Ur. 256« BbonnenwntS'Bedlngung«; JOomifmmtä. Prett(n&numnonbs I Bimeliäbrl 8.30 Mk. monall 1,10 Mk, wöch«nUich 28 Psg, frei WS HauZ, Einzeln» Nummer 8 Pfg. KonnlagS- nunimer mU illultricrler EonmagS« Beilage.Die Neue Seit' 10 Pig, Bost- Abonnement: I.IV Mari pro Monat. Einoerragen in die Poll. ZertunaS. Breislille. Unter Kreuzband für DeullSland und Oesterreich» Ungarn 2 Mari, für dag übrige Susland 8 Mark pro Monat PollabonnementS nehmen an; Belgien. Dänemark, Holland Italien. Luxemburg. Porrugal, «lunSnien. Schweden und die Schwei» (Meist ltgllch tsBtr OostUL 25. Jahrg. Vevlinev Volksblakk. vi« Insertion!-Lcbltti? letrkgl für die lechsgclpastene Kolon«!» geile oder deren Raum SO Big, für poNtilche und gewerklchallliche Lercini» und BerlammIungS-Anzeigen 80 Big. »Sletn« lZnreigen", das erste fsett- gedruckte) So« 20 Big, jede« weitere So« 10 Big. Stellengesuche und schlaf« ftellen-üinzeigen das erite So« w Big, fedeS weitere So« S Big. Sorte über 15 Buchstaben zählen für zwei Sorte. Znlerate iür die nächste Rümmer Minsen bis S Nlir nachmittags in der Erdedition itgegeben werden. Die Erpedition ijt dl» 7 Uhr abends geoifnet. Telegramm.Abreise: �»zizltlcwsilkZl ktrstn". 2entra1organ der fozialdcmokrati(eben Partei Deutschlands. ftcdalition:. SA. 68» Lindenstrasae 69. Sernfprcdlcr: Am» IT. 9}t. 1983. r Sonnabend, den 31. Oktober 1308. r Expedition: 801. 68, Lindenstraaac 69. Wer» spreche»: Amt IT. Nr. 1984. ein unhaltbarer 2ustanck. Die entsetzliche Blamage, die die deutsche Regierungs Politik durch die Veröffentlichung des kaiserlichen Interviews erlitten hat, spiegelt sich nicht nur in der Entrüstung aller unabhängigen Organe, sondern ebenso in der grenzenlosen Verlegenheit der Offiziösen wider. Das amtliche Dcpeschenbureau begnügt sich damit, nicht nur höchst mangel- hast, sondern auch völlig entstellt zu berichten und wenn man nur nach den Wölfischen Depeschen urteilen wollte, so müßte man meinen, daß das Ausehen des deutschen Kaisers und der deutschen Politik in England ungeheuer gewachsen sei. Die„Nordd. Allg. Ztg." ist völlig verstummt und eine bereits angekündigte amtliche Aufklärung läßt noch immer auf sich warten. Wir wüßten auch nicht, wie diese „Aufklärung" ihren Zweck, den Tatbestand zu verdunkeln, erreichen sollte. Daß das Interview in allem wesentlichen richtig ist. daß selbst die Veröffentlichung beabsichtigt war und daß der Inhalt in allem wesentlichen genau wieder- gegeben ist. steht mit absoluter Sicherheit fest. Und ebenso- wenig lassen sich die verderblichen Wirkungen wieder gut machen. Von einer lächerlichen Unbeholfenheit ist auch das Ver- halten der eigentlichen Bülowpresse. Allerdings ist dem Blockkanzler in seinem Unglück fast nur seine freisinnige Preßgarde treu geblieben. Die„Voss. Zeitung" tut so, als vermutete sie hinter der Naivität der Aeußerungcn wer weiß welch tiefsinnige Absichten. So- dann erklärt sie, daß die Mitteilungen des Kaisers „mit den Absichten des leitenden Staats- manneS übereinstimmen und die Veröffent- lichung mit seiner Zustiinmung erfolgt i st". Der brave Bülow l Nachdem er sich von seinem Erstaunen er- bolt hat, läßt er versichern, daß er natürlich„alles gewußt hat und völlig übereinstimmt". Der Herr Retäfskanzler übernimmt also wieder einmal die Verantivortung für eine in jedem Sinne u n- vermitworlliche Politik. Er hätte vielleicht einmal Gelegen- heit gehabt, dem Ansehen der deutschen Politik einen Dienst zu erweisen. Hätte Bülow die Verantwortung nicht übernommen, hätte er wie ein Mann gehandelt, und es ver- schmäht, sich unter Umständen, die einem ernsten Manne ein Verbleiben im Amte unmöglich machen, sich an sein Amt zu klammen», so wäre das höhnische Mitleid des Aus- landes mit den Leitern der deutschen Politik vielleicht etwas geringer geworden. Aber dieser armselige Diplomat ist wirklich kein Charakter. Er übernimmt als treuer Diener seines Herrn, aber nicht des deutschen Volkes, die Verantwortung. Wahr- lich eine elende Komödie I Man mag die diplomatischen Fähig- ketten Vülows noch so gering einschätzen,— daß er um die Veröffentlichung gewußt halte, wird man doch nicht glauben können. Hat er sie aber doch gekannt und ist er nicht int- stände gewesen,' obwohl er es zweifellos beabsichtigen mußte, die Veröffentlichung zu verhindern, hat er nicht. wie es Bismarck und jeder andere seiner Verantwortung bewußte Minister unzweifelhaft getan hätte, die Demission der Veröffentlichung vorgezogen, dann muß der Reichstag, wenn er den unerträglichen Zilständen nicht seine Billigung geben will, diesen geschmeidigen Höfling davonjagen. Ob die Majorität des Reichstages sich noch einen letzten Rest von Energie bewahrt hat, muß sich ja bald zeigen. Und dann wird es sich ja auch herausstellen, ob die Entrüstung der deutschen Presse eine nachhaltige Wirkung haben wird oder wieder, wie so oft verpufft, sobald der Kamps ernsthaft wird. Daß der Absolutismus in der auswärtigen Politik auf- muß. ist heute wenigstens die allgemeine Ueberzeuguug der deutschen Presse. Schreibt doch sogar die„Rheinisch- Wests. Ztg.": „Wenn Fürst V ü l 0 w gestern durch die Veröffentlichung ebenso überrascht worden ist wie die ganze Welt, was wird er tun? Erilincrt er sich des große» Wortes, das er gelassen am IS. Dezember tv<>0 im Reichstag aussprach:„Für Seine Majestät den Kaiser sind lediglich nationale Gesichtspunkte»naßgebend, und wenn es anders wäre, wenn irgendwelche verwand schaft- l i ch e» oder dtinastischen Verhältnisse Einfluß hätten auf die Entschließungen Seiner Majestät, so würde ich nicht einen Tag länger Mini st er bleibenl" Am 4. November tritt der Reichstag zusammen. Vielleicht gibt Fürst Bülow dort eine Erllärung ab. die als.authentische Interpretation" seiner Worte von vor acht Jahren angesehen werden kann. Vielleicht wird im Reichstage dann auch von einer Seit« des HauseS eine Acnderung der ReichSverfassnug bean- tragt, die darin gipfelt, daß die auswärtige Poliltk vom Reichs» kanzler unter größerer persönlicher Verantwortung geleitel wird, als dies bishee der Fall ist. Die Bestimmungen der Verfassung mochten genügen für einen Bismarck und dem verehrten alten Kaiser, in deren beider Politik das deutsche Volk unbegrenztes Vertrauen haben konnte. Heute liegen die Verhälmisse anders. Lebten wir in einem parlamentarisch regierten Staate, dann würde der leitende Minister sich bald seiner Verantwortlich« keit bewußt werden. Als im Jahre t8SS die Ablehnung der Er« ireuerung des sogenannten RückVersicherungsvertrages mit Rußland bekannt wurde, da schrieb der.Reichsanzeiger" am 27. Oktober in amtlichem Auftrage, diplomatische Vorgänge gehörten ihrer Natur nach zu den strengsten Staatsgeheimnissen; fie gewissenhaft zu wahren. beruhe auf einer inter« uotioualen Pflicht» deren Verletzung eineSchä- wichtiger Staatsinteressen bedingen der urreaktionäro ?d i g u n g würde." Und selbst das Blatt der Kaiserin, „Reichsbote". meint: „Wird man sich wundern dürfen, wenn jetzt tm Reichstag Einrichtungen verlangt werden, welche die deutsche Politik gegen persönliche Neigungen schützen, da die deutiche Nation die Folgen einer fehler- haften Politik zu tragen hat und sie seit Jahren trägt!" Die Wirkung aber auf das Ausland faßt die„Germania" folgendermaßen zusammen: „Seit langem ist der deutschen Politik kein so schwerer Schlag versetzt worden. Der Kaiser hat im Laufe seiner Re. gierung manches Wort öffentlich gesprochen, das nach der Ueber- zeugung der Mehrheit des deutschen Volkes besser nicht ge- sprachen worden wäre. Aber was der englische Diplomat da verraten hat, läßt alles weit hinter sich. Allgemein ist die Bestürzung über diese Enthüllung, die das Vertrauen auf die deutsche Politik, die ohnehin nicht stark war, bei allen Mächten gründlich erschüttern mutz. Keine offiziöse Schönfärberei wird den niederschmetternde Eindruck verwischen können' In der ausländischen Presse selbst ist die V e r u r t e i< lung ganz allgemein. Für England erklärt sogar die radikale„Daily News", deren Friedens- und Deutsch frenndlichkeit außer Zweifel ist, Deutschland sei in politischer Hinsicht ein un zuverläßlicher Partner. Die französische Presse bestreitet auf das entschiedenste die Richtigkeit der Darstellung Wilhelms II. Der„Figaro" behauptet, daß die Vorschläge zu einer gemciilsamen Aktion gegen England während des Burenkrieges direkt von Wilhelm II. ausgegangen seien. Zur Zeit des Iamesoneinfalles hätte sich der Kaiser zu dem damaligen französischen Botschafter Marquis de Noailles sehr erregt gegen die Engländer geäußert, die jetzt in Transvaal für ihre Korruption und ihre Habgier die verdiente Züchtigung erführen. Der Kaiser hätte mit dem Wunsche geschlossen: Wenn wir uwä m,r alle gegen England einigen konnten! Dies fei der erste Anlaß zu ocn Verhandlungen mit f?ranrm3i Mb Rußland gewesen. Im übrigen höhnt die Pariser Preffe über die Ueberraschung in Deutschland. Die Deutschen könnten ja an die persönliche Politik bereits gewöhnt sein. In Holland antwortet man mit schneidendem Hohn auf die Enthüllung über den Fcldzugsplan gegen die Buren und die russische „Nowoje Wremja" nützt das neue Material gehörig aus. Weder Rußland noch Frankreich hätten die Absicht einer feindlichen Intervention gegen England gehabt. Sie wollten nur ihre guten Dienste zur Verhinderung des Blut- vergießens anbieten. Und dann fährt das deutschfeindliche Blatt nach einem Telegramm des„Berliner Tageblatt" folgendermaßen fort: „ES kann keinem Ilveifel unterliegen, daß der deutsche Kaiser, wenn er die Absicht gehabt, Feindschaft zwischen Frank- reich, Rußland und England zu säen, er durch Verbreitung nicht der Wabrheit entsprechender Dinge über längst ver- gangene Borgänge nicht das erreichen wird. was er wünscht. Die Moral,- welche Europa aus diesen Enthüllungen deS Kaisers zieht, fällt keineswegs mit den Berechuuligen zusammen, welche der gekrönte Politiker daran knüpft. Durch diese Ouasi-Enthüllungen wird keinerlei Erkältung zwischen den drei Mächten eintreten. Wohl aber geben sie unzweifelhaftes Material zur u n w i d e r« ru flicke» Abschätzung des Vorgehens der deutschen Politik. Sie bilden eine Art Lektion für die europäische Diplomatie. Von jetzt ab wird eS wohl niemandem mehr einfallen, Deutschland irgendwelche Pläne anzuvertrauen, welche loyale Diskretion erfordern. Es wird sick kaum jemand finden, welcher von jetzt ab den Mitteilungen Deutschlands noch Glauben schenkt. Außerdem wird stets der Verdacht vor- herrschen, daß Deutschland einen heimtückisch verrät. Jeder Diplomat wird von jetzt ab darauf gefaßt sein, daß seine Worte von Deutschland verdreht werden. Im Interesse deS europäischen Friedens läßt sich dies alles nicht gerade gntheißen." Kein Zweifel, daß die Angriffe maßlos übertrieben und zum Teil falsch sind. Kein Ziveifel aber auch, daß es nur die Fehler der deut scheu Politik sind, die diese Angriffe wirksam machen. Der neueste Akt des persönlichen Regiments deutsche Politik in eine unhaltbare Lage Eine Acnderung muß eintreten. Und Reichstag ist es, sie herbeizuführen l hat die gebracht. an dem ver schveitlige Mident. DaS preußische Abgeordnetenhaus erlebte am Freitag eine Sensation. In der Debatte über die Pfarrerbesoldungs- g e s e tz e kam, nachdem Redner aller anderen Fraktionen gesprochen hatten, endlich unser Genosse Adolf Hoffmann zu Wort. Aber eS war ihm nicht beschieden, seine Rede zu beenden; Herr Jordan v. Kröcher waltete seines AmtcS als Präside so schneidig, wie es sich für einen ehemaligen Offizier ge- ziemt. Kein Wunder, daß eS bald zu Zusammenstößen zwischen ihm und Hoffmann kam. Den ersten Ordnungsruf erhielt unser Genosse, weil er über'daS, was zur Sache gehört, anderer Meinung war als der Präsident; den zweiten und dritten Ordnungsruf erteilte ihm Herr v. Kröcher aus Gründen, deren er sich wohl selbst kaum bewußt sein dürfte. Dann ließ er das HauS darüber ab- stimmen, ob der Sozialdemokrat noch weiter reden solle, und die konservativ-klerikale Mehrheit tat ihm den Gefallen, Adolf Hoff- mann das Wort zu entziehen. In keinem Parlament der Welt dürfte wegen solcher Aeußc- rungen, wie sie Genosse Hofsmann getan hat, schon jemals ein Ordnungsruf erteilt worden sein. Wie Preußen in Deutschland auf jedem Gebiet der Reaktion vorangeht, so will das preußische Junkerparlament den übrigen Parlamenten in der B e h a n d l u n g der Abgeordneten als Schulbuben oorangehcnk Daß Hoffmann sich das nicht gefallen läßt, ist einleuchtend; er wird von den ihm geschäftsordnungsmäßig zustehenden Mitteln Gebrauch machen und gegen den Ordnungsruf Einspruch erheben. Wenn Hoffmann auch seine Rede nur teilweise halten konnte» so bildet doch auch dieses Bruchstück ein wertvolles Dokument für die Beurteilung der Richtigkeit der sozialdemokratischen Forderung auf Trennung der Kirche vom Staat. Es waren wuchtige Anklagen gegen die Heuchelei des kapitalistischen Klassenstaates, der mittels staatlicher Zuschüsse an die kirchlichen Gemeinden die Geistlichen zu seinen Werkzeugen machen und mit ihrer Hilfe die Volks- verdummung betreiben will— Worte, wie man sie bisher im Drei- Ijassenparlament noch nicht gehört hat. Die Dunkelmänner auf r Rechten und im Zentrum heulten vor Wut. Fast nach jedem atz des Redners brachen sie in laute Pfui-Rufe aus, die der Prä- sident allerdings geflissentlich überhörte. Hoffmann ließ sich nicht aus seiner Ruhe bringen, und selbst als er zum Abtreten ge- zwungen wurde, machte er, schon im Begriff, die Rednertribüne zu verlassen, noch Propaganda für den Austritt aus der LandcSkirche, indem er den Herren zurief: Ich danke! LoS von der Kirche! Das ist die Antwort! �' Dem Zusammenstoß zwischen Kröcher und Hoffmann war ein Zusammenstoß zwischen dem Polen S t y ch e l und dem Ministerial- direktor Chappius vorausgegangen. Der Vertreter der Polen beschwerte sich mit Recht über die Ausnahmebestimmungen des Gesetzentwurfes gegenüber den Polen; er warnte davor, ein neues Ferment der Zersetzung in die polnischen Landcsteile zu tragen, aber seine Worte waren in den Wind gesprochen, die Regierung läßt sich nicht von dem Fehler ihrer Ostmarkcnpolitik überzeugen; sie sucht selbst die Pfarrerbesoldungsgesetze zu Kampfgesetzen gegen die Polen zu gestalten. Die polnische Geistlichkeit ist ihrer Meinung nach die Trägerin der ärbßl'vlttis�-n Bety-MtH. und brthatt muß den polnischen Geistlichen, die oer Rcgtetimg sticht M Willen sind, die Folge dieser Widerspenstigkeit am Geldbeutel fühlbar gemacht werden. So züchtet die preußische Regierung in allen VerusS« ständen Heuchler. Nachdem die erste Lesung der Pfarrerbesoldungsgesetze beendet war, trat das Haus in die Diskussion über das sogenannte Mantel- gcsetz und die Steuervorlagen. Diese Gesetzentwürfe werden in der Kommission»wch lebhafte Debatten hervorrufen, denn wenn auch die bürgerlichen Parteien samt und sonders ent- schlössen sind, die Gehälter der Beamten, Lehrer und Geistlichen zu erhöhen, so gehen doch ihre Ansichten über die Deckungsfrage weit auseinander. Zahlen will bekanntlich niemand gern. Br» sonders starke Einwendungen dürften vor allem die National- liberalen, deren Redner Dr. Friedberg sich als Sachwalter des mobilen Kapitals erwies, gegen die Besteuerung der Aktien« gesellschaften erheben. Die Konservativen wieder, in deren Namen Abg. v. Pappenheim sprach, werden es � mit einer Belastung auch der Einkommen unter 70l)l) M. versuchen, die bekanntlich nach dem Regicrungsentwurf von Zuschlägen freiblciben sollen; die Herren wollen es sich überlegen, ob nicht die Progression nach unten verschärft lverden kann. Darunter würde natürlich auch der Mittelstand leiden, und es würde sich wieder einmal zeigen, wie heuchlerisch die angebliche Mittelstandspolitik der Junker ist. Eine Reihe recht beachtenswerter Vorschläge machte Abg. Herold sZ.); er verlangte unter anderem die Aufhebung des 8 23 des Ein- kommensteuergesetzeS. jenes Ausnahmegesetzes gegen die Arbeiter, sowie die Beseitigung der Besteuerung der Konsumvereine und eine stärkere Berücksichtigung kinderreicher Familien bei der Heran» ziehuug zur Einkommensteuer. Auch seine Anregung, eS solle durch Gesetz festgelegt werden, daß der plutokratische Charakter deS Drei- klassenwahlsystemS für Staat und Gemeinde durch die neuen Steuern nicht noch verschärft wird, ist uicht von der Hand zu weisen. Gegenüber dem Finanzminister Fveiherrn v. Rheinbaben« der in die Debatte eingriff, um die Vorlage gegen die Einwendungen des Abg. Friedberg zu verteidigen, vertrat Abg. v. Zedlitz(fk.)� den nüchternen Standpunkt, man solle für 1908 die Steuerzuschläge ablehnen und für 1999 erst einmal den Bedarf genau nachprüfen, bevor die Steuern bewilligt werden könnten. Am Sonnabend soll die Debatte beendet werden. Von unserer Seite ist noch Genosse Hirsch gemeldet. Vorher wird über den in- zwischen eingegangenen Einspruch des Genossen Hoffmann gegen den ihm erteilten Zwischenruf abgestimmt. MeltelilinenichuE Ii» der Gewerbe- .Ordnungsnovelle. Die Reichs tagskommission zur Beratung der Gewerbeordnungsnovelle setzte in der Sitzung vom Frei« tag die Beratung über die Ausnahmebestimmungen fort, durch die der gesetzliche Zehnstundentag für Arbeite« rinnen durchlöchert wird. Die Beratung begann bei einem An« trage unserer Parteigenossen, die Mindestruhepause für Arbeiterinnen auf 11 Stunden sstatt bisher 10 Stmiden) herauf- zusetzen, auch sür den Fall, daß die längere Arbeitszeit gemäß dem § 139 Absatz 1 der Gewerbeordnung zur Ueberwindmtg von Un« glücksfällen oder Schädigungen durch Naturereignisse notwendig ge« worden ist. Der Antrag fand Lei keiner der bürgerliche» Parteien Unterstüjzung und wurde gegen unsere drei Stimmen abgelehnt. Ablehnung einer Hintertür. Zum§ 139 macht die Novelle den ganz neuen Vorschlag, dem Reichskanzler,„wenn besondere Verhältnisse es erwünscht erscheinen lassen", die Erniächtigung zu geben, für Arbeiterinnen die clfstiindige Arbeitszeit zuzulassen, allerdings mit der Einschränkung, daß die Zahl der Arbeitsstunden in der Woche 69 nicht überschreiten darf. Von uns und vom Zentrum wurde die Streichung dieses dritten Absatzes gefordert. Genosse Stadt- Hägen wies zur Begründung darauf hin, daß alle Fälle, in denen ausreichende Gründe für Neberarbeit vorlägen, schon im Gesetz berück- sichtigt seien. Die neue Bestimmung sei überaus dehnbar, und durch die Motive keineswegs begründet. Tatsächlich werde dadurch für nicht wenige Industrien durch eine Hintertür der Elfstundentag eingeführt werden. Sobald eine Industrie Ausnahmen bewilligt erhalte, würden auch die anderen sie verlangen. Für die A u f r e ch t e r h a I t u n g der Regierungsvorlage traten nur die Abgeordneten B a hn fnatl.) und Schmidt- Altenburg sfrk.) ein. Abg. Dr. Stresemann siiatl.) versuchte, für die ausbeutungswütigen Kapitalisten wenigstens ein Kompromiß herauszuschlagen, indem er die Ausdehnung der Arbeitszeit auf 29'/« Stunden bis zu 68 Stunden in der. Woche zu- lassen wollte, doch wurde sein Antrag abgelehnt und dann ein st im m ig die Streichung deS Absatzes 3 beschlossen. 