Nr. 248. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pranumerando Bierteljährl. 8.30 t, monatl. 1.10 M wöchentlich 28 Big. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Big. Sonntags. nummer mis illuftrierter Sonntags Beilage Die Neue Welt 10 Big. Boft Ebonnement: 1,10 Marf pro Monat Eingetragen in die Boft.Beitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutichland und Defterreich. Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nebmen an: Belgien, Dänemart Holland, Italien, Luxemburg. Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Erideint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 25. Jahrg. Die Infertions- Gebühr Befragt für die fechsgespaltene stolona. geile oder deren Raum 50 Pfg., für politifche und gewerffchaftliche Bereins und Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Bort 20 Bfg., jebes weitere Bort 10 Bfg. Stellengefuche und Schlaf Stellen- Anzeigen das erfte Bort 10 Bfg., fedes meitere Wort 5 Big. Borte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inferate für die nächste Nummer müssen Bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition i Bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Der Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Donnerstag, den 22. Oktober 1908. § 5. Wird elektrische Arbeit oder Gas unmittelbar zur Her stellung eines diefer beiden Erzeugnisse verwendet, so wird die AbErzeugnisse die Abgabe erhoben werden soll. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Bernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. § 24. Der Betriebsinhaber hat die Meß- und Hilfsgeräte und bie zugehörigen Einrichtungen auf feine osten zu beschaffen, Entwurf des Elektrizitäts- gabe nur einmal erhoben. Der Bundesrat beſtimmt, von welchem anzubringen und im Stande zu halten. und Gassteuergesetzes. " Ein günftiger Wind, der uns schon so oft amtliche AktenStücke auf den Redaktionstisch geweht hat, hat uns auch den Entwurf des geplanten Elettrizitäts- und Gas. Steuergesetzes" beschert, das sich nicht nur eine starte Belastung der Verbraucher von Gas und elektrischer Straft leistet, sondern auch in die Gas- und Elektrizitätsindustrie mit den rigorosesten Bestimmungen eingreift und sie der strengen Aufsicht der Steuerbehörden unterstellt. Es sind recht bedeutende Steuerbeträge, die man den Gas- und Eleftrizitätsverbrauchern abzuzivacken gedenft; denn die Steuer für elektrische Kraft und Gas wird im Entwurf mit 5 Proz. des„ Abgabepreises", jedoch nicht über 1, f. pro Stiloivatt8 6. Steuerbefreiungen. Befreit von der Steuer bleibt das Gas: 1. wenn es nachweislich einen oberen Heizwert von weniger als 1000 Wärmeeinheiten im Kubikmeter 0 Grad und 760 Willie meter Drud aufweist; 2. wenn es in Vorrichtungen verwertet wird, die mit den Er. zeugungsvorrichtungen unmittelbar bereinigt find( Regenerativöfen, Benzin, Del, Spiritusmotoren, Azetylenlaternen usw.). § 7. Der Bundesrat ist befugt, Steuerbefreiung zuzulaffen, 1. für elektrische Arbeit, wenn sie in einer Anlage erzeugt ist, bie nicht mehr als 1½ Kilowatt leisten kann, 2. für Gas, wenn es in einer Anlage erzeugt ist, die nicht mehr als 1 Kubikmeter in der Stunde leisten kann. Der Bundesrat tann bestimmte Gasarten bezeichnen, welche stunde bezw. pro Kubikmeter, angesetzt, und zwar soll als außerdem von der Steuer frei bleiben, und die Bedingungen fest Abgabepreis" der vom Verbraucher zu entrichtende stellen, unter denen die Steuerfreiheit eintritt. 群 Preis gelten, also der Höchstpreis. Dazu kommt, nach dem Entwurf die zur Ermittelung der Abgabe nötigen Meßgeräte vom Betriebsinhaber selbst angeschafft oder auf eigene Stosten Leihweise entnommen werden müssen;: nur wenn Elektrizität oder Gas ausschließlich zum eigenen Bedarf erzeugt werden, erhält der Betriebsinhaber auf seinen Antrag während der ersten zehn Jahre alljährlich ein Zehntel der ihm durch die Anschaffung der Meßgeräte entstandenen Stoften oder die Hälfte des von ihm für die Apparate gezahlten Mietsbetrages zurückvergütet. b) § 8. fälligteit der Steuer. Die Steuer ist fällig: a) bei Erzeugung im Inlande, sobald das Erzeugnis die Erzeugungsstätte verläßt oder, bei Verwertung an dieser, sobald es in die Verbrauchs- oder Verteilungsleitungen eintritt; b) bei Erzeugung im Auslande, sobald das Erzeugnis in das Inland eintritt. Zur Entrichtung ist im Falle zu a) der Erzeuger, im Falle au derjenige verpflichtet, der das eingeführte Erzeugnis zuerst zur Neben dieser Besteuerung des Verbrauchs von Gas und Verfügung erhält. Wird das Erzeugnis an einen Dritten abgegeben, der es feinerelektrischer Straft ist eine enorme Besteuerung der Beleuchtungsmittel geplant, teilweise bis zu 50 und 60 Proz. feits weiter abgibt, so ist dieser zur Entrichtung der Steuer von ihres heutigen Detailpreises. So sollen 3. B die Glühstrümpfe ift der von dem Erzeuger hierfür zu entrichtende Betrag an dem weiter abgegebenen Erzeugnisse verpflichtet. Auf die Steuer für Gasglühlicht, die hente im Detailverfauf 18-25 Pfennig ist der von dem Erzeuger hierfür zu entrichtende Betrag an toften, tünftig mit 10 Pfennig pro Städ versteuert werden, und ebenso wird für gewöhnliche Glühbirnen eine Steuer von 10 Pfennig pro Stück verlangt. zurechnen. § 9. Entrichtung der Steuer. Die Steuer ist für jedes Vierteljahr bis zum 15. des weiten darauffolgenden Monats zu entrichten. § 11. Ermittelung bes Steuerbetrages. Wer elektrische Arbeit oder Gas ausschließlich zum eigenen Bes darf erzeugt, erhält auf Antrag während der ersten zehn Jahre alljährlich je ein Zehntel der ihm erstmalig für die An. chaffung und Anbringung der Meßgeräte(§ 12) nachweislich erwachsenen Kosten vergütet. Hat er die Meßgeräte mietweise beschafft, so wird ihm für die gleiche Dauer die Hälfte des von ihm bezahlten angemessenen Miets, betrags erstattet. II. Abschnitt. § 26. Gegenstand der Steuer. Die nachbenannten Beleuchtungsmittel: elektrische Glühlampen und Brenner für solche, Glühförper für Gas-, Spiritus, Petroleum und ähnliche Glüh lampen, Brennstifte für elektrische Bogenlampen, Quecksilberdampflampen und ihnen ähnliche elektrische Lampen unterliegen, soweit sie zum Verbrauch im Inlande bestimmt sind, einer in die Reichstasse fließenden Abgabe. § 27. Höhe der Steuer. Die Steier beträgt: A. für Glühlampen und Brenner zu solchen 1. bis zu 10 Watt: 10 Bf. für das Stüd, 2. bon über 10 bis 20 Watt: 15 Pf. für das Stüd, 8. von über 20 bis 50 2Batt: 20 Pf. für das Stüd, 4. von über 50 bis 100 Watt: 30 Pf. für das Stüd, 5. von über 100 Watt: 50 Bf. für das Stück; B. für Glühförper zu Gasglählicht- und ähnlichen Lampen: 10 Pf. für das Stüd; C. für Brennstifte zu elektrischen Bogenlampen: 1 M. für das Kilogramm; D. für Quedfilberdampf- und ähnliche Lampen bis 100 Watt: 1 M. für das Stüd, für folche von höherem Berbrauche je 1 M. mehr für jedes weitere angefangene Hundert Watt. § 28. Entrichtung und Stundung der Stener. Die Steuer ist vom Hersteller der Beleuchtungsmittel mitte Is ber Gra Bur Durchführung dieser Besteuerung der Beleuchtungs. 3 förper wird die Herstellung von Steuerzeichen und der Zwang bestimmter genau vorgeschriebener Verpackungsarten, sowie die Der Steuerbetrag wird, soweit er nach§§ 2, 3 von den Abgabe- nbringung und Entwertung von Steuerzeichen Stellung aller Betriebe, die solche mit Steuer belegten Be- preifen oder von den Selbstkosten abhängt, auf Grund der Geschäfts, an den Badungen(§ 31) au entrichten, bevor die Ieuchtungsmittel fabrizieren, unter ständige Steuerbücher, Geschäftspapiere und der im§ 23 bezeichneten Abschreibungen, fettigen berpadten Erzeugnisse aus fontrolle vorgeschlagen; und zwar erstreckt diese Aufsicht foweit er von der Menge des Erzeugnisses abhängt und nicht eine deugungsstätte entfernt werden. fich nicht nur auf alle Betriebs-, Lager- und sonstigen Ge- Ausnahme ausdrücklich zugelaffen ist, auf Grund der Angaben von schäftsräume, sondern die Beamten der Steuerverwaltung amtlich beglaubigten Meßgeräten ermittelt. sind auch befugt, jederzeit die Einsicht in die Geschäftsbücher und Geschäftspapiere zu verlangen. 99 9 Im ganzen umfaßt der Entwurf 67 Paragraphen und teilt sich in fünf Abschnitte. Der erste Abschnitt betrifft die Besteuerung der elektrischen Arbeit und des Gases," der zweite die Besteuerung der Beleuch tungsmittel", der dritte Abschnitt behandelt die Strafvorschriften", der vierte und fünfte allerlei Bestinumungen über Zollanschlüsse, Erhebung und Verwaltung der Steuer sowie verschiedene Uebergangsvorschriften. " Die wichtigsten Paragraphen des Entwurfs lauten: 1. Abschnitt. § 1. Gegenstand der Steuer. § 12. Meßgeräte. Die Meßgeräte(§ 11) müssen nach näherer Bestimmung der Steuerbehörde an der Erzeugungsstätte oder, wenn diese dazu un geeignet ist oder im Auslande liegt, an der nächsten geeigneten Stelle dergestalt angebracht sein, daß einer unberechtigten Entnahme des Erzeugnisses vor dem Eintritt in das Meßgerät vorgebeugt ist. § 19. Steueraufsicht. Bei eingeführten Erzeugnissen der bezeichneten Art hat die Versteuerung durch den Einbringer bei der Zollabfertigung oder wo eine solche nicht stattfindet, innerhalb einer Frist von drei Tagen nach dem Empfange zu geschehen. Er stellt bie Die näheren Bestimmungen über die Wertbeträge der Steuer zeichen, über die Form, ihre Anfertigung, ihren Vertrieb und die Art ihrer Verwendung trifft der Bundesrat. Voraussetzungen fest, unter denen für verwendete oder un verwendbar gewordene Steuerzeichen ein Ersatz der bezahlten Steuerbeträge gewährt werden darf. Steuerzeichen, die nicht in der vorgeschriebenen Weise verwendet worden sind, werden als nicht verwendet angesehen. Die Anbringung von Steuerzeichen ist nicht erforderlich, wenn die steuerpflichtigen Beleuchtungsmittel zur Ausfuhr unter amtlicher Aufficht vor der Entnahme aus der Erzeugungsstätte angemeldet werden. Gegen Sicherheitsbestellung lann die Steuer auf sechs Monate Die Elektrizitäts- oder Gaserzeugungsanlagen sowie im Falle der Einfuhr aus dem Auslande die hierzu dienenden Leitungen und Unterstationen unterliegen der Steueraufficht. Die Steuerbeamten find befugt, die Betriebsräume, so lange sie geöffnet sind oder darin gearbeitet wird, zu jeder Zeit, andernfalls während der Tagesstunden, zu befuchen. Die Aufsichtsbefugnis erftredt sich auf alle Räume der Anlage sowie auf die unmittelbar angrenzenden und mit ihr in Berbindung stehenden Räume, ferner auf Nebenstellen und die zu ihnen führenden Leitungen. Die Zeitbeschränkung fällt Steuerpflichtige Beleuchtungsmittel dürfen aus den Herstellungsweg, wenn Gefahr im Verzug ist. betrieben und aus dem Auslande nur in vollständig geschlossenen § 20. Innerhalb der der Steueraufsicht unterliegenden Räume und ohne erkennbare Spuren nicht zu öffnenden Packungen in den a) für die elektrische Arbeit, die gegen Entgelt abgegeben dürfen feine Einrichtungen getroffen werden, welche die Ausübung freien Verkehr des Inlandes gebracht werden. Die vorschriftsmäßige wird, fünf vom Hundert des Abgabepreises, jedoch nicht der gefeßlichen Aufsicht hindern oder erschweren. Die Steuer- Berpadung hat vor dem Eintritte der Steuerpflichtigkeit zu erfolgen über 2 f. für die Kilowattstunde; behörde ist befugt, anzuordnen, daß Einrichtungen, und gilt als ein Teil der Herstellung. Die zur Verwertung im Inlande bestimmte elektrische Arbeit und das zur Berwertung im Inlande bestimmte brennbare Gas unterliegen einer in die Reichskaffe fließenden Abgabe. § 2. Höhe der Steuer. Die Steuer beträgt: geftundet werden.§ 81. Berpadungszwang. b) für die elektrische Arbeit, die für den eigenen Bedarf des die zur Verwertung unversteuerter Mengen des Die Art der Verpadung und die Größe der zulässigen Packungen Erzeugers bestimmt ist, ½ Pf. für die Kilowattstunde. Auf Ansteuerpflichtigen Erzeugnisses oder zu einer Ver- bestimmt der Bundesrat. Auf jeder Packung ist der Inhalt, und trag tritt nach näherer Bestimmung des Bundesrats eine Er- wertung, die einem höheren Steuerfaz als dem angemeldeten unter zwar bei elektrischen Glühlampen, Brennern zu solchen und mäßigung auf fünf Prozent der für die Erzeugung der elektrischen liegt, benügt werden könnten, entfernt, versiegelt oder Quedfilberdampflampen nach Stückzahl und Wattverbrauch, bei Glüh Albeit aufgewendeten Selbstkosten ein, wenn auf Grund geordneter abgebedt werden. förpern nach der Stüdzahl, bei Bogenlampenstiften nach ihrem EigenBuchführung nachgewiesen wird, daß jener Steuersatz diesen Prozent satz übersteigt. 83. Die Steuer beträgt: Im Falle der Einfuhr tann zugelassen werden, daß die Vers padung unter befonderen Sicherungsmaßnahmen erst im Inlande borgenommen wird. Der Bundesrat ist befugt, für den Einzelverkauf von steuerpflichtigen Beleuchtungsmitteln besondere Sicherungsmaßnahmen zu 8 33. Anmeldepflicht. § 21. Der Betriebsinhaber hat den Steuerbeamten jede für gewichte, die Steuerklasse(§ 27), die Benennung der verpackten Vedie Steueraufsicht oder zu statistischen Zweden erforderliche Ausleuchtungsmittel( Handelsmarke) und eine Bezeichnung, aus welcher a) für das Gas, das gegen Entgelt abgegeben wird, fünf funft über den Betrieb zu erteilen und bei den zum Zwede der der Steuerpflichtige(§ 28) von der Steuerbehörde mit Sicherheit bom Hundert des Abgabepreises, jedoch nicht Steueraufsicht stattfindenden Amtshandlungen die Hilfsmittel au festgestellt werden fann, anzugeben. stellen und die nötigen Hilfsdienste zu leisten. über fennig für das Subifmeter; Den Oberbeamten der Steuerverwaltung sind die auf die Serb) für das Gas, das für den eigenen Bedarf des Erzeugers bestimmt ist, soweit es einen oberen Heizwert von wenigftens ftellung und die Abgabe des Erzeugniffes bezüglichen Geschäftsbücher 3000 Wärmeeinheiten im Kubikmeter bei 0 Grad und 760 Mili- und Schriftstücke auf Erfordern zur Einsicht vorzulegen. meter aufweist, Pfennig, soweit es einen geringeren Heizwert§ 23. Nach näherer Bestimmung der Steuertreffen. aufweist. Pfennig für das Kubikmeter. Auf Antrag tritt nach behörde sind sind vom Betriebsinhaber Anschreie näherer Bestimmung des Bundesrats eine Ermäßigung auf fünf bungen über die gegen Entgelt versorgten Bere Wer gewerbsinäßig steuerpflichtige Beleuchtungsmittel Herstellen bom Hundert der für die Erzeugung des Gafes aufgewendeten brauchsstellen, über die fie gelieferten will, hat dies vor der Eröffnung des Betriebes unter Bezeichnung Selbstfoften ein, wenn auf Grund geordneter Buchführung nach Mengen des Erzeugnisses und die dafür berech der Erzeugnisse, deren Herstellung beabsichtigt ist, der Steuerbehörde gewiesen wird, daß jene Steuerfäße diefen Prozentsaz über- neten Beträge, ferner in gewiffen Beiträumen schriftlich anzuzeigen und gleichzeitig eine Beschreibung der Betriebsfteigen. über den Stand der Meßgeräte und auf Verlangen der und Lagerräume sowie der damit in Verbindung stehenden oder un § 4. As Abgabepreis ist, falls die Abgabe nicht vom Erzenger Steuerbehörde auch über andere Betriebs- und Verbrauchsverhält mittelbar daran angrenzenden Räume vorzulegen. unmittelbar an den Verbraucher erfolgt, der vom Berbraucher nisse zu machen und der Steuerbehörde vorzulegen. Soweit die au entrichtende Preis zu verstehen. Besteuerung auf Grund der Angaben von Meßgeräten erfolgt, hat der Betriebsinhaber eine Störung eines Meßgeräte binnen einer Frist von 24 Stunden, nachdem er von der Störung Kenntnis erhalten hat, der Steuerbehörde anzuzeigen. Besteht in den Fällen der§§ 2, 3 au a das Entgelt in Leistungen, die keinen Geldwert haben, oder findet die Abgabe unentgeltlich statt, so wird die Steuer nach den Sägen unter b erhoben. Die Herstellung von steuerpflichtigen Beleuchtungsmitteln darf nur in den angemeldeten Betriebsräumen erfolgen. Wer neben der Herstellung steuerpflichtiger Beleuchtungsmittel deren Verkauf im Kleinen betreiben will, hat dies unter genauer Beschreibung der Räume für den Kleinverkauf der Steuerbehörde anzuzeigen. Die Betriebe unterliegen den von dieser Behörde zur Sicherung der Steuer anzuordnenden Maßnahmen. §36. Steueraufsicht. Gewerbebetriebe, die sich mit der Herstellung steuerpflichtiger Beleuchtungsmittel befasten, stehen unter Steucraufsicht. Die Steuer- bcamtcn find befugt, die Betriebs- und Lagerräume, so lange fle geöffnet sind oder darin gearbeitet wird, zu jeder geit, anderenfalls während der Tagesstunden zu besuchen. Die NufsichtsbefugmS erstreckt sich auf alle an die Betriebs- und Lagerräume unmittelbar angrenzenden und damit in Verbindung stehenden Räume. Die �eitbeschräiilunz fällt weg. wenn Gefahr im Verzug ist. § 37 Hilfeleistung bei der Steueraufsicht. Der Betriebsinhaber hat den Sleuerbeamten jede für die Steuer- aufsicht oder zu statistischen Zwecken erforderliche Auskunft über den Betrieb zu erteilen mid bei den zum Zwecke der Steueraufsicht statt- findenden Amtshandlungen die Hilfsmittel zu stellen und die nötigen Hilfsdienste zu leisten. Den Oberbeamten der Steuerverwaltung sind die auf die Her- stellung und Abgabe der steuerpflichtigen Erzeugnisse sich beziehenden Geschäftsbücher und Eefchäflspapiere auf Erfordern zur Einsicht vorzulegen. HL Abschnitt. Um Steuerhinterziehungen zu verhindern, werden in dem dritten Abschnitt des Entivurfs hohe Strafen für solche Fabrikanten, Verkäufer oder Verbraucher von Gas, Elektrizität oder steuerpflichtigen Beleuchtungskörpern verlangt, die GaS oder elektrische Kraft zu nicht genehmigten Zwecken ableiten. Meßgeräte fälschen, Störungen an den Meßapparaten nicht rechtzeitig anzeigen, Betriebsanmeldungen unterlassen, Steuer- zeichen nachmachen usw. Die Strafen steigen biS z u zwei Jahren Gefängnis. In Betracht kommen vornehmlich folgende Paragraphen: § 44. Wer eine Hinterziehung begeht, wird mit einer Geld- strafe in Höhe de» vierfachen Betrage» der Steuer, mindestens aber in Höhe von fünfzig Mark für jeden einzelnen Fall bestraft. Außer- dem ist die Steuer nachzuzahlen. Soweit der Betrag der Abgabe nicht festgestellt werden kann. tritt eine Geldstrafe bis zu sünfzigtausend Mark ein. Liegt eine Uebertretung vor, so werden die Beihilfe und die Begünstigung- mit Geldstrafe bis zu einhundertfünfzig Mark bestraft. § 45. Im Falle der Wiederholung der Hinterziehung nach borausgegangener Bestrafung werden die im§ 44 vorgesehenen Strafen verdoppelt. Jeder fernere Rückfall zieht Gefängnis bis zu zwei Jahren nach sich, doch kann nach richterlichem Ermessen mit Berücksichtigung aller Umstände und der vorangegangenen Fälle auf Haft oder auf Geldstrafe nicht unter dem Vierfachen der im§ 44 vorgesehenen Strafen erkannt werden. Die Rückfallstrafe tritt ein, auch wenn die frühere Strafe mir teilweise verbüßt oder ganz oder teilweise erlassen worden ist; sie bleibt dagegen ausgeschlossen, wenn seit der Verbüßung oder dem Erlaffe der früheren Strafe bis zur Begehung der neuen Straftat drei Jahre verflossen sind. §48. Fälschung der Steuerzeichen. Mit Gefängnis nicht unter drei Monaten wird bestraft, wer unechte Steuerzeichen(§ 28) in der Absicht anfertigt, sie als echt zu verwenden, oder echte Steuerzeichen in der Absicht verfälscht, sie zu einem höheren Werte zu verwenden oder wissentlich von falschen oder verfälschten Steuerzeichen Gehxauch macht. Stehen der Strafe kann auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden. § 49. Wer wissentlich schon einmal verwendete Steuerzeichen verwendet, wird mit Geldstrafe bis zu sechshundert Mark bestraft. § 50. Mit Geldstrafe bis zu einhundertfünfzig Mark oder mit Hast wird bestraft, wer ohne schriftlichen Auftrog einer Behörde L Stempel, Siegel. Stiche, Platten oder andere Formen, die zur Anfertigung von Steuerzeichen dienen können, anfertigt, oder an einen andern als die Behörde verabfokgt; 2. den Abdruck der in Nr. 1 bezeichneten Stempel. Stiche. Platten oder Formen unternimmt oder Abdrucke an einen andern als die Behörde verabfolgt. Neben der Strafe kann auf Einziehung der Stempel. Siegel, Stiche, Platten oder anderen Formen sowie der Abdrucke erkannt werden, ohne Unterschied, ob sie dem Verurteilten gehören oder nicht. § 51. Mit Geldstrafe bis zu einhundertfünfzig Mark w'rd be- straft, wer wissentlich schon einmal verwendete Steuerzeichen ver- äußert oder feilhält. S 54. Umwandlung der Geld st rasen in Freiheit«- strafen. Bei Umwandlung der nicht beizutreibenden Geldstrafen in Freiheitsstrafen darf die Freiheitsstrafe bei einer Hinterziehung im ersten Falle sechs Monate, im ersten Rückfalle ein Jahr und im ferneren Rückfalle zwei Jahre,- bei einer mit Ordnungsstrafe be- drohten Zuwiderhandlung drei Monate nicht übersteigen. Im Falle des§ 44 Abs. 2 bleibt ein Fünftel der Geldstrafe bei der Umwand- lung außer Betracht. � � Es sind recht niedliche Anforderungen, die mit dieser Vorlage die Regierung nicht nur an die Taschen der Ver- brauchcr von GaS und Elektrizität, sondern auch an die Be- willigungLlust der liberalen Blockparlamentarier stellt. Be- kanntlich haben zwischen den parlamentarischen Führern der Blockparteien und dem Neichsschatzsekretär Sydow Rücksprachen über die ReichSfinanzlage und oie Grundzüge der neuen Steuer- reform stattgesunden. Sind bei diesen Rücksprachen auch die in der obigen Vorlage enthaltenen Hauptbestiminungen des ElektrizitätS- und GaSsteuergeseyeS zur Erörterung gelangt und haben die geistigen Größen des Freisinns, die Wicmer, Mngdanu.Co. diesen schönen Bestimmungen i m w e s c n t l i ch e n zugestimmt? Es wäre recht inter- essant, das zu erfahren! Oder ist die Vertrauensseligkeit der FrcisinnSführcr in die Sydowsche Steuerpolitik schmählich getäuscht worden? In diesem Fall werden sie hoffentlich nicht zögern, eine ebenso energische Agitation gegen die geplante ElektrizitätS- und Gas- st euer zu betreiben, wie die Agrarier gegen die Nachlaßsteuer, oder sind durch die Gas- und Elcktrizitätssteuer die Interessen der gewerblichen Bevölkerung weniger bedroht, als durch die Nachlaßsteuer der agrarische«Familiensinn"? Die Dedumgsfrage. Im Gegensatz zum Reich, wo der größte Teil aller Staats- ausgaben durch indirclte Steuern aufgebracht wird, sind den Bundes- staaten die direkten Steuern vorbehalten. Auch Preußen muß deshalb, so schwer eS der Regierung und den herrschenden Klaffen fallen mag, zu einer Erhöhung der direkten Steuern schreiten. Der Finanzminister rühmte in seiner EinfübrungSrede die sozialpolitische Weisheit der Regierung, die von einer weiteren Belastung der Zcusiten mit weniger als 7000 Mark Abstand nehmen will. DaS Rätsel ist sehr einfach zu lösen: Die Arbeiter können schon heute kaum die ihnen auferlegten Steuern aufbringen, sie auch nock durch direkte Steuern weiter zu belasten, ist einfach unmöglich, und außerdem steht ihnen ja noch die Schröpfung von Reichs wegen in Aussicht. Die Steuerklaffen mit einem Einkommen von etwa 3000 bis 7000 M. sollen aus einem anderen Grunde geschont werden: diese Klaffen bilden den sogenannten Mittelstand, den bei guter Laune zu erhalten das eifrigste Bestreben der Regierung ist. Das sind die Leute, die mit der Regierung durch Dick und Dünn gehen, die politisch In- differcnten, die Feinde der Sozialdemokratie, die aus ihrer Ruhe einzig und allein durch den Sleuererheber aufgeschreckt werden! ihnen höhere Steuern aufzuerlegen, hieße diesen Leuten die Augen über die wirklichen Zustände öffnen, sie zum Denken anhalten und in weiterer Folge aus Freunden zu Gegnern der Regierung machen. Das muß vermieden werden: es gibt nach Ansicht gewisser Kreise kchon viel zu viel denkende Staatsbürger! Bei der Dcckungsfrage mutz man zweierlei auSemanderhalten: einmal die Deckung des Bedarss für das laufende Jahr und zweitens die Deckung des fortab regelmäßigen Bedarfs. Für das Jahr 1908 sind bereits 77 Millionen in den Etat des Finanzministeriums für die Bcamlenbesoldungen eingestellt. Da diese Summe nicht ausreicht und da auch die sonstigen bereiten Mittel nicht genügen, so soll von all den Leuten, die zu 7000 M. und mehr Ein kommen veranlagt sind, nachträglich noch ein Steuerzuschlag erhoben werden, ein Zuschlag, der je nach der Höhe dcZ Einkommens 6 bis 25 Proz. beträgt. Allzu groß ist das Opfer, das hier erfordert wird, nicht. Wer 8000 M. Ein- kommen hat, zahlt heute 212 M. jährlich an Staatssteuern. er hat also, da für die Stufe von 7000 bis 8000 M. 5 Proz. erhoben werden. 