Nr. 229. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pranumerando Bierteljährl. 8.30 I, monati. 1,10 m möchentlich 28 Bfg. fret ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntage Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost bonnement: 1,10 Mar! pro Monat Eingetragen in die Bost- Beitungs. Breisliste. Unter Areuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Erideint täglich außer Montags. C25. Jahrg. Vorwärts Berliner Volksblatt. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder beren Raum 60 ẞfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gebrudte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf. stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg.. febes weitere Bort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition is bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Mr. 1983. Der Erlaẞ des bayerischen Landesvorstandes. " „ Es ist richtig, etwaige Beschlüsse der süddeutschen Fraktionen abzuwarten und sie, wenn überhaupt ein Anlaß dazu borliegt, auf dem allein zuständigen Parteitage fachlich zu besprechen." Und am 14. August: Mittwoch, den 30. September 1908. teine bindende Kraft. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. nicht angekündigte, mit feinem Worte diskutierte Erklärung wohlstandes, so kann der Parteitag auch nichts dagegen sich ruhig vorlesen ließ und kein Wort dazu sagte! machen; ebensowenig, wenn in einem dritten die Genossen die So sonderbar diese Auffassung, der bayerische Landes- Staatsanwaltschaft oder die Polizei für notvorstand hat sie sich zu eigen gemacht. Er betrachtet die wendige Einrichtungen halten, denen sie die Mittel bewilligen Ansicht der 66 Süddeutschen als den fortan geltenden müssen. Ja, schließlich könnte es auch Genossen in einem Rechtszustand der Partei und erklärt daher in einem Erlaß Landtage geben, die sich für indirekte Steuern begeistern, Als unmittelbar nach der badischen Budgetbewilligung vom 25. September im Gegensatz zum Parteivorstand, der weil ihre fleinbürgerlichen Wähler für direkte Steuern fein diese von zahlreichen Parteiorganen als eine Verlegung des Beschluß des Parteitages über die Budgetbewilligung hat Verständnis haben. Irgend einen„ zwingenden AusnahmeLübecker Parteitagsbeschlusses und als ein Bruch der Parteifall", der diese Programmverlegung gestattet, werden sie schon disziplin betrachtet wurde, wiesen die süddeutschen Partei- eigener Machtvollkommenheit einen Parteitagsbeschluß über Der bayerische Landesvorstand maßt sich also an, aus finden. Alles das fällt in das Gebiet der Landespolitit, auf alles organe solche Auffassung zurück. Die Abstimmung entspreche dem den Haufen zu werfen und damit die bisherige das verliert der Parteitag jeden Einfluß, wenn der Erlaß des Parteitagsbeschluß, hieß es; aber nicht die Parteipresse, sondern Parteiorganisation aufzulösen. bayerischen Landesvorstandes zu recht besteht. der kommende Parteitag habe zu entscheiden, ob die Budget- Die Behauptung, dem Parteitag unterständen bloß Dazu kommt die Tendenz, der deutschen Regierungen, den bewilligung im gegebenen Falle gerechtfertigt sei oder nicht. Am 13. August schrieb die Münchener Post" über die prinzipielle und solche tattische Angelegenheiten, die das Reich Schwerpunkt des politischen Lebens immer mehr in die Landbetreffen, nicht aber Angelegenheiten der Landespolitik, ist tage zu verlegen, den Reichstag immer mehr zu degradieren. Budgetbewilligung: etwas völlig Neues und Unerhörtes. Die süddeutschen Budget- Wird der Parteitag ausgeschlossen von jeder Beeinflussung der bewilliger selbst haben diese Auffassung früher nicht geteilt, Landespolitik, so bedeutet das, daß er in gleichem Maße wie wir gefehen; sie haben selbst in der Frage der Budget- wie der Reichstag degradiert wird, daß er zu einem bewilligung an den Parteitag appelliert. In der ganzen Schattendasein verurteilt und die wahre Kraft der Partei in Diskussion darüber ist mit keinem Wort die Kompetenz des den Landesparteibertretungen Konzentriert- oder vielmehr Parteitages bestritten worden. Wollten die süddeutschen zersplittert wird. Die deutsche Sozialdemokratie wird auf das " Bei der ganzen Angelegenheit ist nur eine Frage zu ent- Budgetbewilliger das tun, dann mußten sie es bor Altenteil gesetzt und der Gesamtpartei ein paar Brocken ihrer scheiden, nämlich die, ob die Erklärung der badischen Parteigenossen der Abstimmung vorbringen, dann durften fie bisherigen Gebiete gelassen. An ihre Stelle treten ihre die Bedingungen des Lübecker Beschlusses erfüllt oder nicht. Der nicht wochenlang in der Presse und tagelang auf 26 jugendlichen Kinder. Wir hätten fünftighin statt mit einer „ Vorwärts" ist der Meinung, das ist nicht der Fall; die süddeutsche dem Parteitag darüber diskutieren, ob ihr Verhalten in mit 26 sozialdemokratischen Parteien in Deutschland zu Barteipresse ist anderer Meinung. Bu entscheiden hat nun den Landtagen den früheren Parteitagsbeschlüssen entspreche, rechnen vorausgesetzt, daß die Partei sich die Anschauung der Parteitag." dann durften sie an der Abstimmung des Parteitages darüber des bayerischen Landesvorstandes aneignete, was uns freilich Das war im Anfange, solange noch die Anhänger nicht teilnehmen. ganz unmöglich scheint. Steht doch diese Anschauung im der Budgetbewilligung glaubten, die Mehrheit des Partei- Widerspricht der Erlaß des bayerischen Landesvorstandes Widerspruch zu der bisherigen Auffassung tages werde sich auf ihre Seite stellen. Als aber die Sprache der bisherigen Haltung der süddeutschen Budgetbewilliger selbst, der Budgetbewilliger selbst, im Widerspruch zum der großen Mehrheit der Parteipresse ihnen zeigte, daß sie so widerspricht er auch unserem Organisationsstatut, an dem Organisationsstatut der Gesamtpartei, im Widerspruch zu den darauf nicht zu rechnen hätten, änderten sie etwas die Ton- Süddeutsche ebenso wie Norddeutsche mitwirkten, das von einer Interessen des deutschen Proletariats, dessen Klassentampf art. Indes fiel es ihnen noch nicht ein, zu bezweifeln, daß Kommission ausgearbeitet wurde, deren Referent VoIlmar aufs äußerste geschädigt würde, wollte man versuchen, die die Beschlußfassung über die Budgetbewilligung in die war( 1905). Dort heißt es im§ 11: Erklärung des bayerischen Landesvorstandes in die Prayis Kompetenz des Parteitages falle. Sie versuchten nun, den umzusehen. fommenden Parteitag einzufchüchtern und ihn zu diskreditieren. Das heißt, sie erkannten an, daß der Parteitag die oberste Instanz in der Frage sei, suchten aber den Genossen einzureden, daß gerade dieser Parteitag kein richtiger sei, wegen der gebundenen Mandate und des ,, Mandatskaufs", den der Parteivorstand in schwachen Kreisen betreibe. Die Münchener Post" z. B. ließ sich am 3. September bernehmen: Die füddeutschen Referenten über die Budgetfrage auf dem Parteitage arbeiteten dann mit den schärfsten Mitteln der Einschüchterung. So erklärte Timm: " Der Parteitag bildet die oberste Bertretung der Partei". Und im§ 15 heißt es: " Zu den Aufgaben des Parteitages gehört... 4. Die Beschlußfaffung über die Parteiorganisation und alle das Parteileben berührenden Fragen." Bon irgendwelchen Reservatrechten der Landespolitik hier keine Rede. ist Zur politiichen Cage in Baden wird uns geschrieben: Sie ist aber auch vedfos als Versuch, die Abstimmungen der Fraktionen verfassungsrechtlich zu decken. Verfaffungsrechtlich hat jeder einzelne Abgeordnete nach seiner Ueberzeugung abzustimmen. Sollten Beschlüsse des Gesamtparteitage's damit unvereinbar sein, so gälte das nicht minder von Beschlüssen der Landesparteitage, ja der Fraktionen selbst. Verfassungsrechtlich ist jede Bindung Selbstverständlich mischt sich der Parteitag nicht in der Abgeordneten selbst durch einen Fraktionszwang verboten. Dem Barteitag der höchsten Instanz der Partei die Landespolitik, wo es nicht nötig ist. Aber es liegt aber feinem Abgeordneten ist es verwehrt, die Beschlüsse des wird auf diese Weise die entwürdigende Aufgabe zugeteilt, in völlig in seinem Ermessen, welche Angelegenheiten der Parteitages als Parteigenosse anzuerkennen und danach zu einer an sich ganz nebensächlichen, rein tattischen Frage, eine Landespolitik ihm für das allgemeine. Parteileben wichtig handeln. Polizeikomödie aufzuführen.... So wird in der Tat der Partei- erscheinen, und daher von ihm zu entscheiden sind und welche Wie man also die Erklärung des bayerischen Landes. tag die höchste Instanz von eben diesen Pseudoradikalen nicht. Und nicht nur von der Landespolitik gilt das, sondern vorstandes auch drehen und wenden niag, sie ist in jeder Bezu einem Bolizeigericht entwertet.... und unter diesen Ver- auch von der Kommunalpolitik, ja von individuellen Aktionen ziehung ungerechtfertigt und schädlich. Unsere bayerischen hältnissen halten wir nach wie vor die Frage einer ernſten einzelner Personen, wenn sie das Parteileben berühren. leitenden Genossen schreiten da weiter auf einer Bahn, auf Erwägung wert, ob die süddeutschen Parteigenossen sich an dieser So hat es die Partei auch immer gehalten. Der oben der sie sich immer tiefer in eine unhaltbare Situation verEntwürdigung des Parteitages der höchsten Instanz- zitierte 4. Absatz des§ 15 unseres Drganisationsstatuts findet rennen, immer schroffer in Gegensaz zur beteiligen sollen." sich auch in den alten Statuten von 1890. Und die Partei- Gesamtpartei geraten. Es ist 8eit, daß sie sich auf Man sieht, nicht der mindeste Zweifel wird geäußert, daß tage der Gesamtpartei haben ohne irgend welchen Widerspruch ihre Parteipflichten besinnen. die Budgetbewilligung in die Kompetenz des Parteitages falle. schon oft genug bindende Beschlüsse über Fragen der LandesProtestiert wird nur gegen die Art der Beschickung des Partei- politik gefaßt, so über die Beteiligung an sächsischen und tages. Diesen Protest mußte aber die Münchener Post" mit preußischen Landtagswahlen, ja über individuelle politische ihren Gefährten schleunigst in die Tasche steden, da er auf Verirrungen, wie 1894 über Rüdt und Stegmüller. Der einer grundlosen Anschuldigung des Parteivorstandes und Parteitag hat stets das Recht gehabt, über strittige Fragen der norddeutschen Genossen beruhte. Auf dem Parteitage wurde in der Landes- wie in der Kommunalpolitit sein Urteil zu In einer schlimmen Krise befindet sich zurzeit die nationalliberale gegen feines der Mandate auch nur der leiseste Einwand er- fällen. Partei in Baden. Das Mitglied des Oberschulrats Rebmann hat hoben. Wo kämen wir auch hin, wenn dem Parteitag dieses feinen Posten als Vorsitzender des nationalliberalen Vereins in Recht nicht zufäme, wenn das Gebiet, auf dem er die oberste Karlsruhe wegen angeblicher Arbeitsüberhäufung niedergelegt; gleich. Instanz bildet, durch die Landesorganisationen beschränkt zeitig wurde berichtet, daß Herr Stebmann, welcher in einem der wäre! Die Einheitlichkeit der Aktion ginge verloren und ewige drei Freiburger Landtagswahlkreise mit sozialdemo Eine Resolution wie diese, die Sie uns aufzwingen, würde Stompetenzkonflikte und Reibereien wären die Folge. Denn tratischer Hilfe gewählt ist, bort nicht wieder kandidieren wo ich spreche das in aller Ruhe aus für uns unannehmbar gäbe es eine Instanz, die feststellte, wo die Kompetenz wolle. Das heißt, der Staatsbeamte will sich nicht vorwerfen lassen, fein. Sier gibt es feine Unterwerfung, sondern beginnt? Die Partei ginge in endlosen Konfliften in Trümmer. verdanken hat. des Parteitages aufhört und die der Landesorganisationen daß er seinen Landtagssig nur der Hilfe der Sozialdemokraten zu nur den entschiedensten Widerstand." Darin zeigt sich deutlich der Wandel der Der bayerische Landesvorstand will prinzipielle Fragen Regierungspolitik. Der frühere Minister Schentel, welcher aus Das heißt: wir fügen uns dem Parteitage nicht. Die dem Parteitag überlassen. Aber welche Fragen sind prinzipieller Saß gegen das Bentrum das Großblodabkommen unter der Hand Einigkeit fann nur dadurch erhalten werden, daß der Parteitag Natur? Die Mehrheit des Parteitages erklärt die Frage der gut hieß und nicht verhinderte, daß die amtliche Karlsruher sich uns unterwirft. Budgetbewilligung für eine prinzipielle. Der bayerische Landes- Beitung" einen freundlichen Artikel darüber brachte, wurde bald vorstand dekretiert, sie ist eine tattische und darum ist der darauf von seinem Bosten enthoben. Seit der Zeit stand es fest, Beschluß des Parteitages darüber lediglich schäzbares Ma- daß die Regierung ein nochmaliges Großblodablommen zu hindern terial", das die Landtagsfraktionen nach Gutbünken besuchen würde. Zu allem lleberfluß hat das der Nachfolger nugen mögen. Schenkels, der jetzige Minister v. Bodmann, in seiner beAber auch bei jenen Fragen, deren prinzipieller Charakter tannten scharfen Rede gegen die Sozialdemokratie ausdrücklich allgemein anerkannt wird, darf der Parteitag wohl Beschlüsse hervorgehoben, indem er ausführte, daß ihm ein Näherrücken der fassen die Landesparteiorganisationen sind aber souverän in der Nationalliberalen an die Konservativen als das entschieden NatürArt, wie sie den Beschluß auslegen. Der Parteitag darf da lichere erscheine. nichts mehr dreinreden. Und über welche Auslegungskünstler Diese ministerielle Auffassung hat in der nationalliberalen wir verfügen, hat die Handhabung der Lübecker Resolution Partei zahlreiche Anhänger, namentlich gehören fast alle jene AbSo sprachen die Budgetbewilliger vor der Abstimmung. bewiesen! geordneten dazu, die ihre Size nicht der sozialdemokratischen Hilfe Nach Tische aber las man's anders. Nach der Abstimmung Endlich: was bleibt an Fragen praktischer Politit noch zu verdanken haben, ferner alle Unternehmer, denen ein 8ulas Segit eine von 66 füddeutschen Delegierten unterzeichnete dem Parfeitag übrig, wenn die Partei sich vor dem Dittat fammengeben mit den fozialdemokratischen ArErklärung bor, in der die Ansicht ausgesprochen wurde, der des bayerischen Landesvorstandes beugt? beitern, die ihnen durch ihre Lohntämpfe so viele Parteitag sei nicht für alle Parteiangelegenheiten die oberste Das Schulwesen gehört zur Landespolitik. Wenn ungelegenheiten bereiten, ein Greuel ist. Diese Instanz, sondern nur für prinzipielle sowie für solche taktische irgendwo eine Landtagsfraktion, um bäuerliche Stimmen zu großblockfeindliche Richtung hat jetzt völlig Oberwasser in der Angelegenheiten, die das ganze Reich betreffen. gewinnen, einer Verkürzung der Schulpflicht zustimmt, hat nationalliberalen Partei gewonnen. So hat z. B. auch der VorDie Mehrheit hörte diese seltsame Erklärung still- der Parteitag nach der Auffassung des bayerischen Landes- sigende der badischen Gesamtpartei und der nationalliberalen fchweigend an, woraus einige süddeutsche Drgane kühn den vorstandes fein Recht, einzugreifen, denn hier liegt ein Fall Landtagsfraktion, Rechtsanwalt Dr. Ning seine Aemter Schluß zogen, die Mehrheit habe ihr zugestimmt! Sie habe von Landespolitik vor und das Parteiprogramm sagt über die plötzlich niedergelegt. Ein Verzicht, der die national.hren eben nach langer, eingehender Diskussion in nament- Dauer der Schulpflicht nichts. liberalen Kreise dermaßen verbittert hat, daß das führende Organ der Nationalliberalen, die Badische Landeszeitung", bon Nör glern innerhalb der Partei forach, die dem Aber trotzdem tam es auch Timm nicht in den Sinn, die Kompetenz des Parteitages in der Budgetfrage zu bezweifeln. Ja, derselbe Parteivorstand, dem der badische Landesvorstand das Schweigegebot entgegengehalten hatte, wurde von Timm angeklagt, er habe nicht kräftig genug eingegriffen. „ Ich flage auch den Parteivorstand an. Ich flage ihn an, daß er nicht eingegriffen hat... Und ich verlange, daß das auch gegenüber allen Parteiorganen geschieht, und nicht nur gegenüber solchen Leuten, wo man meint, man könne den Mut dazu hernehmen". " icher Abstimmung feierlich bekräftigten Beschluß einfach da Und wenn in einem anderen Landtag die Fraktion findet, surch unter den Tisch fallen lassen, daß sie eine vorher Staatsschulden seien der Weg zur Hebung des Volts. " F K h r e r Sas Leven sauer gemacht und ihm die Mitarbeit nach fünfundzwanzigjähriger aktiver Partei tätigkeit verleidet hätten. Das Blatt suchte nachher diese gegen die eigenen Parteigenossen erhobenen schweren Vorwürfe zwar abzuschwächen, erklärte aber ausdrücklich, daß die Stellung der Partei zum Großblock„keine einheitliche" sei. Es wird also bei der Aufstellung des Kandidaten zu der übers Jahr stattfindenden Landtagswahl die Stellung zum Groß- block eine sehr wesentliche Rolle spielen, wenn nicht, was keineswegs ausgeschlossen ist, bis dahin die Scharfmacher in der national- liberalen Partei völlig gesiegt und den Kampf für die Simultan- Volksschule und geigen die Zulassung von Männerklöstern aufgegeben haben. Ein Landasvarteitag soll zum nächsten Sonntag einberufen werden, um einen Führer zu wählen. Bei dieser Gelegenheit dürste der Schleier über die neuesten Vorgänge noch weiter gelüftet werden. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, daß auch der Vor- sitzende des jungliberalen Landesverbandes, Amtsgerichtsrat Dr. Koch, gleichfalls sein Amt niedergelegt hat. Der Landesverband hat wiederholt beschlossen, sich dem allgemeinen deutschen Verbände an- zuschließen. Im Statut befindet sich nun aber die unsinnige Be- stimmung, daß zrrr Gültigkeit eines solchen Beschlusses eine Drei- Viertelmehrheit erforderlich ist. Da diese Mehrheit aber nicht ganz erreicht wurde, so hängt der Beschluß in der Luft, zum Gaudium aller praktischen Politiker und der Führer der Minderheit, die auf diese Weise die Mehrheit hindern, ihren Beschluß in die Tat um- iusetzen._ poUtifche CUbcrficbt. Berlin, den 29. September 1908. Zur Reichsfinanzlage. Obgleich erst die Steuer-Einnahmtn der ersten fünf Monate deS vom 1. April 1908 bis zum 31. März 1909 reichenden Rechnungs- jahres 1908/09 bekannt sind, zeigt sich doch bereits, daß dieses Finanzjahr voraussichtlich mit einem noch weit größeren Fehlbetrag schließen wird» als die Jahre 1907/08 und 1906/1907. Im Augustmonat deS laufenden Jahres zeigt sich allein schon gegen das Vorjahr eine Mindereinnahme von über 12 Millionen Mark. Speziell die Einnahme aus den Zöllen hat bisher in keinem Monat deS laufenden Etatsjahres die vorjährige Höhe erreicht. Der Aus- fall gegen das Vorjahr beträgt in den fünf bisher verstrichenen Monaten nicht weniger als 46,44 Millionen Mark. Die vorjährige Zolleinnahme hatte zwar ein Mehr über den Etatsanschlag von 44,38 Millionen Mark erbracht, so daß man, wenn die nächsten Monate, was allerdings kaum anzunehmen ist, der vorjährigen Ein- nähme gleich kämen, damit rechnen könnte, daß das Etats- soll von 1907 mit 600,36 Millionen Mark erreicht werden wird. Nun hat aber der Etat für 1903 in seinem Anschlag d i e Zolleinnahme um 66,61 Millionen Mark gegenüber dem Vorjahre erhöht, so daß im laufenden Etatsjahre 666,97 Millionen Mark aufkommen sollen. Die ersten fünf Monate haben erst 238,68 Millionen Mark eingebracht. Berechnet man diese Zoll- einnähme auf daS ganze Jahr, so ergibt sich nur eine Summe von 672,63 Millionen Mark, so daß sich ein Ausfall gegenüber dem EtatSanschlage von 93,73 Millionen Mark herausstellen würde. Allerdings pflegen die Zolleinnahmen im zweiten Halbjahre des EtatSjahres höher zu sein als im ersten, aber man darf sich schon darauf gefaßt machen, daß die Einnahmen aus den Zöllen im laufenden Etatsjahre um fünfzig bis sechzig Millionen Mark hinter dem' Voranschläge zurückbleiben werben. Unter dem Ausfall wird insbesondere der Hinterbliebenen- Versicherungsfonds zu leiden haben, der im vorigen Etatsjahre mit 42,38 Millionen Mark gespeist werden konnte. Es ist leicht möglich, daß er in diesem Jahre nahezu leer ausgeht. Läßt sich doch be- rechnen, daß der Zollausfall allein beim Weizen, Roggen und Mais in den ersten fünf Monaten des laufenden EtatSjahres mehr als 25 Millionen Mark beträgt. UebrigenS stellen sich die Ausfuhr- Vergütungen, Erhebungskosten und Verwaltungs- kosten bei den Zolleinnahmen w e i t h ö h e r als der Etatsanschlag voraussieht. Es sind für daS ganze Jahr 1908 84,30 Millionen Mark eingestellt, während in den fünf Monaten bereits 26,83 Millionen Mark verausgabt sind, so daß man vielleicht auf eine Gesamtausgabe kommen wird, welche den Etatssatz um 30 Millionen Mark über- steigt. Diese starken Aufwendungen drücken naturgemäß die Rein- einnähme noch wesentlich herab. Aber nicht nur in den Zoveinnahmen zeigt sich ein für die Finanzverwaltung höchst fataler Ausfall an erwarteten Einnahmen. Mit Ausnahme der Zigarettmsteuer dürsten voraussichtlich die sogenannten neuen Steuern, das sind die vor Jahren geschaffenen, den Voranschlag bei weitem nicht erreichen. Gegen daS Vorjahr weist z. B. der Frachturkundcnstempel 400 000 M. an Mindereinahmen auf, die Fahrkartensteuer brachte bis Ende August erst 7,38 Millionen Mark, soll aber im ganzen Jahr 23'/, Millionen Mark bringen, die Tantiemensteuer brachte 0,92 Millionen Mark statt 2,29 Millionen im Vorjahre; am be- deutendsten wird der Ausfall bei der Erbschaftssteuer sein, deren Einnahmesoll für 1903 um 6 Millionen Mark höher veranschlagt ist, als für daS Jahr 1907. Im Jahre 1907 sollten 30 Millionen Mark eingehen, eS sind aber nur 20,26 Millionen Mark eingekommen, so daß ein Ausfall von 9,74 Millionen stattfindet. Die Erhöhung des Etatssolls für 1908 wurde damit begründet, daß allmählich sich die Wirk- famkeit der Steuer immer mehr zeigen müsse. Man merkt aber von einer Zunahme sehr wenig, und es sind in dem laufenden Jahre bisher erst 630 000 M. mehr eingekommen als im gleichen Zeitraum des vorigen EtatSjahres. Da die fünf Monate erst 9,43 Millionen Mark ergeben haben, wird man selbst bei einer progressiven Steigerung für das laufende Etatsjahr auf nicht mehr als ' 25 Millionen Mark zu rechnen haben, sodaß sich gegenüber dem Etatssoll ein Ausfall von etwa 17 Millionen Mark er- geben wird. Im ganzen werde««ach diesen Schätzungen die neuen Steuern im laufenden Etatsjahre etwa 23 Millionen Mark weniger ergeben, als derEtat für 1903 annimmt. Das Kriegsministerium als politisches Agitationskomitee. Wir haben vor kurzem berichtet, daß einige Bczirkskommandos auf die ihnen unterstellten Offiziere des Beurlaubtenstandes einen Druck zum Beitritt zu den Kriegcrvereinen ausüben. Konnte man zunächst der Vermutung zuneigen, daß es sich bei diesem Vorgehen um Eigenmächtigkelten der Bezirkskommandeure handele, so steht jetzt fest, daß diese politische Agitation direkt vom Kriegsministerium ausgeht. Das„Berliner Tageblatt" ist in der Lage, folgende Ge- heimerlasse an die Bezirkskominandos zu veröffentlichen: Auszug aus der Verfügung des Kriegsministeriums vom 13. Januar 1892— Nr. 67/12. 91. C. 3. II. Aug.— Geheim. Betrifft: Verpflichtung der Offiziere des Beurlaubten- stanbeS usw. zur Beteiligung an der Förderung des Kriegervereins Wesens. Ten Anschluß der Kriegervereine an den Deutschen Krieger- bund anlangend, so hat derselbe, wie auch der Beitritt vsn Ofsi-, zieren zu den Vereinen, in fast allen Korpsbezirken erheblich zu» genommen und wird der günstige Einfluß, welchen einerseits diese Unterstellung der Vereine unter eine geeignete Kon- trollstelle, andererseits die Teilnahme von Offizieren ganz besonders an den Vereinssitzungcn ausübt, anerkennend hervor- gehoben. Das Kriegsministerium ersucht daher ganz ergcbenst, den Beitritt von Offizieren des Beurlaubtcnstandes usw. sowie be- sonders deren tätige Beteiligung an dem Vereinsleben nach wie vor fördern zu wollen, es läßt sich erwarten, daß die Offiziere, je bekannter und vertrauter sie mit den übrigen Vereinsmitgliedern werden, um so leichter in die Vereinsvorständc kommen werden, was wesentlich dazu beitragen würde, das Kriegervereinswesen in richtige Bahnen zu lenken beziehungsweise in solchen zu erhalten. AuSzug aus der Verfügung König I. Kriegsmin. vom 23. 11. 11900.— Nr. 466/11. 03, Z. 1. II. Aug.— Geheim. Der Vorsitzende des Preuß. Landcs-Kriegervcrbandes hat gebeten, daß die vom Professor Dr. Westphal verfaßte Schrift: „Das deutsche Kriegervcreinswesen usw." den Königl. General- kommandos und Bezirkskommandos namentlich zur Ber- teil u ng an die Offiziere des Beurlaubten- stand es übersandt werden möchte. Diese Schrift gibt Aufklärung über Zweck und Ziel des Kriegervereinswesens und dessen Bedeutung für den Staat und dürfte geeignet sein, die seitens des genannten Vorsitzenden ge- wünschte regere Betätigung der Offiziere des Beurlaubtenstandes in den Kriegervereinen zu fördern. Diese Schrift ist seinerzeit an die Herren Offiziere des Beurlaubtenstandcs verteilt worden. Es wird darauf hingewiesen, daß diese Verfügungen als geheim zu betrachten sind. Beide Erlasse beweisen, daß das preußische Kriegsministcrium sich selbst als eine Art politisches Agitationskomitee betrachtet, läge doch sonst nicht der geringste Anlaß vor, auf die Geheimhaltung der Erlasse zu dringen. Für uns ergibt sich aus dieser Beteiligung des Kriegsministeriums am politischen Agitationstreiben um so mehr die Pflicht, ihm ohne Rücksicht auf alle vaterländischen Tiraden die Mittel zu versagen und zugleich darauf zu halten, daß alle Ar- beiter, die Anhänger unserer Partei sind, aus den kriegsministeriell begönnerten politischen Vereinen, die sich Kriegervereine nennen, austreten.— Wie Du mir, so ich Dir! Die badische Regierung hat gegen den„SimplicissimuS" Straf- antrag gestellt wegen Beleidigung des Großherzogs. ES handelt sich um die satirisch gefärbte Konstatierung, daß der badische FiskuS Eigentümer eines Bordells in Heidelberg war, eine Angelegenheit, die wir bereits kürzlich ausführlich ge- schildert haben. WaS der Großherzog damit zu tun hat, ist un- erfindlich; aber es muß dem Takte der badischen Regierung über- lassen bleiben, wenn sie den Großherzog in ihre wenig hübsche Heidelberger Affäre hineinziehen will. Das Eisenbahnverbot führte übrigen? zu einem Briefwechsel zwischen der badischen Generaldireltion und dem.Simplicissimus", den die»Münch. Post" im Wortlaut mitteilt: I. Karlsruhe. 23. Februar 1907. Großherz. Generaldirektion der Badischen StaatSeisenvahnen.� An den Simplicissimus-Verlag in München Auf das Schreiben vom 23. d. Mts.