Zum Beweise dafür, daß beide Signale freie Fahrt gezeigt hätten, beruft sich Schreiber ans einen Fahrgast, dem er gesagt habe, für seinen Zug sei die Fahrt frei. Dieser Zeuge läßt ihn jedoch im Stich. Er sagt, Schreiber habe ihm wohl etwas zugerufen, er habe ihn jedoch nicht verstanden und wisse nicht, um was es sich handle. Der Mitfahrer, der Zugführer Mende, widerspricht Schreiber ebenfalls und hat ihn gleich darauf aufmerlsam gemacht, daß er über das Signal weggefahren sei. Sich felbst ertlärt Mende für mitschuldig. Der Zugführer, der im Abteil mit dem Publikum fährt, hat durch ein Guckloch ebenfalls auf die Signale zu achten. Mende gibt zu, das am Sonnabend nicht getan zu haben, entschuldigt sich aber damit, daß er eine Notiz über eine kleine Verspättmg seines Zuges gemacht habe. Für durchschlagend hält er diese Entschuldigung selbst nicht, weil er einräumen muß, daß er die Notiz auch an einer anderen Stelle, wo keine Signale zu beobachten gewesen wären, hätte machen können. Die Zug- Verspätung habe 3 Minuten betragen.— Die Schuld Schreibers und Mcndes soll aus den Bekundungen der Weichensteller Wilhelm Voigt vom Maybachplatz 16 und Johann Langfeld aus der Prinz Handjery- sttaße 60/61 hervorgehen. Diese beiden bedienten vom Stellwerk aus die Weichen und das Signal G. für den Zug von der Bülow- straße und L, für den Zug von der Leipziger Straße, Voigt die Züge in der Richtung nach der Unglücksstelle, Langfeld die entgegen- gesetzte Strecke. Für beide Beamte, die die Weiche 3 bearbeiteten, lagen die Züge, die sie zu bedienen hatten, fest. Voigt hatte nun, da fahrplanmäßig der Zug von der Bülow- straße kommen mußte, diesem mit dem Signal G. freie Fahrt gegeben. Er beobachtete diesen Zug, sah aber mit einem Seitenblick auch nach Signal 1- für den Zug von der Leipziger Straße. Dieses Signal 1j arbeitet automatisch. Wenn G freie Fahri gibt, so der- bietet L für den anderen Zug automatisch die Einfahrt. Vor- und Hauptsignal mußten also dem Zug von der Leipziger Straße die grüne Haltescheibe zeigen. Trotzdem sah Voigt, daß dieser Zug nicht hielt. Weil in demselben Augenblick der Zug von der Bülowsttaße herkam, so schrie Voigt entsetzt auf, rief Lang- feld zu:„Jetzt passiert ein Unglück!' und warf schnell ent- schloffen das Signal G auf„Halt" herum, um den Znsammen- stoß zu verhüten. Leider war eS eine Sekunde zu spät, der Zug von der Bülowstraße war schon zu wett. Im nächsten Augenblick läutete auch schon am Block die Glocke von Weiche 3, und die schwarze Tafel fiel herunter. DaS waren die Zeichen dafür, daß der Zug von der Leipziger Sttaße die Weiche 3 zerfahren, aufgeschnitten hatte. Zu- gleich sahen Voigt und Langfeld die entsetzliche Katastrophe sich vor ihren Augen abspielen. Der Zug von der Bülowsttaße fuhr dann dem anderen nnt voller Geschwindigkeit in die Flanke und nicht um- gekehrt, wie erst angenominen wurde— sein Motorwagen wurde aber von diesem über das Geländer gedrückt. Der Motorführer Klemm, der fälschlich totgesagt wurde, und sein Mitfahrer GcselliuS von dem verunglückten Zuge, konnten ttotz der Schwere ihrer Verletzungen im Krankenhause schon vernommen werden. Sic bekunden, daß sie freie Fahrt hatten, können jedoch über das Unglück selbst nicht viel mitteilen. Alles habe sich in sehr kurzer Zeit abgespielt. Der der- streng naturalistischen Darstellung der Charaktere und Vor gänge hervor. Der schöpferischen Phantasie steht ein kühl abwägender dramatischer Verstand zur Seite, der bis in die kleinsten Details hinein den Schein unmittelbarer Wirklichkeit festhält, alles, was die Illusion irgendwie beeinträchtigen könnte, ausmerzt. Die Handlung reduziert sich hier noch mehr als in irgend einem anderen Jbsendrama, auf ein Enthüllen der Vergangenheit. Zug um Zug, wie die Personen die Masken vor einander fallen lassen, wird ihr Wesen und das Schicksal, das ihr Wesen formte, uns selber offenbar. So lernen wir Frau Atting zunächst in dem Gespräch mit Pastor Manders kennen. Mit jeder Wendung des Dialoges wandeltt ergänzt und bereichert sich daS Bild der Frau. Hinter dem Gcgenmtz der Individualitäten, wie er sich in den langen Jahren des Gettmntseins immer inchr vertieft hat, taucht der Gegensatz der Weltanschauungen auf. Frau Alving hat in ihrer unglücklichen Ehe mit der Forderung, selbst zu prüfen, die Ibsens Nora in dem letzten Akte aufstellt, Ernst gemacht. Sie hat in dein Konflikte zwischen dem. was man ihre Pflichten nannte, und ihrein Gefühle zu fragen und zu zweifeln begonnen. Stur einen einzigen kleinen Stich wollte sie aufziehen, aber als sie den gelöst hatte,„riß das Ganze wie eine Maschinennäherei". Die Worte Recht und Unrecht haben eine andere Bedeutung für sie erhalten. Da bricht in die spät gewonnene resignierte Ruhe das Furchtbare herein, Oswalds Geständnis, daß er vom Vater eine unheittare Krankheit geerbt, und wieder wandelt sich in diesem aufwühlenden Weh das Bild der Frau. Sie wird zur Mater dolorosa und ihres Sohnes sehnsüchtige Klage um die verlorene„Lebensfreude" läßt sie die eigene Ehe, den Charakter des Gestorbenen in anderem Lichte sehen. Im Spiele wurde die ganze Fülle der Dichtung lebendig. Else Lehman u wirkte vor allem groß und ergreisend in dem Aus- drucke mütterlichen Schmerzes. Sauers gemütvoll, einfältiger Pastor, Bassermans Oswald mit den müden, schleppenden Be- wegungen. Reichers Engsttand waren Gestalten von über- zcugen'dster Lebendigkeit. Auch die kleine Rolle der Regine hatte in Fräulein Ida W ü st eine sich vortrefflich dem diskret natürlichen Ton der ganzen Aufführung appassende Darstellerin. dt. Frank Wedekinds Sittengemälde„Musik' erregte bei seiner Erstaufführung im München er S ch ausp ie l h au s e recht unnötigerweise die Gemüter. Der Autor spielt auch diesmal wieder den Mann der idealen Forderungen. Nach seiner eigenen Erklärung will er dem FruchtabtteibnugSparagraphen beS deutschen Sirafgesetzbuches, der seine Opfer bis zu fünf Jahren Zuchthaus be- straft, zu Leibe gehen. In Wirklichkeit aber entpuppen sich die vier Moritatenbilder mit der Ueberschrift:„In Nacht und Nebel":„Hinter schwedischen Gardinen";„Vom Liegen in die Traufe":„Der Fluch der Lächerlichkeit" als eine höchst fatale EnthiillungSgeschichte eines Münchener Skandals. Ein Gesanglehrer läßt, trotzdem er vcr- heiratet ist, eine Schülerin schuldig loerdcn und überläßt sie dann der Pein. Sie muß ihre Lust und ihr„Verbrechen gegen daS keimende Leben" mir Gefängnis büßen, dieweil der schurkische Vcr- führ« sich der Hochachtung seiner Mitmenschen erfreut. Wedekind! haftete Motorwagenführer Schreiber sagte, daß er seit einiger Zeit an Schwindelanfällen leide, und zeigte auch ein Rezept vor, das ihm ein Arzt gegen dieses Leiden geschrieben hat. « Der Rettungsdienst im argen. Von ärztlicher Seite wird der„Vossischen Zeitung" geschrieben: „Es ist zu verwundern, daß von der Polizei zur Hilfeleistung nur das Kuratorium der Unfallstationen und nicht auch der Aerzteverein des Berliner Rettungswcscns alarmiert worden ist. Es ist dieses wieder ein Beweis dafür, wie unzureichend die Organisation des Berliner Rettungswesens funktioniert, wenn dieser Verein übergangen wird, dem 230 diensttuende Aerzte zur Verfügung stehen und dem es ein leichtes gewesen wäre, neben den Unfallstationen eine zahlreiche Slerzteschar ans die Beine zu bringen. Der Aerzteverein der Bcr- liner RettnngSgcsellschaft hat schon vor längerer Zeit dem Bürger- meist« Reicks einen Plan, der sich auf Herbeischaffnng der ersten ärztlichen Hilfe bei Masseramgliicksfällen bezieht, vorgelegt, bis jetzt ist aber derselbe nicht zur Ausführung gelangt. Ein richtiges Funktionieren des Rettungsdienstes ist,— daS ersieht man wieder ans diesem Falle— nur möglich, wenn er einheitlich organisiert ist und zwar von der Stadt, eine Forderung, deren Verwirk- lichnng die Stadtverordneten schon vor langer Zeit gewünscht haben.' » Die Entschädigungsansprüche an die Hochbahn werden sehr erhebliche werden. Nach Mitteilungen der Hoch- und Untergrundbahn sind diese zum Teil durch Versiche- rungen sowohl gegen den eingetretenen Sachschaden, als gegen die zu zahlenden Unfallsentschädigungen gedeckt. Die Verwaltung hofft, daß die ihr auS diesen Versicherungen zufließenden Beträge zusammen mit den für solche Fälle von ihr selbst reservierten Fonds für die ihr daraus erwachsenden Verpflichtungen ausreichen werden. • Die Betriebssicherheit auf der Hochbahn. Das Unglück auf der Hochbahn hat die Aufmerlfamkcit auch auf die innere Einrichtung des Betriebes gelenkt und es scheint, als ob auch bei dieser Gesellschaft die kapitalistische Sparsamkeit auf Kosten der Betriebssicherheit eine nicht unwesentliche Rolle spielt, die geradezu verhängnisvoll werden kann. Dem»Berliner Tageblatt" wird von Angestellten d« Hochbahn berichtet: „Die Einrichtungen für die Sicherheit der Passagiere sind durchaus ungenügende. Die Begleiter der Züge haben keinerlei Aussicht auf die freie Strecke; ihnen ist nach der Instruktion verboten, den Motorführerstand während der Fahrt zu betreten. Wiederholt haben die Begleiter die Direktion auf diese Mßstände aufmerksam gemacht. aber ohne Erfolg. Einen weiteren Mißstand, auf den die Direktion wiederholt aufmerlsam gemacht worden ist, bildet die Tür, die vom Wageninnern zum Motorführerstand geht. Diese Tür ist nur nach dem Innern des Motorftihrerstandes zu öffnen. Sollte nun dem Motor- führer irgend etwas passieren, sollte er vielleicht ohnmächtig werden und umfallen, so ist es erstens unnröglich, daß dieser Unfall be- obachtet werden kann, und zweitens, wenn er zufällig durch das kleine, talcrgroße Guckloch in der Tür bemerkt würde, könnte der Zugbegleiter, der sich im Wagen befindet, nicht in den Motorstand gelangen, weil die Tür nach dem Innern aufgeht. Die Tür kann aber, wenn der Motorführer niedergesunken ist, überhaupt nicht geöfftret werden, weil der Zwischenraum zwischen Tür und Motor so eng ist, daß er vollständig von dem an der Erde liegenden Motorführer ausgefüllt ist. Als dieser Mißstand dem Betriebs- führer Roscnfeld, einem früheren Straßenbahnschaffner, mit- geteilt wurde, erwiderte er den Beschwerdeführern, daß die AufsichtS- behörde die Konstruktion gutgeheißen habe und an eine Aenderung nicht zu denken sei. Vor kurzem erst monierte ein Blockwärter bei dem Betriebsführer Rosenfeld, daß einige Blockstationen, die die Signale geben, nicht funktionierten; der Blockwärter wurde als Schikaneur angesehen und entlassen. Viele Klagen wurden auch eifert diesmal mit der Pathetik eines„Gartenlauben'-Dichters, und feine Ironie, ohne die er sonst nicht auskommt, ist lendenlahm. Der Beifall wurde daher auch zumeist vom Senfationsgeliiste des Publikums entfacht. Die Uneingeweihten, die das Schlüsjelstück nicht verstanden, zischten energisch. w. Humor und Satire. Seinen deutschen Bewunderer«� WaS kann Albertis Fall für euch beweisen? O sagt mir nicht, er ist ein Lumpenhund, Wie es so viele auf dem Erdeuhund Und wie's so viele gibt in allen Kreisen! Wir dürfen diesen KasuS nicht verkleinern. Die Sache, die uns alle hoch erquickt, Und die der Herr zur rechten Zeit geschickt, Wir müssen sie vergnügt verallgemeinern. Man möchte sich so gerne revanchieren An jenen Helden, die auch Hierzuland Die schöne Neigung an Alberti band, Und die ihm innerlich die Treue schwuren. Kein Zweifel! Er gehört euch noch, der brave! Zu gleicher Zeit, als euer Ideal Ersparte Groschen armer Bauern stahl, Fand er zu eurer Lust die Prügelstrafe. Sagt euch nicht los von dem ertappten Diebe! Nach solcherlei Verdiensten wär' eS klein. Ihr Schwertqenosscn eines Hammerstcin Bleibt dem Alberti treu in stiller Liebe I (Peter Schlemihl im.SimplicissimuS'.) Notizen. •— Wissenschaft und Kapital. In Brüssel starb bor kurzem ein reicher Bankier Samson, der seine Millionen in Berlin„gemacht" hatte. Wie daS bei solchen Leuten häufig ist, wußte er mit seinen Spargroschen nichts Gescheidtes anzusaugen und vermachte sie zu„guten Zwecken". Diese guten Zwecke bestehen, wie Shaw mit schlagender Satire in einem besonderen Pamphlet nach- wies, zumeist in sehr überflüssigen Dingen und nützen der Menschheit so gut wie gar nicht. Es ist m der Tat eine sehr hübsche Ironie der Wirklichkeit, daß diese Millionäre wohl imstande tvaren, sich Kapital anzueignen, nicht aber neue und fruchtbare Ideen aufzugreifen, um sie zu fördern. Es wird ihnen verdammt schwer, Wohltäter der Menschheit zu lverden, und man kann mit Recht an dem viclgcrnhinten Genie der Biedermänner zweifeln. Von Carnegie bis zu Samson. Besagter Samson soll nun mit einigen dreißig Millionen die Berliner Ll k a d e m i e der W i s s e n i ch a f t e n bedacht haben. Hoffentlich kann sie schon für die nächste Balletteinstndierung des kgl. Opern- Hauses das Kapital zu historisch-archäologischen Regiezwccken ver- wenden. tvegen der außerordentlich langen Dienstzeit laut. Täglich vierzehn Stunden Dien st ist nichts seltenes. Ein großer Teil des Bahnpersonals ist überarbeitet. In den heißen Sommertagen dieses Jahres tvar es eine fast unerträgliche Oual, stundenlang in dem heißen, sehr engen Wiotorführerstand zu stehen und zu fahren. Nicht ausreichend sind auch die im Wagen befindlichen Brems- Vorrichtungen für das Publikum; wird dort eine sogenannte„Not- bremse" gezogen, so wird nur der elektrische Strom ausgeschaltet, der Wagen wird aber nicht gebremst, sondern fährt ruhig weiter. Das Beamtenpersonal beschwert sich ferner darüber, daß keine polizeiliche Vorschrift existiert, die angibt, wieviel Personen in einem Wagen befördert werden dürfen. In Wagen, in denen dreißig Personen Platz haben, werden oft über hundert st) Personen befördert." m Eisenbahnbehörde und Hochbahn. Von der Eisenbahndirektion, als der technische» Nufsichtsdehürde der Hochbahiigcscllschaft, erfahren wir zu dem Zusammenstoß auf der Hochbahn folgendes: .Nach dem vorläufigen Ergebnis der sofort vorgenommenen. von dem Minister der öffentlichen Arbeiten auf der Unfallstelle an- geordneten örtlichen Untersuchung muß angenommen werden, daß der bedauerliche Unfall auf das Ueberfahren des Halt zeigenden Haupt- und Vorsignals durch den vom Leipziger Platz kommenden Zug herbeigeführt worden ist. Weiteres wird der ge- richtlichen Untersuchung vorbehalten bleiben müssen. Schon heute aber kann als feststehend angesehen werden, daß die SicherungS- anlagen der Hochbahiigcscllschaft auf der Höhe des gegenwärtigen Standes der Technik sich befinden. Es ist insbesondere durch ein- gehende Untersuchungen örtlich festgestellt worden, daß die auf dem Gleisdreieck befindlichen Signalanlagen durchaus betrievZfichcr waren und tadellos gearbeitet haben." Auch die Direktion der Hochbahn hat sich im gleichen Sinne geäußert. Was nützen aber alle Erklärungen, wenn sich wotzdem ein Unglück, wie das eben siattgefnndene, vollziehen konnte? Das Gleisdreieck ist nach seiner Fertigstellung von Sachverständigen als ein Meisterwerk der Jngenieurbaukunst gefeiert worden, aber eS muß heute dringender als je darauf hingewiesen werden, daß es nicht an Sachverständigen gefehlt hat, die vor Inbetriebnahme dieses„Kunst- Werks" die Anlage als eine Gefahrenquelle allerersten Rangrs bezeichnet haben, und zwar von Leuten des städtischen Verkehrs- Wesens. Damals hat man sich über alle diese Warnungen und Be- denken hinweggesetzt. Erst recht spät hat auch die Betriebsverwaltung zu der Ueberzeugung kommen messen, daß diese Einwände städtischer- seitS sehr berechtigte waren, and man hat sich entschlossen, wie wir bereits vor längerer Zeit mitteilten, einen Umbau vorzunehmen. Wie recht unsere städtischen Verkehrstechniker mit ihrem Hinweis auf die große Gefahr des Gleisdreiecks hatten, beweist das jetzige schwere Unglück. Die große Gefahr für die öffentliche Sicherheit liegt in den sogenannten Gleisverschlingungen. Diese Verkuppelungen zweier Schnellbahnlinien miteinander sind die wahren Ursachen des Unglücks. Das weiß die Gesellschaft und das weiß auch deren Aufsichtsbehörde: das Eisenbahnministerium. Mußte doch aus Anlaß der Erörterung der Tunnelprojekte der Großen Berliner der Sach- verständige der letzteren auf eine diesbezügliche Kritik des Regierungs- rat a. D- Kcmann in seiner Erwiderung zugeben: „Diese Folgerung mag für wirkliche Untergrundschnellbahnen beachtenswert und dann besonders zwingend sein, loenn mit den Verzweigungen Gleiskreuzungen in Schienenhöhe oder «eichenanlagen auf freier Strecke verbunden sind. Bei dem so- '. nannten Gleisdreieck der Berliner Hochbahn ist gegen diesen Grundsatz gefehlt, weil die Weichenanlage auf freier Strecke sich befindet." Man steht, die Mangelhaftigkeit der Anlage ist ganz allgemein bekannt. Und wenn auch die Verwaltung einer Erwerbsgesellschaft sich, nachdem nun einmal das Bauwerk fertiggestellt war, über diese Bedenken hinwegsetzte, so durfte die Aufsichtsbehörde nun und nimmer ihre Genehmigung zum Bewirb einer solchen Anlage erteilen. Was jetzt gebaut werden wird, mußte schon damals ausgeführt werden. konnte es auch, wenn man nur den warnenden Stimmen Gehör geschenkt hätte. Wir wollen die gerichtlichen Untersuchungen abwarten; eS ist möglich, daß die Wagenführer bestraft werden; ganz sicher aber ist, daß die wahren Schuldigen frei ausgehen werden. So tief bedauerlich das Unglück ist, so herzliches Mitleid wir für die Opfer und ihre Angehörigen haben, ein Gutes wird auch dieses furchtbare Unglück haben; es wird Anlaß geben, daß sich die öffentliche Meinung mehr und gründlicher als seither mit den Machenschaften der Großen Berliner Straßenbahn beschäftigen wird, deren Untertunnelungspläne noch viel größere Gefahre« für das Publikum in sich bergen. Es kann leider keinem Zweifel unter- liegen, daß, wenn nicht seitens der städtischen Verwaltung, und dies unter Aufwendung von großen Mitteln, die Pläne der Großen Berliner bekämpft worden wären, die imUntertunnelungSprojekt der Leipziger Straße vorgesehenen GleiSver- schlingungen vom Verkehrsminister genehmigt worden wären, von demselben Ministerium, das ja auch dieses Gleisdreieck geiiehmigthat. « Der Kaiser und das Hochbahnunglück. Der Kaiser hat an den Eisenbahnminister folgendes Telegramm gerichtet: „Schmerzlich bewegt durch die Nachricht des schweren Unglücks, das sich auf der Berliner Hochbahn zugetragen hat, beauftrage ich Sie, den Angehörigen der Verunglückten sowie der Direktion der elektrischen Eisenbahn, deren Verwaltung bisher Vorzügliches leistete, meine wärmste Teilnahme auszusprechen. Wilhelm I. R. Abschriften des Telegramms sind den Angehörigen der Ver- unglückten durch Polizeibeamte iiberbracht worden. Der Hochbahn- Verwaltung ist durch den Eisenbahnminister von der kaiserlichen Beileidskundgebung Kenntnis gegeben worden. ES wird in weiten Kreisen sonderbar berühren, daß der Kaiser auch der Hochbahn- Verwaltung seine Teilnahme ausspricht, da die Untersuchung über die Schuldigen noch nicht abgeschlossen ist und es gar nicht aus- geschlossen erscheint, ob nicht auch der Gesellschaft ein Verschulden an der Katastrophe beizumessen ist. IstiMMcher Mruhr in Südweftafrlfta. Interessante Momente aus dem militärischen Leben in Süd- lvestafrika entrollte eine Verhandlung, die gestern vor dem Kriegs- gericht der Garde-Kavallericdivision stattfand. Es handelte sich um einen Aufruhrprozeß, um schwere Vergehen und Verbrechen, die sich eine Anzahl Reiter von der südwestafrikanischen Schutztruppe haben zuschulden kommen lassen. In Groß-Nama-Land, nicht weit von KeetmannShoop entfernt liegt die Station Hons, die im Jahre ■190« von dem Unteroffizier Linwwski, dem Sergeanten Hettke, den Reitern Jähnicke, Bergander, Dvffert, Feldfors, Bardellmus, Schöning und einer Reihe anderer Reiter besetzt war. Während die letzteren im Stationsgebäude Unterkunft gefunden hatten, nach- tigten die Unteroffiziere in Zelten. In der Nähe der Militär- station liegt die Farm des Farmers U. Wie nun von mehreren Reitern behauptet wird, verkehrten zwei Netter, unter ihnen Jähnicke, im Hause des Farmers und man munkelte davon, daß die beiden mit der jungen Frau des Farmers näher bekannt waren. Nach einer anderen Version soll Jähnicke sehr zu den Unteroffizieren, be- sonders mit Linkowski, der unbeliebt war, gehalten haben. Kurzum I. hatte sich den Haß seiner Kameraden zugezogen, und am Abend des 23. Juli kamen die Mannschaften beim Kartenspiel dahin übercin, dem I. einmal einen tüchtigen Denkzettel zu geben. Kurz vorher hatten die Leute ihre Ration Rum bekommen und die Flaschen gingen nun von Hand zu Hand. Kaum hatte sich I. zu Bett gelegt, so stürzten die Kameraden über ihn her, warfen das Bett um und mißhandelten den Insassen in der gefährlichsten Weise. Es gelang dem Geschlagenen, seinen Peinigern zu entschlüpfen. Er flüchtete nach dem Zelt des Unteroffiziers Linkowski. Er faßte den Vorgesetzten am Bein und jammerte, daß er ihn doch ja be- schützen solle, denn die Reiter würden ihn sonst totschlagen. Die hatten I. auch verfolgt und sie drangen nun in das Zelt des Unter- offiziers ein. I. klammerte sich immer mehr an den Vorgesetzten an und, ohne hierauf zu achten, schlugen die Reiter von neuem auf ihn ein. Auch der Vorgesetzte erhielt dabei mehrere Schläge. I. riß sich schließlich los und flüchtete aus dem Zelt heraus. Die Reiter eilten ihm nach. Der auf Posten stehende Reiter Bardellmus rief den flüchtenden I. dreimal an und als dieses nichts nützte. gab er einen Schuß auf ihn ab. Die Kugel ging aber daneben. Durch den Schuß wurde die ganze Station in Alarm gesetzt, und der Sergeant Hettke machte sich mit drei Mann sofort auf den Patrouillengang. Er stieß auch auf I., der ihn um Schutz bat. Inzwischen hatten sich die Urheber des Ueberfalles gesammelt, und als die Patrouille am Stationsgebäude eintraf, stieß sie bei den Reitern auf Widerstand. Es wurden höhnische Bemerkungen laut und mehrfachen Befehlen seitens des Sergeanten wurde keine Folge gegeben. Da Hettke einsah, daß er mit der kleinen Patrouille den Exzedenten gegenüber nichts ausrichten könne, holte er noch sechs Mann herbei. Er mußte schließlich dazu schreiten, die Station zu entwaffnen. Seinen Befehlen wurde aber dennoch kein Gehör gegeben. Er forderte die Reiter mehrere Male vergeblich auf, sich nach dem Stationsgebäude zurückzuziehen. Auch der Wache stehende Bardellmus beteiligte sich an dem Aufruhr. Er rief plötzlich:„Hier ist mein Herz, schießt einen deutschen Soldaten tot!" Die Situation wurde von Minute zu Minute kritischer, und nachdem der Exzeß etwa zwei Stunden gedauert hatte, kommandierte der Sergeant der Patrouille: «Chargiert! Fertig! Legt an!" Erst jetzt zogen es die Exzedenten vor, sich in das Gebäude zurückzu- ziehen. In der Schlafstube richteten sie«ine heillose Verwüstung an. Die Türen und Fenster wurden zertrümmert und die Betten zerschlagen. Zwei der Leute sprangen aus dem