Nr. 235. Abonnements- Bedingungen: bonnements Preis pranumerando Bierteljährl. 3,30., monatl. 1,10, wöchentlich 28 Big. fcei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. mummer mit illuftrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Pig. BostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Bost Zeitungs Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mar! pro Monat. Bostabonnements nehmen Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luremburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz an: Cricheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 25. Jahrg. Die Infertions Gebühr beträgt für die sechsgespaltene stolonel geile oder deren Raum 50 Bfg., für politische und gewerffchaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Bort 10 Big. Stellengesuche und Schlaf. stellen- Anzeigen das erite Wort 10 Big., jebes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition is bis 7 Uhr abends geöffnet. Zelegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Die Balkankrise. Mittwoch, den 7. Oftober 1908. Mit Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Aunt IV, Nr. 1984. Ein Pariser Kongres? Die englische Presse. London, 6. Oktober. Alle Blätter verurteilen Bulgarien und Desterreich in den schärfsten Ausdrücken.„ Chronicle" sagt, und es unter meiner und des hochseligen Fürsten Alexanders Führung in den Stand geseht, als würdiges Mitglied mit gleichen Rechten in die Familie der zivilisierten Völker einzutreten, um Paris, 6. Oktober. Die Unterredungen Pichons mit kulturell und wirtschaftlich weiter vorwärts zu kommen. Auf den Vertretern fremder Mächte betrafen den Blättern zufolge durch. Die kritischesten Stunden sind vorüber, ohne daß sich die diesem Wege darf nichts Bulgarien aufhalten und nichts weg den Plan der Einberufung eines Kongresses, Ariegsgefahr verwirklicht hätte. Die Jungtürfen scheinen die soll seinen Fortschritt hindern. Das ist der Wunsch und der Wide welcher zum mindesten so umfassend sein soll, wie der Berliner Erwartung, die man in ihre Besonnenheit setzen konnte, recht- des Bolles. Das Volk der Bulgaren und sein Oberhaupt können bon 1878. Mehrfach wird bestätigt, daß das hierauf bezügliche fertigen zu wollen. Sie suchen alles daranzusehen, den nur ein und dasselbe denken und wünschen. Tatsächlich unab- Einbernehmen zwischen Frankreich, England Frieden zu erhalten. Der türkische Ministerrat, der bis nach hängig, ist das Land doch in seiner natürlichen und friedlichen und Rußland bereits vollständig sei. Petit Parisien" Mitternacht dauerte, beschloß einen Protest gegen die Ver- Entwickelung durch Bande gehemmt, deren förmliche Berreißung deutet an, daß auch Italien sich diesem Vorschlage anschließen legung des Berliner Vertrages bei den Signatarmächten zu die Spannung zwischen Bulgarien und der Türkei beseitigen werde. Der Kongreß würde in Paris stattfinden. Wie das Blatt weiter meldet, wird die französische und die überreichen. Damit ist fürs erste Zeit gewonnen, die dazu wird. Ich und mein Volt wünschen eine Verjüngung der ausgenugt werden kann, um über die Gefahren der ersten Politik der Türkei herbeizuführen. Sie und Bulgarien, frei und englische Diplomatie in Konstantinopel geltend machen, daß die unabhängig, haben die Vorbedingungen, um freundschaftliche Bande Türkei zwar zwei Demütigungen erlitten habe, daß aber Tage hinwegzukommen. Die Jungtürfen geben auch jetzt einen Beweis dafür, zu schaffen und sie zu festigen, indem sie sich einer friedlichen Ent- ihr Prestige in Mazedonien eine Kräftigung erfahre, ins wie start ihre Stellung ist und wie sehr sie die öffent. widelung hingeben. Durchdrungen von dieser heiligen Aufgabe besondere durch die Räumung des Sandschat Novi. liche Meinung beherrschen. Der Verein der türkischen und um den Bedürfnissen des Staates gerecht zu werden, profia- bazar, wodurch Desterreich jeden Borstoß nach Saloniti Bresse hat beschlossen, das bulgarische Vorgehen zwar miere ich mit dem Segen des Allmächtigen das seit 1885 geeinigte aufgegeben habe. scharf zu verurteilen, jedoch auf die öffentliche Meinung Bulgarien zum unabhängigen Königreiche. beruhigend einzuwirken, da das Ereignis schon meinem Volfe glaube ich, daß dieser Schritt die Billigung der feit langem zu erwarten war. Ja noch mehr, die Presse will Großmächte finden wird. Es lebe das Volk und das unabhängige das Ministerium nicht angreifen und dem Großvezier ihr Bulgarien! Die Präsidenten der Kammer und der Ministerrat boten im Vertrauen zum Ausdruck Fringen. Diese Stellungnahme der Presse ist aber um so wichtiger, da es sich bloß um eine Namen der nationalen Vertretung und der Regierung dem Fürsten Morning Post" schreibt, das englische Volk fann sich nur Frage der Verlegung des nationalen Gefühles und nicht um den Titel eines ersten bulgarischen Königs an, den der Fürst, wie feindselig stellen zu jeder Entwickelung, durch welche die Mögwirkliche Machtverschiebungen handelt. Da kein Blatt der er sagte, mit Stolz und Dankbarkeit, annahm. lichkeit eines Krieges oder irgendwelcher Verwickelungen auf dem Reaktion zur Verfügung steht, dürfte die gefürchtete Rückwirkung Balkan in drohende Nähe gerückt wird. Wir hoffen, daß die Geauf die Stellung der jungtürkischen Regierung feineswegs so Konstantinopel, 6. Oktober. Der außerordentliche Minister- fahren durch geduldige Unterhandlungen abgewendet werden start sein, wie man ursprünglich annahm. Zudem hat der verrottete Despotismus die türkische Armee in den letzten rat dauerte bis nach Mitternacht. Nach Mitteilungen, die nach mögen. Ein Kongreß kann möglicherweise eine zufriedenstellende Jahren sehr vernachlässigt, während Bulgarien vollständig Schluß Journalisten gemacht wurden, habe Fürst Ferdinand Lösung herbeiführen. friegsbereit ist und im Falle eines Strieges unzweifelhaft eine an den Sultan eine Depesche gerichtet, in der er erklärt, daß er stets von den Gefühlen der Treue gegenüber dem Sultan beseelt Dazu Revolution in Mazedonien zu entfesseln bermag. kommen noch die Bemühungen der Großmächte, einen Strieg gewesen, aber die Volksbewegung in Bulgarien so groß zu vermeiden und durch Einberufung eines Stongresses die geworden sei, daß er der Proklamierung zum König zustimmen orientalische Frage vor die Entscheidung Europas zu bringen. mußte. Der Ministerrat habe beschlossen, an den Fürsten ein In Paris finden unausgesetzt Verhandlungen statt, an denen Telegramm abzusenden, in dem es heißt: Da dieser Att eine Versich auch der russische Minister des Auswärtigen, Iswolsti, legung des Berliner Vertrages darstelle, werde die der gerade und sicher nicht zufällig in Paris weilt, be- Pforte bei den Signatarmächten brotestieren und gemäß teiligt. England, Rußland und Frankreich, denen sich auch deren Entscheidung sehr ernste Maznahmen ergreifen. Der Italien anschließen soll, verlangen diesen Kongreß, um Ministerrat empfahl den türkischen Journalisten eine ruhige an die Stelle des zerrissenen Berliner Vertrages einen neuen Sprache, um das Volt nicht zu erregen. zu setzen. Es ist allerdings fraglich, ob die Konferenz zustande kommt, da Desterreich- Ungarn vorläufig seiner Befchickung ablehnend gegenübersteht. Die Haltung der türkischen Regierung. Beruhigende Erklärungen. die Schritte dieser Mächte bildeten eine offenbare Verlegung des Grundsazes, daß die Großmächte die Ueberwachung der Lösung der Orientfrage gemeinsam übernommen haben. " Standard" sagt, die Unabhängigkeit Bulgariens und die Annexion Bosniens und der Herzegowina tönnten nicht eher gestattet werden, als bis die ganze Angelegenheit vor einen Kongreß gebracht sei. Die Annexion Bosniens. Wien, 6. Oftober. Die amtliche Wiener Zeitung" veröffent. licht morgen folgendes Handschreiben des Kaisers an den Minister des Aeußern Freiherrn v. Aehrenthal: Durchbrungen von der unerschütterlichen Ueberzeugung, daß die hohen kulturellen und politischen Zwede, um deren Willen die österreichisch- ungaris he Monarchie die Besetzung und Verwaltung Bosniens und der Herzegowina übernommen hat, und die mit schweren Opfern er Ronstantinopel, 6. Oftober. Die in französischer und italieni zielten Erfolge der bisherigen Verwaltung nur durch die GeIn Bien soll morgen die Annettion Bosniens scher Sprache erscheinende Zeitung„ La Turquie" veröffentlicht ein währung von ihren Bedürfnissen entsprechenden verfassungs. und der Herzegowina amtlich fundgemacht interview mit dem Minister des Aeußern, welcher ermäßigen Einrichtungen dauernd gesichert werden können, werden. Bosnien soll ein getrenntes Verwaltungsgebiet mit lärte, feine Ansichten seien nicht pessimistisch, der Krieg für deren Erlassung aber die Schaffung einer II ar en ungwei. fei nicht unvermeidlich. Die Türkei wünsche den Frieden, beutigen Rechtsstellung beider Länder eine unerläßliche einem Vizekönig an der Spige werden. Das Land wird sofort eine die Pforte erwarte die Note, die die Mächte nach Sofia richten Voraussetzung bildet, erstrede ich die Rechte meiner Autonomie auf breitester Basis erhalten, über die sich später werden; bis dahin müsse sie in stritter Reserve bleiben. Souveränität auf Bosnien und die Herzegowina parlamentarische Einrichtungen aufbauen lassen. Dagegen will Schließlich sagte der Minister, die Pforte habe den Gerenten des und feße gleichzeitig die für mein Haus geltende Erbfolgeordnung Desterreich- Ungarn aus dem Sandschak Novibazar das es bisher militärisch besetzt hatte, seine Truppen Stommissariats in Sofia nicht abberufen und dementierte das Ge- auch für diese Länder in Wirksamkeit. Zur Kundgebung der rücht, daß die Bulgaren die türkische Grenze passiert hätten. zurückziehen. Die Vorbereitungen zu der Rückkehr der Truppen sollen bereits getroffen sein. Die Rückgabe des Die Stimmung in Konstantinopel. Sandschats wäre zugleich eine Milderung der Demütigung, Konstantinopel, 6. Oktober. Die ruhigen und besonnenen die die Annerion für die türkische Regierung bedeutet. Das Vorgehen Bulgariens und Desterreichs findet fast türkischen Elemente sind einstimmig der Ansicht, daß die Türkei nirgends freundliche Aufnahme. Der deutschen offiziösen angesichts der Gesamtlage des Landes, der geschwächten Hilfs. Presse ist es deutlich anzumerken, wie unangenehm das quellen sowohl wie des moralischen und materiellen Zustandes der Armee, ferner im Interesse des neuen jungtürkischen Regimes Es empfunden wird. Vorgehen Desterreich Ungarns ift tein Zweifel, daß die letzten Reste der Sympathie waffneten konflitt vermeiden und sich auf die Barteitages der deutschen Volkspartei zu Tübingen gegeben haben, wegen der bulgarischen Unabhängigkeitserklärung jedweden beDeutschlands in der Türkei jezt verloren gehen werden. Entscheidung der Mächte verlassen müsse. Es scheint ist ein erschreckendes Zeugnis rapiden Berfalls der füddeutschen Deutschland spielt hier die Rolle eines Sekundanten Defter. Aussicht vorhanden, daß diese besonnenen Ansichten die Ober- Demokratie. Darüber tönnen die äußerlich energischen. Proteste, reichs, nur daß diese Sekundantendienste nichts weniger als hand behalten. brillante waren. " Während aber in der deutschen Presse Desterreich- Ungarn Bulgarische Kundgebungen. geschont und aller Groll auf Bulgarien abgeladen wird, Sofia, 6. Oktober. Nachrichten aus der Provinz besagen, ist die Stellung der russischen Preise gerade die ent- daß die Bevölkerung überall in großen Mengen zusammengeströmt gegengesetzte. Sie entschuldigt Bulgarien und greift aufs ist und die Meldung von der Proklamation mit unbeschreib schärffte das„ Kriminalvergehen" Desterreichs an. Die lichem Enthusiasmus aufgenommen hat. Die Bevölkerung englische Presse und in ruhigerer Weise die franzö- brachte dem Heer und den Behörden Ovationen dar und feierte bis sische steht vollständig auf seiten der Türkei und fordert spät in die Nacht hinein. mit großer Energie die Einberufung eines neuen Kongresses, da es keiner Macht gestattet sein dürfe, internationale Verträge einseitig zu verlegen. Erregung in Serbien. friedlichen Absichten, die mich bei dieser unabweislichen Verfügung geleitet haben, ordne ich gleichzeitig die Räumung des Sandschats Novibazar bon den dahin verlegtep Truppen meiner Armee an. Demokraten für Ausnahmerecht. Die Blütenlese, die wir gestern aus den Verhandlungen bes die die Herren zu Tübingen gegen die Maßregelung des Bürgermeisters von Husum und anderer liberalen Beamten losgelassen haben, nicht hintvegtäuschen. Denn in Wirklichkeit liefen die Verhandlungen doch auf ein Angebot zu herabgesetzten Preisen hinaus, auf ein Angebot der Volkspartei für die Durchführung der Regierungspolitik auf die Gefahr hin, daß die Grundfäße der Partei dabei noch mehr abbröckeln, als es ohnehin schon geschehen ist. So feierte Herr v. Payer die Strafprozeßreform, die in Wirklichkeit ein unter einigen Scheinreformen notdürftig versteckter Anschlag auf die wichtigsten Rechtsgarantien ist, als einen bedeut Belgrad, 6. Oktober. Die Nachricht von der Proklamation famen Fortschritt, so drückte er sich um jede unzweidentige ErIn diesen Aeußerungen der Presse spiegeln sich die Bulgariens zum Königreich rief größten Eindruck her- flärung zur brennenden Frage der indirekten Steuern herum, Interessengegensätze der kapitalistischen Staaten, die durch vor. Der König verschob seine Abreise zu den Manövern. Um so gibt schon jetzt die Resolution die einstimmig angenommene die neuen Ereignisse auf dem Balfan eine außerordentliche 3 Uhr nachmittags fand im Palais ein Ministerrat unter dem Vor- zur Reichsfinanzreform von vornherein zu, daß stärkere HeranVerschärfung erfahren haben. Mit aller Aufmerksamkeit fiße des Königs statt; abends wurden die Führer der politischen ziehung der Verbrauchssteuern", d. H. Bermehrung der Auflagen wird das europäische Proletariat die Ereignisse berfolgen Parteien zur Beratung über die Lage in das Palais berufen. auf notwendige Massenbedürfnisse nicht zu bermeiden sind. müffen, um rechtzeitig seine Kraft einzusehen, wenn es gilt, Eine große Menschenmenge veranstaltete abends Sund- Alles das spricht laut genug. Aber lauter noch sprechen die Ausführungen b. Payers über im entscheidenden Moment die Kriegsgefahr zu bannen. gebungen gegen die Annegion Bosniens und der Herzegowina und beranſtaltete sodann Sympathiekund die Polen. Denn sie sind eine dirette, rüdsichtslose gebungen vor der türkischen Gesandtschaft und Verleugnung des elementarsten Grundsaßes der Ueber die letzten Ereignisse unterrichten nachstehende vor den Gesandtschaftsgebäuden Englands, Rußlands, Frankreichs Demokratie, der Forderung auf Rechtsgleich. und Italiens. Telegramme: Gegenwärtig ist die Regierung darauf bedacht, vorzusorgen, Bei den Verhandlungen über das Vereinsgesetz wagte die Das Unabhängigkeitsmanifest. daß Manifestationen der Bevölkerung im Rahmen der Ruhe und liberale Fraktionsgemeinschaft solche Berleugnung noch nicht. Da Sofia, 6. Oktober. Das gestern vom Fürsten Ferdinand in Ordnung bleiben. Eine weitere Borsichtsmaßregel besteht in der beteuerte sie, daß sie den Sprachenparagraphen nur mit blutendem Tirnowo verlesene Manifest hatte folgenden Wortlaut: Durch den Einberufung der Reservemannschaften. Anderer- Herzen schlude, weil sonst das Vereinsgefeß, dieser grandiose Forta Willen unserer unvergeßlichen Befreier, des großen russischen seits hat sich bei den gestrigen Manifestationen gezeigt, daß die Bes schritt, scheitern müsse, weil sonst die Polen vom preußischen LandVoltes, auch mit dem Beistande unserer guten Freunde und sorgnis vor der Annexion Bosniens und der Herzegowina die tag noch schlimmer geschunden werden dürften. Grst bei den preuRachbarn, der Rumänen, ist seit 1878 die Stette des Jochs gebrochen. stärkste Grregung bei der Bevölkerung hervorruft. Die Bischen Landtagswahlen wagten es einige freisinnige Führer zweiten Seit diesem Zeitpunkt, schon dreißig Jahre lang, hat das bulgarische Regierung mußte deshalb vorsorgen, um durch Erhöhung der Ranges, den Polenparagraphen an sich zu rechtfertigen, die BeVolf, unerschütterlich in seinem Gedanken an die Apostel der Truppentadres für alle Eventualitäten die Staatsgewalt lämpfung der polnischen Propaganda vermittels einer Ausnahme bestimmung als Pflicht des Freisinns hinzustellen. Aber das waren Freiheit, unermüdlich an der Entwidelung des Landes gearbeitet voll in den Händen zu behalten. 17 D heit! Aeußerungen einzelner, offiziell blieb noch die alle Lesark. Jetzt aber tritt der«nerlannte Führer der süddeutschen Demokratie vor die oberste Vcrtrchuig seiner Partei und erklärt unter leb- hafter I u st, tn iiru n ö der Zuhörer, zur Rechtfertigung des Tprachenparagraphen, das; die Polen nicht unschuldig sind an der preuHischeH Polenpolibik, datz die Polen nicht deutsche Staats- bürger polnischer Aatwnalität, sondern polnische RcichSangehörige mit deutschem besitz sein wollen. Damit ertlirrt Herr v. Paher, dah gegen die Polen Aus nähme zeseye erlaubt sind, weil sie sich nicht ger- manisteren lassen«wllenl Damit erklärt er, dgh gegen Minder- heiten, die der Mdnfjeit unb-gucin sind, die ihr gefährlich er- scheinen, Ausnahmegesetze erlassen werden dürfen. Das ist jetzt die Meinung der süddeutschen Demokraten. Nichts hindert di» Herren mehr, mit gleicher Motivierung Ausnahme- gesetzcn gegen Sozialdemokraten. Juden und andere BevölkerungS- teile zuzustimmen l Ter Grundsatz des gleichen Rechts ist von diesen Demokraten auf den Kehrichthaufen geworfen, das Ausnahme«cht auf den Schild erhoben. Die süddeutsche'Volkspartei hat den Befähigungsnachweis für die Blockpolitik glänzend erbracht. Wirkliche Demokraten aber können mit ihr nichts mehr gemein haben. Sie Wchztsgzerlstrwshl lo Memel-yeMkrug. Aus dem Memelev Wahlkreis wird uns geschrieben! Di« komseuvative Partei hat im nordöstlichsten Wahlkreise Deutschland am S. Oktober eine schwere Niederlage erlitten. Wie bereits ttlegraphisch bericht-t, wurde der nationalliberale Kandidat, der Berliner Multimillionär Schwabach, der aus Furcht vor Auf. deckumz der von seinen Freunden betriebenen unsauberen Wahl- «gitatien sein Mandat niederlegte, mit der ungeheuren Majorität von»723 Stimmen gleich im ersten Wahlgang gewählt. Seit tWt ist in diesem Wahlkreise kein Abgeordneter mehr im ersten Wahlgange gewählt worden; immer war eine Stichwahl notwendig. Diesmal fand eine viel geringere Wahlbeteiligung statt als bei der Hauptwahl 1907. Gegen 3000 Stimmen wurden weniger abgegeben. Bei der Hauptmahl im Jahre 1907 erhielt Schwabach 4933 Stimmen, und erst in der Stichwahl, nachdem der größte Teil der Littauer, der gemäßigt Konj/rvativen und auch leider viele sozialdemokratische Wähler für ihn gestimmt hatten, wurde Schwabach gewählt. Woher hat nun Schwabach(jlchch im ersten Wahlgang trotz der geringen Wahlbeteiligung diese kolossal hohe Stimmcnzahl her? Er hat sie den Konservativen und den Sozialdemokraten abgenommen. Im Jahre 1997 erhielt der konservative Kandidat Krause bei der Hauptwähl 8998 Stimmen, 998 mehr als im Jahre 1393, der ihm nahestehende Littauer Gaigalat erhielt 1997 4229 Stimmen, der sozialdemolratisch« Kandidat Genosse Barun erhielt 1997 3348 Stimmen. 