Mr. 54. Erscheint täglich außer Montags. Prets pränumerando: Bierteljährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 mt, wöchentlich 28 Pfg. fret in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illustr. Sonntags Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 8,30 Mt.pro Quartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. DesterreichUngarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mr.pr.Monat. Eingetr. in der Post- Zeitungs- Preisliste für 1893 unter Nr. 6700 Vorwärts 10. Jahrg. Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg Inferate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ist an Wochens tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonnund Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. Fernspredj- Anschluß Amt I, Nr. 4186. Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Rann Europa abrüffen? IV. Wir behalten uns vor, weiterhin die Frage zu untersuchen, ob ein solcher Vorschlag auf allgemeine, gleichmäßige und stufenweise Herabsehung der Dienstzeit durch internationalen Vertrag Aussicht auf Annahme hat. Wir wollen einstweilen von der Voraussetzung ausgehen, er sei angenommen worden. Wird er dann vom Papier in die Wirklichkeit überseht, wird er von allen Seiten ehrlich durchgeführt werden? Sonnabend, den 4. März 1893. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. In allen früheren Kriegen fehlten nach ein paar Monaten Feldzug die Offiziere. Bei allen andern Ländern wird das auch jetzt noch der Fall sein. Deutschland allein ist an Offizieren unerschöpflich. Und da sollte es den Franzosen nicht durch die Finger sehen können, wenn sie ihre Leute hier und da zwei bis drei Wochen über die Vertragszeit egerziren lassen? Friedrich Engels. Die Baumwollenproduktion in den Vereinigten Staaten. verwickelteren Organisation. Drittens aber ist in Frankreich die undemokratische Einrichtung der Einjährig- Frei willigen auf unüberwindliche Hindernisse gestoßen; die drei jährigen Soldaten haben die einjährigen Privilegirten einfach aus der Armee herauschikanirt. Dies beweist, wie tief das öffentliche politische Bewußtsein und die von ihm geduldeten politischen Institutionen Deutschlands unter denen Frankreichs stehen. Was aber politisch ein Mangel, ist in diesem Fall militärisch ein Vortheil. Es ist außer allem Zweifel, daß kein Land, im Verhältniß zur Bevölke rung, eine solche Menge junger Leute durch seine Mittelund Hochschulen schickt, wie gerade Deutschland, und da bietet das Institut der Einjährig- Freiwilligen, undemokratisch und politisch verwerflich wie es ist, der Heeresleitung ein vortreffliches Mittel, die Mehrzahl dieser, in allgemeiner Hinsicht schon genügend vorgebildeten jungen Leute auch militärisch zum Offiziersdienst auszubilden. Der Feldzug von 1866 brachte Hierüber sind zwei Zensusbulletins erschienen, welche zwar dies zuerst zur Anschauung, seitdem aber, und besonders seit noch nicht die definitiven Zahlen enthalten, aber doch bereits einen 1871 ist diese Seite der kriegerischen Stärke Deutschlands interessanten Einblick in die Entwicklung gewähren. Es betrug Was die einzelnen Länder angeht, so werden Dester- ganz besonders, fast bis zum Erzeß gepflegt worden. Und die Zahl der Ballen in reich und Italien, sowie die Staaten zweiten und dritten wenn auch unter den deutschen Reserve- Offizieren so viele Ranges die die allgemeine Wehrpflicht eingeführt, neuerdings ihr Möglichstes gethan haben, ihren Stand einen solchen Vertrag als eine befreiende That be- lächerlich zu machen, so ist doch kein Zweifel, daß sie, in grüßen und mit Bergnügen buchstäblich einhalten. der Masse genommen, ihren französischen Berufsgenossen, Ueber Rußland werden wir im nächsten