Nr. 234. Abonnements- Bedingungen: • bonnements Preis pranumerando? Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 M wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrerter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Bost- Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband jür Deutschland und Desterreich. Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Solland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Erideint tigil außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 25. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Kolonel. geile oder deren Raum 50 Big., für bolitische und gewerkschaftliche Vereins und Versammlungs- Anzeigen 30 Big. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Bort 20 Big. jebes weitere Sort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf, stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jebes weitere Wort 5 Bfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Rummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Die Unabhängigkeitserklärung Bulgariens. Dienstag, den 6. Oftober 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Die Balkankrife. Die Stimmung in Bulgarien. Sofia, 5. Oktober.( W. T. B.) Die Nachricht von der Pro. lamierung Bulgariens zum Königreich wurde so. wohl in der Hauptstadt wie in der Provinz mit großer Begeisterung aufgenommen. Ueberall herrscht lebhafte Be. Die Stellung Englands. London, 5. Oktober. Die englische Regierung ist von der betreffend Bosnien und Herzogewina in Kenntnis gefest worden. Der Minister des Auswärtigen Grey ist in London eingetroffen. Die amtlichen und diplomatischen Kreise Londons gaben deutlich ihr Mißfallen über die Vorgänge zu ertennen. Dem Vernehmen nach ist die russische Regierung bereit, sich allen friedlichen Schritten anzuschließen, welche die Mächte zur Verhütung des Ausbruchs eines Krieges Mächte zur Verhütung des Ausbruchs eines Krieges im östlichen Europa unternehmen werden. Eine neue Konferenz? militärische Notwendigkeit war, falls der Konflikt zum Lebensinteressen des türkischen Volkes verlangen ebenso wie Kriege führen sollte. Nachdem dies gelungen, hat Bul- die Europas die Erhaltung des Friedens. garien jett seine Unabhängigkeit erklärt. Fürst Ferdinand hat sich in Tirnowo zum un abhängigen Souverän proklamiert und den Titel" Zar der Bulgaren" angenommen. Die jungtürkische Regierung ist vor eine schwere Aufgabe Gleichzeitig kommt die Nachricht, daß Bulgarien seine gestellt. Noch ist der Klang der Sympathiefundgebungen, mit Truppen mobilisiert hat und alles anwendet, um bei denen ganz Europa die neue Aera begrüßt hat, nicht ver- einer türkischen Kriegserklärung sofort zum Angriff vorgehen #lungen, und schon müssen die Anhänger der Freiheit in der zu können. Türkei bittere Betrachtungen darüber anstellen, wie geringen Die Unabhängigkeit Bulgariens ist zunächst nur die wegung. Die Verwaltungsbehörden trafen Maßregeln, um das Wert den Versicherungen der Diplomaten innewohnt. juristische Santtionierung eines tatsächlichen Zu Ereignis fe ftlich zu begehen. Die Städte sind beflaggt. Rasch und glatt hat sich die Umwälzung in der Türkei ſtandes. Das gewalttätige Vorgehen, das ihr vorausgegangen Morgen werden im ganzen Lande Gottesdienste abgehalten. Auf vollzogen. Aus einem dahinsiechenden, widerstandslos er- ist, bedeutet aber für die türkische Regierung eine arge Provo- dem Truppenübungsplatz bei Sofia wird morgen Parade der gescheinenden Staatswesen, das weder leben noch sterben, tation. Für eine Reaktion in der Türkei wäre nichts günstiger, samten Garnison stattfinden, ebenso werden auch in der Provinz sondern nur bei lebendigem Leibe verfaulen konnte, hat die als die Entfachung einer nationalistischen Stimmung in Truppenparaden abgehalten werden. Nach Tirnowo gehen unausRevolution einen neuen Machtfaftor gemacht, dessen Lebens- türkischen Volfe. Es hängt von der Stärke der Jungtürken ab, gesezt zahllose Glückwunschdepeschen ab. Alle Bureaus sind heute fraft und Entwickelungsfähigkeit der gesamten europäischen ob sie imftande sein werden, dieser Volksstimmung Widerstand geschlossen, der Unterricht in den Schulen fällt für drei Tage aus. Diplomatie das Konzept gründlich verdorben hat. Die ver- zu leisten, oder ob sie die Entwickelungsmöglichkeiten ihres nünftige und ruhige Haltung der Großmächte war aber nur Volfes in einem Kriege aufs Spiel sezen werden, der für der Ausfluß ihrer Ueberraschung. Da sie völlig unvorbereitet die Türkei nur große Opfer aber keinen Gewinn bedeuten österreichisch- ungarischen Regierung über die Absichten des Kaisers waren, fonnten sie nicht anders als das Geschehene ruhig fann. Hinnehmen. Es durfte aber im vorhinein nicht angenommen Die Eile und die Gewalttätigkeit, mit der die Bulgaren werden, daß der Gottesfrieden, der der neuen Türkei von vorgegangen sind, lassen es unzweifelhaft erscheinen, daß von allen Seiten versprochen wurde, auch wirklich gehalten werde. ihnen die Provokation gewollt war. Um aber dies wagen zu Verdantte ja die Türkei ihr Bestehen nur dem Umstande, tönnen, mußten die Bulgaren wissen, daß sie nicht so isoliert daß sich die Mächte über die Verteilung der ihnen sicher sind, wie es anfangs scheinen mochte. Und in der Tat ist das scheinenden Beute nie einig waren. Aber gerade in der bulgarische Vorgehen nur das Vorspiel einer anderen ähnlegten Zeit vor der türkischen Revolution schien die lichen Attion gewesen. Der bulgarischen Unabhängigkeitsorientalische Frage besonders afut werden zu wollen. erklärung folgt auf dem Fuße die Annettion Rußland das durch die Niederlage und durch die Bosniens und der Herzegowina durch DesterRevolution zunächst gelähmt schien, gab der englisch reich- Ungarn, so daß Bulgarien, wie ein englisches Baris, 5. Oktober. Der Temps" spricht die Anficht aus, deutsche Gegensatz bald eine Stellung, die weder der Blatt meint, nur die Rolle der biffigen Dogge daß die Ereignisse im Orient, insbesondere die Proklamation der militärischen Straft, noch den finanziellen Hilfsmitteln des Landes spielte, die vorausgeschickt worden war. Bei der demnächst unabhängigkeit Bulgariens den Kabinetten von Paris, London entspricht. Vom fernen Osten durch die Japaner abgedrängt, be- stattfindenden Eröffnung der Delegationen wird die und Petersburg die Pflicht auferlegen, Europa daran zu erinnern, gann es seine alten Pläne im nahen Drient wieder aufzunehmen, Souveränität Desterreichs über Bosnien und die daß der Berliner Vertrag nicht zerrissen, sondern nur refitjene Pläne, an deren Ende die Eroberung Konstantinopels steht. Das Herzegowina ausgesprochen werden. Den Großmächten wurde fiziert werden könne. Für die Rektifikation sei das Einvernehmen Mizverhältnis aber, in dem Rußlands Ziel zu seiner wirklichen in einem Handschreiben des österreichischen Staisers die Absicht aller Mächte notwendig, das nur durch die Einberufung Stärte steht, stachelte Desterreich- Ungarn, seinen alten der österreichischen Regierung angefündigt. Bosnien und die eines Kongresses erzielt werden könne, auf dem alle Mächte Rivalen am Balfan, an, längst gehegte Wünsche der Erfüllung Herzegowina sollen nach dem Vorbilde Elsaß- Lothringens die offen die Gründe ihrer Haltung darlegen müßten. Man sei um viel näher zu bringen. Der Bau der Sandschackbahn sollte das Stellung eines Reichslandes erhalten. geringerer Dinge willen nach Algeciras gegangen. Bahnnetz von Bosnien und der Herzegowina mit Saloniki Das Vorgehen Bulgariens hat bei den Westmächten und zunächst zu einer wirtschaftlichen Einheit verbinden, aus besonders wieder in England die schärfste Verurteilung erDer türkische Kriegsrat cinberufen. der sich in späteren Zeiten vielleicht die politische fahren. Dagegen unterstützt Rußland das bulgarische Konstantinopel, 5. Oktober. Für heute mittag ist der außer. Vereinigung hätte ergeben tönnen. Rußland antwortete Vorgehen, denn Rußland ist an einer Schwächung der Türkei ordentliche Kriegsrat cinberufen worden. auf das Vorgehen Desterreichs mit der Zerreißung der Mürz- am meisten interessiert. Konstantinopel, 5. Oktober. In bezug auf die Unabhängigkeitssteger Uebereinkunft, die bisher zwischen den beiden Kon- Die Wirkung des Vorgehens der österreichischen Regie- erklärung Bulgariens wird vom Jungtürkischen Komitee turrenten auf dem Balkan ein leidliches Einvernehmen her- rung läßt sich vorläufig noch nicht mit Bestimmtheit absehen. mitgeteilt, daß die Lage eine äußerst schwierige ist. Einergestellt hatte, während Italien sich anschickte, dem Vorgehen Für das Ansehen der Jungtürken ist freilich die Annerion feits ist es der türkischen Regierung unmöglich, weiterhin in ihrer Desterreichs den Bau einer hauptsächlich unter italienischem in diesem Augenblicke ebenso schädlich wie die Unabhängig- abwartenden Haltung zu verbleiben, ohne den Unwillen der VeEinfluß stehenden Eisenbahnlinie entgegenzusetzen, die als Stüß- feitserklärung Bulgariens. Nur daß die von einer Groß- bölferung und der Armee zu provozieren. Die türkische Repunft für den Zeitpunkt gedacht war, wo für die Besizergreifung der macht wie Desterreich erfahrene Unbill nicht so demütigend gierung ist nicht ohne ernste Besorgnis bezüglich der Militäralbanischen Küste durch Italien die Stunde gekommen wäre. empfunden werden muß wie die Provokation Bulgariens. bereitschaft, angesichts der seit Jahren andauernden Vernach. Deutschland suchte die Schwäche der Türkei auszunuzen, In Wien wird versichert, daß die Anmerion, obwohl sie die lässigung der Armee, welche in den letzten Jahren indem es von seinem Freunde Abdul Hamid wirtschaftliche Berreißung des Berliner Vertrages bedeutet, in Europa keinerlei Manöver und Artillerieſchießübungen vorgenommen hat. Sonzessionen, vor allem die Unterstützung beim Bau der keinen Widerstand finden wird. Doch sind solche offiziösen Eine Offensive Bulgariens würde jedenfalls vorläufig mit Gr. Bagdadbahn zu gewinnen trachtete. Mit Unruhe beobachteten Versicherungen nicht allzu ernst zu nehmen. Die russische und folg gekrönt sein und ein Vorgehen der bulgarischen Truppen die Westmiächte, besonders England, diese Vorgänge. Vor die italienische Regierung werden sicher die Gelegenheit zu in Adrianopel wäre schwer zu verhindern. Es ist jedoch nicht ausallem der deutsche und österreichische Einfluß in der Türkei benutzen suchen, um ihrerseits Kompenfationen zu erlangen. geschloffen, daß im Falle des Ausbruches eines Krieges das erste veranlaßte England, der Regierung Abdul Hamids Schwierig. Jedenfalls ist durch die neuen Ereignisse die Rivalität der Opfer der Sultan werden wird, der wegen der militärischen teiten zu schaffen, indem es die mazedonische Reformattion Mächte auf dem Balfan außerordentlich verschärft, die Vernachlässigung der türkischen Armee verantwortlich gebeschleunigte und Vorschläge machte, die auf die Loslösung orientalische Frage brennend geworden, die Aussicht auf fried- macht wird. Man befürchtet andererseits in Konstantinopel, daß Mazedoniens von der Türkei hinzielten. Es hatte dabei die liche Entwickelung, die die türkische Umwälzung eröffnet hatte, Mazedonien der Striegsschauplab werden wird. Man hofft trotzMitwirkung des mit Desterreich entzweiten Rußlands, das sehr stark verringert. dem, daß sich ein Ausweg finde, um einen Krieg zu seine Rolle als Schußherr der Balkanslaven wieder aufnahm. Das deutsche Volkist an diesen Vorgängen meiden. Die türkische Revolution änderte das ganze Bild. unmittelbar in feiner Weise intereffiert. Standen vorher Deutschland und Desterreich auf seiten der Keinem Bernünftigen fann es in Deutschland einfallen, auf Konstantinopel, 5. Oktober.( Meldung des t. t. Telegr.- Storr.Türkei, die durch die Reformvorschläge Englands, dem sich türkischen Gebiete Eroberungen machen zu wollen und alles, Bureaus.) Seit gestern herrscht hier infolge der Nachrichten über die Rußland, Frankreich und Italien angeschlossen hatten, bedroht was wir brauchen, ist eine gute Handelspolitit, unabhängigkeitserklärung Bulgariens sowie infolge von Kriegs. schien, so wurde das neue Regime vor allem von England cine tüchtige Vertretung unserer industriellen Interessen, die gerüchten eine beunruhigte Stimmung, an der und Frankreich begrüßt. Für diese Mächte bedeutete eine er nur erreicht werden kann, wenn wir die neue Entwickelung in Börse ist dadurch ein starkes Weichen der Kurse herbeigeführt starfte Türkei die Beseitigung der Gefahr übermäßigen wirt der Türkei aufrichtig unterstüßen. Unser Interesse worden. schaftlichen oder politischen Einflusses einer anderen und ge- fordert ein freundschaftliches Verhältnis zu Die alarmierende Meldung eines Wiener Blattes, daß am fährlicheren Großmacht. der Türkei. Um so bedauerlicher ist es, daß wir 1. Oktober je 19 Batterien und je 24 Waggons Munition nach Dagegen war Rußland der Weg nach Konstantinopel, durch das Vorgehen unseres Bundesgenossen mit fom pro- Adrianopel und Saloniki abgegangen seien, ist unrichtig. Bisher Defterreich die Straße nach Saloniki, Italien die Aussicht auf mittiert werden. Der Haß, den Desterreich- Ungarn sich find nur 2 Waggone mit 2 Batterien Schnellfeuer. Albanien verlegt. Kein Wunder, daß diese Mächte die Er- durch sein überstürztes Vorgehen zugezogen hat, wird, fürchten geschüßen nach Adrianopel abgegangen. Weitere Gestarfung der Türkei in Wirklichkeit nicht mit jener Sympathie wir, auch auf Deutschland abfärben. Das reaf- schüß- und Munitionssendungen werden von morgen ab jeden begleiteten, die sie öffentlich so laut befundet haben. Es war tionäre Deutschland hat ohnehin bei den Jungtürken nicht Tag abgehen. Es handelt sich um die Vollendung der Neunicht daran zu zweifeln, daß die Gelegenheit zur Schwächung allzuviel Sympathien. Daß die deutsche Diplomatie bewaffnung der beiden Korpsbereiche mit Schnellfeuergeschützen. der neuen türkischen Regierung von ihnen mit Freude er es nicht verstanden hat, Desterreich- Ungarn von seinem übergriffen würde. eilten, unentschuldbaren Vorgehen abzu halten, ist wieder einmal eine schwere Unterlassungssünde unserer auswärtigen Politif. Diese Gelegenheit schuf gerade das Erstarken der Türkei. Dem alten türkischen Despotismus traute niemand die Kraft zu, Truppensendungen. Die Landesversammlung die alten Verluste der Türkei je wieder einzuholen. Die Kraft Es braucht nicht erſt geſagt zu werden, daß eine friege der Sozialdemokraten Württembergs der neuen Türkei läßt sich aber nicht vorausbestimmen. Daher rische Verwickelung auf dem Balkan für den europäischen fand am Sonnabend und Sonntag, den 3. und 4. Oktober, in das Bestreben, alte Rechnungen, die der Berliner Vertrag Frieden eine große Gefahr bedeutet. Wenn das jungtürkische Stuttgart statt. Vom Vorstand der badischen Landesorganinur provisorisch geregelt hatte, definitiv zu erledigen. Regime wirklich jene Kraft und jene Einsicht besißt, die sein sation war Genosse Linz- Mannheim, ale Bertreter der Vor allem mußte Bulgarien, das staatsrechtlich noch ein bisheriges Vorgehen gezeigt hat, so wird es alles daran feßen bayerischen Landesorganisation Genosse Nimmerfall erVasallenstaat der Türkei ist, wenn es sich tatsächlich auch müssen, den Frieden zu erhalten. Was sich jetzt voll- schienen. Der Parteivorstand hatte den Genossen Ebert gesandt. längst die volle Unabhängigkeit verschafft hatte, den Ueberzogen hat, ist schließlich nur die Liquidation der Schuldenlast Nimmerfall und Linz betonten in ihren Begrüßungsgangszustand auszunuzen suchen. Der Raub der oft des alten Absolutismus. An den tatsächlichen Machtverhält ansprachen die vielfachen gemeinsamen Interessen der süddeutschen rumelischen Eisenbahnlinie hatte doppelten Zweck. Er nissen aber hat sich nichts geändert. Die Türken haben nichts Organisationen. Genosse Ebert- Berlin führte aus, er hoffe, daß die Verhandlungen mit dazu beitragen werden, die Geschuf einerseits den von Bulgarien gewünschten Kon- verloren, was nicht längst verloren war und was noch schlossenheit der Gesamtpartei( Beifall), von der die flift mit der Türkei, den es zu seinem weiteren zu halten gewesen wäre. Sie dürfen nicht wegen württembergische Organisation ein Glied ist, gefördert und daß Vorgehen brauchte. Gleichzeitig setzte er Bulgarien des staatsrechtlichen Scheins die Wirklichkeit der frei- das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Nord und Süd in der in den Besitz einer Eisenbahnlinie, die ihm eine heitlichen Entwickelung ihres Volfes aufs Spiel feßen. Die deutschen Sozialdemokratie gestärkt werde. Er hoffe, daß fämt. liche i'vürttembergischeu Genosse� ihr Teil dazu beitragen werden, die Einmütigkeit. Geschlossenheit und Schlag- fertigkeit der Gesamtpartei zu fördern. L(Stür- Mischer Beifall und Händeklatschen.) Den Bericht des LandcSvorstandes erstattete K o w a I d, den Kassenbericht Was n er. den Pressebericht Behr-Stutt- gart, den Bericht des LandesausschusscZ B a u e r- Stuttgart. Wir haben alle wichtigen Angaben bereits gebracht. Dem Borstand wurde Entlastung erteilt. Das Projekt der Gründung einer eigenen Druckerei für die„Schwäbische Tagwacht" wurde einer Kommission überwiesen. Es wurde sodann noch in die Be- ratung einiger Anträge eingetreten. Angenommen wurde unter anderem ein Antrag, wonach die Landesvcrsammlung wünscht, daß bei allen Fragen sozialpolitischer Natur eine Verständigung zwischen den Vertretern der politischen und gewerkschaftlicben Organisation erfolge. Ueber die Art und Form, in welcher dies geschehen kann, sollen die Beteiligten sich selbst verständigen. Am Sonntag wurde in geschlossener Sitzung das vom Landes- vorstand und Landesausschutz vorgelegte Projekt der Gründung einer eigenen„T a g w a ch t"- D r u ck e r e i mit fast allen Stimmen gutgeheitzen. Die Gesamtsumme, die zur Gründung nötig ist, beziffert sich auf rund 400 000 M. Man hofft, datz im Herbst kommenden Jahres die Druckerei bereits im Betrieb ist. Die Beratung des neuen Statuts der Landcsorganisation nahm geraume Zeit in Anspruch. Von den sonstigen Anträgen ist besonders zu erwähnen ein Antrag K i n k e l- Göppingen, der dem Sinne nach besagt: „Die Landesversammlung erklärt sich mit den Beschlüssen b,s Parteitags in Nürnberg einverstanden. Sie erwartet von jedem Parteigenossen» datz er für ihre Durchführung Sorge trägt." Der Antragsteller begründete seinen Antrag unter anderem hamit, datz die Landesversammlung zu der eigentlich selbst- verständlichen Sache sick, äußern müsse, da versucht worden sei, das Schweigen der Landesversammlung zur vorjährigen Budget- zustimmung als Zustimmung der Landesversammlung zur Haltung der Fraktion zu deuten. Deshalb sei es notwendig, datz die Landesversammlung klar ausspreche, daß sie mit den Beschlüssen des Parteitags einverstanden sei. Landtagsabgeordnctcr Genosse Keil meint, es sei sonst nicht üblich gewesen, datz sich die Landesversammlung nochmals mit Parteitagsbeschlüssen befasse, und zwar um deswillen nicht, weil diese Beschlüsse ganz selbstverständlich für die Gesamt- Partei gefaßt werden und Geltung haben. Das sei so selbst- verständlich, datz er bitte, nicht mehr eine lange Budget- dcbatte heraufzubeschwören, sondern über den Antrag zur Tages- ordnung überzugehen. W e st m e y e r: Soweit er den Antrag.Kinkel verstanden habe, bezwecke er gar nicht, eine Budgetdebatte heraufzubeschwören. Die Budgetfrage sei erledigt durch den Parteitagsbeschlutz in Nürnberg, der für jeden Genossen bindend sei. Nachdem nun Ge- nasse Keil rückhaltlos anerkannt habe, datz die Parteitagsbeschlüsse für jeden Genossen bindend seien, bestehe kein Anlaß mehr, die Resolution zur Abstimmung zu bringen. Der Antragsteller erklärte nach den Ausführungen Keils gleichfalls, datz nun kein Anlaß mehr vorliege, den Antrag zur Abstimmung zu bringen. Er ziehe ihn deshalb zurück. Genosse Keil: Er betone nochmals, datz er gesagt habe, datz der Parteitagsbeschlutz deS Nürnberger Parteitages w i e alle anderen P a r t e i t a g S b c s ch l ü s s e auch für die Gesamt- Partei gefatzt ist. Nach einem kräftigen Schlußwort des Genossen Dietz, der die Einigkeit der württembergischen Sozialdemokratie mit der Gesamipartei Teutschlands betonte, wurde die Landesversammlung unter dem Gesänge der Marseillaise geschlossen. von Äer sterbenden Demokratie. In Tübingen waren sie am Sonnabend und Sonntag »zun Parteitag versammelt, die Führer der süddeutschen so- genannten Demokratie und haben darüber verhandelt, ob sie noch im Block bleiben können. Und sie entschlossen sich, vor- läufig zn bleiben. Allerdings mit einer Rechtsverwahrung. Aber bleiben werden sie. Herr v. Payer, der geadelte württembergische De- mokrat, hat die Linie gezeichnet, die ihre Richtschnur sein soll. Im April hielt er im Reichstag die Rede, die den Prinzipien- verrat des Liberalismus beim Vereinsgesetz rechtfertigen sollte. Am Sonntag hat er im voraus den bevorstehenden Prin- zipienverrat seiner Partei bei der Reichsfinanzreform zu decken gesucht. Er referierte über die politische Lage im Reich und sagte u. ct.: „... Nun kam das NeichSvereinsgesetz. Selten ist ein Gesetz von der Parteien Haß so entstellt und einer so unsach- lichen Behandlung unterzogen worden wie diese Vorlage. GeWitz, der Entwurf bleibt weit zurück hinter dem, was uns Demokraten als Ideal eines Vereins- und Versammlungsgesetzes vorschwebt, auch hinter dem, waS in einigen glücklichen Staaten bereits in Geltung war. Aber ebenso geWitz bedeutet doch schon die Einigung gegenüber dem rechtlichen Zustand in neun Zchntel des Deutschen Reiches einen außerordentlichen Fortschritt.(Lebhafter Beifall.) ... ES besteht ja überhaupt gegenüber den Vorlagen der Regierung seit Bestehen des Blocks eine Voreingenommenheit, trotzdem das tssegentcil in vielen Fällen angebracht wäre. Man verwirft den Gesetzentwurf nur, weil er mit dem Block in irgendeinem Zu- sammenhang steht. So ähnlich macht man eS jetzt mit dem der- öffentlichten Entwurf der Strafprozeßordnung. Wieviel Jahre haben wir im Reichstage um diese Reform gekämpft, wieviel Resolutionen haben wir angenommen.'Auch dieser Eni- Wurf bleibt ja zweifellos vielfach hinter dem zurück, was wir fordern müssen, aber er bringt doch ungezählte Ver- b e s s e r u n g e n von teilweise sehr erheblicher Tragweite und bedeutet tatsäcblich einen Fortschritt, den hervorgerufen zu haben der Liberalismus sich rühmen kann.... Im preußischen Abgeordnetenhause hatten die Freisinnigen wegen der Einführung des Reichstagswahlrechtes in Preußen interpelliert. Der Reichskanzler hatte in seiner Eigenschaft als preußischer Ministerpräsident darauf eine Erklärung verlesen, die— das kann ich Wohl sagen— den Funken ins Pulverfatz brachte, und die so wenig liberalen Geist trug und in der Form so ungeschickt war, datz die Mitwirkung der Liberalen an der Block- Politik eine Zeitlang tatsächlich sehr ernstlich gefährdet war. Es bedurfte grotzer Besonnenheit, um die Gemüter wieder zu be- ruhigen.... Vor die Frage gestellt, ob wir von der Volkspartei den Block zerschlagen sollten, mutzten wir uns sagen, datz wir dem preußischen Ministerium kaum zumuten konnten, zu Ehren unserer Anschauungen die der preußischen Volksvertretung, die das Ab- geordnetenhaus nun doch einmal ist, zu ignorieren. Wir würden es uns ja auch sehr verbitten, wenn die Reichsregierung es wagen würde, in unsere süddeutschen Verhältnisse dreinzureden. So sind wir im Block geblieben, und ich glaube, wir hätten damals einen Fehler gemacht, wenn wir anders gehandelt hätten.... Wenn es eine preußische Polenpolitik heute gibt, so sind sicher an ihr die Polen nicht unschuldig. Ueberhaupt müssen wir uns abgewöhnen, heute noch in den Polen die ver- klärten Märtyrer und Freiheitskämpfer zu sehen, wie unsere Väter es Mitte deS vorigen Jahrhunderts tun konnten. Die Zeiten ändern sich. Wir sollten mit der Zu- stimmung zum Vereinsgesetz gegen das Programm verstohen haben! Wenn das richtig wäre, wäre es etwa so unerhörtes? Wir haben in Süddeutschland in den Verfaflungskämpfen, trotz- dem wir nach unserem Parteiprogramm die Erste Kammer ab- schaffen wollen, mit dieser Ersten Kammer gearbeitet und ihr sogar Rechte eingeräumt.<»» <. Nun zu der Frage, welche Steuern sollen bewilligt werden? Unser Programm hofft eine Herabsetzung der indirekten Steuern durch eine einheitliche direkte Vermögens-, Erbschafts- steuer mit progressiver Steigerung. Das Ziel ist er- strebenöwert, aber ist heute noch nicht durchführbar. Des- halb müssen wir für eine möglich st gerechte Ver- t e i l u n g der Steuern sorgen. Die Nachlatzsteuer ist ein Erfolg der Linksliberalen, denn die Regierung mutz sich sagen, daß wir ohne diese Steuer überhaupt nicht mitarbeiten würden.(Sehr richtig!) Aus den Ausbau dieser Nachlatzsteuer müssen wir bedacht sein, ehe es zu einer Reichseinkommen st euer kommt. Dagegen liefe« sich über eine R e i chsv e r- mögens steuer sprechen. Wir sind im Block, weil bei einer konscrvotiv-liberalcn Paarung selbstverständlich auch den liberalen Forderungen Rechnung getragen werden muh. Will man ehrlich sein, mutz man auch gestehen, daß dies eine Zeitlang der Fall gewesen ist. Jetzt scheint allerdings ein anderer Wind zu wehen. Hat der Reichskanzler nicht soviel Macht über den preußischen Ministerpräsidenten, datz er verhindern kann, datz in Preußen Männer, die dieselbe Gesinnung haben wie wir, wegen dieser Ge- sinnung malträtiert werden? Kann er das nicht ver- hindern, so wird er auch nicht erwarten, datz wir ihn anders beurteilen a l s nach dieser seiner Haltung.(Stürmischer Beifall.) Wir werden im Reichstage ruhig die Weiterrntwickelung der Dinge abwarten» und werden uns in dem Augenblick zurückzieben, wenn wir finden, daß das weitere Verbleiben der Partei im Block unserer Sache nicht »üben, sondern schaden würde...." Den Standpunkt der Blockgegner vertrat der Korreferent badischer Landtagsabgeordneter Mus er. Er fand des öfteren lebhaften Beifall, der aber bezeichnenderweise auch Herrn Payer nicht versagt blieb. In der Diskussion traten Q u i d d e und V e n e d e y auf die Seite Musers, während Abgeordneter H a u ß m a n n, der gegen den Sprachen- Paragraphen gestimmt hat. erklärte, datz er die Haltung seiner Fraktionskollegen verstehe. In der Beurteilung der politischen Situation stehe er völlig auf dem Standpunkt Payers, wie überhaupt 99 Prozent der württembergischen Partei. Als Vertreter der freisinnigen Volkspartei war Herr W i e m e r anwesend, der Herrn Payer gegen Muser zu Hilfe eilte. Er erklärte: „Die Rede des Abgeordneten Payer vom 4. April war eine Rede, die er als Vertreter der gesamten Fraktionsgemeinschaft ge- sprachen hat. Für meine Freunde von der Freisinnigen Volks- Partei spreche ich rückhaltlos aus, datz wir ihm für diese aus- gezeichnete Rede wie für seine erfolgreiche und geschickte Ver- tretung in der Vereinsgesetzkommission zu aufrichtigem Dank uns verpflichtet fühlen.(Stürmischer Beifall.) Was mich auf die Tribüne geführt hat, ist der Wunsch, zum Ausdruck zu bringen, datz ich mit den Ausführungen Payers in vollem Umfange ein- verstanden bin. Die Resolution zur Reichsfinanz. reform entspricht durchaus der Auffassung meiner politischen Freunde. Aber auch wir sind bereit, mitzuarbeiten, und auch wir meinen, dag die Aufforderung zur Sparsamkeit vorangestellt werden mutz. ES ist von rechtsstehenden Kreisen der Versuch gemacht worden, eine Volksbewegung zugunsten der Reichsfinanzreform ins Leben zu rufen. Wir sind ersucht worden, die Einladungen mit zu unterzeichnen. Der geschäftsführende Ausschutz der Freisinnigen Volkspartei hat aber die Unter- Zeichnung abgelehnt, nicht, weil wir nicht mitarbeiten ivollten, sondern weil wir freie Hand behalten wollten. Ich teile mit Payer die Hoffnung, daß eS gelingen wird, auch bei den kommenden Kämpfen die Einigkeit innerhalb der linksliberalen Fraktion zu erhalten.(Lebhafter. Beifall.)" Im Schlußwort tat v. Payer die folgenden sehr be- merkenswerten Aeutzerungen: „Ein Grundfehler des Muserschen Referates sei es, daß es den Polenparagraphen immer nur losgelöst vom Per- einsgesetz betrachtet habe, während doch Vereinsgesetz und Polen- Paragraph untrennbar zusammengehören. Im übrigen wäre es leicht gewesen, diese Frage zu entscheiden, wenn die Polen wirklich das wären, als was Muser sie bezeichnete, n ä m. lich deutsche Staatsbürger polnischer Ratio- nalität. Sie wollten aber sein polnische Reichs- an g e h ö r i g e mit deutschem Besitz.".