Nr. 239. Abonnements- Bedingungen: # bonnements Preis pranumerando? Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat Eingetragen in die Post- Beitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 25. Jahrg. B Die Infertions Gebühr beträgt für die fechsgespaltene stolonel geile oder deren Raum 50 Pig., für bolitische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ..Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Bort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonntag, den 11. Oftober 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. die Gesinnung der Unterdrückten zu infamieren, fällt legten deuten soll, die Durchfahrt durch die Dardanellen nicht etwa Endes das zurück, was in diesem Verfahren dem Angeklagten zu forcieren und so wieder eine vollendete Tatsache" zu schaffen. Heimgeschickte Ehrenwächter. gebadht war. Die deutsche Diplomatie bemüht sich unterdessen Leipzig, 10. Oktober.( W. T. B.) Die Begründung des Urteils können wir heute noch nicht geben, durch schöne Worte bei den Türken wieder gut zu machen, da über die Verhandlung, die nicht öffentlich war noch nichts mit was sie in der letzten Zeit gefehlt hat. Der deutsche BotLiebknecht Prozeß. Das Urteil des geteilt wurde. Der Ehrengerichtshof war gebildet aus dem Reichs- schafter hat im Auftrage Wilhelms II. Protest dagegen erhoben, Ehrengerichtshofes der Rechtsgerichtspräsidenten Freiherrn v. Seckendorff als 1. Vorsitzenden und daß die letzten Ereignisse auf der Balkanhalbinsel einem Einanwälte lautete: Sen Reichsgerichtsräten Männer, Rhode, Bernhardi, so- bernehmen zwischen Deutschland und Desterreich- Ungarn entDie Berufung der Staatsanwaltschaft gegen wie den Rechtsanwälten am Reichsgericht Schering, Maltwit, sprungen seien. Ein solches Einvernehmen habe niemals beden Augeschuldigten freisprechende Benetti. Als Ankläger fungierte Oberreichsanwalt Schweigert, standen. Die Ereignisse spielten sich ab, ohne Urteil der Auwaltkammer der Provinz Branden- als Verteidiger der Rechtsanwalt Otto Emil Freytag in Leipzig. standen. Die Ereignisse spielten sich ab, ohne burg wurde verworfen. Der Angeklagte Der Oberreichsanwalt beantragte die Ausschließung Liebknechts daß die deutsche Regierung bevorher bleibt also Rechtsanwalt. Die Kosten aus dem Anwaltsstande. Nach 21stündiger Beratung wurde das na chrichtigt gewesen wäre. Gegenüber diesen Entdes Verfahrens hat die Anwaltkammer der Pro- staatsanwalts in Berlin lautet. Der Ehrengerichtshof trat der stichhaltig sind. Deutschland hätte eben eine unterUrteil verkündet, das auf Zurückweisung der Berufung des General- schuldigungen ist nur zu wiederholen, daß sie leider wenig vinz Brandenburg zu tragen. Begründung der ersten Instanz bei. das Die Balkankrise. richtete Diplomatie gebraucht und rechtzeitig DesterDie Staatsanwaltschaft, die hinter ihr stehenden Regiereich daran hindern müssen, die die Brandfackel in ein rungen des Reichs des Reichs und Preußen, die Scharfmacher Pulverfaß zu werfen. Außerdem kommen diese Entschuldialler Art haben eine unzweideutige Lektion erhalten. gungen viel zu spät. Die Verspätung erklärt sich ja wohl Selbst der so sorgfältig zusammengesetzte Ehrengerichtshof aus dem Umstande, daß der Kaiser bei Jagden, Bülow und der Rechtsanwälte, der aus vier Richtern und aus drei von Schoen in ihren Ferien sein mußten. Nur soll man sich nicht den siebenmal gefiebten, vom Reichsgerichtspräsidenten auswundern, daß bei dieser Leitung der auswärtigen Politit gewählten Reichsgerichtsanwälten besteht, hat es abgelehnt, Die Spannung auf dem Balkan dauert unverändert fort. England und Frankreich in der Türkei die Stellung eingenommen der halsbrecherischen Konstruktion der Staatsanwaltschaft In Konstantinopel verstärken sich die reaktionären haben, die Deutschland verloren hat. Die Beteuerungen zu folgen, folgen, daß der wegen eines politischen Reats Agitationen gegen die friedliche Haltung der Regierung. Aber Deutschlands verlieren übrigens auch dadurch an Wert, Verurteilte, den das Reichsgericht unter Berücksichtigung seiner auch in jungtürkischen Streisen selbst, besonders innerhalb der daß gleichzeitig versichert wird, Desterreich- Ungarn könne chrenhaften Motive zur Festungshaft verurteilte, unwürdig Armee ist die kriegerische Stimmung im Wachsen. Die Kund- unbedingt auf die deutsche Unterstützung rechnen, Besei, den Beruf des Rechtsanwalts auszuüben! Genosse gebungen richten sich dabei weniger gegen Bulgarien als teuerungen, die um so überflüssiger sind, als uns der BündnisDr. Karl Liebknecht bleibt Rechtsanwalt! Der angebliche gegen Desterreich und Deutschland. Die Boykottbewegung gegen vertrag zu dieser Unterstüßung feineswegs berHochverräter wird nach wie vor im Gerichtssaale den Ver- österreichische Waren hat einen ernſteren Charakter angenommen. pflichtet und wir wirklich keinen Grund haben, der östertretern der Staatsanwaltschaft als Gleichberechtigter gegen Einzelne Leute oder größere Gruppen verhindern den Eintritt in reichischen Politik, die uns in eine so üble Lage gebracht österreichische Geschäfte. Die Straßenfundgebungen dauern hat, besonderen Dank zu wissen. Die Interessen Deutschlands übertreten. Die Dardanellenfrage. Der Versuch, auf dem Umwege des Ehrengerichtsver- fort. Die Stadt ist in großer Erregung und der Patrouillen auf dem Balkan verlangen die Unterstüßung der fahrens zu erreichen, was die Staatsgewalt im ordentlichen dienst muß in einigen Stadtteilen durch Militär verstärkt freiheitlichen Entwidelung in der Türkei, Gerichtsverfahren nicht erlangen konnte, die Ehrloswerden. Französische Meldungen besagen, daß die Türkei weil nur eine freiheitliche Türkei die Bürgschaft für die erklärung des Hochverräters, ist mißglückt. Die Mobilmachung von einigen zehntausend Aufrechterhaltung des Friedens und der ungestörten Diesmal hat der Ehrengerichtshof es abgelehnt, über die Ehre Mann verfügt hat. Bestätigt sich diese Nachricht, so erfährt wirtschaftlichen Entfaltung des Landes bietet. Der Schlag, des Rechtsanwaltstandes ein besseres Urteil als die Vertreter das Verhältnis zu Bulgarien eine neue Verschärfung, den Desterreich gegen die Türkei geführt hat, hat auch Deutschder Anwälte selbst fällen zu können. da Bulgarien erklärt hat, daß es jede Konzentration land geschädigt und diese Schädigung ist durch diplomatische Er fonnte nicht wohl anders. Das freisprechende Urteil türkischer Streikräfte als Beleidigung und Heraus- Redensarten nicht wieder aus der Welt zu schaffen.. des Ehrengerichtshofes der Provinz Brandenburg, das wir forderung betrachten müsse. In der türkischen Provinz vor einigen Tagen hier veröffentlichten, war so schlüssig, auf wächst die Kriegsstimmung. In sämtlichen Städten so durchschlagende Gründe gestützt, daß eine Umstoßung und Garnisonen finden Protestmeetings gegen Bul nur unter Anwendung von Konstruktionen möglich ge- garien und Desterreich statt. Auch die Angliederung Ueber das Verhältnis von England und Rußland wird und wesen wäre, deren Waghalsigkeit und Künstelei sie deutlich retas an Griechenland scheint die Türkei nicht ruhig hinaus London vom 8. Oftober noch geschrieben: als Mißhandlung der Logik gekennzeichnet hätte. Der Frei- nehmen zu wollen. Die Pforte hat verlangt, daß Griechen- Der russische Minister des Aeußern, Herr Jewolsky, trifft spruch ist eine Selbstverständlichkeit. Aber im land das Vorgehen Kretas desavouiere. Die griechische Re- morgen in London' ein, um mit Sir Edward Grey über die äußere verpreußten Deutschland werden auch Selbstverständlichkeiten gierung hat aber auf dieses Verlangen keine Antwort erteilt. Lage im allgemeinen und über die plöglich ausgebrochene orientalische des öfteren mißachtet, wird oft genug das Unglaubliche, das In Belgrad dauert die Erregung fort. Die Re- Krise im besonderen zu beraten. Beide Minister stehen vor Unerhörte Ereignis. Und die Mißhandlung politischer Ver- gierung wird heftig angegriffen und in den Straßen wird vollendeten Tatsachen von großer Bedeutung. Die ganze Drienturteilter ist nur allzuoft in dem Bereich der preußischen weiter demonstriert. Doch ist es auch bei diesen Reden frage ist aufgerollt und sie kann nicht mehr gelöst werden, ohne und verpreußten Bureaukratie eine eifrig gepflegte Spezialität borläufig geblieben. Die Stupichtina, die gestern zusammen- frühere internationale Verträge über die Türkei zu beseitigen. Was gewesen. trat, hat sich nach Erledigung der Eröffnungsformalitäten Desterreich- Ungarn und Bulgarien sich gestatten durften, wird Ehrloserklärung und Existenzbernichtung wieder vertagt, das vernünftigste, das sie tun fonnte. Und auch Rußland für sich in Anspruch nehmen. Und Rußland heischte die Staatsanwaltschaft im Auftrage der bersippten in der österreichischen Delegation hat Herr v. Aehrenthal die ist besonders an der Meerengenfrage interessiert. Der Regierungen Preußens und des Reiches vom Ehrengerichtshof Aufgeregten zu beruhigen versucht, ihnen bei artigerem Be- Berliner Vertrag( 1878) berpflichtete Rußland, den Bestimmungen gegen den des Hochverrats Verurteilten. Und hinter ihnen tragen sogar die Regelung verschiedener Wünsche, die sich auf über die Meerengen, wie sie in den Verträgen aus den Jahren 1841, standen die Reaktionäre aller Farben, die Scharfmacher, die die Regelung der Schiffahrtsverhältnisse auf der Donau be- 1857 und 1871 niedergelegt wurden, dem Geiste und dem Buchherrschenden Schichten der Besitzenden, Großindustrielle und ziehen, in Aussicht gestellt. Gleichzeitig aber hat Desterreich staben nach treu zu bleiben. Die Meerengen( Bosporus und Junter. Ihre Drgane hatten den Freispruch des Ehrengerichts alle militärischen Maßregeln ergriffen, um verrückte Putschisten Dardanellen) find also gegen fremde Kriegsschiffe geschlossen, der Anwaltskammer begeifert, hatten unzweideutig die Aus- zu verhindern, die serbischen Reden ernst zu nehmen. In so daß die russische Kriegsflotte sie weder in der Richtung stoßung Liebfnechts aus dem Anwaltsstande gefordert. Sie Bosnien sind zahlreiche Serben verhaftet worden, und Profla- vom Schwarzen Meer noch in der nach dem Schwarzen Meer alle hatten schon das Urteil des Reichsgerichts getadelt, weil mationen, die zur Vertreibung der Desterreicher aufforderten, passieren darf. es den Verurteilten nicht ins Zuchthaus, sondern auf die tonfisziert worden. Auch in Cettinje ist man sehr Es ist bekannt, daß Rußland sich durch diese Bestimmungen ein Festung sandte, weil er sich geweigert hatte, die abweichende erregt. Vor der österreichischen Gesandtschaft fand geengt fühlt, da ein Teil seiner Flotte immobilisiert ist. Sopolitische Meinung mit dem Schimpf der Unehrenhaftigkeit eine große Demonstration statt, wobei sämtliche Fenster lange die alte Feindschaft zwischen England und Rußland dauerte, zu belegen. Sie forderten von der Klassenjustiz ganze Arbeit! durch Steinwürfe zertrümmert wurden. Doch wird die Unter- hatte letteres teine Aussicht, einen Widerruf der MeerengenSie soll dem in ihre Hand Gegebenen nicht bloß auf lange stügung Montenegros wohl selbst in Serbien kaum als aus Bestimmungen zu erlangen. Seit dem Abschluß der englischBeit die Freiheit nehmen, sie soll ihn, so wollen sie, auch reichend angesehen werden, den Krieg anders als mit Schelt- russischen Entente hat sich die Lage geändert. Es ist deshalb mögfchänden, soll ihn entehren! Der Angriff auf eine und Schimpfreden zu führen. lich, daß die englische Regierung sich jetzt nachgiebiger zeigen werde, der stärksten Stüßen der Klassenherrschaft soll nicht nur für Die Diplomatie beschäftigt sich unterdessen unaus vorausgesetzt, daß die Jungtürken nichts dagegen einwenden. Viel strafbar erklärt werden, er soll auch vor der Deffentlichkeit gesetzt mit der Frage des Kongresses. Der russische Minister leicht tommt es fogar zu einer Aufnahme der Türkei in die englischals Ehrlosigkeit gebrandmarkt werden. des Auswärtigen swoisty ist in London eingetroffen, französisch- russische Entente. erklärung. Bor solcher Tat sind die Reichsrichter und der Ehren- um dort persönlich mit Grey zu unterhandeln. Rußland Der nächste internationale Kongreß über die Drientfrage wird gerichtshof im Fall Liebknecht zurückgeschreckt. Die Vor- wünscht zweifellos die freie Durchfahrt durch die Dardanellen. zeigen, wie das englisch- russische Verhältnis sich gestaltet. Den ehr urteile der Herrschenden sind auch die ihrigen, der in den Daß England diese Forderung ohne weiteres erfüllen würde, lichen Maller wird da die franzöfifche Diplomatie spielen. Grenzen der Gefeßlichkeit bleibende Angriff auf die Insti- ist kaum anzunehmen. Denn damit wäre zweifellos die ganze tution des Militarismus war auch dem Reichsgericht eine orientalische Frage aufgerollt und England vor die Frage gestellt, Die bulgarische Sozialdemokratie und die Unabhängigkeitsstrafbare Tat. Aber für die Unbedenklichkeit der Anschauung, ob es seinerseits seine Ansprüche auf türkisches Gebiet, das heißt daß der politische Feind ein Ehrloser ist, waren Reichsgericht aber auch vor allem auf Aegypten geltend machen will. Man schreibt uns aus Sofia vom 7. Oktober: und Ehrengerichtshof im Falle Liebknecht nicht reif. Ein Dies bedeutete aber nicht nur, daß England seine bisherige Vom sozialdemokratischen Standpunkt aus ist sicher gegen die Rest von Kulturgewissen, ein Rest vom Fühlen des einst Politik gegenüber der Türkei wieder völlig ändern müßte, die nationale Unabhängigkeit und Selbstbestimmung eines Volkes revolutionären Bürgertums, gegen das die Junker auch mit Anektierung Aegyptens würde auch die Opposition der natio- nichts einzuwenden. Ebenso kann man Bulgarien das Recht zu der Waffe der Infamierung kämpften, blieb zurück und nalistischen Parteien in Aegypten außerordentlich stärken und gestehen, die ostrumelische Strecke der orientalischen Eisenbahnen bäumte sich auf. die ganze mohammedanische Welt England zum Feinde machen. in Staatsbesitz zu übernehmen. Die bulgarischen Sozialdemo Und so steht denn jetzt die Staatsanwaltschaft, die die Es ist daher wahrscheinlich, daß eine Einigung über das Kongreß- traten haben vielfach aus sozialpolitischen Gründen die Bumutungen der Regierungsgewalt unbedenklich ausfiihrte, im programm sehr lange dauern wird, wenn sie überhaupt zustande Verstaatlichung gefordert. Allerdings ohne Erfolg, da die bulgaRichte ihres Mißerfolges nadt vor der Deffentlichkeit. Auch kommt. Und schon heißt es, daß der Kongreß sicher nicht vor rischen Machthaber sozialpolitischen Argumenten nicht zugänglich für die Herren Generalstaatsanwalt Wachler und Oberreichs- Januar zusammentreten würde. Unterdessen ist England zu einer waren. Für sie waren nur strategische Rücksichten maßgebend. antralt Schweigert, die vor dem Ehrengericht und dem Ehren- Flottendemonstration im Aegäischen Meere ge- Anders aber steht es mit der Frage, ob die bulgarische Regierung gerichtshof die Ehrloserklärung des angeblichen Hochver- fchritten. Die Demonstration hat in erster Linie den Zweck, die passende Zeit und die richtigen Mittel für ihre räters forderten, gilt, was Genosse Liebknecht dem Ober- den Balkanstaaten zu zeigen, daß England auch vor einem Aktion ausgewählt hat. Und hier kann das Urteil nur lauten, reichsanwalt Olshausen vor dem Reichsgericht sagte: daß er aktiven Eingreifen, falls es nötig ist, nicht zurückschrecken daß man die abenteuerliche Weise, in der die Regierung lieber auf der Anklagebank size, denn an seiner Stelle stehen würde. Sie ist also zunächst eine Unterstützung des vorgegangen ist, aufs schärfste verurteilen muß. Der niöchte. diplomatischen Eingreifens Englands für die Türkei. Es ist neue Bar" hat nur als Werkzeug der österreichischen Aspirationen Aber die Staatsanwaltschaft ist nur das Werkzeug des aber nicht gerade unwahrscheinlich, daß die Anwesenheit der auf dem Balkan gehandelt. Die bulgarische Sozialdemokratie Regierungssystems. Auf das in Preußen herrschende System, englischen Flotte auch für die Nüssen eine Warnung be- steht einem solchen Verhalten vollständig ablehnend gegenüber. Ter Proiest Sei- Türkei. •" lAonstantinopel, 10. Oktober. In einem an die ottomanischen Botschafter gerichteten Prote st zirkulär, von dem der hiesigen österreichisch-ungarischen Botschaft Abschrift überreicht werden soll, erklärt die Pforte, sie betrachte nach ernstem Studium der in der Rote der österreichisch-ungarischen Botschaft dargelegten Er- wägungen es als Pflicht, zu erklären, dasi sie sich der A n s ch a u« ungsweise der ö st erreichisch-ungarischen Negierung keineswegs anschließe.. Das bisher in Bosnien geltende Regime gründe sich auf die Verträge von 1879, welche in klarer Weise die Art der Okkupation und Verwaltung durch Oester- reich-Ungarn und die SouveränitätZrechte der Türkei festsetzen. Es sei unmöglich, die Bestimmung der erwähnten Verträge ohne die Zustimmung der Türkei als Eigentümerin-und der Signatarmächte zu verletzen. Infolgedessen halte die Türkei an. allen diesen durch Verträge gewährleisteten Rechten fest und lege gegen das Vorgehen Oesterreich-Ungarns, das die erwähnten Ver- träge nach Belieben verletzen wolle. Protest-in. Unruhen in Smyrna. Konstantinopel, 10. Oktober. Die griechische Gesandt- s ch a f t lenkt« gestern die Aufmerksamkeit der Pforte auf die Lag« in Smyrna, wo wegen griechischer Wahlsiege unter den Mohammedanern eine besorgniserregende christenfeindliche Bewegung herrschen soll. Die Pforte versprach, entsprechende Maßregeln zu treffen. Auch andere Konsulardepeschen aus Smyrna melden, daß dort Unruhen befürchtet werden, da die Türken sich bewaffnen. DaS englische, französische und das italienische Konsulat haben die Bereitstellung von Kriegsschiffen im Archipel erbeten. Aus Kreta. Kanea» 10. Oktober. Die Regierung erhielt amtliche Mit- keilung. daß die kretische Miliz für das Königreich Griechenland den Treueid abgelegt habe. Kompensationen für die Türkei. Paris, 10. Oktober. Der österreichische Botschafter äußerte sich gegenüber einem Mitarbeiter des„Siecle" über die Kompensationen, welche der Pforte eventuell gegeben werden könnten. Er erwähnte die Abänderung der internationalen I n- stttutionen in Mazedonien sowie Regelung gewisser juristischer Fragen. Der Botschafter bemerkte, daß seine Regierung die erste sein würde, diese gerechten Kompensationen vorzuschlagen, Serbische Provokationeu. Belgrad, 10. Oktober. Unter Vorantragung von Fahnen zog heute die Studentenschaft vor die Skupschtina und über. reichte im Sitzungssaal eine Petition, gegen die Annexion Bosniens alles aufzubieten. Als der Zug am Palais vorbeikam, erschien der Kronprinz, der für die Ovationen dankte und er- klärte, der König und die Regierung hätten das Wohl des Vater- landes stets vor Augen. Vor dem Denkmal Michaels wurde eine schwarzgelbe Fahne verbrannt. Bulgaren gegen Serben. ■cflfia, 10. Oktober. Infolge der Verhaftung der Serben, die gegen das Pulverdepot bei Sofia einen Anschlag verübten, sind gigen ZgO.serbische Arbeiter aus- gewiesen worden. Der hiesige serbische diplomatische Agent erschien deshalb gestern im Ministerium des Äeußeru, um gegen diese Ausweisung sowie gegen die Behauptung mehrerer Blätter zu protestieren, nach der die hiesige serbische Vertretung in die Anschlagsangelegenbeit verwickelt sein solle. Die englische Flotte. Malta, 10. Oktober. Vizeadmiral Prinz Battenberg ist gestern abend mit zwei Schlachtschiffen und zwei Tor- pedobootszerstörer in See gegangen. Malta, in Oktober. DaS Schlachtschiff„C a n o p u S" ist in See geg'i'gen, um zu dem Geschwader des Prinzen Batten- berg in den türkischen Gewässern zu stoßen. Hier ist das Gerücht verbreitet, naß das Flaggschiff der Mittelmeerflotte,„Queen", instand gesetzt wird, um am nächsten Montag mit dem Ober- kommandierenden, Admiral Drury. den Hafen zu verlassen. Einberufen. Bochum, 10. Oktober. Zahlreiche im Ruhrgebiet tStlge S st e r- teichische Arbeiter, ehemalige Unteroffiziere, erhielte» eilige Einberufungsorder. Ilm Pranger. New Nork, 25. Sept.(Eig. 59er.) Ter Wahlkampf ist-n seine letzte Phase getreten, in die 5er„Enthiillungm". Die Sündm der kapitalistischen Parteien und ihrer Kandidaten und Führer, über die man zu gewöhn- lichen Zeiten nur allzu gern den Mantel der christlichen Nächstenliebe deckt, weil nänilich Rabbi wie Mönch gleicher- uwßen stinken, werden jetzt bloßgestellt. Viel Neues kommt dabei nicht'zeräus. Denn daß die demokratische und die republikanische Partei in gleicher Weise unter dem korrum- pierenden Linfluß des Großkapitals und der Trusts stehen, ist eine solch allbekannte Tatsache, daß es dazu kaum noch„Ent- hüllungen" dedarf. Wesentlich sind dabei lediglich die genauen Einzelheite», die zeigen, wie sich die kapitalistischen Parteien und ihre Führer den Trusts verschreiben. Und das Spaßhafte bei der Sache ist, wie die Deniokraten, Republikaner und Hearstianer den Schulbuben gleich sich gegenseitig vorwerfen: „Ihr seid ja noch weit schlimmere Gauner als wir" und wie gerade jene, die am tiefsten im Moraste sitzen, die lautesten Schreier sind. Den Anfang mit den Enthüllungen hat der berüchtigte Zeitungsherausgeber William Randolph H e a r st gemacht, welcher der Aushältcr der von ihm gegründteten Jndependenee League(Unabhängigkeitsliga) ist und zweifelsohne mit den Republikanern einen Pakt für die bevorstehende Wahl abge- schlössen hat. Durch unerschütterliche Belveise lieferte er den Nachweis, daß der demokratische Präsident- fchaftskandidat William I. Bryan, der gegenwärtig von Freundschaft für die Arbeiter überfließt und für dessen Wahl bekanntlich ja auch bornierte Gewerkschaftsführer wie Samuel GomperS eintreten, während seiner Tätigkeit im Bundeskongreß einer Deputation deS Verbandes der Fenster- glasarbeiter die Worte entgegenschleuderte:„DieArbeiter sind öffentliche Bettler!" Noch weit unangenehmer ist dem Trustbekämpfer die fernere Konstatierung der Tatsache, daß et sich zu seinem Ver- trauten und zum Schadmcistcr des nationalen demokratischen Wahlausschusses eine» Mann(den Gouverneur Haskcll von Oklahomas erkoren hat, der den Generalanwalt Monnett des Staates Ohio mit 4l)<1<100 Dollar zu bestechen suchte, ejn Verfahren gegen die Standard OH Co., das ist Rockefellers Petroleumtrust, einzustellen. Und 'von derselben Standard Oil Co. hat Zaskell einen Wahlbeitrag in Höhe von 300 000 Dollar empfangen und an die demo- kratische Parteikasse abgeführt, obwohl Bryan feierlich ver- sichert hatte, daß von Trusts und deren Angestellten überhaupt kerne Beisteuern angenommen werden. Zur Vervollständigung des Bildes dieses„Volksfreundcs" Haskell sei beigefügt, daß er an der Gründung von Bürgervereinigungen, deren ausschließlicher Zweck die Vernichtung der Ge- w e r k s ch a f t e n ist, in hervorragendem Maße beteiligt war, und daß er als Gründer eines recht zweifelhaften Bahnunter- nehmens, das nachträglich verkrachte, mit den Gerichten in Konflikt geraten ist, Nicht besser als Haskell kommt bei den Hearstschen Ent- hüllungen der republikanische Bundessenator F o r a k e r aus Ohio weg. An der Hand von Briefen, deren Echtheit von den Beteiligten zugegeben wird, ward der Beweis geliefert, daß Senator Foraker, einer der geistig bedeutendsten Männer der republikanischen Partei, seit Jahren Stipendiat des Standard Oil Trust ist, daß er den Beamten des Oeltrusts Gesetzentwürfe zur vorherigen Begutachtung vorlegte und nach deren Wünschen abänderte. Handelte es sich um die Besetzung von Richtcrstellen oder um die Aufstellung von Kandidaten für andere Aemter, so pflegte der Trust seinen Kommis Foraker. der innerhalb seiner Partei bis vor kurzem einen dominierenden Einfluß ausübte, anzuweisen, sich für die dem Trust genehme Persönlichkeit zu verwenden. Nun behauptet der mit Foraker persönlich verfeindete Präsident Noosebelt und der aiif Roosevelts Kommando von den Republikanern erhobene Präsidentschaftskandidat Exkriegs- sekretär William H. Taft, Foraker habe im Gegensatz zu ihrer eigenen Haltung stets eine andere Richtung innerhalb der Partei vertreten und sei allezeit ein Freund der Trusts gewesen, und deshalb treffe sie die Bloßstellung ihres Gegners nicht im geringsten. Untersuchen wir aber, inwieweit Noosevelt und Taft im Rechte und von dem körrümpitzrendm Einsluß der Korpora- tionen und ibrer Werkzeuge frei sind. Auf die pharisäischen Erklärungen Roosevelts antwortete Foraker, daß Taft, als er noch Krtegssekretär war, dem Präsident Noosevelt dringend ans Herz gelegt hat. doch ja den Anwalt John H. Doyle, den juristischen Ratgeber der Standard Oil Co., zum Bundesrichter zu ernennen. Und die Demokraten, gegen welche Noosevelt die Ent- hüllungen über die Beziehungen zwischen dem erwähnten Haskell und dem Oeltrust in offenen Briefen auszuschlachten suchte, wiesen nach, daß der nationale republika- nische Wahlausschuß nur ein Haufen Trust- Häuptlinge ist, daß der republikanische Söckelmeister Sheldon im Direktorium von mindestens zwanzig Trusts und Korporationen sitzt, daß ein anderes Mitglied des Wahlausschusses namens D u P o n t an der Spitze des Pulvertrusts steht, desselben Pulvertrusts, gegen den zurzeit ein auf Roosevelts Betreiben eingeleitetes Verfahren wegen Verletzung der Antitrustgesetze schwebt, und daß verschiedene andere Herren des Ausschusses in der gleichen engen Verbindung mit Trusts stehen. Nun zu Noosevelt selbst. Wenn.irgend jemand Ursache hätte, den Mund nicht allzu voll zu nehmen, so dieser„Gentlc- man". Im Herbst 1004, als er zum ziveitcnmal für die Präsi- dentschaft kandidierte, sprach Schatzmeister Bliß des nationalen republikanischen Wahlausschusses sicherlich nicht ohne Wissen Noosevelts bei der Standard Oil Co. vor und machte IM 000 Dollar zum Betreiben einer lebhaften Agitation für die Kandidatur Noosevelts locker. Ende Oktober desselben Jahres schrieb Noose- velt an den Eisen bahnkönig Edward Harri- man, den er später bekanntlich einen»nicht wünschenswerten Bürger" nannte, einen Brief, worin er um dessen Besuch im Weißen Haus bat. Harriman kam der Einladung nach. In Washington setzte alsdann Noosevelt dem Eisenbahnkönig aus- einander, daß die Republikaner bei der etliche Tage später stattfindenden Wahl den Staat New Jork verlieren werden, wenn Harriman nicht sofort große Geldmittel(zum stimmen- kauf natürlich) beschafft. Hapriman kehrte nach Washington zurück. Hier legte ihm Schatzmeister Bliß des republikani- scheu Wahlausschusses nochmals den„Ernst der Situation" dar und forderte sein sofortiges Einspringen. Innerhalb weniger Stunden brachte Harriman unter der Hochfinanz und den Trustmagnaten, gegen die Noosevelt seine Theaterdonner zu richten pflegt, die Summe von 263 000 Dollar(über eine Million Mark) auf, wodurch es. w!x Harriman selbst schreibt. der republikanischen Partei möglich wurde, am Wahltag in der Stadt New Bork allein mindestens 50 000 Stimmen„au f die andere Seite zu bringen" oder, richtiger ausgedrückt, sie zu kaufen und dadurch den Staat New Dork für Noosevelt zu retten. Soviel zur Kenn- zeichnung des«ollen ehrlichen Noosevelt" und der Aufrichtig- lest seines Kampfes gegen die Trusts. Mit diesen Namen ist indessen die Liste feiler Politiker noch lange nicht erschöpft, aber sie dürfte als Beweis, daß die Demokraten und Republikaner sich gegenseitig nichts vorzu- werfen haben, wohl genügen. Und Hearst, der den Schleier zu lüften begonnen, ist, soweit seine Ehrlichkeit als Politiker in Betracht kommt, um kein Iota besser. So beherrschen die Trusts in dem Musterlande der bürger- lichon Demokratie die politische Maschinerie. Im Zeitalter des entwickelten Kapitalismus bleibt die politische Gleichheit eine Illusion, solange sich ihrer nicht das Proletariat vermittels selbständiger klassenbewußter politischer und gewerkschaftlicher Organisationen zu bedienen gelernt hat. politiscke(leberlidrt. Berlin, den 10. Oktober 1008. Der bescheidene Moloch. Die Militär-Offiztösen fühlen immer wieder das Be- dürfniS, der Welt zu versichern, daß der nächste Heeresetat für daS Finanzjahr 1009/10) nur geringe, dringende Mehr- forberungen cuthalten wird, da sich das KriegSministerinm. sparsam wie es bekanntlich ist, tn seiner Bescheidenheit darauf beschränkt hat, nur das Allernotwendigste zu fordern. So meldet z. B. jetzt wieder die„Mil. Pol. Korr.", daß der Militäretat für 1000/l0„außer einer Reihe dringender militärischer Fordetungen" und der Erhöhung der Mannschaftblöhnung um 3 Pfennige pro Tag keine besondere, außerordentliche Steigerung über daS Vorjahr bringe. „Die Verhandlungen zwischen den Offizieren beS KrstgS- ministeriums und den Räten des ReichSschatzamIeS", schreibt die genannte Korrespondenz,„haben zu ganz erheblichen Ab- strichen dein ersten Voranschlage gegenüber geführt. So mußten nicht mir die meisten ersten Raten von einmaligen Reuforderungen fallen, sondern eS hat sich auch das Eiuemsche Ressort zur äußerst möglichen Eiuschräukung für die wichtigen Etatsposten verstanden die Bewaffnung, Bekleidung, Feldküchen und ähnliches betreffen. Schon jetzt kann andererseits sicher damit gerechnet werdet?. daß über den Lorschlag des KriegSmimsteriumS hinaus der Reichstag auf einer Aufbesserung der Maunsckafts- löhnung um 19 Pfennige bestehen wird, was einer Mehrausgabe von etwa 3�/z Millionen Mark entsprechen dürfte. Auch wird, nach borläufigen Mitteilungen an das Reichsschatzamt von feiten führender Parlamentarier bereits ein Amendement zum neuen Offizierbesoldungsgesetz vorbereitet, wo- nach den drei im Regierungsentwurf vorgesehenen Leutnants- gehaltsstufen(von lö09, 1899 und 2199 Mark) noch eine vierte von 25 99 Mark— in besonderer Berücksichtigung der meist verheirateten älteren Oberleutnants— angeschlossen werden soll. Die Novelle beantragt rückwirkende Kraft auf den 1. April 1998, also Nachzahlung erheblicher Ge- Haltsposten. Ferner ist Aussicht vorhanden, daß im kommenden Reichshaushalt der wiederholten Forderung des Parlaments ent- sprachen werden, die Verwaltung deS ostasiatischen DetachementS vom Kriegsminifterium losgelöst und dem Reichsmarineamt übertragen wird." Alles ist relativ— besonders in einem deutschen Heeres- etat. Was heißt:„eine Reihe dringender mili- tärischer Forderungen?" Nach alter Erfahrung hält das Kriegsministerium stets alles, was es haben möchte, für äußerst dringend und notwendig. Und wie hoch sind diese dringenden militärischen Forderungen? Rechnet man dazu die Erhöhung der Mannichaftslöhne und die von den Konservativen gewünschte Erhöhung der Oberleutnantsgebälter, dürfte ein ganz nettes Sümmchen an militärischen Mehr- forderungen herauskommen. Zudem aber ist sicher, daß das Kriegsminifterium das, was es sich in Anbetracht der traurigen Finanzlage für 4909/10 verkneifen mutz, in dem Etat für 1910/11 nachfordern wird. Die Neufordcrnngen, auf die das Ressort des Herrn von Einem, dem Zwange folgend, nicht dem eigenen Triebe, diesmal hat verzichten müssen, sind doch nicht aufgegeben, sondern nur um ein Jahr zurückgeschoben. Sprachwidrige Klassenjustiz. In Itzehoe fand eine Volksversammlung statt, die sich unter anderem mit der unqualisizierbaren Beschimpfung der Sozialdemo- kratie durch einen Richter befaßte. ES handelte sich um folgenden Vorgang: In Krempe in Holstein hatte sich vor dem dortigen Schöffen- gericht ein Stellmacher wegen Beleidigung eines Gendarmeric- Wachtmeisters zu verantworten. Als besonders inkriminierend wurde die Arußerung des Arbeiters angesehen:„Sie sind ja auch ein Sozialdemokrat". Der Arbeiter wurde deshalb zu mehreren Monaten Gefängnis verurteilt. In der schriftlichen Begründung dieses Urteils findet sich folgender Abschnitt: „Bedeutend ist schon im täglichen Leben für den auf Wohl- anstäudigkeit haltenden Privatmann die Verunglimpfung, als Sozialdemokrat bezeichnet zu werden, da die Ziele dieser Partei unvereinbar sind mit den Geboten der Religion, der KönigStreue und Vaterlandsliebe, so i st dies in erhöhtem Maße für Beamte und Militärversonen der Fall. Beamte und Militärpersonen, die sich in Preußen zur sozialdemokratischen Partei bekennen, müssen als Schurken bezeichnet werden; . denn sie würden sich durch ihr Bekenntnis zu dieser Partei in schärfsten Widerspruch setzen mit ihrem Dienst- respektive Fahnen- eid." Der Amtsrichter, der dieses Urteil fällte, heißt Schumacher. Die Versammlung, für die der ReichStagSkandidat Paul Müller aus Hamburg referierte, erhob den schärfsten Widerspruch gegen diese Angriffe. ES wurde eine Resolution angenommen, die die Aeußerunc deS Richters als groben Verstoß gegen die richterliche Objektivität bezeichnet. Es wurde ausgesprochen, daß von diesem Richter ein unparteiisches Urteil gegen Angebörige der organisierten Proletarier nicht erwartet werden könne. Die Versammlung empfiehlt daher allen politisch und gewerkschaftlich organisierten Arbeitern von Itzehoe und Umgegend, künftighin den Amtsrichter Schumacher in allen Prozessen wegen Besorgnis der Befangenheit abzulehnen. Von dieser Resolution dem LandgerichtSpräsidenten in Altona dem Oberlandesgerichtspräsideliten in Kiel, dem Jiistizminister und den Staatssekretären des SteichSjustizamteS sowie der sozialdemokratischen RcichstagSfrakllon Kenntnis zu geben. Vielleicht empfiehlt der Justizminister dem Herrn Schumachei auch nebenbei, sich bei der Abfassung von Urteilsbegründungen nicht mir auf die Hervorkehrung seines patriotischen deutscheu Gefühls zv beschränken, sondern auch Mißhandlungen der deutschen Sprache zu unterlassen. Vielleicht versteht sich der Herr Schumacher dazu, sich die bekannten Bückier von Wustniann und SauderS anzuschaffen und durch eifriges Studium seine Kenntnisse der deutschen Sprache zu ergänzen._ Die bayerischen Zcntrumszwillinge. Herr Dr. Heim und Herr Dr. P i ch l e r, die feindlichen Antipoden des bayerischen Zentrums, die sich so oft in den letzten Jahren gekauft haben, wollen die Streitaxt begraben und Frieden schließen. Der„Bayerische Bauer", das Organ deS Nieder- bayertschcn VauernvereiNS(Ptchlersche Richtung) bkivgi nämlich eine von den Intimen Dt. Pichlers, Tr. Matzinger und Fkeiherrn v. Aretin unterzeichnete Erilarung folgenden Wortlauts: „Äm 1. September hat tn Plattktng eine erweiterte Äu?