Ur. 2S7. Bbonntme nts-Bedingongen: BBonnemmtS• BtciS ttänuaietonSs, BittteljäbrL 3,S0 MI, monatl. 1.10 Ml, «öchemlich 28 Psg. frei inS Haus. Einzelne Nunimer n PIg. Sonntags. nitnuncx mit iDuflrietlet Sonntags. Beilage.Die Neue Weif 10 Big. Poil. Hbonnement: MO Marl Wo Monat. Einzeiragen in die Boll-Zeitungs. Bretslilie. Unter Kreuzband tür Deuilchland wid Ociterreich. Ungarn 2 Marl, für das ädrige Ausland 3 Marl Uro Monat. Poilabonnetnenls nehmen an: Belgien. TSnemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, «umänien. Schweden und die Schweis, 23. Jahrg. CrfdKlni tigllit auütr mootaiL Verliuev Volksblakk. DK InKrtlonS'Gcbflfir •chügl lür die icchsgespaliene kalonÄ» geile oder deren Raum 50 Big, für dolililche und gewerlichaiiliche Vereins- und Berlammlungs-Lützeigen 30 Big. „kleine Lnreigen", das erile(feil- gedrutilei Wort 20 Pig, jedes weiter» vor! 10 Big. Elclleugeiuche und Schlaf. pelletuAnzeigett das erile SBoct 10 Big, jede, weitere Won 5 Big. Warle über 15 Buchilabett zählen iür zwei Worle. Jnierate iür die nächile Ruuuner müssen bis 5 Uhr nachmtllags in der Expedition ibgegebeit werden Die Erpedilion ijl bis 7 Uhr abends geüssnet. Telegramm- Abreise: .SozUidcnidKrat Berlin". Zentralorgan der rozialdemokratircben Parte« Deutfcblands. Rcdahtion: 8M. 68, Lindensträeae 69. fferniurcdicr: Slin» IV, Nr. 1983. Sonntag, den 1. November 11108. 6xpeditiom SRI. 68» Lindenstraes« 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Ci» Satyrlpicl. So ist es denn endlich gelungen. Nachdem der Schlag, den sie erlitten, der Regierung die Sprache geraubt, hat sie nach vier Tagen der Lähmung die Sprache wiedergefunden. Die„Nordd. Allg. Ztg." gibt heute zwar, wenn auch keine Rechtfertigung— das vermag selbst das halbamtliche Blatt der deutschen Oeffeutlichkeit nicht zu bieten— so doch den Versuch einer Erklämng und ein Plaidoycr auf nnldernde Um- stände für den unerhörten Vorgang in unserer auswärtigen Politik. Aber tvirklich, dieser Versuch mit untauglichen Blittelu an einem untauglichen Objekt wäre besser unter- blieben. Denn wenn die Erbitterung über die Leicht- fertigkeit und die Bestürzung über die Unfähigkeit unserer auswärtigen Politik noch gesteigert werden konnte, so müßte es diese Erklärung bewirken. Doch man muß das hilflose Gestammel grenzenloser Verlegenheit im Wortlaut genießen. Die amtliche Kundgebung lautet 1 Ein großer Teil der ausländischen und inländischen Presse hat wegen des im„Taily Telegraph" oeroffeiitlichteii Arlikels kritische Beirachningen gegen die Person Seiner Majestät des Kaisers ge- richtet, wobei von der Annahme ausgegangen wurde, der Kaiser hätte diese Publikation ohne Vorwissen der für die Politik des Reiches verantwortlichen Stelle veranlaßt. Diese Annahme ist unbegründet. Seine Majestät der Kaiser hatte von einem englischen Privat- mann mit der Bitte, die Verösfcntlichung zu ge- n e h m i g e n, das Mannskript eines Artikels er- halten, in dem eine Reihe von Gesprächen Seiner Majestät mir verschiedenen englischen Prisönlichkeiten und zu verschiedenen Zeiten zusommeitgefaßi«vor. Jeuer Bitte lag der Wunsch zu gründe, die Aeußennigen Seiner Majestät einem möglichst großen Kreise englischer Leier bekannt zu geben und damit den guten Beziehungen zwischen. England und Teundiland zu dienen. Der Kaiser ließ den Einwiirs des Artikels an den Reichskanzler gelangen, der das Manuskript dem Auswärtigen Amt mit der Weisung überwies, dasselbe einer sorgfältigen Prüfung zu umerziehen. Nachdem in einein Bericht des Auswärtigen Amts Bedenken nicht erhoben worden waren, ist die Pciösfcittlichiing erfolgt. Als der Ncichskanzler durch die P u b l i k a ti 0 n des „Daily Telegraph" von dem Inhalt des Artikels Kenntnis erhielt, erklärte er Seiner Majestät dem Kaiser 1 er hätte den Ent- wurs des Artikels nicht selbst gelesen; aiidernsalls würde er Be- denken erhoben und die Lcröfscntlichung widerraten baben; er be- trachte sich aber als für den Vorgang allein ver- a n 1 w 0 r l l i ch und decke die ihm unter st ellten Ressorts und Beamten. Gleichzeitig unter- breuete der Reichskanzler Seiner Majestät dem Kaiser sein Abschictssgcsuch. Seine Majestät der Kaiser hat diesem Gesuch keine Folge gegeben, jedoch aus Antrag des Reichskanzlers genehmigt, daß dieser durch Verössenilichung des oben dargestellten Sach- Verhalts in die Lage versetzt werde, den ungerechten An- griffen aus Seine Majestät den Kaiser den Boden zu e n t ziehen. Man wird gestehen müssen, eine größere Häufung von Albernheiten, Widersprüchen und U 11• Wahrheiten hat selbst daS berüchtigte Ungeschick deutscher Offiziöser noch nie geleistet, und wir fürchten, daß Fürst Bülow. wenn erdieWirkung sehen wird, sich wieder veranlaßt fühlen wird, zu erklären, er habe auch diesen Artikel nicht gelesen. Die famose Kundgebung bestätigt zunächst, daß der Inhalt der Verösfentlichung vollständig richtig, daß der Kaiser den Artikel vorher vorgelegt erhalten und seiner Veröffentlichung zugestimmt hat. Es kann nicht einmal behauptet ivcrden, daß das englische Blatt sich den ungünstigen Zeitpunkt der Veröffentlichung selbst gc- wählt hat. Und wenn bei diesem Sachverhalt die Erklärung sich erlaubt, von ungerechten Angriffen ans den Kaiser zu sprechen, so muß man diese Aeußming als eine ungebührliche Anmaßung bezeichnen. Die. die den Austrag zu dieser Notiz gegeben haben, besitzen wirklich nicht mehr die Autorität, um der deutschen Oeffeutlichkeit Vorschriften oder Vorhaltungen machen zu dürfen. Nach dem Ernst des Geskäudniffcs beginnt die Farce der Entschuldigung. Fürst Bülow läßt erklären: 1. ich habe um die Veröffentlichung vorher gewußt: 2. ich habe nichts von dem Inhalt gekannt; 3. ich übernehme keine Verantwortung, sondern gebe meine Demission: 4. ich ziehe meine Demission zurück und über- nehme volle Verantwortung. Es sind Vorgänge, die sich höchstens dadurch erklären lassen, daß Fürst Bülow den Beweis erbringen will, daß er seine Meinung mit jeder gewünschten Schnelligkeit ändern kann, und deswegen unentbehrlich ist. Nur bleibt es dann noch immer unerklärlich, wozu Fürst Bülow die Ereignisse dieser vier Tage der deutschen Oesfentlichkcit preisgibt, es sei denn, daß er den Appell an das öffentliche Mitleid als seine einzige Rettung ansieht. Denn wahrhaft mitleiderregend erscheint jetzt erst recht die Leitung unserer ausivärtigen Politik. Fürst Bülow behauptet, er hätte den kaiserlichen Wunsch nicht gekannt. Eine Behauptung, die niemand bezweifelt. Wir waren von Anfang an überzeugt, daß Bülow ebenso auch diesmal überrascht wurde, wie noch jedesmal, so oft kaiserliche Plötzlichkeiten vorgefallen sind. Aber Bülow hat sich ent- schlössen, die Verantwortung zu übeniehmeu. Nicht sofort. Er hat zuerst seine Demission angeboten, das heißt, er wollte die Vcrant- tvortung nicht übernehmen. Und ausdrücklich wird die Demission damit begründet, daß er die ihm unterstellten Ressorts und Beamten decken wolle. Sollte also diese Demission über- Haupt einen Sinn haben, so war eS die, daß er den Kaiser nicht vor dem Parlament decken könne. Er demissionierte unter dem Vorwande, ein an- gebliches Ungeschick seiner Beamten decken zu müssen. Dieses Ungeschick wäre nun freilich außerordentlich und wir be- dauern, den Fürsten Bülow nicht so niedrig einschätzen zu können, um die offiziöse Lesart zu glauben. Man stelle sich doch den Vorgang plastisch vor. Der Kaiser schickt eine wichtige politische Kundgebung un den verantwortlichen Kanzler. Dieser öffnet sie und wirft einen Blick auf das Manuskript 1„O, das kenne icki I" Er drückt auf den Knopf, ein Diener erscheint, und ungelesen wandert das Schriftstück an irgend einen Geheimrat. Ob sich dort derselbe Vorgang wiederholt hat, und das Schriftstück bis zum jüngsten Regierungsassessor auf diese Weise gewandert ist, darüber berichtet die amtliche Kundgebuiig leider nichts Näheres. Sie kompromittiert nur die Beamten des Aus wältigen Amtes mit der Annahme, daß nicht ein einziger den kaiserlichen Brief für so bedeutungsvoll gehalten hat, um noch nachträglich den ahnungslosen Kanzler darauf aufmerksam zu machen. Wahrlich, eine erbauliche Erzählung! So also, könnten die Patrioten fragen, erfüllt der Reichskanzler seine Pflicht? So lvenig Bedeutung mißt er kaiserlichen Kundgebungen bei? Und so wenig kennt er Temperament und politische Auffassung seines Herrn, daß er dessen Äundgebniigen ungelesen, ohne sie eines Blickes zu würdigen, der böswilligen Kritik der Welt aussetzt? Und kopfschüttelnd wird der Patriot sich fragen, ob denn ein solcher Majestätsbeleidiger noch einen Tag länger im Dienste bleiben kann l Der Patriot möge sich beruhigen: er kann bleiben. Wir glauben vom