937»oeniger als im Jahre 1993. Und jetzt? Die Littauer hatten keinen eigeuca Kandidaten aufgestellt. Um ihre Stimmen balgten sich kovservattve und nationalliberale Agitatoren mit dem Erfolge, daß ausnahmslos die ltttauischen Stimmen der Echwabachpartei zugefallen sind. Aber weiterhin haben auch eine große Anzahl bis dahin tansnvative Wähler jetzt für Schwabach gestimmt. Denn der konservative Kandidat Buttgereit erhielt am 2. Oktober nur. K8G0 Kimmen im ganzen Kreise, wovon auf die Stadt Memel und V-yrbrtir lSö■ Stinimen entfjelen. Die Konservativen haben also in diesem Wcchlgang über 2899 Stimmen gegen 1997 verloren und keine einzig« von den 1907 abgegebenen 42LS ltttauischen Stiinmen dt hakten. Diese Tatsache ist um so auf- fallender, wenn man weiß nud In Betracht zieht, daß der konser- vätiven Partei gerade in diesem fast rein ländlichen Wahlkreis der ganze behördliche Apparat bei der Wohlagitation zur Verfügung steht— und ausgenutzt wird. Noch auffallender, gleichzelbig aber auch beschämend, ist der über alles Erwarten eingetretene große Stimmenrückgang der sozialdemotrattschen Partei. Genosse Hofrr, der bei dieser Wahl an Stelle des bisherigen Kandidaten Genossen Braun kandidierte, erhielt am L. Oktober»ur 18 8 3 Stimmen, also zirka 1890 Stimmen ivenigev als Braun im Jahr« 1997. Und diese den Konservativen und Sozialdcmo- kratcn verloren gegangenen Stiinmen sowie ferner sämtliche littauischen Stimmen, nach Abzug der 3999 Nichtwählcr, hat Schwabach im ersten Wahlgang erhalten. Daß die Konservativen, die ehemals diesen Wahlkreis ganz allein beherrscht haben, die früher gar nicht einmal nötig hatten, umfangreiche Wahlagitation zu betreiben, und die jetzt der littauischen Bevölkerung zuliebe einen littauischen Besitzer als Kandidaten aufgestellt haben, jetzt vollständig abgewirtschaftet haben, kann unS ziemlich gleichgültig sein; denn diese gemäßigt-konservativ-nationalliberal-littauisch- freisinnige Partei, wie sie sich selbst nennt, die unter ganz merk- würdigen Umständen den Sieg.an sich gerissen hat, ist ebenso reak- tionär als die konservative Partei. Dagegen haben wir uns ernst- lich mit dem auffallenden Rückgang unserer, der sozialdemokratischen Stimmen, zu beschäftigen. Eine Erklärung hierfür jetzt in aller Eile und Kürz« für die mit den Verhältnissen in diesem rück- ständigen Wahlkreise nicht vertrauten Genossen abzugeben geht nicht an. Nur da« ein« sei hier festgestellt: durch die skrupellose Asitati»n der Schwabachschen Agitatoren mit ihren reichen Schnap»-, Bier» und Geldspenden ist der ganze Wahlkreis seit 1397 total politisch versumpft. Die ganze städtische und ländliche Bevölkerung ist durch da? wochenlange persönliche Auftreten de« Millionärs mit seinem GebeimratStitel und durch die von ihm persönlich überall leutselig gegebenen Ver- sprechungen derartig hypnotisiert, daß sie sich bis zum Wahltage geradezu in einem Taumel befand. Wie Schwabach und feine Agitatoren die Lag« in diesem Wahl- kreis auszunutzen verstehen, beweist folgendes: Am Abend des 2. Oktober, nach Feststellung des Resultats, begab sich Herr Schwa- lach mit Herrn Dr. Kipper und noch einem Herrn des Wahl« Vorstandes nach dem Hotel Viktoria in Memel, wo bis in die späte Nacht hinein daö Wahlresultat, das diese Herren aufS äußerste überrascht hatte, besprochen wurde. Im Laufe diese» Gesprächs bat Herr Dr. Kipper, der Generalagitator des Herrn Schwabach, diesen, doch noch am nächsten Tage nicht abzureisen.„Denn", so redete er auf ihn ein,„morgen, Sonnabend, ist hier in Memel Markt. Aus der ganzen Umgegend kommen die Landleute hier nach Memel. Wenn Sie, Herr Schwabach, nun dort unter den Leuten erscheinen und- ihnen die Hand drücken, das wirkt ungeheuer auf das Gemüt dieser Leute und wird in die weitesten Kreise hineingetragen." Auch der dritte Herr stimmte diesem Borschlag zu. Und so geschah e». Wa» der Pabst den Katholiken, da» ist gegenwärtig jetzt Herr Schwabach nicht allein den Wählern, sondern der ganzen politisch rückständigen Bevölkerung des Wahlkreises Memcl-Hehdekrug. Aber alles das hätte der Sozialdemokratie nicht eine solche schwere Niederlage bereiten können, wenn der Kreis und besonder» di« Arbeiterstadt Memel mit. ihren Vororten besser organisiert gewesen wäre. Jahrelang konnte in diesem Wahlkreise von sozial« demokratischer Seite fast gar nicht agitiert werden. Die ohnehin nicht sehr feste kleine Organisation ließ in sich Elemente eindringen, die, wie sich jetzt herausgestellt hat, von den Gegnern gekaufte Subjekte waren. Innere Streitigkeiten zwischen den Genossen selbst, das Zurücktreten bewährter, aber von dem Treiben gewisser Auehgenossen angeekelter Kräfte erschwerte die Verwaltung und die Agitation. Dadurch schrumpfte die Organisation mehr und mehr zusammen. Sie wurde völlig kampfunfähig. Waö jahrelange Vernachlässigung vernichtet hatte, konnte in den wenigen Wochen der Wahlagitation nicht wieder hergestellt werden, Aber auf das Häuflein feststehender, der Partei treu gebliebener Memeler Partei« genossen hat das niederschmetternde Resultat der letzten Wahl gewirkt wie ein aufstachelnder Peitschenhieb. Sie haben am Abend nach Bekanntwerden des Wahlresultates in ernster Zusammen- kunst gelobt, nicht eher zu rasten, bis die Scharte ausgewetzt ist. vi« csniletverismmlllng der Sozial« demokrate» Wrttembergz. Mit Befriedigung können die Genossen Württembergs wie die Gesamtpartei auf die Tagung der Landesvcrsammluna am Sonnabend und Sonntag zurückblicken. Einschneidende Beschlüsse von großer Tragweite wurden gefaßt, erfreulicherweise mit über- wältigcndcr Majorität. Die Organisation wurde ausgebaut und finanziell gekräftigt. Die Gründung einer eigenen Druckerei für das Landcsorgan, die„Schwäbische Tagwacht", wurde be- schlössen. Da« beste aber, das diese Tagung der Sozialdemokraten Württembergs uns gebracht hat, ist die Festigung des Zusammen- grbörigkeitbgefühls. das die klassenbewußte Arbeiterschaft diesseits wie jenseits de» MainS über die Grenzen des Deutschen Reiches hinaus eint. In seiner Festrede auf der Jejer der Stuttgarter Organisation am Sonntag nach Beendigung der Landcsverjamm- lung zog Genosse Ebert- Berlin das Fazit der Verhandlungen. Er führte unter anderein aus: In Nürnberg seien die Geister heftig aufeinandergestoßen. Ernste Stunden Hab« die Partei erlebt, die niemand vergessen dürfte, der sie miterlebt habr Die Gegner aber, die auf eine Spaltung der Partei, auf eine sozialdemokratische „Mainlinie" gehofft hätten, seien mit dieser Hoffnung zusckmnoen geworden. Er glaube sagen zu müssen, daß die Partei mit dem Verlauf deS württembcrgtschen LandespartcitageS sehr wohl zu- frieden sein darf. Freund und Feind hat auf diese Tagung mit Spannung geschaut. Nach dem ganzen Verlauf der zweitägigen Tagung darf man aber sagen, daß die Verhandlungen getragen waren von dem Geist der Zusammengehörige it, der Geschlossenheit, von dem Geist, der die notwendige Voraussetzung ist für die Erfüllung unserer großen Aufgaben. Dt« �Tagung war getragen von der Erkenntnis, daß die Masse de» Proletariat« ohne Rücksicht aus die LandcSgrenzen zusammengefaßt werden mutz zu einer ge- schlossenen Bewegung, zu einer durch ihre Geschlossenheit unüber- windlichcn Phalanx. Ich bin fest überzeugt, daß der würtiem- brrgische Landespart-itaa mit dazu beigetragen hat, daß die So- zialdemokratte Württembergs auch ferner den ehrenvollen wohl- verdienten Platz In der deutschen tn der internationalen Sozial- bemokratte einnehmen wird, den sie bisher eingenommen hat. Jubelnder Beifall folgte diesen Worten des Vertreters des Partcivorstandes. Daß Genosse Ebert den Geist, der die Landes- Versammlung befterrschte, richtig gezeichnet, beweist die Behandlung deS Antrages K in kel-iGöppingen, der ausdrücklich feststellen wollte, daß die Nürnberger Partcitagöbeschlüsse für jeden Genossen biudciid seien. Mit Recht wies Genosse LandtagSabgeordncter Keil darauf hin, daß es auf den württembergischen LandeSver- fainniluugcn sonst nicht üblich gewesen sei, Parteitaasbeschlüsse, die selbstverständlich für die Gesamt Partei gefaßt sind, nochmals zu perhsvdes». DaS sei auch jetzt nicht nötig. Nach dieser Er- klärung erübrigte sich die Verhandlung und Abstimmung über den Antrag der Göppinger Parteigenossen. Die„Schwab. Tagwacht" schließt ihre Betrachtung über die Landesversaminlung mit folgenden Worten, die auch wir uns zu eigen machen wollen: „Die Versammlung wurde beherrscht von dem ernsten Wollen aller Ihrer Mitglieder, zur Kräftigung und Stärkung der gesamten Partei zu tun, lvas nur irgend möglich ist. In der Teilnahme der Gäste aus Baden und Bayern und de» Vertreter« des Vor- standes der Gcsamtpartei kani die Solidarität zum Ausdruck, welch« die Parteigenossen Württembergs mit denen des ganzen Reiches verbindet. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl hat un« seither die Kraft zum erfolgreichen Kampfe gegeben. DaS wird auch lünfttg so bleiben. An die Arbeits" politilede(lebertickt. Berlin, den 6. Oktober 1003. Freisinn und Kuhhandel. Nach den verlegenen und verlogenen EiitrüstungSartikeln, die verschiedene freisinnige Blätter, an erster Stelle die„Frei« sinnige Ztg." und die„Voss. Ztg.". sich gegen den„schmäh- lichen Kuhhandel" lind die„Verquickung der Netchsfinanzrcform mit der preußischen Wahlrechtsfrage" geleistet haben, konnte man als sicher annehmen, daß die freisinnigen Parteien gewillt feien, die für sie in der Sydowfchen Apotheke präparierten Steuerpillen zu schlucken, ohne dafür von der Regierung Wahlrechts- konzesfionen zu fordern. Tatsächlich scheinen denn auch die ührcr deS Freisinns bereits bei ihren hinter den politischen ulissen gepflogenen Besprechungen mit dem Reichskanzler und dem RetchSschatzsckretär die Verpflichtung übernommen zu haben, sich der Regierung für die Durchführung der Reichs« finanzreform zur Verfügung zu stellen, ohne dafür irgend welche Zugeständnisse auf wahlrechtspolitischem Gebiet zu ver« langen. So schreibt die halboffiziöse konservative Korrespondenz „Woth": Von liberaler Seite ist in letzter Zeit der Versuch gemacht worden, die Bewilligung neuer Reichssteuern von der Ausgestaltung deS preußischen Wahlrechts abhängig zu machen. Wie wir er» fahren, besteht innerhalb der drei liberalen Fraktionen im Reichs- tage und Landtage nicht die Absicht, eine solche Politik zu be- treiben, da zwischen Regierung und Liberalismus über die politi- scheu Fragen der nächsten Zeit Einstimmigkeit herrscht und die Trübung der guten Beziehungen nicht zu erwarten ist. Die mit Führern der liberalen Fraltionen gepflogenen Besprechunsgen im Reichsschatzamt lassen hoffen, daß die ReichSfinonzreform im liberalen Lager auf heftige Gegnerschaft nicht zu rechnen hat. Im Hinblick auf die Versuche der ZentrumSpreffe, dem Liberalismus vor der neuen Aufgabe Angst zu machen, ist diese Ueberein- stimmung sehr zu begrüßen, obgleich man regierungsseitig fest überzeugt ist, daß das Zentrum bei der Gestaltung der Reich«- finanzen positive Arbeit leisten wird. Mit Rücksicht auf die großen sinanztechnischen Gesetz« im Reiche und in Preußen läßt eS sich nicht ermöglichen, dem preußischen Landtag« schon in der nächsten Session eine Novelle zum preußi» schen Wahlgesetz zu unterbreiten. Eine solche No« belle, die Fürst Blllow versprochen hat, wird aber später nicht ausbleiben. Die Vorarbeiten sind bereits eingeleitet, vornehmlich werben an der Hand der letzten preußischen Wahlen Erfahrungen für vorzuschlagende Shstemänderungen zu sammeln sein. Also, die freisinnigen Fraktionen wollen zunächst dem Reichskanzler Helsen, die ReichSfinanzreform unter Dach zu bringen. Dafür übernimmt zwar Fürst Bükow die Ver« pflichtung, fein Wort einzulösen und eine Novelle zum preußischen Dreiklassenwahlrecht im preußischen Landtage vorzulegen; wann er aber diese Novelle einbringen will. und was er darin aufnehmen will, bleibt seinem besseren Ermessen überlassen. In allen konstitutionellen Ländern, besonders in England. hat man immer wieder die Finanznöten der Regierungen dazu benutzt. um gegen die Bewilligung neuer Steuern Volksrechte einzutauschen: doch die deutschen Freisinnigen sind von viel edlerer Art wie die„kuhhandelnden" liberalen Parteien anderer Staaten. Ihre politische Tugend und Prinzipien- festigkeit sträubt sich gegen den Kuhhandel um Volksrechtc; sie kuhhandeln nur, wenn es sich um die Spekulationssreihcit der Börse handelt. Bei anderen Objekten lohnt sich die Sache nicht.—_ Zur Krise der nationalliberalen Partei in Baden. In einer am vergangenen Sonntag in Karlsruhe abgehaltenen Sitzung des engeren Ausschusses der nationalliberalen Partei wählte an Stelle des zurückgetretenen Führers Binz den Mannheimer Landger ichtSdirektor Dr. Obkircher zum Borsitzenden der Landes- Partei. Herr Oblircher ist einer der vo,n Zentrum meist gehaßtesten nationalliberalen Politiker, weil sein Auftreten gegen dasselbe für einen Nationalliberalen immerhin ziemlich entschieden genannt werden muß. AuS diesem Grunde dürste die grotzblockfreundliche Richtung in den vom Zentrum bedrohten Kreisen, die Wahl ObkircherS als einen Erfolg ihrer politischen Bestrebungen anzusehen geneigt fein. Ob sie sich darin täuscht, wird ganz von dem Ausfall der ersten Wahl abhängen. Herr Obkircher war so klug, in dieser brenzlichcn Frage sich große Zurückhaltung aufzuerlegen, indem er sich darauf beschränkte zu er- klären, daß die Partei an dein Block mit den Linksliberalen unter den alten Bedingungen festhalten wolle. Der Großblock sei eine Erfindung der Gegner. Man habe 1998 mit den Sozialdemokraten ein Stichwahlabkommen getroffen, weil es notwendig gewesen sei. Es sei jedoch eine politische Torheit, heute schon zu sagen, was man bei den nächsten Wahlen 1999 machen werde. DaS könne sich erst bei den Wahlen entscheiden. Der mehr konservativ gerichtete Teil der Rationalliberalen ver- sucht aus dieser Obkircherschcn Zurückhaltung für die rechtsliberal- konservative Politik Kapital zu schlagen. So schreibt das Basser- mattn-Blatt, der„Mannheimer Generalanzeiger", zu dem Ausfall der Wahl: Man hat uns eingeräumt, daß das Großblockabkommen von 1908 und die vorschnelle Ausstellung der gleichen Rechnung für 1999 erschlaffend auf die Energie der Partei gewirkt hat. der Agitation des Zentrums und der Konservativen, dem schnelleren Umsichgreifen der Sozialdemokratie zugute gc- kommen ist. Und wird nun die Konsequenzen ziehen, zu denen wir seit zwei Jahren und länger gedrängt habe», ohne immer ganz verstanden zu werden. Man hat die Berechtigung unserer Forderung anerkannt, die Politik der nationalliberalen Partei Baden» in Einklang mit der nationalliveralen Politik des Reiche» zu halten. Daraus ergibt sich daS Verhalten gegenüber der Sozialdemokratie von selbst, die»der gefährlichste Feind des heutigen Staates" ist und bleibt, Die angebliche Dopvcltaktik, die auch die badisch« Sozialdemokratie treibt, hat dies« aber nie geführt, schwächlich oder zu nachsichtig gegenüber dem Liberalismus zu werden. Die n a t t y II a I- liberale Partei Badens hat die Soztaldemo- kratie zu sehr geschont, sie zu sanft tn ihrer Presse und ihren Versa in mlungen angefaßt, ja sie eigentlich gar nicht angefaßt, um ihr die Laim« für spätere Abkommen nicht zu verderben. Da« war«in politischer gehler— von der nationalen Reichspolitik her gesehen: da» war«in taltischec Fehler— von der inneren Politrk Badens her." Da» Blatt schließt mit der Behauptung, das Großblockavkommcn vom Jahr« 1995 sei zu teuer bezahlt. Daß die national- liberale Partei das Rückgrat der inneren Politik Baden? bilde, sei wichtiger als die Abwehr einer konservativ-flerikalcn Mehrheit." Wie die Nationalliberalen dieses Rückgrat bilden wollen, wenn sie infolge ihrer geringen Zahl im Parlament einflußlos sind, ver- schweigt da« Blatt. Wahrscheinlich glaubt es, daß di» Negierung trotz einer Zentrumsmehrheit im Parlament eine liberale Politil treiben könne. E« kommt hierbei natürlich ganz darauf an, was man unter liberaler Politik versteht. Zentrum und Gemeindewahlrecht. Di« Zentrumspartei in Aachen, die im dortigen Rathause die Mehrheit hat, vermag dennoch nicht, dort die von den Arbeitern er- strebte Herabsetzung deö Gemeinde lvahlzensuS durch- zusetzen, weil jedesmal einige Mitglieder der Fraktion sich dieser Rc- form widersetzen, sich zu den Liberalen schlagen und dann mit diesen eine Mehrheit zur Ablehnung des Antrages bilden. Infolge der Proteste selten» der katholischen Arbeiter hat sich dann da« Zentralkomitee des Aachener Zentrum-?, die offizielle Parteivertretung am Ort, genötigt gesehen, sich mit der Sache zu beschäftigen. ES faßte Ende Juli eine Resolution, worin bedauert wurde, daß die ZentrumSfraktion nicht geschloffen für die Herabsetzung de» Gcmeindewahlzensuö gestimrnl hat, besonders da diese Frage als eine der ersten Forderungen der Aachener Zentrumspartei zu betrachten sei, für deren Durchführung die Stadtverordneten zu wirken und zu stimmen hätten, wosern sie nicht den Interessen der Wähler, denen sie ihr Mandat verdanken, zuwiderhandeln wollten. E» wird erwartet, daß die ZentrumSfraktion demnächst einem diesbezüglichen Antrag zustiinmen und in Zukuns! mehr als bisher geschloffen auftreten wird. Diese Resolution wurde den Zentrumsstadtverordneten zu- gesandt. Wa« antworteten nun darauf die Herreu, die dem Wahl- rechlSantrag nicht zugestimmt hatten? Herr Thiffen«rllärte, daß vor seiner Wohl in der Zensusfrage eine Erklärung nicht verlangt worden sei; Herr Göbel» weist darauf hin, daß er seinen ab- lehnenden Standpunkt in der ZensuSfrage bereit« 1998 der Zentrumsleitung kund gegeben habe, und der dritte, Dr. Court er- klärt, daß er 1. vor seiner Wahl sich volleBewegungSfreiheit in der Zensusfrage vorbehalten habe, 2. die in der Resolution erhobenen Beschuldigungen als unberechtigt zurückweise, S. bei noch- maliger Verhandlung über die ZensuSfrage nur so stimmen werde, wie er eS vor seinem Gewissen ver- antworten könne. Und waS tut die Aachener ZentrumSpartei gegenüber solchen „Volksfreunden"? Ruft sie sie von den Vertrauensstellungen, die ihnen die Partei gegeben hat und in die die Aachener Arbeiter sie gewählt haben in der Erwartung, daß sie dort ihre Interessen vertreten? Im Gegenteil! Das Zentralwahlkomitee, das sich am Mittwochabend mit der Frage beschäftigte, begnügt sich damit, von der Versicherung deS Herrn Dr. Court, daß er sich vor der Wahl die Entscheidung in der ZmsuSfrage vorbehalten habe. Kenntnis zu nehmen und erklärt, daß eS ihm fern gelegen habe. Herrn Dr. Court den Vorwurf der Täuschung oder der Wortbrüchigkeit zu machen. Sonst weiß die leitende Stelle der Aachener Zentrumspartei nichts zu dem Volks- und arbeiterfeindlichen Verhalten der Herren „Volksvertreter" im Rathause zu sagen. Sie bleiben in Amt und Würden und können ungeniert weiter stnmnen gegen die Wahlrechts« anträge ber Machener Arbeiter. Und nun fage noch Einer, das Bentrum meine es nicht ernst mit seiner Wolfs" und Arbeiter= freundlichkeit!" Die Landtagswahl in Anhalt. Für den anhaltischen Landtag werden außer 12 Privilegierten 24 Abgeordnete nach gleichem, geheimem, indirettem 3enfus= wahlrecht gewählt. Der Zenfus ist in den Städten 1050 M.,.. auf dem Lande 600 M. Das indirette Wahlrecht macht uns Erfolge auf dem Lande noch außerordentlich schwer. Nur in den Landkreisen mit in der Nähe der Städte befindlicher Industriebevölkerung, zwei Streifen in Dessau und zwei Kreisen Preußische Landräte als Abonnentensammler. Aus Königsberg wird uns geschrieben: R Unter dieser Ueberschrift beleuchtete der Vorwärts" am Freitag voriger Woche die Vielseitigkeit des Landrats v. Massow, weil er amtlich Abonnenten für ein pommeriches Boltsblatt jammelt. In Ostpreußen ist diefe Tätigkeit der Landräte durchaus nicht neu. So findet man im amtlichen Fischhauser Streisblatt" vom Sonnabend, den 3. Oftober d. I. folgende amtliche Notiz: Nr. 811, Bekanntmachung. -Klara Bettin feden Tag aufs neue entfacht, bei dem Stabyals eine unbedingte politische Notwendigkeit au erweisen, mi von tüchtigen Agitatorinnen, bie sie bereits auf lungen ist. Aber wie die Dinge einmal lagen, glaubten die Südzuweisen hat, ist an einem Erfolge nicht zu zweifeln. deutschen die Budgetbewilligung verteidigen zu müssen und ver Denken wir daran, wie unvorbereitet unsere Frauenwendeten darauf all ihren Scharfsinn und alle Leidenschaft, dieser Bewegung noch gegenüberstehen! Was bedeuten unsere während sie tatsächlich bereits für etwas ganz anderes fämpften, Müttervereine, was unser Frauenbund dieser proletarischen nämlich für ihr Recht, über die' Budgetbewilligung sowie über ihre Frauenbewegung gegenüber? Wo haben wir die Frauen, deren Lattik in den Landtagen überhaupt felbständig zu entscheiden. An Gesichtskreis geweitet, deren Blick geschärft ist für all das, was sich die Stelle einer Frage der Parteitaktit war eine Frage der Tattit neu um sie her gestaltet? Wo die Frauen, die so planmäßig und in der Partei oder, wenn man will, eine Frage der Parteiorganisystematisch im christlichen Sinne und für den Kampf um christliche jation und Parteidisziplin gerückt. Lebensideale