Nr. 233. Abonnements- Bedingungen: abonnements Preis pranumerando: Bierteljährl. 8,30 ML, monatl. 1,10 M wöchentlich 28 Pig. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 fg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Big. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Bost- Zeitungs Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Lugemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Eriocint fäglich außer Montags. Vorwürts Berliner Dolksblatt. 25. Jahrg. Die Infertions- Gebühr Beträgt für die sechsgespaltene Rolonel geile oder beren Raum 50 Bfg., für bolitische und gewerkschaftliche Bereins und Bersammlungs- Anzeigen 30 Big Kleine Anzeigen", das erste( fett gebrudte) Bort 20 Big, jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg. jedes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition i bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Wilhelm Weitling. Sonntag, den 4. Oftober 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. veröffentlicht, und daß er damit nichts anderes bezweckt hat, als den Zielen seiner Partei und damit nach seiner Ueberzeugung dem Volkswohl zu dienen. Auf seinen Charakter fällt kein Makel, er hat die vom Anwaltsstande erforderte Achtung nicht verloren. Wir erwarten daher auch nichts anderes, als daß der Ehrengerichtshof das erstinstanzliche Urteil bestätigen und den Antrag: Dr. Liebknecht aus dem Rechtsanwaltsstande auszuschließen, ab lehnen wird. W Gewalt. Nach etwa zweijähriger Dauer seiner Agitation wurde Weitling auf eine lächerliche Anklage hin zu schwerer Gefängnisstrafe verurteilt und danach aus der Schweiz per Schub in sein preußisches ,, Vaterland" zurückgeschafft, das einen Am morgigen Tage vollendet sich ein Jahrhundert seit so gemeingefährlichen Agitator seinerseits schleunigst nach Engder Geburt des Mannes, der als Agitator wie als Theoretiker land abschob. Von England begab sich Weitling dann nach an der Schwelle der deutschen Arbeiterbewegung steht, der Brüssel, wo sich Karl Marr seit 1845 niedergelassen hatte und Aber auch dieses Blatt glaubte Verwahrung gegen den zuerst ihre Stöpfe geklärt, ihre Lippen gelöst, ihren Arm ge- wo sich um Marx gewissermaßen ein Hauptquartier des Teil unseres Artikels einlegen zu müffen, in dem der Ehrenstählt hat, selbst ein Kind der Arbeiterklasse, durch eiserne europäischen Kommunismus gesammelt hatte. gerichtshof als ein Kollegium von Nichtstandesgenossen des Hier nun zeigte sich, daß die historische Aufgabe Weitlings Berfolgten gekennzeichnet wird. Es wies darauf hin, daß Energie emporgestiegen aus ihren dunkeln Tiefen, in schwerem Schicksal geschmiedet zu einem ganzen Mann, der freien und gelöst war, daß er darüber hinaus mit der rastlos fort- dem Kollegium drei Anwälte angehören. Das hatten wir weiten Blicks schon ein internationaler Revolutionär wurde, schreitenden Arbeiterbewegung nicht mehr gleichen Schritt deutlich genug selbst hervorgehoben. Das Berl. Tagebl." Er hatte den Weg gewiesen, den das übersieht, daß jene drei Anwälte, obwohl dem Namen nach als das berühmte Geschlecht der deutschen„ Denker und halten konnte. Dichter" noch feinen Blick über den Sumpf fleinbürgerlicher moderne Proletariat gehen mußte, um sich zu emanzipieren, Anwälte, doch durchaus keine„ Standesgenossen" der sonstigen aber auf diesem Borniertheit hinauswagte. Wege voranzuschreiten, ging über Anwälte find, sondern einem ganz erflusiven, über der„ gewöhnlichen" Anwaltschaft stehenden Kreis angehören, der sich So start sein revolutionärer Instinkt, so durch die Art seiner Zusammensetzung, durch seine AnAm 5. Oftober 1808 wurde Wilhelm Weitling in Magde- feine Kräfte. burg geboren, das zu dem damaligen Königreich Westfalen reich seine literarische Begabung war, so gering war schauungen und ein höheres, fast feudales Standesbewußtsein Er hatte keine Möglichkeit als ein besonderer, aus der Anwaltschaft herausgehobener gehörte und unter französischer Oberherrschaft stand. Sein seine historische Erkenntnis. Vater war ein französischer Offizier, der vier Jahre später gehabt, fie theoretisch zu erwerben, und praktisch kannte er Stand kennzeichnet. Wie schroff sich die am Reichsgericht zuauf dem russischen Feldzuge Napoleons verschollen ist, feine nicht wenigstens nicht in den entscheidenden Jahren, wo sich gelassenen Rechtsanwälte von den sonstigen Anwälten sepaMutter eine arme Arbeiterin, die mit aller Straft eines opfer- feine Ueberzeugungen befestigten die große Industrie und ihr rieren, wie wenig sie sich mit ihnen eins fühlen, zeigt die freudigen Mutterherzens dem heranwachsenden Knaben das modernes Proletariat, die erst die Möglichkeit einer sozialistischen Energie, mit der sie die in Strafprozessen beim Reichsgericht Elend eines unehelichen Proletarierfindes vielleicht ein wenig Gesellschaft schaffen. Weitling blieb der Dolmetsch des prole- fungierenden Anwälte niederer Instanz zu verhindern wissen, Was ihm seine Ab- tarisierten Handwerks; der Gedanke, daß sich die Arbeiterklasse Bekanntlich ist die Folge dieses kollegialen" Verhaltens, daß ihre Räumlichkeiten im Reichsgerichtsgebäude zu betreten. mildern, aber nicht ersparen konnte. stammung jedoch gewährte, war die gänzliche Freiheit von allem im Stampfe um ihre Emanzipation auch die Werkzeuge diefer die„ gewöhnlichen" Anwälte sich im Falle ihrer Tätigkeit beim borussischen Patriotismus; als die Zeit herantam, wo er als Emanzipation schaffe, regt sich wohl dunkel in seinen Schriften, Reichsgericht in einem höchst ungemütlichen BerichterstatterRetrut ins preußische Heer eintreten sollte, pacte er seinen aber er gelangt nie zu flarem Ausdruck. Weitling berhöhnte zimmer aufhalten müssen; das bringt diesen Anwälten gewiß die Utopisten, die ihre Hoffnungen auf die Hilfe der Könige feinen großen Schaden, aber es wirft ein eigentümliches Licht Ranzen und wanderte in die weite Welt hinaus. In Wien fand er als Damenschneider reichlich lohnende und der Millionäre fetten, aber indem er seine Hoffnung auf auf das hoch qualifizierte und egimierte Standesbewußtsein Arbeit, allein er setzte seinen Stab weiter nach Paris, aus die revolutionäre Kraft des Proletariats baute, blieb er selbst der reichsgerichtlichen Anwaltsaristokratie. Bekannt ist ja Sehnsucht nach gleichgesinnten Männern, nach Männern, die ein Utopist: nach mehr oder minder genial ersonnenem auch, daß die Anwälte beim Reichsgericht gesellschaftlich eine an dem Joch rüttelten, das die Schultern der Arbeiterklasse Blane sollte die siegreiche Arbeiterklasse eine neue Gesellschaft ganz abgeschlossene Staste für sich bilden, die mit den Richtern des Reichsgerichts wohl einige Fühlung hält, von der übrigen wundscheuert. In dem geheimen Bunde der Gerechten, den deutsche erbauen. Anwaltschaft aber durch eine unübersteigliche Mauer getrennt ist. Kurzum: es ist ein Spiel mit Worten und ein Hohn, die Anwälte am Reichsgericht, weil sie auch„ Anwälte" heißen, als Standesgenossen der übrigen Anwälte zu beFlüchtlinge gebildet hatten, fand er, was er suchte, und das Damit erwies fich jede Einigung zwischen Marr und reiche Leben des französischen Sozialismus öffnete ihm eine Weitling unmöglich. Weitling ging nach Amerika, von wo neue Welt. Allein er gab sich ihr nicht willenlos gefangen, er zwar bald durch die Märzrevolution zurückgerufen wurde, sondern trug in dies vielstimmige und manchmal auch sinn- jedoch nur, um zu erfahren, daß er jeden Einfluß auf zeichnen. verwirrende Konzert die proletarische Note. Bauten sich alle die deutsche Arbeiterbewegung berloren hatte. Die Gegen- Es bleibt also dabei, daß der Ehrengerichtshof ein sozialistischen Systeme, so verschieden sie unter sich sein revolution trieb ihn wieder nach Amerika, wo er nochmals Kollegium von Nichtstandesgenossen der deutschen Rechtsmochten, auf der gemeinsamen Voraussetzung auf, daß den eine Arbeiteragitation begann, die schon nach wenigen Jahren anwälte ist und daß am 10. Oftober diese Nichtstandesgenossen arbeitenden Klassen nur geholfen werden könne durch die in neuen Enttäuschungen endete. Den Rest seines Lebens hat den freisprechenden Spruch der Standesgenossen umstoßen Einsicht und das Wohlwollen der besitzenden Klassen, so ber- er als stiller Mann verbracht, enttäuscht und verbittert, arm sollen, daß die Nichtanwälte den Anwälten fagen sollen, was die warf Weitling dieſen berfluchten Unsinn" und verkündete und in ewigen Sorgen um des Lebens Nahrung und Ehre des Rechtsanwaltsstandes ist und was sie erfordert: offen, daß die Emanzipation der Arbeiterklasse nur Notdurft, aber auch als ein aufrechter Mann, in dessen Kopf die Ausstoßung des Genossen Liebknecht! mancherlei Wirrnis gekommen war, aber in dessen Herz durch sie selbst vollbracht werden könne. Es ist das historische Verdienst Weitlings, und in ihm niemals ein Falsch und an dessen Hand niemals ein Flecken Reichslügenverband. für den wurzelt seine historische Bedeutung, mit dieser Erkenntnis tam.- Am 25. Januar 1871 ist er in New Yort gestorben. Die Regierungen als Werber als erster den Sozialismus befruchtet zu haben. Er ver- Weitling hat nicht zu den glücklichen Menschen gehört, leugnete nicht den Sozialismus als solchen, um auf die plan- denen die größten Erfolge in ihrem Alter beschieden sind, aber losen Hungeraufstände zurückzugehen, wie sie in Lyon wenn wir den allmählichen Niedergang seines Lebens beklagen, Unsere Aufdeckung der Tatsache, daß die Organe der und Manchester von noch ganz unaufgeklärten Arbeiter- so dürfen wir ihn deshalb nicht anklagen. Bei dem lauteren deutschen Regierungen Lehrer für die Berliner des massen bersucht worden waren, aber er entfleidete den Willen, den er stets betätigt hat, im Alter nicht minder als Drillanstalt Reichslügenberbandes Sozialismus seines allgemein menschlichen, rein humani- in der Jugend, ist all sein Verfehlen den Schranken ge- werben, ist in der gesamten deutschen Presse unwider. fären Charakters, der sich auf eine friedliche Pro- schuldet, die feine Kraft, so start sie war, nicht überwinden ipro che n. geblieben! Reines der zahlreichen offiziösen paganda beschränkte; er gründete ihn vielmehr auf den konnte, allein was diese Kraft überwunden hat, ist groß und Organe hat den Feststellungen unseres Artifels Staat. Gegensatz der besitzenden und der arbeitenden Klasse, der reich genug, um dem Manne, den sie einst beseelte, ein lich- reichsverbändlerischer Lehrerdrill" in niemals versöhnt, sondern nur aufgehoben werden konnte, dauerndes Andenken in der Arbeiterbewegung zu sichern. indem eine revolutionäre Attion des Proletariats die kapider Freitagnummer auch nur ein Wort der Anzweiflung In ihren Jahrbüchern ist Weitlings Name mit unzer fie unsere Veröffentlichung tot, obgleich die" Post" die entgegenzusetzen gewagt! Samt und sonders schwiegen natürlich von dieser engen Berbrüderung zwischen Regierungen und Reichslügenverband hoch entzückt ist, sie durch Wiedergabe unterstrichen hat. Die„ Nordd. Allgem. 8tg." ist talistische in die sozialistische Gesellschaft umwälzte. Geistig störbaren Lettern geschrieben, und die prophetische Stimme, blieb Weitling in hohem Grade von französischen und eng- die einst den herrschenden Klassen verkündete, daß die deutsche lischen Sozialisten, wie Lamennais, Fourier, Dwen, abhängig, Arbeiterklasse mündig zu werden beginne, wird niemals völlig aber er öffnete einen Weg aus der Sackgasse, in die sie sich verklingen. allesamt verrannt hatten; er brach eine Pforte durch die Mauer, an der alle sozialistischen Systeme wie die bunten Bilder einer magischen Laterne tamen und berschwanden. Daraus erklärt sich denn auch das gewaltige Aufsehen, das im Beginn der vierziger Jahre überall in Europa hervorgerufen wurde, als Weitling feine Agitation in der " so stumm wie das Grab! www Das ist das Eingeständnis! info) Es steht also fest: die deutschen Regierungen Zum Ehrengerichtsverfahren werben Lehrer als Rekruten für die Drill. anstalt des Reichslügenverbandes! gegen den Genoffen Liebknecht. Die Volksschule wird als Kampfmittel gegen die Am 29. September hat der Vorwärts" das frei- Sozialdemokratie mißbraucht als Mittel, den sozialdemo fratisch gesinnten Eltern die Kinder zu entfremden, zu Schweiz begann, nachdem der Bund der Gerechten auch aus iprechende Urteil des Ehrengerichts der Anwaltskammer 3 rauben! Und der Volksschullehrer soll sich, so wollen es die Frankreich vertrieben worden war. Es war eine peinliche Ueber- veröffentlicht. Mit Ausnahme von ein paar Scharfmacher- deutschen Landesregierungen, in der Drillanstalt des Reichs. raschung, wie wenn Sinder, die mit dem Feuer spielen blättern, die die willkommene Gelegenheit benutzten, gegen Sozialdemokratie ausbilden laffen! In der Schule wie lügenverbandes zum skrupellosen Klopffechter gegen die zu können glauben, plößlich den Schmerz berbrannter Liebknecht zu heben und im Voraus zu erklären, daß der Finger empfinden. Der friedliche Sozialismus war mehr und Ehrengerichtshof zu Leipzig ihn aus dem Anwaltsstande aus- außerhalb der Schule soll der Lehrer als Landsknecht der mehr eine Spieleret der besitzenden Klassen, er war für sie schließen müsse, hat die Veröffentlichung im deutschen Herrschenden gegen das Proletariat kämpfen! Was fümmert's die Junker und Bourgeois, was geradezu eine Mode geworden, da es so wohlfeil war, Ge- Blätterwalde keinerlei Widerhall geweckt. Stumm und scheu fümmert's ihre Ausschüsse, die Regierungen, was dabei aus fühle großherzigen Mitleides herauszuhängen, die die gefühl- ist die blockfromme liberale Presse an dem Urteil vorbei der Erziehungsarbeit der Schule, was dabei aus der Volksvollen Herzen nicht einen Deut kosteten. Nun aber drehte ein gebuscht fein Wort des Protestes gegen den Versuch, den leibhaftiger Proletarier die Medaille um und zeigte auf ihrer wegen eines politischen Delifts Verurteilten als der Bu- bildung wird! Schule und Leherer sollen Werkzeuge der gehörigkeit zum Anwaltsstande unwürdig zu erklären, haben Sehrseite ein Medusenantlig, das die herrschenden Klassen im die Blätter des Freisinns zu stammeln gewagt! Deutscher Sand der Frauen- und Kindermörder vom Und wenn Rußlands Bar sich nicht scheut, die blutige Innersten erzittern ließ. Und dieser Proletarier führte eine Freisinn! Sprache, die in ihrer hinreißenden Kraft, ihrer stürmischen Einzig und allein das nicht zur freifinnigen Fraktions- Sundert" zu drücken, weshalb sollen deutsche Regierungen Beredsamkeit und nicht zuletzt auch in ihrer Fülle einleuchtender preffe gehörende„ Berliner Tageblatt" hat einige Worte nicht mit den von allen anständigen Menschen ohne UnterGedanken den ledernen Jargon der professoralen Be- gegen die ehrengerichtliche Verfolgung Liebknechts gebracht. fchied der Partei verachteten Reichslügenverband zusammenschwichtigungshofräte weit überflügelte. So griffen denn die schweizerischen Machthaber zu dem cinzigen, durchschlagenden Argument, das ihresgleichen gegenüber der Arbeiterbewegung tennt, zum Knüppel brutaler Klassenherrschaft sein! arbeiten! Schwarzen Es schrieb: Uns fann's recht sein. Dieser erschreckende Mangel an " In der Beurteilung des Falles selbst stehen wir übrigens durchaus auf dem Standpunkte des erstin,.anzlichen Urteils. Reinlichkeitssinn und dieses Wüten wider die wirklichen AufWir sind der Ansicht, daß Dr. Liebknecht die Schrift, die ihm gaben der Schule und des Lehrers zeigen uns ja doch nur, die Anklage zugezogen hat, ausschließlich aus politischen Motiven wie schlecht es um die Sache unserer Feinde bestellt sein muß! Die proletarischen Eltern aber Ver5en sich angesichts dieser Tatsachen mit gesteigertem Eifer daran machen, ihre Kinder zu bewahren vor dem verderblichen Einfluß einer mißbrauchten Schule und„Jugenderziehern", die in der Drillanstalt des Reichslügenverbandes niedrige, ekle Klopf- fechterweise lernen«________ FrlcdensFtSrer. DlS Nachrichten aus Bulgarien wiederholen immer kvieder, daß die Regierung entschlossen ist, die geraubten Bahnlinien zu behalten. Wie um die unverschämte Provo- kation der Türkei noch zu unterstreichen, sind die bulgarischen Minister in die Provinz abgereist, um zu demonstrieren, daß sie in dieser Frage überhaupt nicht mehr beraten wollen und ihre dringendste Aufgabe darin sehen, in der Wahlagitation die Volksleidenschaften anzufachen. Die Gründe für diese Haltung liegen klar zutage. Die bulgarischen Machthaber glaubten bereits die Stunde ge- kommen, um in Mazedonien das Erbe der Türkei anzutreten. Jahrelang hatten sie in Mazedonien einen unaufhörlichen, grausamen Bandenkrieg gegen Türken, Griechen und Serben geführt. Da brachte sie der Umschwung in der Türkei um den Ertrag ihrer Mühen. Eine durch die Revolution neu be- lebte und neu erstarkte freiheitliche Türkei ist ein zu starkes Hindernis für neuen bulgarischen Landerwerb. Daher das Bestreben, dem neuen Regime in der Türkei Schwierigkeiten zu bereiten. Sie wissen, daß die Jungtürken ihre ganze Kraft auf die Lösung der Probleme der inneren Politik konzen- triercn müssen und daß für sie jede auswärtige Komplikation eine große Gefahr bedeutet. Diese schwierige Situation sucht nun die bulgarische Regierung mit tückischer Hinterlist aüs- zunutzen. Die eben aufgelösten bulgarischen Banden sucht man neu zu organisieren, um den Bürgerkrieg in der Türkei mit all seinen Scheußlichkeiten aufs neue zu entfachen und so die jungtürkische Regierung um ihren ersten großen und segensreichen Erfolg, die Herstellung friedlicher und gesicherter Zustände zu bringen. Demselben edlen Zweck dient die Unverschämtheit, �mlt der die Bulgaren in der Eisenbahnfrage der Türkei gegenüber auftreten. Mit voller Absicht soll der Türkei eine nationale Demütigung zugefügt werden, für die das neue Regime ver- antwortlich wäre. Dadurch sollen die schlummernden Kräfte der türkischen Reaktion geweckt werden, den gestürzten An- hängcrn des Despotismus Gelegenheit gegeben werden, die nationalistischen Instinkte mit der Anklage aufzustacheln, die jungtürkische Regierung hätte nicht zu verhindern gewußt, was man selbst dem Absolutismus eines Abdul Hamid mcht zu bieten gewagt hätte. Bulgarien verletzt aber mit seinem Vorgehen mcht nur die Türkei, sondern ebenso ganz Europa. Die gesamte europäische Diplomatie hat feierlich versichert, daß sie die neue Entwickelung in der Türkei mit Sympathie begrüßt und in sie nicht störend eingreifen will. Das Vorgehen Bulgariens verletzt die Sicherheit des europäischen Frie- d e n s, die durch die Umwälzung in der Türkei außerordent- lich gefördert worden ist. Es ist daher auch hoch an der Zeit, das; die größenwahnsinnige Balkanregierung endlich in ihre Schranken zurückgewiesen wird und wir stimmen ausnahms- weise vollständig mit der Haltung unserer auswärtigen Politik überein, die in einer offiziösen Zuschrift der„Süd- deutschen Reichskorrcspondenz" folgendermaßen dargelegt wird: „Das Verhalten Bulgariens in der Frage der Orientbahn bedeutet, neben dem Bruch des Völkerrechts, auch einen Schlag gegen das Gelingen des jungtür- tischen Reformwerkes und muß auch unter diesem (Äesichtspunkt die Mächte beschäftigen. In allen diplomatischen Unterredungen der letzten Kit haben die Staatsmänner des europäischen Konzerts liebere instimmuna dahin festgestellt, daß sie den Uebergang der' Türkei in ein konstitutionelles Staatewesen durch eine' Politik sympathischen Abwartens erleichtern wollen, und dieser für das neue Regime in der Türkei freundlichen Hal- tung sind die Regierungen der Großmächte treugeblicbcn, mehrere unter Verzicht auf eigene, seit langem gehegte Wünsche. Diese Sclbstbeschränkung gibt den Mächten das Recht, auch von Bulgarien zu verlangen, daß es seine Ziele nicht ohne Rücksicht auf die internationalen Verträge, auf die Interessen der Gesamt- heit, auf das europäische Friedensbedürfnis, besonder? aber nicht auf Kosten einer ruhigen Entwickeiung in der Türkei verfolgt. Für die jungtürkische Sache kann es verhängnisvoll werden, daß bald nach der Proklamierung eine? neuen, freiheitlichen Staats. tvejenS das ottomanische Reich eine Antastung seiner HoheitS- rechte hinnehmen soll, die man in Sofia früher nicht gewagt hat. Bulgarien geniert sich nicht; eS pocht auf die Vorteile des Beatus possidens, auf die Schwierigkeiten und Gefahren, die für den jungen ottomanischcn Nationalstaat gerade in seiner Werdezett mit einem Appell an die Waffen verbunden sein könnten. Aber der Rechtsbruch ist nicht entschuldigt, weil ihm kein« gewaltsame Ahndung auf dem Fuße folgt. Er würde übrigen» noch eigen. artiger erscheinen, wenn die Frage, ob der Herrscher Bul- gariens für die Rückgängigmachung der Beschlagnahme sein Fürstenwort gegeben hat, mit j a beantwortet werden müßte." Auf demselben Standpunkt wie Deutschland stehen Eng- !and und Frankreich. Nur Rußland, für daS der Umschwung in der Türkei die Zerreißung des Testaments Peters des Großen bedeutet, scheint, nach den Stimmen seiner Presse zu urteilen, das gewalttätige Vorgehen Bulgariens verteidigen zu wollen. WaS aber Oesterreich-Ungarn anlangt, so wird es nachgerade allerhöchste Zeit, daß es seine zwei» deutige Haltung aufgibt. Es mag nur eine un- verzeihliche Torheit gewesen sein, daß der Fürst von Bulgarien gerade in den letzten Tayen vom Kaiser Franz Josef in Bu- oapest empfangen und m»t Lobsprüchen überhäuft worden ist. Aber geradezu ein Verbrechen wäre eS, wenn Oesterreich das bulgarische Vorgehen dazu benutzen wollte, um nun seinerseits der Türke» eine ähnliche Demütigung zuzufügen. Immer häufiger kommen in den letzten Tagen die Nach- richten, daß gerade in dem jetzigen Moment die A n n e x i o n Bosnien« und der Herzogewina vollzogen werden söll. Die Türkei hat mit anerkennenswerter Geschick- lichkeit vermieden, auswärtige Komplikationen herbei- zuführen. ES wäre böswilligster Mutwillen, wenn Oesterreich durch die Aufrollung der Annexionsfraae, hie in Wirklichkeit nur eine bloße Formalität ist. der freiheit- lichen Entwickelung der Türkei Schwierigkeiten schaffen wollte. ES wäre eine Politik, die Oesterreichs Stellung im Orient nur verschlechtern und seinen alten Ruf als Vormacht der Reaktion nur erneuern würde. Es scheint aber, daß Herr von Aehrcnthal, der österreichische Minister des Auswärtigen, dessen unüberlegtes Draufgängertum ihn nachgerade zu einer Gefahr macht, da? böse deutsche Beispiel einer lächerlichen Prestigepolitik nachahmen will. Um so erfreulicher ist es, daß die österreichische Sozialdemokratie mit aller Luergle der unfähig lärmenden Politik dieses Mannes ent- gegenkritk. Und wir können der«Wiener ArEeiierzeikung" nur völlig beistimmen, wenn sie schreibt:„Für das staatsrechtliche Verhältnis Bosniens gilt es, an dem Ruhenden nicht zu rühren; wer von diesem Grundsatz abweicht, begeht ein Verbrechen an dem Wohle, an dem gesicher. ten Frieden des Reiches.- politische deberNcbt. Berlin, den 3. Oktober 1903. LandtagSwahl in Anhalt. Dessau, 3. Oktober.(Privattelegramm.) Die heute vollzogenen Wahlmännerwahlen zum Landtag sind für die sozial- demokratische Partei günstig ausgefallen. Drei Mandate, nämlich das für Bernburg-SanderSleben, Güsten und Nienburg, find uns sicher. Fast in allen Kreisen ist unsere Stimmenzahl beträchtlich gestiegen. Der Blockfreifinn gewinnt und verliert ein Mandat. Kolossal schneidig! Auf dem zurzeit in Stettin tagenden Pommerschen Provinzial- Lehrertag war am ersten BerhandlungStage die Regierung nicht vertreten. Sie hatte aus die Einladung des Vorstandes geantwortet, fie sei zu sehr mit Arbeit überhäuft, um einen Vertreter stellen zu kennen. Pastor Müller- Stettin rügte diese Zurückhaltung, indem er unter dem Beifall der Versammlung meinte, offenbar scheue die Regierung«ine öffentliche Aussprache mit den Lehrern. Darauf erschien am zweiten Tage pünktlich ein Repräsentant der Regierung, der Herr Oberregierungsrat von Falckenthal, um folgende wohl vorbereitete schneidige Erklärung vom Stapel zu lasse«: „Meine Herren l Nach den gestrigen Zeitungsberichten hat in dieser Versammlung Herr Pastor Müller gestern daS Wort gesagt: „Ich bedauere, daß die Herren von der Regierung nicht hier find. sie hoben wohl Angst". Mit Herrn Pastor Müller wird sich die königliche Regierung wegen dieser schweren öffentlichen Beleidigung an anderer Stelle auseinandersetzen. Hier interessiert die weitere Zeitungsnotiz, die von der Versamm- lung„stürmischen, langanhaltenden Beifall" notiert. Meine Herren I Daß Sie sich dadurch an einer schweren Jnvekttve, einer schweren Herabsetzung Ihrer vorgesetzten B e h ö, r d e beteiligt haben, erwähne ich nur beiläufig, denn ich glaube derfRespekt vor der vorgesetzten Behörde ist wohl nicht mehr ganz modern. Ich möchte aber meinen, daß die Tatsache. daß Sie sich durch Ihren Beifall an einer Herabsetzung und Verleumdung beteiligt haben, jedem einzelnen von Ihnen bei näherer Betrachtung nicht zulässig erscheinen wird. Ich konstatier«, daß wir vor Ihnen keine Angst haben, daß aber wohl die gestrige Verhandlung geeignet ist, die warmen Gefühle, die wir für Sie hegen, zu beeinträchtigen. Wir sind daher nicht mehr inder Lage, an Ihren weiteren Ber- Handlungen teilzunehmen." Also sprach er und kehrte an die Stätte seines aufopferungs- vollen Wirkens zurück. ES ist doch etwaS Erhabenes um die Schneidigkeit der preußischen Bureaukratie. An Verstand, Wiffen und Können mag die Bureaukratie anderer Länder ja vielleicht die preußische übertreffen; ab« so schneidige Beamte befitzt kein Land dep Welt.-_ ReichstagS-Ersatzwahl in Memel-H eydekrng. Bci der gestrigen ReichStagSerfatzwahl für Königsberg 1 Memel-Heydekrug) wurden, wie wir bereits gestern unter„Letzte Nachrichten" kurz melden konnten, insgesamt 14 S05 gültige Stimmen abgegeben. ES erhielten Geh. RegierungSrat a. D. Schwabach (natlib.) 9727, Buttkereit(k.) 2904 und Hofer(Sozialdemokrat) 1852 Stimmen. Zersplittert waren 22 Stimmen. Schwabach ist somit gewählt. Die Wahlbeteiligung war diesmal eine sehr geringe. Nur 63 Proz. der Wähler haben gestimmt, im vorigen Jahr bei der Hauptwahl dagegen 84 Proz. ES erhielten damals im ersten Wahl- gange der sozialdemokratische Kandidat, der Genosse Braun, 3342 Stimmen, Schwabach(natlib.) 4941, Krause(k.) 0668 und Gaigalat (Litauer) 4221 Stimmen. Bei der engeren Wahl fielen auf Schwabach 11 493, auf Krause 6431 Stimmen. Die belehrten Landräte. wir haben berichtet, daß die Landräte des Wahlkreises Prenzlau- Angermünde, in welchem demnächst eine Nachwahl stattzufinden hat, sich geweigert haben, die dort beschäftigten Saisonarbeiter in die Wählerliste aufzunehmen. Der sozialdemokratische Kandidat de« Kreise», Genosse Otto Wels, hat sich darauf beim RegierungS- Präsidenten in Potsdam beschwert und daraufhin folgende Antwort erhalten: „Di» Herren Landräte der Kreise Angermünde und Prmzkau 's habe ich am 14. d. M. benachrichtigt, daß nach dn Praxi» der Wahlprüfungskommission und des Plenums de» Reichstage« die ständig oder für längere unbestimmte Zeit außerhalb ihre« Wohnorte» beschäftigten Arbeiter, insbesondere auch die so- genannten Saisonarbeit«, am Orte ihrer regelmäßigen auswärttgen Beschäftigung in der Regel als wahlberechtigt anzusehen seien. ES seien daher solche Personen nur dann in die Wahlerliste nicht aufzunehmen, wenn feststeht, daß sie den Schwer» punkt ihrer Existenz nicht vom Wohnort an den Beschäftigungsort verlegt haben. Im übrigen muß es jedem einzelnen selbst überlassen bleiben, Einspruch gegen die Richtigkeit der Wählerliste selbst zu erheben. Bon Amtswegen können die ausgelegten Listen nicht mehr ge- ändert werden. In Vertretung (unleserliche Unterschrift). Di« W2hl«Iisten find mittlerweil« abgeschlossen. Eine Aen- derung der Wählerlisten ist nach Angabe deS RegierungSpräfidenten nicht mehr möglich, so daß in der Tat die Saisonarbeiter ihr Wahl« recht verlieren dürften� Selbstverständlich wird durch diese Bor« lommnisse«in Wahlprotest außerordenttich gestützt. Der sächsische Wahlkreis- Schacher. In d« FreitagSsitzung der WahlrechtSdeputatton der Zweiten sächsischen Kammer teilte der Vorsitzende mit, daß die Bestrebungen, zu einem Einvernehmen zu gelangen, zwischen den Fraktionen fortgesetzt, aber noch nicht zum Abschluß gebracht worden seien. NamenS ver Nationallideralen gab sodann Abgeordneter Dr. Vogel die Erklärung ab. nach der Ueber» zeugung seiner Parteifreunde seien in dem von Geheimrat Heink vorgelegten Entwurf einer WahlkreiSeiniteilung die in dem Kompromißantrag niedergelegten Gesichtspunkt«, ins- besondere die Forderung, die WahlkreiSeinteilung möglichst gleich zu gestalten, nicht ausreichend berücksichtigt. Der Schacher geht also weiter. Regierungsversprcchungen. Auf Anregung der sozialdemokratischen Landtagsfraktion hatte während der letzten Kammertagung die badische Regierung ver- sprachen, bei den Eisenbahnbauten arbeitslos gewordene ein- heimische Bauarbeiter«inzustellen, um, soweit möglich, den Druck der Krise auf die Arbetterschaft zu mildern. Tatsächlich hat auch der Finanzminister einen Erlaß in diesem Sinne an die Bau. bekriebsleitungen gerichtek. Wie aber kürzlich ber Gauleiter beS Maurerverbandes. Genosse Philipp-Karlsruhe, im dortigen Partei- organ mitteilte, war es dem Verband bisher unmöglich, auch nur einen der vielen arbeitslosen verheirateten Kollegen bei den Staatsbauten unterzubringen. Gerade in Karlsruhe mußten sie zusehen, wie auf dortigen Bahnbauten fremde Arbeiter ihnen vor- gezogen wurden. In heftigen Worten erhob die Gauleitung schwere Anklage gegen diese Unzuverlässigkeit eines RegierungSver- sprechen?. Das hat die Arbeiter der badischen Eisenbahnbetrieb». Werkstätten zu einem Protest gegen die badische Regierung veranlaßt. Eine Vertretcrkonferenz der im süddeutschen Eisen- bahnerverband organisierten Eisenbahner faßte folgende Reso- lution: „Die zu einer Sitzung zusammengetretenen Arbeiteraus- schüsse der Haupt-, Betriebs- und Telephonwerkstätte sowie die Gauleitung und die Ortsverwaltungen I und II des Verbandes süddeutscher Eisenbahner sprechen die Erwartung aus, daß Großh. Gencraldirektion dem einmütigen Verlangen des badischen Landtages nachkommt und die Verbesserungen und Re- formen, die der Landtag angedeutet hat, alsbald durch- führt. Um jedes Mißverständnis auszuschließen und um der Arbeiterschaft der badischen Staatseisenbahnen Gelegenheit zu geben, ihre Forderungen und Wünsche bei der maßgebenden Behörde direkt vorzutragen, wünschen wir, daß in aller Bälde von feiten der Generaldircktion eine Plenarsitzung samt- lichcr Arbeitervertreter der Werkstätten und deS Betriebsdienstes einberufen wird und daß in dieser Sitzung die Sekretäre der beiden Arbeiterverbände Sitz und Stimme erhalten." Zur Unterstützung dieses Protestes sollen mehrere Versamm- lungen in Baden stattfinden._ Ein Gewaltakt der preußischen Justiz. Am Donnerstag morgen wurden auf Anordnung des Unter- suchungsrichters beim Landgericht l, Herrn Sprockhofs, von Beamten der politischen Polizei in den Redaktions- und Verlags- räumen des anarchisiischen Wochenblattes„Revolutionär", Born- holmer Straße 9, sowie in den Räumen der Druckerei desselben und in den Wohnungen zahlreicher Anarchisten Haussuchungen vor- genommen. Die Haussuchungen sollten den Zweck haben, in der Strafsache gegen den Schuhmacher Clement, Krausenstr. 