Nr. 255. Abonnements- Bedingungen: bonnements Preis pranumerando, Bierteljährl. 8,30 I., monatl. 1,10 m wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags.. nummer mit illuftrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Big. Bost Abonnement: 1,10 Mart pro Monat Eingetragen in die Boft- Beitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Solland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Mumänien. Schweden und die Schmeis Eridelat täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 25. Jahrg. B Die Infertions Gebühr beträgt für die fechsgespaltene stolonel geile oder deren Naum 50 Big., für bolitische und gewerfichaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 80 Big. Kleine Anzeigen". das erste( fett gedruckte) Bort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengeiuche und Schlaf ftellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., fedes weitere Bort 5 Big. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Snierate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition bgegeben werden. Die Expedition i bis 7 Uhr abends geöffnet. Zelegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: SW, 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Zuſammenbruch. Der erste Eindruck, den die Veröffentlichung der kaiserlichen Aeußerungen machen mußte, war, daß es sich um eine englische Intrige handle. Aber diese Annahme ist für die politische Geschicklichkeit der deutschen auswärtigen Politik zu günstig. Das Gespräch war diese Meinung gewinnt immer mehr Wahrscheinlichkeit von Anfang an zur Veröffent. tichung bestimmt, und es ist vielleicht ein zu optimistisches Urteil, wenn man vermutet, daß die Veröffentlichung wenigstens in diesem kritischen Zeitpunft nicht gewünscht wurde. Wilhelm II. hat offenbar wirklich in dem Glauben gelebt, daß dieser Appell an das englische Volk", dieses Klagen über das Verkennen seiner Absichten, diese Beteuerung seiner englischen Freundschaftsgefühle dem Verhältnis Deutschlands zu England nüßen würde. Gerade weil wir das Ziel dieser Politik billigen, weil gerade wir mit dem größten Nachdruck ein freundschaftliches Verhältnis zu England fordern, müssen wir es außerordentlich bedauern, daß dieses Streben mit so unzulänglichen Mitteln verfolgt wird, daß die beabsichtigte Wirkung gerade in ihr Gegenteil umschlagen mußte. Freitag, den 30. Oftober 1908. und Reichsamt des Innern pflegt, einmal nicht gegen Arbeiter, sondern gegen die Krone scharf macht. Das Blatt fagt: Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Aufrichtigkeit verleihen. Immerhin verlieren die Worte des Kaisers ihre praktische Bedeutung, wenn fie unter dem Einfluß solcher Stimmungen gesprochen sind. ,, Aufs tiefste aber wird es die deutsche Boltsseele treffen, daß sein Kaiser den Kriegsplan ausgearbeitet hat, mit dem das tapfere stammberwandte Burenvolf vernichtet worden ist. Den deutschen Kaiser als unerbetenen Strategen gegen ein niederdeutsches Volk, das ist ein Bild, das Jahrzehnte nicht verwischen können... 3 st das Neutrali tät? Ist das die Hilfe, die dem ollen Strüger 1896 angeboten wurde? Ist der Kaiser denn auch beteiligt an dem Plane, nach dem 30 000 armen der Buren zerstört und ge= plündert und die Frauen und Kinder in die furchtbaren, Freilich der englischen Politik hat er einen Dienst erwiesen, todbringenden Konzentrationslager gebracht wurden? Wir können und wollen es trop der halbamtlichen Verbreitung der Meldung nicht glauben. Denn so hat nie ein deut scher Kaiser bisher gehandelt, und so darf ein deutscher Kaiser niemals handeln. Durch nichts ist das Bild Wilhelms II. in dem Herzen seines Voltes so entstellt worden, als durch diese Veröffentlichung. Wenn sich die Meldung bewahrheitet, dann müssen wir gestehen, daß wir unseren Kaiser nicht nur nicht mehr verstehen, sondern seine sandlungsweise aufs tiefste betlagen und bedauern." Die Liberalen englischen Organe enthalten sich solch bitterer Bemerkungen, aber auch sie lehnen es ab, die englische Politik von den Gefühlen und Stimmungen eines einzigen Menschen abhängig zu machen. Ist So hat Wilhelm II. wieder nicht erreicht, was er gewollt hat. Seine Freundschaftsbeteuerungen find muklos verhallt. Selbst die Deutsche Tagesztg." ist mit der Politik Wilhelms II. unzufrieden. Lehrer, Schule und Dreiklaffenparlament. As wie schon einmal zur Zeit des Burenfrieges. Das Bündnis Englands mit Rußland und Frankreich ist gefestitat, sein Ansehen und seine Stellung in der Welt neuerlich gestiegen. Aber dieser Dienst war ein sehr unfreiwilliger, und er geschah ganz auf Kosten der deutschen Interessen. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, so ist jetzt der Beweis geliefert, daß der Absolutismus in der auswärtigen Politik eine Unmöglichkeit und eine Gefahr für das deutsche Wolf bedeutet. Sein Zusammenbruch ist vollendet. Am 4. November tritt der deutsche Reichstag zusammen. Wird die bürgerliche Majorität imstande sein, fich endlich, aufzu Die Erregung ist ja auch nur allzubegreiflich. Aber man raffen und ihre Pflicht zu tun? Die Arbeiter Deutschwird fragen dürfen, ob denn nicht die, die heute so scharfe lands fezzen feine Hoffnung mehr auf diesen Reichstag. Aber Urteile fällen, selbst einen großen Teil der Schuld um so entschlossener werden sie selbst ihre Pflicht er. tragen. Auch Monarchen sind das Produkt der Erfüllen und was an ihnen liegt, tun, um den Gefahren des ziehung. Wäre das deutsche Bürgertum nicht so entsetzlich Absolutismus entgegenzutreten. servil, hätte es seine Pflicht in dem Stampf gegen den Absolutismus nicht so schmählich vernachlässigt, hätten die Bei tungen, die heute so entsetzt sind, nicht selbst den mittelalterDas preußische Abgeordnetenhaus hat am Donnerstag die erste lichen Plunder vom Gottesgnadentum so sorgsam gehegt, all sesung des Lehrerbesoldungsgesetes beendet. s die romantischen Illusionen so reichlich genährt, sie brauchten erster Redner tam Genosse Borgmann zu Wort, dessen Jungfernheute nicht die notwendigen Folgen ihrer schlimmen Sünden rede eine schwere Anlage gegen die preußische Regierung, ins. zu beklagen. Sie haben den Absolutismus gewollt, weil sie besondere gegen die Schulverwaltung, und gegen den die Maßnützen gedachten, und num entsetzen sie sich über seine Reful- mit vollem Recht fonnte Borgmann die Frage aufwerfen, ob es der ihn zur Abwehr gegen die Forderungen der Arbeiter zu be- nahmen der reattionären Verwaltung billigenden Landtag bedeutet. antwortlichen Leiter unserer auswärtigen Politik. Weiß man Lehrerfreundlichkeit wirklich ernst sei. Weit entfernt davon, nach tate. Fragt man ja auch heute kaum nach dem sozusagen ver- fonservativ- klerifalen Mehrheit mit ihrer zur Schau getragenen ja allzugenau, daß Bülow auf alle Fragen mit der Gegen- Art der Konservativen die Vorlage der Regierung als eine besonders Frage antworten wird: Was kann ich armer Teufel bieten? hervorragende Tat zu preisen, bezeichnete er sie treffend als die muß ich nicht handeln, wie der Herr befiehlt, und darf ich einlösung eines alten, längst fälligen Wechsels, reden, wenn ich nicht gefragt werde? Würde ich denn nicht für den der Schuldner sich auch noch weigert, Berzugszinsen zu fofort weggeschickt werden, wenn ich zu widersprechen wagte? zahlen. Unserem prinzipiellen Standpunkt gab Borgmann dadurch und habt Ihr nicht tausendmal bewiesen, daß das Recht der Krone, Minister zu ernennen und zu entlassen, unantastbar ist. Wir leben ja glüdlicherweise nicht unter einem parlamentarischen System." Freilich, Fürst Bülow fann nach machen. Er ist von heute an über die Vergangenheit wollen wir nicht sprechen lichen Ministers. Aber wenn unsere ganze auswärtige - nur mehr die Karikatur eines verantwort Politik nur eine traurige Boffe ist, ist dann Fürst Bülow nicht für sie der richtige Minister? Es ist allerdings schwer zu begreifen, wie man sich über diese Wirkung im Unflaren befinden konnte. Der Kaifer will die englische Freundschaft gewinnen und erneuert alte peinliche Erinnerungen aus dem Burenkrieg. Er will das englische Bertrauen erwerben und macht Neußerungen über die französische und russische Politit, die in England den Eindruck erwecken, als wolle man zwischen England und seinem Bundesgenossen Mißtrauen säen und so die Zirkel der englischen Politik stören. Und wie vor allem durfte England die Versicherung gegeben werden, daß die breiten Massen des deutschen Volkes englandfeindlich seien, eine Versicherung, die, wenn auch unrichtig, nur allzu geeignet ist, das Spiel der eng lischen Chauvinisten zu fördern. Aber fast noch schlimmer als die Wirkung in England ist der Schaden, der unheilbare, unter dem jetzigen System der Leitung der auswärtigen Politik nicht mehr gutzumachende Schaden, den die deutsche Politik erleidet. Wir wollen nicht erst von dem Unheil sprechen, das die beständigen Schwanfungen einer Gefühlspolitik, die aus Stimmungen und Verstimmungen geboren wird, anrichten. 1896 schickt der Kaiser jene unselige Depesche an Krüger, die die Buren zu der Abwehr der englischen Feinde beglückwünscht und von ihnen als das Versprechen deutschen Schutzes aufgefaßt wird. Als der Burenkrieg Kaiser nach London den besten Feldzugsplan zu ihrer dieser Veröffentlichung auf irgendwelche Autorität Gedanken einer gleichmäßigen Besoldung der Lehrer in Stadt und - " BeſſeAusdruck, daß er die Schaffung einer Einheitsschule forderte und eine Reform der Volksschule an Haupi und Gliedern als Borbedingung für eine wirkliche Besserung sowohl der Schule als auch der Lage der Lehrer hinstellte. Dem gegen überzustehen, er bezweifelte aber, daß dadurch das Ziel der Schaffung eines feßhaften Lehrerstandes erreicht wird. Bekämpfung, an den er er jest so unzeitgemäß er innert, als wollte er einen Teil des Nuhms von jenen Siegen beanspruchen, die zur Unterwerfung der einftigen Freunde, zur Zerstörung ihrer Farmen geführt haben. Was soll man aber erst dazu sagen, daß der Kaiser die vertraulichen Anfragen Frankreichs und Rußlands, ob eine gemeinsame Intervention bei England möglich sei, tele graphisch der Königin von England, seiner Großmutter, und ihrem Sohne, seinem Onkel, mitgeteilt hat! Muß nicht jedes Vertrauen in die Diskretion und Zuberlässigkeit des deutschen Auswärtigen Amtes schwinden, wenn vertrauliche Mitteilungen gerade demjenigen mitgeteilt werden, dem sie verborgen bleiben soen? Kann man sich wundern, daß die deutsche Diplomatie so lächerlich- ichlecht informiert ist, In der offiziöfen Presse wird die Darstellung des Kaifers daß, um nur das letzte anzuführen, Herr von Aehrenthal und bestritten. Allerdings gaben Murawiew und Delcassé 1900 der österreichische Thronfolger sich so sorgsam gehütet haben, die Anregung zu einem gemeinsamen Vorgehen zugunsten den Bundesgenossen von ihren Balfanplänen in Kenntnis zu Transvaals. Aber früher schon hatte Deutschland mit Franksetzen, wenn es als Gebot der Vorsicht erscheinen muß, Deutsch- reich über ein gemeinsames Vorgehen gegen England verhandelt, land nicht zum Mitwisser zu haben? Ist es unter diesen Um- allerdings erfolglos. Und so erblickt fast die ganze Breffe in ständen verwunderlich, daß das Interview in der deutschen den Aeußerungen nur einen Bersuch, Unfrieden Selbstverwaltungsrecht der Gemeinden mehr und mehr Presse Best ürzung und Erbitterung gewedt hat, zwischen Frankreich und England zu stiften. daß außer den getreuesten Schildknappen des Auswärtigen Aehnlich, nur noch feindlicher, flingen die Aeußerungen aus Amtes, wie der Bossischen", der National-" und der Frank- Rußland, und die nationalistische Presse beeilt sich, die Zu furter Zeitung" alle Blätter in der schärften Mig- verlässigkeit der deutschen Vertragstreue und der deutschen billigung übereinstimmen? So fagt das Berl. Tagebl." Versicherungen zu verdächtigen. Und völlig ablehnend in einem Fehler über Fehler" überschriebenen Artikel: verhält sich die englische Presse, die kaum noch den Ernit wahrt. Die Absichten Wilhelms II. haben hier völlig Schiffbruch gelitten. Der konservative" Standard" meint ironisch: mäßig ruhig verhalten, so änderte sich das Bild, als Borgmann Hatten die Herren von der Rechten sich bis dahin verhältnis Eine traurige Posse fürwahr und als Episode in diesem Großgrundbesißern durch das Lehrerbefol. flammenden Proteft gegen die neue Liebesgabe erhob, die den Spiel auf Kosten des deutschen Volkes wertet die aus wär dungsgesek in den Schoß geworfen wird. Aber alles tige Presse das neue Ereignis. In Frankreich ist Gelächter der Junker und alle Zwischenrufe können die Wucht der der Eindrud außerordentlich ungünstig. Die Tatsachen nicht abschwächen, die der sozialdemokratische Rebner an " Humanité" fagt: Diese neue Kundgebung wird ebenso wenig wie die führte. Den Forderungen der Lehrer selbst stellte sich Borgfrüheren Unbedachtheiten des faiserlichen Autors der Sache des mann durchaus sympathisch gegenüber, er hält es für berechtigt, Friedens dienen und den Interessen Deutsch. daß sie mit den Sekretären der allgemeinen Verwaltung gleich lands nüßen." gestellt werden wollen, und verlangte weiter cine Aenderung des Gesetzes dahin, daß die Lehrer schon in mittleren Jahren zu höheren Bezügen kommen; sonst fönnte es ihnen so gehen wie Aron und Moses, die das gelobte Land zwar sahen, aber nicht hineinkamen. Die beabsichtigte gefegliche Festlegung des Bremserlasses bot Borgmann Anlaß, die eigenartige Weise zu kritisieren, wie die Regierung im Jubeljahr der Steinschen Städteordnung, das verfümmert. Leider ließ es Präsident v. Kröcher nicht zu, daß der Redner fich näher über dies Thema verbreitete. Ueber Selbstverwaltung darf im preußischen Landtage nicht geredet werden, weil das heutzutage ein unbekannter Begriff ift! " Wohin man auch bliden mag, überall muß diefes Interview unsere Beziehungen stören, unsere Bestrebungen in ein schiefes 2icht rüden, unsere Freundschaft als unzuverlässig, unfere 8iele als irrlichterierend erscheinen Laffen." Und an anderer Stelle heißt es: Man muß leider hinzufügen, daß auch keine der früheren faiserlichen Kundgebungen so gefährlich und so grenzen. Ios berfehlt war wie diese allerneneste." Und die alldeutsche Tägliche Rundschau" spricht von einer ohengrinpolitit, die für alle Welt sorgen will und wenn sie Unruhe stiftet und Mißtrauen erntet, über Vertennung tlagt". Der Eindruck der kaiserlichen Auslassung sei: " Lagt fahren dahin alle Hoffnung auf endliche Stetigkeit und Ruhe unferer Politit, auf eine Einheitlichkeit des Kurses, für den der verantwortliche Staatsmann und vor dem deutschen Volle allein einzustehen hat." Am schärfsten äußert sich die Rhein- Westfäl. 3tg." und es ist interessant zu sehen, wie diesmal der Schleifstein in entgegengesetter Richtung gedreht wird und das Organ der Großindustriellen, das so gute Beziehungen zum Kolonialamt Wie Borgmann, so übte auch Abg. Hoff( frs. Vg.) Kritik an den Gesezentwurf. Troz aller Bemühungen gelang es dem schwarzen Mann" im Kultusministerium, dem Ministerialdirektor Schwarptopff, nicht, nachzuweisen, daß die Kritik unberech tigt war. Im Gegenteil, im Gefühl, daß die sozialdemokratischen Siebe gesessen hatten, schickten die Konservativen noch einen ihrer starken Männer, den Freiherrn v. Richthofen, vor, der mit allerhand Mäßchen und Anwürfen gegen die Sozialdemokratie zwar recht viel Antlang bei den durch gute Wiße nicht verwöhnten Herren auf der Rechten fand, aber sachlich nichts zu sagen wußte, und das wenige Sachliche war, wie ihm unsere Genossen Borgmann und Hirsch in persönlichen Bemerkungen nachwiesen, auch noch falsch. Interessant war es, daß Herr v. Richthofen ein Terzett Borgmanns Caffel- Hoff zusammenstellen zu fönnen glaubt, daß er also seine freifinnigen Blockbrüder in Schulfragen zu den bösen Sozis wirft, während er den Nationalliberalen gnädigst das Verweilen im Blod gestatten will; er weiß, was er an den Herren Schiffer und adenberg für wertvolle Mitarbeiter hat, wenn es sich um reaktionäre Maßnahmen handelt. Der Staifer forach mit einem Engländer und in dem Augenblid, wo er einem ihm sympathischen Engländer gegenübersteht, fühlt er sich ganz Engländer. Dann erwachen im Kaiser die Erinnerungen an feine englische Verwandt fchaft, an seine Liebe für den englischen Sport, für andere englische Einrichtungen, furz, er begeistert sich für England und das Engländertum. Unter dem Einfluß dieser Stimmung äußert er dann die freundschaftlichsten Gefühle für England, und in dem Augenblid, wo er spricht, hat er auch aufrichtige Gefühle der Freundschaft für England. Wenn der Kaiser dann einem ihm sympathischen Amerikaner gegenübersteht, dann fühlt er so sehr amerikanisch, daß er bei nahe die Ansichten eines Bürgers einer freien Republik hegt. Befindet sich der Staiser unter Türken, dann muß er seine warme Sympathie für den Islam ausdrüden. Es wäre fehr falsch und dem erhabenen Monarchen auf dem deutschen Nach Erledigung des Lehrerbesoldungsgefeßes begann die BeKaiserthron gegenüber ein schweres Unrecht, zu denken, daß in diesen verschiedenen Stimmungen eine Unaufrichtigteit ratung der Pfarrerbesoldungsgefeße. In der Dis. Liege. Tatsache fei, daß die Vielfeitigkeit des Kaisers, fuffion, die am Freitag beendet werden soll, wird auch Genosse fowie feine kosmopolitischen Sympathien jeder Stimmung echte Adolf Hoffmann au Worte kommen. OK RcfcDsrfnaoziase in offizieller Keleuchtnng. Die„Nordd. Allgem. Ztg." beginnt in ihrer letzten Nummer tatsächlich damit, wie sie schon gestern ankündigte, die ge Planten neuen Steuervorlagen zu begründen, che diese be kannt gegeben sind. Ein eüvas eigenartiges Verfahren, das in anderen Ländern, in denen die Minister noch nicht die Höhe der preußisch- deutschen Staatskunst erklommen haben, die Blätter zu herbein Spott herausfordern würde, an dem aber in Teutschland, wie es scheint, selbst die sogenannte entschieden liberale Presse keinen Anstoß nimmt, ob- gleich sie sicherlich,' wenn morgen irgend ein Politiker aufstände und erklärte, er wolle etwas begründen, aber erst nach der Begründung sagen, was er eigentlich habe begründen wollen, diesen sonderbaren Kauz kaum ernst nehmen würde. An die Regierung stellt man jedoch den Anspruch, logisch zu verfahren, allem Anschein nach nicht mehr; vielleicht, weil dort nach und nach das Unlogische zum Normalen geworden ist. Zunächst beginnt, wie es sich laut Schema F gezieint, das Äanzlerblatt mit der Begründung„im allgemeinen", daZ heißt nlit dem Nachweise, daß die Neichsfinanzen schlecht stehen und deshalb eine Sanierungskur notwendig ist. Im ganzen weiß man das schon, man kennt auch aus der Reichs- statistik die Zahlen; dennoch ist es ganz interessant, nochmals zu betrachten, wie traurig sich infolge der liederlichen Finanz- Wirschaft der herrschenden Parteien die Finanzlage des Deutschen Reiches gestaltet hat. Das Kanzlerblatt berichtet darüber: Das Mißverhältnis von Bedarf und Deckung gehört zu den charakteristischen Erscheinungen der Finauzgcschichte des Deutschen Reiches. Bei ständig steigendem Bedarfs haben die dem Reiche er- schlossenen Einnahmen nur eine geringe Entwickelungsfähigkeit ge- zeigt und das Gleichgewicht zwischen Ausgaben und Deckung erleidet in wachsendem Maße Störungen. Wie weit seit dem Beginne dieses Jahrhunderts die Einnahmen hinter dem jeweiligen Gesamtbedarfe zurückgeblieben sind, zeigt die folgende Zusammenstellung. ES betrugen unter Abrechnung der Einnahmen aus Anleihe so- wie einerseits der Matrikularbeiträge, anderseits der Ueberweisungen in Tausenden Mark: Die Gesamtdifferenz zwischen Bedarf und Deckung belauft sich somit für die letztem neun J atzte auf tund zwei Milliarden Mark. Hiervon dürfen in Abrechnung gebracht werden: 276 Millionen Mark, die die ostasiatische Expedition, und 4Sv Millionen Mark, die der südwestafrikanische Aufstand gekostet hat, da Kriegsausgaben nicht auS ordentlichen Einnahmen gedeckt werden können. Freilich verlangt die finanzielle Ordnung auch ihre alsbaldige Tilgung nach beendigtem Kriege; Großbritannien hat von den für den Krieg in Südafrika aufgenommenen Anleihen seit dem Ende des Jahres 1903 bis zum 1. April 1908 69,2 Millionen Pfund Sterling oder rund 1200 Millionen Mark abgetragen. Für die Kosten der oft- asiatischen Expedition hat Deutschland im Laufe des nächsten Menschen- alters zwar Rückerstattung auS den vom chinesischen Reiche über- nommenen Entschädigungen, wenngleich nicht im vollen Maße, zu erhoffen, für die des südwestaftikanischen Aufstandes aber über- Haupt nicht. In Abrechnung gebracht werden können ferner von jener Summe 329 Millionen Mark, die in den Jahren seit 1900 für werbende Anlagen sowie für den Nordostseekanal und für Arbeiterwohnungen aus Anleihen aufgebracht sind, wenngleich auch diese einer größeren Abschreibung und Tilgung bedurft hätten. Immerhin verbleibt selbst nach Aussonderung dieser Posten noch annähernd eine Milliarde Mark, für die es seit 1900 an Deckung gefehlt hat. Die Folge dieses MißverhältniffeS ist die ständige starke Stei- gerung der Schuld, die. im Verlaufe von nur 30 Jahren aus mehr als t'/z Milliarden Mark aufgelaufen ist. Die erste Schuldbegebung fand im Jahre 1377 statt, seitdem ist die be- gebene Schuld gewachsen: im Jahre 1880..,. auf 267 736 800 M. ,. 1885....„ 444 000 000, „ 1890...... 1 317 707 700„ „ 1893....„ 2 125 255 100„ „ 1900....„ 2 395 650 000„ „ 1905....„ 3 543 500 000„ „ 1908..... 4 253 500 000„ feinschsießlich der langfristigen Schatzanweisungen, aber ohne Berück- sichtigung der in Höhe von 147 Millionen Mark noch offenstehenden Kredite).(Vgl. Denkschriftenband Teil I.DaS Finanzwesen der öffentlichen Körperschaften Deutschlands" A.) Für den gegenwärtigen Stand der VerfchckMing sind ferner die schon jetzt bekannten Zukunftsbelastungen der Anleihe in Betracht zu ziehen. Es sind bereits durch Bewilligung erster Raten festgelegt: In der Verwaltung I. Reichsamt des Innern.... kl. Reichsheer.. »U. Marine.,.. Zuschuß zu den einmaligen Ausgaben im ordentl. Etat lV. Reichseisenbahnen.... f. Oftasiatische. Expedition.. Zusammen a S Ä Schätzungsweise verteilt auf die Jahre 1909 j 1910| 1911| 1912 J 1913 in Millionen Mark 156 500 44120 92 029 377 710 66 335 15 250 741 944 81 300 18 041 24 529 82 690 13884 3050 172 994 31 300 12 080 19 800 92 390 12 350 31300 10000 10700 90490 .10 200 3 050 3 030 31300 3 000 16 000 69 710 10 200 31800 1000 15 000 42 480 10 200 3 050 3 050 Für spätere Jahre vorbehalten 142 470 000 M. 170 9701 161 740 133 260j 102 980 find außerdem schon jetzt noch 1 Den angegebenen Summen tritt jährlich zwecks Vermehrung der Anlagen für Fernsprechzwecke usw. ein Kostenaufwand hinzu, der in den Jahren 1902 bis 1903 zwischen 20 und 60 Millionen geschwankt hat. Ferner sind selbst bei äußerster Beschränkung in allen Ein richtungen und Neubauten die auf Anleihe zu nehmenden ander- weitigen Anlagen im nächsten Jahrfünft auf mindestens hundert Millionen oder durchschnittlich 20 Millionen Mark im Jahre an- zusetzen. Sonach st ehtbereitS jetzt die Vermehrung der Reichsschuld um eine Milliarde bis zum Jahre 1913 in sicherer Aussicht. Diese Schuldenlast beeinträchtigt zunächst die Finanzen des Reiches in empfindlicher Weise. Allein der Zinsendienst erfordert zurzeitjährlich bis zu l60MillionenMark. Ein höchst trauriges Bild der deutschen Finanzlage, das die„Nordd. Allgem. Ztg." entrollt. Leider unterläßt es das Blatt, zu untersuchen, wie diese Lage entstanden ist, obgleich doch wohl, wenn künstig in die Bahnen einer solideren Finanzwirtschaft eingelenkt werden soll, zunächst festgestellt werden niüßte, worin die Fehler der bisherigen Finanzpolitik bestanden und welche Ausgaben vornehmlich die heutige Schuldenlast hervorgerufen haben. Eine solche Untersuchung würde nämlich ergeben haben, daß vornehmlich die Heeres- und Flottenrüstnugen und das ebenso bequeme wie gewissen- lose Verfahren der herrschenden Parteien, die entstehenden Mehrausgaben durch Aufnahme neuer Anleihen zu decken, die Anhäufung der Schuldenlast bewirkt hat. Statt die Entstehung der heutigen miserablen Reichsfinanz- läge zu untersuchen, behilft sich deshalb die„Nordd. Allg. Ztg." lieber mit allerlei nebensächlichen Erörterungen über das ständige Sinken des Kursstandes der Neichsanleihen, über die dadurch entstehende Minderung des Nettokapitalerlöses aus neuen Anleihen, über die Erhöhung des Zinsfußes usw. und stellt dann für die nötige neue Reichssinanzreform folgende Forderungen auf: 1. Die Verhinderung weiterer Schuldenvermehrung sowie eine regelmäßige ausreichende Tilgung der vorhandenen und der zu- � künftig aufzunehmenden Anleihen; 2. die Herstellung des Gleichgewichts zwischen Bedarf und Deckung; 3. die Regelung des finanziellen VerhältniffeS zwischen dem Reiche und den Einzelstaaten. 2wel Züchtigungen. Die niedrige, nichtswürdige Handlungsweise, die in der per- sönlichcn Beschmutzung deI politischen Gegners besteht, die Kampfesweise solcher ehrenwerter Institutionen und Organe, wie Reichslügenverband und„Post", hat am Donnerstag im Schöffen- gerichtssaale zu Moabit eine verdiente Züchtigung erfahren. Herr Peterson, der Verantwortliche der KronSbeinschen„P o st", ist wegen Beleidigung des Genossen Richard Fischer zu 200 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Mit dreister Stirn hatte das Organ der Scharfmacher behauptet, daß Genosse Fischer sich im Jahre 1903 bei der Anschaffung von Maschinen für die„Vorwärts"- Druckerei Schmiergelder habe zahlen lassen. Zur Bekräftigung seines gemeinen AnwurfS gab das edle Blatt weiter an, daß diese Tatsache allgemein bekannt sei und daß Genosse Fischer selbst in einer Versammlung den Bezug der Schmiergelder eingestanden und ihre Annahme als etwas allgemein liebliches hingestellt habe, worauf ihm die Genossen die Summen belassen hätten. Als Genosse Fischer darauf bekannt gab, daß er die„Post" verklagen werde, antwortete die„Post" mit einer nochmaligen dreisten Wiederholung der Geschichte und fügte protzig hinzu, sie sehe dem Prozeß mit Zu- verficht entgegen und werde den Beweis der Wahrheit erbringen. Als aber der Juni ins Land rückte und vor dem Schöffen- richter zu Moabit der Wahrheitsbeweis erbracht werden sollte, da war es mit der Zuversicht der„Post" elend vorbei. Da hätte ihr Vertreter, der Herr Peterson, gern gesehen, wenn er, wie seine Mitangeklagten, die Vertreter der Blätter, die die„Poit"-Lüge weiter getragen hatten, mit einer Ehrenerklärung für den Genossen Fischer um Verurteilung und Strafe herumgekommen wäre. Aber mit Recht lehnte Genosse Fischer es damals wie diesmal ab, mit einem Blatte wie die„Post" einen Vergleich zu schließen. Uns Sozialdemokraten liegt absolut nichts an der Bestrafung unserer Beleidiger durch die Gerichte.