erziehen, wie es diese sozialistischen Frauen in ihrem Das ist nun allerdings eine viel wichtigere und schwierigere Sinne tun wollen? Nein, wir haben noch keine Frauen- frage als die der Budgetbehandlung und das läßt auch die Site bewegung; wir müssen sie erst noch schaffen." des Kampfes leichter begreifen. Daß es sich um eine Frage der Der Stleritalismus denkt nicht daran, der Frau das zu geben, Selbständigkeit innerhalb der Parteiorganisation handelte, läßt in Bernburg bieten fich uns Erfolgsmöglichkeiten. So was allein ihr Begeisterung und Stampfesfreude verschaffen lann: allein auch erklärlich erscheinen, daß ein so großer Teil der Arerzielten wir in Dessau- Land- Dit 22 Wahlmänner gegenüber die volle Gleichberechtigung als einziges Mittel zur Erlösung aus beiter Süddeutschlands mit einer Leidenschaft für die Auf27 agrarischen, in Dessau- Land- West aber nur 25 gegenüber den Banden einer schmachvollen Stellung. Beim Stleritalismus lebt faffung ihrer Abgeordneten eintrat, die sie für die Budget60 agrarisch- bürgerlichen. In Bernburg- Land- West( Leopoldshall- immer noch die mittelalterliche Vorstellung von der Minderwertigteit bewilligung gewiß nicht aufgebracht hätten, die, das werden auch Hedlingen- Neundorf) find wir mit 25 Wahlmännern zwischen des Weibes, und deshalb hat nicht einmal der Statholikentag fich unsere Bayern zugeben, mag man über ihre Notwendigkeit benten 43 und 33 bürgerlich- agrarischen ausschlaggebend. Die 48 hat bazu aufschwingen können, die Frauen als gleichberechtigte wit wie man will, für eine proletarische Wählerschaft kaum ein Gegenstand der Begeisterung sein kann. Bedauerlich ist nur, daß in dem ein Landwirt, die 33 eine Art nationalfozialer Pastor glieder zuzulassen. Bedürfnis, ihre Position zu verteidigen, die füddeutsche Partei( Baumecker). Die übrigen sechs ländlichen Kreise sind für uns presse einen Ton angeschlagen hat, für den leider wir Oesterreicher bei der Landtagswahl noch wenig zugänglich. Die Städte wählen 14 Abein besonders geübtes Chr haben: sie hat an die Empfindungen geordnete. Noch fast völlig unzugänglich ist uns die Sommerresidenz appelliert, die auf dem Gegensatz zwischen Süddeutschen und Norddeutschen beruhen, und die Sache wird dadurch nicht besser, Ballenstedt- Hoym. Besser schon steht es mit Harzgerode Gernrode fondern schlechter, daß man unlängst lejen konnte, die Grenze Güntersberge. Hier erreichten wir schon 80 Prozent der Stimmen, Schwach auch ist es noch mit unserer Macht in den kleinen Städtchen zwischen dem guten und vorgeschrittenen Süden und dem bösen und zurückgebliebenen Norden in der Partei natürlich sei nicht Wörlig, Dranienbaum, Jeßniz, Nepuhn bestellt. Der Zensus von mehr der Main, sondern die Elbe! Wenn unsere deutschen Ge1050 M. wird da von nur wenigen Arbeitern erreicht. Infolgedessen nossen die richtige Empfindung haben für die Gefahr solcher Bündegetpannen wir auch nur in Jeßnitz sechs Wahlmänner. Teien, tönnen sie bei dieser Gelegenheit eine entfernte Ahnung Auf den von der Bentralstelle für Volkswohlfahrt( Berlin SW. 11, befommen von den Schwierigkeiten, die nicht erfundene, fondern Dahingegen tämpfen wir schon um den Sieg in den Städten Deffau- Bernburg- Coswig- Roßlau- Zerbst- Köthen und Nienburg- Deffauerfir, 14) herausgegebenen„ Ratgeber für Jugendvereinigungen" fehr reale nationale Verschiedenheiten und nationale Gegensäte Nienburgweile Güsten- Sandersleben. Wir gewannen Bernburg mit 1887 Urwählern weife ich empfehlend him. Diese Zeitschrift, die bisher als Manuskript ber proletarischen Bolitit in Oesterreich bereiten, gedruckt vierteljährlich einem begrenzten reise von Interessenten gegen 1545 ber Gegner, indem uns durch den glücklichen Zufall der auf Wunsch kostenlos überfandt wurde, ist jetzt jedermann durch den Bahlmännerwahl 67 Wahlmänner zufielen gegenüber 66 der Gegner. Buchhandel oder Postbezug gegen eine Jahresgebühr von 1 M.( einBir gewannen auch Nienburg Güsten Sandersleben mit 507 Ure schließlich Porto) zugängig gemacht worden. Gleichzeitig foll das wählern gegenüber 448 Bürgermeister- Anhängern und 292 Frei- Blatt öfter( tunlichst alle zwei Monate) im Umfange von etwa zwei finnigen. Wir erzielten 40 Wablmänner gegenüber 28 gegnerischen. Bogen erscheinen und auch im Jubalte möglichst ausgestattet werden. Fischhausen, den 28. September 1908, -Dahingegen unterlagen wir in Berbst, mit Barth- DemoDer Landrat. fraten vereinigt, gegen den reaktionären Block, obwohl für die Linke 868 und für die Rechte nur 752 Urwähler stimmten. Lettere geSieben Monate Feftung für ein unbedachtes Wort!! tvannen 42 Wahlmänner, wir mit den Röfice- Liberalen zusammen trotz der 868 Urwähler nur 84.- Ungünstige Wahlkreisgeometrie In einem Bipal des 166, Regiments bei Altenbunden fagte brachte uns auch in Coswig- Moßlau eine Niederlage. Wir erzielten ber im 2. Jahre dienende Mustetter chubert zu einem Stapitumit 945 Urwählern 31 Wahlmänner, die Gegner mit 1103 Urwählern lanten, der früher sein bester Freund und mit ihm eingetreten In Dessau wählten von 5910 Wahlberechtigten( der Hälfte war: Salts Maul, oder ich schlage Dir drauf, daß das Blut sprigt. Schubert war finnlos betrunken, trotzdem wurde er heute vom der Reichstagswähler) 505885 Pro3.( In den Städten Frankfurter Kriegsgericht wegen Achtungsverlegung und Insub. war die Beteiligung durchweg eine sehr gute, die bis weit über ordination zu sieben Monaten Festung verurteilt. 90 Proz. ftieg.) Wir erzielten mit 2062 Urwählern 84 Wahlmänner, die Gegner mit 2947 Urwählern 121 Wahlmänner. Dessau wählt als ein Streis brei Abgeordnete. In Cöthen, wo wir 1902 mit 65 Urwählern noch nicht einen Wahlmann durchbrachten, gewannen wir diesmal mit 566 Urwählern 81 Wahlmänner, die ausreichen, Budapest, 6. Oftober. Da die fast allabendlich stattum zwischen zwei Bürgerlichen zuungunsten eines Anhängers des findenden Demonstrationen einen ernsteren ChaLandarbeiter- Sontrattbruchgesetzes( Jrmer) bie Entscheidung zu geben. rafter annehmen, hat die Polizei alle Aufzüge verWir haben drei Mandate erobert, hätten aber unserer boten und droht, bei weiteren Zusammenrottungen mit Stimmenzahl entsprechend, von den Wahlberaubten ganz blanter Waffe einschreiten zu müssen. abgefehen, auf mindestens givet Fünftel der städtischen und 58. 9 -4 ländliche Mandate, also auf 7 Mandate Anspruch. In Deffau, Roßlau und Coswig haben wir 3007 Stimmen, die Gegner 4050, wir haben kein Mandat, die Gegner 4. Noch folch ein Fortschritt wie der von 1902 bis 1908 und wir erobern soviel Manbate aus eigener Straft. Wenn übrigens die Logit in der politischen Welt nur einige Bedeutung hätte, müßte die diesmalige Wahl bem indiretten Wahlrecht den Todesstoß bersetzt haben. Ein neuer Schwurzeuge gegen die Erbschaftssteuer. Die agrarische Deutsche Tageszeitung" bat in einem Artikel der Deutschen Juristenzeitung" einen neuen Schwurzeugen gegen die Erbschaftssteuer entbedt." Es ist ber alte Römer linius. Dieser tobt in seiner Dankrede an den Saifer den Vater des Kaisers deswegen, weil dieser die Bicessing( 3prozentige Erbschaftssteuer) den Kindern erließ, die ihre Eltern beerbten. Bei dem Erlaffe der Steuer wurde, wie Plinius fagt, bavon ausgegangen, daß es unrecht, gewalttätig, fast gottlos fei, wenn ein Rentbeamter fich zwischen Eltern und Kin dern dränge, und daß feinerlei finanzielle Müd. fight wichtig genug fei, daß man ihretwegen Kinder und Eltern als Fremde behandele. Fürst Bülow hat bisher nur gezeigt, daß er in den neueren Klassikern bewandert ist, er wird nicht umhin tönnen, schleunigst auch die römischen Klassiker zu studieren, damit er gegenüber der herbor ragenden Klassikerkunde des Herrn Dertel nicht schmählich Schiffbruch leidet. Die Agrarier find zwar Antisemiten, vielleicht aber stöbern fie jetzt auch noch das alte Testament burch, um auch dort einen Schwurzeugen gegen die Erbschaftssteuer zu finden. Lotteriesozialpolitik will der teutschnationale Handlungsgehilfenverband betreiben. Ein bertrauliches Birkular, das der Frankfurter" Bollsstimme" auf den Tisch geflogen ist, gefteht zu, daß die Teutschen mit einer stän bigen interbilanz zu rechnen hätten, wenn nicht außerordente liche Einnahmen die Stasse stärkten. Deshalb wurde die Veranstal tung einer Lotterie beschlossen, jeber Stollege solle 2 Lose a 1 m. Oefterreich- Ungarn. Drohungen der Polizei, England. Die Wirtschaftskrise und der Staat. London, 1. Ottober.( Eig. Ber.) Der Niedergang des Wirt schaftslebens spiegelt sich wieder im Südgange der Staatseinnahmen. Verglichen mit der gleichen Zeit des Jahres 1007 seigt das Tebte Vierteljahr( Juli, August, September) einen Rüdgang in den Staatseinnahmen von 2 081 000 Pfund Sterling. Das Vierteljahr vom April bis Juni hatte einen Rüdgang von 2337 000 Pfund Sterling. Nun fönnte der Wunsch der Süddeutschen nach Selbständigkeit sich allerdings damit abfinden, daß der Parteitagsbeschluß sie ja fich allerdings damit abfinden, daß der Parteitagsbeschluß sie ja nur in der einzigen Budgetfrage bindet, die sie selbst nicht für fo wichtig haften, während ihre Tattit in allen anderen, viel einschneidenderen Fragen vollkommen frei bleibt. Aber da einmal Die öffentliche Aufmerksamkeit auf diefe Budgetfrage gefentt ist, so wird es sie heute eine gewisse Selbstüberwindung foften, ihre Wünsche mit der Notwendigkeit der Partei in lebereinstimmung zu bringen. Ihre auf dem Barteitag abgegebene Erklärung ist kein Hindernis dafür, daß sie zur rechten Zeit die richtige Form dafür finden werden, Sie felbft müffen wünschen, daß das Prinzip, die Zattit der Partei möglichst einheitlich zu gestalten, aufrecht bleibe. Denn schließlich könnte es ihnen passieren, daß, was sie heute der Gefamipartei versagen, morgen der Landesvertretung von irgendeiner Wahlkreisorganisation oder einer Gemeinderatsfraktion geweigert wird. Die Gesamtpartei gibt jeder einzelnen Organt. fation an Straft weit mehr, als fie ihr an Selbständigkeit nimmt, selbst wenn sie die Parteidisziplin allzu eng auslegen würde." Der Aus der Partei. Parteiliteratur. Arbeiter- Notis- Kalender 1909, Berlag Buchhandlung Borwärts, Berlin SW, 68, ift erschienen, Der Arbeiter- Notig- Stalender ist im Laufe der Jahre bei vielen Taufenden von Arbeitern zu einem unentbehrlichen Taschenbuch geworden; die Reichhaltigkeit des Inhalts sowie die gute Ausstattung laffen erwarten, daß er sich nicht nur feine alten Freunde erhalten, sondern eine große Anzahl neuer erobern wird. Aus dem Jubalt des Kalenders heben wir herbor: Die Biographische Reichstagswahlen 1907 und die Nachwahlen. Notizen unserer Netchstagsabgeordneten. Reichsvereinsgefeg. Die Bebeutung der Landtage. Sozialdemokratische und Gewerkschaftspreffe. Die Gewerkschaften Deutschlands. Internationale Streit und Gewerkschaftsbewegung im Jahre 1906.- Adressen der Arbeitersekretariate und der Vorstände Die Arbeitslosigkeit ist in allen Fabrik. und Handels. der Zentralverbände. Die deutschen Gewerbeinspektoren. städten groß, so daß für den Winter schlimme Not zu befürchten ist. Stalendarium und Geschichtskalender. Münz- und Gewichtstabelle. Die Sozialdemokratie wird schon dafür sorgen, daß die Arbeits- Drtstage, Vielseitiges Abreffenmaterial. Außerdem enthält der Kalender ein tünstlerisch ausgeführtes Margs lofen nicht stillschweigend leiden. Porträt. Preis 60 Pf. Bu beziehen durch alle Parteibuchhandlungen und Interessant ist der Versuch des Striegsministers, bie Strise zugunsten der Armee auszunutzen. Er teilte bem Bublifum mit, daß er bereit fet, etwa 17 000 junge Arbeitslose auf fechs Monate in die Armee zu nehmen, um ihnen eine militärische Ausbildung zu geben. Rußland. Der Studentenstreik. Sechs Todesurteite gegen Deutsche. Frankfurt a. M., 6. Oktober. Die Frankfurter Beitung" melbet aus Odessa: Sechs deutsche Einwohner in Stolonie Mariendorf( Gouvernement Cherson) wurden vom hiefigen Kriegsgericht wegen leichter Berlegung eines Polizeibeamten zum Tode per urteilt. Kolporteure. Bebel und der„ Labour Leader". Jener Brief Genosse Bebel bat belanntlich in einer hier veröffentlichten Erklärung bedauert, daß der Brief, worin er seine Meinung aussprach über die Kriegshezze zwischen England und Deutschland und über die Absicht der englischen Arbeiterpartei, eine FriedensdepuPetersburg, 6. Oktober. Die Ottobriften und die tation nach Deutschland zu senden, vom Genossen Bruce Glasier Oppofition verurteilen den Studentenstreit, weil er im" Labour Leader" veröffentlicht worden ist. refultatios bleiben werbe unb bie Autonomiefrage bei der Reichs- fei eine private, nicht für die Veröffentlichung bestimmte Mitteilung bumamajorität um beren Sympathie bringen kann. gewefen. Die Redaktion des„ Labour Leader" erfucht uns nun, folgenden in ihrem Blatte veröffentlichen Brief ihres in Genua weilenden Herausgebers Bruce Glasier wiederzugeben, in dem er sich gegen den vom Genossen Bebel erhobenen Borwurf verteidigt. Der wesentliche Inhalt des Briefes lautet in deutscher Uebersetzung: " Bunächst laffen Sie mich sagen, daß ich das im Labour Leader" ausgesprochene Erstaunen teile über Bebels Erklärung im Vorwärts", baß ich seinen Brief veröffentlichte, während ich gewußt hätte, daß er ihn mir als eine private Mitteilung gefandt habe. Die Darstellung, die der„ Labour Leader" von den Umständen des Empfangs und der Veröffentlichung des Briefes gab, ist vollständig zutreffend. Ich schrieb an Bebel, wie ich auch an Jaurès und Bernstein geschrieben hatte, daß ich ihn um die Freundlichkeit bäte, einen Artikel oder eine Meußerung als Antwort auf Hardies Artikel zur Veröffentlichung im„ Leader" zu schicken. Ich lenkte feine die deutschen Genossen, die in Hardies Artikel enthalten waren, und lub ihn ein, diese Aeußerungen internationaler Freundschaft und Solidarität anzuerkennen. Als Antwort fandte Bebel ben Brief, den ich veröffentlichte. Weber innen noch außen trug Bebels Brief, wie der Leader" schon in der vergangenen Woche angeführt hat, das leisefte Anzeichen, daß er ihn als einen für mich bestimmten Brivatbrief angesehen wiffen wolle. Ich bat nicht um einen Privatbrief. Gin Privatbrief war in dieser Lage weder für mich noch für die britische sozialistische Bewegung von Nugen. Ich erbat und ich glaubte von ihm eine öffentliche Erklärung feiner Ansichten über eine große öffentliche Frage empfangen zu haben. Laufen, wenn es ihm darum zu tun fei, daß der Verband auch Genoffe Viktor Adler fernerhin erfolgreich arbeiten" tönne. Es ist überaus bezeichnend für den Geist, ber in dem antisemitischen Handlungsgehilfenverband vorherrschen muß, wenn an den Spielteufel appelliert werden muß, um die Kosten für die Orga nisation herauszuschlagen. Wahl in Wemel Heybekrug. Amtliche Melbung: Bei der Reichsagserfapwahl am 2. b. M. für Sönigsberg I( Memel- Beydetrug) wurden insgesamt 14 484 gültige Stimmen abgegeben. Es erhielten Geh. Regierungsrat a. D. Schwabach( natt.) 0710, Butttereit( tonf.) 2912 und Hofer( Soz.) 1851 Stimmen. Zersplittert waren elf Stimmen. Wie man in Preußen spart. zum Türnberger Parteitag. ufmerkſamkeit besonders auf die herzlichen Grüße an ihn und Im soeben erschienenen Heft 1 des 2. Jahrganges des ampfes", der Monatsschrift der deutsch- österreichischen Genossen, schreibt Genosse Viktor Adler in einem Artikel: Gloffen zum Nürnberger Parteitag": " " Man hat vielfach gefagt, diesmal fei der Streit rein aufällig" ausgebrochen. Run halten wir allerdings die Frage der Budgetbewilligung für teine so wichtige, daß sie die Leidenschaft des Stampfes rechtfertigen würde, und daß die Sache an sich herz lich unbedeutend ist, hat Bebel nicht minder bestimmt aus gesprochen wie Timm. Aber trotzdem ist der Streit tein Zufall, Wie von Bürgerlicher Seite gemeldet wird, follen für die sondern früher oder später mußten die Fragen, die im Zusammen- Es ist bebauerlich, daß Bebel, wenn er seinen Brief als einen preußischen Gesandtfchaften eigene Gebäude errichtet werden. Außer hang mit der Angelegenheit der Budgetbewilligung erörtert vertraulichen behandelt zu sehen wünschte, feine Absicht nicht in in Rom, beim päpstlichen Stuhl. unterhält Preußen Gesandte in wurden, an die Oberfläche treten und die Bartei beschäftigen. irgend einer Form erkenntlich gemacht hat. Ebenso ist es Hamburg, München, Karlsruhe, Dresden, Stuttgart, Darmstadt und Diese Sache selbst war vielleicht nicht allzu schwer zu schlichten. bedauerlich, daß er, wie es jetzt scheint gezögert haben Oldenburg. Die Gefandtschaften in München und Karlsruhe haben Man durfte es den Süddeutschen nur nicht allzu schier machen, follte, die an ihn und die deutsche sozialistische Bewegung bereits eigene Gebäude. Eine Notwendigkeit für diese Ausgaben zuzugeben, daß in dieser Beziehung ihre Tattit feine einwand gerichtete prächtige Friedens- und Bruderschaftskundgebung Hardies besteht umsoweniger, als diese Gesandtschaften absolut teinen Zwed freie war. Sätte man die Budgetbewilligung nicht als Todsünde bei einer so fritischen Gelegenheit öffentlich anzuerkennen. haben, fonbern tatsächlich hinausgeworfenes Geld bedeuten. Wenigftens qualifiziert, jo hätten sie vielleicht zugestanden, daß die Budget- bei einer so fritischen Gelegenheit öffentlich anzuerkennen. Bebel wird, dessen bin ich sicher, wenn er sich die Umstände des ersteht man aber aus biefem Beispiel, wie ernsthaft" man in berweigerung, die sie so oft geübt, auch in diesem Jahre kein ver. Falles jetzt vergegenwärtigt, feine übereilte Anflage auf Vertrauens hängnisvoller Fehler gewesen wäre, ber die bayerische und babische bruch gegen mich wegen der Veröffentlichung feines Briefes ohne Breußen bestrebt ist, zu sparen. Sozialdemokratie schwer geschädigt hätte. Die füddeutschen Ge weiteres zurückziehen." noffen haben so biel vernünftige Sachen getan, daß ihnen bas Recht, gelegentlich auch einen Fehler zu machen, ebenso zugebilligt So ber Brief. Es erhellt aus ihm, daß in der Affäre ein werden muß, wie jedem vernünftigen Menschen, und man durfte wirklich annehmen, daß sie den Fehler nächstens vermeiden werden. Mißberständnis gewaltet und daß Genosse Bruce Glasier zweifellos Daß fie mit der Budgetbewilligung weder eine Anerkennung des in gutem Glauben gehandelt hat. lassenstaates noch ein Vertrauensvotum für die Regierung aus fprechen wollten, durfte man ihnen ebenso glauben, wie sie selbst, wäre nur wirklich eine rein fachliche Diskussion möglich getvefen, zugeben hätten müssen, daß der Verfuch, die Budgetbewilligung Sozialistische und klerikale Frauenbewegung. In einem Artikel über den Nürnberger Parteitag der deutschen Sozialdemokratie schreibt die Westdeutsche Arbeiter Beitung": Was denken wir von dieser sozialistischen Frauen bewegung? Wird sie eine Zukunft haben? Wird sie große Maffen der Frauen au erfaffen vermögen? Bei dem hoch grabigen Jbeatismus und der Begisterung, die eine * Vom Fortschritt der Presse. 450 neue Abonnenten hat in den letzten Tagen bie, Arbeiter aeitung" in Effsen durch eine Hausagitation gewonnen Die Gaitwirte gegen die neuen Steuern! Berlin und Umgegend. Ein schlagfertiger Jnnungsmeister Tommen fonnte, zur Anzeige gebracht und wegen Arbeits- 1| Unterstügung lediglich nach Lage der tatsächlichen Verhältnisse icheu" zu 20 Tagen haft sowie aur leberweisung entschieden werden, sollte man für jede Mitteilung über an die Landespolizei verurteilt. Gegen die Ueberweisung die tatsächlichen Verhältnisse dankbar sein. Formal ergriff sie Berufung. Das Ergebnis der Berufungsverhandlung mag der Herr Regimentstommandeur sich völlig im Rechte war für den Magistrat sehr blamabel. Die arme Frau, Die Gast- und Schankwirte hatten zum gestrigen Nachmittag die Rach Freyers Festsälen, Koppenstr. 