Fürsten Bülow, wcnns verlangt wird, alles mögliche. Aber daß er einer Majestäts beleidigimg fähig ist. möchten wir bezweifeln. Der Mann hat wenig Grund dazu. Wenn aber die amtliche Geschichtsklitternng kaum geglaubt werden kann; wozu dann die Erfindung? Auch das ist un schwer zu erraten. Die Wirkung des Kaiser-Jnterviews war eine so niederschmetternde, die deutsche auswärtige Politik erschien so seltsam, daß der Minister, der dieses zu verantworten hat, wenn auch diese Verantwortung nichts als eine leere Fiktion ist. seine Stellung nicht behaupten konnte. Mit einem Minister, der im Inland jede Autorität verloren hat, und der das Ausland nicht vor Indiskretionen bewahren kann, kann keine auswärtige Diplomatie ernsthaft verhandeln. Bülow sah seine Stellung unhaltbar werden und sucht nun zweierlei zu erreichen. Dem Ausland versichert er, daß er wirklich nichts von der Sache gelvußt hat. Will er aber nicht zugleich dem Ausland gestehen, daß er bei den wichtig st en Akten der auswärtigen Politik ausgeschaltet ist, dann mußte er die Aus rede finden, daß feine Unwissenheit nur auf eigener Nachlässigkeit und nicht auf kaiserlichen Entschlüssen beruht. Und gleichzeitig sichert er sich in Deutschland vor seiner Blockmajorität eine bessere Position und verschafft sich auf jeden Fall einen besseren Abgang. Er übernimmt die Rolle des„konstitutionellen Ministers der die Verantwortung trägt und sich schützend vor seinen Monarchen stellt: Ivcnn er fällt, so fällt er als ein Opfer monarchischer Treue. Zugleich aber wahrt er sich die Rolle des überlegenen Staatsmannes,' denn wenn er nur etwas gewußt hätte, würde er„Bedenken erhoben und die Veröffentlichung widerraten" haben. Vollständig will Fürst Bülow das Opfer seines In- tell c kts also nicht bringen. Er ist zwar bereit,.die Ver- antwortung für den Kaiser zu übernehmen, aber nur, nachdem er vorher amtlich hat versichern lassen, daß er ihn a n politischer Einsicht überragt! So folgt ans die Tragödie des Zusammenbruchs unserer auswärtigen Politik das Satyrspicl des Bülowschen Rettungsversuches. Mit unendlicher Heiter- k e i t wird das Ausland die Bülowschen Mären vernehmen. Aber in Deutschland? Muß sich das deutsche Volk von seiner Regierung wirklich alles gefallen lassen? Kann es von einem Minister, der die Bloßstellung vor dem Ausland nicht verhindert hat, der während seiner ganzen Amts- zeit von einem Mißerfolg zum andern getaumelt ist, der nichts war alS ein Schönredner, nicht verlangen, daß er in Anstand demissioniert und uns mit dem höhnenden Versuch seiner Offiziösen verschont, noch vor seinem Verschwinden uns irrezuführen? Wird der Reichstag wirklich sich noch einmal zum Helfershelfer dieses Ministers degradieren lassen? In der aufgeregten öffentlichen Meinung ist jetzt viel von Verfassungsänderungen und gesetzlichen Bestimmungen die Rede. Es märe eine Gefahr, wollte man sich in der Krise unseres ganzen RegierungSsystems auf unnötige Gesetzeömacherei ein- lassen. Eine e n e r g i s ch e D e b a t t e. die die Verantwort- lichkeitcn. unbekümmert um konstitutionelle Fiktionen, fest- stellt, und deren Ausgang die Erklärung bildet, daß Bülow nicht mehr vor dem Haufe erscheinen kann, ist nützlicher und-führt rascher zum Ziele als neue ge- setzliche Bestimmungen. Ter Absolutismus in der auswärtigen und inneren Politik ist in demselben Augenblick unmöglich, in dem der Reichstag Bülow in ernster Entschlossenheit nicht mehr duldet. Und so bleibt, mag für den einzelnen Fast die Verantwortung tragen, wer will, in letzter Linie der Reichstag dem deutschen Volke dafür ver- antwortlich, ob die unhaltbaren, un ertrag- lichen Zustände fortbestehen sollen. V25 SechKageweiil. Die Tagung deS Dreiklafienparlaments hat doÄ einen ein wenig anderen Verlans genominen, als die Scharfmacherprefie sich das vor- gestellt und der prentzischen Jiinlerlammer zur Pflicht gemacht hatte. Die„Konserv. Korrelp." hatte gefordert, daß mau der sozial- demokratischen Fraktion von vornherein beweise, datz sie auf parlamentarischen Anstand und Gerechtigkeitsgefühl nicht zu rechnen habe. Nun man hat sich ja— wir wollen den Objekte» des Scharf- machertumS diese Anerkennung keineswegs vorenthalten— auch redlich bemüht, dies Schnrfniachcrprojekt in die Tat umzusetzen. In der Debatte über das V 0 l k s>' ch u l g e s e tz liefe man die Redner der bürgerlichen Parteien zweimal zum Wort kommen, während man durch Schlufeantrag dem gemeldeten zweiten Redner der Sozial- demokratie, dem Genossen L e i n e r t, rücksichtslos das Wort a b s ch n i t t I Und wie man bei der Debatte über die Zwölf- einhalbmillionenforderung für die Geistlichen dein Genossen H 0 f fm a n n seine Rede abschnitt, ist ja bekannt. Trotz alledem ist cS den Scharfmachern nicht gelungen, die Sozial- demokratie mundtot zu machen. Man schreckte denn doch vor der letzten, der nackten, iiuverhüllten Brutalität zurück! Nicht etwa auS Toleranz gegenüber der Sozialdemokratie, sondern aus nüchternstem, politischem Kalkül. Man hätte zweifellos nur gar zu gern den Rednern der kleinen sozialdemokratischen Fraktion das Wort abgeschnitten, aber man wnfete nur zu gut, dafe hinter der kleinsten Fraktion des DreiklnffenparkamentS die gröfete preußische Parte-i steht, dafe jede allzu skrupellose Vergewatligung der Bertretcr deS preufei- scheu Volkes Eiitrnstungsslnrme der Massen auslösen und die Situation für die bürgerlichen Parteien nur verschlechtern mufete. Deshalb, und nur deshalb, fügte man sich schliefelich ins Un- vermeidliche und liefe man auch die Redner der proletarischen Mafien zu Wort kommen. Dafe die Darlegungen der sozialdemokratischen Fraktion ans die bürgerlichen Vertreter eine positive mora« lische Einwirkung auszuüben vermocht hätten, wollen wir natürlich nicht behaupten; aber dafe diese Ausführungen auch auf weitere Kreise, die unS bisher noch fernstanden, auf die Dauer ohne Einflufe bleiben würden, ist nach den Erfahrungen unserer parla- mentarischen Werbetätigkeit noch viel toeniger anzunehmen! Unsere verehrten Gegner im Dreiklassenparlament befinden sich in der Zwickmühle. Gewähren sie den sozialdemokratischen Rednern die Redefreiheit, die ihnen schon analog der Behandlung der ja auch nur achtköpsigen Fraktion des weiblichen Freisinn» nicht verweigert werden kann, so spinnen sie. wie das SechStage- werk der neuen LandlagSsesfion ja hinlänglich bewiesen, keine Seide. Vergewaltigen sie aber mit plumper Brutalität die Vertreter der stärksten preufeischen Partei, so fahren sie womöglich noch schlechter! Die kleine sozialdemokratische Fraktion kann also mit kalter Gelassenheit allen Machinationen der Gegner entgegensehen!— Der sechste Vcrhandlniigstag gab der sozialdemokratischen Fraltion abermals Gelegenheit, die heuchlerischen Praktiken der bürger« lichen Parteien zu entlarven. In der Fortsetzung der Beratung über die Deckungsvorlage der Regierung nahmen seltsamerweise die Redner des Freisinns, die Herren W i e m e r und Pach nicke Veranlassung, bei Erwähnung der Wahlrechtsfrage und des bei der v f s e n r l i ch e n Abstimmung geübten Terrors die — Sozialdemokratie heftig anzugreifen. Eine Partei, s 0 lauteten die freisinnigen Deklamationen, die selbst Terror übe, wie die Sozialdemokratie, habe jedes Recht verwirkt, sich über den von reaktionärer Seite verübten Terror zu entrüsten. Dem sozial« demokratischen Redner bot dieser politisch ebenso deplacierte, wie moralisch verlogene Ausfall gegen die Sozialdemokratie nur eine willkommene Gelegenheit, die politische Unklugheit und die ab- geichmackte Heuchelei des braven BlockfreisinnS gebührend zu brand« marken. Genosse Hirsch wicS nicht nur nach, dafe der Freisinn seinem vorgeblichen Kämpf gegen die reaktionären Wahl- rechtsfeinde von vornherein täppisch die Spitze abbreche. wenn er seine Entrüstung an die Sozialdemokratie verschwende, statt an die Regierung und die Junker; sondern dafe der Freisinn auch alle Ursache habe, vor der eigenen Türe erst gründlichst einmal zu fegen I Genosse Hirsch wie« dem Freisinn nicht nur dokumentarisch nach, dafe er sich desselben Terrors schuldig gemacht habe, wie die Sozialdemokratie. sonder» auch. dafe er die beispiellose Infamie verübte, den Terror der Rcgicruug gegenüber dc» Beamten seinen eigenen Zwecke» dienstbar zu machen und wider- strebende Beamte geradezu den Behörden zum Zwecke der Maß- regelung ans Messer zu liefern! Eine ebenso ausgiebige Abfertigung wurde dem konservativen Grafen Moltke zuteil, der der sozialdemokratischen Fraktion die neugierige Frage vorgelegt hatte, was wohl ein sozialdemo- k r a t i s ch e r Fiiianzmin ister an RhcinbabenS Stelle tun würde. Genosse Hirsch machte den etwas naiven Fragesteller darauf auf- merksam. dafe ein sozialdemokratischer Minister erst einmal ein anderes Abgeordnetenhaus zustande zu bringen suchen und auch dann erst eine den VoikSinteressen entsprechende Spar- und AuSgabenpolitik zu in- augurieren suchen werde. Welcher Art eine solche, den Volks- interessen entsprechende Steuerpolitik sei» werde, das enllvickclt« Genosse Hirsch deS näheren In seinen Darlegungen über die Steuer- Projekte selbst. Der sozialdemokratische Redner forderte nachdrücklichst die Befreiung der Einkommen bis zu löOO M. von der Einkommensteuer, eine entschiedenere Progression der Steuer für die höheren Einkommen und Vermögen, eine rationellere Gestaltung der G e s e l l s ch a f t s st e u e r und die Befreiung der Konsumvereine von der Gesellschaftssteuer. Bei aller Bereitwilligkeit zur praktischen Ausgestaltung und Verbesserung der Steuervorlagen betonte jedoch der Redner der Fraktion energisch das prinzipielle Moment, daß die Vertreter einer hoffnungslosen Minorität— sogar nach liberaler Auffassung!