8 139 Absatz 2 läßt die Bewilligung einer anderen Regelung der Arbeitszeit der Arbeiterinnen zu,„wenn die Natur des Betriebes aus Rücksichten auf die Arbeiter in einzelnen Anlagen es erwünscht erscheinen lassen." Ein Antrag unserer Genossen auch für diesen Fall eine Mindestruhezeit von elf Stunden festzulegen, wurde abgelehnt. Hiergegen fand ein Antrag Behrens(Wirtsch. Vgg.) zu demselben Absatz An- «ahme, der vorschreibt, daß bei Gewährung solcher Ausnahmen vorher die Arbeiter gehört werden müßten. Weiter wurde von unseren Genossen zu§ 139a beantragt, die Be- stimmung zu streichen, daß die Ueberschreitung der zehnstündigen Arbeitszeit, die Aufhebung der elfstündigen Ruhezeit und die Nachtarbeit für Arbeiterinnen durch Bundesratsverordnung dann gestattet werden kann, wenn Rohstoffe dem Ver- derben ausgesetzt sind oder Arbeitserzeugnisse zu mißlingen drohen. Gcnoste Molkenbuhr wandte sich gegen die Ucbertragung so außerordentlich umfangreicher Befugnisse an den Bundesrat, für die ein Bedürfnis nicht vorliege. Die Streichung dieser Bestimmungen wurde abgelehnt, aber wenigstens nach einem Eventualantrag unserer Parteigenossen die Beschränkung der allgemeinen Mindestruhezett von elf Stunden für diesen Fall verboten. Ein wichtiger Antrag unserer Parteigenossen forderte sür Ueber- arbeit über die gesetzliche Arbeitszeit hinaus einen Lohnaufschlag, der mindestens die Hälfte des normalen Lohnes betragen müsse. Für diesen Gesetzesvorschlag berief sich Genosse Stadthagen darauf, daß die Arbeiter schon in den meisten Betrieben die höhere Bezahlung der Ueberstunden durchgesetzt hätten. Wenn das Gesetz eine MaximalarbeitSzeit einführe, müsse es auch den berechtigten Anspruch der Arbeiter auf höhere Bezahlung der Ueberstunden im Gesetze selbst erfüllen. Mehrere ausländische Ge- setze, so eins für den Kanton Neuenburg und das Fabrikgesetz für Westaustralien, hätten ähnliche Borschriften, die Redner vorträgt. Gegen unseren Antrag wandte sich der Abg. Pauli sk.) Der Gesetzgeber habe in die LohnverhälMisse nicht hineinzureden. Auch der Zentrumsarbeiter Giesberts warnte davor. den freien Arbeitsvertrag zu durchbrechen. DaS dürfe nur die Gewerkschaft, nicht daS Gesetz tun. Davon, daß er und andere bürgerliche Redner prinzipiell die Forderung eines Lohnaufschlages für Ueberstunden billigten. werdendieArbeiternichtfatt werden. Molkenbuhr entgegnete ihm, daß alle Arbeiterschutzvortchriften die manchesterliche Freiheit deS Arbeitsvertrages einschränkten. Auch den Arbeitslohn lasse die Gewerbeordnung schon jetzt nicht ganz unberührt. So habe sie Lohnzahlungsperioden festgesetzt und bestimmt, daß der Lohn bar ausgezahlt werden müsse. Die Erhöhung des Lohnes für Ueberarbeit würde auch das Drängen der Unternehmer auf Ableistung der Ueber- stunden einschränken. Genosse S chmi d t-Berlin fügte ergänzend hinzu, daß die von uns geforderte Bestimmung gerade sür die Arbeiter im Bergbau und in den Hüttenbctrieben notwendig sei, weil hier die Arbeiter noch keine Lohnregelung im Tarifvertrag durchgesetzt hätten und daher auch noch Ueberstunden ohne Lohnaufschlag leisten müßten. Gleichwohl wenden sich die Sozialpolitiker des Zentrums, der Abgeordnete Fleischer und sogar der Arbeitersekretär B« ck e r mit aller Entschiedenheit dagegen, daß man die Arbeitgeber durch Gesetz zwinge, für Ueberarbeit mehr Lohn zu zahlen. So stimmten für unseren Antrag schließlich wieder nur unser« drei Genossen. Im 8 1ö4 sind unter Ziffer 2 einige Berufe aufgezählt, auf die die Arbeiterslbutzbestimmungen der Gewerbeordnung nicht Anwendung finden. Auf eine Anftage des Genossen Stadthagen erklärte der Regierungsvertreter, daß Arbeiter in Ladengeschäften, wenn sie dort z. B. Reparaturarbeiten anfertigen, nicht als Angestellte im Handels- geschäfte zu betrachten seien und deshalb unter die Arbeiterschlitz- bestimmungen fielen. Um nach der neuen Fassung eine den Arbeiterinnen ungünstige Auslegung zu verhindern, soll bis zur zweiten Lesung eine Fassung in Vorschlag gebracht werden, die den Schutz der Arbeiterinnen auch in den Konfektionsgeschäften sichert. Genosse Molkenbuhr begründete einen Antrag, von den befreiten Berufen die Bauten auszunehmen. Die Arbeiterinnen auf Bauten hätten doch ganz be- sonders Schutzbestimmungen nötig und es sei nicht ersichtlich, warum man sie davon ausschließen wolle. Dieser Antrag fand ein st immige Annahme. Weiter beantragte Genosse Stadthagen die Bestimmung zu streichen, daß die Arbeiterschutzbestimmungen keine Anwendung auf Schauftellungen und theatralische Vorstellungen sowie Musikaufführungen finden sollten. Die weiblichen Angestellten in diesen Unternehmungen seien genau so schutzbedürstig wie die im Gewerbe und Industrie. Der Antrag wurde gegen unser« Stimmen abgelehnt, aber aner- kannt, daß Schutzbestimmungen in anderer Weise für die Arbeiter und das sonst in diesen Betrieben angestellte Personal er- forderlich sind. Hierauf wurde die Weiterberahtng der GewerbeordnnngSnovelle auf heute vertagt._ Die Mervatlven und die CrMchafts- iteuer. , Die Wortführer der Konservativen haben mit ihrer Argu- mentation gegen die Reichscrbschaftssteuer Pech; selbst manche Politiker, die ihnen in ihrer Gesamtauffassung des heutigen politischen. Lebeits recht nahestehen, haben das verlogene Ge- schwätz von der Gefährdung deS sogen,„deutschen Familien- sinnS" durch die Ausdehnung der Nachlaßsteuer auf Kinder und Ehegatten satt und verhöhnen die mit den albernsten Rühreffekten einer faden Theaterkunst arbeitende Spekulation der konservativen Presse auf die Sentimentalität und niedrigste Profitgier der „Notleidenden" als lächerliche Mache. Nachdem schon Prof. Adolf Wagner und die„Grenzboten" die weinerlichen Trauer- stimmungsmalereien der Blätter vom Schlage der„Deutschen Tagesztg." und der„Kreuz-Ztg." verspottet haben, kommt nun auch Prof. Hans Delbrück, der Herausgeber der„Preutz. Jahrbücher", und fertigt die konservativen Schwätzereien derbe ab. Er wirft die Frage auf, warum denn nicht trotz des steigenden Wohlstandes schon früher die nötigen Ausgaben durch neue Steuern gedeckt worden seien, anstatt daß man Schulden auf Schulden gehäuft habe, und antwortet darauf: „Weil die Leute, die diesen Wohlstand erworben haben, davon an das Reich nichts abgeben wollten. So hat eS der„Vor- w ärtS" aus g e dr ü ckt, und er hat damit nichts als die reine, bittere Wahrheit gesagt. Von allen Parteten ist die schuldigste, daS muß offen ausgesprochen werden, die konservative. Zwar hat sie mehr Stenern bewilligt, als die Linke, aber immer nur solche Steuern, die wesentlich von anderen Volksschichten getragen wurden, als die, in denen sie selbst ihre Anhänger hat, und diejenige Steuer, auf die alles ankam, die von allen Unbefangenen längst gefordert wurde, die, rechtzeitig bewilligt, den ganzen Schulden- jammer verhindert, die ihrer ausgleichenden Gerechtigkeit wegen auch die sozialen Gegensätze im Reiche sehr gemildert hätte, die Reichs- erbschaftssteuer, hat die konservative Partei immer verhindert und kündigt ihr auch jetzt noch, wo die Regierung sie in der aller- mildesten Form, der bloßen Nachlaßsteuer, vorschlagt, wo wir in der äußersten Not sind und jede weitere Reform von ihr abhängt, Opposition an. Der Reichtum will dem Vaterlande nichts opfern, und mit heuchlerischen Tränen wird der deutsche Familiensinn angerufen, der durch eine Zahlung vom Erbe verletzt werde. ES sind bor allem die Agrarier, die Widerstand leisten. Dabei erwäge man, was der Staat alles für die Landwirtschaft getan hat. Unsere Industrie hat sich s« entwickelt, daß sie längst ohne Schutz- zölle auskommen könnte, allein der Landwirtschaft wegen werden sie erhalten, und das Volk in seiner Gesamtheit trägt die Last. Früher hieß eS, in England lebe man teuer und in Deutschland billig. heute ist eS infolge unserer hohen Zölle umgekehrt. Die Teuerung hat so zugenommen, daß jetzt alle Beamtengehälter wesentlich erhöht und zu diesem Zwecke die Steuern heraufgesetzt werden müssen. Alles der Landwirtschaft zuliebe. Dazu die besondere Liebes- gäbe von etwa 46 Millionen Mark jährlich, die durch die Konstruktion der Branntweinsteuer den landwirtschaftlichen Brennern zugewandt wird. Schließlich die Miquelsche Steuerreform, die die höhere Belastung vermöge der besseren Einschätzung nicht dem Staate zugute kommen ließ, sondem durch Aufhebung der Grundsteuer den Landwirten zuführte.... Wir haben die Opfer, die wir der Landwirtschaft bringen. keineswegs zu bedauern, brauchen aber auch nicht zu vergessen, daß eS doch die Landwirte sind, denen die Gesetzgebung die großen Gewinne zugeschoben hat, und haben deshalb das Recht, ihnen moralische Vorwürfe zu machen, wenn sie sich jetzt weigern, auch ihrerseits einmal dem Deutschen Reich ein Opfer zu bringen, ein Opfer, daS immer minimal bleibt im Ver- hältniS zu den ungeheuren Vorteilen, die sie genießen und die in ihrem wirtschaftlichen Wohlergehen und dem unausgesetzten Steigen der Güterpreise deutlich genug zum Vorschein kommen." Der Mampf um die voikslchuie. Die alte Verfassung Württembergs ist über die BolkSschuI« frage in die Brüche gegangen. Am 8. Juni 1994 fiel in der Kammer der Standesherren die Entscheidung über ein Vollsschulgesetzchen, daS in der Zweiten Kammer nach mühevollen Beratungen an- genommen war. Die Standesherren lehnten das Gesetz ab, obgleich es am konfessionellen Charakter der Volksschule nichts änderte, den kirchlichen Verwaltungen eher noch größere Rechte als bisher einräumte. Die Standesherren, fast sämtlich dem katho« lischen Hochadel angehörend, stießen sich aber daran, daß in seltenen Fällen, nämlich in besonders großen Schulbezirken auch ein Fach- mann sollte zum BezirkSschulinspektor ernannt werden können. Im übrigen sollte die geistliche Bezirks- und Ortsschulaufsicht be- stehen bleiben. Die Ablehnung dieses Gesetzchens schlug dem Faß den Boden auS. Der Kampf gegen die Erste Kainmer entbrannte aufs neue. Zugleich wurde eine Reform der Zweiten Kammer angestrebt. Das Ende vom Liede war, daß die„Privilegierten", die Vertreter der Kirche, der Ritterschaft, der Hochschulen die Zweite Kammer räumen mußten und eine reine Volkskammer geschaffen wurde. Die Erste Kammer wurde gleichfalls„reformiert", die Macht des katholischen Hochadels gebrochen. Der Weg für eine durchgreifende Volksschulreform war frei. Anfang Juni dieses JahreS brachte die Regierung Württembergs die neue Volksschulgesetzuovelle bei der Kammer ein. Ein ärmliches Ding l Wir haben den Entwurf seinerzeit eingehend gewürdigt. Heute sei nur daran erinnert, daß derkonfessionelle Charakter der Volksschule starr festgehalten wird. Den Gemeinden ist sogar untersagt. Simultanschulen einzurichten, wenn die große Mehrheit der Bevölkerung das verlangt. Kon» fesfionelle Lehrerbildung, konfessionelle Orts-, Bezirks- und Oberaufsicht werden gefordert. Der frühere geistliche OrtSschulaufseher wird zweiter Vorsitzender deS OrtSschuIratS. Der Religionsunterricht wird nach wie vor kirchlich überwacht. Er bleibt nach wie vor.Zentralsonne" deS Unterrichts, gemäß der alten Verordnung vom Jahre 1746: „Schul-Kinder sollen wohl bedencken, warum sie in die Schule gehen, nehmlich, daß sie darinnen frömmer und geschickter erzogen werden. Frömmer zu werden, solle ihr Haupt-Werck sein." Weder Unentgeltlichkeit deS Unterrichts noch der Lernmittel fordert der Gesetzentwurf. ES bleibt bei der siebenjährigen Schulzeit, das achte Schuljahr wird nur fakultativ zugelassen. Verbesserungen bringt der Entwurf in bezug auf die Schüler« zahl, die Lehrerbildung. Zusammensetzung des Ortsschulrats. Die Bezirksaufsicht soll 4n Zukunft durch Fachmänner erfolgen. In der Ortsschulaufsicht fällt das Technische weg. In Orten mit sieben und mehr Lehrern kann einer, der die Befähigung zur Versehung der Bezirlsschulaufsicht besitzt, mit der örtlichen Leitung beauftragt werden. Dieser Gesetzentwurf hat allgemein enttäuscht. Die große Mehr- heit der evangelischen Geistlichen Württembergs will von der geistlichen Ortsschulaufsicht nichts wissen. Von 49 Diözesanvereinen haben sich 33 gegen die geistliche Aufsicht aus- gesprochen. Der Wllrttembergische Volksschulverein hat sich in einer Eingabe an den Landtag gegen die geistliche Aufficht ausgesprochen. Sogar der katholische Lehrerverein wäre froh, wenn er die geistliche Obervormundschaft loS würde. Darob großes Hallo in der Zentrums- presse. Die tonsurierten Zeitungsschreiber donnern täglich im Stile der heiligen Inquisition gegen die räudigen Lehrerschäjleiu. Aber auch die Würdenträger der evangelischen Kirche haben ihre liebe Not mit den renitenten Amts- brüdern draußen im Land. Dem Vorstand des Pfarrer- Vereins ist eS letzter Tags geglückt, auf der Haupt- Versammlung eine Resolution im Sinne deS Regierungs- entwurfs durchzudrücken. Die Hauptversammlung findet nämlich in Stuttgart statt; sie wird vorzugsweise von den besser gestellten Geistlichen der Residenz und Umgegend besucht. Die kleinen Land- Pfarrer im Schwarzwald und am Bodensee können nur in seltencn Fällen die Hauptversammlung besuchen. Trotzdem ging die regierungsfromme Resolution nur mit Ach und Krach durch. Etliche Vorstandsmitglieder drohten mit ihrer Demission, falls die Vor- standsresolution abgelehnt werde.?!un aber melden sich die kleinen. minder gut gesinnten geistlichen Herren und reden ein gar kräftig Wörtlein mit den gottseligen Perücken der Residenz. Der Württembergische Städterag hat sich gleichfalls mit der Novelle beschäftigt und eine Petition an den Landtag gc- sandt, in der befürwortet wird, daß den Gemeindeverwaltungen etwas mehr Recht in der Leitung und Verwaltung des örtlichen Schulwesens zugestanden werde. Bei der Anstellung der Lehrer solle man ihnen mindestens ein Mitwirkungsrecht und zwar ein auL« reichendes zugestehen. Eine einheitliche paritätische Oberschulbehörde wird verlangt. Der Gesetzentwurf sieht deren zwei, eine katholische und eine evangelische vor. Weiter bittet der Städtetag, simultane Einrichtungen zuzulassen für die H i l s s- schulen für Schwachbegabte, für die gehobene Volks- schule Wittelschule), für eine Volksschule, welche im Bedarfsfälle neben den K o nfes sions s ch u l en von der Gemeinde errichtet werden kann. Bescheidener kann man nicht gut sein. Die Forderung, Simultanschulen für die gc- samte Gemeinde einrichten zu können, falls die Mehrheit der Bc- völkerung das verlangt und sich ein Bedürfnis dafür heraus- stellt, ist also von dem Württembergischen Städtetag glatt fallen ge- lassen worden. Auf dem Stuttgarter Rathaus hat man sich letzter Tage auch mit der Schulnovelle befaßt. Nach einer langen an- strengenden Sitzung beider bürgerlichen Kollegien abends in der neunten Stunde kam außerhalb der Tagesordnung noch ein Volkspartei- licher Stadtvater mit einer Petition anmarschiert, die im wesentlichen die Forderungen des StädtetagS wiederholte. Nur ein Teil der Mit- glieder der Kollegien konnte verstehen, waS der Antragsteller vortrug. Letzterer verlangte aber, alle Mitglieder, Sozialdemokraten. Konser- vative, Nationalliberale und Volksparteiler sollten sofort für seine Petition stimmen. Unsere Genossen lehnten das dankend ab. Sie verlangten erst prüfen zu können, wofür sie stimmen sollten. ES wurde schließlich eine Kommission aus Vertretern aller Par- teien eingesetzt mit dem Auftrag, eine Eingabe au den Landtag auszuarbeiten. Das ist denn auch, geschehen. Ein- fünf Druckspalten lange Petition erblickte daS Licht der Welt. Für dieses konservativ-sozialdemokratisch-volksparteilich-nationallibe- ral-umstürzlerisch-staatSerhattende Wunderwerk stimmten aber nur die Volksparteiler, die vorher die sozialdemokratischen Anwäge, zur Petition(Simultanschule für die ganze Gemeinde, konfessionslose Schule für Minderheiten, die eine solche Schule verlangen usw.) bc- kämpft hatten. Nun schilt die Volkspartei alle anderen Parteien „Reaktionäre" und„Volksverräter". Die Volksschulkommission der Zweiten Kammer ist steißig dabei, Sysiphusarbeit zu leisten. Gerade die VoliSpartci rühmte sich, sie werde die Führung im Schulkampf übernehmen. In der Kommission haben jedoch die Vertreter dieser Partei bis jetzt noch nicht einen Antrag von Prinz ipieller Bedeutung gestellt. Das überlassen die Herren seelenruhig der Sozialdemokratie. Gar uicht selten stimmen auch noch Volks- parteiler gegen die sozialdemokratischen Anträge. Zur Entschuldigung mag dienen, daß die Herren oftmals auch gegen einander stimmen. Sie wissen offenbar selbst nicht, was sie wollen. Sagt der eine„hott", schreit der andere sicher„Hühl" Auf das Schicksal der Novelle im Plenum lassen die Beratungen der Kommission nur insofern einen Schluß zu, als die Volkspartei sehr wahrscheinlich nach rechts umfallen wird. Diese Erkenntnis bricht sich in den Kreisen derer, die eine entschieden fortschrittliche Schul- reform wollen, mehr und mehr Bahn. Die Sozialdemokratie ist jetzt schon zur Sprecherin und Führerin aller wahren Volksschul- freunde auch auS bürgerlichem Lager geworden. Von der Sozial« demokratie verlangt und erhofft man in dem allgemeinen Wirrwar eine prinzipiell feste und entschieden fortschrittliche VolkSschnlpolitil Sie Wird dieses Vertrauen nicht täuschen. Die„Mi" und ihre Hintermänner. Man lernt nie aus. Die„Post" des Herrn Kronsbein glaubten wir aus jahrzehntelanger, unangenehmer Bekannt- schaft gründlich zu kenneu, ihre Unanständigkeit glaubten wir in jeder Richtung ermessen zu haben. Wir haben uns geirrt. Die Unanständigkeit dieses Organs der Scharfmacher spottet jedes Maßstabes. Die„Post" weiß auch jetzt sich selber zu übertreffen.- � Die„Post" hat bis Freitag abend keine Silbe über den wider sie geführten Prozeß berichtet! Die Leser der„Post" wissen nichts davon, baß ein Redakteur der„Post" am Donnerstag vor Gericht stand und wegen Beleidigung des sozialdemokratischen Reichstagsabgeord- neten Fischer verurteilt wurde I Für die Kennzeichnung der Unanständigkeit, die in diesem Verschweigen liegt, fehlt jeder Maßstab., Man vergegenwärtige sich: t. Die„Post" hat vom Genoffen Fischer unter Anführung von allerlei Details, die der Sache einen glaubhaften Anstrich geben sollten, behauptet, er habe Schmiergelder genommen. d. h. er habe sich aus ehrenrührige Weise einen unrechtmäßigen Vermögensvorteil verschafft. 2. Der verantiv ortliche Redakteur der „Post", Herr Peterson, war am 3. Juni vor Gericht bereit, eine Erklärung abzugeben, er habe sich überzeugt, daß diese Behauptung der„Post" unwahr ist! 3. Am Donnerstag erklärten die Anwälte deS Herrn Peterson, es sei kein Zweifel, daß die Behauptung der»Post" völlig zu Unrecht erfolgt sei. 4. Das Gericht verurteilt Herrn Peterson und spricht in der Urteilsbegründung aus. daß an der Behauptung der „Post" nichts Wahres ist. 5. Zahlreiche Zeugen bekunden dasselbe. Bon all de» uuter 2—5 verzeichneten Punkten wissen die Leser der„Post"— nichts! Sie wissen nur vom Punkt 1,. wissen, daß die„Post" im vorigen Jahre dem Genossen Fischer den Bezug von Schmier- geldern in bestimmtester Form vorwarf, daß die„Post" ans seine Ankündigung, er werde sie verklagen, um die Verleumdung nachzuweisen, ohne Zögern erklärte, sie sehe der Klage m i t Zuversicht entgegen und werde den Wahrheits- d e weis führen. Weiter wissen die»Post"-Leser nichts! So erfüllt die„Post" die Pflicht der anständigen Zeitung. eine zu unrecht erhobene Beschuldigung schleunigst zurückzu- nehmen. So erfüllen ihre Redakteure die Pflicht des an- ständigen Menschen, eine zu unrecht ausgesprochene Bezichtigung unverzüglich zu widerrufen, sobald er sich von ihrer Unwahr- heit überzeugt hat. Wir stehen nicht an, dieses Schweigen der„P o st" als gleichwertig einer verleumderischen Belddigung zu bezeichnen 1 ■•■ Wir haben schon in unserer gestrigen Besprechung des Prozesses darauf hingewiesen, daß der dunkle Ehrenmann, der der„Post" die Verleumdung geliefert hat, nicht ermittelt worden ist. Die„Post" wollte ihn, trotzdem er sie schändlich angelogen und hereingelegt hat, nicht preisgeben. Warum, das ist, wie wir gestern schon sagten, leicht zu erraten. Man braucht sich nur zu vergegenwärtigen, was in dem Prozeß an Spuren über die Beziehungen der„Post", über die Qualität ihrer Hintermänner aufgedeckt worden ist. Sehr bemerkens- wert war in dieser Beziehung in der Donnerstagsverhandlung die Vernehmung des Herrn Dr. Götz, des Herausgebers jener Korrespondenz„Information", die hu Jahre 1907 die Lüge vom Sektgelage der Genossen Bebel und Singer brachte.