61, der sich mit Herstellung von Sprengstoffen beschäftigt haben soll, Matc- rial zutage fördern, daS über den Aufenthalt des in dieser Sache gleichfalls angeschuldigten, angeblich flüchtigen Arbeiters Adolf Zumpe Aufschluß gibt. Bei dieser Gelegenheit wurden in den RedaktionS- und Ver- lagSräumen sämtliche Geschäftsbücher, Postabschnitte, Korrespou- denzen und alle vorhandenen Manuskripte beschlagnahmt. Der Geschäftsbetrieb des Verlages ist dadurch völlig unmöglich gemächt und mußte bereits eine Nummer der Wochenschrist aus- fallen. Wie uns die Redaktion de»„Revolutionär" versichert, würde schon eine oberstächliche Durchsicht genügt haben, um zu er- kennen, daß die beschlagnahmten Sachen absolut in keiner Bc- ziehung zu der Affäre Clement stehen. Trotzdem blieb der Protest und d« Antrag bei der Polizei wie beim Untersuchungsrichter aus Herausgabe der beschlagnahmten Sachen bisher ohne Erfolg. Jetzt hat sich der Verlag des„Revolutionär" beschwerdeführend an den Präsidenten deS Landgerichts I gewandt. Eine staatsgefährliche Schrift« Die Staatsanwaltschaft konfiszierte am Freitag mittag in der Buchhandlung der„Volksstimme" in Frankfurt a. M. 60 Exemplare der bürgerlichen Revolutionsgeschichte von 1848, die im Verlag der Wiener Parteibuchhandlung jetzt in Liefnungen herausgegeben wird. Auf dem Zollamt schon wurde dem Boten der Buchhandlung erklärt,„m a n" glaub« nicht, daß die Bücher ausgehändigt werden könnten, erst als der Bote nach stundenlangem Warten„ungemütlich" wurde, gab man die Bücher frei und ließ den Boten gehen; kaum war er aber in dem Lokal der Buchhandlung angelangt, da erschien die heilige Hermandad, V Mann hoch, in der Buchhandlung und verlangte die Herausgabe der Schrift. Genosse Thieme sagte dem Kommissär, daß die B a ch s ch e Geschichte der Wiener Revolution doch in jeder Bibliothek zu haben sei, und daß es doch höchst komisch fei, ein so bekanntes Buch zu konfiszieren— es half nicht». Und als sich Genosse Tbieme mit aller Entschiedenheit weigerte, die Hefte herauszugeben, da ertönt« plötzlich daS Kommando zum„Vor- gehen"; wie die Eichkätzchen klettert«» die Polizisten auf alle Schränke, alle Kisten und Kasten wurden umgedreht und— der preußische Staat war gerettet. Was die Staatsanwaltschaft mit der Konfiskation bezweckt, ist UNS unklar. Der Kommissar ließ aber durchblicken, daß ein in der ersten Nummer deS Bachschen Buches abgedrucktes antimilitaristtscheS Flugblatt es der hohen Staatsanwaltschaft angetan habe. Das Flugblatt klingt aus in dem Verlangen nach einem konstitutionellen Kaiser. Ob selbst dieses Verlangen schon geeignet ist, den preußischen Staat aus dem Gleise zu bringen? Ein Soldatenschinder schlimmster Sorte stand in der Person de» Unteroffizier« Radermacher vom Tele- graphenbataillon Nr. 8 vor dem OberkriegSgrricht in Koblenz. Die Verhandlung brachte ein ganze? System qualvoller Leiden zu- tage, die der„Stellvertreter GotteS" zur Peinigung der ihm unterstellten Leute erdachte. Die Anklage umfaßt nur die Zeit von Oktober 1907 bis Januar 1908. Die Anzahl der Mißha»� lungsfälle konnte nicht mehr festgestellt werden. Such diesmal wäre dem Menschenschinder noch nichts geschehen, wenn nicht ein Pionier infolge Hysterie, die«r sich durch die fortgesetzten Miß- Handlungen zugezogen hatte. auS dem Dienst hätte entlassen werden müssen. Die Krankheit war so schlimm, daß die Reichspost, bei der der Soldat früher angestell: war, ihn nicht wieder einstellte. Obwohl der Soldat damals bei den Quälereien des Unteroffiziers ohnmächtig zusammen- brach, hatte er eine Meldung nicht erstattet. Vor Gericht er- klärte er, er würde«S dann noch schlechter gehabt haben. DaS„System" des Radermacher deckt sich im allgemeinen mit den Teufeleien, wie sie in den SoldatenmißhandlungSprozesscn immer wieder bekannt werden: weil«in Mann beim Erscheinen de» Herrn Vorgesetzten nach dessen Meinung nicht schnell genug aufstand, muß die ganze Korporalschaft zw.eiyundertmal auf dem Schemel niedcrsktzcn und wieder aufspringen. Wer „schlecht« Griffe" machte, muhte sich an den überheizten Ofen stellen, wobei ihm noch eine Mütze über die Ohren gezogen wurde, damit er noch mehr schwitze. Zum Essen erhielten die Leute keine Zeit, während Herr Radermachcr dabei sah und speiste. Wie die Affen mußten die Soldaten aus den Möbeln herumklettern und wir die Hunde unter die Betten kriechen. Sie mußten unter dem Balkenwerk des Speichers so schnell herlaufen, vaß sie sich die Köpfe blutig stießen. Nach dieser Abhetzuna mußten sie im kalten Wetter, nur mit dem Drillichanzug bekleidet, im Hofe Schuhzeug reinigen. In der nämlichen Bekleidung muhten sie sich auf die spitzen Steine des Kasernenhofes legen, wobei sie der Peiniger mit dem Seitengewehr auf die vor Kälte steifen Finger schlug, daß die Knochen schmerzten. Sie muhten hundertmal„Äugen rechts— Augen link»!" üben, so daß sie Schmerzen im Kopf und Genick hatten und sich w in- delig wurden, und was all die Niederträchtigkeiten der Bestie im Unteroffiziersrock mehr sind. Das Kriegsgericht hatte auf drei Monate Gefänani»«rkamtt und von der Degradation abgesehen. Der Gerichtsherr legte Berufung wegen der niedrigen Strafe ein. Er beantragte sechs Monate uns Degradation. Da» Ober- kriegSgcricht verwarf die Berufung des Gerichtsherrn mit der «gegründung, di e Strafe sei genügend hoch. Von der Degradation müsse abgesehen werden, weil dem Angeklagten der böse Will« nicht nadhzmoeisen(!I) gewesen sei. Als junger Unter- Offizier habe er sich nur verleiten lassen, durch Anwendung falscher Nittel eine gute Korporalschaft heranzubilden. So.bekämpft" die Militärjustiz die Soldatenschindereient Schon wieder ein Zeugniszwangsverfahren. Dortmund, 3. Oktober. Am IS. August dieses Jahres erschien in der Dortmunder .Arbeiterzeitung" ein Artikel:„Wie man in Preußen die Land- wehr behandelt." Es war die Schilderung eines Landwehrmannes über Vorkommnisse auf dem Truppenübungsplatz in der Senne. Die Redakteure der„Arbeiterzeitung" Genossen Haenisch und Rottebohm erhielten Vorladungen als Zeugen in einem Er- mittelungsverfahren wider Unbekannt. Es stellte sich heute im Termin heraus, daß die Anklagebehörde den Verfasser des oben. genannten Artikels ermitteln wollte. Unsere Genossen verweigerten elbstverständlich jede Auskunft, worauf das Zeugniszwangsver- ahren gegen sie eingeleitet wurde. Beide Genossen wurden zu je 20 Mark oder 4 Tage Haft verurteilt. Damit Wäre die Ver- nehmung für heute erledigt, meinte der Richter. Es wird also vielleicht noch mehr kommen. Auch der Geschäftsführer der„Arbeiterzeitung", Genosse Umbreit, wurde vernommen, der natürlich nichts wußte. franfcmcb. Gegen de« Gewerkschaftskongreß. Marseille, 3. Oktober. Im hiesigen Gemeinderat gab es gestern tumultuöse Kundgebungen infolge des Antrages eines GemeinderalSmitgliedeS, vom Bürgermeister zu erwirken, daß er den Kongreß untersage, welchen der Allgemeine Arbeiter- verband in der Arbeitsbörse abzuhalten gedenkt. DaS betreffende Mitglied wies darauf hin, daß die Arbeitsbörse nicht für politische Versammlungen, sondern zur Abhaltung von Versammlungen für wirtschaftliche und professionelle Interessen geschaffen worden sei. Der Tumult wurde schließlich so groß, daß der Bürgermeister d i e Sitzung aufheben mußte. Cnglancl. Beschleunigung des Flottenbaus. Wir haben tvied'erholt darauf hingewiesen, daß dem Weit- ruften zwischen England und Deutschland nur dann ein Ende gemacht werden kann, wenn sich die beiden Mächte über die Einschränkung der Rüstungen verständigen. Es lag im Interesse der liberalen, von dm Arbeiterstimmm im höchstm Maße abhängigen englischen Regierung zu einem solchen Ab- kommen zu gelangen, einerseits um der chauvinistisch ge- färbten konservativen Agitation den Wind aus den Segeln zu nehmen, andererseits um die versprochenen Sozialreformen ohne neue Steuern zu Ende führen zu können. Die deutsche Regierung stand aber solchen Bestrebungen ablehnend gegen- über. Immer wieder wurde der Unsinn wiederholt, Deutsch- land dürfe sich die Größe seiner Wehrmacht nicht vom AuS- land vorschreiben lassen. Als ob es sich nicht um eine gegen- seitige Verständigung gehandelt hätte, ait� der die arbeitenden und steuerzahlenden Massen beider Länder in ganz gleichem Maße interessiert wären. Statt einer Verständigung kam das Programm des Flotten- Vereins mit feinm maßlosen Fordermigem Nun komm dieenglischeAntwort. Aus London wird telegraphiert: „Der Erste Lord der Admiralität M c. K e n n a hielt in Pontypool eine Rede, in der er die lleberlegenheit der britischen Seemacht für die sicherste Garantie de» europäischen Frieden« erklärte. Wenn jemals eine schwache und inferior« Flotte den rivalisierenden Mächten die Ausstcht gewähren sollte, daß t>aS britische Reich zerfalle, würden diese Mächte sich von ihren ehr- geizigen Hoffnungen unvermeidlich zu einem Schritt verleiten lassen, der für den Weltfrieden der allerunalücklichste sein würde. Nichtsdestoweniger sei jede Agitation für die Aufrechterhaltung einer größereu Macht als die Umstände des Augenblicks sie er- fordern, zu verwerfen. Man dürfe nicht mehr Schiffe bauen, als die internationale Lag« verlange, besonder« nicht in An- betracht ihöer raschen Abnutzung. Mc. Kenna schlug im Hinblick auf den beunruhigenden hohen Grad der Arbeitslosigkeit vor, die Ausführung de? Flottenbauprogramms für das laufende Jahr zu beschleunigen und alle Aufträge für Neubauten, die privaten Werften überlassen werden sollen, so schnell wie möglich in Luftrag zu geben." Es ist klar, daß die Berufung auf die Arbeitslosigkeit nur dazu dient. daS eigentliche Ziel, die Beschleunigung des Flottenbaus, vor den Arbeitern zu rechtfertigen. In Wirk- lichkeit bedeutet die Rede das Eingeständnis der Liberalen. daß sie ihre Politik der Einschränkung aufgeben. DaS Wettrüsten zwischen Deutschland und Eng» land dauertalso fort. Die Arbeitslosigkeit. London, 8. Oktober. Der englische Nationalrai für das Recht auf Arbeit plant für den übernächsten Sonntag große Arbeiterdemonstration en. Nach der Scp- temberstatistik sind in ganz England sogar von den gelernten Arbeitern fast neun Prozent brotlos. Gegen den Chauvinismus. «iondoa, 2. Oktober. In Crawchawbooth sprach der Erste Kom- missar im Ministerium für Arbeiten, Harcourt, gegen die chauvinistische Hetze. Er Versichertc. daß nicht ein Schatten von Begründung für den jüngst in der gelben Presse erhobenen halb feigen, halb chauvinistischen Lärm vorliegt.„Innerhalb der letzten 10 oder 1t> Jahre hat es keine Zeit gegeben— und ich spreche mit Wissen und im Bewußtsein der vollen Verantwortlichkeit—, in welcher unsere Beziehungen zu Deutschland in kom- merzieller, kolonialer, politischer und dynastischer Hinsicht auf festerem und freundschaftlicherem Fuße ge- Wesen sind als heute. Bon persönlicher Feindschaft zwischen den Herrschern, den Regierungen und den Völkern ist keine Rede, und wenn in beiden Ländern eine kleine Schicht von Publizisten vor- handen ist, die infolge selbsüchtiger. unpatriotischer Absichten den Wunsch hegen, die Nationen zu entzweien, so sind sie die Strahenräuber der Politik und Feinde deL Menschengeschlechts. Halten Sie den Kopf kühl, die Flotte bereit und die Zunge höflich, und Sie brauchen das Gekläffe dieser Pariahunde nicht zu fürchten, welche die Hütte beschmutzen, in der sie wohnen."— Dänemark. Die Verteidigung der Minister. Kipenhazen, 2. Oktober. In der Debatte über den Antrag, das Folkething solle den Willen aussprechen, an der Milderung der Folgen des Unglücks mitzuwirken, welches das Verbrechen A l b e r t i» über daS Volk gebracht hat, bezeichnete der fungierende Konseilpräsident«hristensen die Behauptung als vollständig unrichtig, daß die Regierung Mitlvisserin von Alberti« Verbrechen gewesen sei. ES seien Schritte zur gründlichen kriminellen Untersuchung von AlbertiS Amtsführung eingeleitet worden. Mit stark bewegter Stimme sprach der Minister seinen Schmerz darüber aus, daß AlbertiS Verbrechen möglicherweise dem guten Namen Dänemarks im Ausland schaden könnten. Der fungierende Minister des Innern Berg trat darauf verschiedenen gegen ihn gerichteten Angriffen entgegen. Ueber die Angriffe wird unS aus Kopenhagen geschrieben: ES war in letzter Zeit die Rede davon, daß der Minister des Innern Sigurd Berg die Bildung de- neuen Ministeriums übernehmen sollte. Nun ist jedoch durch die sozialdemokratische und radikale Presse bekannt geworden, daß dieser Minister, dem die Staatsaufsicht über die Sparkassen unterstellt ist, schon im Jahre 1006 durch die Direktion der National- dank offiziell darauf aufmerksam gemacht wurde, daß die von seinem Kollegen Albertt vcrwal-te Seeländische Bauernsparkasse bei der Bank ein Darlehn von 3 Millionen Kronen aufgenommen hatte und daß dies Dar- lehn entgegen den klaren Bestimmungen des Sparkassengesetzes nicht im Rechenschaftsbericht der Sparkasse aufgeführt war. In der- selben Weise wurde der verstorbene Finanzminister Wilhelm Lassen auf den hier offenbar vorliegenden Schwindel auf« merksam gemacht. Aber der staatsangestellte Spackasseninspektor erhielt keinerlei Auftrag, die Sache zu untersuchen. Als unser Genosse Borgbjerg im Folkelhing die Korruption der Albertischen Justizverwaltung und Geschäftemacherci aufdeckte, sagte Minister Berg nicht ein Wort von dem, was er wußte, sondern hielt vielmehr seine schützende Hand über den Millionenschwindler. Er spielte den Unwissenden; er samt seinen Ministerkollegen und der ganzen Regierungspartei waren diejenigen, die durch Knebelung der Redefreiheit die weiteren Enthüllungen über AlbertiS Verbrechen zu unterdrücken suchten. Sigurd Berg ist auch einer der größten Zeitungsverleger Dänemarks. Er besitzt 17 Provinzblätter, die früher AlbertiS Ruhm verkündeten und nun nach dessen Fall alleS aufboten, um durch Ver- schweigen und Vertuschen den Gedanken an irgend welche Mit- Verantwortlichkeit oder Mitschuld der übrigen Minister nieder« zuschlagen.— Rußland, Der Studentenstreik- Petersburg, 3. Oktober. Die Universität wurde polizeilich besetzt, eine große Anzahl Studenten erschienen nicht zu den Vorlesungen. Moskau, 3. Oktober. Eine von viertausend Studenten besuchte Versammlung, der auch Delegierte der Petersburger Universität beiwohnten, beschloß die Organi- nisierung eines allrussischen Studenten st reiks, wenn nicht die Zirkulare des Unterrichtsministers zurück- genommen würden, durch die die Autonomie der Hochschulen eingeschränkt wird. Charkow, 3. Oktober. Der Universitätskonseil beschloß einstimmig, den Unterrichtsminister zu ersuchen, ge- maß dem kaiserlichen Manifest vom 9. September 1905 die Hochschulautonomie zu bewahren. In einer Ver- sammlung, die von 2500 Studenten besucht war, wurde be- schloffen, sich den Resoluttonen der Petersburger Studenten- Versammlung anzuschließen. Orfcd. De, Konflikt mit Bulgarien. Konstantinopel, 2. Oktober. DaS hiesige jung- türkische Komitee, das bisher die bulgarischen Kon- flikte mit Gleichmut betrachtet hat, beginnt nunmehr sie m i Ernst zu verfolgen. Das Komitee erklärt zwar, keinen Krieg zu wollen, aber auch keine Rechtsverletzung zu gestatten. Wenn solche erfolgt sei, würde man auch vor einemKriegenichtzurückschrecken. Die Unruhe» auf SamoS. Athen, 2. Oktober. Au» Samo« wird gemeldet: Durch Urteilsspruch in dem Prozeß gegen die Samioten, die als An- sttfter der Unruhen auf Samo» im Mai d. I. angesehen werden, wurden IS zum Tode und 22 zu lebenslänglicher Zwangsarbeit in oontum�oiam verurteilt. Bon den Er- schienenen wurden drei zu lebenslänglicher ZwannSarbeit und 11 zu verschiedenen Gefängnisstrafen verurteilt, 22 Personen wurden frei- gesprochen.—_________ Hud der Partei. Zum Fall Galwer schreibt die„Brand enburgir Ztg." Eine neue Frucht der„praktischen Mitarbeit". Richard Calwer, dessen„Wirtschaftliche Korrespondenz" in Verbindung mit der früher von Professor Jastrow herausgegebenen „ArbeitSmarkt-Korespondenz" immer mehr in» bürgerliche Fahr- Wasser gleitet, veröffentticht heute im Scherlschen tlluswierten „Tag" an leitender Stelle einen Artikel, der sich unter dem Titel„Nach Nürnberg" mit dem sozialdemokrattschen Parteitag beschäftigt. Auf den Inhalt dcS echt C a l w e r s ch e n ArttkelS einzugehen, erübrigt sich. Aber die Tatsache, daß ein Schriftsteller und früherer RcichstagSabgeordnetcr, der, wenn wir nicht irren, noch immer als Sozialdemokrat gilt, es nicht unter seiner Würde hält, an dem Scherlschen Zeitungsuntcrnehmen mitzuarbeiten, schlägt doch nicht nur der Dresdener Resolution, sondern auch allem parteige nössischen Empfinden dermaßen ins Gesicht, daß ein bloßer Hinweis darauf genügt die notwendigen Konsequenzen daraus zu ziehen. Das also ist die neue Frucht der„praktischen Mitarbeit": Schriffftellerei(und noch oazu über innere P a ote i frag e nll) in rinem bürgerlich- kapitalistiscken Blatte, daS unter der MaSke der Unparteilichkeit der s ch ä n o l i ch st e n R e a k t i o n die Wege ebnet und eine wahre Brutstätte arbeiterfeindlicher Gesetzmacher und Parlamentarier ist. Ob der alte gut reaktionäre und honorierte Mitarbeiterstamm der Zedlitz, Goercke und Konsorten den neuen Kollegen mit offenen Armen empfängt? Die Sozialdemokratie wird dem formellen Absckiluß dieser Verbrüderung nichts in den Weg legen.___ Ein Räuberhauptmann gesucht. Die Veröffentlichung der Räubcrgeschichte vom bayrischen H i e s e l In der„F u r ch e" der„F r ä n k. T a g e S p o st" hat einen witzigen Genossen in der„Schleswig-Hol st ein. Volks» e i tu n g" zu K i e l zu folgender, unter der obenstehenden Ueber» hrift erschienenen, lustigen Betrachtung begeistert: „Die„Fränkische Tagespost", da» Organ dcS Genossen EiSner, macht bekannt, daß sie vom 1. Oktober ab zusammen mit der „Jürther Bürgcr-Zeiwng" in bedeutend vergrößertem Umfang er- 'cheinen wird. Besonders soll der wissenschaftlich-literarische Teil ausgebaut werden. Sämtliche Wissensgebiete, die es zwischen Himmel und Erde gibt, sollen von den erleuchtetsten Köpfen deS Revisionismus in fortlaufenden Abhandlungen traktiert werden, o daß die„Fränkische Tagespost" In ihrer erneuerten Gestalt den glücklichen Parteigenossen NordbayernS das Konversationslexikon ersetzen wird. Als Hauptschlager wird im Rcklameplakat der Redaktion der Abdruck der Lebensgeschichte des blau-weißen Nationalhelden, des bayrischen HteselS, angekündigt. Damit 'oll wahrscheinlich die erste entscheidende Tat in der Verwirklichung >cs neuesten nordbayrischcn Aktionsprogramms getan werden, das Genosse Maurenbrecher dieser Tage in Forst in folgenden Worten in Aussicht gestellt hat: „Wir haben in den Kreisen, in denen ich berkehre(damit sind natürlich die nordbahrischen Genossen gemeint, unter den Maurenbrecher neuerdings sein Zelt aufgeschlagen) uns ent- schlössen, der Welt zu zeigen(Donnerwetterl), daß die Tätigkeit der Theoretiker ein Ende haben muß." Daß diese„Kreise" sich den bayrischen Hiescl als ihren geistigen Bannerträger erwählt, ist ein glücklicher Gedanke. Der Hiesel war in? der Tat vom Kopf bis zur Sohle der Mann der Aktion und der geborene Todfeind der grauen Theorie. Der Feuereifer der„Fränkischen" scheint die Redaktion unseres Frankfurter Parteiblattes, der„Volkssrimme", angesteckt zu haben, denn sie stellt in Aussicht, daß sie ihrerseits die Lebensgeschichte des Schinderhannes veröffentlichen wird. Der Entwickelung der Parteipresse sind so endlich einmal neue Bahnen gewiesen. Der„Vorwärts" wird wohl nicht umhin können, möglichst bald mit dem Abdruck der Bismarckschen Gedanken und Erinnerungen zu beginnen, wenn unser Rcichszentralorgan, das doch zugleich preußi- schcs Landesblatt, nicht vorzieht, zunächst die Lebensgeschichte des Fridericianischen K ä s e b i e r zu erzählen. Die Provinzblätter freilich werden übel dran sein, denn nicht jede Landesorganisation hat ihren einheimischen Räuberhauptmann. Vielleicht helfen uns unsere Leser auf die Spur. Also: wer war der schleswig-holsteinische Schinderhannes? Aber eS muß schon ein richtiger Held der positiven Arbeit sein, der sich neben dem Hiesel sehen lassen kann, sonst verachten unS die Nordbayern, als eine jeder künstlerischen Kultur völlig bare Gegend, noch mehr als bisher." Die Situation in Württemberg. Die„Schwäbische Tagwacht" hat zustimmend den Leitartikel des„Vorwärts"„Der Erlaß des bayerischen Landesvorstandes' abgedruckt. Bom Borstand des Sozialdemokratischen Vereins Sorau-Forst wird uns geschrieben: „In dem Bericht der Forster Versammlung vom Sonntag» den 27 er., in Nr. 228 des„Vorwärts", wird gleich einleitend bemerkt, „das Mandat des Genoffen Maur«nbrecher sei von der Kreis- Versammlung kassiert worden". Dem ist nicht so. Genosse Mauren- brecher bat aus eigener Initiative, ohne jede Aufforderung hierzu seitens der Kreisvertretung, die Delegation abgelehnt. Zur Steuer der Wahrheit und um falschen Schlußfolgerungen vorzubeugen, ersuchen wir Sie. in der nächsten Nummer dcS»Vor- wärtS" den Lesern hiervon Kenntnis zu geben." Diese Zuschrift treibt Silbenstechcrei. Genosse Maurenbrecher hat naturlich, wie es seine Pflicht war, der Kreisleitung mit- geteilt, daß er die Resolution des Kreises zur Budgetfrage nicht vertreten könne, und daß er, falls man das von ihm verlange, lieber auf die Delegation verzichten werde. Darauf hat die außerordcnt- liche 5kreiSgeneralversammlung entschieden, daß unter diesen Ilm- ständen Maurenbrecher den KreiS nicht in Nürnberg vertreten könne und hat einen anderen Delegierten gewählt. Man tut der deutschen Sprache keine Gewalt an, wenn man diese? Verfahren eine Kassa- tion des Mandats nennt. Einen ganz ungeeigneten Weg zur Entscheidung von Meinung». Verschiedenheiten in der Partei hat der Genosse Adolf Thiele in Halle a. S. beschritten. Er hat die E i n s e tz u n g eines Schiedsgerichts zwischen ihm und dem Genossen K u n e r t beantragt, weil Genosse Kunert di« Stellung des Genossen Thiele in der Budgetfrage angegriffen hat. Nnfer« Toten. Zwei Veteranen sind aus unseren Reihen(je. schieden. In Karlsruhe starb der Genosse Aug. G ej; m a n im Alter von 60 Jahrem Am Donnerstag hätte er den 6?. GeburtS- tag feiern können und in den nächsten Wochen seine zwanzigjährige Zugehörigkeit zu der Gewerkschaft der Schneider. German hat sowohl in seiner Gewerkschaft wie in der Partei mehrfach Ehren- stellen bekleidet und allezeit, solange sein Körper es ihm noch erlaubte, eifrig für die Arbeiterbewegung gewirkt. In Wien ist am Montag Genosse Johann Waschitschek nach länger als zweijährigem Leiden im Alter von 66 Jahren gestorben. Mit ihm sinkt einer der Pioniere der österreichischen Arbeiterbewegung inS Grab. Er hat, wie die„Wiener Arbeiterztg." schreibt, seit dem Beginn der Arebiterbewegung in Oesterreich mit- gestritten und mitgelitten._ An» der italienischen Partei. Die neue Redaktion de»„Avanti". Mit dem heuttaen Tage übernimmt Genosse Leonida Bissolati die Redaktion des„Avanti". Au» der Redaktion scheiden aus die Genossen Romuald i, Sgarbi und Francefcs Ciccotti. Als erster politischer Redakteur wird der bisherige Redakteur für das Ausland, B o n o m i, bezeichnet. An neuen Redakteuren werden eingestellt die Genossen Merloni, Marini und Bottazzi. Die beiden erstercn gehörten bereits der ersten Redaktion Bissolati an, die von der Gründung de? Blattes bis ZS03 gewährt hat. •■ Nach dem Votum de» Kongresse», der die s y n d i k a l i st i f ch e n Grundsätze und Methoden verwirft, beschloß die in der Mehr- heit syndikalistische Parteisektton Neapels ihren Austritt aus der Partei. SettwKfcKaftlicKey. Die Aussperrung in Lancashlre. ' London, 1. Oktober.(Eig. Ber.)) Der Arbeiterabgeordnete Shakleton hielt in den letzten Tagen in verschiedenen Ortschaften Lancashire» VolkSversamm- langen ab, um zur Aussperrung Stellung zu nehmen. Er sagte: ES gibt Zeiten, wo es für die Unternehmer vorteilhast ist, die Fabrikation einzuschränken. Die Profite werden dadurch größer. Um diese» Ziel zu erreichen, beantragen sie Einschränkung der Arbeitszeit und— wenn dies nicht genügt— eine Lohnherabsetzung. um die Arbeiter in einen Streik zu treiben. Die Lohn- Herabsetzung an sich fällt für die Unternehmer gar nicht in» Ge- wicht. Sie ist vielmehr nur ein Mittel, eine Arbeitseinstellung hervorzurufen. DaS ist der Grundgedanke deS gegenwärtigen Kampfes in der Textilindustrie. ES handelt sich gar nicht um Lohnfragen. Die Unternehmer wollten ihre Lager räumen und bessere Preise erzielen. Eine fünfprozentige Lohnherabsetzung ist die reinste Bagatelle für die Textilmagnaten. Um solche Lappalien gehen sie nicht in den Kampf. Aber die Arbeitseinstellung wird die Textilwarenpreise in die Höhe bringen. Die Unternehmer sind mit dem Lockout zufrieden, ebenso die Exporteure. Sie werden alle dabei ihr Schäfchen ins Trockene bringen.—« ,•«*> Die Ansicht, baß der Kampf nicht langwierig sein werde, ver- schwindet jetzt mit jedem Tage. Man hält vielmehr, daß er Monate dauern könne. Die Arbeiter sagen sich: die Unternehmer wünschten eine Arbeitseinstellung von ungefähr vier Wochen, um bessere Geschäfte machen zu können. Wir werden ihnen zeigen, daß sie mit den Interessen der Arbeiter nicht spielen dürfen. Wir werden zwei oder drei Monate feiern. .» Von dem Umfang der Arbeitseinstellung zeugt auch die Ab» nähme des BahnverkehrS und des Kohlenverbrauchs. Die drei Bahngesellschaften, die am Transport der Lancafhirer Textil- waren interessiert sind, hatten in der letzten Woche einen Ein- nahmeauSfall von 800000 M. Der Kohlenverbrauch in Lancashire ist in der gleichen Zeit um 700 000 Tonnen gefallen. Etwa 44 Millionen Spindeln find stillgesetzt. hältnis ist infolgedessen ungeheuer. Da die Gastwirte, auch solche, f Genone Rosenfeld ersucht uns um Aufnahme folgender Er. Die persönlichen Kampfmittel, die dem Genossen Heine genehm Mir liegt nur noch daran, sachlich folgendes festzustellen: 1. H. hat nach dem von ihm im ganzen als richtig anerkannten Vorwärts"-Bericht gesagt:" Rosenfeld habe die fragliche Stelle unvollständig zitiert." Auf diese Bemerkung schwieg ich, weil ich( mit lesen hatte. Aus dem Schweigen folgert Heine:" In der Sache Rücksicht auf die Zeit des Parteitages) nicht den ganzen Artikel verfelbst vermag Genosse R. nicht zu bestreiten, daß er das Zitat aus meinem Artikel mitten im Satz abgebrochen hat." Dies bestreite ich selbstverständlich. Beweis: Protokoll. Berlin und Umgegend. Hirsch- Dundersdje im Bunde mit Deutschnationalen und Gelben in deren Lokalitäten ausschließlich die Arbeiterschaft verkehrt, ihr widerung: haben bei der am Freitag vollzogenen Wahl der Delegierten zur findekontors usw. beziehen, so sind die Angestellten gezwungen, noch sind, verschmähe ich anzuwenden. Personal fast nur von gewerbsmäßigen Stellenvermittlern, GeOrtskrankenkasse der Konditoren eine empfindliche Niederlage er eine Herde dieser nußlosen Existenzen mitzuernähren. Das gast Titten. Bis vor vier Jahren hatte der Hirsch- Dundersche Ge- wirtschaftliche Hilfspersonal rekrutiert sich zum größten Teile aus werkverein der Konditoren die Verwaltung der Krankenkasse in solchen jugendlichen Arbeitern, die vom Lande, meistens aus den Händen. Dann aber wurden die Gewerkvereinler durch den Ver- rückständigsten Gegenden, zugewandert sind. Ihre Tätigkeit im band der Konditoren( freie Gewerkschaft) aus ihrer Position ver- bald sich ihnen die Gelegenheit bietet, greifen sie nach jeder anderen Gastwirtsgewerbe ist meistens nur ein Durchgangsstadium. Sodrängt. Bei der jebigen Wahl glaubte der Gewerkverein bestimmt, Beschäftigung. Bei Streifs, Sperren usw. bilden sie eine ständige er könne das verlorene Feld wieder gewinnen. Hatte er doch zu Gefahr für fast alle Gewerkschaften, wenn es nicht gelingt, sie der diesem Zweck mit dem Halleschen deutschnationalen Kongewerkschaftlichen Organisation zuzuführen. ditorenverband sowie mit der gelben Bäderorgani Wir ersuchen daher alle Parteigenossen, sei es in ihrer Eigen- 2. In der Versammlung behauptete H., ich sei von einem fation ein Schuß- und Truzbündnis abgeschaft als Logiswirt oder als Gast in den Lokalen, diese Angestellten anderen zu einem Angriff auf ihn animiert worden. Diese Be schlossen. Die Unterstübung ihrer deutschnationalen und stets auf die Organisation aufmerksam zu machen und nach deren hauptung erklärte ich für frei erfunden. H. läßt sie jetzt fallen. gelben Bundesbrüder ist den Hirschen zweifellos in weitgehendstem Legitimationskarte zu fragen. Bei den Gastwirten ist darauf hin- 3. H. wirft mir vor, daß ich ihn, den Kollegen, angegriffen Maße zuteil geworden. Trotzdem erhielt ihre Liste nur 95 Stimmen. zuwirken, daß sie den kostenlosen Arbeitsnachweis der Organisation, hätte. Er meint offenbar, daß das Band der Kollegialität stärter Da 94 Delegierte zu wählen waren, haben sich die Kandidaten der Nr. 1813, in Anspruch nehmen, der zu Auskünften jederzeit bereit urteilung dieser allem parteigenössischen Fühlen und Denken Bureau: Große Hamburger Straße 18/19, Telephon: Amt III, und mehr au respektieren sei als die Parteigemeinschaft. Die Bes Hirsche nur selbst gewählt, und außer ihnen stimmte nur einer ist. Die zurzeit herrschenden wirtschaftlichen Verhältnisse bringen widersprechenden Ansicht überlasse ich ruhig dem Urteile der Ge ihrer Anhänger für ihre Liste. Für die Liste des es mit sich, daß Arbeiter aller anderen Berufe, infolge der Arbeits- nossen. Zentralverbandes der Bäder, Konditoren usw. losigkeit, ihren Erwerb als ungelernte Arbeiter, zum Teil auch im wurden 297 Stimmen abgegeben, also dreimal soviel Gastwirtsgewerbe suchen. Das Angebot von Arbeitskräften ist als das Gelb- deutschnational- Hirsch- Dunckersche Bündnis auf- daher enorm und die ohnehin schon schlechte Lage des Hilfspersonals zubringen vermochte. Die Wahlbeteiligung war fast doppelt im Gastwirtsgewerbe wird noch weiter heruntergedrüdt. so start wie bei der vorigen Wahl. Besonders machten die ArUm auch diesen Angestellten ihre schlechte wirtschaftliche Lage zum Bewußtsein bringen zu können, erwarten wir die tatkräftigste ganda für die öffentliche Versammlung. Verband deutscher Gastwirtsgehilfen. Ortsverwaltung Berlin II. Abteilung für das Hilfspersonal. Deutsches Reich. 