Nr. 241. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pranumerando Bierteljährl. 8,30 m, monatl. 1,10 M wöchentlich 28 Big. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 fg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat, Eingetragen in die Bost- Zeitungs. Breisliste. Unter Streuzband Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Quxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Eriscint täglich außer Montan für Vorwürts Berliner Volksblatt. 25. Jahrg. Die Infertions- Gebühr Beträgt für die fechsgespaltene Kolonel geile oder deren Naum 50 Pig., für bolitische und gewerkschaftliche Bereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Pig. Stellengesuche und Schlafellen- Anzeigen das erste Wort 10 Big., febes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müffen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Regierung und Konfervative. Mittwoch, den 14. Oftober 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Konfervative. fentung. Zrog aller großen Worte am Regierungstisch, trok in bergangener Woche haben die Bundesratsausschüsse über schränkungen durchgesezt hatten, nahm schließlich das Ab- Die Regierung hat also gar nicht mehr gewagt, einen geordnetenhaus die Vorlage an. Konflitt heraufzubeschwören. Sie ist schon vorher Wortlos versant das Mittellandkanalprojekt in der Ver- zusammengefnickt, und zwar recht plötzlich, denn noch der Wortverpfändung Wilhelms II. wurde er nicht ge- die Nachlaßsteuer und die Einschränkung des IntestatWie die neuere preußische Geschichte lehrt, hat dann, wenn baut! erbrechts beraten. Was noch vor bierzehn Tagen eine bie Junkerschaft mit der preußischen Regierung über wirtschaft- Es ist sehr nüßlich, diese für die Machtstellung des Conditio sine qua non" des Zustandekommens der Reichsliche Interessenfragen in Konflitt geriet, regelmäßig nicht die Junkertums so außerordentlich charakteristische Episode aus finanzreform für Herrn Sydow war, ist es jetzt nicht mehr; Regierung, sondern die Junkerkaste gesiegt. gesiegt. Nicht nur der jüngsten Geschichte Preußens wieder ins Gedächtnis und mit derselben Festigkeit der Ueberzeugung, mit der er im öffentliche Erklärungen des Gesamtministeriums, selbst zurückzurufen und zwar gerade jett; denn wieder anderen Fall für die Notwendigkeit der Ausdehnung der feierliche Versicherungen der preußischen Monarchen halten steht die Regierung vor einer bedeutenden Reform, der Nachlaßsteuer auf Ehegatten und Kinder eingetreten wäre, nicht stand, wenn sie dem Willen und den Absichten Finanzreform, und wieder geben sich so manche Wortführer wird er jetzt für die Notwendigkeit der von den Konservativen „ Edelsten und Besten" der preußischen Nation und Mitglieder des Bürgertums der einfältigen Illusion hin, geforderten Einschränkungen plädieren. der und وو " der unter ihrem Einfluß stehenden Bureaukratie als wenn Zusicherungen und Verheißungen der Minister Vielleicht könnte man mit diesem Steuertausch zufrieden widersprechen. Das trasseste Beispiel dafür, daß im irgend welchen Wert hätten. Zwar handelte es sich damals fein, wenn nicht die Kreuz- Zeitung" hinzufügte, daß es sich preußischen Stulturstaate nicht der Wille des Volkes, auch um Preußen, diesmal um des Reiches Herrlichkeit; um eine Vermögenssteuer handelt, die nicht in die nicht der der industriellen und kommerziellen Bourgeoisie oder doch, was die Stellung der Regierung anbelangt, ist Finanzhoheit der Einzelstaaten eingreift", der des preußischen Königs entscheidet, sondern selbst dann, das im Grunde einerlei. Auch im Reiche entscheidet schließlich und wenn nicht ferner in Anbetracht der Profitgier der Junker wenn diese drei sich über die Notwendigkeit bestimmter die Junkertaste. Es ist eine naive Annahme, die Regierung sicher wäre, daß diese Vermögenssteuer in einer Form geplant Reformen einig sind, schließlich die Junkerschaft das be- werde den Stampf gegen den Einspruch des Großagrariertums ist, die sie dem Großgrundbefit wenig fühlbar macht. Vielstimmende letzte Wort spricht, zeigt die Tragikomödie der Ge- aufnehmen und im Reichstage energisch Steuerforderungen leicht plant man bestimmte Zuschläge zu den von den Einzelschichte des Mittelland- Sanals in den Jahren 1899/1904. vertreten, die der preußische Großgrundbesitz ablehnt. Es staaten erhobenen Vermögenssteuern und ihre Abführung an Mit Nachdrud forderte die königliche Thronrede im war deshalb auch geradezu lächerlich, daß, als kürzlich Herr die Reichstasse! Januar 1899 den unverzüglichen Ausbau der Wasser- Sydow, der Reichsschapsekretär, in der Deutschen Wenn auch der Sozialdemokratie im allgemeinen die straßen, und im März erschien denn auch die verheißene Rundschau" sich bewogen fühlte, dem beschränkten Unter- Reichsvermögenssteuer ebenso berechtigt erscheint als die Vorlage über den Dortmund- Rhein- und den Mittelland- tanenverstande einiges aus seinem Steuerprogramm mitzu- Reichserbschaftssteuer, hat sie doch nicht den geringsten Anlaß, fanal. Doch die ostelbischen Junker befürchteten von dem teilen, liberale Blätter in seinem Eintreten für die Er derartige hinter den Kulissen vorgenommene Schiebungen, die neuen Sanal eine Verbilligung der Einfuhr ausländischer weiterung der Erbschafts- bezw. für die Einführung einer auf nichts anderes hinauslaufen, als den Agrariern auf Kosten Landbauprodukte; die Konservativen lehnten deshalb in der Nachlaßsteuer eine gewisse Gewähr darin erblicken wollten, anderer Bevölkerungsschichten Steuervorteile zuzuwenden, Kommission den Kanalbau ab. Fürst Hohenlohe gab im daß die Regierung gewillt sei, als Ausgleich für die dem irgendwie zu begünstigen. Verstehen sich die Regierung und Plenum des Abgeordnetenhauses eine höchst feierliche Er- werftätigen Volt zugedachte weitere Steuerbelastung seines die konservativen Parteien jetzt zur Reichsvermögenssteuer, flärung ab. Die Regierung suchte durch allerlei Ver- Konsums auch eine speziell den Besitz treffende Steuer durch gut, so nehme man diese in das Steuerprogramm auf sprechungen die Konservativen zur Nachgiebigkeit zu bewegen, zusetzen, nämlich die Nachlaßsteuer. Allerdings hat Herr aber nicht zum Zweck der Ermäßigung der Nachlaßsteuer, und am 11. August 1899 trat Wilhelm II. felbft in Dort- Sydow in der Deutschen Rundschau" geschrieben: sondern der geplanten Verbrauchssteuererhöhungen. mund in Aktion und hielt jene vielerörterte Rede, in „ Ich für meine Berson bin fest davon überzeugt, daß eine Tatsächlich ließe sich durch eine rationelle Erbschaftssteuer. der er verkündete, daß er und seine Regierung Finanzreform lediglich auf Verbrauchsabgaben hin ein Ding leicht der größte Teil der geforderten neuen Steuersumme fest und unerschütterlich an dem geder Unmöglichkeit ist, und daß die hinzufügung decken. England hat im lekten Etatjahr 19,07 Millionen planten Ranalbau festhielten. Er setzte sogar der allgemeinen Nachlaßsteuer eine conditio fund Sterling( zirka 385 Millionen Mark) aus der Erbfein Wort zum Pfand, indem er feierlich und stolz erklärte: sine qua non für das Zustandekommen der Reichs.schafts, Nachlaß- und Schenkungssteuer gezogen, und im Dafür werde ich stehen!" finanzreform bildet." laufenden französischen Etat ist der Ertrag der ErbschaftsAber die Junter haben immer nur dann vor KönigsSchenkungssteuer mit Millionen Franfen worten Respekt bewiesen, wenn sie davon Vorteil hatten. Trotworte in der Politik einen recht problematischen Wert, so noch reich nur eine Bevölkerung von 39 und England( mit Doch wer ist Sydow? Haben schon Königs- und Kangler-( zirka 211 Millionen Mark) veranschlagt. Dabei hat Frankder kaiserlichen Wortverpfändung lehnte das von ihnen beherrschte Abgeordnetenhaus am 18. Auguft 1899 in zweiter mehr die Verheißungen eines Mannes, der fein selbständiges Schottland und Irland) von 42 Millionen Köpfen, während Lesung den Mittellandkanal ab, mit 228 gegen 126 Stimmen. Auch Reffort hat und dem Reichskanzler gegenüber gewissermaßen Deutschland 61 Millionen Einwohner zählt. der Rhein- Dortmundfanal fiel mit 212 gegen 209 Stimmen. Die nur die Rolle eines Bureauchefs spielt. Die Agrarier haben sich denn auch durch die Sydowsche Reichstag die englischen Besteuerungsprinzipien afzeptieren, so ließen sich leicht in Deutschland aus der tragende Folgen und eine Revision des Dienſtverhält conditio sine qua non" nicht. im geringsten imponieren Erbschaftssteuer 300 Millionen Mart herausnisses der Regierung zu den Konservativen. Mehrere Land- lassen. Sie haben in ihren Blättern die Nachlaßsteuer“ von schlagen. Aber die Konservativen sträuben sich dagegen räte wurden biszipliniert. Herr v. Thielen erflärte noch im ihrem Interessenstandpunkt scharf kritisiert und zugleich ihre aufs äußerste, ist es doch weit bequemer und ihrem Wohl weit Gommer 1900 bei der Einweihung des Elbe- Trabe- Kanals: landbündlerische Gefolgschaft zum Proteſt aufgeftachelt. Wie zuträglicher, die Lebens- und Genußmittel der arbeitenden es scheint, bereits mit Erfolg; denn die Kreuzzeitung" be- Boltsmassen mit neuen Steuern zu belasten, als selbst in den richtet mit einer gewissen Genugtuung: Beutel zu greifen. " D Fürst Hohenlohe verhieß, weit. Gebaut wird er( der Mittelland- Kanal) doch!" Stolze Worte, aber ohne Nachhalt, die den Stonservativen natürlich noch weniger imponierten, als das berpfändete Königswort. In der Erkenntnis ihrer Schwäche brachte die Regierung im Januar 1901 eine zweite, mit allerlei Kompensationen" für den oftelbischen Grundbesitz gespickte Vorlage ein, und Bülow sprach in der Einführungsrede mit der ihm eigenen staatsmännischen Deligkeit von der ausgleichenden Gerechtigkeit". Die Konservativen hörten sich das Gerede lächelnd an; trieben aber bei der Beratung unentwegte Obstruktion, so daß die Regierung plötzlich, um der Komödie ein Ende zu machen, am 2. Mai den Landtag schloß, nachdem Bülow nochmals mit dem thn auszeichnenden Selbstbewußtsein der Welt verkündet hatte, daß die Regierung die Vorlage als ein Ganges betrachte, aus dem wesentliche Zetle nicht herausgenommen und ausgeschaltet werden dürften. Naive Liberale, die ihre Begriffe von preußischer Regierungskunst aus den Hohenzollernlegenden preußischer Hofhistoriographen bezogen haben, erwarteten damals einen energischen Kampf der Regierung gegen die Konservativen: Säuberung der hohen Bureaukratie, speziell der Landratsbureaukratie von den Elementen, die sich nicht an Hohenzollernworte fehrten, Auflösung des Dreiklassenparlaments, Neuwahlen unter Einstellung des Regierungsapparats gegen die ostelbischen Junter. " " und 264 Die Balkankrife. Würde der Wer den Sydowschen Artikel in der Deutschen Rundschau" genau liest, wird nicht zweifeln tönnen, daß es ihm, und wohl auch den verbündeten Regierungen, nicht so sehr auf die Nachlassteuer selbst als auf eine ausgiebige Besteuerung Die Nachrichten aus Serbien flingen etwas friedlicher. mittlerer und größerer Vermögen antommt, und da alle Parteien, vorab die konservative, fest entschlossen sind, der Regierung Die Demonstrationen scheinen sich zu vermindern und die hierin zu folgen, so sollte man doch wohl annehmen, es ließe Meldungen über die Versuche serbischer Banden, in Bosnien fich eine Steuerform finden, die das Vermögen selbst einzubringen, finden keine Bestätigung. Allerdings muß man nicht antastet, sondern es durch jährliche Abgaben zu den in diesem Ländchen auf allerlei Ueberraschungen gefaßt sein, erforderten Mehreinnahmen des Reiches heranzieht. In der da weder die Stellung der Regierung, noch die des Königs Tat: wie heute die Parteien zur Sache stehen, ist für die sehr fest ist. Doch bietet die Tatsache, daß die serbische Rachlaßsteuer taum noch eine Chance. Es wird Heeresverwaltung über feinen genügenden Vorrat an Baimmer wahrscheinlicher, daß sich die große Mehrheit des Reichstages mit der Regierung auf eine Vermögenssteuer einigt, die nicht in die Finanzhoheit der Einzelstaaten eingreift." Und zugleich meint die Deutsche Tageszeitung": tronen und über keine Artilleriemunition verfügt, immerhin eine ziemliche Garantie. Auch die fortgesetten Nachrichten über Mobilisierungen und Truppenverschiebungen in der Türkei und Bulgarien werden in beiden Ländern energisch dementiert. Und nachdem nicht einzusehen ist, was diese „ Der Ertrag diefer mit einander verbundenen Steuerpläne Länder bei einem Kriege gewinnen könnten, wird man ihren ( der Nachlaßsteuer und der Einziehung derjenigen Erbschaften für Friedensversicherungen wohl Glauben schenken können. das Reich, deren Erblasser ohne lettwillige Verfügung und Unterdessen macht der Konferenzgedante Fortohne nahe Verwandtschaft gestorben ist) soll auf 80 Millionen schritte. Die russische Presse führt zwar eine maßlos Mart veranschlagt sein, nicht der Ertrag der Nachlaßsteuer heftige Sprache gegen Desterreich und greift auch den allein. Wenn aus dem Gesezentwurfe die Minister des Aeußeren Jswolsfi fortgesetzt an, weil er Nachlaßsteuer auf Erbschaften, die an Rinder die Annerion geschehen hat lassen. Trotzdem werden die und Ehegatten fallen, herausgenommen wurde, Forderungen. Rußlands nach Kompensationen nicht allzu so würde der Ertrag nach unserer Schäßung vielleicht nur unbescheiden sein dürfen. Rußland bedarf dringen einer 35 Millionen Mart betragen, so daß für die fehlenden neuen Anleihe, die ohne die Zustimmung Frankreichs und 45 Millionen Mark Ersatz gefchaffen werden müßte. Die Aufgabe Englands nicht zu haben ist. England hat aber keinen der grundsäglichen Gegner der Erbschaftssteuer wird es also sein, Grund, Rußlands Stellung im Orient allzusehr zu stärken. zu suchen, auf welche Weise die 45 Millionen Mark ersetzt werden und kann dies am allerwenigsten auf Kosten der Türkei tun. fönnen. Einen solchen Ersatz zu finden, dürfte nicht sonderlich Db aber die Türkei ihre Zustimmung zur Gewährung der schwierig sein, und mit einem zweckmäßigen Ersage werden sich freien Durchfahrt durch die Dardanellen geben wird, ist vordie Liberalen schließlich ebenso gern abfinden läufig noch sehr zweifelhaft. Die deutsche Regierung wie der Reichsichagfetretär." zeigt ziemliche Zurückhaltung. Es ist aber nicht zu verkennen, Nichts gesch a h. Ruhig steckte die Regierung die thr von der Blüte" der preußischen Nation versetten Ohrfeigen ein. Diensteifrig stellte sie sich bei den Zollfämpfen im Reich den Agrariern zur Verfügung und beförderte verschiedene gemaßregelte Sanalrebellen" in besser dotierte Stellungen, als sie 1899 innegehabt hatten. Und nachdem die preußische Regierung dieser Art die Junker durch allerlei Vorteilszuwendungen beschwichtigt hatte, wagt sie im Jahre 1904 eine neue Kanalvorlage einzubringen. Aber nicht mehr trotzig sich versteifend auf ihre früheren Versprechungen und Wertverpfändungen, sondern, wie es sich geziemt, bittend und devot. Wenn nicht beide Blätter allzu boreilig in der Bericht- daß die Ereignisse selbst sie zu einer Zusammenarbeit Das Stück des Mittelland- Kanals, gegen das die Konser erstattung über schwebende Unterhandlungen gewesen sind, mit den Westmächten drängen, da die Interessen vativen am meisten einzuwenden gehabt hatten, war weggelassen; dann ist demnach die Regierung bereits zur Deutschlands, Englands und Frankreichs im nahen Drient dafür aber war als Rompensation" für den agrarischen Nachgiebigteit gegen die tonservativen An- durchaus gleichartig sind. Es zeigt sich eben auch in dieser Osten die Herstellung eines Großschiffahrtsweges Berlin- sprüche bereit. Sie verzichtet darauf, Ehegatten und Frage wieder, daß die wirklichen Interessen unseres Landes Stettin, die Verbesserung der Wasserstraßen zwischen Oder Kinder zur Nachlaßsteuer heranzuziehen und schränkt diese eine Verständigung mit den Westmächten und Weichsel und die Kanalisierung eines Teiles der oberen Steuer auf entferntere Verwandte ein. Damit aber der fordern. Oder mit in die Vorlage aufgenommen. Dadurch erhielt die hierdurch entstehende auf ca. 45 Mill. Mart veranschlagte Borlage eine den Ansprüchen der Junker angepaßte Gestalt. Ausfall gedeckt wird, akzeptieren die Konservativen eine Art And nachdem die Edelsten noch allerlei Bedingungen und Ein- Vermögenssteuer. Die österreichische Sozialdemokratie über die Annexion. In der Ausschußftzung der österreichischen Delegation gab Ge noffe Bitteni im Namen unserer Partei folgende Erkläruna ab: »Die sozialdemokratische Arbeiterpartei in Oesterreich HM an ihrem Prinzip fest, daß nur den Völkern s e l b st d a>s Recht der Bestimmung ihres eigenen Schicksals z u st e h t und sie wird in Zukunft wie bisher mit allen Krtiften dahin wirken, daß durch die Dcmokratisierimg de-S Staates die Vorbedingungen zu einem wirklichen Seibsc- bestimmungsrecht der Völker geschaffen werden. Sie erbkickt in der Eingliederung der okkupierten Länder Bosnien und Herzegowina nicht mehr als die formelle F e st st e l l u n g einer längst bestehenden Tatsache, die an sich für die ruhige Eni- Wickelung und Erfüllung der Bedürfnisse der dort lebenden Völker keine einzige Garantie mehr bedeutet, als heute schon besteht. Wenn wir auch erwarten und mit aller Entschiedenheit fordern, daß dieser staatsrechtliche Akt unverzüglich der verfassungsmäßigen Genehmi- gung des österreichischen Neichsrates vorgelegt werde, so müssen wir unS doch dagegen verwahren, daß die gesetzgebenden Körperschaften des Reiches in einer so wichtigen Sache im Wesen vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Wir können auch die Besorgnis nicht verschweigen, daß durch diese Aktion die Bedrohung des Friedens keineswegs vermindert und daß sie zum Vorwand genommen werden wird, den Völkern Oesterreichs neue militkrische Lasten anfziierlegen. Der Einfluß der Aktion auf unsere OrieUtpolitik erscheint auch keineswegs geeignet, unsere wirtschaftliche» Beziehungen zu den Balkanländern sonderlich zu fördern. Eine Gefahr ist nahe- liegend: daß die Festigkeit des jungtürkischen Regimes, an daS sich die Hoffnungen für eine gedeihliche EntWickelung der Ver- hältnisse auf dem Balkan knüpfen, erschüttert und in seiner Be- tätigung gehemmt werde. Zugleich konstatieren wir, baß die Balkanpölitik unseres Auswärtigen Amtes in schroffstem Widerspruch steht zur agrarischen Aussperrungstcndenz, die unsere Handelspolitik auf dem Balkan beherrscht. Wir niüssen auch bei diesem Anlaß die Anklage erheben, daß die bisherige Verwaltung der okkupierien Länder es verabsäumt hat, die Völker kulturell und politisch zu fördern, ja daß sie sich so schwere Mißbräuche zuschulden kommen ließ, daß sie darum noch heute von einem großen Teil der Bevölkerung als fremde, ja feinbliche Macht angesehen wird. Darum müssen wir auch in allererster Linie und mit allem Nachdruck verlangen, daß dieses Versäumnis schleunigst gutgemacht wird Und baß die für Bosnien und die Herzegowina in Aussicht gestellte Bersasjung ernste Garantien für die politische Entwickelnng schaffe und baß den arbeitenden Klassen jener Länder mindestens jenes geringe Ausmaß politischer Rechte und soziatpolischcr Einrichtungen gewährt werde, das Oesterreich heute schon besitzt." Die Lage in Bulgarien. Sofia, den 10. Oktober.(Eig. Ber.) „ mehr Licht über die Vorgeschichte der Ilnäbhängigkeits- erkläruitg verbreitet wird, Um so mehr greift iln Volke an Stelle des anfänglichen JnSels cliie bestön nette 1l Überlegung Platz. Der erfolgte Staatsstreich wird von der opposttionellen Presse kritisch besprochen, wodurch der Glänz des neuen Zarats in den Augen der Bevölkerung stark abgeschwächt wird. Die kühne Tat erscheint immer mehr als ein Akt der persönlichen Politik des Fürsten Ferdinand, der in der letzten Zeit beim bulgarischen Volke an Popularität stark eingebüßt hatte und nun feinen Ruf wieder auffrischen will. Die Regierung sollte sich diesem Wunsche fügen, obwohl ihr das nicht ohne Preisgabe ihrer demo- kratischen Prinzipien möglich war. Denn die erfolgte Staats. Umwälzung ist nicht Nur eine Verletzung völkerrechtlicher Verträge, sdndern auch eine Verletzung der vulgatischen Ver- f a s s u n g, die den Titel des Siaatsobechauptes bestimmt und besagt, daß dieser ohne Zustimmung der großen Nationalversamm. lung nicht abgeändert werden kann. Man befürchtet keinen Krieg. Schon von Anfang an war man allgemein der Ansicht, daß die Jungtürken es zu einem Kriege nicht kommen lassen würden, zumal die türkische Armee sich in einem igustande großer Zerrüttung befindet, während die bulgarische Armee ziemlich schlagfertig dasteht. Mit dieser Sachlage wird auch die bulgarische Regierung gerechnet haben, als sie die Vernntwor» tung für das sllrstllche Abenteuer übernahm. Jedoch vermag diese Hoffnung nicht, die Bevölkerung vollständig zu beruhigen. Man geht den kommenden Sreigniffen vielmehr in gedrückter Stimmung entgegen, weil man sich sehr wohl der Schwierigkeiten bewußt ist, denen Bulgarien ausgesetzt sein wird. Die Bulgaren haben das größte Interesse an der friedlichen Erneuerung der Türkei, aber die durch sein Vorgehen hervor- gerufene Spannung wird nicht ohne ungünstige Folgen auf die weitere Entwickelnng der Läge a»f dem Balkan bleiben. Die Bulgaren haben wegen eines bloßen ZarentilelS eine ganze Reihe wichtiger wirtschaftlicher Vorteile � vielleicht auf längere Zeit hinaus— opfern müssen. Die junge bulgarische Industrie wie die bulgarische Vicl�ncht fanden bisher auf dem für sie günstig gc- staltete» türkischen Markt einen ansehnlichen Absatz, der nun durch dbe fürstliche Politik mit einem Schlage vernichtet ist. Selbst die Frage der llebernahme der orientalischen Eisenbahnen durch den Staat, woran der bulgarische Handel ein wichtiges Jnter- esse hat. gestaltet sich jetzt viel schlvierigcr als früher. Es ist kein Zweifel, daß die Bahngesrllschaft nunmehr die verwickelte Lage. in die Bulgarien durch seinen diplomatischen Bocksprung geraten ist, ausnützen wird, um für sich günstige Mlösungsverhältnisse heraus- zuschlagen. Außerdem befürchiet man nicht mit Unrecht eine Ersta«. k u n g der a l t t ü r k i s ch e n Reaktion in der Türkei, die eine unglückliche Rückwirkung auf die Beziehungen zwischen beiden Staaten haben müßte. Die Jungtürken haben allerdings eine ge- schickte Taktik eingeschlagen und werden sich hoffentlich aus der heiklen Lage herausziehen. Leider sind durch den Streich des Fürsten dem im jetzigen Augenblick so notwendigen Zusammengehen der jungtürkischen Reformatoren mit den bulgarischen St evolutionären in Mazedonien große Hindernisse in den Weg gelegt, und das ganze Werk der türkischen Revolution erscheint durch die Ereignisse in Bulgarien in seinen Grundlagen gefährdet. Wenn aber die Reaktion in der Türkei an die Macht kommt, dann ist der türkisch-butgarische Krieg sicherlich nnvcrmcidlich, und welche verhängnisvolle Folgen, dieser für ganz Europa haben könnte, ist nicht abzusehen. Schon zeitigt der fürstliche Staatkstretch für das bulgarische Volk verschiedene ungünstige Folgen, die alle etwaigen Vorteile bei weitem überwiegen. Die»demokratische" Regierung benutzt die jetzige Situation, um ihre Unfähigkeit, die versprochenen demo- kratischen Reformen durchzuführen, zu vertuschen. Seit dem Konflikt mit der Türkei befinden sich die Regierungskreise in einer Abentcurerstimmung; man hofft, durch glänzende Erfolge nach außen die im Innern lvcgcn Richtausführung der versprochenen Reformen ihr Haupt erhebende Opposition ersticken zu können. Dia Minister gingen in der festen Absicht zur Zusammenkunft mit dem Fürsten im Rutschuk, entweder eine großen nationalen Erfolg für ihre Partei davonzutragen oder aber ihre Demission einzureichen. Wir wissen nun, wie sich die demokratische Regierung in Ttrnowa der großen nationalen Aufgabe entledigte. Die Demokraten haben sich eine? neuen Verrats gn ihren demokratischen Pflichten schuldig ge- macht, die ihrer eigenen Herrschaft ein schmählicheZ Ende Bereite!. Aus dem Katzenjammer des patriotischen Pöbels steigt die Allgewalt des Hofabsolutismus empor. Für die Willkürherrschast des neuen Zaren scheint der Boden geebnet zu sein. Die Kundgebuilge»« gegen Oesterreich. Konstantinopel, 13. Oktober. Die Pforte sowie das juugtürkische Komitee haben an die Lokalbehörden neuerdings den dringenden Befehl erlassen, bei allen Kundgebungen gegen Oesterreich- Ungarn und Bulgarien Ausschreitungen energisch zu vecrhindern. Entgegen übertriebenen Nachrichten sei konstatiert, daß Ansammlungen vor österreichischen Geschäften zu dem Zweck, dem Publikum den Eintritt zu ver- wehren, bisher nur vor einigen Kleiderfirmen stattfanden und zweifellos teilweise auch von hiesigen und von Kauf- leuten aus Saloniki aus Konkurrenzgründen inszeniert wurden. Im übrigen beschränkt sich der B o y k o t t auf eine durch Preßartikel, öffentliche Reden, Flugblätter und Straßenplakate betrieben« Propaganda. Der österreichisch-ungarische Botschafter Mark- gras Pallavicini hat heute persönlich nachdrückliche Schritte bei der Pforte getan; diese erwiderte, sie werde ihr Möglichstes tun, um Ansammlungen vor österreichischen Geschäften zu verhindern. Mtlitärische Vorbereitungen Bulgariens? KonstantinoPrl, 13. Oktober. Entgegen anderen Meldungen er- klärt die, Zeitung„ S a b a h", es sei offiziell festgestellt worden, daß die militärischen Vorbereitungen Bulgariens zunehmen. Auf türkischer Seite erfolgten dagegen keine außer« ordentlichen militärischen Maßnahmen und leine Truppenbewegungen. Nach Adrianopel seien zum Zwecke von Neubewaffnungen 118 Waggons Schnellfeuergeschütze und Munition ab- gegangen. Damit seien die dorthin bestimmten Transporte beendigt. Nach Saloniki werden, wie das Blatt ferner meldet, 114 Waggon» abgesandt. Die Transporte dorthin sind damit noch nicht beendigt. Sofia, 13. Oktober. Die„Agence Bulgare' teilt mit: Die im Auslände verbreitete Meldung, Bulgarien bereite«in U l t i- m a t u m an die Türkei vor, in dem dieser für den Fall, daß sie binnen dreier Tage die Unabhängigkeit Bulgariens nicht anerkenne, mit der Kriegserklärung gedroht werden soll, ist vollkommen unbe- gründet. Bulgarien wünscht keinen Krieg mit der Türkei und war stet» ein Gegner eines solchen Krieges. Im Gegenteil, man ist hier überzeugt, daß eine Entente mit der Türkei möglich und durch die gegenseitigen Interessen der beiden Staaten geboten ist. Die Einberufung dreier neuer Reservistenjahrgänge hat ihren Grund in der Entlassung der früher einberufenen Jahr- gänge. Di« Einberufung erfolgte gemäß dem bisherigen Brauch«, nach dem in jedem Jahre die Reservisten zu Waffenübungen aus- zurücken haben. Bis zur Stunde ist kein einziger Soldat an die Grenze geschickt worden. Das Kongrcsjtzrogramm. Paris, 13. Oktober. Bezüglich der Verhandlungm über die „Internationale Konferenz" will„Petit Parisien' wissen, daß die Dardanellenfrage nicht ausgeschaltet werden dürfte; England werde in diesem Punkte ein Opfer bringen. Aber eö handle sich nicht nur um die grundsätzliche Zulassung der Erörterung dieser Angelegenheit, man müsse sich vielmehr auch darüber einigen, ob Rußland allein des Rechtes der Durchfahrt durch die Meerenge teilhaftig werden, oder ob man nicht zwei verschiedene Regeln über die Durchfahrt in Frieden»- und in KriegSzriten ausstellen solle. Von anderer Seite wird behauptet, daß die Dardanellenfrage der Prüfung der Mächte nicht unterbreitet werden solle, sondern den Gegenstand besonderer Verhandlungen zwischen der Türkei und Rußland bilden dürfte. London, 12. Oktober. Offiziös wird mitgeteilt, daß kein Grund zu der Vermutung besteht, daß irgend eine Erweiterung des englisch- russischen UebcreinlommenS erörtert werde, und ferner, daß die Ver« Handlungen zwischen Sir Edward Grey und JSwolSki sich ausschließlich mit der Lage im nahen Osten befassen. Ebenso kann mit Bestimmtheit aufs neue festgestellt werden, daß die jetzigen Besprechungen im Auswärtigen Amte, die den dem gleichen Gegenstand gewid« mrten Verhandlungen zwischen Frankreich und Rußland folgen, einige Schwierigkeiten, die vorgelegen hatten, beseitigt haben. ES wird nun als wahrscheinlich angesehen, daß die letzten Ereignisse im nahen Osten eS nötig machen werden, den kreis der auf der Konferenz zur Erörterung gelangenden Fragen zu erweitern. Bon feiten der Mächte sind in Konstantinopel gemeinsame Erklärungen abgegeben worden, in denen in aller Form aufs neue der Grundsatz vertreten wirb, baß keine Abänderung eines Vertrages ohne die Zustimmung der Vertrags- Parteien gestattet werden kann. Konstantinopcl, 13. Oktober. DaS Organ des jung- türkischen Komitee?