Artikel sprechen. Mann gegen Mann, in militärischer Beziehung überlegen Wie aber steht es mit Frankreich? Und Frankreich ist hier sind, und, was die Hauptsache, daß Deutschland unter seinen unbedingt das entscheidende Land. Reservisten und Landwehrmännern einen weit höheren Prozentsatz von zum Offiziersdienst qualifizirten Leuten befigt, als irgend ein anderes Land. Im Ganzen und Großen sicher. Erstens wird sich eine irgendwie der Mühe werthe Umgehung nicht verheimlichen Laffen. Zweitens aber werden schon die Bevölkerungen selbst für die Ausführung sorgen. Kein Mensch bleibt freiwillig in der Kaserne, wenn er über die gesetzliche Beit dort behalten wird. 1889 836 245 746 798 1 191 919 57 928 189.072 1859 1869 1879 Nord- Carolina Süd- Carolina Georgia Florida 145 514 353 412 701 840 65 153 Tenessee Alabama Mississippi Louisiana Arkansas 296 464 144 935 224 500 473 934 39 789 181 842 389 598 522 5 8 814 441 54 997 330 621 989 955 429 482 699 654 915 414 1 202 507 . 564 938 963 111 1 154 406 777 738 850 832 508 569 659 583 247 968 608 256 • 691 428 5 942 788 Hat Frankreich den Vertrag einmal unterzeichnet und 367 393 ratifizirt, dann ist kein Zweifel, daß es ihn im Ganzen und Großen wird halten müssen. Wir wollen aber zugeben, Dieser eigenthümliche Reichthum an Offizieren befähigt Summa 5 099 976 2 658 220 4 891 795 daß die in den besitzenden Klassen und in dem noch nicht Deutschland, im Augenblick der Mobilmachung eine unver Der furchtbare Rückgang im Jahre 1869 erklärt sich aus den sozialistischen Theil der Arbeiterklasse bestehende Revanche- hältnißmäßig größere Bahl von bereits im Frieden vor- Folgen des Bürgerkrieges. Die ungesunde und mühsame Arbeit strömung momentan die Oberhand bekommen und direkte bereiteten Neuformationen aufzustellen als irgend ein an- in den Baumwollen- Plantagen wurde von Negersllaven geleistet. oder auf Wortklauberei begründete Ueberschreitungen der deres Land. Nach der-soviel ich weiß sowohl im Die Staaten mit vorherrschender Negerarbeit waren nature Bertragsgrenzen herbeiführen kann. Ueberschreitungen können Reichstag wie in der Militärkommission unwidersprochen gemäß freihändlerisch, da eine industrielle Verarbeitung der Rohaber nie von Bedeutung sein, denn sonst würde man in gebliebenen Behauptung Richter's( Freifinnige Beitung", stoffe durch Negerarbeit nicht möglich ist und diese Staaten also Paris vorziehen, den Vertrag zu kündigen. Bei solchen kleinen 26. November 1892) wird jedes deutsche Infanterieregiement welches ihre Rohstoffe verarbeitete. Die Nordstaaten, welche sich auf ein Industrieland mit freier Arbeit angewiesen waren, Uebervortheilungen aber ist Deutschland in der glücklichen ein mobiles Reserveregiment, zwei Landwehrbataillone und zu einem Lande nach dem Herzen Friedrich List's, resp. Hamiltons, Lage, großmüthig ein Auge zudrücken zu können. Trotz zwei Ersazbataillone für den Krieg zu stellen im stande ben List ausgeschrieben hatte, entwickeln fonnten und wollten, aller sehr anerkennenswerthen Anstrengungen Frankreichs, sein. Also je drei Bataillone liefern zehn, oder die waren schutzölnerisch, weil sie eine einheimische Industrie zu eine Wiederholung der Niederlage von 1870 unmöglich zu 519 Bataillone der 173 Friedensregimenter verwandeln sich schaffen gedachten. Bekanntlich fielen dann die Nordstaaten unter machen, ist ihm Deutschland noch um weit mehr voraus als im Krieg in 1730 Bataillone, wobei noch Jäger und dem Vorwand der Negerbefreiung über die Sklavenstaaten her, sich auf den ersten Blick zeigt. Erstens ist da der mit Schützen ungerechnet sind. Und das in einer so furzen besiegten fie und schafften die Sklaverei ab, wodurch sie die jedem Jahr wachsende Ueberschuß der Bevölkerung