4. H. hält es für unschicklich, daß ich ihn ohne vorherige Mitteilung angegriffen hätte. H. hat mich in der Versammlung des 3. Kreises angegriffen und mich ebenfalls nicht zuvor benachrichtigt. Das war schicklich. Berlin, den 3. Oftober 1908. Kurt Rosenfeld. beiterinnen aus den Zuderwaren, Kates- und Schokoladenfabriken Unterſtüßung der Parteigenoſſen, insbesondere eine rege Propa Letzte Nachrichten und Depefchen. zahlreich Gebrauch von ihrem Wahlrecht. Ein erfreuliches Zeichen dafür, daß bei diesen Arbeiterinnen, die den Ausbeutern und Antreibern fast wehrlos gegenüberstehen, das Intereffe für die Aufgaben der Organisation erwacht ist. Die Tarifbewegung der Weißgerber und Lederfärber. Warnung! Der Monteur Hermann Haubenreißer, der unter Zurücklassung seiner Familie Thale a. H. den Rüden lehrte, da Die Berliner Filiale I des Zentralverbandes der Lederarbeiter om wegen verschiedener Betrügereien der Boden zu heiß unter Bielt am Donnerstag eine außerordentliche Mitgliederversammlung den Füßen wurde, versucht jetzt unter Vorlegung eines Ausweises ab, die bei Schmidt in der Brinzenallee stattfand. Sie war so der Verwaltungsstelle Quedlinburg des Deutschen Metallarbeiter zahlreich besucht, daß die Sizplätze nicht ausreichten. Der wichtigste verbandes, welchen er sich selbst geschrieben hat, von den VerwalPunkt der Tagesordnung war:. Stellungnahme zur tungsstellen größere Beträge zu erschwindeln. Wir ersuchen die Kündigung des Tarifvertrages. Der Obmann der Verwaltungsstellen, den Haubenreißer den Ausweis sowohl als Schlichtungskommission, Seidelberg, berichtete über diese An- irgendwelche Verbandslegitimation, welche er bei sich führt, abzugelegenheit. Bekanntlich wurden die neuen Tarifforderungen Mitte nehmen und der Bezirksleitung des 5. Bezirks des Deutschen borigen Monats den Arbeitgebern zugestellt. Inzwischen haben Metallarbeiterverbandes telephonisch hiervon Kenntnis zu geben. innerhalb der Schlichtungskommission Borbesprechungen stattgefunden, Die Telephonnummer ist: alle a. S. 1150. die eigentlichen Tarifverhandlungen haben jedoch noch nicht be- Die Bezirksleitung des Deutschen Metallarbeiterverbandes. gonnen. Die Arbeitgeber erklärten, wie das immer bei Einreichung 5. Bezirk. J. A.: Nudolf Röhr. bon Forderungen zu geschehen pflegt, daß sie nicht in der Lage feien, etwas zu bewilligen. Der Tarifvertrag ist dann von den mals Richard Hartmann, Aktiengesellschaft, in Chemni, wurden Die Kupferschmiede der Firma Sächsische Maschinenfabrik vor Arbeitnehmervertretern gekündigt worden und läuft nun am 1. November ab. Eine neue Sigung soll am nächsten Mittwoch ausgesperrt, weil sie eine anderweitige Regelung des Ueberstundenwesens verlangten. Die Firma läßt in recht protenhafter Manier Schwierigkeiten für die Gesellschaft verbunden sein wird, da die die bürgerliche Presse verkünden, daß die Aussperrung taum mit Lage des Arbeitsmarktes reichlichen Ersatz an Arbeitswilligen böte". Wenn sich die Firma hier nur nicht verrechnet! stattfinden. In der Diskussion über den Bericht erklärten alle Redner fich mit der Tariffündigung einverstanden. Man wünschte, daß die Verhandlungen nun so schnell wie möglich gefördert werden. Ein flimmig wurde folgende Resolution angenommen: Husland. " " Die Versammlung nimmt Kenntnis von den mit den Fabrikanten gepflogenen Verhandlungen. Sie erteilt ihre Bu- Brutale Maßregelung städtischer Beamter in Amsterdam. stimmung zur Kündigung des Tarifs und erwartet von der Am 1. Oktober sind drei Unterbeamte der Stadt Amsterdam Schlichtungsfommission, daß sie die Lohnbewegung zu einem vom Bürgermeister und Magistrat plöblich entlassen worden, und günstigen Ausgang bringen möge." zwar lediglich deswegen, weil sie als Redakteure von Het PrinsenSodann beschäftigte die Versammlung, sich mit der Frage: hof", des Organs des Amsterdamer Gemeindebeamtenverbandes, Verschmelzen wir uns สิน einem Industrieberband? Das Referat hielt der Gauvorsigende Heimlich. Bei Artikel veröffentlicht hatten, die den höhergestellten Beamten unangenehm waren. Der eine Artikel ist betitelt:„ Aerger als Die Entscheidung über die Frage wird für den Lederarbeiterverband russisch." In Amsterdam wird eine neue Regelung der rechtlichen in einer am 25. Ottober stattfindenden Ur Stellung der Beamten angestrebt und hierzu hatte der Verein der abstimmung getroffen. Wie der Redner ausführte, find die Hauptbeamten" der Stadt Vorschläge zu neuen Strafbestimmungen Gegner der Verschmelzung nicht aus prinzipiellen Gründen dagegen, gemacht, darunter die, daß Beamte, die sich Dienstvergehen zu sondern weil sie die Sache für verfrüht halten. Der Redner schulden kommen lassen, mit zeitweiliger e rabiebung ihres meinte jedoch, daß auch für diese Ansicht keine stich- Gehaltes und mit Kürzung ihrer Ferien oder haltigen Gründe angeführt werden fönnten. Der Leder Ruhepausen bestraft werden, also auch gleichsam wie un arbeiterverband hat sich schon im Jahre 1892 für eine Verschmelzung artige Schultinder nachfißen" sollten. Diese Vorschläge, die, wenn ausger, ochen. Bei den anderen Verbänden steht es gegenwärtig durchgeführt, selbstverständlich nie einen Herrn Bürgermeister, so, daß der Schuhmacherverband die Verschmelzung davon abhängig Direktor oder hohen Magistratsbeamten treffen würden, sondern gemacht hat, daß sich über die Hälfte feiner 36 000 Mitglieder in nur die kleinen Leute, die ihr bißchen Lohn und Ruhezeit dringend einer Urabstimmung dafür erklären was ja ein außerordentlich nötig haben, wurden in dem einen Artikel kritisiert. Der andere startes Intereffe für die Sache zur Voraussetzung hat während war„ Schlechtes Lokal" überschrieben und bezog sich auf einen der Sattlers und der Portefeuillerverband sich wohl mit einander Arbeitsraum tieiner Bureaubeamten der städtischen Gastverte. berschmelzen wollen, aber für den allgemeinen Industrieverband Es war in der Hauptsache ein" Gingesandt", die Redaktion hatte nicht zu haben find. Der Handschuhmacherverband, eine der ältesten jedoch hinzugefügt, daß sie sich selbst von der Berechtigung der und im Verhältnis zur Zahl der im Berufe tätigen Personen Slagen überzeugt habe, und daß, wenn es sich um den Direktor stärksten Gewerkschaften Deutschlands, ist jedoch für die Verschmelzung. oder andere Hauptbeamte handelte, schor längst, selbst wenn die Der Redner meinte, daß wenn auch nur dieser eine Verband mit Bustände nur ein Zehntel so schlimm wären, für Abhilfe gesorgt feinem gutgeschulten Mitgliederstand sich dem Lederarbeiterverband worden wäre. anschließe, hiermit schon eine schäßenswerte Stärkung der Drganis fation erzielt, und ein Schritt vorwärts auf dem Wege zum Industrieverband gemacht werde. In ber Diskussion sprachen sich einige Redner wohl im Sinne des Refereuten aus, von anderen wurden jedoch auch Bedenken gegen die Verschmelzung geltend gemacht; besonders meinte man auf dieser Seite, daß die Bewegungsfreiheit der einzelnen Berufe darunter leiden müsse. Irgend eine Abstimmung über die Frage wurde nicht vorgenommen. Von den Entlassenen sind zwei Sozialdemokraten, die Genossen Gulden und Smit, und der eine war 12½ Jahre, der andere 4 Jahre im Dienst der Stadt tätig, und der dritte Gemaßregelte hat ebenfalls 4 Dienstjahre hinter sich. Keiner hat bisher irgend welche Strafe erlitten, sie haben also als Beamte der Stadt ihre Pflicht getan. Der" liberale" Bürgermeister und Magistrat Amsterdams, der fortschrittlichsten" Stadt Hollands, haben den Dreien die Ent. Streit der Fensterpuber bei Arnheim. Trotzdem seitens derlassung schriftlich kundgetan und dabei auch mit brutaler Offen herzigkeit keinen anderen Grund, als eben die Veröffentlichung Firma alles versucht wird, um die Streifenden kirre zu machen, jener beiden Artikel, angegeben. Von der Mehrheit der Stadtist auch nicht einer von ihnen zum Verräter geworden. Die berordneten muß man, wie das bei dem herrschenden Wahlunrecht Frechheit der Arbeitswilligen übersteigt überhaupt alle Grenzen. nicht anders zu erwarten ist, leider annehmen, daß sie sich auf die Gestern( Sonnabend) wurden einige Streikende, die in der Köpe- Seite der hohen Herren stellen wird. Der Verband der Gemeindes nicer Straße Posten standen, von einem Trupp Arbeitswilliger beamten ist jedoch bereits mit dem Lehrer- und dem Gemeindeüberfallen, wobei einer der Streifenden erheblich verlegt arbeiterverband in Verbindung getreten, um Gegenmaßregeln zu wurde, so daß er die Unfallstation aufsuchen mußte. Statt, daß ergreifen. nun die Polizei, wie man eigentlich annehmen sollte, die Erzedenten berhaftete, ließ man diese ungeschoren und nahm kurzerhand die Die Arbeiter der Algerischen Sektion der Eisenbahngesellschaft Streifenden fest, darunter auch den Verletzten, der einige Paris- Lyon- Mittelmeer beantworteten eine Anfrage des AllStunden auf der Wache zubringen mußte, ohne daß er sich vers gemeinen Eisenbahnarbeitersyndikats betreffend ihre Stellung zur binden lassen konnte! Seitens der Kriminalschußleute werden, Frage des allgemeinen Ausstandes dahin, daß sie in Friedenszeiten wie uns von glaubwürdiger Seite mitgeteilt ist, die Arbeitswilligen für Dienstoerweigerung und Instichlassen der Arbeit und für den aufgefordert, sich so viel wie möglich mit Stöcken und dergleichen allgemeinen Ausstand seien. Sie beschlossen ferner, sich in Kriegszu versehen und mit denselben eventuell rücksichtslos gegen die zeiten dem Transport der Truppen an die Grenze zu widersetzen. Streifenden vorzugehen! Verhaftungen über Berhaftungen werden Wegen dieser Beschlüsse entließ die Eisenbahngesellschaft die Anborgenommen, und es dürfte schtverlich einen Streitenden geben, gestellten, welche die Befragung der Algerischen Sektion veranlaßt der noch nicht mindestens einmal zur Wache geschleppt hatten und denjenigen, der in der Versammlung der Sektion den worden ist. So müssen sich streifende Arbeiter, die sich einen Lohn Vorsitz geführt hatte. Um gegen diese Maßregelung zu protestieren, bon 22,50 M. pro Woche erringen wollen, die ihre Steuern ebenso erklärten die Arbeiter der Sektion den Ausstand. gut bezahlen müssen, wie jeder andere, behandeln lassen! Herrn D. Neumann, Rigdorf, Mainzer Straße, bestätigen wir, Saß er mit dem Unternehmer Berthold Neumann, Berlin, nicht wentisch ist, also Streitarbeit nicht verrichten läßt. Zur Einheitsorganisation. Verfammlungen. Erklärung. In Nr. 230 des Vorwärts" vom 1. Ottober 1908 steht unter Mit der Verschmelzung des Portefeuiller. und Sattler. Bericht vom Nürnberger Parteitage des 4. Wahlkreises eine Auss berbandes beschäftigt sich am Dienstag, 6. Oktober, im Gemert- führung des Genossen Krank, die im Widerspruch zu der Meinung schaftshaus, Saal I, eine außerordentliche Generalversammlung der Genossen des Kreises, speziell der 26. Abteilung, steht. Als des Portefeuillerverbandes. Das Versammlungslokal ist nicht wie feither bei Graumann, Naunynstr. 27, sondern: Saal I des Gewerkschaftshauses. Otto Näther. Stuttgart, 3. Oftober.( Privatdepesche des„ Vorwärts".) Genosse Otto Näther, den Berliner Arbeitern aus seiner früheren langjährigen Tätigkeit in der Reichshauptstadt befannt, ist heute hier gestorben. Die deutsch- englische Arbeiter- Verbrüderung. London, 3. Oktober.( W. T. B.) Der Ausschuß der Inter nationalen Schiedsgerichtsliga nahm heute eine Resolution an, in der die tiefe Genugtuung über das Ergebnis des kürzlichen Besuchs der Deputation der Liga in Berlin zum Ausdrud kommt. In der großartigen Aufnahme, die der Adresse der englischen Arbeiter durch die Berliner Gewerkschaften bereitet worden sei, sieht die Resolution den unumstößlichen Beweis für den Wunsch, beide Länder möchten deutschen Boltes beseele und vom englischen Bolte vollständig ge sich verstehen lernen, einen Wunsch, der die breite Masse des teilt werde. Die Resolution drückt ferner die Hoffnung aus, daß Versprechens, unaufhörlich für die Sache des internationalen Einin London bald die Erneuerung des feierlichen, in Berlin gegebenen bernehmens zu wirken, stattfinden und daß der Wunsch nach einer deutsch- englischen Entente schnell in Erfüllung gehen möge. Die Liga hoffe es einzurichten, den Besuch der deutschen Gewerkschaften in London im nächsten Frühjahr erwidern zu können. Arbeiterrifiko. Effen, 3. Oftober.( B. H.) Auf der Zeche" Ewald" bei Reffe erfolgte eine vorzeitige Sprengschußerplosion. Hierbei wurden zwei Arbeiter getötet. Altona, 3. Oktober.( B. S.) Heute vormittag ereignete sich auf dem hiesigen Bahnhofe Holstenstraße ein schwerer Unglüdsfall. Der Fensterputzer Beckmann tam aus Unvorsichtigkeit der Startstromleitung zunahe, die ihn sofort betäubte und das linke Bein in Flammen feste. Mit einem doppelten Schädelbruch, brennendem Bein und schweren Brandwunden an der ganzen linken Seite wurde Beckmann in das städtische Krankenhaus gebracht, wo ihm heute mittag das linke Bein amputiert worden ist. Toulon, 3. Oktober.( B. H.) Während der Wiederflott. machungsarbeiten des gefunkenen Dampfers" Admiral Duperré" ist der Taucher Dalte aus einer Höhe von 15 Metern in das Schiff gestürzt. Er erlitt hierbei am Kopf schwere Verlegungen und vers starb kurz nach seiner Einlieferung in das Hospital. New York, 3. Oktober.( B. H.) In Charlotte( North Caro lina) ist gestern eine Pulverfabrik in die Luft geflogen. Zehn Ars beiter wurden sofort getötet, eine Reihe anderer verlegt, darunter einige schwer. Das Fabrikgebäude ist völlig zerstört. Zur Zeit der Explosion befanden sich große Pulbervorräte in dem Gebäude. „ Väter". urteilte den Kohlenhändler Adolf Dietrich wegen schwerer Sittlich Altona, 8. Ottober.( B. S.) Die hiesige Straflammer ver teitsverbrechen, begangen an seiner eigenen 13jährigen Tochter, zu 18 Monaten Buchthaus und 3 Jahren Ehrverlust. Kammer den Tagelöhner Heinrich Ulbrich in Rüdingsheim wegen Gießen, 3. Oktober.( B. H.) Gestern verurteilte die Straf. Sittlichkeitsverbrechen, begangen an seinen 11. und 13jährigen Kin Dern, die er sogar mißbraucht hatte, als seine Ehefrau auf dem verlust. Totenbette lag, zu 5 Jahren Buchthaus und zu 10 Jahren Ehr. Amtsverbrechen. Amte hat sich gestern vor dem Schwurgericht ber 52 jährige Darmstadt, 3. Oktober.( B. S.) Wegen Unterschlagungen im Amte hat sich gestern vor dem Schwurgericht der 52 jährige Gemeinderechner Ludwig Rödelsberger aus Feubach im Odenwald zu verantworten gehabt. Der Fall liegt ähnlich wie der gestern berhandelte Fall Grebe. Der Angeklagte hat zunächst ein Gehalt von 700 M. bezogen. Die beruntreute Summe beträgt 8500 m. Die Geschworenen bejahten die Schuldfrage und billigten dem Angeklagten mildernde Umstände zu. Das Urteil lautete auf ein Jahr Gefängnis unter Anrechnung von drei Monaten Unterſuchungshaft. Bergiftet. Sirschberg, 3. Oktober.( W. T. B.) Der Bote aus dem Niesengebirge" meldet: In einem hiesigen Hotel vergifteten sich ein Mann und eine Frau in den 30er Jahren mit Morphium. Sie waren als Ehepaar Wossenh aus Berlin eingetragen. Der Mann ist tot, die Frau lieat im Sterben. Ein welterschütternder Beschluß. Washington, 3. Oktober.( Auf deutsch- atlantischem Rabel.) In der heutigen Schlußsizung nahm der Tuberkulosetongreß eine Resolution an, in der erklärt wird, daß die Vorsichtsmaßregeln gegen die Rindertuberkulose fortgesetzt werden sollen. Shklon. Paris, 3. Oktober.'( B. H.) Wie aus Martinique berichtet wird, richtete ein Zyklon in der dortigen Kolonie großen Schaden an. Mehrere Schiffe sind gesunken und viele Personen umgekommen. Der angerichtete Materialschaden beläuft sich auf mehrere Millionen. Sommerglut im Herbst. Liffabon, 3. Oktober.( B. H.) Infolge der andauernden Hize machen die städtischen Behörden bekannt, daß, wenn nicht bald Regen eintritt, der Verbrauch des Trinkwassers geregelt werden müsse. Genosse Krantz von der Genoffin Fahrenwald die gebührende Abfuhr bekam, verteidigte er in persönlicher Bemerkung seine Stellung damit, daß er nur die Meinung der Genossen seiner Gruppe zu vertreten gehabt habe. Für das Hilfspersonal im Gastwirtsgewerbe findet am Diens. Wir erklären demgegenüber, daß wir gegen eine solche Ers tag, 6. Cftober, nachts 12 Uhr, im Lokale von Engel, Seydelftr. 30, flärung energisch Protest einlegen, da von uns der Genosse Krank eine öffentliche Versammlung statt. Infolge des Kost- und Logis- weder autorisiert noch delegiert worden ist. Es könnte den Anwesens ist der Besuch von Bersammlungen gerade dieser Kategorie schein erwecken, daß die Gruppe im großen ganzen aus der Reihe von Arbeitern sehr erschwert, ja, fast unmöglich gemacht und sind sie tanzt, wollte sie diese Ansichten des Genossen Krank decken. damit der gewerkschaftlichen Aufklärungsarbeit entzogen. Die Im übrigen bitten wir den Genossen Krank, für die Zukunft Folgen sind: äußerst niedrige Löhne( monatlich 15,20 M. für Haus- den Mut zu haben, seine Ausführungen als seine persönlichen andiener sind durchaus nichts seltenes), eine Arbeitszeit bis zu zuerkennen und sich nicht hinter der Gruppe zu verschanzen. 20 Stunden täglich, schlechte Logis, miserable Verpflegung und eine Die Funktionäre der 26. Abteilung des 4. Kreises. menschenunwürdige Behandlung. Der Wechsel im Arbeitsver J. A.: Frizz Rockmann. Berantw. Rebatt.: Georg Davidsohn, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. London, 3. Oktober.( B. H.) Gestern wurden hier im Schatten 80 Grad Fahrenheit gemessen. Eine gleich hohe Temperatur ist, soweit die Statistik reicht, bisher im Oktober niemals zu verzeichnen gewesen. Zahlreiche Personen sind infolge der Hike erkrankt, meh rere sogar gestorben. Hierzu Beilagen, Hr. 233. 25. Jahrgang. 1. KeW des Joiniätts" Serlim WsdIM. i ä. fmz Cutzauer. Schon Bieber hat ber Tob einen alten braven Parteigenossen dahingerafft. Franz Tutzauer ist in einem Alter von 53 Jahren gestern früh einer Lungenentzündung erlegen. Vor etwa acht Tagen zog sich Tutzauer auf der Straßenbahn eine Erkältung zu, die ihn nötigte, das Bett aufzusuchen. Eine Lungenentzündung kam hinzu, und bereits gestern früh machte der Tod seinem Leben ein Ende. Der Verstorbene gehörte zu jener alten Garde der Partei, unter der der Tod in den letzten Fahren reiche Ernte gehalten hat. Geboren am 1l). März 1852 in Berlin, hat unser verstorbener Vorkämpfer von 1866 bis 1876 die Tischlerei erlernt, und dann bis zum Jahre 1877— nach altem Handwerksbrauch— Deutschland und die Schweiz durchwandert. Dabei lernte er im ersten Jahrzehnt der sozialdemokratischen Agitation in Düsseldorf, Hannover und Hamburg unsere Parteibestrebungen kennen und wurde bald ein begeisterter Verfechter der neuen Lehre. Bereits der Gothaer Einigungskongreh sah Tutzauer 1875 als Delegierten der Stadt Düsseldorf: und als dann das Sozialistengesetz mit seinen Ver- folgungen kam, gab er der Arbeiterschaft durch sein Wirken ein leuchtendes Vorbild echter Ueberzeugungstreue. Er kehrte nach Berlin zurück und wirkte hier, stets von der Ausweisung bedroht, auf schwierigstem Posten. Als die Arbeiterschaft nach den ersten Jahren der Unterdrückung sich wieder auf ihre Organisations- aufgaben besann, gründete Tutzauer 1886 mit Berufskollegen den Fachverein der Tischler in Berlin und blieb bis zum Jahre 1883 erster Vorsitzender dieser Gewerkschaft. Ganz besonders eifrig aber beteiligte sich der Verstorbene an der politischen Be- wegung. Das war in der damaligen Zeit, in der jeder, der nur halbwegs merkbar für die Sozialdemokratie wirkte, von der Aus- Weisung bedroht war, eine schwere Aufgabe. Bei den Reichstags- Wahlen 1884 und 1887 kandidierte Tutzauer im ersten und zweiten Wahlkreise, Ende 1885 trat er in die Redaktion des„Volksblattes". des späteren„Vorwärts", ein, für Vereins- und Versammlungs- Wesen verantwortlich zeichnend, wo er bis 1888 blieb. Als die Berliner Genossen im Jahre 1883 in eine wirksame Agitation für die Stadtverordnetenwahlen eintraten, war der Genosse Tutzauer einer derjenigen, die mit aller Wärme und mit allem Eifer die Berliner Arbeiter für die kommunale Tätigkeit zu interessieren suchten. Das erste Kommunalprogramm begründete Tutzauer in einer zu diesem Zwecke einberufenen großen öffentlichen Versammlung. Das Resultat dieser Be- mühungen blieb nicht aus. Am 13. Oktober 1883 wurden die ersten Sozialdemokraten von den Berliner Genossen in den Personen der Genossen Singer und Tutzauer ins Rote Haus entsandt. Dort wirkte unser verstorbener Freund nach Kräften für die Jnter. essen der arbeitenden Klasse bis zum Jahre 1862, in welchem Jahre er sein Mandat niederlegte. Die Beteiligung mehrerer sozial» demokratischer Stadtverordneten an der Beerdigung des in Ar- beiterkreisen verhaßten Oberbürgermeisters Forckenbeck hatte in den Kreisen der Parteigenossen Mißbilligung gefunden und ver- anlaßte die Stadtverordneten Höhne. Sabor und Tutzauer zur Niederlegung ihrer Mandate. Von dieser Zeit an trat Tutzauer von seiner Berliner Tätigkeit etwas zurück. Trotzdem wirkte er fortgesetzt im allgemeinen Parteiinteresse, wozu ihm vor allem seine Tätigkeit als Reichstagsabgeordneter mehr wie genug Gelegenheit gab. Tutzauer war im Jahre 1896 von den Breslauer Genossen in den Reichstag entsandt worden und bertrat den Kreis Breslau-Ost bis zum Jahre 1966. Bei der Neuwahl unterlag er den vereinigten Feinden. Eine recht nützliche Tätigkeit im Interesse der Arbeiter hat der Verstorbene in der Gewerbedeputation ausgeübt, der er viele Jahre bis heute angehörte. Seine Kenntnis des Jnnungswesens kleines feuilleton. Die grosse Flut in Indien. Von der furchtbaren Ueberschtvem- mungskatastrophe, die so jäh über die blühenden volkreichen Distrikte von Haiderabad hereingebrochen ist, Städte und Dörfer zerstört, die Fluren verwüstet und ein arbeitsames Volk in wenigen Stunden in bittere Verzweiflung gestürzt hat, werden aus Kalkutta jetzt weitere Einzelheiten gemeldet. Sie lassen erkennen, daß es eine der grausigsten Heimsuchungen ist, von der das schon so oft von der Pest und der Hungersnot befallene Indien betroffen wurde. Im Nizan-Distrikt, einem Gebiete von 443 666 englischen Quadrat- meilen, mit einer Bevölkerung von mehr als elf Millionen Menschen, dehnen sich eine Reihe großer Seen und gewaltiger Wasserbecken, von denen manche zwei Meilen und länger sind. Eines der größten von ihnen steht mit dem Musi-Flusse in Ver- uindung, der seine Fluten, nordwestlich der Stadt Haiderabad vor- überströmend, dem Golf von Bengalen zuführt. Ein mit außer- gewöhnlicher Heftigkeit einbrechender Monsun brachte so gewaltige Regenmassen, daß der See überflutete und plötzlich seine Wasser- mengen in den Fluß ergoß. In kurzer Zeit hatten die heulenden Wogen die Ufer überflutet, die Dämme gesprengt, und eine ge- waltige, mehr als 26 Fuß hohe Flutwoge brach rauschend und donnernd über die unglückliche Stadt Haiderabad herein. Die Verwüstung war furchtbar. Ganze Häuser hoben sich und stürzten krachend zusammen, Dächer wurden fortgeschwemmt, dicke Stein- mauern umgedrückt und in wenigen Minuten war die Stelle, wo kurz vorher noch 166666 Einwohner friedlich lebten, ein wüster wirrer Trümmerhaufen. Unter den Schutt- und Schlammassen lagen hunderte und tausende unglücklicher Jndier begraben, während unabsehbare Scharen entsetzenerfüllter Flüchtlinge, in wirrer Panik verzweifelt, vor den Wassern sich zu retten suchten. Die f lut ist jetzt abgelaufen, ein wüstes Chaos von Ruinen und Schlamm ezeichnet die Stätte, an der die Leidenschaft des Elementes ge- wütet. Die ersten Aufräumungsarbeiten haben bereits begonnen und erschütternde Szenen spielen sich auf dem Unglücksfelde ab. Schrecklich entstellte, aufgeschwollene Menschenleichen ragen hier und dort aus dem Schlamm empor, Tierkadaver liegen umher, und ein gräßlicher Geruch von Sumpf und Verwesung liegt wie eine schwere Wolke schwül und dumpfig über dem Ganzen. Die Ueber- lebenden sind zurückgekehrt, und mit starren Blicken klettern sie über Trümmer und Ruinen, um die Stätte wiederzusehen, die einst ihr Besitz war. Verzweifelte Mütter suchen nach den Leichen ihrer Kinder. Hier eilen Männer und Frauen über die Mauerreste, vorüber an den schmerzentstellten Leichen kleiner Kinder, und da- zwischen tauchen die Gestalten der englischen Beamten und Sol- daten auf, die unermüdlich am Werke sind, die toten Reste zu bergen, um so die Gefahr einer Epidemie zu verringern. Mit Elefanten werden einzelne noch in die Lüfte ragende Mauerreste, die einzustürzen drohen, niedergerissen. Die Flut hat sich mitten durch die Stadt von Norden nach Süden einen furchtbaren Weg gebahnt und ein fast drei Kilometer breiter Streifen bezeichnet die Richtung, den das Verderben genommen. Ueber die Zahl der Opfer sind genaue Nachrichten noch nicht zu erlangen. Mehr als 1666 Leichen sind bereits geborgen, aber sie stellen nur einen kleinen Bruchteil der Unglücklichen dar, die die Katastrophe nicht überlebt habe» und deren Zahl ruf 16 666 geschätzt kam ihm hier sehr zustatten, und in zahlreichen Fällen verteidigte et die Arbeiter gegen innungsfeindliche Maßnahmen. Noch in der letzten Sitzung der Gewerbedeputation hat et in wirksamster Weise sich für den Achtuhrladenschluß eingelegt, dessen Ein- führung ohne jede Ausnahme er energisch forderte. Die Berichte, die wir über diese Sitzungen in unserem Blatte veröffentlichten, stammten aus TutzauerS Feder, so daß wir in ihm auch einen gewissenhaften Mitarbeiter verlieren. In seinem privaten Leben blieb der Verstorbene der Prole- tarier, als der er in jungen Jahren ins Parteileben eintrat. Ein Möbelgeschäft, das er in den neunziger Jahren gründete, blieb für Tutzauer eine Quelle steter Sorgen und Entbehrungen; ein Wirkungsfeld, das seinen Anlagen besser entsprach, fand er 1961 als Vorstandsmitglied der Berliner Konsumgenossenschaft. Wenn die Sonfumvereinsbewegung auch in dem steinigen Boden Groß- Berlins in den letzten Jahren endlich Wurzel geschlagen hat, so ist das zum Teil der Tätigkeit Tutzauers mit zuzuschreiben. Die deutsche Sozialdemokratie wird in ihm einen der Männer ehren, die den harten Kampf mit dem Bismärckischen Partei- regiment zu einem siegreichen Ende führen halfen; insbesondere wird aber die Arbeiterschaft der beiden größten preußischen Städte, Berlin und Breslau, das Andenken an unseren Toten stets in Ehren halten l » Die Beerdigung des verstorbenen Genossen Tutzauer findet am Dienstag, den 6. Oktober, nachmittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle der Freien Gemeinde in der Pappel-Allee aus statt. Karl Marx und die Melterblldung. Im neuesten Heft der„Neuen Zeit" schreibt Genosse K. Kautsky in einem Artikel„Einige Feststellungen über Marx und Engels", im ersten Teil„Marx": „Wie früher schon so oft, haben auch bei den jüngsten Partei- diskussionen die Gegner der Marxisten uns durch Berufungen auf Marx und Engels zu schlagen versucht. Zwei derartige Berufungen seien hier näher betrachtet, da sich deren Haltlosigkeit nicht ohne weiteres ergibt. Die eine geschah auf dem Nürnberger Parteitag bei der Dis- kussion über die Parteischule. Von Eisner wurde im Anschluß an einen Artikel Maurenbrechers der Satz verteidigt, die Arbeiter- bildung habe darin zu bestehen, den Arbeitern die wichtigsten Einzeltatsachen namentlich der Geschichte beizubringen, dagegen sei es geradezu schädlich, sie mit den großen Zusammenhängen in Ge- schichte und Oekonomie, mit materialistischer Geschichtsauffassung und Werttheorie bekanntzumachen. Die könnten sie ja doch nicht verstehen. Die Arbeiterbildung sollte also in der Weise jener Uni- versitätsbildung betrieben werden, die Mephisto so fein verspottet: Wer will was Lebendiges erkennen und beschreiben, Sucht erst den Geist herauszutreiben. Dann hat er die Teile in seiner Hand» Fehlt leider! nur das geistige Band. Dem Proletarier sollten seine Lehrer nur die Teile in die Hand geben, das geistige Band aber für sich behalten. Man soll Arbeitern bloß Geschichten erzählen, nicht aber sie in Wissenschaft- liches Denken einführen. Andererseits meinte Maurenbrecher, der Unterricht in den Parteischulen habe den Arbeitern nicht Theorie, sondern Ent- schlossenheit und Willenskraft beizubringen.. Dazu solle man ihnen große Taten und die Schicksale starker Männer, Lassalles, Napo- leons, Friedrichs II., Bismarcks usw. vorführen. Darüber liehe sich natürlich sehr viel sagen. Wir sind der An- schauung, daß den Proletariern Entschlossenheit und Willenskraft durch die Kämpfe des Lebens beigebracht werden. Wer sie daraus nicht gewinnt, den werden ein paar Biographien auch zu keinem Helden machen. Was den Arbeitern fehlt, was ihnen das Leben nicht beibringt, das ist die Erkenntnis ihrer Stellung in der Gesell- schaft und ihrer daraus erwachsenden historischen Aufgaben, das ist also die„Theorie". Theater. SizilianischeS Gastspiel. Vor etlichen Jahren trat in Rom eine bescheidene sizilianische Schauspielertruppe in einem kleinen Theater auf, die in ihrem auch für die übrigen Italiener schwerverständlichen, an Gutturallauten reichen Dialekt dramatisierte Begebenheiten ihrer Heimat aufführte. Man sah da blutige Dramen aus dem Schwefelgebiete, in denen die gedrückten Arbeiter Rache nahmen an den Herren und ihren Mittelspersonen. Als Kunstwerke kamen sie nicht in Frage, aber sie befriedigten das ethnographische Interesse in starkem Maße. Man ge- wann Einblicke in Menschen und Verhältnisse, die auch dem Normalitaliener unbekannt waren. Eine besondere Welt tat sich aus, die ebenso beftemdend anmuten mochte, wie die Eindrücke, die unsere Leser aus der Lektüre des Romans Mafia davon gewonnen haben mögen. Daneben reizte aber auch die natürliche schau- spielerische Begabung, die diesen ersten sizilianischen Dialektdarstellern eigen war, und ihr stark naturalistisches Spiel. Es war also eine Art Schlierseer Bauerntheater, nur daß statt der sentimentalen eine leidenschaftliche Note vorherrschte und daß die rein ethnographische Seite der Tänze usw. fehlte und keine Gartenlauben- sondern eher Kolportageromane den Stoff boten. Die sizilianische Truppe erweckte in Italien ein gewisses Interesse und, was ein Fehler aller dieser Spezialtruppen ist, ging dauernd auf Gastspiele. Grasso, einer ihrer ersten Kräfte, wurde ihr Manager und ihre Hauptattraktion. Italien wurde bereist, und dann kam Paris und London an die Reihe. Nun ist die Gesellschaft, mit allem journalistischen Tamtam umklingelt, im ehemaligen Wolzogen-Theater in der Köpenicker Straße eingekehrt. Das gleichgültige Volk, das als Vertreter der Weltstadt Berlin bei der- artigen Festlichkeiten unvermeidlich zu sein scheint, hat in einer Vor- stellung vor geladenem Publikum die Gäste gefeiert und die italieni- scheu Landsleute haben sie wacker beklatscht. Berlin WW., das für alles Exotische mit schwarzem Haar besonderes Interesse bekundet und die italienischen Hotelausdrücke von agua bis vino beherrscht, hat Beschäftigung für seine stets wachen Vildungsinteressen. Und die bildungstrunkenen Größen des Feuilletons haben eine sehr schöne Gelegenheit„im Glanz einer Kuhhirtenintelligenz zu strotzen", mit welchen treffenden Worten einer von ihnen diese ganze Literatur porträtiert, während et doch nur den einen der Darsteller damit charakterisieren will. So erfahre es denn, Berlin, daß der Aetna in Sizilien liegt und Feuer speit und daß Herr Grasso dasselbe tut < Theorie des Milieu). Daß der Sikuler(lies: Sizilianer) einen breiten Dialekt hat(was ein Schwindel ist) und daß seine Vorfahren einen großen Sklavenaufstand und die sizilianische Vesper veranstaltet haben. Was dergleichen Brockhausweisheit mit diesem Gastspiel zu tun hat, möge einer wissen. Soviel steht fest, daß solche Gastspiel- truppen nie ein getreues ethnographisches Bild ihrer Heimat geben (man denke an die Oberbayern). Zudem weiß man gar nicht, wieviel Mitglieder dieses Gastspiels wirklich Sizilianer sind.(Gesprochen wurde gewöhnliches Italienisch mit einigen sizilianischen Anklängen.) Und aufgeführt wurde ein dem Spanischen entnommenes Stück (Feudalismo), das an die ärgsten Rühr- und Schauerdramen unserer Schmieren erinnert. Also auch nichts SizilianischeS. Doch darauf kommt es ja nicht an. Aber es schien mir notwendig, ein- mal auf den Humbug hinzuweisen,- der mit Völkerpsychologie ge- trieben wird. Aber diese Frage wollen wir jetzt nicht weiter erörtern, wir wollen uns nur den Zeugen ansehen, auf den Eisner sich berief. Hätte er sich auf den Pfarrer Naumann gestützt, so wäre das voll« kommen berechtigt gewesen. Eben jetzt veröffentlicht dieser in der „Neuen Deutschen Rundschau" einen Artikel, in dem er genau wie Eisner und Maurenbrecher erklärt, den Proletariern brauche von der Sozialdemokratie nicht ökonomische Erkenntnis beigebracht zu werden, sondern ein starkes Wollen. Das heißt mit anderen Worten, das, was man die Arbeiter lehren müsse, sei nicht wissen« schaftlicher Sozialismus, sondern Gefühlssozialismus. Daß die für das Proletariat nötige ethische Erhebung und Er« bauung ihm am besten durch die Biographien hervorragender Männer eingeflößt werden, dieser Gedanke liegt den theologischen Doktoren des Nationalsozialismus sehr nahe. Gerade von dieser Auffassung ließen sich die christlichen Propagandisten bei der Nieder- schrift der Evangelien und sonstiger erbaulicher Legendensamm- lungen leiten. Aber freilich wäre Eisner ausgelacht worden, hätte er Friedrich Naumann herangezogen. Er berief sich vielmehr auf Karl Marx, auf den Mann, der mehr als jeder andere dahin gewirkt hat, aus den Köpfen der Proletarier den Gefühlssozialismus durch wissen« schaftlichen Sozialismus zu verdrängen. Seine famose Auffassung glaubt Eisner zu stützen durch einen Marxschen Satz, in dem bemerkt wird, die Arbeiter, wenn sie die Arbeit aufgäben und Literaten würden, richteten theoretisch stets Unheil an. Für die Frage der Arbeiterbildung ist dieser Satz freilich be- langlos. Es steht hier kein Wort davon, daß die Arbeiter unfähig seien, den historischen Materialismus und die Werttheorie zu ver- stehen. Er wendet sich bloß dagegen, daß Arbeiter„Literaten von Profession" werden. Immerhin könnte er zu falschen Auffassungen Veranlassung geben, es ist daher gut, seinen wahren Sinn aus dem Zusammenhang, in dem er steht, festzustellen. Marx schrieb den Satz in einem Briefe an Sorge am 19. Oktober 1377.*) Damals begann in die deutsche Sozial- demokratie ein Geist einzudringen, der Marx sehr besorgt machte. Ideen machten sich in unseren Reihen breit, die dann das Sozia- listengesetz wegfegte, die aber nach dessen Ueberwindung im Revt- sionismus ihre Auferstehung feierten. Höchberg predigte zu jener Zeit einen„ethisch-ästhetischen" Sozialismus, Schäffle, Dühring und andere akademische Lehrer gewannen Einfluß auf die Ar- beitermassen durch Vermittelung einzelner Parteigenossen, Arbeiter, die, ohne gründliche Vorbildung, bloß auf ihre Intelligenz, ihr starkes sozialistisches Empfinden und ihre Federgewandtheit ge- stützt, zu Berufsschriftstellern geworden waren und nun jeder neuen sozialistischen Erscheinung, jeder neuen Mode haltlos gegenüber« standen, dabei aber durch ihre unleugbaren literarischen und agita- torischen Fähigkeiten Einfluß auf die Massen gewannen und so in diesen anstatt Klarheit und Einheitlichkeit Verworrenheit und Ver- wirrung säten. Am meisten machte sich in dieser Beziehung Johann Most bemerkbar. Darüber schrieb Marx? „In Deutschland macht sich in unserer Partei, nicht so sehr unter den Massen als unter den Führern(Höherklassigen und „Arbeitern") ein fauler Geist geltend. Der Kompromiß mit den Lassalleanern hat zum Kompromiß auch mit anderen Halbseiten(?) geführt, in Berlin(siehe Most) mit Dühring und seinen„Bewunderern", außerdem aber mit einer ganzen Bande halbreifer Studiosen und überweiser Doktors, die dem Sozialismus„höhere ideale" Wendung geben wollen, das heißt die materialistische Basis, die ernstes objektives Studium erheischt, zu ersetzen suchen durch moderne Mythologie, mit ihren Göttinnen der Gerechtigkeit, Freiheit, Gleichheit und Fraternits(Brüderlichkeit). Herr Dr. Höchberg, der die„Zu- kunft" herausgibt, ist ein Vertreter dieser Richtung und hat sich in die Partei„eingekauft"— ich unterstelle mit«den edelsten" Absichten, aber ich pfeife auf„Absichten". Etwas Miserableres als sein Programm der„Zukunft" hat selten mit mehr„beschei- dener Anmaßung" das Licht erblickt. *) Briefe und Auszüge von Briefen von I. Ph. Becker, I. Dietzgen, F. Engels, K. Marx und andere an F. A. Sorge. S. 158 ff. Zweifellos verfügt die Truppe über eine Reihe guter Darsteller, die sich in Dramen von größerer Naturwahrheit und bei schlichterem Spiel(sie haben outrierte Gastspielgewohnheiten) noch viel besser bewähren würden. Sie haben das ausgeprägte Mienen- und ge- steigerte Gestenspiel wie alle Südländer, sie kreischen und singen falsch wie die meisten Italiener, und sie haben die Vorliebe für schöne Rhetorik und wirksame Posen, die wir auf unserem Theater nicht mehr lieben. Es wäre falsch, diese begabten Schau- spieler nach diesem ersten Eindruck, der infolge des fürchterlichen Stückes mit seinen Tränenorgien und krassen Wüstheiten ein ge- trübter war, beurteilen zu wollen. Aber das eine mutz gesagt werden: Grasso, ihr gefeierter Mann, hat bei allen Talenten für unseren Geschmack unleidliche Gewohnheiten eines ersten Tenors. der Arien singt, und trotz aller barbarischen Wildheit und Feuer- fresserei starke Neigung zur Unnatur. Daß in alledem Kraft und Größe liegt, ist unbestreitbar, aber sie müßte gebändigt und künst« lerischen Zwecken dienstbar gemacht werden. Ja, wenn diese ver- fluchte Gastspielerei und der exotische Zauber nicht wärel— r. Notizen. — Die Nene Freie Volksbühne hat seit Eröffnung ihres neuen Spieljahres einen Zuwachs von 19 666 auf 26 666 Mit- glieder zu verzeichnen. Die Zahl der Abteilungen mußte auf 31 er« höht werden. Neuaufnahmen können im lausenden Spieljahr nur noch vereinzelt stattfinden.