(Lebhafte Zu- stimmung.) Zum Schluß wurden die beiden folgenden Resolutionen angenommen: «Der Parteitag der Deutschen Volkspartei verkennt nicht, datz eine gründliche Reform unseres durch langjährige Mißwirtschaft voll- ständig verwirrten Reichsfinanzwesens nicht länger verschoben werden kann und datz zu deren Durchführung die allmähliche Abtragung unserer übermäßig angewachsenen ReichSschulden und weitere Steuermittel in beträchtlichem Umfange erforderlich sind. Die Deutsche Volkspartei weiß sich frei von der Verantwortung für die Miß- Wirtschaft, vor der sie rechtzeitig gewarnt hat, sie kann es auch nicht als ihre Aufgabe betrachten, politischer oder wirtschaftlicher Reaktion die Mittel zur Herrschaft zu liefern. Dennoch hält der Parteitag es für richtig, wenn die Rcichstagsabgeordnetcn der Partei sich zu ernster Mitarbeit bei der Reform bereit erklären. Dagegen mutz der Parteitag schon jetzt erklären, datz der ver- öffentlichte Reformplan des Reichsschatzamtes, von allen Einzelheiten abgesehen, im ganzen Aufbau geradezu unverständliche Mängel zeigt. Derselbe läßt, obwohl auch dem Deutschen Reich nur eine rücksichtslos durchgeführte strenge Sparsamkeit, die auS volkswirtschaftlichen Gründen unerläßlich ist, zu einer wirklichen Gesundung seiner Finanzen verhelfen kann bei Abmessung der für jetzt wie der für später aufzubringenden Beträge diesen Gesichts- Punkt vollständig außer Acht. Er droht, das Ausgabebewilligungs- recht des Reichstages tatsächlich außer Kraft zu setzen und trägt dem berechtigten Begehren, datz eine nicht zu vermeidende stärkere Heranziehung der Verbrauchssteuern durch entsprechende Be- lastung von Einkommen oder Besitz ausgeglichen werden müsse, nur ganz unvollständig Rechnung. Ohne eine gründliche Umar- bcitung der Reformpläne in diesen Richtungen könnte der Partei- tag ihre Durchführung von vornherein nur für wiertschaftlich und politisch gefährlich erachten." „Der Parteitag bedauert, datz der verantwortliche Staats- mann im Reiche entgegen den von ihm erweckten Erwartungen nicht einmal die politische Gleichberechtigung liberaler Anschau- ungen zur Geltung zu bringen vermochte und das; er nicht imstande war, die politische Verfolgung freisinniger Beamten durch die Ver- waltung des Bundesstaates, dessen Ministerpräsident er ist, hint» anzuhalten und datz er eine dem deutschen Rechtsbewutztsein entsprechende Reform des preußischen Wahlrechts, ja sogar den Schutz der preußischen Wähler durch die Einführung des Wahl- geheimnisses abgelehnt hat. Der Parteitag ist einmütig der Ueber- zeugung, daß die Fortsetzung einer derartigen antiliberalen Re- gierungspolitik im Reich und in dem führenden Bundesstaat die Voraussetzung der Mitwirkung der Deutschen Volkspartei natur- gemäß beseitigen mutz." So hat denn dieser Parteitag aufs neue den Beweis ge- liefert, datz den Parlamentariern in ihrem Verrat an allen Prinzipien der Demokratie ihre Partei getreulich nachfolgt. Die paar wirklichen Demokraten werden zwar noch angehört, man zollt ihnen sogar Beifall, aber irgendein Einfluß auf die Haltung der Partei wird ihnen nicht eingeräumt. Das einzige, was dieser Parteitag lehrt, ist nur das eine: Wenn man einmal anfängt, seine Grundsätze zu verraten, dann gibt es kein Halten mehr. So bleibt es denn bei der Parole der freisinnigen Blockpolitik: Es wird weiter verraten. k'reilkiicher Städtetag. In Königsberg ist Montag mittag der 6. preußische Städletag zu dem Delegierte der städtischen Verwaltungsorgane und der Etadtvcrbände aus ollen Teilen Preußens sich versammelt haben, zusammengetreten. Da die diesjährige Tagrvg in erster Linie dem Gedenken der hundertjährigen Wieddtkehr deS 1803 in Königs- berg erfolgten Erlasses der ersten preußischen Städtcordnung ge- widmet ist, so war die Eröffnungssitzung im Mahmen eines besonders festlichen Aktes gehalten. Oberbürgemneistcr Kirschncr- Berlin, als Vorsitzender eröffnete die Sitzung mit einer Ansprache, in der auf die Bedeutung dieses Tages für die Entwickclung deS preußischen Städtowesens hinwies. Dies gäbe auch besonderen Anlaß, bei Beginn der Tagung„unseres preußischen Vaterlandes und unseres preußischen Königshauses zu geden>m". Zum Schluß seiner Rede verlas Herr Kirschncx eine Depesche Wilhelms II., die nichts Bemerkenswertes enthält. AIS charakte- ristisch für die Auffassung des Königs von Preußen kommen höchsten- falls folgende Sätze des Telegramms in Betracht: „Die Städteordnung von 1808 lenkt den Blick auf die Zeit schwerster Prüfungen des Baterlandes. Wenn damals mein hochseliger Urgroßvater König Friedrich Wilhelm III. durch die Erteilung der Sanktion zu diesem Werk» des großem Freiherr» von Stein �der Verfassung der preußischen Städte die neue Grund- läge der Sclbstverlvaltnng gab, so bedeutete dies einen Aufruf der Bürger zur verantwortlichen Mitarbeit an den städtischen Angelegenheiten und damit zur Mithilfe an der Erhebung des Vaterlandes. Wie die gewaltigen Erfolge städtisckZ.'r Selbst- Verwaltung in dem verflossenen Jahrhundert erwiesen, hat sich der preußische Bürgerstand dieser Aufgabe ge- wachsen, dieses Vertrauens würdig gazeigt." Darauf hielt Oberbürgermeister Koerte-Königsberg eine Begrüßungsrede und dann ergriff der Minister v. Moltke das Wort, der über die ethische Mission der Selb st ver waltung und den Riesenschritt der preußischenKultur sprach und folgendermaßen endete: „Neue Aufgabeu der sozialen Kommunalpolitit wurirn von den Städten opferwillig übernommen, in dem Pslichtgcsiithl, zur geistigen und wirtschaftlichen Hebung der minderbemitteltan Bevölkerung beizutragen. Je mehr die städtische Bevölkerung wächst, um so dringender pocht an die Tür die Forderung der Wohnungsfürsorge. Wir können von den Kommunen erwarten, datz sie mit bewährter Tüchtigkeit an die endgiltige Lösung dieser Aufgabe herantreten werden. Arbeit im Dienste der Stadt wird stets auch im Dienste des Vaterlandes sein. Das sprach vorhin der Vorsitzende feierlich auS. In hoher Genugtuung über diesen Geist, der den Städtcwg bewegt, bitte ich Sic, in preußischer Gewissenhaftigkeit die großen Aufgaben des gemeinsamen Wohls sozialer Hilfe ihrer Lösung näher- zuführen, frischen Wagemuts, dann wird Ihrer Arbeit der Segen nickt fehlen." Darauf hielt Professor Dr. Preuß(Berlin) einen Vortrag über „die Entwickelung der Verfassung der preußischen Städte seit dem Erlaß der Städteordnung von 1808", und Oberbürgermeister Dr. Rive(Halle) redete über„die Entwickclung der Verwaltung der preußischen Städte seit 1803". politiscbe(leberkickt. Berlin, den 8. Oktober 1903. „Sozialdemokratische Mißwirtschaft". In den ersten Monaten dieses Jahres durchliefen die gesamte mittlere bürgerliche Presse Nachrichten, wonach in Offenbach am Main .sozialdemolratische VerwaltungSbeamten und Stadträte" wegen großer Unterschieise verhastet und in Untersuchungshaft abgeführt seien. In ganz Deutschland wurde Offenbach als das Muster „sozialdemokratischer Mißwirtschaft" bezeichnet. Mit der„Mitzwirl- schaft" hatte eS allerdings seine Richtigkeit, nur daß sie unter dem Sozialisten fresset Oberbürgermeister Brink eingerissen war. Auch Verhaftungen waren erfolgt: die Verhafteten waren ohne Ausnahme hurrapatriotische städtische Beamte. Unter dem„System Brink" war ein ganzes Diebesnest gezüchtet worden.— Bei den Ersatzwahlen für das Stadtverordnetenkollegimn im November vorigen Jahres unterlagen die Sozialdemokraten. Die bürgerliche„Siegesfeier" begossen ein Nudel städtischer Beamte mit Champagner. Doch folgte aus den Rausch nur zu bald der Katzenjammer. Die Oberrechnungskammer Darmstadt revidierte Kasse und Bücher des Stadtrechners Grevel sen. Ein Sohn des alten Grebel war nämlich an der Kasse seines Vaters Oberbuchhalter und man hatte bei diesem einen Fehl- betrag von 18 000 M. entdeckt, der sich„in einem alten Jackett" fand. Hierdurch stutzig geworden, wurde der alte Grebe, der niemals Urlaub genommen hatte, zwangsweise in die Ferien geschickt. ES ergab sich, datz ein Betrag von 47 000 M. ZinsluponS, die schon in Ausgabe gestellt und verbucht waren. wieder als Kassenbestand figurierten. Am 21. Februar d. I. wurde» Grebe Vater und Sohn verhastet und eine Generalrevision sämtlicher Kassen vorgenommen. Hierbei er- gab sich eine schauderhaste Mißwirtschaft. Die jahrzehntelange Letternwirtschaft und Inzucht städtischer Beamter unter Ober- bürgermeister Brink hatte Zustände gezeitigt, die jeder Beschreibung spotteten. Große Beträge von Straßenbaukosten waren lange Jahre hindurch nicht verbucht worden. Eine Kontrolle hatte so gut wie nicht stattgefunden. Städtische Kassen wurden ungeniert als General- DarlehnSkaffen für geldbedürftige städtische Beamten angesehcn- Jeder nahm, wo WaS war. Nachdem die Eintragungen zu den Stratzenbaukosten nachgetragen, fehlten 14 780 M. in dieser Kasse, sodaß die Stadt um insgesamt 70 780 M. geschädigt i st. Im Laufe der Zeit wurden in Untersuchungshaft abgeführt und wegen Diebstahls, Unterschlagung usw. verurteilt: Amberg, Schreib- gehilfe bei Grebe jun. zu l1/« Jahren Gefängnis; Müller, Gehilfe am Stadtöauamt erhielt sechs Monate; Dammel, Buchhalter der Stadtkasse, saß fünf Monate in Untersuchungshaft, wurde dann frei- gelassen, doch geht die Untersuchung gegen ihn weiter; Gödeckc, Hilfskassierer am Schlachthof, wurde mangels ausreichender Beweise freigesprochen; Oberbuchhalter Adolf Grebe saß sechs Monate in Untersuchungshaft, daS Verfahren wurde mangels ausreichender Beweise eingestellt, trotz dringenden Ver- dachtes, daß er Unterschlagungen und Buchfälschungen vor« genommen habe. Der alte Grebe wurde am 2. Oktober vor dem Schwurgericht Darmstadt abgeurteilt. Die Anklage lautete auf Unterschlagung und Fälschung. Er war der Sohn des früheren Stadtrechners, hat sein Amt 1870 angetreten und seit 1883 oder 84 Veruntreuungen ver- übt. Er gibt an, 1801 seien ihm 10000 M. auf unbekannte Weise abhanden gekommen, die er mit Hilfe eines Lotterie- gewinneS wieder gedeckt habe. Ebenso seien ihm in, Jahre 1003 60 000 M. verschwunden, wahrscheinlich gestohlen worden. Er habe hiervon allmählich 3000 Mark gedeckt, so daß noch ein Defizit von 47 000 Mark übrig bleibe. Die ganze Erklärung stellte sich alsbald als unwahr heraus. Der Angeklagte mußte sich nvt- gedrungen zu einem Geständnis bequemen und gab schließlich zu, daß er im Laufe der Jahre allmählich und fortgesetzt kleinere oder größere Beträge aus der Kasse entnommen und für sich verbraucht habe, besonders zur Dedung von Privatschulden( Hypothekenzinsen) und zur Bestreitung seines Haushalts. Er gestand ein, daß er zur Verschleierung des Defizits die Bücher feit Jahren unrichtig geführt habe, indem er fälschlich die Uebereinstimmung des Bücherabschlusses mit dem Kassenbestand bescheinigte. Ein Vorschlag für die deutsche Besteuerung geht dahin, alle lich, nur als eine Schlägerei zwischen Marokkanern und Polizet Spezialitäten, die verpackt und gebrauchsfertig in den Sandel foldaten darstellt. fommen, zu besteuern, unabhängig davon, ob sie uur auf ärztliche Drbination oder auch ohne Rezept abgegeben werden dürfen." Wir find neugierig, welche neuen Stenerprojekte noch gemacht werden; ist es doch schon ein Kunststück, etwas Neues herauszufinden, was in Deutschland noch nicht besteuert wird oder besteuert werden fol. Amerika. Neue Enthüllungen. New York, 4. Oktober. Der Vorsitzende des demokratischen nationalen Komitees teilte mit, daß er sich gegenwärtig mit der Prüfung einer sehr wichtigen Mitteilung beschäftige, wonach verschiedene hervorragende Mitglieder der republitanischen Partei, darunter Verwandte Tafts und Roosevelts, an dem Syndikat interessiert gewesen sein sollen, welches den Bana matanal für 40 Millionen Dollars an die Bereinigten Staaten verkaufte. Es heißt, die Bermittler hätten eine Summe von mehreren Millionen Dollars in dieser Angelegenheit verdient. Soziales. Der Steuertenfel geht um. Staatsanwalt und Verteidiger fällten in ihren Plaidoyers direkt vernichtende Urteile über die Wirtschaft auf dem Stadthause unter Oberbürgermeister Brinf. Die Verwaltung habe einem Gebäude geglichen, in dem der Schwamm gewesen sei. Es werde Erinnerungen an die letzte Reichstagswahl. nie möglich sein, alle Spizbuben zu fassen, wie es auch nie möglich sein werde, die wirkliche Höhe veruntreuter Gelder festzustellen. Der Bor deni Schöffengericht München I kam heute Montag unter alte Grebe wurde schließlich in Anbetracht der geschilderten, für ihn bem Vorsitz des Oberlandesgerichtsrats Mayer die feit mehr als günstigen Umstände zu zwei Jahren neun Monaten Ge- 1/ 2 Jahren anhängige Beleidigungsklage des Land- und Reichstagsfängnis verurteilt und ihm sieben Monate der Untersuchungshaft abgeordneten Dr. Franz Schadler in Bamberg gegen den jung liberalen Rechtsanwalt Karl Kohl in München zum Aufruf. angerechnet. Gelegentlich einer Erörterung der Agitation des liberalen Blocks Nun aber das schönste: Am Vorabend des Prozeffes gegen hatte der Abg. Dr. Schädler in der achten Plenarsizung des Grebe sen. war Stadtverordnetenfizung. Der„ freifinnige" Fabrikant deutschen Reichstags vom Sonnabend, den 2. März, in bezug auf und Stadtverordnete Feisimann beantragte, dem pensionierten ben liberalen Blod gesagt, der Münchener Kandidat des Blocks, Oberbürgermeister zu Ehren eine Straße Brink Rechtsanwalt Kohl, habe die katholische Kirche, deren FronleichnamsZurzeit werden die Arbeitgeber von den Gemeindebehörden straße zu benennen und gegen die Stimmen der prozession und deren höchstes, das heilige Altarssakrament, in der empö- aufgefordert, die Einkommen der von ihnen beschäftigten Sozialdemokraten wurde der Antrag von ben renditen eise verunglimpft. Darauf schrieb stoh I an Dr. Schädie Arbeiter anzugeben, damit nur ja auch jeder Pfennig des einen Brief, worin er die Behauptungen Schädlers als schamlose Bürgerlichen ohne Ausnahme angenommen! Lügen bezeichnete und ausführte, er habe bewiesen, daß ihm die Arbeiters besteuert werden kann. Die Aufforderung in dieser So bewerten bürgerliche Stadtväter die sozialdemoChre eines Mitmenschen nichts gelte und daß ihn die Würde seines Allgemeinheit widerspricht dem dem Gesetz. Die Arbeittratische Mißwirtschaft"- eines der ihrigen.- geistlichen Amtes nicht abhalte, andere zu verleumden, weshalb er geber haben nur die Einkommen der von ihnen ( Kohl) gegen ihn den Vorwurf der Verleumdung erhebe. Als Sauernd Beschäftigten anzugeben. In Betracht kommt Phili geht, und nimmer kehrt er wieder! Dr. Schadler zunächst auf den Brief nicht reagierte, veröffent§ 23 Abs. 4 des Einkommensteuergesetzes. Er lautet wörtlich: Als jüngst gemeldet wurde, Fürst Eulenburg hätte sich in der lichte Kohl den Brief in der Memminger Beitung" und den Schweiz, am Bodensee, eine Billa gekauft, wurde diese Nachricht Münchener N. Nachr." mit der Hinzufügung, daß er diesen Brief Wer für die Zwecke seiner Haushaltung oder bei Ausübung an den Reichs- und Landtagsabgeordneten Dr. Franz Schädler feines Berufs oder Gewerbes andere Personen dauernd durch das Wolffsche Telegraphen Bureau dementiert. Jetzt bringt geschrieben habe, der Schänder seiner Ehre habe sich aber nicht gegen Lohn oder Gehalt beschäftigt, ist verpflichtet, über dies eine Korrespondenz, die Beziehungen zu dem Fürsten Eulenburg gerührt. Er, Kohl, sei aber nicht gewillt, einem Reichstags- Einkommen, sofern es den Betrag von jährlich 3000 M. nicht unterhält, die Aufsehen erregende Meldung, Fürst Eulenburg abgeordneten ein Privileg für Chrabschneidung auzuerkennen; übersteigt, dem Gemeinde( Guts-) vorstand seiner gewerblichen werde sich nach Weihnachten zur Nachtur" nach Abbazia und Dr. Schädler handele eben nach dem Sage: calumniare audacter, Niederlassung oder in Ermangelung einer solchen seines Wohnvon dort nach Wildbad Gastein begeben. Man glaube damit semper aliquid haeret". sizes auf deren Verlangen binnen einer Frist von mindestens jedem Gedanken an eine beabsichtigte Flucht des Fürsten aus dem Den Vorsitz in der Verhandlung führt Oberlandesgerichtsrat zwei Wochen Auskunft zu erteilen." Was der Gesetzgeber Wege zu gehen, da zwischen den beiden Bundesstaaten Deutschland Mayer, Schäbler wird vertreten durch den Reichstags- unter" dauernd" verstanden wissen will, hat er nicht geund Desterreich ein gerichtliches Gegenseitigkeitsverfahren seit langem abgeordneten W. Mayer, der Bellagte Kohl wird durch Rechts" " eingeführt ist. Auf diese Weise würden die deutschen Behörden anwalt Dr. Bernheim verteidigt. Auf Antrag Rob Is fagt, ist auch unferes Wissens bislang noch in feinem höchsteingeführt ist. Auf diese Weise würden die deutschen Behörden wurde auch der Erzbischof von Bamberg Dr. Abert in Bad gerichtlichen Urteil zum Ausdruck gelangt. In Anlehnung an jederzeit in der Lage sein, den Aufenthalt des angeklagten Fürsten Jordau tommissarisch vernommen. die bis zum Jahre 1897 gültige Fassung des Lohnbeschlagund seine Bewegungsfreiheit, wie es wünschenswert sei, zu tonnahmegefeges würde man zutreffend darunter nur dictrollieren. Peters- Prozeß. Dr. Karl Peters hat in seinem Beleidigungs- jenigen Arbeiter usw. verstehen, die mindestens auf Der Zustand des Fürsten muß sich demnach in den letzten Tagen prozeß gegen die Münchener Post" die gegen das schöffengericht ein Jahr oder mit mindestens vierteljährlicher Kündigungsweiter im Galopptempo gebeffert haben. Daraus darf indes nicht liche Urteil eingelegte Berufung durch seinen Rechtsanwalt zurlid frist angestellt sind. Allenfalls könnte man auf Grund des geschlossen werden, daß dieses gute Befinden anhält. Sollte eine ziehen lassen. Der beklagte Redakteur, Genosse Gruber, wird das Wiederaufnahme der Untersuchungshaft in Aussicht genommen gegen seine Berufung aufrecht erhalten. Er hat durch seinen Rechts- 133 der Gewerbeordnung annehmen, daß dauernd beschäftigt werden, wird sich der Gesundheitszustand des Fürsten ebenso schnell beistand Dr. Bernheim umfangreiches Beweismaterial für die Be- fet, wem eine Kündigungsfrist von mindestens 6 Wochen zusteht. rufungsinstanz eingereicht. Der frühere Leutnant Bronfart von Man mag auch vielleicht in der Rechtsprechung so weit gehen wieder verschlechtern, wie er sich in den legten Tagen gebessert hat. Schellendorff ist bereits durch den deutschen Konsul in Mombassa tönnen, daß man als dauernd angestellt(§ 124a der GewerbeDas liegt nun einmal so in der Natur gewiffer fürstlicher Leiden.- tommissarisch vernommen worden und soll für Peters sehr belastend ordnung) die Arbeiter betrachtet, die auf eine Zeit von min destens 4 Wochen oder mit einer längeren als 14 tägigen Kündigungsfrist angestellt sind. Für durchaus dem Wortlaut widersprechend erachten wir es aber, jeden Arbeiter als dauernd angestellt zu bezeichnen. Eine neue Kandidatur Posadowsky. ausgesagt haben. Einberufung des preußischen Landtages. Durch Verordnung Wilhelms II. werden die beiden Häuser des Landtages, das Herrenhaus und das Haus der Abgeordneten, auf den 20. Oftober 1908 au sammenberufen. Deutsche Kolonialgesellschaft für Südwestafrika. Der Bundesrat hat in feiner Sigung vom 21. Mai 1908 beschlossen, der Deut. fchen Kolonialgesellschaft für Südwestafrika auf Grund ihrer vom Reichstanzler genehmigten Sabungen gemäß§ 11 des Schubgebietsgesetzes die Rechtsfähigkeit zu verleihen. Oefterreich- Ungarn. Eine blutige Demonstration. Wir halten demnach die Arbeitgeber nicht für verpflichtet, über das Einkommen von Arbeitern, auf deren Arbeitsverhältnis die oben angegebenen Voraussetzungen nicht zutreffen, Auskunft zu geben. Wünschenswert wäre es, daß ein Arbeitgeber die Auskunft sowohl dann ablehnt, wenn die Steuerbehörde ihm nicht angibt, was sie unter dauernd beschäftigt versteht, und ferner auch in allen Fällen, in denen der Arbeiter nicht nach Maßgabe des Arbeitsverhältnisses in dem oben dargelegten Sinne als dauernd Beschäftigter zu beDas Zentrum rebanchiert sich. Bekanntlich forderten, als durch den Tod des Genossen Ehrhart im Reichstagswahlkreis SpeyerLudwigshafen eine Erfahwahl nötig wurde, die Liberalen und Konservativen, daß die sogenannten Ordnungsparteien gemeinsam den Grafen Posadowsky als Kandidaten aufstellen sollten. Die Bentrumspartei des betreffenden Wahlkreises aber weigerte sich, mitzumachen; wofür sie von den Liberalen als eigensüchtig, kulturfeindlich, international uſw. angeklagt wurde. Jetzt dreht die Zentrumspartei den Spieß um. Jm Wahlkreise Bingen- Alzey ist ebenfalls eine Erfagwahl nötig, da der wildliberale Abgeordnete Köller wegen schwerer Erkrankung sein Mandat zum Reichstag niederlegen will. Als sein Nachfolger wird in der Zentrumspresse nun Graf Posadowsty Budapest, 5. Oktober. Gestern abend fanden Demon- trachten ist. Nur so wäre es möglich, eine gerichtliche Ente empfohlen. Bei der letzten Wahl wurden dort abgegeben ftrationen für das allgemeine BabIrecht statt, ſcheidung herbeizuführen. Bielleicht genügt auch diefe alle Arbeitgeber richten: 6586 T'berale Stimmen, 6285 freisinnige, 3611 für das offizielle Die Polizei wurde von der Menge mit zahlreichen Aufforderung, die wir an Zentrum, 2669 für einen Zentrums- Außenseiter und 1919 fozial evolverschüssen empfangen. es abzulehnen, ihnen die Einkommen aller von demokratische Stimmen. In der Stichwahl fiegte der Wildliberale Bolizisten wurde getötet. Die Polizisten machten von ihren beschäftigten Arbeiter der Gemeindebehörde mitzuteilen, nur bielmehr die Einkommen mit 11 841 gegen 9031 Stimmen, die auf den Freifinnigen entfielen. Säbeln Gebrauch und verlegten sechs Personen geben, die auf mindestens ein Jahr oder mit mehr als der Arbeiter anzuDas Zentrum mutet jetzt den Liberalen zu, bem Grafen schwer. 14 Personen wurden verhaftet und die übrigen vierteljähriger Kündigungsfrist oder unter den oben angeben, die auf mindestens ein Jahr oder mit mehr als Posadowsky einen Siz einzuräumen. Doch nun erklärt die Demonstranten zerstreut. liberale Bresse, daß daran gar nicht zu denken sei und zwar deshalb gegebenen Bedingungen eingestellt sind. Nach§ 110 des nicht, weil das Zentrum gegen eine Kandidatur Posadowskys im Strafgesetzbuchs macht sich strafbar, wer öffentlich zum UnWahlkreis Ludwigshafen- Speyer gewesen ist. gehorsam gegen Gesetze oder rechtsgültige Verordnungen oder Es ist ein ultiges Spiel, das mit dem Grafen Posadowsky geLondon, 5. Oktober. Die Arbeitslosen veranstalteten gegen die von der Obrigkeit innerhalb ihrer Zuständigkeit ge trieben wird. Keine der bürgerlichen Parteien will ihm ein Mandat gestern nachmittag auf dem Trafalgarsquare eine troffenen Anordnungen auffordert. Entspräche unsere Aufforderung nicht dem Gesetz, so wäre der Staatsanwalt ebenfe überlassen, das bislang zu ihrem eigenen Besitzstand gehörte; nur Kundgebung. Mehrere Redner hielten Ansprachen. Nach forderung nicht dem Geset, so wäre der Staatsanwalt ebenſe auf Kosten einer der anderen Parteien möchte man ihn in den Reichs- dem Meeting mußte die Polizei Gewalt anwenden, um die berechtigt wie verpflichtet, uns in der in der Strafprozeßtag einziehen sehen. So wird er draußen bleiben. Rundgeber zu veranlassen, den Platz zu räumen. Zahlreiche ordnung vorgeschriebenen Höflichkeitsform zu einem Besuch Verhaftungen wurden vorgenommen, darunter diejenige des Gerichts einzuladen. des Führers Grey. Vom sächsischen Wahlrechtshandel. Der Der unerhörte Zustand, daß in Sachsen Nationalliberale und Konservative nur deshalb über ein neues Wahlrecht nicht einig werden, weil sie nicht wissen, wie sie fich gegenseitig den Besigstand garantieren können, ist in ein neues Stadium getreten. nationalliberale Abgeordnete Hettner hat nun einen neuen Entwurf über die Wahlkreiseinteilung ausgearbeitet, der sich nach dem Berichte der bürgerlichen Presse auf folgende Prinzipien" stüßt: 1. Großstädte bilden abgeschlossene Kreise, nur solche Vorstädte werden mit ihnen verbunden, die mit ihnen im engsten wirtschaftlichen Zusammenhang stehen. 2. Mittelstädte follen zu einem Wahlkreis zusammengelegt werden, wenn sie ihrer wirtschaftlichen Eigenart wie ihrer Lage nach zufammen gehören. 3. Unter Anlehnung an die Verwaltungs- und Gerichtsbezirke find die industriellen und landwirtschaftlichen Streise möglichst aus einanderzuhalten. Eine Geheimmittelstener. Das Pferd eines England. Arbeitslosendemonstration. Rußland. Der Universitätsstreit. Bur ärztlichen Meldepflicht bei Tuberkulose. Das Gesetz vom 28. August 1905 betreffend die Bekämpfung ansteckender Krankheiten, verlangt in seinem§ 1 unter anderem die Anmeldung von Todesfällen an Tuberkulose. Petersburg, 4. Oktober. Der Rettor der Peters Nach§ 2 ist in erster Linie der behandelnde Arzt zur Anzeige verburger Universität gibt heute in den hiesigen pflichtet und§ 35 bedroht mit Strafe den Verpflichteten, der innerZeitungen bekannt, daß die Vorlesungen und die praktischen halb 24 Stunden nach Kenntnisnahme des Todesfalles die Meldung Üebungen an der Universität auf Beschluß des Hochschulrats nicht besorgt hat. Wegen Verletzung dieser Meldepflicht war und auf Grund des Universitätsstatuts einstweilen ein- der Arzt Dr. Kretschmar in Rhino angetlagt worden. gestellt worden sind. Türkei. Der Sohn eines am 5. Januar 1908 verstorbenen Patienten des Angeklagten kam am 6. Januar, morgens 82 Uhr, zu ihm und legte ihm den Leichenschaufchein vor. Der Arzt schrieb als Todesursache Lungenschwindsucht hinein und bat den 18 jährigen Abberufung der Reformoffiziere. jungen Mann, statt seiner dem Bürgermeister als Polizeiverwalter Konstantinopel, 5. Oftober. Der russische Botschafter Sinowiem diesen Todesfall an Tuberkulose zu melden. Der Sohn des Verüberreichte der Pforte eine Sollettivnote aller Bote storbenen besorgte verschiedene Gänge, so zum Beispiel holte er fchafter, welche besagt, die Regierungen beabsichtigen aus We Sterbegeld. Er fam an dem Tage nicht zum Bürgermeister, 4. Es soll eine gewisse Gleichheit der Wählerzahl innerhalb wveggründen, die die Pforte schätzen werde, die Offiziere, die mit sondern erst am 7. Januar um 9% Uhr. Zu dieser Zeit der mazedonischen Gen= waren feit der Kenntnisnahme des Arztes vom Todesfalle der Kreise festgehalten werden; die Spannung soll möglichst nicht der Neorganisation darmerie betrau waren, auf unbestimmte Zeit zu bemehr als vierundzwanzig Stunden verflossen. Der ans mehr als 10 Broz. betragen. 5. In der troß dieser Grundsäße sich weiterhin noch erurlauben. Die Offiziere tönnten unter den gegenwärtigen Ber- getlagte Arzt wurde in zweiter Instanz zu einer Geldstrafe gebenden Ungleichheit der Kreise würde die Forderung, die hältnissen als Instrukteure und Kontrollorgane nicht nüßlich ver- berurteilt. Das Rammergericht verwarf die Revision schwächeren zu berücksichtigen, dort anerkannt werden, wo bei wendet werden. Da sie aber durch Kontraft gebunden seien, so mit folgender Begründung: Es tönne dahingestellt bleiben, ob die räumlich ausgedehnten Streifen die Wählerzahl eine geringere ift, frage man an, ob die Pforte gegen diese Maßregel nichts einzu. Ansicht der Borinstanz zutreffend sei, daß der Verpflichtete stets wenden habe. Falls die Pforte den Vorschlag afzeptiere, bleibe persönlich, ob schriftlich oder mündlich, die Anzeige zu bewirken also in vorwiegend landwirtschaftlichen Gegenden. nur übrig, gemeinschaftlich die Entschädigung zu regeln, die den habe. Jedenfalls werde seine Verurteilung schon durch eine andere beurlaubten Offizieren zu leisten sei. Diese lebte Klausel wurde Feststellung der Straffammer in Fulda geiragen, nämlich durch die, besonders auf Verlangen Englands beigefügt, da die englischen daß er schuldhafterweise einen ungeeigneten Boten zur UeberOffiziere infolge der Beurlaubung außerhalb des Truppenver- lieferung der Meldung gewählt habe. Er hätte sich sagen bandes stehen. müssen, daß der der achtzehnjährige junge Mensch, der den Water berloren und hatte noch allerlei außerdem Besorgungen machen mußte, teine geeignete Person zur Ausführung Wenn sich trobem", meint das Blatt, amnehmen läßt, daß der Gefälligkeit fei. Auf die Ausfüllung des Leichenschauscheins fich in dem Steuerbufett des Staatssekretärs Sydow eine derartige Röln, 5. Oktober.