(Die „Information" hatte den Anstand, den Genossen Bebel schließlich noch— wegen Beleidigung zu verklagen, weil er die freche Lüge eine Lüge genannt hatte.) Dieser Herr Dr. Götz bekundete unter seinem Eide, daß er mit den inkriminierten Artikeln der„Post" nichts zu tun gehabt habe. Er gab zu. daß er ein Intimus des Herrn Polizeirats Dr. Henninger sei und daß er von ihm Informationen er- halte, ebenso daß er(Götz natürlich) in seiner Korrespondenz öfter Angriffe aus die Sozialdemokratie bringe. Soweit bot seine Vernehmung nichts Ueberraschendes. Ueberraschend war aber die plötzliche Energie, mit der die beiden Anwälte des angeklagten„Post"-Redakteurs plötzlich von den Sesseln schnellten, als Genosse Heine, anknüpfend an die Feststellung, daß der Artikel mit dem Anwurf gegen Fischer ein Stück aus einer Serie voll„Post"-Artikelii über den Waffen- fund in der Pankstraße und die angebliche Verwickelung der Sozialdemokratie in diese Affäre sei, die Frage an den Zeugen Dr. Götz stellte, ob er für diese Serie das Material geliefert habe. Die Herren Anwälte des„Post"-Redakteurs hatten es sehr dringlich, diese„nicht zur Sache gehörige" Frage abzuschneiden und sie erreichten ihren Zweck. Hier müssen wir daran erinnern, daß in dem Termin vom 3. Juni der Herr Polizeirat Dr. H e n n i n g e r s e l b st auf dem Zeugenstand war und jede Aussage darüber verweigerte, ob er in dieser Affäre der„Post" mitgeteilt habe, er wisse nichts von Behauptungen, daß Fischer Schmiergelder bezogen habe. Er berief sich dabei aus ein Schreiben seiner vorgesetzten Be- Hörde an den Vorsitzenden des Gerichts, wonach ihm jede Aussage untersagt wurde. Auf die Belehrung, daß ihn das nur von der Pflicht entbinde, über seine amtliche Tätigkeit auszusagen, daß aber über das, was er privatim etwa in der Affäre' getan, aussagen müsse, erklärte der Herr Polizeirat damals unter seinem Eide, daß er p r i- vatim mit der Angelegenheit nichts zu wn gehabt habe. Genosse Heine stellte damals fest, daß in dieser Aus- sage privatim soviel wie außeramtlich bedeute. Und der „Vorwärts" folgerte,„daß alle Mitteilungen nnd Informationen, die Herr Dr. Henninger an die„Post" gibt und'geben läßt, von ihm in amtlicher Eigenschaft oder amtlichem Änftrage gc- neben wenden." ».» Arg leichtfertig handelt die„B. Z. am Mittag." Nachdem sie am Donnerstag über einen Teil des Prozesses berichtet hat, unterläßt sie es. den Ausgang zu melden! Ihre Leser erfahren also gar nicht, daß Fischer durch das Gericktsurteil Genugtuung erhielt, daß die Unwahrheit der Bezichtigung festgestellt wurde I> Ebenso schlimm ist es, daß die„V. Z. am Mittag" nicht die Verpflichtung fühlt, ihre falsche, den Genossen Rahn schwer verdächtigende Darstellung der Aussage Rexhäusers zu berichtigen. Genosse Rahn hat darauf dem wenig gewissenhaften Blatte folgendes Schreiben gesandt: „ijn der gestrigen Ausgabe der„B. Z. am Mittag" brachten Sie einen Teilbericht über den Beleidigungsprozeß des Reichstags- obgeordneten Herrn Richard Fischer gegen den verantwortlichen Redakteur der„Post". Darin heißt es u. a.: „Nach längerem Zögern gibt Nexhäuser an, daß damals , der Obermaschinenmeister Rahn mit der Bezichtigung, Schmier« telder erhalten zu haben, gemeint war." )iese Darstellung ist falsch, wovon Sie ein Vergleich mit den entsprechenden Berichten der„Vossischen Zeitung", des „Vorwärts" und anderer Blätter überzeugen konnte. Der „Vorwärts" wies außerdem in seiner heutigen Ausgabe am Schluß des Artikels„Zwei Züchtigungen" auf die leichtfertige Herstellung Ihres Berichtes hin. Letzterer ist um so irreführender, als er meine unter Eid gemachte Aussage, daß ich weder Schmier- gelber noch Gratifikationen oder Remunerationen von irgend emer Seite angenommen habe, nicht mehr enthält. Sie haben eine Korrektur Ihres falschen Berichtes heute nicht gebracht. Vielleicht sind weder Sie noch Ihr Herr Mit- arbeiter bis jetzt auf den Fehler aufmerksam gemacht worden; für diesen Fall geschieht es hiermit." »• In unserem gestrigen Bericht über den Prozeß sind die letzten Sätze der Schlußerklärung des Genossen Fischer durch einen Druckfehler und durch eine Auslassung entstellt worden. Wir tragen sie daher noch einmal im rich- tigen Wortlaut nach: „... Einer seiner Verteidiger hat die Angriffe auf mich als aus der Partei kommend bezeichnet. Das ist ganz unberechtigt. Rexhäuser wird als Sozialdemokrat nicht an- erkannt und will keiner sein. Erist ein Feind der Sozialdemokratie genau wie die„Post"j" politifcbc Ocbcrficbt. Berlin, den 30. Oktober 1908. Das Opfer der Junker. Der Präsident der borussischen Duma hat sich durch die Scharfmachereien der Junkerpresse in eine üble Situation bringen lassen. Er hat sich dazu verleiten lassen, den sozial- demokratischen Redner zum Besoldungsgesetz der Geistlichen, Genoffen H o f f m a n n, mit völlig unmotivierten Ordnungs- rufen zu überschütten und dann das Haus vor die Frage zu stellen, ob es seinen Präsidenten in aller Form desavouieren oder den unbequemen sozialdemokratischen Redner mundtot machen wollte. Daß die schwer gereizten Junker und.Zentrums- christeil in diesem Dilemma der durch nichts gerechtfertigten Guillotinierung des sozialdemokratischen'Pedners den Vorzug haben, versteht sich von selbst. Daß den wackeren Helfern der Kröcher-Despotie aber selbst keineswegs allzu wohl zu Mute ist, beweist das Stimmungsbild des halboffiziösen Scherl-Blattes. Da heißt eS: „War bis hierher die Debatte sehr ruhig und meist recht nüchtern verlaufen, so änderte sich das Bild, als jetzt der sozial- demokratische Abgeordnete H o s s m a n n das Wort erhielt, der den Gegenstand in seiner bekannten drastischen Art mit einer reich- lichen Dosis Mutterwitz behandelte, aber indem er seine In- dividualitäl hervorkehrte, der Individualität des Ab- geordnetenhauses zu wenig Rechnung trug und deshalb dem Schicksal der Wortentziehung verfiel." Also weil sich die frische, die Dinge ehrlich beim rechten Namen nennende Art des sozialdemokratischen Redners nicht der schläfrigen, verheuchelten„Individualität" der„Volks- Vertreter" von G�dsacks Gnaden anpaßte, ereilte ihn das Geschick! Man muß also ebenso leisetreterisch sein, wie es den heiligen Traditionen dieses Klassenparlamcnts entspricht, um sein Mandat ausüben zu dürfen! Fährt doch das Scherl- Blatt fort: „Im Reichstag, der an andere Kost gewöhnt ist, hätte man ihn vielleicht länger gewähren lassen, im Ab- geordnetenhanse mußte er, wie erwähnt, früher als er wollte, von der Tribüne weichen. Zuerst erhielt er einen Ordnungs- ruf, weil er auf die Bitte des Präsidenten, zur Sache zu sprechen, erwiderte, er spreche zur Sache. Der zweite ereilte ihn, als er den Geistlichen vorwarf, daß sie bei dem Hochbahn- Unglück von GotteS unerforschlichem Ratschluß gesprochen hätten, anstatt für gute Sicherheitsvorrichtungen zu sorgen. Und der dritte für den Satz, daß keine Veranlassung vorliege, Mil- lionen für die Lertröstuilg auf ein besseres Jenseits zu bewilligen. Als nu» Herr von Kröcher das Haus befragte, ob es dem Redner daö Wort entziehen Ivolle, erhob sich eine sehr große Mehrheit. außer den Sozialdemokraten derneinten die Frage nur Freisinnige und Polen, damit ist nichtgejagt, daß nicht mancher von der Majorität Herrn Hoff mann gern weiter gehört hätte, aber es ist parlamentarische Ge- pflogenheit geworden, wenn nicht besondere Gründe vor- liegen, den P r ä s i d e n t e n, den man gewählt hat, nicht i m Stich zu lassen." Es versteht sich von selbst, daß die kleine preußische Landtagsftaktion sich keinerlei Vergelvaltigungsversuche ge- fallen lassen wird. Sollte Herr v. Kröcher fortfahren wollen, den Scharfmachern, die von vornherein eine Brutalisterung und Mundtotmachung der Vertreter der stärk st enPartei Preußens verlangten, Handlangerdienste zu leisten, so mag er sein Heil getrost versuchen I Je plumpere Gewalt- mittel man gegen die Vertreter des Proletariats im preußischen Abgeordnetenhaus anwendet, desto wirksamer peitscht man die Massen zum Kampfe gegen das elendeste aller Wahl- systeme auf!_ Die offizielle Reichsfinanzreform-Begrllndung. Die„Nordd. Allgem. Ztg." setzt ihre Begründung der Not- wendigkeit einer Aenderung deS Reichsfinanzwesens fort und zwar leitartikelt sie heute über die Tilgung oder Verminderung der Reichs- schuld. Irgend etwas Neues erfährt man nicht. Mit würdevoller Gespreiztheit werden abgestandene Trivialitäten vorgetragen, so daß man fast zur Ansicht kommt, Herr Sydow beabsichtige die Leser des Kanzler- blattes einzuschläfern. Mit komischer Gravität versichert das Kanzlerblatt. daß es daS Haupterfordernis einer gutem Finanzpolitik ist, zwischen Einnahmen und Ausgaben ein Gleichgewicht herzustellen und' auft gelaufene Schulden zu tilgen. Aber was bisher in bezug auf Schuldentilgung geplant sei, das sei erstenS ünhersiizeNd und zweitens nicht ausführbar. Es sei deshalb eine„Verstärkung" geboten. Diese Verstärkung sieht folgendermaßen aus: ... Die bisher für die Tilgung vorgesehenen Beträge be- liefen sich auf rund 27,S Mill. Mark. Die Tilgung der gegen- wärtig vorhandenen Schuld mit 1 Proz. erfordert eine Jahres» summe von 42,5 Mill. Mark. Nimmt man den Betrag deS für nicht werbende Anlagen in den folgenden fünf Jahren erforder- lichen Anleihebedarfs auf 800 bis 800 Mill. Mark an. die mit 3 Proz. zu tilgen wären, so werden bis 1913 jährlich 12.5 Mill. Mark im Durchschnitte notwendig sein. Danach ergibt sich tm Jahresdurchschnitte mindestens eine Verdoppelung der bisherigen Beträge oder ein Mehraufwand von rund 27,5 Mill. Mark im Jahre. Die angeführten Bestimmungen enthalten indes nur das Mindestmaß der für die Tilgung aufzuwendenden Beträge. So« weit Ueberschüsse sich ergeben, werden auch sie in Anlehnung an den Artikel 70 Abs. 2 der Neichsverfassung zur Schuldentilgung zu verwenden sein."...... Amtliche Stimmungsmache im sächsischen Wahlrcchtskampfe. Die„Chemnitzer Volksstimme' veröffentlicht in ihrer Nummer voin 30. Oktober 1903 ein Geheimzirkular des sächsischen Ministeriums deS Innern an die Amtöhauptleute. DaS Zirkular hat eine unleser- liche Unterschrift, wahrscheinlich ist eS die Unterschrift deS Ministers von Hohenthal. Das Zirkular ist vom 21. Oktober datiert und lautet: „Angesichts der ebenso systematischen als skrupellosen Hetze, die zahlreiche Zeitungen deS Landes in der Wahlrcchlsfrage treiben, erscheint eS dringend nötig, daß der Presse bis zur Verabschiedung der Wahlrechtsvorlage eine größere Aufmerlsainkeit gewidmet und daß durch die Amtsblätter sowie mit allen sonst zur Verfügung stehenden legitimen Mitteln den falschen Darstellungen der übel- wollenden Presse kräftig entgegengearbeitet wird. Die Regierung hat zu erwarten, daß Sie in diesem Sinne das Ihrige tun werden." In acht numerierten Abteilungen gibt die Regierung den Amts- Hauptleuten an, in welcher Weife sie die Absichten der Regierung und der Preffe zu vertreten haben. Eine Bestätigung dafür, daß dieses Geheimzirkular bereits ge- wirkt hat, zeigt die Nummer eines Amtsblattes, des„Freiberger Anzeigers", vom 29. Oktober, daS diese Argumentation— wenn auch verschleiert-- bereits in einem Wahlrechtsgespräch enthält.— Jnseratcnsteuer. Die gestern von uns wiedergegebenen Mitteilungen des„Berl. Lokal-AnzeigerS" über die geplante Jnseratensteuer werden halb- amtlich dementiert. DaS Wölfische„Telegraphen-Bureau" meldet nämlich: „Die im Wendblatt deS„Berliner Lokal-AnzeigerS' vom 29. Oktober veröffentlichten angeblich zuverlässigen Mitteilungen über die Annoncen- und Reklame st euer beruhen, tvie wir von maßgebender Seite erfahren, in wesentlichen Teilen auf freier Erfindung, sowohl hinsichtlich einzelner Steuersätze, wie hin« fichllich der, angeblich wieder zurückgezogenen zehnprozentigen Er- Hebungsentschädigung für die Presse, wie auch hinsichtlich materieller Angaben über die Reklamesteuer." Ter Undank deS Peters. „Teure Tränen" betitelt unser Münchencr Parteiorgan eine Notiz, die sie dem blutigen Undank des Peters widmet. Die.Münchener Post" schreibt: „Vom Landgericht Köln ist die Beleidigungsklage des Dr. PeterS gegen den Gouverneur a. D. Rudolf v. Pennig sea wegen elngeireiener Verjährung abgewiesen und Dr. PeterS zur Tragung der nicht unbedeutenden Kosten der ersten und zweiten Instanz verurteilt werden. Nun hegt Dr. Peters die Absicht, den Berliner Justizrat S e l l o, der ihn in seinem Be- leidigungsfeldzuge gegen die.Kölnische Zeitung" verteidigte, für die ihm aufgebürdeten Kosten haftbar zu machen und vor dem Kölner Zivilgericht zu verklagen. Dieser neueste Witz des Dr. Peters zeugt von großem Undank. Justizrat Sello, der während der Verhandlung vor dem Schöffengericht Köln um den PeterS heiße Tränen vergoß und der sich für den PeterS sogar auspcien ließ, hätte sicher eine bessere Belohnung verdient. Aber so ist nun einmal dieser Dr. Peters: die Geliebte,' die ihm ihre Gunst erwies, hängt er auf und den Verteidiger, der seine ganze Menschenwürde für ihn einsetzte, verklagt er um die Kosten. Welches LoS mag da dem kleinen Rosenthal noch beschieden sein?" Der Wahlrechtskampf in Sachse«. Die Wahlrechtsdemonstrationen der sächsischen Arbeiterschaft am 1. November werden einen imposanten Umfang annehmen. In Leipzig versammeln sich die Genossen morgenS früh 9 Uhr in sieben Lokalen. Bon dort aus ziehen sie in zwangloser Folge unter Meidung der inneren Stadt nach dem M e ß p l a tz. Dort werden von sechs Tribünen Redner sprechen. Die Reden be- ginnen um Vjftl Uhr. Die Abstimmung der Resolution erfolgt gleich- mätzig um 11 Uhr.— Die Ordnung wird durch 300 durch weiße Binden kenntliche Ordner aufrecht erhalten. Nach der Versammlung gehen die Teilnehmer in zwanglosen Zügen über die Auenstraßenbrückc nach der Waldstraße. Frankfurter Straße, Ranstädter Steinweg. Fleischerplatz, die westliche und südliche Promenade bis zum Königsplatz, wo die Demonstration beendet werden soll. Die Chemnitzer Genossen halten ihre Kundgebung auf dem Festplatz am Küch walde ab, wo drei Tribünen errichtet werden. Die Demonstranten versammeln sich vorher in verschiedenen Lokalen und ziehen von dort aus in losen Gruppen zum Festplatz. In Zwickau und Plauen finden DcmonstrationSzüge statt. Die anschließenden Massenversammlungen tagen in Sälen. Auch viele kleinere Orte Sachsens werden DemonstrationSver« fammlungen haben._ Sachsens Eisenbahuetat. Bei Beratung von Eiscnbahnpctitionen in der Zweiten Kammer gab gestern der Finanzminister Dr. v. Rüger u. a. folgende Erklärungen ab: Das Rechnungsjahr 1906 habe rund 55 Millionen Mark Ueberschuß und eine Verzinsung des Eisenbahnkapitals mit 5,24 Proz. gebracht, das Jahr 1907 einen Ueberschuß von 52 Mil- lionen Mark und eine Verzinsung mit 4,95 Proz. Nach dem Etat sei für 1903 ein Ueberschuß von 47,7 Millionen Diark und eine Verzinsung mit 3,9 Proz. vorgesehen, für 1909 werde sich nur eine Verzinsung von 3,54 Proz. ergeben, also ein« nur bescheidene Eisen- bahnrente. In den ersten 9 Monaten dieses Jahres habe der Güterverkehr rund um 214 Millionen Mark weniger ergeben als im Borjahre. Sollte sich in den letzten drei Monaten ein ähnlicher Ausfall ergeben, so werde für 1903 mit einer Mindereinnahme von 3 200 000 M. zu rechnen sein. Der Personenverkehr habe sich etwas günstiger gestaltet. In den ersten neun Monaten habe er rund % Millionen Mark mehr ergeben als im Vorjahre. Judessen werde mit einer weiteren Steigerung angesichts der Einführung der vierten Wagcnklasse an Sonntagen nicht zu rechnen sein. Die Abwände- rung aus der dritten in die vierte Klasse sei bedeutender, als ge- meinhin angenommen. Es sei also alles in allem mit einer Minder- einnähme von 2 Ii Millionen Mark zu rechnen. Demgegenüber würden Ersparnisse an Ausgaben nicht eintreten. Die Mehraus- gaben für Eisenbahnkohlen würden jährlich etwa 809 000 M. be- tragen. Es sei also bestimmt damit zu rechnen, daß der für 1908 peramfchlqgte Ueberffchmß nicht erreich t werde. Eine Besserung für 1999 sei nicht zu erwarten. wenn auch nach der Bekundung erfahrener Geschäftsleute eine weitere Berschlcchtcrung der Verhältnisse kaum eintreten dürste, Soldntenfreude». 413 deutsche Deserteure sind nach einer Mitteilung des„Petit Parisien" seit dem 1. Januar 1908 in Verdun angekommen. Die meisten dieser Deutschlandmüden gehen in die Fremdenlegion. Eine ergreifende Illustration zu dem: ,O, welche Lust, Soldat zu sein l" Die Balkankrise. . Wieder eine Kriegsdemonstration. Belgrad, 29. Oktober. Heute fand eine Kundgebung von mehr als zehntausend Personen statt, die dem König vor dem Palais Huldigungen darbrachten und sodann vor die russische Gesandtschaft zogen. Professor Popowitsch hielt eine Ansprache, auf welche der russische Ge- sandte mit Worten des Dankes erwiderte. Keine Kompensationen. Konstantinopel, 29. Oktober. DaS Komiteeorgan„Schurai Ummet" veröffentlicht eine albanesische Proklamation, in der gegen jede Kompensation an Serbien, Montenegro, und Griechenland durch albanesisches Gebiet kategorisch protestiert wird. Die Proklamation mahnt zur Ruhe und zu gemein- schaftlicher Arbeit. Die Verhandlnngen. Frankfurt a. M., 30. Oktober. Die„Frankfurter Zeitung" meldet aus Sofia: Die Pforte ließ hier gestern die offizielle Mitteilung machen, sie sei bereit, mit Bulgarien in direkte Verhandlungen zu treten. Der Ministerrat dürfte bereits heute über die Ernennung der bulgarischen Delegierten be- raten. Gegen die Konferenz. Petersburg, 30. Oktober. Die„Nowoje Wremja" ist der Ansicht, daß die russische Regierung angesichts des Ergebnisses der Reise Jswolskis nach Berlin amtlich erwägen werden müssen, ob sie sich an einer Konferenz über- Haupt beteiligen solle. Das Blatt glaubt, daß es für Rußland vorteilhafter sei, den serbischen Wünschen entgegen- zukommen und energischen Einspruch gegen die Annexion Bosniens und der Herzegowina durch Oesterreich zu erheben. Auch die übrigen Blätter sind ähnlicher Ansicht und betrachten die Konferenz als unnötig und nur als für Ruß- land demütigend. ftonhmcb. Ein Mißerfolg der Klassenjustiz. Paris, 30. Oktober.(Privatdepcschc des„Vorwärts".) Der Versuch, die Preußischen Methoden der Klassenjustiz nach Frankreich zu verpflanzen, ist erfolglos geblieben. Die Vorstandsmitglieder der Arbeitskonfödc» ratio«, welche seit dem Blutbad von Villcneuve verhaftet wurden und bereits seit drei Monaten in Unter» suchungshaft sitzen, werden heute freigelassen. Der Bericht des Untersuchungsrichters an den Staatsanwalt lautet auf E i n st e l l u n g des Verfahrens. Die Regierung Clömenceau tvird jetzt Rechenschaft zu geben haben über den Justizskandal, der die Führer der Gewerkschaften drei Monate Hast gelostet hat. Rußland. Der Baltische Geueralgoaverveur und die Unternehmer. Folgende, selbst für die russischen Verhältnisse seltene Un- geheuerlichkeit wird der„Rjetsch'" aus den baltischen Provinzen gemeldet: Als vor kurzer Zeit der Kriegszustand in den baltischen Gouvernements durch den des außerordentlichen Schutzes ersetzt wurde, erachtete es der Generalgouverneur, Meller-Sakomelsky, für geboten, alle während des Kriegszustandes erlassenen„Ver- Ordnungen" zum Schutze..der öffentlichen Ruhe und Ordnung" in vollem Maße aufrecht zu erhalten. Er tat aber auch noch ein übriges und fügte eine neue Verordnung hinzu, die lautet:„Den Leitungen der industriellen Betriebe ist es verboten, Personen in Arbeit zu nehmen, welche bereits einmal wegen Streik oder Agitation entlassen gewesen sind und eine gerichtliche oder administrative Strafe erlitten haben." Eine Ausnahme wird nur für Vorzeiger eines polizeilichen Attestes über spätere„gute Führung" gemacht. Durch diesen Utas werden in der unmensch- lichsten Weise Hunderte, vielleicht auch Tausende von Arbeitern nebst ihren Angehörigen buchstäblich dem Hungertode preisgegeben, da es ihnen von nun an unmöglich sein wird, in irgendeinem Be triebe der baltischen Provinzen Arbeit zu finden. Außerdem bietet die in Frage stehende Verordnung des Generalgouverneurs den baltischen Unternehmern eine gesetzliche Handhabe zur Einführung von s�ch tvarzen Listen. Es sind schon seit langer Zeit von ihnen Versuche gemacht worden, die Anstellung von mißliebigen Arbeitern durch besondere Zeichen auf den Pässen usw. unmöglich zu machen, aber diese sauberen Pläne sind bisher stets an dem Widerstande der Arbeiter gescheitert. Die Unternehmer sind des- halb im Sommer dieses Jahres zur Gründung eines Vereins ge- schritten, dessen Mitglieder sich dazu verpflichteten, jede erfolgte Arbeiterentlassung sofort anzuzeigen und die nicht wieder Ein- zustellenden namhaft zu machen. Bisher hatte der Verein keine bedeutende Mitgliederzahl, aber die Verordnung des General- gouverneurs wird jetzt das ihrige tun und die Unternehmer förmlich zwingen, dem„Verein der schwarzen Listen" beizutreten, da sie sonst riskieren, sich durch Aufnahme politisch„unzuverlässiger" Arbeiter strafbar zu machen. So haben die Kapitalisten der baltischen Provinzen in der Person des Meller-SaiomelSky einen mächtigen Freund und Gönner in ihrem Kampf gegen die Ar- beiterschaft gefunden.— Soziales. Sozialpolitisch« Anträge im Ausschuß des Berliner Gewerbegerichts. Der Ausschuß des KaufmannSgerichtS zu Berlin beschäftigte sich in zwei aufeinander folgenden Sitzungen mit Anträgen betreffend Abänderung der Bestimmungen der Gewerbeordnung über die Sonntagsruhe in: Handelsgewerbe. Die dem Zentralverbande der Handlungsgebilfen und Ge- hilfinnen Deutschlands zugehörigen Beisitzer hatten beantragt. vollständige Sonntagsruhe im Handelsgewerbe einzuführen. Ausnahmen sollten nur für Verkauf von Milch. Backwaren, Fleisch und Eis innerhalb einer Verkaufszeit von zweiStunden, die um v Uhr vormittags beendet sein muß, gestattet sein. Dieser Antrag erhielt die Zustimmung mit der Abänderung, daß auch die Blumengeschäfte in die Ausnahmen einbezogen wurden und die Schlußzeit auf 10 Uhr vormittags festgesetzt wurde. Alle weiteren Ausnahmen wurden durch die Stimmen sämtlicher Gehilfenbeisitzer und der des Genossen Singer abgelehnt. Des weiteren wurde folgende Straf- bestimmung beschlossen: Dem Z 146a der Gewerbeordnung die Fassung zu geben:„Mit Geldstrafe von SO bis 600 M. oder mit Haft, im Wiederholungsfälle mit 100 bis 600 M. Geldstrafe und Hast wird bestraft, wer gegen die§§ 105b und I06e der Gewerbeordnung verstößt." Zur Durchführung der Sonntags- ruhe sowie der sonstigen Schutzvorschcisten für die Handels- angestellten, Beamte, sollen serner Handelsinspektoren angestellt werden, zu deren Unterstützung von den Handlungsgehilfen zu wählende Vertrauensperionen zugezogen werden sollen. Diese Anträge gelangten nach wärmster Befürwortung durch Genossen Singer und allen Gehilsenbeisiyern zur Annahme. Die Chef-Kollegen des Genossen Singer bekämpften die Anträge auf das heftigste._ Bei der Bertrcterwahl zur Ortskraukcnkasse in Wandsdeck, die in den letzten Tagen stattfand, erhielten die Kandidaten des Gcwerkschaftskartells 23l. die Kandidaten der„Gelben" 45 Stimmen. Da dem langjährigen Geschäftsführer dieser Kasse, einem früheren Feldwebel, der„neue Kurs" anscheinend nicht mehr konvenierte, kündigte er. Es wurde der Genosse Bruhns in dieses Amt berufen. SewerKfcKaMicKeq. Tie Hundepeitsche als Andenken! König Stumm, Herrscher auf Schloß Halberg und Ve Herrscher der Halberger- und Neunkirchener Hütte regierte in seinem Betriebe„patriarchalisch" mit der— Hundepeitsche Die Außenwelt hat über die Willkürhcrrschaft dieses kapita> listischen Gewaltmenschen manches erfahren, doch von den Willkürakten, die er unter setner Arbeiterschaft und den Be wohnern von Neunkirchcn, Brebach und selbst in den Saav städten ansgeübt hat, wird nichts mehr oder mir wenig in die Oeffentlichkeit dringen. Im engen Saarabien flößt der Name Stumm heute noch einem großen Teil der Bevölkrung Furcht ein. als triebe der Geist Stumms noch seinen unseligen Spuk, während andere mit Verachtung und Haß von ihm sprechen. Der Zufall spielt uns einen Brief in die Hände, den ein ehemaliger Stummschcr Arbeiter an die Freifrau Stumm-Halberg geschrieben hat. der entweder ein Teil Ironie enthält, aber sonst dem Sklavensinn eines saarabischen Arbeiters entsprungen oder im einen wie im anderen Fall wirft er ein recht bezeichnendes Licht auf die Zustände, die beim König Stumm herrschten und vor allem auf diesen selbst. Der Brief lautet: Neunkirchen, den 10. Oktober 190S. Hochedle Freifrau I Als junger Arbeiter, au der Schwelle meines Lebens habe ich im Eisenwerk zu Neunkirchen bei Ihrem hochseligen Herrn Gemahl gearbeitet, den ich von dieser Zeit an abgöttisch lieben und ver- ehren gelernt habe. Das Schicksal hat mich aus dem Dienste der hochherzigen Familie Stumm-Halberg gebracht und ist mir auch nicht ei» Andenken an den mir so lieb gewordenen Herrn v. Stumm verblieben. E'S dürfte deshalb!n einerseits nicht zu viel verlangt sein, wen» ich Sie, hochedele Freifrau, um Ucbrrlassuug der Hundepeitsche bitte, mit der Ihr hochsrliger Herr Gemahl mich, anstatt Lohnaiifbesscrung, Ansang der 90er Jahre durchprügeln wollte. Ich verspreche Ihnen, hochedele Freifrau, die freiherrliche Hundepeitsche als teueres Andenken bis zu meinem Lebensabend in hohen Ehren zu halten. Was die„hochedele" Freifrau geantwortet hat oder ant- warten wird, entzieht sich bis jetzt unserer Kenntnis, doch soviel wir hörten, sollen noch mehrere Arbeiter aus demselben Grunde Anspruch auf die Hundepeitsche machen. SerNn und Umgegend« Ein neuer Tarifvertrag für das Weißgerbergewerbe. Als Mitte September d. I. die Wcißgerber, Lederfärber und Hilfsarbeiter dieses Berufs ihre Forderungen zum Tarifvertrag eingereicht hatten und die Verhandlungen einsetzten, schien es, als ob eine Einigung der Parteien überhaupt nicht möglich sein würde. Die Arbeitnehmervertreter kündigten dann den alten Tarifvertrag und handelten damit durchaus im Einverständnis mit ihrer gc- samten Kollegenschast. Die Verhandlungen wurden vor dem Eini- gungsamt des Getverbegerichts fortgesetzt, aber am 20. Oktober ab- gebrochen, nachdem es aussichtslos erschien, eine Einigung zustande zu bringen. Das Angebot der Fabrikantenvertreter oder ihrer Bei- sitzer, nach Verlauf eines Jahres V/s Proz. und für das letzte Tarifjahr nochmals IM- Proz. zuzulegen zum Lohn und weiter nichts zu bewilligen, war den Arbeitern unannehmbar,»sie wollten lieber ohne Tarifvertrag weiterarbeiten und ihre Forderungen zurückziehen, erklärten sich aber gleichwohl bereit, bei annehmbaren Zugeständnissen einen neuen Vertrag abzuschließen. Den Fabri- kanten erschien eine tariflose Zeit nicht wünschenswert. Sie wollten sich nicht bei besserem Geschäftsgang der Gefahr eines allgemeinen Lohnkampfes aussetzen, und sie hatten offenbar Vorbereitungen ge- troffen, um nach Ablauf des alten Vertrages einen schlveren Schlag gegen die Arbeiterschaft des Berufes zu fuhren, die Wirtschaftskrise auszunutzen, um den Arbeitern die alten oder noch schlechtere Lohn- und Arbeitsbedingungen für eine Reihe von Jahren aufzuzwingen. Nun ist es jedoch Anfang dieser Woche zu neuen Verhandlungen gekommen, und hierbei einigten die Vertreter beider Parteien sich über einen neuen Tarifvertrag. Er besagt in seinen Hauptpunkten: Die tägliche Arbeitszeit beträgt, wie bisher, SM-(stunden; an den Vorabenden der drei Hauptfeste ist jedoch um 4 Uhr Feierabend. Der Stundenlohn der Gerber- gesellen ist bis zum 1. Juli 1910: 51 Pf., swtt bisher 50 Pf., der der Färber 46� Pf., statt bisher 45lb Pf. Vom 1. Juli 1910 ab ist der Gerberlohn 52� Pf., der Färberlohn 43 Pf. Für Heber- stunden und Sonntagsarbeit wird 10 Pf. Zuschlag die Stunde be- zahlt, was auch für die Akkordarbeiter gilt. Vor jeder Arbeitspause wird eine Waschzeit von 5 Minuten gewährt. Die Akkordlöhne der Zurichter, Bimser, Schlichter, Dollierer, Abreiber usw., sowie die der im Akkord arbeitenden Gerber sind sofort um 2 Proz. und am 1. Juli 1910 um weitere 3 Proz. zu erhöhen. Die Verteilung des Zuschlags auf die einzelnen Sorten wird in den Fabriken selbst vereinbart. Der Lohntarif ist in den Fabriken auszuhängen, und auf einer Tafel sind die jeweilig in Arbeit befindlichen Ledersorten anzuzeigen. Zur Regelung des Lehrlingswesens ist die Bestimmung getroffen, daß die Gesamtzahl der Lehrlinge 10 Proz., bei Be- trieben mit lveniger als 50 Arbeitnehmern 15 Proz. nicht über» steigen soll. In jeder Fabrik ist ein Arbeiterausschutz zu wählen, der auch zu Rate gezogen werden muß, wenn bei schlechtem Ge- schäftsgang Massenentlassungen stattfinden sollen. Für die Lohn- und Arbeitsbedingungen der ungelernten Arbeiter gelten die Ab- machungen nicht. Die Löhne Nichtorganisierter gelernter Arbeiter, die mit qualifizierter Arbeit beschäftigt werden, sind nach dem Tarifvertrag zu regeln. Daß dies, was bei anderen Tarifgemein- schaften selbstverständlich ist, hier besonders hervorgehoben wird, hat seinen Grund darin, daß noch einzelne Streikbrecher aus dem Jahre 1905 vorhanden sind, die bisher teils unter Tarif arbeiteten und so gegen die organisierten Arbeiter als Lohndrücker gebraucht wurden. Bei alten, kranken und invaliden Arbeitern, die nicht mehr im Besitze ihrer vollen Arbeitskraft sind, bleibt der Lohn der freien Vereinbarung Überlassen. Die Schlichtungskommission bleibt, wie bisher, bestehen; jedoch hat der Vorsitzende der Zahlstelle Berlin des Lederarbeiterverbandes das Recht, an ihren Sitzungen mit be- ratender Stimme teilzunehmen. Der neue Vertrag gilt bis zum 1. März 1912 und läuft, falls er nicht 4 Wochen vorher gekündigt wird, ein Jahre weiter. Während der Kündigungsfrist sind Ent- lassungen nur bei Verstößen gegen die Fabritordnung zulässig. Machen sich aus anderen, besonderen Gründen Entlassungen not- wendig, so ist zuvor der Fabrikausschuß und nötigenfalls die Schlich- tungskommission hinzuziehen. Andererseits dürfen die Ackbeit- nehmer die Arbeit während der Kündigungszeit nicht ohne triftigen Grund aufgeben, worüber in Streitfällen ebenfalls die Schlichtungs- kommission zu entscheiden hat. Der Lederarbeiterverband ver- pflichtet sich und sorgt dafür, daß alle bis zum 12. Februar 1912 in Gerbung befindlichen Felle regelrecht bis zur Borke heraus- gearbeitet werde ir. Solange diese Ausarbeitung stattfindet, sind fämtliiche gelernten Arbeiter zu beschästigen.— Schließlich ist dem Tarifvertrag noch folgender Nachsatz angefügt: Seitens der Arbeitgeber- wie der Arbeitnehmerorganisation soll der Versuch gemacht werden, ein gemeinsames Vertrags- Verhältnis für die gesamte Glaceleder- industrie Deutschlands, ähnlich z. B. dem Vertrag im Buchdruckgewerbe, herbeizuführen. Zweck dieses Vertrages soll sein, möglichst ausreichende, den Frieden im Gewerbe fördernde, gemeinsame Lohn- und Arbeitsbedingungen festzulegen. Beide Teile, Arbeitgeber wie Arbeitnehmer, verpslichten sich, in ihren Organisationen diese Frage zu propagieren. In nicht zu ferner Zeit, jedenfalls vor dem Schluß deS Jahres 1911, soll eine gemeinsame Konferenz, wenn möglich unter Vorsitz des Herrn Direktors Schulz, stattfinden, um die Verwirklichung dieses Zieles in die Wege zu leiten." Die Filiale I des Lederarbeiterverbandcs hielt zunächst am Dienstag dieser Woche eine Versammlung ab, der der neue Tarif- vertrag von der Lohnkommission vorgelegt und zur Annahme empfohlen wurde. Diese Versammlung kam jedoch mit einem Uebergewicht von wenigen Stimmen zu einem ablehnenden Be- schluß. Die Vertreter sollten nochmals versuchen, weitere Zuge- ständnisse zu erzielen. Das gelang jedoch nicht. Am Donnerstag fand nun abermals eine äußerst zahlreich besuchte Versammlung statt und hier wurde nach lebhafter Debatte der neue Tarifvertrag mit 238 gegen 116 Stimmen angenommen. Sowohl die Lohnkom- Mission wie die Verbandsleitung und der aus Hamburg anwesende Vertreter deS VerbandsauSschusscs hatte» mit Rücksicht auf die all- gemeine Wirtschaftskrise, die große Arbeitslosigkeit, unter der viele Berufsgenosscn lange und schwer zu leiden hatten, empfohlen, den ja allerdings mageren Vergleich einem vielleicht nutzlosen Kampf vorzuziehen, und dieser Auffassung schloß sich die Mehrheit der Versammlung an, auf weitere Verbesserungen, und namentlich auf die bei der schweren Arbeit doppelt wünschenswerte Verkürzung der Arbeitszeit zu verzichten._ Achtung, Buchbinder und Kontobuchbinder! Die Buchbinderei- bcsttzcr in Stockholm. Eslilstuno(Schweden). PorSgrund und Skien (Norwegen) haben ihre Arbeiter wegen tariflicher Differenzen aus- gesperrt. Es wird nun versucht, deren Arbeit in Deutschland fertig- stellen zu lassen. In Leipzig haben unsere Kollegen die Fertig- stellung von schwedischen Schulbüchern mit Erfolg verweigert. In Berlin ist bis jetzt beobachtet, daß hier Geschäftsbücher durch den Kommissionär Dalwigk in Genf in Auftrag gegeben werden. Diese Aufträge stammen von den aussperrenden Firmen und ist die Herstellung dieser Arbeiten zu verweigern und das Bureau sofort in Kenntnis zu setzen. Die Ortsverwaltung. Achtung, Steinarbeiter! Wegen Lohndifferenzen mit der Firma O, Fiebiger, Potsdam, ist der Renovierungsbau„Alte Wacke" gesperrt. Die Kollegen werden ersucht, bis zur Beseitigung der Differenzen Arbeitsangebote dieser Firma überhaupt zurückzuweisen. Zentralverband der Steinarbeiter Filiale Berlin I. Berichtigung. In unserem vorgestrigen Artikel„Aus der Hexen- küche des ScharfmachertumS" befinde» sich am Schluß einige kleine Druckfehler. Es muß dort heißen auf der virriletzten Zeile statt „Vorreden"»vorrechnen" und statt.2.50 M."»2,84 M." Deotrehes Reich. Weitere Tarifabschlüsse im deutschen Baugewerbe. Im Verfolg der diesjährigen Tarifvertrags- den 24. Oktober d. I. weitere unter den Schiedsspruch des unpar» teiifchen Kollegiums vom 27. April d. I. fallende sechs Ver- träge von den Zenlralvorständcn geprüft und genehmigt. ES handelt sich hierbei um die Verträge für Bromberg(Maurer. Zimmerer und Bauhilfsarbeiter), Altrahlstedt(Maurer, Zimmerer und Bauhilfsarbeiter), Kalkberge(Zimmerer), Rathenow(Maurer und Zimmerer), Uelzen(Maurer, Jim- merer und Bauhilfsarbeiter) und Wilhelmshaven(Maurer, Zimmerer, Bauhilfsarbeiter und Zentralverband der christlichen Bauhandwerker.) Des weiteren wurden gleichzeitig die seinerzeit nicht in ge- nügender Zahl eingesandten Verträge für Jena, Kosten, L ö» bau, Neugersdorf. Neudamni, P a s s a u und Reichenbach(Schlesien) unterzeichnet; sowie schließlich fünf weitere Verträge, die jedoch nicht unter den Schiedsspruch fallen, aber auf der Basis des vereinbarten Vertragsmusters abgeschlossen wurden. Hierbei handelt es sich um die Verträge für Augs- bürg(Maurer, Zimmerer und Bauhilfsarbeiter und Zentral- verband der christlichen Bauhandwcrker), Grimmen-Trib» s c e s(Maurer und Zimmerer). Langensalza(Maurer, Zim- merer und Bauhilfsarbeiter), Meißen(Maurer und Zimmerer) und Staßfurt(Maurer). Von den unter den Schiedsspruch fallenden Verträgen fehlen noch diejenigen für Pirna, Salzungen, Emden und Fürsten walde(Spree). Die Verträge für die beiden letzteren Orte sind jedoch in den letzten Tagen perfekt geworden, so daß nur noch die beiden Verträge für Pirna und Salzungen ausstehen. Zurzeit sind Verhandlungen für den Abschluß neuer Tarif- Verträge in D a n z i g. Kiel und T h o r n eingeleitet, denen in nächster Zeit noch weitere folgen werden. Die neuen Verträge werden ebenfalls aus der Grundlage des Vertragsmusters und den dazu gehörigen protokollarischen Erklärungen abgeschloffen werden, Ausland» Die MassenauSfperrung in der finnischen Metallindustrie, die sich auf die Arbeiter der meisten und größten Fabriken erstreckte und seit dem 1. Oktober dauerte, ist Mltle dieser Woche beendet worden, nachdem sowohl die Arbeiter wie die Unternehmer einem Ver- mitteluugsvorschlag zustimmten, den der Chef des HandelSdeparte- mentS des finnischen Senats gemacht hatte. Dieser Kampf, der größte, den die noch ziemlich junge finnische Gewerkschaftsbewegung isher zu bestehen hatte, hat also mit einem Vergleich geendet. Versammlungen. Eine Protcstversammlung der Fleische« fand am Donnerstagabend in den„Musikersälcn" statt. Die De» hauptung des Sprechmeisters der Innung, Dräbert. daß Mangel an Fleischergesellen in Berlin bestehe, gab die Veranlassung dazu. In Nr. 248 der„Allgemeinen Fleischer-Zeiwng" findet sich eine Notiz, nach welcher im Monat September 656 Stellen bei einem Lohnsatz von 10 bis 20 M. pro Woche nicht besetzt werden konnten. Bis Mitte Oktober sollen ebenfalls zahlreiche Stellen nicht besetzt worden sein. Diese Behauptungen unterzog Paul Bergmann, der Referent des Abends, einer eingehenden Kritik. Er wies darauf hin, daß in der Mulackstraße, wo der Stellennachweis sich befindet, hunderte arbeitsloser Fleischer auf eine Gelegenheit zur Arbeit warten. Dräbert selbst muß täglich viele Leute wieder fortschicken� die bei ihm nach Arbeit fragen. Man lockt jetzt wieder Leute aus der Provinz nach Berlin, um hier die Löhne zu drücken und die ohnehin schlechten Verhältnisse noch miserabler zu gestalten. Die Betriebe, die über Arbeitermangel klagen, sind verrufen und werden gemieden von. jedem, der die Verhältnisse kennt. Da werden dia Gesellen viel schlimmer als Hund und Pferd behandelt; eine 14-, 16- und 18stündige Arbeitszeit wird verlangt und die rücksichtslose Ausbeutung ist unerträglich. Solche Stellen werden natürlich möglichst schnell wieder verlassen, und dann schreien die Meister über Arbeitermangel. Gern stellen sie unerfahrene Leute aus der Provinz ein, weil diese sich viel gefallen lassen und zu den billigsten Preisen arbeiten. Der Zentralverband der Fleischer erhebt dagegen Protest und warnt die Gesellen in der Provinz, den falschen Lockungen zu folgen.— In der Diskussion wurde diesem Protest von allen Seiten Ausdruck gegeben und der Anschluß an den gen- tralverband als beste Vertrekung der Interessen der Fleischer- gesellen allen Anwesenden empfohlen. » Nach Schluß der Versammlung zog der größte Teil der Der- sammlungsbcsucher nach dem Arbeitsnachweis der Fleischerinnung. Mulackstr. 3. Vor demselben wurden die Rufe laut:„Gebt uns Arbeit!"„Wo sind die vielen unbesetzten Stellenl" Bald darauf erschienen 6— 7 Schutzleute, die Schuppenketten herunter und den Säbel in der Hand, und drängten die Menge nach den Seiten- straßen. Obgleich die Waffe gebraucht wurde, sind Verletzungen nicht bekannt geworden. Der Ansturm der Polizei wurde mit „Hallo" begrüßt. Bon Unbekannten wurde eine Scheibe im Ar- beitsnachweis sowie die Laterne daran zertrümmert. Nachdem sich die Menge verzogen hatte, nabme» i»» Sckmtzleute mehrere Ver« Haftungen vor. Letzte JVacbmhtcn und Dcpcrcbeit Die Krise. Oberhauscn, 30. Oktober.(B. H.) Wegen Absatz- mangels ruht heute und morgen aus Schacht 2 und 3 der Zeche Concordia der gesamte Betrieb. Es werden 2200 Mann davon betroffen. Außerdem feiert aus dem gleichen Grunde heute die„Gute Hoffnungshütte" aus deren sämtlichen Schächten mit 4000 Mann Belegschaft. Begnadigt! Frirdberg(Oberhessen). 30. Oktober.(B. H.) Dem früheren Landtagsabgcordnetcn Hirschel, welcher seinerzeit wegen Unter. schlagung zu 5 Wochen Gefängnis verurteilt worden war. wurde heute die Strafe im Gnadenwege in 600 M. Geldstrafe um- gewandelt. Arbeiterristko. Kassel, 30. Oktober.(B. H.) Im städtischen Steinbruch am Werrberg bei Nomberg ereignete sich ein schwerer Unglücksfall. Während drei Arbeiter dort beschäftigt waren, löste sich plötzlich ein Blockstein los und begrub zwei von ihnen; einer wurde getötet, der andere erlitt schwere Verletzungen. Emmerich, 30. Oktober.(B. H.) Von dem in der Wieder- Herstellung begriffenen Bau der evangelischen Kirche stürzte heute vormittag beim Heraufwinden eines schweren SteineS ein Maurer aus erheblicher Höhe.in den Jnnenraum der Kirche. Der Ver- ungtückte blieb tot liegen. Clermonl Ferrand, 30. Oktober.(W. T. D.) Eine Kiste mit der Aufschrift„Spezereiwaren" explodierte auf dem Bahnhof w Le Breuil bei Jssoire. Zwei Bahnbeamte wurden getötet und meh- rere verletzt. Die Kiste enthielt Feuerwerkslörper. ___ abschlüsse im deutschen Baugewerbe wurden am Sonnabend. verantw. Redakt.: Georg Davidsohn. Berlin. Inseratenteil verantw,: ZH.Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: VorwärtZBucbdr. u. Verlaasanstalt Paul Singer L- Co., Berlin SW. Hierzu 4 Beilagen u.Unterhaltungebl.' Hr. 256. N.Zahlgang. t KtilM des.AlMlls" Keriimr KIKchlM Zolltlabeud, 3t. Oklober l968. /Zbgeoränetenkaus. ß, Sitzung. Freitag, den 30. O!tobcr/> vormittags 10 Uhr. Am Ministertisch: Freiherr v. Rheinbaven. Die erste Beratung des Pfarrcrbesoldiingsgcsetzcs toird fortgesetzt. Abg. Ttppe(natl.) erkennt die Notwendigkeit an. die Gehälter der Geistlichen auszubessern. Eine Verständigung über Einzel- heiten werde in der Kommission zu erzielen sein. Abg. Biereck(ff.) erklärt das Einverständnis seiner Freunde mit der Vorlage. Wir haben allen Anlaß, die Bcrufsfreudigleit der Geistlichen zu heben. Abg. Eickhoff(srs. Vp.): Früher war auch ein Teil meiner Freunde der Ansicht, daß eS Sache der Kirchengemeinde sei, für die Gehälter der Geistlichen zu sorgen. Dieser Standpunkt ist selbstverständlich für jeden, der für die Trennung der Kirche voni Staat eintritt. Aber der Zeitpunkt dafür ist in Deutschland noch nicht gekommen, darin stimme ich mit dem Herrn Professor Kahl durchaus überein. Wir müssen uns vielmehr ans den Boden der Tatsachen stellen; deshalb erkennen wir. eine Notwendigkeit zur Besserstellung auch der Geistlichen an. Ebenso wie die evangelischen und katholischen Kirchengemeinden, habew übrigens auch die jüdischen Kirchengemcinden einen Anspruch auf Staatszuschutz. Entschieden müssen wir bei dieser Gelegenheit protestieren gegen Fälle, in denen Geistlichen die kirchenamtliche Bestätigung versagt wird, nur weil sie eine freiere Richtung vertreten. Das wider- spricht geradezu dem vitalen Interesse der evangelischen Kirche. Wir würden auch nievials einem Pfarrerbesetzungsgesetz zustimmen können, das die Freiheit der evangelischen Kirchengemeinden einschränkt. Dem Widerspruch des Herrn Porsch gegen die Bc- stimmung, wonach katholische Pfarrer in den polnischen Provinzen aus politischen Gründen besondere widerrufliche Zulagen erhalten sollen, schließen wir uns durchaus an.(Bravo! bei den Frei- sinnigen.) Abg. Stychel(Pole) wendet sich ebenfalls scharf gegen die widerruflichen Zulagen an polnische katholische Geistliche. Die polnischen Geistlichen tun nur ihre Pflicht, wenn sie den Religions- Unterricht in polnischer Sprache erteilen, damit die Kinder ihn auch verstehen. Abg. Hoffmann(Soz.): Unsere Stellung zur Vorlage ist ilipp und klar gegeben durch unser Parteiprogramm. Wir verlangen von der heutigen Gesell- schaft die Erklärung der Religion zur Privatsache i Lachen rechts), Abschaffung aller Aufwendungen aus öffentlichen Mitteln zu tirch- lichen und religiösen Zwecken. Wir verlangen Trennung der Kirche vom Staat, weil diese beiden Institutionen nichts mit- einander zu tun haben oder zu tun haben sollten. Diese Forderung ist nicht eine ausschließlich sozialdemokratische Forderung, sondern eine gut bürgerliche Forderung, nur hat sie leider in unserem deutschen Vaterlande das Bürgertum längst auf- gegeben. In Amerika ist Trennung von Staat und Kirche aber durchgeführt, ebenso in Frankreich; auch in Genf ist sie durchgeführt, und zwar durch Volksabstimmung. Tort ist ja das Entsetzliche in einem bürgerlichen Staate schon zur Wahrheit geworden, daß über wichtige Fragen das Volk die letzte Entscheidung hat. lieber diese Abstimmung schrieb ein Genfer Blatt:„Man hört die Patrioten aus offener Straße schluchzen und weinen wie die 5linder." Wie die Kinder» mag richtig sein. (Heiterkeit bei den Sozialdenwtraten.) Es kommt ja auch bei uns vor, daß gute Patrioten schluchzen und weinen, wenn sie bei patriotischen Festen voll des edlen Nasses sind.