Fenster heraus. Der Sergeant, der einsah, daß er die Leute in dem Stationsgebäude schlecht überwachen konnte, befahl ihnen, ihre Betten herauszutragen und draußen im Freien zu schlafen. Hierauf rief einer der Reiter: „Wir sind keine Hottentotten, wir sind deutsche Soldaten und brauchen nicht im Freien zu schlafen!" Ein anderer erwiderte:„Ich lasse es bor den Kaiser kommen!" Schließlich beruhigten sich die Reiter und legten sich zu Bett. Am anderen Morgen wurden sie auf einem Ochsenwagen nach der Hauptstadt KeetmannShoop transportiert. Es waren die Reiter Bergander. Döfsert, Feldfors, BardcllmuS, Jestingmeier und Schöning. Bergander und Jestingmeier hatten sich am meisten an dem Aufruhr beteiligt, während als der eigentliche Urheber Schöning in Betracht kam. Während der Fahrt sprang Jestingmeier plötzlich vom Ochsenwagen herunter und entfernte sich etwas. AIS er von zwei Reitern wieder nach dem Gefährt zurückgebracht werden sollte. sträubte er sich hiergegen. Hettke, der den Transport leitete, rief einen Schwarzen, der die Ochsen führte, herbei, damit er ihm einen Strick zum FeUln gebe. Als Bergander sah, daß sein Kamerad Jestingmeier gefeffelt werden solle, rief er laut: «Ein deutscher Soldat darf nicht von einem Schwarzen gefesselt werden." In KeetmannShoop wurden die Arrestanten in das Militär- gerichtsgebäude eingeliefert. Vor dem Feldkriegsgericht hatten sie sich später wegen militärischen Aufruhrs, Beharrens im Ungehorsam und anderer militärischer Vergehen zu verantworten. DaS Urteil lautete gegen Bergander auf 12 Jahre, gegen Döffert auf 10 Jahre 3 Monate, gegen Jestingmeier auf 12 Jahre, gegen Feldfors auf 19 Jahre 3 Monate und gegen Bardellmus auf 19 Jahre 1 Monat Gefängnis. Gleichzeitig wurde bei allen Angeklagten auf Ver- setzung in die zweite Klasse dcS Soldatenstandes erkannt. Schöning wurde freigesprochen, da er nicht als völlig überführt galt. Im ganzen waren also über die fünf Angeklagten 54 Jahre und 7 Monate Gefängnis ausgesprochen worden. Oberst Deimling hat das Urteil bestätigt. Bergander hatte nun vom Gefängnis aus das Wiederaufnahme- verfahren bcintragt. Er ist von Beruf Maurer und hatte vor einer Reihe von Jahren das Unglück, vom vierten Stockwerk eines Neu- baues herabzustürzen. Er zog sich damals eine Gehirnerschütterung zu und litt seitdem häufig an Schwindel und an epileptischen An- fällen. Seinerzeit hatte er bei der Feldkriegsgerichtsverhandlung hiervon nichts angegeben. Nach zwei Jahren hat jetzt das Reichs- gcricht dem Antrage statgegeben, und gestern wurde die Sache noch. mals vor dem Kriegsgericht der Garde-Kavalleriedivision verhandelt. Bergander war von Hannover, wo er im Gefänngis interniert ist, nach Berlin transportiert worden. Auf Grund der Zeugenaussagen und der von drei medizinischen Sachverständigen abgegebenen Gut- achten gelangte das Gcricht zu einem Freispruch. In der Urteilsbegründung wurde ausgeführt, daß der Ange- klagte damals in einem pathologischen Rauschzustand gehandelt habe. Er könnte also für die Tragweite seiner Handlulgen nicht verantwortlich gemacht werden._ ver Parteitag in den Organliatienen. In H a l l e a. S. tagte am 27. September eine stark besuchte Parteiversammlung, in der Genosse Parteisekretär Reiwand als Referent feine Stellung als Delegierter zum Parteitag in Nürnberg darlegte. Nach dem Referat tvurde folgende Resolution eingebracht: „Die Versammlung des sozialdemolratifchen Verein« für Halle und den Saalkreis erklärt ihre Zustimmung zu den Beschlüssen des Parteitages und billigt das Verhalten Reiwands. In der B u d g e t- frage steht die Versammlung m vollem Umfange auf dem Boden der in Nürnberg durch MehrheitS- befchluß angenommenen Resolution, die die� gleich- artigen Beschlüsse der Parteitage von Lübeck und Dresden klärt und verschärft. Die Versammlung erblickt in der Budgetfrage nicht eine nur taktische Frage, sondern eine Frage von hoher prinzipieller Bedeutung, die tief tn das Wesen des KlassenlampscS eingreift. Das Verhalten der süddeutschen Dele- gierten in Nürnberg, die Erklärung der 6S, die eine BrüSlierung der ParteitagSmehrheit bedeutet, das Verhalten der süddeutschen Parteigenossen in den Versammlungen nach dem Parteitage be- weisen, daß in Süddeutschland sowie in gewissen Kreisen Norddeutschlands die Budgetfrage nur zum Vorwande für Bestrebungen dient, die darauf hinauslaufen, den Klassenkampf zu verwässern und zu verschleiern. Die Versammlung protesttert mit aller Entschiedenheit gegen solche Bestrebungen und hält es angesichts der gegenwärtigen politischen Situation, die im Zeichen des Wahl- rechtökampfeS und unerträglicher Steuerbelastuna des Volkes steht, für unbedingt notwendig, den reinen Klassenkampscharakter der Partei zu wahren, ivie er in unserem Programm und den Theorien unserer großen Vorkämpfer niedergelegt ist. Die Versammlung legt jedem Genossen die Pflicht auf, sich in diese Theorien zu vertiefen, um jeden ein Urteil in wichtigen Parteifragen zu ermöglichen. In bczug auf die praktische Durchführung der Nürnberger Re- solution zur Budgetfrage verlangt die Versammlung, daß diese Willensäußerung des Parteitages so lange unverbrüchliches Gesetz sein muß, als sie nicht durch den Beschluß eines späteren Parteitages geändert wird.— Die Versammlung ersucht den Partei- vorstand als Exekutive des Parteitages, darüber zu wachen, daß die Erklärung des Genoffen Scgitz und der 66 und die Interpretationen dieser Erklärung durch die süddeutsche Parteiprcffe nach dem Partei tage nicht zur Tat werden. Die Versammlung erwartet vom Partci- vorstande, daß er jedem Versuche, in der Verhöhnung des Spruches ihrer obersten Vertretung die Partei selb st zu verhöhnen, un nachsichtlich entgegen- tritt." In der Diskussion wandte sich Genosse Redakteur Thiele gegen die Resolution. Die Frage, ob der Parteitag in der Budget- frage das Richtige getroffen habe, werde die Zukunft entscheiden. Er persönlich sei Gegner der Budgetbewilligung; diese sei aber keine Frage des Prinzips, sondern der Taktik. Nicht alle Gegner der Vor- standsresolution in Nürnberg wären Freunde der Budgetbewilligung. Den Süddeutschen gegenüber sollte man toleranter auftreten. Die Partei soll mehr Meinungsfreiheit dulden. Die süddeutschen Staaten, Bayern. Württemberg und Baden hätten evenwell 234 Delegierte nach Nürnberg entsenden können, schickten aber nur 66*), dagegen hätten die Berliner 75 Delegierte. Hiergegen wandte sich der Reichstagskandidat Genosse Kunert Berlin mit dem Hinweise, die süddeutschen Sozialdemolraten» nur 31909 sozialdemokratisch Organisierten hätten keinen Anlaß Klage. Nur 78 Delegierte hätte Groß-Berlin mit der Pro Brandenburg und bei einer Anzahl von 106 099 Organisiertet 26 ReichStagswahlkreisen nach Nürnberg eutsende» können, i 106 009 Organisierte haben außer vier Abgeordneten nur 62 T gierte entsendet. Der Proporz gebe bei vernünftiger Beurteil der Mandate den Ausschlag.— Thiele habe— abgesehen davon in Allgemeinplätzen geredet und sein im„Voiksblart" vertrctc die süddeutsche Taktik begünstigender Standpunkt sei als eine schlr Provokation der ungeheuren Mehrheit der Partei empfunden und ve urteilt worden. Die Versammlung möge der Resolution in ihrer gattzen Schärfe und in allen Teilen zustimmen. Auch der Bezirkssekretär, Genosse Drescher, wandte sich niit Entschiedenheit gegen die Auffassung Thieles. Die Budgetbewilligung � sei keine Frage der Taktik, sondern eine solche des Prinzips. Was soll man von solchen süddeutschen Genossen halten, die sich genieren/ sich an einen Parteitagsbeschluß zu binden? Genosse Redakteur Daum ig erklärt, er könne absolut nicht fassen, wie ein„Gegner" der Budgetbewilligung sThiele) gegen die' Vorstandsresolution stimmen konnte. Die Budgetfrage sei unbedingt eine Frage von prinzipieller Bedeutung. Bis zu Thieles Ab- stimmling in Nürnberg habe er und sein Kollege Redakteur Fröhlich alles vermleden, was auf Unstimmigkeit in der Redaktion schließen ließ. So manchen Stoß und so manche Anrempelung hätten sie von den Ge- nossen im Interesse des lieben Friedens hingenommen. Im ganzen Bezirk habe man wegen der merkwürdigen Stellungnahme Thieles zu wichtigen politischen Fragen den übrigen Redakteuren alles Mögliche geboten. Redner tritt für die Resolution ein. Nach einer Debatte, die ununterbrochen von mittags Vzl- bis abends ä'/g Uhr dauerte, Ivurde die eingangs erwähnte Resolution mit überwältigender Majorität angenommen.— Da- mit fiel die von dem Genossen Thiele eingebrachte Resolution, in der er das Verhalten der Süddeutschen zu entschuldigen versuchte. ».' Der Delegierte des Brandenburger Kreises Züllichau- SchwiebuS-Krossen, Genosse Graue r-Lichtenberg, er- stattete in einer Parteiversammlung in Züllichau Bericht. Die mit großem Beifall aufgenomincnen Ausführungen des Redners fanden nach kurzer zustimmender Debatte ihre Zusammcufasiung in einer einstimmig angenommenen Resolution, in der es heißt: Sie begrüßt insbesondere dce Annahme der VorstaikdSresolution in der Frage der Budgetbelvilligung als das Festhalten der Partei an den Prinzipien des proletarischen Klassenkampfes und als Ablehnung jedes Eni- gegenkommenö an den bürgerlichen Klassenstaat. Sie erwartet von den süddeutschen sozialdemokratischen Abgeordneten, daß sie den demokratischen Grundsätzen getreu die in der VorstandSresvlution ge- gebenen RichUinien beachten und hofft, daß die süddeutschen organisierten Arbeiter ihren Führern eine streng prinzipielle Haltung auf dem Boden deS Klassenkampfes für ihre parlamentarische Tätigkeit zur Pflicht machen._ Der nürnberger Parteitag in der Parteipresse. VIL „Bolkswacht"(Bielefeld): »Nun hat der Parteitag gesprochen, und man kann den süd- deutschen Genossen nur den Rat geben, sich zunächst zu fügen. Der Schaden, den die Partei durch eine taktisch unrichtige Ab- lehimng des Budgets erleidet, dürfte nicht so schlimm sein, wie der, den die unfruchtbaren und erregten Auseinandersetzungen über die Budgetfrage mit sich bringen. Die müssen vor aller. Dingen vermieden'werden. So manchen Parteigenossen werden die Verhandlungen des Parteitages über d'.e Budgetfrage und die vorhergehenden Streitereien mit großem Schmerz erfüllt haben. Es kann wohl keinem Zivcifel unterliegen, daß wir uns durch derartiges unseren an sich doch schon so schweren Kampf unnütz noch schwerer machen. In einigen Jahren wird man sich vielleicht in der Partei darüber Wundern, wie man sich über eine derartige Frage so auf- regen konnte. Und dann wird eS den Süddeutschen möglich sein, eine Abänderung des ParteitagSbeschlusseS herbeizuführen, ohne daß sich der Budgetfrage wegen der ganzen Partei wieder eine so große Auf- regung bemächtigt." „Arbeiterzeitung"(Dorttnund): „Man hat die Frage aufgeworfen, ob es nicht im Interesse des Partcifriedcns bester gewesen wäre, die Mehrheit des Parteitages hätte sich auf die Kompromißresolution Frohme geeinigt und damit der Partei die unheilvolle Erklärung der sechsundsechzig Süd- deutschen erspart. Es waren gar nicht die schlechtesten Genossen aus dem Parteitage, die sich bei ihrer Zustimmung zur Resolution Frohme von solchen Erwägungen leiten ließen, und nichts liegt uns ferner, als auch nur einen von ihnen seiner Abstimmung wege> irgendivie zu tadeln. Wir wissen die Motive dieser Gcnossi' vollauf zu würdigen. Sie wollten gewiß nur das Beste> Partei, wollten nach bestem Wissen und Gewissen dem inne Frieden dienen. Und dennoch ist eS gut. daß der Antrag Froh schließlich abgelehnt und die Vorstandsresolution angenomn wurde! Der Parteitag war eS sich selbst, er war eS der Ehr und dem Interesse der Gesamtpartei schuldig, vor den frivolem verbrecherischen, durch und durch unsozialdemokratischen Spaltung«- drohungen der Revisionisten nicht ins Mauseloch zu kriechen! Niemand kann die Einheit auch in der Führung der deutschen Sozialdemokratie höher stehen als uns I Die Einheit— die Einheit selbst um einen hohen Preis! Nicht aber die Einheit um jeden Preis! Es gibt Situationen, in denen eine reinliche, ehrliche Scheidung der Geister besser ist, als ein fauler Friede I Eine Scheidung der Geister, die höchstens zur Absplitterung gewisser Führer, niemals aber zur Spaltung der Massen führen konnte, die natürlich Heller Wahnsinn gewesen wäre! Der Parteitag dv re unter keinen Umständen unter das kaudinische Joch der revisionistischen Drohungen kriechen, wollte er sich nicht dem Fluche verdienter Lächerlichkeit preisgeben. Die Budgelftage hatte sich nun einmal zu einer großen prinzipiellen Grundfrage, zu einer entscheidenden AuZeinandersetznitg zwischen Revisionismus und revolutionärem, marxistischem Sozialismus ausgereckt." „BolkSilatt"(Bochum): „Wir können die Entscheidung des Parteitages nicht als erfreulich begrüßen; der Antrag Frohme iväre der Weg zur Einigung der Gegensätze gewesen. Dazu wäre freilich erforderlich geweseii, daß der Parteivorstaud den Autrag Frohme akzeptiert hätte. Wir fürchten, die Partei wird an den Folgen der Nürnberger Entscheidung noch lange zu tragen haben." •) Falsch, c3 waren zirka 801 Red. d.„Borw.* „Arleiterzeitung"(Essen): „Verlehrt wäre es.... dem ganzen Streit geringe Bedeutung zuzumessen. Bei den Genossen, die die-Z tun, kann es sich nur um zweierlei handeln, um unglaubliche üiurzsichtigkeit oder um vorhandene Nebenabsichten, die auszusprechen man nicht den Mut hat l Daß es auch Genossen der letzreren Art gibt, die unentwegt „zum Frieden" raten, einer klaren Stellungnahme zu Streit- sragen aus dem Wege gehen in der Hoffnung, auf diese Art und Weise unsere Bewegung rascher ins reformistische Fahrwasser zu treiben, erscheint uns nicht zweifelhaft. Aber nicht Frieden um jeden Preis brauchen wir in der Partei, sondern Frieden und Ein- tracht auf dem Boden gemeinsamer sozialistischer Grundsätze. Die letzteren wieder scharf und entschieden betont zu haben, war eine der besten Taten dieses Parteitages! Möge die breite Masse der Partei- genossenschaft alles tun, um sich selbst m unseren Grundanschauungen zu festigen, damit sie, wenn nötig, irregehenden Erfolgspolitikeru den rechten Weg zeigen kann. Vidssut cousules!" x mm he.» � Stimmen aus der Gewerhrcbaftspreffc. im Das„Korrcspondenzblatt" der Generalkommisfio» der Gewerkschaften schwebt: '„Warum blieb diesmal die Einigung aus, warum hielt man .' Smal unbeirrt an dem Vorsatze fest, den Süddeutschen einen un- s�nehmbarcn Mehrheitsbeschluß aufzuzwingen? Weil man zu Sucher Frage des Prinzips ftentpelte, was lediglich eine Frage best!; parlamentarischen Taktik war, und weil man dieses Prinzip All' Gefahr erblicken und um jeden Preis retten wollte, selbst um swen Preis der Parteieincheit. Die Budgetbewilligung ist so wenig » eine Frage des Prinzips und so völlig eine solche der parlamentarischen Taktik, daß weder das Gothaer Einigungsprogramm der Pattei, noch auch das Erfurter Programm sie in seinem grundsätzlichen Teile berührt; im Gegenteil verlangt das letztere in seinen nächsten Forderungen das Recht der jährlichen Steuerbewilligung____ Nach zwei Seiten hin ist dieser Beschluß(die Lübecker Resolution) lückenhaft, indem er erstens die Budgetbewilligung in den G e- meindevertretungen unerörtert läßt und ferner nicht gleich- zeitig die Instanzen bestimmt, welchen jeweils die Entscherdung über da» Verhalten der Vertreter im Reich, Staat und Gemeinden zu- steht. Zweifellos weisen die Gemeinden in den Gebietes des Reiches, wo die Gemeindevertretungen nach einem Klassen- oder Zensuswahlrecht ge- wählt werden oder den Grundbesitzern eine gewisse Vertretung privilegiert ist. den Charakter der Klassenherrschaft auf; eine Zu- stimmung zu den Budgets solcher Gemeinden widerspricht genau so den Grundsätzen der Lübecker Resolution, wie zu denen der Einzel- staaten. Indem der Lübecker Beschluß es aber unterließ, die Instanzen festzustellen, von deren Entscheidung die Budget- bewilligung jeweils abhängig sein sollte, überließ er die volle Verantwortung den in solche Zwangs- läge kommenden Parlamentariern, deren guter oder böser Wille der Kritik der Parteigenossen unterstand. Aus diesem Verhältnis waren neue Streitigkeiten unausbleiblich; sie sind nur deshalb seither vermieden worden, weil die Neigung, in solchen Budgetzustimmungcn Verletzungen des Prinzips zu erblicken, geringer war, als gegenüber den bayerischen und badischen Ge- Nossen.... ... Die parlamentarische Praxis ist zu vielseitig; sie zeitigt Konstellationen, die sich nicht voraussehe» lassen, utrd bringt die Partei in Situationen, in denen man das kleinere dem größeren Uebel vorziehen muß. Tie Gefahr, eine Regierung durch Budget- Verweigerung zu stürzen, ist für die Partei nicht schwerwiegender als die, bei bevorstehenden Neuwahlen geschwächt in die Volksvertretung einziehen zu müssen. DaS parlamentarische Wirken erfordert eben bis zu einem gewissen Matze freie Hand für den Abgeordneten, dem auch die meisten Verfassungsgesetze durch das Verbot der Annahme gebundener Mandate Rechnung tragen. Dannt soll keineSlvegs das Isisser aller des Parlamentarismus proklanzicrt sein, die Allmacht des P a r l a m e n j a r i.e r s., dl? in der Partei ja schon durch den Fraktionszwang in allen wichtigen Fragen heilsam beschränkt wird. Auch die Fraktionen sollen nicht un- verantwortlich sein, sie sind den Landesparteitagen Rechenschaft schuldig. Ueberdics würde eS durchaus unserer Auffassung ent- sprechen, wenn Beschlüsse von solcher parlamentarischen Bedeutung wie Budgetablehnung oder Budgetbewilligung nicht von den Fraktionen allein entschieden würden, sondern der vorherigen Zustimmung deS LandesvorstandeL der Partei bedürften. Dann wäre dem größeren Teil der Streitigkeiten die Spitze abgebrochen. Aber solche Fragen können in befriedigender Weise nur innerhalb des bc- treffenden Einzelstaates selbst geregelt werden; sie vor das Forum der Gesamtpartei im Reiche zu ziehen, könnte höchstens in ganz groben Ausnahmefällen, in denen die Partei als solche geschädigt wird, heilsam sein. Der Lübecker Beschluß hat eine solche Erledigung nicht vor- gesehen und so hängt eS völlig vom Parteitage ab, ob er Prinzipien der Partei verletzt finden will. Unseres Erachtens waren grobe Ausnahmefälle weder in Süddeutschland noch irgendwo ge- gegeben, die eine solche ParteitagSdebatte. noch dazu mit der Gefahr einer Parteizersplitterung, auch nur entfernt gerechtfertigt hätten. Gewiß, die Badenser waren übel beraten, als sie dem Parteivorstande gegenüber ein Schweigegebot vorschützten, aber der Parteivorstand wäre auch anders in der Lage gewesen, sich vorher richtig zu informieren. Die Erörterungen auf den Konferenzen zu Wiirzburg und Stuttgart sollen einen komplottartigen Charakter gehabt haben. Aber dem ersten dieser Komplotte hatte ein Parteivorstandsvertreter beigewohnt. Alles dies sind Nebensächlichkeiten, über Gebühr aufgebauscht, um des Maß der Schuld zu füllen, und die bloß dadurch charakteristisch iverde», daß sie uns zeigen, bis zu welcher Verbitterung die Meinungsverschiedenheiten bereits gediehen sind. Dazu hat das unverantwortliche Gebaren eines Teiles der Parteipresse nicht wenig beigetragen, und daß das Zentralorgan davon teine Ausnahme macht, sondern womöglich der provinzialen Presse in Angriffen auf Genossen vorangeht, ist besonders ver- hänguisvoll. Diese Redakteure sollten sich, anstatt angebliche Prin- zipien um jeden Preis zu retten und Barrikaden aus Parteitags- eschlüffen gegen die eigenen Genossen aufzurichten, in erster Linie erufen fühlen, die Einigkeil der Gcsamtpartei nach außen hin zu -ahren und die öffentliche Austragung von inneren Streitig- '.itcn vermeiden, damit den Gegnern der Partei kein ohlfeiles Material zu unserer Bekämpfung geboten wird. �ade durch die dem Nürnberger Parteitag vorangehenden »ßerörterungcn, denen wir un» ferngehalten haben, ist der Streit W einer Siedehitze angefacht worden, die eine friedliche Klegung erschwerte. Sic wurde vollends unmöglich gemacht durch den Unfug der gebundenen Mandate. Solch ein Tribunal ist vielleicht geeignet, hochnotpeinliche Ketzer- geeichte abzuhalten und den angeklagten Sündern buchstaben- und siimmeninäßig zu beweisen, wie hundertfach sie den Tod verdient haben, aber um Frieden und Einigle it herzustellen, un, die Partei vor Zersplitterung zu bewahren„ um ein ein- trächtliches Zusammenwirken von Nord und Süd, Ost und West zu gewährleisten, das doch eine Lebensfrage für die Partei ist," dazu eignet eS sich wie ein Jagdhund für ein Milch- fuhrwerk. So mußte konunen, was gekonimen ist,� und die zweitägigen Debatten auf dem Parteitage mit ihren � Zwischenfällen endeten anstatt mit einem für Süd und Nord ersprießlichen Frieden, mit einem prinzipiellen Beschluß einer- und einer Un- abhängigkeitöerklärung andererseits. ... So war die Einheit der Partei nach außen hin zwar ge- rettet, aber die E i n m ü t i g k e i t ist nicht erreicht. Der zweitägige Streit ist ergebnislos geblieben. Was tvird die Folge dieses Beschlusses und dieser Erklänmg sein? Das ist die Frage, über die nunmehr in der Parteipresse lang und breit geleitartikelt wird. Man hätte sich diese Frage besser vor dem Parteitage vergegenwärtigt, denn sie führt fast allgemein zu ruhigerer Erwägung der Diuge und zu dem leb- haften Wunsche, die Süddeutschen möchten leinen Schritt tun. der zu einer Trennung führen könne. Die Frage ist aber auch gar nicht! unmittelbar zu beantworten, weil sich eben Budgetabstimmungen nicht auf Jahre hinaus dirigieren lassen. Eben deshalb, iveil es sich um eine Frage der parlamentarischen Taktik handelt, sind die süddeutschen Genossen gar nicht imstande, jetzt schon zu erklären, was sie bei der in zwei Jahren wiederum fälligen Abstimmung zu tun gedenken. Sie loerden durch den Gang der Landespolitik bestimmt, zu handeln, wie es notwendig erscheint. Sie werden dabei selbstverständlich nicht den Wunsch haben, neue Auseinandersetzungen mir Genossen jenseits des Mains oder der Elbe zu provozieren und die kostbare Zeit eines Parteitages für ihre Landesangelegenheiten in An- spruch zu nehmen—, sie werden bei ihrer Entscheidung also auch dieses Maß von Verantwortlichkeit berücksichtigen müssen. Man kann indes nicht von ihnen verlangen, daß sie automatisch das Budget verweigern und eine entsprechende Menge von Gründen aufsagen, sondern man mutz ihnen in ihrcin Kampfe mit bürgerlichen Parteien so viel Ellbogenfreiheit gewähren, um im Dienste der Arbeiter- bcwegung politisch erfolgreich tötig sein zu können. Es werden also für die Folge Budgetabstimmungen doppelt vorsichtig erwogen werden, aber auch da werden Budgelbewilligungen nicht absolut ausgeschlossen sein. Möge dann von allen Seiten rechtzeitig der Weg der Verständigung beschritten werden, um einer Entwickelung der Auseinandersetzungen vorzubeugen, die diesmal die Partei der Gefahr der Spaltung nahegebracht hatten." Auf die Angriffe, die das„Correspondenzblatt" gegen die Haltung des„Vorwärts" richtet, wollen wir hier nicht ein- gehen. Aber nicht umhin können wir, unserem Erstaunen Ausdruck zu geben über den Gleichmut, nut dem das Zentralorgan der Gewerkschaften die Möglichkeit eines Zuwider- Handelns gegen einen rechtsgültigen Parteitagsbeschluß be- handelt. Gerade die Gewerkschaftsleiter, so sollte man meinen, müßten die Disziplin in der Arbeiterbewegung über alles stellen. Denn ohne sie können die Gewerkschaften ihre Kämpfe nicht führen. Gegen die Gewerkschaftszersplitterer haben die Gewerkschaften— und das mit vollem Recht— die schärfsten Mahregeln von der Partei gefordert. Für Parteizersplitterer scheint das„Correspondenzblatt" der Generalkommission ein anderes Maß zu haben._ Hud der partei Aus dem Wahlkreise Sorau-Forst. Ter Wrchlkreis Sorau-Forst ist einer von den Kreisen, welcher durch die Budgetdebatte auf dem letzten Parteitage in besondere Mitleidenschaft gezogen worden ist. Die KreiSgencralbersammlung in Eorau hatte zum Delegierten für den Parteitag den Genossen Maurenbrecher in München bestimmt. Maurenbrecher lehnte es ab, die Resolution des Kreises, die die Streichung des letzten Absatzes der Lübecker Resolution verlangte, zu vertreten. Sein Mandat zum Parteitag wurde darauf von einer darauf folgenden Kreisversammlung kassiert und der Genosse Müller- Forst an Stelle Maurenbrecher delegiert. Inzwischen war die Stellung Maurenbrechers zu wichtigen parteipolitischen Fragen be- kannt geworden und die Genossen hielten es für zweckmäßig, Maurenbrccher Gelegenheit zu geben, über das Thema„A r- beiterpolitik und Parlamentarismus" zu sprechen. Im Wahlkreise fanden zwei Versammlungen statt, eine am Freitag in S o r au und eine am Sonntagvormittag in F o r st. Die Kreis- leitung hatte es für zweckmäßig gehalten, dem Genossen Mauren- brecher einen Korreferenten in der Person des Genossen Grun- wald in Berlin entgegenzustellen. Beide Versammlungen, die Sorauer sowohl als auch die Förster trugen mehr den Charakter einer akademischen Erörterung und zeitigten keine Beschlüsse. Wir beschränken uns daher darauf, aus der Forst er Versammlung die wichtigsten Sätze des Maurenbrechcrschen Referats mitzuteilen. Maurenbrecher sagte eingangs seiner Darlegungen, daß er im Wahlkreise das erstemal die Gelegenheit habe, über umstrittene parteitaklische Fragen zu reoen. Er glaubte allerdings, daß den Genossen des Kreises seine Stellung über bestimmte Fragen in der Partei bekannt sei. In allen seinen Wahlreden habe er gesagt, daß der parlamentarische Weg der einzige sei, die politische Macht für die Arbeiterklasse zu erobern, um ihr eine bessere Stellung in Staat und Gemeinde zu erringen. Alle anderen Wege müßten uns hoffnungslos an den Abgruird des Verderbens bringen. Ter Zerschmetterungspolitik müßten wir die reformistische Arbeit in der Partei, in der Gemeinde, den Genossenschaften ent- gegenstcllen. Sie wird uns vorwärts bringen. Er wolle heute klipp und klar sagen, wie er sich die taktische Stellung der Partei zu allen politischen Fragen denke. Auch die praktische und theoretische Bildung der Parteigenossen spiele dabei eine Rolle.