• Nr. 250. Abonnements- Bedingungen: Mormements. Brete pranumerando Bierteljabrl. 8.30 t, monatl. 1.10 wöchentlich 28 Big. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Big. Sonntags. mummer mit Wuſtrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt" 10 Big. Boit Ebonnement: 1.10 Marf bro Monat. Eingetragen in die Bost Beitungs Breislifte. Unter Kreuzband für Deutichland und Desterreich. Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Postabonnements nebmen an: Belgien, Dänemart, Holland Italien. Luxemburg. Bortugal, Rumänien. Schweben und die Echweis Cribeint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 25. Jahrg. Die Infertions- Gebübr beträgt für die fechsgespaltene stolonel geile oder deren Raum 50 Vfg. ,, für bolitische und gemerfichaftliche Bereins und Berfammlungs- Anzeigen 30 Big Kleine Anzeigen". das erfte( fett gedruckte) Bort 20 Big., jedes weitere Bort 10 Big. Stellengesuche und Schlaf Stellen- Anzeigen das erite Wort 10 Big., fedes weitere Bort 5 Big. Borte über 16 Buchstaben gablen für zwei Borte. Inferate für die nächste Nummer müssen Bis 5 lbr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition isl bis 7 Ubr abends geöffnet. Telegramin Adrese: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Berufbrecher: Amt IV. Nr. 1983. Das agrarische Branntweinmonopol. Das Berl. Tagebl." veröffentlicht nähere Mitteilungen über das geplante Sydowsche Branniweinmonopol- feine Wiedergabe der einzelnen Bestimmungen des Entwurfs, sondern nur eine allgemeine Inhaltsübersicht, die aber immerhin die Grundzüge des eigenartigen Projekts ziemlich genau erkennen läßt. Das Berl. Tagebl." berichtet: " Die Vorlage des Reichsschazamtes fieht ein Zwischenhandelsmonopol vor. Das Reich wird den Brennereien ihre Ware abnehmen, läßt fie teils durch andere, teils in eigener Regie reinigen und gibt sie zu bestimunten Breifen ab. Den Brennereien, die befondere Qualitäten erzeugen, wird gestattet, ihre Waren zurückzukaufen und selbst abzufeßen. Der Mehrertrag der Branntweinsteuer angenommen. winn verbleiben. " " Sonnabend, den 24. Oftober 1908. langfristige Stundung des Preises vorgesehen, die insbesondere den Großabnehmern willkommen sein dürfte. " Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69 Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. dieser Fabriken sollen keineswegs ihre Betriebe zu einem Preise abgefauft werden, der deren Rentabilität im legten Jahr Die Spritfabriken werden nicht, wie im vorigen Jahre vielfach zehnt entspricht, sondern es soll der Berechnung des Wertes berlautete, nach ihrer bisherigen Mentabilität entschädigt. Es dieser Betriebe jener Gewinn zugrunde gelegt werden, den sie wird vielmehr bei der Berechnung der Entschädigung von dem seit dem 1. Ottober 1908 ab haben würden, weit geringeren Verdienst ausgegangen werden, den wenn der der bei Gründung der Spiritus. die Spritfabriken feit dem 1. Oftober 1908 ab haben würden, zentrale mit ihnen abgeschlossene Vertrag wenn der bei Gründung der Spirituszentrale mit ihnen ab ausgeführt würde". Diese Werteinschätzung halten geschlossene Vertrag ausgeführt würde. Daher sind die vor wir für ganz berechtigt; sie ist noch immer eher geschlagenen Entschädigungen viel geringer, als sie im Vor- zu hoch, als zu niedrig, und die Herren Sprit jahre angenommen wurden, und es ist infolgedessen eine energische fabrikanten haben wenig Veranlassung, sich, wie der Opposition der Spritfabriken zu erwarten. Verfasser der Mitteilungen des„ Berl. Tagebl." verheißt, " " aut unter Das Berl. Tagebl." hat seine Mitteilungen jedenfalls energisch zur Wehre zu setzen. Freilich, was dem einen recht von einer Seite erhalten, die nicht nur dem Reichs- ist, das ist dem andern billig, und wenn die Bülowsche fchatzanite nahe ficht, sondern auch ein Interesse daran hat, Regierung die jebige Zeit der Finanznot für ange das geplante 8 wischenhandelsmonopol und das bracht hält, den agrarischen Spiritusbrennern durch dieses den Spiritusbrennern zugedachte Rentengeichent Volts to sten schöne Zufumftsprofite zu garantieren, als möglichst unverfänglich und geringfügig hinzustellen. weshalb sollten dann die Spritfabrikanten nicht verlangen, Vielleicht ist nicht vom„ Berl. Tagebl.", aber von seinem mit demselben vorteilhaften Maß gemessen zu werden? authentischen" Informator die Veröffentlichung Der Kanzler hat einst verfündet, er strebe dahin, daß foll etwa hundert Millionen Mart betragen. In den überhaupt nur in der Absicht erfolgt, die ihm zum Ruhme auf dem Grabstein das Wort geersten zehn Jahren find Abfindungen an die Brenner öffentliche Meinung in einer vorsichtig ge fett werde: Hier ruhet ein agrarischer Reichskanzler! Wie zu zahlen. Der Preis, der den Brennereien gezahlt wird, wird wählten, den Zweden der leitenden Kreise es scheint strebt Herr Sydow- vielleicht erhält er in Anungefähr den Selbstkosten entsprechen. Es wird zu diesem Zwede angepakten Form auf das ungeheuerliche erkennung seiner großen Verdienste um das Staatswohl ein Normalpreis für eine gutgeleitete landwirtschaftliche Projekt vorzubereiten und dadurch die Wirkung der bald die Erlaubnis, das begehrte von" vor seinen Rormalbrennerei von 800 Hektoliter Produktion als Grundlage Publizierung des genauen Textes abzuschwächen, die, wie das Namen zu setzen nach demselben hehren Ruhme. Normalbrennerei von 800 Hektoliter Produktion als Grundlage Berl. Tageblattes" anfündet, in den nächsten Tagen er Nichts charakterisiert die preußisch- deutschen Zustände besser, Diefer Preis erfährt Abstufungen nach als daß selbst unter der heutigen Finanznot, unten für größere und Zuschläge für fleinere folgen soll. Brennereien. Die Schlempe( das Residuum aus dem Jedenfalls hätte das Berl. Tageblatt" faum nötig ge- dem Druck der heutigen Wirtschaftskrise, die Hunderttausende Produktionsprozeß) soll bei diesem Preise den Brennern als Ge- habt, zu betonen, daß seine Informationen, authentisch" von Arbeitern vor, die bittere Frage stellt: Woher nehmen find, denn seine Mitteilungen tragen, was Ausdrucksweise, wir Arbeit und Brot?", die Regierung sich nicht scheut, in Es ist in Aussicht genommen, den bestehenden Brennereien Stil und Darstellung anbetrifft, in allen Teilen den Stempel ihren Steuerreformprojekten die Agrarier mit schönen Extradiesen Preis für den ganzen Inlandsbedarf.des dieser Authentizität". Schon die Art und Weise wie der Preis, dotationen zu bedenken, obgleich fie die dazu nötigen Summen Reiches zu Trint- und technischen Zwecken zu zahlen. Geht der den Brennereien gezahlt werden soll, als der, un- mur allzu wohl für den leeren Staatsfäckel brauchen könnte. diefer Bedarf zurück, fo erfolgt eine entsprechende Berringe gefähr den Selbsttosten entsprechende" Preis rung des Anteils der einzelnen Brennereien. Darüber hinaus hingestellt wird, wie ferner der Preis des Spiritus, auf den können die Brennereien noch in beliebigen Mengen Branntwein bisher keine Liebesgabe gezahlt wurde, mit den" Selbsterzeugen. Jedoch wird für diesen Ueberbrand ein besonderer Breis festgefeßt, der naturgemäß ungünstig ausfallen muß, weil für den daß die Entschädigungen der Spritfabriken viel geringer feien, als im vorigen Jahr angenommen wurde, und deshalb wohl Was die Breslauer und Magdeburger Polizei gegen die Abſak dieses Ueberbrandes eigentlich nur die Ausfuhr übrig cine energische Opposition der Spritfabriken zu erwarten sei, sozialdemokratischen Organisationen tut, das unternimmt jetzt bleibt. die Berliner Polizei gegen die polnischen Vereine. Sie Wenn auf diese Weise zwei Kategorien von Branntwein ge- zeigt die tendenziöse authentische" Mache. In Wirklichkeit handelt es sich bei dem Projekt nicht nur erflärt erklärt thre Mitgliederversammlungen für schaffen werden, so wäre es doch beriehlt, hieraus auf eine Analogie mit der bisherigen Zweiteilung zu schließen, die zwischen um eine enorme Belastung des Spirituskonsums zugunsten der öffentlich e. Woraus folgt, daß in ihnen nicht polnisch dem mit einer 20 W. pro Seftoliter bedachten Liebesgabe und 100 Millionen Mark eintragen- sondern in noch stärkerem M. Reichstaffe das Zwischenhandelsmonopol soll ihr jährlich gesprochen werden darf! Im Berliner Drgan der Nationalpolen, dem„ Dziennik". einem solchen ohne Liebesgabe unterschied. Bisher deckte nämlich Maße zugunsten der agrarischen Spiritusbrenner. der Preis des Spiritus, auf den teine Liebesgabe gezahlt war. Reich garantiert ihnen Das berichtete dieser Tage ein Bertrauensmann der nationalfeit einer Reihe von Jahren ungefähr die Selbstkosten, während die Abnahme ihrer bisherigen polnischen Fachorganisationen( die Nationalpolen suchen be der mit der Liebesgabe bedachte 20 m. über den Selbstkosten Produktion für den Inlandsmarkt zu einem Preise, fanntlich die polnischen Arbeiter vom Anschluß an die freien stand. Nunmehr soll die höherwertige Klasse nur die Selbstfosten der dem Normalpreis" für eine gutgeleitete lands Gewerkschaften abzuhalten und geben ihnen als wertloses zuzüglich der Schlempe decken, während der Preis des Ueber wirtschaftliche Normalbrennerei"( das heißt doch Surrogat die polnische Fachorganisation) folgendes: wohl Brennerei mit Durchschnittsbetrieb und DurchschnittsFür Sonntag, den 11. Oftober, hatte ich eine Mitbrandes, wenn ein solcher überhaupt hergestellt wird, vermutlich unter den Selbstkosten liegen wird. Das Reich soll denaturierten Branntwein borerst für eine Reihe von Jahren ungefähr zu den jetzigen billigen Preisen der Zentrale abgeben, um dadurch die Brennereien vor einem Ausfall im Konsum des technischen Branntweins zu foſten" gleichgesetzt und schließlich empfehlend betont wird. Wieder ein Attentat auf das Vereinsrecht. " " ertrag) von 800 Hektolitern Produktion entspricht, mit anderen gliederversammlung der polnischen Fachorganisation Berlins Worten, es zahlt den Brennern einen ungefähr dem bis- einberufen. Ich machte sie durch Injerat in unserem Organ, herigen Durchschnittsprofit entsprechenden Durchschnittspreis, der Vereinigung". bekannt. Die Anzeige hatte folgenden gewährt den ganz kleinen ländlichen Brennereien obendrein Wortlaut: einen Extrapreiszuschlag und überläßt außerdem allen Brennern, Achtung, Berlin und Umgegend! Am Sonntag, den den großen wie den fleinen, die Schlempe zur Verwertung 11. Oftober, um 2% Uhr nachmittags, findet eine Sigung für fämtliche Mitglieder der polnischen Fachorganisation im Lokal des Herrn Naderer, Köslinerstr. 17, statt. Zu dieser Sigung sind auch Mitglieder des Zentralvorstandes geladen. Rege Beteiligung erwünscht." nach eigenem Belieben. Recht. Zu meinem größten Erstaunen erhielt ich darauf am Sonnabend, den 10. Oftober, folgendes Schriftstück: Polizeipräsident. Abt. VII. Nr. 2237 VII G. Berlin, 9. Oftober. In Nr. 19 der Vereinigung vom 5. Oftober befindet sich ein Aufruf, in dem die Mitglieder der polnjichen Fachorganisation aufgefordert werden, in der Sigung usw. zu erscheinen. Nach Lage der Berhältnisse tann man diese Sigung nicht für eine Mitgliederversammlung anfeben, sondern nur als eine öffentliche Versammlung im Simme bes Reichsgefeyes be treffend Versammlung und Vereinigung. Deshalb müssen nach§ 12 des genannten Gefezes die Beratungen in deutscher Sprache stattfinden. Um Unannehmlichkeiten zu entgehen, mache ich Sie darauf aufmerkiam, daß Sie dem Leiter genannter Ver fammlung maßgebende Anweisung erteilen. schützen, während beim Trinkbranntwein eine Verringerung des Berbrauchs unvermeidlich ist. Für die technischen Industrien, wie die Efsigfabrikation, die Fabrikation von Laden, Aether, AnilinDoch damit ist die Fürsorglichkeit der Regierung für die farben, wird der Spiritus ohne befonderen Aufschlag und ohne Profite der Spiritusbrenner feineswegs erschöpft. Bekanntlich einen Gewinn des Reiches abgegeben werden; ebenso für pharma- erhalten diese heute eine Liebesgabe, die sich auf ungefähr 45 millionen Mart pro Jahr stellt. zeutische und wissenschaftliche Zwecke. Der bisherigen Sonderstellung der süddeutschen Dieses Geschenk des Reiches an die Spritbrenner auf Kosten Der bisherigen Sonderstellung der süddeutschen der Spiritusverbraucher soll keineswegs einfach wegfallen. Nach Brennereien wird durch einen besonderen Zuschlag zum der Ansicht der Regierung haben vielmehr die Brenner Einkaufspreis Rechnung getragen. Diefer Zuschlag dürfte etwa 7 Warf pro Heftoliter betragen. Für die Kaufleute, die bisher auf dieses Nationalgeschenk ein wohlerworbenes traditionelles als Vermittler bei den Brennereien tätig waren, indem sie die Und zwar sollen nach den Mitteilungen des Berl. Tagebl." Folglich muß die Liebesgabe abgelöst werden. Fässer stellten, Vorschüsse gewährten und die Abrechnung besorgten, die Brenner zehn Jahre lang eine jährliche Abfindung ist eine Fortießung ihrer bisherigen Tätigkeit gegen eine an- von ungefähr 20 Millionen Mark erhalten, im gemeffene Entschädigung vorgesehen. Die Angestellten der Spiritus zentrale fowie ganzen alfo 200 Millionen Mark. Ein feines Geschäft! Den Brennern wird erstens durch die Angestellten der einzelnen Fabriken, die ihren Betrieb aufgeben, werden, sofern sie nicht in den Reichsdienst übertreten, den Staat der ganze Inlandsbedarf der deutschen Bevölkenach einer Stala entfchädigt, der das Dreifache der bisherigen rung abgenommen; sie brauchen sich also fünftig fein StopfJahresbezüge als Rorm zugrunde liegt. Die Stala steigt mit zerbrechen mehr über den Abiak zu machen. Zweitens wird ihnen ein Abnahmepreis garantiert, der ihnen, wenn man die An den Bergarbeiter Regulsti, Berlin. Es wird ein Uebergangszustand von etwa drei fleinen Extragratififationen hinzurechnet, mindestens denselben Nach furzem Besinnen begab ich mich mit obigem Schrift. Jabren gefchaffen werden. Während dieser Zeit wird es fich ent- Profit bietet wie bisher, und drittens erhalten sie noch als stück nach dem Präsidium, was mir jedoch nichts genügt hat. fcheiden, ob der Staat die einzelnen Spritfabriken übernimmt, Ablösung der Liebesgabe die schöne Summe von 200 Millionen Heber das Gespräch, das zwischen mir und dem Beamten die inzwischen verpflichtet sind, für Rechnung des Staates zu Doch selbst damit sind allem Anschein nach die Brenner stattfand, werde ich vorläufig Stillschweigen bewahren. arbeiten. Am Sonntag zwifchen 2-3 Uhr kamen von allen Seiten noch nicht abgefunden; denn in der obigen Mitteilung des Mitglieder zur Sizing. Wie groß war aber ihr Erstaunen, ,, Verl. Tagebl." heißt es: Darüber hinaus tönnen die Brennereien noch in be- als sie die ganze Stösliner Straße mit Sicherheitsbeamten liebigen Mengen Branntwein erzeugen. Jedoch wird für besetzt fanden, als ob man fürchtete, die Leute wären mit diefen Leberbrand ein besonderer Preis festgelegt, der natur- Sensen oder anderen Werkzeugen versehen zur Versammlung gemäß ungünstig ausfallen muß, weil für den Abfaß dieses gekommen. Sie brachten jedoch nur ihre Quittungsbücher als Ueberbraudes eigentlich nur die Ausfuhr übrig bleibt. Legitimation mit, um dem Gefeße zu genügen. dem Lebens und dem Dienstalter. Die Regierung fucht bei diesem Zwischenhandelsmonopol dem Mart.. Unterschrift unleserlich. Einwand vorzubeugen, als ob dadurch von neuem viele Existenzen in staatliche Abhängigkert kommen fönnten. Die Vermehrung der Staatsarbeiter und der Siaatsangestellten wird dess halb nur eine geringe sein, weil nur eine relativ fleine Zahl von Epritfabriken( Spiritusreinigungsanstalten) vom Staate übernommen werden soll, die im ganzen laum mehr als 1000 Ar- Was heißt das? Soll den Brennern obendrein auch noch Um 2 Uhr erschienen zwei Beamte in Uniform und beiter beichäftigen. Eine Reihe anderer Spiritusreinigungs- für ihren Absatz nach dem Auslande ein„ besonderer" nahmen auf dem Podium Play; gleich darauf erschien noch anstalten foll felbständig erhalten bleiben und für Preis garantiert werden, der ihnen beim Export ein Beamter in Zivil. Er wurde jedoch aufgefordert, sofort den Staat arbeiten. Die Abfindungen an die Brenner für einen höheren Profit sichert als hente? Fast den Saal zu verlassen. die Liebesgabe dürften sich im Laufe von zehn Jahren auf etwa scheint es so. Sturz vor 3 Uhr eröffnete ich in der üblichen Weise die 200 Millionen Mark belaufen, während die Abfindungen an die Weniger besorgt als um die Profite der agrarischen Sigung. Sogleich erhebt sich ein Beamter und verfündet, er Spritfabriten für die Aufgabe ihres Betriebes und die Erwerbung Brenner ist das Reichsschazamt um die Profite der Rafft habe die Versammlung zu überwachen und es dürfe nur ber bedeutendsten Fabriken etwa 50 Millionen Mark als einmalige neure, der Spiritusreinigungsanstalten, oder, wie man sie deutsch gesprochen werden. Ich mache ihn darauf Entschädigung betragen dürften. Für die Konsumenten ist eine gewöhnlich furzweg nennt: der Spritfabriken. Den Besitzern aufmerksam, daß es teine öffentliche Versammlung ist, sondern nach dem Gesetz dorn 19. Februar nur eine Mitglieder- sitzung und nach§ 6 Abs. 2 könnten wir zu solchen zusammen- kommen und über unsere Angelegenheiten sprechen, wie lvir wollten. Anschließend teilte ich auch polnisch die Tagesordnung mit. Sogleich erhebt sich der Beamte und löst die Versamm- lung im Namen des Gesetzes auf. Die Anwesenden verließen u Ruhe, wenn auch entrüstet, den Saal." So der Bericht des Dziennik Berlinski. Als der Blockfreisinn die Schande seiner Zustimmung zum Sprachenparagraphen des VcreinLgesetzes zu bemänteln suchte. verwies er auf die Milderung, daß die Polen in den Vereins- versamnilungen ruhig polnisch sprechen könnten. Schon damals hat der„Vorwärts" ihn mit der Nase daraufgestoßen, daß die famose, in der Begründung der Vereinsgesetzgesetzvorlage abgedruckte Reichs- gerichtsentscheidung über das Wesen' der Vereinsversamnilung von der Polizei benutzt werden würde, um nach Bedarf jede Versa nlmlung eines politischen oder ge- werkschaftlichen Vereins für eine öffent» lichc zu erklären! Das hat den Freisinn natürlich nicht gehindert, dem Sprachenparagraphen zuzusrimnien, zumal ja der Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg in den Verhandlungen bestritt, daß derartiges geplant sei. Was seine Versprechungen wert sind, das zeigt sich jetzt. Nunmehr erklärt die Polizei unzweifelhafte Vereinsversammlungen für öffentliche Ver- sammlungen und benutzt das, um den Polen den Gebrauch ihrer Muttersprache selbst in ihren Vereinen zu verbieten. Dabei geniert sie, wie der vorliegende Fall zeigt, auch nicht im geringsten der Umstand, daß der Staatssekretär deS Innern im Reichstag verheißen hatte, der Sprachenparagraph solle aus die Gewerkschaftsbewegung nicht angewendet werden! Was gehen die Polizei Miuisterversprechungen an! Wird der Blockfreisinn wenigstens im Reichstage und im Landtage gegen diese„Erfüllung" der feierlichen Regierungs- versprechen protestieren oder geniert es ihn nicht, daß die ihm gegebenen Versprechungen gebrochen werden? Die pomadige Haltung der freisinnigen Fraktionspresse zu diesen und ähnlichen Fällen läßt es stark vermuten! Leipzig, 23. Oktober. Auf Grund erhobener Beschwerde hob das Ministerium des Innern das Verbot des Vor- träges, den Professor F o r e l über Nassenentartung und Rassenhebung halten wollte, auf. Der Vortrag wird binnen kurzem stattfinden._ Die ßalkanlirife. Die direkten Verhandlungen der Türkei mit Oesterreich und Bulgarien, an die man � so viele optimistische Erwartungen geknüpft hat, sind gescheitert. AuS Konstantinopel meldet das österreichische offiziöse Depeschenbureau: Die Blätter melden, die Pforte habe eine direkte Der- ständigung mit Oesterreich- Ungarn und Bul- garten abgelehnt und.bestehe nun aufderKon- ferenz. In bulgarischen Kreisen wird erklärt, daß die Mission der bulgarischen Delegierten keime offizielle gewesen sei. Sie hätten keine Vorschläge machen können und deshalb seien auch keine Verhandlungen begonnen worden. Die Mission habe nur den Zweck der Orientierung über die Dispositionen der Pforte gehabt. Dieser Zweck sei erfüllt und die Delegierten würden schon heute abreisen. Es ist noch nicht sicher zu erkennen, welche Gründe zum Abbruch der Verhandlungen geführt haben. Ein Telegramm aus Konstantinopel führt die Äendung auf daS Eingreifen des englischen Botschafters zurück, der erklärt hätte. daß eine Konferenz unbedingt notwendig und nur ihre Be- schlüffe für die Lösung der Orientbahnfragen maßgebend seien. Bestätigt sich diese Nachricht, dann hätte die englische Diplomatie, um Herrn Jswolski, der so geschäftig die Ein- berufung