- schußberatung stattgefunden. Dort wurde die Geneigtheit zn einem Ausgleich mit Dr. Heim konstatiert und der Vorstandschaft die einstimmigen Beschlüsse der 92 auS allen Gauen Anwesenden alz die Grundlinien für die weiteren Verhandlungen borge- zeichnet. Herr Dr. Heim wurde hiervon in geeigneter Weise in Kenntnis gesetzt. Riederbayern ist zur Erlangung eines ehr- llchcn und dauernden Friedens im Interesse der gesamten christ- liehe Bauernvereinstzewcgung zu möglichstem Entgegenkommen und zu jedem Opfer bereit, das mit den Interessen der Mit- glieder und mit Ver Ehre unseres teuren Vereins vereinbar." Pichler streckt also trotz seiner Gemütsrobustlgkeit vor Heim die Waffen. Verwandte Seelen finden sich zu Wasser und zu Land,_ Volksschullehrer verschiedener Güte. Die Lande Mecklenburg haben bekanntlich� vielfach recht eigsm artige Zustände, im besonderen auch eigenartige Schulverhältnisse. Daß die Lehrer in der Ritterschaft eine ändere, geringere Ausbildung erhalten, als die übrigen Volksschullehrer des Lonbes, bedeutet zwar nur eine Zweiteilung.' Eine Bierteilung ergibt sich aber in geholt- licher Beziehung. Die Lehrer in den fünf„Groß-städten müssen mindestens 1299 bis 2499 M. für ihren Lebensunterhalt haben. tvithrend die Letzter in den Städten mit weniger als 19 999 Ein- Ivohyern mit 1999—2999 M. auszukommen haben. Die vom Staate angestellten und beioldeten Lehrer im Domaninm haben nur 899 bis 1$99 M. nötig, während die staatlich konzessionierien, alS Privatangestellte behandelten ritterschaftlichen Lehrer mit 999—1599 M (1990—1990 M. stehen auf dem Papier) auskömmlich besoldet sind. Unruhen auf den Karolinen. Köln, den 10. Oktober.(Telegramm.) Wie ein Berliner Telegramm der„Kölnischen Zeitung" Meldet, ist von dem Gouverneur Dr. Hahl, der in Begleitung von hundert melanesischen Soldaten mit dem Rcgierungs- dampfer„Seestern" nach Ponapc(Karolinen-Archipel) gefahren Mar, um dort bei den Ullrichen helfend einzugreifen, über Jap folgendes Telegramm an das NeichLkolonialamt eingelaufen: Es ist in Ponape v o r e r st ruhig. Die Lage i st aber gespannt. Ich beabsichtige, noch weitere hundert Melanesen als Verstärkung der Polizeitruppe nach Ponape zu senden und halte es für angezeigt, einen Kreuzer vor Tonape längere Zeit zu stationieren. Hierzu heißt es in dem Berliner Telegramm der„Köl- Nischen Zeitung": Nach dem Inhalt dieses Telegramms ist wohl anzunehmen, daß besondere Ereignisse, wie Angriffe auf die Negierungsstation, Verwundungen, Ermordungen von Europäern bisher in Ponape nicht eingetreten sind. Es hat daher auchjnehr Wahrscheinlichkeit, daß, wie von einer Seite berichtet wurde, die Unruhen in Streitigkeiten der Eingeborenen ihren Grund haben, als daß, wie die„Vossische Zeitung" über San Francisco sich melden ließ, Unzufriedenheit und Widerstand wegen einer Kopfsteuer vorliegen, lieber die Absicht, eine Kopfsteuer in Ponape, wo eine solche bisher nicht bestanden hat, einzuführen, ist hier nichts bekannt geworden. Ebenso liegt über den Grund zu den Unruhen amtlich noch kein Be- richt vor."_ Reform der Arbeiterversicherung. Offiziös wird gemeldet: Ende Oktober finden im Reichsamte des Inneren die mehr- fach angekündigte» Konferenzen mit Vertretern der Arbeitgeber und der Arbsiier über die bevorstehende Reform der Arbeiterver- sicherung statt. Für den Lg. Oktober find Vertreter der Orts-, Be- triebs-, Innung?--, KnappschaitSkrankenkaffen und der freien Hilfs- lassen sowie Vertreter der Kastenbeamten geladen. Am 24. Oktober wird über die Frage des ArzncimittekbezugeS für Krankenkassen und der Behandlung von Zahnkrankhcitrn, ebenfalls unter Zu- Ziehung ausgewählter Sachverständiger sämtlicher Interessenten- gruppen, verhandelt. Für den 27. Oktober ist sine Besprechung mit Verlrctcrn der IlnfallbernfSaenossenschaften, der Landesvcr- sicherungsanftallcn und der AuSfährungSbchörden unter Betcili- gung von Laienbeisihern de? RetchSversichcrUngSamteS angesetzt. Außerdem sind zu allen Verhandlungen, deren Leitung durch den Staatssekretär b. Dethniann-Hollwcg erfolgen wird, die beteiligten ReichSbehükdcn, die größeren BuiideSstaaten und das ReichS-Ver- sichcrungSamt eingeladen._ Die preußische Negirrnng und die Schiffahrts« abgaben. Im Anschluß an die jüngst durch die Pceffe gehende Nachricht, Baß die preußische Negieruiig. um freie Hand für die geplante Be- lastirng des Schiffsverkehrs durch SchiffahrtSabgaben zu gewinnen, «inen JiiterpretationScnlwurf zum Artikel 54 der Reichsverfasiung ausarbeiten lasse, beschäftigt sich die in Hamburg erscheinende deutsche nautische Zeitschrift„Hansa" mit der Frage, waS Preußen bisher, abgesehen vom Rhein, fllr die Schiffbarmachung seiner Flüsse getan hat. Das Blatt schreibt: „Preußen hat sich nun für den Rhein bemüht den Nachweis zu erbringen, daß die VerbcsserimgSprvjekte in ihrem Nutzen den Nachteil der Abgabenrrhcbmig weit überwiegen. So ist dieser Tage eine Dcnlichnfl erschienen, welche für den Rhein einen großzügigen Schlcusenbau in dem sogenannten BIngerloch vorsieht, wodurch der Rheinschiffahrt die Möglichkeit gegeben werden soll, ihre Schiffe um fünfzig Zentimeter tiefer zü laden als bisher. Allerdings ist hin« zuzinügen, daß dieser VcrbesserungSvorschlag bis jetzt der einzige ist, der etwa-, wirklich Greifbares ent« hält, WaS um so bedauerlicher erscheint, als gerade damit allein derjenige Strom hinsichilich der Schiffahrtsabgaben mit einiger- maßen sicheren Zahlen für die Zukunft rechnen kann, dessen Verkehr den ausländischen Häfen zugute kommt. Für alle übrigen Ströme hat eS die preußische Regierung noch nicht für nötig befunden, ein« nur einigermaßen ziiverlässige Erklärung abzugeben, darüber, welche Verbesierungcn den Schiffahrtsinteressenten geboten werden sollen, und in welchen Verbesserungen der die Nachteile der Abgab enerhebung überwiegende Nutzen liegen soll. Die preußische Regierung stellt also an alle dtejemgen Kreise. die an der Schtsfahrt, sowohl Binnenschifsahrt als Seeschiffahrt, interessiert sind.— und hierzu gehören auch eine ganze Reihe deutscher Bundesstaaten— das sonderbare ÄNsimien, daß eine Frage priiizipiell geregelt werden soll, bevor sie materiell geklärt ist. Matt kann nicht annehmen, daß die preußische Reglrniug lediglich um theoretischer Interessen willen schon jetzt auf eine Entscheidung in der Frage der Schiff- fahrtSabaaben drängt. Ilm so mehr sollte sie dafür Sorge tragen. daß die beteiligte» Kreise mm endlich einmal erfahren, wessen sie sich bei einer so schwerwiegenden Entscheidung für die Zukunft zu versehen haben."_ Die Gleichberechtigung in Hessen. In Vilbel bei Frankfurt a. M. wurde Genosse Armbrust zum Beigeordneten(des Bürgermeisters) gewählt. Bon 060 Wahlberechtigten stimmten 717|a6. Genosse Armbrust erhielt 360, zwei bürgerliche Kandidaten zusammen 353 Stimmen. Ob die hessische Regierimg die Wahl des Genoffen Armbrust bestätigen wird, ist fteilich noch fraglichl— Ein Urteil von prinzipieller Bedeutung. Der GlaShüttenbesttzer Ernst LouiS Kirschbaum in Virna hatte im Jahre 1004 die Bauerlaubnis zur Vergrößerung seiner Fabrik vom Stadtamt in Pirna unter der Bedingung erhalten, daß die Arbeit an den Strecköfen an Sonn- und Feiertagen zu niheN hatte. Der GlaShüttenbesttzer hielt aber diese Bedingung nicht«In und erhielt deshalb am 5. Dezember 1900 ein Strafinandat über 30 M. Dagegen ethdb er Einspruch beim Schöffengericht mit dem HlnweiS, daß solche Verbote nur vom RcichSarnt deS Jlmeru erlasse» werdetl sönnten. Der Einspruch wurde verworfen und K. legte mit dem- lelbcn Erfolge Berufung beim Landgericht und schließlich beim Ober- lnndeSgerickit ein. Aus' prozessualen Gründen wurde die Sache an das Landgericht zurückverwiesen� und�dieseZ bestätigte-- besonders auf Grund eines Gutachtens des Professors Regierungsrats Cafpari— das Urteil. DaS Glasstrecken sei keine Arbeit, die nicht ohne Schaden am Sonntag liegdn bleiben könne. Die Militärjnstlz, sie gegen SoldnfeNpciniger fast Nie mit voller Schärfe dorgehk, auch bau» nicht, wenn der angeklagte Vorgesetzte noch so brntal gegen »vehrlose Soldaten handelt, hat wieder einmal in einem Verhältnis- mäßig harmlosen Falle von Insubordination die Militärstrafaesetze in ihrer ganzen furchlbaren Hätte gegen einen Untergevenen angewendet, der noch dazu in der Trunkenheit gehandelt hat. Daö Kriegsgericht der IS. Division verhandelte gegen einen Musketier des 03. Jiifnnieriercgiinentß in Koblenz. Er hatte, als er nachts angebeitert auf dem Heimweg« War. ihm vegegnciide Unter« vifiziere nicht gegrüßt, gnr Rede gestellt, beleidigte er sie und weigerte sich, seinen Namen anzugeben. Als cin-r der Unterofnzlere die Nummer des SeitengeivehreS fesistelleu wollte, widersetzte sich der Soldat, sodaß der erstete sich der Waffe niit Gewalt bemächtigte. Der Angeklagte erklärte, infolge seiner damaligen Trunkenheit von dem ganzen Vorgang nicht» zn wissen. Die Unteroffiziere be- kündeten, der Soldat sei nicht sehr(1 1) betrunken gewesen. und er habe sie als Vorgesetzte erkannt. Das Gericht erkannte wegen „Widcrstandsleistung, Gehorsamsverweigerung, Achtungsverletzung und Bcleidigimg" auf acht Monate Gefängnis, trotzs der unbesirtttenen Trunkenheit und trotzdem der Soldat in keiner Weise tätlich geworden war. �_ Städtische Sozialpolitik. Die 13 Genossen im Dresdener Stadtverordnetenkollegium brachten in der gestrigen Sitzung deS Kollegiums einen Antrag auf Milderung des sich in volksreichen Stadtgegenden besonders bemerk- bar machenden Wohnungsmangels ein und frugen an,'in welcher Weise der Stadtrat die Initiative zur Beseitigung dieses Zustandes zu ergreifen gedenke. Nachdem Genosse Flcißner in eingehender Weise durch Beibringung von Material den Antrag begründet hatte und die Vertreter der enragierten Hausbesitzer, darunter der Ober- bürgermeister Veutler, sich in ablehnendem Sinne geäußert, wurde der Antrag gegen 16 Stimmen(es haben also nur drei bürgerliche Stadtverordnete dafür gestimmt) abgelehnt. Angenommen wurde dagegen ein Antrag, eine Statistik der leerstehenden Wohnungen auf- zunehmen.—- � � Oelterrdch. Die Verhaftung aufgehoben. Budapest, 10. Oktober. Die verhafteten s o z i a l i st i- scheu Parteiführer sind wieder freigelassen worden. Sie wurden jedoch verpflichtet, sich nicht aus der Stadt zu entfernen, da gegen sie die Untersuchung weitergeführt wird._ Der Einschüchterungsversuch vergeblich. Budapest, 10. Oktober. Neunzehn bei den vorgestrigen Demonstrationen verhaftete Personen, bei denen man Revolver vorfand, wurden dem Geriäitshof eingeliefert. Sie werden sich wegen Mordversuchs(I) zu verantworten haben. Die Parteileitung beabsichtigt aber- inalige Versammlungen einzuberufen, um gegen die vorgestrigen Verhaftungen zu protestieren._ Die Annexion als Vorspann für neue Rüstungen. Budapest, 10. Oktober. Wie verlautet, wird der Kriegsminister schon in der ersten Sitzung der ungarischen Delegationen mit dem Hinweis auf die Situation eine Erhöhung der Rekruten- zahl und gleichzeitig den Kredit dafür fordern, um den ungarischen Reichstag vor eine vollzogene Tatsache zu stellen. Wekerle ver- bandelt mit den Parteichefs, bisher mit Erfolg bei der Volks- und Verfaffungspartei. Die Vorsanktion der Wahlreform wäre der Lohn für ihr Wohlverhalten. Gelingen die Verhandlungen mit der Kossuthpartei nicht, so vertagt sich die ungarische Delegation bis 20. Oktober. Cnglsncl. Die Arbeitslosen. London, 10. Oktober. Die Arbeitslosen kündigten neue De- m o n st r a t i o n e n an. Sie versuchten in die Kirchen einzudringen, um dort Versammlungen abzuhalten. Um das Franenstimmrecht. London, 10. Oktober. Die Frauenrechtlerinnen habe« neuktdingZ beschlosien, in das Parlament einzudringen. Sie haben diesbezügliche Ausrufe an alle Frauen gerichtet und erklären, daß sie entschlossen seien, auch in das Parlament Vertreterinnen zu senden. foißlauck. Der UniversitätSstreik. Petersburg, 9. Oktober. In einer allgemeinen Ver- sammlung von ZuHörerinnen der höheren weiblichen Kurse zu Moskau ist heute mit großer Mehrheit der Streik beschlossen worden. Ebenso beschlossen die Studenten der Universität Tomsk, den Besuch der Vor- lcsungen e i n z u st e l l e n. Pctrrsburg, 10. Oktober. Die Universität ist heute wieber eröffnet worden. Tau sende von Stu- d e n t e n versammelten sich im Universitätsgebäude und verhinderten die Versuche einzelner Professoren, Vorlesungen zu halten durch Lärmen vor den Hör- sälcn. Ernstere Ruhestörungen sind nicht vorgekommen, und ein Eingreifen der.Polizei hat nicht stattgefunden. Außer den Studenten der Universität streiken noch diejenigen des technologischen Instituts, des Polytechnikums, der medizi- nischen und der ForstakadeMie: dagegen dauern die Vor- lesiingen in den Instituten der Verkehrsingenieure und der Zivilingenieure fort._ FraiKölilclK ärbelterliongrelle. II"). Mit einem anderen„Reformismus" wird sich der Partei- tag der geeinigten Soziali st en in Toulouse auseinanderzusehen haben. Bekanntlich hat auch in Frankreich die Frage der Bugetbewilligung zu heftigen Auseinandersetzungen innerhalb der Partei geführt. Sie stellt sich indes einigermaßen anders dar als in Deutschland. Hat Deutschland BUdgetbewilllger aus Taktik, so stellt der Deputierte Breton die Spezies der Bnbgetbewilltger aus Prinzip dar. Als unerschütterlicher An- Hänger deS Blocks der Linksparteien, dem er die Aufgabe der Ueberleitung der bürgerlichen Demokratie in die sozialistische zu- teilt, beharrt er darauf, selbst für dag Budget einer Regierung wie der E l e m e n c e a u S zu stimmen, die sich zur Vollstreckcrin aller Unterdrückungswünsche der Unternehmer gemacht hat und alle Schrecken und Schikane« der bürgerlichen Polizei- und Justiz- Willkür auf die Organisationen und die Propandtstcn des Prole- tariatS losläßt. Er kümmert sich dabei weder Um den ElnigungS- Pakt der Partei noch um den Beschluß der Fraktionsmehrheit. Gegen Breton liegt ein Ausschlußantrag vor, gegen den stch aller- dtngs die Föderation Eher, die er vertritt, ausgesprochen hat. Immerhin hat der Födcrationskongreß mit überwältigender Majorität die Ablehnung des Budgets für die Zukunft für obligatorisch erklärt. Die Tendenzen Bretons werden auf dem Parteitag durch zwei Föderationen, Cöt« d'Or und Puy de Dom«, vertreten sein, die zusammen über S Stimmen verfügen. Man sieht also, daß der Blocksozialismus in der geeinlgten Partei wenigstens fllr die Dauer der jetzigen politischen Konstellation voll- kommen aussichtslos ist. Gegen eine« andere«„possibllistischen" Deputierten, den Ve- kannten Brousse» de« einstigen Trabanten BakUnins hat der Kongreß der TeiUe-Föderation einen AuSschluhantrag an- genommen. DaS Motiv ist die Weigerung Brsusses, den Aufruf der Fraktion gegen den Besuch FatllöreS beim Zaren zu unterzeichnen. Im Grunde aber war das«Lt der letzte Ab- l MM I erschien in der Nt. AS. schnitt eines langen Sündenregister». Brousse versuchte sich haupk» sächlich damit zu rechtfertigen, daß er behauptete, die russisch- französische Allianz sei ein Werk des— russischen Volkes. Wegen fortgesetzter Disziplinlosigkeit wurde auch der Pariser Gemeinde- rat Heppenheimer ausgeschlossen. Der so plötzlich erwachte Eifer der Seine-Föderation für die Parteibisziplin ist immerhin einigermaßen auffallend, zumal da er sich nur nach bestimmten Seiten richtet. Die Herbeistische Gruppe hat man ihr Partei- schädigendes Treiben ungehindert verfolgen lassen— erst in der jüngsten Zeit ist es zu Unstimmigkeiten zwischen den Anti- Militaristen der strengen Observanz und den syndikalistischen In- telleltuellen gekommen, die— mit großer politischer Klugheit— ihren Einfluß in der von allcmanistischen Traditionen und von der fortlebenden Abneigung gegen die Auffassungen und gegen die leitenden Persönlichkeiten des alten Parti Ouvrier beherrschten Seine-Föderation zu erweitern suchen. Und alle die Gruppen, die auf den letzten Parteitagen die buntscheckige Majorität für Generalstreik, Insurrektion im Kriegsfall und revolutionäre Ge- Werkschaftstaktik gebildet haben, vereinigten sich, um einen der be- kanntesten Propagandisten aus der Schule Jules Guesdes, Marius Andrö, auf die Liste der Ausgeschlossenen auf- zunehmen. Andre hat sich als Sekretär des Verbandes der Beamten der Linie Paris— Marseille— Toulon an einem Bankett beteiligt, bei dem der Präsident des Verwaltungsrats eine Rede gegen das Gesetz über den Ruhetag und gegen die Gewerkschaftsaktion hielt. Unzweifelhaft verdiente sein Verhalten den schärfsten Tadel. Der Kongreß- der Seine-Föderation hat cs indes für gut befunden, darüber hinauszugehen und auf Ausschluß zu erkennen. Erwähnt sei, daß Andre von einem gewerkschaftlichen Schiedsgericht frei- gesprochen worden ist, trotzdem sein Verhalten doch vor allem gegen die gewerkschaftlichen Interessen verstoßen hat. Die sonst in der französischen Partei ungewohnte Strenge, die die Mehrheit der Seine-Föderation gegen ihn gezeigt hat, läßt sich nicht unschwer als Ausdruck des Acrgers erkennen, den die scharfe Kritik der Freunde Jules Guesdes an der Parteitaktik und an der Taktik der Konföderation bei ihr erregt hat. Da Marius Andrä auf dem zur endgültigen Entscheidung berufenen Parteitag von seinen alten Kameraven nicht im Stich gelassen werden wird, muß man sich auf gereizte Auseinandersetzungen gefaßt machen. Es läßt sich auch schwer verkennen, daß zwischen der gegen den Anhänger der Gucsdistischen Parteiminorität betätigten Rigorosität und den grenzenlosen taktischen Nucksichten, die gegenüber den anarchistelnden Grllppchcn bewahrt werden, ein merkwürdiger Unterschied besteht. Die Frage der Budgetbewilligung wird im Rahmen einer um- fassenden Debatte über die allgemeine Partei« kl ivn zur Entscheidung kommen. ES wird sich namentlich darum handeln. die Bedeutung des Parlamentarismus und der Reformen inner- halb der heutigen Gesellschaft zu bestimmen. Die geeinigte Partei besitzt bekanntlich kein ausgearbeitetes Programm, das diesbezüglich Grundsätze aussprechen würde, und in ihr sind über diese Punkte alle Meinungen vertreten, vom revisionistisch-demokratischen Optimismus bis zum Antt-Parla- mentarismuS, wobei diese zwei scheinbaren Extreme oft eigen- tümliche Berührungen zeigen. Es gibt ja einen Reformismus, der sich mit der Forderung des revolutionären Generalstreiks kombiniert. Die Richtung der Gruppe um JuleS G u e s d e ist bekannt. Sie entspricht der der deutschen Sozialdemokratie in dieser Frage. Die Reformen werden als notwendige« Mitsei zur KMpfbereitschast Proletariats angesehen. Sie ändern direkt das Wesen der Gesellschaft nicht, aber sie schaffen eine zur Rc- Volution fähige Klasse. Jaures hat sich in den letzten Tagen be- müht, diese Auffassung als rein negativ und zur Unbeweglichkeit führend, zu kritisieren, wogegen ihre Anhänger geltend machen konnten, daß gerade die von diesen Anschauungen beherrschte Föderation des Norddepartements die größten Erfolg« auf organi- satorischem, gewerkschaftlichem und elektoralem Gebiet aufzuweisen hat. Auch von den den Syndikalisten nahestehenden Genossen wird die Rolle der Abgeordneten nicht mehr für durchaus wertlos er- klärt. Es waren auf dem Kongresse der Seine-Föderation gerade die syndikalistischen Intellektuellen, die mit Vaillant und seinen Freunden eine Resolution ausgearbeitet und durchgebracht haben, die alle Formen der Aktion, die parlamentarische und die direkte, den Generalstreik und die Insurrektion für anwendungswürdig er- klärt. In anderen Föderationen hat die alte Ansicht Oberhand gewonnen, daß sich die Bedeutung des Parlamentarismus im Agitatorischen erschöpfe. Auf dem Kongreß der Rhone-Föderation hat man die Formel gewählt, daß die Partei nur für jene Re- formen eintreten dürfe, die von den Gewerkschaften gebilligt würden. DaS hieße die Partei diesen unterordnen. Dieselben Leute, die Immerzu jede Kooperation zwischen Partei und Gcwerk- schaff abgelehnt haben, möchten also die Subordination der Partei. Sicherlich muß die sozialistische Aktion dem jeweiligen Reifegrad des Proletariats Rechnung trage«, aber die Aufg'abe der sozialistischen Partei ist es eben, das proletarische Selbstbewußtsein zu klären. Sie kann ihre Freiheit am wenigsten an gewerkschaft- liche Organisationen hingeben, die noch in halb zünftlerischen oder anarchistelnden Äuffassungcn befangen sind, und darf ihre bessere Einsicht nicht opfern. Sie hat auch ein Recht darauf, von den Ge- Werkschaften nicht auf ihrer eigentlichen Domäne beeinträchtigt zu werden. Man hat Führer der Konföderation in bürgerlichen Blättern z. B. gegen die von der Partei befürwortete Einkommen- steuer schreiben gesehen, und bei den letzten Gemeindewahlen auch die syndikalistische Protest"-Kandidatur P a t a u d erlebt, die den sozialistischen Kandidaten tlttmerhin einige hundert Stimmen genommen hat. EL gibt tn der geeilügten Partei manche Genossen, die sich Mit dem Gedanken dieses politischen MasochisMUS be- freundet haben. In Frankreich ist der Gedanke ja sehr nahe- liegend, nach den üblen Erfahrungen mit den Parlamentariern deren Rechte möglichst' zu beschneiden und ihre Kontrolle durch dt» Massen zu verschärfen. Vorläufig sind diese aber in der Gewerkschaft ebensowenig vorhanden wie in der Partei, und überdies sind in der Konföderation alle möglichen nichtsozialistischen Elemente propagandistisch tätig. Daß die sozialistische Altion im Parlament von dem in den Gewerkschaften vereinigten Proletariat beherrscht werde, eine Arbeiterpartei etwa nach englischem Muster sich bilde, mag man ja als Aufgabe der Zu- kunft ansehen, aber die sozialistische Partei würde die Zukunft des Proletariats und der Gewerkschafisbewegung selbst verraten, wenn sie die theoretische Aufklärung, die spezifisch sozialistische Propaganda und die ihrer Erkenntnis entsprechende Aktion gerade dort Salt machen ließe, wo ihre eigentliche Ausgabe beginnt. Der Kongteß von Toulouse wird gleich seinen Vorgängern namentlich zwei Tendenzen einander gcgenübertreten sehen: eine, die dem Proletariat als Bedingung der sozialen Umgestaltung die Eroberung der politischen Macht verkündet, und eine andere, die, ohne dieser ausdrücklich abzusagen, die spezifischen Rezepte des SynbikalislitUs aufnimmt. Daneben wirv sich der eigentliche Shitdikölismus, dessen Anhänger in einer soeben heraus- gegebenen, sehr geschickt stltisierten Erklärung die Eroberung der politischen Macht als„Utopie" bezeichnen, geltend zu machen bör- suchen, außerdem die„aniipatrtotische" Gruppe und der blocksreund- liche Reformismus. Vermutlich werden sich auch diesmal diese drj£i kleineren Gruppen der an zweiter Stelle genannten anschließen and fljt zur Mehrheit verhelfen. Tie kommt allen Geschmacks- richtungen entgegen:«Die sozialistische Partei ist ganz Betvegung, ganz Aktion", heißt es in der Resolution der Seine-Föderation ganz in revisionistischer Tonart. Aber auch die syndikalistischen und blanquistischen Lieblingsideen haben dort ihre Unterkunft. Die Deichsel ist lang genug. Die Frage ist nur, ob der Wagen vorwärts- kommen wird� wenn jedes Pferd nach einer anderen Richtung zieht. Soziales. Zur Lage der Metallarbeiter in Schlefie«. Der soeben erschienene Bericht der Schlesischen Eisen- und Stahl- BerufSgenossenschaft enthält sehr interessante Daten über die Lage der Arbeiter der Metallindustrie. Der fleißige Borstand der BerufSgenoflenschaft hat im Berichts- jähre sogar— zwei Sitzungen abgehalten. Erwähnt wird, daß die Schlosserinnungen sich belehren ließen und ihren Antrag auf Errichtung einer besonderen Schlosserei-Berufsgenossenschaft wieder zurückgenommen haben. Versichert waren Betriebe: Sektion l Sektion II In Summa 1307 1601 413 1906 1683 mit 407« 40 823( 38 677) Arbeitern 73 891( 70 629) 2014 Die Zahl der Betriebe 1995 mit 114 714<109 306) Arbeitern. �. ist danach gegen das Vorjahr um 19 (Sektion I um 13 und Sektion II um 6) gestiegen. Die Zahl der durchschnittlich beschäftigten Arbeiter hat sich dagegen um 6408 und zwar in Sektton I um 2146 und in Sektion II um 3262 erhöht. Sektion II, Beuthen(Oberschlesien) ist nach wie vor der Bezirk der Großindustrie. Die Zahl der versicherten Betriebe ist viermal geringer, die Zahl der beschäftigten Arbeiter dagegen fast zweimal höher als im Bezirke der Sektion I zu Breslau. Auch die Löhne der Versicherten dieser beiden Bezirke unter- scheiden sich etwas. Der anrechnungsfähige Jahresverdienst eines Versicherten stellte sich im Berichtsjahre: Sektion I auf 946 M.<901 M. im Jahre 1906) « II« 958«<950««« 1906) Der Durchschnittslohn ist also in Sektion I um 49 M.. in Sektion H um 48 M. gestiegen. Der Bericht hebt dies besonders hervor, da im Jahre 1905 auf 1906 nur eine Steigerung von 27 M. bezw. 18 M. stattgefunden habe. Wer wird aber einen Jahres- durchschnittslohn von 980 M. für auskömmlich halten? Das sind Hungerlöhne. die mit der steigenden Lebensmittel- Verteuerung, an welcher ja die schlesischen Großindustriellen nicht unschuldig sind, nicht gleichen Schritt gehalten haben. Der Unterschied in Groß- und Meininduslrie macht sich natür lich auch in der Unfallziffer bemerkbar. Laut Bcriwt wurden im Zahre 1907 insgesamt 10 669 Unfälle der Berufsgenossenschaft an- gemeldet. Auf 1000 beschäftigte Personen entfallen somit durch- schnittlich 92 Unfälle. Es tvurden aber gemeldet in Sektion I 2876 Unfälle und in Sektion II 7693 Unfälle. Auf 1000 Versicherte entfallen somit in Sektion I durchschnittlich 70,45 Unfälle, in Sektion II dagegen 104,11 Unfälle. Das sind die Gefahren der Großbetriebe. Aber auch die Folgen der erlittenen Unfälle waren schlimmer Art. Es wurde» allein 100 Todesfälle gemeldet, in 8 Fällen hatte der Unfall dauernde und völlige, in 566 Füllen teilivcise und in 1139 Fällen vorüber., el»de Erwerbsunfähigkeit zur Folge. Von den 10 269 gemeldeten Unfällen wurden nur 1813 entschädigt.... Auch in Unfallvcrhiiluiig war die Berufsgenossenschafl tütig. Jede Sektion hat eine» technischen Aufsictr-beaiulen cm'Mcllt. Es- wirb nur berichtet, daß die Veaimen 1 182' Vetrhebe rev oterl Habens jedoch das Resulrat verschwiegen. Sollie alles in bener Ordnung sein? Die schrecklich hohen Unfall.ziffcrn sprechen dagegen. Die Prolctarierkrankhcit bei den Steinordeitern. Die schwere mit denr Einatiuen staubiger Luft verbundene und qAriffg in kalter und fenchier Witterung anszi führende Arbeit der Steinarbeiter macht diese für Krankheilen der' Atnriüigsörgane ganz besonders enipsäiiglich. Tics wird durch eine vom Zeiitralverband der Steinarbeiter ausgenommene und in dem letzte» Jahresberichi mitgeteilte Statistik benäiigi. Tcnuiach war bei 194 in den Jahren>905 1907 vorgelommenen Todessällen, über die dem Vor- stand nähere Mitteilnrigut gemacht wurden, die Todesursache: Lungenschwindsucht....... in 142 Fällen Lungenentzündung n Brustlraukheiten» 7„ Asthma und Lungeuschlag...... 2 Äehlkovfschwindsucht.......„ 1 Selbstmord(wegen hochgradiger Schwindsucht)....... 1 Andere Krankheiten.....„32 Selbstmord.......... 4 Unglücksfall........... 5, In 153 Fällen, gleich 78,8 Proz. der Gesamtheit, waren also die Gestorbenen von der furchtbaren Feindin des Proletariats dahingeurfft worden. Am irtummiücn sind dabei die Sand- steinmctzen daran, bei denen Krankheiten der Alniungsorgaue in 80,7 Proz. aller Fälle die Todesursache bildeten. Das Durchschnitts- alter der Gesloibenen war 39 Jahre 1 Monat, das der Sandsteinmetzen im besonderen 38 Jahre 10 Monate. Bon der Landwirtschaft in Baden. Die Hnngerzollpolitil brachte, wie wir ja vorausgesagt hatten, oen kleinen Landwirten keine Vorteile. DaS ist auch im Bericht der Badischen landwirtschaftlichen Berufsgcnossenschaft zu ersehen. Die Zahl der Zwergbetriebe hat beträchtlich zugenommen, die Mittel- betriebe sind in der Zahl zurückgegangen. Nur die Großbetriebe haben sich gehoben. Sie haben ja die großen Vorteile aus den Wucherzöllen. Durch das badische Gesetz vom 31. Juli 1902 werden land- wirtschaftliche Betriebe,«zu deren Bewirtschaftung im Jahres- durchschnitt nicht mehr als 1200 Arbeitstage männliche Arbeiter erforderlich sind, in sechs Klassen geteilt." Nimmt man nun die Jahresberichte der Badischen landwirt- schaftlichen Berufsgenoffenschaft vom Jahre 1906 und 1907 zur Hand, so ergibt sich folgender Vergleich: Es wurden gezählt, Betriebe zu deren Bewirtschaftung im Jahre durchschnittlich: 153 Fälle 41 Fälle Klasse I II III IV V 1906 91 989 46 467 49 350 41 362 20046 9 611 6116 1907 93 412 46 124 49 625 41 464 19 981 9 524 6 120 75 Tage erforderlich sind 75-150.. 150— 300„«„ 300-600„ 600—900„ „ VI 900-1200„ Außerdem sind noch Betriebe vorbanden, zu deren„Umtrieb je ein Arbeitsaustvand von mehr als 1200 Arbeitstagen erforderlich ist." Bon einer«Hebung der Landwirtschaft" in Baden sprechen diese Zahlen Wohl nicht! Die bereits im Jahre 1906 angekündigte Abänderung der Unfall- verhütnngsvorschriften ist immer noch nicht durchgeführt worden. Es wurden zu viel.Wünsche" der Unternehmer laut, die doch alle berücksichtigt werden mußten. Welche Stellung die eigentlichen Ver- sicherten zu dem Entwürfe einnehmen, wird nicht verraten. Ebenso ergeht es den forstwirtschaftlichen Arbeitern. Der Bericht dankt in Lberschtvänglicher Weise dem verehrt. Vorstandsmitgliede Forstmeister R. für die Fertigstellung seines Entwurfes der Unfall- Verhütungsvorschriften für die Forstwirtschaft. Ein Mann macht das alles. Im Jahre 1907 gelangten 6500 Unfälle zur Anzeige, wovon sich 5423 im landwirtschaftlichen Betriebe ereigneten. Während die ' meisten gewerblichen Berufsgenossenschaften nur 20—30 Prozent der gemeldeten Unfälle entschädigen, wurden von dieser Berufsgenossen- schaft 3405 der gemeldeten Unfälle— 52 Prozent entschädigt. Es fehlt eben die Krankenversicherung, welche in den ersten 13 Wochen des Unfalls die Hcilkosten trägt und für sachgemäße Behandlung der Verletzungen garantiert. Dies ergibt sich schon aus der Stellung der Verletzten. Entschädigt wurden im Berichtsjahre: 1. Betriebs.- Unternehmer und Ehefrauen derselben: 2396, 2. Betriebs- beamte: 3, 3. Familienmitglieder: 319, 4. Arbeiter: 687. Die große Mehrzahl der Verletzten waren also Kleinbauern und deren Angehörige, für welche eine Krankenversicherung nicht vor- handen ist. lind wie die Berufsgenossenschaft für die Verletzten innerhalb, der Wartezeit, also der ersten 13 Wochen deS Unfalls, „sorgt", ergibt sich aus der Tatsache, daß an„Kosten der Fürsorge fük Verletzte innerhalb der gesetzlichen Wartezeit"— 67 Mark auf- gewendet wurden. Dafür war man recht eifrig an der Arbeit, durch Revisionen die Zahl der Rentenempfänger zu vermindern. Un- glaubliches wurde da„geleistet"! Von 8164 Verletzten wurden laut Bericht— 7582 an 154 Tagen„untersucht". In 951 Fällen wurden die Renten bis zu 30 Prozent„ge- ändert"! Erhöht wurden die Renten nur in 56 Fällen im Be- trage von 2063 Mark, herabgesetzt jedoch in 634 Fällen im Betrage von 24 750 Mark, ganz entzogen in 261 Fällen im Betrage von 11 025 Mark. Das ist«Bauern- schütz" in Baden l_ ßewerkfcbaftUcbe� Klug wie die Schlangen! Die Bauunternehmer in Norderney haben die Aus- sperrung aufgehoben, jedoch die Einstellung von Arbeits- kräften von der Zugehörigkeit zur christlichen GeWerk- schaft abhängig gemacht! Sofort haben die„Christ- lichen" aus Rheinland und Westfalen ganze Trupps kommen lassen, obgleich am Orte massenhaft Arbeitslose vorhanden sind. Wie die Christlichen selbst über ihre Streiche denken, das hat in der Zahlstellengründungsrede Z u m b r o ck- Münster(jetzt Hannover) verraten, indem er ausführte:„Das, was wir gemacht haben, können wir der Oeffentlichkeit gegenüber nicht verantworten...." Der Bundesvorstand— im Baugewerbe— sowie die Bezirksleitung der Unternehmer haben seinerzeit erklärt, daß die Uitternehmer von Norderney verpflichtet sind, mit den organisierten Arbeitern ein Vertragsverhältnis wieder her- zustellen(Norderney fällt mit unter den Schiedsspruch). Der Einfluß des Bundes scheint nicht so weit zu reichen, um hier Ordnung zu schaffen-, sonst wäre ein derartiger Terrorismus, wie er hier geübt wird, undenkbar. Berlin und Umgegend. Achtung, Werkzeugmacher und Dreher! Bei der Firma Schwieg er u. Frankfurter in der Mühlenstraße sind Differenzen ausgebrochen. Wir ersuchen die Kollegen, welche beabsichtigen, bei der Firma in Arbeit zu treten, sich erst um Auskunft auf unserem Bureau zu melden. Deutscher Metallarbciter-Verband. Ortsverwaltung Berlin. Die Fensterftage bei den Töpfer«. Am Freitag nahm der Zentralverband der Töpfer in einer stark besnckiien Versammlung Stellung zur Fenstersrage, die alljährlich um diele Zeit erörtert wird. Laut Polizeiverordnung müssen vom 1.