(Große Heiterkeit.) Aber solche Patrioten sollten nicht maßgebend sei» für die Haltung des Staates. Der Gedanke der Trennung von Kirche und Staat gewinnt auch in Deutschland in bürgerlichen Kreisen immer mehr Anhänger. Professor Kahl hat sa auch in seiner Nektoratsantritts- rede darüber gesprochen. Er selbst hat sich natürlich— das muß ja schon ein preußischer Profegor— dagegen erklärt, aber er hat hinzugefügt, das; alles in Deutschland danach drängt, Kirche und Staat voneinander zu trennen. Wir haben auch Ansätze in der Geistlichkeit selber nach dieser Richtung. Zum Beispiel gibt es eine ganze Reihe evangelischer Geistlicher, die ganz ernsthaft darauf hindrängen. . Präsident v. KrScher: Herr Abgeordneter, es handelt sich hier nur darum, die Geistlichen zu besolden. Abg. Hoffmano(Soz.): Ja, ich meine, wenn die Geistlichen vom Staate besoldet werden sollen, und wenn der Staat, d. h. das Volk abermals... Präsident v. Kröcher: Ich bitte, zur Sache zu kommen. kleines feuilleton. Die sibirische„Katorga". Der schwedische Komponist Hartcveld, 0er sich vor einiger Zeit, mit glänzenden Empfehlungen ausgerüstet, nach Sibirien begab, um russische Gefängnislieder zu sammeln, teilte der Redaktion der Petersburger Zeitung„Rowaja Ruß" seine sibirischen Gefänguiseindrücke mit, die alles, lvas in letzter Zeit über die Greuel in der sibirische»„Katorga" geschrieben wurde, in den Schatten stellen. Hartcveld sah init eigenen Augen alle .Denkwürdigkeiten" der Katorga. deren Existenz von den Sold- schreibern der Zarenregiernng gewöhnlich gelaugnel wird. Er sah den berüchtigten„warmen Karzer" im Toboloker Gefängnis, in welchem die Gefangenen bei lebendigem Leibe gcbralen werden, er sah daselbst eisendurchflochtene Knuten, die, obwohl laut Gesetz abgeschafft, in der Wohnung des GcfängnisdirektorS Mogilew für alle Fälle aufbewahrt werden. Er sah Gefangene, die von Selbstmordmanie ergriffen waren und den Tod als einzigen Erlöser herbeisehnten; er sah den politischen Gefangenen VuziuSkh, der in- folge der bei der Verhaftung erlittenen Mißhandlungen an der Schwindsucht dahinsiechte; er sah Gefangene(z. B. den politischen Gefangenen Tachtschoglo), die ihre eisernen Ketten zur Strafe auf dein nackten Körper tragen mußten und deren Beine darum eine offene Wunde darstellten, und er sah endlich Gefangene, die an Händen und Füßen gekettet im Hospital schwer krank danieder lagen. Besonders charakteristisch sind seine Eindrücke im berüchtigten Akatujetvschen Gefängnis.»Das erste, waS mir dort ausstel"— so erzählt er—„war der Umstand, daß bei allen Gefangenen die Vorderzähne fehlten. Auf meine diesbezügliche Frage antivortete» mir einige Gefangene, daß der GefängniSdireklor die Schuld daran trage. Der letztere erklärte mir in der Folge selbst während unserer Unterredung, daß er mit einem Faustschlage nicht iveniger als zehn Zähne aus dem Munde schlage." Wie sehr diese Mitteilungen objektiv gehalten sind, ist daraus ersichtlich, daß Harteveld sich gleich nach seiner Rückkehr aus Sibirien zum Ministerpräsidenten Stolypin begab. um ihn über die Zustände auf der.Katorga" aufzuklären. Harterveld war naiv genug zu glauben, daß diese Greuel ohne Wissen und Willen der Petersburger Regierung stattfänden und be- trachtete cS offenbar als seine Bürgerpstickit, an die„konstitutionelle" Gesinnung Stolhpins zu appellieren. Dieser mag zwar nicht sehr erbaut gewesen sein, an Stelle der erwarteten Mitteilungen über die Schönheit der sibirischen Lieder auch an die barbarischen Zustände auf der Katorga erinnert zu lverdcg. Er machte aber gute Micue zum bösen Spiel und versprach aus die liebenswürdigste Weise, den Abg. Hoffmann(Soz.): Ich spreche zur Sache. Präsident v. Kröchem Wenn ick Sie bitte, zur Sache zu sprechen, dann sprechen Sie eben nicht zur Sache. Ich rufe Eie zur Lrdilung.(Bravo! rechts.) Bitte sortzusahren. Abg. Hoffmann(Soz.) fortfahrend: ES werden in diesem Gesetzentwurf abermals 121-: Millionen von dem preußischen Volke verlangt, und wir sind der Meinung, daß nicht nur diese verlaugten Millionen ge- spart werden tonnen, sondern auherdem auch die 22 Millionen, die für die Geistlichen bereits gezahlt werden müssen, wenn die Kirche aus sich selbst angewiesen wäre. Der Kirche die Bezahlung ihrer Geistlichen selbst zu überlassen, liegt nicht nur im Interesse des Staates, sondern vor allem im Interesse der Kirche selbst. D i e Kirche kann niemals an Ansehen gewinnen, wenn sie vom Staate ausgehalten wird.(Unruhe rechts; Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Nicht nur der Staat, auch die Gemeinden müssen heute zu diesen Kosten bei- tragen. Der Staat tut nichts umsonst. Besonders angesichts der Finanzlage im Reiche und in Preußen ist es an der Zeit, darauf hinzuweisen, daß diese Summen überslüssig sind. Fügen Sie diese 121b Millionen dem Lehrerbesoldungsgeseb für unsere Volksschulen zu und verwenden Sie die anderen 22 Millionen für die Arbeiter und die kleinen Beamten.(Sehr gut! bei den Sozialdcmoiratcn.) Die Kirche sollte schon aus Reinlichkeitsgesühl einen Zuschuß vom Staate ablehnen. In der Toleranzkommission haben die katholischen Geistlichen erklärt, daß sie nichts dagegen haben, wenn Staat und Kirche gekrennt werden. Die evangelische protestantische Richtung war ja anderer Meinung, sie meinte, der Kirche würde das Rückgrat genommen. Es ist sehr wenig Gottvertraucn, lvas in diesen Worten liegt.(Heiterkeit bei den Sozialdemolraten.) Daß die Kirche für diese Summen, die sie vom Staate erhält, ihm bestimmte Dienste leisten muß, ist ganz erklärlich. Die Hauptpflicht der Kirche ist, die großen Massen des Volkes auf ein Paradies im Jenseits zu vertrösten, damit die Reichen Gelegenheit haben, sich hier das Paradies auf Kosten des Volkes schon z» begründe«.(Lachen und Pfui-Rufe rechts.) Wer im Rohr sitzt, schneidet sich Pfeifen, und wer im Paradies sitzt, hat gut Lachen.(Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Das gläubige Volk ist Ihnen(nach rechts) viel lieber wie ein d e n k e n d e s Volk, und unser Volk vom Denken abzuhalten, dazu besolden Sie die Geistlichen.(Gelächter rechts.) Ihr Lachen tvird an den Tatsachen nichts ändern. Zu diesem Zweck haben Sie auch die Schule der Kirche ausgeliefert. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es ist ja selbstverständ- lich, daß die herrschenden Klassen ein Interesse daran haben, die große Masse der Notleidenden und Wenden in guter Laune zu er- halten. Es gibt eine ganze Reihe von wirklich gläubigen Gerstltchen, die des Unwürdigen ihrer Abhängigkeit vom Staate sich voll bewußt sind. Ein Paswr hat erklärt:„Be- zahlt werden wir nicht dafür, die Wahrheit zu verkünden, sondern im Gegenteil, sie zu verbergen, zu umkleiden und nur das zu er- zählen, was die Leute zu hören wünschen."(Hört! hörtl Zuruf: rechts: Welcher Pastor?) Er wohnt nicht in Deutschland.(Lachen rechts.) Pastor Kutter hat gesagt:„Dem Gelde gehorchen alle, weil es sein Szepter schwingt über das, was alle begehren. Vor ihm erblassen alle Güter, weil sich in ihm das eigentliche Gut, von dem sie alle leben, spiegelt. Die kNacht dieser Welt strömt im Gelde aus, der Reiche ist Herr aller Dinge, er hat sein eigenes Recht, seine eigene Moral. Was er tut, darf nicht mit dem Maßstab des Gewöhnlichen gemessen werden." Wir haben ähnliche Aeuße- rgngen von Geistlichen in sehr großer Zahl in unserem deutschen Vaterland. Auch hier wird nicht mehr allgemein bestritten, daß in- folge des Staatszuschusses die Kirche nicht die Stellung einnehmen kann, die sie einnehmen müßte. So hat der Diakonus Bruck von Merseburg auf einer Kirchenzusammenkunft bei der Be- sprechung von Angriffen gegen die. Kirche gesagt:„Ich denke, wir haben den Mut, aufrichtig einzugestehen, daß die besitzenden Klassen einen großen Teil der Schuld an den Uebelständen haben, unter denen das Volk seufzt. Tie Kirche aber ist nicht immer die Ge- wissenserrcgcri» dieser Klassen gewesen." Gewiß sprechen die Geistlichen nicht immer ihre freie Ueberzengung aus, und zwar weil sie vom Staate besoldet werden und jetzt abermals t2Vä Millionen Zuschuß bekommen sollen. Die Forderung der O st m a r k e n- zulagen für die Geistlichen erbringt ja den vollen Beweis dafür, daß die Gehaltszulagen und der Staatszuschuß nichts weiter sein sollen als Belohnungen für das Wohlvcrhalteu der Geistlichen gegenüber der staatlichen und der herrschenden Ge» Walt, Belohnungen für die Besorgung der Geschäfte der Herr» schenden und besitzenden Klassen. Die Ostmarkenzulage soll ja nur den Geistlichen gegeben tverden, die artig und folgsam sind. Daß also die Staatszuschüsse nur für Gegendienste gegeben Schattenseiten des Gefängnislebens seine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Dies Versprechen wird ihn aber natürlich nicht hindern, die entsetzlichen Zustände aus der Katorga nach wie vor aufrecht zu erhalte». Theater. Schiller-Theater 0.:»Die ZwillingSschwester", Lustspiel von Ludwig Fulda.— Das in den neunziger Jahren vielgespielte Stück fand auch im Schiller° Theater freundliche Auf- nähme. Verwechselungen, die sich aus der frappanten Aehnlichkeit von Zwillingen ergeben, sind ein uraltes, schon in der antiken Komödie beliebtes Luftspielmotiv; aber Fulda hat ihm eine neue eigen- artige Pointe abgewonnen, cS ausgenutzt zu einer unter- haltsam- ironisch angelegten Satire auf die verliebte Blind- heit flatterbafter Ehemänner. Die junge schöne Guidetta, die sich über die Seitensprünge- und gleichgültige Kälte ihres Orlando härmt, verabschiedet sich zu einer Reise, um dann, verlleidel als ihre eigene Zwillingsschwester, im Hause des unternehinungslnstigen Strohwitwers zu erscheinen und seine Treue zu erproben. Orlando, durch die ungelvohnt koketten Künste entflammt, zu denen Guidetta ihre Zuflucht nimmt, schwört Stein und Bein, bei aller staunenS- werte» Aehnlichkeit sei zlvischen seiner Frau und diesem Engel ein klaffendtieser Wesensunterschied; er könne nicht mehr leben, wenn sie ihn nicht erhöre. So endigt das Spiel, als sich die Gattin schließlich zu erkennen gibt, mit einem glänzenden Triumphe für sie und sehr beschämender Blamage des Gemahl«, der aber i» Gnaden wieder aufgenommen wird. Nur wird das Vergnügen an dem hübschen geistreich persiflierenden Einfall durch die unproportionierte Breite der Aus- führung arg abgeschwächt; das Epigramm ist zu vier Akten aus- gesponnen! Die Darstellimg war fleißig und gleichmäßig vor« bereitet. V i kt o r E ck h a r d t brachte den Humor in der Figur des Düpierten wirksam und ohne Aufdringlichkeit heraus, Else W a s a erfreute in den Kriegslisten Guidettas durch anmutige, durch- triebene Munterkeit. St. Humor und Satire. Rache. Protz(der in einer Gesellschaft schlecht behandelt loiirdc. zu seiner Frau):„Und gleich morgen wird ein Automobil an- geschafft! Die Leut' sollen riechen, wer«vir sind!" AuS dem Gcrichtssaal. Richter:„Die Klägerin be- hauptet, Sie hätten ihr eine ganze Hand voll Wurstschalen durch das Fenster auf den Köpf geworfen. Haben Sie das mit Absicht getan?" — Angeklagter:„O nein— das ist nur so eine schlechte Gewohnheit von mir.* Verdächtig. Hausdrachen:„Da kriegt jetzt mein Mann schön ciu paar Tag', hiiitaeiiimider Bricse mit der Ausschrist:' werden, wird an dem Beispiel der polnischen Geistlichen so klar, daß cS auch der Dümmste im Volke einsehen mutz. Für den Slaatszuschuß, den der Staat gibt, verlangt er, daß die Geistlichen sich unbedingt in den Dienst des Staates und der herrschenden Klassen stellen, daß sie die Fahnen weiden, daß sie die Waffe» weiben, das? sie die Krieger segnen, die� hinausziehen, andere Christcnbrüdcr niederzumachen....(Stürmische Pfui-Rusa rechts; Zuruf: Es ist unerhört.' Schluß!) Präsident v. Kröcher: Herr Abgeordneter, ich bitte Sie, zur Sache zu sprechen. Abg. Hoffmanil(fortfahrend): Ich schließe mich ganz den Zurufen an, auch ich sage zu solchem Segen: Pfui!(Große Unruhe.) Die Geistlichen wären viel freier, wenn wir diesen neuen Staatszuschuß ablehnten. Dann könnten sie wirklich vertreten, was die Gläubigen bewegt. Dann tonnten sie den besitzenden und herrschenden Klaffen und auch Ihnen einmal die Wahrheit sagen. iLachcn rechts.) Aber das dürfen sie nicht, sonst müssen sie den Talnr ausziehen, sonst tverden sie um ihre Existenz gebracht. Die Geistlichen sind jetzt in einer ungeheuer abhängigen Lage. Ich gebe durchaus zu, das; die Gehälter vieler armer Gemeinden nicht verlockend sind. Aber wenn man die übermäßigen Gehälter in der Kirche abschaffte, konnte sie sich sehr gut allein unterhalten. So aber verlieren sie das Recht der freien Meinung durch den Staatszuschuß. Sehen Sie nur die Tätigkeit der Geistlichen in den ZentrnmSvc reinen an. Auch da müssen sie sich in den Arbeitervereinen zurückhalten, weil sie die christlich-katholischen Vereine ebenso auf den Kapitalismus dressieren müssen wie die anderen. Bei Unglücken im Bergwerk oder auf der Hochbahn, da stellen sich die Geistlichen, die. durch den Staatszuschuß gebunden sind, hin und sprechen von Gottes unerforschlichem Ratschluß, während genügende Lüftung, genügende Sicherheitsvorrichtungen...(Anhaltende stürmische Pfui-Rufe recbts und in der Mitte; Präsident v. Kroch er: Für diese Ausführungen, die Sie soeben gemacht haben, rufe ich Sie zum zweiten Male unter Hinweis auf die Folgen des dritten Ordnungsrufes nach ß 48 der Geschäfts- ordnung zur Ordnung! Lebhafter Beifall rechts und Schluß- rufe.) Abg. Hossmann(fortfahrend): Ich glaube Ihnen ja. daß Ihnen meine Ausführungen u n' bequem sind.(Lachen rechts.) Sonst riefen Sie ja nicht „Schluß!"(Zuruf rechts: Machen Sie doch keinen Unsinn!.) Herr Abgeordneter, ich weiß nicht, in welchem Artikel Sie machen! Aber Sie scheinen ja cia hübsches Talent für Bier- zeitungen zu haben.(Große Heiterkeit.) Der Finanz- minister hat in der Begründungsrede für diese Vorlage betont, wie sehr uns eine freudige Tätigkeit der Geistlichen not tue. Die Ost- markenzulape weist nach, in welchem Sinne diese Tätigkeit der Regierung not tut,— gegen die Polen, Der Finauzministcr hat neben den Geistlichen die Gendarmen in den Vordergrund der staatlichen Fürsorge gestellt und das große Interesse hervorgehoben. das das Haus stets an den Leuten genommen hat.(Heiterkeit.) Die Geistlichen und Gendarmen sind in der Tat die letzten Pfeiler Ihrer Herrlichkeit und darum suchen Sie diese mit allen Mitteln zu stützen.(Sehr gut!) bei den Sozialdemokraten. Lachen rechts.). Ich gönne jedem sein Geld, auch dem Geistlichen. Aber Sie müssen sich Ihren lieben Gott etwas kosten lassen, nicht die Andersgläubigen zum Bezahlen zwingen und nicht das Geld für die einzelne Kirche aus der Staatskasse entnehmen, in die auch Juden und Heiden steuern. Wie jeder anständige Mensch seinen Fleischer und seinen Bäcker bezahlt, so muß jeder auch einen Geistlichen bezahlen, wenn er seiner bedarf. Darum sollen die Gemeinden ihre Pfarrer bc- solden, und sie haben Geld und Mittel genug dazu. Nur dann könnten sich auch die Geistlichen der Mühseligen u nd B e- l a d e n e n a n n e h n: e n, aber durch den Staatszuschuß und die Staatskirche ist die Religion des Nazarcncrs eine Religion der Herrschende» und Besitzenden zur Unterdrückung der Notleidenden und Elenden geworden.(Lachen rechts.) Wenn die Kirche ihre Pflicht erfüllt, würde der Klassenstaat ihr den Zuschuß entziehen. Nur unter der Voraussetzung, daß die Geistlichkeit die Geschäfte des Staates besorgt, erhält sie diese neuen Millionen- znschüsse.— Ich will die Tätigkeit der Geistlichen nicht im einzelnen schildern, obwohl sich auch darüber mancherlei sagen läßt und die Tätigkeit doch mit' der Besoldung eng zusammenhängt. Aber in- den rlcinen Genreinden haben die Geistlichen außer den 06 Prc- digten im Jahre mehr oder weniger gar nichts zu tun.(Heiter- keit und Widerspruch rechts.) Warum enthält denn dieser Gesetz- entwurf keine Statistik über die Größe der einzelnen Gemeinden? Da würden Sie Wunderbinge erleben, wie k l e i n einzelne Gemeinden sind, und wie reich andere. Wenn hier die sogenannten Volksvertreter 12 neue Millionen für die „Streng vertraulich I" Jetzt mächt' ich bloß wissen, ob die von dem Chemilalienlieferanten für seine Weinpantscherei kommen, oder ob der Haderlump am End' gar wieder eine neue Liebschaft an- gefangen hat!" Modernste Malerei.»Was stellt denn eigentlich Ihre Leinwand vor, Meister?" »Das weiß ich selber nicht.. aber warten Sie nur, da» er fahren wir schon aus den Zcitungskritiken i"(»Flieg. Bl.") Notizen. Das Kleine Theater hat Ludwig Thoma'S neue Komödie„Moral" zur Aufführung erworben.> — Ueber Bosnien und die Herzegowina spricht am Montag Dr. E. A. H e i m a n n im Wissenschaftlichen Theater der Urania(Taubenstraße). Die Ausführungen des Vortragenden werden sich auch auf Teile Albaniens und Montenegros erstrecken. — Ein Museum für P o la r f orsch u n g wird am 15. Januar 1909 in Brüssel eröffnet. Das Institut wird vom internationalen Institut für Polarforschung geleitet werden. Es wird eine historische und eine moderne Abteilung unifassen, aber auch eine zoologische Abteilung erhalten. — Der Etat der russischen II n i.v e r s i t ä t e n. Nach einer Zusammenstellung der»Slowo" beläuft sich der Etat der neu» Universitäten des Reiches und des Dcmidow-Lyzeums in JaroSlaw auf ck 686 918 Rubel. Davon beanspruchen Moskau 1 070 6ck2 Rubel, Petersburg Sck0 808 Rubel, Kasan 526 686 Rubel. Odessa 5ck0 803; Charkow 496 658; Kiew 394 797; Toms! 373 271; Dorpat 308 457. Für die Universität Warschan werden im Budgetanschlags des nächsten Jahres 288 258 Rubel. verlangt. Die Summe der Gehälter beträgt 2 772 090 Rubel. Das höchste Gehalt bezieht der Rektor der Warschauer Universität mit 5000 Rubel; die Rektoren TomSk und Dorpat erhalten(abgesehen von ihrer Professorengage) 2000 Rubel; an den übrigen Universiläten erhält der Rektor nur 1500 Rubel. Die Dekane werden mit 400— 600 Rubel honoriert, die ordentlichen Professoren mit 3000(in Tomsk 4500), die außerordentlichen Professoren mit 2000—3000 Rubel. An sämtlichen russischen Universitäten dozieren 552 Professoren und ztvar in Kasan, Kiew, Moskau, Odessa und Charkow je 72, in Warschau 43, Petersburg 58, TomSk 41, Dorpot 55. Der Unterhalt der Kabinette, Laboratorien, Observatorien, Museen und botanischen Gärten erfordert im Jahre 1909 293 216 Rubel, die Kliniken 329 000, die Studentenkonvikte 31 330, die Stipendien S. M. 32.300. Stipendien und Unterstützungen an Studenten 234 91'0, Kirchen 17 305, Krankenhäuser für Studenten 8500, Heizung, Beleuchtung, Renionten, gemischtes Dicnstvcrsonal usw. 366 Rubel. Gcistlichen bewilligen sollen, müßten sie doch lvönigstsn2«ine S t a» tistik verlangen über das Gesamteinkommen der Sbctun Geistlichen, auch über die Nebenämter und Neben- bezügc. Bei den Lehrergeliältern wird eine Grenze«ach oben festgesetzt, bei den Gristlichcn ist von einem Höchstgehalt keine Rede. Nehmen wir ein kiöchstanständiges Höchstgehalt, auch dann würden noch große Summen überschießen, die zur besseren Bezahlung der Geistlichen in kleinen Gemeinden ausreichen. Dann hätten wir es nicht nötig, in den Staatssäckel zu greifen. Aber dann würden diele Geistliche wohl auch lieber auf den neuen istaatSzuschuß der, Sichten. Auch darüber wäre eine Statistik ganz interessant. wie groß der Reichtum der Kirche ist. und ob ihre e t A e ii e n Mittel nicht ausreichen, die notwendige Bezahlung zu leisten. Der Kultusminister ist leider nicht an- lyesend, vielleicht ist er für immer verschwunden. /Heiterkeit.) Vlfcec sein Stellvertreter könnte uns vielleicht Auskunft geben über das Vermögen, das die Generalsynoden aufspeichern und die Emnahmn. die sie sich verschaffen. Mir ist mitgeteilt worden, daß es Generalsynoden gibt, die ein sehr lukratives Geschäft mit Gc- sangbüchern treiben, pro Exemplar 50 Pf. bjs 1 M. zu verdienen. Da mugen«summen von Himderttausendeu und Millionen zusammenkommen, wie schon daraus hervorgeht, daß eine Generalsynode für lokale Zwecke 6000 M. allein aus dem Gesangbuchfonds an, gewiesen hat. Die katholischen Geistlichen sind da bedeutend zchlauer.«je begnügen sich mit'25 bis 80 Pf. Verdienst pro Excmp.ar uuo arbeiten mehr auf den Massen- kons um. /Große.Heiterkeit.) Vielleicht könnten auch aus dielen Mitteln die Gehälter der Geistlichen mit bestritten werden. Allerdings wird man dabei auf Widerstand stoßen. Ig der Berliner Stgdlsynöoe regte einmal Prof. Tr. Ebers an, die reichen Villengemeinden inöchteu doch an dio Außenlinien- bezirke einen Teil ihrer reichen Einkünfte abgeben. Aver da kam er schön a n. /Heiterkeit.) Eine Billengcmeinde ant- wortete rundweg: Du sollst nicht begehren deines nächsten Straße! /Heiterkeit.) Daß die Geistlichen immermehr Einkomme» ver- lange», ist ihr gutes Recht. Das haben sie von jeher getan, und ihrer„lieben Gemeinde" den Rücken gekehrt, sobald ihnen eine besser dotierte Pfarre winkte. Ich nehme ihnen das als Menschen nicht übel, jeder Mensch, auch d-r Geistliche, hat das Recht, seine Arbeitskraft so teuer wie möglich zu verkaufen. Aber er soll sich bezahlen lafse» von denen, die seine Arbeitskraft in Anspruch nehmen. Ich würde es den Gejstlichen nicht verdenken, wenn sie sich des Gehalts wegen organisierten, �ch würde«# ihnen nicht einmal übelnehmen, wenn sie deswegen in den Streik träten. /Große Heiterkeit.) Solchem Streik steh« ich mindestens so sympathisch gegenüber, wie dem angedrohten Streik der Staatsanwälte. /Er- ncute Heiterkeit.) Hoffentlich würden de» Geistlichen reiche Mittel zur Streikunterstützung zufließen, damit sie möglichst lange aushielten. Wir gönnen den Geistlichen für ihre XäUg- keit also alles, was sie dafür erlange» können, mir nicht aus her Tasche des gesamten B-ltes und nicht au« der Staatskasse. Aer eurer Kirch eugemeinschas» angehört, der hat die Versluchts Pflicht und Schuldigkeit, die nötigen Beiträge zu leisten. /Zuruf rechts: Tun«vi» ja!) Aber leider merkt mau so wenig davon. Jedenfalls leisten Sie prozentual nicht dasselbe, wie die Arbeiter /Widerspruch rechts) nach der Art der Einschätzung, mit der die Arbeiter jetzt durch Ausforschung des Arbeitgebers herangezogen werden. Wir wollen der Kirchengemeinde gern überlasse», soviel Steuer» zu erheben, ivie sie will und braucht. Allerdings müßte dann der F i n a n z m i n t st e r die Erklärung ab- geben, die er meinem Kollegen Ströbel bei dem Gesetz über die Kirchensteuern im Sommer schuldig geblieben ist: daß jeder Beamte, der nicht gläubig ist, das Recht haben soll, ohne Schädigung seiner Existenz aus der Kirche auszutretcu. Geben Sie doch diese Erklärung ab, Herr Kinn» minister. /Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Aber � werden sie nicht abgeben, und di« Beamten werden weiter ge« zwnngk» sein, auch wider ihren Willen zu den Kirchen« lasten beizutragen. Deshalb müssen wir unter den jttzigeo Per« hältnisse» die Genehmigung der Kirchensteuern ebenso aolebnen, wie diese iS'/a Millionen. Die Staatszuschüsse an die Kirche sind ständig gewachsen. 