der Konferenz betreibt, eine diplomatische Nieder- läge zu ersparen, dem Frieden keinen guten Dien st criviesen. Denn das Scheitern der Verhandlungen macht die Lage nur verworrener und läßt neue Verwickelungen beftirchten. So tritt jetzt der Konfercnzplan wieder in den Vordergrund. Ueber den Standpunkt der Türkei melden türkische Blätter, daß die Türkei sich mit der Konferenz zwar einverstanden erklärt habe, aber ver- lange, daß die Großmächte sich vorher über alle Streitpunkte untereinander einigen, so daß die Konferenz nur die Resultate formell zu bestätigen hätte. Zugleich fordert die Türkei, daß alle Kompensationsforderungen Serbiens und Montenegros ausscheiden, und ihr Garantien gegen feindliche Angriffe und Sicherungen für ihren mazedonischen Besitzstand gegeben werden. Es kommt jetzt in der Tat viel darauf an. daß die Groß- mächte sich rasch über das Programm einigen. Denn schnelle Erledigung muß den Jungtürken erwünscht sein, da die Fortdauer der Unsicherheit die reaktionären Um- triebe begünstigt. So spärlich auch die Nachrichten darüber sind, so läßt doch die bereits gemeldete Verlegung eines Bataillons aus Saloniki nach Konstantinopel schließen, daß die Jungtürken vor ihren Gegnern auf der Hut sein müssen. Die Fragen der Konferenz sind auch in einem Berliner Telegramm der„Köln. Ztg." behandelt, das die Auffassung des Auswärtigen Amtes wiedergibt, allerdings noch nicht das Scheitern der Verhandlungen kennt. In diesem Telegramm heißt es: „In Berlin möchte man glauben, daß die Fragestellung: Konferenz oder unmittelbare Verhandlungen, überhaupt nicht richtig ist und dem praktischen Bedürfnis nicht entspricht. Mckt darauf kommt eS an, ob eine Konferenz stattfindet oder ob zwischen der Türkei und den anderen Staaten direkt verhandelt toird, sondern darauf, daß man aus den orientalischen Wirren halbwegs befriedigt herauskommt ugd den Ausbruch eines Brandes verhütet. der nur zu leicht weitergreifen kann. Um dieses Ziel zu'erreichen, müßte jedes Mittel recht sein, und es liegt Grund zu der An- nähme vor, daß diese Auffassung auch von der deutschen Regierung geteilt wird, die keineswegs, wie eö mehrfach behauptet wird, k o n f e r e n z f e i n d l i ch ist, vielmehr für jeden praktischen Weg, der schnell und praktisch zum Ziele führt, zu haben sein wird. Bei der Frage, ob Konferenz oder nicht, kommt aber die T ü r k e i in erster Linie in Frage. Da diese nach der bulgarischen Unabhängigkeitserklärung und nach der Angliederung Bosniens und der Herzegowina zwar den Zusainmen- tritt einer Konferenz beantragt bat, aber nachher in unmittelbare Verhandlungen mit Oesterreich-Ungam und Bulgarien eingetreten ist, geivinnt eS den Anschein, als ob ihre erste Ansicht eine gewisse A e n d e r u n g erfahren habe. ivaS bei den schlechten Erfahrungen, die die Türkei bisher auf Konferenzen gemacht hat, nicht unverständlich sein würde. Ebenso, wie sie das Recht halte, ehre Konferenz zu beantragen, muß fie auch, wie man hier meint, das Recht haben, direkt zu verhandeln, wenn sie glaubt, auf diesem Wege besser zu fahren. DaS Telegramm ver- weist sodann aus die gestrigen Erklärungen Sir Edward Gr« YS im Unterhause, wonach die englische Regierung vertraut, daß der Tütkei Entschädigungen gesichert werden, und daß die Billigung der Türkei die notwendige Voraussetzung für die Annahme eines jeden Kgnferenzprogramms sei, und be- merkt dazu, man kann mit diesen Ausführungen des englischen Ministers durchaus einverstanden sein; es ist dann aber nur eine logische Schlußfolgerung, daß man bei solchen Ueber- eugungen die Türkei auch nicht in ihrer diplomatischen Bewegungs- reiheit beschränken sollte. 5Zun hat aber das Scheitern der direkten Verhandlungen keine andere Lösung mehr gelassen als die Konferenz, und die deutsche Diplomatie wird nur dafür sorgen können, daß diese Konferenz der Türkei keine neuen Opfer auferlegt. politische CJcberlicbt. Berlin, den 23. Oktober 1903. Staatsanwälte, organisiert Euch! Wir gaben gestern die Zuschrift eines Richters an die „Voss. Ztg." wieder, die flammende Empörung darüber atmete, daß die Richter und Staatsanwälte sich mit der ihnen erst kürzlich zuteil gewordenen Erhöhung ihres Maximalgehalts von 6600 auf 7200 M. bescheiden sollten. Heute können wir den Empörungsschrei eines Staatsanwalts in den„Verl. Neuest. Nachr." wiedergeben. Auch dieser Herr, als Leser des ScharfmacherorganS ein wütender Gegner der „begehrlichen" Sozialdemokratie, ist außer sich darüber, daß die Staatsanwälte sich künftighin mit einem Gehalt von 3000—7200 M. begnügen sollen. Darin, daß mehr als 80000 preußische Beamte mik einem Anfangsgehalt von weniger als 1200 M. abgespeist werden sollen, findet er offenbar nichts Empörendes! Der Herr Staatsanwalt schreibt dem Scharfmacherorgan: „Ein Gefühl grenzenloser Erbitterung stieg in mir hoch. Ja, sind denn Richter und Staatsanwälte keine Beamten? Man kündigte doch eine Erhöhung der Beamtengehälter an und erwähnte nichts davon, daß fie ausgenommen werden sollten! Leiden sie denn nicht ebenso unter der allgemeinen Teuerung der Lebensbedürfnisse wie die anderen? Wollen und müssen sie ihre Kinder nicht ebenso ernähren und er- ziehen wie andere, und ist eS nicht ebenso ihre Pflicht, diesen die Möglichkeit zu geben, einmal dem Stande anzugehören, dem der Vater angehört?— Erörterungen darüber anzustellen, daß das von dem jetzt gezahlten Gehalt nicht möglich ist, hieße Eulen nach Athen tragen. Davon kann man als lediger Mann oder vielleicht auch mit Familie in ganz kleinen Städten mit denkbar»infachen Verhältnissen, aber auch dann nur unter größter Einschränkung leben, anderwärts nicht. Die Folge einer Nichterhöhung der Gehälter der Richter und Staats- anivälte wird also die sein, daß dieser Stand nur Ledigen oder Begüterten zugänglich sein wird." Daß Hunderttausende von preußischen Be- amten, von den unzähligen Millionen von Protetariern gar nicht zu reden, mit Einkommen von KkO— 1500M. leben müssen, samt Familien leben müssen, finden unsere Richter und Staatsanivälte offenbar in der Ordnung, sonst könnten sie ja nicht amtlich und privatim die Sache der herrschenden Klassen vertreten! Aber sie, i H r„ S t a n d". wollen mit 3000— 7200 M., also durchschnittlich 5000 M. Gehalt„höchstens als lediger Mann unter größter Einschränkung" leben können! . Deshalb erläßt, der Staatsanwalt deZ weiland Kruppschen Schleifsteins folgenden Kampfruf: .»Jetzt gilt es, zu zeigen, daß fie sich nicht weiter wie geduldige S ch a f e scheren lassen wollen. Schließt Euch zu- sammen. Ihr Richter und Staatsanwälte! Gründet Vereine. aber nicht, um gelehrte Fragen zu erörtern, sondern um Eure S t a n d es int er e s sen zu wahren, um zu beraten, wie eS möglich ist, der Regierung das abzuringen, was Ihr für Eure Frauen und Kinder braucht, was Ihr haben müßt. Von selbst tut sie nichts für Euch, zeigt, daß Ihr auch fordern könnt. Nicht ein Gnadengeschenk ist eS. was Ihr verlangt, sondern Euer gutes Recht, das Euch werden muß. Darnm auf zum Kampf!" Das sind dieselben Leute, die arme Hungerleider, die sich aus Not am Eigentum ihres Nächsten vergreifen,„von Rechts wegen" ohne alle sentimentale Anwandlungen ins Ge- fängnis schicken; dieselben Leute, die Arbeiter, die zur Unter- streichung ihrer Lohnforderungen dem Unternehmertum mit dem Streik drohen, wegen Erpressung verdonnern!— Lehrer und Geistliche. Nach dem neuen Lehrerbesoldungsgesetz soll das Grund- gehalt für Lehrer auf 1350 M. erhöht werden. Das wäre wenigstens ein anerkeunenswerter Versuch zu einer an- ständigeren Besoldung der Lehrer, wenn nicht gleichzeitig der Vorbehalt gemacht wäre, daß ein Voltsschullehrer dies Grundgehalt frühestens im 25. Jahre beziehen kann! Weiter soll nach dem neuen Gesctzentivurf den Lehrern eine AlterSzuiage von 200 M. pro Jahr gesichert werden. Danach würde also ein Lehrer, wenn er mit 21 Jahren sein Amt antritt, nach 14 jähriger Dienstzeit 2356 M. Gehalt erhalten. Dagegen sollen die protestantischen Geistlichen mit einem Grnnvgehalt von 2400 M- angestellt werden und bereits nach sechsjähriger Dienstzeit 1200 M. Zulage, dann also bereits 3606 M. Gebalt erhalten 1 Dafür ist ja auch die Tätigkeit der Herren Geistlichen eine Viel wichtigere! Als Schuliuspektorcu haben sie dafür zu sorgen, daß ja nicht allzuviel vernünftiges, positives Wissen in die Köpfe der Jugend der»ichtlmsstzenden Klasse hineingebracht wird!_ Statt Kölker Zorn v. Bulach. Der Staatssekretär für Elsaß-Lothringen. MaltbiaS V. Köller, hat nunmehr den wiederholt angekündigten Abschied genommen und seinem UnterstaatSselretär Zorn v. Bulach seine Stelle überlassen. Köller war der Typus des unverfrorenen, gelegentlich burschikos sich gebenden Junkers. Im Jahre 1894, nach Caprivis Sturz, wurde Köller, gemeinsam mit Hohenlohe, als M l u i st e r des Innern nach Berlin berufen. Dort warf er sich sofort zum Hauplverfechtcr der Umsturzvorlage auf. die Ende 1894 eingebracht wurde. aber bereits int Fiühjähr 1895 unier Hohngelächtcr preisgegeben werden mußte. Köller überlebte diese Katastrophe nicht und ging als Oberpräsident nach Schleswig-Holstein, wo er die abgeschmackte Dänenpolitit bis l901 vertrat. Von der„Nord- mar!" siedelte er wiederum als Staatssekretär nach Elsaß- Lothringen über, wo er sich bereit» von l38v--1904 als Unter- ftaatssekretär einen schlimmen Ruf erworben hatte. WeS Geistes Kind sein Mitarbeiter und Nachfolger Zorn von Bulach, im Reichstage seinerzeit freikonservatives Frnktions- Mitglied, sein wird, darüber scheint sich die reaküonärc Presse einst- weilen noch einigen Zweifeln hinzugeben. Das Oertcl-Organ lobt seine Verdienste um das Agrarienum, behält sich aber ein ab- schließendes Urteil für später vor. Die„Rh.-Westf. Ztg." bemerkt, daß der Vater deS neuen Staatssekretärs Kammerherr Napoleons III. war und er selbst einer der Notabeln. die früher die reichsländische Regierung scharf bekämpften; jedoch hält sie eS für keineSlvegS unmöglich, daß er„nach Renegatenweise" NUN- mehr die entgegengesetzte Politik vertreten werde.— Lassalle im Urteile der Ultramontanen. In Prüm in der Eise! hielt auf Veranlassung der dortige-n Gesellschaft zur Veranstaltung von populär-wisiem'chafllichen Vor- trägen der Geschäftsführer des Verbandes der deutschen Windthorst« bunde Dr. Scharm itzel einen Vortrag über Ferdinand Lassalle, den Begründer der deutschen Sozialdemokratie. Wie die„Trierische Landeszeit ung" berichtet, bekundete di: zahlreiche Zuhörerschaft das lebhafteste Interesse an dem Vortrage. der zunächst einen Umriß vom Leben LassalleS gab. dann sich mit seinen wissenschasilichen und politischen Leistungen und schließlich mit seiner Bedeutung für die deutsche Arbeiterbewegimg beschäftigte. Der Redner faßte dann sein Urteil über die Persönlichkeit des großeil Arbeiterführers wie folgt zusammen: „Eine Stürmer- und D rä n g ern a t u r, ein Re- volutionär vom Scheitel bis znr Sohle, ein leidenschaftlicher unausgeglichener Charakter war Lassalle von gigantischem Stolze, ost kleinlicher Eitelkeit, von maßlosem Ehrgeiz und rücksichtsloicr Herrschsucht. Leider läßt sich von ihm nicht sagen, daß er die Sache � des vierten Standes lediglich aus idealen Motiven aufgegriffen und vertreten hat; die unbezwingliche Sehnsucht, eine politische Rolle zu spielen, war nach dem Urteil von Zeitgenossen, die ihm nahestanden, eine der stärksten Bc- lveggninde für diese Tätigkeit. Ist somit das Gesamturteil über seinen Charakter kein günstiges, so steht man doch mit Bewundennig vor der Natur dieses eigenartigen Mannes: vor seinen glän- zenden Anlagen, seiner tiefen umfassenden Intelligenz, seiner einzigartigen Beredsamkeit, seiner gewaltigen Tatkraft und Energie(dank deren er sich ganz erstaunliches Wissen angeeignet Harle) und seinem unermüdlichen Agitationseifer. Und in unserer Zeil mit ihrem nivellierendc» Mittelmäßigkeitscharakter verweilt man doch gerne eine Stunde bei der Betrachtung einer P e r s ö n- lichkeit wie Ferdinand Lassall e." Dieses verhältnismäßig günstige Urteil über den großen sozia- listischen Führer steht in ultramontanen Kreisen nicht vereinzelt da. ES ist bekannt, daß Bischof Ketteler von großer Achtung vor Lasialle erstillt war und daß er sich nicht scheute, sich die gesamten Argumente Lassalles gegen das liberale System ebenio zu eigen zn machen, wie seine grundlegenden Anschauungen über die Aenderimg der kapitalistischen Ordnung. Der Mainzer Bischof trug auch kein Bedenken, sich brieflich— allerdings anonym— an Lassalle zn wenden mit der Bitte um Rat wegen der Errichtung von Arbeiter- produktivassoziationell. Die„H i st o r i s ch- p o l i t i s ch e n Blätter", das wissen- schaftliche Organ des deutschen Klerikalismus. brachten in den sechziger Jahren Lassalle nicht minder ausrichtig« Anerkennung entgegen. Wo von ihm die Rede ist, wird er nickt anders als der „geniale Denker" genannt. In einer Artikelreihe«US dem Jahre 1806(Band 56 und 57) heißt es u. a.: „Fassen wir nun das Ganze zusammen, so ist nicht zu leugnen, daß. wie auch der Herr Bischof von Mainz erklärt, der Weg Lassalles die unmittelbarste und handgreif'- lichste Lösung des großen Problem«(Umwandlung der Gesellschaft vermittelst der Arbeiterproduktivassoziationen> bieten würde." Und Hitze sagt in seiner Schrift über die soziale Frage(1877): „In seiner Kritik unserer jetzigen gesellschaftlichen Zustände liegt die starke Seite des SozialiSuius und hier müssen wir seine (theoretischen) Verdienste um die Lösung der sozialen Frage dankbar anerkennen. Die Werke von Lassalle und Marx find in dieser Beziehung epochemachende Leistungen." Vor der Größe unserer Führer beugt sich selbst die ultramontanc Gegnerschaft.—_ Ihr laßt den Armen schnldig werden! Das Schwurgericht in Frankfurt a. M. verurteilte den Eiscnbahubeamten Richard Bender, der im Zeitraum von ca. füiis Jahren 4900 Ml. unterschlagen haben soll, zu sieben Monaten Gefängnis. Bender war seit 11 Jahren rm Tieuste und hat sich immer„gut geführt", wie seine Borgesetzten.angaben. Er war aber mir als Hilfsbeamter angestellt und bezog jahrelang Tagegelder von— sage und schreibe— 1,60 Ak. pro Tag. Erst im Vorjahre wurde er. nach zehnjähriger Dienst- zeit, als Hilsöschalterkassierer angestellt mit dem„riesigen" Ge- halt von 1500 M. p r o I a h r. Dabei gingen ihm an der Schalterkasse des Güterbahnhofes jede Woche Tansende von Mark durch die Finger, daheim aber mußte seine Frau mit seinen fünf Kinder« schweren Hunger leiden. Nicht alle Unterschlagungen, deren man ihn bezichtigte, konnten bewiesen werden; einige waren aber doch unleugbar vörgekommen. DaS Schwurgericht mußte fein „Schuldig" sprechen, auf daß die Moral des Klassenstaates kein Loch bekomme. Wer aber der wahrhaft Schuldige ist— die Geschworenen selbst sahen eS ein, sie veranstalleten sofort für die hungernde Familie eine Sammlung, die 16ö M. ergab. Zeitgemäft. Der skandalöse Vorfall, daß ein Soldat wegen Gehorsam?- Verweigerung vom Milngrgericht bestraft wurde. weil er sich ge- weigert, beim Stalldienst den Pserdedünger mit den Händen ans- zuheben, hat jetzt folgenden zeitgemäßen Korpsbefehl gezeitigt. Der Befehl des krnmiandiereiiden Generals des 16. Armeekorps, v, Pritt- witz und Gaffron, lautet: „Ich verbiete hiermit, daß die Mannschaften, einem an manchen Stellen noch geübten alten, aber schlechten Brauch entsprechend, angehalten werden, beim Stalldienst den Pserdedünger mit den Händen statt mit den dazu bestimmten Geräten zu bearbeiten." Wird man nun in den anderen Armeekorps einen gleichen Befehl erlassen? Ob die Soldatemnißhandluiigcn dadurch weniger werden, ist zweifelhaft, bis jetzt haben alle derartigen Bestimmungen nichw genützt und sie werden so lange nichts nützen, so lange die Rechte der Soldaten nicht erweitert werden und ihnen da? Recht der Not- wehr nicht zuerkannt wird.—_ Wie das Zentrum für die Llufkläruug seiner Wähler sorgt. „Es ist ost und mit Recht beklagt worden, daß die Mitglieda der Trierischen Zentrumspartei gewohnheitsmäßig nur einige Wochen vor Wahlen zu Versammlungen eingeladen werden, daß man aber in den �ivischenzciten von einem politischen Leben in Trier nichts merke."— So beginnt eine Noriz in der.Trierischen Landes- zeitung". worin dann weiter mitgeteilt wird, daß jetzt in Trier ein ZeuirnmZvcrein gegründet worden sei, der der politischen Teilnahmslosigkeit steuern werde dadurch, daß für die Mitglieder mehrmals im Jahre Versamnilungen veraustaltet würden, worin politische und kommunale Fragen besprochen. daS Interesse für die Tagesereignisse geweckt und die Verbindung zwischen Wühlern und Geipäulten lebhaft erhalten werden soll. Trier gehört zu den bombensicheren Wahlkreisen deS Zentrums, dessen Herrschaft sich von hier über die Mosel und die Eifel erstreckt. Im Wahlkreise Trier wählten von 22 000 Wählern rund 1900tj ultramontan. WaS hat das Trierer Zentrum in den 38 Jahren seines Bestehens zur Aufklärung seiner Wähler getan? Die obige Noiiz des ultramontanen Blattes sagt eS: Nichts! Von einem politischen Leben in Trier ist nach dem GestäudniS des genannter. ZentrumöblaiteS nichts zu merken, nur wenige Wochen vor der Wahl regt sich's dort, dann ist'S für fünf Jahre wieder ruhig. So sorgt das Zentrum für die politische Schulung seiner Wähler, wo eS nichts von der Sozialdenivkratie zu fürchte» hat.— Grosi er Sieg des Fürsten von Asenburg. In Nr. 236 deS„Vorwärts"(vom 8. Oktober dieses Jahre-) berichteten wir unter der Neberschrift:„AuS einer kleinen Residenz" über den kuriosen Kampf deS Fürsten von Dsenvurg-WächterSbach mit dem schneidigen Direktsr seiner PorMai,fab>!ir. einem Dr. Ehrlich. Der von diesem Herm gegen den Fürsten angestrengte Prozeß kam heute, wie uns telegraphisch auS Hanau gemeldet wird, zur gericht- lichen Entscheidung. Ehrlich wurde mit seiner Klage kostenpflichtig abgewiesen. Er muß bis zum t. Dezember unter Sicherheitsleistung von 300 M. seine Dienstwohnung räumen. Protest gegen die geplante Tabaksteuer. Eine stark besuchte Versammlung, welche gegen die ge- plante Tabak st euer Stellung nahm, fand am Donners- tag in Dresden statt. Nach einem mit großem Beifall auf- genommenen Referat deS Vorsitzenden des Ta b a k- arbeiterverbandeS Deichmann- Bremen, welcher auf die unübersebbaren Folgen, welche durch eine neue Belastung des Tabaks für die Tabakarbeiterschaft herbeigeführt werden würden. hinwies, wurde folgende Protestresolution angenommen: „Die Ver'ainmlung protestiert mit aller Entschiedenheit gegen jede höhere Be st euerung des Tabaks, gleichviel in welcher Form und Art sie auch beantragt ist, sowie gegen jede andere indirekte Steuer auf Bedarfsartikel der Masse des Volkes. Die Versammlung hält das indirekte Steuersystem für ungerecht und verwerflich. indem eS das a> bejtende Volk im Verhältnis zu seinem Einkommen weit stärker besteuert als die Begüterten. Eine höhere Besteuerung des Tabaks würde insbesondere, wie die Erfahrung lehrt, einen erhebliwen Rückgang des Konsums von Tabakfabrikaten zur Folge haben und dadurch nicht nur allein die Existenz vieler Fobrikbetriebe in Frage stellen und ruinieren, sondern auch viele T a u s e n d e der Tabakorbeiter arbeitslos und brotlos machen. Andererseits steht mit Recht zu befürchten. daß die schon ohnehin nicht gut zu nennende» Lohn- und Arbeits- Verhältnisse in eminenter Werse verschlechtert und unsägliches Elend unter den Tabakarbeiter» und Arbeitern im Nebengewerbe heraufbeschwören würde. Desgleichen würden auch die Kommunen, in welchen in hervor- ragender Weise Tabakindustrie herrscht und ebenso auch die Geschäftswelt dieser Orte erheblich geschädigt. Aus allen diesen Gründen fordert die V e r- sammlung, daß der Reichstag bestimmt einer jeden Besteuerung des Tabaks in jeder Form die Zustimmung versagenmöge.