„Wir haben in den Kreisen, in denen ich verkehre(damit sind natürlich gewisse bayerische Genossen gemeint), uns ent- schloffen, der Welt zu zeigen, daß die Tätigkeit der Theoretiker ein Ende haben muß." Redner wendet sich hierauf zur Budget- frage und erörtert des langen und breiten den Begriff Budget. Nach seiner Auffassung ist das Budget ein Voranschlag für Staat und Gemeinde, der für eine bestimmte Periode den Haushalt fest- zustellen habe. Was im Budget steht, hat die Regierung auSzu- geben; was nicht bewilligt ist, kann nicht ausgegeben werden. Jede Partei lege sich die Frage vor: Ist die Summe, die wir abgelehnt haben, oder die Summe, die wir bewilligt haben, größer? Dann nehme jede Partei den Rcchcnstift und kalkuliere, wie ihre Bilanz steht, und nach dieser Bilanz, die sie zieht, richte sie ihre Abstimmung ein. So verfahren alle bürgerlichen Parteien in der Praxis. Im Reichstage lehnen wir auch das Budget ab. weil die Art der Ein- nahmen sowohl als auch die Art der Ausgaben von uns bekämpft wird. Redner kommt nun auf das bayerisihe Budget zu sprechen und sagt, daß es mit 600 Millionen(?) bilanziere, von denen 15 Millionen für die Sozialdemokratie unannehmbar sind. Das habe selbst der„Vorwärts" gesagt. Wer die Wirklichkeit seiner Theorie und BegriffsbildunK zugrunde legt, der wird sich sagen, daß in Anbetracht der bayerischen Verhältnisse das Budget in seiner Gesamtverfassung annehmbar war. Einige Schönhcits- fehler, wie der Lohn für das königliche Haus, dürfen uns nicht stören. So verfahre man in der Praxis, und da der Redner sich als ein Mann der Praxis bekennt, der seine Tbeorie aus dieser Praxis gewinnt, so würde er trotz unliebsamer Einzelheiten dem Budget zugestimmt haben, denn er sei nicht der Narr, der wegen der 15 Millionen, die ihm nicht paffen, deshalb die übrigen Summen ablehne. Redner bemerkt dann noch, auch er sei bis zu einem gewissen Grade Theoretiker, jedoch ein solcher, der auf dem Boden der Wirklichkeit, nicht aber in der grauen Theorie oder aus einem Dogma stehe. Zum Beweis für die Richtigkeit seiner Auf- fassung in der Budgetfrage führt er die Kämpfe in den GeWerk- schaften um die Tarifvertrüge an. Dort Nehm; man von den Unternehmern, was man bekommen kann. Weiterhin meint Maurenbrecher, daß es eine„Redensart" sei, mit dem Budget be- willige man dem Staat auch seine Existenzmittel. Wir arbeiten doch auch an der Finanzreform mit und präsentierten sogar dem Staat die Steuern, die wir von unserem Klassenstandpunkt aus für nützlich halten. Was ist das aber weiter als dem Klassenstnat für seine Existenz die Mittel bewilligen? Auch die Budgetbcwilligung in Gotha diente dem Redner als Stützpunkt seiner Theorie. Er kann eS verstehen, wenn die Genossen radikal denken. Wenn sie aber nicht danach handeln, das kann er Vicht verstehen. Es fehle eben das Mitteloing. Eine grundsätzliche Budgetvcrweigerung könne er verstehen, dann muß sie aber für alle gelten. Ausnahmen könne es nicht geben, und nach dieser Richtung sei die Vorstandsresolution nicht konsequent. Ter Redner wendet sich noch einmal gegen die Theoretiker in der Partei, die mit ihren Anschauungen im Wider- spruch zur Wirklichkeit stehen. Und es muß deshalb den Massen gesagt werden, daß die Epigonewvon Marx und Engels mit ihren theoretischen Anschauungen die Köpfe verkleistern. Unsere politische Bildung müssen wir aus den wirklichen Verhältnissen ziehen. Der Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit ist da. Das bestreitet keiner. Me Werte kommen aus der Arbeit deS Arbeiters. eS fragt sich nur, ob das etwas mit der Budgctbewilligung zu tun hat. Die Vergesellschaftung der Pro- duktionSmittel ist unser Ziel; eS kann aber nicht bewirkt und nicht gehindert werden in Aktionen, die sich alle Jahre wie bei der Budgetbewilligung wiederholen. Keiner hat uns den Weg gezeigt, wie wir zum Ziele kommen, und wer es deutlich gesagt, das sind die Reformisten. Wir wollen keine Aufspeicherung der Arbeitskraft zur Revolution, sondern in der Wirklichkeit arbeiten; langsam oem Ziele zu. Alle anderen Wege führen zum Verderben. Wenn wir in einem Staate so weit sind wie in Bayern, wo wir so viel Macht und Einfluß gewonnen haben, da können wir auch für das Budget stimmen. Er könne nicht einsehen, daß die Budgetbewilligung eine Schwächung des Klassenkampfes bedeute. Dem Referenten Maurenbrechcr trat nunmehr Genosse Grun Wald- Berlin als Korreferent entgegen. Redner bemerkte, daß er nicht aus persönlichen, sondern aus sachlichen Motiven auf Wunsch des Kreisvorstandes zur Stelle sei, und zur Klärung der Situation beitragen wolle. Grunwald beschäftigt sich zuerst mit der Behauptung Maurenbrechcr», daß nur der Parlamentarismus das einzige Mittel zur Erringung der politischen Macht sei. Wer so etwas behaupte, sei alles andere, aber kein Sozialdemokrat, der die ökonomischen und politischen Verhältnisse, unter denen wir wechselnd unseren Kampf führen, in Ansatz bringen müsse. Wir können noch gar nicht wissen, wie wir im politischen Kampfe zum Ziele kommen, und da kommt Maurenbrecher mit dem Hinweis. nur der Parlamentarismus führe zum Ziele. Führen wir denn den Klassenkampf allein? Wie dann, wenn uns das allgemeine Wahlrecht genommen, die Pforte zum Parlament verrammelt wird? Maurenbrecher verwirft auch die direkte Aktion: Massenstreik, Demonstration usw. Aber alle diese Mittel haben uns auch die Revisionisten als vornehmstes Kampfmittel geschildert. Die Radi- kalen sind solche simplen Kampfnaturcn, daß sie nicht erst lange über politische Kampfmittel große Worte machen, sondern auf Grund der gegebenen Situation die Kampfmittel wählen, die zweck- entsprechend sind. Diese Kampfmittel müssen aber auch mit unserem Parteiprogramm und unseren Parteitagsbeschlüssen überein- stimmen, d. h. aus ihnen herauswachsen, weil die Taktik immer nur eine Anwendung unserer Grundsätze sein kann. Mittel, die durch Entgegenkommen die Macht der Gegner aber stärken, die ver- werfen wir. Redner zerpflückt alle die Argumente, die Mauren- brecher zugunsten der Süddeutschen in der Budgetfrage gelten lassen will und kommt nach einigen Auseinandersetzungen staatsrechtlicher Natur auf den kuriosen Vergleich Maurenbrechcrs zu sprechen, der gesagt hatte, daß ein Budget dem Statut eines Vereins gleich zu fetzen fei, welches vom Verein doch angenommen werden könne, wenn auch einzelne Paragraphen hier und da auf� Widerstand stoßen. Dieser Vergleich hinke nach allen Seite». Wäre der Ver- gleich zutreffend, so würden wir wie die Mitglieder eines Vereins über das Statut auch über den grundsätzlichen Inhalt des Budgets zu bestimmen haben, z. B. über die Regierungsform. Im Verein bestimmen aber Gleichgesinnte die Satzungen, während da? Budget gerade in den grundlegenden Teilen von den gegensätzlichen Klassen und der Regierung festgesetzt werde. Die Budgetbcwilligung ist deshalb eine Verankerung der Klassenherrschaft im Staate, jenes Staates, der ökonomisch auf dem Gegensatz von Kapital und Arbeit, von Herrschenden und Beherrschten beruhe. Wer ihm die Mittel seiner gesamten Existenz bewillige, stärke auch dieses ökonomische Verhältnis, bekämpfe also durch Stärkung des Gegners seine eigene Partei. Wir dürfen unsere Hand nicht dazu bieten, dieser Klassen« Herrschaft die politischen Existenzmittel zu gewährleisten. Redner ersucht die Versammlung zum Schluß, au der altbewährten Taktik der Partei festzuhalten und den revisionistischen Bestrebungen keine Gefolgschaft zu leisten. Die beiden Referate wurden mit erfreulicher Ruhe angehört. Nach einer kurzen Diskussion, an der sich auch Genossen des Wahl- lreiseS beteiligten, und die zeitweilig einen persönlichen Charakter annahm, wurde die Versammlung nach vierstündiger Dauer mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. Ausschlüsse in Frankreich. Paris. 28. September. Der Kongreß der geeinigten Soziali st en des Seinedepartements beschloß gestern den Ausschluß des Abgeordneten B r o u s s c sowie der Gemeinderatsmitglieder Heppen heim er und Andre aus der Partei. Brousse hatte sich seinerzeit ge» weigert, den Aufruf gegen die Reise FalliireS nach Rußland zu unterzeichnen. Geriedts-Geltung. Du Schutzmann als Dieb. Unter großem Andränge des Publikums fand gestern die Bel» Handlung gegen den früheren Schutzmann Otto Werner aus Rummelsburg, dem die Anklage vorwirft, am 27. August d. I. aus dem Schlafzimmer des Schankwirts Rvhlig in Rummelsburg eine goldene Uhr nebst Kette entwendet zu haben, vor dem Schöffengericht in Lichtenberg statt. Am 27. August hatte Werner als Schutzmann von 7 Uhr früh bis 2 Uhr mittags Dienst vor der Friedrichsberger Bank in der Frankfurter Allee. Als er gegen 2Uhr nachmittag abgelöst wurde, traf er den ihmbekanntcn Brauer Ouade, mit welchem er mehrere Gastwirtschaften besuchte. Später begaben sie sich noch nach dem Restaurant von Röhlig in der Lessing- straße in Rummelsburg. Nachdem hier wieder eine größere Zeche gemacht war, mußte Werner austreten. Als Werner die Toilette verlieb, mußte er an dem offenen Schlafzimmer der Nöhligfchen Eheleute vorbei, auf dein Tisch in der Stube lag die goldene Uhr nebst Kette deS Röhlig. Werner betrat die Stube, sah sich die Uhr an und steckte die Uhr und Kette in seine Tasche, um dann wieder in das Schank- zimmer zurückzukehren. Nach einiger Zeit wurde das Kind der Frau Röhlig müde und letztere brachte dasselbe in dem Schlafzimmer zur Ruhe. Da Werner sah, wie Frau Röhlig nach dein Schlafzimmer ging, so folgte er ihr, Frau Röhlig schloß aber vor ihm das Schlaf- zimmer ab und beide gingen zur Gasistnbe zurück. Nachdem Ouade und Werner noch kurze Zeit in dem Lokal verweilt hatten, bezahlte ersterer die Zeche und beide begaben sich dann noch nach einigen anderen Lokalen. Gegen Abend vermißte Frau Röhlig die Uhr ihres Mannes und erstattete bei der Lichtenberger Polizeibehörde die An« zeige, gegen den Schutzmann hatte sie keinen Verdacht, wohl aber gegen dessen Begleiter. Am anderen Morgen ersckiien Werner auf dein Polizei- bnreau. Ob er erfahren hatte, daß Frau Röhlig Anzeige erstattet hatte. ist nicht bekannt geworden, und übergab dein Krimlnalschutzinann EnderS llhr und Kette. Werner wurde sofort auS dem Dienste entlassen und gegen ihn Anklage erhoben. In der VerHand- lung erklärte er, daß er an, 27. August von 7 Uhr früh bis 2 Uhr nachmittags Dienst gehabt habe und während der ganzen Zeit nichts genossen habe. Dann hätte er Ouade getroffen und mit diesem st a r l gekneipt, che sie zu Röhlig gekommen seien. hätte jeder schon»iindestenS 12 GlaS Bier und 10 Kognaks genossen. Er weiß, daß er sich dann die Uhr im Schlafzimmer angesehen habe, wisse aber nicht, wie sie in seine Tasche gekommen sei. Als er spät abends nach Hause gekommen sei, hätte er sich sofort hingelegt, am anderen Morgen hätte ihn seine Frau geweckt und habe ihm die Uhr und Kette, die in seiner Hose gewesen wäre, gezeigt. Erst hätte er sich nicht besinnen können, dann wäre ihm eine leise Ahnung aufgetaucht und er hätte die Uhr und Kette sofort aus das Amt gebracht. Bei Begehung der Tat müsse er sinnlos betrunken gewesen sein. Frau Röhlig bekundet, daß der Angeklagte sich mit ihr ganz gut unter- halten habe, von sinnloser Trunkenheit hätte sie nichts wahr- genommen. Der Brauer Ouade bestätigt dem An- geklagten, daß beide zirka zwanzig Glas Bier und zirka zwölf Kognaks vertilgt hätten, er, Ouade, hätte gewußt, wa» er tat, ob Werner sinnlos betrunken gewesen wäre, könnte er nicht sagen. Amtsanwalt Kope-skh hielt ihn der Tat für überführt und beantragte gegen den An- geklagten eine Woche Gefängnis. Der Gerichtshof kam zur Freisprechung des Angeklagten. Er nahm nicht an. daß§ 51 vorliegt, wohl aber, daß sich der Angeklagte in Bewußtseinstrübung befunden habe und nicht die Absicht gehabt hat, die Uhr zu stehle». Briefhaften der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, zweiter Sof, dritter Eingang, bier Treppen, Be Fahrstuhl deren Kinder sein. An Stelle der verstorbenen Tochter tritt deren Kind. wochentäglich abends von 7 bis 92 1hr statt. Geöffnet 7 Uhr Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Bahl als Wiertzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Briefkasten können 14 Tage bergehen. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde bor. J. K. Nach dem Tode des Vaters oder der Mutter wird der gesamte Nachlaß beerbt, nicht nur einzelne Nachlaßstücke. Liegt kein Testament vor, so erben die Kinder drei Viertel, der überlebende Ehegatte ein Viertel des Nachlaffes. Handelt es sich um eine Ehe, die vor 1900 in der Mark oder in Berlin geschlossen ist, so kann der überlebende Ehegatte wählen, ob er nach dem Recht des Bürgerlichen Gesetzbuches oder nach dem märkischen Recht erben will. Erbt er nach dem märkischen Recht, so werden die Bermögen beider Ehegatten als eine Masse betrachtet, die Hälfte davon erhält der überlebende Ehegatte, die andere Hälfte fällt den Kindern zu. Wählt der Ehegatte das Recht des Bürgerlichen Gesetzbuches, so erbt er in der eingangs beschriebenen Weise. G. 6. 7. 1. Reklamieren Sie nochmals unter Darlegung, daß Sie in Nieder- Schöneweide zu der angegebenen Zeit nicht gewohnt und das Schriftstück auch von Ihrem Onkel nicht erhalten haben. 2. Nein. 3. Fünf Jahre. M. M. 23. Die Firma wäre berechtigt, auf 8ahlung der Reftſumme zu klagen und dann Pfändung an Ihren Sachen vornehmen zu lassen. Eine Pfändung vor einer Klage ist unzulässig. 2. P. N. 52. Ein Erbschein kann verlangt werden. Er würde in Ihrem Falle etwa 20 M. Toften. M. 5. 31. Zweckmäßig wäre es, wenn Sie den vollen Schaden baldigst durch einen Rechtsanwalt bei dem Zivilgericht einklagen ließen. 22. 1. Auch ohne Vertrag leben die Eheleute außer Gütergemeinschaft. In Ihrem Falle würde aber nach der herrschenden Rechtsprechung das Eigentum Shrer Frau haften. 2. Nein. 3. Auf fünf Jahre fann Nachzahlung verlangt werden. B. 2. 71. Auch wenn Konkurs eintritt und der Kontursverwalter die weitere Beschäftigung ablehnt, muß für die vierzehn Tage der Kündigungsfrist Lohn gezahlt werden. Der Anspruch auf Lohn ist als bevorrechtigte Forderung beim Kontursgericht anzumelden. M. 21. Widerstand gegen die Staatsgewalt wird nach§ 113 Str.-.- B. mit Geldstrafe von 3-1000 m. oder mit Gefängnis von einem Tage bis zu zwei Jahren bedroht. Mit Geldstrafe bis 150 M. oder mit Hast bis zu sechs Wochen wird das unbefugte Schießen und Abbrennen von Feuerwerkstörpern bestraft. W. N. 17. Eine weibliche Person ist vom 16. Jahre ab heiratsfähig. Sie bedarf aber der Genehmigung des Baters bis zum Unserem Genoffen Gustav Sternbeck zu seinem Ge burtstage die herzlichsten Glüc wünsche. 19346 Die Genossen des Bezirks 540a. Unserem Genossen Hermann Karlon nobst Gemahlin die herzlichsten Glückwünsche zur filbernen Hochzeit. Die Genossen des 230. Bezirks. Am Sonnabend, den 26. d. M., früh 10 Uhr, verschied, kaum ein Jahr nach dem Tode seiner lieben Frau Berta, nach langein, schwerem, mit Geduld ertragenem Leiden unser guter, unvergeßlicher Sohn, Bruder, Schwager und Onkel Franz Schultze im 27. Lebensjahre. 1935b Dies zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme tiefbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen. Familie E. Schultze, Warschauer Straße 45. Die Beerdigung erfolgt am Dienstag, den 29. d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Leichen balle des St. Thomas- Friedhofes, Rigdorf, Hermannstr. 179/183, aus. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berliner Reichstags- Wahlkreis. ( Stralauer Biertel.) Bezirk Nr. 326, Zeil II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Lederarbeiter Franz Schultze gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 29. September, nachmittags 4, Uhr, von der Leichenhalle des Thomaskirchhofes, Hermannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 220/16 Der Vorstand. Verband der Portefeuiller. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Portefeuiller Franz Schultze am 26. d. Mts. berstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 29. d. Mts., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Thomas Kirchhofes, Hermannstraße, aus statt. Bahlreiche Beteiligung erwartet 109/12 Der Borstand. Tanzlehrerverband Solidarität Berlins und Umgegend. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Franz Schultze im Alter von 27 Jahren an Nierenentzündung verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Dienstag, nachmittags 4%, Uhr, von der Leichenhalle des ThomasKirchhofes, Rigdorf Hermannftraße, aus flatt. 200/4 Treffpunkt: 32 Uhr bei Aliems, Hafenheide. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. S..: Richard Heinrich. In der Nacht vom 26. zum 27. September starben plöglich in folge Herzschlages unsere lieben Freunde und Kollegen, die Schriftseter Gustav Simon geb. am 28. 7. 57 in Pugar i. Pom. und Gustay Pasewaldt geb. am 28. 10. 59 in Berlin. Ein dauerndes ehrendes Andenten werden ihnen bewahren Die tief erschütterten Kollegen der Nordd. Buchdruckerei. Die Beerdigung erfolgt am Mittwoch auf dem Heil.- Streuz- Kirchhof in Mariendorf, Eisenacher Straße, früher Feldstr. 118, und ztoar die des Mollegen Simon um 42 Uhr nachmittags und die des Kollegen Pasewaldt auf demselben Kirchhof um 5%, Uhr. 1938b Typographia. Den Mitgliedern die betrübende Nachricht, daß unser langjähriger Sangesbruder, Stollege Gustav Pasewaldt in der Nacht zum Sonntag plöglich verstorben ist. Wir werden seiner stets in Ehren gedenken. Beerdigung fiehe vorstehend. Die Sänger werden gebeten, möglichst bollzählig unserem braven Kameraden das letzte Geleit zu geben. Der Vorstand. Rixdorf. Allen Freunden, Bekannten und Verwandten die traurige Nach richt, daß am Sonnabend, den 26. b. M., nachts 1, Uhr, unser Bater, Großvater, Bruder und Schwager, der Maurer Gustav Zoch nach qualvollen Leiden geftorben ift. Um stilles Beileid bitten Die Hinterbliebenen. Stationen Better Stationen 1 Nebel Better 12 Scilly 13 Haparanda 759 NNW 2 wollen! 12 Petersburg 757 Still Nebel 760 SS 3Nebel 10 Aberdeen 760 SGD 1 wolfig Temp. n. C. 18244 5° C.= 4° R. 21. Lebensjahre. Der Mann wird erst mit der Volljährigkeit( 21 Jahre)| Witterungsübersicht vom 28. September 1908, morgens 8 lhr. heiratsfähig und bedarf keiner elterlichen Erlaubnis zur Heirat. Alter Abonnent 30. Erbberechtigt würden für den Fall des Todes der Mutter Den Stiefvater fiele ein Biertel, den Kindern drei Viertel des Nachlasses zu gleichen Teilen zu. Stirbt der Stiefvater, so erbt nur die Mutter und die gemeinsamen Kinder beider. Die Mutter tann zu ihren Lebzeiten mit ihrem Vermögen machen, was sie will. Ein Recht auf Zahlung eines Erbteils während ihrer Lebzeit steht Ihnen nicht zu. O. N. 9. Nein. Swinembe. 759 WNW 3 wolfig Kirchensteuer, R. 30, B. J. 16a und andere. Die katholische Hamburg 764 SW 2 bededt Kirche erhebt in Berlin bei einem Einkommen von 1200 Mart ab Berlin 7629 2 bedeckt Kirchensteuer und zivar 20 Prozent. O. 6. 98. 1. u. 2. Ja. Franff.a.M. 767 S G. P. 254. Das Privatversicherungsgesetz ist in der letzten Session München 767 28 verabschiedet. Die Rechte und Pflichten der Versicherten richten sich nach Wien 764 N dem Versicherungsvertrag. A. 30. Sie können eine Beleidigungsklage anstellen. Der Erhebung derselben müßte ein Sühneversuch vorangehen, wenn Sie und die Beleidigerin in derselben Gemeinde wohnen. 13. 1. Das Vormundschaftsgericht ist berechtigt, Sie zum Vormund zu ernennen, wenn dies dem Interesse des Kindes entspricht. 2. Ein Recht hierauf steht Ihnen nicht zu. 23. 