— Die neueingerichteten Leseabende werden jeden Mittlvoch abend abgehalten. Die nächsten Abende sind Fontane, Storm, Reuter Maupassant, Keller, Hehse gewidmet. — Musikchronik. Sonntag, den 11., mittags 12 Uhr, findet im Schiller-Theater- Charlottenburg das erste diesjährige Sonntagskonzert statt. — Vorträge. Der Monistenbund veranstaltet am Mon- tag 8'/« Ubr im Bürgersaal des Rathauses seinen ersten Winter« Vortrag. Pastor Baars aus Vegesack spricht über„die neue Moral". — D i e Z e n s u r w a ch t, d. h. sie verbietet dann und wann ein Theaterstück, um dem Lande ihre fortgesetzte Ueberflüssigkeit und Schädlichkeit zu beweisen. Indem sie funktioniert, untergräbt sie erfreulicherweise ihre eigene Existenz. Sie ist insofern mephistophe« lischer Art, als sie im bösen Wollen das Gute schafft. Im übrigen hat die Zensur natürlich mit diesem Geiste oder mit irgend welchem anderen nichts zu tun. Also: verboten wurde dem Berliner Theater die Aufführung der Komödie„Nur ein Traum" von Lothar Schmidt. Das Drama soll eine scheinbar viereckige Konstellation enthalten, die sich aber bei näherem Zusehen als„ein Traum" er« weist. Die kgl. preußische Zensurmoral gestattet dergleichen also nicht einmal im Traum. — Altägyptischer Silberschmuck auf der Insel Oeland. Ein interessanter Fund, der in daö Reichsmnseum zu Stockholm gelangen soll, wurde auf der Insel Oeland(Schweden) beim Bau der Eisenbahn von Järnsjö nach Gardslösa gemacht. Etwa dreißig Zentimeter tief in der Erde fand man verschiedene schöne Silberarbeiten, zwei große ornamentierte Schildbuckel, fünf Arm- und Beinringe und eine etwa meterlange Kette, die aus groben Gliedern mit ziselierten Krokodilköpfen besteht. Die Gegenstände wiegen zusammen etlva 2V3 Kilogramm. Nach dem„Globus" wird angenommen, daß der Fund ägyptischen Ursprungs ist. Wie viele koptische und arabische Münzen, die man gefunden hat, beweisen, ging die alte Handelsstraße über die Inseln Gothland und Oeland. Die Arbeiter selbst, wenn sie, wie Herr Most und Konsorten, die Arbeit aufgeben und Literaten von Profession werden, stiften stets„theoretisch" Unheil an und sind stets bereit, sich an Wirr» köpfe aus der angeblich„gelehrten" Kaste anzuschließen." ES gehört eine eigenartige Auffassungsgabe dazu, in diesen Sähen ein Plädoyer dafür zu sehen, daß die Aufklärung des Prole» tariats bei denen, die ihm„moderne Mythologie" beibringen wollen, besser aufgehoben sei als bei jenen, die sichs zur Aufgabe stellen, ihm das Verständnis der„materialistischen Basis, die ernstes objek. tiveS Studium erheischt", zu erschließen. Von einer Warnung vor theoretischer Aufklärung des Proletariats ist hier keine Spur zu finden, sondern nur eine Warnung davor, daß die Arbeiter zu «Literaten von Profession" werden, die über alles und jedes ohne gründliche Vorbildung schreiben, da sie sich dann nur zu leicht von jedem„Wirrkopf aus der gelehrten Kaste", der den Doktor- oder gar Prosessortitel trägt, imponieren lassen, was aber bei ihrem Ein- fluß in oer Partei nicht bloß die Jnfizierung ihrer Person, sondern auch die weiter Proletarierschichten mit bürgerlicher Konfusion be- deutet. Wie wenig Marx mit diesem Satze sagen wollte, daß die Ar- beiter sich nicht mit ökonomisch-historischer Theorie oder deren Pro» pagicrung beschäftigen sollten, daß sie dazu nicht fähig seien, das weiß jeder, den die große Ehrfurcht vor der Wissenschaft nicht ge- hindert hat, den Schriften von Marx näherzutreten. So schrieb er zum Beispiel in seinem„Nachwort" zur 2. Auflage des„Kapital", S. K14(L4. Januar 1873, vier Jahre vor seinem Briefe an Sorge): „Das Verständnis, welches das„Kapital" rasch in weiten Kreisen der deutschen Arbeiterklasse fand, ist der beste Lohn meiner Arbeit. Ein Mann, ökonomisch auf dem Bourgeoisstandpunkt, Herr Meyer, Wiener Fabrikant, tat in einer während des deutsch-fran- zösischcn Krieges veröffentlichten Broschüre treffend dar, daß der große theoretische Sinn, der als deutsches Erbgut galt, den söge- nannten gebildeten Klassen Deutschlands durchaus abhanden ge- kommen ist, dagegen in seiner Arbeiterklasse neu auflebt." Wie weit entfernt Marx von der Meinung war, die Arbeiter sollten sich nicht mit ökonomischer Theorie beschäftigen/solche nicht lehren und nicht darüber schreiben, dafür sei nur eine bezeichnende Tatsache vorgebracht. Im Jahre 18S0 veröffentlichte der Schneider EccariuS einen Artikel über„Die Schneiderei in London oder der Kampf des großen und des kleinen Kapitals" in der von Marx und Engels herausgegebenen„Revue der Neuen Rheinischen Zeitung". Die Redaktion begleitete den Artikel mit folgender Anmerkung: „Der Verfasser dieses Artikels ist selbst Arbeiter in einem Londoner Schncidershops. Wir fragen die deutschen Bourgeois, wie viele Schriftsteller sie zählen, die fähig wären, in ähnlicher Weise die wirkliche Bewegung aufzufassen? Ehe das Proletariat seine Siege auf Barrikaden und in Schlachtlinien erficht, kündigt es die Ankunft seiner Herrschaft durch eine Reihe intellektueller Siege an. Der Leser wird bemerken, wie an die Stelle der sentimen- taten moralischen und psychologischen Kritik, wie sie Weitling und andere schriftstellerndc Arbeiter geltend machten gegen die be- stehenden Zustände, hier eine rein materialistische und freiere Auffassung, von keinen GemütSmucken gestört, der bürgerlichen Gesellschaft und ihrer Bewegung gcgenübertritt"(ö. und ö. Heft. S. 128). Auch hier finden wir wieder eine Spitze gegen„schriftstellernde Arbeiter", aber hier zeigt sichs deutlich, daß Marx gegen die Be- schäftigung der Arbeiter mit der ökonomischen Theorie und deren Verfechtung in der Presse nicht nur nichts einzuwenden hatte, son- dern sogar erwartete, die Arbeiter könnten auf diesem Gebiete die Bourgeoisie schlagen. Er wendet sich bloß gegen jene schrift- stcllcrnden Arbeiter, die sich das Studium der materiellen Wirk- lichkeit durch„sentimentale moralische und psychologische"— heute würden wir sagen ethisch-ästhetische— Kritik zu ersparen suchten. Gerade das Beispiel von EccariuS beweist, daß Marx seinen persönlichen Einfluß nicht dazu aufbot, Arbeiter vom Studium der ökonomischen Theorie und von der Zeitungsschreiborei abzuhalten, sondern daß er sie dazu vielmehr aufmunterte, wobei er allerdings suchte, ihnen die nötige solide theoretische Grundloge beizubringen. Der Schneider EccariuS selbst gab 1888 eine theoretische Unter- fuchung heraus,„Eines Arbeiters Widerlegung der nationalökono- mischen Lehren John Stuart Mills". In der Vorrede kommt er auf seinen eben erwähnten Artikel zu sprechen und bemerkt weiter: „Derselbe Artikel öffnete mir die Spalten der englischen Arbeiterzeitungen, und ich habe seitdem meine Mußezeit Haupt- sächlich damit zugebracht. Zeitungsartikel für Arbeiterzeitungen zu schreiben. Ob meine literarischen Arbeiten stets der Meinung entsprachen, welche die Redaktion der„Neuen Rheinischen Hei- tung" im vorstehenden kundgibt, muß ich anderen zu beurteilen überlassen. Durch die persönliche Arcundschaft und den Umgang mit Karl Marx wurde meine Aufmerksamkeit vorzugsweise auf die politische Oekonomie gelenkt"— und nicht etwa auf die Biographien Friedrichs II. und Napoleons. In der Tat, politische Oekonomie, das ist das A und O eines jeden, der den proletarischen Klassenkampf wissenschaftlich begreifen und nicht etwa bei sentimentaler moralisch-pfychologischer Kritik stehen bleiben will. ES gibt aber keine politische Oekonomie ohne Werttheorie. Ein Lehrer des Proletariats, der diese für seine Schüler beiseite lassen will, beweist damit, daß er selbst von poli» tischcr Oekonomie keine Ahnung hat. Eisner ereiferte sich über einen Schüler der Parteischule, der sich herausgenommen hatte, einen Kursus von zwanzig Vorträgen über die Werttheorie zu halten. Ich kenne diese Vorträge nicht und habe kein Urteil über sie. Aber so ungeheuerlich erscheint eS mir keineswegs, daß ein Arbeiter zwanzig Vorträge über die Wert- theorie hält. Eng mit dieser verbunden ist die Theorie des Mehr- Werts, des absoluten und relativen Mehrwerts. Die Lehre vom absoluten Mehrwert umfaßt die Kapitel vom Arbeitsprozeß und vom Arbeitstag. Die Lehre vom relativen Mehrwert umfaßt das Verhältnis zwischen Arbeiter und Maschine, Frauenarbeit, Kinder» arbeit. Endlich umfaßt die Werttheorie die Lehre vom Wert und Preis der Arbeitskraft, die Theorie d«S Arbeitslohnes, Zeitlohn, Stücklohn, nationale Verschiedenheit der Arbeitslöhne. Und über alles das soll ein Arbeiter nicht fähig sein, zu sprechen und zwanzig Vorträge darüber zu halten? Und alles das soll für die Auf- klärung der Arbeiterschaft von keinem Belang sein, dagegen un- entbehrlich die Biographien einiger Staatsmänner und Feldherren? Sollten sich durch die Ausführungen EiSner» und Mauren- brechers einige Genossen abgeschreckt fühlen, der Werttheorie näher- zutreten, hinter der sie ein geheimnisvoll«? unentwirrbares ChaoS leeren Spekulierens ohne praktische Bedeutung vermuten, so werden diese Zeilen vielleicht beitragen, ihnen zu zeigen, welche große Be- deutung nicht nur für ihr Denken, sondern auch für ihr praktische? Verhalten die Werttheorie hat, wie sie den Leitfaden bildet, ohne den sie sich unmöglich mit Sicherheit zurechtfinden in den Verhält- nissen, die sie täglich und stündlich umgeben." Der nürnberger Parteitag In den Organisationen. Erklärung. In der Münchener Versammlung, die sich mit dem Nürn- berger Parteitage beschäftigte, hat der Genosse Müller die bereits in Nürnberg als unwahr zurückgewiesene Behauptung wiederholt, wonach ich eine Besprechung zwischen einer Anzahl süddeutscher Genossen und dem Parteivorstande und der Kon- trollkommission kurz abgebrochen haben soll, unmittelbar nachdem Genosse Seilitz Aenderungsvorschläge für die dem Parteitage vorgelegte Budgetresolution gemacht hat. Obschon diese Dar» stellung bereits in Nürnberg als falsch und irreführend ge» kennzeichnet wurde, bin ich durch die von dem Genossen Müller in München erfolgte Wiederholung zu einer nochmaligen Richtig stellung gezwungen. Der Sachverhalt ist folgender: Nach stundenlangen Erörterungen über die Sache machte Genosse Segjß Vorschläge zur Abänderung, deren Aw nähme die in der Resolution zum Ausdruck gebrachte grundsätzliche Auffassung vollkommen beseittgt haben würde. Auf meine ausdrückliche Frage, ob jemand zu diesen Vorschlägen das Wort wünschte. meldete sich niemand und erst nach Minuten langer Pause erklärte ich. daß wir dann mit der Besprechung zu Ende wären und fügte als meine per sönliche Ansicht hinzu, nach meiner Meinung böten die Segitzschen Vorschläge keine Basis für eine Verständigung, wobei ich mich genau, wie das Segitz vorher von seinem Standpuntt aus getan, dahin aussprach, daß volle Klarheit in der Frage geschaffen werden müsse und eine „Verkleisterung" nichts nutze. Ferner ist die Behauptung des Genossen Müller unwahr, die Resolutton sei ferttg nach Nürnberg mitgebracht worden. Die Resolution ist erst in Nürnberg vom Vorstand entworfen und nach langer und eingehender Beratung mit der Kontrollkomniission festgestellt worden. Dabei wurde ausdrücklich vereinbart, daß die Resolution vor ihrer Einbringung dem Genossen Bebel vor- gelegt werden solle, um ihm Gelegenhett zu geben, seine Meinung zur Geltung zu bringen. Das ist geschehen und Genosse Bebel hat die Resolution, ohne Abänderungsvorschläge zu machen, gutgeheißen und auf dem Parteitag vertreten. Ueber die geschmackvolle Art, Aeußerungen aus vertraulichen Verhandlungen zu fruktifizieren, und den ebenso geschmack- vollen Versuch, zwischen dem Genossen Bebel und den anderen Vorstandsmitgliedern und der Kontrollkommission zu differenzieren, enthalte ich mich jedes Urteils. Paul Singer. ... In Fürth wurde am Mittwoch die Diskussion über die Budget» frage fortgesetzt. Die Gegner der Budgetbewilligung legtm neuer- ding? ihren Standpunkt dar. Sie wendeten sich auch gegen die Erklärung der 86 und legten eine Resolution vor. die die strikte Beachtung und Einhaltung der Partei- tagSbeschlüsse erwartet.— Von einem Redner wurde erklärt, die süddeutschen Abgeordneten hätten sich auf dem Partei- tage gar nicht an der Abstimmung über die verschiedenen Resolutionen zu dieser Frage beteiligen dürfen. Andere Redner erklärten ihr Einverständnis mit der Zustimmung zum Budget sie sprachen aber die Meinung aus, daß nunmehr dem solange nicht wieder zugestimmt werden dürfe, als bis in dieser Frage auch bei der Mehrheit der Partei eine andere Auffassung Platz gegriffen habe. Gegen diese Einschränkung wendete sich eine dritte Gruppe von Rednern. Dieser Meinung, schloß sich die große Mehrheit der Versammlung an. Es wurde eine Resolution angenommen, die sich mit den Be« schlüssen des Parteitages einverstanden erklärt, aber die An- nähme der Borstandsresolution bedauert. Die Tätigkeit der Landtagsabgeordneten müsse der Kontrolle d e r L a n d e S o r g a n i s a ti o n e n überlassen bleiben. Deshalb wird die Erklärung der 88 gebilligt und nachdrücklich die Erwartung ausgesprochen, daß damit der unleidige Budget st reit erledigt und die Partei in ihrer gemeinsamen Arbeit unter den jetzt besonders schwierigen Verhältnissen nicht weiter gestört werde. * Im Sozialdemokratischen Verein Bahre rith griff der Genosse R o s e n w a l d die bayerische sozialdemokratische LandtagSftaktion wegen der Zustimmung zum Finanzgesetz scharf an. Gausekretär Walter trat ihm entgegen. In der sehr lebhaften Debatte stellte sich die Mehrzahl der Redner auf die Seite der Fraktion. m•* In Erlangen erklärte sich eine Parteiversammlung einst i m m i g für eine Resolution, in der die Budgetbewilligung für eine Frage der Taktik erklärt wird, die deshalb in der K o m- petenz der einzelnen Landtagsfraktionen und Landesorganisationen gelegen sei. AuS diesen Gründen wird die Erklärung der 68 gebilligt. * Bayerische Genosse» tadeln de» bayerischen LandeSvorpaad. In einer Parteiversammlung zu Bamberg wurde in lebhafter Diskussion bedauert, daß die Debatten über die Budgetftage sich in einer Weise ausgewachsen hätten, daß die Partei dadurch Schaden leiden müsse, und daß der bayerische Parteivorstand durch seine Erklärung den Streit neu angefacht habe. Mit allen gegen zwei Stimmen wurde eine Resolution angenommen, worin dem bayerischen LandeSvor- stand ein Tadel ausgesprochen wird, weil er. obwohl die Budgetftage auf dem Nürnberger Parteitage als erledigt zu be- trachten war, entgegen dem Parteitagsbeschluß sich auf den Stand- punkt der 88 gestellt habe. Er wäre verpf lichtet gewesen, die Beschlüsse der obersten Instanz zu wahren. Sein Verhalten sei aber nur dazu angetan, die Einigkeit der Gesamt» Partei zu stören. � � In Lechhausen(Oberbahern) wurde eine R e« solution angenommen, dieeS als unbedingte Partei- Pflicht jedes Genossen betrachtet, auch ferner für die G e- schlösse nheit und Einheit der Partei zu wirken. Von der sozialdemokratischen Fraktion im bayerischen Landtag ermattet sie vertrauensvoll, daß sie im Sinne der großen Mehrheit der deutschen Parteigenossenschast die Bescküsse in der Budgetftage prüft und alles daran setzt, dte ge« schlossene Einheit zu erhalten, wdem sie nach besten Kräften den in Nürnberg gefaßten Beschlüssen nachkommt. .> ZustimmungS- Resolutionen zur Erklärung der SS faßten Ler- sammlungen zu Baiersdorf bei Erlangen, Amberg- S u l z b a ch und Schweinfurt. » In Hall tWürttemberg) wurde gegen neun Stimmen eine Resolution abgelehnt, die dre Budgetverweige- rung billigt und forden, daß die Abgeordneten sich nach dem ParteitagSbeschluß richten. Abgelehnt wurde auch eine R e- solution. die den Patteitag wegen seiner Behandlung der Budgetfrage tadelt, dagegen angenommen eine Resolution, die auS dem Schweigen des Parteitag» btt der Erklärung der 68 schließt, daß die Partei gewillt sei, den besonder« gelagerten Ver- Hältnissen Süddeutschlands Rechnung zu tragen und den süd- deutschen Abgeordneten auch fernerhin die nötige BewcgungSfteiheit zu lassen, um in besonderen Fällen den LandeSbudgelS zuzustimmen. In Bretzenheim bei M a i n z, der stärlsten Landorgantfation des Wahlkreises, waren im Gegensatz zu Mainz alle Redner mit der Budgetresolution des PatteitageS einverstanden. Sämtlich ver- urteilten sie auch die Erklärung der 68 und die Halbing der „Mainzer Volkszeitung" in dieser Frage. Eine Resolution, die gegen eine Stimme angenommen wurde, sagt, daß der Mehrheitsbeschluß des Parteitages unbedingt durchgeführt werden müsse. Die Erklärung der 66 sei gefährlicher als die Bewegung der Anarcho- sozialisten. Sollte die anarchistische Individualität von den 66 zur praktischen Durchführung gebracht werden, dann solle reiner Tisch gemacht werden. » In B a d« n haben Versammlungen zu Rintheim, Zell. Hausen, Rheinfelden, Schopfheim, Fahrnau und Maulburg, Waldshut und S ä ck i n g e n für die Budget- bewilliger und die Erllärung der 66 resolvierl. In Köln befaßte sich Freitag in einer gut besuchten Versamm- lung der Delegierte Genosse B. Müller eingehend mit der Budget- debatte. Er stellte sich vollständig auf den Bode» der Parteivorstandsresolution und bezeichnete die nach- trägliche Behauptung süddeutscher Blätter, daß aus dem Schweigen des Parteitags zu der Erklärung der 66 Delegierten das Ein- Verständnis des Parteitages zu folgern sei, als i l l o h a l. Zum Schluß unterbreitete er folgende vom Genossen A. Hofrichter und ihm eingebrachte Resolution: „Die... Bersammwng... erklärt sich mit den Beschlüssen de? Parteitags in Nürnberg einverstanden. Grundbedingung für die Einheitlichkeit und Geschlossenheit der Partei, ein wesentlicher Faktor ihrer Stoßkraft und Stärke, ist die allseitige Nespeltierung der Parteitagsbeschlüsse. Die Versammlung bedauert daher auf das lebhafteste, daß mehrere süddeutsche Blätter, wie auch die Erklärung de» bayerischen Landesvorstandes der sozial- demokratischen Pattei die Respektierung der vom Nürnberger Pattei- tag mit etwa Zweidrittelmehrheit gefaßten Resolution zu der Budget- bewilligungsfrage vermissen lassen." In der Diskussion kamen nur vier Redner zu Wort, von denen sich zwei zwar mehr oder weniger auf den Standpunkt der Süd- deutschen stellten, aber ganz entschieden, wie auch die anderen beiden Redner, die Befolgung des ParteitagSbeschlusseS in der Budgetfrage forderten.---Die Diskussion wurde vettagt. .„. Die Remscheider Genossen faßten einstimmig im schroffen Gegensatz zu der revisionistischen Haltung ihres Pattei- organS eine Resolution, ivottn es heißt: „Insbesondere begrüßt die Versammlung die klare Stellung- nähme des PatteitageS zur Budgetfrage, wodurch mit über- großer Majorität die Pattei ihren Willen kund gab, den Klassen- kampfftandpunkt nicht zu verlassen. Die Versammlung bedauett aufs tiefste die von 66 süddeutschen Delegietten abgegebene Erklärung. insofern dieselbe eine Aufforderung zum offenen Disziplinbruch ist. Die Versammlung erwartet vom Parteivorstand, daß er darübec. wacht, daß diese Drohung nicht ausgeführt wird, sondern die Beschlüsse des Parteitages, als oberste Parteiinstanz, �beachtet werden." ?sn einer Patteiversammlung de? Wahlkreises Dresden- t a d t wurde mit 118 gegen V9 Stimmen die Billigung des Be- schlusseS des Nürnberger Pattettages über die Budgetftage ab- e l e h n t. Im übttgen erklärte sich die Versammlung mit den Be- .lüssen des PatteitageS einverstanden. Es wurde folgende Resolutton angenommen: Die Patteiversammlung ist der Meinung, daß eS im Interesse der Gcsamtpartei dringend geboten ist, bei allen prinzipiellen und taktischen Auseinandersetzungen sachlich, parteigenösstsch und unter Beachtung der abweichenden Meinungen zu diskuttcren. Die Versammlung stricht den dringenden Wunsch auS, daß alles daran gesetzt werden möchte, um wieder volle Verständigung und Einigkeit herbeizuführen, damit die Sozialdemokratie den Gegnern der Ar- beiterklasse geschlossen gegenübertreten kann. ».' In Meißen erklärte man sich mit den Beschlüssen des Pattei- tageS einverstanden. '.' Die Genossen des P i r n a e r Wahlkreises billigten gegen die Sttmme ihres früheren Abgeordneten Genossen Fräßdorf und noch eine weitere Stimme einmüttg die Haltung des Partei- tage» in der vudgetfrage. ».» Im sozialdemoftattschen Verein in Breslau legte am Donners« tag der Delegierte Genosse Mehrlein die Gründe dar, die ihn bewogen haben, für die Resolution Frohme und gegen die des Parteivorstandes zu stimmen. In der Diskusston kamen vier Redner zum Worl, die sich sämtlich gegen die Budgetbewilligung und für die Borstandsresolution erklärten. Hierauf wurde die Versammlung bis zur nächsten Woche vertagt. ES liegen drei Resolutionen vor, eine, die die süddeutschen Genossen aufforvett, die Disziplin zu wahren; die andere wendet sich gegen die Vorstands- resolution und spricht sich für die Resolution Frohme auS, und eine dritte erklärt ihr Einverständnis mit dem Verhalten des Delegierten und hofft auf eine Einigung durch gegenseitige» Entgegenkommen. Zur vudgetfrage nahmen öffentliche Versammlungen in Ilmenau und Apolda Stellung. In beiden Versanimlunaen trat man einstimmig der bereits in Weimar anaenonimenen Re> solution bei. die sich mit den Beschlüssen des Parteitage» ein- verstanden erklärt. In beiden Versammlungen wurde gleichfall» dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß bei einer beabsichtigten Aenderuug de» OrganisationSstalut» eingefügt wird, daß fortgesetzter Disziplin- bruch als AuSschlußgrund angenommen werden kann.— Ebenso er- klärte sich eine Versammlung in Arnstadt lSchwarzburg-SonderS- hausen) mit den Parteitagsbeschlüssen einverstanden, ».» Im Sozialdemokratischen Wahlverein zu Jena stellte sich der Referent, Genosse Leber, durchaus auf den Standpuntt der Vor- siandsresolution. In der Diskussion sprachen zehn Redner, die sich mit Ausnahme von zwei Genossen, die es lieber gesehen hätten, wenn die Resolution Frohme angenommen worden wäre, durchaus mit dem Referenten einverstanden erklärten. Der Artikel, den da»„Correspondenzblatt der Gewerkschaften Deutschlands" über den Patteitag geschrieben bat. wurde scharf verurteilt und gesagt, daß dies nicht die Meinung der Gewerkschaftler sei. ES gibt Gewerkschaftsgenossen zu Tausenden, die zehnmal mehr für die Gewerkschaftsbewegung getan haben wie Umbreit und Genossen und mit der großen Masse der Parteigenossen sich auch in diesem Falle solidarisch erklärten.— Gegen eine Stimme wurde eine entsprechende Resolution an« genommen, in der eS zum Schluß heißt:„Aufs schärfste muß e» die Versammlung verurteilen, daß auf dem Parteitag die anwesenden Gewerkschastsfllhrer gegen die Resolution des Partei- Vorstandes gestimmt haben. Sie haben dadurch bewiesen, daß sie die einheitliche Parteiorganisation mit durchbrechen helfen und einer süddeutfchcn Sonderorganisatton in der Pattei Vorschub leisten wollen. Dieses Verhalten der Gewerkschastssührer— die verlangen, daß die Pattei jeden Genossen auszuschließen hat, der nicht auf vem Boden der Zentralverbände steht, aber andererseits die in der Pattei bisher übliche Disziplin beseitigen wollen— muß auch in den Gewerkschaften selbst auf das entschiedenste bekämpft werden." �.* Der Partetverein für Hamburg I nahm in zwei Versammlungen zu den Beschlüssen des Parteitage» Stellung. Nach Entgegennahme der Berichte von den Delegietten Stötten, Schaumburg und Genossin gietz und lebhafter Aussprache wurde gegen drei Stimmen die von der Genossin gietz eingebrachte Resolution angenommen: „ Die Versammlung anerkennt die Beschlüsse des Bartel Krise und Arbeitslosigkeit. des Diebstahls baburch schuldig gemacht haben, daß er aus den tages. Mit besonderer Genugtuung begrüßt sie die in der Der Unternehmerverband der Solnhofer Lithographiestein- Schriften des Geheimrats Hinzpeter einen eigenhändigen Brief Budgetfrage getroffene Entscheidung, wodurch die Einheit und Ge- industrie hat beschlossen, von jest ab nur noch acht Stunden täglich mit eigenhändiger Widmung des Kaisers und eine Glückwunsch des Kaisers, eine Photographie einer Parade von Marinesoldaten schlossenheit der Partei, basierend auf unserer grundsäglichen arbeiten zu lassen; es ist geplant, die Arbeitszeit ab 1. November farte des Prinzen Heinrich weggenommen und dem Sohne des Auffassung vom Klassenstandpuntt, aufs neue als unerläßlich an- weiter zu verkürzen, und zwar auf sechs Stunden. Das bedeutet Gastwirts Jürping gegeben hat. Der Angeklagte bestritt, sich des erkannt wird. Die Versammelten erwarten von dem parteigenössischen für die Arbeiter eine Herabjegung des Lohnes um die Hälfte, was Diebstahls schuldig gemacht zu haben. Geheimrat Hinzpeter, sein Geiste, der Brüderlichkeit, dem demokratischen Bewußtsein und dem um so schwerer ins Gewicht fällt, als sie ohnehin schon so schlecht Dienstherr, habe ihn mehrfach beauftragt, alte Briefe usw. zu ver Verantwortlichkeitsgefühl unserer süddeutschen Genossen, daß sie bezahlt sind, daß sie kaum das Leben fristen können. Die Stunden- brennen und ihm auf seine Bitte auch einmal gestattet, einen sich dem Vorgehen des bayerischen Landes löhne betragen 26 bis 30 Pf. borstandes und einiger füddeutscher Blätter nicht anschließen, sondern in freigewollter, aber darum um so fefterer Disziplin zur Gesamtbartet und ihren Bes schlüssen stehen." Aus Induſtrie und Bandel. Die Armen! Die Aktionäre der Internationalen Bohrgesellschaft bekommen für das abgelaufene Geschäftsjahr nur 100 Prozent Dividende. Das ist ein furchtbarer Schlag, denn in den Vorjahren stellte sich die Ausschüttung auf 500 Prozent. Gerichts- Zeitung. Mit zwei groben Roheitsakten Brief, der die Unterschrift des Kaisers trug und verbrannt werden sollte, für sich zu behalten. Als er dem jungen Jürping auf dessen Bitte die fraglichen Gegenstände aushändigte, habe er das Bewußtfein gehabt, daß es sich um Papiere handle, die für seinen Herrn feinerlei Wert hätten. Das Gericht hat mangels eines Gegenbeweises angenommen, daß der Angeklagte nicht in der Absicht ge= handelt hat, sich die Schriftstücke rechtswidrig anzueignen. Die Revision des Staatsanwalts gegen das freisprechende Urteil kam Freitag vor dem Reichsgericht zur Verhandlung, wurde aber bom Reichsantvalt nicht vertreten. Das Reichsgericht verwarf die Revision als unbegründet, da der subjektive Tatbestand rechtsirrtum. frei berneint ist. Vermischtes. Einsturzkatastrophe. Eine in der Madarasgasse in Budapest befindliche Schrauben fabrit ist eingestürzt. 8 wei Arbeiter sind tot und acht. undzwanzig lebensgefährlich verlegt. Die Cholera. In den letzten vierundzwanzig Stunden bis gestern mittag wurden in Petersburg 162 neue Erkrankungen und 84 Todesfälle verzeichnet. Die Zahl der Kranken beträgt 1775. Seit Bes ginn der Epidemie erkrankten an Cholera 6214; cs starben 2436; genesen find 2004. In Jatolelow wurden in dem filtrierten Wasser der städtischen Wasserleitung Cholera bazillen gefunden. Vor einigen Wochen ging auf Beche Luise Tiefbau" bei Barop der Schacht zu Bruch. Acht Bergleute saßen viele Stunden Lang in höchster Lebensgefahr in den Trümmern bes graben. Jetzt weigert sich die Verwaltung, den Berglenten die Schicht zu bezahlen! Es gibt in der deutschen Sprache nicht Worte genug, um ein solches Gebahren zu kennzeichnen. Ihr Leben haben die Leute aufs Spiel gesezt, aber Lohn erhalten sie nicht, weil die ftionäre von ihnen auch nichts verdient haben. Luise Tiefbau" ist eine Stinnes- 8eche. Der tägliche Eisenbahnunfall. Auf dem Oldesloer Bahnhof stieß gestern mittag Güter zug 6012 mit einem Stiesauge zusammen. Ein Arbeiter wurde ich wer, ein anderer leicht verlegt. Drei Wagen entgleisten. Briefkaften der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, zweiter Sof, dritter Eingang, vier Treppen, Das Fahrstuh! wochentäglich abends von 7 bis 9%, 11hr statt, Geöffnet 7 Uhr Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 1hr. Jeder Aufrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Briefkasten können 14 Tage bergehen. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Baumschulenweg 21. 1. Berfaffer der Jobfiade ist Kortum; sie ist 2. Da der Verfasser 1824 starb, fann Sie rechtlich zuerst 1784 erschienen. C. 2. 101. 1. Sie niemand hindern, die Jobfiade umzuarbeiten". tönnen Ihren Schadenersatzanspruch als Nebentläger in dem Strafprozeß oder durch eine selbständige Bibilflage geltend machen. 2. Haftbar ist für den Schaden nur der Führer, den ein Berschulden trifft, nicht der Befiger des Autos. Wolfram. Wenn Ihre Frau aus der Stirche nicht aus. getreten ist, müffen Ste leiber die Kirchensteuern bezahlen. 3. D. 103. Leider ist der Wirt im Recht, Sie für die Verpflichtung aus dem Bertrage bis zum 1. April 1909 haftbar zu machen. G. 29. In Ihrem Bur Dauer bon sechs Wochen der volle Lohn Falle ist bis abzüglich des Krankengeldes zu zahlen. G. P. 35. Wenn Zur Geschäftslage in der Textilindustrie. Die Lage in der Textilindustrie ist noch immer äußerst schlecht. Allwöchentlich verkünden die Fachblätter der Unternehmer Befferung war das Schwurgericht des Bandgerichts I fura hintereinander be der Verhältnisse, aber immer wieder erweisen sich getvedte Soff- fchäftigt. In dem ersten Falle war der 21jährige Mechaniker Ser nungen als trügerisch. Wohl ist, wie alljährlich um diese Zeit, in verlegung mit Todesfolge angeklagt. In der Nacht vom ersten zum mann Schred, ein mehrfach vorbestrafter Mensch, wegen Körpermanchen Branchen und Orten etwas Belebung zu verzeichnen. Auf zweiten Pfingstfeiertage ging der Arbeiter Hugo Almendinger, ein den Beschäftigungsgrad im allgemeinen hat dies jedoch irgend- anständiger ruhiger Mann, mit seiner Ghefrau und seinem Better, welchen Einfluß nicht ausgeübt. In den Hauptzweigen der aus einem Schantlotal tommend, nach Hause. In der Bohenstraße Industrie wird nach wie vor mit erheblicher Einschränkung ge- vor dem Hause Nr. 30 tam ihnen der Angeklagte entgegen und arbeitet. Viele Betriebe haben die Arbeitszeit noch weiter redu- rempelte Frau A. an. Der Vetter, ein Arbeiter Seefeld, rief ihm ziert. Schlecht liegt vor allen Dingen die Baumwollweberei. In darauf zu: wenn er jemand anrempele, folle er sich wenigstens ent schuldigen. Als Antwort erhielt er von dem Angeklagten einen allen Teilen des Reiches ist die Produktion von Baumwollstoffen auftschlag ins Gesicht, so daß ihm die Nase blutete. Seefeld schlug sehr stark vermindert worden. In M.- Gladbach wie im übrigen zur Abwehr mit dem Stod auf feinen Gegner ein, so daß der Rheinland, in Sachsen, Schlesien, Elsaß und Süddeutschland fehlt Stod zerbrach. Es kam zu einem Handgemenge, Herrn Almen es in allen Artikeln an Aufträgen. In Schlesien hat die Fabrit dinger fiel sein Hut zur Erde, und als er sich danach bückte, hörte Baumwollindustrie bisher eine eigentliche Krisis noch nicht durch er den Warnungsruf seiner Frau:" Hugo, sieh Dich vor!" Ungemacht. Die Handweberei brüdte immer start auf die Löhne der mittelbar darauf versehte der Angeklagte der Frau einen MesserFabritweber. Die niedrigen Löhne schufen eine Schmußkonkurrenz. ftich, der unter dem Kehlkopf in den als brang. Die Frau Sehr nobel. Wenn früher in Krisenzeiten noch einigermaßen Beschäftigung und taumelte halb besinnungslos auf den Damm und blieb dort blutüberströmt liegen. Auch Herr Almendinger selbst erhielt noch einen Absatz vorhanden, so diesmal viel weniger. Wier, höchstens fünf Wesserstich in den Stopf. Die Frau mußte von hilfsbereiten BasTage pro Woche wird gearbeitet. An Stelle des eingeführten Zwei- fanten mittels Droschte nach dem Augusta- Hospital gebracht werden, stuhlsystems hat man jest wieder auf das Einstuhlsystem zurück- als man dort antam, war sie bereits tot. Inzwischen war Schreck gegriffen. Die Löhne find außerordentlich gefunken. Die Not der in seine, Bohenstr. 