�~ Von der deutschen Justiz. In Stuttgart wurde am Freitag der verantwortliche Re- bakteur der Zeitichrist.Mär»', Hans Fischer, von der Straf- kammer zu 400 M. Geldstrafe verurteilt sowie zur Tragung der Kosten. Die Verurteilung erfolgte wegen angeblicher Beleidigung des Amtsrichter» Dr. Lössel auS Hamburg. Der„März" satte in einem Artikel vom 1. Mai 1907 in scharfen Worten das Urteil in dem BeleidigungSprozeß Wörmann kontra„Simpli- eiffimus" kritisiert und die Strafkammer erblickte in dieser Kritik eine Beleidigung. Die Verhandlung der Beleidigungsklage der Abge- ordneten K o p s ch und M u g d a n gegen den Genossen M e h- i n g ist ivegen Behinderung des Klägers Mngdan am persc ulichen Erscheinen vom 27. Ottober auf den 14. No- sember vertagt._ «llngarn. Wieder eine Korruptionsaffäre. Budapest, 23. Oktober. Auf Grund der Anzeige eines ent- lassenen Beamten der Budapcstcr Vertretung der Brcslauer Metall- Äommandit-Gesellschaft Kunz u. Co. wurde gegen den Direktor der Wasserwerke Michael Cajlinger, den M a g i st r a t s r a t Bossits und anderen Beamten wegen angeblicher Bestechung an- läßlich der Lieferung von Wasser messeruhren eine Untersuchung eingeleitet. Die Polizei beschlagnahmte sämtliche Geschäftsbücher. fVanhmcb. Gegen die Gewerkschafteu. Paris, 23. Ottober. In der heutigen Sitzung der Deputiertenkammer gelangte die Interpellation beziig lich der allgemeinen Arbeitsvereinigung zur Verhandlung. Deschanel stellte sich auf den Standpuntt. daß die Leprittigimg in ihrer Zusammensetzung gesetzlich zillässig. in ihrer revolutionären Tätigkeit jedoch ungesetzlich sei, und ging dann auf die a n t i m i l i t a r i st i s ch e Bewegung ein. Diejenigen, die Frankreich verleugneten, seien unwürdig dos Namens eines Franzosen und des Namens eines Mannes Desa'ianel schloß, er zähle auf das französische Proletariat. um die Freiheit des Vaterlandes und der Republik zu fchiitzm.(Langanhaltender Beifall mit Ausnahme auf der äußersten Linken.) Pugliesi Conti fragte an, welche Maßregelt, die Re gierunN gegen die anarchistische und antipatriotische Propaganda der allgemeinen Arbeitsvereinigung in einem Augenblick zu treffen gedenke, in dem das europäische Gleich gewicht mehr als jemals unsicher sei. Im weiteren Verlaufe seiner Rede trat er für die Auflösung der all aemennen Arbeitsvereinigung ein, die eine wahre Erleichterung für das Land bedeuten würde.(Beifall auf der Rechtens Die Beantwortung der Interpellation erfolgte durch Minister V i v i a n i, der darauf hinwies, daß die Arbeiter den historischen Irrtum der Unisturzparteien erkennen würden. denn die Gesellschaft sterbe nicht, sondern fie schreite fort, der Minister envähnte lobend die englischen Trade Unions und die deutschen sozialistischen Gewerkschaften und stellte in Abrede, daß die allgemeime Arbeitsvereinigung ausschließlich aus Anhängern der Unisturzpartei bestände. In setinen weiteren Ausführungen wies Arbeitsminister Viviani darauf hin, daß die allgemeine Arbeitsvereinigung in ihren Statuten nicht ungesetzlich sei und daß ihre Auflösungungerecht wäre.(Beifall aus der äußersten Linken.) Der Minister trat sodann nachdrücklich dem A n t i- Militarismus entgegen und schloß mit den Worten: „Versprechen, wir uns, die Trennung zwischen dem Prole- tariat und der Demokratie zu verhindern in ihrer beiden Interesse, füfc die Größe der Republik."(Langanhaltender Beifall. Ministerpräsident Cl�menceau beglückwünscht den Arbeitsminister.) Nach eiiiiir Rede des Deputierten Jaurds, der den Ar- beitsminister Viviani dazu beglückwünschte, daß er die von Clemenceau erttfeffelte Flut der Panik und Reaktion zurück- gedämmt habe, nahm die Kammer mit 324 gegen 69 Stimmen eine Tagesordnung an, durch die die Regierungserklärung gutgeheißen wird. Hieraus wurde die Sitzung aufgehoben. foilZlatick. Russische Immunität. Frankfurt a. M., 23. Oktober. Wie der Petersburger Korrespondent der„Franks. Zeitung" aus informierter Quelle hört, sind bereits Vorbereitungen für die Eriatzwablen in Petersburg getroffen, da der Iustizinimster überzeugt ist, daß der D u m a a b g c o r d n e t e K o l j u b a k i n für«ine seinerzeit in Saratow gehaltene Rede, für die er gegenwärtig eine Strafe i» Wiborg verbüßt, ausgestoßen wird. Allerdings scheinen gegenwärtig auch die O k t o b r i st e n geneigt zu icin. den beliebten Redner der Kadetten fallen zu lassen. Zürhcl Tie Wahlen. Konstantinopel, 23. Oktober. Anläßlich der Parlamentswahlen ist es zwischen den türkischen Behörden und den griechischen Elementen mehrfach zu Konflikten gekommen. Es heißt, der Patriarch Joachim werde angesichts dieser Lage ein Protest- schreiben an die Gesandten richten, um die Verantwortung für die gegenwärtige Lage auf die türkische Negierung zu schieben. Marokko. Die Wünsche Mulay HafidS. London, 23. Oktober. Der Korrespondent des„Dailh Graphic" schreibt von Fes unter dem 8. Oktober über eine Aussprache mit Mulay Hafid. welcher dem Korrespondenten mitteilte. er wiin> he die Einberufung einer europäischen Konferenz zum Zwecke der Festsetzung der Grenze zwischen Algier und Marokko. Mulay Hastd bestritt ferner, daß er, wie gemeldet worden sei. von der sranzösisch-spanischen Note nicht befriedigt sei, die er bis jetzt noch gar nicht kenne. Auch sagte er. er hoffe, daß die Mächte unter Berücksichtigung der finanzielle» Lage Märolkos in ihre» Forderungen Billigkeit walten lasten und ibn so in den Stand setzen würden, den inneren Angelegenheiten seines Landes besondere Auf- merksamkeit zuzuwenden._ Hus der parte!* Der Nürnberger Parteitag in den Organisationen. In Duisburg endeten die Auseinandersetzungen über den Nürnberger Parteitag vor einigen Tagen mit der Annahme folgender Resolution: „Die Mtgliederversammknng des sozialdemokratischen Vereins Duisburg erklärt sich mit den Beschlüssen deS Nürnberger Partei- tageS— mit Ausnahme des Beschlusses in der Maifeierfrage— einverstanden. Insbesondere stellt sich die Versammlung in der Budgetsrage voll uud ganz auf den Boden der Resolution des Parleivorstandes und der Kontrollkommission." Die Annahme dieser Resolution erfolgte bei einer Anzahl Stimmenthaltungen gegen 3 Stimmen, nachdem ein Antrag, der den Maifeierbeschlutz guthieß, mit knapper Mehrheit abgelehnt war. Eine dritte Resolution. welche sich aus den Boden der vermittelnden Resolution Frohme stellte, wurde gleichfalls abgelehnt. » Eine Versammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins in Bant-WilhelmShaven»ahm nach einem Referat des Parteitagsdelegierten H u g- Bant folgende Resclution an:„Die Versammlung erklärt sich mit der Stellungnahme ihres Delegierten zu den verschiedenen Fragen, welche den Parieitag beschäftigten, einverstanden. Sie erwartet jedoch, daß in der Budgetfrage die Minderheit sich dem Beschlüsse der Mehrheit fügt, weil dies für die Einheit und Geschlossenheit der Gesamtpartei notwendig ist. Sie erwartet ferner. daß in Zukunft mehr wie bisher die Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Partei in sachlicher Weise und in brüderlichem Geiste zum AuStrag gebracht werden." Bemerkt sei, daß der Genosse Hug «n Nürnberg gegen die Vorstandsresolution in der Budgetsrag'e und nur für die Resolution Froh m o gestimmt hat. In der Mm- seierfrage stand er auf der Seite derer, welche die Vereinbarungen des Parteivorstandes mit der Generaltvmmisflon guthießen. Eine Parteiversammlung in Neustadt.(Holstein) nahm eine Resolution an, die sich mit den Beschlüssen deS Parteitages voll und ganz einverstanden erklärt.«Ganz besonders einverstanden ist die Versammlung mit der Annahme der vom Parteivorstand zur Budget- debatte eingebrachten Resolution. Sie erachtet es als die heiligste Pflicht eines jeden Parteigenossen und somit auch der einzelnen Landesvorstände. Fraktionen usw., daß sie sowohl die Beschlüsse dieses Parteitages sowie der Parteitage im allgemeinen als die höchsten Instanzen der Partei respektieren!" Gemcindewahlcn. An u»lserer gestrigen Noüz über die Wahl in Jena ist zu berichtigen, daß unsere Genossen keinen Sitz verloren haben. Sie habe» zwei Vertreter im Stadtverordnetenkollegium. Die jetzige Wahl war eine Ersatzwahl, wobei es sich um einen Sitz handelte, den unsere Genossen bisher nicht innr hatten. Ihre Stimmen haben in einem Vierteljahr um löö zugenommen. Zum Fall Calwer. In einer Partcivcrsammlung zu Gelsen- kirchen, in der über den Nürnberger Parteitag debattiert, aber keine Beschlüsse gefaßt wurden, nahm auch Genosse Hue das Wort. Er erging sich ivieder in Angriffen auf die Theoretiker beziehungö weise Akademiker. So sagte er: «... Es erweckt den Anschein, daß manche theoretische Ab Handlungen nur einen persönlichen Untergrund haben. Wir haben Akademiker, die wähnen, der Tag wäre gestohlen, an dem sie nicht eine neue Theorie ausgeheckt haben. Aber kommen solche Akademiker zu uns. so steht die Stufenleiter fertig; dagegen müssen verdiente Genossen, die 10, 20—30 Jahre für die Partei tätig gewesen sind, zurückstehen," Hier wurde den, Redner aus der Versammlung zu- gerufen: Calw erl, worauf er fortfuhr:„Ach. auf diesen Fall will ich gar nicht eingehen. Genossen, die in einem Scherlblatte ihre Ansichten niederlegen, sind für mich ohne weiteres gerichtet." Euq Industrie und Kandel. Bedauerlich geringe Lohnverminderung. Einem Ausweis über die Ergebnisse der Arenberg A.-G. für Bergbau und Hüttenbeirieb im„Börsen-Courier" ist folgende Mit- teilung angehängt: „Leider hat sich, wie der Vorstand weiter mitteilt, im Laufe des Jahres die Geschäftslage auch in der Kohlenindustrie wcsent- lich verschlechtert; besonders machen sich die hohe KokSeinschräykung sowie der außerordentlich geringe Absatz in Nebenprodukten recht unangenehm bemerkbar, wohingegen andererseits die Unkosten ge- stiegen sind und die Löhne keine irgendwie nennenswerte Einbuße erfahren haben..." Die Gesellschaft verteilte für die beiden letzten Geschäftsjahre je 45 Proz. Dividende. Auch für das lausende Jahr wird eine min- bestens amiähentd gleich Hobe Ausschüttung erwartet. In den jetzt verflossenen drei Vierteljahren ist die Kohlenförderung auf 1 316 073 Tonnen oder gegenüber dem Vorjahre um 172 S67 Tonnen gestiegen. Aber die Löhne sind„leider" nicht„nennenswert" gesunken. Har- monie der Interessen l Wirkungen der Krise. In immer fühlbarerer Weise macht sich im rheinisch-westfälischen Jndustriebezirk die Krise bemerkbar, Arbeilerentlassungen. Lohn- lürzungen, Feierschichten und Drangsalierungen find an der TageS» ordnung. Von einem einzigen Tage sind z. B. folgende Meldungen zu registrieren: Auf einer Glasfabrik in Lünen wird den Arbeitern eine 25proze»tigr Lahntnrzung ab November angekündigt. Ans einer anderen Fabrik in Lünen wurdo die Schichtzeit um t Stunde oetürrt. Da auf Stundenlohn gearbeitet wird, bedeutet die Maßregel eLeufallS eine Lohnreduktion. Auf einem kleinen Eisenwerk in Hörde, das erst kürzlich 40 Arbeiter ablegte, wurde abermals 60 Arbeitern gekündigt. Natürlich können die Entlassenen nicht daran denken, irgendwie anderweitig wieder uilterzukomuien. Fremde Arbeiter zieben ja nocb immer ins Revier, werden auf den Zechen und Fabriken ja auch noch untergebracht, aber einheimische Arbeiter„be- glückt" daS Unternehmertum inassenhast mit Kündigung. Auf den Zechen werden jetzt durchweg Feierschichten eingelegt. Dabei verfahren Zechengewaltige außerordentlich willkürlich. Es ist schon wiederholt vorgekommen, daß Bergleute an Sonn- abenden zu Uebcrschichtc» veranlaßt wurden und wenige Tage später seiern mußten. Auf einer Dorlinunder Zeche mußten am Dienstag dieser Wvche die Bergleute l'/s Schichten verfahren und am Donners- tag wurde die gesamte Belegschaft durch EiNlegnng einer Feierschicht überrascht. Mitten im Monat erfolgen Gedingbkürzunge». Wem es nicht paßt, der soll sich beim Betriebssiihrer melden, heißt es. Wer sich meldet, wird am nächsten Termin sicher fliegen. Was jüngst in BelegschaftSversammlungen der Zeche„De Wendel» im Hani- mcnser Revier über Mißhandlungen und robe Behandlung berichtet wurde, erinnert an Erzählungen aus dem Sllaveuleben. Es haben sich vielfach wieder Zustände herausgebildet, die denen vor den großen Streiks verzweifelt ähnlich sehen. Die Herren haben aber aus der Vergangenheit noch immer nicht gelemt, oder man geht mit zielbewußter Absicht zu Werke. In einer Sitzimg der Stadtverordneten in Mülheim(Ruhr) er- klärte der Gewerke Hugo Stiimes au« Anlaß einer Interpellation über Notstandsarbeiten, es sei tatsächlich mit noch umfangreicheil Arbriterentlaffuiige» zu rechnen, weshalb Vorkehrungen zur Ver- hinderuilg große» Elends getroffen werden müßten.— Erst holen die Herrichaften aus allen Ländern massenliaft Arbeiter heran und überlassen dann den Koinuiune» die Sorge für die Arbeitslosen. So ist'S bequem l_ Es lohnt noch. Im dritten Vierteljahr 190S betrug die Kohlen- förderung der G e w o r k s ch a f t„Ewald" bei Herten i.W. 522 662 Tonnen und der Betriebsüberschuß t 243 588,98 M. gegenüber 473 669 Tonnen begv. 1 066 211,81 M. im zweiten Vierteljahr 1908 oder 512607 Tonnen bezw. 1474 300,86 M. in' dritten Vierteljahr 1907._ Roheisenerzeugung. Im Lichte der internationalen Statistik hebt sich Deutschlands Roheisenerzeugung relativ günstig ab. Es betrug nämlich die Hoch- ofeuproduktion in der Zeit von Januar bis einschließlich September! 1907 1003 �uios"� Tonnen Tonnen � In Deutschland... 9 688 484 8 924 665 7.78 . Belgien..... 1007 250 882 810 17,81 , den Verein. Staaten 20 230 000 10914 000 46.00 Teilweise ist das günstige Resultat in Deutschland auf Steige- rung der Ausfuhr an Rohmaterialien und Halbzeug, sowie aus Produltion für Lagerung zurückzuführen. Soziales* Keine freie Arztwahl für Trinker und Arbeitsscheue. Die Frankfurter Aerztc haben durch ihre Organisation eine Eingabe an die städtischen Behörden gerichtet, die freie Arztwahl, die bei den Ortskrankenkassen eingeführt ist. auch auf die Armen- pflege auszudehnen. Für die Armen besteht zurzeit in Frankfurt am Main daS System der Bezirks- und Vertrauensärzte, und die Armenvertvaltung hält zäh an diesem System fest, das den armen Geld.empfängLc.zwingt...bei- einem'lhmi Mimüttw Arzte Hilfe. im Krankheitsfälle zu suchen. Daß dieses System große Mißstände dankbares Arinerr sind"fo*„halsstornsch�daß sie lieber zugpunde gehen, eh» siS'emesi ihiten �ufgdzwAn'genm'Arzt konsultierest i, Der freisinnndemokratischen Manchestcrpartei, die auf dem Rät-, Haus die Mehrheit hat, fehlt für den„Starrsinn"'d->>»' BcrstänÄnis/, In der letzten Sitzung lehnte sie" den Antrag des Aerztc- Vereines, der von unseren Genossen im Stadtparlament warm unterstützt wurde, glatt ab. Und welche„Argumente" mutzten dafür herhalten, welch rückständiger Geist in dieser angeblickt „fortgeschrittenen" Partei? Einer der edlen" Freisinnshelden� meinte gar, den Trinkern und Arbeitsscheuen könnte man nicht dasselbe Recht zugestehen, wie den ehrlichen Ar-; bcitcrn. Jetzt wissen wir es! Die von der Krise und der Arbeits-� lcsigkeit auf den Strand Gesetzten sind unehrlich, sind trunksüchtig, sind arbeitsscheu! Es fehlte nur noch der berühmte wohlgemeinte Rat, sich aus'.die sex Welt»u. packen, in der nicht für alle gedeckt ist. 7 Gewerfcrcbaftlicbe*?. An die gesamte Tabakarbciterschaft Deutschlands! Noch wenige Tage trennen uns vom 4. November, dein Tage der Eröffnung des Reichstages. Und immer noch hält die Reichsregierung an der Praxis der Ueberrunipelung fest,. immer noch ist der für die Tabakindustrie so verhängnisvolle. Gesetzentwurf mit seinen Einzelheiten nicht zur Kenntnis deS Volkes gebracht worden. Wenn man in Vctrachr zieht,! welch großes Unheil durch diese Geheimnistuerei der In- duftrie zugefügt wird, wenn man erwägt, daß dadurch! scholl allein die Existenzmöglichkeit von über 299 999 Tabakarbeitern, ungerechnet der kleinen und mittleren selbständigen Gewerbetreibenden, welche sich ebenfalls auf Zehntausendc belaufen, auf das schwerste gefährdet ist, so belveist schon diese Rücksichtslosigkeit, daß wir nichts mehr und nichts weniger als' die Vernichtung einer blühenden Industrie zu erwarten haben. Die in der Tabakiiidustrie beschäftigten Arbeiter sprechen einer solchen Regierung das Recht ab. die Existenz von Hundert- taufenden von Arbeitern zu gefährden, während es ihr mit s Leichtigkeit möglich wäre. durch eine progressive Reichs- einkommensteuer die von ihr gewünschten Summen herbei- zuschaffen, um dadurch die wirklich t r a g f ä h i g e n Schultern zu belasten, die Schultern derer, durch welche eigentlich die Finanznot herbeigeführt worden ist, Tabakarbeiter! Aus alledem werdet Ihr ersehen, daß Euch die vollständige Vernichtung Eurer Existenz droht. Darum gilt es. so lange es noch Zeit ist, die letzten Kräfte anzuspornen, durch alle uns zu Gebote stzehenden Mittel die uns drohende Gefahr abwehren zu helfen. Zu diesem Zivecke hat die; Zentralkommission beschlossen, um kein Mittel unversucht zu lassen, einen allgemeinen Kongreß der gesamten Tabakarbeiter Deutschlands und deren Hilfsgewcrbc» nach Berlin, vor den Toren des Reichstages, einzuberufen. Der Termin wird späterer Bekanntmachung vorbehalten. Zu. diesem Kongreß sind Delegierte aus allen Orten, wo Tabakiudnstrie vertreten ist. zu entsenden. Es ist daher notwendig, sich schon in den zunächst stattfindeudcn Versammlungen mit der Be- schickung des Kongresses zu beschäftigen, schon jetzt hierzu Geld- sammlungen zu veranstalten, damit- möglichst selbst der kleinste- Ort durch einen Delegierten vertreten sein kann. Kollegen und Kolleginnen i Nutzt die kurze Spanne Zeit, die uns noch von dem Augenblick trennt. to unfer Schidjal besiegelt werden foll, gey nügend aus, um unsere so gerechte Gegen. wehr nutzbar zu gestalten. Jegt gilt es tein Säumen mehr! Auf zum Kampf für unsere gerechte Sache! Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Die Zentralfommission der Tabakarbeiter Deutschlands. J. A.: Wilhelm Boerner, Berlin S. 42, Ritterstraße Nr. 15, parterre. Karl Butry. Cohen machte in seinem Schlußwort noch auf die Gewerbegerichtswahlen aufmerksam und betonte die Pflicht der Arbeitnehmer, sich eifrig daran zu beteiligen. Deutsches Reich. zuDer Die heute in Tegel tagende Betriebsversammlung der Firma 1schriften machen!" Unterdeffen waren beide ausgeftiegen. Borsig erklärt, daß sie mit der Kritik des Referenten über die Da der Angeklagte noch weiter schimpfte, forderte b. Bismard angeführten Mißstände einverstanden ist. Sie erklärt ferner, bon ibm feine Karte. Der Angeflagte antwortete ihm:„ Ein daß tro wiederholter Vorstellungen des Arbeiterausschusses die paar Oerfeigen fönnen Sie friegen". Der Zeuge v. Bismard er Mißstände in den wesentlichen Punkten nicht abgestellt worden flärte ihm darauf, er fei Offizier und verlange volle Genugtuung sind und hofft, daß die heutige Kritik dazu beitragen wird, so für diese Schmähung. Beder entgegnete hierauf: So ein dummer fortige Abhilfe zu schaffen. Die Versammlung erhebt auch grüner Junge will Leutnant sein. Wenn Sie Leutnant sind, energisch Protest gegen das Auftreten des Betriesingenieurs friegen Sie erst recht ein Paar!" Der Zeuge antwortete Paschtes, dessen Vorgehen die Arbeiferschaft schwer schädigt und hierauf:" Frecher Kerl", worauf der Angeklagte, der auch der Firma nicht zum Vorteil gereicht." hinter dem von Beugen ging, ihn hinten auf sprang und ihm einen Fausticlag gegen den Kopf ver fetzte und davoneilte. Der attadierte Offizier ließ daraufhin den Angeklagten sofort durch den Schugmann Subiad feststellen. Am Abend desselben Tages richtete der Angeklagte eine Die Tarifbewegung der Weißgerber, Leberfärber und Hilfsarbeiter. Anzeige an das Generalfommando, in der er sich noch in gewissem Am Donnerstag hatte die Filiale I des Lederarbeiterverbandes Zur Tariffündigung in der Weltener Ofenindustrie Sinne rühmte, den Offizier geschlagen zu haben. Ferner teilte eine Versammlung aller in der Lederindustrie beschäftigten Ar- Jezt sind auch den Hilfsarbeitern im Töpfergewerbe die von er wahrheitswidrig mit, daß v. Bismard ihn nicht gebeiter einberufen, in der über die Tarifverhandlungen den Unternehmern gewünschten Abänderungen, die ebenfalls wie fordert babe. Die Folge diefer Anzeige war, daß gegen den jungen berichtet und über die weiteren Maßnahmen beraten wurde. Die bei den Töpfern„ teine Abzüge" bedeuten sollen, zugestellt worden. Offizier ein ehrengerichtliches Verfahren eingeleitet wurde. Auf Grund Versammlung war zahlreicher als je zuvor besucht. Der Eaal Zunächst verlangen die Unternehmer, daß Ueberstunden, die bisher der Behauptungen des Becker und zweier von diesem namhaft war voll bis auf den letzten Stehplatz. Den Lericht gab Heide I mit 35 Pf. bezahlt wurden, nur als solche betrachtet werden, wenn gemachter geugen wurde von B. mit schlichtem Abschied aus dem berg. Wie der Vorwärts" schon mitteilte, find die Verhand- fie die erste volle Arbeitsstunde nach Feierabend überschreiten. Heere entlassen, da er sich nicht auf standesgemäße Weise Gegen diefes Urteil des Schöffens lungen am Dienstag wiederum ergebnislos verlaufen. Daß eine Die angefangene Stunde sowohl, wie auch die erste volle Stunde Genugtuung verschafft habe. Ginigung nicht zustande tam, liegt daran, daß die Fabrikanten nach Feierabend