— keinerlei Verpflichtung zu„positiver" Arbeit hätten, sondern lediglich zu kritischer Tätigkeit, zur Vereitelung volksfeindlicher Gesetze verpflichtet Kien! Das Sechstagcwerk des Dreiklassenparlaments beschloß eine interessante GeschästsordnungSdebatte. Der Präsident, Herr v. Kröcher, schlug dem Hause vor, die Plenarverhandlungen einst- weilen zu vertagen, und ihn, den Präsidenten, zu autorisieren. das Plenum nach Erledigung der Verhandlungen der Budgetkommission (die daS Beamte nbefoldungögesetz und die D e ck u n g s- frage zu beraten hat) zur zweiten Beratung einzuberufen. Genosse Borgmann erhob gegen diesen Vorschlag Widerspruch. Er forderte, daß die Pause dazu ausgenutzt werde, um erst einmal die wichtigsten Anwäge und Interpellationen zur Verhandlung zu dringen, z. B. die Anträge betreffend die Notstandsarbriten für Arbeitslose und die Wahlrrchtsanwäge! Der Einspruch der sozialdemokratischen Fraktion kam den bürger- lichen Parteien sichtlich unangenehm. Herr F i s ch b e ck versicherte sofort, daß auch er auf dem Standpunkt der sozialdemokratischen Protestler stehe und daß er nur deshalb auf Einspruch verzichtet habe, weil er nach der Haltung des Seniorenkonvents von der Wirkungslosigkeit eines Protestes überzeugt gewesen sei. Die Herren vom Zentrum und von den Nationalliberalen aber beteuerten hoch und heilig, daß ihnen jede Verschleppung dieser wichtigen Anträge fernliege, daß sie vielmehr nur die Geschäftslage veranlasse, die Ver- Handlung dieser Anwäge bis nach der zweiten Lesung zurück- zustellen. Vergebens wiesen die Redner der Sozialdemokratie nochmals darauf hin, daß das traurige Los Hunderttauseader von Arbeitslosen die s ch l e u n i g st e Inangriffnahme von Bor« beugungSmaßregeln erheische, daß die WahlrechtSftagr die wichtigste aller Fragen für das Volk sei: Konservative, Zentrum und Nationalliberale stimmten die Sozialdemokratie und die Handvoll Stimmen nieder, die sich ihnen— der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe I-» angeschlossen hatten I So mußten sich die Vertreter der bürgerlichen Parteien de- maskieren I Die Maske der Bollsfteundlichkeit wird ihnen in Zukunft erst recht vom Gesicht geriffen werden I W i r können mit dein Sechstagewerk deS Jimkerparkaments zufrieden fein I flrbeltcrtmKDfchntz in der Gewerbe« ordnungz-liovelle. Die Reichstagskommission zur Beratung der Ge. wcrbcordnungsnovclle setzte gestern die Debatte über die Bestim- mungen des§ 154 Ziffer 3 der Gewerbeordnung fort, der bekannt- lich die Aufzählung der Gewerbe enthält, auf deren Arbeiter die Schuhbestimmungen der Gewerbeordnung keine Anwendung findet. Tie Rechtsprechung hat die bisherigen Bestimmungen vielfach dahin ausgelegt, daß auch die Gärtnerei nicht dem Titel VII der Gewerbeordnung unterstände. Daher ist in den Kreisen der Gärtner das Verlangen immer dringender ge- Ivorden, dieser Zurücksetzung ihres Berufes ein Ende zu machen. Im schroffen Gegensatz zu den Wünschen der Arbeiter in Gärt- nereien hat die neue Regierungsvorlage sich der für die Gärtner ungünstigen Rechtsprechung angeschloffcn und beantragt jetzt eine ausdrücklich« Bestimmung, daß auf die Gärtnereien die Arbeiter- schutzvorschrift keine Anwendung finden solle. Ein Antrag Behrens(Wirtsch. Vg.) fordert die Streichung dieser Be- stimmung. Der Antragsteller begründet seinen Antrag eingehend mit einer Darstellung der gegenwärtigen Rechtsverhältnisse der Gärtner, die so unklar sind, daß eine Regelung unabweisbar er- scheint. Auch die Bestimmungen über die Sonntagsruhe könnten mit einigen Modifikationen auf die Gärtnereibetriebe Anwendung finden. Gegen den Antrag Behrens wenden sich die Rcgierungs- Vertreter; sie führen aus, daß die Gärtnereien überwiegend land- wirtschaftliche Betriebe seien, für die die Bestimmung der Gewerbe- ordnung nicht paßt. Der Zentrumsabgeordneie Pfeiffer sucht den Antrag Behrens in der Schlinge einer Resolution abzu- würgen, die die verbündeten Regierungen ersuchen soll,„noch im Laufe dieser Session" einen Gesehentwurf vorzulegen, durch welchen die Arbeitsverhältnisse der in Gärtnereien beschäftigten Arbeiter geregelt werden. Gegen dieses Durchkreuzen ernsterer Reform- absichtcn protestiert mit aller Entschiedenheit Genosse Molken- buhr, der sich keineswegs mit einer Resolution zufriedengeben will. Die Vertröstung auf zukünftige Gesehe, deren Einbringung immer sehr lange auf sich warten lasse, habe die deutsche Arbeiter- schaft schon schwer genug geschädigt. Auch die Zersplitterung der Bestimmungen über den Arbeitsvertrag in lauter einzelne Spezial- gesctze, die überall zerstreut seien, erschwere die Fortbildung des ArbeiterschutzeS in hohem Maße. Molkenbuhr weist darauf hin, daß die Sozialdemokraten schon 1890/1891 die Regelung der Gärtnerei in der Gelverbeordnung begehrt hätten, und verlangt dringend nach der Regelung des gesamten Arbeiterrechts durch ein einheitliches Gesetz und empfiehlt für den Augenblick die Uebertragung der Gewerbeordnung auch auf die Gärtnereibetriebc. Inzwischen hat sich der Abgeordnet« Behrens von seinen bürger- lichen Kollegen schon breitschlagen lassen, seinen Antrag zurück- zuziehen und sich auf die Forderung zu beschränken, daß die Be- stimmungen über die Sonntagsruhe, das Arbeitsbuch, das Verbot des Trucksystems, die KündigungSvorschriften, den Lehrbcrtrag, die Arbeitsordnung, daS Koalitionsrecht und einige mehr auf Arbeit- geber, Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter in den Gärtnereibetrieben entsprechende Amvendung finden sollen. Genosse Stadt Hagen bedauert diese Nachgiebigkeit des Abg. Behrens, der selbst ans dem Gärtnerberuf hervorgegangen ist, aufs tiefste. Er schildert das Durcheinander, zu dem bisher die Rechtsprechung über die Stellung der Gärtner geführt hat, insbesondere die widerspruchsvolle Ab- grenzung zwischen geioervlichcn Gärtnereien und landwirtschast- lichen Gärtnereien. Tie Regelung, die Behrens jetzt vorschlage, genüge nicht, um die Rechte der Gärtner zu wahren. Es müsse an anderer Stelle in der Gewerbeordnung ausdrücklich ausgesprochen werden, daß die Gärtnereien der Gewerbeordnung unterstellt sind. Dadurch, daß jetzt auch der§ 139s!» auf die Gärtnerei nicht An- Wendung finden solle, werde das Tohulvabohu vermehrt. Denn dann träfen ja die Kündigungsfristen und-Gründe auf Gärtner in Betrieben mit 10 Personen nicht mehr zu. Ein Rcgierungs- Vertreter macht darauf aufmerksam, daß der Antrag Behrens die Stellung der Gärtner gegenüber der Regierungsborlage noch verschlechtere. Jetzt seien wenigstens für die Gärtnereien manche Bestimmungen der Gewerbeordnung für anwendbar erklärt worden.; Ter Antrag Behrens aber würde zur Folge haben, daß auch auf die rein gewerblichen Gärtnereien viele Arbeiterschutzbestimmungen nunmehr bestimmt keine Anwendung mehr fänden. Denn wenn, wie im Antrage Behrens ausdrücklich hervorgehoben werde, daß einzelne Paragraphen Anwendung finden sollten, so ergebe sich als logische Folge, daß alle anderen Paragraphen endgültig ausge- schalte! würden. Nach diesen Aufklärungen zieht Behrens auch seinen zweiten Antrag zurück, und die Resolution Pfeiffer wird einstimmig angenommen. Durch eine Aenderung des Wort- lautes im§ 154(Fortfall des Allegats§ 139ao) wird erzielt, daß wenigstens die Bestimmungen über die Kündigungsfristen und -Gründe auf Gärtnereien auch künftig Anwendung finden müssen. Ein Antrag unserer Parteigenossen zu§ 154 will verhindern, daß das Gastwirtsgewerbe völlig von den Arbeiterschutzvorschriftcn ausgenommen wird, wie es die Regierungsvorlage beabsichtigt. Anwendung sollen nach unserem Antrage auf die GastwirtSbetriebc mit mindestens 10 