10.60 M. zu zahlen. Zcnsiten mit 800! bis 10 500 M. zahlen einen Zuschlag von 10 Proz.. also zu ihren jetzigen Steuern noch 23.20 bis 80 M. hinzu. Zensiten mit 10 501 bis 20 500 M. zahlen 15 Proz., also 49,50 bis 90 M., Zensiten mit 20 501 bis 30 500 M. zahlen 20 Proz., also 126 bis>80 M. und die ganz Reichen mit einem Einkommen von mehr alö 80 500 M. zahlen einen Zuschlag von 25 Proz. Hiernach hat ein Mann mit 100 000 M. Einkommen zu den 4000 M. Steuern, die er jetzt zahlt, noch 1000 M. hinzuzahlen. Im ganzen sollen auf diese Weise 81 Millionen aufgebracht werden. Zu dem Steuerznschlag, den die Gemeinden erheben. kommen keinerlei Prozente hinzu. ES läßt sich heute bereits mit ziemlicher Sicherheit voraussogen daß die Opposilion hier einsetzen wird. Einmal werden die Gemeinden, die naturgemäß die Gehälter ihrer Beamten erhöhen müssen, nicht damit einverstanden sein, daß sie keine nachträglichen Stenern erheben dürfen, und zweitens werden die besitzenden Klaffen mit dem Vorschlag der Regierung höchst unzufrieden sein. Die Be- sitzenden, die sich als die Stützen des Staates betrachten, sind es bisher nicht gewohnt gewesen, Opfer zu bringen. Für die hurra- patriotischen Zwecke, für die Ausgaben für Heer, Flotte, Kolonien hat man eü stets verstanden, die Arbeiter heranzuziehen. Hier soll end- lich einmal versucht werden, den Besitzenden direkt bestimmle Summen aufzuerlegen und daS gefällt den Herren nicht. WaS die laufenden Ausgaben für die Beamten- besoldungen betrifft, so plant die Regierung eine Aenderung des Einkommen st euergesetzeS und des ErgänzungS» st euer ge s>tz e S sowie die Einführung eines Gesellschastö- st euergesetzeS, um sich einen Teil der erforderlichen Mittel zu beschaffen. Die Aenderung deS Einkommensteuergesetzes besteht in einer Erhöhungchcr Steuer bei Einkommen von mehr als 7000 M., und zwar steigen die einzelnen Stufen nur ganz minimal an. bei Einkommen von 7001 bis 7500 M. um 4 M., bei der nächsten Stufe um 12 M. und so fort, so daß ein Zensit mit 12 500 M. Ein- kommen, der heute 360 M. zahlt, in Zukunft 400 M. zu zahlen hat. Bei höheren Einkommen ist eine weitere Steigerung vor- gesehen. Während die Steuer heute bei Einkonimen von 100 000 bis 105000 M. 4000 M. beträgt und dann in Stufen von 5000 M. nm je 200 M. steigt, soll sie in Zukunft bei Einkommen von 100 000 bis 104 000 M. 5000 M. betragen und dann in Stufen von 4000 M. um je 200 M. steigen. Hinzu kämen dann noch die kommu- nalen Zuschläge. Der Entwurf der Regierung wird den be« sitzenden Stlasse» also einen kräftigen Schreck einjagen. Von einer auch nur einigermaßen gerechten Besteuerung freilich kann auch nach Jnkrafttreteu deS Gesetzes noch lange keine Rede sein. Eine ähnliche Aenderung des Tarifs ist für die Gesellschaften mit beschränkter Haftung vorgesehen. Für die Zensiten mit weniger als 8000 M. Einkommen, die Kindern oder anderen Familienangehörigen aus Grund gesetzlicher Verpflichtung Unterhalt gewähren, ist eine Ermäßigung beabsichtigt. Jetzt können solche Zensiten für jede» derartige Familienmitglied 50 M. in Abzug bringen, in Zukunft sollen sie ohne weiteres um eine bis drei Stufen ermäßigt werden. Ganz besonders schonend verfährt die Regierung mit der Er- höhuiig der ErgänzungS st euer. Wer heute ein Vermögen von mehr als 6000 M. besitzt, der muh außer der Einkommensteuer noch eine Verinögenssteuer. eine sogenannte Ergänzungsstener, zahlen. Diese Steuer beträgt bei 6000 bis 8000 M. Vermögen 'jährlich 3 M., sie steigt langsam an bis auf 30 M. bei einem Ver» mögen von 70000 M. Bei höheren vermögen bis einschließlich 200 000 M. steigt sie für jede angefangenen 10 000 M. um 5 M., bei Vermögen von mehr als 200000 M. bis einschließlich 220 000 M. beträgt sie 100 M. und steigt dann weiter für jede angefangenen 20000 M. um je 10 M. In Zukunst soll-die Vermögenssteuer mit 4 M. bei 6000 M. Ver« mögen beginnen, bis auf 89,00 M. bei 70 000 M. Vermögen steigen; dann soll sie bei höheren Vermögen weiter steigen und zwar bis einschließlich 200 000 M. für jede angefangenen lOOoO M. um je 6.50 M. Bei Vermögen von mehr als 200 000 M. bis einschließlich 220 000 M. soll sie 132 M. betragen und dann für jede angefangenen 20 000 M. um je 13,20 M. steigen. Jemand, der 800 000 M. Ver- mögen hat, zahlt also heute 150 M.. in Zukunft 187,50 M., ein Millionär zahlt heute 500 M.. in Zukunft ganze 625 M. Billiger ging es wahrhaftig nicht zu machen. DaS ist nicht nur, wie H-cr v. R Heinbaben meinte, eine durchaus erträgliche, dem Besitz zugemutete Abgabe, sondern es ist eine Abgabe, die der Besitz kaum fühlt. Endlich beabsichtigt die Regierung nach dir Einführung eines GesellschaftL st euergesetzeS, daS eine besondere Steuer vorsieht für Aktiengesellschaften, Kommanditgesellschaft� auf Aktien, Berggewerkschaftcn, eingetragene Genossenschaften, deren Geschäftsbetrieb über den Kreis ihrer Mitglieder hinausgeht. und für Verein« einschließlich eingetragener Genossenschaften zum gemeinsamen Einkauf von Lebens, oder hauswirtschaftlichen Be- dürfniffen im Großen und Absatz im Kleinen. Di« Beratung, die am Montag zugleich mit der Beratung der Besoldungsvorlagen beginnt, verspricht recht interessant zu werden. Zum ersten Äale ist den Besitzenden Gelegenheit geboten, ihren Opfermut zu betätigen. Werden sie sich wieder so schofel benehmen oder werden sie endlich ihre Pflicht dem Staate gegenüber erfüllen. der ja als Klassenstaat i h r Staat, der Staat der besitzen- den Klassen ist? Sie ehrlichileikprobe. Die«Freisinnige Zeitung" warnt davor, sich von den Wahlrcformplänen der Regierung allzu über- triebcne Hoffnungen zu machen. Die Stellung der Frei- sinnigen Volkspartei zur Wahlrechtsfrage sei längst präzisiert, auch werde der Freisinn seinen vorjährigen Wahlrechts- antrag wiederholen: „ T p ä t c st e n S bei dieser Gelegenheit. wenn nicht früher, wird die Regierung veranlaß» werden, mitzuteilen, w e l ch e Z» a e st ä n d n i s s e sie im einzelnen machen will, und wann die umiasseiiden Vorarbeiten, die man in dieser l ä n g st spruchreifen Frage für nötig hält, eigentlich ihr Ende finden weiden." Die„Fr eis. Ztg." erwartet also„spätestens" bei der Beratung ihres Wahlrechtsantrages eine Erklärung der Rc- gierung. DaS führende Organ der führenden FreisiiinSgriiPpe vergißt nur mitzuteilen, waiin der Freisinn seinen Antrag zur Beratung zu bringen versuchen wird! Wenn es dein Freisinn auch nur im geringsten ernst ist mit seinem WahlrechtSantrag, so müßte er verlangen, daß die Wahlrechtsfrage bereits in der nächsten Woche aus die TageS- ordnung gesetzt wird! Die durch die Thronrede bestätigten Verschleppungsmanöver machen die sofort» g.e Durchkreuzung aller VerschleppungSabsichten vollends zur dringend st sn Notwendigkeit! Dei»n daß die Er- klärnngen der Thronrede nichts anderes ankündigen als die Verschiebung selbst der unzulänglich st en Reform in nebelhafte Ferne, setzt der Nestor der freisinnigen Preußen- fraktion, Herr Albert Traeger» im„Verl. Tagebl." fol- genderinaßcn auscinander: .ES geht auch nicht an,.eine der wlcktigsten Aufgaben der Gegenivart' in einer nebelhaften Ferne zu erfüllen. Solche Aufgaben, die man für unabiveislich hält, schiebt man nicht hinaus. Ich bin auch mit der Art nicht einverstanden, wie die Regierung de» Königs die vorarbeiten zur Reform„mit allem Nachdruck betreibt". Ist das etwa aller Nachdruck, daß ein Hilft- arbeiter ins Ministerium de§ Innern berufen wurde, um die Er- geb nisse der früheren Wahlen zu studieren? Die liegen doch ganz offen zutage! Erschöpfen sich vielleicht in der Bestellung dieses Hilfsarbeiter» die Mittel, womit die Regierung daS von ihr heiß ersehnte Ziel verfolgt, den Bürgern deS preußischen Staate» ihr Recht zu geben? Die königlichen Worte bedürfen un- bedingt einer präzisen Ergänzung durch bindende Erklärungen deS Mini st erpräsidenten, damit an ihnen nicht gedreht und gedeutelt werde!" ES handelt sich für den Freisinn im Abgeordnctenhause also nicht darum, den WahlrechtSantrag cinznbnngen. sondern zunächst darum, die Beratung der Wahlrech lSfrage so bald als möglich erzwingen zu helfen! Ob d a S der Freisinn tun wird? Herr Theodor Barth sprach sich dieser Tage tr einer Charlottenburger Versammlung dahin aus: „Jetzt, wo der preußische Landtag wieder zusammentritt, haben die sogenannten fteisinnigcn Parteien die Verpflichtung, zu zeigen »b sie wirklich freisinnig sind. Tie müssen jetzt der Regierung die Pistole auf d i e Brust setzen und da» ReichStagSwahlrecht für Preußen mii aller Entschiedenheit verlangen. Nun hat zwar N a n- mann geschrieben, die Freisinnigen würden den Wahlrechts- antrag wieder einbringen, aber wer den Blrck- fteifiim kennt, der weiß, daß der Antrag zwar eingebracht, ober nicht auf die Tagesordnung gesetzt werden wird. Zu eil, er Interpellation wird e» erst recht nicht kommen, denn jetzt wird schon wieder flau gemacht und auf die zunächst notwendigen statistischen Erhebungen Verlviesen. Jetzt gilt rS für die Frei- sinnigen, einmal zu beweisen, daß sie eS mit dem Kamps für dal freie Wahlrecht ernst nehmen." Und der Parteigenosse Barths, Herr v. G e r l a ch � äußerte sich am DienStag in einer Versammlung in Köl» folgendermaßen: .Wenn der Freisinn jetzt bei der Reichsfinanzreform die Geldnot der Regierung nicht ausnutzt, um die Wohl- reform zu erpressen, begehe er einen Verrat am Volke. In der Tat aber hört man nichts als Proteste der Kopsch, Müller-Meiningen. Wiemer gegen die verquicknng von Finanz- reforin und Wahlreform. Die.Kölnische Zeltung' ist entzückt von der Thronrede, die den Blödsinn deS DreiklassenwahlsysteinZ .organisch fortentwickeln" will. Schon vor 45 Jahren hat ein NegieruugSvertreter im preußischen Abgeordnetenhause erklärt, daß die Regierung.Material sainmele" für die Reform des Wahl- rechts." Schon in der nächsten Woche wird sich ja zeigen, ob der Freisinn auö Rücksicht auf seine junkerlichen StandeSgenossen schmachvollen Verrat am Volke üben wird! Die Balkankrile. Herr JswolSki ist gestern abend von Paris nach Berlin gereist, nm hier über daS Konferenzprogiamm jju beraten. Eine offiziöse Pariser Note konstatiert eine vollständige Ueberetnstimmung der Ansichten Rußlands, Englands und Frankreichs. Die Aufgabe deS russischen Ministers werde es sein, in Berlin eine gleiche Ueberetnssimmiing zu erzielen, da die Einmütigkeit aller Mächte vor Ein- bcrilfung einer Konsercnz unerläßlich sei. Wichtiger aber als die Bemühnngen JSwolSkiS und die Konferenz selbst ist die Tatsache, daß die Verhandlungen zwischen der Türkei einerseits, Bulgarien und Oesterreich andererseits einen g ü n st t g e n Fortgang nehmen. Die bulgarische Regierung hat ihren Standpunkt in der Orientbahnfrage insofern wesentlich gc- ändert, als sie jetzt das bisher von ihr bestrittene Eigentums- recht der Türkei auf die ostrumelischen Bahnstrecken ansdrück- lich anerkennt und bereit ist, über die Ablösung und den Ab- kauf deS Eigentumrechtes zu verhandeln und zwar nicht nur mit der Bahiigesellschast, sondern auch mit der Türkei. Daß auch die Verstäildigung mit Oesterreich fortschreitet, ist daraus zu ersehen, daß der Boykott gegen die österreichischen Waren und Schiffe im Abflauen begriffen ist. In Konstantiiiopel selbst hält die Zuversicht, daß der Friede erhalten bleibt, an. In Serbien und Montenegro dauert allerdings der Spektakel fort. Der famose Kronprinz findet offenbar Gefallen daran, nicht nur in der Belgrader Cbronigus scandalcuse Erwähnung zu finden. sondern auch in der Europas. Englische Blätter erzählen, daß der hoffniingsvollc Jüngling bei einer Beratung, der auch die Minister und einige hohe Offiziere beiwohnten, über seinen königlichen Vater her- gefallen sei und ihn geprügelt hätte, wenn nicht die Anwesenden ihn daran gehindert Hütten. Der Grund für den Wutausbruch ivären Ermahnungen gewesen. endlich seine KriegSredcn einzustellen. Da aber die Schwierigkeiten, einen Kronprinzen in eine Besserungsanstalt zu bringen, nicht einmal in Serbien eine zureichende KriegZursache bilden, braucht man diesen Dem Antrag ist folgende Begründung beigegeben: Die Erhebung der Reichserbschaftssteuer steht im Gegensah zu der bisherigen Stellungnahme der Königlichen Staatsregierung. Sie rust ernsthafte und begründete Befürchtungen in den weitesten Streifen der Bevölkerung hervor." Familienszenen fein anderes als pathologisches Interesse ent- Die Regierung weiß also, was sie zu tun hat! Wie sehr gegenzubringen. Die Erregungen in Serbien und Montenegro sie auf das Herrenhaus Rücksicht nimmt, zeigt eine find für Desterreich), Bulgarien und die Türkei höchstens eine Mah- kleine Episode aus der gestrigen Rede des Finanzministers: nung, ihre Verhandlungen möglichst rasch zum Abschluß zu bringen. die erhöhten Beamtenbesoldungen werden nicht einfach in den Jst hier erst eine Einigung erzielt, so dürften nicht nur Etat eingefeßt, den das Herrenhaus nur im ganzen annehmen In der Wahrung des strengkonservativen Brinzips, bas Aufa die serbischen Kompensationsforderungen, sondern auch die oder ablehnen fann, sondern werden durch besondere Geseze bringen der Reichssteuern der arbeitenden Bevölkerung zu über ernster zu nehmenden russischen nicht viel Aussicht auf Erfolg bestimmt, die das Herrenhaus auch im einzelnen nach lassen, wird das Herrenhaus ohre Zweifel den Mirbachichen An haben. Der englische Minister des Auswärtigen hat sich seinen Wünschen ummodeln fann. Damit aber nicht für jede trag annehmen und damit von neuem sich seiner Lieblinasnewohn gestern auf eine Anfrage sehr zurückhaltend über die Dar fünftige Gehaltsveränderung wieder ein neues Gefeß not- heit nach in Reichsangelegenheiten einmischen. Sanellenfrage ausgesprochen. Und die öffentliche Meinung in wendig ist, wird zu diesen Sondergesezen ein besonderes England ist der russischen Forderung durchaus nicht günstig. Mantelgesetz geschaffen, das die Ermächtigung enthält, die Ist die Türkei aber mit England und Bulgarien einig, so hat Beamtengesetze durch fünftige Etats abzuändern. So trumme sie es durchaus nicht nötig, England Zugeständnisse zu machen, Wege geht die Regierung den Herrenhausjunkern zuliebe, die um die englisch russische Entente zu stärken. die wahren Herren im Block und in Preußen find! Die Stellung Desterreichs. Sparfamkeit und Maffenpensionierungen. Charge Kommandierende Generäle Divisionskommandeure. Brigadekommandeure Jm ganzen Neiche Schuße der Arbeitslofen gegen die lubid der Witterung zu bea fchaffen. In den Unterkunftsräumen soll für guten Lesestoff und für Verabreichung alkoholfreier, warmer Getränte au billigsten Breifen Sorge getragen werden. Für die Speiiung bedürftiger In Preußen Schullinder wird ebenfalls die baldige Bereitstellung von Mitteln berlangt. 57 Arbeitslosenzählungen und Arbeitslosenfürsorge. Magdeburg hat den städtischen Körperschaften zwei Anträge, bie ber Magdeburg, 21. Oftober 1908. Das Gewerkschaftstartell zu Bekämpfung der Arbeitslosigkeit dienen follen, unterbreitet. Der Magdeburg hat den städtischen Körperschaften givei Anträge, die ber erfie Antrag ersucht die städtische Verwaltung, dem Gewerkschaftsfartell zur Durchführung umfassender Arbeitslosen Budapest, 20. Oftober. In der ungarischen Delegation erklärte zahlungen Mittel zur Verfügung zu stellen, Die Zählungen Aehnlich wie die Soldatenmißhandlungen blühen auch die follen sich über das ganze Stadtgebiet erstrecken und in einer oer Sektionschef, Graf Esterhazy, im Namen des Ministers des Offizierspensionierungen gleich dem Veilchen im Verborgenen. Man Aufnahme von aus zu Haus erfolgen. Borgefeben Aeußeren, daß die Regierung mit der Türkei nicht nur jeden Zwist weiß woht, daß sehr viel pensioniert wird, aber genaue Angaben find zwei Zählungen, Ende November dieses Jahres und Ende bermeiden wolle, sondern das regenerierte osmanische Reich, soweit erhält die große Deffentlichkeit felten. Hinsichtlich der Offiziers- Januar nächsten Jahres. Der zweite Antrag erfucht die es ihr möglich unterstützen werde. Wir sind mit der Türkei pensionierungen hat nun die preußische Militärverwaltung anläßlich Stadt, alle vorgesehenen städtischen Arbeiten fofort in Angriff zu auch jest in stetiger Fühlung. Wir haben begründete der Beratung des neuen Militärpensionsgesetzes im Jahre 1905 den bei denen die ortsüblichen oder tariflichen Bedingungen über Löhne nehmen und umfassende Motstandsarbeiten vorzunebinen, Ursache anzunehmen, daß das mit der Türkei bisher bestehende Abgeordneten eine genaue Statistit über die vom Jahre 1886 bis und Arbeitszeit innezuhalten sind. Weiter wird verlangt, zur Unters freundschaftliche Verhältnis nicht nur nicht gelodert, fondern 1903 erfolgten Berabschiedungen deutscher Dffiziere vorgelegt. Diefe bringung Arbeitslofer, die ohne Behausung und Obdach find, Bordurch Klärung ber Situation gefestigt wird. Bu Busammenstellung ist, mögen auch die letzten Jahre fehlen, fehr forge zu treffen und zu dem Zwed geräumige und geiunde Unterber internationalen& onferenz haben wir eine Einladung lehrreich. Nach ihr wurden in den genannten 18 Jahren im ganzen funftsräume zur Benuzung während der Tageszeit und zum noch nicht erhalten, auch ist ihr Programm uns nicht bereiche 10 537 Offiziere penfioniert. Das Verhältnis zwischen dem tannt. Es versteht sich von selbst, daß wir auf dieser Kon Reiche und Preußen stellt sich in den einzelnen Chargen wie folgt. ferenz nur erscheinen, wenn die bosnische Frage, welche Es wurden mit Benfion verabschiedet: awischen uns und der Türkei auszutragen ist, und deren Regelung wir entgegensehen, auf der Konferenz nicht diskutiert wird. Da wir auf dem Balfan ebenso wie anderwärts im Dienste Dann ersucht der Antrag die städtischen Körperschaften, zur bes Friedens stehen, ftreben wir dahin, daß das gespannte dauernden Bekämpfung der Arbeitslosigfeit und ihrer Folgen Berhältnis zwischen der Türkei und Bulgarien möglichst bald ftets angemessene Summen in den Etat einzustellen und zu ers behoben und die Angelegenheit friedlich beigelegt werde. wägen, ob sich die Einrichtung einer fommunalen Arbeiter Was unfere Stellungnahme zur Anerkennung der Unabhängig. berficherung unter Mitwirkung der Gewerkschaften durchführen teit Bulgariens betrifft, wandten wir uns bald nach deren laffen. Zu diesem Zweck wird die Bildung einer Stommission vero Broklamation vertraulich an einige Kabinette im Jntereffe der Anerkennung der Unabhängigkeit, fofern Bulgarien feinen Ver- 888 Generäle penfioniert. Besonders flott ging das Geschäft im In Preußen wurden alio in 18 Jahren z. B. nicht weniger als langt, an deren Beratungen fich Bertreter der Gewerkschaften beteiligen sollen. pflichtungen nachgekommen sein wird, insbesondere hinsichtlich einer Jahre 1888. Die amtliche Statistit weist nämlich für das Jahr möchten die Reichsregierung und den Reichstag ersuchen, bei der beSchließlich empfiehlt der Antrag: Magistrat und Stadtverordnete rationellen Genugtuung für die Orientbahn und der hinsichtlich 1888/89 nicht weniger als 62 Penfionierungen von Generälen auf. vorstehenden Referm der Arbeiterversicherungsgesetzgebung eine Oftrumeliens mit der Türkei zu erledigenden Frage. Der Auch die Nubrik, die von den Oberleutnants und Leutnants handelt, teichsarbeitslofenversicherung einzuführen. Redner lam dann zu einer ernſten Kritik des Vorgehens ist sehr interessant. Die Stadtverordnetenversammlung überwies die Anträge des Serbiens und sagte: Wir können Serbien feinesfalls das Recht zu- Auch bei diesen Benfionierungen ließe fich viel sparen, und die wie groß auch in Magdeburg die Arbeitslosigkeit ist, mag die Tat Gewerkschaftskartells der tattommission zur Vorberatung. billigen, zu der Frage der Annexion Bosniens in welcher Weise heute auch von allerhöchster Stelle empfohlene Sparfamleit fände fache illustrieren, daß die sieben Verbände der Metallarbeiter, Fabril immer Stellung zu nehmen, besonders nicht in der Form, welche hier ein großes Gebiet für ihre Betätigung weniger durch Verarbeiter, Holzarbeiter, Transportarbeiter, Schuhmacher, Maler und wir jest erleben. Die bisherigen Ausschreitungen haben wir mit fürzung der Benfionen als durch Inhibierung des heute üblichen Schmiede zusammen in den drei ersten Vierteljahren des Jahres Ruhe hingenommen, wir machten aber die ferbische Regierung darauf Verfahrens, wegen der nebenfächlichsten, mit der Dienstfähigkeit 1908 über doppelt fo viel Unterstügungen an Arbeitslose aufmerksam, daß es angebracht sei, diesen Zuständen mit größerer nicht im geringsten zusammenhängenden Dinge Maffenpenfionierungen zahlten, als im ganzen Jahre 1907, nämlich 100 278 Mr. gegen Energie als bisher ein Ende zu machen. Auch die übrigen Regie eintreten au laffen. 