25. Sie sind nicht verpflichtet, der Stirchengemeinde Ihre Austrittsbescheinigung zuzuschicken. Es genügt, daß Sie angeben, wann und bei welchem Gericht Sie Ihre Erklärung abgegeben haben. Briefkaften der Expedition. K. 3. Patienten in Beelitz, Buch usw. Diejenigen unserer Abonnenten, die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben, wollen uns wegen der Ueberweisung von Freieremplaren sofort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern des neuen Monats von der Post nicht geliefert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden. 12 2 halb bd. 10 Baris 765 S523 1 bededt 15 2 wolten! 12 Wetterprognose für Dienstag, den 29. September 1908. Anfangs ziemlich heiter bei mäßigen nordwestlichen Winden, später Drehung des Windes nach Südwest, neue Trübung und etwas Regen, nachts tühler, am Tage wieder Erwärmung. Berliner etterbureau Wasserstands- Nachrichten der Landesanstalt für Gewässertunde, mitgeteilt bom Berliner Wetterbureau. Basserstand Memel, Zülfit Bregel, Insterburg Beichsel, Thorn Dder, Ratibor Krossen • Frankfurt Beestor am ſeit am feit 27. 9. 26. 9. Wasserstand 27. 9. 26. 9. cm cm ¹) cm cm) 176 -4 Saale, Grochlik 82 -1 -19 -1 108 -10 Havel, Spandau) Rathenow³) 36-1 32 0 118 Spree, Spremberg) 70 120 -4 70+8 130 -4 Beser, Münden -85 64 -14 Minden -24 Landsberg 36 0 Rhein, Marimiliansau 465 +2 Kaub 243 -50 Köln 244 -162 +4 Nedar, Heilbronn 45 64 -4 Main, Wertheim 126 86 +3 Mosel, Trier 64 Fall, -WO *) Unterpegel. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen- Direktion über den Großhandel in den Zentral- Markthallen. Marktlage: Fleisch: Barthe, Schrimm Bufuhr start, Geschäft ruhig, Preise für Nind-, Kalb- und Schweinefleisch nachgebend, sonst unverändert. Bild: Zufuhr reichlich, Geschäft nicht Nee, Bordamm rege genug, Preise schwankend. Geflügel: Zufuhr genügend, Geschäft Elbe, Leitmerih ruhig, Breise nicht befriedigend. Fische: Zufuhr genügend, Geschäft matt, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr genügend, besonders reichlich in Blumenkohl und Alepfeln, Geschäft ruhig, Preise gedrückt. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. 8ahlstelle Rigdorf. Am Sonnabend, den 26. September, verstarb unser Stollege Gustav Zoch an Asthma. 139/40 am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Mittwoch, den 30. d. Mts., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Thomas- Kirchhofes in Rigdorf, Hermannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Todes- Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Bater, Bruder und Schwager, der Händler August Gliese 6 nach langer Krankheit verstorben ist. Die Beerdigung findet Donnerstag nachmittag 4%, Uhr von der Halle des Gemeinde Friedhofes, Bornikstraße, aus statt. 1938b Um stilles Beileid bitten Berta Gliese nebst Kindern. Sozialdemokratischer Wahlverein für den Bezirk Lichtenberg. Den Genossen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Händler August Gliese verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 1. Dltober, nachmittags 4 Uhr, von der LeichenAllen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß unser lieber Bater, der Kistenmacher Wilhelm Seidel nach furzem, schwerem Strantenlager fanft entschlafen ist. 1936b Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 30. September, nachmittags 4 Uhr, auf dem Jafobi Kirchhof, Rirdorf, Hermannstraße statt. Dies zeigen tiefbetrübt an Max und Karl Seidel. Dr. Simmel Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. dicht am Prinzenstr. 41, Moritzplatz, 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Geschäfts- Eröffnung. Hierdurch mache ich meinen Freunden, Kollegen und Bekannten die ergebene Mittellung, daß ich am 3. Ottober er. in dem Hause Am Friedrichs: hain 6( Ede Braunsberger Straße) ein Tabak- und Zigarrengeschäft eröffnen werde. Um geneigten Zuspruch bittet Adolf Bordasch. Fabrikate der Tabakarbeiter. 19236* Genossenschaft! Leihhaus Gelegenheitskäufe verfall. Goldund Silbersachen, Brillanten etc. Seit 25 Jahren Prinzenstr.28 Ecke Ritterstr. H.Pfau, Bandagist Dresden Barby Magdeburg + bedeutet Buchs, Wichtig für Kranke und Schwache wird die wissenschaftlich festgestellte Tatsache sein, daß Deutsch land im Lamscheider Stahlbrunnen einen Heilschah ersten Ranges besikt, der verdient, dauernd der leidenden Menschheit zugängig gemacht zu werden. Tausende wurden gesund. Dantesworte nach erfolgreichen Kuren: Ich litt schon einige Jahre an furchtbar quälenden Magen- und Verdauungsstörungen, Appetitlofigkeit, Schlaflosigkeit, großer Schwäche des ganzen Körpers und Abmagerung, so daß es mit meinen Kräften immer mehr zu Ende ging. Durch den nur furzen Gebrauch des Lamscheider Stahlbrunnens bin ich von allen Beschwerden befreit worden." Hier durch sage ich der Verwaltung des Lamscheider Stahl brunnens herzlichen Dank für den ausgezeichneten Heil brunnen. Infolge einer schweren Krankheit mit großem Blutverlust war meine Frau so heruntergekommen, daß ich glaubte sie zu verlieren. Sie konnte nicht mehr schlafen, nicht effen, vor Schwäche nicht mehr auf den Füßen stehen und wurde oft ohnmächtig. Meine Frau ist nur durch diesen Brunnen mir und meinem Kinde erhalten." Warm empfohlen bei Blutarmut, Bleichsucht, versch. 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Seit Monaten bemühen die Börsen sich, durch Stimmungs- mache eine Belebung auf dem Wirtschaftsmarkl hervorzurufen. Der Erfolg war im allgemeinen ein kaum nennenswerter Umsatz in— Papieren. Optimisten verkünden unermüdlich: die Lage bessert sich; Ansätze zu einer Aufwärtsbeweglma sind unverkennbar I Die Leute werden auch eines Tages die Tatsachen auf ihrer Seite haben— aber bis dahin läuft noch viel Wasser in die Spree. Der nächste Winter wird im Zeichen grober Arbeitslosigkeit stehen; direkte Not zieht in taufenden Proletarierfamilien als täglicher Gast ein, in taufenden ist er schon heimisch geworden. Schönfärberei nutzt nichts; der Zeiten dringendes Bedürfnis ist, von der Gesellschaft energisch Maßnahmen zum Schutze der Krisenopfer zu verlangen. In rosa schimmert wieder mal der Situationsbericht des Stahl- Verbandes. Solange die beweisenden Zahlen fehlen, wird man ihn zu den anderen legen, denn bisher standen die ziffernmäßig?» Aus- weise des Stahlverbandes nicht in Harmonie mit seinen hoffnungsvollen Stimmungsberichten. Die Verwaltung der Rheinischen Stahl- werke urteilt sicher nicht zu pessimistisch, indem sie in ihrem Geschäftsbericht über die Aussichten sich dahin äußert, daß für das Jahr 1903 auf Befferung nicht zu rechnen sei. Der Versand des Stahlverbandes im August bringt zahlenmäßig das Abflauen des Beschäftigungsgrades zum Ausdruck. Der Gesamtversand stellt sich auf nur 401 153 Tonnen. Gegen den gleichen Monat des Vorjahres bedeutet das ein Weniger von 120 310 Tonnen oder von über 23 Proz. Der Juli vorigen Jahres überragte mit seiner Versand- ziffer den diesjährigen Parallelmonat nur um 20 Proz. Der Grad der Produktionseinschränkung hat sich also weiter verschärst. Be- sonders groß ist der Rückgang in Formeisen z das Minus gegenüber dem Vorjahre beträgt sogar S7>/z Proz. In dieser Ziffer kommt zum Ausdruck die Stagnatton auf dem Baumarkt. Selbst die bescheidenen Hoffnungen, die man auf den Herbst gesetzt hat, find im allgemeinen nicht in Erfüllung gegangen. In manchen baugewerblichen Betrieben hat die Arbeitslosigkeit noch zugenommen. Die Holzgeschäfte bringen eS auf kaum 50 Proz. des Durchschnittsumsatzes der Vorjahre. Die Ruhe am Baumarkt hat die Zementfabriken in 40 bis 50 Prozent ihrer Leistungsfähigkeit brach gelegt und der Konsum in Ziegelsteinen hält sich weit unter der Hälfte der Produktionsmöglichkeit der vorhandenen Anlagen. Für die bestehenden Verbände ist die Krise eine Belastungsprobe, der nicht alle gewachsen sind. Das Düsseldorfer Noheisensyndikat ist in die Brüche gegangen. Eine neue Organisation wird zwar nicht sehr lange auf sich warten lasten, aber sie mutz, soll sie lebens- kräftig sein, auf anderer Grundlage aufgebaut werden, als das nun aufgeflogene Syndikat. Daß monopolistische Beherrscker eines Roh- Materials volkswirtschaftlich unheilvoll wirken können, daß kurzsichtige, rücksichtslose Preispolitik der Industrie eines Landes ungeheueren Schaden zufügen kann, das hat das Roheisensyndikat bewiesen. Den»Schutz der nationalen Arbeit' durch Syndikatspolitik illustriert trefflich eine der»Nhein.-Westf. Ztg.' zugegangene Zuschrift, in der es u. a. heißt: »Auf welcher tiefen Stufe steht aber das deutsche Gußeisen. Der amerikanische Guß ist z. B. in seiner Oberfläche so weich, daß . diese direkt mit breitem Drehstahl angeschnitten werden kann, wie dies mit großem Vorteile von der weitverbreiteten Gisholtschen Revolverdrehbank durchgeführt wird. Die von England be- zogenen Maschinen sind in den Wandstärken ihrer gußeisernen Maschinen etwa% so stark, als diejenigen gleichwertiger deutscher Maschinen mit gleicher Festigkeit. Diese Tatsache ist sehr bedauerlich für die deutsche Mchchinemndustrie. Vor der Zeit des jetzigen Roheisensyndikats lieferten die Gießereien durch ge- eignete Mischung oder Gattierung ganz bestimmter Roheisensorten einen den deutschen Verhältnissen entsprechend zufriedenstellenden Guß. Die Hüttenwerke waren bemüht, ihre Abnehmer zu be- friedigen. Ganz anders sieht eS jetzt aus. Eine große Berliner Maschinenfabrik und Eisengießerei, welche die Führung des rationellen Maschinenbaues in Deutschland übernommen hat, be- dauert in ihren Schriften, daß die deutschen Hütten unter dem Schutze des Roheisensyndikats Angaben über Analysen verweigern. DaS heißt mit anderen Worten gesagt: Die Hütten liefern, was sie wollen und die Abnehmer müssen mit dem zuftieden sein, was ihnen geliefert wird, ganz gleich von welchem Hüttenwerke. Die Folge davon ist, daß der Guß lunkert oder nachsaugt, Spannung erhält und sehr hart und porös wird. Der harte Guß verursacht aber den Maschinenfabriken mit ihren modernen sehr teuren Spezial- Werkzeugen, wie Fräsern, Reibahlen usw., einen sehr großen Schaden. Nur diejenigen Gießereien, welche sich ein eigenes chemisches Laboratorium und eine Versuchsanstalt eingerichtet haben, oder welche ausländische Roheisensorten verarbeiten, liefern einen zufriedenstellenden Guß." Ueber die augenblickliche wirtschaftliche Bedeutung der Syndikats' auflösung bemerkt das erwähnte Blatt, daß nur der Markt für Gießereieisen einschneidend berührt werde, in den übrigen Sorten sei der Umsatz an Roheisen so minimal, daß die Syndikatsauflösung für den kleinen Markt nur untergeordnete Bedeutung habe.— In der Weiterverarbeitung ist der Konsum sehr stark eingeschränkt. Nicht nur die Kleineisenindustrie, auch die Maschinenfabrikaston leidet unter BeschäftigungSlosigkeit. Des Inlandsmarktes Aufnahmefähig- keit ist nur genug' und die Exportbestrebungen finden an den höher gezogenen Zollmauern verschärften Widerstand. Die Einschränkungen auf fast allen Gebieten des gewerblichen Lebens kommen rückwirkend in der Bewegung am Koksmarkt in Er- scheinung. Die Erzeugung von 60 Proz. der Beteiligung konnte das Syndikat nicht unterbringen und mußte es größere Posten auf Lager nehmen. Das Lagern ist ein Notbehelf zur Vermeidung noch umfang- reicherer Betriebseinschränkung, zu dem man auch in anderen Gewerben Zuflucht nimmt, z. B. in der Eisenindustrie, in der Baumaterialien- und teilweise in der Textilindustrie. Je länger die Krise anhält, um so wirkungsloser wird auch jene Maßnahme. Und es ist zu be- fürchten, daß in einzelnen Gewerben die Freisetzung von Arbeits- kräften noch größeren Umfang annehmen wird. Die damit sich eröffnenden Aussichten gestalten sich nicht freund- licher, wenn man die Bewegung der Lebensmittelpreise verfolgt. Die Hoffnung, eine gute Welt-Getreideernte werde den Preis des wichtigen Nahrungsmittels von dem jetzigen hohen Niveau wieder hinabwerfen, scheint sich leider nicht eriiillen zu wollen. Nach den letzten Ernte- schätzungen geht der letzte Erwäg über den vorjährigen nicht wesent- lich hinaus. Und der schlechten Vorjahrsernte ist der selten hohe Weltmarktpreis zu danken, zu dem wir in Deutschland uoch die agrarische Schutzzollliebesgabe zu tragen haben. Da auch die Kar- toffelernte nicht das zu halten scheint, waS man sich bisher ver- sprachen hat, der Getreidepreis die Preise der anderen Lebensmittel mehr oder minder beeinflußt, so ist auf jeden Fall mit einer nennenswerten Verbilligung der Ernährung nicht zu rechnen, wenn nicht gar noch eine weitere Verteuerung eintritt. Andererseits drohen neue Lasten durch Anziehen der Steuerschraube. Die sogenannte Reichsfinanzrcform hat die arbeitende Bevölkerung als Objekt aus- ersehen; der Zapfhahn wird nicht dort eingeschlagen, wo die Steuer« kraft einen tüchtigen Abzug erlaubte. So gehen wir bewllbsamen Verhältnissen entgegen. Und wenn die Sozialdemokratie in den Kommunalverwaltungen nicht vorwärts treibt, dann wird von dieser Seite zur Linderung der Not wenig getan. Wohl kann die Gesellschaft eine halbe Million Söhne des Volkes, als Träger des bunten Rockes der produktiven Arbeit ent- zogen, dauernd unterhalten, aber sie erklärt sich unfähig, der Güter schaffenden Bevölkerung ein Existenzminimum zu garantieren. Den Schrecken der Arbeitslosigkeit steht der Staat völlig hilflos gegen- über. Die Gesellschaft betrachtet die vom Kapital freigesetzten Arbeitskräfte als feindliches Element, das keine Existenzberechtigung hat; den Ruf nach Arbeit und Brot beantwortet sie am liebsten mit Pulver und Blei— oder mit Gefängnis und Zuchthaus! Widerwillig haben die Kommimen wenigstens teilweise angefangen auf dem Gebiete der Arbeitslosensürsorge etwas zu tun. Aller- dings, gewöhnlich bedurfte es eines hartnäckigen Kampfe? der Arbeitervertreter, um die bürgerliche Mehrheit, deren A und Z der Arbeitslosenfürsorge die Acmennnterstützung war, von dem vor- sintflutlichen Standpunkt abzubringen. Nicht Almosen wollen die arbeitslosen Opfer der kapitalistischen Wirtschaftsweise. Sie wollen Arbeit, produktive Arbeit! Und das Recht auf Arbeit für alle muß nun von den sozialistischen Vertretern in den Kominunen mit allem Nachdruck vertreten werden. Schon jetzt sind die Vorbereitungen zu treffen, um eine größere Zahl beschäftigungslos Werdender in den Gemeindcdicnst aufnehmen zu können. Sonst besteht die Gefahr. daß nachher mit Erhebungen, Erwägungen und Vorbereitungen der Winter verstreicht und die wohlweisen Stadt- und Gemeindeväter dann vertröstend auf die kommende bessere Frühjahrs- und Sommer« zeit verweisen. Die Kommune ist der Haushalt der Gemeinde» angehörigen: für deren Wohlbefinden soll sie nach Möglichkeit sorgen. Das kann beispielsweise auch durch eine Arbeitslosenversicherung geschehen. Eine solche betrachten wir aber, abgesehen von den Bedenken, die wir vom gewerkschaftlichen Standpunkt auS dagegen hegen, nur als schlechten Notbehelf. Volkswirtschaftlich betrachtet ist es immer ein Nonsens, arbeitsfähige Menschen nicht produktiv zu beschäftigen, ihnen statt dessen aus einem aufgespeicherten und durch Verminderung der Konsumkraft ersparten Fonds Unterstützungen zu zahlen. Empfänger solcher Zuwendungen ist nur Konsument, während er bei vernünftiger Organisation auch Produzent sein kann. Wenn an Stelle des LoialpatriotiSnius, dessen Vater oft krasiester Eigennutz ist. wirklicher Gemeinsinn in den Kommunen zur Herrschast gelangt. dann kann auf dem Gebiete der Arbeitslosenfürsorge manches getan tverden.___ D. Eingegangene Oruckfcforiften. 22. Band.— Soziale Kämpfe Band 230. �aS Theater. Von geb. IIS. Verlag JB. G. Tcuducr «rösch. SlnS Natur and GetsteSwrlt. im alten Rom. von Leo Bloch.— Chr. Gaehde. Einzelband geh. 1 M., m Leipzig. Die Stimme des BluteS. Roma» von A. v. Wchlau. 3 M., geb. 4 M. Verlag Clauß u. Feddersen in Hanau a. M. Die sieben Gehenkten von L. Andrejew. Uebersetzt von A. Schal, 128 Seiten. Verlag I. Ladyschnikow, Berlin ZV. 15. Daö Blanduch, Wochenschrist. Herausgegeben von H. Ilgen stein and H. Kienzl.(Concordia, Deutsche VerlagZaustalt, H. Ehbock Ä Berlin W. 30.) Welf nnd Waiblingen. Roman von H. Böllstein 8 BL aeb 4 M Verlag: A. Sponholtz, Hannover. uxma 1 Berlin und M seine Vororte 1909. Die HauSlisten für den Jahrgang 1909 find den Herren Hauseigentümern bzw. Verwaltern zur Weiter» gäbe an die verehrlichen HauShaltungSvorstände zugegangen. Letztere werden gebeten, die erforderlichen Angaben genau und deutlich In die Hauslisten einzutragen und diese so schnell wie möglich weiterzugeben. Diejenigen Gewerbetreibenden, denen eine besondere EintragungSkarte für ihr Gewerbe nicht zugestellt wurde, mögen auf sorg- fältiges Ausfüllen der einzelnen Rubriken in der Hausliste achten, weil diese Angaben auch als Grundlage für die Aufnahme im GewerbenachweiS benutzt werden. Da die Abholung der Hansliften Freitag, de« I. Oktober, beginnt, so richte ich an diejenigen Haushaltungsvorstände, denen die HauSlisten bisher noch nicht vorgelegt wurden, das Ersuchen, bei ihren Hauseigentümern oder Verwaltern wegen der Liste Nachfrage zu halten und für eine schleunige Eintragung Sorge zu tragen oder mir ihre Angaben unverzüglich dirett zugehm zu lassen. ES empfiehtt fich, die Vorbestellung auf Adreßbücher gleichzeitig in die dafür vorgesehene Spalte der HauSliste einzutragen, da mit Schluß des Vorbestelltermins— 31. Oktober— der um 2 Mark höhere Ladenpreis eintritt. Da die Bewohner der Reichshauptstadt das größte Interesse daran haben, das Adreßbuch so vollkommen und zu» verläsfig wie nur möglich gestaltet zu sehen, darf ich wohl erwarten, daß alle Einwohner durch genaue Ausfüllung der HauSlisten und durch deren schleunige Weitergabe die mühevolle und kostspielige Znsammenstellung unterstütze». Berlin, den 28. September 1908. LV SS, Zimmerstraße 86-41. Aag-usi Schert. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Dienstag, 29. Geptember. Anfang 7, Uhr. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Der Montblane. Neues Operetten- Theater. Schiffbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Abends 8 Uhr: Königl. Opernhaus. Aïda. Königl. Schauspielhaus. Agnes Bernauer. Die Dollarprinzeffin. Deutsches. Kabale und Liebe. ErKammerspiele. Früblings DERNHARD ROSE THEATED Erwachen. Anfang 8 Uhr. Trianon. Die Liebe wacht. Anfang 8 Uhr. Leffing. Gespenster. Neues. Wahrheit. Berliner. Mercadet. Schauspielhaus. Neues Dummkopf. Kleines. 2 × 2= 5. Komische Oper. Tiefland. Der Residenz. Das Glück der andern. Hebbel. Der Liebhaber. Westen. Ein Walzertraum. Schiller ( Wallner Theater.) " Ein Julius Cäsar. Schiller Charlottenburg. Teufelstert. Friedrich Wilhelmstädt. Schaus spielhaus. Großmama. Thalia. Das Mitternachtsmädchen. Bustspielbans. Die blaue Maus. Br. Frankfurter Str. 132. Der Theaterteufel Anfang 8 Uhr. Wochentagspreise. Mittwoch: Der Theaterteufel. Donnerstag geschlossen wegen Vorbereitung zu: Das Käthchen von Heilbronn. Metropol- Theater Täglich 8 Uhr: Donnerwetter- tadellos! Revue in 10 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Paul Lincke. Regie Direktor Schultz. Sonntag, 4. Oktober, nachm. 8 Uhr: nes Operetten. Die Dollar Donnerwetter- tadellos! Lorking. Jaza. Bernhard Moje. Der Theaterteufel. Luisen. Helga. Apollo. Trilby und Svengali. Spe zialitäten. Metropol. Donnerwetter Ios. tabel Gebrüder Herrnfeld. Das lommt davon. Vorher: Es lebe das Nachtleben. Bajage. 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Anf. 8 Uhr. Heute und folgende Tage: Der Liebhaber. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Die blaue Maus. Lortzing- Theater Belle- Alliancestraße 7/8. Bis 5. Oktober verlängert. Saftspiel Hedwig Lange. Jeden Abend 8 Uhr: 159/14 Zaza. Sonntag 3%, Uhr: Die Haubenlerdhje. Luisen- Theater. Abends 8 Uhr: Helga. Mittwoch: Theater. Donnerstag: Helga. Freitag zum erstenmal: Aennchen bon Tharau. Sonnabend nachm. 4 Uhr Kindervorstellung: Nübezahl. Abends: Alennen von yarau. Sonntag nachm. 3 Uhr: Ausgewiesen. Ab.: Alennchen v. Tharau. Montag: Aennchen von Tharau Casino- Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr Familie August Knoche. Berliner Gesangsposse in 3 Aften. August Knoche: Dir. Hans Berg. Borher d. glänzende Eröffnungsprogr. Sonntag 4 Uhr: Reezengasse 8 a. pollo Cheater 216 8 Uhr: Das bedeutende AttraktionsProgramm. 8: Trilby und Svengali? 9 Kunst und Mysterium. Vera Violetta. 10: Paul Spadoni der König der Kraftjongleure. Schiller- Theater. O.( Wallner- Theater.) Dienstag, abends 8 Uhr: Julius Casar. Trauerspiel in 5 Aufzügen von William Shakespeare. Mittwoch, abends 8 Uhr: Julius Cäsar. Schiller Theater Charlottenburg. Dienstag, abends 8 Uhr: Ein Teufelskerl. Historische Komödie in 3 Atten bon Bernard Shaw. Mittwoch, abends 8 Uhr: Ein Teufelskerl. Donnerstag, abends8Uhr: Donnerstag, abends 8 Uhr: Julius Cäsar. Ein Tenfelskerl. Berliner Eis Palast Lutherstraße 22/24. Ständige Eisbahn. ( Täglich bis 1. Mai 1909) von morgens 10 Uhr bis nachts 12 Uhr geöffnet. Täglich von 10 Uhr ab: Großes Konzert. Allabendlich 9 Uhr und 10 Uhr: Reigen, Duudrillen, Seunstlaufen von ersten Runft läufern und Läuferinnen. Brauerei Friedrichshain Oek: Ernst Liebing. Größter Konzertsaal Berlins. Heute Dienstag: Gastspiel- Konzert: Franz v. Blon nach seiner Rückkehr aus Schottland, wo er unvergleichliche Triumphe gefeiert hat. Orchester zirka 40 Künstler. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Morgen Mittwoch: Gastspiel MAXIMILIAN FISCHER. XIV. Saison! Zirkus Busch. 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Reichshallen Garten und Restaurant: Militär- Konzert. W. Noacks Theater Direftion: Rob. Dill. Brunnenſtr. 16. 24, 2 Min. v. Bhf. Börse. Heute 8 Uhr. Galerie 30 Pf. Vorletter Tag des September- Spielplans 12 Attraktionen 12 Der Seekadett. Singspiel in 2 Atten. Familienkarten zum halbem Raffenpreis gültig, überall gratis! Gustav BehrensTheater. Goltzstr. 9. Feine Sache! Ausgezeichnet! Große Ausstattungsoperette. Neu! La belle Rose, Prima Ballerina. Neu! Georg Thierry gen. Silvester- Schäffer II. 10 Spezialitäten 10. Anfang 8 Uhr. Sonntags 5% Uhr. und GastwirtsKochkunst- Ausstellung Walhalla- ie alte Geſchichte. het de Variete Theater Der Roman einer Choristin. LebensWeinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Anfang 8 Uhr. Das neue große September. Programm. 12 glänzende Spezialitäten. bild in 6 Alten von Hiller. Anfang 8 Uhr. Entree 30 f. Sonnabend, den 3. Oftober, einmalige Aufführung: Die Blinde von Paris. Rixdorfer Theater Parodie- Theater Bergstraße 147. Mittwoch, den 30. 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Wiederauftreten des Direktors Willi Hagenbeck, welcher von einem Eisbär sehr schwer verletzt wurde ? Java? und die übrigen Schlager des Programms. Tägl. abends 8 Uhr: Gr. Vorstellung. Jeden Sonntag, Mittwoch u. Sonnabend: 2 gr. Vorstellungen, nachm. 