(Genosse Fischer hat es zum Schluß der Verhandlung deutlich zu erkennen gegeben.) Wenn wir klagen, so bezwecken wir nichts weiter, als die zweifellose gerichtliche Fest- stellung, daß die Anwürfe, die gegen uns geschleudert worden, zu Unrecht erfolgt sind. Für diesen Zweck kann häusig die gerichtlich protokollierte Ehrenerklärung des Beleidigers genügen. Voraus- gesetzt, daß er ein Gegner ist, der im allgemeinen einen wenigstens halbwegs anständigen Kamps gegen uns zu führen pflegt, der sich lediglich einmal in der Wahl der Mittel vergriffen hat. Einen nur halbwegs anständigen Kamps— wir sind in dieser Beziehung in Deutschland durch unsere Gegner wahrhaftig nicht verwöhnt worden, zumal seitdem der Reichslügenverband mit seiner unsäglich ekelhaften Kampfesweise die politische Luft ver- pestet. Wer aber sachlichen politischen Kampf weder führen will noch kann mangels der dafür nötigen geistigen Qualitäten, wer grundsätzlich an die Stelle des Kampfes gegen die Ziele und Prinzipien der Sozialdemokratie die persönliche Beschmutzung ihrer Führer und Mitglieder setzt, mit dem ist ein Vergleich nicht möglich. Denn einein solchen Vergleich würden die Garantien fehlen, die einen Vergleich mit einem sachlich kämpfenden Gegner zu einer ebenso guten und stichfesten Feststellung machen, wie das gerichtliche Urteil ist. Bei einem Blatte wie die„Post" hätte Genosse Fischer stets darauf gefaßt sein müssen, daß es ihm bei einer späteren Gelegenheit seine Bereitwilligkeit zum Vergleich als eine Scheu vor der vollen Aufrollung der Affäre ausgelegt hätte. Trotz alledem hätte Genosse Fischer schließlich den Herrn Peterson noch laufen lassen, wenn dieser den dunklen Ehrenmann angegeben hätte, der der„Post" die Verleumdung geliefert hatte. Das aber wollte und durfte Herr Peterson nicht, offenbar, weil dann gar zu viel Licht über die Praktiken der„Post" und über die Qualitäten ihrer sauberen Gewährsmänner verbreitet worden wären. Nicht, wie der Herr Vorsitzende meinte, weil die Berufsehre des Journalisten verbiete, den Gewährsmann zu nennen. In dieser Allgemeinheit gilt die Pflicht zur Wahrung deS Redaktionsgeheimnisses nimmermehr. Jeder Redakteur ist berechtigt, einen Menschen, der ihn angelogen hat, der ihm wissentlich falsche Mit- teilungen gemacht hat, preiszugeben. Denn sonst wäre das Re- daktionsgeheimnis ein Freibrief für gewissenlose Verleumder. Herr Peterson hätte den feigen Schuft, der der„Post" die Verleumdung Fischers gebracht hat, ruhig ausliefern können, ohne daß ihm irgend ein anständiger Journalist einen Vorwurf hätte machen können. Wenn er es nicht getan hat. so waren schwerwiegende Gründe für ihn maßgebend, die nicht allzu schwer zu erraten sind. Der feig« Vcrleumber, der der„Post" den Artikel gegen den Genossen Fischer geliefert hat, ist also nicht ernnttelt. Aber ein Vcrleumdernest ist ausgehoben worden, das nicht in der„Post" zu suchen ist. Außer Herrn. Peterson waren in dem gestrigen Termin noch drei andere angellagt, wenn sie auch nicht auf den Plätzen der Angeklagten saßen. Aber die Rolle, die sie in der Verhandlung spielten, war um vieles trauriger, als die des„Post"- Redakteurs. Herr R e x h ä u s e r. der Redakteur des„Korrespondent für Deutschlands Buchdrucker", hat in einer seiner Polemiken gegen den Genossen Fischer einen Brief(von einem in der„Vorwärts"- Druckerei Angestellten, wie er sagt) abgedruckt, worin gegen einen Ungenannten, der mit T D Z bezeichnet wurde, der Vorwurf er- hoben wurde, er lasse den Maschinenmeistern des„Vorwärts" schlechtes Papier liefern und erhalte dann für guten Papierabschluß 1000 M. Jeder, der die Notiz gelesen hat, las heraus, daß hier dem Genossen Fischer, dem Geschäftsführer der Vorwärtsdruckerci, in versteckter Weise, so daß der„Korrespondent" strafrechtlich nicht zu fassen war, der Vorwurf gemacht wurde, er habe von Papierlieferanten Schmiergelder erhalten. Daß die Notiz allgc- mein so verstanden werden mußte, das war dem Herrn Rexhäuscr nie verborgen, zum Ueberfluß hat er es aus der Abwehr des Ge- nassen Fischer erfahren, die dieser im„Vorwärts" veröffentlichte. Sie war in der schärfsten Form gehalten, sie brandmarkte Herrn Rexhäuser als„literarischen Bravo" und verfolgte den offensicht- lichen Zweck, ihn zu zwingen, deutlicher zu werden, damit ein An- Haltspunkt zur gerichtlichen Aufhellung der Sache gegeben sei. Aber Herr Rexhäuser, der sonst so Gesprächige, der über die anderen in den betreffenden Polemiken behandelten Dinge soviel zu sagen wußte, über diesen Punkt schwieg er sich aus! Und als er gestern vor dem Gericht gefragt wurde, wen er gemeint habe mit dem bestechlichen T A Z, da kam er mit der verblüffenden„Aufklärung", daß er nicht Fischer damit gemeint habe und daß er überhaupt gar nicht den Vorwurf des Schmier- geldernehmens in der Notiz habe aussprechen wollen! Auf die er- staunte Frage des Vorsitzenden, weshalb er denn das nicht gleich damals erklärt habe, als er sah, daß die Notiz als eine Bezichtigung wider Fischer aufgefaßt worden war und daß Fischer sich gegen d-cse Bezichtigung wehrte, erklärte der Herr heute, daß er dazu leine Veranlassung gehabt habe! Herr Rexhäuser mußte sich von dem Vorsitzenden sagen lassen, daß es eines jeden anständigen Re- dakteurs Pflicht gewesen wäre, die falsche Deutung der Notiz sofort zu berichtigen. Herr Rexhäuser hat diese Pflicht nicht empfunden und empfindet sie jetzt noch nicht,— denn cS bestehe eine tiefe Feindschaft zwischen ihm und Fischer und gegen seine Feinde hält Herr Rexhäuser offenbar alle Mittel für erlaubt. Er sieht, daß Fischer auf Grund einer von ihm(R.) ver- öffentlichten Notiz einer ehrenrührigen Handlung zu Unrecht be- schuldigt wird. Und Rexhäuser rührte keinen Finger, um diesen ungerechten Verdacht zu zerstreuen. Ein Wort von ihm genügte, er hat es nicht gesprochen— denn der Ver- dächtigte war ja sein Feind! Es ist ein Tiefstand der Moral, der sich in diesem Ver- halten Rexhäusers zu erkennen gibt, den zu kennzeichnen uns ein parlamentarischer Ausdruck fehlt. Und ein solcher Mensch darf das Blatt einer großen deutschen Gewerkschaft leiten! Nicht viel besser steht es um die Herren M u s s i a l und Mahlo. Sie wußten, daß durch die Notiz Fischer in falschen ehrenrührigen Verdacht gebracht wurde, sie wußten, daß die Be- zichtigung unwahr war. Sie zogen gegen Fischer vom Leder, weil er in anderen Dingen gegen Rexhäuser Unrecht gehabt habe, sie er- weckten durch ihre Zustimmungen zu diesen anderen, gleichzeitig mit der X N Z-Notiz erhobenen Angriffen Rexhäusers auf Fischer den Anschein, als billigten sie die X g) Z-Notiz; Herr Mussial beweimerte sogar noch den /.schlechten Ton", den Fischer in der Abwehr gegen diese infame Notiz wider Rexhäuser angeschlagen habe, jammerte darüber, daß Fischer den Mann in dieser Abwehr einen„literarischen Bravo" nannte, er verstärkte damit den Eindruck, daß er gegen die wider Fischer erhobene Bezichtigung nichts einzuwenden habe. Und er und Mahlo wußten, daß Fischer keine Schmiergelder empfangen hatte, daß niemand an die Lüge glaubte, aber die Verpflichtung. das festzustellen, empfanden diese beiden Herren nicht! Sie sind ihrs Mitstreiters Rexhäuser in jeder Beziehung würdig! Ein Verleumdernest ist ausgenommen. Ein Urteil ist gefällt. Wir meinen nicht den verhältnismäßig milden Spruch des Gerichts wider den Postredakteur.(Wir gönnen ihm die milde Strafe und erwarten, daß Herr Amtsgerichtsrat Jockisch künftig auch bei sozialdemokratischen Preßsündern die vielen Milderungs- gründe entdecken möge, die er hier gefunden hat.) Wir meinen, das Urteil aller anständigen Menschen über Herrn Rexhäuser und seine Helfershelfer! Wie das lautet, brauchen wir hier nicht herzusetzen! Nur das eine sei uns noch gestattet zu sagen: Die Heimtücke, die Nieder- trächtigkeit des Verfahrens, das die Drei im Jahre 1906 einge- schlagen haben, wurde-fast noch übertroffen durch die zynische Schamlosigkeit, mit der die Hxrren gestern im Gerichtssaal dies ihr Verhalten zu vertreten suchten. Was sie bei dem Urteil empfunden haben mögen, das sie an den Gesichern der An- wesenden ablesen, das sie aus einigen Bemerkungen selbst des Vorsitzenden entnehmen konnten, wissen wir nicht. Aber das wissen wir, daß wir nicht an ihrer Stelle sein möchten, daß sie die empfindlichste Züchtigung empfangen haben, die einem Menschen mit gesundem Empfinden widerfahren kann>— moralische Stäupung! »* Wie leichtfertig gewisse Blätter Gerichtsberichte her- stellen. Zeigt die„83. Z. am Mittag" in ihrer Wiedergabe der Verhandlungen. Sie läßt Rexhäuser den Vorwurf des Schmier- «eldernehmens gegen den Genossen Rahn erheben, während Rex. äuser ausdrücklich erklärt hat, daß die X. J. Z.-Notiz einen solcheji Vorwurf nicht enthalten sollte. politiscbe(leberlickt. Berlin, den 29. Oktober 1993. Der bekehrte Herr Arendt. Herr Arendt hat sich bekehrt. Sticht zum Christentum. denn er ist ja schon längst— evangelisch. Aber Herr Arendt hat sich jetzt auch zum geheimen Wahlrecht iu Preußen bekehrt. Nicht etwa aus Prinzip, weil er die freie Abstimmung nunmehr schützen will, sondern weil er befürchtet, daß der Terror der Reaktion vielfach an den Abwehrmaßnahmen der Sozialdemokratie scheitern würde. Er schreibt im„Tag": „Trotzdem trete ich für das geheime Wahlrecht zum Land- tag ein. Ich halte es für unmöglich, daß neben dem geheimen Reichstagswahlrecht das öffentliche Landtagswahlrecht dauernd bestehen bleibt. Ich würde auch dem geheimen Wahlrecht ?r u n d s ä tz l i ch den Borzug aeben, wenn die Sozialdemo- ratie nicht aus dessen Ausbeutung Bor teil ziehen könnte. Allein die Sozialdemokratie ist bereits so weit erstarkt, daß ihr das öffentliche Wahlrecht nicht geringere Vorteile bietet. Wenn die Dinge so weiter gehen, wird das geheime Wahlrecht zum Schutz gegen sozialdemokra- tischen Terror immer notwendige r." Herr Arendt ist diesmal wenigstens ehrlich. Er gesteht, daß er dem Wahlrecht des Terrors, dem öffentlichen Wahlrecht, grundsätzlich den Vorzug geben werde, wenn nicht die Sozialdemokratie(nach beut Muster der Juuker und Scharfmacher!) die öffentliche Abstimmung ebenfalls zur Kon- trolle der Abstimnumg zu benutzen beginne. Die preußische Sozialdemokratie kann mit diesem Erfolge ihrer Tätigkeit vorläufig zufrieden sein. Sollte Herrn Arendts Bekehrung nur eine Ausnahme unter den Bertretem der Reaktion bilden, so müßten eben auch die nächsten Landtags- Wahlen zum eindringlichsten Beweis dafür dienen, daß die Sozialdemokratie sehr gelehrig ist und, wenn es denn sein muß, auf einen Schelmen jederzeit anderthalbe zu setzen versteht!—_ Die Entschädigung für die abgehackte Hand ist jetzt endlich von der Breslauer S. Zivilkammer ziffernmäßig festgelegt Ivorden, nachdem der Prozeß bereits Üi-b Jahre die Gerichte beschäftigt hatte. Bekanntlich war bei Gelegenheit der polizeilichen Ausschreitungen, die am 19. April 1909 in Breslau vorkamen, ein Polizist in ein Haus auf der Hildebrandtstraße eingedrungen und hatte den in diesem Hause wohnenden Bierfüller Franz Biewald, der ahnungslos die Treppe hinaufging, hinterrücks die auf dem Treppengeländer ruhende linke Hand mit dem Säbel abgehauen, worauf er sofort geflüchtet war. Es ist bisher„nicht gelungen". den Täter aus der Zahl der an den Ausschreitungen beteiligten Polizisten herauszufinden. Biewald, der dem Handels- und Transportarbeiterverbande angehörte, erhielt von diesem Rechts- schütz bewilligt und strengte auf Grund des preußischen Tumult- gesetzes eine Entschädigungsklage an. Ta die Stadtverwaltung die Breslauer Polizei zwar erhalten muß, aber sonst nichts zu sagen hat, wurden die erhobenen An- spräche nicht anerkannt. Der Magistrat erklärte sich bereit, frei- willig die Zukunft Biewalds sicher zu stellen, doch weigerte er sich im Prinzip, seine Rechtsansprüche anzuerkennen, um darzutun, daß für Ausschreitungen königlicher Polizisten richtiger der Staat verantwortlich zu machen ist. Ain 27. Oktober 1996 hat dann das Breslauer Landgericht im Prinzip entschieden, daß die Stadt Breslau zum Ersatz des durch den Polizisten verursachten Schadens verpflichtet ist, und das Reichsgericht hat die hiergegen eingelegte Revision verworfen. Nunmehr handelte es sich um die Höhe der zu gewährenden Entschädigung. Biewald erhob Ansprüche auf eine einmalige Ent- schädigung von 5999 M. für den erlittenen immateriellen Schaden, Lohnentschädigung für acht im Krankenhause zugebrachte Wochen in Höhe von 163 M. und eine fortlaufende Rente von 219,75 M. für die ersten fünf Jahre nach dem Verlust der Hand und von da ab eine Rente von 397,59 M. pro Quartal und Ersatz aller ent- stehenden Reparaturkosten für die künstliche Hand, die er erhalten hat. Er berechnete dabei, daß seine Erwerbsfähigkeit durch den Verlust der Hand um 75 Proz. zurückgegangen sei und daß er. der erst 22 Jahre alt war, in fünf Jahren einen besseren Arbeits- verdienst gehabt haben würde als bisher. Der Magistrat bestritt die Berechtigung eines Anspruches auf Ersatz des immateriellen Schadens vollständig. Er bestritt auch, daß die Erwerbsfähigkeit des Klägers um 75 Proz. zurückgegangen sei. Er ließ die Erwerbsunfähigkeit durch den Vertrauensarzt der Versicherungsanstalt Schlesien festlegen. Ferner hielt die Stadt sich nicht für verpflichtet, nach fünf Jahren eine höhere Rente zu zahlen. Der Vertrauensarzt hat die verminderte Erwerbsunfähigkeit für das erste Jahr auf 75 Proz. geschätzt. Dann kommt die übliche „Gewöhnung", so daß die Erwerbsunfähigkeit im zweiten Jahre nur noch 69 Proz. und von da ab gar nur noch 59 Proz. betragen soll. Das Gericht hat sich bei Festsetzung der Rente diesem Gut- achten angeschlosien. TaS Urteil ging dahin, daß dem Kläger statt 5999 M. nur eine einmalige Entschädigung von 15 99 M. zu zahlen ist. Für die acht Wochen Krankheit erhält Biewald 142 M.; die Rente beträgt bis zum 31. Ottober 1996 pro Quartal 188,69 M., von da ab bis zum 15. Mai 1997 298,44 M.. bis zum 15. Mai 1903 169,79 M.. bis 15. April 1911 143,96 M. und von da ab bis zum Lebensende 157,25 M. pro Quartal. Die nötigen Reparaturen an der künst- lichen Hand sind ihm zu vergüten.— Biivgcrschaftswahlen in Bremen. Im letzten Drittel des Monats November wird eins halbschichtige Erneuerung des 159 Mitglieder zählenden bremischen Staats- und Stadtparlamentes vorgenommen. Die besitzenden Klassen im „liberalen" Bremen haben es stets verstanden, sich einen weit über- wiegenden Einfluß in der Bürgerschaft zu sichern. Von den 75 zu tvählenden Bürgerschaftsinitgliedern gehen 41 aus Privilegierten- wählen hervor. Die Klasse der Gelehrten stellt hierzu 7, der Kaufleute 29, der Gewerbetreibenden 19 und der Großlandwirte 4 Vertreter. Für die verbleibenden 84 Per- treter sind allgemeine Wahlen vorgeschrieben. Die Stadt Bremen hat in dieser Gruppe 26, Bremerhaven 4, Vegesack 2 und das Landgebiet ebenfalls 2 Mandate zu besetzen. Aber auch für die„all- gemeinen Wahlen" ist die Allgemeinheit im Grunde genommen aus- geschlossen, denn wahlberechtigt ist nur, wer daS Bürgerrecht er- warben hat, das man aber � um daS Proletariat nach Möglichkeit auszuschließen— mit dem Stacheldrahtzaun einer sogenannte» Bürgereidgebühr in Höhe von 16,59 M. umgeben hat. Nur wer die 16>/z M. zahlt, wird als ivürdig erachtet, das Wahlrecht auszuüben. Und der bremische Freisinn denkt nicht daran, an diesem mittelalterlichen Wahlrechtssystem zu rütteln. Daß unter solchen Umständen„der Geist des Liberalismus" bei den Bürger- schaftswahlen den Sieg davontragen wird, ist nicht zu verwundern. Denn nur ungefähr die Hälfte der nach dem ReichstagSwahlrecht wahlfähigen Bevölkerung ist im Befitze des Bürgerrechtes. So wurden im November 1992 21 496 Wähler zur bremischen Bürger- schaft gezählt, wohingegen bei der wenige Monate später— im Juni 1993— erfolgten Wahl zum Reichstage 33489 Wähler vor- handen waren. Gegenwärtig hat unsere Partei in der Bremer Bürgerschaft 17 Mandate mne.—-_ Ter Streit im christlich-gewerkschastlichen Lager. Das schlimmste, was einem Christenmenschen passieren kann, geschieht jetzt den christlichen Gewerkschaften: von kirchlicher Seite wird ihnen in Aussicht gestellt, daß sie über kurz oder lang bei der Sozialdemokratie, im Lager des„Umsturzes" und des„Unglaubens" landen werden. Der„Arbeiter", das Blatt der Berliner Fach- abteiler, weist hin auf das Schicksal der christlichen Demo- k r a t i e n in Italien, die auf ihrem jüngsten Kongreß eine Resolution„gegen die bischöflichen Autoritäten" angenommen haben, was dann den Bischof von Mailand veranlaßt hat, auf die naheliegende Möglichkeit hinzuweisen, daß d i e ch r i st- lichen Demokraten sich über kurz oder lang mit den Soziali st en verschmelzen würden.„Nach meiner Auffaflung— sagte der Kirchenfürst— ist diese Verschmelzung eine mehr als natürliche Sache. Die christliche Demokratie Italiens ivird verschlungen werden von dem reformistischen Flügel der Sozialdemokratie. Wir sehen sie ja jetzt schon in der bedenklichsten Weise sich der äußersten Linken nähern, wie sich eine stetig fortschreitende, aber durchdringende Veränderung in ihr vollzieht." Das Blatt der Berliner Fachabteiler läßt keinen Zweifel darüber, daß es die christlichen Demokraten Italiens bezüglich ihres Wesens und ihres Schicksals mit den christlichen Gewerk- schaften Deutschlands auf eine Stufe stellt. Und in Trier, wo unter Bischof Korums Gunst die katholischen Fach. abteiler sich besonders wohlfühlen, hat denn ein Geistlicher nach dem Muster des Mailänder Bischofs den christlichen Gewerkschaften bereits den Weg ins sozialdemokratische Lager gewiesen. Auf dem Delcgiertentage der katholischen Arbeitervereine des Saarbezirks hielt Dechant Hansen einen Vortrag über die Grundsätze der katholischen Arbeiterbewegung. Der Redner ging mit den christ- lichen Gewerkschaften wegen ihrer Stellung in Politik und Religion streng ins Gericht und meinte zum Schluß: „Ich habe scharf gesprochen, um die Christlichen gleichsam zu zwingen, endlich auf unsere Beschwerden zu antworten und um weitere Kreise auf die Zustände in den christlichen Gewerk- schaften aufmerksam zu machen. In Zürich haben die sich christlich nennenden Herren so scharf und deutlich gesprochen, daß ein Kommentar überflüssig ist. Jetzt wollen diese Herren sich rechtfertigen, aber sie rennen sich immer mehr hinein. Was sie in Zürich gesagt haben, das ist immer ihre Meinung gewesen, es ist ihnen das bitterer Ernst; es tut ihnen nur leid, daß sie jetzt bei vielen hohen Gönnern Anstoß erregt haben. Diese glaubten immer noch, daß die christlichen Gewerkschafts- führer so harmlos seien. Jetzt sind sie geradezu entsetzt über die rohe Sprache in Zürich. Deshalb haben die Züricher Redner die großen Versammlungen in Köln, München und Berlin abgehalten. Aber umsonst, in Zürich haben sie ihr Grab gegraben. Es muß eine Scheidung der Geister kommen. Alles sieht ein, daß es so nicht weiter gehen kann. Ein Teil geht zu den Sozialdemokraten, der andere wird sich einstweilen zurückziehen und dann später zu uns kommen. Wir arbeiten im Geiste der Kirche weiter, und dafür muß uns der Sieg werden." Es ist auch von sozialdemokratischer Seite aus schon wieder- -bolt darauf hingewiesen worden, daß die christlichen Gewerkschaften sich dadurch, daß sie ihre wirtschaftlichen Bestrebungen auf religiöse Grundlage zu stellen versuchten, in eine auf die Dauer unhaltbare Lage begeben haben. Auch wir sind der Meinung, daß dieser Widerstreit über kurz oder lang zu einer Entscheidung für die katholischen Arbeiter drängt. Die Führer werden es nicht auf einen Bruch mit der Kirche, der für sie auch einen Bruch niit ihrer Partei bedeutet, ankommen lassen wollen, aber die katholischen Arbeiter, die jetzt noch dem Zentrum und den von diesem be- gönnerten christlichen Gewerkschaften folgen, werden sich der Ent- scheidung nicht entziehen können, ob sie den gewaltigen sozialen Kampf, der ihnen wie der gesamten Arbeiterklasse bevorsteht, unter der Vormundschaft eines herrschsüchtigen und rückständigen Klerus oder Seite an Seite mit ihren Klassengenossen im sozialistischen Lager führen wollen. Das gegenwärtige Vorgehen der hohen und niederen Geistlichkeit gegen die christlichen Gewerkschaften wird diese Entscheidung beschleunigen.— Hasen in Hamburgs Staatskohlfeldern. Als vor einigen Jahren der hamburgische Staat zum Zwecke der Vorortsbahn eine große Häuserreihe erstehen mußte, stellte es sich heraus, daß„Unregelmäßigkeiten" vorgekommen waren, indem die Grundstücksspekulanten von den Plänen Kenntnis erlangt und danach ihre Dispositionen getroffen hatten, wodurch der Staat gründlich übers Ohr gehauen wurde. Wie seinerzeit berichtet wurde, hat dieser Skandal zur Einsetzung eines Parlamentsausschusses geführt, dessen Bericht vor einigen Wochen veröffentlicht wurde und großes Aufsehen erregte. Der Aukschußbericht, aus dem hervorgeht, daß manches faul in der Elbrepublik ist, wurde selbstverständlich auch in der Presse lebhaft erörtert. Da es sich nur um Einzelfälle handeln, das„Hamburger Echo" aber verallgemeinert haben soll, was gar nicht der Fall ist, hat man gegen den Verantivortlichen unseres Parteiorgans das Versahren wegen Beleidigung der— P o l i z e i- b e h ö r d e und deren Organe eingeleitet, die, obwohl sie doch mit Grundstücksspekulationen nickt daS mindeste zu. tun hat, sich durch die..Echo"-Kritik beleidigt fühlt! In der Sitzung der Bürgerschaft vom Mittwoch abend gelangte der Ausschußbericht zur Debatte. Es wurde konstatiert, daß Vcr-. fehlungen von einer Reihe Subalternbeamten vorgekommen sind! daß Beamte geheimzuhaltende Pläne an sich zu bringen vermochten und Bürgern(Spekulanten) aushändigten, daß Beamte, in Gruod-. stücken zum RäckleUe des Staates speknliertchaben m-einer' Form, die nichts vom blanken Ehrenschild an sich hat, daß Pläne frei umhergelegen haben, daß auf dem Grundbüchamt das Trinkgeldunwesen noch nicht ganz vor- schwunden ist,„weildortder alte, früher gesetzliche Usus des Sportelwesens heute noch nachwirkt", usw. Die Herren Volksvertreter trösteten sich mit„Einzelfällen", gegen die energisch vorgegangen werden müsse. Etwas kritischer behandelte Dr. Braband diese„Einzelfälle", die selbstredend nicht dem Beamtenstand zur Last geleot werden dürften. In der nächsten Sitzung. gelangt ein Vertreter unserer Fraktion zum Wort. Die Landtagswahlen in Hessen. Unter sehr schwacher Beteiligung gingen gestern die hessischen Landtagswahlen vor sich. Genosse Ulrich wurde mit 4498 Stimmen (399 Stimmen Majorität) wiedergewählt, ebenso ist in Offenbach- Land Genosse Orb mit überwiegender Majorität wiedergewühlt worden. Dagegen sind die Genossen David und Adelung, die die Stadt Mainz vertraten, unterlegen. Zentrum und Nationalliberale hatten hier ein Kartell geschlossen; auch der Umstand, daß die sehr wenig zahlreichen Demokraten und Freisinnigen für die Sozialdemo- kraten einzutreten beschlossen, konnte den Sieg des Kartells nicht verhindern. Der nationalliberale und der Zentrumskandidat wurden mit zirka 599 Stimmen Mehrheit gewählt. In der Vertretung der bürgerlichen Parteien haben sich wenig Verschiebungen ergeben. Der für die Sozialdemokratie verlustbringende Ausfall der Wahlen ist zum Teil auf die schlechte, wirtschaftliche Lage zurück- zuführen, die es vielen Arbeitern unmöglich gemacht hat, sich an der Wahl zu beteiligen. So haben zum Beispiel in Offenbach 12 Proz. der Arbeiter aus diesem Grunde nicht wählen können. In Mainz verloren tausend Arbeiter ihr Wahlrecht durch die Gerichtsstands- klausel. In der Kammer wird durch die Wahlen an dem Verhältnis der Parteien zu einander wenig geändert.— Das Debüt der christlichen Internationale. Anfang August dieses Jahres waren in Z ü r i ch die christlichen Gewerkschaftsführer von Deutschland, Oesterreich, Schweiz, Belgien, Holland und Rußland versammelt, um über einige das gemeinsame internationale Interesse betreffende Dinge zu beraten. Die Ver- Handlungen erhielten ihre Bedeutung durch eine Auseinander. setzung grundsätzlicher Art, ob nämlich die christlichen Arbeiter sich konfessionell oder interkonfessionell zu organi- sieren hätten, womit dann die Erörterung der weiteren Frage ver- bunden war, ob und inwieweit der kirchlichen Autorität ein Einfluß auf die wirtschaftlichen Bestrebungen der katholischen Arbeiter zu gewähren sei. In der Aussprache über diesen Punkt standen die deutschen Gewerkschaftsführer, die für die Jnterkonfessionalität sind, und die holländischen Gewerkschaftsführer, die nach der Anweisung ihrer Bischöse die konfessionellen Gewerkschaften als die einzig berechtigte Organisationsform propagieren, einander gegenüber. Die Deutschen verfochten ihren Standpunkt mit großer Entschiedenheit.„Bis hierher und nicht weiter!"— rief der Abgeordnete Schiffer als Vorsitzender des Gesamtverbandes christlicher Gewerkschaften den Bischöfen zu, und ebenso energisch verwahrten die Herren Wieber, Wiedebcrg und Stegerwald die christlichen Organisationen gegen die Eingriffe der kirchlichen Gewalt. Nach Hause zurückgekehrt, schlug den tapferen Ehristenmenschen denn doch das Herz, als sie in den Zentrumsblättern, die es mit den Fachabteilungen halten, lesen mußten, wie schwer sie sich gegen die bischöfliche Autorität mit ihren Reden in Zürich vergangen hatten. Das Kölner Kartell der christlichen Gewerkschaften hkelt eine Versammlung ab, um Herrn Stegerwald, dem Generalsekretär des Gesamtverbandes, Gelegenheit zu geben zu der Erklärung, daß die Züricher Reden nicht so schlimm gemeint gewesen seien, daß vieles aus Mißverständnissen beruhe usw. Desgleichen reisten die übrigen Herren Führer im Lande umher, um die Gemüter zu be- ruhigen und sich vor dem Verdacht zu wahren, daß sie ernstlich die Autorität der Bischöfe anzuzweifeln versucht hätten. Das schönste aber leistet sich der Abgeordnete Schiffer, der in Zürich den Bischöfen gegenüber das Wort sagte: Bis hierher und nicht weiter! Er erlätzt in der„Kölnischen Volkszeitung" eine Erklärung, worin er mitteilt, daß er bereits„bei einem Teil der hochwürdigsten Herren Bischöfe", so bei Kardinal Fischer von Köln und dem Erzbischof von Utrecht um„an- gemessene Entschuldigung" gebeten habe. Sodann läßt der tapfere Arbeiterführer die Welt wissen, daß er in mehreren großen Versammlungen nach der Züricher Versammlung„an- standslos die in der Form zu weit gehenden Aeußerungcn einiger Redner und auch die eigene scharfe Aeußerung bedauert" habe. Also ein Zurückweichen auf der ganzen christlichen Linie. Den Herren ist bange geworden vor den eigenen Worten. Jenseits der Landesgrenzen spielen sie die Aufrechten und Zielbewußten und daheim, im Bereiche des Krummstabes, knicken sie zusammen im Bedauern der eigenen Kühnheit und im Winseln um die Gnade der Bischöfe, denen gegenüber sie den Frevelmut bewiesen haben, die Selbständigkeit ihrer Organisation zu betonen. Die köstlichste Probe christgewerkschaftlichen Bckenncrtums gibt uns Herr Schiffer aber in dem Satze:„Die Debatte in Zürich war eigentlich nur für den internen Kreis der Versammelten, durchaus nicht für die breite Oeffentlichkeit bestimmt; hätte ich eine Ahnung von dieser Art der öffentlichen Verbreitung der Diskussion gehabt, so würde die Debatte bestimmt in anderen Formen ge» halten worden sein. Die Veröffentlichung ist ohne meine Kenntnis und gegen meinen Wunsch ge» schehen." Hinter verschlossenen Türen also würden die christlichen Führer den Mut haben, auch mal gegen die Bischöfe anzugehen; der Oeffentlichkeit gegenüber aber wollen sie unter allen Umständen die ergebenen Gläubigen gelten. Man muß eS den christlichen Gc> werkschaftsführern lassen, daß sie es verstanden haben, ihr neuestes Unternehmen: die christliche Internationale, in recht würdiger Weise einzuführen. Wenn Herr Schiffer am Schluß seines Schreibens„aus prinzipiellen Gründen" erklärt, daß die christlichen Gewerkschaften „nach wie vor selbständige Organisationen" feien, so weiß man nunmehr zu Genüge, daß diese„Selbständigkeit" abhängt von der Gnade der Bischöse._ Die Landtaisstvahl* im Wahlkreise Germersheim-Bergzabern, V die bekanntlich auf den 26. November festgesetzt ist, wird wieder zu einem heißen Ringen zwischen Zentrum und Nationalliberalen werden. Beide Parteien sind in dem rein ländlichen Kreise an- nähernd gleich stark vertreten. Es ist dies die dritte Wahl, die innerhalb der kurzen Frist von V/j Jahren stattfindet. Bei den beiden borhergehenden Wahlen siegte der nationalliberale Kandidat Lehrer Lranausr« GermerSheim mit nur wenigen Stimmen Mehrheit über das Zentrum, aber jedesmal wurde von der Zentrumsmehrheit des bayerischen Landtages die Wahl für un- gültig, eritärt. Das�letzte Mal war- es- di» bekannte Billigheimer Skftnmzeiftffälschunge-Asfärc.'hle" zur(Annullierüng des Manöüks führte. Die Liberalen haben nun den Lehrer Cronauer wiediep zum Kandidaten erkoren, während das Zentrum in einer in Landau abgehaltenen Konferenz wieder den Forstrat Z w ist l er- Speyer zum Kandidaten nominierte. Unsere Partei, die in dem Wahl- kreise nur wenige Anhänger zählt, wird in einer am 8. November stattfindenden Wahlkreiskonferenz zu der Wahl Stellung nehmen; bei der letzten Wahl wurde von unserer Seite aus strikte Stimm- � enthaltung proklamiert.