48 588 Mt. Beim Metallarbeiterverband allein steigerte fich die rungen richteten aus Sympathie für den Frieden an die ferbische Unterstügung von 5186 Mt. im dritten Quartal 1907 auf 22 590 Mr. Regierung ähnliche Mahnungen, welche hoffentlich den gewünschten im britten Quartal 1908. Das Gewerkschaftskartell will außer den Erfolg haben werden. erwähnten allgemeinen Arbeitslosenzählungen auch allmonatlich eine Zählung der Arbeitslosen in den Gewerffgaften ver anstalten. Splitterrichter. Der Boykott. Wien, 20. Oftober. Der Boykott von selten der Türken gegen die österreichischen Waren kann, wie die Neue Presse" meldet, als beendet betrachtet werden. Die Ausladung der Schiffe des öster reichischen Lloyd muß zwar durch eigene Sträfte besorgt werden, geht aber unbeanstandet vor sich. Das Aufhören der Boykottbewegung hängt mit der Befferung der politischen Beziehungen zwischen Desterreich- Ungarn und der Türkei zusammen.Serbisch- montenegrinische Verbrüderung. Agram, 20. Oktober. Der General Janko Wutotitsch, der angeblich im Auftrage des Fürsten von Montenegro nach Belgrad teiste, wurde hier bei der Durchreise von der Polizei zurüd. gehalten und mußte einige Zeit auf der Bolizeidirektion ver bringen, bis auf eine an den Minister des Auswärtigen Freiherrn b. Behrenthal gerichtete telegraphische Bitte die Freilaffung verfügt wurde. Der General feste fogleich die Neise fort. In Semlin wurde der Diener des Generals nach einer Gepäcuntersuchung von der Polizei zurüdgehalten. Belgrab, 20. Oftober. Der außerordentliche Gesandte des Fürsten von Montenegro, Bufotitich, ist heute mittag hier eine getroffen und bat bald nach seiner Ankunft dem Ministerpräsidenten einen Befuch abgeftattet. Darauf wurde er vom König in Audienz empfangen, die eine Stunde währte. Eine große Boltsmenge brachte Bufotitich stürmische Dvationen bar. Der Kronprinz erflärte in einer Ansprache an das Offizier Torps, falls der serbische Ministerpräsident aus dem Auslande ohne jedes Resultat, das man hier erwartet, nach Hause fomme, so ist ein rieg mit Desterreich unvermeidlich.() Abends besetzten Demonstranten die Eingänge von solchen Geschäften, deren Besitzer österreichisch- ungarische Untertanen sind und verhinderten den Eintritt von Kunden. In einem Interview erklärte Bufotitsch, die Stimmung in Montenegro fei äußerst triegerisch und bei der großen Er regung der serbischen Bölfer sei ein Krieg vor dem Bustandes tommen einer Stonferenz nicht ausgefchloffen. 8ived feiner Reise nach Serbien sei, eine Vereinbarung zu treffen für ein gemein fames Vorgeben beider Staaten zur Wahrung der bedrohten Intereffen der serbischen Völker. Politifche Ueberlicht. Regimentskommandeure Bataillonsfommandeure. Hauptleute und Rittmeister Oberleutnants und Leutnants 63 • 805 288 787 1047 2782 3439 2164 598 801 2029 2794 1784 Mecklenburger Landtagsabschied. In der heutigen Sigung des außerordentlichen Landtages der Lande Medlenburg wurde der Landtagsabschied berlesen. In dem felben heißt es unter anderem: berordneter „ Der Großherzog muß es auf das Tieffte beklagen, daß auch die Fortsehung der Berhandlungen über die Alenderung der be ftehenden Landesverfassung zu einem übereinstimmenden und Mit Behagen brachten biefer Tage bürgerliche Blätter einen zur Allerhöchsten Genehmigung geeigneten Beschluß beiber Stände Bericht, bemzufolge von der Straffammer in Mühlhausen i. Th. nicht geführt hat, indem die Ritterschaft zwar gegenüber ihrer der frühere fozialdemokratische Reichstagstandidat" Aeufterfrüheren Stellungnahme ein gewiffes Entgegentommen gezeigt, gerling wegen Erpreffung zu fechs Wochen Gefängnis verurteilt fich aber nicht dazu verstanden hat, gleich der Landschaft für die worden fei. Die Notiz ber bürgerlichen Blätter ist so abgefaßt weitere Beratung auf den Boden der Regierungsvorlage fich zu als ob Neuftergerling noch heute daau fozialdemokratischer Stadt stellen. Der Großherzog hält jedoch an der Ueberzeugung fest, ein Führer der Partei im Wahlkreise Mühlhausen baß die Durchführung der Verfassungsreform, insbesondere die Langenfalza ist. Daß die Verurteilung wegen Grpreffung erfolgt Beteiligung weiterer Bevölkerungsfreise an der Bildung der ist, trifft au; aber es ift eine dreiste Erfindung, daß eustergerling Landesvertretung für das Wohl des Landes ein unabweisbares fozialdemokratischer Stadtverordneter" und ein" Obergeitoffe" ist. Bedürfnis ist, und daß die hierüber eingeleiteten Berhandlungen, des gegenwärtig ablehnenden Verhaltens der Ritterschaft un geachtet, fortgefeht werden müssen bis sie zu einem dem Bande bienlichen Ergebnis geführt haben. Inbem ber Großherzog weitere Entschließungen sich vorbehält, gibt er dem gegenwäre tigen Lanotage feine Endschaft." Nach der Berlesung dieses Abschiebes im Landtage wurde der Landtag durch den dirigierenden Landrat gefchloffen. Die medlenburgischen Junker werden im Stillen fiber biefen elegischen Ton der großherzoglichen Jeremiade gelächelt haben. Sie sind genau ebenso opferwillig" und" baterlandsliebend", wie die verschiedenen be" aus Ostpreußen und Bosen, d. h. ihr Patriotismus reicht stets nur so weit, als er mit ihren Brofit intereffen aufammenfällt. Vom groben Unfug". Tatsache ist, daß er nicht einen einzigen Posten in der Partei be fleibet, überhaupt gar fein Vertrauensamt inne hat. Stadtverord neter ist er allerdings bis zum Sommer 1906 gewesen, doch wurde er bam als wegen berübter Unsauberkeiten von der Partei ge. awungen, das Mandat niederzulegen. Nur seine vorherige langjährige Tätigkeit für die Bartei bewahrte ihn bor dem Ausschluß. Seitdem ist der angebliche Obergenosse" bollständig in den Hintergrund getreten. Wir möchten einmal sehen, ob die Bürgerlichen fobiel Reinlichkeitsgefühl haben, als es bie Partei in diesem Falle bewiesen hat! Was will aber der vereinzelte Fall befagen gegenüber ben erurteilungen wegen Verbrechen und Bergehen, die wir von den bürgerlichen Ordnungsstüken tagtäglich berichten fönnen? Oefterreich- Ungarn. Die Prager Demonftrationen. In der Interpretation des Begriffs des groben linfugs hat die wenn man mit diefem Stautschukparagraphen die Partei und Gewerkbgeordneten beschloß, die Oeffentlichkeit neuerdings aufzus preußisch- deutsche Justiz schon das Unmöglichste geleistet, insbesondere Brag, 20. Oftober. Der Verband der böhmischen fchaften treffen wollte. Es ist also fchon angebracht, auch einmal fordern, fich der unbgebungen au enthalten. Der einen Richterspruch zu erwähnen, der den groben Unfug mit ber heutige Abend verlief bis auf fleine Ansammlungen, die von der nünftigen Gründen anfiebt, zumal es sich um ein Barteiblatt handelt, Polizei zerstreut wurden, ruhig. gegen das die Staatsaftion fich richtete. Im März war im a al. felber Boltsblatt" eine Notiz erschienen, in der gesagt wurde, daß die Sperre fiber bie werkstelle eines Malermeisters noch nicht aufgehoben worden sei, da der Gehilfentarif nicht anerkannt werde; auch fei Buzug nach Saalfeld fernzuhalten. Durch diese fachlich gehaltene Notiz fühlte sich der Malermeister beleidigt. Er lief zum Staatsanwalt, bezichtigte den Redakteur Genoffen Born des groben Unfugs und batte die Genugtuig, daß man Born wegen diefes Delifts mit 30 Mart Geldstrafe belegte. Das Schöffengerich: bestätigte mit den gewagtesten Berlin, den 21. Oftober 1908 Argumenten die Strafe. Anders das Landgericht in Rudol stadt. Es bob das Schöffengerichtsurteil in allen feinen Be Die Herren bes Blocks. gründungen auf und sprach den Genoffen 8orn frei. Das Herrenhaus, bas bereits gestern eine kurze Ausdrüdlich wird im Urteil konstatiert, daß der Tatbestand des Sigung mit Kaiserhochs und Prinzengratulationen ausgefüllt groben Unfugs, der doch eine grob ungebührliche Handlung voraus. hatte, trat heute zu einer ähnlich anstrengenden Tätigkeit iege, nicht vorliege. auch nicht in bezug auf die Zuzugswarnung, die wieder zusammen: es vereidigte feierlich feine beiden neu im Lohnfampf ein gefeglich zulässiges Mittel fei. eingetretenen Mitglieder, den jungen Fürsten zu Wied, der aber müffe eine Verlegung oder Gefährdung des äußeren Bestandes Die Beunruhigung der für unbekannte Verdienste er ist der Gemahl irgendeiner der öffentlichen Ordnung in fich ichließen, württembergischen Prinzessin- den Kronenorden erster Staffe äußeren Bestand der öffentlichen Ordnung unberührt.den Kronenorden erster Stlasse alermeister und der nichtorganisierten Arbeiter ließ hier aber den trägt, und den General v. Bohrsch. Dann vertagt es sich Grober Unfug Proletarierelend und bürgerliche Justiz. Vor der Brandenburger Straffammer( Vorsitzender: Brag, 20. Oftober. Unter Sinweis auf bie Ausschreitungen der letzten Tage hat die Polizei im Interesse der Wiederherstellung der Ruhe Versammlungen und Aufzüge jeder Art strengstens untersagt. Des weiteren wurde angeordnet, daß das Gesinde, Gewerbegehilfen, Lehrlinge ufw. in den Abendstunden nicht aus dem Hause gelassen werden dürfen. Frankreich. Thomsens Nachfolger. Paris, 21, Oftober. Ministerpräsident Clemenceau be Uebernahme des Marineministeriums durch den ehemaligen Direktor nachrichtigte den Präsidenten Fallières von der voraussichtlichen der Weltausstellung 1000 Bicarb. Clemenceau wird den Ministern Maßregeln vorschlagen, welche eine vollständige teor Sanisation der Bureaus des Marineminifteriums zum Zwed Baris, 21. Oktober. Alfred Bicarb hat das Marineminifterium angenommen. Die offizielle Ernennung erfolat morgen nach dem Kabinetistat.-haben. England. Die Arbeitslosigkeit. London, 19. Oftober.( Eig. Ber.) Genoffe Grabfón hielt Blee auf unbestimmte Zeit. Trotz dieser völligen Untätigkeit darf man das Herrenhaus nicht für bedeutungslos halten. Die Junker, die sich in Landgerichtsdirektor Dr. Storichel- Boisdam) hatte sich am gestern unter freiem Himmel eine Versammlung ab, die von 6000 der Wahnsinnsschöpfung Friedrich Wilhelms IV. zufammen- Dienstag der Gelegenheitsarbeiter Stannewurf wegen Blückfall- Arbeitslosen besucht war. Er sagte:„ Die Echriftgelehrten und gefunden haben, sind die wahren Herren des Blocks. diebstahls zu verantworten. Der Angeflagte war teil er Bharider haben mich aus dem Tempel ausgeftoßen, da ich das VerErst heute ging wieder bei dem Herrenhause ein Antrag unger batte- fiber den Baun einer Abbederet geklettert, brechen beging, den Lügnern die Wahrheit zu sagen. Ich glaubte, um von dort einen und zu stehlen, den er nachher auf der ein, der in der bündigsten Weise der preußischen gandstraße abichiodhtete. Er wurbe babei vom Befiger bes Bundes daß ich nur das getan habe, was das Volk von mir verlangt, aber Regierung befiehlt, gegen jeden weiteren Ausbau überrascht und der Polizei übergeben. Der Staatsanwalt beantragte die Arbeitervertreter, von denen ich Unterstützung erwarten durfte, der Reichserbschaftssteuer Stellung zu nehmen. zwei Jahre Zuchtbaus; das Gericht ging über das gefez baben mich nicht nur verlassen, fondern auch angeklagt.... Ich lese Der Antrag geht aus von dem berüchtigten Wahlrechtsfeindliche Mindestftrafmaß von einem Jahre Gefängnis hinaus und er ioeben, daß John Burns vom Könige eingeladen wurde, um mit Graf Mirbach und trägt bereits 49 Unterschriften, fannte auf ein Jahr fechs Monate Gefängnis. ihm auf feinem Echloffe einige Tage zu verbringen. John Burns b. h. etwa neun Zehntel von den Namen der anwesenden und Edward Reg halten ein Blauderftündchen ab, um darüber zu Granden. Sechs Grafen von der Schulenburg, zwei Grafen bon Keyferlingt, zwei Burggrafen zu Dohna, der Zentrums- Im Kampf um die heiligsten Güter entfalten bie Stonservativen beraten, wie bie Lösung der Arbeitslofenirage au verhindern sei. graf Braschma, der Reichstagspräsident Fürst Stolberg, der eine außerordentliche übrigkeit. Graf Mirbach, ber befarate John Burns nimmt endlich die richtige Stelle ein: als Lakai bei graf Praschma, der Reichstagspräsident Fürst Stolberg, der Umftürgler im Kampf gegen bas Reichstagswahlrecht, hat im einem faulenzenden Edelmann. Aber der König erscheint doch im Grubenbaron von Tiele- Windler, die Vogel von Faldenstein preußischen Herrenhause mit Unterstüßung zahlreicher Gesinnungs- besseren Lichte als John Burns. Edward war von Anfang an ein und Nord von Wartenburg, nicht zu vergessen die Herren genossen folgenden Antrag eingebracht: Müßiggänger und ein Barasit, während John Burns das Volk führte von Zikewih und Dewitz, haben ihre edlen und erlaua, en Die Königliche Staatsregierung au erfudjen, gegen jeben und es für 2000 Goldſtüde verkaufte... Ich sage den Arbeitslosen: Ramen unterfertigt. weiteren Ausbau der Reichserbichaftsteuer Stelluna au nehmen. Wenn Eure Frauen und Kinder Hunger leiden und Ihr feine Arbeit Das Haus der Aristokratengreise. finden könnt, fo geht stehlen und rauben, jelbstredenb bei den) Das genannte Gewerkschaftsorgan meint, daß dem Betreffenden Reichen, die nichts vermissen. Ich fage der Regierung: Wenn Ihr Herren diefe Bezeichnungen jedenfalls noch aus seiner früheren feine Arbeit schaffen fönnt, so schafft Brot; wenn Ihr lein Brot Unternehmertätigkeit her bekannt und geläufig feien. Für geschmadfchaffen wollt, fo werden wir Gewalt gebrauchen. voll halten wir es sicher nicht, streitbrechende Maurer oder Zimmerer als Pferde, Ochsen, Schweine, Hunde usw. zu bezeichnen. Wenn sich organisierte Arbeiter dergleichen erlauben würden, müßten sie sicher deswegen Bekanntschaft mit dem Strafrichter machen. Ein Streif brecher- Agent aber darf diese Bezeichnungen ungestraft auf Menschen anwenden, die ihn durch ihre Kurzsichtigkeit vor dem Schicksal bewahren, sich durch eigener Hände Arbeit schwer aber redlich ernähren zu müssen! Die Arbeiterabgeordneten Curran und Snowden sprachen gestern in der Provinz und lehnten jede Berantwortlichkeit für das Auftreten Graysons ab. Beide verurteilten die von ihm hervors gerufenen parlamentarischen Zwischenfälle als das Wert eines unerfahrenen jungen Menschen. Snowden meinte, Grayson sei Schauspieler. Auch Keir Hardie sprach sich abfällig über die Handlungsweise Graysons aus. 4 Der Londoner Grafschaftsrat beschloß verschiebene Der Prozeß der Suffragettes. Gewerkschaftliches. Bichhandel. Berlin und Umgegend. Im Betriebe der Hochbahn. fonnten, ernannt Der Sin ausführlicher Bericht über die Festlegung der Tarife wird in der am Freitag, stattfindenden Versammlung der Wäsche arbeiter und Arbeiterinnen gegeben. und Deutfches Reich. Unternehmer- Dant. 12 Mit welcher RücksichtsDie Nähmaschinenfabrit von Biefold u. 2ode treibt gegen wärtig einen unerhörten Terrorismus gegenüber der organisierten Arbeiterschaft. In diesem Betriebe besteht ein sogenannter Spar und Unterstützungsverein", der jedoch nichts anderes als ein gelber Streifbrecherverein ist. Nach dem famosen§ 5 Abiaz II des Statuts diefes Fabrifvereins heißt es: Wer das gute Einvernehmen zwischen Arbeiter und Arbeitgeber stört oder das Interesse der und wer insbesondere einem städtische Unternehmungen, wie die Ersetzung von Pferdebahnlinien Eine große Betriebsverfammlung aller in der Betriebswerkitätte firma nicht genügend wahrt Verein angehört, oder, wer einem durch elektrische, Verschönerungen der Parks, Pflanzen von Bäumen usw., der Hoch- und Untergrundbahn Warschauer Straße beschäftigten fozialdemokratischen angehört, nicht sofort austritt, wird aus bem fofort in Angriff zu nehmen, um die Arbeitslosen zu beschäftigen. Bersonen war am Montag nach Litfins Festsälen einberufen, die sich solchen Diese Arbeiten werden etwa sieben Millionen Mart be- nach einem beifällig aufgenommenen Vortrage des Verbands Fabrikverein ausgeschlossen. Auf Veranlassung des Obermeisters der Direktion mit Genehmigung wird nunt funktionärs N. Bahn über Fluch der Armut!" speziell mit den Groß anspruchen. Nach dem Bericht der„ Labour Gazette" haben die Gewerk Buständen in dem genannten Betriebe beschäftigte. Unter anderem eine 8wangsagitation für den gelben Fabrikverein betrieben. wurde zur Sprache gebracht, das Arbeiter, die sieben Jahre dem Jahrzehntelang bei diefer Firma beschäftigte Arbeiter werden vor schaften gegen Ende September 9,4 Proz. Arbeitslose. Betrieb angehören, als Höchstlohn 42 Pf. und gelernte 53 Pf die Entscheidung gestellt:„ Entweder Austritt aus der Gewerkschaft Stundenlohn erhalten. Auch wurde der Wunsch ausgesprochen, daß und Eintritt in den gelben Verein oder Entlassung." Selöst der ein Reservewagen bereitsteben müsse, der mit Hebevorrichtungen und zondon, 21. Oktober. Eine große Menschenmenge hatte sich dem fonitigen nötigen Werkzeugmaterial versehen ist, damit bei Hausmann hat Anweisung erhalten, jeden Arbeitsuchenden über feine heute beim Polizeigericht in der Bowstreet angesammelt, weil die Unglüdsfällen wie der, der sich jüngst ereignete, alles hilfsbereit zur Organisationszugehörigkeit zu befragen. Minister Lloyd George und Gladstone daselbst erscheinen Stelle fei und nicht erst in aller Haft zusammengefucht lofigkeit diefer Terrorismus von der Geschäftsleitung betrieben wird, follten. Sie waren als Zeugen benannt von drei Anhängerin werden müsse. Daß Leute, die, als sie arbeiteten, teine dafür nur ein Beispiel aus legter Zeit: nen des Frauenstimmrechts, die angeflagt waren, am Feile richtig halten zu Kolonnenführern Eine Anzahl Holzarbeiter founten es mit ihrer Arbeiterehre Abend vor dem Zusammentriti des Parlaments zum Aufruhr auf- werden, bloß weil sie ihren Stollegen gegenüber" forich" aufzutreten nicht vereinbaren, diesem gelben Verein beizutreten und es erfolgte gefordert zu haben. Die Anhängerin des Frauenstimmrechts verstehen, wurde ebenfalls kritisiert. Desgleichen wurde bemängelt, ihre Entlassung. Unter denselben befindet sich ein über ein Jahr daß in den Arbeiterausschuß nur solche Arbeiter gewählt werden Christabel Pankhurst nahm während der Verhandlung die fönnen, die schon drei Jahre im Betriebe beschäftigt find. Ein Redner zehnt beschäftigtes Witglied des Arbeiterausschusses, welches sich bei Minister ins Kreuzberhör. Lloyd- George gab humorvoll zu, daß er erklärte es rund heraus, daß mancher der Anwesenden gerne etwas der allgemeinen Metallarbeiteraussperrung in Dresden und Um der Versammlung beigewohnt habe, in der die Anhängerinnen des vorbringen würde, aber die Folge wäre, daß es am nächsten Tage gegend erfolgreich um deren Beilegung bemühte. Der Direktor erFrauenstimmrechts das Publikum aufgefordert hätten, das Unter- die Direktion schon erführe und die Betreffenden„ fliegen" würden. flärte damals unter Handschlag zu diesem Arbeiter:„ Wir sind haus zu stürmen und daß die Sprache der Rednerinnen nicht allzu Sonnabends und Sonntags würden die Arbeiter oft ganz unvor Ihnen großen Dan! schuldig." Und da ein angebotener heftig gewesen sei. bereitet beauftragt, Ueberstunden zu leisten, so daß dadurch ihre Geldbetrag zurückgewiesen wurde, wurde diefem Arbeiter bedeutet: persönlichen Dispositionen über den Haufen geworfen werden.