„Schur Aummet' sagt, die Türkei könne die Oeffnung der Meerengen niemals gestatten, weil dann die russische Flotte eine beständige Gefahr für das Ottomanentum bilden würde. Der Streit der Diplomaten. Wien, 13. Oktober. Gegenüber den Meldungen, daß keine Macht vorher von der Annexion Bosniens verständigt worden sei, wird offiziös mitgeteilt, daß Italien und Rußland aus Anlaß der Entrevue in Salzburg und Buchlowitz von der bevor« stehenden Annexion verständigt worden seien und keineEtnwendungenerhobon hätten. poUtifebe(lebertickt. Berlin, den 13. Oktober 1308. Landtagstvnhl in Oldenburg. Heute fanden die Oldenburger Landtagswahlen statt. Soweit sich bisher übersehen läßt, bedeutet daS Ergebnis einen Ruck nach rechts. In Delmenhorst haben die Baucrnbündler sechs Abgeordnete ge- wählt und den liberalen Delmenhorster Bürgermeister aus Gnaden mitgenommen. In Jever ist der liberale Abgeordnete durch«inen Bauernbündler verdrängt worden. In Stadt und Land Oldenburg sind fünf Liberal« und zwei Agrarier gewählt. Das OldenVurger Münsterland stellt wie bisher ZentrumSleute. Im Wahlkreise Bant sind unsere Genossen Hug, Schulz, Mayer und Heidmann gewählt. Hier tritt Mayer als neuer Abgeordneter hinzu, da der Wahlkreis an Stelle von drei Abgeorordneten diesmal vier nach der Bevölkerungszahl stellt. Im Fürstentum Lübeck siegte daS ltberal-agrarische Kartell. Wir verlieren hier ein Mandat. •*» Oldenburg, 13. Oktober. Heute fanden im ganzen Großherzog« tum Oldenburg die Wahlen zum Landtage statt, und zlvar daS letzte Mal vor Einführung des allgemeinen Wahlrechts. Es wurden heute 44 Abgeordnete gewählt gegen 40 im Jahr« ISOS. Die Fuhrer der Liberalen, Reichstagsabgeordneter Ahlhorn und Bürgermeister Koch- Delmenhorst sind wiedergewählt worden. Im übrigen haben dt« Liberalen und Sozialdemolraten ihren Besitzstand gewahrt.-» Landtagswahlen in Anhalt. AuS Dessau meldet Wolfis Telegr.-Bureau: Bei den Wahlen zum Anhaltinischen Landtage wurden gewählt 11 Nationalliberale, ö Freisinnige, 1 Sozialdemokrat und 6 Ab- ordnete unbestimmter Parteistellung. M Dessau, 13. Oktober. sPrivatdepeschcdeS.Vorwärt s".) Genosse Voigt wurde in Nienburg mit 40 gegen 23 Stimmen gewählt. In B e r n b u r g unterlagen die Ge- nassen Günther und Pens mit 63 gegen 60 bezw. 64 Stimmen. Vier von unseren Wahlmännermandaten wurden auf Antrag des Wahlkommissars für ungültig erklärt, das Mitstimmen der betreffenden Wahlmänner verboten, weil bei der Wahlmännerwahl die Aufforderung unterblieben sei, bis zur Beendigung der Stichwahl zu bleiben. ES herrscht große Erregung. » Herr Erzberger. In Köln hat am Montagabend eine der bekannten Schau- stelluugen des Zentrums stattgefunden. Erzberger, der kleine Gerne- groß, der sich neuerdings erst wieder lächerlich gemacht hat durch seine widerspruchsvolle Schwätzerei über die Finanzreform, fühlte das Bedürfnis, auch in Köln fem Licht leuchten zu lauen. Er ver- kündete, daß das Zentnim an der Reichsfinanzreform mit- arbeiten wolle, aber abwarten werde, in welcher Weise der Block und Fürst Bülow die Frage lösen würde. Ehe das Zentrum einen Pfennig neuer Steuer» bewillige, müsse dem Volk die Garantie da- für gegeben werden, daß die Schuldenwirtschaft aufhöre und die Negierung sich größerer Sparsamkeit befleißige. Das Zentrum werde ein ausreichendes Minifterverantwortungs- g e s e tz fordern, damit der Reichstag nicht wieder in die Lage konime, nachträglich die Ausgaben zu bewilligen, die die Regierung — ohne den Reichstag vorher befragt zu haben— gemacht hat. lEhina- Expedition I Südwestafrika!) Bor allem müßten von den lausenden Ausgaben gestrichen werden: die vielen Adjutanten des Kaisers, die Paraden und die glänzenden Ausstattungen bei der Kavallerie, die keinen KriegSwect haben. Wenn die Reaimmgsmänner diese Bramarbasierereien Erz bergers lesen, werden sie vermutlich in schallendes Hohngelächtcr ausbrechen, fit wissen zu gut, daß unter der Löwenhaut ein sehr harmloses Tierchen steckt. Wenn eS dem Zentrum um die Minister- Verantwortlichkeit und um wirkliche Ersparnisse beim Militarismus zu wn gewesen wäre, ei, warum denn damit warten, bis es in der Opposition ist und nichts mehr zu sagen hat? Und wie sehen die von Erzberger verlangten Ersparnisse auch jetzt noch aus? Die Adjutanten des Kaisers: vielleicht ein paar hunderttausend Marli Paraden und bunter Flitter an der Kavallerieuniform: vielleicht ein paar Millionen Mark! Was ist da» bei einem MtlitSretat von 860 Millionen Mark? Will man hier etwas, dann heißt«S grundsätzliche Umgestaltung des Landes- Verteidigungswesens I_ Witwen- und Waisenversicherungsgesetz. DaS Gesetz über die Witwen- und Waisenversicherung ist, wie eine Berliner Korrespondenz zu nielden weiß, bereits vollständig fertiggestellt und wird gemeinsam mit den drei Versicherungs- gesetzen(Kranken«, Invaliden- und Unfallversicherung) im Monat November dem Bundesrat zugehen. Es besteht die Absicht, sogleich nach der Verabschiedung der Reichsfinanzreform die neuen Ver> stcherungSgesetze dem Reichstage zur Beratung vorzulegen. Dagegen kann mit Sicherheit angenommen werden, daß das Gesetz über die Versicherung der Privatbeamten den Reichtag in dieser Session nicht mehr beschäftigen wird, da zwischen den beteiligten Kreisen eine Einigung über die Grundzüge der Versicherung bisher nicht zu erzielen war.— Znm ehrengerichtlichen Verfahren gegen Liebknecht. Der Vorsitzende de» EbrengerichtshofrS der deutschen Rechtsanwälte sandte dem„Leipziger Tageblatt' eine Berichtigung aus Grund§ 11 deS Preßgesetzes zu, worin eS heißt: „Der in Rr. 282 Ihre? BlattcS veröffentlichte Bericht über die Verhandlung deS Ehrengerichtshofeö gegen den Rechtsanwalt Liebknecht enthält— außer anderen tatsächlichen Unrichtigkeiten— namentlich im ersten Teil die unrichtige Mitteilung, daß der Bor- sitzende einem Antrag deS Angeklagten, Vertreter der Press« als Zuhörer zuzulassen, nicht stattgegeben habe. Der Angeklagte hat einen solchen Antrag nicht gestellt. Der Vorsitzende war deshalb nach ß 82 der RechtSanwaltSordnung gesetzlich nicht befugt, andere Perionen als Mitglieder der beteiligten AnwaltSkammer zuzu- lassen.'—_ Sammelpolitik. ZU einem sonderbaren Bündnis haben sich unter Führung de» nationalliberalen ReichStagSavgeordneten Dr. Junik in Leipzig die gegensätzlichsten Interessengruppen zusammengefunden. Der Zweck ist, der Sozialdemokratie bei der kommenden Stadtverordnetenwah! einige Sitze zu entreißen. Hausbesitzer und Mietervereinler, Mittelständler, Lehrer, Beamte. .nattonale' Arbeitervereine und Gchilfenorganisatlonen haben sich zusammengeschlossen. Eine geniale Idee. Hausbesitzer und Mieter- vereinler zusammenzubringen. Nicht minder interessant ist die Koalition der Lehrer und Beamten mit den Mittelständlern und Hausbesitzern, da die 24 Mann starke Fraktion— ein Drittel der Vertretung— stets gegen jede Gehaltserhöhung dieser Beamten ge- stimmt hat. Den.nationalen' und sonstige« Arbeiterorganisationen wurde erst in der vergangenen Woche ein Antrag, der die Sicherung deS KoalitionSrcchteS verlangt, von den Mittelständlen, in den Papierkorb befördert. Unsere Partei hat von den 24 Sitzen der dritten Abteilung 23 inne und ist die Tätigkeit unserer Genossen den Mittelständler» sehr unbequem. Das„Leipziger Tageblatt" registriert schmunzelnd die krankhafte Sammelpolitik in Erlvartung einer Neuauflage der ReichSiagSwahlerfolge mit folgenden Worten: „Trotz entgegengesetzter wirtschaftlicher Interessen haben sich diese bürgerlichen Gruppen— mit Rücksicht auf die Wichtigkeit. und große Bedeutung der bevorstehenden Wahlen— geeinigt, um dieselben auf nationaler Grundlage erfolgreich(I) durch- zuführen.' Warten wir ab.--_ Ter Verkehr mit Kraftfahrzeugen. Der Gesetzentwurf über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen ent- hält, wie verlautet, außer den zivil- und strafrechtlichen Bestimmungen auch solche polizeilicher Art, von denen die seitens der Bundes- regierungen festzusetzende» Grundsätze für die BefähignngSzeiigiiiff« der Chauffeure die wichtigsten sind. Es ist nun in Aussicht ge- nommen, diese Materie, ebenso wie die bisher geltenden Polizei- Vorschriften über den Verkehr mit Kraftwagen auf öffentlichen Straßen, gleichmäßig in den Bundesstaaten zu regeln, um«ngeeignete Personen nicht nur durchweg von der Führerichaft auszuschließen. sondern ihnen auch allgemein das Befähigungszeugnis aberkennen zu lönnen, fall» sie keine ausrelchendsn Bürgschaften für ihren Berns bieten. Die Verhandlungen der beteiligten Stellen haben zu dem Ergebnis geführt, daß bei den Chauffeurprüfungen nicht nur auf Fahrsicherbeit und Geistesgegenwart, sondern auch auf Moralische Oualifikation zu sehen ist, wobei auch etwaige Vorstrafen für RoheitSverbrecheN zu berücksichtigen sind. Man nimmt an, daß mit der Verbssienliig deS Chauffeurpersonnl» auch viele Klagen über die Gefährlichkeit der Kraftwagen verstummen werden, da diese weit weniger in der Unsicherheit des Materials als in der übertriebenen Schnelligkeit de» Fahrens begründet sind.— Aus einer kleinen Residenz. Der von uns unter dieser Spitzmarie veröffentlichte Artikel hat auch in der bürgerlichen Presse Aussehen erregt und ist u. a. auch vom.Berliner Tageblatt" abgedruckt ivorden. Diesem Blatt hat nun ein Rechtsanwalt rm Auftrage des Fürsten v. Usenburg-Wächters- bach eine Berichtigung übermittelt, die behauptet, es habe keine Aussperrung, sondern ein Streik der Porzcllanarbeiter bestanden. Weiter heißt es: .Zwischen Dr. Ehrlich und einer der Prinzesfinnen-Töchter haben niemals Beziehungen irgendtvelcher Art bestanden." Nachdem Dr. Ehrlich auf den l. Oktober d. I. gekündigt worden war, hatte er an diesem Tage seine Dienstwohnung zu verlassen. Da er dies nicht tat. so wurde gegen ihn Klage aus Räumung er- hoben. Selbstverständlich hörte dre Lieferung von Licht und Brennmaterialien, die ihm als Direktor zugestanden hatte, von diesem Tage an auf: die Wasserleitung ist nicht abgeschnitten worden, auch befindet er sich gegenwärtig noch in seiner früheren Dienst- Wohnung." Die von uns mitgeteilten Auslassungen sind tatsächlich in einer Verhandlung des Prozesses gemacht worden, den Dr. Ehrlich gegen den Fürsten angestrengt hat. Die Berichtigung stützt sich lediglich auf recht nebensächltche Dinge.---_ Schweiz. Die Mißhandlung Wassiliews— eine schwere Anklage gegen die Schweiz. Die bürgerliche„Tribüne de Lausanne" veröffentlicht nachstehenden Brief über das Schicksal des von der Schweiz so schnöde an die russischen Henker ausgelieferten Tyrannen- niörders Wassiliew, der von Freunden desselben an einen Herrn Gehrig in Morges am Genfer See gerichtet ist und lautet: Pens«, den 23. September 1S08. Wassiliew wird hier in einer der„geheimen" Zellen des Regierungsgefängnisses gefanxen gehalten. E>s ist däes ein feuchter und dunkler Keller. Die Luft darin ist verpestet, stinkig, da derselbe fast ganz mit Schaffellen gefüllt ist, die einen durch- dringenden Äestank verbreiten. Wassiliew wird nie im Hof des Gefängnisses spazieren geführt. Die Familie Wassiliews hat vom Ehef des Gefängnisses die Erlaubnis zu Spaziergängen im Hof verlangt; der Ehef sandte die Petition an den Inspektor und dieser an den Direktor; aber getan wird nichts. Wassiliew bleibt in seinem Gewölbe und erstickt fast. Seit er hier ist, erhielt er nur ein einziges Mal Wäsche, weshalb das Ungeziefer ihm das Leben zur Qual macht. Die Administration des Ge- fängnisseS verweigert hartnäckig die Erlaubnis zum Tragen seiner eigenen Wäsche. Bücher und Korrespondenz sind ihm untersagt. V. Wassiliew und seine Frau wollten die gesetzliche An. crkennung ihrer Ehe verlangen; aber nicht einmal dies ist bis jetzt möglich gewesen und man gestattet der Frau Wassiliew den Be- such ihres Gatten nicht, solange ihre Ehe von der Kirche nicht eingesegnet ist. Seit mehr als zwei Wochen hat seine Mutter, der das Recht zum Besuche zusteht, keine Nachricht mehr von ihrem Sohn er- halten können. Seit dem letzten Besuche konnte man nur noch in Erfahrung bringen, daß er sich das Leben nehmen wollte durch Erhängen. Man konnte ihn jedoch noch rechtzeitig herunter- nehmen. Die ganze Stadt spricht davon. Und es gibt nicht ein. mal ein Mittel, um unserer Sorge ein Ziel zu setzen. Ohl Welche Folterqualen hat man ersonnen, um ihn so weit zu bringen? Man weiß nichts I Die Mauern unserer Gesängniffe sind schweig- sam wie das Grabt Ich schreibe Ihnen dies, werter Herr, weil ich weiß, welche Gefüble Sie hegen. Sie sind Bürger des Landes, welches Wassiliew ausgewiesen hat an Rußland. Ich bitte Sie, etwas zu tu», um uns zu Hilfe zu kommen; vielleicht indem Sie das Mit- geteilte an die Presse leiten. Tun Sie, was Sie für möglich und da» Beste halten. Tun Sie. was das Herz Ihnen eingibt, aber tun Sie etwas! Wir sind ohnmächtig hier. Sie wissen in welchem Maße und künnen uns an niemand wenden, auSge» nomin en an Sie. Ungeachtet des Vergangenen hoffen wir, daß die Schweiz es nicht zuläßt, daß derart mit dem Manne verfahren wird, an welchen sie immer noch ein gewisses Recht hat. Wir hoffen, daß die Schweiz sich für ihn verwenden wird. Wir haben die Gewißheit, daß Sie unfern Appell nicht unbeantwortet lassen werden und versichern Sie unserer Hochachtung!— Diese ergreifende Schilderung des entsetzlichen Schicksals Wassiliews ist eine furchtbare Anklage gegen die Mehrheit deZs schweizerischen Bundesgerichts und die Schweiz über« Haupt, die sich zu Mitschuldigen an den Verbrechen der russi- scheu Henkersknechte wachten. Sie sollte es nnn als ihre Pflicht erachten, in Rußland zu reklamieren und anständige Behandlung für Wassiliew zu fordern.•— franhi4«»�. Parlamentsbeginn. Paris, 13. Oktober. Die parlamentarisch« Session wurde heute in volllommenstcr Ruhe eröffnet. Die Sitzung des Senats dauerte etwa 30 Minuten. Man beschäftigte sich nur mit der Festsetzung der Tagesordnung. Darauf vertagte sich das Haas Vis nächsten Dienstag. Sie Kammer beschloß auf Antrag deS Ministerpräsidenten Clemenceau, am Montag die B u o g« t b« r a 1 u n g zu beginnen. Der Donnerstag wurde für die Beratung des Einkommensteuer- entwurfs vorbehalten. Di» Kammer vertagt« sich sodann bis Donnerstag. Dänemark. Die neu« Regierung. Kopenhagen, 11. Oktober.(Eig. Bei.) Der Finanzminister Noorgaard erhielt den Auftrag, das neu- Ministerium zu bilden, womit sich nach einer offiziellen Erklärung die„zwei Gruppen der RegternngSpartet" etiiverstanden erklärt hatten. Die Regierungspartei war bis zu Albertis Fall die Linken- reformpartet. die 5Ü Abgeordnete im Folkethtng zählt, aber sie hat sich nun der nui neun FolkethingSnmnner starte» gemäßigten Partei, der Noorgaard angehört, untergeordnet. Es ist dies jene Fraktion, die 1804 au» der alten Linken ausschied, indem sie dem damaligen Ministerium Estncp das Budget bewilligt« und zugleich auch dt« Festungsbauerei des KriegSmintster« Bahnson sowie die damit zusammenhängende Verstärkung des Mtlltärivesens guthieß. Bis dahin hatte die gesamte Linke das Budget abgelehnt, und Estmp hatte mit provisorischen, nur vom LandSthing bewilligten Budgets gcwirtschastet, also verfassungswidrig regiert. Noorgaard und seine Partei, die damals 40 Abgeordnete zählt«, vor» schafften also dem verhaßten Reaktionsministerium die verfassungS- mäßige Grundlage. Natürlich wurden sie von den übrigen, noch radikal gebliebenen Linkenmännern als Verräter behandelt, und die gemäßigte Folkethingsgrnppe ist denn auch bei den Wahlen erst auf 30, dann auf 10 und schließlich, 1000, aus 0 Mann zusammengeschmolzen. Die alte Link« hat sich nun allerdings allmählich gänz- lich der Politik der gemäßigten Gruppe ergeben, hat aber gleichwohl bis zur Eröffnung der neuesten Neichstagssession die Personen dieser Gruppe kalt gestellt, sie von allen wichtigen Aemtcrn ausgeschlossen. Erst die furchtbare Blamage, die die Ausdecknng der Albettischen Schwindeleien der Refvrmpartei brachte, veranlaßt« sie, wieder mit den Gemäßigten zusammenzugehen, zwei ihrer Leute in die Präsidien des Reichstages zu wählen. waS seit 1t Jahren nicht geschehen war, bei der«lberti- debatte einen gemeinsamen Vorschlag im Folkethlng einzubringen und schließlich sogar dem Fuhrer der Gemäßigten die Bildung des neuen Ministeriums zu überlassen. Dies war übrigens eine sehr schwierige Aufgabe, weil die Reformpartei, wenn sie auch eingesehen hatte, daß so schwer kam- promittierte Leute wie ihr letzter Ministerpräsident Christensen und der Minister deS Innern Berg nicht mehr in Frage kommen konnten, doch von Noorgaard unbedingt verlangten, daß er einige andere Mitglieder des alten Ministeriums mit aufnehmen sollte. Verschiedene Personen, die Noorgaard für Ministerposten geeignet hielt, weigerten sich, mit Leuten zusammen zu arbeiten, die zu AlbertiS„hinterlasienen" Ministern gehören. Nach viertägigen Be- mühungen ist es aber doch gelungen, das Ministerium in dieser Weise zusammen zu bringen. Von den vier Ministern, die ihre Aemter behalten, hat sich Anders Nielsen am allerärgsten bei den Mberti-Debatten im Folkething blamiert. Er wurde in gewissem Sinne„Albertis Schlächterhund" genannt, weil er seinerzeit, als Genosse Borgbjerg im Folkething Albertis AmtSverbrechen brandmarkte, die Debatte abschlachtete und er unseren Genossen verhinderte, auch auf AlbertiS mehr private Geldgeschäfte näher einzugehen. Er ist also ganz be- sonders daran mitschuldig, daß Alberti seine Schwindeleien noch weiter fortsetzen konnte. Der Kultusminister S ö r e n s e n gehörte als Minister des Innern schon dem ersten Linkenministerium an, war also seit 1S01 Albertis Kollege. Er hat sich unter anderem dadurch blamiert, daß er einen als Wucherer bekannten Rechtsanwalt zu einem der zwölf Landsthingssitze verhalf, die der König zu ver- geben hat. Von den neuen Ministern ist nur KlavS Bernthen ein bekannter Politiker. Er ist feit vielen Jahren FolkethingSmann und neben Noorgaard der bedeutendste Führer der gemäßigten Gruppe. Graf Ahlefeldt-Laurvigen, der neue Minister des Seußeru, sowie der neue Finanzminister Charles Brun(nicht Braun) gelte» beide als etwas liberale Konservative. Der für daS neu ge- fchaffene Amt eines Ministers für Handel und Schiffahrt ernannte Großhändler und Bizekonsul Johan Hansen ist Stadtverordneter in Kopenhagen und gehört als solcher den Antisozia listen an, einer kleinen Gruppe, die namentlich Albertis antisozialistischer Agitation ihr Dasein verdankt. Ob dieses Ministerium die FolkeihingSwahlen im nächsten Früh« jähr lange überleben wird, scheint sehr fraglich. Seine größte Schwäche wird wohl darin bestehen, daß es Leute in seiner Mitte birgt, die als jahrelange Mitarbeiter und Kollegen Albertis sich nicht fähig zeigten, dessen Schandtaten zu entdecke», oder nicht die nötige sittlich« Kraft hatten, ihm entgegenzutreten. kulZlanck. Der UniversitStöstrelk. Moskau, 13. Oktober. Der Rektor der UniderfitSt erließ folgende Bekanntmachung: Infolge der gestrigen Ob- struktion der Studenten und deren grober, für die Professoren beleidigenden Handlungsiveise beschloß das Bureau des Nniversitätsrates. den Rektor zu ersuchen, daß er für heute eine Extrasitzung des Rates anberaume und die vor« läufige Einstellung der Vorlesungen anordne. perften. Erfolge der Revolutionäre. Täbrls, 13. Oktober. Nach mehrtägiger Schießerei hat das dem Schab ergebene Stadtviertel Dawatschi in vergangener Nacht die Waffen gestreckt und sich den Anhängen» Sattar Chans mit vier Geschützen ergeben, nachdem es vier Monate mit den Revolutionären gekämpft hatte. Auch die Stadtviertel Surgab und Mickdam haben sich ergeben. Marokko. Die Antwort Frankreich». Pari», 18. Oktober. Die neue französisch-spanische Note Über Marokko wird vorauSsichilich noch heute an die Wer- treter Frankreichs und Spaniens behufs Ueberreichung an die Signatarmächte der Algecirasakte abgesandt werden. Die Kostenrechnung. Paris, 13. Oktober. Di« Regierung hat in der Kammer eine Vorlage eingebracht, welche für die militärischen Operationen in Marokko während deS laufenden Trimesters insgesamt 19 700000 Frank verlangt. HmeHha. Verrat an selbständiger Ardeiterpolitik. Washington, 13. Oktober. Der Arbeiterführer GomperS hat an die Arbeiterschaft ein Rundschreiben zugunsten der WahlBryans erlassen. Em der Partei. Die sozialdemokratischr Fraktion de» Berliner Stadwer- orbnetrnversammlung ersucht uns um Veröffentlichung folgender Zeilen: „Die sozialdemokratische Fraktion der Stadtverordneten hat mit schwerem Bedauern festgestellt, daß Genosse Dr. Zadel, ohne sich hinreichend zu informieren, in bezug auf unsere Zustimmung zum Etat Berlins eine vollkommen unrichtige Auskunft erteilt hat. die er nachträglich selbst nicht mehr aufrecht zu erhalten ver- mochte."