Nr. 236. Abonnements- Bedingungen: " Abonnements Breis pranumerando Bierteljährl. 3,80 m, monatl. 1,10 wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage Die Neue Belt" 10 Big. Bost Abonnement: 1,10 Mark bro Monat Eingetragen in die Boft- Beitungs Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart Holland, Italien, Buremburg, Bortugal Rumänien, Schweben und die Schweis Crideint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 25. Jahrg. Die Intertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 50 Bfg., für bolitische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. Kleine Anzeigen", bas erste( fett gebrudte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf Kellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pig., fedes weitere Wort 5 Pfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Die Balkankrife. Donnerstag, den 8. Oktober 1908. D Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Die bosnische Verfassung. In einem Handschreiben des Kaisers an den gemeinsamen Finanzminister Baron Burian, dem die Verwaltung Bosniens und der Herzegowina untersteht, werden die Grundzüge angedeutet, auf denen die künftige Landesvertretung aufgebaut sein foll. Es heißt in dem Handschreiben: Der zu schaffende Vertretungskörper, aufgebaut auf dem Grundsay der Interessenvertretung, soll ein möglichst getreues Abbild der in beiden Ländern bestehenden nationalen, Konfeffionellen und politischen Zustände sein. Daher follen die hervorragenden Würdenträger, die nach Bildung und Wohlstand obenan Stehenden, die Bewohner der Städte und jene der Landgemeinden in besonderen Kurien bertreten sein und die Wähler in jeder Surie nach onfessionen getrennt abstimmen, um so nicht allein die gute Eintracht zwischen den Glaubensbekenntnissen vor Störungen zu bewahren, sondern auch jeder derselben die ihr verhältnismäßig zukommende Anzahl von Vertretern zu sichern. Der Wirkungskreis der gleichzeitig ins Leben zu rufenden Be. girtsvertretungen wird die Gegenstände der Gesetz. gebung und Kontrolle zu umfassen haben, welche die Verwaltung und die Rechtspflege Bosniens und der Herzegowina allein betreffen. Um fonach der Bevölkerung der neu erworbenen Länder einen Beweis meines ernsten Bestrebens nach Sicherung ihres Rechtszustandes und nach einer befriedigenden Ordnung ihrer heimischen Angelegenheiten zu bieten, fordere ich Sie hiermit auf, mir die im Sinne dieser Grundsäße auszuarbeitenden Vorlagen mit aller Beschleunigung zu unterbreiten, damit die neue Landesvertretung ehestens in Wirksamkeit zu treten bermöge. Zänder gilt. Das Wort Annegion mag bermieden werden; fachlich erwedt, aber als innerstaatliche Angelegenheit gar nicht be und rechtlich wird der Staatsaft dem gleichkommen, was man die trachtet wird. Annegion eines Gebiets nennt. Denn das europäische Mandat, wie es in dem Artikel 25 des Berliner Vertrags niedergelegt ist, gibt DesterreichEine neue ernste Nachricht meldet der Telegraph aus Ungarn bloß das Recht, Bosnien und die Herzegowina zu besetzen und zu Canea, der Hauptstadt Stretas. Die Kreter haben verwalten, und in der dieses Mandat ausführenden Konvention mit der die Angliederung ihrer Insel an Griechen- forte erkennt Desterreich- Ungarn die Souveränität des Sultans über die Run fann man sicherlich mit land proklamiert. Auf der ganzen Insel sind in beiden Provinzen ausdrücklich an. öffentlichen und kommunalen Anstalten hellenische Be- einem Anschein von Recht behaupten, daß schon jenes Mandat ause höiden installiert worden. Die Bevölkerung strömt zu drücken wollte, daß das okupierte Gebiet Besiz Desterreich- Ungarns Zaufenden in Kanea zusammen, um dort ihrer Begeisterung werden und bleiben solle; aber das hebt die Tatsache nicht auf, daß die für Griechenland Ausdruck zu verleihen. So setzt Griechen- Souveränitätserklärung" formell eine Verlegung des Berliner Verland fort, was Bulgarien und Desterreich begonnen haben. trages und gegenüber der Türkei ein unzweideutiger Rechtsbruch Es ist kein Zweifel, daß dieses neue Vorkommnis die Spannung fein wird. Aber Habsburg hat durch die Jahrhunderte Gebiete nur auf dem Balkan außerordentlich vermehren muß. Nach der abzutreten und auf Souveränitätsrechte zu verzichten" gehabt; man Haltung der Jungtürken durfte man erwarten, daß der kann ihm also die Genugtuung verschaffen, endlich einmal erobern" Frtede gesichert bleibt. Das Plötzliche und unerwartete des zu können und„ Mehrer des Reiches" zu heißen, nachdem man so neuen Ereignisses muß aber die Stellung der türkischen gründlich und so oft ein Verlierer gewesen ist. Friedenspartei außerordentlich erschüttern. Die türkische Die Annexion, die bezeichnenderweise ohne Befragen der VolksBresse hatte bis jetzt beruhigend zu wirken versucht. Aber vertretungen in Desterreich und Ungarn erfolgt und als absoluschon wurden in Ronftantinopel Proklamationen, die man tistischer Att fich finnfällig einen Tag vor dem Zusammentritt der den Reaktionären zuschreibt, verbreitet mit der Aufforderung, Delegationen etabliert, fällt nicht bloß zeitlich mit der Bulgarien den Krieg zu erflären. Das Vorgehen des von Unabhängigkeitserklärung Bulgariens zusammen: sie ist mit dem rechtden Türken verachteten und besiegten Griechenlands gießt jetzt lich ebenso anfechtbaren Att auch fachlich verknüpft. Nun kann Del in das Feuer nationaler Erregung und muß zugleich in man es begreifen, daß der Bulgarenstaat das Bedürfnis den Augen des türkischen Volfes die Versprechungen des Bei- empfindet, auch die letzte und nur äußerliche Fessel abund auch standes entwerten, die die Großmächte unaufhörlich wiederholen. auftreifen, die seine Unabhängigkeit beschränft, Allerdings die Kretenser handeln nur in Erfüllung eines alten dafür Verständnis haben, daß Defterreich- Ungarn den faktischen in seinen rechtlichen zu überführen Gründe Wunsches und zahllos sind die Aufstände dieser Inselbevölkerung Zustand auch gewesen, um die Vereinigung mit Griechenland zu erlangen. befigt: aber daß der Zeitpunkt, in welchem sich diese zwei ErDanach soll diese Verfassung, die der Annegion zum Vorwand Im Jahre 1897 führte die Proklamierung der Unabhängigkeit eignisse vollziehen, ebenso verfehlt ist, als die Form, in der sie ge- diente, nach jenen Grundsäßen aufgebaut sein, auf denen das alte zum griechisch- türkischen Striege. Trotz der vernichtenden fchehen, kann keinem Zweifel unterliegen. Sind sie doch beide nur allzu österreichische Kurienparlament beruhte. Die Erziehung, die die Niederlage des griechischen Heeres wurde Kreta durch die sehr geeignet, das Konsolidierungswerk der Türkei, das heute für die Ruhe österreichischen Arbeiter der Krone haben angedeihen lassen, ist Vermittelung der vier Schußmächte England, Frankreich, Europas und für den fulturellen Fortschritt großer Volksmassen un- danach für Bosnien vergeblich gewesen. Das System, das in Italien und Rußland felbständig und wird seit Dezember 1898 gleich wichtiger ist, als die Befriedigung des Prestigebedürfnisses Oesterreich so schmählich Banterott gemacht hat, soll jetzt in Bosnien von dem Oberkommissar dieser Mächte verwaltet. Seit 1906 des Ferdinand von Koburg und des Habsburger Hofes, ganz die Begeisterung für das neue definitive" Vaterland erwecken. Man wird dieser Oberkommissar vom König von Griechenland vorge- empfindlich zu stören, wenn nicht direkt zu hindern. Man fann sogar sieht, Habsburg hat rasch vergessen. schlagen. Die Insel war also in Wirklichkeit schon lange nicht mehr weiter gehen und sagen, daß in der Hofburg dieser Effekt vielleicht Bon der Annegion find am meisten die ungarischen türkisches Besitztum. Es ist auch zu verstehen, daß die Erregung, gar gewünscht wird, denn die Annexion ist einesteils die Frucht der Blätter begeistert. Es ist zu befürchten, daß diese Begeisterung die die Balkanfrise verursacht hat, die Kretenser zu ihrem gefchäftigen, wichtigtuerischen Politit des Aehrenthal entsprungen, leider ihre besonderen Gründe hat. Um die Zustimmung der folgenschweren Schritt hingerissen hat. Die Verantwortung andernteils aber unzweifelhaft dem Thronfolger au banken, ungarischen Regierung für die Annexion und die Erhöhung des tragen weniger sie, als Desterreich und Bulgarien, deren Bei- dessen flerikale Tendenzen genugsam bekannt sind und der vielleicht Refrutenkontingents zu erhalten, hat die Krone feinen spiel jene nachgeeifert haben. Trotzdem bleibt dieser Schritt in der Störung der Regeneration des mohammedanischen Neiches widerstand gegen die Einführung des infamen in diesem Moment unverantwortlich, und es zeigt einen Bestandteil der„ katholischen Mission Habsburgs" und Pluraliaätsschwindels in Ungarn aufgegeben. Denn daß Desterreich Ungarn irgend Man weiß nicht, ob man sich mehr über die Dummheit oder über sich wieder einmal die Ohnmacht und die Unwissenheit der feiner Macht erblickt. europäischen Diplomatie, die ein vielleicht außerordentlich eine sachliche Rötigung hätte, die Annexion just auszusprechen, wo die Treulosigkeit eines solchen Verhaltens wundern soll. folgenschweres Ereignis weder vorausgesehen, noch zu hindern fie die jungtürkische Demokratie um die Frucht ihrer Bemühungen Die diplomatischen Verhandlungen. gewußt hat. Ist die Situation der Jungtürfen so sicherlich bringen tann, ist natürlich nicht der Fall. Was in dieser Richtung wieder erschwert worden, so müssen sie sich doch sagen, daß als„ Gründe" angegeben wird, ist einer fachlichen Erwiderung gans furz hintereinander Besprechungen über die Orientfragen Paris, 7. Oktober. Minister Pichon hatte heute vormittag auch dieses Ereignis für die Türkei feinen wirklichen unwert. Noch zweifelhafter als der Zeitpunkt ist die Form dieser Besitzdem serbischen Gesandten; außerdem konferierten Pichon und mit den Botschaftern Englands, Jtaliens und Rußlands sowie Verlust bedeutet und daß ein Strieg nur das Signal für alle anderen Mächte wäre, um auf Stosten der geschwächten ergreifung, die im Vereine mit dem bulgarischen Ehrgeizling ge- Clemenceau gemeinsam erst mit dem englischen Botschafter und Zürkei„ Kompensationen" für die Veränderungen, die sich schieht, und daher geradezu als Vegünstigung einer abstoßenden dann mit dem griechischen Gesandten. Wegen der Schwierigkeit in letzter Zeit vollzogen haben, zu verlangen. Räuberei am hellen Tage erscheint. Nun wird es flar, daß ein Programm für einen internationalen Kongreß auf Von diesen Kompensationen wird ohnehin in den letzten die" Dffupation" der Drientbahn durch die bulgarische Re- zustellen, werden die darauf bezüglichen Verhandlungen zwischen Tagen allzuviel gesprochen. Hält man sich die Tatsache vor gierung nur in Hinsicht der geplanten Unabhängigkeitserklärung Rußland, Frankreich und England noch einige Tage in An. Augen, daß weder durch den bulgarischen Streich, noch durch erfolgte, daß die angeblichen Rechtsgründe eitel Humbug ipruch nehmen. Zurzeit liegt noch fein formeller Bor. die Annexion Bosniens irgendwie die europäischen Macht sind, daß sie also ein frecher Rechtsbruch war, überdies verschlag für die Einberufung einer Konferenz vor. verhältnisse auch nur im geringsten geändert worden übt an dem Eigentum einer österreichischen Gesellschaft. Also ist es Eine offiziöse Aeußerung. find, so wird man nur aufs schärfste dagegen protestieren auch klar, daß der Raub mit Zustimmung Aehrenthals geschehen sein Köln, 6. Oktober. Ein Berliner Telegramm der Köln. müssen, daß diese Ereignisse zum Vorwande genommen werden muß, die" Proteste", die Defterreich- Ungarn dagegen erhoben hat, 3tg." hebt hervor, daß die heutigen Nachrichten über die Krise follen, um neue Komplikationen durch Kompensations- eine dreiste Heuchelei waren. Nun muß man wissen, daß sich der im Orient günstig lauten und die Türkei zur Kriegserklärung forderungen zu schaffen. Es kann daher nichts weniger als Roburger immer als gebässigen Feind Desterreichs betragen hat, nicht gesonnen ist. Man mag über die Wichtigkeit aller Verhand beruhigend wirfen, wenn gemeldet wird, daß England, und noch bei der famosen Union" zwischen Serbien und lungen und Vereinbarungen zwischen den Mächten denken wie man Frankreich und Rußland bereits über die Einberufung Bulgarien seine Absicht zu erkennen gab, die Ballanstaaten zu will, aber der Schwerpunkt der Entscheidung lag und liegt in Konstantinopel Deshalb kann man es nur mit Freuden cines Rongresses einig sind und nur darüber im einer Front gegen die nachbarliche Großmacht zu sammeln: dann begrüßen, daß fich die Türkei nicht durch das berechtigte Gefühl Zweifel sind, wo dieser Kongreß stattfinden, und wer ihn lann man den neuen Herzensbund zwischen den Annettierern nach der Kränkung zu durch nichts wieder rückgängig zu machenden einberufen soll. Schon tauchen Gerüchte auf, daß Rußland Gebühr würdigen. Schritten entschlossen hat. Damit ist natürlich die bulgarische seine alte Forderung der freien Durchfuhr durch die Doch das schlimmste, was aus der aufschneiderischen Annexion, Frage noch nicht erledigt, und es liegt auf der Hand, daß die Dardanellen, deren Erfüllung ihm die Vormachtstellung ohne die Herr Ferdinand die ersehnte Königswürde nicht erlangt hätte, Ausrufung Bulgariens zum Königreich vorläufig nur für Bul auf dem Balkan gewähren würde, wieder aufwerfen will, daß entspringen tann, ist eine ernsthafte Bedrohung des garien maßgebend ist und internationale Gültigkeit erst durch Italien in Albanien oder in Tripolis, also auf türfischem europäischen Friedens. Denn dieser hängt heute ausschließ eine Anerkennung der Mächte erlangen kann. Solange dies nicht Gebiete Entschädigungen finden soll. Würde der Kongreß lich von der Einsicht der Jungtürken ab, und wenn man auch hoffen geschehen ist, ist der Herrscher Bulgariens eben den Bulgaren in der Tat solche Fragen aufrollen, so würde er feine Förde- darf, daß ihre Besonnenbeit über die Leidenschaft die Oberband be- gegenüber König, aber nur Fürst für die Mächte. Sie werden sich mit den durch die bulgarische Gewalttat geschaffenen Verhältnissen rung, sondern nur eine neue Bedrohung des Friedens be- wahren und ihre Straft auslangen wird, die Revanchegelüfte der zu beschäftigen haben und erst das Ergebnis ihrer Beratungen wird deuten. Offiziere niederzuhalten, so ist die Möglichkeit einer friegerischen gültiges Recht haben. Es ist anzunehmen, daß die BerhandDeutschland ist in der glücklichen Lage, daß es an Bolitit immerhin lebendig gemacht worden. Von diesem Gefichts- lungen, bei denen die verschiedensten Interessen in Betracht den Balkanfragen in keiner Weise interessiert ist und es wäre punkte stellt sich die Annegion direkt als Frevel dar; und wenn kommen, gang ruhig verlaufen, und es scheint der eigentlichen Ge Bahnwig, wenn die deutsche Regierung wegen Desterreichs aus der schlimmen Saat blutige Ernte erwächst, so wird die fahr die Spitze abgebrochen durch die Beurteilung, welche die Vorunverantwortlichen Vorgehens die Interessen des deutschen Schuld von dem Wiener Hofe niemand löschen. Daß die Annegion Gänge in der Türkei zu finden scheinen. Rechne man immer mit Volfes unvorhergesehenen Zwischenfällen! Aber die fowohl aus Bulaufs Spiel setzen wollte. Unsere auswärtige im gegenwärtigen Augenblide auch so ziemlich das dimmste garien, wie aus der Türkei eintreffenden Nachrichten, daß eine Politik ist glücklicherweise in Ferien. Wilhelm II. ist, auf was die österreichisch ungarische Staatskunst ver- Mobilmachung in feinem von beiden Staaten ausgesprochen ist, jagt in Rominten, Fürst Bülow spaziert auf dem fallen fonnte, ist eine Sache für sich. Sie fügt der Türkei eine so läßt die Besorgnis davor gering erscheinen. Strande in Norderney und Staatsfefretär b. Schoen überflüssige Kränkung zu, daß Desterreich- Ungarn die Folgen davon Die Stimmung in Konstantinopel. nützt den schönen Oftober in den bayerischen Vergen. Wir biel länger und nachhaltiger spüren wird, als die Freundschaft" Konstantinopel, 7. Oktober. Nunmehr hat auch im Yildiz die fönnen nur wünschen, daß das Stilleben unserer auswärtigen des unverläßlichen Ferdinand. Aber auch international muß sie Politik anhält. Wir haben im Orient nichts verloren und das Butrauen zu Desterreich- Ungarn außerordentlich vermindern. friedliche Strömung die Oberhand gewonnen. Damit ist die Gefahr eines Krieges für böllig beseitigt zu betrachten. nichts zu suchen. Denn das Desterreich- Ungarn in Sachen der Drientbahnen und in Bei der Pforte, sowie bei dem jungtürkischen Komitee erklärte man dem ganzen Komplott mit Bulgarien ein mehr als zweideutiges auf das bestimmteste, daß auch durch keine Demonstration es aus Epiel gespielt bat, fann niemand bestreiten; und die Herren seiner bisherigen Reserve herausgedrängt werden fönne, und man „ Gratulanten" des Jubeljahres machen nach der Sommer ist überzeugt, daß der in Aussicht stehende Kongreß der Signatarcour recht seltsame Erfahrungen. Nun sollte man biel- mächte die Interessen der Türkei völlig wahren wird. Alle Gerüchte Aus Wien wird uns vom 6. Oftober geschrieben: leicht auch untersuchen, was die Bosnier selbst zu dieser von einer angeblich teilweisen Mobilisierung oder dem Abbruch der Morgen wird Franz Josef, Kaiser von Desterreich und König neugebadenen Souveränität fagen und wie die Völker in Desterreich diplomatischen Beziehungen werden als nichtzutreffend bezeichnet. von Ungarn, feierlich" erklären, daß er seine Souveränitätsrechte und Ungarn die Vermehrung ihrer vaterländischen Brüder auffassen. Die türkische Presse. auf Bosnien und die Herzegowina ausdehnt und die Erbfolge der Aber der österreichisch ungarische Staat" vereinigt in sich so viel Konstantinopel, 7. Oftober. Alle türkischen Blätter beschäf Bragmatischen Sanktion sohin auch für die im Jahre 1879 besetzten Seltsamkeiten, daß auch diese groteske Erwerbung höchstens Spott tigen fich mit der bulgarischen, einige auch mit ber bolnischen An Die Annexion Bosniens. " Gelegenheit. Die meisten veröffentlichen Auszüge aus der öfter- reichisch-ungarischen Note bezüglich Bosniens, ohne jedoch deren türkenfreundlichen Ton hervorzuheben.„Jkdam" sagt, wenn auch der Ausdruck Annexion vermieden worden sei, so sei der In- halt der Note so vage, daß man daraus Annexion und Verletzung des Berliner Vertrages herauslesen könne. Dasselbe Blatt vcr- ösfentlicht ein Interview mit dem M i n i st e r d e s Aeufcern, der dabei gesagt haben soll, das, die Annexion Bos- niens gegen den Berliner Vertrag verstehe. Die Pforte habe gegen die Annexion sowie gegen die bulgarische Proklamation pro- testiert" und für die Lösung der beiden Fragen einen Kon- grch der Mächte vorgeschlagen; beide' Fragen würden auf dem Kongreh eine gute Lösung finden. Auf die Frage, ob ein Krieg möglich sei, antwortete der Minister, die P f o r t e s e i n i ch t kriegerisch gesinnt, würde sich aber natürlich ver- t e i d i g e n. Während die Sprache der türkischen Matter gemäßigt ist, sie zur Ruhe mahnen und wünschen, dah der Friede erhalten bleibe, bringt das i t a l i e n i sch- fra n z ö s i sche Blatt „Turquie" einen äußerst gehässigen Artikel gegen Oester- reich-Ungarn. Boykott gegen Oesterreich. Konstantinopel, 7. Oktober. Die meisten türkischen Blätter vermeiden direkte Angriffe gegen Oesterrcich-Ungarn.„Serweti Iunun" veröffentlicht einen indirekten Angriff, indem es, ohne Oesterreich-Ungarn zu nennen, ausführt, dah man demjenigen schaden könne, von dem Bulgarien aufgehetzt worden sei. Die Pforte brauche nichts zu antworten, aber die Nation könne eine Antwort erteilen, indem sie gegen dessen Waren, Schiffe und Post den Boykott verhänge. Bulgarien könne man durch einen Zollkrieg schädigen. Armenische Hilfsbereitschaft. Konstantionapel, 7. Oktober. Armenische Blätter melden, dah das armenische Komitee der Pforte für den Fall eines Krieges vierzigtausend Freiwillige und große Geldsummen angeboten habe. Serbische Kriegshetze. r- Velgrad, 6. Oktober. Heute nachmittag fand vor dem Ratio- Valtheater ein Meeting statt, an dem etwa 20 000 Personen teilnahmen. ES wurden zahlreiche, österreichfeindliche Si e d e n gehalten. Die Redner wurden wiederholt von stürmt- schem Beifall und Rufen, wie: Hoch die serbischen Länder Bos- nien und die Herzegowina! Nieder O«sterreich-Ungarn! Krieg Oesterreich- Ungarn! Nieder Bulgarien! unterbrochen. Das Meeting nahm einstimmig eine Resolution an, in der erklärt wurde, die Versammlung sei sich des Ernstes deS bevorstehenden Aktes bewußt, das serbische Volk müsse und werde zum Widerstande bereit sein, der der Ausfluß einer gerechten Notwehr sei. Auch wenn die Signatarmächte des Berliner Vertrages-ine Verletzung desselben zulassen sollten, so werde Serbien dies niemals tun. Die Versammlung fordert die serbische Negierung angesichts des vollendeten Aktes auf, selbst alle energischsten Maßnah- m e n zu treffen. Die Belgrader Bürger stellen ihr zu diesem Zwecke im Namen des ganzen serbischen Volkes Leben und Eigen- tum zur Verfügung. Die Teilnehmer der Versammlung begaben sich darauf unter Vorantragen serbischer und türkischer Fahnen zu dem Ministerium des Acußern, wo die Resolution überreicht wurde. Die Antwort Englands. Äofia, 7. Oktober. Der diplomatische Agent G r o h- britanniens übareichte dem bulgarischen Ministerium des Auswärtigen eine Note, welche die Erklärung enthält, daß die britische Regierung das Königreich Bulgarien nicht an er- kennen könne, bevor die anderen Mächte und die Türkei ihre Haltung in der Angelegenheit präzisiert hatten. Der Standpunkt Rußlands. Paris, 7. Oktober. Der russisch« Minister des Aeußeren Jswolski erklärte einem Redakteur des„Temps", er habe auf die kürzliche Mitteilung des Freiherrn v. Aehrcnthal betreffend die Annektierung Bosniens und der Herzegowina, welche als eine Möglichkeit, jedoch ohne Festsetzung des Zeitpunktes hingestellt wurde, geantwortet, dah dies ein« europäische Angelegen- heit sei, und dah eine derartige Verletzung des Berliner Ver- trageS nur mit Zustimmung der Signatarmächte möglich sei. Er habe hinzugefügt, dah diese Verletzung des Berliner Vertrages, so peinlich sie für Ruhland selbst sei, offenbar keinen casus belli zwischen Oesterreich und Ruhlaud bilden werde, aber man müsse sich darauf gefaht machen, daß alle interessierten Mächte eine Revision der bedrückenden Vertragsklauseln ver- Zangen würden. Was Bulgarien anbelange, fuhr der Minister fort, so haben wir der bulgarischen Regierung bis zur letzten Minute energisch von dem eben vollzogenen Streiche abgeraten. Dieser doppelten Verletzung deS Berliner Vertrages kann Europa nicht z u st i m m e n. Ein Vorschlag auf Einberufung einer Konferenz zur Prüfung der gegenwärtigen Lage wird in wenigen Tagen erfolgen, und ich sehe nicht, wie man sich derselben entziehen könnte. Der Beschluß Oesterreichs betreffend die Räumung des Sandschak Nodibazar bildet für die Türkei gewiß eine ernsthafte Entschädigung und wird eine friedliche Regelung der Dinge erleichtern. Die Räumung des Sandschak hat auch für die kleinen Balkanstaaten eine große Bedeutung. Ich will nicht weiter auf die Frage der Kompensationen eingehen. Die Mächte werden darüber im Geiste der Billigkeit für jedermann, auch für die Türkei urteilen. Der Protest der Pforte. Parts, 7. Oktober. Der türkische Botschafter Raum Pascha hat dem Minister Pichon heute nachmirrag die P r o t e st- zirkularnote der Pforte gegen die bulgarische Unäb- hängigkeitSerklärung überreicht. Es heißt darin: Der Sultan er- hebt nachdrücklich Einspruch gegen die Haltung des Fürsten Ferdi- nand und appelliert eindringlich an die Signatarmächte des Ber- liner Vertrags, entsprechende Verfügungen zu treffen, beispiels- weife die Einberufung einer Konferenz zur Prüfung der Bedingungen zur Wiederherstellung der gesetzlichen Ordnung in Bulgarien und Ostrumelien und Aufrechterhaltung der Jnter- essen der Türlei. Die Pforte könnte zur Gewalt greifen, um ihren Rechten Achtung zu verschafffen, aber sie will dies auS Achtung vor den Verträgen und im Hinblick auf die allgemeinen Interessen und das einmütige Friedensbedürfnis vermeiden, sie protestiert formell gegen die eben vollzogene Verletzung deS Berliner Vertrages und behält sich ausdrücklich alle ihr durch diesen internationalen Alt verliehenen Rechte vor. vo» der Gleichberechtigung der Sozial* deniohratie in Bayern! In der Dienstagsnummer gaben wir ein Telegramm des „Bureau Herold" wieder, wonach als Kandidat der sozial- demokratischen Partei für den Landtags Wahlkreis Kaiserslautern der Volksschullehrer Hoffmann definitiv aufgestellt wurde. Hoffmann habe sein Amt niedergelegt, um sich ganz der politischon Tätigkeit widmen zu können. Der lebte Teil dieser Meldung mußte Aufsehen erregen. Hatte doch Genosse Timm auf dem Parteitag zu Nürnberg in seiner Nebe zur Nechtfertigung der Budgetbewilligung auch darauf verwiesen, daß in Kaiserslautern als Landtags- kandidat wahrscheinlich ein bayerischer Lehrer aufgestellt werden würde und hatte dann wörtlich fortgefahren: „... wir Kalten es für ganz selbstverständlich, daß er in seinem Amte bleibt; wir wollen nicht, dah ein Sozialdemokrat aemahregelt wird, wenn er seinen revolutionären, klassenbewußten, sozialdemokratischen Standpunkt vertritt." sSehr gut l)... ES mußte Aufsehen erregen, daß nun durch den Rücktritt des Genossen Hoffmann vom Amte der Probe auf diese zuversichtliche Ankündigung aus dem Wege gegangen wurde, zumal die Motivierung nicht recht stichhaltig erschien. Denn da der LandtagSabgeordncte selbstverständlich für die Ausübung seines Mandats vom Schuldienste hätte beurlaubt