„ Sie tönnen bei uns arbeiten, so lange Sie nur wollen." Stantinenbetrieb wurde als vollkommen unzureichend bezeichnet. Die Wagenfchuppen weisen keine Einrichtung weder zum Heizen noch zum Frühstüden auf. Die Arbeiter müssen sich in den schuuzigen Eimern, die zum Wagenreinigen gebraucht werden, waschen, wollen sie nicht erst nach einem fünf Minuten entfernten anderen Raum geben. An Play, um eine dementsprechende Einrichtung zu treffen, soll es nicht fehlen. Ueber die Behandlung durch die Kolonnens Durch die heutige Lage und das Vorgehen der organisierten führer wurde Klage geführt. Ein Arbeiter, der seine Hände in einem Arbeiterschaft betreffs Streifs und Aussperrungen bin ich in der wurde von einem Kolonnenführer Schwein" tituliert. Die Zustände von ihm benutzten Eimer wusch, da der Waschraum überfüllt war, Lage, Ihnen nichtorganisierte" Arbeiter nach Auftrag in drei im Betriebsschuppen sollen in hygienischer und sanitärer Hinsicht sehr In den Schuckertwerken zu Nürnberg feierte ein Gelber sein Lagen jede gewünschte Zahl zu schicken. Mein Bestreben ist es, verbesserungsbedürftig sein. Der Schmuß und Unrat aus den Bügen 25 jähriges Arbeitsjubiläum. Seine gelben Mitbrüder gedachten in fürzester Zeit die Organisation zu unter- wird den unten arbeitenden Leuten nicht selten auf den Kopf gefegt, ihm hierzu eine passende Ehrung zu bereiten. Sie veranstalteten drücken und Ihnen ruhige und tüchtige Leute zu besorgen und oft folgt auch schmugiges Waffer nach. Die Kanäle sollen nur höchst unter sich eine Sammlung; dann wurde beraten, was man dem zwar zu Ihren Bedingungen. Sollten Sie Berliner Leute mangelhaft gereinigt werden. Seit zwei Monaten werden die Jubilar dafür kaufen folle. Das Resultat dieser Beratung war, wünschen, so empfehle ich Ihnen Affordmaurer, Zimmerer, Buzzer Arbeiter gerade doppelt so scharf hergenommen in der Arbeit, ohne daß man zu dem Schlusse tam, ihm einen Schlafrod und eine und Arbeiter. Sie sparen Krankengeld und Invalidenbeiträge, Bunften fann der Betrieb der Hochbahn nicht gerade als ein musters für Gelbe. dafür mehr Lohn zu erhalten. Man sieht, nach all den aufgeführten Sulafmüge anzuschaffen. In der Tat ein finniges Geschenk auch wird der Bau in fürzester Zeit gefördert. Das Preisber hafter angesehen werden. Die Direktion hätte allen Grund, hier zeichnis für Affordarbeiter liegt bei: Fassadenpub wird nach Maß- Abhilfe zu schaffen. Am Schluß der Versammlung ermahnte der gabe der auszuführenden Fassade berechnet und sparen Sie schon Borsigende die Anwesenden, mehr wie bisher die Organisation zu Geld, wenn Sie die Arbeiten von direkten Fassadenpuzern stärfen, nur dadurch tönnten sie ihre Lage verbessern. Dann gab ( Spezialisten) ausführen lassen. Ich beanspruche für meine Bahn noch einen furzen Ueberblick über die kommenden Gewerbes Tätigkeit pro Mann 5 M. und freie Reise. Bei Abonnement gerichtswahlen und forderte zu bollzähliger Teilnahme auf. pro Jahr 30 M., welcher Betrag von 15 M. sofort und 15 M. am 1. Juli jeden Jahres zu zahlen ist; erhalten Sie jede gewünschte Die Festlegung der Tarifverträge für die Wäscheindustrie. Anzahl ohne jegliche Nachzahlung, jedoch müssen Sie das Fahrgeld Am Mittwoch wurden vor dem Gewerbegericht die Tarifver. vorher einschicken, welches später vom Lohn der Leute abgezogen träge für die Wäscheindustrie Berlins endgültig abgeschlossen. Es werden kann. Sie sparen viel Geld. 8. B. es würde ein Streit hatten sich dazu neben den Vertretern der Tarifkommission und der cder Aussperrung stattfinden, so entstehen ihnen doch bedeutende Organisationen beider Parteien eine große Anzahl von Wäsche Untoften. Die Uebel tönnen dadurch abgeholfen werden, indem fabrikanten eingefunden. Das Vertragsverhältnis liegt in diesem Gewerbe so, daß ein allgemeines Uebereinkommen zwischen den Sie in obiges Abonnement einwilligen. Ein besseres Entgegen beiderseitigen Organisationen besteht, das Anfang September mit gefchloffen, daß Bernthaler je etwas von der Maschinenfabrik kommen dürfte Ihnen zu Ihren Gunsten vielleicht nicht geboten einigen Berbesserungen auf drei Jahre erneuert wurde, daß aber erhalten hat. Er habe auch in den anderen Betrieben nachgefragt werden, und mir würde dadurch die Art des Betriebes erleichtert die eigentlichen Lohn- und Affordtarife mit den einzelnen Fabri- und erfahren, daß Bernthaler niemals etwas befam. Der christliche werden. Nach Einsendung des Betrages von 15 M. find Sie be- fanten vereinbart und beim Gewerbegericht niedergelegt werden, Verleumder kam mit 30 M. Geldstrafe oder 6 Tagen Gefängnis rechtigt, so viel Leute zu fordern, als wie Sie zu Ihrem Betriebe den beiden Obmännern der Schlichtungskommission Abschriften davon. gebrauchen. Ich bin bemüht, alle an mich gestellten Anforderungen dieser Tarife zur Verfügung stehen. mit größter Pünktlichkeit zu Ihrem Wohlwollen zu fördern und Ein bekannter Arbeitswilligenvermittler bezw. Streifbrecher Heferant in Berlin versendet wieder einmal folgendes Schreiben: Sehr geehrter Herr Kollege! Die Festlegung der Tarife geschah in der Form von Pro. tokollen, einerseits vom als Nun soll auch dieser Arbeiter ausgehungert werden. Die deutsche Arbeiterschaft gehört zu einem großen Teil zu der Rundschaft der Firma Biesold und Locke und dürfte es im allgemeinen der Arbeiterschaft recht sein, zu wissen, welcher Drud in diefem Betrieb auf die organisierten Arbeiter ausgefibt wird. Wir bitten die arbeiterfreundliche Bresse dieserhalb um Abdruck. Ein passendes Geschenk. Eine christliche Berleumdung Die christlichen wurde vor dem Amtsgericht Friedberg verhandelt. Brüder hatten über den Geschäftsführer des Deutschen Metallarbeiterverbandes in Augsburg, Genossen Bernthaler, die Nachricht ver breitet, daß er sich bei der Aussperrung in der Maschinenfabrit Nürnberg- Augsburg im Jahre 1905 von der Direktion habe schmieren Einer der Verbreiter dieser Lüge wurde in dem christlichen Gewerbegerichtsbeisiger Peiler ermittelt und vor Gericht gezogen, wo der Held ableugnete derartiges gefagt zu haben. Er wurde abez überführt. Der als Zeuge vernommene Direktor des genannten Werkes Dr. Guggenheimer belundete, es sei völlig auslassen. mit beſtem Einvernehmen gegenseitig unsere Arbeit in Sicherheit bent betiteter ther ciganiſation ſowie ben einzelnen Firmen Letzte Nachrichten und Depefcben. " zur Ausführung gelangen lassen. Bei Gebrauch bitte ich die nächsten Bureaus in Anspruch zu nehmen. Nach Einsendung des Betrages erhalten Sie Bescheinigung. Zahlungsort ist Berlin". Auch muß für sicheres Nachtlogis gesorgt werden. Sollten in einem Orte mehrere Kolonnen Maurer und Buzzer usw. gebraucht werden, so bitte mir selbiges mitzuteilen, um die rechtzeitige Einteilung der Kolonnenführer vornehmen zu können. Sämtliche Leute bringe ich selber borthin. Sollten Sie geneigt sein, meine Bureaus in Anspruch zu nehmen, so bitte um gütige Aufträge. Bei Auf tragerteilung bitte um Vorschußeinsendung und Fahrgelb der Leute, welches später vom Lohn der Leute, wie oben erwähnt, abgezogen wird. Anbei Empfehlungsschreiben und Affordvertrag. Bureau für Beschaffung von Arbeitswilligen aller Gewerk. schaften Deutschlands. Mit tollegialem Gruß folgt Unterschrift. Bie der Bau- Hilfsarbeiter" mitteilt, hat der betreffende Herr felnen Abnehmern für die telegraphische Bestellung von Streifbrechern folgende Kennworte- Tabelle unterbreitet: Hunde Scheiben Anzahl der Leute in Buchstaben Ramensbezeichnung der Gewerkschaften Maurer Bimmerer Arbeiter wie folgt: Berlin Hannover Thüringen Brandenburg Ochien Pferde Druder A 10 Mann Hühner Ziegen B 20 " " Kälber Klaviere C 30 " " Schweine Feniter 40 " " Bayern 50 11 Sachfen Kühe Karten 60 " Pommern Ditpreußen Kazen Türen 70 " Pferde Spinde H 80 " Westpreußen Biegen Tafeln I 90 " Schlefien Mecklenburg Klaviere Fässer K 100" Holstein Fenster Scheiben Stühle Ballen L 110 17 " 120 " Westfalen Karten Gewehre N 130 " Rheinproving Türen Dchien 140 " Baden Heffen Württemberg Bosen Spinde Hübner Tafeln Stalber Fässer Ballen Hunde P 150" R 160 " Schweine S 170 " T 180 " Hamburg W 190" Lübec Bremen Stühle Mühe Z 200" Elsaß- Lothr. Gewehre Kazen BA 210" 2. BB 230 BC 250 BD= 300 Bemerkung: 1. Lohnbezeichnung für Afford- A. Tagelohn B. 19 " vertretern unterzeichnet wurden, andererseits von dam Filialvertreter Gue der Wäschearbeiter und Arbeiterinnen sowie von Ende des Universitätsstreits in Petersburg. dem Verbandsvorstandsvertreter Mirus. Die Fabrikanten hatten Petersburg, 20. Oftober. Eine Versammlung bon aubor nachzuweisen, daß sie die Tarife wirklich mit ihren Ar Studenten der Petersburger Universitäten beschloß, den beitern und Arbeiterinnen vereinbart hatten. Gegen die Tarife einzelner Fabrikanten wurden von den Arbeitnehmerbertretern in Ausstand vom 26. b. M. an einzustellen, und die einigen Punkten Einwendungen erhoben und Vorbehalte geltend jenigen, die schon früher die Vorlesungen besuchen wollen, gemacht, die protokollarisch festgelegt wurden und größtenteils noch nicht durch Obstruktion daran zu verhindern. durch die Schlichtungskommission erledigt werden sollen. Zunächst wurde ein Protokoll für die Firmen, bei denen Aenderungen oder Ergänzungen der alten Tarife nicht eingetreten waren, aufgesetzt. Dies Protokoll besagt in den Hauptpunkten: Die Parteien sind sich darüber einig, daß die neue Tarif gemeinschaft vom 1. Oftober 1908 bis zum 1. Oftober 1911 gilt und um ein Jahr verlängert wird, falls sie nicht drei Monate bor Ablauf des Termins gekündigt wird. Ferner erklären die Parteien: für neueingeführte Grundformen, die mit der Hand oder mittels maschineller Hilfsmittel hergestellt werden, sind die Arbeitslöhne zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu vereinbaren, beiden Verbänden anzuzeigen und dem Gewerbegericht einzureichen. Schließlich wird hiermit ausdrücklich bemerkt, daß die in den 1905 abgeschlossenen Tarifverträgen festgesetzten Löhne, sowie die während der alten Tarifgemeinschaft etwa neu eingeführten Löhne während der Dauer des neuen Vertrages gezahlt werden sollen. Die Löhne, die während der Tarif. bertragsdauer neu eingeführt werden, sind ebenfalls tariflich festzulegen und selbstverständlich während der Dauer des Ver trages zu zahlen." Neue Angriffe in Persien. Teheran, 21. Oktober. Ain ed Dauleh ist dank der Bes mühungen eines Teils der Geistlichkeit von Tabris wieder zum Generalgouverneur von Aserbeidschan eingesezt worden. Er erhielt die Weisung, die Ueberreste der Strafegpedition zu sammeln und Verstärkungen aus Teheran abzuwarten. Die Matureiter und Rachim Chan haben die Weisung erhalten, neue Abteilungen au bilden, die fich mit Ain ed Dauleh vereinigen sollen. Betrügerische Baulöwen. materialienfirma Queniger u. Trabisch sind nach umfangreichen Leipzig, 21. Oktober.( B. H.) Die Inhaber der großen Bau Wechselfälschungen flüchtig geworden. Flurschaden durch Frost. Frankfurt a. M., 21. Oftober.( B. S.) Durch den starken Dieses Protofoll wurde von 20 Fabrikanten oder Firmen vertretern unterzeichnet. Sodann trat eine neue Firma der Tarif- Frost in der vergangenen Nacht ist in ganz Kurhessen auf den gemeinschaft bei, was ebenfalls protokollarisch festgelegt wurde. Feldern und in den Gärten beträchtlicher Schaden angerichtet Darauf legten die Firmen, die Neuaufstellungen oder Nachträge worden. Die Temperatur sant bei scharfem Ostwind 5 Grad unter zu den Tarifverträgen von 1905 mit ihrem Arbeitspersonal bereinbart hatten, diese den Vertretern der Parteien wie dem VorEs waren im ganzen fizenden Magistratsrat v. Schulz vor. 11 Firmen. Sie erklärten sich in einem besonderen Protokoll mit den bereits festgelegten Protokollen einverstanden. Die Arbeitnehmervertreter hielten in einigen Fällen eine Nachprüfung für notwendig, und aus diesem Grunde wurde dem Protokoll auch folgender Sab angefügt: Im übrigen bemerken die Herren Mirus und Gue. ganz allgemein, daß sie die Nachträge zu den Tarifen der einzelnen Firmen nun einer Durchficht unterziehen würden. Sollten sich dann noch irgendwelche Fehler herausstellen, so müßten sie für fich das Recht in Anspruch nehmen, die Schlichtungskommission oder schließlich das Einigungsamt anzurufen." Null. Feuersbrünste. Trier, 21. Oktober.( B. 8.) In Enfirch zerstörte eine Feuers brunst 10 Wohnhäuser mit zahlreichen Nebengebäuden. Der Materialschaden ist bedeutend. Rempten i. Allg., 21. Oftober.( B.$.) Die Großbrauerei Einsle in Lindenberg( Allgäu) wurde durch ein großes Schaden. feuer vernichtet. Der Schaden ist sehr groß. Orfan. New York, 21. Oktober.( B.$.) Ein furchtbarer Orkan hat die Staaten Wyoming und Colorado heimgesucht. In Chojenno Schließlich wurde noch festgestellt, daß den Obmännern der wurde ein Eisenbahnzug aus den Schienen geworfen, 12 Personen Schlichtungsfommission Duplitate ber beim Gewerbegericht nieder- find hierbei getötet worden, der Materialschader ist bedeutend; gelegten Tarife zur Verfügung stehen sollen; Herr Hanff ber auch eine Anzahl Personen hat leichtere Verlegungen davon. zichtete darauf, um irgendwelchem Mißtrauen bei den Fabrikanten getragen. Im Norden von Colorado hat ein Schnecfturm den Vers borzubeugen. Die Zahl der Firmen, die sich bis jekt der neuen Tarif- kehr fast vollständig unterbrochen, sechs Personen find umgekommen, gemeinschaft angeschlossen haben, ist etwas geringer als 1905; das legt hauptsächlich daran, daß mehrere der alten Tariffirmen nicht mehr egiftieren. Berantw. Rebatt.: Georg Davidsohn, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Sierau 3 Beilagen u. Unterhalturasb ».m 25.»w{ Ktilllgt des JoriüW Idinct MldsdIM. �«««�,22 Hochverrat und ehre. Wie bekannt, fand am 10. d. M. Vor dem Ehren- Gerichtshof für Rechtsan>välte in Leipzig die Verhandlung zweiter Instanz gegen den Genossen Liebknecht statt, die mit Freisprechung endete. Sie war nicht öffentlich. Bisher sind daher von ihr nur wenige, durch eine Erklärung des Reichsgerichtspräsidenten in ihrer Zuverlässigkeit bestrittene Einzelheiten bekannt geworden. Wir sind heute in der Lage, einiges Nähere aus ihr mitteilen zu können: k?ach Beendigung des Vortrages durch den Berichterstatter Reichs- gerichtsrat Bernhardt bemerkte der Borsitzende: Ich möchte mich zu- nächst daraus beschränken, eine Frage an Sie zu richten. Die Auf- gäbe des Anwalts ist, als ein Organ der Rechtspflege an der Ver- wirklichung der Rechtsordnung mitzuwirken. Wie glauben Sie mit dieser Aufgabe vereinbaren zu können, dah Sie, wie rechtskräsiig feststeht, die gewaltsame Beseitigung dieser Rechtsordnung angestrebt haben? Liebknecht: Unsere Rechtsordnung besteht aus zahlreichen Be- siimmungen, die sich über das ganze Gebiet des öffentlichen und privaten Lebens erstrecken. Einzelne dieser Bestimmungen, die vom Staat als besonders wichtig betrachtet werden— Bestimmungen des öffentlichen Rechts— sind als sogenannte„Verfassung" durch die Hochverratsparagrophen einem besonders intensiven Schutz unterworfen. Auch sie sind jedoch weit entfernt, das Ganze unserer Rechtsordnung zu repräsentieren, oder ihre, sei eS materielle, sei eö formelle Grundlage zu bilden. Nach dem Urteil vom 12. Oktober v. I. habe ich die Beseitigung des stehenden Heeres durch Gewalt angestrebt. Die Beseitigung des siebenden HecreS würde die in Deutschland geltenden Zivil- und StrafrechtSnormen und die sonstigen Gesetze, an deren Durchführung ein Anwalt mitzuwirken hat', durchaus unberührt lassen. Das zeigen schlagend die Länder ohne stehendes Heer, die dennoch eine„Rechtsordnung" besitzen, welche der unseren wesens- Verivandt ist. Oft genug hat die Rechtsordnung solcher Länder der deutschen Gesetzgebung als Borbild gedient,' ich verweise auf die Schweiz mit ihrem Strafrecht. Ich betrachte mich, gerade weil ich die Abschaffung des stehenden Heeres anstrebe, sogar für besonders geeignet, gewisse Teile unserer Rechtsorduung, so die sozialen Ge- setze, zu verwirklichen. Vorsitzender: Ich werde nunmehr dem Herrn Oberreichsanwalt das Wort erteilen. Liebknecht bittet, ihm vorher noch Gelegenheit zu einigen Be- merkungen zu geben. Er führt aus: Das angefochtene Urteil gipfelt in der Annahme, mir sei bei Begehung der Tat nicht bewustt gewesen, dast n,eine HandlungSiveise gegen das Strafgesetz verstosie. Die Berufungsschrift des Herrn GeneralstaatSanwalt» sucht das be- sonders mit dem Hinweis auf meine angebliche juristische Tüchtigkeit zu widerlegen. Indessen lehrt ein Blick auf den HochverratSprozef;. dost sich die n, abgebenden I n st a n z e u bis zuin letzten Augenblick um die Art, wie der Hochverrat zu konstruieren sei. keineswegs einig waren. Er(L.) habe nicht daran gedacht, mit offenen Augen in die Spieße des Strafgesetzbuchs zu rennen. Eine unbefangene Prüfung des Urteils voin 12. Oktober zeige feine glatte Unhaltbarkeit und Un- Möglichkeit in tatsächlicher und rechtlicher Beziehung; es wimmele von leicht nachweisbaren faktischen Irrtümern und lasse an Logik sehr Vieles zu wünschen übrig. Liebknecht weist das an einigen Beispielen nach. Je mehr diese Kritik zutreffe und je höher seine juristische Intelligenz stehe, um so weniger habe er die Verurteilung wegen Hochverrats vorausahnen können. Er habe Prophet und nichr Jurist sein müssen, um das zu wissen. Er betone mit aller Energie, daß das Urteil vom 12. Oktober ein Fehliprnch sei. Sodann wendet sich Liebknecht scharf gegen einige Personen und Zeitungen, die ihm in grenzenloser Gehässigkeit vorioerfen, er wolle das Deutsche Reich wehrlos machen, er sei ein ehr- loser Verrärer unv. Das ist eine infame Insinuation. Meine Schrist spricht allenthalben nur von einer gleichmäßigen inler- nationalen Wchrlosmachung; sie will in dieser Bezrehung nicht viel anderes, als die vckamireil Abrüstungspläne, die heute ja an den offiziellsten Stellen erörtert werden. Nur erwarte ich mit der internaiioiialen Sozialdemokratie ihre Durchführuna nicht von den Regierungen, sondern von einem Druck von unten, von einer Be- lvegung der Volkömassen aller Länder. Danach ergriff der Obcrreichsauivalt daS Wort zu seinem Plai- doycr, das in den Antrag auf Ausschließung auS dem Rechtsanwalt- stände mündete. Mit großer Wärme und in hochinteressanten juristischen und politischen Ausführungen trat Rechisamvalt Otto Emil Freylag dem entgegen. Der Oberreichsanwalt replizierte kurz. Aus dem Schlußwort Liebknechts heben wir hervor: Die Frage lautet: Habe ich mich der Achtung unwürdig gemacht, die mein Beruf erfordert. Dia„Achtung" ist kein irgendwo in der Luft hcrumschwebendes Ding. Sie hat ihren Sitz in den konkreten Köpfen und Herzen der konkreten Menschen. Ich bestreite, durch meine Straffälligkeit oder durch meine Verurteilung in der Achtung irgend eines Menschen, der den Sachverhalt kennt, das geringste eingebüßt zu haben; ich behaupte, daß alle Menschen, das große Publikum, meine Kollegen und auch Sie. meine Herren, mir nach wie vor unverkürzt ihre Achttmg entgegenbringen. Wer ein anderes meint, täuscht sich selbst, verwechselt in politischer Befangenheit Feindseligkeit und Mißachtung. Ja, ich behaupte, daß ich durch meine Verurteilung in weilen Kreisen an Achking be- trächtlich gewonnen habe. Nicht will ich davon sprechen, daß ich im November vorigen Jahres, da ich bereits in Strafhafi saß, von neuem in Berlin zum Stadtverordneten gewählt worden bin, nicht davon, daß mir im Juni dieses Jahres der 11. Berliner Landtagswahlkreis mit überwältigender Mehrheit das Mandat eines Mitgliedes des preußischen Abgeordneten- Hauses übertragen hat. AuS aller Welt sind mir begeisterte und oft rührende Sympathiekundgebungen zuteil geworden— auch aus den Kreisen der deutschen Beamte»; nickt minder von Geistlichen. die mich unter Anrufung der Bibel rechtfertigten, selbst vriesen. Zu den von meinem Herrn Verteidiger bereits erwähnten Kundgebungen auS Anwaltskreisen füge ich noch die Crinneruiig an die Worte des bekannten Rechtsanwalts Bassermann, eines Mitgliedes der nattonal- liberalen Partei, der sich vorigen Herbst im Reichstag gegen den Gedanken meiner Disziplinierung wandte. Meine Herren, ich erhebe den Anspruch auf schlechthin unvenninderte Achtung und kann die Berechtigung dieses Anspruchs geradezu beweisen. Der Herr OberreichSanwalt hat ms Zentrum seines Plaidoyers die Ansicht gestellt, daß ich als Umstürzler der Rechtsordnung kein Organ dieser Ordnung sein könne. Er geht dabei von dem bereits widerlegten Gedanken aus, Abschaffung des stehenden Heeres sei Umsturz unserer Rechtsordnung. DaS gibt mir Anlaß zu einigen weiteren Bemerkungen. Bei der Mehrzahl der Delikte ist der an- geslrebte oder erzielte Erfolg das kriminalpolitisch Wesentliche. Anders beim Hochverrat. DaS hochverräterische Ziel dürfe erstrebt werden; eS ist als solches gesetzlich nicht geschützt. Das Wesen des Hochverrats ist nicht durch das Ziel des Hochverrats charakterisiert, sonder ir durch das zur Erreichung des Ziels angewandte Mittel der Gewalt. Auch wer da irrig meinen sollte, unsere Rechtsordnung beruhe auf der Institution des stehenden HcereS, kann mithin daraus heute kerne Konsequenzen gegen mich ziehen: ich bin nicht be st rast, weil ich die Beseitigung des st ehe»den HeereS an st rede, sondern weil ich sie angeblich mit Gelvalt durchzusetzen bemüht bin. Das Ziel— die Beseitigung deö stehenden Heeres—, daS Ziel gerade, deffen Erreichung einen Umsturz der bestehenden Rechts- ordnung bedeuten soll, ist niemand, auch mir nicht verwehrt. Das Mittel der Gewalt aber hat an und für sich mit diesem Umsturz nichts zu schaffen— darüber herrscht kein Streit. Der Anwalt ist— nach der gellenden Meinung im Gegensatz zu dem Beamten— durch seinen Beruf p o l i t i s ch nicht ge- b u n d e n, nur aus Gründen der Moral ist feine ehrengerichtliche Ahndung zulässig— die Frage der„Achtung" liegt durchaus auf dem Gebiete moralischer Beutteilung. Büßt jeder Rechtsbrecher schon darum, weil er das Recht gebrochen hat, die für den Anwalts- beruf erforderliche Achtung ein? Die Rechtsprechung des Ehren- aerichtShofeS verneint das mit Recht. Auf allen Festungen Deutschlands sitzen Duellanten in Fülle. Sie tragen den OffizierSrcck und den Richtertalar. sie verlieren ihren Ofsiziersrock, ihren Talar keineswegs; der Richter, der in bewußter, überleglerWeisedas Gesetz verletzt hat, darf weiter über andere Gesetzesverletzer richten. Ich habe nicht in bewußter Weise gegen das Gesetz verstoßen— selbst der Herr OberreichSanwalt unterstellt dies; und ich soll nicht Anwalt bleibe» können? Gewiß, der Hochverrat ist nach dem System unicres Strafgesetzbuchs ein Verbrechen. Einen Verbrecher. einen Hochverräter— man pflegt dieses Wort mit drei Aus- rufungszeichen auSzusprecven und zu denken— als Kollegen zu haben, mag manchem Anwalt wohl unheimlich und widerwärtig erscheinen. ES gilt, sich von diesen unheim- lichen Worten nicht verwirren zu lasten, und meinem Ver- brechen, dem Hochverrat, klar inS Innere seines Wesens zu schauen. kleines feiiületon. Marinekultur. Die aufdringliche, lächerlich-monumentale Art, mit der sich das größenwahnsinnige imperialistische Neudeutschland dahcim spreizt, kann es im Auslande erst recht nicht verleugnen. Die„Heroen", die der Frieden zu traurigen Parasiten des Volks- fleißes macht, müssen sich der Kit- und Nachwcil doch irgendwie ins Gedächtnis prägen. Mit aller Gewalt. Mit der Beharrlichkeit und dem Eifer von Reklamcchefs. Sie verewigen sich, sie setzen sich selber die Erinnerungstafeln, die ihnen die undankbaren Zeit- genossen vorenthalten. Sie schaffen so eine neue Art„Kultur". die lebhaft an die Tätigkeit der Fliegen und wändebekritzclnden Lausbuben erinnert. Aber die Sache ist technisch auf der Höhe und vor allem monumental. Was für hübsche Wirkungen sich da einstellen, schildert ein deutscher Professor, dem der Patriotismus noch nicht die Sinne verdorben hat, mit ästhetischer Entrüstung im „Kunstwart". Die Zeitungen meldeten in diesen Tagen, so heißt es dort, daß das Nordkap zur Reklamesäule geworden sei. Nachdem zur Erinnerung an den Besuch des Kaisers der Name der Macht„Hohen- zollern" in lb Fuß hohen Lettern auf den Felsen gemalt worden, seien verschiedene Schiffahrtsgesellschaften und schließlich ein Scho- koladenfabrikant und eine Stiesellackfirma diesem Beispiele gefolgt. Ich habe auf wiederholten Reisen in Norwegen die Wahrnehmung machen müssen, daß das kaiserliche Beispiel vor allem in der deutschen Marine sehr rege Nacheiferung findet. Als ich vor zwei Jahren im Ruderboot den Geirangerfjord entlang fuhr, er- blickte ich an eine: Felswand mit großen schwarzen Buchstaben an- geschrieben:„S. M. Torpedoboot X". Mein Erstaunen verwandelte sich in Entrüstung, als ich bemerkte, daß es sich hier nicht um eine einmalige Entgleisung handelte, sondern daß die Besatzungen einer größeren Zahl von Kriegsschiffen sich bemüht hatten, durch die Namen ihrer Schiffe den Reiz der Landschaft zu erhöhen. Glauben die Herren, daß sie sich oder den deutschen Namen dadurch im Auslande beliebt machen? Ich denke, man kann darüber nicht im Zweifel sein, wie der Norweger diese Bemalung seiner Felsen, die bis zur Ankunft der deutschen Kriegsschiffe unberührt warn, empfinden muh. Der durch solche Verstümmelung der Landschaft am nieisten Benachteiligte ist natürlich neben dem Einheimischen der Tourist. Muß nicht ein jeder die Entnüchterung, die die Stimmung, in die ihn die großartige Landschaft versetzt hat, durch triviale, marktschreierische Inschriften erleidet, auf das schmerz- lichstc empfinden? Ich hatte den unangenehmen Eindruck dieses Erlebnisses beinahe vergessen, als ich vor einigen Wochen die Lofoten besuchte und dort den Digermulen bestieg. Dieser 350 Meter hohe Berg, der sich unmittelbar auS dem Meers erhebt, bietet eine der großartigsten Aussichten des ganzen nördlichen Nor. wcgenS. Auf dem Berge befindet sich eine kleine, unbewirtschaftete Schutzhütte. Und was erblickt der Wanderer, der den Gipfel er. reicht? An der sauberen, rot angestrichenen äußeren Wand der Hütte liest er, mit etwa 1 Zentimeter hohen Buchstaben tief in das Holz eingeschnitten:„S. M. S. Hertha 1308" und vier Namen. Auf einer Felswand unterhalb des Gipfels fand ich beim Abstiege noch mit wenigstens meterhohen weißen Buchstaben die Inschrift: „S. M. S. Leipzig". Kriegsschiffe kommen in alle Winkel der Welt, und eö ist Herr- lich, auszudenken, wie. in einigen Jahrzehnten die Küstenland- schaffen aussehen werden, wenn das Verfahren der deutschen Marineoffiziere allgemeinen Anklang findet. Ist es denn ein Kunsfftück, aus einem Kriegsschiff in einen norwegischen Fjord zu fahren, oder ist es eine Heldentat, auf ge- bahntem Wege den Digermulen zu besteigen? Oder welchen Sinn hat es sonst, jedem späteren Besucher entgegenzuschreien:„Ich bin dagewesen!" Diese Fragen des Professors, der offenbar nicht in die „moderne Welt" paßt, werden, wie wir ihm auS eigener Erfahrung versichern können, auf eine sehr deutliche und entschiedene Art be- antwortet. Im Auslände. Was die Waldbrände iu den Bereinigten Staaten kosten. Ein Beamter des Amerikanischen landwirtschaftlichen Amtes hat be- rechnet, daß die ungeheuren Waldbrände, die in letzter Zeit in den Vereinigten Staaten ausgebrochen sind und auch jetzt noch wüten, täglich Verluste im Betrage von 4 Millionen Mark verursacht hätten. Allein im Staate New Dork sind gegen Ende des Monats September über 20 000 Hektar den Flammen zum Opfer gefallen. Das Forstbureau in Washington hat einen Bericht veröffentlicht, in dem gesagt ist, daß die Brände wahrscheinlich hätten verhütet werden können, wenn die Staaten eine entsprechende Menge von Leuten zur Abpatrouillierung der Wälder und zur Unterdrückung or Brände in ihrem Entstehen bewilligt hätten und wenn Jäger und Forstleute gehörige Sorgfalt bei der Uebcttvachung beobachtet hätten, Humor und Satire. Orientalische Randglossen. Nach berühmten Mustern. Mach's. wie der andere Zar geschwind', Den jetzt dein Taientrieb kopiert: Das erste, was ein Zar beginnt. Ist: daß er einen Krieg verliert. Unsere Informierten. Urplötzlich vernahm ich: Die Welt stürzt ein! Die Ueberraschung war fürchterlich. Mein Trost: Herr Marschall von Viberstein War noch viel überraschler als ich. — Aus einem Gendarmenbericht.