29, eine öffentliche Protestversamm- soll, ist ein Opfer als„ arbeitsschen" dem Arbeitshause überliefert werden fühlen, fachlich hat er sogar Unrecht, wenn man ihm seine des Kapitalismus. Sie ist durch durch den Brief erwiesene völlige Unkenntnis der Kluft zulung einberufen mit der Tagesordnung: Die Pläne der Regierung, die Bleifolit, die sie sich in einer Farbenfabrit geholt, gute hält, die unsere Schule zwischen Besitzenden und Nichtdas Gastwirtsgewerbe mit neuen Abgaben auf Bier, Tabak und törperlich vollständig heruntergekommen, auf dem einen Auge besitzenden geschaffen hat und mit Wissen und Willen der Branntwein zu belaften! Die Versammlung war gut besucht. ist sie völlig blind, auf dem anderen sieht sie nur wenig; das sind Herrschenden aufrecht erhält! Genoffe Litfin hatte das Referat übernommen und kennzeichnete die Folgen ihrer Tätigkeit in einer Bernicelungsanstalt. Ferner in einem reichhaltig zusammengestellten detailierten Tatsachenmaterial leidet sie an einem Herzklappenfehler und an den Folgen eines im die Verwirrung und Ratlosigkeit in der deutschen Reichsfinanzwirtschaft. vorigen Jahre erlittenen Knöchelbruchs. Angesichts dieses elenden Als der Reichsschatsekretär v. Stengel vom Stengel fiel und sein Zustandes der Bedauernswerten mußte der Staatsanwalt Nachfolger Sydow an seine Stelle trat, da war es schon klar, daß selbst aufhebung der Maßregel beantragen, auf die ist der Juhaber des Deutschen Hofes", Luckauer Straße 15, Her neue Abgaben das Volk treffen würden, man war sich in den maß auch erkannt wurde. In der Urteilsbegründung heißt es, daß die Hannede. Derselbe geriet dieser Tage mit einem Angestellten in gebenden Körperschaften nur noch nicht flar, wie man die Deckung Angeklagte infolge förperlicher Gebrechen bedeutend eriverbsbeschränkt Streit. Zur Charakterisierung des Borgefallenen möge es genügen, für das Reichsdefizit bewerkstelligen wollte. Alle möglichen Auswege ist und es ihr daher schwer wird, ein Unterlommen zu finden. das dem Verlegten ausgestellte ärztliche Attest der Deffentlichkeit au wurden gesucht, zuletzt blieb man aber doch wieder bei den Konsum- Statt sich solcher Schlachtopfer des Kapitalismus fürsorgend anzu unterbreiten: artikeln Bier, Tabat, Branntwein haften. Die heutige Versammlung nehmen, schickt ihnen die freisinnige Stadtvertretung Arbeitsaufträge Dr. Zadek folle auch dem Zwecke dienen, in die Verwirrung, die über diese und will sie dem Arbeitshause überantworten. Das ist wahrhaftige Berlin S., Dresdener Str. 109. Frage in den verschiedenen Organisationen des Gastwirtsberufes und freisinnige Sozialpolitik in dem„ freiheitlichen" Bayern! Tel. Amt 4, 3630. besonders bei der Besprechung in den betreffenden Organen ( Stempel) fich zeige, Klarheit zu bringen. So ist die Meinung zum Ausdruck gelangt, die Gastwirte mögen die beabsichtigten neuen Steuern im kommenden Falle einfach auf die Konsumenten abwälzen. Redner hält einen derartigen Standpunkt mit den Moralanschauungen ehrenwerter Geschäftsleute nicht für vereinbar. Sie dürfen sich nicht zum Grundsatz das Sprichwort wählen: Ich bitt' dich, heiliger Florian, Verschon' mein Haus, zünd' andre an! Damit sägen sich die Gastwirte den Ast ab, auf dem fie fitzen. Redner weist an der Hand eines statistischen Zahlenmaterials nach, daß die Gastwirte absolut nicht in der Lage sind, die neuen drohenden Steuern neben den jezigen noch zu tragen. Des weiteren verbreitet er sich über die inneren Verhältnisse des Gastwirtsberufes sowie dessen Lage in den einzelnen Landesteilen und betont am Schlusse noch einmal nachdrücklich, daß es nicht angeht, diesen Beruf noch weiter zu belasten, wenn nicht ungezählte Eristenzen vollständig dem wirtschaftlichen Ruin überliefert werden sollen. Der Trost, die Steuern auf das Publikum abzuschieben, ist ein schlechter, er tommt der Schinderhannesmoral gleich. Dem Vortrag folgte lebhafter Beifall. Bon dem zweiten Referat über Licht- und Tabaksteuern mußte infolge der vorgeschrittenen Zeit abgesehen werden. Eine zweite Versammlung soll zu diesem Zwecke einberufen werden. In der Diskussion schlossen sich alle Redner dem Referenten an. Folgende Resolution wurde angenommen: " Die heute, am 6. Oftober 1908, in Freyers Festsälen, Koppenstr. 29, tagende Versammlung aller Gasts und Schankwirte Berlins und Umgebung protestiert mit aller Energie gegen eine weitere Belastung des Wirtegewerbes durch die geplante Erhöhung der Steuern auf Bier, Branntwein, Tabak. nur Wirtestandes. Die Versammelten halten die Absicht der Regierung, das Reichsdefizit und die durch die uferlosen Rüstungen entstehenden Mehrausgaben durch neue und vermehrte indirekte Steuern, wie Elektrizitäts- und Gassteuer, für eine direkte Schädigung nicht des werktätigen Volfes, sondern auch des gesamten Namentlich das Wirtegewerbe ist heute schon mit Abgaben und Steuern schwer belastet und protestiert darum und im besonderen gegen diese wirtschaftlichen Schädigungen. Es fordert die Abschaffung aller indirekten Steuern, Zölle und sonstigen steuerpolitischen Maßnahmen, welche die Interessen der Allgemeinheit den Interessen einer bevorzugten Minderheit opfern. Kinder- und Frauenausbeutung in einem flerifal regierten Staate. wieder einmal, daß man die arbeiterfreundlichen Versicherungen der Die neuesten Berichte der belgischen Grubeninspektoren beweisen Wo nämlich die Klerikalen recht vorsichtig aufnehmen muß. Gesinnungsgenossen der deutschen Bentrumspartei im Auslande die Regierungsgewalt innehaben, da werden die allerbescheidensten Arbeiterschuhforderungen beharrlich ignoriert. In Belgien hält seit Jahren die fleritale( fatholische) Partei das Regierungsruder in Sänden, befigt in den beiden gesetzgebenden Körperschaften die Majorität. m selben Lande werden aber immer noch schwächliche Kinder und Frauen im unter irdischen Grubenbetrieb ausgebeutet! Attest. Berlin, den 5. Oftober 1908. S. 14. Dresdner Str. 109. Der Kellner Karl Klaus, Franzstr. 9 wohnhaft, gibt an, bu seinem Arbeitgeber am 4. Oftober mittags 12 Uhr tätlich miß handelt worden zu sein, so daß die Lippe geblutet habe und er feitdem Schmerzen im Kopf und Genick sowie in der linken Gesichtshälfte verspüre. Die Untersuchung ergibt eine Schwellung der Oberlippe links und eine etwa Fünfpfennig große Abschürfung ( Wunde) an der Innenseite der Lippe. Oberliefer und Schläfen gegend links find druckempfindlich. Dies bescheinigt Dr. Zadet, Arzt. Von den 4957 Kohlenarbeitern( 1907) in der Provinz Namur schafften 3548 unter Tage. Davon waren 65 Kinder von 12 bis 14 Jahren, 165 waren noch nicht älter wie 16 Jahre! Auch über Herr Hannede gehört auch zu den Gastwirten, welche den Tage schafften 126 Knaben und 32 Mädchen im Alter von 12 bis Arbeitsnachweis der organisierten Gastwirtsgehilfen meiden und 14 Jahren, 109 Knaben waren noch nicht 16 Jahre alt. Dem un- denen der Lohntarif ein Greuel ist. Er glaubt offenbar, daß man gestümen Drängen der Sozialisten hat die klerikale Regierung insofern Unorganisierten alles bieten kann. Die Gastwirtsgehilfen und ins nachgeben müssen, als wenigstens gesetzlich bestimmt wurde, von besondere die Arbeiterschaft insgesamt ersieht aus dem Vorfall 1902 ab dürfen feine neuen weiblichen Arbeiter untertags beschäftigt wieder einmal, wie notwendig Organisation und Zusammen werden. Ganz ist der weibliche Arbeiter aber noch nicht aus der halt find. Grubentiefe verschwunden. Im Hennegau wurden 1907 noch immer 17 Frauen untertags beschäftigt! Die Gesamtzahl der Arbeiter im Hennegauischen Bergbau setzte sich wie folgt zusammen: Untertage Obertage Männer über 16 Jahren Knaben von 14-16 • 70 298 3308 " 1737 " 19 257 1.300 1 339 17 738 " . 12-14 Frauen über 21 Mädchen von 16-21 .unter 16 " 2701 2542 Erklärung! In der Morgenausgabe der„ Berliner Boltszeitung" vom 6. d. M., wird über die Versammlung der Bauanschläger unter anderem folgendes berichtet:" Namens der Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes schlage er( meine Perfon als Redner) vor, den jezigen Tarif in unveränderter Form auf ein Jahr zu ver längern." " 06 Dazu habe ich zu bemerken, daß ein derartiger Vorschlag von mir in feiner Weise gemacht wurde, nicht einmal angedeutet. vielleicht die Redaktion oder der Berichterstatter der Volkszeitung" Jm Gesamtkohlenbergbau Belgiens, von dem der hennegauische meine Ausführungen in entstellender oder unwahrer Weise dess ( Distrikte Mons, Zentrum, Charleroi) zirka sieben Zehntel begreift, halb bringen, um sich einen besonderen Dant ihrer neuen Abonnenten sind etwa 2500 Kinder im Alter von 12-14 Jahren unterirdisch aus der Ackerstraße damit zu erwerben, weiß ich nicht, jedoch kann beschäftigt! Dazu kommen noch ungefähr 4800 Knaben im man zu diesem Verdacht kommen, wenn man sich die Art solcher Alter von 14-16 Jahren. Dieser der sorgsamsten Pflege bedürftige, Berichterstattungen, wie sie in der letzten Zeit geschehen ist, etwas weil in den empfindsamsten Entwicklungsstadien befindliche Nach näher betrachtet. Otto Handte, zweiter Bevollmächtigter des Deutschen wuchs der Nation verkümmert in langer Schicht im tiefen Schacht So wird die Volkskraft durch eine voll giftiger Schwaden. Metallarbeiter- Verbandes, Ortsverwaltung Berlin. skandalöse Kinderausbeutung ruiniert in einem Stante, wo die Gefinnungsgenossen der deutschen Zentrumspartei die regierenden Männer stellen. Es fordert die Einführung einer stufentveise steigenden Neichseinkommen und Vermögenssteuer, die Reform der ErbFür eine Arbeitslosenzählung, die im Oktober auf Antrag des schaftssteuer und Heranziehung aller größeren Erbschaften und Erhöhung der Steuersäge nach dem Umfange des Erbgutes und Gewerkschaftskartells in Fürth vorgenommen wird, bewilligte der dem Grade der Verwandtschaft, insbesondere die erbschafts- bortige Stadtmagistrat 200 M. Steuerliche Heranziehung des Erbgutes für Ehegatten und Kinder. " Soziales. Gegen die Prügelpädagogik. Niemand kan mit gerten findes zucht beherten. Den man zu eren bringen mag, dem ist ein wort als ein flat. Dem ist ein wort als ein flat, den man zu ehren bringen ma!: findes zucht beherten Niemand kan mit gerten. " Gewerkschaftliches. Ungehörig in der Form oder ungehörig in der Sache? Als einen„ dreisten Einmischungsversuch von gewerk schaftlicher Seite" bezeichnet die Scharfmacherpresse und die zu ihr gehörige Norddeutsche Allgemeine Zeitung" ein Schriftstück, das der Geschäftsführer der Zahlstelle Zeitz des Deutschen Holzarbeiterverbandes an das Stommando des Infanterieregiments Nr. 53 in Altenburg gerichtet hat. Das Schreiben lautet: Unterzeichneter gestattet sich mitzuteilen, daß nach gewordenen Meldungen von den Angehörigen eines in Jhrem Truppenteil, angeblich in der 8. Kompagnie dienenden Musketiers... aus Zeiß, ein Urlaubsgesuch als Arbeitsurlaub für die Dauer von mehreren Wochen eingereicht sei. Ich erlaube mir darauf hinzuweisen, daß wir eine Genehmigung dieses Gefuches als ungerecht betrachten müßten. Husland. Ende des Gemeinbearbeiterstreifs in Malmö. Die streikenden Gemeindearbeiter von Malmö haben bes schlossen, den Kampf aufzugeben, und sich auch bereits Ende der verflossenen Woche wieder zur Arbeit gemeldet. Sie haben eine Niederlage erlitten, wie sie bisher bei großen Kämpfen organi sierter schwedischer Arbeiter noch nicht vorgekommen ist. Die Ursache davon ist, daß sie den Streit trog aller Warnungen unflug und unüberlegt begonnen hatten. Zwar konnten sie überzeugt sein, daß das gute Recht auf ihrer Seite war, denn die städtischen Behörden hatten durch Ablehnung jeglicher Verhandlung über die Entlassung jener Gemeindearbeiter, die durch den Hafenarbeitera streit in Mitleidenschaft gezogen waren, das damals noch geltende Uebereinkommen gebrochen, die Masse der Gemeindearbeiter bes dachte jedoch nicht, daß Macht vor Recht geht. Der schwedische König soll dem Gymnasiallehrer Lindahl, dem Anführer der städtischen Wohlfahrtskommiffion", seine Freude über das Ende des Streits und seine Befriedigung über die Festigs keit, die die Kommission den Arbeitern gegenüber bewiesen hat, ausgedrückt haben. Sein Vater, der alte Ostar II., den man als den gebildetften der Monarchen bezeichnete, pflegte es anständiger. weise zu unterlassen, in den wirtschaftlichen Kämpfen Partei gegen die Arbeiter zu ergreifen. Letzte Nachrichten und Depefchen. Einmal iſt zur Leitung des Geſchäfts neben dem Bater des... Letzte Vor der Entscheidung. Konstantinopel, 6. Oktober.( Meldung d. Wiener 1. 1. Teles noch ein vorhanden, andererseits sind in jezigen Zeit, einer Zeit der wirtschaftlichen Depression, noch za blreiche Tischler arbeitslos, auch muß Sorge getragen werden, daß die in den nächsten Tagen zur Entlassung tommenden Reservisten in Arbeit treten fönnen. graphen- Corr.- Bureaus.)" Tanin" zufolge, hat die Pforte von Dieses würde jedoch durch eine längere Beurlaubung erschwert fein. Ich erwarte deshalb, daß Ihrerseits einem derartigen Gesuch nicht stattgegeben wird. Mit vorzüglicher Hochachtung N. N." Das Schreiben ist stilistisch nicht sehr gewandt. Es verrät den übrigen Balkanstaaten deren Ansichten über die Unabhängig. feitserklärung Bulgariens erbeten. Einem Redakteur der Zeitung erwiderte der Großwesir auf die Frage, ob die Unabhängigkeitsa erklärung Bulgariens Krieg bedeute: die Pforte warte die Ents Walther von der Vogelweide. Die prächtige Mahnung Walthers von der Vogelweide, nie mit Schlägen des Kindes Zucht zu vollführen: den man zu Ehren bringen fann, dem ziehe ein Wort besser als ein Schlag, sollte unseren Bolksschullehrern ins Herz gegraben sein. Wie viele Lehrer verfündigen sich an dem ihnen anvertrauten höchsten Gut, dem förperlichen und geistigen Wohl ihrer Zöglinge, durch Prügel. Wer als Lehrer Prügel anwendet, zeigt dadurch seine Unfähigkeit zur Erziehung und seine eigene Unbildung und innere Roheit. Desto erfreulicher ist es, aus Lehrers Munde warme Ausführungen gegen die Prügelpädagogen zu hören. In Nr. 40 der Bayer. Lehrers zeitung" erzählt ein bayerischer Volksschullehrer folgendes von Herzen kommende und auf Herzen wirkende schlichte Erlebnis: „ Ich bin am ersten Tage in meiner neuen Schule und unter- den Arbeiter, der eine jämmerliche Volksschule hinter sich hat scheidungen ab, die von den Großmächten getroffen werden. halte mich mit den Stindern über alles mögliche, teils ernst, teils und der erst später mühsam durch Lektüre und formenden fcherzhaft. Wer hat bisher die meisten Schläge bekommen von Umgang sich die Möglichkeit aneignete, das was er wünſcht Die Berta, die Berta!" und neunzig Finger deuten auf auch für andere verständlich zu Papier zu bringen. Aber die Petersburg, 6. Oktober.( W. T. B.) In den letzten 24 Stunden, ein blaffes, schmalwangiges Ding, das den Kopf in schluchzender Absicht des Briefschreibers war sichtlich die denkbar beste und bis heute mittag, würden 111 neue Grirankungen und 58 Todes. Scham auf die Bank preßt. Ich trete zu ihr hin. Welche geistige er glaubte auch, allen Pflichten der Höflichkeit Rechnung gefälle an Cholera verzeichnet. Die Zahl der Kranken beträgt 1585. Silflosigkeit, welche hündische Furcht spricht aus diesen Augen! tragen zu haben, als er schloß: Mit vorzüglicher HochEisenbahn- Zusammenstoß.. Warum hast Du immer Schläge bekommen?" Unter heftigem achtung N. N." Weinen: Ich lerne immer daheim, aber in der Schule kann ich's Leider kam sein Schreiben in die Hände eines Mannes, Frankfurt a. M., 6. Oktober.( B. H.) Der um 3 Uhr 5 Min. nimmer."" Und als ich ihr die Hand unter das Kinn lege, um diefe der sich sicher dem einfachen Arbeiter gegenüber für den auf dem hiesigen Oftbahnhof fällige Personenzug von Griesheim Worte aus den Augen zu prüfen, da hebt sie unwillkürlich schützend den stieß heute früh beim Einlaufen mit einer Rangierabteilung zu Arm empor. Steht's jo? Gine heiße But Tammt herauf über die Tob- gebildeteren" hält. Dieser, der Regimentskommandeur Oberst sammen. Außer dem Zugführer, der Kontusionen erlitt, wurde fünden, die hier begangen wurden. Dann streiche ich der Armen Freiherr v. Ompteda, antwortete dem Antragsteller nach niemand verletzt. Der Materialschaden ist nicht bedeutend. über das Haar: Sei zufrieden, Berta, Du wirst nie mehr Schläge der Scharfmacherpresse: bekommen." Einige Tage später liegt auf meinem Bult ein riesiger Frühlingsstrauß, in rührender Ungeschicklichkeit zusammen gebunden. Wer hat den Strauß gebracht?" Ein blasses, schmalwangiges Mädchen erhebt sich schüchtern: Berta! " " " Leider ist die Zahl derjenigen Volksschullehrer noch gar gering, die eingesehen haben, daß sie durch Prügel das gröbste Unrecht ihren Schutzbefohlenen aufügen und sich selbst schänden. Wieviel Ver nichtung von Lebensglück haben die Prügelpädagogen und das System, das solche Prügelpädagogen züchtet, auf dem Gewissen. Die Cholera. Bluttaten. " In Beantwortung Ihres Schreibens vom 17. d. M. teile ich Ihnen mit, daß die Genehmigung von Urlaubsgesuchen Sa che Nürnberg, 6. Oftober.( B. H.) Lehte Nacht wurde im nahen des Regiments ist. Hinweise des Deutschen Holzarbeiter Kirchdorf Unterferrieden der ledige Bauernsohn Stephan Grünthal berbandes find deshalb überflüssig und können auf feine beim Kammerfensterln von dem ledigen Bauernknecht Ulrich Lang weitere Berücksichtigung rechnen, wenn sie, wie im vorliegenden aus Eifersucht erstochen. Der Mörder wurde verhaftet. Falle, in einer Form vorgebracht werden, die, gelinde ausgedrückt, Brüffel, 6. Oktober.( B. H.) In der Blaerstraße tötete heute ungehörig ist. Ihre Erwartungen, daß diesseits einem eine Frau ihren Gatten, indem sie ihm ein spizzes Schustermesser etwaigen Gesuch feine Folge gegeben wird, sind dem Re- in die Brust stach. Der Mann war sofort tot. giment völlig nebensächlich. Alle Urlaubsgesuche zur Heilbronn, 6. Oktober.( B. H.) Eine blutige Tat wurde Unterstüßung werden hier lediglich nach Lage der tatsächlichen am Sonntag im Sandkrug, einer in der Nähe der Stadt gelegenen Verhältnisse entschieden." Wirtschaft, verübt. Dort drang kurz nach Mitternacht der dreißig Ein soziales Elendsbild. Ob Herr v. Ompted a seine Antwort auch unterschrieb: jährige verwitwete Julius Rank in das Schlafzimmer der fünfzehn Der freifinnige Stadtmagistrat Nürnberg erhielt vom dortigen Mit vorzüglicher Hochachtung", darüber schweigt die Scharf- jährigen Wirtstochter Helene Gehrig ein und versuchte das Mädchen Landgericht eine schmerzhafte moralische Ohrfeige. Er ist sehr frei- macherpresse sich aus; das soll uns auch gleichgültig sein. So zu vergewaltigen. Als der Unhold heftigen Widerstand fand, ver gebig mit Ausweisungen, auch gegen Leute, die kein anderes Ver- viel ist jedem Unbefangenen auch ohnedem klar, daß das Schreiben letzte er das Mädchen durch zahlreiche Stiche lebensgefährlich. Der brechen begangen baben, als daß sie arm sind. So wies er im des Herrn Regimentskommandeurs zwar in der Form gewandter Täter wurde verhaftet. vorigen Jahre ein Mädchen aus, das infolge eines Arbeitsunfalles als das der Holzarbeiters, im Tone aber ein Bein verloren hatte. Weil sie sich für das Nürnberger Unter" an den man Oberbürgermeister Kirschners Antipode. nehmertum hatte zum Krüppel machen lassen, mußte sie als doch wohl bei Leuten, die gebildet sein wollen, einen anderen Beling, 6. Oftober.( W. T. B.) Der Dalai- Lama lehnte es " ſubſiſtenzlos" die Stadt verlassen. Noch trasfer ist der Fall, der Maßstab anlegen darf, als bei Arbeitern?- im Tone also, ab, sich bei der Audienz beim Kaiser den vorgeschriebenen chines das Gericht jetzt beschäftigte. Eine Buchhalterswitiwe hatte vom gelinde ausgedrückt, ungehörig" ist. Auch in der Sache ist die fischen Zeremonien zu unterziehen. Infolgedessen hat die Audiena Magistrat Arbeitsauftrag erhalten und wurde, da sie ihm nicht nach- Antwort ungehörig. Wenn beim Regiment Urlaubsgesuche zur heute nicht stattgefunden. Berantw. Redatt.: Geora Davidsohn, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdr. u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u. UnterhaltunashL. Mr. 235. 25. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Bitfwody, 7. Oktober 1908. Der Türnberger Parteitag in den Organisationen. Im dritten Hamburger Wahltreise, zu dem außer den früheren inzwischen eingemeindeten Vororten das Landgebiet gehört, fanden in den letzten Tagen noch mehrere durchweg gut besuchte Versammlungen statt, in denen die Delegierten Stubbe, Baeplow und Stöhnke Bericht vom Parteitag erstatteten. Ueberall wurde nach reger Aussprache eine sich mit den Beschlüssen des Parteitags, insbesondere mit dem Beschluß in der Budgetfrage einverstanden erklärende Resolution angenommen und zwar einstimmig bezw. gegen tvenige Stimmen. Genosse Braz empfahl folgende Resolution: Die Parteiversammlung in Augsburg nimmt Kenntnis von Aus Industrie und Handel. Steigerung der Schweinepreise. Die heutige Kreisparteiversammlung erklärt sich mit den Be- den Berichten ihrer zum Parteitage delegierten Vertreter und ver schlüssen des Nürnberger Parteitags einverstanden. Sie begrüßt spricht, zusammen mit den anderen Parteigenossen Deutschlands die klare und präzise Stellungnahme in der Budgetfrage und die dort gefaßten Beschlüsse zu beachten und in erwartet von allen Parteigenossen, daß sie die Beschlüsse des Partei- ihrem Sinne zu wirken, in der Hoffnung, daß die Einigtags befolgen. Sie verurteilt entschieden die Erklärung der 66 süd- feit der Gesamtpartei nicht gestört und ihre Schlagfertigkeit gegen deutschen Delegierten, insbesondere aber: die Auslegung des über dem Klassenstaat nicht geschwächt werde." Stillschweigens des Parteitags gegenüber der Erklärung sei einer Eine vom Genossen Roll wagen eingebrachte Reston, zustimmung gleichzuachten, wie sie einige süddeutsche Parteiorgane in welcher der Erklärung der 67 Süddeutschen zugestimmt wird. sowie der Bayerische Landesvorstand in der Deffentlichkeit hinstellten. tam nicht zur Abstimmung. Gleichzeitig erklärt die Versammlung, im Gegensatz zur vorliegenden Resolution des Referenten, nach wie vor an unserer altbewährten Tattik festzuhalten und nicht mit dazu beitragen zu wollen, die Partei auf die schiefe Ebene der Politik des Entgegenkommens zu drängen." In der Diskussion erklärte Genosse Weber im Auftrage des am Im zweiten Meininger Retchstagswahlkreis Erscheinen verhinderten Genossen Scheidemann- Kassel, des AbDie Bewegung der Schweinepreise wird mit Rücksicht auf den und zwar in Sonneberg, Saalfeld und Pößneck er- geordneten des Wahlkreises, er bedauere, daß ihm nicht Gelegenheit Umstand, daß die minderbemittelte Bevölkerung hauptsächlich stattete der Delegierte vom Nürnberger Parteitag, Genosse Senauer, gegeben worden sei, an einer Sigung der Parteiinstanzen teilzuausführlich. Bericht. Sämtliche Versammlungen waren gut besucht; nehmen, um mit dem Genoffen Hildebrand eine Aussprache pflegen zu Schweinefleisch konsumiert, viel aufmerksamer und allgemeiner in auch fand in allen eine ausgiebige Debatte statt. Sämtliche tönnen. Die Anschauungen Hildebrands teile Scheide- der Deffentlichkeit verfolgt als die Bewegung der Preise des anderen Redner erklärten sich ohne Einschränkung mit den Be- mann nicht, weil er eine Politik des Entgegenkommens gegen- Schlachtviehs. Während nun im Vorjahre bei rückgängigem Auftrieb schlüssen des Parteitags einverstanden. Genosse über den bürgerlichen Parteien ablehne. Hildebrandsche die Schweinepreise eine Ermäßigung von August auf September senauer hatte in Nürnberg in der Budgetfrage für die Resolution bedeute eine Kriegserklärung an die ganze aufiviesen, sehen wir im laufenden Jahre eine ganz entgegengesezte Borstandsresolution gestimmt. Mit dieser Haltung Partei und sei auch ein Mißtrauensvotum für Scheidemann, der Entwickelung: die Schweinepreise zeigten im September eine waren sämtliche drei Versammlungen einstimmig einseit 25 Jahren in der Partei tätig und jede Politit des Entgegen steigende Tendenz. Von zwanzig Städten weisen nur zwei kommens an die bürgerlichen Parteien verworfen habe. Ueber die Budgetfrage laffe auch Scheidemann mit sich reden; er sei mehr als im September einen Rückgang auf. An den nachstehenden Plätzen zehn Jahre in Süddeutschland( Geffen und Bayern) gewesen, fenne waren die Notierungen für Schweine, für 50 Kilogramm berechnet, also die dortigen Verhältnisse. Die Süddeutschen hätten nach in Mark: Ansicht Scheidemanns die Disziplin, die jeder Genosse zu respektieren habe, verlegt und deshalb habe in Nürnberg unzveideutig entschieden werden müssen; denn ohne Disziplin fei feine Partei und teine Gewerkschaft möglich. Vielleicht habe sich die Sachlage bis nächstes Jahr soweit geklärt, daß der in Nürnberg gefaßte Parteitagsbeschluß einer Aenderung unterzogen werden könne; bis dahin habe aber jeder Genosse dem Nürnberger Beschluß Achtung entgegenzubringen. Scheidemann habe sich erlaubt, der Streis- Parteiversammlung nachfolgende Resolution zur Annahme vorzuschlagen: verstanden. Der Delegierte des 11. fächsischen Wahlkreises Genosse Mar Mucer sprach in zum Teil sehr gut besuchten Versammlungen in Oschap, Wurzen, Strehla und Grimma in eingehender Weise über den Parteitag. Die Versammlungen stimmten ein stimmig den Beschlüssen des Parteitages zu. Das Vorgehen der Budgetbewilliger fand scharfe Verurteilung. ** Eine gut besuchte Kreisparteiversammlung in Solingen nahm ein Referat des Genossen Redakteur Hildebrand und ein Korreferat des Genossen Bra ß- Nemscheid über die Budgetfrage entgegen. Genoffe Hildebrand legte folgende Resolution vor: „ Abweichend von der Mehrheit der Nürnberger Parteitagsdelegierten halten wir es aus fachlichen wie aus taftischen Gründen für falsch, die Partei grundsätzlich auf die Verweigerung der staatlichen Budgets festzulegen. Aus fachlichen Gründen, weil das staatliche Jahresbudget nicht anders behandelt werden darf wie jeder andere Gefeßentwurf, dessen Annahme oder Verwerfung abhängig zu machen ist von dem Maß an Berbesserungen oder Verschlechterungen, das er gegenüber dem abzulösenden Zustand bietet." Aus taktischen Gründen, weil die Erklärung, daß wir dem Gegenwartsstaat grundsätzlich alle Existenzmittel verweigern, die Verantwortung für die Vorenthaltung oder Verfümmerung der Staatsbürgerlichen Rechte des Volkes und für die Ausschaltung der Sozialdemokratie aus der Reihe der verhandlungsfähigen Parteien den Gegnern abnimmt und uns selbst auferlegt. " Hamburg Berlin. Leipzig Zwickau Hannover. Doctmund • September 1907 August 1908 September 1908 50-59 55-60 54-63 55-65 57-68 58-64 . 54-63 59-66 62-69 58-68 63-72 58-65 60-68 62-70 55-62 56-67 58-69 54-64 57-66 58-69 62-65 65-68 68-70 66-69 66-72 70-73 Essen Nürnberg. ,, Die heutige Streisparteiversammlung bedauert lebhaft die fort- Stuttgart. dauernden Auseinandersetzungen innerhalb der Partei über eine In der Mehrzahl dieser Städte hat der Auftrieb an Schweinen Frage, in der die höchste Instanz der Partei foeben eine Ent- von August auf September eine Steigerung erfahren; er ging nur fcheidung getroffen hat. In der jetzigen Zeit, wo die Arbeiterschaft in Berlin und Hannover zurüd. In Essen, wo der Schweineunter einer furchtbaren wirtschaftlichen Krisis zu leiden hat, wo die politische Reaktion so deutlich in die Erscheinung tritt, follte die preis durchschnittlich um 3½ Prozent stieg, hat fich der Auftrieb von ganze Stoßkraft der Partei wider unsere Gegner und die Regierungen 18 095 Stück im August auf 17 187 Stüd im September erhöht. gerichtet werden. Die Kreisparteiberfammlung verlangt weitest- Auch in München, das nächst Berlin den bedeutendsten Markt für gehende Toleranz innerhalb der Partei solchen Genoffen gegenüber, Schweine besigt, ist der Auftrieb sehr erheblich von 22 995 auf die von der Auffassung der Mehrheit abweichende Meinungen in 25 045 Stüd hinaufgegangen; trozdem ist der Preis gestiegen. dieser oder jener Frage vertreten. Die Kreisparteiverfammlung weist Er stellte sich auf 62 bis 71 Mart gegen 60 bis 70 Mart im demzufolge die Unterstellung, daß ein Redakteur der Parteipresse August. In allen diesen Städten hat im entsprechenden Zeitwegen der von ihm vertretenen Anschauungen gemaßregelt werden könnte, mit Entschiedenheit zurüid. Soweit speziell die Person unseres raum des Vorjahres ein Preisrüdgang stattgefunden. Genossen Hildebrand in Betracht kommt, liegt nicht die geringste Im August noch war der Großhandelspreis für Schweine z. B. in Veranlassung vor, ihm das Vertrauen als Redakteur der Bergischen Berlin, in Hamburg und in München niedriger als im August 1907. Ohne uns der Illusion hinzugeben, daß die gegenwärtig in Arbeiterstimme" zu entziehen." Durch die Steigerung im September wurde aber in allen wichtigeren Preußen und durch Preußen im Reich herrschenden Mächte zu einer In der Diskussion vertrat der Parteitagsdelegierte Genosse Viehmärkten der vorjährige Preisstand wieder überschritten. In Politik des Entgegenkommens an die Forderungen der Arbeiter- Parteisekretär Bellert und Genosse Karl- Ohligs den Standpunkt Berlin z. B. kosteten 50 Kilogramm Ende September 1907 mur Ilaffe geneigt zu machen wären, haben wir jederzeit den uns noch der Vorstandsresolution, während die Genossen Weber, Pawlo- 52-60 Mart, 1908 aber zur nämlichen Zeit 58-64, in Hamburg fernstehenden breiten Volksschichten zu erklären, daß wir wesentliche witsch, Schallbruch und Engler sich gegen die Vorstands- 55-59 refp. 62-70 Mart. Die Steigerung macht hier annähernd Erweiterungen der Volksrechte sowie die Erfüllung sonstiger resolution und für die Haltung der Arbeiterſtimme" erklärten. 20 Prozent aus. In den rheinisch- westfälischen und füddeutschen Hauptforderungen unseres Programms dadurch anerkennen würden, Schließlich werden die Resolutionen Hildebrand und daß wir dem Staat die Mittel zur friedlichen Fortentwickelung nicht Braß abgelehnt und die Resolution Scheidemann Städten ist die Steigerung nicht viel geringer. Stuttgart z. B. borenthalten. Nur auf diese Weise kaum die Vollsfeindlichkeit angenommen. verzeichnete 1907 erst einen Schweinepreis von 66-69 Mark, im der gegenwärtigen Machthaber aller Welt unwiderleglich bewiesen laufenden Jahre beträgt er 70-73 M. Jn München war der Preis für werden. Der sozialdemokratische Berein für den Wahlkreis Augsburg Schweine Ende September um rund 5 Proz. höher als zur Parallelzeit Wir schließen uns der vom Genossen Singer beim Schluß des führte in seiner Parteibersammlung am 5. Oktober die am 24. Sep 1907; er notierte 60-71 m. gegen 58-67 M.; dabei betrug der Parteitages geäußerten Hoffnung an, daß die süddeutschen Genossen tember abgebrochene Debatte über die Frage der Budget- Auftrieb an Schweinen 1908 25 045 Stüd gegen 19 702 Stück im um der Parteieinheit willen Wege suchen und finden werden, die bewilligung zu Ende. Nach langer, teilweise erregter Dis- September 1907. Auch in Essen ist das Angebot von Schweinen sie befähigen, dem nun einmal bestehenden Nürnberger Parteitags- fuffion, in der Landtagsabgeordneter Genosse Eduard Schmid im laufenden Jahre stärker als im Vorjahre, und trotzdem steht der beschluß einstweilen nachzukommen. Andererseits halten wir es für München, den Standpunkt der Budgetbewilliger vertrat, die Mehreine wichtige Aufgabe unferes Parteiorgans, an feinem Teil dafür zahl der Redner sich als Gegner der Budgetbewilligung bekannten, Preis erheblich höher als damals. Gleichartig ist übrigens die Be zu wirken, daß die norddeutschen Parteigenoffen von der Not- wurde in vorgerüdter Stunde nachstehende, vom Genossen Redakteur wegung der Kälberpreise, die ebenfalls in der letzten Zeit eine wendigkeit einer Wiederaufhebung dieses Beschlusses überzeugt Start Thiel eingebrachte Resolution mit 59 gegen 35 Stimmen steigende Nichtung eingeschlagen haben. Die Rinder- und Hammelpreise sind ziemlich unverändert geblieben, obgleich der Auftrieb an Notizen. wverden." Kleines feuilleton. " angenommen: eigenen Rekord geschlagen hat, nahm am selben Tage zum ersten Mal einen Journalisten mit sich in die Lüfte, den Korrespondenten eines New Yorker und bald darauf auch den Mitarbeiter eines - Musikchronit. Das Programm des ersten SonntagsDeutschlands erste Lokomotive. Da es in diesem Jahre, am französischen Blattes. Sie beide geben, jeder in seiner Weise, eine tonzertes im Schiller- Theater, Charlottenburg enthält 29. Oktober, 70 Jahre werden, daß der erste Eisenbahnzug in Berlin interessante Schilderung ihres ersten Fluges." Gegen 4 1hr hatte das Haydnsche Quinten- Quartett und ein Beethovensches Streich einfuhr, sei einmal daran erinnert, daß man schon länger Wilbur Wright alle Teile seines Apparates nachgeprüft", so be- Quartett. Anton Sistermans trägt Loewesche Balladen vor. Die als zwanzig Jahre vorher in Berlin zwei Lokomotiven erbaut hatte. richtet der Amerikaner,„ er tam zu mir herüber und lächelnd fragte Sonntagskonzerte finden alle vierzehn Tage statt. Abonnements Die Bergbaubehörde war an das Studium der englischen er:„ Haben Sie Ihr Testament gemacht?" Ich fletterte nun über für fünf Konzerte werden zum Preise von 2 und 3 M., einschließlich Lokomotiven herangetreten, die auf den dortigen Kohlenzechen seit die Drähte des Rahmenwerkes nach der Mitte des Apparates, und Garderobe und Programm, täglich in beiden Schiller- Theatern ausmehreren Jahren Dienst taten. In der damaligen Eisengießerei vor auf dem kleinen Sit neben dem Motor nahm ich Blaz. Wright gegeben. dem Neuen Tor in Berlin, auf dem Gelände der heutigen gab mir Anweisungen. Ich müsse die Füße still auf dem kleinen Berghochschule, wurde 1815 die erste Lokomotive Deutschlands erbaut. Brett zwischen den beiden Drähten halten; ich müsse acht haben, baherische Städtchen Dachau, das in diesem Jahre die Feier feines Ein Museum Dachauer Malerei. Das alte Am 16. Juni 1816 liest man in den Berlinischen Nachrichten, daß das Drahtseil nicht zu berühren, das an meiner Brust vorüber elfhundertjährigen Bestehens begeht, ist seit mehr als einem halben der neue Dampfwagen bis zum 19. Juli täglich vormittags von nach der Seite lief und durch das der Luftschiffer den Motor Jahrhundert für die Entwickelung der modernen Kunst wichtig ge= 9 bis 12 Uhr und nachmittags von 3 bis 8 Uhr im Betrieb zu stoppt. Dann zeigte er mir eine kleine Klinke, über dem Magneten, worden. Hier holten cine Anzahl großer deutscher Landschafter sehen sei. Bon jeder Person wurden vier Groschen Eintrittsgeld die ich niederdrücken sollte, sobald er mir ein Zeichen gäbe. Alles Motive und Anregung. Seitdem Christian Morgenstern die Umerhoben, die der Unterstützungskasse der Hinterbliebenen ver- war nun bereit. Wright gibt ein Signal und die beiden Maschi- gegend Dachaus mit ihren grünen Tälern und Wäldern, ihren unglückter Berg- und Hüttenarbeiter zugute famen. Am nisten lassen den Motor laufen. Unmittelbar neben der Maschine weiten Moorflächen entdeckte, haben Maler wie Schleich, Spitzweg, 9. Juli desselben Jahres liest man int der„ Bossischen ist der Lärm betäubend. Das scharfe Knattern des DampfausZeitung":" In der Eisengießerei ist auch seit einiger Zeit der strömens erinnert an das erste Anfahren eines Rennautomobile. Adolf Hölzel, Ludwig Dill in Dachau ihre künstlerische Heimat gefunden. Es war daher ein guter Gedante, den Werdegang der neu erfundene Dampfwagen zu ſehen, der sich im eisernen Gleis Wright Klettert zu mir herein. Er gibt mir das Zeichen. Ich gefunden. Es war daher ein guter Gedanke, den Werdegang der ohne Pferde und mit eigener Kraft dergestalt fortbewegt, daß er eine presse den Griff nieder und sofort reagiert der Motor: der Lärm ist nun, wie Dr. O. Döring in der Kunstchronik ausführt, verDachauer Kunst in einem Museum vorzuführen. Dieser Plan ist angehängte Last von 50 Zentnern zu ziehen instande ist." Im Herbst wird wilder und die Umdrehungen der Propeller scheinen sich zu wirklicht worden. Die Räume des alten Dachauer Herzogschlosses desselben Jahres ging die Maschine in 18 Seisten verpadt auf verdoppeln. Jetzt", ruft Wright, und läßt die Gewichte fallen. find zu einem Museum umgestaltet worden, das jekt bereits 150 dem Wasserwege nach Oberschlesien. Dort erlebte man aber die mit einem Rud stürzt der Apparat vorwärts. Niemals erlebte Enttäuschung, daß die Räder für die Schienenspur zu eng standen, ich Aehnliches, ausgenommen während eines Falles in einen Werke besitzt und eine weitere Bereicherung der Sammlung durch auch war die Leistung zu gering. Man schritt zu ver- Wasserfall. Das dauert nur eine Sekunde, nur bis der Apparat Schenkungen steht bevor. " fchiedenen Reparaturen, ohne jedoch die Leistungen der Maschine zu von den Schienen loskommt; dann schwindet jede Erregung. Wir Englische Bibliothetstatistit. Die Westminster verbessern. Man hatte auch nicht die rechten Leute zur Bedienung, steigen höher und höher, bis wir das östliche Ende des Feldes unter Gazette" gibt einige interessante Daten über Zahl und Art der denn wie es in dem Bericht heißt, fürchtet sich jeder, damit zu uns haben; dann, in einer Höhe von 50 Fuß, wenden wir und jährlich von den öffentlichen Bibliotheken Englands ausgeliehenen manöverieren, diefe Furcht ist auch allerdings nicht unbegründet". gleiten wieder geradenwegs zurüd. Erst nach dieser Biegung war Bücher. In diesen Bibliotheken sind zirka acht Millionen Leihbücher Schließlich gab man die Mühe auf und baute die Lokomotive zu ich mit dem ungewöhnten Gefühl soweit vertraut geworden, daß und vier Millionen Lesesaalbücher vorhanden. Jedes Jahr werden ciner fahrbaren Wasserpumpe um. In Berlin jedoch unternahm ich anfing, die Dinge rings um mich her zu beobachten. Wie wir rund elf Millionen Lesefaalbücher gefordert, und mindestens ebenso man den Bau einer zweiten Lokomotive. Am 22. September 1818 nun dahinglitten, kam jene Empfindung, die ich erhofft hatte: groß ist die Zahl der Bücher, die von den Lesern selbständig den gelangte diese neue Maschine auf dem recht umständlichen Wasser- Jenes Gefühl der absoluten Sicherheit. Sanft glitten wir durch Regalen entnommen, also nicht notiert werden. Die Zahl der auf vege durch die Spree, die Habel und die Elbe zur Nordsee, die Lüfte. Es gab teine Stöße, nur das Surren des Motors er Beit geliehenen Bücher beträgt jährlich 60 Millionen. Die Neigung von dort aus den Rhein und die Saar hinauf bis zu ihrem innerte daran, daß dieser Flug mechanisch bewirft wurde. Das für ernste Lektüre hat in den lezten Jahren zugenommen. Romane Bestimmungsort, der Zeche Bauernwald im Saarkohlenrevier. Die Merkwürdige war, daß die Empfindung der Schnelligkeit umso und Novellen stellen nur noch 15 Broz. aller Entleihungen dar. Versuche mit dieser neuen Maschine befriedigten noch weniger als geringer ward, je rascher die Maschine vorwärts lief. Wir sausten Dagegen hat der Geschmack an Geschichte und Geographie, Lebensmit der ersten. Ihre beste Leistung war, den Wagen 20 bis 30 Fuß mit einer Geschiwindigkeit von 60 Kilometern durch die Luft, aber und Reisebeschreibungen zugenommen. Vor allem aber finden die vor- und rückwärts zu rücken, wobei sehr oft durch Schieben und alle Gegenstände waren so weit entfernt, daß es schien, als glitten Bücher über Soziologie im allgemeinen und Sozialismus im beStoßen hat Hilfe geleistet werden müssen." Und selbst diese sie nur langsam vorüber. Bisweilen erkannte man unten Gesonderen stets ein eifriges Lefepublikum. jämmerliche Leistung fonnte nur erreicht werden, nachdem man den stalten, die mit Taschentüchern winkten. Ich beobachtete Bright. normalen Dampfdruck auf das Doppelte erhöht hatte. Die ganze Er saß ruhig und gelassen. Nur bei den Wendungen benutte er Das japanische Prügeln mit den Augen". Maschine hatte 3761 Taler gekostet. Die Reparaturen verschlangen 1969 die Hebel, die die Flügel verbinden. Seine linfe Hand aber er- Ueber ein eigenartiges Erziehungsmittel der japanischen Pädagogen Taler. Doch trotz dieser großen Aufwendungen kam die Maschine nicht in beitete unausgesetzt mit einem Stopfstück. Es war, wie wenn ein hat der jetzt in London weilende Direktor des Hiroshima- Gymnas Gang. 1835 wurde diese Lokomotive für 334 Taler als altes Eisen Mann Billard spielt. Er handhabte die Hebel leicht, fast spielend. fiums, Tokiyuki Hojo, einem englischen Korrespondenten interessante verkauft. Für die ersten deutschen Eisenbahnen, die in den dreißiger Auf jede Bewegung reagierte die Maschine sofort. Nach den Aufschlüsse gegeben. Körperliche Strafen sind in unseren Schulen Jahren in Betrieb kamen, wurden die Lokomotiven noch aus Eng- Seiten, in die Höhe, in die Tiefe, ein Hebeldruck genügt und der unbekannt. Wir strafen mit Worten, mit strengen Worten und mit land und sogar aus Amerika bezogen, denn die preußische Industrie Apparat gehorcht. Als wir niederstiegen, schien die Schnelligkeit dem Lehrergesicht". Dieses Lehrergesicht ist eine besondere Zustand damals so