Personen Personal insbesondere die Bestimmung zugunsten der jugendlichen Ärbeiter, die über die 1 1 st ü n d i g e Ruhezeit für Frauen und jugendliche Arbeiter und die über die Arbeitsordnung und die A r b e i t e r a u s s ch ü s s e finden. Ter Zentrumsabgeordneie Erzberger macht Be- denken sogar dagegen geltend, daß allgemein im Gastwirtsgewcrbe die llstündige Arbeitsruhe für die weiblichen und jugendlichen An- gestellten festgelegt werde. Die Durchführung werde die größten Schwierigkeiten machen. Auch ein Regierung svcrtrctcr hält es für gänzlich undurchführbar, für die Jugendlichen im Gast- wirtSgewerbe den Zehnstundentag einzuführen. Die Gastwirts- Verordnung schreibe eine 8stündige Ruhepause vor, und wenn man jetzt auf einmal auf 11 Stunden Ruhepause hinaufipringe, würde man die Frauen aus dem Gastwirtsgewerbe hinausdrängen. Molkenbuhr und Stadthagen erwidern auf diese Ein- Wendungen, daß es sich bei den Bestimmungen der Gewerbeordnung ja stets nur um Betriebe handle, die mindestens 10 Angestellte beschäftigen. In solchen Betrieben könne sich das Personal ab- lösei� und die BeschäftignngSzeit der Frauen und Jugendlichen sehr gut dem Geschäftsbcdürsnis angepaßt werden. Abg. Bahn (natl.) wendet gegen unseren Antrag ein, daß schon heute im Gastivirtsgewerbe die Bestimmungen der Bundcsratsverordnung nicht innegehalten werden könnten; die schärferen Bestimmungen, die jetzt beantragt würden, müßten das Gastwirtsgewerbe gänzlich ruinieren. Genosse Molkenbuhr verteidigt noch einmal aus- führlich unseren Antrag: er weist nach, daß bei einer geregelten Einrichtung die Ablösung des Personals überhaupt keine Schwierig- leiten mache und die Ruhezeit mühelos durchführbar sei, da es sich ja lediglich um Betriebe mit mindestens 10 Personen handelte. Tie BundeSratsverordnung enthalte die große Lücke, daß sie nur dem Bedienungspersonal einen gewissen Schutz gewähre. Die 8stündige Ruhepause, die heute für das Gaftwirtsgewerbe vor- geschrieben ist, nimmt daher das ganze Dienstpersonal aus. Die Forderung einer llstündigen Mindestruhezeit für jugendliche Personen und weibliches Dienstpersonal sei so bescheiden, daß man den Widerspruch gegen unseren Antrag gar nicht verstehen könne. Die bürgerlichen Parteien unter Führung des Zentrums blieben aber bei ihrem Entschluß, als Sozialpolitiker beim Gast- Wirtsgewerbe abzudanken und den Erlaß etwaiger Schutz- bestimmungen den Bundesratsverordnungen zu überlassen. Unser Antrag wurde daher abgelehnt. Weiter wunde von unseren Genossen deantragt, entgegen dem Borschlage der Regierung, das Lerkchrsgewerbe von den Arbciterschutzbestimmungen für Betriebe mit mindestens 10 Personen nicht auszunehmen. Molkenbuhr begründete diesen Antrag mit dem Hinweis auf die hohe Unfallgefahr gerade in diesen Betrieben, die einen besonderen Schutz der Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeiter als geboten erscheinen lasse. Die R e- gierungsvertreter vertrösteten auf die Arbeiten des Bei- ratS für Arbeiterstatistik, der sich gerade gegenwärtig mit der Untersuchung der Verhältnisse im Fuhrwerksbetricbe beschäftigt. Herr Erzberger ließ sich auch hier wieder zu einer Ver- schiebung des ArbeiterschutzeS aus unabsehbare Zeit gewinnen. Genosse Robert Schmidt befürwortete gerade mit Rücksicht auf diese Erhebung unseren Antrag. Denn soviel sei schon hin- reichend festgestellt, daß gerade im Fuhrwcrksgewerbe außerordent- lich viel jugendliche Arbeiter bis zu 14 und 10 Stunden tätig sein müßten. Eine BundeSratsverordnung könne ja auf Grund der weiteren Erhebungen immer noch erlassen werden, wenn man auch schon in der Gewerbeordnung ein wenig Arbeitcrschutz für den Fuhrwerksbetrieb gesetzgeberisch schaffe. Trotz aller dieser guten Gründe lehnte die bürgerliche Mehrheit auch hier unseren Antrag ab. Zum Abschluß der ersten Lesung über die auf den Arbeiterinnen- schütz bezüglichen Teile steht nur noch ein Antrag auf Beseitigung der Frauenarbeit in Bergwerten auch über Tage auS. Sodann würden der von Z 110 ab zurückgestellte Teil der Gewerbeordnung und endlich die Vorschläge zur Heimarbeit zu erledigen sein. Tie Beratungen der Kommission nehmen am Dienstag ihren Fortgang. »» " and„B. Z. am mittag". Die„Post" hat sich endlich in der Morgenausgabe ihrer Sonnabcndnummer einen dürftigen Bericht über den Prozeß Fischer kontra..Post" abgerungen. D r e i A u S g a b e n hat sie nach dem Prozeß erscheinen lassen— die Abendausgabe des Donnerstag, die Morgen- und Abendausgabe deS Freitag— ohne von dem Prozeß ein Sterbenswörtchen mitzuteilen. Endlich, fast 48 Stunden nach der Verhandlung, hat sie sich dazu bequemt, ihr Schweigen zu brechen. Man kann an diesem unanständigen Hinauszögern des Berichts erkennen, wie schwer es der„Post" geworden ist, ihn zu geben. Wir nennen das Hinauszögern unanständig, denn jeder anständige Mensch und jede anständige Zeituug wird cS als selbstverständliche Ehrenpflicht ansehen, so schnell wie möglich eine als unwahr erwiesene Bezichtigung zurückzunehmen. Unter den sogenannten Kavalieren gilt eS als Ehrenpflicht, sogenannte Ehren- schulden innerhalb 24 Stunden zu regeln. Die„Post" zahlt wirk- liche Ehrenschulden erst nach beinahe 48 Stunden. Zu einem Gegenstück der„Post" scheint sich die.V. Z. am Mittag- entwickeln zu lo ollen, die wir bisher noch zu den an- ständigen Blättern zählen durften. Dieses gewissenhafte Blatt berichtigt endlich auf den brieflichen Rippenstoß de? Genossen Rahn hin. Aber wie berichtigt eS? ES versteckt die Notiz in der Rubrik Kleine Mitteilungen", so daß man sie erst nach angestrengtestem Suchen überhaupt finden kann. Und seine Berichtigung ist wieder eine Falschdarstellung, jetzt eine wissentliche! Die Notiz lautet folgendermaßen: „In dem Prozeß des NeichStagSavgeordneten Fischer gegen den Redakteur der„Post" hat sich die von u»S zitierte Behauptung des Zeugen Rexhäuser, daß der Obennafchinenmeister Rahn mit der Bezichtigung, Schmiergelder erhalten zu haben, gemeint war, aL vollkomme» unstichhaltig erwiese»- DaS Blatt bringt es also nicht fertig, einzugestehen, daß eS über die Aussage RexhäuserS falsch berichtet hat, sondern hält auch in dieser Notiz die falsche Darstellung aufrecht, daß Rexhäuser angegeben habe. Rahn habe in der X. D. Z.-Notiz deS„Korrespon- den! f. D. B." der Bezug von Schmiergeldern vorgeworfen werden sollen. Die„B. Z. am Mittag" ist also aus der Liste der anständigen Blätter zu streichen. (Den Ausgang des Prozesses Fischer hat fie ihren Lesern auch. heute noch verschwiege».) «.' Nicht verwechselt werden mit dem Schrifisetzer Mahlo. Zeugen im Prozeß Fischer kontra„Post", möchte ein Genosse ähn- lichen Namens und desselben Berufes. Wir finden das nur zu sehr begreiflich und stellen deshalb hier fest, daß der Genosse Schrift- setzer Max Mahlow, Katzbachstr. 37 wohnhaft, mit dem Zeugen Schriftsetzer Mahlo, dessen Handlungsweise er mift schärfste verurteilt, nicht identisch i st. po!iti5cde(leberticdt. Berlin, den 31. Oktober 1303. Welche Summen sind zur Deckung der Fehlbeträge der Reichskasse nötig? Die Nordd. Nllgem. Ztg." setzte ihre langweiligen Artikel, die sie„Begründung zum Entwurf eines Ge- setzcs, betreffend Äenderungen im Finanz- Wesen" getauft hat, in der letzten Nummer fort und be- rechnet dort, welche Steigerung der Reichseinnahmen in den Iahren 1309/13 nötig ist. damit zwischen Einnahmen und Ausgaben das Gleichgewicht hergestellt wird. Das Reichs- schatzamt beziehungsweise Herr Shdow kommt zu folgendem Resultat: Tie Fehlbeträge belaufen sich in Tausenden von Mark auf. 1909 1910 1911 1912 1913 232 329 886 470 430 303 453 096 457 104 Zu diesem Gesamtfehlbetrage von 2 009 362 000 M. treten dann noch 242 652000 M. hinzu, nämlich folgende, dura; neue Einuahmen zu deckende Fehlbeträge: Fehlbeträge.. Ihnen trete» hinzu: , an fortlanf. Ausgaben a) die Kosten der Be- soldungsaufbesser. usw. samt Erhöbg. d. Wohnungsgetd- Zuschusses und des PeiisionssondZ b) Zuschüsse an den Reichsinvaliden- fonds..... c) Mehrbeträge der Slbutdentilgung. . an Ausfällen bei den Einnahmen.. a) Herabicyung der Zuckersteuer.. b) Aushebung d.Fabr- kartenstcuer und Herabsetzung des OrtsporlaS... 1909 j 1910 j 1911 j 1912 Tausende Mark 1913 201 227 231 333! 235 483 243 230 242 022 Zusammen Es bleiben demnach im ganzen 2252014000 M. zu decke». Ihnen stehen anschlagmäßig aus der neuen Einnahme- reforni folgende Einnahmen in Tausenden Mark gegenüber: 1909 1910 1911 1912 1913 . 147 000 402 000 434 000 440 000 457 000 An neuen Steuern... An neuen Matrikular-Bei- trägen...... Infolge Aenderung des An- teils der Bundesstaaten an der Erbschaftssteuer (§ 3 Abs. 1 des E»liourfs> 24 250 2-1250 25 900 25 900 25900 14 500 14 500 4 500 4 500 4 500 Zusammen... 