„Den Sack gab Delinquent zu, sein eigener zu sein, auch die Pantoffeln bestritt er nicht beide Paar zu paffen und von ihm zu sein, er bestritt aber ganz entschieden, von der Sache etwas zu wlssen, ob eS seine Kinder gewesen, könnte er nicht Gut sagen." Der Hochverrat, der nicht ans unehrenhaffer Gesinnung begangen ist, d. h. der Hochverrat, den ich begangen haben soll, ist nicht ein wahlweise mit Zuchthaus oder Festung bedrohtes Delikt, sondern ausschließlich mit Festungshaft bedroht. Mit Festungshaft, mit custoäia bonssta Ehrenvoller Haff); genau wie das Duell.-In der Strafart bringt das Gesetz gerade die moralische Würdigung zum Ausdruck. Und auf die moralische Würdigung allein kornmtS hier an. Wenn das Gesetz den Hochverrat zum Verbrechen stempM, 1» nicht aus Gründen der Moral, sondern der staallichen Notwehr, der SiaatLräion. Und wenn es für den reinen Fall des politischen Hochverrats eine ehrenhafte Strafart zuließ, so folgt eS damit der moralischen Anschauung höherer Kultur, die eS als barbarisch und niedrig verwirft, den politisch anders Denkenden. Wollenden und Handeinden nur um deswillen in seiner Ehre anzutasten. Nicht aus Gründen der Moral, die hier allein zu sprechen haben, bin ich zum Verbrecher qualifiziert. Der Hochverrat ist in der Tat ein gar eigenartiges Delikt. Bei anderen Delikten pflegt die mit Erfolg gekrönte Tat härter be- utteilr zu werden als die versuchte Tat. Anders bei dem ans Um- gestaltung der politischen Ordnung gerichteten Hochverrat. Da ist erfolgreicher Hochverrat nach allgemeiner Ansicht im Staats- und Völkerrecht kein Hochverrat mehr. Erfolgreicher Hochverrat ist hier eine oonttaäiotio in adjecto. Ucberschauen Sie, meine Herren, die Geschichte der Menschheit. Die Geschichte aller Staaten- gebilde ist eine ununterbrochene Kette hochverräierischer Akte. Der politische Fortschritt der Menschheit vollzieht sich allenthalben in der Form des Hochverrats. Der Hochverrat von gestern ist die Legitimität von heute und der Hochverrat von heule wird die Legitimität von morgen sein. Wir alle stehen mit beiden Füßen auf den Errungenschaften des Hoch- Verrats. Auch Sie, meine Herren, sitzen auf Ihre» Plätzen kraft der Machtvollkommenheit deS Hoch- Verrats von gestern. Ohne die Hochverräter der dreißiger und vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wäre daS heutige Deutsche Reich, von dem Sie Ihre Vollmacht herleiten, nicht vor- Händen. So erklären sich die wundersam wechselnden Schicksale der Hoch- Verräter, die mein Herr Verteidiger in so illustrativer Weise ge- schildert hat. Die Reuter, die Richard Wagner waren Hochverräter. Ich erinnere an Miquel, den hochverräterischen Organisator von Bauernrevolten und nachmaligen preußischen Minister; an Bennigsen, diesen späteren hochangesebenen Führer der nationalliberalen Partei, der sich in den(30er Jahren in dringendster Gefahr einer Verfolgung wegen Hochverrats befand. Bismarck war in der Konfliktszeit Hochverräter gegen die preußische Verfassung. Und wie viele Richter sind den Ursachen des Hochverratsparagraphen zum Opfer gefallen. Man denke jenes Breölauer Landgerichtsdirektors, der in den 70er Jahren als Zeuge vernommen, zum Erstaunen seiner Kollegen bekunden mußte, wegen Hochverrats zun» Tode verurteilt geivesen zu sein. Ich will durch keine weiteren Erempel ermüden. Nur darum möchte ich noch bitten, daß keiner der Herren mich der Ausübung meines Berufes für unwürdig befinden möge, ohne vorher in dem vortrefflichen Buch des Rechtsanwalts Weißler über die Siechts- anwalischaft das 49. Kapitel recht genau studiert zu haben: Die Zahl gerade der einst hochverräterischen Anwälte, die danach weiter Zierden unseres Standes waren, ist Legion. Sie finden in diesem Kapitel auch recht bemerkenswerte Winke über die moralische Würdigung des Hochverrats, und wn die Ursachen, aus denen eine so große Zahl von Vertretern gerade dieses Berufes einst in Deutsch- land sowie heute in Rußland, und allenthalben in bewegten Zeiten auf Seiten der Revolution, des Hochverrats standen. So sehen Sie die Beurteilung des Hochverrats zeitlich bedingt, bedingt durch die im Sinne der moralischen Beurteilung zufälligen politischen Zustände jedes Landes. Und noch Eines: in einer halben Sttmde erreiche ich von meiner Festung Glatz die österreichische Grenze. Jenseits der schwarz-gelbcn Grenzpfähle existiert mein Verbrechen nicht, es erlischh verschwindet selbst in krimineller Beziehung. Bei Delikten, die die Ehre irgend antasten, pflegt das nicht zu sein. Innerhalb eineö gegebenen Völkerkreiseö kennt die moralische Beurteilung keine staatlichen und keine zeitlichen Grenzen der Art, wie sie in der Beurteilung des Hoch- Verrats stattfindet. So ist eS offenbar: was den Hochverrat charakterisiert und zum Delikt, zum Verbrechen macht, liegt außer- halb der Sphäre irgend welcher Moral, liegt dnrchiveg im Gebiete der Politik, das bei der ehrengerichtlichen Entscheidung über die Berufsehre deö Anwalts prinzipiell gänzlich aus- zuscheiden hat. — Bei den Sizilianern.(„Tiefland".)(Im Parkett): „Eine merkwürdige Dramatik! Der Held des Stückes beißt ja fort- während?"—„Das ist echt sizilianisch."—„Meinen Sie?"— „Ja, ich war selber mal in Sizilien, da hat mich auch fortwährend was gebiffcn." — Neue Flüche. Ueber allen Menschen sollst Du schweben, — mit einem geplatzten Luftballon!— Freies OpernhauS-Entree sollst Du haben— hundertmal zu Sardanapal l— Ein großes Ver- mögen sollst Du liegen haben,— beün dänischen Jnstizininister l _ 5(„Lustige Blätter".) Notizen. — Theaterchronik. Im Neuen Schauspielhaust wird Freilag lvieder eine Vorstellung zu ermäßigten Preisen»Die Kinder der Exzellenz" aufgefühtt. -c» Vom„literarischen" Kinematographen. Die Gesellschaft zur Verwettung schriftstellerischer Ideen für kinemato- graphische Zwecke wird in Berlin ein Theater für Szeitenaufnahnten errichten. — Borträge. Marcell Salzer bringt an seinen I. Lustigen Abend am Sonntag im Klindworth-Scharwenka-Saal ein neues Programm. — Caruso, der göttliche Mann mit dem hohen C, berühmt in allen Hemisphären der Erde(schade, daß sie imr zwei hat), ist wieder in Berlin. Teuer ist er und der Kunstgenuß ist nichr die Hauptsacke. Aber man mutz doch dabei gewesen sein. Denn eS ist ein„gesellschaftliches Ereignis". Der Hof war da, und alles, was in Berlin Rang und Namen hat von der Diplomatie bis zu... Paul Lindau. Und besonders die Börse und die Damen, die Toiletten auszustellen haben. DaS durch die Sizilianer iu Berlin so aktuell gewordene Italienisch herrschte auf der Bühne vor, in den Logen wurde französisch und im Parkett vorwiegend deutsch gesprochen. Kurz, es war sehr schick. Nur ein Uebclstand wurde wieder beklagt: daß die Zeitungen nicht alle illustre» Teilnehmer mit Namen anführen und daß die Berliner Presse ihr blumiges Fcuilletondeutsch für die Lite- ratur anstatt für die viel wichtigere Würdigung des Gcsellschafts- lebens und der Toiletten verbrauche. In Italien und Frankreich ist man darin bedeutend weiter: der ganze Parnaß wird bei solchen Gelegenheiten geplündert und— die Gefeierten zahlen zudem bar. -»Die SonueufinsteruiS im Dezember 1908. Die knapp vor Weihnachten zu erwartende nächste vollständige Sonneiisinsterniö wird nur ans der südlichen Hemisphäre sichtbar sein. Die Aussichten, sie wisseuschaftlich nutzbar zu inachen, sind sehr gering. — Mehr denll 1000 Passagiere. Die gelvaltige Aus- dehnung, die der europäisch-mnettkauische Reiseverkehr genommen hat, wird neuerdings durch New D orker Meldungen illustriert, wonach iu diesem Jahre zum erstenmal einzelne große Passagierdampfer mehr als 1000 Kajülspasiagiere gleichzeitig m New Morl gelandet haben. (Zwischendeckspassagiere.zählen" offenbar gar nicht.) Hochberräter siden mit Thronen und Ministersesseln, Hoch- Verräter Ireiflcu den' Richtmalar. Soll ein Hochverräter nicht An- tvalt sein können? Betrachten Sie so nieine Straftat snd specie aeternitatis, und Sic werden zur guuicliutiiuu.q deö Anklageautrags gelangen. Es ist eine ernste Stunde für mich. Nickt wegen der materiellen Seite der Sacke— die hat völlig zurückzutreten. Ich hänge an dem Anwatlisherufe, dem ick vielleicht durch Anlagen, jedenfaU? durch eine warme Neigung angehöre. Nicht um meine Ehre, auch nicht um meine Bcrursehre kämpfe ich hier: diese Ehre lasse ich mir von niemandem streitig machen, über sie diskutiere ick nicht. Immer- hin kann mir da« Vojnni eines solchen Kollegiums»ichl gleichgültig fein. Ich sehe Ihre»« Spruch mit Vertrauen und mit Zuversicht -ntgegen.____ Kraozöfifcher Parteitag. Vierter Tag. Toulouse» 13. Oktober.(Gig. 55er.) Nach den anstre ngenden Debatten der letzten Tage— und Näckte läszt die Scht>.e�vcrhanblung einen ruhigeren Pulsschlag merken. In der Vorm ittogssi tzung berichtet Camelinat. der einst unter der Kommune die Münge geleitet hat und jetzt die Parteifinanzen verwaltet, über d-e Kagenverhaltnisse. Die De- putiertensteuer laust jetzt regelnmljiacr ein. doch sind noch Ruck- stände von bedeutender Höhe da. Megrere Deputierte haben er- klärt, die Zahlung emsteilen zu tvollcn, falls man gegen ihre säumigen Kollegen nickt nach der Strenge dcS Statuts vorgeht. Auch will der Fraktionstassierer D e l o r Y unter diesen Umstanden sein Amt nicht weiterführen. Hndett wird fcstacstellt. das; für die meisten Rückstände ernste N-ckrftrtlgungsgründe vorhanden stnd. Der Deputierte Breton aber will nur nachzahlen, wenn man ihn nicht auSschlieht...... �. DaS Hauptinteresse des TageS und auch die Hauptarbeit ,st in der Kommission konzentriert, wo»tan über die Resolution berat. die die allgemeine Parteiaktion definieren soll. Die verschiedenen Gruppen der Mehrheit haben sich aiof einen Entwurf geeinigt, der sich in der Hautsache an die Resoliillion der Mehrheit der Seine- federation anlehnt. Diese Basis scheint der guesdistlschen Minder- Keit. die gleichfalls einen Enitvurf vorgelegt hat. unannehmbar. Schlicklich wird eine Subkom�isswil gewählt, in der die eine Seite durch Tang er und Jaures, die andere durch Lafargue und De la Porte vertreten ist. Dort kommt es endlich zur Einigung und die auSgrarbeitetc Resolution wird nach mehreren wichtigen Acndcrungen rniö Zusätzen von btA ganzen Kommission einstimmig— mit einer Stimmenthaltung, Rappo- Ports— angenommen. Nach sechs Uhr wird die P le-n-v>rf i tzu n g wieder eröffnet. Unter allgemeiner Spannung besteigt'J a u r i s die Tribüne und teilt das Resultat der Kommissionsberatung mit. Er verliest den beschlossenen Text. �. Die Resolution hat folgenden Wortlaut: ..Di« sozialistische Partei, die Partei des Klassen. k a m p f e s und der sozialen Revolution, strebt die Er- oberung der politischen Macht zum Zwecke der De- freiung des Proletariats durch Zerstörung deö kapitalistischen Rc- gimeö und Aufhebung der Klassen cxi. Sie ruft durch ihre Propaganda dem Proletariat unablässig in Erinnerung, dag es die Erlösung und völlige Befreiung erst in der k o l l e k t i v i st i s ch e ii o-d e r kommunistischen Gesellschaft finden wird. Sie trägt diese Propaganda in alle Kreise, um überall den Geilst der Forderung und des Kampfes zu wecken. Sie ruft die arbeitende Klasse zu einem täglichen Bemüh e n, zu einer fortgesetzten Aktion für der- besserte L eb ems» x. A rb e i ts- und Kampfesbedin- gungen auf, zur Eroberung neuer Garantien, neuer Aktions- .mittell Gerade weil sie eine Partei der Revolution ist, weil sie in ihrem unablässigen Fordern nicht durch das in ihren Augen der- wirkte Recht des kapitalistischen und bürgerlichen Eigentums aufgehalten wird, ist sie die eigentlichst«, di« tätigste Reform- Partei, di« einzige, die ihre Aktion bis zur vollständigen Reform fortsetzen kann, d?e einzige, die jeder einzelnen Arbeiterfordcrung die volle Kraft verleihen, die einzige, die jederzeit aus jeder Reform, ans jeder Eroberung den Ausgangs- und Stützpunkt iveitergreifender Forderungen und kühnerer Eroberungen machen kann. Und wenn sie der Arbeiterklasse mit der Nützkkchkeit, der Not- wendigkeit, der Wohltätigkeit jeder Reform auch die Grenzen geigt, die das kapitalistische Milieu selbst ihr zieht, fo ist eS nicht, um diese voit der unmittelbaren Arbeit der Ber- wirklichung abzulenken, sondern um sie gur Eroberung neuer Re- formen anzufeuern und ihr die Notwendigkeit der totalen Reform, der entscheidenden Umwandlung dcS Eigentums in dem unab- lässigen Kampf um Bessernng immer gegenwärtig und fühlbar zu machen." Die Resolution setzt dann auseinander, daß die EntWickelung der Produktivkräfte selbst den Kollektivismus vorbereitet und fährt dann fort: «Parallell mit diesen iLewegungen der Produktivkräfte muß sich eine gewaltige Erzichungs- und OrganisationS- arbeit des Proletariats entwickeln. In diesem Sinne erkennt die sozialistische Partei die wesent- l i ch e Bedeutung der Schöpfung und EntWickelung der Ar- b e i t e r o r g a n i s a t i o n e n an, die wie die G e w e r k- schaften, Genossenschaften usw. dem Kampf und der kollektiven Organisation dienend notwendige Elemente für die soziale Umgestaltung sind. In diesen Kämpfen, bei diesen Eroberungen wendet die sozialistische Partei alle Mittel der Aktion an, indem sie ihren Gebrauch nach dem überlegten Willen eines stark organi. fierten Proletariats regelt. Das Proletariat schreitet fort und befreit sich durch sein direktes Bemühen, durch seine kollektive und organi- sierte direkte Aktion gegen das Unternehmertum und gegen die öffentlichen Gewalten, und diese direkte Aktion geht bis zum General st reik» der angewendet wirb zur Verteidigung der bedrohten Arbeitcrfreiheiten, zur Durchsetzung großer Forderungen der Arbeiterschaft und zu jedem gemeinsamen Bcmüben des or- ganisierten Proletariats, das auf die Expropriation der Kapitalisten abzielt. Wie alle im Laufe der Geschichte ausgebeuteten Klaffen nimmt auch daö Proletariat als letzte Zuflucht das Recht auf die insurrektionelle Gewalt in Anspruch. Aber es ver. wechselt nicht mit den großen kollektiven Bewegungen, die nur auS der allgemeinen und tiefen Bewegung des Proletariats hervorgehen können, die Scharmützel, in denen sich etwa Arbeiter der ge- sammelten Macht dcS bürgerlichen Staates in einem Abenteuer cntgegenwerfen. Tie sozialistische Partei widmet sich in einem überlegten, be- standigen Bemühen der Eroberung der politischen Ma ch t. Sie setzt allen Parteien der Bourgeoisie, allen rückschritt- kichen oder unklaren oder unvollständigen Programmen das volle kollektivistische oder kommunistische Bekenntnis und den unaus- gesetzten Kampf für die Befreiung des organisierten Proletariats entgegen und sie betrachtet es als wesentliche Pflicht der Parteigenossen, durch die W a h l a k t i o n an der Steige- ning der parlamentarischen und gesetzgeberischen Macht des So- Ziakismus mitzuarbeiten." ? a u rS s fügt einige erläuternde Sätze bei: Die Kommission Ü 2.™ Erklärung von völliger Klarheit und erfüllt vom ssieist c er Einigkeit vorlegen Nullen. Die größte Schwierigkeit betraf die 5 der Wahlaktion der Partei zuzuschreiben war. Der Schlußsatz der Deklaration hat die Einigkeit hergestellt. Wir haben *11<*• nicht nur äußerlich befestigen wollen, sondern in der Tiefe unseres Bewußtseins. Diese Einigkeit ist nunmehr un- zerstörbar. Unsere Gegner haben von unserer Spaltung ge- sprachen. Aber es war nur der Schatten der eigenen Zersetzung, den sie auf uns fallen lassen wollen. Der Redner schließt. Die Versammlung bricht in donnern- den Beifall anL. der sich zum Jubel steigert, zur Huldigung für die sozialistische Einigkeit, aber auch zur Danlesovation für den Redner, dessen Verdienste um sie jedermann kennt.' Alles erhebt sich von den Sitzen. Da ertönen Musikklänge. Das sozialistische Orchester von Toulouse marschiert in den Saal, die Internationale spielend. Die Delegierten und das Publikum stimmen begeistert eini Hochrufe auf die sozialistiscke Jnter- nationale brausen durch den Saal, der plötzlich in der Glut ben» galischer Flammen strahlt. Und singend, in g-scklossenem Zug, betritt man die Straße, wo glcickfalls Lichter aufflammen. Erst auf dem Rathausplatz, vor dem prächtigen„Kapital", zerstreut sich die Menge. In der Nachtsitzung wird die Abstimmung über die Resolution vorgenommen. Man stimmt nach Mandaten. 32S Stiimnen werden für die Resolution abgegeben, ein Delegierter enthält sich. Wieder bricht donnernder Beifall aus. Der Vorsitzende S e m b a t ruft: Heute ist die Einigkeit besiegelt. Aber Sie haben auch eine Pflicht. Machen Sie sich in ihren Föderationen zum Echo dcS Parteiwillens. Nun legt die Konfliktskommission ihren Bericht vor. Zuerst über den Fall Breton. Sie hat zu keinem Beschluß kommen können. Sem bat beantragt U ebergang zu« Tages- ordnung, was angenommen wird. Man will keinen Mißklang. So bekommt auch B r o u s s e seinen Pardon. Den Ausscklutz dcS Gncsdisten Marius A n d r ö bat die Kommission mangels eines erheblichen Tatbestandes ein st immig abgelehnt. Sem bat schließt den Parteitag mit einem Hochruf auf die sozialistische Internationale. Die Versammlung wiederholt ihn stürmisch und stimmt wiederum das Kampflied de? französischen Proletariats an._ Das IDeStechungslyltern im Saarrevier. (Telegraphischer Bericht.) Saarbrücken, 21. Oktober 08. In der hrungen Sitzung wurde die Vernehmung der Ange- klagten zu Ende geführt.. ES wurde diejenige Gruppe der Ange- klagten vernommen, die den Steigern Geld gegeben hat. Ange- klagte? Bergmann Spaniol soll für den Steiger Thoma gesammelt haben. Der Wirt Jäcker sei zu ihm gekommen und habe ihn aufgefordert. Geld zu sammeln. Auf die Frage, ob er selbst Geld zugegeben habe, verweigerte der Angeklagte die Antwort.— Sachderstandiger Berginspektor Herwig: ES wird immer gesagt. cS fei zwar Geld gesammelt worden. daS fei aber für den„Bcrgmannsfreund" gewesen. Weiter wird gesagt, es sei das Geld gewesen für Schichten, die nicht angeschrieben worden seien. Ich mache dabei darauf aufmerksam, daß es sich dann nur um io geringe Summen handeln kann, daß die regelmäßige Abfllhrnng so hober Betrüge, wie sie hier geschildert worden sind, dadurch nicht gerechtfertigt werden kann. Ich kann mir überhaupt gar nicht denken, wie eine derartige koddrige Wirtschaft so lange Jahre hindurch gedauert haben kann. Mehrere Ange- klagte erklären, daß sehr häufig Schichten nicht angeschriebeu worden seien.—- Sachverständiger Steiger Miiller hält es für gän< ausgeschlossen, daß die Steiger für Bergleute Ausgaben für Effen und Trinken gemacht hätten und diese Aus- gaben ganz eingcsamipelt worden seien. LLenn ein Steiger der- artige Ausgaben machen würde, würde er sie einfach bei der Lohn- Zahlung zurückbehalten.— Mehrere Angeklagte erklären, daß doch gesammelt worden sei.— Bert. Sander: Mehrere Angeklagte haben mir gesagt, daß sehr häufig gesammelt werden mußte si'ir Gezch(Werkzeug), das auf der Grube nicht vorhanden war und das die Bergleute kaufen muhten.— Sackverständiger Steiger Miiller: Ich halte das für absolut ausgeschlossen.— Verteidiger Sander: Dann stelle ich den Antrag, hier die Schlosser zu ver- nehmen, die an die Angeklagten derartige Gezebe geliefert haben. — Bert. N.-A. August: Ich halte diesen Antrag für sehr erheblich. Wenn der Beweis gelingt, dann ist bewiesen, daß die Sachvcrstän. digen nicht genügend orientiert find und nicht die geeignete Quali- fikation für ihr Amt besitzen.