tief unter bureaukratischen Einflüssen, daß sie sich zu wachsen, je tiefer wir hinabglitten. Das war nur eine optische sammenziehung der Gesichtsmuskeln und ein besonderer Blick, er zu einer brauchbaren Leistung nicht emporschivingen konnte. Erst Jllusion, nichts weiter. Als wir nur noch wenige Fuß über der muß lange geübt werden, erreicht aber auf das Gemüt der Kinder 1838 gelang es der Aktien- Maschinenfabrik zu lebigau bei Dresden, Erde schwebten, schien cs, als verwandle der Aeroplan sich in cin Wirkungen, die ungleich besser sind als die förperlicher Züchtigung. Deutschlands erste brauchbare Lokomotive zu liefert. Automobil. Plöblich zog Wright an dem Drahtseil, das an meiner Der Gedanke ist, daß mit einem sehr scharfen, vorwurfsvollen Blid Brust vorüberging, der Motor stand still und wir glitten sanft zur der Augen und einer harten Zusammenpressung der Lippen der Erde" Lehrer auf das Kind einen gewaltigen Einfluß erzielt." Auf der Fahrt mit Wilbur Wright. Wilbur Wright, der am Freitag mit seinem 80 Kilometerflug mit einem Passagier seinen " Schafen von August auf September nicht unerheblich zurüdgegangen ift. Der Rinderauftrieb hat im Gegensatz zum Vorjahre zugenommen. Bodenwucher. Der Bodenwucher hat in verschiedenen Vororten von Berlin eine gewisse Strifis hervorgerufen. Indem sich Terraingesellschaften des Bodens bemächtigen, wurde diesen gewissermaßen ein Monopol in die Hand gegeben, das sie au rigorosen Preisfestsetzungen aus nußten. Die Bodenpreise sind infolge dessen derart hoch, daß schon Mietsfasernen gebaut werden müssen, um nur einigermaßen die Verzinsung des Anlagekapitals herauszuschlagen. Damit wird aber der Zweck der Flucht aufs Land zu einem guten Teile illusorisch. Die weitere Folge ist eine Hemmung der Bebauung und Ents widelung. Troßdem reklamieren die Bodenwucherer für sich das Berdienst, die besten Förderer der baulichen Entwickelung zu sein. Getreideausfuhrprämie. Das in unserem letzten Wochenbericht besprochene System der Einfuhrscheine hat für die Reichskasse im laufenden Jahre einen fehr ungünstigen Einfluß ausgeübt. In welcher Weise der Getreide export forciert wird und was dieser Export der Reichstaffe fostet, laffen folgende Zahlen erkennen. In den ersten acht Monaten wurden Bollrüdvergütungen angewiesen: 1906 1907 in Millionen Mart 21 2812 1908 432/8 Damit den Junkern die Liebesgaben erhalten bleiben, toll das Bolt mehr Steuern zahlen auf Tabak und Bier. Das nennt man bei uns: gerechte Verteilung der Lasten! Die Besißenden heimsen Millionen Liebesgaben ein, die Besiglosen werden steuerlich tausend. fältig ausgepreßt. Eine große Pleite. Die Wurfifabrit von Louis Lehder in Chars lottenburg, die 20 Ladengeschäfte in Berlin unterhielt, hat, wie die Ang. Fleischer- 3tg." mitteilt, ihre Zahlungen eingestellt und fämtliche Verkaufsstellen geschloffen. Eine große Bank hatte die Borräte, Einrichtungen und Maschinen usw. pfänden lassen, so daß die Eröffnung des Konturfes wegen Wangels an Masse vom Gericht ab gelehnt wurde.leber die Ursachen des Zusammenbruchs ist bisher noch nichts bekannt. Die Lage der italienischen Seidenindustrie. Die Krisis, welche die italienische Seidenindustrie durchmacht, zeigt sich deutlich in den Ergebnissen der amtlichen Handelsstatistit für das erste Halbjahr 1908. Gegenüber dem gleichen Abschnitt des Vorjahres weist nämlich die Seidenausfuhr eine Verminderung im Werte von 32 300 000 Lire auf. Hiervon entfallen 22 400 000 Lire auf gedrehte Rohfeibe, 5 900 000 Lire auf gefärbte Seide und 4 000 000 Lire auf Seidenabfälle. Die Seidenpreise sind dem entsprechend ständig im Sinfen begriffen. Alter in Jahren bis 16 16-18 18-20 20-25 . Jahreslohn in Mart 120 150 180 210 240 270 mehr gtt. bis bis bis bis bis bis bis als fam 0,2 270 300 300 men 100 120 150 180 210 240 27,1 37,3 30,2 4,9 0,5 4,1 9,4 36,8 34,4 14,6 0.7 100 2,4 17,9 42,1 31,4 2,4 3,5 0,3 100 2,3 10,1 27,2 42,3 8,7 7,6 1,6 100 25 und mehr. 0,6 4,3 21,6 42,6 7,4 17,3 6,2 100 Busammen 5,3 9,1 19,7 27,4 27,9 4,0 5,3 1,3 100 Innerhalb von 13 Monaten ist eine Abnahme von etwa 82 Proz. Dazu ist zu bemerken, daß in der Altersklasse bis zu 16 Jahren eingetreten. Die Spinner waren daher bei den neuen Kotonabschlüssen 232 Mädchen standen, von 16-18: 292, 18-20: 299, 20-25: 454, sehr zurückhaltend; Mitte Mai tamen solche zuerst zustande. Die 25 und mehr: 171. Wie ersichtlich, steigt der Lohn erheblich mit Preise betrugen anfänglich 2,70 bis 2,80 Lire und stiegen später auf zunehmendem Alter; während für die unter 16jährigen Mädchen der 3,10 und 3,20 Lire. Für gelbe Kotons wurden 3 Lire, d. h. 1,09 Lire Durchschnittslohn 152 W. war, erzielten die über 25jährigen Mädchen weniger als im Vorjahre gezahlt. einen solchen von 248 M., wobei die Löhne von über 360 M. noch nicht einmal in Berücksichtigung gezogen sind. Der Durchschnittslohn aller Altersflaffen betrug 1907: 209 M. Was die Kokonernte betrifft, so war die Witterung dem Wachstnm der Maulbeerbäume und der Intubation der Seidenwürmer durchaus günstig. Mit Rücksicht auf die gedrüdte Lage des Seidenmarktes wurden jedoch weniger Seidenwürmer als in normalen Beiten gezüchtet. Schägung auf nur 52 000 000 stilogramm gegenüber 57 058 000 KiloDie Rotonproduktion belief sich daher 1908 nach zuverlässiger gramm im Vorjahr und einem Durchschnitt von 53 700 000 Stilo gramm in den Jahren 1900 bis 1907 einfchließlich. Die Ernte war jedoch in den einzelnen Provinzen eine sehr verschiedene; während fie nämlich in Friaul, Piemont und der Lombardei die Produftion des Vorjahres erreichte und teilweise sogas übertraf, war sie in anderen Provinzen, und zwar speziell in Venetien und in der Toskana, erheblich geringer. Aus der Frauenbewegung. Dienstbotenlöhne. Ein interessantes Ergebnis der Untersuchung ist die Feststellung der Tatsache, daß die Dienstbotenlöhne in den fraglichen vier Jahren nicht unerheblich gestiegen sind. Die Abneigung der auf Erwerb Dienstes zu begeben, wird eben immer größer und veranlaßt so ein angewiesenen jungen Mädchen, sich in das Joch eines häuslichen ftändig finfendes Angebot auf dem Dienstbotenmarkt. Der durchschnittliche Jahreslohn der häuslichen Dienstboten, unter Ausschluß der Löhne von mehr als 360 M. betrug: Alter in Jahren bis 16 16-18 18-20 20-25 25 u. mehr Zusammen M. M. M. M. M. M. 143,33 167,08 186,96 Jahr 1904 1905 205,27 226,64 186,38 146,11 176,49 197,43 213,86 234,05 195,76 220,97 238,69 202,15 208,69 1906 150,80 183,47 205,53 1907 152,48 191,49 214,92 229,63 247,54 Wie ersichtlich, ist also der durchschnittliche Jahreslohn von 186 Mart im Jahre 1904 auf 209 Mart im Jahre 1907 oder um Eine Untersuchung über die Löhne der häuslichen Dienfiboten 13 Prozent gestiegen. Weit größer ist natürlich die Vermehrung des hat das Statistische Amt der Stadt Schöneberg veranstaltet. Als Aufwandes einer Dienstbotenhaltung durch die in den legten Jahren Grundlage der Untersuchung dienten die Aufzeichnungen des städtis gewaltig gestiegenen Lebensmittelpreise. Troßdem ist das Einfchen Arbeitsnachweises, von dem in den Jahren 1904-1907 6391 tommen eines deutschen Dienstmädchens selbst in der Großstadt Bählblätter für häusliche Dienstboten ausgefüllt wurden. Es ente immer noch sehr bescheiden, besonders verglichen mit dem ausländifielen davon auf das Jahr 1904: 1287, 1905: 1791, 1906: 1856 icher Dienstboten. Freilich wird weder mit weitersteigenden Löhnen und 1907: 1457. Diese Vermittelungen stellen etwa den zehnten noch sonstigen Bergünstigungen die Dienstbotenfrage zu lösen fein, Teil aller in Schöneberg in den betreffenden Jahren vor sondern nur mit einer völligen Reformierung des Hauswesens, die gekommenen Neueinstellungen von Dienstboten dar. Inwieweit unter Ausnutzung aller modernen technischen Errungenschaften die die durch die Untersuchung festgestellten Durchschnittslöhne die dann noch verbleibende Hausarbeit zu einer rein gewerblichen macht. Keine Belebung am Eisenmarkt. allgemeinen Durchschnittslöhne widerspiegeln, läßt sich natürEine Besserung am Eisenmarkt ist, wie die Rh. Weftf. 8tg." lich schwer entscheiden. Indes ist anzunehmen, daß der Sozialdemokratischer Lese- und Diskutierklub Heinrich Heine". chreibt, vorläufig nicht zu erwarten. Die optimistischen Hoffnungen, allgemeine Durchschnittslohn etwas höher ist, da gerade die Heute abend 8%, Uhr bei Bolze, Rodenbergstraße 8. die kürzlich zutage traten, waren nur von kurzer Dauer. Günstige besser ausgebildeten Mädchen leider noch die private Vermittelung neralversammlung. Bortrag bei Schulz, Görliger Straße 58. Gäste willLefe und Disfutierklub Südost". Heute abend 8%, 1hr Ges Nachrichten, die im Auguft und September vom amerikanischen Martt bevorzugen. tommen. famen, sowie eine etwas stärkere Kaufluft im Inlande ließen mehr- Die festgestellten Löhne bewegen sich naturgemäß in sehr weiten fach die Meinung auftommen, daß eine Besserung der un- Grenzen. Der niedrigste Jahreslohn betrug 60 M., der höchste befriedigenden Marktverhältnisse in Aussicht stände. Leider aber ist 900 W. Jndes gab es in den einzelnen Jahren nur 1-8 Dienst die Hoffnung auf eine beginnende Erholung des Marktes nur von mädchen, die weniger als 120 und nur 2-4, die mehr als 360 m. furzer Dauer gewesen. Von einer Besserung tann taum noch die erhielten, so daß über 99% Broz. aller Mädchen einen Jahreslohn Rede sein, nachdem die vorübergehend festeren Preise wieder ins von 120-360 W. befamen. Im Jahre 1907 verteilten fich die einWanken geraten find, und die etwas stärkere Kauflust wieder zelnen Altersstufen auf die verschiedenen Lohnklassen folgendermaßen. größerer Zurückhaltung Blaz gemacht hat." Bon je 100 Mädchen erhielten Berl. Kranken- Unterstützungsund Begräbnisverein für Frauen und Mädchen. Am 4. Oftober verstarb unser treues Mitglied, Mitbegründerin des Vereins, Frau Marie Schlüter im 62. Lebensjahre. Ehre ihrem Andenken! Beerdigung: Donnerstag nachmittag 3 Uhr auf dem Thomas Kirchhof, Rixdorf, Hermannstraße. Der Vorstand. Hiermit die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsece gute Mutter 46012 Marie Finster geb. Joachim am 4. Ditober verstorben ist. Die Beerdigung findet Donners. tag, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des Philipp- Apostel- Kirch hofes aus auf dem Städtischen Friedhofe, Müllerstraße, Ede Sees ftraße, ftatt. Die trauernden Hinterbliebenen. Hiermit die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, Bruder und Dntel Max Görbing am 5. b. M., früh 5%, Uhr, nach langen, schweren Leiden sanft ent fchlafen ist. 20785 Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 8. Oftober, nach mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Bartholomäus- Kirchhofes, Faltenberger Chauffee, aus statt. Rosalie Görbing. Heute starb unser unvergeßlicher Chef, der Steinfegmeister Otto Baumann. Wir werden demselben ein ehrendes Andenken bewahren. Das Personal der Firma. Beerdigung Donnerstag 4 Uhr auf dem alten Baulskirchhof. Seeftr. Ausnahme- Angebot. Wir geben den Roman Der Idiot Dostojewski Don ( Berf. v. ,, Schuld und Sühne") gwei Bände( ca. 1000 Seiten) zu billigem Preise ab. Statt früher 8 M. jetzt nur 2 Mart. Nur noch eine kleine Anzahl am Lager. Expedition des„ Vorwärts“ Lindenstr. 69( Laden). Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher unvergeßlichen Sohnes und Bruders Teilnahme bei der Beerdigung unseres Otto Kiehntopf Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen Direktion über den Großhandel in den Zentral- Marktballen. Marktlage: Fleisch: Bufuhr genügend, Geschäft rege, Preise unverändert. Bild: Bufuhr genügend, Geschäft ruhig, Preise anziehend. Fische: Zufuhr ausreichend, nügend, Geschäft etwas lebhafter, Breise feft. Geflügel: 8ufuhr ge Geschäft etwas lebhafter, Breise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Breise unverändert. Gemüse, Obst und Süd. früchte: Bufuhr reichlich, Geschäft schleppend, Breife wenig verändert. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Deutscher Metallarbeiter- Verhand. Bahlstelle Schöneberg. Charitéstraße 3. Donnerstag, den 8. Oktober er., abends 8% Uhr, bei Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Sauptbureau: Grosser, Meininger Straße 8: General- Versammlung. Zages Drdnung: fagen wir allen unseren herzlichsten Dant, besonders den Kollegen und Kolleginnen der Firma Zwitusch u. Co., Charlottenburg, dem zweiten Reichstagswahlkreis fomie dem Deutschen 1. Raffenbericht vom dritten Quartal. 2. Vortrag: Die gegenwärtige Metallarbeiter Berband und den Lage in der Holzindustrie." Referent: Gauvorsteher Rollege Exner. Kollegen und Kolleginnen der Firma 3. Verbandsangelegenheiten. Groos u. Graf, Hohen- Schönhausen, für die reichen Stranzspenden. Die trauernden Hinterbliebenen Eltern, Geschwister und Braut. Hof I. Amt 3, 1239. Hof III. Amt 3, 1987. Donnerstag, 8. Oktober, abends 6 Uhr. Gürtler- Versammlung 91/11 im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Engelufer 15. Es ist Pflicht eines jeden Stollegen, in dieser Bersammlung zu erscheinen. Tages- Ordnung: Die Ortsverwaltung. Steinarbeiter! 1. Bortrag des Kollegen Bahn über: Fluch der Armut". 2. Dis fuffion. 3. Neuwahl des Branchenvertreters und der Kommission. 4. Branchen 123/3 angelegenheiten und Verschiedenes. Die Kollegen der Bronze, Beleuchtungs-, Bijouterie, Alfenide Binn, Bint, Bau- und Armaturenbranche sowie Militärgürtler sind dazu Die Ortsverwaltung. Dr. Simmel Donnerstag, den 8. Oktober, abends 8%, Uhr, in der Lebens eingeladen. Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, Moritzplatz, dicht am 10-2.5-7. Sonntags 10-12. 2-4. + Westmanns+ Trauermagazin Hauptgeschäft Berlin W., Mohrenstraße 87a, tein Edhaus, und Berlin NO., Gr. Frankfurter Str. 115, tein Edhaus, erreicht feine Leistungsfähigkeit und feine billigen Preise durch Raumersparnis u. geringeSpesen Geschmackvolle Auswahl in fertiger Trauer- Garderobe für Damen und Mädchen. Portieren, Ohne Anzahlung! Stores, Gardinen, Steppdecken, Teppiche, Uhren, Bettwäsche und Kleine Raten! Federbetten. L. Matzner, Auguststr. 50. Nur Postkarte erbeten. Wir verkaufen jeht noch billigst R 4 Mark an in Petershagen, Dftbahn, OR 10 Mark an Seegefeld, am Bahnhof, OR 15 Mark an Kaulsdorf, am Bahnhof, R 10 Mark Bahnhof Sadowa, Biesdorf. Kaulsdorf- Süd, OR 30 Mark an Biesdorf, Stadtbahn, a. Bahnhof. Verkaufsstell. a. d. Bahnhöfen. 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In der Abteilung Kochkunst: Prunktafel des Verbandes der Gast- und Schankwirte für Berlin und die Provinz Brandenburg. Täglich: Militärkonzert. Geöffnet von 9 Uhr morgens bis 10 Uhr abends. Eintrittspreis 1 Mark. Parodie- Theater Polo a Dresdener Straße 97. Heute: Cavalleria Rustikana und die urkomische Burleske ,, Berlin steht Kopp". Anfang Sonnt. 8, wochent. 8, Uhr. 99 Folies- Caprice Durchschlagender Erfolg! Die lästige Witwe. Die Brautschau. Bunter Teil. Vorverkauf von 11-2 Uhr a. d. Theaterkasse. Anf. 8 Uhr. Bürgerliches Schauspielhaus Kastanien- Allee 7-9. Gastspiel der ehem. Hofschauspielerin Fräulein Panla Klär. Neu einstudiert: Lortzing- Theater Familie August Knoche. Der Hüttenbesitzer. Belle- Alliancestraße 7/8. Bis Donnerstag, 8. Cttober: Jeden Abend 8 Uhr: 6/ 18* Gastspiel Hedwig Lange. Zaza. Auguft Snoche: Dir. Hans Berg. Schauspiel in 4 Aften von G. Ohnet. Sonntag 4 Uhr: Reezengasse 8 a. Anfang 8 Uhr. Theater XIV. Saison! Zirkus Busch. Mittwoch, den 7. Dftober 1908, abends präzise 7%, Uhr: Große Vorstellung. Um 9 Uhr ca.: Mr. Houdini mit seinem( gef. gesch.) Kannentric. Gebr. Saxons. Mlle. Mariska Recsey! Herr Karl Reinsch, Schulreiter. Mathilde Renz, Schulreiterin. Herrn Ernst Schumanns Neudress. Um 9%, ca.: Barbarossa!! Gr. Original- Ausstattungs- Pant. des Zirkus Busch in 6 Bildern. W. Noacks Theater Direktion: Rob. Oill. Brunnenstr. 16. Letzte Woche! este oche! Die alte Geschichte. Der Roman einer Choristin. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Bf. Abonnenten bedeut. Ermäßigung. Sonnabend, 10.0ft.: Kranke Herzen. DERNHARD ROSE THEATED Br. Frankfurter Str. 132.. Kabale und Liebe. Anfang 8 Uhr. Bochentagspreise. Donnerstag: Der Theaterteufel. Gebrüder HerrnfeldAnfang Theater. Vorverk. 8 Uhr. 57 Kommandantenstr. 57 Die beiden Bindelbands!!! Komödie in 2 Atten bon Anton und Donat Herrnfeld. Vorher: Künstlerteil. na: Madame D'Ormays BalletteusenSextett. Reisers Original- BauernEnsemble. Saratoff, Russen- Trio. 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Zweiter Wahlkreis. Alle Briefsendungen und sonstigen An- fragen, den Kreis betreffend, sind von jetzt ab an Fritz S ch w e m k e, L. ö9, Schönlcinstraße 34(Laden) zu richten. Tegel. Sonntag, den 11. Oktober, vormittags 9 Uhr, beginnt in G. Halses Lokal, B r u n o tv st r. 23, der Kursus über soziale Gesetzgebung. Die Mitglieder, welche gewillt sind, hieran teil- zunehnien, werden ersucht, pünktlich zu erscheinen. Auch ist not- wendig, daß sich die Teilnehmer mit Material zu Notizen versehen. Der Vorstand. Stralau. Sonntag, den 11. d. Mts., nachmittags 2Vz Uhr, findet im Restaurant„Perle", Mt-Stralau 21, eine Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Bericht vom Parteitag. Referent Genosse D e n tz e r. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Potsdam. Heute abend 3 Uhr findet im„Viktoriagarten", Mte Luisenstraße 37, die Versammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Bericht vom Nürnberger Parteitag. Referent Genosse Karl Kautsky. Vereinssachen und Verschiedenes. Verlin er JVacbncbtm Franz Tutzauers Leichenbegängnis. Die Strahlen der gen Abend sinkenden Oktobersonne be- gleiteten den starken Kondukt von Leidtragenden, Freunden, Arbeitskollegen und Parteigenossen, der gestern um die fünfte Nachmittagstunde Franz Tutzauers Leiche dem Friedhof der Freireligiösen Gemeinde an der Pappclallee entgegenführte. Mild ging der Hauch des Herbstes über den Totenhügel, und goldig zog der Schein des Tages durchs rötliche Laub der alten Bäume. Man trug den Sarg in die Halle, die rasch Kopf an Kopf erfüllt war. Feierliche Stille. Der Gesang- verein„Liedesfreiheit" aus dem vierten Berliner Reichstags- Wahlkreis stimmte an den Chor:„Wenn sich zwei Herzen scheiden".— Wie ein bewegtes Abschiedswort aller, die hier versammelt waren und für alle, die fern geblieben, an den Toten zitterte der Refrain des Liedes durch den Raum und verhallend über die Gräber draußen:„Fahr wohl!" Genosse Waldeck Manasse hielt die Grabrede: In zwei Worte lasse sich der reiche Inhalt dieses Menschenlebens zusammenfassen: Liebe und Arbeit. Ein ewig Lernender war der Verblichene— und doch im Gemüt ein reines Kind. geblieben. Ein Mann süller Tatkraft. Was sein Wesen durchpulste, was seinem Leben Inhalt und Weihe gab: es war das ausschließliche Aufgehen im Kampff der gesamten Arbeiterbewegung. Ihr hat sein feuriges Streben, sein unbesiegbarer Opti- mismus, sein unerschütterlicher Glaube an die Zukunft ge- gölten. Wie er ehrlich ringend und als Aüfkiärcr durchs Leben gegangen war, mit seinen Sinnen wurzelnd auf Erden und mit dazu beitragend, daß es hier besser werde, so ist er auch in den Tod ge- gangen: Nicht grämlich oder resigniert, sondern freudig, ruhig und friedvoll. Nicht klagen dürfen wir an seinem Sarge, sondern freudig und stolz sein. Wie er sein ganzes Leben auf Liebe und Arbeit gestellt hat, so wollen auch wir arbeiten, weiterbauen in seinem Geiste. Als der Redner geschlossen, erklang wieder das gleiche Lied und der gleiche Refrain:„Fahr wohl!"— Zahl- reiche würdige Kranzspenden mit roten und auch mit weißen Widmungsschleifen wurden, nachdem der Sarg in die Grube gesenkt war, niedergelegt. Zuvor aber ertönte der Chor: „Zum Reich der Gräber", dann sprach Manasse noch einige Schlußworte. Der Reihe nach wurden Kränze gewidmet vom 6. Bezirk des i>. Wahlkreises, vom Parteivorstand durch Genossen Singer. von der Redaktion des„Vorwärts" durch Genossen Stadthagen, von der Redaktion der Breslaner„Volkswacht" durch Genossen Schütz, vom 666. Bezirksverein, vom Aufsichtsrat der Konsumgenossenschaft Verlin nebst Vorstand und Personal, vom Deutschen Holzarbeiterverband, von der Schneider- genossenschaft, vom Arbciter-Raucherbund Berlin, vom Ver- band sozialdemokratischer Wahlvereine, vom Verein der Lagerhalter, vom Verein Berliner Möbelhändler und In- dustrieller, vom Burcaupersonal der Holzarbciter-Krankenkasse, von der Neuen Genossenschaftsbäckerei, von der Parteischule, vom Genossen Bernstein u. a. Als das Schlußlied:„Ein Sohn des Volkes" verklungen war, hatten sich die Schatten des Abends über den Totenacker gebreitet. ?tun war's so still. Fahr wohl, Du ewig vom Licht Geschiedener; Deines Lebens Spur liegt lichthell vor unseren Augen. Fahr wohl!