185 750 440 750 404-100 479 400 487 400 Danach ergibt sich, so fährt die«Nordd. Allgem. Ztg." fort, nachstehender Abschluß in Tausenden Marl: 1909 1910 1911 1912 1913 Fehlbetrag... 90 573_——— Ueberschuß...- 54 236 84103 20 370 80802 d. h. Uebcrschiisse im Gesamtbetrage von 145 121 000 M. können und sollen ohne weiteres zur Deckung jener 242 052000 M.. zu denen der Fehlbetrag des Rechnungsjahres 1909 mit 90 573 000 M. noch hinzutritt, insgesamt also von 339 225 000 M. vor allen anderen Ausgaben verwendet werden. Ungedeckt verbleiben alsdann noch 194 104 000 M. Sollte nicht die Entwickclung der wirtschaftlichen Konjunktur im Laufe der Jahre gegen- über den zurzeit möglichen Einnahmeanschlägcn im tatsächlichen Ergebnis eine Besserung bringen, tvas jedoch mit irgend welcher Sicherheit nicht in Aechming gestellt werde» kann, so erübrigt nur, für die verbleibende Summe die erforderliche Deckung im Wege weiterer strengster Sparsamkeit zu beschaffen. DaS durchzuführen wird Aufgabe der ElatSbearbeitung sein. Auch ist zu beachten, daß daS Eiunahmesoll deS Rechnungsjahres 1913 über dessen Fehlbetrag für die danach folgenden Jahre einen Uebirschuß erhoffen läßt, der nötigenfalls zur Deckung eures nicht eingesparten Restes verwendet werden lönute._ Zum preufjischeu Lehrer-Besoldungsgesetz. Das preußische LehrerbesoldungSgesetz, daS in den letzter Tagen im Landtag die erste Lesung passierte, findet scharfe Kritik, insbesondere auch bei den Nächstbeteiligten, den Lehrern. Einer solchen, offenbar von beteiligter Seite in der nationalliberalcn „Magdeburger Zeitung" geübten Kritik entnehmen wir die fol- gendcn Daten: Die Regierungsvorlage setzt an die Stelle von Mindestsätzen den Normalsatz und verbietet allen Orten mit weniger als 25 000 Einwohnern, die Gehälter ihrer Lehrer über diesen Normalsatz zu erhöhen. Als Noruialsatz erscheinen aber die in der Regierungsvorlage festgelegten Gehälter durchaus unzureichend, ja, wenn fernerhin die Ortszulagen schlechthin verboten sein sollen, ergibt sich statt einer den verteuerten LebenSverhält- nissen angemessenen Erhöhung der Gehälter eine direkt« Ver- schlechtcrung. Am empfindlichsten werden von dieser Be- stimmung die Lehrer in den Gemeinden mit weniger als 25 000 Einwohner betroffen. Denn innerhalb dieser Gruppe darf kein Ort, und habe er z. B. als Badeort oder zufolge seiner Lage in einer Gegend mit hochentwickelter Industrie noch so teure Lebens- bedingungen, über diese Normalsätzc hinausgehen. Nur die Orte bei großen Städten sind von dieser Bestimmung befreit, wenn der Provinziallandtag den Borortcharakter dieser Gemeinden aus- drücklich anerkennt- ■Gort den Städten und Landgemeinden von 2000 bis 25 000 Einwohnern gewähren schon jetzt 206 Orte ihren Lehrern ein höheres Einkommen, als ihnen der Regierungsentwurf erlauben würde. Der vorgesehene Normalsatz von 6150 M. Jahresgchalt wird in diesen Gemeinden um 50 bis zu 600 M. überschriiten. Außerdem gewähren noch 12 Orte dieser Gruppe das Endgel�alt von 3150 M. Für Gemeinden mit 25 000 bis 50 000 Einwohnern ist ein Höchsteinkommen von 3350 M. zulässig. Dieses in der Vorlage vor- gesehene Höchsteinkommen wird schon jetzt in 6 Orten um 50 bis 300 M. überschritten; in der nächsten Gruppe bis 100 000 Ein- wohner zahlt nur eine Gemeinde 150 M. über den künftig zu- lässigen Satz von 3550 M. In den Großstädten mit über 100 000 Einwohnern soll der Höchstgehalt 3000 M. betragen. Bisher wurde dieser Satz zwar noch nirgends überschritten, aber natürlich ist durch die Gesetzesbestimmung auch hier die natürliche Entwicklung unterbunden. Nach der GcsetzeSvorlage müßten also in einer großen Zahl von Gemeinden anstatt einer Erhöhung eine Herabsetzung des Gehaltes eintreten, während alle anderen Beamten in Rücksicht auf die Teuerung Zulagen erhalten. Nach der Vorlage soll freilich den jetzigen Inhabern das Gehalt nicht gekürzt werden; doch ist ihnen auch die Hoffnung auf jede Besserung genommen und die vor- gesehenen'Maximalsätze bleiben weit hinter den Wünschen der Lehrer zurück. Nach einer Aufstellung in jener Kritik bleiben bei der bevorstehenden Lehrergehaltsregulierung zirka 0350 Lehrer ohne Gehaltsaufbesserung, und es müßte bei 5150 Lehrstellen für alle Dienstjahre, bei 3000 Lehrern für einen Teil der Dienstjahre eine Herabsetzung des Gehaltes stattfinden. In den Mittelgemcinden (25 000 bis 100 000 Einwohner) beträgt die Zahl der geschädigten Lehrer 300. Das ist preußische Lehrcrfreundlichkeit! Herrn Theodor Barths Parteibrille. Herr Dr. Theodor Barth hält zurzeit auf Einladung des dänischen BlatteS„Politiken" in Kopenhagen Vorträge über „Das Verhältnis des Freisinns zur Sozialdemokratie", die insofern recht interessant sind, als darin der Begründer der neuen demokra» kratischen Partei offener als in seinen Berliner Reden ausspricht, wie er das Verhältnis seiner Partei zur Sozialdemokratie auffaßt und wie er sich die nächsten Etappen der politischen Parteientwicke- lung in Deutschland vorstellt. Nach dem Bericht des„Berk. Tage- blatt" sagte zum Beispiel in dem ersten seiner Vorträge Herr Barth, daß die deutsche Sozialdemokratie aus dem Lager der Denker hervorgegangen sei; Karl Marx und feine Genossen hätten den Untergang des Kapitalismus wie eine„Götterdämmerung" bereits vom 19. Jahrhundert erhofft. Bebel sei der Feind des„Bürger- tums" gewesen, und Liebknecht habe noch im Jahre 1869 ge- schrieben, daß die Sozialdemokratie mit der bestehenden Gesellschafts- ordnung nicht das geringste zu schaffen haben dürfe. Diese ganze „Politik der Katastrophe" sei den Konservativen gerade recht gewesen; denn diese hätten den„bürgerlichen Parteien" die Sozialdemokratie wie ein Schreckgespenst vorführen können. Die orthodoxen Sozialdemokraten Deutschlands seien aber in ihrem eigenen Lager gerade stockkonservativ. Den wahren Fortschritt innerhalb der Sozialdemokratie repräsentieren die„Revisionisten", welche die bestehende Gesellschaft zu reformieren wünsche n. Die„Katastrophenpolitiker" benutzten, so führte Herr Dr. Barth weiter auL, die Tribünen des Parlaments als ein In- strument für ihre negative Lehre. Schon im Jahre 1834 hätten sich aber im Seniorenkouvent Sozialdemokraten befunden— jetzt leisteten viele preußische Sozialdemokraten eine nützliche kommunale Arbeit als Stadlverordnete, und sie würden gewiß gern Bürgermeister und Stadträte sein, wenn sie der Kaiser bestätigen wollte. Die„Revisionisten" hätten sich allmählich eine große Macht errungen. Das letzte Beispiel habe der Nürnberger Kongreß gebracht„ wo sich die Ncvifiomsten geweigert hätten, den weitgehenden Resolutionen der Partei nachzu- kommen.... Herr Dr. Barth schloß seine Ausführungen mit einem Hinweis darauf, daß der Liberalismus in seinem Kampf, dem persönlichen Recht der Arbeiter zum Siege zu verhelfen, mit den„revisionistischen Sozialdemo- kraten" eigentlich solidarisch sei. wenn auch ein Zu- sammenarbeiten im eigentlichen Sinne noch nicht zustande ge- kommen sei. Auf eine Kritik dieser Ausführungen können wir verzichten, denn es handelt sich hier nicht darum, wie die Verhältnisse tatsächlich sind. sondern wie Herr Barth sie durch seine Parteibrille sieht.— Hypothekarisch eingetragener Terrorisnros. Der kapitalistische Terrorismus vermag sich dem„NechtS"staat nicht nur auf dem Wege des„freien Vertrages" anzupassen, er kann auch-- ins Grundbuch eingetragen werden.... Wir lassen folgende beiden Dokumente juristisckler Hochkultur reden: „Ich. Endesunterzeichneter. Gastwirt Ferdinand Fehlau in Wallenien, verpflichte mich hiermit zugunsten der Gewerk- schaft.Humboldt". Braunkohlengrube und Brikettfabrik in Wallensen, zu folgendem: 1. Für den Fall, daß ich auf Fürsprache der Fabrik von der zuständigen Behörde die Genehmigung zum Vau eine« neuen Saales und die Konzession zum Betriebe der Schank» Wirtschaft in diesem neuen Saale aus meinem unter Nr. 32 in Wallensen belegenen Wesen erhalte, gehe ich hiermit für mich und meinen Rechtsnachfolger die Verpflichtung ein, meine jetzigen und künftigen WirtichastSräume zu sozialdemokratischen Zwecken oder zu Zwecken der freien Gewerk- jchaften in keinem Falle herzugeben. Für jeden einzelnen Fall der Zuwiderhandlung erkläre ich mich bereit, eine Konventionalstrafe im Betrage von 1500 M.. wörtlich Eintausendfiinfbundert Mark, der Gewerkschaft„Humboldt", Braunkohlengrube und Brikettfabrik, Wallensen, oder ihrer RechlS- Nachfolgerin im Besitze des FabrikgrnndstückS zu zahlen. 