3a, belegene Kellerwohnung gegangen. Als er Arbeiter steigt! Die Folge ist: Der sonst so sehr an der Scholle bort bald darauf von der Polizei festgenommen wurde, bestritt er, tlebende schlesische Weber sucht durch Auswanderung möglichst aus der Messerstecher gewesen zu sein. Er wurde jedoch an dem Stroh dem Elend herauszukommen. Seit vielen Wochen schon find hut, den er bei dem Vorfall getragen, mit Bestimmtheit wieder. Agenten des rheinischen Kohlenkapitals in Langenbielau, Peters. erkannt, berbies hat Gerichtschemifer Dr. Jeferich an dem Messer waldau, Reichenbach usw. mit Eifer dabei, Weber für die Berg- Geschworenen bejahten die ihnen unterbreiteten Schuldfragen. Das des Angeklagten zweifelsfrei Menschenblut nachgewiesen. Die werte anzuwerben. Und hunderte folgen den Rodungen. Aus Urteil lautete gegen den Angeklagten auf 5% Jahre Gefängnis. Langenbielau allein sind gegen 600 Personen abgereift. In gleicher In dem zweiten Fall handelte es sich um einen geistig minderweise vollzieht sich die Abwanderung aus den übrigen Städten. wertigen Menschen, der in einem Wutanfall sein eigenes Kind auf Birka 400 Wohnungen in Langenbielau stehen leer und noch immer dem Fußboden zerschmettert hatte, den 23jährigen Arbeiter Alfred ist der Agent tätig. Es ist möglich, daß sich mit Eintritt besseren Dittmar. Die Geschworenen bejahten die Schuldfrage nach TotGeschäftsganges empfindlicher Arbeitermangel in vielen Zweigen schlag unter Bubilligung mildernder Umstände. Das Gericht er der Textilindustrie wird bemerkbar machen. So lange die Baum- tannte auf 2 Jahre Gefängnis unter Anrechnung von 6 Monaten der erlittenen Untersuchungshaft. wollwebereien nicht beschäftigt find, tann selbstverständlich auch in der Baumwollspinnerei Besserung nicht eintreten. Die Produktiontov Städtische Beamte vor dem Schwurgericht. ist da noch sehr minimal. Im Elsaß wurde die Erzeugung um weitere Wegen wiederholter Amtsunterschlagungen standen der frühere 15 Proz: reduziert. Die Aufträge aus früherer Zeit stehen auf Steuererheber Karl Bünger und der frühere Arbeitshausaufseher dem Papier. Soweit Abruf erfolgt, muß an Räumung der Lager August Thiel vor dem Schwurgericht des Landgerichts III. Beide gedacht werden. Verschiedene Preßäußerungen lassen erkennen, daß Angeklagte waren vom Berliner Magistrat angestellt, Thiel war sowohl österreichische wie deutsche Spinner versuchen werden, aus bis zum Mai 1906 Arbeitshausaufseher und trat dann in den dem englischen Arbeitskampf Nußen zu ziehen. Die schwere Arisis städtischen Steuererhebungsdienst über. Beide waren mit der Ginwird das zweifellos verhindern. In der Stickerei haben sich die ziehung der städtischen sowie der vom Staate der Stadt zur EinHoffnungen, die in bezug auf Belebung des Geschäfts vor iehung übertragenen Staatssteuern betraut. Bünger wurde nun beschuldigt, in sechs Fällen Steuerbeträge sich rechtswidrig zuatrei Monaten geknüpft wurden, bisher nicht erfüllt. Die Branche geeignet und die zur Eintragung und Kontrolle der Einnahmen leidet noch immer unter großem Mangel an Beschäftigung. Viele bestimmten Bücher unrichtig geführt zu haben. Er bestritt seine Arbeiter sind arbeitslos. Dasselbe gilt für die Spißenwebereien Schuld und behauptete, daß er infolge seines überaus nervösen und die Posamentenfabrikation. Trostlos sieht es in der Wirker- Bustandes lebiglich einige eingezogene Steuerbeträge zu spät abbranche aus. Der hier herrschende Mangel an Beschäftigung er- geliefert habe und für die verspätete Ablieferung eventuell nur innert an die schwere Krise zur Beit der Mackinleybill. Hier sind disziplinarisch verantwortlich gemacht werden könne. Der Ange noch Tausende ohne Beschäftigung. Nur die Apoldaer Artikel finden lagte Thiel war gefständig. Er befand sich im Sommer 1907 infolge Krankheiten in seiner Familie in schlechten petuniären Ver noch einigermaßen wenn auch ungenügend Abfah. Tagelanges hältnissen. Nach seiner Darstellung hat Bünger auf ihn eingewirkt, Aussehen, halbtägige Beschäftigung ist an der Tagesordnung. doch die großen Steuersummen, die er in seinem Revier habe, zurückLeidlich beschäftigt sind noch die Jutefabriken. Die Produktions- zubehalten und bei einer Bank zinsbar anzulegen, um sie dann einschränkung wurde auf 15 Broz. festgesetzt. In der Tuchbranche nach einigen Wochen wieder abzuheben und an die Kaffe abzuführen, ist teilweise eine fleine Befferung eingetreten, aber nur in einigen die Zinsen jedoch für sich zu verwenden. Thiel hat sich dann auch Crten. Hier zeigt sich der Widersinn der kapitalistischen Wirt zu diesen Unredlichkeiten berleiten lassen und in zwei Fällen die schaftsweise. In Spremberg müssen hunderte Weber feiern. In von Bünger vorgeschlagene Transaktion ausgeführt. Er zog von einer Elektrizitätsgesellschaft 9100 M. Steuern ein, buchte diese Crimmitschau dagegen, wo die gleichen Artikel gemacht werden, Beträge jedoch nicht, führte sie auch vorläufig nicht an die Kasse berlangten einige große Unternehmer von den Arbeitern Ueber- ab, sondern gab babon 8000 m. an Bünger ab, damit diefer sie stunden. Einige Wochen fügten die Arbeiter sich. Dann aber ver- bei der Deutschen Bank zinsbar anlege. Nach etwa 14 Tagen brachte weigerten sie die Ueberarbeit. Die Verrichtung von Ueberstunden ihm Bünger die 8000 m. nebst 10 M. Binsen zurück und Thiel in Crimmitschau ist eine Errungenschaft der gelben Gewerkschaft. führte das ganze Geld dann unter entsprechenden unrichtigen Vor dem großen Streit hätten die Unternehmer nicht gewagt, den Buchungen in verschiedenen Raten an die Steuerkasse ab. Arbeitern dergleichen Ansinnen zu stellen. Wie in Spremberg, so Bünger ihm die 8000 m. und die 10 M. Zinsen ablieferte, foll er dem Thiel gesagt haben: Diesmal feien es nur wenige Binsen, im gibt es auch in Aachen sehr viele Arbeitslose. Dort haben wir noch folgenden Vierteljahr solle das Geld auf der Bant stehenbleiben, sehr stark das System der Rohnwebereien vertreten. Viele Unter- damit jeder von ihnen zu Weihnachten 30 M. bekäme. Dadurch nehmer arbeiten nicht für sich selbst, sondern für Großfabrikanten. ließ sich Thiel verleiten, im Weihnachtsvierteljahr noch einmal die Diese Lohnwebereien leiden jetzt furchtbar. Sie finden keine Be- Steuerbeträge der Elektrizitätsgesellschaft zurückzubehalten und schäftigung. Die Kammgarnwebereien des Gera- Greizer Bezirks dem Bünger 10 000 M. zur zinsbaren Anlegung zu übergeben. Als find zwar etwas besser, aber immer noch durchaus ungenügend be- er eine Revision befürchtete, drängte er den Bünger auf Rückgabe schäftigt. Schlecht liegt auch die Segeltuchbranche. In Kassel wird der 10 000 m., erhielt jedoch nur 2000 W. zurüd. Den Rest von mit sehr start beschränkter Produktion gearbeitet. Dasselbe ist in bekommen. Bei der Abschlußrevision im Januar b. J. wurde bei 8000 m konnte er trop feiner dringenden Bitten nicht zurück der Teppichweberei der Fall. Recht schlimm wirkt die Krisis in der Thiel der Fehlbetrag entdeckt und Thiel legte auch ein Geständnis Seidenbranche. Obgleich schon ein volles Jahr das Geschäft hier ab. Eine bei Bünger abgehaltene außerordentliche Revision stellte ganz schlecht geht, will sich noch immer keine Besserung zeigen. bei diesem einen nennensaverten Fehlbetrag nicht fest. Es wird Zahlreiche Feierschichten werden für tausende Arbeiter eingelegt. angenommen, daß er die 8000 M., bie er von Thiel empfangen, Wenn die Hauptbranchen darniederliegen, dann haben selbstredend dazu verwandt habe, um seine eigenen Unterschlagungen zu deden. auch die Hilfsbranchen schlechte Zeiten. Färberei, Appretur, Er behauptete, daß ihm die 8000 Mt. eines Abends, als er betrunken Bleicherei und Druckerei sind wenig beschäftigt. Die hohen Lebens- in einer Wirtschaft gesessen, abhanden gekommen seien. Auf Grund einer sehr umfangreichen und eingehenden Bweisaufnahme tamen mittelpreise verschärfen die Not- und die Willfährigkeit der Arbeiter die Geschworenen zu einem Schuldigfpruch gegen beide Angeklagte, ungemein. Die Unternehmer machen sich das vielfach zumute. Sie billigten auch nur dem zweiten Angeklagten mildernde Umstände reduzieren die Löhne und versuchen weitere Verschlechterungen der zu. Das Gericht verurteilte Bünger zu 2 Jahren Buchthaus, Thiel Arbeitsverhältnisse aufzuzwingen. So versucht man jezt in Aachen zu 9 Monaten Gefänngis. mie auch in M.- Gladbach für schwere Stoffe das Zweistuhlsystem durchzuführen. Dabei widerseht man sich einer allgemeinen Verfürzung der Arbeitszeit unter 10 Stunden. Eine solche Verkürzung Die Briefe des Kaifers an Geheimrat Hinzpeter. AIS Vor dem Landgericht Bielefeld hatte sich am 2. Juni der Diener ber Arbeitszeit aber ist die notwendige Voraussetzung für die Ein- Josef Antoine in Met wegen Diebstahls zu verantworten. Die führung des Mehrstuhlsystems. Mögen die Arbeiter ihre Organi- der Straffenat des Oberlandesgerichts hatte dann auf erhobene sation stärken, um bei Eintritt der Hochkonjunktur gewappnet au Beschwerde das Verfahren eröffnet. Die erkennende Straffammer gelangte aber zur Freisprechung des Angeklagten. Dieser soll sich sein. MAGGI MAGGI SUPPEN ERBS Zgate Teller 10 Suppenfleisch spart, Man verlange ausdrücklig MAGGIS Suppen! bie Atten taffiert sind, find sie bereits vernichtet. 2. Y. Ja. R. H. 2. Nein. St. S. 200. 1. Darüber bestimmt teine gesetz Die Hochbahn fährt liche Bestimmung. 2. und 8. Nichtet ein Mieter durch Gießen auf dem Balkon und Ueberlaufen des Wassers Schaden an, so ist er den Gefchäbigten zum Schadenersab verpflichtet. M. 2. 77. 1. Ja. 2. Der tinderlofen Witwe steht die Hälfte des Nachlasses zu, außerdem gebührt ihr als Boraus: die Hochzeitsgeschenke und die zum ehelichen Haushalt ge hörigen Gegenstände. 3. Ja, aber zum Nachlaß gehören auch die Schulden: Diese sind bei der Berechnung der Hälfte mit anzusetzen. 4. Ja. 21. B. C. 1. Sa. 2. Nein, aber auf den Pflichtteil seßen. 2. Nur soweit nicht eigenes Bermögen zur Beschaffung der notwendigen Gegenstände vorhanden ist, hat der Bater, falls er die Mittel dazu bat, eine Aussteuer zu geben. Sangesfreund. Nein. Manoli 100. nirgends über Häuser, sondern fährt nur an einer Stelle durch ein Haus. E. W. 13. Wenn Sie zu 1200 M. oder höher eingeschäßt sind, müssen Sie leider für sich und Ihre Frau Kirchensteuern zahlen. S. 300. Das Hans NW. 333. Stegliter Eisenbahnunglüd liegt 25 Jahre zurüd. 1. Die Stlage müßte in Amerika angestellt werden, Ste tönnten auch das Auswärtige Amt um Vermittelung ersuchen. 2. Jn Berlin an den Polizeipräsidenten. G. 2. 22. 1. Ja, nur fönnte der Eigentümer mit Aus ficht auf Erfolg Interventionstlage erheben. 2. Ja. M. 3. 53. 1. und 2. Eine Stlage beim Gewerbegericht hätte Aussicht auf Erfolg. Buständig ist das hiesige Gewerbegericht. 3. Nein. E. A. 8. Eine Klage beim amtsgericht auf Aufhebung des Mietsvertrages aus dem von Ihnen ange führten Grunde hätte Aussicht auf Erfolg. Auf Ermission des Betreffenden A. Kr. 46. Nach der herrschenden Ansicht tönnten Sie nicht Klagen. ist der Ehemann verpflichtet, den auf seine Frau entfallenden Teil der Kirchensteuer zu zahlen. Eine Entscheidung des Oberlandesgerichts oder des Reichsgerichts über diesen Buntt ist noch nicht ergangen.*. Nein. 2. J. 35. Nur mit Genehmigung der höheren Verwaltungsbehörde würde die Aenderung zulässig sein. Bei der Aenderung wäre zu betonen, ( in Berlin der Polizeipräsident, in der Provinz der Regierungspräsident) daß often nicht erwachsen sollen, sonst könnten 50 W. angesezt werden. B. D. 4. 1. Nein. Praktisch ist es, bis zum Ablauf der VerjährungsDie Verjährungszeit war in Ihrem geit die Quittung aufzubewahren. alle bereits am 1. Januar dieses Jahres eingetreten. 2. Es genügt in der Regel die Aufbewahrung der letzten Duittung. 5. R. 64. Wenden Sie fich an einen Arzt. Nohrschach Streit. Die Reichstagswahlkreise sind überhaupt noch nicht geändert worden. Karl M. Das ist unzulässig, G. T. 77. erforderlich wäre die Bräsentierung durch die Organisation. Steineswegs. Eine Stlage hätte Aussicht auf Erfolg. B. W. 1. Eine Chefcheidungsklage hätte vielleicht unter den von Ihnen geschilderten Umständen Aussicht auf Erfolg. Möglicherweise verlangt aber das Gericht, daß zunächst auf Herstellung des ehelichen Lebens geflagt werden soll Eingegangene Druckfchriften. Neue Weltanschauung. Heft 9. Von Dr. W. Breitenbach. Monatl. ein Heft. Pro Jahr 4 M. Glaube und Wissenschaft von Dr. N. Leszner. 1 W. Berlag: Neue Weltanschauung", Stuttgart, Sonnenbergftr. 9. Broschiert 1,50 M. Verlag: I. Ladyschnikow, Berlin, Uhlandstr. 52. Die Freiheitsbewegung in der Türkei von Mohamed Aischin. Meine Grlebnisse im russisch- japanischen Kriege. Von W. Wereffafew. Broschiert 5 W., gebunden 6 M. Berlag: N. Luz in Stuttgart. Kreuzstern wer MAGGI' Suppen mit dem Kreuzstern berwendet. Nur mit Wasser wenige Minuten zu kochen. Mehr als 30 Sorten. Ein Würfel zu 10 Pf. gibt 2 Teller. 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Zum bevorstehenden hundertjährigen Geburtstag Wilhelm Weitlings hat Franz Mehring die im Buchhandel nicht mehr er- hältliche Hauptschrift des berühmten Kommunisten neu heraus- gegeben.") Diese Jubiläumsausgabe ist um so dankenswerter, als Mehring ihr eine ausgezeichnete Darstellung von Wcitlings Leben und Wirken vorausgeschickt hat. die alles seit Kalcrs Weiiliugschrifl zutage geförderte biographische Material verwertet und also in jeder Hinsicht vortrefflich geeignet ist, dem deutschen Proletariat das reifste Werk seines ersten kommunistischen Theoretikers näher zu bringen. Als solchen wie als Agitator und Organisator würdigt ihn Mehring. Wie er zu Eingang hervorhebt, daß Weitling dem ersten Jahrzehnt der deutschen Arbeiterbewegung das geistige Gepräge gegeben hat. so konstatiert er zum Schluß Weitlings Anspruch aus »den Ehrenposten an der Schwelle der deutschen Arbeiterbewegung den ihm keiner versagen darf und auch keiner versagt von denen, die an den Mauern und Türmen des mächiigen Gebäudes schaffen, dessen ersten Grund st ein seine Hand gelegt hat.' Die unvergänglichen Verdienste Weitlings hindern nun nicht, daß seine Lehre in grundlegenden Punkten der Vergangenheit an- gehört: sie ist durch den wissenschaftlichen Sozialismus von Marx und Engels überholt. Weitling war zwar insofern über die Utovicn hinaus, als er erkannte, daß die Emanzipation der Arbeiterllasse bloß ihr eigenes Werk sein könne, aber es hafteten ihm doch noch die Eierschalen des Utopismus an. Das bekundet sich nich! nur darin, daß er selber für die kommunistische Gesellschaft einen detaillieiten Plan entwarf, den er zwar ursprünglich und auch noch in den„Garantien" nickt für umimstößlich richtig erklärte, auf den er sich aber doch je länger je mehr versteifte. Dan» aber ist auch dies ein utopisches Element in Weitlings Lehre, daß er die historische Bedingtheit der sozialen Revolution noch nicht erkennt, sondern die Aufrichtung der koinmu- nistischen Gesellschaft für eine Sache hält, die längst hätte geschehen können und nun in jedem Augenblick erfolgen kann. Damit steht dann in engstem Zusammenhang, daß Weitling von ideologischen Vorstellungen beeinflußt wird. Die Ideologie aber, die bei ihm den obersten Gesichtspunkt darstellt, ist die Gleichheitsvorstellung. Er gehört zu den ägsliteirss oder Gleichheitskommunisten, wie aus zahlreichen Stellen seiner Schriften hervorgeht. Er will, heißt es einmal in den„Garantien',„vor allem hauptsächlich die natürliche Gleichheit aller". Das versetzt unS direkt in den Gedankenkreis des Zeitalters der Aufklärung, wo die Gleichheitsvorstellung, mit Engels zu reden,„namentlich durch Rousseau eine theoretische, in und seit der großen Revolution eine praktisch-polilische, und auch heute noch in der sozialistischen Bewegung fast aller Länder eine bedeutende agitaiorische Rolle spielt". Dies letztere erklärt Engels dann weiterhin in der Schrift gegen Dühring: Wie es kommt, daß bürger- liche Glcichheitsforderungcn von proletarischen begleitet werden.„Die Proletarier nehinen die Bourgeoisie beim Wort, die Gleichheit soll wicht bloß scheinbar, nicht bloß auf dem Gebiete des Staats, sie soll auch wirklich, auch auf dem gesellschaftlichen, ökonomischen Gebiet durchgeführt werden. Und namentlich seit. die französische Bour- geoisie, von der großen Revolution an, die bürgerliche Gleichheit in den Vordergrmid gestellt hat. hat ihr das französische Proletariat Schlag auf Schlag geantwortet mit der Forderung sozialer, öko» nomischer Gleichheit, ist die Gleichheit der Schlachtruf speziell des französischen Proletariats geworden." Und Engels führt dann noch weiter aus. daß die aus der Reaktion gegen die bürgerliche Gleich- heitsforderung entstandene proletarische Gleichheitsforderung als Agitationsmittcl diene, um die Arbeiter mit den eigenen Behaup- tungeu der Kapitalisten gegen die Kapitalisten aufzuregen und also mit der bürgerlichen Gleichheit stehe und falle. Der wirkliche Inhalt der proletarischen Gleichheitsforderung sei die Forderung der Ab- fchaffung der Klassen.„Jede Gleichheitsförderung, die darüber hinausgeht, verläuft notwendig ins Absurde." Von dem hier angedeuteten Fehler haben sich schon jene Kom- munisten der französischen Revolution nicht frei gehalten, die für ihre Zwecke die Gleichheitsidee verwerteten, Gracchus Babeuf und feine Freunde, die„Gleichen". Die babouvistischen Grundsätze haben stark auf Weitling gewirkt. Er war mit der Geschichte der Ver« schwörung für die Gleichheit bekannt, wahrscheinlich aus Buonarottis Buch darüber. Sicher hat er direkt mit Babouvisten verkehrt, näm- lich mit deneck der dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts, zu deren Gesellschaft der Jahreszeiten die deutsche revolutionäre Vereinigung in engen Beziehungen stand, der Weitling in Paris angehörte. Außer den babouvistischen EgalitaireS hat jedenfalls wenigstens noch ein Gleichheitstheoretiker der dreißiger Jahre auf Weitling gewirkt, nämlich Pierre Leroux, desien Buch über_ die Gleichheit 1888 erschien. Wenn Weitling in den„Garantien" vom Jndi« vidualismus spricht, so verdankt er diesen Ausdruck gewiß Leroux' Terminologie, und ebenso wird, was im„Evangelium eines armen Sünders" über Pithagor(französische Aussprache des Namens PythagoraS) gesagt ist, durch Leroux angeregt sein, in dessen philosophischem System pythagoräische Lehren eine große Rolle spielten. Außer den Gleichheitslehren Leroux's und der Babouvisten hat ihn aber offenbar auch das französische Prototyp deS Jean Jacques Rouffeau direkt beeinflußt. In Mehrings Einleitung ist dieS nicht hervorgehoben; jedoch dürfte für die Beurteilung Weitlings das Faktum nicht ohne Interesse sein, daß er unmittelbar an den großen Genfer anknüpft. Daß Weitling Rousseau gekannt hat, geht schon auS einer Stelle im„Evangelium eines armen Sünders" hervor, wo RouffeauS.Beichte', d. h. die„Konfession' zitiert wird. In den.Garantien' ist Rouffeau zwar nicht genannt, wohl.aber stark benutzt. Einige Stellen erinnern direkt an diesen oder jenen Passus #) Garantien der Harmonie und Freihett. Von Wilhelm W e i t I i n g. Mit einer biographischen Einleitung und Anmerkungen herausgegeben von Fr. Mehring. Berlin lgvll. Buchhandlung Vorwärts, Dil und 263 Seiten. in Ronsseaus Abhandlung über die Entstehung der Ungleichheit unter den Menschen. So heißt es in den„Garantien":„Macht eure Ge- fangnisse und Zuchthäuser auf, sage ich euch, es sind viele ehrliche Leute darin. Macht sie aus und sagt ihnen: Ihr wußtet nicht, was das Eigentum sei, wir wußten es nickt; laßt uns miteinander diese Mauern, diese Hecken und Gitter wegreißen, diese Gräben ausfüllen, damit die Ursache unserer Trennung verschwinde, und laßt uns wieder Freunde sein.' Dazu hat schon Lavelaye gemeint, das seien im Grunde RousseauS Ausführungen über den Ursprung der Ungleichheit. In der Tat kommt der Grundgedanke dieser Weitling- scheu Stelle im wesentlichen auf eins hinaus mit dem berühmten, oft zitierten Anfang des zweiten Teil? von Rousseaus Abhandlung über die Entstehung der Ungleichheit:„Der erste, der, ein Stück Land einzäunend, sich zu sagen erkühnte:„das gehört mir I' und Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, war der eigentliche Begründer der bürgerlichen Gesellschaft. Wie viel Ver- brechen. Kriege. Mordtaten, wie viel Leiden und Greuel hätte nicht dem Menschengeschlecht jener erspart, der die Pfähle herausgerissen und den Graben zugeschüttet und seinen Mitmenschen zugerufen dätte:„Höret nicht auf dielen Betrügerl Ihr seid verloren, wenn Ihr vergesset, daß die Früchte Eigentum aller sind und die Erde niemandem gehört!' Der Nachweis einzelner Reminiszenzen aus Rousseau ist aber gar nicht nötig, da ein Vergleich der Abhandlung über die Ungleichheit mit Weitlings ersten Kapiteln über den Urzustand der Gesellschaft uiw. aufs deutlichste eine Ver- wandtschaft im großen und ganzen erweist. Weitling schildert den Naturznstand der Menschheit, wie bereits Kaler bemerkt, „nach der Art RouffeauS". Auch die Anfänge der Ungleichheit sind noch im wesentlichen nach dieser Manier dargestellt. Kurz, eS ist gar nicht daran zu zweifeln, daß Weitling nicht bloß an die fran- zösischen Gleichheitskommunisten und an die großen Utopisten an- knüpft, sondern auch unmittelbar an den großen Heiligen der fran- zösischen Radikalen. Die Rousseausche Betrachtung der menschlichen Urgeschichte ist ganz und gar unhistorisch. Gleich aus den ersten Seiten der Ab- Handlung über die Ungleichheit beginnt Rouffeau damit,„alle Tat- sachen beiseite zu schieben," und erklärt, daß man seine Auseinander- setzungen über den Gegenstand nicht als historische Wahrheiten auf- fassen dürfe, sondern bloß als hypothetische Ueberlegungen. Es handelt sich also um Konstruktionen, die unS sehr fremdartig und unwissenschaftlich anmuten, weil wir heute daran gewöhnt sind, auch diese Dinge rein geschichtlich behandelt zu sehen. Weitling aber bedient sich noch des Rousseausche» Verfahrens, weil ihm eben die historische Methode noch gänzlich fremd war. auf die erst Marx und Engels den Kommunismus basiert haben. So kann man Mehring nicht Unrecht geben, wenn er bei Weitling die historische Einsicht vennißt und gänzlichen Mangel an historischem Sinn annimmt. Das will sagen, daß Weitling keine Vorstellung von der geschichtlichen Entwickelung und ihren Gesetzen gehabt habe. Dagegen darf es nicht dahin mißverstanden werden, als wenn Weitling überhaupt keine Geschichtskenntnisse besessen habe. Zahlreiche Stellen seiner Schriften erbringen den Beweis, daß er die paar Mußestunden, die ihm schlvere Arbeit und kommunistische Agitation ließen, auch dazu benutzt hat, sich mit geschichtlichen Büchern bekannt zu machen. Und er hat sich auf diese, Art ein Quantum historischen Wissens an« geeignet, um das ihn zahllose„Gebildete" beneiden könnten. Das klassische Altertum war ihm kein unbekanntes Land, und sogar über die indogermanischen Forschungen war er orientiert, die zu seiner Blütezeit noch in den Anfängen steckten. In die Entstehungs- geschichte deS Christentums hat er sich mit großer Liebe vertieft, und die Straußsche Evangelienkritik ist ihm nicht fremd geblieben. So war er auch in der deutschen Geschichte bewandert. Die revolutionären Gestalten der Reformationszeit haben offenbar große Anziehungskraft für ihn gehabt. Die Zimmermannsche Geschichte des Bauernkrieges ist augenscheinlich ein wahrer SchmauS für ihn gewesen. Auch die späteren Um- wälzungen haben natürlich sein Interesse gefesselt, ins- besondere die französische Revolution, und ebenso waren die Ereignisse der folgenden Jahrzehnte bis zu seiner Zeit ihm sehr wohl bekannt. Freilich, der Leitfaden durch das Labyrinth der historischen Tatsachen, den wir in Gestalt der materialistischen Geschichtsauffassung besitzen, dieser Leitfaden fehlte Weitling, und so erklärt sich z. B. das für den heutigen Leser sonst beftemdliche Faktum, daß er in den„Garantien" einmal in der ganzen Welt- geschichte nichts als eine große Räubergeschichte erblickt, in der die ehrlichen Leute allemal geprellt worden seien. Es begreift sich auch, wie er es für möglich halten konnte, daß eS schon in der Refor- mationszeit, ja, zur Zeit deS Urchristentums zur Aufrichtung deS Kommunismus hätte kommen können. Bekundet sich darin allerdings Mangel an historischem Sinn, so doch nicht in höherem Matze, als heute noch bei Unzähligen, die sich für historisch hochgebildet halten, ja, vom Universitätskatheder Ge- schichte dozieren und auch wirklich Tatsachen in schwerer Menge kennen, wozu ihnen bloß das geistige Band fehlt. Weitling besaß in seiner Art ein sehr respektables historisches Wissen, wie ihm denn überhaupt kein Unbefangener die allgemeine Bildung absprechen wird, die dazu gehört, um ein Buch über einen Gegenstand wie den der„Garantien" zu schreiben. Mi vollem Recht sagt Mehring: „Weitling war eine geniale Natur von den reichsten Anlagen; durch eiserne Selbstzucht hatte er sich ein großes Wissen erworben, auf das er sich, wenn anders jedermann sich seines Fleißes rühmen darf, wohl etwas einbilden durfte." Läßt sich das selbst für das Gebiet der Geschichte belegen, obwohl dies nicht Weitlings stärkste Seite war, so tritt dagegen sein Wissen und Können aufs glänzendste in die Erscheinung, wo er so recht in seinem Element ist: die„Garantien' sind ein fortlaufender Beweis dafür, daß ihr Verfasser die großen sozialistischen Systeme völlig in sich verarbeitet hatte und durch ökonomisches Wissen und Lebenserfahrung befähigt war, sie für die Interessen des Proletariats nutzbar zu machen und fortzubilden. „Zum ersten Male', sagt Mehring über den Grund des tiefen Ein» drucks der Weitlingschen„Garantien",„machte ein Arbeiter mit dem revolutionären Teniperament seiner Klasse, mit dem instinktiven Scharfsinn ihres erwachenden Klassenbewußtseins, mit packender und stürmischer Beredsamkeit den Gedankenschatz des Sozialismus mobil für den Emanzipationskampf des Proletariats�».. Weitling läßt sich an geistiger Bedeutung nicht mit den großen Utopisten ver- gleichen, aber er warf die Schranken nieder, die sie von der Arbeiter- klasie trennten, und was die herrschenden Klassen in gnädig-herab« lassender Laune als müßiges Gedankenspiel an den Wänden ihrer Paläste geduldet hatten, das rann ihnen nun zusammen in ein drohendes Menetekel.... Es gehl wie ein erster tiefer Atemzug des proletarischen Klassenkampfes durch Weitlings Schrift, und jeder Arbeiter, der sie heute liest, wird, wie wir meinen, dieses Geistes einen Hauch verspüren...' Dieses Lob der„Garantien" ist wohlverdient. Mehring neigt, weit entfernt, die Bedeutung Weitlings zu überschätzen, eher zum Gegenteil. Wenn er meint, Weitling habe als Wortführer des proletarisierten Handwerks von der historischen Bedeutung des großindustriellen Proletariats nicht die leiseste Ahnung, er wisse nichts von einem historischen Leben der Arbeiterklasse, so ließe sich dagegen einiges einwenden. U. a. ließe sich die Stelle der„Garantien" anführen, wo eS heißt, die Welt stehe am Vorabend einer gewaltigen Krisis; ein mächtiges, fest ein- gewurzeltes, bis jetzt von den Philosophen noch verschontes Vor- urteil sei niederzureißen(d. h. die bestehende Gesellschaft muß theoretisch und praktisch überwunden werden):„dies kann jetzt aber nur in den großen Städten Frankreichs und Englands am wirk- samsten geschehen." Dies heißt denn doch wohl so viel, daß Weit- ling die ökonomische Rückständigkeit Deutschlands und der Schweiz mit ihrem vorwiegenden Kleinbürgertum als ein gewaltiges Hindernis erkennt, die großen Industriestädte Englands und Frank- reichs als den geeignetsten Boden der kommunistischen Beivegung ansieht. Der historische Hintergrund der„Garantien" wäre vielleicht noch deutlicher zum Vorschein gekommen, daS Verständnis deS Buches in einigen Punkten erleichtert worden, wenn in der Einleitung die Behandlung der ftanzösischen Dinge nicht im wesentlichen mit dem 12. Mai 1839, dem Zusammenbruch der Babouvisten, bezw. Blanquisten aufhörte, sondern noch ein Blick auf die französische, in erster Linie Pariser Arbeiterbewegung der beginnenden SOer Jahre geworfen würde. Zu dieser Bewegung gaben Weitlings Bcrufsgenoffen, die Schneider, den Anstoß. Sie waren schon in den Jahren 1832 und 33 wiederholt in den Ausstand getreten, um ihre elende Lage zu verbessern. Seitdem war ihre Lage noch schlechter geworden, wie Louis Blanc angibt, infolge der fabrikmäßigen Herstellung, die vom Jahre 183S datiert. Den Winter von 1339 aus 1819 hatten sie infolge des schlechten Geschäftsganges besonders schwer zu leiden. Im Mai 1819 traten sie, 599 an der Zahl, in den Ausstand für höhere Löhne und Abschaffung der Arbeitsbücher. Es entwickelte sich ein Kampf von großer Hartnäckigkeit, in dem die Schneider nicht allein gelassen wurden. Die Schreiner, Tapetendrucker, Schuhmacher und zahlreiche andere Berufe schloffen sich dem Streik an, der allmählich fast allgemein wurde und 59999 Arbeiter umfaßte. Die Berufe, die nicht ausständig waren, unterstützten die Streikenden durch Geldbeiträge. Die Bewegung beschränkte sich nicht auf die ur- sprünglichen Streitpunkte, sondern wurde zu einer allgemeinen Kundgebung proletarischen KlaffenbewußtseinS. Arago erntete eine große Arbeiterovation, als er in der Kammer Organisation der Arbeit verlangte. Die Wahlreformbewegung fand beträchtlichen An- klang unter dem Proletariat. Cabcts kommunistische Agitation, die im Jahre 49 begann, hatte große Erfolge. Eine extreme Richtung des babouvistischen Kommunismus stellte die travaiUours'Sgs.IitL.iröS, die gleichheitlichen Arbeiter dar, die u. a. Nationalwerkstätten forderten und zu ihren Mitteln das Attentat zählten: daS Attentat auf Louis Philippe(Oktober 1835) ging aus ihrem Kreise hervor. Eine gemäßigte Richtung, die sich um das Arbeiterblatt.D'atslior'(„Die Werkstätte") gruppierte, forderte Produktivassoziationen und eine demokratische Wahlreform, wofür übrigens auch Cabet und sein Anhang eintraten. Diese mannigfaltige Bewegung hat auf Weitling, der mit einer Unterbrechung bis zum Frühling 1341 in Paris war, einen starken Eindruck geübt. Zahlreiche Stellen der„Garantien" stellen eine Aus- einandersetzung mit den verschiedenen Forderungen in der fran- zösischen Arbeiterbewegung dar. Dahin gehören z. B. die AuS- führungen über Nationalwerkstätten und Produktivassoziationen, die Behandlung der Wahlrechtsfrage, die Ablehnung der Attentatstaktik. ES fehlt hier leider der Raum, um auf diese interessanten Dinge näher einzugehen; bemerkt sei bloß noch, daß FouriercS Buch über das Bllrgerkönigtum viel intereffanteS Material über dieses Stadium der französischen Arbeiterbewegung beibringt. das für das Verständnis der Weitlingschen„Garantien" von Interesse ist, die 1342 erstmals erschienen. Zwei Mcnschenalter sind seitdem verfloffen. Aber immer noch bleibt das Hauptwerk dieses kühnen Vorkämpfers der proletarischen Revolution lesenswert. Wer durch die inhaltreiche Einleitung Mehrings vorbereitet an die Lektüre der „Garantien" herangeht, wird daraus gewiß für fein sozialistisches Denken Nutzen ziehen und neue Begeisterung schöpfen für die gewaltigen Ziele, zu denen Weitling als Erster unter den deutschen Arbeitern den Weg gewiesen hat.». o. Eingegangene Dfiichfcbritten. Wissenschaft und Bildung. Band 49. Deutsche SlltertnmSkunde. Von Professor Dr. Fischer.— Band 39. Die evangelische Kirche und ihre Sicsormen. Von Prosessor Dr. F. Niebergall.— Band L0. Die Lehre von der Lnutbildung. Von Prosessor Dr. L. Sütterlin.— Band 41. Mozart. Von Prosessor Dr. H. Frhr. v. d. Psordien. Einzel- band geh. 1 M.. geb. 1,2S M.— Volksbildung, Politik und Religion. Von Prosessor Dr. PH. Stein und Psarrcr E. Fuchs. Die VolkSkuIlur Nr. 6. Einzelpr. 60 Pf. Verlag: Quelle u. Meyer In Leipzig. KstKreiners Malzkaffee ist- nach Vorschrift zubereitet- der wohlschmeckendste und bekömmlichste Morgenkaffee. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. # ( Siehe Wochen Spielplan.) Sonntag, den 4. Dttober. Freie Boltsbühne. Nachmittags 8 Uhr: 6. Abteilung im Neuen Schauspielhause: Die Kinder der Exzellenz. 9. Abteilung: nachmittags 3 Uhr im Thalia Theater: Tedeum. Montag, den 5. Oftober. 12.( I.) Abenbabteilung: abends 8 Uhr im Neuen Schaus spielhause: Judith. Neue Freie Voltsbühne. 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Java? und die übrigen Schlager des Programms. Tägl. abends 8 Uhr: Gr. Vorstellung. Jeden Sonntag, Mittwoch u. Sonnabend: 2 gr. Vorstellungen, nachm. 4 Uhr u. abends 8 Uhr. Jeden Sonnntag von 11 Uhr vorm. bis 12 Uhr: Besichtigung u. Fütterung d. Raubtiere. Jeden Wochentag ab 10 Uhr vorm. bis 12, Uhr mittags: Hochinteressante Raubtier- Dressur- Proben. Besichtigung und Fütterung der Raubtiere gegen ein Entree von 50 Pf. für Erwachsene und 25 Pf. für Kinder. Billettverkauf von 11 Uhr vorm. ab. Preise der Blaze 2, 1,50, 1, 75, 50 f. Borzugstarten, halbe Breise, überall gratis zu haben. Kottbuser Sanssouci, Straße 6. Direktion Wilhelm Reimer. Heute Sonntag: Neues Programm. Tanz Gr. Elite- Soiree Kränzch. Don Hoffmanns Nordd. Sängern Bum 31. Male: Ein bengalischer Tiger. Poffe in i Att. Morgen: Soiree. Tanz. Beg. Sonnt. 5, wochent. 8. Dienstag: Theater- Abend. Graf Effeg. Fröbels Allerlei-Theater Schönhauser Allee 148. Jeden Sonntag: Spezialitäten.Theater- Borstellg. Jeben Dienstag: Bernh. 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Wirtschaftlicher Wochenbericht. $ 750 Damit ein geführt: 4.158 303 2 485 503 auss geführt: 1 266 461 1 862 236 mithin beträgt der Einfuhrüberschuß Doppelzentner: 2 891 842 623 267 -2 268 575 Natürlicherweise müßten nun die Preise in Deutschland fich Das Gesamtresultat der zurüdgegangenen Einfuhr und der günstig für den Konsum entwickeln. Aber die Junker haben Maß gesteigerten Ausfuhr im laufenden Jahre ist die Verminderung des nahmen getroffen, die ihnen auch bei einer guten Ernte die Hoch- Einfuhrüberschusses um rund 22 Millionen Doppelzentner. Ein Berlin, 3. Oftober 1908. haltung der Preise garantieren. Die schlechte Welternte sorgt zunächst für die heimische Getreideversorgung noch ungünstigeres Resultat Der Junker Glüd.- Das System der Ausfuhrscheine.- Prämiierung schon für das Ausbleiben einer preisdrüdenden Konkurrenz. Aber ergibt sich für Roggen! Es wurden nämlich in Doppelzentnern der Getreideausfuhr.- Gefährdung der Boltsernährung. Die noch mehr wird der Junker Glück gefördert durch das System der forglose Regierung. Einfuhrscheine. Dieses System hat sich in der Praxis zu einer Man beDeutschlands Junker haben Glüd! Als großes Geschent fiet echten und rechten Prämiierung der Ausfuhr entwickelt. ihnen der 5- refp. 5,50 M.- Getreidezoll in den Schoß. Damit war dente nur: ein Land, das stets auf Getreideeinfuhr angewiesen ist, Januar- August 1907 den Rittern von Ar und Halm schon ein hoher Verkaufspreis garan- zahlt Prämien auf ausgeführtes Getreide! Das System der Ein- Januar- August 1908 in 1908.-1 672 800+595 775 tiert. Mag nun eine gute Ernte im Auslande den Weltmarktpreis fuhrscheine hatte den Zwed, ausländisches Getreide, das nicht für Der Einfuhrüberschuß von annähernd 3 Millionen Doppelzentner auf ein für die Voltsernährung erfreuliches Niveau bringen, für die den Konsum in Deutschland bestimmt war, das die deutsche Grenze heimischen Brotesser wird der Preis um die ungefähre Höhe der zum Zwecke der Veredelung passierte, von der Zollbelastung zu für die ersten 8 Monate des Vorjahres ist für die Parallelzeit 1908 Zölle fünstlich verfeuert. Da Deutschlands Konsum an Brotgetreide befreien. Für das dementsprechend deklarierte eingeführte Getreibe auf 2 Millionen Doppelzentner zufammengeschrumpft. Birka fich auf zirka 9-10 Millionen Tonnen Roggen und 5-6 Millionen wurde von der Zollbehörde ein sogenannter Einfuhrschein aus- auf 3 Millionen Doppelzentner zufammengeschrumpft. Birka Tonnen Weizen stellt, so ist die Belastung der Konsumenten mit gestellt und erfolgte bei der Ausfuhr des aus jenem Ge- 75 Proz. der gesamten Einfuhrmenge gelangte wieder zur Ausfuhr. treide gewonnenen Mehles die Rückzahlung des bei dem Die Mehrernte ist durch die gesteigerte Ausfuhr und verminderte Einfuhr, bei Weizen und Roggen zusammen, schon fast völlig aus 500 000 000. für Jahre mit normaler Ernte nicht zu hoch berechnet. Aber um den vollen Betrag der Zölle wird der Inlands. Eingang über die deutsche Grenze gezahlten Bolles. Köpfe zahlreicher geworden. Das gleiche Quantum Getreide bedeutet preis bei ungünstigen Ernten über den Welthandelspreis hinaus die Einfuhrscheine nicht zu Spekulationen mißbraucht werden geglichen. Aber die Bevölkerung Deutschlands ist um 1 Million getrieben. Und solche, den heimischen Großgrundbefizern Gold konnten, war bei der Ausfuhr der Identitätsnachweis zu führen. daher schon ein relatives Minus. Und allem Anschein nach wird sich spendende Verhältnisse hatten wir im Vorjahre; und sie sind den Ge- Diese Vorbeugungsmaßnahme, die verhüten sollte, das System der das Verhältnis in den nächsten Monaten noch ungünstiger gestalten. treideverläufern auch für das laufende Jahr treu geblieben. Die vor- Einfuhrscheine als Mittel zur Erlangung von Ausfuhrprämien zu Denn in den letzten Monaten stand die Roggen- Ein- und Ausfuhr jährige schlechte Ernte trieb den Preis auf eine nur aus Notstands- mißbrauchen, ist nun aufgehoben. Der Identitätsnachweis behindert im umgekehrten Verhältnis zum Normalen. Im August dieses jahren bekannte Höhe hinauf. Nach den Berechnungen des Statistischen nicht mehr die Spekulation! Die Ausfuhrscheine sind ein Handels Jahres z. B. war die Roggen- Einfuhr auf 188 135 Doppelzentner objeft geworden jedes andere Steuerjahr 1891: 31,66 M., der Preis sant dann bis unter 21 M., tanischen Weizen einführt, dann fann er den erlangten Einfuhrschein zurückgegangen, die Ausfuhr dagegen auf 585 732 Doppelzentner feit 1886 schwanfte er zwifchen 21-25 M. und schnellte im laufenden wieder verkaufen, z. B. an den Befizer von Getreide, das an der gestiegen. Die Ausfuhr übersteigt die Einfuhr um das Dreifache! Noch weiter verschärft hat sich das Mißverhältnis dann im September. deutsch- russischen oder österreichischen Grenze lagert. Die Zollast Jahre auf über 33 M. hinauf. Noch schärfer find die Preise für reduziert sich für den Getreideimporteur um den Betrag, den er für In den ersten drei Wochen des September wurden ausgeführt: 1907 Mithin in 1908 Mehrausfuhr Weizenbrot hinaufgegangen, nämlich von 46,67 M. im Jahre 1891 Doppelzentner und von 41, bis 413 M. in der Zeit von 1891-1904 auf über 54 M. den Schein erlangt. Und der Exporteur erhebt, wenn er Getreide Doppelzentner Doppelzentner 171 786 1 261 426 1 089 740 im Jahre 1908. Die Hoffnungen, eine reichliche Welternte werde das ins Ausland schafft, ganz gleich, ob es deutsches oder ausPreisgebäude zusammenstürzen lassen, scheinen sich als trügerisch zu ländisches Ernteprodukt ist, von der Reichstaffe den vollen ZollIn der Zeit vom 1. August bis 20. September des Vorjahres erweisen. Die diesjährige Welternte ist der vorjährigen quantitativ jazz. Er bekommt nicht nur den Verkaufspreis, sondern auch die ungefähr gleich; aber der Anteil Deutschlands daran hat sich ver- Differenz zwischen Zollsaz und Erstehungspreis für den Einfuhrschein. wurden nur 302 230 Doppelzentner Roggen exportiert; in der diesändert. Dem Ausland ist eine weniger gute Ernte beschert; speziell Der Effekt folcher Praxis für das Inland ist, daß hier das jährigen Vergleichszeit schnellte die Ausfuhr auf 1847 158 Doppeldas sonst Roggen ausführende Rußland hat ein bedeutend geringeres Angebot abgeschwächt wird und infolgedessen die Preise nach oben Quantum geerntet. Der Ausfall ist so groß, daß Rußland nun er- tendieren. Und muß nachher das Getreide zurückgeholt werden, hebliche Mengen Roggen importieren muß. Deutschland dagegen dann zahlt der deutsche Konsument selbstverständlich die durch das erfreut sich einer günstigen Getreide- und speziell einer guten Roggen- Spazierenfahren der Ware entstandenen Kosten und den vom aus ländischen Händler verlangten Profit. Solchen Widersinn, solche ernte. Es wurden nämlich in Deutschland geerntet: Kräfteverschwendung zeitigt das zur Freude der Junker bei uns eingeführte System der Schutzölle in Verbindung mit dem der Einfuhrscheine. Der Grad der Verteuerung durch das kombinierte ZollAusfuhrprämiensystem wird bestimmt durch den Umfang des Getreideerportes. Und dieser hat im laufenden Jahre eine beängstigende Höhe erreicht. Folgende Zahlen reden darüber eine deutliche Sprache. Roggen in Tonnen Weizen 3 847 447 1899. 8 675 792 1900 8 550 659 3 841 165 1901 8 162 660 2 498 851 1902 9 494 150 3 900 396 1903 9 904 493 3 555 064 10 060 762 3 804 828 9 606 827 3 699 882 9 625 138 3 939 563 9757 859 8 479 324 10 060 000 3 800 000 lidno 1904 1905 1906 1907 1908. Nach der vorstehenden Schäßung für 1908 würde die heimische Ernte die des Vorjahres um etwas mehr als 2 Million Tonnen übersteigen. 1979 Hoteld Die Ein- und Ausfuhr Deutschlands an Weizen gestaltete fich wie folgt: EinfuhrEinfuhr Ausfuhr überschuß in Doppelzentner 540 474 627 243 Januar- August 1907 • 1908 " • .. 16 358 079 13 940 545 in 1908 +86 769 18- in Winter- Ulster und Paletots. ab bu Die letzten Neuheiten in Herbst- u. 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Dieser Gefahr steht allerdings die Aussicht auf glänzende Geschäfte für die Getreideverkäufer gegenüber. Um den Preis des Volkswohles auf Wucherpreise zu verzichten, das fällt dem edlen Junkertum natürlich nicht ein. Und weil die Agrarier die hohen Getreidepreise nicht gefährdet sehen wollen, darf die Regierung dem drohenden Getreidemangel nicht durch geeignete Maßnahmen ent gegentreten; fie darf das nicht tun, bei Gefahr, sich die Ungnade des Junkertums zuzuziehen! Und andere Gefahren gibt es für die Blockregierung anscheinend nicht. Manufakturwaren- Sortiments- Geschäft R.& S. Moses nur! Reinickendorfer Straße 10 Ecke Dalldorfer Straße, an der Markthalle Wedding, gehören zu den größten und ältesten Lieferanten des„ Rabatt- Sparvereins Norden"! Große Auswahl neuer Damen- Kleiderstoffe sowie Damen- u. Kinder- Konfektion für Herbst und Winter 1908/09. Reichhaltiges Lager fertiger Kostüme und Mädchenkleider, Brautkleider in Seide und Wollstoff. Wollstoff. 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Oktober, abends 8% Uhr: Volks- Versammlung im Konzertsaal der Brauerei Happoldt, Hasenheide, Ecke Gräfeftraße. Zages Drdnung: Die politische Lage. Referent: Reichstagsabgeordneter Richard Fischer. Frauen und Männer! Die in Aussicht stehenden Steuervorlagen sowie der Ernst der politischen Lage machen es uns zur Pflicht, schon jetzt gegen derartige Projekte zu protestieren. Erscheint deshalb in Massen! 211/17 Der Einberufer: Fritz Schwemke, Berlin, Grimmstr. 26. Charlottenburg. Dienstag, den 6. Oftober, abends 8, Uhr, im großen Saale des Voltshauses, Rosinensir. 3: Oeffentliche Versammlung. Tages- Drdnung: Kassenbäder ad, openiderſtr. 60 feber Art Augusta. Groß- Destillation Urbanstr. 100. Großer Mittags- Tisch von 12-3 Uhr, stets warme Speisen bis 11 Uhr nachts. Jeden Sonntag: Gänsebraten, Portion 60 Pf. H. Nagel, 1. Die Aufgaben der Charlottenburger Gemeindepolitik und bie Sozialdemokratie." Referent; Landtagsabgeordneter Paul Hirsch. 2. Distuffion. 3. Fortsetzung der Diskussion über den Bericht vom Nürnberger Parteitag. 250/15 Der Einberufer: Franz Reinsch, Charlottenburg, Galbaniftr. 15, 2. of II. 20095 Bahlreichen Besuch erwartet Deutscher Transportarbeiter- Verband. Verwaltung I( Verein Berliner Hausdiener), Adlerstr. 5. Hausdiener, Packer, Fahrituhlführer, Radfahrer aller Branchen: 88% Uhr: Mittwoch, den 7. Oftober, abends 8% Uhr: Große öffentl. Versammlung im großen Saale der„ Nenen Philharmonie"( Keller), Röpenider Str. 96/97. Zages Drbnung: Fortsehung der Diskussion über den in der Bersammlung am 22. vorigen Monats vom Stollegen 0. Schulzki gehaltenen Bortrag über die Frage: Welche Organisation ist für Hausdiener, Packer usw, am zweckmäßigsten? 4 der Stollegen, für gute Es ist Ehrenpflicht der Stollegen, für guten Besuch au agitieren. Die Kollegen anderer Drganisationen und die Richtorganisierten sind ganz besonders auf diese Bersammlung hinErscheint in Maffen! Die Ortsverwaltung I. 3. A.: Fr. Bappler. zuweisen. Mit follegialem Gruß Verband der Maler, Lackierer, Auftreidher c. Filiale Berlin. Bureau: Melchiorstr. 28, parterre. 71/8 Weinen werten Freunden und Verein für Frauen u. Mädchen Gönnern zur Nachricht, daß ich Borndorfer Str. 59 de Inſterburger Str. der Arbeiterklasse. ein Zigarren- Geschäft montag, den 5. Oktober, abends 8, Uhr, im Deutschen Sof", eröffnet habe. Mein gut assortiertes Lager in erstklassigen Marfen bei tulantester Bedienung halte bestens empfohlen. Hochachtungsvoll Ludauer Straße 15: Versammlung. 56,5 Wilh. Schrolle, Zorndorfer Vortrag von Frau Weyl über:" Kinderschutz". Straße 59. Tanz- Unterricht Albert Fricke Gäfte tilllommen. Distuffion. Der Vorstand. Dritter Wahlkreis. neuerbaute Arminhallen, Dienstag, den 6. Oktober, abends 8%, Uhr, im Gewerk Kommandantenstr. 58/59 ( neben d.Gebr. Herrnfeld- Theater). Anfang Oktober beginnen die neuen Sonrtags- und Wochentagskurse für Anfänger sowie auch Borgeschrittene. Näheres besagen die Prospekte. 44132* City- Hotel * 52/53. 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Vortrag des zweiten Berbandsvorsitzenden Kollegen Schneegah. 91/5 Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, an dieser Bersammlung Die Bezirkskommission. 2. Diskussion. 3. Bericht der Stommission. teilzunehmen. Montag, den 5. Oktober, abends 6 Uhr, ( gleich nach Feierabend): Branchen- Versammlung der Sumatra Decke Nr. 6195 Bautischler für Wedding und Moabit a 1,70 Java- Sumatra Nr. 6195 a 2,50 M. berzollt. 44652* Bollblätter mit guten Farben und ffeinem Brande. A. Plonsk& Co. A.Plonsk& Co. Berlin N., Brunnenstr. 25. Sumatras Hellfarbig, Voll Stück- u. Sandblätt. v. 250-525 Pf. Umblatt No. 118 140 Pf. viel Deckblatt enthaltend, Java- Umblatt 115-140 Pf. leicht und kolossal ergiebig, Java- Einlagen 85-105 Pf. Vorstenl. Decke z. Verkehrtrollen 160-275 Pf. Carmen 85-125 Pf. Brasils St. Felix, alte Ware, 115-135 Pf. Losgut, gar. rein amerik. 85 u. 90. Sämtl.Preise versteh. sich verzollt. Stukkateure! Fernsprecher: Amt IV, 4787. Montag, 5. Oktober, abbs. 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, großer Saal: Mittwoch, den 7. Oktober 1908, abends 8%, Uhr: Oeffentliche Versammlung. der Lackierer Sektionsversammlung der Lackierer in Dräsels Festfälen, Neue Friedrichstraße 35, Zages Drdnung: Zages Drdnung: 91/7 bei Milbrodt, Müllerstraße 7. Tagesordnung: 1. Bortrag. 2, Diskussion. 3. Wahl der Kommiffion. Die Branchenkommission. Deutscher Buchbinder- Verband. Deutscher Zahlstelle Berlin. Achtung! Etuis- Branche! Achtung! Mittwoch, den 7. Oktober, abends 6 Uhr: Branchen- Verfammlung im Lokal von J. Meyer, Drantenstraße 103. Tages Ordnung: 1. Bortrag des Genossen Nackivih über:" Savonarola und seine Zeit. 2. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. 24/13 Bahlreiches Erscheinen der Kollegen und Kolleginnen ist dringend not Die Branchenleitung und Ortsverwaltung. wendig. Zentralverband der Schuhmacher Deutschlands Zahlstelle Berlin. Mittwoch, 7. Oktober, abends 8%, Uhr, im Lokal" Lebensquelle", Kommandantenstraße 20: Kombinierte Werkstatt- Konferenz für alle in der Schoßbranche beschäft. Kollegen. Zages Drbnung: 1. Bortrag über:" Arbeiterschuh oder Selbsthilfe. Referent: Nollege G. Balter. 2. Distusfion. 3. Wahl eines Agitationskommissions1. Unfere Berufslage und welchen Zwed hat die Berufs- mitgliedes. 4. Lohn- und Werkstatt- Ungelegenheiten. organisation in der jetzigen Zeit? Referent: Kollege Krebs. Vorstellung. Billetts find im Bureau Blantenfelde- Str. 10 zu haben den 11. Oktober, nachmittags 1 Uhr: Urania2. Diskussion. Die Ortsverwaltung. 1. Vortrag des Genoffen Denker:" Das Reichs- fonders find alle bet Bosman u. Knauer arbeitenben Stuffateure nebst vereinsgesetz," 2. Diskussion. 3. Berschiedenes. a Kollegen! Erscheint zahlreich zu dieser wichtigen Bersammlung; be Borarbeitern und polieren des Hotelbaues Esplanada" hierzu eingeladen. 167/4 73/ 19* Der Einberufer. Die Kollegen werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Sektionsleitung. Verband deutscher Gastwirtsgehilfen. Ortsverwaltung Berlin. ☐☐ Abteilung für das Hilfspersonal. Bureau: Gr. Hamburger Sir, 18-19. Telephon: Amt 3, 1813. Dienstag, den 6. Oktober cr., nacht 8 12 Uhr, im Lokale von Engel, Seydelftr. 30: Oeffentliche Versammlung aller im Gastwirtsgewerbe beschäftigten Hilfspersonen, als: Zapfer, Kupfers u. Silberputzer, Destillations. gehilfen, Hausdiener usw. Zages Drbnung: 1. Welche Lehren ziehen wir aus den zurzeit herrschenden wirtschaftlichen Verhältnissen?" Referent: Kollege E. Hegewald. 2. Diskussion. 3. Berschiedenes. 20296 Wir erfuchen die Kollegen im eigenen Interesse, in dieser wichtigen Bersammlung zu erscheinen. Der Vorstand. Zentralverband der Dachdecker Verwaltungsstelle Berlin. Mittwoch, den 7. Oktober, abends 8%, Uhr, Weinstraße 11: Versammlung Zages Drbnung: 1. Bie stellen wir uns zum Zeitungsverfand im nächsten Jahre 2. Berbandsangelegenheiten. Bahlreiches Erscheinen erwartet 54/16 Der Vorstand. Geld zum Möbeleinkauf ist überflüssig geworden, seitdem man tatsächlich im Eigenheim dem bekannten großen 45582+ Möbel- und Polsterwaren- Magazin 15 große Verkaufsräume Berlin Sw., Kochstr. 75L= 15 große ( Ecke Wilhelmstraße), Verkaufsräume sämtliche Möbel, vom einfachsten Kleiderschrank bis zum luxuriösesten Salon, auch ohne Anzahlung erhält. 2. Geschäft: Charlottenburg, Knesebeckstr. 80/81. 169/18 Verband der Portefeuiller Uhr, Dienstag, den 6. Oktober, abends pünktlich 8 im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal I: Außerordentliche Generalversammlung Tages- Drdnung: Welche Gründe verpflichten uns, mit den Sattlern uns zu verschmelzen und die bevorstehende Urabstimmung. Referent: Genoffe Ernst Schulze. In Anbetracht der äußerst wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht eines jeben Kollegen, in dieser Bersammlung zu erscheinen. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Die Ortsverwaltung. Sonntag, den 11. Oktober, nachmittags 4 Uhr: Vorstellung in der Urania, Taubenstr. 48/49. Vortrag: Eine Nilfahrt bis zum zweiten Katarakt. Billetts a 70 Bf. intl. Garderobe find in der Bersammlung, auf dem Bureau sowie bei sämtlichen Bertrauensleuten zu haben. D. D. ArbeiterSamariter Kolonne. Winter- Kursus 1908/1909. Der Kursus beginnt in dieser Woche in der 1. Abteilung Dresdener Str. 45 morgen Montag. ieloch, Grunewaldstr. 110, am 3. in Schöneberg bei 99 Donnerstag, den 8. Dftober. 4. 99 in Lichtenberg bei Bedmann, Samariterftr. 11, am Donnerstag, den 8. Dktober. Das Thema des ersten Abends in feber Abteilung lautet: Ueber Anatomie( Bau des menschlichen Körpers) mit Demonstrationen 291/4 an Wandtafeln und Präparaten. Einschreibegeld 50 Pf., Monatsbeitrag 25 Pf. Die Bibliothek steht ben Zeilnehmern zur Verfügung. Der Besuch des ersten Abends steht jebem als Gaft fret. Die Lehrstunden beginnen 9 Uhr abends. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. 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Montag: Götterdämmerung.( Anfang 6, Uhr.) Dienstag: Mignon. Dienstag: Tiefland. Mittwoch: Die Fledermaus. Donnerstag: Tiefland. Donnerstag: Lohengrin.( Anfang 7 Uhr.) Freitag: Manon Lescaut.( Anfang 7%, Uhr.) Mittwoch: Die Hugenotten. Sonnabend: Tiefland. Freitag: Samson und Dalila. Sonnabend: Die Bohème. Sonntag: Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die Fledermaus. Abends: Manon Lescaut. Die Bohème. Montag: Sardanapal.( Anfang 8 Uhr.) Montag: Tiefland. Königl. Schauspielhaus. Sonntag, nachmittags 2, Uhr: Wilhelm Residenz- Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Haben Sie nichts Zell. Abends: Die Jäger. Montag: Julius Casar. Dienstag: Die zu berzollen? Abends sowie täglich: Das Glüd der andern. Selige sabensteinerin. Mittwoch: Wallensteins Lager. Die Piccolomini. Donners. Oftave. Sonntag, den 11. Oftober, nachmittags 3 Uhr: Haben Sie nichts tag: Wallensteins Tod. Freitag: Die Jäger. Sonnabend: Der lezte zu verzollen? Abends und Montag: Das Glüd der andern. Selige Ottave. Funte. Sonntag: Macbeth. Montag: Die Rabensteinerin. Neues tönigl. Opern Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der Trianon Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Frl. Josette Abends und Montag: Paragraphen- Schuster. Dienstag: meine Frau. Dorfpfarrer. Abends sowie täglich: Die Liebe wacht. Sonntag, den meine Frau. Abends Der Herrgottschniger von Ammergau. Mittwoch: Paragraphen- Schuster. 11. Dltober, nachmittags 3 Uhr: Frl. Josette Donnerstag: 3' Liserl vom Schliersee. Freitag: Jägerblut. Sonnabend: und Montag: Die Liebe wacht. Neues Operetten- Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der 3' Dorfgeheimnis. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Almenrausch und EdelOpernball. weiß. Abends und Montag: 8' Dorfgeheimnis. Abends sowie täglich: Die Dollarprinzessin.( Anfang 8 Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag: König Lear. Montag: Medea. Sonntag, den 11. Oftober, nachmittags 3 Uhr: Der Opernball. Abends Dienstag: Rabale und Liebe. Mittwoch: König Lear. Donnerstag: und Montag: Die Dollarprinzessin. Rabale und Liebe. Freitag: König Lear. Sonnabend: Ein Sommers Hebbel Theater. Täglich: Der Liebhaber. Lustspielhaus. Montag: Was ihr wollt. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die blaue Maus. nachtstraum. Sonntag: König Lear. Abends fomie täglich: Dieselbe Vorstellung. Sonntag, den 11. Oktober, nachmittags 3 Uhr: Die blaue Maus. Abends und Montag: Dieselbe Vorstellung. Deutsches Theater( Kammerspiele). Sonntag: Sozialaristo fraten. Montag: Gespenster. Dienstag: Frühlings Erwachen. Mittwoch: Sozialaristokraten. Donnerstag: Lysistrata. Freitag: Teratoya. Kimito. Sonnabend: Nju. Sonntag: Sozialaristokraten. Montag: Lysistrata. Leffing Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die Weber. Abends: Dienstag: Gespenster. Mittwoch: Gespenster. Montag: Rosenmontag. Der Raub der Sabinerinnen. Donnerstag: Gespenster. Freitag: Der Raub der Sabinerinnen. Sonnabend und Sonntag: Gespenster. Montag: Rosmersholm.( Anfang 7%, Uhr.) Berliner Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Emilia Galotti. Abends: Mercadet. Montag: Der Traum ein Leben. Dienstag: Mercadet. Mittwoch: Die Journalisten. Donnerstag: Mercadet. Freitag und Sonnabend: Erotil Ein Erinnerungsfest. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Emilia Galotti. Abends: Erotit. Ein Erinnerungsfeft. Montag: Der Traum ein Leben. Theater des Westens. Sonntag, nachmittags 3%, Uhr: Die lustige Witwe. Abends sowie täglich: Ein Walzertraum. Sonntag, den 11. Dt. tober, nachmittags 3%, Uhr: Die lustige Witwe. Abends und Montag: Ein Walzertraum. Schiller- Theater O. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Stein unter Steinen. Abends, Montag und Dienstag: Julius Cäsar. Mittwoch und Donnerstag: Das Stiftungsfest. Freitag: Der Familientag. Sonnabend: Ein Teufelsferl. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der rote Leutnant. Abends und Montag: Der Familientag. Schiller Theater Charlottenburg. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Göz von Berlichingen. Abends: Ein Teufelsterl. Montag: Hans Hude. bein. Dienstag: Ein Teufelsterl. Mittwoch: Der Herr Ministerial direttor. Donnerstag: Sonnabend: Julius Casar. Freitag: Das Opferlamm. Julius Cäsar. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Göz von Berlichingen. Abends und Montag: Julis Cafar. Friedrich Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Sonntag, nach mittags 3 Uhr: Der gehörnte Siegfried. Siegfrieds Tod. Abends: Kleines Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Mandragola. Madame Sans Gêne. Montag: Großmama. Dienstag: Egmont. Mitt. Abends und Montag: Lady Frederid. Dienstag: 2X2= 5. Mittwoch woch: Als ich wiedertam. Donnerstag und Freitag: Wilhelm Tell. Sonn und Donnerstag: Lady Frederid. Freitag: 2 × 2= 5. Sonnabend: abend, nachmittags 4 Uhr: Hänsel und Gretel. Abends: Madame Sans Nenes Theater. Allabendlich: Bahrheit. Neues Schauspielhaus. Sonntag: Fauft. I. Tell.( Anfang 7%, Uhr.) Montag: Judith. Dienstag bis Donnerstag: Fauft. I. Teil.( Anfang 7 Uhr.) Freitag bis Sonntag: Das Fräulein in Schwarz. Montag: Unbestimmt. = Sonntag, Gêne. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der gehörnte Siegfried. Siegfrieds Tod. Abends: Großmama. Montag: Als ich wiederkam. Lorking- Theater. Sonntag, nachmittags 3%, Uhr: Die Hauben lerche. Allabendlich: Baza. Thalia- Theater. Allabendlich: Das Mitternachtsmädchen. Sonntag, den 11. Oktober, nachmittags 3 Uhr: Der Meineidbauer. Luifen- Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Ausgewiesen. Abends und Montag: Aennchen von Tharau. Dienstag: Ausgewiesen. Mittwoch: Aennchen von Tharau. Donnerstag: Freiheit. Freitag: Flachsmann als Erzieher. Sonnabend, nachmittags 4 Uhr: May und Morih. Abends: Flachsmann als Erzieher. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Helga. Abends und Montag: Freiheit. Rabale Bernhard Rose- Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: und Liebe. Abends: Das Käthchen von Heilbronn. Montag: Der Theater teufel. Dienstag: Das Käthchen von Heilbronn. Mittwoch: Kabale und Liebe. Donnerstag: Der Theaterteufel. Freitag: Herr Paragraph. Sonn abend, nachmittags 4 Uhr: Aschenbrödel. Abends: Das Käthchen von Heila bronn. Sonntag: Herr Paragraph. Folies Caprice. Täglich: Die Brautschau. Die lästige Witte. Casino Theater. Sonntag, nachmittags 4 Uhr: Reezengasse 8a Abends sowie täglich: Familie August Knoche. Sonntag, den 11. Ottober, nachmittags 4 Uhr: Reezengaffe 8a. Abenss und Montag: Familie Knobe. Parodie- Theater. Täglich: Cavalleria rusticana und Berlin steht Stopp. Gebr. Herrnfeld Theater. Allabendlich: Die beiden Bindelbands. ( Anfang 8 Uhr.) Metropol Theater. Allabendlich: Donnerwetter tabellos.( Anfang Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten.( Anfang 8 Uhr.) Apollo Theater. Allabendlich: Ein Sonntagmorgen in Rußland. Vera Violetta. Spezialitäten.( Anfang 8 Uhr.) 8 Uhr.) blanc. Urania Theater. Taubenstraße 48/49. Täglich abends: Der Monte Nachmittags 4 Uhr: Montag: Von der Zugspige zum Wahmann. Dienstag: Ueber den Brenner nach Venedig. Sonnabend: Eine Nilfahrt bis zum zweiten Katarakt. 7, Uhr.) Sternwarte, Invalidenstr. 57-62. Passage- Theater. Allabendlich 8 Uhr: Spezialitäten. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Spezialitäten. Balast- Theater. Allabendlich: Der Seetadett. Spezialitäten.( Anfang Walhalla Theater. Spezialitäten.( Anfang 8 Uhr.) Carl Haberland Theater. Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Gustav Behrens Theater. Spezialitäten. Reichshallen Theater. Allabendlich: Stettiner Sänger. $ Gutsitzende Ständiges Saison- Lager ca. 30000 Piecen Kgl. Preuß. Staatsmed. Damen- Konfektion eigener Fabrikation in unübertroffener Auswahl zu unerreicht billigen Preisen. Uebergangs- Paletots Jacken- Kostüme Pelz- Jacketts schicke Fassons, moderne Stoffe M. 8.75 11.- 14.- 19.- 25- 105.bis Abend- Mäntel auch zugleich Tagmäntel, Tuch und Fancy M. 18,-22,- 27,- 36-175.Plüsch- Jacketts prima Qualitäten, kleidsame Formen M. 26,- 32,- 38,- 45,- 115.bis Plüsch- Paletots auch für ganz starke Damen, reiche Garnierung M. 48,- 56,- 74,- 86- bis 210.BERLIN S Oranien- Platz M. mit langen Jacken, engl. Tuch- und Chevron- Stoffe 28.- 32-40-52- h 160.Schwarze Röcke Satin- Tuch, Tuch, Cheviot, Volle, Taffet M. 8.75 12.- 15.- 19,-90, Farbige M. 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Reichstags- Wahlkreises. Todes- Anzeige. Am 3. Oftober verstarb unser Mitglied, der Klavierarbeiter Heinrich Glaser Weißenburger Straße 20. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 6. Oftober, nach mittags 4 Uhr, von der Leichen halle des städtischen Friedhofes in Friedrichsfelde aus ftatt. Um rege Beteiligung ersucht 229/18 Der Vorstand. Hiermit die traurige Nachricht, baß mein lieber Mann, unser guter Bater Konrad Kuhl am 2. Dktober 1908 verstorben ist. Die Beerdigung findet am 5. Oftober nachmittags 3, Uhr von der Leichenhalle des städti schen Friedhofes, Müller. und Seestraßen- Ede, aus statt. Witwe Anna Kuhl und Pflegefohn Fritz Dartsch. Sozialdemokrat. Wahlverein für den 6. Berliner Reichstagswahlkreis. Todesanzeige. Am 2. Oktober verstarb unser Mitglied, der Feilenhauer Konrad Kuhl ( Adolfstraße 8). am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Montag, den 5. Oftober, nachmittags 3, Uhr, von der Leichenhalle des St. Philippus ApostelFriedhofes aus auf dem städtischen Begräbnisplatz, Müllerstraße, statt. Um rege Beteiligung ersucht 229/17 Der Vorstand. Am 2. d3. Mts., nachmittags 7 Uhr verftarb nach langem, schwerem Leiden das arbeitneh mende Borstandsmitglied unserer Staffe, der Stollege 20575 Konrad Kuhl im 56. Lebensjahre. am Die Beerdigung findet Montag, den 5. 63. Mts., nach mittags 3, Uhr, von der Leichenhalle des Philippus Apostel Friedhofes, Müllerstraße 44/45 aus nach dem Städtischen Friedhof Müllerstraße 42/43 ftatt und biffen wir um recht zahlreiche Beteiligung. Wir verlieren in dem Verstorbenen einen langjährigen, treuen Mitarbeiter, deffen Andenken wir stets in Ehren halten werden. Berlin, den 3. Dttober 1908. Die Vertreter der Arbeitnehmer der Ortskrankenkasse der Maschinenbauarbeiter und verwandter Gewerbe zu Berlin. Die Elferkommission. 3. A.: Bruno Ziese. Am 2. d. Mts., nachmittags 7 Uhr, berftarb leider nach langem schweren Leiden δας Borstandsmitglied unserer Stasse, Herr Konrad Kuhl im 56. Lebensjahre. am Die Beerdigung findet Montag, den 5. 6. Mts., nach mittags 3/2 Uhr, von der Leichenhalle des Philippus Apostel- Friedhofs, Müllerstr. 44/45, aus auf bem städtischen Friedhof, Müllerftraße 42/43, statt und bitten wir um recht zahlreiche Beteiligung. Berlin, den 3. Oftober 1908. Der Vorstand der Ortskrankenkasse der Maschinenbau- Arbeiter und verwandten Gewerbe zu Berlin. Franz Schuldt. 20565 Allen Verwandten und Bekann ten die traurige Nachricht, daß unfere gute Mutter, Schwefter und Schwägerin, Frau Auguste Gruber nach langen schweren Leiden am 2. Ottober nachmittags 3 Uhr verstorben ist. Die Beerdigung findet am 5. Dftober nachmittags 4 Uhr von der Leichenhalle des neuen Rigdorfer Friedhofes am Mariendorfer Weg aus statt. Die trauernden Hinterbliebenen Franz Gruber nebst Geschwistern. Unseren Mitgliedern und allen Genossenschaftern die traurige Nachricht, daß am Sonnabend früh nach kurzem, aber schwerem Krankenlager unser hochgeschätzterKollege und langjähriger Kassierer Franz Tutzauer einer Lungenentzündung erlegen ist. Wir verlieren in ihm einen gewissenhaften, von treuer redlicher Pflichterfüllung durchdrungenen Beamten. Durch Energie und peinliche Redlichkeit in Wort und Tat hat er sich die Achtung aller erworben. Sein letzter Gedanke galt der eben vollzogenen Vereinigung der Berliner Konsumvereine. Ein Werk, das den Verstorbenen mit hoher Genugtuung erfüllte. Sein offener, fester Charakter sichert ihm ein dauerndes Andenken! Konsumgenossenschaft Berlin, und Umgegend ( Eingetr. Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht). Der Aufsichtsrat. Der Vorstand. Die Beerdigung findet am Dienstagnachmittag 5 Uhr von der Leichenhalle der Freireligiösen Gemeinde in der Pappel- Allee aus statt. Sozialdemokratisch. Wahlverein des 6. Berliner Reichstagswahlkreis. Todes- Anzeige. Am 3. Oktober verstarb unser Mitglied, der Tischlermeister Franz Tutzauer Waldstr. 41. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 6. Oftober, nachmittags 5 Uhr, von der Leichen halle des Begräbnisplatzes der Freireligiösen Gemeinde, PappelAllee, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Deutscher 127/12 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung unseres unvergeßlichen Sohnes, Bruders, Schwagers und Dntels Nikolaus Schmidt, Eisendreher, fagen wir allen unseren herzlichsten Dant. Atelier für künstlichen Zahnersatz Zahnziehen, Plombieren. Alfred Faustmann, Frack zu Der neute, reich illustrierte Herbst- und Binter- Ratalog der Firma Fr. Hahn, Berlin C. 25, Alexanderplatz, ist erschienen. Die obige Firma, die 1825 als Samt- und Seidenwaren- Fabrik gegründet tourde, legt nach wie vor großen Wert auf die Abteilung von Seiden- und Samtstoffen. 