_ Die neue Wohnung. Vor Jahresfrist hatte ich einen Geniestreich begangen. hatte als geborener, ausgetragener, flott mit der modernen Zeit marschierender Berliner eine Wohnung gemietet in einem alten Loche, einer richtigen Berliner Räucherkammer. War's eine Marotte, eine tolle Laune, oder sollte es zur Ablvechse- lung so sein? Freilich, ich kam aus dem alten Berlin, aus der Straße der Rosen. Hatte zwischen halb zerbröckeltem Gemäuer, zwischen wurmstichigem Treppenholz, treu vereint mit unmodernen Menschen meine schönsten Jugendjahre ver- bracht und glaubte an einen herrlichen Tausch mit dem weniger.alten Haus in der Vorstadt.... Drunten auf dem Hof,, krähte der Hahn, aus dem Stalle tönte leises Gegackcr und Geschnatter von Enten und Gänsen, und dicht unter dem Fenster, oben auf einem reizend länd- lichen Holzbau, schlugen Tauben mit den Flügeln und gurrten. Mit einem Satze war ich aus dem Bett. Da ivar sie ja wieder. die lachende Jugendzeit. Da lag der schmale, langgestreckte Hof,.rohgepflastcrt, aber an seinem Ende ein Stück Garten mit Fliederjtrauch und Llastanicnbaum. Da lag die mächtige Hundehütte mit dem neugierig den zottigen Kopf zu mir herausdrehenden Hektar, stampften im Stall ungeduldig ein paar Gäule und zankten sich am Brunncnholz zwei Dutzend Spatzen um die verlorenen Haferkörner. Schüchtern meldete sich die Klingel, daß der verbogene Messingdraht mit dem buntgläsernen Griff daran bis ins Zimmer quietschte. Jede Diele knarrte in anderer Tonart, Türen und Schlösser knarrten... und mir, dem sonst so Nervösen, tönte es wie Musik, liebliche Musik aus der goldenen Jugendzeit. Fröhlich war ich, glücklich wie als Kind. Die Wände mit dem hausbackenen Tapctenmuster, die kleinen Fenster, an denen altersschwach das Holz knisterte, die winzige Kochmaschine, die vielleicht schon hundert glühwangigen Herrinnen gedient hatte, die riesigen Schlüssel, die nur verkehrt mit dem Bart ins Schloß Paßten,— alles das kam mir so vertraut und so lieb vor, als lebte ich mit den Vorfahren im vergangenen Jahrhundert. Täglich fand ich neue Schönheiten in dem verblaßten Rahmen, fühlte mich heimisch wie nicht seit Jahren. Ach, daß es doch immer so bliebe! Aber es blieb nicht so. Nach kaum einem Vierteljahr hatte meine altberlinisch angehauchte Romantik in der Vorstadt einen mächtigen Riß. So etwas wie selbstverschuldetes Katzenjammergefühl beschlich mich, wenn ich an qualmenden, übelriechenden Petroleum- lampen vorbei meinen Weg nach oben suchte oder umgekehrt nach dem Hofe an jenen streng verschwiegenen Ort, zn dem man keinen anderen schicken kann. Der Straßenstaub drang im Sommer gleich Wolken durch zahlreiche Ritzen, und von der Decke fiel Porttonsweise der Kalk, sobald ein Geschäftswagen durch die vermorschte Einfahrt rasselte. Und erst der Radau I Eine göttliche Ungeniertheit herrschte hier. Jeder wollte Hauswirt sein und kehrte sich den Teufel um das, was man Hausordnung nennt. Nicht daß die Leutchen es böse meinten. Liebe, prächüge Menschen waren darunter. Sie gingen nicht wild- fremd an mir vorüber, begrüßten mich herzlich vom ersten Augenblick an, betrachteten mich als den ihrigen, als Proleten unter den Proleten. Aber es fehlte etwas diesem alten vor- städtischen Steinbaukasten. Etwas, das mir alle Erinnerung an die schöne Jugendzeit nicht lvettmachte und mein Proletentum beleidigte. Es fehlte inmitten der köstlichen Einfachheit die Ordnung.... Seit vierzehn Tagen bin ich in der neuen Wohnung. Stillvergnügt hatte ich geträllert:„So leb' denn wohl, du altes Haus", und war wieder der Abwechselung halber in einen hochmodernen Stall gezogen. Alles piekfein und nobel, nach der Leute Ansicht sicher zu fein für eine Proletarierseele. Mollige Läufer und elektrisches Licht auf den Treppen, Ja- lausten und Gaskochmaschine,' Majolikaöfen und Speisekammer, sogar ein wunderhübscher Balkon, natürlich oben unterm Dach, aber nach vorn raus. Kostenpunkt? Hm, ich hatte meinen Etat hundertmal überrechnet und war immer wieder zu dein Resultat gekommen, daß ich mich gewaltig einschränken müßte, um meinen äußerst liebens- würdigen Hauspascha pünktlich an jedem Monatserstcn noch fetter zu machen. Sei's drum I Nun wohne ich doch auch mal in einem hochmodernen Hause, komme mir plötzlich wie neugeboren vor, trage aber die Nase deshalb noch lange nicht hoch und schelte mich sogar einen alten Esel, daß ich jahrelang zusammen mit Wanzen und Flöhen, Schivaben und Motten hausieren konnte. Noch habe ich nämlich die lieblichen Haustierchen hier nicht zu Gesichte' bekommen. Ueber- Haupt bin ich entzückt von der Wohnung. Die Küche ist himmlisch, die Ruhe idyllisch. Und selbst- bewußt werfe ich mich in die Brust: Das hättest du auch als Proletarier schon längst haben können! Gibt es doch in Berlin sehr schöne Arbeitcrwohnungen, nur nmß man sie mit einigem Glück und mit der Aussicht, die Miete bezahlen zu können, zu finden wissen. Also, wie gesagt, ich schwärme für meine neue Wohnung. Aber daß ich trotzdem nach einem halben Jahre alle ihre Schwächen entdeckt habe und daß ich mal wieder Veränderungsgelüste spüren werde— das ist ganz gewiß._ In der letzten Sitzung der Deputation für die Strapenreinigung wurde der an Stelle des verstorbenen Stadtverordneten Plischke delegierte Stadtverordnete Feuerstein eingeführt.— Eine laufende monatliche Unterstützung von 20 M. wurde einer im Alter von 72 Jahren ausgeschiedenen Wärterin der Bedürfnisanstalten bewilligt. Einer Neuordnung der Vertragsbestimmungen zur Bespannung und Bedienung der Sprengwagen sowie für die Abfuhr des Straßen- kehricht und der Schneeabsuhr, wurde zugestimmt. Ein Antrag, in die Neuordnung die Bestimmung aufzunehmen, daß den Bedienungs- Mannschaften von den Unternehmern mindestens ein Anfangslohn gezahlt werden muß, der gleich ist dem Anfangslohn mit den, die Arbeiter der Straßenreinigung eingestellt werden, wurde mit allen gegen eine Stimme abgelehnt.— Zugestimmt wurde der Anschaffung von drei neuen elektrischen Waschmaschinen sowie dem Umbau von zwei alten Waschmaschinen für den elektrischen Betrieb. Desgleichen der Anschaffung von zwanzig Fahrrädern für das Aussichtspersonal.— Für die 12. Abteilung soll ein Stadtbahn- bogen in der Holzmarktstraße als Depot gemietet werden.— Von dem Arbeiterausschuß ist, da er bescheidenerweise der Ansicht ist. daß eine Lohnerhöhung nicht zu erreichen sei, em Antrag in Vorberatung, der eine Aenderung der Lohnskala bezweckt. In der nächsten Sitzung der Deputation soll die Lohnscage im allgemeinen behandelt werden. Dabei wird auch der Antrag des ArbeiterausschusseS seine Erledigung finden. Die Fortbildungsschulvereinigung deS Berliner LchrervercinL faßte in der Septcmbersitzung nach einem Vortrage des Herrn Direktor Eduard Haumann über:„Die Notwendigkeit und die Grundzüge eines preußischen Fortbildung s- schulgeseyes" einstimmig folgenden Beschluß: Es wird für nötig gehalten, daß für Preußen ein Fortbildungsschulgcsetz mög- lichst bald erlassen werde, das die allgemeine und ununterbrochene Schulpflicht für die männliche und für die weibliche Jugend ein- führt, die Schulzeit festlegt, die rechtliche Stellung der Lehrer regelt und die Beteiligung von Gemeinden und Korporationen an der Verwaltung der Schulen sichert. Blusen, die verpfuscht sein sollten, bildeten den Gegenstand einer Klage und einer Widerklage, die vor dem Gewerbe- g e r i ch t verhandelt wurden. Gegen einen Herrn L e o p. Honig, Inhaber einer Blusen- und U n t e rsr o ck ko n>f e k t i o n in der S e h d e l st r a ß e, klagte eine Witwe P. auf Zahlung des Lohnes für 61 von ihr gelieferte Blusen, der auf 1,25 M. pro Stück, also im ganzen auf 76,25 M., vereinbart worden war. Herr Honig, der sämtliche Blusen für verpfuscht erklärte, klagte seinerseits aus Herausgabe von 39 Blusen, die im Besitz der Klägerin verblieben waren und erst noch ordnungsgemäß herge- richtet werden sollten, oder Zahlung von 117 M. Frau P. hatte, so führte sie vor Gericht aus, über ein halbes Jahr für Herrn Honig gearbeitet, obne daß er mit ihr unzufrieden war. Ein.'s Tages aber bemängelte er 39 Blusen und wollte vom Lohn pro Stück 25 Pf. abziehen. Als Frau P. hierauf nicht einging, gab Herr Honig ihr die Blusen wieder mit nach Hause. Ein paar Tage darauf bemängelte er noch 22 andere Blufetn die gleichfalls verpfuscht sein sollten. Die 39 Blusen wollte Herr Honig der Frau P. zur Verfügung stellen, wenn sie für Stoff und Zeit etwa 3 M. pro Stück, also im ganzen 117 M., zahle. Frau P. lehnte zunächst auch das ab. Da sie aber fürchtete, daß sie schließlich gar nichts kriegen würde, so sagte sie ihm hinterher, sie wolle sehen, ob sie die Blusen nach und nach verkaufen könne, und dement- sprechend werde sie nach und nach den geforderten Betrag abzahlen. Das war nun wieder nicht nach dem Sinne des Herrn Honig, der die Blusen sofort und gegen bar loswerden wollte. In seinem Geschäftslokal kam es dann zwischen ihm und Frau P. zu einem stürmischen Auftritt. Ueber dessen Verlauf gab Frau B. bor Gericht an, Herr Honig sei hinter ihr hergelaufen, habe sie im Genick gepackt und sie mehrere Male mit dem Kopf gegen die Wand gestoßen. Herr Honig behauptete dem- gegenüber, Frau P. habe auch die 22 Blusen wieder mitnehmen und„sich widerrechtlich aneignen" wollen, deshalb sei er ihr nachgelaufen. Frau P. und Herr Honig haben gcgencin- ander Anzeige erstattet. Das Gcwerbegcricht hatte sich nur mff der Frage zu beschäftigen, ob die Blusen ordnungsgemäß ange- fertigt waren oder nicht. In einem ersten Termin hatte Frau P. versichert, sie habe genau nach Vorlage gearbeitet. Es war dann dem Herrn Honig aufgegeben worden, zu dem zweiten Termin die Vorlage zu beschaffen. In diesem Termin machte nun der Vor- sitzende Ältagistratsrat Dr. Leo zunächst die üblichen Versuche, einen Vergleich zustande zu bringen. Der Verlauf dieser Einigung!- versuche Ivar sehr merkwürdig. Der Vorsitzende begann mit dem Vorschlag, Frau P. solle für die ihr zu überlassenden 39 Blusen 117 M. Schadenersatz leisten, sich für die anderen 22 Blusen mit 22 M. Lohn begnügen, mithin an Herrn Honig bare 95 M. zahlen und zwar in Monatsraten zu 20 M. Da sollte also Herrn H o n ig durch„Vergleich" alles bewilligt werden, was er als Kläger forderte. Frau P. lehnte rundweg ab, weil sie leine Möglichkeit habe, die 39 Blusen loszuwerden. Ganz unerivari.'t kam jetzt der Vorschlag des Vorsitzenden, der Frau P. solle für alle 61 Blusen Lohn gezahlt werden, aber nur 61 M., wofür sw dann die 39 Blusen ausliefern solle. Als Frau P. fcstblieü und auch das ablehnte, zog sich das Gericht zurück zur Beratung dar- über, ob man ihr tatsächlich einen Vergleich empfehlen dürfe. Das Ergebnis war ein Nein; der Vorsitzende mußte, indem er es verkündete, sich selber auf den Mund schlagen. Es wurde nun- mehr verhandelt und Beweis erhoben. Die Blusen, die verpfuscht sein sollten, wurden ausgepackt und Herr Honig wurde ersucht, die Probebluse vorzulegen. Er legte eine Bluse vor, aber Frau P. wehrte ab, das sei n i ch t d i e r i ch t i g c. Er. legte eine zweite vor, aber Frau P. erklärte aufs bestimmteste, auch das sei nicht ihre Probebluse. Herr Honig behauptete, eine von beiden sei es. Als ihm gesagt wurde, worin die von ihm vorgelegten Blusen sich von der Probebluse unterschieden, antwortete er, das seien Nebensächlichkeiten, auf die es nicht ankomme, weil auf sie die Bemängelung sich nicht erstrecke. Einer der Arbeitnehmer- beisitzer, der mit dem Blick des Sachkenners die Blusen prüfte, setzte Herrn Honig scharf zu. Er sprach auch seine Verwunderung darüber aus, daß Herr Honig die Blusen unter der Be- dingung eines Lohnabzuges als brauchbar habe hinnehmen wollen. Wieder zog sich das Gericht zur Be- ratung zurück. Es beschloß nunmehr, die Vergleichsverhandlungen neu aufzunehmen, weil es für eine sachliche Entscheidung an den erforderlichen Unterlagen fehle. Der Vergleich kam dann zu- stände auf der Grundlage, daß Frau P. die Blusen, die verpfuscht sein sollten, umgeändert zurückzugeben habe, daß Herr Honig 65 M. Lohn zu zahlen habe, und daß beide Parteien allen weiteren Ansprüchen entsagen. Herr Honig fügte seiner Ein- willigung die entrüstete Erklärung hinzu, er habe nicht— tvie die Klägerin behauptet und auch ein Beisitzer ihm vorgeworfen habe— den Lohn drücken wollen. Selbstverständlich wird durch diesen Vergleich die oben erlvähnte andere Affäre, mit der die ordentlichen Gerichte sich zn beschäftigen haben werden, nicht berührt. Der liebe Gott gegen die Bivisektio«. Die letzte Sonntag?- nummer des„Berliner Lokal-Anzeiger" enthält folgenden Stoßseufzer einer verschrobenen Seele: „Welch edler, gutherziger, tierliebender Mensch Hilst mir ein Hein, gründen, wo unglückliche Tiere jedweder Art vor Lebendig- zerschneiden und Mordbuben geschützt sind, da die Mordlust an Tieren und Menschen überhand nimmt. Der Allmächtige wird es dem Geber lohnen. Offerten L. 961 Filialexped. d. Bl. Bülow- straße 25." Es ist schnurrig, wozu der„Allmächtige" nicht alles feine Hand bieten soll. Der liebe Gott würde es jedenfalls viel praktischer und vor allem menschenwürdiger finden, wenn seine Ebenbilder auf Erden ihre Mitinenschen gegen das Lebendigzerschneiden schützen wollten. Ob wohl die Aufgcberin jener Annonce für notleidende Menschen ebensoviel Herz und Geld übrig hat, wie für notleidende Tiere? Stellcnlosigkeit im kaufmännischen Berufe. Von manchen bürger- liche» Zeitungen»wird geflissentlich noch immer die große Arbeits- losigkeit bestritten. Dabei mutzten sie gerade aus ihren eigenen Geschäftskreisen heraus am besten wissen, wie es steht. So schreibt jetzt die„Zeitschrift für weibliche Handlungsgehilfen" folgendes: „Unser Arbeitsnachweis hat bereits im August 1907 die rückgängige Geschäftskonjunktur gespürt und darauf hingewiesen, allerdings recht vorsichtig, um nicht geradezu einen Anreiz zu Personalentlassiingen zu geben. Im ersten Halbjahr 1908 waren insgesamt 1016 Ge- hilfiniienstellungen weniger an der Zentralstelle gemeldet als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, dagegen 370 Bewerberinnen mehr. Auch die Ergebnisse der Stellenlosenkaffe zeigen die ungünstige Ge- schäftSkonjunktur. Während im ganzen Jahre 1907 für diesen Zweck 4013 M. verausgabt wurden, betrug die Unlerstützungs stimme 5415 M. allein für das erste Halbjahr 1908." Und das ist nur e i n Anqestelltenverband von vielen, bei denen die Verhältnisse ganz ähnlich liegen. Tot aufgefunden wurde gestern früh im Hause Frankfurter Straße 62 in ihrer Wohnung die 22jährige Ehefrau des Büglerä Adolf Hirsch. Es verbreitete sich das Gerücht von einem Morde, so daß auch die Mordkommission bald an Ort und Stelle war. Es soll aber festgestellt worden sein, daß die Frau eines natür- lichen Todes gestorben ist. Bon der Heilsarmee. Um ihre Versammlungen zu füllen, verbreitet die Heilsarmee Einladungen mit den sonderbarsten An- kündigungen. Kürzlich ließ sie Handzettel verbreiten, nach dar in einer Versammlung das Thema dehandelt werden soll:„Was denkt Gott von Berlin?' und dieser Tage wurden im Osten massenhaft Zettel verteilt mit folgende», Wortlaut: Prophezeiung! Voraus- sagung! Ein neues Unglück steht Berlin bevor! Tausende werden davon betroffen werden! Vielleicht auch du! Wer näheres erfahren will, der komme in die Tonhalle des Ostens zur Heilsarmee! Wir haben für die Leute, die den Hcilsarmeeagcnte» und agentinnen nachlaufen, nur ein Gefühl des Bedauerns übrig. Zu rekognoszieren. Am 30. September ist im Jagen 21 der Jlmgfernhcide ein etwa 30 bis 35 jähriger Mann am Zaun der Scheibenstände erhängt aufgefunden worden. Derselbe ist zirka' 1,75 Meter groß, kräftig, hat blonde kurzgcschnittene Haare, blonden hochgebürsteten Schnurrbart, graue Augen, gebogene Naie. aus der rechten Seite der Nase eine Warze, und ist bekleidet mit schwarzen, Jackett, grauer Weste, dlmkclblaucr Hose, rotbraunen Strümpfen ge- zeichnet G. oder S., graue», Trikothemd. Zugstiescln und schwarzein steife,, Hut. Die Persönlichkeit der Leiche ist bisher nicht festgestellt. Rekognoszenten werden daher ersucht, sich bei dem Gutsvorsteher zu Plötzensce zu melden. Die Kriminalpolizei sowie die Polizeireviere nehmen ebenfalls zweckdienliche Nachrichten entgegen- Wiutergartcu. Eine Reihe recht eigenartiger Attraktionen enk- hält das Oktoberprogramm des Wintergartens. Die Brüder de Ongo produzieren sich als Flaschenspringer. Mit beiden Fützen springen sie auf Glasflaschen, die sie zum Teil als Sprungbrett benutzen, um schließlich in erheblicher Höhe auf Flaschen stehend, zu balan- zieren. Und alles dies, ohne einer Flasche den Hals zu brechen. Als wahre Künstler auf dem Gebiete des Tiabolospicls stellen sich die Philliparts vor. Der Kegel fliegt von einer �scite der Bühne zur anderen, um vom Gegenpart mit einer geradezu erstaunlichen Sicherheit aufgefangen und wieder zurückgcschleudcrt zu werden. Der Tanz findet in der spanischen Tänzerin Tortgla Valencia eine würdige Vertreterin, während die drei komischen Radfahrer Merrills das Publikum durch ihre interessanten Triks in bester Laune erhielten. Die Bcleuchtungskunst feierte anläßlich des Auf- trctenS der Loic Füllers als Scrpentintänzerinncn wahre Triumphe. Prächtige Kostüme brachten wieder die 12 Tiller Girls— eine Englische Gesangs- und Tanztruppo auf die Bühne. Feucrwchrbericht. In der letzten Nacht kam ein größerer Kcllerbrand in der Selower Straße ö zum Ausbruch, Späne u. a. brannten dort. Die Feuerwehr mußte tüchtig Wasser geben, um die Flammen zu löschen. Am Planufer 88 hatte der 11. Zug zu tun. In der Mühlenftr. 83 brannten Möbel, Fußböden, Wände usw. in einer Wohnung! der 7. Löschzug beseitigte die Gefahr. Auch in der Pappelallee 5 waren Möbel in Brand geraten und in der Krummestraße, sowie Krausnickstr. 