(in diesem Schreiben hatte """ der. Simplicissimus" eine Erklärung de» Verbotes der- langt). Der„Simplicissimus" bringt häufig Darstellungen in Wort und Bild, die geeignet sind, die bestehende Ordnung und gute Sitte zu gefährden. Er eignet sich deshalb nicht zum Verkauf in den Räumen unserer Staatsbahnverwaltung. gez. Roth. gez. Busch. II. München, 2. März 1907. An die Generaldirektion der Badischen Staatseisenbahnen Auf das Schreiben vom 23. Februar 1907. Der Boykott ist ein Mittel, das geeignetZ ist, die bestehende Ordnung und gute Sitte zu gefährden. Er eignet sich deshalb nicht für Staatsbehörden. gez. Simplicissimus-Verlag _ G. m. b. H. Erhöhung der preußischen Einkommen- und Ergänzungssteuer. Verschiedene Blätter wußten dieser Tage zu melde», daß die neuen Einnahmen, die der preußische Staat brauche, vornehmlich der Mehrbedarf für die Beamtenbesoldungen, ausschließlich durch eine Hinaufschraubung der Einkommensteuersätze beschafft werden sollen. Darauf meldet die„Neue pol. Tagesd.": „ES ist irrig anzunehmen, daß der Mehrbedarf für die Beamtenbefoldungen allein durch eine Erhöhung der Einkommen- steuersätze beschafft werden soll; auch die Ergänz ungs st euer wird eine entsprechende Erhöhung erfahren, da der Grundsatz durchgeführt werden soll, daß nur denjenigen Kreisen der Bevölkerung vermehrte Lasten zugemutet werden, die sie zu tragen imstande sind. Ob diese Mehrbelastung dauernd sein muß, ist auch noch sehr zweifelhast. Denn daraus, daß sich vorübergehend infolge der Lage der WirtschastSverhältnisse bei der Eisenbahnverwaltung ein Minderertrag gegen den Etatsansatz ergibt, folgt noch keineswegs, daß nicht em Teil deS künftigen Mehrbedarfs für Besoldungen durch Inanspruchnahme der Ueber- schüsse der Betriebsverwaltungen gedeckt werden kann, zumal wenn die verkündete größere Sparsamkeit zur Tat wird. ES bleibt auch zu beachten, daß gerade in der letzten Zeit bei der Eisenbahnverwaltung Neuanschaffungen die Ueberschüsse in einem Maße gedrückt haben, wie eS für die Zukunft nicht zu erwarten ist." Bürgerschaftswahl in Hamburg. Im 62. Bezirk der allgemeinen Wahlen zur gesetzgebenden Körperschaft Hamburgs fand am Dienstag die Stichwahl statt zwischen unserem Genossen Lüth mid dem Kandidaten der vereinigten Liberalen, Koch. Bei der Hauptwahl beteiligten sich zirka 88 Prozent der Wähler. Bei allen Wahlen und Nachwahlen, die seit der Wahl- entrechtung stattgefunden haben, macht sich ein starker Zug nach links bemerkbar. Die Anhänger des neuen Klassenwahlrechts sind zu einem großen Teile bei der vorjährigen halbschichtigen Erneuerung der Bürgerschaft ausgeschaltet worden, während bei allen noch unter dem alten Zensuswahlrecht stattgehabten Nachwahlen— die eine Stadthälfte wählt bis 1910 noch nach diesem Wahlrecht— die Wahlrechtsräubcr sämtlich auf der Strecke geblieben sind. Obwohl im 62. Bezirk, bisher vertreten durch einen Wahlenttechter, zum größten Teile Beamte wohnen, ist unsere Stimmenzahl von 241 auf 391 gewachsen; der Liberale hat 599, der Reaktionär nur 270 Stimmen erhalten.# Hamburg, 29. September. (Privatdepesche des„Vorwärts".) Bei schwächerer Beteiligung erhielt Lüth(Soz.) 374, Koch (lib.) 803 Sttnnnen. Koch ist also gewählt. Diamanten in Deutsch-Südwestaftkka. Einer Berliner Meldung der„Kölnischen Zeitung" zufolge schweben zur Zeit wegen des Vorkommens von Dianiauten bei Lüderitzbucht Verhandlungen, die auf ein gemeinschaftliches Zu« sammengehen aller Interessenten unter Gründung einer großen deutschen Gesellschaft abzielen. Das Reichs-Kolonialamt sperrte durch Verfügung vom 22. September daS für Diamantstinde wichtige Gebiet der Deutschen Kolonialgesellschaft für Südwestafrika für die allgemeine Schürffreiheit.—_ Wetterzeichen im Ruhrrevier. Gegen die Bergleute des Ruhrreviers ist allem Anschein nach ein großes Kesseltreiben geplant. Zu den schwarzen Listen, dem niedrigen Verdienst, schlechter Behandlung, hohen Strafen und ein- seitigcr Festsetzung von Maximallöhnen, kommt jetzt noch eine neue, die Bergarbeiter provozierende Maßregel. Auf Zeche„Pluto" bei Gelsenkirchen sollen neue Förderwagen eingeführt wer- den, die fünfzehn Zentner fasten; die bisher gebräuch- lichen Wagen faßten nur 12'/z Zentner. Den Arbeitern sollen als Ausgleich ganze zehn Pfennig pro Wagen vergütet werden, was bei einem Lohn von 1,20 M. pro Wagen eine Lohn- reduktton von 70 Pf. bei 75 Zentnern bedeutet.— Diese neueste Maßregel wird aber schon deshalb unerhörteste Erbitterung hervor- rufen, weil die Schinderei schon bei den bisherigen Wagen für Menschen und Tiere eure große war. Die„Bergarbeiter- Zeitung", aus der diese Meldung stammt, warnt, den Bogen zu straff zu spannen, und gibt der Meinung Ausdruck, daß die Unternehmer zu einem Streik hintreiben wollen. Die Einführung größerer Wagen hat schon einmal zu einem Bergarbeiterstreik geführt.—- Deutsch-englische Friedensdemonstration. Genosse S a s s e n b a ch schreibt uns: In der„Leipziger Zeitung" befindet sich in dem Bericht übe: die Berliner Friedensdemonstration folgende Stelle: „Daß die sozialdemokratische Art, die Friedenspropaganda für ihre Umsturzzwecke auszubeuten, nicht dem Sinn der englischen Friedens- bestrebungen entspricht, wurde geradezu am Sonntag von englischer Seite festgestellt. Die Deputation hatte nämlich eine Adresse aus England mitgebracht, in der die deutschen Arbeiter aufgefordert werden, sich mit den Arbeitern Englands und Frankreichs zu vereinigen, um statt des Krieges ein obligatorisches Schiedsverfahren zu er- wirken. Diese in englischer Sprache verfaßte Adresse, die der Sekretär der Internationalen Schiedgerichtsliga, Mitglied des englischen Unterhauses Maddison am Sonntag feierlichst den„Ge- nossen" überreichte, mußte natürlich zum Verständnis der Versamm- lung übersetzt werden. Und diese Uebersetzung wurde dem Revisio- nisten Bernstein, der bei seinem jahrzehntelangen Aufenthalt in London am meisten dazu geeignet erschien, übertragen. Bernstein aber kehrte sich an den Wortlaut der Adresse nur wenig, sondern gab ihr in steier Uebersetzung eine rein sozialdemokratische Form. WaS in dein Schriftstück an den gebräuchlichen Phrasen und Schlagwörtern, die den Klassenhaß aufstacheln sollen, fehlte, das fügte Bernstein hinzu. So sprach er in seiner Verdeutschung auch von dem „verderblichen Einflüsse der Ausbeuter", die bei den Krieg- treibereien eine Rolle spielten. Glücklicherweise ober gab eS unter den Mitgliedern der englischen Deputation auch solche, die recht gut Deutsch verstanden und die natürlich nicht wenig über die allzu steie Uebersetzung des„Genossen" Bernstein erstaunt und auch ent- rüstet waren. Der Ueberreicher der Adresse, Maddison, trat sofort auf, um die Fälschung zu entlarven." Da eine ähnliche Notiz durch die ganze Reichsverbandspresfe läuft, möchte ich feststellen, daß die Adresse nicht in englischer, sondern in deutscher Sprache überreicht wurde. Sie wurde in London über- setzt und in deutscher Sprache gedruckt und ür einhundert Exemplaren an mich gesandt. Es ist nicht wahr, daß sich die englischen Per- treter über eine unrichtige Uebersetzung beklagt haben. Das war schon aus dem Grunde nicht möglich, weil kein einziges Mitglied der englischen Delegation der deutschen Sprache mächtig war. Im Gegenteil hat Herr Maddison, der Führer der englischen Delegation. noch in einer Zusammenkunft am Montag nach der Demonstration seinen herzlichsten Dank ausgesprochen und mich gebeten, diesen Dank den am Zusammenkommen der Demonstration beteiligten Personen zu übermitteln. Auch mit keiner Silbe ist angedeutet worden, daß man sich über eine unrichttge Uebersetzung zu beschweren habe._ Joh. S a s s e n b a ch. 8cbwdz. Die Vereinigung für gesetzlichen Arbeiterschutz. Luzcrn» 28. September. Die Internationale Vereinigung für gesetzlichen A r b e i t e r s ch u tz ist heute im hiesigen Rathause zu ihrer 5. Generalver- s a m m l u n g zusammengetreten. Sämtliche europäischen Staaten, außer Portugal und den Balkanländern, haben amtliche Delegierte, Sektionsvertreter und Gäste entsandt, außer- dem die Vereinigten Staaten Amerikas. Japan und der Papst. Aus Deutschland sind Delegierte des Reichs, der Regie- rungen von Preußen, Sachsen und Baden und 16 Vertreter der Gesellschaft für soziale Reform erschienen. Nach Be- grüßungen durch den Präsidenten der Vereinigung Land- ammann S ch e r r e r(St. Gallen) und den Schultheiß von Luzern wurden fünf Komniissionen gebildet zur Vorberatung folgender Gegenstände: Finanzen und Verwaltung. Be- kämpfung gewerblicher Gifte, Kinder- und Heimarbeit, Maximalarbcitstag und Vollzug des Arbeiterschutzes, Internationale Unfallversiche- r u n g. Diese Kommissionen erstatten morgen und am Mitt- woch dem Plenum Bericht. Luzern, 29. September. In ihrer zweiten Plenar- sitzung behandelte die Internationale Vereinigung für gcsctz lichen Arbetterschutz das Verbot der gewerblichen Nachtarbeit der Jugendlichen und beschloß: Im allgenieinen soll dies Verbot für alle Arbeiter beiderlei Ge- s ch l e ch t s bis zum vollendeten achtzehnten Lebensjahre eingeführt werden; absolut gilt es bis zum vollendeten vierzehnten Jahre. Ausnahmen sind nur für Fälle höherer Gewalt und in gewissen Saison- betrieben zulässig, ferner für eine bestimmte Beschäftigung in Glashütten als Uebergangsmaßregel. Die Vereinigung bcharrt cmf ihrem Wunsche völliger Nacht- ruhe für Jugendliche, wird die Verhältnisse weiter prüfen und zu gegebener Zeit eine internationaleRegelung vorschlagen. Den Regierungen, die die Bcrner Staatsvcrträge rattfiziert haben, wird Dank ausgesprochen. Die englische Ausgabe des Bulletins wird durch einen beträchtlichen Zuschuß gesichert. Die Beamten des internationalen Arbeitsamtes erhalten Pens! onsversicherung. Der nächste Delegiettentag soll im Herbst 1919 in Lugano stattfinden. Sdwedeu. Bon Erfolg zu Erfolg. »Stockholm, 27. September.(Eig. Ber.) In Stockholm, das am Freitag in seinen fünf Wahlkreisen seine 21 Ab- geordneten zur zweiten Kammer wählte, haben unsere Parteigenossen samt den liberalen Demokraten auf der ganzen Rinie gefiegt. Gewählt find 10 Sozialdemokraten und 11 als zuverlässig geltende Liberale. Die Zahl der sozialdemo tratischen Vertreter der Hauptstadt hat sich damit verdoppelt. Im 1. Wahlkreise siegten die 5 Kandidaten der rein sozialdemo= tratischen Liste mit 3657 bis 3417 Stimmen gegenüber der antisozialistischen Liste, die nur 1990 bis 1749 Stimmen erhielt. Hier ist der Verbandsvorsitzende der Transportarbeiter Lindley wiedergewählt, und neugewählt sind die Genossen Journalist Sven Persson, Kassierer Södersberg, Zollbeamter Rissen und Böttcher Hasselquist. Im 5. Streife, wo ebenfalls eine rein sozialdemokratische Liste aufgestellt war, wurden die Genossen Branting, Socialdemokratens" Hauptredakteur, indquist, der Vorsitzende der Landesorganisation der Gewerkschaften, und Versicherungsbeamter Tengdahl wiedergewählt, und Redakteur Johansson neugewählt. Unsere Genossen siegten hier mit 4143 bis 4133 Stimmen über die Antisozialisten, die es nur auf 1566 bis 1552 Stimmen brachten. Im dritten Kreise wurde ein Sozialdemokrat, Ernst Blomberg, der Verbandsvorsitzende der Schmiede und Maschinenarbeiter, wiedergewählt und außerdem 3 Liberale gewählt, während die beiden übrigen Kreise ganz den Liberalen mit Unterstützung der Sozialdemokratie überlassen blieben. Unter den wiedergewählten Liberalen sind der frühere Staatsminister Staaf, ferner Fridtjow Berg, der unter ihm Kultusminister war, sowie der Bürgermeister 2indhagen, ein demokratisch gesinnter Mann, der mit besonderem Eifer für das Frauenwahlrecht eintritt. Die konservativen oder sich liberal nennenden Antisozialisten haben bei diesen Wahlen eine überraschend schwere Niederlage erlitten, obwohl sie eine in Schweden bisher unbekannte Wahlreklame nach amerikanischem Muster entfaltet und sogar durch Trompeter zu Pferde ihre Wähler zusammenblasen ließen. Ein weiteres Mandat haben unsere Parteigenossen in dem füdlich von Stockholm liegenden Kreise der Kleinstädte von Södermanland erobert, wo Redakteur Svensson mit 740 über 637 liberale und 441 konservative Stimmen siegte. Ferner ist in der Stahlindustriestadtsstil. st una der sozialdemokratische Messerschmied Kropp wiederIm ganzen waren bis Ende der verflossenen Woche von den 280 Abgeordneten der zweiten Kammer 220 gewählt, und zwar 32 Sozialdemokraten, 98 Liberale und 90 Konservative. Bei den vorigen allgemeinen Wahlen 1905 wurden 13 Sozial. demokraten gewählt, und weitere 4 Mandate eroberten unsere Genossen bei den Ergänzungswahlen im Laufe der LegisIaturperiode. Goeben kommt die Nachricht, daß im Wahlkreise Vesteras unser Parteigenoffe Bittor Larsson mit 1813 gegen 75 2Stimmen des konservativen Kandidaten wiedergewählt ist. Bor 3 Jahren kam Larsson mit der schwachen Mehrheit von 749 gegen 613 Stimmen in den Reichstag. Mit ihm ist der letzte von den 17 Sozialdemokraten, die bereits Mitglied des Reichstags waren, wiedergewählt und dazu haben wir 16 neue Mandate erobert, so daß die Fraktion auf 33 Stöpfe angewachsen ist. gewählt. Türkei. Ibrahim auf der Flucht. Konstantinopel, 29. September. Wie türkische Blätter melden, hat der sur benchef Jbrahim sich nach dreistündigem Gefecht während der Nacht aus Wiranfchehir in der Nichtung auf Sindjar geflüchtet. Die Verfolgung wurde eingeleitet. Bulgarien. Der Konflikt mit der Türkei. Unnachgiebig. Aus der Partei. Der Nürnberger Parteitag in den Organisationen. Tage wieder in das Geschäft zu kommen. Das Kaufmanns. gericht verurteilte die Genossenschaftsbant zur Zahlung der in dem Klageantrage geforderten 90 M. abzüglich Kranken- und Invalidengeld für den Monat Juli. Nach den AusIn einer Mitgliederversammlung des Sozialdemokratischen Berführungen des Gerichts fonnte die beklagte Firma der Klägerin eins Sönigsberg, die am Sonntag abgehalten wurde, gab Ge- nicht zumuten, wieder in das Geschäft zu kommen, denn sie war nosse Hugo a afe den Bericht über den Parteitag. Besonders die bereits entlassen. Unter diesen Umständen konnte die Klägerin Budgetbewilligungsfrage fand in der Berichterstattung des Genossen gewärtig sein, daß ihr von einem Vertreter der Genossenschaftsa afe eingehende Würdigung. In der Diskussion beleuchtete Ge- bant die Türe verwiesen worden wäre. Es wäre Pflicht der nosse Gottschalt die verwirrende Ansicht des Genossen Segiz, Bant gewesen, der Klägerin zu schreiben, daß sie nach WiederAusbrud gegeben, daß es keine Bestimmung im Parteistatut gebe, Klägerin durch das ärztliche Attest nachgewiesen hat, daß sie tat der in einer Fürther Parteiversammlung seiner Meinung dahin herstellung den Dienst wieder aufnehmen kann, nachdem die nach der die Landesorganisationen in allen Fragen dem fächlich frank war. Die Klägerin hat ihrer Pflicht genügt, denn Parteitag unterstehen. Die Ansicht des Genossen Segis ist sie hat sich der Bank zur Verfügung gestellt. Daß die Klägerin grundfalsch und der Versuch, die Geschlossenheit der Partei ein paar Tage später erst ihren Wohnungswechsel angezeigt hat, anzutasten, muß entschieden zurückgewiesen werden. Zweifellos war tein Grund zur sofortigen Entlassung. ist der Parteitag in allen Parteifragen die höchste Instanz, Bedauerlich ist, daß die Stenotypistin nicht auf die Folgen der sich alles zu unterwerfen habe. Nachdem die Themata zur der unpünktlichen Zahlung die Firma hingewiesen und dann den Frauen- und Jugendorganisation sowie die Stellung des Nürnberger vollen Schaden eingeklagt hat, der durch unpünktliche Zahlung ihr Barteitages zur Maifeierangelegenheit eingehend vom Referenten entstanden ist. und in der Debatte behandelt worden waren, wurde folgende Resomit den Beschlüssen des Nürnberger Parteitages einverstanden und lution einstimmig angenommen: Die Versammlung erklärt sich billigt ausdrücklich die unseren alterprobten Parteigrundsätzen entsprechende Resolution zur Budgetfrage. 費 In welchem Falle haften Fabrikarbeiter für abhandengekommenes Werkzeug? Vor dem Berliner Gewerbegericht wurde vor kurzem ein Fall verhandelt, der Anhalt darüber gibt, ob und in welchen Fällen der Fabrikant von seinen Angestellten Schadenersatz für In Heidelberg erklärte fich eine gutbesuchte Parteiverfamm- abhanden gekommenes Werkzeug fordern kann. Die beiden lung mit der Haltung ihres Delegierten, des Parteisekretärs E. lagenden Fabrikarbeiter waren von der Firma Sch. u. B. unter Maier, der gegen die Budgetresolution stimmte, einverstanden. Zugrundelegung der Arbeitsordnung engagiert, in welcher die Bestimmung getroffen ist, daß die Arbeiter für abhanden Engler eine Resolution gegen sechs Stimmen angenommen, die bezüglicher Stontrolle werden die Werkzeuge in ein Werkzeugbuch In Freiburg i. B. wurde nach einem Referat des Genossen gekommenes Werkzeug haftbar sind. Zwecks diessich mit den Beschlüssen des Parteitages einverstanden erklärt mit eingetragen und hat alsdann der Arbeiter über den Empfang Ausnahme der Resolution zur Budgetfrage. Die Quittung zu leisten. Den beiden klagenden Arbeitern waren Versammlung billigte die Erklärung der 66. nun verschiedene Teile, als Niethammer, Feilen, Zangen und Hefte abhanden gekommen. Infolgedessen wurden sie hierfür In einer stark besuchten Parteibersammlung für Hamburg III, auf Grund der Arbeitsordnung im Gesamtbetrage von 3,33 m. Diftritt Barmbed, wandten sich nach einem ausführlichen haftbar gemacht. Beide Arbeiter flagten nun beim Bericht des Delegierten Paeplow, der mit den Süddeutschen Gewerbegericht um Auszahlung des Betrages mit der Angabe, gegen die Vorstandsresolution( Budgetfrage) gestimmt hat, alle daß fie fein Verschulden treffe und daß sie deshalb auch nicht Redner Megger, Hense, Damm und Grönwold scharf schadenersaßpflichtig gemacht werden können. In der Verhandgegen die Anschauungen der Parteitags minderheit. Der Abgeordnete dieses Streifes, Genosse Megger, beleuchtete fritisch die Erklärung des bayerischen Landesvorstandes, worauf in Später Stunde eine sich besonders mit der Haltung des Parteitages in der Budgetfrage einverstanden erklärende Resolution gegen eine Stimme Annahme fand. Eine Parteiberfammlung für den Reichstagswahlkreis Dresden and nahm eine Resolution an, in der die Versammlung ihre Befriedigung mit den Beschlüssen des Nürnberger Barteitages ausspricht, aber energisch Berwahrung dagegen einlegt, daß die süddeutsche Presse die stillschweigende Hinahme der Erklärung der 66 Süddeutschen als eine Zustimmung dazu auffaßt. lung wurde festgestellt, daß zwar jeder Arbeiter zur Aufbewahrung des Werkzeuges einen verschließbaren Werkzeugkasten zur Verfügung hat, daß aber verschiedentlich diese Kästen gleiche Schlüssel haben. Die beklagte Firma wurde deshalb für verpflichtet gehalten, den von den Klägern geforderten Betrag herauszuzahlen. In der Begründung wurde hervorgehoben, daß die angesehen werden kann. Es war von vornherein Pflicht der be Bestimmung der Arbeitsordnung nicht als rechtsgültig flagten Firma, die Schlösser so zu halten, daß die Schlüssel nicht einander paffen. Da sie dies nicht getan hat, konnte sie auch die beiden Fabritarbeiter nicht regreßpflichtig machen, Wider die guten Sitten. Die Berliner Wach- und Schließgesellschaft, deren Dienstverträge schon öfter die Kritik herausgefordert haben, hat in ihren Vertrags In einer Bersammlung des sozialdemokratischen Vereins Friedbedingungen eine aufgenommen, deren ungültigkeit vom Berliner berg( Großherzogtum Hessen) entspann sich eine eingehende Dis- Gewerbegericht ausgesprochen wurde, weil diese Bedingung eine fuffion besonders barüber, ob die Frage der Budgetbewilligung als wucherische, den guten Sitten widersprechende ist. eine prinzipielle oder nur als eine Frage der Taktit anzusehen sei. Der Wächter St. flagte gegen die Gesellschaft auf Zahlung von Die Entscheidung wurde schließlich offen gelaffen und unter Weg- 12,50 Mart Lohn für fünf Tage, die er im Betriebe der Gesellschaft lassung der Einleitungssäge folgende vom Genossen Busold vor- tätig war, und auf Herauszahlung der 30 M. betragenden Saution. gelegte Resolution afzeptiert: Die Bersammlung erklärt: Das St. war gegen ein Anfangsgehalt von monatlich 75 M. angestellt Parteiinteresse erfordert ein einheitliches Vorgehen in allen worden. Er hatte sich vertraglich damit einverstanden erklären gesetzgebenden Körperschaften nach festzuseßenden Richtlinien. müssen, daß ihm der Lohn für drei Tage mit 7,50 M. in Abzug geMaßgebend fönnen mithin nur die Beschlüsse der Partei- bracht werde, und zwar mit Rücksicht auf die genossene Austage der Gesamtpartei sein. Die Versammlung bedauert des bildung. Diesen Betrag will läger nicht einbüßen. Er bes halb, daß, nachdem der Parteitag in dieser Frage feine Stellung streitet, daß von einer Ausbildung die Rede sein könne. Allerdings London, 28. September. Wie das Reutersche Bureau nahme festgelegt hatte, Genojie Segis im Namen von 66 Delegierten hätte er in ben ersten Tagen einen anderen Wächter begleiten müffeit. meldet, hat die englische Regierung Bulgarien mit eine Erflärung im entgegengesetzten Sinne abzugeben sich veranlaßt Das Stechen der Uhren, worauf es antam, habe er aber schon geteilt, daß sie der Meinung sei, die Fortdauer der Be- fab. Ganz besonders bedauert aber die Versammlung, daß auch vorher verstanden. Die atveite Streitfrage betraf die Dienstjegung der Orientbahn lasse sich nicht recht- Delegierte aus Hessen diese Erklärung mit unterzeichnet haben. Die hofe. Die Uniform batte St. bei Aufgabe der Stelle der GesellVersammlung gibt sich trotzdem der Hoffnung hin, daß die füd- fchaft ausgeliefert. Der Inspektor wollte sie nicht annehmen. St. fertigen. deutschen Genossen im Interesse der Gesamtpartei nach dem erneuten ließ aber alles dort. Für die Hose will die Gesellschaft vertragsBeschlusse des Parteitages handeln werden und zwar so lange, als mäßig 10 M. in Abzug bringen; der Kläger soll das Beinkleid überein anderer Parteitagsbeschluß nicht zustande kommt. nehmen. K. wollte aber das Geld und nicht das Beinkleid. Die Wien, 29. September. Der bulgarische MinisterRammer 8 des Berliner Gewerbegerichts ber präsident erflärte in einem Interview mit dem Kor- Die Kreistonferenz bes nassauischen Reichstagswahltreifes Mon- urteilte am Sonnabend die Wach und Schließrespondenten der N. F. P.", daß die bulgarische Regierung tabaur- St. Goarshausen erklärte sich nach einem Referate gesellschaft zur 8ahlung von 32,39 M. Es wurde bem in Angelegenheit der Orientbahnen auf ihrem Stand des Genossen Rudolph Frankfurt a. M. mit den Beschlüssen Kläger seine Forderung abzüglich eines Versicherungsbeitrages und der 10 M. für die Hose augesprochen. Zur Begründung wurde punkte beharren müsse und daß eine Rückgabe des Parteitages einverstanden. nicht erfolgen tönne. Die Regierung werde eine rechtausgeführt: Laut Vertrag habe der Kläger das Beinkleid zu 10 M. übernommen. Die Rüdnahme des Beinkleids könne der Gesellschaft liche Basis finden, damit den Eigentümern tein materieller nicht zugemutet werden, denn es sei nicht möglich, einmal getragene Schaden erwüchse. Was die Unabhängigkeitsfrage Die Preffe vor der Revisionsinstanz. Wegen angeblicher Be- Beinkleider einem anderen Wächter zu geben, auch wenn sie nur betreffe, so erklärte der Ministerpräsident, daß diese Frage die teidigung des Lynar- Striegsgerichtshofes von der 1. Gardedivision wenige Tage getragen feien. Die 10 M. müſſe fich Kläger anrechnen Regierung als solche nicht beschäftige. Berlin und des sächsischen Finanzministeriums wurde Genosse lassen. Wenn die Gesellschaft aber ferner von der Kaution laut VerKeimling. Redakteur der Leipziger Volkszeitung", am 14. Mai trag 7,50 2. für Ausbildung abziehen wolle, dann sei das bom Landgericht Leipzig zu sechs Wochen Gefängnis und 75 m. ungerechtfertigt. Es widerspreche den guten Wien, 29. September. Die Verwaltung der Orient- Geldstrafe verurteilt. Die gegen das Urteil beim Reichsgericht ein- Sitten. Leiſtung und Gegenleistung ständen in einem auffälligen Mißverhältnis. Gegenüber der Ausbildung, die Kläger bahn in Wien erhielt von der Stonstantinopeler Direktion gelegte Revision wurde am Dienstag berworfen. folgende Depesche:" Unser Personal in Dstrumelien ist den fabrit Augsburg wurde Wegen Beleidigung des Generaldirektors Buz der Maschinen- in 3 bis 5 Tagen genoffen babe, tönnte von einer gleichwertigen ständigen Gewalttätigteiten seitens bulgarischer Schwäbischen Boltszeitung" au 20 M. Geldstrafe ver Genosse Simon bon ber Gegenleistung in 7,50 m. nicht bie Nebe fein. Beamten ausgesetzt. Die Situation tann unmöglich so urteilt. Anläßlich des legten Brauereiarbeiterstreits hatte die weitergehen. Wir bitten dringend, bei den Regierungen Maschinenfabrik Augsburg aus ihrem Betriebe etwa drei Dugend ihren Engagementsverträgen gewöhnt sind für die lleberschreitung Schritte zu unternehmen, damit dieser Zustand beendet wird." Arbeiter- Heizer, Maschinisten und Elektromonteure unterber Konturrenzflausel festzusehen und wie sie diese Geldstrafen Zusicherung höheren Lohnes zur Aushilfe in die bestreitten bann auch auf dem Klagewege rechtskräftig zu machen suchen, zeigt Perfien. Brauereien entfandt. Wer sich weigerte, Streifbrecherdienste zu folgender Fall. Ein Chemiker war in einer Fabrik auf Grund verrichten, wurde entlaffen. Die Schwäbische Volkszeitung" eines Vertrages angestellt worden, durch den er sich unter Ver hatte diese Arbeitswilligenbermittelung scharf fritisiert. Verschärfung der Situation. Vergebliche Beschießung. Täbris, 28. September.( Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Die dreitägige Beschießung der Stadt ist ergebnisIos berlaufen und hat die Schwäche und Untauglichkeit der Straferpedition erwiesen, die sich aus Mannschaften wilder, nicht geschulter Stämme zusammensetzte. Beide Parteien haben sich mit der Bitte um Vermittelung an den russischen Konsul gewandt. In der Stadt herrschte großer Brotmangel, da die Zufuhr aus der Umgegend auf Befehl Ain el Daulehs ein gestellt worden ist.China. " Polizeiliches, Gerichtliches ufw. Straftonto der Breffe. der Soziales. Ronkurrenzklaufel. Welche unfinnig hohen Geldstrafen manche Unternehmer in pfändung seines Ehrenwortes und unter einer Vertragsstrafe von 100 000 20. für jeden Fall der Zuwiderhandlung verpflichtete, während der Zeit seiner Anstellung von allen dem Geschäft eigen tümlichen Einrichtungen, Verfahren und Erfahrungen niemandem Eine Diskonto- und Lombardbank vor dem Kaufmannsgericht. außerhalb des Geschäftes Mitteilung zu machen, auch von den Vor der 1. Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts wurde in lichkeiten des Betriebes keine Kenntnisnahme zu suchen und cinem außerhalb seines speziellen Wirkungskreises liegenden Eigentüm diesen Tagen ein Prozeß entschieden, dem folgender interessanter anderen außer feinen Vorgesetzten andere als die durch seine BeFall zugrunde lag: Die tlagende Stenotypistin war gegen ein schäftigung gebotene Mitteilungen zu machen, sowie ferner während Monatsgehalt von 75 M. von der Diskonto. und 2om 8 Jahren nach seinem Dienstaustritte wieder eine Stelle in einer bardbank, E. G. m. b. S. engagiert. Ab 1. Mai d. I. Fabrit anzunehmen, in der dieselben chemischen Fabrikate hergestelli erhielt die Klägerin das Gehalt recht unpünktlich, und zwar in werden, noch sich an einer solchen zu beteiligen. Der Chemiker war Raten von 2, 3, 5 und 10 M. Am 31. Juli bekam die Steno- trots dieses Verzichtscheines nach Auflösung seines Dienstvertrages typistin wieder nur 60 M., anstatt den ganzen Gehaltsbetrag von vor Ablauf von 3 Jahren bei einer Konkurrenzfirma in Steilung 75 M. Als nun am 1. August die Klägerin infolge heftiger Stopf- getreten. Die alte Firma klagte nun auf volle Bertragsstrafe. Die schmerzen nicht in das Geschäft tommen konnte, erhielt sie von Bezüge des Verlagten betrugen bei ihr pro Jahr nur 2400 M. an der Bank einen Rohrpostbrief, mit welchem die Kündigung per Gehalt, sowie in einer sich in ähnlichen Grenzen bewegenden 31. Auguft ausgesprochen wurde. Das reftliche Gehalt von 15 W. Tantiéme und einer einmaligen Gratifikation von 1000 M. In erhielt fie aber nicht. Einen zweiten Brief von der Bank belam erster Instanz wurde die Firma wegen der unverhältnismäßigen die Klägerin kurz darauf, in welchem mitgeteilt wird, daß sie trob Höhe der Vertragsstrafe abgewiesen. In zweiter Instanz klagte sie zweimaligen Besuches nicht zu Hause angetroffen worden sei, und dann noch auf 20 000 M. Schließlich wurde von diesem Gericht daß sie infolgedessen entlassen sei. Auf diesen Brief die Strafe auf 10 000 m. auf Grund des§ 343 des B. G.-B. nun schrieb die flagende Stenotypistin, daß sie infolge unpünktlicher herabgefeßt und dieser Betrag dem Kläger zugesprochen. Das Mietszahlung die Wohnung wechseln mußte. Sie betonte in Reichsgericht hob aber durch Entscheidung vom 7. April 1903 biefcs Der Zwischenfall von Casablanca. diesem Briefe insbesondere auch, daß die unpünktliche Miets- Erkenntnis auf und wies die Klage ganz ab, denn der ganze Verzahlung durch die unpünktliche Gehaltszahlung trag fei nach§ 138 Abs. I des B. G.