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Oftober, nachmittags 4 Uhr, auf dem neuen Thomas Kirchhof in Nigdorf, Hermannstraße, statt. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Feilenhauer Konrad Kuhl geftorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 5. Ottober, nachmittags 3, Uhr, von der Leichen halle des Philippus- Apostel- Kirch hofes, Müllerstraße, aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. 122/20 Deutscher Transportarbeiter- Verband. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Arbeiter Gustav Willmam am 1. b. M. im Alter bon 47 Jahren an ber Proletarterfrankheit gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 5. b. M.. nach mittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Melanchthon- Kirchhofes, Mariendorf, Feldstraße 118 aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet Die Verwaltung II. 71/9 Dr. Schünemann 45032 Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrichstr. 203, Ede Schüßenstr. 10-2, 5-7, Sonnt. 10-12 Uhr. 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Ktilllge des Lllmsrts" Kerlilltr MlksdlM. � SM» ,» Partei- Angelegenheiten. 2. Wahlkreis. Montag, 5. Oktober, findet im g rohen Saal von Happoldt, tzafenheidc, eine Voltsversamm- lung statt mit der Tagesordnung:.Die politische Lag e". Referent Reichstagsabgeordneter Richard Fischer. Da der kam- mende Reichstag stch mit neuen Steuervorlagen befassen wird, müssen wir schon jetzt energisch Protest einlegen. Frauen und Männerl erscheint deshalb in Massen. Näheres siehe Inserat in heutiger Nummer. Der Vorstand. Charlottenburg. Dienstag, 6. Oktober, abends 8'/h Uhr, findet im großen Saale des Volkshauses eine öffentliche Volksversamm- lung statt. Auf der Tagesordnung stehen: 1. Die Aufgaben der Charlottenburger Gemeindepolitik und die Sozialdemokratie. Referent Landtagsabgeordneter Paul Hirsch. 2. Diskussion. 3. Fortsetzung der Diskussion über den Bericht des Nürnberger Parteitages. Rixdorf. Für die weiblichen Mitglieder des Wahlvcreins findet am Mittwoch. 7. Oktober, abends Uhr, in Hopoes Fest- fäle, Hermannstr. 49, eine Versammlung statt. Genossin Klara Wehl referiert über das Thema:„Die Frau und der Sozialis- mus".— Diskussion.— Vereinsangelegenheiten.— Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Schöneberg. Heute, mittags 12Vi Uhr, findet in den„Neuen Rathaussälen", Meininger Straße 8, die Wahlvereinsversammlung statt. Tagesordnung: Fortsetzung der Diskussion über den Nürn- berger Parteitag.— Vereinsangelegenheiten. Der Vorstand. Treptow-Baumschulenweg. Dienstag, 6. Oktober, finden die Monatsversammlungen des Wahlvcreins für beide Ortsteile statt. Die Treptower Versammlung tagt im Restaurant„Zur Rennbahn". Tagesordnung: 1. Bericht vom Parteitage. 2. Wahl eines Mit- glicdes zum örtlichen Vorstand. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Vcr- schiedenes. Die Versammlung für den Ortsteil Baumschulenwcg tagt in Speers Festsälen. Tagesordnung: l. Der Nürnberger Parteitag. Referent Genosse K ü t e r. 2. Diskussion. 3. Vereins- angelegenheiten. 4. Wahl eines Obmannes. RummelSburg. Dienstag. 6. Oktober, findet im Saale der Witwe Weigel, Türrschmidtstr. 45. eine Mitgliederversamm- lung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Berichterstattuno vom Parteitag, Referent Rechtsanwalt Kurt Rosenfeld. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legiti- rniert. Der Vorstand. Britz-Buckow. Dienstag, 6. Oktober, abends Uhr, findet bei Weniger die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und der Gemeindever- treter. 2. Bericht des Genossen Groger über den Nürnberger Parteitag. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legiti- miert. Der Vorstand. Karlshorst. Dienstag. 3. Oktober, pünktlich%9 Uhr, abends, Wahlvereinsversammlung im„Fürstenbad". Auf der Tages- ordnung steht ein Vortrag:„Von der Entstehung der Arbeiter- bewegung. Der Vorstand. Adlershof. Am Dienstag, 3. Oktober, abends 8lh Uhr, findet bei R. Bayer, Bismarckstr. 19, eine außerordentliche Mitglieder- Versammlung des hiesigen Wahlvereins mit folgender Tages- ordnung statt. Fortsetzung der Diskussion über die Konsumgcnossen- schaftsangclegenheit. Der Vorstand. Zernsdorf. Sonntag, nachmittags 3 Uhr, findet im Knorr» schen Lokale die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. berliner J�admcbtcn. Das KonsumgenossenschaftSwese» fimtfil in Berlin, trotz mancher Schwierigkeiten, die in den örtlichen Verhältnissen begründet sind, unausgesetzte Fort- schritte. Die Zahl der Mitglieder und damit auch der Waren- Umsatz ist ständig gewachsen. Neuerdings haben sich die beiden Konsumentenorganisationen, welche bisher in Berlin bestanden: der Konsumverein und die Konsumgenossenschaft, miteinander verschmolzen. Damit ist für Berlin die von den Interessenten längst als notwendig erkannte Einheitlichkeit der Organisation auf dem Gebiete des Genossenschaftswesens vollzogen. Von der Zusammenfassung der Kräfte unter einer einheitlichen Leitung sind natürlich weitere Fortschritte auf konsumgenossenschaftlichem Gebiete zu erwarten.— Wenn auch die Ausbreitung des Konsumgenossenschaftswesens von den Interessenten als befriedigend angesehen wird, so ist diese Befriedigung doch nur eine relative, denn im Verhältnis zu der großen Zahl von Konsumenten, welche sich in ihrem eigenen Interesse der Genossenschaft anschließen könnten, ist die Zahl der Genossenschaftsmitglieder doch immer noch gering. Trotzdem aber bildet die Konsumgenossenschaft schon heut einen beachtenswerten Faktor in der Warenverteilung. Das zeigt uns, anschaulicher als lange Zahlenreihen es ver- mögen, ein Blick m das Warenlager, aus dem die Verkaufs- stellen der Konsumgenossenschaft mit Bedarfsartikeln aller Art versorgt werden. Die Großeinkaufsgesellschaft deutsch er Konsumvereine hat sehr große Warenlager in ver- schiedenen Städten Deutschlands. Auch in Berlin befindet sich ein solches. Die Räume, in denen es früher untergebracht war, genügten nicht mchr. Seit Ende vorigen Jahres ist das Berliner Lager auf dem Grundstück Heidestraße 53 unter- gebracht. Der Besucher, welcher die Treppe zum ersten Stockwerk des Hofgebäudes emporstieg, tritt zunächst in das Kontor. Sechs bis acht Angestellte smd hier beschäftigt mit Buch- sührung und anderen schriftlichen Arbeiten, welche der kauf- männisch geleitete, bis in die kleinsten Einzelheiten zweck- mäßig organisierte Betrieb erfordert. Der große Raum ist von Licht und Luft durchflutet und kann in dieser Hinsicht den Kontorräumen so manches großen Privatunternehmens zum Muster dienen. Neben diesem Raums befindet sich das Kontor des Geschäftsführers, und an dieses schließt sich ein geräumiges Sitzungszimmer. Ein riesiger Glasschrank, der eine ganze Wand bedeckt, erregt die Aufmerksamkeit des Be° suchers. Hinter den blitzblanken Scheiben birgt sich ein Warenlager im kleinen. In Fläschchen, Gläsern, Büchsen und Päckchen sind Proben der verschiedensten Waren ausgestellt, welche die Großemkaufsgesellschaft führt. Das Sitzungs- zimmer dient der Abhaltung von Einkaufstagen. Das Ber- liner Lager versorgt nämlich außer Berlin noch die Konsum- vereine der Provinz Brandenburg, Pommern und Schlesien mit Waren. Innerhalb dieses Bezirks(Abteilung IV der Großeinkaufsgesellschaft) bestehen vier Einkaufsvereinigungen der Konsumvereine. Das heißt, eine Anzahl einzelner Ver- eine haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam einzu- kaufen uird sich dadurch die Vorteile des Einkaufs im Großen zu sichern. Die Einkaufstage sind Zusammenkünfte von Ver- tretern der einzelnen Vereine, welche hier ihren Bedarf an Waren zusammenstellen und ihre Bestellungen bei der Groß- einkaufsgesellschaft aufgeben. Im vorigen Jahre hat die Abteilung IV 25 Einkaufstage abgehalten und Waren im Werte von rund 5V2 Millionen Mark umgesetzt.— In den Lagerräumen des ersten Stockwerks sind un- geheure Mengen aller möglichen Waren aufgespeichert. In Säcken, Ballen, Fässern, Kisten sind sie verpackt. Meist sind es Lebensmittel, daneben aber auch andere Artikel des Massenkonsums. An der Hinterfront des Lagerhauses zieht sich ein Anschlußgleis vom Lehrter Bahnhos hin. Hier wer- den die Waren aus den Eisenbahnwaggons in Handrollwagen verladen und diese mittels elektrischen Aufzuges nach dem Lager hinaufbefördert. Ein großer Teil der Waren kommt von Hamburg auf dem Wasserwege nach Berlin. Diese werden von dem nahegelegenen Humboldthafen mit Fuhrwerk nach dem Lagerhause oder auch direkt nach den Verkaufsstellen be- fördert. Ein besonderes, von den übrigen Lagerräumen voll- ständig abgeschlossenes Zimmer dient der Aufbewahrung von Kaffee, Tee und Kakao. Von diesen Genußmitteln führt die Großeinkaufsgesellschaft ihre eigenen, mit Schutzmarke G.-L.-G. versehenen Sorten, die in Zubereitung und Mischung dem in den verschiedenen Gegenden Deutschlands ver- schiedenen Geschmack des Publikums Rechnung tragen. Die Räumlichkeiten im ersten Stock bedecken eine Boden- fläche von 1100 Quadratmetern, außerdem sind im Keller noch Lagerräume mit einem Flächeninhalt von 500 Quadratmetern vorhanden. Bedeutende Warenmengen gehen hier täglich ein und aus. In nicht zu ferner Zeit wird das Lager in der Heidestratze dein JSedarf nicht mehr genügen und die Gesellschaft wird sich an Stelle der Mietsräume, die jetzt eine Jahresmiete von 12 700 Mark kosten, ein eigenes Lager- haus beschaffen. So geht es Schritt vor Schritt weiter auf dem Wege der Organisation der Warenverteilung und im Anschluß daran zur Eigenproduktion der Genossenschaften. Die Berliner Konsumgenossenschaft geht bereits mit der Absicht um, eine eigene, mit allen technischen Vervollkommnungen der Neuzeit eingerichtete Bäckerei zu errichten, welche imstande ist, die Ar- beiterschaft mit gutem, preiswertem Brot zu versorgen. Dieser Plan sowie die weitere Ausgestaltung des Genossen- schaftswcsens wird um so eher zur Wirklichkeit werden, je mehr die Arbeiter durch Erwerbung der Mitgliedschaft die Konsumgenossenschaft vergrößern und finanziell stärken. Heidekraut. Wenn der bunte Blntenstrauß, den die Natur einige Monate hindurch vor unseren Augen entfaltete, allmählich dahinlvelkt und fahles Gelb und Braun und Grau die leb- haften Farben ablösen, dann ringt sich aus dem Sande der Mark hier und da noch einmal ein Blütenteppich zum herbst- lichen Himmel. Das Heidekraut blüht. Seit Wochen schon schauen die rötlichen' Sträußchen aus den dunkelgrünen. starren Büschen, und Wochen hindurch noch werden die kleinen, zierlichen Glöckchcn uns durch den Herbst zum Winter hineinläuten, bis der Frost auch dem bescheidenen Heidekraut ein Ziel setzen wird. Unsere Pflanze ist ein Vertreter der großen Pflanzen- familie der Heidegewächse, die fast anderthalbtausend Arten zählt. Fast dreiviertel dieser Zahl stammen aus Südafrika, aus dem Kaplande. Unsere Gärtnereien, Ballone und Fenster zeigen zahlreiche Vertreter dieser Familie, bei denen auch der Laie meist sofort die Aehnlichkeit mit unserem Heidekraut herausfühlt. Es sind prächtigere Formen, die unsere Heimat- liche Pflanze meist an Wirkung überragen. Und dennoch werden sie sie nie verdrängen können, denn es fehlt ihnen der Zauber der Pflanzen, die auf heimatlichem Boden ge- wachsen sind. Wäre es anders, so müßte man vielleicht dem baumarfigen Heidekraut den Preis zusprechen, das unter anderem in Südwesteuropa heimisch ist und aus den Kanarischen Inseln bis zu 20 Meter Höhe erreicht. Im Nordivesten und im Südosten der Mark nimmt das Heidekraut noch erhebliche Strecken des verheideten Bodens ein. Um Berlin ist es nicht gerade überall, aber doch an sehr vielen Stellen derart bestandbildend anzutreffen, daß rötlicher Schimmer den Boden überzieht. Kein Freund der Natur wird dem Reize widerstehen können, einen Strauß aus Heidekraut zu pflücken und ihn ohne Wasser tn eine Vase zu stellen, damit er im Winter noch lange einen letzten Gruß des Herbstes vor Augen habe._ ..Krankenhanödisziplin". Daß in Krankenhäusern d i e Patienten sich den Anordnungen der Aerzte sowie de? Pflege- und Wartepersonals zu fügen haben, ist im„Vorwärts" oft ausgeführt worden. Ein geordneter Krankenhausbetrieb, für den das Personal die Ver- antwortung übernehmen soll und kann, ist anders gar nicht mög- lich. Aber die immer wiederkehrenden Klagen über die„Kranken- Hausdisziplin" richten sich ja weniger dagegen, daß die Patienten sich fügen müssen, als dagegen, daß die«Disziplin" mitunter in einer Weise ausgeübt wird, die sehr an Willkür und Brutalität erinnert. Was soll man z. B. dazu sagen, lveNN man hört, daß im Virchow-Krankenhause auf der Station 25 für Geschlechtskranke der Wärter Blasen erklärt habe. er selber würde die dielen an Tripper Erkrankten am liebsten mit Prügeln zu kurieren suchen. Es wird sogar be- hauptet, er habe ausdrücklich den Gebrauch von Gummischläuchen als ein erfolgreiches Heilmittel gepriesen. Ein Mann, der in solchem Tone mit 5lranIcnhauSinsassen verkehren zu dürfen glaubt, ist doch wahrhastig nicht geeignet, Aufsichts- und Hoheitsrcchte über Patienten auszuüben. Möge er sich doch einem anderen Berufe zuwenden, wenn es ihm nicht paßt, bei Geschlechtskranken Wärter- dienst zu tun. Er war übrigens durch keine Ilngehörigkeit irgend- eines Patienten dazu gereizt worden, seine Schwärmerei für die Prügelkur zu bekunden. Der Mann ist, nebenbei bemerkt, dafür bekannt, daß er zu den Frommen gehört. Frömmigkeit und Prügelstrafe findet man allerdings oft beieinander. Aus dem Virchow-Krankenhause wird uns noch über ein anderes Vorkommnis berichtet, das gleichfalls zeigt, wie stark mitunter in dem Personal das Gefühl unbeschränkter Macht- Vollkommenheit ausgebildet ist. Krankcnhausärzte sind, wie man weiß, rasch bereit, gegen„Unbotmäßigkeit" die Disziplinarstrafe sofortiger Entlassung zu verhängeni Auf der Station 24 für Geschlechtskranke hat der Arzt Dr. Stanjek sich für berechtigt gehalten, die sofortige Entlassung eines Patienten D. zu bewirken, weil dieser zu einigen Patienten gesagt hatte, er werde über die soeben verfügte sofortige Ent- lassung eines anderen Patienten, die ihm ungerechtfertigt erschien, an den„Vorwärts" berichten. Seit wann hat ein Arzt sogar d i e Befugnis, einen Patienten schon dafür mit Ent- lassung zu bestrafen, daß er nur die Absicht geäußert hat, Ucber- griffe von Krankenhausärzten durch den„Vorwärts" zu vcröffent- lichen? Herr Dr. Stanjek machte übrigens kein Geheimnis daraus, daß ihm der„Vorwärts" ganz besonders verhaßt ist— wie allen, die Grund lzaben. ihn zu fürchten. Das merkwürdigste bei diesem Akt der„slrankenhausdisziplin" ist das, daß der zu Unrecht mit Entlassung bedrohte Patient, für den der Patient D. sich ereifert hatte, schließlich doch im Krankenhaus verbleiben durfte, während D. selber ohne Gnade ausgewiesen wurde. Man schreit immer darüber, daß die„Hetze" des„Vorwärts" daS Vertrauen der Bevölkerung zu den Krankenhäusern, den Aerzten usw. untergrabe. Untergraben wird das Vertrauen nicht durch uns, sondern durch d i e Personen, die solche Willkürakte begehen in der selbstherrlichen Ueberzeugung, die„Kranken- h a u s d i s z i p l i n" erfordere die sofortige Unter» drückung jeder Kritik. Wer so stramm ans Disziplin halten zu sollen glaubt, sollte zunächst mal über sich selber die ge- hörige Disziplin ausüben. Noch einmal: Der Sclbstmördcrfriedhof im Grunewald. Ueber die Vernachlässigung des Selbstmörderfricdhofs im Grunewald hatten wir kürzlich Klage geführt. Unter Hinweis auf jene unsere Mitteilungen wird uns über ein Begräbnis berichtet, das letzthin auf diesem Friedhof stattgefunden hat. Ob- wohl das Begräbnis durch die Familie des Verstorbenen bestellt worden war und in Gegenwart eines Trauergefolges vollzogen wurde, war der Verlauf doch so würdelos, daß dadurch die lebhafte Entrüstung der Teilnehmer hervorgerufen wurde. Der Lebensmüde, den sie zu Grabe trugen, war ein G a st w i r t F. aus Berlin. Er hatte sich im Grunewald erschossen, war als Leiche auf- gefunden und durch seine Frau rekognosziert worden und sollte nun auf dem dortigen Friedhof bestattet worden. Frau F. bestellte bei einem Tischlermeister Michel in Zehlendorf einen Sarg und verabredete mit ihm Tag und Stunde der Beerdigung. Sie be- zahlte ihm, nebenbei bemerkt, den Sarg mit 69 M., den Transport des Sarges mit 6 M. extra, eine Decke mit 5 M. und außerdem die „Beerdigung" mit 35 M.; so steht es auf der Rechnung, die uns vorgelegt worden ist. Die 35 M. berechnete Herr Michel sich offen- bar für die gleichfalls von ihm übernommenen Arbeiten bei der Herstellung der Gruft, der Reinigung und Einsargung der Leiche und der schließlichen Beisetzung. Als kurz vor der vereinbarten Zeit die Witwe mit den Kollegen des Verstorbenen, Mitgliedern des „Verbandes der freien Gast- und Schankwirte", auf dem Friedhof eintraf, war noch keine Gruft gegraben. Auch der Sarg wurde durch den Tischlermeister und zwei junge Leute erst jetzt angeliefert, wo das Trauergefolge bereits wartete. Die beiden jungen Leute machten sich nun in Gegenwart der Witwe daran, die Gruft auszuschaufeln. Als die Leichenhalle geöffnet wurde, zeigte sich der Witwe die Leiche noch in demsel ben Zustande, wie sie aufgefunden worden war, mit Blutbedeckt und auf einem Karren liegend. Nach- dem das Gesicht des Toten notdürftig gereinigt worden war— mehr war wohl überhaupt nicht möglich, weil es ja auf dem Fried- Hof kein Wasser gibt—, wurde die Leiche eingesargt und unter Beihilfe der Kollegen des Verstorbenen in die Gruft gesenkt. Die jungen Leute hatten übrigens— zur Verwunderung des Trauer- gefolges— dem Toten die Stiefel ausgezogen. AIS nach dem Grunde gefragt wurde, antwortete Herr Michel ärgerlich:„Na, Sie können sie sich ja mitnehmen!!" Handelte es sich hier um einen alten Brauch, der bei Beerdigung eines Selbstmörders als zulässig gilt? Es wurde darauf bestanden, daß die Stiefel noch nachträglich in die Gruft gelegt wurden. Herr Michel war auch' darüber zur Rede gestellt worden, daß er durch seine Saumseligkeit die Würdelosigkeit dieses Begräbnisses verschuldet habe. Er erklärte seelenruhig, hier draußen komme es nicht so genau darauf an. Man sieht, wie die Vernachlässigung des Selbst- Mörderfriedhofes ihre abstumpfende Wirkung ausübt. Da draußen „kommt es nicht so genau darauf an", selbst dann nicht, wenn man sich außer 71 Mark sür Sarg und Decke nebst Transport noch 35 Mark für„Beerdigung" hat bezahlen lassen. Fn der nächsten Woche findet eine Sitzung der Berliner Stadtverordneten-Versammlung nicht statt. Verweigerte Krankcnhilfe. ES ist ein anerkanntes Gebot nicht nur der Christen-, sondern der Menschenpflicht, daß man einem verunglückten Mitmenschen Hilfe zuteil werden läßt, soweit man dazu in der Lage ist. Die unbedingte Erfüllung einer solchen Pflicht der Humanität sollte man in erster Linie von jenen Stellen erwarten, die eigens dazu errichtet sind, um Kranken und Verunglückten zu helfen. Man sollte eS nicht für möglich halten, daß jemand, der vor der Tür eines Krankenhauses hilflos zusammenbricht, im Krankcnhause keine Hilfe findet. Und doch ist dem so. Es war am Montag, den 23. September, um die Mittagszeit, als in der Bernauer Straße, unmittelbar vor dem Lazarus- Krankenhause, ein Mann auf dem Straßendamm lag und sich in Krämpfen wand. Eine Menge Neugieriger umstand den Unglück- lichen, den man neben der Bordschwelle auf ein paar alte Säcke gelegt hatte. Ein uns bekannter Genosse, der vorüberkam, erfuhr. daß der Kranke schon seit einer halben Stunde dort lag, daß eine llrankenpflegerin aus dem Lazarus-Krankenhause sich den Ver- unglückten angesehen und sich wieder entfernt hatte.' Nun ging unser Genosse in daS LazaruS-Krankenhaus, um Hilfe zu holen. Einer Krankenschwester, die er im Empfangszimmer traf, trug er sein Anliegen vor. Aber statt einer Hilfe für den in Krämpfen auf der Straße Liegenden erhielt unser Genosse die Antwort, er solle sich an die Polizei wenden, das Krankenhauspersonal dürfe nicht einschreiten. Unser Genosse ließ sich durch diese Ant- wort noch nicht abweisen. Er rief einen vorübergehenden Kranken- Wärter an und fragte ihn, ob man denn dem auf der Straße liegenden Verunglückten die Hilfe versagen wolle. Auch der Krankenwärter erteilte unserem Genossen den Bescheid:„Wenden Sie sich an die Polizei, wir dürfen nicht einschreiten." Als de» Genosse nach einem Arzt fragte, wurde ihm gesagt, der Arzt sei gerade mit einer Operation beschäftigt und könne nicht abkommen. Ms unser Genosse sah, daß er im Krankenhause kein- Hilfe für den Verunglückten erhalten würde, entfernte er sich mit der Be- mcrkung, er werde diese Angelegenheit in der Oeffentlichkcit zur Sprachebringen. Diese Bemerkung hat allem Anschein nach den Sinn der Leute geändert, welche sich für unzuständig erklärt hatten, einem Verunglückten beizustehen. Bald nachdem sich unser Genosse aus dem Krankenhause entfernt hatte, kamen zwei Wärter und trugen den Verunglückten, der immer noch bewußtlos war, in das Krankenhaus. Es ist uns unverständlich, daß die von unserem Genossen an- gerufene Krankenschwester und der Wärter die Hilfe ablehnen konnte»«it dem Hinweis auf die fgolizet, die für diesen Kall S-ltandig sein soll. Wir sind eS Za gewohnt, daß die preußische Polizei für sich das Recht beansprucht, sich um alle möglichen Dinge zu kümmern, aber wir glauben, so weit geht selbst die Polizei nicht, daß sie berlangen sollte, man dürfe nur nach vorher eingeholter polizeilicher Erlaubnis einem leidenden Mitmenschen helfend beispringen. Schließlich ist ja durch die Tat bewiesen worden, daß man auch im Lazarus-Krankenhause keine polizeiliche Genehmigung braucht, um die verlangte Hilfe zu leisten. Aber warum wurde die Hilfe nicht sogleich geleistet? Ein Gorbon-Bennet-Nennen der Lüfte wird nächsten Sonnabend in Schmargendorf seinen Anfang nehmen. Es sollen nicht weniger als 86 Ballons in die Lüfte steigen. Herr Steinberg, der„Krawattcnakabemie".Dlrektor, stand am Sonnabend vor Gericht, nicht als Angeklagter, sondern als Kläger. Angeklagter war einer seiner Konkurrenten, ein Kauf- mann Schulze. Weshalb hatte Herr Steinberg gegen ihn geklagt? Wegen unlauteren Wettbewerbs! Herr Schulze sollte in Annoncen mehr gesagt und versprochen haben, als er dürfte. Das wollte Herr Steinberg seinem Konkur renten nicht gestatten, darum rief er gegen ihn die Hilfe des Ge- richts an. Man sagt, Herr Steinberg habe schon öfter in Klagen dieser Art den Gerichten zu schaffen gemacht. Herr Schulz« wurde freilich in erster Instanz freigesprochen. Gegen das freisprechende Urteil legte Herr Steinbcrg Berufung ein— auch das soll schon öfter bei ihm vorgekommen sein, wenn er in erster Instanz kein Glück gehabt hatte— und nun sollte die 0. Strafkammer des Landgerichts l darüber entscheiden. Leider kam es nicht dazu Herr Steinberg zog nämlich seine Berufung im Termin zurück. „Wie immer!" rief sein Konkurrent dazwischen. Das bißchen Kosten übernimmt selbstverständlich Herr Steinberg, er hat es ja dazu. Uebrigeus wollen wir, da wir gerade uns wieder mal mit dem Herrn„Krawattenakademie'-Direktor befassen, unseren Lesern mit teilen, daß er auch �«n„Vorwärts" verllagt hat, weil er meint, daß er durch einen von uns veröffentlichten Artikel- über seine Anstalt in der Achtung seiner Mitmenschen herabgesetzt worden sei. Man meldet uns, Herr Stemberg habe im Vorgefühl des Sieges, den er in dieser Beleidigungsklage davonzutragen hofft, auf der Redaktion eines anderen Blattes von 20 600 Mark(in Worten: zwanzigtausend Mark) ge- sprachen, die der„Vorwärts" ihm wegen jenes Artikels zahlen tverde. Die Idee ist nicht übel! Möglich wäre es schon, daß der Herr«Krawattenakademie"-Dircktor diese tolle Aeußerung getan hätte. Warum sollte er nicht in einer schwachen Stunde sich selber zu viel versprochen haben? Dr. Wicmer kein besoldeter Stabtrat. Wir nahmen gestern von der Meldung eines hiesigen Blattes Notiz, nach der beabsichtigt sei, Dr. Wiemer als Stadtrat vorzuschlagen. Wir gaben unserem Zweisel an der Richtigkeit dieser Meldung Ausdruck, weil es sich um die Besetzung von unbesoldeten Stellen handelte, die mit keinem Einkommen verknüpft seien, stellten aber auch die Mög- lichkeit nicht in Abrede, daß gewisse Leute den Plan hegen, den „verdienten" Blockfreisinnstreiter zunächst in ein unbesoldetes Amt zu bringen, das dann ein Sprungbrett zu einem besoldeten dar- stelle. Diese paar Zeilen haben die„Vossische Zeitung" auf- gebracht. Sie berichtigt uns dahin, daß die Stadtratsstelle für Dr. Friedel eine besoldete sei und schreibt dann wörtlich:„Zweitens hat Dr. Wiemer erklärt, daß er die Stelle eines be- soldeten Stadtrats ablehnen mühte. Es genügt zur Kennzeichnung der Kampfesart des Zentralorgans der Sozialdemo- kratie, auf diese Tatsachen hinzuweisen. Im übrigen hat der Ausschuß zur Borbereitung der Stadtratswahlen über die der Stadtverordneten-Versammlung zu machenden Vorschläge noch keinen Beschluß gefaßt." Durch die Mitteilung der„Vossischen" werden unsere Dar- legungen in keiner Weise erschüttert. Eine besoldete Stadtrat- stelle hat Dr. Wicmer also abgelehnt, demnach wäre wohl bestätigt, was wir vermuteten, daß gewisse Leute die Absicht haben, dem Herrn eine unbesoldete Stelle zu geben, und es würde. unsere Ver- mutung nur neue Nahrung finden, ihm den Weg eines Fischbeck gehen zu lassen, der vom unbesoldeten zum besoldeten Stadtrat avancierte. Es wäre auch zu grob, dem Herrn, der so gut wie gar nichts aufweisen kann als höchstens einige Dutzend mit allem niöglichen Bombast ausgestatteter Reden oder Leitartikel sofort zum besoldeten Stadtrat zu ernennen. WaL übrigens die„Vossische Zeitung" von unserer KampfeSart sagt, steht ihr schlecht an. Erst dieser Tage hat sie sich dazu her- gegeben, einen recht unverschämten Artikel im Reichsverbands- stile über die für Gehälter der Angestellten der Partei und Ge- werkschaften ausgegebenen Summen weiter zu verbreiten. Eine Ausstellung von Lehrlingsarbelten wird von dem In- nungsauSschuß der vereinigten Innungen zu Berlin in der West- halle dcS LairdesauSstellungsgebäudcs am Lehrter Bahnhof(Ein- gang Jiwalidenstrafec) von heute, den 4. Oktober, vormittags 10 Uhr ab bis 11. Oktober veranstaltet. Zu einer erregten Szene kam es Freitag nachmittag auf der Hochbahnstation Bülowstraße zwischen dem Begleiter eines Zuges und einigen Fahrgästen. Der Zwist entstand aus dem verhältnismäßig langen Aufenthalt des Zuges auf dieser Station, dessen Ursache den Fahrgästen unbekannt war, weshalb sie unruhig wurden und den Begleiter mit Fragen betreffs der Verzögerung bestürmten. Dieser soll sie darauf etwas kurz nach dem Stations- bureau verwiesen haben, Wo sie die Ursache des Aufenthalts er- fahren würden. Ungefähr«in Dutzend Herren drangen auf den Beamten ein, drohten mit einer Anzeige und warfen ihm Flegelei und Lümmel- haftigkeit vor. Der Beamte lehnte sich bleich und mit starrem GesichtSauSdruck an den Zug und reagierte absolut nicht. Was den Mann so an- gegriffen hatte, blieb uns unklar, als wir ihn aber auf der nächsten Station um Auskunft bezüglich der Zugverspätung fragten. erhielten wir bereitwillig und höflich Bescheid. VieUeicht kommt hier das Sprichwort zur Geltung: Wie man in den Wald schreit, so schallt es wieder heraus._ Abgeblitzt. Die Arbeitgeber der JnnunaSkrankenkasse der Tischler sind kürzlich unter Führung des bekannten Scharfmachers Rahardt Sturm gelaufen gegen die Leitung der Kasse. Sie wandten sich unter allen möglichen Verunglimpfungen des Vorstandes gegen eine beantragte, sich notwendig machende Beitragserhöhung. Um diese zu verhindern, verlangten sie eine schärfere Kontrolle der Kranken, obwohl eine solche Kontrolle stattfindet; sie wollten diese Kontrolle durch Arbeitgeber vornehmen lassen. Und weil die letzte Generalversammlung diesem Ansinnen nicht stattgab, wandten sie sich beschwerdeführend an die Aufsichtsbehörde. Hier haben sie aber kein Glück gehabt. Diese hat mitgeteilt, daß sie nach dem Gesetz nicht befugt sei, eine solche Kontrolle vornehmen zu lassen. Auch sei die Aufsichtsbehörde nicht in der Lage, eine einstweilige Verfügung zu erlassen, daß die Leistungen der Kasse vorläufig herabgesetzt werden. Die Jnnungskrankenkasse besitzt Selbst- Verwaltung und die Generalversammlung müsse für Remedur sorgen. Die Innung will nun Beschwerde beim Oberpräsidenten einlegen, was aber auch wenig nützen wird. Eine lebende Feuersäule. Das Opfer eines schrecklichen Brand. Unglücks wurde gestern abend das 17jährige Kindermädchen Ernestine Hanck. das bei dem Kaufmann Friedrich in der Bergstraße Nr. 58 bedicnstet war. Beim Wasserkochen hatte die H. eine Spiritusmaschine benutzt. Plötzlich stürzte die Maschine um und der brennende Spiritus ergoß sich über die Kleidung des jungen Mädchens. In wenigen Sekunden brannte eS lichterloh, und einer lebenden Fcucrsäule gleichend rannte die Bedauernswerte davon. Sie eilte aus der Wohnung heraus und�suchte in einem in deni- selben Hause belegenen Blumengeschäft Schutz. Man brachte die Brennende schleunigst auf die Straße und erstickte dort die Flammen durch Ueberwerfen von Tüchern. Inzwischen hatte aber das junge Mädchen am ganzen Körper erhebliche Brandwunden erlitten, daß es in bedenklichem Zustand in das städtische Krankenhaus ein- geliefert werden mußte. Todessturz eines Kindes. Bei einem verhängnisvollen Unglücks fall hat das zweijährige Söhnchen des Mechanikers Dahms. Böttcher- straße 24, den Tod gefunden. Der Kleine war während der Ab- Wesenheit der Mutter, die in der Küche zu tun hatte, auf das Fensterbrett geklettert und hatte aus die Straße hinabgesehen. Er verlor plötzlich das Gleichgewicht und stürzte kopfüber auf die Straße hinab. In besinnungslosem Zustand trugen Passanten den Kleinen nach dem Kinderkrankenhaus, doch schon auf dem Wege dorthin erlag er den schweren Verletzungen, die er sich bei dem Stürz zugezogen hatte. Peinliches Aufsehen und gerechten Unwillen bei dem Publikum erregte gestem nachmittag der eigenartige Transport eines Arbeits soldaten. Von zwei Musketieren mit aufgepflanztem Seitengewehr eskortiert, wurde gestern ein militärischer Sträfling durch die Friedriche sterbt, die Königgrätzer Straße entlang nach dem Potsdamer Bahw Hof geführt, begleitet von einer Menge halbwüchsiger Burschen und Kinder. Der eigenartige Zug wuchs bis in die Nähe deS Potsdamer Bahnhofes derart an, daß er mehrere Hundert Personen zählte, die schließlich von Schutzleuten vertrieben wurden. Seit Jahren hat die Kommandantur des Gardekorps die sehr praktische Einrichtung getroffen, daß derartige Transporte von Sträflingen mittels ge schlossener Droschke ausgeführt werden, während man dies bei den übrigen Armeekorps nicht zu kennen scheint. Es wäre wünschonS wert, daß derartige Anordnungen auch getroffen würden für Berlin passierende militärische Häftlinge, damit die letzteren nicht zum Schaue objekt für die Berliner Jugend gemacht werden. Straßcnbahnunfall. In der Großen Frankfurter Straße wollte ein Mann, anscheinend ein Schneider, mit einem LieferungS- palet die Vorderplattform eines in voller Fahrt befindlichen Straßenbahnwagens besteigen. Er kam dabei zu Fall und wurde von dem Anhängewagen 10 Meter mitgeschleift. Der Schwer. verletzte wurde von der in der Nähe befindlichen Feuerwache mit einem Wagen der Feuerwehr nach dem Krankenhause am Friedrichshain geschafft. Vermißt wird seit dem S. August d. F. aus Leipzig die Kellnerin Margarete Schumann, am 7. März 1891 dortselbst ge- boren; sie nennt sich auch Margarete Mühlmann. In einem an ihre Angehörigen von Berlin aus unterm 11. August 1908 ge- sandten Brief teilt sie mit, sich das Leben nehmen zu wollen. Sie ist sehr groß, von schlanker Gestalt, hat dunkelblondes, volles Haar, hellbraune Augen und blasse Gesichtsfarbe. Bei ihrem Fortgang war sie bekleidet mit blaugrauem Rock, hellgrauer Bluse mit weißem Spitzeneinsah, hellgrauem Jackett und weißem, rundem Strohhut mit rotem Samtband. Nachrichten über die Vermißte werden in jedem Polizeirevier und bei der Kriminalpolizei, Ale�anderstraße 8— 6, 2 Treppen, Zimmer 834, mündlich oder schriftlich zu 4440 IV. 58. 08 entgegengenommen. Der nördliche Fahrdamm des Grünen Weges von der Markus- straße bis zur Jfflandstraße wird behufs Legung einer Gasrohr- leitung voni 6. Oktober ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Feuerwehrbericht. Die Berliner Feuerwehr hatte in der letzten Nacht ununterbrochen zu tun. Unter anderem wurde sie nach dem Gesundbrunnen alarmiert, wo in der Stettiner Straße Nr. 45, der Lackiererei von Werner, Feuer ausgekommen war. Regale mit fertigen Helmen, Tische, Türen, Fenster, die Lackiererei, öwie ein angrenzender Schuppen mit Brennmaterialien brannten bei Ankunft der Feuerwehr. Diese mußte mit mehreren Schlauch. lcitungen kräftig Wasser geben und zum Vorgehen einen Steckleiter. gang benützen. Die Entstehung deS Brandes konnte nicht auf- geklärt werden. Fast gleichzeitig brannte in der Lortzingstr. 