( W. T. B.) Ein Telegramm der Köln. fönne fich der Arzt nicht berufen, denn der Schein diente nur Steuer nicht befindet, so hat dies vielleicht seinen Grund darin, Beitung" aus Tanger meldet: Gestern hat sich ein neuer deutsche statistischen und nicht Melbezwecken. Ferner sei es ohne Belang, ob daß zurzeit eine Definition für den Begriff„ Geheimmittel" noch französischer Zwischenfall in Rabat zugetragen. Der Bote der der Polizeiverweser schon anderweitig von dem Todesfall an nicht besteht. Wenn aber nach Verabschiedung des Kurpfuscherei deutschen Post, Muhammed Filali, geriet in Streit mit den einem Tuberkulose Kenntnis erhalten habe. Der Beamte habe das Recht gesetzes die dort vorgesehene Kommission zur Prüfung von Arzneien französischen Offizier unterstehenden Bolizeitruppen. Als er ver- und die Pflicht gehabt, die Meldung des Arztes abzuivarten. und Geheimmitteln, welche dem Reichsgesundheitsamt angegliedert haftet wurde und dem franzöfifchen fommandierenden Offizier vorwird, in Tätigkeit getreten ist, dann dürfte die formelle Schwierigkeit geführt werden sollte, kam es zu einer Schlägerei zwischen den der Definierung gehoben sein. Die Erwägungen über eine solche Bolizeitruppen und Maroffanern, wobei Muhammed Filali ent- 3ft das Gewerbegericht für Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhältnis bei Patentanwälten zuständig? Steuer gehen von dem Gedanken aus, daß alljährlich ganz be- wischte. Der franzöfifche Offizier verlangte bom deutschen Bize deutende Summen in steigendem Maße für Geheimmittel, deren konsul die Auslieferung des Postboten. Diese wurde Diese Frage war in einem Rechtsstreit des Beichners G. gegen Breis mit ihrem Werte in gar keinem Berhältnis steht, ausgegeben berweigert, jedoch zugestanden, daß der betreffende die Herren Gronert, Zimmermann und Hering, Ingenieure und werden. Der vor zehn Jahren statistisch festgestellte Umfaß der Offizier, der Hauptmann Reimont, der Vernehmung des Postboten Patentanwälte, in erster Linie zu entscheiden. Unstreitig war, daß antiger Artikel von 30 Millionen Mart soll sich inzwischen ver- und der Zeugen beiwohnen könnte. Bei dieser Vernehmung haben die Beklagten zugelassene Batentanwälte( nicht Agenten) vielfacht haben. England und Japan ziehen aus der Geheim- sich über den tatsächlichen Hergang Abweichungen ergeben. Es ist sind. Der Vertreter der Beklagten bestritt die Zuständigkeit des Ge mittelsteuer, das heißt aus einer Besteuerung aller Patentmedizinen, zu hoffen, daß die weiteren Besprechungen zwischen dem deutschen werbegerichts. Zwischen Patentagenten und Patentanwälten bestehe die in den Handel gebracht werden, sehr erhebliche Einnahmen, Bizetonful und dem französischen Bolizeioffizier zu einer Bei ein größerer Unterschied. Für Patentagenten möge die Zuständigkeit die sich in England auf 7 Millionen jährlich gesteigert haben. Iegung des Zwischenfalles führen, der sich, soweit bisher ersichte Wie die Magdeburgische Zeitung" zu melden weiß, find an die zuständige Stelle Anregungen zu einer steuerlichen Erfassung der als Geheimmittel" bezeichneten Patentmedizinen und Spezialitäten ergangen. Marokko. Ein neuer Zwischenfall. des Gewerbegerichts gegeben sein. Bei den Patenantwälten sei das aber ettvas anderes. Nach dem neuen Gefeß hätten sie den Nach tveis einer bestimmten Ausbildung zu führen. Dann erst würden fie behördlich zugelassen und auf ihren Stand verpflichtet. Sie unterständen auch einem Ehrengerichtshof und hätten beruflich und außerberuflich eine bestimmte Führung innezuhalten. Der Stand der Patentanwälte sei dem der Rechtsanwälte verwandt. Die Kammer 8 des Berliner Gewerbegerichte erklärte jedoch mit Recht das Gewerbegericht für zuständig. Der Gerichtshof sei der Ansicht, daß vor das Gewerbegericht auch Patentanwälte gehörten. Sie betrieben allerdings eine Tätigkeit, die der advokatorischen analog sei, aber doch noch keine advokatorische selbst. Nur Rechtsanwälte, deren Tätigkeit bei den ordentlichen Gerichten ausgeübt wird, unterständen nicht der Gewerbeordnung. Es wäre ja wünschenswert, daß die noch umstrittene Frage durch alle Instanzen entschieden würde. Im vorliegenden Falle sei es aber wegen des zu geringen Objekts nicht möglich. Nachdem so die Zuständigkeit des Gewerbegerichts ausgesprochen worden war, mußte die Sache selbst zum Zwecke der Beweiserhebung vertagt werden. " Wider die guten Sitten. Unter dieser Spizmarte brachten wir in Nr. 229 einen Bericht Aber einen Prozeß gegen eine Wach- und Schließgesellschaft in Berlin. Berliner Wach- und Schließ Die Firma gesellschaft m. b. H.", Friedrichstr. 112a, ersucht uns um Mit teilung, daß sie mit der verklagten Gesellschaft nicht identisch ist, daß es sich vielmehr um eine jener Gesellschaften handelt, die aus der Namensähnlichkeit mit der gut renommierten Gesellschaft Nugen zu ziehen suchen. Sie selber verurteile mit uns auf das entschiedenste die durch jenen Prozeß festgestellte Tatsache, daß von der verklagten Firma die Zeit nicht bezahlt wird, die zum Anlernen erforderlich sei. Wir kommen dem Ersuchen der Berliner Wach- und Schließgesellschaft m. b.." gern nach. Nicht sie, sondern eine Wach- und Schließgefellchaft mit der Firma, Groß- Berlin, Gesellschaft m. b.I." war die vor dem Gewerbegericht verflagte, bloßgestellte und ver urteilte Firma. Gegen die Säuglingssterblichkeit. 4 Der Stadtmagistrat Bayreuth hat die Errichtung einer ärztlichen Mütterberatungsstelle, Einführung von Stillprämien und Einrichtung einer städtischen Milchküche beschlossen. Ungültigkeit einer ministerillen Vorschrift. die Führung der Bücher und über die polizeiliche Kontrolle in Deutfches Reich. Tariffündigung im Baugewerbe. daß durch eine tariflose Zeit auch für die Unternehmer fehr! schwierige Verhältnisse entstehen können, da die Arbeiter jede Gelegenheit, die sich ihnen bietet, zu ihrem Vorteil ausnügen würden. An dem Abschluß eines Tarifes sind beide Teile interDie Unternehmer in Kiel haben die Tarifverträge der Maurer, effiert, wenn ruhige und geordnete Zustände im Beruf gewünscht Zimmerer und Bauhilfsarbeiter zum 1. Januar 1909 gekündigt. werden. Von einigen Arbeitgebern wurde behauptet, daß die Bermutet wird, daß die Unternehmer die ungünstige Konjunktur Kündigung gar nicht so bös gemeint" sei; nur einige Nachtrags- benutzen wollen, um die Lohnfäße herunterzudrücken. bestimmungen würden gewünscht. Warum hat man dann, so Der Streif der baugewerblichen Arbeiter in Jüterbog ist be. fragte der Redner, keine Verhandlungen herbeigeführt, sondern endet. Der Streik war ausgebrochen, weil die Unternehmer den eine offene Friedensstörung durch die Kündigung verursacht. Die tarifmäßigen Lohn zu zahlen abgelehnt hatten. Die letthin staltArbeiter glauben, daß das Scharfmachertum im Baugewerbe gefundenen Verhandlungen haben nun für die Arbeiter ein dahintersteht. Bis zum Ablauf des Tarifes ist noch ein halbes günstiges Resultat ergeben; die Arbeit ist auf allen Bauten wieder Jahr Zeit. Diese Zeit werden die Arbeitgeber nüßen, und auch aufgenommen worden. die Arbeitnehmer haben alle Ursache, zu rüsten und sich zum Widerstand gegen jeden Angriff zusammenzuscharen.( Beifall.) In der Diskussion traten alle Redner diesen Ausführungen bei. Man wünschte, daß Agitationsversammlungen veranstaltet werden, und einige Redner sprachen die Hoffnung aus, daß der ,, Verein der Bauanschläger Berlins" zum Zentralverbande übertreten werde. Der Verein hat ebenfalls die Kündigung des Tarifs erhalten. Es wurde hervorgehoben, daß der jetzt gekündigte Tarif den Arbeitern von den Unternehmern aufgezwungen worden ist; sie hatten damals wenig Lust, diesen Tarif überhaupt anzunehmen, und daß er jetzt noch verschlechtert werden sollte, davon könne gar feine Rede sein. Die folgende Resolution wurde von den Versammelten einstimmig angenommen: Die am 4. Oktober tagende Versammlung der Bauanschläger Berlins und Umgegend nimmt Kenntnis von der Kündigung des Tarifs von seiten der Arbeitgeber. Mit Rückficht darauf, daß es notwendig ist, zu erfahren, welche Gründe die Arbeitgeber veranlaßten, den Tarif zu kündigen, beauftragt die Versammlung die Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiterverbandes, in Berbindung mit der Branchenkommission, in geeigneter Weise mit den Arbeitgebern Verhandlungen einzuleiten und in einer späteren Versammlung Bericht zu er= statten, in der dann über die weitere Stellungnahme von den Kollegen Beschluß gefaßt werden soll." der A. E.-G. Lohnbewegung der Brauereiarbeiter in Bremen. In Bremen stehen die Brauereiarbeiter vor einem Streik, da die Unternehmer alle Forderungen der Arbeiter abgelehnt haben und sich auf nichts einlassen wollen. Nach Berichterstattung des Gauvorstehers Lutz und sehr lebhafter Diskussion beantragte in der letthin stattgefundenen außerordentlich zahlreich besuchten Versammlung schließlich Kollege Böckenträger, die Anträge auf Arbeitseinstellung zugunsten folgender Resolution zurückzuziehen: „ Die am 2. Oftober bersammelten Brauereiarbeiter Bremens erklären, daß eine Erneuerung des Tarifvertrages nur möglich ist, wenn die Bremer Brauersozietät gewillt ist, eine Reform des bisherigen Vertrages vorzunehmen, welche den berechtigten Bedürfnissen der Arbeiter Rechnung trägt. Die Versammlung erklärt jeden Verfuch der Brauereien, Verschlechterungen irgendwelcher Art einzuführen, mit allen zu Ge. Die stehenden Mitteln zurüdzuweisen. Lohnkommission wird abermals beauftragt, in diesem Sinne eine Versammlung mit der Brauersozietät herbeizuführen. bote Sollte wider Erwarten die lettere auf ihrem völlig ablehnenden Standpunkt beharren, so verpflichten sich die organisierten Brauereiarbeiter, jeder Weisung der Verbandsleitung zur Durchführung der Forderungen unbedingt Folge zu leisten." Die Resolution wurde angenommen. Tariffündigung in Mannheim- Ludwigshafen. Der Arbeitgeberverband der Hafengebiete Mannheim. Ludwigshafen" fündigte in einem Schreiben an den Verband der Hafenarbeiter und verwandter Berufsgenossen Deutschlands, Mitgliedschaft Mannheim- Ludwigshafen", den bestehenden Tarifvertrag. Das Schriftstück lautet: Im Auftrage unseres Mitgliedes, der Firma Weingart u. Kaufmann, tündigen wir Ihnen den mit Ihnen abgeschlossenen Tarifvertrag vom 26. September 1907 zum 1. Dezember 1908, erklären uns jedoch gleichzeitig damit einverstanden, daß mit Ausnahme der Kündigungsfrist und des Ablaufstermins sämtliche Bestimmungen des bisherigen Vertrages bestehen bleiben, borausgesetzt, daß das Tarifabkommen für die Getreidearbeiter, wie es zurzeit bei der Mannheimer Lagerhausgesellschaft und der Badischen Aktiengesellschaft für Rheinschiffahrt und See. transport besteht, auch bezüglich der Kündigungsfrist und des Ablaufstermins des Tarifvertrages für die Firma Weingart u Kaufmann bollinhaltlich Anwendung findet. Wir ersuchen Sie um gefällige Stellungnahme hierzu innerhalb acht Tagen." Edstein in Hof ausgebrochen. Die Ursache ist die Nichtanerkennung Ein Streit der Steinarbeiter ist bei der Firma Deubner u. des der Firma vorgelegten Tarifs. Sie hat überhaupt jede Unterhandlung brüst abgelehnt. nicht versäumt, für sich Propaganda zu machen, und jedem VerDer christliche Metallarbeiterverband hatte die Gelegenheit fammlungsbesucher hatte man Flugblätter angeboten, in welchen die Sozialdemokratie und der„ rote Metallarbeiterverband" verunglimpft wurden. Handke warnte davor, sich durch die Christlichen täuschen zu lassen. Jene stellen sich gern bei solchen GeNach§ 38 Absah 4 der Gewerbeordnung find die Zentral.legenheiten ein. wo eine Tarifbewegung besteht oder im Anzuge behörden befugt, Vorschriften darüber zu erlassen, in welcher Weise ist; sie hoffen, dabei im trüben fischen zu können. Mit dem unter anderem die Trödler ihre Bücher zu führen und welcher roten" Metallarbeiterverband kann sich der christliche in feiner polizeilichen Kontrolle über den Umfang und die Art ihres Ge- Weise messen. Der Deutsche Metallarbeiterverband ist die Organischäftsbetriebes sie sich zu unterwerfen haben. Die auf Grund sation, die allein für die Interessen der Arbeiter in der Metalldieser Ermächtigung erlassenen ministeriellen Vorschriften besagen branche in wirksamer Weise eintritt und für den jeder Metallnun unter Ziffer 9, daß Trödler mit minderjährigen Kindern nur arbeiter in seinem eigenen Interesse unermüdlich agitieren sollte. Geschäfte abschließen dürfen, wenn deren Eltern oder Vormünder die Genehmigung dazu erteilt haben. Wegen Uebertretung dieser Amtsniederlegung des Arbeiterausschusses in der Turbinenfabrik Vorschrift wurde der Trödler Worowitz in Mühlhausen( Thüringen) von der dortigen Straffammer zu einer Geldstrafe verurteilt. Die Straffammer erklärte die Vorschrift für rechtsgültig, fie finde gesellschaft in der Huttenstraße hielten am Sonntag im großen Saale der Die Arbeiter der Turbinenfabrik der Allgemeinen Elektrizitätsihre Stüße in dem zitierten Absatz 4 des§ 38 der Gewerbeordnung. Stronenbrauerei eine Betriebsversammlung ab, um zu der BeDer erste Straffenat des Kammergerichts hob das Urteil auf handlung, die ihrem Arbeiterausschuß in letter und sprach den Angeklagten mit folgender Begründung frei: Die Beit 3uteil geworden ist, Stellung zu nehmen. angezogene Bestimmung der ministeriellen Vorschriften sei un- Cohen, der Ortsbevollmächtigte des Metallarbeiterverbandes, gültig, da sie sich nicht auf§ 38 der Gewerbeordnung ftüßen fönue. wies einleitend darauf hin, daß die bei ihrer Einführung vielgeNach dessen Absatz 1 tönnten allerdings die Zentralbehörden über priesene Institution der Arbeiterausschüsse nur so lange einiger den Umfang der Befugnisse und Verpflichtungen sowie über den maßen befriedigend wirken kann, wie ein guter Geschäftsgang bor Geschäftsbetrieb bestimmter Gewerbetreibender( Pfandleiher, Ge- handen ist und die Arbeiter Macht haben, ihre Rechte auch auf findevermieter, Stellenvermittler usw.) Vorschriften erlassen. Die andere Weise mahrzunehmen. Unter solchen Umständen erweisen Trödler seien dort aber nicht genannt. Bezüglich ihrer fönne nur die Unternehmer den Arbeiterausschüssen ein gewisses Entgegen= Absatz 4 in Frage kommen; der habe aber lediglich Vorschriften über kommen. Anders wird es, sobald eine allgemeine Wirtschaftskrise einen Anders es, eine Letzte Nachrichten und Depefchen. im wird sobald allgemeie mehr vom are Auge. Darunter lasse sich so segensreich sie sein möge die Bestimmung nicht bringen, die den rödlern verbiete, mit Minder- toch alles Unrecht ruhig gefallen lassen werden, um dem Unglück beiterausschuß hören, weil man glaubt, daß die Arbeiter sich nun jährigen ohne Genehmigung ihrer Eltern oder Vormünder Ge- der Arbeitslosigkeit zu entgehen. So rechnet man auch in vielen Zur bayerischen Landtagswahl. schäfte zu machen. W müffe deshalb freigesprochen werden. München, 5. Oftober.( 2. 5.) Als Kandidat der sozialdemo Wenn der preußische Handelsminister- insbesondere übrigens Betrieben der Metallindustrie und zwingt durch Abweisung aller fratischen Partei für den Landtagswahlkreis Kaiserslautern wurde wie Weigerung, irgendwie wichtigen Beschwerden und Forderungen, durch der Volksschullehrer Hoffmann definitiv aufgestellt. Lehrer HoffDingen etwas genauer die gefeßlichen Vorschriften in feinem beiterausschüsse, die sich nicht völlig zu Scheinvertretungen herab. mann hat sein Amt niedergelegt, um sich ganz der politischen Tätig Reffort versehen läßt, bevor er ministerielle Anweisungen ergehen würdigen lassen wollen, ihre Aemter niderzulegen. läßt, es wäre das sicher nüblicher als sein Versuch, Krankenkassen fürzlich auch bei der A. E.-G. in der Brunnenstraße der ArbeiterGo legte zu hindern, vorbeugend gegen Erkrankungen zu wirken. ausschuß, dazu aufgefordert von der Arbeiterschaft dieses BeVerspätete Reuc. Ein dreizehnjähriger Schulfnabe wegen Alimente verklagt. triebes, sein Amt nieder. Die unwürdige Behandlung, die er von Kopenhagen, 5. DOktober.( W. T. B.) Follething. Der von det der Betriebsleitung erfahren hat, war unter anderem auch darin linken Reformpartei und der gemäßigten Linten eingebrachte Antrag, In Breslau hatte das 18jährige Dienstmädchen eines Restau- zum Ausdruck gekommen, daß die Direktion erklärt, bei Beschwerden das Folkething möge den Willen aussprechen, an der Milderung rateurs außerehelich einem Kinde das Leben gegeben. Als Vater über Lohnabzüge sei der Arbeiterausschuß nur dann zuständig, der Folgen des von Alberti begangenen Verbrechens mitzuwirken, wurde vom Vormunde der Sohn des Restaurateurs, ein drei- wenn diese sich über den ganzen Betrieb erstreckten, nicht aber, wurde heute mit den Stimmen dieser Parteien angenommen. zehnjähriger Schultnabe, in Anspruch genommen und wegen wenn sie nur einzelne Abteilungen oder Gruppen beträfen. Damit übrigen Parteien enthielten sich der Abstimmung. Die nächste Alimentenzahlung berklagt. Der Rechtsbeistand des Beklagten sollte also das alte Recht des Arbeiterausschusses, die wirtschaft. Sigung wurde auf den 13. Oktober festgesezt. bertrat die eigenartige Anschauung, daß das Kind kein Recht auf lichen Interessen der Arbeiter wahrzunehmen, überhaupt beseitigt Alimente habe, weil es sein Leben einem Verbrechen verdanke, in- werden, denn so töricht wird die Leitung dieses Riefenbetriebes dem sich die Mutter durch den Geschlechtsverkehr mit dem noch nicht natürlich nicht sein, daß sie mit einem Schlage allen den Tausenden 14 Jahre alten Knaben gegen§ 176 R. St. G. vergangen habe. von Arbeitern und Arbeiterinnen die Löhne fürzt. Schon um eine Walter Beume faufte sich einen Revolver, fuhr nach Gommern Magdeburg, 5. Oktober.( B. H.) Der 14jährige Schüler Das Gericht verurteilte den findlichen Vater entsprechend der allgemeine Aufregung zu verhindern, macht man dergleichen nach Klage, indem es sich auf den eigentlich selbstverständlichen Rechts- und nach, bald in dieser, bald in jener Abteilung. In lekter und erschoß sich dort. Man vermutet als Grund die Nichtverstandpunkt stellte, daß die Ansprüche des Kindes allein schon in Zeit ist nun auch der Arbeiterausschuß der ebenfalls der A. E.- 3 sekung des Schülers. seiner bloßen Eristenz begründet seien und daß es nicht rechtlos gehörenden Turbinenfabrik in der Huttenstraße übereingekommen, gemacht werden dürfe, weil seine Existenz durch eine strafbare Handlung feiner Erzeuger herbeigeführt worden sei. Der seltsame Bater hat inzwischen die Schule verlassen und ist bei einem Fleischermeister in die Lehre getreten. Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. Achtung, Metallarbeiter! Wie uns unsere Bruderorganisation in Desterreich mitteilt, find die Kollegen der Firma 2. Dozcefal u. Cie. in Mügliz in den Ausstand getreten. Die Firma versucht, in Deutschland Arbeitswillige anzuwerben. Zu diesem Zweck will auch der dortige Betriebsingenieur namens. E. Ebel, ein geborener Berliner, nach Berlin kommen. Der Herr Ebel hat in Müglig den Streifenden gegenüber behauptet, daß er mit Leichtigkeit 50 Streit brecher in Berlin anwerben fönne. Wir ersuchen unsere Kollegen, etwaige Arbeitsangebote für oben genannte Firma ftrifte abzulehnen. feit widmen zu können. Schultragödie. Zerstückelt. Die Straubing, 5. Oktober.( B. S.) Im hiesigen Bahnhofe wurde, der Briefträger Raith beim lleberschreiten der Gleise von einem Rangierzuge erfaßt und buchstäblich zerstückelt. Ein blutiger Zusammenstoß. der Polier Nikolaus Wagner, ein Mann im Alter von 60 Jahren, Darmstadt, 5. Oftober.( B. H.) Als heute früh gegen 4 Uhr nach Hause gehen wollte, wurde er im Mühltal von zwei jungen Burschen, mit denen er vorher einen Streit gehabt hatte, überfallen. Er wehrte sich, stach den Wilhelm Reinhard tot und verlebte den gleidhaltrigen Mittelmann. Wagner wurde festgenommen. Das Messer. fein Amt niederzulegen. Schon in früheren Jahren haben sich die Ausschußmitglieder über brüstes Auftreten der Direktion beklagt, aber im übrigen wurde den Wünschen der Arbeiter doch ein gewiffes Entgegenkommen gezeigt, und, wenn der Arbeiterausschuß es für notwendig hielt, wurden auch allgemeine Sigungen abgehalten. Als aber in diesem Frühjahr die Arbeiter die Freigebung des 18. März wünschten, da erklärte die Direktion, daß Sißungen Die Opfer der indischen Ueberschwemmungen. des gesamten Arbeiterausschusses überhaupt nicht mehr notwendig London, 5. Oktober.( B. H.) Nach einer Meldung des„ Daily feien; es follte nur noch mit den einzelnen Gruppen verhandelt Telegraph" aus Allahabad schäzen die letzten Berichte aus Haidewerden. Als nun die Gruppen in der Sache verhandeln wollten, rabad die Zahl der bei den Ueberschwemmungen Umgekommenen wurden sie von der Direktion gar nicht empfangen. Aehnlich ging auf etiva 50 000. es in allen anderen wichtigen Angelegenheiten, und der betreffende Direttor hat auch offen erklärt: Die Zeiten sind vorbei, wo Sie, bringen konnten. Nun sind wir obenauf". Was den letzten Anstoß wenn Sie mit uns verhandelt hatten, den Arbeitern etwas mitzur Amtsniederlegung des Arbeiterausschusses gab, war der Umstand, daß kürzlich ein Schlosser entlassen wurde, weil er auf dem Bahnhof Beusselstraße einen Gelben belästigt haben sollte, und die Direktion auch in dieser Sache jede Verhandlung mit der recht mäßigen Vertretung der Arbeiterschaft ablehnte. Der Mensch, dessentwegen jener Schlosser den Betrieb verlassen mußte, ist ein Obergelber, der die schöne Mission hat, Mitglieder für seinen Bund von Unternehmers Gnaden im Betriebe zu werben, aber bisher keinerlei Erfolg gehabt hat. Daß sein Gerede über etwas, das außerhalb des Betriebes geschehen sein soll, der Betriebsleitung maßgebend für eine Entlastung ist, der Arbeiterausschuß aber nicht einmal nachträglich gehört wird, ist neben allem andern Die Kündigung des Tarifs der Bauanschläger. ja schon Beweis genug dafür, daß diese Institution überhaupt keinen Der Deutsche Metallarbeiterverband hatte eine allgemeine 8wed mehr für die Arbeiterschaft des Betriebes hat. Nachdem Versammlung der Bauanschläger Berlins einberufen, die am Cohen und andere diese Verhältnisse geschildert hatten, erklärie Sonntag vormittag in den Andreas- Festsälen stattfand. Die die Versammlung sich mit allen gegen 3 Stimmen mit der Amts. Arbeitgeber haben den Tarif zum 1. April 1909 gekündigt. 3ur niederlegung des Arbeiterausschusses einvers selben Zeit etwa, am 27. September, als die Arbeitnehmer be- standen. Selbstverständlich werden die Arbeiter des Betriebes Rosenheim, 5. Oktober.( B. H.) In der Ortschaft Kolbenmoar schlossen, den Tarif nicht zu fündigen, ging der Brief mit der nun in anderer Weise ihre Interessen der Direktion gegenüber ver- ist der Schlosser Brunhuber an Fischvergiftung gestorben. Seine Kündigung der Unternehmer zur Post. Dieser Brief war schon treten. Frau liegt im Sterben. Drei weitere Personen find lebensgefähr. am 26. September geschrieben; es bestand also unter allen Um- Zum Schluß der Versammlung widmete Cohen dem als Ar- lich erkrankt. ständen bei den Arbeitgebern die Absicht, den Tarif zu fündigen. beitersekretär in Stuttgart verstorbenen Genossen Otto Räther Otto Handte, der in der Versammlung referierte, fragte einen furzen Nachruf und gedachte der Verdienste, die sich Näther nach den Gründen, welche die Arbeitgeber zu ihrem Vorgehen ver um die Metallarbeiterorganisation erworben hat, deren Berliner anlaßten, und fam in seinen Betrachtungen zu dem Schluß, daß Ortsbevollmächtigter er bis zum Jahre 1901 tvar. die Arbeitgeber wohl dem Glauben zuneigen, Verschlechterungen Außerdem wurde auf die Petition an die Eisenbahndirektion des Tarifs durchdrüden zu fönnen. Dagegen würden sich die aufmerffam gemacht, in der Abhilfe gegen die unter" Lofales" in Arbeiter aber mit aller Macht wehren und lieber ohne Tarif Nr. 226 des Vorwärts" geschilderten Mißstände am Bahnhof Das Gebäude ist zum Teil zerstört. arbeiten, als daß sie Verschlechterungen hinnehmen, wo sie Ver- Beuffelstraße verlangt wird. Unterschriften zur Petition werden besserungen zu erwarten berechtigt find. Handke wies darauf hin, I noch immer entgegengenommen. Die Arbeiterpresse wird um Abdruckt gebeten. Deutscher Metallarbeiter Verband( dritter Bezirk). H. Zernice. Göppingen, 5. Oftober.( W. T. B.) In Holl( Oberamt Göppingen) nahm gestern abend ein Streit zwischen italienischen Arbeitern und dortigen jungen Leuten einen schrecklichen Verlauf. Durch Messerstiche wurden von einem Jtaliener die Brüder Kicherer getötet und ein 25 Jahre alter Schlosser tödlich verlegt. Auch ein Italiener trug schwere Verlegungen davon. Der vermutliche Täter wurde verhaftet. Ein Verdächtiger hat sich der Verhaftung durch die Flucht entzogen. Fischgift. Pulver- Explosion. Petersburg, 5. Oftober.( W. T. B.) In der hiesigen Zünd. röhrenfabrik des Kriegsministeriums explodierte heute nachmittag während der Entladung von Petarden der Pulbervorrat. Hierbet wurden fünf Arbeiter tödlich und sieben Arbeiter leicht verlegt. Verantw, Redakt.: Georg Davidjohn, Berlin. Inseratenteil verantw.: 2h, Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW Sierau 3 Reilagen u Naterhaltunoa Br. 234. 