-B. als gegen die guten Sitten Paris, 28. September. Der Minister des Aeußern feitens ber Bank gekommen sei. Die Stenotypist in verstoßend, nichtig. Bunächst wegen der übermäßig hehen, zu den Bichon hat heute abend den deutschen Geschäftsträger Frei- tragte nun auf Bahlung des restlichen Gehalts Cinnahmen des Betlagten in gar keinem Verhältnis stehenden herrn von der Landen- Wakenik empfangen, mit dem er über für den Monat Juli im Betrage von 15 M. sowie auf Bahlung Strafe für jeden Fall der Uebertretung der höchst minutiösen Ver den Zwischenfall in Casablanca eine Besprechung hatte. des Gehalts für den Monat August im Betrage von 75 M. pflichtungen. Die 2riftung solcher Bußen würde die VermögensDie Unterredung verlief in sehr verbindlichen Formen; von Der Vertreter der Bank betonte, daß es eine Ungehörigkeit der stellung des Beklagten während seiner ganzen Lebenszeit vernichten. seiden Seiten wurde das größte Entgegenkommen lagenden Stenotypistin sei, den Wohnungswechsel nicht dem Ge- Die Sittenwidrigkeit würde selbst dann gelten, wenn solche Bestim seiden Seiten wurde das größte Entgegenkommen schäft anzuzeigen. Dies hätte nach seinen Ausführungen sofort mungen durch das wirkliche Intereffe der klagenden Fabrit geboten gezeigt. Im Laufe der Unterredung bemerkte Pichon, bebor geschehen müssen, und da es unterlassen ist, liegt nach seiner An- feien. Im genuinen Rechte sei zwar angenommen, daß eine Ver. nan über die Frage verhandeln könne, müsse man die Tat ficht ein Grund zur sofortigen Entlassung vor. Der Vertreter tragsstrafe wegen ihrer Höhe nicht gegen die guten Sitten verstoßen achen ganz genau tennen. Ein ausführlicher Bericht sei vom führte weiter an, daß die Stlägerin schon seit dem 9. August tönne, das sei aber nach dem B. G.-B. nicht anzunehmen; das Beneral d'Amade eingefordert worden. wieder arbeitsfähig ist, es wäre ihre Pflicht gewesen, an diesem ergebe sich hier aus dem Rechte zur Herabfebung. Außerdem käme aber Zurückziehung der japanischen Truppen. London, 29. September.„ Daily Telegraph" melbet aus Tokio bom 28. b. M.: Die japanische Regierung halte es nicht länger für notwendig, eine größere Garnison in Nordhina zu unterhalten und habe deshalb beschlossen, die Hauptmasse der dort befindlichen japanischen Truppen zurüdzuziehen und nur tleine Kontingente in Peking, Tientsin und Schanhaitwan stehen zu lassen. Marokko. noch die Vcrpslich?ufig auf Ehrenwort zum Schutz lediglich fin'an- zieller Interessen tcS Klägers hinzu. Tie Ehre als'deales Gut dürfe nicht ohne weiteres in vermögensrechtliche Beziehung zu- aunsten anderer verwendet werden, das spreche auch das Gesey gegen den Wucher und siZ 302, 302b und 302e Str.-G.-B. aus. Es käme hier weder ein ideales noch ein persönliches Moment in Frage, das die Bindung des Beklagten an seine Pflicht vermittelst des RcchtS- gutes der Ehre rechtfertigen könne. Privatangestellte, die einen solchen Engagcmentsvertrag ein- vegangen sind, sollten, wenn der andere Vertragschließende wegen Nichtinnehaltung des Vertrages klagbar wird, gegen ihn selbst wegen Verletzung des§ 802c Str.-G.-B. Anzeige bei der Staats- anwaltschaft einreichen, damit das Gericht solche Herren belehre, daß in einem solchen Vertrage nicht nur ein Verstoß gegen die guten Sitten, sondern auch ein solcher gegen das Strafgesetz liegt. Ortskrankenkasseuvertrcterwahl in Dortmund. Bei der am Sonntag stattgefundenen Wahl der Vertreter zur Generalversammlung der Dortmunder Ortskrankenkasse vereinigten die freien Gewerkschaften 1332 Stimmen auf sich, während es die Christlichen auf 1004 brachten. Die Christen haben somit— natürlich mit den schofelsten Mitteln— einen recht fragwürdigen Er- folg zu verzeichnen, indem cS ihnen gelang, uns in einigen Bezirken zu verdrängen. Trotzdem besitzen die freien Gewerkschaftler noch die übergroße Majorität, denn von. den 440 Vertretern sind 270 freie Gewerkschaftler und 104 Gegner. Die Schuld an der Zu- nähme der christlichen Vertreter tragt die leichtsinnige Sieges- Zuversicht und die Saumseligkeit der freigewerkschaftlichen Organi- sationsleiter. Dabei ist allerdings zu beachten, daß unter einem sehr rückständigen Wahlmodus gewählt wird, indem die Arbeiter dort wählen müssen, wo der Betrieb des Unternehmers liegt. Sehr bezeichnend ist, daß die Christlichen während der Agitation sogar die nationalliberale„Dortmunder Zeitung", also eines der ärgsten Scharfmacherblättcr, um Hilfe angingen, die natürlich gewährt wurde, weil es die Roten zu verdrängen galt. Doch das ist nicht gelungen und wird nie gelingen. Im nächsten Jahre werden die freien Gewerkschaftler, von denen sich viele gar keine Wahllegitima- tion verschafft hatten und infolgedessen nicht wählen durften, besser auf den Posten sein._ Hus Industrie und Ftandcl» Hurra— daS Unglück! Während alle Welt erschüttert von dein furchtbaren Hochbahn- Unglück spricht, die Opfer der entsetzlichen Katastrophe noch kaum ermittelt sind, hat der über Blut und Leichen schreitende Kapitalismus den Jammer der Verunglückten in bares Geld umgesetzt. In seinem „Bericht" über die Berliner Börse vom Sonntag schreibt der „Hannoversche Courier": „Fester notierten Große Straßenbahn PluS l'/8 Proz., da Dan der Hochbahnkatastrophe ein Bcrkchrszufluh erwartet wird." Der Kapitalismus hat, wie Marx iin„Kommunistischen Manifest" sagt, kein anderes Band zwischen Mensch und Mensch übrig gelassen. als das nackte Interesse, als die„gefühllose bare Zahlung". Er hat auch hier die heiligen Schauer der Wemut in dem eiskalten Wasser egoistischer Berechnung ertränkt_ Aplerbecker Hütte. lieber die Lage und Aussichten der Hochofen-Werke äußerte sich Direktor Zegland von der Aplerbecker Hütte auf der bor einigen Tagen abgehaltenen Generalversammlung der Gesellschaft dahin: Die Lage sei so schlecht wie noch nie vorher, ob- wo hier 40 Jahre imGeschäftstehe. Eine Verlängerung des Roheiscnsyndikats sei trotz aller Bemühungen nicht möglich gewesen. Die Eisenindustrie werde durch die Auflösung des Syndikats beunruhigt, denn es trete nun wieder der freie Wettbeiverb ein. Wenn auch dieselben Mengen wie früher verkauft würden, so sei doch zu berück- sichtigen, daß von einer Hcrstellusig von 12 Millionen Tonnen Roh- eisen nur 3 Millionen als verlauft anzusehen seien. Die übrigen v Millionen Tonnen dürften aber sicher auf die Preise einwirken. Es ist also die Lage so schlecht, wie seit 40 Jahren nicht! DaS sind trübe Aussichten für die Arbeiter. Entlassungen werden die nächste Folge sein. Das Roheisensyndikat ist in die Brüche gegangen. Der Wider- sprüche innerhalb der kapitalistischen Wirtschaftsordnung werden auch die Kartelle und Syndikate nicht Herr werden. In der kapitalistischen Gesellschaftsordnung ist eine vernunftgemäße Regelung der Pro- duktion ein Ding der Unmöglichkeit. Das kann eben nur durch die sozialistische Produktionsweise geschehen, die nicht mehr Waren auS Profitgründen, sondern Güter für den Bedarf produziert. GcwcrkrcbaftUcbc*). _______ Borussisches Koalitionsrecht. Die Transportarbeiter von Schlesien und Posen hatten dieser Tage in Breslau eine Gaukonferenz. Dort wurde be- sonders Klage geführt darüber, wie das Koalitionsrecht der Arbeiter von Unternehmern und Behörden mit Füßen ge- treten werde. So verlangen zum Beispiel die Spediteure in Reichenbach u. E., daß ihre Arbeiter dem Kriegerverein bei- treten und sie bezahlen für diese sogar auf ein Vierteljahr die Beiträge im voraus, bloß um dadurch den Eintritt in die freie Gewerkschaft unmöglich zu machen! In Neustadt. Oberschlesien, wiederum soll der königliche Gütervorsteher den Kutschern der Spediteure, wenn sie dem Verbände an- gehören, das Betreten des bahnamtlichen Güterbodens der- bieten, und in Glogau soll gar nach berühmten Mustern auf einer Konferenz der Bahnverwaltung und der Spediteure vereinbart worden sein, daß die b a h n a m t l i che n Spediteure Schlesiens künftig keine Mit» glieder des Deutschen Transportarbeiter- Verbandes für die Bahnspedition der- wendendürfenll Der Ausbreitung der Organisation konnten diese Machenschaften keinen Abbruch tun. Die Zahl der Mitglieder des Verbandes stieg im Gau von 4lXK1 auf 4100. Berlin und Umgegend. ' Achtung! Brauereiarbeiter! . Der Verein der Brauereien Berlins und der Umgebung hat in seiner letzten Sitzung das Verbot der Bierausfuhr an den Sonn- und Festtagen für die Zeit vom 1. Oktober 1908 bis 31. März 1909 mit Ausnahme des zweiten und dritten Wcihnachtsfeiertages, welch letzterer in diesem Jahre auf einen Sonntag fällt, erneut bc- fchlossen. Das obige Verbot ist auch auf Spandau ausgedehnt worden. Wir ersuchen ganz besonders unsere Kollegen vom Fahr- personal, von dieser Bekanntmachung Kenntnis zu nehmen._ Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter. Ortsverwaltung Berlin. Streik der Fenstervuher. Wir haben bereits mitgeteilt, daß di« Polizei besonders scharf gegen die Streikenden vorgeht; daß man aber auch harmlose Spaziergänger anhält und nach der Legitimation fragt, um fest- zustellen, ob sie möglicherweise Fensterputzer sind, das ist neu. Der Schutzmann Nr. 88, der am Kottbuserdamm Posten stand und das Kaufhaus Jandorf observierte, leistete sich dies harmlose Vcr- gnügen._ veraytw. Redakt.: Georg Tavidsohn, Berlin. Inseratenteil verantw, Zu den Firmen, welche Streikarbeit bekrichtcn, kommen noch Staehr, Petristraße, und Töpfer, Rüdersdorfer Straße. Dieser Tage wurden in sämtlichen Betrieben Betriebsversammlungen abge- halten, und es sind in den Versammlungen derjenigen Betriebe, deren Unternehmer Streikarbeit verrichten, Protestresolutionen zur Annahme gelangt. Die Situation ist günstig.( Zum Fenstcrpukerstreik. Herr Gastwirt Paul in der Brücken- straße 13 ersucht uns um die Mitteilung, daß er in dem Streik der Fensterputzer keinerlei Partei nimmt. Es sei lediglich in seiner Abwesenheit in seinem Lokal em Streit entstanden. Da die Strei- tcnden trotz der Aufforderung seiner Frau das Lokal nicht vcr- lassen wollten, habe seine Frau im Interesse der übrigen Gäste polizeiliche Hilfe nachgesucht. Ob es sich in diesem Falle etwa um Streikende handelte, fei weder seiner Frau noch ihm bekannt, Deutfcbes Reith. Die Glasgewaltigen an der Arbeit. Wie sich die Unternehmer gegenseitig selbst etwas vorschwätzen, zeigt folgendes Zirkular des Deutschen Glasfabrikantenverbandes, das der bekannte günstige Wind uns zugängig macht. Das Zirkular lautet: Arbeitgeberschuyvcrband deutscher Glasfabriken. Sitz Dresden.— Singet r. Verein. Geschäftsstelle Deuben, den 10. September 1908. Bez. Dresden. Telegr.-Adr.: Reichow-Deubcn, Bez. Dresden. An die p. pt. Herreu Glasindustriellen! Anläßlich des soeben siegreich niedergekämpften Streiks bei unserem Mitgl'ede Glasfabrik, Aktiengesellschaft in Brockwitz bei Meißen, gestatten wir uns die wenigen unserem Verbände noch nicht ungehörigen Glasfabrikanten Deutschlands zu einem Anschluß an uns als ordentliches Mitglied hiermit er» gebenst einzuladen. Den Wert des Zusammenschlusses der Arbeitgeber innerhalb eines großen Schutzverbandcs dürften die meisten Industriellen in dieser unruhigen Zeit, der die immer wiederkehrenden un- berechtigten, frivolen Streiks, Boykotts und Sperren den Stempel aufdrückten, am eigenen Leibe kennen und schätzen gelernt haben; ein Zusammenschluß zum Zwecke der gemeinsamen Ab- wehr solcher Angriffe seitens der Arbeiter und zum Zwecke sonstiger gemeinsamer Interessenvertretung ist aber gerade für die gesamte Glasindustrie am allernotwendigsten, denn nirgends wieder hat man es mit einem in der Mehrzahl so unruhigen, u n- seßhaften und unwirtschaftlichen Arbeitermaterial zu tun, wie in unserer— der Glasindustrie! Der Wert des von uns im vorigen Jahre gegründeten Arbeitgeberschutzverbandes Deutscher Glasfabriken wird bewiesen und aufs glänzendste illustriert durch oben erwähnten erfolgreich niedergekämpften Streik in Brockwitz, der fast zu einer Sprengung des berüchtigten Berliner Glasarbeiterverbandes und seiner Kasse führte; dem zähen Festhalten unseres Mitgliedes an dem einmal für gut er- kannten Standpunkt, das einmütige, freudige Eintreten der an- deren,„alle für einen", unsere energischen, zielbewußten Dis- Positionen und endlich den beschlossenen und angekündigten Aus- sperrmatznahmen ist es zu danken, daß die Mehrzahl der strei- kcnden Glasarbeiter ihrer Organisation und ihren Ber— führern entliefen, sich bedingungslos zur Arbeit wieder meldeten, ohne das geringste erreicht zu haben und Abbitte leisteten.— Unsere Mitglieder hielten freudig strenge Disziplin und Ordnung und da die Streiker unter diesen Umständen nir- gends andere Arbeit fanden, mutzten sie schließlich nach 14wöchentlicher fauler Zeit, in der Schmalhans Küchenmeister war, kapitulieren.— Unsere Freude über diesen Erfolg, der !>. eine Machtprobe bedeutet, ist um so größer, als wir auf Grund eines Genrralversammlungsbeschlusses in der Lage sind, unseren Brockwitzer Freunden finanziellen Ersatz zu leisten für ein gut Teil des Schadens, den sie durch die DurchHaltung des Streiks im Interesse unseres Verbandes auf sich genommen hatten.— Ebenso wie diesen, haben wir bisher sämtliche fünf anderen großen Streiks bei unseren Mitgliedern erfolgreich abgewiesen und die Störenfriede zur Ruhe und Unterwerfung zwingen können. Weiter haben wir durch Einführung eine? V e r- bandsentlassungsscheins und durch die von unserer Geschäftsstelle geführten Personalakten erreicht, daß Kontrakt- bräche der Arbeiter, Ausreißen unter Hinterlassung von Schulden immer weniger geworden sind, ja in letzter Zeit fast ganz auf- gehört haben. Neuerdings sind wir mit der Errichtung einer eigenen Arbeitsnachweis st elle beschäftigt, durch die wir Herr über Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt zu werden hoffen und die den Schlußstein zu dem hehren, zeitgemäßen Gebäude„Arbeitgeberfchutz" ab- geben soll. Wir verfolgen ferner auch alle sozial- und wirtschafts- politischen, die Glasindustrie angehenden Zeit- und Streit- fragen, für welche unsere öfteren Zusammenkünfte und Aus- sprachen uns Direktiven geben, denen wir an den maßgebenden Stellen Geltung verschaffen. Diese Zusammenkünfte und Aus- sprachen über gemeinsame Interessen, Wünsche und Leiden sind nicht in letzter Linie wertvoll und erwähnenswert, weil sie die einzelnen Fabrikanten unter sich im Vertrauen und Freundschaft näher bringen.— Schon mancher jahrelange Gegensatz ist dabei ausgeglichen worden, manche wertvolle Anregung über die Preis- ftellung, Behandlung dieses oder jenes überschlauen Kunden und der Austausch sonstiger Erfahrungen hatten hier ihren Boden! Darum hinein in den Schutzverband! Derselbe umfaßt heute schon etwa 802 aller deutschen Hohl-, Preß-, Beleuchwngs- und anderer Glasfabriken(aus Mittel. deutschland fehlt ihm kein halbe» Dutzend), außerdem stehen wir mit den anderen größten deutschen Jnteressenverbändcn anderer Branchen sowie mit dem Verband österreichischer Glasfabrikanten in Wien im Kartell und in den freundlichsten Beziehungen, so daß unsere Mitglieder durch eine Schutzgemeinschaft von über 250 Glasfabriken gegenseitig bei allen Streiks. Boykotts und Sperren, aber auch gegen das Wegengagieren und Abwendigmachen ihres Arbeiterbestandes durch Lohnüber- bietungen usw. gedeckt sind. Stark und einig können wir allen ferneren Angriffen der Arbeitergewerkschaften mit Ruhe entgegensehen, nicht aber kann es der einzelne, der noch keinem Arbeitgeberverbande angehört; darum werdet Mitglieder bei uns, ehe es zu spät ist— wenn es erst in Ihrem Betriebe unter Ihren Leuten wühlt und gärt, dann ist eS zu spät!— Wir kennen einige Fabrikanten, die es bitter bereuen, unseren früheren Einladungen nicht rechtzeitig gefolgt zu sein und die dann, im Kampfe auf sich allein ange- wiesen, zu keinem Ende und Erfolg kommen konnten, wenn ihnen die liebe Konkurrenz nicht gar noch Steine in den Weg dazu legte. Erwägen Sie darum unsere wohlgemeinte Anregung, sich unserem Verbände als Mitglied anzuschließen, gütigst einmal ernstlich und schreiben Sie uns getrost, wenn Sie vorher noch irgendwelche Auskunft zu erhalten wünschen sollten; wir stehen damit, wie mit Statuten, Anmeldepapieren usw. bereitwilligst zur Verfügung und empfehlen uns in der Erwartung, Ihnen dienen zu können. Hochachtungsvollst Arbeitgeberschutzverband deutscher Glasfabriken in Dresden. I. A.: Rcichow. In der Phantasie sind die Herren Schuhverbändler des Glas- machergcwcrbes, wie man sieht, ziemlich bewandert. Täuschen sie Th, Glocke, Berlin. Druck u, Verlag: Vorwärts Buchdr.u. VerlogSanstätt sich doch selbst vor, daß der eine Streik in Brockwitz den„berüch- tigten Berliner Glasarbeiterverband" fast gesprengt haben soll. Welche Unsumme von Haß gegen die Arbeiterorganisation, gegen die organisierten Arbeiter überhaupt muß bei den Schutzverbändlern sich angehäuft haben, daß sie in ihrem Zirkular so feine Töne anzuschlagen belieben. Abgesehen davon, daß jenen Herren Streiks selbstverständlich immer„frivol und unberechtigt", daß ihnen die für Verbesserung ihrer Lage kämpfenden Ardeiter unwirtschaftlich» die Leiter der Arbeiterorganisationen„Verführer" sind, daß jene faulen Gäuche den Arbeitern Faulheit vorwerfen; abgesehen von diesen im Unternehmerjargon geleisteten Liebenswürdigkeiten zeigt das Zirkular, weshalb das Unternehmertum«ausgedehnte Personalakten über die Arbeiter besitzt und daß es die Schaffung eines Arbeitsnachweises nicht des Nachweises wegen plant, fondern der Knebelung der Arbeiter wegen, die von den Glasindustriellen durch- geführt werden soll. Das Zirkular läßt einen Einblick zu in das Seelenleben der Unternehmer, die in dem Arbeiter nichts als ein gekauftes Stück Werkzeug sehen; es ist aber auch ein Mahnruf an die Arbeiter, fest zusammenzuhalten, den Unternehmern gleich sich fest zu organisieren. Nur auf diese Weise wird es ihnen möglich sein, die Ketten abzuschütteln, welche die Unternehmer für sie zu schmieden im Begriff sind._ Der Maurcrstrcik zu Neustadt, O.-Schl., ist nach fünfwöchiger Dauer nunmehr aufgehoben worden, da sämtliche Streikende anderweit untergebracht worden sind. Hua der frauenbewegung. Arbeiterinnen und Dienstboten sind unwürdig. In den Bestimmungen für die Ausbildung von Telephonistinnen der Oberpostdireltion Hamburg ist folgende charakteristische Stelle enthalten: „Junge Mädchen, die gedient haben oder Fabrik- arbeiterinnen waren, sind von der Anstellung a u S« geschloffen."(!!!) Geradezu als ein Hohn auf die ehrliche Arbeit muß es von allen Arbeiterinnen und Hausangestellten empfunden werden, wenn man einzelne Kategorien einfach rücksichtslos von der Be- Werbung und Anstellung als Telephonistinnen ausschließt. Wir wissen wohl, daß die Hamburger Postbehörde in dieser Sache nicht allein dasteht, sondern daß System und Methode in diesem Vor- gehen liegt. So wird Standesdünkel, so wird Borniertheit und Hochmut künstlich gezüchtet, so fördern die Behörden selbst die Klassen- gegensätze. Es ist die Abschlietzung des Beamtentums vom Volke und gegen daS Volk; es ist die tiefe Verachtung von Handarbeit und besonders der häuslichen Arbeit; es ist der Hochmut, was in diesem UkaS zum Ausdruck gelangt. Soll hier gründlich Wandlung geschaffen werden, so müffen sich die Arbeiterinnen ebenso wie die Hausangestellten auf ihre Rechte besinnen, sich frei machen von dem unwürdigen Drucke. Hier gibt es nur ein Mittel: in die bestehenden Organisationen eintreten, mit raten und taten, sich zu Kämpferinnen und Person- lichkeiten heranzubilden. Rur so wird redliche Arbeit zu Ehren kommen. Versammlungen— Veranstaltung e». Zweiter Kreis. Donnerstag, den i. Oktober, abends 8'/, Uhr: Lese- abend bei Hemp, Urbanstr. 170, wozu die Genossinnen freund» lichst einladet Die Vertrauensperson. Fünfter Kreis. Donnerstag, den l. Oktober, 9 Uhr. bei Rausch, Winsstraße 12. Sechster Kreis. 9. Abteilung. Donnerstag, dm 1. Oktober, 8'/, Uhr, in Funkes GciellschaftShauS, Triftstraße SS. Letzte JVachnchten und Dcpefchen. Ein Denkzettel. Frankfurt a. M.. 29. September.(B.®.) Die Straft kammer verurteilte den Kaufmann Jakob Egner, der durcfc Fälschung von drei Krankenscheinen die Ortskrankenkasse un 54 Mark schädigte, mit Rücksicht darauf, daft die Kaffe, die ein soziales Institut sei. unbedingt geschützt werden müsse, zi einem Jahre Gefängnis._ Der Streik von Herakles. Konstantinopel, 29. September.(B. H.) Der Streik in dm Kohlengruben von Heraklea nimmt bedrohlichen Charakter an. ES sind Gerüchte verbreitet, daß es zu blutigen Zusammenstößen ge- kommen sei. Die Streikenden haben die Drahtleitungen zerstört. Weitere Truppensendungen nach dem Kohlenrevier werden vor- bereitet_ Lrbeiterrisiko. Oberhausen. 29. September.(B. H.) Auf Zeche Sterkrade stürzte ein Gerüst, auf dem sich 3 Arbeiter befanden, zusammen. Tie Arbeiter sind sämtlich hoffnongsloS verletzt. Die russische Cholera. Prag. 29. September.(B. H.) Dem.Prager Tageblatt" zu. folge ist ein aus Rußland zugereister Mann in einem Prager Hotel unter choleraverdächtigen Erscheinungen erkrankt Er wurde in ein Krankenhaus gebracht und streng isoliert. Lubonenpest in China. Peking, 29. September.(Meldung des Reuterfchen Bureaus.) In Tongsho sind fünfhundert Todesfälle an Bubonenpcst vor- gekommen._ tzluS König Leopolds Reich. Brüssel, 29. September.(B. H.) Der Pächter des Ostender Kursaales, Georg Marquet, hat angesichts der Wette Lord RoßlhnS und Sir Hiram Maxims, auf mathematischem Wege die Bank zu sprengen, nunmehr seinerseits eine Aufforderung an Lord Rotzlyn ergehen lassen. Marquet erbietet sich, eine Million gegen eine Viertelmillion zu setzen, daß Roßlhn die Bank nicht sprengen kann. Das Spiel wird in Ostende vor sich gehen. Die Bank werde eine Summe von 300 000 Frank besitzen, nach Belieben des Lord Roßlyn sollen 5000 bis 10 000 Spiele gemacht werden. Die Dauer der Partie wird aps einen Monat festgesetzt werden. Die Zahl der Spieler gegen die Bank soll unbegrenzt sein. Schiffszusammenstoß. London» 29. September.(W. T. B.) Der VergnügungS- Kämpfer„Argonaut", der von London aus eine Kreuzfahrt durch das Mittclmeer ausführen sollte, ist auf der Höhe von Dungeneß im Nebel mit einem anderen Dumpfer zusammengestoßen und gesunken. Die Passagiere. 113 an Zahl, und die Besahung konnten sich recht- zeitig in den Booten retten, verloren aber ihr gesamtes Gepäck, Die Ueberschwemmung in Indien. Kalkutta, 29. September.(B. H.) Durch die furchtbare Ueber- schivemmung bei Hydcrabad sind etwa 1900 Menschenleben vernichtet worden. Der angerichtete Schaden beläuft sich auf mchrere Milli. onen Rupien. Paul Singer Sc Co., Berlin L1V. Hierzu 3 Beilagen u.UnterhaltungSßl, s-Ns. 25. i Keilligt des Joiiitts" Kerlilln iolfelildtt. �.8«��««. Der nürnberger Parteitag in der Parteipreife. vm, „Freie Presse'(Elberfeld;: »Die Mehrheit besteht auf der Durchführung zweier Parteitags- beschlüsse, die von Dresden und Lübeck, sie folgt damit zugleich den bewährten, von Marx und Engels gelehrten Grundanschaimngen der Partei, unter denen die Partei groß und mächtig geworden und von deren Richtigkeit sie nach wie vor überzeugt ist. Und weil sie diese für Sozialdemokraten doch eigentlich so selbstverständliche Haltung einnimmt, soll sie die Minderheit vergewaltigen wollen? Ist denn die Kluft in den Anschauungen schon so groß, daß man sich über diese so einfache Frage nicht mehr verständigen kann? Die süddeutschen Abgeordneten sind der Meinung, daß man sie in der friedlichen Entwickolung nicht stören solle. Sie seien auf dem besten Wege. Schritt für Schritt voran zu kommen und so das Endziel zu erreichen. Das könnten sie aber am besten, wenn sie der Regierung entgegenkommen. Welch eine verblendete Auffassung I Die Richtigkeit derselben würde nicht mehr und nicht weniger be- deuten, als daß die Vertreter der süddeutschen Regierungen selbst Sozialisten seien, wenigstens in den: Sinne, daß sie glaubten, die allgemeine Entwickelung werde den Weg zum Sozialismus in unserem Sinne nehmen. Wer aber hat den Mut, so etwas von den süddeutschen Regierungen behaupten zu wollen? Sie sind Regierungen des Klassenstaates und wollen nichts anderes sein. In ihren politischen Reformen werden sie deshalb ganz von selbst an einer gewissen Stelle, die gar nicht ferne liegen wird, Halt machen. Das ist klar. Weshalb also den natürlichen Gegensatz verkleistern und das »llasienbewußtfeiu der Arbeiter und somit den Klassenkampf ab- schwächen?' „Bolkszcitung"(Düsseldorf): »Die weitaus größte Bedeutung der Verhandlungen des Partei- tage? hatten unstreitig die Debatten über die Budgetbewilligungen, die nicht weniger wie zweieinhalb Tage der roten Woche ausfüllten. Hier wurde leidenschaftlich gekämpft und eS hatte fast den Anschein, als ob eine Verständigung in dieser Frage ausgeschlossen wäre. Manches treffende Wort über unsere Stellung zum bürgerlichen Klassenstaat wurde gesagt, und es wäre zu wünschen, daß gerade diese Debatten von den Arbeitern mit der größten Aufmerksamkeit nachgelesen würden. Sie sind in hohem Maße geeignet, Klarheit über ein Thema zu schaffen, das uns bei unserer Agitation von den Gegnern sehr oft aufgemutzt wird. ... Wir haben das Zutrauen in da? Gros der süddeutschen Genossen, daß sie die Beweggründe deS Parteitages für seinen Beschluß zu würdigen wissen werden.' „Bergische Arbeiterstimme"(Solingen): ;. Wenn diese Mehrheit, an ihrer Spitze der Parteivorstand, ni den Konflikt hineintrieb, dann sagte auch diesen Genossen ihre ehrliche Ueberzeugung, daß es nicht anders ging. DaS soll ganz unumwunden von uns anerkannt werden. Auch der Fanatiker ist ehrlich, auch der Kurzfichtige, auch der Irrende, wenn er den Glauben an seine Sache hat. Und diesen Glauben streiten wir keinem der Genossen ab, auch denen nicht, die unserer Meinung nach mit der- gifteten Waffen in diesem Kampf gekämpft haben: mit vergifteten Waffen, weil der Fanatismus notwendig zur Vergiftung der Waffen führt. Swr die Erfahrung kann hier lehren und zur Umkehr führen. Die Erfahrung aber führt die Partei fetzt gn A b gründen vorbei. Daß die Fanatiker nicht auf der Seite der Süddeutschen sitzen, ist gewiß. Dem Budget eines kapitalistischen Klassenstaates kann kein Sozialdemokrat mit Begeisterung zustimmen, geschweige denn mit Fanatismus. So hat die... Nürnberger Entscheidung eine schwere K r i s i s über die Partei heraufgeführt, eine Krisis, die die Zukunft der Partei aufJa hrehinaus verdunkelt. Statt des Kampfes gegen den gemeinsamen Feind in geschlossener Frontstellung steht uns zerrüttender Bruderzwist bevor. Möge die Partei bald durch die Erfahrung zu der Einficht kommen, daß Einigkeit nicht in papierner Gebundenheit, nicht in Erdrosselung von Minoritäten, nicht in der übertriebenen Schablonisierung theoretischer Lehrmeinungen besteht, sondern daß ihr Fundament nur das Zusammengehörigkeitsbewußt- sein auf der Grundlage gemeinsamer Interessen sein kann, daS den einzelnen Organen der Partei ihre Haltung im praklischen Tageskampfe vorschreibt und ihnen bei all der inneren Gebundenheit die Freiheit der Entschließungen für diesen Kampf läßtl kleines feuilleton. Der Schöpfer des Brandenburger Tore?. Am 1. Oktober 1808 starb auf seiner Besitzung Grüneiche bei Breslau der königlich preußische Direktor des Oberbauamts, Karl Gotthard Lang- bans, der Erbauer des Brandenburger Tores. Aus den wirren Schmuckformen und dem spielerischen Linicnübcrschwang des Rokokos und des Zopfes hat sich dieser klare, schlichte Meister als erster in Deutschland zu der reinen Einfalt und der stillen Größe eines wiedererwachendcn griechischen Säulenstils durchgerungen. Als ein Mann von umfassender Bildung begann er in Breslau seine Tätigkeit als Architekt, und das von ihm erbaute Hatzfcldsche Palais, das jetzige Rcgierungsgebäude, steht noch heute da als das stolze Zeugnis eines neuen Baugeistes. In Berlin schuf er dann weiter in dieser Richtung und gewann schließlich dos Uebcrgewicht über die zierlich üppige Kunst des bisherigen Hofbaumcisters Gontard. 