_ Genosse Goldstein erkrankt? Der„Frankfurter Zeitung' wird, wie ein Herold-Telegramm meldet, au» Dresden vom 13. Oktober telegraphiert, daß Genosse Reichstags« und Landtagsabgeordneter G o l d st e i n einen Schlag- an fall erlitten habe. Direkte Rachrichten fehlen uns. Hoffen wir, sofern sich die Meldung bestätigen sollte, daß unser alter bewahrter Kampfgenosse de» Anfall glücklich überstehen wird. Partciliteratur. DaS Protokoll HS» dir Bcrhandlungc» des Nürnverger Partei- tage? und tider die Berhimdlungen der fünften Fraucnkonferenz ist soeben im Verlage der Buchhandlung Vorwärts, Berlin, erschienen. Die Verhandlungen dieses Parteitages haben das ganz besondere Interesse der Genossen und Genossinnen erweckt. Im Vordergrund dieses Interesses stand die Diskussion über die Budget- bewill ig ung unserer süddeutschen Landta�öabgeordneten. Aber auch die Befriedigung de» Bildungsbedürfnisses in unserer Partei hat allgemeine Aufmerksamkeit erheischt. An den Verhandlungen über:„Maifeier" und»Sozialpolitik" sind die Gelverk- schasten besonders interessiert, während die Ausführungen des Referenten über die drohende„Reichsfinanzreform" der Beachtung bei der agitatorischen Tätigkeit der Genossen empfohlen sei. Daneben weisen wir noch hin ans die gleichfalls erledigte Frage der»Jugend« und Frauenorganisation'. Aus den Verhandlungen der Genossinnen sei auf die Referate Über Jugenderztehuna in der Familie und durch Organisationen der Genossinnen Sun» er und Zetkin verwiesen, deren Studium den Frauen besonder» empfohlen Tel Die Verhandlungen sind ausführlich wiedergegeben. DaS Protokoll ist 568 Seiten stark, kann durch alle Buchhandlung» und Kolporteure bezogen werden und kostet broschiert l,2ö M. unk gebunden 1,75 M. Die Abstimmung über die Budgctfrage auf dem Nürnberger Parteitag. Der Parteitagsbericht des„Vorwärts" wies bei der Ab« stimnmng über die Budgetfrage eine Lücke auf. Es war lediglich das Ergebnis der beiden»amenilichen Abstimmungen mitgeteilt, es fehlte die Abstimmungsliste. selbst. Wir geben sie daher jetzt, nachdem das Protokoll des Parteitags erschienen ist. Die Resolution Frohme wurde bekanntlich mit 216 gegen 160 Stimmen abgelehnt. Mit Ja stimmten: Adler, Adelung, Arnold, Auer, Baisch, Bartels, Baumann, Baumeister. Berard, Bischoff, Bleuel, Bühle, Bömelburg, Bohl, Bollmcmn. Bredow, Brey, Bruhns-Wandsdck, David, Deichmann, Deckelmann, Dietz, Dörnke, Dorn, Ehriitzcr, Eilken, Eisner, v, Elm, Endmann, Engelmann, Engelsmann, Engler. Erfurth, Ebers. Feltz. Feuerstein, Fischer-Stuttgart, Fischer- Mittweida, Itscher-Berün, Frank, Frcndenbcrger, Frohme, Geiß, Voller, G'.unberg, Guggenheim, Hä Husen, Hascnzahl, Haupt, Hegenwajtd, Herzog, Hcymann, Hierl, Hildenbrand, Höhne, Hofs- mann-Bielefeld, Honrath, Huber, Hue, Hug, Jacobseu-Locksiedt, Jasper, JooS, Kahmann, Kassner, Keil, Käppler, Klupsch, KlühS, Knapper, Knieriem, Koch, Kcckb, Kreft, Krüger, Lachenmcyer, Langer, ftau. Legten. Leinert, Leimpcters, Lefche. Liebold, Lippl, Maier, Aehrcus, Merkel, Mchrlcin, Müller-München, Max Müller, Müller-Hamburg, Niensdorf, Nimmerfall, Ritsch, Nobis, NoSke, Nöthlich, Paeplonu Panzer, Pelikan«, Pickelmann, Poling, Ouarck, Oucffel. Raab. Raith, Rauch. Reichel, Rollwagen. Sachse, Säckler, Saenger, Seelmann, Scgitz, Simon, Schlegel, Schlomer, Echmid- München, Schmidt-Lindau, Rodert Schmidt-Berlin, Schmitt- München, Schmitt-Offenbach, Schmitz, Schneider, Schnettler, Schreck, Schräder, Schröder, Schumann. Schütz, Stabel, Stark. Stegen, Stelling, Stockingcr, Stolle, Stalten, Straffer, Stuber, Thielc-Halle, Tlzöne, Timm, Trautewein, Trinks, Ullmann, Ulrich, Vogel, Walter-AugSburg, Walther-Nürnbcrg, Weill, Weiß-Oberst ein, Weiß-Marttredwitz, Weißhehner, Werner, Wettermann, Wizirowsti, Wunderlich, Ziegler, Zimmermann, Zorn. Mit Rriu stimmten: Agnes, Alb recht. Baader. Baertr, Vahr. Barth, Basner, Baudert, Bebel, Bell eck. Bendler, Benther, Berten, BiniSzkicwicz. Beckmann, Bock, Böske, Borchert, Boramann, Bvandler, Braun-KönigSberg, Braun-Küstrin. Brückner, Brühne, BrunS-Bcrlin, Budde, Büchner, Mihler, Colditz, Crispien, Dasch« mann, Dentzer, Dcuper, Diehl, Drechsler, Drescher, Düiocll, Eber- Hardt. Eberl, Eggert, Eichhorn, Euunel, Ernst, Ewald, Faber. Fahrow, Fanghanel, Favre, Fauth, Förster, Fucks, FrSbel, Geck, Eehrmann. Gerisch, Geyer, Gräbert, Grauer, Grcifenberg. Groger, Grunwald, Haase, Haberland, Hackelbusch, Heine, Hengsbach, Henke, Hetzschold, Heuer, Hilpert, Hoch, Hvfer, Hoffmann-Berlin, Hoff- mann-Hamburg, Horn, Hörsing, Jahn, Jahrmarkt. Jacobsen-Ober» schöneweide, Jungnickel, Kaden. KautSky, Kawier, Kayser, Kißling, Knaucr, Knipping, Kögel, Köhncke, Koenen, Kohnen, Krähnberg, Kuhnert, Stüter, Kurzhalö, Laukani, Leber, Ledebour, Lehmann, Leidner. Leissch, Leopoldt, Lcwercnz, Liepmann» Linde, Lipinski, Litfin. Litzinger, Löwenstein, Ludwig, Luxemburg, Maischke, Metzger, Michaelis, Milenz, Mollenbuhr, Mucker, Müller-Grabow, Müller-Forst, Müller-Köln, Müller-Berlin, Nemitz, Reuhäuser, Ncumann, Nürnberg. Otto, Partzel, Pankert» Pfamikuch, Picard, Pieck. Pohl, Pollender, Polziner, Raute, Reiwand, Reißhaus, Reitze, Richter, Rietz, Ritter, Rohleder. Rosenfeld, Rößler, Rösner, Rudolph, Sailer, Scger, Seifert, Sidow, Sicling» Sindermann, Singer, Süß, Schadow, Schäfer-Berlin, Schäfer-Mühlhausen» Schanmburg, Scheid, Schcidemann, Schirmer, Schlösser, Schlcßmann, Schlucht- mann, Schmidt-Ketzin, Schmidt-Gmünd, Schmidt Carl, Fritz Schmidt-Berlin, Schopflin, Schubert, Schuboth, Schulz-Berlin, Schulze-Cossebaudc, Schulze-Köln-Sülz, Schwartz, Stavthagen, 'Ztegner, Steinkopf, Stollberg, Stolpe, Ströbel, Siubbe, Taubadel, Teubcr, Tbiele-Gubrn, Tinius, TribpeNsce, Ullenbauin, kluger, Vieth. Voigt, Wackwitz, Wagner, Waloheim, Weber, v. d. Wehd, Weihnacht, Weinheber, Wels, R. Wengrls, Margarete Wengels, Werner-Rostock, Westmeyer. Wicki, Winklmann, Winter, Witte, Woldersky. Wulff. Wurm. Zetkin, Zißmer. Ztetsch, Zietz, Zubc.l, Zucht. D<« Resolution d eS ParketvorstandeS und der Kontrolleure wurde mit LSS gegen IIS Stimmen an» genommen. Mit Ja stimmten: Adler. Agnes, Albrecht, Baader, Baerer, Bahr, Bartels, Barth, Basner. Baudert, Bauman», Bebel, Bessert, Bendler. Benther, Berten, BiniSzkiewirg, Beckmann, Bleuel, Bock, Böske, Bollinann, Borchert, Borgmann, Brandler, Braun-KZnigS- berg, Braun-Küstrtn, Brückner» Brühne, Bruns-Bertin, Budde, Büchner» Bühler, Colditz. Crispien, Daschmann, Deichmann, Dentzer, Deuper, Diehl, Drechsler, Drescher, Dülvell, Eberhardt. Eberl, Eggert, Eichhorn, Eilken, Emmel, Endmann, Erfurth, Ernst, Ewald, Faber. Fahrow, Ianghänel, Jaure, Fauth. Fischer-Berlin, Fürster, Fuchs, Fröbel, Geck, Gehrmann, Gerisch, Geher, G oller, Gräbert, Grauer, Greifenberg, Groger, Grunwald, Haase, Haberlcmd, Hackelbusch. Häbnsen, Haupt, Hegewald, Hengsbach. Henke, Hetz- schold, Heuer. Hilpert. Hoch, Hörsing» Hofer, Hoffmann-Berlin. Hoffmann-Hamburg, Honrath, Horn. Jatobsen-Lockstidt, Jacobsen- Oberschöneweide, Jahn. Jahrmarkt. Joß, Jungnickel, Kaden. Knh- mann, Kaßner. Kautsky, Kawier. Kayser. Kappler. Kißling, Klupsch, Mauer. Knipping, Kögel, Köhncke, Köenen, Kohnen, Kreft, Strohn« berg. Kuhnert, Stüter, Kurzhals, Laukant, Leber, Ledebour, Leh- mann. LeidUer, Lensch, Leopoldt, Lewerenz, Liebold, Liepmann, Linde, Ltplnski, Litfin, LitziNger, Loewenstein. Ludwig, Luxemburg, Maischke. Mehrens. Metzger. Michaelis. Milenz. Mollenbuhr, Mucker. Müller-Grabow, Müller.Forst. Müller-Köln. Müller-Berlin, Nemitz, Neuhäuser, Neumann, Niensdorf, Nitsch, Nobis, Nürnberg, Otto, Paetzel, Pankert, Psannkuch, Picard, Pieck, Pohl. Pollender, Poling, Polziner, Raute. Reiwand, Reißhauß. Reitze, Richter, Rietz, Ritter, Rohleder, Rosenfeld, Rößler, Rösner, Sind.ch, Sailer, Seelmann, Seger, Seifert, Sidow, Sieling, Eiebert, Simon, Sindermann, Singer, Euß, Schadow, Schaefer-Berlin, Schäfer. Mühlhansen, Schaumbnrg, Scheib, Scheidemann, Schirmer, Schiefe- mann, Schlosser. Schluchtmann, Schmidt-Ketzin. Schmidt-Gmünd, Carl Schmidt. Fritz Schmidt-Berlin, Schmitz, Schneider, Schöpflin, Schreck, Schroeoer, Schubert, Schuboth. Schulz-Berlin, Schulze- Cossebaude, Schulze-Köln-Sülz, Schwartz, Stadthagen. Sieguer, Steinkopf, Stelling, Etollberg, Stolle, Stolpe, Stötten, Ströbel, Stubbe, Taubadel, Teuber, Thiele-Guben, Tinius, Ttauteweiu, Trivpensee, Ullenbauin, Unger, Vieth, Voigt, Wackwih, Wagner, Waldheim. Walter-Augsburg, Weber, v. d. Wehd. Weihnacht, Wein- Heber. Wels, R. Wengels. Margarethe WcngelS, Werner-Rostock, Werner-Bischofsheim, Wcstmever, Wicki, Winklmann, Winter, Witte, Wlzirowski, Woldersky, Wulff, Wurm, Zetkin, Ziegler. Zismer, Zietsch, Zwh, Zubeil, Zucht. .Mit Rein stimmten: Adelung, Arnold, Auer, Baisch, Bau. meisler. Berard, Bischoff. Bühle. Bömelburg. Bohl. Bredow. Brey. BruhnS-WandSbck, David, Dcckelmann. Dietz, Dörnke, Dorn, Ehr- litzer. Eisner, v. Elm, Engelmann, Engelsmanli, Engler, Ebers, Feltz, Feuerstein. Fifchcr-Stuttgvrt, Ftscher-MiHweida, Frank. Freudenberger. Frohme, Geiß, Grünverg. Guggenheim, Hasenzahl. Seine. Herzog. Heymann. Hierl, Hildenbrand. Höhne, Hoffmann- Bielefeld, Huber. Hue. Hug, Jasper. Keil. KlühS, Knapper. Knie- riem, Koch. � Stoib, Krüger, Vachenmeyer, Langer, Lau, Legten, Leinert, Leimpeters. Lesche. Lippl, Maier. Merkel, Mehrlein, Müller-München, Max Müller, Müller-Hamburg, Nimmerfall, Noske. Nöthlich, Paeplow, Panzer, Pelikann, Pickelmann. Ouarck, Ouessel, Raab, Reith, Rauch, Reichel, Rollwagen, Sachse, Säckler, Saenger, Eegitz, Schlegel, Schlomer, Schmid-München, Schmidt- Lindau. Robert Schmidt-Berlin, Schmitt-München, Schmitt-Offen. bach, Schnettler, Schräder. Schumann, Schütz, Siabel, Stark, Stegen, Stockinger. Strasser, Stuber, Thielr-Halle, Thöne, Timm, Trinks, UllmattN. Ulrich, Vogel. Walther-Nürnberg, Weill, Weiß-Oberstein, Weiß-Matktredwitz, Weißheimer. Wettermann, Wunderlich, Zimmer. mann, Zorn. Soziales* Ungultigt Polizeivorschrift über Kost- und Qnartiergängerwcsen. Die Polizeiborschrift des Regierungspräsidenten zu Arnsberg vom 11. November 1891, betreffend das Kost- und Quartiergänger- Wesen, schreibt u. a. vor, daß für je zwei Kost- oder Quartiergänger mindestens ein Waschgeschirr vorhanden sein müsse. Grüsen, der dagegen verstoßen hoben sollte, wuvde wegen Ungültigkeit dieser Vorschrift vom Kammergericht freigesprochen. Begründet wurde das Urteil damit, daß die hier angewendete Vorschrift ihre Stütze im Polizeiverwaltungsgesetz und im§ 10, II. 17 Allgemeinen Landrechts nicht finde. Für ihre Gültigkeit würde Voraussetzung sein, daß sie eine nahe bevorstehende Gefahr vom Publikum oder Teilen desselben abwenden solle. Davon könne hier nicht die Rede fein. Wenn statt zwei Personen sich zum Beispiel drei Personen mit einer Waschschüssel behelfen müßten, so würde damit nicht die Wahrscheinlichkeit einer nahen Gefahr für Leib, Leben und Gesund- heit eintreten. Die Ungültigkeit der Vorschrift ziehe die Frei- sprechung des Angeklagten nach sich. Das formell zutreffende Urteil zeigt von neuem, wie not- wendig eine reichsgesetzliche Regelung des Wohnungswesens, ein- schließlich des Kost- und Quartiergängerwesens ist. Sächsische Gaukonferrnz des Deutschen Arbeiter-Abstinenten- Bundes. Der Gau IV sKönigreich Sachsen) des Deutschen Arbeiter- Abstinenten-Bundes hielt am Montag in Chemnitz seine Konserenz ab, die aus allen Teilen des Landes besucht war. Es gelangte folgende Resolution zur einstimmigen Annahme:„Die in Chemnitz in„Stadt Meißen" tagende Gaukonferenz Sachsens des„Deutschen Arbeiter-Abstinenten-Bundes" erwartet von allen Arbeiterorgani- sationen, daß sie energischer als bisher daran gehen, der Resolution Wurm vom Essener Parteitage nachzuleben, durch Wort und Schrift für Aufllärung über die Gefahren des Alkoholgenusses zu sorgen und jeden Trinkzwang bei allen Zusammenkünften zu beseitigen." Gcwcrkfcbaftlicbcs. Der Papst und die christlichen Gewerkschaftsführer. Mit 25 00(1 Lire beladen zog kürzlich eine Abordnung der katholischen Arbeitervereine(Sitz Berlin) nach Rom, um dem Papst zu huldigen. Und die Gesandten der katholischen Fachabteilungen hatten Glücks huldvollst geruhte Pius X., sie von ihrem Ballast zu befreien und ihnen dafür Segens- wünsche mit aus den Weg zu geben. Unter anderem sagte er ihnen, daß er mit ihren Bestrebungen schr zufrieden sei, „weil Ihr in Eurem Verband gemäß den kirchlichen Prinzipien arbeitet unter kirchlicher Autorität und dadurch Euch den Frieden des Gewissens und die irdische Wohlfahrt verbürgt. So bleibt Ihr einig und seid sicher, den rechten Weg zu gehen und Ihr habt an der kirchlichen Autorität einen zielbewußten Führer und Verteidiger Eurer mit Gerechtigkeit und Liebe in Ein- klang stehenden Grundsätze. Ich freue mich, daß Ihr mir Gelegenheit gebt, Euren Gehorsam gegen die kirchliche Autorität anzuerkennen und zu loben. Haltet fest die große Wahrheit, daß die Kirche verteidigt, beschützt und fördert Handwerk und Gewerbe, und denkt daran, daß, wo der Herr nicht das Haus bauet, die Arbeiter umsonst bauen." „Ich danke Euch nochmals und wünsche, daß Ihr mit dem bisherigen Mut auch fernerhin dem Vaterlande und den Familien dient. Jeder Arbeiter, der zufrieden ist mit seinem Lose, findet die Ruhe und den Frieden des Gewisiens. Sagt allen Mit- gliedern, wenn Ihr nach Hause kommt, daß der Papst Euch Wohl will." Der Papst bekundet hier eine Meinung von den Fach- ßereinlern, die nicht alle Menschen nnt ihm teilen. Es gibt Leute, welche die vom Papst Gelobten als sehr gehässige, skrupellos hetzende, wüst schimpfende Schleicher bezeichnen, die lügen und verleumden und ehrliche Menschen mit der- gifteten Pfeilen beschießen. Die Christen und Obcrchristen werden einwenden: wenn böse Sozialdemokraten so etwas sagen, dann ist das Verleumdung: der Papst gibt seinen Segen nur für anständige, brave Christen, und wer das Gegenteil behauptet, der beleidigt den heiligen Vater, der ist ein arger Sünder und Missetäter. Wir brauchen uns gegen solche Einwendungen nicht zu wehren, denn die vor- stehende Charakteristik der Berliner stammt von— christ- lichen Gewerkschastführernl So schrieb z. B. kürzlich die christliche„Baugewerkschaft" von den päpstlich Gesegneten folgendes: „Die„Berliner" Schleicher arbeiten nicht offen, aber nm so schlimmer Wirten ihre geheim abgeschossenen vergifteten Pfeile. Die ganze traurige Misere dieser Tätigkeit tritt in dem Berliner Beremsleben politisch wie religiöser Natur zutage." Die christliche„Metallarbeiter-Zeitung" machte sich diese Zeichnung der Brüder in Christo zu eigen und bemerkte dazu: „Düse Mitteilungen der„Baugewerkschaft" können wir be- stätigen.... Von hier aus soll er seine Hetz- und Minierarbeitt» gegen die christlichen Gewerkschaften betreiben." In einer anderen Nummer der christlichen„Metall- albeiter-Zeitung" schreibt der bekannte Herr Wieber: „Die KampseSweise der„Berliner" gegen unsere christlichen Gewerkschaften hat seit der Züricher Konferenz geradezu wüste, widerliche Formen angenommen. Jeder anständige Mensch fragt sich unwillkürlich, ob eine solche skrupellose Hetzerei mit christlicher, erst gar mit angeblich„allein echt katholischer Gesinnung" solcher Leute zu vereinbaren ist? Gott sei Lob und Dank haben mindestens Sö Prozent aller deutschen Katholiken eine ganz andere Auffassung von christlicher Demut, Bescheidenheit und Nächstenliebe, wie die„Berliner" Fachabteilungsführer. DaS darf unser größter Trost bei diesem unchristlichen Schauspiel sein. Was die Berliner Führer jetzt au den Tag legen, ist nicht prinzipielle Gegnerschaft, nein, es ist krankhafter fanatischer Haß.... Es ist auch ganz unmöglich und zudem überflüssig, alle An- griffe und Verleumdungen der„Berliner" zurückzuweisen." Dasselbe Organ macht in seiner Nr. 30 den Berlinern Ken Vorwurf, daß sie ihre eigenen Mitglieder beschwindeln und sagt: „Die Berliner Fachabteilungen find nur ein geWerk- schaftliches Zerrbild und können keine Zugkraft besitzen. Ihre bisherige Tätigkeit und ihr ganzer Erfolg hat nur darin be. standen, innerhalb der christlichen Arbeiterbewegung Brunnen- Vergiftung zu betreiben und Zersplitterung und Verwirrung anzustiften...." Und erst noch in der allerjüngsten Zeit veröffentlichte die 'christliche Gewerkschaftspresse folgenden Bericht: «Berliner Moral" vor Gericht. Herr Holz, seines Zeichens Arbeitersekretär(Berliner Richtung), gehört auch zu denjenigen, welche Tag für Tag Moral und Sitte predigen, aber in der Praxis nach dem Grundsatze handeln:„Folget meinen Worten, aber nicht meinen Werken". Denn dem Nächsten gegenüber verhalten sich die Berliner Moral- Prediger mitunter sehr unchristlich. Den besten Beweis hierfür hat die Betriebsversammlung des christlich-sozialen Metall- arbeiterverbandes am 22. Mai in Malstatt-Vuvbach geliefert, in welcher Herr Arbeitersekretär Kloos den Gewerkschaftssekretär Peter Bäcker in einer höchst unchristlichen Art und Weise be- schimpfte und sich des Hausftiedensbruches schuldig machte. Gegen Herrn Kloos hat bereits die Staatsanwaltschaft ein Ver- fahren eingeleitet. Nach der genannten Versammlung hatte der Arbeiter» sckretär Holz den früheren Arbeitersekretär(Berliner Richtung) Johann Nalbach, jetzt christlicher Gewerkschaftler, schwer be- leidigt, indem Holz zu Nalbach sagte:„Bleib Du doch ruhig, Du hast Dir die Taschen voll Verbandsgelder gestopft, bist dann im Bezirk herumgereist, ohne später eine Abrechnung ein- zuschicken. Dir, Nalbach, geht es nur ums Geld, Du bist ein Judas; Judas hat den Beutel weggeworfen, Du hast ihn aber in die Tasche gesteckt." Am 30. Juli fand diese Beleidigung vor dem Schöffengericht in Saarbrücken ihre Sühne. Holz bestritt alles. Das Gericht nahm aber keine Rücksicht auf die Aussagen des Herrn Holz und verurteilte ihn zu 20 M., eventuell vier Tagen Haft. So bekam wiederum ein Berliner„Arbeiterführer" seine Moral und„christliche Nächstenliebe" vor Gericht ins richtige Licht gestellt. Kein Mensch wird behaupten toollen, daß sich die Ansicht des Papstes und die der christlichen Gewerkschaftsführer über die katholischen Arbeitervereinler und Fachabteiler mit- einander vertragen. Nur wissen wir nun nicht: wer hat recht, der unfehlbare Papst oder die christlichen Führer mit den 95 Prozent der katholischen Bevölkerung und den Bischöfen, die sich gegen die Berliner erklärt haben? Wie wird der Konflitt sich lösen? Berlin unck Umgegend; Achtung, Metallarbeiter! Der Betrieb der Firma S ch w i e g e r u. Frankfurter, Mühlenstraße, ist für Schlosier, Dreher und Werkzeugmacher gesperrt. Die arbeitsuchenden Kollegen werden ersucht, den Betrieb streng zu meiden. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Metallarbeiter! Aus Oesterreich erhalten wir die Nachricht, daß Streik- brecheragenten von dort nach Berlin gefahren sind, um Arbeitswillige unter den Berliner Metallarbeitern anzuwerben. Sollten diese Seelenverkäufer irgendwo auftauchen, dann ersuchen wir, uns sofort zu benachrichtigen. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Beilegung der Differenzen bei der Firma Mosic. Zu der in der gestrigen Nummer des„Vorwärts", die Firma R. Masse betreffenden Notiz, haben wir folgendes zu berichtigen, daß der Vorwurf des Tarifbruchs der Firma, nach Einsichtnahme des Protokolls des Tarifamts in der jftagesache der Firma gegen die Stereötypeure, ein unberechtigter gewesen ist. Die Stereo- ttzpeure haben, nachdem ihnen die Firma Masse am letzten Sonn- abend den seit etwa 2 Jahren bestehenden Vertrag gekündigt, und die vom Tarifamt festgesetzten Arbeitszeiten für ein neues Arbeits- Verhältnis noch nicht vorlegen konnte, ebenfalls ihre Kündigung eingereicht, weil sie in der Annahme sich befunden hatten, es sei die Maßnahme der Firma ein Tarifbruch, den sie als tariftreue Gehilfen nur durch die Kündigung beantworten konnten, und zumal die Firma den Vertrauensleuten gegenüber äußerte, sie wolle weniger durch sie belästigt werden. Wir stellen hiermit diesen Irrtum richtig, hätten aber von der Firma, ehe sie weitere Schritte unternahm, erwartet, daß sie mehr nach den Bestimmungen des Organisationsvertrages gehandelt hätte, die dahin gehen, daß bei Massenkündigungen die Tarifinstanzen in erster Reihe zu hören sind.— Der Konflikt ist gestern nach mehrstündigen Verhandlungen beigelegt worden._ Der Gauvorstand. Die Arbcitsvermittelung im Holzgewerbe bildet schon seit einiger Zeit den Gegenstand von Debatten im Holz- arbeiterverband. Es wird lebhaft darüber geklagt, daß der pari- tätische Arbeitsnachweis von einem Teil sowohl der Arbeitgeber als auch der Arbeiter nicht die wünschenswerte Beachtung findet. Neben der Vermittelung durch den paritätischen Arbeitsnachweis spielt die Besetzung von Arbeitsplätzen durch die Zeitung und durch Umschauen immer noch eine große Rolle. Dieser Uebelstand macht sich besonders jetzt, wo eine große Arbeitslosigkeit herrscht, sebr fühlbar. Würde der Arbeitsnachweis ausschließlich benutzt, so würde, da ja hier die Zuweisung von Arbeit der Reihe nach erfolgt, die Last der Arbeitslosigkeit annähernd gleichmäßig auf die Arbeit- suchenden verteilt. So lange aber neben dem Arbeitsnachweis noch andere Arten der Arbeitsvermittelung üblich sind, wird ein gewisser Teil der Arbeiter immer bald wieder Arbeit finden, während der andere Teil um so länger unter der Arbeitslosigkeit zu leiden hat. Für eine obligatorische Benutzung des paritätischen Arbeits- Nachweises sind die Arbeitgeber nicht zu haben. Sie wollen sich die Möglichkeit erhalten, auch auf andere Weise die Arbeitsstellen zu besetzen. So kommt es, daß das Arbeitsuchen unter der Hand und durch Zeitungsinserate immer noch einen großen Raum ein- nimmt. Um diesem Uebelstande abzuhelfen, soll den Mitgliedern des Holzarbeiterverbandes eine möglichst allgemeine Benutzung des paritätischen Arbeitsnachweises zur Pflicht gemacht werden. Mit dieser Angelegenheit hat sich kürzlich eine Vertrauensmänner- Versammlung des Holzarbeitervcrbandes beschäftigt. Sie hat auch bestimmte Grundsätze für das Arbeitsuchen aufgestellt. Dieselben sind in Form einer Resolution den Mitgliedern zur Beratung vor gelegt worden. Am Montag hielt der Verband in verschiedenen Stadtgegenden acht Mitgliederversammlungen ab, welche über die Resolution diskutierten. Bindende Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Die Resolution soll einer Gesamt-Vertrauensmännerversammlung zur Beschlußfassung vorgelegt werden. Sie lautet: Die heutige Versammlung erkennt an, daß durch das An- fragen um Arbeit, sogenanntes Umschauen, die Löhne herab gedrückt und Maßregelungen der Verbandskollegen herbeigeführt werden, daß ferner dadurch viele Kollegen materiell stark ge- schädigt werden und eine lange Arbeitslosigkeit durchmachen müssen. Deshalb mutz es Aufgabe der Organisation sein, das Umschauen abzuschaffen und eine geregelte Arbeitsvermittelung durch den Arbeitsnachweis anzustreben. Da jedoch eine sofortige Durchführung solcher Maßnahmen zurzeit noch nicht möglich ist, so macht eS die Versammlung den Mitgliedern zur Pflicht, daß sie nach jeder Richtung bemüht sind, eine bessere Benutzung des Arbeitsnachweises durch die Arbeiter wie Unternehmer herbeizuführen. Ist in den einzelnen Branchen die Organisation genügend erstarkt, so sollen die Kollegen der Branche gehalten sein, unter Zustimmung der Ortsverwaltung das Umschauen zu verbieten und die regelmäßige Einstellung durch den Arbeitsnachweis zu beschließen. Wo es noch nicht möglich ist, die regelmäßige Einstellung durch den Nachweis durchzusetzen, dort gelten biS auf weiteres folgende Regeln: 1. Beim Bedarf von Arbeitskräften ist der Arbeitgeber darauf aufmerksam zu machen, daß er die Arbeiter vom Nachweise bezieht. 2. Weigert sich der Arbeitgeber, den Nachweis zu benutzen, so sollen die Kollegen die zu besetzenden Stellen selbst melden. 3. Unzulässig ist es, daß von Kollegen selbst Arbeitskräfte unter Umgehung des Nachweises nach den Betrieben bestellt werden. 4. In Branchen, in denen das Umschauen durch Beschluß ver- boten ist. dürfen auch die Angehörigen anderer Branchen nicht durch Umschauen in Arbeit treten. 5. Jeder anfangende Kollege soll sich durch die Arbeitsnachweis- karte beim Werkstattvertrauensmann legitimieren. 6. Die Nachweise anderer Vereine sind gesperrt. Sonntagsruhe im Photographenberuf. Die Filiale VI(Photographen) deS Verbandes der Stein- drucker, Lithographen und verwandter Berufe nimmt in der Woche vom II. bis zum 18. Oktober bei den Inhabern photographischer Ateliers eine Urabstimmung in der Frage der Sonntagsruhe vor. Gleichzeitig findet am Donnerstag, den 15. Oktober, in Mendts Prachtsälen. Münzstr. 