— Angeklagter Bergmann Paul givt zu» daß er Geld gesammelt hat?— Bors.: Wer hat ge- sammelt?— Angekl.: Mein Schwiegervater, der auf der Grube beschäftigt war.— Vors.: Wofür wurde gesammelt?— Angekl.: DaS weiß ich nicht.— Bors.: Sie haben doch nicht soviel Geld, daß Sie es einfach wegwerfen können. Sie müssen do h wisse», was für Ausgaben Sie haben. Haben Sie etwa Ihrem Schwieger» Vater nur Geschenke machen wollen?— Angekl.: Ja.(Heiterkeit.) — Der Verteidiger verlangt nunmehr die Vorlegung der Lohn- listen der Angeklagten. auS denen hervorgeht, daß kein einziger Angeklagter höhere Löhne bekam. Also, meint der Verteidiger, können auch die Angeklagten die Steiger nicht zu diesem Zwecke be- stachen haben.— Sack'veisständigcr Berginspektor Herwig: Ich halte diesen Bleweisantrag für unwesentlich. Man kann einem Bergmann nicht nur dadurch Borteile gewähren, daß man ihm einen lphcren Lohn zahlt, sondern auch dadurch, daß man ihn viel weniger arbeiten läßt und trotzdem den gleichen Lohn zahlt.— Angeklagter Bergmann Nikolan» Paul hat Geld gegeben» er kann aber nicht angeben� wofür er ti gegeben hat. Die gleiche Angabe machen eins Reihe anderer Angeklagte.— Mehrere weitere Angeklagte verweigerten überhaupt jede Auskunft -Her machen ganz unbestimmte Angaben und können sich der Vor- gänge, wie sie sagen, nicht mehr erinnern.— Der Angeklagte Maurer Tramber wird vom Vorsitzenden gefragt, ob es richtig fei, daß Bergleute mit der Mütze in der Hand herumgingen und ge- sagt haben, eS würde für die Heiligenwalber Kirche gesammelt.— Angeklagter Tramber: Ich kann mich darauf nicht besinnen. Bei der weiteren Vernehmung der Angeklagten ist der An- geklagte Bergmann Hahn in vollem Umfange geständig. Er gibt zu. Geld gegeben zu haben, um einen besseren Lohn zu erzielen.— Ei» weiterer Angeklagter verweigert jede Auskunft.— Bors.: Sie müssen sich dann ver- gegenwärtigen, welche Schlüsse wir ans diesem Schweigen ziehen. — Bert. Rechtsanwalt Kolon will daraufhin aus den Lohnliste.« des betreffenden Angeklagten feststellen, daß er auch nach der an- geblichen Bestechung nickst einen höheren Lohn erhalten habe.— Vors.: Derartige Ausführungen dürfen Sic nicht machen, wenn der Angesagte seine Aussage verweigert.— Bert. Rechtsanwolt August: Ich bitte dann zu Protokoll zn nehmen, daß Herrn Rechtsanwalt Kolon verweigert worden ist, diese Ausführungen zu machen.— Vors.: Inwiefern sind Sie bei der Sache beteiligt? Sie sind doch nicht der Verteidiger des Angeklagten!— Bert. Rechtsanwalt August: Die Sache ist mit dieser Anklage verbünde«' und wir fühlen uns hier alle solidarisch. Ich beantrage einen Gerichts- beschluß. DaS Gericht lehnt eö ab, dem Verteidiger Kolmv In diesem Augenblick das Wort zu geben, um derartige Feststellungen zu machen.— Auch der Rest der Angeklagten bestreitet, daß sie Geld gegeben haben, um eine humanere Behandlung zu erzielen. Der An- geklagte Steiger Rockenwald, dessen Sache mit der vorliegenden Anklage verbunden«st, bestreitet, daß er sich durch Geldgeschenk» habe bestechen lassen. Wenn er Geld angenommen habe, fo sei das geschehen, um SBtttoen deren Männer verunglückt waren, oder den Verein, dem die meisten Bergleute angehören, zu unterstützen. Damit ist die LZernehmung der Angeklagten beendet. Die Verhandlungen tvcrden morgen. Donnerstag, fortgesetzt. Hu9 der partei Parteiliteratur. Im Verlag von I. H W. D i e tz N a ch f. in S t u t t g a r t ist soeben erschienen:„Der Ursprung des ChristciitumS"» eine historische Uiiterslichimg von Karl Kautöky. XVI und oOO Seiten. Preis broschiert ö M., gebunden 6,75 M. AuS dem Inhalt heben wir hervor: I. Die Persönlichkeit Jesu. 1. Die heidnische» Quellen. 2. Die christlichen Quellen. 3. Der Kampf««in das JeiuSbild.— n. Die Gesellschaft der römischen Kaiserzeit. 1. Die Sklavenwirtschast. L.Staat, Handel und Wucher. 3. Denken und Empfinden der Kaiserzeit.— HI. DaS Judentum. 1. Israel. 2. Das Judeniuin seit dem Exil.— IV. Die Anfänge des Christentums. 1. Die »»christliche Gemeinde. 2. Die christliche MessiaSidee. 3. Juden- christen und Heidenchristen. 4. Die PassionSgeschichte Christi. 6. Die Ennvickelung der Gemeindeorganisation. 6. Christentum und Sozial- demokratie. .Der Ursprung des Christentums" dürfte bei Freund und Feind ein starkes Interesse hervorrnfen. Rein lvisienschafilick gehalten, ist die Arbeit doch allgemein versländckich geschrieben, die Darstellung am ziehend und packend._ Gemeindewahlsieg in Mannheim. Die Stadtverordnetenwahlen der dritten Wählerklasse in Mannheim brachten der Sozialdemokratie einen ganz außer- ord�ntlicken Erfolg. Für die sozialdemokratischen Kandidaten wurden 7000 Stimmen abgegeben, für die Kandidaten des Blocks nur 2100. Während die Sozialdemokratie gegen die Wahlen von 1905 einen Zuwachs von 3101) Stimmen zu verzeichnen hat, erlitt der Block einen erheblichen Rückgang. Parteikonferenz in Bade«. AuS Baden wird uns geschrieben: Am vergangenen Sonntag kand in Karlsruhe eine vom Sandesvorstand eiilbenisene Konferenz statt, au der die Bor- sitzenden der Wahlkreisvereine, die Landtags- abgeordneten, die Vertreter der Parteipresse und die Parteisekretäre teiliiahmen. Tie VormiitogSverband- lungen drehten sich in der Hauptsache darum, ob die Konferenz dem Landesvorstand empfehlen solle, wegen der im Lliober näckstcn JahreS stattfindenden Landtags ivahl jetzt schon einen Auf- ruf zu erlassen, und darin zu erllären, daß der Landes« vorstand die Erklärung der LS süddentscken Delegierten in Nürnberg zu dein Beschluß über die B u d g e t a b st i in m u n g billigt. Die Mehrheit war, lvie daS bei der Zusammensetzung der Konferenz nicht anders erivartet werden konnte, mit diesen Vorschlägen einverstanden. Die Minderheit, deren Hanptlvorlsührer die Genossen Adolf Geck, Eichborn. Lehmann waren, vermochten mit ihren Forderungel«, nichts zit unternehmen, waS als eine Auflehmuig gegen den Siürirbergcr Besckluß gedeutet werden könnte, nicht durchzudringen. Ter Landesvorstand von Baden ist also gedeckt, wenn er die ungeheuere Ungeschicklichkeit begeht, in de» Wahlaufruf eme Streitfrage hinein zu ziehen, deren weitere Erörteruiig die Aktionsfähigkeit der Partei auf daS schwerste bceinträchtigeu muß. Sin solche? Mithineinzerren einer Streitfrage in den Wahlkampf würde neue Anlässe zu schweren Mißstimmungen innerhalb der Kreise der Genosien schassen. Tort,«vo das Wahl- restiltat den Erwartungen der Genossen nicht entspricht, würde man nachher jedenfalls leicht geneigt sein, die Schuld auf� dieie inneren Gegensätze znriickzuführe», die in einem Wahlaufruf der Landes- vorstand besonders zu erwähnen für gut befunden habe. Weiter wurden die in letzter Zeit geführten Preßpolemiken er- örtert und allgemein der Wunsch ausgesprochen, daß diese Polemike» möglichst vermieden, wenn sie aber notwendig erscheinen, sachlich ge- führt werden._ Der Parteiteg für beide Mecklenburg fand am Sonntag und Moniag in R o st o ck statt. DaS Reichs- vereinSgesetz ermöglichte eS, ihn im Lande selbst abzuhalten. Ein Beweis, wie unsagbar reaktionär im Lande Mecklenburg regiert «vird, ist, daß hier daS Reichsvereinsgesetz befreiend wirkt. Der Parteitag war von über 30 Delegierten besticht. Der Parteivorstand hatte den Genossen Molke nbuhr entsandt, der in einer Bc- grüßungsrede darauf hinwies, welcher Aufgaben des klassenbelvnßten Proletariats in der Jetztzeit harren: eS gelte die.Sozialpoliii!" und die.Finairzreform" beslimmend zu beeinflussen durch Auf» rüttelnng der Massen.— Der Bericht des Landes- Vorstandes zeigt ein erfreuliches Anivachsen der Parteiorgani- sationen— und— trotz der Wirtickastslrise— bat sich auch daS ZeitungSiinternebinen gekräiiigt. Der Parteitag setzte auch daS Statut für die Landesorganisation fest. Die geplante Steuerattacke behandelte ein Referat des Genossen L ü t h- Hainburg. Nach lebhafter Diskussion fand eine Resolution Annahme, die gegen die Einführung neuer indirekter Steuern pro- testiert. Genosse Dr. H e r z f e l d- Berlin besprach die m e ck l e n- burgische Verfassungsfrage und verwies u. a. darauf, daß der Reformeifer der Negierung sofort zu Ende sein würde, wenn etiva die geplante Reichsfinniizreform die gesinndeten Matriktilar- beitrage der Bundesstaaten niederschlagen und so eine finanzielle Sorge der mecklenburgischen Regierung beseitigen würde. pollzeUichts, OtrlchtUcheo ufw. Ein Freispnich. Vor dem Schwurgericht in Karlsruhe hattt sich Genosse Weißmann voin.Volksfreund" wegen Militär- beleidig», ig zr, verantworten. Ende Februar dieses Jahres ver- öffentlicht, unser Karlsruher Parteiblatt den Brief cincS Soldaten, worin mitgeteilt wurde, daß Feldwebel K e m n, e r l i n g von dem in Straßburg i. E. garnisonierenden badischen Fußariillerieregiment Nr. 14 am 1. Oktober 1907 zur 7. Kompagnie versetzt worden sei und daß seit dieser Zeit eine Soldaten Mißhandlung der anderen folge. AnSschreitimgen deS Feldwebels, von dem noch berichtet wllrde, daß er bereits früher wegen seiner Prügellust mit vier Woche» Fcstling bestraft worden sei. wurden dann im einzelllen geschildert. Die Folge dieser Veröffentlichungen war ein Straf- antrag gegen de».VolkSfreiind", der aber in der Gerichts- verhandlniig vom 20. Ollober nicht zu dem vom Militärkominando gewümchten Erfolg führte. Denn die ZengenanSsagen waren so b e l a st e n d für den Feldwebel Keminerlnig, daß die Geschivorenci' sämtliche Schuldfragen verneinten. Genosse Weiß- mann wurde daraufhin freigesprochen. Die Presse vor der RevisiollSinflanz. Wegen Beleidigung des Bürgermeisters und der Polizei Von Hamborn— es handelt sich um die bekannte Polizeischlacht wider wehrlose Bergleute nni Dahnhofe! die Kritik deS polizeilichen Bor- gehenS hat auch dem Genossen Weber vom.Vorwärts" einen Monat Gefängnis eingetragen— wurde seinerzeit Genosse Thielhorn von der.Niederrhein. Arbeiterzeitung' zu DuiS» bürg durch daS Landgericht Dui-burg zu sechs Wochen Ge» f S n g n i S veruneilt. DaS Reichsgericht verwarf am 20. Ollober di« Revision ThielhornS._ Hirn Industrie und Kandel. Im Zeichen der Krise. Deutschlands Anßcnhandelszissern sowohl als auch die letzten ProbuktionSnachweise sind sprechende Belege für die herrschende Soziales. Rolonnenarbeit. Die 50 Bf. niedrigeren Preis pro 1000 Steine anzugeben, als sie ihn verabredet hatten. Sie bestritten die Absicht einer unrechtmäßigen Geminnerzielung und sollen auch inzwischen vom Strafrichter freigesprochen fein. Das Gewerbegericht- Stammer 3- ftellte sich auf den Standpunkt, daß der mit dem Bauunternehmer verabredete Affordpreis seitens der Kolonnenfübrer namens der Kolonne vereinbart werde und Arife. Im September b. J. war die Einfuhr an oheisen auf ist zu berüidsichtigen, daß die jungen Saaten infolge von Trodenbeit| Es liege barim auch ein Grund vor, den subjektiven Angaben 270 888 Doppelzentner gefunden, von 354 208 Doppelzentner in der in vielen Fällen erst lüdenhaft aufgegangen sind. Mancherorts der Selägerin den Glauben zu versagen. Das Gericht fam auf Grund der Gutachten zur Ver gleichen Periode des Vorjahres; dazu stieg die Ausfuhr von 132 581 baben die Schädlinge derart überhand genommen, daß man aus Doppelzentner auf 251 941 Doppelzentner und die Halbzeugausfuhr Besorgnis vor ihren Verwüstungen mit dem Einbringen der jungen urteilung der Firma, 153 M. Restgehalt zu zahlen. Saat zögerte. Arbeitsunfähigkeit müsse nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme schnellte von 138 147 Doppelzentner auf 555 408 Doppelzentner als festgestellt gelten. hinauf. Andererseits ließ der Wettbewerb auf dem Weltmarkt die Betroleumgewinnung der Welt. Nach einer ruffischen Quelle Ausfuhr an weiterverarbeiteten Materialien in der früheren Höhe beträgt die Petroleumgewinnung der Welt für das Jahr 1907 Von nicht aufrecht erhalten. Der Export von Trägern, der im Vorjahre 2332 Millionen Pud oder 381,98 Millionen Doppelzentner. In dem Prozeß gegen die Kolonnenführer Otto und Nordmann, 404 384 Coppelzentner ausmachte, schmola auf 295 881 Doppel- den 2332 Millionen Bud entfallen 1562 auf Amerifa, 516 auf Ruß gentner zusammen und bei Eisenbahnmaterialien ging die an das land, 69 auf Rumänien, 68 auf Galizien, 65 auf Niederländisch den die Mitglieder ihrer früheren Maurer- Affordfolonne wegen unJudien, 37 auf Britisch- Judien und 15 auf Japan. Während in genügender Beteiligung am Affordverdienst angeftrengt hatten, ist Ausland gelieferte Menge von 697 550 Doppelzentner auf 412 129 allen Ländern die Petroleumgewinnung steigend ist, ist sie in Ruß es am Mittwoch vor dem Gewerbegericht zum Urteil gekommen. Doppelzentner zurüd. Das mit diesen Zahlen gezeichnete Bild er land seit 1901 im Ridgang begriffen, wenn auch der Tiefpunkt seit Ueber die Sache selbst und über die grundfägliche Stellung des hält eine dunkele Koloratur durch folgende Angaben: Der Wert der 1905 wieder verlassen ist. Im Jahre 1901 lieferte Rußland nicht Gerichts haben wir seinerzeit eingehend berichtet. Wie das öfter bei Einfuhr landwirtschaftlicher Erzeugnisse in der Zeit vom 1. Januar weniger als 52 Pro3., 1907 beträgt der Anteil Rußlands an der Maurer- Akkorden vorkommen soll, hatten sich die Kolonnenführer aus bis September 1908 stellt auf rund 3823 Millionen Mart, das heißt Weltgewinnung nur noch 22 Broz. Seit 1901 ist in allen anderen Rücksicht auf die Vertragserfüllung gegen den Bauunter um rund 283 Millionen Mark niedriger als in der Parallel Gewinnungsländern der Petroleumgewinn relativ sehr fräftig genehmer dazu verstanden, den Kolonnenmitgliedern einen um zeit des Vorjahres. In der gleichen Zeit wuchs der Wert wachsen. der Ausfuhr an Agrarprodukten von 762 Millionen Mark auf 818 Millionen Mart. Vom Januar bis September wurden im laufenden Jahre an foffilen und mineralischen Rohstoffen 265 378 218 Doppelzentner eingeführt, gegen 286 424 039 Doppelzentner im Vor jahre; die Ausfuhr in diesen Produkten berechnet sich für 1908 auf 242 444 785 Doppelzentner gegen 244 241 803 Doppelzentner im Jahre 1907. Und der Rahmen zum Ganzen sieht so aus: Der Versand des Stahlwerksverbandes in den Monaten August und September betrug in Produlfen 805 767 Tonnen, während im Vorjahre eine Versendung von 941 092 Tonnen zu verzeichnen war. Die deutsche Hochofengewinnung stellt sich für die Zeit von Januar bis September 1908 auf 8 924 665 Tonnen, gegen 9 688 484 Tonnen in derfelben Zeit 1907. Der rechnungsmäßige Absatz des RheinischWestfälischen Kohlensyndikats, der im September 1907 pro Arbeitstag 227 173 Tonnen betrug, ist im September d. J. auf 219 655 Tonnen arbeitstäglich gefunden. Und fowohl vom Stohlenmarkt als auch aus der Eisenindustrie wird über weitere Abschwächung im Oftober berichtet. Wie die Stöln. 8tg." erfährt, soll in der nächsten Bechenbesigerversammlung des Rheinisch- Westfälichen Kohlensyndikats eine weitere Herabfezung der Beteiligungsziffer beschloffen werden. Am Eingang des Winters Einschränkung der Kohlenförderung, das läßt auf böse Berhältnisse schließen. Rentabilität von Mälzereien. Betriebsunfälle und Berufskrankheiten. Bur Reform der Arbeiterversicherungsgefete äußerte fich auf dem Zentrumsparteitage für die Regierungsbezirke der Verdienstberechnung der Kolonnenmitglieder au Grunde zu legen Köln und Düsseldorf, der am Sonntag in Neuß stattfand, der Ab- fei. Wegen der Aufmessung durch einen Sachverständigen, der BerGefahr h und wegen anderer Schwierigkeiten konnte erst jetzt die Entscheidung geordnete Giesberts. Er wies dabei auf eine Gefahr hin, die nehmung von Zeugen, die zum Teil nach auswärts gegangen waren, erfolgen. Ein Teil der Kläger mußte abgewiefen mit dieser Reform bertuspft fei. Man strebe dahin, bei den Krankenkaffen die Zweidrittel- Arbeitermehrheit zu befeitigen werden, weil sie nach den Feststellungen und Berechnungen schon zu und zu bestimmen, daß die Arbeiter zwar nur die Hälfte der Kosten viel erhalten hatten. Verurteilt wurden dagegen die beiden tragen, dafür aber auch den Vorstand nur zur Hälfte befegen iollen. Beklagten, gemäß Anerkenntnis an 10 Maurer als Nachschuß be= Die Kassenvorsteher sollen nicht mehr gewählt, sondern von den Ge- stimmte Beträge zwischen 7 M. und 28 M.( je nach der Zahl der meinden angestellt werden; wir erhielten danach also fommunale Arbeitsstunden), im ganzen etiva 157 M. zu zahlen. Ob sie bon Strankenkassen. Eine solche Bureaukratisierung der Krankenkassen fönne denen, die zu viel erhalten hatten, das Pius zurückfordern wollen. man nicht wünschen. Die Regierung sage, man wolle es der Sozials muß den Beklagten überlassen bleiben. demokratie unmöglich machen, die Kafien parteipolitisch auszu nutzen. Hier und da möge ein solcher Mißbrauch stattgefunden haben, aber die Gerechtigkeit erfordere es, ans zuerkennen, daß die von Sozialdemokraten ber walteten Rafien in ihren Leistungen nicht Für die hygienische und rechtliche Verwaltung von Industrie zurück stehen gegen andere ranfenfassen. Einer betrieben ist der Unterschied zwischen Berufskrankheit und Be Ausnngung zu parteipolitischen Zweden würde ein wirksamer Riegel triebsunfall ein sehr wesentlicher. Kürzlich hat Professor Frankes vorgeschoben werden, wenn für die Vertreterwahlen die Ver Berlin in einem Vortrag einige wertvolle Gesichtspunkte dieses hältniswahl festgesetzt würde. Dann würde es einer Rückwärts- Gebietes festgestellt. Er wünscht die erwähnten beiden Arten verrevidierung der Versicherungsgesetze nicht bedürfen. Die Arbeiter ficherungsrechtlich getrennt behandelt zu sehen, gibt jedoch zu, daß Tegen Wert darauf, daß ihnen von den gewährten Rechten nichts es ein Grenzgebiet gibt, in dem eine scharfe Trennung unmöglich wird. Dieses Grenzgebiet foll nach Tunlichkeit eingeschränkt genommen wird. Es wäre gut, wenn die Zentrumspresse, in deren Spalten werden. So sind zum Beispiel Vergiftungen ebenso wie Wurmfrankheit und Milzbrand als Betriebsunfälle anzusehen. Jedendas Märchen von der parteipolitischen Ausnutzung der Krantenfaffen falls ift alle Sorgfalt aufzuwenden, um sowohl Berufskrankheiten durch die Sozialdemokratie oft genug zu finden ist, das Urteil wie Betriebsunfälle möglichst einzuschränken bezw. ihnen vor. des Abgeordneten Giesberts merken wollte. Da aber in der zubeugen. Bei der Untersuchung sollen obligatorisch Arbeiter. Zentrumspartei und Bentrumspreffe die Richtung die Oberhand hat vertreter und Aerzte zugezogen werden. Was im besonderen die die aufs schärfste für Unterdrückung der Rechte der Arbeiterklasse ein- Berufskrankheiten in Deutschland anlangt, so sind, wie aus den tritt und den Arbeiterabgeordneten nur des Eindrucs nach außen statistischen Angaben der Berichte der Gewerbeaufsichtsbeamten hin ab und zu gestattet wird, mal den Verhältnissen entsprechend zu hervorgeht, in den letzten Jahren immer noch die Bleivergiftungen Bei den kleineren Attienmälzereien find die Dividenden zum reden, so neigen wir weit mehr zu der Ansicht hin, daß die die häufigsten. In einer ganzen Reihe von Betrieben wie BleiTeil noch stärker gestiegen; so brachte die Mälzerei- Aktiengesellschaft farbenfabriken, Bleihütten, Zinthütten, Affumulatoren, und Ofenin Hamburg, die im vorigen Geschäftsjahre gar keine Dividende Bentrumspresse und Zentrumsfraktion lieber die Verdächtigungen fabriten, bei Malern, Anstreichern, in der Glasmalerei, in chromoberteilt hatte, in diesem Jahre 8 Proz. zur Ausschüttung. Die wiederfäuen werden, wie sie von den Reichsverbandsligenbolden, den lithographischen Anstalten usw. ist leider noch vielfach Gelegenheit Aftien Mal fabrit Eisleben, die 1906/07 erft 7 Bros. verteilt hatte, Scharfmachern vom Geiste des Zentralverbandes der deutschen au Erkrankungen vorhanden. Ein gutes Mittel ist die schwefel gab in diesem Jahre 8% Proz. Die Thüringer Malzfabrik in Industriellen und von Mugdan und Genossen fo gern verbreitet haltige Keraminseife zur Händereinigung. Man versucht auch blei Schloß Thamsbrück erhöhte zwar ihre Dividende nicht, berteilte aber werden und während der Beratung der Krankenkassennovelle im freie Ersatzmittel bei gewissen Arbeiten, z. B. bei Gasrohr-wie im Vorjahre wieder 10 Broz. Ueberhaupt verzinsen die Jahre 1908 auch von der Regierung aus verbreitet sind. Damals dichtungen zu verwenden, doch sind gerade hier noch keine Erfolge deutschen Aktienmälzereien ihr Kapital ziemlich hoch; unter 5 Proz. Dividende verteilt nur eine Gesellschaft, und zwar die Thüringer Malzfabrik in Sangerhausen, die wie 1907 wieder 2 Proz. auss fchlittete. Mit Verlust arbeitete im legten Geschäftsjahre Leine der Aftienmälzereien; felbft die Aftienmälzerei in Soest i. W., die wie im Vorjahre feine Dividende gab, hatte Gewinn, den fie aber für andere Zwecke verwandte. Die Thüringer Malzfabrit, die 10 Broz. in beiden Jahren verteilte, verwendete einen hohen Prozentsaz ihres Gewinns für Rüdstellungen. Die Aftienmälzereien haben im legten Geschäftsjahr fehr günstige Erträgnisse gebracht. Greift man einige der größten Attienmälzereien heraus, so ergibt sich folgendes Bild. Es betrug: Dividende in Alt.- Kapital in Prozent 1000 M. 1906/07 1907/08 10 Attien Malzfabrik Könnern 1152 11 Hallesche Landsberg Reinide u. Co. 1.000 6 9 1 200 5 3 Altien Malzfabrit Sangerhausen. 