1793 begann er das Brandenburger Tor, das wie ein erster Vor- klang in seiner monumentalen Klassik auf die kommende Zeit Schinkels hinweist. Vorher stand ein anderes Tor an dieser Stelle, das 1735 als ein Teil der unter Friedrich Wilhelm I. nach der Erweiterung Berlins errichteten neuen Stadtmauer erbaut worden war. Ein Bildchen Chodowieckis zeigt uns diese zopfig kleinliche, von ein paar schnörkelhaft verzierten Pfeilern eingefaßte Mauer- öffnung; sie wurde 1788 abgebrochen, um dem neuen Tore Platz zu machen, das Lanzhans nach dem Muster der Griechen aufführte. Durch Winckelmann waren ja die großen Linien des antiken Kunst- schafsens den Deutschen vor Augen gestellt worden und zugleich veröffentlichten die beiden Engländer Stuart und Revctt ihr cpoche- machendes Werk über die„Altertümer von Athen'. Hier waren die Ruinen der Propyläen, die zu der Alropolis von Athen hinauf- führten, abgebildet und aus dieser Anlage schöpfte der preußische Baumeister den Gedanken, der schönsten Straße Berlins durch ein Prachttor den krönenden Abschluß zu geben. Eine reine Durch- führung des harmonischen griechischen Stils ist ihm freilich nicht gelungen. Elemente des römischen Triumphbogens wurden von ihm aufgenommen und für die Zusammenstimmung der Verhältnisse und Formen mit dem Platz war er ganz aus sein eigenes Gefühl ougewiesen. Sein selbständiger Charakter bewahrte ihn vor einer stlavischen Nachahmung. Ein nüchterner und strenger Geist, weit entfernt von der Anmut jonischen Spiels, waltet in feinem Tor und leiht diesem eine große Monumentalität, wie sie kein? ähnliche moderne Anlage wieder erreicht hat. Damals eröffnete das Tor noch wirklich, in seiner etwas unbeholfenen und doch grandiosen Gestalt sich aus der Stadtmauer heraushebend, den Zugang zur Stadt. Die niedrigen Seitenl)allen, die heute die kraftvolle Wucht der Anlage stark abschwächen, sind erst nach dem Abbruch der Stadt- tnlMr(1668) äußerlich angefügt worden. Kies Werk ist Langhans' „Rheinische Zeitung"(Köln): „WaZ nun geschehen wird?— Vermutlich zunächst gar nichts. Denn mehr als moralische Mittel, um die Respektierimg von Partei- tagsbeschlüssen zu erzwingen, stehen uns nicht zu Gebote; wir können zwar einzelne Genossen oder auch versprengte Grüppchen ausschließen, nicht aber eine territorial so geschlossene und so umfangreiche Opposition, mit der wir in dem vorliegenden Falle es zu tun haben. Dieser Ausgang der Budgetdebatte war vorauszusehen für den Fall, daß ein Vermittelungsvorschlag scheitern würde: denn ein Zurück war auf süddeutscher Seite nach den scharfen Erklärungen ihrer offiziellen Redner nicht mehr zu erwarten. Die Süddeutschen fühlten sich so stark engagiert, daß sie eher noch eine schroffe Mißachtung des Mehrhcilswillens des Parteitages glaubten riskieren zu müssen, als sich den norddeutschen Bckehrungsversuchen zugänglich zu erweisen. Wir brauchen nicht besonders zu beteuern, daß uns dieser Ausgang außerordentlich schmerzlich ist. Das erste Mal in der neueren Geschichte der deutschen Sozialdemokratie haben wir den Fall zu verzeichnen, daß eine Minderheit öffentlich die Beschlüsse einer Mehrheit ablehnt. lieber die Gründe, über die Schnldverteilung rechten wir heute nicht mehr, enthalten uns darum auch der Wiederholung der in Nürnberg auf beiden Seiten niedergeprasselten An- klagen,— aber daß dieser Ausgang nicht verhindert werden konnte, ist ein Unglück für unsere Partei. Natürlich ist mit der Tatsache der Disziplinverweigerung die Spaltung nicht ohne weiteres verbunden, doch soll man sich nicht darüber täuschen, daß ein tiefer Riß in die Partei hineingekommen ist, der eine Spaltung sehr leicht im Gefolge haben kann. Die Nürnberger Vorgänge bilden, wie zu befürchten ist, erst den Anfang einer Entwickelung, die unserer Partei unmöglich zum Segen ge reichen kann. Die Einheit der Partei ist durchbrochen worden— das Ende ist nicht abzusehen! Darum wäre es ein großes Glück gewesen, wäre es gelungen, diesen Bruch zu verhindern und einen für beide Teile gangbaren Mittelweg zu finden. Die nächsten Wochen lverden noch reichlich Gelegenheit zur Erörterung jener tiefbedauer- lichen Vorgänge geben... „BolkSblatt"(Kassel): „ES wäre wirklich mit der Annahme der unveränderten Refo- lution Frohme nichts gewonnen worden, wir hätten eine Galgenfrist gewonnen, bis zum nächstjährigen Konflikt. Wenn eine Situation einmal so kompliziert und unerquicklich ist, wie sie in Nürnberg sich darstellte, dann ist es unseres ErachtenS jedenfalls das klügste, klar und deutlich zum Ausdruck zu bringen, was die Mehrheit des Parteitages für richtig hält.' Das ist geschehen durch die Vorstands- resolution. Sie spricht aus was ist, ohne daß die süddeutschen Genossen irgendwie getadelt oder verletzt werden. Genosse Ebert vom Partetvorstand hat ausdrücklich erklärt, daß niemand in der Partei, am wenigsten der Vorstand, an der Absicht der süddeutschen Genossen gezweifelt habe: durch ihr Verhalten der Partei und der Arbeiterklasse nützen wollen." »Offenbacher Abendblatt': »i i. Was werden denn nun die vom Parteitag also gebüttelten süddeutschen Parteigenossen tun? Sie haben dem Parteitag die Antwort prompt gegeben. Sie lösen sich nicht sofort und gänzlich von der Gesamtpartei, sie legen auch nicht ihre Landtagsmandate in die Hände ihrer Wähler zurück, sie tun also nichts was im Augenblick der Gesamtpartei zioeifelloS sehr großen Schaden zufügen würde. Aber sie tun etwas, was im weiteren Verlaufe die Partei viel schwerer schädigen mutz, was ja das Ende der großen sozialdemokratischen Partei Deutschlands herbeisühreu muß: Sie bemeiten dem Parteitag, der höchsten Instanz der Gesamtpartei, fürderhin das Recht, in allen speziellen Angelegenheiten der Landespolitik endgültig zu entscheiden, sie an- erkennen ihn als legitime Vertretung der Partei nur noch in prinzipiellen und in den taktischen Fragen, die das ganze Reich betreffen. Das ist die Spaltung der Partei, noch nicht die in aller Form, aber zweifellos die tatsächliche Spaltung Wenn die Erklärung der 67 Delegierten aus Baden, Bayern, Hessen und Württemberg an den Parteitag, die Antwort auf die Annahme der Vorstandsresolution, nicht das Produkt augenblick lijcher berechtigter Verärgerung ist, wenn den Worten die Tat folgt, dann zerstört diese Tat die bisherige organisatorische wie prinzipielle Geschlossen- heit der deutschen Sozialdemokratie. Dann gibt eS demnächst keine deutsche, sondern nur noch eine preußische, eine bayerische usw. Sozialdemokratie, dann ist die Partei aus- einandergefallen. Daß das Ende der organisato- r i s ch e n Einheit gekommen, wenn jene Worte zu Taten werden. bedarf gar keiner Beweisführung weiter. Gar nicht besser aber Meisterlcistung. Was er sonst noch schuf, die Innendekoration des Potsdamer Marmorpalais, das er zudem mit einem nach englischem Muster eingerichteten wunderlich phantastischen Garten umgab, dann das Orangerie-Haus im neuen Garten, das anatomische Theater im Garten der Tierarzneischule— das alles hat einen gebundenen, in Raumanschauung und Ornament Iveniger glücklichen Charakter. In schlichten Nutzbauten war er tüchtiger und größer als in dem Erfinden architektonischer Schmuckformen. Er hat 1797 die erste Chaussee im preußischen Staate, von Berlin nach Steglitz führend, angelegt. Die größte Aufgabe, die ihm zuteil geworden, die Er bauuug des Berliner Schauspielhauses, ist durch die Macht des Feuers vernichtet worden. Nach dem Brande setzte Schinkel seinen Bau an die Stelle des zerstörten Gebäudes. Auf dem Cholerafrirdhof von Petersburg. Von einem Gang durch den Preobrafchensky-Kirchhof, auf dem die unglücklichen Opfer der Cholera-Epidemie ihre letzte Ruhestätte finden, gibt der Peters- burger Korrespondent eine' großen englischen Blattes eine er- schlitternde Schilderung. Der Friedhof liegt eine Viertelstunde außerhalb Petersburgs auf dem Wege nach Moskau; zwei hölzerne Kirchen flankieren baS Tor der Stätte des Todes. Das eine Gotteshaus ist geöffnet: noch liegen hier 17 Särge mit Toten, die zu begraben gestern die Zeit nicht ausreichte. Krächzend umkreist eine Schar Krähen den Turm der zweiten Kirche. Hier, vor der Kirchentüre liegen lässig übereinandergeschichtet 34 Särge, man sieht ihnen an, daß sie hastig und ohne Sorgfalt gezimmert worden; kaum daß sie zusammengenagelt sind, zwischen den Brettern gähnen Risse und Löcher. Auf einigen sind mit Reißnägeln hastig improvisierte weiße Papierkreuze angeheftet; eilig mit Blauschrift hingekritzelt stehen ans anderen die Namen der Verstorbenen. Die meisten aber haben weder Kreuz noch Namen. Um den Sarghaufen schreiten Leute; sie suchen ihre Toten und heben die meist ungenagelten Sargdeckel in die Höhe, um mit von Tränen verdunkelten Augen einen Blick auf die Leichen zu werfen. Aber im Innern der Kirche ist die Szene noch grauenvoller. 91 Särge stehen hier in langen Reihen; kaum 30 davon sind mit einiger Sorgfalt gearbeitet, sie gehören den Vermögenderen und maii hat sie darum in der Nähe des Altars aufgestellt. Auf einzelnen sieht man einige kümmerliche Blumenspcnden, auf anderen flackern unruhig brenneirde Wachslerzen, deren un- gewisses Licht das Dunkel des Kirchenraumcs phantastisch durchzuckt. An den Fußenden sind kleine Papierschilder angebracht: die Namen der Toten. Hinter den Särge» knarren die schlürfenden Schritte gramgevcilgter Angehöriger. Hier knien sie oder Iverfen sich ge- brochen aus die Erde und in den monotonen Gesang des Geistlichen mischen sich die mühsam verhaltenen Schmerzcnsrufe und das Schluchzen der Frauen. Die Luft ist schwer und dumpf, und ge- tränkt von dem herben Geruch der Desinfektionsmittel, durch die eine blaue Woge süßlichen Weihrauchs schwer hinzieht. Draußen kann es mit der prinzipiellen Geschlossenheit stehen. Denn die konzedierte„oberste Entscheidung des Parteitags in allen prinzipiellen Fragen" kann nur»och eine Farce sein, ivenn man sich vorstellt, daß, wie bisher in fast allen Parteistreitfragen. der eine Teil die gerade vorliegende Streitfrage mit tausend Gründen für eine taktische erklärt, deren große prinzipielle Bedeutung der andere Teil mit noch mehr guten Gründen verficht. Genug davon. Wir w o l l e n nicht glauben, daß der Unheil« volle Beschluß des Nürnberger Parteitages in der Budgetfrage solche Folgen wirklich haben wird, daß genau 40 Jahre nach der tat- sächlichen Gründung der deutschen Arbeiterpartei und gerade an dem Orte, der diese Gründung vor sich gehen sah, die Zertrümmerung dieser riesenhaft gewachsenen, den Stolz und die Hoffnung der Arbeiterklasse aller Länder ausmachenden Arbeiterpartei ihren Anfang nehmen soll. Das kann nicht sein und es darf nicht sein und wir erwarten zuversichtlich, daß es zur Ausführung jener Erklärung unserer süddeutschen Parteigenossen nicht kommt, daß gegebenenfalls die Mandatgeber der süddeutschen Delegierten, die organisierten Parteigenossen allüberall unzweideutig ihren Willen bekunden, jener Erklärung ihre Zustimmung versagen, wir erwarten trotz der erklärlichen Erbitterung ob der ungerechten, unklugen Haltung der Mehrheil des Parteitages, daß die gesamten süddeutschen Parteigenossen eins bleiben wollen mit der sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Glieder einer großen ge« schlossenen Partei der Unterdrückten und Ausgebenteten l.. Der Parteitag der däniieben Sozialdemoßratie. Vom Vormittag dcS 17. bis zum Mittag des 20. Septcmb�t fand im Volkshause zu O d e n sc der 12. Kongreß des Sozial- demokratischen Verbandes Dänemarks statt. Die 40 Vertreter des Hauptvorstandcs mitgezählt lvaren 397 Delegierte antvesend, rund 59 mehr als beim vorigen Parteitag 1906. Außerdem waren die Bruderpartcicn Schwedens. Norwegens und Finnlands vertreten durch die Genossen W i ck m a n n, Mja g n u s Nielsen und P e r t i l l ä. Der Kongreß tagte in ereignisreicher Zeit. Nachdem das Mi- nisterium unter der Schmach und Schande Albertis zum Rücktritt gezwungen wurde, meinte man, daß die Sozialdemokratie Anspruch auf Vertretung in der zu bildenden neuen Niegierung erheben werde. Wir haben bereits in Nr. 222 des„Vorwärts" mitgeteilt, wie Ge- nasse Sigwald Olsen in seiner Eröfftlungsrcde zum Parteitag diesen Gedanken energisch ablehnt. AuS dem Tätigkeitsbericht, den der stellvertretende Vorsitzende Sigwald Ol s c n gab, ist zu entnehme>, daß der So« zialdemokratische Verband jetzt in 302 Ortsverein.n 37 708 Mit- glieder zählt. Bei den letzten Folkcthingstvahlen stellte die Partei in 62 Kreisen eigene Kandidaten auf, und 76 562 Stimmen wurden für sie abgegeben. Neun neue Wahlkreise wurden erobert, ein alter ging verloren, die Zahl der Folkethingsabgeordncten der Partei sing von 16 auf 24. Bei den Landsthingswahlen gewann die Partei drei neue Mandate und behauptete das eine, das sie bisher besaß. Bei den Wahlen der kommunalen Vertreter»ourdcn zirka 700 Parteigenossen gewählt, und auch bei den Wahlen zu den Vorständen der kommunalen Hilfstassen wurden gute Erfolge er- zielt, so daß die Sozialdemokratie in diesen Körperschaften teils die Mehrheit hat und teils über starke Minder» hciten verfügt.— Für notleidende und verfolgte russische Partei« genossen sammelte die Partei 30 000 Kronen, die dem Jnternatio- nalcn Bureau in Brüssel überwiesen wurden. Als die russischen Genossen nach Kopenhagen kamen, um hier ihren Kongreß abzu» halten, und von dem Justizminister und Millionendieb Albcrti aus- gewiesen wurden, gelang es dem dänischen Parteivorstand, sie nach England zu senden, was der Parteikasse 8000 Kronen Ausgaben verursachte.— Tie sozialdemokratischen Gemeindevertreter Däne- marks hielten in dieseni Sommer einen gemeinsamen Kongreß ab, an dem 126 Stadtrats- und 97 Kirchspielratsmitglieder teilnahmen. Eifrig hat die Partei für Verbreitung aufklärender Schriften ge- sorgt. Der Parteivorstand hat beschlossen, einen Arbeiter- kalendcr herauszugeben, um der vielen schlechten Kglendcrlitc- ratur entgegenzuwirken. Im dänischen Reichstag haben unsere Genossen die„liberale" Regierung, die nach und nach alle ihre demokratischen Grundsätze preisgegeben hat. scharf kritisiert. Sie toarcn genötigt, fast allen großen Rcsormvorschlägen, wie der Gerichtsreform, der Reform des Gemeindewahlrechts, der Zollreform, entgegenzutreten, weil diese Vorschläge in wichtigen Punkten den demokratisckyen Grund- sätzen durchaus nicht entsprechen. In der Frage der Landes» Verteidigung konnte die Partei sich nicht dem Vorschlag der auf dem Kirchhof sind die Totengräber am Werke; Arbeits- lose haben es übernonimen, zu helfen. Am Ende de? Kirch- hofeS ist ein kleiner Schuppen. Die Tür ist unverschlossen. Man tritt ein und ein gräßliches Bild enthüllt sich; vom Boden bis zur Decke im wirren Durcheinander aufgeschichtet liegen hier die Särge mit den Leichen umher, die noch nicht be- stattet werden konnten, hundert, hundertzwanzig oder mehr. Man kann nicht mehr als 140 Tote am Tage beerdigen, und was der Zug täglich bringt, ist fast das Doppelte. Mau hat den Eindruck, daß nur die Särge, die von Angehörigen begleitet sind, sofort be- stattet werden. Die anderen werden beiseite geräumt und bleiben liegen, bis man Zeit für sie findet. So harren in dem schrecklichen Schuppen viele Tote seit fünf Tagen vergebens auf ihre letzte Ruhe- statte..,_ Notizen. — Theater chronik. Im Fried rich-Wilh elmstädtisch e n Schauspielhause lverden in der diesjährigen Wintersaison allwöchentlich Kindervorstellungen zu be- deutend ermäßigten Preisen in Szene gehen. Als erste Vorstellung wird am Sonnabend, den 3. Oktober, nachmittag? t Uhr, das Märchenspiel„Häusel und Grete!" gegeben. — Wedekind in Paris. Frank Wedekinds Kindertragödie „FrühIingSerwachen', die außer in Deutschland auch in Rußland große Erfolge erzielte, wird demnächst auch auf einer Pariser Bühne erscheinen. — Ein deutsches Theater inPetersburg. Dienstag abend fand in Petersburg in den Räumen des Katharinen-TheaterS die Eröffnung des neugcgründeten deutschen Theaters statt. — Der verkrachte Theater Verlag. Der Berliner Theater- Verlag A. Entsch, der u. a. den Theatcrvertricb der Dramen von Suder- mann, Blumenthal, Halbe, Dreher, Schnitzler usw. hatte, war in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Ein GläubigcrauSschuß brachte indes ein Abkommen mit dem Theaterbcrlag Eduard Bloch zu stände. Dieser übernimmt die Verpflichtungen des bisherigen Konkurrenten und erhält dafür dessen Verlag. Die Firma Bloch nimmt damit eine Art Monopolstellung ein. So wenig die Schauspieler sich bisher von den Agenturen zu befreien gewußt haben, ebensoivenig haben die Bühnenautoren es verstanden, durch einen Genossenschaft- lichen Betrieb sich von den Theatcrbcrlegern zu cinaiizipicrcn. — Ein neues Element? Der amerikanische Astronom Lolvell will von dem in einer kalifornischen Wüste gelegenen Flagstaff- observatorium aus festgestellt haben, daß in unserem Planetensystem noch ein bisher nicht bekanntes Element vorhanden ist. Der un- bekannte Stoff soll auf dem Jupiter, dem Saturn, dem Uranus und dem Neptun nachgelviesen sein. Die Planeten, die weiter von der Sonne entfernt sind, sollen ihn in bedeutend größerer Meng« enthalten als die mehr innen kreisende». Radikalen anschließen, sondern mußte ihren eigenen Grundsätzen gemäß Abrüstung fordern. Inzwischen haben sich über 100 Skt» sammlungen mit dieser Frage befaßt und mehr denn L6 000 Ver- sammlungsbesucher haben den Standpunkt der Partei gutgeheißen. Beim Finanzgesetz hat die Fraktion konsequent den Stand- Punkt vertreten, daß es ein K l a f f e n g e f c tz ist, dem sie ihre Zustimmung nicht geben konnte. Einige Verbesserungen hat die Fraktion jedoch hier erzielt, so Lohnerhöhungen für Staats- arbeiter, Verbesserung der Altersversorgung, Ausdehnung der Un- fallversicherung auf die land- und forstwirtschaftlichen Arbeiter, Staatsunterstützung für die Arbeitslosenkassen der Gewerkschaften, Etaatsdarlehen für die Kommunen zum Umbau ungesunder Stadt- teile, was namentlich auch zur Einschränkung der Arbeitslosigkeit dienen soll. An den Bericht schloß sich eine rege Debatte. ES wurde ein Antrag eingebracht, die Haltung der Fraktion zur Zollrcform zu mißbilligen. Die Fraktion hat bekanntlich für diese Reform ge- stimmt, obwohl sie bei weitem nicht der Forderung auf Abschaffung der indirekten Steuern entsprach. Borgbjerg verteidigte die Haltung der Fraktion mit dem Hinweis, daß das neue Zvllgesetz eine Herabsetzung der indirekten Steuern um 5 Millionen Kronen bietet. Der Mißbilligungsantrag wurde dann auch mit sehr starker Mehrheit verworfen. Ferner wurde das sozial- demokratische Gutachten zur Landesvcrteidi- gungsfrage kritisiert, weil darin u. a. die Ausbil- dung der Jugend im Gebrauch der Waffen verlangt wird. Viggo Christensen wünschte, daß. die Worte durch andere, wie„Volkswehr" oder dergleichen ersetzt würden.„Wir wünschen keine Waffen, um sie zum Angriff zu gebrauchen, aber wir wollen natürlich unsere berechtigten Interessen verteidigen," sagte er. Demgegenüber trat R. M. Klausen N''' Erziehung der Jugend durch Gymnastik und Waffenübung ein, die jetzt nur den Wohlhabenden zuteil wird. Das Militär könne ja auch gegen die Söhne des Volkes gebraucht werden, und in solchem sagte er. Demgegenüber trat R. M. Klausen für die physische Der Tätigkeitsbericht des Parteivorstcmdes wurde schließlich einstimmig gutgeheißen. Es wurde sodann über die Stellung der Partei zum G e- nossenschaftswesen beraten. Die Partei und die Gewerk- schasten Dänemarks haben in der e in e i n s a ni e n 8Z ä cü e r e r" und der Brauerei„S t j e r n e n" zwei große Pro- duktionsgcnossenschaften, die sich gut rentieren. Die Mehrheit der Kommission, die die Sache vorberaten hatte, empfahl, die Ardeiter- schaft mehr als bisher in Konsumgenossenschaften zu organisieren, und ihr Wortführer Borgbjerg erblickte in den Konsumvereinen ein wirksames Mittel, die Anschauungen über die sozialen Zustände mehr und mehr zu revolutionieren. Dagegen hielten Sigvald Olsen und andere es jedoch nicht für angebracht, auf diesem Gebiete jetzt schon so stark vorwärts zu schreiten. Seien doch sogar in dem Volkshause der Arbeiterschaft von Odense, wo der Kongreß tagte, die Kapitalisten so mächtig, daß sie bestimmten, welche Waren dort verkauft werden sollen. Der Parteitag begnügte sich denn auch damit, in dieser Frage die im vorigen Jahre vom Skandina- vischen Arbeiterkongreß ,n Kristiania angenommene Resolution gutzuheißen, in der die genossenschaftliche Bewegung als ein mäch- tiges Mittel im Befreiungskampf der Arbeiterklasse bezeichnet, und die Unterstützung uird Förderung dieser Organisationen empfohlen wird. Die erwähnte Kommisswn wurde beauftragt, eventuell ge- meinsam mit Vertretern des Gesamtverbandes der Gewerkschaften die Frage weiterzuprüfen und dem nächsten Parteitag Vorschläge zu machen. Am Schlüsse der Freitagssitzung protestierte der Parteitag aufs schärfste gegen die unmenschliche Klassenjustiz in Malmö, die zwei schwedische Jungsozialisten zum Tode, einen zu lebcns- länglichem Zuchthaus verurteilte. Der Redner. C. C. A n d e r s e n, hob jedoch auch hervor, daß die dänische Sozialdemokratie das Wombenattentat ebensowenig billigt wie die schwe- dischen Parteigenossen.— Vom deutschen Parteitag war ein Begrüßungstelegramm eingegangen, das mit st ü r- mischein Beifall aufgenommen wuroc. Elm Sonnabend kam zunächst die Taktik und Politik der Partei zur Verhandlung. Die Angelegenheit wurde nach kurzer Aussprache einer Kommission zur Vorbereitung überwiesen.— Als Richtschnur für die Tätigkeit der Fraktion in der bevor- stehenden Reichstagssession stellte der Parteitag eine Reihe prak- tischer Forderungen aus, wie die einer gerechten Wahlkreis- einteilung. Ausdehnung des Wahlrechts, Kinder- fürsorge durch Errichtung guter Heime und Erziehungsanstalten, Verbesserung der Volksschulen und ihrer Verwaltung, Schulspeisung, gerechte Ordnung des S t e u e r w e se n s, Einführung deS Achtstundentages. Verbesserung des Fabrikgesetzes und des Kinderschutzes, Reform der Krankenpflege-Gesetzgebung.— Es sollte dann über eine Revision des Parteiprogramms beraten werden. Dieser Punkt wurde aber wegen Mangels an Zeit dem nächsten Parteitag überwiesen. Ein Antrag, die Forderung nach Aus- b i l d u n g der Jugend im Gebrauch der Waffen aus dem Pro- gramm zu streichen, wurde verworfen. Der nächste Verhandlungspunkt war die Frage der Partei- organisation. Hierbei handelte es sich vor allem um die Organisation der Frauen, die nun um so wichtiger ist, als die Frauen das aktive und passive Gemeindewahlrecht erhalten haben. Der Parteitag nahm eine Resolution an, in der ausgesprochen wird, daß die Genossinnen nicht besondere politische Vereine bilden, son- dern gem ei nsammitdenMännernim Sozialdemo- kratischen Verbandund seinenOrts-abteilungen organisiert sein sollen. Aus diesem Grunde soll den Frauen die Zugehörigkeit zur Parteiorganisation so leicht wie möglich ge- macht ivcrden. Darum wurden auch die Beiträge, die die Verbands- abteilungen an den Agitationsfonds des Distrikts zu zahlen haben, für die Städte und unter städtischen Verhältnissen arbeitenden Mit- glieder auf 12 Oere für die Frauen und 20 Oere für die Männer, und für das Land dementsprechend auf 7 und aus 10 Oere festgesetzt. Für die Administration des Verbandes sind für jedes männliche Mit- glied jährlich 20 Oere, für jedes weibliche Mitglied 8 Oere zu zahlen. Die in der gegenwärtigen Zeit wichtigste Frage, die den Partei- tag beschäftigte, war die der Taktik bei den im Frühjahr 1009 st attfindendenFolkethings wählen. Die Kam- Mission, die sich mit dieser Frage befaßt hatte, war nicht einig ge- worden, sondecn hatte sich in eine Mehrheit und eine Minderheit geteilt. Die Meinungsverschiedenheit bestand hauptsächlich darin. ob und wie weit man bei der Aufstellung neuer Kandidaturen aus die radikale Linkenpartei Rücksicht nehmen sollte. Diese Partei. die aus der Linken-Reformpartei ausgeschiedenen„Rebellen", hat ja bislang an der Seite der Sozialdemokratie gegen die Verfälschung Der demokratischen Reformen durch die Regierung und ihre Partei gekämpft, ebenso wie gegen die Albertische Korruption. In der Laudesverteidigungsfrage ist sie gegen die von der Reformpartei vorgeschlagene Erhöhung der Ausgaben, wengleich sie sich nicht zu dem sozialdemokratischen Abrüstungsprogramm aufschwingen konnte. Won der Stellung der Sozialdemokratie zur radikalen Linken hängt es ab, wie weit die„liberalen" und konservativen Militaristen bei der Neuwahl des FolkethingL geschwächt werden. Da man Stich- Wahlen in Dänemark nicht eingeführt hat, mußte sich die Sozial- demokratie von vornherein darüber klar werden, ob in diesem und jenem Kreise auf Aufstellung eigener Kandidaten verzichtet werden sollte, um zugunsten der Radikalen die Wahl eines Reformparteilers zu verhindern. Die Kommissionsmehrheit brachte nun eine Reso- lution in Vorschlag, wonach zu den 62 Kreisen, wo schon bei der vorigen Wahl Sozialdemokraten kandidierten, noch 14 andere Kreise hinzugefügt werden sollten. Dazu brachte Genosse Sabroe einen Unterantrag ein, die für die Radikalen aussichtsreichen beiden Wahlkreise Holbäck und Maribo auszuschalten und dieser Partei zu überlassen. Dagegen hielt die Kommlssionsminderheit diese Art Alliancepolitik mit den Radikalen für unzweckmäßig und schlug die Aufstellung neuer sozialdemokratischer Kandidaturen in 22 Wahl- kreisen vor. Die Debatte darüber war sehr lebhast. Sie endete damit, daß der Vorschlag der Kommissions Mehrheit und auch der Antrag Sabroes angenommen wurden. Danach ist also beschlossen, bei den bevorstehenden Wahlen in zwölf neuen Wahlkreisen, also im ganzen in 74 der 114 Folkethingswahl- kreise, sozialdemokratische Kandidaten aufzustellen. Ferner besagt die Resolution, daß über eventuelle Aufstellung von Kandidaten der Partei in den übrigen Kreisen die betreffenden Ortsabteilungcn, Agitationskommissionen und der Hauptvorstand gemeinsam zu ent- scheiden haben. Den Genossen in den Kreisen ohne sozialdemokra- tisch« Kandidaten wird empfohlen, für die mehr demokratischen, gegen die mehr konservativen Kandidaten zu stimmen. Nach der abgelehnten MinderhcitSresolution sollte den Genossen dieser Kreise selbst überlassen bleiben, zu entscheiden, ob sie an der Wahl teil- nehmen wollten, oder nicht. In der letzten Sitzung, am Sonntagbormittag, befaßte sich der Parteitag zunächst mit Fragen der Aufklärungsarbeit und der Agiration. Unter anderem wurde beschlossen, daß alle Vierteljahr eine kleine Schrift oder Broschüre herausgegeben werden soll, enthaltend einen oder mehrere Abhandlungen oder Ar- tikel zur Beleuchtung der sozialen Verhältnisse und zur Förderung und Ausbreitung der sozialistischen Grundsätze. Die gewerkschaft- lichen und politischen Organisationen werden aufgefordert, für Per- breitung dieser Schriften zu sorgen. Ein Ausschuß von 0 Mitgliedern wurde eingesetzt, um diese Angelegenheit wahrzunehmen. Ferner wurde dem Hauptvorstand Auftrag erteilt, die Bedingungen für die Gründung einer sozialistischen MonatSscyrift zu untersuchen. Einem gemeinsam von der Partei und den Gewerk- schasten eingesetzten Ausschuß wurde anheimgegeben, für die Er- richtung eines Archivs der dänischen Arbeiterbewegung und für die Gründung einer Buchhandlung Sorge zu tragen. Mit der Frage der Gründung einer Arbeiterhochschule hatte sich bereits ein gemeinsamer Ausschuß der Partei und Ge- werkschaften befaßt. Wie der Referent MartinOlsen mitteilte. waren die Untersuchungen, die sich namentlich auch auf derartige Einrichtungen im� Ausstind, in Schweden, Deutschland, England. Belgien, Oesterreich usw. erstrecken, noch nicht abgeschlossen. Ein- stimmig wurde eine Resolution angenommen, die unter anderem besagt: „Der Kongreß ist der Meinung, daß eine Arbeiterschule, wo dieses Aufklärungswerk unter festen Formen ausgeführt werden kann, von größtem Wert sein wird für eine einheitliche und ziel- bewußte Arbeit zur Befreiung der Arbeiterklasse, und beschließt des- halb, daß man versuchen soll, diesen Gedanken demnächst zu vcr- wirklichen. Dem Hauptvorstand wird aufgetragen, die vom Aus- schuß begonnene Arbeit mit aller Kraft fortzusetzen und den Ge- danken so bald wie möglich und in so großem Umfang, wie eS die vorhandenen Lehrkräfte und die wirtschaftlichen Bedingungen mög- lich machen, zu verwirklichen."