4 Uhr u. abends 8 Uhr. Jeden Sonnntag von 11 Uhr vorm. bis 12 Uhr: Besichtigung u. Fütterung d. Raubtiere. Jeden Wochentag ab 10 Uhr vorm. bis 12%, Uhr mittags: Hochinteressante Raubtier Dressur- Proben. Besichtigung und Fütterung der Raubtiere gegen ein Entree von 50 Pf. für Erwachsene und 25 Pf. für Kinder. Bruch- Pollmann empfiehltsein Lager in Bruchbandagen, Leibbinden, Geradehaltern, Spritzen, Suspensorien fomie sämtliche Artikel zur Krankenpflege. Eigene Werkstatt. Liefer. f. Drts- u. Hülfs- Krantenfaffen Berlin N., 24882 jekt Lothringer Straße 60. Alle Bruchbänder mit elastischen Pe loten, angenehm u. weich am Körper. Arbeiter- Bildungsschule Berlin. Zentralverband der Glasarbeiter Zentral- Verband der Zimmerer Schullokal: Grenadierstr. 37, Hof geradezu 1 Tr. Lehrplan für das 4. Quartal 1908. Montag: Naturerkenntnis.( Erster Teil.) Geschichte der Naturerkenntnis. Die Elemente. Auf dem Wege zur Urmaterie. Die unsichtbaren Strahlen, das Radium und die Elektronentheorie. Die Entwickelung des Weltalls. Unser Sonnensystem. Die Sternenwelt. Die Erdzeitalter. Vortragender: Emanuel Wurm. Dienstag: Gesetzeskunde.( Die Rechtsentwickelung im Deutschen Reich.) und Arbeiterinnen Deutschlands. Ortsverwaltung Berlín. und verwandten Berufsgenossen Deutschlands. Zahlstelle Königs- Wusterhausen und Umgegend. Feier des zehnjährigen Stiftungsfestes am 3. Oktober, abends 8 Uhr, in Neumühle bei Hermanns( Bellevue). Von Donnerstag, den 1. Dftober 1908, beträgt der Minimallohn für Buchstaben- und breite Facettenschleifer Gäste, Freunde und Gönner des Berbandes ladet freundlichst ein pro Stunde 67 Pf., für Walzen-, Wagen-, Moraschleifer und 255/4 Polierer 57 Pf. Alles nähere siehe Tarif. Sollte dieser Lohn seitens des Unternehmers nicht gezahlt werden, so ist dies der Ortsverwaltung sofort zu melden. Die Ortsverwaltung. 73/9 J. A.: Paul Weltisch, Markusstraße 47. Arbeiter- Baugenossenschaft Paradies" 1. Der Norddeutsche Bund. Die Reichsverfassung. Reichsgewalt und Einzelstaaten. 2. Der Klassencharakter des heutigen Staates: Monarchie und Bureaukratie. Regierung und Selbstverwaltung. 3. Die Mitwirkung des Volkes. Reichstag und Landtage. Das Staatsbudget. Politische Freiheitsrechte: Vereinigungs-, Glaubens- und Redefreiheit. 4. Wirtschaftliche Freiheitsrechte: Freizügigkeit, Gewerbefreiheit und Koalitionsrecht. Neue und alte Gebundenheit. Innungswesen. Gesinde und Landarbeiter. 5. Das Privatrecht. Entstehung des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Soziale Ansätze und feudale Ueberreste. Handelsrecht. Genossenschaften. 6. Das Familienrecht. Die zu Stellung der Frau. Das Kind. 7. Gerichtsverfassung und Prozeß. Juristen- und Laienrechtsprechung. Gewerbe- und Schiedsgerichte. 8. Das Strafrecht. Strafprozeß. Strafvollzug. Reformbestrebungen. Ausnahmegesetze und Klasserjustiz. 9. Die Gemeindeverwaltung. Klassenherrschaft und Bevormundung. Polizei und Verwaltungsrecht. 10. Das Kirchenrecht. Die katholische und die evangelische Kirche. Der Kulturkampf. Kirche und Schule. Der christliche Staat. 11. Soziale Gesetzgebung. Arbeiterschutz. Arbeiterversicherung. Fragen der Arbeitervertretung und des Arbeiterrechts. 12. Rückblick und Ausblick: Die sozialen Faktoren der Rechtserzeugung Die Mitwirkung der Arbeiterbewegung in Gesetzgebung und Verwaltung. Das Recht als Herrschaftsmittel und als notwendiges Ordnungselement. Sozialismus und Recht Vortragender: Simon Katzenstein. Die Berlin( Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftung). SO. 26, Kottbuser Ufer 44, Hof rechts I. von 8-10 und 4-7 Uhr. Aktiva. Grundstücks- Konto. Debitoren- Konto Inventar- Konto Bau- Konto I. Bilanz am 31. März 1908. • SM. Passiva. 902. 275 680,69 Gesch. Anteil- Konto 19590, 532,23 Pfl.- Sp.- E.-. M.71719,91= 91 309,91 1202,08 Sparfonds- Konto 48 676,63 Darlehensschulden Konto 23 969,29 ypothekenschuldens 146 000, Bau- Konto II Wafferwert- Konto Straßenbau- Konto. Entwässerungsanlagen- Kont. 1 500, Kautions- Konto I S 66 501,43 23 814,40 19 052,15 Stohto I • 18 345,78 Konto II 47 000, Konto III 14 000, " 1 250, Konto IV 15 000, • 100, Stonto V 15 000, 2 238,25 Binj.- Konto I 1 338,30 9 770, • • 2 263,55 Coupon- Konto I 13,60 . II Mittwoch: Gewerkschaftswesen.( Geschichte, Theorie und Rautions- Konto II Bantguthaben- Sonto Praxis der Gewerkschaften.) Vorläufer der Gewerkschaftsbewegung. Die ersten gewerk- Tilgungsfonds- Konto schaftlichen Organisationen in Deutschland. Die Gesetzgebung Stassa- Konto im Kampf gegen die Gewerkschaften. Entwickelung der Gewerkschaften von 1890-1908. Zentralisationsbestrebungen. Partei und Gewerkschaften. Die gegnerischen GewerkschaftsorganiDie wichtigsten gewerkschaftlichen sationen in Deutschland. Strömungen des Auslandes. Taktik der freien Gewerkschaften in Deutschland. Die Weiterentwickelung der deutschen Gewerkschaften. Vortragender: Emil Dittmer. Donnerstag: Rednerschule. 1. Die Bedeutung und Notwendigkeit der freien Rede. Die Grenzen der natürlichen Beredsamkeit. Die Redekunst. Die Rede nach Form und Inhalt. Dispositionslehre. 2. Technische Hilfsmittel: Die Registratur. Die Nachschlage- Bibliothek. Das Manuskript. 3. Praktische Uebungen im Reden und Vortragender: Max Grunwald. Diskutieren. Freitag: Nationalökonomie.( Einführung in die Nationalökonomie. Erster Teil.) Thre Methode. Begriff und Aufgabe der Nationalökonomie. Kauf und Verkauf. Ware, Preis und Geld. Der Wert, Gebrauchs- und Tauschwert. Das Gesetz von Angebot und Nachfrage. Wert und Arbeit. Die gesellschaftlich notwendige Arbeit. Das Maß des Wertes. Die verschiedene Intensität der Arbeit. Der Wert des Grund und Bodens sowie der ursprüng lichen Rohstoffe. Woher kommt der Profit. Profit und Handel. Die Produktionskosten und der Wert. Der Arbeitslohn. Die Lehre vom Mehrwert. Vortragender: Julian Borchardt. Sonnabend: Geschichte.( Geschichte des Sozialismus. I. Teil.) 1. Die Kommunisten des klassischen Altertums. 2. Urchristentum und Kommunismus. 3. Der ketzerische Kommunismus im Mittelalter. 4. Die deutschen Kommunisten der Reformationszeit. 5. Thomas Morus und Campanella. 6. Der Sozialismus in der englischen Revolution. 7. Meslier und andere französische Sozialisten des 18. Jahrhunderts. 8. Morelly. 9. Der Sozialismus und die französische Revolution. 10. Die Verschwörung Babeufs. Vortragender: Dr. A. Conrady. Fortschrittskursus. Dienstag: Historischer Materialismus. Einführung in die historische Methode des wissenschaftlichen Sozialismus. Vortragender: Dr. A. Conrady. Rummelsburg. Donnerstag: Geschichte. Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts.( Erster Teil.) von 1803. 1. Die Situation beim Jahrhundertanfang. Die Palastrevolution in Rußland und die deutsche Fürstenrevolution 2. Die napoleonische Zeit bis zum Zusammenbruch Preußens. 3. Die Kontinentalsperre und der Niedergang Napoleons. 4. Industrielle Revolution und politische Reaktion in England. 5. Deutschland im Zeitalter der heiligen Allianz. 6. Revolution in Spanien, Italien, Griechenland und Amerika. 7. Frankreich bis zur Julirevolution. Die Anfänge des Bourgeoiskönigtums. 8. Deutschland, die Schweiz, Italien und die Niederlande in der Zeit der Julirevolution. 9. Rußland und Polen. 10. England bis zur Reformbill. Vortragender: Dr. A. Conrady. Dieser Kursus findet im Lokal der Witwe Weigel, Türrschmidtstr. 45 statt und beginnt Donnerstag, den 15. Oktober 1908. Lichtenberg. Nationalökonomie. Einführung in die theoretische Nationalökonomie.( Erster Teil.) 1. Die Nationalökonomie als selbständige Wissenschaft. Ihre Einteilung und ihr Objekt 2. Die Entwickelung zur kapitalistischen Weltwirtschaft; Entstehung und Wesen der kapitalistischen Wirtschaftsordnung. 3. Die Ware als Elementarform der kapitalistischen Produktionsweise. 4. Der Gebrauchswert und der Tauschwert der Waren. 5. Geld; Preis. 6. Die Verwandlung von Geld in Kapital. 7. Die Erscheinungsformen des Kapitals. Vortragender: Max Grunwald. Dieser Kursus findet im Restaurant Paul Schwarz, Dorfstraße 25/26 statt und beginnt am Freitag, den 23. Oktober 1908. In Berlin beginnt der Unterricht in Naturerkenntnis: Montag, 12. Oktober; Gesetzeskunde: Dienstag, 13. Oktober; Gewerkschaftswesen: Mittwoch, 14. Oktober; Rednerschule: Donnerstag, 15. Oktober; Nationalökonomie: Freitag, 16. Oktober; Geschichte: Sonnabend, 17. Oktober.. Zum Fortschrittskursus werden nur zirka 20 Teilnehmer zugelassen, welche schon mindestens einen Kursus in Geschichte besucht haben müssen. Meldungen zu diesem Kursus sind bis zum 8. Oktober an den Vorsitzenden zu richten. Jeder Kursus erstreckt sich auf zehn Abende und beginnt pünktlich um 9 Uhr und endet pünktlich um 11 Uhr. Die reichhaltige Bibliothek ist an diesen Abenden von 8-9 Uhr geöffnet. Der Mitgliedsbeitrag beträgt pro Monat 25 Pf.; das Unterrichtsgeld für jedes Fach beträgt pro Kursus 1 Mark und ist spätestens am zweiten Abend zu zahlen. Die Aufnahme neuer Mitglieder und Schüler erfolgt am besten bei Beginn jedes Kursus im Schullokal Grenadierstraße 37, Hof geradezu 1 Treppe, und in nachstehenden Zahlstellen: Gottfr. Schulz, Admiralstr. 40a; Reul, Barnimstr. 42; Vogel, Lortzingstr. 37; Fahrow, Ravenéstr. 6; Horsch, Engelufer 15. Alle Zuschriften sind an den Vorsitzenden Otto Geithner, Berlin NO. 18, Friedenstraße 70 III, rechts, Geldsendungen an den Kassierer H. Königs, Berlin S. 59, Hasenheide 56, zu senden. Der Vorstand. 590,- Schuldverschreib.- Konto I 413 070,56 Kreditoren- Konto. • . Refervefonds Gewinn- u. Berl.-A.( Bewv.) Gewinns und Verlustrechnung. Saldo- Bortrag bom 31. März 1907 Snventar- Konto, 5% Abschr. Geschäftsunkosten- Konto Bin- Konto f. Pfl.- Sp.- Einl. Binj. Stonto für Sparfonds Binf.Konto f. Darlehenschuld Bau- Konto I, Abschreibung 1% bon M. 67 173,16 Hausuntosten Stonto I ypothekenschuld.- 31.- K. II B M. Zinseneinnahmen 382,72 Bachteinnahmen · 63,25 Extrabeiträge u: Eintritts. 3 245,72 gelder 2003,67 Sauserträge( Gebäude1508,89 Konto I) 704,32 Grundstüd- Guthaben- Bins. 671,73 483,60 1880, III " 630, IV V 393,85 218,75 102,42 267,68 12.556,60 Schuldverschreib.- Bins. Sont. Gewinn- u. Berl. No.( Gew.) Haftsumme. Konto. Orts Krankenkasse BorhagenRummelsburg. Bekanntmachung. Die in der Generalversammlung für Der Vorstand. Deutschlands Spezialgeschäft grösstes Bettfedern Erste Bettfedernfab. m. elekt. Betriebe bom 30. April d. 3. beſchloſſenen Gustav Lustig; Statutenänderungen betr. den§ 17, Einführung der Schwangeren- Unters ftügung,§ 18, Erhöhung des Sterbe gelbes,§ 19, Erhöhung der Familienunterstüßung und§ 29, Erhöhung der Beiträge und zwar in der I. Klaffe auf 81 Pf. "" " " II. III. IV. V. 69 17 51 . " 36 " " 24 " " find vom Bezirksausschuß zu Potsdam am 4. August genehmigt worden und treten am 28. September 1908 in Straft.. 277/4 Die Bestimmungen über die Ver ficherungspflicht der selbständigen Gewerbetreibenden( Heimarbeiter) treten am 12. Ottober d. J. in Kraft( Nå heres fiebe Säulenanschlag). Der Vorstand. O. John. Kenner rauchen nur Marke: BERLIN S. 390 Prinzenstr. 46 bersendet geg. Nachnahme garantiert neue und gut entſtäubte, gut füllende Bettfedern p. fd. M. 0.55-1.00-1.25; prima Halbdaunen M. 1.75; Gänse rupffedern Mm. 2.00; prima weiße Gänsehalbdaunen. 2.50-3.00-3.50 echt chines. Monopoldannen M. 2.85, echt russisch. Matador: Gänsedaunen M. 3.50 Von den Daunen genügen 3-4 Pfd. zum groß. Oberbett. Gänsefedern ( a. Neigen) M. 0.60 per fund; Gänse: schlachtfedern, wie fie von der Gans fallen, mit allen Daunen m. 1.50. Proben und Preisliste gratis. Um tausch oder Rücksendung geftattet. Berpackung fostenfrei. Lektjähriger Umfab über 2000 Bentner Bettfedern, von keinem aweiten Betten: u. Betts federngeschäft erreicht. Zeppelin- Zigarre Luftig- Duftig 153/20 194,40 in Originalpackung, gesetzl. geschützt. Feinste 6, 8 and 400,-10 Pf.- Zigarre. Milde und aromatisch. Nachahmung wird gerichtlich verfolgt. Vertretung: Leo Ansbach, Berlin O., 267,68 Blankenfelde Str. 3. 130,75 413 070,56 M. 483,69 1 281,80 2 570,95 8945, 4275.16 12 556,60 932 Gen. • 58 990 Gen. " Mitgliederbewegung. Am 31. März 1907 22 368 M. Eingetreten bis 31. März 1908 1512 Dieselbe betrug am 31. März 1907 verringerte fich im Laufe des Geschäftsjahres um beträgt am 31. März 1908 20 856 M. Geschäftsguthaben. Dasselbe betrug am 31. März 1907 verringerte sich im Laufe des Geschäftsjahres um 2629 beträgt am 31. März 1908 19 590 W. Mithin am 31. März 1908 869 Gen. 22 219 M. Ausgesch. am 31. März 1908 durch Kündig. 114 Gen. burch Ausschluß 1 d. Uebertragung 2 durch Tod 4 121 Arbeiter- Baugenossenschaft Paradies" zu Berlin ( Eingetragene Genoffenfchaft mit beschränkter Haftpflicht) Die Revisionskommission: Der Aufsichtsrat: Paul Schiffle, Borfizender. 127/9 b. Langer, Fr. Zimmermann, Otto Herzog. CARMEN SYLVA Carmen Sylva Cigaretten Beste Qualitäten Partei- Speditionen: Zentrum I: Frik 8inte, Mauerstr. 89. Zentrum II: Albert Hahnisch, Auguststr. 50, Eingang Joachimstraße. 2. Wahlkreis, Westen: Gustav Schmidt, Kirchbachstr. 14, Hoch parterre. Süden und Südwesten: Hermann Werner Gneisenauftr. 72, Laden. 8. Wahlkreis: St. Friz, Prinzenstr. 31, of rechts part. 4. Wahlkrels: Diten: Robert engels, Rüdersdorferstr. 3, am Küftrinerplay. Wilhelm Mann, Petersburgerplak 4( Laden). 4. Wahlkreis, Südosten: Paul Böhm, Laufiterplag 14/15 ( Laden). 5. Wahlkreis: Leo 8 ut, Immanuellirchstr. 12( of). 6. Wahlkreis( Moabit und Hansaviertel): Karl Anders, Salzwedelerstr. 8, im Laden. Wedding: Karl Weiße, Nazarethfirchstraße 49. Rosenthaler und Oranienburger Vorstadt: Hermann Raschte, Aderstr. 36, Eingang Anflamerstraße. Gesundbrunnen: F. Trapp, Stettinerstr. 10. Schönhauser Vorstadt: Karl Mars, Lychenerstr. 123. Alt- Glienicke: Wilhelm Dürre, Rudowerstr. 83 II. Der Vorstand: Charlottenburg: Gustav Scharnberg, Sesenheimerstraße 1, Ede D. Dppenborn, Borfizender. 6. Dorner, P. Müller. Ein Triumph der Zigaretten- Fabrikation! Selowsky's Caruso Zigaretten nur. 3 Pf. per Stück! Reichel's echter Wacholder- Extrakt Marke ,, Medico" wird mit vielseitigem Erfolge gegen Rheumatismus, Gicht, Jochias, Hämorrhoiden, Magenschwäche, Frauenleiden, Blasen und Nierenleiden, Sustenleiden, Asthma 2c. gebraucht, ist schleimlösend auf Brust und Lunge, treibt Erkältungen aus dem Körper, regt Appetit u. Verdauung an und ist ein Blutreinigungsmittel fondersgleichen. Unerreicht in seiner, für alle Teile des Organismus wohltätigen Wirkung. Taufende verdanken ihm ihre Gesundheit! In Flaschen a 75 Pf., 1,50 und 2,50, große Blechkanne M. 6,-, einzig echt von Berlin$ 0. 43, F.- Anschlüffe Otto Reichel, Eisenbahnstr. 4. IV. 4751, 4752, 4753. Wo in den Drogerien und Apotheken nicht erhältlich, hier frei Haus. Warnung: Dan berlange aus Medico und nehme feinesfalls andere Füllungen. Goethestraße, Laden. Wilmersdorf- Halensee: ille, Sigmaringenstr. 5. Lichtenberg, Friedrichsfelde, Wilhelmsberg: Seitel, Kronprinzenstraße 4, I. Dtto Rummelsburg, Boxhagen: A. Rofentra na At- Borhagen 56. Grünan: Franz Klein, Bahnhofftr. 6 III. Bohnsdorf und Falkenberg: 6. Pfeifer, Bohnsdorf, Ge nossenschaftshaus. Rixdorf: M. Heinrich, Nedarstraße 2, im Laden. Schmargendorf: Guftab Staminsty, Cunostraße 2. Schöneberg: Bilhelm Bäumler, Martin Lutherstr. 51, im Laden. Tempelhof: M. Müller, Berlinerstr. 41/42. Ober- Schöneweide: Julius Grunow, Edisonftr. 10, L Nieder- Schönewelde: Bonatowsty, Hasselwerderstr. 8. Johannisthal: Bielide, Raiser- Wilhelm- Platz 4. Adlershof: Erich Steuer, Hadenbergstr. 5, II. Königs- Wusterhausen: Friedrich Baumann, Amtsgarten 8. Köpenick: Friedrich Woid, Miezerstr. 6, Laden. Friedrichshagen: Reinhold Schmidt, Wilhelmstr. 53. Friedenau- Steglitz- Südende:. Bernfee, Schloßftr. 119, Hof I, in Steglik. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: 5. Mohr, Düppelstr. 32, und Fr. Schellha se, Ahornstr. 15 a. Mariendorf: Hermann Reichardt, Kurfürstenstr. 34. Baumschulenweg:. ornig, Marienthalerstr. 13, I. Treptow: Rob. Gramenz, Stiefholzstraße 412, Raden. Neu- Weißensee: urt Fuhrmann, Sedanstr. 105, parterre. Reinickendorf. Ost, Wilhelmsruh und Schönholz: B. Gurich, Grünerweg 46 I. Tegel, Borsigwalde, Wittenan Waidmannslust, Hermsdorf und Reinickendorf- West: Paul Stienaft, Borfigwalde, Näuschstraße 10. Pankow- Niederschönhausen: Mühlenstr. 73. Bernau Röntgental: Heinrich Brose, gobesteinstr. 74, part. Eichwalde, Zeuthen, Miersdorf und Hankels Ablage: Erich 8immermann, Eichwalde, Kaiser- Friedrich- Straße 8. Teltow: Wilhelm See Bler, Hohersteinweg 7. Nowawes: Wilhelm Jappe, Priesterstr. 46. Spandau: öppen, Jagowstr. 9. Mahlsdorf und Kaulsdorf: Hugo Scheibe, Mahlsdorf Balderfeestr. 14. Sämtliche Parteiliteratur sowie alle wissenschaftlichen Werke werden geliefert, Annahme von Juferaten für den ,, Vorwärts". Bitte ausschneiden. Problem 245/1 Mitglieder- Versammlungen der Sozialdemokrat. Wahlvereine Groß- Berlins und Umgegend. Dienstag, den 29. September, abends 8% Uhr: 1. Kreis. Dräsels Festfäle( Inh. Kochmann), Neue Friedrichstraße 35. 2. Kreis. Bockbrauerei( großer Saal, Tempelhofer Berg. 3. Kreis. Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15. 4. Kreis. Kellers Festfäle( Inh. Freyer), Koppenstraße 29. 5. Kreis. Altes Schükenhaus, Linienstraße 5. 6. Kreis. Germania- Prachtsäle, Chausseestraße 110. Charlottenburg. Volkshaus, Rosinenstraße 3. Rixdorf. Hoppes Festfäle, Hermannstraße 49. Schöneberg. Grosser( Obsts Festfäle), Meininger Straße 8. Wilmersdorf. Luisenpark, Wilhelms- Aue 112. Zehlendorf. Mickley, Potsdamer Straße 25. Friedrichsfelde. Schulz, Wilhelmstraße 11. Ober- Schöneweide. Wilhelminenhof, Wilhelminenhofstraße. Tages- Ordnung: 1. Berichterstattung vom Nürnberger Parteitag und Diskussion. 2. Bericht von der Brandenburger Provinzialkonferenz und Diskussion. 3. Mitteilungen. 205/17 TF In Charlottenburg außerdem: Aufstellung der Kandidaten zur Stadtverordnetenwahl. Zu allen Versammlungen legitimiert das Mitgliedsbuch des betreffenden Wahlvereins! Erscheinen ist Pflicht! Sonntag, den 4. Oftober 1908, mittags 12 Uhr: Geffentliche Protestversammlung im Feenpalast( Palaft- Theater), Ece Burgstr. u. St.- Wolfgang- Straße. Zeges Orbaung: Los von der Kirche und der nicht Kirchensteuer bezahlenden Geistlichkeit! Randtags und Stadtverordneter Adolf Hoffmann. Freie Distuffion. Referent: Die Geistlichleit und die Synodalvertreter der Stirchen find zu dieser Bersammlung besonders eingeladen. Gefinnungsfreunde! Sorgt für Wassenbesuch auch unserer Frauen und Mädchen! Bur Dedung der Unkosten wird ein Entree von 10 Pf. pro Person erhoben. Der Einberufer: Adolf Harndt, Berlin O., Rüdersdorfer Straße 48. 62/5 Die Vorstände. Zentralverband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. Mittwoch, den 30. September 1908, abends 8%, Uhr, in den Neuen Arminhallen, Kommandantenftr. 58/59: Außerordentliche General- Verfammlung. gerbung: 1. Bericht über die Tarifverhandlungen mit dem Verband der Berliner Beton- und Eisenbeton. baugeschäfte. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Bahlreichen Besuch erwartet 909 Mitgliedsbuch legitimiert. 139/ 13* Der Sektions- Vorstand. ettfedern, Deutscher Metallarbeiter- Verband. Betten, kauf. Sie am besten Hornstr.2 b. Neumann. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Sauptbureau: Charitéstraße 3. of III. Amt 3, 1987. Yon Königs- Wusterhausen of L. Smt 8, 1239. Deutscher Holzarbeiter- Verband| Konsum- Genossenschaft von Königs- Wusterhausen Ortsverwaltung Berlin. Laden- und Kontormöbel- Branche. Dienstag, den 29. September, abends 8, hr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 270: Branchen- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Vortrag über: Die Lage in der Berliner Holzindustrie". Referent: Stollege Langhammer. 2. Branchen und Werkstattangelegenheiten. Einsetzer. Mittwoch, den 30. September, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 7: Branchen- Verfammlung. Zages Ordnung: 1. Besprechung über die Delegiertenwahl zu den Generalversammlungen. 2. Berbandsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Perlmutter-, Horn-, Steinnuß- KnopfArbeiter und Arbeiterinnen. Mittwoch, den 30. September 1908, abends pünktlich 6 Uhr: Branchen- Verfammlung = im Gewerkschaftshause, Engelufer 15( Gaal 5). Tages- Ordnung: 1. Die am 1. Oftober in Kraft tretenden Menberungen bes Verbandsstatuts. 2. Branchenangelegenheiten. 91/4 Hygienische Blumen- und Kranzbinderei Bedarfsartikel. Neuest. Katalog Empfehl.viel.Aerzte u.Prof. grat. u.f H. Unger, Gummiwarenfabrik Berlin NW Friedrichstrasse 91/92 Don Robert Meyer, Un Raffa Ronto · und Umgegend. ( Eingetragene Genossenschaft m. b.§.) Bilanz am 30. Juni 1908. 191,24 M. Per Geschäftsantell Konto 4950,87 " Referbefonds- Konto Lieferanten Konto Darlehen- Konto Barenbestand zum Einkaufswerte. Inventar Konto nach Abzug von 10 Broz. 2323,31 Wechselkassen- Konto 50, Einrichtungs- Konto 630, Summa 8145,42 WR. Mitgliederbewegung. Mitgliederbestand am 1. Juli 1907. 1907/08 beigetreten 1907/08 ausgefchieden • a . Reingewinn.. 9 18 Dienstag, 29. September, abends 8 Uhr: Versammlung 8492,50 m. aller in der Gold- und Silberwaren- Industrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen 69,65 3331,34 • 500, 751,93 Summa 8145,42 M. 60 Mitglieder Mitgliederbestand am 1. Juli 1908 Geschäftsguthaben: Das Geschäftsguthaben betrug am 1. Juli 1907 und am 1. Juli 1908 Bunahme Saftsumme: Die Haftfumme betrug am 1. Juli 1907 und am 1. Juli 1908 • 4 203 mebr 42 in Kellers Neue Philharmonie, Köpenicker Straße 96/97. Zages Drdnung: 1. Der gegenwärtige Stand unserer Tarifbewegung. Referent: Sollege Handke. 2. Disfuffion. 122/13 DS Sollegen und Kolleginnen! Bir ersuchen Sie, vollzählig und pünktlich zu erscheinen 245 Mittwoch, 30. September, abends 6 Uhr: 2722,-. 8492,50 770,50 4060,-. Versammlung der chirurgischen Branche 4900,- im großen Saale des Rosenthaler Hof, Rosenthaler Str. 11/12. . Die Haftsumme hat sich vermehrt um 840,-. Königs Wusterhausen, den 24. Auguft 1908. Der Vorstand. Bilhelm Pleities. Otto Friedland. Mag Dft. Für den Aufsichtsrat: Dtto Klein. Begründet 1873 127/10 Zages Drbnung: 1. Bortrag des Genoffen Dr. Weyl: as follen wir effen und trinten? 2 Distuffton. 3. Branchenangelegenheiten und Berschiedenes. 4. Bahl eines Agitationsmitgliedes. Zahlreicher Besuch wird erwartet! Hut- Salinger Begründet 1873 Mittwoch, 30. September, abends 8 Uhr: Engros Spezialhaus für Neuheiten Export in Filzhüten, weich und steif, Zylinderhüten, Chap. claques usw. Einzelverkauf zu sehr billigen u.streng festen Preisen. Bezirks- Versammlung für Steglitz und Umgegend bei Schellhaase, Steglitz, Ahornstraße. Zages Drbnung: 1. Bericht der Gewerbegerichtsbeifizer, der Kartellbelegierten und bes Begirisleiters. 2. Neuwahl der Bezirksleitumg. 8. Berbandsangelegenheiten. nur Mariannen- Straße 2. Neue Königstr. 48, 1 Treppe, am Alexanderplatz. Die wichtige Tagesordnung erfordert das Erscheinen sämtlicher Kollegen! Reparaturen werden sauber und billig ausgeführt. Die Ortsverwaltung. Berantwortlicher Rebatteur: Georg Davibjohn, Berlin, Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW Nr. 228. 