22 mußte die Wehr Hilfe anderer Art leisten... Vorort- JVaebHehtem Der nürnberger Parteitag. Im Laufe der vorigen Woche beschäftigten sich noch mehrere Parteiorganisationen der Vororte mit den Debatten und Bcschlstsien des Parteitages. Die Berichte können infolge verschiedener widriger Umstände leider erst heute wiedergegeben werden. In der Schöucbcrgcr Versammlung gab Genosse Küt er den Bericht. In großen Zügen gab er ein anschauliches Bild der Nürnberger Verhandlungen und beleuchtete die ans der Tagesordnung stehenden Punkte. Besonders eingehend be- handelte Redner die Budgetbewillignng der Süd- deutschen. Küter meinte, daß wir es nur begrüßen können, daß der Parteitag mit mehr als Zweidrittel-Majorität der Resolution des Parteivorstandes und der Kontrollkommission zugestimmt hat. Es wäre dies eine Auseinandersetzung zwischen dem Revisionismus und dein Radikalismus gewesen. Die Revisionisten haben Gelegenheit gehabt, zu erkennen, daß die übergroße Majorität der Genossen nicht gewillt ist, von der alten durch die Resolutionen von Lübeck und Dresden festgelegten Taktik abzuweichen. Wenn nun daraus, daß die Erklärung der 66 Süddeutschen ohne Widerspruch er- folgt ist. gefolgert wird, daß die süddeutschen Parlamcn- tarier freie Hand für die Zukunft haben sollen, so ist diese An- „ahme doch ganz falsch. Die Delegierte» haben sich gesagt, daß die Erklärung nur den Rückzug maskieren solle. Nachdem der Parteitag einen Beschluß gefaßt hat, hat sich diesem Beschlüsse jeder Partei- genösse zu fügen. Nur auS diesem Grunde habe man die Verlesung der Erklärung ohne Widerspruch angehört. Bedauerlich sei auch die persönliche Stellungnahme der süddeutschen Genossen, wie sie sich bei der Stinimabgobe anläßlich der VorstandSwaHl gezeigt hat. Das Referat Küters klang in die Worte aus: Der Partriiag ist geschlossen. Die Beschlüsse, die dort gefaßt sind, haben wir in die Praxis zu überführen. Ein jeder Parteigrnosie hat in den uns bevorstehenden schweren Kämpfen in vollstem Maße seine Pflicht zu tuil. Also auf zum Kampfe gegen unseren Feind, den KäpitaliSnmS! In der Diskussion äußert als erster Redner Genosse Bern- stein: Er wolle nicht über Fragen sprechen, über welche wir alle einig sind, auch über die Maifeier wolle er nicht sprechen. Ucber diese können nur diejenigen reden, die mitte» im wirtschaftlichen Leben stehen. Er könne ja leicht sagen, die Maifeier müsse mehr durchgeführt werden, diejenigen aber, welche auf den Arbeitsstellen tätig sind, haben hier den"Ausschlag zu geben. In der I u g e n d o r g a n i- s a t i o n habe der Parteitag seiner Meinung nach das Richtige ge- troffen. Eine Dezentralisation der Parteischule halte er nicht für gut und auch nicht für angängig. Die Ausführungen des Ge- Nossen Maurenbrecher sollten auch nicht für die Parteischule Geltung haben, sondern nur für die Bilduugkurse. Zur Frage der B u d g e t- b e w i l l i g u n g sagte Redner: Durch den Beschluß des Partei- tages sei die Differenz nicht ausgeglichen, die Parteitage sollten nur Beschlüsse fassen, die alle Parteigenossen annehmen und durchführen könnten. Dies wäre aber hier nickt der Fall. Der Parteivorstand habe sich anerkennenswerterweise Blühe gegeben, ein Einverständnis zu erzielen, leider sei das nicht gelungen. Zum Teil sei es darauf zurückzuführen, daß die Presse geradezu eine Hetze gegen die süddeutschen Genossen eingeleitet habe. Er sei Gegner der Budgetbewilligung. wenn aber die Genossen im Süden eine andere Taktik für gut halten, müsse wohl ein Grund vorhanden sein. Dieser sei seiner Ansicht nach der, daß sich die Genosien die Agitation im Lande nicht erschweren wollen. Die Ver- hältnisse sind andere als in Norddeutschland, die Parteien spielen dort unten eine andere NiKle. Die Wähler sagen:„Ihr tretet für Verbesserungen ein, die Mittel dazu wollt Ihr aber nicht bewilligen, das können wir nicht verstehen". Aus den Vorwurf im Reichstage, daß die Sozialdemokratie nicht für Verbesserungen eintreten könne, wenn sie den Etat und dadurch die Mittel ablehne, habe Bebel erklärt: Gebt uns ein Budget. das auf direkten Steuern basiert. und wir köunten dem Etat unsere Zustimmung geben. Nach der Resolution des Parteivorstandes könne dies aber nicht geschehen. Dieselbe ist in ihrer Fassung nicht konsequent und ist unlogisch. Ein Mißtrauensvotum tönne man bei den einzelnen Posten, de» Bewilligungen der Gehälter der Minister, zum Ausdruck bringen. Warum sollen wir aber immer Beschlüsse fassen, welche uns die Hände binden und dadurch die Türen schließen, die wir nachher doch wieder aufmachen müssen. Es ist zu ver- stehen, daß die Norddeutschen Gegner der Budgetbewilligung sind, doch sind die Verhältnisse in Süddeutschlaird andere und wir sollten uns hüten, alles nach unseren Auffassungen modeln zu wollen. sondern den Genossen bei ihrer Arbeit möglichst freie Hand lassen. Durch immer stärkere wirtschaftliche und politische Organisation sollen wir fördernd auf Reformen zugunsten der Arbeiter wirken. Mit Be- Zeichnung Revisionismus wird jetzt geradezu Unfug getrieben. Die Süddeutschen werden jetzt alle zu den Revisionisten geworfen. Und unter ihnen sind doch Leute, die seit einem Menschenalter im Interesse der Partei tätig sind. Die Frage: Wer ist Revisionist? könne man bald so beantworten: Revisionist ist, wer der Redaktion des„Vorwärts" und der„Leipziger Bolkszeitung" n i ch t g e s ä l l t. So sollten wir nicht polemisieren, wenn wir da- Sin kommen wollen, daß wir alle einnlütig für die Befreiung der irbeiierklasse eintreten. Genosse T h i e l i ck e polemisiert in scharfer Weise gegen Bern- stein und die süddeutschen Genossen. Der Ansicht EisnerS. daß der Arbeiter möglichst die Praxis studieren müsse, die Theorie wäre nicht so wichtig, widerspreche er ganz entschieden. Die Praxis habe der Arbeiter alle Tage, er steht mitten drin im wirtschaftlichen Kampf. Tie Theorie dcS KlasienkampfeS müsse der Arbeiter da- gegen erst kennen lernen. Wenn Bernstein bedauert, daß der Beschluß in Nürnberg gefaßt ist, so könne er nur sagen: bedauerlich ist es, daß solche Beschlüsse gefaßt werden müssen, weil die süd« deutschen Genosien gegen ParteitagSbeschlüsse handeln und DiSziplin- brüchc begehen. Die Revisionisten und deren Verteidiger haben eben gar keine Ahnung vom Klassenkampf. Genosse M o l k e n b u h r: Der größte Teil der Gründe, die die süddeutschen Genossen hatten, ist bekannt, die Gründe aber, die vor- gebracht wurden, sind nicht dazu angetan, für die Bewilligung des Budgets zu stimmen. Wenn die süddeutschen Genossen meinen, daß ihnen die Hände gebunden würden, so ist die? nicht der Fall, die Genosien haben aber die Pflicht, Parteibeschlüsse hochzuhalten. Wenn gesagt wurde, daß der„Vorwärts" gehetzt hätte, ehe der Vorstand eingegriffen habe, so ist dies nicht richtig. Drei Tage vorher, ehe der erste„Vorwärts"- Artikel erschien, ist in Baden der Brief des Parteivorstandes, der um Ausklärung er- suchte, eingetroffen. ' Wenn wir einen konstitutionellen Staat hätten, wäre die Frage an sich nicht so wichtig, jetzt aber ist die Nichtbewilligung des Budgets das einzige Mittel, der heutigen Regierung in llarer Wci>e ein Mißtrauensvotum auszustellen. Ich wünschte auch, daß solche Resolutionen nicht gefaßt werden brauchten. Wenn die Sache aber einmal so weit sei, dann müsse die Majorität zeigen, daß sie mit der eingeschlagenen Taktik der Süd- deutschen nicht einverstanden sei. Jeder LandtagScibgeordnete, der im Landtage das Budget bewilligen wolle, müsse sich erst überlegen, wie er im gleichen Falle im Reichstag handeln würde. Die süd- deutsche Praxis wird im Reichstage der sozialdemokratischen Partei noch manche Unannehnilickkeiten bringen. Die Genossen haben nun die Pflicht, den gesahten Beschlüssen nachzukommen. Der vorgeschrittenen Zeit wegen machte sich eine Vertagung der Versammlung notwendig. Zwei vorliegende Resolutionen. von denen die eine, vom Genosien Schenk gestellt, sich mit den Beschlüssen des Parteitages einverstanden erklärt, die andere, vom Genossen Bernstein eingebracht, die Entsckieidung über eventuelle Bewilligung des Budgets den LandtagSsraktionen in Ucberein- stimmung mit den Landesorganisationen überlassen will, sollen in der kommenden Versammlung debattiert und zur Abstimmung ge- bracht werden. In der Versammlung der WilmrrSdorfcr Parteigenossen gab Genosie Groger-Rixdorf, dessen Niisführungcn wir anläßlich einer früheren Versammlung bereits skizziert baben, den Bericht. An das mit Beifall aufgenommene Referat schloß sich eine lebhafte Diskussion. Genosie Engelhardt meint, daß die Frage der Budget- bewilligung keine Frage"deS Prinzips, sondern der Taktik sei. Man könne Süddeutschland nicht mit Norddeutschland vergleichen. Der Parteivorstand habe sich eine starke Ohrfeige geholt und eS sei dringend notwendig, daß er sich an den einzelnen Landeskonferenzen mehr beteilige. Genosie Wilhelm Schröder anerkennt die über- aus ruhige und sachliche Art des Referenten. In der Frage der Bndgelbewilligung selbst ist er der Meinung, daß auf beiden Seiten gesündigt sei und stellt den Satz auf, daß ein Beschluß, der gegen eine so große Minderheit gefaßt sei, überhaupt kein Be- s ch l n ß sei. Ein Bruch in der Partei müsse vermieden lverden, denn das wäre der Untergang der Sozialdemokratie.— Genosse Henkel bedauert, daß die Steuerreform nicht als erster Punkt auf der Tagesordnung gestanden habe. Dann würden die süddeutschen Genossen gewußt haben, wohin die Reise auch ihrer Regierungen gehe. In seinen weiteren Anssührungen polemisiert er, wie später noch mehrere andere Redner, gegen die Ausführungen Engelhardts nnd Schröters und meint, daß die 66 und die paar hinter ihnen stehenden, wenn sie nicht anders wolle», gehen sollen. Die Arbeiter würden innerhalb der jetzigen Parteiorganisation bleiben. In einer leider nicht sehr stark besuchten Versammlung der Karldhorstcr Genossen gab Kurt Rosen feld den Bericht vom Nürnberger Parteitag. Der Referent beleuchtete ausführlich die einzelnen Tagesordnungspunkte und beschäftigte sich besonders ein- gehend mit der Frage der Budgetbewilligung. Die vor dem Parteitag kursierenden Redereien über Wandatsschicbung haben zwar große Erregung in Süddeutschland hervorgerufen, wie un- begründet jedoch das Gerede war. erhellt die Tatsache, daß nicht «in einziges Mandat beanstandet wurde. Die auffällige Er- scheinung, daß so viele„norddeutsche Bayern" im Gegensatz zu vielen Urbaycrn die süddeutschen Regierungen deS Vertrauens der sozialdemokratischen Vertreter für würdrg halten, glaubt der Referent aus dem Umstände herleiten zu können, daß dre aus dem Norden stammenden Genossen durch die ini Süden wehende un- gewohnte freiere Luft beeinflußt tvvrden sind. In der Diskussion meinte Genosse Um breit, daß die Mai- fcier durch die Ablehnung der bekannten Vereinbarung ungemein geschädigt loorden sei. Zur Budgetbewilligung äußerte sich Redner in dem den Lesern aus dem Artikel des„Correspondenzblatt" der Gewerkschaften bekannten Sinne. Genosie Link verurteilte den schlechten Ton im„Vor- wärt»" und in der„Leipziger Volkszeitung". Speziell die in der letzten Zeitung vor dem Parteitag abgedruckten Jubiläumsartikel„Zehn Jahre Revisionismus" haben sein Gemüt in Unruhe versetzt. Die Bewilligung des � Budgets hält er ebenso wie Umbreit nur für eine Frage der Taktik. „25 Jahre ist von unseren Vertretern im Reichstage das Budget abgelehnt worden und der Klassenstaat besteht immer noch," so führte er zur Bekräftigung seiner Auffassung wörtlich aus. Er hofft, daß die Ansicht der Revisionisten bezüglich der Budget- bewilligung sich ebenso Bahn brechen werde, wie dies bezüglich der Beteiligung an den ptcussischcn Landtagöwahlen gegen den Willen der Radikalen geschehen ist. Mit dem Verhalten der„66" ist er einverstanden. Genosse Becker erwiderte darauf, daß es die Pflicht der Süddeutschen ist, sich den Parteitagsbeschlüssen zu unterwerfen, genau so wie es seinerzeit auch die Radikalen in der von Link berührten Landtagswahlangelegcnheit ohne Murren getan haben. An der weiteren Debatte beteiligten sich noch die Genossen Küter, Mahlcr nnd G w i n n e r. Besonders die Aus- führungcn G w i n n e r s, eines Süddeutschen, der das Verhalten seiner Landsleute und khre Zustimmung zum Budget verurteilte, machten starten Eindruck auf die Versammlung. Folgende Reso- lution wurde gegen 7 Stimmen angenommen: „Die Versammlung erklärt ihr Einverständnis mit den Be- schlössen des Parteitages. Insbesondere begrüßt es die Ver- sammlung, daß der Parteftag durch die Annahme der Vorstands- resolution die Budgetfrage gemäß den alterprobten Prinzipien der Partei entschieden hat. Die Versammlung spricht der Parteileitung für ihre feste Haltung Dank und Anerkennung aus, sie erwartet aber auch, daß die Parteileitung in Zukunft alle ihr zu Gebote stehenden Mittel mit Energie anwendet, um den ParteitagSbeschlüsien Geltung zu verschaffen." Nixdorf. Ei» vrrhängniSvolleS Spiel wurde gestern auf den Rixdorfer Wiesen getrieben. Nahe der Roten Brücke spielten dort die jugend- lichcn Arbeitsburschen Georg Bernick, Walter Rudolf und Ernst Michaelis«Gendarm und Räuber". Um im„Bilde" zu bleiben, hatten sie sich mit scharfgeladenen Tei'ching-Pistolen be- waffnet und knallten aufeinander lo-Z. Als die auf der Flucht be- griffenen„Räuber" Rudolf und Michaelis hinter einem Busck her- vorsprangen, gab der„Gendarm" Bernick plötzlich vier Schüsse auf sie ab, von denen zwei ihr Ziel trafen. Rudolf wurde iu den Unterleib getroffen und brach schwer verletzt zusammen. Michaelis erhielt eine Kugel in den rechten Oberschenkel. Bernick floh entsetzt, wurde aber eine Stunde später von der Rix- dorfer Kriminalpolizei ergriffen. Reinickendorf. Ucber die Frage„Wie stellt sich die Arbeiterschaft zur Kirche" sprach Genosse Stürmer in einer gut besuchten öffentliche» Ver- sammlung. Wie treffend der Redner das Thema zu behandeln verstand, ergibt die Tatsache, daß 23 Austritte aus der Kirche in der Versammlung vollzogen wurden. Einige anwesende Gegner zogen eS vor, in der Diskussion, an der sich die Genoffen B r u n l o w. Kuschminder. Spiegelberg. Heinrich und Trepten beteiligten, nicht zu reden und verschwanden nach kurzer Zeit. Ein Antrag, eine Agitationskommission zum Austritt aus der Landes- kirchc zu wählen, wurde angeuoinmeu. Johannisthal. Die Gemeiadevertretersitzung sttmmte einem Antrage der Finanz- kommisfion auf Abänderung der Umsatzsteuer zu. Der Antrag verpflichtet die Erwerber von Grundstücken im Zwangs- vcrsteigerungsverfahrcn zur Zahlung der Umsatzsteuer. Gegen den Antrag kämpften einige Grundbesitzer. Wie wenig die bürgerlichen Vertreter aus die Interessen der Arbeiter Rücksicht nehmen, bewies die Ersatzwahl zur S ch u l d c p u t a t i o n. Trotzdem unsere Genossen darauf hinwiesen, daß auch die Vertreter der dritten Klasse in der Schuldcputation vertreten sein müßten, und daher unseren Genossen R a d u n k e in Vorschlag brachten, stimmten die gesamten bürgerlichen Vertreter für den Gemeindevertreter S a u e r w a l d. Ein Autrag des GemeiudeborsteherS wegen Er- richttmg einer Volksbibliothek wurde einstimmig angenommen nnd ein Vcrwaltungsrat von vier Personen gewählt. Zur Lc- schaffung billiger und guter Schriften trat die Gemeinde aus Vor- schlag des Vorstohcrs dem Verein zur Verbreitung von Volksdildung bei. Ein Antrag unserer Genossen, der die Anlegung eines GemeindcfriedhofcS verlangt, wurde mit allen gegen die Stimmen unscrer Parteigenossen abgelehnt. Als Grund der Ablehnung wurde in der Hauptsache angeführt, daß die Straßenregulicruug ans dem forststskalischen Gelände nicht fertig se'i und man deswegen an die Anlage eines GemeindcsriedhoscS nicht denken könne. Ein anderes Gelände käuflich zu erwerben, werde viel zu teuer werden. Die wahnsinnige Grundstücksspekulation hat also dafür gesorgt, daß Ge- meindcn mit fast viertausend Seelen nicht mehr in der Lage sind, FriedhofSgelände zu erwerben. Ein anderer Antrag unserer Vertreter, der die Verlegung des Standesamts nach dem Nathans und die Führung der Geschäfte durch den Gemeindevorsteher verlangt, wurde gleichfalls geschlossen von de» bürgerlichen Bertretcrn abgelehnt. Alt-Glienicke. In der letzten Gcmrindlvrrtreterfitzmlg kam eS anläßlich eines Antrages, die Konnnisftonsitznngcn in einem Bureanraum stattfinden zu lassen, zu einer längeren Debatte. Von bürgerlichen Gemeinde- Vertretern wurde geklagt, daß ihnen die vielen Kommissionssitzungen, die immer in einem Lokale abgehalten werden, zu teuer werden. Unsere Genossen benutzten die Gelegenheit, darauf hinzuweisen, daß bei der Vergebung der Kommissionsümter die bürgerlichen Vertreter nicht genug bekommen könnten und mit Borlicbe Sozialdemokraten aus Koinniissioncn ferngehalten werden.— Bei einem Antrage des Genosien Kaiser über die Zuständigkeit der Wegekommiifion bei Ver- gcbung von Gcmeindearbciten rügten unsere Genossen, daß die Kommission Arbeiten vergibt, ohne daß die Gemeindevertretung der Vergebung zugestimmt hat. Es wurde der Beschluß gefaßt, daß bei Vergebung von Gemcindearbciten die Gemcindeverlretuiig zu be- stimmen hat. wie hoch die Arbeiten veranschlagt werden sollen.— Bezüglich des Schulhausbaues wurde ein Beschluß gefaßt, daß die Gemeinde wegen ihrer beschränkten Leistungsfähigkeit auf die patronalliche und fiskalische Anteilslcistung der königlichen Rc- gierimg nicht verzichten kann. Dem Gutachten des Herrn Kreis- schuliu'ipektors, daß der Neubau eineö löllassigen Schulhauses im praktischen und finanziellen Interesse der beiden Baubeteiligtin— Fiskus und Gemeinde— liegt, wurde zugestimmt. Die Gemeinde- Vertretung lehnte da» vom ForstfiskliS zum Bau der Gasanstalt an- gebotene Terrain ab. Der Fiskus will den Morgen Land mit 12 l>00 SB. bezahlt haben. Auch verlangt er von den Gemeinden nicht zur Steuer herangezogen zu iverdc». Da der Bau der Gasanstalt nicht länger aufgeschoben werden kann und bei dem Fiskus so leicht nichts zu erreichen ist, wurde beschlossen, eine Kommission zu wählen, welche sich nach einem anderen geeigneten Grundstück nmflcht und der Vertretung baldigst Bericht erstattet. In die Kommission wurde auch Genosie Win kclmann gewählt. Zum Schularzt wurde Herr Dr. Windhorst bestimmt. Seine Tätigkeit be- ginnt am 1. April und er erhält als Honorar pro. Kind und Jahr 50 Pf. ES ist ihm dabei auch die Verpflichtung auferlegt, die Zahn- pflege der Kinder zu besorgen. Der latholische Religionslehrer hat beantragt, sein Gehalt von 210 auf 360 Vi. zu erhsheii. Gegen die Stimmen unserer Genossen lvurde die» bewilligt. In nichtöffentlicher Sitzung wurden dem Gemeindevertreter Wolter sein Mandat und alle Aemter in der Gemeindevertretung entzogen. Tettpitz. Aus Furcht vor den Preußen. Am Teupitzer See wurde gestern ein Liebespaar erschossen aufgefunden. Die Behörde ermittelte in den Toten den 21jährigen Bäckergesellen Ferdinand Ruft und die gleichaltrige Arbeiterin Frida Garnitz. Der junge Mann war zum Militär ausgehoben worden, äußerte schon früher Bekannten gegenüber. daß er sich lieber das Leben nehme, ehe er Soldat würde. Ob seine Braut im Einverständnis mit ihm in den Tod ging, konnte nicht ermittelt werden. Köpenick. Als Urheber des Verbrechens an dem erschlagenen Arbeiter Schmalle sind gestern der Kutscher Max S i e w e ck und der Arbeiter Otto Lorenz auS Köpenick verhaftet worden. Der Bluttat soll Eifersucht zugrunde liegen. Wie gemeldet wird, haben die beiden den Schwalbe in der Sonntagnacht mit einer Zaunlatte und einem Schufterhammer so lange geschlagen, bis er zu Boden brach. Die Täter sollen im Gefängnis bereits ein Geständnis abgelegt haben. Birkenwerder. Bei der vorgestern erfolgten Ersatzlvahl für den verstorbenen Gemeindevertreter Märker war die Wahlbeteiligung eine recht rege. Von den 132 abgegebenen Stimmen entfielen auf unseren Genossen Ferdinand Milke 62 Stimmen, der Kandidat des patriotischen Ver- eins erhielt 43, der des Ortsvereinö 27 Stimmen. ES hat demnach Stichwahl zwischen unserem Genossen und dem„Patrioten" stattzufinden. Nowawes. Um dem drohenden Mangel au Schulräumen zu begegnen, be- schloß die in voriger Woche tagende Gcmeindcvcrtretersitzung, das Gebäude der Gemeindeschule in der Pricstcrstraße durch einen Anbau zu vergrößern. Des weiteren ist geplant, auch das Gebäude der Gemeindeschule in der Schulstraße in nächster Zeit durch einen Anbau zu erweitern. In der Debatte hierüber verurteilten es die Gnosscn Neu mann und Go moll, daß die Ausschreibung zu dem Anbau in der Priestcrstraße in Entreprise erfolgt sei und nicht in einzelnen Losen, wie es bisher üblich war. Der Bürger- meister erwiderte, daß die Ausführung des Anbaues sofort in An- griff genommen werden müsse und durch den von ihm gewählten Modus der Ausschreibung«» an Zeit gespart würde, was bei den Sozialdemokraten lebhaften Widerspruch hervorrief.— Ein weiterer Beschluß der Vertretung ging dahin, in der Gemeindcschule II in der Auguststraße ein Lehrer- und Lehrmittelzimmer einzurichten. Zu einer lebhaften Debatte kam es bei der hieraus folgenden Beratung über den Erlaß einer Hausordnung für das Armenhaus. Genosse Gomoll unterwarf den vorliegenden Entwurf einer eingehendem Kritik. Er betonte, daß darin«ine Reihe von Bestimmungen enthalten seien, die man als kleinlich und unwürdig bezeichnen müsse und welche dem HauSaufieher dazu dienen können, die Insassen deS Armenhauses zu schikanieren. Unter anderem finde sich in dem Entwurf eine Bestimmung, die die schulpflichtigen Kinder verpflichtet, außer dem regelmäßigen Schulunterricht auch den Konfirmandeuunterricht Zu besuchen. Da die bürgerliche Mehrheit die von den Sozialdemokraten beantragten Verbesserungen ablehnte, wurde der Entwurf der Hausordnung mit einigen geringfügigen Aendernngen gegen die Stimmen der So- ziäldemokraten angenommen. Im weiteren Verlauf der Sitzung brachte Genosse F e s s e r bemerkenswerte Uebelstände in unserem Nachtwachwcsc» zur Sprach«.