werden müssen, so ist nicht recht einzusehen, wieso die politische Tätig- keit des Genossen Hoffmann durch sein Verbleiben im Amte hätte behindert werden sollen. Die bayerische Parteipresse bestätigte indes die Darstellung des„Bureau Herold". Das Parteiorgan der Pfalz, die „Pfälzische P o st" in Ludwigshafen schrieb: „Genosse Hoffmann hat aus persönlichen Motiven heraus seine Stelle als Lehrer niedergelegt, um sich besser der öffentlichen Tätigkeit widmen zu können; damit ist auch die sich an die Kandidatur Hoffmann anknüpfende Frage einer event. Maßregelung seitens der Regierung hinfällig geworden." Diese Darstellung, die sich mit der der übrigen bayerischen Parteiblätter deckt, erweckte den Anschein, daß die bayerische Regierung gar nicht in die Lage gekommen sei, eine Ansicht zur Sache zu äußern, da Genosse Hoffmann. che er als Kandidat proklamiert wurde, schon aus rein persönlichen Gründen, nicht etwa, weil er eine Maßregelung vorausgesehen hätte, sein Amt niedergelegt habe. Jni ausfälligen Widerspruch aber zu dieser Darstellung der bayrischen Parteipresse telegraphierte das offiziöse Wolffsche Bureau aus Kaiserslautern: „Der als sozialdemokratischer LandtagSkandidat des Wahl- kreiseS Kaiserslautern aufgestellte VolkSschullehrer H o f f M a n n legte der„Pfälzischen Presse' zufolge auf Grund vor- ängiger Verhandlung mit der Regierung sein ehramt nieder." Die Behauptung der„Pfälzischen Presse" konnte für uns natürlich kein Gelvicht haben, da wir annehmen mußten, daß die„Pfälzische Post" einen so wichtigen Umstand wie den, daß die Amtsniederlegung Hoffmanns auf Grund vor- gängiger Verhandlungen mit der Regierung erfolgt sei, gekanitt haben würde. Nun aber geht uns von parteigenössischer Seite aus dem Wahlkreis Kaiserslautern die positive Mitteilung zu. daß der bayrische Mini st er Präsident v. Pode» Wils ebenso bestimmt wie unzweideutig er- klären ließ, daß Hoff mann im Falle der An- nähme der Kandidatur sofort seines Amtes als Lehrer entsetzt würde! Daraufhin erst hat Gc- nosse Hoffmann„freiwillig" auf sein Amt verzichtet. Die bayerische Regierung hat also in diesem Falle, in dem sie zeigen konnte, daß sie die durch die Verfassung garan- tierten gleichen Rechte aller Bürger, also auch der Beamten, wirklich achte, glänzend versag tl Die zuversichtliche Erwartung des Genoffen Timm, daß der Lehrer als sozialdemokratischer Landtagskandidat nicht gemaßregelt werde, wäre also arg zuschanden geworden, wenn Genosse Hofsmann nicht vor dem angekündigten Eingreifen der Regierung auf sein Amt„freiwillig" verzichtet hätte! So stehts mit der gepriesenen staatsbürgerlichen Gleichberechtigung der Sozialdemokratie i n B a y e r n, die einen der Hauptgründe für die Bewilligung des Budgets abgab! Höchst befremdlich aber ist es, daß Genosse Hoffmann die bayerische Regierung nicht gezwun- gen hat, ihre nStandpunktvorallerO essen t- l ich keit zu dokumentieren, höchst befremdlich, daß die Genossen des Wahlkreises ihn dazu nicht dringlichst auf- gefordert haben! Man hätte der Regierung die Maß- regelung unter keinen Umständen ersparen dürfen— die Aussichten der Kandidatur hätten dadurch doch sicher nicht verschlechtert, sondern nur verbessert werden können! Bedauerlich ist es, daß die„Pfälzische Post" und die übrige bayerische Parteipresje den wahren Grund der Amts- nicderlegung des Genossen Hoffmann ihren Lesern noch nicht mitteilen konnten. Und befremdlich, daß ihre Informationen in diesem Falle so lückenhaft waren. politifcbe(leberNebt. Berlin, den 7. Oktober 1908. Aus einer kleinen Residenz. In Wächtersbach, der„Residenz" der ehemals regierenden Fürsten von Dsenburg-WächterSbach mit ihrer berühmten Porzellanfabrik spielt zurzeit eine Skandalaffäre, die weit über die Grenzen deS Hanauer LändchenS hinaus Beachtung findet. Gleichzeitig mit der Crimmitschau«! WeberauSsverrung erfolgte bekanntlich hier im Winker 1S03 die brutale Maßregelung der WächterSbacher Porzellanarbeiter. Ein neuer Direktor. Dr. Ehrl'ch, war von dem Fürsten engagiert worden um die Fabrik rentabler zu machen, und das erste Werk deS neuen Herrn war eine Kürzung sämtlicher Löhne, die von der Arbeiterschaft mit einem 36 Wochen dauernden Streik be- antwortet ivurde. Der Direktor ließ sich mit hohen Kosten auS der ganzen Welt Streikbrecher kommen und sperrte sämtliche Arbeiter. darunter solche, die ein Lebensalter in der Fabrik waren, aus. Nach dem erfolglosen Verlaufe des Streiks wurden nur diejenigen wieder eingestellt, die auf dem Fabrikbureau ihr Verbandsbuch ab- gaben und aus dem Porzellanarbeiterverbande austraten. Zum Dank dafür, dah er die„Ordnung" wiederhergestellt hatte, wurde Dr. Ehrlich„fürstlicher Kammerrat' und er- hielt einen Freibrief über Leib und Leben der Arbeiter und Arbeiterinnen. Er berief einen„Studiengenossen" namens Tepling auS Berlin und machte ihn zum zweiten Direktor. Letzterer übte nun skrupellos das„PaviauSrecht" bei den Arbeiterinnen auS und erhöhte eigenmächtig den Lohn jener Mädchen, die ihm zu Willen waren. Darüber gab es Eifersüchteleien zwischen Ehrlich und Tepling. Der Sohn des Fürsten, der mittlerweile das Szepter ergriffen hatte, trat aber für Tepling ein und gab nach längeren erfolglosen„Friedensverhandlungen" dem Direktor Ehrlich den Laufpaß. Ehrlicb berief sich darauf, daß er vom Vater des Fürsten auf Lebenszeit angestellt worden sei. Der junge Fürst ließ ihm zur Autwort die GaS- und WasserleitnngShähne abschrauben und setzte ihn buch- stäblich auf die Straße. Als Krönung einer ganzen Anzahl BeleidigungS- und Entschädigungsprozesse, die nun folgten, fand dieser Tage vor der Zivilkammer des Hanauer Land- gerichtS«ine Verhandlung statt, bei der so»intime Dinge", besonders bezüglich der Beziehungen des Dr. Ehrlich zur Prinzessin von Dsenburg zur Sprache kamen, daß die Oeffentlichkeit zeitweise ausgeschlossen wurde. Was aber ans den: Prozeß bekannt wurde, genügt zur Verpestung der Lust!— Das Urteil im Entschädigungsprozeh des Dr. Ehrlich soll am 23. Oktober- gefällt worden. Was den Prozeß für die Arbeiterschaft und besonders für die Porzellanarbeiter interessant macht, ist die Angabe des Ber- treters deS Fürsten, Rechtsanwalt Dr. MalkmuS, daß die brutale Aussperrung im Jahre 1003 der Fabrik einen Schaden von 161000 M. gebracht habe, ganz abgesehen von dem Schaden, der dadurch entstand, daß die Streikbrecher minder- wertige Ware erzeugten und dadurch den Weltruf der Firma gefährdeten. Welcher„Ton" in diesen feinen und hohen Kreisen üblich war, dafür zeugt der wiederholte Ausschluß der Oeffentlich- keit während der Verhandlung; erwähnt sei z. B. auch, daß vcr Direktor Ehrlich, nachdem ihm wegen eines Alkoholexesses mit der leichtsinnigen Prinzessin von Isenburg das Recht zur Führung deS fürstlichen Wappens entzogen wurde, dem Fürsten schrieb, er werde in Zukunft den Schafskopf auf den Erzeugnissen der fürst- lichen Fabrik anbringen lassen. Wenn das Gericht dem Fürsten recht gibt und Dr. Ehrlich „ziehen" muß, dann verliert die Hanauer Filiale deS„Reichs- lügen verbau des" ihr eifrigstes Mitglied. Die Presse als„erstklassiger ftulturfaktor". In Münster, der westfälischen Provinzialhauptstadt, fano am Sonntag die Jahrestagung des Verbandes der rheinisch-westfälischen Presse statt. Regierungspräsi- dent v. G e s ch e r überbrachte die Grüße des am Erscheinen ver- hinderten Oberpräsidcnten und bemerkte in seiner Ansprache, es sei natürlich, daß die Staatsbehörden der Presse und ihren Ver- anstaltungen das allergrößte Interesse entgegenbrächten, sei doch die Presse ein durchaus erstklassiger Kultur- f a k t o r im modernen Leben, man könne sagen, die Presse sei geradezu ein Gradmesser, ein Barometer für die Kultur deS Volkes. Der Redner wies dann darauf hin, dah schon bei der Begrühung des gegenwärtigen VerbandStagcS durch die städtischen Behörden die Bedeutung der Presse für das internationale Leben, für das Glück der Völker, für Krieg und Frieden hervorgehoben worden sei. Dann fuhr der Redner fort: „ES freut mich, dah das gerade am heutigen Tage betont worden ist. Denn gerade am heutigen Morgen hallte eine gc- wichtige Stimme von England zu unS herüber, die diejenigen Elemente der Presse, die den Frieden stören, als S t r a tz e n- räuber der Politik bezeichnete. Nun, meine Herren, ich glaube, wir erklären entschieden, dah in dieser Versammlung reine Strahenräuber der Politik sich befinden.' Die Presse, soweit sie gute Gesinnung nachweisen kann, erfreut sich gegenwärtig in Deutschland besonderen Wohlwollens. Bülow weih, weshalb er sich dieses„erstklassigen Kulturfaktors" bedient, und man braucht sich nicht zu wundern, wenn die amtlichen Stellen unterer Ordnung es ihm gleich zu tun bestrebt sind. Wir sind gc- wih die letzten, die die Bedeutung der Presse als Kulturfaltor unterschätzen, aber im Grunde führt doch die Presse kein selb- ständiges Dasein, sie verarbeitet gerade soviel gute und schlecht Kultur, wie sie von den hinter ihr stehenden Parteien und Jnter- essen vertreten wird. Und wenn wir das politische und öffentliche Leben in der Zeit ber Blockära nach seinem„Kulturwcrt" ab- schätzen, so fällt unser Urteil über die.Kulturbedeutung" der Presse, die dieser Politik dient, recht gering aus— trotz des Gc- rühmes, das Bülow und seine Gesellen über den»erstklassigen Kulturfaltor" anstimmen. Es wird die bürgerlichen Presscleute gewiß beglückt haben, dah der münstersche Regierungspräsident sie nicht des„politischen Straßenraubes" für fähig hält. Die eigentlichen„Straßen- räuber der Politik" sitzen auch nicht in den Redaktionsstuben p sie sind im Kreise der Säbelrasseler, der Panzerplattenpatrioten, der Spekulanten und Streber zu Hause, die kein Bedenken tragen, des Profites und des Ehrgeizes wegen es mal auf einen Weltbrand ankommen zu lassen. Die Friedensfreunde mühten ihre Mahnungen an ganz andere Leute, als an die Inhaber der Redaktionssesscl richten, wenn sie dem„politischen Straßenraub" Abbruch tun wollen. Zum Schluh seiner Rede berührte Herr v. Geschcr eine Seite der Pressctätigkeit, die gerade für ihn als Verwaltungsbeamten in Betracht komme, das sei die Zusammenarbeit der Presse mit den Behörden zu gemeinnützigen Zwecken. Er hätte als Reichskommissar für die Gesundheitspflege im Jahre 1392 den Kampf gegen die Cholera nicht mit voller Wirlsamleit durchführen können, wenn ihm nicht die Presse durch Belehrung des Publikums so vorzüglich zur Seite gestanden hätte. Es ist leicht zü begreifen, dah die Behörden erfreut sind, wenn die Presse ihnen bei der Durchführung ihrer Mahnahmen zur Seite steht. Wie aber stellt sich die«Zusammenarbeit", wenn die Presse an die Behörden das Ansinnen stellt, ihr bei der Abstellung von Mißständen im Interesse der Oeffentlichkeit zur Seite zu stehen? Wird die Presse auch als„erstklassiger Kulturfaktor" gc- wertet, wenn sie sich mit ihrer Kritik an das Verhalten dep Bc- Hörden heranwagt?_ Der Ertrag der Getreidezölle. Defizit auf allen Gebieten, das scheint die derzeitige Signatur unserer Reichseinnohmen zu sein. Wie die„Germania" feststellt, werden die Getreidezölle im laufenden Jahre für die Reichslasse lein glänzendes Ergebnis bringen. Allein in den acht Monaten von Januar bis August wurden nicht weniger als 43.66 Ztoll. Mark auf Einfuhrscheine angerechnet gegen 28,46 Millionen Mark gleichzeitig 1907 und 20,90 Millionen Mark gleichzeitig 1906. Diese Beträge stellen die geleistete Zollvergütung für ausgeführtes Getreide dar Sie losten erkennen, in welchem Maße die Getreideausfuhr aus Deutschland zugenommen hat. Die Zunahme ist nach wie vor am stärksten beim Hafer. Dagegen hat die Einfuhr nur 177 180 Tonnen, die Ausfuhr aber 867 620 Tonnen betragen, so daß sich jetzt ein Ausfuhrüberschuß von 190 490 Tonnen ergibt. Sehr stark hat gegen das Vorjahr namentlich die Haferausfuhr nach Eng- land zugenommen. Die Steigerung der Ausfuhr und der Rückgang der Einfuhr haben bewirkt, daß gegenüber dem Vorjahre der lieber- schuß der Ewfuhr über die Ausfuhr zurückgegangen ist. Auf die Einnahme aus den Getreidezöllen hat eS die gleiche Wirkung, ob die Einsuhr abnimmt oder die Ausfuhr zunimmt. Für das laufende Jabr dürste sich daher, wenn die bisherige Bewegung in deutschem Getreideaußenhandel anhält. daS finanzielle Ergebnis der Getreide- zölle recht wenig günstig gestalten. Für die geplante WiNven- und Waiscnversorgung, die den Arbeitern der Zentrumspartei die ihnen durch die Lebensmittel- zollerhöhungcn aufgelegte Last versüßen sollte, wird also in diesem Jahre wieder nichts abfallen.— Tie Wahlrechts-Techtelmechteleien in Sachsen. Die Wahlrechtsdeputation des Landtages hielt gestern wieder eine Sitzung ab. die sich mit der Wahlkreiseinteilung beschäftigte. Die sogenannte Reform kam um keinen Schritt weiter. Die National- liberalen legten«inen Entwurf vor. nach welchem der Kreis- haiiptmannschaft Dresden 26, Leipzig 24, Chemnitz 13, Zwickau 18 und Bautzen 10 Mandate erteilt werden sollen, davon sollen am die Großstädte Leipzig und Dresden je 10, auf Chemnitz S und auf Zwickau und Plauen je 2 Mandate entfallen, während die Konser- vativen für Dresden und Leipzig nur je 7 bewilligen wolle»- Die Nationalliberplen ginnen schließlich auf je S Mandate für Leipzig und Dresden zurück, aber auch dieser Antrag wurde mit IL gegen 10 Stimmen abgelehnt. Heute soll die Beratung fortgesetzt werden.— Pcters-Prozeft. Dr. Karl PeterS hat. wie wir bereits vorgestern meldeten, in seinem BeleiMgiingSprozeß gegen die«M ll n ch e n e r Po st" die gegen das schöffengerichtliche Urteil eingelegte Berufung durch seinen Nechlsanwalt zurückziehen lassen. Diese Mitteilung ist vielfach so aufgefaßt worden, als sei damit der Peters-Prozeß überhaupt er- ledigt. DaS ist keineswegs richtig. „Der Prozeß wird vielmehr", so schreibt unser Münchener Parteiblatt, in absehbarer Zeit die Strafkammer des Landgerichts München I eingehend beschäftigen. Unser vom Schöffengericht ver- urteillcr verantwortlicher Redakteur hat ja gegen dieses Urteil eben- falls Berufung eingelegt und wird diese unter allen Umständen durchführen. Daß dem nun glücklich verlobten Witwer des gehängten Dschaggomädchens Jagodjo die weitere Austragung dieies Prozesses gegenwärtig sehr unbequem ist, erscheint um so begreif- licher, als ja die neuerliche Verhandlung wieder Gelegenheit bietet, durch einen umfangreichen Beweis vor Gericht den Helden von Ost- asrika in seiner ganzen Größe zu kennzeichnen. Außer mehreren be- reitS vor dem Schöffengericht vernommenen Zeugen und Sachver- ständigen werden zur Berufungsvcrhandlung auch einige Zeugen und Sachverständige geladen werden, die bisher noch nicht vernommen worden sind. Dazu kommt noch, daß der frühere Leutnant Bronsart v. Schellendorf inzivischen in Mombassa kommissarisch vernommen worden ist. Das Protokoll dieser Zeugenaussage ist für PeterS vielfach schwer belastend, und zwar so belastend, daß Held Peters, der jetzt seine Berufung zurückgezogen hat, noch vor wenigen Tagen die Glaubwürdigkeit Bronsart v. Schellendorfs durch e»ne Reihe von Zeugen zu erschüttern ver- suchte. Allerdings ein vergebliches Beginnen.. Der Termin war bereits auf den 7. Oktober angesetzt. Kurz vorher hatte PeterS noch alles aufgeboten, um durch Zeugenladungen seine Berufung zu stützen. Nachdem nun aber behuis Ladung von Gegen- zeugen der Termin abgesetzt wurde, fand Herr PeicrS plötzlich, daß er an der Aufrechterhaltung seiner Berufung„kein Interesse mehr" habe. Ein um so größeres Interesse haben dagegen wir daran, daß auch in der Berufungsinstanz recht gründlich verhandelt wird, weil wir cS für eine patriotische Pflicht hallen, den Helden PeterS vorm Gericht und vor der Oeffentlichkeit so zu charakterisieren, wie eS eben einer verdient, der eine schwere Blutschuld auf dem Gewissen hat und der den kolonialen Chan- viniömus in einer so verhängnisvollen Weise zugunsten deS Groß- kapitals zu schüren wußte."—_ Die Krise in der AugSburger Textilindustrie nimmt an Umfang immer mehr zu und greift auch auf Fabriken über, die bisher gut beschäftigt waren. So wurde den Arbeitern der Buntweberei von L. A. Riedinger, die als eine der wenigen Fabriken voll beschäftigt war, durch Anschlag eröffnet, daß die Arbeitszeit auf täglich neun Stunden herabgesetzt, an den Sonnabenden überhaupt nicht gearbeitet wird. Dabei stehen jetzt schon eine große Anzahl Stühle leer, abgehende Arbeiter werden nicht mehr ersetzt. Der Lohn« ausfall für die in Betracht kommenden 400 Arbeiter ist ein sehr er- heblicher. Aber auch in der Maschinenindustrie macht sich die Krise immer mehr fühlbar. So ist die Maschinenfabrik Augsburg in der Abteilung Schnellpressenbau und Dieselmotoren ohne Aufträge, alle Soimabend werden Arbeiter truppweise entlassen. Seitens der Betriebsleitung wird bereits die Verkürzung der Arbeitszeit in Er- wägnng gezogen. In der Maschinen- und Bronzcwarenfabrik L. A. Niedinger A.-G. ist den Arbeitern infolge Arbeitsmangels die Herabsetzung der Arbeitszeit auf sieben Stunden angekündigt worden. Die Fabrik beschäftigt zurzeit 700 Arbeiter.— Zu de» bayerischen Gemeindcwahlen. Der Wahlkampf wird diesmal besonders in Nürnberg eine kiußerordeniliche Lebhaftigkeit annehmen, da alle Parteien schon lange intensiv tätig sind, um eine möglichst große Schar von Wählern aufzubringen, die Freisinnigen und ihre Verbündeten, um ihre Herrschaft zu behaupten, die Sozialdemokraten, um durch die Wahl einer möglichst großen. Anzahl ihrer Kandidaten die freisinnige Herrschaft zu stürzen. Seit den Wahlen von 1005 ist die Zahl der Wahlberechtigten von 16 306 auf zirka 25 000, also um mehr als 8000 gestiegen. Der Zuwachs beträgt alsein so viel, als vor drei Jahren daS bürgerliche Kartell Stimmen erhalten hat. Daran? ergibt sich schon, welche? Interesse diesen Wahlen entgegen- gebracht wird. Der Wahltermin wird auf Montag, den 23. November, fest- gesetzt. Ein Antrag de« sozialdemokratischen Vereins, die Wahl an einem Sonntag vorzunehmen, wurde abgelehnt unter Berufung auf eine alte Mini'sterialverordnung vom Jahre 1869, in der cS heißt, daß an Sonn- und Feiertagen und dort, wo viele Israeliten sind, mich an Sonnabenden keine Wahlen vorgenommen werden sollen. An diese Verordnung denkt wahrscheinlich die Regierung selbst nicht einmal mehr, da sie schon wiederholt bei Nachwahlen zum Landtage einen Sonntag als Wahltermi» bestimmt hat. Der Grund für die Ablehnung deS Gesuches ist jedenfalls der, daß der Magistrat glaubt, die Wahl an einem Sonntage würde den Sozialdemokraten Vorteile bringen. Eine ähnliche Erwägung wird bei der; Ablehnung deS weiteren Gesuchs, die Wähler durch Post- karte von ihrer Eintragung in die Wählerliste zu verständigen, maß- gebend gewesen sein.—_ Zwei Monate Gefängnis wegen falscher Beschwerde- führung! Die Urteile der Militärjusiiz werden immer seltsamer. Gesten: beschäftigte sich das Kriegsgericht der kgl. Landwehrinspektion mit einem Intermezzo zwischen Bauarbeitern und Arbeitersoldaten. Wegen falscher Beschwerdeführung hatte sich der Reservist Sch. zu verantworten. Sch. gehörte der Arbeiterabtellung an. Vor einiger Zeit hatte er in Jüterbog eine Reserveübimg mit- zumachen. An einem Sonntag wurden die Arbeitssoldaten. unter denen sich auch der Angeklagte befand, zum Mittagessen geführt. Auf dem Wege zur Kantine kamen die Leute an einem Neubau vorüber, auf dem einige Arbeiter tätig waren. AuS der Truppe heraus wurden nun die Worte«Sabbatschänder" und «Weihnachtsmann" den arbeitenden Maurern zugerufen,«wenn das in Berlin passiert, würdet Ihr vom Bau heruntergeholt" I Als Ur- Heber der Zurufe wurde von den Arbeitern der Angeklagto angegeben. Sie hatten ihn ans dem Grunde erkannt, weil er infolge seiner Korpulenz keinen passenden Militärrock bekommen konnte und infolgedessen im Zivilanzuge marschieren mußte. Sch. wurde vom Vorgesetzten zu drei Tagen Arrest bestraft. Er büßte die Strafe ab, führte aber Beschwerde, weil er sich zu Unrecht bestraft fühlte. Er bestritt, die Ausrufe getan zu haben. Die Maurer blieben jedoch bei ihren Angaben. DaS Ende vom Liebe war. daß sich Sch. nun auch noch wegen falscher Beschwerdeführung vor dem Kriegsgericht zu verantworten hatte. Das Gericht hielt ihn auf Grund der BeweiSaufnahn, e für überführt und erkannte auf zwei Monate Gefängnis. Unterschlagungen bei der Ansfedelungskommission. Wie aus Ostrowo gemeldet wird, erschoß sich der Administrator Schönflug von der Ansiedelungslommission in Kenschiitz, als eine unvermutete Revision der Kasie vorgenommen wurde. ES wurde ein Fehlbetrag von über 6000 M. festgestellt.— franhreieb. Scharfmacher au der Arbeit. Paris, 7. Oktober. Der Abgeordnete Conti Hai die Regierung informiert, daß er sie bei Wicderzusammentritt der Kammer über die Maßregeln interpellieren wird, welche sie zu treffen gedenkt angesichts der Zunahme der anarchistischen und antipatriotischen Propaganda seitens des allgemeinen Arbeiter- Verbandes._ Rußland. Der Nniversitätsstreik. Petersburg, 7. Oktober. Der Universitätsrat erhielt vom U n t c r r i ch t S m i n i st e r den Befehl, die Vorlesungen wieder aufzunehmen, erklärte jedoch in einer erneuten Eingabe an den Minister, daß eine Fortsetzung der Vorlesungen vollständig un- möglich sei.— lfrorek Schsckler gegen kohl. Die Beleidigungsklage des Abgeordneten. Domdcchanten und päpstlichen HauLprälaten Dr. Schädler gegen den Münchener jung- liberalen Rechtsanwalt Karl Kohl, von der wir in der Dienstags- nummer berichteten, kam heute vor dem Münchcner Schöffengericht zur Verhandlung. Sowohl Dr. Schädler als Rechtsanwalt Kohl waren persönlich erschienen. Der Beklagte Kohl gab nach Ver- lcsung deS inkriminierten Briefes und der Artikel eine längere Erklärung seines Vorgehens gegen Schädler. Er habe in den Jahren 1905 und 1906 vor dem Schwurgerichte den frühereu Herausgeber der„Montagszeitung", den Freidenker August Richter, wegen Religionsvergehen verteidigt. Die Artikel befaßten sich mit der..FronlcichnamSprozcssion". dem„Heiligen Rock in Trier" bezw. mit der Hostie und der Reliquienverehrung. Er habe damals in seinem Plaidoyer gesagt, daß er die Verteidigung aus innerer Uebcrzeugung übernommen habe, weil er auf dem Standpunkt stehe, daß der§ 166 des Reichs-Strafgcsctzbuchcs eine Kulturwidrigkcit, eine Knebelung sei. Als dann durch Sachverständige nachgewiesen wurde, daß in der katholischen Kirche mit der Reliquienverehrung ein schauerlicher Mißbrauch, der fast an Schwindel grenze, getrieben werde, habe er gesagt, daß er jedes Wort, das der Angeklagte ge° schrieben habe, unterschreibe. Zu dem über den Prozeß gebrachten Verhandlungsbericht habe Richter das, was er über den Reliquien- schwinde! aus Broschüren zitiert habe, als den Ausspruch seines Denkens und seiner Meinung ihm in den Mund gelegt. Obwohl Richter in seiner folgenden Nummer eine Richtigstellung brachte, sei die ultramontane Presse über ihn hergefallen und habe den Be- richt der„Montagszeitung" im Wahlkampf zum Beweis Jeiner Religionsfcindlichkeit gegen ihn ausgenutzt. Es wurde ihm überall auf dem Lande vorgeworfen, daß er daS Altarsakrament und kirch- liche Einrichtungen gelästert habe. Obwohl mehrere liberale Blätter Richtigstellungen brachten, von denen die ultramontane Presse keine Notiz genommen habe, sei am 2. März im Reichstage ein hochanacsehener ultramontaner ReichStagsabgcordneter, von Beruf ein katholischer Priester, aufgetreten und habe daS wieder- holt, was schon längst in den liberalen Zeitungen als eine Fälschung gekennzeichnet war, nämlich, daß er(Kohl) das Altarsakrament ge- lästert habe. Er beabsichtigte damals, sofort nach Berlin zu fahren und persönlich mit Dr. Schädler abzurechnen, sei davon aber von einem Rechtsfrcund abgehalten worden. In dieser Erregung habe er dann den inkriminierten Brief an Dr. Schädler geschrieben. Auch im Landtagswahlkampf 1307, wo er(Kohl) im Wahlkreis Mem- mingen kandidierte, sei die Rede Schädlers im Reichstag von ultra- montaner. Seite Wahlparole geworden. Da Schädler in berechnen- der Absicht wegen des an ihn gerichteten Briefes bis 28. Mai noch keine Klage gestellt hatte, war er gezwungen, den Vorwurf der Verleumdung gegen Schädler in der„Memminger Zeitung" zu wiederholen. Kohl stellte gegen Schädler Widerklage, weil dieser geäußert habe, daß er seine Behauptungen gegen Kohl auch außer- halb des Reichstages aufrechterhalte. Aus der Verlesung der Aussage des kommissarisch vernomme» neu Erzbischofs Abert von Bamberg geht hervor, daß sich der Erz- bischof nicht cutsinnen kann, daß Dr. Schädler sich jemals abfällig über Kohl geäußert habe, oder ob er überhaupt über die Person Kohls gesprochen habe. Der Erzbischof glaubt auch nicht, daß Schädler sich in dem Sinne, wie ihm zur Last gelegt werde, über Kohl geäußert haben könne, nach der ganzen Stellung, die er, der Erzbischof, gelegentlich der Wahlparole der bayerischen Zentrums- leitung im Jahre 1906 eingenommen habe. Seit dieser Zeit sei zwischen ihm, dem Erzbischof, und Dr. Schädler die äußerste Zurück- Haltung gepflogen worden. In der Nachmittagssitzung ließ sich der Freidenker Kohl durch Zeugen bestätigen, daß er sich über religiöse Dinge stets taktvoll ausgesprochen habe, und daß er. wenn er auf der Landagitation war, stet? feine Rede unterbrach, wenn es zum Gebet läutete, damit die Bauern ihre Andacht verrichten konnten. Für den Vorsitzenden schien die Zeit für einen Vergleich gc- kommen zu sein. Hingerissen von der tiefen Religiosität des block- liberalen Rechtsanwalts erklärte Dr. Schädler sich zu einem Ver- gleiche bereit. Dr. Schädler