1880 betrugen sie lO'/e Millionen, 1000 23 Millionen und jetzt sollen eß so langsam 35 Millionen werden. Dabei zahlten schon iOCfl die deutschen Bundesstaaten über 100 Millionen Zuschuß an Kirch« und Geistlichkeit. Für hie Volksschule und FortoilduilgSschul«, für dt« Mittelschulen und Loch schulen geben dieselben Bundesstaaten jährlich nur 801 Millionen aus. Das ist knapp dreimal so viel für Wissenschast und Bildung, wie für die Kirche, die dafür mit der Vertröstung aus da» Jenseits bezahlt. Präsident v. Kröcher: Herr Abgeordneter, wegen Ihrer letzten Ausführungen rufe ich Sie zum dritten Male zur Ord- II u tt g. Ich werde jetzt dasHausbesragön, obeö geneigt ist, den Redner zu dieser Arage weiter zu hären. Bei der Abstimmung erheben sich die gan« Recht«, da» Zentrum uxid die Nationallibrralen für dl« uz« Sie Worten tslekung. «Abg. Hoffmann Verläßt die Tribüne, indem ex laut ausruft: Ich danke Ihne«, meine Herren. Lös von der Kirch«! wird unser« Antwort sein. /Lebhafter Betfall bei den Sozialdemokraten.) Präsident v. Kröchet: Herr Abgeordneter, Sie haben nicht mehr das Wort. /Heiterkeit.)' Abg McqenschoinahnvertvaltunA nur in be- grcnzter Weise für die übrigen Ressort« Zuschüsse leistet. Die por- geschlagene außerordentliche Erhöhung der«steuern können wir nur für einige Jahre bewilligen. Wir müssen tn guten Zeiten mit den Steuern wieder zurückgeben, um die Steuerschraube später mieder anziehen zu können. /Sehr richtig! links.) Tie Gesellschafts- stcuer wird viel Unzufriedenheit erregen. Wir sollten den großen industrielle» Ausichwung, dessen wir uns erfreuen, nicht vernichten. /Bravo! bei den Nationalliberalen.) Unsere ganz- Finanzgebarung bedarf, wie gesagt, der Reform. Käme es auf Grund der neuen Steuerverhältnisse zu einer Wahl, so würde der Plutokratische Eho- rqkier des Wahlrechts noch mehr hervortreten. Eine Reform des Wahlrechts ist uns ja angekündigt. Wir fürchten aber, daß sie nur in sehr langsamem Tempo kommen tmrd. Hoffentlich sind unser« Befürchtungen unbegründet. Finanzminister v. Rlwtnvaben: Die Regierung teilt den Stand- Punkt des Herrn v. Pappeuheim durchaus, daß, wenn durch Er- höhung der Besoldungen üver di« Vorlag« hinaus neu« Mittel erforderlich werden, auch für deren Beschaffung gesorgt werden muß. giedner polemisiert des weiteren gegen den Abg. Friedberg. Herr Jriedberg meinte, feine Freunde lönnten die erhöhte Steuer nur auf einig« Jahre bewilligen. Auf diese schwankend« Brück« kann die Regierung nicht Mhe». Bei der großen dauernden Be- lastung von 12N Millionen, die wir übernehmen, müssen wir auch dauernde Mittel haben. Wenn wie die nicht bekommen. fallendamitauch. dieBesoldungövorlagen. Diese Ertlörung, di« auf einem einstimmigen Beschlüsse des Staats. ministerlums beruht, kann ich nur wiederholen. Die Bedenken gegen die Gesellschaftssteuer kamt ich nicht anerkennen. Es handelt sich nicht darum, der Industrie immer größere Lasten aufzuerlegen, sondern wir kalten es für richtiger, statt bei den vermögenslosen einzelnen Zensiten mit der Steuererhöhung über LS Proz. hinaus- zugehen, die großkapitalistischen Bereuligzengen etwas mehr zur Steuer heranzuziehen. /Brav!) Abg. Hereld770Nv Mäncheo|7710 Wien>771 still 3 Holl) bd. Nebel 1 h-it« 4 Nebel Nebel Havaranda 771 Still Petersburg 702 ONO S-Uw 'tb et beeil Paris 787 SSO 785 840 766 SSO dakb dd,— fl «3 Ziegen 4 wolktg Ibidem twollenl Wetterprognose für Sonuabeub, den gl. Oktober 1008. Mild und ieitweije heiler, vielsach nebelig bei schwachen lüböslltchev Linden: keine cthcbsschen Ntederschlöge. Sonntag, den 1. Uonemder, mittags 12 Uhr: Arbeiter! Auf zur Parteigenossen! Protest• Versammlung im Feen-Palast, KmOch 24. Gcilch FliMligg-AbgeMkter Adolf Hoffmann ,kn bCt- itä 3unfwt'atIament8 >7.'- Herr v. Kröcher mundtot zu machen sucht) tfCVtytltfyCVtC ohne Schutz der Immunität. MM- Zeigt durch Massenbesttch, das Ihr hinter Euren Abgeordneten steht!-WZ Der Einberufer: Singen Ernst, Wöhlertstr. V. t Ihrem stellvertretenden Ad« k > teilunlißsührer h. Eiippmann k und Frau zur silberucn Hochzeit I t ein dreisachcs Hoch I fc Oie Genosten der 4. Abteilung, j >»»»»»»»»» für den iBerliiKrReieiistagswalilkreis., Landsberger Viertel. Bezirl HOL. Teil l. � Den Mitgliedern zur Nachricht. dajj unjer Genosse, der Maurer Urban Strabmamisirabe 81 gestorben ist. Ehre feinem Andenken: Die Beerdigung sindet am Jonnabend. den 31. Oktober, nachm. L.'/, Uhr, uon der Leichen- halle des Zentialfriedhoses in Zriedrichsselde aus statt. AS/ö Um rege BeteMgung ersucht vei- Voi'stitnil. m (Mitglied des Ltrheiler-Radsahrer- Vundes„Jolidarität".) «llen Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse und unsere Genossin Adolf Urban neW Frau infolgt eines Unfalls beide am Sonnabend, den 24. Oktober, an LlohlengaSuergistung w JIraus. berg aus ihrer Sommerwohnung »erstorben sind. Ehre ihrem Andenken I Die Beerdigung findet am Jonnabend, den 31. Oktober, nachmtllogS S>/, Uhr, aus dem Zentrok-Friedhos in FriebrichSselde � Um zahlreicheBetcillgung ersucht lke»(and. i Zentral-Verbanii der Maurer Reutseliläods. Zweig verein Berlin. Sektion der PnUer. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Mitglied Paul liellmick im Alter von 4« Jahren am SS. Oktober an Herzlähmung ver- storben ist. Ehre seinem Audenkenl Die Beerdigung findet am Sonntag nachmittag 3 Uhr. vom Trauerhause Manteufiel- in atze 31, aus nach dem Thomas- kirchhos in Rixdors. Hermann- strag», statt. »er Verstand. Berlifler Radtabrer Mitgl. des Arb.-Radsahrerbunbes „Solidarität". Den Mitglieder-» hiermU zur Nachricht, dag unser Genosse Hermaoii Gohlke Schwedenstrage I8e, infolge eines Unfalles gestorben ist. Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung findet am Sonn- abend, den 31. Oktober, nachmittag« ist/, Uhr. vom Leichen» schauhaus«, Hannoversche Strab?, »ach dem St. PaulS-Kirchhose in Ptiheusee statt, Um rege Beteiligung ersucht 13/16 Ter Borstand. Danksagung. flflr die vielen Beweise inniger Teilnahme und zahlreichen Kianz- spenden bei der Beeidigung meines «-liebten Mannes Da» ütein- icrger sagen wir allen Beteiligten unsere» herzlichste» Dank, 3556b Aon» vtelnderger ntdtt Kindern _ und Vcrwandien. Mld Kranzspenden bei der Leerdtgung meiner lieben Frau �NAnstv sage ich allen, welche der Berstorbenen die letzt« Ehre erwiese», weine» herzlichsten Dank. 2540b Ter trauernde Gatte nebst Kindern. __ achst Tqnksägiliig. ifilr die herzliche Teiliiahm« und ireichen Kranzspenden bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes, Bruders und Schwagers Ai-eur Abeling sage» wir allen Beteiligten unseren herzlichsten Dank., 2528b Die trauernden.Hinterbliebenen. Heute morgen 9 Uhr entschlief 1 ianst meine geliebte Frau, unsere j Ireusorgende, gute Muster und > Tochter L58gb Lmma Lekseker geb. Bovhl I im 39. LebenSsahre. Mit der Bitte um stille Teil- Inahme zeigen dies schmerzersüllt | an Emil Schaeker und Kinder, Wwe. Henriette Roehl geb. Wenzel. Berlin S, 12, de» 28. Okt. 1908. Oranienplatz. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 31. Oktober, nachmittags 4 Uhr von der Kapelle des alten Lakobi-Friedhoses, Her- mannplatz aus statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und guten Vaters lagen wir allen Freunden und Ver- wandte», sowie den Kollegen der Firma Bolzani und dem Deutschen Metallarbellerverbandes unseren herz. tichsten Dank. Wttwe Küster nebst Kinder». Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und die schöne» Kranzspenden bei der Be- erdigung meines ijeben Mannes Paul keerdaum sage ich allen im Namen der Hinter- btiedenen meinen innigsten Dank. Wwe. Martha Beerbaum, _ Richthosenstr. 31._ Or. Schünemann Spezini-flrz, stir 4503U» Haut- und llui-nlciden, l-'ruuenki-uiikheiten. Frledrichstr. 203, Ecke Schüuenstr. 10-», 5-7, Sonnt. t0—I»Ui>r. EHl lE3 Greift zu! den besten Manntsanzüge,.. v. it,50M Abonnementsanziige. 1.4,00„ Pfandlethanzügc... 14.00. Piirtieanzüge..,.„ 12,00. Gehrockanziige.... 14,50„ Anztige, Ersatz f. Mast„ LO.SO Blinterpaletot».... 0.50. tbosen........ Ä,00, Warme Winterjoppen, 0,00„ MolaaueD 98 Gr. FrüukfllrtkrStr. 98 tm Baden(am Strausberger Platz), — Stratzenbabn-Pergütung.— J alBBlgtü ist unser AnR.hot i für Hu.r.u jojen Sksodea!!.' 9 räplieh, Sonntag»erkaufen iaua lein. ten r>kuUi>toff«n ■ eonbvoru.bme aefeiticte Utnen-, Book.. Jtokeil- Anzüge i Paletots! deren sonstiger M&ßprelsl 40-70 M ist. jetzt 18— t(a M. QehrookankRge letzt ei--40M.| ilerren-ttflüen jetzt 7—14 M. 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Wahlkreis: Ott e n: Robert W e u g e l S, RüderSdorierftr. 3, am Küstnnerplatz.— Wilhelm Mann, Pciersburgerplatz i(Laden). 4. Wahlkreis, Südosten: Paul Böhm, Lausttzerplatz 14/15 (Laden). 5. Wahlkreis: Leo Zucht, Jmmaimelkirchstr. 12(Hof). V. Wahlkreis(ZZeahlt und Haasavlertel): Karl Anders, Salzwedelerstr. 8, im Laden., Weddins: Karl Weihe, Nazarelhkirchstrahe 43. Bosenthaler und Oranlenbarger Vorstadt: Hermann Raschle, Ackerstr. 3K, Eingang Anklamerstrahe. Isesaadhrannea: F. Trapp, Stcttinerstr. 19. 8ehöahaaser Vorstadt: Karl A! a r S, Lychenerstr. 123. Alt-«Ilealeke: Wilhelm Dürre, RÜdowerstr. 83 ll. Amtsgarten 3. Köpenick: Friedrich Boitf, Kietzerstr. 6, Laden. Vrlcdrichsbagen: Otto Schröder, Frtedrichstr. 69, Slfl. II. Friedenau- tsteglltr.- bindende: H. B e r n s e e, Schlohstr. IIS, Hof I, in Steglitz. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. Mohr, Düppclstr. 32, und Fr. S ch e l I h a s e, Llhornstr. 15a. iflarlendorf: August Leip, Chausseestc. 296. Hos. Bannischnlentveg: H. Hornig, Marienthalerstr. 13, I. Treptow; Rob. Gramenz, Kiesholzstrahe 412, Lasen. A'en- WelUcnsee: Kurt Fuhrmann, Sedanstr. 195, parterre. Beinlckendorr- Ost, Wllhelatsrnh und Schvaholz: P. G u r s ch, Kamclcstr. 12, I. Tegel, Borsigwalde, Wittenau. Waldmaanslnst, Hermsdorf und Kelnlckendorf• West: Paul Kienast, Borsigwalde, RäuschstraHe 19. Pankow-Viederschönhansen: Mühlenstr. 73. Bernan-Köntgontal: Heinrich Brase, Hohesteinstr. 74, Part. Blchwalde, Zeuthen, Biersdorf und llunkels Ablage: Erich Z i ni m e r m a n n, Eichwalde, Kaiser-Friedrlch-Strahe 8. Teltow: Wilhelm Kehler, Hoherslcinweg 7. A'owawes: Wilhelm L a p v c, Prieiterstr. 46. �pandan: K ö P p e n, Jagowftr. 9. inahlsdorf und Kaulsdorf: Hugo Scheibe, Mohlsdorf, Walderseestr, 14. Sämtliche Parteüileratur sowie alle wijjeujchastlichen Werke werden geliefert. Attnahme von Inseraten für den»UorWärts�. WM- Bitte aasschneiden.-MW 215/1* mm Gottmann, Frankfurter Allee 118 a. Gr. Frankfurter Straße 130. 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Nach einiger Zeit bildete sich zwischen den beiden Kategorien ein gespanntes Verhältnis heraus, welches darin seine Ursache hatte, dag die Tischler Grund hatten, mit den Ar- beitsleiftungen der Maschinenarbeiter unzufrieden zu sein. Die Maschinenarbeit war nicht nur mangelhaft, sondern die Tischler mutzten auch oft auf die Maschinenarbeit warten, weil die Ma- schinenarbeiier viel bummelten. Hierdurch waren die Tischler. welche in Akkord arbeiteten, in ihrem Verdienst erheblich geschädigt. In einer Werkstattsitzung wollten sich die Tischler mit den Ma- schinenarbeitern wegen dieser Differenzen auseinandersetzen und ein kollegiales Zusammenarbeiten herbeizuführen versuchen. Aber die Maschinenarbeiter, obwohl sie ausdrücklich eingeladen wurden, erschienen nicht in der Sitzung. Die Tischler fühlten sich dadurch verletzt und nahmen an, daß die Maschinenarbeiter sich mit ihnen nicht verständigen wollten. Am folgenden Tage gingen vier Tischler im Auftrage chrer Kollegen zu dem Betriebsinhaber Jakobowitz und sagten ihm, sie könnten aus den angeführten Gründen nicht mehr mit den Maschinenarbeitern zusammen- arbeiten, entweder diese oder sie, die Tischler, mühten den Betrieb verlassen. Jakobowitz hat darauf die Maschinenarbeiter entlassen und die Tischler behalten. Wie man diesen Vorgang auch beurteilen mag, man wird nicht sagen können, daß er«ine vom Gesetz mit Strafe bedrohte Handlung darstellt. Und doch kamen diejenigen, welche mit Jako- bowitz wegen der Entlassung der Maschinenarbeitcr gesprochen hatten, auf die Anklagebank. Einer der entlassenen Maschinenarbeiter, OssowSky, will vom Arbeitgeber erfahren haben, datz die Tischler die Entlassung der Maschinenarbeiter verlangt hatten, weil diese nicht Mitglieder des Holzarbeiterverbandes seien. Gegen diese Annahme spricht die feststehende Tatsache, datz zwei der Entlassenen zu jener Zeit schon lange dem Holzarbeiterverbande angehörten. Nur Ossowskh war allerdings Mitglied des Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereins. Aber auch dieser Umstand kann kein Grund gewesen sein, datz die Tischler seine Entlassung forderten. Denn sie mutzten längst, datz er dem Gewerkverein angehörte, und haben, ohne ihm besungen irgend- welche Schwierigkeiten zu machen, ruhig mit ihn, zusammen- gearbeitet. Ja noch mehr. Der Sprecher der Kommisswn, welche bei Jakobowitz vorstellig geworden war, Tischler Riewe, ist es, auf dessen Empfehlung Ossowsky seinerzeit im Betriebe von Jakobowitz eingestellt wurde, und Riewe mutzte schon damals, als er die Ein- stellung des Ossowsky empfahl, datz dieser dem Gewerkverein an- gehört. Wie ist oua trotz dieses Sachverhalts eine Anklage ent- standen? Ossowsky ging zum Rechtsanwalt Sonnenfeld und hat ihm wahrscheinlich erzählt, datz er aus Betreiben der Verbands- Mitglieder wegen seiner Mitgliedschaft im Gewerkverein entlassen und auch noch sonst belästigt worden sei. Rechtsanwalt Sonnen- selb setzte in diesem Sinne eine Anzeige auf, die Ossowskh der Staatsanwaltschaft einreichte. Diese erhob Anklage gegen die Tischler Messing, Riewe, Schumann, Tabert und Richter. Die An- klage lautete auf— versuchte Erpressung, Beleidigung und Ber- gehen gegen 8 153 der Gewerbeordnung! Am 22. Januar d. I. hat die Strafkammer die Angeklagten zwar des Erpressungsversuchs und der Beleidigung nicht schuldig befunden, aber eine Verurteilung aus§ 153 der Gewerbeordnung ausgesprochen, und zwar wurden Riewe und Schumann zu je 5 Wochen, Tabert und Richter zu je 3 Wochen GeföngniS ver- urteilt. Das Gericht nahm an, datz durch die Drohung mit Ar- beitSniederlegung Ossowsky gezwungen werden sollte, dem Holz» arbeiterverbande beizutreten. Aus eingelegte Revision der Angeklagten hob daS Reichsgericht baS Urteil wegen Unklarheiten in den Feststellungen der Vor- instanz auf und verwies die Sache an die Strafkammer zurück. Gestern fand die erneute Verhandlung vor der 5. Strafkammer bcs Landgerichts I statt. Es wurde eine sehr eingehende Beweis- aufnahm« veranstaltet, die mehrere Stunden in Anspruch nahm. Es konnte aber nichts ermittelt werden, was die Angeklagten irgendwie belastet hätte. Bietmehr wurde der vorstehend wieder» gegebene Sachverhalt in allen wesentlichen Punkten bestätigt. Der Zeuge Ossowsky behauptete zwar, der Arbeitgeber Jatobowitz habe ihm gesagt, weil die Maschinenarbeitcr dem Holzarbeiterverbande nicht angehörten, deshalb würden sie auf Verlangen der Tischler entlassen. Jakobowitz aber konnte als Zeuge nicht mit Bestimmtheit angebe», datz die Entlassung aus diesem Grunde von den Tischlern verlangt worden ist. Herr Jakobowitz war, wie er angab, infolge der Unterredung mit den Tischlern so aufgeregt, datz er seiner Sinne nicht mächtig war.— In diesem Zustande mag er sich viel- leicht objektiv falsche Vorstellungen von dem Verlangen der Tischler gemocht haben oder, was auch möglich ist, Ossowsky hat ihm ein- geredet, datz die Organisationszugehörigkeit der Entlassungsgrund fei. Andererseits wurde durch eine Reihe von Zeugen, unter denen sich auch der Werksührer des Betriebes befand, bestätigt, datz sich die Tischler oft und mit gutem Grunde über die mangelhafte Arbeit und die Bummelei der Maschinenarbeiter beklagt haben, so datz es als höchst wahrscheinlich erscheint, datz dies der einzige Grund ist, weshalb die Tischler das Zusammenarbeiten mit den Maschinenarbeitern verweigerten.— Dem Zeugen Ossowsky hielt der Borsstzende vor, datz er in seiner Anzeige die Sache ganz anders dargestellt habe, als er sie jetzt darstelle. Rechtsanwalt Heine be- merkte dazu: Dies« Anzeige rühre vom Rechtsanwalt Sonnenfeld her. Die Anklage wäre wohl nicht erhoben worden, wenn nicht diese falsch« Anzeige erstattet worden wäre. Trotz alledem suchte der Staatsanwalt doch wenigstens noch einige Trümmer aus dem zusammenstürzenden Gebäude der An- klag« zu retten. Er beantragte in bezug auf drei der Angeklagten Freisprechung. Aber zwei derselben sollten nach seinem Antrage wieder verurteilt werden, und zwar Riewe, der Sprecher der Kom- Mission zu 5 Wochen und Richter zu 3 Wochen Gefängnis. Letzterer hat der Kommission nicht angehört. Er ist nur des- halb mit auf die Anklagebank gekommen, weil er zu einem der Maschinenarbeiter, der sich weigerte, an der Werkstattsitzung teil. zunehmen, gesagt hat:„Wenn Ihr nicht zur Sitzung kommt, habt Ihr die Konsequenzen zu tragen." Rechtsanwalt Hein« wies unter eingehender Würdigung der Beweisaufnahme nach, datz nichts gegen die Angeklagten erwiesen sei und datz es eine innere Unwahrschcinlichkeit sei, datz die Be- klagten die Entlassung der Maschinenarbeiter deshalb gefordert haben sollten, weil diese dem Holzarbeiterverbande nicht ange- hörten, denn zwei derselben waren ja Mitglieder des Verbandes und daran, datz der dritte dem Gewerkvercin angehörte, habe sich, wie erwiesen sei, niemand gcstotzen. Der Verteidiger beantragte die Freisprechung sämtlicher Zlngeklagten. Das Gericht sprach denn auch sämtliche Angeklagten frei, weil nicht erwiesen ist. datz sie sich des Vergehens gegen§ 153 der Gewerbeordnung schuldig gemacht haben. Hiid der Partei. Ei» unüberlegter Angriff. Die.Bergarbeiter-�eitung' bringt eine.In eigener Sache' unterschriebene Erklärung, die einen gänzlich unberechtigtes Angriff auf unser Parteiorgan zu Dortmund, die„Arbeiter- Zeitung" enthält. In Dortmund hat jüngst der bekannte Lokalisl Kater eine übrigens schlecht besuchte Agitationsversammlung für die lokalistischen Gewerkschaften abgehalten. In der Diskussion traten ihm verschiedene Redner scharf entgegen, besonders eingehend darunter Genosse H a e n i s ch, der leitende Redakteur der„Arbeiter- Zeitung". Aus dem Bericht der„Arbeiter-Zcitung" über diese Ver- sammlung greift nun die„Bergarbciter-Zeitung" folgenden Passus aus der Rede eines Genoffen Besser-Brackel heraus: „In den Gewerlschasten müsse mehr Sozialismus gelehrt werden. Jetzt würden immer Tarifverträge propagiert. Die Führer hätten es bei langfristigen Verträgen ja sehr gut, sie brauchten aus ihren Stuben nicht mehr heraus. Den Beamten sei es zu dumm, sich noch mit. den Arbeitern abzugeben, sie hätten viel lieber mit den Unternehmern zu tun." Daran knüpft dann die„Bergarbeiter-Zeitung' u. a. die folgenden Ausführungen: „Die Dortmunder„Arbeiter-Zeitung' lätzt diese Aeutzerung Vessers, ohne ihrerseits etwas dazu zu sagen, durch- gehen. Von Besser kann man ja schliesslich nicht verlangen, dass er die Tragweite solcher verleumderischer Anrempelungen der Ge- werkschastsführer überschaut. Aber wir können verlangen, dass ein Arbeiterorgan mit aller Wucht sich gegen solche grundlosen Ver- dächtiguugen wendet. Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Gewerkschaftsführer derartige Anrempelungen gefallen lassen müssen. Wir wissen auch, wie und woher diese Anschauungen künstliche Nahrung erhalten und darum werden wir bei Gelegenheit ein ernstes Wort mit ge- wisse» Leuten, denen jedes Verantwortungsgefühl zum Teufel ge- gangen zu sein scheint, reden. Wir haben unser Amt und unsere Stellung von der Generalversammlung des Verbandes erhalten und wir haben uns bemüht, nach allen Seiten hin den Beschlüssen unserer Generalversammlunge» Rechnung zu tragen und die Berg- arbeitersache wie die Sache der Arbeiterbewegung überhaupt zu fördern, mit allen uns zu Gebote stehenden Kräften. Wir sind aber auch gewillt, uns solche unerhörten Angriffe, von welcher Seite sie auch kommen mögen, nicht mehr gefallen zu lassen und wenn Arbeiterorgane glauben, stillschweigend solche Anschuldigungen weitergeben zu können, dann stehen wir nicht an, zu erklären, dass wir den Mitgliedern unseres Berbitudes im Ruhrbecken die Ent- scheidnng in die Hände geben, ob die Dinge so weiter laufen sollen oder nicht. Lange genug haben auch wir geschwiegen und wenn wir auch nicht beabsichtigen, uns noch weiter mit dieser Frage an dieser Stelle zu beschästigen, so werden wir doch handeln, wie eö unsere und die Ehre unseres Berdandes bedingt."