-.November- an auf Bauten, wo im Innern gearbeitet wird, die Fenster verglast oder sonstwie gegen Zuglust dicht gemacht sein. Im Tarif der Töpfer aber ist die Bestimmung enthalten, daß scbon vom 15. Oktober ab nur bei verglasten Fenstern gearbeitet werden darf. Da aber diese Bestimmung durch Schuld der Bcirtierren nicht immer eingehalten wird, so bedarf es oft eines energischen Vorgehens der Töpfer, um dieser hygienischen Forderung Geltung zu verschaffen.— Der Vorstand der Verbandsfiliale empfahl der Versammlung, auch in diesem Jahre am 15. Oktober als dem Termin, von dem ab nur bei ver- glasten Fenstern gearbeitet werden soll, festzuhalten. Ans der Ver- saminlung wurde jedock beantragt, diese» Termin bis Montag, den 19. Oktober, hinauszuschieben, einmal deshalb, weil der 15. mitten in die Woche fällt und es zweckmäßiger scheint, den Termin auf den Anfang einer neuen Woche festzusetzen, dann aber auch, weil die übrigen Bauarbeiter mit ihrer Forderung hinsichtlich der Fenster« verglasung nicht über die Bestimmungen der Polizeiverordnung hinausgehen. Folgende Resolution wurde angenommen: Die Versammelten verpflichten sich, vom 19. Ollober 1908 ab nur auf solchen Bauten zu arbeiten, wo sämtliche beschäftigten Töpfer vor Zuglust durch genügend verglaste Fenster arbeilen können. DaS heißt: ES muß unbedingt das Zimmer dicht fein, in dem der Töpfer arbeitet, und auch die Nebenräume, wenn er dadurch vom Zug belästigt wird. Provisorische Verglasung und Verschalung von Balkontüren usw. ist nur insoweit zulässig, als die übliche Arbeitszeit bei genügenden, Licht ausgenützt werden kann. Diejenigen Kollegen, die durch die Fensterfrage arbeitslos werden, sollen, sofern ihnen nicht andere Arbeit nachgewiesen werden kann, vom vierten Tage an Unter- stützung erhalten, wenn sie dem Verbände mindestens ein Viertel- jähr angehören und zu einem Lokalfonds gezahlt haben. Des- gleichen auch die Kollegen, die vor ihrem Eintritt einer anderen Organisation angehörten oder nach beendeter Lehrzeit sofort dem Verbände beigetreten sind. Ferner wurde festgesetzt, daß ein Kontrollbureau im Gewerk- schaflshaul'e eingerichtet wird, welches vom 19. d. Mts. ab täglich von 9—4 Uhr geöffnet ist. Hier sind alle Kollegen, welche wegen der Fenstersrage die Arbeit niederzulegen gezwungen sind, durch ihren Bauvertrauensmann zu melde». Auch die Bauten, auf denen die Fenster in Ordnung sind, müssen dem Bureau gemeldet werden. Die Arbeitslosen werden vom 19. d. Mts. ab den Streikenden gleichgestellt._ Deutfcbe» Reich. Achtung, Metallarbeiter! Seit Jahr und Tag sind die Ehrist- lichen bemüht, in Berlin mit ihren Organisationen festen Fuß zu fassen. Erfolg von irgendwelcher Bedeutung hatte dieses Bemühen nicht, denn Berlin ist nun einmal kein Boden für derlei Dinge. In allen größeren Versammlungen erschienen angestellte und nicht angestellte Funktionäre der sogenannten christlichen GeWerk- schaften, um angeblich die Interessen ihrer mitbeteiligten Mit- glieder wahrzunehmen. Machten wir die Probe aufs Exempel, dann stellte sich sehr häufig heraus, daß unter mehreren hundert in einem Betrieb beschäftigten Arbeitern ein ganzes Mitglied der Christlichen war. Da war allerdings die Entsendung eines an- gestellten Funktionärs dringend notwendig. Doch wir täuschen uns wohl nicht in der Annahme, daß es den Herren in und um Christo»nehr darauf ankam, mit dabei zu sein, um als christliche Gewerkschaft genannt zu werden und dadurch die Oeffentlichkeit für sich zu interessieren. So glaubten die frommen Männer auch in Berlin festen Fuß fassen zu können. Aber der Liebe Müh war vergeblich. Im Sündenbabel an der Spree regte sich nichts, das nach Sympathie für die»Christlichen" aussah. Darum versucht man seitens der Chrfftlichen seit einiger Zeit mit einem anderen Mittel sein Glück. Es wird das Mittel der Verleumdung angewandt. Zeitungen katholischer Richtung bringen in kurzen Zwischenräumen gehässige, giftstrotzende Notizen gegen die freien Gewerkschaften. Man merkt diesen Notizen an, daß sie von Jesuitenzöglingen geschrieben sind. Aber ausgetragene Jesuiken sind eS noch»ich!, dazu sind die Notizen zu plump. Auch in den letzten Tagen wird wieder versucht, mit einem massenhast verteilten Flugblatt Gläubige zu werben. Dieses Flugblatt ij! nun besonders ungeschickt, denn es sucht dadurch seinen Zweck zu erreichen, daß es nach der Manier des Reichslügenverbandcs di« sozialdemolratische Partei mit einigen aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten und den gelegentlichen Bemerkungen einzelner Personen heruntersetzen und in den Augen der organisierten Ar» beiter verunglimpfen will. Mit solchen und ähnlichen Mitteln glauben die München-Gladbacher Jesnitenschüler in der Rüders- dorferstraße die Berliner Arbeiterschaft und speziell die Metall- arbeiter für sich gewinnen zu können. Wer die Arbeiter in Berlin kennt und ob solch wahnwitzigen Unterfangens nicht lacht, den möchten wir sehen. Deshalb ist es auch nicht nötig, irgend etwas zu der ganzen Flugblattverbreitung zu tun. Wir stimmen darin durchaus mit vielen Kollegen überein, die uns solche Blätter ein- schicken und dabei bemerken, irgend etwas unsererseits dazu zu tun sei unnötig, denn die Flugblätter erzielten absolut keine Wirkung. Nur eine Bitte haben wir an die Rüdersdorfer Straße: Das nächste Flugblatt etwas geschickter, damit wir ernstlich dagegen vorgehen können und man uns nicht den Vorwurf macht, wir schießen mit Kanonen nach Spatzen. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsvcrwaltung Berlin. Achtung, Dachbecker? In Danzig und Rathenow befinden sich die Dachdecker im Ausstande. Zuzug nach genannten Orten ist fernzuhalten. arbeiterfreundlichcn Blätter werden um Abdruck gebeten. Zentralverband der Dachdecker; Gau Osten Zum Streit um baS Zweistuhlsystem in M.-Gladbach. In dem Kampf um die Einführung des ZweistuhlsystemS in den Buckskin- und Kammgarnwebereien in M.-Gladbach ist eine vorläufige Einigung erzielt worden. Sowohl die in Betracht kommenden Webereien wie die Arbeiter nehmen ihre Kündigungen zurück. Die näheren Bedingungen loerden durch Verhandlunge des„Vereins der Tcxttlindustriellen" mit den Arbeiterorgani- sationen festgesetzt._ Der„stcifnackige" Bürgermeister. Wiederholt schon haben wir von dem Schreckensregiment in der Bindfadcnfabrik Schretzheim die unglaublichsten Dinge be- richtet. Neuerdings hat der Unternehmer an die Stadtverwaltung in Dillingen die Aufforderung gerichtet, einen im dortigen Krankenhaus als Hausdiener eingestellten Arbeiter sofort zu entlassen, weil der betreffende Mann, ein Christlicher, als Streikender aus der Fabrik des Unternehmers ausgetreten sei. Wie der Bürgermeister von Dillingen nun in einer Zeitungs- erllärung zugibt, habe er die Entlassung des Arbeiters auf Wunsch des tollen Fabrikanten dort in Schretzheim„allerdings in Erwägung gezogen", er sei aber davon wieder abgekommen, Weil dies den Eindruck erweckt hätte, als sei er«der gehorsame Diener" jenes Unternehmers und ferner, weil Erkundigungen er- geben hätten, daß der betreffende Arbeiter ein„tüchtiger, ftied- fertiger Mann" sei. Bedeutender Mitgliederrückgang. Auf einer Bezirkskonferenz de?„christlichen Verbandes der Staats-, Gemeinde-, Verkehrs-, Hilfs- und sonstiger Industriearbeiter" für den Regierungsbezirk Schwaben wurde„bedauernd" konstatiert, daß der Mitgliederstand um mehr als die Hälfte zurückgegangen sei, was in der Hauptsache auf die von den Unternehmern gegründeten gelben Arbeitswilligen» vereine zurückgeführt wird. (Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.) Versammlungen. Die Friseurgrhilken hielten am Donnerstag ihre Mitglieder» Versammlung im„Rosenthaler Hof" ab. W e r m k e hielt ein Referat über:„Die diesjährigen Beschlüsse des Arbeitgeberkon- gresses und was haben die Friseurgehilsen zu tun." Redner führte aus, man könnte sich auch mal mit dem Bundestag resp. internationalen Friseurtag der Zünftler befassen. Wie gewöhnlich ging auch hier alles mit Musik zu. Bei dem letzten Bundestag spielte die Militärmusik wieder eine große Rolle. Man mußte sich eigentlich wundern, daß die Tagesordnung erledigt werden konnte. Es werden sonst immer Antröge angenommen, daß Soldaten und Gefangene das Friseurgcwerbe nicht ausüben sollen, aber bei so einem Fest, wo alle Tage die Militärmusik die Hauptsache ist, denkt der Herr Obermeister nicht an die Zivilmusiker, die doch auch die Militärmusiker bekämpfen. Die Beschlüsse von 1997 wiederholten sich fast alle. Auch der, wonach die Gehilfen die Kunden Sonntags noch nach 2 Uhr bedienen sollen. Der Tätigkeitsbericht zeigt aber auch, daß die Behörden die Innungen im Stich lassen. Man be- schwerte sich über die hygienischen Vorschriften. Auch in bezug auf die Sonntagsruhe wurden immer wieder Anträge zuungunsten der Gehilfen gestellt. Man will ihnen zwei Stunden von der Sonn» tagsarbeit kürzen, aber dafür den halben fteien Tag in der Woche wegnehmen. Die Gehilfenschaft ist bereit, den halben Tag zu opfern, aber dafür verlangt sie den ganzen Sonntag. Weiter nahmen die Herren eine bockbeinige Stellung gegen die Freigabe der drei zweiten Feiertage ein. Die Freie Vereinigung erklärte, daß eS irrig sei, wenn angenommen wird, die Freie Vereinigung bestehe nur aus Sozialdemokraten. Auch hat die Freie Vereinigung den Antrag gestellt, die GcHilfensorderungen zu bekämpfen. Redner ermahnt die Kollegen, sich mehr zu organisieren« damit all» MIK. stände beseitigt werden können. Letzte JVaebnebten und Depefeben, BergmannStod.! Dortmund, 10. Oktober.(23. T. 23.) Auf der Zeche „Schuerbank" wurden heute vormittag drei Bergleute durch Kohlenmassen verschüttet. Die Leichen der Verunglückten konnten bereits geborgen werden. Arbeitskonflikt in Südafrika. Kimberley, 10. Oktober.(W. T. B.) Nachdem in den DcbeerS- Gruben der Betrieb für sechs Tage in jeder Woche wieder- aufgenommen war, haben nunmehr die Mechaniker beschlossen, an Sonnabendnachmittagcn nicht zu arbeiten. Infolgedessen wurde ihnen mitgeteilt, daß sie von Montag ab nicht mehr gebraucht würden. Von dieser Maßregel werden etwa 250 Mann betroffen. Eisenbahn. Unfälle. Frankfurt a. M., 10. Oktober.(B. H.) Im Hauptbahnhof ge- riet gestern ein beladener Postkarren, den drei Postbeamte schoben, unter den letzten Wagen eines in das 18. Gleis gedrückten Leer- wagenzugeS. Der Zug stand fast sofort still, da die Rangierer den Poslkarren bemerkten. Der Oberpostschaffner Hinckelmann wurde am Kopf und an der linken Hand verletzt, die beiden anderen konnten rechtzeitig beiseite springen. Rotenburg b. Fulda, 10. Oktober.(B. H.) Heute früh 8'/, Uhr fuhr in der hiesigen Station ein Arbeitszug einem rangierenden Güterzug in die Flanke, wodurch großer Materialschaden entstand. Der Zugführer des Arbeitszuges wurde lebensgefährlich verletzt. Der Verkehr wird durch Umsteigen aufrecht erhalten. Die Krisis. Frankfurt a. M., IV. Oktober.(33. H.) Wie die Ehemische Fabrik Griesheim„Elektron" mitteilt, entspricht die Notiz, daß sie auf dem Werk„Elektron" 400 und in„Mainthal" 170 Arbeiter entlassen habe, nicht den Tatsachen. Beide Werke sind vielmehr gut be- schäftigt.__ Berlmtlv. Redakt.: Georg Davidsohn, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr, u. Verlaasanstalt Paul Singer& Co., Berlin S w. Hierzu 7- Beilagen. Br. 239. 25. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sontag, 11. Oktober 1908. Türkei und Schutzstaaten. Grösste Ausdehnung bis zum Karlowitzer Frieden 1699. Moldau Schutzstaat seit 1513 Türkei und Nachbarländer nach dem Berliner Vertrag 1878, 1881, 1885, und 1898. ÖSTERREICH UNGARN KAIS- UNGAR TALIEN Siebenbur 1699 an Desterreich ( türk seit 1528österr 1699) 1526 türk seit457türk More Banat Walachar Krajowan Schutzstaat sei 1480 Lampson Martin Berlin 20 Kreta Terobert 1669 tinopele KLEINE JASIEN Bosnien EN RUSSLAND seit 1877 RUMÄN unt. Österr. SERBIEN Unabhängig Verwaltg Unabhäng.seit Der franzöfifche Gewerkschaftskongreẞ. often 3. Berhandlungstag. Marseille, 8. Oktober.( Eig. Ber.) 3.März 1878 ERK Bulgarien Makedonien GRIECHENLANDS Ust- Rumelien Seit 1885 mit Bulg. verein Autonomies Kred or collage) ASIEN die außer ihm Guérard( Eisenbahner), Dorin( Hafenarbeiter, Toulon), Conpet, Guillau( Zeichner) unterzeichnet haben. Sie lautet: Der Kongreß bedauert, daß das internationale Sekretariat nach der Erklärung, daß die internationalen Konferenzen über die Taktik und die Tendenzen aller Länder nicht zu entscheiden hatten, sich er laubt hat, Frankreich eine Taktik vorzuschreiben, die unseren wiederholt fundgegebenen gewerkschaftlichen Anschauungen widerspricht, indem es Frankreich einlud, mit der sozialistischen Partei auf ihren Kongressen zusammen zu arbeiten. In Erwägung, daß es für die Gewerkschaftszentren aller Länder ein offenbares Interesse ist, mit den anderen Zentren Beziehungen zu unterhalten, in weiterer Erwägung, daß das internationale Arbeitssekretariat das permanente Organ ist, das die Beziehungen zwischen allen nationalen Zentren erleichtert und verknüpft; in Erwägung, daß dieses Organ, selbst in seiner jetzigen un vollkommenen Form, die neue internationale Arbeiterassoziation_dara stellt, die sich nur unter Teilnahme aller Nationen entwickeln kann, erklärt der Kongreß, daß unsere Konföderation an allen Arbeiten des internationalen Sekretariates teilnehmen soll. In Erwägung andererseits, daß die Fragen allgemeinen Chas rafters, wie die Mittel zur Verhinderung des Krieges, der General streit uſtv., nur durch das Proletariat aller Länder wirksam behandelt werden können, betont der Kongreß die Notwendigkeit, internationale Gewerkschaftstongresse abzuhalten und gibt dem Kon föderationskomitee das Mandat, zu intervenieren, damit diese Kongresse durch das internationale Sekretariat organisiert werden." In der Begründung dieser Tagesordnung fagt Niel u. a.: Warum hat sich die Konföderation von der Gewerkschafts- Internationale zurückgezogen? Einzig darum, weil das internationale Sekretariat die von uns verlangten Punkte nicht auf die Tagess ordnung der Konferenzen gesetzt hat. Mit demselben Recht aber fönnte eine unserer Organisationen, deren Vorschläge zur Tagesordnung des Kongresses nicht angenommen werden, sich von der Konföderation zurückziehen. Auch den internationalen Konferenzen gehen Referenda über die Tagesordnung voran. Wenn die anderen Nationen unsere Anträge ablehnen, ist das bedauerlich, aber wir können nichts dagegen tun. mit fatz der Organisierten am höchsten. Und in England ist es ebenso. Worüber aber wir ich und die anderen Antragsteller Und dort herrscht die Arbeitswoche von 54 Stunden, dort sind die den anderen Kameraden einer Meinung sind, das ist die Meinung, Löhne. Allerdings, mit tommunistischen daß wir die anderen Nationen zur Abhaltung internationaler Süppchen" find diese Erfolge nicht erzielt Gewerkschaftskongresse auffordern müssen. Wir beschicken auch die worden.( wütender, andauernder Protest der Mehrheit.) Aber weiteren internationalen Konferenzen, aber wir bestehen darauf, daß lassen Sie mich doch ausreden! Haben wir als Kommunisten bas internationale Sekretariat, wie es ja auch gar nicht anders nicht das Recht und die Pflicht, einander die Wahrheit Die heutige Vormittagssigung wird durch die Verhandlung über zu fagen? die Verschmelzung der Berufsverbände in In Suppenverteilungen begnügt, beleidigend? Man hat bei uns oft von Amiens nicht eingehalten habe. Er verliest einen Brief des Und ist eine Kritit der Methode, die sich mit kann, den anderen Nationen unseren Vorschlag unterbreitet. Der Redner verweist darauf, daß das Nomitee den Beschluß dustrieverbände ausgefüllt. Die meisten Redner sind im die hohen Beiträge belämpft. Aber auch die französischen Genossen Regien Prinzip dafür, wollen jedoch keine überſtürzte Aktion, die die Kon- Arbeiter zahlen hohe Beiträge, nur eben für die unter( Guesdist aus Lille), woraus hervorgeht, daß der Konföderations ant den Genossen Saint Venant föderation schwächen könnte. Bouillet( Former) verteidigt den Vormundschaft stehenden Selbsthilfevereine. ir fefretär Griffue lhes, statt die Sorrespondenz wieder aufzunehmen, Status quo, indem er mit Berufung auf Artikel des Anarcho- müssen, um gegen diese aufzukommen, die Einrichtungen der erst nach der Einladung zur Konferenz in Kristiania wieder geschrieben syndikalisten Bouget die Ueberlegenheit der franzöSolidarität auch in unseren Organisationen ausbauen. So fommen fischen Organisationsform gegenüber der ausländischen wir auch der Verwirklichung der kommunistischen Idee näher, die sich stellvertretende Sekretär Luquet gibt das Faktum zu. Niel zeigt, daß habe. Deran Stelle des verhafteten Griffuelhes ernannte behauptet. In Frankreich sei das Individuum frei in ohne Uebergänge nicht vollziehen kann.( Beifall und Widerspruch.) seiner Gewerkschaft, die Gewerkschaft frei in ihrem Verder französische Protest an die Adresse der nationalen Sekretariate, In der Nachmittagssigung, zu deren Vorsitzenden man band, der Verband frei in der Konföderation. Latapie mit statt dem Beschluß von Amiens zu entsprechen, diefem geradezu unverhüllt demonstrativer Absicht. erklärt, die heutigen den Anarchisten Broutchoux zuwiderlaufe, da er gleichzeitig mit dem Briefe an das internatio Organisationsverhältnisse der Metallarbeiter entsprächen nicht mehr den Rotwendigkeiten des wirtschaft gewählt hat, kommt noch Wertheim zu Worte: Er polemisiert nale Sekretariat versendet worden sei, also bevor deffen Antwort da lichen Kampfes. Die Unternehmerorganisation habe sich ganz außer- gegen Coupats reformistische Argumente. Die Erfolge in England fein konnte. Er wolle den Gewerkschaftssekretär nicht tadeln, aber ordentlich entwickelt, sie sei imstande, einen sechs monatlichen habe sehr mittelmäßige Resultate gebracht. Die Arbeiter müßten getan zu haben, wo man nichts getan hatte. seien durch direkte Aftion erzielt worden. Die reformistische Methode er meine doch, daß man sich habe den Anschein geben wollen, etwas Generalstreit auszuhalten. Was habe demgegenüber die die engen Bahnen der forporativen Bereinigung berlassen, um Arbeiterschaft aufzuweisen? Die meisten Streits gingen verloren. Der Unternehmerorganisation, die immer mehr über die nationalen akzeptierten Tagesordnung erwidert: Merrheim als Verteidiger der vom Konföderationskomitee Die Fortschritte des Maschinismus hätten eine immerzu wachsende Grenzen hinausgreift, standzuhalten. Es handelt sich nicht Konkurrenz ungelernter Arbeiter ins Leben gerufen. Von den um Formalitäten, sondern um das Prinzip, um die 812 000 Metallarbeitern Frankreichs seien nur 53 000 in den verDer Antrag Latapies auf Abhaltung eines Einigungs- Tattit der Konföderation. Haben die Konferenzen einen schiedenen Verbänden organisiert. Nur die Zentralisation fönne da fongreffes aller Organisationen der Metall- Sinn? Man macht Reisen und tauscht Berichte aus, die Abhilfe schaffen. arbeiter im Zeitraum von 6 Monaten wird mit 919 gegen 80 übersetzt werden. Das ist alles. Den Beschluß von Amiens In eingehender Rede wendet sich Coupat( Mechaniker) gegen Stimmen bei 9 Enthaltungen angenommen. Ebenso wird ein all haben wir vielleicht nicht nach dem Buchstaben, aber sicher nach die Fusion. Seine Ausführungen gipfeln aber in einer Kritik der gemeiner Beschluß zugunsten der Einigung der Berufsverbände gefaßt. feinem Sinne befolgt. Wir hatten feinen Anlaß, Legien früher zu syndikalistischen Taktik. In Deutschland hat man die Fusion der Die Kommission für die internationalen Beschreiben. Beim internationalen Sekretariat haben wir kein freundMetallarbeiter nicht vollständig durchgefeßt. Wollen Sie, die Anti- ziehungen hat sich über keine einheitliche Formel einigen können. liches Entgegenkommen gefunden. Als wir uns in einem kritischen autoritäre, autoritärer sein als die Deutschen? In Dänemark, wo Es sind zwei Richtungen vorhanden. Für die eine, die sich der Augenblick des russisch- japanischen Krieges an dasselbe wendeten, die Selbständigkeit der Organisationen fortdauert, ist der Prozent- Meinung des Komitees entgegensett, legt Niel eine Resolution vor, befamen wir eine kategorische Abweisung. Während des MarokkoKleines feuilleton. Theater. " zweiten Aft abgesehen, blieb die Komödie in dem Allzudeutlichen der Absichtlichkeit stecken und entschädigte auch nicht durch Witz und Geist. Die von Ernst Welisch sehr stimmungsvoll inszenierte Aufführung brachte die Kontrastmotive gut heraus, mußte aber im Menschlichen verjagen. -I. dt. Der immer gleicher Schlagkraft. Das Stück ist im schärfften Gegensatz zu dem gedämpft andeutenden Stile des Einakters ganz auf derb zugreifende Effekte gestellt. Die Haushälterinnen betätigen sich in ihm als stärkeres Geschlecht. Dem gleichen Schicksale des Geheiratetwerdens wie der arme Spay verfällt sein dicker Nachbar Kraft, und Fix, den Schwindler und gemeinen Drückeberger, wird Neues Schauspielhaus:„ Das Fräulein in Berliner Theater: Erinnerungsfest" bon es eines Tages, darf man hoffen, auch noch ereilen. Es wurde viel Schwarz", Komödie von Rudolph Lothar. Die Gegensäge in Gustav Wied;" Erotit", fatirischer Schwank von Gustav und start applaudiert. Wied konnte mehrmals erscheinen. der Anschauungsweise verschiedener Gesellschaftsschichten uns in Wied. Der dänische Autor, der seinen Wiz in der Komödie lebendigem Anprall vorzuführen, daraus Konflikte zu entwickeln und 2X2= 5" in heiterster Verschwenderlaune spielen ließ, zeigt sich Humor und Satire. zugleich heuchlerische Vorurteile dem Gelächter preiszugeben, ist fast in diesen beiden Genrebildchen als ein nicht so freigebiger Vers Kriegs- und Friedenstärm. immer eine lohnende Aufgabe für den Dramatiker. Selbst wenn walter, der sich auch mit geringem Aufwand einzurichten weiß. Er Bülow, der Freund des Friedens: Nicht mehr mit Gras die künstlerische Gestaltung uns nicht voll befriedigt, hat er immer stürzte sich in feine Unkosten und gab an Einfällen doch naten, mit Lorbeerzweigen sollen wir von jetzt ab die Welt bomnoch Gelegenheit, durch schlagende Gründe, witzigen Dialog, noch genug, um durch Vermittelung einer guten, alle Pointen bardieren. Dazu brauchen wir natürlich viele neue Kanonen. gewandte Dialektik uns zu gewinnen. Unter der einen herausarbeitenden Darstellung die Zuschauer in angeregter und Boraussetzung allerdings, daß der Kampf der Anschauungen uns vergnügter Stimmung zu erhalten. Der Einafter" Erinnerungsfest" Die Philister. Der erste: Marotto fostet uns schon irgendwie interessiert, in einem bestimmten Maße uns selber angeht. gemahnte in seiner diskreten, etwas melancholisch gefärbten Art des 120 Millionen. Der ziveite: Also deshalb wolltest Du mir die Ob das in dieser Komödie noch zutrifft? Ob überhaupt die Gegen- Spottes wie durch eine gewisse Verwandtschaft des Gedankens und letzte Woche leine 5 M. Leihen? fätze und Konflikte, die hier behandelt werden, wenn auch noch vor der Situation an" Abrechnung", das fleine, geistvolle Meisterlustspiel Auf dem Hofball. Ein Militär schaut mit Michel dem handen, nicht längst zweiten Grades geworden sind? Die Artisten- Wieds, das von den Bühnen heute faum beachtet, den Namen seines Hofball zu und erklärt ihm: Verstehst Du nun, Michel, was die welt und die forrette Spießbürgerlichkeit sind in Gegensatz gestellt, Dichters vielleicht der Zukunft überliefern wird. nationale Ehre bedeutet? Wenn diese Damen mit ihren Herren und doch sind sie im Grunde gar keine Gegensäge. Denn die In beiden Stücken plaudern ein Witter und ein ehemaliger tanzen, ist alles in Ordnung, wenn sie nicht mehr zusammen tanzen, Akrobatenfamilie Durand, die im Sommer in einem Provinzneste Liebhaber der gestorbenen Frau mit einander. dann ist die nationale Ehre futsch. ( der Vorsicht halber spielt die Sache in Frankreich) das Leben Ein reicher, progiger Agrarier, der seine junge Frau verloren, begüterter und angesehener Willenbefizer führen, unterscheidet sich in hat einen ihrer näheren Hausfreunde einen wie nahen, ahnt er 8 weierlei Vaterland. Der Bourgeois zum Arbeiter: nichts von der braven und Honetten Notarsfamilie Barthout, die in nicht eingeladen, mit ihm die Wiederkehr des Todestages in Greif zu den Waffen, um dein Land zu verteidigen. ihrem Hause wohnt. Es ist daher das natürlichste von der Welt, stiller Gedächtnisfeier zu begehen. Er muß mit einem Menschen Arbeiter: Ich habe kein Land.- Der Bourgeois: Schadet nichts; daß die hübsche Claire Durand den Notarssohn und Staatsanwalt reden, der sie kannte, ihm von ihren Vorzügen erzählen, um sich dafür hab' ich's. Barthout liebt und heiraten will. Weder die Zuschauer noch die noch nachträglich deshalb beneiden zu lassen. Die stille Feier beDie Haut des anderen. Der Aeltere: Früher war ich Spießbürgerlichkeit ahnen im ersten Akt, daß die Durands in steht in einem glänzenden Diner der zwei Herren, bei Freund des Friedens. Aber mit dem zunehmenden Alter habe ich Wirklichkeit( nämlich im Winter) Birkusakrobaten mit hoher Gage find. dem der Gastgeber durch mächtigen Appetit, durch allerhand begriffen, daß man die Ehre des Landes verteidigen müsse Wir sind daher im zweiten Aft überrascht( das ist der beste Effekt scheinbar verfängliche Fragen und durch gerührte Ansprachen den Der Jüngere: Mit meiner Haut?- Der Weltere: Zum Teufel! der im übrigen technisch, künstlerisch, menschlich ziemlich plumpen Besuch überrascht. Doch alle Bemerkungen, bei denen der Kammer- Mit meiner gewiß nicht. Komödie), die guten Durands in prall sitzenden Trifots eine neue herr stutt, und die auch der Zuschauer zuerst als Anzeichen geheimen Nummer in einem leider nicht genug verschlossenen Raume ihrer Argwohne auffaßt, entpuppten sich als Ausfluß grenzenlos bornierter Villa einüben zu sehen. Der Staatsanwalt, der eine heutzutage Bertrauensseligfeit. Der Hausherr führt den Gast-die feltene Provinzrarität von Ehrbarkeitsanfällen ist, hat das Unglück, Drehbühne ermöglichte den Szenenwechsel in die Zimmer der Notizen. feine halb Angelobte gleichfalls in dieser Situation zu überraschen. Toten und wetteifert daselbst mit ihm vor einer Robe in Theaterchronit. Im Berliner Theater ist als Obwohl bei Heiraten die Mitgift das entscheidende ist, ob- verzückten Erinnerungen. Der Altohol schwemmt auch die letzten nächste Klassitervorstellung Hebbels Herodes und Ma wohl sich die vornehmsten" Familien durch Variété- und Zirkusblut Reste seiner bedeutsam würdevollen Trauermiene fort. Beim Kaffee rianne" mit Albert Heine und Irene Triesch( als Gast) in auffrischen, obwohl Claire hübsch, gebildet und reich ist, bekommt und Liför, bequem im Lehnstuhl hingestreckt, erzählt er schon von Aussicht genommen. der Staatsanwalt einen moralischen und gesellschaftlichen Kollaps. neuen Abenteuern und schlummert endlich friedsam ein. Das sehr Die russische Bensur überwacht nicht bloß die So Und beschließt, unter einem passenden Vorwande das Fräulein in interessante nuancierende Spiel der Herren Albert Heine( Agrarier) zialdemokraten und Revolutionäre, auch Tolstoi untersteht ihrer Schwarz"( die Trikots!) sizen zu lassen. Den Vorwand liefert ein und Karl Clewing( Kammerherr) half über mancherlei Längen Fürsorge. Dem deutschen Professor Schücking wurden seine Feldzugs Staatsanwaltslehrling, Renommist in Don Juan- Sachen, der sich hinweg. erinnerungen aus dem letzten russisch- türkischen Kriege, die er Tolstoi gerühmt hat, mit Frl. Montrose( so heißt die Artistenfamilie im Daß in der Erotit" so viel und herzlich gelacht wurde, auf dessen Wunsch gesandt hatte, von der Zensur zurückgeschickt. Winter) Beziehungen unterhalten zu haben. Die arme Claire, war in erster Reihe das Verdienst von Meinhard, der dem Die Kurzröcke. In London hat sich nach der Wiener die ihrem Staatsanwalt zuliebe die gut bezahlte und hochs quecksilbernen, schönrednerischen, pfiffigen Antiquitätenkrämer Fir Beit" eine„ Liga der Kurzröcke" gebildet, die ständig mehr Ananständige Karriere längst opfern will, geht natürlich als eine brillant lebendige Schwankegistenz verlieh, wie das Verdienst hängerinnen gewinnt. Die Mitglieder verpflichten sich gegen ein Engel aus der Affäre hervor. Aber nun mag fie von Oskar Sabo, der den Seelenfümmernissen des refignierten, Zahlung einer erheblichen Buße im Falle der Zuwiderhandlungdas klägliche Mannsbild nicht mehr. Während der Staatsanwalt in die ausgespannten Heiratsneße seiner Haushälterin sich rettungs- nur Kleider zu tragen, die Boden und Pflaster nicht berühren und wie ein begossener Hund abzieht, öffnet sie einem anhänglichen und los verfangenden Kleinbesizers Spay mit unividerstehlich komischen daher weder Staub noch Mikroben aufwirbeln. Auch in Amerika fentimentalen Clown ihr Herz. Klagetönen Ausdruck gab. Sein deprimiertes Ach, du lieber Gott", hat sich ein ähnlicher Verein, die Fünfzoll- Liga", gebildet, deren Von einigen possenhaften Ergöglichkeiten und dem Gesamt- wenn er eine Rechnung zahlen er eine Rechnung zahlen oder zärtlich werden sollte, Mitglieder wenigstens einen Zwischenraum von fünf Boll zwischen Kontrast zwischen den Durands im ersten und den Montroses im blieb, Duzende von Malen wiederholt, bis zum Schluß von dem Boden und ihrem Gewande lassen.. " ( ,, L'Assiette au beurre".) Handels, als man schon förmlich daZ Pulver in der Luft roch. wurden unsere Delegierten nicht empfangen. Man beschied uns dahin, daß der AntipatriotismuS und der Sinti- Militarismus die politischen Kongresse angingen. Aber diese Antwort entspricht nicht den Ausfassungen des französischen Proletariats. Der Redner beschwert sich, unter Zitierung des Protololls von Kristiania, über die Parteilichkeit Legiens, der sich als Sekretär in die Frage der Proportionalvertretnng auf den französischen Gewerkschaftskongressen eingemischt und eine Meinung darüber geäußert habe, was im wirklichen Interesse der französischen Gewerkschaften läge. Legten rate den französischen Gewerkschaftlern, mit der politischen Partei zusammen zu beraten.(Rufe: Aha!) Wir bestreiten nicht den deutschen Kameraden das Recht, über unsere Taktik zu urteilen und uns eines besseren zu belehren, aber sie haben nicht das Recht, die Diskussion unserer Auffassungen zu hindern. Wir wollen in die Internationale nicht durch die Hinter- türe der politischen Kongresse eintreten. Wir können es nicht nach den Beschlüssen von Slimens. Wir haben die Beziehungen zur ? internationale nicht abgebrochen. Gerade wir wollen die Wirksam- eit der internationalen Organisation immer mehr verstärken. Die Vorgänge in Marokko und jetzt auch auf dem Balkan verlangen unsere Bereitschaft. Die Kapitalisten haben nur noch die eine Hoff- nung, die Völker gegen einander zu hetzen. Der �Krieg von 1870 hat die alte Internationale, die in mächtigem Aufblühen war, so weit zurückgeworfen, daß sich das Proletariat noch heute nicht ganz aufgerichtet hat. sStürmischer Beifall.) Wir bleiben bei dem Be- schluß von Amiens, bleiben bei dem Gedanken, daß es die Aufgabe des Proletariats ist, durch internationale Aktionen den Krieg zu ver- hindern. fAnhaltender Beifall.) Es spricht noch L u g u e t, der die Haltung des Komitees in der Angelegenheit der Korrespondenz mit dem internationalen Sekretariat zu verteidigen sucht. Wenn jemand für die lange Unterbrechung der Beziehungen verantwortlich fei, so das Sekretariat, weil es die Ein- ladung zur Konferenz in Kristiania so spät versendet habe. Der Vergleich Niels mit der Festsetzung der Tagesordnung für die Kon- föderationskongresse stimme nicht. Das Komitee unterbreite alle Punkte dem Referendum, das internationale Sekretariat nicht. Legiens Brief sei b e st e I l t. lStürmischer Beifall. Saint-Venant verteidigt sein Recht, als Gewerkschaftler Auskünfte beim internationalen Sekretariat einzuholen.) Wir fordern jetzt das Sekretariat auf. internationale Kongresse einzuberufen. Das ist eine administrative Frage und da gibt es kein Nein. Wir erwarten, daß Legien so viel gesunden Menschenverstand haben wird, uns keine Schwierigkeiten zu bereiten. Es folgt die Abstimmung über die beiden Tagesordnungen. Für die von Niel eingebrachte stimmen die Guesdisten und alle Reformisten. Es ist das erste entscheidende Gefecht, in dem sich die beiden Hauptrichtungen der Konföderation messen, und das Ergebnis gestattet einen Ausblick auf die noch für die letzten Kongreßtage bevorstehenden wichtigen Abstimmungen. Die Merrheimsche Tagesordnung wird mit 722 Stimmen an- genommen, die Niels vereinigt iii Stimmen, 9 Zettel sind weiß. Die angenommene Resolution hat folgenden Wortlaut: »Der Kongreß stellt fest, daß die Beziehungen mit dem Sekretariat nie aufgehoben worden sind. Er verweist auf den Widerspruch. dessen sich die Konferenz in Kristiania schuldig gemacht hat. Da sie den Organismus der Konföderation mißachtend und unter dem falschen Vorgeben, daß die Anträge der französischen Konföderation ihres politischen Charakters wegen nicht auf den internationalen Gewerkschaftskonferenzen diskutiert werden könnten, die französischen Gewerkschaftsorganisationen auffordert, an der politischen Aktion teil- zunehmen. In Erwägung, daß die internationalen Konferenzen, die aus- schließlich aus Gewerkschaftsbeamten bestehen, nicht das genaue Ab- bild des Gedankens und der Bestrebungen der international geeinigten Arbeiter sein können, in Erwägung ferner, daß das Programm, das sie sich gegeben haben und von dem sie unter keiner Bedingung abgehen wollen, den Gewerkschaftszentralen kein Interesse bietet, das die mit der Teilnahme verbundenen Opfer rechtfertigen würde, betont der Kongreß nichtsdestoweniger seinen Eifer, die internationalen Beziehungen enger und wirksamer zu machen. Er erinnert an den Beschluß von Amiens und ergänzt ihn. indem er dem Konföderationskomitee den Auftrag gibt, der Einladung zur nächsten Konferenz Folge zu geben und die Forderung der rnter nationalen Gewerkschaftskongresse auf die Tagesordnung zu setzen, wo die Bestrebungen zugunsten der Ver- Handlung jener Fragen fortgesetzt werden sollen, deren Zulassung bisher systematisch verweigert worden ist." ver ilürnberger Parteitag in den Organisationen. Nürnberg, 10. Oktober. (Privatdepesche des„Vorwärts".) Die Nürnberger Parteiversammlung wurde am Freitag fortgesetzt. 