Deutsch- Beit wie kein anderes Land dies nur annähernd erreichen Stlaven ſtedte, Plantagenbefizer, deren Vermögen zum größten Theil in lands, der jetzt schon über zwölf Millionen beträgt. Zweitens tann. ruinirten. Das war ein Eingriff in die Heiligkeit des Eigenthums, wie wir Sozialdemokraten ihn Die Farmen wurden zum der Umstand, daß in Preußen das gegenwärtige Militär- Die französischen Reserveoffiziere, wie mir einer auch nicht stärker machen werden. system schon seit über siebzig Jahren besteht, daß es bei von ihnen zugab, sind weit weniger zahlreich; sie sollen aber Theil verlassen und kamen zum Theil zu Spottpreisen unter den der Bevölkerung sich eingelebt hat, daß es bei einer langen ausreichen um die Kadres der nach amtlichen Veröffentlichungen Hammer. Die befreiten Sklaven brauchten nun jest nicht mehr Reihe von Mobilmachungen in allen Details erprobt vorgesehenen Neuformationen zu füllen. Dazu geftand der so viel zu arbeiten wie früher, denn in diesen glücklichen südlichen worden, daß alle dabei vorkommenden Schwierigkeiten Mann, daß die Hälfte dieser Offiziere nicht viel tauge. Die Gegenden fehlt das ökonomische Agens der nördlichen Gegenden, und die Art ihrer Ueberwindung praktisch durchgemacht fraglichen Neuformationen reichen aber nicht entfernt an der Hunger. Für ein paar in furzer Zeit gefparte Dollar tann und bekannt sind Vortheile, die auch den übrigen das, was nach dem Gesagten Deutschland zu leisten im sich der Neger ein Stückchen Land kaufen, auf dem er sich eine deutschen Heereskörpern zu gute kommen. In Frant- stande ist. Und dann sind die Offiziere, die Frankreich nisse beschränken sich etwa auf einen Zylinderhut und ein paar Hütte baut, und das er mit Mais besät; seine sonstigen Bedürf reich dagegen muß die erste allgemeine Mobilmachung noch stellen kann, sämmtlich verwendet, während Deutschland Papiermanschetten und Papiertragen; das Geld dafür kann er probirt werden, und das bei einer für diesen Zweck viel deren noch immer übrig behält. fich durch ein paar Tage Arbeit im Jahre verdienen, die übrige Feuilleton. Nachdrud verboten.) Bon S. Stepniat. [ 30 gegen zwei Uhr. Sobald Allarm geschlagen wird, könnten die Kellner oder irgend ein alberner Gast herauskommen und Schwierigkeiten in den Weg legen." " Darüber seien Sie unbesorgt", sagte Andrej.„ Ich nehme es auf mich, sie in Ordnung zu halten oder, wenn Sie gingen schweigend dahin. Als das Gefängniß ziemlich weit hinter ihnen lag, fragte Andrej: Kann er uns, wenn wir bei Tage vorbeigehen, sehen?" " Nein," antwortete Sina." Die Fenster liegen sehr hoch und sind weiß angestrichen, so daß es unmöglich ist, Die Laufbahn eines Nihilisten. sie darauf bestehen, sich in Dinge einzumischen, die sie nicht durchzusehen. Ich will ihm aber schreiben, daß wir Nachts angehen, mit ihnen abzurechnen. Ich würde sogar den Vor- an seinem Fenster vorbeigingen und Licht gesehen haben. schlag machen, daß Wassilij etwas näher der Schenke steht, Das wird ihn freuen." das würde natürlicher erscheinen. Ich werde am Ende der Straße auf der Lauer stehen und sobald ich die Flüchtlinge aus dem Gange kommen sehe, Wassilij ein Zeichen geben, weiter vorzufahren." Autorisirte Ueberseßung. " " Frei ins Deutsche übertragen von Bertha Braun. " Ich möchte ihm auch schreiben. Kann ich?" fragte Andrej Sina und Andrej beschrieben um diesen Platz in der O, gewiß; so oft Sie wollen. Ich kann ihm alles angrenzenden Straße einen Kreis und tauchten an der Sie traten wiederum in die Nebenstraße und taucht en hielt aber sehr schwer, seine Wächter zu gewinnen. Ich übermitteln; wir stehen in lebhafter Korrespondenz. Es Mündung der Straße, wo der Wagen halten sollte, wieder jetzt am anderen Theil des