\ Diese ganze aufgeregte Erklärung der„Bergarbeiter- Zeitung" entbehrt jedes vernünftigen Anlassesl Wir können das nicht besser zeigen, als cS in der Zurückweisung des Angriffs durch unser Dortmunder Parteiblatt selbst geschieht, und so sei denn der wesentliche Inhalt hierher gesetzt. Die Dort- munder„Arbeiter-Zeitung" sagt: „Wir sind selten so verblüfft gewesen, als eben, da wir diese Sätze lasen. Seit wann ist es üblich, die Redaktion einer Zeitung für jede Acußenma eines Diskussionsredners verant- wörtlich zu machen, über dessen Rede in der Zeitung ein Bericht erscheint? Will uns die„Bergarbeiter-Zeitung" künftig etwa auch verantwortlich machen für die Aeusscrungen von tonser- vativen, liberalen und zentrsimlichcn Reichstagsabgeordneten, die im Parlamentsbericht unseres Blattes abgedruckt werden? Der Gedanke ist so abgeschmackt, so absurd, datz eS sich nicht lohnt, ihn weiter zu verfolgen l Nebenbei: auch HueS bekannte JrrenhauSrede haben wir kommentarlos abgedruckt! Und für die wird«uS wohl die„Bergarbeiter-Zeitung" nicht verantwortlich mache» wollen l Obwohl wir an sich natürlich nicht die geringste Verpflichtung fühlen, uns der„Bergarbeiter-Zeitung" gegenüber zu rechtfertigen, so wollen wir doch unserer Leser wegen, die etwa die uner- hörte Anrempelung der.Bergarbeiter-Zeitung" zu Gesicht be- konimen, ein Uebriges tun und ausdrücklich feststellen, datz wir die zitierten Aeutzerungen des Genossen Besser entschieden m i ss b i l l i g e n. Nebenbei: auf den Bergarbeiterverband, dessen Mitglied Besser ist, konnten sich seine Aeusserungen nicht beziehen, denn der Bergarbeiterverband hat ja bisher noch gar keine Tarif- vertrage abgeschlossen." Wir haben übrigens unsere Mihbilligung auch Brackeler Genossen gegenüber in nachdrücklicher Weise— mündlich und schriftlich— betont, wie wir jeden Augenblick beweisen können. Jin Versammlungsbericht selbst die Aeutzerung Vessers zurückzuweisen, hatten wir um so weniger Veranlassung, als das gegen die allgemein übliche ZeitungSgcpflogenheit verstösst und ja auch, wenn wir uns recht erinnern, der Genosse Peters bereits in der Versammlung selbst gegen Besser polemisiert hatte. Nur ganz ausnahmsweise machen wir zu Versammlungs- berichten redaktionelle Anmerkungen Uhr bei Kädiug, Baumschulenstr. 67,_________ Slintlicher Marktbericht der städtischen Markihallen-Direkkion über den Großhandel in den Zciiwal-Marktballcn. Marktlage: Fleisch: Zufuhr reichlich, Geschäft still, Preise unveiände»! Wild: Zufuhr genügend, Geichäst lebhaft, Preise gut. Geflügel: Zufuhr sehr reichlich, Geichäst nicht lebhaft genug, Preise befriedigend. Fische: Zufuhr ge- nügcnd, Wcschäst mall, Preise tvenig verändert. Butter und Sj�äse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst llod Süd» fruchte: Zufuhr genügend. Geschäft rege, Prelle fest. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Cbeater. Sonnabend, 3l. Oktober, Ansang TJ, Uhr. Königl. Opernhaus. Tristan und Lsoldc.»Ansang 7 Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Maria Magdaleue. Deutsches. König Lear. ftammerspielt. Clavlgo.(Anfang 8 Uhr.) Ansang 8 Uhr. Neue? königl. Opern. Theater. Lllmenrausch und Edelweiß. Neues. Der deutsche Graj. Neue» Schauspielhaus. Julius Cäsar.(Ansang Tj, Uhr.) Berliner. Der Clown. Westen. Der sidele Bauer. Lessiug. Gespeilster. Kleines. Musik. «oinische Oper. Manon LeSeaut. Residenz. Kümmere dich um Amelie. Hebbel. Der Liebhaber. Schiller O.-iw.iaiier- Thealer.) Die ZwillingSlchwsster. Tch»er Charlottruburg. Der Gras von Charolais. Friedrich> Wilheimiutdt. Schauspielhaus. Wilhelm Tell. Nachmittags 4 Uhr: Dornröschen. Thalia. Bruder Straubinger. Luise». Eine tolle Nacht. Nachmittags 4 Uhr: Die sieben Raben. Bürgrrl. Schauspielhaus. Der Militärstaat. Bernhard Rose. Herr Paragradh. Nachmittags 4 Uhr: Dornröschen. Trtanou. Die Liebe wacht. LuülvielbaiiS. Die Tür WS Freie. Neues Operetten. Die Dollar- Prinzessin. Berliner Opcretten-Theater SW. Havana. Gebrüder Herrnfeld. Die beiden Biiidelbands. Vorher: Intern. Künstler-Teil. Up»uo. Eine lustige Spreewald- fahrt. Spezialilälen. Mctrapol. Donnerwetter— tadellos. Wintergarten. Spezialitäten. »vaiiag«. Spezialilälen. Kasino. Familie August Knoche. Speziawäten. ReichSdaüen. Stettwer Sänger. Walhalla. Speztaiiiäien. Stecnwarre, Jnvalidenstr. 67162. Parodie. Der Raub der Sabine- rinnen. Die Zauberflöte. Berlw steht Kopp. Ansang 8'/, Uhr. FolteS-Eaprice. Die Brautschau. Die lästige Witwe. Gustav Behrens. Echte Spree- athcner. Spezialitäten. Carl Haverlaud. Spezialtäten. Urania. Tanoeiiürohe 48)40, 8 Uhr: Der Montblanc. Nachmittags 4 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzmann._ Heues Theater. Abends 8 Uhr: Der deutsche Graf. Schauspiel in 5 Akten v. Vollmoeller. Morgen und Montag: vor deutsche Graf« Kleines Theater. Abend? 8 Uhr: Musik. Sonntag: Musik. Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Der fldele Uuucr. Sonntag nachm. 3'/, Uhr zu halben Preisen: Tie lustige Witwe. MriMIKglmMiltisoligz Schauspielhaus. Honnabend, 31. Okt., nachm. 4 Uhr: Dornröschen. Abend« 8 Uhr: Wilhelm Tell. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraßo 48149. Nachmittags 4 übr; Von der Zugspitze zum Watzmann. Abends 8 übr: Der Hontblane. Hörsaal 8 Uhr: Dr. W. Berndt: Von den höheren Formen des tierischen Lebens. Berliner Theater. Heute and morgen 8 Uhr: Der Clown. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Die Tür ins Freie. Hebbet-Tfiester Königgrätzer Str. 57/58. Ans. 8 Uhr: Der Liebhaber. Nones Operetten-Theater, Schissbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Abends 8 Uhr: Die D«»Uurprlni!e»»tn. Operette in 3 Akten von Leo Fall. Residenz-Theater, — Direktion: Richard Alexander.— AbendS'8 Uhr: „KOinniere Dich um Amslla." Schwank in drei Akten(vier Bildern) von Georges Feydeau. Morgen u. sola. Tage: Kümmere Tich um Amelie. t-UlSSN-MöT. Nachmittags 4 Uhr: Die sieben Raben. WcndS 8 Uhr: Eine tolle Nacht. Sonntag nachm. 3 Uhr:' Aus« gewiesen. Abends: Stolz der Stadt. Montag: Eine tolle Nacht._ s nüUDKOtfWTi Gr. grantsurler Str. 132. Abends 8 Uhr: Herr Paragraph. Schauspiel tn 3 Akten von P.«llberS. IM# Wochentagspreise."MA< Nachm. 4 Uhr Kindervorstellung: Dornröschen. Rixdorfer Theater Bergstraße 147. Sonntag, den 1. November 1908 1 Alt-Heidelberg. Schauspiel in 4 Akt. o. Meyer-Förster. _ Ansang 7'/, Uhr._ Metropol-Theater Thelich 8 Uhr: DMoemiter-ttlliis! RevaeinlOBildern v. Jul. Freund. Musik von Paul Lincke. Legis Direktor Schultz. Brunnen-Thealer vadstraße 58. Direktion: Willy Voigt Sonntag, den 1. November 1908, nachmittags 3 Uhr: Maria Stuart. Trauerspiel in 5 Akt. v. Fr. v. Schiller. Abends 7 Uhr: Her Heldhauer. Schausplel in 4 Akten von Charlotte Birch-Pseiffer. Montag, den 2. November 1908: Gaftsp. dcs Dir. Bernhard Rost: Das bemooste Haupt oder: Der lauge Israel. Schauspiel in 4 Alten v. R. Benehix. £talAill«r-TlAeat«r. O.(Wallner-Theater.) Sonnabend, abends 8Ubr: Die TtvlIHiiL»ucI»tve»tei'. Lustspiel in 4 Alten von Ludwig Fulda. Sonntag, abends 8 Uhr: Die ZwUlloeunchv'ester. Sonntag, nachm. 3 Übt: Oer rote Leutnant. Montag, abend» 8 Ubr: Dle ZwUHngHwehwcster. Schiller- Theater Ldarlottendurg. Sonnabend, abends 8 U h r: Der Clrur von Charolnia. Trauerspiel in 5 Akten von Richard Bcer-Hosmaim Sonntag,»awin 3 Ubr: Ciat» von Berllchlngon. s o n n l a n, a d e ii o S 8 Hot: Der Grat* von Charolata. Montag, abends 8 Übe: Der Graf von Cbarolaia. Castan's Panoptikum FrledrlchatraBe — 165—~ (Ecke Behrens tr.) Psohorrpalast. 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Abend» 8 Uhr neu einstudiert: Hamlet. Avis! Mittwoch, 4. Novbr.: 2. Opernabend: Dop Tronbadonp. Ausstelhmgs-Hallen am Zoo. 24, Oktober bis 3. November. Geöffnet 10-10 Uhr. 4-10 Uhr Konzert. Sanssouci. ST Direktton Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: Ö'.EWfe Kränzch. von MmaDnsH.SäDger Leg. Sonnt. 5, wochent. 8 U. Morgen Sonntag: GpoOo Solreo. Nächsten Dienstag: Lbeator- �dvod. Letzte Vorstellungen. Anne Dancrey Schwestern Merkel, Kontorsionist. Tertola Valencia, spanische Tänzerin. De Onzo Brothers, Piaschenspringer. Die zwölf Tiller Girls, engl. Gesangs- nnd Tanzgruppe. Philllparts, Diabolospieler. Die drei Merrills, komische Radfahrer. Agoust Familie, Jongleure. Glitte Berzac, komischer Dressurakt. Emma Francis, Exzontrik- Tänzerin mit ihren zwei Araber- jungen. Fnller's Serpontlntönzerln. ay* Biograph. P'�ige-Ttieater. Abends 6 Ubr: Lene Land Faiil SMer-Onttr und das grofiarfigo Oktober• Programm 14 neue Variete- Spezialitäten. Der Mann mit dem eisernen Schlund! 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Fest- sehung der Beiträge deS lausenden JabreS. S.«erschtebeneS. Hierzu ladet ein Der Borstand. «. vittsch. Vorsitzender. -g» 4" Schwaben, Rossen, Flöhe, Fliegen, vlatiläuse sc. werben durch meine unsehwar wirkenden Spezial- mitlel nebst Brut vollständig vertilgt. In Flaschen resp. Schachteln a 30 Pj.. 50 Pf.. 1.08 bi« 3.75 M.* Zahlreiche lobende Anerkennungen. NW l000 N[. Belohnung"«« demj., der mirein. Nichtersolg nachweist. »ugs Barth, Drsgeri«, BrunnenitM«. W Herron- Jackelt- BSd Roch-Anzflge beste OualHItss Anzahl E Mfc. mb 9 aa. Ksstlmo la Olrectolre, Samaiet- . PIDaeh-Paletota, engl, gemaalarto Paletot«, Jackett«, GetelltcbafU' Toiletten, KcstOmrOcke, TatTef-Jupona, Golf-Jackett«, Seiden-, Spitzen- and Well-Blusen, Pelz-Jackett«, Pelz- Krawatte*, Pelz-Stola«, Pelz-MutTea- QrCnts Auswahl la all«« PrsislagM. Ansshlunc von Maift a» Winter- Mb fOr Herren la tuten, tthwtrse Quantälco. Anzahl. 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Berlin C: Am Montag, den 2. November, abends 5'/, Uhr, im Lokal von Taft. Hornstri 2. Berlin v: Am Tönning, den 1. November, vormittags 10 Uhr, i» den Moabtter-Biirger-Säke, Beusseiltr. 0. Berlin E: Am Sonntag, den 1. November, vormittags 10 Uhr, bei Herrn Raade, tioiberger Straße 23. Berlin F: Am Sonntag, den 1. November, vormittag» 10 Uhr, bei Obigto, Schwedter Straße 23. Berlin fi: Am Sonntag, den 1. November, vormittags 10 Uhr, in Manns Fortunasälen, Strausberg« Straße 3. Berlin H: Am Sonntag, den 1. November, vonnittags» 10 Uhr, bet DolfSdorf Rachf., Otörliher Straße 58. Berlin Jt Am Tonntag. den 1. November, vormittag« 10 Uhr, tu SchrödterS PereinShaus. Finnk|urter Allee 127. Kilebtenbcrg, 8tr«laii-Knmmelnbnrg-: Am Sonntag» den 1. November, vormittag» 2'/, Uhr, bei Schulz. Lichtenberg, Kronprinzenstr. 47. HVolFen»«« i Am Montag, dm 2. November, abends S'/, Uhr, bei Rofttopf, Kbnlg-Chausfee 38. Tag»«»Ordnungi 1. Kassenbericht vom 3. Quartal 1308. 2. Wichtige Kaffenanzelegm» Helte». S. Verschiedenes. Ferner in P Wahl eines Revisors. DSP* Hllnliedsbueh legitimiert.-«DU Um zahlreiches und pünktliche» Eisch einen ersuche» 181/2 Tie Ortsverwaltungen. Tonntag, den 1. November 1008, vormittags 13 /, Uhr, im großen Saale des SewerfschaftshanfeS, Engeluser 15: OeffentUcho Uersammlung für alle in der Hut«. Putz- u. Federbranche beschitftigtev Arbeiter und Arbeiterinnen. TageS-Ordnung: 1. GewerbegcrichlSwakilen. 2. Dle OrtSkrankenkassenwahlt». Belerent: GewerfschaNSsekretär Genosse Nttter. 3. Verlchiedenc». 7S/S Der wichtigen Tagesordnung wegen ist das Erscheinen aller Personen sehr notwendig und ersuchen um reg« Beteiligung Die Ginbernser. E. G. m. b. H.) Sonntag, den IS. November 1998- nachmittags S Uhr, M Creneral-Versammlimg IJJ W Franz«Shnes Saal,„AdlerShofer Marten», Adlershof, Ecke der BtSmarckstraße und Adlergestell. TaaeS-Ordnung: 1. GcschältSbericht des Vorstandes sür daS Geschäfts- Jahr 1807/08. 2. Bericht des NusflchiSrate». 3. Verlesung deS Revision»- berichte». 4. Verteilung deS Reingewinne». 5. Anschluß der Konsum-Ge» nossenschast von FriedrichShagm u. Umg. an unsere Gmossmschast. 0. Neu» und SrgänzungSivadlen de» AussichtSrate» und Vorstandes. 7. Statuten» änderung. 8, Die Bedeutung dn WarenhauSstuur sür unl«e Genossen- schast. 8. Sonstige Anträge. Räch dem Turnu« scheiden vom AussichtSrate auS: llrnst«kelnhold, Tie Genossen sind wieder wählbar. MF* Anträge der Mitglieder für die Generalversammlung müsie» beim Vorstande bis zum 4. November 1998 schristtich eingereicht sein. Mitgliedsbuch oder Legitimationskarte legitimiert. Silmmreedt besitzt nur dasjenige Familienmitglied, wslchos die Beitritts- Erklärung untersebrieben hat. MV Vertretungen können nicht ftattsindeu.-WF vrr Vorstund. liennann Hildebrandt. Wilhelm Kohl. Paul Baumaan. Hnziige• Paletots j Maß au» la Stoffresten. Monat«- u. nicht abgeholte Sachen staunend billig. Maßschneiderei Voß, nur Vrunnenstr.S.I(Rosenthal. 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I Emaille-Kaffeckanne...... 1 hoher Ringtopf, 24 cm..... 1 Barchend-Damen-Bluse..... 1 Kostümrock......... 1 Unterrock mit Volant und Bandgarnitur.......... 1 Kinderkleid mit Samtgarnitur... 1 Knaben-Bluse aus gutes Stoffen 1 Knaben-Hose aus braunem Manchestersamt oder Marine-Cheviot 1 Filztuchdecke......... 1.95 1 Schlafdecke.......... 1.95 1 Rest Gardinen, 5 Meter..... 1.95 I moderner Taffetgürtel m. langer Schleife 1.95 1 engl, garnierter Damenhut...... 1.95 1 Spitzen-Ball-Shawl......... 1.95 1 elegantes Taillentuch........ 1.95 I Trikot-Unterrock.......... 1.95 I gutes Normal-Herrenhemd...... 1.95 1 gute Normal-Herrenhose...... 1.95 1 Damen-Reformhose mit Futter.... 1.95 3 Paar Kinderstrümpfe, Größe 5— 7.. 1.95 I Knahen- Garnitur, Mütze und Kragen aus Plüsch oder Krimmer..... 195 1 steifer Herreuhut.......... 1.95 1 Paar Damen-Filzschuhe mit Filz- oder Ledersohle........... 1.95 I Paar Damen-Kamelhaarschuhe.... 1.95 1 Paar Filztuch-Pantoffel m. 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Jahrgang. 3. MlU i>cs.Ictiüätfü" Knlim WUlsM----»" 31. Moder 1908. Gegen die iMher-Delpotle! Der starke Mann dcS Junkerparlaments, der dort Hräsidiale Gewalt übt, hat am Freitag unser» Genossen Hoff- mann zu Unrecht dreimal zur Ordnung gerufen und sich dann von der Majorität des Dreiklassenhauses das Recht geben lassen, Hvffmaim das Wort zn entziehe»! Die Junker Ostelbiens. die Geistlichen des Zentrums und die Geldsäcke des Nationalliberalismus wollten durch diesen Gewaltakt den Redner unserer preußischen Landtagsfraktion hmdern, seine Geißelung der Klassenpolitik und der Klassenkirche /zS Uhr liegen blieb, ehe der Krankenwagen ihn forttransportierte.' Zu rekognoszieren. Am 22. d. MtS., früh gegen 3 Uhr, fiel vor dem Hanse Belle-Alliancestraffe 25 eine unbekannte weibliche Person aus einer Automobildroschke und verletzte sich schwer. Sie wurde nach dem Krankenhaus„Am Urban" gebracht, wo sie am 25. d. MtS. verstarb. Die Persönlichkeit der Unbekannten ist nicht festgestellt. Sie ist etwa 25 Jahre alt, I.ÜO Meter groff, hat dunkelblondes Haar und ist von kräftiger Figur. Bekleidet war sie mit weiffer Bluse, schwarzem Rock, kurzem braunen Jackett, hohen Schnürstieseln und schwarzen Strümpfen. Die Unbekannte wollte nach dem Cafä „Tivoli", Bergmannftraffe, fahren. Nachrichten über die Persönlich- keit der Unbekannten werden in jedem Polizeirevier und bei der Kriminalpolizei. Alexanderstrahe 8—6, 2 Tr., Zimmer 884, mündlich oder schriftlich zu 5873 IV 59. 08 entgegengenommen. In einer Kaschemme wurde gestern mittag ein Gespräch belauscht, daff ein Wohnungseinbruch in der Hollmaniistr. 37 bei Frau Mutte geplant sei, die um 4 Uhr nachmittags ihren Ehemann beerdigte. Ein Beamter beobachtete den Mann, der auch mittels Dietrichs in die eine Treppe belegene Wohnung eindrang. Als der Kerl wieder herauskam, wurden Kinder auf ihu aufmerksam. Sie trieben ihn niit den Worten:»Hilfe I Einbrecher!" in das HauS Gitschiner Str. 94, wo er bis aufs Dach kletterte, von da durch die Bodenluke in das HauS Nr. 94» und dann wieder auf die Straffe zurücklehrte. Ein Beamter ertvartete ihn hier, konnte ihn aber nicht festnehmen und verfolgte ihn bis zum Halleschen Tor, wo er mit Hilfe von in- zwischen herbeigeholten Schutzleuten festgenommen und eingeliefert wurde. ES ist der Schlosser Hermann Bogasch, am 13. Oktober 1873 in Guben geboren. Finnländische Straffe 18 wohnhaft. Er hatte 40 M. Bargeld entwendet und alles in der Wohnung umgekramt, aber 300 M. Versicherungsgeld nicht gefunden, auf das der Dieb es abgesehen zu haben schien. Auf der Treptower Sternwarte spricht Herr Direktor Dr. F. S. Archenhold am Sonntag, den 1. November, nachmittags 5 Uhr. über das Thema:»Der bevorstehende Sternschnuppenfall", um 7 Uhr abends über:»Ein Tag aus dem Monde" und am Montagabend um 9 Uhr über„Merkur und Venus". Die Vorträge, die gemein- verständlich und mit zahlreichen Lichtbildern ausgestattet sind, finden im Saale des Restaurants Änape vormals Zenner, Treptower Chausiee 21/22, statt.— Mft dem groffen Fernrohr werden jeyt am Tage die Venus und Sonne und abends der Mond und Saturn gezeigt. Kleinere Fernrohre stehen zur Beobachtung beliebiger Objekte allen Besuchern der Sternwarte unentgeltlich zur Verfügung. Der Berband der Taubenzüchtrr Groß-BcrliuS und der Provinz Brandenburg veranstaltet vom 12. bis 14. Dezember d. I. seine erste Ausstellung in den Jndustrie-gestsälen. Beuthjlr. IS— 20. Vorort-JVadmcMen. Schöueberg. I» einer Arbeitslosenversammlung referierte vor einigen Tagen in den neuen Rathaussälen Stadtv. Genosse Küter. Redner erläuterte eingehend den anarchistischen Charakter der kapitalistischen Produktionsweise und zeigt«, daß diese die Ursache jener für die Arbeiterklasse so folgenschweren Wirtschaftskrise bilde. Pflicht des Staates und der Kommune wäre es nun. der in Mit- leidenfchaft gezogenen Arbeiterschaft zu helfen. Was habe man bisher dagegen getan? Nichts! Die von der Stadt genehmigte Untergrundbahn, der neu« Rathausbau und viele andere not- wendigen projektierten städtischen Bauten und Anlagen lägen teil- weise in bestaubten Schraniküsten, oder es würde im Schneckentempo daran gearbeitet. Wie ganz anders haben England und einige süddeutsche Städte die Pflicht, d«r Arbeitslosigkeit und dem Elend zu steuern, erkannt. Zum Schluß empfahl Redner die An- „ahme einer Resolution, die Magistrat und Stadtverordnete auf- fordert, schleunigst Notstandsarbeiten auszuführen sowie für Unterkunftsräume, in denen Arbeitslosen gute Literatur, alkohol- freie Getränke und warme Suppen unentgeltlich verabfolgt werden, Sorge zu tragen. Ferner werden Magistrat und Stadtverordnete ersucht, bei der bevorstehenden Beratung der ArbeiterversichcrungS- gefetze an die Reichsregierung mit einem Entwurf zu einer Reichs, arbeitSlosenversicherung heranzutreten. In der Diskussion wurde allen Arbeitslosen aufgegeben, sich beim städtischen Arbeitsnachweis als Arbeitslose eintragen zu lassen. Auch der bürgerliche Stadtverordnete Herr Salinger der» sprach für die Durchführung der in der Resolution enthaltenen Forderungen eintreten zu wollen. Da an demselben Tage ein Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, schleunigst Notstands- arbeiten auszuführen, auf der Tagesordnung stand, wurde das Versammlungsbureau beauftragt, die Resolution sofort dem Ragistrat und Stadtverordneten zu überreichen. Der Wahlverein hielt am Dienstag bei Grosser sein« General« Versammlung ab. Nach dem Vorstandsbericht des Genossen Rehfeld haben km letzten Quartal pattgefunden 7 engere ünd 3 erweiterte Vorstandssitzungen, ferner 3 WahlvcreinSversammlungen. Die Zahlabende waren in den 3 Monaten verhältnismässig gut besucht, während der Besuch der Wahlvereinsversammlungen sehr schwach war. Redner ersuchte die Genossen, dafür zu sorgen, daff die Be- teiligung an den Parteiarbeiten reger werde. Aufgenommen wurden 109 Genossen, weibliche Mitglieder sind 194 vorhanden. An diesen Bericht knüpfte sich eine längere Debatte, au welcher sich die Genossen Marquardt, Kubik und Däumig beteiligten. Letztere kritisierten, daß der Bericht auf verschiedenes nicht ein- gegangen sei, ferner, dass der Vorstand in den letzten Mrmaten einige Beschlüsse der Versammlungen nicht ausgeführt habe. Die Genossen Rehfeldt und Küter beantworteten die gestellten Abfragen und klärten die Handlungsweise des Vorstandes auf. Eine Reso- lution, welche das Verhalten des Vorstandes rügt, wurde abgelehnt. Der Kassenbericht des Genossen Fischer zeigt eine Einnahme von 1683,54 M. und eine Ausgabe von 1549,12 M. An den Zentral- vorstand wurden 1042,36 M. abgeliefert. Nunmehr gibt die Ge- iiofsin Bäumler einen kurzen Bericht über die Ferienkolonie für Arbeiterkinder, welche von den Frauen Schönebergs, wie schon in den Vorjahren, auch im laufenden Jahre veranstaltet wurde. Sic schilderte das lebhafte Treiben, das sich draußen im Walde ent- wickelte und wies darauf hin, dass diesmal zirka 400 Kinder, darunter ein erheblicher Teil im Alter von 2 bis 5 Jahren, in der 5Monie waren. Die Resultate dieser Ausflüge seien als gute zu betrachten, denn durchgängig wäre eine Gewichtszunahme ein- getreten. Rcdnerin hofft, daß es auch im nächsten Jahre möglich fein wird, diese Sache wieder ausführen zu können.