beim Zulangen usw. wird wie gewöhnlich gerichts legte der Staatsanwalt und auch der Angeklagte sofort Be irgend ein nennenswertes Entgegenkommen nicht zeigen wollen bezahlt. Eine derartige Regelung ist wirklich originell. Aufrufung ein. Ferner schloß ich v. Bismard unter Beistand des und die Arbeitnehmer auf weitere drei Jahre an den alten Tarifs die Begründung, warum die erste bolle Stunde nach Feierabend Rechtsanwalts Bredered dem Verfahren als Nebenkläger an. In vertrag mit seiner 9½ftündigen Arbeitszeit, seinen bei der steigen- teine Ueberstunde sein soll, fann man toirtlich gespannt sein und der Verhandlung vor der Berufungsstraffammer, die unter Vorsiz den Teuerung allzu niedrigen Lohnfäßen binden möchten. Das fie dürfte auch den Arbeitgebern schwer fallen. Doch Gründe sind des Landgerichtsdirektors Köster stattfand, ergab es sich, daß der einzige, was durch die Vermittelungstätigkeit der Beisizer am schließlich wohlfeil wie Brombeeren und in diesem Falle würden sie Angeklagte schon früber dreimal wegen Beleidigung bezw. KörperGinigungsamt herausgekommen ist, war ein Vorschlag von Arbeit- ben Unternehmern etwas einbringen. In der Praxis ist nämlich verlegung mit Geldstrafen vorbestraft ist. In allen Fällen geberseite, die Lohnjähe nach Verlauf eines Jahres um 1½ Proz. die Sache so, daß es in der Veltener Ofenindustrie ganz ver- handelte es fich um vom Zaune gebrochene Streitigkeiten, und für das legte Jahr des Tarifvertrages wieder um 1½ Broz. schwindend wenige Arbeiten der von den Unternehmern angeführten bei denen der Angeklagte dann sofort beleidigend geworden au erhöhen. Das war ihr ganzes Entgegenkommen, und selbst Art gibt, welche längere Zeit in Anspruch nehmen als eine Stunde war. In seiner Vernehmung bestritt Beder, beleidigende Sies schien einzelnen Arbeitgeberbertretern noch zu viel, denn sie nach Feierabend. Dadurch soll eben nun jede Bezahlung von Ausdrücke gebraucht zu haben. Er gab zu, den Offizier geschlagen erflärten, daß nicht sie, sondern ihre Beisitzer diesen Vorschlag ges Ueberstunden ausgeschlossen sein. Man sieht, daß auch hier ein zu baben, dies sei aber erst geschehen, als dieser ihn frecher Kerl" macht hätten. Das unter folchen Umständen der Abschluß eines Abzug geplant ist, den man nur in eine andere Form fleidet. Die genannt habe. Er selbst sei sehr nervös und herzleidend und gerate neuen Tarifvertrages nicht möglich wurde, ist ja leicht begreiflich. höhere Bezahlung von lle berstunden soll in der Folge bei den geringsten Anlässen gleich in eine große Erregung. In dem In der Diskussion, an der sich viele Redner beteiligten, trat gänzlich fortfallen. Daß hierauf die Hilfsarbeiter nicht ein- vorliegenden Fall habe er sich völlig forreft benommen. eine lebhafte Entrüstung über das Verhalten der Fabrikanten zu gehen fönnen, liegt auf der Hand, und sie haben bereits in einer Offizier habe ihn feinesfalls gefordert, er hätte in diesem Falle ohne weiteres volle Genugtuung gegeben. tage. Man fand es empörend, daß sie den Arbeitern nicht ein Bersammlung dieses Ansinnen der Unternehmer abgelehnt. Mehrere 8eugen, die bißchen mehr freie Zeit gönnen wollen, nicht Zeit, sich ihrer Fain dem ehrengerichtlichen Veriahren anders ausgesagt hatten, bes milie zu widmen, sich geistig fortzubilden; daß, die Fabrikanten, stätigten nunanehr, daß der Offizier sofort nach den ersten Bes ohne Rüdjicht auf die steigende Teuerung wie auf die neuen leidigungen von Becker die Kaite verlangt und ihn gefordert habe. Steuerpläne der Regierung, fie auf drei Jahre an Löhne binden Der Zeuge Leutnant Otto v. Bismard gab von dem Vorfall wollen, die sich schon längst als unzureichend erwiesen haben. eine Darstellung, die sich mit den obigen Angaben deckt und auch Gleichwohl wurde hervorgehoben, daß man auch jetzt noch, wie bisher, von anderen Zeugen bestätigt wurde. Insbesondere wurde bestätigt, unter annehmbaren Bedingungen zu einer Einigung mit den daß der Zeuge v. B. nicht geschimpft, daß der Angeklagte dem Fabrikanten bereit, und anderenfalls gewillt sei, die Arbeit ohne Beugen nachgelaufen sei und ihm von hinten einen Schlag Tarifvertrag fortzusehen. Schließlich wurde einstimmig folgende gegen den Kopf gegeben und neben den anderen SchimpfRefolution angenommen: worten auch gesagt habe: Es freut mich, daß Sie als Der letzte Katholikentag, der im August dieses Jahres in Leutnant bon mir eine Ohrfeige bekommen haben! Ich Düsseldorf abgehalten worden ist, hat aufs neue bewiesen, wie melde Sie dem Generalfommando, und dann werden Sie tassiert!" wenig das Zentrum daran denkt, die Gleichberechtigung der Frau Und diese Drobung so erklärt Leutnant v. Bismard ist auch zu erkämpfen. In den Debatten und Beschlüssen dieser Tagung wirklich in Erfüllung gegangen. Nach Schluß der Beweisaufnahme ist flar hervorgetreten, daß die schwarzen Volksfreunde" nur der führte Staatsanwalt Graßb of etwa folgendes aus: Der Fall selbst Not gehorchend sich mit der Frauenemanzipation beschäftigen. müsse die größte Entrüstung hervorrufen. In unserem weltstädtischen Das Zentrum hat durchaus nicht die Absicht, die Frau frei Verkehr fei jeder auf die Benutzung der Straßenbahn angewiesen; und gleichberechtigt mit dem Manne zu machen, im Gegenteil, es jedermann fühle sich verpflichtet, dabei auf den anderen Rücksicht zu lehnt derartige Bestrebungen weit von sich ab, wie Professor Jahn nehmen und die Pflichten der Höflichkeit zu erfüllen. Man möge in seiner Rede über Frauenbildung und Frauenbetätigung" be- bedenken, was daraus werden sollte, wenn ein solch häßlicher Vortonte: fall, wie er hier in Frage stehe, irgendeinem anderen passieren Man möge Wir weisen ab jeden Versuch, die Unterschiede zu ignorieren, würde, was doch alle Augenblice möglich wäre. die zwischen Mann und Frau bestehen, nicht als Bildungen ferner bedenken, daß das Renfonter fich hier zwischen zwei Männern menschlicher Willfür, sondern als Ratschlüsse der ewigen Weis- aus den besten Geiellschaftetreisen abgespielt hat. Sm allgemeinen heit. An dieser Ordnung zu rütteln und für öffentlichen Interesse sei es daher geboten, diesen Vorfall mit die Frauen alle Männerberufe, alle Männer- einer strengen Strafe zu martieren, damit in Zukunft die Deffentpflichten, alle Männeriete geltend zu machen, lichkeit geschützt werde vor einer Wiederholung eines solchen rideint uns als ein wahres attentat, als attentat gegen Gggeſſes. Die Borstrafen des Angeklagten zeigen, daß er mit Dhr Gottes Ordnung, gegen Familien- und Völkerglück und feigen sehr schnell bei der Hand ist und sich trop feines Alters nicht auerst, und aulept gegen das Frauenglück. Wenn die Frau nach die nötige Reierbe aufzuerlegen bemüht sei. Dieser häßliche Vorfall fremder Krone trachtet, reißt sie die eigene sich vom Haupte. Ob fei ein Schandfleck für unser öffentliches Leben, es handele sich um man es wolle oder nicht, die Erfüllung jener Forderungen müßte dazu führen, daß viele Frauen allmählich oie ehrwürdigen, dreis mal gesegneten Aufgaben der Hausfrau, der Gattin, der Mutter als etwas Minderwertiges, Lästiges empfinden und vor sich weifen würden." Die Versammlung fann in den bei den Verhandlungen gemachten Vorschlägen die Grundlage zu einem dauernden Frieden nicht erblicken. Sie lehnt die Zugeständnisse als zu gering ab und beauftragt die Kommiffion, noch einmal zu versuchen, annehmbare Zugeständnisse zu erreichen. Sollte das nicht gelingen, so beauftragt die Versammlung die Kommission, die Forderungen zurückzuziehen. Es soll dann ohne Vertrag weitergearbeitet werden." Der Ausstand der Maurer und Bauhilfsarbeiter in Borna hat sich nunmehr auf das ganze dortige Baugewerbe ausgedehnt; nachdem auch den Zimmerern Lohnabzüge gemacht wurden, find auch diese in den Ausstand getreten. Aus der Frauenbewegung. Zentrum und Frauenrechte. 1. • einen schweren, groben Erzeß, der sehr böse Folgen gehabt habe. Eine Strafe von 6 Wochen Gefängnis sei auch nicht annähernd eine ausreichende Sühne. Der Staatsanwalt beantragte wegen der wörtlichen Beleidigung das Höchstmaß von 1 Jahr Gefängnis, für die tätliche Beleidigung 1% Jahre Gefängnis und eine Gesamt. strafe von 2 Jahren Gefängnis bei sofortiger Verhaftung des Angeklagten. Die Arbeiter der Firma A. Borfig hielten dieser Tage eine sehr stark besuchte Betriebsversammlung bei Trapp in Tegel ab. Adolf Cohen hielt einen Vortrag über das Thema:„ Die Wirkungen der Krise". Der Redner schilderte die gegenwärtige wirtschaftliche Lage und zeigte, wie die Arbeiterschaft unter den vielen Schäden, die sie gebracht hat, am schwersten leiden muß. Er kritisierte die offizielle Arbeitslosenzählung, die die Stadt Berlin vornehmen will. In den Unterstübungseinrichtungen der Gewerkschaften haben diese das beste Barometer über den jeweiligen Stand der Arbeitslosigkeit; es genügt, darauf hinzuweisen, daß in Berlin das erste Salbjahr 1908 mehr an Unterstützungen verschlungen hat als das ganze Jahr 1907. Dit welchen Augen aber sehen unsere Behörden diese Unterstützungseinrichtungen an! Cohen wünscht festzustellen, daß er schon mehrmals Vorladungen erhalten hat, weil die Behörde schuldiger Steuern wegen feststellen wollte, ob ein Mann Mitglied des Verbandes sei und Arbeitslosenunterstüßung beziehe, also ein„ Eintommen" habe.( Pfuirufe.) In ähnlicher Weise kann man in Der gebildeten Frau will der Profeffor gestatten, zur rechten Unternehmerkreisen beobachten, wie die Krise rücksichtslos gegen Zeit eine größere Beitung zur Hand zu nehmen, damit sie sich den Arbeiter ausgenügt wird. Manche haben noch eine Ents über die politischen Vorgänge orientiere; die politische Betätigung Verteidiger Rechtsanwalt Th. Marcuse bat, davon abzusehen, schuldigung für sich, weil sie selbst unter der Krise leiden müssen. soll aber nach wie vor den Frauen verschlossen bleiben, im Inter- daß hier der paffive Teil ein Leutnant in givil gewesen, und die Andere und sehr große Firmen, die nicht von der Krise erfaßt esse der Frau, der Familie und des Volfes". Die Freigabe des Sache so zu beurteilen, als ob es sich um ein Refonter mit irgend worden sind, werden gegen die Arbeiterschaft anmaßend, weil sie Vereins- und Versammlungsrechtes dürfe nicht dazu führen, daß einem Schulze oder Müller handele. Tatsächlich liege doch hier nur meinen, der Arbeiter müsse in der jetzigen Zeit zittern vor der die Frauen nunmehr im Laufschritt zur Wahlurne drängen. ein Erzeß der augenblicklichen Erregung vor, den ein nervöser, auf Arbeitslosigkeit. Go werden jetzt bei Borsig, wo über Ar- Das ist Zentrumsfreundschaft für freiheitliche Be- geregter Mann begangen habe. des rechtlosen Geschlechts. Wohl Das Gericht bezeichnete die Handlungsweise des Angeklagten beitsmangel nicht zu flagen ist, Bestimmungen getroffen, die nur ftrebungen zu verstehen sind, wenn man sie aus diesem Gesichtspunkt betrachtet. braucht das Zentrum die Frauen, um seine lichtscheuen als eine gegen alle Regeln des Austandes verstoßende, die gerade Die Meister und Werkführer und andere Angestellte in der Ver- Pläne durchzuseßen, doch nicht einmal auf dem Ratholitentag bei einem akademisch gebildeten Manne um so schwerer zu berwaltung nehmen sich mehr als jemals Rüdsichtslosigkeiten gegen durften sie als Gleichberechtigte weilen, obgleich tein urteilen sei. Gegen derartige ganz unqualifizierbare Angriffe müffe die Arbeiter heraus. Man könnte die Frage aufwerfen, ob die Vereinsgesetz dies hinderte. mit aller Strenge borgegangen werden, schon um dem Angeklagten Leitung des Werkes von dem Treiben der Angestellten Kenntnis die Achtung vor der Ehre anderer beizubringen. Mit Rücksicht auf Und das nennt sich Kämpferin für Wahrheit und- Recht! hat; aber jedenfalls muß man sie für verantwortlich halten. In die wegen ähnlicher Exzesse erlittenen Vorstrafen des Angefagten der Kesselschmiede wird viel geflagt über den Oberingenieur London, 23. Oftober. Englands erster weiblicher Bürgermeister und die vom Staatsanwalt vorgetragenen straffchärfenden Memente Wandite. Die Behandlung der Arbeiter läßt viel zu wünschen ist in der Stadt Higa Bicombo in der Person der Oberlehrerin lautete das Urteil auf ein Jahr und sechs Monate Ge übrig und sie sind nicht zufrieden. damit, daß versucht Miß Dove gewählt worden. fängnis, außerdem wurde dem Beleidigten die Publikationswird, die achtstündige Arbeitszeit in eine neunstündige umbefugnis augesprochen. Der Angeflagte wurde auf freien Fuß Ueber den zuwandeln. Betriebsleiter Baschtes werden belassen. bie meisten Beschwerden laut. Seine Art, Neuerungen einzu führen, hat schon viel Anstoß erregt, zum Beispiel sein KartenGewiß ist die Handlungsweise des Angeklagten eine robe, festem zur Kontrolle und seine Aufräumungsmethoden. In den durchaus zu mißbilligende. Insbesondere verwerflich ist die einer lebten Tagen haben einige Abteilungen den Betrieb verlassen hatte sich dieser Tage vor dem Schöffengericht in Nördlingen wissentlich falschen Anzeige nahe kommende Anzeige an die müssen, weil sie vor Kälte nicht arbeiten konnten; es mangelt an wegen Beleidigung des dortigen Tuchfabrikanten Ludwig Militärbehörde. Die Strafe felbst ist aber eine ganz egoabitante. den notwendigen Heizungsvorrichtungen. Die Art der Arbeit ges Rosenau zu verantworten. Die Beweisaufnahme mußte teil- Sie steht in gröbstem Mißverhältnis zu den leichten Strafen, stattete diesen Leuten nicht, sich warmzuarbeiten", wie manchmal weise unter Ausschluß der Deffentlichkeit geführt werden und ergab die von Militärgerichten gegen feige und rohe Unteroffiziere, von den Arbeitern geraten wird. Neuerdings werden bei Borfig nur haarstiäubende Dinge. Einem Werfmeister wurde nachgewiesen, daß Zivilgerichten gegen ebenjolche Schuyleute ausgesprochen werden, folche Arbeiter eingestellt, die auf ihrer letzten Stelle ein Jahr und er im Betriebe eine Arbeiterin vergewaltigt hat; der Reiselheizer wenn nicht ein Leutnant, sondern ein Arbeiter ber Mißim Beruf selbst drei Jahre praktisch tätig waren. Herr Baschtes machte es nicht viel besser, und ein weiterer Wertmeister vers bandelte wäre. Die falsche Anzeige an die Militärbehörde stand ftellte jüngst einen Mann nicht ein, weil er so flein" fei. Sic weigerte auf eine verfängliche Frage die Aussage. Der frühere nicht unter Anklage. Der verkehrte Beschluß des Ehrengsichts und entscheidet oft die Laune, ob ein Mann Arbeit erhält oder nicht. Sozius der Firma, der vor einigen Jahren starb, hat felbst Mädchen dessen Folgen scheinen den hauptsächlichsten Strahärfungs Auch unter den Bureauangestellten bei Borsig ist Unruhe ausge. nicht geschout, die noch zum Besuche der Sonntagsschule verpflichtet grund abgegeben zu haben. Aber der Ehrengerichtsspruch ist eine brochen, weil bekannt wurde, daß 200 Beamte nächstens ihre Kün- waren. Als der Unternehmer von dem Treiben feiner Angestellten Handlung, die auf das Konto der Ehrengerichtsrichter, nicht das des digung erhalten und weibliche Arbeitstrafte an ihre Stelle treten enntnis erhielt, entließ er einfach die Opfer dieser gewiffenlosen Angeklagten fällt. sollen. Den Proletariern im Gehrod" ist oft genug die Not Elemente. wendigkeit der Organisation nahegelegt worden; aber sie haben den Wegen Beleidigung der großherzoglichen Regierung in Eutin Wert einer festen Verbindung zur Wahrung ihrer Interessen noch find am 9. Mai vom Landgericht Lübeck der Hauptmann a. D. nicht einsehen gelernt. Joachim v. Levezom zu 300 M. und der Redakteur des Die Arbeiter sind ungehalten über das fcgenannte Sperren der Kommissionen"( 8urückhalten der Aufs " Generalanzeiger", St nie, au 50 M. Geldstrafe verurteilt worden. träge), wodurch sie Schaden erleiden. Sie fordern auch bessere Die Berufungskammer des Landgerichts I hatte gestern in dem 2. batte in einem Artikel des Blattes der genannten Behörde RückSchußmaßregeln bei ihrer Arbeit, denn in diesem Jahre find schon Prozeß gegen den Herausgeber einer Zeitungsforrespondenz, Redakteur ständigkeit, Unfähigkeit, Trägheit und Einseitigkeit vorgeworfen. biele Unfälle zu verzeichnen gewefen und sieben Männer sind um Beder aus Echoneberg wegen Beleidigung des früheren Leute Much war gefagt worden, daß die Regierung aus dem elle der ihr Leben gekommen. Viel Erbitterung hat es erregt, daß die nants Dito bon Bismard zu entscheiden. Es handelte sich Bauern Riemen schneide. Das Gericht erkannte beiden Angeklagten Kantine mittags den Arbeitern nicht zum Aufenthalt freigegeben um ein flegelhaftes Betragen des Angeflagten in einem Straßen- den Schuß des§ 193 im allgemeinen zu, da L. Vor fißender des wird. Mancher hat in diesen talten Tagen sein Mittagbrot auf bahnwagen. landwirtschaftlichen Vereins und der„ Generalanzeiger" ein landder Straße verzehren müssen. Oft wird das notwendige Wert Ter Angeflagte Beder war am 80. Juli d. J. von dem Schöffenwirtschaftliches Blatt ist. Die beleidigende Absicht wurde aus Form Die Revision der Angeklagten zeug nicht zur rechten Zeit ausgehandigt. Wie die Meister und gericht Berlin- Schoneberg wegen wortlicher und tätlicher Beleidigung und Umständen entnommen. Werfführer sich von dem Herrn Paschtes behandeln lassen, davon zu sechs Wochen Gefängnis auf grund folgenden Each wurde am Donnerstag bom Neichsgericht verworfen. erzählte Cohen unter dem Gaudium der Versammelten ergogiche verbalts verurteilt worden. Am 11. Februar d. J. rubren nach der Gerichts- Zeitung. Baschawirtschaft in einer fleinen Fabrik. Genoffe Simon von der, Augsburger Volkszeitung" Das Gericht erachtete den Wahrheitsbeweis für erbracht, erfannte aber wegen formaler Beleidigung auf 35 Matt Geldstrafe. Leutnants Beleidigung. Ein Mann mit der„ befonderen Ehre". Geschichten, und er betonte zum Schluß, daß die Arbeiter nicht ge- Eachdarstellung im Urteil erster Juſtanz der Angellagte und der Letzte Nachrichten und Depeschen. fonnen sind, sich in einer ähnlichen verlebenden Wene behandeln zu Leutnant Cito von Bismard auf einem Straßenbahnwagen laffen. Auch in Zeiten der Krife werden sie ihre Arbeiterehre hoch, der Linie 67. An der Bülow. und Botsdamerstraßenede halten und sich auch gegen Verschlechterungen der Arbeitsbedin wollten beite aussteigen. Vor dem Difizier stieg eine Dame Dresden, 23. Cftober.( B. H.) Ein Angestellter der Geschaftsgungen zu wehren wissen.( Beifall.) ab. Da diese dabei etwas langsam war, drängte der Angeflagte stelle des fonservativen Landesvereins in Dresden, Oberleutnant den vor ihm stehenden v. B. derartig, daß dieser auf das Kleid der a. D. Riedel, hat etwa 5000 M. unterschlagen und wurde verhaftet. Tame trat. Der Leutnant drehte fich um und sagte zu Beder: Wollen Sie nicht etwas zurücktreten. Ich trete auf das Kleid der Terpentin- Explosion. In der Diskussion wurden dem König von Tegel" noch manche derbe Wahrheiten gefagt. Die einzelnen Mißstände festen viele Redner noch in genaucre Beleuchtung. Hervorgehoben wurde unter anderem die Notwendigkeit einer besseren Dampfheizung und day die Vornahme einer Spindrevision über Werkzeuge im Beisein der Arbeiter geschehen sollte. Die folgende Resolution wurde ein ftimmig angenommen: " Dame; immer der Reihe nach!" Der Angeklagte entgegnete darauf Budapest, 23. Oftober.( W. T. B.) In der chemischen Fabrit zu dem Offizier, der sich in Zivil befand:" Sie dummer Schul von Herczeg u. Geiger explodierte heute abend ein Faz Terpentin. junge, Sie grüner Schlingel, ich habe Eie gar nicht gefragt, Das ganze Gebäude wurde in Flammen gesogt. Bisher find drei lich Laffe mir als älterer Herr von Ihnen feine Bor- Tote und zahlreiche Verwundete geborgen. Berantw. Rebalt.: Geora Davidfohn, Berlin. Inferatenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Sierau 3 Beilagen u. Unterhaltungsbl. Itm 25. 1. DtÜHt Öfö„Poillliftö" �ftlillfl Polllölllntt. �««Mbcnd. 24,©Mubtt 1908. Das BcItecbungslyJtcm im Saarrevier. Eaarbrücken, den 23. Oktober 1008. '(Telegraphischer Bericht.) vierter Berhandlungstag. In der heutigen Sitzung wurde die Zeugenvernehmung fort- geführt. Zeuge Obersteiger Müller (LandSweiler) bekundet, daß seit Jahren auf der Grube Reeden Durchstechereien vorgekommen seien. Er kann aber keine positiven Angaben darüber machen.— Sachverständiger Berginspcktor Herwig stellt au» den Lohnlisten und Schichtbüchern, die er sich aus der Grube hatte kommen lassen, fest, das; die angeklagten Steiger ge° wissen Partien Vorteile bis zu 00 Pf. pro Schicht und Mann ge- wahrt haben.