—_ Die Jnseratensteuer. Der„Berliner Lokal-Anzeiger" ist in der Lage, die Haupt- sächlichsten Punkte der geplanten Jnseratensteuer zu veröffentlichen. Täglich erscheinende Blätter, mit einer Auflage bis 5099 Exem- plaren, zahlen 2 Prozent ihrer Jnserateneinnahme. Mt der Höhe der Auflage steigt die Steuer und erreicht bei Zeitungen mit über 199 999 Abonnenten 19 Prozent. Kleine Anzeigen, die sich auf Stellengesuche und dergleichen beziehen, und einen Umfang von fünf Druckseiten nicht überschreiten, bleiben steuerfrei. Für Zeiwngs- beilagen steigt die Steuer bis auf 29 Prozent. Die Anzeigen in den seltener erscheinenden Fachblättern, die höher berechnet zu werden pflegen, sollen einem weit höheren Steuersatz unterworfen werden. Die Absicht, den Verlegern für ihre Mühewaltung bei der Erhebung der Steuer eine Vergütung zu gewähren, hat man wieder fallen lassen. Bei Reklamen sollen besonders boch versteuert werden solche, die sich an Mauern, Giebeln, Theatervorhängen befinden. Die Steuer richtet sich nach den Flächen und»ach der Größe der Stadt. Geschäftsschilder sind nur dann von der Steuer befreit-, wenn sie leinen rellame» artigen Charakter tragen.—_ Die heilige Disziplin. Der Füsilier Johann Hecker vom niederrheinischen Füsilier- Regiment Nr. 39(Düsseldorf) hatte bei der jüngsten Rekruten- einstellung einige Bekannten getroffen und mit ihnen in der Kantine über den Durst getrunken. Ein Unteroffizier schickte den H. dieser- halb auf die Mannschaftsstube, welchen Befehl Hecker auch befolgte. Als dann aber später ein anderer Unteroffizier nachsah, ob Hecker auch auf der Stube sei, warf der Betrunkene mit einem Schemel nach dem Unteroffizier und traf ihn am Bein. Hecker, der sein Tun mit sinnloser Trunkenheit eutschuldigte. wurde vom Düsseldorfer Kriegsgericht— unter Aunahme„mildernder Umstände"— zu 2 Jahren 7 Monaten Gesängnis und Versetzung in die zweite Klasse deS SoldatenstandeS verurteilt. Der Verurteilte hat erst kürzlich eine dreimonatliche Gefängnisstrafe, die er wegen unerlaubter Etitsernung erhielt, verbüßt. In derselben Sitzung wurde gegen den Reservisten Llltmann verhandelt. Dieser soll im Manöver einen Gefreiten mit Totstechen bedroht und einem Feldwebel den Gehorsam verweigert haben. Der jähzornig veranlagte Angeklagte entschuldigte seine Tat mit Trunken- heit, erhielt aber auch neun Monate zwei. Wochen Ge- fäugniS.—_ Die Balkankrise. Kreta. Canea, 28. Oktober. Der Text der Note, welche die vier Schutzmächte dem Exekutivkomitee der Insel unter- breiteten, hat folgenden Wortlaut:„Die Schutzmächte stehen auf dem Standpunkt, daß die Vereinigung Kretas mit Griechen- land von der Z u st i m m u n g der Mächte abhängig ist, die der Türkei gegenüber gewisse Verpflichtungen eingegangen sind. Sie würden aber nichtsdestoweniger geneigt sein, an die Diskussion dieser Frage mit Wo hllv ollen heranzutreten, wenn die Ordnung auf der Insel aufrechterhalten bleibt und andererseits die Sicherheit der muselmanischen Bevölkerung gewährleistet ist. Die Mitteilung hat in Canea ebenso wie in Athen einen guten Eindruck gemacht, und man glaubt, daß, da die Mächte in der günstigen Aufnahme der kretischen Bestrebungen übereinstimmen, die Frage der Angliederung glatt geregelt werden wird. Serbische Drohnugen. London, 23. Oktober. Der serbische Minister des Aus- wältigen Milowanowitsch sagte in einer Unterredung: Wenn Serbien die Genugtuung nicht erhalte, die es als durchaus notwendig erachte, so werde es seine militärischen Vor- bereitungen bis zum äußersten fortsetzen. Me Landesgrenze werde in ein verschanztes Lager umgewandelt werden; denn Serbien werde dann gezivungen sein, all seine Hoffnungen auf ein erfolgreiches mili- tärisches Vorgehen zu setzen. Ein Depeschensturm. Belgrad, 29. Oktober. 2S6Z Telegramme sind aus Serbien in den Vorsitzenden der russischen Duma gerichtet worden in Form eines Aufrufes an die brüderliche Gesinnung des russischen Schwester- landes, um die serbischen Interessen in Schutz zu nehmen. Städte, Gemeinden und Gesellschaften usw. beteiligten sich an dieser Kund- gebnng. Die Antwort Bulgariens. Sofia, 29. Oktober. Auf den Kolleltivschritt der Mächte wurde vom Minister des Aeutzern P a p r i k o w versichert, seitens der bul- garischen Regierung sei eine zufrieden st eilende Antwort erteilt worden. Bulgarien würde trachten, alle zwischen ihm und der Türkei schwebenden Fragen auf friedlichem Wege zur Erledigung zu bringen, jedoch sich auf keinerlei Tribut- z a h l u n g einlassen. Was andere Zahlungen anbetrifft, so würden vorerst die Gläubiger vor Anerkennung ihrer angeblichen Forde- ungen einer genauen Prüfung unterzogen werden. Das Verhalten Bulgariens. Sofia, 29. Oktober. Infolge gemeinsamer Vorstellungen Eng- kands, Frankreichs und Rußlands hat die bulgarische Regierung die Entlassung der Reservisten für nächsten Sonn- abend angeordnet. Die Antwort auf die erwähnten Vorstellungen hat die Regierung heute abend den Vertretern der Mächte zu- stellen lassen. Die Antwort erklärt, daß die Regierung von friedlichen Absichten erfüllt sei und daß sie niemals aggressive Intentionen gegen die Türkei gehabt habe. Um einen B-.weis ihrer friedlichen Gesinnung zu geben, würden die zu den Fahnen gerufenen Reservisten entlassen und keine andere Heeres klaffe e i.berufcn werden Die Regierung habe auch ihre Geneigt- heit erkennen lassen, sich mit der Türkei zu der- st ä n d i g e n, indem sie zwei Delegierte entsandte, die die Aufgabe hätten, die Geneigtheit der Pforte zu ermitteln. Die Regierung werde ihr möglichstes tun, um zu einer direkten Verständigung mit Konstantinopel zu gelangen. Oeftemich. Die Demonstrationen in Prag. Prag, am 27. Oktober 1908.(Eig. Ber.) Prag ist wieder einmal in Aufruhr. Der Landtag sollte eine Wahlreform verwirklichen, welche der rechtlosen Masse 43 Mandate unter 334 bringen sollte. Aber selbst diese Wahl reform wurde von den Deutschbürgerlichen pcrhorresziert, da ihre Verwirklichung gezeigt hätte, daß das deutsche Volk in Böhmen nicht hinter ihnen, sondern im Lager der deutschen Sozialdemokratie stehe. Um' diesen Beweis zu verhindern. obstruierten sie die Verhandlungen im böhmischen Landtag. Sie riefen dadurch eine schwere Krise hervor, welche allen übrigen Deutschen in Oesterreich, vor allem aber der Ne gierung, unangenehm war, da sie mit den Balkanwirren zu- sammenfiel. Die Deutschbürgerlichen in Böhmen waren voll- ständig isoliert. Mit allen Mitteln strebten sie danach, diese nichts weniger als„glänzende Isolierung" loszuwerden und das übrige Oesterreich für sich zu interessieren. So ein Mittel findet sich in Oesterreich und namentlich in Böhmen leider nur zu leicht. Die Bevölkerung in Böhmen, sowohl die tschechische als auch die deutsche, war gegen die Obstruktion im Landtag empört. Es war nichts leichter, als dieser Empörung einen antideutschen Charakter aufzustempeln. Den äußeren Anreiz zu allen Exzessen in Prag geben seit Jahrzehnten die deutschen Couleurstudenten. Diese veranstalten immer, wenn die Be- völkerung aus irgendeinem Grunde'erregt ist. auf der frequentesten Prager Straße, dem„Graben", in voller Parade einen„Bummel". Bisher ist es nicht gelungen, ihn in � Prag, auf dem vulkanartigen Boden nationaler Kämpfe, abzuschaffen. Diesmal, ersuchte die gegen die Ar- beiterschaft mit großer Energie auftretende Polizei die Couleurstudenten sehr höflich, von dem Bummel abzulassen. Das gerade Gegenteil kam zustande. Fast alle Couleur- studenten traten auf den Schauplatz, und der vorauszusehende Erfolg trat ein: es kam zu antideutschen Demonstrationen, bei denen Fenster im deutschen Theater eingeschlagen und einige Couleurstudenten verwundet wurden. Das war Wasser auf die Mühlen der Deutschbürgerlichen. Sie rieten nicht vom Bummel ab, sondern riefen nach Militär. Dieses wurde bereitwilligst zur Verfügung gestellt, und schon schickt sich die Regierung daran, über Prag den Ausnahme- z u st a n d zu verhängen, um den alten Cavourschen Satz wieder einmal zu bewahrheiten, daß mit Ausnahmezuständen ein jeder Esel eine Zeitlang regieren könne. Die Sozialdeinokratie beider Nationen steht natürlich allem diesem Treiben fern. Sie v e r- urteilt gerade so die Provokationen der Deutsch- bürgerlichen, wie sie die Exzesse der Tschechisch- nationalen verurteilt. Aber die Vorgänge in Prag, selbst wenn sie ihnen fernsteht, können ihr nicht gleichgültig sein. Denn es ist natürlich, daß sich die Prager Wirren a u f das Parlament übertragen werden und daß die V e r- wirklichung der Alters- und Jnvaliditäts- Versicherung der Arbeiter verzögert wird. Die Sozialdemokratie muß daher im Interesse der Arbeiter- schaft Ruhe �n Prag verlangen. Wenn nun diese Ruhe durch die Bummel gestört wird— es ist tatsächlich lächerlich, aber es ist so—, so muß der Bummel der allgemeinen Not weichen. Schon verlangen selbst deutsche Geschäftstreibende in Prag, namentlich am„Graben", die Abschaffung des Bummels/ da sie hierdurch am meisten geschädigt werden. Aber die nationale Hetzpresse und die nationalen Hetzpolitiker könnten ihre Existenz nicht fristen, wenn es keinen Bummel gäbe. Und in dem Lande der unbegrenzten Möglichkeiten können wir sogar erwarten, daß dem Bummel der deutschen Couleurstudenten die Arbeiterversicherungsgesetzgebung wenigstens eine Zeitlang geopfert werden wird! Prag, 28. Oktober. Auch heute abend fanden A n s a m m- lungen auf dem Graben und dem Karlsplah statt. Die Polizei und die GenpUrmerie unterdrückten die Ausschreitungen im Keime. Es wurden heute über hundert Verhaftungen vorge- nommen. In mehreren deutschen Städten Böhmens kam es zu Gegenlundgedungen gegen die Prager Vorgänge,— Sngland. Für das Frauenstimmrecht. London, 28. Oktober. Der Sitzungssaal des Unterhauses war heute abend wieder der Schauplatz einer von An hängerinnen des Frauen st imm- rechts veranstalteten Kundgebung. Während der Be- ratung des Lizenz-Gesetzes riefen von der Damentribüne mehrere Frauen unvermittelt in den Saal hinab:„Wir der- langen das Stimmrecht für Frauen!" Fast gleichzeitig erhob sich auf der öffentlichen Tribüne ein Mann und warf mit dem Rufe:„Ich fordere ebenfalls das Stimmrecht für Frauen" einen Haufen Flugschriften in den Sitzungssaal. Er wurde sogleich hinausgeführt. Bei der Räumung der Damentribüne ergab sich, daß zwei von den Demonstrantinnen sich a n der Brüstung festgebunden hatten, so daß ihre Eni- fernung mit einiger Schwierigkeit verknüpft war. Schließlich aber wurde die Ordnung wiederhergestellt. Der Saal war schwach besetzt, und der Zwischenfall verursachte daher nur geringe Aufregung. Auch außerhalb des Hauses fand eine Kundgebung zugunsten des Frauenstimmrechts statt. Im weiteren Verlaufe der Sitzung verlangte ein Mann mit lauter Stiinme Gerechtigkeit für die Frauen und streute ebenfalls einen Haufen Flugschriften in den Sitzungssaal. Als Beamte des Hauses ihn zu entfernen versuchten, leistete er heftigen Wider st and, so daß er von vier Schließern buchstäblich weggetragen werden mußte. Infolge der heutigen Vorgänge teilte der Sprecher heute abend mit, daß die G a l e r i e n für das Publikum auf einige Zeit g e- schlössen würden. � Diese Ankündigung wurde mit lautem und allgemeinem Beifall aufgenommen. Die Kundgebungen der Frauenrechtlerinnen wieder- holten sich außerhalb des Hauses ebenfalls. Die daran teil- nehmenden Frauen versuchten, sich den Weg in den Vorsaal des Unterhauses zu erzwingen; der Polizei gelang es aber leicht, dieses Vorhaben zu verhindern. Eine Studienreise. Landen, 29. Oktober, Das Parlamentarische Komitee des Kongresses d e r�T rade Unions beschloß heute, eine Abordnung nach Deutschland zu entsenden, um über die Kranken- und Jnvaliditätsversicherung und über die von den deutschen Behörden der Frage der Arbeitslosigkeit gegenüber angewandten Maßnahmen Untersuchungen anzustellen. Kanada. Das Wahlergebnis. New Aork, 29. Oktober. Die liberale Regierungspartei wird in ber neuen Kammer über eine Mehrheit von 49 Sitze» der- fügen. Die 7 noch stattzufindenden Stichwahlen sind in der Mehr- zahl für die Unabhängigen günstig, welche gewöhnlich in der Kammer mit der Regierung gehen. Das amtliche Ergebnis ist folgendes: Liberale 127, Konservative 83, Unabhängige 2, Sozialisten 2.-_ Sewe�klcbaMicbeq. Der gelbe„Bund". „Der Bnud", Organ für die gemeinsamen Interessen der Arbeiter und Arbeitgeber, Charlottenburg, Mommscnstr. 47, versendet folgendes Rundschreiben: An die Herren Arbeitgeber! Ueberlassen Sie ihre Arbeiter nicht schutzlos den Verführungs- Linsten der sozialdemokratischen Streikhetzer! Helfen Sie ihre» Arbeitern, sich von den roten Hirngespinsten zu befreien. Dansit geben Sie nicht nur ihren Betrieben den Frieden wieder, sondern Sie erweisen auch noch der Menschheit einen unschätzbaren Dienst. Das beste Schutzmittel gegen das sozialdemokratische Streik- fieber ist für die Arbeiter die gelbe Literatur.' Sie wird von allen Arbeitern gern gelesen. Auch die sozialdemokratischen Arbeiter greifen begierig danach. Außer der gelben Arbeiterzeitung„Der Bund" empfehlen wir Ihnen, nachstehende Broschüren unter Ihre Arbeiter zu verteilen. Die Zustellung übernimmt ans Wunsch auch der unterzeichnete Verlag und zwar zu Selbstkostenpreisen. Hochachtend Neformverlag„Der Bund", Charlottenburg, Mommseustraße 47. Broschüren von Rudolf Lebius:„Indiskrete Fragen an die Sozialdemokratie",„Gelbe Gedanken".„Die gelbe Arbeiten bewegung",„Das falsche Ideal des Sozialismus" und„Bemerkungen zu sozialdemokratischen Schlagworten" von Jeremias Schneider. Gelber Arbeitsbund(Sitz Berlin) Bund der gelben Arbeitervereine Deutschlands. Charlottenburg-Berlin, Mommsenstr. 47. Es hat sich in Berlin ein Bund der gelben Arbeitervereine Deutschlands gebildet, der sich Gelber Arbeltsbundeitigt werden. Es ist ein dunkles Gebiet, wie in Preußen die Lehrerschaft rekrutiert werden muß.(Sehr richtig! links.) Unablässig rührt man die Werbetrommel, und trotzdem finden sich nicht genügende Kräfte für diesen Stand. Am schlimmsten wirkt der Bremserlaß. Wir müssen für die Lehrer 1533 M. Grundgehalt und 258 M. AlterSzulage fordern. Unsere endgültige Stellung behalten wir uns vor, bis die Arbeit der Kommission vorliegt. Wir wollen ein Kulturwerl haben ohne jedes reaktionäre Beiwerk.(Beifall links.) Ministerialdirektor Schwartzkopff: Ich bin weit entfernt, die Schulverhältnisse in Preußen als absolut unverbesserlich hinzustellen. Aber wie es hier hingestellt wird, so liegen die Verhältnisse in Preußen doch nicht. Wenn noch Klassen mit 123 bis 153 Kindern vorkommen, so_ sind das Halbtagsschulen. Wir beinühen uns, deren Zahl möglichst zu vermindern. Lehrermangel und Be- soldung haben nichts«liteinander zu tun. Wir iniissen heute sogar noch Anwärter zurückweisen. Von einer Kulturbremse kann bei der Vorlage nicht die Rede sein. Die preußische Lehrerschaft selbst hat noch vor gar nicht langer Zeit aus dem Lehrertage sind, um eingeklemmte Personen freizubekommen, geben an sich eine sehr schlechte Prognose und werden wohl stets mit den von dem operierenden Chirurgen mitgebrachten Instrumenten ausgeführt werden können. Die Aufgabe der ersten Hilfe wird in fast allen Fällen sich auf die Anlegung eines aseptischen Notverbandes be- schränken, der den Verletzten so schnell wie uwglich transportfähig macht. AuS den Rettungskästen sollen ferner alle Wasch- und Des- infektionsvorrichtungen fortbleiben. Die Wunden dürfen an Ort und Stelle weder gewaschen noch desinfiziert werden, da dies doch nicht in ausreichender Weise möglich wäre. Nur die Behelfe, die zu provisorischen Wund- und Schienenverbänden notwendig sind, sollen reichlich und in tadellosem Zustande vorhanden sein. Ms Wundverband ist ausschließlich hydrophile Gaze zu verwenden, die sich leicht sterilisieren läßt. Antiseptische Zusätze sind nicht zweck- mäßig. Die bisherigen schweren und unhandlichen Kästen aus massivem Holz sind als unpraktisch aufzugeben. Es ist an ihrer Stelle eine Mittelgröße, die ein Mann bequem fortbewegen kann, zu wählen. Bei größerem Bedarf sind mehrere solcher Kästen bei- zubringen. Ein geeignetes Material ist dünnes, wasserundurch- lässiges Fournierholz, das aus drei in ihrer Faserung sich durchs kreuzenden, unter einem Druck von 253 Atmosphären mit Kasein zusammengekitteten Lagen besteht. Die best eingerichtete Form ist die des Koffers. Der Inhalt ist ohne weiteres zu übersehen. Die Rettungsapparate sollen nicht nur auf den Stationen vorhanden sein, sondern auch, wie dies in Deutschland der Fall ist, in den Zügen mitgeführt werden. Zu diesem BeHufe ist ein kleineres Mo- dell vorgesehen, dessen Einrichtung den größeren(flcicht; nur daß die Quantitäten der einzelnen Einrichtungsbesiandteile geringere sind. Das Gewicht dieser Kästen in leerem Zustand beträgt 2,33 Kilogramm, gefüllt 8 Kilogramm. Sic wären auch ganz gut für kleinere Stationen, Haltestellen Und Lokalbahnen geeignet und könnten mit Vorteil auch außerhalb des Eisenbahnbetriebes bcr- wandt lvcrden. Notizen. — Theater Nachrichten. Im Hebbel-Theater geht als nächste Novität Karl Schön herrs Bauernlomödie»Erde�v in Magdeburg 1353 und 150 M. gefordert. Preußen marschiert an der Spitze von allen Bundesstaaten in bezug auf das Lehrergehalt. (Hört! hört! rechts.) Bayern hat ein Grundgehalt von 1233 M. und ein Höchstgehalt von 2800 M. Sachsen fängt zwar mit 1533 M. an, steigt aber nur bis 3333 M. In Baden erhalten die Lehrer 1533 bis 2833 M. Nur Hamburg hat größere Sätze von 2133 bis 1633 M. Es zahlt aber nichts für Wohnung. Wir hoffen, daß das Haus in seiner KominissionSberatung zu einem Ergebnis kommt. welches der Notlage der Lehrer, die vielfach vorhanden ist, Abhilse schafft und uns hilft, unsere Volksschule vorwärts zu bringen. Abg. Frhr. v. Richthofcn(k.): Die Ausführungen de? Herrn Borgmann haben mir eben so wenig imponiert wie die des Abg. Hirsch.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Herr Borgmann scheint gar nicht zu wissen, daß vor zwei Jahren das Schullastengesetz hier beschlossen ist.(Hört! hört! rechts.) Gerade das Schullasten- gesetz ist von uns gemacht worden, weil wir Ungcrechtig- teilen in der Verteilung der Schullasten anerkennen mußten. Schul- Patrone gibt es ja nach den neuesten Gesetzgebungen gar nicht mehr. Sie sind ja durch das Gesetz von 1936 aufgehoben, wissen Sie das gar nicht, Herr Borgmann?(Große Heiterkeit rechts.) Die Ausführungen des Herrn Cassel waren offenbar von der Furcht diktiert, daß ein großer Teil der Lehrer in das konservative Lager abschwenkt.(Lachen links.) Man behauptet, wir wollten keine Verbesserung der Volksbildung. Gerade das Gegenteil ist richtig. Wenn die Landkindcr von den tüchtigsten Volks- schullehrern— evangelischen und katholischen— erzogen werden, werden sie nicht so leicht den Irrlehren der internationalen Sozial- demokratie verfallen, sondern Rekruten der christlichen Arbeitervereine bilden.(Bravo! rechts, Zurufe bei den Sozialdemokraten: V ie l Glück!) Wir haben den ernsten Willen, den Wünschen der Lehrer soweit entgegenzukommen, wie es irgend mit der Finanzlage und den Interessen der Steuerzahler zu vereinen ist. Wir hoffen, daß es in der Kommission gelingt, ein Gesetz zustande zu bringen, das für die Lehrerschaft ein schönes Weihnachtsgeschenk bildet.(Bravo! rechts.) Abg. Dr. Hackenberg(natl): DaZ Gesetz kommt am wenigsten den Verhältnissen im Westen entgegen. Es bleibt unter den Sätzen, die dort heute bereits meist gezahlt werden, und mutet einzelnen Gemeinden sogar Rückschritte zu. Wenn die Erfüllung der be- rechligten Wünsche der Lehrer größere Mittel erfordert, so sind meine Freunde bereit, diese notwendigen Mittel unter allen Umständen zu bewilligen. Die Verbesserungsbedürstig- leit unserer Volksschulverhältnisse haben wir stets aner- lannt, lange che Herr Borgmann und seine Freunde in dieses Haus eintraten. Ein unhaltbarer Zustand ist eö, daß in fast allen ländlichen eintlassigen Schulen im Westen junge, soeben vom Seminar kommende Lehrer angestellt werden. Und wenn auf die zweiklassigen Schulen zwei Lehrer koinmen, die auf derselben Seminarbank gesessen haben, wie soll sich da einer am andern halten? Gerade diese ein- klassigen Schulen verlangen die tüchtigsten, erfahrensten Kräfte. (Bravo I bei den Nationalliberalcn.) Abg. Dr. Jdcrhoff(freik.) befürwortet nochmals die Vorschläge des Abg. v. Zedlitz. Abg. Cassel(frs. Vp.) polemisiert gegen den Abg. v. Richthofcn. Wir haben ausdrücklich anerkannt, daß die Vorlage für die meisten Lehrer und Lehrerinnen auf dem Lande große Verbesserungen bringt; aber wir haben andererseits kritisiert, daß durch die Brems- bestimmung eine Besserung in anderen Teilen des Landes für die Zukunft überhaupt verhindert wird. Diese Bremsbestimmung fehlt in den anderen deutschen Staaten, auf die der Herr Ministerial- direktor hinwies. Abg. Ziesche(Z.) fragt an, in welchem Gesetze die Verhältnisse der Mttelschullehrer geregelt wären. In der Besoldungsvorlage habe er sie nicht gefunden. Der Vorschlag des Freiherrn v. Zedlitz, im mittleren Alter, wo die Lehrer ihrer am meisten bedürfte», die Alterszulagc» zu erhöhen, ist uns sehr sympathisch. Ministerialdirektor Schwartzkopff erwidert dem Vorredner, daß die Regierung den Interessen der Mittelschullehrer alle Aufmerksam- keit zuwende, daß aber ihre Entschließungen in dieser Beziehung noch nicht gefaßt wären. Ein Schlntzantrag Ivird hierauf angenommen. Es folgt eine Reihe persönlicher Bemerkungen. Abg. Borgmann(Soz.): Wenn der Herr Ministerialdirektor ge- sagt hat, ich halte sehr wenig zum Lehrerbesoldungsgesetz gesprochen, so überlasse ich das Urteil darüber dem Hause und dem Lande. Herr v. NichtHofen sagte, ich hätte von Schulpatronen gesprochen, während dieselben durch das Schulunterhaltungsgesetz beseitigt ivorden wären. Ich konstatiere demgegenüber, daß'nach ß 70 das Schulunterhaltungsgesetz auf die Provinzen We st preußen und Posen überhaupt keine Anwendung findet. Abg. Hirsch(Soz.): Herr v. Richthofen behauptet, ich hätte nicht gewußt, welche Stellung der verstorbene Abgeordnete Liebknecht zu § 32 der ReichSverfassung eingenommen habe. Nach dem steno- graphischen Bericht habe ich wörtlich gesagt:»Ich kenne die Anschauung deS Abg. Liebknecht, aber ich billige sie nicht". Abg. v. Richthofcn(k.): Diese Bemerkung machte Herr Hirsch erst in seiner zweiten Rede. Da mußte er die Stellung des ver- storbenen Abgeordneten Liebknecht freilich kennen, weil sie in der Debatte mehrfach erwähnt war.(Lachen bei den Sozialdemo- kraten.) Der Hinweis des Herrn Borgmann auf§ 70 des Schulimter- haltungsgesetzes trifft nicht zu, denn er hat von einem schlesischen Schulpatron gesprochen.(Heiterleit rechts.) Abg. Hirsch(Soz.): Wenn ich erklärt habe, ich kenne die An- ficht des verstorbenen Abg. Liebknecht, so muß ich Herrn von Richt« in Szene.— Das Friedrich Wilhelm st ädtische Schau- s p i e l h a u S kündet für Dienstag die Premiere von Erich o r n S Drama„ A n t e r o S" an.— Am nächsten Sonnabend wird im Lessing-Theater Gerhart Hauptmanns Michael Kram er", mit Oskar Sauer in der Titelrolle, auf- geführt. Dieselbe Bühne bringt Ende Dezember ein neues Stück von Richard Skotvronnek und Richard Wilde gretzenburg" heraus.— Ein neuer Wedekind„Musik" (Sittendrama nennt der Autor sein Stück) gelangt im Kleinen Theater morgen zur Aufführung.— Erfolg bei der Erstaufführung konnten verzeichnen:„Das kalteHerz", eine Volksoper von Robert K o n t a(Düsseldorfer Stadttheater) und»Das süße Gift", ein musikalischer Einakter von Albert Gooter (Wisper Hofoper). — Ein Denkmal für den französischen Dichter Mistral wird im nächsten Mai in Arles enthüllt werden. — Der inneren Ausgestaltung deZ Rembrandt« Hauses in Amsterdam ist man nunmehr nähergetreten, lieber die Art dieser EinrichNmg gibt ein in der„Kunstchronik" auszugsweise veröffentlichtes Rundschreiben der Stiftung„Het Rcmbrandt-HuiS" nähere Auskunft. Danach soll das Haus, in dem der Meister von 1639 bis 1658 wohnte und arbeitete, unter strenger Beobachtung alles dessen eingerichtet werden, was über seine Einteilung zu Leb-. zeitcn Rcmbrandts bekannt ist. — Die Stadt Florenz beabsichtigt eine moderne Ge« mäldesammlung zu gründen; sie soll im städtischen Hause in den Cascinen untergebracht werden. — Die neue Island-Expeditioii von Dr. Küchler, die in diesem Sonniier unternommen wurde, hat, wie HanS Spethmann im„Globus" mitteilt, wertvolle Ergebnisse gehabt. Die Route ver» lief von Eskifford zunächst nach Seydisfjord an der Ostküste, von Ivo aus mit einem Küstendampser nach Akureyri gefahren wurde. Von dort aus lvurde die große Thingeyjarsysla im mittleren Rordisland in einem dichte» Ma'chsnnetz von Wege» bereist. Hofen schon bitten, in meine Worte keinen Zweifel zu setzen.(Bravo I bei den Sozialdemokraten,) Abg. Borgmaun: Der Form nach existieren die Schulpatrone nicht mehr, in Wahrheit aber sind sie doch vorhanden und wirken in derselben Weise wie vorher.(Lachen rechts. Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) ES folgt die erste Beratung des Pfarrerbesolduiig-Zgesches. Abg. Wink/cr(I.) stimmt der Vorlage zu. Einzelne Wünsche könnten in der Kommission zur Sprache gebracht werden. Abg. Dr. Porsch(Z.): Unsere Geistlichen sind nicht Diener des Staates, sondern Diener der Äirche. Durch die Säkularisation sind jedoch der Kirche die Mittel genommen worden, in ausreichender Weise für die Geistlichen zu sorgen. Es besieht daher zum mindesten ein moralischer Anspruch der Kirche an den Staat, sie bei der Er- füllung ihrer Aufgaben gegenüber den Geistlichen zu unterstützen. Mit dem vorliegender, Entwurf können wir im allgemeinen einver- standen sein, wenn es auch nicht zu einer Gleichstellung der evangelischen und katholischen Geistlichen gekommen ist. Entschieden müssen wir dagegen die Bestiinmungen ablehnen, wonach die Geistlichen in den Ostmarken widerrufliche Zulagen bekommen sollen.(Bravo! im Zentrum.) Hierauf werden die weiteren Verhandlungen auf Freitag Ist Uhr vertagt.