25. Jahrgang. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Dienstag, 29. September 1908. Um die Einführung des AchtuhrLadenschlusses zu verhindern, bersuchen die Gegner desselben in einer Eingabe an den Polizeipräsidenten diesen zu veranlassen, nicht der großen Masse der Ladeninhaber, die den Achtnhrschluß durch ihre Abstimmung wünschen, Rechnung zu tragen, sondern der kleinen Anzahl der Gegner entgegenzukommen. Bekanntlich haben 17 951 Inhaber offener Ges schäfte für und 6722 gegen den Achtuhrschluß gestimmt. Dieses Resultat ficht aber die Gegner in keiner Weise an; sie haben sich zu einer Vereinigung von Geschäftsinhabern aller Branchen in GroßBerlin gegen den Achtuhr- Ladenschluß" zusammengetan und weil ste bei der erfolgten Abstimmung so schlechte Geschäfte gemacht haben, bestürmen sie nun den Polizeipräsidenten, seinerseits ihnen den Gefallen zu erweisen und den Achtuhrschluß nicht zu verfügen. In einer Eingabe begründen sie dieses Verlangen wie folgt: gestellten ihren Ausdruck in folgendem Beschluß: Ireits um 7 Uhr früh ihre Läden öffnen zu wollen. Mit dieser Verhältnisse davon zurüdfamen. So fand die Erregung der AnDrohung werden die Leutchen feinen Eindruck machen, am allerwenigsten aber den von zahlreichen Geschäftsleuten und Angestellten so sehnlichst erwarteten Achtuhrschluß verhindern fönnen. Wir hoffen daß er nicht mehr lange auf sich warten laffen wird und zwar ganz allgemein, ohne jebe Ausnahme. Das städtische Pflegeperfonal über die Anitaltskoft. " Die am 24. September zahlreich versammelten Angestellten und Arbeiter des Krankenhauses am Urban haben empört Kenntnis genommen von der Maßregelung des Kollegen Greshus. Sie erblicken in derselben einen gegen ihre Organisation ge führten Gewaltstreich und brandmarken diesen als einen gesetzwidrigen Eingriff der Direktion in das Koalitionsrecht. Ganz besonders verurteilen die Versammelten das jeder Stollegialität Hohn sprechende Gebaren einiger Angestellter, die fich als Angeber und Verräter gegen den Gemaßregelten von der Direktion gebrauchen ließen. Partei- Angelegenheiten. Die Versammelten versichern troballedem, daß sie niemals dem Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter untreu werden, vielmehr nun erst recht für dessen Stärkung energisch eintreten werden, Aus den Kreisen städtischer Arbeiter wird uns geschrieben: da gerade die letzten Vorkommnisse in den Berliner Pflegeanstalten Wie stets bei gleichen Gelegenheiten ist auch bei dem in letter und auch der vorliegende Fail ihnen beweisen, wie bitter notwendig Beit die Oeffentlichkeit beschäftigenden Fleischbergiftungsstandal im eine machtvolle Organisation für das Pflegepersonal ist." Birchow- Krankenhause alles versucht worden, um die mit Recht ausDemnach werden also die Versuche des Herrn Diesener, der gebrochene Empörung zu beschwichtigen. Nach Meinung der am Organisation ein Bein zu steden, in das Gegenteil auslaufen und Werke befindlichen freiwilligen Beschwichtigungs- Hofräte des Ma- hoffentlic, bald dazu beitragen, daß auf diese Provokationen eine gistrats ist die Virchow- Affäre als ein Ausnahmefall" anzusprechen, fräftige, empfindlichere Antwort folgt. Wenn überhaupt nicht alle Wenn zwei Drittel der Ladeninhaber für den Achtuhr- Laden- ber nur beweist, daß im übrigen alles aufs beste geordnet ist. Wie Arzeiden trügen, so haben die jüngsten Ereignisse dem zu einean schluß gestimmt haben, so bitten wir, überzeugt zu sein, daß diese irreführend diese aus Unwissenheit oder wider besseres Wissen erheblichen Zeil noch indifferenten Personal der Pflegeanstalten Stimmenzahl unter feiner Bedingung der wirklichen Stimmung in aufgestellten Behauptungen waren, ist bereits wiederholt gezeigt die angen geöffnet und ihm die Notwendigkeit gewerkschaftlicher der Berliner Geschäftswelt entspricht. Jene Zahl repräsentiert worden. Einen erneuten Beweis dafür, daß nicht ein Einzelfall Betätigung nachdrücklich klaczemacht. vielmehr, das unterliegt feinem Zweifel, nur die Stimmen der vorliegt, sondern daß in einem völlig verfehlten System die Leben gutfituierten Geschäftsinhaber, d. h. der Besitzer der mittleren, und Gesundheit der Beteiligten bedrohenden Mängel wurzeln, ergroßen und größten Geschäfte und solcher fleineren Geschäfts- brachten die hierin ohne Zweifel zu einem Urteil berufenen AnInhaber, die nicht arbeiten mollen. Die erdrückende Mehrzahl der gestellten der städtischen Pflegeanstalten. Eine Anzahl derselben Berliner Ladenbefizer will nnd muß arbeiten, weil ihre Ver- hatte die Ortsverwaltung des Gemeindearbeiterverbandes aufgehältnisse sie dazu zwingen. Sie sind deshalb gegen den Achtuhr- fordert, ihnen Gelegenheit zur Aeußerung über die BeköstigungsLadenschluß. frage vor der Deffentlichkeit zu geben. In acht sehr gut besuchten Achtung! Auf die heutigen Wahlvereinsber. Man sollte nun annehmen, daß die Abstimmung dies hätte Versammlungen ist dies in den letzten Tagen geschehen. Und so- fammlungen in den sechs Berliner Kreisen und denen in der zum Ausdruck bringen müssen. Wenn das nicht der Fall ist, so wohl die Angestellten und Arbeiter der Krankenhäuser Moabit, Annonce angegebenen Vororte machen wir besonders aufliegt es einzig und allein an dem Eingreifen der Sozialdemokratie! Friedrichshain, Urban und Virchow, als auch der Frrenanstalten merksam. In welchem Umfange diese Zehntausende von Inhabern der Dalldorf, Herzberge, Buch und der Anstalt für Epileptische Wuhlfleinen und fleinsten offenen Verkaufsstellen vergewaltigt und ge- garten sprachen sich bei der Diskussion in ihren Versammlungen zwungen hat, für den Achtuhr- Ladenschluß zu stimmen, ist Ew. einmütig dahin aus, daß überall mehr oder weniger gleich standa Hochwohlgeboren sicherlich bekannt, weshalb wir wohl darauf ver- löse Bustände in der Kost herrschen, die nur eine durchgreifende zichten können, an dieser Stelle den Beweis dafür zu erbringen. Reform beseitigen kann. Denn bei den Praktiken, die von den Diese fleinen Leute, die fast ausnahmslos ohne Angestellte arbeiten, Dekonomieverwaltungen der Anstalten geübt werden und wie sie haben daher blutenden Herzens für den Achtuhr- Ladenschluß stimmen in den Debatten unter dem Beifall der Versammelten vielfach in müssen, wenn sie nicht ruiniert sein wollten; es gab feinen drastischer Weise charakterisiert wurden, helfen Magistratsverfü Ausweg für sie, wie jedermann bestätigen wird, der die Berhältnisse gungen, um die sich erfahrungsgemäß von den nachgeordneten Inin den von Arbeitern und von sogenannten fleinen Leuten be- stanzen tein Teufel fümmert, rein gar nichts. Eine strenge und Charlottenburg. Heute abend, 8 Uhr, findet im großen Saale wohnten Straßen fennt, in denen völlig fleinstädtische Verhältnisse vor allem absolut unbefangene Kontrolle der Küchenverwaltungen des Boltshauses die Generalversammlung des Wahlvereins statt. herrschen und einer unter dem Einfluß des andern steht. Viele tut bitter not. Die Anstaltsdirektionen sind hierzu ganz und gar Die Tagesordnung lautet: 1. Bericht vom Parteitag. Referent Hunderte von Anhängern der Sozialdemokratie- das steht fest nicht geeignet. Hat doch ein Anstaltsdirektor am Versammlungstage Reichstagsabgeordneter Fri 3ubeil. 2. Aufstellung der Kandihaben wochenlang gearbeitet, um diese kleinen Geschäftsinhaber schnell eine Kostprobe genommen, diese natürlich vorzüglich" be- daten zur bevorstehenden Stadtverordnetenwahl in der 5. und einzuschüchtern, und wenn diese es trotzdem gewagt hatten, gegen funden und dann hämisch erklärt, daß ja nun wohl in der Ver- 8. Gruppe. 3. Vereinsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. den Achtuhr- Ladenschluß zu stimmen, sie nach Einsicht in die Ab- fammlung am Abend nicht wird geschimpft" werden können. Daß stimmungslisten auf den Polizeibureaus gezwungen, ihr Votum zu die betreffende Küchenleitung angesichts der augenblicklich hochändern. gehenden Wogen in der Deffentlichkeit schlauerweiſe jeßt nicht fündigen wird dieser gescheite Gedanke ist dem Herrn Direktor nicht gekommen. Solche und ähnliche Dinge tamen in allen Versammlungen zum Ausdruck und bewiesen, wieviel mehr noch als die Patienten das Angestelltenpersonal unter der teils ungenügenden, teils jammerschlechten Kost zu leiden hat. Für das letztere ergibt daher der Virchow- Skandal und die Art, wie man den Mißständen abhelfen" will, einen neuen Beweis für die Notwendigkeit einer grundlegenden Umgestaltung des Arbeitsverhältnisses, wie sie in der nachstehenden, in allen Versammlungen einmütig botierten Resolution berlangt wird: Nur durch diese empörenden Machinationen ist jene Zahl er reicht worden, die befürchten läßt, der Achtuhr- Ladenschluß werde berfügt werden. Wir bitten Ew. Hochwohlgeboren deshalb, der Sozialdemokratie diesen Triumph nicht zu gönnen, sondern ihn auf Grund der Bestimmungen der Gewerbeordnung zu vereiteln und jener Partei zu beweisen, daß nicht Macht vor Recht geht! Wir haben das felsenfeste Vertrauen zu Ew. Hochwohlgeboren, als einen langjährigen und genauen Kenner dieser und der reichshauptstädtischen Verhältnisse, daß es angesichts der geschilderten Sachlage bei den bisherigen Bestimmungen für den Ladenjchluß bleibt, auch wenn eine Zweidrittelmajorität dagegen ist. Ew. Hochwohlgeboren würden damit den tiefgefühlten Dank. bon zehntausenden schwer ringender Familienbäter ernten, die arbeiten müssen, wie es die zuverlässigen Elemente des deutschen Volfes, Gott sei Dant, noch alle wollen, eingedent des Wahrwortes: " " Deutsch sein, heißt arbeiten.". " Die zahlreich versammelten Angestellten der städtischen Pflegeanstalten sind entrüstet über die neuesten Vorkommnisse im Virchow- Krankenhause bezüglich der Anstalts- Beköstigung. Mit Entschiedenheit weisen die Versammelten die von der offiziösen Preffe der Oeffentlichkeit gegenüber beliebten Beschönigungsversuche zurück und erklären ausdrücklich, daß die im genannten Krankenhause zutage getretenen, Leben und Gesundheit gefährdenden Mißstände keineswegs vereinzelt dastehen. Jm Gegenteil ist festzustellen, daß die Verpflegung in den städtischen Pflegeanstalten stets und immer ungenügend war und dem Personal zu den lebhaftesten Klagen dauernden Anlaß gibt. Die Versammelten sehen in dem Kost- und Logisawang die Ursache dieser und vieler anderer schwerer Schäden ihres Arbeitsverhältnisses und fordern daher fategorisch eine durchgreifende Reform mit dem Ziele der Beseitigung jenes unhaltbaren und unzeitgemäßen Entlohnungssystems." Da die Berichterstattungen vom Nürnberger Parteitage und der Brandenburger Konferenz auf der Tagesordnung stehen, so erwarten wir, daß die Genossen und Genofsinnen zahlreich erscheinen. Mitgliedsbuch des betreffenden Wahlvereins legitimiert. Die Vorstände. Schöneberg. Die Versammlung des Wahlvereins findet heute abend 8 Uhr in den Neuen Rathausfälen, Meininger Straße 8, statt. Die Tagesordnung lautet: Bericht vom Nürnberger Parteitag. Wahl eines Kassierers und Schriftführers. Wahl einer Genossin in den Vorstand. Vereinsangelegenheiten. Der Vorstand. Wilmersdorf- Halensee. Heute abend 8 Uhr findet im„ Luisenpart", Wilhelms- Aue 112, die Mitgliederversammlung Tagesordnung: 1. Bericht vom bes Wahlvereins statt. Parteitag, Referent: Genosse Groger. 2. Abrechnung vom 3. Quartal. 3. Vereinsangelegenheiten. Der Vorstand. Reinickendorf- Dft. Heute abend 8 Uhr findet im Restaurant Sabau, Residenzstr. 124, eine Mitgliederversammlung statt. Tagesordnung: Bericht vom Parteitag. Der Vorstand. Reinidendorf- West. Heute abend 8 Uhr findet in den Eichbornsälen, Eichbornstr. 60, eine Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Vortrag des Genossen Störmer. Die Parteigenoffen, welche noch Billetts vom Stiftungsfest abs zurechnen haben, werden dringend ersucht, dies in der Versammlung zu tun, sonst gelten dieselben als verkauft. Karlshorst. Mittwoch, den 30. September, Wahlvereinsversammlung im Fürstenbad", Inhaber Bartels. Tagesordnung: Berichterstattung vom Parteitag. Referent Kurt Rosenfeld. Biesdorf. Dienstag, den 29. September, Versammlung im Lokal des Herrn Berlin, Marzahner Straße. Die Königs- Wusterhausen und Umgegend. Am Mittwoch, 80. Septбr., abends 8 Uhr, findet im Lokal von Schumann in Wildau die Fortfegung der Mitgliederversammlung von voriger Woche statt. Bezirksführer werden ersucht, in der Versammlung mit ihrem Material abzurechnen. Berliner Nachrichten. Die Zukunft des Aquariums. Die Verfasser dieser Eingabe glauben ihrem Ersuchen den wirkungsvollsten Nachdruck zu verleihen, indem sie fühn und led nach dem Herrn Stadtrat Weigert behaupten, die große Zahl der Stimmen für den Achtuhr- Ladenschluß sei erzwungen, und vor allem durch die Sozialdemokratie erzwungen. Die Herren glauben damit auf den Polizeipräsidenten Eindruck machen zu können, denn wo wäre heute eine Behörde, die solche Einwände unberücksichtigt ließe. Natürlich ist diese Behauptung purer Unsinn, denn alle Handlungs, gehilfenverbände, selbst der antisemitisch angehauchte Verband der " Deutschnationalen" fordert die Einführung des Achtuhr- Ladenschlusses. Eine ganz besondere Art, die von den Angestellten bitter empfunVor allem aber wünschen die Geschäftsinhaber selber im eigendsten benen Mißstände aus der Welt zu schaffen, ist dem Direktor Diesener Interesse den früheren Ladenschluß. Bum Beweise hierfür beziehen vom Strantenhause am Urban eigen. Dieser seiner Meinung wir uns auf einen Artikel im Konfettionär im Monat nach natürlich" für seine Untergebenen sorgende Beamte hat Juni, in dem es hieß: schon wiederholt in den Versammlungen der Angestellten der geWir brauchen den Achtuhr- Ladenschluß nötig, mehr als Zehn- nannten städtischen Musteranſtalt" eine Rolle gespielt. Ihm ist tausende des Umsatzes, mehr als Taufende des Reingewinns, wir die Reichsgewerbeordnung ein Schemen und feierliche Versicherungen brauchen den Achtuhr- Ladenschluß für uns, für unsere Frauen und des Oberbürgermeisters Kirschner im Roten Hause über die UnanDie Berichterstattung vom Nürnberger Parteitag Kinder. Wir wollen eine Stunde früher Mensch sein können und tastbarkeit des Koalitionsrechts in den städtischen Betrieben sind unseren Kindern widmen. Auch das öffentliche und politische Leben diesem Eiferer Schall und Rauch. Jede Organisationstätigkeit sucht wird in den heute in allen Berliner Kreisen und einer Reihe wird gewinnen. Die so oft beklagte Teilnahmlosigkeit der Kauf- er im Keime zu ersticken durch rücksichtslose Maßregelung der VerTeute an gemeinsamen und allgemeinen Interessen wird schwinden. trauensleute, und wenn ihm der Erfolg dabei nicht so hold her, bon Vororten einberufenen Versammlungen erfolgen. Wichtige Die Einwände der Gegner find wegen ihrer Kleinlichkeit bisher io liegt das an der alten Wahrheit, daß Druck Gegendrud erzeugt. innere Parteifragen sind es, die heute abend die Genoffinnen einer Widerlegung nicht gewürdigt worden. Gewiß, die Friedrich- Jetzt scheint den Herrn der Ehrgeiz zu plagen, von den städtischen und Genossen beschäftigen. Es ist deshalb dringend wünschensstraße wird nach 8 Uhr etwas dunkler werden, so wie sie jetzt nach Betriebsdirigenten in der Maßregelungswut den Rekord zu stellen; wert, daß sich unsere Parteimitglieder recht zahlreich an ben 9 Uhr aussieht. Was macht aber diese Stunde aus? London, Hamburg, denn er hat durch den neuesten Fall es auf drei im lebten Jahre Versammlungen beteiligen. Frankfurt a. M., München, Dresden usw. haben das alles schon längst. gebracht. Nur diesmal hat man sich nicht erst die wahren Gründe Enthusiasmiert schreiben die Kollegen über den Achtuhr- Ladenschluß, zu bemänteln bemüht, sondern dem am Freitag entlassenen Ver Eine Million, nämlich 25 000 m. jährliche städtische Beihilfe an niemand will ihn mehr missen, der ihn hat. Gewiß wird einmal trauensmann Greschus hat der Herr Direttor rund und nett er. jemand, der in Gesellschaft fährt, die Düte Pralinees und das flärt, daß er denselben wegen seiner Propaganda für die Organi das Berliner Aquarium auf die Dauer von 40 Jahren verlangt eine Bufett Blumen nach 8 Uhr nicht mehr kaufen, oder der Fremde fation rausschmeißt". Hier ist also mit„ bewundernswerter" vom Stadtverordnetenausschuß gebilligte Magistratsvorlage, die am den Wäschekragen, er kann dies schon heute nach 9 Uhr nicht. Offenheit der Bruch der Getverbeordnung zugestanden worden. Was macht, wie gesagt, die Stunde aus? Sollen die 27 000 Natürlich beruft sich der Direktor dabei auf seinen Schein- den Donnerstag zur Beratung gelangen foll. Das Verlangen ist ein Geschäftsinhaber mit mehr als 80 000 Angestellten, die bereits für städtische Betriebe aufgestellten Grundsatz, daß innerhalb der eigenartiges. Die Kommanditgesellschaft auf Aftien, Berliner cinmal für den Achtnhr- Ladenschluß geftimmt haben, die Fessel selben nicht agitiert werden dürfe. Doch nur ein Kindstopf tann Aquarium Dr. Hermes u. Cie., ist am 28. März in Liquidation gelänger tragen, weil hin und wieder in einer Uebergangszeit einen solchen Grundsatz gelten laffen in einem Betriebe, to dem treten. Die Norddeutsche Bodengesellschaft hatte in den letzten Gerade jene Geschäfte Personal die Ausübung des Koalitionsrechts durch den Kost- und Jahren den größten Teil der Aktien der Aquariumgesellschaft anan der Peripherie, die kleinen Warenhäuser, Blusen-, Damen- Logiszwang, der die Angestellten fast dauernd interniert, un nöglich gekauft, um das im Laufe der Jahre im Werte erheblich gestiegene die gemacht würde. Ganz besonders interessant ist gegenwärtig die Grundstück Schadowstr. 14 vorteilhafter zu verwerten. Die BodenPuzgeschäfte, Geschäfte, Herrenkonfektions- und 60-70 Prog. ihrer Einnahmen jetzt von 7-9 Uhr haben, ber Maßregelung des Angestellten Greschus durch ihren unmittelbaren ficherten uns: Wir fehnen uns nach dem Achtuhr- Ladenschluß. Wir Anlaß. Derselbe hatte nämlich zu der wie schon oben erwähnt gesellschaft hat sich verpflichtet, die noch nicht in ihren Händen bewissen, daß wir dann nicht von 6-8, wohl aber von 4-8 1hr Beköstigungsfrage die Verteilung der Einladungen an die Kollegen lebende Inventar des Aquariums, dessen Eigentümerin sie durch den auch für den Urban einberufenen Versammlung in Sachen der findlichen Aktien zum Preise von 150 Proz. zu übernehmen. Das die Hauptzeit haben werden. In den Vereinen der hiesigen übernommen und siehe da: Herr Diesener verbesserte die Kost Kauf wird, will sie unentgeltlich zur Verfügung des Dr. Hermes Detailgeschäfte unserer Branchen- die leider erst im letzten Jahre auf seine Weise, indem er G. vor sich beschied und ihm eröffnete, stellen. Die Auflösung des Aquariums an der alten Stelle soll zum begründet sind haben Majoritäten von 65-98 Proz. für den Achtuhr- Ladenschluß gestimmt. Wer also noch nicht gestimmt hat, daß er munmehr„ rausgeschmissen" werde. Ein paar Denunzianten 1. Ottober 1909 erfolgen. Nun soll die Stadt, die schon bisher ergebe feine Stimme für den Achtuhr- Ladenschluß, und wer schon feelen, denen es bei den Fleischtöpfen des Urban sehr gut gefällt, hebliche Buschüsse( seit einigen Jahren 23 000 m. jährlich) geleistet bagegen gestimmt hat, überlege fich die Sache. Er tut sich und weil sie auf Kosten der Patienten" sehen" sollen, wo sie bleiben" hatte, nachdem das Institut durch den beschriebenen Ankauf -hatten sich durch G., belästigt" gefühlt und waren flugs gelaufen, und die Liquidation Allgemeinzwecken aus den Händen geseiner Familie den größten Gefallen." ihren Judaslohn einzuheimsen. Es erübrigt sich wohl noch darBesser können die fadenscheinigen Redensarten der Protestler über zu reden, wie wundervoll bei solchen Brattiten es im Urban wunden ist, eine Million hergeben, damit abermals nicht widerlegt werden, als durch die obigen Darlegungen, die die bestellt ist. Hinaus mit den Unzufriedenen und man fann ruhig ber einer Erwerbsgesellschaft das Aquarium dann zufällt. Das ist Ansichten der großen Mehrheit der Freunde des Achtuhr- Ladenschlusses sichern: Mißstände sind der Verwaltung nicht bekannt, um so mehr, ein Vorschlag, gegen den mit Entschiedenheit protestiert werden muß. wiedergeben. als ja ein Arbeiterausschuß solche nicht vortragen fann, weil das Die Sachlage steht so: Die Verwaltung des Zoologischen Gartens Die Gegner scheinen auch selbst die Schwäche ihrer Bofition zu gänzlich unbrauchbare Wahlreglement diese bielgerühmte Infti- ist bereit, einen Platz von 65 zu 35 Meter am Kurfürstendamm fühlen, wissen sie doch ganz genau, daß wir heute noch keine Sonn- tution hier nicht zustande kommen läßt. Wie die Angestellten des von dem ihr nicht gehörigen, sondern vom Staat unentgeltlich zur tagsruhe und feinen Neunuhrschluß hätten, wenn ihre Argumente urban denken, haben sie in einer nach der Maßregelung fofort ein Verfügung gestellten Terrain zur Errichtung eines Aquariums aur berufenen Versammlung am Donnerstagabend ausgesprochen. Es maßgebend gewesen wären. Die Herren wissen auch, daß Groß- fehlte nicht viel, so wäre der Gewaltakt der Direktion mit einer Verfügung zu stellen, wohingegen der Staat ihr ein gleich großes Berlin bei Einführung des Achtührschluffes hinter zahlreichen anderen Arbeitsniederlegung beantwortet worden. Nur dem Eingreifen Stüd Tiergartenland überweist. Dies freundliche Entgegenkommen, deutschen Städten herhumpelt. Und weil sie das wissen, greifen sie des Organisationsleiters Genossen Wuzky ist es zu danken, daß ein ihr nicht gehöriges Stück Land gegen Entschädigung durch ein zur Drohung. Sie drohen, bei Einführung des Achtuhrschlusses be- die Befürworter des Streits mit Rücksicht auf die wirtschaftlichen anderes Stück will aber die Verwaltung des Zoologischen Gartens und nur unter der Bedingung betätigen, daß nach vierzig Jahren das| Doch die Freisinnigen waren hierfür nicht zu haben; fie бeAquarium mit seinem Inhalt to stenfrei in das Eigentum des fizen Klasseninstinkt genug, im Punkte der Gesindeskaverei sich nicht Zoologischen Gartens übergeht. Und damit das möglich werde, soll allzuweit von den Junkern zu entfernen. die Stadt eine Million in jährlichen Naten von 25 000 M. zahlen! Zur Speisung bedürftiger Kinder Weshalb soll nicht die Stadt das Aquarium in eigene Regie übernehmen? Das wissen die Götter und die in den Gemeindeschulen hat der Magistrat, einem Beschluß der Aktionäre Des neuen Aquariums. Das neue Aquarium Stadtverordnetenversammlung entsprechend, 70 000 Mart für den foll nämlich nicht etwa wie die Urania" als gemeinnügige Gesell- fommenden Winter bewilligt und der Versammlung eine entsprechende fchaft tonstituiert werden, die auf Binsen, Dividenden u. dergl. ber- Vorlage unterbreitet. zichtet, sondern foll bis 5 Proz. Zinsen erhalten. Die alte Kommanditgesellschaft auf Attien Berliner Aquarium