17, nochmals eine öffentliche Ver« sammlung statt, in welcher Genosse U ck o über das Thema:„Warum ist die Verlängerung der Sonntagsruhe eine Notwendigleit und welche Vorteile bringt sie unserem Berufe?" referieren wirb. Za dieser Versammlung sind an sämtliche Prinzipale und Gehilsen Groß-Berlins direkte Einladungen ergangen. Es muß sich nun entscheiden, ob die Inhaber photographischer Ateliers gewillt sind, mit den Mißständen in ihrem Berufe zu brechen, oder ob in dem alten Schlendrian, welcher seit Jahrzehnten in demselben herrscht, weiter fortgefahren werden soll. Wenn letzteres der Fall sein sollte, so bleibt nur der Weg einer Organisation der Gehilfen, um mit dieser dann einen Fortschritt nach dem anderen zu erkämpfen- Deutfebes Reich. Eine Terrorismuslüge. Durch die bürgerliche Presse geht unter der Ueberschrist„Eid Blick hinter die Kulissen der freien Gewerkschaften" eine Notiz, in der über eine Verhandlung in Bamberg in tendenziösester Weise berichtet wird. Es handelt sich um die Privatklage des Former? Georg Bauer gegen die Genossen Gastwirt Hans Gentner und Eisendreher Joses Forster in Pegnitz wegen Beleidigung, wobei Genlner freigesprochen wurde, da er in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt habe, während Forster zehn Mark Geldstrafe erhielt wegen formaler Beleidigung. In dem VerhandlungS- bericht der bürgerlichen Presse wird behauptet, die Arbeiter de? Geschäfts, wo Bauer arbeitete, hätten mit Nicberleaung der Arbeit gedroht, wenn Bauer nicht entlassen werde, bis ihn die Firma wirk- lich entlassen habe. Man habe ihn deshalb terrorisiert, weil er einen katholischen Arbeiterverein begründet habe, nachdem er aus dem Metallarbeiterverbande ausgetreten sei. Bauer habe dann in Bamberg Arbeit gefunden, allein auch dorthin habe man ihn ver- folgt und ihn aus der Arbeit getrieben. Die ganze Sache ist nach Rcichsverbalidsmanier total verdreht. Der wirtliche SachoerhaU ist folgender: Bauer fühlte schon im Jahre 1900 das Bedürfnis, einen katholischen Arbeiterverein und eine christliche Gewerkschaft zu gründen. Niemand kümmerte sich um die Bauersche Organi- sation, da sie gänzlich bedeutungslos war, bis Bauer sich zu fühlen und in der Werkstätte sehr provokatorisch aufzutreten begann. AlS seine Mitarbeiter darauf nicht reagierten, versuchte er seinen Mu: seinem Meister gegenüber und hörte infolge von Differenzen mit diesem plötzlich auf, er sollte dann aber wieder in die Wcrkstätte hineingebracht werden. Inzwischen hatten jedoch die Mitarbeiter erfahren, daß er dem Werkstätreningenieur gegenüber geäußert hatte, die Kernmacher leisteten nicht mehr so viel wie früher; daS Gegenteil war indessen der Fall. Die Arbeiter faßten diese Acußcrung als Denunziation auf und protestierten gegen dm Wiedereinstellung des Bauer. Dieser begab sich dann nach Bam- bcrg und fand in einer dortigen Gießerei Arbeit, wobei er sich den Anschein gab, als ob er frciorganisiert sei. cseine Kollegen schlössen jedoch aus seinem Verhalten, daß mit ihm nicht alles in Ordnung sei, weshalb sie sich in Pegnitz brieflich erkundigten, ob Bauer wirk- lich Mitglied des Metallarbeiterverbandcs sei. Im Auftrage der dortigen OriSverwaltung erteilte Genosse Gentner waHrHeitZ» gemäßen Aufschluß und erwähnte dabei selbstverständlich auch den Dcnunziationsfall. Der Brief wurde von dem Bamberger Bevoll- mächtigtcu. Genossen Forster, in einer Werkstättenversammlung verlesen. Bauer fühlte sich beleidigt und stellte Klage; das Schöffen- gericht sprach jedoch Gentner frei und verurteilte Forster zu zehn Mark. Hiergegen ergriff Bauer Berufung, die vom Landgericht Bamberg zurückgewiesen wurde. In beiden Verhandlungen wurde zeugeneidlich festgestellt, daß erstens Bauer, als er zum zweiten Mal» nach Pegnitz kam, seinen Werkstättenvertraucnsmann über sein« Verbandszugehörigkeit anlog; zweitens, daß er, während er noch ii der freien Gewerkschaft war, für die christliche Bewegung agitierte' drittens, daß er seine Werkstättelwertrauensleute, als sie sich de» halb wider ihn bei der Verbandsverwaltung beschwerten, Wide» besseres Wissen als Verleumder hinstellte, die ihn nur unterdrücke» wollten; viertens, daß er seine Mitarbeiter fortaesctzt beim Meistes beschuldigte, als machten sie ihm die Arbeit absichtlich kaput, trotze dem dies nicht der Fall war; fünftens, daß er bei Verhandlunge» wegen seiner Wiedereinstcllung dem Betriebsingenicur behauptet� in seiner Werkstatt sei kein„Schlag" mehr, es würde weniger ge> leistet wie früher; sechstcns wurde er vor Gericht durch seine eigene» Zeugen der Unwahrheit überführt. Mit Recht konnte der Vev teidiger in seinem Plaidohcr den Satz aussprechen, die Christliche» brauchten auf diese Leuchte nicht stolz zu sein, und er konnte sicf dabei auf die Zustimmung des anwesenden christlichen Arbeiter. sekretärs berufen, der ihm zunickte. Es sei noch einmal ausdrücklick festgestellt, daß Bauer nach Beginn seiner Gründertätigkeit noef ein ganzes Jahre mitten unter sreiorganisierten Kollegen arbeitete dann infolge von Differenzen mit dem Meister freiwillig aufhört» und jetzt in Bamberg, trotz seiner Vergangheit, wieder ein Iah, unter freien Gewerkschaften arbeitet. Letzte JVacbrichten und Depefchen» Albertis Wahlkreis. Koege, 13. Oktober.(W. T. B.) Bei der heute im früheren Wahlkreis des Ministers Alberti stattgehabten Folkething- Wahl wurde Redakteur N. Bransagar(linksradikal) mit 1432 Stimmen gewählt. Rechtsanwalt Lund (Linke Reformpartei) erhielt 1035 Stimmen. Bei der Folkething-Wahl im Jahre 1906 war Alberti mit 1419 Stimmen gewählt worden, Bransagar erhielt 1330 Stimmen. Ein Zwischenfall im englischen»nterhause. London» 13. Oktober. Im Unterhause trug sich in Verbindung mit den Demonstrationen für das Frauenstimmrecht, die heute abend vor dem Gebäude stattfanden, ein Zwischenfall im Hause selbst zu, während dort die Beratung des Gesetzes über Kinder- schütz stattfand. Eine Dame, die das Haus besuchte, und von einem Mitgliede der Liberalen im Foyer umhergeführt wurde. stürzte plötzlich in den Sitzungssaal hinein und rief laut, man solle aufhören, über die Kinder zu diskutieren und zuerst den Frauen das Stimmrecht geben. Ihr Begleiter ergriff sie sofort und schaffte sie unter dem Hohngelächter der Parlamentsmitglieder aus dem Hause. Die Diskussion wurde dann fortgesetzt, ohne daß man von dem Zwischenfall weitere Notiz nahm. Schluß der außerordentlichen Skupschtina-Sesfion in Serbien. Belgrad, 13. Oktober.(Meldung des Wiener k. k. Telegr.» Korr.-Bureau.) Die Skupschtina hat auf Antrag des Altradikalen Cositsch einstimmig beschlossen, die gestrige Rede Jowanowitschs und die gestrige Resolution der Skupschtina in sämtlichen Ge. meinden des Landes anzuschlagen. Die außerordentliche Session wurde alsdann durch königlichen Ukas geschlossen. Morgen tritt die Skupschtina zur ordentlichen Session zusammen. Aufgeschobene Wahlen in Bulgarien. Sofia, 13. Oktober.(Meldung des Wiener t. I. Telegr. Korr.-Bureau.) Heute erscheint ein Ukas. womit die für den 18. Oktober anberaumten Sobranje-Ersatzwahlen wegen der Ein- berufung der Reservisten zur Waffenübung auf den November der- schoben werden._ LiebestragSbie. Frankfurt a. M., 13. Oktober.(B. H.) In Wiesbaden spielte sich, wie die„Kleine Presse" meldet, in der Kirchgasse eine Liebes- tragödie ab. Ter Fabrikarbeiter Lochbauer aus Fechenheim lauerte seiner Geliebten, dem 23jährigen Dienstmädchen Frankenbach auf Schloß Born, auf und brachte ihr mehrere Messerstiche in die Brust bei; darauf schoß er sich eine Kugel in die linke Schläfe. Im städtischen Krankenhause starb er noch während der Nacht. Das Mädchen liegt hoffntingSlos danieder. Erdbeben. Mexico, 13. Oktober.(B. H.) Gestern abend wurde hier ein starkes Erdbeben von vierzig Sekunden Dauer verspürt. iktmto,Slet)aiklSIUfgS!»vlWt»i Betlitt, gnjeratenteil veraptw., Th, Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. BcrlagSgnstglt Paul Singer Sc Co. Berlin L W. Licrzu 2 Beilagen u. UnterbaltvoaSil.' Nr. 241. 25. Jahrgang. Volksblatt. two, 14. Oktober 1908. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Mittwoch, Zur Reform der Krankenversicherung. terden, die Verſicherungsträger auch in der Wahrnehmung ge- Sozialismus geborene Völkerrecht, das Selbstbestimmungsrecht der Die offiziöse Berliner Korrespondenz" teilt folgendes mit: " Der Staatssekretär des Junern hat zu den Ende Oktober im Reichsamte des Innern stattfindenden Sizungen über die Reform der Arbeiterversicherung Vertreter folgender Interessentengruppen singeladen: I. Zur Besprechung der Fragen der Krankenversicherung: Bertreter der Drts-, Betriebs- und Innungsfrankenkassen, der Knappschaftskrankenkassen, der freien Hilfstassen sowie der Kassenbeamten. II. Zu den Konferenzen über die Umgestaltung der an deren 8 weige der Arbeiterversicherung: Vertreter der Landesversicherungsanstalten, und zwar sowohl beamtete Mitglieder als Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer aus den Vorständen; Vertreter der gewerblichen und der landwirtschaftlichen Unfallberufsgenossenschaften sowie als Vertreter der der Unfallversicherung unterliegenden Arbeiter eine Reihe nichtständiger Mitglieder des Reichsversicherungsamts. III. Für die Beratungen der Verhältnisse der Krantenfassen zu den 8ahnärzten und den Apotheken: Vertreter der Krankenkassen, der Zahnärzte, Zahntechniker, der Apotheker und der Drogisten. Außerdem werden an den Konferenzen teilnehmen: Vertreter des Neichsversicherungsamts, der Landesversicherungsämter, des Kaiserlichen Gesundheitsamts sowie der Reichs- und Landeszentralbehörden. Den Verhandlungen über die Reform der Krankenversicherung dient der nachstehende Fragebogen als Unterlage: I. Wie ist bei einer Reform der Krankenversicherung die äußere Organisation der Krankenkassen zu gestalten? Wie ist dabei dem Bedürfnisse nach größerer Bentralisation Rechnung zu tragen? Insbesondere: a) Ist die Gemeindekrankenversicherung als zulässige Form der Versicherung zu beseitigen? b) Welche der nach dem Krankenversicherungsgesetz zugelassenen Sassenarten sind beizubehalten, welche zu beseitigen? staatliche oder kommunale usw. Stellen erledigten, dazu berufen die Redner der Kriegsgefahr und dem Kriegsgeschrei das aus dem all das wisser ihnen eigener Geschäfte zu unterstützen oder sie dabei fraft politisch mündig gewordenen Nationen entgegenseiten: gefeßlichen Auftrages zu vertreten. Bejahendenfalls, welche Auf- bewies, das nicht ein Haufen Neugieriger zum Hören von„ bcgaben der Versicherungsträger könnten dabei in Betracht kommen? rühmten" Rednern sich eingefunden, sondern ein Teil von jenem c) Wie ist die mittlere Instanz( das Oberversicherungsamt") Bölferganzen, auf deffen Rücken und dessen Kosten die europäische zu gestalten? Empfiehlt sich insbesondere ihre Anlehnung an die Diplomatie ihre Intrigentünste betreibt... obere Verwaltungsbehörde unter gleichzeitiger Uebertragung der bisher den Schiedsgerichten obliegenden Aufgaben? d) Empfiehlt es sich, dem Oberversicherungsamt einen Teil der jenigen Verwaltungsentscheidungen zu übertragen, für die gegenwärtig das Reichsversicherungsamt zuständig ist( z. B. in Katasterstreitigkeiten, bei Tarifbeschwerden und dergl.), unter Vorbehalt der Revisionsbeschwerde an letzteres( d. H. der Beschwerde für Rechts- und grundsätzliche Tatfragen)? Um 29 Uhr eröffnete De Brondère mit einer einleitenden Rede die Versammlung, indem er auf die politischen Ereignisse der Gegenwart verwies und im Zusammenhang mit der gegenwärtigen Krise das Erwachen der mündig gewordenen Nationen hervor hob. Wir begrüßen, sagte er, dieses Ereignis als einen Fortschritt, denn auf diesem neuen Boden erwächst das Terrain für den Klaffentampf. Nachdem De Brouckère noch der räuberischen Kolonialpolitik gedacht, gibt er das Wort dem Vertreter Ungarns, Genossen Buchinger, e) Wie kann bei rechtlich erzwingbaren Ansprüchen der Verficherten unter Wahrung des Rechtes des Versicherungsträgers, zu solchen Ansprüchen an sein Bermögen zunächst selbständig der die Taktik der ungarischen Regierung geißelt, die mit einem Stellung zu nehmen, dem Akte der Rentenfestsetzung mehr als„ Haltet den Dieb"-Wahlspruch in geeigneten Momenten das ungarische bisher der Charakter einer wirklichen ersten Instanz gegeben Volt gegen Desterreich hetzt. Das ungarische Volk, das eben mit werden? Soll insbesondere das Reichsversicherungsamt berufen wunderbarer Energie für sein Elementarrecht kämpft, wird in den sein, die Entscheidung vorzubereiten? Ist seiner amtlichen Ereignissen der Gegenwart nicht die Hand dazu bieten, daß die Aeußerung für die Entscheidung die Bedeutung eines bloßen Herren Magyaren die Beraubung einer anderen Nationalität zu Gutachtens beizulegen oder darüber hinaus die eines Vorschlags, einem Schachzug gegen das elementare Bürgerrecht im eigenen Lande der für den Versicherungsträger zwar nicht bindend ist, über den benutzen.( Beifall.) er sich aber auch nicht ohne weiteres hinwegfeßen darf? Eine demonstrative Dvation wird dem Redner der türkischen f) Wie ist der Instanzenzug für das Rentenfestsetzungsverfahren Sozialisten, zu gestalten?" Genoffen Varandian. Er überbringt die brüderlichen Grüße der sozialistischDiese Fragen sollen nicht ein irgendwie bindendes Programm rebolutionären Partei der Türkei, die seit 18 Jahren darstellen oder den Kreis der zu besprechenden Fragen beschränken; sie gegen das Regime des Sultans tämpft. Er verweist auf den gefind vielmehr ledidlich dazu bestimmt, einen vorläufigen Anhalt für meinsamen Kampf der christlichen und muselmanischen Bevölkerung, den äußeren Gangfder Verhandlungen zu bieten. Die Erörterung weiterer der erst den Sieg brachte. Welch Schauspiel! Die gegeneinander die Reform der Arbeiterversicherung betreffender Einzelfragen grund- gehetzten Völker umfangen sich in einer brüderlichen Vereinigung. die Intrigen der Mächte, die das fäglicher Art soll jedenfalls mit der Aufstellung dieser Frage nicht ber Emporkomment abgeschnitten sein. des Volkes nicht dulden können, bedrohen bereits die junge Türkei. Und tvill man und dem Despoten seinem Bei der zu III bezeichneten Besprechung wird es sich insreaktionären den Anhang Vorwand Liefern, das alte besondere um die Erörterung darüber handeln, ob bei der BeRegime wiederherzustellen. Man sucht das Nationalgefühl der handlung von Bahnkrankheiten neben den Zahnärzten auch die Zahn jungen Türken zu verwunden, um erst den Krieg und nachher die technifer gesetzlich allgemein für die Krankenkassenmitglieder zu- Reaktion zu entfesseln. Die sozialistische Inter gelaffen sind; ob die freie oder die beschränkte Apothekenwahl ge- nationale wird sich all diesen Attentaten entgegenstellen. Möge feßlich festzulegen ist und ob den Krankenkassen in besonderen Fällen sie in den einzelnen Ländern allen Aspirationen ihrer Regierungen c) Inwieweit ist die Bentralisation namentlich der Ortstranten die Entnahme bestimmter Heilmittel aus den Drogerien zu gestatten entgegenarbeiten! Geben Sie der neuen Türkei diese Zuversicht, daß faffen durch Gesetz vorzuschreiben, inwieweit für die Beteiligten ist. Auch wird die Frage des Selbstdispensierrechts der Kranken- fie in der westlichen Welt nur einen Freund hat: Das Prolenur zu erleichtern? tariat!( Stürmischer, langanhaltender Beifall.) d) Wie soll für den Fall des Zusammenschlusses die Auseinander- laffen berührt werden fönnen. Der bulgarische, ebenfalls mit demonstrativem Beifall beDie Grundzüge laffen erkennen, daß seit Jahrzehnten spruchreife grüßte Delegierte sezung zwischen den beteiligten Kassen( hinsichtlich des Vermögens, des Personals usw.) geregelt werden? Genosse Avramoff Fragen, z. B. Beseitigung der Gemeindekrankenversicherung, der Betriebs- und Innungskrankenkassen abermals erst erörtert werden sollen. Vertreter der gewerkschaftlichen und politischen Organisation führte aus, daß die Unabhängigkeit Bulgariens den Arbeitern keine Die Arbeiterklasse ist rechtlos, der Arbeiter sind nach obigem nicht zugezogen. Demnach dürfte neuen Freiheiten gebracht hat. Demnach dürfte außerhalb des Gesetzes. Er erklärt, daß die bulgarische Partei nach wie vor das Programm des Staatssekretärs nicht sein: wie ist weder mit der militaristischen noch mit der chauvinistischen Bewegung die Krankenversicherung im Interesse der Arbeiterklasse aus- etwas gemein hat. Wir sind mit der Internationale" solidarisch! zubauen, sondern was soll geschehen, um entgegen dem Interesse der( Lebhafter Beifall.) intereffen der Aerzte, Apotheker usw. wahrzunehmen? Das ist die der legten deutsch- tschechischen Ereignisse gedenkend, stellt aufs neue Genosse Nemec( Böhmen), Arbeiter den Einfluß der Unternehmer zu mehren und die GeldArt, um ein Rückwärts der Versicherungs, reform" in die Wege zu den Kampf der Proletarier der beiden Nationen über die nationalen leiten. Querellen der Bourgeoisie. In launig- wigigen Worten charakterisiert Nemec unseren modernen Premier", der links und rechts mit immer neuem Warenangebot sein Schifflein lenkt. Er erinnert an den Wahlrechtstampf und die Aufgaben des neuen Desterreichs, das den Beweis erbringen wird, daß die Arbeiterklasse auch in diesem sprachlich vielgestaltigen Lande in der Verwirklichung seiner Forderungen fortschreitet. Pernerstorfer( Desterreich), e) Wie ist für die Folge das Verhältnis der eingeschriebenen Hilfstassen zu den Pflichtkassen des Krankenversicherungsgesetzes zu gestalten? II. Welcher Abänderungen bedarf die innere Organi fation der Krankenkassen? Insbesondere: Arbeitgebern geregelt werden? a) In welchem Verhältnisse sollen Rechte und Pflichten bei der Kaffenverwaltung zwischen den Kaffenmitgliedern und ihren b) Empfiehlt sich zur Schaffung eines Ausgleichs zwischen widerstreitenden Interessen beider Gruppen die Einsetzung eines un parteiischen Vorsigenden? c) 3ft durch gefeßliche Einführung der Verhältniswahl bei den Strantentassen auch den Minderheitsgruppen eine ihrer Bahl entsprechende Vertretung zu sichern? d) Wie sind die Verhältnisse der Kassenbeamten zu regeln? anzustreben? III. Wie ist das Verfahren und der Justanzenzug in Streit. sachen der Krantenversicherung zu gestalten? Insbesondere ist eine Uebereinstimmung mit dem Verfahren und dem Infianzenzuge bei den übrigen Zweigen der Arbeiterversicherung Der Fragebogen für die Erörterung der zu II benannten Angelegenheiten enthält nach Aufführung einiger für die Reform der Arbeiterbersicherung besonders in Betracht kommender Gesichtspunkte die nachstehenden Fragen: 36 a) Wie ist der gemeinsame örtliche Unterbau( das Verfichezungsamt") zu gestalten? Empfiehlt sich insbesondere feine AnLehnung an die untere Verwaltungsbehörde? " b) Welche Aufgaben sind dem Versicherungsamte" zuzu weisen? Soll es insbesondere neben solchen Aufgaben, die bisher Kleines feuilleton. Die fozialistische Internationale über die politliche Lage. Brüssel, 11. Oftober.( Eig. Ber.) Er vermerkt Am Sonnabend, dem Vortag der internationalen sozia- lebhaft begrüßt, unternimmt mit seinem, auch von den Tistischen Sonferenz, deren Beratungen diesmal hauptsächlich Ausländern sehr geschäßten martigen Humor einen Ausflug in das der gegenwärtigen politischen Situation galten, Gebiet der politischen und nationalen Psychologie Desterreichs und sprachen über dieses Thema die Delegierten des internationalen bezeichnet den Desterreicher, das Wort Mommsens variierend, als fozialistischen Bureaus auch vor den Brüsseler Arbeitern und den llebergang vom Asiaten zum Westeuropäer... den zahlreichen ausländischen Arbeitergruppen der belgischen Haupt- das Nationalitätengemengjel Desterreichs und sagt: Wir leben aber Nun kommen stadt. Trotz des hier für Versammlungen nicht günstigen Sonn- troß alledem, und zwar alsozialisten! abendes war der Festsaal des Maison du Peuple" gefüllt. wir auch noch in die Lage, unsere Brüder in Bosnien und der Die den ganzen Abend herrschende Stimmung, der brausende Herzegowina ans Herz zu drücken!- 8um Schluß seiner Rede geBeifall, der insbesondere jene Worte der Redner begleitete, denkt Bernerstorfer der belgischen Genossenschaften, die hier die Wege die das Urteil über die räntefüchtige, machtgierige europäische für die sozialistische Entwickelung geschaffen haben. Die Nede erDiplomatie sprachen; nicht minder das demonstrative Bujubeln, als weďte herzlichen und lebhaften Beifall. neulich einen Agrarier, ,, Gott sei Dant," antRindvich" und Schafsfortlaufen, ist es mir ( Simplicissimus.") etwa, wie mein Schneider oder boshafte Leute argwöhnen fönnten, eines ehemaligen Militärpferdes gemacht und mußte daher vor das irgend welche persönlichen Gründe und Interessen." militärische Ehrengericht gestellt werden. Das erste bulgarische Buch. Vor kurzem hätte man die Hundert- Schimpffreiheit. Ich fragte jahrfeier der Geburt der bulgarischen Literatur begehen können: erst ob er seine Ernte gut hereingebracht habe. Der Kientopp wird literarisch. Die Mischung von nerbenspannenden im Jahre 1806 ist das erste bulgarische Buch erschienen! Die Tat- wortete er, jetzt kann man doch wieder Sensationen, pridelnden Verhülltheiten und groben Geschmadlosig- fache ist bezeichnend für die Geschichte des bulgarischen Volkes, das topf" zu den Leuten sagen. Wenn sie jetzt feiten, die das Repertoire der Kientöppe bisher bei uns darbot, be- heute als selbständiges Glied in die Reihe der europäischen Nationen ganz recht." darf dringend der Reform. Das Kinematographen Theater, das treten will, und seine geistige Entwickelung, die noch sehr jung ist.- Russische Wissenschaft. Nach der Franff. 8tg." hat Belehrung und genußreiche Unterhaltung bieten tönnte, müßte zu Infolge des weltlichen Jochs der Türken und des geistigen der die Aerztekommission in Moskau beschlossen, für die Choleradiesem Zwede allerdings an Haupt und Gliedern umgestaltet werden. Griechen sind die Bulgaren lange in völliger geistiger Abhängigkeit impfungen teine Propaganda mehr zu machen, da die Schußwirkung Gine bekannte Pariser Kinematographengesellschaft scheint dergleichen geblieben; selbst die Buchdruckerkunst ist lange nicht bis zu ihnen in Berlin zu beabsichtigen. Sie will hier ein besonderes Theater gekommen, und ihre Kirchenbücher bezogen sie von den Ruffen und nur ein halbes Jahr dauert und die Impfung nach dieser Zeit doch gründen und macht inzwischen Propaganda unter den Schriftstellern. Serben. In der Kirchensprache, im Slawischen, waren alle Bücher wiederholt werden müßte. Die gelehrte Körperschaft hat, wie wir erfahren, ferner beschlossen, Sanierungsbauten in den verseuchten In Frankreich, besonders in Paris arbeiten in der Tat die gefchrieben, die den Bulgaren in die Hände kamen. Der erste Städten gar nicht in Angriff zu nehmen, da das Geld dafür doch Sie liefern die Ideen, die von den Regisseuren für die kinemato- wagte, war der Bischof Sofronij von Vraca, der im Jahre 1806 borher gestohlen wird und die Cholera doch vorher zu Ende gehen würde. Sie hat ferner beschlossen, das Studium der Medizin übergraphische Aufnahme in Leben und Bewegung umgefeßt werden. in Symnik eine Sammlung Sonntagspredigten Kiria- Rodromon", haupt aufzugeben, da doch alle Menschen früher oder später sterben Es scheint, daß ein ganz gutes Geschäft damit zu machen ist. Sind nach dem Griechischen bearbeitet, herausgab. Diese Sonntags müssen. Und sie hat endlich beschlossen, sich selbst aufzulösen, da sie doch an 600 französische Schriftsteller und eine Reihe bedeutender predigten" wurden berühmt und verschafften der bulgarischen Sprache bei längerem Beisammensein doch nichts Klügeres mehr zum VorDarsteller für die Kinematographentheater tätig. Db allzu viel das Heimatrecht in der Literatur, und so gilt Sofranij mit Recht als der Jugend".) bei für die künstlerische Hebung der Kientöppe herausschaut, muß Vater der bulgarischen Literatur". die Erfahrung lehren. Vorläufig wird wohl noch der„ starte Toback", die Detektivgeschichte und ähnliches überwiegen. Aber es ist immer hin ein Weg eröffnet, auf dem Besserung möglich erscheint." " " schein brächte. Notizen. " Ueber die erste Betroleummotorbahn lesen wir in Heft 10 der " Dokumente des Fortschritts": Die„ Union Pacific Bahn" in den- Theaterchronit. Das Programm des Sarah Bern. Vereinigten Staaten hat eine wichtige Veränderung in ihrem Eisen- hardt Gastspiels im e b bel- heater erfährt eine Alenderung. Donnerstag, den 22. Oktober, wird die( unvermeidliche) Ein zeitgemäßer Einfall. Die Ereignisse im europäischen Drient bahnbetrieb vorgenommen; sie hat foeben den Petroleummotor einhaben einem Mitarbeiter des römischen Messaggero" ein geführt. Die Vorversuche, die dieser wichtigen Veränderung voran Kameliendame" wiederholt. - Sudermann in Paris. Sudermanns Drama Stein ebenso zwedmäßiges als zeitgemäßes Verfahren nahegelegt, über gingen und die innerhalb der legten Jahre ausgeführt wurden, haben äußerst günstige Resultate ergeben und jetzt ist der erste unter Steinen" erzielte im Pariser Odeon, dem zweiten staatdas er in folgender Weise berichtet: Unter dem Datum des heutigen Tages habe ich meinem regelmäßige Petroleummotordienst zwischen Kearney und Callaway lich subventionierten Theater, einen starten Erfolg. Sein Direktor Die Motorwagen, die ganz aus Stahl Antoine hatte ihm eine überaus wirksame Inszenierung zu teil Schneider ein handschriftliches Schreiben übersandt, in dem ich ihm eingerichtet