4. Die Gewerlschaft„Humboldt", Braunkohlengrube und Brikettsabrik, Wallensen, erklärt sich bereit, meine Gesuche um Bäu eines SaaleS und Verleihung der Genehmigung zur Schankwirt- schaft in demselben, welche dem königl. Landratsamt Hameln ein- gereicht sind oder werde», tatkräftig zu unterstützen, sobald vor- liegender Vertrag rechtskräftig geworden ist. 7. Ich, der Miiunterzeichnete, Direktor Karl Töpfer zu Wallensen, akzeptiere obige Erklärung namens der Gewerkschaft „Humboldt", Braunkohlengrube und Brikettsabrik, Wallensen. Wallensen, den 24. Januar 1003. gez.: Kar! Töpfer. F. Feh lau. Auffällig ist an diesem sogenannten Vertrag, daß der saal- abtreibende Terrorismus der Humboldtgrube sich als Schwur- genossen den L a n d r a t engagieren kann. Welches Recht hat Herr Karl Töpfer der beamtenbeleidigcnden Unterstellung, daß der Landrat durch die Fabrik sich bestimmen lasse und das terroristische Scharfmachen gegen das gesetzliche Bersamnilungsrecht der Arbeiter gutheiße? Wenn Herr Karl Töpfer dem Wirt gerade für den Fall. daß er seinen Saal soziali st en rein hält, quasi d i e Gunst des Landrats verspricht, so ist die Frage gerecht- fertigt, ob dem Landrat die tiefe Einschätzung seiner P sticht bekannt gewesen ist. Fast noch origineller ist der folgende gerichtliche Ga» rantie schein jür den TerroriSmuS der Saal, ab treib ung, der als„dingliche Dienstbarkeit" ins Grundbuch eingetragen werden konnte: „Geschehen Königl. Amtsgericht Hauenstein, 20. März 1003, Gegenwärtig: Amtsgerichts rat Kollenrodt. ES erschien der frühere Kürschner, jetzige Gastwirt F e h l a u in Wallensen, dem Richter von Person hekaunt, und erklärte: Ich bestelle zugunsten der Firma Braunkohlengrube und Brikett- fabrik„Humboldt" folgende Dienstbarkeit an meiner im Grund- buche von Wallensen, Bd. Hl. Bl. 87, eingetragenen Kätncrstelle, HauS Nr. 22: Die auf diesem Grundstück befindlichen Räumlichkeiten dürfen im Falle eineS Gast- oder SchankwirtschaftsbctriebeS auf dem- selben nicht zu sozialdemokratischen oder Zwecken der sog.(!) freien Gewerkschaften hergegeben werden. Ich b e w i l l i g e und beantrage die Eintragung dieser Dien st barkeit im vorbezcichneten Grund- buche. Den Wert der Dienstbarkeit gebe ich auf 500 M. an. Vorgelesen, genehmigt, unterschrieben. gez.: F. Fehlau. Beglaubigt: gez.: Kollenrodt." UuS ist die„Dienstbarkeit' eineS königl. preußischen Amtsgerichts unter dem Saalboykott bedeutend mehr wert als 500 M. Die gerichtliche Eintragung des kapitalistischen TerroriSmuS inS Grund- buch ist sogar unbezahlbar. Die Kapitalisten zetern über wüsten TerroriSmuS und halten sich selbst für straffrei, ja können eine Hypothek aus ihren TerroriSmuS nehmen. Dafür verlangen sie für angeblichen TerroriSmuS der Arbeiter hohe Strafen! Der eingetragene TerroriSmuSvertrag ist— weil gegen die guten Sitten in gröblichster Weise verstoßend— nichtig. DaS beeinträchtigt aber die Schönheit des kapitalistischen hypothekarisch eingetragenen Kapi- taliSmnZ nicht._ Wahlrecht nnd Arm enuuterstützuug. Der Gesetzenttvurf über Einwirkung von Armenunterstützung auf öffentliche Recht: ist vom Bundesrat in folgender Fassung an- genommen worden: „Soweit in Reichsgesctzen der Verlust öffentlicher Rechte von dem Bezüge einer Armenunterstützung abhängig gemacht wird. sind als Armenunterstützung nicht anzusehen: 1. Krankenunterstützung, 2. die einem Angehörigen wegen körperlicher oder geistiger Gebrechen gewährte AnstaltSpflege, 3. Unterstützungen zum Zweck der Erziehung oder der Aus- bildung für seinen Beruf, 4. sonstige Unterstützungen, wenn sie nur in der Form ver- einzeltcr Leistungen zur Hebung einer augenblicklichen Notlage gewährt sind, 5. Unterstützungen, bis Zurückgezahlt worden sind." Neueö Einkommensteuergesetz für Koburg. Die koburgische Regierung hat �dem Speziallandtag ein neues Steuergesetz vorgelegt, welchos im wesentlichen einem im Jahre 1001 gescheiterten Entwürfe entspricht. Danach soll die jetzt bestehende Zweiteilung in Klassen- und Einkommen- steuer aufgehoben und dafür eine progressive Besteuerung mit Deklarationszwang eingeführt tverden. Nach dem bisherigen Gesetz begann die Einkommensteuer bei einem Einkommen von 2400 M.. der Steuersatz betrug jährlich 3 Proz. Nach dem Entwurf soll an die Stelle des Einheitssatzes ein progressiv steigender Steuer- satz treten. Der Satz von 3 Proz. wird dabei erst bei einem Ein- kommen von 3000 M. erreicht und erhöht sich bis zu einem Ein- kommen von mehr als 12000 M. Von da ab tritt eine gleichmäßige Besteuerung von nicht ganz 4 Proz. ein. JahreZeinloinincn unter 300 M. bleiben steuerfrei._ Die Entschädigung für die abgehackte Haud. In der FreilagSniimmcr berichteten wir unter obigem Titel über die Klage des BierfüllcrS Franz Melvald gegen die Stadt Breslau und die ihm von der 5. Breslauer Zivilkammer zner- kannten Entschädigungen. Danach sollte Biewald vom April 1011 ab vierteljährlich 157,25 Mark Entschädigung erhalten. Diese Summe ist nicht richtig. Die vierteljährliche Entschädigung beträgt 187,25 Marl._ Die Balkankrise. Eine Meuterei in Konstantinopel. Konstantinopel, 31. Oktober. Auf den Befehl, daß fünf Bataillone der hiesigen ersten und zweiten Division, welche die Nildizbesatzung bildete, nach Dschcddah abgesandt werden, hat gestern abend eine Kompagnie g e- meutert. Die Soldaten verließen bewaffnet die Kaserne Taschkischla in Pera und nahmen in der Nähe der Kaserne Aufstellung. Sie erklärten, daß sie nach Hause wollten oder nur, wenn die ganze zweite Division nach dem Hedschas ver- legt würde, mitgingen. Um der Meuterer Herr zu werden, erhielt das von Saloniki eingetroffene Schützen- b a t a i I l o n, das in derselben Kaserne untergebracht ist, heute früh den Auftrag, mit Musik, angeblich zum Exerzieren, auszurücken, in Wirklichkeit aber die Kompagnie zu um- zingeln. Während der Umzingelung begann die meu- terndeKompagnie zu schießen. Das Schützen- bataillon erwiderte das Feuer. Es wurden ungefähr 10(X> Schüsse gewechselt. Es blieben 9Tote und "Verwundete auf dem Platze. Nach Umzingelung hat sich die K o m p a g n i e ergebe n. Sie wurde entwaffnet und interniert. Sensationelle Darstellungen des Vorfalles und die Angaben über große Verluste sind unbegründet. Die den Jungtürkcn treuen Regimenter haben somit die Truppen des Sultans leicht überwunden. Von jetzt ab steht der Sultan unter der militärischen Bewachung der Jung- türken. Damit ist auch die Aussicht auf das Gelingen reak- tionärer Putschversuche sehr gering geworden. Ein Wahlkompromiß. Konstantinopel, 3(1. Oktober. Zwischen den Jung- türken, den G r i e ch e n und den Armenier n ist eine V e r st ä n d i g u n g über die bicsigen Parlameilts- wählen zustandcgekommen. Es sollen vier Moham- mcdaner, drei Grieck)en, zwei Armenier und ein Israelit ge- wählt werden. Ein Protest. Sofia, 39. Oktober. In der heutigen Nachmittagssitzung der S o b r a n j e verlas der Führerder 23 Deputierte st a r k e n Agrargruppe einen P r o t e st gegen die Pro- klamierung ohneBefragungderSobranjeals eine Berfas sungsverletzung, für die die Minister verant- wortlich seien. Der Redner kündigte zugleich eine Ob- struktion der Agrargruppe an. Scheitern der Verhandlungen mit Oesterreich? London, 31. Oktober. Die„Times" meldet auS Kon- stantinopel: Die Tatsache, daß die jüngsten österreichische n Vorschläge bezüglich der Anbahnung direkter Unterhandlungen zwischen Oesterreich und der Türkei als unmöglich erkannt worden sind, hat die Pforte veranlaßt, ihre ganze Anfmerksamkeit augenblicklich auf eine Verständigung zwischen der Türkei und Bulgarien zu richten. Itatten. DaS AnSwanderungSproblem. Rom, 24. Oktober.