700 bis 800 Personen waren anwesend. Der Fall Süßheim wurde verlaffen nach einer Erklärung Schlegels, die bestätigte, daß er allein der schuldige Teil sei. Die politische Redaktion habe vom Angriff keine Kenntnis gehabt; er gab ferner zu, die Form sei zu scharf. In der Sache aber erhalte er seinen Standpunkt aufrecht. In der weiteren Diskussion der Budgetfrage sprachen unter anderen Süßheim, Simon und S e g i tz. Zum Schluß erhielt noch ein aktiver Eisenbahner das Wort, der die Stimmung in den Kreisen.der Staatsarbeiter schilderte, die die Budgetzustimmung einhellig für notwendig halten. Bier Resolutionen, davon zwei für die Billigung der ParteitogSbeschlüsse, lagen vor. Angenommen wurde folgende Resolution, für die die Delegierten Bohl und E i s n e r eintraten, mit drei Fünftel gegen zwei Fünftel der Stimmen. „Die Versammlung nimmt den Bericht der Delegierten zur Kenntnis. Sie ist der Meinung, daß die LandeSorgani- sationen und Landtagsfraktionen zur Ermöglichung praktischer Politik Bewegungsfreiheit haben müssen und daß es deshalb unmöglich ist, die Haltung der einzelnen Landtags- fraktionen abschließend zu reglementieren. Die Versammlung erklärt sich deshalb mit der Haltung ihrer Delegierten auf dem Parteitag einverstanden. Ferner ist sich die Ver- sammlung bewußt, daß die innere, fruchtbare Einheit der Partei, die notwendig ist, um erfolgreich gegen den gemeinsamen Feind zu kämpfen. nicht gefördert wird, wenn sich eine große Minorität einer kleinen Majorität unterordnen muß, sondern daß nur durch gegenseitige Verständigung ein erfolgreiches Wirken der Partei möglich ist.— Um aber die Parteieinheit nicht zu gefährden und den parteischädigenden Auseinandersetzungen, wie sie die Budget- abstimmung zirr Folge hatte, vorzubeugen, ist in kritischen Fällen von allen Seiten rechtzeitig der Weg der Verständigung zu suchen. flk V Vom Genosse» Vollmar wird uns zum Bericht über die erste Nürnberger Parteiverfammlung telegraphiert: „Die Behauptung Löwen st eins, daß in der bayerischen Landtagsfraktion auch sonstige Bedenken gegen die Bewilligung be- standen und ich mit der Niederlegung meines Mandats gedroht habe, ist reine Erfindung." Die Parteigenossen zu Ludwigshafen beschäftigten sich in zwei Parteiversammlungen mit dem Nürnberger Parteitage. Die Mehrzahl der Redner stellte sich auf den von den süddeutschen Dele- gierten vertretenen Standpunkt. Schließlich wurde eine Re» solution angenommen, die ihr Einverständnis mit den Beschlüssen des Parteitages erklärt, in der Budgetfrage jedoch die Erklärung der 07 süd- deutschen Delegierten ausdrücklich billigt. Der bayerischen Landtagsfraktion wurde d e r D a n k für ihre Tätigkeit und Haltung im Landtage ausgesprochen. * Die Versammlung des Sozialdemokratischen Vereins Aachen- Stadt erklärte sich mit der Haltung seines Delegierten. welcher als Gegner der Budgetbewilligung doch für den Antrag F r o h m e st i m m t e, nach Ablehnung dieses Antrages aber der Resolution deSVorstandes beitrat, einver stände n. Entgegen einer vermittelnden Resolution wurde nach zusammen siebenstundiger Debatte gegen eine kleine Minderheit eine Resolution angenommen, in welcher sich die Ver- sammlung mit den Beschlüssen des Parteitages v o l l st ä n d i g ein- verstanden erklärt und die Erwartung ausspricht, daß die Genossen aller Orte es für eine selbstverständliche Pflicht erachten, den Beschlüssen nachzukommen. In einer gut besuchten Parteiversammlung zu Hagen wurde nach dem Bericht des Parteitagsdelegierten, Genossen Ludwig, eine von dem früheren Reichstagskandidaten des Kreises, Genossen B r e i l, eingebrachte Resolution einstimmig angenommen, wo- nach die Versammlung bedauert, daß auch ein großer Teil der norddeutschen Delegierten gegen die Resolution des Parteivorstandes zur Budget- bewilligungsfrage gestimmt hat; es müsse dies eine Mahnung zur Vorsicht bei zukünftigen Dele- gierte nwahlen sein. Ein Ueberhandnehmen des Revisionis- mus führe die Partei zur Verflachung und Versumpfung, was man aus der Geschichte aller linksstehenden bürgerlichen Parteien, die ihre festen Grundsätze verließen, lernen könne. Die Erklärung der 00 süddeutschen Delegierten wird bedauert. Die Resolution schließt: Die Parteiversammlung behält sich vor, an den nächsten Parteitag den Antrag zu stellen, die Landes- organisationen mit Landesvorständen an der Spitze aufzuheben und dafür eine straffere Organisation der Gesamtpartei Deutschlands durchzuführen. � � Eine am Donnerstag tagende Parteiversammlung für den Wahlkreis Chemnitz, die einberufen war, um die in einer früheren Versammlung begonnene Diskussion zu Ende zu führen. nahm gegen 10 Stimmen folgende Resolution an: „Die Parteiversammlung für den 10. Wahlkreis nimmt von den Beschlüssen des Nürnberger Parteitages Kenntnis und ver- spricht, denselben Rechnung zu tragen. Die Versammlung hält es für selbstverständlich, daß für die sozialdemokratische Partei keine Taktik in Frage kommen kann, die geeignet wäre, ihren Befreiungs- kämpf zu lähmen und ihre Prinzipien zu verwässern. Vorbedingung für don baldigen Sieg des Proletariats ist seine feste Geschlossenheit und Einigkeit im Kampfe gegen den Kapitalismus. Jedem Ver- suche, diese Geschlossenheit zu durchbrechen, ist mit dem größten Nachdruck entgegenzutreten. Die Versammelten geben deshalb der Erwartung Ausdruck, daß alle Beteiligten die wegen der Budget- bewilligung ausgebrochenen Differenzen nicht vergrößern, sondern in einer den Frieden und die Einigkeit der Partei gewährleistenden Weis« auszugleichen suchen werden". Eue der Partei. „Die Gleichberechtigung der Sozialdemokratie i» Bayern." Auf den Artikel des„Vorwärts" von der Gleichberechtigung der Sozialdemokratie in Bayern, der sich mit der Kandidatur Hoffmann in Kaiserslautern befaßt, erklärt die„Pfälzische P o st"(Ludwigs- Hafen) in ihrer Sonnabend- Nummer, daß sie sich sofort mit der Kaiserslauterner Wahlkreisleitung in Verbindung gesetzt habe, um von dieser nähere Aufschlüsse zu erlangen. Die Wahlkreisleitung erklärt, daß sie sofort zu derAn gelegen- heit Stellung nehmen und dann sich äußern werde. Das Verfahren der Wahlkreisleitung erscheint uns etwas un- verständlich. Doch warten wir das Resultat ab. Zum Fall Calwer schreibt die„Mannheimer Volks« stimme": „Ein neuer„Fall Calwer" beschäftigt zurzeit die Parteipresse. Und es scheint uns, daß dazu leider nur allzu begründeter Anlaß gegeben ist. Genosse Richard C a l w e r, dessen Haltung unserem Parteiprogramm und unserer Parteitaltil gegenüber schon deS öfteren Anlaß zu berechtigten Ausstellungen gab, hat eS neuerdings mit seiner Parteiehre für vereinbar gehalten, im Scherischen„Tag" sich über innere Parteifragen auszulassen, also im Blatte eines Mannes, dessen ganzes literarische Gebaren nicht nur vom Stand- punkte unserer Partei, sondern von dem der publizistischen und politischen Moral überhaupt aufs entschiedenste zu verurteilen ist. Ohne auf das einzugehen, was Genosse Calwer im„Tag" über den Ilürnberger Parteilag zu sagen hatte, glauben wir uns auch mit den sämtlichen Parteiblättern deS neuerdings so viel geschmähten Südens eins zu wissen, wenn wir erklären, daß wir die Be- Nutzung eines Scherl-OrganS zu Publikationen unserer Partei« genossen schon vom Standpunkt der Parteiehre für durchaus verwerflich halten." poHzeiUcbes, Serlcbtticbes ukw. Die ungeweihte Fahne der Arbeitswilligen. . 300 M. Geldstrafe verhängte die Strafkammer Saar» brücken am 0. Oktober über den Genossen Leimpeters, Redakteur der am 1. Oktober eingegangenen„V o l k s w a ch t" zu Saarbrücken, wegen Beleidigung des Vikars G r e f f von der Euchariuskirche zu Metz. Am 24. Slpril d. I. brachte die „Bolkswacht" aus Metz einen Artikel, überschrieben:„Religiöser Fanatismus" Es fand am Ostersonntagnachmittag auf dem Euchariusfriedhof die Beerdigung des Maurers Kühne statt, der Mitglied des Fachvereinö der Metzer Maurer war und dem der Verein mit seiner Fahne das letzte Ehrengeleit gab. Dieser Fach. verein wurde vor sechs Jahren, als der Zentralverband der Maurer Deutschlands die erste Agitation in Metz betrieb, von den Metzer Bauunternehmern gegründet, die ihm auch heute noch als„Ehrenmitglieder" angehören. Die Fahne erhielt der Verein von den Unternehmern, hauptsächlich dem Kom- merzienrat Heister, geschenkt. Es handelt sich also um einen Verein mit ausgesprochen antige iverkschaftlichen und erst recht antisozialdemokratischen Tendenzen, aber dennoch wollte der Vikar nicht zulassen, daß die Fahne mit auf den Kirchhof gehe, und als der Vorsitzende darauf bestand, machte der„Stellvertreter Gottes" Kehrt, bestieg die von der Witwe vorher bezahlte Droschke, nahm auch d i e von ihr schon bezahlten Kerzenträger mit den von ihr gekauften Kerzen mit und fuhr davon. Der Verstorbene wurde ohne kirchliche Zeremonien beerdigt, was unter den Beteiligten eine ungeheure Empörung hervorrief, die sich in grober Beschimpfung des Geistlichen Luft machte. Dieses Vorkommnis wurde in der „Volksmacht", die auch als Parteiblatt für Metz galt, scharf gc- geißelt. In diesem Artikel hieß es, daß die Fahne nicht zurück- gewiesen worden wäre, wenn es sich um einen Reichen oder gar Herrn de Wedel gehandelt hätte, den seinerzeit 04 Geistliche und der Bischof von Metz zu Grabe geleiteten. Auch wurde be- hauptet, daß sich der Geistliche im voraus habe bezahlen lassen. Herr G r e f f stellte wegen dieses Artikels Strafantrag, den die Saarbrücker Staatsanwaltschaft zurück- wies, weil kein öffentliches Interesse vorliege. Gegen diesen Beschluß erhob Herr Greff, der seine Feinde liebt wie sich selbst und Gutes tut denen, die ihn verfolgen, Berufung bei der Oberstaatsanwaltschaft in Köln, die nun dahin entschied, daß doch ein«öffentliches Interesse" vorliege und die Saarbrücken Staatsanwaltschaft anwies, das Strafverfahren gegen LeimpcterS einzuleiten und Herrn Greff als Zeugen und Nebenkläger zuzulassen! Vor Eintritt in die Verhandlung erklärte Leimpetcrs, daß er sich nachträglich davon überzeugt habe, daß eine Vorausbezahlung des Geistlichen für seine persönlichen Bemühungen nicht stattgefunden habe, wohl eine Vor- ausbezahlung der Droschke, der Kerzen und Kerzenträger, daß er somit den Hauptvorwurf nicht aufrechterhalte. Er� bedaure, in diesem Punkt fälsch informiert zu sein und nehme die sich darauf beziehende Kritik zurück. Den Vorgang am� Friedhof gab der Vikar zu, betonte jedoch, daß nach kanonischem Recht un- geweihte Fahnen keinen Zutritt zum Friedhof hätten und er von seinem Pfarrer die Anweisung erhalten habe, die Fahne zurückzuweisen. Daß die Witwe die Droschke, die Kerzen und Kerzenträger vorher bezahlt hatte, habe er nicht gewußt. In Metz sei es üblich, daß bei allen Beerdigungen dem Geistlichen eine Droschke gestellt würde, wer sie bezahle, das kümmere ihn nicht. Die Witwe bekundet, daß sie die Kerzen, die Kerzenträger wie auch die Droschke für den Geistlichen im voraus habe bezahlen müssen. Die Fahne sei deshalb mitgegangen, weil ihr Mann auf dem Sterbebett den Wunsch ausgesprochen habe, mit der Vereinsfahne beerdigt zu werden. Sie sei auf das tief sie empört gewesen, daß ihr Mann wie ein Selbstmörder, ohne Kreuz und ohne Segen in 3 Grab gesenkt wurde! Der Vorsitzende des Fachvereins bezeugt, daß dieselbe Fahne bei der Beerdigung des Kom- merzienrats Heister nicht nur auf dem katho- lischen Friedhof, sondern auch in die katholische Kirche zugelassen wurde! Weiter wird festgestellt, daß ungeweihte Fahnen auf katholischen Kirchhöfen Zutritt hatten. Der Vikar meint, daß es sich da um„patriotische"� Fahnen handeln würde, die auf Grund einer Vereinbarung der Diözesanleitung mit dem Bezirkspräsidium zugelassen würden, auch wenn sie nicht ge. segnet seien. Weiter wurde festgestellt, auch vom Vikar zugegeben, daß Vorausbezahlungen vorkommen, jedoch lag es in diesem Falle nicht vor. Der Staatsanwalt forderte, da es sich um den Schutz eines Geistlichen handele, eine exemplarische Strafe. Er beantragte zwei Monate Gefängnis. Das Gericht erkannte auf die erwähnte Geldstrafe von 300 Mk. Strafkouto der Presse. Das Landgericht in Hamburg verurteilte am 7. Mai 1908 den Redakteur vom„Bauhilfsarbeiter", Genossen Töpfer, wegen angeblicher Beleidigung des Gemeindevorstehers von Loppersum und eines GerichtSaffessors zu drei Monaten Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte neun Monate beantragt. Gc- uosse Töpfer hatte die Drangsalierung eines Bauarbeiters gekenn- zeichnet, der als Sozialdemokrat in der Gemeinde keine Wohnung bekam und sich deshalb im Armenhause einmieten mußte. Auf An- ordnung der Behörde wurde der Arbeiter samt seiner Familie nach zwei Jahren aus dem Armenhause entfernt. Die gegen das Urteil geltend gemachten prozessualen Rügen wurden vom Reichsgericht als nicht stichhaltig angesehen, es verwarf die Revision am 8. Oktober. (Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.) Ein Freispruch. Genosse Schlegel von der„Fränkischen Tagespost" zu Nürnberg stand am Sonnabend vor dein Schwurgericht wegen Beleidigung des Kaplans Koch. Er sollte den Kaplan dadurch beleidigt haben, daß er ihm vorwarf, er dränge sich in die Arbeiterfamilien ein, hetze die Kinder gegen die Eltern auf und schwatze dummes Zeug über die Sozialdemokratie. Der Wahrheitsbeweis wurde vollständig erbracht. Schlegel wurde freigesprochen. Gcnchtö- Zeitung. Ein schwerer Brrstoß gegen daS Leben und die Gefillldheit seiner Mitmenschen führte gestern den Schlächtermeister Ludwig Dubisch auf die Anklagebank. Unter der Slnklage des wissentlichen Vergehens gegen das Nahrungsmitlelgesetz vom 14. Mai 1879 halte sich D. vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts II zu ver- antworten. Am 2ö. Juni d. I. wurde von der Schöneberger Polizei im Beisein deS städtischen Tierarztes®t._ Bewner auf de n Wochenmarkt in der EbcrSsttaße eine Revision vorgenommen. In dem Verkaufsstand deS Angeklagte», der in der Bahn- straße ein Geschäft betreibt, fanden die Beamten in einem Gesäß einen größeren Posten Schabefleisch und sonstiges Rind- und Schweinefleisch, sowie gepökelte F l e i s ch st ü ck e vor, die offensichtlich, wie jeder Laie erkennen mußte, schon einen ziemlich derben„Stich" hatten. Das Fleisch, welches trotzdem zum Verlauf ausgestellt war, wurde sofort be- schlaguahmt und von dem Tierarzt untersucht. Es ergab sich, daß das Fleisch bereits in einen starken Grad der Fäulnis über- gegangen war und dieser Zustand auch ohne weiteres dein Verkäufer bekannt gewesen sein mußte. Die Folge war die jetzige Anklage gegen den Slngeklagten Dubisch. Vor Gericht begutachtete der GerichtSarzt Dr. Strauch, daß der Genuß eines derartigen Fleisches schwere gesundheitliche Schädigungen, unter Umständen so- gar den Tod zur Folge haben könne. Der Staatsanwalt be- antragte einen Monat Gefängnis. Das Gericht ver- urteilte den Angeklagten zu zwei Wochen Gefängnis. Traurige Folgen des AlkoholiSmuS. Vom Landgericht Essen(R.) ist am 20. Mai der Händler Franz van A l m s i e k wegen fahrlässiger Tötung seines dreijährigen Töchterchens zu drei Wochen Gefängnis verurteilt worden. Er kam angetrunken nach Hause und begann mit seiner Frau, die das drei- jährige Kind auf dem Arme hatte. Streit. Er ergriff schließlich einen Schaunilöffel, um damit nach seiner Frau zu schlagen. Diese hielt unwillkürlich den Arm mit dem Kinde dem Augeklagten ent- gegen und so kam es, daß der wuchtig geführte Schlag das Kind am Kopfe was. Der Löffel wurde später zerbrochen aufgefunden. DaS Kind hatte an der rechten Seite eine klaffende Wunde. Diese heilte zwar wieder, aber es trat später Wundrose ein, an welcher daS Kind starb.— Die Revision des Angeklagten, welcher Ver- keiuiung der Fahrlässigkeit rügte, wurde vom Reichsgericht am Freitag als unbegründet verworfen. Lriefkalten der Redaktion. ite(nriftlfific Sdreiiiftiinde Nnde» Linde usirahe Mr. 3, zweite- Hos, dritter Eingang, vier Treppe», OV Sabrftnh l~nBd wochentäglich abends von?>, bis U'/i live statt. tSeöisnet 7 lUir Sonnabends beginn» die Svrechstnnde»mer Hexentanz auf dem Balkan zieht nicht nur des Politikers Auge auf sich, steht nicht nur im Vordergrund des politischen Interesses, Bulgarien hat mit seiner Extratour und dem was nach- hupfte auch den Börsen einen argen Stoß versetzt. Zunächst waren die Börsenmänner sehr erschreckt, dann sah es so aus, als hoffte man, ohne lange Nasen davonzukommen; daraus zeigte sich wieder stärkere Verschnupfung. Man weiß noch nicht recht, soll man kurs. fest der Gefahr ins Auge schauen oder für den Zustand des kranken Mannes am Bosporus mit einigen Prozent Rückgang liquidieren? Blickt man über die mehr akuten Folgen von weniger Allgemein. bedeutung hinweg, wird die Frage nach der volkswirtschaftlichen Bedeutung gestellt, dann ist für uns mit den Vorgängen auf dem Balkan eine Angelegenheit von bemerkenswerter Wichtigkeit an- geschnitten. Ob etliche Spekulanten große Summen verlieren, die andere einstecken, das kann uns schließlich gleichgültig sein: bei der Frage nach Krieg und Frieden stehen ganz andere wirtschaftliche und kulturelle Interessen auf dem Spiele. Diese Interessen, ganz abgesehen von den rein menschlichen Erwägungen, dem Abscheu gegen brutales Menschenmorden und sinnloses Zerstören, müssen den schärfsten Protest gegen einen Krieg, auf den die reaktionären Elemente hindrängen, herausfordern. Die Selbständigkeitsprokla. mation in Bulgarien ist nicht nur den Reaktionären in der Türkei willkommen; mit ihren Begleiterscheinungen entspricht sie auch den Wünschen der russischen Kultur- und Freiheitsfeinde. Wie die Revolution in Rußland.hier Aussichten auf eine schnellere Wirt- schaftlichc und industrielle EntWickelung eröffnete, so wurden in der Türkei, mit der Abschaffung des alten konservativen, moderner Wirtschaft abholden Systems durch die Jungtürken, für dieses Land Vorbedingungen kommerziellen und gewerblichen Aufblühens ge- schaffen. Das war den russischen Reaktionären ein Dorn im Auge und der Koburger in Bulgarien durfte daher für die Anzettelung der Wirren auf die freundliche Zustimmung seitens des Zaren und seiner Großfürsten rechnen, wenn auch die Selbständigkeitscrklärung manchen Strich durch russische Rechnungen macht. Ob es nun zum Kriege kommt oder nicht, aus jeden Fall rechnet Rußland darauf, seine Einflußsphäre zu erweitern. Und damit würde es die revolutionäre Bewegung in seinem eigenen Lande wiederum ein Stück zurückwerfen und auch die wirtschaftliche Entwickelung hinausschieben. Die russischen Junker haben mit den preußischen gemeinsam ven Widerwillen gegen kommerzielle und industrielle Entwickelung. Tie verwandten Sippen fühlen instinktiv, daß hier der Hebel liegt, der sie aus ihren Macht- und Glanzstellen hinausheben wird. Rußland ist ein reiches Land; es hat zwei Quellen des Reichtums. Die eine ist seine Agrarproduktion und sein immenser Holzbestand. An dieser Quelle sitzen die russischen Junker und der Hof. Rußland hat bei der etwas mehr als doppelten Bevölkerungszahl in 60 euro- päischen Gouvernements eine zirka sechsmal so große Fläche als Deutschland für den Getreidebau in Benutzung. Der ungeheure Reichtum, der der russischen Agrarkultur entspringt, fließt aber fast ungeteilt in die Taschen der Grundherren. Die Bauern, die Echaffer des Reichtums, bringen ihr Leben in kaum unterbrochener Hungersnot hin. Riesenhafte Summen, zirka 60 Millionen Rubel pro Jahr, vereinnahmt allein die Krone aus dem Holzverkaus. Und dabei ist kaum ein Zehntel des russischen Waldbestandes, an dem das Volk ebensowenig wie an Grund und Boden Eigentums- und Nutzungsrechte hat, in forstwirtschaftliche Benutzung genommen. Hier liegt für die Herrscher in Rußland die materielle Möglichkeit der Weiterexistenz auf der bestehenden Grundlage. Ihr Interesse drängt nicht nach wirtschaftlichen Umwälzungen, die auch soziale Reformen im Gefolge haben müssen; im Gegenteil, Aenderungen, grundlegende Reformen, die ihre Macht, ihren Einfluß, ihre Herr- schaftsrolle untergraben, sind ihnen in tiefster Seele verhaßt, und darum ihr Streben, sie zu verhindern. Das Interesse der russischen Junker fällt nicht nur mit dem der Krone und dem des ganzen Grotzfürstenklüngcls zusammen, auch die von der Spitze an bis zur letzten Stufe der Beamtenschaft herab bestechliche Ver. waltung ist an der Erhaltung der Dinge und Verhältnisse inter- essiert. Jeder räubert und plündert, wo und soviel er kann. Die agrarische und administrative Plünderordnung wird aber in ge- wisser Beziehung durch das Erschließen einer anderen Reichtums- quelle bedroht, weil diese das Aufkommen einer neuen, einflutz. reichen, sozial mächtigen Gescllschaftsschicht ermöglicht, ja unab- wendbar macht. Die andere jetzt erst ganz schwach fließende Quelle des Reichtums, die noch gebundenen sozialen und kulturellen Machtfaktoren, der noch nicht gehobene immense Reichtum ruht unter der Erdoberfläche. Es sind die gewaltigen Erz- und Kohlenlager Rußlands, die die Grundlage geben können zu einer gewaltigen grohindustriellen Entwickelung. Diese hat neben der Klasse von Kapitalisten, die im eigenen Interesse ihren Einfluß auf Gesetzgebung und Verwaltung in einer den Großgrundbesitzern nicht angenebmen Richtung ausüben mutz, buch das Aufkommen einer Arbeiterschicht zur Voraussetzung, die in ihren elementaren Kenntnissen den russischen Analphaheten beträchtlich hinter sich läßt. Eine In. dustrie braucht geordnete und gute Verkehrsvcrhältnisse, diese aber begünstigen wieder die Fluktuation der Bevölkerung. Die Bande zagenden Duldens großgrundhcrrlichen Knutenregimcnts lösen sich, wenn der geplagte arme Teufel das leicht zu erreichende lockende Ziel, als Industriearbeiter unabhängiger zu werden, vor Augen sieht. Das alles sind Perspektiven, die den Widerstand erklären, die der russische Adel und das Junkertum einer Aenderung des ihre Herrschaft sichernden politischen status quo im Lande selbst wie auch auf dem Balkan entgegensetzen. Welche Bedeutung Ruß- land als Industrieland bekommen kann, mögen noch einige An- gaben illustrieren: Rußlands bedeutendstes Kohlenbecken ist das im Donetzgebiet, am Asowschen Meer. Seine Fläche umfaßt 27 000 Quadratkilometer und das dortige Kohlenvorkommen wird auf 11000 Millionen Tonnen geschätzt. Ein Ricsenrescrvoir, das kaum angegriffen ist! Rußlands gesamte jährliche Kohlenförderung kommt jetzt über 20 Millionen Tonnen nur eben hinaus. Enorme Kohlenlager hat das europäische Rußland dann noch im Weichsel- gebiet, am Ural und in Mittelrußland. Der Ural ist- ferner der Schoß gewaltiger Lager von Erzen, die einen Eisengehalt von 66 bis 65 Proz. aufweisen. In den letzten Jahren sind noch un- ermetzlich reiche Erzlager u. a. in Südrußland(Krivoi-Roy) cnt- deckt worden. Auch die Türkei hat bedeutende Lager an Erd- schätzen, die noch der Erschließung harren. Dazu tritt für dieses Land die Aussicht, ein hervorragender Welthandelsplatz zu werden, dem als solchen ungemcssene Reichtümer zufließen. Aber die Vor» bedingung ist ein modernes Staatswesen mit neuzeitlichen Ver- kehrseinrichtungen. Die Erschließung und Ausbeutung aller Natur- schätze in beiden Ländern, die Entwickelung einer Großindustrie in Rußland, wird voraussichtlich auch von direkt revolutionierendem Einfluß auf die russischen Agrarverhältnisse sein und von den Um- wälzungen würden dann auch die Verhältnisse in den Balkan- staaten berührt. Wie die gewaltsame Unterdrückung der revolutio- nären Bewegung in Rußland der industriellen und kommerziellen Entwickelung des Landes Hemmungen bereitet, so würde das auch weiter geschehen durch Stärkung des reaktionären Elements infolge der Auslösung chauvinistisch-nationalistischer Bewegungen in den verschiedenen Staaten und durch die Entfachung eines Krieges, in dessen Nachwehen freiheitliches Streben keinen guten Nähr- boden findet. Wir selbst hätten eine Industrialisierung Rußlands durchaus nicht zu fürchten: im Gegenteil, sie kann uns nur erwünscht sein, stellte sie doch die heimische Weiterverarbeitung auf eine neue, breitere Grundlage der Entwickelungsmöglichkeitcn. Mit der Kolonisierung des Riesenrciches werden enorme Bedürfnisse an Maschinen und Apparaten für die Landwirtschaft ausgelöst; ganz bedeutend sind die Ansprüche, die eine entwickelte und sich ent- wickelnde Großindustrie an die Verfeinerungsindustrie stellt; die Arbeitsaussichten, die sich der Elektrizitätsindustrie durch groß- zügigen Ausbau des lokalen und des Fernverkehrswesens, des Per- sonen- und Gütertransportes, der Elektrizitätsversorgung zu Be- leuchtungszwecken und für landwirtschaftliche Dienste eröffnen, können kaum überschätzt werden; die Aufträge, die für Eisenbahn- bauten an Walzwerke sowie an Lokomotiv- und Wagenfabriken ver- geben werden müssen, lassen ebenfalls für uns reichlich« Arbeits- gclegcnheit erwarten. In der Industrialisierung Rußlands und in dem Eintritt anderer Agrarländer in den Kreis moderner Staaten können wir daher keinen Nachteil, sondern nur für die Gesamt- entwickelung freudige Ereignisse sehen, während andererseits die Aufstachelung nationalistischer Instinkte und die Heraufbeschwörung eines Krieges vom allgemeinen Volks- und weltwirtschaftlichen Standpunkt zu bedauern und darum nach Möglichkeit zu ver- hindern ist. E). a Um- M HiM-Wm xeichnct«ich«u durch ▼ortellhafte niedrige Preise, vo-endet schöne Auswahl, neuzeiUce Stoffe u. Fassons, bestsitzenoe Passformen in Vorräten t. lausenden Exemplaren nur eigener Erzeugnisse, (flinter-ülsln und Poletots Hochmoderne prachtige Ausmusterungen r Muster u. schönster Fassons F.. G N. ISRAEL 26-32 Spandauerstr. BERLIN C. Königetrasae 11-14 GEGRÜNDET 1813 - SS !? i! Damen-Hüte Garniert und ungamiert, von einfacher bis zur elegantesten Art, zu sehr vorteilhaft. 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Schruz. Montag, den 12. Oftober 1908: Der Widerspenstigen Zähmung. Luftspiel in 4 Aften nach B. Shakespeare bon Johann Ludwig Deinhardstein. Der Direktion Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: Hoffmanns Nordd. Sänger und Tanzkränzchen. Brillantes Soiree- Progr. Beg. Sonnt. 5, wochent. 8. Morgen: Gr. Elite Soiree. Tanz. Nächsten Dienstag: Theater Abend. Widerspänstigen Zähmung. Schiller- Theater. O.( Wallner- Theater.) Sonntag, nach m. 3 ubr: Der rote Leutnant. Schauspiel in 3 Akten v. Ed. Goldbed und H. Kienzl. Sonntag, abends 8 Uhri Der Familientag. Luftspiel in 3 Atten v. Gustav Nadelburg. Montag, abends 8 Uhr: Der Familientag. Dienstag, abends 8 Uhr: Das Stiftungsfest. Schiller Theater Charlottenburg. Sonntag, nadim. 3 Ubr: Götz von Berlichingen. Schauspiel in 5 Auszügen v. Johann Wolfgang v. Goethe. Sonntag, abends 8 Uhr: Julius Casar. Trauerspiel in 5 Aufzügen von William Shakespeare. Montag, abends 8 Uhr: Julius Cäsar. Dienstag, abends 8 Uhr: Julius Cäsar. 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Das faarabische Syſtem vor Gericht. weiß ihm fagte, daß er dann aus B ausschließen wollen, da statt 3 5 m. verlangt wurden, worauf hindurch an jedem Hauptlohntag, also jeden Monat, von seinen dann aus der Partie in ein Kameraden 3-5 Mart gesammelt hat, die nach Meinung anderes Flöz verlegt werde. Ueberdies müsse er extra der Geber an die Beamten weiter gegeben wurden. Die StaatsBereits in der Sonnabendnummer konnten wir über den Prozeß für sogenannte Saufschulden in einem Monat fogar anwaltschaft wie auch die Verteidigung verzichteten auf die Vergegen drei Bergleute berichten, die wegen Meineids verurteilt werden 36 Mart zahlen! Ein anderer Zeuge hat gehört, daß ein nehmung der Beamten, die au dem Termin tags vor mußten, weil sie am 19. Dezember 1907 aus Furcht vor Drangsa Steiger sagte: Wenn nichts mehr von Euch tommt, her noch geladen waren. Der Staatsanwalt begründete lierung durch die Beamten als Zeugen befundet hatten, weder etwas dann tommt auch nichts mehr von mir!" worunter nur seinen Verzicht mit der Befürchtung, daß diese Ver von Beamtenbestechung gehört, noch sich selbst daran beteiligt zu zu verstehen sei:„ Wenn Ihr nicht mehr schmiert, benehmung zu neuen Meineidsprozessen führen haben. In der Verhandlung gegen Weiß, der im Gegensatz zu den kommt Ihr auch fein gutes Gedinge!" Aus dieser würde, deren man bald genug hätte. Was in Wirkborher Verurteilten seine Schuld bestritt, wurden 16 Zeugen ver- Aeußerung des Steigers schloß der Zeuge, daß Weiß lichkeit aus der Schmiedetasse", aus der Wolfstasse" nommen. Das Ergebnis ihrer Aussagen war für die Muster- das gesammelte Geld mehrfach nicht abgeliefert, sondern für sich und aus der Quierschieder Orgel" und wie sonst diese gültigkeit der Staatsbetriebe geradezu ver- perbraucht hat. Mehrere Zeugen sagen weiter aus, daß jahre Stassen heißen, die Beamten erhalten und was die sauberen Partienichtend. Iang an jedem Hauptlohntage drei bis fünf Mark führer unterschlagen haben, das wird erst in dem großen Prozeß Der erste Zeuge befundet, daß er 1901 in die Partie des Weiß in die Schmiedekasse" gesammelt wurden, die festgestellt werden, der am 20. Oftober vor der Straf gekommen sei und dieser ihm sofort gefagt habe, er nach ihrer Meinung an den Steiger, Fahrsteiger fammer Saarbrücken seinen Anfang nimmt. leber müsse an jedem Lohntage 3 Martin die, Schmiede- oder Obersteiger abgeliefert wurden! Die meisten fünfzig Personen, Beamte und Arbeiter, sollen an diesem taffe" zahlen; das Geld bekomme der Fahrsteiger Zeugen find aber auch der Meinung, daß Weiß nur einen Teil Tage die Anflagebank betreten. = " Rick! Am Hauptlohntag habe Weiß das Geld auch richtig einkassiert, des Geldes abgeliefert habe, da er weit über seine Verhältnisse hinaus Bislang find sechs Bergarbeiter wegen Meineids verurteilt, wofür sie dann ein günstigeres Gedinge erhielten. gelebt und Anschaffungen gemacht habe. Bei einem gemein- zwei stehen am 12. Oktober unter derselben Anklage. Einen Monat hätten sie nichts in die Schmiedekasse gezahlt, da sei fchaftlichen Gelage, bei dem ein Kalb verzehrt, Meineidsprozesse bilden nur das Vorspiel zu dem großen Prozeß, Diese der Lohn auf 3,70-3,80 pro Schicht heruntergegangen. Die Kosten durch Sammlung von den Bergleuten der über die saarabische Beamtenbestechung und Beamtenwirtschaft, Als sie dann wieder zahlten, stieg der Lohn auf gedeckt wurden, nahmen auch die Steiger teil... fowie über das Elend der Arbeiter und die Ausbeutung dieses 5 Mart pro Schicht. Nachher habe er sich von dem Zahlen So befundeten also eine Reihe geugen, daß Weiß Jahre Elends in dem fiskalischen Betriebe weiteres Licht verbreiten wird. * Ginigkeit macht stark! Einigkeit macht stark!**+ Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend Telephon: Telephon: Amt VII 2301 und 6689. Amt VII 2301 und 6689. Eingetragene Genossenschaft mit beschr. Haftpflicht. Kontor und Zentrallager: Grüner Weg 11 mit dem jetzt vereinigten Berliner Konsumverein bestehen folgende N. Willdenowstr. 30 N. Maxstr. 13a N. Prinzen- Allee 85 N. Swinemünder Str. 44 N. Gartenstr. 3 Weißensee, Friedrichstr. 12 Lichtenberg, Frankfurter Chaussee 103 38 Verkaufsstellen: N. Greifenhagener Str. 8 N. Antwerpener Str. 4 ( Eröffnung am 16.Oktob.) NO. Bötzowstr. 34 NO. Winsstr. 64 NO. Ebelingstr. 13 NO. Büschingstr. 12 0. Markusstr. 37 0. Zorndorfer Str. 62 0. Liebigstr. 7 S. Gräfestr. 40 SW. Zimmerstr. 22 SW. Arndtstr.' 5 NW. Erasmusstr. 5 0. Kopernikusstr. 33 0. Stralauer Allee 20a SO. Forster Str. 20 SO. Michaelkirch- Platz 4 NW. Rostocker Str. 85 NW. Emdener Str. 50 NW. Stendaler Str. 5 Rixdorf, Emser Str. 33 Rixdorf, Wildenbruchstr. 61/62 Tempelhof, Berliner Str. 42/43| Schöneberg, Gothenstr. 1 Schöneberg, Apostel Paulus- Mariendorf, Kaiserstr. 110 straße 27 Lichtenberg, Kronprinzenstr. 1| Rummelsbg., Türrschmidtstr. 6| Rixdorf, Weisestr. 52 Rummelburg, Wismarplatz 3 Karlshorst, Gundelfingener ( Eröffnung am 20. Oktob.) Straße 51 Im 9. Geschäftsjahre 1907/08 wurden( einschließlich des Lieferanten- Umsatzes von 189 917 M.) 2268107,49 Mark Umsatz erzielt. Der Reingewinn betrug 110 389,01 M., wodurch den Mitgliedern -PRO દેશી 16 મ 5 Prozent Rückvergütung gezahlt werden konnten. * * Einigkeit macht stark! Das eingezahlte Geschäftsguthaben betrug Spareinlagen waren vorhanden am 1. Juli 1908 Der Reservefonds beziffert sich auf 126048,13 Mark. 163 263,24 Mark. 22799,79 Mark. Der Umsatz vom 1. Juli bis 30. September d. J. betrug in 37. Verkaufsstellen 486 093,43 M. gegenüber 381 041,76 M. im Vorjahre. Beitrittsgeld 50 Pf. Anteil 30 Mark. Durch Beitritt wird jeder Miteigentümer sämtlicher Geschäfte der Genossenschaft! Nur gute unverfälschte Waren! Die Waren werden netto gewogen! Arbeiter! Hausfrauen! Tretet der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend in Massen bei! Wir empfehlen ferner zu recht fleißiger Benutzung bei allen Einkäufen die nachstehend aufgeführten Verkaufsstellen der 127/17 Konsumvereine von Groß- Berlin: Adlershof( Konsumgenossenschaft): Adlershof, Hackenbergstr. 29. Alt- Glienicke, Köpenicker Str. 32. Grünau, Königstr. 