— Nunmehr wurde in die Fortsetzung der Debatte über den Bericht vom Partei- tage eingetreten. Genosse Schlater vertrat energisch den Stand- Punkt der Resolution des Parteivorstandes. Er meinte, durch die Taktik der Revisionisten würde die Sozialdemokratie schliesslich zu einer bürgerlichen Reformpartei, man müsse deshalb energisch gegen ihre Handlungsweise protestieren. An der alten Taktik der Partei sei unbedingt festzuhalten. Genosse Kubik geißelte in scharfen Worten die Stellungnahme der Gewerkschaftsführer. Er meinte, dass die Revisionisten gar nicht so aufgetreten ivären, wenn sie nicht gemerkt hätten, dass sie an den Gewerkschaftsführern einen Rückhalt hätten. Der Artikel des„Correspondenzvlattes" der Ge. neralkommiffion der Gewerkschaften habe den Standpunkt der Revisionisten so klar und scharf vertreten, wie es Bernstein u. a. nicht besser könnten. Wenn gesagt worden sei, der Parteivorstand sei der Gefangene der Berliner, so sei das nicht richtig, eher könne man sagen, der Parteivorstand sei der Gefangene der General- kommission. Die Maifeier fei der Beweis dafür. Genosse Mohs findet die Stellungnahme der Süddeutschen verständlich; er meinte. wenn die Sozialdemokratie einmal im Parlament sitze, müßte sie auch bemüht sein, die Forderungen des Programms im 2. Teil ernstlich durchzusetzen. Fraglich wäre es nur. ob jetzt die Not- wendigkeit zur Budgetbewilligung vorlag. Genosse Bernstein ver- tcidigt nochmals feine Anschauungen. Redner bestreitet es ganz entschieden, dass die Zustimmung zum Budget ein Vertrauensvotum der Regierung sei. Das gehe schon aus den Erklärungen der Fraktionen hervor, worin ausdrücklich betont wird, dass diese Zu- stimmung kein Vertrauensvotum sein solle. Wenn man im Parlament am Etat mitarbeitet und Verbesserungen durchgesetzt habe, müsse die Partei auch die Mittel bewilligen, tut sie dies nicht, so macht sie sich lächerlich. Ein Fehler der Süddeutschen sei es, dass sie sagen, diese Frage sei keine prinzipielle, sonder» eine taktische. Die Taktik muß immer der Ausdruck eines Prinzips sein. Ver- stoße die Taktik gegen ein Prinzip, so dürfe sie auf keinen Fall aus. geübt werden. Hier sei dies aber nicht der Fall. Die Sozial- demokratte müsse durch politische und wirtschaftliche Organisation auf Reformen hindrängen. Redner schließt mit den Worten: Parteigenossen! habt mehr Vertrauen zur Einsicht, zum Charatter und der Ehrlichkeit der Genossen, als zu solchen Polizeigesetzen, wie sie der Parteitag beschlossen hat; ich ersuche Sie deshalb, die von mir eingebrachte Resolution anzunehmen. Ein Schlussantrag wurde hierauf angenommen. Die Reso- lution Schenk:„Die Parteigenossen Schönebergs erklären sich mit den Beschlüssen des Parteitages sowie mit der Haltung des Partei- Vorstandes und der Kontrollkommission in der Budgetfrage cinver- standen und erwarten von den Parteigenossen, dass strenge Disziplin geübt lvird," wurde mit Mehrheit angenommen. Die Resolution Bernstein, welche die Zustimmung zum Etat den einzelnen Land- tagsfrattionen in Verbindung mit den Landesvorständen überlassen will, iourde abgelehnt. Hieraus wurde noch beschlossen, dass am 22. November, mittags 1 Uhr, eine Uraniavorstellung stattfindet, zu welcher das Billett inkl. Garderobe 75 Pf. kosten soll. Gegeben wird:„Ucber den Brenner". Ein Antrag, der sich aus Bildungs- kursc bezieht, wurde dem Porstande zur Erledigung überwiesen. Rixdorf. Das Ergebnis der Rixd orfer ArbeitöloseuzShlnng liegt jetzt vor. Die Gesamtzahl der Arbeitslosen beträgt 3357. Ein Drittel ist weniger als zwei Wochen, das zweite Drittel weniger als zwei Monate, dagegen von dem letzten Drittel über 100 Personen mehr als ein halbes Jahr und 31 über ein Jahr ohne Arbeit. Bei den Männern sind 38 Berussarten, darunter Kauileute. Techniker, Musiker. Artisten usw., bei den Frauen elf Beschäftigungsarten angegeben worden. Ueber 1000 ArbettSlose entfallen auf das Baugewerbe; an der Spitze stehen die Maurer mit 323, die Bautischler mit 104, die Zimmerleute mit 92 Arbeitslosen. Ander den Bauarbeitern hat die Möbeltischlerei in Rixdorf über 100 Beschäftigungslose auszuweisen; die Jlaufleute zählen 80 Arbeitslose, die meisten anderen Berufe zwischen 20 und 30. Die Zahl der weiblichen Arbeitslosen beträgt 238, davon sind über die Hälfte Arbeiterinnen, 48 Schneiderinnen, 30 Handlungsgehilstnuen und 13 Dienstmädchen. Wilmersdorf. Das Projekt der Wilmersdorfer Untergrundbahn ist, wie berichtet wird, in emer vorgestern abend abgehaltenen aufferordenilichen ge- Heimen Stadtverordnetensitzung wesentlich gefördert worden. Die Stadt Wilmersdorf hat mit der Gesellschan für Hoch- und Unter- grundbahnen einen Berttag vereinbart, nach dem vom Wittenberg- platz ab eine Linie durch die Nürnberger Straffe zum Nürnberger Platz m Wilmersdorf abzweigt und von dort in südwestlicher Richtung über Spichernstraffe und Hobenzollerndamm nach dem Fehrbelliner Platz geführt wird, der im Mittelpunkte Wilmersdorfs gelegen ist und das zukünftige Rathaus tragen soll. Da dieser Bertrag jetzt die Zustimmung der Stadt Berlin gefunden hat und die bcgründele Aussicht besteht, daff auch an den übrigen in Bettacht kommenden Stellen die Einivilligung erteilt wird, konnte vorgestern die Fort« setzung der Bahn vom Fehrbelliner Platz endgültig festgelegt werden. Stach den Vorarbeiten des Magistrats und der PerkehrSdeputation bietet die Fortsetzung nach Süden hin über den Ringbabnhof Schmargendorf und dann weiter bis zum Rastatter Platz. in dem die drei Gemeinden Wilmersdorf, Steglitz und Dahlem zusammenstoßen, gute Ausfichten für die Zukunft. Dieser Plan fand die einstimmige Billigung der Stadtverordnotenversamm- lung. Der Norden und die Gegend des HohenzollerndammeS er- halttn eine vorzügliche Verbindung mit Berlin, und der ganze bis- her gröfftenteils unbebaute Süden wird einer vorteilhaften Be- bauiing erschlossen. Zugleich erhält die Kolonie Dahlem den er« sehnten Anschluß an die nach dem Innern Berlins führenden Schnell» bahnen. Zehlendorf. Ju der Mitgliederversammlung des WahlveremS hielt Genosse Arbeirersettetär E. Brückner einen mit Beifall aufgenommenen Bortrag über die Krankenversicherung. AuS dem Kassenbericht des Kassierers ging hervor, daff die Einführung der Zahlabende der Organisalion förderlich war; eS ist notwendig, daff alle Partei- genossen an den Zahlabenden erscheinen und neue Genossen ein- führen. Beschlossen wurde, die Berbrettung der Flugblätter_ zur Agitation für den»Vorwärts", die am 20. Oktober aus örtlichen Gründen unterbleiben muffte, am Somrtag, den 1. November, morgens 8 Uhr. von den bekannten Bezirkslokalen aus vorzunehmen und wird rege Beteiligung erwünscht. Ferner wurde bekannt ge- macht, daff am Sonnabend, 28. November,«ine Theatervorstellung des Stückes„Ausgewiesen" stattfindet; die Billetts hierzu sind zu billigen Preisen bei den BezirkSführern zu haben. In der nächsten Wahlvereinsversammlung wird Genosse Brückner das Unfall- Versicherungsgesetz behandeln. Wegen deS starken Interesses dieser Fragen besonders für die Frauen, wird recht zahlreicher Besuch er« lvarret. Tempelhof. Ucber eine Steigerung der Mitgliederzahl des WahlvereinS wie der Abonnentenziffer des„Vorwärts" konnte in der General- Versammlung des hiesigen WahlvereinS berichtet werben. Wie Gc- nasse Wilsdorf im Vorstandsbericht anmerkte, ist die Zahl der Wahl- vereinSmitglieder von 245 auf 270 und die der„VorwärtS"leser von 335 aus 353 im letzten Quartal gestiegen. In dem Zeittaum fanden statt eine Generalversammlung, eine Mitgliederversammlung des Wahlvereins und eine öffentliche Frauenversammlung. Zur Er- ledigung der Vorstandsgeschäfte waren sieben Vorstandssitzungen notwendig. Im Koffenbericht deS Genossen Günther stand einer Einnahme von 202,53 M. eine Ausgabe von 197,12 M. gegenüber, wovon 135.02 M. der KrciSkasse überwiesen wurden. Hieraus nahm die Versammlung noch einige ErgänzungSwahlen zum Borstande vor, aus denen der Genosse Rabe als zweiter Vorsitzender und die Genossin Thiel als Beisitzerin hervorgingen. Zum Schluß wurde ein Antrag angenommen, wonach die Bibliothekabende regelmäßig Dienstags abgehalten werden. Vor Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten hatte die Versammlung einen V orttag des Genossen Hoffmann über»Den Charakter des KlassenstaateS" angehört. Lichtenberg. Der 8-Uhr-Ladeuschluß für den Polizeibezirk Lichtenberg— Box« Hagen— Rummelsburg erscheint gesichert. Einer freiwilligen Kommission von drei Ladeninhabern, die sich an die zuständigen Stellen gewandt hatte, soll erklärt worden sein, daff die Angelegenhett mit größter Beschleunigung behandelt werde. Mehr als Zweidrittel aller Ladeninhaber der beiden Gemeindebezirke haben bereits durch Unterschrist ihre Bereitwilligkeit erklärt. Diese etwa 500 Unter- schriften sollen als amtlich ernnttelt gelten, um so das Umfrageverfahren nach Möglichkeit abzukürzen. Das an sich erfreuliche Resultat, das der eigenen Initiative der Ladeninhaber zu verdanken ist, gibt dem hiesigen Amtsblättchen Gelegenheit, zu erzählen:.Ein" Laden» inhaber, der sich viel auf seine sozialdemokratische Gesüimmg berufe, weigere sich, seine Unterschrift zu geben l Warum deim diese zarte Rücksichtnahme? Wer ist der„eine Ladeninhaber', der als Sozial« demokrat sich gegen eine so kulturelle Forderung ablehnend ver- hält? Existiert er vielleicht nur in der Phantasie des Blättchen». Friedrichshage». Den Abonnenten de»„Vorwärts" zur Nachricht, daß die Partei- spedition sich jetzt bei dem Genossen Otto Schröder, Friedrichstr. 30, befindet. Die Zeiwngskommifsioa. Köpenick. Wegen Lelchenbcraudung ist vorgestern der Fischer Eckert verhastet worden. Wie wir seinerzeit mitteilten, hat ftch am 10. Juni, am Tage der Grünauer Regatta ein BootSunsall zugetragen, wobei drei Berliner den Tod in den Wellen fanden. Eine der Leichen wurde durch E. auS Köpenick geborgen und nachträglich stellte sich heraus, daff dem Toten die Uhr, das Portemonnaie und andere Wettsachen. sehltcn. Die Polizei ermittelte jetzt den Räuber in dem Fischer E. Die Wertsache» wurden bei einer Haussuchung in der E.'schen Woh- nung vorgefunden. Reinickendorf-Ost. In der am DienStag im„Borussia-Park" abgehaltenen Mitgliederversammlung deS WahlvereinS hielt Genosse K u n e r t einen mit großem Beifall ausgenommenen Lorttag über:»Der Milita« riömuS". Redner schilderte in eindringlichen Worlen die Gefahren. die den Völkern durch den heutigen MilirariSmus sowohl in wirt« schaftlicber als auch in kultureller Beziehung drohen; erläuterte ün Anschluß daran die Forderungen der Sozialdemokratie in bezug auf die Landesverteidigung, ftblieffend mit einem lebhaften Appell an die Versammellen, durchAufklärung, Propaganda und engen Zusammen- scdluff in den Reihen der Sozialdemokratie dem gefahrdrohenden und kulttirfeindlichen Wirken des Militarismus entgegen zu arbeiten.— Unter Bereinsangelegenheiten teilte die Lokal kommission mit, dass uils jetzt das früher Ledersche Lokal tSchützenhauS) unter den bekamiten Bedingungen wieder zur Verfügung steht. Das Ver- gnügungökomitee ersucht um regen Verttieb von Billetts zu der am Sonnlag. den 3. November stattfindenden Uraniovorstellung. Leider seien noch viele BilletlS unverkauft, es sei daher notwendig, daff die Parteigenossen die Billetts bald von ihren BezirkSführern entnehmen. Mitgeteilt wurde ferner, daff ein Kuvert, enthaltend mehrere Billetts zu unserer Uraniavorstellung, gesunden, aber noch nicht reklamiert worden ist. Der Verlierer kann dieselben beim Vorsitzenden abholen. Genosse Schönberg legte noch der Versammlung da« reichhaltige Arbeitsprogramm der kommenden Wochen vor. die Versammelten auffordernd, bei allen Anlässen ihre volle Pflicht und Schuldigkeit zu tun. Ein aus der Mitte der Versammlung gestellter Antrag auf Zusannncnlcguug d«S 4. Bezirks mit einem andern Bezirk wurde abgelehnt, dagegen den in diesem Bezirk wohnenden Mitgliedern empfohlen, mehr als bisher sich ihrer Pflicht zu erinnern. Eine gegen den Gesangverein „Weiße Rose" erhobene Beschuldigung wurde von Mitgliedern des- selben zurückgewiesen und die Angelegenheit durch eine Aussprache zur allseitigen Befriedigung erledigt. Mit einem Hinweis auf die ArbcitSlosenzähluiig am 17. November und die Gewerbegerichts» wählen am 20. November schloff der Borsitzende die auch von Frauen gut besuchte Versammlung. HeinerSdorf. Si« Raub ler Flamme» wurde am Donnerstagabend die mit Getteide gefüllte große«cheune in Osdorf. Sämtliche Feuerwehren eer umliegenden Ortschaften waren anwesend, sie standen jedoch dem wütenden Clement machtlos gegenüber. Bernau. Bon eine« Radfahrer üderfahreu und erheblich verletzt wurde am Donnerstagabend die sechsjährige Tochter des Schuhmachers Karl Hintze, Weinbergstr. 52 hicrselbst. Die Kleine, welche beim llebcrschreiten des Fahrdammes den ohne Laterne fahrenden Radler in der Dunkelheit nicht sehen konnte, wurde angefahren und kam zu fall. Der Radfahrer entkam unerkannt. Passanten brachten die leine in die elterliche Wohnung, wo ein hinzugerufener Arzt einen komplizierten Oberschenkelbruch teststellte. r Staad 15.—. Stand 20,—. 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November er. incP zu hervorragend billigen Preisen zum Verkauf Pr. Kassier Rippespeerpf«d 74 Pt Eisbein(Dickbein)... kfu»e-llt lobende Anerkennung. Für daS Franenwahlrecht. Eine bemerkenswerte Demonstration zugunsten der Einführung deS Fraucnwah lrechts veranstaltete unsere Bruderpartei in Holland anläßlich der Wiedereröffnung des Parlainents. Sie hat einen Ent- Wurf zur Vers» ffsungsänderung unterbreitet, der positiv die Ein» führung des allgemeinen gleichen und geheimen Wahlrechts für Frauen und für Männer fordert, während sie früher damit sich be» gnügte, die Streichung des Passus in der Konstitution zu fordern. welcher der Einführung des Frauenwahlrechts ein rechtliches Hinder- nis entgegenstellt. lRan geht wohl nicht fehl in der Annahme, hier eine Frucht der Verhandlungen deS Internationalen Sozialisten- Kongresses in Stuttgart zu erblicken. Die prinzipielle Aktion der parlamentarischen Fraktion steht im Einklang mit der Wahlrechts- demonstration am 13. September. An dem-Umzüge beteiligten sich natürlich auch die sozialdemokratischen Frauenklubs, deren Stärke Kunde gab von einer erfreulich kräftigen Entwickclung der Be- wegung._ Genossimeen im finnischen Landtag. In der vorletzten Nummer der„Gleichheit� berichtet Genossin Hilja Pärssinen-Lünnmaa über die Tätigkeit der neun Genossinnen in dem von.Väterchen" aufgelösten finnischen Landtag. Die Ge- nossinnen beteiligten sich fell'swerständlich an allen Arbeiten der Ge- samtpartei. Als ihre Sondtwaufgabe betrachteten sie es aber, sich mit einigen Spezialsragen des sozialen Lebens zu beschäftigen und im Parlament diesbezügliche Vorlagen einzubringen. Die wichtigsten davon forderten von den Kommunen die Er- richtung von ErziehunaSh-eimen für arme und schutzlose Kinder und die Schaffun., einer staatlichen Mutterschafts« Versicherung. Die Mutterjchastisversicherung sollte den Schwangeren und Wöchnerinnen bei einer Entschädigung in der Höhe des vollen Lohnes eine 11 Wochen dauernde Arbeitsruhe sichern, und daS 6 Wochen vor und 8 Wochen nach der Niederkunft. Die Einkommens- grenze für den Genuß der Versicherung tvar auf 2900 finnische Mark jährlich in Ortschaften angesetzt, wo die Lebenshaltung teurer, und auf ISOV M. dort, wo sie billiger ist. Die Entschädigung sollte einem mittleren Tageslohn entsprechen und in gleicher Höhe allen genutzberechtigten Müttern ausgezahlt werden. Es ist bezeichnend, daß die bürgerlichen Frauen die Anträge der Genossinnen energisch bekämpften. Sie erklärten, die geforderten Reformen würden die unehelichen Geburten vermehren und also die Sittlichkeit gefährden. Sie nannten sie„Prämien auf die Lasterhaftigkeit" I Natürlich fanden die Genossinnen damit bei den bürgerlichen Parteien keine Gegenliebe. Ja auch bei Geschlechtsgenossinnen stießen sie auf Widerstand. Die alte Erfahrung: in der indifferenten und in der bürgerlich denkenden Frau findet die Reaktion ihre kräftigste Stütze! Der Knlturfortschritt ist bedingt von der Aufklärung der Proletarierin. In gehässiger Weise bekämpften die Frauen der alt- finnischen Partei unsere Genossinnen in reaktionärer Verblendung hetzten die Damen sogar gegen das passive Wahlrecht der Frauen. Das hat aber einen Vormarsch nicht hindern können; dem neuen Landtag gehören nun 13 Genossinnen an, während gerade die reaktionären Gruppen keinen Zuwachs erhielten, lieber die Per- fonalien der Genossinnnen machen wir nach der„Gleichheit" folgende Angaber,: Ida Sofia Aalle(Ahlstedtl, geboren am 6. Mai 1875, war früher Bäckerin. Sie gehörte bereits dem ersten Landtage an.— Hilda Herrala ist Schneiderin und wurde zum erstenmal entsendet. Sie ist am 1. April 1881 geboren.— Anna Huotari, geboren am 13. Juni 1871, wurde nach Absolvierung der Volks- schule Schneiderin. Von 1902 bis 1995 war Genossin Huotari Sekretärin der Zentralstelle für die Organisation der Arbeiterinnen, 199« ward sie deren Vorfitzende. Sie war auch schon in den ersten Landtag gewählt.— Alma Jokinen ssprich Joginen), unter ihrem Mädchennamen Malandra als rührige sozialdemokratische Agitatorin bekannt, wurde am 28. April 1885 geboren und ist die jüngste Ge- nossin, welche der sozialdemokratischen Landtagsftaktion angehört. Sie war Dienstmädchen, dann Fabrikarbeiterin und begann schon mit 21 Jahren eiftig im Dienste der sozialdemokratischen Ziele zu wirken. Mit ihr zusammen erhielt ihr Mann, der Redakteur ist, Sitz und Stimme in der finnischen Volksvertretung.— Olga Karo« lina Jokijalo(sprich Jogijalo), die am 12. Dezember 1879 das Licht der Welt erblickt hat, war ebensfalls früher Dienstmädchen und Fabrikarbeiterin und hat nur Volksschulbildung genossen. Mimmi Kanervo, die schon dem ersten Landtag angehört hat, wurde am 26. Mai 1870 geboren. Vor ihrer Verheiratung war sie Dienst- mädchen.— Aura KiiS Ninen erarbeitete, nachdem sie die Volks- schule besucht hatte, als Dienstmädchen und Schneiderin ihr Brot. Sie zeichnete sich als Rednerin der sozialdemokratischen Arbeiterinnenorganisationen aus und bekleidete in ihnen die Posten als Sekretärin und Kassiererin. Sie wurde am 19. März 1878 geboren.— Sandra Lehtinen, sprich Lechtinen,(Reinholdson), die früher Dienstmädchen und Schneiderin war, erhielt von den Wählern bereit? ein Mandat zum ersten finnischen Landtag. Am 1. Juli 1873 geboren, nahm sie von den ersten Anfängen der Arbeiterinnenbewegung an tätig Anteil an dieser.— Fiina Pietikäinen(sprich Piedikäinens beschrie die Wände zuerst am 8. Februar 1879, wurde in den ärmlichsten Verhältnissen geboren. Vom 11. Lebensjahr� an mußte sie als Dienstmädchen auf eigenen Füßen stehen, später aß sie als Wäscherin ihr Brot. Obgleich sie sich verheiratete und Mutter von neun Kindern wurde, entfaltete sie in der sozialdemokratischen Arbeiterinnenbewegung eine eifrige Tätigkeit, die anfangs in organisatorischer Kleinarbeit bestand. In der letzten Zeit ist sie auch als Rednerin unter die Mafien getreten.— Hilja Pärssinen, geb. am 13. Juli 187«, unseren deutschen Genossinnen als Delegierte zur Internationalen Konferenz Sozialistischer Frauen und als Mitarbeiterin der„Gleichheit" bekannt und lieb geworden, wurde vom Vertrauen der Wähler bereits auch in den ersten Landtag ent- sendet. Sie bat die Töchterschule und das Lehrerinnenseminar ab- solviert und wirkte von 1895 als 1999 als Lehrerin.— Maria Raunio, die am 2«. Juni 1872 in diese„beste aller Welten" ge- kommen ist, hat nur die Volksschule besucht und war Schneiderin. Sie gehörte schon dem ersten Landtag an.— Anna Savo- lainen wurde am 29. Januar 1876 geboren. Ihr Lebensgang spiegelt ein typisches Proletarierlos wider. Nur drei Wochen lang konnte unsere Genossin die Volksschule besuchen, da sie von dem achten Lebensjahre an für ihres Lebens Notdurft auf die eigene Arbeit angewiesen war. Als Dienstmädchen und Schneiderin hat sie ihr Brot verdient.— Miina Sillanpää, welche zum zweiten- mal in den Landtag entsendet wurde, ist mit ihren 12 Jahren die „Seniorin" der Genossinnen, welche die Abgeordnetenwürde schmückt. Sie ist am 1. Juni 13«« geboren und war Fabrikarbeiterin und Dienstmädchen und entwickelte sich dank eisernem Fleitze und großer Fähigkeiten zur Organisalorin der Dienstboten von Helsingfors, zur Leiterin des Stellennachweises ihrer Organisation und zur Redakteurin ihres Organs. Fast ausnahmslos entstammen die dem finnischen Landtage an- gehörenden Genossinnen dem Proletariat. Aus zähen Kämpfen mit den widrigsten Verhälmissen sind unsere Parlamentarierinnen hervor- gegangen als kühne, Begeisterung auslösende Voranstürmende auf dem Wege zur Befreiung des Proletariats. Vcrmifcktes. Die Explosion in der Pulverfabrik in Kriewald hat, Breslauer Meldung zufolge, noch zwei weitere Opfer gefordert. Zwei von deu vier schwer verletzten Arbeiterinnen sind iin Knappschaftslazarett zu Czuchow gestern ihren Verletzungen erlegen. Urber die Zeppelin-Fahrt am Donnerstag wird dem„Schwäbischen Merkur" von fachmännischer Seite gemeldet: Das Luftschiff erreichte zeitweise eine Höhe von 759 Metern, die wegen des hügeligen Geländes des Allgäus genommen werden mutzte; die Motore haben sehr gut gearbeitet. Die Fahrt muß als besonders gelungen be- zeichnet werden, da die Einfahrt trotz des dichten NebelmeereS, das sie in hohem Grade erschwerte, glatt und glücklich erfolgte. WafferstandS-Nachrtchten der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel, Tilsit P r e g e l, Jnsterdurg Weichsel, Thor« Oder. Ratibor , Krassen , Franksurt Warthe, Schrinn» , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmcritz , Dresden , Barbq , Magdeburg am 29,19. om 117 —25 52 88 es 78 22 1 — 9 — 60 —190 28 11 seit 128. 19. cm') t! 0 —3 —3 —1 0 2 1 7 0 0 -3 u Ii l)+ bedeutet Such»,— gast,—•) llntervegel. Wir bringen diese Woche unter anderem grosse Partien allerbester und elegantester n n«*l Al-vln an*«o?I. Stoffen, in modernster Tonn, raieiois pro stück..... Paletots M. 13.85, Ods, T85 und M. ans prima engl. Stoffen, Fasson„Direetoire* pro Stück...... T7no4i1*nn f* lange Jacke, tum Teü a. Seide, modern gearbeitet, auch in großen'7N IkOStuuiCj Weiten.... pro Stüok M. 48— 34.50 und M. saTC'3 M. 39.—, 32.75 und IL •baitet, pro Stüok M. 48 «um Verkauf, als: 493 2230 Abendmäntel modernste Verarbeitung, nur solange Vorrat, pro Stck. IL 1 grosser Posten weisse Fikee-Barcbent-RScke schwere Qualität...... Wert bis M. 8.15, jetat Stack l« Pa. 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