— Hierauf wird der als Sachverständiger zugezogene Fahrstciger Müller (Heiligenwald) als Zeuge voernommen. Er bekundet, daß schon vor 11 Jahren, als er auf die Grube Reeden kam, Durchstechereien vorgekommen seien. Er selbst sei damals durch dieses Bestechungssystem in der Anstellung um 2 Jahre zurückgeworfen worden, weil er sich nicht an den Durchstechereien velemgen wollte. Den finanziellen Schaden, den er durch dieses Korruptionssiistem erlitten habe, berechnet der Zeuge auf mindestens lbOO bis 1800 M. Der damalige Obersteiger Kessler habe ihm gesagt. wenn er viel geschmiert hätte, dann wäre er auch schon weiter gekommen. Alle Beschwerden bei den Obersteigern hätten nichts genützt, man habe ihm immer nur anheim gestellt, auch zu schmieren. Er hätte die Sache längst angezeigt, wenn nicht die Bergleute gebeten hätten, Stillschweigen zu beobachten. Bor zwei Jahren aber habe er die Sache der Bergbehörde unterbreitet. Die Seele des Korruptions- fystems sei der Obersteiger Spengler gewesen, der sich allmonatlich von den Bergleuten Geld hätte geben lassen. Die Angeklagte Frau Obersteiger Spengler Hab» genaue Listen geführt über die Summen, die von den Bergleuten cinkamen. Ausserdem habe sie auch genau die Wünsche, die die Bergleute aussprachen, notiert. Die Bergleute, die befürchtet hätten, dass er, Zeuge Müller, die Sache zur Anzeige bringen würde, seien von Frau Spengler beruhigt worden. Frau Spengler habe gesagt, die Bergleute brauchten sich nicht zu fürchten, ihr Mann würde schon dafür sorgen, dass Müller bei der ersten Gelegenheit„fliege".— Bors.: Sie haben früher sogar gesagt, es seien Sammelstellen für den Obersteiger Spengler vorhanden gewesen.— Zeuge Müller: Ja, in den verschiedenen Wirtschaften. Es sind in diesen Wirtschaften Beträge für den Obersteiger Spengler bis zu 000 M. gesammelt worden.— Bors.: Sie sagten auch früher, dass die Steiger, die sich bestechen liehen, keine Autorität bei den Bergleuten hatten, und dass die Bergleute sich Dreistigkeiten herausnahmen.— Zeuge: Das Gefühl hatte ich allerdings.— Bors.: Was wissen Sie von den angeklagten Steigern?— Zeuge: Ich weiss, dass die meisten von ihnen über ihre Verhältnisse lebten, ihre Söhne studieren liehen usw., kurz, dass sie mehr Geld ausgegeben haben, als sie recht- massig als Steiger vereinnahmt haben konnten. AblehnuugSgesuch der Verteidigung. Verteidiger Rechtsanwalt Zillesen: Nachdem der Zeuge Müller diess'�Bekundungen gemacht hat, lehne ich ihn im Namen der ge- samten Verteidigung als Sachverständiger ab. Wir haben nicht gewusst, dass dieser Sachverständige hier als Zeuge auftreten würde. Es ist ganz selbstverständlich, dass. wenn jemand hierher kommt und sich in dieser Weise äussert, er befangen ist. Tie Bergverwal- tung hätte uns jemand anders als Sachverständigen hier prüfen- tieren müssen. Das ist nicht der richtige Mann, seine Bekundungen beweisen das.— Zeuge Fahrsteigcr Müller: Ich weise das, was der Verteidiger soeben gesagt hat. ganz energisch zurück.— Ver- teidiger Zillesen: Zurückzuweisen gibt es hier nichts.— Verteidiger Rechtsanwalt August: Ich bitte, den Zeugen zu fragen, ob er nicht eine ganze Reihe von Beamten als bestechlich verdächtigt hat. die jetzt sogar als Zeugen der Staatsanwaltschaft auftreten. Ich führe das als Beweis dafür an, wie ungerecht und leichtfertig jemand verdächtigt werden kann.— Zeuge Müller: Ich möchte wissen, welche Beamten ich verdächtigt haben soll.— Bors.: Ich stelle fest, dass der Sachverständige Müller nicht von der Bergverwaltung, sondern kleines f cirilleton* Versuche an Hingerichteten. AnS New Dork wird berichtet: An sieben zum Tode Verurteilten, die im Singsiiig-Gesängnis der Hinrichtung«itgegensehen. will Dr. George F. Shrady, der Totenschauer der Stadt New Jork. Versuche machen, durch die festgestellt lverden soll, ob Verbrecher, die durch den ekektrischcu Strom hingerichtet werden, furchtbare Qualen erleiden, bevor sie tot sind. Dr. Shrady ist fest überzeugt, dass die Hinrichtung durch Elektrizität eine unmenschliche Grausamkeit ist. Cr behauptet, dass die elektrischen Schläge nicht den Tod herbeiiühren. und dass dieser erst bei der Sektion durch die Acrzte eintritt. Nach seiner Meinung ist eZ in fast allen Fällen möglich. Personen, die dem elektrischen Strom im Singsing-GesängniS unterworfen wurden, wieder zu beleben, und er führte an, dass in einigen Fällen, in denen diese Wiederbelebung tatsächlich stattgefunden hat. die Personen grausige Schilderungen des Todeskampfes bei Anwendung der Elektrizität geben. Ein Fall ist zu seiner Kenntnis gekommen, in dem ein Verbrecher, ein gewisser W. G. Taylor, nach dem elektrischen Schlag wieder zu sich kam und dann durch Chloroform getötet wurde, in- dem die Aerzte ihn niederhielten, während das Be- tänbnngSmittel angewandt wurde. In dem Fall eines gewissen William Äemmter wurde der Körper, nachdem der erste Schlag leine tödliche Wirkimg getan, das zweite Mal grauenhaft verbrannt, und selbst dann noch zeigte er Lebenszeichen, als die Aerzte das Gehirn sezierten. Den bevorstehenden Hinrichtungen will Dr. Shrady nun beiwohnen und nachdem die Delinquenten von den Gerichlsbehörden für tot erklärt sind, will er Versuche an ihnen machen, um zu zeigen, dass sie wiederbelebt werden können. Wenn ihm dies gelingt, so wird die wahrscheinliche Folge die Abschaffung der elektrischen Hinrichtung im Staate New Uork sein. Böller Asiens wahret eure heiligsten Güter. Eine starke Er- Witterung herrscht unter den gebildeten Chinesen und den in China heimisch gewordenen Europäern über den unerhörten VandalismuL, den sich' europäische Touristen in den nördlichen Provinzen des Himmlischen Reiches erlaubt haben. Die Barbarei ist soweit gegangen, dass im letzten Jahre mehrere der berühmtesten und wertvollsten Denkmäler schwer beschädigt worden sind. Die Steinfiguren an den berühmten Gräbern der Ming- Dynastie haben schwer gelitten, selbst der heilige Bezirk um den Himmelslempel zu Peking ist nicht verschont geblieben. Die Reliefs an der Basis des grossarligen MarmorgrabeS im gelben Tempel sind teilweise ganz zerstört. Der Ta-Kaotien- Tempel in Peking ist jüngst für alle Besucher geschlossen worden, weil auch hier die Fremden in unverantwortlicher Weise die Denk-. vtlil« beschädigten. Vielfach find wertvolle Kunstaeaenstände ver-i von der Staatsanwaltschaft geladen ist.— Zeuge Fahrsteiger Müller: Und ich füge hinzu, dass ich der Ladung nur ungern gefolgt bin.— Verteidiger Rechtsanwalt Stegemann: Ter Zeuge hat genau ausgerechnet, um wieviel er geschädigt worden ist; er glaubt also durch das BcstechungSshstem benachteiligt zu sein. Seine Aussage macht den Eindruck, als ob er förmlich auf den Augenblick gelauert hat. um hier vor Gericht als Zeuge auftreten zu kömwu, um diese belastenden Angaben zu machen. Ein solcher Mann, der so zu den Dingen steht, kann nicht auf die Unparteilichkeit Anspruch erheben, die man von einem Sachverständigen verlangen muß.— Verteidiger Rechtsanwalt August: Der Zeuge hat eine ganze Reihe von Per- soncn als bestechlich angegeben, die niemals bestochen worden sind. Ich will nicht behaupten, dass in Wirklichkeit auch diese Leute be- stochen worden sind. Ich habe das vielmehr nur angeführt, um zu beweisen, wie leichtfertig der Zeuge vorgegangen ist.— Zeuge Müller: Ich habe niemanden verdächtigt. Ich habe in der Vor- Untersuchung nur gesagt: Ucber den und den Steiger ginge das Gerücht, er sei bestechlich. Ich tverde mich schwer hüten, jemanden zu verdächtigen, von dem ich nichts Bestimmtes weiss.— Erster Staatsanwalt Figge: Ich kann es wohl verstehen, dass ein Beamter, der jahrelang derartige Dinge mitansieht, in eine gewisse Erregung gerät, und dem Tage mit einer gewissen Spannung entgegensieht, wo dieses System entlarvt wird. Es kann nicht im Sinne des Gesetzgebers liegen, denjenigen, der bemüht ist, die Wahrheit an den Tag zu bringen, als befangen abzulehnen.— Verteidiger Zillesen: Em Sachvecstäiwiger soll über den Dingen stehen und nicht in den Dingen untergehen. Oder halten Sie den für einen richtigen Beamten, der bei den Bergleuten über die vorgesetzten Steiger Auskünfte einzieht; der also selbst dazu beiträgt, die Auto- rität zu untergraben? Der Zeuge Müller hat auf eigene Faust als Kriminalkommissar auf der Grube gewirkt; er ist daher, nach meiner Ansicht, nicht in der Lage, ein unparteiisches Gutachten dar- über abzugeben ob die Angeklagten bestechlich sind oder nicht. Er sieht alles durch die Brille des Parteimannes, und deshalb ist unser Ablehnungsantrag durchaus begründet. Wir wollen nicht, dass uns das Urteil durch einen parteiischen Sachverständigen ge- trübt wird.— Verteidiger August: Noch me war ein Ablchnungs- gesuch so loyal begründet wie dieses. Der Zeuge war in seinen Aussagen sebr unvorsichtig, aber das ist nicht das wichtigste. Der Zeuge fühlt sich benachteiligt durch das Schmiersystem. Er bat aus- gerechnet, welchen Schaden er erlitten hat, und soll nun Sachver- ständiger sein über ein solches System! Der Sachverständige soll der Helfer des Richters fein. Würde ein Richter über ein System zu Gericht sitzen dürfen, durch das er selbst benachteiligt ist? Man kann ja beinahe sagen, der Zeuge ist Verletzter in dieser Straf- fache.— Erster Staatsanwalt Figge: Mir ist vor allem darum zu tun, dass hier ein gerechtes Urteil ergeht. Ich möchte deshalb auch den Anschein vermeiden, als ob vier ein befangener Sachverständiger auftritt, und verzichte auf den Zeugen Müller als Sachverständigen. Damit ist dieser Zwischenfall erledigt. Bergmann Wagner,-Hüttigweiler bekundet, er habe einmal gehört, wie die Wirts frau Kloss anSries: Die Beamten wolle» wohl Fleisch fressen, aber die Bergleute sollen es bezahlen-!— Zeuge Maschinenwerkmeister Ziervogel-Jtzeuplitz hält die Frau des Obersteigers Spengler für die Hauptschuldige des ganzen Bestechungssystems.— Sachverständiger Berginspektor Herwig: Ist oem Zeugen, der lange Jahre im Saarrevier beschäftigt ist, bekannt, dass das Kartenspiel zwischen Steigern und Bergleuten nur ei» Borwand ist, um den Steigern Gewinne zuzuschanzen? Es ging nämlich das Gerücht, dass beim Kartenspiel zwischen Steigern und Berg- leuten die Steiger gewonnen haben.— Der Zeuge bestätigt, dass das die allgemeine Ansicht war. Wie das Schmiergeld wirkte. Zeuge Bergmann Weires-Hüttigwciler arbeitete bor Jahren mit dem Angeklagten Jäcker zusammen und wurde einmal von diesem wegen Faulheik zur Rede gestellt. Zeuge sagte darauf dem Jäcker. er hätte ihm gar nichts zu sagen, worauf Jäcker erwiderte: Ich werde beim Steiger dafür sorgen, dass Du morgen fortkommst. Tatsächlich wurde Zeuge am anderen Tage in eine verrufene Arbeit gesteckt. In der fortgesetzten Zeugenvernehmung bekundet Zeuge Steiger Boltner (Heiligenwald), die Bergleute seiner Partie hätten gesagt, der Obersteiger Spengler habe früher viel getadelt,. jetzt gebe aber jedermann und' da lasse er sie in Ruhe. sckwunden. oder man hat wenigstens versucht, sie fortzubringen. Die in Peking wohnenden Europäer haben nun einen Aufruf unterzeichnet, der das energischste Vorgehen gegen solche Landalen verlangt. Das heisst europäische Zivilisation unter den„wilden" Völkern des Ostens verbreiten! Im Kriege, der kein Krieg sein sollte, hat man die Chinesen nach Noten bestohlen(das war KriegSrecht. Rache für Kettler und dergleichen). Jetzt plündert man sie im schönsten Frieden. Offenbar zum Zwecke, ihnen die Mühe abzunehmen, ihre Kunstwaren und Altertümer selber zu bewahren. Theater. Schiller-Theatcr Charlotten bürg:»Der Graf von C h a r o l a i ö" von Richard B e e r- H o f m a n n. DaS Trauerspiel des Wiener Beer-Hofinann wurde bei seiner Erstauf- führung vor vier Jahren in dem damals von Reinhardt geleiteten Neuen Theater mit ungewöhnlich starkem Beifall aufgenommen. Auch die Kritik fand viel Löbens-, ja Bewunderungswürdiges darin. Hätte die Begeisterung recht gehabt, wäre das Werk, das seine Motive einem englischen Drama an? der Shakespearezeit entnahm, mehr als ein eigenartiges literarhistorisches Experiment, besähe es den Reichtum, den man in ihm zu sindeft glaubte, so muhte es die Probe eines Wiedersehens bestehen und noch durch sie gewinnen. Wer in solchen Erwai tungen die Vorstellung besuchte, wird, ohne dah er die Darfteller dafür verantwortlich machen könnte, arg enttäuscht gewesen sein. Mit dem Reiz des Ueberraschenden baben die Züge des Bildes auch den gröhten Teil des Interesses eingebüht, und der endlos fliehende Strom der Verse spannt beim zweiten Hören die Geduld geradezu auf eine Folter. Nur in dem zweiten Akte, der den per- liebl-koketten Sinn des jugendlichen Philipp und das innig-zarte Verhältnis des greisen Nochfort zu seiner Tochter beleuchtet, führt diese breit ausmalende Sprache in intimere psychologische Beziehungen hinein. In fast allen anderen Szenen erscheint sie ungeachtet so mancher lyrischen Schönheit als unnütz hemmender Ballast. Die Handlung selbst entbehrt durchaus organischer Geschlossenheit. Die Trauer des Grafen um den toren Vater, dessen Leiche die Gläubiger im Schuldturm verwahrt halten, die Gerichtsverhandlung, die Ver- lobung des Jünglings mit der Tochter feines gütigen Richters,— alles, wovon der erste Teil des Dramas handelt, ist für den zweiten: die Ehebruchsgeschichte im Haufe des jung Wer- wählten und die grause Rache so gut wie belanglos. Nur der Zufall verbindet beides. Die Darstellung, so wenig sie sich selbstverständlich mit der des Neuen Theaters messen konnte, hielt sich auf anständiger Höhe. Recht gut waren Herr Gerhard in der Nolle des Grafen, P a t e g g in der des würdigen alten Rochfort. In zweiter Reihe wäre die Desiröe des Fräulein König, Bern eckers Hauptmann Romont. Aldors Philipp und WirthS kupplerischer Herbergsvater zu erwähnen. Der Applaus bekundete den guten Witten zur Respekts- bezeuguna. nicht mehr. dt, Vors.: Sie waren doch Partieführer, wurde mit Ihnen über das Schmieren gesprochen?— Zeuge: Ja. Die Leute sagten, wenn ich Steiger wäre, würde ich es wohl ebenso machen. Einer von den Leuten bemerkte, er werde jetzt seine Mütze absetzen und für den Obersteiger Spengler sammeln gehen.— Bors.: Die Leute waren wohl sehr ärgerlich darüber, dass sie Geld geben muhten?— Zeuge: Ja, sie waren darüber sehr ungehalten, besonders diejenigen, die eine starke Familie hatten.— Zeuge Steiger Kremp (Heiligenwald) sagte aus, der verstorbene Steiger Rösch, unter dem er arbeite, habe ihm gestanden, dass er bestochen worden sei. Auch ihn selbst sei das Ansinnen gestellt ivorden, sich bestechen zu lassen, er habe es aber abgelehnt.— Eine Anzahl von Bergleuten, oic heute als Zeugen vernommen wurden, und in der Vorunter- suchung bestimmte Angaben gemacht haben, können nichts Positives aussagen; sie schützen heute ein schwaches Gedächtnis vor.— Zeugin Frau Peter Linn(Welschbach) bekundet, dass ihr Mann ihr ge- sammelteS Geld gegeben habe, um es zu der Frau des Steigers Gräber zu bringen.— Vors.: Haben Sie das getan?— Zeugin: Stein.— Vors.: Wo ist das Geld geblieben? Sie können die Aus- sage darüber verweigern.— Zeugin: Ich habe es für mich be- halten.— Bors.: Warum haben Sie es nicht zu Frau Gräber ge- tragen?— Zeugin: Ich hielt sie für zu vornehm. Ich dachte, sie würde es nicht annehmen. Wie weit geht das Siecht, Zeugnis zu verweigern? Staatsanwalt Figge: Verschiedene Zeugen verweigerten auf die Frage, ob für Bestechungsgelder gesammelt wurde, regelmässig die Antwort. Es muss aber in der Frage- stellung unterschieden werden, ob für erlaubte Zwecke gesammelt wurde oder für Bestechungsgclder. Ich bitte also künftig, bei der Fragestellung genau diese Unterscheidung zu treffen.— Eine ganze Reihe Bergleute die hierauf als Zeugen vernommen werden, verweigern auf die.Frage, ob sie Geld zur Bestechung hergegeben haben, die Autwort, und behaupten, es sei gesammelt worden zur Unterstützung Verunglückter, für Witwen, Gruppenbilder und den Marineverein.— Staatsanwalt Figge richtet hierauf an einen Bergmann Moser folgende Frage: Nach- dem das Nedener Unglück im vorigen Jahre passiert war. trafen Sie in der Grube mit dem Steiger Prendel zusammen und sollen mit ihm ein sehr eigentümliches Gespräch gehabt haben. Sie sollen gesagt haben, es gäbe unten in der Grube eins verborgene Stelle, wo Geld für die Steiger niedergelegt werde.— Zeuge Moser: Davon weiss ich nichts, es muss eine andere Person gewesen sein. Ich unterhielt mich zwar mit ztvei Steigern am Tage des Uu- glucks darüber, welche Missstände auf der Grube herrschten, aber von Geld wurde nichts gesagt.— Staatsanwalt: Dann wrrdc ich. jetzt den Zeugen Prendel vernehmen.— Zeuge Prendel wird hier- auf aufgerufen.— Staatsanwalt: Im vorigen Jahre nach dem Redener Grubenunglück sollen Siß unten in' der Grube ein eigentümliches Zusammentreffen mit einem Bergmann gehabt haben.— Zeuge: Es war am Tage des Unglücks. Wir wurden als Wache aufgestellt, weil man befürchtete, es brenne in der Grube weiter. Ein Kollege und ich lösten zwei Steiger ab. Die Steiger sagten: Es scheinen ja auf Grube Reden schöne Geschichten vorzukommen. Wir fragten, wie sie zu dieser Behauptung kämen. Sie antworteten, ein Bergmann habe ihnen erzählt, dass unter der Erde ein Sammelstelle für den Steiger Heck angelegt sei, an der die Bergleute das Geld niederlegten. Heck habe auf diese Weise einmal 1200 Mark und einmal 800 Mar? von der Kameradschaft bekommen.— Zeuge Moser wird nochmals vorgerufen. Er gibt nach eindringlicher Ermahnung und Ver- Warnung vor dein Meineid zn, dass er es war, der den betreffenden Steigern sagte, es herrschten hier schöne Missständc, die Steiger würden bestochen, und er bestreitet lediglich, die Summen an- gegeben zu haben.— Nach weiteren Zeugenvernehmungen wurden die Verhandlungen auf morgen(Sonnabend) vertagt. Der Prozeß wird morgen zu Ende gehen. ßnlfbaften da* Redaktion. Dl« fiirlillfdie enrctfiftmifec y»t»e» Stnvcnftrofte Ne. 3, zweitee fiof, dritter Eingang, vier Drcvvc», VW F a li r it«>> l HWU wochrntiigliiii adrndS von bis Oy» Uhr statt, töciiffnct 7 Uhr eoniiabrnds hegt»»« die Evrcihktiindc»IN s> Uhr. Jeder Antrag» ist ein «»It, stalle n»d rinr Kahl als Merkzeiihen bei,»t>>gr». Vrtctltchc Anttuort wird oiihi erteilt. Bit» zur Vcailtwortung im Briefkasten können 11 Tage vergehe». Eilige Kragen trage man in der Svrclhktnndc vor. 9l. Z. 40. Verjährung liegt nicht vor.— E. P. 10. I. Leid« ja. 2. Fi über: der'Sohn ist nicht mehr schulpflichtig.— B. P. MS. Ein Mann kann erst mit vollendetem 21. Lebensjahre Heiraten, bedarf deshalb Humor und Satire. Die Cholera. Der Austausch. Der Zar zum Schah von Persiett: Ich habe Ihnen meine Konstitntion überlassen. Sie schenkten nur dafür die Cholera. Da beide gleich viel wert sind, sind wir quitt. — Die gute Gelegenheit. Gespräch zweier hoher Ver- wallungsbeamter: Es gibt keine günstigere Gelegenheit, um sich zu bereickiern, wie'ne Epidemie.— Sicherlich. Mein Vorgänger hat sich drei Häuser mit dem Gelde bauen können, das für die Prophy- laxe bestimmt war. — Radikalkuren gegen die Cholera. 1, Pro» zesstonen, um die himmlische Guade anzuflehen; 2. Judenpogroms. — Wer zahlt die Zibilliste? Der Zar: Und wenn Russkand sich entvölkert, wer wird meine Zivilliste bezahlen?— Stolypin: Majestät, wir werden eine Steuer auf die DesinfcktioNS- mittel legen. — Er kann alles. Der deutsche Posten unterhält sich an der Grenze mit dem russischen: Ihr werdet alle krepieren, da ihr keine Aerzte und keine Krankenpflegerinnen habt.— Der russische Posten: Die brauchen wir nicht... Der Zar braucht bloss einen Ukas zu erlassen, dann werden alle Soldaten Aerzte und alle Kinder« mädchen Krankenpflegerinnen. _(L'Assiette au beurre.) Notizen. — I m Kaiser-Friedrich-Museum wurden im Saal 50 eine Reihe Neuerwerbungen französischer und englischer Malerei aus dem 18. Jahrhundert eingereiht, darunter ein wundervoll tonigcS Stilleben von F. S. C h a r d i n, der bisher nicht vertreten war. Ein Landschaftsbild des englischen Malers Richard Wilson und zwei Porträts von dem aus Deutschland stammenden, aber in Eng- land akklimatisierten Joh. Z o f f a n g bereichern die englische Ab- teilung. — Die Bahre» ther Festspiele sollen vom nächsten Jahre an biß zum Ablaufe der Schutzfrist für„Parsival"(1918) jährlich stattfinden. Das deutsche Volk, für die sie bekanntlich bestimmt sind, wird aber nach wie bor eZ den ciuheimischen und besonders den ausländischen Millionären überlassen, sie zu besuchen. — Die 11 eberent Wickelung der Photographien- Ein englischer Ingenieur hat eine Borrichtung erfmideu, die beim zweiten Eniwiaelungsstadium einer Photographie selbsttätig den Augenblick anzeigt, wo die Konturen des Bildes sichtbar werden. Der Apparat stellt ein kompliziertes Uhrwerk dar, daS durch«in Alarmzeiche« diesen Augenblick zu erkennen gibt. der Einwilligung des Vaters nicht. Ein Mädchen fann bereits vom 18. 