— Zur Agitation wurde ein Beschluß gefaßt, wonach den Kreisen, in denen die Gegner der Sozialdemokratie noch unbestritten herrschen, ganz besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden soll. Ferner wird den Ortsabteilungen der Partei empfohlen, zur För- derung der sozialistischen Agitation unter den Frauen öffentliche Versammlungen zu veranstalten, in denen Fragen behandelt werden, die die Frauen besonders interessieren. In der bevorstehenden Wahlbewegung sollen die Parteiblätter Freiexemplare oder Sonder- abdrücke einzelner Artikel den Genossen zwecks Verbreitung zur Ver- fügung stellen. Zur Jugendbewegung nahm der Parteitag eine Reso- lution an, die es der Parteileitung wie den Ortsvereinen der Partei zur Pflicht macht, die im Anschluß an die Partei wirkenden sozial. demokratischen Jugendorganisationen mit Rat und Tat zu unter- stützen. Zur Erörterung der Land- und Landarbeiterfrage wurde vom Parteitag eine Kommission von 7 Mitgliedern eingesetzt, die dem nächsten Parteitag Vorschläge machen soll. Vier der in diese Kommission gewählten Parteigenossen sind Häusler, einer ist Landarbeiter, und zwei, Dr. G. Lang und Borgbjerg, sind akademisch gebildete Leute. Der Umstand, daß in einzelnen Fällen Parteigenossen in öffentlichen Aemtern Neigung zeigten, an Festessenfürfür st- liche Personen teilzunehmen, veranlasste den Partei- tag, folgende Resolution anzunehmen: „Der Kongreß beschließt, daß die Vertreter der Partei keine Gelder aus öffentlichen Mitteln zur Veranstaltung von Festen für fürstliche Personen oder Festen zur Verherrlichung des Militaris- mus bewilligen, noch an solchen Festen teilnehmen dürfen." Ferner faßte der Parteitag einstimmig folgenden Beschluß: „Im Anschluß an das, was Folkethingsmann Sigwald Olsen in seiner Eröffnungsrede zum Kongreß über die Stellung der Sozialdemokratie zur Bildung einer parlamentarischen Regierung sagte, erklärt der Kongreß, daß die Sozialdemokratie jeden Gedanken, daß die Partei, bevor sie die absolute Mehrheit im Folkething hat, an der Bil- dung eines Ministeriums teilnehmen sollte, zu- r ü ck w e i st." Der Parteitag beschloß sodann einstimmig ein Manifest an das arbeitende Volk Dänemarks, in dem zunächst die Folgen des„ShstemwechselS" von 1901 und die durch Aufdeckung der Schwindeleien Albertis geschaffene Lage geschiloert wird. Es heißt in dem Manifest:„Bei der mehr und mehr ausgeprägt militärsreundlichcn und gemäßigten Vergleichspolitik sind die großen Programmforderungen der gesamten Demokratie verraten oder verkrüppelt, ist die regierende Linkenpartei demoralisiert durch Jagd nach Aemtern, Hofkriechcrei, Ordens- und Titelschwindcl usw. Nun wollte diese Partei nach Abgabe des Gutachtens der Landes- verteidigungskomlnission ihren großen Programmbruch in der Militärsrage durchsetzen, als die Krise eintrat. Die Linkenpartei ist gewarnt worden, als es noch Zeit lvar. Aber die große Mehr- heit des Folkethings wies die Forderung unserer Parteigenossen aus Untersuchung der Albertischen Amts- und Geschäftsführung zu- rück, sogar unter Unterdrückung der Redefreiheit, und die Mehrheit sowohl wie die ganze Regierung sind demnach voll verantwortlich für die nun eingetretene Katastrophe."— Es wird dann darauf hin- gewiesen, daß die Schwindeleien und die ganze Korruption des Justizministers Albert, eine Folge und ein Ausfluß der kapita- listischen Wirtschaftsordnung mit ihrer rücksichtslosen Jagd nach Reichtum ist und wiederum treffend die Notwendigkeit der sozia- listischen Umwälzung zeigt. Mit Bezug auf das Streben der rcak- tionären Parteien, die jetzige Lage als eine Folge der„Demokratie" und des Parlamentarismus hinzustellen, heißt es in dem Manifest: „Wir widersetzen uns jedem Versuch, an dem parlamentarischen Prinzip, daß die Regierung mit der Folkethingsmehrheit im Ein- klang stehen soll, zu rütteln. Aber wir verlangen auch eine Regie- rung von Männern, die der vollständigen Aufklärung des entdeckten Schwindels nicht entgegenarbeite», diese Aufklärung nicht zu hemmen suchen. Wir fordern, daß eine gründliche Untersuchung durchgeführt, daß alle Administrationsmißbräuche entschleiert und die Mitverantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Das ist nun die erste Aufgabe der dänischen Politik." Nach Schilderung der wichtigsten demokratischen, sozialen und sozialistischen Forderungen der Partei schließt das Manifest mit oen Worten: „Wir fordern das arbeitende Volk auf, sich den Sozialismus zu eigen zu machen, sich der Sozialdemokratie anzuschließen, seine ge- werkschaftlichen, politischen und kooperativen Organisationen zu stärken, die Jugend zu sammeln, zu erwecken, zu begeistern und auf- zuklären zu Arbeit und Kampf für die große Idee des Sozialismus, und so sich selbst als Träger einer neuen, höheren Gesellschaftsord- nung, der sozialistischen, zu rüsten und zu erziehen. Wir schließen unseren Kongreß mit einem: Nieder mit dem Kapitalismus und dem ihm unlöslich verbundenen Militarismus! Es lebe die internationale Sozialdemokratie!" ver Schöneberger srZuevworS vor dem Schwurgericht. Die Verhandlung gegen den des Mordes an der Prostituierte« Slanina angeklagten Händler Hermann Wagner wurde gestern vor dem Schwurgericht fortgesetzt. Als erste Zeugin wird die Händlerin Frau Marks aufgerufen, die einige Zeit bei der schon vernommenen Zeugin Frau Krumme gewohnt hat. Sie bekundet, daß der Zeuge Daumann zu der Frau K. eines Abends gesagt hat:„Du hast den Wagner durch Deine Aussagen aus das Schafott gebracht." Die Zeugin hat den Eindruck gehabt, als wolle Daumann der Frau K. vorwerfen, sie sage, um die Belohnung zu verdienen, für Wagner ungünstig aus. Der Zeuge Daumann wird nochmals vor- gerufen und gibt die Möglichkeit zu, daß er nach einem Streit mit der Krumme dieser in der Trunkenheit den Vorwurf gemacht habe. Die am Sonnabend vernommene Zeugin Raabe soll nochmals verhört werden, sie ist aber nicht erschienen. Das Gericht beschließt, die R. vorführen zu lassen. Der Kaufmann Saulsohn, bei welchem der Angeklagte am 16. Dezember Weihnachtsschmuck gekauft haben will, bekundet, daß es bei ihm nur üblich sei, daß der Weihnachtsschmuck, der sich in kleinen weißen Schachteln befinde, mit Bindfaden zusammen- geschnürt wird. Ob der Angeklagte bei ihm einen großen braunen Karton erhalten habe, könne er nicht sagen. Der Zeuge hält rS aber für so gut wie ausgeschlossen, da nur dann ein größerer Pappkarton zum Verpacken verwendet wird, wenn er zufällig selbst einen solchen zugeschickt erhalten hat. Auch der Inhaber der Firma Kühnert hält es für ausgeschlossen, daß der Angeklagte bei ihm einen derartigen Karton erhalten hat. Die nächste Zeugin, eine Frau WeNnitz, hat, wie die Frau Richter, auf demselben Treppenflur mit der Slanina gewohnt und hat auch wiederholt mit dieser gesprochen. Die Zeugin bekundet, daß ihr die Slanina gelegentlich erzählt habe, daß ihr Wagner wegen der Anzeige fürchterlich zusetze. Die S. habe auch in ihrer Wohnung mehrere Pappkartons gehabt. Tie Zeugin erklärt jedoch, daß jene Kartons, die sie bei der S. gesehen hatte, viel niedriger und kleiner gewesen wären, als die ihr vorgelegten, in denen sich die Leichenteile befunden hatten. Den schwarzen Futterrock habe die S. stets nur in der Wohnung getragen, da er schon sehr schlecht ge- Wesen sei. Kurz vor Weihnachten habe der Angeklagte zu ihr ein- mal gesagt:„Der Baum ist nun schön geputzt, nun könnte meine Madame kommen, dann könnten wir Weihnachten feiern."— Nach dem Verschwinden der Slanina habe ihr Wagner erzählt, daß er sie am 16. Dezember gegen 12 Uhr nachts noch auf der Straße ge- troffen habe. Anläßlich einer Unterhaltung mit der S. habe ihr diese erzählt, daß Wagner zu anderen Personen gesagt haben sollte: „Wenn die Slanina nicht die Anzeige zurücknimmt, dann hacke ich ihr die Kohlrübe abl" Diese Aeußerung sei ihr(der Slanina wiedererzählt worden. Die S. habe sich auch vor dem Angeklagten sehr gefürchtet und sei sehr ängstlich gewesen. Durch nochmalige Fragen an die Frau Richter und die Frau Wellnitz wurde vom Vorsitzenden festgestellt, daß die Slanina am Abend eine rotkarierte Kattunbluse angehabt hatte, während die Leiche mit einer schwarz-weißgestreiften Wollbluse bekleidet gewesen war. Hieraus folgert die Verteidigung, daß sich die S. wie ge- wöhnilch des Abends umgezogen habe und dann ihrem Gewerbe nachgegangen fei. Die Zeugin Helene Raabe, die schon am Sonnabend vernommen worden ist, wird nochmals aufgerufen. Jbr wird ein Brief vor- gelegt, den sie im März d. I. an das Schöneberger Polizeipräsidium gerichtet hat. In diesem teilt die R. mit, daß ihr Wagner einen Hut geschenkt habe, mit dem Bemerken, er stamme von seinem früheren„Verhältnis", welches seit zwei Tagen vor Weihnachten verschwunden sei. Wagner habe hierbei geäußert:„Ich glaube, die kommt nie wieder, die ist vielleicht ermordet worden." Di« Zeugin teilt weiter mit, daß Wagner geäußert habe: Wenn das?l— s nickt die Anzeige zurücknimmt, schlage ich sie tot. Wenn ich Knast schieben soll, so gebe ich über ibre Leiche, bann weiß ich wenigstens wofür!"— Auf wiederholt eindringliche Fragen bleibt die Zeugin jetzt dabei, daß sie sich auf diese Aeußerungen nicht mehr besinnen könne und erklärt, Wagner müsse sich so ähnlich geäußert haben. sonst hätte sie so etwas nicht niedergeschrieben. Die Frage des Vorsitzenden, ob von irgendeiner Seite versucht worden sei, auf ihr Zeugnis einzuwirken, verneint die Zeugin. Rechtsanwalt Bahn teilt mit, daß sich diese Zeugin schon zweimal in einer Irrenanstalt befunden habe, also nicht sehr viel Glaubwürdigkeit verdiene. Die Zeugin muß zugeben, daß sie sich einmal 2% Jahre und ein zweites Mal sieben Wochen in Dalldorf befunden hatte. Auf eine weitere Vernehmung wird deshalb sofort verzichtet. Der Zeuge Schankwirt Schefsler bekundet, daß der Angeklagte sich immer ruhig und durchaus anständig in seinem Lokal benommen habe. Wagner müsse auch sehr gut verdient haben, da er seine Ware stets ausverkauft hatte. Ob Wagner in der Nacht zum 17. Dezember in dem Lokal gewesen sei, könne er mit Bestimmtheit nicht mehr sagen. eS sei dies jedoch sehr wahrscheinlich, da W. fast jeden Abend bei ihm ge- Wesen sei. Frau Schefsler und andere Zeugen, die darüber aussagen sollen, daß der Angeklagte am 16. Dezember spät abends bis etwa VA Uhr im Schcfflcrschen Lokal gewesen, können bestimmtes nicht aussage». Eine Wachsdecke und ein Messer haben diese Zeugen nie bei dem Angeklagten bemerkt. Es folgt die Vernehmung mehrerer Zeugen, die über die Lebensführung des Angeklagten aussagen sollen. Ein Zeuge Carl Hinz weiß nichts davon, daß der Angeklagte von der Raabe oder anderen Mädchen Geld bekommen habe. Im Gegenteil habe er der Raabe öfter Geld gegeben. Als er sich mit der Slanina wieder vertragen, sei er eines Tages mit der letzteren bei dem Zeugen gewesen und da habe die Slanina gesagt, sie habe die Strafanzeige zurücknehmen wollen, der Beamte habe sie aber angeschnauzt. Daß Wagner unschuldig sei, hat die Slanina nicht gesagt. Der Angeklagte soll aber mit der Slanina wieder ein Herz und eine Seele gewesen sein. Als der Angeklagte eines Tages dem Zeugen mitteilte, daß die Slanina verschwunden sei, hat dieser ihm gesagt, daß doch Anzeige bei der Polizei erstattet werden und Rundfrage in den vcr- schiedenen Krankenhäusern gehalten werden müßte. Der Angeklagte hat darauf erwidert, daß er schon überall hin geschrieben habe.— Mehrere Zeugen, die den Angeklagten längere Zeit kennen, geben ihm das Zeugnis, daß er ihnen gegenüber sich stets als anständiger, fleißiger Mensch gezeigt habe. Von Zuhälterdiensten, die er geleistet haben soll, haben diese Zeugen nichts bemerkt. Ter Kriminalschutzmann Langenbcck hat am 26. März den An- geklagten unter Beihilfe der Zeugin Krumme aufgesucht und ihn festgenommen, als er Unter den Linden kurz vor der Passage mit Blumen handelte. Zuerst hat die Krumme nicht wissen wollen, wo Wagner zu finden sei, als sie aber�hörte, daß es sich um einen an- geblichen Mord handelte und die Slanina als Leiche gefunden sei, wurde sie sehr erregt und erbost und sagte:„So hat dieser Bengel, dieser Schw....... d also wirklich dos Mädel um die Ecke gebracht, das so viel an ihm getan hat! Ich Hab eS immer gesagt. er werde sie noch umbringen! Er war immer so gemein zu ihr, er hat ihr oft nicht einmal Zeit zum Essen gelassen, sondern ihr manchmal ein Stück Brot in die Hand gedrückt, welches sie dann im Hausflur essen mußte." Die Krumme hat sich dann bereit erklärt, nunmehr der Polizei bei de�m Suchen nach Wagner zu helfen. Als Wagner festgenommen war und in einer Droschke nach dem Polizei- Präsidium Schöneberg transportiert wurde, dachte er zuerst, daß es sich nur um die Strafanzeige lvegen Kuppelei und Zuhälterei handelte. Als ihm dann gesagt wurde, es handele sich doch um Schwereres, nämlich um dm Ermordung der Slanina und deren Verschwinden, sagte er sofort:„Für diesen Abend kann ich mein Alibi nachweisen." Aus die Frage, wo er denn in der Nacht deS 16. Dezember war, erklärte er, er habe Cet Schcffler Skat aespielt. Danach sei er in die Wohnung gegangen, und als er die Slanina nicht antraf, sei er nach der Äolonnenstraße gegangen und habe bis gegen 2 Uhr vergeblich nach ihr gesucht. Dann sei er wieder nach Hause gegangen, und weil sie dort noch immer nicht gewesen, habe er nochmals in der Kolonnenstratze gesucht und sei dann nach Hause gegangen und habe sich schlafen gelegt. Diese Aussage hat Wagner nach zwei Tagen widerrufen und andere Angaben gemacht. Als er nach dem Leichenhaus zur Besichtigung der Leiche geführt worden war, habe Wagner auf dem Heimweg gesagt:»Ach, dos arme Weib!" Der Zeuge habe ihm darauf geantwortet:»Wagner, machen Sie doch keine Flausen! Sie sehen doch schon, daß hier nichts mehr zu machen ist; es ist ja doch schon ziemlich klar, daß Sie der Täter sind! Legen Sie doch ein Geständnis ab! Es ist ja doch möglich, daß Sie nicht beabsichtigt haben, die Slanina zu töten, daß Sie in Streit geraten sind und ihr dabei einen Schlag auf den Ltopf gegeben haben." Der Angeklagte habe aber sofort erwidert: «Solche Sachen können Sie mit mir nicht machen, damit kriege» Sie mich nicht!" Der Zeuge Langenbeck hat dann seine Verwunderung darüber aus- gedrückt, daß der Angeklagte keine Vermißtanzeige erstattet habe. Ties habe Wagner dahin erklärt: er habe angenommen, die Slanina„sei alle geworden" oder in ein Krankenhaus gebracht. Außerdem habe er geglaubt, daß die Sittenpolizei ihren Aufenthalt schon kennen werde, da sonst doch wohl schon ein Sittcnbeamter bei ihr zu Hause nach ihr gefragt haben würde. Der Zeuge hat, wie er auf Befragen erklärt, nicht den Eindruck gehabt, daß die Krumme aus persönlicher Gehässigkeit gegen den Wagner aufgetreten sei; im Gegenteil habe sie zuerst jede Auskunft über Wagner der- weigert, und erst, als ihr tlargemacht wurde, daß sie sich strafbar machen würde, da es sich um einen Mord handle, sei sie erregt worden und habe gesagt:„Ich habe es immer gesagt, der Bengel, den sie ernährt hat, hat sie um die Ecke gebracht!"— Rechtsanwalt Bahn: Hat der Zeuge nicht sofort zu der Frau Krumme gesagt: Der Wagner ist der Mörder?— Zeuge: Nein.— Rechtsanwalt Bahn: Wer solche Schimpfworte gegen den Angeklagten gebraucht, wie es Frau Krumme getan haben soll, kann doch gegen ihn nicht gut ge- sinnt sein. Woher hat denn der Zeuge die feste Ueberzeugung, daß der Angeklagte der Mörder war? Zuerst ist doch der Verdacht dahin gegangen, daß die Tat von einem Soldaten aus den nahe- gelegenen Baracken oder von einem Eisenbahnarbeiter, der auf dem Gleise war, begangen sei.— Zeuge: Nein! Man wußte damals noch nicht bestimmt, daß die Ermordete die Slanina war, war aber überzeugt, daß, loenn es sich um die Slanina handelte, nur Wagner der Täter sein könne, denn die Dirnen behaupteten, daß er der Zuhälter der S. sei.— Rechtsanwalt Bahn verweist darauf, daß in den gedachten Baracken Hunderts von Soldaten untergebracht seien und die Soldaten ihre Extrahosen gewöhnlich in Kartons zugesandt erhalten.— Präsident(zum Zeugen): Haben Sie auf dem Transport die Krumme nicht gefragt, wie sie denn zu der Vermutung komme, daß Wagner der Mörder sei?— Zeuge: Nein!— Ein Geschworener: Hat der Zeuge vielleicht der Krumme eine Belohnung in Aussicht gestellt?— Zeuge: Nein.— Kriminalkommissar Sanders erklärt, daß er hier zum erstenmal höre, daß der Verdacht auf einen Soldaten oder Eisenbahnarbeiter gefallen sei.— Da noch einmal Erörterungen über die örtlichen Verhältnisse am Tatorte sich entwickeln, ordnet der Vorsitzende die Ladung eines zuständigen Bahnmeisters an, der eine Zeichnung mitbringen soll.— Zu einem Zeugen hat Wagner, als er ihm das Verschwinden der Slanina mitteilte, gesagt: Sie wird wohl mit einem Liebhaber nach Dresden ausgerückt sein; ich will hinüber- fahren, um sie zu holen. Der Zeuge glaubt sich zu erinnern, daß er einmal gesehen, daß der Angeklagte seinen Apfelsinenkorb mit einer Decke zugedeckt hatte, die innen grau war.— Eine Zeugin bekundet, daß der Angeklagte nach dem Verschwinden der Slanina niedergeschlagen war. Auf die Frage, was ihm denn fehle� habe er gesagt:„Ihr könnt meine Gedanken nicht lesen!" Nach einstündiger Pause wird die Händlerin Frau Martha Krumme als Zeugin aufgerufen, die folgendes bekundet: Sie kenne den Angeklagten schon seit mehreren Jahren, ebenso auch deren Mutter. Der Angeschuldigte sei früher ein sehr anständiger Mensch gewesen, bis er anfing zu spielen und sich herumzutreiben. Sie selbst habe einmal gesehen, wie Wagner die Slanina ins Ge- ficht geschlagen hat. Einmal hat W. zu ihr gesagt:„Wenn andere Leute von außerhalb kommen und in Berlin den Zuhälter spielen, so brauche er als Berliner erst recht nicht zu arbeiten." Die Slanina habe auch wiederholt geäußert, sie würde für Wagner alles hingeben. Bald darauf sei die Slanina eines Tages zu ihr ge- kommen und habe ihr geklagt, daß Wagner nicht genug bekommen könne; sie selbst könne nicht genug verdienen. Die Slanina habe hierbei Brandwunden an den Lippen gehabt. Auf eine Frage habe sie geantwortet, sie habe sich wegen Wagner mit Lysol vergiften wollen. Später habe die S. gegen Wagner Anzeige wegen Zu- hälterei erstattet, als W. eines Tages zwei andere Mädchen mit in die Wohnung genommen habe. Wiederholt habe die S. ihr geklagt, daß der Angeklagte drohte, ihr den Kops abzuhacken, wenn sie nicht die Anzeige zurücknehme. Am Tage, nach welchem die S. vcr- schwand, sei Wagner zu ihr gekonimen und habe ihr erzählt, daß die Slanina verschwunden sei. Sie(Zeugin) habe sofort zu W. gesagt: Du Hund, dann hast Du sie um die Ecke gebracht! Sie wäre sofort auf diesen Verdacht gekommen, weil Wagner einmal geäußert habe: „Wenn die Slanina nich� die Anzeige zurücknimmt, dann schlage ich dem A— s den Kopf ab."— Vorsihender: Sie selbst sollen dabei aber auch sehr unschöne Worte gebraucht haben? Sie sollen gesagt haben: Wenn es Frühling wird, dann wird sie wohl irgendlvo als Kalbfleisch in einer Laube hängen?— Zeugin: Jawohl, das stimmt!— Zeugin erzählt weiter, daß sie dem Angeklagten wieder- holt gesagt habe, daß der Verdacht zuerst auf ihn fallen würde, wenn die Slanina als Leiche aufgefunden würde. Der Angeklagte habe darauf erwidert: „Wenn sie mir nichts beweisen können, bann können sie mich auch nicht verurteilen." Bald darauf sei ein Beamter zu ihr gekommen und habe ihr er- zählt, daß die Slanina als Leiche wiedergefunden wäre. Sie habe sofort gesagt, die S. wäre dann nur von Wagner ermordet worden. Auf eine Frage des Vorsitzenden bekundet die Zeugin ausdrücklich, daß ihr damals von einer Belohnung nichts bekannt gewesen sei. Staatsanwaltsrat' Kühne befragt die Zeugin, ob sie nicht dem Beamten folgendes erzählt habe: Wagner habe häufig der Slanina nur eine Butterstulle gegeben und jle dann mit Schlägen wieder auf die Straße gejagt, so daß die S. in der Haustür das Brot habe essen müssen. Die Zeugin bestätigt dies. Der Kriimnalwachtmeister Arnim-Schöneberg hatte als Bureaubeamter der Sittenpolizei die Slanina kennen gelernt und hat sie das letzte Mal anläßlich der polizeilichen Kontrolle am 14. Dezember gesehen. Am 21. Dezember sei die S., wie Zeuge an- gibt, nicht mehr zur Untersuchung gekomnien. Den Kriminalschutz- leutcn Vetter und Tietze wäre auch auf wiederholtes Klopfen an der Wohnungstür nicht mehr geöffnet worden. Die Zeugin Swint' hat ebenfalls die Slanina gekannt und vielfach beobachtet, daß sich Wagner des Nachts in ihrer Nähe aus- hielt. Die S. habe große Angst vor ihm gehabt und ihr öfter ge- klagt, daß Wagner sie roh schlage und ihr einmal einen Zahn aus- geschlagen habe. Die unverehelichte Anna Schülers zählt ebenfalls zu den Be- kannten der Slanina und dcS Angeklagten. Sie bekundet, daß der Angeklagte am Tage vor Weihnachten sehr betrübt gewesen wäre, daß er den Weihnachtsbaum umsonst ausgeputzt habe, da die Slanina verschwunden sei. Aus eine Frage des Rechtsanwalts Bahn bekundet die Zeugin, daß die Slanina auch ein Berhiiltnis" mit einem Soldaten gehabt habe. Wie dieser Soldat heißt, könne sie aber nicht angeben. Im Anschluß hieran werden verschiedene Zeugen vernommen, die mit der S. bekannt waren, deren Aussagen aber von keinerlei Be- deutung sind» Der tekephonisch herbeigerufene Stationsvorsteher Gubkcs gibt eme ausführliche Darstellung der örtlichen Verhältnisse und erörtert die verschiedensten Möglichkeiten, wie der Täter auf das Bahn- gelände und an die beiden Gullys gelangt sein konnte. Der Sach- verständige bekundet, daß die mit den örtlichen Verhältnissen der- trauten Personen von Anfang an der Ansicht waren, daß der Täter vom Militärbahnhof die Böschung heruntergeklettert und so an die EntwässerungLschächte gelangt fei. Die Zeugin Frau Scheibe bekundet folgendes: In der Nacht vom 18. zum 18. Dezember v. I., also in der Nacht nach dem Ver- schwinden der Slanina, sei sie von einem Vergnügen gekommen und habe noch das Lokal von Schcffler aufsuchen wollen. Als sie das Lokal schon geschlossen fand, habe sie einen Augenblick an einer vor der Schankwirtschaft befindlichen Litfaßsäule gestanden, um den Belästigungen zweier angetrunkener Passanten zu entgehen. Kurz nach 12 Uhr habe sie bemerkt, daß aus dem Hause Grunewald- straße 116 ein junger Mann herauskam, sich scheu nach rechts und links umsah und dann wieder hinter der offenen Haustür ver- schwand. Nach einer kleinen Weile sei der junge Mensch wieder aus dem Hause herausgekommen und habe einen großen Pappkarton unter dem Arm gehabt, dessen Inhalt anscheinend sehr schwer zu sein schien. Der Karwn war so schwierig zu transportieren, daß ihn der junge Mensch erst auf das eiserne Geländer des in dem Hause befind- lichen Sarggeschäfts absetzen mutzte. In diesem Augenblick habe sie aus„Scherz" über die Straße hinweg dem jungew Mann zugerufen: „Na, soll ich helfen?» Der Angerufene habe sich ganz erschreckt umgedreht und dann ge- rufen:„Nee, is nich nötig!" Dieser junge Mann soll der Angeklagte Wagner gewesen sein, wie die Zeugin mit aller Bestimmtheit behauptet. Sie kenne den Angeklagten sehr gut, ebenso die Slanina, mit der sie in einem Hause in der Hauptstraße zusammengewohnt habe. Sie selbst habe auch einmal gesehen, wie Wagner die Slanina auf der Straße ge- schlagen habe.— Vorsitzender: Woran haben Sie denn den An- geklagten in jener Nacht erkannt?— Zeugin: An dem Hut und Paletot, hauptsächlich aber am Gesicht!— Vorsitzender: Ist dabei kein Irrtum möglich und können Sie sich nicht doch getäuscht haben? — Zeugin: Siein, ich habe ganz genau den Mann erkannt. Es war Wagner.— Der Zeugin wird hierauf der von einem Gerichtsdiener wieder rekonstruierte Karton vorgelegt, in welchem seinerzeit die Leichenteile aufgefunden worden waren. Die Zeugin glaubt, daß jener Karton, den der Mann in der Nacht getragen hatte, ebenso groß war, wie der ihr jetzt vorgelegte. Ueber die Glaubwürdigkeit dieser Hauptbelastungszeugin kommt es zu recht lebhasten Auseinandersetzungen im Gerichtssaal, die schließlich zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen dem Borsitzenden und dem Rechtsanwalt Bahn führen. Die Zeugin machte schon beim Beginn ihrer Vernehmung einen sehr unsicheren Eindruck. Auf die Frage nach ihrem Berufe, erklärte die Zeugin, sie sei Privatiere. Als sich Rechtsanwalt Bahn sehr interessiert danach erkundigte, inwiefern sie sich berechtigt glaubte, sich Privatiere nennen zu können vevtoeigerte die Zeugin in gereiztem Tone die Antwort. Schließlich erklärte sie, daß sie Zimmer vermietet habe. Auf eine weitere Frage des Verteidigers, loas sie als alleinstehende Frau des Nachts auf der Straße zu suchen habe, machte die Zeugin von ihrem Zeugnisverweigerungsrechte Gebrauch, da sie sich selbst einer strafbaren Handlung(Uebertretung des 8 361,6 des Strafgesetzbuchs) bezichtigen müßte. Rechtsanwalt Bahn stellte nun direkt die Frage nach den Vorstrafen der Zeugin. Diese verweigerte die Auskunst. Rechtsanlvalt Bahn: Trotzdem durch eine Verfügung des Justizministers bestimmt worden ist, daß die Fragen nach den Vorstrafen der Zeugen nach Möglichkeit eingeschränkt werden sollen, setze ich mich in dem vorliegenden Falle, wo es sich um den Kopf eines Menschen handelt, genötigt, mit aller Energie darauf zu dringen, daß die Zeugin diese Frage bcant- wartet, die für die Beurteilung ihrer Glaubwürdigkeit von der weittragendsten Bedeutung ist.