worden. mitteilte, daß im Hinblick auf die jüngsten Ereignisse der ausgebaut find, laufen auf zwei vierrädrigen Drehgestellen und werden lassen. Ihr Gewicht beträgt nur Lebende Denkmäler. Angesichts der immer mehr und wärtigen Politik auch ich mich entschlossen habe, an dem Glück der bieten für 57 Personen Platz. Der aufrecht stehende Petroleummotor hat eine mehr wachsenden Denkmälerzahl in Frankreich erinnert ein Bariser Völker mitzuwirken durch Annexion all der Anzüge, die er mir in 25 Tonnen. letter Zeit angefertigt hat. Weiter habe ich einen Freund, der sich Stärke von 200 Pferdekräften. Besonders was das Bremsen an Blatt an die hübsche Antwort, die Rossini einer Deputation gab, in seiner auf internationale Rechtsfragen versteht, beauftragt, ihm zu langt, ist der Petroleummotor der Lokomotive überlegen, denn bei durch die ihm die Errichtung seines Denkmals erklären, daß mein Brief lediglich eine tatsächliche Sachlage in eine einer Geschwindigkeit von 33 Kilometern kann der Wagen ohne große Waterstadt angekündigt wurde. Des Maestro fragte, wieviel wohl rechtliche verwandelt, da die Anzüge feit längerer Zeit in meinem Erschütterung auf 30 Meter zum Stehen gebracht werden und im feine Statue in weißem Marmor fosten würde, und als er die unumstrittenen Besige waren und andererseits feinerlei nahe oder Falle der Gefahr auf einer Strecke, die etwa seiner Länge gleich ist. Antwort erhielt: 12 000 gr.", sagte er vergnügt: Nun gut, geben fernliegende Aussicht auf Bezahlung aus meiner Tasche vorlag. Auch was das Ueberwinden von Steigungen anbetrifft, soll der Sie mir die Summe und bei allen feierlichen Gelegenheiten, oder Um dem Schneider andererseits eine greifbare Entschädigung zu Motor Vorzügliches leisten, denn selbst in den Rocky Mountains ist wenn es sonst nötig ist, werde ich hinkommen und mich auf das bieten, habe ich ausdrücklich erklärt, daß ich darauf verzichtete, auch eine Geschwindigkeit von 40 Kilometern möglich. Der einzige Biedestal stellen. Sie werden dann an Stelle einer Kopie das seinen Laden zu annektieren. Mit anderen Worten habe ich auf Mangel, den man dem Motor vorwerfen könnte, ist der, daß die Original haben und ich bin um 12.000 Fr. reicher." Betriebskosten mit den Preisen der Feuerung schwanken; durch1283 Kilometer unter Wasser. Das französische die Vorteile des Artikels 25 des Berliner Vertrages Verzicht geschnittlich jedoch betragen sie zwischen 50 und 60 Pfennigen für Unterseeboot„ Emeraude"( 890 Tonnen) hat soeben eine bemerkenswerte Leistung ausgeführt, indem es eine Fahrt von 80% Stunden Gleichzeitig habe ich durch besondere Proklamation meinem die Meile. in der See machte, bei der es 1283 Stilometer zurücklegte. Das Mädchen befohlen, die Anzüge mit größter Sorgfalt zu bürsten und Boot hielt dabei eine regelmäßige Geschwindigkeit von neun Knoten ihnen eine Egiraration Benzin zukommen zu lassen. Auf diese Weise habe ich bewiesen, daß nur eine besondere Besorgnis um ihr Wohl Militärgerichtsbarkeit. Bei einem Megger war inne, und der Petroleummotor arbeitete während der ganzen Zeit sowie der Wunsch, auch sie des Reformregimes teilhaftig werden zu eine verdorbene Wurst beschlagnahmt worden, und es sollte ein Ver ausgezeichnet. Die Mannschaft war von der außerordentlichen laffen, mich zu diesem äußersten Schritt getrieben hat, und nicht fahren eingeleitet werden. Aber die Wurst war aus dem Fleisch Strapaze zwar ermüdet, hat sie jedoch gut überstanden. leistet. Humor und Satire. " Sranttng sTchweden) Betont, daß in dieser internationalen FriedenslundgeBung auch die Stimme der nordischen Völker ertönen müsse, denn die kleinen Völker, das zeige die jetzige Situation, sind die Avantgarde im Kampfe gegen den Militarismus. Branting verweist unter stürmt» schem Beifall auf die Wahlerfolge der schwedischen Partei, die ihre 17 Mandate auf 33 erhöht habe. Vor sechs Jahren gab es nur einen einzigen sozialdemokratischen Depm tierten in Schweden. Glasier(für die Unabhängige Arbeiterpartei Englands) begrüßt im Namen seiner Partei die Erhebung der türkischen und bulgarischen Nation. Baillant(Vereinigte sozialistische Partei Frankreichs) stürmisch als„Kommunard" akklamiert, rechnet in seiner Rede mit dem System Clemenceau und seiner Marokkopolitik ab.— Die Internationale muß die Wächterin des Friedens sein. Wir der- hindern kein Volk an seinem nationalen Bewußlwerden und politische» Erhebung. Bei den erwachten Völkern wird die Friedensidee um so leichter durchbrechen und der Sozialismus sich Bahn schaffen. Es sprachen dann noch: Hyndiiia»(Social Democratic Party Englands) und Molkenbuhr(Deutschland), der gleich anderen Rednern die Gefahren der Annexion für die konstitutionelle Türkei hervorhebt. Wenn je etwas dazu angetan ist, die Klassenherrschaft zu verurteilen, so die Tatsache, daß ständig die Möglichkeit der Erniordung von unschuldigen Volksmassen gegeben ist. Die ganze und volle Einigkeit des Wellproletariats wird den Frieden bringen. Zum Schluß erhielt das Wort: Viktor Adler(Oesterreich): Mit Belgien verknüpfe Oeslerreich noch ein anderes als das gewöhnliche internationale Band. Wir sind einander ähnlich im Temperament und klein wie Sie I Und oft haben wir unsere Kämpfe an Ihnen entzündet.„Belgisch" zu reden war lange ein Schlag- wort bei uns, ein Wort, das uns Monate von Gefängnis gekostet hat. Auf die Annexion übergehend sagt Adler: Man spricht von Fortschritte», die in den Aktionen der Regierungen liegen sollen. Und man darf in der Tat in dem Vorgehen Bulgariens einen Fortschritt sehen und das Volk wird diesen Fortschritt auszunützen verstehen.— Was Bosnien und die Herzegowina betrifft, so muß man sich indes fragen: wem nützt diese Annexion? Die Völker Oesterreichs� haben nicht das geringste Interesse an ihr. Viel mehr bedeutet sie eine doppelte Gefahr: eine Bedrohung des Friedens und die Gefahr nationaler Konflikte. Gewiß, ein Krieg mit Serbien wäre ein Wahnsinn— aber solchen Wahnsinn bezahlen die Völker. Das Schlimme ist, daß diese Arbeit der Diplomatie gemacht worden ist als Konterrevolution. Wenn die alten Zustände, das alte Chaos am Balkan wieder eintreten sollten, dann läge die Schuld an Oesterreich-Ungarn und die österreichische Fraktion würde die Re- gierung mr Parlament zur Verantwortung ziehen. Das A u S« land soll wissen, welche Stellung wir einnehmen! Wir können den Gang der Dinge nicht ändern, aber wenn die Regierung in Bosnien die Konstitution und Rechtszustände einführt, so ist das der Rücksicht auf die starke Arbeiterbewegung in Oesterreich-Ungarn geschuldet.— WaS den Krieg verhindern kann. das ist, daß in allen Ländern denkende Nienschen sind und die Länder- rind Raubgier der Herr- schenden eingeengt wird von dem Gedanken, daß, lvenn der Krieg an fängt, kein Mensch sagen kann, wieeraushört...(Beifall.) Genoffe Furnemont-Belgien beantragt sodann folgende Reso- lution, die unter stürmischem Beifall akklamiert wurde: „Die am 10. Oktober im„Maison du Peuple" vereinigte Ver- sammlung bestätigt aufs neue den energischen Willen des Welt« Proletariats, den Frieden unter den Nationen zu erhalten und den die Völker bedrückenden kapitalistischen Mlitarismus aufs äußerste zu bekämpfen und vertraut den verschiedenen Sektionen der Arbeiter- Internationale, daß sie die Stuttgarter Beschlüsse ausführen werden." Die machtvolle Manifestation endete unter dem Gesang der „Internationale". ein beleidigter Reiclssverbands-flgitafor. Ein Agitator des Reichsverbandes zur Bekämpfung der Sozial- demokratie, Herr Mertens in Alten bürg, wehrt sich durch Beleidigungsklagen dagegen, daß man ihn als„Agitator des Reichs- lügenverbandeS" bezeichnet. Herr Mertens hält es zwar nicht für unehrenhaft, im Dienste dieses Verbandes zu stehen, aber er fühlt sich dadurch beleidigt, daß man seinem Verbände die Bezeichnung ..Reichslügenverband" gibt. Diese Bezeichnung, meint Herr Mertens. wäre nur dann berechtigt, wenn das Lügen der einzige und auS- schließliche Zlvecke des ReichSverbandeS wäre. Daß dies nicht zu- trifft, darin hat ja Herr Mertens recht. Der Zweck des Reichs- Verbandes ist bekanntlich die Bekämpfung der Sozialdemokratie. Aber zur Erreichung dieses Zweckes sind dem Reichsverbande alle Mittel recht und die bisherige Tätigkeit des Verbandes hat bewiesen, daß Lügen und Verleumdungen der Sozialdemokratie und ihrer Anhänger zu denjenigen Kampfmitteln gehören, deren sich der Reichs verband mit so großer Vorliebe bedient, daß anständige Gegner der Sozialdemokratie jede Gemeinschaft mit dem Reichsverbande ver- meiden. Also der Reichsverbandsagitator Mertens will nicht als Agitator des Reichslügenverbandes bezeichnet werden. Der verantwortliche Redakteur unseres Zwickauer Parteiblattes, Genosse Schubert, der Herrn Mertens diese Bezeichnung beilegte, ist deshalb vom Gericht mit 100 M. bestrast worden. Der„Vorwärts" hatte diese Tatsache mitgeteilt in der Form, Schubert sei verurteilt worden, weil er einen Agitator des Reichslügenverbandes mit dem ihm gebührenden Titel belegte. In einer anderen Nummer des „Vorwärts" ist eine ähnliche Bezeichnung des Neichsverbandes ge- braucht und ebenfalls auf Mertens Bezug genommen worden. Wegen dieser beiden Bemerkungen hat Mertens unseren ver- antwortlichen Redakteur. Genossen Davidsohn, verklagt. Das Schöffengericht hatte, wie erinnerlich, David- söhn zu einer Geldstrafe von 100 M. verurteilt, ohne den Be- weis dafür zuzulassen, daß der Reichsverband die Be- zeichnung.Reichslügenverband" tatsächlich verdient. Da Davidsohn gegen seine Verurteilung Berufung ein- gelegt hatte, so kam die Sache gestern vor der neunten Strafkammer des Landgerichts I zur Verhandlung. Der An- geklagte und sein Verteidiger. Rechtsanwalt Löwy, vertraten den Standpunkt, die als beleidigend unter Anklage ge- stellte Bezeichnung treffe nicht die Person de« Klägers, sondern den Reichsverband, der aber nicht alS Kläger auftreten könne. Die Be- zeicknung„ReichLlügenverband" sei so gebräuchlich, daß niemand daran Anstoß nehmen könne, wenn sie im politischen Tageskampfe angewandt werde. Sie werde selbst von dem Leiter des Reichsver- bandes, General v. Liebert, nicht als Beleidigung empfunden, denn derselbe habe ja im Reichstage erklärt, der Verband werde den Titel „Reichslügenverband" als Ehrentitel annehmen.— Eine Reihe von Beweisen wurden dafür angeboten, daß der Reichsverbaird in hervorragendem Maße mit Lügen und Verleumdungen gegen die Sozial« demokratie kämpft. Weiter wurde unter Beweis gestellt, daß der Kläger nicht ein Mann sei, dessen Persönlichkeit einen so weitgehenden Schutz verdiene, wie ihn das Schöffengericht durch Bestrafung des Angeklagten mit 100 M. anerkannt habe. ES j wurde angeführt, der Kläger bediene sich im Kampfe die Sozialdemokratie keineswegs eines guten Tones, er werde deshalb, entgegen den sonstigen Gepflogenheiten der Sozialdemokratie, von den sozialdemokratischen Versammlungen des Wahlkreises Altenburg ausgeschlossen. Ja, die Liberalen in Altenburg hätten bei der Wahl die Unterstützung des konservativen Kandidaten davon abhängig gemacht, daß der Kläger nicht in die Agitation eingreife. Aus diesen Gründen würde sich, wenn das Gericht nicht zu einer Freisprechung kommen sollte, wenigstens eine wesentliche Herabsetzung der Strafe rechtfertigen. Das Gericht verwarf die Berufung. Der Kläger, hieß es in den Gründen dieses auffälligen Urteils, sei beleidigt, denn durch die Bezeichnung„Agitator des Reichslügenverbandes" werde ihm zum Vorwurf gemacht, daß er sich in den Dienst des Verbandes stellte, obwohl er wußte, derselbe operiere mit Lügen. Der Wahrheitsbeweis in bezug auf das, was der Verband getan, komme für die Person des Klägers nicht in Frage und was in bezug auf diesen selbst angeführt wurde, sei für die Straf- zumessung nicht erheblich. Die Logik dieses Urteils ist sehr anfechtbar. Der Beweis, daß der Reichsverband mit Lügen gegen die Sozialdemokratie operiert, mutzte zugelassen werden, denn wenn bewiesen wird— und das kann an Hunderten von Fällen bewiesen werden—, daß der Reichsverband mit Lügen gegen die Sozialdemokratie kämpft, dann ver- dient er die Bezeichnung„ReichSlügenverband", und wenn man Personen, die sich in den Dienst dieses Verbandes stellen, als Agitatoren des Reichslügenverbandes bezeichnet, so trifft diese Be- zeichnung das richtige und kann deshalb nicht strafbar sein. Das anerkennt auch§ 186 des Strafgesetzbuchs ausdrücklich. Warten wir ab. ob auch das Kammergericht dem Reichslügenverband den Schutz des MajestätsbeleidigungSparagraphen zuerkennt und den Rechtssatz billigt: nach der Wahrheit darf beim ReichSlügenverband nicht ge- forscht werden._ Hus Induftrie und Kandel. Borsch ärfung der Wirtschaftskrise. Die Oktobernummer des Organs der Vereinigten englischen Maschinenbauer bringt erschreckende Mitteilungen über die Ver- schärfung der Wirtschaflskrise in England. Von der Gewerkschaft der Schlffbauer, 60 631 Mitglieder, waren nach dem letzten Bericht 15 255— 25,2 Proz. arbeitslos I Zu gleicher Zeit 1907 betrug die Arbeitslosigkeit 9,3 Proz. l Von der Gewerkschaft der Holzarbeiter waren 8,7 Proz. arbeitslos vorjährig sind es 4,3 Proz. gewesen. Im Baugewerbe zählte die Trade-Union der Zimmerleute 8,9 Proz. arbeitsloie Mitglieder gegen 4,6 Proz. im Vorjahre. Von de» Mitgliedern des MaschinenbaucrverbandeS haben sich 14 223— 13i/z Proz. arbeitslos gemeldet! Nur zweimal hat diese berühmteste Arbeitsorganisation während ihres 57 jährigen Bestehens einen noch etwas höheren Arbeitslosenstand zu verzeichnen gehabt. Das erste Mal 1879, wo von den 44 078 Mitgliedern 5879 gleich 13,3 Proz. beschäftigungslos waren. Sodann im Jahre 1897, nach dem großen Kamps mit den verbündeten Unteruehmern. Damals wurden 91 944 von Mitgliedern 13 612— 14,8 Prozent arbeitslos, zum bedeutenden Teil infolge Maßregelung und Boykottierung. Das war aber eine ziemlich raich vorüber- gehende Erscheinung, denn schon ein halbes Jahr darauf fiel die Arbeitslosenziffer auf 8,1 Proz. und ein Jahr später rapide auf 2.4 Proz. Das Jahr 1908 dagegen zeigt von Februar an(mit 5 Proz. Beschäftigungslosen) ein beispiellos starkes Ansteigen der Arbeitslosenziffer, und es ist noch keine Aussicht auf merkliche Besse- rung vorhanden. Ein Anzeichen tiefgehender Verschlechterung der ErwerbSverhält- niffe in Großbritannien»st auch, daß im September der Mitglieder- bestand des Maschuienbauerverbandes sich wieder verringert hat. Der Verlust beträgt 299 im Vergleich zu August und 1103 gegenüber dem höchsten Stande von April. Die Mitgliederzahl ist auf 109 964 zurückgegangen. Daß auch in Deutschland von einer Ueberwindung der Geschäfts- krisis noch keine Rede sein kann, ergeben die neuesten Mitteilungen aus der Montanindustrie. Der bis in das erste Viertel 1908 an- haltenden Vermehrung der Arbeiter ist im zweiten Viertel ein Still- stand, teilweise schon ein Rückgang der Beschäftigten gefolgt. In Oberschlefien vermehrte sich die Grubenarbeiterzahl im 1. Quartal d. I. noch um über 8000 Köpfe: im 2. Quartal tritt eine Ber- ringcrung von rund 1700 ein. In Niederschlesicn ist die Zahl der Be- schäftigten urn 61 gefallen, im Ruhrbecken, wo das 1. Quartal noch eine Vermehrung der Belegschaft von über 26 000 aufwies, sind im 2. Quartal nur noch 40 Arbeiter mehr gezählt. Mit Rücksicht auf die hier in den letzten Jahren ununterbrochen vor sich gegangene riesige Arbeiter- Vermehrung bedeutet die letzle Ziffer einen relativen Rückgang von anßerordenllicher Höhe. Auch die im Saargebiet mehr angelegten 480 Ar- beiter lassen eine erhebliche Verschlechterung der Nachfrage im Ver« gleich zu der früheren Arbeitervermehrung erkennen. Ebenso bleibt die Vermehrung der Braunkohlenarbeitcr um rund 2000 Köpfe hiirter der des Vorquartals weit zurück. Es kann aber nicht verkannt werden, daß hinsichtlich der Arbeitervermehrung die Verhältnisse im Braunkohlenbergbau immer noch günstiger wie im Steinkohlen bergbau liegen, und weit besser wie im Salzbergbau, den» hier ist eine absolute Berringerung der Arbcitcrzahl um 315 Köpfe zu konstatieren. Am deutlichsten tritt die Verschlechterung der Arbeiterexistenz in Erscheinung in den Lohnzahlen. Auch dort, wo noch im 2. Quartal dieses Jahres eine Arbeitervermehrung stattfand, ist das Lohn einkommen der Arbeiter gesunken. Gegenüber dem letzten Quartal 1907 sind die Lohnrückgänge der Bergarbeiter ungewöhnlich hoch. Es betrug der Durchschnittslohn eines Grubenarbeiters: der Rück- im 4. Quartal im 2. Quartal gang 1907 1903 � � gegen s glaubte, einem guten, bürgerlichen„besseren� Haushalt vorstehen zu können. Sie ging getrosten Mutes auf die Stellungsuche. Die Dame Nr. 1 maß sie, im Hausflur verharrend, kritisch von oben bis unten, dann erst erwiderte sie den Gruß. Als sie die Stellung- suchende mit ihrer Hausordnung und den zu erwartenden Pflichten bekannt gemacht hatte, wagte diese die Frage zu stellen:„Wie groß ist Ihr Haushalt eigentlich? Wieviel Kinder haben Sie?" Das war aber genug. Sofort erhielt sie die Antwort:„Das hat mich noch keine gefragt. Sie als Dienstmädchen sollten froh sein, in einem Hause, wie bei mir, überhaupt aufgenommen zu werden. Ich bin� es nicht gewöhnt, vom Dienstmädchen......" Das Mädchen hörte nicht weiter zu. Der Dame Nr. 2 war sie z u j u n g, doch sollte sie Nachricht erhalten, falls keine Aeltere käme. Nr. 3. erklärte:„Sie kommen hier in ein besseres Haus. Ich nehme auch nur bessere Niädchen. Ich bin es gewohnt, bei meinem Mädchen morgens helle Kleider, nachmittags Wollblusen und nur weiße Schürzen zu sehen." Der Haushalt umfaßt 8 Personen, dem„das Mädchen a klein vorstehen sollte. Noch erklärte die„bessere" Dame, daß sie, da sie kränklich sei, sich auch nicht viel mit den Kindern befassen könne. Das Mädchen müsse auch nachts die drei kleinsten Kinder im Alter von 4. 2�4 Jahren und 8 Monate übernehmen.(!) 10, im Höchstfalle 12 Mark, sollte der monatliche Lohn sein. Das Mädchen dankte und ging zu Nr. 4. Wir lassen die Schreiberin selbst erzählen. waS sie da erlebte: „Nachdem diese meine Zeugnisse durchgesehen hatte, sagte sie: „Sie sind mir eigentlich etwas zu groß. Ich will mal mit meinem Mann sprechen," und ging hinaus. Einen Augenblick nachher ging auch ihr kleines Tochterchen, welches bis dahin bei uns im Zimmer gewesen war, ihrer Mutter nach und ließ die Türe zum Nebe»»- zimmer nur angelehnt, wodurch es mir möglich war, zu hören, was dort gesprochen wurde. Die Dame sagte gerade:„Paul, da ist wieder eine, sie hat bessere Zeugnisse wie die von heute morgen. aber sie ist so schrecklich groß, sie ißt wahrscheinlich auch soviel." „Aber, Ella, um die Sachen kann ich mich doch nicht kümmern, das »nutzt Du selbst wissen," entgegnete er. Darauf sie:«Ich weiß es auch gar nicht. Damals hatten wir einmal eine Große. Es konnte ja fast nicht soviel gekocht werden, wie sie aß. Ich will einmal sehen." Selbstverständlich verspürte ich nun schon keine Lust mehr, den guten Leuten alles aufzuessen." Aus dem Erfahrungsschatz des Mädchens fei schließlich noch folgende Schilderung mitgeteilt: „Endlich fand ich eine allem Anschein nach gute Stelle. Der Haushalt bestand aus zwei Personen und einem Hund. Diesen muß ich extra mitanführen, weil er nicht die unwichtigste Stelle im Hause einnahm. Die gute Dame war immer bange, daß ihr Hund zu wenig bekam und ich zuviel. Darum gab sie von allem zuerst dem Hund sein Teil, das übrige war für mich. Wenn es ihr dann allzu wenig schien, so war in solchem Notfall der Wasser- kranen ja da und Mehl war auch gewöhnlich im Hause, und kann man bekanntlich mit Wasser und Mehl viele Speisen wunderbar ver- mehren. Arbeiten konnte ich dort nie genug. Außerdem hatte die Dame die löbliche Angewohnheit, über alles und jede? einen groß- artigen Krach zu machen, und so konnte sie immer etwas zu kriti- sieren finden." Hier zeigen sich die Ursachen der so viel bejammerten„Dienst- botennot". Das Mädchen, das dies geschrieben hat, ist keine sozial- demokratisch„verhetzte" und„aufgewiegelte" Person, sonst hätte sie ihre Erlebnisse sicher nicht in einem katholischen Organ nieder- gelegt. Die Schilderungen ergeben, wie notwendig eS ist, daß sich die Hausangestellten in einer Organisation zusainmenschließen. Und zwar in keinem Harmonieverein, wo die gnädigen Frauen das Regiment führen, sondern in Organisationen, die die Interessen der häuslichen Angestellten vertrete»». Um auf diesem Gebiete eine Bessergestaltung herbeizuführen. dazu bedarf es vor allem des Sturzes der vorzeitlichen Gesindeordnung. Außer der Sozialdemokratie ist aber keine andere Partei dafür zu haben. Das zeigt zur Genüge, wo die wahren Freunde der Hausangestellten stehen. Darum hinein in die freie Dienstbotenorganisation und in die politische Organisation der Sozialdemokratie! Leseabende. Zweiter Kreis. Donnerstag. 15. Oktober, bei Hemp. Urdanstr. 170. GericKts- Leitung. •Vi. M. Oberschlefien..... 254 Niederschlesien..... 255 Nnhrgebiet...... 399 Saargebiet...... 304 Wnrmgebiet(Aachen).. 366 Haller Braunkohlenbergbau 281 „ Salzbergba»»... 300 ManSfelder Erzbergbau. 263 Siegener„. 321 Das sind Lohnrückgänge, die gebliebenen LcbenSmitieipreiscn doppelt schwer Wenn man mit Rücksicht auf den Bergbau von 243 M. 240, 364„ 284„ 847„ „ 266„ 278„ 238„ 207. von den Arbeitern bei den hoch- empfunden werden. verschlechterter Ge beträgt iu Prozent 4.3 5.9 8.7 6,5 6,2 5.3 7,3 ii,2 16,8 schäftslage spricht, dann kann darrinter nicht etwa eine geringere Verwcriung der Kohlen, Koks und Briketts verstanden werden. wenigsteuS insofern das Inland in Betracht kommt. Die Inlands- preise für Kohle, Koks und Briketts stehen heute noch auf dem Hoch- konjtmkturstand. Trotzdem sind die Schichtverdienste der Kohlen- bergarbeiter in der Mitte dieses Jahres bis zu 10, 12 und 17 Pf. reduziert worden l Diese Lohnabzüge gehen in die Hunderttausende »nid Millionen Mark monatlich für die großen Bezirke und können natürlich nur eine die allgemeine Geschäftsflaue noch verschärfende Wirkring haben. Stark sinkende Arbcitrrciiitommen bei gleichzeitiger Hochhaltimg der Lrbensinittelprcise, da« ist jetzt die Signatur in den großindustriellen Bezirken Deutschlands. Hm der frauenbenegung. Bessere Herrschaften! Streiflichter auf die Ursachen der Dienstbotennot wirft ein Artikel in„Haus und Herd". Ein Dienstmädchen schildert ihre Er- lcbnisse bei der Bewerbung um„bessere" Stellung. Die Schreibcrin gibt an, 22 Jahre alt zu sein, Küche und Haushalt erkernt zu haben, im Nähen erfahren zu sein, so daß sie Material für den ReichSlügenverband.-nchov pi DaS Landgericht in Lübeck verurteilte am Sonnabesd den Schmied Niedballa wegen Unterschlagung, die er als KafftatCfMB Hirsch-Dunckerfchen Gewerkvereins der Maschinenbauer und Metallarbeiter begangen hat, zu zwei Monaten Gefängnis.' 2 Haftung der Stadtgemeinde für Löcher im Bürgerstcig. In der Bismarckstraße in Koblenz befand sich im Frühjahr 1905 ein Loch von 70 Zentimeter Breite, welches sich bis zu 49 Zevti- mcter senkte. Ein Herr Sahen stürzte am 24. März 1905, abends l48 Uhr, in dieses Loch und zog sich erhebliche Verletzungen zu. Er verklagte die Stadtgcmeinde auf Schadenersatz und erreichte in der ersten Instanz, daß die Stadt dein Grunde nach verurteilt wurde. DaS Oberlandesgericht Köln wies die Berufung der Stadt Koblenz zurück und setzte die zu zahlenden Beträge fest. Die Stad: hatte geltend gemacht, daß die Bismarckstrahe noch nicht fertig und demnach nicht als dem öffentlichen Verkehr übergeben angcseheu werden könne. Festgestellt wurde aber, daß sie bereits seit ach» Jahren dem Verkehr übergeben sei. Die Beklagte hatte weite: eingewendet, der Kläger sei selbst an seinem Unfall schuld, da er nicht genügend auf den Weg geachtet habe. Es befinde sich acht Meter von der Unfallstelle eine Laterne, die so hell leuchte, bat man bei ihr einen Brief mit kleiner Schrift lesen könne. Dait Gericht hat diesem Einwand insinvcit Rechnung getragen, daß e->� dem Kläger ein Drittel der Schuld ausbürdete, der Stadt hagegeu j zwei Drittel. Der Kläger habe die erforderliche Sorgfalt nur: wenige Augenblicke außer acht gelassen, die Stadt aber lange Zrij. Gegen das Urteil des OberlandeSgericht hatte die Stadf z Koblenz Revision eingelegt. ES wurde wiederum auf die aus. reichende Beleuchtung hingewiesen und betont, der Kläger sei orh. kundig, und die Straße selbst sei wenig belebt.