2. Ober- Schöneweide, Edisonstr. 48. Louisenstr. 12. Berlin( Bäckerei- Genossenschaft): Glogauer Str. 28. Bödikerstr. 30. Yorkstr. 65. Hohenlohestr. 18. Forster Str. 20. Rixdorf, Falkstr. 1. Rixdorf, Steinmetzstr. 109. Isarstr. 11. Britz( Käuferverein): Britz, Werderstr. 33. Charlottenburg( Konsumverein): Wallstr. 23. Tauroggenerstr. 10. Potsdamer Str. 12. Weimarer Str. 29. Wilmersdorf, Wilhelmsaue 27. Christstr. 18( Bäckerei). Cauerstr. 27 Bäckerei- VerkaufsBleibtreustr. 2) stellen. Friedrichshagen( Konsum- Genossenschaft): Friedrichshagen, Friedrichstr. 98. Erkner, Königstr. 55. Friedenan( Konsumverein): Moselstr. 7. Königs- Wusterhausen( Konsum- Genossenschaft): Berliner Str. 26. Nowawes- Neuendorf( Konsumverein): Lindenstr. 38. Priesterstr. 29. Potsdam( Konsumgenossenschaft ,, Hoffnung"): Junkerstr. 15. Bornstädt, Friedrich- Wilhelmstr. 32. Spandau( Konsumverein Merkur: Mittelstr. 13 Tegel( Konsumverein): Tegel, Schlieperstr. 70. Borsigwalde, Schubertstr. 21. Hermsdorf, Berliner Str. 16 a. Reinickendorf, Eichbornstr. 16. Freie Scholle. Die Propaganda- Kommission zur Förderung des Genossenschaftswesens für Berlin und Umgegend. Für die Gewerkschaften: Eugen Brückner. C. Giebel. Karl Hetzschold. Adolf Ritter. E. Wutzky. Für die Genossenschaften: M. Hoppe. R. Junger. Wilh. Lamm. Aug. Winter. Erster Wahlkreis. Deutscher Holzarbeiter- Verband.| Arbeiter- Bildungsschule Berlin. Heute, Sonntag, den 11. d. M., abends 6 Uhr, in der„ Lebensquelle", Kommandantenstraße 20: Versammlung mit Frauen. Zages Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Rechtsanwalt Dr. Oskar Cohn über: Jugenderziehung". 2. Diskussion. Nachdem: Geselliges Beisammensein und Tanz. Eintritt mit Garderobe und Tanz 20 Pfennig. Um zahlreiche Beteiligung erlucht 208/10 Der Vorstand. Ortsverwaltung Berlin. Montag, den 12. Oftober, abends 6 Uhr, ( gleich nach Feierabend): Acht große 91/14 Mitglieder- Versammlungen für sämtliche Branchen und Bezirke folgenden Lokalen: Deutscher Metallarbeiter- Verband. Mabels Braueret, Bergmonftr. 5-7. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Hof I. Amt 3, 1239. Charitéstraße 3. Sof I, Amt 8, 1987. Möhring, Admiralstr. 18c. Dienstag, den 13. Oftober, abends 8 Uhr: Versammlung Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, Saal 4. Andreas- Festsäle, Andreasstr. 21. sämtlicher Fahrstuhl- Monteure und Helfer Prachtsäle des Ostens, Frankfurter Allee 151/52 Berlins und Umgegend im Lokal von Röwer, Glifabethkirchstraße 14. Tages- Ordnung: Boeker, Weberstr. 17. Obiglo, Schwedter Straße 23. 1. Bortrag des Kollegen St. Büde. 2. Distuffton. 8. Branchen Raabe, Kolberger Straße 23. angelegenheiten. 4. Verschiedenes. Kollegen! Es handelt sich um die Besprechung verschiedener Mißstände in unseren Betrieben. Wir erwarten daher, daß die Kollegen für zahlreichen Besuch forgen. Achtung! Achtung! Die nächste ordentliche Generalversammlung findet am 22. November d. J. statt. Die Bezirksversammlungen, die sich mit der Tagesordrung der Generalversammlung beschäftigen, find am 9. November. Anträge, die auf die Tagesordnung der General bersammlung fommen follen, müssen spätestens bis zum 25. Oktober bei der Ortsverwaltung eingereicht werden. 123/7 Die Ortsverwaltung. Verband der Schneider, Schneiderinnen Wäsche- Arbeiter. Herren= Konfektion. Zuschneider, Werkstatt- und Heimarbeiter! Montag, den 12. Oftober, abends 8%, Uhr, in Dräsels Feitsälen, Nene Friedrichstr. 35: Tagesordnung: 1. Der Arbeitsnachweis und die Arbeitsvermittelung. Referenten: Otto Dahlke, Georg Exner, Wilhelm Güth, Artur Hiebel, Hugo Langhammer, Richard Leopold, Karl Reiche und Heinrich Späthe. 2. Berbandsangelegenheiten. Schullokal: Grenadierstr. 37, Hof geradezu 1 Tr. Sehrplan für das 4. Quartal 1908. Montag: Naturerkenntnis.( Erster Teil.), Geschichte der Naturerkenntnis. Die Elemente. Auf dem Wege zur Urmaterie. Die unsichtbaren Strahlen, das Radium und die Elektronentheorie. Die Entwickelung des Weltalls. Unser Sonnensystem. Die Sternenwelt. Die Erdzeitalter. Vortragender: Emanuel Wurm. Dienstag: Gesetzeskunde.( Die Rechtsentwickelung m Deutschen Reich.) 1. Der Norddeutsche Bund. Die Reichsverfassung, Reichsgewalt und Einzelstaaten. 2. Der Klassencharakter des heutigen Staates: Monarchie und Bureaukratie. Regierung und Selbstverwaltung. 3. Die Mitwirkung des Volkes. Reichstag und Landtage. Das Staatsbudget. Politische Freiheitsrechte: Vereinigungs-, Glaubens- und Redefreiheit. 4. Wirtschaftliche Freiheitsrechte: Freizügigkeit, Gewerbefreiheit und Koalitionsrecht. Neue und alte Gebundenheit. Innungswesen. Gesinde und Landarbeiter. 5. Das Privatrecht. Entstehung des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Soziale Ansätze und feudale Ueberreste. Handelsrecht. Genossenschaften. 6. Das Familienrecht. Die Stellung der Frau. Das Kind. 7. Gerichtsverfassung und Prozeß. Juristen- und Laienrechtsprechung. Gewerbe- und Schiedsgerichte. 8. Das Strafrecht. Strafprozeß. Strafvollzug. Reformbestrebungen. Ausnahmegesetze und Klassenjustiz. 9. Die Gemeindeverwaltung, Klassenherrschaft und Bevormundung. Polizei und Verwaltungsrecht. 10. Das Kirchenrecht. Die katholische und-die evangelische Kirche. Der Kulturkampf. Kirche und Schule. Der christliche Staat. 11. Sozialo Gesetzgebung, Arbeiterschutz. Arbeiterversicherung. Die Fragen der Arbeitervertretung und des Arbeiterrechts. 12. Rückblick und Ausblick: Die sozialen Faktoren der Rechtserzeugung. Die Mitwirkung der Arbeiterbewegung in Gesetzgebung und Verwaltung. Das Recht als Herrschaftsmittel und als notwendiges Ordnungselement. Sozialismus und Recht Vortragender: Simon Katzenstein. Das Erscheinen sämtlicher Kollegen ist dringend notwendig. Mittwoch: Gewerkschaftswesen.( Geschichte, Theorie und _ Mitgliedsbuch legitimiert! Die Ortsverwaltung. Einsetzer! Hente vormittag 9 Uhr finden in den bekannten Zokalen die Bezirksversammlungen statt. Heute Sonntag, den 11. Oktober, vormittags 10 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- llfer 15, Saal 4: Branchen- Versammlung der Bautischler für Berlin und Vororte. Zages Ordnung: 1. Die bevorstehenden Aufgaben unserer Organisation. Referent: 3. Verbands angelegenheiten. Die Branchenleitung. Gemeinschaftliche Versammlung Kollege Reiche. 2. Bericht der Zariftommifion. ber Zuschneider u. Konfektionsschneider. Tages Drdnung: 1. Die wirtschaftliche Krise und ihre Einwirkung auf die Arbeiterschaft in der Konfettion. Referent: Nollege Groth- Stettin 2. Diskussion. Jeutralkrankenkasse der Tapezierer. Freitag, den 16. Oktober, abends 8, Uhr: Quartals- Versammlungen! Da Stettin einer der bedeutendsten Stoufektionspläge Deutschlands ist Filiale und die Zuschneider mit unseren Kollegen gemeinsame Intereffen verfolgen, forhaben wir eine gemeinschaftliche Versammlung der Zuschneider und Stonjektionsschneider einberufen. 164/1 Zahlreichen Befuch erwarten Die Ortsverwaltungen I und II. Arbeiter= I bei Meyer, Dranienstraße 103, aute II Röwer, Elifabethkirchstraße 14, III im Gewerkschaftshause( Saal 7), Engelufer 15. Zages Ordnung: Abrechnung vom dritten Quartal. Recht zahlreichen Besuch erwarten 291/11 Verschiedenes. Die Ortsverwaltungen. Samariter- Kolonne. Große öffentliche Versammlung Der Winterkursus beginnt in dieser Woche in der 5. Abteilung in Rigborf bei Thiel, Bergstraße 151, am Montag. " bei Dase, Brunnenstraße 154, am Dienstag. Der erste Vortrag in beiden Abteilungen lautet: Ueber Anatomie" ( Bau des menschlichen Körpers). Der Besuch des ersten Abends steht jedem als Gaft frei. In jeder Abteilung finden die Uebungsstunden 14tägig statt. Beginn derselben 9 Uhr abends. 291/12 Heute abend findet im Lokal der 5. Abteilung ein Lichtbilder: Bortrag über: Eine Reise durch Italien statt. Beginn püntlich 7% hr. Nachher: Tanzkränzchen. Sonntag, den 18. Ottober, abends 6 Uhr, Dresdener Str. 45 hält Fräulein Dr. Profé einen Vortrag. Das Thema wird noch bekannt gemacht. Nach dem Vortrag ebenfalls Tanzkränzchen. Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. Dienstag, den 13. Oktober, abends 8 Uhr, Königstadt- Kasino, Solamarktstraße, de, lleganderstraße, Station Jannowigbrüde. Tages- Ordnung: 1. Welche wirtschaftlichen Vorteile bietet die Geflügelzucht dem Hausstande? 2. Sit die arbeitende Bevölkerung bereit, die Errichtung eines größeren Geflügelparkes zu unterftüken? 8. Disfuffion. 4. Verschiedenes. 21216 Wir ersuchen um zahlreiches Erscheinen von Mann und Frau. Es handelt sich darum, dem Hausstande eine beträchtliche Hilfe an Lebens. mitteln vorteilhaft znzuführen. Profpefte usw. liegen bereits zur Einsicht in den Restaurants: Revaler Str. 7, Breslauer Str. 28, Tilsiter Str. 85, Dragonerstr. 15, Nigdorf: Bietenstr. 3, Ringbahnstr. 24, fernei in den durch Plakat tenntlichen Geschäften. S. 2. Der Vorstand des Geflügelparkes ,, Freiheit". H. Scharf, Teltower Str. 41. Verband der Sattler. Verband der baugewerblichen Hilfsarbeiter Achtung! Geschirrsattler! Achtung! Deutschlands. Zweigverein Berlin u. Umgegend. Des Bahlabends wegen findet die nächste Branchenbersammlung nicht am 14. Oftober, sondern erst am 21. Oktober statt. 157/20 Sonntag, den 11. Oktober, vormittags 10 Uhr: Die Branchenleitung. Sektions- Versammlungen. 1. Orts- Krankenkasse Anzüge der Schneider, Schneiderinnen und Daletots Maß uach* Sektion der Dachdecker Hilfsarbeiter im Gewerkschaftshaus, EngelUfer 15, Saal 7. 31/13 Nohrer bei Guftap Keffner, Naunynstraße 70. @tanter im Englischen Garten", Alexanderstraße 270. Fahrstuhlarbeiter bei Huth, Michaelistirch und Wusterhausenerstraßen- Ede. verwandter Gewerbe zu Berlin. aus Ta Stoffreiten. Monats- u. nicht Die für das Jahr 1908 gewählten abgeholte Sachen staunend billig. Bertreter der Oristrantentaffe der Maßschneiderei Voẞ, Schneider, Schneidecinnen und ver nur Brunnenstr.3,1( Rosenthal. Tor) wandter Gewerbe zu Berlin, werden zu der am Dienstag, den 20. De Kassenbäder jeder Art Augusta. tober 1908, abends 8%, Uhr, in Lammers Festfäle( früher Neues Klubhaus), Kommandantenstraße 72 stattfindenden außerordentlichen 277/5 General- Versammlung hierdurch eingeladen. Tages- Ordnung: 1. Bericht vom Drtstrankenkassentag in Braunschweig. 2. Abänderung bezw. Ergänzung ber§§ 10, 12, 21, 22, 31, 32, 57 und 62 des Kassenstatuts. 3. Regelung der Pensionsverhält niffe der Beamten. 4. Berschiedenes. Berlin, den 10. Oftober 1908. Gustav Nahtow, Borsitzender. Paul Dorit, Schriftführer. Für mein hochfeines Haus fuche ich gegen gute Binsen Birta 45 000 M. II. Stelle. sub Dr. M. Potsdamer str. 115a. Bad, Stöpenickerstr. 60 P Puherträger bormittags 10%, Uhr bei Obiglo, Schwedterstraße 23. Montag, den 12. Oktober, abends 8 Uhr: Sektion der Töpferträger bei Hahn, Rosenthalerstr. 57. Tagesordnung wird in den Versammlungen bekannt gemacht. Um recht rege Beteiligung ersucht Der Zweigvereinsvorstand. Zentralverband der Maurer Deutschlands. Achtung! Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Putzer. Achtung! Donnerstag, den 15. Oktober, abends 6½ Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- llfer 15 Saal IV: Außerordentliche Mitglieder- Versammlung. 9 Sages Drdnung: Praxis der Gewerkschaften.) Vorläufer der Gewerkschaftsbewegung. Die ersten gewerkschaftlichen Organisationen in Deutschland. Die Gesetzgebung im Kampf gegen die Gewerkschaften. Entwickelung der Gewerkschaften von 1890-1908. Zentralisationsbestrebungen. Partei und Gewerkschaften. Die gegnerischen Gewerkschaftsorganisationen in Deutschland. Die wichtigsten gewerkschaftlichen Strömungen des Auslandes. Taktik der freien Gewerkschaften in Deutschland. Die Weiterentwickelung der deutschen Ge werkschaften. Vortragender: Emil Dittmer. Donnerstag: Rednerschule. 1. Die Bedeutung und Notwendigkeit der freien Rede. Die Grenzen der natürlichen Beredsamkeit. Die Redekunst. Die Rede nach Form und Inhalt. Dispositionslehre.. 2. Technische Das Manuskript. 3. Praktische Uebungen im Reden und Diskutieren. Vortragender: Max Grunwald. Freitag: Nationalökonomie. ökonomie, Erster Teil.) ( Einführung in die NationalIhre Methode. Begriff und Aufgabe der Nationalökonomie. Kauf und Verkauf. Ware, Preis und Geld. Der Wert, Gebrauchs- und Tauschwert. Das Gesetz von Angebot und Nachfrage. Wert und Arbeit. Die gesellschaftlich notwendige Arbeit. Das Maß des Wertes. Die verschiedene Intensität der Arbeit. Der Wert des Grund und Bodens sowie der ursprüng lichen Rohstoffe. Woher kommt der Profit. Profit und Handel. Die Produktionskosten und der Wert. Der Arbeitslohn. Die Lehre vom Mehrwert. Vortragender: Julian Borchardt. Sonnabend: Geschichte.( Geschichte des Sozialismus. 1, Tell.) 1. Die Kommunisten des klassischen Altertums. 2, Urchristentum und Kommunismus. 3. Der ketzerische Kommunismus im Mittelalter. 4. Die deutschen Kommunisten der Reformationszeit. 5. Thomas Morus und Campanella. 6. Der Sozialismus in der englischen Revolution. 7. Meslier und andere französische Sozialisten des 18. Jahrhunderts. 8. Morelly. 9. Der Sozialismus und die französische Revolution. 10. Die Verschwörung Babeufs. Vortragender; Dr. A. Conrady. Fortschrittskursus. Dienstag: Historischer Materialismus. Einführung in Vortragender: Dr. A. Conrady. die historische Methode des wissenschaftlichen SozialismusRummelsburg. Donnerstag: Geschichte. Geschichte des neun. zehnten Jahrhunderts.( Erster Teil.) 1. Die Situation beim Jahrhundertanfang. Die Palastrevolution in Rußland und die deutsche Fürstenrevolution von 1803. 2. Die napoleonische Zeit bis zum Zusammenbruch Preußens. 3. Die Kontinentalsperre und der Niedergang Napoleons. 4. Industrielle Revolution und politische Reaktion in England. 5. Deutschland im Zeitalter der heiligen Allianz. 6. Revolution in Spanien, Italien, Griechenland und Amerika. 7. Frankreich bis zur Julirevolution. Die Anfänge des Bourgeoiskönigtums. 8. Deutschland, die Schweiz, Italien und die Niederlande in der Zeit der Julirevolution. 9. Rußland und Polen. 10. England bis zur Reformbill. Vortragender: Dr. A. Conrady. Dieser Kursus findet im Lokal der Witwe Weigel, Türrschmidtstr. 45 statt und beginnt Donnerstag, den 15. Oktober 1908. Lichtenberg. Nationalökonomie. Einführung in die theoretische Nationalökonomie.( Erster Teil.) 1. Die Nationalökonomie als selbständige Wissenschaft. Ihre Einteilung und ihr Objekt 2. Die Entwickelung zur kapitalistischen Weltwirtschaft; Entstehung und Wesen der kapitalistischen Wirtschaftsordnung. 3. Die Ware als Elementarform der kapitalistischen Produktionsweise. 4. Der Gebrauchswert und der Tauschwert der Waren. 5. Geld; Preis. 6. Die Verwandlung von Geld in Kapital. 7. Die Erscheinungsformen des Kapitals. Vortragender: Max Grunwald. Dieser Kursus findet im Restaurant Paul Schwarz, Dorfstraße 25/26 statt und beginnt am Freitag, den 23. Oktober 1908. In Berlin beginnt der Unterricht in Naturerkenntnis: Montag, 12. Oktober; Gesetzeskunde: Dienstag, 13. Oktober; Geschichte( Fortschrittskursus): Dienstag, den 13. Oktober; Gewerkschaftswesen: Mittwoch, 14. Oktober; Rednerschule: Donnerstag, 15. Oktober; Nationalökonomie: Freitag, 16. Oktober; Geschichte: Sonnabend, 17. Oktober. Zum Fortschrittskursus werden nur zirka 20 Teilnehmer zugelassen, welche schon mindestens einen Kursus in Geschichte besucht haben müssen. Jeder Kursus erstreckt sich auf zehn Abende und beginnt pünktlich um 9 Uhr und endet pünktlich um 11 Uhr. Die reichhaltige Bibliothek ist an diesen Abenden von 8-9 Uhr geöffnet. Der Mitgliedsbeitrag beträgt pro Monat 25 Pf.; das Unterrichtsgeld für jedes Fach beträgt pro Kursus 1 Mark und ist spätestens am zweiten Abend zu zahlen." Die Aufnahme neuer Mitglieder und Schüler erfolgt am besten bei Beginn jedes Kursus im Schullokal Grenadierstraße 37, Hof geradezu 1 Treppe, und in nachstehenden Zahlstellen: Lortzingstr. 87; Fahrow, Ravenéstr. 6; Horsch, Engelufer 15. Alle Zuschriften sind an Otto den Vorsitzenden Geithner, Berlin NO. 18, Friedenstraße 70 III, rechts, Geldsendungen an den Kassierer H. Königs, Berlin S. 59, HasenDer Vorstand heide 56, zu senden. 1. Fortsetzung der Diskussion über den Bericht vom Verbandstage. 2. Vereinsangelegen Gottir. Schulz, Admiralstr. 40a; Reul, Barnimstr. 42; Vogel, heiten. 8. Verschiedenes. Kollegen! Agitiert für den Besuch der Versammlung. 134/20 Mitgliedsbuch legitimiert. Dhne dasselbe tein Zutritt. Der Vorstand. J. A.: Ernst Schulze. The 40jah iges Ehe- Jubiläum fetern heute der Bebermeister Albert Mauer umb rau Pauline und geb. Schüler, Gr. Frankfurter Str. 36. Sozialdemokratisch. Wahlverein des 6. Berliner Reichstagswahlkreis. Todes- Anzeige. Am 6. Oftober verstarb unser Mitglied, der Töpfer Richard Genetzky Lorgingstr. 3. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 12. Oftober, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofs der Friedens gemeinde, Nordend, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 230/2 Der Vorstand. Am Donnerstagmorgen 7 Uhr entschlief sanft nach langen schweren Leiden mein inniggeliebter Mann, unser guter Bruder, Schwager, Onfel und Schwiegersohn, der Gastwirt 21315 Bon herbem Schmerz erschüttert, bringen wir tiesbetrübt die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere gute Mutter und Großmutter Emilie Minzapost gab. Horst am 6. d. M. vom Herzschlag betroffen uns durch den graufen Tod entrissen ist. 21536 Um stilles Beileid bitten Die Hinterbliebenen. Otto Minzapost, Töpfer, Die Beerdigung findet Montag, den 12. d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Halle der Friedensgemeinde, Nieder- SchönhausenNordend, aus statt. Danksagung. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau und guten Mutter Anna Laub geb. Walter fagen wir allen, welche ihr die letzte Ehre erwiesen, unseren herzlichsten Dant. 21346 Im Namen der Hinterbliebenen Gustav Laub. Rudolf Hoppe Dr. Simmel in noch nicht vollendetem 57.2ebensjahre. Dies zeigt an mit der Bitte um stille Teilnahme Die trauernde Gattin Ida Hoppe geb. Engelhardt Berlin N., Seestraße 1 Ede Nordufer. am Die Beerdigung findet Montagnachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle des neuen Pauls. Kirchhofes in Plößenfee aus statt. Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, dicht am Moritzplatz, 10-2.5-7. Sonntags 10-12. 2-4. Weltmanns+ Trauermagazin Hauptgeschäft Berlin W, Mohrenstraße 87a, tein Edhaus, und Berlin NO., Gr. Frankfurter Str. 115, tein Edhaus, erreicht seine Leistungsfähigkeit und seine billigen Preise durch Tischler- Verein zu Berlin Raumersparnis u. geringe Spefen E. H. No. 89. Hierdurch die traurige Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Tischler 199/8 Karl Schachtschneider Arndtstr. 11, am 8. Dttober im Alter von 66 Jahren verstorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Montag, den 12. Oftober, nachmittags 3, 11hr, von der Leichenhalle des Heilig- Streuz- Kirchhofs in Mariendorf aus statt. 4 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Verband der Hafenarbeiter und verw. Berufsgen. Deutschlands. Mitgliedschaft Berlin. Nachruf. Am 6. Oftober verstarb unser langjähriges Mitglied August Wetzel an der Proletarierkrankheit. Möge ihm die Erde leicht sein! Der Vorstand. 19/7 Klos- AlasonCigarette. Stück Geschmackvolle Auswahl in fertiger Trauer Garderobe für Damen und Mädchen. Empfehlen den Genossen unser Sargmagazin Beerdigungsinstitut Solidi 35 H. Fischer& Kreutzberger, Rixdorf, Pflügerstraße 70, Ecke Friedelstr. Amt Rirdorf fegt 495 Die Harnleiden Ibre Gefahren, Verhütung und Beseitigung von Dr. med. Schaper, BERLIN Preis 1 Mark. Verlag Max Richter Frankfurt( Oder) stes Causend Buschmühl- Chausse Dr. Schünemann 45032* Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrichstr. 203, Ecke Schüßenstr. 10-2, 5-7, Sommt. 10-12 Ubr. 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Die laufenden Nachträge werden jezt so gestaltet, daß neu hinzukommenro Tarifbädereien und solche, in denen der Tarif durchbrochen war, die aber jetzt wieder als neu geregelt gelten, nur noch je einmal darin veröffentlicht werden. Solche Bäckereien find folgende: Antonftr. 48 Hanke. Beusselstr. 7, Eckert. Brüsseler Straße 5, Schmidt. Buchstr. 3, Reinke. Danziger Straße 72, Blumel. Korförer Straße 2, Müller. Graunstr. 22, Küttner. Liegnizer Straße 7/8, Edold. Palisadenstr. 58, Jadel. Rügener Straße 16, Gößwein. 22, Jambor. Stalizer Straße 47/48, Niedergefäß. Voltastr. 32, Bertelmann. Waldenser Straße 11, Gierszewski. Wattstr. 1, Pirrnik. Wolliner Straße 31, Bruß. 50, Niebenstahl. " " Bionskirchstr. 10, Koch. Boxhagen. Neue Bahnhofstr. 19, Schubert. Lenbachstr. 7a, Warm. Lichtenberg. Frankfurter Chaussee 88, Busch. Margaretenftr. 8a, Schacher. Sophienstr. 8, Schöning. Scharrnweberftr. 2, Kunze. Dderstr. 27, Schubert. Ober- Schöneweide. Siemensstr. 16, Timm. Rixdorf. 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Zur Lokalliste. Folgende Lokale haben den Inhaber gewechselt, stehen uns jedoch nach wie vor zur Verfügung: Adlcrshof:„Kaiser Friedrich garten". Jnh. Adolf Bleck; Spindlersfelde: Restaurant Ruhwald, Jnh. Max Baude. Anläßlich des jetzt stattfindenden„Gordon-Bennett- Rennen" richten wir an die Arbeiterschaft, soweit dieselbe in diesen Tagen Schmargendorf besucht, auf Ersuchen unserer dortigen Genossen das dringende Ersuchen, die Lokalliste genau zu beachten. Frei sind in Schmargendorf folgende Lokale: Schützcnhaus, Hundekchlcnstratze 20, WirtshausSchmargcndorf, Warne- münder Straße 6, Lindenbaum, Spandauer Straße 40, und Cafe Pein, Hubertusbader Straße 8(Grunewald). Alle übrigen Lokale sind streng zu meiden. Die Lokalkommission. Erster Wahlkreis. Sonntag, den 11. Oktober, abends 6 Uhr, findet in der„Lebensquelle", Kommandantenstraße 20, eine Ver- sammlung mit Frauen statt. Vortrag des Genossen Rechtsanwalt Dr. Oskar Cohn über„Jugenderziehung". Nachdem: Geselliges Beisammensein und Tanz. Eintritt mit Garderobe und Tanz 20 Pf. Der Vorstand. Friedenau. Der Zahlabend des Wahlvereins findet am Mitt- wach, den 14. d. M., abends 8 Uhr, gemeinschaftlich im„Rhein- schloß", Rheinstrahe 60, an Stelle der Generalversammlung statt. Mitgliedsbücher sind mitzubringen. Der Vorstand. Groß-Lichterfelde. Am Sonnabend, den 17. Oktober, abends 3 Uhr, findet im„Kaiserhof" ein Lichtbildervortrag:„Im Reiche der schwarzen Diamanten" von Otto Roth statt. Billetts a 25 Pf. sind bei den bekannten Genossen und an der Kasse zu haben. Tempelhof. Am Dienstag, den 13. Oktober, findet im ..Wilhelmsgarten", Berliner Straße 9, eine Frauenversammlung statt. Frau Clara Wehl wird über„Die wirtschaftliche Lage der Frau in Staat und Gemeinde" sprechen. Männer haben Zutritt. Gleichzeitig machen wir darauf aufmerksam, daß am Sonn- abend, den 17. Oktober, unser diesjähriges Herbstfest im Wilhelmsgarten stattfindet. Der Eintrittspreis beträgt 25 Pf. und ist für gute Unterhaltung gesorgt. Britz-Buckow. Heute nachmittag 3 Uhr findet im Buschkrug, Rudower Straße 51, eine Volksversammlung statt. Vortrag des Genossen F. Z u b e i l über„Die Kriegshetze und die damit ver- bundene weitere Belastung des arbeitenden Volkes durch neue Steuern". Bezirk Waidmannslust. Diejenigen Genossen, welche noch Sammellisten zum Parteitag in Händen haben, müssen dieselben spätestens am Zahlabend mit ihren Abteilungsführcrn abrechnen. Franz. Buchholz. Am Mittwoch, den 14. Oktober, abends SU Uhr, findet bei Kähne, Berliner Straße 39, die Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Der Partei- tag in Nürnberg, Referent Genosse Jakobsen- Ober-Schöne- weide; Diskussion; Vereinsangelegenhciten und Verschiedenes. Die Sammellisten vom Parteitag sind abzurechnen. Der Vorstand. Bohnsdorf. Den Genossen zur Nachricht, daß in der nächsten Mitgliederversammlung am Mittwoch, den 14. Oktober, Genosse Stör m er, einen Vortrag hält über„Wie stellt sich die Arbeiter- schaft zur Kirche?" Die Genossen werden ersucht, ihre Frauen zu dieser Versammlung mitzubringen. Nowawes. Am Mittwoch, den 14. Oktober, abends 8V3 Uhr, findet im Lokal des Herrn Schmidt, Wilhelmstraße 41— 43, die Versammlung des Wahlvereins mit folgender Tagesordnung statt: Geschäftliches; Bericht vom Parteitag; Abrechnung vom Sommer- fest; Verschiedenes.— Gäste haben Zutritt, auch werden neue Mit- glieder aufgenommen. Der Vorstand. Spandau. Am Mittwoch, den 14. d. M., findet eine öffent- liche Versammlung statt, in welcher Genosse Adolf Hoffmann- Berlin referiert. Alles weitere durch Plakate. Der Zahlabend fällt am nächsten Mittwoch aus und findet am Mittwoch, den 21. statt. Der Vorstand. ßerliner JVacbncbten* WaS gewisse Inserate erzählen. Das Studium von Zeitungsannoncen der bürgerlichen und konservativer Blätter ist für den, der Zeit und Muße dazu hat, eine dankbare Beschäftigung. Ungeheuer vieles, was eine minderwertige Gesinnung und auf dem Erwerbs- gebiete schäbigste Ausnutzung der arbeitenden Klassen verrät, kann da mit der Sonde der Kritik an die richtige Beleuchtung geholt werden. Aus Platzmangel müssen wir es uns natür- lich leider versagen, auf jeden einzelnen Fall jämmerlicher Filzigkeit und mangelnder Herzensbildung näher einzu- gehen. Nur gelegentliche Stichproben sind möglich, welche die Blutsaugerpolitik der sogenannten besseren Stände scharf skizzieren. Ebenso können die betreffenden Knochenmüller und sonstige vornehme Speckjäger nur selten mit ihrem Namen festgenagelt werden, weil sie sich ebenso vorsichtig als feige durch Chiffreangabe vorerst in das Mäntelchcn der Anonymität hüllen. Oft ist es nur ein einziges unscheinbares Wort, das dem erfahrenen Kenner des Lebens und der Menschen ganze Bände von sozialer Rückständigkeit erzählt. Für ein Berliner Konfektionsgeschäft wurde dieser Tage eine Zuschneiderin gesucht, eine alltägliche Annonce. Aber vorliegend wird sie bemerkenswert dadurch, daß von der Be- werberin auch ein— Lebenslauf eingereicht werden soll. Wie sich wohl im Kopfe dieses Chefs die moderne Welt malt! Wir haben bloß in Berlin weit über tausend Zuschneiderinnen, die bei acht- bis neunstündiger Arbeitszeit ein Monatsgehalt von 40 bis 50 Mark beziehen. Wer 80 bis 90 Mark erhält, kann von Glück sagen und muß in seinem Fach schon ganz be- sonders tüchtig sein. Dabei ist es eine sehr anstrengende Be- schäftigung, die nur im Stehen ausgeübt werden kann und erfahrungsgemäß mancherlei Frauenkrankheiten züchtet. Und für solche Jamnierlöhne gewerblicher Arbeiterinnen verlangt der gute Mann noch extra einen Lebenslauf I Hoffentlich ist ihm von mehr als einer Seite recht gründlich unter die Nase gerieben worden, daß der Lebenslauf einer modernen Groß- stadtarbeiterin reichlich zur Hälfte mit Not und Elend ge- pflastert ist. Noch unsinnigere Ansprüche werden an ein gebildetes junges Mädchen gestellt, das die Schneiderei und Hausarbeit verstehen sowie— Französisch sprechen muß. Arbeit, sogar schmutzige Arbeit schändet auch den Gebildeten nimmermehr. Aber es ist bezeichnend, daß man in einem Atem von derselben Person, die das Dienstmädchen ersetzen soll, auch die Rolle einer Gesellschafterin verlangt. Und für welche Gegenleistung? Monat- lich 33 M. und Station ohne Logis. Rechnet man die Wohnungs- miete, Fahrgeld und sonstige unerläßliche Nebenansgaben ab, so verbleibt der vielseitigen Stütze des Haushalts, die vielleicht knapp satt zu essen bekomnit, sicher weit weniger bares Geld als dem bescheidensten Mädchen für alles. Offenbar will die gnädige Frau hier drei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Sie ver- langt ein Hausmädchen, eine Schneiderin, eine Gesellschafterin — alles in einer Person und zahlt für alle drei Posten nicht mehr, als eine einzige solche Angestellte zu beanspruchen hat. Daß sie trotzdem ihren Wunsch erfüllt sehen wird, daran dürfen wir leider nicht zweifeln. Wenn erst mal die Frauenarbeit, die heute massenhaft wie Negerarbeit beivertet wird, strammer unter der Organisation steht, sind solche mit der Lebenskraft des Proletariats wuchernden Inserate nicht mehr gut möglich. Grundgemeine Gesinnung spiegelt sich in Tausenden von modernen Heiratsgesuchen wider. Man gibt sich hier gar nicht mehr die Mühe, den wahren Charakter zu verbergen, sondern geht mit brutaler Offenheit aufs Ganze. Ein solches Beispiel von moralischer Verkommenheit bietet das folgende, natürlich aus dem„Berliner Lokal-Anzeiger" entnommene Inserat:„Meine Absicht ist, einer Dame, die mit fehler- hafter Vergangenheit oder sonstigen anormalen Ver- Hältnissen zu rechnen hat, unehelicher Abkunft und dergleichen, die Hand zur Heirat zu bieten. Etwaiges Kind würde adoptieren. Bin Junggeselle, 40 Jahre, jugendlich, Grundbesitzer, mit gesichertem, höherem Einkommen. Obwohl meine Verhältnisse streng geordnete sind, kann nur wirklich bemittelte Dame in Frage kommen..." Das geht denn doch noch über die Mitgistjägerei versumpfter Aristo- kraten. Dieser edle Grundbesitzer, der sich bis auf den Grund seiner schwarzen Seele sehen läßt, will durch Heirat nur Geld haben, Geld und nochmals Geld, wenns auch stinkt und von einer reichgcwordenen Straßendirne kommt. Mit Ekel wendet man sich von solchem schmachvollen Menschenschacher ab. Das wird aber dieselben Leute nicht hindern, gelegentlich über die„Unsittlichkeit in den unteren Volksklassen" zu zetern. Prüfungs- und Prämiierungsunfug. Wenn durch Gesellenprüfungen der Nachweis geführt werden soll, daß der Ausgelernte die Fähigkeiten und Fertigkeiten erlangt hat, die von einem Gesellen seines Berufes verlangt werden, dann müßten dem Prüfling solche Aufgaben gestellt werden, die er auch in der Praxis als Geselle in der Regel zu lösen hat. Mit anderen Worten: Man sollte als Gesellenstück solche Arbeiten ausführen lassen, die am häufigsten von dem praktisch tätigen Handwerker verlangt werden. Dieser Grundsatz ist aber, wie die gegenwärtige von den Berliner Innungen veranstaltete Ausstellung von Lehr- lingsarbeiten zeigt, bei der Ablegung von Gesellenprüfungen fast niemals maßgebend, wenigstens nicht in den Berufen, die gemein- hin zum Kunstgewerbe gerechnet werden. Was aus diesem Gebiet an Gesellenstücken ausgestellt ist, das sind sozusagen Paradestücke; Arbeiten, die mit anerkennenswerter Akkuratesse ausgeführt sind, so sauber und exakt, wie sie heutzutage selten verlangt werden. ES ist gewiß erfreulich, zu sehen, wenn Lehrlinge nach vierjähriger Lehrzeit Arbeiten ausführen können, die ihnen mancher Meister nicht nachmacht. Mit schmerzlichem Bedauern aber muß man an die Enttäuschung denken, die so ein junger Mann erlebt, wenn ihn die kapitalistische Praxis zwingt, bei knavp bemessenen Akkord- löhnen recht schnell zu arbeiten, das heißt, sich die erlernte Sauber- keit und Solidität abzugewöhnen und Arbeiten„hinzuhauen", vor denen„die Schweine den Kops schütteln", wie man zu sagen Pflegt. Natürlich meinen wir nicht, daß die Lehrlinge von vornherein zur Pfuscharbeit angehalten werden sollen. Wir wollten nur hin- weisen auf den krassen Gegensatz zwischen dem, was einer kann, und dem, was er unter dem Zwange der eisernen Notwendigkeit, unter dem Druck des kapitalistischen Profitsyjtcms tun muß. Gewiß sind Kenntnisse und Fertigkeiten denen, die sie haben, sehr nützlich und wir wünschen den jungen Leuten, die sich zu tüchtigen Ar- beitern in ihrem Beruf ausgebildet haben, daß sie im praktischen Leben Gelegenheit finden, ihre Fähigkeiten entsprechend zu ver- werten. Da die Zahl der ausgestellten Gesellenstücke im Verhältnis zur Zahl der in Berlin Ausgelernten nur sehr gering ist, so zeigt uns die Ausstellung nur, daß einige Lehrlinge sich zu tüchtigen Arbeitern herausgebildet haben. Von dem, was in den betreffenden Gewerben im allgemeinen geleistet wird, gibt die Ausstellung kein Bild. Sie zeigt uns vielmehr nur eine Auswahl des Besten von dem, was unter günstigen Umständen geleistet werden kann. Ja, hier und da geht man in Eifer, mit Paradcstücken zu renommieren, sogar so weit, daß man als Gesellenstücke Arbeiten anfertigen läßt, die in der Praxis überhaupt nicht oder doch nur in seltenen AuS- nahmcfällcn angefertigt werden. Das gilt besonders von der Malcrinnung(mit Ausnahme der Schildermaler). Die seit Jahren herrschende Geschmacksrichtung stellt an das Malergcwerbe kaum eine andere Anforderung als glatten Anstrich und stimmungsvolle Abtönung der dazu benötigten Farben. Ornamentmalcrei wird fast gar nicht mehr ausgeführt. Trotzdem aber verlangt die Maler- innung— nach dem was in der Ausstellung vorliegt, muß man das wenigstens annehmen— als Gesellenstück immer noch Ornament- Malereien, wie sie vor etwa 20 Jahren in der Praxis verbreitet waren. Die ausgestellten Malerarbeiten sind als Leistungen nach vierjähriger Lehrzeit durchweg recht gut. Von ihren Meistern haben die jungen Leute das Malen allerdings nicht gelernt, sondern in Fachschulen. Es ist also nichts als unangebrachte Reklame, wenn bei den ausgestellten Arbeiten neben dem Namen des Lehrlings auch der Name des Meisters verzeichnet wird, der an diesem Teil der Lehrausbildung gewiß nicht mitgewirkt hat. Uebrigens sind diese Prüfungsarbeiten der Malcrlchrlinge meist mit einer so peinlichen Sorgsalt ausgeführt, wie sie in der Praxis niemals angewandt wird. Wollte ein Ornamcntmaler, soweit derartige Arbeit überhaupt verlangt wird, so arbeiten wie die Prüfungs- stücke ausgeführt sind, dann wäre er für den Meister ein un- hrauchbarcr Arbeiter, weil sich seine Arbeiten für die Praxis viel zu teuer stellen. Also aus diesen Gründen ist das Prunken der Malerinnung mit effektvollen Lehrlingsarbciten geradezu ein Unfug. Gesellenstücke dieser Art sind Spielereien, die für die praktische Ausübung des Gewerbes gar leinen Wert haben. Aber noch ein anderer Unfug ist mit dieser Ausstellung ver- Hunden. Wie bei jeder Ausstellung, so werden auch bei dieser die besten Arbeiten prämiiert. Welche Arbeiten die besten sind, das entscheidet ein für jedes Gewerbe eingesetztes Prcisrichterkollcgium von Jnnungsmcistern. Am Freitag hatten wir zufällig Gelegen- heit, das Preisrichterkollegium der Malerinnung bei der Arbeit zu sehen. Es waren einige ältere Herren dabei, die solche Arbeiten, lvie hier vorlagen, weder selber jenials angefertigt noch in ihrem Geschäft haben ausführen lassen. Trotzdem aber fungierten sie neben einigen jüngeren Kollegen, die allerdings sachverständig sein können, als Preisrichter. In einer Viertelstunde hatte das Kol- legium die ausgestellten Arbeiten, etwa 3— 4 Dutzend,„geprüft". Tann verschwanden die Herren in einem Nebenraum, wo sie wahr- scheinlich ihr„sachverständiges" Preisrichterurtcil gefällt haben.