— Ter Borsitzende lehnt es ab, diese Frage an die Zeugin zu stellen. Der Verteidiger erklärt, daß er dann einen Beschluß des Gerichts extrahieren müsse. Hierüber kommt es zwischen Verteidiger und dem Vorsitzenden zu einem in recht erregtem Tone gehaltenen Zusammenstoß. Das Gericht beschließt, die Zeugin nur nach etwaigen Vorstrafen wegen Meineids zu befragen und seht die Fragen nach den übrigen Vorstrafen vor- läufig aus. Rechtsanwalt Bahn: Wenn die Fragen nicht in dem Sinne gestellt werden, wie ich es beantragt habe, so müßte ich mich, nach Rücksprache mit dem Angeklagten genötigt sehen, das Mandat niederzulegen. Der Herr StaatSamvalt ist jederzeit in der Lage, durch Heranziehung des Vorstrafenregisters der einzelnen Zeugen sich über deren Vergangenheit zu orientieren, wie es auch der Staatsanwalt in diesem Prozesse bei Zwei Entlastungszeugen getan hat. Dieses Recht steht leider der Verteidigung nicht zu, so daß diese eben bei sehr fragwürdigen Belastungszeugen nur das eine Mittel hat. wenn es erforderlich wird, die Zeugen in der Ver- Handlung selbst zu fragen. Die Verhandlung wird hierauf um%8 Uhr abgebrochen und soll morgen(Mittwoch) fortgesetzt werden. Ckndrts-Teming. Der Lehrer als 175er. Vor der Hirschberger Strafkammer ist der Lehrer Richard Bartsch aus Petersdorf wegen Pergehens gegen§ 17ö, begangen in mindestens zehn Fällen an seinen Schülern, zu ein Jahr sechs Monaten Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt worden. B. ist 34 Jahre alt und Vater zweier Kinder. vermischtes. Die Cholera. Auch heute verzeichnet die Cholerastatistik für Petersburg eine etwas niedrigere Ziffer als in de» letzten Tagen. Es Ivurden in den letzten 24 Stunden, bis Dienstag mittag, 222 neue Erkrankungen und 98 Todesfälle an Cholera verzeichnet. Die Zahl der Kranken beträgt 1833. Durch die Nachlässigkeit der Verwaltung ist die Cholera in das Irrenhaus Nikolai des Wundertäters verschleppt worden, Ivo Massenerkrankungen in der Abteilung der Tob- süchtigen ausgebrochen siud. In Lüttich ist eine junge Französin, aus Lyon gebürtig, die sich auf der Rückreise von Warschau befand, unter choleraverdächtigen Erscheinungen erkrankt. Angesichts der verdächtigen Symptome iso- lierten die Aerzte die Kranke sofort. Der Wartesaal, in dem sich die Frau aufgehalten hatte, wurde ebenfalls desinfiziert. Unseren Agrariern müssen alle Dinge zum Besten dienen. So verlangt zur Vermeidung der Einschleppung der Cholera durch russische Butter eine Eingabe, die die Zentralstelle der preußischen Landwirtschastskammern an den Landwirtschaftsminister gerichtet hat, den unverzüglichen Erlaß eines Einfuhrverbotes für russische und sibirische Butter. Ferner soll jeder, der Butter vom Auslande, namentlich von Holland oder Däne- mark einführt, zu dem Nachweis ihres ErzeugungSortes verpflichtet sein, um nicht auf Umwegen doch Butter aus den von der Cholera heimgesuchten Gegenden einschleppen zu lassen. Wir sind gewiß die letzten, die nicht alle Vorsichtsmaßregeln zur Vermeidung der Einschleppung von Seuchen gutheißen, aber klar ist doch an dieser Eingabe zu erkennen, daß es sich dabei vor allen Dingen um die Förderung der Sonderwünsche unserer Ostelbier handelt. Von einem Verlangen, die Einführung der billigen und willigen russischen Landarbeiter zu verbieten, hat man bei unseren Agrarien noch nichts gehört._ Vom Eiscnvahnzug üverrannt. Nach einer Meldung aus Thorn wurde in vergangener Nacht ein Fuhrwerk aus I a r k e n von einem Eisenbahnzug auf freier Strecke überfahren. Zwei Personen wurden hierbei g e- tötet. Das rote Gold. Lemberg, 29. Septcniber. Bei dem hiesigen Kreditinstitut Zwiazek Kredytowy hat der Direktor Jakob Weidmann 89 060 Kr. veruntreut, die er im kleinen Lotto verspielt hatte. Duisburg, 20. September. Die Unterschlagungen bei dem Lohnburcau der Hütte„Phönix" betragen nach�den bisherigen Feststellungen 90 000 M. Ein Täter hat sich vor einigen Tagen e r- hängt, drei befinden sich noch in Hast.* Eine kleine Sintflut. Bombay, 29. September. Nachrichten aus Westindien zufolge haben außerordentlich große Regenfälle in den letzten fechlund- dreißig Stunden in Haiderabad und D e c c a n verheerende Ueberschwemmungeu angerichtet. Der Fluß Musi ist um viele Meter gestiegen und hat mehrere Brücken mit fortgerissen. Tausende von Häusern sind nach den Berichten weg- geschwemmt worden. Der Verlust an Menschen» st groß, überall liegen Leichname verstreut. DaS Land soll auf Meilen hin verwüstet sein. Die Regenhöhe betrug fünfzehn Zoll._ Sozialdemokratischer Lese- und Diskutierklud„Heinrich Heine«. Heute abend Lyz Uhr bei Bolze, Nodcnbergstrabe 8.— Lese- und DiS, kutierklub„Südost". Heute abend 8ll2 Uhr bei Schulz, Görlitzcr Str. 58, Vortrag des Genossen Eugen Brückner über»Unjallverstcherung und Berujs- genossonschast«. Gäste willkommen. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen-Direktlon über den Grobhandel in den Zenwal-Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr reichlich, Geschäft rege, Preise für Ochsenfleisch anziehend, sonst un- verändert. Wild: Zusuhr genügend, Geschäjt ziemlich lebhaft, Preise besriedigend, Geflügel: Zusuhr reichlich, ffiefchäst weniger lebhast, Preise nicht besriedigend. Fische: Zufuhr genügend, Geschäft ruhig, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschält ruhig, Preis« unverändert. Gemüse, Ob st und Südsrüchte: Zusuhr genügend, Geschäjt etwas lebhafter, Preise wenig verändert. BnefkafUn der Redaktion. Dt« invlftifific Eprcchstnnde finde« Lindenftrahe Rr. 3, zweiter Hof, dritter Eingang, vier Treppen, Bagf* Fahrstuhl woihentäglich abends von?>/, bis O'/i Uhr statt. Geöffnet 7 Itlic Sonnabends beginnt dt« evreckiftnnde III»« Uhr. Jeder Anfrage ist ein Vuihftabe»nd eine Kahl als ÄNerkzelchen beizufiigen. Briefliche Antwort wird nicht errcili. Bis zur Beantwortung im Briefkasten können 14 Tag» vergeben. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. S. O. 100. Ein Erbrecht stand den unehelichen Kindern in dm Nachlaß ihres Erzeugers in Preußen zu, wenn der Erzeuger ohne Testameut und unverheiratet stirbt. Für die seit 1900 geborenen unehelichen Kinder besteht ein solches Erbrecht nicht mehr.— A. S. 123. 1. Ja. 2. Nein. 3. Sic würden gegen den Wirt nur darauf klagen können, daß er gestattet, ein Schild auszuhängen, und den ihnen entstehenden Schaden zu ersetzen hat.— St. 200. Wenden Sie sich an die Obcrpostdircktion; dieselbe gibt bereitwilligst ÄluSIunjt.- M. F. 109. 1. Nein. 2. Ja.— O. W. Ja. — F. SB. 16. Eine Unterschlagung liegt nicht vor. Sie würden aber aus Rückzahlung des zuviel Gezahlten mit Aussicht aus Erfolg klagen können. — M. Bö. 1000. Der Steuererheber ist im Recht. Eventuell würden Sie Beschwerde oder Jnterventionsilage erheben müssen.— Selbsthilfe 100. Weder die Frau, noch die Tochter sollten den Drohungen sich fügen, sondern eventuell Strafanzeige erstatten.— O. M. 6?. 1. Ein notarieller oder gerichtlicher Vertrag mit den Kindern ist zulässig, jedoch ist dieser Vertrag bereits vorhandenen Gläubigern gegenüber ungültig und könnte nur für die Zükunst wirken. 2. Drei Jahre hindurch beliebig ost. — P. H., Rixdorf 39. Sie können Marken beliebiger Klasse verwenden. Die Marken erhalten Sie bei der Post. Besondere Markm zum Selbst- kleben gibt es nicht mehr. Die Entwertung durch Eintragen des Datums muß stattfinden. Der Umtausch findet bei dem Polizeirevier statt, in dessen Bezirk das Geschäft liegt.— Mielitz 88. Nein.— A. S. 7. Es werden nicht bestimmte Gegenstände geerbt,' vielmehr sälll von der Erbschaft den einzelnen Gcschivistern gleichviel zu. Können Sie sich nicht einigen, so können Sie gerichtliche Teilung beantragen, es entstehen dann aber ganz erhebliche Kosten.— W. P. 57. Stein.— M. G. 68. 1. Ja. 2. Die WNwe erbt ebenfalls. In welchem Verhältnis geerbt wird, lönnen wir Ihnen nicht angeben, weil in den vcrschiedenm Teilen Amerikas sehr vcr- schicdene Bestimmungen hierüber bestehen. Wenden Sie sich an den Konsul oder an das Auswärtige Amt.— S. K. 54. Im Jahre 1893 wurde Bebel in Straßburg gewühlt.— W. M., I. Sl. 5, Schönebcrg. Nein. — P. St. 100. Sie müßten an den Konsul oder an das shiesige Auswärtige Amt wegen Aussindung der Frau und der Mutter sich wenden. Und dann wenn der Ausenthalt nicht aussindig zu machen ist. bei dem Gericht öffentliche Ladung beantragen. Von einem etwa ergangenen oder noch ergehenden Gerichtsbeschluß werden Sie durch das Gericht in Kenntnis gesetzt.— H. M. 23. Leider ja.— A. K. 21. 1. Bis zum 31. De- zember 1909.'2. Ja. 3. Ein Dispens von dem Religionsunterricht wird freireligiöse« Kindern nicht erteilt. 4. Dte Kinder müssen an dem Religionsunterricht der Schule teilnehmen. 5. Uns nicht bekannt.— G. B. 10. Leider nein.— N. M. 89. Wiederholen Sie die Anfrage. — H. St. 33. 1. 2. Wenden Sie sich an die Staatsanwaltschaft um Auskunft. Versuchen Sie es mit der Klage bei dem Gewerbegericht, die Rechtsprechung schwankt allerdings,— Sonueuburg. Die Mindestanzahl der Marken zur Erlangung eines Anspruchs aus Altersrente beträgt sür eine im Jahre 1830 geborene Frau 009 bis 040 Marken. Altersrente hat zu be« aiispruchcn, wer das 70. Lebensjahr vollendet hat und eine Wartezeit von mindestens 1200 Bcitragswochen hindurch versichert gewesen ist. Die Länge der Wartezeit ist aber sür diejenigen Versicherten herabgesetzt, welche zu der Zeit, als die Verstchermigsp sticht sür ihren Berusszweig in Kraft trat, das 40. Lebensjahr vollendet hatten. Bei diesen werden sür jedes volle Jahr, um welches ihr Lebensalter zu diesem Zeitpunkt das vollendete 40. Jahr über- schritten hat, 40 Wochen und sür den überschießenden Teil eines solchen Jahres die weiteren Wochen, jedoch nicht mehr als 40 angerechnet. WafferstaudS-Nachrichte» der LandeZanstalt für Gclvässerkunde. mitgeteilt vom Berliner Wctterbnreau. ')+ bedeutet Wuchs.— Fall,—•) Unlerpegel. Witterniigsiibersicht vom 29. September 1908. morgen« 8 Ukir. Wetterprognose sür Mittwoch, den 39. September 1908. BiSlveilen trübe und nebelig, sonst ziemlich heiter und trocken bei schwacher Lustbcwegung, am Tage mild. LerliNtrWetterbureaw Zentralverband der Maurer Deutschlands Achtung! Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Putzer. Achtung! Sonntag, den 4. Oktober 1908, vorm. 10 Uhr, Kommandantenstr. 58/59( gr. Saal): Mitglieder- Versammlung. Zages Drdnung: 1. Berichterstattung der Delegierten vom 10. Verbandstage. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Die Mitglieder werden ersucht, vollzählig und pünktlich zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert. Dhne dasselbe kein Zutritt. 134/18 Der Vorstand. J. A.: E. Schulze. Zentralverband der Lederarbeiter. Filiale I Berlin. Donnerstag, den 1. Oktober 1908, im Lokale des Herrn Schmidt, Prinzen- Allee 33: Ausserordentliche Mitgliederversammlung. Tages- Ordnung: 1. Wahl eines Schriftführers. 2. Stellungnahme zur Kündigung unferes Tarifvertrages. 3. Verschmelzen wir uns zu einem Industrieverband? 4. Berschiedenes. 14/14 Bahlreiches sowie pünktliches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Hof I. Amt 3, 1239. Charitéstraße 3. Hof III. Amt 3, 1987. Filz Seidenhuffabrik ERNST LUCHT Joh. RUD. LEFEVRE Mützen BE ՆՈ JOSETTI JUNO Cigaretten Cigaretten gerade so gut Kosten das doppelte and mehr. 10 St. für 20 Pfg. Josetti 125 J Arbeitslose Mitglieder. Am Donnerstag, den 1. Oktober, findet wegen des Quartalsschluffes die Auszahlung der Arbeitslosenunterstützung nicht statt. Das Bureau zur Abfertigung der in Arbeit tretenden Kollegen bleibt ebenfalls den ganzen Tag geschlossen. Die erste Zahlung erfolgt Freitag, den 2. Ot tober, zu den fehgefehten Zeiten. 122/ 14* Die Ortsverwaltung. Ohne jede Anzahlung verkate Pianos ich erstklassiges Fabrikat ( 9 Mal präm. Staatsmedaille.) In allen Holz- u. Stilart., v. wunderb. Tonfülle( Flügelton), gegen kleine monatl. Teilzahlg. ohne jeden Preisaufschlag Für jedes Instrument gewähre ich 20jähr. schriftl. Garantie. Ansbacher Str. 1 Conrad Krause Nehfg., Ecke Kurfürstenstraße. Auch Sonntags geöffnet. Tel. Charlottenb. 10410. Damen- Konfektion direkt aus der Fabrik. Kein Laden! Nach beendeter Engros- Saison auch Einzelverkauf enorm billig UebergangsPaletots Capes Abendmäntel Kostüme Kostüm- Röcke MädchenPaletots Pelz- Stolas Robert Baumgarten Hausvogtei- Platz 11, I. Etage ( an der Jerusalemerstraße). Bei Vorzeigung dieses Inserates an der Kasse werden 5 Proz. Rabatt vergütet. Auch Sonntags geöffnet! Kunstgeigenbauer E. Toussaint BERLIN C. Joachimstraße IIC, liefert Reparaturen, auf Wunsch zugleich mit vorzgl. Tonverbesserung. 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Die Verantasiung zu dem Eide, der nunmehr von der Anklage ot« fahrlässiger Meineid bezeichnet wird, steht im engsten Zusammen- hange mit der Tätigkeit Bogels als Aricitsvcrmittler. Bekanntlich liegt die Arbeitsvermittelung im Bäckergetverbe zum größten Teil in den Händen der Innungen und wird ausgeübt durch sogenannte Sprechineister. welche von der Innung angestellt sind. Eine Mitwirkung der Arbeitnehmer ist hierbei ausgeschlossen. Allen Bemühungen des Bäckerverbandes, die Meister zur Einrichtung eines paritätischen Arbeitsnachweises zu bewegen, sind bis seht von den Innungen abgelehnt worden und Kämpfe, welche der Bäckerverband zur Erreichung dieses Zieles führte, haben den ge- wünschten Erfolg nicht gehabt. Die Forderung des paritätischen Arbeitsnachweises wird u.a. damit begründet, daß die jetzige und auch die frühere Handhabung der Arbeitsvermittelung durch die Sprech- ineister der Jnnnng keine Gewähr sür eine unparteiische Bermittelung bietet, ja, es wird sogar behauptet, daß Schiebungen der schlinimsteu Art vorgekommen sind, derart, daß Arbeitsuchende, welche dem Sprechmeister Gcldzuwcndungen machen, sehr bald Arbeit zugewiesen be- koinmen, während andere, die nichts geben, übergangen werden, obwohl sie nach der Reihenfolge der Eintragung Arbeit erhalten müßten, wie es das Reglement vorschreibt. Neuerdings sollen die Gelben außerdem zu den besonders Bevorzugten gehören. Lorwürfe dieser Art sind schon seit Jahren in erster Reihe dem Sprechmeister Bogel gemacht worden. Im Okiober und November 1906 beschäftigte sich das Organ der Berliner Mitgliedschaft des Bäckerverbandes mit den Zuständen im Arbeitsnachweis der Germania-Jnnung und besonders mit der Tätigkeit Vogels. In bezng auf Vogel wurde gesagt, daß er bei der Arbeitsvermittelung skandalöse Schiebungen mache, wodurch der Korruption und der Bestechung Tor und Tür geöffnet werde.— Wegen dieser Aeußerungen hatte Vogel gegen Franz Schneider, den Redakteur des Berliner Verbandsorgans und Vorsitzenden der Berliner Mitgliedschaft, Strafantrag wegen Beleidigung gestellt. Die Staatsanwaltschaft erhob im öffentlichen Interesse Anklage gegen Schneider, und Vogel trat in jenem Prozeß als Nebenkläger und Zeuge auf. Nachdem die erste Verhandlung dieser Anklage vertagt war. fand etn zweiter Termin am 11. Noveniber 1907 vor der Straf- kammer statt. In beiden Terminen hat Vogel nach Leistung des Zeugeneides auf daS bestimmteste versichert, er habe außer den festgesetzten Gebühren niemals Geldgeschenke von Arbeitsuchenden angcnvminen und auch niemand bevorzugt. Schon im ersten Termin hatte ein Zeuge beeidet, daß Vogel von ihm Bcstechungsgelder angenommen habe. Nachdem der Bericht über jene Gerichtsverhandlung in der Presse erschienen war, meldeten sich bei Schneider unaufgefordert eine Reihe weitere rZeugen, die mit Erstaunen gelesen halten, Vogel habe jede Annahme von Geldgeschenken bestritten, und die selbst an Vogel Geschenke gegeben hatten. Infolgedessen traten bei der zweite» Verhandlung etwa zehn Zeuge» bor Gericht, die alle unter ihrem Eide bekundeten, daß sie vor Jahren dem Sprechmeister Vogel Geldgeschenke. 3 bis 10 Mark, gegeben, die Vogel auch genommen und dafür die Geldgeber bei der Arbeits- ausgäbe bevorzugt babe. Vogel stritt auch nach diesen Aussagen noch alles ab, was die Zeugen bekundet hatten. Das Gericht sprach jedoch in seinem Urteil aus. daß Vogels Zeugnis nicht einwandfrei sei, daß die anderen Zeugen dagegen glaubwürdig seien, welche bekundeten, daß Vogel bestechlich sei.— Der von Schneider geführte Wahrheitsbeweis war somit gelungen. Schneider wurde nur wegen formaler Beleidigung Vogels zu 2ö Mark verurteilt. Als dieses Urteil rechtskräftig geworden war und man noch nichts davon hörte, daß die Staatsanwaltschaft aus eigenem An- triebe ein Verfahren wegen Meineids gegen Vogel einleiten werde, erstattete Schneider bei der Staatsanwaltschaft Anzeige gegen Vogel. Lange hat es gedauert, ehe die Staatsanwaltschaft zu der Ansicht kam, daß Vogel angeklagt werden müsse. Die Anklage lautet jedoch nicht auf wissentlichen, sondern auf fahrlässigen Meineid. Die gestrige Verhandlung vor der vierten Straflammer fand unter dem Vorsitz des Landgerichtsdircktors Lehmann statt. Die Anklage vertrat Staatsanwalt Rasch. Der Angeklagte wurde durch Justlzrat Seiko und Rechtsanwalt L o e w e verteidigt. Wie im Prozeß gegen Schneider, so erklärte Vogel auch jetzt, er habe niemals Eeldzuwendungen von Arbeitsuchende» angcnomme». Alles, was in dieser Beziehung behauptet wird, sei der Ausfluß eines Komplotts, welches der sozialdemokratische Bäckerverband gegen ihn geschmiedet habe, um ihn von feinem Posten als Sprechmeister zu stürzen. Der Angeklagte behauptet, er habe die Arbeitsvermittelung strenge nach den Vorschriften des Reglements betrieben. Nachdem sich der Angeklagte in dieser Weise ausgelassen hatte, wurden eine Reihe von Zeuge» vernommen, die schon im Prozeß Schneider den Sprechmeister Bogel belastet hatten.— Der erste Zeuge gab an, er habe im Jahre 1892 an Vogel 1l) M. per eingeschriebenen Brief geschickt, darauf habe er Vogel in seiner Wohnung aufgesucht und bei dieser Gelegenheit eine Stelle als Werkmeister erhalten. Später habe der Zeuge wieder 10 M. an Vogel persönlich gegeben und eine für ihn passende Stelle dafür erhalten.— Der zweite Zeug« gab an, er sei im Februar 1890 längere Zeit arbeitslos gewesen. Da sei in Gcsellenkreisen allgemein gesagt worden, man bekäme so leicht keine Arbeit, wenn man Bogel kein Geld gebe. Da der Zeuge kein Geld hatte, so habe er in Gemeinschaft mit einem anderen Arbeitslosen einem Schankwirt 20 M. entwendet. Da- von habe jeder der Beide» dem Bogel 10 M. gegeben. Wegen des Diebstahls ist der Zeuge gleich darauf bestraft worden.— Die Angaben dieses Zeugen müssen einen Irrtum ent- halten, denn es wurde festgestellt, daß Vogel am 1. Oktober 1890 sein Amt als Sprcchmeister antrat, also nicht im Februar desselben Jahres schon Arbeit ausgegeben haben kaim.— Ein dritter Zeuge hat im Jahre 1892, als er vom Militär entlassen war. gehört, man müsse Vogel Geld geben, wenn man bald Arbeit bekommen wolle. Der Zeuge hat sich deshalb von Hause Geld schicken lassen und 5 Mark einem Schankwirt, bei dem Bäckergesellen verkehrten, gegeben, dieser »habe das Geld in Gegenwart des Zeugen dem Sprechmeister Vogel in dessen Wohnung gegeben. Bald darauf hat der Zeuge von Vogel Arbeit bekommen.— Ein vierter Zeuge gab an, er habe im Jahre 1893 an Bogel 20 Mark gegeben, um bald Arbeit zu bekommen. Vogel habe ihm sogleich Arbeit geben wollen, der Zeuge habe das aber abgelehnt, weil es zu auffallend wäre, wenn er, der eben erst auf dem Arbeitsnachweis erschien, sogleich eine Stelle bekäme. Er hat dann drei Wochen später durch Vogel Arbeit bekommen.— Der fünfte Zeuge hat im Jahre'1392 versucht, Vogel Geld zuzuwenden, Vogel hat es aber zurückgewiesen. Ein oder zwei Jahre später hat der Zeuge diesen Versuch wiederholt und da nahm Vogel daS Geld an. Der Zeuge weiß bestimmt, daß er zweimal je 9 Mark an Vogel gegeben hat. Außerdem hat er Vogel noch öfter Geld gegeben, doch weiß er nicht mehr genau, wie oft und wie viel es ivar. Derselbe Zeuge sagte auch, er habe mit Vogel den Zirkus besucht und das Eintrittsgeld für ihn bezahlt. Alles natürlich, um Arbeit zu belommen, die er denn auch immer bald nach den Zu- Wendungen bekommen hat.— Der sechste Zeuge gab an, daß er im Jahre 1897 einmal 10 Mark, ein zweites Mal 15 Mark gegeben und infolgedessen bald Arbeit bekommen habe, obwohl er nicht an der Reihe war. Der siebente Zeuge bekundete, er habe im Jahre 1893 eine Stelle als Werkmeister durch Vogel erhalten und ihm dafür 10 Mark gegeben, die Vogel sehr schnell in die Westentasche steckte, ohne ein Wort zu sagen. Der Zeuge hatte den Eindruck, als ob Bogel mit 10 M. noch nicht zufrieden war.— Der achte Zeuge gab an. er habe im März oder April 1900 in Vogels Wohnung einen Arbeitsschein erhalten und dafür 3 Mark an Vogel gezahlt, der das Geld ohne weiteres genommen habe.— Der neunte Zeuge bekundete, er habe vor 4 oder 2 Jahren, als er von Vogel in besten Wohnung einen Arbeitsschein erhielt, 2 Mark auf den Tisch gelegt und sich dann entfernt. An jeden einzelnen dieser Zeugen richtete der Vorsitzende die eindringliche Frage, ob der Zeuge auch wirklich die Wahrheit sage, ob nicht etwa ein Irrtum borliege oder ob er sich nicht gar die ganze Geschichte aus den Fingern gesogen habe. Der Borsitzende hielt jedem Zeugen vor, er möge doch bedenken, welche schweren Folgen seine Aussagen haben könnten, daß dadurch ein bisher unbescholtener Mann ins Gefängnis, vielleicht sogar ins Zuchthaus iommen köune, und welche schwere.Veraiuwvtum�«in Zeuge auf sich laden würbe, wenn feine AussägLsÄschstvare. Trotz dieser eindringlichen Vermahnungen und Vorhaltungen blieben die Zeugen jedoch sämtlich bei ihren Angaben und versicherten wiederholt, daß sie nur die Wahrheit sagen und nichts anderes sagen könnten. Der Angeklagte Vogel erklärte zu jeder einzelnen Zeugen- aussage, daß sie unwahr sei und er von alledem, was die Zeugen angaben, nichts wisse. Schon nach den Bekundungen der ersten Zeugen sprach der Vor- sitzende die Ansicht ans, daß hier wohl von einem fahrlässigen Falscheide keine Rede sein könne. Entweder liege wissent- t i ch e r Meineid oder überhaupt kein Meineid vor. Beide Verteidiger sagten, das sei auch ihre Ansicht. Entweder— oder. Als mit den Aussagen der vorstehend angegebenen neun Zeugen die Vernehmung der Belastungszeugen beendet war, während noch fünfzehn bis achtzehn Entla st ungSzeugen zur Stelle waren, sagte der Vorsitzende, das Gericht wolle sich jetzt darüber schlüssig machen, ob nicht gegen Bogel der Verdacht des wissentlichen Meineids begründet und die Strafkammer deshalb unzuständig sei. Der Staatsanwalt bemerkte hierzu: DaS Gericht werde mit ihm den Eindruck bekommen haben, daß die Aussagen der Zeugen, soweit sie den springenden Punkt betreffen, auf Wahrheit beruhen. Eine Differenz bestehe nur in der Aussage des einen Zeugen, die aber vielleicht auf einem Irrtum in der Zeit be- ruhe. Durch die Zeugenaussagen sei dargetan, daß sich Vogel mit seinem Eide im Prozeß Schneider in Widerspruch mit den Tatsachen gesetzt habe. Es handle sich nun um die Frage, ob wissentlicher Meineid oder fahrlässiger FalsÄeid vorliege. Der Standpunkt der Staatsanwaltschaft sei' der: Etwa zehn Zeugen haben den An- geklagten Vogel belastet. Vogel ist seit 1890 Sprechineister, er hat in dieser Zeit etwa 120 000 Arbeitsstellen vermittelt. Der sozialdenio- kratische Väckerverband hat eine Erhebung veranstaltet, um festzu- stellen, wie iveit Bestechungen bei den Sprechmeistern borgekommen sind. Hierbei seien nur wenig belastende Angaben gemacht worden. Im Prozeß Schneider haben sich noch weitere Zeugen gemeldet. ES ist anzunehmen, daß sich der Bäckerverband alle Mühe gegeben hat, um Zeugen gegen Vogel zu finden. Das Ergebnis war, daß unter mehr als 100000 Arbcitsvermittelungen nicht mal ein Dutzend Fälle von Bestechungen angeführt werden konnten, die übrigens schon recht lange zurückliegen. Der jüngste Fall ist aus dem Jahre 1904. ES ist hiernach nicht anzunehmen, daß Vogel wissen mußte, daß er Geld von Arbeitsuchenden genommen hat. Da Vogel aber wußte, um was es sich im Prozeß Schneider handelte, so hätte er vor seiner Zeugenaussage feststellen müssen, ob nicht doch solche Fälle vorgekommen sind. Da er dies nicht tat, auch nicht die Möglichkeit zugab, daß solche Fälle vorgekommen sein können, sondern alles abstritt, handelte er fahrlässig. Weil die Zahl der bekundeten Bestechungsfälle nur gering ist, dieselben weit zurückliegen und man deshalb annehmen kann, sie seien dem An- geklagten aus dem Gedächtnis entschwunden, so liegt nach Ansicht der Staatsanwaltschaft nicht wiffentlicher Meineid, sondern nur fahr- lässiger Falscheid vor. Das Gericht stellte sich auf einen anderen Standpunkt. Nach kurzer Beratung verkündete der Vorsitzende folgenden Gerichts- beschluß: Der Angeklagte Bogel ist hinreichend verdächtig» in der Bcrhand- lnng gegen Schneider einen wissentlichen Meineid geleistet z» haben. Die Strafkammer erklärt sich deshalb für unznstSndtg und verweist die Sache an das Schwurgericht._ <3mcbt9- Zeitung, Herr Landgerichtsrat, das war eine Flegelei! Vor dem Schöffengericht in Landshut jNiederbayern) klagte der LandgerichtSrat Fauner gegen den Rechtsanwalt Dr. Schreiner wegen Beleidigung, weil der Rechtsauwalt zu dem LandgerichtSrat infolge Nichter tviderns des GrußeS ge- sagt hatte:„Herr Landgerichtsrat, das war eine Flegelei!"— DaS Gericht wies die Klage des LandgerichtsratS a b und überbürdete dem Herrn Rat sämtliche Kosten. In der Be- gründung des Urteils heißt es, daß der LandgerichtSrat den anderen Herrn durch Ignorierung des Grußes zuerst beleidigt habe. Bcrgelohn bei Bergung von Zubehör rincS Kriegsschiffes. Am 10. November 1903 hatten zwischen verschiedenen Krieg?