29. 366. Der außerebelle Vater hat bis zum bollendeten 16 Lebensbollendeten 16. Lebensjahre ab heiraten, bedarf aber bis zur erreichten jabr des Kindes Alimente zu zahlen. Das Stinb an sich zu nehmen ist er Volljährigkeit der Zustimmung des Baters. In Ihrem Fall wäre es, falls nicht berechtigt. Die Höhe der Alimente wird im Streitfall vom Gericht der Vater für allein schuldig erklärt war, möglich, daß das Gericht 3brer feftgelegt. Etwa 25 d. monatlich gelten als angemessen F. B. 69. Mutter auf Antrag die rubende elterliche Gewall des Vaters überträgt. Eine Klage auf Herausgabe ber ihr hätte auf Grund des Garantie wenn der Vater etwa nicht auffindbar ift. 2 Dagegen gabe es leider fein chelnes Ausnicht auf Erfolg. Buftändig in das Amtsgericht Mittel. 6. Sch. 4. Wegen der teil nicht länger als dres R. M. 22. Eine Chelcheidungstlage wäre in Ihrem Falle nicht aussichtslos. Monaten rüdländigen Steuern fann Robnpfändung erfolgen. Fur den Jubals der Znierate übernimmt die Medaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Connobeno 24 Cttober. Anteng 7, Uht Rönigl. Opernhaus. Bobeme. Ronigl. Schauspielhaus. Der Baragraphen Schulter Deutidjes. Stenig year. Sommerfpiele Frühlings Erwachen( niang& Uhr.) Neues. Der deutsche Graf Neues Schauspielhaus. Fault 1. Zeil Anfang 8 Ubz Neues fönigl. Overn Theater. Der G'wisiens urm Berliner. Der Clown Weiten. Der fidele Bauer. Leffing. Geipeniter Kleines, Lady Frederid Komische Oper. Tiefland. Residenz. Stimmere dich um Amelte Hebbel. Adı Lecouvreur, Schiller 0. unet beater.) Stein unter Steinen. ech ner Charlottenburg. Der Graf von Ebarelais. 3 Friedrich Wilheimhädt. Schau. spielhaus. Wilhelm Tell Nachmittags 4 Uhr: Rotkäppchen. Thalia. Bruber Straubinger. Lutien. Flachsmann als Ergieber. Nachmittags 4 Uhr: Die fteben Raben. Bernhard Nofe. Herr Baragraph Nachmittags 4 Uhr: Rotkäppchen. Bürger!. Schauspielhaus. Ge fchloffen. Upo. Cine luftige Spreewaldfahrt. Spezialitäten. Met oval. Donnerwetter tabel Los. Trianon. Die Riebe macht. apelbaus. Die Tür ins Grete. Neues Operetten. Die Dollar pringeisin. Berliner Operetten Theater SW, Havana. Gebiüber Serrafelb. Die beiden Bindelbands. 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Diejenigen unserer bonnenten, die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben, wollen uns wegen der Ueberweisung von Freiexemplaren sofort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern des neuen Monats von der Boft nicht geliefert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden. S Sozialdemokratischer Wahlverein des 6. Berliner Reichstagswahlkreifes ( Abteilung 7 und 8 Moabit). Sonnabend, den 24. Oktober 1908, im großen Saale der Kronen- Brauerei", Hit- Moabit 47-48: Kunst- Abend Wagner- Konzert unter Mitwirkung des Neuen Conkünftler- Orchefters, Dir.: f. Bollfelder. Rezitation, Eduard v. Winterftein( Deutfches Cheater). Gefang: Konzertfänger Emil Severin( Bariton). 230/4 Nachdem in beiden Sälen Canz. Derren zahlen 50 pt. nach. Anfang präzife 9 Uhr. Einlaßkarte 50 Pt. XIV. Saison! Zirkus Busch. Sonnabend, den 24. Oftober 1908, abends präzile 7%, Uhr: Gala- Abend. Nur noch wenige Tage: Mr. Houdini Neu! Neu! Neu! 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Oftober 1908: Auf Strafurlaub. Luftspiel in& Atten v. G. v. Mofer. nj. d. Borst. 7, Kaffenöffnung 6 Uhr. Ronzert 6, Uhr. Borverlauf v. 1-5 Uhr 1. Theater Restaurant. Nach der Borstellung: Ball. Rixdorfer Theater B ftr. 147 Sonntag, den 25. Oftober 1908: Der Raub der Sabinerinnen, Schwant in 4 Aften von Franz und Paul v. Schönthan. Staffenöffnung 6 br. nf. 7, br. Das Komitee. „ Berliner ArbeiterRadfahrer- Verein" Mitglied des Arbeiter Radfahrer- Bundes .Solidarität“. Sonntag, den 25. Oftober: Montag, 26. Oftober: 2 Balfe Vereins- Tour. vorstellung zu balben Preisen: Die Räuber. Anfang 8 Ube. Folies Caprice. Abends 8 Uhr: Die lästige Witwe. Die Brautschau. Bunter Solo- Tell. U. a.: Grünecker als Verteidiger. Sonntags- Nachm.- Vorst. zu ermäßigten Preisen. W. Noacks Theater Direttion: Rob. Olll. Brunnene. 16, Gr. Egtra- Premieren Borstellung. A 1.- 5. bt. 1 Uhr: Kaulsdorf. 6.- 10. bt. 1 Uhr: Finkentrug. Starts von den belannten Stellen. Die Generalversammlung findet am 27. Oftober, abendz 8, br, im Gewerfichaftshaufe, Engelufer 15, Saal 1, statt. 13/14 Gustav BehrensTheater. Goltzstr. 9. Fran Zoes Rache. Echte Spreeathener. Senfations Schauspiel in 5 Aften. Anfang 8 Ubr. Entree 30 Bf. Nach der Borstellung: Familienball. Sonntag: Frau Zves Mache. Boltsstüd mit Gefang und Zanz bon Walther Gericks. Franz Selbig. Hausbiener: Dir. Gustav Bebrens, Bilbelm Henschel, Arbeiter: Regiff. Beruh. Lange. Bürgerliches Schauspielhaus userbem bie übrigen erfillaffigen Raftanien- Allee 7-9. Heute: Gefchloffen. Morgen Sonntag: Rahm. 8 Uhr: Der Hüttenbefizer. Abends 8 Uhr: Die Räuber. Avis! Wittwed), ben 4. Rovember 1908: Spezialitäten. Duskes Vitograph. Sonntags 6 Uhr. Anjang 8 Uhr. Freunden und Barteigenoffen teile mit, daß ich Schwedenstraße 14/15 Overnabend: Der Troubadour ein Lokal mit Vereinszimmer Montag, 26. Oftober: Soiree ber Casino- Theater unb tegelbahnen eröffnet habe und Luftigen Sänger. Gebrüder HerrnfeldAnfang Theater. 8 Uhr. 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Oftober verstarb unser langjähriges Mitglied Heinrich Voigt ( Bahlstelle Südoft) an der Proletarierkrankheit m Alter von 88 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Sonnabend, den 24. Dftober, nach mittags 34, br, von der Leichen. balle des neuen Michaelis- Stirche hofes am Mariendorfer Beg ans ftatt. 139/20 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Zentral- Verband der Steinsetzer ( Plasterer) und Berufsgenossen Deutschlands. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Stollege, der Steinfeger Paul Schall am 21. Oftober verstorben ift. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Sonntag, den 25. Oftober, nach mittags 3%, Uhr, von der Leichen halle des neuen Bauls- Kirchhofes in Blößensee aus ftatt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 179/1 Der Borstand. Allen Berwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser lieber Vater, Schwieger, Großvater und Dntel der Möbelpolterer Wilhelm Aschfort geftern plöglich am Herzschlage verstorben ist. Dies zeigen mit der Bitte um 2358b ftille Teilnahme an Die trauernden Hinterbilebenen. Die Beerdigung findet morgen Sonntag, den 25. Oftober, nach mittags 4 Uhr, von der Leichen. halle des St. Thomas- Kirchhofes in Rigdorf, Hermannstraße, aus ftatt. Statt besonderer Anzeige! Am 22. Oftober, abends 8 Uhr, starb nach furzem, schwerem Leiben mein lieber Sohn und unser guter Bruder Karl Raabe Im 18. Lebensjahre. Dies selgt tiefbetrübt an im Namen der Hinterbliebenen Franz Fründt. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 25. b. Mts., nach mittags 5 Uhr, von der Leichens balle des Neuen Jakobiotirchhofes, Hermannstraße, aus ftatt. 23576 Nach langem schwerem Leiden entschlief am Mittwoch, den 21.DI tober, abends 7 Uhr, mein lieber Mann, unfer guter Bater und Bruber, der Staffierer der Orts. frankentaffe für das Tapezierergewerbe Hermann Detzlaff in feinem 66. Lebensjahre. Um fiille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Mon tag, den 26. Oftober 1908, nach mittags 4 Uhr, von der Leichens halle des Zionstirchhofes, NiederSchönbausen- Nordend aus statt. Am Donnerstag, nachmittags 1 Uhr, verschied fanft nach langen schweren Leiden mein lieber Mann, der ehemalige Metallarbeiter Friedrich Eichmann. Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Valobl Stirchhofes in Rigdorf, Hermannftraße, aus( tatt. 47992 Witwe Martha Elchmann. Todes- Anzeige. Mittwoch abend 9, Uhr ver schieb mein lieber Bruder, unser Freund und Kollege, der Schloffer Viktor Knieski im 86. Lebensjahre. Die Beerdigung findet Sonntag, den 25. Dftober, nachm. 4%, Uhr, von der Leichenhalle ber fathol. Gemeinde in Staaten bei Spandau hare. Danksagung. Allen Freunden und Bekannten insbesondere dem Herrn Sommerzien rat Happoldt, dem Herrn MarHappoldt, dem gesamten Personal der Firma Happoldt, dem Zentralverband der Brauereiarbeiter, Seffion II, den Sellerarbeitern der Vereinsbrauerei sowie dem Wahlverein Rigdorf fagen wir für die herrlichen Strangipenden bei bor Beerdigung meines lieben Mannes Friedrich Stiller auf. richtigen Dant. Witwe Klara Stiller geb. 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Heizrohr neublau, emailliert.. 2. Stück 0.85, 1.10 Heizrohr doppelt 1.35 Stück 1.95 Berantwortlicher Redakteur: Georg Davidfehn, Berlin. Für den Inferatenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Nr. 250. 25. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblalt. Sonnabend, 24. Oktober 1909. Zur Gewerbegerichtswahl. Berliner Nachrichten. Althoff und die Charité. aus dem Landwehrkanal am Lükowufer gelandet. Wertheim war seit Montag nachmittag verschwunden und hat, wie aus zurückgelassenen Briefen hervorgeht, feinem Leben freiwillig ein Ende gemacht. Das Motiv dürfte in seelischer Depression zu suchen sein. Wenn auch vor einiger Zeit geschäftliche Schwierigkeiten vorlagen, Von einem bekannten Arzte wird uns geschrieben: so sind diese doch völlig behoben worden, als dem jezt Hingeschiedenen Die Freitagabendblätter veröffentlichen das Beileidschreiben, der Dt. Konf." zufolge 500 000 m. für eine am 1. Januar zu be die Charitédirektion an die Witwe Althoffs gerichtet hat. In gründende Gesellschaft mit beschränkter Haftung zur Verfügung dem Schreiben heißt es: gestellt wurden. Die Wählerlisten für die Arbeitgeber liegen nur noch bis Montag, den 26. Oftober, an den Wochentagen während der Dienſtſtunden von morgens 8 bis nachmittags 3 Uhr, am Sonntag von vormittags 10 bis mittags 1 Uhr im Wahl- das bureau Poststraße 16 II, Zimmer 57, aus. Wahlberechtigt ist, wer das 25. Lebensjahr vollendet und in dem Bezirt seiner Wahlstelle Wohnung, Gewerbebetrieb ( gewerbliche Niederlassung) oder gewerbliche Beschäftigung hat. Wählbar zu Mitgliedern des Gewerbegerichts sind nur solche wahlberechtigte Personen, welche in dem Bezirk des Gewerbegerichts seit mindestens zwei Jahren wohnen oder beschäftigt sind, das 30. Lebensjahr vollendet und in dem der Wahl vorangegangenen Jahre für sich oder ihre Familie keine Armemunterstügung empfangen oder die empfangene Armenunterſtügung erstattet haben. Nicht wahlberechtigt und nicht wählbar find solche Personen, fann. a) welche nicht Angehörige des Deutschen Reiches find, b) welche die bürgerlichen Ehrenrechte und die Befähigung zur Bekleidung öffentlicher Ehrenämter infolge straf rechtlicher Verurteilung verloren haben, c) gegen welche das Hauptverfahren wegen eines Ver brechens oder Vergehens eröffnet ist, das die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte oder der Fähig feit zur Bekleidung öffentlicher Aemter zur Folge haben d) welche infolge gerichtlicher Anordnung in der Verfügung über ihr Vermögen beschränkt sind, e) die Mitglieder der Innungen, für welche ein Schieds: gericht in Gemäßheit des§ 81b Nr. 4 und der§§ 91 bis 91b der Gewerbeordnung errichtet ist, sowie die von denselben beschäftigten Arbeiter. Desgleichen sollen zu Mitgliedern des Gewerbegerichts nicht berufen werden Personen, die wegen geistiger oder förperlicher Gebrechen zu dem Amte nicht geeignet sind. Das Reich, der Staat, die Gemeinden und sonstige öffent fiche Verbände sowie juristische Personen üben ihr Stimmrecht durch ihre gesetzlichen Vertreter aus. „ Die schöpferische und nie versagende Kraft des Verewigten wußte auch unter schwierigen Verhältnissen stets Mittel und Wege für die Neugestaltung unserer Anstalt zu finden, die dank seinem Wirken und seiner Fürsorge in kräftigem Aufblühen begriffen ist." Thema. Es war vor 15 Jahren, die Arbeiterschaft Berlins, ins Gestatten Sie mir auch meinerseits einen Beitrag zu obigem besondere die in den Krankenkassen organisierte, hatte die Charité boyfottiert ,, um unleidliche, hygienisch wie sozial gleich rüdständige Zustände in dem alten Staatskrankenhaus zu beseitigen. Der cyfott hatte schon eine Reihe von Wochen bestanden und wurde auch von den Krankenkassen mit anerkennenswerter Strenge durch geführt, aber seine Wirkung war noch nicht stark genug, um der Charité so große Zahlen von Kranken zu entziehen, daß der Betrieb, der Unterricht, die Einnahmen nennenswerte Einbußen erlitten. Da ließ mich eines Tages Althoff indirekt durch Vermittelung eines ihm und mir bekannten Professors an der Universität wissen, daß er mich gern sprechen möchte, um den Charité bontott wirksamer zu gestalten! Trops dem ich eine Verstärkung unserer Position von solcher Seite mit Freuden akzeptierte und meine Bereitwilligkeit zu der Aussprache erklärte, glaubte ich es doch ablehnen zu müssen, zu dem Zmede meinerseits ins Ministerium zu gehen. Die Unterredung kam nicht zustande, wohl aber der Umbau der Charité, nachdem der Boykott monatelang bestanden und Althoff es in feiner flugen Weise verstanden hatte, ihn zu benutzen, um den Widerstand des Finanzministers( Miquel!) gegen das schon lange von der Medizinalverwaltung für dringlich erklärte Projekt zu brechen. -O Das erste Opfer des Frostes. Erfroren aufgefunden wurde gestern morgen gegen 7 Uhr auf einem Neubau in der Neuen Sante traße eine unbekannte etwa 50jährige Frau, die zweifellos obdachlos war und auf dem Bau genächtigt hatte. Die Verstorbene wurde, nachdem ihr Lod durch einen hinzugerufenen. Arzt festgestellt worden war, nach dem Charlottenburger Leichenschauthause übergeführt. Christliche Freundschaften". In der Koppenstraße 5 besitzt die Christliche Gemeinschaft St. Michael" ein Hofpiz, ein Vereinshaus schaft" befaßt sich jetzt, wie das„ Berliner Tageblatt" erfahren haben and eine Herberge zur Heimat. Mit dieser christlichen Gemeins will, die Berliner Kriminalpolizei im Auftrage der Staatsanwalte schaft, die wegen der Eigenart, mit der sich die Zusammenfünfte dieser Gemeinschaft vollziehen, ein Ermittelungsverfahren eingeleitet hat. Den Ansioß zu dieser Untersuchung gab ein Shefchei= dungsprozeß, den die Frau eines der Mitglieder dieser Sekte gegen ihren Mann angestrengt hatte und den sie mit Erfolg durchrülete. In der Verhandlung wurde eidlich bekundet, daß der Ehemann mit einem Gymnasiasten, der ebenfalls zur Christlichen Gemeinschaft St. Michael" gehört, in einem Verhältnis stand, das den§ 175 streift. Die weitere Unterschung ergab, daß sich innerhalb der„ Christlichen Gemeinschaft" in der Koppenstraße 5 ein„ Jugendbund" gebildet hatte, dem nur Männer angehörten, junge und alte Männer. In den Sibungen dieses Jugendbundes, der die„ chriftliche Nächstenliebe" als fein Biel angab, waltete eine schwärmerischer Geist, die Chen" ein, indem sie sich gegenseitig Ringe an die Finger steckten Mitglieder duzten, füßten und umarmten sich und gingen ideale usw. Die polizeilichen Ermittelungen ergaben, daß der„ Jugendbund" nur ein Deckmantel für gewisse, der Polizei bekannte homoferuelle Elemente war, und daß sich auch in der Herberge zur Heimat" und im Hospiz" der Gemeinschaft Leute fanden, die mit einer bestimmten Abteilung der Berliner Sittenpolizei wieder holt in Berührung gekommen sind. Die im Auftrage der Staats anwaltschaft eingeleiteten Untersuchungen find noch nicht beendet; fortgesezt finden in der eigentümlichen Affäre noch Vernehmun gen statt. Auch in diesem Falle können die organisierten Arbeiter Berlins den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, einen Sulturfortschritt durchgedrückt zu haben, den der allmächtige Ministerialdirektor Althoff allein nicht durchzusehen imstande war. Mit Recht aber verdient noch nachträglich die Vorurteilslosigkeit Anerkennung, mit der er auch unter schwierigen Verhältnissen stets Mittel und Wege für die Neugestaltung unserer Anstatt" fand und ohne Bedenken sich zur Erreichung seines Swedes an einen Sozialdemokraten wandte. Das macht ihm fein zweiter Ministerialdirektor Uebrigens hat später der damalige, schon vor mehreren Jahren genommen. Als Arbeitgeber im Sinne der§§ 8 und 9 des Drtsstatuts gelten diejenigen selbständigen Gewerbetreibenden, welche mindestens einen Arbeiter( Gesellen, Fabrik arbeiter, Lehrling) regelmäßig das Jahr hindurch oder zu gewiffen Zeiten des Jahres beschäftigen und den selbständigen in Preußen nach Gewerbebetrieb angemeldet haben. als Arbeiter. Partei- Angelegenheiten. damit seine Anwesenheit. " Unter dem Borortzug zermalmt. Refognosziert ist jetzt die Leiche jenes Lebensmüden, der sich, wie wir berichteten, in der Nähe der Station Rahnsdorf vor die Lokomotive eines heranbrausenden Vorortzuges warf und vollständig zermalmt wurde. In dem Toten ist jetzt der Bildhauer Otto Fielig aus Berlin erkannt worden. . war seit einigen Tagen von seinen Angehörigen vermißt worden. Er hat sich anscheinend in einem Anfall von Schwermut das Leben Frau des Bostichaffners Kegler aus der Wörther Str. 22 feſtgeſtellt. In der Klinik in der Ziegelstraße wurde die Verunglüďte als die Sie hat eine schwere Stopfverlegung erlitten, doch scheint Lebensgefahr nicht zu bestehen. Den Arbeitgebern stehen hinsichtlich der Wahlberechtigung berstorbene Verwaltungsdirektor der Charité, Spinola, die ent- Das Automobil des Kaisers hat am Donnerstagabend ein und Wählbarkeit die mit der Leitung eines Gewerbebetriebes scheidende Rolle, welche der Boykott bei dem Umbau des Kranken- schweres Unbeil angerichtet. Nach Beendigung der Hochzeitsfeierlichoder eines bestimmten Zweiges desselben betranten Stellhauses spielte, mir gegenüber auch gern und voll anerkannt. feiten im Schloffe hatte der Kaifer feinen Sohn und feine Schwiegerbertreter der selbständigen Gewerbetreibenden gleich, sofern tochter nach dem Stettiner Bahnhof gebracht und wollte mit seinen ihr Jahresarbeitsverdienst an Lohn oder Gehalt 2000 W. gewaltige Misstimmung. Die Berliner Kriminalpolizei foll sich eine große Menschenmenge angefammelt, um die Illumination au be Die findige Berliner Polizei. Auf dem Alexanderplatz herrscht anderen Söhnen nach Potsdam fahren Unter den Linden hatte sich übersteigt. Hausgewerbetreibende wählen und sind wählbar als darüber ärgern, daß sie diesmal beim besten Willen nicht in der fichtigen. Um 10 Uhr paffierte der Kaifer die Straße. Plöglich Arbeitgeber, wenn sie gemäß§ 14 der Gewerbeordnung den age war, uns von der schon nach anderen Blättern furz berichteten vor dem Hotel Bristol ertönt ein lauter Auffchrei, eine Bewegung selbständigen Gewerbebetrieb angemeldet haben, andernfalls Franz Kirich rechtzeitig Mitteilung zu machen. Selbst diese anderen batte, um den Kaiser zu ſehen, das Spalier durchbrochen, und eine Wiederverhaftung des angeblich geistestranten„ Einbrecherkönigs" des Schreckens geht durch die Menge, das faiserliche Automobil hält mit jähem Rud an, der Kronpring berläßt den Wagen: Die Menge Es wählen also auch Gastwirte, welche einen An- Blätter haben vergebens auf das offiziöfe, Eigenlob unserer in Frau war dabei unter die Räder des faiserlichen gestellten oder Angestellte gewerblich beschäftigen und hier- politischen Sachen so außerordentlich feinriechenden Polizei ge- automobils geraten. Auch der Staifer verließ fofort das Autogestellten oder Angestellte gewerblich beschäftigen und hier wartet. Drei Monate lang lief Stirfch auf den Berliner Straßen mobil, der Kronprinz bemühte sich um die Verunglückte. Bald waren für Beiträge zur Strantenfasse leisten. 