erklärte, daß er sich überzeugt habe, daß die von ihm im Reichstage gegen Kohl gemachten Vorwürfe nicht berechtigt seien. Auch Rechtsanwalt Kohl nahm die in seinem Briefe und in Artikeln gegen Schädler erhobenen Vorwürfe der Lüge und Verleumdung zurück. Beide Parteien ersuchten das Gc- richt, diesen Vergleich zur Kenntnis des Neichstagspräsidenten zu bringen, zugleich wird Dr. Schädler de» Präsidenten des Reichs- tages ersuchen, diesen Vergleich zur Kenntnis des Hauses zu bringen. Jede Partei trägt ihre Kosten. Die Gerichiskosten werden halbiert._ Hus der Partei» Deutsche Sozialisten in England. London, 3. Oktober. Um die friedlichen Beziehungen zwischen Deutschland und England zu fördern, werden in den nächsten Tagen die Genossen K a u t S k y und Ledebonr in London sprechen. Sie sind vom englischen Komitee de§ Internationalen Sozialistischen Kongresses— also vom Ausschuß aller sozialistischen und Arbeiter- organisationen Englands eingeladen. Zum Fall Calwer schrieb der»VolkSfreund� zu Braunschweig: „Getiofse Lehmann-WieSbaden hat sich auf dem Nürnberger Parteitage darüber beschwert, daß unsere Witzpresse nicht auf der Höhe stehe. Es mangele an Satire in der Partei. Wir haben da- gegen gestern die Erfahrung gemacht, daß man über- Haupt nicht mehr satirisch sein darf, wenn man nicht riskieren will, statt bürgerlicher Gegner eigene Genossen zu treffen. Machten wir uns da im Leitartikel der FrcitagSnummer über die bürgerlichen Hnndertmark-Journaliften lustig, bei denen sich August Scherl die Artikel für feinen roten„Tag" bestellt. Wie un- vorsichtig waren wir doch I Zu derselben Zeit nämlich, in der in Braunschweig die Freitagnnmmer des„Volksfreund" ausgetragen wurde, trug man in Berlin die Freitagnummer des Schcrlschen „Tag" aus. an dessen Spitze ein Leitartikel des Genossen Richard Calwer über den Nürnberger Parteitag stand. Viel- leicht wird man uns jetzt des groben Tones gegen Partei- genossen beschuldigen, weil wir die Leitartikler des„Tag", zu denen nunmehr auck Genosse Calwer gehört, Hundert- mark-Journalisten genannt haben. Es tut unS wirklich leid, diesen Ausdruck gebraucht zu haben; aber wir konnten doch nicht wissen, daß ein Parteigenosse seine Herzensergüsse über einen sozialdemokratischen Parteitag in der Scherl- Presse ver» öffentlicht, derselben Scherl-Presse, die stets von unferer ge- samten Parteiprcst'e und, wenn wir nicht irren, auch erst kürzlich vom Bildungsausschuß in Berlin als gefährliche Volksvergisterin gebrandmarkt worden ist. Wir konnten das, weiß Gott, nicht ahnen, deshalb möge uns Genosse Calwer gnädigst verzeihen. Natürlich fällt cS uns nicht ein, nun etwa gar den, Genosse» Caltver darüber Vorwürfe zu Machen, daß er an der bürgerlichen Presse politisch niilarbeite und dadurch einen ParteitagSbeschluß verletze. Die Parteitagsbeschlüsse sind dazu da, nicht gehalten zu werden. Und wer sich als freier Mann darüber hinwegsetzt, provoziert damit nicht etwa diejenigen Parleigenosien, die so naiv sind, auf Parteilagsbeschlüsse etwas zu hatten; sondern im Gegenteil, wer so eiwaö eine Provokation nennt, ist ein Friedens- störer, ei» Parteikrakeeler, ein Kctzerrichler, der eigentlich durch ein Schiedsgericht aus der Partei entfernt werden müßte. Es tut unS also aufrichtig leid, so unvorsichtig gewesen zu sein und die ehrenwerte Scherl-Presse zu attackieren, wir hätten uns unbedingt sage» müssen:«Vorsicht, Vorsicht, alter Vollsfreund, tritt ja keinem bürgerlichen Blatt mehr auf daS Sliefelleder. eö kann leicht ein revisionistisches Hühnerauge darunter stecken!" Also keine Satire mehr in der Parteipresse I Man kann nie wissen, wen man damit trifft." • Bezeichnend für den Fall ist, daß alle Aeußerungen der Parteipresse Calwers Verfahren verurteilen. DaS geschieht auch von den Parteiorganen, die sonst in Parteifragen häufig anderer Meinung als der«Vorwärts" find. So druckte die„Pfälzische Post" die Notiz des„Vorwärts" ab und die„Mainzer Volkszeitung" jene der„Dresdener VolkSzeitung". Die „VorwärtS"-Notiz wurde ferner wiedergegeben vom„Volks- boten"(Lübeck), von der„ W e i m a r i f ch e n Volks- zeitung"(Jena), der„Neußifchen Tribüne"(Greiz), der„Reußifchen VolkSzeitung"(Gera) und der „Norddeutschen Volksstimme"(Bremerhaven), die Notiz der„Dresdener VolkSzeitung" von der„Volksmacht" (Breslau), die der.Bremer Bürgerzeitung' von de, „Arbeiterzeitung"(Essen), von der„Niederrhein. Arbeiterzeitung"(Duisburg). DaS„Norddeutsche Volksblatt"(Bant) übernahm die Notiz der.Arbeiterzeitung"(Dortmund), welche schrieb: „Genosse Richard Calwer veröffentlicht im sehr oft von der Regierung benutzten„Tag" deS be— rühmten Herrn August Scherl einen Artikel über innere Angelegenheiten unserer Partei. Für den Genossen Calwer scheint der Dresdener ParteitagSbeschluß nicht zu existieren." Die„Märkische Volksstimme'(KottbuS) bemerkt: „Genosse Richard Calwer. der Herausgeber deS von Dr. Jastrow begründeten„Arbeitsmarkt" hat sich eine beklagenswerte Provokation der sozialdemokratischen Partei geleistet, indem er im Scherlschen „Tag" einen Artikel über interne Parteifragcn veröffentlichte. Der illustrierte„Tag" ist eine Tageszeitung, in der sich das reaktionärste Gesindel vpn Deutschland ein Stelldichein zu geben pflegt. WaS an reaktionären und die Arbesterschaft schädigenden Ideen und Vorschlägen ausgeheckt wird, findet im„Tag" seine AblagerungS- stätte. Bei einiger Ueberlegung hätte sich Cälwer sagen müssen, daß sein Artikel über„Nach Nürnberg", in dem er die Gewerk- schaften zu„reformistischer" Arbeit aufpeitscht und den ver- schwommenen Reformismus über den grünen Klee lobt, in den Kreisen seiner Parteigenossen übel vermerkt werden würde. ES ist möglich, daß sich Calwer eine Provokation der Partei absichtlich er» lauben, versuchen wollte, wie lveit die Belastungsprobe gehen kann. So ein disziplinwidriges Verhalten ist unter keinen Umständen zu billigen und nach allem, was wir in der letzten Zeit von Calwer gelesen, scheint er mit der sozialdemokratischen Partei innerlich fertig zu sein. Er wird wohl wissen, was er am besten zu ttm hat. Nun sind wir aber auch der Meinung, daß wir Calwer wegen seines Artikels im„Tag" nicht hängen dürfen, wenn Ivtr andere Literaten, die sich in der blockreaktionären„Hilfe" über die Partei verekeln, un- besehen laufen lassen."_ Gewarnt werden die Parteigenossen aller Orte vor dem angeb- lichen russischen Parteigenossen David Katz. Er besitzt eine Mit- gliedskarte des sozialdemokratischen Vereins Aachen-Stadt. ES wird ersucht, ihm die Karte abzunehmen. Außerdem hat Katz ein der Aachener Zentralbibliothek gehöriges Buch mitgenommen. Deutscher Sozialdemokratischer Leseklnv in Pari?. Der seit 30 Jahren in Paris bestehende Deutsche Sozialdemokratische Leseklub hält seine regelmäßigen Versammlungen an jedem Soimabend um 9 Uhr im großen Saale des Restaurant Senn, 9, rue de ValoiS (PalaiS-Royal) ab. Einen, Vortrage anS politischem oder wissen- schaftlichem Gebiete folgt die Diskussion, an der jeder Anwesende sich beteiligen kann. Eine außerordentlich reichhaltige Bibliothek steht den Mitgliedern unentgeltlich zur Verfügung. Kurse der französischen Sprache für Anfänger und Fortgeschrittene werden abgehalten. Deutsche, österreichische, französtiche, schweizerische Parteiblätter liegen zur täglichen Benutzung im Klublokale ctus. Gesellige Ver- anktaltungen. Besuche von Museen und anderen Sehenswürdigkeiten werden unternommen. Einen Arbeitsnachweis besitzt der Klub nicht, jede sonstige Unterweisung wird den Zurcisenden in brüderlicher Weise geboten. Es ist jedem nach Paris kommenden Genossen zu empfehlen, sich a» den Deutschen Sozialdemokratischen Lesetlub zu wenden. Allabendlich ist ein Mitglied der Ordnerkommission an« wesend. Alle Arbetterblätter werden um Abdruck gebeten. polireUickit», ßerlcbtlichea ukw. Strafkonto der Presse. Von der Strafkammer des Franken- t h a I e r Landgerichts als Berufungsinstanz wurde Genosse K l e e f o o t von der„Pfälzischen Po st" wegen Beleidigung der Lehrer der Goethe- Schule in Ludwigshafen zu einer Geld- strafe von 150 Mark verurteilt. DaS Schöffengericht LudwigShafen hatte eine Geldstrafe von 300 M. ausgesprochen. Die Beleidigung wurde in einer von der„Pfalz. Post" veröffentlichten Zuichrist erblickt, in der einzelnen Lehrern— Namen waren nicht genannt— der Borwurf der Ueberschreitung deS ZüchtiguizgSrcchtS und ungerechten Abstrafung von Kindern gemacht worden war. In einer zweiten Klage, die ebenfalls einen Arttkel in der obenerwähnte» Angelegenheit betraf, erfolgte in der Berufungsinstanz Frei- spruch. Hier hatte das LudwigShafen« Schöffengericht eine Strafe von 30 M. zudiktiert. Eue Industrie und Handel Agrarische Steuerpolitik. Wenn der Staatssteuersuchcr die Aufgabe hätte, die industriell« und merkantielle Entlvickelung Deuischlauds zu hemmen, dann könnte man seinen Steuerprojokten das Prädikat: ausgezeichnet! ans- stellen. DaS sentimental verlogene Getue der agrarischen Presse wegen der Nachlaßsteuer kann über den agrarischen Charakter der ganzen Steuerreform nicht hinwegtäuschen. Der Stoß der Junke, gegen die Nachlaßsteuer ist natürlich so echt, wie ihre Abneigunx gegen das Stcucrzahlen überhaupt; trotzdem trägt ihr Kampfgetös, gegen jene Steuer doch„och einen starken Stich ins Heuchlerische � sie wollen mit ihrem Lärm die Aufmerksamkeit von der Gefährlich- keit der anderen Steuerprojekte abwenden. Ueber den Widersinr der Lntilicht« und Antiverkehrssteuer sagt die„Deutsche Export« Revue' in ihrer letzten Numme u. a. folgendes: „Jetzt im kommenden Winter, wenn die GesetzgevungS- Maschine Ivieder zu klappern anfängt, steht Neues bevor, das den disharmonischen Ausbau der Verhältnisse im Industriestaat noch krasser hervortreten lassen wird. Die Reichsfinanzreform wird den Clou der neuen ReichStagssession bilden und in dem lieblichen Stenerbukett, das der Herr Staatssekretär des Reichsschatzamtes zu überreichen gedenkt, prangt die Elektrizitätssteuer, an deren Borlage nicht mehr zu zweifeln ist. Gleichzeitig wird angekündigt, daß nunmehr auch der Gesetz- entwurf betreffend die Erhebung von Abgaben auf den nalür- liche» Wasserstraßen so weit gefördert sei. um den gesetzgebenden Faktoren zur Beratung und Genehmigung vorgelegt zu werden. Einen ungünstigeren Zeitpunkt für die Einführung neuer Produtlionserschwerungen hätte man nicht wählen können. Der geschäftliche Rückgang hat schwere Wunden geschlagen, viel schwerer, als in der Oeffentlichkeit zugestanden wird. Den gesunkenen Preisen der Fabrikate sucht man mit äußerster Sparsamkeit bei den Ausgaben zu begegnen; die Pro- duktionskosten müsse» herabgedrückl werden, um wenigstens einiger- maßen wieder ins richtige Verhältnis zu den Preisen der Fertig- fabrikate zu kommen. An allen Ecken und Enden wird die Schraube angesetzt, insbesondere auch die Forderung erhoben, daß auch der Staat als Herr der Eisenbahnen und als Kohlengroßproduzent das Seinige dazu beitrage, die Giitererzeugung zu verbilligen. Als Antwort darauf kommt jetzt die EleklrizitätSsteuer und die Verteuerung des WafiertransportS, zwei Maßnahmen, deren gleichzeitiges Erscheinen auf der Bildfläche fast drn Eindruck machen konnte, als liege Absicht in der Verknüpfung, als habe man eine Zwickmühle schaffen wollen, die kein Entrinnen zu- läßt. Je mehr die Kohle im Preise steigt, mn so dringender das Bedürfiris, die Dampskraft durch andere, von der Kohle un- abhängige motorische Kräfre zu ersetzen. Als Däinpser auf diese Entwickelung der EleklrizitätSsteuer, die wieder zur Kohle zurück- drängt. Wer aber nach dieser Richtung seine Zuflucht sucht, fällt der Charybdis in die Arme, die ihm mit Schiffahnsabgaben die Kohlenzufuhr verteuert. So gibt eS kein Entrinnen, wohin man sich auch wenden mag.� Die Kohlennragnaten, denen in der Preishaltung für den In- landsmarkt dank der fiskalischen Preispolitik das Instrument eines Monopols gegeben ist, das sie rücksichtlos ausnutzen, sint� von der Last der Bergwerksregale befreit worden; der Entwickelung der elektrischen Kraftgewinnung packt man das Schwergewicht einer Steuer auf. Die Einfuhr ausländischer Agrarprodukte erschwert man durch Aufziehen hoher Zollmauern und um der Junker Glück zu erhöhen, soll der Binuenlandsverkehr durch Verteuerung des Waren- transports Hemmung erfahren. Deutschland in der Welt agrarisch voran!_ Preisherabsetzung. Wie auS dem rheinisch- westfälischen Industriegebiet gemeldet wird. ist als Folge der Auflösung des Düsseldorfer Roheisen- Syndikats der Preis für Roheisen schon kräftig gefallen. Angeblich konimen jetzt schon Angebote heraus, die sich uin 10 M. unter dem bisherigen Syndikatspreis halten. Feierschichten. Auf Zeche„Rheinpreußen", eine der größten Gruben ÄeS rheinischwestfälischen Industriegebiets, wird, wie eine Meldung von dort besagt, von jetzt an wöchentlich eine Feierschicht eingelegt. Der Holzhandel Rußlands im Jahre 1907. Rußland nimnit seinem Waldreichtum nach unter den ver- schiedenen Ländern die erste Stelle ein. Die gesamte Waldflächc Rußlands übersteigt 600 Millionen Dessätinen. Doch diese Wal- düngen sino zumeist noch sehr wenig erforscht. Gegenwärtig ist festgestellt worden, daß in der Verwaltimg der Krone allein nicht weniger als 136 Millionen Dessätinen vollkommen guter Waldungen sich befinden. Auf den Anteil des europäischen Rußlands entfallen 85 Millionen Dessätinen guten Waldes, von denen man gegen 16 Millionen Dessätinen als forstwirtschaftlich eingerichtet an- sehen kann. Die Bruttoeinnahmen, die die Krone auS ihren Holzerträgen in den letzten Jahren erzielte, betrugen 1663 63 076V72 Rubel, im Jahre 1Ll)7 ög 129 851 Rubel. Seit 1993 nimmt die Einnahme der Krone auS den Waldungen ab und erreichte den niedrigsten Stand im Jahre 1995, während sie in den letzten zwei Jahren wieder in die Höhe geht. Diese Steigerung der Einnahme erklärt sich durch die verstärkte Nachfrage nach russischem Holz aus den ausländischen Märkten. Dadurch wurde eine bedeutende Belebung des Holzhandels im Jahre 1997 in den westlichen, einigen südwestlichen und nörd- lichen Gouvernements Rußlands hervorgerufen. Die Hauptabsatzländer für russisches Holz sind Deutschland und Großbritannien. Auf diese beiden Länder verteilte sich der Holz- export Rußlands in nachfolgender Weise: Bretter(dav unter Latten, Schwellen und dergl.) Nach Deutschland: Stämme, fichtene, tannen» Sonstige Hol»- waren Im ganze» Holzwere» 1996 1907 Menge in 1999 Pud 31 69g gl Igg 42 986 35 330 57 824 47 594 Wert in 1999 Rubel 16 985 11 745 12 143 13 714 1996.... 19169 1997.... 12534 Nach Großbritannien: Menge in 1999 Pud 1996.... 72953 539 21 863 1907.... 74 559 1939 82 626 Wert in 1999 Rubel 1996.... 29 611 168 5 787 1997.... 39519 296 7497 164 834 149 653 37 990 38 391 94 451 198 224 «5 566 38 393 Die gesamte Menge des aus Rußland nach Dentschland im Jahre 1997 ausgeführten Holzes hat im Vergleich zu 1996 abge- nommen; dem Werte nach ist jedoch eine Steigerung zu konstatieren. Soziales. Staatsbetriebe find Miisterwerksrätte«. Etil krasses Beispiel der Mustergültigkeit wurde unS am Dienstag vor der zweiten Strafkammer in Stargard sPommern) vorgesührt. Aus dem Hofe der dortigen Eisenbahnwerkstälte wurde am 2. Mai d. I. der junge S ch l o s s e r H e l I p a p p zwischen ein paar Puffer gequetscht, daß der junge Mann— die Freude seiner Eltern— andern Tages v e r st a r b. Als Sühneopfer brachte man der Staatsanwaltschaft den 56jShrigen Rangiermeister Karl Pagets, welcher sich wegen fahrlässiger Tötung zu verantworten hatte, schließ- lich aber freigesprochen wurde, nachdem der erste Staats- anmalt nur 14 Tage Gefängnis beantragt hatte. PagelS mutzte an fraglichem Tage von einem längeren Zuge drei Wagen in den Hof rangieren und hatte sich seiner Gewohnheit gemäß, so weit dieS im Drange der Geschäfte möglich war, überzeugt, daß das Gleise Imf bestimmte Entfernung frei war. Etwa 190 Meter von P.S Stand« Punkt ab standen jedoch fünf Wagen, von denen in besten der fünfte nicht an die anderen vier angekoppelt war, und l'/z Meter von diesem entfernt stand ein weiterer Wagen, an dessen Puffer Hellpapp beschäftigt war. Das konnte man aber von weitem nicht sehen. P. nickte die drei Wagen ein, diese liefen aber noch weiter, trotzdem der Bremser die Bremse angezogen hatte, stießen an die fünf, von denen der letzte sich gegen Hellpapp bewegte und diesem die Brust Lcranttv. Redakt.: Georg Davidsohn, Berlin. Inseratenteil vergntw� zerquetschte. Do» den Aussagen der zahlreichen Zeugen ist folgendes höchst bemerkenswert:.Ein Arbeitsverbot zwischen den Gleisen während des Rangierens wird nicht durchgeführt. Die zwischen den Gleisen Arbeitenden sind gewohnt, daß, wenn rangiert wird, ein Mann den Wagen vorauslänft und sie durch ein Glockenklingeln aufmerksam macht.(Das Glockenläuten ist auch Vorschrift.) Al cr— die Glocke war schon seit dem 30. April entzwei und Er- s a tz war nicht da. Ferner,— es ist Vorschrift, daß Wagen, an denen gearbeitet wird, durch Klötze festgelegt werden, dieS war aber nicht geschehen und zwar:— es waren noch keine Klötze da, und sind erst nach dem Unfall solche angeschafft worden. Auch ist es Vorschrift, daß solche Wagen, an denen gearbeitet wird, den Rangierern von weitem durch rote Signalschilder kenntlich gemacht werden, dieS ist jedoch nicht ge- schehen, und zwar— weil keine roten Signalschilder da waren. Solche sind erst nach dem Unglück angeschafft. RegierungSrat Schlüter meint zwar als Sachverständiger. der diensthabende Weichensteller hätte sich für die zerbrochene Glocke von den vier Bahnsteigen, woselbst man im ganzen zwei Glocken hat, eine als Ersatz holen(d. h. borgen) müssen, zwar habe der Angeklagte gegen Verhütnngsparagraphen verstoßen, daS Vorsichtrufen des Bremsers ist im Gewirr überhört, aber wenn andererseits einer der Vorschriften genügt worden wäre, so wäre der Todesfall verhindert'gewesen". — Aber Schutzmaßregeln kosten Geld, jedoch der Schlund Militarismus und Marinismus braucht viele Millionen, drum müssen wir sparen. Und junge Menschenleben sind so billig. Bekanntlich sind seit vergangenem Jahre in Preußen entgegen dem jahrzehntelangen Gebrauch und der älteren Rechtsprechung auf ministerielle Anweisung die Eisenbahn werk st ätten der Aufsicht der Gewerbeinspektion entzogen. Dringend erforderlich ist. den gesamten Eisenbahnbetrieb der Gewerbeinspektion durch Reichsgesetz zu mrterwerfen, damit die im Eisenbahnbetrieb Beschäftigten und das Publikum etwaS mehr Sckutz als bislang gegen die Gefahren für Leib und Leben erhallen. Scharfmacherei gegen die Selbstverwaltung der OrtSirankenkassen. Die Dortmunder Handelskammer ist schon seit Jahren durch ihre Scharfmachereien bekannt. Ihre Darlegungen standen oft in so hahnebüchenem Widerspruch zu notorischen Tat- fachen— wir erinnern nur an die Ausführungen des Syndikus Dr. Mertens über den angeblich so außerordentlich glänzenden Gesundheitszustand der Bergarbeiter des Ruhcreviers—, daß alle Welt über sie lachte und spottete. Das hat die Handelskammer aber nicht vorsichtiger gemacht. Neuerdings versucht sich die Handels- kammer Dortmund nun in Scharfmacherei gegen die Selbstverwaltung der Ortskrankenkasten. Im Protokoll über die Sitzung vom 25. Sep- temlier 1993 heißt es: .... Bekanntlich zahlen die Arbeitgeber ein Drittel, die Arbeiter zwei Drittel der Beiträge für die Krankenversicherung. Den Arbeitgebern ist es gestattet, auch mehr zu leisten, aber in keinem Falle darf ihnen nach§33 deS Krankenversichernngsgesctzes weder in den Generalversammlungen noch in den Vorständen der Krankenkassen mehr als ein Drittel der Stimmen eingeräumt werden. Dadurch sind die Arbeitgeber zu einer ein- flußlosen Ohnmacht verurteilt und die Krankenkassen, besonders ein sehr großer Teil der Ortskrankenkassen, den Arbeitern und somit leider zumeist der Sozialdemokratie überliefert worden. Bekannt ist die s o z i a l d e m o k r a- tische Mißwirtschaft in einer Reihe von Krankenkassen, bekannt ist, daß die Sozialdemokratie Beamten- stellen in den Krankenkassen als Belohnung für tüchtiges Verhalten in der Partei, oft geradezu als Sinekuren vergibt. Obgleich nun das deutsche Arbeitgebertum sich bereit erklärt hat, die Hälfte der Bei- träge zu zahlen, natürlich unter der Voraussetzung, daß ihm dann auch die Hälfte der Stimmen in den Vorständen und Generalversammlungen der Krankenkasse zufallen würde, obgleich die vorher angedeuteten Mißstände vom Herrn Reichs- kanzler, vom Herrn Finanzminister und vom Herrn Minister deS Innern anerkannt worden sind, trotzdem besagen die erwähnten „Grundzüge", daß künftighin die Arbeitgeber zwar die Hälfte der Beiträge zablen sollen, aber in den Generalversammlungen und den Vorständen der Krankenkassen nach wie vor nur ein Drittel der Stimmen haben dürfen. Das hieße die Kranken- lassen, eine Institution des Staates, auch weiterhin der Sozialdemokratie und ihrer Miß- Wirtschaft überlassen. Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen einer solchen Einrichtung sind so große, daß die Handels» kammer nicht früh genug hiergegen ihre warnende Stimme er- heben kann." Weiter heißt es, daß sich die Handelskammer diesen AuS- führungen ihres Syndikus angeschlossen habe. Wenn der Herr Syndikus Dr. Mertens Beweise für seine Berdächtigungen beibringen sollte, würde eS ihm sehr übel ergehen. Die scvlimmsten Verleumdungen wurden ja aus Chemnitz in die Welt gesetzt. Chemnitz sollte ein wahrer Herd der Kor- r u p t i o n sein. Inzwischen hat sich das Blatt gewendet: unsere Genosten stehen rein da, der Schwurzeuge des Ordnungsbreis, Ver- leumder Amandus Schubert, wandert hinter Schloß und Riegel. Auch von anderen Orten hat niemand beweiskräftiges Material beibringen können, daß die Sozialdemokratie die OrtS- krankenkasien für ihre Zwecke mißbraucht habe. Was fragt aber Herr Dr. Mertens darnach. Er haut feste in die Kerbe der Schubert und Konsorten! GewerkfebaftUebee. Berlin und Qmgegcnd. Zur Verschmelzung des Portefeoiller. und Sattleeverbande». Der Hauptvorstand des Verbandes der Portefeuiller und Leder- galanteriearbeiter hat auf die Zeit vom 15. bis 22. November eine allgemeine Urabstimmung angeordnet, die darüber entscheiden soll, ob sich der Verband mit dem Sattlervcrband zu einer Organisation vereinigt. Vor der Urabstimmung sollen in allen Zahlstellen Ver- sammlungen abgehalten werden, um die Mitglieder über diese Frage gründlich aufzuklären. Für die Berliner Zahlstelle des PortefeuillerverbandeS geschah dies in einer Mitgliederversamm- lung, die am Dienstag im Gewerkschaftshause stattfand. Als Re- ferent sprach der Ortsvorsitzende des SattlervcrbandeS Ernst Schulze.— Im übrigen bietet auch die neueste Nummer der „Portcfeuillerzeitun�" in einem Artikel:„Zur Urabstimmung" den Mitgliedern gründliche Aufklärung über die Frage.— Die Verbandsvorstände und Ausschüsse der Portefeuiller- und der Sattler- organisation haben am 27. September zu Ossenbach eine gemein- same Konferenz abgehalten, um die Einigungsbedingungen fest- zustellen. Wird durch die Urabstimmung die Verschmelzung be° schlosten, so sollen beide Verbände zu Ostern 1999 in Köln zunächst in gesonderten Beratungen ihre eigenen Angelegenheiten erledigen, um dann auf einem gemeinsamen Verbandstag die Verschmelzung zu vollziehen. Jene Konferenz hat aus den Statuten beider Ver» bände das Beste und Zweckmäßigste herausgenommen, um die Grundlage für das Statut des Einheitsverbandcs der Sattler und Portefeuiller zu schassen. Daraus ergaben sich bedeutende Der- besserungen des Unterstützungswesens, namentlich für die Porte- feuiller, deren Verband infolge seiner Beschränkung auf die ver- hältnismäßig geringe Zahl von Berufsangehörigen nicht imstande war, seinen Mitgliedern soviel zu bieten, wie der Sattlerverband, dessen Organisationsfcld weit ausgedehnter ist.— Die„Porte- feuillerzeitung" gibt über die Vorteile an Unterstützungen, die die Verschmelzung mit sich bringt.ebenfalls Auskunft.— Der Referent betonte jedoch, daß das Unterstützungswesen selbstverständlich ftnRet nur Mitie! zum Meck sein darf und soll. Das Wichtigst« ist, daß der gemeinsame Verband eine größere Macht im Kampfe für die Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse entwickeln wird. Die Ursache der Verschmelzung gerade dieser beiden Ver« bände ist, daß die Berufe vielfach ineinander übergreifen. Die Täschner und Galantcriesattler arbeiten zu einem großen Teil m denselben Werkstätten, für dieselben Unternehmer, ja sogar aus die- selben Artikel wie die Portefeuiller. Das hat die Entwickelung dieser Industrie mit sich gebracht, und die Einführuntz der Lcder- schärfmaschinc macht es den Sattlern dieser Branche immer mehr möglich, dieselben Artikel herzustellen, wie die Portefeuiller. Die Gemeinsamkeit der Arbeit machte es auch notwendig, daß die letzte Lohnbewegung in der Lederwarcnindustrie von beiden Verbänden gemeinsam geführt, der neue Tarifvertrag mit beiden Verbänden abgeschlossen wurde. Unter den alten Tarifverhältnistcn ist es vor» gekommen, daß ein Arbeitgeber zuerst einen Sattler fragte, um was für Arbeit es sich bei einer Reihe von Taschenmustcr handle, und dann einen Portefeuiller. Der eine sagte, es sei Sattlerarbeit, der andere, es sei Portefeuillerarbeit. Da diese Arbeiten nun nach dem Portefcuillertarif geringer bezahlt wurden, als nach dem der Sattler, war der Arbeitgeber natürlich nicht im Zweifel, wem er recht geben sollte. Solche Vorkommnisse zeigen deutlich, wie not- wendig das gemeinsame Vorgehen bei der Lohnbewegung war.