Gefängnißplates auf. auf. Das Ganze konnte von hier aus übersehen werden. Dies sind die Zellen der politischen Verbrecher", fagte immer das Unglück, an die falschen Leute zu gerathen. wäre zweimal fast selbst verhaftet worden. Ich hatte Beobachten Sie nur die Situation im allgemeinen," fie, auf eine Fenſterreihe des oberen Stockwertes zeigend, Auf dem ganzen Rückwege bildete Boris ihr Gesprächs sagte" Sina. Sie brauchen weder die Stufen zu zählen von denen einige dunkel, andere innen spärlich beleuchtet thema. Zu Hause angelangt, zeigte sie Andrej die Photonoch die Entfernung abzumessen; Wassilij hat dies bereits waren. mehrmals gethan. Er wird Ihnen alles sagen. " Können Sie mir das Fenster von Boris zeigen?" graphie ihres kleinen Sohnes Boria, welche sie vor einigen Die für Waffilij's Wagen gewählte Stelle befriedigte fragte Andrej mit bewegter Stimme. Tagen erhalten hatte. ihn, oder richtiger gesagt, sie erschien ihm als die einwand-" Das siebente von der Ecke an gezählt. Es ist be" Jft er nicht reizend!" sagte sie mit mütterlichem freieste. leuchtet; er muß jetzt lesen. Lewschin ist in der fünften, Stolze, indem sie ihm, ohne es aus der Hand zu lassen, Sie lag eher zu weit ab von der Deffnung des unter- Klein in der dritten Zelle. Ihre Fenster sind dunkel, fie das Bild eines Kindes mit dicken Händchen, runden verirdischen Ganges, war aber durch Häuser vor dem schlafen wohl schon. Sie müssen aber nicht so ungeschickt wunderten Augen und offenem Munde hinhielt. Ausblick und vor etwaigen Schüssen von der nach einem Gefängnißfenster schauen," fügte sie, ihn leise Festung her geschützt. Die Straße eignete sich eben- anstoßend, hinzu; die Wache sieht nach Ihnen." falls zu diesem Zwecke, denn selbst zur jetzigen frühen Andrej hatte nicht erwartet, Boris in dieser Nacht so Stunde war feine lebende Seele zu bemerken. ,, Genau dasselbe Gesicht," sagte Sina, sehr erfreut, nahe gerückt zu werden. Der Gedanke, daß sein Freund dies von einem Anderen zu hören; und er wird seiner Andrej sagte Sina, welchen Eindruck er empfangen habe. sich hinter diesem dünnen Glasfenster, im Bereich seiner Beit auch ein ebenso guter Revolutionär wie sein Vater Der schwache Punkt ist hier," sagte sie, auf eine elende Stimme, wenn auch nicht seiner Hand, befand, bewegte ihn sein. Er ist erst ein Jahr und vier Monate alt und hat Weinschente, welche einige hundert Schritte entfernt lag, außerordentlich. Der tolle Gedanke, Boris beim Namen doch schon im Verhältniß seiner Kraft der Sache der Rehinweisend. Die Nachbarschaft ist um Mitternacht eine anzurufen, durchfuhr für einen Moment sein Gehirn. volution geholfen." Sina erzählte, wie sie das damals erst Ginöde. aber in dieser verteufelten Schenke trinkt man bis Gina mußte ihn am Arme zupfen, um ihn fortzubringen. neun Monate alte Kind nach Charkow mitgenommen hatte, " Ein schönes Kind," sagte er." Glauben sie nicht, daß es Boris sehr ähnlich sieht?" ■öett sröhnl er einem dolce far niente. Da es infolgedessen an Arbeitern fehlt, so wird der Großgrundbesitz in diesen Staaten unmöglich, und es entwickelt sich ein Bauernstand, welcher die Baumwolle ais„Handelsgewüchs" produzirt, wie deutsche Bauern im Südwesten und Westen den Tabak und Hopfen. Leider ist die Statistik übet den Umfang der Besitzungen noch nicht er- schienen: aber schon bis 79 ließ sich diese Entwickelung nachweisen. — Merkwürdig ist der Rückgang der Produktivität. Die Zahl der AcreS, die der Baumwollen-Produktion gewidmet ist, wird erst seit 1879 angegeben. Sie betrug danach 12 166 762 in dm Staaten, welche oben angeführt sind. 1889 betrug sie 16 086 436. Dividtrt man diese Zahlen durch die Summe der Ballen, so findet man, daß 1879 zu einem Ballen 2,6 Acres