3o tits frei betum, in der Schönhauser allee hatte er mit ewig Weib- auch Mannschaften der Sanitätstolonne zur Stelle, die die SchwerMitglieder einer Zwangsinnung wählen nicht. Wer also noch feine Benachrichtigung erlichem eine elegante Wohnung bezogen, zahlreiche Geldichrank verlegte in eine Droichte hoben und nach der lönigl. Klinik in der halten, daß er wähler ist, tue feine Pflicht fuadereien der letzten Zeit bewiefen feine spezielle Arbeit und Ziegelstraße führten. Staiser und Kronpring fegten die Fahrt nach und beantrage fofort seine Aufnahme in die Trozdem berfagte der Apparat Potsdam im Automobil fort. am Alexanderplatz vollständig. Und die Schöneberger Kriminalpolizei, Liste. welche den Vielgesuchten ihrer Angabe nach schon vor vier Wochen Für die Arbeiter werden keine Wählerlisten aufgestellt. entdeckt hat, ist offenbar fo schlau gewefen, ihrer Berliner Kollegin hiervon nichts zu verraten, um sich den Ruhm nicht schmälern zu laffen. Es entsteht nun die Frage, wie viel Einbrüche Franz Kirsch gestern der Parseval- Ballon aus der Ballonhalle der Motorluftschiff Höhenflug des Parfeval- Ballons, Kurz nach 12 Uhr wurde noch in den legten vier Wochen trog polizeilicher Beobachtung aus Studiengesellschaft auf dem Tegeler Schießplab herausgeführt und geführt oder doch geleitet hat, und ob diese nicht vermieden werden um 12% Uhr stieg er vor einer großen Kommission von Offizieren, fonnten, wenn man sofort zugegriffen hätte. Aber der gewöhnliche die zur Beobachtung delegiert waren, auf. In der Gondel befanden Zur Lokalliste. Am Sonnabend, den 31. Oftober, veranstaltet Europäer foll ja an polizeilicher Leistungsfähigkeit nicht zweifeln. fich Hauptmann v. Kehler, der Direktor der Motorluftschiffgeſellder Lotterieverein Bed 1908" ein erbstvergnügen 50 gebührt denn auch der Berliner Kriminalpolizei die weitgehendste schaft, Ingenieur Kiefer, der den Motor ständig zu überwachen pflegt in den, Germania Festsälen"( Juh. Wodrich), Charlottenburg, Entschuldigung für diesen neuen Mikerfolg, schon deshalb, weil sie und ein Hauptmann des Luftschifferbataillons. Major v. Parseval Spreestr. 13. Da uns dies Lokal zu unseren Versammlungen ver- auf der Suche nach unseren 10000 Revolvern für die Dienstag- leitete die Vorbereitungen für den Aufstieg persönlich, beteiligte sich weigert wird, ersuchen wir, alle etwa angebotenen Billetts entschieden Demonstration zu sehr in Anspruch genommen war, um daneben Sie Windverhältnisse waren für einen Höhenaufflug durchaus an der Fahrt jedoch nicht, sondern blieb bei der Offizierskommission. zurüdjuveifen. Um Irrtümern bezw. Verwechselungen vorzubeugen, bemerken wir noch, daß obiger Verein im Lokal von Scheer, noch einen der gefürchtetsten Einbrecher fassen zu lönnen. günstig. Der direkt aus Osten kommende Wind hatte eine Stärke Kirchstr. 28( Charlottenburg) tagt. Die Lokalkommission. von etwa 7 bis 8 Meter in der Sekunde, und langsam begann das Das Personal des Krankenhauses Moabit war am 22. Oftober Luftschiff seine Höhenlage zu vergrößern. Gleichmäßig stieg es in versammelt, um zu den vorgenommenen und noch angekündigten schräger Richtung empor, befand sich nach einer Viertelstunde bereits Entlassungen der Scheuerfrauen Stellung zu nehmen. Kollege in einer Höhe von 1000 Meter, um turze Zeit darauf hinter den Schulz wies an den letzten Vorkommnissen in den städtischen Be- Wolken zu verschwinden. Nur vereinzelt fah man noch hoch über trieben nach, wie die Arbeitslosenfürsorge des Berliner Magistrats Reinickendorf und Schönholz den immer höher aufsteigenden Ballon, in Theorie und Praris grundverschiedene Dinge sind. Die Ver- der in größeren Höhenlagen augenscheinlich auf noch frischere Winde Dienstag, den 27. Oftober, abends 8 Uhr. zwei Berfamm- sicherung des Magistrats, daß angesichts der herrschenden Arbeits- stieß und gegen 2 Uhr reichlich 2000 Meter erreicht haben mochte. lungen. Bei Franke, Badstr. 19: Vortrag des Genossen G. Schu- losigkeit teine Entlassungen in den städtischen Betrieben vorge Eine weitere Nachricht besagt: Der Parseval- Ballon hat auf mann über das Erfurter Programm; in der Brauerei Groterjan, nommen werden, wird von den unteren Beamten anscheinend nicht seiner heutigen Hochflugprüfungsfahrt eine Höhe von über 1500 Schönhauser Allee 130: Vortrag des Genossen Landtagsabgeordneten für ernst gehalten. Das dreimal geheiligte Sparfamfeitsprinzip ist meter erreicht und ist nach mehrstündigem gutem Fluge wohlbe. Ströbel über die Reichsfinanzreform. und bleibt noch immer der Leitstern für die unteren Verwaltungs- halten gelandet. Nach der Landung kam das Luftschiff infolge beamten. Dieselben müssen wohl Grund zu der Annahme haben, Windstoß dem Birkengeäft zunahe, wodurch die Hülle einige uns daß der Magistrat nur zur Beschwichtigung der Leffentlichkeit seine bedeutende Schrammen erlitt. Vor der Abnahme durch die Militärwohlwollenden Versicherungen abgibt, denn sonst würden sich die behörde hat der Parseval- Ballon als lebte Aufgabe noch eine Fülunteren Verwaltungsorgane nicht erlauben, die Erklärungen des lung im Freien mit nachfolgendem kurzem Aufstieg zu bestehen. Magistrats als Luft zu behandeln. Auch der Direttor des Krankenhauses Moabit hat wieder eine Anzahl Scheuerfrauen, die In die Brust und in die Stirn geschossen. Eine Revolvers schon jahrelang beschäftigt sind, gefündigt. Gegen diefe Hand- affäre, die noch der Aufklärung bedarf, bat fich gestern nachmittag lungsweise hilft aber nicht allein der Appell an die Oeffentlichkeit, im Grunewald abgespielt. Auf der Unfallstation in der Stronensondern es muß auch der Anschluß an die gewerkschaftliche Organi. ftraße erschien ein junger Mensch und gab an, der sechzehnjährige fation erfolgen, um von unten herauf für bessere Verhältnisse zu Kaufmannslehrling Baul Haringer aus Altona zu sein. Er erzählte, wirfen. Nachfolgende Resolution gelangte zur einstimmigen An- er sei gestern von daheim fortgegangen und nach Verlin gefahren. nahme: Hier sei er planlos umhergeirrt und schließlich im Grunewald Sechster Wahlkreis. Sonntag, den 25. Oftober, abends 6 Uhr, Bersammlung für Männer und Frauen bei Wilke, Brunnenstr. 188. Genosse Schütte referiert über:" Die Schule von heute". Außerdem findet für die 11. Abteilung ein Besuch der Sternwarte in Treptow statt. Der Vorstand. Sechster Wahlkreis( Wedding). Billetts zum Konzert am Sonntag, den 25. Oftober, in den Bharusfälen find, soweit der Vorrat reicht, noch an folgenden Stellen zu baben: Helzer, Wiesenstr. 29. Sauerweier, Mygstr. 16. Fritsch, Drontheimer Str. 4. Ricz, Fehmarn Straße 8. " Schmargendorf. Am Sonntag früb 18 Uhr findet vom„ Linden baum", Spandauer Straße, eine Agitationstour statt. Auch werden die Abonnementsanmeldungen anf den„ Vorivärts" eingesammelt. Britz- Buckow. Heute findet im Landhaus", Chauffeeftr. 97, das Stiftungsfest des sozialdemokratischen Wahlvereins statt. Anfang 1/29. Ubr. Ausgewähltes Programm. Billetts a 25 Pf. sind bei ven Mitgliedern zu haben. Montag, den 26. Oftober, abends 8 Uhr, findet von den befannten Stellen aus die Verbreitung der Vorwärts"-Agitationsnummer statt. Alt- Glienice. Am Sonntag, den 25. Oftober, nachmittags 2 ltbr, findet im Lokale des Herrn Julius Knochen, Rudower Straße 53, die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Bericht vom Parteitage in Nürnberg. Referent: Genoise GrogerRigdorf. Bericht der Funktionäre. Aufnahme neuer Mitglieder. Vereinsangelegenheiten. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt. " Die versammelten Angestellten des Krankenhauses Moabit angelangt. Dort babe ein unbekannter Täter zwei Revolvers erflären sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden fugeln auf ihn abgefeuert. Eines der Gefchoffe fei ihm in die Kaum batte der und protestieren nachdrücklichst gegen die vorgenommenen und Brust, das andere in den Kopf eingedrungen. weiter angekündigten Entlassungen der Scheuerfrauen. Diese Ent- junge Mensch mit feiner Erzählung geendet, so brach er Tatsächlich wurde durch die ärzte laffungen sind um so mehr zu verurteilen, als dieselben mit den besimmungslos zusammen. Versicherungen des Magistrats im Widerspruch stehen. Die Ver- liche Untersuchung festgestellt, daß die beiden Schußverlegungen vor. sammelten sprechen die Erwartung aus, daß der Magistrat Ver- handen waren. Nicht weit vom Herzen war das erste Beschoß in anlaffung nimmt, die Entlassungen der Scheuerfrauen im Kranken- den Körper eirgedrungen. Ob die Angaben des H. auf Wahrheit Das Burcau der Bersamma beruhen, wird erst durch die weitere Unterindung festgestellt werden haus Moabit rüdgängig zu machen. lung wird beauftragt, diese Resolution den in Frage kommenden fönnen. Nach Anlegung von Notverbänden wurde der SchwerVerwaltungsinstanzen zu übermitteln." berlegte nach der Königlichen Klinik gebracht. Vermutlich hat sich H. Neues Rohrpoftamt in Berlin. Ein neues Telegraphens und aus der elterlichen Wohnung in der Nachtigallenstraße 13 in Altona Robrpostamt wird Anfang November in Berlin eröffnet. Es wird entfernt. Falls er das Bewußtsein nicht wieder erlangt, dürfte die bei dem Poftamt O. 112 in der Babelsberger Straße der Rohrpoft Angelegenheit wohl niemals eine völlige Aufklärung finden. Nowawes. Sonntag früh 8 Uhr findet eine Flugblattverbreitung fendungen aufgeben tann. Die Annahme diefer Sendungen findet Köpenider Brücke der Schaffner eines Straßenbahnwagens. An dem betrieb eröffnet, so daß man dort fowohl Telegramine als RobrpostDurch Starfstrom getötet wurde gestern bormittag an der statt. Treffpunkt bei Gruhi, Priesterstr. 69. Der Schaffner Sonntag vormittag von 9 bis 12 Uhr findet das Einkaffteren bei diefem Amte täglich im Sommerhalbjahr von 7 Uhr, im Winter- Wagen hatte sich die Verbindungsstange gelöst. kletterte auf den Wagen, um die Verbindung wieder in Ordnung zu von Beiträgen in folgenden Lokalen statt: 1. Bezirk: Otto Siemfe, halbjahr von 8 Uhr morgens bis 10 Uhr abends statt. Wallstr. 55; 2. Bezirk: Karl Gruht, Priesterstr. 69; 3. Bezirk: Selbstmord eines Berliner Großkaufmanns. Der Mitinhaber bringen. Bei dieser Arbeit fam er dem elektrischen Strom zu nahe, Ludwig Richter, Großbeerenstr. 50. Auch werden neue Mitglieder der bekannten Seidenwarenengrosfirma Cohn u. Wertheim, Leipziger so das die Startstromleitung ihn schwer verletzte. Von Passanten in aufgenommen. Der Borstand. Straße 90, Herr G. Wertheim, wurde Donnerstag abend als Leiche ein Lokal getragen, versuchte die herbeigerufene Feuerwehr den Ver Neuenhagen und Umgegend. Am Sonntag, den 25. Oftober, nachmittags 4 Uhr, findet bei Wünsche, Neuenhagen, eine Mitgliederversammlung statt. Tagesordnung: Vierteljahresbericht. Verschiedenes. ungliickten durch Sauersioffeinatmung zu retten. Unter den Händen der Retter verstarb der Schntfuer. Nack einer anderen Meldung soll der Führer einem Herzschlag erlegen sein. Die Spannung in den Drähten beiriige 500 Volt, sei wohl im stände, einen Menschen zu verletzen, genügte aber nicht ihn zu töten. Das Polizeipräsidium teilt mit: Am tS. d. M., vormittags gegen 7 t/z Uhr, ist im Rixdorfer Schiffahrtskanal, am Weiganduier, eine unbekannte weibliche Leiche gelandet. Beschreibung: etwa Lö bis gv Jahre alt. 1,60 Meter groß, dickes Gesicht, dunkel bwndeS Haar, bekleidet mit blauem Rock, rot.schwarz-punktierter Bluse mit schwarzem Samtband besetzt, schwarzem Unterrock. schwarzen Strünipfe» und Schnürschuhen, schwarzem Soccojackett Die Leiche trägt aus der rechten Hand Trauring gez. O. S. 4. 8. 00., an der Bluse steckt schwarze Pcrlenbrosche, Herz und Anker dar- stellend. Leiche im Schanhaus Rixdorf. Etwaige Mitteilungen werden in jedem Polizei- Revier oder im Polizei- Präsidium Zimmer 232 II entgegen genommen, eventl. wird um Nachricht zur Tagebuchiunnmer 5264 IV 59 08 ersucht. Am 10. Oktober früh gegen 8 Uhr wurde im Friedrichshain auf einer Bank liegend ein etwa 65 Jahre alter, dem Arbeiterftaude an- gehörender unbekannter Mann in hilflosem Zustande onsgesunden und nach dem Krankenbauie geschafft, woselbst er am Tage nach seiner Einlieferung verstarb. Er hotte sich Hugo Schultze genannt. konnte ober weitere Personalien nicht mehr angeben, da er bewußtlos wurde und seine Besinnung nicht wieder erlangt hat. Er ist 1.63 Meter groß, hat grau-melierteS Haar, weißen Schnurr- und Spitzbart, blougraue Augen, länglich blasses Gesicht. Bekleidet war er mit dunklem Ainterüberzieher. schwarzem Jackett, schwarzer Weste, graugestreifter Hose, schwarzem steilen Hut. Ans dem linken Unter- arm trug er eine Tätowierung in Herziorm II. 8. 1866»nd auf dem rechten ein Gewehr mit aufgepflanztem Seitengewehr. Personen, die über die Persönlichkeit des augeblichen Schultz« nähere Angaben machen könne», werden gebeten, ihre Wahrnehmungen der Kriniinal- Polizei oder einem Polizeirevier mündlich oder schriftlich zu Allen 4884 1V/Ü6 08 mitzuteilen. Ter neue Komet 1908«:, welcher jetzt jeden Abend mit dem Kometensucher auf der Treptow-Sternwarte zu beob- achten ist, zeigt eine stärkere Verdichtung seines Kopfes. Er bewegt sich jetzt aus dem Sternbild« der Leyer in das des Herkules. Mit dem großen Fernrohr werden interessante Doppelsterne und der Planet Saturn, sowie von Mitte der Woche ab der Mond gezeigt. Im Hörsaal der Treptow-Sternwarte sRestaurant Knape vorm. Zenner, Treptower Chauffee 21/22) spricht Herr Direktor Dr. F. S. Archenholo am Sonntag, den 25. Oktober, nachmittags 5 Uhr, über: „Das Werden der Welten"; abends um 7 Uhr über:.Saturn und fein Ringsystem", und am Montag, abends 9 Uhr, über:.Die Be- chaffenheit der Sonne". Die Vorträge sind gemeinverständlich und mit zahlreichen Lichtbildern ausgestattet. Fcnerwchriiachrichten. Gestern früh wurde die Feiierwehr naiv der Köpenicker Straße U3 alarmiert, wo in eine», Abbruchgebände die Deckenverschalung u. a. brannte. Ii, der Warschauer Str. 82/33 bräunte eine Werkbaick u. a. in einer Werkstatt. Betten. Gardinen und Möbel wurden in einer Wohnung in der Große Frankfurter Straße 80/81 ein Raub der Flammen. Der 19. Zug rückte wegen eines kleinen Brandes nach der Straße Unter den Linden 68» aus. Der 12. Zug hatte in der Hildebrandstr. 22 zu tun. wo in dem Maleratelier von Profeffor Meyerheiin Feuer ausgekommen war und das Zwischengebälk mit dem Fußboden brannte, weshalb die Feuerwehr, um an den Brandherd zu gelangen, das Gebälk aufreißen und freilegen mußte. Tapeten u. a. brannten in einer Kammer in der Kanonierstrabe und ein Schornstein in der Slallschreiberftr. 47. Vorort- JSachncbtein Eharlottenbnrg. Ein Notschrei über Waffermangel geht uns von Lesern unseres Blattes zu. In dem Hause Osnabrücker Straße 6 ist seit Sonn abend, den 17. d. SM., das Leitungswasser abgesperrt. Der Hauswirt, der verschwunden sein soll, ist offenbar seinen finanziellen.Verpflichtungen nickt nachgekommen. Die Handwerker, die bei dem neuerbauten Hause um ihr Geld gekommen sind, ließen an dem genannten Tage die WafferleitungShähne usw. abschrauben. Beschwerden bei der Polizei waren erfolglos, so daß die Mieter seit diesem Tage ohne die nötige Wasserzufuhr sind. Wir meinen freilick. daß e» Pflicht der Behörden sei. daß den hygienischen Anforderungen, die man an mensch- liche Wohnungen stellen kann, entsprechen wird. Beispiels- weise können die Klosetts, bei denen Waffernachspülung un- möglich ist. zu Seuchenherden werden. Buch besteht die Gefahr, daß beim Ausbruch von Feuer in dem Hause die Bewohner hilflos mit ansehen müssen, wie ihr bißchen Hab und Gut vom Feuer verzehrt wird, wo unter normalen Verhältnissen ein paar Eimer Wasier zur Löschung des entstehenden Brandes genügt hätten. Schleunige Abänderung der unhaltbaren Zustände tut dringend not! Nixdorf. Auf eiitsehliche Weise versuchte sich gestem der Mechaniker Julius Stock. Kiiesebcckstraße 67. da» Leben zu nehmen. St war in angeheitertem Zustande nach Hause gekommen. Er zündete im Schlaizimmer die Lampe an, warf sie zu Boden und brachte sie da- durch zum Explodieren. Der Unselige stellte sich nun mitten in die Flanimen, um aus diese Weise zu verbrennen. Zum Glück wurden Hausbewohner auf den Vorgang aufmerksam und eilten herbei. Sie rissen den Lebens», üben aus den Flammen heraus, ersticklSn das Feuer und sorgten dafür, daß St., der an den Beinen und Obericheiikeln bereits schwere Brandwunden«rlttten halte. nach dem städtischen Krankenhaus geschafft wurde. Wilmersdorf. Desinfektion und Krankenhaus. Das Lokalblatt von Wilmersdorf bringt die merkwürdige Nachricht, daß der Magistrat in seiner letzten Sitzung beschlossen habe, vom April nächsten Jahres ab für Desinfektionen jeder Art keine Gebühren mehr zu erheben. Wir nennen die Nach- richt merkwürdig, nicht weil sie in sozialpolitischer Hinsicht etwas Bahnbrechendes verkündete; denn was der Magistrat beschlossen haben soll, besteht nicht nur in anderen Gemeinden bereits viel. f'-ch zu Recht, sondern ist selbst in Wilmersdorf schon vor bald fünf Jahren zum Beschluß erhoben worden. Am 29. Januar 1904 nämlich hat die damalige Gemeindevertretung auf die Anregung ihrer sozialdemokratischen Mitglieder hin einstimmig beschlossen, daß die WohnungSdcsinfcktion bei ansteckenden Krankheiten nicht allem obligatorisch, sondern auch auf Kosten der Gemeinde er- folgen solle. Man schloß sich damals den sozialdemokratischen Darlegungen an, daß die geplante Maßregel nur bei völliger Un- entgeltlichkcit ihrem Zweck entsprechen werde. Nun ist uns zwar mehrfach berichtet worden, daß dennoch für Desinfektionen Ge- bühren erhoben worden sind; aber wir meinten immer, daß der- artige Mitteilungen auf einem Irrtum beruhen müßten. Jetzt scheint es allerdings, datz in dex Tat der damalige Beschluß nicht ausgeführt worden ist, weil es in Wilmersdorf ein halbes Jahrzehnt dauerte, bis man sich an leitender Stelle von der Nütz- lichkeit einer auf sozialdemokratische Anregung hin beschlossenen Neuerung überzeugte! Während in der Desinfektionsfrage, wenn auch erst nach fünf Jahren, ein Schritt vorwärts getan werden soll, kommt die Kran kenhausangelegenheit überhaupt nicht von, Fleck. Auch in dieser Sache haben die sozial- demokratischen Vertreter schon in früheren Jahren, wenn auch er- folglos, auf eine Entscheidung hingedrängt. Seitdem aber die Kcmmunalvertretung soziaiistenfrei geworden ist, scheint dort über- Haupt niemand mehr daran zu denken, daß die Errichtung eines Krankenhauses eine zwingende Notwendigkeit ist. Wie schlimm die Bevölkerung gegenwärtig unter dem Mangel einer kommu- nalen Heilanstalt leidet, zeigt der hier schon vor kurzem erwähnte Fall, auf den unsere Parteigenossen von neuem wieder dieser Ta�e in einer Versammlung zu den Kommunalwahlen hinwiesen. Die aufsehenerregende Mitteilung, daß die Frau eines Wilmersdorfer Einwohners bei einer schweren Erkrankung in, Tcltower Kreis- krankenhause abgewiesen worden ist. trotzdem die Stadt dort eine Anzahl von Betten belegt hat, konnte bis jetzt von Amts wegen nicht widerlegt werden und wird wahrscheinlich überhaupt mit Stillschweigen übergangen werden. ES sei denn, daß die Be- völkerung bei den nächsten Wahlen von neuem der Sozialdemo- kratic Gelegenheit gäbe, die Mehrheit der Stadtvcrordnetcnver- sammlung mit gebührender Deutlichkeit an ihre sozialpolitischen Pflichten zu erinnern. Nieder-Schonhausen. Die landcspolizeilichr Abnahme der neuerbanten Straßenbahn- strecken in der Blankeubnrger, Ida-, Hermann-„nd Bnchhol;er Straße sowie in der Sckillerstraße in Riede,-Sckönbauien hat gestern vormittag um'/�t I llhr durch Vertreter des königl. PolizeipräiidinmS, der köiiigL Enenbabudireklic», Berlin des Gemenidevvrstebers Bürgermeister Abraham und Vertreter der Große» Berliner Siraßen- bahn stattgeimiden. Da die VetriebSabnahme zu Beanstandungen nicht gcfübrt hat. weiden von heute, de» 24. d. M., ob die Wagen der Linie 49 durch die Blankenburger und die Wagen der Linie 57 durch die Schillerstraße geführt. Tvandau. Stadtverordnetenversammlimg. Bevor in die Beratung der Tagesordnung emgetret-n wird, wurde folgender von den Genossen Schmidt I., Pieck, Pieper und vom Siadlv. T u ck> ch untcr- zeichneter Antrag eingebracht:„Unterzeichnete beainragc»: Die Stadtverordnetenversaminlung ersucht den Magistrat, der Stadl- verordnetenversamniluiig möglichst bald«in« Vorlage zu unter- breiten, in der Vorschläge gemacht werde», in welcher Weise die Gefahren, welche das Elektrizität»- und VaSsteuer- g e s e tz den städtischen Betrieben zu bringen drohen, abgewendet werden können." Der Antrag w,rd auf die Tagesordnung der nächsten Versammlung gesetzt werden. Zu der Herstellung der Scegefelder Straße von der Kloster- bis zur Sloatener Straße werden von der Versammlung aus der demnächst auszunehnienden Anleihe 859 500 M. bewilligt.— Die Erweiterung der Brücken- straße hat den Stadtvätern schon manche Kopischinerzen gemacht und wird ihnen auch noch weiter welche veruriacken. Dag die Ver- breiterung eine Notwendigkeit ist. soll nickt bestritten werden, aber wie dieselbe vorgenommen wird, erregt bei jedem verständigen Menschen ein Kopsschülleln. Jetzt verlangt die Wasserbauverwaltnng wieder eine andere Regulierung des HaveluferS, wodurch 73 000 M. Mehrkosten erwachsen, die jetzt vom Magistrat von der Versammlung gefordert werden. Den Besitzer Sternberg zu den Mehrkoste» heranzuziehen, wie eS auch der Stadtverordnete Genosse Pieck wünscht, ist nicht möglich, da mit ihm noch ein anderer Vertrag z» Recht besteht. Der Referent der Borlage, Stadtverordneter Baurat Bender, stellte schließlich den Antrag, vorläufig noch 30000 M. zu bewilligen, die übrigen Mehrkosten aber erst durch einen bereits bestehenden AuSscknß prüfen zu lassen, wenn in zwei Monaten das Brückcnprojekt vorgelegt wird, wie der Stadtbaurat versprochen. Dieser Antrag gelangte denn auch zur Amiahme. Be« nierkeuivert ist hierbei noch, daß der Stadtbaurat Paul die Mehv tosten auch daräils zurückführte, daß die Arbeitslöhne. namentlich für tue Steinsetzer und Rohrleger, mindestens um das l'/zfache gestiegen sind.