— Der Referent hielt einen allgemeinen Lederindustrieverband, der auch die Schuhmacher, Gerber, Handschuhmacher mit umfassen soll, nicht für zweckmäßig, da die Berufe, die hier zusammenkommen würden, in den meisten Fällen nichts anderes gemein haben, als daß sie Leder verarbeiten, während bei den Sattlern und Porte- feuillern ja tatsächlich eine Gemeinsamkeit der Arbeit selbst be- steht.— In der Diskussion, die bis Mitternacht dauerte, sprachen sich die meisten Redner für die Verschmelzung aus. wenn auch einzelne der Sache etwas kühl gegenüberstanden. Blum, der Verbandsvorsitzende der Sattler, nahm ebenfalls an der Debatte teil und führte unter anderem aus, daß besonders seine Erfahrungen im Lffenbachcr Industriegebiet ihn um so mehr von der Not» wendigkeit der Verschmelzung überzeugt hatten» Devtfcfies Reich. Verurteilter Scharfmacher. Während des von den Fabrikanten heraufbeschworenen Kampfe? der erzgebirgischen Wirker hat der„Wirlwarenmarkt", eine in Chemnitz erscheinende Halbmonatsschrift des Unternehmertums, sich darin gefallen, die Fabrikanten scharf zu machen und Zwietracht zwischen die kämpfenden Arbeiter zu säen. TaS letztere ist freilich nicht gelungen. Im Gegenteil, der Ausgang des Kampfe? sah noch alle beisammmen, die ihn aufgenommen hatten.— Der verantwortliche Redakteur des„Wirkwarenmarkt". Säuberlich ist sein Name, hatte unter anderem dem Gauleiter des Textil» arbeitervcrbandes, Genossen R e i ch e l t. ohne jeden Grund eine harte Strafe vorgeworfen, die R. im Dienste der Arbeiterbewegung unter der Herrschaft des Sozialistengesetzes zudiktiert erhalten und verbüßt hat. Das hatte S. getan, um R. als unglaubwürdig und als Führer der Arbeiter unwürdig hinzustellen. Um diesem Herrn Säuberlich zu zeigen, daß Gewerkschaftsführer und deren Ehre, auch wenn sie Sozialdemokraten sind, doch nicht als Freiwild für Leute seines Schlages da sind, verklagte ihn Reichelt. Der Herr Säuberlich wurde mit 5V M. Geldstrafe belegt, hat auch die Kosten und die R. erwachsenen Auslagen zu tragen und muß das Urteil im.Wirkwarenmarkt" und im.Textilarbeiter" ver. öffentlichen._____ Verband der Frisenrgebilfcn Deutschlands. Heute abend 9'/, Uhr Versammlung und Vortrag Rojcnthaler Straße 11/12. Deutscher Arbeiter-Nbstinenteu-Bund. Ortsgruppe Berlin: Morgen Freitag>/,9 Uhr im„Englischen Hos", Neue Roßstr. 3: Vortrag des Genossen Störmer:.Die Ztevolutioniernng der Gehirne." Gäste will- kommen. Hetzte J�achnchten und Depefcben, Die„Kölnische" ist wieder einmal kriegslüstern. Köln, 7. Oktober.(W. T. B.) Entgegen dem in einem Teile der auswärtigen Presse immer wieder ausgesprochenen Verdacht, daß Teutschland die österreich-ungarische Regierung zu ihrem Vorgehen in der Angliederungsangelegenheit an- geregt und aufgestachelt habe, bemerkt ein Berliner Tele- gramm der„Kölnischen Zeitung": Den in politischen Dingen unterrichteten Kreisen ist es vollkommen bekannt, daß Oester- reich-Ungarn ohne jede Anregung von deutscher Seite die Angliederung Bosniens und der Herzegowina vorgenommen hat. Dieses selbständige Vorgehen Oesterreich-Ungarns ändert nichts daran, daß man auf deutscher Seite dem bestehenden, seit 30 Jahren bewährten Bundesverhältnis Rechnung trafen und, sofern es nötig sei» sollte, Oesterreich-Ungaru in dieser Frage unterstützen wird.. Wrights neuester Rekord. Le Man?, 7. Oktober.(B. H.) Wright ha. yrnern in Bc- gkeitung eines Journalisten einen Flug von 1 Sturtbe, 4 Minuten und 26% Sekunden unternommen und damit seinen eigenen Re- kord vom Sonnabend um 9 Minuten geschlagen. Er legte 79 Kilo- metcr zurück. Während seiner Fahrt nahm der Apparat eine so eigentümliche Form an, daß man glaubte, eS werde ein Unglück erfolgen. Wright wird nunmehr den Preis von 599 999 Frank erhalten. Die offiziellen Probefahrten sind jetzt beendet, Wright wird sich nur noch mit der Ausbildung von Lenlern der Flug- apparate feines Systems beschästigen, Schmotzfinkea. Frankfurt a. M., 7. Oktober.(®. H.)' Die Strafkammer verurteilte heute den Wursthändler Joses Rupp wegen des Ver- kaufs hochgradig verdorbener und gesundheitsschädlicher Wurst zu 6 Monaten Gefängnis, Einziehung der Wurstwaren und Publi- kationSbesugnis. Ein Wiedervertäufer, den nur fahrlässiges Ver» schulden trifft wurde zu 59 M. Geldstrafe verurteilt. In dem Lagerraum deS Wursthändlers wurden unglaublich schmutzige Zu» stände vorgefunden._ Ein Schurkenstreich. Darmstadt, 7. Oktober.(B. H.) Vor dem Schwurgericht mußten sich heute 6 Männer wegen eines Ueberfalles auf ein Liebespaar verantworten. Sie hatten den Liebhaber verjagt, das Mädchen in den Wald geschleppt und vergewaltigt. Sie sind teil- weise verheiratet und im Alter von 29— 39 Jahren. Das Urteil lautete auf 2 bis 4 Jahre Zuchthaus und auf 2 bis 3 Jahr« Ge- fängnis._ Die Cholera. PeterSlurg, 7. Oktober.(W. T. B.) In den letzten 24 Stunden find 124 Neuerkrankungen und 41 Todesfälle an der Cholera vor- gekommen. Die Zahl der Kranken beträgt 1547. Erdbeben. Petersburg, 7. Oktober.(W. T. B.) Aus Schitomir, Jampol, Starokonstantinow. Zwenigorodka, dem Gouvernement Wolnyien sowie aus Mogiljew in Podolien wird über ein Erdbeben in der Nacht zum 7. Oktober berichtet. In Nikolajcw(Gouvernement Cherson) wurde heute abend ein Erdbeben verspürt. TH.G>vckc, Berlin. Druck u, Verlag tVorwärts Buchdr. u. Verlagsanftalt Paul Singer L: Eo, Berlin SW, Hierzu 3 Brilaoen».voterbaltungSb� Br. 236. 25. Jahrgang 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Donerstag, 8. Oktober 1908. Die Debatte über den Parteitag hältnisse zu singen sei. Die Bewilligung des Budgets führe zur Verflachung innerhalb der Partei. Genosse Möbus stellt sich auf den von Frau Steinkopf bereits vertretenen Standpunkt, wonach alle Parteiangelegenheiten auf dem Boden der Beschlüsse der Partei zu behandeln und zu er= ledigen seien. Das hätten die Süddeutschen mit der Budgetbewilli gung nicht getan. Er denke, die Mehrheit der süddeutschen Arbeiter werde sich nicht auf Timms Standpunkt stellen. Die Maifeier sei im Laufe der Zeit totgeredet worden. Wenn die Gewerkschaftsführer mehr für die Arbeitsruhe eingetreten wären, hätten wir eine ganz andere Feier. nun um gewerkschaftliche oder politische Führer handele". So stehe es auch im Bericht des Vorwärts". " Die Versanimlung nahm gegen 21 Stimmen die Resolution Harndt an, die wir hiermit noch mal wiedergeben: " Die Versammlung ist init den Beschlüssen des Parteitages boll und ganz einverstanden, namentlich auch mit der angenommenen Resolution des Parteivorstandes, die verhindert, daß in Zukunft in irgend einem Parlament der Regierung das Vertrauen durch Annahme des Budgets ausgedrückt werden kann. Sie sieht in der Budgetbewilligung eine Frage von großer prinzipieller Bedeutung und erwartet, daß der Klassencharakter unserer Partei, wie bisher, durch strikte Ablehnung des Budgets bekundet werde. Die Versammlung fieht ferner in der Erklärung der 66 einen schweren Disziplinbruch, hofft jedoch, daß die 66 ihren Worten nicht Taten folgen lassen werden, da sie sonst die Konsequenzen ziehen müssen, das heißt nicht länger mehr Parteigenossen sein können." Genosse Gottfried Schulz betont gegenüber Wuschik, daß es gar nicht nötig sei, unsere sozialpolitischen Forderungen immer wieder aufzuführen, denn fortwährend würden ja im Reichstage von unseren Vertretern die Anträge gestellt. Deshalb habe das Referat Molkenbuhrs auf dem Parteitage genügt. Die Budgetfrage sei keine solche der Taktik, sondern des Prinzips. Wäre sie Unter Vereinsangelegenheiten wurde auf Anregung einiger eine Frage der Taktik, dann könnte man heute so, morgen so Genossen lebhaft die Frage erörtert, ob es bei der bisherigen Art handeln. Schließlich komme man und sage, das Programm müsse der Vorbereitung von Delegationen und Anträgen durch die Bezirksgeändert und der heutigen Staats- und Gesellschaftsordnung an- führerkonferenz verbleiben solle. Die Weiterberatung der Frage gepaßt werden. Wir wollten und müßten aber auf dem Boden ivurde schließlich vertagt. des Klassenkampfes weiter kämpfen. Der Türnberger Parteitag in den Organisationen. fehte der sozialdemokratische Wahlverein für den dritten Berliner Wahlkreis am Dienstag fort. Genosse Wuschik: Die Budgetbewilligung sei im Wahlkreis Crossen sogar als Verstoß gegen das Programm bezeichnet worden. Im Programm finde er aber nichts davon, daß Budgets zu verwerfen seien. Die ganze Frage sei künftlich aufgebauscht worden. Für ihn sei es nur eine Frage der Taktik und nicht des Prinzips.( Aha!) Es heiße die Geschäfte der Gegner besorgen, wenn man durchaus Verdammungsurteile gegen die Süddeutschen durchbringen wolle. Allerdings meine auch er, daß die bayerischen Genossen keinen Anlaß gehabt hätten, das Budget zu bewilligen und die badischen noch weniger. Aber gegen den Standpunkt, daß Budgetverwerfungen aus Prinzip notwendig seien, müsse er sich wenden.- Nun habe man die Gelegenheit benutzt, gegen die Leiter der Gewerkschaften mobil zu machen. Bohl habe in seinem Bericht gesagt, es sei Pflicht, besonders auf die Gewerkschaftsführer zu achten.( Vielfaches Sehr richtig!) Diese Stimmungsmache gegen die Gewerkschaftsführer erinnere ihn an frühere Hehen. Was die Maifeier angehe, so verurteilten die Gewertschaftsführer nicht die Maifeier, sondern die Halbheit, in der Es ist noch nachzutragen, daß vor dem Eintritt in die sie sich zeige. Besser keine, als eine nicht würdige. Daß die Mai- Genosse Stallmann bringt eine neue Resolution ein, too- Tagesordnung das Andenken des verstorbenen Genossen Tugauer fcier abgeschafft werden müsse, habe man in den Gewerkschaften nach sich die Versammlung lediglich mit den Beschlüssen des geehrt wurde. und auf dem Gewerkschaftstongreß nicht vertreten. Der Licht- Parteitages einverstanden erklären und die Erwartung aussprechen punit des Parteitages sei das Referat Moltenbuhrs gewesen. Das soll, daß dieselben überall hochgehalten werden. Der Antragsteller habe das größte Interesse der Genossen verdient und hätte weit geht mit Wuschik davon aus, daß das Ginigende in den Vordergrund mehr Beachtung finden müssen, als es fie sowohl in Nürnberg wie zu stellen sei. Die feit der vorigen Bersammlung vorliegende in den Berichterstattungsversammlungen gefunden habe. Mit Resolution Harndt wirkte zersplitternd. Redner empfiehlt deshalb diesen wichtigen Arbeiterfragen hätte man sich mehr beschäftigen die Annahme seiner Resolution. sollen. Weniger das Trennende möge man betonen, sondern das, Genosse Sickert ist zwar nicht gegen die radikale Schreibwas die Partei einige. Refolutionen, die gleich der vorliegenden weise des Vorwärts" und der Leipziger Volkszeitung", hat aber fammlungen am 30. September und 5. Oktober mit dem Parteitag. In Hannover beschäftigten sich die Genossen in zwei Ver Resolution Harndt die Genossen mit dem Hinauswurf bedrohen, die Sachlichkeit in den Ausführungen beider gegen die Süddeutschen Genosse Leinert referierte und verteidigte die Haltung der sollte man nicht annehmen. bermißt. Die Süddeutschen hätten dagegen Proteſt einlegen 11 Delegierten des Agitationsbezirts Hannover, die für die Genosse Adolf Harndt: Der Vorredner rege sich über die müssen. Man dürfe nicht verkennen, daß es sich da um alte Ge- Resolution Frohme und gegen die Vorstandsresolution stimmten. Aeußerung Bohls auf, daß man auf die Gewerkschaftsführer ein nossen handele, die das beste für die Partei im Auge gehabt Ihm traten die Genossen Ruf, Gärtner, Brey und aufmerksames Auge richten möge. Nun, in der Gewerkschaftsschule hätten. feien Georg Bernhardt, Calwer, der jetzt unsterblich Blamierte, und Schrader, während die Genossen Harms und Chr. Schrader Genoffe Danziger führt aus, daß niemals ein Sozialdemo- die Haltung der Delegierten scharf bekämpften; fie hätten für die Max Schippel als Lehrer gewesen. Diese drei Namen charakteri- frat für ein Budget wie das bayerische stimmen dürfte, wonach Vorstandsresolution stimmen müssen. In Schlußwort verwahrte sich sierten die ganze Richtung. Nicht bloß ein Auge, sondern beide 5 400.000 m. für den König von Bayern, 12 800 000 M. für das Genosse Leinert dagegen, daß die Delegierten mit Maurenbrecher Augen müsse man auf diese ganze Richtung haben. Er stehe auf Kultusministerium, also meist für die Kirche bewilligt wurden, und Calwer in eine Richtlinie gestellt würden. dem Standpunkt, daß die Budgetbewilligung gegen das Programm und das im Budget für Postverwaltung für Postbeamte Sätze von daß, wenn der Antrag auf Ausschluß Maurenbrechers Er ist der Ansicht ,, verstoße; wenn nicht gegen den Wortlaut, dann gegen den Geist. 2,25, 2,50 bis 3,50 M. pro Tag fenne. Von einer künstlichen Aufbauschung der ganzen Sache könne nicht Genosse Wusch ik erklärte gegenüber verschiedenen Aus- gestellt und begründet worden wäre, wahrscheinlich auch von den die Rede sein. Spontan sei man zu der Einsicht gekommen, wohin führungen, daß das Ziel aller Genossen, auch der Süddeutschen Sie," erklärte Leinert zum Schluß, sich vergegenwärtigen, Hannoverschen Delegierten angenommen worden wäre.„ Wenn die ganze Richtung gehe. Noch schlimmer als die Budgetbewilligung und der Gewerkschaftsmitglieder und ihrer Führer die Befreiung welche Wirkung die Resolution des Parteivorstandes heute im Lande sei die Beteiligung am Leichenbegängnis des badischen Groß- der Arbeiterklasse aus den Fesseln des Kapitals fei. Ueber das hat, dann müssen Sie sagen, das, was geschaffen werden sollte, Herzogs gewesen, desselben Mannes, der im Verein mit dem nach Biel gebe es feine Meinungsverschiedenheit. maligen Wilhelm I. die Vorfämpfer von 1848 habe totschießen Genosse Appich ist der Meinung, daß es unter den obivalten wird nicht geschaffen, weder Klarheit, Einheit, noch Einigung wird geschaffen." bezw. in den Kasematten umfommen lassen. Wenn die Süddeut- den Umständen hinsichtlich der Maifeier nichts besseres gegeben Die von etwa 500 Personen besuchte Versammlung lehnte 3 w ci schen damit einverstanden seien, so wollten wir hier doch dafür hätte, wie die Abmachungen zwischen Parteivorstand und General- Resolutionen ab, von denen die eine die Haltung der Dele. forgen, daß von uns das Erbe der Kämpfer der deutschen Revo- fommission. Mit dem, was gegen die Gewerkschaftsführer gesagt gierten billigt, die andere fie mig billigt, und beschlos lution wirklich angetreten werden könne. sei, könne er ohne weiteres nicht einverstanden sein, aber das müsse ebergang zur Tagesordnung. Der Antrag dazu war Genoffin Steintopf, die als Delegiertin auf dem Partei- er doch bei aller Anerkennung ihres Verantwortlichkeitsgefühls vom Genossen Sen hold gestellt. Begründend führte der Antragtag war, hat derartige Spitfindigkeiten, wie sie die Süddeutschen sagen, daß sie die Maifeier von einem etwas zu engen Gesichts- steller aus, er habe den Antrag im Juteresse der Einigkeit der auf dem Barteitag gebraucht hätten, in der Partei nicht für mög- punkt ansähen. lich gehalten. Gie hebt bersahiedenes aus den bekannten Vor- Genosse Wartenberg spricht seine Freude darüber aus, daß Partei eingebracht, es dürfe teine Sieger und keine Besiegte geben. gängen hervor und meint, der Preußenhaß fei geschürt worden. wir so aufmerksame und wachsame Blätter hätten, wie es der„ VorSie wolle nicht darüber streiten, ob unsere Parteitagsbeschlüsse ge- wärts" und die„ Leipziger Volksztg." feien. Die Freunde der Budgetändert werden könnten. Ginmal bestehende Beschlüsse müßten aber bewilliger follten sich übrigens ansehen, was die Münchener Post" gehalten werden. Die Süddeutschen hätten daher die Pflicht gehabt, und das Nürnberger Parteiblatt in die Welt geschleudert hätten. den Lübecker Beschluß nicht zu brechen. Glaubten sie nicht mit dem Redner meint u. a. noch, daß man hätte verlangen können, daß der Lübecker Beschluß auskommen zu können, dann hätten sie eben Abgeordnete des Kreises fich der Meinung der Genossen des Kreises versuchen sollen, eine Aenderung des Beschlusses herbeizuführen. auf dem Parteitage anpaßte, was Heine nicht getan habe. Wie sei es nun möglich, daß die Gewerkschaftsführer meist auf Genosse Po HI bemerkte in seinem Schlußwort: Genosse Heine jener Seite ständen! Wenn nun ihre Gewerkschaftsmitglieder auch habe in der vorigen Versammlung gesagt, daß er sich kein Urteil fagen würden, fie fehrten sich nicht an die Stongreßbeschlüsse! darüber erlauben fönnte, ob es nötig war, das Budget zu bewilligen. Mit warmen Worten appellierte Rednerin an die Genossen, die Ueber diese große Bescheidenheit habe er sich sehr gewundert. Wenn Frauen zu organisieren. Eine gewisse Voreingenommenheit gegen aber Heine meinte, daß er nicht Bescheid wüßte, dann hätte er, die Frauen sei zu bekämpfen, fie sei ungerechtfertigt. Genoffe Franz Schulz teilte aus seinen Erfahrungen mit, daß sich die wirtschaftlichen Verhältnisse der Industriearbeiter in Bayern seit 20 Jahren nicht wesentlich gebessert hätten und daß Das Unternehmertum dort noch weit unangenehmer sei wie hier. Er zieht daraus den Schluß, daß kein Loblied auf füddeutsche VerKleines feuilleton. D wollte er nicht für die Resolution des Parteivorstandes stimmen, sich am besten der Abstimmung enthalten, um so nicht gegen feinen eigenen Streis Stellung zu nehmen. Nebner müffe gegenüber Wushit richtig stellen, daß er in der vorigen Versammlung nicht gesagt habe, besonders auf die Gewerkschaftsführer folle man achten, sondern man solle auf die Führer achten, ob es sich Ein außerordentlicher Kreistag für Naumburg Weißen fets- Beiß zu Beis, auf dem die Delegierten des Kreises, die Genoffen Leopoldt und Thiele- Halle Bericht über ihre Haltung zur Budgetfrage auf dem Parteitag erstatteten, lehnte eine Resolution des Genossen Leopoldt: " Der Kreistag des sozialdemokratischen Vereins des Wahlfreises Naumburg- Weißenfels-Reig erklärt feine volle llebereins stimmung zu dem Beschluß des Nürnberger Parteitages betreffend die Budgetfrage und erwartet von jedem Parteiangehörigen, in Sinne dieses Beschlusses tätig zu sein" mit 26 gegen 37 Stimmen in namentlicher Abstimmung ab und nahm darauf die folgende Resolution des Genossen Thiele an: " Der außerordentliche Kreistag fann die Gründe, aus denen die süddeutschen Genossen dein Budget zugestimmt haben, nicht für ausreichend erachten und erwartet, daß auch die süddeutschen Landtagsfraktionen in Zukunft gegen das Budget stimmen." liegen doch von der Fahrt Bersons Beobachtungen bis zu einer ob ich Dir glauben soll oder nicht." Bat: Siehst Du, das Luftschicht vor, die um mehr als 1500 Meter die letzte Beobachtung beteist schon, daß ich tot bin. Du würdest es nicht wagen, mich von Glaisher übertrifft, und daher muß die Ehre der höchsten einen Zügenbold zu nennen, wenn ich noch leste!" Die höchste Ballonfahrt. Während es in der sportluftigen Gegen- Ballonfahrt unbedingt dem deutschen Physiker zuerteilt werden. ( Judge".) wart sonst mit Refords fehr, biele werden sagen: übermäßig ernst Haifische an der Riviera. Im Bereich des Adriatischen Meeres- Kinderlofe. Sie twünschen diese Wohnung?" fragte genommen wird, geraten manche Leistungen in Bergessenheit, obgleich find die auf Raub ausgehenden Haifische seit langem berüchtigt, und der Hausverwalter, Sie toiffen jedenfalls, daß Kinder ausgeschloffen sie in mehr als einer Hinsicht ein rühmliches Andenken von besonderem in den Bädern der Küste wird oft genug davor getvarnt. Das Auf- find."„ Das ist in Ordnung. Wir haben nichts als einen Grade beanspruchen dürfen. So ist fürzlich in einer Fachzeitschrift ge- treten dieser Shänen des Meeres ist freilich ziemlich selten, so daß imechanischen Klavierspielapparat, ein Grammophon und einen Papagei." fagt worden, daß die größte Höhe, die je von Menschen bei einer es fast dem Gewinn eines großen Loses gleichkommt, im Adriatischen ( Illustradet Bits".) Luftfahrt erreicht worden jei, 35 500 Fuß oder rund Meer von einem Haifisch gefressen zu werden. Immerhin scheint 10 650 Meter betragen habe, Es ist merkwürdigerweise nicht ganz die Bahl der Haifische in diesem Meeresteil in der Zunahme be Notizen. leicht festzustellen, ob diese Bahl genau richtig ist, weil griffen zu sein, denn denn sie beginnen sich auch in anderen Die Neue freie Wolfsbühne veranstaltet diesen Winter überhaupt die Frage, wer lebend die größte Höhe im Ballon erreicht Gebieten des Mittelländischen Meeres zu zeigen. Der italienische für ihre Mitglieder vier große jesterkonzerte( Beethovenhat, nicht mit voller Sicherheit entschieden werden kann. Dieser Lancet"-Korrespondent schreibt jetzt, daß an der Riviera Abend, Mozart- Schubert- Abend, Schumann- Berlioz- Abend, WagnerUmstand erklärt sich daraus, daß die beiden Fahrten, die für diesen di Ponente im September ein Hai von enormen Dimensionen Abend) mit dem Blüthner- Drchester unter Dekar Frieds Leilung. Metord in Betracht kommen, ihrem fühnen Urheber für eine Zeit ganz in der Nähe von mehr als einem der großen Seebäder Der Beethoven- Abend findet Sonnabend, den 10. Dktober, statt. das Bewußtsein raubten, so daß gerade aus der größten Höhe erschienen sei und eine ziemliche Aufregung längs der ganzen Küfte Das doppelte Fiasto. Sardanapal, das frei direkte Beobachtungen nicht vorliegen. Jedenfalls ist es aber un verursacht habe. Die Besatzung eines großen Fischerbootes machte, nach Delizich getanzte Gefchichtsballett, hat nach dem totalen richtig, wie es noch in Veröffentlichungen der letzten Jahre zu lefen als sie ihr Netz nur mit der größten Mühe heraufzuziehen vermochte, fünstlerischen Fiasko nun auch noch finanziell versagt. Wie das steht, daß die größte Höhe ohne Zweifel von dem Engländer die Entdeckung, daß fie mehr gefangen hatte, als sie beabsichtigte, Berl. Tagebl." erfährt, haben die Ausgaben die Voranschläge bes Glaisher am 5. September des Jahres 1862 erreicht worden sei. Da indem sich ein kolossaler Hai in dem Net verfangen hatte. Es ge- deutend überschritten. Die Ausstattung soll die Kleinigkeit von diefer Luftschiffer schon bei einer Höhe von etwa 8700 Metern das lang den Leuten, ein starkes Tau um den Riesenfisch zu schlingen 350-375 000 m. gekostet haben. Belvußtsein verlor und es erst nach 13 Minuten in einer Höhe von und ihn troß seiner wütenden Gegenwehr nicht weit von dem willen sogar die Opernpreise zeitweilig erhöht worden waren, sind Die Vorstellungen, um derent7800 Metern so weit wieder gewann, daß er seine Beobachtungen Orl Niellon ans Land zu ziehen, wo er mit Messern und gegenwärtig vom Publikum so schlecht besucht, daß das Ballett in wieder aufnehmen konnte, so ist die Angabe, er habe eine Höhe von Bajonetts, die aus dem Fort herbeigeschafft waren, so lange allernächster Zeit abgesetzt werden soll, da jeder Abend ein Defizit 10 800-11 000 Meter erreicht, recht unsicher. Sie beruht nämlich bearbeitet wurde, bis er, wenn man von einem Hai fo bedeutet. nur auf einer Schäßung, die Glaisher darauf stüßte, daß sein sagen darf, den Geist aufgab. Der Fisch wurde nun gemessen- Es lebe der Fortschritt! Preußen ist auf dem Ballon, als er wieder zum Bewußtsein gekommen war, mit einer und ausgewogen, und feine Länge stellte sich zu 8 Metern und fein besten Wege, ein allen revolutionären Zumutungen sich fügendes Schnelligkeit von 600 Metern in der Minute fiel. Weit zuver- Gewicht zu 30 Zentnern heraus. Der Kopf allein war 1 Meter Land ohne Autorität und Festigkeit zu werden. lässiger sind die Tatsachen bezüglich der zweiten Hochfahrt. lang, und die dreieckigen Zähne, die denen einer ungebeuren Säge ersten Studentinnen als richtige, vollgültige Mitglieder der deutsche Luftschiffer Berson am 31. Juli 1901 ähnlich find, hatten 8-10 gentimeter Länge. Nachdem der Fisch der akademischen Republik in die Berliner Universität aufgenommen unternahm. Berson, der jetzt Mitglied des Aeronautischen Obser- ausgenommen worden war, fand sich, daß er sich vor kurzem einen worden. Wohin soll das führen, wenn gleiche Vorbildung zu vatoriums in Lindenberg ist und sich gegenwärtig zum Zweck des Thunfisch von 30 Kilo und einen kleinen Hai von 25 Kilo zu Gemüt den( beinah) gleichen Rechten bei beiden Geschlechtern Studiums der oberen Luftschichten in Deutsch- Östafrifa befindet, geführt hatte. Spuren eines Menschenopfers wurden in seinem Weg eröffnet. Das ist Umsturz! Ind Der berühmte große Höhe zu erreichen, und sie daher auch allein unternommen, handelte, der vorher die Bäder der Riviera beunruhigt hatte, geht mit einem Speech begleitete, hatte ganz recht, die wahre Bedeutung hatte diese Fahrt mit der besonderen Absicht geplant, eine möglichst Magen nicht vorgefunden. Ob es sich bei dieſem Hai um denselben Psychologe Stumpf, der als Rektor diesen Geschichtsabschnitt um feine weiteren Menschenleben in Gefahr zu bringen. Dafür aus dem Bericht nicht hervor. dieses Attes nicht untersuchen zu wollen, da die Zukunft sie erst hatte er freilich den großen Vorteil vor Glaisher voraus, daß er lehren könne". In der Tat, die Konsequenzen sind unausdenkbar, Tomprimierten Sauerstoff in seinem Ballon mitnehmen und sich so vor wir können Stumpfens Entsetztheit durchaus nachempfinden. Er der größten Gefahr des Mangels an Atemluft schützen konnte. Dennoch niedrigt sich doch Preußen durch dieses Vorgehen dazu, etwas nach gestaltete sich auch diese Fahrt sehr gefährlich. Einen bedeutenden Fortschritt im Vergleich zu der 40 Jahre vorher geschehenen Fahrt Musiker oder etwas Derartiges tvar." Ja," redete er die Gesellschaft bühne. - Das Lob. Man konnte nach seinem Haar sagen, daß er zuahmen, das in tiefstehenden Ländern längst die Regel ist. Staatssubvention für eine Freie Bolts. bedeutete vor allem der Umstand, daß Berson noch in einer Höhe von 10 350 Meter eine persönliche Beobachtung zu machen imſtande an, der berühmteste Tenor im Lande machte mir einmal das größte bestrebungen der Arbeiterschaft nach Kräften dadurch würdigt, daß Während der Kulturstaat Preußen die Bildungswar, während der Ballon sich noch im Steigen befand. Dann Kompliment, das ich mir wünschen konnte." ,, D?" benterfte jewurde auch dieser verwegene Luftschiffer trotz aller Borsichtsmaßmand neugierig. Die Sache war so: ich sang ohne Begleitung regeln teilweise bewußtlos, so daß auch hier nur mit einiger Un- ich habe immer meine Raft mit meinen Begleitern; sie sind so und am Schlusse des Liebes sagte er 300 Meter stieg, so daß also vielleicht eine Höhe von 10 650 oder mir:" Biſſen Sie, als Sie ohne Begleitung begannen, war ich gewißheit angenommen werden kann, daß sein Ballon noch weitere unaufmerksam, wiffen Sie möglichertreise eine solche von 10 800 Meter erreicht wurde. Berion überrascht; als ich Sie hörte, war ich erstaunt, und als Sie sich hatte vorher die leberzeugung geäußert, daß menschliches Leben fetten, war ich entzückt!" Und ein befriedigtes Lächeln überjenseits einer Höhe von 10 825 Metern unmöglich sei und daß daher strahlte das Antlitz des Jünglings. auch Glaisher so hohe Luftschichten nicht erreicht haben könne, ohne- Der Beweis. Casey( nachdem Bat fünf Stodiverte tief fünstlichen Sauerstoff zur Atmung bereit zu haben. Wenn nun also hinuntergefallen ist): Bist Du tot, Pat?"