— Der 6. Zivilsenqt des Reichsgerichts wies am Montag die Revision als unbegründet zurück._ Wesen und Bedeutung des GesundbetenS wurde gestern vor der Strafkammer des Landgerichts III unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Liebenow einer längeren Erörte- rung unterzogen. Anlaß hierzu bat eine Anklage gegen die „Szientistin" Berta Reinte ans Wilmersdorf, die wegen Betruges angeklagt war. Das Schöffengericht Charlottenburg hatte sie seinerzeit zu 150 M. Geldstrafe eventuell 15 Tagen Gefängnis ver- urteilt. Gegen dieses Urteil hatte die Ai»geklagte Berufung ein- gelegt. Fräulein Reinke ist Anhängerin einer aus Amerika her- übergekommenen Sekte, die sich„Szientisten" nennt. Es sind dies Gesundbeter, die auch in Berlin zahlreiche Anhänger gewonnen haben, und in ihren Versammlungen im„Choralion-Saal", Bellevuestraße, über die wunderbaren Erfolge berichten, die durch inständiges Gebet zu Gott bei zahlreichen, von Aerzten längst auf» gegebenen Kranken erzielt sein sollen. Geleitet werden die hiesigen Anhänger der Sekte von dem„Vorsitzenden der Mutterkirche der Ersten Kirche Christi". Im Mai d. I. erschien eine Frau Anders mit ihrem Töchterchen bei der Angeklagten, uin für letzteres bei ihr Heilung zu suchen. Das Kind war nervös und ihm gingen, f weil es den Kopf allzu lange der Sonne ausgesetzt hatte, die Haare z aus. Auf die Frage der Mutter, ob denn Heilung zu erwarten- sei, soll die Angeklagte gesagt haben:„Bei Gott sind alle Dinge möglich, ich arbeite und überlasse da? weitere Gott." Sie fügte hinzu, daß sie an»nanchcn Tagen für 14 Leute gebetet habe, und daß für die erzielten Erfolge Gott allein die Ehre gebühre. Die' Frau A. ging mit ihrem Töchterchen mit großen Hoffnungen immer " Der Sonntag als Wahltag. Großen Glode". Dr. Zimmer, Dr. Juliusburger und Der Stadtmagistrat Schwabach hat, als bis jetzt einzige Ge- Dr. Störmer begutachteten, Dr. Ehrenfried sei seinerzeit gemeindebehörde in Bayern, die Gemeindewahlen auf den 29. No- meingefährlich geiftestrant gewefen. Der Verteidiger Rechtsvember, einen Sonntag, entsprechend einem sozialdemokratischen anwalt v. Palmowski frat u. a. durch Berufung auf das GutAntrage, festgesetzt. Andere Gemeindeverwaltungen, wie die frei- achten der Psychiater Dr. v. Gudden, Prof. Dr. Forel und sinnige" Nürnbergs, haben den gleichen Antrag abgelehnt und sich Dr. Speyer den Beweis für die Geistesgesundheit des dabei auf eine Ministerialverordnung aus dem Jahre 1869 gestüßt, Dr. Ehrenfried an und verlangte die Ladung des auswärts die besagt, daß an Sonntagen Wahlen nicht vorzunehmen seien. weilenden Dr. Ehrenfried. Das Gericht lehnte die BeweisWenn es dem Nürnberger Magistrat nicht um etwas anderes zu anträge aber ab. Der Staatsanwalt beantragte brei tun wäre, als um diese ganz veraltete und fast vergessene Verord- Monate Gefängnis. Das Gericht war mit dem Staatsnung, so hätte er es, wie jetzt der Stadtmagistrat Schwabach, ruhig anwalt der Ansicht, daß der Inhalt des Artikels durchaus unwahr darauf ankommen lassen können, ob die Regierung, die selbst schon sei; Dr. Ehrenfried sei damals geisteskrank und gemeingefährlich Landtagswahltermine auf einen Sonntag festgesetzt hat, die Ver- gewesen und die in dem Artikel erhobenen Vorwürfe seien ohne ordnung noch als gültig betrachtet. jede Berechtigung erhoben. Mit Rücksicht auf die Schwere der Vorwürfe verurteilte das Gericht den Angeklagten zu sechs Wochen Gefängnis und sprach dem Nebenkläger die Publitationsbefugnis zu. Militärkonzert unter Verlegung des Urheberrechts. Der Kampf mit einem Automobil. wieder zu der Angeklagten, ohne daß sie Erfolge fah. Gie mußte immer wieder kommen, weil, wie gesagt wurde, sie noch nicht feft im Glauben war, und es wurde ihr dringend angeraten, fleißig in der Bibel und in dem Organ der Sekte,„ Herold", zu lesen. Dies geschah auch mit großem Eifer, die Erfolge ließen aber auf sich warten. Auch der Vater des Mädchens, Arbeiter Anders, machte eine Gesundbetekur durch. Er hatte das Reißen und eine schiefe Schulter, und hoffte, von diesem Schönheitsfehler durch die Angetlagte befreit zu werden. Auch ihm gegenüber wurde viel von Gottes Liebe und Almacht gesprochen und ihm das Studium der Bibel und der Werke der Miz Eddy( die in englischer Sprache abgefaßt sind) empfohlen. Wie er behauptet, habe die Angeklagte, wenn er zur Sizung erschien, ihm aufgegeben, an den lieben Gott mit geschlossenen Augen zu denten; sie selbst habe kurze Zeit mit geschlossenen Augen ihm gegenüber gesessen und dann sei die Sigung beendet gewesen. Für diese Gesundbeterei bezahlte Anders nach und nach zirka 60 M., natürlich ohne einen Erfolg verzeichnen zu können. Er fühlte sich übervorteilt, strengte eine Bibilflage an Vor der ersten Straffammer des Landgerichts II war gestern und stellte auch Strafantrag wegen Betruges. Das Schöffen- der Dekonom des Arbeiterversammlungen nicht geöffneten Restaugericht kam zur Verurteilung, und zwar aus folgenden Erwägungen: rants ofjäger" in der Königgräzerstraße, eller, angeklagt. Ein eigenartiger Automobilunfall ereignete sich am 27. Auguft Die Grundsätze der Christian Science, nach denen geheilt werden In dem Etablissement des H. finden täglich Militärkonzerte statt, 1905, als die Kaufleute B. und St. mit ihrem Chauffeur eine Rundfolle, gehen dahin: eine tiefe Verbindung mit Gott, ein Ver- die von verschiedenen hiesigen und auswärtigen Militärkapellen fahrt durch die Kreise Geldern und Kempen unternahmen. Auf ständnis Gottes und seines Wesens, das Vertrauen und die Er- abwechselnd ausgeführt werden. Die Genossenschaft der Tonseßer der Landstraße in der Nähe der Ortschaft 2. stellte sich dem Autotenntnis Gottes, sowohl auf seiten der Behandelnden wie auf seiten hatte im September und Oftober vorigen Jahres feststellen lassen, mobil plöblich der 36jährige Fabritarbeiter Br. aus 2., der eben des Patienten, sollen zur Heilung zusammen wirken. Diese Grund- daß an verschiedenen Abenden Musikstücke zum Vortrag gebracht mit verwandtschaftlichem Anhang aus einem Wirtshause gekommen fäße hat nach Ansicht des Schöffengerichts die Angeklagte gegenüber worden waren, deren Aufführungsrecht sie von den Komponisten war und dort auch des Guten etwas zu viel genommen hatte, mit den Zeugen unterdrückt und entstellt wiedergegeben. Die Heilung erworben hatte. Es handelte sich zumeist um moderne Musikstücke, ausgebreiteten Armen entgegen. Er wollte das Automobil ansei von ihr als eine metaphysische" bezeichnet worden. Sie habe die natürlich auch tantiemepflichtig waren. Da weder der Wirt, scheinend aufhalten. Der das Automobil leitende B. gab Warzwar Bibelsprüche hergesagt und von Gottes Liebe und Allmacht noch die Dirigenten der Militärkapellen das Aufführungsrecht von nungssignale, und riefen ihm auch die Leute von der Straße zu. gesprochen; sie habe aber die Leute nicht über das wahre Wesen der Tonsebergenossenschaft erworben hatten, so lag im Sinne des Wie die Insassen des Automobils behaupten, soll Br. sogar den der Christian Science aufgeklärt, sondern sei bei reinen Aeußerlich- Gefeßes eine Verlegung des Urheberrechtes vor, welches das jetzige ausweichenden Bewegungen des Automobils treulich gefolgt sein, keiten geblieben. Sie habe den ungebildeten Leuten die englisch Strafverfahren zur Folge hatte. Zu der gestrigen Verhandlung um zuletzt auf das Fahrzeug loszuspringen. Hierbei ist er auf geschriebenen Werke der Miß Mary Baker G. Eddy" und das waren als Zeugen geladen der Kapellmeister Becker von dem den Maschinenkasten zu liegen gekommen, mit dem Gesicht nach Studium der Bibel empfohlen, ohne daran zu denken, daß dieses Kaiser- Franz- Garde- Regiment, der Kapellmeister Bark von dem unten. Der Kraftwagen rannte darauf gegen einen Baum, da, gründliche Studium diesen einfachen Leuten sehr schwer fallen, Garde- Dragoner- Regiment, der Kapellmeister Tschätsch vom wie der Chauffeur behauptet, der Verunglückte mit einem Fuß in wenn nicht unmöglich sein würde. Sie hätte die Leute in wirklich 2. Garde- Regiment, der Kgl. Musikdirektor Lehmann aus Potsdam die Steuerung gekommen sein müsse und die Herrschaft über das ernster und verständnisvoller Weise dahin unterrichten müssen, daß und andere. Die Zeugen befundeten übereinstimmend, daß sie sich Automobil verloren gegangen war. Infolge des Anpralles wurde eben ein sehr tiefes Studium der Bibel zu dem Wesen der Christian nach einer Versammlung der Stabshoboisten an die Genossenschaft der Verunglückte in den Chausseegraben geschleudert, wo er den Science gehöre. Die angebotenen Beweise über wirklich stattgehabte der Tonseker um Aufnahme gewendet hätten. Diese sei ihnen aber Verlegungen erlag. Heilungen hatte das Schöffengericht nicht für ausschlaggebend ge- abgelehnt worden mit dem Bemerken, daß die Genossenschaft die Die von dem Verunglückten unterstüßten Eltern machten halten, da es ja allgemein bekannt sei, daß die Einbildungskraft einzelnen Stapellmeister gar nicht heranziehen wolle, sondern mit Schadenersazansprüche gegen die Inhaber und den Lenker des der Kranten selbst günstige Einwirkung auf den Krankheitsverlauf den Wirten und Saalbesizern einen Vertrag schließen wolle. Sämt. Automobils geltend. haben kann. Hierhin gehöre auch die Autosuggestion, mit der liche Dirigenten wären deshalb der Meinung gewesen, daß sie Das Landgericht Düsseldorf erkannte auf Abweisung der manche Erfolge erzielt werden. Niemand werde aber behaupten selbst ohne weiteres auch tantiemebelastete Stücke spielen dürften, Kläger, indem es annimmt, daß fich der Unfall so zugetragen habe, können, daß ein hervorstehender Schulterknochen durch Gebete und daß es Sache der Wirte gewesen sei, sich mit der Genossenschaft wie die Beklagten es darstellen, und daß deshalb die Kläger wegen zurückgetrieben werden könne. Eine Handlungsweise, bei der Gott, ins Ginvernehmen zu setzen. Der Angeschuldigte behauptete feiner eigenem groben Verschulden des Verunglückten abzuweisen seien. je nach der Leistungsfähigkeit der Patienten für 1, 2 oder 3 M. feite, daß er gar nicht in die Lage verfekt sei, stets das ihm fertig Dahingegen erkannte das Oberlandesgericht Düsseldorf in teilum Hilfe angerufen werde, erscheine geradezu als eine Verhöhnung vorgelegte Programm dahin zu prüfen, ob sich tantiemefreie Stüde weifer Abänderung des erstinstanzlichen Erkenntnisses dahin, daß Gottes, und durch eine solche Methode werde armen und unver- darunter befinden oder nicht. Er selbst habe auch die betreffenden der jeweilige Lenker des Automobils, der Kaufmann B., für den ständigen Leuten das Geld aus der Tasche gezogen. Bei der Dirigenten wiederholt' gebeten, solche Musikstücke nicht zu spielen. Unfall zur Hälfte einzustehen habe. Das Oberlandesgericht führt gestrigen Verhandlung vor der Berufungskammer beantragte Ob dies trotzdem geschehen sei, habe er überhaupt nicht kontrollieren gleichfalls aus, daß den Angaben der Infaffen des Automobils, Staatsanwalt Xaver auf Grund der Beweisaufnahme die Ber- können. Wiederholt sei es auch vorgekommen, daß er den Diri- die den Hergang auf der Straße schon von fern her übersehen werfung der Berufung gegen das verständige Urteil. Rechte anwalt Niemir legte in längerer Rede die Grundsätze der Christian genten mitgeteilt habe, daß er nicht die Genehmigung habe, gewiffe fonnten, mehr Glauben zu schenken sei. Jedoch sei dem Beklagten Science dar und behauptete, daß der Schöffenrichter die Grundsäße geworden, daß der Kapellmeister selbst die Erlaubnis habe. In beim Heranfahren die Fahrgeschwindigkeit nicht ermäßigt habe. Science dar und behauptete, daß der Schöffenrichter die Grundsätze Stücke aufführen zu lassen. Ihm sei dann wiederholt zur Antwort, als Lenter des Automobils, eine Mitschuld beizumessen, da er falsch ausgelegt habe und der Angeklagten zu Unrecht vorwerfe, daß anderen Fällen sei ihm von den Verlagsanstalten selbst ein Musit- Wenn er gefehen habe, daß Br. sich auf die Straße stellte und die sie nicht nach den Leitfäßen der christlichen Wissenschaft vorgegangen stück zugeschickt worden, um durch die Aufführung eine möglichst freie Durchfahrt hemmte, so hätte er, so ungehörig deffen Tun Das Gericht, welches die auch gewesen sei, doch sein Automobil zum Stillſtehen bringen oder gemeinden und habe viele Hunderttausend Mitglieder, auch in große Popularität herbeizuführen. Berlin. Die Angeklagte habe einen Kursus in Amerita durch sämtlichen vernommenen Kapellmeister unbeeidigt gelassen hatte, mindestens so langsam fahren müssen, daß er jeden Augenblick Die Angeklagte habe einen Kursus in Amerika durch- tam nach einer mehrstündigen Beweisaufnahme zu der Ueber- wenn der Br. nicht direkt in das Automobil hineingelaufen wäre. anhalten konnte. Allerdings wäre der Unfall nicht eingetreten, gemacht und sich mit dieser Heilmethode viel beschäftigt. Der Verteidiger erbot sich, den Beweis dafür anzutreten, daß durch ihr zeugung, daß der Angeklagte alles getan habe, was in seinen mit solchen Vorkommnissen hätte aber B. auch rechnen müssen. Gottvertrauen und ihre Gewissenhaftigkeit zahlreiche Heilungen Kräften stand, um sich davon zu überzeugen, daß die bei ihm auf- Daß die Fahrgeschwindigkeit des Automobils eine große war, beerzielt worden seien. Er beantragte die Einholung von Gutachten geführten Stüde auch tantiemefrei waren. Da er auch wiederholt weise die Wucht, mit welcher dasselbe in den Straßenbaum hinein des Vorsitzenden der Mutterkirche der Ersten Kirche Christi der den Dirigenten mitgeteilt hatte, daß tantiemebelastete Stücke bei Scientisten und der Christian Science Publishing Society", sowie ihm nicht gespielt werden dürften, so sei ein strafbares Verschulden zahlreicher von ihm namhaft gemachter Lehrer der Christian nicht festzustellen. Das Urteil lautete demgemäß auf FreiDas Gericht fah von dieser Beweiserhebung ab, da es sprechung. Werden nunmehr die Kapellmeister zur Verantwortung geauch ohne diese zu einer Freisprechung kam. Das Gericht billigte der Angeklagten den guten Glauben zu, indem es ihr glaubte, 30gen werden? daß sie von der Heilkraft ihrer Gebete persönlich überzeugt sei, und in dieser Ueberzeugung den Wünschen des meist unverständigen Publikums, welches an fie herantrete, entspreche. Mit anderen Worten: hängt dem Betrug das Mäntelchen des Glaubens um, glaubt Eurem Schwindel oder Unsinn; nehmt von denen, die auch in der Residenzstadt Berlin nicht alle werden, vielmehr nach Tausen den zählen, in vielen Fällen Geld ab, und Ihr seid straffrei. Angenehme Perspektiven für heuchlerische Betrüger. fei. Die Christian Science umfasse viele Tausende KirchenScience. Für den Inhalt der Juferate übernimmt die Nedaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Mittwoch, 14. Ditober. Anfang 7%, Uhr: Königl. Opernhaus. Die Bohème. Königl. Schauspielhaus. Die Jungfrau von Drleans. Deutsches.. Stabale und Liebe. Sammerspiele. ( Anfang 8 Uhr.): Anfang 8 Ubr. Lysistrata. Neues fgl. Opern- Theater. Der Herrgottsschniger von Ammergau. Neues Schauspielhaus. I. Teil.( Anfang 7, Uhr. Faust. Friedrich Wilhelmstädt. Schau: S spielhaus. Wilhelm Tell. Leffing. Der Raub der Sabine rinnen. Berliner. Mercadet. Neues. Wahrheit. Kleines. Lady Frederick. ( Anfang 7, Uhr.) Carl Saverland. Spezialitäten. Reichsballen. Stettiner Sänger. Walhalla. Spezialitäten. Urania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Der Montblanc. Sternwarte, Invalidenm. 57/62. Die Flucht des Rechtsanwalts Dr. Ehrenfried. In einem Artikel der Großen Glode" war der Rechtsanwalt Dr. Brat beschuldigt, seinen Schwager Rechtsanwalt Dr. Ehrenfried widerrechtlich aus Vermögensinteresse ins Irrenhaus gebracht zu haben. Ehrenfried ist bekanntlich später dem Irrenhause entflohen. Gestern stand der Redakteur Felig Wolff unter der Anklage der Beleidigung des Rechtsanwalts Brat durch den Artikel der Schiller- Theater. O.( Wallner- Theater.) Mittwoch, abends 8 Uhr: Der Familientag. Lustspiel in 8 Atten v.Gustav Kadelburg. 8 Uhr Neues Theater 8 Uhr Donnerstag, abend 38 Uhr: Mittwoch: Wahrheit. Gastspiel d. fizilianischen Tragödin Mimi Aguglia. Donnerstag, 15. bis Sonntag, den 18. Dit.: Malia( Die Beberte). Montag, 19. Oftober: Peccatrice ( Die Sünderin). Dienstag, 20. Dft.: Cavalleria rusticana und J. Carbunara. Kleines Theater. Abends 8 Uhr: 2 mal 2= 5. Donnerstag: 2 mal 2= 5. Freitag: 2 mal 2= 5. Sonnabend: 2 mal 2= 5. Theater des Westens. Komische Over. Manon Lescant. Sonntag nachm. 3 Uhr zu halben Residenz. Das Glüd der andern. Der felige Dctave. Hebbel. Ninon de l'Enclos.( Anfang 7 Uhr.) Westen. Ein Walzeitraum. Schiller 0. allner Theater.) Der Familientag. • Sch e Charlottenburg. Cäsar. Julius Thalia. Das Mitternachtsmädchen. Luitivielhaus. Die blaue Maus. Nenes Overetten. prinzessin. Die Dollar Trianon. Die Liebe wacht. Bernhard Roje. Das Kätchen bon Heilbronn. Luisen. Freiheit. Bürgerl. Schauspielhaus. Hüttenbefizer. Der Apollo. Ein Sonntagmorgen in Rußland. Bera Violetta. Spe zialitäten. Metropol. Donnerwetter Los. -MO tabel Gebrüder Herrnfeld. Die beiden Bindelbands. Vasage. Spezialitäten. Kasino. Familie August Knoche. Spezialitäten. Gustav Behrens. Feine Sache! Ausgezeichnet! Spezialitäten. Folies- Caprice. Die Brautschaut. Die lästige Witwe. Wintergarten. Spezialitäten. Allabendlich 8 Uhr: Ein Walzertraum. Preisen: Die lustige Witwe. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus, Mittwoch, 14. Oftober, Anfang 8 Uhr: Wilhelm Tell. Donnerstag: Wilhelm Tell. Freitag: Wilhelm Tell. Sonnabend 4 Uhr: Dornröschen. Hebbel- Theater. Königgräger Str. 57/58. Anj. 8 Uhr. 8um erstenmal: Der Familientag. Freitag, abends 8 Ubr: Ein Teufelskerl. Schiller Theater Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Julius Cäsar. Trauerspiel in 5 Aufzügen von William Shakespeare. Donnerstag, abends 8 Uhr: Der Herr Ministerialdirektor. Freitag, abends 8 Uhr: Das Opferlamm. Zirkus Schumann. Heute Mittwoch, den 14. Oftober 1908, abends präzise 7%, Uhr: Hodgini, ber bete Jongleur und Equilibrist der geht. Grande Soirée equestre. Elite- Programm. U. a.: zeit zu Pferde. 36 Sic Hassan Ben Alis Original- 36 Marokkaner. 9 fliegende Menschen 9 Roeders.Neinats Luft- Voltigeure. Rowland- Trappe, 8 Berfonen. Auftreten der Schulreiterin Fräul. Dora Schumann. Clown Armando mit seinem dressierten Tierpart. Dir. Alb. Schumann mit seinen 16 Nekruten u. fämtl. Spezialitäten. Lustspielhaus. Residenz- Theater. Abends 8 Uhr: Die blaue Maus. Berliner Theater. bebs Mercadet. Morgen: Erotik. Erinnerungsfeft. Nenes Operetten- Theater, Schiffbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. 8 Uhr: Abends 8 Uhr: Die Dollarprinzessin. Operette in 3 Atten von Leo Fall. a pollo Theater Ninon de L'Enclos8 Uhr: Das große Programm. von Friedrich Frelse. Anfang 7 Uhr. Unter anderem: Ein Sonntag- Morgen in Rußland. Luisen- Theater, Russisches Ballett. Abends 8 Uhr: Freiheit. Donnerstag: Freiheit. Freitag: Helga. Sonnabend nachm. 4 Uhr: May und Moritz. Abends: Freiheit. Solotänzer! Solotänzerinnen! Direftion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Das Glück der andern. uitpiel in brei Arten von Francis de Croiffet. Der felige Ottave." Bis Freitag, 16. Dft.: Das Glück des andern u. Der felige Ottave. Sonntag, 18. Dft. zum erstenmal: Kümmere Dich um Aurelie. gefahren ist. Gegen dieses Urteil hatte der Beklagte B. Revision beim Reichsgericht eingelegt. Der VI. Zivilsenat tam, zur Aufhebung des ertannte auf vollständige Abweisung der Kläger. Borderurteils, soweit es zu ungunsten des B. ergangen war, und Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen Direktion über den Großhandel in den Zentral- Martthallen. Marktlage: Fleisch: 8ufuhr genügend, Geschäft flau, Breise unverändert. Wild: Zufuhr ge nügend, Geschäft rege, Preiſe gut. Geflügel: Bufuhr genügend, elicher, Geschäft matt, Breise teilweise etwas nachgebend. Butter und fchäft etwas lebhafter, Preise befriedigend. Fische: 8ufuhr etwas reichsafe: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Dbft und Südfrüchte: Bufuhr genügend, Geschäft ruhig, Preise wenig berändert. Saison! Urania. Zirkus Busch. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Der Montblanc. Mittwoch, den 14. Oftober 1908, abends präzise 7 Uhr: Fest- Vorstellung anläßlich der Ottobertagung 1908 des Vereins Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin. Um ca. 9 Uhr: Bürgerliches Schauspielhaus Mr. Houdini Kastanien- Allee 7-9. Gaftspiel grl. Paula Klär. Der Hüttenbesitzer. Nur noch kurze Zeit. Herrn Ernst Schumanns Neudress. Um 9 ca.: Schauspiel in 4 Atten von G. Dnet. Barbarossa!! Anfang 8 Uhr. Donnerstag: Der grüne Zweig. Freitag zum erstenmal: Militär. staat. Passage- Panoptikum. Letzte Tage! Ohne Extra- Entree. Der Riese Gr. Original- Ausstattungs- Pant. des Zirkus Busch in 6 Bildern. Berg Rixdorfer Theater 47 Mittwoch, den 14. Oftober 1908: Bum 2. Male: Der Dieb. Cin Stüd in 3 Aften v. Henry Bernstein. Anfang 8 Uhr. Pisjakoff. Folies- Caprice aller Riesen Eintritt 50 Pf. Kinder, Soldaten 25 Pf. Sonntag 3 Uhr: Haben Sie W. Noacks Theater nichts zu verzollen? DERNHARD ROSE THEATED Gr. Frankfurter Str. 182. Abends 8 Uhr: Das Käthchen von Heilbronn. Wochentagspreise. 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Für die vielen Beweise inniger Teilnahme, und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, Vaters, Schwieger- und Großvaters Emil Genetzky fagen wir allen unseren herzlichsten Dant. 21885 Die trauernden Hinterbliebenen. + Westmanns+ Trauermagazin Hauptgeschäft Berlin W., Mohrenstraße 37a, kein Eckhaus, und Berlin NO., Gr. Frankfurter Str. 115, tein Edhaus, erreicht seine Leistungsfähigkeit und feine billigen Preise durch Raumersparnis u. geringeSpesen Geschmackvolle Auswahl in fertiger Trauer- Garderobe für Damen und Mädchen. Stolas, Kolliers, Krawatten, Muffen, Herren- u. Kinder- Garnituren, Pelzjacken, Pelze, garnierte Pelzhüte, Baretts, Pelzdecken, nur eigenes Fabrikat, in größt. Auswahl, aus bestem Material. Kein Zwischenhändler, daher Fabrikpreise. Verkt. bis 9 abends. Sonntags geöffnet. F. Kalman, Kürschnermstr. Kommandantenstr. 15, Tel.: I, 3917, gegenüber Beuthstr., vorn 1Tr. City Hotel 52/53. Dresdener Straße 52/53. 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Oktober, nachmittags 42 Uhr, von der Leichenhalle des Treptower Friedhofes, Neue Krugallee, aus statt. 220/19 Der Vorstand. Sozialdemokrat. Wahlverein Schöneberg. für Bezirk 5a. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges und treues Mitglied Paul Hellmund am 12. Dktober nach langem Leiden verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 14. Oktober, nachmittags 3 Uhr, von der Leichen balle des neuen Schöneberger Friedhofes, an der Blanken Hölle, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 16/1 Der Vorstand. Deutscher feftlichkeiten, Hochzeiten usw.unter Holzarbeiter- Verband toulanten Bedingungen zu vergeben. Wir verkaufen jekt noch billigst OR 4 Mark an in Petershagen, Dftbahn, R 10 Mark Seegefeld, am Bahnhof, OR 15 Mark Kaulsdorf, am Bahnhof, an an * R 10 Mark Bahnhof Sadowa, Biesdorf: Kaulsdorf- Süd, OR 30 Mark an Biesdorf, Stadtbahn, a. Bahnhof. Verkaufsstell. a. d. Bahnhöfen. Nieschalke& Nitsche Berlin, Neue Königstr. 16. 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Zahlstelle Schöneberg. Am 12. Dktober 1908 verstarb nach langen Leiden unser langjähriges treues Mitglied, der Tischler Paul Hellmund. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 14. Dftober, nachmittags 3, Uhr, von der Leichenhalle des neuen Schöneberger Gemeindefriedhofes( Blanke Hölle) aus statt. 91/16 Die Ortsverwaltung. Sozialdemokratisch. Wahlverein Rixdorf. Todes- Anzeige. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Chauffeur Joseph Kothe ( 13. Bezirk) verstorben ist. 236/18 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 14. d., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Nirdorfer Friedhofes, Mariendorfer Weg, aus statt." Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Beerdigungsverein Berliner Zimmerleute. Am 9. Oktober starb nach jahrelangem Leiden, im Alter von 55 Jahren, unser Mitglied, der Zimmerer Ferdinand Preschel Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 15. Oktober, nach mittags 3%, Uhr, von der Leichen halle der Königlichen Charité aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 21946 Der Vorstand. Danksagung. Sage allen Bekannten und Ver wandten für die zahlreiche Beteiligung bei der Beerdigung meines lieben Mannes herzlichsten Dant. Witwe Voß und Kinder. Man achte im eigenen Interesse genau auf meine Firma und Hausnummer! Verantwortlicher Redakteur: Georg Davidjohn, Berlin, Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, ».ja. ss.zch.M-. 2. Ktilgge Kes„Wrmls" Kttliktt Noldsdlött. Wwch.ti.WchttlW. Heute Mitwoch flnäet für Kerlin Vororte der Zahlabend statt. Partei- Hngclcgenbeitem Zahlabende. Heute abend finden außer den bereits gemeldeten noch in folgenden Orten Aahlabende statt: Stralau in allen Bezirken. Äarlshorst bei Sabrowski. Tresckow-Allee. Friedrichshagen in allen Bezirken. Nieder-Schönhauscn. Im Zahlabend müssen die Sammellisten Vom Parteitag mit den Bezirksführern abgerechnet werden. Oranicnbi-rg. 1. Bezirk bei Vorwerk; 2. Bezirk bei Heider; 3. Bezirk bei S ch u m a n n. Zchlendorf. 