nölhig waren, 1889 jedoch 2,7. Ob das von Erschöpfung des Bodens herrührt, oder von extensiverer Kultur, oder weil der bessere Bode» ander- weitig benutzt wird, ist aus dem Bericht nicht zu ersehen. Daß die Baumwollen-Produktion nicht stärker gewachsen ist, wird sehr überraschen; sie hat sich in zehn Jahren nur um etwa 22 pCt. gesteigert. Das ist an sich zwar ganz respektabel, wenn man aber den Vergleich z. B. mit der Entwickelung der Eisen- Produktion in den Vereinigten Staaten zieht, die um 100 pCt. gestiegen ist, sehr ivenig. Die Ursache dürfte darin liegen, daß demnächst die Grenzen erreicht sind, innerhalb deren sich die kapitalistische Waarenproduktion überhaupt ausbreiten kann, die Waarenproduktion, deren Konsumtion nicht bestimmt wird durch das fast unendliche B e d ü r f n i ß, sondern durch die Kaufkraft der Völker, deren größter Theil, die Arbeiter, sich in einer Lage befinden, daß ihre Kaufkraft immer schwächer wird. Seil Sismvndi haben bekanntlich eine Reibe Nationalökonomen die Absatzkrisen durch Unterkonsumtion infolge zu geringer Kaufkraft der Arbeiterklasse erklärt, und in der Fassung von Rodbertus ist diese Ansicht noch heute weil verbreitet. Das ist nun unrichtig, denn die Absatzkrisen haben andere Gründe; aber allerdings muß die gegensätzliche Bewegung: Steigerung der produzirlen Waarenmasse— gleichbleibender, respektive sinkender Loh» der als Käufer austretenden Arbeiter, endlich einmal dazu führen, daß für die Erweiterung der Produktion kein Raiun mehr ist, weil keine Käufer mehr für die produzirten Waaren vorhanden sind. Malthus, der berühmte Erfinder der Thatsache, dag die Natur den Tisch nicht für alle ge- deckt hat, räth deshalb den Kapitalisten, ja recht viel zu kousnmiren, um diesen schrecklichen Moment möglichst hinauszu- schieden. Für die heutige bürgerliche Nationalökonomie ist es bezeichnend, daß sie dem Problem gar nicht mehr ins Auge zu sehen wagt. Solche Zahlen aber, wie die oben mitgctheiltcn, führen doch immer wieder auf dies« Frage zurück. Ist doch auch die Baumwollenstoff« und-Garnproduktion Englands im letzten Jahrzehnt nur der Masse nach noch ein wenig größer geworden, während sie dem Werthe nach sogar abgenommen hat! Daß die kapitalistische Waarenproduktioa sich de», kritischen Punkte nähert, tritt früher in einer ProdultionSsphäre, wie der Baumwolle hervor, wie ig der Eisenproduklion; jene gehört in die Kon- sumtionsmittel- Produllion, diese in die Produktionsmittel- Produktion; jene wird daher unmittelbar getroffen, diese nur mittelbar, wenn die Grenzen des möglichen Absatzes erreicht sind. Volikisrhe HIctiei'IMif. Berlin, den 3. März. Aus dem Reichstage. Der Etatsposten: Gehalt des Staatssekretärs der Reichspost brachte heute eine sehr animirte Debatte. Die Leser des„Vorwärts" kennen die zahllosen Klagen der niederen Postbeamten, sie kennen auch den ä ia Stumm geführten Kampf der Reichspdst- Vermal- tung gegen den Verband der Postassistenten, und sie kenne» vor allem auch die rücksichtslose und selbstbewußte Art, mit der der Postgewaltige Stephan jede Kritik gegen sein selbst- herrliches Regiment als unberechtigt und auf falschen In- sormationcn beruhend, zurückweist. So geschah es auch heute wieder. Der Abgeordnete Vollrath brachte die im„Vorwärts" veröffentlichten Zirkuläre der Ober- Postbehörden in Dusseldorf und Magdeburg, die sich speziell gegen den Assistentenverband richten, und noch manch anderes zur Sprache. In langer Rede erging sich darauf Herr von Stephan, theils in Selbst- bewcihräucherung, theils in dem„Nachweis", daß der„Herr Vorredner lauter falsche Angaben gemacht habe". Dabei mischten sich Redewendungen, welche bei Herrn von Stumm selbstverständlich sind, im Munde eines