25. Jahrgang 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. i, 6. Oktober 1908. Der Türnberger Parteitag in den hatten. " 1 Organisationen. . * Die VerIn Braunschweig nahm eine stark besuchte Versammlung In Braunschweig nahm eine start besuchte Versammlung des fozialdemokratischen Arbeitervereins nach einem Referat des Delegierten Genossen Dr. Jasper, der sich auf den Boden der Resolution Frohme stellte, und einer Debatte, in der die Genossen Wagner und Antrid, sich gegen die Budgetbewilligung wandten, gegen wenige Stimmen eine scharfe Resolution an, die sich für die Vorstandsresolution erklärt und zum Schluß ſagt: ſammlung ersucht den Parteivorstand, als Erekutive des Parteitages darüber zu wachen, daß die Erklärung des Genossen Segiz und der 66 und die Interpretation dieser Erklärung durch die süddeutſche Parteipresse nach dem Parteitage nicht zur Tat werden. Die Ver sammlung erwartet vom Parteivorstand, daß er jedem Versuche, in der Verhöhnung des Spruches ihrer obersten Vertretung die Partei selbst zu verhöhnen, unnachsichtlich entgegentritt." H... geklagte Schiffstapitän Schober vom Hamburger Schwurgericht freigesprochen worden. Aus der Verhandlung wird uns noch berichtet: Der Staatsanwalt hielt von den vielen Anklagepunkten nur je zwei Fälle des Mißbrauchs der Disziplinargewalt und der Mißhandlung aufrecht, " Aus der Partei. Zu Julius Kräders 20. Todestage indem er meinte, daß für die lange Internierung der acht Matrosen haben die Breslauer Genossen das Grab des Kämpfers Eine Barteiversammlung des Wahlkreises Dresden nicht der Angeklagte, sondern die Behörden in Chile ver- mit Kränzen geschmückt, zum Zeichen, daß sein Andenken in der Neustadt wurde vertagt, nachdem mehrere Redner gegen den Be- antwortlich seien! Der Angeklagte habe wohl geglaubt, die Breslauer Klassenbewußten Arbeiterschaft auch nach 20 Jahren noch schluß des Parteitages in der Budgetfrage, andere dafür gesprochen Leute wollten nicht ordentlich arbeiten und er dürfe sie in Saft ab- lebendig ist. Und Kräcker hat folche Treue wohl verdient. Ein führen lassen. Der Stiefel( Fußtritte) sei kein gefährliches Wert- Sohn der schlesischen Hauptstadt, in der er am 29. Juni 1839 als zeug und die Leute mögen wohl auch etivas widerstrebend gewesen Kind eines armen Kattundruckers geboren wurde, ist sein Leben und In Stettin erklärte sich die Versammlung des Wahl- sein, weshalb einige Mißhandlungsfälle ausschieden. Für dieses Wirken mit der Geschichte der Breslauer Arbeiterbewegung aufs bereins mit den Beschlüssen des Parteitages und der mehr einer Verteidigungsrede ähnelnde Plaidoyer bekundeten die innigste verbunden. Gehört er doch zu den Mitbegründern der Haltung des Delegierten, der für die Vorstandsresolution Geschworenen ein großes Verständnis. Sie verneinten sämtliche Sozialdemokratie in Breslau. Im Jahre 1867 tehrte der junge stimmte, einverstanden. Sattlergeselle nach beendeter Wanderzeit in die Heimat zurück; hier In der Debatte hatte sich Schuldfragen freilich Opposition bemerkbar gemacht, auch gegen die radikale Und das trop der geradezu haarsträubenden Dinge, die dem half er den Breslauer Arbeiterverein gründen, der sich im Haltung des Volksboten". Außer dem Referenten und dem Ge- Gewaltsmenschen nachgewiesen wurden. Fassen wir nochmals kurz Mai 1868 dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein anschloß. noffen Runge sprachen die Redner, darunter Genosse Herbert, zusammen, was in der Verhandlung zur Sprache gebracht wurde: Indeffen Kräcker sagte die Richtung der internationalen Eisenacher als Mitbegründer einer Drganisation der gegen die Vorstandsresolution. Die Redaktion des„ Volksboten" be- Der Angeklagte hat wiederholt in angetrunkenem und nicht mehr zu, und merkt, daß die für die Budgetbewilligung Sprechenden fast aus- stod und anderen Gegenständen sowie mit den Füßen bearbeitet, gang in der Baterstadt Lassalles. Die Kämpfe zwischen den beiden angetrunkenem Zustande seine Untergebenen mit einem Rinozeros- sozialdemokratischen Arbeiterpartei verschaffte er dieser Richtung Einschließlich Gewerkschaftsangestellte waren. hat Leute, die ihm nicht genügend arbeiteten, bis zu sechzehn Tagen Richtungen wurden auch in Breslau mit größter Erbitterung und ins Gefängnis gesteckt mit der Drohung, er werde sie bis zu Leidenschaftlichkeit geführt; wenn aber trotzdem in Breslau schon vor In Harburg wurde eine Resolution gefaßt, die sich mit dem 50 Tagen fißen lassen, wenn sie nicht erklärten, genügend arbeiten der Gothaer Ginigung ein erträgliches Verhältnis sich herausbildete, so Parteibeschluß in der Budgetfrage einverstanden erklärte. zu wollen, und hat sogar vor den Augen des Gefängnisdirektors war das nicht zulegt ein Verdienst des besonnenen und versöhnlichen einen Gefangenen geohrfeigt. Er befahl" auch, daß die Inter- Sträders. Nach der erfolgten Einigung gehörte er zu den eifrigsten nierten im Gefängnis arbeiten sollten, ja er durfte sogar vor den Paten der Wahrheit", der ersten sozialdemokratischen Zeitung Augen eines chilenischen Richters, der die Leute vernahm, Drohungen Schlesiens, die im Mai 1876 gegründet wurde und vom Dezember gegen diese ausstoßen, ohne daran gehindert zu werden. Der An- desselben Jahres ab als Tageszeitung in eigener Druckerei herausgeklagte bezeichnete die Zustände im chilenischen Gefängnis als gegeben werden konnte. Auch die Schaffung der Königsberger urgemütliche. Zwei jezige Schiffsoffiziere, die vor fünf Jahren Boltszeitung" als Ableger der Wahrheit" hat Sträder vorbereitet. auf der von Schober befehligten Aly" als Matrosen fuhren, ent- Als dann mit dem Inkrafttreten des Sozialistengefezes die Wahrwerfen aber ein ganz anderes Bild von dem fidelen Gefängnis". heit" selbst ihr Erscheinen einstellte, versuchte Kräcker noch verIn einem engen Raum, der oben nur eine Ventilationsluke hatte, fchiedene Male, den Breslauer Arbeitern in einem Preßorgan befanden sich zeitweilig außer den acht Matrosen der„ Ally" sechs einen geistigen Mittelpunkt zu schaffen, indessen die Polizei untergefesselte chilenische Verbrecher. Eine Klosettvorrichtung existierte drückte alle Versuche auf der Stelle. Bis zu seinem Tode hin nicht, nur ein unverdeckter Unratfübel stand in dem verpesteten blieb sträcker indessen, besonders nach dem in Mai 1879 erfolgten Raum. Die Gefangenen mußten auf der Erde liegen und er- Tode Reinders, der Führer der Breslauer Sozialdemokraten trog hielten erst auf Beschwerde einige alte Säde zum zudecken. Der allen Verfolgungen und Widerwärtigkeiten, und als er im Jahre Kapitän habe dem Sergeanten befohlen, fie sollten arbeiten, worauf 1881 in glänzendem Siege den Reichstagswahlkreis Breslau- West fie unter Aufsicht von schwer bewaffneten Soldaten Straßen fegen der Partei eroberte, tvar er auch als Volksvertreter stets rastlos beund Steine klopfen mußten. Ein Davonlaufen sei unmöglich ge- müht, als treuer Soldat der Revolution seinen Klaffengenossen mit wesen, denn der in einem Vorraume sigende Sergeant hatte stets bolster Hingabe zu dienen. Indeffen die Agitation hatte schon früh einen geladenen Revolver zur Hand. Die beiden Offiziere befun- feine Kräfte verzehrt, und als ihm der große Breslauer Geheimbundbeten auch, die Mannschaft habe genügend gearbeitet, weshalb nicht prozeß vom November 1887 noch sieben Monate Gefängnis einder geringste Grund zu dem Borgehen des Angeklagten vorgelegen gebracht hatte, war Kräcker ein dem Tode geweihter Mann. Krant habe. Dieser sprach aber von der gefährdeten Disziplin, der Re- verließ er das Gefängnis und schon am 2. Oftober 1888 ereilte ihn nitenz und Faulheit der Leute, und er habe es nicht dulden dürfen, der Tod. Ehre dem Gedächtnis des Treuen. daß sie sich im Gefängnis amüsierten, denn sie seien dort der Strafe wegen gewesen. Auf Grund der Preßberichte über die früheren Verhandlungen sei es ihm nicht mehr möglich gewesen, eine Stelle als Schiffstapitän oder Geesteuermann zu bekommen und er habe eine Stellung als Steuermann bei der Alsterdampfschiffsgesellschaft annehmen müssen.( Während der Aussperrung des Alsterdampferpersonals ist er dort Arbeitswilliger geworden.) Diese Erklärungen blieben nicht ohne Eindruck auf die Geschworenen, die wohl ge= glaubt haben mögen, der Angeklagte, der die Zeugen als Meineidige hinstellte, sei von seinen Leuten gereizt worden und hätte Was in der Seele der Gedaher feste zugreifen" müssen. schworenen, der Volksrichter, vor sich ging, läßt sich ja nicht schil sie sprachen ihn frei in allen Punkten und rehabilibern. Kurzsic sprachen ihn frei in allen Punkten und rehabili. tierten ihn, so daß sich wohl bald wieder cine Reederei dieses energischen Schiffsführers, der so schön die" faulen" Leute zur Räson zu bringen versteht, annehmen wird. Eine Versammlung des Wahlvereins für den sächsischen Wahlfreis Stollberg- Schneeberg erklärte sich mit der Haltung des Delegierten, der für die Vorstandsresolution stimmte, einverstanden. In einer Parteibersammlung des Bezirks 3 to i dau wurde der Bericht des Delegierten Coldig, der für die Vorstandsresolution stimmte, mit regem Beifall aufgenommen. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. In der Diskussion traten neben Rednern, die die Vorstandsresolution für zu schroff hielten und eine bessere Verständigung gewünscht hätten, solche auf, die für die Vorstandsresolution eintraten. In Mannheim nahm am Sonntag eine Parteibersammlung, die von 600-700 Mitgliedern besucht war, den Bericht des Parteitagsdelegierten Genossen Geiß mit stürmischem Beifall entgegen. Folgende Nesolution tourde mit allen gegen etwa 30-40 Stimmen angenommen: Die heute im Saalbau stattfindende, bon zirka 600 Personen befuchte Mitgliederversammlung des fozialdemokratischen Ortsvereins Mannheim erklärt sich mit der Haltung ihres Delegierten auf dem Nürnberger Parteitag ein verstanden und billigt auch sein Beitreten zur Erklärung der 66 süddeutschen Delegierten. Sie sezt in die fozialdemokratische Fraktion der Zweiten badischen Kammer das Vertrauen, daß sie nach wie vor in jeder Situation die prinzipiell und taktisch richtige Haltung finden wird. Der Fall Calwer. Die Bremser Bürgerzeitung" schreibt: " Es wird immer heiterer. Nicht nur, daß Dr. Maurenbrecher einige Artikel, in denen er u. a. Barteigenoffen Nasenstüber ver fezte, mit Freuden in der" Hilfe" ablagerte, läßt sich jetzt Richard Calwer sogar in einem Scherlblatt über den Nürnberger Parteitag bernehmen. und die Debatte tegen der Mitarbeit an bürgerlichen Blättern. Was ist diesen Leuten die Dresdener Resolution Sie pfeifen darauf. Calwer unterrichtet die Reser des„ Tag" davon, daß die Partei der Gegenwartsarbeit der Gewerkschaften immer mehr werde Rechnung tragen müssen. Die Gewerkschaften würden sich ihrer machtvollen Stellung innerhalb der Arbeiter immer mehr werde Rechnung tragen müssen. Die Gewerkschaften bewegung immer mehr bewußt. In den Gewerkschaften werde mit der evolutionistischen( im Gegensatz zur revolutionären) Auffassung Bezeichnend für die Stimmung der Geschworenen ist der Aus- bitterer Ernst gemacht. Mit anderen Worten: in den Gewerkspruch des einen Volksrichters, der nach Schluß der Verhandlung Hoffnungen der Revisionisten vom Schlage der Calwer und schaften gewinnt der Revisionismus an Boden, weshalb die Journalisten gegenüber, die ihrem Erstaunen über den Freispruch Maurenbrecher denn auch auf die Gewerkschaften gegründet Ausdruck gaben, die Erklärung abgab: Ueber die Freisprechung find wir uns bald einig geworden." Das sind die Herren Volts- find. So start sind die Hoffnungen, daß man sich bereits richter auch in der Tat, denn die Beantwortung der dreizehn gegen Barteitagsbeschlüsse offen auflehnt und in der ScherlSchuldfragen ist mit großer Geschwindigkeit erfolgt. Presse seine Weisheit über die Zukunft der Partei berzapft. Herrn August Scherl kann das nur lieb sein, denn von seinem Standpunkt aus läßt sich, da der Nenegat Lorenz tot ist, feine beijere, wenn auch nur zeitweise Drientierung der Tag"-Lefer über die Sozialdemokratie als die durch den ehemaligen fozialdemokratischen Reichstags- Abgeordneten Richard Calwer benfen. Kann es der sozialdemokratischen Partei aber einerlei sein, wenn einzelne ihrer Mitglieder sich so völlig bar jedes sozialdemokratischen Empfindens zeigen? Es stände sehr einer Weise gesehen haben, die uns der Ausbreitung des Lobes auf einzelne Namen wohl überhebt. Zur Freisprechung des gewalttätigen eiffsleute niedriger Chargen wegen Vergebens gegen die GeeSchiffskapitäns. Wie schon am Sonnabend auf Grund eines Telegramms mitgeteilt, ist der wegen Freiheitsberaubung seiner Mannschaft, Ueberschreitung der Disziplingewalt und schwerer Gewalttätigkeiten anKleines feuilleton. Theater. " Mit diesem Urteil bergleiche man die Urteile, die gegen Schiffsleute niedriger Chargen wegen Vergehens gegen die Seemannsordnung gefällt werden. Es gibt aber im Lande mit den vollendetsten Rechtsgarantien keine Klassenjustiz. Petri in der Titelrolle blieb bei aller Gewandtheit ihres Spieles etwas nüchtern. Man traute dieser Lady die Verheerungen, die sie im Stüde anzurichten hat, nicht zu. Musik. dt. Humor und Satire. Notizen. SZ. Auch dem Raume des Konzertes vom Sonnabende gebührt noch ein Wort. Der neue Saal von Happoldts Brauerei in der Hasenheide ist zwar durch seine unbegreiflich engen Ausgangs- und Kleines Theater:„ Lady Frederi!", Lustspiel bon Es geht nicht bald etwas über die Sachkenntnis und Treffsicher Garderobenverhältnisse geradezu gefährlich, zeichnet sich aber durch Maugham, deutsche Bearbeitung von Schwarz und Lothar. heit, mit der Herr Dr. 8 ander für den Brahms Abend des eine wenigstens vernünftige Ausstattung sowie durch eine im ganzen Das Londoner Lustspiel, mit dem das Kleine Theater am Sonn- Berliner Voltshores am Sonnabend die volkstümlichst gute Afustit aus. Was zu diesem Zwede getan und nicht getan abend heraustam, sticht von der zurzeit im Neuen Theater gespielten flingenden Stücke dieses Komponisten ausgewählt hat. Als einige worden ist, würde zumal gegenüber denen, bie die Raumakustik für New Yorker Komödie Wahrheit" übel ab. Auch der amerikanische Tage vorher gemäß dem dort üblichen und höchst zweckmäßigen Ge- einen unzugänglichen Zufall halten, eine interessante Erörterung erAutor erlaubt sich mancherlei Grausamkeiten, doch nur in der brauch ein Einführungsabend gegeben wurde, bekamen wir in geben. Beripherie, nicht in dem Stern der vorgeführten Handlung. Die einem erläuternden Vortrage viel zu hören von einer VolkstümlichBorgänge, auf denen der Atzent liegt, find hier llar und logisch und teit Johannes Brahms( 1833-1897). Daß es seiner echten und -Aus dem Kongresjahr. Dem Antialtoholfongreß in zugleich mit einer Fülle sehr geschickt erfundenen Details entwickelt. wahrhaftigen Könnerschaft gelungen ist, alte deutsche Volkslieder in Bei dem Vegetariera Ein Gedanke von allgemeinem Gehalt verknüpft das Einzelne, und fünstlerischer Weise zugänglich zu machen: das war wohl der er- Genf wohnte der Schnapsbrenner Gilfa bei. die Personen, durch ihre Beziehung auf dies Allgemeine wirksam freulichste Eindruck der beiden Abende. Vor manchen anderen Ge- fongreß in München bemerkten wir den Metzgermeister Schinatt. miteinander kontrastiert, tragen eine individuelle Physiognomie. sängen und namentlich vor den Instrumentalwerten jedoch hatten an dem interparlamentarischen Friedenskongreß in Berlin nahm der ( Simpliziffimus.") Demgegenüber zeigt das importierte Londoner Produkt die typischen wohl die meisten Zuhörer das Gefühl: dies ist das Gegenteil von Kriegsminister v. Einem teil. Züge des alten leidigen Salonstücks; es ist den französierenden volkstümlichem Sinn, das klingt alles nicht wir dürfen's aber Sonberfations- Komödien Dstar Wildes nachgeschrieben, nur ohne die nicht sagen, sonst blamieren wir uns!" Behendigkeit des Wiges, die dort zu einem Teile wenigstens für die Allerdings sollte selbst ein Mufifreferent so was nicht sagen,- Theaterchronit. Als Eröffnungsvorstellung des sonstigen Mängel entschädigt. Daß sich ein naiver, jugendlich enthusiasti- sonst hat er gleich die Kenner" auf dem Hals, die da rufen:" Ber- Berliner Operettentheater in der Belle- Alliance Straße icher Bursch in eine tokette Weltdame von doppelt so viel Lebensjahren tiefen Sie sich nur in diese herbe Männlichkeit, dann werden Sie gelangt Mitte Oktober die dreiattige Tanzoperette" Havana" von und Erfahrung sterblich verliebt, daß er, durch jede Warnung nur den Meister immer lieber gewinnen." Das hat auch unsereiner Leslie Stuart zur Aufführung. Im Hebbel Theater beginnt noch mehr befeuert, ihr einen Heiratsantrag machen will, und feine dreißig Jahre lang versucht hörend, lesend spielend; hat sich Ende Oktober ein auf fünf Tage berechnetes Gastspiel Sara b schließlich nur dadurch furiert wird, daß die Angebetete aus Mitleid dabei auch in die Naturgeschichte der Brahms- Verehrer, der Bernhardts. Gespielt wird Mittwoch, den 21.; La Sorcière" mit dem lieben guten Jungen die Schönheitsillufionen, die ihre Brahminen", au vertiefen gesucht. Merkwürdig, welche Menschen von Sardon, Donnerstag, 22., Les Bouffons"" bon Miguel Schmud- und Toilettenfünfte ihm borzauberten, felbft zerstört mag arten hier voranstehen: Wagnerhaffer, Profefforentöchter und Verfasser 3amacois, Freitag, 23., Le Passé" von Porte Riche, Sonnein ganz hübscher Lustspieleinfall sein. Aber der Humor der Sache von Lehrbüchern der Komposition. Mit Brahms, dem daran fast abend, 25., Adrienne Lecouvreur" von Sarah Bernhardt(!), fommt in dem Salonstück nicht heraus. Nicht einmal ein Ansatz zu unschuldigen Ehrlichen und musikalischen Künstler, wurde namentlich in Sonntag, 25. ,,, La Dame aux Camélias" von A. Dumas. Der intim ironisierender Charakteristik des Bärchens läßt sich spüren: Wien ein Getriebe gemacht, das eine der unschönsten, doch am Vorverkauf beginnt am 5. Oftober. die beiden bleiben wie die anderen, gleichgültige Puppen, die nach wenigsten durchschauten Episoden der Musikgeschichte bildet. Das Ende der Australneger. Nach den Berichten, die Belieben hin und her geschoben werden, bis der Vorhang fällt. trauriges Beugnis für das, was an Bevormundung des Publikums ein von der südaustralischen Regierung nach den nördlichen Distrikten Der einzige etwas komische Effekt: die Szene in dem Toiletten- und rüdsichtsloser Niederzwingung anderer Künstler geleistet werden entsandter Vertreter erstattet, sind die Bevölkerungszahlen der Urzimmer, wo die Lady den Jüngling hinter die Kulissen ihrer kann. einivohner Australiens im Norden in stetem Rückgange; die EinSchönheit blicken läßt, verstimmt durch die absichtsvolle Breite. Ja! Musterbeispiele für Kompositionstheorie findet der Fach- geborenen stehen vor dem völligen Aussterben und eilige gefeßliche Die Kosten der Konversation werden hauptsächlich von der Titelheldin mann bei einem Meister kaum so günstig. Wie's ein Juristenrecht Maßnahmen scheinen geboten, um die interessante Menschenrasse vor und einem der in Stücken solchen Schlages unvermeidlichen blafierten gibt, so gibts hier eine Musikermusit. Dankbar fann ein dem Verschwinden zu bewahren. Das nördliche Territorium ist der Lebemännerphilosophen bestritten, einem Onkel des verliebten Jüng- Musiker sein für das, er beim Spielen von Brahms einzige Teil Australiens, in dem noch eine größere Eingeborenenlings, der nach allerhand Intrigenkämpfen mit der Lady Hand be- lernt man achte zum Beispiel auf den großartigen Reichtum des zahl lebt, die außerhalb der Bundesgesetzgebung steht. glückt wird. Er bestätigt einem, daß die bielumworbene Dame, die Rhythmischen bei ihm! Und wenn ich sage: Hören mag ich das völkerungsrüdgang erklärt sich teils aus der großen Verbreitung der ruinierte Verschwenderin und Spielerin, eine Zierde ihres Geschlechts g- moll- Quartett nicht, aber spielen würd ich es gern" fo weiß Schwindsucht, gegen die Abwehrmittel den Kranken nicht zur Ver sei. Er selbst erfreut sich. des Nufes, drei Vermögen durchgebracht der Leser wohl rasch, was gemeint ist. Daß schließlich ab und zu fügung stehen, teils aus den Mischehen, die vornehmlich der weib zu haben. Als Räfonneur des Stückes hat er für die erforderliche auch sogar etwas wie eine Wärme zum Vorschein kommt, ist eben- liche Teil der Urbevölkerung mit anderen Naffen eingeht. Sie berMenge von Baradorien" aufzukommen. Im Nebenamt dient er falls leicht zu merken. Brahms' Art der Liedervertonung jedoch, die laffen ihre Lagerpläge, folgen den fremden Gatten und so bleibt dem Autor als Organ, um nach besonders argen Bühnentnalleffekten eigentliche Deflamation, wurde nicht erst durch Wolf und Strauß, das Aussterben der reinblütigen Australier nur noch eine Frage dieselben perfiflierend zu entschuldigen. In solchem gefährlichen sondern schon vor ihm durch Franz, Cornelius und Ritter über der Zeit. Moment erklärt der Lord, das sei die melodramatischste Szene, die er wunden. Die Fernphotographie in der Praxis. Eine je erlebt. Ein origineller Trid, der eine drollige Wirkung nicht vers Unfer Volfschor würde sich ein mehrfaches Verdienst erwerben, Stockholmer Zeitung hat sich eine fernphotographische Station nach fehlte, fich aber leider nicht oft wiederholen ließ. wenn er auch die neben Brahms niedergehaltenen Meister vorführte. dem System des Professors Korn eingerichtet. Die Uebermittelung Die Darstellung war nicht so gleichmäßig befriedigend-wie Namentlich A. Rubinstein würde hier lehrreich sein, zum Teil als ein von zwei Bildern aus Kopenhagen gelang vortrefflich. In englischen fonft zumeist im Kleinen Theater. Der phlegmatisch nonchalante besonderer Gegensatz zu Brahms. An Können fehlt es ja weder dem und amerikanischen Städten sollen ähnliche Stationen ins Leben Räsommeur fand in Herrn Ziegel einen trefflichen Vertreter. Lilly Chor noch den Solisten, wie wir wiederum an beiden Abenden in gerufen werden. was ein Der Be traurig um sie, wenn sie das ruhig hinnähmen. Wir sind weit davon entfernt, den Ausschluß von Genossen auS der Partei zu fordern, wenn sie star! von den geltenden sozialdemokratischen Grundsätzen abweichende Anschauungen vertreten. Aber das muß u. E. Leuten wie Maurenbrecher und Calwer mit aller Deutlichkeit gesagt werden: wenn euch daS Mazedonien der Sozialdemokratie zu klein ist, dann sucht euch ein größeres, nnbeschräntteres Gebiet für eure Wirksamkeit.' Aber dann seid auch ehrlich genug, die Kon- sequenzen daraus zu ziehen: kehrt der Sozialdemokratie den Nacken. Die Unterminierung der Partei, durch eine gewisse Tätigkeit inner- halb wie außerhalb ihrer Mauern ist alles andere nur nicht sozial- demokratisch. Männern, die so handeln, ist mit einer Variation ent, gegenzuhalten, Was©ernstem vor über zehn fahren der Partei zurief: Und waZ man ist, das wage man zu schemen. Die„Volks st imme� zu Frankfurt a. M. bemerkt: „Ein neuer Mitarbeiter von August Scherl. Neben anderen Preßunternehmen, die den denkbar tiefsten Stand deutscher Journalistik ausdrücken, hat der allzeit findige Herr August Scherl im roten Teil seines„Tag" auch eine Art politischen Meinungsbazars er- öffnet. Herr Octavio v. Zedlitz, der den großen Schleisstein der Scharfmacher dreht, der nationalliberale Burschenschafter B ö t t g e r. der Zentrumsstreber Erzberger und der blockfreisinnige Schlangenmensch P a ch n i ck e, der sich durch die Sprossen einer Leiter zu winden vermag, verhökern dort für zweifellos sehr gutes Geld ihre Waren. Daß Sozialdemokraten bis heute stets den Takt besessen haben— und es gehört dazu nur ein ganz pri- mitiveS Taktgefühl—, sich aus dieser gemischten Gesellschaft fernzu« halten, versteht sich am Rande. Aber siehe da! In der gestrigen Nummer des„Tag' stellt sich der Genosse Richard C a l w c r ein und zwar nicht mit einem x-beliebigen volkswirtschaftlichen Artikel, loa? auch schon nicht zu entschuldigen wäre, sonderir— trotz der Dresdener veschlüffe I— mit einem Leiranikcl über den Nürnberger Parteitag, über eine ganz interne Parteifrage also. Dieses Faktum zu konstatieren genügt wohl.' Im„v o l k s w i l l e n'(Hannover) lesen wir: „Noch ein sozialdemokratischer Mitarbeiter an der bürgerlichen Presse. Wie Genosse Maurenbrecher Mitarbeiter an der„Hilfe', so ist jetzt der Genosse Calwer Mitarbeiter an der Schcrlpresse ge- worden, für die er einen Artikel über den Nürnberger Parteilag geschrieben. Von beiden Genossen hätte man billigerweise erwarten dürfen, daß sie einen gefaßten Parteitagsbeschluß besser beachteten.' DaS„H a m b u r g e r E ch o" druckte die Notiz deS„Vorwärts' ab. Die„Dresdener Volkszeitung' schreibt: „Ein falscher Weg. Genosse Richard C a l>v e r veröffentlicht im „Tag" einen Leitartikel über die Situation in der Sozialdemokratie, wie sie durch den Nürnberger Parteitag geschaffen worden ist. Auf den Inhalt seines Artikels einzugehen besteht für uns kein Anlaß. Es mag nur kurz gesagt werden, daß CalwerS Ansicht dahin geht, daß die von bürger- sicher Seite erwartete und prophezeite Spaltung der Arbeiterbewegung nicht eintreten werde, daß die Partei sich aus sich selbst heraus immer mehr zur evolutionistischen Auffassung und Politik entwickeln werde. Der Zweck deS Artikels geht dahin, von dieser Calwerschen Auffassung aus Irrtümer der bürgerlichen Presse über die Ergebnisse des Nürnberger Parteitages z» widerlegen. Der Inhalt und Zweck des Artikels ist mithin kein anderer als der mancher anderer Parteigenossen, die dieselbe Frage behandelt haben. Jedoch halten wir eS für außerordentlich wenig geschmackvoll, daß Genosse Calwer seine Ansichten ausgerechnet im„Tag" niederlegen muß. Gewiß soll der„Tag" eine Art DiSkusfionSorgan für Vertreter aller politischen Richtungen sein. Aber vorwiegend arbeiten in ihm reaktionäre Leute wie v. Zedlitz und andere. Und vor allem ist„Der Tag' ein Organ eben jenes Scherlschen Riesenverlages, der durch seine Preß« organe die schlimmste Berbildung der Geister betreibt, der durch scheinbare Unparteilichkeit den politischen Charakter entmannt und schließlich nur der Reaktion dient. In einer solchen Zeitung sollte ein Parteigenosse schon einfach deshalb nicht schreiben, weil er da- durch die Bestrebungen der Parteigenossen erschwert, die für einen Zustand friedlichen gemeinsamen Arbeitens innerhalb unserer Partei eintreten._ Arieiterbildungsbestrebungen. Der ArbeiterbildungSauSschuß in Frankfurt a. M. hat dieser Tage sein Winterprogramm festgesetzt. Nach diesem werden drei Lehrkurse veranstaltet. Genosse Redakteur Hermann Wendel wird in fünf Abenden das Zeitalter der kapitalistischen Revolution be- handeln. Ein Bild des EntwickclungSgangeS der Gewerkschafts- bewegung wird Genosse T i m m- München geben, und über die EntwrckelungLstufen des Wirtschaftslebens wird Dr. D u n ck e r- Stuttgart lehren. Ferner sind Einzelvorträge vorgesehen. So wird Genosse G r u m b a ch- Frankfurt a. M. über Literatur und Sozialismus und Frau Kormann-Lorenz-Graz über Ada Negri als Arbeiterdichterin sprechen. Neben geschichtlichen, geographischen und naturwissenschaftlichen Lichtbildervorträgen stehe» noch als künst- lerische Veranstaltungen Kammcrmusik-Abende, Lieder-Abende für Kinder und humoristische und satirische Abende auf dem reichhaltigen Programm._ Vom Fortschritt der Presse'. 1000 Abonnenten sind nach der Umwandlung der„Fränkischen Volkstribüne' zu Bay- r e u t h durch eifrige Arbeit der Genossen neu gewonnen worden. Die Parteipresse im Saargebiet. Am 1. Oktober hat die „VolkSwacht' in St. Johann ihr Erscheinen eingestellt; dafür wird unter den Parteigenossen des SaarrevierS die Frankfurter „Volksstimmc', unter den Lothringer Genossen die Straßburger „Freie Presse" verbreitet werden. In einem Abschiedsartilel sagt die„VolkSwacht":„Mit dein heutigen Tage geht zum zweiten Male da« selbständige Parteiorgan für daS Saargebiet ein und zum zweiten Male werden die Gegner freudig triumphieren, aber das sagen wir ihnen: den Gedanken deS Sozialismus ver- bannen sie nicht mehr aus dem Saargebiet, er hat Wurzel gefaßt und wird sich weiter entwickeln, wenn auch langsam, und zwar io, daß demnächst nochmals ein eigenes Blatt begründet, aber auch ge- halten wird. Am 27. Dezember 1831 erschien im„Boten von der Saar" das erste selbständige Parteiorgan für die werktätige Be- vülkerung de? Saar- und Blies- Gaues; eZ erlag aber dem Drucke und stellte am St. März 1SS4 daS Erscheinen ein... Nach dem Hilger« Krämer- Prozeß im Jahre 1304 glaubten unsere Genossen, der Druck sei gebrochen, und so gründeten sie 1S0S in der„Saarwacht' da« zweite Parteiblatt, das 18V3 in die „VolkSwacht" aufging, bei gleichzeitiger Erweiterung deS Ver- breitungsbezirkS. Bei dieser Umgestaltung fand auch eine Ver« legung de» Druckortes von Frankfurt nach Straßburg statt, wobei sich jedoch unvorhergesehene und ungeahnte Schwierigkeiten und Hindernisse herausstellten, die daS Unternehmen von vornherein wieder in Frage stellten. Das hatte dann zur Folge, daß alle die Erwartungen, welch« die Genossen an diese Aenderung gestellt hatten, mcht eintrafen, wodurch die AgitationS« und Schaffens- sreude sehr gelähmt wurde, womit jedoch die vielfach eingerissene grenzenlose Trägheit nicht entschuldigt werden soll. Doch alle diese Umstände haben dazu beigetragen, daß eS statt vorwärts dahin gegangen ist. wo wir jetzt angekommen find, trotz der immensen Opfer der Parteikasse." Zum Schlüsse wird die Mahnung aus- gesprochen, daß die Parteigenossen trotz der schlechteren ZeitungS« Verhältnisse einig zusammenstehen möchten, dann werde die jetzt zu Grabe getragene„VolkSwacht" bald wieder auferstehen und als besseres Kampforgan dauemd fortleben. Personalien. In die Redaktion der. Leipziger Volks- zeltung' ist am I.Oktober Genosse S chlce aus Bamberg eingetreten. Di« sozialdemokratische Partei des Kantons Zürich hielt am Sonntag in Horgen ihren Parteitag ab, der von 17b Delegierten usw. besucht war. Der Abrechnung ist zu entnehmen, daß die Zahl der organisierten Genossen, für die an die Partei Beiträge gezahlt »orrden. von ILSö auf 7243 gestiegen ist. Die Einnahmen betrugen 8377,23 Frank, die Ausgaben 3080,23 Frank, der Kassenbestand 917 Frank. Der wichtigste Punkt der Tagesordnung war der Antrag der Genossen in Wintertbur usw. auf Wiedererwägung des Parteibeschlusses, nach dem in allen vier Nationalratsivahl- kreisen des KantonS Zürich volle sozialdemokratische Kandidaten- listen aufgestellt werden sollten. Ter Wiedererwägungsantrag be- zweckte, die Bestimmung darüber den Wahlkreisen selbst zu über- lassen. Die Parteileitung kam dem Antrage in der Form ent- gegen, daß sie ihrerseits dem Parteitage beantragte, zu erklären, daß die Partei nach wir vor die Ausstellung voller sozialdemokra- tischer Listen als die beste Taktik erachte und sie daher den Wahl» kreisen empfehle. Nach kurzer Beratung stimmte der Parteitag mit 105 gegen 53 Stimmen dem Vorschlage der Parteileitung zu, womit dem Wicdererwägungsantrage Rechnung getragen ist. Auf Antrag der Parteileitung wurde weiter beschlossen, von der Auf- skllung einer Ständeratskandidatur diesmal Abstand zu nehmen. Mit Befriedigung wurde die Mitteilung entgegengenommen, daß auf die Nationalratswahlen hin eine Agitationsbroschüre von 40 Seiten für den geringen Betrag von 10 Rappen herausgegeben wurde, die also zur Massenverbrectung geeignet ist. Em Induftrie und ftandcU Die Krise und die Jndustrieriese«. Die großen Bergwerksunternehmen wie auch die Industrie� giganten, die alle Betriebe der Kohlen- und Eisengewinnung, ferner Gießereien und Walzwerke umfassen, haben das hinter uns liegende Jahr der wirtschaftlichen Depression gut überstanden. DaS finanzielle Ergebnis des am 1. Juli 1909 abgeschlossenen Geschäftsjahres hält sich auf dem Niveau der beiden voraufgegangenen Glanz- jähre. Mit der Dividendenausschüttung hielt man sich aller- dings nicht auf dem vorjährigen Satze. cä wurden größere Summen für Abschreibungen angesetzt. Das ist eine Vorsicht«- maßnähme, durch welche man auch für später die Garantie einer guten Dividende gegeben hat. Hält die Depression noch weiter an, reicht daS Erträgnis des laufenden Jahres nicht an daS des ver- flosscnen heran, dann kann die Summe der jetzt über das Normale und Notwendige hinaus vorgenommeneu Abschreibungen mit zu Dividenden verbraucht werden. Unter diesem Gesichtswinkel be- trachtet, hat das letzte Jahr den großen Unternehmen ein sehr gutes Erträgnis geliefert. Nach dem ewigen G jammer über fortgesetzte Lohnsteigerungen und Material- Verteuerungen hätte man auf einen viel schlechteren Abschluß rechnen sollen. Die Resultate zeigen, was hinter jenen Behauptungen steckt, die immer als bestimmende Ursache für Preiserhöhungen vor geschoben worden sind. Und da die Preistreiber auch die Htmpt repräsentanten der Scharfmacher stellen. die durch Ausnahme gesetze usw. den Arbeitern den wirtschaftlichen Kamps erschweren wollen, tritt deren Gemeingefährlichkeit im Lichte der finanziellen Ergebnisse der großen Gesellschaften erst recht in Erscheinung. Nach folgend stellen wir die Ergebnisse von drei großen Unternehmen vergleichend zusammen. Die Geschäftsberichte weisen folgende Ziffern auS: Harpencr Laura- Zus. für die Bergbau TÄ5 Hütte 8 Gesellschaft. Mark lMart Mark Rohgewinn: 1905/06... 