1. Bezirk bei Mieck, Karlstr. 12; 2. Bezirk bei Sö bell, Grunewaldslr. 2; 3. Bezirk bei M i ck l e y. Potsdamer Straße 25; 4. und 5. Bezirk bei Kühne, Flensburger Straße 7. Maricnfelde bei Berger, Dorfstraße. Nach dem Zahlabend Rezitationen berühmter Dichter. Johannisthal. Morgen abend findet laut Beschluß der letzten Generalversammlung unser Zahlabend für beide Bezirke bei A. G o bin, Roonstr. 2, statt. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag:.Warum müssen sich die Frauen organisieren?" Pflicht der Parteigenossen ist eS, ihre Frauen zu diesem Zahlabend mitzubringen I Erkner. Die Mitgliederversammlung des Wahlbereins findet beute abend 8 Uhr im Bereinslokal bei Degebrodt statt. Genosse D ü w e l l erstattet Bericht vom Nürnberger Parteitag. Der Vorstand. Oranienburg. Am Sonntag, den 18. Oktober, nachmittags 3 Uhr, findet im Lokal„Waldhaus", Sandhaufen, die regelmäßige Mit- gliederversammluug statt. Auf der Tagesordnung steht: Bericht vom Parteitag. Referent: Genosse W. D e n tz e r. Diskussion. Kassen- bericht. Vereinsangelegenheiten. Berliner JVacbncbten* Eisenbahnbehörde nnd Hochhahnunglück. AuS Anlaß des Unfalles vom 23. September 1S08 hat die königl. Eisenbahndirektion in Berlin eine außerordentliche Unter» suchung der gesamten Betriebsverhältnisse der Hoch- und Untergrundbahn vorgenommen und teilt hierüber folgendes mit: „Diebaulichenund betrieblichen Einrichtungen entsprechen dem gegenwärtigen Stande der Technik. Die Sicherungseinrichtungen sind nach den gleichen Grundsätzen wie auf der Berliner Stadt- und Ringbahn ausgeführt. Die Zug- folge wird durch das auf den Stadtbahn- und Schnellzugsstrecken der deutschen Staatsbahnen erprobte Blocksystem in der vierfeldrigen Form unier Mitlvirkung des Zuges gesichert. Die in Verbindung mit der Streckenblockung den Betrieb sichernden mechanischen und elektrischen Stellwerke einschlieylich der Signalanlagen sind von der aus diesem Gebiete bewährten Firma Siemens u. Halske in Berlin ausgeführt; sie sind sachgemäß unterhalten und durchaus betriebS- tüchtig. Dies gilt insbesondere auch von den SicherungSanlagen des sogenannten Gleisdreiecks. Durch die Unlersuchuiig ist ferner von neuem festgestellt worden, daß das Betriebspersonal mit der Handhabung der best ehe n den Betriebs- und Sicherheitsein- richtungen durchaus vertraut war. Wenn sich auch die Zugfolge der Hoch- und Untergrundbahn bei den gestiegenen Vcrkehrsanforderungen mehr und mehr verdichtet hat, so sind doch ihre Betriebsverhältnisse so übersichtlich, daß bei An- Wendung eines nur mäßigenGrades von Aufmerksam- teit seitens des Zugfahrers und Zugbegleiters ein Unfall wie der am 26. September erfolgte sich nicht hätte ereignen können. Das lehrt schon der Umstand, daß seit der BetriebSeröffimng der Bahn rund zweieinhalb Millionen Züge mit nichr als 220 Millionen Reisenden daS Gleis- d r e i e ck unbehindert befahren haben. Aus Anlaß des Unfalles sind in der Presse und in Zuschriften Vorschläge zur Erhöhung der Betriebssicherheit auf der Hoch- und Untergrundbahn gemacht worden, die von der technischen Aufsichts- bchörde bei der Wichtigkeit deS Gegenstandes ausnahmslos geprüft worden sind. Es ist hier nicht der Ort, um auf alle Einzelheiten einzugehen. Wir bemerken deshalb folgendes: Vielfach wird die Anbringung von selbsttätigen Bremsvorrichwngen verlangt. Es darf nicht übersehen werden, daß solche Einrichlungen den Belriebsapparat komplizierter und damit Mängeln und Fehlern leichter zugänglich machen, daß sie auch geeignet sind, daß Fahr- personal sorgloser zu machen und seine Aufinerksamkeit zu verringern im Vertrauen darauf, daß die selbsttäsigen Einrichtungen in ihrer Wirksamkeit nicht versagen werden. Bei der Einführung von solchen Vorrichtungen ist daher äußerste Vorsicht geboten. Ihre Verwendung im regelmäßigen Betriebsdienst kann erst dann erfolgen, wenn sie sich als hinreichend zuverlässig erwiesen haben. DieS gilt ebenso von der Wiedergabe der Signalstellung durch sichtbare oder hörbare Zeichen in dem für den Zugführer vorgesehenen Raum. Die mehrfach vorgeschlagene gänzliche Beseitigung der Vereint« gungs- und Abzweigungsweichen im Gleisdreieck ist zurzeit schon aus Verkehrsrücksichten nicht erwünscht, weil sonst das allgemein als lästig beklagte Umsteigen nicht vermieden werden könnte. Insbesondere würde auch am Gleisdreieck ein für den Umsteige- verkehr ausreichender Bahnhos mir unter der Voraussetzung ge- schaffen werden können, daß die Osllinie selbständig nach dem Westen durchgeführt und nur der weniger starke Verkehr zwischen dem Osten und der Stadt aus Umsteigen verwiesen würde. Diesen Plan hat die Direktion der Hoch- und Untergrundbahn bereits vor dem Unfall gefaßt, jedoch nicht aus Gründen der Betriebssicherheit, sondern um den mit der Zeit entstandenen Verkehrsanforderungen besser Rechnung zu wagen. Die technische Aufsichtsbehörde steht auf dem Standpunkt, daß alle infolge des Unfalles vom 26. September zu wissenden An- ordnungen in er st er Linie Maßnahmen enthalten müssen, die eine Verschärfung der Kontrolle herbeiführen und die geeignet sind, die Be- obachtung der Signale seitens des Zugsahrers zu unter st sitzen. Zugleich wird auch an die versuchsweise Verlvendung selb st tätiger Sicher- h eit s v orr i ch t un g en gegangen werden. Demzufolge wird 1. von nun an die Einhaltung der vorgeschriebenen verminderten Geschwindigkeit an den in Frage kommenden Stellen durch besondere elektrische Vorrichtungen fortlaufend überwacht werden, 2. ist beabsichtigt, den Zugbegleiter, der schon jetzt an seinem Standort im Zuge in der Lage ist. im Falle der Gefahr durch einen kurzen Handgriff die Notbremse zu bedienen und zugleich den Fahr- ström auszuschalten, bei Beobachtung der Signale in erhöhtem Maße heranzuziehen. Zu diesem Zweck sollen die Wagen entsprechend ein- gerichtet werden. 3. Außerdeni sollen mit Borrichtungen zur selbsttätigen Bremsung der Züge Versuche angestellt werden. Erweisen sich die Vorrichtungen hierbei als hinreichend zuverlässig, so sollen sie am Gleisdreieck in dauernde Verwendung genommen werden." Das Ergebnis der Untersuchung ist ein sehr dürftiges. Im wesentlichen wird betont, daß alles in Ordnung war und eigentlich kein Grund zu besonderen Reformen vorliegt. Dabei ignoriert die Eiscnbahnbehörde vollkommen die Tatsache, daß am Gleisdreieck wiederholt Züge einander überfahren haben, nur daß bis vor dem 26. September ein Unglück durch die Fahrer noch verhütet wurde. Es ist also nur ein reiner Glücksumstand, daß gerade infolge der Einrichtungen des Gleisdreiecks nicht schon früher schweres Unglück heraufbeschworen wurde. Und bleibt die jetzige Betriebseinrichtung so wie bisher erhalten, liegt die Wiederkehr eines Unglücks immer ini Bereiche der Möglichkeit. Wir finden in der Erklärung der Eisenbahndirektion auch kein Wort über die lange Dienstzeit und über die Behandlung des Fahr- Personals. Zur Erhöhung der Fahrsicherheit gehört zweifellos, daß das Personal nicht übermäßig lange arbeiten und nicht fortgesetzt durch schikanöse Anordnungen von Betriebsleitern in nervöse Er- regung hineingehetzt wird. Anstatt hier anzufassen und für ein gut ausgeruhtes und damit auch sicherer fahrendes Personal zu sorgen, soll eine schärfere Kontrolle ausgeübt werden. Damit wird der bis- herige Zustand des Fahrpersonals nur verschlimmert, aber nicht ge- bessert. Was die sonstigen Versuche betrifft, die erprobt werden sollen, so ist nicht viel dagegen einzuwenden, sie treffen aber leider nicht den Kern der Sache._ Die Vallonwettfahrte». Fortgesetzt laufen Rachrichten über erfolgte Landungen der auf- gestiegenen Ballons ein. Einer, der amerikanische Ballon„St. Louis", ist in der Nordsee niedergegangen, die Insassen sind aber durch den Wilhelmshavener Schoner„Langeroog" gerettet worden. Ueber das Ergebnis der Zielfahrt am Sonnabend haben wir bereits berichtet, über die Resultate der am Sonntag und Montag veranstalteten Ballonfahrten werden tvir berichten, wenn das Endresultat feststeht. Unter den Veranstaltern herrscht eine gewisse Mißstimmung, weil der Kaiser nicht gekommen ist; man hatte in den leitenden Kreisen bestimmt damit gerechnet und extra zu diesem Zwecks einen Fürstenpavillon errichtet. Fiasko haben auch die Unternehmer er- litten, die die Tribünen erbaut haben. Infolge der hohen Platz- preise waren die Plätze nur mäßig besetzt. Ei» Opfer der Fleischvergiftungen im Rudolf-Virchow-Krankcn- hauS. Die Deputation für die städtischen Krankenanstalten und die öffentliche Gesundheitspflege Berlins macht unterm 12. d. M. öffentlich bekannt, daß im Rudolf-Virchow-Krankenhaus die Stelle des Kücheuverwalters sofort zu besetzen ist. Die Bewerber sollen neben der Befähigung zur Erledigung der in der Küchenverwaltung vorkommenden schriftlichen Arbeiten namentlich Erfahrungen in der Beurteilung der Güte und Beschaffenheit von Lebensmitteln auf- weisen können. Hiermit wird öffentlich zugegeben, daß es mit der Oualifi- kation des bisherigen Chefs der Küche sehr gehapert haben muß. Nach unserer Kenntnis der Dinge scheint bei der Abnahme der gelieferten Lebensmittel eine große Nachlässigkeit geherrscht zu Haben, die je eher je besser beseitigt werden muß. Auch bei der Verteilung der Speisen herrscht heute noch in allen Kranken- Häusern eine Willtür, wie sie schlimmer kaum denlbar ist. Zahl- reiche Kranken beschweren sich, daß sie oft nicht einmal das erhalten, was der Arzt verordnet hat. Gewisse Oberschwestern schalten und walten nach eigenem Gutdünken. Es wäre ja Sache der Kranken- Hausleitungen, hie: nach dem Rechten zu sehen. Da man sich aber auch an diesen Stellen nicht allzu eifrig an eine Kontrolle macht, müssen ständige unvermutete Revisionen in den Krankenhäusern gefordert werden. Verletzung deS Briefgeheimnisses durch die Post. Im»Berl. Lokal-Zlnzeiger" vom Montag früh lesen wir folgendes: „Gegen das Spielen i» auswärtigen Lotterien wird seitens der hiesigen und auswärtigen Staatsanwaltschaften mit großer Schärfe vorgegangen. Diese haben die Postanstalten ersucht, die bei ihnen aufgegebenen und an die namentlich aufgeführten, ausländischen Losehändler adressierten Briefe und Postanwei- jungen anzuhalten und der Polizei zu übergeben. Die Absender erhalten zwar ihr Geld zurück; in allen bisher vorgekommenen Fällen wurden sie aber, trotzdem sie die Unkenntnis des Gesetzes nachzuweisen vermochten, in erhebliche Geldstrafen genommen." Man wird hierdurch unwillkürlich an die entrüstete Erklärung des Staatssekretärs des Reichspostamts erinnert, als Genosse Singer im Reichstage Beschwerde führte, daß Briefe, die an sozialdemo- kratischc Reichstagsabgeordnete und andere Parteiführer gerichtet waren, vor der Bestellung geöffnet und wieder geschlossen worden sind. Damals glaubte Herr Kcaetke mit allem Nachdruck versichern zu dürfen, daß jede Beteiligung der Postverwaltung an solcher Verletzung des Briefgeheimnisses völlig ausgeschlossen sei. Er nahm sogar seine Beamten gegen die Möglichkeit in Schutz, daß etliche von ihnen sich hätten bestimmen lassen, die betreffenden Briefe für ein gutes Trinkgeld Polizeispitzeln in die Hände zu spielen. Ist denn das vorliegende Wegfangen von Briefen und Postanwei- jungen mit der Adresse auswärtiger Losehänoler und die Aus- lieferung derselben an die Polizei etwas anderes als eine Verletzung des Briefgeheimnisses? Hier wird doch in ungeniertester, wieder mal au russische Zustände erinnernder Form ein Prinzip durch- brachen, von dem man bisher im großen und ganzen immer noch annahm, daß es in Deutschland als heilig galt. Mit demselben Rechte kann schließlich jede Korrespondenz geplündert werden, aus deren vermutetem Inhalt die Staatsanwaltschaft oder die Polizei eine strafbare Handlung konstruieren zu können glaubt. Wenn unsere Polizeibehörden erst solche dunklen Wege einschlagen müssen, um hinter strafbare Handlungen zu kommen, können wir aus ihre Fähigkeiten wahrhastig nicht stolz sein. Der Staatssekretär des Reichspostamts wird sich im Reichstag darüber zu verantworten haben, weshalb er das Ansinnen der Staatsanwaltschaften nicht glatt abgelehnt hat. Zum mindesten hätte er verfügen müssen, daß Postanweisungen mit der Adresse der fraglichen Losehändler an den Schaltern zurückzuweisen sind. Auch dazu muß Zeit sein, wenn die Zeit hinreicht, um nachträglich die ungezählten Tausende aufgelieferter Postanweisungen durchzuschnüffeln. Gewöhnliche Briefe an auswärtige Losehändler brauchen doch noch keineswegs immer eine strafbare Handlung zu involvieren? Sie können zum Beispiel einen namenlosen Zettel mit der Aufschrift enthalten: Wer das Briefaebeimnis verletzt, ist ein Schleicher und macht sich strafbar l_ WaS steckt dahinter? Die Jnferatenplautage deS„Lokal-Anzeiger" bo» gester» enthielt folgendes Inserat: „Suche ersten Hausdiener, welcher in besserem Geschäfte tätig war. Nur solche, welche prima Zeugnisse besitzen, im Alter von 28 bis 35 Jahren, mögen sich melden Jäger- straße 13. in rechts. Pohl, von 10-12 Uhr." Auf dieses Inserat hin meldeten sich zahlreiche Leute. Der Herr„Pohl" ließ sich die Zeugnisse vorlegen und gab Bescheid, nach- mittags noch einmal vorzujprechen, einstweilen wolle er die Zeug- nisse nachprüfen. Als die Bewerber sich später wieder einfanden, war Herr Pohl nicht anwesend. Auf Befragen im Hause stellte sich heraus, daß der betreffende Herr sich erst kurz vorher als Chambregarnist eingemietet habe, aber nach Empfangnahme zahl- reicher Zeugnisse sich mit seinen in einer Handtasche bestehenden Habseligkeiten aus und davon gemacht hätte. Vom Bahnhof auS hat er durch einen Dieiistmarni die Schlüssel zurückgesandt. Da der Mann noch nicht einmal polizeilich angemeldet werden konnte, so liegt der Verdacht nahe, daß sein Name in Wirklichkeit ein ganz anderer ist als der Name Pohl. Was der Verduftete mit den Zeugnissen anfangen will, ist nicht ganz klar, so viel scheint fest- �zustehen, daß er lautere Zwecke damit nicht versolgr. Ueber den Tod des früheren Gemeindevorstehers von Pankow, Bürgermeisters a. D. Gottschalk, meldet das„Berl. Tagebl." noch folgende Einzelheiten: In Pankow zirkuliert das Gerücht, daß Gottschalk sich nicht erschossen, sondern bei seiner verheirateten Tochter, die in der Nähe von Biesenthal wohnt, aus dem Fenster gestürzt habe. Als er am 1. April 1890 zum Gemeindevorsteher gewählt wurde, zählte Pankow nur 6090 Einwohner. In den eisten Jahren seiner amtlichen Tätigkeit fand Gottschali in der Gemeinde große Anerkennung. Das änderte sich, als er auch zum Amtsoorsteher ernannt wurde. Es wurden Stimmen laut, die ihn beschuldigten, daß er seine persönlichen Interessen in den Vorder- grund stelle, und daß er bei Erteilung von Baukonsensen an ihm befreundete Personen den gesetzlichen Boden verlasse. Tatsächlich führte auch ein Fach der letzten Art zu seinem Sturz. Aus Gefälligkeit hatte er dem Hofbaumeister Hackradt einen Bauabnahme- schein für ein von diesem errichtetes Wohnhaus ausgestellt, das Verstöße gegen die Vorortbauordnung aufwies. Als einige Tage später der Regierungsbaumeister Langen den Bau besichtigte und Kenntnis von dem Bauabnahmeschein erhielt, erstattete er Anzeige. Die Folge davon war eine vom zuständigen Landrat eingeleitete Untersuchung, die dahin führte, daß Bürgermeister Gottschalk sich am 5. Mai 1906 zur Niederlegung seiner Aemter genötigt sah. Später bewilligte ihm die Gemeindevertretung Pension in voller Höhe. Gottschalk blieb zwar in Pankow wohnen, verfiel aber in Schwermut. Vor einigen Tagen reiste er zum Besuch zu seiner Tochter, wo er jetzt den Tod gefunden hat. Ein tödlicher Unglücksfall ereignete sich gestern nachmittag gegen 4 Uhr im Betriebe der Graphischen Gesellschaft in der Linden- straße 16/17. Dort war eine Arbeiterin Else Sauer auS der Gleim- straße an der Lichtdruckpresse beschäftigt. Während die Maschine im Gange war, wollte das Mädchen eine Flasche Kienöl von einer be- stimmten Stelle hervorholen. Dabei bückte es sich, verpaßte aber den Augenblick und wurde zum Entsetzen ihrer Mitkollegen von dem sogenannten Schlitten mit dem Kopfe an einen Batten gedrückt, wo- bei ihm der Hinterkops vollständig eingedrückt wurde. Die Aermste gab nur noch einige Laute von sich, worauf der Tod eintrat. In den Landwehrlanal gesprungen und ertrunken. Große Auf« sehen rief gestern die Tat eines Lebensmüden am Maybachufer her- vor. Der 27 Jahre alte Arbeiter Karl Kleinschmidt, Nogatstr. 26. sprang vor den Augen zahlreicher Passanten in den Kanal hinab und ertrank, bevor Hilfe zur Stelle sein konnte. Andauernde Ar- beitSlosigkeit hat den jungen Menschen angeblich in den Tod ge- trieben. Die Leiche konnte bald gelandet und dem Schauhause zu- geführt werden. An einem verschluckten Gebiß verstorben ist in der königlichen Klinik in der Ziegetstraße der Schuhmacher Brennke auS einem Dorfe bei Perleberg(Weftpriegnitz). Beim Essen hatte sich das Gebiß ge- lockert und war dem Manne in den Schlund gedrungen. Die An- gehörigen sowie ein hinzugerufener Arzt bemühten sich vergeblich, die falschen Zähne zu entfernen und B. mußte mit dem nächsten Zuge nach Berlin gebracht werden. Während der beinahe vier- stündigen Bahnfahrt verschlechterte sich der Zustand des SchuhnmcherS derartig, daß sofort nach Ankunft des Mannes in der Klinik zu einer Operation geschritten werden mußte. Die Enlferuung deS Gebisses konnte nur dadurch ermöglicht werden, daß der Hals an der linken Seite geöffnet wurde. Die Operation war auch gut verlaufen, doch ist Brennke nachttäglich an einer Herzlähmung gestorben. Durch die Entgleisung eines KohlenzugeS entstand in der Nacht in der Gilschinerstraße eine Verkehrsstörung. Ein von der GaS- anstatt kommender Leerzug befand sich auf der Fahrt nach dem Görlitzer Bahnhof an der Ecke der Prinzenstraße, als plötzlich aus der Mitte des Train» mehrere Wagen aus den Schienen sprangen. Glücklicherweise befand sich der Zug nur in ganz langsamer Be- wegung, sodatz er fast augenblicklich zum Stehen gebracht werden konnte. Im anderen Falle würde eine Zerstörung der Hochbahn- Pfeiler eingetreten sein. Die Arbeiten für die Wiedereingleisung wurde mit Hilfe der Angestellten der Gaswerke sofort vorgenommen und in verhältnismäßig kurzer Zeit beendet. Während dieser Zeit war jedoch der Verkehr durch dw Gischiner- und Prinzenstraße ge- sperrt. Vom Unglück verfolgt. Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich gestern nachmittag gegen 5 Uhr in der Badstraße. Der 65 Jahre alte beschäfttgiingslose Arbeiter Gustav Michaelis hatte am 1. Oktober seine Wohnung räumen müssen, weil er mit der Miete im Rückstände war. und war infolgedeffen ge- nötigt, in dem städtischen Familienobdach Unterkunft zu suchen. Gestern wollte er einen Bekannten in der Grünthaler Straße besuchen, um diesen zu veranlassen, ihm irgendeine Beschäftigung zu verschaffen. Als M. den Fohrdamm der vadstraße an der Einmündung der Grünthalerstraße überschreiten wollte, glitt er auS und fiel so unglücklich, daß er unter die Räder eines Pferde- ommbusse« der Linie Prinzen Allee— Bahnhof Friedrichstratze geriet. Michaelis erlitt eine Gehirnerschülterung, Bruch de» rechten Unter- schenkelS, Quetschung des linken Unterschenkels und wurde von der Unfallstatton in der Badstraße, woselbst ihm die erste Hilfe zuteil geworden war, nach dem Rudolf-Virchow-Klankenhause übergeführt. Zu de« gestern von uns gemeldeten Sturz eines Kindes aus dem vierten Stockwerk ersucht uns der Bater, den Bericht dahin richtig zu stellen, daß die Mutter des verunglückten Kindes nicht in der Nebenstube gearbeitet habe, sondern die Küche nur einen Augenblick ver- lassen hätte, um etwa« aus der Stube zu holen. Während dieser kurzen ?eit hat das Kind einen Stuhl an daS Fenster gerückt und ist eraiisgestürzt. Das Befinden deS Kinde?, daS einen Schenkelbruch erlitt, ist zufriedenstellend. Fcuerwehrbericht. Die Berliner Feuerwehr bürde in der letzten Nacht nach der Behrenstr. 24 gerufen, wo ein Automobil brannte. Gleichzeitig erfolgte ein blinder Alarm nach dem Waren. Hause von H. Tietz am Alexanderplatz. Oel und anderes brannte in einem Lagerraum in der Chausseestr. 72, und Holzwolle auf einem Wagen in der Schwedenstr. 7. Der 7. Zug hatte in der Rüdersdorfer Straße 26 zu tun. wo in einer Holzbearbeitungs- fabrik die Transmission in Brand geraten war. Bor dem Hause Friedrichstr. 273 am Belle-Alliance-Platz war ein Mann von einem Automobil, und auf dem ftöllnischen Fischmarkt eine Frau von einem elektrischen Straßenbahnwagen überfahren worden. Wegen eines Küchenbrandes wurde der 11. Zug nach der Nostizstr. 46 ge- rufen, und wegen eines Wohnungsbrandes der 6. Zug nach der Wrangelstt. 9. Dieser Zug hatte dann noch in der Adalbertstr. 50 zu tun, wo ein Pferd in eine Grube gestürzt war. Ferner hatte die Wehr noch in der Greifswaldcr Straße 40, Kösliner Straße 22 und anderen Stellen zu tun. Die Schöneberger Feuerwehr hatte gestern abend einen sehr gefährlichen Brand am Sachsendamm 43 zu löschen. Dort war in einer großeg Schaubude Feuer ausgekommen. Die Feuerwehr Erkner. mußte mit mehreren Nohren Wasser geben, um die Flammen zu Johne irgend eine Gruppe der Beteiligten vorher gehört zu haben. löschen. Den Arbeitern sind Kleidungsstücke und Werkzeuge usw. Das System ist deshalb auch ein folches, daß schon jetzt die Brauch verbrannt. Ein Küchenbrand, bei dem zwei Kinder in Lebensgefahr barkeit dieser Statistik sehr angezweifelt werden muß. Biel schwebten, beschäftigte die Wehr in der Sedanstr. 5. Außerdem mußte ein Schaufensterbrand in der Martin- Luther- Straße 58/54 8edmäßiger zur Feststellung der wirklichen Notstandsverhältnisse gelöscht werden, der nachts um 3% Uhr dort aufgekommen war. würde es sein, wenn der Rigdorfer Magistrat am felben Tage wie Gelände einer Sandsteinfabrik angelegt und mit dem Aufladen von Berlin die Zählung vornehmen würde, um einheitliche Resultate für Groß- Berlin zu erzielen. Schöneberg. Vorort- Nachrichten. Stadtverordnetenversammlung. Bor Eintritt in die Tages ordnung ehrte die Versammlung das Andenken des verstorbenen Stadtrats und Stadtältesten Heyl. Der Oberbürgermeister hob in einem Nachruf die Verdienste des Verstorbenen hervor, der 37 Jahre in leitender Stellung in der Gemeindeverwaltung Schöneberg ehrenamtlich tätig gewesen ist. Angenommen wird sodann ein Antrag, im Laufe des Sommers 1909 eine Boltsbibliothel im Berliner Ortsteil und ein Jahr später eine solche im Friedenauer Ortsteil einzurichten. Der Antrag, die Planierung der für die Rathauserweiterung und zur Errichtung von Schulen vorgesehenen städtischen Terrains au beschleunigen und auf diesem Blage einen provisorischen Spiel plag einzurichten, wird ebenfalls angenommen. Bugestimmt wurde darauf einem Antrage der liberalen Fraktion, worin der Magiftrat ersucht wird, die von der Stadtverordneten verfammlung geforderte Vorlage betreffs Regelung der Pflicht stunden ber Lehrer und Lehrerinnen an den Wolleschulen mit Beschleunigung einzubringen. In der Begründung des Antrages wird darauf hingewiesen, daß bereits im Jahre 1905 ein derartiges Erfuchen an den Magistrat gerichtet worden ist, aber bis heute sei noch nichts geschehen. Da jegt der Zuzug nach Schöneberg nachgelaffen habe, so sei die günstigste Zeit für die Durchführung des Antrags vorhanden. Der Erziehungsanstalt 8ionshilfe werden auf ihren Antrag 50 Freistellen an ben hiesigen Gemeindeschulen für die von aus wärts aufgenommenen tinder bewilligt. Eine Kommission hatte die Verhältnisse der Anstalt einer Prüfung unterzogen, die zu Klagen feine Beranlaffung gab. Auf Antrag der sozialdemokratischen Fraktion wird die Schaffung Magistrat beantragte Ueberweisung der Spielplazangelegenheiten Es wird notwendig sein, daß die an der Arbeitslosenzählung in erster Reihe interessierte Arbeiterschaft zu der Veranstaltung des Nigdorfer Magistrats noch in letzter Stunde Stellung nimmt, um womöglich noch etwas Brauchbares zu erzielen. Dazu dürften die heutigen Zahlabende die rechte Gelegenheit bieten. Bildungsbestrebungen. Ein Zusammenstoß zwischen einem Motorboot und zwei Rähnen hat sich gestern nachmittag auf der Oberspree ereignet. In der Nähe von Ertner hatten mehrere Männer mit givei großen Rähnen an dem tam ein Motorboot so dicht an den beiden Fahrzeugen vorüberSchienenteilen begonnen. Während die Leute bei der Arbeit waren, gefahren, daß sie gestreift wurden und eines von ihnen ein Leck erhielt. Es dauerte nicht lange, so hatte sich das beschädigte Fahrzeug mit Wasser gefüllt. Es sant unter und das zweite Boot, das au das erste angebunden war, mußte infolgedessen ebenfalls mit in die Tiefe. Der Arbeiter Benz, der noch von der Ladung etwas retten wollte, wurde mit in den Strudel hinabgerissen. Nur noch als Leiche fonnte B. aus dem Wasser herausgezogen werden. Köpenick. Der fürzlich ins Leben gerufene Bildungsausschuß der Arbeiter Die erste Vorstellung der vom Gewerkschaftsfartell arrangierten fchaft Nigdorfs beginnt in der nächsten Zeit seinen ersten Vortrags- Theaterabende findet Donnerstag, den 15. d. ts. statt. Zur Aufsyflus. Als Referent ist der Genosse Mar Grunwald gewonnen führung gelangt„ Der rote Leutnant". Girlaßfarten sind an den worden, der über Einführung in die Nationalökonomie" sprechen bekannten Stellen zu haben. Die Parteigenossen werden ersucht, wird. Der Zyklus umfaßt sechs Vorträge, die Montags und zwar für einen regen Besuch zu agitieren. am 26. Oftober, 2., 9., 16. 