konstitutionellen Ministers sich aber mehr als sonderbar ausnehmen,— so z. B. die ewigen Versicherungen des„Wohlwollens" für die niederen Beamten— mit Aeußerungen über die Gegner und speziell über die gegnerische Presse, wie wir sie in solchem Ton sonst nur von dem Fürsten Bismarck zu hören gewohnt waren. Diese Art der Pole- mik mußte allerdings auf jeden Unbetheiligten den Eindruck machen, daß der Herr Staatssekretär im Gefühle als sie dort das Hauptquartier für die Verschwörer halten mußte. „Denn nichts," sagte sie lächelnd,„ist geeigneter, dem Hause einen friedlicheren und unschuldigeren Anstrich zu geben und jeden Verdacht fern zu halten, als die Gegen- wart eines Kindes. Mein Boria leistete uns bei dieser Gelegenheit sehr gute Dienste. Jetzt sagen Sie mir, hat sich irgend einer von uns so früh wie er an die revolutio- näre Arbeit gemacht? Sie sehen, er berechtigt zu schöne» Hoffnungen." Andrej sprach die Hoffnung aus, daß Rußland, wenn das Kind herangewachsen sei, keiner Verschwörer mehr bedürfe. � „Und was haben sie jetzt mit dem Kinde gethan?" fragte er. Eine Wolke überzog das Antlitz des jungen Weibes. „Ich konnte es nicht bei mir behalten, da es im jjalle meiner Verhaftung auch den Kerker hätte kosten müssen. Es wäre doch zu früh. Der Knabe befindet sich jetzt bei Boris' Mutter auf dein Lande. Sie lieben ihn sehr und berichten mir alles über ihn. Ich hoffe, es so einrichten zu können, daß ich ihn, nachdem unser Werk hier vollbracht ist, sehe..." Sie saßen im Eßzimme.r, in dem ein Bett für Andrej iinprovisirt war, und sprachen, nachdem Annie Wulitsch sich zurückgezogen hatte, bis tief in die Nacht hinein. Srna erkundigte sich nach Greggr, Tanja und Repin. Sie be- merkte den sonderbaren Ton seiner Antworten über das Mädchen und forschte nach der Ursache. Sie standen auf so freundschaftlichem Fuße, daß eine derartige Frage berechtigt war. Andrej vermied es aber, irgend ein Gcständniß abzulegen, er konnte nicht leichthin über seine Herzensangelegenheit sprechen, würde sich aber wiederum auch geschämt haben, einer Frau in Erna's Lage davon als von etwas Ernsthaftem gesprochen zu haben. (Fortsetzung sofgt.) der Schwäche seiner Gründe, das was denselben an Gewicht fehlte, durch R— auheit der Form ersetzen wollte. Mit einigen Phrasen über die Nothwendigkeit der Disziplin entlockte der Redner zwar dem Chor der Landräthe auf der Rechten das übliche Gewieher.— Daß aber seine Zeit dock vorbei ist, das konnte der einst vielgefeierte„Post- Reformator" ans dem Schweigen der übrigen Parteien entnehmen. Der Vertreter einer großen Verwaltung, welche seit Jahren auf dem Gebiete der nothwendigsten Reformen— wir erinnern nur an die Forderung der Herabsetzung des Stadtpostportos— sich vollständig unfruchtbar erweist, hat wirklich kein Recht bcrechtißte Klagen in so hochtrabender Weise abzuthun. Wir bestreiten Hern» v. Stephan die Lorbeeren für die Jahre seiner reforma- torischen Thätigkeit nicht; wir wünschten nur, daß er sich endlich entschließen möchte, auf diesen wohlverdienten Lor- beeren sich auszuruhen. Recht glücklich— trotz der späten Stunde— antwortete dem Postgewaltigen uicker Genosse Wurm. Derselbe geißelte besonders gewisse absolutistische Neigungen und zog einen recht geschickten Vergleich zwischen der berüchtigten russischen 3. Abtheilung und der Abtheilung des gleichen Namens im Rcichspost- Amt. Die Mittheilung, daß der Staatssekretär der Reichspost seinem Antrage auf Straf- Verfolgung des Hamburger„Echo" die Bedingung angefügt habe, den Strasantrag nur zu erheben, wenn sichere Aus- ficht auf Berurtheilung vorhanden sei, nahm das Haus mit der gebührenden Heiterkeit auf. Morgen ist Fortsetzung der Debatte. Die Situation klärt sich. Den