20 548 882 23 601 005 9 245 253 85 835 093 1306/07... 21 833 885 27 504 328 8 873 547 53 175 033 1907,08... 24 736 837 27 891383 8 391546 60 879 823 Abschreibungen: 1905/03... 8 422 930 7 334 479 4 201 158 20 253 537 1906/07... 9 281 842 9 101 583 4 700 838 23 034 263 1907/03... 11469999 12092013 4 700000 23 232015 Reingewinn: 1905/33... 8 423 637 13082 393 4 044 098 28 693128 1906/07... 9 195 191 18 403 040 4 172 709 31 770 940 1907/03... 8 448 878 15 299 837 8 891 546 27 139 791 Bemerkt sei zu den Zahlen, daß in den Angaben über den .Phönix' für das Jahr 1905/06 die Ergebnisse des später in ihm aufgegangenen»Hoerder BereinS' einbezogen sind. Da die Summen der Rohgewinne bei den einzelnen Gesellschaften verschieden ermittelt sind, nicht gleiche Größen darstellen, haben sie nur für die eigene Gesellschaft Vergleichswert. Wie die Gesamtrcsultate ergeben, ist der Reingewinn im letzten Jahre gegen den vorjährigen um 4 631 149 M. zurückgeblieben; das Mnus gegen den Abschluß 1995/36 beträgt aber nur 1418 337 M. Dagegen ist die Summe der Abschreibungen im letzten Jahre um über fünf Millionen Marl größer als im Jahre vorher, und für das Jahr 1995/06 sind rund acht Millionen Marl weniger abgeschrieben worden als für 1907/03. DaS kommt ja auch in den Rohgewinnen zum Ausdruck. Das letzte Jahr weist die höchste Summe auf. 2 704 753 M. mehr als im Jahre vorher, und gegen 1905/03 ist sogar ein PluS von 5 434 733 M. vorhanden. Anscheinend sind die Unternehmer aber mit solchen Resultaten noch nicht zufrieden; sie wollen den Profit erhöhen durch Druck auf die Löhne, durch Verschlechterung der Arbeitsverhältnisse. Diesem Zwecke dient die von ihnen nun etablierte systematische Straf- und Rache- Politik gegen mißliebige Arbeiter. Und da gibt eS immer noch Leute, die von Harmonie der Interessen reden. Die Automobilindustrie in Deutschland. Das Reichsamt des Innern hat über die Entwickelung der Automobilindustrie Erhebungen angestellt, deren Resultate nun vor- liegen. Leider müssen die Zahlen schon als ziemlich veraltet an« gesprochen werden. Für 1907 liegen keine Angaben vor. diese be- »chränken sich auf die Jahre 1901» 1903 und 1903. Sie geben folgendes Bild: I. Fahrzeugfabriken. Ivvl 1903 1906 Zahl der Betriebe..... 12 18 34 Kapital....... 2». 7 536 225 16 806 116 43 001814 Zahl der Arbeiter..... 1 689 3 289 10347 Löhne....... M. 1814 591 8 816 929 13 323 578 Zahl der techn. Beamten.. 196 228 612 Gehälter....... M. 270241 666 682 1549194 Zahl der kaufm. Beamten.. 68 167 480 Gehälter...... M. 156 419 898 595 1067 164 Wert der Produktion.. M. 5 654794 14100240 51042 780 n. H i I f s i n d u st r i e. Zahl der Betriebe..... 66 91 154 Kapital....... M. 8 260 709 17245 705 60068 489 Zahl der Arbeiter..... 1303 2 768 10 751 Löhne....... M. 1 366 560 2934 230 12473051 Sonstige Angestellte..... 173 406 1 468 Gehälter...... M. 849 245 828 210 8 866 617 Wert der Produltion.. M. 6171870 17 662396 82052023 Die Summe von 43 Millionen, welche als das in der Fahrzeug« industrie arbeitende Kopital ermittelt worden ist, bleibt hmter der Ziffer zurück, welche sich onS den Bilanzen der Aktiengesellschaften und anderweit gemachten Angaben der Gesellschaften und Einzel- firmen ergeben. Der Unterschied erklärt sich daraus, daß ein großer Teil der Fahrzeugfabrikcn neben der Herstellung von Krafträdern. Kraftwagen und Motoren auch noch andere FadrikationSzweige be- treibt, so z. B. die Herstellung von Fahrrädern, Maschinen, Eisen- teilen usw.: in diesen zahlreichen Fällen ist nicht daS Eefamtkapital eingestellt, sondern der Teil deS Kapitals ermittelt worden, der dem Anteil der eigentlichen Automobilfabrikation gegenüber der gesamten Fabrikation entspricht. Von den Fabriken, welche ihren Betrieb im Laufe deS Jahres 1906 eingestellt haben oder in Konlurs geraten sind, waren keine Angaben zu erlangen; auch die Kapitalien dieser Fabriken fehlen daher in der Gesamtziffer. Dieselben Umstände, wie beim Kapital, sind auch auf die Zahl der beschäftigten Arbeiter von Einfluß gewesen. Von den zurzeit noch bestehenden Äutomobilfabrilen haben nur drei die Fragebogen ausgefüllt. Diese Fabriken sind jedoch so im» bedeutend, daß ihr Fehlen ohne Einfluß auf die Statistik ist. Weniger Anspruch auf Vollständigkeit kann die Statistik der Hilfsindustrien erheben; bei dieser ist einmal die Zahl derjenigen Betriebe, die nicht geantwortet haben, sehr viel größer gewchen als in der Automobil- industrie; die Hauptschwierigtcil lag aber darin, daß eS fast unmöglich ist, den Kreis der zur Automobilhilfsindustrie zu rechnenden FadrikationSzweige zu begrenzen, da viele zur Automobilfabrilation erforderlichen Roh- und Hilfsstoffe außerdem auch in anderen In- dustrien Verwendung finden und vielfach nicht direkt an den Ber- braucher, sondern an Händler geliefert werden, so daß die Erzeuger dieser Stoffe nicht wissen, in welcher Industrie ihr Erzeugnis schließ- lich Verwendung findet. I» den ProdultionSzahlen der Hilfsindustrien ist übrigens nicht das enthalten, was von den Hilfsindustrien an die Automobil- industrie geliefert worden ist und in deren ProdultionSzahlen wiedererscheint, wie Stahl« und Metallguß, Auwinobilteile und -zubehör, Karosserie, sondern auch die Lieferung von Betriebsstoffen und Ersatzteilen an die Automobilbesitzer, zum Beispiel Benzin, Oel, Radreifen und Lausdecken, und ferner die für Rechnung der Automobilbesttzer ausgeführten Reparaturen. Endlich kommt noch hinzu die sehr erhebliche Aussuhr von Ersatzteilen und Zubehör, die insbesondere in der Gummiindustrie ins Gewicht fällt. Der Wert der Statistik der AutomobithilfSinduslrien beruht daher weniger in der absoluten Höhe der Zahlen, als in der Bergleich- barleit der Zahlen der verschiedenen Jahre. Und da ergeben sich folgende Vergleiche. Von 1901 bis 1906 hat bei den Fahrzeug- fabrilen zugenommen: die Zahl der Betriebe...... 183 Proz. „ Summe de» Kapitals.... 470„ , Zahl der Arbeiter...... 650„ „ Summe der Löhne..... 634„ „ Zahl der technischen Beamten. 427„ „ Summe deren Gebälter... 473„ „ Zahl der kaufmännischen Beamten 606„ , Summe deren Gehälter... 582„ der Wert der Produltion.... 862„ Demnach ist die Zunahme am geringsten bei den Betrieben; am stärksten ist der Wert der Produktion hinaufgegangen. Darin sowie in dem über die Zunahme der Betriebe hinausgehenden Anwachsen des Kapitals und der dieses WachSlum noch hinter sich lassenden Zunahme der beschäftigten Arbeiterzahl prägt sich der Zug zum Großbetrieb, zur Konzentration auS. EyodikatSterror. Die Spirituszentrale bat am 1. Oktober dieses Jahres die Geschäfte der bisherigen Zentrale für Spiritusverwertung auf fernere zehn Jahre übernommen. Wie die Leitung, so sind auch die Geschästsprinzipien des alten SpirituSringeS von dem neuen voll- kommen übernommen worden. Um die Abnehmer zur dauernden Geschäftsverbindung und zum ausschließlichen Bezüge des von ihnen zu verarbeitenden Spiritus aller Art von der Spirituszentrale zu zwingen, ist ihnen ein Revers zur Unterschrift vorgelegt, der besagt. daß, wenn sie innerhalb des kommenden Jahres(vom 1. Oktober 1903 bis 30. September 1909) von anderer Seite als vom Ringe be- ziehen, sie für jeden Hektoliter, den ihnen die Zentrale geliefert hat. 3 M. Aufgeld als Strafgeld zahlen müssen. Die Abnehmer sind also, auch wenn ihnen bessere Qualitäten von anderer Seite offeriert werden, gezwungen, trotzdem ausschließlich vom Ringe zu be- ziehen, um nicht jene 3 ivt. Strafe zahlen zu müssen. Denaturierten Spiritus(Vrennspirituk) liefert die Zentral« über- Haupt nur, wenn sich der Käufer vorher zur ausschließlichen Abnahme seines gesamten Bedarfes von Spiritus aller Art vom Ringe verpflichtet. Die Nürnberger Spiritus- Großhändler haben aus diesem Grunde die Versorgung deS Kleinhandels im Nürnberger Bezirk mit Brennspiritus eingestellt. Die Zentrale will alS ein wahres Musterinstiutt für die Förderung des Verbrauches von denawriertem Spiritus gelten. Daß die EpiritnSzentrale durch ihre rigorosen Bedingungen den Bertrieb von denaturiertem Spiritu? nicht erleichtert, sondern sehr wesentlich erschwert, liegt auf der Hand- Aber das Ziel, die Konsumenten zu schröpfen, wird erreicht und kein Staatsanwalt schreitet ein gegen solchen Terror, gegen solche Nötigung, die der Erlangung von Vermögensvorteilen dient. Willkür in der Preisfestsetzung. Die auffallende Tatsache, daß die Fleischpreise für die gleichen Sorten bei den verschiedenen Fleischern derselben Stadt, ja desselben Stadtviertels außerordentlich von einander abweichen, hat die Zentral- stelle der preußischen LandwirtschaftSlammern veranlaßt, im August in ungefähr hundert Fleischerläden BerkinS, Charlottenburg» uiw. Fleisch aufzukaufen und dadurch die wirklich gezahlten Fleisch- preise feststellen zu lassen. Dabei ergaben sich außerordentliche Differenzen zwischen den Verkaufspreisen. Jnnnerhalb derselben Stadt- bezirle sind Unterschiede bis zu 100 Proz. festgestellt worden. Die- selben außerordentlichen Preisdifferenzen sind auch von der Zentral- stelle der preußischen LandwirtschaflSkammcr in Königsberg fest- gestellt worden. In anderen Städten bestehen sie sicher auch. Es läßt sich daraus das Fazit ziehen, daß nicht der Einkaufspreis des Schlachtviehes, nicht die Qualität des Fleisches in erster Linie den Preis bedingt, sondern vielmehr die rein willkürliche Preisforderung je nach der Lage und Ausstattung de» Ge- schästeS. Unter solchen Umständen ist die in verschiedenen Städten seitens der Konsumenten erhobene Forderung, daß die Fleischer ihre Verkaufspreise erkennbar in ihren Läden anzuschreiben haben, durchaus berechtigt. In Sachsen, Bayern und Thüringen sind bereits derartige Verordnungen zum Schutze des Publikums erlassen worden. In den Fleisch- und Wursiwarenverlaufsstellen der Konsumgenossenschaften, zum Beispiel der Hamburger„Produktion' und deS Lcipzig-Plagwitzcr Konsum- Vereins erfolgt die Bekanntgabe der VerlausSpreise ohne behördlichen Zwang, wie überhaupt die Konsumvereine preiSregnlierend und hygieniich mustergültig vorgehen, weil ihnen jeder ErwcrbSzweck fernliegt._ Hus der fraucnbcwcgung. Zunahme der Frauenarbeit. Eine ganz unerfreuliche Erscheinung kann seit einigen Monaten am gewerblichen ArbeitSmarkte gemacht werden: Die Nachfrage nach männlichen Arbeitskräften läßt nicht nur entsprechend dem Rückgang des Beschäftigungsgrades nach, sondern weit darüber hinaus. Statt männlichen ArbeitSlräften werden weibliche eingestellt, so daß die Zahl der beschäftigten Frauen und Mädchen im laufenden Jahre gegen 1907 noch zunimmt, während die Entlassungen Von männlichen Arbeitskräften ein immer stärkeres Heer von Arbeitslosen entstehen lassen. Noch im März dieses Jahres war die Zahl der gewerblich Beschäftigten, gemessen an den Mitgliederziffern der an daS.ReichSarbeitSblatt' berichtenden Krankenkassen, größer alS im März 1997. JmApril trat dann zum erstenmal eine absolute Abnahme gegenüber dem Borjahre ein, die sich in den nächsten Monaten noch ganz merklich steigerte. Berechnet man ausgehend vom Stande am 1. Januar 1906 die Beschäsligungsziffer fortlaufend von Monat zu Monat, so waren am 1. August 1903 3 237 576 männliche Arbeits- kräste tätig gegen s 301 400 am 1. August 1907. Die Abnahme be- tränt 63 824 Köpfe. Am 1. September hat sich das Minus schon auf 78 397 erhöht. Aber nicht genug damit: der 1. September hat auch eine andere Veränderung gebracht, auf die die Ausmerlsamkeit hinzulenken ist. Die Ziffer der männlichen V e s ch ä f« tigten blieb am 1. September sogar hinter der entsprechen- den Ziffer des JahreS 1900 zurück. Es stellte sich nämlich die Beschäfligtenziffcr am 1. September für die Männlichen wie folgt: 1900 1907 1908 8 224 440 3 303 031 8 223 0S4 Diese ungünstige Verschiebung ist eingetreten, obwohl die Gesamt- zahl der Beschäfligten am 1. September hinter dem Vorjahr nur um 8b 103 zurückbleibt. Die Entlastungen der männlichen Arbeiter sind zum Teil dadurch wieder ausgeglicken worden, daß mehr weibliche Arbeitskräfte eingestellt worden sind. Freilich ganz wirkungslos ist der matte gewerbliche Beschäftigungsgrad auch am Arbeitsmarkt für Weibliche nicht vorübergegangen, aber hier fand doch immerhin noch eine bemerkenswerte Zunahme der Be- fchäftigten statt. Und namentlich hat es noch keinen einzigen Monat seit Eintritt des gewerblichen Rückganges gegeben, in dem die Zahl der weiblichen Beschäftigten hinter dem Vorjahr zurückgeblieben wäre. ES stellte sich die Ziffer der weiblichen Beschäftigten am 1. September wie folgt: 1900 1907 1908 1 282 307 1 303 001 1 407 290 Gegen 1907 ergibt sich für das laufende Jahr ein Mehr von 44 229 Köpfen. Entsprechend dieser Bewegung der Beschäftigtenziffer gestaltet sich nun auch an den Arbeitsnachweisen der An- drang von männlichen und weiblichen Arbeitsuchenden recht ver- schiede«. Im Juli 1907 war der Andrang von Männlichen um rund 9 Proz. stärker als 1900, der der Weiblichen um 12 Proz. Im August 1908 aber hatte der Andrang am Arbeitsmarkt für Männ- liche um nicht weniger als 64 Proz., der am Arbeitsmarkt für Weibliche aber nur um 22 Proz. zugenommen. AuS der Gegenüberstellung der Beschäftigtenzifier für männliche und weibliche Arbeiter ergibt sich, dast eine Folge des gewerblichen Rückgangs eine recht ansehnliche Zunahme der Frauenarbeit auf Kosten der männlichen Arbeitskräfte ist._ Wieder eine Lösung der Dienstbotenfrage! Der bestehende Mangel an Dienstboten treibt die beteiligten Kreise immer wieder zu Abhilfcverfuchen. So sind in Amerika, in England und auch bei uns in Deutschland von einzelnen Anstalten und Vereinen Einrichtungen getroffen worden, die den Herrschaften Dienstboten und zwar, was die Hauptsache dabei ist, billige und unterwürfige Dienstboten verschaffen sollen. So schlug, wie bürger- liche Blätter melden, Stadtrat und Waisenvatcr KnopS auf der Jahresversammlung der Armenverwaltung vor, Lehrvertrüge von 3 Jahren einzuführen, für Waisenmädchen, die bei guten und zu- verlässigen Familien als Dienstmädchen in die«Lehre' gebracht werden. Laut Vertrag wären die jugendlichen Mädchen verpflichtet, 3 Jahre bei der betreffenden Familie auSzuhaltcn. Sonderbar ist es, dast bei diesem Vorschlag die Lohnfrage gar nicht gestreift wird. Oder nimmt man als selbstverständlich an. dag die Mädchen 8 Jahre umsonst zu arbeiten haben? Damit wäre allerdings für gewisse.Herrschaften', die heute keine Mädchen bekommen, die Dicnstbotensrage zur Zuftieden- heit gelöst, liiid sollen die jungen Mädchen auf Gnade und Ungnade den respektive« Familien ausgeliefert sein? Sollen oie„Lehrmädchen' einfach im Dicnstbotenstand untergebracht werden, ob sie gewillt und geeignet sind oder nicht? Diese Fragen beweisen schon, dast man bei jenem Projekt über die Auffassung. Proletarier und deren Kinder seien einfach nur Objekte gesellschaftlicher Mag- nahmen, nicht hinausgekommen ist. Die Dienstboten haben allen Anlast, gegen die geplante unlautere Konkurrenz sich energisch zu wehren. Die Herrschaften, die sich bedienen lasten wollen, sollen nur anständig bezahlen und die Angestellten als Menschen behandeln I Dann werden sie genügend Arbeitskräfte bekommen. Lescabende. Zweiter Kreis. Dienstag, den 0. Oktober, 3'/z Uhr, bei WiemerS. Bülowstr. 58.— Versammlung füllt auS. Sechster KrciS. 6. Abteilung: Donnerstag, den 8. Oktober, abends 8 Vi Uhr, bei Schölzel, Boyenstraste 12. Pankow. Mittwoch. 7. Oktober, ö'/a Uhr, bei Abendroty, Mühlen- straffe 81._ Versammlungen. LoS von der Kirche. In einer zu Sonntagmittag um IL Uhr einberufenen öffent- lichen Volksversammlung sprach Genosse Adolf H o f f in a n n über das Thema;„Los von der Kirche und der nicht Kirchensteuer bezahlenden Geistlichkeit!" Der große Saal im Fccnpalast mit seinen Galerien war bis obenhin vollbesetzt. Vor EiiNritt in die Tagesordnung teilte der Vorsitzende mit. baff der verdiente Genosse Tutzauer verstorben ist. Die Ver. sammelten erhoben sich zu Ehren des Verstorbenen von ihren Plätzen. Weiter machte der Vorsitzende die Anwesenden darauf auf- merksam. daff erkannte Kriminalbeamte sich durch Bezahlung des Einlrittsgelocs Zutritt zur Versammlung verschafft hätten und daff die Anwesenden vorsichtig sein sollten, wenn sie ihre Nachbarn nicht kennten. Sodann nahm Genosse Hoffmann das Wort zu seinem Vortrag, den er mit dem Gedicht von Herwegh einleitete:;Wir baben keinen Vater.. Man könne gut religiös sein, ohne an Dogmen zu glauben und ohne der staatlich privilegierten Kirche an- zugehören. Viele frömme Ehristen sagten sich heute schon loS von der Kirche, lveil diese mit den Lehren des Nazareners nicht über- einstimme. Würde Jesus leben, so stände er gcwih nicht auf der Seite der Kirche, sondern auf feiten der Enterbten und Verstoffcnen. Seine jetzigen Stellvertreter kämpfen viel schlimmer und hart- nackiger um Erhöhung ihres Einkommens, wie die— Sozialdemokraten.(Groffe Heiterkeit.) Er kenne genug Sozialdemokraten, die glücklich wären, wenn sie nur die Hälfte des Gchaltö, das die frommen Hirten beziehen, hätten. Und doch verlangten diese jetzt noch mehr. Und er sage: mit Recht! Jeder müsse versuchen, seine wirtschaftliche Lage so gut wie möglich zu gestalten. Die Pfarrer hätten ja auch schon Berufsorganisationen und er würde sich gar nicht wundern, wenn sie eines Tages in eine Lohnbewegung ein- träten.(Stürmische Heiterkeit.) Aber sie mögen ihr Gehalt nicht auf Kosten derjenigen erhöhen, die gar nichts von ihnen wissen wollten, oder von jenen, die infolge ihrer abhängigen Lage, nicht aus der Kirche austreten können. Und gerade wir, die wir nicht an die HeilLlehre glauben, find für die Befreiung der Kirche, für die Befreiung von— Staat und Geldsack l Warum gibt denn der Staat so viel Geld für die Kirche aus? Der Etat der deutschen Bundesstaaten enthalte 100 Millionen für KirchenauSgaben und etwas über 300 Millionen für Schulen. Darin sei aber noch nicht das enthalten, was die Kommunen zuschieffen. In Sachsen, wo die Pfarrer etwas mehr freie Hand hätten, gingen sie auch in geg- nerische Versammlungen, um d:e Arbeiter von dem Wert der Kirche zu überzeugen und die Redner zu widerlegen. So sagte auch einst ein Pfarrer: Ter Staat sei verpflichtet, die Kirch- finanziell zu unterstützen, weil er früher die Kira'engüter in Beschlag gcnom- mcn habe. Er. Redner, habe dem Pfarrer gesagt, daff er sofort für die Wiederherausgabe dieser widerrechtlich genommenen Güter eintreten würde, wenn die Kirche nachweisen könne, daff sie die Güter rechtmäßig erworben hat!(Groffe Heiterkeit.) Ein fran- zösischer Geistlicher babe eS erst bor kurzer Zeit ausgesprochen, daff vier Fünftel aller Kirchciigütcr zu unrecht erworben wären und von dem letzten Fünftel könne man nicht nadtoreisen, daff es recht- mäffig erworben sei. Tie heutige Kirche sei auch nicht gcraoe wählerisch, sie erhebe Kirchensteuern nicht nur von Gläubigen, sondern auch von Ungläubigen, von Juden, Heiden und anderen. Selbst von Geldern auS Bordellen würden heute Kirchen gebaut. Die ehrlichen Gläubigen kämpften schon längst gegen dicw Zu- stände, da sie der Meinung sind, die Kirche kompromittiere sich, wenn sie ausgeholten werde. Bezeichnend sei es, daff in der Toleranz- kommission, der er, Redner, zugeteilt war, die Vertreter des Zen. trumS erklärt hätten, sie verzichteten gerne auf die staatlich: Hilfe, die„liberalen" Evangelischen dagegen, darunter Herr Schräder. protestierten gegen die Zurückziehung der Staatshilfe, denn damit „raube man der Kirche das Rückgrat". Das beweise sehr wenig Vertrauen zu Gott, der bloff zu wollen braucht, um die Kirche groff und stark zu machen. Heute dürften die Geistlichen gar nicht die Wahrheit sagen, sonst mufften sie sofort den Rock ausziehen. Nicht jeder habe den Mut, wie der frühere Pfarrer, jetzige Genosse Stern, um vor seine Vorgesetzten hinzutreten und freimütig zu bekennen: „Ich will die Gemeinde nicht belügen.' Sieben Zehntel aller Geistlichen seien so erzogen, daff sie, wenn sie den Talar auszögen, sich im bürgerlichen Leben ihren Unterhalt gar nicht erwerben könnten. Warum gebe nun der Staat so viel Geld für die Kirche auS? Weil er sonst in unserer elenden, erbärmlichen kapitalistischen Wirt» schaftswelse die Massen auf die Dauer nicht zufrieden erhalten könnte. Daß allein fei die Aufgabe der Kirche. Daher immer der Hinweis auf das Gleichnis von dem Kamel und dem Nadelöhr. Nach deren Anschauung sei jede Bestrebung um bessere Zustände Gotteslästerung. Er aber sage: Wenn Gott dem Menschen eine Vernunft gab, dann gab er sie nicht, wie einen KommerzienratS- titel, ohne innere Bedeutung.(Beifall.) Wenn es aber einen Gott gäbe, so würde er eS nicht zulassen können, daff Tausende blühender Menschen in den Krieg gehetzt werden, nimmermehr würde er den Massenmord gutheißen. Sie aber, die die Anstifter sind, verkröchen sich jedesmal hinter den Herrgott. Alles geschehe nach deren Redensarten nach GotteS unerforschlichem Ratschluff. Auch das Hochbahnunglück. Der liebe Gott hätte aber sicher nichts dagegen gehabt, wenn man das Gleisdreieck so konstruiert hätte, daff kein Zusainmenswh hätte erfolgen können: aber das hätte mehr Geld gekostet.(Stürmischer Beifall.) Ueberhaupt: könne ohne ihn nichts geschehen, so brauche man auch kein Militär, keine Polizei usw. für den Schutz der Gcldsäcke. Friedrich der Groffe hat gesagt, jeder möge nach seiner Fasson selig werden, heute heiffe cö: die Religion müsse dem Volle erhalten bleiben. Mit dem Volke sind die Armen gemeint. Die Gedankenlosigkeit der Massen stütze heute bloß noch die Kirche, würden alle, die mit den Dogmen innerlich gebrochen haben, austreten, so zeigte sich bald ein anderes Bild. Wandel könne nur geschaffen werden, wenn alle ehrlichen Christen und Juden austreten, dann verliere der Staat das Interesse an der Erhaltung der Kirche. Wer dagegen drin bleibe, dem geschehe es recht, wenn er Steuern zahlen müsse. Arbeiter besonders ris- kiertcn nichts beim Anstritt. Beamten dagegen könne man es unter den heutigen Umständen nicht empschlen, 6a sie ihre Existenz aufs Spiel setzen. Für diese sei die Kirchensteuer aber eine Un- gercchtigkeit, jene dagegen, die fromm sind, sollten sich ihren Herr- aott noch etwas kosten lassen. Der Spott der Synoden über die Austrittsbewcgung sei jetzt schon einer heillosen Angst gewichen. So ward schon gesagt, die Prediger befänden sich in einer sehr üblen Lage, weil sie selbst keine Steuer zahlten, das mache auf die kleine« Leute einen ungünstigen Eindruck. Aber die Mehrheit der Geist- lichen wolle von einer sie treffenden Kirchensteuer nichts wissen; den Aermsten der Llrmcw jedoch soll sie abgeknöpft werden. Heute werden ja die Gelder zu Gottes Ehren durch den Gerichtsvollzicbcr eingetrieben. Doch mehrten sich die Austritte in erfreulicher Weise. In einer Synode traten in einem Jahre 711 Personen auS. Häufig würden die Taufscheine von den Kirchenbehörden verweigert, gegen Recht und Gesetz, wenn sie merken, um was eS sich handelt, bis'die Frist der Anmeldung verstrichen ist. Deshalb solle sich jeder, der standesamtlich getraut ist, dort den Taufschein oder eine Abschrift gegen 60 Pf. Gebühr geben lassen. Aber auch die Ehefrau nrüsie austreten, sonst werde sie trotzalledem zur Hälfte der Steuer heran- gezogen auch wenn sie nichts verdiene. Redner bespricht noch das häusliche Leben und die Kindererzichung und schliefft mit seinen wuchtigen, temperamentvollen Ausführungen, die in den Appell ausklangcn: Wir glauben auch an eine Auferstehung, aber an eine in unseren Kindern. Wenn wir sie in unserem Sinne erziehen, wenn wir mehr wie bisher die Frauen aufklären und organisieren, wenn wir unsere Presse lesen. Bald feiern wir wieder das Fest der Liebe, aber die Welt starrt in Waffen. Einem edlen Manne wie Liebknecht will man die Ehre absprechen, weil er gegen Mili. tariSmus und Krieg kämpft. Gegen diese beiden müsse unseren Kindern der Abscheu schon mit der Muttermilch beigebracht tverden. Kein Reichsanwalt wird imstande sein, eine solche Mutter wegen Sock, verrat anzuklagen. Zur Freiheit, zur Kultur, raus aus der Kirche, frei von der Kirche und von den Pfaffen.'(Stürmischer Beifall.) Eine Diskussion folgte dem ziveistündigen Vortrag Nicht. Gerickts- Leitung. El» blutiger Zusammenstoß zwischen einem Förster und Wilderern lag einer Anklage zugrunde, mit der sich gestern das Schwurgericht des Landgerichts III zu beschäftigen hatte. Unter der Anklage dcS versuchten Totschlags, der Vedrobung und des gewerbsmäßigeil WildcrnS stand der Straffcnbahnschaffncr August Rückcrt, während sich der Büchsenmacher August Kloth wegen Bedrohung und Wil- derns zu verantworten batte. Die Angeklagten wurden durch die Rechtsanwälte Dr. Echwindt und Dr. Bartels verteidigt. In dem Vorverfahren hatten sich Zweifel an der ZurechnungSfähigkcit des Angeklagten Kloth herausgestellt. Auf Anordnung des Gerichts toar K. zur Beobachtung seines Geisteszustandes in die Kgl. Charite untergebracht worden. Da zu der gestrigen Verhandlung der Professor Dr. Eciffer, der den Angeklagten untersucht hatte, nicht erschienen war, muffte die Verhandlung gegen ihn abgetrennt werden. Es wurde deshalb gegen Rückert allein verhandelt, der im Gegensatz zu Kloth völlig unbestraft ist, während dieser viermal wegen Körperverletzung und auch schon wegen Jagdvergehens vorbestraft ist. Mitte vorigen Jahres lernten sich die beiden Angeklag- tcn auf einem Schießstand in Schönholz kennen. Rückcrt. der mit besonderem Eifer dem Schießsport huldigte, brachte einige Tage später ein Gewehr, welches repariert werden sollte, zu Kloth. Bei diesem Anlaß verabredeten sie. in der Forst zwischen Sadowa und KarlZborst zu wildern. Kloth stellte zwei zusammenlegbare Wil- dererbüchsen her, die bequem unter den Uoberzieher geknöpft werden konnten. In der Folgezeit erlegten die Angeklagten wiederholt Rehe und Fasanen. TaS Wildprct verbrauchten sie teils in ihrer Häuslichkeit, teils wurde es an Wildhändler verkauft. Diese Wild- dieberei wurde hauptsächlich auf dem Jagdterrain des Ritterguts- besitzerS von TreSkow verübt. Der bei dem Jagdpächter angestellte Privatförster Otto Kölln fand wiederholt in der Forst die Reste eines aufgebrochenen Rehes. Sehr häufig wurden auch von Be- wohnern der dortigen Gegend des Nachts und am frühen Morgen Schüsse gehört. Es wurde deshalb eine besondere Wilddiebs- Patrouille gebildet, die jedoch die Wilderer nie zu Gesicht bekam. Als es dem Förster Köhn endlich am 24. November v. I. gelang, die beiden Wilderer zu stellen, kam es zu einem blutige» Rencontre. Am Nachmittage dcS 24. November, als es schon zu dunkeln an- fing, befand sich der Förster in der Näbe des sog. MiltelbruchZ. Plötzlich bemerkte er an dem BicSdorfer Grenzgraben zwei Männer, die sich bemühten, sich hinter einem Weidengcbnsch zu ver- stecken. Der Forstbcamte schöpfte sofort Verdacht und ging mit schußbereiter Flinte auf die beiden Männer zu. Als diese ihn an- kommen sahen, ergriffen sie die Flucht nach entgegengesetzten Rich, tungen. Den, Kloth gelang es, im Gebölz zu verschwinden. Köhn nahm nunmehr die Verfolgung des Rückcrt auf, den er auch bis auf eine Entfernung von etwa zebn Schritten erreichte. Als R. sah, daff eine weitere Flucht aussichtslos war. lief er in einen Graben, so daff er für einige Sekunden für den Forster unsichtbar wurde. In diesem Augenblick krachte ein Schuß, Rückcrt hatte in wilder Hast seine Flinte an die Wange gerissen und auf den Förster geschossen. Nur durch den Umstand, daff Köhn gerade an diesem Tage eine dicke Jagdumsfe trug, die sich später wie mit Schrot- lörnern gespickt zeigte, drangen dem Förster nur einige Schrotkörner in den Unterleib. Außerdem hatte er schmerzhafte Verletzungen an der Hand erlitten. Köhn war durch den Schuß zu Boden geschleu- dert worden, er sprang jedoch schnell wieder auf und'gab nun eben- falls einen Schutz ab, der den N. in die Lunge traf. In diesem Augenblick tauchte auch Kloth wieder auf. Als dieser ebenfalls sein Gewehr anlegte, gab der Förster nochmals Feuer, ohne jedoch den zweiten Wilddieb zu tresfcn. Die Verletzungen des Rückcrt stellten sich als ziemlich schwere heraus. Er sowohl wie der Förster wurden nach dem Augujta-tzospital geschafft. Vor Gericht war der Angeklagte des Jagdvergehens geständig, er bestritt jedoch mit aller Energie, absichtlich auf den Förster gc- schössen zu haben. Nach seiner Darstellung habe sich sein Gewehr durch einen ungeschickten Handgriff von selbsr entladen. Nach mehrstündiger Beweisaufnahme bejahten die Geschworenen die Schuldfrage nach Jagkwcrsgehen und qualifiziertem Widerstand gegen einen Forstbcamte» im Sinne der§Z 117 und 118 St.