— Die jungen Leute, welche bei diesem Preisrichterkollegium durchfallen, brauchen die Sache wirklich nicht tragisch zu nehmen. Andererseits haben auch die Prämiierten keine Ursache, auf ihre Auszeichnung stolz zu sein, denn nach solcher Prüfung kann es nur vom Zufall abhängen, welchem Aussteller die Palme des Sieges zuerkannt wird. Ter Charlottenburger Magistrat gegen die Grosie Straszenbahtt, gcsellschaft. i Endlich hat auch der Magistrat in Charlottenburg zu den An- trägen der Großen Berliner Straßenbahn und der Berlin- Charlottenburger Straßenbahn, in Betreff der Einleitung des Ergänzungsverfahrens, Stellung genommen. 1 In einem ausführlich gehaltenen Schreiben an den RegierungS- Präsidenten lehnt der Charlottenburger Magistrat den Antrag der beiden Straßenbahngcsellschaftcn ab und stellt diesem Antrag folgenden entgegen: Wir beantragen: 1. Das Verfahren auf Ergänzung der Zustimmung für daS Unternehmen der Großen Berliner Straßenbahn von dem Ver- fahren auf Zustimmungsergänzung für das Unternehmen der Werlin-Charlottenburger Straßenbahn zu trennen und dem- gemäß über die gestellten Anträge gesondert zu entscheiden.> 2. Die Anträge der Großen Berliner Straßenbahn und der Berlin-Charlottenburgcr Straßenbahn, so weit sie sich auf die Stadtgemeindc Charlottenburg beziehen und die Ausdehnung der erteilten Benutzungserlaubnis sowie die Abänderung ver- traglich festgesetzter Fahrpreisbcschränkungcn zum Gegenstände haben, zurückzuweisen. Diese Anträge finden eine Begründung, die sich auS formellen, kommunalpolitischcn und technischen Momenten gegen die Anträge der Straßenbahngesellschaften wendet. In erster Linie wird— unter Bezugnahme auf§ 7 deS Klein- bahngesetzcs— dem Regierungspräsidenten überhaupt das Recht streitig gemacht, in dieser Sache auch für Charlottenburg die Er- gänzungsinstanz zu sein. Es wird behauptet, daß diese Ergän- zung nur von dem Provinzialrat, dem Bezirksausschuß oder dem Krcisausschuß ausgesprochen werden könnte. Daran ändere selbst der Umstand nichts, daß auch Berlin in das Ergänzungsverfahrcn einbezogen sei. Der 8 6 des Kleinbahngesetzes mache die Zustim- mung zur Wcgebenutzung zu dem Recht einer jeden einzelnen Ge- meinde. also könne auch das eventuell anhängig gemachte Ergän- zungsverfahren sich nur gegen jede Gemeinde besonders richten und dabei ist der vorgeschriebene Weg der bezeichneten Instanzen inne- zuhalten. Zur Sache aber selbst wird bemerkt, daß schon aus rein kommunalpolitischen Erwägungen der Antrag der Straßenbahn- gesellschaften abgelehnt werden müßte. Fest steht/ daß durch die Konzessionserteilung aus 90 Jahre der„erste Schritt zur Venewigung des Betriebsrechts der Straßenbahn getan würde". Das kann aber keineswegs im Interesse der Gemeinde liegen. Es müsse auch vollkommen als ausgeschlossen gelten, daß einzelne Privatgesellschaften dauernd die Mittel zum weiteren Ausbau des Verkehrswesens beschaffen könnten; denn„nur die Gemeinden werden bei immer wiederkehrenden Bedürfnisssen in der Lage sein, die erforderlichen Mittel aufzuwen- d e n." Tann aber ist die Forderung einer für 90 Jahre geltenden Konzession ganz unerfüllbar, da„bei dem rapiden Fortschritt der Technik, insbesondere der Verkehrstechnik, diese Frist eine so ge- waltige Spanne Zeit bedeutet, daß über sie vcrständigerweise im Interesse eines Behelfs zur Entlastung von Straßen nicht durch völlige Ausschaltung der Selbstverwaltung der Gemeinde auf dem Gebiete des Straßcnbahnverkehrs verfügt werden darf." Auch würde mit der Einräumung eines neunzigjährigen Betriebsrechts ein Blankowechsel auf den Verkehr in der Zukunft gezogen, der zu den schwierigsten Vcrkehrslagen und bedenklichsten Erscheinungen führen muß. Dann gebe auch die durch diese Konzession bedenklich Ivachsende Macht finanzieller Großuntcrnchmungen, die jetzt schon die Grundstücksspekulation fast allein in Händen hätten, diese Spekulation in Verbindung mit dem größeren Einfluß auf die Gestaltung der Verkehrsverhältnisse zum verstärkten Widerstreit der Interessen verschiedener Kapitalgruppen benutzen würden. Das heißt mit anderen Worten, die künftige Verwendung und Ge- staltung noch unbebauter Flächen würde noch mehr wie bisher den Einwirkungen der Gemeinden entzogen und dem Gutdünken groß- kapitalistischer Privatgesellschaften ausgeliefert sein. Doch auch die Frage der Tarifänderung der Fahrpreis- erhöhung sei für Charlottcnburg ganz undiskutabel, da Charlotten- bürg wie alle anderen Vorortgemeinden an Niedrigen Tarifsätzen mit Rücksicht auf den Bestand und den Zuwachs der Einwohner- zahl besonders interessiert sei. �. Was nun die technischen Schwierigkeiten, die der Durchfüh- rung deS Projekts der Straßenbahngcsellschaftcn entgegenständen, angeht, so weist die Schrift auf die ungemein ungünstigen Unter- grundverhältnisse der in Frage kommenden Terrains hin. Stellen» weise müßte der Tunnel 13 Meter und tiefer gelegt werden, das heißt bis zu 10 Meter tiefer, als die Haus- und Kellerfundamente liegen. Auch die ungenügende Sicherheit bietende Anlage der Bahnhöfe wird bemängelt und schließlich darauf hingewiesen, daß sich die Entlastung des Verkehrs in der Leipziger- und Potsdamer Straße usw. auch auf andere Weise erzielen lasse. Es wird hin- gewiesen auf die Vorschläge des Berliner Baurats Krause. In letzter Linie aber wären die beiden Straßcnbahngesellschaf- ten gegen Charlottenburg durch, bereits bestehende Verträge ge- Kunden, so daß auch aus diesem Grunde das Ergänzungsversahren unstatthaft sei. Alles in allem bedeuten die Ausführungen deS Magistrats eine glatte Absage an die Straßcnbahngcsellschaften. Im Jnter- esse der künftigen Gestaltung unserer Verkehrsvcrhältnisse ist das nur zu begrüßen. Und es ist mit Sicherheit zu erwarten, daß sich die Mehrheit der Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung dieser Antwort des Magistrats anschließt. Zum Gorbon-Bennrttrcnncn der Lüfte. Die internationale Ballonfahrt begann gestern auf dem Start- platz bei Schmargendorf bei herrlichem Wetter. Tie gestrige Weit- fahrt leitete die Ballonwoche ein mit einer Zielfahrt, für die 25 Aerosteten gemeldet waren, von denen 24 an der Fahrt teil- nahmen. Um V-2 Uhr zog sich das Komitee zur Beratung über die Zielangabe zurück. Um den Wind festzustellen, war vorher eine große Anzahl kleiner roter Ballons aufgelassen worden, die durch- lveg in nordöstlicher Richtung dadonzogen. Dementsprechend wurde das Ziel der Ort Oranienburg, etwa 30 Kilometer nordöstlich von Berlin, gewählt. Beteiligt an dieser ersten Fahrt sind größten- teils deutsche Ballons. Nur einige Belgier und der österreichische Ballon„Radetzky" treten mit ihnen in Konkurrenz. Die Wind- stärke beträgt 5 Meter pro Sekunde, also ein ziemlich mähiger Wind. Der Start nahm infolgedessen 2 Stunden in Anspruch. Die Ankunft in Oranienburg wird gegen 5 Uhr erwartet. Der Start begann pünktlich um 2 Uhr. Als erster Ballon stieg der kleine belgische Ballon„L'Aero" auf. Die Ballons wurden alle an eine Stelle in einer Ecke des Feldes geschleppt, wo die Startkommission Aufstellung genommen hatte. Einige kurze Kom- mandos des Präsidenten der Kommission:„Achtung! LosI" und die Ballons stiegen in die Lüfte, vom Publikum stürmisch akklamiert. In rascher Aufeinanderfolge mit Pausen von 2 bis 3 Minuten folgten dann die anderen Ballons. Der Start ging durchweg glatt vor sich und war um?�3 Uhr beendet. Um diese Zeit sah man noch zirka 12 bis 15 Ballons in der Luft schweben, während die übrigen bereits den Blicken der Zuschauer entschwunden waren. Neber den Verlauf der Fahrt liegen folgende Nachrichten vorr Oranienburg, 10. Oktober. 5 Minuten vor 4 Uhr wurden 9 Ballons gesichtet. Die Ballons bewegten sich in der Richtung auf Schmachtenhagen und Zehlendorf. Sie waren von etwa drei bis vier Dutzend Automobilen begleitet. Oranienburg, 10. Oktober. Nachdem bekannt geworden, daß das Ziel für die große Ballonwettfahrt bei Schmachtenhagen sich befinde, begaben sich zahlreiche Zuschauer nach der dort befindlichen Mühle. Bald trafen auch zahlreiche Automobile aus Berlin ein, um dem Schauspiel der Ballonlandung beizuwohnen. Die meisten Ballons, gegen 20, landeten zwischen Schmachtenhagen und Zehlen- dorf, 0 zwischen Friedrichsthal und Malz, während einige in der Richtung nach Liebenwalde weitergeflogen waren. Nach den bis- herigen Feststellungen scheint der Ballon Nr. 14„Elberfeld", Führer Meckel, am nächsten vom Ziel niedergegangen zu sein, ungefähr 330 Meter entfernt. Als nächster ist ein Ballon, wie es heißt Nr. 13, Ballon„Rhein", Führer Hauptmann v. Rappard, in einer Entfernung von 050 Meter vom Ziel gelandet. Oranienburg, 10. Oktober. Bei Nassenhaide wurde ein Wagen, 'auf welchem eine Frau fuhr, von einem einen Ballon verfolgenden Automobil angerannt, wobei das Fuhrwerk in Trümmer ging und dir Frau schwer verlebt wurde. Berlin, 10. Oktober. Der Start zur Zielfahrt der Anter- nationalen Ballonfahrten vollzog sich glatt in der Zeit von 2 Uhr bis 2 Uhr 45 Minuten. Außer dem„Groß" sind der belgische Ballon„Condor" und der deutsche„München" nicht gestartet. Bis 9 Uhr abends lagen Meldungen von dsr glatten Landung folgender elf Ballons vor:„Podewils"(42(j Meter vom Ziel entfernt),„Rhein"(693 Meter),„Bezold"(800 Meter),„Aero"(905 Meter).„Pegnitz"(920 Meter),„Köln" (1050 Meter),„Ernst"(1400 Meter), ferner ohne Angabe der Entfernung �>m Ziel«Aero II",„Roitelet",„Radio Solaire", „Elberfeld"._ Die Borstrafen des Kutschers. Der Zentralausschuß Berliner kaufmännischer, gewerblicher und industrieller Vereine hat sich wegen Ueberhandnahme der Kollidieb- stähle an den Polizeipräsidenten mit einer Eingabe gewandt. Der Verein teilt nun als Ergebnis folgendes mit:„Der Polizeipräsident hat erneut Veranlassung genommen, die betreffenden Beamten der Kriminalpolizei und der Reviere nochmals auf die Wichtigkeit dieses speziellen Zweiges kriminalpolizeilicher Tätigkeit hinzuweisen. Die seitens des ZeutralausfchuffeS weiter gewünschte Auskunfterteilung über etwaige Lorstrafen der Angestellten kann nach Ansicht des Polizeipräsidenten generell nicht in Frage kommen. Dagegen kann in geeigneten Einzelfällen interessierten Privatpersonen Auskunft über Vorstrafen der bei ihnen in Vertrauensstellung be« findlichen Personen oder der Bewerber um solche Stellen erteilt werden. Die Auskunft kann insbesondere in allen Fällen erfolgen, in denen die in Frage kommende Person ihre Zustimmung hierzu er- teilt. Deshalb wird es sich empfehlen, Kutscher nicht anzunehmen, wenn sie im Zweifelsfalle ihre Zustimmung zur Einholung der Vorftrafcn-Auskunft verweigern." Wir halten es für gänzlich ungehörig, von vornherein die Kutscher in den Verdacht des Diebstahls zu bringen. Viele Kolli- diebstähle werden verübt, weil die Kutscher vielfach genötigt sind, den mit KolliS beladenen Wagen eine Zeitlang ohne Aufsicht zu lassen, so fragwürdigen Personen Gelegenheit zum Diebstahl bietend. Würde genügend Personal zur Verfügung stehen, würde mancher Kollidicbstahl weniger vorkommen. Die Kutscher kommen bei einem Diebstahl in eine schlimme Lage; einmal riskieren sie, schadenersatz- pflichtig gemacht zu werden oder ihre Stellung zu verlieren zum anderen geraten sie in den Verdacht, selbst die ab- Händen gekommenen Waren gestohlen zu haben. Für ihre schwere Stellung werden sie dann noch schlecht entlohnt und obendrein als eine Menschensorte zweiter Klasse hingestellt, bei deren Engagement sich jeder vorsehen müsse. Was würde werden, wenn die Arbeiter vom Polizeipräsidium daS gleiche Entgegenkommen verlangten? Würde das Polizeipräsidium ebenso entgegenkommend sein und beispielsweise Bauarbeitern Auskunft geben,„ob der Baumeister, bei dem sie in Arbeit stehen, wegen Betrug bestraft ist oder schon den Offenbarungseid geleistet hat? Wir sind überzeugt, daß man in diesem Falle von Unverschämtheit und dergleichen reden würde. Und doch wäre das Verlangen ziemlich dasselbe. Aussichtsloser Polizeieifer. Wer bestohlen worden ist und nun die Polizei in Bewegung setzen will, der wird gut daran tun, sich nicht allzuviel zu ver- sprechen. Wenn Du den Spitzbuben gleich mitbringen kannst, hält die Polizei mit sichcrem Griff ihn fest und nimmt ihm auch das gestohlene Gut ab, sofern er's noch hat. Wenn aber das gestohlene Gut samt dem Spitzbuben erst ermittelt werden soll, dann ist die Sache natürlich sehr viel weniger einfach und endet nicht immer mit so glücklichem Erfolg. Das ist nun einmal nicht anders und erklärt sich aus der UnVollkommenheit aller menschlichen Einrich. tungen, zu denen wir auch die Polizei zu rechnen uns erlauben, wiewohl der Pastor sie als von Gott gesetzet preist. Die Polizei scheint sogar selber von dem Gefühl ihrer menschlichen Schwachheit durchdrungen zu sein, denn sie erklärt gegenüber solchen Erwitte- lungsaufgaben manchmal sehr rasch, daß sie machtlos sei. Diese Erfahrung hat auch ein Droschkenkutscher H. machen müssen, dem auf einem Fuhrhof in der Petersburger Straße sein Mantel vom Wagen herunter gestohlen worden Ivar. Kinder hatten ihm gesagt, wahrscheinlich sei eine auf demselben Grundstück wohnende Frau V. die Diebin. H. lief zur Polizei, meldete den Diebstahl und erwähnte auch den gegen die Frau ausgesprochenen Verdacht. Ihm wurde geantwortet, auf Aussagen von Kindern könne man nicht viel geben. In dem Er- mittelungsverfahren wurde dann aber auch die angedeutete Spur verfolgt. Der Verdacht gegen Frau V. verstärkte sich dadurch, daß sie kurz nach dem Abhandenkommen des Mantels einen Korb weg- geschafft hatte. Sie gab hierzu die Auskunft, der Korb sei nach Köln geschickt worden. Da die Polizei mit ihren Nachforschungen kein Glück hatte, so wurde H. ungeduldig und drohte mit Beschwerde. H. nahm offenbar an, daß die Polizei, die doch sonst jeden vor- schriftswidrig fahrenden Droschkenkutscher zu erwischen sich bemüht, in dieser ihm wichtiger erscheinenden Angelegenheit nicht in vollem Umfange ihre Pflicht getan habe. Ihm war es besonders darum zu tun, wenigstens den Mantel wiederzukriegen. Schon hatte er alle Hoffnung aufgegeben, da erschien eines Tage? auf dem Grund» stück ein Bote, fragte nach Frau V. und ließ ihr durch die Portier- frau bestellen, sie solle endlich den Korb abholen, den sie einem in einer Nachbarstraße wohnenden Schankwirt in Verwahrung gegeben habe. Die Portierfrau wurde stutzig, sie dachte an den Diebstahl, und rasch alarmierte sie ein paar Droschkenkutscher. Diese gingen zu dem Schankwirt, der Korb wurde geöffnet— und, siehe da! in ihm lag wohlverpackt der gestohlene Mantel, zur großen Ueberraschung nicht nur der Droschken- kutscher, sondern auch des Schankwirtes, der den Korb nichtsahnend in Verwahrung genommen habe. Selbswerständlich erhielt auch die Polizei sofort Kenntnis von diesem Ausgang der Diebstahls- affäre. Der Korb wurde am 25. September ermittelt. H. freute sich des wiedererlangten Mantels, da bekam er am 1. Oktober vom Ersten Amtsanwalt des Amtsgerichts Berlin- Mitte die folgende vom 28. September datierte Zuschrift:„Das Ermittelungsverfahren betreffend den am 28. August 1908 gegen Sie verübten Diebstahl habe ich eingestellt. Die Nachforschungen haben zur Ermittelung des Täters und des abhanden gebrachten Gutes nicht geführt; es besteht auch keine Aussicht mehr, dessen noch habhaft zu werden. Der gegen Frau V.... angeregte Ber- dacht hat keine Bestätigung gefunden." Also für den Herrn Ersten Amtsanwalt, der sich natürlich auf die„Ermittelungen" der Polizei verließ, bestand„keine Aussicht mehr", des Mantels noch habhaft zu werden. Aber da hatte er eigentlich nicht Unrecht. Eines Mantels, der längst wieder seinem Eigen- tümer zurückgegeben worden war, hätte die Kriminal- Polizei allerdings schwer noch habhaft werden können. Da war wirklich aller Eifer der Polizei aussichtlos, wenn sie nicht den Eigentümer selber als vermeintlichen Dieb festhalten und ihm seinen Mantel vom Leibe ziehen wollte. Herr H. hat nunmehr dem Ersten Amtsanwalt des Amtsgerichts Berlin-Mitte schriftlich mitgeteilt, daß sein Mantel längst in dem Korb der Frau V. gefunden worden ist. Der Herr Erste Amts- anwalt dürfte ein etwas längliches Gesicht gemacht haben, als ihm diese Botschaft zu Gesicht kam. Unbegreiflich ist, daß nicht schon die Polizei ihm Mitteilung hiervon gemacht haben sollte. In drei Tagen, vom 25. September bis zum 23. September, mußte sich doch das bißchen Schreibarbeit erledigen lassen, das nötig war, um den Herrn Ersten zu benachrichtigen und ihn vor diesem Reinfall zu bewahren._ Die Verpachtung von städtischem Laubenland. Die städtische Grundeigentumsdeputation hat beschlossen, die Bedingungen bei der Verpachtung von städtischem Laubenland zu ändern und zwar dahin, daß der Pächter nicht befugt sein soll, auf dem Pachtstück einen Ausschank oder Verkauf geistiger Getränke einzurichten oder zu dulden; auch darf er den Unterpächter oder einen Dritten nicht verpflichten, von ihm oder einem anderen geistige Getränke aus Geschäftslokalen zu entnehmen oder sich liefern zu lassen. Die Deputation will mit diesen Aenderungen den Klagen über den Zwang steuern, der hier und da in den Laubenkolonien bezüglich des Ausschanks geistiger Getränke geübt wird. In ber gestrigen Sitzung der Deputation für die stabtischen Krankenanstalten und öffentliche Gesundheitspflege wurde be- schlössen, an allen städtischen Krankenhäusern Zahnärzte an- zustellen. Da am Rudolf-Virchow-Krankenhause schon Zahnärzte amtieren, kommen noch fünf Krankenhäuser in Betracht. AnS dem Krankenhause Moabit wird uns gemeldet, daß dort eine Anzahl Scheuerfrauen ihre Kündigung er- halten haben. Es sind Frauen darunter, die bereits lange Zeit in dieser Anstalt tätig waren und sich jederzeit gut geführt haben. Die Frauen werden gerade jetzt, wo eS wieder zum Winter geht, durch den Verlust ihrer Beschäftigung sehr hart getroffen. Ueber die Gründe der Kündigungen sind allerlei Gerüchte im Umlauf. Die Vermutung, daß es sich bei dieser Maßregel eigentlich um eine Maß- regelung handele, ist nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen. Die Scheuerftauen haben öfters Anlaß gehabt, unzufrieden zu sein mit dem Essen, das ihnen neben ihrem Lohn in der Anstalt gewährt wird. Kürzlich haben sie sogar den Mut gefunden, beim Abendessen Bücklinge und Wurst zurückzuschicken. weil sie ihnen gänzlich ungenießbar schienen. Die Oberköchin Steffen soll, als nach dem Grunde der Kündigungen geforscht wurde, ihnen die Bemängelung des EffcnS vorgehalten haben. Das klingt sehr glaubhaft; denn„unzufriedene Elemente" werden bekanntermaßen in den Anstalten unserer Stadt nicht geduldet. Die Oberköchin soll zugleich auch erklärt haben, man wolle zu den Reinigungsarbeiten künftig statt der alten Frauen junge Mädchen nehmen, weil man sich hiervon Ersparnisse verspreche. Es wird unS versichert, auch der Inspektor Böckler habe sich in demselben Sinne geäußert. Erwartet man von den kräftigeren Armen und flinkeren Beinen der jungen Mädchen mehr Arbeitsleistung. als die alten Frauen sie fertig bringen? Oder glaubt man. die jungen Mädchen mit weniger Lohn abspeisen zu können als die alten Frauen, die zum Teil noch eine Familie zu ernähren haben? Der Inspektor soll in Aussicht gestellt haben, daß zum 15. Oktober weitere Kündigungen erfolgen werden. Wenn das zutrifft, so muß man in der Tat an- nehmen, daß nach und nach mit dem ganzen Bestand an Scheuer- stauen aufgeräumt werden soll. DaS alles klingt wie gesagt leider sehr glaubhaft. Man weiß ja, daß in den Anstalten unserer Stadt verdammt wenig nach dem Wohl der Angestellten gefragt wird._ Die Kunde von einem schweren Bauunglück, dem Menschenleben zum Opfer gefallen sein sollten,� verbreitete sich gestern mittag in der Gegend deS Oranienburger Tores, jedoch stellte sich bei näheren Erhebungen heraus, daß zwar bei dem Ab- riß eines Hauses in der Linienstraße ein bedauerlicher Unfall sich ereignet hatte, bei dem aber zum Glück der Verlust von Menschen- leben nicht zu beklagen ist. Immerhin soll ein Arbeiter eine schwere Beinverletzung davon- getragen haben. Näheres über das traurige Ereignis, besonders über dessen Ursache, konnten wir bei den sofort angestellten Er- Mittelungen nicht erfahren, da die von uns befragten Arbeiter nicht in der Nähe des Verletzten beschäftigt waren. Von anderer Seite wird uns berichtet, daß dem verunglückten Arbeiter— Paul Walter aus Schönhausen— beide Beine gebrochen seien— zwar schon schlimm genug—, aber es hätte nach Lage der Sache noch schlimmer kommen können. Das Schutzdach, das angebracht war, war iy der 3. Etage des Abrißgrundstückes herausgesteckt, damit von dem nebenan liegenden Neubau, der bis zur 1. Etage im Quergebäude gediehen ist, kein Material hinunter. falle. Das Schutzdach hatte seinen Halt in dem Giebel, der ab- gerissen wurde; es war nicht vorschriftsmäßig im Inneren des Gebäudes verankert. Nun wurde der Giebel bis auf einen Meter über dem Schutzdach abgetragen. Weil nun keine erhebliche Last mehr über dem Schutzdach ruhte, brach ein Teil des Daches ab und richtete das Unglück an. Immer wieder muß darauf hingewiesen werden, daß die Schutzvorrichtungen für Arbeiter vollkommen un- genügend sind und vielfach den polizeilichen Vorschriften nicht ent- sprechen. Solange die Pokizei die Ausführung der Bautenkontrolle hat, wird es nicht viel besser werden. Man übertrage dieselbe den Arbeitern, dann wird Besserung eintreten. In ber Metallwarenfabrik von Emmerich u. Schöning, Prinzenstraße 26 und nicht in der Buchbinderei von Helmert u. Co., wie wir am Freitag meldeten, hat sich eine junge Arbeiterin schwer verletzt. Wie uns noch nachträglich berichtet wird, handelt eS sich um ein erst 15�2 Jahre altes Mädchen, das an gefährlichen Ma- schinen beschäftigt gewesen ist. Dem noch halben Kinde ist die linke Hand ganz und die rechte zur Hälfte abgequetscht. Uns werden bei dieser Gelegenheit über die Einrichtungen dieser Fabrik Mit- teilungen gemacht, die den Gewerbeinspektor veranlassen sollten, hier einmal nach dem Rechten zu sehen. Ein großer Dachstuhlbrand kam gestern früh um 10 Uhr in der Brunnenstraße 110 am Humboldthain zum Ausbruch. Die Feuerwehr, von mehreren Seiten alarmiert, war bald mit den Zügen 3 und 16 zur Stelle. Der Brand, vermutlich an mehreren Stellen gleichzeitig angelegt, hatte schon eine große Ausdehnung erlangt und an dem Inhalt der Bodenvcrschläge usw. reiche Nahrung gefunden. Gegen Mittag konnte die Wehr wieder abrücken. Von dem Täter fehlt bis jetzt jede Spur. Geschädigt sind abermals zahl- reiche Mieter. Gleichzeitig hatte die Feuerwehr einen großen Kellerbrand in der Biesenthaler Straße 22 auf dem Gesundbrunnen zu löstfjen. Dort brannten hauptsächlich Spähne u. a. Durch kräftiges Wasser- geben blieb der Brand auf den Keller beschränkt. Bernhard Rose-Theater(Große Frankfurter Straße):«Herr Paragraph. Schauspiel von Paul Alber. Mit diesem Schauspiel hat das Bernhard- Rose- Theater einen goldenen Treffer gezogen, und zwar in dreifacher Hin- ficht: das Stück besitzt hervorragende literarische Ouali- täten, ist echt dramatisch und von wirklich demokratischem Geiste ourchtveht. Paul Albers, der Verfasser, als Rechts- anwalt in Breslau tätig, gehört dem Vereine der„Breslau-r Dichterschule" an und hat sich längst als sinniger Lyriker und Epiker vorteilhaft bekannt gemacht. In:„Herr Paragraph" offen.- bart sich beides: der schöpferische Poet und der benxfene Dramatiker. Tann bringt Paul Albers noch einige Vorzüge mit, die wir bei sämtlichen modischen„Problem"-Dramatikern i nmer schmerz- lich vermißt haben: weil er im vollen Volkstum steht, so stellt er keine mühselig konstruierten Schwindsuchtskandioaten. sondern leib- haftige Menschen auf die Bühne— Charaktere und Typen, die schlesische Heimatslust atmen. Seit Jahren ist uns kein Drama von solcher stofflichen und ästhetischen Gesundheit vor Augen ge- kommen. Schon der Titel deutet an, daß wir es mit einem juristi- schen Stück zu tun haben. Das ist selbstverständlich für den Ver- fasser. Nicht so selbstverständlich ist es aber, daß Albers keine juristische Tiftelfrage behandelt, sondern die These: Gesctzbuchstabc und Naturrccht. Nicht jenes, sondern dieses sei das richtige. Die Handlung spielt in der Hauptsache auf einem oberschlesischen Rittergut, und zwar im Hause Oes Amtsvorstehers. Dieser Mann ist einer von den wenigen Aufrechten im Lande: ein Gegner der preußischen Klassenpolitik und Klassenjustiz, ein abgesagter Feind aller Kriecherei und alles Strebertums, einer, der seines Amtes waltet, ohne sich viel um den Herrn„Paragraph" zu kümmern, milde Nachsicht übt, kurz ein Kerl, der'ne Lippe riskiert, der bas Herz auf dem rechten Fleck hat. Siebenundzwanzig Jahre lang ist er AmtSvorsteher und hat sich immer behauptet. Nun ist mal wieder ein neuer Landrat, ein neuer Gendarmeriewachtmeister und ein neuer Dorflehrer gekommen. Es weht von dort her ein erz- reaktionärer Wind. Die Regierung wünscht, daß die Landräte und natürlich auch die Amtsvorsteher auf die Sozialdemokratie und die Polen ein scharfes Auge haben möchten. Unseren Amts- Vorsteher Paul Arnold kümmert das keinen Deut. Sein Schaffner wird ihm denunziert als Mensch, der den„Vorwärts" lese und wohl imstande sei, das ganze Dorf rebellisch zu machen. Der Gutsherr entläßt ihn trotzdem nicht— weil er ein tüchtiger, ehrlicher Ar- heiter ist. Solches wird Arnold„oben" übel vermerkt werden. Zweitens: feine ungenierte Amtsführung. Er liefert nicht gleich feden armen Teufel von Bauer ans Messer des Strafparagraphen. Einmal gibt er einem nichtsnutzigen Jungen, der ihm Tauben und Fasanen gestohlc.i hat, lieber einen strafenden Hieb über den Rücken und locht ihn eine Stunde ein, als daß er ihn wegen Dieb- stahls zur Anzeige bringt. Jetzt ist der neue Landrat da: eins der Subjekte, die eine keineswegs ungetrübte, nichtsdestoweniger „oben" entschuldigte Vergangenheit haben. Als Korpsstudent, dann als Regierungsbeamter hat der blaublütige Sprosse sein Vermögen verpraßt, riesige Schulden kontrahiert, das arg verschuldete und verwahrloste Gut seines verstorbenen gleichfalls leichtlebigen Onkels ererbt— und ist nun Landrat. Da ihm das Wasser bis zum Halse geht, sucht er sich durch Geldheirat zu„arrangieren". Die Tochter des reichen Arnold nimmt er flugs auf den„Kieker". Dessen ihm als Regierungsassessor und Reserveoffizier kameradschaftlich be- freundetet Sohn soll die Heiratschose deixeln. Da der Landrat aber merkt, daß das Mädchen seine Werbung ausschlagen werde, weil, wie er ausspioniert hat, ihr Herz schon insgeheim einem anderen gehöre, und zwar dem Sohn des Arnoldschen Schank- Pächters: Dr. Phil. Jäschke, so greift er zu einem gewalttätigen Mittel. Entweder er bekommt Arnolds Tochter zur Frau, oder er benutzt seine Kenntnisnahme von des Amtsvorstehers vorhin be. zeichneten„Amtsverbrechen" und überliefert-ihn dem Staats- anwalt. von Holden— so heißt diese- Rubere Land rat, und es muß wohl solche rücksichtslosen Egoisten geocn!— kommt, wirbt um Arnolds Tochter, trifft hier den Dr. Jäschke und beüÄichgt ihn. Der greift nach dem Revolver. Arnold, der eben vom Felde heim- gekehrt ist, tritt dazwischen, erfährt, um was es sich handelt und weist dem landrätlichen Schurken die Tür. Der geht ab mit der Drohung, Arnold nunmehr als„Verbrecher" zur Anzetxe zu bringen und erscheint kurzerhand wieder in Begleitung des Wachtmeisters, dem er befiehlt, den Amtsvorsteher zu verhaften. Da verübt der empörte Mann Selbstjustiz, indem er den Landrat niederschießt. So endet das Schauspiel mit einem„Knallefsteir". Indessen— so und nicht anders mußte es sein. Die ganze Hand- lung entwickelt sich mit juristischer Schärfe und psychologischer Feinheit auZ der Tiefe des Helden, also von innen heraus. Logik und Charakterzeichnung halten sich die Wage. Kurz: Paul Albers' „Herr Paragraph" ist eins der kräftigsten und gesiindesten Schau- spiel«, die uns je vor Augen gekommen! Die Darstellung— was sowohl das Solisten- wie das Ensemblespiel, hierbei namentlich die ländlichen Volksthpen angeht— gelingt überraschend gut. Ganz vortrefflich stellt Direktor"Bernhard Rose den AmtSvor- sicher hin: eine Prachtfigur, die man lieben muß! Das Schauspiel hatte einen durchschlagenden Erfolg. Der westliche Teil de? SpittelmarkteS von der Kurstraße bis zur Leipziger Straße und die Nicderwallstraße vom Spittelmarkt bis zur Kleinen Kurstraße werden behufs Asphaltierung vom 12. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. DaS Walhalla-Bariete-Theater hat für den Monat Oktober ein vorzügliches Programm zusammengestellt, das den Musen- tempel am Weinbergsweg auf seiner ganzen Höhe zeigt. Es ist diesmal so ziemlich alles vertreten. An fliegenden Ringen bringen die Zanator ganz besondere Neuheiten, während die NamrayS als musikalische Bergsteiger auftreten und einer selbst gebauten Bambusorgel wundervolle Töne zu entlocken verstehen. Freunde eines guten HumorS kommen durch das Auftreten der ExzentricS Hook und Pauly sowie der lebhaften Erna Koschcl, die in einer parodistischcn Szene die Theatcragentin mimt, voll auf ihre Kosten. Lachsalven und Beifallsstürme wollten gar kein Ende nehmen. Eine japanische Gauklertruppe— die JokodaS— entwickelten als Jongleure, Equilibristen, Kopfläufer und Pyramiden- steller eine bewundernswerte Gewandtheit und Exaktheit. Arbeiter-Samaritcr-Kolonne. In dieser Woche beginnt der KursnS in der 5. Abteilung am Montag und in der 2. Abteilung am Dienstag, worauf wir noch besonders hinweisen. Namentlich ist eine recht zahlreiche Beteiligung der Frauen und Mädchen er- wünscht. In jeder Abteilung befindet sich eine Bibliothek, welche den Mitgliedern zur Verfügung steht. Das Einschreibegeld beträgt 50 Pf. Der Monatsbeitrag 25 Pf. Wir ersuchen daS Inserat in der heutigen Nummer zu beachten. Lichtenberg. Vorort- Nachrichten. Neues Schauspielhaus. weisen, wurde einstimmig angenommen. Vor Schluß der Verfamm- Dienstag, Donnerstag und Sonnabend: Erotik. Ein Erinnerungsfest. lung machte Genosse Content noch auf den im Schloß Weißensee Mittwoch: Mercadet. Freitag: Der Traum ein Leben. Sonntag, nach statifindenden Vortragskursus des Genossen Baege aufmerksam. mittags 3 Uhr: Emilia Galotti. Abends: Erotit. Ein Erinnerungsfest. Montag: Mercadet. Am Montag, den 12. Oktober, beginnt ein Vortragszyklus mit Neues Theater. Sonntag bis Mittwoch: Wahrheit. Donnerstag Mit der Behandlung ihres Antrages auf Gewährung einer Lichtbildern des Privatdozenten Genossen Baege über das Thema: bis Sonntag: Malia. Montag: Beccatrice. Teuerungszulage durch die Stadtverordnetenmehrheit am 29. SepVom Urtier zum Menschen". Die vom Gewerkschaftskartell Sonntag: Das Fräulein in Schwarz. tember und insbesondere mit den Ausführungen des Stadtverord- arrangierte Beranstaltung findet im Saale des Brauereiausschant Montag, Mittwoch und Freitag: Faust. I. Teil." Anfang 7%, Uhr.) Dichising. neten Grothe beſchäftigte sich eine startbesuchte Versammlung von Enders, Stönigchauffee 6/7, statt. Am ersten Abend wird Donnerstag, Sonnabend und Sonntag: Das Fräulein in Schwarz. der städtischen Arbeiter, die am Donnerstag im Kronprinzenpart" Kleines Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: 2 × 2= 5. Abends tagte. Im Herbst vergangenen Jahres hatten die stäotischen Ar- fich der Vortragende mit dem Thema beschäftigen:" Sind die Tiere Lady Frederick. Freitag: 2 × 2= 5. beiter um eine Neuregelung ihrer Lohnverhältnisse ersucht. Be geschaffen oder natürlich entstanden?" Der zweite Vortragsabend und Montag bis Donnerstag: merkt sei, daß die Lohnverhältnisse der Lichtenberger städtischen am 19. Oktober behandelt das Thema:" Welches sind die Ursachen Sonnabend: Lady Frederick. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Ein idealer Arbeiter in ihren Hauptsachen bedeutend hinter denen der übrigen Montag, den 26. Oktober, lautet das Thema:" Wie ist der Mensch Abends: Tiefland. Montag: Hoffmanns Erzählungen. Dienstag: Lief und treibenden Kräfte der Aufwärtsbewegung der Tierwelt?" Am Gatte. Abends und Montag: Lady Frederick. Komische Oper. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die Fledermaus. städtischen Arbeiter Groß- Berlins zurückstehen. Die Anträge wurSen seinerzeit gegen die Stimmen unserer Genossen abgelehnt. Da entstanden?" Der Eintrittspreis für alle drei Vorträge beträgt land. Mittwoch und Freitag: Vianon Lescaut. Donnerstag: Der Mastendie Stadtverordneten gleichzeitig aber einem Teile der Beamten 60 Pf., für den einzelnen Vortrag 25 Pf. Um eine recht zahl- ball. Sonnabend: Tiefland. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Tiefland Teuerungszulagen gewährten, so stellten die Arbeiter nunmehr reiche Beteiligung an diesen populärwissenschaftlichen Vorträgen Abends: Manon Lescaut. Montag: Tiesland. wird ersucht. einen entsprechenden Antrag. Nach langwierigen Verhandlungen im Petitionsausschuß schlug dieser der Stadtverordnetenverfamm- Nieder- Schönhausen. Iung bor, dem Antrage stattzugeben und bis zur notwendigen definitiven Regelung der Lohnverhältnisse eine Teuerungszulage von 5 Proz. des Diensteinkommens zu gewähren. Den Leiern des " Vorwärts" ist die Behandlung dieses Antrages durch die Stadtverordnetenmehrheit bekannt. Während der Verhandlung zeich nete sich besonders der Stadtverordnete Rott durch Bekämpfung des Antrages aus. Dies berührt um so eigenartiger, als Rott in feiner Eigenschaft als Leamter Berlins in diesem Frühjahre eine Teuerungszulage erhielt. Der Stadtverordnete Grothe glaubte an der Hand einer Aufstellung nachweisen zu können, daß die Löhne genügend seien, da Wochenverdienste von 32 bis 50 M. fich darunter befänden. Er knüpfte an diese Behauptung dann noch eine Beschimpfung der städtischen Arbeiter. Herr Grothe war zu der Versammlung schriftlich eingeladen, war aber trotzdem nicht erschienen. Ebenso blieben seine intermänner der Versammlung fern. Mit welcher Leichtfertigkeit Herr Grothe seine Behauptungen aufgestellt hat, beweist wohl die Tat sache, daß in den Anträgen ber städtischen Arbeiter für 1909 Wochenlöhne von 22 und 22,50 M. als erstrebenswert für die städtischen Arbeiter angesehen werden. Durch eine Gegenüberstellung der Löhne, die in den meisten Gemeinden Groß- Berlins und in der Privatindustrie bezahlt werden, bewies der Referent für die städtischen Arbeiter zahlt. Die Aufstellung, die Herr Grothe in der Stadtverordnetenversammlung gemacht hat, beweist nur ſeine vollständige Unkenntnis der Materie. In der sehr lebhaften Diskussion, an welcher sich eine große Anzahl Arbeiter aller Betriebe beteiligten und in welcher besonders durch längere Auss führungen der Genossen Spiekermann und Brühl die ganze Rückständigkeit und Arbeiterfeindlichkeit der Stadtverordnetenmehrheit beleuchtet wurde, tam die Empörung der Arbeiter machtvoll zum Ausorud. Besonders die Angriffe auf das Koalitionsrecht fanden die denkbar schärfste Abweisung. Eine Resolution, die die Behandlung der Anträge durch die Stadtverord. netenmehrheit aufs schärffte verurteilt und die gegen die Ausführungen des Stadtverordneten Grothe energisch protestiert, fand einstimmige Annahme. Abraham die Mitteilung, daß die Berliner Eleftrizitätswerte an In der lesten Gemeindevertreterñibung machte Bürgermeister die hiesigen Einwohner Strom liefern. Die Eröffnung des neuen Straßenbahnbetriebs durch die Blankenburger Straße, Jdaftraße und Buchholzer Straße ist für den 24. Oktober in Aussicht genommen. Die Vergebung der Erd-, Maurer- und Steinmeharbeiten zum Rathausneubau erfolgte in nichtöffentlicher Sizung. Hierzu lag ein Schreiben des sozialdemokratischen Wahlvereins vor, den Wunsch enthaltend, daß 1. Die Gemeinde den Bau des Rathauses in eigener Regie ausführen soll. 2. Bei dem Bau sind die am Orte wohnenden arbeitslosen Arbeiter in erster Linie zu bevorzugen. Den Arbeitern muß mindestens der orts- und berufsübliche Tagelohn bezahlt werden. Wo zwischen den Organisationen der Arbeitgeber und Arbeiter Tarife und Lohnfestsetzungen bestehen, bilden diese ten Maßstab. werden, so sollen den Mitgliedern der Gemeinde3. Solten die Arbeiten jedoch im Submissionswege vergeben werden. Nur in besonderen Fällen, wenn auf anderem Wege die bertretungen feine Arbeiten und Lieferungen übertragen Arbeit oder Lieferung nicht in der gleichen Güte zu erlangen ist, fönnen Ausnahmen gemacht werden, wozu aber in jedem einzelnen Falle ein Beschluß der Gemeindevertretung notwendig ist. Ausgeschlossen sind Unternehmer, die früher ihren Verbindlichkeiten nicht nachgekommen find. 4. Bei den Vergebungsbedingungen, die mit den Unternehmern Der Unternehmer ist verpflichtet, der Gemeinde auf Verlangen abgeschlossen werden, find folgende Bestimmungen mit einzuflechten: jederzeit über die mit seinen Handwerkern und Arbeitern ges schlossenen Verträge und deren Erfüllung unter Vorlegung der Lohnlisten und sonstigen Unterlagen Aufschluß zu erteilen. Ergibt fich, daß der Unternehmer seine Verpflichtungen gegen die Handwerker und Arbeiter nicht oder nicht pünktlich erfüllt, so ist die Gemeinde befugt, die von dem Unternehmer geschuldeten Beträge für dessen Rechnung unmittelbar an die Berechtigten zu zahlen. Ferner beschäftigte sich die Versammlung mit den Massen. Unter den arbeitslosen Arbeitern sind die inländischen und unter entlassungen städtischer Arbeiter in den letzten Wochen. Unter diesen diejenigen vorzugsweise zu verwenden, die am Orte wohnen. den Entlassenen befinden sich zahlreiche Familienbäter und Arber Hierzu machte der Bürgermeister bekannt, daß ein großer Teil beiter, die drei bis vier Jahre ununterbrochen in städtischen der Wünsche erfüllt worden sei, die übrigen Wünsche wurden der Diensten gestanden. Angesichts des Winters und der schon vor. Baukommission als Material überwiesen. Nach Wiederherstellung handenen großen Arbeitslosigkeit ist diese Maßnahme ein weiteres der Deffentlichkeit erhielt den Zuschlag für die Steinmezarbeiten die Firma Winterhelf zum Preise von 15 388 M., die Erd-, MaurerBeugnis der sozialpolitischen Rückständigkeit der Verwaltung. eld 11012 und Asphaltarbeiten der Unternehmer Baus zu 73 225,80 2. Ober- Schöneweide. Der Aufstellung einer Bedürfnisanſtalt auf dem Berthaplaße murbe Gemeindevertretersihung. Die umfangreichen Gemeinde zugestimmt, zugleich wurden aus den zu diesem Zwede schon im bauten haben die Gemeinde in eine bedrängte finanzielle Lage ge- Stat vorgesehenen 2700 M. noch 300 M. nachbewilligt. Die gebracht, so daß für das nächste Etatsjahr eine erhebliche Mehrauf- forderte Errichtung eines Abortes auf dem Friedhofe wurde noch wendung feststeht. Um mit dem bisherigen Steuerfaße möglichst mals an die Baufommission zurüdgewiesen. In die zu bildende auszukommen, soll der unbebaute Grundbesit stärker be- Gesundheitskommission wurden die Vertreter Sörger, Haeger, lastet werden. Die Vertretung stimmte einer Vorlage des Gemeindes Herms und Kaumann gewählt. Betreffs der nunmehr zur Vers vorstehers zu, wonach unbebaute Grundstüde hinfort doppelt wendung gelangenden Anleihe von 125 000 M. zu Rathauszweden zur Grundwertsteuer herangezogen werden. Es wird dies haupt. wünscht der Landrat einen besonderen Beschluß, dahingehend, daß der Charakter der Anleihe geändert und als zum Rathausbau fächlich die Terrainspekulation treffen. Ebenso wurde einer neuen Umsatzsteuer zugestimmt. Die im Frühjahr beschlossene Berab- dienend bezeichnet werde. Das Geld war ursprünglich zum Ankauf reichung von warmem Frühstück an bedürftige Kinder soll eines Grundstücks für das zu erbauende Rathaus vorgesehen. Diesem jest in Kraft treten. Jedes Kind erhält Liter warme Milch Wunsche wurde entsprochen. Das Gesuch des Verbandes dér und eine Schrippe. In Betracht kommen nach einer im März Gemeindebeamten der Berliner Vororte um Aufhebung der Dienstaufgenommenen Umfrage 134 Sinder, welche zu Haus des bürgschaften wurde abgelehnt. Doch soll denjenigen Beamten, morgens fein warmes Frühstück erhalten, gewiß ein grelles Bild die schon längere Zeit im Dienste der Gemeinde tätig sind auf des Elends. Das Fremdenschulgeld wird auf 30 m. pro ihren Wunsch die Staation zurüderstattet werden. Hierauf folgte Jahr festgesetzt, soll jedoch nur dort erhoben werden, wo der eine nichtöffentliche Sigung. Bahlungspflichtige ein Einkommen über 2100 m. hat. Ferner wurden bewilligt: Pflasterarbeiten im Ortsteil Oftend 43 000 m., Tischlerarbeiten für die 4. Gemeindeschule 12 000 M. und für die Hausanschlußleitungen bei den neuen Kanalisationsarbeiten 54 000 Mart. Um fleineren Unternehmern entgegenzukommen, soll gestattet werden, daß die Rautionen bei Gemeindebauten in Sichtwechseln von Großbanken hinterlegt werden können. Eine neue Gehaltsordnung für das Lehrpersonal der höheren Schule wurde in geheimer Sigung beraten. Treptow- Baumschulenweg. Tegel. In einem Restaurant erschossen hat sich gestern nachmittag ein unbekannter Selbstmörder. Der Lebensmüde, ein Mann von etwa 35 Jahren, war in ein Bierlotal in der Berliner Straße in Tegel eingekehrt und hatte dort eine recht hohe Zeche gemacht. Als es ans Bahlen gehen sollte, zog er einen Revolver hervor und jagte sich einen Schuß in die rechte Schläfe. Da der Selbstmörder ohne jegliche Geldmittel war, so fann nur angenommen werden, daß er in der Not zur Waffe gegriffen hat. Trebbin( Kreis Teltow). Residenz- Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Haben Sie nichts zu berzollen? Abends und Montag bis Freitag: Das Glück der andern. Selige Oflare. Sonnabend: Kümmere dich um Amelie. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Haben Sie nichts zu verzollen? Abends und Montag: Trianon Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Frl. Sofette 18. Dftober, nachmittags 3 Uhr: Fl. Josette- meine Frau. meine Frau. Abends sowie täglich: Die Liebe wacht. Sonntag, den und Montag: Die Liebe wacht. Abends Neues Operetten- Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der Opernball Abends sowie täglich: Die Dollarprinzessin.( Anfang 8 Uhr.) Sonntag, den 18. Oftober, nachmittags 3 Uhr: Der Opernball. Abends und Montag: Die Dollarprinzessin. Hebbel Theater. Liebhaber. Mittwoch, Donnerstag, Sonnabend und Sonntag: Ninon de Sonntag, Montag, Dienstag und Freitag: De Enclos.( anjang 7 Uhr.) Montag: Der Liebhaber. Lustspielhaus. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die blaue Maus. abends und Montag bis Donnerstag: Die blaue Maus. Freitag und Sonnabend: Die Tür ins Freie.. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die blaue Maus. mitme. Abends sowie täglich: Ein Walzertraum. Sonntag, den 18. Dt. Abends und Montag: Die Tür ins, Freie. Theater des Westens. Sonntag, nachmittags 3, Uhr: Die lustige Abends und Montag: fober, nochmittags 3% Uhr: Die lustige Witwe. Ein Walzertraum. Schiller Theater O. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der rote Leutnant. Mittwoch und Donnerstag: Der Familientag. Freitag: Gin Teufelstert. abends und Montag: Der Familientag. Dienstag: Das Stiftungsfest. Sonnabend: Der Familientag. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der rote Leutnant. Abends und Montag: Der Familientag. 10 Schiller Theater Charlottenburg. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Göz von Berlichingen. Abends sowie Montag Dienstag und Mittwoch: Julius Cäsar. Donnerstag: Der Herr Ministerialdirektor. Freitag: Das Opferlamm. Sonnabend: Julius Cafar. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Gög von Berlichingen. Abends und Montag: Julius Cäsar. mittags 3 Uhr: Der gehörnte Siegfried. Friedrich Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Sonntag, nachSiegfrieds Tod. Abends: Großmama. Montag: Als ich wiederkam. Dienstag: Madame Sans Gêne. Mittwoch, Donnerstag und Freitag: Wilhelm Tell. Sonnabend, Abends: Die zärtlichen Verwandten. nachmittags 4 Uhr: Dornröschen. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der gehörnte Siegfried. Siegfrieds Tod. Allabendlich: Das Mitternachtsmädchen. Sonntag, den 18. Oktober, nachmittags 3 Uhr: Er und seine Schwester. Abends: Die zärtlichen Verwandten. Montag: Wilhelm Tell. Thalia Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der Meineidbauer. Luisen Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Ausgewiesen. Abends und Montag: Freiheit. Dienstag: Helga. Mittwoch und Donnerstag: Freitag: Helga. Sonnabend, nachmittags 4 Uhr: May und Freiheit. Moriz. Abends: Freiheit. Sonntag, nachmittags 3 Uhr, und abends: Flachsmann als Erzieher. Montag: Freiheit. Bernhard Rose Theater. Sonntag, Montag, Dienstag und Donnerstag: Herr Baragraph. Mittwoch: Das Käthchen von Heilbronn. Freitag: Der Theaterteufel. Sonnabend, nachmittags 4 Uhr: Rotkäppchen. bends und Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Das Stäthchen von Heilbronn. bends: Herr Baragraph. Folies Caprice. Täglich: Die Brautschau. Die lästige Witwe. Casino- Theater. Sonntag, nachmittags 4 Uhr: Reezengasse 8 a. abends sowie täglich: Familie August Knoche. Sonntag, den 18. Oftober, nachmittags 4 Uhr: Reezengaffe 8a. Abends und Montag: Familie Knoche. Gebr. Herrnfeld Theater. Allabendlich: Die beiden Bindelbands. ( Anfang 8 Uhr.) Metropol Theater. Allabendlich: Donnerwetter tadellos.( Anfang 8 Uhr.), Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten.( Anfang 8 Uhr.) Bera Bioletta. Spezialitäten.( Anfang 8 Uhr.) Apollo Theater. Allabendlich: Ein Sonntagmorgen in Rußland. Parodie Theater. Täglich: Raub der Sabinerinnen. Die Zauberflöte. Berlin steht Stopp. Urania- Theater. Taubenstraße 48/49. Täglich abends: Der Mont blanc. Sonnabend, Nachmittags 4 Uhr: Ueber den Brenner nach Venedig. Sternwarte, Invalidenstr. 57-62. Vermischtes. Die Cholera. In den letzten 24 Stunden, bis gestern mittag, find in Peters. burg 99 neue Erfranfungen an Cholera und 44 Todesfälle festgestellt worden. Die Zahl der Kranten beträgt 1331. Seit Beginn der Epidemie in Petersburg find 7008 Personen ertrantt, 2816 gestorben und 2861 genesen. Aus Rache erschossen. Einer telegraphischen Meldung aus München zufolge hat in dem bayerischen Orte Gundamsried gestern abend der bon feiner Frau getrennt lebende ehemalige Landwirt Schwarz im Garten seines Schwagers, des dortigen Pfarrers, seinen Schwiegers bater durch einen Revolverschuß meuchlings getötet und seine Ehefrau durch Schüsse in Brust und Kopf Lebensgefährlich verlegt. Schiffsbrand auf hoher See. In der letzten Mitgliederversammlung für den Ortsteil BaumIn der Stadtverordnetenfibung stellte anläßlich der Behandlung faulenweg gab Genoffe Stüter Schöneberg die Berichterstattung vom Parteitag. Besonders eingehend behandelte Redner einer Betition um Erlaß der Pflasterkosten Stadtverordneter Genosse die Budgetbewilligung der füddeutschen Landtagsabgeordneten. Die Morgenrot den Antrag, das Ortsstatut dahin abzuändern, daß Behandlung der Frage auf dem Barteitage fei eine Auseinander- die Pflasterkosten von der Gemeinde übernommen werden und nicht fegung zwischen Radikalen und Revisionisten gewesen. In der wie jetzt den einzelnen Anliegern zur Last fallen. Der Antrag Distuffion meint Genosse Lüdte, das Bufammengehen der Ge- wurde mit 11 gegen 4 Stimmen abgelehnt. Ebenso wurde die wertschaftsführer mit den Süddeutschen müsse zu denten geben. berhandelte Betition abgelehnt. Ein Antrag des Polizeiwacht Der deutsche Dampfer Lambert" berbrannte in der Nähe Redner wendet sich gegen die vom Genossen Frohme auf dem meisters Bethfe, die Polizeigefangenenzellen aus dem Rathause von Patagones am Rio Negro in Patagonien. Der Kapitän, die Barteitage eingebrachte stesolution und meint, sie hätte nur Ber- zu verlegen, wurde einstimmig angenommen. Es wird im Rat- 43 Mann starte Bejagung sowie zwei Passagiere sind gerettet. wirrung unter die Genossen auf dem Barteitag gebracht. Im Sinne haushofe für neuzubefchaffende Bellen ein Anbau vorgenommen der Ausführungen des Referenten sprachen noch die Genossen und werden die Kosten, die mit 1700 M. beranschlagt sind, beMidley, Mundt und Rundel. Eine Resolution, die sich mit willigt. Die Wahl eines Beigeordneten wurde für die nächste der Haltung der Delegierten des Kreises einverstanden erklärt, die Sizung vertagt, da der wiedergewählte Beigeordnete Carl Sagen Erklärung der 66 Delegierten als eine Verhöhnung der obersten im Intereffe feiner Gesundheit die Wahl ablehnte. Parteiinstanz ansieht und eine ftrifte Durchführung der gefaßten Beschlüsse verlangt, wurde einstimmig angenommen. In der Versammlung für den Ortsteil Treptow sprach Wochen- Spielplan der Berliner Cheater. Genosse Krohnberg- Nowawes über den Nürnberger Parteitag. Königl. Opernhaus. Sonntag: Die Bohème. Montag: Sardanabal. Unter Vereinsangelegenheiten wurde die Wahl des Gruppen-( Anfang 8 Uhr.) Dienstag: Der fliegende Holländer. Mittwoch: Die führers vorgenommen. Gewählt wurde Genosse ering; des Bohème. Donnerstag: Sardanapal( Anfang 8 Uhr) Freitag: Der weiteren wurde auf eine am Dienstag stattfindende öffentliche Freischüß. Sonnabend: Manon. Sonntag: Sinfoniekonzert. Montag: Frauenversammlung hingewiesen und zu lebhafter Agitation für Die Zauberflöte. dieselbe aufgefordert. Nach Berlesung mehrerer Aufnahmen und Mitteilung verschiedener örtlicher Angelegenheiten erfolgte Schluß der Versammlung. Groß- Lichterfelde. Für die am kommenden Mittwoch im Westbezirk stattfindende Stichwahl ist seitene unserer Parteiorganisation strengste Stimmenihaltung beschlossen. Es kommen lediglich Kandidaten der Blodparteien in Frage, die sich um das Mandat auf dem Rathausje taufen. Sie alle sind ausgesprochene Gegner ver Arbeiterklasse im allgemeinen und der Sozialdemokratie im befonderen. Keine einzige Arbeiterstimme darf in der Stichwahl abgegeben werden. Weißenfee. Montag: Die Königl. Schauspielhaus. Sonntag ,: Macbeth. Rabensteinerin. Dienstag: Die Journalisten. Mittwoch: Die Jungfrau von Drleans. Donnerstag: Ein Erfolg. Freitag: Julius Cäsar. Conn. abend: Die Rabensteinerin. Sonntag: Gefchloffen. Montag: Der G'wiffenswurm. Neues fönigl. Opern Theater. Sonntag, nachmittags 8 Uhr: Almenrausch und Edelweiß. Abends: In der Sommerfrisch'n. Montag Jägerblut. Dienstag: Paragraphen- Schuster. Mittwoch: Der Herrgott schniger von Ammergau. Donnerstag: 3 Liferl vom Schliersee. Freitag: Baragraphen Schuster. Sonnabend: Dorfpfarrer. Sonntag: Geschlossen. Montag: In der Sommerfrisch'n. 0 Deutsches Theater. Sonntag: König Lear. Montag: Was ihr wollt. Dienstag: Stönig Lear. Mittwoch: Kabale und Liebe. Donnerstag: Freitag: Medea. Sonnabend: Ein Sommernachtstraum. Sonntag: König Lear. Montag: Ein Sommernachtstraum. Deutsches Theater( Sammerspiele). Sonntag: Sozialariftofraten. Montag: Lyfiftrata. Dienstag: Frühlings Ermachen. Mittwoch: In der Mitgliederversammlung des Wahlvereins erstattete Ge- Lysistrata. Donnerstag: Sozialaristokraten. Freitag und Sonnabend: noffe Stadthagen den Bericht vom Parteitage. Der Redner Clavigo. Sonntag: Frühlings Erwachen. Montag: Clavigo. Lessing Theater. Sonntag: Gespenster. Montag: Rosmersholm refapitulierte in seinen Ausführungen die Verhandlungen und beschäftigte sich ausführlich mit der Budgetfrage. Im Anschluß daran( Anfang 7 Uhr.) Dienstag: Gespenster. Mittwoch: Der Raub der Sabinerinnen. Donnerstag: Gespenster. Freitag: Der Biberpelz. Sonngab Genoffin Baader den Bericht von der Frauenkonferenz. Eine abend: Bater.( Unf. 7, 115r.) Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die Weber. Diskussion über die Berichte wurde nicht beliebt. Als Vertreterin Abends: Bater. Montag: Die versunkene Glode. der Frauen im Vorstande wurde Frau Kahle gewählt. Ein Antrag, Berliner Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Emilia Galotti. der Wahlvereinsbibliothek 50 Mart für Neuanschaffungen zu über- Abends: Erotil. Ein Erinnerungsjeft. Montag: Der Traum ein Leben. Ceffentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Bes nutzung für jedermann, SW., Megandrinenstr. 26. Geöffnet täglich von 5-10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9-1 und 3-6 Uhr. In den Lesesälen liegen zurzeit 515 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung aus. Allgemeine Familien Sterbekasse. Heute Bahltag: Aderstr. 123 bei Wiesenthal von 3-6 Uhr. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen Direktion über den Großhandel in den Zentral- Markthallen. Marktlage:& leii: Zufuhr schwach, Geschäft rege, Preise unverändert. Wild: Bufuhr knapp, rege, Preise gut. Stiche: Zufuhr mäßiger, Geschäft ruhig, Breife wenig Geschäft lebhaft, Breise gut. Geflügel: Zufuhr reichlich, Geschäft verändert. Butter und täse: Geschäft ruhig, Breise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr meist reichlich, besonders in Blumenkohl, Geschäft anfangs flau, später reger, Preise wenig verändert. Wasserstands- Nachrichter der Landesanstalt für Gewässerfunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Basserstand am jeit am feit 9. 10. 8. 10. cm cm¹) 140 -16+5 96 102 94 100 32 Bafferstand Gaale, Grochlik Habel, Spandau) Rathenow³) Spree, Spremberg²) Beeskow efer, Münden 19. 10. 8. 10. cm cm³) 72 38 22 Minden 70 68 -109 -32 Rhein, Marimiliansau 396 Raub 181 170 38 108 24 Memel, Zilfit Bregel, Insterburg eich fel, Thorn Ober, Ratibor Krossen Frankfurt -2 Barthe, Schrimm Landsberg 19+1 nege, Bordamm -8 -66 Elbe, Reitmeriz -171+5 45-3 61 Dresden Barby Magdeburg )+ bedeutet Buchs, Köln Nedar, Heilbronn Main, Wertheim Mosel, Trier Fall, Unterpegel PTT EinbruchUnfallHERMANN TIETZ ALEXANDER- PLATZ LEIPZIGER STRASSE Diese Woche soweit Vorrat reicht: FRANKFURTER ALLEE Großer Seiden- und Kleiderftoff- Verkauf Seide Serie I Reins. Blusenst. gestr. u. kar. Reinseid. Messalines farbig Reinseidene Louisines farbig Reinseid. Taffete farb. u. schwz. Gemust. Blusensammete Schwarze Feder- Plüsche durchweg Meter Preife enorm ermäßigt 95PL Pf. Seide Serie II streifen breit Reins, kar. 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Wünscht man dagegen seinen Haaren einen helleren Farbton zu geben, so wajche man dieselben mindestens 14 Stunde lang und wiederhole eventl., bis der gewünschte Farbton erreicht ist. 25Pf Baarblondin macht die Haare glänzend Haarblondin 6 Pakete 1,40 M. MARKE FEUERKRANZ und leidenweich; es verhindert das Spalten und Brechen der Haare und ist garantiert unschädlich. Zu haben in Parfüm. u. Drogerien. Falls dort nicht zu haben, wenden Sie sich an den Fabrikanten: Berlin N., Fernsprecher II, 2631. Fritz Kratz Drogenhaus, Reinickendorferstraße 119. Gegründet 1889. 4160L* Möbel- Fabrik Robert Balau BERLIN, Brunnen- Straße 22. Komplette Wohnungs- Einrichtungen. Moderne Musterzimmer von den einfachsten bis zu den elegantesten stehen zur Ansicht vorn| Treppe und im 6 Etagen- Fabrikgebäude. Billige Preise. Teilzahlung gestattet. 5 Minuten vom Stettiner Bahnhof. Telephon Amt III, 5256. Rauchen Sie Phänomen igaretten! Devise Qualität ist die beste Empfehlung. Berantwortlicher Redakteur: Georg Davidsohn, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Br. 239. 25. Jahrgang. 5. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sonntag, 11. Oktober 1908. Aus der Frauenbewegung. Kinderschutz. Ueber Kinderschutz sprach Genossin Klara Wehl am Montag im Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Wie die Rednerin einleitend bemerkte, solle ihr Vortrag der Kinderschutztommission, die von den Genossinnen gebildet worden sei und die gerade jetzt in Tätigkeit trete, zum Geleitwort dienen. Die Frage des Kinderschußes hänge eng zusammen mit der des Mutterschußes. Den Säuglings- und Kinderschuß, wie dies jetzt vielfach geschieht, für sich allein zu betrachten, sei ein Unding; denn nur die gesunde und kräftige Mutter fönnte auch kräftige Kinder gebären und der wirksamste Kinderschutz bleibe stets der Schutz dez werdenden Mindes. Den aber besigen wir nicht, solange die Frauen zu Tausenden in den gesundheitsgefährlichen Betrieben arbeiten, solange sie als Steinträgerinnen schuften, in den Zuderfiedereien in glühenden Temperaturen ihren Körper schädigen dürfen, ohne daß die Gesetzgebung hier hemmend eingreift. Die furchtbaren 8ahlen der Säuglingssterblichkeit in den proletarischen Schichten sind bekannt. Sie gehen in einzelnen Fällen bis zu 50 Proz. der Lebendgeborenen hinauf und betragen im Durchschnitt das Drei- bis Vierfache der Sterblichkeitsziffern unter den Säuglingen der besißenden Klassen. Die eindringliche Sprache dieser Zahlen war es, die die Gesellschaft in neuester Zeit veranlaßt hat, hier und da die ersten Versuche eines Säuglingsschußes in die Wege zu leiten. Mit diesem dürftigen Säuglingsschus allein ist indes nichts gewonnen. Wie traurig es um die Gesundheit des heranwachsenden Proletarierkindes bestellt ist, geht 3. B. aus den statistischen Aufnahmen der Schulärzte hervor, denen die Aufgabe zufällt, die Kinder vor der Einschulung zu untersuchen. Von etwa 35 400 Schulanfängern mußten dabei zirka 3400 zurückgestellt werden. 5100 Kinder wurden wegen ihrer schwachen Gesundheit dauernd ärztlich überwacht. Das kann den nicht in Erstaunen sehen, der weiß, wie noch immer die Arbeitstraft selbst der jüngsten Kinder hauptsächlich in den Heimindustrien ausgebeutet wird, wie die Kleinen oft in jeder schulfreien Stunde beim Klöppeln, bei der Anfertigung von Spielzeug, als Helferinnen bei Web- und Näharbeiten usw. beschäftigt werden und dann in ausgedehnter Arbeitszeit Löhne von ein paar Pfennigen täglich verdienen. Der tiefste Grund dieser Kinderausnußung liegt ja in der elenden wirtschaftlichen Lage großer Kreise der Arbeiterschaft felbft. Wo, wie in verschiedenen Industrien, der Wochenlohn eines berheirateten Arbeiters 13 M. nicht übersteigt, da ist die Proletarierfamilie auf die Mitarbeit der Kinder leider angewiesen. Deshalb wird ein wirklich durchgreifender Kinderschuß nur durch die Arbeiterschaft selbst, durch den fortgesetzten energischen Kampf um eine Hebung ihrer Klassenlage errungen werden fönnen. Nun besißen wir ja seit dem Jahre 1900 ein Kinderschutzgesetz. Aber es bezieht sich, wie wir alle wissen, leider nur auf einen Teil der Kinder. Es läßt nach wie vor der schweren Ausnußung der Kinderarbeit in der Landwirtschaft Raum; es öffnet durch die Ausnahmebestimmung für die eigenen Kinder deren Ausbeutung durch die Eltern Tor und Tür. So werden in der Landwirtschaft beim Rübenziehen und in der Startoffelernte Tausende oft noch fehr junger Kinder beschäftigt; andere werden als Hütejungen aus genußt und dem Schulunterricht fast gänzlich entzogen, da die abs hängigen Landschullehrer nicht wagen, sich den Interessen der Gutsbefizer zu widersetzen. In Baden und Württemberg finden für solche Zwede förmliche Kindermärkte statt. Ebenso wird in den Städten die Ausnahmebestimmung des Schutzgesetzes für die eigenen Kinder zur Ausbeutung der Kleinen oft in den sittlich und förperlich gefahrvollsten Beschäftigungsarten benutzt. Auch da, wo das Gesetz die Kinder schüßt, wird es in zahllosen Fällen durchbrochen, und es wird eine der Hauptaufgaber unserer Kinderschußfommission sein, solchen Gefeßesverlegungen auf den Grund zu gehen und ihre Bestrafung zu beranlassen. Es ist festgestellt, daß die Erscheinung des jugendlichen Berbrechertums, die die Aufmerksamkeit der Soziologen in immer steigendem Maße in Anspruch nimmt, in engem Zusammenhang steht mit der gewerblichen Beschäftigung der Kinder;% der jugend lichen Verbrecher rekrutieren sich aus der Zahl jener Armen, die im zarten Alter durch übermäßige Arbeit in ihrer förperlichen und geistigen Entwickelung gehemmt wurden. Dem Vortrag, der mit lebhaftem Beifall aufgenommen wurde, folgte eine angeregte Diskussion, in der die Mitglieder über einzelne, ihnen bekannt gewordene Fälle aus dem Kinderleben berichteten. Beamten wird vorgemalt, fie fönnten nach einjähriger Tätigkeit Urlaub erhalten, wenn es ihr Gesundheitszustand verlangt. In Ein weites Gebiet der Tätigkeit eröffnet sich unserer Kinder Wirklichkeit bekommt die Gesellschaft Gelegenheit, Beamte, welche schußkommission ferner durch die Feststellung und Untersuchung nicht ganz gesund sind, abzuschieben. Tatsächlich ist auch schon der Fälle, in denen es ratsam ist, Kinder der Fürsorgeerziehung verschiedenen Herren, die sich ärztlich untersuchen ließen, nahegelegt zu überweisen sowie in der Beobachtung der Fürsorgeerziehung worden, zu kündigen, da ihnen sonst gekündigt würde. Nicht verselbst. gessen werden darf dabei der Umstand, daß alle Beamten vor ihrer Dem Verein zum Schuß der Kinder gegen Ausbeutung und Anstellung vom Vertrauensarzt der Direktion untersucht werden Mißhandlung" werden alljährlich eine große Bahl von Fällen furcht- müssen, also im Betriebe nur Aufnahme finden, wenn fie fernbarster Kindermißhandlung bekannt; es sind im letzten Jahre dort gesund sind. In einem Teil der Arbeitsräume ist ein solcher Bug, 252 solcher Meldungen untersucht worden. Aber erst, wenn die daß sich fortwährend Angestellte erfälten und Rheumatismus holen. Proletarierfrauen sich überall an der Beobachtung und Ueber. So mußten Anfang dieses Jahres 60 Angestellte in einem dreiwachung der Behandlung der Kinder in ihrer Nachbarschaft be- stödigen Trefor arbeiten, in dem es vor Zugluft nicht auszuhalten feiligen und sich an die Kinderschußkommission wenden, sobald sie war. Durch das Arbeiten in diesem Raum sind auch wirklich irgendwo ernste Schädigungen der Kleinen entdecken, wird es einige Angestellte krank geworden und ist diese Ursache ausdrücklich gelingen, dem entfeßlichen Kindermartyrium, das sich so oft in vom Arzt bestätigt worden. Trotz solcher Zustände geniert sich der Stille abspielt, in weiterem Maße zu steuern. diese vornehme" Gesellschaft nicht, den neu eintretenden AnSo ist es die Sache der Arbeiterfrauen, sich an den Arbeiten gestellten einen Revers vorzulegen, der sie zwingt, auf die Segder Kinderschutzkommission nach allen Richtungen zu beteiligen, nungen des§ 63 des Handelsgesetzbuches zu verzichten, der ver und je eifriger das geschieht, desto fruchtbringender und fegens- langt, daß Angestellten im Falle unverschuldeten Unglüds das Ge reicher wird sich die neue Einrichtung erweisen. halt auf die Dauer von sechs Wochen weiter zu zahlen ist. Die Gehaltsverhältnisse sind für die große Masse der Angestellten einfach miserabel. Die Angestellten der vierten und fünften Gehaltsstala wissen vielfach nicht, wie sie fich und ihre Familie bei der herrschenden Teuerung ernähren sollen. Einer der Direktoren machte einmal den Ausspruch, daß ein Beamter unter 1800 M. jährlichem Einkommen überhaupt nicht heiraten dürfte. Der Herr denkt aber gar nicht daran, dafür zu sorgen, daß dieses gewiß eine große Anzahl Beamte in vorgerüdtem Alter, welche noch nicht minimale Einkommen erreicht wird. Es gibt in der" Viktoria" von 21 Jahren eintrat, erhält jetzt nach 14 jähriger Tätigkeit noch einmal 1200 m. jährlich verdienen. Ein Beamter, der im Alter nicht einmal 100 M. monatlich. Gegenüber diesen unerhörten Zuständen wollen die geringen Wohltätigkeitsveranstaltungen sehr wenig besagen, um so mehr als das Personal für diese Kassen zwar seine Beiträge zahlen, sich um die Verwaltung jedoch nicht fümmern darf. Viel wichtiger als all dieser Wohlfahrtsrummel find auskömmliche Bezahlung und geeignete Arbeitsräume. Wenn die Angestellten dies erreicht haben, verzichten sie auch gern auf das„ Kasino", in dem sie für 60 Pf. Mittagbrot essen dürfen. Daß auch bei dieser Veranstaltung die Angestellten nichts mitzureden haben, ist selbstverständlich. Im Gegenteil behält es sich die Direktion ausdrücklich vor, Angestellte ohne Angabe von Gründen auszuschließen. Wollen die Beamten diese standalösen Zustände bes feitigen, so bleibt ihnen nur eine Möglichkeit, sich der großen ausgebeuteten Armee anzuschließen. Die einzige Organisation, welche in Fühlung mit der allgemeinen Arbeiterschaft steht, ist der Zentralverband der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen.( Lebhafter Beifall.) Nach einer kurzen Diskussion und einem Schlußwort des Referenten fand folgende Resolution einstimmige Annahme: Leseabende. Erfter Kreis. Montag, den 12. Oktober, 8% Uhr, bei Engel, Seidel. straße 30. Aufnahme von Mitgliedern für den Wahlberein. Bierter Kreis. Süd- Ost. Montag, den 12. Oktober. 8½ Uhr, im Gewerkschaftshaus, Zimmer Nr. 11. Verein Versammlungen- Veranstaltungen. für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 19. Oftober, 8% Uhr, im Neuen Klubhaus, Kommandantenstraße 72. Vortrag, Genosse Friedrich Stampfer: .Die Weltanschauung Leo Tolstois". Verfammlungen. Was braucht der Bittoria- Angestellte? Auskömmliches Gehalt oder Wohlfahrtseinrichtungen? Mit diesem Thema beschäftigte sich eine Versammlung der Vittoria- Angestellten in den Arminhallen, einberufen bom 8entralberband der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen Deutschlands. Aus den ausführlichen Darlegungen des Referenten Georg Udo geben wir folgendes wieder: Die Vittoria- Gesellschaft sucht sich nach außen den Anschein zu geben, als wenn ihr das Wohl ihrer Beamten ganz besonders am Herzen gelegen ist. Doch sowie man Gelegenheit hat, ein klein wenig hinter die Kulissen dieses Musterbetriebes" zu sehen, bemerkt man, daß alle die Wohl. tätigkeitsveranstaltungen" auch hier wie überall nur Blendwerk sind, um die Angestellten zu fesseln und von der Wahrnehmung ihrer Interessen abzuhalten. Oft bedeuten diese Wohltätigkeitsveranstaltungen" eine direkte Gefahr für die Angestellten, wie eine Generalverfügung beweist, die der Direktor Enderlein an die Prokuristen erlassen hat. In dieser wird bekannt gegeben, daß die Abteilungsvorsteher das Recht haben, Beamte zum Urlaub vorzuschlagen, welche noch nicht 5 Jahre im Hause tätig sind. Solche Gesuchsteller sind an die Vertrauensärzte zu berweisen und diese haben ein Gutachten abzugeben, ob der Betreffende einer Erholung bedürftig ist und ob Aussicht vorhanden ist, daß die Krankheit in 12 Arbeitstagen zu beseitigen ist. Sollte der Arzt ein für den Gesundheitszustand ungünstiges Urteil abgeben, so ist die Kündigung in Erwägung zu ziehen. Den „ Die versammelten„ Vittoria"-Angestellten halten ganz im Sinne des gehörten Referates die Wohlfahrtseinrichtungen der Gesellschaft für wertlos, solange dieselben zu einem großen Teile den Rechtsanspruch ausschließen und solange der Beamtenschaft nicht durch freigewählte Selbstverwaltungsorgane eine Einwirkung auf diese Institutionen gesichert ist. Sie sind ferner der Ansicht, daß feine Wohlfahrtseinrichtungen die ungünstigen Gehaltsverhältnisse der Angestellten ausgleichen können, deren generelle Aufbesserung daher die dringendste Forderung sein muß. Sie fordern deshalb die Einsehung eines Beamtenauss schusses, der auf Grund des gleichen Wahlrechts aller Beamten und ohne Einschränkung der Wählbarkeit gewählt, in Zukunft bei der Verwaltung der bestehenden Wohlfahrtseinrichtungen, sowie bei Regelung aller allgemeinen Fragen des Arbeitsverhältnisses mitwirten soll. Gleichzeitig fordern sie den Zentralvorstand deutscher Handlungsgehilfen und Gehilfinnen auf, sofort durch Verhandlungen mit der Direktion auf die Abstellung der schwersten, in der Verfammlung zutage getretenen Mißstände hinzuwirken. Die Versammelten sind der Ansicht, daß nur durch die gewerkschaftliche Organisation Abhilfe geschaffen werden fann und sie verpflichten sich deshalb, einzutreten in den Zentralverband der Handlungsgehilfen." Kathreiners Malzkaffee wird von sehr vielen Aerzten als tägliches Getränk empfohlen. In 3-6 Monaten frans., engl. prechen. Abendturje Monat 3,-, Prof., Charlottenburg, Berlinerstr. 