(Außerdem: Steuergesetze und Mantelgesetz.) Schluß: ä'/« Uhr._ Sie Reform der flrbeiterverfithenins. Am 27. Okt ober 1903 fand in dem großen Saale der ständigen Ausstellung für Arbeiterwohlfahrt in Charlottenburg unter dem Borsitz des StaatsministerS v. Bethmann-Hollweg und im Beisein einer sehr großen Zahl Regierungsvertreter eine Konferenz zur Beratung über die Reform der Unfall» und Invalidenversicherung statt. AlS Vertreter der beteiligten Reichs- und Bundesregierungen waren anwesend r Vom Reichsamt des Innern; der UnterstaatL- sekretär Mermuth, Ministerialdirektor Caspar, sowie die Geheimen OberrrgürungSräte Dr. Wuermling, Spielhagen. Dr. B e ck m a n n,.Ja u st. Dr. Laß. Dr. Paehler und Bei- geordneter Dr. W i r d s e l d; das Reichsmarineamt war durch zwei, das Reichspostamt durch einen Vertreter zur Stelle. Das ReichSversichenmgsamt hatte seinen Präsidenten Dr. Kauf- mann und die Geheirnräte und Senatsvorsitzenden Besserer. WrtowSki, Stolzmann. Hanow u. a. entsendet. Au» dem preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe war unter anderen der durch seine reaktionären Borschläge zur Abänderung und Ver- schärfung des KrankenversicherungsgesctzcS bekannte Gcheimrat Dr. Hoff manu erschienen. Bon den beteiligten Landesve rsichernngSanstolten, den gewerb- lichen und landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften, den AuS- fühnlngSbehörden, den LandcSverföcherungSämtern und den Betriebs- und OrlSlrankenlassen waren rund 70 Personen zu verzeichnen, darunter auch als Arbeitervertreter die Parteigenossen Fräßdorf, Gutheit, Müller, SimanowSki, Stügelmaier. Welker, Dobler, Wendler. In seiner einleitenden Ansprache hob v. Bethmann-Hollweg hervor, daß die Erfahrung bei der Durchführung der bisherigen Arbeiterversicherungsgesetzgebung die Notwendigkeit einer etwas ein- gehenderen Reform ergeben hat. Der organische Zusammenhang der Arbeiterverstcherung sei nicht mehr übersichtlich genug. Auch die Arbeiter, für welche doch die Versichcrnng geschaffen sei. haben wiederholt hierüber Klage geführt. ES müßte daher ein engerer. einheitlicher, organischer Zusammenhang und Unterbau für die Arbeiterverfichernng geschaffen werden. ES lagen den Versammelten eine Reihe Leitsätze vor, auS welchen folgende Hauptfragen hervorgehoben werden mögen: ») Wie ist der gemeinsam« örtliche Unterbau(das»ver» stcherungsamt") zu gestalten? d) Welche Aufgaben sind dem»VerficherungSamte* zuzu- weisen? c) Wie ist die mittlere Instanz(das«Oberversicherungsamt') zu gestalten? d) Empfiehlt eS sich, dem Ober-VersicherungSamt einen Teil derjenigen Verwaltungsentscheidungen zu übertragen, für die gegenwärtig daS ReichSverficherungSamt zuständig ist? e) Wie kann bei rechtlich erzwingbaren Ansprüche» der Ver- sicherten unter Wahrung deS Rechtes des BersicherungöträgerS, zu solchen Ansprüchen an sei» Vermögen zunächst selbständig Stellung zu nehmen, dem Akte der Rentenfestsetzung mehr als bisher der Eharalker einer wirklichen ersten Instanz gegeben werden? lj Wie ist der Jnstanzenzug für das Rentenfestsetzungsverfahren zu gestalten? Die letzte Frage ist für die Arbeiter eine der wichtigsten. Seit länger als 15 Jahren fordert die Arbeiterklasse, und dieses wurde auch auf dieser Konferenz ganz besonders betont, daß sie bei den Rentenfe st setz un gen un dRenten entzieh» n gen mit- wirke. Aber die Berufsgenossenschaften bezeichnen diese Forde- rung der Arbeiter als eine Anmaßung und eine Ungerechtigkeit und behaupten, dadurch werde ihnen ihre Selbstverwaltung genommen. Diese Frage nah«, die meiste Zeit des TageS in Anspruch. Die berühmte» Scharfmacher zogen gegen die Forderung der ver- sicherten Arbeiter mit Vehemenz zu Felde. Ten Reigen eröffnete hierbei der auf diesem Gebiete rühmlich bekannte Banrat F e l i s ch. der da behauptete, daß ein neuer Unter- bau für die Berufsgenossenschaften nicht nötig sei. Wenn sich dieses vielleicht für die Kranken-, Invaliden- und der zu- künftigen Witwen- und Waisenversicherung als notwendig erweise, so habe er nichts dagegen einzuwenden, wenn dort ein einheitlicher organischer Zusammenhang hergestellt werde. Bei den Berufs- genoffenschaften erübrige eS sich aber durchaus. ES würden durch die organische Vereinheitlichung der Arbeiterversicherung auch größere Kosten entstehen. Die Berufsgenossenschasten dürften aber nicht noch mehr belastet werden. Es müßten dann die Arbeiter die Mehrkosten tragen, welche hierzu auch in der Lage sind, da nach einer von seiner Berufsgenossenschaft aufgenommenen Statistik ein sehr großer Teil der Versicherten bedeutend höher im Einkommen st ehe n als die Arbeitgeberl Dann ritt der Sozialisteiilöter. Rittergutsbesitzer Freiherr v. T h ü n g e n, eins schneidige Attacke gegen die Regierung und die Sozialdemokratie. Er malte das rote Gespenst an die Wand. Die Regierung sei zu ängstlich vor der Sozialdemolratie und gebe der- selben viel zu viel nach, sie trage sehr viel dazu bei, daß die Sozialdemokratie immer mehr ans Ruder komme. Er stehe auf dem Standpunkt von Fetisch und ist der Anficht, daß, wenn die Arbeiter , nitraten wollen, sie auch mittaten müssen. Der Regierung rufe er aber zu, man soll die Henne nicht schlachten, die die goldenen Eier legt. In gleichen, Sinne sprechen noch als Vertreter von Berufs- genoffenschaften u. a. die Herren Wenzel für die Chemische, Vopelius von der Glas-, Krabler von der Knappschasts« Berufsgenossenschaft. Die Forderungen der Versicherte» wurden von den oben ge- nannten Arbeitervertretern eingehend begründet und verteidigt. SS wurde dargelegt, daß im dringenden Interesse der Ver- sicherten lieg,: eine Vereinheitlichung und Verschmel- z u n g der gesamten A r b e i t e r v e r s i ch e r u n g. dieAnSd ehnung der Versicherung auf das gesamte Handwerk, die Erhöhung der VersicherungSgrenze, die Einsetzung von Kommissionen zur Festsetzung der Renten, soloie e i n h e i t- liche U eberwach ungS- und Rechtsprechungsorgane mit dem ReichsversichcrungSamt als RekurSinftanz an der Spitze, unter gleichmäßiger Besetzung und Mitwirkung der Arbeitgeber und der Versicherten. Aber nicht nur die Vertreter der Berufsgenossenschafte», sondern auch einige Vorsitzende von Landesversicherungsanstalten wollten von einer derartigen Vereinheitlichung und Reform der Arbeiterversiche- rung nichts wissen. Man darf sagen, daß jeder dieser Herren, die daS Wort ergriffen, die Reform der Arbcilcrversicherung in einem anderen Sinne wünschte. Der Minister von Bethmann-Holllveg wies nun darauf hin, daß. falls ein einheitlicher Unterbau in Form von Ver- sicherungSämtern geschaffen werde, diese über den Bezirk einer unteren Verwaltungsbehörde hinaus sich auf größere wirtschaftliche Gebiete erstrecken müßten. Die VerufSgenoffenschaften und Landes- verficherungSanstalten sollten hierdurch aber nicht degradiert werden. Die Rentenfestsetzung soll von Arbeitgebern und Versicherten der Berufsgenossenschasten und Landesversicherungsanstaltcn gemeinsam unter Vorsitz eines Unparteiischen stattfinden. DaS würde von sehr hohem politischen Wert sein. Wenn etwas einheitlich Gutes geschaffen werden soll, dürften die einzelnen Parteien auch nicht davor zurück- schreckens von ihrer bisherigen umfangreichen Tätigkeit etwas ab- zulassen. Seitens der Scharfmacher wurde eine Verschlechterung der Recht- sprechnng nach dltem Rezept angeregt. Es solle das Reichs- versicherungöamt'nur für höhere Renren Rekursinstanz ser.i. In dcn Fällen, in denen eS sich um Renten bis zu 20 Proz. handelt, solle daS Oberversicherungsamt endgülrig emscheiden. Auch brauchte daS Reichsversicherungsamt nicht mehr in der Besetzung von sieben, sondern von nur fünf Personen entscheiden. Ferner sollte im Gesetz vorgesehen werden, daß beim Prozeß um die Rente die vertierende Partei die Kosten deS Verfahrens zu tragen habe u. a. m. Die Debatte über diesen Verschlechterungsvorschlag zog sich bis abends 7 Uhr hin. Die Scharfmacher der BerufSgenoffenschaften beharrten starrköpfig aus ihrem bisherigen verbissenen Herrenstand- punlt. "«• Die Arveiterbertreter, welche an dieser Beratung teilgenommen haben, haben sie sehr enttäuscht und unbefriedigt verlassen. Ihnen ist von neuem die Ueberzeugung aufgedrängt, daß auf gütlichem Wege vom Unternehmertum nichts zu erreichen ist. ES bleibt abzuwarten, welche Art Gesetzesvorlage die Regierung bringen wird. Wird sie sich geduldig den Wünschen deS Unter- nehmertumS beugen oder eine Vorlage ausarbeiten die endlich den vollberechtigten, durchaus ausführbaren Wünschen der Arbeiter entgegenkommt? Die Arbeiterklasse hat alle Ursache, jetzt mehr als je gegen die Regierung der Unternehmerklaffe auf der Hut zu sein._ ürbeiterlmienichlit? in der Gewerbeordnungsnovelle. Die ReichStagSkommission zur Beratung der Gewerbeordmmgs- Novelle setzte gestern ihre Beratungen über das Verbot der Mitgabe vonArbeit nachHause für die Arbeite- rinnen fort. Abg. Hitze(Z.) schlug zur Regelung dieser Frage einen neuen§ 137a vor, der prinzipiell die Mitgab« von Arbeit für unzulässig erklärt, sie aber in dem Umfange zuläßt, in welchem Durchschnittsarbeiter die Arbeit voraussichtlich in dem Betriebe während des ResteS der gesetzlich zulässigen Arbeitszeit her- stellen würden(vorausgesetzt also, daß sie in der Fabrik nicht die volle gesetzlich zulässige Arbeitszeit verbraucht haben). Zur Durch- führung der Bestimmungen soll die Polizeibehörde auf Antrag deS GewerbeaufsichtSbeamten Verfügungen für die einzelnen Be- triebe treffen können. Für die Zuwiderhandlung gegen die zu- gelassenen Ausnahmefälle soll eine Strafe überhaupt nicht er- folgen. Genosse Stadthagen erklärte diesen Antrag Hitze für gänzlich ungenügend. Unser Antrag:„Als Arbeitszeit gilt auch die Zeit, die zur Herstellung solcher gewerb- lichen Arbeit erforderlich ist, welche von dek» Arbeitern außerhalb der Betriebsstätten für den Arbeitgeber zu verrichten ist', ergebe klar und deutlich den Zweck, der verfolgt werden solle. Die Befugnis, die der Antrag Hitze der Polizei übertragen wolle, werde diese schon deshalb nicht ausfüllen lönnen, weil sie gar nicht die erforder- lichen Kenntnisse besitze. Höchstens die Gewerbeinspektion könne diese Aufgaben übernehmen. Ein weiterer Fehler de? Antrages Hitze sei, daß die Polizei in den einzelnen Bezirken einen ganz verschieden weit- gehenden Gebrauch von ihren Befugnissen machen könne; es sei daher eine große Ungleichheit in der Durchführung der Vestimmnng voraus- zusehen. Nur damit keine Lücke entstehe, würden unsere Genoffen dem Antrage Hitze eventuell zustimmen, falls der weitergehende sozialdemokratische keine Zustimmung finde. Den gleichen Stand- Punkt vertrat Genosse Moltenbuhr, der eingehend nachwies, wie wenig die Polizei schon jetzt von den Befugnissen Gebrauch macht, die ihr die Gewerbeordnung zum Zloeck deS Llrbeiter- schutzeS gegeben hat. Abg. Tr im dorn(Z.) verteidigte den Zentrumsantrag: Der Gesetzgeber müsse auch Vorsorge dafür treffen, die Uebertretung der Bestiininungen über die Arbeits- zeit der Arbeiterinnen und Jugendlichen zu verhindern. Deshalb müsse der Möglichleit vorgebeugt werden, übermäßig viel Arbeit nach Hause mitzugeben. So weit aber die gesetzliche Arbeitszeit noch nicht erschöpft sei, könne die häusliche Arbeit auch nicht ver- boten werden. Abg. Schmidt« Altenburg(k.) griff den schon wiederholt angeregten Gedanken wieder auf, nicht die tägliche Arbeitszeit, sondern die zulässige wöchentliche Arbeitszeit der Berechnung zu Grunde zu legen. Ein Antrag M a n z (frs. Vp.) will die Mitnahme von Arbeit nach Hause bei regelmäßiger BeschäftigungSdaner in der Fabrik verbieten. Bei gekürzter Arbeitszeit in der Fabrik könne so viel Arbeit nach Hause mitgegeben werden, als in der regelmäßigen Arbeitszeit in der Fabrik hätte erledigt werden lönnen. Gegenüber den Nationalliberalen, die allerhand Bedenken gegen das Ver« bot der Mitgabe von Arbeit nach Hause äußerten, berief sich Ab- geordneter Hitze(Z.) sehr energisch auf die früheren Anträge deS Abgeordneten Heyl zu Herrnsheim, der stets nachdrücklich die For- derung vertreten habe, daß die Mitgabe von Arbeit nach Hause für Fabrikarbeiterinnen verboten werden müsse. Vor der A b st i ni- m u n g wurden an dem Antrag Hitze verschiedene Aenderungen vor- genommen und dann der Antrag in seinen wesentlich st en Abschnitten einstimmig in folgender Fassung an« genommen: «Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern darf für die Tage. an welchen sie in dem Betriebe die gesetzlich zulässige Arbeitszeit hindurch beschäftigt waren, Arbeit zur Verrichtung außerhalb deS Betriebes vom Arbeitgeber überhaupt nicht übertragen oder für Rechnung Dritter überlvieseu werden. Für die Tage, an welchen die Arbeiterinnen oder jugendlichen Arbeiter in dem Betriebe kürzere Zeit beschäftigt waren, ist diese Ilebertragnng oder llebcrweisung annähernd nur in dem Umfange zulässig, in welchem DurchschnittSarbeiter ihrer Art die Arbeit voraussichtlich in dem Betriebe während des Restes der gesetz- lich zulässigen Arbeitszeit würden herstellen können, für Sonn- und Festtage aber überhaupt nicht. Bei Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen deZ Ab- satze-Z 2 kann die zuständige Polizeibehörde auf Antrag oder nach Anhörung des zuständigen Gewerbeaussichtsbeamten im Wege der Verfügung für einzelne Betriebe die Ueberlragung oder lieber- Weisung solcher Arbeit entsprechend den Bestimmungen des Ab- satzes 2 beschränken oder von besonderen Bedingungen abhängig machen. Vor Erlaß der Verfügung ist den beteiligten Arbeitgebern und Arbeitern Gelegenheit zu geben, sich gutachtlich zu äußern. Gegen die Verfügung der Polizeibehörde steht dem Gewerbe- Unternehmer binnen zwei Wochen die Beschwerde an die höhere Verwaltungsbehörde �u. Gegen die Entscheidung der höheren Verwaltungsbehörde ist binnen vier Wochen die Beschwerde an die Zentralbehörde zulässig. Diese entscheidet endgültig.' Es folgte dann die Beratung deS Z 138a. der die AuS« nähme»von de»Bestimmungen über die Arbeits- zeit der Arbeiterinnen für den Fall der Arbeitsüberhäufung regelt. Dazu beantragten unsere Genoffen, die sechzig Tage, an denen nach der Regierungsvorlage eine Ueberschreitung der Arbeits- zeit zulässig ist, auf dreißig, eventuell auf vierzig Tage zu beschränken. Der Schluß der Arbeitszeit soll nach Anträgen unserer Genoffen spätestens um 3, eventuell um 9 Uhr erfolgen, während die Regierungsvorlage die bisherige Bestimmung, daß die Arbeitszeit bis zehn Uhr ausgedehnt werden kann, unberührt läßt. Ferner be- antragten unsere Genossen, daß an den AuSnahmetagen höchstens e l f Stunden gearbeitet werden darf und die Ruhezeit von elf Stunden eingehalten werden muß. Die Vorlage läßt hier eine Ueberschreitung der Arbeitszeit bis zu 12 Stunden zu und be- schränkt die Ruhezeit auf zehn Stunden. Sodann soll die Befugnis der unteren Verwaltungsbehörde für Arbeiterinnen, die kein Hauswesen zu besorgen haben, die Beschäftigung an den Tagen vor den Sonn- und Festtagen bis 8l/S Uhr abends zu gestatten, aufgehoben werden. In der Begründung dieser Anträge wies Gcnoffe Stadthagen darauf hin, daß die Behörden in der Ge- Währung von Ausnahmen viel zu freigebig seien. Die vielen Aus- nahmen führten dazu, den Zehnstundentag für die Arbeiterinnen überhaupt provisorisch zu machen. Wenn statt bisher 40 Ausnahme- tage jetzt 60 AuSnahmetage zugelaffen würden, so bedeutet das eine erhebliche Verschlechterung, wenngleich die Befugnis der höheren Verwaltungsbehörden fortfällt, über 40 Tage hinaus zu gehen, die GewerbeiuspektionSberichte ergeben, daß die UeberarbeitS- zeit in dem Maße nicht erforderlich ist.— Ein Regierung S- Vertreter bekämpfte unsere Anträge und berief sich für den RegierungSvorschlag auf ein angebliches Bedürfnis der Industrie. Für daS Zentrum suchte der Abgeordnete Erzberg er wieder. unsere Anträge wenigstens abzuschwächen. Er schlug als Schluß der AuSnahmearbeitSzeit S Uhr und mindestens elfftündige Ruhezeit für die AuSnahmetage vor. 40 Ausnahmetage im Jahre genügten, die Erhöhung der Zahl auf 60 sei unnötig. Auch der„freisinnige' Manz glaubte, mit 40 Taden auskommen zu können. Hingegen hielt er eine Ausdehnung der Arbeitszeit bis zu 10 Uhr für notwendig, weil einige Gewerbe sie gebrauchten. Am arbeiterfeindlichsten benahmen sich IviestetSdieNationalliberalen. Ihr Vertreter, Abg. Bahn. forderte mit Rückficht auf die Textilindustrie 60 Tage. ES sei für die Industrie ein Kreuz geworden, immer so unter Polizeiaufsicht zu stehen. Nicht die Genehmigung der Ueberstunden solle nachgesucht werden müssen, sondern eS solle gestattet sein, die Arbeitszeit frei zu überschreiten, nach dem Bedürfnis jedes einzelnen Unternehmers. und nur nachher.der Behörde Anzeige zu machen. Genoffe Stadthagen erwiderte dem Regierungsvertreter, daß schon 1891 die Regierung nur an vierzig Tagen im Jahre Ueberarbeit gestatten wollte. Um so merlwürdiger sei jetzt ihre Verteidigung weitergehender Ausnahmebestimmungen. Nur auf ausdrücklichen Wunsch der Industrie wurde damals der höheren Verwaltungsbehörde die Befugnis erteilt, über 40 Stunden hinaus Ueberarbeit zu gestatten. Inzwischen habe sich aber die Industrie an die gesetzliche Arbeitszeit so gewöhnt, daß die Aus- nahmetage wohl eingeschränkt werden könnten. Auch die australische Gesetzgebung lasse nur 30 AuSnahmetage zu und sei damit gut auS- gekommen. In der 2 b st i m m u n g wurde zunächst der Antrag«in- st i m m i g angenommen, daß an den AuSnahmetagen die Arbeitszeit spätestens um 9 Uhr abends beendet sein mutz. Die zulässige Dauer der Arbeitszeit an dcn AuSnahmetagen wurde jedoch auf 12 Stunden verlängert, die Mindestruhezeit soll nach wie vor 11 Stunden dauern. Die Zahl der Tageim Jahre, an denen von der unteren Verwaltungsbehörde Ausnahmen gestattet werden dürfen, wurde nach dem Eventualanträge unserer Genoffen nnt 13 gegen 3 Stimmen auf 40 T a g e festgesetzt. Annahme fand auch ein weiterer Antrag unserer Partei, für den Fall, daß am Sonnabend Ueberarbeit gestattet sei, Sonntagsarbeit nicht zuzulassen. Alle übrigen Anträge waren dadurch erledigt, Die Beratung der Novelle wird heute fortgesetzt. Klus der parte!» Die Budgetbewilligmig und unser Programm. Der„Vorwärts" vom 29. Oktober berichtet über eine Ver- sammlung im 2. Wahllreis, in der über unser Programm diskutiert wurde. ES heißt da: «Genoffe Rapp warf die Frage auf, wieso die Frage der Budgetbewilligung eine grundsätzliche Frage deö Programms sei. In dcn Erläuterungen Schoen lank-KautSky zur Forderung «Jährliche Steuerbewilligung"(zweiter Programmteil I) sei aus- drücklich gesagt, daß einer volkstümlichen Regierung Zug um Zug die Mittel zu bewilligen seien. Das stehe mit der Resolution des Parteitages in Widerspruch.— In der Diskussion wurde von mehreren Genossen darauf Bezug genommen. Genoffe Werner verwies darauf, daß ein sozialdemokralischer Grundsatz durchaus nicht wörtlich im Programm stehen brauche. Die grundsätzliche Ablehnung des Budgets entspreche unserer grundsätzlichen Stellung gegenüber kapitalistischen Regierungen.' Weder in unserem Programm noch in dessen Erläuterungen durch Schoenlank steht ein Wort, das mit der Resolution deö Nürn- berger Parteitags unvereinbar wäre. Schoenlank sagt in unserer gemeinsamen Broschüre über„Grundsätze und Forderungen der Sozialdemokratie', Seite 37: «Zum Regieren so gut wie zum Kriegführen gehört Geld. Geld und nochmals Geld. Wie es regiert sein will, darüber ver- füge das Volt: aber seine VerfügiMgsfreiheit ist ihn, geraubt, öffnet eS anderen ohne Konirolle seine Taschen. Den Daumen auf den Beutel, daS ist die Losung. Prüfung jeder Forderung, Uebernahme der Lasten nur auf ein Steuerjahr. keine neuen Steuern ohne dringenden Bedarf, Sleuerbewillignng und gute, d. h. volkstümliche Regierung Zug um Zug. Die jährliche Steuerbewilligung ist ein wirtschaftliches Machtmittel. das unangreifbar ist und unfehlbar wirkt, wenn hinter ihm das arbeitende Volk steht, zielbewußt und auf die Antastifiig seines Rechtstiteis als Trumpf setzend die schlagfertige Abwehr." Hier wird deutlich gesagt, einmal, daß die Budgetbewilli- gungkeineleere Formalität ist, sondern ein. Macht- mittel", dann, daß das Budget nicht bloß nach seinen Einzel« Positionen zu beurteilen ist, ohne Hinblick aus die Regierung, sondern " " Das entspricht vollkommen der Nürnberger Resolution, die besagt, daß jeder gegnerischen Regierung das Staatsbudget zu verweigern ist. Ein Widerspruch läge nur dann vor, wenn wir gegnerische Regierungen für gute und volkstümliche hielten R. Rautsig. daß es jeder Regierung verweigert werden muß, die nicht eine gute, 1 daher gleichfalls verboten werden. Selbst das unvorsichtige Han Jüberlegt und zufällig getan hat, erfieht man daraus, daß die d. h. volkstümliche" ist. Also mit anderen Worten, daß die Budget- tieren mit metallischem Blei ist nicht ungefährlich, wie agrarischen Kredit und Darlehnsgenossenschaften, die Raiffeisenbewilligung ein Vertrauensvotum darstellt. folgender Fall beweist: In die chirurgische Klinit in Brag wurde genossenschaften usw. usw. durch die Gesellschaftssteuer nicht ein Mann eingeliefert, bei dem man zunächst eine Darmverschlingung mit betroffen werden. Dagegen gehören die Konsum Ausfragung des Patienten ergab. daß er seit 10 Jahren den Genossenschaften, die der Besteuerung unterliegen. Für die bermutete, bei dem aber dann Bleivergiftung festgestellt wurde. Die genossenschaften, welche sich die Arbeiter geschaffen haben, mit zu bei der Bahn angestellt war und während der letzten fünf Jahre Sonfumvereine sind in der Begründung als Gewinn für das laufende beinahe täglich bis 20 Waggons mit Bleiplomben Jahr auf Grund der Einkommensteuerberanlagung 12 Millionen an versehen und diese wieder abgenommen hatte. Außerdem trug er gegeben. Da für sie im Höchstfall bei 5 bis 6 Proz. Gewinn 5 Proz. die nötigen Blomben tagsüber in seiner Rocktasche, in die er öfter als Steuer erhoben werden kann, die Konsumgenossenschaften Die genasführte Polizei zu Hannover. seine Hand stedte, und mit der er zuweilen frühstückte, ohne sich in ihrer überwiegenden Mehrheit eine Dividende von 5 bis 6 Proz. Hannover, 29. Oftober, vorher die Hände gewaschen zu haben. Eine andere Entstehungs- zahlen, so kommt auf sie eine Summe von 600 000 m. Gefellweise der Erkrankung war nicht nachzuweisen. fchaftssteuer. Die Berliner Konsumgenossenschaft zahlt für das ( Privatdepesche des Vorwärts".) Die Bleivergiftungen sind bei Handwerkern, Malern ustv. am abgelaufene Geschäftsjahr bei ungefähr 62 000 M. Gewinn 5 Proz Einen neuen launigen Streich spielten die hannoverschen Gehäufigsten. Sie sind aber auch bei anderen Personen, wenn sie auf Dividende, fie müßte airfa 3100 M. an Steuer entrichten! nossen der Polizei. Als diese wieder in der Wahlvereins irgend eine Weise öfter mit Blei oder Bleipräparaten in Berührung bersammlung erschien, wurde diese geschlossen. Die Ge- kommen, durchaus nicht selten. Auch zur Verhütung solcher Ver noffen zogen in zerstreuten Gruppen auf Umwegen zu einem an- giftungen sollten entsprechende behördliche Maßnahmen getroffen deren Lokal und erledigten die Tagesordnung. Die werden und Aufklärungen erfolgen. Versammlung wurde gerade geschlossen, als unter stür= mischer Heiterkeit der Versammlung zu spät die überrumpelte Polizei erschien. Parteiliteratur. Im Verlage von J. H. W. Dick Nachf. in Stuttgart ist foeben erschienen: Bolkswirtschaftliche Grundbegriffe mit besonderer Berücksichtigung der ökonomischen Grundlehren von Karl Marg. Als Leitfaden für Unterrichtöfurfe von Dr. Hermann Dunder. 60 Seiten. Breis gut geheftet 40 f. " Hus Induſtrie und Fandel. Lage verschlechtert. In der Generalversammlung der Aftiengesellschaft Eisen- und Stahlwerke Hösch äußerte die Verwaltung sich über die Lage der Industrie wie folgt: Die Verhältnisse haben sich auf dem Eisenmartte seit Erstattung unseres Berichtes nicht gebessert. Im Gegenteil fann man eher von einer Verschlechterung reden, da infolge der Kündigung des Roheisensyndikats und angesichts der immer noch zweifelhaften politischen Lage die Käufer sich die Hierauf sind weiter PreisStreiflichter auf die Krise. Die Lage hat sich nicht gebessert. Die Zurüdhaltung der äußerste Burüdhaltung auferlegen. europäischen Erportreise hat die strebitverhältnisse der lleberseer tüdgänge eingetreten, da die Werke darauf bedacht sind, fich Arbeit erschüttert, so daß der Mangel an eingehenden Rimessen zusammen für den Winter zu sichern. Ebenso wie zur Zeit der aufsteigenden mit dem abnehmenden Konsum die Geschäfte auf ein seit Jahren Stonjunktur die Preise der im freien Verkehr gehandelten Produkte B nicht dagewesenes Minimum beschränkte. denen der vom Stahlwerksverbande verkauften Produkte A boran Südamerika. Am besten befindet sich Südbrasitten eilten, sind die Preise der Produkte B jetzt im raschen Tempo geKrise nicht so hart gefühlt wird; in Rio und Nord brasilien vielfach nicht erreicht. und auch Pernambuco, wo infolge besserer Zuckerpreise die fallen und nehmen gegenwärtig einen Stand ein, der die Selbstkosten liegt das Geschäft im argen, und Berichte von maßgebenden bra filianischen Banthäusern veranlassen zu einer sehr pessimistischen Auffassung der dortigen Lage. Ueber die Grinde, die ihn zur Abfaffung des Leitfadens veranlaßten, schreibt der Verfasser in seinem Vorwort unter anderem folgendes: Mehrfach teilten mir meine Hörer und Schüler den Wunsch mit, ein Büchlein zu besitzen, das den Gedankengang der acht Vorträge meines Unterrichtsturses Boltswirtschaftliche GrundChile. Kleine Anzeichen der Besserung zeigen sich. Es wurden begriffe" wiedergäbe und sie gleichzeitig in den Stand setze, an der einige Warenquantitäten nach Chile verschifft, doch von den vor Hand wichtiger Zitate und Hinweise das Gehörte privatim oder Jahresfrist suspensierten Orders liegen noch große Quantitäten zur in fleineren Lese- und Diskutiertlubs zu denen erfreulicherweise Berfügung der Käufer in Europa. In den übrigen Republiken hat vielerorts die Schüler zufammengetreten find zu befestigen und die Lage fich nicht wesentlich geändert. Die meisten Länder leiden zu ergänzen. Wie meinen Schülern möchte das Büchlein auch den unter den unglücklichen Geldverhältnissen und dem Mangel einer Beranstaltern ähnlicher Kurse furzgefaßtes Material und einige ordentlichen Währung. In Haiti zum Beispiel ist der Kurs auf Fingerzeige geben." 900 Broz. gestiegen, mit anderen Worten: auf einen Dollar Gold neun Dollar Papier. Im Strom der Zeit, Gedichte von Ernst Breezang. 168 G. Preis gut fartoniert 1,50 m., elegant gebunden 2 M. Der in weiten Parteifreisen bekannte Genoffe Breezang gibt unter obigem Titel zum erstenmal eine Sammlung Gedichte heraus; es find sorgfältig gewählte Erzeugnisse seiner Muse, vorzugsweise Tendenz- und rein lyrische Gedichte, die in fünf Abteilungen gegliedert find: Soziale Gedichte Aus Natur und Wanderschaft Liebe Lieder vom Meer Vermischte Gedichte. Gedenkfeier für einen Genossen. Som, 27. Oftober.