630 9 6 10% Saatenftand in Preußen. nahmen auch der Abgeordnete Trimborn und seine Freunde eine gegen die Selbstverwaltung der Krankenkassen gerichtete, wenn auch verhüllte Stellung ein. Hoffentlich sind sie durch die maffenhaft inzwischen ergangenen Urteile belehrt, welche darlegen, daß nicht die Kaffenvorstände, sondern Aufsichtsbehörden und Aerztéberbände das Gefes verlegt und die Rechte der Arbeiter terrorisiert hatten. erzielt worden. Sehr selten sind die Fälle von Phosphornetroje Die Braunsteinmüller- Strantheit wurde nur einmal beobachtet. geworden. Im Jahre 1904 gab es in Deutschland nur vier solche. Minder günstig liegen die Verhältnisse in Thomasschladenmühlen. Ein nicht unerheblicher Prozentsatz der Arbeiterschaft wird von Lungenentzündungen dahingerafft. Die gleiche Strankheit trat auch häufig bei der elektrischen Chlorgewinnung ein, doch ist sie durch Ersatz der Kohleelektroden durch Magnetitelektroden angeblich verschwunden. Außerdem werden nachstehende Vergiftungen ber Gerichtlich festgestellte Unterernährung der Arbeiterklasse. zeichnet: durch Anilin( 4 Fälle), durch Benzin( 3 Fälle), SchwefelMit einem nicht alltäglichen Fall von Arbeitsunfähigkeit hotte tohlenstoff( 1 Fall), Nitrosegase( 2 Fälle), Phosgen( 1 Fally), sich die dritte Kammer des Berliner Kaufmannsgericht zu Sohlensäure( 2 Fälle), Schwefelwasserstoff( 1 Fall), sowie mehrere Nach den Berichten der landwirtschaftlichen Vertrauensmänner beschäftigen. Die Klägerin B. war Verkäuferin im befälle durch Sauggas, Waffergas, Kohlenoryd, Leuchtgas und die ergibt sich für Mitte Dftober folgendes Bild:( 2 bedeutet gut, 3 mittel, lagten Barenhause Jandorf u. Co. Sie verbrachte Gafe einer Affumulatorenbatterie. Zudem wurden mehrere Fälle 4 gering) Startoffeln 2,6( im Oftober 1907 2,8), Buderrüben 3,0( 2,8), einen ihr Ende Juni d. J. erteilten Urlaub bei ihren Eltern in von Durchbohrungen der Nasenscheidemand bei Alfalichromarbeitern Weizen 2,8( 2,5), Spela 2,1( 2,4), Roggen 2,7( 2,5), Raps und Rübsen Kottbus. Während ihres dortigen Urlaubsaufenthaltes will die und„ Chromgeschwüre" bei Chromgerbern beobachtet. Haute 2,4( 2,4). Selägerin an Reurasthenie erfrantt fein. Sie fandte der Firma auch erkrankungen gab es bei Waltern, Färbern und Bleichern, Möbel. In den Bemerkungen der Statistischen Korrespondeng beigt es, ein attest des praktischen Arztes Dr. G., in welchem ihr Arbeits- polierern, sowie in der Sicherheitszündhölzchen, Schweinfurter auger der schon drei Wochen dauernden allgemeinen Trodenheit haben umfähigteit infolge allgemeiner Mattigkeit bescheinigt wurde. grün- und Chininfabrikation. manche Striche auch bor dieser Beit nur wenig Befeuchtung er- Die Beklagte fab indessen die Testierung des Arztes nicht halten, so daß Feuchtigkeitsmangel hier bei Bestellungsarbeiten als ausreichend an und fprach die sofortige Entaffung ganz besonders nachteilig wirft. Für die zur Einerntung auf den der Klägerin aus. Letztere wurde darauf von dem Spezialund Darmkrankheiten Dr. W. Feldern gebliebenen Neste von Safer, Klee und Luzerne war das arzt für Magen Better fo günftig wie möglich. Ebenfo konnte die im Vormonate nachuntersucht, und sowohl diefem wie auch dem eingangs begonnene Startoffelernte ununterbrochen fortgefeßt, teilweise fchon erwähnten Dr. G. war in der Verhandlung Gelegenheit gegeben, fich erledigt werden. Infolge der recht ungünstigen Witterungsüber den Krautheitsfall gutachtlich zu äußern. Die Firma ist der verhältnisse des Frühjahres werden Kartoffeln sehr ber- Ansicht, daß der Klängerin der Urlaub so gut geschmeckt hat, daß fie fchieden beurteilt. Zur Saat beschaffte neue Sorten liefern eine Stranfheit simulierte, um auf diese Weise eie Urlaubszeit eigen Lettere mächtig zu verlängern. Während sich Dr. G. auf sein Attest beruft Memel, Silkt jedoch beffere Erträge als die alten abgebauten. von Krankheiten befallen werden jollen auch eher als und hervorhebt, daß er der Klägerin eine 14tägige Ruhe anempfahl, Bregel, Insterburg erstere. Das Gesamtergebnis ist ein überaus günstiges, das begutachtet der Spezialarzt, daß er sich ein abschließendes Weichiel, Thorn Dder, Ratibor hauptsächlich auf den günstigeren Stand der sieben östlichen Bros Urteil im Hinblick auf die nur einmalige Untersuchung der Patientin vinzen und deren bedeutend umfangreicheren Kartoffelbau zurüde awar versagen müsse, daß aber die Patientin alle typischen Frankfurt zuführen ist. Recht schwierig und nicht ohne Verlust vollzieht sich 3eichen des schlecht genährten Mädchens gezeigt habe. Barthe, Scrimm bagegen das Ausheben der Zuckerrüben, daß jest in vollem Gange Er fonstatierte eine Senfung des Magens und der Niere. Die ift. Die im Vormonate auf Eintritt wärmerer Witterung Diagnose müffe denmach auf Neurose lauten. Wie überhaupt Neurofen Rege, Bordamm gefegte Hoffnung einer gedeihlichen Weiterentwide lung der jegt in der Arbeiterbebölferung, anßerordentlich 15e. Leitmeris Rüben ging nicht in Erfüllung. Gleich ungünstig wirkte verbreitet seien. Die Beschwerden bei derartiger Erkrankung die Trockenheit auf die Bestellung der Neder zur Winter feien ganz individuell; mancher laufe mit schwerer Neurofe faat, die nur bezüglich des Roggens auf verhältnismäßig monatelang herum, ohne viel zu verspüren, während andere schon nicht vielen Wirtschaften als erledigt angesehen werden kann. Auch im Anfangsstadium der Krankheit davon hart mitgenommen werden. noch Wafferstands.Nachrichten ber Landesanstalt für Gewäfferfunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Bafferstand Stroffen Bafferftand Saale, Grochlik Havel, Spandau) Rathenow³) Beeslow am felt 20.10 19.10. ст cm³) 70 83-1 am feit 20.10. 19. 10. cm cm ¹) 124-5 -24+1 56 0 28+6 90 Spree, Spremberg³) 72 74 67 88 Beser, Münden -115 23 -38 Landsberg 7 -62 -183 Rhein, Marimiliansau 314 Raub 134 Stöln 116 Redar, Heilbronn 29 35+2 Main, Wertheim 102 62-7 Mofel. Trier 19 5) Unterbegel. 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Blatt. für Köln, Ohmstr. 8. 23166 Wegen Streiks und Differenzen find gesperrt: Vermietungen. Wohnungen. 20546* für Bodenleger die Bauten der Firma Vogel in Charlottenburg und Kamptmeyer Zwischen meifter Kubig in Moabit. für Korbmacher Firma Kaniga in Lichtenberg; Reichert in Marzahn; Schmidt, Dresdener Straße 82. Br. 248. 25. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Donnerstag, 22. Oktober 1908. Partei- Angelegenheiten. Gewerbegerichtswahl. Unsere Parteigenossen, welche Arbeitgeber find, machen tvir nochmals darauf aufmerksam, für ihre Aufnahme in die Wählerliste zu sorgen. abend erspart bleiben möge.. feiner vielseitigsten und abschredendsten Gestalt. Sier im Massen- gebäude des Zentralfriedhofes in Friedrichsfelde, eine Feuer quartier des Siechtums stürmten mit Algewalt ganz andere Ge- wache am Schillerpark und eine Anzahl Erweiterungsdanken auf mich ein, die Erkenntnis, daß gleich aller Natur auch bauten. Unsere Genossen in der Deputation ersuchten den der schwache Mensch einen Kreislauf vollendet, im Greifenalter Stadtbaurat, angesichts der durch die wirtschaftliche Krisis wieder zum Kinde wird. Und es beschlich mich der glühende winter noch zunehmen werde, dahin zu wirfen, daß ohne Beit hervorgerufenen Arbeitslosigkeit, die erfahrungsgemäß zum Wunsch, daß mir, so gern ich ins Sonnenlicht blice, folcher Lebens- veriäumnis alle Vorarbeiten zu den in Angriff zu nehmenden inter noch zunehmen werde, dahin zu wirfen, daß ohne Beits Bauten beschleunigt werden. Der Baurat versprach, alles zu tun, Wähler find alle Arbeitgeber, welche Bon außen siehts großartig aus. Die moderne Gefellschafts- was in seinen Kräften stehe, um den Forigang der Bauten au bauernd oder zeitweilig jemand beschäfordnung versteht es ausgezeichnet, das Maffenelend zu übermalen fördern, da er felbst auch die Frage fehr einst nehe. tigen, zur Krantentaffe gemeldet und Bei mit goldigen Farben und das Wasserfüppchen der sicchen Armut mit Die Verwendung von Bleiweiß auf städtischen Vanter, die durch träge zu derselben entrichtet haben. Fettangen zu besprigen. Eicher die Hälfte derer, für die hier fern Bautenkontrolle des Verbandes der Maler festgestellt worde. war, Es wählen also auch Gastwirte, welche einen An- von den Ihrigen der Tod eine Erlösung ist, fönnte das Alter ohne gab unferen Genossen Veranlassung, auf die Gefahr für Gesundheit geftelten oder Angestellte gewerblich beschäftigen und hier- Gnadenbrot genießen, wenn nicht die Macht unserer Staatsverhält- und Leben des mit Verarbeitung dieser Bleifarbe beauftragten nisse sich an ihnen versündigt hätte. Ein Glück, daß die meisten ihr Giftfarbe zum Opfer. Nach dem letzten Bericht der Ortskrankenkasse für Beiträge zur Strankenkasse leisten. Arbeiters hinzuweisen. Alljährlich fällt eine Anzahl Arbeiter dieser Mitglieder einer Zwangsinnung wählen nicht. Unglüd faum fennen. Es sind große Kinder, die das Gehen und starben von 72 Mitgliedern 13 infolge Bleivergiftung. Das Verbot Die Gesuche um Aufnahme in die Liste sind an das Wahl- Denken längst wieder verlernt haben. Da liegen sie zu Hunderten der Bleiweißverwendung tue dringend not. Bis jetzt bestehe jedoch nur bureau des Magistrats, Berlin, Poststr. 16 II, zu richten. in den einfachen eisernen Bettgestellen, menschliche Wracks. eine Bundesratsverordnung, die der Bleivergiftung vorbeugen solle, Wer also noch feine Benachrichtigung eru nichts mehr mute auf der Welt als zum Untergeben. Wie aber auch diese, obgleich nur geringe Anforderungen an den Unterhalten, daß er äbler ist, tue feine Pflicht unendlich viel Schönheit und Geist da lebendig begraben ist! nehmer stellend, wie Lieferung von Seife, Bürsten und Handtüchern, und beantrage fofort seine Aufnahme in die hier und da macht mich meine Führerin auf befonders markante werde von den Malermeistern nicht eingehalten. Es müsse deshalb Lifte. den Bauinspektionen zur Pflicht gemacht werden, zum mindeſten berhuzelte auf die strenge Einhaltung der Bundesratsverordnung zu halten. Die Deputation beichloß. die Bauinspektionen anzuhalten, bei Bergebung von Malerarbeiten die Unternehmer auf die Bundesratsverordnung betreffend Bleiweißverarbeitung aufmertiam zumachen, mit dem inweis, daß bei Nichteinhaltung derfelben, fie aus der Unternehmerliste gestrichen würden. Ausschuß für Aenderung der Submissionsbedingungen auf Verbot Unsere Genossen werden weiter einen Antrag in dem eingesetzten der Bleiweißverwendung auf städtischen Bauten stellen. Der Byzantinismus Das Verbands- Bureau. Reinidendorf- Oft. Heute abend 8% Uhr findet der jegt für Männer und Frauen gemeinschaftliche Leieabend des Wahlvereins bei Gründer, Soppestraße 24, statt. Reinickendorf- Weft. Heute abend 8% Uhr findet bei W. Otto, Berliner Str. 113-114, die Mitgliederversammlung des Bahlvereins statt. Tagesordnung: Bericht vom Parteitag. Referent: Genosse Denger. Diskussion. Bereinsangelegenheiten. Verschiedenes. Witgliedsbuch legitimiert. Cas Was? blöde, Persönlichkeiten aufmeitfam. Frauchen, das mit dem Hegengesicht, war eine gefeierte Schau spielerin? Und die da drüben im Eckbett am sonnigen Fenster einst die juwelenbeladene Gattin eines Mannes, der über Hunderttausende gebot? Von der schimmernden Höhe des Ruhms und des Reich tums sind sie niedergestiegen zur Schwelle der Armut. Eine dritte im ichlohweißen Haar verleugnet auch hier nicht ihre vornehme Geburt. Reise stößt mich meine Begleiterin an, weist auf den adeligen Namen zu Häupten des Bettes. Eine Nose unter den Disteln! Mit der Harinädigkeit des Alters meint sie es wenigstens zu sein und ist doch in ihrem findischen Adelsstolz hier noch weniger Briz- Buckow. Sonnabendabend 81%, Uhr findet im Landhaus, wie die übervielen anderen aus dem Volte... eine Fremde. Und feierte anfäßlich der gestrigen Einzugsfeierlichkeiten wahre Drgien, Chauffeeftr. 97, das erbstfest des fozialdemokratischen Wahl die Angehörigen?" frage ich gespannt. Laffen sich nicht bliden". Die bürgerliche Presse brachte fpaltenlange Berichte und Leitartikel vereins statt. Billetts a 25 Pf. find bei den Mitgliedern zu haben. wird mir lafonisch geantwortet, wie bei den meisten hier im- Berüber, bas Ereignis im Kaiserhause". Natürlich wiederholt sie diese Der Vorstand. wefungsheim." Alio verbraucht... vergessen. Mich fröftelt's. In der Bauchrutscherei bei jeder Gelegenheit. Spotten ihrer selbst und wissen Trebbin. Am Sonnabend, den 24. Oktober, abends 8 Uhr. Tat ist nirgends in öffentlichen Anstalten der Besuch so verhältnis nicht wie! Unter den Linden standen sich die Spurrapatrioten die finder bei Wolf eine Wahivereinsversammlung statt. Tagesordnung: mäßig spärlich als in den Altersversorgungshäusern. Das ist auch Aufnahme neuer Mitglieder. Abrechnung vom III. Quartal. Parteitagsbericht. Parteiangelegenheiten. Verschiedenes. so eine schwache Seite der Großstadtmenschen. Sie alle, die damit gemeint find, schügen als Entschuldigung vor, daß der Bater oder die Mutter, die betagte Schwester oder der halb verblödete Bruder sie ja doch nicht mehr fennen und daß es ihnen eine Seelenfolter fei, diese armen Menschen zu sehen. Hand aufs Herz, ihr zärt lichen Anverwandten, spricht da nicht viel mehr eine große Portion Egoismus mit? Schämt ihr euch nicht, den Vater und die Mutter mit der euch fremden Kindesliebe zu verleugneu? Mit brennenden Lettern schreibt euch ins harte Hera das alte wahre Wort, daß eine Mutter zehn Kinder durch die Welt bringt, aber zehn Kinder nicht für eine Mutter forgen fönnen. Mir wurden hier viele Dußende von siechen Männern und Frauen gezeigt, um die fich feit Jahr und Tag fein Anverwandter mehr gekümmert hat. Sie leben nicht, fie begetieren nur, sterben an Körper und Geist langsam ab, erleiden einen tausendfachen Tod. Aber ich sah auch Arbeiter und Arbeiterfrauen, die während der Besuchszeit im Sonntagsstaat mit innigfter Liebe ihre fiechen Angehörigen hegten und pflegten, die felben Angehörigen, die für diese rührende Liebe so gut wie fein Verständnis mehr besitzen. Nicht Dant wird hier begehrt, nicht Anerkennung. Nur das Bewußtsein treuer Pflichtetfüllung ist die ehrliche Richtichnur. Berliner Nachrichten. Beine in den Bauch, bis sie eine alte Galatutsche faben, vor der fie Hurra brüllten. Unnötige Stonkurrenz machten sich die vielen Musikfapellen der Innungen. Hörte eine auf heil Dir im Siegerfrang" zu spielen, fing die andere an„ Deinschland, Deutschland über alles" zu sammettern. Vielleicht wollten sich die Musiker zu tun machen, Samit sie etwas warm wurden. Daß natürlich das werftätige Berlin unter den strengen Absperrungen fehr litt, bedarf feines weiteren Hinweises. Tod hat gestern der Kutscher Franz Korkow aus der GosanderUnter einem umgestürzten Wagen erbrückt. Einen schrecklichen Tod hat gestern der Kutscher Franz Korkow aus der Gofanderder Firma Stobwasser u. Co. nach Charlottenburg transportieren fstraße 12 gefunden. K. hatte einen großen Petroleumbafsinwagen mersdorf fuhr, blieb eines der Räder in der Weiche der Straßensollen. Als er mit dem Fuhrwerk über den Fasanenplay in Wilmersdorf fuhr, blieb eines der Räder in der Weiche der Straßenbrach es von der Achse. Der schivere Wagen stürzte dadurch nach bahngleise stecken und infolge des heftigen Anziehens der Pferde der Seite um und K. wurde unglücklicherweise bom Bock heruntergeschleudert. Er stürzte derartig auf den Fahrdamm, daß die geschleudert. Er stürzte derartig auf den Fahrdamm, daß die ganze Laft des umgefippten Wagens auf ihn zu liegen fam. Der Bebauernswerte wurde auf der Stelle erbrüdt. Die herbeigerufene ganze Laft des umgefippten Wagens auf ihn zu liegen kam. Der Feuerwehr tonnte nur noch die Leiche des Mannes unter dem Fuhrwerk hervorziehen. Die Leiche des Verunglückten wurde vorläufig nach der Balle des nahen Friedhofes gebracht. wurde. Die öffentliche Bibliothek und Lesehalle, die bisher in der Alexandrinenstr. 26 untergebracht war, ist gestern im neuen Heim, Adalbertstr. 41 eröffnet und der öffentlichen Benugung übergeben worden. Das Institut ist vor etwa 9 Jahren aus privaten Mitteln des Genossen Stadtverordneten Hugo Heimann gegründet worden und wird auch heute noch von dem hochherzigen Spender unterhalten. Das Institut soll insbesondere den gewerblichen Arbeitern Berlins neben den städtischen Volksbibliotheken, die nebenbei bemerkt, manchen Schund mitschleppen, eine leicht zugängliche Bildungsstätte bieten und diesem Zweck wird das Unternehmen auch voll und ganz gerecht. Auf allen Gebieten, auf denen der Belehrung sowohl, wie denen der Unterhaltung, ist reich liche Auswahl vorhanden und es wird fortgesetzt dafür Sorge getragen, diese Auswahl auf dem Gebiete der Naturwissen schaft, der Geschichte, der Volkswirtschaft, der Gewerbekunde Neben den düsteren Bildern werde ich auch manches weniger neben der schönen Literatur zu vergrößern. Die Ausleih- Ergreifende gewahr. Alles stirbt hier mal aus, bloß der Humor Wegen Arbeitslofigkeit in ben Tod gegangen ist der Fensterbedingungen find äußerst fulante. Jedermann, der sich ent- nicht, freilich eine bitterböse Sorte Galgenhumor. Manche der puter Julius Müller. Der Lebensmüde, der in letzter Zeit wohfprechend legitimiert durch sein Verbandsbuch, polizeiliche alten Frauchen, die am Krüdstod über die Diele humpeln, haben im nungslos war, ertränkte sich in der Spree. Seine Leiche wurde Anmeldung, erhält Bücher geliehen und zwar unentgeltlich. ungebrochenen Geift einen sprühenden Wiz fißen, um den sie ein am Mühlendamm geborgen und nach dem Schauhause gebracht. Die Leiche einer Unbekannten wurde am Weigandufer aus Ein besonders eingerichtetes Nummernsystem erleichtert dem Lustspieldichter beneiden könnte. Es ist das einzig verföhnende dem Schiffahrtskanal gelandet. Die Tote, die einen Trauring am Entleiher festzustellen, ob das gewünschte Buch noch in der Moment inmitten des fafcrnierten Elends. Eine einundneunzig Finger trug, hat etwa acht Tage hindurch im Wasser gelegen. In Bibliothek vorhanden oder ob es bereits ausgeliehen ist. jährige Bastorstochter beteuert ungefragt mit drolligem Ernst jedem, der Kleidertasche wurde ein schwarzes Klappportemonnaie mit Nachschlagekataloge sind außerdem genügend zur Hand. Außer daß sie noch eine Jungfer fei. Daran darf ich bei der stubenreinen 20 M. vorgefunden. der Bibliothek ist auch die Lefehalle gut und praktisch ausge- Erziehungsmethode unserer Stellvertreter Gottes auf Erden selbst- Das Opfer eines töblichen Unglücksfalles ist anscheinend ein stattet. Neben zahlreichen Berliner, auswärtigen und aus- verständlich nicht zweifeln, muß aber doch hell darüber auflachen, unbekannter etwa 30 Jahre alter Mann geworden, der in der ländischen Beitungen ist auch die Partei- und Gewerkschafts- daß auch diefe würdige alte Dame troz zahlreicher Verwandtschaft Gustav- Meher- Allee in besinnungslosem Zustand aufgefunden presse reichlich vertreten. gottverlassen ist. Faft mit Gleichmut erzählt mir eine noch junge Lazarus- Krankenhaus, wo er bald nach der Einlieferung starb. Ein Schußmann brachte den Bewußtlosen nach dem Das neue Heim ist recht freundlich eingerichtet. Es be Frau mit prächtigen schweren Haarflechten, daß sie feit sechs Jahren Bermutlich ist der Unbekannte bei eirem Etura auf die Straße findet sich auf dem Hofe des Hauses Adalbertstr. 41. Durch gelähmt im Bette liege. Noch ein halbes Menschenalter tann es mit dem Kopf auf das Pflaster aufgefchlagen und hat sich dabei einen besonderen Eingang gelangt man zunächst nach der dauern, bis ich Nuhe finde. Ein Strid aus dem Bettlaken gedreht, einen Schädelbruch zugezogen. Die Leiche wird im Schauhaus Garderobe, wo jeder Besucher seine Ueberkleider, Hut usw. und alles ist zu Ende. Aber man flebt selbst noch an diefem zwecks Feststellung der Todesurfache obduziert werden. ablegen fann und zwar geschieht die Aufbewahrung ohne Jammerleben." Seitdem bringe ich ihr von Zeit zu Zeit Lektüre, Der Einbrecherfönig Kirsch verhaftet. Nach langem vergeblichen jedes Entgelt. Trinkgeld wird nicht angenommen. Bis- a- vis neulich auch ein paar„ Vorwärts"-Nummern. Spöttisch verzog Suchen ist gestern morgen der bekannte Einbrecher Kirsch in der Der Eingangstür hat das wundervolle Bild von Walter Kren: die geistig äußerst rege Frau das Gesicht.