-G.-B. Der Staatsanwalt beantragte 3 Jahre 1 Monat Zuchthaus» der Gerichtshof erkannte auf 1 Jahr 7 Monate Zuchthaus unter An- rechnung von 4 Monaten Untersuchungshaft. Für Dienstboten gut genug. Vor dem Landgericht München I hatte sich am Freitag die Gastwirtsehefrau Maria Röder, eine Köchin und ein Herdmädchen wegen eines fortgesetzten Vergehens gegen das Nahrungsmittclgesetz zu verantworten. Die Verhandlung zeigte, mit welcher Frivolität die angeklagte Gastwirtin aus purer Profitgier mit der Gesundheit der Dienst- boten und der bei ihr verkehrenden Gäste monatelang ungestraft freveln konnte. Von Anfang Mai bis Ende Oktober 1907 mufften die beiden Mitangeklagten Mädchen die von den Gästen übrig gelassenen Fleischbrocken sammeln und bei Zubereitung von Speisen wieder verwenden. Sehr häufig in der Woche wurden von stinkigen Fleischbrocken so- genannte Fleischpflanzeln(Fleischkuchen) fabriziert, und wenn diese dann an einem Tage nicht verkauft werden konnten, den Dienstboten vorgesetzt oder noch mehrere Tage aufbewahrt und dann wieder aufgewärmt. Stockwürste und Lunge, die schon in Zersetzung übergegangen waren, wurden den Dienst. boten vorgesetzt. In einem Falle wurden in den Speisen Russen und Schwaben, in einem anderen Falle ein 5 Zenti- meter langes Frauenhaar gefunden. Braten, Schweins- rippel, Kartosfelgemüse, die schon mit Schimmel überzogen waren, wurden wieder verwendet. DaZ angeklagte Herdmädchen, da? alltäglich mit der Zubereitung der Frühstücks-(Wasser-) Suppe ftir das Personal betraut war, hatte hierzu zusammengeschüttete Suppen r e st e. stinkiges Fett, ja, wie die Anklage behauptet, ein- mal Spülwasser verwendet. Das Personal hatte in der Portierloge eigens eine Kiste aufgestellt, in die sie die schlechten Speisen warfen. Zahlreiche Dienstboten sowie Gäste muhten sich häufig erbrechen oder erkrankten an Fleischvergiftung. Von den Angestellten des Restaurants bekamen nur der Schänk- kellner und die Büffettdame bessere Kost— die Frau Wirtin hatte jedenfalls alle Veranlassung, die beiden bei gutem Humor zu halten. Das Gericht erkannte für die beiden angeklagten Dienst- boten auf F r e i s p r e ch u n g. für die Wirtin hielt eS eine Gefängnisstrafe von-- einer Woche ihrem Verschulden für «angemessen". Wirklich eine sehr milde Strafet Vennilebtes. Die Cholera. In den letzten 24 Stunden, bis gestem mittag, wurden 130 neue Erkrankungen und 02 Todesfälle an Cholera verzeichnet. Die Zabl der Kranken beträgt 1739.— Nach einer Statistik kamen von» 26. September bis zum 1. Oktober im ganzen russischen Reich 8261 Choleraerkrankungen und 16 71 durch Cholera verursachte Todesfälle vor. In der Lorwoche waren 4922 Erkrankungen und 2231 Todesfälle zu verzeichnen. Seit Ausbruch der Epidemie sind 8947 Todesfälle bei 19012 Erkrankungen fest- gestellt worden.— Die Gouvernements Esthland und Witebsk und Stadt Warschau sind für cholerabedroht erklärt worden.— Ein deutscher Kaufmann, der aus Ruffland zurückkehrte, ist in einem Lemberger Hotel unter choleraverdächtigen Erscheinungen g e« st o r b e n._ Ein Revolverheld. Gestern nacht gegen 1Ui Uhr kam es infolge einer Rempelei in der Hohenstraffe in Meferitz zu Tätlichkeiten zwischen jungen Leuten, in deren Verlauf dcrBautechntkerDau einen Fleischer- gesellen e r s ch o ff und einen Arbeiter durch einen Schuß in den Unterarm verletzte. Der Täter wurde verhaftet. AuS Sernot gerettet. Die Rettungsstation P r e r o w der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger telegraphiert: Am 6. Oktober wurden von einem beim Leuchtturm Darsserort gestrandeten schwedischen See- schuner Kapitän Jansso» und fünf Personen durch das Rettungsboot der Station Prerow und den Raketenapparat der Station Darsserort gerettet. Der Liebe Ende. Auf dem Obersee bei Berchtesgaden erschoß gestern Leutnant Wilhelm R u n k e seine Geliebte Marie Sch wertner und warf sie i n d e n S e e. Hierauf erschoß er sich selb st und stürzte gleichfalls in den See. Beide stammen aus Wie n. Eisenbahnunglück. Ein Personenzug der Arad-Csanader Eisenbahn fuhr bei PccSka infolge falscher Weichenstellung in einen Rangierzug hinein. Sämt- liche Waggons wurden zertrümmert. Der Zugführer und zwei Reisende wurden g e t ü t e t und fünfzehn Personen v e r- letzt._ Slmtttcher Marktbericht der städlilchen Markthallen-DtrekNon über den Groffbandel in den Zentrat-Martldalle». Marktlage: F I e I> ch: Zuiuhr fiark, tLeschäft rege, Preise unverändert. Wild: Zusuhr ge- nÜaelld, in Fasanen über Bedarf,(Leschäsi flau, Preise nachgebend. 0 e» s l ü g e l: Zusuhr genügend, GcschSjt schleppend, Presse besser. Fische: Zufuhr genügend, Geschäft fchr schleppend. Preise wenig verändert. Bulter und Käf«: Geschäft ziemtich lebhaft, Preise für Bullcr an« ziehend. G e rnü se. Obst und Südfrüchte: Zufuhr meist über Bedarf, Geschäft ruhig, Presse gedrückt. tAktterungSüberfich« vom S. Oktober 1908, morgens 6 Ith». Betterprognose für Dienstag, den 6. Oktober 1908. Biemlich heiter bei frischen nordwestlichen Winden, fühlerer Nacht und wenig veränderter Tagestemperatur; feine oder unerhebliche Niederschläge. Berliner Betterbureau. Wasserstands- Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerfunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Beeston Briefkaften der Redaktion. Die juristische Ebrechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, weiter Sof, dritter Eingang, vier Treppen, wochentäglich abends von 7 bis 9% Uhr statt. Geöffnet 7 1hr Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Briefkasten können 14 Tage bergehen. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. AUSION tragen. Atos 11. Die Invalidenrente beträgt, went nur zur Rohn flaffe IV gezahlt ist, 140 M. Zu diesem Betrag kommen so viel mal 10 f., als Marten geklebt sind. Demjenigen, der eine Invalidenrente bezieht, ist P. 13. Ja. Fahrstuhl feineswegs verwehrt, so viel ihm möglich noch zu verdienen. B. H. Nein, jeder Kirchenrat bezi. jeder Bezirk hat darüber andere Bestimmungen. E. 100. 1. Die Klage hätte leider wenig Aussicht auf Erfolg. 2. Um das Armenrecht zu erwirken, läßt man sich zunächst von der Behörde( in Berlin vom Armenfommissionsvorsteher) bescheinigen, daß K. S. 16. Da Sie das Schriftstück unterschrieben haben, sind Sie man zur Tragung der Kosten des Prozesses nicht in der Lage ist. Dieses leider zur Zahlung verpflichtet. 5. N. 2. Sie würden noch jezt auf Attest überreicht man sodann dent Gericht, legt dar, weshalb man klagen G. 2. 38. will, gibt die Beweismittel an und beantragt, das Armenrecht zu beBahlung des Ihnen vorenthaltenen Teiles flagen können. Wette 1. Unter willigen. Hierauf entscheidet das Gericht. 3. Am 25. März 1902 ist die Wenn Ihr Einkommen mehr als 1200 m. beträgt, ja. zeichnung ist nicht erforderlich. T. 2. R. 32. 1. Sie werden voraus- Stammstrede der Hochbahn( Warschauer Brüde- zoologischer Garten) er R. M. 26. Geld. Die Sparkasse ist am meisten zu empfehlen. sichtlich zur Zahlung verurteilt werden. 2. Zwedmäßig ist es, vor dem öffnet. H. S. 23. Zum Beitritt zu Termin die Miete zu zahlen, weil dann die Kosten erheblich geringer sind. In der Regel wird eine Rüge genügen. Noch geratener ist es, beim Anwalt zu vereinbaren, daß er die Klage der von Ihnen genannten Kaffe Vittoria, Deutsche Volkskrankenkasse A. S. 21. 1. Nein. 2. Klagen Sie zurüdnimmt und sogleich die für den Fall der Rücknahme entstehenden vermögen wir nicht zu raten. 2. M. 5000. Nein. Kosten zu zahlen. 3. Nein: die Kosten wären erheblich größer. gegen den Wirt auf Herstellung der Tür. E. 12, Proskauer Straße. Siehe den Artikel Der Steuerteufel 3. K. 10. Nach 4. Auf Grund einer schriftlichen Vollmacht ja. A. B. 333. Leider E. W. 67. Ja. der herrschenden Ansicht leider ja. R. M. 22. Ja. geht um" im redaktionellen Teil unter Soziales. Böhrig. Eine F. S. 59. Leider in Gemäßheit des§ 23 der Einkommensteuer- würden Sie im Prozeßwege nichts ausrichten können. F. 2. R. 30. Eine Kündigungsfrist Novelle: Ja. -8 E. M. 1863. Liegt die Sachlage so, wie Sie sie solche Möglichkeit besteht nicht. H. N. 35. Der Chef ist zum Abzug 35-5 schildern, so hat voraussichtlich Ihre Klage Erfolg, während die Gegenflage besteht in Ihrem Falle nicht. 114-1 abgewiesen werden wird. B. 40. Boraussichtlich würde auf einen Eid nicht berechtigt, wenn Sie ohne Ihr Verschulden den einen Lag gefehlt 33 für den Kläger erkannt werden. Es kann die gesamte Forderung oder ein haben. Sonst könnte Ihnen der 30. Teil des Monatsgehalts in Abzug ge S. 131. Wenden Sie sich direkt an die Zollbehörde, Teil eingeklagt werden. Die Kosten würden, wenn beide Teile ihre Rechte bracht werden. durch einen Anwalt vertreten lassen, in erster Instanz etwa 100 m. be. möglichst unter Vorzeigung einer Probe. am feit am Bafferstand 4. 10. 3. 10. Basserstand cm cm ¹) feit 4. 10. 3. 10. cm cm) Memel, Zilfit 157 +1 Saale, Grochlik Bregel, Insterburg -16 +3 Weichsel, Thorn 82 Havel, Spandau) Rathenow³) 71-3 37 0 32+4 Dder, Ratibor 110 Spree, Spremberg) 70 0 Krossen 97 69 Frankfurt Barthe, Schrimm 107 42 Befer, Münden -93 Minden Landsberg 23 Rhein, Marimiliansau 426 -8 Neze, Bordamm -3 Kaub 208 -6 Elbe, Leitmerik -54 Köln 204 Dresden -166 Nedar, Heilbronn Barby 51 Main, Wertheim 70 Mosel, Trier Fall, - 2) Unterbegel. 11 1+ 1+ 11 " Magdeburg 1)+ bedeutet Buchs, Ms Verlobte empfehlen sich Elise Lehmann Richard Schreiber. Rigdorf 1908. 20645 Einer der alten Borkämpfer unserer Partei, der treue und bewährte Genoffe Franz Tutzauer ist am 3. Dltober dahingeschieden. Seine aufopferungsvolle Tätigfeit als Mitbegründer unserer politischen und gewerkschaftlichen Drganisationen, seine Wirksamkeit als Stadtverordneter und Reichstagsabgeordneter, als Berater in gewerblichen und wirtschaftlichen Angelegenheiten, sichern ihm ein allezeit ehrendes Andenken in unseren Reihen. Die Beisetzung findet heute Dienstag, den 6. Oktober, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle der Freireligiösen Gemeinde, Pappel- Allee, aus ( tatt. 205/18 Um zahlreiche Beteiligung bittet Der Verband Sozialdemokratischer Wahlvereine Berlins u. Umgegend. Am 3. Dktober verschied nach furzem Krantenlager unser langjähriger Raffierer Genoffe Franz Tutzauer. Da wir in demselben einen braben und ehrenhaften Charakter, einen zielbewußten Genossenschaftler und treuen Mitarbeiter verlieren, werden wir demselben ein ehrendes Andenken bewahren. Das Verkaufs- u. Bureaupersonal der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend. Verband drr Bureauangestellten und der Verwaltungsheamten der Krankenkassen u. d. Berufsgenossenschaften Deutschlands. Ortsgruppe Groß- Berlin. Den Kollegen hiermit zur Kennt nis, daß am 3. Oftober cr. unfer Rollege Franz Tutzauer verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Er war allezeit bereit, für die Interessen seiner Kollegen einzu treten. Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 6. Oktober, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Begräbnisplatzes der Freireligiösen Gemeinde, PappelAllee, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. 291/6 Der Vorstand. Nachruf. Unseren Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser früherer langjähriger öffentlicher Vertrauensmann und Bevollmächtigter Otto Naether am Sonnabend, den 3. d. Mts., in Stuttgart gestorben ist. Der Verstorbene hat viele Jahre mit unermüdlichem Eifer im Dienste der Organisation der Berliner Metallarbeiter gewirkt und sich um unsere Sache große Verdienste erworben. Wenn die Namen derjenigen genannt werden, die hervorragend für die Organisation der Berliner Metallarbeiter gewirkt haben, wird auch der Name unseres jetzt verstorbenen Freundes nicht vergessen werden dürfen. Sein Andenken werden wir stets in Ehren halten. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Ortsverwaltung Berlin. 123/1 Sozialdemokratischer Wahlverein des 6.Berl. Reichstags- Wahlkreises. Nachruf. Am 23. September verstarb unser Mitglied, der Bauarbeiter Hermann Hauf Wilhelmshavener Straße 60. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung hat bereits stattgefunden. 229/20 Der Vorftand. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Klavierarbeiter Heinrich Glaser am 3. Dftober gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 6. Dttober, nachmiltags 4 Uhr, von der LeichenDeutscher Metallarbeiter- Verband Berwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schloffer Karl Scheer geftorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 7. Dftober, nach mittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Städtischen Friedhofes in der Müllerstraße aus statt. Rege Beteiligung erwartet 123/2 Die Ortsverwaltung. Um vielseitigen Wünschen Rechnung zu tragen, werden die allgemein beliebten VERA- CIGARETTEN neuerdings auch mit Mundstück bergestellt. JOSETTI VERA Bruch- Pollmann Dr. Simmel Spezial- Arzt empfiehlt sein Lager in Bruchbandagen, Leibbinden, Geradehaltern, Spritzen, Suspensorien jomie sämtliche Artikel für Haut- und Harnleiden. zur Krankenpflege. Eigene Werkstatt. Liefer. f. Dris- u. Hülfs- Strantenfaffen Berlin N., 24882* halle des Sentral Friedhofes in jeht Lothringer Straße 60. Friedrichsfelde aus statt. Ulm rege Beteiligung ersucht 91/10 Die Ortsverwaltung. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, die Boten frau Auguste Gruber am 2. d. M. im Alter von 39 Jahren gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung fand Montag, den 5. d. M., statt. 71/10 Die Verwaltung II. am Alle Bruchbänder mit elastischen Beloten, angenehm u. weich am Störper. f Reste Damentuche, fchwarz u. farbig, Kostüm- Stoffe, neueste Muster. Seide, Sammete, Besätze, Futterstoffe, Cheviot- Kammgarne zu Knaben- Anzügen. Konfektion: Paletots, Jacketts, Staubmäntel, Kostüme, Kostümröcke. Stets Gelegenheitskäufe! Paul Karle, Warschauerstr. 18.[* Ein Triumph der Zigaretten- Fabrikation! Selowsky's Caruso Zigaretten Prinzenstr. 41, dicht am Moritzplatz, 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Sofastoffe Riesenauswahl aller Qualitäten. Wolle Reste! Mocquetts. Satteltaschen. PlüschMuster b. näh. Angabe franko. Emil Lefèvre, Berlin, 158. 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Aus ärztlichen Kreisen wird uns geschrieben: „ Man muß es den Jüngern Aeskulaps lassen: Sie haben es Gerstanden, sich in ihrem Leipziger Verband eine Organisation zu fchaffen, die an Etraffheit nichts zu wünschen übrig läßt, und die manchen anderen Organisationen als Muster dienen könnte. Und darin liegt das Geheimnis des Erfolges und des Mißerfolges. Des Erfolges, weil es den Aerzten gelungen ist, sich mancherlei materielle Aufbesserungen zu erringen, aber auch des Mißerfolges, weil die Art und Weise, wie der Verband sich und seine Prinzipien durchzusehen sucht, zur schärfsten Kritik herausfordert. Ein Verband, der die einseitigsten Erwerbsintereffen, den brutalften Egoismus auf seine Fahne geschrieben hat und sich mit einem Saltomortale über alle Gesetze der Ethik hinwegsetzt, darf nicht erwarten, in der großen Deffentlichkeit Sympathie zu finden. Darauf pfeifen die Herren übrigens, sie haben das dunkle Gefühl, daß sie feinen besonderen Ruhm ernten fönnen und haben infolgedessen von vornherein darauf verzichtet, ihre Angelegenheiten mit Hilfe der Tagespresse zur öffentlichen Diskussion zu stellen eine auffallende Tatsache, deren Ursachen eben die obengekennzeichneter find. Desto lauter schreien sie dafür in ihrer Fachpresse, besonders in den sogenannten offiziellen Organen. Das Organ des Verbandes," Die ärztlichen Mitteilungen", geifert wie ein altes Weib über nichts anderes als Honorarerhöhung, freie Arztwahl und Sonstige Sachen, die absolut durchgesetzt werden sollen.( Pemerkt sei, daß selbst die" Freifinnige Beitung" vor furzem der Buschrift cines Arztes Raum gab, die dringend davor warnte, die freie Arztwahl" als Parteigrundsatz gutzuheißen und sich gegen das Brinzip der freien Arztwahl" wendete.) Aus jeder Zeile glott einem die Habgier entgegen, während sich das Blättchen im übrigen durch eine geradezu groteske Geistesarmut auszeichnet. Die Tyrannei, die von Leipzig ausgeht, hat nun nachgerade Formen angenommen, die das ernste Interesse der Oeffentlichte it Paul Singer, Verlagsanftaltu.Buchdruckerei in Stuttgart. Die neue Zeit Wochenschrift der Deutschen Sozialdemokratie Redigiert von Karl Kautsky. Die Neue Zeit erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buchhandlungen und Kolporteure zum Preise von Mt. 3.25 pro Quartal zu beziehen. Das einzelne Heft toftet 25 Pfennig. Durch die Post bezogen beträgt der vierteljährliche Abonnementspreis Mt. 8.25( ohne Bestellgeld). Bei direktem Bezug unter Kreuzband innerhalb Deutschlands und Desterreich- Ungarns vierteljährlich Mt. 3.90, innerhalb des Weltpostvereins vierteljährlich Mt. 4.55. Die Neue Zeit darf als unentbehrliche Zeitschrift für alle diejenigen bezeichnet werden, welche ein mehr als flüchtiges Intereffe für die große Tagesfrage der sozialen Entwidelung haben. Dirustag, 6. Oktober 1908. und der Aufsichtsbehörden herausfordern müssen und die, wie die tief in die Taschen! Die Mißstimmung, die die Kölner Affäre bei Herren bald merken werden, bei der Reform der Krankenversiche- einem Teil der Aerzte erzeugt hat, wird durch andere Dinge noch rung für die Regelung einiger Fragen ihre Folgen haben werden. erhöht. In Leipzig hat sich nachgerade eine Art ärztliches In einer der lebten Nummer des offiziellen Organs" spielt ein Reichs- Ehrengericht etabliert, das seine Nase fanatischer Verbandsderwisch allen Ernstes mit der Idee eines ärzt- in alles andere als rein wirtschaftliche Fragen lichen Generalstreits. Ein sicherer wirkendes Mittel, um eventuell hineinstedt und die Aerzteschaft nach allen Reden Kurierawang Gesetz werden zu lassen, konnte der ärztliche Heiß- geIn der Kunst hofmeistert. Schließlich berührt es unsporn sich wohl nicht ausflügeln und es ist anzunehmen, daß seine angenehm, wenn sich der Verband noch mit Sachen befaßt, die ganz Jdee" bei dem intelligenteren Teile seiner Kollegen keinen Boden entschieden nicht in sein Gebiet gehören. So bringen es die Herren gefunden hat. Aber der Vorgang ist typisch für die Gesinnung, die z. B. fertig, in einer besonderen Abteilung ihres Verbandes regelbeim Verbande herrscht und wird manchem Arzt die Augen öffnen! recht mit Büchern zu handeln und damit dem berufsEs ist ein großer Irrtum, wollte man annehmen, daß die große mäßigen Buchhandel Konkurrenz zu machen. G3 Mehrzahl der Aerzte mit den fanatischen Bestrebungen ihres Ver- wird nicht lange dauern, bis eine Verbands- Bigarrenbandes einverstanden ist. Es sind Tausende, die ihre fabrik und ein Verbands- Reihhaus dem Unternehmen Mitgliedschaft lieber heute wie morgen an den würdig angegliedert wird! Nagel hängen würden, die aber entweder aus besonderen Nücksichten oder unter dem furchtbaren Druck, der ausgeübt wird, davon Abstand nehmen. Es will dem einsichtigen Teil der Aerztes fchaft nicht in den Kopf, daß der Verband, bloß um seinen Willen, d. h. die freie Arztwahl, durchzusetzen, Riesenstreits inszeniert, wie demnächst in Köln, und daß ihm bei der Verfolgung seiner Ziele jedes Mittel gerade gut genug ist. Daß die unbeschränkte freie Arztwahl ein Unding ist, hat bisher bloß der Leipziger Verband nicht eingesehen, und daß die Krankenkassen keine Versorgungsinstitute für Aerzte sind, wird auch in Zukunft nur dem Aerzte verband unbegreiflich sein. Wie die Sachen liegen, wird ja der Verband in Köln seine entscheidende Niederlage erleben. Die ärztliche Versorgung der dortigen Kaffenmitglieder ist gesichert und in der Kasse des Verbandes herrscht eine beträchtliche Ebbe. Die Streitbeiträge laufen eben deshalb so spärlich ein, weil der Kölner Kampf vom Verbande als eine reine Machtprobe angesehen wird. Handelte es sich um einen Streit wegen unwürdiger Entlohnung der dortigen Aerzte, dann stünde die Sache besser. Aber nur weil die Leipziger Gernegroße und Dittatoren ihren willen durchsehen wollen, greifen die Aerzte nicht allzus Glück und Freude über endliche Genesung! Herr C. N. in F&. ftattet seinen innigsten Dant" mit folgenden Zeilen ab: Meine Tochter, fezt 17 Jabre, litt schon seit ihrer frühesten Jugend an Blufarmut, Appetitlosigkeit, Müdigkeit und Entkräftung. Alle Mittel und Kuren, die ich angewandt, blieben erfolglos. Da griff ich zu dem mir empfohlenen Lamscheider Stahlbrunnen, und schon nach Ge brauch von 15 Flaschen hatte meine Tochter ihre völlige Ge sundheit wiedererlangt. B. K. in D. schreibt: Die bestellte Sendung Lamscheider Stahlbrunnen habe ich im Frühjahr erhalten und fann Ihnen nur mitteilen, daß dasselbe wie ein Wunder auf meine langjährigen Magenschmerzen, welche mich oftmals faft bis zur Verzweiflung getrieben, eingewirft hat. A. W. in S. schreibt: Mein Sohn Ferdinand litt seit Monaten an Schwäche, allgemeiner Körperabnahme und Blutarmut. Kein Mittel wollte helfen, und wir befürchteten das Schlimmste. Wir lafen in einer Zeitung von dem alten berühmten Heilquell, und schon nach vierwöchiger Kur fühlt mein Sohn sich wieder ganz wohl und gesund. Solche Danfschreiben infolge glänzender Heilerfolge bei Blutarmut, Bleichsucht, verschiedenen Arten bon Frauenkrankheiten, Magen- und Darmleiden, nach erschöpfenden Krankheiten, Operationen, Blutverlusten sind der beste Beweis für die bortrefflichen Eigenschaften dieser Heilquelle. Trinkturen im Hause ohne Berufsstörung. Auskunft tostenlos burch: Lamscheider Stahlbrunnen in Düsseldorf 164. Es wird hohe Zeit, daß alle diejenigen. Aerzte, die dem Verbande bisher fernstanden, sowie die, welchen ein Verbleiben in ihm unsympathisch ist, sich zusammenschließen. Man kann seine wirt schaftlichen" Interessen auch verfolgen, ohne sich an allen Eden so zu blamieren, wie der Leipziger Verband, insbesondere ist es sehr wohl möglich, alle Streitigkeiten zwischen Aerzten und Kassen einem paritätischen Schiedsgericht zu übergeben, ohne Spektakelstüde aufzuführen, bei denen im letzten Grunde das Publikum der leidtragende Teil ist. Es ist aus all diesen Gründen mit Freuden zu begrüßen, daß Bestrebungen im Gange sind, die darauf hinzielen, den verständigeren Teil der Aerzteschaft in einem Berliner Verbande zu vereinigen, dessen oberster Grundsah nicht der Kampf, sondern der Friede sein soll." Der Terrorismus des Leipziger Verbandes ist ja sattsam befannt. Er ist auch in einer Reihe von Gerichtsurteilen anerkannt, Die Verträge als gegen die guten Sitten verstoßend und ungültig erklärten, welche Aerzte Konventionalstrafen für den Fall unters warfen, daß diese nicht nach der Pfeife derer tanzten, die das Strankenversicherungsgesetz als ein Gesez zur Versicherung von Aeraten betrachten. MANOLI Cigarettes Abbas 3 Pfg. Chic 4 Pfg. Gibson Girl 5Pfg Berlin SO. 16, H.& P. Uder, Engel- Ufer 5. Fabrik- Lager sämtlicher gangbarer Kautabake. Spezialität: Nordhäuser Kautabak stets frisch zu billigsten Engros- Preisen. 4597L* 5 Pf.Verkauf. Echte dänische Schleifen Ver Allerfeinste Qualität! Unübertroffener Geschmack! Amt 4,3014. 0001 Die Gleichheit Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen Redigiert von Klara Zetkin. Mit den Beilagen: Für unsere Müttern. Hausfrauen. Für unsere Kinder Erscheint alle vierzehn Tage in Nummern à 10 Pfennig oder bei Postbezug vierteljährlich 65 Pfennig( inkl. 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Taubenstraße 48/49. Nachmittags 4 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Abends 8 Uhr: Der Montblane. Passage- Panoptikum. Ohne Extra- Entree. Der Riese aller Riesen Schiller- Theater. Schiller Theater Charlottenburg. Dienstag, abends 8 Uhr: Ein Teufelskerl. Historische Komödie in 3 Aften von Bernard Shaw. O.( Wallner- Theater.) Dienstag, abends 8 Uhr: Julius Casar. Trauerspiel in 5 Aufzügen von William Shakespeare. Mittwoch, abends 8 Uhr: Mittwoch, abends 8 Uhr: Das Stiftungsfest. Der Herr Ministerialdirektor. Donnerstag, abends 8 1hr: Donnerstag, abends 8 Uhr Das Stiftungsfest. Julius Cäsar. Arbeiter- Sängerbund Berlins u. Umgegend Sonntag, den 11. Oktober, vormittags 11 Uhr, im Saale der Brauerei Friedrichshain: Pisjakoff Uebungs- Stunde. Eintritt 50 Pf. Kinder, Soldaten 25 Pf. Passage- Theater. Abends 8 Uhr: Lene Land Thalia. Das Mitternaģismädden. Paul Schneider- Duncker Suitspielhaus. Die blaue Maus. Nenes Operetten. prinzessin. Die Dollar Trianon. Die Liebe wacht. Lorking. Zaza. Bernhard Stofe. Das Stätchen von Heilbronn. Luisen. Ausgewiesen. Apollo. Ein Sonntagmorgen in Rußland. Bera Violetta. Spe zialitäten. Metropol. Donnerwetter tabel los. und das großartige Oktober Programm 14 neue VariétéSpezialitäten. Rixdorfer Theater Bergstraße 147. Geübt werden die Lieder: Tantalus, Arbeitsmann, Im Torweg, Eine Mühle liegt im Tal. pünktlich Im Nobensale, pinguiche Ausschuß- Sitzung. 10 Uhr vormittags: Tages- Ordnung: 1. Aufnahme von Vereinen. 2. Bundesangelegenheiten. Vereine, die zum Stiftungsfest des Bundes mitwirken wollen, werden gebeten, sich in der AusschußSitzung zu melden. NB. Vereine, die vom Sängerfest noch nicht abgerechnet haben, werden darauf aufmerksam gemacht, daß Sonntag der letzte Termin ist. 17/10 Der Vorstand. Zirkus Schumann. Uhr: Heute Dienstag, den 6. Oktober cr., abends präzise 7 Kommen! Sehen! Staunen! Der gr. u. fenfationellste Aft d. Gegenwart Butterflies? Gebrüder Herrnfeld. Die beiden Mittwoch, 7. Dktober, zum 2. Male: Ferner: Dir. Albert Schumann mit seinen 12 Refruten. 36 Original: Bindelbands. Vailage. Spezialitäten. Rafino. Familie August Knoche. Spezialitäten. Gustav Behrens. Feine Sache! Ausgezeichnet! Spezialitäten. Folies- Caprice. Die Brautschau. Die lästige Witwe. Wintergarten. Spezialitäten. Carl Haverland. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Walhalla. Spezialitäten, Urania. Taubenstrasse 48/49. Nachmittags 4 Uhr: Ueber den Brenner nach Benedig. Abends 8 Uhr: Der Montblanc. Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. Hebbel- Theater. Königgräber Str. 57/58. Anf. 8 Uhr. Heute und folgende Tage: Der Liebhaber. Berliner Theater. bends Mercadet. 8 11hr: Morgen: Die Journalisten. Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Wahrheit. Der Hypochonder. Lustspiel in 4 Atten von G. b. Moser. Anfang 8 Uhr. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Dienstag, 6. Dttober, Anjang 8 Uhr: Egmont. Mittwoch: Als ich wiederkam. Donnerstag 7 Uhr zum erstenmal: Wilhelm Tell. Marokkaner. Das bogende Känguruh. 9 Roeder Reinats Luft: Boltigeure. Rowland- Truppe, 8 Berj., Damen Herren. Nackte der Schulreiterin Frl. Dora Schumann u. d. großart. Oftober- Spezialit Schönheiten. Clown Armando m. seinen dressierten Affen. Auftreten Berliner Eis- Palast Lutherstraße 22/24. Ständige Eisbahn. Täglich bis 1. Mai 1909 von morgens 10 Uhr bis nachts 12 Uhr geöffnet. Täglich von 12 Uhr ab: Großes Konzert. Abends 9 Uhr it. 10 Uhr: Reigen, Quadrillen. Allabendlich 9, Uhr: Zum erstenmal in Berlin: Kunstlaufen von Frl. Nadja Franck, preisgekrönte Meisterläuferin der Welt u. d. schwedischen Meisterläufer Broor DERNHARD ROSE THEATED Meyer. Rachmittags 4 Uhr: Jugendlausen, arrangiert vom Berliner Gr. Frankfurter Str. 132. Das Käthchen von Heilbronn. Anjang 8 Uhr. Wochentagspreise. Mittwoch: Kabale und Liebe. ARTEN Luftspiel in 4 Atten von Clyde Bitch. Neues Programm Morgen und folgende Tage: Wahrheit. Kleines Theater. Abends 8 Uhr: 2 mal 2= 5. Mittwoch: 2 mol 2= 5. Donnerstag: 2 mal 2= 5. Freitag: 2 mal 2= = 5. Neues Operetten- Theater. Schiffbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Abends 8 Uhr: Die Dollarprinzessin. Anne Danerey Schwestern Merkel, Kontorsionist. Tortola Valencia, spanische Tänzerin. De Onzo Brothers, Flaschenspringer. Die zwölf Tiller Girls, engl. Gesangs- und Tanzgruppe. Philliparts, Diabolospieler. Die drei Merrills, komische Radfahrer. Agoust Familie, Jongleure. Cliffe Berzac, komischer Dressurakt. Tänzerin mit ihren zwei AraberEmma Francis, Exzentrikjungen. Fuller's Serpentintänzerin Biograph. Operette in 3 Affen von Leo Fall Casino- Theater Theater des Westens. Lothringer Str. 87. Täglich 8 Uhr. Allabendlich 8 Uhr: Ein Walzertraum. Sonntag nachm. 