( Eig. Ver.) Am 25. d. M. Hat die sozialistische Stadtverwaltung von Borgo San Domino einen Ges denkstein am Rathaus eingeweiht, zum Andenken an den Genoffen Dr. Luigi Musini, einen der ältesten Vorkämpfer der Sozialismus in Italien. Luigi Musini hat als Republikaner begonnen und unter Garibaldi bei der Villa Glori, Mentana und Dijon gefochten. Seine soziale Erfahrungen als Landarzt und die Enttäuschungen, die die italienische Einigung brachten, führten ihn zum Sozialismus. Im Jahre 1884 wurde er zum erstenmal von den Landarbeitern des Tieflands von Parma in das Parlament gewählt, wo er mit den Genossen Cost a und Bus dari die Parteifraktion bildete. Im Jahre 1889, als er den Wahlkreis von Imola vertrat, legte er fein Mandat zugunsten Andrea Costas, der im Gefängnis war, nieber, Musini ist sehr arm gestorben, nachdem er zweimal mit nicht unbedeutendem Vermögen, das er als Arzt erworben hatte, aus Amerifa zurüdgelehrt war. Seine Patienten unter dem Landvolt von Barma wissen, wo das amerikanische Geld" unferes Genossen sein Ende fand. Personalien. An Stelle des zum Zentralarbeiterfekretariat in Berlin abgehenden Genossen N. Wiffel wählte das Gewerkschaftsfartell zu übeck den Genossen Friz Mehrlein Breslau zum Arbeiterfekretär. Bodenwucher. Ueber große Terrainkäufe in der Gegend hinter Spandau wird berichtet: Neuerdings sind ausgedehnte Ländereien der Dörfer Staaten und Falkenhagen aus den Händen bäuerlicher Besitzer in das Eigentum von Kapitalisten aus Berlin übergegangen. Ackerflächen, die vor mehreren Jahren noch-300-400. für den Morgen tosteten, sind mit 8000-4000 m. bezahlt worden; verschiedene Befizer haben 100 000 m. und darüber erhalten. Mehrere Wirt fchaften stellen infolge des Verkaufs der Ländereien ihren Betrieb ein, und die Inhaber sezen sich zur Ruhe. Argentinien. In den letzten Monaten sind die Zahlungs- Was haben die Besizer geleistet, daß fie plöglich Rentner einstellungen bedeutend geringer geworden und man tann im all- werden können? Nichts! Der Reichtum, der ihnen nun in den Schoß gemeinen dort einen frischen Zug in den Geschäften fonstatieren. fällt, der manchen von ihnen und deren Nachkommen ein arbeitsloses Beru. Das Geschäft hat sich weiter verschlechtert und sind und dabei sorgenfreies Leben garantiert, sowie auch die Gewinne, mehrere Bahlungseinstellungen von fleineren Firmen, die zum Teil die die jeßigen Käufer nachher einstreichen, müssen von denen beauch direkt mit Europa arbeiten, zu verzeichnen. Es scheint einſt zahlt werden, die das Land später für Wohnungen in Anspruch weilen feine Aussicht auf baldige Besserung zu sein. Indien. Das Geschäft liegt recht schwach, und wenn man auch infolge des reichlich gefallenen Monsoonregens im allgemeinen eine Befferung erwartet, so wird doch noch einige Zeit vergehen müssen, bis man die Lage als nur annähernd befriedigend wird bezeichnen fönnen. In Kalkutta wurde die Depression durch das Fallissement zweier bedeutenderer Manufakturfirmen verschärft; die Abnahme der vorhandenen Stocks war sehr gering. Siam. Banglong leidet ebenfalls unter übergroßen Vorräten. Die eigentliche Kaufsaison beginnt dort ebenso wie in Indien erst im Oktober/ November. nehmen. Gerichts- Zeitung. Ist eine Blumenauslosung an Sonntagen zulässig? Wir berichteten neulich( Nr. 288) über eine Kammergerichtss entscheidung, wonach das Auswürfeln von Blumen- und Taschenmessern( das in zwei Sommerlofalen vorgenommen worden war) als 2ustbarkeit gemäß§ 105i der Gewerbeordnung anzusehen China. Hier haben sich die Verhältnisse noch weiter ver- sei und deshalb nicht unter die Bestimmungen über die Sonntagsschlechtert und man beobachtet nach wie vor in der Ausführung von ruhe falle. Jezt hatte sich das Kammergericht mit einem ähnlichen Orders Burückhaltung. Streitfall zu beschäftigen. Dabei stand aber im Vordergrunde die Japan. Das Geschäft dorthin hat sich zwar etwas belebt, Frage, ob die Blumenverlosung in einem großen Gartenrestaurant jedoch kann man noch lange nicht von einem befriedigenden Verkehr nicht auch als Teil des Schankwirtschaftsgewerbes gelten und schon sprechen. deshalb unter§ 105i der Gewerbeordnung fallen fönne. Im Persien. Das Geschäft hat sich seit dem letzten Berichte ent- Reinhardtschen Gartenlokal hatte der Angeklagte Reißig einen Stand schieden verschlechtert, dasselbe leidet sehr start unter den politischen gepachtet, von dem aus er in der bekannten Weise Blumen berloste. Verhältnissen. Das geschah natürlich vor allem an den Feiertagen und an Südafrika fich ein wenig bessern würde und man ist der Ansicht, daß§ 105b Abja 2 Südafrita. Es hat den Anschein, als ob das Geschäft nach Sonntagnachmittagen. Er wurde deshalb deshalb auf Grund des der Gewerbeordnung und der Polizeidas Exportgeschäft dorthin sich nun allmählich heben wird. Die von vorschriften über den Sonntagsschluß der offenen Vera draußen hereingekommenen Anfragen waren lebhafter und auch Ab- taufsstellen angeflagt. Das Landgericht berurteilte schlüsse sind etwas reger getätigt worden; in verschiedenen Artikeln, ihn auch. Das Kammergericht gab jedoch am wie Porzellan, Emailwaren, Glaswaren, wurden bereits zufrieden- 26. Ottober der Revision tatt und sprach den Anstellende Abschlüsse gemacht, ebenso in Düngemitteln, Salz usw. getlagten mit folgender Begründung frei: Indem Australien. Auch nach diesem Lande ist das Geschäft etwas$ 105i der Gewerbeordnung das Gast- und Schankwirtschaftsgewerbe besser geworden, speziell Düngemittel, Salz und Chemitalien gingen von der Anwendung der Sonntagsbestimmungen des§ 105a бf. 1 in befriedigenden Mengen, auch leere Glasflaschen wurden in großen und der§§ 105b bis 105g befreie, gelte er auch zugunsten des Duantitäten exportiert. Besonders wurden gekauft Borzellanivaren, Gastwirts, wenn dieser ein zum Gastwirtschaftsgewerbe gehöriges Emailwaren, Hohlglas usw. Nebengewerbe nicht selbst ausübe, sondern durch andere Das Arbeiten mit Bleiftoffen, Bleiweiß und anderen bleihaltigen ausüben lasse. Es sei deshalb zu prüfen, ob diese Art des BlumenFarben, Anstrichmittelu, Glasuren, zieht vielfach schwere Gesundheitsverkaufs( Berlosung) in einem öffentlichen Garten, die der Bächter fjädigungen nach sich. Darauf ist von uns wiederholt hingewiesen Breußen befindet sich zwar im Dalles, aber trotzdem ist es Reißig ausübte, als Teil des Gastwirtschaftsbetriebes anzusehen sei. und dargelegt, daß die zum Schutz gegen diese Gefahr angeordneten generös- den Besitzenden gegenüber! Den Ausnußern der Boden Maßgebend seien die Ueblichkeiten des Verkehrs, hier die Maßregeln vielfach ungenügend find, oft aber auch diese nicht ein- fchäße, den Kohlenmagnaten hat Preußen die Entrichtung der aber in Berliner Restaurants üblich. des Berliner Verkehrs. Eine solche Blumenverlosung sei mal befolgt werden. Es muß dringend verlangt werden, daß die Bergwerkssteuer erlaffen. Die Steuer ist nicht aufgehoben, fie wird geklagter unter§ 105i ber Gewerbeordnung und sei straffrei. Schon deshalb falle AnVerwendung von Blei und Bleipräparaten, wo sie durch andere von Preußen als Bergherrn nur nicht eingefordert. Außer dem es fomme darum hier nicht mehr darauf an, zu untersuchen, ob die Stoffe ersetzt werden können, ganz berboten werden. Anderwärts, z. B. in Desterreich und der Schweiz bestehen schon mehr- Staate haben wir in Preußen aber noch mehrere Bergherren: die Blumenverlosung als Luftbarkeit anzusehen fet und wiederum durch fach solche Verbote. ehemaligen Reichsunmittelbaren! Diese verzichten natürlich nicht§ 105i gedeckt werde, was wahrscheinlich fei. Blei und bleihaltige Stoffe und Farben rufen aber nicht auf die Bergwerkssteuer. So hat zum Beispiel die Harpener Bergnur bei der Verarbeitung, sondern auch bei Benuzung bau- Attiengesellschaft an den Herzog von Arenberg für das letzte von mit ihnen hergestellten Verbrauchsgegenständen Bleivergiftung Geschäftsjahr die Kleinigkeit von 181 745,84 M. Bergwerkssteuer herbor. Solche Fälle sind durchaus nicht selten. Wir wollen heute zu zahlen, während andererseits die gesamte Staatssteuer( Einnur auf einige wenige Vergiftungsfälle dieser Art hinweisen. tommensteuer), die die Gesellschaft aufzubringen hat, sich auf nur Medizinalrat Dr. Beder in Hildesheim berichtet in Nr. 11 der 189 560,45 m. beläuft. So gibt es für die Hocheblen der Nation " Zeitschrift für Medizinalbeamte" von 1908, daß brei er überall reichlich fließende Liebesgabenquellen. fonen, dem Bater und zwei erwachsene Kinder, unter typischen Bilde der Bleibergiftung erkrankten. Troy allen Nachforschens der Vergiftung war Soziales. Bleivergiftungen. zunächst eine Quelle Feudale Liebesgabe. Attentat gegen die Konsumvereine. Aus der Frauenbewegung. Bersammlungen Veranstaltungen. Berein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 2. November, 8 Uhr, im großen Saale des Gewerkschaftshauses: Vortrag. Dr. Leopold Hirschberg: Das deutsche Volkslied". Mit instrumentalen und gefanglichen Erläuterungen. Gäste, besonders auch Jugendliche, willkommen. Jugendabteilung. Sonntag, den 1. November, abends 5 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15: Borlesung. Nachdem geselliges Beisammensein. Briefkaften der Redaktion. nicht zu finden. Schließlich fam man auf die Ver Nach dem Entwurf des preußischen Gesellschaftssteuergesetzes mutung, daß vielleicht die bor furzem neu aufgeklebten sollen der Gesellschaftssteuer unterliegen die Aktiengesellschaften und Tapeten bleifarbenhaltig sein tönnten. Im Schlafzimmer Kommanditgesellschaften auf Aftien, Berggetvertschaften, diejenigen des Sohnes, der auch am stärksten erkrankt war, wurde eingetragenen Genossenschaften deren Geschäftsbetrieb über den Streis in der Tapete der höchste Bleigehalt gefunden. Hier wurden auf ihrer Mitglieder hinaus geht und Vereine, einschließlich eingetragener einem Quadratmeter Tapete 1,4 Gramm Bleichromat oder chrom- Genossenschaften, zum gemeinsamen Einkaufe von Lebens- oder saures Blei nachgewiesen. Nach Entfernung der Tapete besserte sich hauswirtschaftlichen Bedürfnissen im großen und Absaz im kleinen, das Befinden der Bewohner wieder. Die Entstehung der Vergiftung auch wenn ihr Geschäftsbetrieb nicht über den Streis ihrer Mitglieder. war durch Berühren der Wände mit den Händen, Verstauben und hinausgeht, sofern diese Vereinigungen in Preußen ihren Siz haben Die furiftifche Sprechstunde findes Lindenstraße Nr. 8, weiter Festhaften an den Kleidungsstücken zu erklären. Durch andauernde oder Grundeigentum befizen, oder Gewerbe oder Handelsanlagen Sof dritter Eingang, vier Treppen, Fahrstuhl Buführung Kleinster Mengen des kumulativen Giftes war es zu den oder sonstige gewerbliche Betriebsstätten unterhalten. wochentäglich abends von 7 bis 9% Uhr statt. Geöffnet 7 The Das von der Staats, geschilderten Erscheinungen gekommen. Steuerpflichtig ist der Betriebsgewinn, der sich aus den Buchstabe und eine Zahl als werkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Aufrage ift ein anwaltschaft gegen die Tapetenfirma eingeleitete Verfahren Jahresabschlüssen ergibt, mit der Maßgabe, daß mit dem fich wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Brieffaften können 14 Tage mußte eingestellt werden, da eine Fahrlässigkeit bei der Herstellung steigernden Betriebsgewinn der Steuerbetrag steigt von 2 Proz. vergehen. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. der Tapeten nicht vorlag und ein Verbot der Benuzung bei einem Gewinn von nicht mehr als 1 Proz. bis 7,4 Proz. bei Adam und Eva. 1. Rellamieren Sie und teilen Sie der Kirchen bon Bleichromat zu diesem 8 mede bisher nicht be- einem Betriebsgewinn von 18 Prog. und mehr. Bei den gemeinde mit, wann und bei welchem Gericht Sie ausgetreten sind. 3. S. 27. 1. Za. steht. Bleichromat folte zur Herstellung von Tapeten überhaupt steuerpflichtigen Genossenschaften beträgt die Steuer höchstens fünf stredung ab und erstatten Sie event. Strafanzeige. 2. Das genügt nicht. 3. Barten Sie den Versuch einer Zwangsvoll nicht verwendet werden dürfen, wenn nicht durch einen Ueberzug Prozent. Weiterhin sind eine Anzahl Mitteilungen in dem Entwurf 2. Nein. W. S. Der Gefeßentwurf ist dem Reichstage noch nicht vorüber die Farbe ein Abstauben desselben sicher verhindert wird. Da enthalten, die feststellen, was als nicht steuerpflichtiger Gewinn angelegt. Sm übrigen wenden Sie sich an die Reichstagsfraktion. dieser Schutz aber kaum durchgeführt werden würde, so sollte dessen gefehen werden soll. Es sind dadurch den Aktiengesellschaften eine St. 20. 234. Da Sie im Jahre 1907 aus der Stirche ausgetreten sind, haben Berwendung hierzu ganz verboten werden, wie dies betreffs des nette Auswahl von Mitteln an die Hand gegeben, sich um die Sie nur die bis zum Schluß des Jahres 1908 fällige Stirchensteuer zur Schweinfurter Grüns geschehen ist, das früher auch viel zur Tapeten Steuer zu nicht unerheblichen Teilen zu drücken. Wie will die zahlen, nicht aber die auf das erste Quartal 1909 entfallende Nate. bedruckung gebraucht wurde. Chromgelb oder Bleichromat können Steuerbehörde z. B. feststellen, ob eine Kapitalserhöhung nicht den Seifert. Die Gerichtsurteile lauten verschieden. Das Reichsgericht hat sehr gut durch andere unschädliche Farben ersetzt werden. Zweck hat, das Grundkapital zu verwässern und die Dividende je nach der Feststellung des Landgerichts, ob eine besondere Geschicklichkeit Chromgelb wird aber nicht nur zum Bedrucken von Tapeten, fünstlich niedrig zu halten? Oder will die Steuerbehörde der oder im wesentlichen der Zufall entscheidet, freisprechende und verurteilende sondern auch zur Herstellung von Chromolitho Wohlfahrtspflege Bügel anlegen, wenn von dem Reingewinn ftellung von sogenannten Bigarren und Geldautomaten als verbotenes Erkenntnisse bestätigt. Ueberwiegend wird angenommen, daß die Aufgraphien, Abziehbildern und dergleichen vielfach Summen zu Unterstützungs- oder ähnlichen Zwecken reserviert werden, Glüdspiel zu betrachten ist. D. 2. 76. Das ist möglich, jedenfalls verwendet. Auf der im vorigen Jahre im Reichstage in Berlin natürlich unter Verwaltung der Gesellschaft, und so steuerfrei werden. machen Sie den Bersuch. B. W. 360. Ja. abgehaltenen hygienischen Ausstellung war vom Reichsgesundheitsamte Und wenn die großen Gesellschaften den Großattionären Repräsen vorgesezte Behörde erteilt in der Regel leider solche Erlaubnis. Inwieweit und vom hygienischen Institute der Universität Würzburg eine Anzahl tationsposten aniveisen, die exklusiv hoch befoldet werden, wie wolle bie Rechte aus dem Mietsvertrage gehen, ist ohne Einsicht in denselben solcher Bildchen, mit denen vielfach die Kinder spielen, und daneben man an solcher indirekten Dividende die Steuerschraube anfeßen? nicht zu beantworten. F. D. 90. Der Chef ist im Recht. 2. B. 275. die von den Bildern leicht abgelösten Mengen von Bleichromat aus Die Großindustriellen scheinen die Steuer anscheinend auch wenig geber auf Verlangen angemessene Zeit zum Aufsuchen eines anderen Arbeits Nach der Kündigung eines dauernden Arbeitsverhältnisses hat der Arbeit gestellt, die zum Teil recht bedeutend waren. Daraus ließ sich die zu fürchten. Trotzdem reizt die Frage: weshalb greift die verhältnisses zu gewähren. Ein Abzug vom Lohn findet nicht statt. Kommt Gefahr ermessen, die das Indenverkehrbringen solcher Bilder zur Regierung nur diese eine Form des Stapitals an und läßt eine Vereinbarung über die Frage der Angemessenheit nicht zustande, so Folge haben tann. Diese Verwendung von Chromblei sollte das übrige ungeschoren? Daß die Regierung dies nicht un- enticheidet auf Anrufen das Gericht. 3. 2. 5. 1. 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Mahlo: Schmiergelder wären, sondern es sei so zu verstehen, daß Ich bin doch nicht der Verteidiger Fischers. Heine: Aber derjenige, der durch Verwendung von schlechtem Papier den Ge- Sie lassen den Vorwurf, den Sie selbst für un schäftsgewinn bergrößern helfe, vom Geschäft 1000 m. als An- berechtigt halten, auf ihm sißen. Auf weitere Fragen erkennung bekommen habe. Auf wiederholte Fragen des antwortet Mahlo: Kein Mensch im Geschäft habe Borsitzenden und des Rechtsanwalts Heine: Wer denn die 1000 m. geglaubt, daß Fischer Schmiergelder nebme, Im Dezember vorigen Jahres brachte die„ Post" einen Artikel, bekommen haben folle, gab terhäuser nach mehrfachem Aus- es sei auch davon nicht im Geschäft gesprochen worden. worin behauptet wurde, Genosse Richard Fischer habe als Ge- weichen die Antwort: Herr Nahn, der Oberfaktor des„ Vorw.", Heine: Wissen Sie, wer von den Angestellten des schäftsführer des Vorwärts" bei Anschaffung neuer Maschinen im ist damit gemeint. Jahre 1903 Schmiergelder von den Maschinenfabrikanten erhalten „ Vorwärts" der Bost" Mitteilungen gegen Fischer zugestellt? Rechtsant. Heine: Der ganze Artikel, in dem von der Mahlo: Nein. Heine: Die Bost" hat nämlich auch ihren und angenommen. Die Sache sei so behauptete die" Post" Papiergeschichte die Rede ist, ist eine Polemik gegen Fischer. Wie Vertrauensmann im Vorwärts". weiter in einer Versammlung des zweiten Wahlkreises zur Sprache können Sie denn Nahn in diese Angelegenheit hineinbringen? Die vom Angeklagten vorgeschlagenen Zeugen Massini, gekommen, Fischer habe dort die Tatsache selbst zugegeben und er- Reghäuser: Ich habe Fischer nicht gemeint., Heine: Schliebs und Döblin, sowie die weiteren Zeugen Lieps flärt, es sei allgemein üblich, derartige Provisionen anzunehmen, Aber Sie haben doch gesehen, daß die Notiz als eine Berdächtigung mann und Rautmann wissen nichts davon, daß Fischer darauf habe man ihm die Schmiergelder belassen. Nachdem Ges Fischers aufgefaßt wurde, Fischer hat sich doch in hahnebüchener Schmiergelder erhalten oder daß gar in Parteitreisen dergleichen bes noise Fischer im Vorwärts" diese Behauptungen der" Post" als Weise dagegen gefehrt. Er hat den Urheber der Notiz kannt getveien sein soll. elenden Schwindel gekennzeichnet und die Klage angekündigt einen Schuft genannt und geschrieben: Schlimmer wie Dr. Eduard Götz( Herausgeber der Korrespondenz Infor hatte, wiederholte die" Post" in einem zweiten Artikel dieser Schuft ist der literarische Bravo, der diese Be- mation") ist als Zeuge dafür benannt, daß die Redaktion der" Post" den Anwurf gegen Fischer und setzte hinzu, die Sache Hauptung verbreitete. Das richtete fich gegen Sie! Warum wußte, die Behauptungen gegen Fischer seien unwahr, daß sie fei ja in den Kreisen unserer Partei allgemein bekannt. Mehrere haben Sie nicht darauf geantwortet. Warum haben Sie dieselben aber trotzdem verbreitet habe. Benge Götz gibt an, Blätter druckten die unwahren Angaben der" Post" mit Behagen nicht erklärt, daß Sie Fischer in jener Notiz nicht gemeint er gebe eine Korrespondenz heraus, die an etwa hundert Zei nach. Genosse Fischer stellte Strafantrag bei der Staats- hätten? Reghäuser: Aber ich bitte, Fischer hätte tungen verschickt wird und vorwiegend Material gegen die anwaltschaft, diefelbe lehnte aber die Verfolgung der Beleidiger ab, mich doch berklagen fönnen. Vorsitzender: Warum Sozialdemokratie verbreitet. Er wisse nicht, was er in dieser Sache weil fein öffentliches Jutereffe vorliege! Fischer forderte dann haben Sie nicht auf Fischers Abwehr geantwortet?- Reghäuser aussagen solle.- Borsigender: Es wird behauptet, der Artikel im Wege der Privatflage die Redakteure der Blätter, welche den Ich habe ja im Korrespondent" geantwortet. Heine: Auf der" Post", rühre vom Polizeirat Dr. Henninger her. Herr Anwurf verbreitet hatten, vor Gericht. Die Angeklagten nahmen in diesen Artikel Fischers haben Sie nicht geantwortet. Also auf Dr. Henninger hat sein Zeugnis darüber verweigert, der Gerichtsverhandlung ihre Angaben zurück und gaben eine rück- Rahu soll sich Ihre Notiz beziehen. Wissen Sie nicht, daß es beziehungsweise gesagt, er habe den Artikel nicht veranlaßt. haltlose Ehrenertlärung für Fischer ab, worauf dieser die Klagen Fischer ist, der die Abschlüsse über Papierlieferung au machen Beuge Gös gibt zu, daß er mit dem Polizeirat zurüdzog. Nur gegen die, Post" hielt Fischer die Klage aufrecht. Zwar war hat? Rerhäuser: Es ist ja gar feine Rede Dr. Henninger, dem Chef der politischen Polizei, auch der angeflagte Post"-Redakteur Petersen bereit, dem bon Anschaffung bon Papier, fondern von in Verbindung steht, von diesem Informationen, Genossen Fischer eine Ehrenerklärung zu geben. Aber damit konnte Lieferung an die Maschinenmeister. Heine auch folche gegen die Sozialdemokratie erhält, sich Fischer nicht zufrieden geben, weil die" Post" fein Blatt ist, mit In der Notiz heißt es: Papierabschluß. Damit kann doch aber den fraglichen" Post"-Artikel habe er nicht verfaßt, auch keine dem man einen Vergleich schließen fann. nur der Einkauf von Papier gemeint sein. Auf weitere Informationen dazu geliefert; auch habe er der Post" nicht mitGestern fand nun vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte ein Fragen antwortet erhäuser, er wisse nichts davon daß geteilt, daß die Behauptungen gegen Fischer nicht zutreffen.- Rechtserneuter Termin statt. Obgleich der Angeklagte bereits im Fischer bei Papiereinkäufen Schmiergelder erhalten habe.- Heine: anwalt Heine: Dieser Artikel ist nur ein Teil aus einer Reihe von vorigen Termin zugegeben hatte, daß der Inhalt seiner Fischer hat doch die Angaben Ihrer Notiz als infame Ver Artikeln, in denen die Rede ist von sozialdemokratischen Ver Artikel nicht wahr ist, wollte er doch im gegen le um dung bezeichnet. Warum schrieben Sie nichts dagegen? schwörungen, Waffenfunden in der Bankstraße und dergleichen. Rühren wärtigen Termin den Wahrheitsbeweis antreten. Bu Neghäuser: Ich habe keine Veranlassung gegen Fischer zu die Informationen zu diesen Artikeln vom Polizeirat Dr. Henninger diefem Zwed hatte der augeklagte" Post"-Redakteur einen unfang- polemisieren. her? Die Anwälte des Angeklagten schnellen von reichen Zeugenapparat aufgeboten, eine große Zahl von Personen, Bors. Nach der Entgegnung Fischers auf den Artikel im ihren Sigen und protestieren gegen diese Frage. die leitende Stellen im Buchdruckerverband und in der Partei ein- Korrespondent" ist damals geschrieben worden: Unsere Behauptungen Rechtsanwalt eine begründet die Berechtigung dieser Frage. nehmen, sollten zugunsten der" Post" als Beugen auftreten. Neben hat er nicht widerlegt. Reghäuser: Niemand hat im„ Storr." Der Vorsitzende erklärt die Frage für nicht zur Rerhäuser, Döblin, Maffini, Schliebs waren die Mitglieder der behauptet, daß die Notiz nicht widerlegt ist. Bori: Dann Sache gehörig. Breßlommission des Vorwärts", der Neunerfommission und die hätten Sie erklären müssen, daß Fischer mit der Notiz nicht gemeint Auf die Vernehmung der übrigen Zeugen verzichtete der AnFirmenträger des Vorwärts"-Geschäftes geladen. Es war eine sei. Reghäuser: Nach der Art und Weise. wie ich geklagte. stattliche Versammlung von Partei- und Gewerkschaftsfunktionären, vonifer angegriffen bin, hatte ich feine Beranlassung, Ebenso wird auf die nochmalige Verlesung der im vorigen welche die„ Post" als Zeugen vor Gericht zitiert hatte. diese Behauptung zu widerrufen.- Vors.: Das hatte jeder an- Termin verlesenen, in fommissarischer Vernehmung erfolgten Aus. Den Borsig im Gerichtshof führte Amtsgerichtsrat Jodisch.- ständige Redakteur nach meiner Meinung in diesem Falle!- Reg fagen der Maschinenlieferanten der Borwärts" Regfagen Der Kläger Fischer war durch Rechtsanwalt Wolfgang häufer: Gine tiefe Feindschaft gegen Fischer hinderte mich, zu Buchdruckerei verzichtet, die allesamt erklärt haben, daß Fischer Seine, der Beklagte Petersen durch die Rechtsanwälte schreiben, daß nicht er, sondern Rahn gemeint ist. Vors.: Jst teinerlei Provision von den Lieferungen be. Hercher und Müller vertreten. Vor Eintritt in die Verhand- Ihnen irgendwie das geringste bekannt, daß Herr Fischer sich zogen hat. lung regte der Borsigende einen Bergleich an. Fischer erklärte, irgend welche unerlaubte persönliche Vorteile verschafft hat?- Die Beweisaufnahme ist also geschlossen. warum er sich im vorigen Termin nicht mit dem Angeklagten vert erhäuser: Nichts! glichen habe. Rechtsanwalt eine bemerite: Wir sind zum VerDie Plädoyers. Fischer hat a n. " Muffial, im an, gleich bereit, wenn uns die Person genannt wird, von der die" Post" Schriftsetzer in der Vorwärts"-Druckerei, hat auf den Artikel, den Rechtsanwalt eine gab in seinem Plädoyer eine Dars ihre gute Information" hat. Der Angeklagte lehnte es ab, feinen Fischer zur Abwehr der 1000 Mark- Geschichte im Vorwärts" stellung des Inhalts der beiden" Post"-Artikel und führte dann Gewährsmann zu nennen, und der Vorsitzende verwies darauf, daß veröffentlichte, eine es doch allgemein Brauch sei, daß ein angeklagter Redakteur feinem Namen veröffentlicht. Als Beuge gab Entgegnumg " Korrespondent" unter ungefähr aus: Alles, was in diesen Artikeln über den Kläger bcZeuge gab Mussial hauptet worden, ist nicht nur nicht erwiesen, sondern den Verfasser des unter Anflage stehenden Artikels nicht nenne. er habe sich durch eine Wendung in Fischers Artikel vers durch die Beweisaufnahme vollständig widerlegt. Der Rechtsanwalt Heine: Das trifft zu und ist berechtigt, soweit es fönlich getroffen gefühlt und deshalb dem Korrespondent" Gegner hat nicht einmal den Versuch machen können, seine Be fich um anständige Journalisten handelt. Hier handelt es sich aber eine Entgegnung eingesandt. Auf die 1000 M.- Angelegenheit selber hauptungen als wahr zu erweisen. Auch die weitergehende Be. um einen gewiffenlosen Verleumder. Wenn ein solcher einen habe sich seine Entgegnung nicht bezogen.- Borsigender: hauptung der Artikel, daß es in Parteitreisen längst bekannt war, Redakteur anligt und ihn dadurch auf die Anklagebant bringt, Sie wußten doch, daß sich Fischer durch die 1000 M- Notiz getroffen baß Fischer Schmiergelder nehme, ist durch Vernehmung aller so ist der Redakteur durchaus berechtigt, ihn zu nennen. Das ver- fühlte. Mussial: Das wußte ich nicht. Borj.: Davon Zeugen, die etwas davon wiſſen müßten, widerlegt worden. Die stößt in feiner Weise gegen die Pflicht zur Wahrung des Redaktions- wollen Sie nichts gewußt haben? Sie polemiſierten doch gegen clitet, für die der Angeklagte verantwortlich ist, tennzeichnen sich geheimnisses. Fischers Artikel? Mussial: Nein, nur gegen die Wendung, die als eine ganz frivole Beleidigung eines seit langer Zeit im öffentHierauf trat das Gericht in die Verhandlung der Sache selbst fich auf mich bezog. Das andere ging mich gar nichts lichen Leben stehenden ehrenhaften Mannes. Die Redaktion der ein. Der Angeklagte erhob Heine: Es ging Sie nichts an, wenn behauptet wird," Post" hätte sich sagen können, daß ihre Angaben unmöglich wahr Widerklage daß folche Schweinereien vorkommen in dem Geschäft, sein können, denn in einer Partei, die mit 100 000 Augen auf die und stützte dieselbe auf drei Artikel des Vorwärts", welche in wo Sie tätig find?- Mussial: Nein. Mussial: Nein. Die Schmier- Handlungen ihrer Führer, sieht, hätten solche Dinge, wenn sie fcharfen Worten gegen die Lügen der" Post" polemisteren. Die geldernotiz ging mich nichts an. Borsigender: passiert wären, nicht unbekannt und nicht ungeahndet bleiben Widerflage hätte natürlich nur dann Aussicht auf Erfolg haben Sie nennen das eine Schmiergeldernotiz. Rerhäuser hat tönnen. Das hätte die Redaktion der" Post" wissen müssen, wenn können, wenn Fischer die betreffenden Artikel entweder verfaßt, ber uns aber gefagt, er habe nicht Schmiergelder gemeint. Wie fommen sie die Verhältnisse in der Partei so kennen würde, wie sie vorgibt, anlaßt oder sonst beeinflußt hätte. Um nach dieser Richtung geft. Sie zu der Ansicht, daß doch Schmiergelder gemeint find? fie zu kennen. Seit Jahren sollten, nach der Behauptung der stellungen zu machen, werden zunächst die Genossen Bebel und Muffial: Wir haben uns im Vorwärts darüber unterhalten." Post", diese Dinge bekannt sein. Wenn das wahr wäre, dann Singer fowie Davidsohn und eber vernommen. Diese Wir waren der Meinung, daß Fischer gemeint sei und daß ihm vor- hätte doch die" Post", die nur von Skandalaffären lebt, und die vier Zeugen befundeten übereinstimmend, daß Fischer in feiner Be- geworfen werden solle, er habe Schmiergelder angenommen. Keiner schwersten Angriffe gegen die Führer der Partei zu führen pflegt, ziehung zu den für die Wiederklage herangezogenen Artikeln steht. von uns hat aber daran geglaubt, daß Fischer überhaupt Schmier- diese Dinge längst in ihrem Sinne ausgenußt. Die Behauptungen Neben den„ Post"-Artikeln spielte auch ein Artikel des gelder angenommen hat. Heine: Nach Neghäusers Angabe ist der Post" grenzen an verleumderische Beleidigung, ,, Korrespondent" für Deutschlands Buchdrucker ihm die Mitteilung über die 1000 M. von einem im Vorwärts" sie sind ein Ausfluß der nichtswürdigen Kampfes eine erhebliche Rolle in der Verhandlung. Etwa ein Jahr vor dem Beschäftigten zugegangen. Wenn Sie nun über diese Angelegenheit weise, die darin besteht, daß man dem politischen Erscheinen der" Post"-Artikel brachte der„ Korrespondent" eine Notiz an den„ Korrespondent" schrieben, lag es da nicht nahe, daß Sie Gegner die persönliche Ehre abzuschneiden sucht. des Inhalts, den Maschinenmeistern des Vorwärts" werde schlechtes Fischer und das Geschäft von dem Vorwurf zu reinigen suchten und Der Angeklagte hat sich zur Rechtfertigung seines Verhaltens auf Papier geliefert und X. 9. 