42. Geschäfts- Verlegung. Meiner geehrten Kundschaft zur Nachricht, daß ich meine Molterei von Anton str. 34, nach Plantagens ftraße 7, verlegt habe. Daselbst ist ein 1, jähriger echter Bernhardiner billig zu verlaufen. 21305 Fritz Waschowski. Atelier für künstlichen F. Bergmann& Sohn Andreasstr. 53. Bettstell. f Kinder u Erw Kinder- u. Sportwagen. 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Sicherung des Koalitionsrechts. Sonntag, 11. Oktober 1908. 24,50 Mark. Vor der Kammer 6 des Berliner Gewerbegerichts Australien. Während in früheren Jahren Düngemittel wurde ein Vergleich auf 22 Mart geschlossen, nachdem der Vor- für die kommende Saison sehr begehrt waren, sind in diesem Jahre sitzende dem Beklagten auseinandergesetzt hatte, daß nur ganz minimale Abschlüsse gemacht worden. Auch in allen das Mädchen selbst dann auf die vertragliche Ausgehzeit anderen Artikeln( Hohlglas, Emailivaren, Porzellan, Pianos, Stühle, bestehen durfte, wenn es vorher wußte, daß die Aushilfefrau Salz) ist das Geschäft nur mäßig. Flauheit ist die allgemeine nicht könne. Beklagter hätte sich eben eine andere Aushilfe rechts Signatur in der alten wie in der neuen Welt. zeitig besorgen müssen. Aus Induftrie und Handel. Warenpreise im September 1908. Endlich gelangen, durch das das Gesez höhnende Vorgehen des Verbandes bayerischer Metallindustriellen und der Maschinenfabrik Augsburg gegen das Koalitionsrecht der Angestellten aufgepeitscht, auch den Sozialdemokraten noch fernstehende Interessentenfreise zu der Ueberzeugung, daß das Koalitionsrecht sichergestellt und durch Strafbestimmungen gegen Angriffe der Unternehmer geschützt werden müsse wie es von sozialdemokratischer Seite seit Jahrzehnten verDie Zusammenstellungen der Stat. Korrespondenz" nach den langt ist. Ausschußmitglieder des Kaufmannsgerichts München hatten den Antrag gestellt, beim Reichstage und Bundesrate eine Er- Notierungen an 23 Marktorten ergeben, daß sich die Preise im gänzung der Gewerbeordnung dahin zu beantragen, durch die September etwas über das Niveau des Vormonats erhoben haben. Kaufleuten untersagt wird, Angestellte durch Verabredungen, Im Vergleich mit dem Parallelmonat des Vorjahres sind teils Steigerungen, teils Abschwächungen zu verzeichnen. Folgende Tabelle weist das aus. Es kostete 1 Kilogramm in Pfennigen: September August September schwarze Listen oder Einrichtungen anderer Art wegen Bugehörigkeit zu Vereinigungen um ihre Stellung zu bringen, oder sie aus diesen Gründen an der Erlangung einer neuen Stellung zu hindern. Der Ausschuß des Kaufmannsgerichts nahm zu diesem Antrag in seiner Sigung am Freitag Stellung. Nach längerer Debatte einigte sich der Ausschuß einstimmig( Prinzipale und Angestellte) auf folgende Fassung: " Den Prinzipalen ist es untersagt, Angestellte wegen ihrer Bugehörigkeit zu Berufsvereinigungen zu schädigen." Mit diesem Antrag wäre wenig anzufangen. Sein Juhalt entspricht bereits dem bestehenden Gesezz. Bei Beratung des Bürgerlichen Gesetzbuches ist ausdrücklich von der Regierung und den Kommissionsmitgliedern des Reichstages, wie es im Bericht heißt, als„ zweifellos" anerkannt, daß eine Vereinbarung, aus einer gewerkschaftlichen oder politischen Organisation auszutreten, ungültig ist, weil solche Vereinbarung gegen die guten Sitten verstößt (§ 184 des Bürgerlichen Gesetzbuchs). Schon jetzt sind solche Arbeitgeber nach§ 826 des Bürgerlichen Gesetzbuchs nach dem Gesetz schadensersatzpflichtig. Indes steht diese Pflicht in der Prayis nur auf dem Papier, wie gerade der Augsburger Fall zeigt. Der be schlossene Antrag wäre, ohne Strafbestimmung zum Gesetz erhoben, ein Messer ohne Klinge. Das legte Genosse 3öltsch( Mitglied des Zentralverbandes Deutscher Handlungsgehilfen und Gehilfinnen) dar und beantragte folgenden Zusay: Zuwiderhandelnde werden mit Gefängnis bis zu drei Monaten bestraft, insofern nach den allgemeinen Strafbestimmungen nicht eine höhere Strafe Platz greift. Der Versuch ist strafbar. Gegen diesen Zusatz wehrten sich die Prinzipalsbeisiger mit allen Kräften. Nach längerer Debatte wurde auch dieser Zusatz an= genommen. Mit den Gehilfenvertretern stimmte der Vorsitzende Gerichtsrat Dr. Brenner und nur ein Arbeitgeberbeisiger, die übrigen Prinzipale stimmten geschlossen dagegen. Der Antrag geht nunmehr in dieser Fassung an den Bundesrat und Reichstag. Gewerbegericht. 1. Der Weg durchs Fenster. Rindfleisch von der Neule Rindfleisch vom Bauch.. Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch 1907 1908 1908 163 157 158 139 134 134 159 152 155 165 160 162 165 162 161 • Geräucherter Sped 175 166 167 253 253 256 167 164 164 • 35 36 35 32 32 410 Eibutter Schweineschmalz Weizen Roggen. 1 Schock Eier.. 429 31 432 Die Teucrung tritt aber erst recht in Erscheinung bei einem Vergleich mit den Durchschnittspreisen des Hochkonjunkturjahres 1900. Für ein Kilogramm stellten sich die Preise wie folgt: Durchschnitt Sept. im Sept. 1908 1900 1908 gegen Durchsch. 1900 in Pfennigen Zunahme in Proz. Rindfleisch von der Keule Rindfleisch vom Bauch 136 158 16,1 116 134 15,5 Schweinefleisch 132 155 16,6 Kalbfleisch 133 162 21,8 Hammelfleisch 130 161 23,8 Geräucherter Sped 152 167 11,2 Eẞbutter 228 256 12,2 Schweineschmalz 156 164 30 26 35 31 5,1 16,6 19,2 Weizen Roggen. Bei Verschlechterung der Arbeitsgelegenheit enorme Verteuerung der wichtigsten Lebensmittel und dazu Aussicht auf Steigerung der Steuerlasten, das sind die Folgen neudeutscher Wirtschaftspolitik. Streiflichter auf die Krise. Von der Bautätigkeit. Die Bautätigkeit in den größeren Städten ist noch so matt, daß fie sogar noch stark hinter dem Borjahre zurückbleibt. In Berlin wurden im August nur 266 Baugenehmigungen erteilt gegen 292 ebenfalls eine Differenz zuungunsten des laufenden Jahres. In Genehmigungen im August 1907. In den Vormonaten bestand Düsseldorf wurden für Neubauten im August nur 36 Bauerlaubnisse nachgefucht gegen 47 im August 1907, für Umbauten nur 95 gegen 119. Etwas größer als im Vorjahre war die Zahl der Baugenehmigungen in Dresden; für Wohnungsneubauten wurde ziemlich die gleiche Anzahl erteilt, dagegen für Schuppen- usw. Bauten erheblich mehr. Auch die Zahl der Umbauten hat in Dresden zugenommen. Diese Zunahme der Bautätigkeit in Dresden darf aber nicht zu dem Schluß verleiten, als ob das Baugeschäft sich schon belebte; nur die außer gewöhnliche Stagnation im Vorjahre zeitigte eine kleine Reaktion in diesem Jahre. Im ganzen ist die Bautätigkeit auch in Dresden noch sehr matt. Während zum Beispiel für Neubauten in Dresden im zweiten Quartal 1905 322 Genehmigungen erteilt wurden, waren es in der nämlichen Zeit dieses Jahres nur 214. Was für diese wenigen Großstädte durch Zahlen dargestellt wurde, gilt mehr oder weniger auch für die Mehrzahl der großen Städte. Ueberall besteht daher ein bedenklicher Ueberfluß an Bauarbeitern; während sonst im August schon nahezu das ganze Angebot untergebracht ist und in guten Jahren im September starte im diesjährigen August das Nachfrage bestand, überstieg Angebot die Nachfrage durchschnittlich noch um 60 Prozent. machte Dieser Durchschnitt wird in Berlin nur wenig über schritten; in Hamburg und Bremen famen aber auf 100 offene Stellen für Bauarbeiter 300 beztv. 600 Arbeitsuchende! Jn Bremen verschlechtert sich die Bautätigkeit fast von Woche zu Woche, ebenso in Hamburg. In den vom Baugewerbe abhängigen Gewerben macht sich eine feit langem nicht gekannte Absatzstockung bemerkbar. In den brandenburgischen Städten hat sich das Gepräge der Bautätigkeit ebenfalls eher verschlechtert als berbessert; die Hoffnungen auf eine Herbstbelebung sind faſt fast aufgegeben. Am schwersten von von allen Gegenden Deutschlands leidet noch immer der westdeutsche Industriebezirt. Auch nicht eine größere Stadt eine Ausnahme von dem ungünstigen Gepräge und landwirtschaftliche Gegenden gibt es hier zu wenig, als daß lebhaftere ländliche Bautätigkeit den ungünstigen Gesamteindruck verwischen könnte. Vornehmlich stockt in Dortmund die Baulust fast gänzlich; in der Privatbautätigkeit ist die Lage nach Dortmunder Berichten trostloser als je; wenn nicht einige öffentliche Bauten ausgeführt würden, wie zwei Volksschulen, eine Handwerker und eine Kunstgewerbeschule, ein städtisches Straßenbahndepot, und größere Erweiterungsbauten in Angriff genommen würden, so würde das Baugeschäft völlig Deutschland. Für die Kleineisenindustrie haben sich die Ver- stocken. In Bochum und Köln ist die Lage nicht viel anders. Nur der hältnisse immer noch nicht gebessert. Natürlich werden die mit der Fiskus und die Kommunen erteilen etwas mehr Die Schlächtermamsell S. beanspruchte durch Klage beim Kleineiſenindustrie zusammenhängenden Industrien, wie Industrien, wie die Bauaufträge! Berliner Gewerbegericht von dem Schlächtermeister Bod eine Lohn- Startonnagen- und Etuibranche, scharf in Mitleidenschaft gezogen. Die entschädigung wegen unberechtigter Entlassung. Die Einwände des Bahl der Arbeitslosen wächst gewaltig, obzwar einige Fabriken auf Beklagten trafen darin zusammen, daß Klägerin und das Dienst- Lager arbeiten, um die geschulten Arbeitskräfte zu halten. Troftlos mädchen ein nach dem Hof zu gelegenes Fenster abends beim Weg- ist ferner die Lage der Stahlwarenfabrikation im bergischen Land. gang offen gelassen hätten, obwohl er das verboten habe. Nach der Gänzlich danieder liegt das Geschäft bei den Furniturenfabriken und Darstellung des Vertreters der Klägerin sind die Mädchen, als sie bei der Feilenindustrie. Dabei ist ein Ende der Strifis nicht ab abends ausgingen, zum Offenlassen des Fensters gezwungen gewesen, zusehen. Die Warenpreise im Großhandel verfolgen deshalb nach in ihr Zimmer wieder hinein zu gelangen. Einmal wie vor eine fallende Tendenz. Nur die Preise der Lebensmittel habe der Beklagte den Zugang zum Zimmer verschlossen und den behaupten sich. Schlüssel von innen stecken lassen, so daß von außen nicht aufVereinigte Staaten. Die Ungeduld der auf eine Bessegeschlossen werden konnte. Diesen Vorfall gibt Beklagter zu. Er rung harrenden Geschäftsleute wird auf eine harte Probe gestellt. hat befürchtet, daß sich das eine Mädchen einen Mann mitbringe. Die Hoffnungen konzentrieren sich auf die Ernte. Im übrigen zeigen Jm Monat September betrug die englische Ausfuhr 31 621 206 Das Fenster nachts aufzulassen, habe er verboten, weil er sich gegen sich noch keine Lichtblicke. Was will es bedeuten, daß die Bank- Pfund Sterling gegen 35 156 320 im September 1907, was eine Diebe sichern müsse. Klägerin hätte flopfen können. Die se ch site clearings( mit Ausnahme der Stadt New York) nur noch um Abnahme von rund 3,5 Millionen Pfund Sterling ergibt. Die EinKammer verurteilte den Beklagten mit folgender 15 Proz. gegenüber dem Vorjahre zurückbleiben, daß etwas mehr fuhr betrug im Berichtsmonat 48 028 207 gegen 45 335 451 Pfund Begründung: Die Entlassung der Stlägerin fei ungerecht- Frachtwagen in Anspruch genommen werden i fertigt. Erstlich sei die Lage des Zimmers eine solche, daß Eingriffe in den Laden nicht ohne weiteres zu befürchten seien. Beklagter habe selbst zugegeben, daß er einmal den Zugang zum Zimmer verschlossen und den Schlüssel von innen habe stecken laffen. Die Klägerin sei infolgedessen gezwungen gewesen, sich anderweit einen Eingang zu verschaffen. Denn zweifellos fei fie berechtigt, nach Beendigung der Arbeit auszugehen und erst nach zehn Uhr abends zurückzukommen, wenn sie nur am anderen Morgen wieder rechtzeitig auf dem Bosten sei. Eine beharrliche Verweigerung der ihr nach dem Arbeitsvertrage obliegenden Verpflich tungen fei nicht erwiesen. Es liege feiner der Entlassungsgründe des§ 123 der Gewerbeordnung vor. um 2. Der Ausgehtag. Das Vertrauen in die nächste Zukunft ist gering, die Fabrikanten benötigen keine Arbeiter und diese meiden den Boden der Union. Indien. Die großen Lager in Kalkutta, Bombay und Delhi brücken nach wie vor auf den Markt; die Banken beobachten bei der Kreditgewährung größte Zurüdhaltung und ebenso die indischen Kaufleute gegenüber den europäischen Firmen, weil sie angesichts der niedrigen Marktpreise glauben, daß noch weitere Rüdgänge zu er warten seien. China. Der diesjährige Taifun in Hongtong( 27. Juli) hat große Verluste herbeigeführt und geschäftlich starke Störungen vers ursacht, nachdem die Ueberschwemmungen im Juni bereits überaus empfindlichen Schaden angerichtet hatten. Bis normale Zustände eintreten werden, dürfte noch geraume Zeit vergehen. Auch in Shanghai ist absolute Stille. Die Nordischen Stahlwerke auf dem Danziger Holm sollen Durch die Stillegung der wieder betriebsfähig gemacht werden. Werke wurden zirla 500 Arbeiter beschäftigungslos, nachdem die interessierten oberschlesischen drei Stahlindustriegesellschaften eine weitere Silfstätigkeit abgelehnt hatten. Gegenivärtig werden nun. mit rheinischen Großindustriellen Verhandlungen gepflogen, um das Bert wieder lebensfähig zu machen. Man hofft in spätestens sechs Wochen die Angelegenheit zur Lösung zu bringen. Der englische Außenhandel. bedeutet. Sterling, was eine Zunahme von rund 2,7 Millionen Pfund Sterling Pfund Sterling gegen 819 281 164 in der gleichen Zeit des Jahres In den letzten neun Monaten betrug die Ausfuhr 285 663 002 1907. Einfuhr: 435 798 828 gegen 475 132 873 Pfund Sterling. Witterungsüberficht vom 10. Oftober 1908, morgens 8 Uhr. Stationen Wetter Stationen Swinembe. 765 SGD 1Mebel Berlin 9 Haparanda 761 DSD 9 Betersburg 764 Still Better Temp. n. C. HP 50.4° 9.| 2 bedeckt 765 SD 767 23 1 wolfen! 1 Dunst 2 wolten! 6 Baris heiter 6 8 Scilly 10 berbeen 761 23 754 S 7625 wollent 1 3 woltig 1 bedeckt 13 2 halb bd 13 12 Das Dienstmädchen N. war beim Gastwirt Lose in Stellung. Japan. Die Geldkrise verhindert die Entleerung der Docks, Hamburg 763 SSD 2 Nebel Sein Dienstvertrag lief zum 1. August ab. Der Gastwirt hatte deren bedeutende Warenmengen jede weitere Einfuhr verstopfen. Frank.a.M. 764 ND verlangt, es sollte an seinem vertraglich vereinbarten Ausgehtage, Vor Ablauf von einigen Monaten ist feine Besserung zu gewärtigen. München am Sonntag, den 26. Juli, nicht ausgehen. Die gewöhnliche Aus- Südafrika. Gebrauchsartikel wie Emailgeschirr, Porzellan, Bien 768 Still hilfe" hatte an dem Sonntag teine Zeit. Das Mädchen ging doch Möbel, Salz und Dele, die sonst in ziemlich großen Quantitäten Wetterprognose für Sonntag, den 11. Oktober 1908. aus. Deswegen kam es zu Differenzen und das Dienstverhältnis abgingen, finden jetzt nur bescheidenen Absatz. Für Baumaterialien Ziemlich warm bei mäßigen südwestlichen Winden und vorüber. wurde einige Tage früher gelöst. Durch Klage verlangte Fel. N. ist fast gar teine Verwendung; nur in Dielen werden noch Geschäfte gehender Trübung ohne erhebliche Nieberschläge. eine fleine Entschädigung und den rückständigen Lohn, zusammen I gemacht. Berliner Wetterbureau. 126 Große Frankfurter Straße 126 " " ==== Eckhaus Koppenstraße.: " " S. Weissenberg 126 Große Frankfurter Straße 126 :: ==== Eckhaus Koppenstraße.=== " Während dieser Woche, vom Montag, 12., bis Sonnabend, 17. d. M., ein außerordentliches, preiswertes Extra- Angebot in Damen- Kleiderstoffen, Samt- und Seidenstoffen Moderne Plissee- Stoffe Einfarbige reinwollene Damentuche reichhaltiges Farben- Sortiment Farbige Taffet- Chiffons Reinseidene Karos. Meter Meter 235 150 175 195 für Faltenröcke, aparte Streifen, 110 cm breit... 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( Nachdruck verboten.) 14 118 318 400 28 66 92 546 68 1052 423 83 519 668 874 2323 651 864 65 910 3034 298 405 50[ 10 000] 662 797 99 831 4120 62 207 95 369 448[ 400] 581 910 70 5026 108 87 224 79 536 870 916 59 6182 59 67 86 406 15 83 67 81 536 51 611 746 924 62 7003. 151 384 413 537 663 70 895 953[ 500] 8035 100 70 262 451 526 756 88 811 9197 313 37 10410159 302 639 818 33 999 11001 110 904 60 12061 104 733 78 808 30 43 13221 483 35 581 96 610 894 95 983 14487 624 773 15133 215 57 327 98 507 614 878 935 16037 88 112 398 413 589 617 27 17123 86 229 352 465 96 731 59 865 18265 68 848 400 78 504 633 35 90 723 43 68 800 985 19107 95 257 63 88 441 48 794 20022 61 66 123 39 229 45 614 53 804 21082 85 90 396 654 809 22007 301 539 66 600 86 716[ 400] 71 [ 400] 863 900 23165 335 603 760 849 910 24284 371 440 25234 452 65 547 774 857 961 86 26137 45 68 71 555 [ 550] 655 770 94 820 912 96 27074 259 307 75 425 528 678 703 9 85 888 28040 136 50 366 514 624 45 729 31 84 29029 106 237 522 707 30204 808 27 63 507 635 701 74[ 400] 803 964 31008 [ 400] 71[ 400] 217 328 82 95 854 973 32110 96 493 506 33176 81 390 453[ 400] 55 762 34322 428 594 98 662 715 86 953 35217 529 60 759 36050 77 81 134 231 304[ 500] 486 639 64 735 42 815 37210 97 546 96 38169[ 1000] 93 363 779 39282 308 74 543 914 40007 267 338 57 495 41165 241[ 500] 368 98 470 [ 1000] 583 603 814 42155 227 520 724 903 43187 373 431[ 400] 75 86 742 97 991 44258 394 534 75 603 792 45125 81 333 628 839 978 46201 13 466 660 819 921 39 92 47015 48 224 584 48077 197 440 641 990 49009 36 154 222 413 68 505 32 97 672 883 976 50131 610 732 48 895 902 51519 660 52011 78 87 95 287 380 528 655 708 941 53000 3 75 246 73 861 409 66 833 41 948[ 500] 54062 146 606 25 36 833 961 55079 214 26 98 602 56421 504 77 615 57189 469 684 773 902 46 58234[ 1000] 468 690 97[ 500] 974 59078[ 400] 86 89 96 99 254 436[ 400] 699 840 905 8 60114 40 82 93 219 351 413 45[ 400] 79 504 61 819 45 904 30 61384 550 77 62018[ 500] 19 97 244 340 67 739 960[ 1000] 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Ziehung 4. Kl. 219. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 10. Oktober 1908, nachmittags. Nur die Gewinne über 192 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt, ( Ohne Gewähr.) ( Nachdruck verboten.) 397 794 1093 124 211 30 330 506 72 75 79 664 2171 217 648 777 933 74 77 81 3088 235 68 434 56 790 862 962 70 4491 654 818 35 68 996 5110 280 82 443 75 596 743 982 6243 646 842 926 7006 65 121 280 405[ 400] 853 68 8198 452 572 91 903 48 75 9268 845 69 496 589 835 957 10008 212 416 79 576 725 11140 244[ 400] 369 718 12254 352 504 819[ 400] 21 922 43 13053 119 41 61 373 622 735 868 14123 31 51 292 341 43 77[ 400] 492 726 15253 475 591[ 400] 862[ 400] 83 946 16053 104[ 400] 348 406 552[ 5000] 68 729 804 17113 45 237 64 50 53764 982 18006 31 509 18 67 881 924 60 19827 62 69 452 705 827 933 20151 61 96 207 88 881[ 3000] 463 561 734 49 833 976 21607 787 854 913[ 3000] 20 53 22015 158 311 45 685 790 [ 500] 874 911 76 23746 826 24103 19 245 428 530 84 700 75 966 25029 159 251 342 817[ 400] 937 26127 273 330 91 420 857 67[ 500] 27000 103 79 289 349 490 701 46 801 28755 865 29075 179 213 314 584 709 55 76 867 961 30066 553 78 626 718 38 08 31004[ 500] 123 433 534 78 748 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76 727 66 851 952 287145 81 231 334 508 639 722 30 62 854 953 Berichtigung! In Liste vom 9. Oktober, nachmittags, lies 166033 statt 185933 und 234945 statt 234945, Die Ziehung der 5. Klasse 219. Königl. Preuss. Klassen- Lotterie findet statt vom 7. November bis 5. Dezember 1908. Berantwortlicher Redakteur: Georg Davidfohn, Berlin. Fut bennferaientett beranti! 1.Gloke, Berlin. Drud n. Berlag: Borivartsudbruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 239. 25. Jahrgang. 7. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Wettjagden in der Luft. Zum Gordon- Bennettrennen des internationalen Luftschifferberbandes. " Sonntag, 11. Oktober 1908. Male einen in der eigenen Papierfabrik zu Annonah hergestellten einer am 31. Juli 1901 unternommenen Fahrt die Höhe von Ballon mit heißem Rauche füllte, dessen leichtes Gewicht er an dem 10 500 Meter erreichten, wobei beide in Ohnmacht fielen. Der Schornstein seiner industriellen Anlage beobachtet hatte, fallen die Vollständigkeit wegen sei hier noch erwähnt, daß unter den mit ersten Anfänge der Luftschiffahrt in eine so frühe Zeit, daß man sogenannten unbemannten Registrierballons unternommenen im Jahre 1909 ihr 200jähriges Jubiläum wird feiern fönnen. Der Fahrten die größte Höhe einem am 3. August 1905 in Straßburg Jesuitenpater Francesco Lana in Brescia hatte bereits im Jahre aufgelassenen Ballon zukommt, der eine Höhe von 25 800 Meter Ohne sich düntelhafter, nationaler Ueberhebung schuldig zu 1670, auf dem bekannten Versuche des Magdeburger Bürgermeisters erreichte, während der höchste bisher ausgeführte Drachenaufstieg, machen, darf man behaupten, daß Deutschland in den legten Otto von Guericke mit den luftleer gepumpten Metallhohlkugeln der am 25. November 1905 vom Observatorium Lindenberg in der Jahren in der Eroberung der Luft an der Spize stand. Die Ver- weiter bauend, den Vorschlag zu einem Luftschiff gemacht, das von Mark aus unternommen wurde, bis 6430 Meter Höhe ging. flüssigkeit der Luft in großem Maßstabe zu technischen Zweden, vier leergepumpten Stupferfugeln getragen werden sollte. Vor wie sie bei der Erbohrung des Simplontunnels zur Anwendung praktischen Versuchen schrat er jedoch schließlich zurück, indem er Auftrage des Aéroclub de France von den Sportsleuten de la Diesen Höhenrekorden steht als bisher beste Fernfahrt die im fam, ist ein Verdienst des Münchener Professors Linde, die von meinte, daß Gott wohl niemals das glückliche Zustandekommen Bauly und de Castillon de Saint- Victor ausgeführte gegenüber. dem Grafen Arco und Professor Slaby in Berlin erfundene draht einer solchen Maschine gestatten werde wegen der dabei möglichen, Sie stiegen am 9. Oftober 1900 mit dem 1630 Kubikmeter Gas lose Telegraphie mit elektrischen Wellen, System Telefunken, läuft unberechenbaren Folgen, die der bürgerlichen Regierung der Men- fassenden Ballon Centaure von Vincennes bei Paris auf und geder ursprünglich von Marconi erfundenen Wellentelegraphie den schen große Unruhe bereiten könnten", wobei er die Umwälzungen langten in einer Fahrt von 35% Stunden Dauer, wobei eine Höhe Nang ab. Das gleiche gilt von der Telephonie ohne Draht und im Land- und Seefriege besonders ins Auge faßte. Kühner als nicht genug damit sehen auch die Franzosen, die seit dem Auf- er war aber ein Ordensbruder von ihm, der Jesuit Lourenco de von 5750 Meter erreicht und eine Strecke von 1925 Kilometer treten Montgolfiers und Charliers vor 124 Jahren unbestritten Guzmas, der am Beginn des 18. Jahrhunderts am Lissaboner zurückgelegt wurde, bis Korostischew bei Kiew in Rußland, haben das meiste auf dem Gebiete der Luftschiffahrt geleistet haben, ihre Königshofe lebte. Er wußte dem jungen König Joao V. die Vor- also damals das ganze südliche Deutschland, Desterreich und Ungarn Führerrolle durch die Fortschritte der Luftschiffahrt in Deutschland teile einer Luftschifflottte zur Verteidigung der weit ausgedehnten überflogen. Am nächsten kamen ihnen Berson und Dr. Elias, die wesentlich bedroht. Der Sommer dieses Jahres jah die Aufsehen portugiesischen Kolonien, insbesondere aber die Möglichkeit militäri- bei einer ebenfalls tief im Innern Rußlands bei Zuranka endenden erregenden großen Fahrten des Grafen Zeppelin; der Herbst aber scher Transporte mittels Luftschiff in so glänzenden Farben darzu- Fahrt im Januar 1902 einen Weg von 1470 Kilometer zurückbringt das dritte große internationale Wettfliegen um den Gordon- ftellen, daß jener schon den Tag der portugiesischen Weltherrschaft Tegten. Bennett- Pokal, das als eine Folge der deutschen Siege bei der gekommen glaubte. Er baute auch wirklich aus leichtem Stoffe wobei also zu„ annähernd" gleicher Zeit von einem und dem. Die Aera der Ballonrennen in eigentlichem Sinne des Wortes, 1907 in Nordamerika abgehaltenen Konkurrenz zum erstenmal einen mit heißer Luft zu füllenden Ballon, mit dem er sich am auf deutschem Boden, und zwar von der Gasanstalt der Stadt 8. August 1709 vom Hofe des indischen Palastes in Lissabon etwa felben Orte mehrere Ballons um die Siegespalme ringen, beginnt Berlin bei Schmargendorf als Ausgangspunkt stattfindet. 200 Fuß hoch in die Lüfte hob. Sein Apparat erlitt jedoch beim mit der letzten Pariser Weltausstellung, bei der zum ersten Male Angesichts der erheblichen Fortschritte, die in jüngster Zeit mit Anstoßen an einen Dachziegel schwere Beschädigungen, die über- internationale Sportluftfahrten veranstaltet wurden. SelbstverFlugmaschinen nach dem Prinzip Schwerer als Luft" erzielten Guzmao, der erste Mensch, der durch die Luft geflogen ist, verfiel ist stets eine Gefahr für den anderen. Die Entlassung der eindem Bau lenkbarer Ballons gemacht worden sind, und der mit triebenen Hoffnungen des Könige verwirklichten sich nicht und ständlich darf man sich derartige Veranstaltungen nicht nach dem Vorbilde der Pferderennen vorstellen. Die große Nähe eines Ballons Erfolge fönnte es den Anschein haben, als ob man Wettflügen nach der Inquisition und starb elend in der Verbannung. Art des Gordon- Bennettrennens, bei denen es sich nur um die Konzelnen Luftfahrzeuge erfolgt deshalb nicht in demselben AugenMit dem Tage, an dem Josef Montgolfier zum erstenmal blicke, sondern nacheinander. Nichtsdestoweniger war es aber doch kurrenz zumeist motorloser Ballons handelt, eine übertriebene Bedeutung beilegte. Dies ist jedoch keineswegs der Fall. Die Füh- einen( übrigens unbemannten) Heißluftballon steigen ließ, ent- ein großartiges Schauspiel, als am 15. Oftober 1905 nicht weniger rung eines Ballons, gleichviel, ob er mit einem Motor ausgerüstet zündete sich in Frankreich ein Wetteifer, der die vollständige Lösung als 20 solcher gefesselter Riesen im Tuileriengarten zur Abfahrt ist oder nicht, bleibt die unentbehrliche Vorschule für alle, die sich des Problems in große Nähe zu rücken schien. Nach einer Reihe bereit standen und sich in Zwischenräumen von wenigen Minuten praktisch mit Luftschiffahrt beschäftigen. Längst sind die Zeiten berunglückter Versuche sanken die Ballonaufstiege indes zu einem in die Lüfte erhoben. Zu ihrer heutigen Bedeutung sind diese vorbei, in denen man genug getan zu haben glaubte, in einem Schauspiel für Messen und Jahrmärkte herab, und auch die beiden Fahrten erst durch den auf Anregung des Aéroclub de France geentsprechend großen Ballon zu einer bedeutenden Höhe aufzusteigen Luftschifferkompagnien, die beim Beginn des ersten Revolutions- gründeten internationalen aeronautischen Verband gelangt, der und sich von der dort herrschenden, meistens sehr schnellen Luft- trieges gegründet worden waren, verfielen, weil zu fostspielig, bald am 14. Oktober 1905 ins Leben trat und das erste Wettfliegen zur strömung möglichst weit forttreiben zu lassen. Der moderne Luft- der Auflösung. Nur die Naturwissenschaft, besonders die Me toro- Feier des 25jährigen Bestehens des Vereins Berliner Luftschiffahrt schiffer setzt seine Aufgabe vielmehr darem, mit möglichst ökonomi- logie, blieb dem neuen Fahrzeug treu und brachte es zu Auf- im Oktober 1906 von der Gasanstalt Tegel aus veranstaltete. Inscher Ausnutzung des mitgenommenen Ballastes die in den ver- ftiegen, die durch ihre Höhe und Dauer der Fahrt bemerkbar sind. zwischen hatte auch Gordon- Bennett als Wanderpreis einen künst schiedenen Höhenlagen herrschenben, boneinander abweichenden Es ist jedoch bezeichnend, daß die in dieser Hinsicht erzielten Re- lerischen Goldpokal für denjenigen Luftschifferverein ausgesetzt, Luftströmungen seinen Zwecken dienstbar zu machen. Er steigt, forde meistens ein Werk des Zufalls waren. Allerdings ist es sehr der den errungenen Preis zweimal siegreich verteidigen würde. wenn er in niedrigen Luftschichten nicht die gewünschten Richtungen fraglich, ob der Physiker Robertson bei einer im Jahre 1803 von Beim ersten Gordon- Bennettrennen, das am 30. Oftober 1906 des Windes findet, zu hohen Regionen auf, muß, wenn ihm die Hamburg unternommenen Luftfahrt wirklich die von ihm an- von Paris aus seinen Anfang nahm, siegte unter 16 Bewerbern genaue Orientierung verloren gegangen ist, sich bis auf Rufweite gegebene Höhe von 6880 Meter erreicht hat; denn sein Ballon faßte der amerikanische Leutnant Lahm, der seinen Ballon über den wieder zur Erde herunterlassen und im Bedarfsfalle wieder in die nur 500 Kubikmeter Gas und auch im übrigen hat Robertson nie ermelkanal bis nach Flyinghall in Yorkshire 650 Kilometer weit Höhe gehen. Kurzum, er muß in zweckmäßiger Ausnußung der ihm als ein Mann von unbedingter Wahrheitsliebe gegolten. Zuber- führte. Sieger im zweiten Gordon- Bennettrennen, das im Oktober günstigen meteorologischen Verhältnisse Aufgaben erfüllen, die weitlässiger sind dagegen die Angaben von Biot und Gay- Lussac, die 1907 von Saint- Louis aus veranstaltet wurde, ward der Deutsche über diejenigen des den Motor bedienenden Technikers hinausgehen 1804 die Höhe von 7000 Meter erreichten. Auch Barral und Bixio Erbslöh, der schon kurz vorher bei einem von Brüssel aus unterund eher mit denen verglichen werden können, die der in der gelangten im Juni und Juli 1850 bis zu Höhen von 5900 und nommenen Rennen mit einer Fahrt bis an den Fuß der Pyrenäen Segelfunst erfahrene Nautiker bei der Führung eines Ozeanschiffes 6750 Meter. Bei all diesen Angaben ist aber zu berücksichtigen, Erster geworfen war und von Saint- Louis aus 140,3 Stilometer zu leisten hat. Dies alles aber sind Dinge, die man nur dann daß die Luftschiffer jener Zeit die Meßinstrumente nicht genügend weit bis nach Sandy- Hook an der atlantischen Küste flog. Wie weit lernen fann, wenn man vielseitige eigene Erfahrung mit zur gegen die Sonnenstrahlung und die Innenwärme in der Gondel das nunmehr in Deutschland stattfindende Rennen die Teilnehmer Hilfe nimmt. Und selbst, wenn ihm einige sehr glücklich verlaufene schüßten. so daß die berechneten Resultate wohl ausnahmslos zu führen wird, läßt sich im voraus nicht sagen. Entfernungen wie Fahrten mit guten Leistungen gelungen sind, wird der Luftschiffer hoch sind. Dies gilt ganz besonders von einer Fahrt, die der Eng- quer über den Atlantischen Ozean oder bis nach Ostsibirien, von aus diesen allein noch immer keinen sicheren Maßstab seines länder Glaisher in Gemeinschaft mit Corwell am 5. September denen man gelegentlich von Phantasten fafeln hört, sind lächerliche Könnens ableiten können, den er erst dann gewinnt, wenn er fich 1862 bis zu 11 000 Meter Höhe fortgesetzt haben will, wobei sich Utopien schon aus dem Grunde, weil konstante Luftströmungen mit anderen in diesem Fache erfahrenen unter gleichen Bedingungen die Genannten um mindestens 2000 Meter geirrt haben. Auch die von entsprechender Länge zu den größten Seltenheiten gehören. im Wettkampfe mißt. berühmte Tissandiersche Fahrt, bei der dessen Begleiter Sivel und Solche Fahrten können angesichts der geographischen Lage DeutschCroce- Spinelli erstidten, erstreckte sich nur bis zu einer Höhe von lands schon nach wenigen Stunden an der Nordseeküste ihr Ende 8300 Meter. Den Höhenreford halten vielmehr noch heute die erreichen, sie sind aber ein unentbehrliches Mittel zur Ausbildung deutschen Luftschiffer Professor Berson und Dr. Süring, die bei der Führer und Vervollkommnung des Materials. Entgegen der allgemein verbreiteten Annahme, daß der Geburtstag der Luftschiffahrt auf den Tag zu sehen ist, an dem der Papierfabrikant Joseph Montgolfier im Jahre 1783 zum ersten Hochelegante Seidene Blusen in modernsten Macharten, ganz ge-.50 füttert, anstatt 30 jetzt 12.50 Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort( fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort ( fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Steppdecken, Wollatlas und Similifeide 3.25, 3.85, 4.35, 5.00, 5.75. * Bortieren, Violettatud, 2 Shawls, 1 Lambrequin in allen Farben 3.25, 3.85, 4.75, 5.50, 6.75. Große Frank furterstraße 125. 1222* Plüsch und Zuchtischdecken mit fleinen Stidfehlern. Riefenauswahl. 1.65, 1.95, 2.50, 3.50, 4.85, 6.50, 7,25. Muster an jedermann franko! Tn Samt und Seide gehen täglich die in großen Mengen abgeschlossenen Neuheiten für die Herbst- und Winter- Saison ein. 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