3% Uhr, au balben Breisen: Die lustige Witwe. Lortzing- Theater Belle- Alliancestraße 7/8. Abschieds- Gastspiel Hedwig Lange. Zaza. Anfang 8 Uhr. 5/12 Residenz- Theater. Direftion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Das Glück der andern. George Cartier: Richard Alerander. Hierauf:" Der felige Ottave." Morgen und folgende Tage: Das Das Oktober: Programm. Glänzender Erfolg! Jubelnder Beifall! Familie August Knoche. August Knoche: Dir. Hans Berg. Sonntag 4 Uhr: Reezengasse 8a. Schlittschuh Klub. Brauerei Ausstellung der Verfuchs und Lehranftalt für Brauerel in Berlin 10. bis 18. Oktober Inftitut für Gärungsgewerbe N., Seeftr Brauerei- Mafchinen- Ausftellung Internationale Gerften- u. Hopfen Ausftellung Wissenfchaftliche Ausftellung Ausftellung und Verkauf von Arbeitspferden Vorführung der Pferde täglich 1. Uhr Geöffnet 9-5 Uhr Eintritt 3.Mark Strassenbahnlinien: No 22.24.25.26.28.29.31.39.42.68. XIV. Saison! Zirkus Busch. Dienstag, den 6. Oftober 1908, abends präzise 72 Uhr: Große Vorstellung. Um 9 Uhr ca.; Mr. Houdini mit feinem( gef. gesch.) Kannentrid. Gebr. Saxons. Mlle. Mariska Recsey! Herr Karl Reinsch, Schulreiter. Mathilde Renz, Schulreiterin. Herrn Ernst Schumanns Neudreſſ. Um 9%, ca.: Barbarossa!! Gr. Original- Ausstattungs- Bant. des Zirkus Busch in 6 Bildern. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Fröbels Allerlei- Theater Schönhauser Allee 148 Dienstag, den 6. Oftober 1908: Die Gehieterin von St. Tropez. Schauspiel in 5 Aften von D. Schruz. Kaffenöffnung 7 Uhr. Anf. 8 Uhr. Reichshallen- Theater Täglich: Stettiner Sänger Meysel, Britton, Seidel, Horst, Schröter, Ebersberger, Bühligen, Otto Schrader u. R. Schrader. Anf. wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Neichshallen Garten und Die blaue Mans. Restaurant: Militär- Konzert. W. Noacks Metropol- Theater Wals Theater Täglich 8 Uhr: Donnerwetter- tadellos! Revue in 10 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Paul Lincke. Regie Direktor Schultz. apollo Theater 9,20: Das vollständig neue Spezialitäten- Programm. Unter anderem: Ein Sonntag- Morgen in Rußland. Russisches Ballett. Gebrüder HerrnfeldDirettion: Rob. Dill, Lezte Woche! Lezte Woche! Tie alte Geschichte. Der Roman einer Choristin. Anfang& Uhr. Entree 30 Bf. Abonnenten bedeut. Ermäßigung. Sonnabend, 10.Dft.: Kranke Herzen. Koltbuser Sanssouci, Straße 6. N SS C Direktion Wilhelm Reimer. Heute Dienstag: Theater Abend. Gastsp. d. Berl. SchauspielEnsembles. Graf Essex. Trauerspiel in einem Att von Laube. Beg. Sonnt. 5, wochent. 8. alast- Theater Pa Burgstr. 24, 2 Min. v. Vhf. Börse Größtes Spezialitäten- Theater Berlins 3000 Perfonen faffend! 3000! Das wunderbare Anfang Theater. Vorverk. Oktober- Programm) 8 Uhr. 11-2 Uhr. 57 Kommandantenstr. 57 Die beiden Bindelbands!!! Komödie in 2 Alten bon Anton und Donat Herrnfeld. Vorher: Künstlerteil. u. a: Madame D'Ormays BalletteusenSextett. Reisers Original- BauernEnsemble. Saratoff, Russen- Trio. Lona Nansen, Vortrags- Meisterin. Parodie- Theater Dresdener Straße 97. Heute: Cavalleria Rustikana und die urkomische Burleske ,, Berlin steht Kopp". Anfang Sonnt. 8, wochent. 8 Uhr. Kochkunst- Ausstellung Folies- Caprice Neue Welt, Hasenheide 108/114. In der Abteilung Kochkunst: Prunktafel des Verbandes der Gast- und Schankwirte für Berlin und die Provinz Brandenburg. Täglich: Militärkonzert. Geöffnet von 9 Uhr morgens bis 10 Uhr abends. Eintrittspreis 1 Mark. Luisen-Theater. SO., Reichenberger Straße 34. Dienstag, den 6. Oktober 1908, abends 8 Uhr: Erinnerungsaufführung zur demnächstigen 30 jährigen Wiederkehr::: des Tages des Sozialistengesetz- Erlasses: ,, Ausgewiesen.66 Soulales Drama sus der Zeit des Sozialistengesetzes von Karl Böttcher. Durchschlagender Erfolg! Die lästige Witwe. Die Brautschau. Bunter Teil. Vorverkauf von 11-2 Uhr a. d. Theaterkasse. Anf. 8 Uhr. Bürgerliches Schauspielhaus Schauspielhaus Kastanien- Allee 7-9. Gaftspiel der ehem. Hoffchauspielerin Fräulein Paula Klär. Neu einstudiert: 12 Attraktionen Unter anderem 12 Antonie Gates. Billettverkauf von 11 Uhr vorm, ab. Preise der Plätze 2, 1,50, 1, 75, 50$ 1. Borzugskarten, halbe Preise, überall gratis zu haben. Gustav BehrensTheater. Goltzstr. 9 Feine Sache! Ausgezeichnets Große Ausstattungsoperette. Neu! La belle Rose, Primas Ballerina. Neu! Georg Thierry gen. 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Feftfälen, Hermannstraße 49: Versammlung für die Die in den Vororten arbeitenden Mitglieder der Zahlstelle Berlin werden ersucht, Vertrauensleute zu weiblichen Mitglieder des Wahlvereins. entfenden. Dieselben besuchen die Vertrauensmänner- Bersammlungen ihrer Branche oder die von ihrer Werkstatt aus am nächsten einberufene Bezirksvertrauensmänner- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Bortrag der Benoffin Frau Klara Weyl über: Die Frauen und der Sozialismus. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Berschiedenes. Die Parteigenoffen werden ersucht, daß ihre Frauen und Töchter in Massen erscheinen, um die Aufnahme in die sozialdemokratische Partei zu bewirken. Der Vorstand. Verband der Schneider, Schneiderinnen und Wäschearbeiter Deutschlands. Filiale Berlin III, Neue Königstr. 7. Mittwoch, den 7. Oktober, abends 8 Uhr, in Wendts Prachtfälen, Münzftr. 17( Eingang Königsgraben): Versammlung Alle Werkstätten müssen vertreten sein. Mitgliedsbuch legitimiert. Tischler. Sud- Westen Habel, Bergmannstr. 5/7. Die Versammlungslokale find folgende: Obmann R. Schrepel, Rigdorf, Reuterstr. 74) Süden bei Gliesing, Waffertorstr. 68. ( Obmann H. Plaut, Rirdorf, Jägerstr. 12.) Südosten 1( wischen Adalbert, und Manteuffelstrake) bei Gleve, Waldemarstr. 67. ( Obmann W. Hampel, Manteuffelstr. 31.) ( öftlich der Manteuffelstraße) bet Gleve, albemarstr. Südosten IIite, 67.( Obmann&. Klingner, Brangelftr. 61.) aller Wäsche, Bluſen-, Negligé- und Krawattenzuschneider. Osten I( swifchen Sentrum und Fruchtstraße) bet Walter, Tages- Ordnung: 1. Bortrag über:„ Die Notwendigkeit einer einheitlichen Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen im Beruf". Refe venten: Bücher clefeld und Groth- Stettin. 2. Berschiedenes unb nahme neuer Mitglieder. Donnerstag, den 8. Oktober, abends 8 Uhr, in Bordes Festfälen, Neue Königstr. 7: Versammlung aller Plätterinnen, Wäscherinnen, Stärkerinnen, Näherinnen and Heimarbeiterinnen. Zages Ordnung: 21. ( Obmann H. Brunk, Friedrichsfelde, Berliner Str. 41.) Osten II( wischen Fruchtstraße und Friedrichsberg) bei Pirnan, Frankfurter Allee 106. ( Obmann W. Wulf, Wilhelm- Stolze- Str. 12. Oestliche Vororte bei Wildner in Briebrichsberg, Friedrich- Karl- Straße 11. ( Obmann K. Werner, Lichtenberg, Siegfriedftr. 10.) bei Boeker, Weberstr. 17. Nordosten( Obmann B. Michaelschet, Borndorfer Str. 39.) Rosenthaler u. Schönhauser Vorstadt eedterstr. 23. ( Obmann F. Horn, Swinemünder Str. 77.) bei Obiglo, bei Fahrow, Ravenéstr. 6. Wedding u. Moabit:( Obmann M. Wanner, Bringen- Ace 14.) Bautischler. 1. Bortrag über: 23as müffen die Arbeiterinnen tun, um die Süden, Westen, Südosten, Bez. 1: bei Mähring gesundheits- und berufsschädigenden Arbeitsverhältnisse in der Branche zu verbessern? Referenten: Weifer- Leipzig und PloogLeipzig. 2. Verschiedenes und Aufnahme neuer Mitglieder. Stollegen und Kolleginnen! Erscheint alle und agitiert für guten Berfammlungsbefuch. Das zur Behandlung stehen, bay feber erfgeint. Thema äußerst wichtiges für unsere Branche, deshalb ist es Pflicht, daß Gäfte haben Zutritt. Mitglieder werden aufgenommen. Die Ortsverwaltung Berlin III. Konsum- Verein Charlottenburg u. Umgegend. ( Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht.) Admiralstraße 18c. Die Adresse des Obmanns ist: E. Breitkopf, Rigdorf, Weichselstraße 8, Aufg. 16. Osten, Bez. 2: bei Zietz, Warschauer Str. 61. Norden, Bez. 3: bei Karl Hube, Stopenhagener Str. 74. MusikinstrumentenArbeiter um 8 Uhr abends im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 8. Modell- und FabrikTischler bei Max Wieser, Bergstr. 34. Maschinenarbeiter Engelufer 14, parterre, im Arbeitslosensaal. Kammacher bci Lehmann, Neue Friedrichstr. 1. Bodenleger im ,, Gewerkschaftshause", Engelufer 15. Stellmacher bei Hahn, Rosenthaler Vereinshaus, Rosenthaler Straße 57. Kistenmacher bei Baudach, Breslauer Straße 28. Korbmacher Wedding u. Moabit, Bez, 4; bei Sachse, Linbower Str. 26, bei Eichhorn, Koppenstraße 47. Bahnhof Wedding. Möbelpolierer. Osten bei Boeker, Weberstr. 17. Donnerstag, den 8. Oktober, abends 8 Uhr, im Südosten im Märkischen Sof", Admiralstr. 180. ,, Boltshaus", Rosinenstr. 3( fleiner Saal): Ordentliche Generalversammlung. Norden bei Günter, Brunnenjir. 96. Tages Drdnung: 1. Bericht des Borstandes. 2. Bericht des Aufsichtsrats. 3. Beschlußfaffung über die Bilanz. Verteilung des Ueberschusses. Entlastung des Borstandes. 4. Wahl des Aufsichtsrats.( Erfaz für ausgeschiedene Aufsichtsratsmitglieder.) 5. Anträge der Verwaltung. 6. Anträge der Mitglieder. Laut Statut müssen lektere drei Tage vor der Bersammlung in Händen Der Berwaltung fein. Die Frauen werden besonders eingeladen. Eintritt nur gegen Legitimationsfarte. Bahlreichem Erscheinen der Mitglieder sieht entgegen die Verwaltung. Der Aufsichtsrat. Der Vorstand. A. Winter. A. Sellin. R. Bade. B. Winkler. Die Verkaufsstellen des Bereins befinden sich: Wallstraße 23. Tauraggener Straße 10. Potsdamer Straße 12. Weimarer Straße 29. Christstraße 18. Cauerstraße 27. Bleibtreustraße 2. in Wilmersdorf: Wilhelmsaue 27. Die Adresse des Branchenleiters ist: A. Schreiber, Rigdorf, Rott buser Damm 10. Möbelmagazin- Arbeiter und Beizer Die Vertrauensmänner- Versammlung fällt aus. Bürstenmacher bel Preuß( Silfebein- Ausschank), Holzmarktstraße 65. Perlmutt-, Horn- u. Steinnußarbeiter 6%, Uhr bei Ernst Thomas, Melchiorstr. 5. Bilderrahmenmacher bei Natteroth, Ritterstr. 32. Diese Versammlung beginnt um 6 Uhr. Stockarbeiter bei Lehmann, Rene Friedrichstr. 1. Diese Versammlung beginnt um 16 Uhr. Jalousie- Arbeiter Drechsler, Treppengeländer- und Mahle, Marianneniz. 41. Luxusmöbelbranche In sämtlichen Verkaufsstellen werden Mitgliederanmeldungen Norden bei Döhling, Brunnenstr. 79.. entgegengenommen. 127/ 7* Arbeiter! Konsumenten! Tretet der wirtschaftlichen Osten bei Schneider, Friedenstr. 67. Organisation bei! Der organisierte Konsum regelt die Produktion! 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Geburtstage Wilhelm Weitlings empfehlen wir unseren Lesern seine Schriften zur Lektüre: Garantien der Harmonie und Freiheit. Jubiläumsausgabe. Mit einer biographischen Einleitung und Anmerkungen herausgegeben von Franz Mehring. Preis brosch. 2,50 M., geb. 3 M. Das Evangelium eines armen Sünders. Mit einem Vorwort von Ed. Fuchs. Preis 80 Pf. Die Menschheit wie sie ist und wie sie sein sollte. Nebst einem Anhang: Nachtrag zu: Das Evangelium eines armen Sünders. Breis 60 Pf. Expedition des Vorwärts, Berlin SW., Lindenstr. 69, Laden. 172/ 6* Die Vorstände beider Filialen. Achtung! 45032 Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrichstr. 203, Ecke Schüßenstr. 10-2, 5-7, Sonnt. 10-12 Uhr. Leihhaus Gelegenheitskäufe verfall. Goldund Silbersachen, Brillanten etc. Ecke Ritterstr. Seit 25 Jahren Prinzenstr.28 Achtung! Gast- und Schankwirte Berlins u. Umgeg. Dienstag, den 6. Oktober 1908, nachmittags 4 Uhr: Große öffentl. Protestversammlung in Kellers Festfälen( Jüh. Freyer), Koppenstraße 29. Tagesordnung: Die Pläne der Regierung, das Gastwirtsgewerbe mit neuen Abgaben auf Bier, Tabak und Branntwein zu Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort( fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort ( fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. belasten. Verband freier Gaft- und Schankwirte Deutschlands. J. A.: Paul Litfin. Für die weiteste Verbreitung der Haemacolade sorgt neben ihrer selbstempfehlenden Güte in dankenswerter Weise nun auch noch die liebe Konkurrenz! Ihr neidisches Gebahren liefert die wirksamste unfreiwillige Reklame für HAEMACOLADE und macht ihre weitere Empfehlung geradezu überflüssig. Es ist dies der beste Wertmesser für ihre vortrefflichen Qualitäten, die beste Anerkennung und der überzeugendste Beweis für ihren unbestrittenen Daner Erfolg. 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Einzelne Möbelstücke 3 Mart an. sekretärs beherrschen, werden gebeten, Offerten nebst Lebenslauf bis zum Berlichen gevejene Möbel spottbillig. 18. Oftober d. J. an Joh. Körner, Stitcnftr. 26, Lübeck, gelangen 1146 Berolina", Kastanienallee 49. 11048+ zu lassen. 291/5 Hr. 234. 25. Jahrgang. 3. Mm des Jonräts" Setliiitr Dirnstag, K. Oktober 1908. Partei-?Znge!egenkeiten. Zur Lokalliste. DaS Lokal„PharuS-Säle', Müller- strafe 142, hat den Besitzer gewechselt, dasselbe steht der Arbeiter- schaft nach wie vor zur Verfügung. Die Lokalkommission. Dritter Wahlkreis. Heute, Dienstag, den 6. Oktober, abends 8>/z Uhr,� findet im Gewerlschaftshause, Engel- Ufer 15, die Fortsetzuttg oer Diskussion über den Nürnberger Parteitag statt. Näheres im Inseratenteil. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Charlottenburg. Heute abend 8Vz Uhr, findet im großen Saale des Volkshauses eine öffentliche Volksversammlung statt. Auf der Tagesordnung stehen: 1. Die Aufgaben der Charlottenburger Gemeindepolitik und die Sozialdemokratie. Referent: Landtags- abgeordneter Paul Hirsch. 2. Diskussion. 3. Fortsetzung der Dis kussion über den Bericht des Nürnberger Parteitages. Ripdorf. Dienstag, den 6. Oktober, abends S'/j Uhr, findet im Lokal von F. Hoppe, Hennannstr. 49, die Mitgliederversammlung statt mit der Tagesordnung: Der Nürnberger Parteitag. Referent Genosse Heinrich Schulz. sFortsetzung der Diskussion) LereinSinitteilungen und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstaud. Steglitz. Mittwoch, den 7. Oktober, abends 8% Uhr, Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: Bericht vom Parteitag durch Genosse H. Schulz. Bericht von der General- Versammlung Grotz-Berlin. Wahl einer Restantenkonnnissto». Ab- rcchnung vom Hl. Quartal und vom Volksfest. Wahl eines zweiten Schriftführers. Verschiedenes. Trcptow-Baumschulenweg. Heute abend 3>/z Uhr finden die Moitatsversammluitgen des Wahlvereins für beide Ortsteile statt. Die Treptower Versammlung tagt im Restaurant„Zur Rennbahn". Tagesordnung: 1. Bericht vom Parteitage. Referent Genosse Krähnberg. 2. Wahl eines Mitgliedes zum örtlichen Vorstand. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Die Versanunlung für den Ortsteil Baumschulenweg tagt in Speers Festsälen. Tagesordnung: 1. Der Nünrberger Parteitag. Referent Genosse K ü t e r. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. eines Obmannes. RummclSburg. Heute abend b'/zUhr findet im Saale des Herrn W e i g e l, Türrschmidtstr. 45, die Wahlvereinsversammlung statt, in welcher Genosse Kurt Rosenfeld vom Nürnberger Parteitag Bericht erstatten wird. Der Vorstand. Adlershof. Heute abend S'/a Uhr findet bei N. Bayer, Bismarck straße 10, eine außerordentliche Mitgliederversammlung des hiesigen Wahlvereins mit folgender Tagesordnung statt: Fortsetzung der Diskussion über die KonsumgenoisenschaftSangelegenheit. Der Vorstand. Borsigwalde. Heute abend pünktlich 8 Uhr beginnt der Lehrlursus über das Erfurter Programm im Lokal deS Genoffen Woitschach, Ernst- und Conradstroßen-Ecke. Wilhclmsruh-Nieder-SchSllhauscn-Wcst. Heute abend 8l/2 Uhr: Mitgliederversammlung im Lokal deS Herrn Dräger, Waldersee- straße 5, Ecke Kronprinzenstraße. Tagesordnung: 1. Berichterstattung vom Nürnberger Parteitag. Referent: Genosse Grauer-Lichtenberg. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert Der Vorstand. Potsdam. Am Mitttvoch, den 7. Oktober, abends 8 Uhr, findet im„Viktoriagarten", Alte Luisenstr. 37, eine Wahlvereinsversammlung statt, in der Genosse Karl K a u t S k h über den Nürnberger Parteitag Bericht erstattet._ Der Vorstand. Berliner JVacbncbtem Das Gesellenstück. Der 1. Oktober und der 1. April sind für viele junge Leute Wendepunkte in ihrem Leben. Kaum aus der Schule entlassen, treten eine große Anzahl der Entlassenen in eine Lehrstelle ein, um irgend ein Handwerk zu lernen. Das Privilegium der Lehrlingszüchterei haben sich vor allem die Jnnungsmeister gesetzlich garantieren lassen. Es handelt sich meistens um Kleinmeister, die sich mit dem Lehrlings- Wesen abgeben, und- nicht wenige unter ihnen gibt es, die aus dem Heranbilden von Lehrlingen ein Geschäft machen. Hätte nicht die Gesetzgebung durch Zwangsgesetze das ganze In nungswesen noch künstlich konserviert, längst wäre es in unferm kapitalistischen Zeitalter vor der Macht der realen Verhältnisse zerstoben. Hat der Lehrling seine drei, in Berlin meistens aber vier Jahre absolviert, so muß er nach den Satzungen der In- nungen ein Gesellenstück machen. Einige Jnnungsmeister überwachen die Herstellung desselben, um den zukünftigen Gesellen nach Fertigstellung der Arbeit mit gutem Gewissen als zünftigen Gesellen freisprechen zu können. Mit Sehnsucht wartet der Lehrling auf Beendigung seiner Lehrzeit, auf den Zeitpunkt, von dem er glaubt, sich freier bewegen und auf Grund seiner erworbenen Fertigkeit in seinem Fache selbst sein Brot verdienen zu können. Der 1. April und der 1. Oktober sind vielfach die Tage, an denen die jungen Leute ihr Lehrverhältnis beenden. Um nun auch für das Jnnungswesen nach außen zu wirken, haben es schon früher verschiedene Innungen für an gezeigt gehalten, besonders gute Gesellenstücke öffentlich aus zustellen: vor allem tat das die Tischlerinnung. In diesem Jahre haben sich die Innungen zusammengetan zu einem Aus fchusse, um für möglichst viele Berufe eine gemeinschaftliche Ausstellung von Lehrlingsarbeiten zu veranstalten. Am Sonntag ist eine solche Ausstellung im Landesausstellungs park(Eingang Jnvalidenstraße) eröffnet worden. Fachleute werde» da vieles finden, das für sie Interesse hat. Am reich- haltigsten ist die Tischlerei vertreten. Und es ist nicht un- interessant, feststellen zu können, daß die besten Arbeiten nicht aus Betrieben von kleinen Meistern, sondern aus Fabrik- betrieben mit ihrem ins einzelne gehenden Teilarbeitsbetrieb stammen, worauf beispielsweise die Arbeit aus der Fabrik von Zelder u. Plothen in Lichtenberg hindeutet. Ein gewisses Interesse erweckt auch die Ausstellung der Bäckerinnung Concordia. Die Schrippen und Bärmbrötchen, die hier zu sehen sind, deuten auf eine längst vergangene Zeit hin: die Backware, der die Bäckermeister heute ihren Kunden liefern, weicht bezüglich der Größe und Schwere erheblich von diesen Gesellenstücken ob. Daß zwei Dachdeckerlehrlinge ein Schieferdach hergestellt haben, ist ebenso originell, wie die Mauer, die zwei Maurerlehrlinge aus Verblendsteinen auf- geführt haben. Schneider. Schlosser, Schmiede, Klempner, Glaser, Kürschner Köche. Schuhmacher, Goldschmiede, Buch- binder u. a. haben die Arbeiten ihrer Lehrlinge ausgestellt. Wir sehen manchen jungen, eben Ausgelernten seine Arbeit umkreisen, um die Urteile des Publikums verstohlen zu per-st nehmen. Aber froh wird keiner von den neu gebackencn Ge- sellen werden. Jetzt gilt es für Brot zu arbeiten und sich mehr auf eigene Füße zu stellen. Erfolgreich kann es aber nur geschehen, wenn sich jeder neue Gehilfe mit seinen. Arbeitskollegen in_ der Gewerkschaft zusammenfindet zur Wahr nehmuug seiner wirtschaftlichen Interessen und indem er außerdem auch der politischen Organisation seine Aufmerk- samkeit zuwendet, um den immer heißer werdenden Kampf der besitzlosen Klasse gegen die besitzende energischer führen zu können._ Vom„Kindersegen" in Arbeiterfamilien. Der„Kindersegen" der Arbeiterklasse ist sozusagen sprich« wörtlich. In ihr gelten Familien mit vier, mit fünf und mehr Kindern noch als Regel, Familien mit mehr als sechs Kindern noch nicht als etwas Ungewöhnliches, während in der besitzenden Klasse meist schon zwei oder drei Kinder als„gerade genug" angesehen werden. Die besitzende Klasse überläßt es dem Arbeiter, für den notwendigen Nachwuchs der Nation zu sorgen— für Nachwuchs, aus dem sie immer wieder Arbeitskräste und Soldaten, Aus- beutungsobjekte und Kanonenfutter hernehmen kann. Man weiß, wie sehr dieser allzureichliche„Segen" vielen Arbeiterfamilien sich in Unsegen der- wandelt, weil ihnen auch die Pflicht zufällt, die Kosten der Aufzucht heranzuschaffen. Jedes Kind, das hinzukommt, wird ja „ein Esser mehr", der nach Brot schreit. Reich an Kindern, aber arm an Geld, verfällt eine Arbeiterfamilie nur zu leicht der Vcr- elcndung. Daher ist es dann kein Wunder, daß in d e r A r- bcitc'rb'evölkerung neben der hohen Geburten- zahl auch eine sehr hohe Kindersterblichkeit sich findet, eine viel höhere, als nach der Geburtenzahl erwartet werden könnte. Der Gleichmut bürgerlicher Nationalökonomie nimmt das zumeist als etwas ganz Natürliches hin. Bessere Einsicht aber beklagt, daß hier ein großer Aufwand unnütz vertan wird. Wie wenig von dem ganzen„Kindersegen" der Arbeiterfamilien über das Kindesalter hinausgelangt, das hat der Arzt Dr. Karl Hamburger statistisch festzustellen versucht, indem er in mehr als 10(10 Familien Ermittelungen vornahm. Er ist dabei zu dem Ergebnis gelangt, daß im allgemeinen in der Arbeiter- familie die Kinder st erblichkeit um so größer ist, je reichlicher i h r„K i n d e r s e g e n" i st— genauer ausgedrückt: daß bei einer höheren Kinderzahl die Kindersterblichkeit noch höher ist als schon nach der höheren Kinderzahl zu erwarten wäre. Das ist ja nicht neu, aber lehrreich und beachtenswert ist der zahlenmäßige Nachweis, den Herr Hamburger hierfür bringt. Im„Bund für Mutterschutz" legte Dr. Hamburger am Mittwoch.das Ergebnis seiner Arbeit vor in einem Referat über „Kinderzahl und Kindersterblichkeit in Berliner Arbeiterfamilie n." Er hat 1042 gesunde Mütter befragt, deren Männer zur Arbeiterklasse oder den ihr wirtschaftlich nahe- stehenden Gesellschafisschichten(besonders zur Berufsgruppe der kleinen Beamten) gehörten. Diese Mütter hatten in lang- jährigen Ehen zusammen 7261 Geburten, die Fehlgeburten (einschließlich Totgeburten) mitgerechnet, so daß die durchschnitt- liche Fruchtbarkeit pro Frau rund 7 Geburten betrug. Im einzelnen hatten von diesen 1042 Frauen: 34 je eine Geburt (34 Kinder), 71 je ztoei Geburten(142 Kinder), 93 je drei Geburten (279 Kinder), 101 je vier Geburten(404 Kinder), 133 je fünf Ge- burten(665 Kinder), 112 je sechs Geburten(672 Kinder), 102 je sieben Geburten(704 Kinderi, 92 je acht Geburten(736 Kinder), 77 je neun Geburten(693 Kinder), 52 je zebn Geburten(520 Kinder), 43 je elf Geburten(473 Kinder), 33 je zwölf Geburten(396 Kinder), 69 je dreizehn bis fünfzehn Geburten(959 Kinder), 30 mehr als je fünfzehn Geburten(574 Kinder). Von den 7261 Kindern waren sehlgeboren 1299, und es starben noch vor Vollendung des 16. Lebensjahres 2373, so daß 8677 Kinder— mehr als die Hälfte der erzeugten— zugrunde gingen, ohne zur Mehrung des Volks- Wohlstandes beigetragen zu haben. Es überlebten nur 3584 Kinder, noch nicht die Hälfte der Gesamtzahl. Im einzelnen war aber der Anteil der Ueberlebenden sehr ungleich. Es über- lebten: in den eingeburtigen Ehen von 34 Kindern 26(— 76 Proz.), in den zweigeburtigen von 142 Kindern 95(— 67 Proz.), in den dreigeburtigen von 279 Kindern 191(— 68 Proz.), in den vier- geburtigen von 404 Kindern 247(—61 Proz.), in den fünfgeburtigen von 665 Kindern 399(— 60 Proz.), in den sechsgcburtigen von 672 Kindern 372(— 55 Proz.), in den siebengeburtigcn von 714 Kindern 385(— 54 Proz.), in den achtgeburtigen von 736 Kindern 357(— 49 Proz.), in den neungeburtigen von 693 Kindern 333 (— 48 Proz.), in den zehngeburtigen von 520 Kindern 234 (— 45Proz.h in den elfgeburtigen von 473 Kindern 213(—45 Proz.), in den zwölsgeburtigen von 396 Kindern 172(— 43 Proz.), in den dreizehn- bis fünszehngeburtigen von 959 Kindern 384(—40 Proz.), in den mehr als fünfzehngeburtigen von 574 Kindern 176 (— 31 Proz.). Man sieht, wie hier der Anteil der Ueberlebenden immer kleiner wird, je größer der„Kindersegen" ist. Er beträgt in den eingeburtigen Ehen mehr als drei Viertel, in den zwei- und dreigeburtigen mehr als zwei Drittel, sinkt bis zu den siebengeburtigen auf nicht viel mehr als die Hälfte und bleibt von den achtgeburtigen an unter der Hälfte zurück. In um- gekehrter Richtung bewegt sich die Höhe des Verlustes durch Fehl- gcburtcn und Todesfälle: Die eingeburtigen Ehen haben nur 24 Proz. Verluste, und der Vcrlustantcil steigt bis zu 69 Proz. bei den fünfzehngeburtigen Ehen. Wenn man freilich Fehlgeburten und Todesfälle gesondert betrachtet, ergibt sich, daß bei den Fehl- geburten die eingeburtigen Ehen mit nur 3 Proz. beginnen und die fünfzehngeburtigen mit 31 Proz. enden, während bei den Todes- fällen die eingeburtigen Ehen mit 21 Proz� beginnen und die fünf- zehngeburtigen mit 39 Proz. enden. Bei den Todesfällen ist der Abstand Iveniger groß, aber groß genug ist er auch hier noch. Hamburger hat nun auch eine kleine Zahl reicher Frauen (deren Männer über 6000 M. Jahreseinkommen hatten) befragt, nur 119. Er zählte bei ihnen 416 Geburten heraus, das gibt pro Frau eine Fruchtbarkeit von nur SVs, also genau halb soviel, wie in den Arbeiterfamilien. Es kamen hier nur 34 Fehl- geburten und 41 Todesfälle vor, zusammen 75 V e r l u st e, macht nur 18 Proz., während die Arbeiterfamilien 51 Proz. Verluste hatten. Wir müssen eS uns versagen, hier das gesamte Zahlenmaterial wiederzugeben, das Hamburger vorlegte. Er gelangte zu dem Schluß, daß schon im Hinblick auf die Verschwendung von Franc ngesundheit und ErziehuugSkapital, die mit einem zu reichlichen„Kindersegen" Verbundes ist, eine m a ß- volle Beschränkung der Kinderzahl zu empfehlen ist. Sie sei auch geboten im Interesse der Familie und des ganzen Volkes. In der Diskussion widersprach diesen Ausführungen nur ein einziger Redner, der Arzt Dr. Tugendreich, der als Leiter einer Säuglingsfürsorgestelle alles Heil für die Kinder vom Selbststillen der Mütter erwartet. Der Gedanke einer Beschränkung der Kinder- zahl wurde fast allgemein mit Beifall aufgenommen, wobei übrigens das Selbststillen als ein Mittel zur Verhütung der Empfängnis ge- priesen wurde. Wir vermuten, daß diejenigen, denen die Arbeiterfamilie nur Prodnktionsstätte für Ausbeutungsobjekte und Kanonenfutter ist, ich sehr entschieden gegen eine Beschränkung der Kinderzahl in Arbeiterfamilien aussprechen werden. Wer die Hamburgcrschc Rechnerei auf eigene Faust fortsetzen will, wird ohne große Mühe herausfinden, daß die Arbeiterfamilien bei einer Fruchtbarkeit von durchschnittlich nur SVj Kindern dem Staat und der besitzenden Klasse doch noch weniger Ueberlebcnde liefern werden als bei einer Fruchtbarkeit vpn durchschnittlich 7 Kindern. In Arbeiter-t familien stirbt eben auch bei geringem.Kinder» segen" immer noch mehr weg als in reichen Ja» Milien mit großer Kinderzahl. Nicht der„Kindersegen" an sich, sondern dieNotderEltern gibt den Ausschlag für die Höhe der Kindersterblichkeit._ Für Lungenleidende. Die Landesversicherungsanstalt Berlin macht darauf auf- merksam, daß Anträge auf Heilverfahren gegen- wärtig schnelle Berücksichtigung finden können. Tiesbezügliche Anträge sind schriftlich an den Vorstand der Landesversicherungsanstalt Berlin zu richten oder persönlich im Zimmer 2 des Verwaltungsgebäudes, am Köllnischen Park 8, zu Protokoll zu geben. Neues von der Post: Erleichterung bei Po st aus- Weiskarten. Für die Ausstellung der Postausweiskarten ist jetzt eine Erleichterung zugelassen worden. Diese Karten werden bekanntlich mit einer unaufgezonencn Photographie des Inhabers versehen. In Zukunft können nach einem Bescheid des Reichspost- amts auch Photographien, die schon zu Postausweiskarten benutzt waren, noch einmal benutzt werden. Voraussetzung ist dabei natür- lich, daß sie ihrem Zwecke noch entsprechen. Sie müssen noch gut erhalten und zutreffend sein. Ferner dürfen alte Photographien bei der Neuausfertigung der Karten unter der Voraussetzung wieder verwandt werden, daß auf ihnen ein deutlicher Abdruck des Tagesstempels angebracht werden kann. Insbesondere findet das Rcichspostamt nichts dagegen zu erinnern, daß bei wiederzn» verwendenden Photographien die auf die frühere Benutzung hin- deutenden Merkmale abgeschnitten werden oder daß die zur Ver- rechnurg der Schreibgebühr dienende Freimarke auf der Photo- graphie statt links unten rechts aufgeklebt wird. Berliner Asylvereio für Obdachlose. Im Monat September nächtigten im Männerasyl 20 755 Personen, wovon 9953 badeten, im Frauenasyl 4689 Personen, wovon 2391 badeten. Vom Freibad Wannsee. Man schreibt uns: Heute Sonntag, den 4. Oktober, ging ich mit mehreren Aus- flüglern bei dem prächtigen Wetter nach dem Freibad Wann- sec. Leider stand hier angeschlagen: Vom 20. September ab geschlossen! Daß das Baden verboten ist, stand nirgends, deshalb gingen wir von der Seite aus in den See und badeten. Plötzlich erschien ein Gendarm mit einer Miene, als ob das Baterland in Gefahr wäre, schrieb einige Badegäste auf, während die anderen das Weite suchten. Darauf kamen neue Badegäste. Als diese im Wasser waren, erschien plötzlich wie aus dem Hinterhalte der Gendarm, schrieb wieder auf und ging wieder. Dieser Vorgang wiederholte sich mehrmals. Das nennt sich nun Freibad! Alle Anwesenden waren entrüstet über eine derartige Behandlung. Genosse Otto Näther, dessen am Sonnabend in Stuttgart erfolgten Tod wir in unserer Sonntagsnummer meldeten, war in Berlin kein Unbekannter. Schon in recht jugendlichem Alter stürzte sich Otto Näther mit einem wahren Feuereifer in die politische und gewerkschaftliche Agitation. Längere Zeit vertrat unser der- storbener Genosse den VI Wahlkreis in der Preßkommission. Vor- nehmlich aber arbeitete der recht temperamentvolle Otto Näther in der gewerkschaftlichen Bewegung. Im Verein mit Gleichgesinnten lag ihm am Herzen, die in vielen Branchenorganisationen zerstreuten Metall- arbeiter in e i n e Organisation zu bringen. Nach vieler Mühe gelang dies und es erfolgte die Gründung des Verbandes aller in der Metallindustrie beschäftigten Arbeiter Berlins und Umgegend. Dieser Verein ging lange Zeit seine eigenen Wege, bis auch unter den Berliner Metallarbeitern der ZentralisationSgedanke so festen Fuß faßte, daß im Jahre 1897 der Uebertritt der Ber- liner Metallarbeiterorganisation zum Deutschen Metallarbeiter- verbände vollzogen wurde. An diesen organisatorischen Arbeiten beteiligte sich Otto Näther in hervorragendem Maße. Nach dem Uebertritt wählten die Berliner Metallarbeiter den Genossen Näther zum Bevollmächtigten, in welcher Eigenschaft er eine intensive Tätigkeit entfaltete. Wer da weiß, welche unendliche Fülle von Mühe und organisatorisches Talent dazu gehört, in den vielen Fabrikbesprechungen. Lohn- bewegungen u. dgl. alles zu einem für die Arbeiter befriedigenden Ende zu führen, wird diese Tätigkeit in seinem vollen Umfange auch zu würdigen wissen. Im Jahre 1900 ging Näther nach Stuttgart. Ivo er in gleicher Weise für die Interessen der Metallarbeiter wirkte. Nun ist auch er dahin gegangen. Die Berliner Genossen, die ihn kannten, werden seiner ehrend gedenken. Bluttaten. Eine blutige Ehetragödie spielte sich in der Sonntag- nacht im Nordosten Berlins, in der C h o d o w i e ck i st r. 6 ab. Dort erstach der 44jährige Zigarrenarbeiter und Portier Otto P f a n n e r nach einem kurzen Wortwechsel seine um sieben Jahre ältere Ehefrau Paulinc, geborene Bambam, verwitwete Nikolai, und stellte sich dann selbst der Kriminalpolizei. Pfanner war zum dritten Male verheiratet. Mit seiner letzten Frau, die er am 1. April d. I. ehelichte, hatte er vorher schon zu- sammengelebt. Die Portierstelle im Hause Chodowieckistr. 