8. erhalte 1000 M. für guten Papier- daß Sie dem„ Korrespondent" mitteilten, wir alle im Geschäft halten einen Artikel des Storrespondent" bezogen. Dadurch ist uns nun abschluß." Ja Bauer, das ist ganz was anderes", hieß es daß Fischer das nicht auf sich siten lassen werde. diese Notiz für eine Verleumdung?- Mussial: Wir wußten, Gelegenheit gegeben worden, noch ein zweites Berleumdernest ausam Schluß der Notiz Heine: Also zunehmen. Reyhäuser reproduziert die ihm zugegangene Notiz Diese Notiz ist allgemein als sie wehren sich in Ihrem Artikel dagegen, daß der arme Nerhäuser, über 1000 M. für guten Papierabschluß in einem längeren Artikel, eine gegen Fischer gerichtete Verdächtigung aufgefaßt worden, der eine unwahrheit verbreitet, ein literarischer Bravo genannt wird, der sich ausschließlich gegen Fischer wendet und als der Vorwurf, er taufe schlechtes Papier und erhalte Sie sagen aber nichts davon, daß Sie alle die Ber- heut sagt er, diese Notiz bezieht sich nicht auf dafür 1000 M. Schmiergeld vom Fabrikanten. dächtigung Fischers für unbegründet halten. feinerzeit die in der Korrespondent"-Notiz enthaltene versteckte mufiial: Sterhäuser war doch durch Fischer ungerecht angegriffen. anderen Leute, auch die, welche Herrn Rerhäuser nahestehen, Fischer, sondern auf Rahn. Wir haben hier gehört, daß alle Berleumdung im Vorwärts" mit sehr scharfen Worten gegen ilrheber und Verbreiter derselben zurüdgewiesen. Vorsitzender: Reghäuser hat doch eine haltlose Verdächtigung die Notiz anders aufgefaßt haben, als er fie aufFischer hat Rerhäufer nicht wegen dieser Angelegenheit verklagt, weil die berbreitet, und da sagen Sie noch, Reghäufer war ungerecht angefaßt haben will. Muffial und Mahlo sind es, die diesen Handhabe dazu fehlte, denn Fischer war nicht so deutlich in der fie, Fischer wehrt sich dagegen, und das soll ein ungerechter Fischer geführt haben. Sie sind in den Verdacht geraten, daß gegriffen? Reghäuser befommt eine falsche Nachricht, er berbreitet Feldzug Schulter an Schulter mit Reghäuser gegen Korrespondent"-Notiz bezeichnet, daß er hätte flagen fönnen. Jetzt fagt der angeklagte Post"-Nebakteur, er habe glauben ugriff auf Reghäuser sein? Sie sind der Weinung, daß fie die Notiz an Nerhäuser gegeben haben. Mahlo hat diescu tönnen, daß Fischer bei der Maschinenanschaffung Schmiergelder Reghäusers Angabe unwahr ist und sagen trotzdem, Rerhäuser ist ungerecht Borwurf von sich abgewiesen. Mussial ist noch weiter gegangen. erhalten, habe, denn Fischer habe ja nicht gegen den Korrespondent" angegriffen! Heine: Sie mußten doch der Wahrheit die Ehre geben Er hat Fischer den Kopf gewaschen, weil dieser seinen( Wuffials) geflagt, der ja auch den Vorwurf erhoben habe, Fischer lasse und in Ihrem Artikel sagen: Allerdings hat Rerhäuser etwas be- Freund einen literarischen Bravo genannt hat. Beide Herren, hauptet, was bei uns tein Mensch glaubt. Auf weitere Fragen Wahlo und Mussial, haben gewußt, daß die Notiz fich schmieren. Die Beweisaufnahme hatte hiernach sowohl den Inhalt der antwortet der Zeuge Mussial: Er wisse nichts davon, daß als Vorwurf der Bestechung Fischers ausgelegt Die Beweisaufnahme hatte hiernach sowohl den Inhalt der Korrespondent"-Notiz als auch der" Post"-Artikel zum Gegenstand. Fischer jemals Schmiergelder erhalten habe; er, Beuge, habe die wird. Sie haben gewußt, daß der Vorwurf keine 1000 Mark- Notiz nicht verfaßt, er fenne auch den Verfasser nicht. Spur von Berechtigung hat. Keiner von beiden hat cs Es handelte sich also um die Feststellung, ob Fischer jemals Schmier- Borsigender: Was ging Sie denn Nerhäuser an, daß Sie ihn aber für nötig gehalten, diefem Verdacht, der auf die Ehre Fischers verteidigt haben? Mussial: Das ist meine Privatsache. und des ganzen Geschäftes geworfen war, entgegen zu treten. Genosse Bebel, der als erster Zeuge zu diesem Punkt vernommen wurde, sagte aus, ihm sei nichts davon bekannt, daß Fischer Schmiergelder erhalten habe, auch sei eine derartige Anschuldigung fie gesagt hätten, daß der Vorwurf unberechtigt ist. Das haben sie Eugen Ernst sagt aus, er wisse nichts davon, daß Fischer Mussial und Mahlo würden sich selber geehrt haben, wenn jemals Schmiergelder erhalten habe. Wenn das der Fall gewefen wäre, würde er, der Zeuge, als einer der Firmenträger des" Vor- gegen Fischer in Parteifreisen nicht erhoben worden, auch ist es aber nicht getan. Als die Notiz im Storrespondent" erschien, tvärts", sofort die Abiegung Fischers veranlaßt haben. Fischer ver- nicht wahr, daß Fischer, wie es in der" Post" heißt, den habe ich mit Fischer darüber gesprochen, ob es nicht angebracht sci, walte das„ Vorwärts"-Geschäft in jeder Hinsicht so gut, als ob es Empfang der Provisionen zugestanden haben soll. Empfang der Provisionen zugestanden haben soll. In demselben Rerhäuser zu verklagen. Ich war aber der Meinung, Rerhäuser fein eigenes wäre. Es liege nicht der geringste Anlaß vor, an der Sinne bewegte sich die Angabe des Zengen Oberfaktor Rahn. Auf würde sagen, die 1000 M. sollten nicht auf Schmiergelder hinRedlichkeit Fischers zu zweifeln. Genosse Bebel ist überzeugt, daß" Borwärts"-Geschäft tätig sein solle, antwortete der Beuge, er tenne dem bekommen hatte. Heute sagt uns Reghäuser, Fischer sei überdie Frage, ob er den Verfasser der 1000 M. Notiz fenne, der im deuten, sondern auf die Gehaltserhöhung, welche Fischer kurz vordie Behauptung, Fischer habe Schmiergelder angenommen, eine Verden Verfasser nicht. leumdung ist. Bors.: Wenn ein Angestellter so etwas haupt nicht gemeint. Eine Klage gegen Rerhäuser hätte alfo Singer fagte als Zeuge in demselben Sinne aus. Wenni gegen das Geschäft schreibt, dann liegt es doch nahe, daß man den keinen Erfolg gehabt, und deshalb ist fie gar nicht erst erhoben Fischer Schmiergelder bekommen häfte, dann würde es der Geschäfts- Betreffenden ausfindig zu machen sucht und ihn rausschmeißt. worden. Wenn die" Post" das als ein Bugeständnis Fischers aus. leitung des„ Vorwärts" betannt geworden sein. Es ſei ſicher, bat fiicher: Es ist mein Grundsaß, daß wegen Beleidigung meiner legt, so ist das eine merkwürdige Ansicht. Die" Post" wußte doch, Fischer nichts Derartiges erhalten habe. Redakteur Ströbel Berson niemand aus Arbeit und Brot gebracht wird. Aus diesem daß sich Fischer gegen die Notiz Rerhäusers gewehrt und daß er war als Beuge geladen, weil die Bost" behauptet hatte, in der Ne- Grund sind auch die Herren Mussial und Mahlo noch heute im nicht zu dem Vorwurf geschwiegen hat. Dieser Fall kann also daktion des Vorwärts" und in Parteifreisen sei bekannt geworden „ Vorwäris" beschäftigt. der Bost" nicht als Entschuldigung dienen. und habe daselbst großes Aufsehen erregt, daß Fischer Schmiergelder bekommen habe. Ströbel befundet, daß davon nichts befannt tvar und vor dem Erscheinen des Post"-Artifels auch nicht über derartige Sachen gesprochen worden ist. Der nächste Zeuge war Reghäuser, gelder erhalten habe. Beuge " Mahlo, - An einer hohen Bestrafung Petersens liegt dem Kläger nichts. Im würde es genügen, wenn Petersen nur mit drei Mark bestraft würde, denn es kommt dem Schriftfeger im Vorwärts", gibt an, er habe die 1000 M.- Notiz Kläger nur darauf an, daß die unwahrheit der weder verfaßt noch sie veranlaßt. Er halte den Verfasser für einen gegen ihn gerichteten Verdächtigungen er Kollegen aus dem Maschinensaal. Rechtsanwalt Heine hält wiesen wird. Ich stehe in dieser Hinsicht auf einem anderen auch diesem Zeugen vor, daß er sich im Korrespondent" zu der in Standpunkt. Als Anwalt bin ich zur Teilnahme an der RechtsRedakteur des Rorrespondent". Auf die Frage, ob er wiffe, wer Rede stehenden Angelegenheit geäußert, daß er gewußt habe, der pflege berufen. Im Interesse der Justia selbst bein der von ihm beröffentlichten Notiz mit dem X. 9. 3. Borwurf der Bestechung werde auf Fischer beantrage ich deshalb eine erhebliche Freiheitsstrafe. Petersen als gemeint sei, der für guten Papierabschluß 1000 Mark bezogen, daß er ferner gewußt habe, dieser Vor- Mensch tut mir ja leid, daß ihn eine solche Strafe trifft, denn Tommen haben folle, antwortete Neghäuser: Fischer ift wurf sei unbegründet, und daß er trotzdem nicht die er ist ja nur ein Werkzeug der Verläumder, die anderswo fizen. nicht damit gemeint. Ueberhaupt sei die Notiz falsch aufgefaßt Gelegenheit benugte, um zu sagen, daß er die Im Interesse der Justiz also beantrage ich eine erhebliche gebrauchen. Hierzu bemerkte Rechtsanwalt eine: Dieser Ausdrud stamme daher, daß der verstorbene Freiherr von Stumm als Geldgeber der" Post" bor etwa 13 Jahren mit Bezug auf einen Artikel Der" Post" in einem Briefe schrieb:" Welcher Esel hat denn das wieder geschrieben." Er, Seine, halte es nicht für geschmackvoll, wenn diese Bezeichnung jezt, nach 13 Jahren immer wieder im Vorwärts" gebraucht wird. Aber deswegen müsse sich Herr Petersen mit den Redakteuren des Vorwärts" auseinanderseßen. Der Kläger Fischer habe damit nichts zu tun. Wenn Fischer Redakteur des" Borwärts" wäre, würde er diesen Ausdruck nicht Fischer: Ich stehe hinsichtlich der Klage auf einem anderen Standpunkt wie mein Berteidiger. Ich habe geklagt, weil mir unehranhafte Handlungen borgeworfen werden und ich meinen Wählern und meinen Parteigenossen gegen über den Nachweis führen lassen muß, daß an den mir gemachten Vorwürfen kein wahres Wort iſt. Gine hohe Bestrafung des Beklagten fordere ich nicht. Einer seiner Verteidiger hat die Angriffe Nerhäusers auf mich als aus der Partei tommend bezeichnet. Das ist ganz unberechtigt. Rerhäuser will als Sozialdemokrat nicht anerkannt und will feiner fein. Er ist ein Feind der Sozial demokratie wie die Bost"! Freiheitsstrafe Samit nicht dem Verdacht Raum ge-, den Zollwucher herbeigeführte ungeheuere Steigerung der Fleisch-, Bürgertum herausbilden und so entstanden im Süden gewiffe geben wird, die schwere Beleidigung, begangen preise, die fo hoch sind, daß sogar ein Oberpostassistent mit über liberale Emrichtungen, die allerdings auch in den wirtschaftlichen gegen einen sozialdemokratischen Reichstags- 2800 M. Gehalt das Fleisch als einen seltenen Zugusartikel an- Verhältnissen mitbegründet sind. Im Norden, besonders in den abgeordneten, werde milder bestraft als die sehen muß. In diesem Zusammenhang ließ Genoffe Ströbet agrarischen Gegenden, besteht schon seit längerer Zeit ein schroffer Beleidigung anderer Leute, beispielsweise die eines treffende Schlaglichter auf die Vorlage zu einem neuen preußischen Gegensatz zwischen der fleinen Zahl der Befißenden und der Leutnants, die fürzlich an einem Redakteur von einem hiesigen Beamtenbesoldungsgesetz fallen, die er am selben Tage im großen Zahl der Nichtbesitzenden. Im Süden dagegen herrscht in Gericht mit 1% Jahren Gefängnis gefühnt wurde. Die Landtage gründlich kritisiert hatte, und verurteilte scharf die Be- den ländlichen Gegenden der Kleinbesitz vor, es besteht eine viel Abmessung der Strafe lege ich in die Hände des Gerichts. nachteiligung und elende Bezahlung, namentlich der Unterbeamten größere Gleichmäßigkeit der Besitzverhältnisse wie im Norden. Wo Rechtsanwalt ercher führte aus, es müsse zugegeben wie der Staatsarbeiter. Ferner wies der Redner, gestützt auf ein die fchroffen wirtschaftlichen Gegenfäße nicht vorhanden find, da verden, daß der Wahrheitsbeweis nicht gelungen ist und daß reiches Zahlenmaterial, nach, daß das immer mehr anschwellende stehen die Menschen sich natürlich auch gesellschaftlich näher als Der Kläger niemals Schmiergelder empfangen Reichsdefizit, die grenzenlofe Schuldenwirtschaft, Folgen des unter anderen Verhältnissen und die gesellschaftlichen Beziehungen habe. Aber es diene zur Entschuldigung des Angeklagten, daß Militarismus und Marinismus sowie der Stolonialpolitik find, die, wirken wieder auf die politischen Verhältnisse ein. In den er von einer Seite informiert worden sei, die er als zuverlässig weit davon entfernt, echte Kultur zu verbreiten oder dem deutschen großen Städten und den Industriegegenden des Nordens häuften fannte. Der Angeklagte sei ja zu weit gegangen, aber der Vor- Wolfe Nuken zu bringen, nur zur Bereicherung einzelner Kapi- fich große Arbeitermassen an. Sie bildeten naturgemäß einen wärts" brauche doch auch scharfe Ausdrücke gegen die" Post". Er talisten dient und Greueltaten wie die des Prinzen Arenberg und günstigen Boden für das starke Wachstum der Sozialdemokratie. bitte um eine milde Strafe. feinesgleichen zur Folge hat. Nun sollen ja in Deutsch- Südwest. Die schroffe, feindselige haltung, welche die Besitzenden und Rechtsanwalt Müller suchte die Widerklage zu begründen afrika Diamanten gefunden worden sein; man wird aber gut tun, Herrschenden, ja fast das ganze Bürgertum in Norddeutschland und den Angeklagten mit ähnlichen Argumenten, wie sie sein Mit- erst einmal abzuwarten, ob es wahr ist. Wenn es wirklich der Fall seit jeher gegen die Sozialdemokratie und die Arbeiterbewegung berteidiger gebrauchte, zu entschuldigen. Auch Rechtsanwalt ist, was haben die deutschen Proletarier davon? Ebensowenig wie eingenommen hat, verschärften die Gegenfäße zwischen der Sozial Müller verwies auf scharfe Ausdrüde des Borwärts" und hob die in Massen hungernden englischen Proletarier von den demokratie und den bürgerlichen Parteien noch. Unter solchen besonders hervor, daß die Redakteure der" Post" vom„ Borwärts" Diamanten in Britisch- Ostafrika. Im weiteren Verlauf seines Umständen konnte natürlich die Sozialdemokratie nicht in enger " Boftefel" genannt werden. Vortrages schilderte der Redner die neuen Steuerpläne der Reichs- Fühlung mit dem Bürgertum heranwachsen. Anders in Süd regierung und ihres Anhanges. Er erwähnte die Wehrsteuer oder deutschland. Während die norddeutschen Arbeiter, aufgewachsen Krüppelsteuer, die Erhöhungen der Bier- und der Branntwein in der strengen Klassenscheidung, die sich hier längst bollzogen hat, steuer, der Tabaksteuer, die Banderolensteuer für Zigarren sowie in ihrem natürlichen Klassengefühl gewissermaßen geborene Sozialschließlich die Gas- und Elektrizitätssteuer, dieses geheim gehaltene demokraten find, mußten in Süddeutschland, wo die Klaſſengegen Projekt, das der„ Vorwärts" an die Oeffentlichkeit gebracht hat, fäße bei weitem nicht so start ausgebildet waren, die sozialdemo und wies nach, daß alle diese Steuern einen durchaus volksfeind- kratischen Gedanken lediglich durch Propaganda verbreitet werden. lichen Charakter tvagen, daß aber die notwendigen Mittel leicht Biele, die bei den Wahlen für uns stimmten, sahen in dem Sozialburch eine verhältnismäßig geringe Reichseinkommen-, Vermögens- demokraten nicht den Vertreter der Arbeiterklasse, sondern nur den und Erbschaftssteuer von den besibenden Klassen aufgebracht werden Mann der entschiedenen politischen Opposition. Uebrigens waren könnten. Aber die herrschenden Klassen wollen die Lasten auf das die Gegensäße zwischen Sozialdemokratie und Bürgertum in den arbeitende Volt abwälzen und handeln nach dem Sat: Nehmen füddeutschen Städten seit je schroffer wie auf dem Lande, wo die ist feliger denn geben. Das entspricht dem Charakter des Klaffen- Gegenfäße infolge gleichmäßigerer wirtschaftlicher Verhältnisse staates. Darum müssen wir den Kampf führen gegen diesen und gesellschaftlicher Beziehungen nicht so start in die Erscheinung lassenstaat mit aller Tatkraft. Da genügt es nicht, Versamm getreten find. lungen abzuhalten und Protestresolutionen anzunehmen. Wir müssen vielmehr alle Arbeiter organisieren, und alle müssen die Parteipreffe abonnieren. Es ist eine traurige Tatsache, daß selbst in Berlin noch so viele Proletarier die gegnerische Presse unter stüben, daß ein Blatt wie die Morgenpost", als es jüngst um leberweisung sozialdemokratischer Bersammlungsanzeigen nach fuchte, erklären konnte, bei dem hohen Abonnentenstande liege dies wohl im eigenen Interesse der sozialdemokratischen Partei. Nur wenn die Arbeiterschaft ihre eigene Presse liest, wenn sich jeder Genosse zum Agitator ausbildet, werden wir in der Lage sein, die des Gerichts erging dahin: Der Angeklagte Beterfen wird wegen Rämpfe, die uns bevorstehen, wie auch den Wahlrechtskampf öffentlicher Beleidigung zu 200 M. Geldstrafe eventuell 20 Tagen energisch zu führen. Wenn wir ftola fein fönnen auf die Kämpfe Gefängnis und zur Tragung der Kosten verurteilt. Der Wider unserer Genossen unter dem Sozialistengejek, so sollen wir auch bellagte wird freigesprochen. Dem Kläger wird das dafür sorgen, daß unsere Nachkommen einmal stola fein fönnen Recht zugesprochen, das Urteil im Vorwärts" und auf die Kämpfe, die wir führen, schloß der Redner. Der inhalt in der oft auf Kosten des Angeklagten zu ber- reiche Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Zur öffentlichen. In der Begründung des Urteils fagte der Vorfigende Distusfion meldete sich niemand. Nachdem der Vorsitzende im unter anderem: Der Wahrheitsbeweis ist nicht er- Sinne der Schlußworte des Referenten zu energischer Tätigkeit für bracht. Der dem Kläger gemachte Borwurf ist widerlegt und es die Partei und für die politische wie gewerkschaftliche Organisation ist festgestellt worden, daß dem Kläger Fischer absolut tein Borwurf aufgefordert hatte, wurde die Versammlung mit brausenden Hoch gemacht werden kann. Das hat auch der Angeflagte nicht rufen auf die Sozialdemokratie geschlossen. bestritten. Hinsichtlich des Strafmaßes ist zu berücksichtigen, daß Petersen nicht Täter im gewöhnlichen Sinne, sondern nur der juristisch verantwortliche Angeklagte ist. Er hat den Artikel nicht felbst geschrieben, er stüßt sich auf die Information eines Mannes, den er als zuverlässig kennt, er war auch schon im vorigen Termin bereit, feine Behauptung zurückzunehmen. Auch der Fall Reghäuser ist für den Angeklagten nicht ohne Bedeutung. Fischer hätte wohl die Möglichkeit gehabt, gegen Rerhäuser zu flagen. Daß er es nicht getan hat, ist fein Vorwurf für ihn. Aber diefer Umstand fonnte doch den Angeklagten Petersen in der Annahme bestärken, daß seine Information zutreffend sei. Das alles fommt strafmildernd in Be tracht. Wäre Petersen der Verfasser des Artitels. dann hätte ihn eine Freiheitsstrafe treffen müffen. -Für die Widerflage ist fein Beweis erbracht, deshalb mußte der Widerbeklagte freigesprochen werden. " Das Urteil " Verfammlungen. Ueber die Reichsfinanzreform sprach der Landtagsabgeordnete Ströbel am Dienstag in einer zahlreich besuchten Versammlung, die den großen Saal der Brauerei Groterjan samt den Nebenräumen füllte. Der Redner erinnerte zunächst an die Reichsfinanzreform vom Jahre 1906, jene große Schröpfung des deutschen Volkes, deren Ertrag nach den bewilligten neuen Steuern auf 180 Millionen berechnet war, die allerdings nur 150 Millionen ergeben hat, die aber weit übertroffen wird von der nun vorgeschlagenen Finanzreform. Mit Recht bezeichnete der Redner diesen Plan als ein neues unerhörtes Attentat auf die Taschen des arbeitenden Voltes. Fließen doch die Reichseinkünfte faft ganz aus indirekten Steuern, die schwer auf der Arbeiterschaft laften und andererseits einen Tribut an die Agrarier und Industriellen bilden. Der Redner erwähnt hier namentlich die durch Gebrüder Herrnfeld. Die beiden Für den Inhalt der Inserate Bindelbands. Borher: Intern. übernimmt die Redaktion dem Künstler- Teil. Publikum gegenüber feinerlei Apollo. Eine luftige SpreewaldVerantwortung. Theater. Freitag, den 30. Dtober. Anfang 7%, Uhr. Rönigl. Opernhaus. Butterfly. Madama Rönigl. Schauspielhaus. Wie bie Alten jungen. Deutsches. Fiesto. Stammerspiele. Eine Heirats geschichte.( Anfang 8 Uhr.) Anfang 8 Ubr. Neues Königl. Opern- Theater. Der Herrgottschniger von Ammergau. Neues. Der deutsche Graf. Neues Schauspielhaus. Das Frau lein in Schwarz. Berliner. Der Traum ein Leben. Westen. Der fidele Bauer. Lessing. Der Raub der Sabinerinnen. Kleines. Lady Frederik. Komische Oper. Tiefland. Resibenz. Kümmere dich um Amelie. Sebbel. Der Liebhaber. Schiller 0. sauner. Der Familientag. Theater.) Schiller Charlottenburg. Julius Cafar. fahrt. Spezialitäten. Metropol. Donnerwetter Ios. tadel Wintergarten. Spezialitäten. Balage. Spezialitäten. Kafino. Familie August Knoche. Spezialitäten. Stettiner Sänger. Reichsballen. Walhalla. Spezialitäten. Urania. Taubenstraße 48/49. 8 Uhr: Der Montblanc. Hörsaal 8 Uhr: Dr. P. Schwahn: Die Bewegungen der Weltförper. Sternwarte, Invalidentz. 67/62. | Die politische Situation in Nord- und Süddeutschland lautete das Thema eines Vortrages, den Genosse Eichhorn am Dienstag im sozialdemokratischen Verein des fünften Wahlkreises hielt. Einleitend sagte der Redner, er wolle nicht über die in letzter Zeit diskutierten parteipolitischen Gegensäte sprechen, welche awischen den nord- und den süddeutschen Genossen bestehen. Die wirtschaftlichen und allgemeinpolitischen Verhältnisse in Nordund Süddeutschland, aus denen sich die verschiedene Auffassung unseres Verhältnisses zu den bürgerlichen Parteien erkläre, sollen Gegenstand der heutigen Erörterungen sein. Den interessanten Ausführungen, die der Redner in dieser Hinsicht machte, lag ungefähr folgender Gedankengang zugrunde: Der Süden Deutsch lands rühmt sich, liberaler zu sein als der Norden. Diese Meinung herrscht nicht nur in bürgerlichen Kreisen, sondern bis weit in unsere Reihen hinein. Vom bürgerlichen Standpunkt aus betrachtet, hat die Politik in den füddeutschen Staaten auf den ersten Anblick wirklich einen liberaleren Anstrich als wie die Politik in Norddeutschland. Allerdings schwindet auch der süddeutsche Liberalismus in nichts, wenn man ihn vom Standpunkt des sozialdemokratischen Programms betrachtet. Diese liberalere Strömung im Süden hat ihre Ursache in den dort herrschenden politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen. Die füddeutschen Staaten, welche durch Napoleon I. als neue Gebilde aus einer Anzahl fleiner und leinster Staaten geschaffen wurden, fonnten sich nach Napoleons Sturz nur dadurch in ihrer derzeitigen Gestalt er halten, daß sie dem Bolte gewisse, wenn auch nur geringe, liberale Ronzessionen machten. So kamen die süddeutschen Staaten schon im zweiten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts zu Verfassungen, während zu jener Zeit in Norddeutschland an ein Verfassungswesen noch gar nicht zu denken war. Auch der geistige Einfluß der großen französischen Revolution machte sich in Süddeutschland in viel höherem Maße geltend als in Norddeutschland. Aus diesen Gründen konnte sich in Süddeutschland ein politisch selbständiges Schiller- Theater. O.( Wallner- Theater.) Freitag, abends 8 Uhr: Der Familientag. Luftspiel in 3 Alten v.Gustav Stadelburg. Sonnabend, abends 8U br: Die Zwillingsschwester. Sonntag, nach m. 3 br: Der rote Leutnant. Sonntag, abends 8 Ubr: Die Zwillingsschwester. Montag, abends 8 Uhr: Die Zwillingsschwester. 0 Schiller Theater Charlottenburg. Freitag, abends 8 Uhr: Julius Cäsar. Trauerspiel in 5 Aufzügen von William Shakespeare. Sonnabend, abends 8uhr: Der Graf von Charolais. Sonntag, nadm. 3 Ubr: Götz von Berlichingen. Sonntag, abends 8 Ubr: Der Graf von Charolais. Montag, abends 8 Ubr: Der Graf von Charolais. Neues Theater. Zirkus Schumann. Abends 8 Uhr: Der deutsche Graf. Schauspiel in 5 Aften v. Bollmoeller. Morgen und folgende Tage: Der deutsche Graf. Kleines Theater. Abends 8 Uhr: Lady Frederick. Sonnabend: Musik. Sonntag: Mufit. Friedrich Wilhelmstädt. Shan Theater des Westens. spielhaus. Die zärtlichen Ver wandten. Thalia. Bruder Straubinger. Luisen. Stolz der Stadt. Bernhard Moie. Philippine Welser. Bürgerl. Schauspielhaus. Unfere Frauen. Trianon. Die Liebe wacht. uitivtelbaus. Die Tür ins Freie. Neues Operetten. Die Dollar prinzessin. Berliner Operetten Theater SW. Havana Allabendlich 8 Uhr: Der fidele Bauer. Sonntag nachm. 3 Uhr zu halben Breisen: Die lustige Witwe. Fröbels Allerlei- Theater Schönhauser Allee 148. Konzert, Theater und Spezialitäten. Heute Freitag, den 30. Oktober, abends präzise 7, Uhr: Vorwiegend humoristisches Programm. Achtung! Sonnabend wiederum sensat. neue Debuts! U. a.: Zum erstenmal Der lebende Kreisel in Europa: Mons. Menneret, direkt aus Amerika. Mons. Macartés Baboons. U. a. noch nie dagewesen! Affen als Kunstradfahrer, Chauffeure, Jongleure und Schellenspieler. Absolute Novität! Panamahüte- und Keulenjongleure The Mc. Bans. Sonntag in beiden Vorst. nachm. ein Kind frei. Lustspielhaus.| Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Abends 8 Uhr: Die Tür ins Freie. Freitag, 30. Dit., Sinf. 8 Uhr: Die zärtlichen Verwandten. Luisen- Theater, Abends 8 Uhr: Stolz der Stadt. Komödie in 5 Aften von Gustav Bied. Sonnabend nadjm. 4 Uhr: Dorn röschen. Abends: Wilhelm Tell. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Kriemhilds Rache. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Die Berliner Theater. fieben Raben. Abends: Eine tolle Nacht. Sonntag nachm. 3 Uhr: Aus. gewiesen. Abends: Stolz der Stadt. Montag: Eine tolle Nacht. Anfang 8 Uhr. Der Traum ein Leben. Morgen: Der Clown. Es ist also richtig, daß, vom bürgerlichen Standpunkt aus be trachtet, in gewisser Hinsicht im Süden ein liberalerer Geist herrscht als im Norden. Aber das, was man den preußischen Geist nennt, macht fich auch im Süden in der Verwaltung und Rechtsprechung mehr und mehr bemerkbar. In prinzipieller Hinsicht ist die Scheidung zwischen Sozialdemokratie und Bürgertum im Süden ebenso groß wie im Norden, wenn auch die Formen, in denen die Gegensätze zum Ausdrud fommen, im Süden milder sind als im Norden. Der einzige Vorteil, den wir uns ettva von einer Unterstützung der liberaleren süddeutschen Politik versprechen könnten, wäre der, daß es gelänge, den liberalen Geist au stärken, damit die süddeutschen Staaten als Sturmbod gegen die preußische Reaktion dienen können. Daran aber ist gar nicht zu denken. Das Reichsvereinsgefeh hat uns gezeigt und an der Eisenbahn, und der Finanzreform sehen wir es ebenfalls, daß das Umgekehrte der Fall ist. Nicht der süddeutsche Liberalismus überwindet die preußische Reaktion, sondern der Süden wird vom preußischen Geist beeinflußt, um so mehr, als auch im Süden die wirtschaftliche Entwickelung denselben Weg geht wie im Norden und infolgedessen auch die Klassenscheidung eine immer schärfere wird. Wir haben also nicht Rücksicht zu nehmen auf das liberale Bürgertum, sondern aus eigener Kraft unsere eigene Sache zu führen, bis wir zum Siege kommen. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Zur Diskussion meldete sich niemand. Es folgte eine längere Besprechung über die lebte Flugblattverbreitung. Zum Schluß erinnerte der Vorsitzende FriedLänder an die bevorstehenden Gewerbegerichtswahlen und forderte die Genossen auf, dahin zu wirken, daß die auf unserem Standpunkt stehenden wahlberechtigten Arbeiter in Massen an der Wahl teilnehmen. Die Dachdecker hielten am Sonntag ihre Mitgliederversammlung ab. Stolzenhain gab den Kassenbericht vom 8. Quartal. Danach belief sich die Einnahme auf 6836,80 m., die Ausgabe auf 5196,59 M., bleibt ein Bestand von 1640,21. Der Vorstand beantragte, Neubacher aus der Organisation auszuschließen, weil er unter dem tarifmäßigen Lohn von 82% Pf. gearbeitet und, troßdem er entlaffen war, sich wieder bei der Firma Otto angeboten hatte, wobei er äußerte, mit dem Verband wolle er nichts mehr zu tun haben. Der Antrag fand einstimmige Annahme. Auch Rölle hatte für 80 Pf. gearbeitet, aber auf Borhalt der Kollegen aus der Werkstelle die Arbeit eingestellt, als ihm die 82% f. nicht bewilligt wurden. Ihm wird eine Rüge erteilt. Görnis wies darauf hin, daß laut Tarif vom 16. Ottober an 8 Stunden gearbeitet werden muß und macht es jedem zur Pflicht, danach zu handeln. Dann erinnerte er an die im November stattfindenden Gewerbegerichtswahlen, die nunmehr eine weit stärkere Beteili gung erfordern, als es bisher der Fall war. Des weiteren streifte er die Leipziger Angelegenheit. Dort haben mehrere Kollegen sich abgesondert und einen Lokalverband gegründet. Ueber die näheren Umstände verlautet nichts näheres. Man habe aber ein Recht, zu verlangen, über die dortigen Borgänge in Kenntnis gefeßt zu werden. Urania. XIV. Saison! Wissenschaftliches Theater. Zirkus Busch. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Der Montblane. Invalidenstr. 57/62, im großen Auditorium. 8 Uhr: Dr. P. Schwahn: Die Bewegungen der Weltkörper. 19 Residenz- Theater. Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Kümmere Dich um Amelie." Schwank in drei Alten( vier Bildern) von Georges Feydeau. Morgen u. folg. Tage: Kümmere Dich um Amelie. Neues Operetten- Theater, Schiffbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Abends 8 Uhr: Die Dollarprinzessin. operette in 3 Bitten von Leo Fall. Rixdorfer Theater Bergstraße 147. Sonntag, den 1. November 1908: Alt- Heidelberg. Schauspiel in 4 ft. v. Meyer- Förster. Anfang 7 Uhr. Freitag, den 30. Oftober 1908, abends präzise 7%, Uhr: Gala- Abend. Lettes Auftreten bon Mr. Houdini. Morgen Sonnabend: Die Uessems! Gebr. Saxons Herrn Ernst Schumanns Reubrefs. Ilm 10 Uhr: Barbarossa!! Stöniggräger Str. 57/58. Anf. 8 Uhr: Hebbel- Theater Der Liebhaber. DERNHARD ROSE THEATED Gr. Frankfurter Str. 132. Abends 8 Uhr: Philippine Welfer. Historisches Schauspiel in 5 atten von Dslar v. Redwig. Anfang 8 Uhr. Wochentagspreise. Grand- Hotel- Festsåle B. Jehmlich. Am Alexanderplatz. Jeden Sonntag, Dienstag und Donnerstag: Wilh. Wolffs Hamburger Sänger. Anfang Sonntags 7 Uhr, wochentags 8 Uhr. Eintritt 30 Pfennig. 2161b+ Vorzugskarten haben wochentags Gültigkeit. Metropol- Theater Donnerwetter- tadellos! Täglich Uhr: Revue in 10 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Paul Lincke. Regie Direktor Schultz. WINDSTARTEN 765 Letzte Vorstellungen. Gebrüder Dritter Wahlkreis! 1. November, Danksagung. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme und zahlreichen Kranz spenden bei der Beerdigung meiner Sozialdemokratischer Wahlverein für den Herrnfeld- Oeffentliche Verfammlung für Männer Berliner Reichstags- Wahlers Anfang Theater. Vorverk 8 Uhr. 11-2 Uhr. 57 Kommandantenstr. 57. 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Abends 8 Uhr: Lene Land Paul Schneider- Duncker und das großartige Oktober Programm 14 neue VariétéSpezialitäten. Stettiner Sänger Unter anderem: Das lieben Frau, unferer guten Rutter, jagen vir allen Freunden und Befannten sowie dem Gesangverein " Borag unseren herzlichsten Dank. Otto Stegmann und Kinder. Bekanntmachung der Gemeinsamen Orts- Krankenkasse für 6. Tobes- Anzeige. Am Montag, den 26. Oktober, verstarb unser Mitglied, der Arbeiter Hermann Gohlke Schwedenstraße 18 c. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 31. Oftober, Casino- Theater Mariendorf und Umgegend. admittags 3½, Uhr, vom SchauLothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Am 9. November d. J., abends 7 Uhr, findet im Restaurant von Chausseeste. Nr. 304, die ur noch bis 5. November Parschke, zu Mariendorf, Familie August Knoche. Ordentl. General- Versammlung Die Dianabäder. Freitag, den 6. November Premiere: der Staffe statt, zu der die Herren Delegierten hierdurch eingeladen werden. Sonntag 4 Uhr: Hotel Klingebusch. 277/17 Tages Orbnung: 1. Neuwahl eines Arbeitgeberund zweier Arbeitnehmer: Dele: gierten für den Vorstand zur Wahlperiode für 1909-1911. 2. Wahl dreier Revisoren zur Königstadt- Kasino. Holzmarktstr. 72. Täglich: Theater- u. Spezialitäten- Vorstellung. Franz Sobanski, Emmy Lyon, Mr. Ferry, Les Forrés, Mr. Boston u. Stella, Nante Pohl- Prüfung der Jahresrechnung für 1908. mann, Eva Wagner, Anita u. Stefan Komaromy. Der arme Cafimir. Schwan! mit Gesang von Schmidt Hawkins. Nach der Vorstellung: Mittw., Sonnab., Sonntag: Tanz. Kottbuser Sanssouci, Straße 6. Direktion Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: Kränzch. Gr. Elite- Soiree TanzHoffmanns bon Norddeutsch. Sänger Gr. Erfolg aller Nummern! Beg. Sonnt. 5, wochent. 81. Gustav BehrensTheater. Goltzstr. 9. Echte Spreeathener. Boltsstück mit Gesang und Tana bon Walther Gericke. 3. Der mit einigen Alenderungen genehmigte X. Nachtrag zum Statut. 4. Der mit Herrn Dr. Gutsmann bereinbarte Bertrag für 1909. 5. Antrag der Aufsichtsbehörde um Rüdstellung des diesseitigen Antrages, betreffend die Abzweigung der Ort. schaften Budow, Groß- und KleinBiethen von dem diesseitigen Kassenbezirt. 6. Berlegung der Kassenstunden für die Werktage auf die Zeit von 8-2 Uhr. 7. Antrag zur namentlichen Bekannt gabe der Arbeitgeber in den Jahresberichten der Stasse, bei denen die hause( Hannoverschestraße) aus nach dem Pauls Kirchhof in Blößensee statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Deutscher Tabakarbeiter- Verband. ( Zahlstelle Berlin.) Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Zigaretten arbeiter Abraham Fiedler nach langem Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet heute, Freitag, den 30. Oftober, nach mittags 2, Uhr, auf dem Friedhof der Jüdischen Gemeinde in Weißensee statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Pfändungen zu den Forderungen der Zentralverband deutscher Staffe fruchtlos ausfallen. 8. Antrag der Kaffenbeamten um Ge währung von Beiträgen aus Kaffen mitteln zur Pensions- und Unfallversicherung. 9. Die gemeinschaftliche Errichtung eines Genesungsheims durch Orts. Strantenlaffen der südwestlichen Bor orte. 10. Berschiedenes, Etwaige Anfragen und Beschwerden oder dergl., zu denen die Einsichtnahme der Geschäftsbücher erforderlich ist, find mindestens 3 Tage vorher schriftlich einzureichen. Mariendorf, den 25. Dltober 1908. Der Vorstand. P. Saedler. Fr. Fischer. Schriftführer. Vorsitzender. IV. Abänderung des Statuts der versiegelte Brautpaar. Franz Helbig, Hausbiener: Dir. Gustav Ortskrankenkasse der Maler Urkomische Burleste. Anf. wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Reichshallen Restaurant: Großes Militär- Konzert. Bebrens, Wilhelm Henschel, Arbeiter: Regiss. Bernh. Lange. Außerdem die übrigen erftllasfigen Spezialitäten. Duskes Vitograph. Anfang 8 Uhr. Sonntags 6 Uhr. 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Staffenmitglieder unter 16 Jahren .96 1. • 72 36. 48 24 Diese Abänderung tritt mit dem Tage der Bekanntmachung in Kraft. Berlin, 20. Juli 1908. Der Vorstand. R. Dertel, Bors. Genehmigt durch Beschluß vom 22. September 1908. Der Bezirksausschuh zu Berlin, Abteilung II. Siber. ( L. S.) II C. 91 08. 1. 25105 Vorstehende Statutenänderung tritt am 2. November 1908 in Straft. Der Vorstand. E. Kruse, 2. Bors. Reste! Damentuche, schwarz und farbig. Costumes- Stoffe( neueste Muster, Astrachan, jeder Saison), Krimmer, Wollplüsch, Seidenplüsch, Velours du Nord, Sammet, Seide, zu Velvet etc. 4147L* Confektion Costumesröcke in großer Auswahl. Kottbuser Brauereiarbeiter Bahlstelle Berlin. Settion I. Am 27. Dttober starb nach langem Leiden unser Mitglied 44/5 und Kollege Emil Voigt ( gulegt in Pichelsdorf beschäftigt). Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, ben 31. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, auf dem Anstaltsfriedhofe in Buch statt. Bahlreiche Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Tischler Paul Neupert am 28. Dftober gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 31. Dftober, nachmittags 3, Uhr, von der Leichen halle des Thomas- Kirchhofes in Rigdorf, Hermannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. 92/14 Deutscher Metallarbeiter- Verband Berwaltungsstelle, Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Rohrleger August Mench gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, den 30. Dttober, nach mittags 3 Uhr, bom Kranken hause Friedrichshain aus nach Lichtenberg, Krugstege, statt. Rege Beteiligung erwartet 124/6 Die Ortsverwaltung. Am 29. Oftober 8 Uhr berschied im 49. Lebensjahre mein lieber Mann, der Puzer Paletots, Jacketts, Costumes and Paul Hellmich. C.Pelz, Straße 5. Charlottenburg, fake 13. 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November, abends 8 Uhr; in Kellers Festsälen am Freitag, den 6. November, abends 8 Uhr. Billetts für sechs Vortragsabende zum Preise von 60 Pf. sind in den Kreisen bei den Abteilungs- und Bezirksführern zu haben. Zur Lokalliste. Im IV. Kreis hat das Lokal„Köpenicker H o f", Kopenickcrstratze 174 den Inhaber gewechselt. Die jetzige Be- sitzerin, Frau Anna Eichler glaubt, aus den Besuch der Arbeiterkundschast verzichten zu können und ist daher auch nicht ge- willt, das Lokal der Arbeiterschaft zu Versammlungen zur Verfügung zu stellen. Wir ersuchen deshalb, vorstehendes zu beachten, speziell machen wir diejenigen Arbeitervereins, die dort vielleicht Ver- gnügungen abgeschlossen haben, ganz besonders darauf aufmerksam. Die Lokalkommission. Dritter Wahlkreis. Sonntag, den I.November, abends 6>/z Uhr, findet im Gewerkschaftshause, Engelufer 1ö(großer Saal) eine Ver- samnilung für Akünner und Frauen statt. Genosse Emil Dittmer spricht über„Darwinismus". Nach der Versammlung gemütliches Beisammensein. Entree inklusive Garderobe 20 Pf. Tanz frei. Lichtenberg. Heute abend im Lokal von Paul Schwarz, Dorsitraße, Vortrag in der Arbeiter-Bildungsschule über National- ökonomie. Die Wahlvereinsmitglieder haben hierzu nur einen monatlichen MtgliedSbeitrag von 2S Pf. zu entrichten. Um zahlreiche Beteiligung wird ersucht. Schenkendorf bei Königs-Wusterhausen. Die Mtgliederversamm lung des Wahlvereins findet Sonnabend, den 31. Oktober, abends 8 Uhr, im Lokale von Otto Paetsch statt. Tagesordnung: Bericht vom Parteirage. Referent: Genosse G r o g e r. Vereinsangelegen Helten. Verschiedenes. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet Der Vorstand. be All ihr Berliner J�achricbten. Zur Brotpreisfrage. Die Brotpreise und ihre Bewegung werden in Berlin, wie tannt, vom Statistische» Amt der Stadt dauernd beobachtet. monatlich zweimal wird in 40 Bäckereien Backware angekauft, Gewicht ernnttelt nnd danach der Preis pro Kilogramm berechnete Hierbei ergibt sich nun regelmäßig, daß der Ab st and zwischen dem Höch st preis und dem Minde st preis sehr er h e b I i ch i st. Nehmen wir als Beispiel die Ermittelungen von Anfang Oktober 1903. Während als Durchschnitt aus 40 Bäckereien für das Kilogramm Roggenbrot ein Preis von 30'/-, Pf. Heraus kam, war in einer Bäckerei der überhaupt niedrigste Preis 24 Pf. und in einer anderen Bäckerei der überhaup höchste Preis 40>/z Pf. Dieser Unterschied ist so groß, daß mancher verwundert den Kopf dazu schütteln wird. Im Fünf groschen-Brot bekam man in der einen Bäckerei f a st 4 V« P s u n d, in der anderen knapp 2,/a Pfund. Eine Familie, die in der ersterwähnten Bäckerei kauft und wöchentlich 7 Brote braucht, also volle 29 Pfd. verzehrt, würde in der anderen Bäckerei mindestens IIVz Brote kaufen mästen, um dasselbe Quantum zu bekommen. Die'M ehrausgabe für 4'/« Brote pro Woche würde 2,25 M. betragen, macht im Jahre 117 Mark. Angesichts so ungeheuerlicher Preisunterschiede muß sich dem Käufer die Frage aufdrängen, aus welchen Ursachen er sie sich zu erklären hat. Daß Brot, das nicht genügend ausgebacken ist und daher noch viel Wasser enthält, durch Mehrgewicht den Käufer täuscht, ist bekannt. Aber kein Brot kann so mangelhaft ausgebacken sein, daß so bedeutende Gewichtsdifferenzen herauskommen, wie wir sie oben angegeben haben. Auch die Unterschiede in den Herstellungskosten können unmöglich so groß sein, daß sie hinreichten, solche Ungleichheiten des Brotgewichts zu erklären, Es ist richtig, daß der eine Bäcker das Mehl, die Hefe, die Eeuerung usw. billiger als ein anderer einzukaufen in der age ist, richtig auch, daß der eine für seine Bäckerei nebst Verlaufsräumen usw. weniger Miete als ein anderer zu zahlen braucht, richtig ferner, daß der eine an den Löhnen noch mehr als der andere zu sparen versteht. Aber zu all' dem kommt als das vermutlich Wichtigste und Ausschlaggebende der Profit, den der Bäckermeister beansprucht, Man muß annehmen, daß auch in diesem Punkte sehr erheb- liche Unterschiede bestehen, und daß die Preisdifferenzen zu einem großen Teile aus der Höhe des Profites zu erklären sind. Interessant ist übrigens, daß der Abstand zwischen den Höchst und den Mindestpreisen""� Laufe der letzten Jahre immer größer geworden ist. Von Anfang Oktober 1904 bis Anfang Oktober 1903 stieg beim Roggenbrot der Mindestpreis pro Kilogramm von 19 Pf. aus 24 Pf., d. h, um etwas mehr als ein Viertel des früheren Preises, aber der Höchstpreis pro Kilo gramm von 27% Pf. aus 40% Pf., d. h. um annähernd die Hälfte deS früheren Preises. Wer kann sagen, wie das zu erklären ist? Hier wird die Brotpreis- Frage schon mehr zu einer Brot- Preis frage._ Ueber die Unfallstation am Marianuemtfer teilten wir vor einiger Zeit mit. daß dort die pflichr gemäßen Vor- kehrungen, den Hilfesuchenden die Auffindung der Unfallstation zu erleichtern, verabsäumt worden seien. Diese Unfallstation ist untergebracht sticht an der Straße im Vorderhause, sondern auf dem Hofe im Ouergebäude und zwar im erste» Stockwerk. Da auf demselben Grundstück ein Restaurant sich befindet, so bleibt bis etwa um Mitternacht die Haustür offen. Hilfesuchende können dann, ohne erst eine an der Straßenfront des Vorderhauses angebrachte Klingel benutzen zu müssen, über den Hof in daS Ouergebäude gelangen. Nun hatte man lange Zeit hindurch es für überflüssig gehalten, den Treppen aufgang zur Unfallstalion in den Nachtstunden dauernd zu be leuchten. Es scheint, daß jedesmal erst in dem Augenblick, wo von der Straße aus die Alarmglocke gezogen wurde, das Personal der Unfallstation die Treppe für kurze Zeit beleuchtete. Wenn aber ein Verletzter ahnungslos durch die offene Haustür den Hof betrat und selber den Weg zur Unfallstation suchte, so mußte er die dunkele Treppe hinauftappen. Ein bestimmter Fall solcher Art, den man>:ns gemeldet hatte, war uns Veranlassung, diesen skandalösen Zustand öffentlich zu be- sprechen. Personen, die einen schwerverletzten Mann zur Unfallstation brachten, waren genötigt, ihn im Dunkeln die Treppe hinauszuschaffen und im Dunkeln aus dem Treppenflur vor der verschlossenen Tür der Unfallstation lange zu warten, ehe sie sich Zutritt verschaffen konnten. Wir schilderten dieses Bor- kommniS und fügten hinzu, es fehle auch dem Klingelknopf an der Straßenfront ein Hinweis darauf, daß die Klingel zur Unfallstation führt, und obciiein bleibe die Transparcntlaterne die Nacht hindurch »nerleuchtet. Unser Artikel hatte einen schnelleren Erfolg, als wir selber zu hoffen gewagt hatten. Noch an demselben Tage, wo er veröffentlicht worden war, wurde die Laterne gereinigt, loas ihr lange nicht mehr passiert loar. Am Abend wurden in ihr die Gasflammen angezündet, seit langer Zeit zmn erstenmal wieder, und von «un an bekam auch der Treppenaufgang dauernde Beleuchttma für — s- die ganze Nacht. Außerdem wurde die Klingelleitung untersucht und anscheinend eine Reparatur an ihr vorgenommen, und es wurde unter dem Klingelknopf an der Straßensroitt ein besonderer Hinweis auf die Unfallstation angebracht. So schien alles in Ordnung zu sein, und wir freuten uns der rgsch eingetretenen, durch uns herbeigeführten Besserutig. Leider hat aber diese Besserung nicht lange borgehalten. Neuerdings ist uns mitgeteilt worden, schon bleibe wieder in der Nacht der Treppenaufgang unerleuchtet, sodaß Verletzte bezw. ihre Begleiter Mühe haben, die Unfallstatton zu sinden. Wir haben daraufhin in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch das Grundstück aufgesucht, durch die noch offene Tür den Hof betreten und im Ouergebäude uns selber davon überzeugt, daß die Treppe in der Tat unbeleuchtet war. Zwar gelangte von den aus dem Hofe befindlichen noch brennenden Laternen des Restaurants ein Lichtschein durch Tür und Fenster des Quergebäudes bis zu dem Treppenaufgang. Aber beim Transport verunglückter Personen besteht in dem auf Flur und Treppe herrschenden Halbdunkel die Gefahr eines erneuten Unfalles. Es ist geradezu unbegreiflich, lvarum die B e leu ch- tung derTreppe wieder unterbleibt. Eine gewöhnliche Gas- flamme würde in acht Nachtstunden etwa ein Kubikmeter Gas ver- brauchen, wofür 12% Pf. zu zahlen wären. Hat das Kuratorium der Unfallstationen angeordnet, daß die paar Pfennige ae- spart werden sollen? Oder hat die Leitung der Unfall- station am Mariannenufer selbstherrlich dekretiert, daß die dauernde Beleuchtung der Treppe überflüssig sei? Angesichts solcher Zustände kann man sich wirklich nicht wundern, wenn die Bevölkerung den Unfallstationen den letzten Rest des Vertrauens entzieht, das sie zu ihnen gehabt hat. Die Berliner Markthallen, die Schmerzenskinder von Berlin, wie sie der Stadtkämmerer nannte, dürften in nächster Zeit erhebliche Veränderungen erfahren. Bereits im April 1997 hat die Markthallendeputation einen An- trag unserer Genossen Hintze und Schubert angenommen, den Engros markt für Fleisch in die Nähe des Schlacht- und Viehhofes zu ver- legen. Auf dem großen Terrain zwischen Landsberger Allee, Kniv rodestraße und Ringbahn sollen Jö Hallen für den F l e i s ch m a r k und eine Kühlhalle errichtet werden, deren Kosten aus zirka acht Millionen Mark veranschlagt werden. Welche bedeutende EntWickelung der Fleischgroßhandcl genommen hat, beweisen folgende Zahlen: An Standinhaber waren vergeben im Jahre 1893... 1449 Quadratmeter „ 1896... 1769 „ 1900... 1921 .. 1903... 2404 Es waren also im Jahre 1903 955 Quadratmeter oder 66 Proz mehr besetzt wie im Jahre 1893 bei Eröffnung der Zentralballe 1A. Eine weitere Ausdehnung ist seitdem unmöglich, da weitere Räume nicht zu beschaffen sind. Auch der Handel mit Wild, Geflügel und Fischen hat sich stark entwickelt. Im vorigen Jahre wurden allein durch die städtischen Verkaufs vermittler verkauft: Rehwild 19 903, Damwild 3098, Rotwild 5790, Schwarzwild 1511, Hasen 175 922, Kaninchen(wild) 136,695. Fasanen 42,905, Rebhühner 196 476, lebende Hühner 109 354, Enten 14 847, geschlachtete Gänse 371220, geschlachtete Hühner 471 884, geschlachtete Enten 82 287; zusammen 1 622 812 Stück, während im Jahre 1906 diese Zahl noch um 200 000 Stück übertroffen lourde. Der Jahresumsatz in lebenden und toten Fischen durch die Fisch aukttonen belief sich auf 29 076 Zentner, wovon 13 087 Zentner auf lebende und 15 989 Zentner auf tote, d. h. Seefische entfallen. Eine ganz kolossale EntWickelung seit Eröffnung der Zentral- hallen aber hat der Handel mit Obst. Früchten. Gemüse, Kartoffeln, Räucherwaren usw. genommen; allein auf der Eisenbahnanlage der Zentralmarkthallen wurden ein- resp. ausgeführt: Im Jahre 1886 „. 1887 „ 1883 1393 1898 1903 „ 1907 eingeführt 4 Mill. Kilogr. 12„ 29,2„ 53,8„„ 71,7 96„„ 113,5. ausgeführt 0,6 Mill. Kilogr. 2,2. 4,0„ 4.2„ 4,2„ 6,1„„ 5 Während sich die Ausfuhr stets in bescheidenen Grenzen gehalten, hat sich die Einfuhr von 4 Millionen Kilogramm im Jahre 1886 auf 113.5 Millionen Kilogramm, also um oas 28 fache gesteigert. Eine weitere EntWickelung aber ist auch hier ausgeschloffen, da die Eisenbahnanlagen, auf welchen 50 Waggons gleichzeitig ausgeladen werden können, nicht mehr erweiterungsfähig sind: denn die Kosten dieser Erweiterungsanlagen würden Millionen verschlingen und doch nur notdürftige Abhilfe schaffen. Geradezu lebensgefährliche Zustände zeigen sich in den Morgen und Vormittagsstunden in den in der Nähe der Hallen belegenen Straßen. Die Kaiser-Wilhelm-Straße, Dircksenstraße, Gontard- und Panoramastraße, Neue Friedrichstraße. Rochstraße, Königsgraben usw. sind mit Fuhrwerken aller Art auf beiden Straßenseiten besetzt; mehr denn 1600 Schlächter- und Gemüsewagen suchen hier ihre Waren auö- und einzuladen. ES kann täglich beobachtet werden, daß nicht nur Marktwagen, sondern aucb Privatfuhrwerk und Auto- mobile über die Bürgersteige fahren und das Publikum gefährden. Aus diesem Grunde«klärte das Polizeipräsidium schon im Jahre 1901, als es die Einrichtung der Stadtbahnbögen 133/133 für den Fleischgroßhandel genehmigte, daß die Erlaubnis zu einer weiteren Vergrößerung der Zentralmarkthalle» an der bisherigen Stelle nicht erteilt iverden könne. Es müssen also auch für Großhandel mit Obst, Früchte, Gemüse usw. andere Räume beschafft werden. Die Markthallendepiitalion hat zu diesem Zweck das 65 000 Quadrat- meter große Terrain des alten Lehrter Güterbahnhofes in Aussicht genommen. Dieses Terrain dürfte sich für diesen Zweck ganz vor- züglich eignen, da die Zufuhr sowohl durch Eisenbahn wie auch durch Wasserverkehr genügend gesichert ist. Auf diesem Terrain sollen zu- nächst vier Pavillons mit Galerien und vier ohne Galerien er- richtet werden. Die Kosten dieser Anlage sind ganz er- hebliche; für den Grundcrwerb werden verlangt 7 500 000 M., Öt die Erbauung der 8 Pavillons sind 3 200 000 M. und für die Verzinsung des Kapitals während der Bauzeit 800 000 M. in Ansatz gebracht, so daß sich der Gesamtbetrag auf 16% Millionen stellt, lvährend die Erbauung unserer jetzigen beiden Zentralhallen nur 10 Millionen Mark kostete. An eine Verzinsung des Kapitals dürste vorläufig nicht zu denken ein, und so dürfte der Herr Kämmerer seine Sorgen um die Zu- kunst der Markthallen einstweilen noch nicht loswerden. Geradezu ttostlos sieht eS min aber in einigen unserer Detail- hallen aus, Während die Halle 12 auf dem Gesundbrunnen be- reits 1898 geschlossen wurde, da der Verkehr gleich Null war, wer- den jährlich die Ueberschüsse der Zentralhallen dazu verwandt, um eine Schließung der verkehrslose» Hallen zu vermeiden. In der Halle 3. Maucrstraße. sind zurzeit besetzt 25 Proz. der Stände, in der Halle 4, Dorotheenstraße, 39 Proz., in der Halle 11. Marheineke- platz. 33 Proz., in der Halle 10, Arminiusplatz, 23 Proz., und in drr Halle l3, Wöctherstcaße, 10 Proz. oller Stände. Die Verlvaltnng dürfte ernstlich daran zu denken haben, eine Schließung dieser Hallen vorzunehmen, da an eine Besserung dieser Verhältnisse nicht zu denken ist. Diese Hallen sind eben an zn verkehrslosen Straßen und Plätzen errichtet, daß sie vom kaufenden Publikum nicht aufgesucht werden. In Betracht zu ziehen ist auch die Entstehung der Warenhäuser, die Errichtung großer Spezialgeschäfte, welche oft weit größere Auslagen machen und ihre Waren zu Preisen anbieten, die in unseren Detail- hallen nicht möglich sind; hinzu kommt ferner die Eröffnung von Wochenmärkten in den Vororten und Privatmärkten in Berlin; auch die Konkurren, des Sttaßenbandels ist eine ganz erhebliche. Mit' der Frage der Schließung dieser Hallen hat sich, wie wir gestern berichteten, die Marklhallen-Deputalion bereits beschäftigt, ein defini- tiver Beschluß steht noch aus. An der Verlegung des EngroSmarkteL muß jedenfalls mit allen Kräften gearbeitet werden. Die Gesellschaft„Einküchenhaus", deren Einrichtung der„Vor- wärts" vor kurzem geschildert hat. läßt neuerdings in der Kuno- Fischer-Stratze, in Charlottenburg ein weiteres Gebäude aufführen, bei besten Ausführung für die Arbeiter manches zu wünschen übrig bleibt. Ueber die hier herrschende Arbeitsmethode geht uns folgender Bericht zu:„Schon an dem ersten Gebäude kam an Stelle des verdienten Lohnes am 10. Oktober ein Brief an. nach dessen Inhalt der betreffende bauausführende Untemehmer Lohn nicht zahlen könne, da er von der Gesellschaft kein Geld bekommen hätte. End- lich am 13. Oktober wurden die Arbeiter ausgelohnt; biS dahin hätte die Arbeit geruht. � � r, Am 17. Oktober haperte es von neuem mit der Lohnzahlung. Der Unternebmer erkürte, er habe nur 490 M. zum Lohnauszahlen für die Arbeiter erhalten; es erhielt jeder Beschäftigte nur einen Teil des Lohnes, der Rest folgte erst später. Wiederum hatte die Arbeit zwei Tage geruht. Am folgenden Sonnabend, den 24. Oktober, ging die Geschichte wieder los. Schon im Laufe des Tages merkte man auf dem Bau, daß etwas nicht stimmte; endlich sprach es sich herum, daß Geld zum Auszahlen des Lohnes nicht vorhanden wäre.— Nach Schluß der Arbeit ersuchte einer der Herren Gesellschafter den Bauunternehmer G. telephonisch doch sofort nach dein„Cafc Bismarck" am Charlotte, iburger Knie zu kommen. Da die Arbeiter mißtrauisch geworden waren, begleiteten sie ihn dorthin und über- führten sich per'önlich, daß ihm von einem der Herren Gesellschafter 409 M. ausgehändigt wurden und wieder mußten der Maurer- polier und einige Maurer und Arbeiter ohne Lohn ihre Wohnung aufsuchen. Auch da? zu verarbeitende Material ist nicht von einwand- freier Beschaffenheit. Die- Ziegelsteine ähneln in der Qualität denen, die an dem Unglücksbau am Königsweg verwandt wurden. Der Zement hat mehr die Eigenschaften des Frankfurter Schwarz. er kann wohl als Färbe-, nicht aber als Bindemittel in Frage kommen. Die mit diesem Material hergestellten Pfeiler lassen in den Mauerfugen nach zehn Tagen noch den Grad der Härte ver- missen, der eigentlich vorhanden sein müßte. Die Baupolizei hat deshalb auch die Weiterarbeit inhibiert und an die Bauleitung die Forderung gestellt, daß zunächst die mit diesem Zement hergeftellte» Tragepfeiler entfernt und durch andere aus besserem Material hergestellte ersetzt werden; so daß wieder die Arbeit stockt. Nebenbei sei bemerkt, daß bei der Ingebrauchnahme des ersten Ge- bäud-s dieses noch einen ziemlich unfertigen Charakter hatte, Treppengeländer vermisien ließ usw. Die Gesellschaft müßte es sich doch zur Aufgabe machen, erst die notwendigen Kapitalien zu sammeln, um nicht die Arbeiter, die sie beschäftigt, in steter Angst um ihren Lohn leben zu lassen. AuS der ElendSchronik. Auf dem Wannseebahnhof erschossen Hai sich gestern abend der wohnungslose 24 Jahre alte Kaufmann Walter Bartelt. Der Lebensmüde hat die Tat wegen NahrungS- sorgen begangen. Seit längerer Zeit stellungslos war es ihm nicht gelungen, wieder Beschäftigung zu erhalten und die Nahrungssorgen nahmen von Tag zu Tag immer mehr bei dein Aermsten zu. In der Verzweiflung griff B. zum Revolver; er jagte sich gestern abend aus dem Wannseebahnhof eine Kugel in die Brust und wurde sterbend nach der Charits gebracht.