— Zur Kenntnis der Versammlung wurde ein Schrerben des HanptbauamtS 1 Potsdam betreffend den.Erwerb der Rustwiesen gebracht. Diese Wiesen wollte die Regierung ent- eigne» und zun, Taxwert der Stadt Spandau überlassen. Die Re° gierung»st aber davon jetzt sbgekonmien, weil eine Spandauer Firma, nämlich die Nuhholzhandlnng Meyer Söhne, wohl in der Boraussicht, daß hier ei» Bombengeschäft zu inache» ist, sich den größten Teil der Wiesen hat anstellen lassen und die Regierung befürchtet, daß die Enteignuiig Schwierigkeiten niachen würde. Meyer Söhne bietet nun seiner Vaterstadt diese Wiesen, für die er den Quadrat- meter mit 2 und 3 M. bezahlte, wie der Stadtverordnete Genosse Pieck bekannt gab. für 8 M. pro Quadratmeter an. Der Gesamt kauspreiS würde für die Stadt etwa Millionen Mark betragen haben. Der Stadtv. P r a g e r stellte den Antrag, die Angelegenheit nochmals der GrundeigentiimS-Deputation zu überweisen, und er hatte mit seinem Antrage Glück, eine schwache Mehrheit stimmte ihm zu.— In dem nächsten Antrage fordert der Magistrat die Ge> Währung einer jährlichen Remuneration von je 300 M. an die Lehrer der zum 1. Oktober 1908 eingerichteten Hilfsschule für schwachbefähigte Kinder und von 400 M. an den Leiter dieser Schule. Wie der Referent Stadw. Berlin mitteilte, sind drei solcher HilfSschulklnssen eingerichtet und zwar an der 2.. 7. und 5. Gemeindeschule. Die Klassen sollen nur mit 16, höchstens 20 Kindern belegt werden. Stadtv. Genosse Schmidt I äußert seine Befriedigung darüber, daß diese Klassen nun endlich eingerichtet sind, wünscht aber, daß sie nicht etwa als Jdiotenklasien angesehen werden. Die Vorlage wird genehmigt.— Zu der Vorlage betreffend Zuschlag» erteilung für die Lieferung eines Rollwagens für die Straßew reinigung befürwortet der Referent die Vergebung an einen Spandauer Schmiedemeister G rä t ch e l. der zwar nicht Mindest- fordernder sei, aber als Spandauer Bürger doch berücksichtigt werden müsse. Diese zarte Rücksichtnahme auf die Spandauer Uniernehmer konnte sich der Stadtverordnete Genosse Schmidt I nickt eütgehen lassen, um ganz energisch dagegen zu protestieren. Er hält eS nicht für unberechtigt, wenn Spandauer Unternehmer bei solchen Arbeiten berücksichtigt werden, dagegen müsse er aber auch onderer- seitS verlangen, daß bei solchen Arbeilen auch in erster Linie Spandauer Arbeiter berücksichtigt werden. Bei der Abtragung der Festungswerke, die ja auch meist ein Spandauer Unternehmer tder Stadtverordnete Maurern, eister M a tv w S ka) habe, könne man gerode das Gegenteil beobachten, da sind nur Ausländer und sogar Frauen beschäftigt, während die Spandauer Arbeits- loien mit hungrigen, Magen diesen Arbeilen zusehen können. Nie- mand konnte daraus antivorlen und stillschweigend wnrde die Vor- läge angenommen.— Bei Beratung der Vorlage: Genehmigung zur Errichtung einer neuen Leh> erstelle an der fünften Gemeinde- schule, moniert Stadtverordneter Genosse Pieper, daß infolge Ueberfüllung der oberen Klassen verschiedene Kinder sitzen geblieben sind. Stadtv. Genosse Pieck beantragt bei dieser Vorlage, den Magistrat zu beauftragen. Erhebungen darüber anzustellen, wieviel Kinder ohne warmen Kaffee und ohne Frühstück zur Schule kommen. WaS schier« unsere satten Moral» Philister aber«ine solche Erhebung; der Antrag wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. Die Arbeiter Spandaus mögen sich dieS merken. Die übrigen Vorlagen von geringerer Bedeutung wurden meist debaUeloS genehmigt. Ein Schauiurnen bsranstakten die beiden Männerabteilungen der „Freien Turner" heute abend 8 Uhr in BorchardtS VereinShauS. Der Eintritt ist unentgeltlich und werden Freunde und Gönner des Turnens um zahlreiche Beteiligung gebeten. Vermilcktes. bei bis und Aufstieg des Zeppelin-BallonS. Der langerwartete neue Aufstieg des.Zeppelin I" ist gestern nachmittag erfolgt. Der Ballon stieg um 2 Uhr 5 Minuten glatt a»f und wandte sich der Stadt Friedrichshafen zu. Das Luftschiff wurde von dem Lberingenieur Dürr in Vertretung des zurzeit in Berlin befindlichen Grafen Zeppelin gesteuert.... Ueber de» Verlauf der Fahrt melden folgende Telegramme das Nähere:•.'! FrledrichShefen, 23. Oktober. Da? Luftschiff deS Grafen Zeppelin steuerte im weiteren Verlauf seiner heutigen Fahrt zunächst das württembergische Ufer entlang, fuhr dann über den See zum schweizerischen Gestade und kehrte daraus in der Richtung nach Manzell zurück. Es ftihr verschiedene Male über das Schloß Friedrichshasc» und steuerte auch landeinwälis. Um 5 Uhr fuhr es auf Manzell zu, wo eS um ö'/a Uhr glatt in die schwimmende Halle einlief. Stuttgart, 23. Oktober. Ueber die heutige Fahrt deS Zeppelin- schen Lustschiffes erfährt der„Schwäbische Merkur' von fach- inäi, iiischer Seite au-Z der Umgebung des Grafen Zcppelin: An der Fabrt»ahmen zehn Personen teil. In der vorderen Gondel befanden sich: Graf Zeppelin junior. Oberingenieur Dürr, zwei Unterkapitäus und zwei Monteure, in der hinteren Gondel Ingenieur Stahl. Leutnant vo» Brandenstcin und zwei Monteure. Es herrschte mäßiger Nordostwind. Die Steuerung war vorzüglich, ebenso Stabilität und Gesckwindigkeit. Die letztere wird auf etwa 13 bis 14 Velundeiimeter geichätzt. Die Höhe, in der sich da» Luftschiff bewegie, betrug 200 bis 300 Meter. DaS Luftschiff gehorchte auch dem leiseste» Steuerdruck.__ Feuer im Brüsseler Hauptpostamt. Gestern nackt gegen 12 Uhr brach infolge KurzscklusseS in dem Giebel des BrüsselerHauptpostgebäudeS Feuer aus. Binnen kurzem nahmen die Flammen ein« erhebliche Ausdehnung an. Die Telegraphendrähte de» internationalen D i e n st e S schmolzen. Um l'/z Uhr war daS Feuer auf feinen Herd beschränkt. ES wurden sofort Maßregeln ergriffen, um«wer Unterbrechung deS internationalen telegraphischen Dienstes vorzubeugen._ Drei Kinder verbrannt. In Jedinghagen bei Gimborn verbrannten eine», Scheuncnbrande drei Kinder im Alter von 2 5 Jahren. Die Kinder hatten mit Streichhölzern gespielt dadurch das Feuer verursacht._ Vom Schlachtfeld der Arbeit. Durch vorzeitiges Losgehen eines Sprengschusses wurde in dem Steinbruch von Langenohl ein schwerer Unglücks- fall herbeigeführt, wobei zwei Arbeiter getötet und drei schwer verletzt wurden. Einer der Getöteten wurde über eine steile Felswand geworfen, während der andere 50 Meter weit fortgeschleudert wurde. In dem Steinbruch arbeiteten 30—40 Leute, welche die Arbeit sofort niederlegten. Acht Minenarbeiter getötet. Durch plötzliche EntWickelung von Kohlensäure wurden iirben Minen von Rochebelle(Frankreichj acht Arbeiter abtötet._, Die Entwickeluug der Mordtechnik. Am letzten Donnerstag fand in Faversbam in England de» erste Versuch mit einer von Martin Hake erfundenen, an» einem Jnfanteriegewehr mittels gewöhnlicher Palrone ab- zuschießenden Schrapnel-Gewehrgranate in Gegenwart von englischen und fremden Sachverständigen statt. Die Granate wiegt etwa 650 Gramm, hat eine Maxinialschußweite von etwa 300 Meter und berstet beim Aufschlagen auf den Erd» boden. So sinnt rastlos die Technik, wie es möglich ist, in einem Kriege immer noch mehr Menschenleben zu veriiichlen. Erst einer späteren veniünfligen Gesellschaftsordnung wird es vorbehalten bleiben, den für die Eiitivickelung der Mordlechml täligen Kräften Aufgaben zuzuweisen, die dem Wohle der Menschheit dienen. freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 25. Oktober, vormlliazd 9 Nbr, in der Halle der Gemeinde, Pappelallee>5—17, Freireligiöse Bor- lesung. Vormittags ll Uhr In der Schulaula, Kleine Franklurter Str. S: Voi trag von Herrn M. H. Baege über:„Polytheistisch- heidnische Bestand- teile im Christentum". Damen und Herren find als Gäste sehr willkommen. — Montag, den 26. Oktober, abends 8 Uhr, Scbastianstr. 39: Bclchließendr Berfammlung vollberechtigter Mitglieder(weiße Quittung). Sehr wichtig« Tagesordnung: Schaffung der Ausjchlußmöglichleit durch Aenderung deS g 7 der Statuten._ Amtlicher Marktbericht der städtischen MarUballen-Dtrektton über den Großhandel In den Zenwal-Marktballcn. Marktlage: Fleisch, Zusubr gcnügend, Geschäft slau, Preise unverändert. Wild: Znsuhr ge, niigcnd. Geichäst sehr iebhait, Preise brsrledigend. Geslügel: Zusuhr in Gänsen reichlich, sonst nicht genügend, Äeichäst sehr rege, Preise hoch. Fisch«: Zusubr etwas reichlicher, Gelchäst matt, Preise nur wenig per- ändert. Bulter und Käse: Geschäft ruhig, Preise u»verandert. Gemüse, Obst und Südsrllcht«: Zusuhr genügend. Geschäst ruhig, Preise wenig verändert._ eSasserstaiidS-Nachrichte» der LandeSanstalt für Gewäiserkunde. mitgeteilt Boa _ Berliner Wetlerbuieau. 0+ bedeute« Wuchs.— Fall.—*) Nmerpegel. Wetterprognose für Sonnabend, de»«t. Ottober 1008. Kalt und meist trockeu bei wechselnder Bcwöllung und mäßigen östlicher Winden. Deutscher Metallarbeiter- Verband.) Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Soi L Amt 3, 1239. Charitéstraße 3. Hof III. Amt 3, 1987. Sonntag, den 25. Oftober 1908, vormittags 10 Uhr: Versammlung aller in der Gold- n. Silberwarenindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen in Kellers Neuer Philharmonie, Köpenider Straße 96-97. Zages Ordnung: 1. Unfere diesjährige Tarifbewegung. Referent: Kollege Handle. 2. Diskussion. Kollegen und Kolleginnen! Mit Rüdsicht darauf, daß es notwendig ist, daß alle Arbeitnehmer in der Gold- und Silberwarenindustrie über den Berlauf unserer Tarifbewegung unterrichtet sind, ist es Pflicht eines jeden, in dieser Bersammlung zu erscheinen. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. I Montag, den 26. Oftober 1908, abends 6 Uhr: Versammlung aller in Metallgießereien beschäftigten Former und Berufsgenossen im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 4. Tages- Ordnung: 1. Vortrag: Was hat das Christentum den Armen gebracht?" Referent Genoffe Unger. 2. Disfusion. 3. Berbands- und Branchenangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Kollegen! Bir ersuchen Sie, pünktlich und vollzählig zu erscheinen. Die Ortsverwaltung. 123/18 Allgemeine Kranken- u. Sterbekasse der deutschen Drechsler und deren Berufsgenossen( E. H. 86 Hamburg). Mitglieder- Versammlungen Bezirk A B 39 C 99 D 99 finden statt: am Sonntag, den 25. Oftober, vorm. 10%, 1hr, im Gewerkschaftshaus, Saal 9. am Sonntag, den 25. Oktober, vorm. 10%, Uhr, bei Ehlert, Wiener Straße 25. am Sonntag, den 25. Oftober, vorm. 10%, Uhr, bei Schulz, Alte Jakobftr. 18/19. am Sonntag, den 25. Oftober, vorm. 10%, Uhr, bei Hummel, Sophienftr. 5. Zages Ordnung: 1. Gefchäftliches. 2. Staffenbericht pro 3. Duartal. 3. Ergänzungswahl des Boiftandes 4. Berschiedenes 3m Bezirf D wird am 1. November bie Bablftelle von der Elfaffer. Straße 11 nach der Invalidenstr. 150 bei Raddatz verlegt. NB. Am Sonnabend, den 14. November, findet in Sanssouci, Rottbufer Strage 4a, ein Wintervergnügen zum Besten hilfsbedürftiger, ausgesteuerter Mitglieder statt. 2334b Die Ortsverwaltungen. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Sonntag, den 25. Oftober, vormittags 9% Uhr, im Reichenberger Hof, Reichenbergerstr. 147: Branchen- Versammlung der auf Telephon- u. photographische Apparate befch. Holzarbeiter. Tages Ordnung: 1. Bortrag des Kollegen Nitschke über: Die wirtschaftliche Ent widelung und die Aufgaben der Arbeiterschaft. 2. Branchenangelegenheiten. Einsetzer! Sonntag, den 25. b. M., vormittags 10% Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15: Branchen- Verfammlung Zages Ordnung: 1. Bericht der Kommission, Berbandsangelegenheiten. 2. Branchen angelegenheiten und Verschiedenes. Branche der Vergolder. Montag, den 26. Oktober, abends präzise 8 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 58/59: Branchen- Versammlung. Tagesordnung: 92/7 1. Bortrag bes Genossen Inline Hildebrand: Die wirtschaftliche Seife und ihre Urlachen". 2. Diskussion. 8. Berschiedenes. Bahlreiches Erscheinen erwartet Keine Engros- Arbeit, sondern jedes Stück sauber und gut genäht. Die Branchenleitung. 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Vereinsangelegenheiten. 44/4 Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist das pünktliche Erscheinen aller Mitglieder unbedingt notwendig. Die Ortsverwaltung. Berufsgenossen Deutschlands. Ortsverwaltung Groß- Berlin. Sonntag, den 25. Oktober, nachm. 4 Uhr, im Englischen Garter Alexanderstr. 27 c: Generalversammlung. Zages- Ordnung: Kaffenbericht. Bericht der Revisoren. Dericht von der Gewerkschaft tommiffion. Bericht vom Arbeitsnachweis. Anträge. Wahl eines Ver trauensmannes der Schiffahrt. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist ein zahlreiches Erscheinen dringend notwendig. 3. A.: H. Schwittau. 146/2 Vornehme Herren Bekleidung fertig und nach Mass Elgene Fabrikate Garantie für Haltbarkelt Anerkannt vorzüglichster Schuhputz. Immalin Zu haben in allen einschlägigen Geschäften. Jackett- Anzüge in den neuesten Farben und Fassons 1650, 20, 24, 27, 30, 35 bis 60 M. Herbst- und WinterPaletots u. Ulster in denkbar grösster Auswahl 18, 2250, 25, 28, 30, 36 bis 65 M. 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Ein Fall, der ganz besonders fraß nach dieser Richtung lag, wurde vor dem Chemnizer Landgericht verhandelt. Der schon wieder holt und zuletzt mit Zuchthaus wegen Rückfallsdiebstahls bestrafte Handarbeiter Wittig war desselben Delifts angeflagt. Er sollte in Markersdorf bei Penig in ein Gut eingestiegen und dann aus einer Bodenkammer 1,20 Mart baren Geldes gestohlen haben. Der Angeflagte leugnete dieſen Diebstahl beharrlich, wurde aber als durch die Beweisaufnahme überführt für schuldig befunden und unter Verfagung mildernder Umstände zu zwei Jahren Zuchthaus und fünfjährigem Ehrenrechtsverlust verurteilt und soll nach Verbüßung der Strafe unter Polizeiaufsicht gestellt werden. Laffet die Kinder zu mir kommen!" Geldstrafe verurteilt worden. Durch das gleiche Urteil des Land- worauf der letztere gegen Lorenz wegen Beleidigung erichts war der Bruder des Genannten, Schuhmacher Gottfried porging. In der damaligen Verhandlung stellte Freiherr König, von der gleichen Anklage freigesprochen worden. von Herder unter Eid in Abrede, daß er von seinem Den Anlaß zu den Eingaben, in denen die Anklage die Beleidigung derzeitigen Bächter ein 2... genannt worden sei und daß er, wie erblickte, bildeten vermögensrechtliche Maßnahmen des Amtsgerichts Lorenz ferner behauptete, diefen und andere ihm unterstellte Leute Bad Nauheim. Die vom Staatsanwalt gegen den frei ruhen und erreichte schließlich, daß gegen v. Herder wegen Falichmit Du" angesprochen habe. Lorenz ließ die Angelegenheit nicht sprechenden Teil des Urteils eingelegte Revision wurde vom eides vorgegangen wurde. Das Landgericht Freiberg sprach Reichsgericht verworfen. Ferner wurde Theodor König auf seine den jezt angeklagten ehemaligen Reichstagabgeordneten v. Herder Revision ganz freigesprochen, weil§ 193 ihm voll zu des fahrlässigen Falscheides schuldig und verurteilte ihn zu einer gute tommt. Aus dem Urteile des Landgerichts ergibt sich, führte Gefängnisstrafe von einem Monat. das Reichsgericht aus, nicht, daß die Absicht der Beleidigung aus der Form oder den begleitenden Umständen zu entnehmen war. Haftet die Eisenbahn für Ueberfälle im Bahnzuge? Die Ermordung des Zahnarztes Claussen am 9. November 1906 Ein früherer Reichstagsabgeordneter wegen Falscheides verurteilt. in dem Vorortzuge Altona- Blankenese beschäftigte dieser Tage das Reichstagsabgeordneten Rittergutsbefizer Gottfried Freiherrn Eine aufiehenerregende Verhandlung gegen den früheren Reichsgericht. Die hinterbliebene Witwe Clauffen machte Schadenersat und Wernsdorf, fand vor der Straffammer des Freiberger Land- Klage auf vorläufige Bahlung von 3000 m. ist darauf gestügt, daß v. Herder, Befizer der Rittergüter Rauenstein, Wünschendorf ansprüche gegen den Eisenbahnfistus geltend. Die gerichts statt. Freiherr v. Herder, der den Wahlkreis Bichopau- die besonderen Betriebseinrichtungen der Eisenbahn ursächlich für den Marienberg von 1893 bis 1898 im Reichstage bertrat Unfall geworden sind. Der Mörder, ein Gärtnergehilfe B., hatte und der konservativen Frattion angehörte, ver- nach eigener Ausiage den Entschluß gefaßt, irgend einen wohl pachtete vor einigen Jahren das Rittergut Wünschendorf an einen habenderen Fahrgast zu überfallen, der allein in ein Coupé Landwirt Lorenz, der jedoch später in Konfurs geriet und fein steige. Zu diesem Zwede hatte er auf dem Bahnhofe Altona den gesamtes 40 000 m. betragendes Vermögen verlor. Lorenz führte günstigen Moment abgewartet, um in den Vorortzug Hamburgfeinen wirtschaftlichen Ruin auf Maßnahmen des Freiherrn Blankenese zu steigen. Der Mörder soll sich auch den Zug dort ge zwischen beiden entstand eine un rade für feinen Ueberfall auseriehen haben, weil er ohne Durchs überbrückbare Feindschaft. Es tam des öfteren zu heftigen Auf- gangswagen fahre und die Wagen alter Konstruktion mit sich führe. tritten und bei einer solchen Gelegenheit foll Lorenz den damaligen Wehrere gleichartige Mordanfälle, die schon früher vorgekommen Reichstagsabgeordneten einen..... genannt und ihm gedroht feien, hätte die Bahnverwaltung nach Ansicht der Klägerin verhaben, ihn auf die Düngerställe zu werfen. Die angebliche Be- anlossen müssen, in dieser Beziehung Einrichtungen zu treffen, die leidigung erfolgte schon zu der Zeit, als v. H. noch Reichstags- den Verkehr sicherer gestalteten? abgeordneter war. Mehrere Jahre später, am 4. September 1907, Das Landgericht Altona und das Oberlandesgericht Niel trafen die beiden Todfeinde abermals zusammen. Lorenz wieder erkannten auf Abweisung der Klage. holte die obigen Ausdrüde gegen den Freiherrn v. Herder und Die Revision wurde jetzt vom VI. Bivilfenat des Reichss richtete dann an den Kommandeur des Leibgrenadierregiments in gerichts zurückgewiesen. Der erkennende Senat führte beDresden, Oberst Krug von Nidda, sowie an den Kommandeur der gründend an: Soweit die Klage auf das Haftpflichtgefeß gestüt Dichazer Ullanen mehrere Briefe, in welchen er den Kommandeuren, fei, scheitere fie daran, daß der Kausalzusammenhang im Sinne des den militärischen Borgeiegten des Freiherrn v. Herder mitteilte, daß Haftpflichtgefeßes nicht gegeben fet.. Auch hier sei ein innerer Zuer, Lorenz, den Freiherrn Freiherrn beschimpft habe, ohne daß fammenhang mit dem Bet ieb erforderlich. Derfelbe fei aber hier dieser sich dagegen verwahrt habe. Oberst Krug von Nidda nicht vorhanden. Der Beförderungsvertrag tomme hier gar nicht in in Dresden fandte den Brief an den Legationssekretär v. Herder in Frage, da die Eisenbahnverwaltung immer nur dem Beförderten Berlin, einen Bruder des früheren Reichstagsabgeordneten, felbft zu haften habe. Der 35 Jahre alte pensionierte Kuratus Conrad Hoffmann, früher Kaplan in Bamberg, dann Kuratus in Pegnitz, wurde von der 2. Straflammer des Landgerichts München I wegen an Kindern begangener Verbrechen gegen die Sittlichkeit zu 1 Jahr Herder zurück und Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt. Der Briefter hatte ursprünglich ein Geständnis abgelegt. Im Termin berlegte er sich aufs Leugnen und meinte, er habe am Tage nach dem Vorfall mit gutem Gewissen zelebriert und wenn er sich einer Sünde nicht bewußt sei, dürfe ihn das weltliche Gericht auch nicht eines Verbrechens beschuldigen! Darauf ging das weltliche Gericht denn doch nicht ein. Berechtigte Interessen. Selbst dem Reichsgericht geht die Einengung des§ 193 des Reichsstrafgesetzbuches durch die Gerichte hin und wieder zu weit. Am Donnerstag wurde vor dem Reichsgericht folgender Fall verhandelt. Der Bahnassistent Theodor König war am 23. Juni vom Landgericht Gießen wegen Beleidigung eines Amtsrichters zu 100 M. el Vorm. Kaufhaus für Gelegenheitskäufe... Ft. Pfingst& Co. Am Bahnhof Alexanderplatz. Königstraße 33. Am Bahnhof Alexanderplatz. 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