6 be- kleidete er seit fünf Monaten. Sonnabend abend ging Pfanner gegen seine sonstige Gewohnheit in Zwischenräumen dreimal nach der im Nebenhause befindlichen Restauration und trank dort Rum und Kognak. Was sich nachher zwischen ihm und seiner Frau ln der im Erdgeschoß des linken Seitenflügels belegenen Wohnung abspielte, ist mit Sicherheit noch nicht festgestellt, da Pfanner hier- über keine bestimmten Angaben macht. Nur soviel ist sicher, daß er mit der Frau aus Eifersucht in Streit geriet und dann die tödlichen Stiche führte. Kurz nach 2 Uhr früh erschien er ganz verstört und aufgeregt im Polizeipräsidium und ließ sich dem diensthabenden Kommissar John melden, dem er die Worte zurief: „Ich glaube, ich habe meine Frau crstochc n." Der Kommissar begab sich sofort mit zwei Beamten und dem Pf. nach dem Tatorte. Dort fand man die entkleidete Frau blutüber- strömt und leblos auf dem Bett liegen. Die Besichtigung ergab, daß die Frau zwei Stiche im Rücken hatte, von denen der eine die Lunge getroffen und den Tod herbeigeführt hatte. Der herbeigerufene Arzt Dr. Kaminsky konnte nur den bereits eingetretenen Tod konstatieren. Das Zimmer wurde polizeilich unter Bewachung gestellt, bis die Gerichtskommission zur Stelle war. Pfanner selbst wurde sofort nach dem Polizeipräsidium zurücktransporticrt, Ivo noch während der Nacht Verhöre mit ihm stattfanden. Er leugnete die Tat nicht, wollte aber auch nicht bc- stimmt erklären, was ihn zu der Bluttat getrieben habe. Die Tat ist mit einem noch neuen, langen Genickfänger verübt worden. Frau Pfanner ist in Schlappe(Kreis Dcutsch-Krone) geboren; ihr Mann ist ein geborener Berliner. Eine LicbcStragödte fand in der Nacht zum Sonntag im Tiergarten ihren vorläufigen Abschluß. Auf der Lhar- lottcnburger Chaussee feuerte der 22jährige Buchdrucker Otto Bohle aus der Clbmgcr Straße 2 in einer Autv mobil» droschke mehrere Revolvers chüsse auf seine Ge- liebte» die ISjährige Schneidklill K r u e r k L aus dll Liedsw, strafte 4, ab und richtete die Waffe dann gegen sich selbst. Während das junge Mädchen den Verletzungen erlag, wurde der Mann, an- scheinend nicht schwer verwundet, als Polizeigefangener in die Lharite eingeliefert. Whle, der Sohn eines Hutmachers, unterhielt seit drei Jahren ein Liebesverhältnis mit der Johanna Krüerke, die bei ihrer Mutter in der Bredowstratze 4 wohnte. Anfangs vertrugen sich die jungen Leute sehr gut. Erst in den letzten Monaten kam es wiederholt zu ernsten Streitigkeiten zwischen dem Liebespaar. so daß das Mädchen sich von Döhle trennen wollte. Hierdurch reifte in dem Mann der Plan, sich und seine Geliebte gewaltsam aus der Welt zu schaffen. Am Sonnabendabend traf sich Bohle mit seiner Braut an einer verabredeten Stelle, um eine nächtliche Automobilfahrt zu unternehmen. Das Mädchen ahnte nicht, was der Liebhaber vorhatte. In der Automobildroschkc 4005 fuhr das Paar nach dem Tiergarten. Auf der Charlottenburger Chaussee krachten plötzlich kurz hintereinander fünf Schüsse im Innern des Automobils. Als der Chauffeur den Wagenschlag öffnete. fand er die beiden Fahrgäste blutüberströmt vor. Das Mädchen lag in den letzten Zügen und verstarb alsbald. Zwei Kugeln waren in den Kopf eingedrungen. Die Leiche wurde von der sofort benachrichtigten Polizei nach dem Leichenschauhause go schafft. Wöhle wies nur leichte Verletzungen auf und wurde nach der Charit« geschafft, wo er als Polizeigefangener daniederliegt. Ob er die Tat im Einverständnis mit seiner Geliebten ausgeführt hat, steht noch nicht fest. Eine dritte Bluttat wird vom Alexanderplatz gemeldet. Ein gewisser OttoLeiSner, ein mehrfach bestrafter wohnungs loser Mensch mit verkrüppelten Händen, handelte mit Streich hölzern, um betteln zu können, und lieh sich im übrigen von seiner Geliebten, einer früheren Kellnerin Emilie Bauer aus der Stralauer Strohe, ernähren. Wenn ihm diese, ein Mädchen von 32 Jahren, nicht genug ablieferte, so mihhandelte er sie trotz seiner Krüppelhände. Sie wollte sich endlich nicht mehr schlagen und treten lassen und gab dem rohen Menschen den Lauf- pah. Jetzt packte ihn die Eifersucht. Als er die Bauer in der Nacht zum Sonntag um 2 Uhr auf dem Alexanderplatz traf, stellte er sie zur Rede und verlangte, dah sie zu ihm zurückkehre. Wiederum abgewiesen, zog er ein dolchartigcS Messer und stieh auf das Mädchen ein. An der Brust verletzt, wurde dieses von Augenzeugen nach der Sanitätswache in der Keibclstrahe gebracht und hier verbunden. Wohin es sich dann begeben hat, war bis gestern abend noch nicht bekannt. Leisner wurde nach der Wache des 16. Reviers und von dort nach dem Polizeipräsidium gebracht. Nach der Hochdahnkatastrophe. Von den bei der Hochbahn katastrophe verunglückten Personen befinden sich noch acht im Urbankrankenhaufe. Es sind dies der Tapezierer Wilhelm S ch u mann aus der Urbanstr. 188, der Kassenbote Paul F ü r ch n e r aus der Kopenhagener Strohe 49, der Hochvahnschasfner Karl G e f e l l i u S aus der Caniphausenstr. 49. der Schlosser Karl Lindemann aus Perlcberg, der Fensterputzer Georg Gregor aus der Höchstcstr. 22, Fräulein Else Bade aus der Hollmann strahe 25/26, Fräulein Else Rill ans der Lindenstr. 2 und Fräulein Luise K l ö p p e r aus der Steglitzer Strahe 47. Die Lehrerin Elsbeth Rüdiger, Blnchcrplatz 2 wohnhaft, wurde gestern vor- mittag vom Krankenhanse am Urban nach einer Privatklinik in der Martin-Luther-Strahe 88 übergeführt. Der Fabrikant Wilhelm Deutschert und dessen Tochter Klara sind bereits aus dem Krankcnhause entlassen worden. Bis auf das Fräulein Rill die einen komplizierten Beckenbruch davongetragen hat, befinden sich alle Verunglückte auf dem Wege der Besserung. Ein BootSnnfall ereignete sich Sonntag nachmittag auf dem Müggelsee anlählich des Wbscgelnö der Seglervereine der Oberspree. Aus diesem Anlah hatten sich viele Freunde des Segel- und Ruder- sports in den Obersprccorten eingefunden und aus dem Wasser herrschte ein sehr reger Verkehr. Gegen 5 Uhr nachmittags schlug auf dem Müggelsee ein Boot um. Zwei der Verunglückten fanden Ausiiahnie in einem in der Nähe der Unfallstelle befindlichen Segelboot, während der dritte, der Kaufmann N., in den Fluten seinen Tod fand. Ucber ungerechtfertigte Veranlagung zur Kirchensteuer lmifen in unserer Redaktion fortgesetzt Beschwerden ein. Die Zahl der Ver- anlagungcn, die zu Unrecht erfolgt sind, nimmt eine geradezu be ängstigende Höhe an' Heute liegt un§ folgender, besonders krasse Fall vor: Der Posamentiergehilfe Karl K., Kvpcnicker Strahe 139 wohnhaft, erhielt im Juni von dem Gesamtverband der katholischen Kirche, gez. Kleineidam, eine Veranlagung, nach der er 2.40 Mark Kirchensteuer an die katholische Kirchenkasse zahlen soll. Er teilt der Veranlagenden wahrheitSgemäh mit, dah er noch nie der katholischen Kirche angehört habe, übrigens auch aus der evan- gelischeu Landeskirche seil zwei Jahren ausgeschieden sei und ersucht um etwas mehr Gewisseuhafligkeit. Diese Reklamation scheint den katholischen Herren noch nicht zu genügen. Dieser Tage erhält eine Zahlungsaufforderung mit der Androhung, wenn binnen acht Tagen die 2,40 nicht gezahlt werden, das Zwangsverfahren eingeleitet werde. Der auf diese Weise Bedrohte sieht natürlich mit Seelenruhe der Ausführung des Zwangsverfahrens entgegen. Unseres ErachtenS qualifiziert sich diese Androhung als eine strafbare Nötigung. Jede Privatperson, die sich dieses Vergehens schuldig machte, würde zweifellos bestraft werden. Sind die Berliner Bürger vogelfrei, wenn eine Kirchengemeinde sich diese Straftat zuschulden komme» läht? Eine entsctzlichc Verstüinmeliiug erlitt bei einem Unglücksfall der lvjährige Techniker Pohlmann, Nollendorfstrnhe 7, der Sonntagnach mittag gegen 6 Uhr vor dem genannten Hans« von einem in der Fahrt befindlichen Motorwagen der Strahenbahnlinie 64 herab- sprang. Er wurde hierbei von dem Kaufmann Fürst auS Wilmersdorf, der mit einem Zweirade die Nollendorfstrahe entlang fuhr, um- gestohen und fiel so unglücklich, dah er mit dem rechten Unterarm unter die Schutzvorrichtung des Auhängewagens des Strahenbahn- zngeö geriet, dessen beide rechtsseitige Räder über de» Arm hinweg- gingen. Pohlmann wurden die Knochen zermalmt, so dah im Schöncberger Krankenhause, wohin der Verunglückte gebracht wurde, das verletzte Glied abgenommen werden muhte. Anherdem hatte P. noch einen Bruch deS rechten Oberschenkels davongetragen. „Ein gefährlicher Mitmensch". Zu der Notiz, die mit dieser Ueberschrift in Nr. 227 des„VorwärlS"(27. September) veröffentlicht wurde, läht der Held jener Affäre, der Inspektor Spie! (Kopenhagen er Strohe 3l), uns durch einen Rechtsanwalt eine Zuschrift schicken, die eine.Berichtigung" sein will. In der Notiz war, wie wir noch einmal in Erinnerung bringen wollen, mitgeteilt worden, dah dieser Herr Spiek, der früher Schutzmann war, aber jetzt bei der Müllabfuhr der Wirtschaftsgenosseuschaft Berliner Grundbesitzer angestellt ist und im Kommunal- dienst sich als Stellvertreter eines ArmenkommisstonLvor- stehcrs betätigt, infolge eines Kneipenslreites dem Bureau- vor st eher H. auf derStrahe durchHiebe mit seinem Stock Verletzungen am Kopf beigebracht habe. Die sogenannte„Berichtigung", durch die Herr Spiel sich jetzt zu recht- ferligen sucht, entspricht zwar nicht den Bestimmungen des Preh- gesetzes, und wir könnten sie daher ohne weiteres in den Papierkorb versenken. Wir erfüllen ihm aber gern den Wunsch, unsere Leser wissen zu lassen, Iv i e e r s e l b e r s i ch s ch i l d e r t. Nebensächlich sind die Vorgänge in der Kneipe; wichtig ist nur, was der Brief über die Schlägerei sagt. ES heiht da:„ES ist nicht wahr, dah ich dem D. plötzlich in der Istader Strahe entgegentrat, auf ihn mit einem Stock einschlug und er besinnungslos zu Boden stürzte. Vielmehr war mir D. gefolgt und griff mich schliehlich tätlich an. Ich hatte ihn nur abgewehrt. Er war uicht besinnungslos, blieb auch nicht hilflos liegen, sondern ging seines Weges." Hier fehlt nur noch, dah behauptet würde, Herr D. sei überhaupt nicht verletzt worden. Die Bekundungen der von Herrn D. erstAtteltcn Zeugen sowie der Befund der ihm bei- gebrachten Wunden sprechen durchaus gegen die Dar- stelluiig, die Herr Spiek gibt. Das muh ja eine ganz merkwürdige „Abwehr" gewesen sein! Die„berichtigende" Zuschritt fährt fort: „Gleichzeitig ersuche ich Sie, ausdrücklich in dieser Stummer zu erklären, dah die Bemerkung, D. sei auch noch beraubt worden, nicht etwa den Vorwurf enthalte, Herr Spiek habe den D. ausgeraubt. Sollte diese Erklärung nicht er- folgen, so muh ich annehmen, dah die Bemerkung, die nach dein Inhalt des Berichtes nur auf Herrn Spiek bezogen werden kann, auch auf ihn nach der Absicht des Verfassers bezogen werden sollte." Diese Aufforderung ist an sich eine Dreistig- keit; als solche wird jeder sie empfinden, der jene Notiz gelesen hat. Sie muh aber geradezu als N ö t i g u n g S v e r s u ch aufgesaht werden angesichts der folgenden Drohung, mit der der Brief schlicht: „Falls Sie der vorstehenden Aufforderung der Berichtigung und der Richtigstellung des Berichtes nicht nachkommen, würde mein Auftrag- geber gegen Sie Strafantrag stellen müssen." Herr Spiek wird gut daran tun, den Gerichten möglichst fernzubleiben. Warten wir mal erst ab. was ihm der Strafanlrag bringen wird, den Herr D. gegen ihn gestellt hat. Arbeiter- BildnngSschule Berlin. In der Sonntag den 27. Sep tenibcr stnttgcfundenen Versainmlung ist ei» goldener Manschetten knöpf gefunden Wörde«. Abzuholen beim Genossen Königs Elisabcthufer 29, Buchdruckerei JaniSzewLktz. Radrennen in Steglitz, 4. Oktober. Die Steglitzer Bahn Haiti wieder einen großen Tag; der zahlreiche Besuch bewies, daß die sportlichen Känipfe auf der Rennbahn bei guter Besetzung ein dank bares Publikum finden. Im Mittelpunkt des Interesses stand oaS Stunden-Rennen mit Motorführung(1600, 1400, 1200, 1000, 900 M.), das von dem Belgier Ver bist(87,750 Kilometer) vor Salzmann(87,220 Kilometer), Scheucrmann(83,570 Kilometer), Stellbrink(75,450 Kilometer) und Theile(74,300 Kilometer) ge- Wonnen werde. Stellbrink versagte gleich anfangs, während Theile erst zum Schluß infolge Motorschadens zurückblieb. Salz mann endete nur eine Runde hinter dem Sieger; auch Scheuer- mann fuhr sehr achtbar. Der Verlauf des Rennens ist in Kürze folgender: Vcrbist nahm die Spitze vor Stellbrink, Salzmann, Schcucrmann und Theile. In der vierten Runde ging Stcllbrink vor, um nach dem 8. Kilometer Salzmann den ersten Platz zu über lassen; Theile holt auf und passiert beim 16. Kilometer die anderen. Salzmann Zweiter. Vis zum 55. Kilometer ist dieselbe Reihen folge; Theile bleibt infolge Motorwcchsels zurück; beim 82. Kilo- meter geht der Belgier vor, um mit 590 Bieter Vorsprung zu siegen. Der Bahnrekord, der von Guignard mit 88,370 Kilometer gehalten und für dessen Ucbcrholung eine Extraprämie von 500 M. ausgesetzt war, wurde nicht erreicht. Im Hauptfahren über 1000 Meter(100, 75, 50, 30 M.) siegte nach vier Vor- und zwei Zwischenläufen P e t e r vor Bei tinger, Carapczzi'nd Stabe. Von drei Vorgabefahren über je 830 Meter(40, 30, 20, 15 M.) gewann das erste Ganzevoort(25 Meter Vorsprung) vor Techmer(10), K. Müller(45) und W. Ncumann; das zweite Peter(10) vor Rabe(20), W. Müller(50) und Stechun(40); das dritte Rudel(25) vor Kelm(60), Süßmilch(30) und Bek tingcr(Mal).— Ein Dandcm-Rennen mit Motorfiihrung über 30 Kilo meter(800, 600, 500, 400 M.) wurde von Vcrbist-Schipke in 25 Min. 59lH Sek. vor Heiny-Salzmann(1540 Meter, A. und F. Stellbrint(2610 Meter zurück) gewonnen. Da» vierte Paar Schcuermann-Theile, das von Anfang an der Spitze lag und drei Runden aufgeholt hatte, kam infolge Reifenschadens kurz vor dem Schluß zu Fall. Während Scheuermann unverletzt blieb, trug Theile eine Wunde am Kopfe davon. Ten Schluß bildete ein Tandem-PrämieN fahren über 3000 Meter(75, 50. 40, 30 M.). Sieger Fechner-Wege ner vor Müller-Tetzlaff, Nudel-Pawke und Saldow-Kendelbacher. Die Rennen endeten erst gegen« 7 Uhr. Apollotheater. Auch das dicsmonatliche P.ouromm des Apollo- theaters ist äußerst reichhaltig an guten Spezialitäten. Da ist zu- nächst die Alexandroff-Truppe, die in einem russischen Ballet: „Ein Sonntagmorgen in Rußland" ihre Tanzkunst veranschaulicht. Als ein erstklassiger Künstler auf dem Drahtseil produziert sich Albert Kartelli. Auf dem schwankenden Seil vollführt Kartclli die waghalsigsten Tricks; er fährt mit Schlitten, Einrad und Zwei- rad, er voltigiert, macht Handstand, gewinnt mit einem Wort der alten Kunst neue Seiten ab. Aus dem Gebiete der Akrobatik leisten die Varowskys Besonderes. Als trojanische Gaukler präsentieren sich Simon und Pario. Als Repräsentant des alten Berliner Humors stellt sich Martin Bendix vor. Sein trockener Humor, der die Berliner seit Jabren ergötzt, zündete wie immer, und seine blutigen Kalauer wurden stürmisch belacht. Die Hagenbeck-Schau wird am Sontag, den 11. Oktober, ihr Berliner Gastspiel beschließen. Orgelkonzert.'In der Marienkirche veranstaltet der königliche Musikdirektor Berich. Jrrgang nicht am Mittwoch, sondern bereits am Dienstag, den 6. Oktober, Uhr abends, das nächste Orgelkonzert unter Mitwirkung des Berliner Dainen-Vokalquartetts: Frau Collin- Haberlandt, Frl. Elis. Schulz, Frau Else Vetter, Frl. Sonja Beeg. und von Frau V. Becker-Samolewska und Herrn Benno Schuck l Violine). U. a. Passacaglia von P. Ertel. Ter Eintritt ist frei! Programm mit Text 10 Pf. Feucrwehrbericht. In der Sonntagnacht um 4 Uhr kam in der Luckauer Straße 15, im Hotel„Deutscher Hof", Feuer aus. Dort brannten bei Ankunft der Feuerwehr Tannen, Reisige, alter Haus. rat. Türen. Fenster usw.. im Keller. Durch kräftiges Wassergeben mit einer Schlauchleitung gelang eS, die Flammen zu löschen. Zweimal wurde die Feuerwehr nach der Teltowcr Straße alarmiert. Erst nach der Nr. 16, vo im Keller Regale, Kisten u. a. brannten, und dann nach Nr. 13. Grober Unfug lag bei zwei Meldungen bor, die durch Ausrücken der Wehr nach dem Matthäikirchplatz und der Malplaquetstraße veranlaßten. Die Täter sind entkommen. Wegen einer Gasvergiftung erfolgte ein Alarm nach der Kopen- Hagener Straße 13. Die Feuerwehr benutzte dort mit Erfolg einen Sauerstoffapparat. In der Oranienstroße 159, wohin die Feuer- wehr aus ähnlicher Veranlassung gerufen wurde, konnte die Wehr keine Hilfe leisten. Wohnungsbründe mußten in der Lothringer Straße 34/35 und 58, Magdeburger Straße 29, Dunckerftraße 16 und anderen Stellen gelöscht werden. Auf dem Anhalter Güter- bahnhof brannten Preßkohlen und Warschauer Straße 65 Gardinen. Die Schöneberger Feuerwehr wurde zweinral nach der Gustav Müllerstraße gerufen. Wegen niedergedrückten Rauches usw. nach Nr. 44 und wegen eines Schupix-nbrandes, wobei ein Automobil Feuer fing, nach Nr. 42. Kleider und anderes wurden in der Rubensstratze 2 ein Raub der Flammen, die in einer Bade- stube ausgekommen waren. Vorort- j�ackricdten. Nixdorf. Mißstände auf dem neuen Gemeindefriedhofe. Nachdem der „Vorwärts" erst kürzlich die Störung einer Beerdigung, welche durch Unzulänglichkeit der Gruft hervorgerufen wurde, beleuchtete, glaubte man, daß diesen Mängeln abgeholfen sei. Daß dies nicht der Fall ist, mußten Freitagnachmittag die Leidtragenden eines zweijährigen Kindes erfahren. Nachdem der Sarg über der Gruft aufgebahrt war, zogen die Leichenträger die Hölzer hinweg. Doch ww erschrak man, als der Sarg wieder zum Vorschein kam. WaS war geschehen? Die Gruft war zu klein! Mit Spaten versehen stieg ein Kirchhofsangestellter in die Gruft hinunter, um sie zu erweitern. Zum zweiten Male nahmen die Leidtragenden Abschied von ihrem kleinen Liebling, aber auch jetzt noch er- wies sich die Gruft als unzulüuglich. Und zum dritten Male. nachdem der Sarg über Eck gestellt wurde, fand der Leichnam die Ruhe.. Warum verlangt der Magistrat der Stadt Rixdorf für Her- stellung der Gruft zwei Mark, wenn man solche, auch für Un« beteiligte, unliebsamen Szenen erleben muß? Der Friedhofsinspektor, der über rote Schleifen mit Argusaugen wacht, der bei mündlichen Widniungen am Grabe verstorbener Freunde sich bemerkbar macht, sollte sein Hauptaugenmerk doch lieber darauf richten, daß derartige Störungen bei Leichenbegängnissen nicht mehr vorkommen, wenn nicht anders, muß ihm die vorgesetzte Behörde das Erforderliche eröffnen. Wilmersdorf. Beim Umzüge tödlich verunglückt ist der Arbeiter Strohkopf auf der Fahrt von Berlin»ach Wilmersdorf. Er stürzte unterwegs infolge emer unvorsicktigen Bewegung von dem Möbelwagen und fiel so unglücklich, daß ihm das rechte Vorderrad des schweren Gefährts über den Oberleib hinwegging und ihm den Brustkasten zermalmte. Der Tod trai auf der Stelle ein. Der� Ver- storbene wurde nach der Leichenhalle des WilmcrSdorfer Begräbnis- Platzes gebracht. Köpenick. Auf der Polizeiwache umgekommen I Wie eine hiesige Lokalkorrcspondenz meldet, wurde gestern morgen der Lljährige Fabrikarbeiter Emil S ch m a l l e, der bei seinen Eltern in der Gartenstr. 16 wohnte, in einem Torwege in der Grünauer Straße besinnungslos auf dem Boden liegend aufgefunden. Ein Polizeibeamter brachte den jungen Menschen mit Hilfe eines Passanten nach der Polizeidircktion. Unter- wegS führte Sch. fortwährend wirre Reden und man nabm deshalb an, daß er betrunken sei. Auch der Pokizeidireklion machte Sch. den Eindruck eines Betrunkenen und man schaffte ihn in eine Zelle, damit er dort seinen vermeint« lichen Rausch ausschlafen solle. Als einige Zeit später ein Beamter nach ihm sah, fand er ihn tot auf dein Fußboden liegend auf. Jetzt wurde man doch stutzig, und man rief einen Arzt herbei, damit dieser die Todesursache feststellen sollte. Er entdeckre auch bei näherer Untersuchung der Leiche an dem Kopf eine Wunde, die von einem stumpfen In- strument herrührte. Als Todesursache stellte er cineu Schädel» b r u ch fest, der durch den Schlag herbeigeführt worden war. Jedenfalls ist auch noch eine innere Verblutung hin- zugetreten. Der Schlag ist mit großer Wucht ausgeführt worden, denn durch ihn allein wurde der Schädelbruch herbeigeführt. Daß Sch. vielleicht zu Boden gestürzt ist und sich dabei den Schädelbruch zugezogen haben könnte, ist nach dem ärztlichen Befund völlig ausgeschlossen. Nachdem der Arzt die TodcS- Ursache festgestellt hatte, machte sich die Polizei sofort an die Ermittelungen in' der seltsamen Angelegenheit. Es wurde nun festgestellt, daß Sch. am Sonntagabend das Tanzlokal„Wilhemsgarten" in Köpenick aufgesucht hatte. Dort hatte er etwa bis Mitternacht geweilt, um dann nach Hause zu gehen. Auf dem Heimwege ist er nun rücklings überfallen und zu Boden geschlagen worden. Es kann sich hier nur um einen Racheakt handeln, denn andere Motive sind aus- geschlossen. In letzter Zeit ging Sch. stets mit einem großen©aus« schlüssel bewaffnet aus, und seiner Mutter gegenüber hatte er ge- äußert, man trachte ihm nach dem Leben. In dem erwähnten Tor- wcge wurden um die in Betracht kommende Zeit mehrere halb- wüchsige Burschen beobachtet, von denen einer dem Sch. zugerufen haben soll:„Wenn wir Dich erwischen, schlagen wir Dich tot!" Die Polizei hat bereits zwei Verhaftungen in der Mord- affäre vorgenommen, doch mußte einer der Verdächtigen bereits wieder auf freien Fuß gesetzt werden. Die Leiche ist von der lönigl. Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden. Wenn die vorstehende Darstellung der Korrespondenz den Tat- fachen entspricht, muß das Verhalten der in Betracht kommenden Polizeibeamten bei jedem mitfühlenden Menschen berechtigte Ver- wunderung und Empörung auslösen. Ohne irgendwie die wirkliche Ursache der Bewußtlosigkeit und der wirren Reden zu ergründen, nur Iveil die Beamten„annahmen", eS handle sich um einen Be- trunkenen, sperrt man den Schwerverwundeten in eine Zelle und überläßt ihn seinem Schicksal.„Stutzig" werden die Be- amten erst, als sie einen Toten in der Zelle finden. Vielleicht wäre bei rechtzeitiger ärztlicher Hilfe ein Menschen« leben zu retten gewesen. Aber nmn„nahm eben an", daß eS sich lim einen Betrunkenen handele. Wissen denn die Beamten nicht, daß auch für einen sinnlos Betrunkenen eine Lebensgefahr besteht, daß es durchaus nottvendig ist, auch Betrunkenen ärztliche Hilfe an» gedeihen zu lassen? Hoffentlich wird sich die Untersuchung nicht nur auf die TotschlagSaffäre erstrecken, sonder» eS wird auch gegen die Beamten, die den Schlververwundeten hilflos umkommen ließen, ein Strafverfahren eröffnet. Treptolv-Baumschulenweg. In eine furchtbare Situation geriet vorgestern nachmittag der zehn- jährige Schüler Fechner aus der Kiefholzstraße. Der Kleine hatte auf einem mlbebauten Gelände in der Nähe deS elterlichen Hanfes auf einem großen Sandhügel gespielt. Er grub sich ein tiefes Loch und stellte sich hinein. Plötzlich gaben die über ihm liegenden Sand« Massen nach und stürzten zusammen. Der Knabe wurde mm voll» ständig begraben. Nur seine Hände ragten aus den Sand- Massen heraus. Vorübergehende Passanten nahmen glücklicherweise die Hände wahr und eilten sofort herbei. Nach angestrengter Mühe glückte es, F. wieder ans Tageslicht zu bringen. Er hatte bereits die Besinnung verloren. Rumnrelsburg. AuS Not und Verzweiflung zum Revolver gegriffen hat am Sonnabend der 30 jährige Schlosser R. aus der Weserstraße in NummelSburg. Lange Wochen vorausgegangener Arbeitslosigkeit haben den Lt. zu dem Entschluß gebracht, dem traurigen Leben durch eine Kugel ei» Ende zu mache». Weißensee. DaS Opfer eines verhängnisvollen Unglücksfalles ist der Maschinist erner, der in der Talking Machine Co. in der Lehderstr. 19 beschäftigt war. geworden. Gestern hatte W. Nachtdienst zu ver- /ehe». Er wollte nun die Maschinen einer Kontrolle unterziehen und als er durch de» Maschinenraum ging, kam er versehentlich den Stark st romleitungsdrähten zu nahe. Er wurde von dem Hochgespanuten Starkstrom getroffen und zu Boden geworfen. Als morgens der Portier seinen Rundgang machte, fand er W. in leb« losem Zustand auf dem Fußboden liegend vor. Er wurde nach dem Krankcnhause geschafft, wo er in sehr bedenklichem Zustand daniederliegt. Verantwortlicher Redakteur: Georg Davidsohn, Berlin. Für denJnserctt enteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Kaufmännische Kranken- und Sterbekasse von 1885.(E. O, 11> Heute abend 9 Uhr bei LandrS, Slralauer Str. 3Si37.__ Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.""'