« schiffen der deutschen Marine Schießübungen statrgefundcn. Dabei war eine Pontonscheibe benutzt worden. Das ist ein pontonartiger Schiffsbau, der zum Ausnehmen vieler Schießscheiben dient. Infolge des an diesem Tage eintretenden Sturmes rissen die Schlepptrossen und die Pontonscheibe geriet ins Treiben. Ein Versuch der Kriegsschiffe, die Scheibe wieder zu bekommen, gelang nicht. Am folgenden Tage wurde von Kuxhafen aus telegraphiert, daß die Scheibe gesichtet sei..Als die Kriegsschiffe diese Stelle absuchten, erfuhren sie, daß ein Fi s ch d a m p f e r die Scheibe gefunden und ins Schlepptau genommen hatte. Das Kriegsschiff„Ulan" holte den Dampser ein und nahm ihm die Scheibe ab, noch ehe sie von seilen des Schiffdampfers in den Hafen gebracht war. Wegen der Bergungskosten wurde der als Eigentümer des Fisch« danipfers in'Betracht kommende Reeder an die zuständige Militärbehörde verwiesen. S. verlangt 8000 M. Bergelohn. Die Verhandlungen hatten jedoch keinen Erfolg und wandte sich S. an daS Strandamt. Dieses erließ einen Bescheid dahin, daß es nicht zuständig sei. Ebenso wurde eine Klage des S. beim Land- gericht Aurich wegen Unzuständigkeit des letzteren abgewiesen. Nach einer weiteren Beschwerde bei der vorgesetzten Verwaltungsbehörde und Erhebung der Klage beim zuständigen Landgericht Verden wurde das Strandamt angewiesen, eine Entscheidung zu treffen. Daraufhin erließ das Strandamt einen Beschluß, nach welchem der Finna S. 2100 Mark Bergelohn zugesprochen wurden. Mit dieser Entscheidung gab sich der MarinefiSkuS aber nicht zufrieden und erhob seinerseits Klage Beim Landgericht Verden. Dieses blieb jedoch bei der Entscheidung des Strandamts und wicS den Kläger ab. Auf die Berufung des Klägers erkannte das Oberlandesgericht Celle ebenfalls im Sinne des Strand- amts und wies die Berufung des Klägers zurück. Nach Er- ledigung der prozessualen Angriffe erklärt das ObevlandeS- gericht. daß auch die Siran dungSordnung auf Kriegsschiffe und Zubehör Anwendung zu finden habe. Es sei nirgends zu ersehen, daß sie nur auf andere Seeschiffe beschränkt sei. Ebenso wenig könne dem Kläger darin beigetreten werden, daß die Pontonscheibe nicht besitzlos geworden sei und deshalb auch eine Bergung nicht habe stattfindcv können. Es müsse vielmehr als festgestelll angesehen werden, daß die Ponton- scheibe außer Sicht gekommen war und somit auch außer Besitz des Klägers. Die vom Kläger gegen daS obcrlandesgerichtliche Urteil eingelegte Revision hatte keinen Erfolg und wurde vom 1. Zivil- senat des Reichsgerichts zurückgewiesen. Behörden im Kampf gegen Rechte. Im Ruhrrevier ist der Kampf einiger Polizeibehörden gegen die Betätigung staatsbürgerlicher Rechte durch Arbeiter seit Jahren an der Tagesordnung. Ein Lied davon weist die Zahlstelle des Vcr- Bandes der Bergarbeiter Deutschlands in Schraplau zu fingen. Der Verband hat seinen Sitz in Bochum. Schriftführer der Zahl- stelle in Schraplau bezw. Stedten ist der Bergarbeiter S ch ö n e r t. DfeTef tneltfeffe M» DagvS� de� Poliz'eivetwaltung in Schraplau, die Mitglieder der Zahlstelle beabsichtigten im Lokale des Gastwirts Friedrich Müller eine öffentliche Lustbarkeit, bestehend ans Konzert und Tanz, zu veranstalten. Die Polizei ver« weigerte die erbetene Erlaubnis. Schönert und Müller teilten daraus der Polizei mit. sie würben da» Vergnügen trotz des Verbotes abhalten, zwar nicht als öffentliches, wohl aber als geschlossenes. Müller erhielt darauf zur Antwort, das würde eine genehmigungspflichtige öffent- liche Tanzlustbarkeit sein und das Lokal würde polizeilich geräumt werden, wenn daS Vergnügen stattfände. Dieses wurde aber trotzdem abgehalten. Müller und Schönert erhielten je einen polizeilichen Strafbefehl in Höhe von 12 Mark. Aber das Amtsgericht hob denselben als unberechtigtauf. Später wollten die Verbandsmitglieder wieder ein ähnliches Fest abhalten. Wiederum Anzeige, Verbot und Renitenz des Vcr- bandeS. Am 12. September v. I. fand das nicht öffentliche Fest bei Müller statt. Die Polizei hatte sich vom Landrat sechs Gen- darmen auSgebeten, welche das Fest verhindern sollten. Als die Beamten kamen, wollten einige Mitglieder nach- geben, Müller aber riet ab und sagte, in seinem Lokale sei er selbst Polizei. ES waren etwa 400 Personen anivesend, nämlich die Mitglieder der Zahlstelle nebst den eingeladenen Familien- angehörigen. Eintritt erlangten nur Personen, welche Karten hatten. Am Eingange hing ein Plakat:„Geschlossene Ge- s ellschaft". Die Gendarmen befahlen der Musik, aufzuhören. Schönert ließ darauf ein Signal blasen und sagte, er habe eine nichtöffentliche Versammlung veranstaltet, es seien aber hier sechs Personen(die Gendarmen) anwesend, welche nicht eingeladen seien. Müller erklärte dann, hier sei er selbst Polizei, und forderte die Beamten auf, sein Lolal zu verlassen, wenn sie nicht wünschten. von ihm wegen Hausfriedensbruchs angezeigt zu werden. Die Beamten sahen ein, daß sie gegen die Mehrheit nicht würden ankommen können und verließen das Lokal. Müller und Schönert wurden nun wegen öffentlicher Auf- forderung zum Ungehorsam gegen eine rechts- gültige Verordnung(§ 110) angellagt, Müller außerdem wegen unternommener Beamtennötigung nach Z 114 1 Die Strafkammer in EiSleben hat am 16. März beide'An- geklagten freigesprochen. ES konnte nicht festgestellt werden, heißt es im Urteil, daß die Angeklagten öffentlich zum Un- gehorsam gegen die Anordnungen der Polizei aufgefordert haben. Bei der weiteren dem Angeklagten Müller zur Last gelegten Handlung Ivar ebenfalls der gesetzliche Tatbestand nicht festzustellen. Müller konnte die Versammlung für eine geschlossene und sich für berechtigt halten, sein Lokal vor dem Eindringen unberechtigter Personen, und mochten eS auch Polizeibeamte sein, zu schützen. Bezüglich deS§ 110 heißt es noch im Urteil, die Polizei sei zuständig gewesen, die Versammlung zu verbieten, aber ob sie sachlich dazu berechtigt war, könne dahin- gestellt bleiben. ES lag eine Anordnung der Behörde vor, das Fest nicht abzuhalten. Ocffentlich wäre die Aufforderung, der Anordnung der Polizei keine Folge zu leisten, nur gewesen, wenn sie von un- bestimmt welchen Personen hätte wahrgenommen werden können. DaS konnte aber nicht angenommen werden. Gegen das Urteil hatte der Staatsanwalt Revision eingelegt, soweit Schönert an?§ 110 und Müller ans Z 114 frei- gesprochen worden ist. Der R e i ch S a n w a l t erklärte die Revision für begründet. Der Begriff der Oeffentlichb it sei verkannt. Der Verband sei über ganz Deutschland verbreitet. Jedes Mitglied würde Zutritt gehabt Häven, wenn auch erklärt worden sei, daß nur die Wtglieder der Zahlstelle Stedten Zutritt babe» sollten. Die Auf- des fassung sei nicht abzuweisen, daß die Straflammer von der irrigen da es nicht geschehen ist, müßte die Zurückverweisung der Sache erfolgen der Anzeigen bon Sittlichkeitsvergehen betraut Ansicht ausgegangen ist, daß in jedem Falle, wo nur mit Was Müller betrifft, so ist seine Freisprechung aus§ 110 ebenfalls worden sein. Er wurde beschuldigt, im Hause Müllerglieder und eingeladene Gäste Zutritt haben, die Deffentlich nicht anzufechten, nur die aus§ 114. Eine Gefeßesverlegung liegt straße 159 a auf dem Treppenflur vor seiner Wohnung ein Mädchen feit ausgeschlossen sei, während das Reichsgericht wiederholt insoweit vor, weil es nicht darauf ankommt, daß die Amts- unzüchtig berührt zu haben. Die Kleine hatte dieses Haus ausgesprochen habe, daß sich unter Umständen aus der Teilnehmer- handlung des Beamten wirklich eine rechtmäßige war. Es betreten müssen, weil fte für ein Geschäft Botengänge zahl und der Art und Weise der Ausführung der Veranstaltung er tommt immer nur darauf an, ob sie noch den Charakter einer Amts- zu machen hatte. Als sie heimkehrend, ihren Angehörigen mitteilte, kennen laffe, daß es sich um eine öffentliche Versammlung handele. Handlung an sich hatte. Ist dies der Fall, dann ist der dagegen in welcher Weise Neumann sich an ihr vergangen habe, wurde sofort Mit Recht sage das Urteil, daß die übrigen Erfordernisse des Tat- geleistete Widerstand strafbar. Das Reichsgericht sieht den Fall so gegen Neumann Anzeige erstattet, die dazu führte, daß er in Unter bestandes des§ 110 vorhanden sind. Es habe sich hier um die all- an, daß es dem Angeklagten darauf antam, gegen die Amtshandlung fuchungshaft genommen wurde. Die Verhandlung vor der gemeine polizeiliche Anordnung gehandelt, wonach öffentliche Luftbar- der Gendarmen, die das Tanzen nicht dulden wollten, Widerstand Straflammer fand unter Ausschluß der Deffentlichkeit feiten nur mit Genehmigung der Behörde abgehalten werden können. zu leisten, nicht etwa einen Hausfriedensbruch, der gegen ihn persönlich statt, erst bei der Verkündung des Urteils wurde die Deffentlichkeit Wenn Müller sich im Irrtum darüber befunden habe, daß die gerichtet gewesen wäre, zurückzuweisen. wiederhergestellt. Das Urteil lautete, in Uebereinstimmung mit Handlung der Gendarmen eine Amtshandlung war, so könne ihm dem Antrage des Staatsanwalts, auf ein Jahr Gefängnis. dieser Jrrtum nicht zugute kommen. Im übrigen komme es für die der Danach hätte sich das Landgericht abermals mit der Sache zu Aus der Begründung ging hervor, daß Neumann, Amtshandlung nur darauf an, ob sie innerhalb der örtlichen und beschäftigen. Die Ansicht des Reichsgerichts, bei dem Schuße von gegenüber den Angehörigen seine schmähliche Tat Bit gesetzlichen Zuständigkeit der Beamten erlassen sei. bor Amtshandlungen komme es nicht darauf an, ob die Amtshandlung gegeben hatte, Gericht den Versuch gemacht hat, Das Reichsgericht hob das Urteil in dem angedeuteten eine rechtmäßige ist, ist zwar nicht neu, darum aber nicht die Glaubwürdigkeit des Kindes zu erschüttern. Dem gegenüber Umfange auf und verwies die Sache insoweit an die Straffammer minder irrig und den Bestand der Rechtsordnung unterminierend, wurde von dem Schulrektor wie von der Geschäftsinhaberin, die zurück. Bezüglich der Beurteilung der Sachlage war das Reichs- deren Schuh doch wohl die Strafgeseze dienen sollen. In tulti- beide vernommen wurden, dem Kinde ein durchaus gutes gericht anderer Meinung als der Reichsantvalt. Es heißt in der Be- vierten Ländern wäre, wie in England, eine ähnliche Auslegung Leumundszeugnis gegeben. Auch die Aussage gründung: Es braucht nicht erörtert zu werden, ob die Straf- undenkbar. Sie hebt die in Deutschland so geringe Verantwortlich- Mädchens selber wurde in der Urteilsbegründung als eine solche fammer das Merkmal der Deffentlichkeit nach§ 110 verkannt hat. frit der Beamten direkt auf und bedroht die Rechtsgüter, ja Leib bezeichnet, die Hand und Fuß habe" und durchaus glaubDenn auch aus einem anderen Grunde würde eine Verurteilung aus und Leben der Bürger auf das eminenteste. Käme es nicht darauf würdig" fei, während man der Darstellung des Angeklagten § 110 ausgeschlossen sein. Es ist die Frage, ob es sich gehandelt an, ob eine strafrechtlich geschützte Amtshandlung rechtmäßig ist, die Darstellung sofort ansehe. Der Angeklagte, hatte dem hat um die Aufforderung, Widerstand zu leisten gegen das Gefeß so würde geradezu eine Prämie auf Begehung rechtswidriger Stinde, als es sich ihm zu entziehen suchte, 20 Pfennig als solches im allgemeinen oder ob es sich nur gehandelt hat um Amtshandlungen, also auf Begehen von Verbrechen gesetzt. gegeben, um es zu beschwichtigen. Gericht wollte eine Aufforderung zum Ungehorsam gegenüber einer kontreten§ 342 Str.-G.-B. bedroht einen Beamten, der in Ausübung oder er dieses Geschent angesehen wissen als Trinkgeld für eine Anordnung. Dies lettere nimmt das Reichsgericht an. Wenn die in Veranlassung der Ausübung seines Amtes einen Hausfriedens- Besorgung, die er dem Kinde aufgetragen habe. Das Kind hat konkrete Anordnung auch getroffen war auf Grund einer regierungs- bruch begeht, mit Gefängnis bis zu einem Jahre oder mit Geld- aber keine derartige Besorgung übernommen. N. versicherte auch, er polizeilichen Verordnung, maßgebend ist doch nur, was der An- strafe bis zu 900 M." Und derselbe Gesetzgeber, der die Bestimmung habe mit dem Kinde Mitleid gehabt und es beschenkt, weil er es getlagte wollte. Ihm lag es gar nicht im Sinne, zu sagen, die traf, sollte gewollt haben, daß, wer seinen Hausfrieden einem Beamten für bedürftig gehalten habe. Das Gericht hat ihm das nicht ges Polizeiverordnung sei unsinnig oder ungerecht und es dürfe ihr gegenüber schützt, wegen Nötigung auf Grund des§ 114 Str.-G.-B. glaubt. Auch der Einwand ist zurückgewiesen worden, daß bei nicht Folge geleistet werden, sondern er hat nur im konkreten Falle bestraft werden kann?! Das ist unmöglich. Würde das Reichs- ihm unter dem Einfluß einer früher überstandenen Krankheit sowie aufgefordert, der Anordnung der Beamten nicht Folge zu gericht bei seiner Ansicht beharren, wenn sechs Gendarmen auf Befehl einer erblichen Belastung die freie Willensbestimmung ausgeschloſſen leisten, weil er annahm, daß es sich überhaupt nicht eines Vorgesetzten in sein Beratungszimmer eindrängen und die gewesen sei. Als erschwerender Umstand wurde ihm angerechnet, eine öffentliche Tanzlustbarkeit handele. Insofern kann Aufhebung der Beratung verlangten? Das Landgericht dürfte trotz daß gerade er sehr gut gewußt habe, wie verwerflich § 110 nicht Anwendung finden. Es handelt sich der mitgeteilten, fehlsamen Reichsgerichtsentscheidung abermals zur er handelte. Mildernd falle ins Gewicht, daß es nicht hier nur um eine ganz spezielle Maßregel, die nur gegenüber Freisprechung gelangen. zum Aeußersten gekommen und daß ein sehr erheblicher Schönert erlassen und für ihn bestimmt war. Es fehlt auch an der sittlicher Schaden nicht entstanden" sei. Diese Meinung Aufforderung zum Ungehorsam. Denn da die Verfügung sich Ein Magistratsbeamter wegen Sittlichkeitsvergehens angeklagt. des Gerichts dürfte von Eltern und Erziehern mit verwundertem nur gegen Schönert richtete, konnten sich auch die Teilnehmer da Wegen Sittlichkeitsvergehens, berübt gegen ein noch schul- Kopfschütteln aufgenommen werden. Der Antrag des Verteidigers, durch, daß sie der Aufforderung, dazubleiben, Folge leisteten, nicht pflichtiges Mädchen, stand am Dienstag der Magistrats- Neumann bis auf weiteres aus der Haft zu entlassen, des Ungehorsams schuldig machen. Nun ist aber nicht geprüft Bureau assistent Karl Neumann aus Berlin vor der wurde wegen der Höhe der über ihn verhängten Strafe a b worden, ob nicht Schönert die Polizeiverordnung vom zweiten Straflammer des Landgerichts III. Neumann ist verheiratet gelehnt. Doch wurde dem Berurteilten, bevor er abgeführt wurde, 4. September 1897 übertreten hat. Es ist ja möglich, daß und ist jetzt 40 Jahre alt. Er soll früher Kriminalschuß eine furze Unterredung mit seiner Gattin gestattet. eine solche Uebertretung verjährt ist. Das wäre erst zu prüfen, und mann gewesen und in diesem Amte gerade mit der Bearbeitung Für den Inhalt der Inferate Theater des Westens. übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Mittwoch, 30. September. Anjang 7, Uhr. Königl. Opernhaus. Salome. Anfang 8 Uhr. Königl. Schauspielhaus. fische. Deutsches. König Lear. GoldKammerspiele. Sozialaristo fraten. Anfang 8 Uhr. Neues Schauspielhaus. Fauft. I. Zeil, Anfang 8 Uhr. Leffing. Nora. Berliner. Die Journalisten. Neues. Wahrheit. Kleines. 2X2= 5. Komische Oper. Tiefland. Residenz. Das Glüd der andern. Hebbel. Der Liebhaber. Westen. Ein Walzeitraum. Schiller 0.( Wallner Theater.) Julius Cäsar. Schiller Charlottenburg. Teufelsterl. # Ein Friedrich Wilhelmstädt. Schauspielhaus. Egmont. Thalia. Das Mitternachtsmädchen. Lustspielhaus. Die blaue Maus. Nenes Operetten. Die Dollar prinzessin. Trianon. Die Liebe wacht. Lortzing. Baza. Bernhard stoje. Der Theaterteufet. Luifen. Theater. Apollo. Trilby und Svengali. Spes zialitäten. Metropol. Donnerwetter- tabel Ios. Gebrüder Herrnfeld. Das kommt davon. Vorher: Es lebe das Nachtleben. Vajjage. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Rajino. Knoche. Allabendlich 8 Uhr: Ein Walzertraum. Sonntag nachm. 3, Uhr, zu halben Preisen: Die lustige Witwe. Berliner Theater. Abends 8 Uhr Abonnements- Borst.: Journalisten. Morgen: Mercadet. Hebbel- Theater. Königgräßer Str. 57/58. Anf. 8 Uhr. Heute und folgende Tage: Der Liebhaber. Lortzing- Theater Belle- Alliancestraße 7/8. Heute 8 Uhr: 159/15 Letztes k Baftspiel Hedwig Lange. Zaza. Luisen- Theater. Abends 8 Uhr: Theater. Donnerstag: Helga. Freitag Premiere: Aennchen von Tharau. Sonnabend nachm. 4 Uhr Kinderborstellung: Nübezahl. Abends: Anna- Liese. Sonntag nachm. 3 Uhr: Ausgewiesen. Ab.: Aennchen v. Tharau. Montag: Nennchen von Tharau. " Schiller- Theater. O.( Wallner- Theater.) Mittwoch, abends 8 Uhr: Julius Cäsar. Trauerspiel in 5 Aufzügen von William Shakespeare. Donnerstag, abends8u5r: Julius Cäsar. Schiller Theater Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Ein Teufelskerl. : Historische Komödie in 3 Atten von Bernard Shaw. Donnerstag, abend 38 Uhr: Ein Teufelskerl. Berliner Eis- Palast Lutherstraße 22/24. Ständige Eisbahn. ( Täglich bis 1. Mai 1909) von morgens 10 Uhr bis nachts 12 Uhr geöffnet. Täglich von 10 Uhr ab: Großes. Konzert. Allabendlich 9 Uhr und 10 Uhr= Reigen, Duabitllen, Kunstlaufen von ersten Stunit läufern und Läuferinnen. Brauerei Friedrichshain Größter Konzertsaal Berlins. Oek: Ernst Liebing. Heute Mittwoch: Gastspiel= Konzert Gastspiel- Konzert Maximilian Fischer. Anfang 8 Uhr. 40 Künstler. Zirkus Schumann. Heute Mittwoch, den 30. September, abends präzise 72 Uhr: Lustspielhaus. Grande Soirée équestre. Eliteprogr. 36 Original- Marokkaner. Abends 8 Uhr: zum 5. Male: Die blaue Maus. 16 vollständig neue Spezialitäten und Metropol- Theater? Butterfles? Täglich 8 Uhr: Familie Buguſt Stone. Donnerwetter- tadellos! Spezialitäten. Folies- Caprice. Die Brautschau. Die lästige Witwe. Carl Haverland. Spezialitäten. Revue in 10 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Paul Lincke. Regie Direktor Schultz. Gustav Behrens. Feine Sache! Sonntag, 4. Oktober, nachm. 8 Uhr: Ausgezeichnet! Spezialitäten. Gebrüder HerrnfeldAnfang Theater. Vorverk. Reichshallen. Stelliner Sänger. Donnerwetter- tadellos! 8 Uhr. Walhalla. Spezialitäten. Urania. Taubenstraße 48/49. Nachmittags 4 Uhr: Eine Nilfahrt bis zum zweiten Satarakt. Abends 8 Uhr: Der Montblanc. Sternwarte, Invalidenstr. 67/62. Neues Theater. Wahrheit. Luftspiel in 4 Atten von Clyde Sith. Anfang 8 Uhr. Morgen und folgende Tage: Wahrheit. a 11-2 Uhr. 57 Kommandantenstr. 57 Heute zum letztenmal: pollo Das kommt davon! Theater 215 8 Uhr: Das bedeutende AttraktionsProgramm. 84: Trilby und Svengali? Kunst und Mysterium. Vera Violetta. 10%: Kleines Theater. Paul Spadoni Abends 8 Uhr: 2 mal 2= 5. Donnerstag: 2 mal 2= 5. Freitag: 2 mal 2= 5. Sonnabend: 2 mal 2= 5. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Rittwoch, 30. Septbr., Anf. 8 Uhr: Großmama. Donnerstag: Großmama. Freitag: Großmama. Sonnabend 4 Uhr Kindervorstellung: Hänsel und Gretel der König der Kraftjongleure. Passage- Panoptikum. Ohne Extra- Entree. Der Riese aller Riesen Pisjakoff Eintritt 50 Pf. Kinder, Soldaten 25 Pf. mit dem Vorspiel: Es lebe das Nachtleben! bon A. und D. Herrnfeld. Morgen Donnerstag Erst- Aufführung der zweiaktigen Herrnfeldiade Entree 30 Pf. XIV. Saison! Zirkus Busch. Mittwoch, den 30. September, abends präzise 7 Uhr: Gala- Abend. Um 9 Uhr ca.: Mr. Houdini mit seinem( ges. gesch.) Kannentrid. Gebr. Saxon! Mlle. Mariska Recsey! Die Aerial Smiths. Herr Karl Reinsch, Schulreiter. Mathilde Renz, Schulreiterin. Herrn Ernst Schumanns Neudrefs. 11m 9% ca.: Barbarossa!! Gr. Original- Ausstattungs- Pant. des Birkus Busch in 6 Bildern. In der Sonntag NachmittagsVorstellung hat jeder Erwachsene ein Kind unter 10 Jahren auf allen Sipplägen frei. Gustav Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Nachmittags 4 Uhr: Eine Nilfahrt bis zum zweiten Katarakt. Abends 8 Uhr: Der Montblane. Residenz- Theater. Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Das Glück der andern. George Cartier: Richard Alexander. Hierauf:" Der felige Oktave." Ottave: Richard Alexander. Sonntag, 4. Dttober, nachmittags 3 Uhr: Haben Sie nichts zu ver: zollen? Bor Neues Operetten- Theater, Schiffbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Abends 8 Uhr: Die Dollarprinzessin. ValhallaW Variete- Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Anfang 8 Uhr. Das neue große September: Programm. 12 glänzende Spezialitäten. Rixdorfer Theater Bergstraße 147. Mittwoch, den 30. September 1908, Der Hypochonder. DERNHARD ROSE THEATED Luftpiel in 4 Atten von G. v. Moser. Br. Frankfurter Str. 132. Der Theatertenfel Anfang 8 Uhr. Wochentagspreise. Morgen wegen Vorbereitung zu Kleists historischem Schauspiel: Das Käthchen von Heilbronn ge= schloffen. Freitag: Das Käthchen v. Heilbronn. WINDEDORTEN EröffnungsProgramm. Von Anfang 8 Uhr. Passage- Theater. Abends 8 Uhr: Na endlich! Pariser Extravaganz mit Paulette van Roy und das kolossale Eröffnungsprogramm 14 erstklassige Spezialitäten. W. Noacks Theater Direktion: Rob. Dill. Brunnenſtr. 16. Die alte Geschichte. Der Roman einer Choristin. Lebens. bild in 6 Aften von Hiller. Publikum u. Presse Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Sonnabend, den 3. Oftober, elit Paris. glänzend beurteilt.malige aufführung: Die Blinde Behrens- alast- Theater Parodie- Theater Theater. Goltzstr. 9. Die beiden Bindelbands. Feine Sache! Ausgezeichnet! Ferner: Internat. Künstler Revue, u. a.: Madame D'Ormay mit ihrem Balletteusen- Sextett vom tgl. Landes- Theater in Brag. Lona Nansen, Vortrags- Meisterin. Saratoff, Ruffen- Trio. Liberia, Straßenfänger- Quartett. Große Ausstattungsoperette. Neu! La belle Rose, Primas Ballerina. Neu! Georg Thierry gen. Silvester- Schäffer II. 10 Spezialitäten 10. Anfang 8 Uhr. Sonntags 5%, Uhr. Die größte Sensation und größte Anziehungskraft Burgstr. 24, 2 Min. b. Bhf. Börse. Heute 8 Uhr. Galerie 30 Pf. Letzter Tag bes Dresdener Strake 97. Heute: Cavalleria Rustikana und die urkomische Burleske ,, Berlin steht Kopp". September- Spielplans anfang Sonnt. 8, wochent. 8%, ihr. 12 Attraktionen 12 Der Seefadett. Singspiel in 2 Aften. Casino- Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr Famille Familienkarten, zum halben Staffen August Knoche. preis gültig, überall gratis! von Berlin bildet noch immer die na Hagenbeck- Schau. Wiederauftreten des Direktors Willi Hagenbeck, welcher von einem Eisbär sehr schwer verletzt wurde ? Java? und die übrigen Schlager des Programms. Tägl. abends 8 Uhr: Gr. Vorstellung. Jeden Sonntag, Mittwoch u. Sonnabend: 2 gr. Vorstellungen, nachm. 4 Uhr u. abends 8 Uhr. 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Für die vielen Beweise inniger Teilnahme bei dem Tod und der Bes erdigung unserer beiden Söhne Otto und Georg sprechen wir hiermit unseren herz lichen Dant aus. Möge jeder vor folch schwerem Schidsalsschlag be wahrt bleiben. August Pattloch und Frau. Für die herzliche Teilnahme be der Beerdigung meiner lieben Frau 44882 und guten Mutter Marie Grimm, geb. Becker sagen wir allen Beteiligten unseres herzlichsten Dant. Hermann Grimm. Dr. Simmel Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, dicht an Moritzplatz, 10-2.5-7. Sonntags 10-12. 2-4. + Westmanns+ Tranermagazin Hauptgeschäft Berlin W., Mohrenstraße 37a, fein Eckhaus, und Berlin NO., Gr. Frankfurter Str. 115, tein Edhaus, erreicht feine Leistungsfähigkeit und feine billigen Preise durch Raumersparnis u. geringeSpesen Geschmackvolle Auswahl in fertiger Trauer- Garderobe für Damen und Mädchen. Reste! Damentuche, schwarz und farbig. 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Aber nun wußte ja die Anstalt, daß der Mann bemittelt war, und so fühlte sie nicht mehr die Verpflichtung, noch ihrerseits eine Ertraunterstützung zum Wiedereintritt ins Leben zu geben, so daß auf alle Fälle ein Geschäft gemacht war. Was man nicht zurückgab ging auf das Konto der durch die Anstaltsbehandlung erwachsenen Kosten. " Hungerlöhne. Im Berliner Lokal- Anzeiger" bom legten Sonntag finden wir folgende Annonce: Junge Mädchen zum Etikettschreiben und annähen gesucht, gegen monatlich 30 Mart. Arbeitszeit 8 bis 9 Uhr. Max Stühl, Leipzigerstraße 81." ftunde mit dem fürstlichen Lohn von 10 Pf. bezahlt werden soll. Das macht also 121/2 Stunde Arbeitszeit, so daß die Arbeitss Solche Hungerlöhne, die bei mehr als zwölfftündiger Arbeitszeit selbst für jugendliche Arbeitskräfte durchaus unangemessen find, werden leider noch massenhaft angeboten und gezahlt. Arzt und Arbeiter. lichen Gegenden tommen und nach ihrer Entlassung nicht wohl versteht es die Anstalt, das als minimalen Arbeitslohn gewieder nach dort zurückkehren. Hier bietet sich dem agitatorisch gebene Geld unter gewissen günstigen Umständen wieder an sich zu und organisatorisch tätigen Genossen ergiebiges Neuland. bringen und möglichst noch anderes Geld dazu. Die Kalefaftor en Die Anlage der Hochbahn ist aus Anlaß des schweren Unglücks Hier kann unverdrossene Arbeit reiche Früchte zeitigen. Der Aerzte und Beamten genießen als solche bedeutende Freiheiten, in den letzten Tagen Gegenstand lebhafter Diskussion in Sach- Gerade diese unwissenden Söhne des Landes geraten am dürfen zum Teil fogar die Anstalt am Tage jederzeit verlassen. verständigen und Laienkreisen gewesen. Wir haben gestern dar- ehesten in die Fänge der Hurrahelden und gehen damit für Sie unterliegen also leicht der Versuchung, in Ausnutzung ihrer Freigelegt, daß es bereits vor Inbetriebnahme nicht an Warnern ge- die Arbeiterbewegung nicht nur verloren, sondern sie bilden heit eins über den Durst zu trinken. Und das ist der richtige fehlt hat, die auf die schweren Gefahren dieser Anlage hingewiesen auch bei Lohnkämpfen und Wahlen eine stete Gefahr. Sie Moment, um ihnen als Disziplinarstrafe das gesamte mühselig er haben. In nachfolgendem wollen wir eine Stimme aus technischen zu tüchtigen, flassenbewußten Mitstreitern zu erziehen, ist eine sparte Geld abzunehmen. Dem Schreiber dieser Beilen find viele Kreisen zum Worte fommen lassen, in der Hoffnung, zugleich ein sehr wichtige Aufgabe. Bild von dem so viel besprochenen Gleisdreieck zu geben. Unser technischer Mitarbeiter schreibt uns: Bei der Erbauung der Bahn Die städtische Berkehrsdeputation handelte es sich darum, die Linie nach dem Potsdamer Platz an die hat jetzt viel Arbeit. Vorige Woche tagte die Deputation und gestern steht dadurch direkt ein Dreied. Da die Bahn zweigleisig durch- trat sie wieder zu einer erneuten wichtigen Sibung zusammen, in geführt ist, ergeben sich an den drei Abzweigstellen des Anschluß- der gleichzeitig bekannt gegeben wurde, daß sich zur Bewältigung breieds Kreuzungen der beiden inneren in entgegengesetzten Rich- der vorliegenden Fragen in Zukunft Extrafikungen nötig machen tungen befahrenen Gleisstränge. Durch die Anlage des Gleis- werden. dreiecks ist es nun bermieden worden, daß diese Kreuzungen in In den gestrigen Verhandlungen wurde auch das Unglück auf An diesen eigentümlichen Verhältnissen ist zweierlei nicht zu gleicher Höhe stattfinden. Die Einrichtung ist an den oben er- der Hochbahn kurz besprochen. Stadtbaurat Krause wies darauf billigen. Wenn Anstaltsärzte und Anstaltsbeamte für irgendwelche wähnten drei Punkten vielmehr so getroffen, daß das eine Gleis hin, daß er sich als Prophet bewährt habe, denn schon vor 6 Jahren häusliche oder fonstige Zwede, die mit der Anstaltsüber das andere hinweggeführt ist. Es entstand dadurch eine habe er darauf hingewiesen, daß die Gefahr solcher Unfälle mit verwaltung nichts zu tun haben und nicht in ihrem Interesse baulich äußerst verwickelte Anlage, die durch den Wechsel in der der Steigerung des Verkehrs sehr nahe liege. Leider habe man seine liegen, die Arbeitskraft von Anstaltsinsaffen benußen wollen, gegenseitigen Höhenlage der einzelnen Gleisstränge bedingt ist. Man hatte aber dadurch den Vorteil der schienenfreien Kreuzungen Warnungen damals nicht beachtet. Als aber die Hoch- und Unter- so sollen sie entsprechend dafür bezahlen. Es geht nicht an, daß gewonnen, so daß ein Zusammenstoß zweier in entgegen grundbahn beabsichtigte, auch unterirdisch, und zwar am biese bevorzugten Personen Geld sparen und denen, die ihre Knochen gefekter Richtung fahrender Züge ausgeschlossen. Ohne die Potsdamer Plaz, ein solches Gleisdreieck zu er dazu hergeben, ein Butterbrot anbieten. Ferner ist es unbillig, den Anlage des Gleisdreieds würden drei äußerst gefährliche Kreu- richten, sei es dem Widerspruch der städtischen geistestranten Arbeiter für irgendwelche peinliche Vorfälle, die doch zungspunkte mit Weichen geschaffen sein, die leicht zu den gefähr- Behörden beim Polizeipräsidenten gelungen, in jedem Falle seiner Strankheit angerechnet werden müssen, am lichsten Zusammenstößen hätten Anlaß geben können. daß dem Projekt die Genehmigung bersagt schmalen Geldbeutel zu strafen. Was er hundertmal ehrlich verdient Hingegen gibt es auf dem Dreieck drei andere Punkte, wo, wie wurde. Stadtrat Alberti wies darauf hin, daß das Unglück ent- hat, darf ihm unter keinen Umständen wieder fortgenommen werden. auch die Erfahrung leider gelehrt hat, ein Zusammenstoß möglich standen sei, weil man von der Gewissenhaftigkeit des Personals zu Ob man ihm das Geld in Monatsraten zahlt oder es ihm, was ist. Es sind dies die Punkte, wo die in gleicher Richtung be- viel erwartete, noch viel schlimmer würde es aber werden in den vielleicht vorzuziehen wäre, bis zum Tage der Entlassung auffpart, fahrenen Gleisstränge, die von verschiedenen Punkten herkommen, zusammenstoßen. Diese Punkte, an denen Weichen vorhanden sein von der Großen Berliner Straßenbahn projektierten Tunnel- ist dann eine Frage für sich. müssen, sind durch Signale, die von einem zentralen Stellwerk be- Karussels am Brandenburger Tor und am Opernplatz, wo trotz der dient werden, gesichert. Diese Signale sind in finnreicher Weise Abzweigungen, Kreuzungen und Verschlingungen nicht einmal eine miteinander automatisch verbunden und haben auch im vorliegenden bahnmäßige Versicherung vorgesehen sei, und die Direktion der Fall funktioniert. Aber trotzdem bleiben diese Weichen äußerst Großen Berliner auf ihr gut geschultes Personal hingewiesen habe, wunde Punkte der Anlage. Aus der Welt lassen sich aber diese ge- das, wie Figura zeigt, trok vorhandener Sicherungen auf der Hochfährlichen Stellen wohl kaum schaffen, solange nicht darauf ber- bahn versagt habe. zichtet wird, sowohl vom Westen als auch vom Osten in die Rich- Von seiten der Hoch- und Untergrundbahngesellschaft lag ein tung Leipziger Platz direkt ohne Umsteigen zu gelangen. Die Frage, die wohl jetzt am ehesten zu ventilieren sein wird, ist die, Antrag vor. um Zustimmung zu dem mit Wilmersdorf vereinbarten auf den direkten Verkehr zu verzichten und auf dem Gleisdreied Nürnberger Plaz ausgehenden Seitenlinie. Diese Bahn soll bis einen Umsteigebahnhof zu errichten, eine Lösung, der auch die Hoch- zum Nollendorfplatz weitergeführt werden, von dort die Moßstraße bahngesellschaft bereits nähergetreten ist. Der Betrieb würde dann entlang gehen, dann den Häuserblock zwischen Stegliter- und Kurin zwei voneinander unabhängige Linien vom Westen zum Spittel- fürstenstraße durchbrechen und zwar als Untergrundbahn, von dort markt und vom Often bis zu diesem Umsteigebahnhof geteilt werden. aber als Hochbahn die Potsdamer- und Anhalterbahn überschreiten, Natürlich würde dann das Gleisdreied, dessen Stonstruktion immense um dann an die nach der Warschauer Straße führende Bahnlinie Summen gekostet hat, keinen Wert mehr haben; doch dürfen solche Anschluß zu finden. An der Stelle, wo sich diese Bahn mit der Rücksichten teine Rolle spielen. Aber auch mit dem Fortfall dieser Linie Reichstanzlerplaz- Spittelmarkt kreuzt, soll ein UmsteigWeichen würde man vom Bedienungspersonal, wie es in berbahnhof schiedenen Aeußerungen der Presse verlangt wird, nicht unabhängig bahnhof errichtet werden. Obwohl eine Reihe nicht unerheblicher werden. Es kann zu ebensolchen folgenschweren' Ratastrophen wie rechtlicher Bedenken vorhanden waren, gab die Deputation ihre jekt führen, wenn ein Führer ein Haltsignal vor einer Station nicht 3ustimmung, weil dadurch das Gleisdreied beseitigt werden wird. Die schlimmsten Dinge werden uns gewöhnlich aus Unfallbeachtet, während noch ein anderer Zug die Station nicht verlassen Nach der bekannten Audienz, welche der Oberbürgermeister beim stationen berichtet. Ganz eigenartig find die Erfahrungen, die hat, eine Situation, die bei einem Zweiminutenverkehr leicht ein- Kaiser hatte, sette die Deputation eine Subkommission zur Durch ein Elektromonteur V. auf der Unfallstation für Stixdorf( Steintreten kann. Wir haben zwar bereits in unserer Nummer vom prüfung der Sachlage ein. Diese Kommission beantragte: 1. Den megstraße) hat machen müssen. B. hatte in Rirdorf auf einem 29. b. M.