„ Seien Sie vorfichtig, Reichshauptstadt verhaftet worden. Aber nicht der hiesigen Kriminal" Der Triumph der Arbeit" einen Platz gefunden. Vom Fräuleinchen, sonst läßt man sie nicht mehr zu mir. Das sind polizei follte es gelingen, den Burschen dingfest zu machen, fondern Garderobenraum betreten wir die Bibliotheksräume. Das hier verbotene Früchte." Dheilige Einfalt! Glaubt man etwa, einem Schöneberger Kriminalbeamten. Kirsch, der infolge seiner System der Ausleihung ist dasselbe, wie in den früheren daß diefe Viertelsmenschen, die mit anderthalb Beinen schon im ungewöhnlich raffinierten Ein- und Ausbrüche als der König der Räumen, da es sich ausgezeichnet bewährt hat. Der hier Grabe, den preußischen Staat stürzen werden? Oder fürchtet man unterfuchungsgefängnis, wo er wegen des Einbruchs in die dortige Einbrecher" gilt, iar nach seinem letzten Ausbruch aus dem Deffaner den Besuchern zur Verfügung stehende Raum ist größer als für ihr Seelenheil? Noch strenger ist die Sozialistentontrolle bei Landeshauptkaffe interniert war, direkt nach Berlin geflüchtet. Sier im alten Seim. Eine gute Beleuchtung und eine größere den alten siechen Männern, die oft bis zum letzten Tropfen Hirn- trat er sofort wieder in Aftion. Uebersichtlichkeit des Nummernregisters werden den Besucher faimala schwärmen und möglichst fönigstreu in den modernen angenehm berühren. Im ersten Stod befindet sich der Lese- Simmel eingehen sollen. Draußen am Tor schlug ich spigbibisch titelt sich eine zweiaftige Burleste von Alfred Schmasow, die die Apollo- Theater. Eine luftige Spreewaldfahrt" be saal und die Nachschlagebibliothek. Einfach und schlicht aus eine gellende Lache auf und drehte allen verbisfenen Bureaultaten Direktion ihrem Repertoir einverleibt bat. Ein Berliner Reisender gestattet macht auch dieser Raum einen sehr soliden und und Gottesmännen eine lange Naje. hat mit einigen Berliner Verläuferinnen auf dem bald nicht mehr ruhigen Eindruck. Zum Zwecke der Befriedigung der Not. ungewöhnlichen Wege mit dem Luftballon eine Sprigtour nach dem durft find für Männer wie für Frauen getrennte, recht Der Frost segte in der verflossenen Nacht start ein. Die Spreewald unternommen und gerät hier mit den Spreewälderinnen elegante Toiletten eingerichtet worden. Freunde und Temperatur fiel in den Außenstadtteilen und in den Vororten bis böse zusammen, weil er ihnen sein Kindermehl aupreift und Spreewaldammen Gönner des Instituts haben mit Schmerzen auf die Nachricht auf 7 Grad Celsius und erreichte damit einen Tiefpunkt, wie er den Konkurrenz machen will. Verfolgt, von der Eröffnung gewartet; wenn es nicht möglich war, worden ist. Die bittere Kälte fennzeichnete sich besonders dadurch, ihm der Amtsvorsteher den of macht. in hiesiger Gegend zu dieser Jahreszeit feit langem nicht beobachtet wirft fich unfer Berliner in Ammentracht, in welcher Daneben werden diesen Wunsch früher zu erfüllen, so wollen fie bedenken, daß daß das Wasser der Epree und Spreefanäle am heutigen Morgen Sitten und Gebräuche der Spreewaldbewohner vorgeführt, wie das eine Reihe Schwierigkeiten zu überwinden waren, an denen rauchte", eine Erscheinung, die durch den großen Temperatur- tosenbaumfest und eine wendische Hochzeit. Paul Linde hat eine die Leitung des Instituts unschuldig war und die nicht vor abstand zwischen Luft und Waffer hervorgerufen wurde. Die außer melodiöfe Musil dazu geschrieben, die schließlich noch das Veste war. ausgesehen werden konnten. Richtsdestoweniger werden sie gewöhnliche Kälte hat die Temperatur der größeren Gewäffer der Ganz besonders schlugen die von Frigi Echenke und von Georg fich heute doppelt freuen, daß die öffentliche Bibliothek und artig herabgesetzt, daß auf Binnenfeen heute morgen die ersten Eis- Brann gefungenen Couplets ein, die aller Voraussicht bald auf den Lefehalle ein eigenes Heim hat und vor allem wieder jeder bildungen beobachtet werden konnten. Leierfästen ihre Auferstehung feiern dürften. Besondere Sorgfalt mann zur Verfügung steht. Wir wollen hoffen und wünschen, war auf die Ausstattung gelegt. daß die Schäße, die hier aufgespeichert sind, recht eifrig in Anspruch genommen werden und zur Hebung des geistigen Niveaus weiter Kreise ein erhebliches Teil beitragen. Jm Siechenhaus. Die Hochbaudeputation genehmigte in ihrer letzten Sigung eine Reihe Kostenanschläge für Umbauten und Reparaturen in Schulen Zwei sehr helle Feuerkugeln hat Dr. F. S. Archenhold, Diref= und Krankenhäusern sowie die Vorentwürfe der dreifachen Gemeinde- tor der Treptow- Sternwarte, am Montag, den 19. Oktober, schule Anton, Ecke Plantagenstraße, und der einfachen Gemeinde- oberbs zwischen 10 und 10% Uhr, auf der Treptow- Sternwarte schule Antons, Ede Rubeplaßstraße. Ferner nahm sie den speziellen beobachtet. Die erste Feuerfugel zeigte in ihrer Bahn einen Entwurf für den Neubau der Fach- und Fortbildungsschule, Linien- scharfen Stuid, der im Kleinen Bären lag. Nach diesem Knick den Stand der städtischen Hochbauarbeiten. Im Jahre 1908 wurden genaue Bahnbestimmung dieser beiden Meteorerscheinungen ist Straße, an. Stadibaurat Hoffmann gab dann einen Bericht über ging die Feuerkugel fast mit derselben Helligkeit weiter. Für eine Betriebsfähig fertig gestellt: 10 Gemeindedoppelschulen, das Friedrich es sehr wichtig, daß alle diejenigen, welche dieje Feuerkugeln ebens Werdersche Gymnasium, die Badeanstalt Gerichtsstraße. das Waisen- falls beobachtet haben, genaue Angaben über die Zeit, die Farbe, baus in der alten Jakobstraße, das Märlische Museum, das Hospital in die Helligkeit und das Sternbild an die Redaktion der illustrierten Buch, die Heimstätte für weibliche Geneiende in Blankenburg, die Fleisch Halbmonats- Zeitschrift Das Weltall", Treptow bei vernichtungsanstalt in Rüdniz. die Feuerwache in der Schönlanter Berlin, Sternwarte, gelangen lassen. Straße und eine Turnhalle in Alt- Moabit. Ein unbestimmtes Gefühl hielt mich jahrelang ab, bei meinen Streifzügen durch die Weltstadt das„ tafernierte Glend" aufzusuchen. Bielleicht war es nur die Furcht vor dem Alter. Herrgott, man ist doch nur einmal jung im Leben, und jede Evastochter wacht eifer süchtig über dem bißchen Schönheit, die zu befizen auch die häßlichfte sich einbildet. Und nun sollte ich den Menschen, das edelste Gebilde der Natur, in der Plase äußersten Berfalles fehen? Nein, das Zengen gesucht. Der Chauffeur Franz Pionted hat am Sonn tvar es nicht, es war nicht das Bangen um den Anblick eines einzigen, Gemeindedoppelschulen, zwei einfache und eine dreifache Gemeindes abend, den 17. d. M., mittags in der Langestraße. Ecfe Holzman ft. wie eine ausgeprekte Bitrone zufammengefchrumpften Menschen. ichule, eine Realschule, eine Oberrealschule, die technische Mittelschule ftraße eine Frau angefahren Berfonen, die den Borfall beobachteten Mich schauderte vor den vielen Hunderten, die an des Lebens in der Bötticherstraße, das Stadthaus in der Jüdenstraße, das Gas- werden gebeten, ihre Adresse bei Franz Pionteck, Stolpischeſtraße 85 Scheidegrenze nur noch ein Zerrbild einstiger menschlicher Schönheit direktionsgebäude an der Waisenbrücke, die Baugewerfschule in der und Kraft sind. Krankenhäuser und Jrrenanstalten habe ich förmlich Kurfüstenstraße, zwei Fach- und Fortbildungsschulen, die Webeschule, ftudiert bis in ihre geheimsten Winkel, Großstadtelend gefeben in die vierte Jrrenanstalt in Buch, das Postgebäude in Buch, das Tore In der Bauausführung und Projeftbearbeitung befinden sich elf abzugeben. Feuerwehrnachrichten. Wegen eines größeren Bodenbrandes erfolgte in der letzten Nacht Alarm nach der Landsberger Straße Nr. 82, Der 1. Zug mußte dort kräftig Waffer geben. Gleichzeitig brannten in der Wilhelmstr. 114 Betten. Schaldccken und anderes. Vor dem Hause HagclSberger Straße S1 brannte eine Venzin- automobildroschkc. Ter 12. Zug mußte in der Culmstraße 78 einen Wohnungsbrand löschen. Mit Erfolg wurden WiederbelcbungS- versuche bei einem Kranken in der Gottschedstraße 11 angestellt. In der Alcxandrinenstraße 8S brannten Gardinen und Möbel und in der Kurfürstenstraße 150 Fußböden und Balken. Ferner hatte die Wehr in der Gneisenvustrotze bb, Roscntalcrstraße.72a, Köthener Straße 25 und andere Stellen zu tun. > " 1 1 Vorort- JVaebriebtem Eharlottenburg. Die Stadtverordnetenwahlen fllr die erste Slbtellung fanden gestern statt. Gewählt wurden die Kandidaten der Liberalen, die Herren Rentier Braune ll. Bezirk), Bezirksvorsteher Brode(1. Bezirk) und Rentier Guttman»(2. Bezirk). Schömberg. Das Statistische Amt stellt in seinem zweiten VierteljahrSvericht fest, daß die örtliche Bevölkerung auf 160 482 gestiegen ist. Die Zunahme betrug damit nur SSV mehr gegenüber dem zweiten Quartal der sieben Vorjahre. Zu einem geringen Teil ist die der« minderte Zunahme auf den Rückgang des Geburtenüberschusses zurückzuführen, der mit 252 ebenfalls kleiner war als in irgend einem Jahre seit 1301. Der Hauptgrund liegt in der Abnahme des WaiidernngSgewinneS. Der starke Wanderungöverlust vom ersten Vierteljahr ist nicht entfernt ausgeglichen worden, vielmehr überwogen in beiden Quartalen zusammen genominen die Fortzüge die Zuzüge um 083, während der Zuzug im Vorjahre 1678-8286 zahlreicher gewesen als die Fortgewanderlen. Die Zahl der Eheschließungen, 397, war ebenso hoch wie im gleichen Quartal im Vorjahre; relativ jedoch niedriger als in sänitlichen Jahren seit 1902. Die Zahl der Lebendgeboren en betrug 777, darunter 11 ZwillingSgeburten und einmal Drillinge. In 18 Fallen war die Mutter unter 20 Jahre bei dem ersten Kinde, in einein Falle war es daS dritte Knid. in zwei Fällen war die Mutter über 40 Jahre, als das elfte Kind geboren wurde. Sterbefälle waren insgesamt 440, darunter starben 46 Personen im Alter von 20— 30 Jahren, 12 männliche und 5 weibliche an der Lungenschwind- sucht. Der durchschnittliche Krnnkenbestand im städtischen Kranken- hause beträgt 253 von 702 Ausnahmen. Die Desinfektion«- a n st a l t führte 211 Desinfektionen aus. Die Rettungswache leistete in 108 Fällen und die Unfallstation in 437 Fällen die erste Hilfe. Die Bautätigkeit liegt noch immer danieder. Die Zahl der in den Neubauten entstandenen Wohnungen betrug 841 und ist die Herstellung größerer Wohnungen wieder bevorzugt. Der Besitz- w e ch s e l an bebauten Grundstücken umfaßte 35, an unbebauten 25 Grundstücke. Der hierfür erzielte Umsatz betrug 12,4 Millionen Mark. Bei dem städtischen Arbeitsnachweis gingen von Arbeit» ßtbern nur 2760 Arbeitsangebote ein gegenüber 3636 Neumeldungen rm Vorjahre. Von Arbeitnehmern gingen 3600 Meldungen ein. Hier fand eine Stelgerung lediglich für die männlichen Arbeits- lräfte statt: eS gingen 2052 Gesuche von Männern und 1647 von Frauen ein. Der Rückgang in den Nenmeldungen von Srbeitnehmerinnen ist in erster Linie auf die Verminderung deS Angebots von Dienstboten zurückzuführen, daS sich nur auf 263 gegen 463 im Vorjahre belicf. Unter den 485 Arbeitnehmern, deren Nachfrage nach Arbeitsgelegenheit am Schluß des Vierteljahres noch nicht befriedigt, waren nur zwei Dienstboten. Die Mitglirderzahl der O r t» kr a n ke n ka s s e ist von 18 356 auf 2l 003 gestiegen. Die Zahl der männlichen Mitglieder beträgt 13 577 und die der weiblichen 8326. Erwerbsunfähig krank gemeldet find 880 der Versicherien. Di« m,9 der Volksbücherei geliehenen Bände betrugen 28 057 gegen 17 881 im' Vorjahre. Die Zahl der S p a r ka fse n b Ü ch e r stieg um 1.2 Prozent bei einer Zunahme der Bevölkerung um 0,3 Prozent. Es ver- minderte sich indes der Betrag derSpargelder um 77 506 M., damit hat die rückläufige Bewegung, die gegen Ende des Vorjahres einsetzte, auch in der BerichlSzeil fortgedauert. Die Zahl der von der SauglingSfürsorge stelle unterstützten Mutier betrug 252; davon erhielten mehr als die Hälfte<136) ausschließlich bare» Geld; Siillprämien wurden in 67 Fällen gewährt. Der Werl der Unterstützung betrug in 106 Fällen bi« zu 5 M.. in Ol Fällen 6—10 M., in 55 Fällen mehr als 10 M. Den Verlust irgrnd welcher politischen oder sonstigen Rechte bringen diese Unterstützungen nicht mit sich. Rtxdorf. Dl« sozialdemokratische Stadtverordnekcnfraktion hat in der Stadtverordneienversamniliing einen«nlrag auf Bildung einer De- pmotion zur Erfüllung sozialer Aufgaben eingebracht. Der Antrag, der insbesondere auch Maßnahmen gegen hie herrschende Arbeits- losigkeit verlangt, wird in der heurigen Sitzung der Stadt» verordneten, die nachmittags v Uhr beginnt, zur Beratung kommen. Wilmersdorf. Am Sonnabend, den 24. Oktober, veranftaltel der hiesige Wahl« verein im Luilengarten, WilhelmSaue HL, einen Kammermusik- Abend ve, bunden mit Gesang und Rezitation. Dem Fest- komite» ist eS gelungen, erstklassige Kräfte zu engagieren, fo daß gute Darbietungen von vornherein garantiert sind. ES wird er- wartet, daß diese Veranslallnng durch rege Teilnahme unteistützl wird. Im Anschluß an daS Konzert findet ein Ball statt. Eintriiw- karten zinn Preise von 50 Pf. pro Pcrion sind in den durch Plakal« kenntlichen Srellen oder durch die Bezirlsführer zu haben. AknhlSdorf a. d. Ostbahn. Bei der Gemeindrvrrtretrr-Ersahwahl am Dienstag wurde unser Kandidat, der Genoffe Oswald D ch u h m o n n. mit 06 Slimmen gewählt. Auf einen gegnerischen liberalen Kandidaten entfielen 10 Stimmen. Wir haben von den insgesamt 15 Eemeindevertreter- sitzen nunmehr 4 inne. Faltenha>,e»« Seegefeld und Staaken. In einer gemeinsamen Versammlung der briden Mahlvereine in Staaten referlerie ffienosle Leidnvr über den Nürnberger Parteitag. Die lineinbalbslündigen AnSsührungen de« Referenten wurden von der gutbesnchten Versammlung beifällig aufgeiiommc». In der Diskussion wandte sich Genosse Troinpler gegen die viele ResoliitlonSmachcrci, die Partei solle andere Machtmittel zeigen. Der ParlamcniariSmuZ führe zu nichts, wir solllen uns speziell nickt mehr an den KömlnissionSarbeiten beteiligen. Genosse M e w e S poleniisime gegen die jetzige Form der Maifeier und erklärte sich nochmals scharf gegen die Drlegaiion de» Genossen K a u t S k y dnrw lniteren Kreis, auch weil wir keine Referate von ihm hörten. Genoffe Thomas wandte sich gegen die sogenannte Reichsfinanz- reform. Sodann wurde folgender Antrag gegen eine Stimme an- genomiiie»:»Die gemeinfaine Versammbing beauftragt den Kreis- vorstand, beim Parteivorstaiid vorstellig zu werden, daß der Genosse i». T a l w e r zur Erklärnng aufgefordert wird. od er sich dem Dresdener ParteitagSbeschluß fügen will; wenn nicht, so hat er auS der Partei auSznswecde».'— Eine Anregung betr. Vortrags« kurse wird de» Vorständen überwiesen und noch mitgeteilt, daß ani 25. Oktober ein Familienabend in Staaken stattfindet. Em der frauenbetvegung. Ei» Lob der Frauen. In Nr. 41 der„Zeitfragen', einer Beilage der—»Deutschen Tageszeitung', findet man folgendes Lob der Fro» t „Eine tüchtige Frau ist schon in der Heimat ein Bermöqen wert; in der Fremde aber, in fernen Landen, wo der Mann allein auf sich gestellt ist. ist ein gedeihliche? Streben und gesundes Leben ohne ihre Mitarbeit kaum denkbar. Und eS ist wunderbar, wie die Frau im Ringen um die Existenz mit fremdem, wilden, Lande wächst, wie sich wirtschaftliche und andere Tugenden entfalten, wie eS auch den Mann mitreisit, ihn vor dem Verfallen in mancherlei Untugenden bewahrt, welche das Alleinhausen in der Wildnis nun einmal so leicht mil sich bringt. Der an eine gewisse Kuktnrhöhe gewöhnte Mann wird im Kampfe mit der ungezähmten Natur leicht rauh, selbst roh; er sucht lärmende, betäubende Vergnügungen, und der jedem gefunden Manne nun einmal innewohnende Trieb zum Weiblichen treibt ihn, wenn er nicht ganz gefestigt ist, zur Versündigung gegen die Rasse. Dieser auf sich gestellte, familien- und oft Wurzel- lose Mann ist aber selien ein guter Wirt und Kolonisator. Wenn man sich die Männer ansieht, die eS im deutschen Afrika zu etwa« gebracht haben, so findet man viele darunter, die auch offen anerkennen, daß sie daS meiste der tüchiigen, verständnisvollen Arbeit der Frau verdanken. Wem zu Hause, in unserer kleinen und kleinlichen Enge die Hockiachtung vor der Frau verloren ging. weil er daS Glück nicht halte, oder die Gabe nicht besaß, unier der oben aufliegenden leickten Spreu die schweren, goldenen Weizenkörner leuchten zu seden, der wird die Wertschätzung der deuliche» Frau im deutschen Afrika wiederfinden." Sonderbar, wenn man Rechte für die Frau verlangt, dann haben die Reaktionäre eine andere Ueberzcugung. Der Frauen geistige und physische Minderwertigkeit soll dann ihre Bevormundung durch den Herrn der Schöpfung rechtfertigen. Zwei Jahre ohne reglementierte Prostitution. Es sind jetzt zwei Jahre verflossen, seitdem in Dänemark durch daS„Gesetz zur Bekämpfung der öffentlichen Unsittlichkeit und venerischen Ansteckung" die reglementierte Prostitution aufgehoben worden ist. Viele hatten befürchtet, daß durch die Freiheit, die da? Gesetz bietet, durch die Beseitigung des alten AbschreckungSfystcmS eine weit größere Zahl von Frauen der Prostitution anheimfallen würde. Unser Druderorgan„Socialdemokratcn" in Kopenhagen hat sich nun an den Chef der Gesundhektspolizei gewandt, um seine Meinung über diese Frage zu hören. Die Antwort war: „Ich glaube nicht, daß man sagen kann, daS Gesetz habe un- günstig gewirkt. Eine ganz zuftiedenstellende Lösung wird man ja nicht erreichen. Aber jedenfalls wird man nicht zu dem alten System mit der regelmäßigen Kontrolle und Einschränkung der persönlichen Freiheit, mit der Verweisung nach bestimmten Straßen usw. zurückkehren wollen. Die Zustände in den Straßen der Stadt sind kaum irgendwie schlechter geworden. Ich glaube auch nicht, daß anständige Frauen mehr als früher Belästigungen durch Männer auegesetzt sind. Wenigstens sind der Polize» keine Anzeigen darüber zugegangen. Daß das neue Gesetz einen Ideal- zustand schaffen sollte, konnte natürlich nicht erwartet werden; eS ist ein Versuch, und die Polizei tut alle?, um eS in bester Weise anzuwenden." UebrigenS ist die Polizei schon in vielen Fällen, wo sie Be» strafung auf Grund de» neuen Gesetzes verlangte, von den Ge- richten abgewiesen worden. Sowohl das Kriminalgericht wie das Höchstgericht als Berufungsinstanz pflegt eine größere Milde walten zu lassen als die Polizei. Das Gesetz selbst stammt von dem verflossenen Justizminister und Millionendieb Albert, her. ES mag merkwürdig erscheinen, daß er, der die Prügelstrafe wieder einführte, der in der Justiz- Verwaltung Leuten, die durch Armut und Verwahrlosung auf den Weg des" Verbrechens gedrängt waren, unerbittlich hartherzig gegenübertrat, der in den Erziehungsanstalten die scheußlichste» Kindcrmißhandlungen duldete und begünstigte, sich um die Auf- Hebung der reglementierten Prostitution verdient machte. Nach einer Notiz, die jüngst durch die dänische Presse ging, ist daS Gesetz denn auch weniger zhm als vielmehr einer Prostituierten zu verdanken. Alberti soll damals ein Verhältnis gehabt haben, dem auch«in Kind entstzrassen war. Die Dame seines Herzen« hatte sich noch mehrere zahlungsfähige Liebhaber angeschafft, und aus ihren besonderen Wunsch soll Alberti daS Gesetz eingebracht haben, daS die Prostituierten von der Sicglemcntierung und Polizeiaufficht befreite. Leseabende. vierter KreiS. Heut« Donnerstag, den 22. d. M., abendS S'/# Uhr, bei Nah», Zorndorfer Straße 3. Versammlungen. „Christentum und Krieg" lautete das Thema eineS Vortrages. den Genosse Vogtherr in einer Volksversammlung hielt, die am Montag im großen Sale des GetverkschaftShauseS unter sehr starker Beteiligung abgeholten wurde.— Der Vortragende zeigte, daß «S durchaus unzutreffend ist. wenn man das Christentum als Träger humaner Bestrebungen ansieht, sondern daß vielmehr der Weg des Christentums begleitet war von Gewalt gegen die Schwachen, daß es durch Missetaten und Schandtaten aller Art zur Macht gekommen Ist und daß es diese Macht ausübt in Anlehnung an die Großen und Mächligen der Erde. Unter Aufopferung seiner früheren Grundsätze hat sich das Christentum in den Dienst der Herrschenden gestellt und auch die Mittel gebilligt, womit sich dt« Herrschenden in der Macht erhalten. DaS unmenschlichste und grausamste dieser Mittel ist der Krieg. DaS Christentum billigt den Krieg nicht nur, sondern eS trägt dazu bei, daß die Lust am Kriege in den Mensdhen großgezogen wird. Ja, der Krieg wird geradezu als ein Bestandteil der göttlichen Weltordnung hingestellt. Nicht! kann die Gemüter der Menschen mehr verrohen, als die Verherrlichung de? Krieges und der KriegZtaten. Die Leute, welche vom Geist deS Krieges beseelt sind, richten nicht nur eine Kluft auf zwischen den Völkern sondern sie trennen auch die einzelnen Teil« deS Volkes. Die heutige Gesellschaft, die nicht aus dem Recht, sondern auf der Macht beruht, braucht den Krieg zu ihren HerrschaftSzwecken. Eine neue Gesellschaft, die daß Glück aller Menschen will, eine Gesellschaft, welche die heute bestehenden Klassengegensätze beseiligt, wird auch dem Kriege ein Ende machen und überhaupt alle» hinwegfegen. waS dem Menschenglück im Wege steht.— Nach dem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrage wandte sich Genosse Adolf Hoffmann an diejenigen, welche innerlich mit der Kirche gebrochen haben, und forderte sie auf. diesen Bruch auch äußerlich zu vollziehen, indem sie au» der Kirche austreten. Wer innerlich nicht mehr zur Kirche gehört, der soll nicht so widerspruchsvoll handeln und der Kirche durch Zahlung von lUrchensteuern— die er zahlen muß, solange er Mitglied der Kirche ist— die Mittel zu ihrer Existenz zuführen helfen. Aber auch die Ehrlichkeit erfordert eö. daß man sich nicht einer Gemein- schaft zuzählen läßt, deren Grundsätze man nicht anerkennt. So wenig jemand sich zu einer Par.ei rechnen wird, deren Ve- strebungen er nicht billigt, so wenig soll er auch einer Kirche an. gehören, an deren Lehren er nicht glaubt.— Auch diese Ausführungen fanden lebhaften Beifall. Die Bäcker Berlins und Umgegend waren am Dienstag nach- mittag zu einer öffentlichen Versammlung im Gewerkschaftshause eingeladen. G a h n e r- München hielt einen Vortrag über das Thema:„Die wahren Feinoe-de» Kleinbandwerks und das Märchen vom Meisterwerden". Ter Redner schilderte die Umwälzung in den Gewerbebetrieben innerhalb der letzten 30 Jahre. Der Klein» betrieb wird zurückgedrängt, der Großbetrieb nimmt immer mehr Raum ein und beherrscht dal ProduktionSfrld. Eine gute Jllustra. tion dieser Tatsache bielen die Gewerbe der Brauer, der Müller, Schneider und Schuhmacher. In gleicher Weise geht e» mit den Bäckereien) so schwer die» noch mancher Bäcker einsehen lernt. Die Statistiken geben noch nicht einmal das richtig« Btlo, denn sehr viel kleine Bäckereien' verschwinden spurlos wieder; sie konnten sich nicht halten, und das Ideal. Bäckermeister geworden zu sein, wurde manchem Gesellen schnell zerstörk. Der und nicht der Bäckerverband, wie die Meister gern behau�-P~ vernichtet das Kleinhandwcrk. Tie technischen Hilfsmittel föitaC.'1 nicht vom Kleinmeistcr, dem das Kapital fehlt, eingestellt werden. Ter„eiserne Bäckergeselle" tritt auf und er kann seinen Platz nur im Großbetrieb finden. Die kurzsichtigen oder ans oie Tummbeik der Gesellen spekulierenden Meister erklären oft. daß die„Be. gehrlichtcit der Gesellen" den Kleinmeister vernichte. Das ist Un» sinn, denn sonst müßten andere Gewerbe, wo diese Begehrlichkeit viel größer ist, zum Beispiel das Duchdruckgewerbc, längst zugrunde aegangen sein. Viele Gesellen nähren noch den Glauben, daß sie Bäckermeister werden könnten und damit eine gesicherte Position erringen würden. Sie sehen nicht, daß die Verhältnisse sich außer- ordentlich geändert haben. Ter Konkurrenzkampf ist furchtbar entbrannt; da? Kreditwesen hat sich geändert, und die Spekula» tion dcS Gesellen auf Bäckermeisters Töchterlcin ist heute verfehlt. Der Geselle steht für das Töchterlcin viel zu tief. Andererseits' wird das Feld für die Bäckermeister auch vom Staat aus immer mebr eingeengt. Da sind die Militärbäckereien, die Gefängnis- bäckereicn. Große Industriebetriebe richten eigene Bäckereien für 'hrz Arbeiter ein. Große Hotels und CafdS haben ihre Backstuben. Tie Großbäckereien wachsen in den Städten, und daö alles sehen die kleinen Bäckermeister nicht; sie schimpfen nur auf die Gesellen, wenn ihre Geschäfte immer schlechter gehen. Für die Gesellen aber gilt eS, sich nicht irre machen zu lassen, sondern sich zu orga- nrsicren, um einen festen Halt gegenüber den sie bedrängenden Verhältnissen zu gewinnen. Die gutbesuchtc Versammlung spendete diesen Ausführungen viel Beifall. Eine Diskussion fand nicht statt. Der Vorsitzende ermahnte die Anwesenden zu reger Teilnahme am gewerkschaft» lichen wie am politischen Leben. Die im Serbande der Gemeinde- und StaatSarbeiter»rgant- sserten Arbeiter der städtischrn KanalisntionS-Bauvcrwaltung hörten in ihrer letzten Versammlung einen Vortrag von Prenz» low über„Zweck und Ziel der modernen Arbeiterbewegung". Hierauf kamen Betriebsangelegenheiten zur Sprach« und fancen die hygienischen Mängel herbste Kritik. Für eine Kolonne von 22 Personen existiert in diesem städtischen„Musterbetriebe" nur ein einziges Waschgefätz; ein ganzes Handtuch gesellt sich dem zu. das alle 14 Tage