erhielt seit dem Jahre 1902 je 4 Proz. Dividende, d. h. ungefähr den städtischen Ruschuß. Die Grundstücsspekulation hat dann, wie eingangs ertwähnt, die Aftien aufgekauft, das Grundstück an sich gebracht und zahlt für jede Aktie statt 100 150 M. Und trotz dieser Erfahrungen foll die Stadt gar eine Million hergeben, die neuen Gründer sollen bis 5 Proz. erhalten und dem leider zu einer Erwerbsgesellschaft gewordenen Zoologischen Garten soll nach 40 Jahren das Aquarium unentgeltlich zufallen. Ein prächtiger Plan für die Gründer der neuen Gesellschaft und für die Aktionäre des Zoologischen Gartens, nicht aber für die Stadt. Nun wird freilich hervorgehoben, die von den Lehrern und Lehrerinnen geführten Böglinge haben ja als Gegenleistung freien Eintritt. Eine sehr problematische Gegenleistung. Selbst wenn man der höchstgespanntesten Berechnung des Magistrats vertreters folgen und annehmen würde, alle Schüler der 1. bis 8. Klasse besuchten einmal im Jahre das Aquarium in der Tat beträgt die Zahl der besuchenden Kinder bei weitem noch nicht die Hälfte, wiewohl seit rund einem Jahrzehnt der freie Besuch garantiert ist, würden 59 308 Schüler als Besucher in Betracht tommen. Man geht schon hoch, wenn man auch für die Zukunft höchstens 25 000 Schüler jährlich als Besucher ansetzt. Mit anderen Worten: die Stadt hat zugunsten der alten Gesellschaft früher für jedes Kind 1 Mart, also das Doppelte des gewöhn lichen Eintritts gezahlt und würde es auch in Zukunft tun. Die Stadtverordnetenversammlung täte gut, die Vorlage abzulehnen oder darüber in Beratung zu treten, ob die Million nicht besser zur Uebernahme des Aquariums in eigene Regie zu verwenden wäre. Die zum 1. Oftober 1909 zu bildende Gesellschaft m. b. H. hat, fobiel uns bekannt, ein erheblich niedrigeres Gründungskapital vor gefehen. " Zur Belohnung für treue Dienste." Der Gesinde- Belohnungs- und UnterstützungsFonds", der bei der Berliner Gemeindeverwaltung besteht, hat im Etatjahr 1907/08 wieder eine Berringerung seiner Ginnahmen gehabt und infolgedessen seine Leistungen weiter einschränten müssen. selber herrührt. " " Frage zu stellen, mit übergroßer Majorität und wünschenswerter Entschiedenheit zurüdgewiesen worden sind." Vor Schluß der Versammlung wies der Vorsigende noch auf die am 23. Dktober im Lokale von Paul Schwarz, Dorf Straße 25/26, beginnenden Unterrichtsabende der Arbeiterbildungsschule hin. Auch die Adlershofer Genossen waren am Donnerstag zusammens gekommen, um den Bericht, den Genosse Groger gab, entgegen zunehmen. Wie der Redner ausführte, habe sich schon beim Be richt über die Parteischule ein gewisser Gegensatz zwischen Das Kuratorium für die Berliner Stadtbibliothek und Volts- Nord- und Süddeutschland gezeigt, der besonders durch die bibliotheken hat beschlossen, den Magistrat auf seine Anfrage zu er Bildungsmethode des Genossen Maurenbrecher charakterisiert wird. suchen, für den Neubau einer Stadtbibliothek am Babelsberger Plaz Ein erfreulicher Fortschritt sei es, daß auch Gewerkschafts( Prenzlauer Platz) einen Platz von 3000 Quadratmeter Größe zur beamten die Parteischule zugänglich gemacht worden ist. Der Verfügung zu stellen und außer den schon bewilligten 100 000 m. Beschluß über die Maifeierfrage, der dem Parteivorstand Aus dem Fonds der Fr. Leo- Stiftung soll eine neue Volksbibliothek fommission über diesen Punkt in Verbindung zu treten, sei zu be eine zweite Rate bon 100 000. in den neuen Etat einzustellen. die Verpflichtung auferlegt, noch einmal mit der General eröffnet werden. grüßen. In der Frage der Jugendorganisation habe die Unter den Rädern eines Automobils getötet. Einen schrecklichen gerecht werde. Kommiffion eine sehr glückliche Lösung gefunden, die allen Teilen Es müsse jedoch darauf gesehen werden, daß alle Tod fand am Sonntag der Invalide Löbell aus der Soldiner über 18 Jahre alten Genossen der Parteiorganisation zugeführt Straße 38. Der alte Mann ist ein Opfer seiner Blindheit geworden. werden. Kein Punkt der Tagesordnung habe jedoch die Gemüter der Er konnte auf beiden Augen so gut wie gar nicht mehr sehen, und Delegierten so in Spannung gehalten, wie die Frage der BudgetEine tiefe, teilweise fast unüberbrückbare es fiel ihm infolgedessen recht schwer, sich auf der Straße fortzu- bewilligung. bewegen. Als er den Fahrdamm der Soldiner Straße überschritt, luft trat in der Debatte in den prinzipiellen Anschauungen rannte er gegen ein Automobil, dessen Herankommen er nicht be- beider Richtungen zutage. Trotzdem die süddeutschen Genossen zu verschiedenen Malen erklärten, daß die ganze Angelegenheit eigentlich obachten konnte. Er wurde zu Boden gerissen und die Räder des eine Bagatelle sei, suchten fie doch immer wieder die Situation Kraftwagens gingen ihm über den Kopf und die Brust hinweg. Künstlich zu verschärfen, so auch durch den Vorwurf, daß die Berliner Der Bedauernswerte wurde entsetzlich zugerichtet. Im Lazarus- Stadtverordneten ja auch das Budget der Stadt Berlin bewilligt Krankenhause, wo er Aufnahme finden sollte, konnte bei ihm nur hätten. Es sei tief bedauerlich, daß ein Berliner Stadtverordneter, noch der Tod festgestellt werden. dessen Namen Redner nicht nennen wolle, derartig falsche Informationen Ueber zu wenig Schuhleute könnte man sich in Berlin eigentlich gegeben habe. Die Gründe, die von seiten der Süddeutschen für die Budgetbewilligung geltend gemacht wurden, konnten die Mehrheit nicht beklagen, bei diversen Anlässen, wo sie ganz überflüssig sind, nicht bestimmen, auch nur die Resolution Frohme anzunehmen. erscheinen sie als Massenaufgebote. Wird aber wirklich einmal einer Die Arbeiter können eben die Reformpolitik der jüddeutschen, parlagebraucht, ist keiner zu entdecken. So wurde beispielsweise am mentarisch tätigen Genossen nicht mitmachen, denn in ihren letzten Sonnabendabend nach 11 Uhr in der Putbuser Straße der Lohgerber Stonsequenzen bedeutet fie die Aufgabe des Klassenkampfes. Parichau von drei Strolchen überfallen, bis zur Bewußtlosigkeit wie sehr es der Mehrheit des Parteitages darauf anfam, weiteren Summe von 60 m. beraubt. mit Fäusten und Füßen bearbeitet, seines Wochenlohnes und einer den Frieden zu wahren, beweist die würdevolle Ruhe, mit Natürlich entkamen die der die Annahme Rowdys, denn kein Schuhmann ließ sich sehen. der Vorstandsresolution die Ers flärung des Genossen Segit entgegengenommen wurde. Um so verwerflicher sei es, daß jezt, nach dem Parteitage, dies dahin um gedeutet wird, daß der Parteitag die Erklärung so, wie sie jetzt die Revisionisten aufgefaßt wissen wollen, gebilligt hätte. Davon fann gar keine Rede sein. Wir können nicht Sonderrechte für Parlamentarier schaffen, sondern jeder Parteigenosse muß die Beschlüsse des Parteitages achten. Wenn man erklärt, wir fügen uns nicht und man arbeitet mit Gewalt auf einen Bruch hin, so sei es schon besser, der Bruch erfolgt bald. Der Parteivorstand hat die Pflicht, sich mehr um die einzelnen Landesorganisationen zu fümmern, er hätte schon längst energisch eingreifen sollen. Aber auch die Masse der Genossen muß fich mehr mit den prinzipiellen und taktischen Fragen der Partei befaffen. Dann wird es nicht möglich sein, daß derartige Dinge wieder vorkommen. Der stürmische Beifall und der Umstand, daß Der Lehrplan der Arbeiter- Bildungsschule wird im Inseratenteil der heutigen Nummer bekannt gegeben. Bei der Bedeutung, die die Arbeiter- Bildungsschule für die Fortbildung der Parteigenossen hat, ersuchen wir die interessierten Streise um geft. Beachtung der Veröffentlichung. etwa 0 und In der Versammlung der Königs Wusterhausener Genossen am Mittwoch legte Genosse seter Schöneberg in ausführlicher Weiss die einzelnen Punkte der Tagesordnung flar und motivierte di Stellungnahme der Delegierten des Kreises. Nach einer lebhafter Diskussion, in der sich die Anwesenden mit der Haltung der Deles gierten einverstanden erklärten, gelangte folgende Resolution zur Annahme: 11 814 im Vorjahre) gemeldet. von Männern und 12 491 Radrennen in Steglitz, 27. September. Die vor vierzehn Tagen berregneten Rennen konnten nunmehr am Sonntag ohne Störung ausgefahren werden, obgleich einige in den Nachmittagsstunden einsetzende Regenschauer nichts Gutes verhießen. Der Große Preis von Europa( 100 Kilometer, 4000, 2500, 2000, 1500, 1200 M.) Ein beträchtlicher Teil der Einnahmen, die dem Fonds zu- wurde wider Erwarten von dem kleinen Heidelberger Bruno fließen, setzt sich zusammen aus den 50 Pfennig- Beiträgen, Salzmann in der sehr guten Zeit von 1 Stunde 8 Min. 49 Set. die nach altem Brauch von jedem Dienstmädchen bei jedem vor Robl( 1750 Meter zurück), Theile( 3200), Demte( 3400) und niemand als Diskussionsredner sich gegen die Ausführungen des Dienstantritt gezahlt werden sollen. Aus diesen Beiträgen Dickentman( 8300 Meter) gewonnen. Dicentman, von Anfang an Referenten wandte, beweist, daß die Adlershofer Parteigenossen den wurden im letzten Etatjahr nur noch 19 770 W. berein- letter, blieb infolge wiederholter Motorschäden immer weiter zurück, vom Groger ausgesprochenen Ansichten beipflichten. nahmt, während zum Beispiel vier Jahre vorher, im auch Demke, der zuerst an der Spige war, büßte durch einen Sturz feine Chancen ein, doch kam er glücklicherweise ohne Schaden davon Jahre 1903/04, Hieraus noch 28 170 M. eingekommen und fuhr bis zu Ende mit. Theile, der Demte bald waren. Das liegt offenbar nicht daran, daß der Stellenwechsel abgelöst hatte und bis zum 45. Kilometer den ersten unter den Dienstmädchen wesentlich geringer geworden wäre, sondern Blaß behauptete, erlitt Radschaden, und Robl übernahm wohl hauptsächlich daran, daß in Berlin jetzt überhaupt weniger die Führung, die er bis nach dem 70. Kilometer inne Dienstmädchen in Stellung find als früher. Die Ungunft der Zeiten hatte, dann aber mußte er dieselbe an Salzmann abtreten, der fich nötigt eben manche Herrschaft", das bisherige Dienstmädchen durch immer mehr vorgearbeitet hatte. Zum Schluß entspann sich noch „ Die Versammlung erklärt sich mit den Beschlüssen des Partei. eine billigere Aufwartung zu ersetzen. Die übrigen Einnahmen des ein Kampf um den dritten Platz zwischen Demke und Theile, den Den Preis bon tages einverstanden. Insbesondere erkennt die Versammlung die Fonds sind ziemlich dieselben geblieben: von ihnen sind die be- letzterer zu seinen Gunsten entschied. Resolution des Parteivorstandes in der Budgetfrage an. Di deutendsten die Zinsen aus dem angesammelten Vermögen, sie beliefen Brandenburg über 50 Stilometer( 600, 500, 400, 350 9.) gewann A. Schulze( Zehlendorf) in 85 Min. 5 Set. vor Hermann Sozialdemokratie hat sich ihre Ziele gesteckt, dieselben sind in. sich im letzten Jahre auf 20 544 M.; dazu kamen 1767 M. Zinsen Brayrembel( 2300 Meter zurück), Schwab( 2920 Meter) und Janke Programm der Partei enthalten. Die Versammlung erblickt in aus den Ersparnissen der Insassen des Gesindehospitals, 2627 M.( 3170 Meter). Anfangs führte Schwab, beim 22. Kilometer nahm dem Verhalten der süddeutschen Genossen eine Verlegung aus den Nachlässen der verstorbenen Hospitalitinnen, 670 M. aus Brzyrembel die Spize, die er aber infolge Nadwechsels an Schulze unseres Parteiprogramms und verurteilt somit die Handlungsweise derfelben auf das entschiedenste. Sie erwartet, Geschenken usw., nur 300 M. aus dem Stadtsäckel, 34 m. verschiedene abtreten mußte.- 3m Stegliger Hauptfahren( 1000 Meter, nachdem der Parteitag in dieser Angelegenheit gesprochen hat, Einnahmen. Man sieht, daß ein sehr erheblicher Teil der Einfünfte 100, 75, 50, 80 M.) fiegte Bettinger vor Meherer, Carapezzi und des Fonds aus dem Bortemonnaie der Dienstmädchen won drei Borgabefahren, jedes über 830 Meter( 40, 30, 20, Beter. daß die süddeutschen Genossen ihre Sonderbestrebungen fallen In vier Vorläufen fünfzig Fahrer. lassen und Schulter an Schulter mit den norddeutschen Brüdern ihren gemeinsamen Feind, den Stapitalismus, bekämpfen." Im Vorwärts" ist das schon öfter nachgewiesen worden, auch 10 M.), wurden das erste von Bettinger( Mal), von Nudel Im Vorwärts" ist das schon öfter nachgewiesen worden, auch( 25 Meter Vorgabe), Pawke( 20), Techmer( 10) gewonnen; das Der vorgerückten Zeit wegen wurde die Versammlung vertagt ist oft genug von uns gezeigt worden, daß dieser sogenannte Ge- zweite von Wegener( Mal) vor Rabe( 20), Saldon( 40), und soll am Mittwoch, den 30. September, fortgefekt werden. finde- Belohnungs- und Unterstützungs- Fonds", der den Dienstmädchen R. Müller( 45) und das dritte von Ste chun( 50) bor Nicoleizig( 50), als Wohlfahrtseinrichtung und Wohltätigkeitseinrichtung gepriesen wird, Carapezzi( Mal) und Hildebrandt( 60). Charlottenburg. in Wirklichkeit eine standalöse ungerechtigkeit gegen sie Den Schluß bildete ein Tandem Prämienfahren über In der letzten Sigung der Delegierten der Charlotteuburger Ge bedeutet. Bahlen soll jede ihren Beitrag, der ursprünglich als 4000 Meter( 80, 60, 40, 30 M.). Sieger waren Techmerwerkschaftskommission stand als erster Bunkt auf der Tagesordnung: Bericht über das zehnte Geschäftsjahr des hiesigen Strafe für Veränderungsluft gedacht war, zahlen soll sie ihn auch Wegener vor Pawke- Nudel und Carapezzi- Beter. dann, wenn sie ohne eigene Schuld die Stelle wechseln muß, um Stunde wurde bei elektrischer Beleuchtung gefahren. Der Besuch war der Deputation, Genosse Flemming, erstattete. Aus dem Bericht Die Rennen endeten erst gegen 7 Uhr; in der letzten halben Städtischen Arbeitsnachweises, welchen das Mitglied sich den Drangsalierungen zu entziehen, die eine„ Guädige" ihr ein guter. ist folgendes zu entnehmen: In der Hauptstelle in der Kirchstraße bereitet. Aber einen rechtlichen Anspruch auf die Wohltaten" bes Fonds hat kein Dienstmädchen. Diese Wohl- Feuerwehrnachrichten. In Haft genommen wurde der Butter- wurden im Laufe des Berichtsjahres 7237 offene Stellen für Männer taten" sind weiter nichts als eine Belohnung für treue händler Julius Haß aus der Gartenstraße 9 unter dem Verdacht, und 2832 für Frauen, insgesamt 10 069 offene Stellen( gegen Es gingen 9878 Arbeitsgesuche Dienste" für Dienste, deren Treue schon ganz apart sein seinen Butterladen vorfäßlich in Brand gesteckt zu haben. In diesem 2613 von Frauen, insgesamt Laden kam am Sonntagabend nach 8 Uhr Feuer aus. Als Brandmuß, wenn sie ausreichend erscheinen soll, solcher" Belohnung" meister Steinau dort antam, brannten Kisten, Stroh u. a. Der Be-( 12 143) ein. Besetzt wurden 5785 Stellen für Männer und würdig zu machen. Ein Mädchen, das auf Unterstützung aus fund ergab, daß vorfäßliche Brandstiftung vorlag, denn das Stroh 1878 Stellen für Frauen, insgesamt 7663( 8259) Stellen. Zi dem Fonds rechnet, muß alt und arbeitsunfähig fein und war zum Ueberfluß noch mit Petroleum begoffen worden. der Abteilung für Männer kamen im Berichtsjahre auf 100 Lange Jahre ununterbrochen in Berlin gedient haben oder In der Schiffbau- Ausstellung stürzte am Sonntagnachmittag offene Stellen 136,5 Arbeitsuchende, von 100 Arbeitsuchenden muß die Arbeitsunfähigkeit sich zugezogen zugezogen haben durch der Knabe Paul Kühn aus der Bimmerstr. 15 eine Treppe hinab. wurden 58,6 untergebracht, von 100 offenen Stellen wurden 79,9 außerordentliche Dienstleistungen, wie Rettung der Herrschaft oder Die Feuerwehr brachte den Knaben nach der nächsten Unfallstation, besetzt. In der Abteilung für Frauen tamen auf 100 offene Stellen der Kinder aus Gefahr, zum Beispiel aus Feuersgefahr, Ber- wo man eine Gehirnerschütterung feststellte. Wohnungsbrände be- 92,3 Arbeitsuchende, von 100 Arbeitsuchenden wurden 71,9 unterschäftigten die Feuerwehr in der Wattstraße 3, Strelißer Straße 33, gebracht und von 100 offenen Stellen wurden 66,3 besetzt. Bon teidigung derselben gegen gewaltsame Angriffe, trene Pflege in an- Butbuser Straße 13 und anderen Stellen. Prestohlen mußten in 100 bermittelten Stellen entfielen 77,5 auf die ungelernten, 22,2 auf stedenden und langwierigen Krankheiten und dergleichen mehr. Und steckenden und langwierigen Krankheiten und dergleichen mehr. Und der Mödernstraße 70, auf dem Schlesischen Güterbahnhof und die gelernten Arbeiter und 0,3 auf die Lehrlinge. Nachdem die trotzdem muß jedes Mädchen, das die Wohltaten" dieses Fonds ge- anderen Orten gelöscht werden. Kellerbrände wurden aus der Tätigkeit des Arbeitsnachweises vom Jahre 1901 ab fortlaufend eine nießt, sich als Almosenempfängerin betrachten, muß Landwehrstraße 40, Litthauer Straße 3, Frankfurter Allee 20 usw. Steigerung aufzuweisen hatte, ist im Berichtsjahre ein Rüdgang in ihren Nachlaß der Stadt bermachen und so weiter. Man kann es gemeldet. Der 8. Bug mußte in der Muskauer Straße 2 einen der Vermittelungstätigkeit eingetreten, der auf den Rückgang im den Dienstmädchen wirklich nicht verdenken, daß sie sich der Ent- Bodenbrand löschen. Ferner hatte die Feuerwehr in der Invaliden- wirtschaftlichen Getriebe zurückzuführen ist. Die Zahl der offenen richtung der Beiträge möglichst zu entziehen suchen. Im letzten straße vor der Ulanenfaserne, Chausseestraße 112, Friedrichstraße 165, Stellen war in allen 12 Monaten geringer als im Vorjahre, während In der männ Jahre belief sich die Bahl der Beitragsrestanten wieder auf 6292. Alexanderstraße, Stettiner Straße 50, Wrangelstraße 46, Lychener sich die Zahl der Arbeitsuchenden noch vermehrte. Straße 23 und anderen Stellen zu tun. Gestern vormittag um lichen Abteilung wurden 1463 offene Stellen weniger als im Vors Richtiger wäre es vielleicht, die Beiträge den Herrschaften" 10 Uhr fam in einem Gewächshause der städtischen Gärtnerei im jahre angemeldet, 619 Stellen wurden weniger besetzt und die Zu aufzuerlegen. Da würde wahrscheinlich manche Gnädige" im Humboldthain Feuer aus. In der Abteilung für Teer brannte dort. Gleichzeitig mußte nahme der Arbeitsgesuche betrug 240. war fast während des ganzen Jahres Jahre mehr Beiträge zahlen müssen, als das Jahr Monate hat. Frankfurter Allee 60 ein Brand gelöscht werden, der in einem ungelernte Arbeiter Wenn man nebeneinander hält, was die Sagungen dieses Spähneteller ausgekommen war. ein ueberangebot an Arbeitskräften zu verzeichnen, hauptsächlich von Bauarbeitern infolge der geringen Bautätigkeit. In Juftituts von den Mädchen fordern, damit sie der Hilfe würdig der Abteilung für gelernte Arbeiter entfiel der größte Verkehr auf erscheinen, und was den Mädchen dafür gewährt und unter welchen das Malergewerbe. In der Lehrlingsvermittelung waren die ErBedingungen es ihnen gewährt wird, dann fehlt einem gebnisse sehr gering. Obgleich sich 224 Knaben gemeldet hatten und gestanden der parlamentarische Ausdruck, um dieses Mißverhältnis 175 offene Lehrstellen zur Verfügung standen, gelang es doch nur richtig zu fennzeichnen. Die Leistungen des Fonds bestehen 19 Knaben unterzubringen, da die Wünsche der Beteiligten darin, daß er an eine mäßige Zahl von Dienstmädchen eine Bar- war in der letzten Woche das Thema mehrerer Versammlungen der in den meisten Fällen nicht befriedigt werden fonnten. unterstügung zahlt und eine noch mäßigere Bahl Borort- Wahlvereine. Das große Interesse, das die Parteigenossen. In der weiblichen Abteilung gingen die offenen Stellen im Gesindehospital verpflegt. Am Schluß des Etat- fchaft ganz Deutschlands den Verhandlungen des Parteitages ent- um 282 gegen das Vorjahr zurück. Der Nüdgang entfiel größtenteils auf das Dienstpersonal. Die Lage der Hauptstelle ist für jahres 1907/08 waren nur noch 164 Unterstützungsempfängerinnen gegenbrachte, drückte sich auch in diesen Versammlungen durch zahl diesen Zweig der Arbeitsvermittelung nicht geeignet. Besserung vorhanden, und im Hospital befanden sich 93 Hospitalitinnen. Der reichen Besuch und lebhafte Diskussion aus. dürfte erst eintreten, wenn geeignete Räume zur Verfügung gestellt größere Teil der Einnahmen wird durch das Hospital aufgebraucht. In der Versammlung der Lichtenberger Genossen, die am werden. Die Ergebnisse für gewerbliches Personal waren ebenfalls Die Unterstützungen erforderten einen Gesamtbetrag von 15 903 W., Donnerstag im Schwarzen Adler" tagte, gab Genoffe Düwell sehr gering. In der Zweigstelle am Wittenbergplatz für pro Empfängerin nur 89,34 M. im ganzen Jahre. Bur Belohnung den Bericht. In der Diskussion traten die Genossen Rabte, weibliches Personal wurden im Betriebsjahre 6060 Stellenfür treue Dienste! Nitschte, Mirus und Meurer den Ausführungen des gesuche und 10 651 offene Stellen gemeldet, wovon 4056 beWill die Stadt Berlin dieses Institut nicht völlig aufgeben, Referenten entgegen und stellten sich auf den Standpunkt der süd- fetzt wurden. Es tamen auf 100 offene Stellen 56,8 Stellengesuche, 100 Stellengesuchen fonnten 67 durch Vermittelung weil es doch immerhin einigen Segen bringe, so sollte sie deutschen Vertreter. In seinem Schlußworte widerlegte Düwell bon wenigstens darauf verzichten, von den Mädchen 8 wangs- eingehend die Behauptungen der Diskussionsredner. Folgende Ne erledigt werden und von 100 offenen Stellen wurden 38,1 besetzt.Zur Beschäftigung von Arbeitslosen, für welche eine andere Be beiträge zu erheben, für die teinerlei Anrecht auf ſolution wurde gegen eine Stimme angenommen: Die heute am 24. September tagende Mitgliederversammlung schäftigung nicht zu ermitteln war, stand der Steinschlageplatz zur Gegenleistung gewährt wird. Möge die Stadt aus eigenem des sozialdemokratischen Wahlvereins Lichtenberg ist mit den in Verfügung. Im Winter wurden 167 Personen dorthin überwiesen, Säckel hergeben, was sie jetzt den Dienstmädchen abzwackt. Die Nürnberg gefaßten Beschlüssen vollständig einverstanden. bon denen 15 die Arbeit nicht annahmen. Von der Armenverwaltung Sozialdemokraten in der Stadtverordnetenversammlung Insbesondere nimmt sie mit. Befriedigung davon Kenntnis, daß wurden 293 Personen, welche um Unterstüßung eingekommen waren, haben den Verzicht auf diese Beiträge bereits vor Jahren gefordert. alle Versuche, die Einheitlichkeit und Geschlossenheit der Partei in nach dem Blaz verwiesen, von denen 170 die Arbeit nicht an" offen Vorort- Nachrichten. Der Nürnberger Parteitag nahmen. Der DurchschmttSberdienst betrug 2,22 M. für den Tag, der höchste Verdienst 4.S8 M. In der öffentlichen Schreibstube für Stellenlose meldeten sich S30 Personen, von denen 286 beschäftigt werden konnten. Der Durchschnittslvochenverdienst betrug 10,86 M. Es waren durchschnittlich 24 Personen beschäftigt.— Nach einer kurzen DiSlussion über den Bericht wurde zum zweiten Punkte: Zur Frage der Hebung unserer Zentralbibliothek über- gegangen. Der Bibliothekar, Genoffe Schiemann, konnte die er- freuliche Mitteilung machen, daß sich in der letzten Zeit ein kleiner Fortschritt in bezug auf die Benutzung der Bibliothek bemerkbar ge- macht habe. Trotzdem müsse noch viel geschehen, um das Lesebedürfms zu wecken. Redner macht in dieser Beziehung reformierende Vor- schläge, welche in der nachfolgenden Debatte allseitig anerkannt wurden. Zur Neuanschaffung von Büchern wurden einsnmmig vor- läufig SO M. bewilligt.