( fürs Unterhaltungsblatt) einige Vorrichtungen be- Magistrat zu ersuchen, die Zustimmung der Gemeindebehörden zur Neubau eine Arbeit auszuführen gehabt, und es war ihm dabei schrieben, die die Sicherheitsvorrichtungen unabhängig vom Ausführung der Tunnelanlagen am Brandenburger Tor und etwas abbröckelnder Kalt ins Auge geraten. Die von ihm selber Personal bedienen und eventuell Bremsen usw. betätigen follen. Opernplak seitens der Stadtgemeinde herbeizuführen. 2. Die Die Wenn diese Apparate auch im regelrechten Betrieb funktionieren follten, so können doch Fälle eintreten, wo sie versagen und man Krauseschen Durchbruchspläne auszuführen und Aufnahme von Ver- und bon feinen Kollegen unternommenen Versuche, den Kalt aus erst recht auf die Aufmerksamkeit des Personals angewiesen ist. Zu handlungen mit der Großen Berliner Straßenbahn wegen der dem Auge zu entfernen, gelangen nicht. B. konnte sich noch nach den besten Sicherheitsvorrichtungen wird auch immer ein gutes, Durchführung dieser Pläne. Nach mehrstündigen Verhandlungen, Hause begeben und zu Mittag effen. As aber der Zustand des nicht überbürdetes Personal gehören. Da man aber immer mit bei denen Genosse Singer mit Nachdruck forderte, daß nach Lage der Auges sich nicht besserte, entschloß er sich nach Tische, die genannte menschlichen Unvollkommenheiten rechnen muß, müßte von der Verhältnisse eine Entscheidung in diesen Dingen unbedingt gefällt Unfallstation aufzusuchen, noch ehe er die Arbeit wieder aufnahm. Aufsichtsbehörde unbedingt darauf gedrungen werden, daß sich im werden müsse, trat die Deputation dem Antrag ihrer Subkom- Der Arzt, der dort anwesend war, drückte einige Male an dem Führerstand immer zwei vollkommen ausgebildete Wagen- mission einstimmig bei. Ein Abkommen behufs Gleisverlegung Auge hin und her und brachte schließlich das Kalkförnchen heraus. führer befinden. Die jetzige Vorschrift, daß der im Wagen befind- am Spreetunnel in Treptow fand gleichfalls Genehmigung. Die Prozedur war geglückt, aber sie war für B. nicht gerade angenehm gewesen. Dafür kann natürlich der Arzt nichts, liche Schaffner diese Funktionen ausüben darf, ist zwar billiger, aber, wie die traurige Erfahrung gelehrt hat, unzuverlässig." doch ebensowenig darf man's dem Patienten übelnehmen, ihm wehe tat. B. hatte, da die helfende Es dürfte über die nächstbeteiligten Streise hinaus wenig bekannt daß es ihm Hand ihm heftige Schmerzen bereitete, untvillfiirlich sein, daß gewisse Arbeiten, welche in den städtischen Jrrenanstalten nach dem Arm des Arztes gegriffen. Der Arzt fagte die arbeitsfähigen Patienten verrichten, mit barem Gelde gelohnt zunächst nichts hierüber, als er aber nachher die Hände wusch, bewerden. Durchweg sind es sozusagen Vertrauensposten, für die man gann er plöglich zu schimpfen:" Wollen Sie das Waschgeld bezahlen Bur Lokallifte. Auf wiederholte Anfragen teilen wir mit, daß nicht jeden Geisteskranken verwenden kann. Die Aerzte und die im die Näume des Ausschants der Versuchs- und Lehrbrauerei, Anstaltsbereiche wohnenden Beamten, sogar noch die Oberpfleger, redigen Pfoten meinen Arm anzufassen! für meinen Kittel? Wie kommen Sie dazu, mit Ihren Man Defonom Emil Müller, Seestraße, Ede Amruner Straße, der Arbeiterschaft nicht zu Versammlungen zur Verfügung stehen haben sich von altersher das Gewohnheitsrecht angemaßt, entschuldigt sich doch." Der Kittel des Arztes war weiß, doch auch und ersuchen wir die Parteigenossen, speziell die Arbeitervereine, dies Geistestranke für ihre Privatzwecke zu beschäftigen, in ihren die Hände des Arbeiters waren sauber. B. hatte sie, als er zu 3 Tische ging, selbstverständlich gewaschen, und die Arbeit hatte er ja Aber selbst wenn er direkt Steglis. Donnerstag, den 1. Oktober, findet in dem Restaurant wissenschaftlichen Zweden, als Schreiber und Stenographen. noch nicht wieder aufgenommen. Billigere Arbeitskräfte gibt es nicht, denn hier werden Albrechtshof" ein wissenschaftlicher Lichtbildervortrag vom„ Deutschen Arbeitsverrichtungen, die oft sehr exalt und feineswegs immer leicht wäre, hätte dieser noch feinen Anlaß gehabt, es in so bom Bau mit ungewaschenen Händen zum Arzt gelaufen Bund zur Aufklärung von Deutschlands Frauen und Männern", zu welchem auch das bekannte Fräulein tube gehört, statt. Wir find, mit dem zwanzigsten bis dreißigsten Teil ihres wirklichen ungezogener Form zu monieren, daß die Arbeiterhand ertvarten trotz der riesigen Reklame, daß die Arbeiterschaft, jenes Wertes bezahlt. Eine Vergütung von zwei bis drei Mark pro dem Arztkittel zu nahe gekommen war. Bei dem Geschimpfe des gesperrte 2otal streng meidet, da uns sonst sein Be- Monat aus der Privattasche des Arztes oder Beamten ist schon ein Arztes war B. im ersten Augenblick sprachlos vor Ueberraschung, dann treten verweigert wird. hoher Satz. Wird die Vergütung aus irgend einem Anstaltsfonds aber antwortete er:„ Herr Doktor, ich habe keine Pfoten, ich wollte gezahlt, so beträgt sie noch weniger, nämlich 50 Pfennig bis eine mir das ganz energisch verbitten". Der Herr Doktor schimpfte aufs Mart. Trotzdem find die betreffenden Vertrauensstellungen außer neue: Wie kommen Sie dazu, mich mit Ihren dreckigen Pfoten ordentlich begehrt, da selbst diese geringen Monatsbeträge anzufassen!" B. sagte ihm zum zweitenmal:" Ich habe keine für den Geistestranten den Wert eines kleinen Vermögens foten 1" Als er hinzufügte:„ Ich werde mich über Sie beschweren", haben. Er spart sie sich monatelang zusammen, um bei der Partei- Angelegenheiten. genau beachten zu wollen. Die Lokalkommission. Berliner Nachrichten. Der Arbeitsverdienst im Irrenhause. Haushaltungen als männliche Dienstboten oder auch zu erkennen, wie einer denen entgegentritt, die weniger als er Man sagt, die Echtheit der Bildung sei unter anderem daran zu erkennen, wie einer denen entgegentritt, die weniger als er mit echter Bildung zuzähle. Um so mehr muß es überraschen, daß find". Aerzte erwarten selbstverständlich, daß man sie den Männern die Klagen, Aerzte seien Arbeitern in ungezogener Weise begegnet, immer wiederkehren. Aus der Kaserne in die Organisation! Die militaristische Dressuranstalt speit wieder einen Teil threr Opfer aus. Die Manöver find beendet und die Erwerbsleben zu treten. Bei dieser löblichen Absicht wird ihm nun Reservisten treten mit gehobenen Gefühlen den Weg nach den nicht selten ein dider Strich durch die Rechnung gemacht. Be- der Ansicht war, daß er als Arbeiter gegenüber dem Arzt doch nicht Recht bekommen würde. Er meint, eine heimatlichen Gefilden an. stimmungsgemäß sollen Insassen der städtischen Frrenanstalten über- Veröffentlichung durch den„ Vorwärts" werde sicherer bewirken, Mit brennender Ungeduld haben die jungen Voltsjöhne haupt kein Geld oder solches doch nur in ganz mäßiger Höhe bei baß dieser Arzt im Verkehr mit Arbeitern sich die Tage gezählt und die Stunde erwartet, in der sich ihnen sich führen. Hierin wird aber sehr nach Gunst verfahren. Dem tünftig so benehmen werde, wie es gebildeter die Tore zur bürgerlichen Freiheit öffnen werden. Wer ein- einen läßt man sein Geld, dem andern nimmt man es fort. Bei Männer Brauch ist. B. hat uns gegenüber noch die Frage mal die Zwangsjacke getragen hat, dem wird der Moment der Einlieferung wird selbstverständlich jeder Pfennig konfisziert. aufgeworfen, was wohl gefchehen wäre, wenn der Arzt das Pech unvergeßlich bleiben, in dem er sich ihrer entledigen konnte. So ist es vorgekommen, daß Kranke mit mehreren tausend Mart gehabt hätte, an den Richtigen" zu geraten, der vielleicht auf Denn das heißt ebenso viel, als wieder Mensch, Mann, im Besize eingeliefert wurden, die man ihnen natürlich nicht laffen brausend ihm verzeihen Sie, Herr Doftor, daß wir's offen Bürger werden. Der Umstand, der eisernen Disziplin, der konnte. Aber tatsächlich wird auch schon der geringste heraussagen - ein Paar hinter die Ohren geschlagen hätte. Er blinden, willenlosen Unterwerfung, der entwürdigenden, Betrag buchmäßig vereinnahmt und auf die Verpflegungskosten steht auf dem Standpunkt, auch ein Unfallstationsarzt müsse es als brutalen Behandlung entronnen zu sein, bildet für jeden verrechnet. Häufigere Gäste der Frrenanstalten befolgen deshalb die Pflicht eines gebildeten Mannes ansehen, alles zu vermeiden, selbstbewußten, stolzen und feiner empfindenden Menschen ein den Trick, vor der freiwillig nachgesuchten Aufnahme ihr Geld in was einen Arbeiter mit minderer Bildung reizen könnte, auf einen beglückendes Gefühl. Tausende junger Arbeitsbrüder treten einer bestimmten dicht bei der Anstalt belegenen Kneipe zu hinter groben Klotz einen groben Keil zu feßen. nun wieder in die Reihen des kämpfenden Proletariats, als legen, wo es vor den Argusaugen der Anstaltsbeamten sicher ist. groben Klok einen groben Steil zu feßen. freudige Mitstreiter im Rampfe um wirtschaftliche Verbesse- er später beurlaubt wird, was ja in vielen Hunderten von Fällen Tödlicher Unfall eines Siechen. Ein schwerer Unglüdsfall errungen und politische Rechte. geschieht, tehrt fast regelmäßig mit Geldmitteln zurück. Nun findet Die Kriegervereine, wo der öde, blöde Patriotismus bis aber feine Kleiderfontrolle statt, was auch bei Urlauben sehr in der eignete sich gestern abend gegen 10 Uhr in der Schönhauser Allee in Der 63 Jahre alte Julius zum Uebermaß gezüchtet wird und die Hirne der Mitglieder mit Ordnung ist, und so kommt es, daß recht viele Anstaltsinsassen Leonhard, Bewohner des städtischen Siechenhauses, wollte kurz vor hohlen, schwülstigen Phrasen umnebelt werden, sind krampfhaft über nicht unbedeutende Summen verfügen. Wollte man also die 10 Uhr, auf dem Wege nach der Anstalt begriffen, die Schönhanser bemüht, in den Reihen der Arbeiter Proselyten zu machen, Bestimmung, daß kein Patient im Besige von Geld fein darf, Allee überschreiten und trat, um einen vorbeifahrenden Arbeitswagen allerdings mit geringem Erfolg. Immerhin ist es nötig, rigoros durchführen, so würde das zu dem modernen, humanen herumgehend, unmittelbar vor einen herannahenden Straßenbahnenergisch mit der Agitation einzusetzen, um die vom Militär Geiste der Jrrenhausbehandlung in Widerspruch stehen. Es fiele wagen der Linie 50 auf die Gleise. Obwohl der Wagenführer sofort kommenden Arbeitskameraden in die Arena des wirtschaft- damit auch die Methode ins Wasser, den obenbezeichneten Geistes- die Gefahrbremse zur Anwendung brachte, fonnte er bei der kurzen lichen und politischen Kampfes zu führen, soweit sie nicht schon tranten aus Privatmitteln oder aus Anstaltsmitteln direkt Geld Entfernung von kaum einem Meter nicht verhindern, daß 2. von der Borderplattform erfaßt und zu Boden gerissen wurde. Leonhard, vor ihrer Militärzeit der freien Arbeiterbewegung angehörten. in die Finger zu geben. Und weiter wäre es dann überhaupt der schwere innere Verlegungen und einen Bruch des rechten Diese wird das Klassen- und Solidaritätsbewußtsein mit ihren nicht mehr möglich, daß die Aerzte und Beamten sich Anstalts- Schlüffelbeins erlitten hatte, wurde mittels Droschte nach dem Klaffengenossen zusammenschweißen. Das Hauptaugenmert infassen als Dienstboten holten, weil diese fich für solche Lazarus Krankenhause übergeführt, wo er unmittelbar nach seiner muß jenen augewandt werden, die aus rückständigen, länd- unbezahlte Haustnechtsarbeit einfach bedanken würden. Gleich- Einlieferung verstarb. Entlaffung möglichst mit einem Zwanzigmarkstüd ins doppelt schwere spottete der Arzt: Tun Sie das nur". Beschwert hat B. sich nicht, weil er fo fagte er uns Sfidlgcr Ueik�fall auf bcifaiwtc Samariter. Große Empörung rief in der vera�L�uen Nacht ein Vorfall in der Grenzstratze hervor. Der in der G cenzstr. 1 wohnhafte Eisenbahnarbeiter Bock hatte sich in der Wob�ung erhebliche Verletzungen zugezogen und war zu einem Arz� in der Nachbarschaft gegangen, um sich Notverbände anlegen?u lassen. Als er vor seinem Wohnhause wieder eintraf, war f°J bereits Nacht und die Hanstür verschlossen. B. setzte sich on oer Bordschwelle nieder und sein Zustand verschlimmerte sich derartig, daß er die Besinnung verlor. Gegen 2 Uhr -nachts kamen zwei Arbeiter, der 31jährige Rudolf Meier. Hussttenstraße 42 und der 23jährige Franz Kaschenkei, die in einer Gießerei Nachtschicht gehabt hatten, auf dem Heimweg an B. vorüber. Sie nahmen sich des Hilflosen sofort an und wollten ihn nach der Wohnung hinaufschaffen. Da die Haustür verschlossen war, so klopften sie energisch daran. Schließlich erschienen der Haus- Wirt und mehrere Keller'bewohner. Ob diese nun die drei Personen für Einbrecher hielten oder ob sie wußten, um was es sich handelte, mag dahingestellt bleiben. Sie fielen über die beiden Samariter und den verletzten B. her und richteten sie schrecklich zu. Dem M. wurde der rechte Unterschenkel zerschmettert und ihm am Gesicht schwere Verletzungen beigebracht. Auch sein Kollege wurde übel zugerichtet. M. mußte in das Lazarus-Krankenhaus eingeliefert werden. Gesandter, Polizeileutnant und Hausverwalter. Tie Villa Tiergactenstraße 8 war am Montag der Schauplatz einer pn- gewöhnlichen Polizeiaktion, über die der„Berliner Volks-Zeitung" folgendes mitgeteilt wird: Seit fünf Iahren wohnte dort der brasilianische Gesandte und bevollmächtigte Minister Dr. Jose Pereira da Costa Motta, der jetzt in gleicher Eigenschaft nach Lissabon geht. Er hatte schon vor acht Tagen mit seiner Familie im Hotel Adlon Unterkunft gesucht, um den Umzugsarbeiten aus dem Wege zu �gehen. Borher hatte er die Schlüßel dem Haus- Verwalter übergeben, der bemerkte, daß ein zum Hausinventar gehörendes Regal in der Speisekammer kurzerhand zerschnitten wurde. Er beließ es jedoch bei einem formellen Einspruch hier- gegen. Als aber auch eine ebenfalls zum Inventar gehörige Flur- garderobe mit verpackt werden sollte, legte der Verwalter hiergegen Verwahrung ein und schaffte die Garderobe in seine Wohnung. Ter brasilianische Gesandte erbat sich polizeiliches Eingreife» und erzielte auch, daß Polizeileutnant Linke vom 33. Revier mit einigen Beamten erschien und in Abwesenheit des Hausverwalters von dessen Frau die Herausgabe der Garderobe verlangte. Der Hinweis der Frau, daß die Garderobe zum Hause gehöre und daß sie laut Anstellungsvertrag mit ihrem Mann für das Inventar einstehen müßte, fand bei dem Polizeileutnant ebensowenig Be- rücksichtigung. wie der von ihr geltend gemachte Umstand, daß der Gesandte außer Landes ziehe und dadurch eine Rückgabe des strittigen Gegenstandes erschwert werde. Der Polizeileutnant ließ noch andere Scheutzleute herbeihol?» und die Verwalterwohnung und den Keller durchsuchen. Naturgemäß verursachte der Vor- gang in der Villa großes Aufsehen, um so mehr als später ein Schutzmann mit einem Polizeihunde stundenlang auf dem Hofe Posto faßte. Die streitige Flurgarderobe wurde von der Polizei nicht gefunden. Der telegraphisch herbeigerufene General- Vertreter des Villenbesitzers bestätigte, daß der Gesandte an der Flurgarderobe keinerlei Anspruch habe. Ueber das Vorgehen des Polizeileutnants ist dem Polizeihauptmann sofort Anzeige er- stattet worden. Ein gefährlicher Brand. Gestern früh um 6 Uhr wurde die Feuerwehr wegen eines sehr gefährlichen Brandes, bei dem auch Menschenleben in Gefahr schwebten, nach der Hannoverschen Str. 5 am Oranienburger Tor alarmiert. Dort brannten bei Ankunft der Feuerwehr ein sogenannter Abfüllraum der Automobil- Betriebs- gesellschaft G.m.b.H., ein Holzschuppen sowie zwei Automobile u. a. Der Brand war beim Abfüllen von Benzin entstanden und hatte an dem Benzin usw. schnell reiche Nahrung gefunden. Mit zwei Rohren des stärksten Kalibers ü wurde von zwei Dampfspritzen unausgesetzt kräftig Wasser gegeben. Dadurch wurde eine weitere Ausdehnung des Feuers verhütet. Ein Auioniobilführer erlitt durch Stichflammen Brandwunden im Gesicht. Die übrigen Personen konnten sich durch eilige Flucht in Sicherheit bringen. Der Brand hat übrigens gezeigt, daß der Betrieb besonders durch den aller Sicherheit entbehrenden Abfüllraum und durch die Lagerung von Benzin ein sehr feuer- gefährlicher ist. Das Anzünden einer Zigarre genügt, um daZ ganze Gebäude in Brand zu stecken. Der Selbstmord eines nrimjährigen Knaben wird aus der Grün- ihalerstraße 17 gemeldet. Der Sohn Fritz des Bauarbeiters Knaak besuchte gern„Kientöppe". Am Sonntagnachmittag war er wieder von ü bis ö Uhr dort. Gestern entdeckte die Mutter, daß der 5knabe aus dem Kleiderspind Geld von ihren Ersparnissen weggenommen hatte; er gab dann auch diesen Diebstahl zu. Wahrscheinlich ftirchtete er. schwer gezüchtigt zu werden, wenn der Vater von der Arbeit kommt. Wahrend die Mutter die Hausreinigung besorgte, erhängte er sich auf dem Flur. ZirkuS Schumann.„Bntterflies" nennt sich eine neue Attraktion, die sich der Zirkus in der Karlstraße neben anderen neuerdings leistet. Zwei junge Mädchen hängen mit den Zähnen an einem großen RotationSapparat, der in die Höhe gezogen und in Bewegung gesetzt wird. Interessant ist, wie die CnczonS SisterS, mit Serpentin» gewändern bekleidet, in der verdunkelten Manege rotieren und im Strahle des farbigen Lichtes einen wundervollen Eindruck machen. Vorort- J�acbncbten. Chnilottenlmrg. Die Herrschaft der„Liberalen" in der Stadtverordnetcnver- sammlung, die jetzt noch nicht ein Jahr dauert, hat auch den Char- lottenburger Äommunalfreisinn als eine Gemeinschaft von Leuten gezeigt, deren Taten mit ihren Worten in lebhaftem Widerspruch stehen. So lange der hiesige Freisinn noch mit zur Minderheit in der Stadtverordnetenversammlung gehörte, bekämpfte derselbe aufs Lcftigste die„unpolitische" Mehrheit und deren eigenbrödlerische Juteressenpolitik. Jetzt, wo der„Liberalismus" die absolute, ja, fast oie Zweidrittelmehrheit erlangt hat, ist manches an ihm und seinen Taten anders geworden. Angeblich ist mit der Stärke der„Libe- ralen" auf dem Rathaus auch ihr VerantwortlichkeitSgcfühl ge- wachsen. An die Stelle ehemals laut erhobener liberaler Forde- rungen ist eine Politik äußerst bescheidener Kompromisse getreten, und die„klugen Erwägungen" und„gemessenen Wünsche" der„libe- ralen" Mannen sind von beispielloser Bescheidenheit und rührendem Entgegenkommen gegen den Magistrat. Das mag an der Hand von nur wenigen Beispielen gezeigt werden. So war früher die unentgeltliche Abgabe von Lernmitteln an die Volksschüler auch eine Forderung der „Liberalen", und die sozialdemokratischen Stadtverordneten fanden bei ihren dementsprechenden Anträgen auch die Unterstützung der Freisinnigen. Jetzt ist das anders geworden. Zwar wird für die Gewährung freier Lernmittel im Jahre die Summ« von 27 165 M. ausgegeben. Da dieser Betrag jedoch völlig ungenügend ist, bcan- tragten unsere Genossen im Rathaus in der Beratung des laufen- den Etats diese Summe auf 50 000 M. zu erhöhen.. Dem stimmten aber die„Liberalen" nicht zu. sondern sie erklärten, daß sie an dem mit dem Magistrat abgeschlossenen Bertrag, für fünf Jahre eine weitere außerordentliche Erhöhung der Ausgaben für die freie Liferung von Lernmitteln nicht vornehmen zu wollen, festhalten werden. � Ebenso wenig dachten die„Liberalen" ferner an ihre Reden, daß sie allein die treuesten Hüter des Sclbstverwaltungs- reclits der Gemeinde seien, als es sich um die Besetzung der Schuldeputatioii handelte. Von unserer Seite wurde damals Genosse Dr. B o r ch a r d t vorgeschlagen. Auch die„Liberalen" aewanncil es über sich, diesen Borschlag zu unterstützen, doch die Regierung winkte ab. Das genügte t*n„Liberalen". Sie klappten gehorsam zusammen. Nicht ein Wort der Kritik kam mehr über Verantwortlicher Redakteur: Georg Davidsohn, Berlin, Für den ihre Lippen, wie sie es ehedem bor zlvci Jahren im Falle Penzig noch zu tun wagten. Um Himmels Willen keinen Konflikt mit der Regierung. Fein säuberlich Iverden da die Prinzipien beiseite gc- legt und gut oerwahrt, um erst wieder bei einer Wahl hcrvorgesucht zu werden. Es sind eben äußerst„vorsichtige" und»kluge Leute" die„Liberalen". Und mit derselben Angst, wie sie jedem Konflikt mit der Rc- gierung aus dem Wege gehen, vermeiden sie auch jeden Z u- s a m m e n st o ß mit dem Magistrat. Wagt es mal irgendein liberaler„junger" Stadtverordneter in der Hitze der Diskussion. dem Magistrat ein wenig auf den Leib zu rücken, dann dulden es die„ruhigen, besonneren" Elemente unter den„Liberalen" still- schweigend, wie der„junge Heißsporn" vom Magistratstisch nach allen Regeln der Kunst und mit dem nervösen Eifer übercmpfind- licher Seelen abgerüffelt wird. Und doch tut der Magistrat unrecht, seine getreuen„Liberalen" gelegentlich so arg zu verkennen. Trotz zeitweiser rednerischer Ausrutscher gehen die„Liberalen" mit dem Magistrat durch dick und dünn. Das bewiesen auch die Beratungen über die mit städtischer Hilfe vorgenommene Sanierung der Müll- abfuhrgesellschaft. Hier hatte es die Stadt in der Hand, unter den günstigsten Bedingungen die Müllabfuhr in eigene Regie zu übernehmen. Aber der Magistrat, dessen Oberhaupt ja seiner Zeit zu einem so lebhaften Fürsprecher für die ihre Arbeiter rücksichtslos aussperrende Gesellschaft wurde, wollte von der eigenen Regie nichts wissen. Mit Hilfe der„Liberalen" ivurde unter Garantie städtischer Mittel die Privatgesellschaft über Wasser ge- halten und die Stadt hat auf eine lange Reihe von Jahren hinaus nicht die Möglichkeit, die Müllabfuhr in eigene Verwaltung zu nehmen.— Aehnlich verhält es sich mit der eventuellen Heber- nähme der Fuhrlei ftunge n für die Straßenrcinigung und die Feuerwehr in städtische Regie. Auch hier hat der Magistrat keine Lust, die Sache in die Hand zu nehmen. Wieder sollen die Fuhrleistungen einem Privatunternehmer zur privaten Bereicherung übertragen werden. Und die„Liberalen"? Sie schwanken in bangem Zweifel hin und her. Sie sehen die mannigfachen Unzutrüglichkeiten des privaten Betriebes ein, aber sie wagen nicht dem Magistrat ernsthaft Opposition zu machen. Das Ende der Geschichte wird wieder ein Kompromiß der „Liberalen" mit dem Magistrat sein, bei dem die„Liberalen" durch nichtssagende„Verpflichtungen" des Magistrats alles weitere in dessen Belieben stellen. Die Privatwirtschaft bleibt auch auf diesem Gebiete erhalten. Desgleichen werden die„Liberalen" auch in bezug auf die Wertzuwachs st euer nicht wider den Stachel löken wagen. Wohl haben sie es im Vorjahre teilweise ihren Wählern ver- sprachen, für diese Steuer einzutreten, doch der endlich in dem Ausschuß zur Beratung kommende Antrag unserer sozialdemo- kratischen Stadtverordneten, die Einführung der Wertzuwachs- steuer betreffend, wird zeigen, daß im gegebenen Moment die „Liberalen" keinen Augenblick mit einer natürlich von„reifen Erwägungen" diktierten Ausrede in Verlegenheit sein werden, um das den Wählern gegebene Versprechen nicht halten zu brauchen. So benutzen die„Liberalen" ihre Macht und Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung nicht zur Durchführung ihrer Ver- sprechungen und Programmforderungen, sondern zur schwammig- weichen, programmlosen Kompromisselei mit dem Magistrat. Dafür aber haben die„Liberalen" die Genugtuung, daß ihre Stadtrats- tandidaten im Magistrat offene Arme finden. Ueber die„Arbeiterpolitik" der Liberalen schweigen wir. Darüber werden die Wähler der 3. Abteilung deS 5. und 8. Bezirks am 19. Oktober selbst zu entscheiden wissen. Schöncberg. In der letzten Stadtverorbuctenbersammlung wurde zunächst die Aufnahme einer städtischen Anleihe in der Hohe von 13 900 000 M. zum Bau der Untergrundbahn ohne Debatte ge- nchmigt. Bei der zur Kenulnisnahme unkerbreiteien Vorlage des Magi- stratS betreffend die Nachweisung der im Rückstände befindlichen und unerledigt gebliebenen Sachen vom Jahre 1907 wurde von mehreren Seiten gerügt, daß dem von der Stadtverordnetenver- sammlung angenommenen Antrage auf Errichtung neuer Omnibusliuien nicht nähergetreten sei. Die Debatte brachte wieder die alten Klagen über die schlechten Vcrkehrsverhält- nisse. Es wurde beschlossen den Magistrat zu ersuchen, für den probcweisen Betrieb einer Omnibuslinie von der Insel nach Char- lottenburg die nötigen Schritte einzuleiten und ferner, an die Straßenbahngesellschaft daS Ersuchen zu richten, die Linie H über die Insel zu leiten. Eine ausgedehnte Debatte brachte die Vorlage des Magistrais, auf dem städtischen Grundbesitz in Dcutsch-Wuflerhausen ein Alters- und Siechenheim zu errichten. Zu diesem Zweck soll ein 10 Morgen großes Gelände zur Verfügung gestellt werden. Der eingesetzte Ausschuß hatte einstimmig empfohlen, der Magi- stratsvorlage zuzustimmen. Stadtv. Kutznitzty(lib. Fr.) tritt dafür ein, das Armen- und Siechenhaus in Schöneberg, in der Nähe des Krankenhauses, zu errichten. Die beiden AnstaUen ließen sich dann leicht verbinden, so daß Verwaltungskosten gespart würden. Redner hält den in Aussicht genommenen Platz für ganz un- geeignet, weil sich nicht weit davon die städtischen Rieselfelder be- finden. Mehrere Redner treten diesen Ausführungen entgegen und halten den Platz in Deutsch-Wusterhausen für außerordentlich geeignet zu dem genannten Zweck. Stadtv. B ä u m I e r