- Bat: Ja."- nicht zu. Plebs kann ja in die von Majestät gnädigst bewilligten auch beide Luftschiffer die gleiche Höhe erreicht haben sollten, fo Casey: Wirklich, Du bist folch' ein Lügenbold, daß ich nicht weiß, Vorstellunaen bei Kroll geben. die Humor und Satire. Humor des Auslandes. 29 " ( Answers.") Schon sind die Den er sie schifaniert und verbietet, hat das nach preußischen Begriffen längst verrottete Desterreich ihnen wiederholt Verständnis und Entgegenkommen bewiesen. Der Wiener Freien Vollsbühne bewilligt worden. Sie ist zwar nur gering ist jegt vom Unterrichtsministerium sogar eine Subvention fie beträgt 2500 Kronen aber doch von prinzipieller Bedeutung. Der Staat ers kennt es damit als seine Pflicht an, von der Arbeiterschaft geschaffene und geleitete Organisationen zu fördern. Der föniglich preußische Kunstbetrieb läßt dergleichen Mißgriffe erfreulicherweise Neber die Beiden Parteiversammlungen in Fürth, deren Sympathieerklärung für die KS die bayerische Parteipresse mit so viel Wohlgefallen abdruckte,»vird der„Leipziger Volkszeitimg' noch nachträglich aus Fürth geschrieben: Von den 8300 Mitgliedern waren in der ersten Versammlung zirka 70 und in der zweiten SO Genossen anwesend. Die Diskussion drehte sich vornehmlich um die Budgetfrage und um die Erklärung der SS. Die Anwesenden billigten das Verhalten ihrer Delegierten. Es wurde eine Resolution angenommen, welche die Budgetfrage als eine taktische bezeichnete. Die Gegner der Budgetbewilligung der- langten, das; die Abgeordneten sich ebenso den Parteibeschlüssen zu fügen haben, wie jeder andere Genosse, und verwiesen darauf, dast bei den Gemcindewahlen, als solche noch im Zusammengehen mit anderen Parteien, insbesondere der Volkspartei, vorgenommen wurden, schon früher eine Minderheil bestand, die Kompromisse mit der Volkspartei entschieden mistbilligte, jedoch ist es deshalb der Minderheit nicht eingefallen, dagegen zu protestieren. sondern sie unterwarf sich dem Willen der Mehrheit, wie daS bei der Demokratie notwendig ist. Das Verhalten der 66 würde zur Dikmmr führen. Sic Resolution wurde mit 49 gegen 1! Stimmen angenommen. *.• Von der im„Vorwärts" veröffentlichten Erklärung des Genossen Singer gegen verschiedene Ausführungen des Genossen A d o I s M 0 l l e r in der letzten Parteiversammlung zu München hat die„Münch euer Post" bislang keinerlei Notiz genommen.__ Die ZiODliteo-Sozialiftn. (Zur Sitzung des Internationalen Sozialistischen Bureaus.) Aus den Kreisen des jüdischen ArbeiterbundeS wird unS ge> schrieben: Auf der Tagesordnung der bevorstehenden Sitzung des Jnter- nationalen Sozialistischen Bureaus steht wiederum die Frage über die Zulassung der Zionisten- Sozialisten, die bereits einmal das Bureau in Stuttgart beschäftigt hatte und leider in bejahendem Sinne gelöst wurde. Wir sagen: leider, denn dieser, wohl aus mangelhafter Kenntnis der eigentümlichen Sachlage entsprungene Beschlust öffnet den Ansprüchen aller- Hand quo si- sozialistischer Gebilde auf ihre Aufnahme in die sozialistische Internationale Tür und Tor und schafft einen unliebsamen Präzedenzfall für alle Zukunft. Nach ihrem ganzen Charakter haben die Zionisten-Sozialistcn keinerlei Anspruch au Austiahme in die internationale sozialistische Organisation, sondern eS hat vielmehr diese letztere allen Grund, derartige Elemente energisch von sich zu weisen. Schon die bloste Znsammenstellling von Zionismus und Sozialismus müstte jeden zum Slachdenken bewegen: der Sozialismus ist das objektiv- notwendigeZiel desproletarischen Klassenkampfes, derZioniSmuS aber— eine reaktionäre Utopie, die Frucht der verzweifelten öko- nomischen Lage der jüdischen Kl e i n b o u r g e o i s i e, die in ihrem aussichtslosen Kamps gegen den anstürmenden Kapitalismus den Boden unter den Füsten sinken fühlt und deshalb ihr Heil und ihre Rettung in der Flucht nach dem gelobten Lande sieht. In Rustland war der Boden für den Zionismus um so günstiger, als die un- erhörte politische und nationale Knechtung den Horizont noch mehr verfinsterte und alle Wege zur Rettung vollends versperrt schienen. Bereits am Beginn seiner Tätigkeit suchte der Zionismus, um einen festen Halt zu gewinnen, den ihm die krast- und saftlose Klein- bourgeoisie nicht bieten konnte, die Gunst des Proletariats zu er- werben, und so wurden schon nach kurzem allerhand bescheidene Eegenwartssorderungen als Köder ausgeworfen. Mittlerweile nahm die EntWickelung der Dinge im russiichen Judentum ihren Laus: der Klassenkamps der Arbeiterklasse gegen die jüdische Bourgeoisie, der Befreiungskaurpf gegen den Zarismus entflammten auf der ganzen Linie,.der sozialdemokratische Gedanke, die sozialdemokratische Or- ganisation drang immer tiefer in die Reihen deS Proletariats. Die Zionisten, die sich unterdessen bereits den Namen„Arbeiterzionisten" beigelegt hatten, sahen sich genötigt, ihr Programm immer radikaler zu gestalten und kamen schließlich auf den Gedanken, ihrem Zionismus den Sozialismus in der Form eines entfernten Zukuufts- rdealS anzuhängen. Diesen logischen Widersinn suchen sie durch eine Analyse des ökonomischen EnNvickelungsgangcS des russischen Juden- tumS zu beweisen: der jüdische Kapitalismus, so behaupten sie, könne sich nicht entwickeln, das Proletariat würde deshalb stets in den Kinderschuhen stecken bleiben und es nie zum Sozialismus bringen können. Dies wäre nur in einem selbständigen jüdischen Staate möglich, es liege daher die Erwerbung eines selbständigen Territoriums im Jntereffe nicht nur des jüdischen Volkes überhaupt, welches ein Feld für freie nationale Betätigung braucht, sondern auch im Interesse des jüdischen Proletariats, welches daher zur Erreichung dieses Zweckes Hand in Hand mit allen Klassen der jüdischen Bevölkerung zu gehen habe. Schon diese wenigen Andeutungen genügen, um sich eine Vor- stellung davon zu machen, wie es uin den Klassenkampf- charakler der Zionisten- Sozialisten bestellt ist, wenn sie in den Vordergrund ein rein nationales Ziel stellen und dem Zusammengehen mit der jüdischen Bourgeoisie das Wort reden. Und in der Tat läuft ihre ganze praktische Tätigkeit in Rußland ans eine Vertuschung der Klassengegensätze, eine Schwächung des Klassenkampfes. eine Verdunkelung des Klassenbewußtseins des jüdischen Proletariats, eine Hemmung der sozialistischen Aufklärungs- arbeit hinaus. Und wenn die Zionisten-Sozialisten sich herauszu- reden suchen, nicht der Zionismus, sondern gerade der Kampf um die Freiheit in Rußland stehe gegenwärtig bei ihnen im Vorder- grund und sie müßten daher ebenso bewertet werden wie die anderen sozialistischen Parteien Rußlands, so«halten wir ihnen folgendes Zitat aus ihrem Zentralorgan<„DaS Wort", Nr. 6) entgegen, wo sie im Artikel„Die Reaktion und die jüdische Revolution" sich folgendermaßen über die Bedeutung der Revolution für das jüdische Proletariat äußern:„... Diese Revolution hat keinen moralischen Wert, kein höheres Streben, kein historisches Ziel, keine Zukunflspccspektivc, sie sucht nur den materielle» Nutzen von heure, den groben Vorteil des Augenblicks. Sie diskreditiert darum die Revolution selbst, denn sie dient nicht der Gesellschaft, der Mensch- heit, der Kultur, sondern sich selbst, dem zukünftigen Shylock und seinem Geld. So lange die Revolution des Goluö jdie Länder, wo die Juden zerstreut leben. Der Verfasser) ihn selbst zu ihrem Ziel hat. ist sie nichts mehr als ein Kampf einer sozialen Gruppe gegen die andere, ist sie keine Revolution, sondern ein Streit egoistischer Interessen... Innern Wert und moralische Kraft wird die jüdische Re- v o l u t i o n nur dann bekommen, wenn sie im Namen der Befreiung vom Golus geführt lv erden wird." Hier wird also offen zugegeben, daß nach Auffassungen von Zionisten- Sozialisten die Befreiung Rußlands aus dem Joch des Zarismus, die endliche Befreiung des Proletariat? selbst keinen Wert hat, sondern daß ihnen ihr zionistisches Ideal, die Errichtung eines jüdischen NationalstaaleS über alles geht. Die Bekämpfung dieser falschen Sozialisten, die Aufdeckung ihres kleinbürgerlich-reaktionären Charakters ist stets eine der vornehmsten Aufgaben des Jüdischen Arbeiterbundes gewesen, und nun denke man sich, wie seine Situation durch den vom Internationalen Bureau gefaßten Beschluß erschivcrt wurde, da er doch die Zionisten-Sozia- listen zu waschechten Sozialisten stempelte und diese von ihm in ihrem Kampf gegen die im jüdischen Proletariat arbeitenden Ge- nossen auch ausgiebigen Gebranch machten. Daher sah sich die Sozialdemokratie Rußlands und der Jüdische Arbeiierbnnd genötigt, gegen den Beschluß des Bureau? Protest einzulegen und wir sind in der Lage, die Meinungen einer ganzen Reihe ausländischer Genossen anzuführen, die sich aus ähnlichen Gründen wie wir gegen den Stuttgarter Beschluß deS Bureaus wenden. Wir hoffen und erioarten, daß das Internationale Sozialistische Bureau seinen irrtümlichen Beschluß aushebt und so das den in Rußland arbeitenden Genossen in den Weg gelegte Hindernis wieder forträumt. Der krsnzoiUche GeweriilchaftsllongrcB. Marseille. 5. Oktober. sEig. Ber.) Heute ist hier der zehnte Kongreß der ArbeitSkonföderation — der 16. französische Gewerkschaftskongreß— zusammengetreten. Er sollte in der Arbeitsbörse tage», aber der republikanische Bürger- meister erließ in der letzten Stunde einen UkaS, wonach er die ArbeitSböne nur unter der Bedingung zur Abhaltung des Kongresses zu überlassen erklärte, daß dieser die aus die Tagesordnung gesetzten Punkte: Antimilitarismus und Generalstreik im Kriegssalle fallen lasse. Da die Veranstalter des Kongresses natürlich auf diese Zu- mulung nicht eingehen mochten, mußten sie den Kongreß in einen anderen— weit in der Vorstadt gelegenen Saal verlegen, Nach Eröffnung des Kongresses kommt eS zu einer heftigen DiS- kuision über die Zulassung der Presse und Nichtorganisierter Per- sonen. Die Zulassung der Presse. für die u. a. auch der Sekretär der Pariser Elektrizitätsarbeiter P o t a u d eintritt, wird beschlossen. ebenso die des Publikums. Die Versammlung spricht den ver- hafteten Vorkämpfern der Gewerkschaftsbewegung ihre Sympathien, der Regierung ihre Entrüstung aus. Es sind im ganzen 1402 Mandate zugelassen, von denen 1118 auf die Föderationen und nichtsöderierten Gewerkschaften, der Rest auf die Arbeitsbörsen entfallen. In Amiens waren 1140 Mandate für beide Gnippen verifiziert. Die Zahl der Delegierten ist sehr bedeutend, zu groß für einen ruhigen Verlaus der Verhandlung, so daß jeder Zwischenfall — und bei dem südlichen Teniperament eines groyen Teiles der Amoesenden ist daran kein Mangel— viel Zeit in Anspruch nimmt. Ans dem vom Konföderationskonritee herausgegebenen Rechen- schaftSbericht geben wir folgende Daten wieder: Seit dem Juli 1606 bis September 1908 ist die Zahl der den Fö d'e rationen angehörende» Gewerkschastcn von243S aus 2S86 gestregen, die der Mitglieder d.h. derjenigen, für die sie Beiträge abführen, von 203 270 ans 294 393. In Wahrheit sind manche Organisationen bedeutend stärker, sie führen jedoch nur für einen Teil ihrer Mitgliedschaft Beiträge ab. Am stärksten erscheinen im Bericht die Bauarbeiter mit 40 000, die Eisenbahner mit 45 590, die Berg- arbeiter mit 30000, die Textilarbeiter mit 20 000 Mitgliedern. Viel weniger günstig sieht der Finanzbericht aus: An Bei- trägen liefen in 25 Monaten 22 237 Fr., für den Generalstreik- sondS— 782 Fr. ein, die Gesamteinnahmen betrugen 24 719 Fr., denen Ausgaben in der Höhe von 23 634 Fr. gegenüberstehen. Der Kassenbestand am 30. Juni d. I. betrug 3804,25 Fr. Die Sektion der Arbeitsbörsen ist von 136, die 1609 Gewerkschaften umfasien, auf 167 mit 2028 gestiegen. Die Einnahmen betrugen 16 399, die Ausgaben 16 081 Fr. In der Kasse sind 2764 Fr. Die Auflage dcS Organs der Konföderation, die„Voix du Peuple", hat seit zwei Jahren einen sehr geringen Fortschritt— von 6300 auf 6340— aufzuweisen. Seine Finanzen zeigen ein kleines Defizit. Ueber die internationalen Beziehungen teilt der Bericht folgendes mit: Der Kongreß in Amiens hatte das Konföde- ratioilskomitee aufgefordert, die abgebrochenen Beziehungen mit dem internalionalen Gcwerkschaftsbureau unter der Bedingung wieder auf- zunehmen, daß das internaiionale Gewerkschaftssekretariat den Antimilitarismus, den Generalstreik und den Achtstundentag auf die Tagesordnung der nächsten Konferenz setze, anderen- falls aber mit den angeschlossenen nationalen Zentren in direkte Beziehungen— über den Kopf des inter- nationalen Sekretariats hinlveg— zu treten. Als das KonföderationSkomitce vom internationalen Sekretariat die Ein- ladung zur Gewerkschaftskonferenz in Kristiania erhielt. richtete eS an alle nationalen Sekretariate ein Schreiben, worin eS die Forderung stellte, daß die Konferenz den Beschluß von Amsterdam— die Absetzung der genannten Gegenstände von der Tagesordnung betreffend— annulliere. An der Konferenz nahm die Konföderation nicht teil. Die Konferenz von Kristiania b e st ä t i g t e den Amsterdamer Beschluß.— DaS Konföderalions- komilee kritisiert diese Entscheidung, der eS die Tendenz zuschreibt, die Gewerkschaftsaktion unter die Herrschaft der politischen Kongresse der sozialistischen Parteien zu bringen und der französischen Arbeiterklasse— unter dem Vorgeben, jede Diskussion über Tendenzen und Taktik auszuscheiden, eine Tendenz und eine Taktik vorzuschreiben. Trotz der Nichtteilnahme an den Gewerlschaftskonserenzen hat daS KonföderationSkomitce die Beitragszahlungen an das internatio- nale Sekretariat fortgesetzt. Der Bericht über diesen Punkt spricht schließlich den Wunsch auS, daß an die Stelle der internationalen Gewerkschafts k o n f e r e n z e n„wirkliche interkorporative und internationale Kongresse" treten möchten. Der allgemeine Bericht des Komitees gibt einen Ueberblick über den Kamps der Bourgeoisregierung gegen die Arbeiterklasse, über die Schlächtereien und die gerichtlichen Verfolgungen, sowie über die arbeiterfeindlichen Aktionen der Unternehmer. Vermerkt sei die Hervorhebung der s o z i a l e n R e f o r m e n, die die Arbeiterschaft zu verteidigen batte. Im Bericht über den Pariser General- st r e i k v e r s u ch ist die Behauptung, daß die Arbeitseinstellung„in fast allen Industrien bedeutend" gewesen sei, wohl geeignet, Kopf« schütteln hervorzurufen. Der Finanzbericht der Kommission für den Achtstundentag und den General st reik gibt folgende Ziffern: Einnahmen in der Zeit voin 20. Februar 1907 bis 30. Juni 1008 6034,95 Fr., Ausgaben 4443,80 Fr. Die Einnahmen rühren größtenteils aus festen Beiträgen der Organisationen her. Der Streikfonds nahm in 25 Monaten 22 766 Fr. ein. die Ausgaben beliefen sich auf 23 327 Fr. Die A g i t a t i o n S k a s s e verzeichnet 6189 Fr. an Ein- nahmen, 4993 an Ausgaben. Em der fraucnbewcgimg« Gesetzliche Versorgung der Witwen und ihrer Kinder. Die dänischen kommunalen Hilfskassen, die Notleidende unter- stützen, ohne daß diese irgendwelche Einbuße an ihren Gemeinde- und Staatsbürgerrechten erleiden, werden neben ihrer eigentlichen segensreichen Tätigkeit auch einen immer stärkeren Einfluß auf die soziale Gesetzgebung Dänemarks gewinnen, namentlich nachdem zu der Kassenverwaltung das allgemeine gleiche Wahlrecht für die Frauen wie für die Männer durchgeführt ist. Wenn es früher meist wohlhabende Bürger und Bauern waren, die über die Mittel der Freien Hilfskassen verfügten, die Notleidenden sich oft, namentlich aus dem Lande, an ihre eigenen Arbeitgeber wenden mußten, um in ihrer nicht selten durch erbärmliche Löhne ver- ursachten bedrängten Lage Hilfe zu erhalten, die Kaffenvorsteher 'elbst aber nur zu oft ein parteipolitisches Interesse daran hatten, sie an die Armenkasse zu verweisen, so können sich die Proletarier nun, soweit sie von ihrem Wahlrecht den rechten Gebrauch gemacht haben, an ihre eigenen Klassengenossen wenden, und Frauen, Wisiven mit hungernden Kindern finden in den Kassenvorständen Geschlechtsgenossinnen, die ihre Notlage viel besser beurteilen können als Männer, die selbst nie gedarbt und gehungert haben. Rund 2600 Frauen haben nun Sitz und Stimme in den Vorständen dieser Kasse, und daneben hat natürlich auch die Partei der Armen und Enterbten, die Sozialdemokratie, einen sehr starken Einfluß aus einen großen Teil der Kassen gewonnen. Wie sehr die Verwaltungen der Hilfskassen, wenigstens der städtischen, sich mehr und mehr ihrer sozialen Aufgaben bewußt werden, zeigte sich deutlich aus einem Kongreß, der dieser Tage in Kopenhagen stattfand. Hier waren 160 Männer und Frauen als Vertreter der Hilfskassen der dänischen Städte versammelt und sie forderten vor allem eine gesetzlich geregelte Witw ender forgu n g, frei von den Folgen der Armenunter- stützung. Hierzu sprach zunächst eine Aerztin, Frau Harbou Hoff. Sie hatte in Kopenhagen eine Untersuchung über die wirtschaftliche Lage der Witwen und anderen Arbeiterinnen ver- anstaltet und war. dadurch zu der Ueberzeugung gekommen» daß Staatshilfe unbedingt notwendig sek. Fabrikarbeiterinnen, die ein besonderes Fach gelernt haben, sagte sie. verdienen 12 bis 14 Kronen die Woche, einzelne 16 bis 18 Kronen; die ungelernten Arbeiterinnen zirka 12 Kronen. Wasch- und Aufwartefrauen ver- dienen nur 8 bis 12, die am allerbesten gestellten 15 Kronen die Woche. Aber im Sommer haben sie mit einer arbeitslosen Zeit zu rechnen. Die Näherinnen verdienen größtenteils nur 8 bis 10 Kronen die Woche, die am besten gestellten 14 bis 16; doch gibt es auch viele Näherinnen, die es nur auf 3 bis 4 Kronen die Woche bringen. So schlecht werden die Frauen im allgemeinen entlohnt! Aber die Witwen sind doppelt unglücklich gestellt, wenn der Mann plötzlich gestorben ist und sie kein Gewerbe gelernt haben. Im Jahre 1907 zählte man in Kopenhagen 8300 Witwen von unter 66 Jahren, also in Altersstufen, wo sie Kinder zu versorgen haben. Diese Frauen leben im Elend. Oft wohnt die Mutter mit 6 bis 6 Kindern in einer einzigen Stube. Viele Witwen mit 3 bis 4 Kindern verdienen kaum eine Krone den Tag, und dazu kommt die arbeitslose Zeit, wo sie gar nichts verdienen. Der sozialdemokratische Folkethingsmann S a b r o e sagte, daß an die Erziehungsanstalten jetzt durchschnittlich 800 Kronen für ein Kind pro Jahr gezahlt werden. Wenn Staat und Kommunen ge- nieinsam arbeiten, könnte man den armen Kindern weit besser helfen und gleichwohl billiger davonkommen. Jene Anstalten sind meist Unternehmen der Inneren Mission, und oft ist es vor- gekommen, daß die Kinder dort hungern mußten und noch dazu mrßhandelt wurden.— Der Verband der Hilfskasscn hat eine Um- frage veranstaltet. Die Antworten ergaben, daß 23 Städte an 1420 Witwen mit 1700 Kindern rund 200 000 Kronen Armen- Unterstützung verteilten. In ganz Dänemark gibt es rund 116 000 Witwen, unter ihnen 80— 90 000 unbemittelte, die einen schweren Kampf ums Dasein führen. Unser Genosse verlangte, vom Staat müßten für die Hilfskassen ausreichende Mittel, mindestens eine Million Kronen, gefordert werden. Wenn wir. sagte er, solchen Staatszuschuß erhalten, so verfügen wir über 3 Millionen und wir können dann zu den Kommunen sagen: Kommt nun mit euren Witwen zu unS!— In demselben Sinne äußerten sich viele andere Delegierten. Einstimmig wurde ein Gesuch an Regierung und Reichstag beschlossen, worin grundsätzlich ein Gesetz verlangt wird, das allen bedürftigen, vaterlosen Kindern eine bestimmte Summe pro Jahr sichert, die an die Mutter auszuzahlen ist, und zwar ohne daß das Armenwesen dazwischen tritt. Solange ein solches Gesetz nicht besteht, sollen den Hilfskassen außerordentliche Mittel zur Verfügung gestellt werden, um den Bedürftigen vor- läufig zu helfen.— Es wäre selbstverständlich verfehlt, wollte man aus dem, was auf diesem Kongreß gesagt wurde, schließen, daß in Dänemark ein besonderes, in anderen Ländern, etwa in Deutschland, nicht vor- handenes Elend der Witwen und ihrer Kinder herrschte. Der Unterschied ist vielmehr nur der, daß dort, dank der nun demo- kratisch verwalteten Institution der Hilfskassen, der Jammerschrei der Witwen nicht mehr ungehört verhallt. Leseabende. Vierter Kreis. Donnerstag, den 8. Oktober, 8,/2 Uhr, Bei Röhn. Zorn- dorfer Straße 8. 6. Kreis, 8. Abteilung. Freitag, den 9. September, abends 8Va Uhr: Leseabend bei Kirschkowsky, Bcusselstr. 9. Mariendorf. Freitagabend 3 Uhr, bei Löwenhagen(früher Reichardt) Chausseestr. 27; Leseabend. Versammlungen. Eine öffentliche Versammlung ber Hausdiener, Packer, Drei» radfahrcr, Fahrstuhlführer usw. tagte am 22. September im großen Saal von Keller, Köpenicker Straße 96-97. Dieselbe war von der Verwaltung I des Deutschen Transportarbciterverbandes cinbc- rufen und galt als die Fortsetzung einer am 8. September von der Packer- und Geschäftsdiencrvereinigung 1967 einberufenen. Der Referent Otto Schulzki sprach über da» Thema: Welche Or- ganisation ist für die Hausdiener, Packer usw. die zweckmäßigste. Die in großer Zahl Erschienenen lauschten den sachlichen Aus- führungen des Referenten. Derselbe beleuchtete in großen Zügen Verhältnis ist mit den durch die Kapitalskonzentration erstandenen Verhältnis ist mit der durch die Kapitalskonzeniration erstandenen großen Waren- und Kauchäusern gänzlich beseitigt. Nur eins ist noch erhalten geblieben: die überaus lange Arbeitszeit, miserable Entlohnung und die menschenunwürdige Behandlung. Die Hunde- demut ist»och vielfach dasjenige, was als etwas Selbstverständliches vom Hausdiener verlangt wird. Diesen Zuständen ein Ziel zu setzen, hat der Deutsche Transportarbeitervcrband als seine Haupt- aufgäbe betrachtet. Unzählige Stunden an Arbeitszeitverkürzung, tausende Mark an Mehrlohn usw. ist durch das Vorgehen der Organisation errungen worden. Selbstverständlich haben wir auch Niederlagen crlittem Das lag aber nur daran, daß das Heer derjenigen, die wohl mitcrnten aber nicht mitsäcn wollen noch ganz bedeutend war. Eine Kampforganisation muß natürlicher- weise auch damit rechnen, daß nicht alle Kämpfe gewonnen werden. Eine Organisation, die Niederlagen nicht ertragen kann, ist nicht wert, Siege zu erringen. Sollen auch die Verhältnisse im Handels- gewerbe andere, bessere werden, dann wird eS Aufgabe der Kol- legen sein, sich nicht gegenseitig zu bekämpfen, sondern das Unter- nchmertum als diejenigen zu betrachten, die ein Interesse daran haben, den Handelsarbeiter niederzuhalten. Nur durch gemein- sames Vorgehen gegen den gemeinsamen Feind— das Unternehmertum— kann Verbesserung erreicht werden. In der nachfolgenden Dislussion entwickelte ein Kollege von der Packer- und Geschäftsdiencrvereinigung 1907 seinen Stand- Punkt dahin, daß die Freizügigkeit eigentlich aufgehoben werden mühte, da gerade durch die gelernten Arbeiter den Hausdienern die größte Konkurrenz gemacht würde. Von einem Mitgliede des Transportarbeiterverbandes wurde der Packcrvcrcinigung nachge- wiesen, daß ihr Statut einen Passus enthält, welches demjenigen des gelben Vereins der Seidel u. Naumannschcn Fabrik in Dresden wie ein Ei dem anderen gleicht. Ferner sind in der ersten Zeit des Bestehens der Vereinigung große Artikel im„Bund", dem Organ der gelben Gewerkschaften erschienen, in welchen eine große Freude darüber ausgedrückt wurde, daß durch die Gründung neue Kämpfer für die gelbe unabhängige Gewerkschaftsbewegung er- standen seien. Außerdem hat man sich nicht gescheut, seinen Ar- beitsnachweis im„Bund" zu inserieren. Da» ist dann auf die er- folgte Kritik durch die Anhänger des Transporarbeiterverbandes unterblieben. Ein merkwürdiger Herr scheint ein Mitglied der Packcrvercinigung namens Karl Schmidt zu sein, derselbe war früher Mitglied deS 4. Berliner ReichStagSwahlkreiscS; ob er heute noch Mitglied ist, kann nicht behauptet werden. Derselbe meinte, einmal sei ein Anschluß an den Deutschen Transportarbeiter- verband erfolgt, sollte jedoch noch einmal von einem Kollegen dazu der Versuch gemacht werden, so würde er demselben den Schädel einschlagen! Jedenfalls scheint dieser Menschenfreund an die UebcrzeugungSkraft seiner Ideen selbst wenig zu glauben, wenn er zu solch„harmlosen" Mitteln seine Zuflucht nehmen zu müssen glaubt. Den Rednern aus den Reihen der Berbandsmitglieder gelang es leicht, daS Gebaren des Herrn ins rechte Licht zu rücken. Ueberzeugend wurde darauf hingewiesen, daß selbst in den Reihen der Handlungsgehilfenverbände der Drang zum Zusammenschluß lich bemerkbar macht, wenn man auch eine Verbindung der Deutsch- nationalen mit dem Leipziger Verband nicht als vorbildlich an- 'ehcn könne. Tie Hausdiener sind jedöch weit rückständiger, m Berlin selbst existieren nahezu ein Dutzend Vereine und Vercinchen, die alle vorgeben, die Lage der HandelShilfsarbeiter verbessern zu wollen, auf Grund ihrer numerischen Stärke— die Hirsche zählen ganze 10 inännliche Mitglieder— niemals dazu kommen werden. Da die Zeit schon weit vorgerückt war, wurde die Versammlung auf Beschluß vertagt. Es waren noch 18 Redner eingezeichnet. In kurzer Zeit soll eine weitere Versammlung stattfinden, in welcher die Diskussion unter Benutzung der alten Rednerliste fortgesetzt werden(oll. 228ASTE Passage Kaufhaus Friedrich- Strasse 110-111-112. ИГРАЯТЕ ИЗТИАЛО 20 BERLIN Oranienburgerstr. 