vielen Zeichen dafür, daß es der Regierung doch noch gelingen wird, die 3S Stimmen, welche sie zur Majorität für die Militär- vorläge braucht, aus den Reihen des Zentrums und des F r e i si n n s zu gewinnen, reihten sich auch in der letzten Sitzung der Militärkommission wieder einige recht charakteristische Momente an. Bekanntlich hat das Zentrum seinen„Plan", und der Abgeordnete Dr. Lieber hat in einer der früheren Sitzungen der Militärkommission an- gekündigt, daß er grundlegende Anträge für sich und seine Ereunde einbringen werde. Aus diese Anträge, von deren »halt das Schicksal der Vorlage abhängt, läßt das Zentrum die Kommission, trotz der 84 Sitzungen, welche diese bereits hinter sich hat, noch immer warten. Es kann des- halb nicht Wunder nehmen, wenn heute der Graf v. Schulen- bürg(siehe Kommissionsbericht) seiner und seiner Freunde Ungeduld darüber Ausdruck gab, daß das Zentrum mit seinem„Plan" noch immer hinter dem Berge halte. Diese Anzapfung hätte den Rednern des Zentrums die beste Ge- legenheit geboten, ihre ablehnende Stellung rückhaltlos dar- zulegen, wenn das eben noch der Standpunkt der Partei wäre. Da aber hapert's! Der Geist Schorlemer's geht um im Zentrum, die Neununddreißig scheinen zwar noch nicht ganz gesichert zu sein, aber sie stehen in sicherer Aussicht. Nur so wird die Erklärung des Herrn Dr. Lieber verständlich, daß das Zentrum den höchsten Werth auf die gründlichste Borberathung der Vor- läge in der Kommission lege, damit„jeder ein- zelne Abgeordnete im Plenum ans eigene Ver- antwortung seine Entscheidung zu treffen im stände ist." Wir dächten, das ist deutlich; und es entspricht genau dem, was wir gestern sagten: Jeder Abgeordnete auf eigene Verantwortung! Damit haben die schlesischen und west- fälischen„Ochsengrafen" des Zentrums ihren Freibrief, ins Lager der Regierung abzuschwenken. Die katholischen W ähler aber haben wieder einmal, wie schon so oft, das Nachsehen. Die Zeche aber, die dieses Mal eine ganz be- sonders gesalzene sein wird, hat das ganze Volk zu bezahlen. Nicht ohne Interesse ist ferner, daß auch in der frei- sinnigen Partei der starr ablehnende Standpunkt Richter's nichi allgemein getheilt wird. Während dieser, entsprechend der Ablehnung jeder Präsenzerhöhung, die Bildung neuer Kadres verwirst, gab Herr Hinze heute seine Bereitwilligkeit zu erkennen, mit Einführung der zweijährigen Dienstzeit, die Kadres zu 173 neuen vierten Bataillonen zu be- willigen. Fre'lich, die sämmtlichen Neunundreißig wird Herr Hinze aus den Reihen der Freisinnige» schwerlich stellen können, immerhin aber stehen die Dnige heute so, daß, wenn das Zentrum boshaft ist, und das Odium, der Aiilitärvorlage durchgeholfen zu haben, nicht ganz auf eigene Kappe nehmen will, es den Rest der zum„Umsall" noth- wendigen Abgeordneten aus den freisinnigen Reihen zu- gestellt bekömmt. Herr v. Caprivi erreicht mit seiner zögernden und nach allen Seiten verbindlichen Taktik das- selbe, was Fürst Bismarck 1337 nur mit Donnern und Wettern zu erreichen vermochte. Es ist ein Wechsel in den Mitteln beliebt worden, in der Wirkung kommt es auf dasselbe hinaus: Soldat werden, Steuern zahlen und— Maul halten. Wie lange sich der deutsche Michel von seinen Vertretern diese Foppereien noch gefallen lassen wird, steht freilich auf einem anderen Blatte. In Zentrumskreisen beginnt es ja schon mächtig zu rumoren, und daß die Wadenstrümpfter im Freisinn— besonders wenn das Zentrum sie zwingt Farbe zu bekennen— die nächsten NmwaHle» überleben werden, mag glauben, wer will, wir nicht! Lieber schließ- lich ein offener Nationalliber aler, als ein ver- k a p p t e r.