11 die Einrichtung der Schankwirtschaft von Rüstig. Tie in großer Stärke ausgerückte Feuerwehr löschte die Flammen durch kräftiges Spritzen. Um Mitternacht erfolgte ein Alarm nach den Variete- Gebirgshallen, Unter den Linden 14. Dort waren Gardinen, Por- tiercn, Türen, Fenster usw. in Brand geraten. Die Gäste und Angestellten beteiligten sich an der Löschung. Als die Feuerwehr erschien, hatte das Publikum das Lokal schon in Ordnung und Ruhe verlassen. Die Gefahr war bald beseitigt, entstanden war sie durch Unvorsichtigkeit. Zweimal hatte die Wehr-in der R 0 s en- tratze zu tun. Zuerst brannte Nr. 7 ein Llasten mit Müll und anderes, und dann Nr. 46 im Keller Papier. Der 16. Zug wurde ferner nach der Koloniestr. 69 gerufen, der 15. Zug nach der Bredowstr. 4L, wo Benzin und der Fußboden brannte. Mit Erfolg wurde in der Neuen Jakobstr. 19 ein Sauerstoffapparat benutzt. Am Weidenweg 54 mußte der 7. Zug einen Kellerbrand löschen. Der Automobilzug mußte tvegen der Verqualmung des Trcppeiu- hauscs nach der Christburger Straße 53 ausrücken. Am Luisen- ufer 50 war in einer Wohnung Feuer ausgekommen und am Elisabethufer 19 war ein Ballon mit Salpetersäure ausgelaufen. Im Keller des Hauses HauSburgstr. 10 brannte Papisr und Sagenauer Straße 13 Fett in einer Wohnung. Weitere Alarme liefen von der Ecke der Koch, und Markgrafenstraße, Straßburger Straße 39, Koppenstr. 95, Tiele-Hardenberg-Straße 9 und anderen Stellen ein. Die Schöneberger Feuerwehr hatte gestern vor- mittag um 7 Uhr in der Apostel-PauluS-Straße 17 einen größeren Zimmerbrand zu löschen. Die Wehr mußte kräftig löschen, um eine weitere Ausdehnung des Brandes zu verhüten. Eine Menge Möbel sind dem Feuer zum Opfer gefallen. Arbeiter-Samariterkolonne. Montag abend 9 Uhr Beginn des Winterkursus in der 1. Abteilung: Dresdener Straße 45. Vortrag über Anatomie(Bau des menschlichen Körpers). Zahlreiche Teil- nähme, auch der Frauen und Mädchen, ist erwünscht. Der Besuch des ersten Abends steht jedem als Gast frei. Ueber Beginn des Kursus in der 3. und 4. Abteilung ersuchen wir daS Inserat in der heutigen Nummer zu beachten. Vorort- l�acdricdten. Ein gewaltiger Herr! In einer Rebe, die der neue Rixdorfer PoNzeipräfident Becherer bei seinem Abschiede von HaderSleben, wo er als Landrat tätig war, gehalten hat, entpuppte er sich als begeisterter Anhänger der Köllerschen Gewaltpolitik. Mit einer geradezu brutalen Offenherzigkeit sprach er dort Ansichten aus, die für seinen neuen Wirkungskreis noch„Großes" ahnen lassen. Einige Sätze aus seiner Rede mögen unsere Auffassung demonstrieren. Er sagte unter anderem: «Ich kam her mit dem glühenden Wunsche, dem Vaterlande zu nützen und das Deutschtum mit allen mir zu Gebote st ehenden Mitteln zu fördern. Und ich kam ja nicht her als Fremder. Ungefähr fünf Jahre war ich in Schleswig gewesen und hatte Gelegenheit gehabt, unter der Leitung meines hoch- verehrten Chefs, des Herrn Oberpräsidenten v. Koller, die nord- ichleswigschen Angelegenheiten zu bearbeiten und so auch den Kreis faderSleben kennen zu lernen. Und erfüllt von den Grund- ätzen und Ideen dieser Politik kam ich hierher, bestrebt, diese Grundsätze in die Tat umzusetzen. Mit Unrecht ist diese Politik angefeindet worden, denn sie war frei von aller Sentimentalität und fußte allein auf dem Grundsatz, daß jeder daS Recht habe. Herr in seinem eigenen Hause zusein. Es war eine Politik, die hart»»d rücksichtslos fein konnte, wo es erforderlich war.... .. Wenn ich es aber nicht umgehen konnte, dann habe ich auch zu Radikalmitteln gegriffen und ich bereue dies keinen Augenblick. Ich bin auch heute noch überzeugt, daß eS die richtige Politik war, die damals eingeschlagen wurde, und daß sie auch noch heutigentags die einzig richtige wäre. Jetzt ist alles anders geworden, und ich passe nicht mehr in die hiesige» Verhältnisse. Da war eS eine Selbstfolge, daß ich meine vorgesetzten Behörden bat, mir einen anderen WirkungS- kreis anzuweisen... Denken Sie stets daran, daß die beste Hilfe die Selbsthilfe ist. Viele von Ihnen sind ergraut in dem Kampfe, viele von Ihnen sind noch jung, aber alle sind Sie beseelt von dein einen Gedanken: Hier sind wir, hier bleiben wir und hier wollen und müssen wir siegen. Wenn Sie danach handeln, dann muß auch der Sieg der Ihre sein." Die Einwohnerschaft RixdorfS, die in ihrer übergroßen Mehrheit aus Sozialdemokraten besteht, kann sich zu ihrem neuen Polizei- gewaltigen gratulieren. Nach der Auffassung der preußischen Realtionäre ist ja bekanntlich die Sozialdemokratie auch r e i ch S» feindlich gesinnt. Der neue Herr, der nach eigenem Geständnis in seinen früheren Wirkungskreis nicht mehr paßt, der„frei von aller Sentimentalität" „hart und rücksichtslos" mit.Radikalmitteln" arbeitet, der die „Selbsthilfe" empfiehlt, wird die Rixdorfer Soziaidemolraten schon zu regier»nigsfrommen Anhängern des preußischen Staates erziehen! Bielleicht wird er sogar noch einmal der schon lange gewünschte , st a r k e M a n n Die Qualifikation besitzt er durchaus! Gegen die Einschleppung der Cholera. In einer Sonderausgabe dcS Amtsblattes der königl. Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin erläßt der Regierungspräsident— vorbehaltlich der Zustimmung des Bezirksausschusses— für den Umfang des Regierungsbezirkes Potsdam(mit Ausnahme der Stadtkreise Charlottenburg. Schöneberg, Nixdorf, Wilmersdorf und Lichtenberg) eine„Polizeiverordnung betr. Melde- Verpflichtung mit Rücksicht auf die in Rußland herrschende Cholera". Dieselbe umfaßt folgende drei Paragraphen:»Alle aus ch 0 le r a-ver seuch t en Gegenden Rußlands kommende Personen sind verpflichtet. sich unverzüglich nach ihrer Ankunft bei der OrtS- Polizeibehörde zu melden, sofern zwischen ihrer Abreise aus den bezeichneten Gegenden und ihrer Ankunft nicht mehr als sechs Tage verflossen sind.— Zuwiderhandlungen gegen vor- stehende Bestimmung unterliegen den Strafbestimmungen in §§ 45, 46 des. Reichsgesetzes, betr. die Bekämpfung gemein- gefährlicher Krankheiten vom 30. Juni 1900.— Diese Polizei- Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündigung in Kraft." Charlottendurg. Vom Genossen Robert Schmidt erhalten wir folgende Zu- schrist mit dem Ersuchen um Abdruck: Nach einem Versammlungsbericht aus Charlottenburg über die Berichterstattung vom Parteitag hat Genosse Zubeil folgendes bemerkt:„Sehr bedauerlich ist es, daß durch den Schluß der Debatte auf dem Parteitag keine Gelegenheit gegeben war. dem Genossen Robert Schmidt entgegenzutreten, der dem Parteitag unrichtige Zahlen über die Kosten der letzten Maiaussperrung an- gegeben hat; er sagte, der Holzarbeiterverband hätte bei der letzten Maiaussperrung 150000 M. an Unterstützungen zahlen müssen, tatsächlich sind aber von der Berliner Organisation bei 22 000 bis 24 000 Mitgliedern nur 35 000 M. gezahlt worden, alles übrige fällt auf die Arbeitslosenunterstützung." Diese Angaben des Genossen Zubeil stehen mit der Wahrheit auf sehr gespanntem Fuße. ?jch habe in Nürnberg behauptet, daß für die wew-n der Mai- eier ausgesperrten Holzarbeiter 70 000 M. Unterstützung aus- gegeben wurden. Diese Angabe ist auch im Bericht de?„Vor- warts" über den Parteitag richtig wiedergegeben. Weshalb Ge- nosse Zubeil diese Summe um 80 000 M. erhöht, ist mir wohl verständlich, stellt aber seiner sachlichen Darstellung kein gutes Zeugnis aus, Nach dem Bericht, den mir der Kassierer der Ber- liner Zahlstelle heute gab, hat die Berliner Zahlstelle des Holz- arbeiterverbandes an die Maiausgesperrten aus der Lokal» kasse 42 693,80 M. und die Hauptkasse 18 248,50 M. Gemäß. regeltenunkcrstützung gezahlt. Nach Ablauf von 13 Wochen ist ferner an die Mitglieder, die noch ausgesperrt blieben, die Arbeits- tosenunterstützung gezahlt,- die ich allerdings auch aufs Konto der Maiaussperrung setze. Unberücksichtigt bleibt dabei die Unter- stützung. die in den Vororten Berlins gezahlt wurde, ferner die Kosten für Rechtsschutz usw. Meine Schätzung von 70 000 M. für das Berliner Lohngebiet blieb mithin erheblich hinter der tat, sächlichen Ausgabe zurück. Nur eine Unrichtigkeit ist mir unter- laufen. Ich gab die Zahl der Gemaßregelten auf 1000 an, in Wirklichkeit waren es 3500. Auf die Zahl 1000 sank die Ziffer erst nach einigen Wochen herab. Ich darf wohl nach diesen Fest. stellungen sagen, daß den Angaben des Kassierers der Zahlstelle des Holzarbeiterverbandes in dem Falle mehr Glauben beizu« messen ist als den völlig unkontrollierbaren Angaben deS Genossen Zubeil. Nixdorf. Durch einen rücksichtslosen Kutscher ist Freitag abend in der Hermannstraße«in schwerer Unglücksfall herbeigeführt worden. Die Iljährige Schülerin Käthe Albrecht. Münchener Straße 35, war von der Mutter fortgeschickt worden, um etwas einzukaufen. Als die Kleine den Fahrdamm an der Ecke der Hermannstraße über» chritt, kam ein Steinfuhrwerk in scharfem Tempo hcrangefahren und obwohl der Kutscher sah, daß das Mädchen in großer Gefahr chwebte, schlug er auf die Pferde ein, um sie noch mehr anzutreiben. Die A. geriet unter den Wagen und die Räder zermalmte» ihr beide Oberschenkel fast vollständig. In hoffimugS- losem Zustande wurde das bedauernswerte Geschöpf nach dem Kranken- Hause gebracht. Steglitz. Die Herdcrstraße, auf deren trostlosen Zustand unsere Gemeinde- Verwaltung durch den„Vorwärts" am 18. Juli d. I. hingewiesen wurde, wird nun endlich neu gepflastert werden. Die gestrige Ge- meindevertreteriitzung genehmigte, daß diese Straße an» statt Schlackenstein- Grauilsteinpflaster erhält. Wie der Gemeinde- Vorsteher sagte, lag die Schuld an der unverantwortlichen Ver- zö�erung der Arbeiten beim Ticfbauamt. daS nicht für rechtzeitige Lieserung von Pflastersteinen gesorgt habe. Der Bebauungsplan für daS Gelände an der Bäke wurde genehmigt und hierzu be- merkt, daß das Sumpfland zu einem öffentlichen Park um- gestaltet werden soll. Auch dem vorgelegten Fluchtlinienplan für den R a st a t t e r P l a tz. an der Grenze von Steglitz. Dahlem. Schmargendorf und WilnrerSdorf gelegen, wurde zugestimmt, Inach» dem die jahrelangen Verhandlungen mit diesen Nachbargemeinden und der Regierung, die sich sehr für diesen Platz interessiert, endlich zum Abschluß gelommen sind. Ein Antrag aus Acndcrung der Geschäftsordnung, welcher die Abschaffung des Maulkorb- zwanges für Gemeindevertreter bezweckte, wurde dem Gemeindevorstaud zur Beratung und Beschlußfassnng überiviesen. Die Minderheit will versuchen, den Beschluß, der vor zirka 3 Jahren von der Hausbesitzcnnehrheit durchgedrückt wurde, wonach über sämtliche KommissionSverhandlunaen Stillschweigen zu beobachte» ist, wieder aufzuheben. Ob eS gelingt, ist fraglich. Schmargendorf. Sonderbare Krankenfürsorge. Ein bei den Ausschachtung«» arbeiten am verlängerten Hohenzollerndamm im Grunewald be- schäftigter Arbeiter erkrankte vor einigen Togen bei seiner Arbeit so stark, daß er ohnmächtig wurde und seine Ueberführung nach dem Krankenhause sich als notwendig erwies. Alle Bemühungen jedoch. ein Gefährt zmn Transport des Kranken zu erlangen, ölieben erfolglos. DaS angerufene KreiskrankenhaiiS Lichterfelde wollte den Kranken wegen Ueberfiillung nicht annehmen. Die Gutsverwaltung Dahlem versprach, wenn es ihr möglich sei. einen Wagen zu senden. Von der Forstverwaltung Zehlendorf. auf deren Terrain die Arbeiten ausgeführt werden, war keine Ant- wort zu erhalten und so lag der Kranke denn vom Mittag bis in die neunte Abend st unde aus dem aufgeworfenen feuchten Erdreich. Endlich nahte von Dahlem ein Gefährt zum Transport des Kranken, das einem Mistwagen, auf welchen etwas Stroh geschüttet war, sehr ähnlich sah. Der Transport in diesem sonder- baren Krankenwagen wurde dem Erkrankten jedoch erspart, da zur selben Zeit aus Charlottenburg ein Krankenwagen kam, der den jungen Mann in ein Krankenhaus überführte. I» der letzte» Mitgliederversammlung des Wahlvereins behandelte Frau I e e tz e- Rixdors das Thema:„Die politische und Wirtschaft- liche Lage der Arbeiterschaft früher und jetzt'. Die interessanten Ausführungen der Referentin wurden von der gutbesuchten Ver- sammlung mit lebhaftem Beifall belohnt. Nach einer kurzen DiZ- kussion gab Genosse Pinkert die Abrechnung vom Stiftungsfeste be- kannt. Dann wutzde noch darauf hingewiesen, daß im Herbst die Gemeindevertreterersatzwahl 1. Klasse stattfindet, die für die Arbeiterschaft aber des hohen Zensus wegen nicht in Frage kommt. In den Wahlverein wurde ein Genosse neu aufgenommen. Pankow. Laut Beschluß der Gemeindevertretung müssen bis zum 16. No- vember spätestens die Ersatzwahlen zu der Gemeinde- Vertretung vollendet sein. Nach dem Ausspruch des Bürgermeisters, daß er die Wahlen am liebsten sofort vornehmen würde, ist damit zu rechnen, daß die Ausschreibung schon in den nächsten Wochen er- folgt. Wie bereits im März dieses JahreS, wird der Neichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie die Führung über sämtliche bürgerliche Vereine übernehmen. Wir werden keinen leichten Stand haben. An der Regsamkeit der Pankower Arbeiterschaft wird es liegen, wenn der Sieg auch diesmal wieder unser sein foll. Bei der Ur- wähl zum preußischen Landtag entfielen von sämtlichen in der Hl. Klaffe abgegebenen Stimmen 64 Prozent auf die Sozial- demokratie. Die kommende Abstimmung soll und darf kein schlechteres Resultat zeitigen. Die Wahl vollzieht sich auf Grund der im Anfange dieses Jahres aufgestellten Wählerliste. W e r i n derselben verzeichnet ist. ist wahlberechtigt. Genossen I Denkt daran, daß die Vorarbeiten die wichtigsten sind. Wir erwarten, daß jeder Genosse seine Pflicht erfüllt. Der Vorstand. In der letzten Gemeindevertreterfitzung wurde beschlossen, die Obersekunda der Oberreolschule zu teilen und eine neue Hilfslehrer- stelle zu errichten. An der höheren Mädchenschule werden ebenfalls zwei neue Hilfslehrerinnen eingestellt.— Fünf Damen, welche sich freiwillig gemeldet hatten, wurden als Waisenpflegerinnen gewählt. Ebenso wurde ein Borstand für die nengegründete Gemeindespar- lasse gewählt. Am Eröffnungstage sind bereits hundert Sparkassen- bücher ausgegeben worden. Von bürgerlicher Seite wurde eine Aenderung der Gemeindewahlbczirke angeregt: ein angesichts der bevorstehenden Gemeindewahlen sehr frommer Wunsch, welcher nach den Vorschriften der Landgemeiudeordnung im Augenblick jedoch nicht erfüllt werden kann. Ebenso wenig dürfte es angängig sein, die Wahl im Bezirk l diesmal in zwei Wahllokalen vor sich gehen zu lassen, da die für das ganze Jahr gültige Wählerliste hierzu einer Veränderung unterzogen werden und demzufolge auch zur öffentlichen Auslegung gelangen müßte. Der Zeitraum der öffent- lichen Auslegung ist jedoch durch die Landgemeindeordnung für den Monat Januar festgelegt. Friedrichshagen. Die Abonnenten de» Parteispedition werden erneut darauf aufmerksam gemacht, daß die Zeitung bis VHS Uhr früh an der Bahn verteilt wird. Für diejenigen, die sich die Zeitung nach der Bahn bestellt haben und dieselbe nicht abholen, liegt die Zeitung in der Parteispedition, Wilhelmstr. 63, bereit. Ferner machen wir darauf aufmerksam, daß trotz rechtzeitiger Abbestellung ein Privat- spediteur mit Absicht mehreren seiner früheren Abonnenten die Zeitung weitergeliefert hat. Wir ersuchen, derartige Versuche energisch zurückzuweisen. Die Zeitungskommission. Bohnsdorf. Die sparsame Eisenbahnverwaltung. Als vor einigen Jahren die Aufschüttung des Bahnkörpers der Görlitzer Bahn bei Grünau begann, ersuchten die Einwohner der westlich von Grünau ge- legenen Ortschaften Falke nberg und Bohnsdorf die Eisenbahnverwaltung, von der westlichen Seite einen Zugang zum Bahnhof zu schaffen. Diesem Wunsche wurde auch entsprochen, indem an der Richterstraße ein Zugang angelegt wurde. Aber wer etwa glaubt, daß bei der jetzt erfolgten Eröffnung des neue» Bahnkörpers dem dringenden Bedürfnis der Benutzung des West- lichen Einganges entsprochen wäre, der kennt den ausgeprägten Sparfinn der Eisenbahnverwaltung nicht. Auf Anfragen von Einwohnern der beiden Orte, warum der Gingang nicht in Be- Nutzung genommen werde, erfolgte die kühle Antwort:„Es liegt noch kein Bedürfnis vor." Bis eir.„Bedürfnis" vor� liegt, können ja nun die zahlreichen Fahrgäste den ziemlich großen Umweg zum anderen Aufgang machen. Die Eisenbahnverwaltung aber erspart während dieser Zeit den Lohn für den anzustellenden Beamten. Spandau. Stadtverordnetenversammlung. Nach eiwa Inständiger Be� ratung erteilte die Versammlung einstimmig ihre Genehmigum zur Aufnahme einer Anleihe von 31468600 W. durö Ausgabe von Stadtanteilscheinen. Der Magistrat hat hierdurch die Ermächtigung erhalten, das erforderliche Privileg bei der oberen Behörde nachzusuchen. Nach dem Bericht des Referenten, Stadt- verordneten Praher, und dem vom Stadtkämmerer gegebenen Er- läuterungsbericht werden die Zinsen und Amortisation den Stadt- säckcl nicht sehr schwer belasten, da man berücksichtigen müßte, daß durch die Anleihe auch Werte geschaffen werden, die der Stadr etwas einbringen. Zur Feststelluiig der durch Verzinsung und Tilgung für die einzelnen Jahre entstehenden Ausgaben wird auf eine besondere Nachweisung Bezug genommen, in welcher die in den Jahren 1909 bis 1918 zur Verzinsung gelangenden Anleihe- betrage nn einzelnen aufgeführt werden. Die Posten für lieber- nähme der Straßenbahn, für die Erweiterung der Kanalisation und Wasserleitung sowie für die Erweiterung der Gasanstalt sind bei der Feststellung der Verzinsung und Tilgung für die einzelne» Jahre außer Betracht gelassen, da anzunehmen ist, daß die be- treffenden Betriebe infolge ihres steten Anwachsens die Kosten für Verzinsung und Tilgung selbst aufbringen werden, ver Kämmereikasse also keine Ausgabe, vielmehr noch einen erhöhten Gewinn zuführen werden. Auch die Hafenanleihe ist hier nicht in Berechnung gestellt worden, da die Höhe der Barkosten und die genügend einem W... Proz. am 1. April 1916. Die Anleihe für den Ankauf des Gutes Garten- selbe in Hasclhorst ist auch außer Betracht geblieben, da die Kosten für eine fünfjährige Verzinsung in der Anleihe mit enthalten sind und da zu hoffen ist, daß das Grundstück innerhalb dieses Zeitraumes sich vorteilhaft wird veräußern lassen. Ferner bleibt zu berücksichtigen, daß die Zinsen für den Rathausneubau und die Heerstraße während des Baues aus der Anleihe zu bestreiten sind und somit die Verzinsung dieser beiden Posten erst mit den Jahren 1914 bezw. 1912 beginnt. Auch die Verzinsung der bereits unter- gebrachten Krankenhausanleihe beginnt aus dem gleichen Grunde erst im Jahre 1910.— Ob und wieweit die für Verzinsung und ...... U"" 6 _..._ Stadt aus den einzelnen Unternehmungen zu erwartenden gelowerten Vorteile verschiedene Gesichtspunkte in Betracht: So z. B. 1. für die Straßenregulierung aus Anlaß des Bahnhofsumbaues die Wertsteigerung des Grund und Bodens an den betreffenden Straßen und die dadurch erhöhte Grundsteuerabaabe sowie die Einnahme an Anliegerbeiträgen: 2. für'den RathauSneubau die wesentliche Reduzierung der nicht unerheblichen Ausgaben für Reparaturen an den alten Dienstgebäuden und Wegfall der für Bureauräum» zu zahlenden Mieten sowie die anderweitige Ver» Wertung der alten Grundstücke; 3. für die Heerstrahe die be- deutende Wertsteigerung des Grund und Badens: 4. für die Ent- festigung wie zu 1 sowie die Einnahmen aus der Veräußerung von Baustellen: 6. für den Bahnbau Spandau— Bötzow Wertsteigerung des Grund und Bodens und 6. für Umgemeindung Einnahme an Steuern. Hiscnach würde man ia trotz der wachsenden Schulden« last doch nicht mit einer erheblich größeren Steuerlast zu rechnen haben. Zudem soll ja die Anleihe nicht mit einem Male, fondern je nach Bedürfnis aufgenommen werden. Obwohl die gan�e Berechnung nur großzügig gemacht werden kann, wird bei Ausfuhrung der einzelnen Unternehmungen noch verschiedenes kommen, an das man nicht gedacht und neue Stcuerquellen werden gesucht werden müssen. Da ist dann in erster Linie die Wertzuwachs- ste uer zu empfehlen, die der Stadt gewiß reiche Erträge bringen würde. Diese Steuer, anfangs von unseren Genossen empfohlen, von den bürgerlichen Stadtverordneten bekämpft, gewinnt jetzt selbst in bürgerlichen Kreisen, soweit diese nicht Grundstücksspekulanten sind, immer größere Sympathie. Schlimmstenfalls hat Spandau auch noch großes Besitztum an Land außer dem Stadtwald, so daß sich schließlich immer noch Auswege finden lassen, um die Steuer- zahler nicht zu sehr zu belasten.— Debattelos beschließt die Ver- sammlung dann noch die Einführung des Scheckverkehrs und erledigt einige kleinere Vorlagen. Potsdam. Die letzte Stadtveroednetensitzniig gestaltete sich zu einer recht lebhaften: auch hatten sich, was sonst selten der Fall, eine Anzahl Zuhörer eingefunden. Den Hauptpunkt des Interesses bildete die Veschlußfassnug über die BePflanzung der Charlottenstraße mit Bäumen. Die Magistratsvorlage verlangte die BePflanzung mit Bäumen in einem Abstände von 10—12 Metern. Mit 20 gegen 16 Stimmen wurde diese Vorlage verworfen. Allgemein rügte man das Verhalten der Hauseigentümer, welche damit gedroht hatten, im Falle der BePflanzung die Beseitigung der Konsolen und Stangen der elektrischen Leitung von ihren Häusern zu verlangen, um hier« durch die Stadt in Verlegenheit zu brmgen. Recht kennzeichnend für unsere Hausagrarier. Eine zur Prüfung der Herstellung gärtnerischer Anlagen am Jägertor eingesetzte Kommission riet von emer Anpflanzung ab, da das Verkehrshindernis, welches das Tor bereits jetzt bilde, hierdurch bedeutend größer werde. Trotzdem einige Redner sowie ein Magistratsverlreter warm für Annahme der Magistrats« Vorlage eintraten, wurde dem Vorschlage der Kommission entsprechend veschlossen.— Die Waisenstraße zwischen der eisernen Brücke und der Spornstraße soll Asphaltpflaster erhalten, desgleichen soll eu, Teil der Kaiser-Wilhelmstraße, für welche Steinpflaster vorgesehen war. Asphalt erhalten. Die Hohewegstraße. die Schwertfeger- und Schloßstraße sollen elektrisch beleuchtet werden; die erforderlichen Mittel hierzu wurden bewilligt. Desgleichen bewilligte man 6482 M. für Mehrkosten bei der Neueinrichtung des Betriebes der Straßen- bahn. Der Fahrpreis für die im Bau befindliche Straßenbahnlinie Potsdam— Nowaweö soll von Rowalves bis zur Kaiserbrücke in Potsdam 10 Pf. betragen..... Zu Auseinandersetzungen gab eine Maglstratsvorlage Anlaß, welche Gewährung von Entschädigungen an Mitglieder des Steuer» ausschnsses zur Veranlagung zur Gebäudesteuer forderte. Trotzdem diese Mitglieder wöchentlich fast zwei volle Tage zur Erledigimg ihrer Arbeiten opfern müssen, war die Mehrheit der Ansicht, daß eine Besoldung nicht zulässig sei, da ihr Amt ein Ehrenamt sei. und wer zu einem solchen keine Zeit habe, dürfe sich nicht zur Ver- fügung stellen._ Familien. nähme neuer Mitg Lese- und D. �--- tro Monat Sitzung bei Bachstein, Salzwedelersw. 16. Zahltag und Aus« von 10—12 Uhr. ... 3. und 4. Montag (Abends 9 Uhr.) Eingegangene Druchscbriften. Der Mensch und die Erde. Von H. Krämer. Lleftnmg 66-66, Erscheint In 120 Lieferungen a 60 Ps. Deutsches Verlagshaus Bong u. Co., Berlin W. 57. Die Agrarverfassung der Niederlombardei von Dr. F. Rodelli Verlag: G. Braun in Karlsruhe i. B. Zeitschrift für Sozialwtffeuschaft. Hest 9. Herausgegeben von Dr. y. Wulj. Einzelheit 2 M. Verlag: A. Deichert in Leipzig. Die Slrbeiterfragc. Eine Einsührung von Dr. H. Herkner. 761 Seiten. Verlag: I. Guttentag, Berlin IV. 36. Ilmtlicher Marktbericht der städtischen MarkthalleinDIrektion übet. den Großhandel in den Zcntral-Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zusuhr schwach. Geschäst schleppend, Preise unverändert. Wild: Zusuh» reichlich, Geschäft sehr flau, Preise sinkend. G e s l ü a e I: Zufuhr genügend. In Gänsen weit über Bedarf, Geschäst schleppend, Preis« nachgebend. Fische: Zusuhr stark. Geschäft ruhig, Preise wenig besriedigend. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südsrüchte: Zusuhr genügend, Geschäft rege, Preise wenig verändert.__ «Mtterungsaversschk vom 3. Oktober 1»0S, morgens 8 Uvr. Stationen ■3 Ö 2-, II il Swtnemde. Hamburg Berti» grants.a.M. München Ate» 769 WSW 770 Slill 770 Still 770 NO 77t SO 770 Still Wetter 1 Nebel «Nebel !Ncbe1 1 wolkenl 1 wölken! wolkenl P fui Stationen saranda j 769 NS8 Diersburg 760 WNW Seillh Werdern Part» 763 O 766 Still 767 ONO i Wetter 2 bedeckt 2 wolkenl 4 halb bd. tvolkenl Iwollenl 8 4 15 13 IL Wetterprognose für Sonntag, de» 4. Oktober 1SV8. Trocken und vielfach heiter, zeitweise nebelig, am Tag« warm bei schwachen westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. »er LandeSanstalt WafferstaudS-Nachrlchtcu Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e l. Tilstt P r e g e I, Justerburg Weichsel, Thorn Oder, Natibor , Krossen Frankfurt Warthe, Schrtmm . Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz „ Dresden , Barby , Magdeburg am S. 10. om 159 -17 86 114 102 111 42 27 -3 —50 -167 54 73 >lr Gewässerkunde, mitgeteilt vom seit 1. 10. cm') -3 —7 —1 —8 0 —4 +1 0 -2 0 —2 Wasserstand Saale, Grochlltz Havel, Spandau1) , Rathenow') Spree, Sprembcrg') , Beeskow Weser, Münden , Minden Rhein. MaximilianSan , Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main, Wcrtheim Mosel, Trier am 2.10. cm 78 38 32 70 68 -97 -23 440 219 216 43 117 47 feit 1. 10 OJ»1) —2 0 +s —1 -8 —1 —6 0 —7 -1 -1 +5 ')+ bedeutet WuchS,— Fall,—■) Unterpegel. [ j[[[||||[[ Straßenbahn; Xo. 1,», 3, 4, 16, 31, 46, 76, 78, 79.|[|||[|[[[|| s Jt a ■8 a a rM i> JS % x « 2 a •a « - •a 5 8 Konkursmassen-Ausverkauf M. Löwinsohn Nachf. AndreassStr. 28 Grüner Weg 32 In dieser Woche kommen zum Verkauf neben anderen vorteilhaften, außergewöhnlich billigen Partien; Große Posten Pelzwaren. % S V Straßenbahn: No. 1,», 3, 4, IG,«», 31, 46, 76, 78, 70. Nach Erscheinen der Hauptpreisliste Preise bedeutend ermässigt für die in derselben nicht wieder aufgenommenen Artikel, ferner für Restbestände in allen Abteilungen. Besonders erwähnt seien einzelne Marken Tischzeuge, handgestickte Decken und Läufer, Bettwäsehe, Bunte Bezüge, Damen- u. Kinderwäsche( Musterstücke), Morgenröcke, Waschblusen, Taschentücher. Handtücher u. Badewäsche, Gardinen, Stores, Steppdecken, Leinen-, Baumwoll- u. farbige Waschstoffreste, Wollene u. baumwollene Blusen- Flanelle. Neuheiten in reichster Auswahl in allen Abteilungen vorhanden. Braut- Ausstattungen stets zur Besichtigung. F. V. 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Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 233. 25. Jahrgang. 6. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sonntag, 4. Oktober 1908. Achtung! Die Lifte bitten wir aufzubewahren! Achtung! Liste der bewilligten Bäckereien Berlins und Umgegend. Erscheint in Zukunft nur noch nach Bedarf. Parteigenossen, Hausfrauen, Arbeiter! Beim Durchsehen dieser Liste bitten wir ganz besonders genau darauf zu achten, ob der Meister, von dem man augenblicklich seine Backware bezieht, auch noch hierin verzeichnet steht, denn nur diese Liste bietet Garantie, daß die Kunden nicht etwa doch getäuscht werden! Es sei besonders bemerkt, daß viele Meister auf die Anfrage der Hausfrauen beim Bestellen von Frühstück erklären, fie hätten bewilligt und zum angeblichen Beweise die rote Legitimationskarte vorweisen.- Da diese Karte von Meistern, die die Forderungen durchbrochen haben, oft nicht abgeholt worden oder auf unlautere Weise in ihren Besitz gelangt ist, so erwähnen wir nochmals, daß nur diese Liste maßgebend ist. In Zukunft werden neu hinzukommende Tarifbäckereien oder solche, die durchbrochen hatten und dann wieder neu bewilligen, in den laufenden Nachträgen nur noch je einmal veröffentlicht, also bitten wir diese Nachträge sorgfältig anfzubewahren. Aderstr. 45, Benthin. 68, Goldader. " 85, F. Hanke. " 111, Thoma. 114, Marquard.. Adalbertstr. 36, Rauhut. 45a, D. Jante. 66, Hoppe. Adolfftr. 12b, Hänisch. Admiralstr. 10, D. Hante. 30, Heinroth. Allensteinerstr. 6, Ramthun. 11, P. Hanke. 15, Ulbrich. 26, Saunus. Alexandrinenstr. 28, Hilbig. Alte Jakobftr. 138, 2üd. Amsterdamerstr. 11, Eule. 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Auf vielfache Anfragen stellen wir fest, daß die Bäderei von Hanke, Mariannenstr. 7, nicht mit den bewilligten Hankeschen Großbädereien identisch ist, sondern lediglich den Namen gemein hat und die Badware aus der unbewilligten Bäderet von Weidner, Faldenfteinftr. 45, bezogen wird. Man fehe fich also vor Täuschungen die augenscheinlich beabsichtigt find, vor. H. Joseph& Co. Berliner Straße 54/55 RIXDORF Berliner Straße 54/55 Extra billiges Angebot von Neuheiten in der Damen- Konfektion. Paletots. Engl. Paletots, neue moderne Farbenstellung 99 49 10.50, Blusen. 975 Barchentblusen mit Blenden. mit Bordüren u. 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Er beantragte die Firma zu verurteilen, ihn auslernenzu lassen, da eine unterbrochene Lehrzeit für ihn eine große Schädigung bedeute. Die Beklagte wollte sich auf gütlichem Wege unter feinen Um sprach sich die 1. Rammer des Berliner Staufmannsgerichts in ihrer letzten Sigung in einem Urteil aus. Der Handlungs- ständen dazu verstehen, den Lehrling zurüdzunehmen. Das KaufTehrling J. flagte gegen die Konfektionsfirma Eman- Cohn- Reißner mannsgericht berurteilte die Firma, das Lehrverhältnis mit auf Fortsetzung des Lehrverhältnisses bis zur Beendigung der Lehr- dem Kläger bis zur Beendigung der Lehrzeit fortzusetzen. Das Gezeit. J. hatte im Hause der Beklagten bereits eine zweijährige richt ist der Ansicht, daß die Beklagte im Verhältnis zur Anzahl der Zehrzeit absolviert und war dann plöglich entlassen worden, Handlungsgehilfen zubiel Lehrlinge hat und daß darauf in weil sich seine Unbrauchbarkeit herausgestellt haben sollte. der Hauptsache die mangelnde Ausbildung des Klägers zurüdzu Die laufmännischen Beifizer fanden es recht befremdlich, führen ist. Der Wert des Streitgegenstandes wurde vom Gericht daß die Firma erst nach zwei Jahren sich von der auf 500 M. bemessen. Unfähigkeit des Klägers überzeugt habe, wogegen die Firma einwandte, fie habe es immer wieder mit dem Kläger versucht in der Annahme, er würde sich bessern. Er sei aber gerade in der legten Zeit so verbummelt, daß er fast nichts leiste und die anderen Lehr finge noch verderbe. Die weitere Verhandlung ergab den Tatbestand, daß auf zwei Gehilfen sieben Lehrlinge tamen. und noch länger beschäftigte, wurde er in eine Geldstrafe von 30 M. genommen. Auf seinen Widerspruch, in dem er behauptete, seine Bäckerei sei eine Fabrit, wurde er auch auf Antrag des Amtsanwalts freigesprochen. Dieses Urteil widerspricht der an geführten Bundesratsverordnung, die keinen Unterschied zwischen großen und kleinen Bäckereien macht. Durch derartige Urteile werden Arbeiterschutzbestimmungen geradezu illusorisch gemacht. Dieselbe Polizeibehörde, die obigen Bäckermeister mit Recht be. strafte, bedachte auch den Vorsitzenden der Maifeierkommission mit einem Strafmandat. Seit Jahren wird bei der Maifeier der Arbeiterschaft Rüftringens- Wilhelmshavens gegen das übliche Entree neben Vorwärts" Verlag herausgegebene einem Festabzeichen die vom Maifestzeitung gratis verabfolgt. In diesem Jahre wurde auf An zeige eines Gendarmen in dieser Verteilung ein Vergehen gegen das Gefeß betreffend die Besteuerung des Wandergewerbes und§ 48 des Strafgesetzbuches erblickt und sollte der betreffende Genosse nachträg In welcher Weise Gerichte Bundesratsverordnungen auslegen, lich noch zur Gewerbesteuer herangezogen werden. Auf seine Klage zeigte eine Verhandlung vor dem Schöffengericht Rüftringen. Weil biergegen vor dem Oberverwaltungsgericht Oldenburg wurde diese ein Bäckermeister seine Gesellen statt 12 Stunden, wie es die Steuer niedergeschlagen. Außer der moralischen Niederlage hat die Bundesratsverordnung vom 6. März 1896 vorschreibt, 16 Stunden Polizei noch die Kosten zu tragen. Truk gegen die Bädereiverordnung. Fe Hahn Berlin C.25 Fr. Hahn, Berlin C., Alexanderplatz Gegründet 1825. Das besonders billige Extra- Angebot meiner Gardinen- und Teppich- Abteilung währt bis Sonnabend, den 17. Oktober. 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