(Elg. Ber.) Dieser Tage hat in Rom der erste italienische Kolonial« k o n g r e ß getagt, der sich mit der Frage der Auswanderung beschäftigt hat. Obwohl die Behandlung keineswegs der Bedeutung des Themas entsprechen konnte, weil ans dem Kongreß die Vertretung der hauptsächlichen Interessenten, der Arbeiter, fehlte, ist doch der auf dem Kongreß gegebene Situationsbericht lehrreich, ebenso wie die Taffache bemerkenswert ist. daß sich sowohl die vlegiernugs- Vertreter und die Vertreter des klerikalen Lluswandererschutz- iiistitutS B o n o m e l l i gegen jede Form von Arbeitsvermittelimg aussprachen, die italienische Arbeiter zu anderen als den ortsüblichen Preisen anzustellen sucht. Bekanntlich hat sich bisher das Institut Bonomclli besonders der Streikbrechereinfuhr gewidmet. Mau scheint also neuerdiligS in dieser edlen Beschäftigung ein Haar gefunden zu haben. In dem dem Kongreß vorgelegten Referat de? Genosien Cabrini finden wir einen Ueberblick über die italienische Aus- wanderungSbewegung in den letzten 30 Jahren. Für das Jahr 1876 sind 108 771 Auswanderer verzeichnet, von denen aber weniger als 20000 sich in überseeische Länder wendeten. Die Zahl steigt dann langsam unter Schwankungen und zwar in der Weise, daß die überseeische Auswanderung immermehr das lieber- gewicht gewinnt. Im Jahre 1886, bei einer GcsamtauSwanderuug von 167 000 halten sich beide AuSwanderungsformen das Gleichgewicht. Zehn Jahre später, bei einer GesamtanSwanderung von über 300 000 Personen, wendete sich der bei weitem größere Teil, 104 000 Personen, in überseeische Länder. Im Jahre 1001 wird zum ersieumal die halbe Million überstiegen und 670 000 AuS- Wanderer gehen über daS Meer. DaS Jahr 1906 bezeichnet dann den Höhepunkt: 737 000 Auswanderer, von denen 511000 in tranS- atlantische Gegenden. Dann macht sich der Rückschlag der nord- amerikanischen Krise geltend, die transatlantische Auswanderung geht um fast 100 000 zurück, während die europäische Auswanderung mit 288 000 ihren Höhepunkt erreicht. Beide Auswanderungen sind ihrem demographischen Charakter nach ganz verschieden. Die Auswanderung nach Europa ist Saisonauswanderung, rekrutiert sich fast ausschließlich aus Nord- und Mittelitalicn und besteht vorwiegend aus E r d- a r b e i t e r n und Bauarbeitern der verschiedenen Kategorien. Seit einigen Jahren gibt es auch eine Saisonauswanderung nach Nordamerika. Es handelt sich hier um Landarbeiter, die für die Erntearbeiten nach Amerika gehen und für den italienischei. Sommer und die Ernte in» Vaterland zurückkehren. Die transozeanische Auswanderung hat dagegen allen Charakter der permanenten Auswanderung. Die Emigranten siedeln sich mit ihren Familien im fremden Lande an, freilich fast stets mit der Absicht, dereinst mit einem kleinen Kapital in da» Vaterland zurückzukehren. Aber tatsächlich sind z. B. in den letzten fünf Jahren nur 42 Prozent der Ausgewanderten zurückgekehrt. Diese üluSwandcrung rekrutiert sich vorwiegend aus S ü d i t a l i e n und besteht zum großen Teil auS unqualifizierten Arbeitern, zumeist Landleuten. Sie ist viel größeren Schwankungen unterworfen als die Saisonauswanderung. Der größte Teil der SaisonauLwanderer— 88 000— wendete sich im Jahre 1907 nach der S ch w e i z, 75 000 nach Deutsch- l a n d, 63 000 nach Frankreich, 32 000 nach Oesterreich- Ungarn. 4000 nach England. Der Kongreß nahm Resolutionen an, die eine ergiebige Unter» stützung der Institute, di? die Auswanderer im A> lande schützen, bessere italienische Schulen usw. forderten- Die R Gerung wurde weiter aufgefordert, durch internationale Verträge«inen besseren Schutz der italienischen Emigranten und ihrer Rechte ans die Arbeiter- schutzgesetze des EinwandererlandeS ohne die heutigen bureaukrätischLp Verklausulierungen zu erwirken. Kulttancl. Zur Eröffnung der Dumasessio». Petersburg, 28./15. Oktober.(Eig. Ber.) Heute beginnt die zweite Session der dritten Reichsduma. Die allgemeine Situation, bei der die Duma ihre Tätigkeit erneuert, kann mit wenigen Worten charakterisiert werden: unaufhaltsames Wachstum der politischen Reaktion. Versammlungen selbst unschuldigster Art, Verbände zu wirtschaftlichen und Poli- tischen Zwecken werden in griimnigstcr Weise verfolgt; die fort- schrittliche Presse wird unter dem doppelten Druck der administra- tivcn und gerichtlichen Strafen erstickt; Massenarreste, Verban- nungen in„ganz entlegene" und„nicht gar zu entlegene" Ort- schaftrn nehmen kein Ende; Hinrichtungen„Politischer" sind nach wie vor eine alltägliche Erscheinung. Dabei werden Stadt und Land von einer chronisch gewordenen ökonomischen Krise verwüstet, die im Verein mit Cholera und Mißernten die Volksnot bis zur äußersten Grenze des Erträglichen gesteigert hat. Die soziale und politische Lage hat sich mithin in den letzten Monaten in keiner Weise gebessert. Auch die Stellung des Ministeriums Stolhpin der Volks- Vertretung gegenüber ist nach wie bor eine feindselige und heraus- fordernde. Im Laufe der Dumaferien hat es seine Mißachtung der Duma in einer ganzen Reihe von Handlungen manifestiert. Als Beleg: werden einige Beispiele genügen: Die Politik des Kultusministers Schwarz ist von der Duma als„taktlos" verurteilt loorden; das bekümmert aber Herrn Schwarz so wenig, daß er nun erst recht über die russische Schule herfällt und durch seine neuesten Zirkulare Lehrende und Lernende terrorisiert. Den„Wünschcp" der Duma zufolge hätten einige Ausgaben im Budget geschmälert und der 0. Artikel des Budgetreglements abgeändert werden sollen, dessen Weiterbestehen das Budgetrccht der Volksvertretung fast gänzlich annullierte: dieser„Wunsch" ist aber, wie aus der Etais- vorläge für da» Jahr 1009 ersichtlich, vom Ministerium ganz ab- sonderlich gedeutet worden: es hat nämlich ganz im Gegenteil die Ausgaben für kulturelle Zwecke geschmälert, die für Arme: und Flotte aber vergrößert. Während der ersten Session schloß die Re- gierung eine von der Duma nicht sanktionierte neue Anleihe ab, indem sie alte Staatsscheine durch neue ersetzte, was dann auch von den Dumarednern als„widergesetzlicher Akt" vermerkt wurde; die Rc- gieruug legt aber so wenig Gewicht auf derartig: Meiuungs- äußcrungcn der Volksvertretung, daß sie jetzt, wenige Tage vor dem Wiederbeginn der Tnmasitzungen, den Mut fand, eine neue, ganz analoge„Kreditoperation" im Betrage von 25 Millionen Rubeln zu unternehmen. Und schließlich hat die Regierung in völliger Mißachtung des gesetzgeberischen Dumabcschlusses den Bau von vier Panzerschiffen ersten Ranges, die den Grundstein zu einer neuen Flotte legen sollen, in Angriff genommen. Das„konstitu- tionelle" Ministerium Stolypin will eben der Volksvertretung, als einer„Quantitö negligeable", in keiner Weise Rechnung tragen und wird gewiß auch ferner die Duma als gesetzgeberische Jnstitu- tion ganz ignorieren. Diese Annahme findet ihre Bestätigung unter anderem auch darin, daß für die zweite Session der Duma von der Regierung kein einziger großer Gcsetzentivuof vorgelegt worden ist. Wie in der vorigen Session, will sie die Arbeit der Duma auf die Budgetborlagen und sogenannten„kleineren" Gesetzentwürfe beschränken. Für die voraussichtlichen Ergebnisse der heute wieder auf- genommenen Dumaarbcit ist die geplante Taktik der Dumamajorität von größter Bedeutung. Ist hier vielleicht eine Veränderung im Sinne einer Schwenkung nach links zu erwarten? Der rechte Flügel der Dcputicrtenkammer wird selbstredend nach alter Ge- Pslogenheit der„echt-russischen" Abgeordneten, deren Devise lautet: „Fort mit der niederträchtigen Konstitution!", mit allen Mitteln ihre Tätigkeit zu hemmen und die Volksvertretung zu diskreditieren bestrebt sein. Welches sind nun die Absichten des„leitenden Zcn- trums",— der„Oktobristen"? Wenn nicht alle Anzeichen trügen, scheint es den Herren vom Zentrum nicht nur an einem Tätig- keitsplan für die bevorstehende Session, sondern auch am Willen zur Ausarbeitung cineS solchen völlig zu mangeln. Die„Partei der letzten Regierungsverordnung" will wieder den alten, in der ersten Session erprobten Weg einschlagen. Sie wird also fürs erste keine wichtigen Gesetzentwürfe auf die Tagesordnung bringen, son- dern sich mit„kleinen Geschäften" befassen und überhaupt nach den Vorschriften des Ministeriums verfahren. Unter solchen Umständen gewinnt die Rolle der sozialdemo- kratischen Opposition sehr wesentlich an Bedeutung. Im Bewußt- sein ihrer Verantwortlichkeit vor dem Volke wird sie der Verpslich- tnng nachkommen müssen, von der Regierung Rechenschaft zu ver- langen über den nach wie vor im Lande herschenden weißen Terror; ihr« Ausgabe wird es sein, energisch auf sofortiger Inangriffnahme und Ausarbeitung der großen sozialen und politischen Reformen zu bestehen, ohne die in Rußland ein weiterer Fortschritt überhaupt undenkbar ist. Amerika. Die Wahlbewegung. Rockefeller, der Herr des Petrolellininlsts. und Carnegie haben sich jetzt öffentlich für die Wahl Tafts, ihres republikanischen Präsidentschaftskandidaten, er- klärt. Die Demokraten jubeln über das offene Eintreten der Trustmagnaten für Taft. Sie erblicken darin eine Bestätigung ihrer Behauptung, daß dcr Pctroleumtrust dem re- publikanischen Wahlfonds eine Million Dollar gespendet hat. Die Republikaner verteidigen sich damit, daß die Erklärung Nockefellers einen Wahltrick gegen die Republikaner bedeute. vzz llrtell Im Grubenbeamten- Befteebungsprozeß. Saarbrücken, den 31. Oktober 1908. (Telegraphischer Bericht.) In dem Bestechungsprozeß gegen 52 Grubenbeamte, Steiger und Arbeiter der königlichen Grube„Reeden" im Saarrevier, der in der vorigen Woche die Strafkammer des Saarbrücker Landgerichts beschäftigte, wurde heute nachmittag das Urteil verkündet. Daö Gericht hat angenommen, daß keine Interessengemeinschaft zwischen Bergleuten und Steigern bestanden habe. ES ist deshalb zu einer umfangreichen Freisprechung gekonimen. Im ganzen wurden 38 