— Eine nochmalige Aussprache über die Angelegenheit der„VorwärtS'-Austrägerinnett endete mit dem Wunsche. daß der gewerkschaftliche Gedanke auch unter diesen platzgreifen müsse, und daher eine ent- sprechende Agitation von feiten deS Transportarbeiter- Vcr- bandeS angebracht fei.— Zum Schlüsse wurde noch ganz besonders auf die Freien Fortbildungskurse für Arbeiter, die von fetten der Stadtverwaltung ins Leben gerufen, aufmerksam gemacht und zum fleißigen Besuch empfohlen. Die Kurse, in welchen Volkswirtschaftslehre, Gesetzes- und Bürgerkunde, Naturwiffenschaft, Literatur, Deutsch und Rechnen geboten wird und die zugleich unentgeltlich sind, beginnen am 12. Oktober in den Räumen der Fortbildungsschule, Wallstr. 75. Dort werden auch vorher schon Anmeldungen entgegengenommen. Unentschuldigt fehlten die Vertreter der Bäcker, Schuhmacher und Steinsetzer.____' Wilmersdorf. Bürgerliche EinigungZstreitigkeiten. Die im November dieses Jahres in Wilmersdorf stattfindenden Wahlen zur Stadtverordnetenversaminlung dienen den bürgerlichen Elementen als Anlaß zu Kraftproben auf dem Gebiete deS EinigungS- fportS. Schon die Antwort auf die Anfrage wegen Einführung der Lezirkswahl, die Stadtrat Steinborn kürzlich in der Stadtverordnetenversammlung dem Interpellanten Dr. Wolfs erteilte, weckte insoweit Befriedigung, als sie den diversen Bezirks- und Hausbesitzervereinen von neuem die Gewißheit verschaffte, daß sie nicht stärker als bisher von der Arbeiterschaft bedrängt werden toürden. Dabei sah man stillschweigend darüber hinweg, daß die Begründung, die der Magistratsvertreter seiner Gegnerschaft gegen die Bezirkswahl gab, so haltlos wie nur möglich ist und dabei nicht einmal den Reiz der Originalität für sich hat. Man erinnerte sich eines Schreibens, mit dem vor einigen Jahren die Regierung den Gemeindcvorstand abspeiste, als er auf die Stadt- w e r d u n g hindrängte. Auch damals wurde in dem Ablehnungsschreiben die Floskel benutzt, daß die einzelnen Ortsteile von Wilmersdorf noch zu wenig miteinander zusammenhingen und daß daher aus der Stadtwerdung nichts werden könne. Man war sich zu der Zeit einig darin, daß die Regierung unter allen haltlosen Begründungen die haltloseste ausgesucht habe; heute ist diese Floskel aber gut genug, um die Ungerechtigkeit der Listenwahl zu stützen, weil man' hofft, auf diese Weise die verhaßte Sozialdemokratie aus der Stadtverordnetenversammlung fernhalten zu können. In dieser Hoffnung treiben nunmehr die bürgerlichen Vereine unter sich Kraftübungen im Mandatskampf. Es besteht am Ort ein Ausschuß von 2g Personen, der aus den Vertretern bürgerlicher Vereine zusammengesetzt ist. Von diesem Ausschuß verlattgen die Liberalen, daß er ihnen zu den vier Mandaten, die sie heute besitzen, noch weitere vier zuteile. Hiervon will aber der Ausschuß nichts wissen, und zwar erstens, weil eS ein heikles Stück ist, vier unschuldige Lämmer in die Wüste zu schicken, und zweitens, weil die Liberalen in der Tat am Ort nur eine sehr bescheidene Rolle spielen. Dann aber mncbte man noch geltend, daß auch andere Interessen- gt Uppen mit Sondcrwünschen hervortreten wollten und es daher am geeignetsten sei, überhaupt den jetzigen Besitz nicht anzutasten. Vielleicht geben sich die Liberalen damit zufrieden, daß man einfach vier Stadtverordnete, die bis dahin überhaupt nicht wissen, ob und welcher Ordnungspartei sie angehörten, liberal etikettiert. Vorläufig soll aber die Katzbalgerei noch weiter gehen. Bemerkt sei noch, daß eine der bürgerlichen Organisationen erklärt, den EmigungSsport nicht mitmachen zu wollen. Es ist dies die der Barthschen Richtung angehörende Demokratische Ber- e i n i g u n g, die etwa 250 Mitglieder stark ist. Die Zeit wird ja lehren, ob diese Männer bei den Stadtverordnetenwahlen ebenso fest stehen lverden wie im vorigen Frühjahre bei den Landtagswahlen. Vorab ist es aber Aufgabe unserer Parteigeuossen, die Arbeiterschaft von Wilmersdorf bei jeder Gelegenheit über die gegenwärtige Krähwinkelherrschast der Ordnungsparteien aufzuklären und alles daran zu setzen, damit die Hoffnung dieser Herren, weiter ungestört wirtschaften zu können, zuschanden werde. Die fortwährenden Brandstiftungen, die in letzter Zeit in Wilmersdorf verübt wurden, haben den Magistrat zur Aussetzung einer Belohnung von 1000 Mark veranlaßt. Sehnlich wie seinerzeit in Berlin werden auch hier regelmäßig Dachstühle in Brand gesetzt. Hoffentlich gelingt es recht bald, den Ucbeltätern das Hand- lverk zu legen. Siieder-Schönhausen. Auf zur Wahl! Heute findet von mittags 12 Uhr bis abends 8 Uhr im Restaurant L i e d e m i t, am Marktplatz, für die dritte Wähler- klaffe eine Ersatzwahl zur Gemeindevertretung statt. Unser Kandidat ist Genoffe Otto Rißmanu. ES ist Pflicht der Parteigenossen, sich zu den Wahlarbeiten zur Verfügung zu stellen, nur dann wird eS uns gelingen, das Mandat wieder zu erobern. Die Parteigenoffen. die am Mittag erscheinen können, werden gebeten, sich um �12 Uhr im Wahllokal einzufinden. Die Er- fahrungen bei früheren Wahlen haben gelehrt, wie notwendig es für uns ist, im Wahlbureau vertreten zu sein. Diejenigen, die sich erst am Abend dem Wahlkomitee zur Verfügung stellen können, treffen sich von 6 Uhr ab in ihren Bezirkslokalen. Parteigenoffen I Da eS auf jede Stimme ankommt, spannt Eure ganzen Kräfte an, rüttelt die Lauen und Säumigen auf, damit es uns gelingt, unseren Kandidaten Otto Rißmann zum Siege zu verhelfen._ Lichtenberg. Vom 1. Oktober ab befindet sich die.Vorwärts"- Spedition nicht mehr Kronprinzenstraße 50, sondern Krön- Prinzen st raße Nr. 4, vorn 1 Treppe. Weihensee. Die Gemeindetiirnhalle ist am Sonnabend eröffnet worden, jedoch diente sie am Eröffnungstage nicht ihrem eigentlichen Zweck, sondern eS fand dort ein Müitänottzcrt statt. Der monumentale Bau, einer der wenigen Sehenswürdigkeiten des Ortes, liegt an der Pistoriusstraße. Die große Halle soll zugleich als Fest-, Konzert-, Theater- und Versammlungslokal dienen und bietet bequem'für 1000 Personen Sitzgelegenheit. Im Obergeschoß des Vorderteils befindet sich ein besonderer Damen-Turnsaal. Restauratioitöräume sowie vier Kegelbahnen, eine modern eingerichtete Badeeinrichtung bieten Gelegenheit zur Erholung und Erfrischung. Mit dem Ge- bände verbunden ist ein Turn- und Spielplatz. Für Turnzwecke ist die große Halle an fünf Tagen reserviert, während sie an den Sonnabenden und Sonittagen für RestaurationSzwecke benutzt wird. Friedrichshagen. Ju der letzte« Gcmeindevertteterfitzung wurde einstimmig be- schloffen, für die Hündefängerstelle, da trotz wiederholter AuS- schreibung keine Belverbuttg eingegangen ist, neben der Fangprämie von 3 M. und den Verpflegungskosten von 50 Pf. pro Hund und Tag noch eine monatliche Entschädigung von 10 M. festzusetzen.— Der Antrag des RathauSkellerpächtcrS, das Wirtschaftsgebäude des Rathaüsgrundstücks für ihn zu WohuungSzwecken um- zubauen, wogegen er bereit ist, an Pacht pro Jahr 200 M. mehr zu zahlen und den Pachtvertrag auf drei Jahre zu verlängern, wurde einer Kommission zur näheren Prüfung und späteren Berichterstattung überwiesen.— Der aus sanitären Gründen durch Gemeindcbeschluß dem öffentlichen Verkehr entzogene Schön- eicktcr Weg soll auf Antrag des Gemeindevorstandes den anliegenden Adjazenten gegen eine Entschädigung von einer Mark pro Quadrat- meter überlassen werden. Damit endlich dieser Schmutzwinkel ver« schwindet, wurde der Antrag einstimmig angenommen.— Der Antrag der Gemeindevertretung vom 31. Juli d. I. au den Bezirksansschuß, derselbe möge durch DiSpettS da? Bewohnen der polizeilich ver- botenen Mansarden gestatten, ist von dem Bezirksausschuß abschlägig beschieden. Der Haus- und Grundbcsitzervcrein ersucht daher die Vertretung, aus ihrer Mitte eine Kommission zu Ivählen, die nunmehr bei dem Minister um DiSpcnSerteilung vorstellig wird. Nach eingehender Debatte, an der sich der Gemeindevorsteher, der Schöffe Dr. Wall burg, die Vertreter Glöde. Barth(Soz.) und Sonnenburg(Soz.) beteiligten, wurde dem Antrage zugestimmt und eine Kommission von vier Mitgliedern gewählt.— Zur Borberatung des Etats für das Rechimugsjahr 1909/10 wurde die bisherige Kommission wieder- gewählt. Die erste Kommissionssitzung soll im Monat Dezember stattfinden, in welcher der Etat gedruckt borgelegt werden soll. Friedrichsfelde. Die Regulierung der Trcskow-Allee scheint sich in der nächsten Zeit zu verwirklichen. Die Gemeindebehörden sind mit den An- liegern in Verbindung getreten und ist eine Einigung über die von der Gemeinde den Besitzern zu zahlende Entschädigung erzielt worden. Der Kanalisationsverband der Stadt Lichtenberg und der Gemeinde Boxhagen-Rummelsburg hat in der Berliner Straße Kabel verlegen lassen. Seitens des Friedrichsfelder Gemeinde- Vorstandes find über diese Angelegenheit technische Gutachten ein- geholt worden, die darlegen, daß der KanalisationSverband eine Er- laubnis zur Verlegung der Kabel hätte einholen müssen. Lankwitz. Uebrr„Staat, Kirche und Schule" sprach Genosse Adolf Hoff« mann am letzten Freitag in einer überfüllten öffentlichen Ver- sammlung. Der imposante Besuch legte Zeugnis davon ab, welches Interesse die Arbeiterschaft derartigen Fragen entgegenbringt. Ve- sonders erfreulich war der äußerst zahlreiche Besuch der Frauen. In seinem anderthalbstündigen Vortrage legte der Referent unter lebhaftem Beifall der Versammelten die Forderungen der Sozial- demokratie zu den Punkten Staat, Kirche und Schule dar. Sein Vortrag klang in die Worte aus: Eine neue Religion ist an die Stelle der alten getreten und zwar die sozialistische Weltanschauung, die, wissenschaftlich begründet, der alten Religion mit der Klaffen- kirche den Boden abzugraben anfängt. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit hat an die Stelle der Volksknechtung und-Entrech- tung zu treten. Viele der Anwesenden glaubten, daß der Orts- Pfarrer Schacht, der öfter an Stellen, wo ihm nicht entgegengetreten werden kann, seine Ansicht über die Sozialdemokratie äußert, in der Diskussion das Wort nehmen würde, jedoch trügte der Glaube. In einem kurzen Schlußwort kritisierte Genosse Hoff- mann das Verhalten des Pfarrers, der den Kindern gegenüber wohl seinen Mißmut in scharfer Weise äußert, aber da, wo er die Ge- legenheit hat, vor einer größeren Gemeinde seine Ansichten zu ver- treten, vollständig versagt. Mit einem Appell zum Maffenaustritt auS der Landeskirche schloß die Versammlung. Serickts- Leitung. AmtSverfehluiig. Der Obervriesträger Albert Hertter hatte sich gestern vor den Geschworenen des Landgerichts I wegen schwerer Urkundenfälschung und Urkundenunterdrückung im Amte, Unterschlagung und Betruges zu verantworten. Der Angeklagte ließ sich durch Geldbedrängnis verleiten, eine Postanweisung, die ihm vom Postamt IX zur Be- ftellung übergeben war, mit dem Namen deS Adressaten zu fälschen und daS Geld für sich zu behalten. Als der Angeklagte dann be- fürchten mußte, daß fein Vergehen zur Entdeckung kommen würde, stellte er sich eine neue Postanweisung aus, die er mit schon entwerteten Marken beklebte. Um sich in Besitz von Geldmittel zu setzen, unterschlug er dann eine neue Postanweisung über eincii höheren Betrag. Mit diesem Gclde und der nachträglich hergestellten Postanweisung begab sich H. dann zu dem ersten Adressaten und zahlte diesem den früher unterschlagencit Betrag aus. In dieser Weise operierte der Angeklagte in 30 Fällen, wobei er immer, um die vorher unterschlagene Postanweisung auszahlen zu können. eine neue, über etnen höheren Beirag lautende fälschte und daS Geld unterschlug. Diese fortgesetzten Vergehen des H. kamen schließlich auf eine eigenartige Weise zur Entdeckung. Der am Tschadsee stationiert gewesene und inzwischen im Gefecht gefallene Hauptmann in der Schutztruppe Klannink hatte von der Baseler Mission die Summe von 1600 M. mit dem Auftrag erhalten, daS Geld per Postanweisuttg an die Firma Dinpcldey u. WerreS abzusenden. Wenige Tage darauf fiel der Offizier im Gefecht. Die hiesige Firma stellte erst in Afrika Recherchen nach dem Verbleib deS Geldes an, bis sich schließlich herausstellte, daß der Angeklagte auch diese Postanweisung gefälscht und die 1600 M. für sich behalten hatte. Vor Gericht legte der Angeklagte ein offenes und reuemütigeS Geständnis ab. StaatSattwaltschastsrat C r ü g e r plädierte auf Bejahung der Schuldfragen im Sinne der An- klage, durch welche Hertter dem Zuchthause verfallen wäre. Rechtsanwalt Dr. Klee hielt nur eine einfache Amtsunter- schlagung in Verbindung mit Urkundenfälschung für vorliegend und trat für eine Bejahung der von ihm gestellten Nebenfragen ein. Die Geschworenen bejahten auch nur die Schuldftagen in diesem Sinne. Das Gericht erkannte dem Antrage des Staatsanwalts gemäß aus ein Jahr und drei Monate Gefängnis, unter Anrechnung von ftiits Monaten der erlittenen UtttersttchuttgS- Haft sowie Verlust der Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter auf die Dauer von zwei Jahren. „Die bevorzugte Stellung deS KommerzienratS." In unserer Nr. 254 vorigen Jahrganges berichteten wir über einen Streikpostenprozetz vor dem Osnabrücker Schöffen- g c r i ch t. Es handelte sich um polizeiliche Razzias gegen streik- postenstehende Arbeiter der dortigen Gasuhrenfabrik K r o tn s ch r ö d e r. die vom Gericht unter Freisprechung sämtlicher Arbeiter als G e s e tz w i.d r i g k e i t e n charakterisiert ivurden. Die Osnabrücker Polizei behauptete, eS sei der herrliche K 82 ihrer.Straßenordnung" lädiert, wonach»von den polizeilichen Auffichtsbeamten im Interesse der Ruhe und Sicherheit deS öffcnt- lichen Verkehrs erlassenen Anordnungen unbedingt Folge geleistet lverden muß". Obwohl sämtliche vernommenen Polizisten selber von irgendwelcher Slörttttg der«Ruhe und Sicherheit" durch die Streikposten nicht das geringste bekttndett konnten, deren Verhalten im Gegenteil noch lobend an« erkannten, und obwohl von einem nennenswerten.Verkehr" vor der Krontschröderschett Fabrik um jene Zeit erwiesenermaßen gar nicht die Rede war, beantragte der A m t S a n lo a l t dennoch eine Strafe von— drei' Monaten Gefängnis. Gegen das freisprechende Urteil des Schöffengerichts legte der Amtsanwalt— Polizeiinspektor Lembke— Be- rufung ein und erreichle denn auch, daß die Straf- k a m m e r für jeden Streikposten zehn Mark Geld- strafe festsetzte, indem es ein Recht des Schutzmanns kott- struierte zur„Vorbeugung" etwa„möglicher" Ausschreitungen, die Ausübung gesetzlich gewährleisteter Rechte zu verbieten... Derselbe AmtSanwalt. der drei Monate Gefängnis gegen anerkannt ruhige und anständige Arbeiter beantragt hatte, die nur bon einem gesetzlich und reichsgerichtlich geschützten Recht Ge« brauch gemacht, kann auch sehr utilde auftreten. DaS bewies ein Beamtenbeleidigungsprozeß, der am Sonnabend vor demselben Osnabrücker Schöffengericht verhandelt wurde. Diesmal waren nicht Arbeiter der Kromschröderschcn GaSuhrettfabrik die Angeklagten, bielmehr der Chef dieser Firma, Kommerziell rat K r o m s ch r ö d e r. Der Herr Kommerzienrat sollte einen Steuer« b e a m t e n, der Mitte Januar auf dein Kontor der Firma Kromschröder erschien, um von den Inhabern unter Vor- legttttg von 25 Onittuitgen die Steuern einzufordern, auf ziemlich ungehobelte Weise beleidigt haben, lind zwar sollte Herr K. dem Beamten zuerst in barschem Tone erklärt haben, die Quittungen stimmten nicht; auf die wiederholte höfliche, aber bestimmte Auskunft des SteuererheberS, daß alle? nachgeprüft sei und seine Richtigkeit habe, soll ihm der Herr Kommerzienrat die Quittungen auf einen Tisch geknallt haben mit den erregten Worten: „Scheren Sie sich hiitauS, Sie Mensch S i e, ich werde mich beitn Oberbürgermeister über Siebe- s ch lo e r e n I" Der beleidigte Beamte, der als Nebenkläger auftrat, bekundete, daß er während seiner 4//-, jährigen Tätigkeil von den» Inhaber der Firma Kromschröder noch nie gut behandelt worden sei. bei dem„ungebildetsten" Arbeiter sei er noch stets besser empfangen worden.... Der Gasuhrenfabrikant leugnete, die fragliche Aeußerung getan zu haben, die ihm gar nicht„geläufig" sei; er sei„gegen jedermann artig", keiner könne ihm aus seinem Verkehr mir den Arbeitern, in Kriegervereinen usw. Schroffheiten imch- sagen. Der Zeuge Kaufmann Lenzing. der die„Artigkeit" des Herrn KommerzienratS bekräftigen soll, sagte auf Befragen deS AintsanwaltS ans, er habe die Redensart„Sie Mensch" votr Kromschröder, mit dem er regen Berkehr pflegt, noch nicht gehört. Darauf legte ihm jedoch der Nebenkläger die Frage vor: „Haben Sie mir nicht gesagt, ich sollte mich beruhigen, dtese Redensart führe der Herr Kommerzienrat öfter im Munde?" Zeuge Lenzing:„Das ist möglich, ich erinnere mich nicht genau." Die beiden Neffen des Angeklagten, Mitinhaber der Firma, versicherten, der inkriminierte Ausdruck fei nicht gefalle», sie„hätten ihn sonst un» bedingt hören müssen". Nach der eidlichen� Aussage de-Z SteuererheberS, die gestützt wurde durch die Bekundungen des vorgesetzten Senators, dem der Beamte seinerzeit den Fall sofort vorgetragen hatte, sowie des Oberbürgermeisters, hätte das Zeugnis seiner nichtvereidigten Verwandten dem Herrn Kommerzienrat wohl kaum geholfen, hätte er nicht in der Person deS Vertreters der Anklagebehörde einen beredten Verteidiger gehabt.... Der AmtSanwalt be- antragte kostenlose F r e-i s p r e ch n n g. Der Herr Kommerzien-. rat nehme„eine bevorzugte Stellung" in der Gesell- schaft ein und führe sich eittwandfrei— es sei deshalb„nicht au- zunehmen", daß er die inkriminierten Worte gebraucht habe. DaS Gesetz bestrafe auch nur die vorsätzliche Beleidigung. Der An- geklagte habe aber nicht den Willen gehabt, zu beleidigen. Der Steuer- beamle iei„jedenfalls" aufgeregt gewesen, und da habe er sich jene Aeußerung eingebildet. Zudem habe auch der Zeuge L e n z i n g„einwandfrei" bekundet, daß dem Herrn Kommerzienrat solche Redensarten„nicht geläufig" wären.— Nach dieser glänzendet» Verteidigungsrede des A m t S a n w n l t s brauchte sich der eiacnt« liche Verleidiger natürlich mir den Ausführungen femes verehrten Herrn Vorredners„anzuschließen". Das Urteil lautete denn auch auf kostenlose Freisprechung. DaS Gericht nimmt an. daß der Steuerbeamte sich in Aufregung befunden und infolge- dessen„geglaubt" habe, beleidigt worden zu sein. Es sei „nicht anzunehmen", daß die beiden Neffen deS Herrn Kromschröder die Unwahrheit gesagt hätten; ihrem Zeugnis fei Glauben zu schenken, wenn es auch u n e i d l i ch sei. Der Herr Hauptmann und sei« Brunnen. Eine merklvürdige Anzeige hatte der Hauptmann, AmtZborstehS� und RittergutSpächter R e h f e l d von Böllberg gegen die HauS- hältcrin Becker bon„feinem" Dorfe erstattet. Die Frau hatte aus einem Brunnen des Amtsvorstehers nnbefugt zwei Eimer Wasser geschöpft und deshalb eine Anklage wegen Diebstahls erhalten.' Natürlich hatte sie bei der Entnahme deS Waffers nicht daran gedacht, sich deS Diebstahls schuldig zu machen. Dem Amts- anwalt in Halle fiel es schwer, die Frau wegen der Tat ins Gefängnis zu schicken. Er deduzierte deshalb so: Wasser sei ein Nahrungsmittel und die Frau sei wegen„Mundraubes" mit 10?.£. zu bestrafen. DaS Hallenser Schöffengericht verurteilte die Frau wegen„Hausfriedensbruchs" zn 3 M. Geldstrafe. Ein „Diebstahl" liege nicht vor. Konnte doch die Frau unmöglich sich denken, daß der Hauptmann ihr daS Waffer abschlagen würde. Ihr fehlte also das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit bei Entnahme der zwei Eimer Waffer. Der Hauptmaun, Amtsvorsteher und Rittergutspächter hat durch seine Anzeige bewiesen, welch' geringes Maß juristischer Kenntnis und menschlichen Empfindens in Preußen für einen AintSvorsteher erforderlich find. Vermischtes. Die Cholerastatistik der letzten 24 Stunden weist für Petersburg 263 Neuerkran» kungen auf und 102 Todesfälle. Die Gesamtzahl der Er» krankten beträgt 1346.— Es scheint demnach, als ob mit dem Ein» setzen der kühleren Temperatur daS Umsichgreifen der Seuche ihren Höhepunkt überschritten hat. Durch Starkstrom getötet. Wie aus K a t t o w i tz gemeldet wird, kam auf dem Afchboru« fchacht der Monteur Meißner der Starkstromleiw.ug zu nahe und wurde sofort getötet. Ein anderer Arbeiter wurde tödlich verletzt._ Gerettete Schiffsmannschaft. Laut einem Telegramm des Kapitäns des Norddeutschen LlohS» dampferS„Main", der sich auf der Reise von Baltimore nach Bremen befindet, hat derselbe die Besatzung des Schooners„Mystcry" aus St. John, welcher auf hoher See gesunken ist, gerettet und an Bord genommen. Die Mannschaft wird in Bremerhaven gelandet lverden. Der Burcaukrat tut seine Pflicht. Aus A r a d(Ungarn) verschwand vor einiger Zeit ein gewiffer DanielowSky unter Hinterlassung einer Anzahl trauernder Gläubiger. Das gesamte von ihm zurückgelaffene Guthaben bestand in— einem Hemdkragen. DaS„Ungarische Amtsblatt" veröffentlicht nunmehr gewiffenhaft folgende Kundmachung:„Hiermit wird bekanntgemacht, daß Beroslaw DanielowSky zurzeit unbekannten Atifemhalts ist und daß ein ihm gehörender Hemdlragen im Werte von einem Heller, falls DanielowSky nicht innerhalb der vorgeschriebenen Frist dagegen Einspruch erhebt, vom königlichen Gericht in A r a d unter der Zahl 9427 zur öffentlichen Versteigerung gebracht werden wird." Man kann sich lebhaft vorstellen, wie jetzt Herr DanielowSky nach Arad eilen lvird, um seinen Hemdkragen zu retten. Eine Tragödie auf hoher Tee. Nach einer telegrophischcn Meldung aus London ist der Drei» master„PinIaS", welcher nach Callac unterwegs war, gesmikcn. Von den 24 Mann der Besatzung wurden vier Mann ge» rettet. Ein Matrose wurde wahnsinnig und sprang über Bord. Die Katastrophe erfolgte an der nordöstlichen Küste Tas» manien». Der neueste Schlager Manoli's Dandy Kufeke Kindernahrung Tausendfach bewährte Nahrung bei: Brechdurchfall, Diarrhöe, -Krankenkost Darmkatarrh, etc. Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort( fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort, ( fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Steppbecken spottbillig, Fabrit Große Frankfurteritr. 50/51. 29935 Monatsgarderobenhaus Undreasstraße 54. Elegante Monatsanzüge Winterpaletots, einzelne Beinkleider, wenig getragen, für jede Figur passend, sowie elegante neue Herren und Sinabengarderobe zu fehr billigen Preisen. Bitte beachten: nur Andreasstraße 54, zweites Haus von der Markthalle. 121280* Feberbetten, Stand 11,00, große 16,00. Wäsche, Steppdecken, Tisch beden, spottbillig. Pfandleibhaus, Rüstrinerplag 7. 1214* Bücher des deutschen Hauses. 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