54-55-56-56a Vereinigung erstklassiger Spezialgeschäfte Kolonialwaren in Stücken.. Gruppe 80 Lebensmittel Kochzucker.... Pfa. 19 Pt. Einmach- Zucker in ganz. Broten Pfd. 21 Pt. Pfd. 23 Pt. Rangoon- Reis. Pro. 17 Pl, 5 Pro. 80 Pt. Java- Reis I... Pro. 23 Pf., 5 Pfo. 1.10 Java- Reis 00... Pro. 28 Pf., 5 Pro. 1.35 Riesen- Java- Reis Pio. 34 Pf., 5 Pf. 1.65 Neue Hülsenfrüchte Viktoria- Riesen- Erbsen Pfund 16 PL Kleine Kocherbsen.... Pfund 14 PL. Enthülste Riesenerbsen.. Pfund 21 PL Linsen.... Pfund 14 Pt., 5 Pfund 65 Pt Linsen, gross Pfund 23 Pt., 5 Pfund 1.10 Pfund 28 Pt., 5 Pfund 1.35 Linsen, extra . . · gross Musäpfel..... Obst 5 Pfund 45 Pt. Tafeläpfel.. ..... 5 Pfund 60, 75, 90 Pt. Schmorbirnen.... Tafelbirnen 5 Pfund 65 Pt. 5 Pfund 1.10 Tomaten.......... Pfund 9 Pt. Pa. Speise- Kartoffeln 50 Pfund.. 1.15 10 Pfund... 25 PL. 25 Pfund... 60 Pt. 100 Pfund.. 2.25 III. Stock Unsere Lebensmittel- Abteilung steht nach dem Ausspruch erster Fachleute unübertroffen da; sie umfasst das gesamte III. Stockwerk und ist eine Sehenswürdigkeit für sich. Beachtenswert ist, dass viele Warengattungen, darunter Fleisch, Kartoffeln, Früchte, Gemüse zu wirklichen Engros- Marktpreisen abgegeben werden. Der Versand erfolgt in besonders ausgestatteten Kühlwagen, und zwar ständig viermal täglich Telephonische Bestellungen werden vermittels der Zentrale prompt ausgeführt 40 direkte Amts- Leitungen Amt III 9000-9039 Wegen des grossen Andranges in den Nachmittagstunden empfiehlt sich zum sorgfältigen Einkauf der Besuch am Vormittag. Edelkrebse.::. 15 Stück 75 PL. 1.25, 1.75 Grosse Oderkrebse... 15 Stück 2.50 Fleischerei Gruppe 90 Fr. Schweineschinken.... 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Riesen- Bruchspargel % Dose 1.35,% Dose 73 Pf. Gebrannter Kaffee Mischung || III ohne Bruchspargel göpfe/ Dose 65 Pf. Kohlrabi ¼ Dose 28 Pf. Teltow. Rübchen, Dose 68 Pf. Spinat Dose 40 Pf. Pfefferlinge 1 Dose 45 Pf. Rote Rüben Dose 38, 2 Dose 24 Pr. Saure Kirschen ohne Steine Dose 95,% Dose 53 Pf. Saure Kirschen mit Steinen Dose 65,% Dose 38 Pf. Mirabellen Dose 68, Dose 40 Pf. Dose 85,% Dose 48 Pf. Reineclauden Aprikosen Pfirsiche Dose 1.20,% Dose 65 Pl. Dose 1.30,% Dose 70 Pf. Johannisbeeren % Dose 68,% Dose 40 Pf. Stachelbeeren Dose 65,% Dose 38 Pl. Dose 58 Pl. Heidelbeeren Preisselbeeren Dose 70 Pf./ Dose 1.35,%, Dose 3.30 1 Dose 52- pf. extrastark 1.50, Dose 80 Pf. Junge Schoten II Stangenspargel/ Dose extraBruchspargel tark Erdbeeren ½ 65 Pf. Dose 1.20, Dose ¼ Dose 85, 1/2 Dose 50 Pf. 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Teewurst( weiche Zervelatwurst) Pfd. 1.20 Mk. Viktoria- Erbsen Kleine Erbsen Pfd. 17 Pf. Pfd. 16 Pf. Glasierte Erbsen el 23 Pl. Glasierte Erbsen 25 Pf. Pfd, 19 Pr. Pfd. Pfd. Grüne Erbsen Pfd. 16 Pf. Grosse Linsen Pld. 28 Pl. Jagdwurst Pfund 90 Pf. Mittel Linsen Pfd. 20 Pf. Landschinken Pfund 1.10 Mk. Maus- Schinken 2-3 Pf 2-3 Pfd. Pfund 1.10 Mk. leicht gefärbt, stark und fein, Paket ca. 1 Pfund 34 PL. Schinkenspeck 1 Pfund Mk. 42 Pi Gänsebrust Pfund Pfund 63 Pf Brathühner Rangoon- Reis Pid. 17, 20 Pl. Java- Reis Pfd. 25, 30, 38 Pf. Deutsche Makkaroni Italienische Makkaroni leicht gefärbt, stark und fein, Paket ca. 1 Pfund Gänse Enten 2.25, 2.85 1.50 Mk. Pfund 1.20, 1.30 Eier- Handschnitt- Nudeln Extra fein, Paket ca. 1 Pfund 60 Pf. Handschnitt- Nudeln ungefärbt, Paket ca. 1 Pfund 42 Pl. Handschnitt- Nudeln Paket ca. 1 Pfund 36 Pl. leicht gefärbt, Eier- Faden- Nudeln Extra fein, Paket ca. 1 Pfund 60 Pl. Faden- Nudeln ungefärbt, 42 Pl. Pfd. Pr. Faden- Nudeln leicht gefärbt 28 PL. Eier- Band- Nudeln Extra feln, Paket ca. 1 Pfund 60 Pf. 42 P Band- Nudeln gefärbt, Paket ca. 1 Pfd. Kalifornische- Aprikosen Ital. Prünellen 95 P Pfund 60, 75 Pf. Pfd. 65 Pf. 95 Pl., 1.35 Suppenhühner 1.65, 1.95 Ananas Pfund 78 Pt. Bananen 3 Stück 10 P. Maronen Pfund 14 Pt. PHOTOGRAPHISCHE ATELIERS PHOTO ORIGINAL- AUFNAHMEN- VERGRÖSSERUNGEN- REPRODUKTIONEN. W Besonderes KÜNSTLERISCHE AUFNAHMEN. Atelier für . KUNST KOHLE- U. PLATINBILDER AQUARELLE. Aufnahmen bis 8 Uhr abends. Rand gesetzl. geschützt. Berantivortlicher Redakteur: Georg Davidsohn, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. *.236. 25 2. Dtilkge öes Jorniärtö" Kerliner Polfolilfttt. s«»M.8.A>.b»M8. Berliner JSacbrichtem Ein beleidigter Armcnpfleger. Ueber Beleidigung von Armenpflegern haben die Gerichte nicht «elten zu urteilen. Manche der Herren, die in den Armenlommissioncn tätig sind, machen zwar recht wenig Umstände mit den Armen und ballen ihnen gegenüber jede Grobheit für zulässig. Sie selber aber sind sehr empfindlich und fühlen sich rasch beleidigt, wenn nial ein Hilfesuchender, der auch ein bißchen Rückgrat hat, auf einen groben Klotz einen groben Keil setzt. Da wird dann über solche Unbot- Mäßigkeit schleunigst an die Armendirektion berichtet, und der Armen- Pfleger erhält die Genugtuung, den Beleidiger auf die Anklagebank geschleppt und zu harter Strafe verurteilt zu sehen. Auch der Kaufmann Ernst Schmeißer lHutten- straße 7). der zu den Mitgliedern der 196 D. Armenkoimnission gehört, hatte wegen einer Beleidigung, die ihm in Ausübung seines Amtes durch eine Frau H. zugefügt sein sollte, sofort an die Armen- direktion berichtet und dadurch bewirkt, daß Frau H. auf die An- klagebank kani. Am Mittwoch stand Frau H. vor dem Schöffengericht und hatte sich zu verantworten aus die Anklage, den Herrn Armen- Pfleger einen„dummen, gemeinen Hund" genannt zu haben. Zwar kann man diesmal nicht sagen, daß diese ja Zweifel- loS beleidigende Aeußerung durch Grobheit provoziert worden sei. Aber den Anlaß hat doch auch hier wieder ein durchaus unangemessenes Verhalten des Armenpflegers abgegeben. Herr Schmeißer, der als Zeuge gegen Frau H. auftrat, gab von der ganzen Angelegenheit eine Darstellung, die dem Stadtrat Münsterberg, dem Ches des ArmenwesenS, zur Beachtung dringend empfohlen werden muß. Schm. hatte, so bekundete er selber vor Gericht, eines Tages den Auftrag erhalten, zu recherchieren wegen noch zu be- zahlender Krankenhauskosten, die durch Verpflegung ein KindeS der Frau H. entstanden sein sollten. Er habe de» Vater der Frau H. angetroffen und von diesem erfahren, daß hier ein Irrtum vorliege, da kein Kind der Frau H. im Krankenhause gewesen sei. Bei dieser Gelegenheit habe er sich überzeugt, daß die Familie in dürftigen Verhältnissen lebt, und daß bei ihr(so drückte er sich als Zeuge aus)„doch nichts zu holen sein würde." Infolge- dessen sei für ihn„die Sache erledigt" gewesen, und er habe darüber seinen Bericht an Stadtrat Münsterberg gemacht. Ob er über- Haupt ein Recht zu dem Versuch, bei der Familie„etwas zu holen", gehabt habe, das scheint ihm gleichgültig gewesen zu sein. Wenigstens sagte er vor Gericht nicht, daß er im Hinblick auf den Protest des BalcrS Schritte getan hätte, dem Irrtum nachzuforschen. Man erfuhr nicht mal, ob er über diesen Punkt mit an die Armendireklion berichtet hatte. Am anderen Tage sei nun, so bekundete er weiter, der Vater zu ihm gekommen und habe ihm„eine furchtbare Szene gemacht". Er, der Herr Schmeißer, habe ihn zu beruhigen gesucht: „Die Sache ist ja erledigt, seien Sie doch troh, daß Sie nichts zu bezahlen brauchen." Der Mann habe sich aber nicht beruhigen lassen wollen und sei erst gegangen, als er ihm sagte:„Machen Sie, daß Sie rauskommen I" Am nächst folgenden Tage sei auch noch Frau H. gekommen, um ihm Vorhaltungen zu machen. Auch sie sei nicht zu beruhigen gewesen obwohl er ihr sagte:„Sle haben doch nicht« zu zahlen", und er habe sie schließlich energisch hinauSwcisen müssen. Jetzt sei fie zwar gegangen, aber auf der Straße sei sie vor seinem Schaufenster stehen geblieben und habe aus die Stirn zeigend mehrfach gerufen: „Na so'n dummer, gemeiner Hundl" Die Angeklagte bestritt, diese Aeußerung getan zu haben, doch sprach gegen sie das Zeugnis auch eines Angestellten des Herrn Schm. Dieser Angestellte bekundete übrigens noch. Herr Schm. habe Frau H.'S Ersuchen um Aufklärung zurückgewiesen mit den Worten:„Wenn Sie bezahlen wollen, werdeich Aufklärung geben, eher nicht." Dem Zangen Schm. suchte Rechtsanwalt Theodor Liebknecht, der der Frau H. als Verteidiger zur Seite stand, klar zu machen, daß mit einer„Niederschlagung" keineswegs„die Sache erledigt" sein konnte, daß vielmehr Frau H. ein Recht hatte, volle Aufklärung de« Irrtums zu fordern. Herr Schm. begriff's nicht und blieb dabei, er habe doch sofort sich gesagt, daß auf die Bedürftigkeit der Familie Rücksicht genommen werden müsie. Der Amtsanwalt fand, Herr Schur, sei der Frau H.„ruhig entgegengekommen", darum sei die Beleidigung mit einer Geldstrafe von 50 M.(event. 10 Tagen Haft) zu sühnen. Rechtsanwalr Liebknecht bezeichnete dieses Strafmaß als horrend schon mir Rücksicht auf die Bedürftigkeit der Fanrilie, die ja von Herrn Schm. selber bekundet worden sei. Herr Schm. habe nicht ein„ruhiges Entgegenkommen" bewiesen, sondern durch seine ablehnende Haltung den ganzen Auftritt pro- doziert. Er habe wissen müssen, daß der Familie mit bloßer „Niederschlagung" nicht gedient war, weil fie dann als„unterstützt" gegolten hätte, so daß unter Umständen auch ein WahlrechtZverlust hätte eintreten können. DaS Urteil loatel, die Beleidigung sei mit einer Geldstrafe von 10 Mark (eventuell 2 Tagen Haft) hinreichend gesühnt. DaS Gericht war den Ausführungen des Verteidigers beigetreten und erkannte an, daß Frau H. Aufklärung des Irrtums fordern durfte, daß aber Herr Schm. abgelehnt und sie dadurch gereizt hatte. Stadlrat Münsterberg sollte, wie gesagt, sich diese An- gekegenheit einmal näher ansehen. Hat der Armenpfleger Herr Schm. in seinem Bericht mitgetellt, warum Frau H. ihn einen „duinmen, gemeinen Hund" genannt halte? Hat Herr Mllnsterberg, falls der Grund ihm nicht mitgeteilt worden war. sich die Mühe gemacht, danach zu forschen? Hätte er das getan, so wäre es unseres ErachtenS richtiger gewesen, die Anzeige zu unter- lassen. Wie war eS übrigens möglich, daß der erwähnte Irrtum überhaupt in die Akten hineingelangen konnte? Und wie sollen wir eS verstehen, daß ein Armenpfleger einen so folgenschweren Irrtum einfach durch„Niederschlagung" erledigen zu dürfen glaubt? Ueber die Berliner BcrkehrSverhSltnisse für den Monat August siegen folgende Daten vor: Befördert wurden durch die Straßen- bahnen 40 209 343(33 796 607) Personen, davon kamen 32 359 010 (31 729 390) auf die Große Berliner Straßenbahn, durch die Hoch- und Untergrundbahnen(einschließlich Spreeiunnelbahn) 8 353 685 (3 153 275)/ aus den Oinnibuslinien mit Pferdebetrieb 9 194 947 (10 607 970) Personen, davon zu b Pf. 7 283 709(8 949 863), zu 10 Pf.(einschließlich der Abonnenten usw.) 1 911 233(1 658 107). Ferner wurden durch die Kraslomnibusliniea 1 903 353(1 282 610) Personen befördert. Die eingeklammerten Ziffern beziehen stch auf den gleichen Monat des Vorjahres. Unter den Deputationen, die bei der Leichenfeier TutzauerS anwesend waren, befanden sich unter anderen, wie wir noch gern nach- tragen wollen, auch Vertreter der Berliner Gcwerkjchaftskoinmission. Auch die Stadtverordnetenversammlung hatte sich offiziell vertreten l lasten durch die Genosten Zubeil und Ewald; für den Berliner (Magistrat war Stadtrat Buchow erschienen. Für die Eltern schwachbeanlagter Kinder beginnt die Zeit der Sorge, sobald die Kinder aus der Schule entlassen werden und die Frage entsteht: Was soll nun aus ihnen werden? Die Stadt Berlin bemüht sich seit einigen Jahren, diesen Eltern die Sorge um ihre Kinder etwas zu erleichtern und zwar dadurch, daß sie für die schwachbeanlagten schulentlassenen Jünglinge und Mädchen cind be- sondere Fortbildungsschule einrichtete. Diese städtische Fortbildungs- schule für schwachbeanlagte Jünglinge und Mädchen(Brunnen- straße 186, zweiter Hof, Schulhaus, Nähe de? Nosenthaler Tores) beginnt am 3. Oktober das Winterhalbjahr. Für die Knaben ist Fachzeichnen. Metall-, Tischler- und Buchbindcrarbcit, für die Mädchen weibliche Handarbeit und auch Hauswirtschaft in der neu eröffneten Küche eingerichtet worden. Außerdem wird in Deutsch und Rechnen Unterricht erteilt. Der gesamte Unterrichtsstoff ist auf das Praktische gerichtet. Jede Klasse vereinigt nur wenige Schüler, so daß sich die Lehrkräfte jedem einzelnen Schüler und jeder Schülerin eingehend widmen und sie ihren Eigenarten entsprechend behandeln köimen. Der Unterricht für Jünglinge findet Montags und Donnerstags von 5—8 Uhr, der für Mädchen Dienstags und Freitags von 4—3 Uhr statt. Die Teilnahme an sämtlichen Fächern ist unentgeltlich. Anmeldungen werden täglich von dem Leiter der Schule, Rektor A. Fuchs, Brunnenstr. 186, Schulhaus, angenommen. Ein unglaublicher Borgang ereignete sich in der Frühe deS Mon- tag im Hause Zechlinerstr. 2. Dort war aus bis jetzt noch un- aufgeklärter Weise eine etwa 60jährige Frau eingedrungen und hatte sich auf. dem Flur des Hauses mit Lhsol vergiftet. Um 1 oder 2 Uhr morgens wurde die Unglückliche von Hausbewohnern aufgefunden. DaS Unverständlichste kommt nun. Die Frau, die sich in Krämpfen wand, blieb stundenlang liegen. Ein Arzt, der geholt wurde, pumpte ihr im HauSfiur dcn Magen aus. Die Frau verschied und blieb bis'/ß Uhr nachmittags in dem Flur als Leiche liegen, ohne nur zu- gedeckt zu werden. Viele Personen, darunter Kinder in großer Anzahl, umstanden in dieser langen Zeit die Tote. Und die«, ob- gleich Polizeibeamte kamen und gingen. Auch die Unfallstelle soll versagt haben, angeblich, weil der Wagen ander- weitig gebraucht wurde. Der Polizeibericht meldet von alledem natürlich nichts. Kurz und lakonisch besagt er: Im Torwege des Hauses Zechlinerstr. 2 wurde in der Nacht gegen 12'/, Uhr von der Porliersfrau eine 55 bis 60 Jahre alte Frau in.schwerkrankem Zustande aufgefunden. Nachdem man vergeblich versucht hatte, die Unbekannte zum Be- wußtscin zu bringen, rief man einen Arzt herbei, der aber nur noch den Tod feststellen konnte. Die Leiche wurde nach dem Schauhause geschafft._ Für 235 000 Mark Speisen auf den Müllhaufen. In einer Notiz über die Kochkunstausstellung heißt eS in hiesigen Blättern: „Die gegenwärtig in der„Neuen Welt" stattfindende Zweite Große Gastwirts- und Kochkunstausstellimg hat bekanntlich mit dem Prinzip gebrochen, die einmal zur Ausstellung gebrachten Kochkunst- gegenstände bis zur Verwesung liegen zu lasten, vielmehr werden die Objekte abgeräumt, sobald sich der geringste Zerstörungsprozeß zeigt. Wenn einerseits dadurch dauernd ein appetitlicher Geruch vorbanden ist, so hat es andererseits zur Folge gehabt, daß bis jetzt schon für 235 000 Mark der delikatesten Kochkunstobjekte auf den Müllhausen geworfen sind." Die Notiz ist offenbar nur der Reklame wegen geschrieben und man hat alle Ursache, an dcn einzelnen Angaben sehr zu zweifeln. Wenn aber auch nur die Hälfte an den Mitteilungen über die Kosten der angeblich auf den Miillhausen gewandenen Kochkunslobjekte wahr sein sollte, so werfen sie ein recht sonderbares Licht auf unsere heutigen Zustände. Für Tausende von Mark werden Lebensmittel auf den Müll- Haufen geworfen, während Zehnlausende von Personen kaum ein Stück trocken Brot haben._ Blusen, die verpfuscht sein sollten. Unser Bericht in Nr. 231 über die Ge Werbegerichtsverhandlung, in der der Bluse nkonfektionär Honig von einer Witwe P. für 39 angeblich verpfuschte Blusen 117 M. Schadenersatz forderte, ist durch einen Druckfehler entstellt worden. Herr Honig bequemte sich zu dem Vergleich, seinen Schadenersatzanspruch auszugeben und die Blusen ungeändert(nicht: umgeändert) zurückzunehmen. Der Fuß über dem Knöchel abgefahren wurde gestern abend zwischen 6—7 Uhr einer älteren Frau an der Oranienbrücke. Ein Mörtelwagen hat das Unglück angerichtet. Die verunglückte wurde nach dem Urbankrankenhause geschafft. Der Kreuzdamm Stargardrr Straße— Prenzlauer Allee(westlicher Damm) wird behufs Umpflastcrung vom 7. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerks und Reiter gesperrt. Im Luisen-Theater gelangt heute„Freiheit", politisches Schau- spiel in vier Auszügen von Karl Böttcher, zum ersten Male zur Auf- führung. DaS Passage-Theater bemüht sich, den übrigen größeren Variötä bühnen Koulurrenz zu bieten. Unter den Darbietungen, die das Okroberprogramm bringt, befinden sich einige Zugstücke, die sehr wohl als erstklassig angesprochen zu werden verdienen. Da ist eine Vortrags- lünstlerin Lene Land, die gelungene Parodien zum besten giebt. Große Ansprüche an die Lachmuskeln der Zuhörer stellte die Parodie einer spießbürgerlichen Hochzeit. Als ebenbürtiger Partner gesellt sich zu ihr Paul Schneider-Dunker, auch eine Brettlgröße, mit einer Anzahl vorzüglich vorgetragener Lieder. Und dann die chinesticbe Gaullertruppe Tschun-ta-tschen. Mit einer fabelhasten Sicherheit und Gewandtheit arbeiten diese Söhne des Reiches der Mine, die sich als Feuerester, Mesierwerser und Taschenspieler pro- duzieren. Ein kleiner Kerl hat besonders im Gliederverrenken etwas loS. Auch die übrigen Darbietungen konnten sich sehen lasten. Feuerwehrbcricht. Gestern vormittag um 8 Uhr kam ein großer Brand in der Wollaarnfärbcrei und-Wäscherei von Dr. Meyer u. Neumann in der Mühlenstr. 69 und 68z zum Ausbruch. In einem Seitenflügel nach der Spree in einem Trockenraume hatten die Garne Feuer gesangen und in ganz kurzer Zeit stand das Gebäude bis zum Dach m Flammen. Die 2. Kompagnie unter Führung des Brandinspektors Tcubner war bald mit drei Zügen zur Stelle. Mit vier Schlauchleitungen von Dampfspritzen wurde von mehreren Seiten kräftig angegriffen, Dadurch gelang eS. die angrenzenden Ouergebändc und das Vorderhaus wirksam zu schützen. Der Schaden ist erheblich, w?il jetzt gerade zur Saison eine Menge Wollgarne in der Arbeit waren, die stark beschädigt wurden� Der Betrieb soll heute wieder aufgenommen werden. Die 2. Kompagnie hatte serner einen Brand in der Reichen- bergerstratze 88 zu löschen, wo in einer Leistenfabrik Späne u. a. brannten. Betten, Möbel usw. wurden nachts in der Georgenkirch- straße 23 ein Raub der Flammen. Der 20. Zug wurde nach der Scharrnstraße 1 gerufen, wo Preßkohlen und Kisten brannten. In den Zelten 13 und Ziegclstrahe 1 waren Ballen, Schaldecken u. a. in Brand geraten. Außerdem wurde die Feuerwehr nach der Lützowstr. 84z und anderen Stellen gerufen. Arbeiter-Samariter-Kolonne. Heute Donnerstag abends 9 Uhr: Deginn des WinterkursuS in der 3. Abteilung in Schöneberg bei Wieloch, Grunewaldstr. 110, sowie in der 4. Abteilung in Lichtenberg bei Beckmann. Samariterstr. 11. Einleitungsvortrag über Anatomie (Bau des menschlichen Körpers). Der Besuch des ersten Abends steht jedem als Gast frei. Besonders sind auch die Frauen und Mädchen dazu eingeladen. Vorort- acb richten* Tie„unpolitischen" Kriegervercine. DaS LiebeSwerben der Militärvereine, von denen fast an jedem Orte der Provinz einer vorhanden ist, treibt immer üppigere Blüten. So erhielt vor einigen Tagen ein Rixdorfer Genosse, früherer Sanitätsunteroffizier, ein gedrucktes Zirkular des Vereins ehemaliger Lazarettgehilfen der deutschen Armee, durch das er aufgefordert wurde, diesem Verein beizutreten. Neben vielen anderen Ver- günstigungen, die ihm dcn Beitritt geschmackvoller machen sollten, wurde hervorgehoben, daß bei Beerdigungen der Mitglieder Musik oder Quartettgesang gestellt wird, daß die Kameraden bei fünfjähriger Mitgliedschaft ein E h r e n s e i d e l(!) erhallen und daß bei der silbernen Hochzeit den Mitgliedern ein Gedenkblatt durch den Verein gestiltet wird. Ob dieses Gedcnkblatt den 25jährigen Ehe- krieg symbolisch verherrlicht, entzieht sich unserer Kenntnis. Eni- sprechend der politischen Bildung der Mitglieder benutzt der Verein als Publikationsorgan den„Berliner Lolalanzeiger", daS„Deutsche Blatt", die„Morgenpost" und die„Deutschen Nachrichten". Unser Genosse, ein Spaßvogel, machte seinen Eintritt in den Verein davon abhängig, daß man ihm als langjährigen „Vorwärts"- Abonnenten entgegenkommen möchte und die Sitzungen des Vereins im„Vorwärts" veröffentliche, denn er hätte nicht die Mittel, die genannten Zeitungen zu lesen und möchte doch als Sozialdemokrat des Vereines wegen den„Vorwärts" nicht abbestellen. Prompt erfolgte seitens des Vereinsvorsitzenden die Antwort, daß eine Veröffentlichung der Sitzungen von Krieger- vereinen im„Vorwärts" ausgeschlossen sei. Wer aus innerer Ueberzeugung den„Vorwärts" lese, sei Sozialdemokrat und eine Ausnahme von Sozialdemokraten in Krieger- vereine sei ausgeschlossen. Gerade jetzt nach der Entlassung vom Militär wird speziell in der Provinz eine eifrige Agitation für den Eintritt in die Krieger« vereine entfaltet und mancher junge Mann läßt sich verleiten, dem Werben der Kriegervereinler Folge zu leisten. Nach einiger Zeit steht er, daß er durch den Eintritt in den Mllitärverein von seinen Klasscngenosten getrennt wird, daß sür ihn nicht die Möglich- keit besteht, seine gewcrlschaftlichcn und politischen Juteresten zu vertreten. Er muß für diese Lehre den Verlust der bis dahin geleisteten Beiträge im Ltriegerverein auf sich nehmen. Es ist daher jedem Arbeiter, an den die Aufforderung zum Eintritt in einen Militärverein ergeht, zu raten, sich der Antwort des Vorsitzenden des oben erwähnten Kriegervereins zu erinnern. Dann wird er nicht dem Kriegerverein, sondern seiner gewerlschaft- lichen und politischen Organisation beitreten. Charlottcnburg. Die öffentliche Bersaminlüng, welche am Dienstag im Volks« Hause stattfand, war äußerst schwach besucht; nur etwa t50 bis 200 Genossen und Genossinnen hatte» sich eingefunden, obwohl die am lfü. Oktober st a tt f rn d e n d e y K o m m u n a l w a h l en und die Forlsetzung der Diskussion über den Nürnberger Parteitag auf der Tagesordnung standen. Als öffentliche Versammlung mußte sie trotz des neuen sogenannten liberalen Vereins- gesetzes bei der Polizei angemeldet werden, weil ja eine Belannt- machimg im„Vorwärts" von der Behörde als nicht genügend öffentlich angesehen ivird. Die Polizcivcrwaltung hatte— ein Novnm seit dem 15. Mai— zur Ucbcrwachung der Vcrsanimlung zwei umformierte Beamte entsendet,— auch äußerlich zeigt sich so, daß an dem inneren Wesen des Polizeistaales Preußen durch das „liberale" VereinSgeietz nichts geändert ist. Zum ersten Punkt der Tagesordiinng: Die Charlotten» burger Gemeindepolitik, ergriff Genoste Stadtv. Paul Hirsch das Wort. Er zeigte, wie unberechtigt die laute Freude ist, mit welcher die Liberale» das Jubeljahr der ersten preußischen Slädteordnung vom Jahre 1808 feiern. Wie diese Städte- ordnmig nicht ein Werk der Liberalen war. so haben die Liberalen auch nicht verstanden, die in den verflossenen 100 Jahren gemachten Rückschritte aus dem Gebiete der kommunalen Verwaltung aufzuhnlten. Die erste Städteordnung hatte ein all- gemeines Wahlrecht nnt geheimer Abstimmung gegeben— heute haben wir ein Dreiklastenwahlrecht mit öffentlicher Abstimmung; die erste Städteordnung gab Anfänge einer Selbstverwattung— heute ist die Selbstverwaltung vollständig zertrümmert, die Städte dürfen zahlen, zahlen und nochmals zahlen, sind ober bei allen Verwaltungsmaßregeln von der Genehmigung der hohen Regierung abhängig. Dieielbe innere Verlogenheit, welche die Liberalen bei der lauten Freude über die Slädteordnung und die Fortschritte der Selbstverwaltung zeigen, beweisen sie auch in der Gemcindeverwal- tung und bei ihrer� Agitatton zu den Wahlen. In ihren Flug- blättern versprechen sie den Arbeitern Steuerfteiheit der Einkommen bis zu 1200 SK.