— Im städttschen Obdach in der Fröbelflraße ist gestern die loohnungslose 59 Jahre alte Witwe Betty Pitting vom Tode überrascht worden. Sie brach kurz vor dem Schlafengehen plötzlich leblos zusammen und war auf der Stelle tot; em' Herzschlag hatt» ihrem Leben ein jähes Ende bereitet. Gegen die kleinen Weihnachtshändler richtet sich folgende Bekamitmachnng des hiesigen Polizeipräsidenten: „Nach§§ 42b Absatz 5, 148 Nr. 6 und 148 Nr. 7d der Reichs. gewerbeordnung dürfen Kinder unter 14 Jahren auf öffentlichen Wegen, Straßen, Plätzen oder an öffentlichen Orten(einschließlich Schankwirtschaftcn) oder ohne vorgängige Bestellung von Haus zu Haus Gegenstände nicht feilbieten; ebenso dürfen Eltern, Erzieher oder Dritte Kinder unter 14 Jahren zu solchem Feilbieten nicht ausschicken oder anleiten, widrigenfalls Geldstrafe bis zu 150 M., im Unvermögensfalle Haft bis zu 4 Wochen verwirkt ist. Da die bei Anwendung dieser Vorschriften während der Weih- nachtszeit in Berlin bisher polizeilicherseits geübte Nachsicht viel- fach zu ernsten Mißständen geführt hat, so kann künftig auch zur Weihnachtszeit ein solches Feilbieten durch Kinder unter 14 Jahren nicht mehr zugelassen werden. Für die diesjährige Weihnachtszeit, und zwar für die Zeit vom 11. bis einschließlich 24. Dezember will ich jedoch auf Grund des§ 42b Schlußsatz der Gewerbeordnung noch einmal aus» n a h m s w e« s e ein solches Feilbieten durch Kinder gestatten, jedoch nur für Kinder über 12 Jahre und nur an Werktagsnach- Mittagen zwischen 5 und 8 Uhr. Auch muß jede? solche Kind eine von dem Rektor seiner Gemeindeschule vollzogene Ausweis- karte bei sich führen und den Polizeibeamten aus Verlangen vorweisen. Kinder, die diese Voraussetzungen nicht erfüllen, werden fortgewiesen. Uebertretungen werden nach den eingangs an- gezogenen Vorschriften geahndet." Zwei und dreiviertel Jahr unterwegs war eine Postkarte, die uns dieser Tage vorgelegt wurde. Diese lange Zeit hat eS bedurft, bis die Karte von Hamburg bis Berlin gelangte. Die Karte wurde am 31. Dezember 1905 in Hamburg zur Post gegeben und enthielt Neujahrswünsche an eine Berliner Familie. In Berlin wurde die Karte bestellt am 21. Oktober 1903, wie der Poststempel ausweist. Wo mag die Karte so lange gesteckt haben? Die Poliklinik Ziegelstraße 2 ist wieder eröffnet. Auge?» kranke werden daselbst werktäglich von 10% bis 12 Uhr uoeul- geltlich behandelt. Schon wieder eine Berkehrösperrunz. Au» Anlaß der am 31. d. M. vormittags 11 Uhr im Lustgarten stattfindenden Rekruten- Vereidigung werden von 10 Uhr vormittags ab bis nach beendeter Feier der Lustgarten, die Schloßfreiheit, die Schloß- und Kaiser» Wilhelm-Brücke für jeden Verkehr gesperrt. „Freiheit". Die Besprechung deS kürzlich im Luisen-Theatck aufgeführten politischen Schauspiels„Freiheit" von Karl Böttcher hat den Autor veranlaßt, uns mitzuteilen, daß er An- toß nehme an dem darin ausgesprochenen Zweifel an seiner Ueberzeugung, die tief und kräftig in der Arbeiterschaft wurzele, da er selbst aus dem arbeitende» Volke stamme. Speziell empfinde er die Worte:„er mache in Talmi-Sozialismus" als eine persönliche Ehrcnkränkung. Wolle er auö Geschäftsrücksichten in politischen Anschauungen„machen", so würde er nicht Stücke schreiben, denen wegen ihrer Tendenz die bestzahlcnden Hoftlieater von vornherein verschlossen seien, wie„Ausgewiesen", das zuerst über ein Jahrzehnt verboten war und noch jetzt der liebevollen Ver- folgung seitens der Polizei ausgesetzt sei, oder wie„Freiheit". Wir können Herrn Böttcher nicht zustimmen, daß in den oben angezogenen Worten eine persönliche Kränkung des Autors liege. Es hat dem Verfasser jener Besprechung und auch unö vollkcnunen ferngelegen, Herrn Böttcher persönlich zu kränken. Ftuertvchrbericht. Der erste Zug der Berliner Feuerwehr wnrde wegen eines Brandes, der in einer Mansardenwohnung des Seiten- flngels Rlulacksiraße 12 ausgebrochen war, alarmiert. Dort brannten die Schaldecke. Kleider, Möbel u. a. Der fünfte Zug hatte in der Köpenicker Straße 42 zu tun, wo das Zwischengebäll in Brand geraten war und aufgcrijjen werden mußte. Preßkoblenbrände beschäftiate» dt» Wehr tn der FriedrichIherger Straße 2, auf dem Nordbahnhof und an anderen Stellen. Mit einem kleinen Wohnungsbrande in der Jmmanuelkirchstratze 2g wurde die Feuerwehr schnell fertig. Ferner leistete die Wehr in der Liegnitzer Straße 41 mit einem Sauerstoffapparat Hilfe.— Die Schvueberger Feuerwehr löschte einen Zimmer Brand in der Speyrer Straße 20 und einen Preßkohlenbrand aus dem Bahnhof Friedenau-Wilmersdorf. Vorort- aedricbtens Nixdorf. Aeußerst rückständige Ansichten vertritt die Arnrendepuiation bei Besetzung von Ehrenämtern in den Armen- und Waisenlommissionen. Daß die dritte Abteilung im Prinzip davon ausgeschaltet wird, war man seit Jahren gewöhnt, daß aber Frauen, die doch auch vom Magistrat seit langer Zeit zur Armen- und Waiseirpflege als ebenso geeignet wie notwendig anerkannt werden, nicht die Gnade der Majorität dieser Deputation finden, ist ein starkes Stück. In der letzten Sitzung wurde eine Tischlerfrau für eine Armenkommission vorgeschlagen; der betreffende Arnrenvorsteher bat hierauf in einem Schreiben, die Deputation möge von der Wahl Abstand nehmen. Gründe: Mit dem Einziehen der„Dame" in die Kommission sei in Zukunft der Friede gestört, und mit der Eintracht und dem Hanno- nischen Zusammenarbeiten in der Kommission sei es vorüber. Der Herr Armenvorsteher fürchtet, daß die übrigen KommissionSmitgliedor dann ihre Tätigkeit einstellen würden. Diese Gründe waren sür die Majorität der Deputation durchschlagend, trotzdem von sozialdemokra- tischer Seite hiergegen Widerspruch erhoben und gesagt wurde, daß dieser Auffassung und Begründung für die Ablehnung jede Beweiskraft fehle. Die wahre Ursache, die politische Stellung der Tischlcrfrau wurde verschwiegen. Wäre die Frau eines Doktors, eines Hauswirtes oder eines Beamten in Vorschlag gebracht, so hätte man solche Gründe sicher nicht angeführt. Genug, die Drohung, daß die Kommission ihre Tätigkeit wegen der Tiscklerfrau einstellen könnte, wirkte,— man wählte die Frau nicht.— Ein Streitfall mit der Großen Berliner Straßenbahn soll gerichtlich zum AuStrag gebracht werden. Die Berliner Straßenbahn ist vertraglich verpflichtet, für jeden Unglücks- fall die Kosten zu tragen. Da zwei Unglücksfälle zurzeit vorliegen und die Berliner Straßenbahn sich weigert zu zahlen, wird dem- entsprechend beschlossen. Der wirtschaftliche Niedergang hat es mit sich gebracht, daß der Armenetat sür Bekleidung und Naturalien stark überschritten wurde. Da die Hauptausgaben noch bevorstehen. wurde beschlossen, bei der Stadwerordnetenversammlung zu diesem Zweck 2b00 Mark zu beantragen, desgleichen beim Etat Geburts- Hilfe 1325 Mark. Der Magistrat hält eS für notwendig, da in dem Etat 1000 Mark für Hauspflege eingestellt sind, dieselbe jetzt zur Anwendung zu bringen. Die kirch- lichen Hauspfleger— es sind sieben Schwestern— sind so überlastet, daß es ihnen unmöglich ist, auf diesem Gebiete noch mehr zu übernehmen; deshalb macht es sich notwendig, die HauL- pflege in städtischer Regie weiter zu entwickeln. Zu diesent Zwecke sollen aber noch»milde Gaben der Großindustriellen" in Anspruch genommen werden. Die Landesversicherungsanstalten Brandenburg und Berlin und Ortskaffen sollen ersucht werden, Beiträge zu leisten. Ein Stadtverordneter I. Klasse konnte eS nicht über sein christliches Herz bringen, dagegen Sturni zu laufen. Werde erst so etwas an- gefangen, meinte der Herr, dann gehe ein Tausend nach dem anderen zum Teufel. Um alle Ausgaben zu decken, werde man eine Erhöhung des Kommunalsteuerzuschlages von 100 auf 120 Prozent vornehmen müssen. Von unserer Seite wurde dem Herrn durch verschiedene Beispiele entgegengehalten, daß er sich bei patriotische» Festen nicht so knauserig zeige. Uebrigens sei die Hauspflege eine Borbeugungsmaßregel, um den Armenetat zu entlasten. Denn wenn die Frau im Hause krank daniederliege, seien die Kinder sich oft selbst überlassen, was den Mann häufig zwinge, der Arbeit fern zu bleiben. Dadurch werde der Mann nicht selten arbeitslos. Auf die Majorität waren diese Argumente von überzeugendem Einfluß. Zum Schluß wurde einem Antrage zugestimmt, für jede Waisenkolonie nur einem Waisenarzte die Behandlung der Waisenkinder zu über- tragen. Pro Kopf und Jahr sind 4 M. ausgesetzt. Krankenkassenwahlcn in Rixdors! Alle Mitglieder der hiesigen Ortskrankenkassen werden hierdurch aufgefordert, sich an der am Sonntag, den 1. November, in der Zeit von 10 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags stattfindenden Wahl der Delegierten der Arbeitnehmer zu beteiligen. Gewählt wird im Kassenlokal.Jdeal"pastage 12. J, Eingang von der Weichselstr. 3 aus 2. Hof, von Fuidastr. b5/S3 aus 8. Hof. Als Legitimation gilt das abgestempelte Ouittungsbuch. welches sich die Mitglieder vom Arbeitgeber aushändigen lassen müssen. Die Arbeitgeber wählen am Montag, den 2. November, von abends 6'/3 bis O'/a Uhr, ebenfalls im Kassenlokal. MS Legitimation gilt die letzte quittierte Beitragsrechnung. Um Irrtümer zu ver- meiden Bemerken wir. daß die Arbeitgeberlisie mit dem Namen G. Goliasch beginnt und mit Hoppe endet. Wir ersuchen die Arbeiter und Parteigenossen, sich recht zahlreich an beiden Tagen zur Ver- stigung zu stellen. Treffpunkt: Weichselstr. 8. Die Gewerkschaftskommissio». „Die Forderungen der Sozialdeuiokratie i» der Kommune" war das Thema, das in drei öffentlichen Versammlungen am Dienstag behandelt wurde. Im Hoppeschen Lokal sprach Genosse Dr. S i l b e r st e i n, bei Thiel Genosse W u tz k y und bei Felsch Gettosse Pagels. Bezugnebutend auf die Ende November dieses Jahres statt- findenden Stadtverordnetenwahlen wiesen die Redner darauf hin, daß jetzt die bürgerlichen Parteien wieder um die Gunst namentlich der unaufgeklärten Arbeiterschaft buhlen. Es sei daher dringend notwendig, die Taten der bürgerlichen Vertreter zu beleuchten. Eines der wichtigsten Gebiete sei die Volksschule. Zwar habe der frühere Stadtrat Weinreich, jetzige zweite Bürgermeister, gesagt:»Wir sind stolz auf unsere Volksschule." doch sei noch immer eine Klassen- frequenz von 55—53 Schülern vorhanden. Durch wiederholtes ständiges Drängen der sozialdemokratischen Fraktion sei es gelungen, daß jetzt die erste Schule(Boddinstraße) über Brausebäder verfügt. Die Schularztfrage werde zur reinen Komödie, wenn man berechne, daß auf mehr als 30 000 Kinder seit kaum einem Jahre ein einziger Arzt angestellt sei, während mindestens zehn Aerzte vorhanden sein müßten. In der Schuldeputation sei kein Arbeitervertreter, dafür aber außer dem Dezernenten und Bürgermeister Weinreich je ein Geistlicher der katholischen und evangelischen Kirche. ein ehcntaliger Gastwirt, ein Molkereibesitzer usw. Diese Herren be- säßen indes kein Rückgrat, erklärten sie doch bei Besetzung der Schul- dcputation, unsere Genosse» würden, falls sie gewählt werden, von der Regierung doch nicht bestätigt. Durch unermüdliches Eintreten der Arbeitervertreter sei es erst möglich geivesen, das Gewerbe- Schulwesen obligatorisch einzuführen. Ebenso trostlos sei eS mit der Armen- und Waisenpflege bestellt. Eine Wiiwe werde gezwungen, mit 5 M. Pflegegeld pro Kind auszukommen, seien 5— 6 Kinder vorhanden, dann müsse eins davon selbst ernährt werden. Viel Elend könnte beseitigt werden, aber für die Aermsten der Armen, für die Obdachlosen habe man keine Mittel übrig. Werden in dieser Hinsicht irgendwelche Verbesternngsanträge seitens unserer Vertreter gestellt, so stimme man geschlossen gegen dieselben. Den Geist in dieser Körperschaft charakterisiere ,o recht der Ausruf eines Mitgliedes:„Es gibt Arme, es gibt verschämte Arme, aber es gibt auch unverschämte." Der Autrag unserer Ge- Nossen, für die 5000 Mark, welche zur Einweihung des neuen RathanseS eingesetzt sind, lieber hungrige Schulkinder zu speisen, wurde glatt abgelehnt. Die Fraktion' werde aber nicht verfehlen, bei paffender Gelegenheit energischen Protest zu erheben gegen die Art der Verschleuderung kommunaler Mittel. Von den Rixdorfer städtischen Betrieben körnte man sicher nicht behaupten, sie seien Musterbetriebe, da»och Arbeitszeiten von 10—12 Stunden in den Arbeitsordnungen enthalten seien und die Löhne der Ver- besserung bedürfen. Wirkliche Fortschritte in der Kommunalpolitik seien nur von den Vertretern der dritten Klasse zu erwarten. Die Sozialdemokratie fordert auf Grund ihres Programms: Welilichkeit der SÄule, obligatorischen Sckulunterricht, unentgeltliche Lieferung aller Lehr- mittel, Schulärzte die auch behandeln sollen, Bäder, Schulkantinen zur Speisung von Kindern ufiu. Zur Erreichung aller dieser Forderungen müsse mrt Nachdruck die Einführung des allgemeinen, geheimen und direkten Wahlrechts für die Kommune verlangt werden. Die Referenten ernteten für ihre Ausführungen reichen Beifall. In der Diskussion meldeten Gegner stcki nicht zum Wort; sie zogen eS vor. nicht zu erscheinen. Dte Vorsitzenden der drei Versammlungen forderten zum Schluß alle Anwesenden auf. sich tatlräfttg an den Wahlarbeiten zu beteiligen und immer wieder neue Anhänger für unsere Ideen zu werben. Die Schule im Dienste der Kirche. Unsere heutigen Schulen, vor allem die Volksschule, stehen stark im kirchlichen Banne. Eine ganze Anzabl Stunden sind wöchentlich der Pflege der Religion gewidmet. Die Kinder werden mit Bibelsprüchen vollgepfropft und dadurch ihr Denken erheblich beeinträchtigt. Das scheint aber den Kirchengemcinden noch nicht zu genügen, sie wollen am liebsten die sämtlichen Schulkinder gleich in der Kirchs haben. Das be- zweckt ein EinladungSzeltel, den dieser Tage eine Schülerin in der Gemeindeschule in der Prinz-Handjerh-Straße von ihrer Handarbeitslehrerin bekam und den Eltern überbrachte. Nach diesem Zettel ladet im Namen der evangelischen Kirchen- gemeinden Deutsch-NixdorfS der erste Pfarrer(Voigt) zurReformations- 'seier zu Sonnabend, den 31. Oktober, vormittags 8 und 10 Uhr, zum Kindergottesdienst an verschiedenen Predigtstätte» ein. Den Kindern ist gesagt worden, sie sollte» sich Sonnabend in der Schule versammeln, um von da gemeinschaftlich nach der Kikche zu gehen. Wie kommt die Lehrerin zu dieser Anordnung? Wer hat diese Be- stimmung getroffen? Der Kuchenbesuch ist ein freiwilliger, niemand kann hierzu gezwungen werden. Selbst die Schulbehörde kann rechtlich eine solche Verfügung nicht erlassen. Kirchenbesuch gehört nicht zum Schulunterricht. ES wäre wünschenswert, wenn sich die Schulbehörde hierzu äußert. Groft-Lichterfelde. Rm Sonntag, den I. November, findet eine Besichtigung der Arbeiter-WohlfahrtS- Ausstellung in Charlottenburg statt. Der Sammelpunkt ist Chausseestr. 104, Restaurant Richter. Der Abmarsch pünktlich um l'/a Uhr. Die Besichtigung ist unentgeltlich. Die Ge- nofien werden um rege Beteiligung ersucht. Schönederg. Bei den Delcgiertenwahlen der Arbeitnehmer für die Ortskranken» lasse wurde die Liste der von der Gewerkschaftskommission aufgestellten Vertreter mit 2231 Stimmen gewählt. Die Beteiligung an der Wahl war eine schwache. Bei der Wahl der Arbeitgeber, die einige Tage vorher stattfand, war eine äußerst schwache Beteiligung zu ver- zeichnen. Von 3000 Arbeitgebern beteiligten sich nur 44, etwas über 10 Proz. Der Liste des Handwerkervereins stand eine andere Liste nicht gegenüber. Daher der wohlfeUe Sieg. Weihensee. Bei den Delegieftcnwahlen zur hiesigen Ortskrankenkasse wurde die Liste des Gewerkschafiskartells der Arbeitnehmer wie� Arbeitgeber einstimmig gewählt. Für die Arbeitnehmer waren 358 Stimmen ab- gegeben, für die Arbeitgeber 55. Sonderbarerweise sind die bürger- lichen Arbeitgeber insgesamt der Wahl ferngeblieben. ES ist die? ivohl ein Beweis, daß diese Herren das Interesse an der Krankenkasse verloren haben. Ober-Schöneweide. Kircheubauten und Steuerzahler. In einer außerordentlich stark besuchten Volksversammlung protestierte die hiesige Arbeiterschaft gegen die Verwendung von Gemeindemitteln zum Bau und der bevorstehenden Einweihung der evangelischen Kirche. Der Referent, Genosse Redakteur Block, schilderte unter dem Beifall der Lersamm» lung das widersinnige Verhältnis zwischen Staat und Kirche. In der äußerst regen Diskussion wurde das Verhalten der hiesigen Geistlichkeit scharfer Kritik unterzogen. Eine Resolution, welche die Bewilligung von Gemeindegeldern verurteilt, fand einstimmige An- nähme. Eine ganze Anzahl AuStrittserklärnngen aus der Kirche war der Erfolg der Versammlung. Weitere AuStrittöerklärungen werden überall bei bekannten Partetgenoffen entgegengenommen. Neuenhagen(Ostbahn). Der Wahlverein hielt vor einigen Tagen seine Generalversamm- limg ab. Abgehalten wurden im letzten Quartal eine Mitglieder- und eine Volksversammlung. Der Kassenbericht weist ein« Ein- »ahme von 157,03 M., eine Ausgabe von 125,40 M. auf. Als Spediteur für Neuenhagen wurde I. Hübscher gewählt. Allgemeine Anerkennung fanden die durch die neuerrichtete Spedition für Peters- hage» und Fredersdorf gewonnenen 81»VorwärtS"-Abonnenten; mögen dieselben unserer Sache treu bleiben und weiter für die Ver- breitung des BlntteS agitieren. Die.Errichtuiig der Spedition wurde einstimmig sanktioniert und die Genossen Höselbart, Stimming und Schwarzbürger als ZeitungSkommisston gewählt, Vernrilcbtes. Die gestrige Zeppelinfahrt. Friedrichshaseu, 29. Oktober, nachmittags. Die heutige Fahrt deS Grafen Zeppelin mit dem Herzog Albrecht von Württemberg an Bord wurde zu einer Rundfahrt über Land. Sie führte von Friedrichshafen über Tettnang, Ravensburg, Weingarten, Baien- furt, Roßberg, Wolfegg, Kißlegg, Wangen, Neu- Ravensburg. Hergatz nach Lindau, von wo das Schiff dann über den See in die Richtung aus Friedrichshafen fuhr. Hier herrscht wieder dichter Nebel, der die Landung erschivert. Die Nebel sind so scharf, daß die schwimmende Halle und die Extradampfer vom Ufer aus nur noch in schwachen Umrissen zu erkennen sind und den Blicken zeit- weilig ganz entschwinden. Es dunkelt. Unaufhörlich erklingen die Nebelhörner und Glockenstgnale. Die Fabriken lassen ihre Dampf- pfeifen ertönen. Bis 5 Uhr 10 Minuten war das Lustschiff noch nicht gelandet. Friedrichshafen, 29. Oktober. Um 5 Uhr 35 Minuten hörte man deutlich das Surren des Lustschiffes, das am User bei Friedrichs- Hafen entlang auf den Schloßpark und Manzell zufuhr. Um 6 Uhr ist das Lustschiff nach dreieinhalbstüttdiger Fahrt glücklich gelandet._ Explosion in einer Pulverfabrik. Me die„Schlesische Zeitung" aus Nybiltk mitteilt, fand in der Pulverfabrik in Kriewald heute früh ewe Explosion statt. Drei Arbeiterinnen wurden getötet und vier schwer verletzt. Eine FeuerSbrvnst, die durch elektrischen Kurzschluß verursacht worden war, äscherte nach einer Meldung aus Bloemfontein dort eine Anzahl von Regierungsgebäuden ein. Der Schaden wird auf achtzig- bis hunderttausend Pfund Sterling geschätzt. Ueber den Bankraub in Neu-Pest erhielt einer Meldung aus Budapest zufolge die dortige Polizei die Mitteilung, daß eine der Personen, welche die Kommcrzialbank beraubt hatten, aus der Bahnstation Kisterenne in der Nähe von Budapest verhastet wurde. Die Köpenickiade im Pfarrhof. Der Einbrecher, der bor einigen Tagen in einem Acttouiobil vor dein Psarrhof in Unter- bach im Rheinland vorftchr und in Abwesenheit des Pfarrers eine Kassette mit 5000 M. au sich nahm, ist, wie gemeldet wird. vorgestern von der Düsseldorfer Polizei verhastet worden. Er nennt sich Karl Uthoff und will aus Hattingen stammen. Das geraubte Geld hatte er noch vollzählig bei sich. Banunfalk. Lübeck. 29. Oktober. In einem Neubau der Neben« Häuser der Firma L. Poffehl u. Ko. ist eine Eisenbelondecke einge« stürzt, wodurch ein Arbeiter schwer verletzt und zwei Arbeiter gelötet wurden. Zugzusammenstoß. Aus Hamburg wird vom gestrigen Tage berichtet: Heute mittag stieß der einlautende Lübecker Zug auf dem Hauptbahnhof auf den 12 Uhr 32 Minuten auslaufenden Berliner Schnellzug. Der Lübecker Zug, der eine Weiche überfahren hatte, stieß seitwärts aus den vorderen Teil des Schnellzuges. Der über- laufene Personenwagen steht gegenwärtig(1 Uhr 40 Min. nachm.) schräg auf der Böschung. Das Gleise ist gesperrt. Amtlich wird hierüber mitgeteilt: Heute mittag bei Ausfahrt de? Berliner Schnellzuges V 5 erfolgte in unmittelbarer Nähe deö Stellwerkes H. 0. ein Zusammenstoß mit dem einfahrenden Lübecker Personenzug 25. Grund: Ueberfahren des Ein» fahrtssignals durch den Lübecker Personenzug._ Leicht verletzt sind: Willy Düsierdieck- Hamburg, Kaufmann Hang Nahmacher-Karlsborst bei Berlin, Dorotheenstr. 32. Der Stadt- babnverkehr zwischen Bcrlinertor- und Hauptbahnhof ist einstweilen aufgehoben. Die Berliner Züge fahren zwischen Berlinertor- und Hamburg-Hauptbahnhof über die Stadibahngleise, die Lübecker Züge fahren zwischen Wandsbeck und Hamburg-Hauptbahnhof eingleisig. Materialschaden nicht erheblich. Voraussichtliche Beseitigung der Störung 5 Uhr nachmittag. Den Leichnam eines Matrosen mifgefischt. AuS Sheerneß wird berichtet: Das englische Kriegsschiff„Blake" meldet, daß eS auf seiner Fahrt von Schottland her gestern in der Nordsee den Leichnam eines Matrosen auffischte, der einen Rettungsgürtel mit dem Aufdruck Aarmouth trug. Eine Meldung aus London, die anscheinend mit diesem Fund in Verbindung zu bringen ist, besagt: Nach einem drahtlosen Telegramm von einem Dampfer, der aus die Suche nach dem seit seiner Abfahrt von Hoek van Holland vermißten Frachtdampfer „Darmouth" ausgeschickt war, sind Trümmer eines Wracks aufgefischt worden, die anscheinend zur„Darmouth", die 22 Mann Befatzun" hatte, gehören. Zur Fracht der„Darmouth" gehörten auch, wt? verlautet, drei Möbelwagen mit Möbeln, die Eigentum eines Bot- schafters. zweifellos des früheren Berliner Botschafters Sir Frank Lascelles waren. Der Flug durch die Lüfte. Nach einer Meldung aus Paris machte der Luftschiffer Ferman vorgestern mit seinen, Aeroplan im Lager bei ChälonS bei heftigem Winde mehrere Flüge, darunter einen 1600 Nieter- Flug mit dem Mathematiker und Mitglied des Instituts Pailevc, sodann einen längeren Flug in einer Höhe von 35—50 Meter, schließlich einen fünf Kilometer langen Flug in gerader Linie über hügeliges Gelände in solcher Geschwindigkeit, daß er den Blicken der ihm nachgaloppiercndetr Offiziere entschwand. Smgegangene Driicklcdrifteti. Bon der„Neuen Zeit«(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben daS 5. Hest des 27. Jahrgangs erschienen. Es hat solgender, Inhalt: Epigonen.— Offener Brief an den Genaffen Kautsky. Bon Max Mauren» brechcr.— Der Parteitag in Florenz. Bon Oda Olberg(Rom).— Die öffentliche ArbeitSlosensürlorge in der Schweiz. Bon Dionys Zinner.— Literarische Rundschau: Adolf Rebhuhn, Briese Sldols DicsterwegS. Bon Heinrich Schulz. Dr. August Engel, Handwerkersragen. Bon Gustav Hoch- Hanau a. M. Else Cronbach, Das landwirtschasiliche Betriebsproblem in der deulschcn Nationalökonomie bis zur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts. Bon I. Karski.— Zeitschriftenschau. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch» Handlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Ouarial zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft kostet 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Verjügung. Von der„Gleichheit", Zeitschrift sür die Interessen der Arbciterinnm (Stuttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. 2 des lg. Jahr« ganges zugegangen. Sie hat folgenden Inhalt: Der Resonnschwmdel der SUasprozesiordnungsentwarse. I. Von L. B.— Die Frau im 18. Jahr» hundert. II. Von Hermann Wendel.— Die GewerbeauffichtSbeamten in Sachsen über die Frauenarbeit in den Fabriken. Von gh.— Der Bund deutscher Frauenvereine und die Dienstbotenfrage.— Fortschritte der sozia» listischen Frauenbewegung in Oesterreich. Von A. P.— Krise und Frauen» arbeit. Von W. D.— Hcxengianben und Herenprozesse. Eine kustur- historische Skizze von Anna Bios.— Rcsoluiionen und Bichlüsse des Parteitages zu Nürnberg.— Aus der Bewegung: Von den Organisationen. — Bericht der Vertraueniperson der Genossinnen Leipzigs.— Parteitag der niedcrrhemiichen Sozialdemokratie.— Politische Rundschau. Bau H. B. — Gewerlschastliche Rundschau.— Genossenschastliche Rundschau. Von H. Fl.— Notizenteil: Dicrislbotcnsrage.— Frauensttmmrecht.— Frauen» bewegimg.— Quittung. Für unsere Mütter und Hausfrauen: Das Stammeln und Lispeln bei Kindern. II. Von Otto Rühle.— Abend aus dem Fluß Bon Tschan Jo-Su. LluS dem Chinesischen von HanS Bethge.— Die Un- natur der modernen Erziehung. Bon M. H. Baege.— Die Mutter als Erzieherin.— Feuilleton: Hymne an die geistige Schönheit. Vou Percy Byssbe Shelley.— Der Hoisel Loisel. Von Ludwig Anzeugruber.(Fort- setzung)� t;ur unsere Kinder: Herbstnacht. Von Gottsried Keller.(Gedicht.) — Modernes Heldentum. Von Brand.— An meinen öofjn. Von Percy Byffhe Shelley.(Gedicht.)— Meister Lainpes Reitpferd.— Zwei Treibhauspflanzen. Von Hede.— Herbst. Von Robert Ncinick.(Gedicht.)— Die sieben Schwaben. Von Grimm.(Schluß.) Die„Gleichheit" erschemt alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 13 Ps., durch die Post bezogen beträgt der Aboimemcntspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pj., unter Kreuzband 85 Pj. Jahrcsabotinetneul 2,60 M. Amtlicher Marktbericht der städtilchen Marfthallen-Direktion über den Großhandel in den Zentral-Marltballen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr stark, Geschöst flau, Preise sür Kalb- und Schweinesleisch nachgebend, sonst unverändert. Wild: Zufuhr genügend, Geschäft lebhaft, Preise gut. Geflügel: Zufuhr reichlich, Geschöst ziemlich rege, Preise befriedigend Fische: Zusuhr mäßig, Geschäft matt, Preise wenig verändert. Butte, und Käse: Geschöst ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst U U i Südfrüchte: Zufuhr genügend, Geschäft still, Preise gedrückt. WitternngSüberiicht vom 39. Oktober 1908, morgens 8 Uhr. ktationm «s S).— II si« Setter SwMemde.l77ZSSW 772 WSW Hamburg «erlw Kranks.a.M München Wie» 773 S 774 NO 776 O 775 Still 2 Dunst 2 wolkig 1 wölken! 1 Nebel 3 Nebel wolkig u 6 10 4 2 —2 8 Stationen Haparanda 762 ONO( 2 Nebel Petersburg 766 WsW 2 bedeckt snlly l 764 SSO 3 bedeckt «berdeev 1764 NW 1 heiter Pari» �770 Still wolkenl Ii SZ 3 3 14 7 b Wetterprognose für Freitag, den 3«. Ottober 1908. Trocken und vielsach heiler, am Tage mild bei ziemlich schwachen südwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. WanerstaudS-Nachrichte« ver Landes anftalt für Geiväfferkunde, miigetellt vom _ Berliner Wettcrbureau. Safferstand M e M e l. Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor , Krossen , Frankfurt Warthe. Schrimm . Landsberg Netze, Dordamm Elbe, Leiimeritz , Dresden , Barby . Magdeburg *)+ bedeutet Wuchs,— Fall,—*) Unlerpeget. Verantwortlicher Redakteur: Georg Davidlohn, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag:BorwärtSLuchdruckerei u. Verlaasanstalt Vaul Sinaer Li Co.. Berlin SW.