23. und 30. November abends 8 Uhr Bon einem Motorboot abgestürzt und ertrunken ist gestern der im Lokal von Hoppe stattfinden. Die Teilnahme an diesen Kursen Zimmermann Otto Reubeder aus Rummelsburg. Er hatte mit ist vollständig unentgeltlich, jedoch werden zu statistischen Zwecken einem Motorboot bei Köpenid angelegt und verlor das Gleichgewicht, Teilnehmerkarten ausgegeben. Diese sind bei den Zahlabendleitern so fowie bei den Gewerkschaftsvorständen zu haben. Am Sonntag, den daß er ins Wasser stürzte. Die Leiche konnte noch nicht geborgen 25. Dftober, findet im Nigdorfer Stadttheater eine Theatervorstellung statt. Bur Aufführung gelangt die Komödie Kater Lampe" bon Emil Mojenow. Im November gelangt das Drama Nora" von Henrik Ibsen zur Aufführung. Der Preis der Billetts für diese Vorstellungen beträgt 60 Bf. inllusive Garderobe und Programm. 8ur Einführung in die Dichtungen sind die vom Bildungsausschuß der Partei herausgegebenen Schriftchen zum Preise von 5 Pf. zu haben. Bankwih. Ungültige Wahlen. " werden. Briefkaften der Pedaktion. Die juriftifte Sprechstunde findet indenstraße Nr. 3, zweiter Sof. britter Eingang, vier Treppen, A Fahrstuhl Geöffnet 7 Uhr wochentäglich abende von 7 bis 9 1hr statt. Sonnabends beginnt die Evvechstunde um 8 Uhr, Reber Anfrage ift ein Buchstabe und eine Rahl als Wierszeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Brieffaften tönnen 14 Zage bergehen. Gilige Fragen trage man in der Sprechstunde bor. derartige Einrichtung in einem Keller auf das entschiedenste gurds ständlich sein, daß die beiden Genossen noch die Kosten für ungtvedt Greigesprochene angehört, G. 2. 1/2. Auch eine Geldstrafe i weisen. Wenn eine derartige Einrichtung für die höheren Schulen geplant werden soll, dann verlange er auch dasselbe für die Gemeindeschulen, Notwendig fei es auch, daß der. Magistrat dafür sorge, daß die Jugend auch im Schwimmen unterrichtet werde. Bis heute sei in Schöneberg noch kein Schwimmbaffin vorhanden. Bürgermeister Blankenstein erklärte, daß er den Anregungen des Stadtverordneten Bäumler durchaus sympathisch gegenüberstehe.- Der Antrag des Magistrats wird darauf ab gelehnt. Ueber eine Betition, die sich gegen die Errichtung von Beitungstiosten wendet, wird zur Tagesordnung über gegangen. Ein bei dieser Gelegenheit gestellter Antrag, zur Ers richtung moderner Zeitungsfioste in Schöneberg die erforderlichen Schritte zu tun, wird zunächst einem Ausschuß überwiesen. Ebenfalls zur Tagesordnung übergegangen wird über eine Petition, in welcher die Aufhebung des Wochenmarites am Dürerplay verlangt wurde. Die Abhaltung dieses Wochenmarktes fei allseitig als eine Notwendigkeit anerkannt worden. mäßige Wahlanordnungen anderer Personen tragen müssen. Viel begreiflicher und logisch richtiger wäre es, daß der Gemeindevorsteher die Kosten der Klage, deren Wertobjekt durch den Kreisausschuß auf 2000 M. festgesetzt wurde, zu zahlen hätte. Für unsere Genossen gilt es nun, die durch die Schuld anderer Berfonen tassierten Mandate twieder zu erobern. Hoffentlich werden die Wahlanordnungen bei dieser Wahl fachgemäßer getroffen, so daß nicht von neuem eine Raffation der Mandate eintritt. Mariendorf. 1 O.. 100. Mein. $. 8. 100. 42. 1. und 2. Das ist möglich. 3. und 4. Das hängt von dem Belieben der Behörde ab. 5. Etwa 50 m. 23. 6. 23. 1. Sa. 2. Ja, Am 11. März wurden bekanntlich bei der Wahl zur Gemeinde- aber die Entscheidung hängt von dem Nachweise ab, daß ohne das Quittungs75. C. D. Eine Klage vertretung die Genossen Reinhold Theurig und Paul Radicke buch eine Arbeitsgelegenheit erschwert wurde. hätte taum Aussicht auf Erfolg. A. G. 40. Das ist verschieden. gewählt. Die Wahl wurde jedoch später von der Gemeinde- 2. Oe. B. S. Nein. Hartmann. In Ihrem Falle ist das Kauf vertretung für ungültig erklärt. Die beim Kreisausschuß an mannsgericht in Sonneberg, nicht in Saalfeld, zuständig.- Beruhigung 3. Der Fistus wird schon mit der Stoftenrechnung fommen, mahnen brauchen gestrengte Klage der beiden Genossen kam in der letzten Sizung des sie ihn nicht. Bergißt er ble Ginforderung, befto beffer für Sie, ein NachAusschusses zur Verhandlung. Die Klage wurde to ſten tell evwächst Ihnen daraus nicht. Die Gerichtstoften verfähren in vier an die Schulbeputation wird abgelehnt. Die Schuld an der Ungültigkeit Jahren. D. W. 100. Leider ist das gesetzlich zulässig. Die Aus Ein Antrag des Magistrats verlangte die Einrichtung eines pflichtig abgewiesen. Ruderraumes im Seller des Reformreal. der Wahl trifft den Gemeindevorsteher. Wie der im Termin übung dieses Rechts ist aber unerhört. Wir werden nähere Erkundigungen gymnasiums in der Martin- Luther- Straße. Der Antrag als Berichterstatter über die Klage fungierende Kreisfynditus weds event. Veröffentlichung einziehen und bitten Sie, die in Betracht W. M. 23. Noch nicht. tommenden Schriftstücke bereit zu halten. brachte eine sehr umfangreiche Debatte, in welcher fast von allen Borgmann erklärte, hat der Gemeindevorsteher selbst zugegeben, Bant 100. Im Falle einer Klage würde voraussichtlich auf etwa Seiten die Ablehnung verlangt wurde. Einzelnen Rednern war es daß die von ihm getroffenen Wahlanordnungen 20 Mart Geldstrafe erkannt werden. Hochverrat. Nach dem Gesetz unerklärlich, wie der Magistrat einen derartigen Antrag mit seinem fich als unzwed mäßig erwiesen haben! fallen in einem ehrengerichtlichen Verfahren gegen einen Anwalt, der frei hygienischen Gewissen vereinbaren fonnte. Jeder Arzt muß eine Dem gefunden Menschenverstand wird es freilich schwer ber- gesprochen wird, die Kosten der Anwaltskammer( nicht dem Staate) zu, der eine vor bestraft ift. Ein Zeuge wird in der Regel nach anderen Borstrafen als der wegen Meineids nicht befragt. Gesucht er vorher das Gericht schriftlich unter Mitteilung seiner Strafen, die Borstrafen nicht zur Erörterung gelangen zu lassen, so fann er, von besonderen Ausnahmen abgesehen, ficher fein, daß eine Befragung unterbleibt, G. 401. 1. Keineswegs hat eine Spartaffe im Fall des Ausbruchs eines Strieges die Das Amtsgericht Eberswalde ist zuständig. Gelder an den Staat zu sablen, ebemowenig werben die Gelder einer Spartaffe für den Staat gesperrt. Die Spartaffe bleibt vielmehr völlig ficher ben Sparern. 2. Die Sparkasse. Paul. Der Vater ist zur Zahlung nicht verpflichtet. V. K. 77. Eine Klage gegen den Wirt, den Raum heizbar her zustellen, event.Ihnen zu geftatten, einen Ofen zulegen, hätte Aussicht auf Erfolg. 5. 2. 35. Wenn in Ihrem Vertrage eine entsprechende Bereinbarung Die leste Gemeindevertretersizung hatte au dem Antrage der steht( in Berliner Mietsverträgen ist das leider üblich) ja. Steht keine der artige Klaufel in dem Vertrag, fo tönnen Sie vollen Schadenersatz ver. Großen Berliner Straßenbahn auf Konzeffionsverlängelangen. Die notwendigen Reparaturen müssen Sie aber ausführen lassen. rung Stellung zu nehmen. Nach Mitteilung des bezüglichen Migdorf M. W. 1. Das Gefeb gibt eine bestimmten Gegen Schreibens des Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg, legte der stände an, die als unpfändbar zu erachten find, sondern bezeichnet die un Gemeindevorsteher den ablehnenden Standpunkt der Gemeinde durch entbehrlichen Gegenstände als unpfändbar. Bas unentbehrlich ist, ist von Verlesung der von ihm beabsichtigten Antwort dar. Darin wird Fall zu Fall zu entscheiden. 2. Ja. 3. Der Wirt geht vor. Gleichviel, J. 99. Ja. nachdrücklichst auf die verschiedenen wirtschaftlichen Nachteile hin- ob ber Pfandvertrag gerichtlich oder notariell gefchloffen ift. Die Versammlung nahm darauf den Bericht des Ausschusses gewiesen, die auch u. a. der Gemeinde durch Stilllegung des Bu F. W. Nein, Sie müssen zahlen. Wer im Jahre 1907 ausgetreten ist, entgegen, der bem Magistrat in der Angelegenheit betr. die St on zuges und durch den Rückgang der Bevölkerungszahl bei Durch hat noch bis zum Schluß des Jahres 1908 die Stirchensteuer zu zahlen. R. B. 10. 1. Eine Erlaubnis braucht nicht nachgelucht zu werden. aeffionsberlängerung der Großen Berliner Straßenbahn führung des Blanes erwachsen würden. Die Vertretung Das Gericht ist aber in Kenntnis zu sehen. 2. Steht die Frau ohne Einzur Seite gestellt war. Stadtv. Gottschalt( lib. Frakt.) be- ftimmte für für Ablehnung obigen Antrages. In der Bewilligung des Ehemannes und ohne daß ein vom Gericht als berechtigt er richtete über ben Stand der Angelegenheit und bezeichnete das Vor- Handlung des weiteren Punktes der Tagesordnung betreffend achteter Grund vorliegt, vom Manne fort, so ist der Mann zu ihren Untergehen der Großen Berliner Straßenbahn als illoyal, das weder Ausbau der Dorfstraße bediente fich der Vorsteher eines halt nicht verpflichtet. Sachen, die die Frau mitnimmt, fann der Mann formell noch materiell berechtigt und einer Bertrags- ganz merkwürdigen Verfahrens. Es handelte fich bei ber ziemlich zurüdforbern. Zur Wiederaufnahme der Frau ist der Mann verpflichtet. Wenden Sie sich an die Landesversicherungsanstalt, amgebung gleich bedeutend fei. Die Aufsichtsbehörde heftig geführten Debatte, an der sich auch die Genossen Reichardt 3. t. 112. Die Kölnischer Part 8. Anstalt ist berechtigt, aber nicht hätte die Pflicht gehabt, die Große Berliner Straßenbahn zunächst und Weber beteiligten, darum, ob die Dorfaue in der an- pflichtet, künstliche Gebisse oder einen Beitrag bazu zu gewähren. auf die Revision ihrer Verträge hinzuweisen. Das Rein", das der geblich von der früheren Vertretung projektierten Weise aus- 8. 3. 16. 1, Nein. Die Unterlassung hätte aber Nachteile. 2. In der Magistrat in dieser Angelegenheit bereits erteilt hat, milffe gebaut werben soll, daß nämlich der Fahrdamm in der Mitte und Megel nein. Insbesondere dann nicht, wenn ein Vergleich stattfindet. 3. Die durch die Stadtverordnetenversammlung noch verschärft werden. zu beiben Seiten Schmuckanlagen, oder ob, wie es bie jetzige Berjährungsfrist für solche Warenverläufe, die für das Geschäft eines anderen Es würde eine Statastrophe flir Groß- Berlin bedeuten, wenn sich Mehrheit der Vertreter und mit ihnen der weitaus größte Teil geliefert sind, beträgt vier Jahre. Die Forderung für im Jahre 1904 geoie Regierung in dieser Angelegenheit auf feiten der Privatgefell- der Einwohnerschaft wünscht, eine Bromenade in der Mitte lieferte Waren würde demnach mit Ablauf des Jahres 1908 erlöschen. War schaft stellen würde. Eine Debatte schloß sich an diesen Bericht und zu beiden Seiten je ein Fahrdamm anzulegen feien. Der bie Ware für den persönlichen Gebrauch geliefert, so beträgt die Berjährungsaicht. Gemeindevorsteher war fich offenbar von vornherein darüber flar, ist zwei Jahre. Es würde also die Forderung für eine im Jahre 1906 für den Privatgebrauch eines anderen gelieferte Ware Ende 1908 verjähren. Sierauf tam ein Antrag der sosialdemokratischen baß ihn nichts von seiner Absicht, bas erste Projekt zur.. 500. 1. und 2. Nein.- 6. 5. 99. Diese Handlung fann Graftion aur Beratung: Ausführung bringen zu lassen, abhalten wird. Statt gleich eine als Betrug fich charakterisieren. Der Bertrag hat insoweit Geltung, als der B. 21. Bei Ede, „ Der Magistrat wird ersucht, ebenso wie dies in Berlin ge- diesbezügliche Erklärung abzugeben, bot er alle möglichen Sach- betrogene Pächter Schadenersah verlangen tann. 2. G. 35. Ja, aber die Geltendmachung des Rechts schieht, auch in Schöneberg am 17. November d. J. und am verständigen, einen Landschaftsgärtner, den Schulrektor und den Zehdenickerstr. 2. 2. S. 81. Die Austrittserklärung muß innerhalb 15. februar nächsten Jahres Arbeitslosenzählungen Baurat auf. ließ hierzu sogar Anträge von Gegnern dieses Projektes ist unwahrscheinlich. borzunehmen und die nötigen Vorbereitungen gemeinsam mit zu und erklärte dann schließlich, nachdem ausgerechnet von dem des 29. bis 42. Tages nach dem Tag erfolgen, an dem die schriftliche AnBerlin unverzüglich zu treffen. Ueber die dazu erforderlichen Vertreter Dr. med. Leutloff Schluß der Debatte beantragt war: erklärung vor Gericht erklären müssen. Ein Borladung erfolgt in der Regel nicht. burch eben so lange wie inhaltslose Neden sich auszeichnenden meldung beim Gericht eingelaufen lit. In Ihrem Falle würden Sie also frühestens am 28. Dttober und spätestens am 10. November die AustrittsWittel ist der Stadtverordnetenversammlung eine Borlage au es habe sich ja hier nur um eine Besprechung ge G. 6. 1908. Benden Sie sich an den Deutschen Metallarbeiterverband, handelt, eine bftimmung, bie Genosse Reichardt bean- Charitéftr. 3. K. S. 6. Treten Sie mit dem Stadtverordneten Bagels, Wer mit diefer Art der Rigdorf, Nedarstr. 2, in Verbindung. 8. 100. Wassersport", FriedrichErledigung der ftrittigen Frage sich nicht einverstanden erklären ftrage 239. 20. 2. 5. Leider ist die Betreffende nicht tranten tönne, möge sich über ihn beschweren Was fümmern diesen Herrn versicherungspflichtig und müßte für Strankheitstoften selbst aufkommen. die Wünsche der Mehrheit der Einwohner: die Hauptsache ist die, daß den Anliegern der Dorfstraße, den Alteingesessenen, den EinWitterungsübersicht vom 13. Oftober 1908, morgens 8 Uhr. geborenen", wie fie der eine Sachverständige fo schön titulierte, die Dorfaue in der bisherigen Form und die Nuhe erhalten bleibt. Zehlendorf. machen," Nachdem die Dringlichkeit des Antrages von der Versammlung tragte, lasse anerkannt wurde, führte Stadtv. ter( S08.) in seiner Begründung aus, daß in Berlin eine Arbeitslofenzählung geplant werde. Die felbe habe aber nur einen Wert, wenn sich auch die Vororte daran beteiligen und zwar in derfelben Weise und an demselben Tage. Ein großer Teil von Arbeitern, die in Berlin ihrer Beschäftigung nachgehen, hat in den Vororten feinen Wohnfiß. Auch hat die Stadt Schöneberg selbst ein Interesse daran, wie groß in ihrer Gemeinde die Arbeitslosigkeit ist. nicht er Stationen ftanb mm Barometer Bindrichtung Windstärke Wetter emp. n. 6. 6° C.= 4º R. Il Stationen Barometer Stanb mm Wind richtung aparanda 753 28 8 Betersburg 764 2 11 Scilly 10 berbecn 2Rebel 11 3 Rebel 769 SD 1 Nebel 1 Mebel 769 SD 6 Baris Windstärke Wetter ber Temp. n. T. 9 9 6 halb bd. 2 Nebel 761030 2halb bd, 13 765 23 1 balb bd. 9 766 Still bedeckt 11 1 heiter 771 Stil halb bd. Wetterprognofe für Mittwoch, den 14. Oftober 1908. Mild, bisweilen trübe und neblig, sonst ziemlich heiter und troden bei schwachen füdöstlichen Winden. Stabtv. unigth( lib. Fraft.) befürwortet ebenfalls den Die Gewerkschaftskommiffion beschäftigte sich in ihrer lekten Antrag und bedauert, daß die Arbeiten für den Bau der Untergrund- Sibung mit einem Wunsche, den hiesigen Arbeitern durch Arran Smotnembe. 770 DSD bahn noch nicht genügend Beschäftigung bieten. Nach seiner Information gierung von Theaterabenden edlere Kunstgenüsse zu bieten. Gs werden zurzeit nur 18 Mann beschäftigt, und auch diefe müßten wurde beschlossen, das Anerbieten eines Berufsschauspielers au Camburg 769 OND noch entlassen werden, wenn nicht die Beseitigung des Sandbergs, durch akzeptieren, der mit seiner Gesellschaft am 28. November das sozialerant.a m 767 S den die Untergrundbahnarbeiten aufgehalten werden, beschleunigt Drama Ausgewiesen" aufführen wird. Der Eintrittspreis für Münden wird. Diese Arbeiten sind aber einem Unternehmer übertragen, diese Veranstaltung wurde auf 50 f. festgefeßt. Sodann weist Wien der die Schöneberger Arbeiter entlaffen habe, Genosse Scheler auf die herrschende Arbeitslosigkeit hin. Es sei weil sie einen Stundenlohn von 40 Pfennige berawar genügend Arbeitsgelegenheit durch den Neubau der Kanalilangten. Der Unternehmer hat daraufhin Galizier und fation vorhanden, doch werden an diesen Bauten vorwiegend Polen, Bolen eingestellt, denen er einen Stundenlohn von 38 Pf. zablt. barunter auch eine Anzahl Frauen, beschäftigt, Um Redner verlangt, daß der Magistrat hier eingreift, um den Grund- ben Umfang der Arbeitslosigkeit am Orte feftaustellen, wird im fäßen Geltung zu verschaffen, die bisher in Schöneberg maßgebend Anfang November eine Statistit aufgenommen werden. Für die waren. Man soll es auch nicht bei dem ersten Spatenstich für die Untergrundbahn bewenden lassen, sondern dafür sorgen, daß die Arbeiten schneller vorwärts gehen. Der Antrag der sozialdemokratischen Fraktion wird darauf ohne Widerspruch angenommen. Nach dem Bericht des Wusschusses wird sodann der Antrag der Unabhängigen Vereinigung aur Sebung des Kleingewerbes Glettromotoren au berpachten", ohne Debatte abgelehnt. Der Anschaffung eines Automobil Straßenwasch wagens wird nach längeren Auseinandersehungen in nicht öffentlicher Sigung zugestimmt. vorbereitenden Arbeiten wurde eine Unterkommission von vier Genoffen gewählt. Das Gerücht, der Zweigverein Schlachtensee des Allgem. deutschen Gärtnervereins habe in einem gesperrten Botal ein Vergnügen abgehalten, ist falsch. In der Sibung wurde festgestellt, daß es sich um einen blauen Berein handelt. Baumschulenweg. Berliner Betterbureau. Waferstando.Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerfunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. am felt 12.10. 11.10. em cm) 76+11 87+3 am jeit 12.10. 11. 10. Bafferstand cm 141 om) +1 -21-1 78 97 -2 Saale, Grochlit Havel, Spandau) Rathenom³) Spree, Spremberg) 84 Beestom 97 +1 Beser, Münden 21-1 68-2 67 -101 28 Minden -27+6 14 Rhein, Marimiliansau 380 Kaub 165 Köln 151 Dresden Barby Magdeburg Nedar, Heilbronn 38 38 Main, Wertheim 106 59 Mosel, Trier 24 + bedeutet Buchs, WONE fall,- Unterpegel Basserstand Memel, Zilfit Bregel, Justerburg Anläßlich eines am Sonntagabend auf dem Kohlenplatz von Lint eich fel, Thorn an der Köpenicker Landstraße ausgebrochenen Feuers stand die freiOder, Ratibor Krossen willige Feuerwehr durchaus nicht auf der Höhe. Die Mannschaften Frankfurt waren auf dem Depot wohl zur Stelle, aber es fehlten die Barthe, Scrimm Landsberg Pferde für die Wagen. So verging wohl eine halbe Stunde, Arbeitslosenstatistik. In seinem amtlichen Publikationsorgan, ebe sie auf dem Brandplate erschienen. Gerügt muß auch das Ver- Nese, Bordamm halten der dann eintreffenden Gemeinbediener werden, die sich dem Elbe, Lettmerig dem„ Rigdorf. Tagebl.", einem in Arbeiterkreisen fo gut wie gar nicht Bublifum gegenüber nicht in der zurückhaltenden Beise verhielten, gelesenen Blatte, veröffentlicht der Nixdorfer Magiftrat eine Bekannt- pie es angebracht war. Denn lange schon, ehe Feuerwehr und machung, die die Aufnahme einer Arbeitslosenstatistit am 15. Oftober Bolizei auf dem Plane erschienen, batten hilfsbereite Hände nach anordnet. Im Gegensaz au Berlin wird diese Zählung vorgenommen, Möglichkeit die Stettungsarbeiten berrichtet. Nixdorf. Gruppen 35 u. 36 Tassage Kaufhaus Friedrich- 6trasse 110-111-112. BERLIN Oranienburgerstr. 54-55-56-56a Vereinigung erstklassiger Spezialgeschäfte Damen- Konfektion Blusen- Faltenröcke- Jupons Bluse Bluse Hemofasson, aus Baumwollstoff in hellen aparten aus bedrucktem Barchend mit Vorderfalten u. Paspel, 1.75 in dunklen Farben, sehr praktische Hausbluse Chevronstreifen, Vorderteil in breiten Falten, zum Durchknöpfen.. 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Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Putzer. Achtung! 3. Freitag, den 16. Oktober, bei Kranz, Dunder- Donnerstag, den 15. Oktober, abends 6%, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15 straße 8. 4. Freitag, 99 99 99 99 6. 75/19 99 den 16. Oftober, bei Merkowsky, Andreasstraße 26. 5. Donnerstag, den 15. Oktober, bei Golling, Briger Straße 19. Freitag, den 16. Oktober, bei Liehr, Grenadierfraße 35. Sämtlich nachmittags 5 Uhr. Die Ortsverwaltung. Stukkateure! Laut geltendem Tarifvertrag regelt sich die Arbeitszeit in den Wintermonaten auf Bauten wie folgt: Bom 15. Ditober bis 15. November Anfang 7, Uhr, Frühstüď 9 bis 9%, Uhr, Mittag 12-12 Uhr, Feierabend 4 Uhr, tägliche Arbeitszeit 8 Stunden. . Sovem Bom 16. November bis 15. Januar Anfang 8 Uhr, Frühſtüd 9 bis 9½ Uhr, Mittag 12-12, Uhr. Feierabend 4 Uhr, tägliche Arbeitszeit 7 Stunden. Bom 16. Januar bis 15. Februar Anfang 7%, Uhr, Frühstüď 9 bis 9% Uhr, Mittag 12-12%, Uhr, Feierabend 4%, Uhr, tägliche Arbeitszeit 8 Stunden. Wir erwarten, daß angesichts der großen Arbeitslosigkeit diese Abmachungen unbedingt eingehalten werden. 174/ 1* Die Ortsverwaltung Berlin des Zentralverbandes der Stuffateure. Herren- Stoff- Reste Wer- Stoff- hat Saal IV: Außerordentliche Mitglieder- Versammlung. B Zages Drdnung: Orts- Krankenkasse Weißensee. Durch die am 1. Oftober cr. ab. gelaufene Wahlzeit ist eine Neuwahl fämtlicher Vertreter erforderlich. Es sind zu wählen: 145 Arbeitnehmervertreter und 67 Arbeitgebervertreter. Die Wahlen finden am Mittwoch, den 28. Oktober er., abends von 6-10 Uhr, im Restaurant ,, Prälaten", hier, Lehderstraße 122 statt und zwar wählen die Arbeitnehmer von 6-8 Uhr und die Arbeitgeber von S- 10 Uhr. Wahlberechtigt und wählbar sind nur diejenigen Kassenmitglieder und Arbeitgeber, welche großjährig und rechte sind. 1. Fortsetzung der Diskussion über den Bericht vom Verbandstage. 2. Vereinsangelegen im Befit der bürgerlichen Eyrenheiten. 3. Verschiedenes. Kollegen! Agitiert für den Besuch der Versammlung. 134/ 20* Mitgliedsbuch legitimiert. Ohne dasselbe kein Zutritt. Der Vorstand. J. A.: Ernst Schulze. Deutscher Iffetallarbeiter- Verband. Arbeitsnachweis: Hof 1. Amt III. 1239. Verwaltungsstelle Berlin. Haupt- Bureau: Charitéstraße 3. Hof III. Amt III. 1987. Donnerstag, den 15. Oftober 1908, abends 8 Uhr: Versammlung 277/ 6* Die Arbeitnehmer haben das Quittungsbuch bei der Wahl, borzulegen. Die Arbeitgeber wollen sich zum Zwede ihrer Legitimation eben falls mit einem Ausweise versehen. Weißenice, den 8. Oktober 1908. Der Vorstand der Ortskrankenkasse für den Gemeindebezirk Weißensee. Fuhrmann, Borsigender. Dr. Simmel Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. dicht am Prinzenstr. 41, Moritzplatz, aller in der Gold- u. Silberwaren- Industrie beschäftigten Arbeiter u. Arbeiterinnen 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 3-4. in Kellers Neuer Philharmonie, Köpenicker Straße 96/97. Tages Ordnung: 1. Die Antwort der Arbeitgeber und unsere weitere Stellungnahme." Referent: Stollege and le. 2. Diskussion. § Kollegen und Kolleginnen! In dieser Versammlung wird Ihnen die Antwort der Arbeitgeber auf unseren nehmen, ist es Pflicht eines jeden von Ihnen, in dieser Versammlung zu erscheinen, als auch für einen guten letten Vorschlag mitgeteilt werden. Da es notwendig ist, daß Sie zu dieser Angelegenheit endgültig Stellung Besuch der Versammlung zu agitieren. Niemand darf fehlen, alle müssen zur Stelle sein. teppdefen größte Auswahl, sehr preiswert, direkt in d. Fabrit Bernhard Strohmandel, zu Herrenanzügen spottbillig, feinste fertige Serren ohne Konkurrenz Fabritate, Rammgarne, Cheviots, anzug, 20- M. neueste Muster von 4 M. an per 2 Unpr., feinite But, gold. Medaille. Meter, reine Wolle. 8/5 Für gut. Siz bekam Ludwig Engel, Prenzlauer Ludwig Engel, Prenzlaner. straße 23, II.( Alexanderplatz.) straße23, II.( Alexanderpl.) Gegr.1892 NB. Den Kollegen zur Kenntnis, daß die Zahlstelle von Saner, Schönhauser Allee 135, nach Berlin S. 14, 72 Wallstraße 72 Spezialität: Winterpaletot tompl. nach Maz Napoleon" M. 36,00. E. Schäde, Kopenhagener Straße 74, verlegt worden ist. Ein Verfuch führt zur dauernden Kundichaft! 99 Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort( fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort ( fettgedruckt) 10 Pig. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Gastronen, Petroleumtronen ohne Anzahlung, Woche 1,00. Louis Böttcher ( felbst): Borhagenerstraße 32( BahnHauser Allee 80, Potsdamerstraße 81, verbindung Warschauerstraße), Schön Rigdorf, Kaiser Friedrichstraße 247. 123/8 Die Ortsverwaltung. Kleine Anzeigen Bronzegastrone, Hängelicht, dreis flammig, mit kompletten Gräkin brennern, Glas, Glühstrümpfen 20 Mart. Bugampel, Gräzinlicht, 12 Mart tomplett. Alte Jakob Straße 125. 10835* Tiſchbecken( reich geftidi), in plüsch 4,85-5,65. 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