— Zur Militärvorlage. Nach dem Zahlenvcrhältniß der Parteien im Reichstage sind 39 Stimmen nöthig, um der Militärvorlage den S i e g zu sichern. Als Gegner der Vorlage gelten zur Zeit noch wenigstens be, den Optimisten das Zentrum(103 Mann), die Deutschfreisin- »igen(69), die Sozialdemokraten(35), die Volkspartei(10), die Welsen(11) und 1 Däne. Das wären also 237 Gegner. Da der Reichstag— vollzählig— 397 Mitglieder hat, so ist die Majorität 193. Die fehlenden 39 Stimmen hätten also Zentrum und Deutschfreisinn abzugeben.„Die werden sich", schreibt S i g l im„Vaterland",„finden, es werden aber so viel garnicht nöthig sein, da sicherlich eine Anzahl der Abgeordneten am Tage der Abstimmung Bauchweh kriegen oder sonst„krank" werden wird, wodurch sich die Majorität und die Zahl der zum Umsall Röthigen verringert. Mit Gottes Zulassung und der preußischen Aristokraten ic. Bei- Hilfe wird's eben schon wieder schief gehen."— Bundesrath. In der gestrigen Sitzung wurde ein Gesuch um Gcstattuug der Ueberarbeit für Arbeiterinnen und jugendliche Arbeiter in Ziegeleien, sowie eine Anzahl von Gesuchen um Gestattung von Ausnahmen von dem Verbote der Sonntagsarbcit für gewisse Gewerbebetriebe(Bier- brauereien, Leimfabrikcn:c.) auf Antrag der Ausschüsse dem Reichskanzler überwiesen.— Im preußischen Abgeorduetenhause führten heute bei' der Berathung des Etats der Berg-, Hütten- und S a l i n e n v e r w a l t u n g die Grubenbarone und deren Vertreter, die Herren Schulz-Bochum(natl.l, Vopelius (freik.), Schmieding(natl.) und v. Eynern(natl.) das große Wort. Ihre Angriffe galten der Regierung, die durch den Minister v. Berlepsch vertreten war, daß sie nicht schärfer gegen die Arbeiter vorgehe und vor allem, daß sie die Herrschaft der Industrie- und Grubenbarone beeinträchtige, daß sie sich im Nothfalle an das Ausland wende, wenn ihr die Forderungen der Kohlenringe und Fabrikanteitverbände zu unverschämt erscheinen. Herr v. Berlepsch wagte nicht, den Herren die gebührende Antwort zu crtheilen. Wer das Auftreten derselben sieht und hört, dem müssen die agrarischen Prätentionen schon weniger ekelhast erscheinen.— Im Reichs- Versicherungsamt tritt am 27. März eine Konferenz der Vorstände der Jnvaliditäts- und Alters- versicherungs-Anstalten zur Besprechung einzelner die Durch- führung der Jnvaliditäts- und Altersversicherung betreffenden Fragen zusammen. Die endgiltige Tagesordnung über die zur Berathung gelangenden Gegenstände wird in den nächsten Tagen festgestellt werden.— Aus der Ferienkolonie. Auch Weimar hat seinen Beitrag zum Kapitel der S o l d a t e n m i ß h a n d l u n g e n geliefert. Ein dortiger Unteroffizier Schulze vom Infanterieregiment Nr. 94 ist nach Kassel transportirt worden, um dort wegen einer ganzen Reihe von Mißhandlungen an Untergebenen abgeurtheilt zu werden. Es wird darüber be- richtet: S. hatte im Dienste einen jüngeren Soldaten mit dem in der Scheide befindlichen Seitengewehr derart ins Gesicht geschlagen, daß dem Betreffenden die Wange auf- schwoll und das Wasser aus den Augen lief. Bald darauf kam der Bataillonskommandeur hinzu, bemerkte den Zu- stand des Soldaten und fragte diesen, was mit ihm ge- schehen. Der Soldat wollte nicht mit der Sprache heraus. Der Major, dem sich inzwischen der Kompagniechef zugesellt hatte, befahl aber dem Manne, ihm den Sachverhalt mit- zutheilen, und so erfuhr er, was vorgefallen war. Schulze wanderte darauf sofort in Arrest, und es wurde eine strenge Untersuchung gegen ihn eingeleitet. Da ergaben sich denn die fortgesetzten Mißhandlungen. Ohne Schläge soll überhaupt niemand von seiner Korporalschaft davongekommen sein. Auch sonst soll er allerlei Ungehörigkeiten begangen haben. Wie boch wird die Strafe sein, die den Soldatenschinder trifft?!— In Düsseldorf ist Lieutenant Schra