— nach dem Gesetz ist nur eine solche bis zu 900 M Einkommen erlaubt; sie fordern die Einrichtung einer Wohnungsinipeklion— unser Genoffe Vogel hat da« seit Jahren beantragt und stets ist es von ibnen abgelehnt; fie versprechen die Einführung einer Wertzuwachssteuer— bei den Abstimmungen über unsere dahin gehenden Anträge haben sie dieselben stets n i e d e r g e st i m m t als für Charlottcnburg ungeeignet; sie ver- sprechen unentgeltliche Lernmittel— mit dem Magistrat, der sich dem widersetzt, haben ein Abkommen gettoffen. die Frage aus mehrere Jahre zu vertagen. Ihre Fürsorge für die Aermsten und Elendesten, die sie laut rühmen, zeigt sich in der Ablehnung unserer Anträge zugunsten der Arbeitslosen, in ihrer jahrelangen Ablehnung der Errichtung eines Asyls für Obdachlole. Trotz alledem laufen noch zahlreiche Arbeiter in Charlottenburg hinter ihnen her M'd tausende zeigen überhaupt kein Interesse für die kommunalen und öffentlichen Angelegenheiten. Um so größer ist die Pflicht aller Parteigenossen zur andauernden Agitation unter allen Arbeitskollegen, damit wir auch die Gemeindewablen und die Gemeindeverwaltung gestalten zu einer wuchtigen Waffe im Be- frelungskampfe der Arbeiterklaffe. Eine Diskussion schloß sich an den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag nicht. An der darailf folgenden Debatte über den Nürnberger Parteitag beteiligten sich die Genoffcn U ck o, Dr. Siegsried Rosenfeld, S ch i e m a n n, Dr. B o r ch a r d t und Z i e t s ch. Letzterer legte folgende Resolution vor:„Die Versammlung erklärt sich mit den Beichlüssen deS Nürnberger Parteitages völlig einverstanden." Dr. Rosen selb wollte die Resolution durch ein Amendement ab- geschwächt wissm, wonach der Parteivorstand mit den süddeutschen Parteigenossen hinsichtlich der Budgetbewilligungösrage Verein« barungen treffen solle, ein Gedanke dem Z i e t s ch, und in seinem Schlußwort Zubeil scharf entgegentraten, y, Dr. Borchardt bekämpfte die Resolution, weil die Beschlüste deS Parteitages weder in der Budgetfrage noch in der Maifeierfrage zn billigen seien; die in dieser Frage von Zubeil gegen den Parteivorstand erhobenen Vorwürfe seien ungerechtfertigt. U ck o und S ch i e m a n n traten mit Wärme für die Anerkennung der Beschlüstc des Parteitages ein, U ck o betonte besonders, daß auch die 66 süddeutschen Delegiert« trotz iHrer bekannten Erklärung fich den Beschlüssen des Parteitage? fügen müßten und fügen würden, andernfalls würden sie bald merken, daß nur ein sehr kleiner Teil von Parteigenossen ihnen folgen werde. In seinem Schlußwort legte Genosse Zu b eil noch einmal in kurzen Zügen seinen Ständpunkt dar; Robert Schmidt habe ihm vor- geworfen, er hätte vor acht Tagen der Versammlung falsche Zahlen angegeben. Möglich sei ja, daß er sich in den Zahlen geirrt habe— er habe sich auf die ihm von Holzarbeitern in Nürnberg bei Schmidts Angaben zugerufenen Zahlen verlassen; in der Sache aber habe er gegen Robert Schmidt recht; selbst wenn die von Schmidt angegebenen Zahlen über die Aufwendungen für die Maiausgesperrten richtig seien, so wolle das gegenüber der großen Menge der organisierten Holzarbeiter in Berlin und Um- gegend gar nichts besagen. In der Maifeierfrage müsse er seinen Standpunkt ausrecht erhalten und habe nichts von dem zurück- zunehmen, was er vor acht Tagen gesagt, doch lege er Wert darauf. festzustellen, daß der Bericht über seine Ausführungen in diesem Punkte unvollständig sei; er habe auch dem lebhasten Bedauern darüber Ausdruck gegeben und wiederhole dieses Bedauern, daß der Partei- vorstand einen Antrag eingebracht habe, der abgelehnt werden mußte, denn dadurch müsse das Ansehen des Parteivorstandes geschmälert werden, und das könne keinem alten Parteigenossen gleichgültig sein. Genosse Zubeil schloß mit einem Mahnwort zur Disziplin, namentlich auch an die Gewerkschaftler. Darauf wurde die von Zietsch vorgelegte Resolution gegen 7 Stimmen angenommen. Nachdem der Vorsitzende Zietsch noch auf die Aufführung hin- gewiesen, die am Sonnlag, den 25. Oktober, vorniittagS um 10 Uhr in der Urania in der Taubenstraße stattsinden wird, wurde die Wer- sammlung um'/jl Uhr geschlossen. Rixvorf. Der Wahlverei» hat sich in zwei Versammlungen mit der DiS kussion über den Parteitag beschäftigt. In der ersten Verfamm lung, die am 29. September stattfand, referierte Heinrich Schulz über die Verhandlungen und Beschlüsse des Parteitages. Er führte ungefähr folgendes aus: Die Erledigung der Budgetfrage habe nicht voll befriedigt. Es sei schon auf dem Parteitage und später durch das Nachspiel der Erklärung der 66 deutlich zutage getreten, daß sich hinter der eigentlichen Budgetfrage ernstere Gegensätze bergen. Genosse Maurenbrecher habe kürzlich in einer Wähler- Versammlung in Forst offen ausgesprochen, mit welchen Hinter. gedankcn man sich in den Kreisen, in denen er verkehre, trage. Maurenbrecher habe sich nicht daran genügen lassen, als einfacher Soldat in unseren Reihen von der Picke auf zu dienen; immer mehr trete zutage, warum Naumann seinen ehemaligen Partei- genossen Maurenbrecher von seinen Segenswünschen begleitet in die Sozialdemokratie habe hinüberziehen lassen. Die Budgetbewilligung verstoße gegen unsere grundsätzlichen Anschauungen und gegen Parteitagsbeschlüsse. Die süddeutschen Genossen wären auch rncht plötzlich zu dieser Büdgetbewilligung gekommen, sondern sie hätten sie planmäßig vorbereitet, obwohl sie den Krakeel, wie Segitz sich ausgedrückt habe, vorausgesehen hätten. Wenn der„Vorwärts" deshalb Lärm geschlagen habe, so habe er recht daran getan. JedeS Budget ist das eines kapitalistischen KlassenstaateS. Wenn wir auch in den Parlamenten und Gemeinden mitarbeiten und für Einzel« Positionen der Etats stimmen, so verfolgen wir damit doch nur -den Zweck, diese Organe für uns nutzbar zu machen, unsere Schlagkraft zu erhöhen, um so schnell wie möglich diesen Klassen- staat zu überwinden. Die Ablehnung des Gesamtbudgets ist aber eine Notwendigkeit, gerade um gegenüber aller parlamentarischen Kleinarbeit zu beweisen, daß uns in der entscheidenden Grundfrage eine Welt von bürgerlichen Parteien trennt. Nachdem Genosse Timm die Parteivorstandsresolution als unannehmbar für die Süddeutschen, bezeichnet habe und nun hinterher die Erklärung gefolgt sei mit der nachträglichen Bestätigung durch den bayerischen Landesvorstand, könne man den Frieden von Nürnberg leider nur als einen Scheinfrieden bewerten. Würde es lediglich mit der Er- klärung sein Bewenden haben, so könnte man sich zufrieden geben. syyte allerdings hie Drohung der Süddeutschen in die Tat umgesetzt werden, so müsse unerbittlich gehandelt werden. Zweierlei Sozial- ' demokraten, süddeutsche und norddeutsche, könne eS nicht geben, die höchste Instanz für die einheitliche Partei sei der Parteitag. Nachdem die Parteivorstandsresolution angenommen sei, müsse man sich allerorts der aktbewährten Disziplin fügen. Von Kadaver- gehorsam könne man dabei nicht sprechen, der gelte wohl für den Militarismus, zu dem man wider Willen gezwungen wird und der keine eigene Meinung gelten lasse, in der Partei sollte man mit solchen Schlagwörtern nicht operieren. Die Partei zwinge keinen. zu ihr zu kommen und sie zwinge keinen, bei ihr zu bleiben; wer ihr aber freiwillig beitrete, müsse sich auch ihren Gesetzen unterordnen. DaS fei bei einer Kampfpartei micrläßliche Pflicht. In bczug auf die Neuregelung der Parteiorganisation streift. Redner das Reichsvereinsgesetz und begrüßt es, daß die Frauen durch das Gesetz in den Stand gesetzt sind, in die politische Organisation als Gleichberechtigte einzutreten. Sonderorganisationen seien nicht ge- stattet, aber zur theoretischen und praktischen Schulung der Frauen könnten besondere Vereinszirkel veranstaltet werden. In der Frage dcr Jugendorganisation habe der Parteitag eine allseitig bc- fricdigende Regelung gefunden. Zur Borberatung dcr organisa- torischen Aenderungen in der Partei sei eine Kommission von 20 Mitgliedern gewählt worden. AuS verschiedenen Gründen, unter anderem auch durch die verschiedenen neuen Körperschaften und Organe' der Partei, ferner durch das ReichSvcreinSgesetz sei eine Revision unserer Organisation notwendig geworden. In bczug auf die. Maifeier glaubt Redner, daß dieser wichtige proletarische Festtag nicht lediglich vom Standpunkte der Unter- stützüng aus gewertet lverden dürfe. Es frage sich, wie weit die Arbeitersclmft Opfer dafür zu bringen bereit sei. Zum Schluß streift Redner kurz die Bildungsdebatte. Auch der Vorstoß gegen die Parteischule und gegen die Bildungskurse der Partei ent- springe der gleichen Ursache wie die übrigen Differenzen, die den Nürnberger Parteitag beschäftigt haben. Die wissenschaftliche Grundlage des Sozialismüs müsse nach Möglichkeit auch den Massen vermittelt werden. Die Theorie sei notwendig. Mauren- brecher stehe es schlecht an, geringschätzig � von Epigonen von Marx und Engels zu sprechen. Er könne damit doch nur Kautsty, Mehring und ähnliche Genossen meinen, die nach seiner Meinung mit ihren theoretischen Anschauungen den Arbitern die Köpfe verkleistern. Solche Aeußerungen zeigten, woher in gewissen Kreisen der Wind wehe. Der Redner ersucht die Versammlung, sich mit den Beschlüssen des Parteitages, besonders in der Budgetfrage, einverstanden zu erklären. An der Diskussion beteiligten sich die Genossen Kloth, H o f fm ei st er, Kotte, Böske, K öfter, Jaek und Hau- e i s e n.— Am 6. Oktober wurde die Diskussion fortgesetzt. In der Hauptsache drehte sich die Debatte um die Budgetfrage. Heidemänn suchte daS Verhalten der süddeutschen W- geordneten aus den dortigen Verhältnissen zu erklären und meinte, man könne die Süddeutschen nicht der Leichtfertigkeit beschuldigen. man müsse vielmehr annehmen, daß sie ausreichende Gründe für die Budgetbewilligung hatten. Diese Frage sei übrigens nur eine Frage der Taktik.— Hinsichtlich der Maifeier seien wir durch den Beschluß des Parteitages nickt weiter gekommen. Diese Angelegen- heit müsse»och auf einem späteren Parteitage gründlich erörtert und so geregelt werden, daß jeder Genosse weiß, wie er sich zu verhalten hat.— Der Redner kam nochmals auf die Budgetangelegenheit zurück und sagte. es sei leicht gesagt, wir müssen eine reinliche Scheidung vor- irehmen. Die Genossen, die so reden, sollten sich überlegen, daß eine Spaltung nicht im Interesse der Partei liege. Es müsse des- halb ein Weg gefunden werden, der beiden Seiten Rechnung trägt. T h u r o w erklärte im Gegensatz zu dem Vorredner, daß die Budgetsrage eine Prinzipienfrage, aber nicht eine solche der Taktik sei. Der Regierung eines KlassenstaateS dürften Sozialdemokraten nicht ein Vertrauensvotum durch die Budgetbewilliguug ausstellen. Wenn hier und da die Regierung eines Einzelstaates den Arbeitern efti wenig entgegen> komme, so geschehe das im Interesse der Re- gierung, aber nicht aus. Liebe zu den Arbeitern. Die süddeutschen Genossen betrachten die Budgetfrage als eine prinzipielle Angelegenheit, denn sonst würden sie nicht noch jetzt. Nachdem der Parteitag ihnen Unrecht gab. so hartnäckig an ihrem Standpunkt festhalten und ihn im Gegensatz zur Parteimehrheit beibehalten. Den süddeutschen Genossen müsse klar gemacht werden/ daß sich die Mehrheit der Partei eine Auflehnung gegen Parteitagsbeschlüsse nicht gefallen läßt.. Franke führte auS, die süddeutschen Regierungen seien im Grunde genommen nicht arbciterfreundlicher wie die norddeutschen und verdienten deshalb auch kein besonderes Vertrauen. Zu bedauern sei eS. daß Gewerkschaftsführer auf dem Parteitage gegen die Resulutiion des Parteivorstandes gestimmt haben.— Solche Genossen, wie Calwcr, Schtppel. Maurenbrecher, stören die Arbeit der Partei; wir sollten ihnen deshalb begreiflich machen, daß für sie kein Platz in der Partei sei. Hildebrand wandte sich gegen die Bndgetbewilliger in Süd- deutschland, erklärte dieselbe als progranunividrig und meinte, wenn dem„Vorwärts" vorgeworfen werde, er habe gegen den guten Ton verstoßen,.so treffe die süddeutschen Genossen der viel schwerere Vorwurf, daß sie einen Verstoß gegen daS Partciprinzip begange» haben. Die Genossen in den süddeutschen Landlagen sollen sich in erster Linie als Sozialdemokraten und nicht nur als Parlamentarier fühlen. B ö S k e wandte sich zunächst gegen HeidcmannS Ausführungen über die Maifeier und vertrat den Standpnnkt, daß es kehr schwer sei, in dieser Hinsicht eine allseits befriedigende Lösung zu finden Zur Budgerangelegeuheit gab der Redner der Ansicht Ausdruck, daß Parteitagsbeschlüsse unbedingt befolgt werden müssen. Gegen fortgesetzte Verstöße gegen den Willen deS Parteitags dürfe die Partei keine Nachsicht üben.— Wohin die Nachsicht führt, daS zeige der neueste Fall Calwcr. der trotz des Dresdener ParteitogsbeschlusseS für ein gegnerisches Blatt geschrieben hat. ES dürfe nicht so weiter gehen, daß fortgesetzt die Beschlüsse der Partei durchbrocken werden.— Mit der Vudgetbewilligung hätten die'Genossen in Süddeutschland den Arbeitern einen schlechten Dienst geleistet. denn nachdem sie auf dem Parteitage hervorgehoben haben, wieviel ihre Regierungen für die Arbeiter geleistet haben, würden sich die Gegner daraus berufen und weitere Berbefferungen ablehnen, indem sie zu unseren Genossen sagen: Ihr habt ja selbst gerühmt, daß bei uns schon sehr viel erreicht worden ist, also lassen wir eS damit genug sein. Die. Berliner Delegierten seien den Süddeutschen dadurch entgegen gekomme», daß sie für die Resolution des ParteivorstgndeS stimmten, obgleich sie dieselbe nicht für scharf genug halten. Kloth führte hinsichtlich der Maifeier ans, daß er die Arbeits- ruhe natürlich für wirkungsvoller halte wie eine Demonstration am Abend. Aber wenn die Massen zum Feiern veranlaßt werden. müssen sie auch unterstützt werden. Daß die Gewerkschaften nicht vor Kämpfen zurückscheuen, das hätten sie bewiesen. Wenn Kämpfe geführt lverden, dann müßten die Kämpfer auch imterftützt werden. Wenn die Unterstützungsfrage nicht gelöst werde, dann könne auch die Maifeiersrage nicht gelöst werden. Wenn wir die Maifeier nicht zu einer imposanten gestalten können, dann lieber weg damit.— Zur Budgetfrage meinte der Redner, die Budgetbewilligung sei nicht als Vertrauensvotum für die Regierung anzusehen. ES handle sich auch nicht um eine Prinzipienfrage, denn ein Prinzip lasse keine Ausnahmen. wie sie in der Lübecker Resolution angegeben sind, zu. Wenn wir ein Budget bewilligen, weil eS den Arbeitern Borteile bringt, und dabei erklären, daß wir trotzdem kein Vertrauen zur Regierung haben, so lasse sich nichts dagegen einwenden.— Der Unterschied zwischen Revisionisten und Radikalen sei gar nicht so groß Für Reformen seien wir alle, wir seien also eine Reformpartei, aber wir wüßten auch, daß wir aus dem Wege der Reform unser Endziel nicht erreichen können. Das Verhalten der süddeutschen Ge- nassen suchte der Redner mit den von jener Seite bisher geltend gemachten Gründen zu erklären. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wurde angenommen. Heinrich Schulz führte in seinem längeren Schlußwort unter anderem aus, daß die Budgetdebatten zurückzuführen feien auf die in der Partei besteheiiden Gegensätze zwischen Revisionisten und Radikalen, ja, es habe sich bei dieser Gelegenheit gezeigt, daß selbst die partikularistischen Bestrebungen in unserer Partei noch nicht überwunden sind, denn die süddeutschen Genossen suchen ihr Verhalten zu decken mit dem Hinweis, daß in ihren Staaten viele? bester sei als in Norddcutschland. Wir müssen alles tun, um zu verhindern, daß die Massen in Süddeutschland glauben, sie seien etwas anderes und hätten, andere Interessen wie die Arbeiter in Norddeulschland. Die cklntcrschiedc, welche in politischer Hinsicht zwischen Süd- und Norddeulschland bestehen, seien so gering, daß sie unsere Taktik nicht beeinflussen können. Man könne nicht, wie' Kloth eS tat, zwischen Prinzip und Taktik milericheiden. Die Taktik sei nichts anderes als angewandtes Prinzip. Mit der Budgetbewilliguug hätten die Süddeutsche» nicht nur eine schlechte Taktik befolgt, sondern auch gegen unser Prinzip verstoßen. Wenn die Süd- deutschen— wie Kloth nieinte— nur Stimmung gegen den Parteitagsbeschluß machen, würden, um eine Aendernng des Beschlusses durch einen künftigen Parteitag herbei- zuführen, da»N wäre nichts dagegen zu sagen. Aber die Süd- deutschen erklärten doch, der Beschluß sei für sie nicht bindend. Wenn sich solche Tendenzen innerhalb' der Partei geltend machen, so müssen wir entschieden dagegen austreten. Weiter bemerkte' der Redner, einen Weg der Bersläudigung mit den süddeutschen Genossen würden wir gern suchen. Wenn er in der vorigen Versammlung von reinlicher Scheidung gesprochen habe, so solle das nicht heißen. wir wollen einen Strich machen zwischen Nord und Süd, sondern er meine, diejenigen Genossen, die nicht einverstanden sind mit unserem Programm, die sollen wo anders hingehen. Dcr Versammlung lag eine von Kloth beantragte Resolution vor, welche die Budgetbewilligung als eine Frage der Taktik erklärt und den Wunsch ausdrückt, dcr Parleivorstand niöge mit den iüd- deutschen Genossen eine Verständigung herbeiführen, die ein ge- meinsameS Arbeiten aller Parteigenossen ermöglickit. Diese Resolution wurde gegen eine kleine Minderheit abgelehnt und die nachstehende Resolution gegen einzelne Stimmen ange- nommen: Die Versammlung erklärt sich mit den Beschlüssen des Parteitages einverstanocn, insbesondere mit der Annahme der Budgetresolution deS Parteivorstandes. Die Versammlung er- wartet, daß sich die Parteigenossen aller Orten wie bisher vor- behaltlos den Beschlüssen des Parteitages als der obersten Partei- iustanz unterordnen._ Treptow. Ein grosies Feuer brach gestern abend gegen 7 Uhr auf einem Neubau in der Karpfenteichsträße auö. Durch den Brand wurde ein HauS vollständig zerstört, ein Nachbargebäude teilweise. An der Löschung deS Brandes waren außer der Treptower Feuerwehr die Wehren aus den Nachbarorten, auch auS Verlin, beteiligt. Ucber die Ursache des Feuers ist noch nichts näheres bekannt. Einen großen Schaden erleiden die Handwerker, denen auf dem Neubau ihr gesamtes Handwerkszeug verbrannt ist. Weihensee. Am Bett de? Freundes erschossen hat sich der Gärtnergehilfe Oskar P a e t s ch aus der Berliner Straße 64. In letzter Zeit zeigte der junge Mann ein schwermütiges Wesen, daS angeblich austLiebes- kummer zurückzuführen war. Auf dein Transport nach dem Kranken- hause erlag er der Schußverletzung. Nieder-Tchönhause». Bei dem Bau der Turnhalle in der Blankenbnrger Straße sind zahlreiche hiesige Handwerker und Lieferanten schwer geschädigt tvorden. Der Bau war im vorigen Jahre an einen hiesigen Bau- Unternehmer vergeben worden; dieser ist nun in Konkurs geraten. Natürlich find die Handwerker und Lieferanten die Leidtragenden, sie versuchen nun hxi.der, Gemeinde /ihr Glück, um die Deckung ihrer Forde'rungen z» erlangen. Bon feiten der Bausicma ist zwar eine Kaution von 4000 M. bei der Gemeinde hinterlegt, doch ist diese Summe nur für die sachgemäße Ausführung des BaueS deponiert. ES zeigt sich hier wiederum,' wie notwendig für die Gemeinde das Bauen in eigener Regie ist. Besondere Erwähnung verdient eS, daß der betreffende Unternehmer über das Wohl und Wehe der Ge� meinde als Gemeindevertreter mitzubcraten hat. Köpenick.. AuS der Stadtverordnctcn-Bcrsnmmlulig. Mit der Neuwahl eine? unbesoldeten SladiratS hatte sich die letzte Versammlung zu beschäftigen. Von 31 abgegebenen Stimmen lauteten 26 auf den Stadiverordneten-Vorsteher Herrn Beicke, der somit bis Ende 1913 als Ersatz für Herrn Willnow gewählt ist. Die Versammlung ist wieder ohne Vorsteher, ein Vorkommnis, welches sich schon dreimal in diesem Jabre ereignet hat. Stellvertreter ist augenblicklich Stadt- verordneter Woik.'— DaS Ortestatut bezüglich Bildung emeS Kuratoriums der Realschule, welches in der letzten Sitzung einem AuSscbusse überwiesen wurde, gelangte nach dem Bericht desselben zur Annahme. Unsere Genossen stimmten dagegen, da die Be- stimmung, daß die Mitglieder deS Kuratoriums von dem Provinzial- Schulkollegium bestätigt werden müssen, nicht gestrichen wurde.— Eine ausgedehnte Debatte entspann sich bei der Magistratsvorlage über die endgültige Regulierung des Heuplatzes und die Be- willignng der Mittel hierzu in Höhe von 95 000 M., die durch Anleihe gedeckt werden sollen. Die in Frage kommenden Kommissionen legen ein Projekt vor, daS wie folgt veranschlagt ist: östlicher Teil am Wasser 38 600 M., westlicher Teil 38000 M., Er- Weiterung der Ablage 13 600 M. Bei der Aussührung der Abeitcn ist die Beschäftigung der Arbeitslosen der Siadt in Aussicht ge» nommen. Die Debatte ging in erster Linie„Hie Dammvoritadt 1" „Hie Kietzervorstadt I" Die Vertreter, welche für letzteren Stadtteil sprachen, vertraten den Standpunkt, daß hier mehr zu tun sei, um die Einwohner zufrieden zu stellen, als in der Dammvorstadt. Unsere Genossen traten für die Vorlage ein, da sämtliche Stadt- leite ihnen gleich nahe stehen. Ein Ausspielen eines Stadtteils gegen einen anderen sei nicht angebracht. Auch der Herr Bürgermeister vertrat i» längeren Ausführungen denselben Standpunkt. Zu einem Beichlusse kam eS noch nicht, da aus Antrag des Stadtverordneten Dt. V. Sckulze eine zweite Lesung erfolgen soll. Die Vorlage be- treffend Einsetzung einer gemischten Kommission zur Deckung de? Anleihebedarss wird angenommen und dieselbe sofort gewählt. Von unserer Fraktion gehören derselben die Genossen Nieke und Tauchcrt an. Alt-Schadow.(Kr. Teltow-Beeskow.) Am letzten Sonntag fand in unserem Dorfe unter freiem Himmel eine gutbesuchte VolkSversaminlang statt. In seinem Referat rechnete Genosse H o r l i tz mit den Lügen und Märchen ab, mit denen untere Gegner speziell bei der Landbevölkerung hausieren gehen. Weiter erläuterte der Redner in anschaulicher Weise die Grundsätze und Forderungen unserer Partei. Aus den Reihen der Beincher wurde für den Ort ein Wahlverein gegründet. ES ist uns also gelungen, in einen der schwärzesten Winkel unseres Kreises Bresche zu legen. Möge sich die junge Organisation kräftig entwickeln. Lriefkaften der Redahtion. Die(nvlftlfrtu Evrechstiiiilie Nuvei Sinvrnftrnftc Nr. 8, zweiter 6o1, dritter Ewgaiig, vier Treppen, Fahr st«dl"T8»ß uiuifecntänliif) abends von bis O'/t I!»r ftatt. iveöisnei? Uhr Sonnabends beflirnit die Sprechstunde um 0 Uhr. Jeder m Iiiraa- ist rto iiiichstabe»nd«ine Bahl alo iU erreichen beizuttiaen. isriesliche«»Nvori wirb nicht crreilt. ÄiS zur Beantwortung im Brieskaste» könne» 14 Tage vergehen. Eilige Fragen trage man i» der Svrechiiunde vor. Cf. K. 14. Die Frau, aber nicht der Mann würde, da sie da? Such bestellt hat, dasselbe zu bezahlen haben. Hat sie nichts, so haftet der Mann nicht. Ist die Frau elwa minderjährig(noch nicht LI Jahre) bei dcr Bc- steUung gewesen, so ist auch sür sie der Kails üngübig. Sie braucht dann das Buch weder abzunehmen nach zu bezahlen.— H. L. 27. Sie mühten bei dem Sleltov um Urlaub einkomnien.— A. M. I. 1. und 2. Ja, Sie müssen aber'dqsüx Sorge tragen, daß der Wirt Zutritt zur Wohnung hat. 3. Auf Verlange» des Wirtes: ja. 4. An Sie.— M. R. 89. Nein. Ein nach dem Auslände Ziehender hat lein Recht aus Rückzahlung dueZ Teils der JdwalidÄnnarken-Bsiträg«.— A.<8. 133. Sie lünnten lediglich gegen den Wirt auj Beseitigung der Mängc! und auf Schadenersatz beim Amtsgericht klagen. Ein Grund zur eiiiieitigen Slushebung des Vertrages liegt nicht vor.— H. R, 38. Nicht verpflichtet, aber berechtigt. Wenden Sie sich an die Kasse und an die Jnv�IidenverstcherungSanstait. — M. M. lt»V. Das ist möglich. Erkundigen Sie sich aus der Gerichts» schrciberci des Landgerichts.— SO. E. 84. Wenn nur Sie, nicht aber Ihre Frau aus dcr Kirche ausscheidet, so würde Ihre Frau zur Kirchensteuer veranlagt werden und Sie nach der herrichcndcn Anschauung zur Zahlung der Steuern verpflichtet lein. Ihre Kinder brauchen Sic nicht laufen zu lasscu. — BS. V. 23. In der Regel ncim Tragen Sie den einzelnen Fall vor. — P. B. L8. Sie würden das'Recht aus Schadcneriatz haben, desgleichen das auf Zurückbehaitung dcr Miete, wenn nicht etwa in Ihrem MiciSver» trage das GegefUcil vereinbart ist. Die in Berlin abgeschlossenen gedruckten Mietsverttögr pflegen die Vereinbarung zu entHallen, baß sür Feuerschaden und dgl. vorn Mieter Schaben nicht verlangt lverden kann und serncr, daß ihm ein Zurückbehaltungsrecht an der Miete nicht zustehe.— 31. 2. IVO. Darüber, weiches stenographische System daS vorteilhafteste ist, besteht ein lebhafter Streit, in den wir uns nicht hineiiiinischen. DaS System Stolze« Schrey jührt gute Resultate herbei. Wegen dcr Erlernung wenden Sie sich an eine der FortbildungSschutul oder an daS steuographische Bureau des AbgeordnelenhauseS.— 3!. I. Steglitz. Wende» Sie sich an einen Arzt oder an die Chantö in Berlin.— West 99. In den Lohnlisten' für die Steuerbehörde soll angegeben werden, lvetcher Lohn vom 1. Januar bis l. Oktober 1308 bezqarii ist. Die Steuerveranlagung erfolgt im Jahre >303, hierbei gilt als steuerpflichtig daS Einkommen auS dem Jahre 1308. Darüber, daß der Arbeitgeber nur daS Einkommen der dauernd bei ihm, Beschäftigten anzugeben hat, ist deS ausführlichen im„Vorwärts-, vom 6, d. MiS, im sozialen Teil gesprochen.(6. B. 100. Sie lönnen die Rückkehr Ihrer Frau und die Herausgabe der Kinder verlangen;(u lange die Ehefrau sich ohne berechtigte» Grund und ohne Zustimmung des Ehe- mnilncS auberyalb der Ehewohnnng aushätt, ist der Ehemann zu Ihrem Unterhalt nicht verpflichtet.— E. R. 37. Ja.— O. W. 49. Nein. Wittrrungsitderstcht vom 7. Oktober 1908. moraen« 8 Udr. Stattonen LS KL ?.e. LZ! 5 ä§ c 3 € Wetter Swmenlde 772W Hailiburg j 771 OSO Berlw! 772 Still Franks. a M 77l R München ,772 0 Wie» 775 Still 1 Ivolkenl 2 Wolfens wol kcnl 1 wolkent 2 wolkcnl wollenl a>sS ti" -r« H dä Stationen Wetter Havaranda 7S0 Still| wolkig Petersburg 782 WRW 2 bedeckt Sctlly l7k5S' 2 bebeckt Aberdeev 765 S SW> 1 beiler Pur»»>768 Still I wollenl I' 7 11 14 6 Wetterprognose für Donnerstag, den 8. Oktober 1908. Zeilweise etwas neblig, sonst meist heiter und trocken, am Tage seht mild bei mäßigen südlveflilchen Winden. Berliner Wetterbureau. WasseritandS-Nachrichte» der LandeSanstatt für Gewässerkunde, mitgeteA vom Berliner Wetterburcau. Wasserstand M e m e l. Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel. Thon» Oder, Ratibor , Krossen . Frantturl Warthe, Schrimm . LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leittneritz » Dresden » Bardo , Magdeburg 1+ bedeutet Wuchs,— Fall,—•). Nnterpegel. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Donnerstag, 8. Dttober. Anfang 7%, Uhr.Königl. Opernhaus. Lohengrin. ( Anfang 7 Uhr.) Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Der Montblanc. 8 Uhr Hörsaal: Prof. Donath: Der elektrische Spannungszustand. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Königl. Schauspielhaus. Ballen. Die blaue Mans. fteins Zob. Deutsches. Kabale und Liebe. Stammerspiele. ( Anfang 8 Uhr.) Lyfiftrata. Neues Schauspielhaus. Fauft. 1. Zeil. Residenz- Theater. Direttion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Friedrich Wilhelmstädt. Schan. Das Glück der andern. spielhaus. Wilhelm Tell. Anfang 8 Ubr. Neues tgl. Opern Theater.' 3 Lieferl vom Schliersee. Leffing. Gespenster. Berliner. Mercadet. Neues. Wahrheit. Kleines. Lady Frederid. Komische Oper. Tiefland. Residenz. Das Blüd der andern. Der felige Octave. Hebbel. Der Liebhaber. Westen. Ein Walzeitraum. Schiller 0. allner. Theater.) Das Stiftungsfest. Sch e Charlottenburg. Julius Cäsar. Thalia. Das Mitternachtsmädchen. uitipielhaus. Die blaue Maus. Neues Overetten. Die Dollar prinzeffin. Trianon. Die Liebe wacht. Lorning. Baza. Bernhard Moie. Der Theaterteufel. guisen. Freiheit. Apollo. Ein Sonntagmorgen in Rußland. Bera Violetta. Spe zialitäten. Metroval. Donnerwetter los. tabel Gebrüder Herrnfeld. Die beiden Bindelbands. Vaiage. Spezialitäten. Kafino. Familie Auguft Knoche. Spezialitäten. Gustav Behrens. Feine Sache! Ausgezeichnet! Spezialitäten. Folies- Caprice. Die Brautschaut. Die lästige Bitive. Wintergarten. Spezialitäten. Carl Saverland. Spezialitäten. Reichsballen. Stettiner Sänger. Walhalla. Spezialitäten. Urania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Der Montblanc. 8 Uhr im Hörsaal: Prof. Donath: Der elektrische Spannungszustand. Sternwarte, Invalibennt. 67/62. Neues Theater. Morgen und folgende Tage: Wahrheit. Boranzeige! Gastspiel der fisiltanischen Tragödin Mimi Aguglia. Donnerstag, 15, bis Sonntag, den 18. Dft.: Malia( Die Häßliche). George Cartier: Richard Alexander. Hierauf: Der felige Oftave." Morgen und folgende Lage: Das Glück des andern. Hierauf: Der felige Oftave. Sonntag 3 Uhr zu über die Hälfte ermäßigten Breisen: Haben Sie nichts zu verzollen.? Neues Operetten- Theater, Schiffbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Abends 8 Uhr: Die Dollarprinzessin. Operette in 3 Affen von Leo Fall. Passage- Theater. Abends 8 Uhr: Lene Land Paul Schneider- Duncker und das großartige Oktober Programm 14 neue VariétéSpezialitäten. Passage- Panoptikum. Volkstage! Jedermann ein Kind frei. Jedes Kind erhält ein Geschenk. Schiller- Theater. O.( Wallner- Theater.) Donnerstag, abends8ubt: Das Stiftungsfest. Schwant in 3 Aften von Gustav bon Moser. Freitag, abends 8 Uhr: Ein Teufelskerl. Shiller Theater Charlottenburg. Donnerstag, abenb58U Julius Cisar. Trauerfpiel in 5 Aufzügen bon William Shakespeare. Freitag, abends 8 Uhr: Das Opferlamm. Sonnabend, abends 8 Uhr: Sonnabend. abends subr: Zum erstenmal: Der Familientag. Julins Cäsar. Freie Volksbühne Aufführungen. im Lessing- Theater: Gerhart Hauptmann: Die versunkene Glocke. Thalia Theater: Te Deum. Komödie von Ernst Rosmer. Neues Schauspielhaus: Lustspiel v. Wolzogen: Die Kinder der Exzellenz. Hebbel: Judith. Shakespeare: Julius Cäsar. Sardou Rabagas. Goethe: Faust.( 1. Tell.) Ordner- Sitzung Sonnabend, den 17. Oktober, abends 8%, Uhr, 241/17 pünktlich im Gewerkschaftshaus. Der Vorstand. In Vertr.: G. Winkler. Zirkus Schumann. Sente Donnerstag, den 8. Oktober er., abends präzise 7, Uhr: Der Riese Pisjakoff Elite- Abend Gala- Progr. u. bie unglaublichen Leistungen d. größte Mensch aller Zeiten. Der Mann mit dem elsernen Schlund. Lahovary, der Fürst der Fesselsprenger usw. usw. Alles obne Extra- Entree. Metropol- Theater Täglich 8 Uhr: Donnerwetter- tadellos! Revue in 10 Bildern v. Jul. Freund. Montag, 19. Oftober: Peccatrice Musik von Paul Lincke. Regie Die Sünderin. 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Hiermit die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere gute Mutter Anna Laub geb. Walter am 6. Oftober nach langen, fchweren Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 9. 6. M., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Schöneberger Friedhofes, Mar straße, aus statt. 2085b Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Fir die vielen Beweise inniger Teilnahme und die reichen Kranz Spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, meines guten Vaters Franz Tutzauer fagen wir allen hiermit unseren hera lichsten Dant. Im Namen der Hinterbliebenen: 20866 Berta Tutzauer. Möbel Schulz Reichenberger Str. 5, Gediegene Arbeit. Aeußerst billige Preise. Bluch 45012* Ratenzahlung. Baustellen und Landparzellen OR.... 4 Mark nabe Bahnh. Fredersdorf Auskunft täglich im Pavillon 34912* am Bahnhof und bei Nieschalke& Nitsche Berlin, Neue Königstr. 16. Berantwortlicher Reballenta Gerts Davidjohn, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Gløde, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdruderei u. Berlagsanstalt Baul Ginaer& Co. Berlin SW Br. 236. 25. Jahrgang. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Donerstag, 8. Oktober 1908. Der Perlenhalsbanddiebitahl vor Gericht. Vor der 7. Straffammer des Landgerichts I wurde gestern gegen die verehelichte Schneiderin, ehemalige Stammerzofe der Gräfin Martensleben, Martha Steger geb. Weigelt verhandelt, die beschuldigt ist, in der Nacht zum 15. Februar d. J. einen der Gräfin Wartensleben gehörigen Perlenschmud im Werte von 267000 art gestohlen zu haben. Den Vorsitz im Gerichtshofe führt Landgerichtsdirektor Splett stößer, die Anklage vertritt Staatsanwalt Porzelt, die Verteidigung führt Rechtsanwalt Dr. Alsberg. Ein reicher Wüstling. zur Ermittelung verwerfen, was die Angeflagte gewollt oder nicht gewollt habe. Die Staatsanwaltschaft stellte sich auf Bom Landgericht I in Berlin ist, wie unseren Lesern erinner einen anderen Standpunkt. Sie führte auch die frühere Bestrafung lich, am 18. Juni der Nentier Dr. Viktor Riedel wegen Sittender Angeklagten und ihre Mittellosigkeit ins Gewicht. Ueberdies sei verbrechens nach§ 1763 in zwei Fällen und unternommener Verin früheren Dienststellen die Angeklagte unredlich gewesen. Der leitung zum Meineinde zu 4 Jahren Zuchthaus und Nebenstrafen Es wird noch in allgemeiner Erinnerung sein, Staatsanwalt beantragte zwei Jahre Gefängnisund verurteilt worden. day Riedel halbwüchsige Mädchen in großer Zahl zu unsitt drei Jahre Ehrverlust. In zwei solchen Fällen das schon über 16 Jahre alt ist, Das Urteil des Gerichts ging dabin: Die Angeklagte ist nach lichen Zwecken gemißbraucht hat. Ein anderes von ihm gemis treten. Ansicht des Gerichts zum mindesten eine versierte Person und es ist Verurteilung erfolgt. ist nicht anzunehmen, daß eine solche Person, wenn sie nur einen brauchtes Mädchen M., Schabernack spielen wollte, dann einen so wertvollen Perlenschmuck war aus irgend einem Anlaß polizeilich vernommen worden und nehmen und an einem folchen Drt verstecken würde. Die Angeklagte hatte Angaben über ihren Verkehr mit Riedel gemacht. Als dieser selbst hatte auch persönlich gar keinen Grund zu einem so großen davon hörte, machte er dem Mädchen Vorwürfe und verlangte von Rachedurst. Wenn sie einen Schabernack spielen wollte, so steht dies ihr, sie solle, wenn sie etwa vor das Gericht geladen werde, den erst in zweiter Linie; in erster Linie steht die Absicht der Verkehr mit ihr ableugnen. Da die M. erklärte, sie wolle die neignung, die auch durch eine Menge Nebenumstände Wahrheit sagen, bot er ihr Dhrfeigen an und fagte, er werde sie in Fürsorgeerziehung dargetan wird. Mit Rücksicht auf die Höhe des Objekts, den sie mit dem Stiefel schlagen und und könne dies ergroben Vertrauensbruch und die Vorstrafe der Angellagten hat der bringen. Er sei Beisitzer beim Gericht Die Revision des Angeklagten wurde am DiensGerichtshof die Angeftagte zu einem Jahr sechs Monaten wirken. tag vor dem Reichsgerichte vom Verteidiger Dr. Alsberg verGefängnis und drei Jahren Ehrverlust verurteilt. Gemäß dem Antrage des Reichsanwalts hob Die Angeklagte erflärte, auf Rechtsmittel nicht zu verzichten. das Reichsgericht das Urteil bezüglich der Sittenverbrechen, Das Urteil wirkt nicht überzeugend. Auch erscheint das Straf der Gesamtstrafe und der Ehrenrechtstrafe auf und verwies die maß gegenüber dem Umstand, daß tatsächlich niemand geschädigt ist, Sache insoweit an das Landgericht zurück. Soweit die Revision sich außerordentlich hoch. Mag sein, daß die Angeklagte die Entgegen die Verurteilung wegen unternommener Verleitung zum wendungsabsicht schon beim Verstecken des Perlenhalsbandes Meineide richtete, wurde sie verworfen. Die Aufhebung erfolgte fie ist zur Entlastung, die An- wegen eines prozessualen Verstoßes. Während der Vernehmung gehabt hat. Aber nicht Und für diese der Zeugin Frau S. hatte sich der Angeklagte außerhalb des Verflage ist zu ihrer Ueberführung verpflichtet. reicht das beigeschaffte Material nicht aus. Außerordentlich bedenk- handlungsiaales aufhalten müssen. Gegen die Vorschrift des Gesetzes lich erscheint es, auf die Aussagen der lebhaft interessierten Privat- war die Zeugin in seiner Abwesenheit bereidigt worden. Auch war detektivs irgend etwas zu geben. Sie spiegelten der Angeklagten vor, in seiner Abwesenheit der Zeugin das Protokoll über ihre frühere sie wollten bei der Verwertung des Halsbandes zugunsten der An- Aussage vorgelesen worden, ohne daß es nach Wiedereinführung des geklagten behilflich sein. Ja, sie waren es, die die Angeklagte zu dem Angeklagten in den Saal nochmals verlesen worden wäre. Diebstahl anstifteten, wenn man annimmt, die Angeklagte hatte lediglich aus Schabernad und nicht in der Absicht der Zueignung den Schmuc fortgenommen und hat den Diebstahl erst begangen, als sie das Halsband aus seinem Versteck herausholte. Die schlechte Behandlung der Dienerschaft durch die Gräfin macht es glaubhaft, daß die Angeklagte das Halsband nur aus Schikane versteckt hatte. Die Vernehmung der Angeklagten über ihre Personalien ergibt, daß sie am 15. Februar 1882 in Breslau geboren und katholischer Religion ist. Nach dem verlesenen Eröffnungsbeschluß wird die Steger beschuldigt, am 14. Februar d. J. der Gräfin v. Wartensleben einen Perlenschmuck im Werte von 267 000 M. in diebischer Abficht weggenommen zu haben. Der Vorfigende stellte aus den Atten fest, daß die Angeklagte schon einmal vor etwa sieben Jahren wegen Diebstahls mit einem Tage Gefängnis vor bestraft ist. Bekannt ist aus unseren früheren Schilderungen der Hergang felbft. Der Gräfin Wartensleben war ein Perlenhalsband im Werte bon 267 000 M. abhanden gekommen. Der Verdacht eines DiebStahls richtete fich u. a. gegen die damalige Stammerzofe, die jezige Angeklagte. Die Polizei legte ihr nahe, wie Striminaltommissar Raffe im Termin bekundete, zu erklären, daß sie nur einen Rachealt oder einen Schabernack der Gräfin wegen der vielfachen Schikanen habe spielen wollen, der das aus 14 Personen bestehende Dienstpersonal der Gräfin ausgesetzt war. Sie würde, wenn feine Aneignungsabsicht bestanden habe, straflos bleiben. Der Polizei liege nur daran, daß der Schmuck herbeigeschafft würde. Die Am Dienstag teilten wir eine Gerichtsverhandlung aus München Angeflagte lehnte damals entschieden ab, irgend einen solchen Schabernad gespielt zu haben. Sie wisie von der Entwendung nichts. mit, in der festgestellt wurde, welch' efelerregende Speisen eine Frau Die Angellagte wurde verhaftet, enthaftet, wieder verhaftet und Nöder ihrem Dienstpersonal borsezte. Heute haben wir wieder aus dem bayerischen Lande über ffandalöse Schweinereien bei der Zuwieder enthaftet. Dann wurde versucht, in einem Beleidigungsprozeß bereitung von Speisen zu berichten. Die diesmal vor dem Landfic als Zeugin über den Verbleib des Perlenhalsbandes zu vergericht II geführte Verhandlung betraf die 62 Jahre alte Be nehmen. Der Verfuch mißlang, da der Termin der Bertagung verfiel. fizerin des Gasthofes zur Post in Tölz, Therese Nach der Enthaftung der Angeklagten wendete sich die Gräfin Baer. Der Gasthof zur Post in Tölz war früher eines der Bartensleben an das Privatdetektiv- Institut„ Jus". renommiertesten Gasthöfe des bayerischen Oberlandes. Die durch die Der Inhaber Wilhelm Schulze ließ die Detektivin Rogge aus Glogau fommen. Diese schmeichelte sich in das Vertrauen In seinem Kampfe gegen den Deutschen Metallarbeiterverband Berhandlung zutage geförderten Schweinereien waren derart, daß der Angeklagten ein und machte dann unter falichem Namen den hat Wiesenthal in seinem Blatte„ Der deutsche Metallarbeiter" dem Vorsitzenden ein Gruseln ergriff und ausrief: Brr! Es ist Direktor Schulze und den Privatdetektiv Jänecke mit der Angeklagten einige persönliche Angriffe gegen den Genossen Scherm bom nur gut, daß wir heute nicht zum Essen kommen, der Appetit iſt bekannt. Zwischendurch hatte Rechtsanwalt Marcuse im Auftrage der Deutschen Metallarbeiterverband gerichtet. Scherm hat deshalb eine uns sicherlich allen verdorben! Die angeschuldigte Baer ist eine schr Gräfin Wartensleben 10 000 Mart dem geboten, der das Berlen- Beleidigungsklage gegen Wiesenthal gerichtet, die am Mittwoch vor reiche, aber auch sehr geizige Frau. Geiz und Profitgier waren halsband herbeischaffe. Jänede veranlaßte die Angeklagte unter dem Schöffengericht Berlin- Mitte verhandelt werden sollte. Es fam auch die Triebfeder zu der ihr zur Last gelegten Handlungsweise. allerlei Vorspiegelungen, ihm das Halsband zu verschaffen. Sie aber nur zu Vergleichsverhandlungen, die der Vorsitzende des Ge- Der Poststall wurde der Angeklagten am 1. Mai dieses Jahres als durch die Presse Klagen laut wurden über folle dann 10 000 m. erhalten. Die Angeklagte begab sich dann richts angeregt hatte. Sie dauerten eine volle Stunde und endeten die miserable schlechte Verpflegung der Postillione. Der Baer nach dem Hause der Gräfin Wartensleben in der Hindersinstraße. ohne Resultat. Jänede beschäftigte den Nachtwächter. Inzwischen holte die Angeklagte Das Berlenhalsband aus dem Bersted unter dem Fensterblech hervor. Sie übergab es dann im Café des Hotels Savon dem Jänecke. Jänecke erhielt dann auch die 10 000 Mart vom Rechtsanwalt Marcuse. As die Angeklagte am folgenden Tage an dem mit Jänecke verabredeten Orte( Ontel Toms Hütte) erschien, um die 10 000 m. in Empfang zu nehmen, erschien der inzwischen benachrichtigte Kriminalkommissar Nasse und verhaftete fic. Nunmehr erklärte die Angeklagte, und hierbei blieb sie auch im gestrigen Termin, sie habe lediglich aus Rache das Berlenhalsband verstedt, aber es sich feineswegs zueignen wollen. Wenn die Polizei vergeblich in der Wohnung herumgesucht habe, ohne das Halsband zu finden, so tönne sie nichts dafür. -Gerichts- Zeitung. Scherm gegen Wiesenthal. " Efelerregende Speisen. . Wie aus den Verhandlungen hervorging, hat Wiesenthal in ward nun zur Last gelegt, daß sie mit Maus- und Rattentot durchseßte Suppennudel, Kaffee und 8uder zu= seinem Blatte behauptet, Scherm habe über interne Vorbereitete und den Dienstboten und Gästen vorsegen ließ. gänge in Sigungen der Parteifunttionäre gegen Bezahlung Berichte für bürgerliche Blätter ge= In den Räumen, wo die Speisen und Viktualien aufbewahrt liefert; Scherm habe sich felbft als Judas und wurden, wimmelte es von Ratten und Mäusen. Der Verräter bezeichnet und sei aus der Partei aus- Maustot schwamm auf der Suppe herum, so daß diese geschlossen worden, auch habe Scherm den Deutschen oft einen widerlichen Geruch verbreitete und sich die DienstMetallarbeiterverband dauernd um Geld betrogen, indem er 10 M. boten noch während des Effens erbrechen mußten. Am wöchentlich, die er vom Druder der Metallarbeiter- Beitung" erhalten 30. März warf die Köchin ein stintiges, acht bis zehn habe, anstatt fie dem Verbande abzugeben, neben seinem Gehalt in age altes Schweinsinöchel in den Hundekübel, aus dem der Hofhund fraß. Die Angeklagte Baer sucht die eigene Tasche gesteckt. das Schweinsknöchel aus dem Hundefressen wieder heraus und feste es ungereinigt dem Postillion Feichtner vor. Die Köchin, die das bemerkte, machte den Poftillion darauf aufmerksam, worauf diefer das Schweinsinöcher! dem Zimmermädchen schenkte. Dieses verzichtete aber ebenfalls auf die zweifelhafte Delikatesse. Der Postillion, der Blut tam. Am Neujahrstage bekamen die Postillione einen stinkigen an das Geifern des Hundes dachte, mußte sich derart erbrechen, daß Kalbsbraten. Einmal schickte die Angeklagte Baer ein von Ratten vollständig gernagtes Surfleisch zum Räuchern. Der Megger schickte das Fleisch zurück mit dem Bemerken, daß es für menschlichen Genuß ungeeignet und gesundheitsschädlich sei. Frau Baer scheute sich nicht, diefes von Matten angefreffene Fleisch den Dienstboten vorzustellen. Ebenso waren die Brotlaibe angefressen, die Brotlaibe benutzten die Hunde wiederholt als Lager. Das Gericht verurteilte das alte Schwein zu cinem Monat Gefängnis, zweihundert Mart Geldstrafe und Publitation des Urteils. Wie leicht jemand ins Irrenhaus kommen kann, Wiesenthal hat Widerklage erhoben, weil Scherm als Redakteur der Metallarbeiter- Zeitung" in Abwehr der Wiesenthalschen Angriffe schrieb, Wiesenthal fürchte feinen Ausschluß aus der Partei, weil er als Gastwirt auf die In der Verhandlung trat eine Reihe von Momenten Kundschaft der Parteigenossen rechne. Als der Vorsitzende des Gerichts zu einem Vergleich riet, äußerte zugunsten des Einwandes der Angeklagten zutage. Die Angeklagte war gegen ein Monatsgehalt von 50 M. Rechtsanwalt Wolfgang eine als Verteidiger und 6 M. Viergeld angestellt. Die Behandlung bei der Gräfin war des Klägers, diefem liege nichts an einer Bestrafung des Beaber nach ihrer Darstellung für sie und fast das ganze Diensts flagten, sondern nur an der Widerlegung der von Wiesenthal berpersonal nahezu unerträglich. Die Gräfin tyrannisierte, brutalisierte, breiteten unwahren Behauptungen über die Person des Klägers. tadelte und verbitterte die Leute ohne Grund. In der Verhandlung Wenn Wiesenthal seine Angaben widerrufe, dann sei der Kläger damit gab der Kriminalkommissar Naise zu, daß nach zufrieden. Aussage der Dienerschaft das Dienstpersonal bei der Gräfin Wiesenthal nahm von seinen Behauptungen jedoch nur die oftwefelte und es nur durch hohe Gehälter gehalten Angabe zurüd, daß Scherm gegen Bezahlung Berichte der werden kann. Die Gefindevermieterin habe sich schon bezeichneten Art an die bürgerliche Presse geliefert habe. Alles geweigert, der Gräfin überhaupt noch Dienstandere meinte er beweifen zu können. boten zu vermieten. Richtig sei auch, daß das Mädchen Wie Rechtsanwalt Heine feststellte, handelt es sich bei diesen anTrenter wegen der schlechten Behandlung einmal Selbst- geblichen Berichten um eine Angelegenheit, die vor Jahren in mordgedanken geäußert habe und die Dienerschaft unter Barteitreisen besprochen worden ist. Infolge innerer Streitigkeiten sich die Gräfin mit den gemeinsten Schimpfworten hatten sich damals unter den Nürnberger Parteigenossen zwei zeigt der nachstehende Fall. Wegen Täuschung einer Behörde durch bedachte. Borsigender: Die Dienerschaft befam ja Gruppen gebildet, und weil das Parteiorgan den streitenden ein falsches ärztliches Zeugnis ist am 27. Mai vom Landgerichte cin erstaunlich hohes Gehalt. Der Diener Josef bekam beispiels- Gruppen nicht zur Verfügung stand, so benugten sie den liberalen Görlig der Kaufmann Richard Eichstädt zu Gefängnis verurteilt worden. Er war Vormund der wegen Geisteskrankheit in der um Notizen in ihrem Interesse in weise 15 Mark täglich und freie Station. Das ist das Gehalt eines Fränkischen Courier", Regierungsrats in der dritten Klasse.( Heiterkeit.) Einmal ist auch mit Wissen Frrenanstalt Lüben untergebrachten Frau K. Nachdem diese als er die Deffentlichkeit zu bringen. Die Gesindevermieterin Frau Menzel bescherms, der zu einer diefer Gruppen gehörte, in das genannte heblich gebessert entlassen worden war, meldete der Angeklagte dem stätigte gleichfalls auf Befragen, daß das Dienstperfonal der Blatt eine Notiz gekommen über eine Bersammlung, welche An- Vormundschaftsgerichte, daß Frau St. wieder Beleidigungen und Vere Gräfin, auf die sie nicht gut zu sprechen sei, schlecht be- gehörige der anderen Gruppe gegen die Parteifunktionäre abhalten leumbungen gegen ihre Umgebung richte. Das Gericht wies ihn an handelt wurde, und daß sie zeitweilig es abgelehnt wollten. Wegen diefer Notiz ist Scherm aus dem Wahlverein, aber die Irrenanstalt. Er tat es und erhielt einen Schein, mit dem er auf hatte, überhaupt ihr noch Dienstpersonal zu nicht aus der Partei ausgeschlossen worden. Der Wahlverein hielt das Rathaus ging, um Frau S. in die Jrrenanstalt zu bringen. Der Ehemann K. verweigerte aber die Frau. bermitteln. Sie kenne die meisten Jungfern in Berlin: dieses Verhalten Scherms für einen groben Fehler, aber nicht für Der Angeklagte suchte nun einen Arzt auf und sagte ihm, Frau K. fast alle haben schon bei der Gräfin als eine Verfehlung, welche die Ehrenhaftigkeit Scherms berührt. DesJungfern in Diensten gestanden. Bekundet wurde halb beschränkte man sich auf seinen Ausschluß aus dem Verein, ließ fei gemeingefährlich. Darauf stellte ihm der Arzt das gewünschte Zeugnis aus. Dieser hatte aber vor Ausstellung des bon Bediensteten der Gräfin ähnliches. Gerade an ihm aber die Parteimitgliedschaft. dem Tage, an dem das das Perlenhalsband weggenommen Nach dieser Darstellung Heines, die sich auf protokollarische Fest- 3eugnisses Frau S. gar nicht gefehen. Mit diesem wurde, fei auf die Gräfin wegen ihres Verhaltens von der stellungen stützt, wurde dem Beklagten Wiesenthal fottest fuchte nun der Angeklagte die Ueberführung der Fran K. in Dienerschaft start geschimpft. Die Angeklagte habe erklärt, man wohl durch seinen Verteidiger Instizrat Bronter, die Frrenanstalt zu bewirken. Aber Herr S. ging zum Arzt und machte ihm Vorwürfe wegen des Attestes. Der Arzt fam num in müßte der Gräfin mal eins mit der Reitpeitfche wie auch durch den Vorfizenden dringend gedie St.sche Wohnung und jah, daß Frau K. ganz ruhig war. Er auswischen. Zweifellos hätte auch die Angeklagte, wenn fie raten, seine Behauptungen zu widerrufen und sich widerrief daher sein Attest. Der Angeklagte hat von einem falschen gewollt hätte, viel bequemer und unauffälliger mit dem Kläger zu vergleichen, da dem Angeklagten der Wahrheits- ärztlichen Attest Gebrauch gemacht, um der Familie seine Macht als andere Wertgegenstände an sich nehmen können. Bebeweis nicht gelingen fönne. Wiesenthal aber zeigte sich den In seiner Revision führte der Iaft end fielen für die Angeklagte die Darlegungen der Vorhaltungen völlig unzugänglich. Die Vergleichsverhandlungen Vormund fühlen zu lassen. Leute bom Privatdetektivinstitut ins Getvicht. fcheiterten deshalb schon bei diesem Punkt, so daß es zu Ver- Angeklagte aus, er habe nicht annehmen lönnen, daß das Attest Das Reichsgericht erkannte aber am Dienstag Ihnen gegenüber hatte sie eine ganze Neihe nachweisbarer handlungen über die anderen von Wiesenthal in bezug auf Scherm falsch war. Unwahrheiten über ihre Vermögensverhältnisse, über ihre Absicht, nach verbreiteten Behauptungen nicht erst fam. Wiesenthal erklärte, er mit Rücksicht auf die ausreichenden Feststellungen auf Ber= dem Auslande zu verreisen usw., aber auch mitgeteilt, daß sie das wolle den Beweis der Wahrheit antreten und benannte dafür als werfung der Revision. Berlenhalsband genommen habe. Nicht mit Unrecht machte der Ver- Beugen die Reichstagsabgeordneten v. Vollmar und Südekum, teidiger gegen die Belastungen durch die Privatdetektives, denen das Ausschußmitglied des Metallarbeiterverbandes Deifig in ja im vorliegenden Falle die Summe von 10 000 M. Belohnung winkte, Frankfurt a. M. und Verleger Sydo tv. Außerdem machte der geltend, daß auch hier das Shakespearefeche Wort im" Hamlet" anzu- Kläger eine Anzahl Zeugen dafür namhaft, daß die Bemerkung, wenden sei:„ Es seien Leute, die mit dem Lügenköder den auf welche sich die Widerklage stügt, einer Ansicht entspricht, welche Wahrheitstarpfen fangen sollen". Was solche Detektivs, in den Kreisen, die dem Kläger nahestehen, allgemein verbreitet ist. sich in eine Komplicenrolle hineindrängen, in die An- Der neue Termin wird demnächst anberaumt werden. geklagte hineinsuggeriert haben mögen, die " fönne man nicht Amtlicher Marktbericht der städtischen Marktballeu- Direktion über Marktlage: Fleisch: den Großhandel in den Zentral- Markthallen. Zufuhr schwach, Geschäft ruhig, Preise unverändert. 28 ild: Zufuhr genügend, Geschäft ziemlich rege, Preiſe fest. Geflügel: Zufuhr ges. Geschäft ziemlich rege, Preise wenig verändert. Butter und Käse: nügend, Geschäft schleppend, Preise befriedigend. Fische: Zufuhr genügend, Geschäft ruhig, Breise unverändert. Gemüse, Obst und Süd. früchte: Zufuhr reichlich, besonders in Blumenkohl. Geschäft flau, Preise gedrückt. Zu einer gesunden Lebensweise gehört unbedingt Kathreiners Malzkaffee. Arbeiter- Bildungsschule Berlin. Sonntag, den 11. 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