Angeklagte freigesprochen, während 14 An- geklagte verurteilt wurden. Von den Steigern hat das Gericht den Angeklagten Riß der schweren Bestechung schuldig befunden und zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Wegen einfacher Bestechung erhielten die Steiger Heck zwei Monate Gefängnis, Peter Keßler und Wechselman» je. einen Monat Gefängnis. Die Witwe des. Obersteigers Spengler ist freigesprochen. Frau Riß erhielt wegen Beihilfe 14 Tage Gefängnis. Acht Bergleute wurden zu je einer Woche Gefängnis verurteilt. Der frühere Bergmann, jetzige Wirt Jäcker erhielt die höchste Strafe, nämlich sechs Monate Gefängnis. Soziales. Schadenersatz wegen verzögerter Auslieferung der Kaution. Durch Klage gegen die„Berliner Wach- und Schlicßgesellschaft" machte Z., der vormalige Wächter dieser Gesellschaft, verschiedene Ansprüche geltend. Er forderte einen Restlohn von 14,50 M. für Tage, an denen er krank war. Das empfangene Krankengeld hatte er abgerechnet. Weiter verlangte er 12 M. Schadenersatz wegen nicht rechtzeitiger Auszahlung der Kaution. Laut Bescheinigung einer anderen Gesellschaft, des„Wach- und Schließinstituts Groß- berlin", wo Kläger in Arbeit getreten ist, hätte er bei der neuen Arbeitgeberin einige Tage früher eintreten können, wenn er schon im Besitze der Kaution gewesen wäre. Die Gesellschaft macht eben- falls das Engagement von der Einzahlung einer Kaution ab- hängig. Schließlich forderte Z. noch ein« Mark, die er einem Dienttmann für das Abholen der Kaution gegeben hatte.— Wie i>> oer Verhandlung vor dem Gewerbegericht festgestellt wurde, verhielt sich die Kautionsangelegenheit folgendermaßen: Der Kläger sollte seine Kaution(Sparkassenbuch) erhalten, aber erst TjbO M. bezahlen, die er nach dem Täenstvertrag zu entrichten hatte. Er hob seine Pension ab, die er als ehemaliger Lehrer bezieht, und zahlte die 7,50 M. Ein Beamter der Ge- sellschaft verlangte(„aus Unkenntnis", behauptete ihr Vertreter vor Gericht) vom Kläger die Unterschrift, daß er keine Forderungen mehr habe. Da er nicht unterschrieb, so wurde ihm von jenem Beamten die Kaution nicht gegeben. So entstand die Verzögerung. Kläger schickte dann den Dienstmann. Durch Widerklage forderte die beklagte Gesell- schaft 15 M. zurück, die Kläger als Gratifikation erhalten hatte.— Das Gewerbegericht verurteilte die Be- k l a g t e z u r Zahlung der 12 M. für die Verzögerung in der Herauszahlung der Kaution und der einen Mark für den Dienst. mann, der die Kaution holte. Mit der Mehrforderung wurde der Kläger abgewiesen, und die Widerklage auf Herauszahlung der Gratifikation wurde ebenfalls abgewiesen. Di« Urteilsbegründung ging dahin: Tie Gesellschaft sei mit der Herausgabe der Kaution in Verzug geblieben. Für dxn daraus entstandenen Schaden müsse sie aufkommen. Daß Kläger einen Schaden von 12 M. hatte, gehe aus der Bescheinigung der Gesell- schaft„Groß-Berlin" hervor. Da ferner nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch Geldsendungen auf Kosten des Schuldners zu über- mittel» seien, und dies mit der Kaution ungesäumt hätte geschehen müssen, so sei auch die Mark für den Briefträger zu erstatten.— Der Lohn für die Krankheitstage könne dagegen dem Kläger nicht zugesprochen werden, denn dies sei durch die Dienstinstruktion ausgeschlossen, die vorliegend ein Teil des Dienstvertrages sei. Die Beklagte und Widerklägerin müsse mit ihrer Forderung auf Herausgabe der Gratifikation abgewiesen werden, da eS sich um eine vollzogene Schenkung handele. Au«| 618 des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Der Hausdiener S„ der in Diensten der v. Poncettfchen Glas- Hüttenwerke stand, war längere Zeit krank und mußt« in Heil- behandlung. Nach lltägiger Abwesenheit wurde ihm angekündigt, daß nach weiteren 14 Tagen das Arbeitsverhältnis fein Ende er- reiche. Durch Klage beim Gewerbegericht stellte er neben anderen Lerantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Jnjeratcnteil verantw.: Forderungen die auf. ihn für die Dauer der Krankheit die Diffe- renz zwischen dem erhaltenen Krankengelde und dem entgangenen Lohn zu zahlen.— Das Gcwcrliegcricht verurteilte die Beklagte Zur Zahlung des strittigen Lohnbctragö, aber nicht für die Dauer der Krankheit, sondern nur für vier Wochen, das heißt für die Zeit bis zum Ablauf der Kündigungsfrist. Das Arbeitsverhältnis habe damit sein Ende erreicht gehabr. Im übrigen aber griffe hier Z 016 des Bürgerlichen Gesetzbuchs Platz, denn die vier Wochen seien eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit. Ferner wurden dem Kläger 14 M. zugesprochen, weil er soviel an Krankengeld in den vier Wochen infolge des Umsiandes einbüßte, daß er in eine zu niedrige Klasse bei der Krankenkasse angemeldet worden war. Außerdem erhielt er noch, was er wegen der zu niedrigen Kassenanmeldung später in einer Heilanstalt an Taschengeld zu wenig erhielt. Im ganzen wurde die Firma zur Zahlung von 62 M. verurteilt. GewerhlcbaftUcbe� Berlin und llmgegend. Was für Schlauberger müssen wohl nach ihrer Ansicht die Betriebsinhaber der Firma Glogowski u. Co., Müllerstraße 151, sein! Dort wird von samt, lichen Arbeitern ohne Ausnahme bei Einstellung im Betriebe von der Leitung die unterschrifiliche Erklärung verlangt, daß sie keiner Organisation angehören noch beitreten dürfen. Die Herren scheinen aber zu merken, daß sie damit den größten Teil ihrer Leute zum Lügen verleitet haben. Um nun herauszubekommen, ob auch von roten Verbänden Arbeiter beschäftigt werden, ist die Geschäftsleitung auf folgenden Einsall gekommen: Es werden bei der Firma ungefähr 50—60 Tischler und Maschinenarbciter be- schäfiigt, die zum Teil unorganisiert, zum Teil Mitglieder im Ge- werkverein und im Holzarbciterverband sind. Mit der Leitung des Gewcrkvereins hat die Firma eine Vereinbarung getroffen, daß vom 20. Oktober ab alle Tage eine Stunde länger gearbeitet werden sollte. Allem Anschein nach war sich die Firma aber nicht ganz sicher, ob nicht ein großer Teil der Arbeiter die Ueberstunden- arbeit aus Rücksicht gegenüber der großen Arbeitslosigkeit im Holz- gcwerbe ablehnen würde. Denn sehr richtig sagten sich die Arbeiter, daß eS der Gcschäftslcitung bei etwas gutem Willen wohl möglich sei, wollte sie die in Frage kommenden Arbeiten zu einem fest- gesetzten Termin fertigstellen, auf die Dauer von 14 Tagen eine Nachtschicht einzulegen. Am 19. Oktober wurhe zum Erstaunen aller das folgende Plakat in der Werkstatt angeschlagen: „Vom 20. d. Mts. ab wird die tägliche Arbeitszeit bis auf weiteres bis 6 Uhr festgesetzt. Verbandsmitglieder dürfen ihren Bestimmungen gemäß jedoch nur wie bisher arbeiten."(Stempel.) Man braucht nun nicht gerade ein Schlaukopf zu sein, um nicht die wirkliche Absicht dieser„selbstherrlichen Kundgebung" zu begreifen. Bei der Einstellung wird nämlich von den Arbeitern die schriftliche Bestätigung verlangt, daß sie einer Organisation nicht angehören, anderenfalls eine Einstellung überhaupt nicht er- folgt. Durch den famosen Aushang will man nun diejenigen Ar- beiter herausbekommen, die es trotzdem gewagt haben, treu zum Holzarbeitcrvcrband zu halten, um sie so rasch als möglich an die frische Luft zu setzen. Man ist aber nicht in die Falle gegangen und hat den Gewerkvereinlern nicht den Gefallen getan, für diese Auchkollegen freien Platz zu schaffen. Bezeichnend aber bleibt es im höchsten Maße, wie eine Organisationsleitung es anläßlich der gegenwärtigen Arbeitslosigkeit fertig bringt, den Unternehmern ohne zwingenden Grund eine Verlängerung der Arbeitszeit zu- zugestehen. Hoffentlich sind die um ihre Existenz bedrohten Arbeiter bei einer besseren Gelegenheit in der Lage, die Firma an ihr Vor- gehen zu erinnern. Die wirtschaftliche Lage der Herrenkonfektionsschncider. Eine öffentliche Konfektionsschneidcrvcrsammlung, die am Montag bei Mendt in der Münzstraße stattfand, beschäftigte sich mit dem Thema:„Die augenblickliche wirtschaftliche Lage der Konfektionsschneider und wie ist sie zu v e r b e s s e rn?" Es war, wie auch der Referent K ä m i n g her- vorhob, eigentlich überflüssig, einer Versammlung von Konsektions- schneidern die wirtschaftliche Lage ihres Berufs zu schildern, da ja tatsächlich jeder selbst durch trübe Erfahrungen von den Wir- kungen der Wirtschaftskrise unterrichtet ist. Es kam und kommt aber darauf an, die Masse der Konfektionsschneider über die Ur- fachen dieses Elends aufzuklären und ihnen zu zeigen, durch welche Mittel in Zukunft die traurigen Folgen einer solchen Krise ge- mildert werden können. Der Redner legte nun ausführlich dar, wie die Absatzverhältnisse der Konfektion vor allem von der Wirt- schaftlichcn Lage der gesamten Arbeiterschaft abhängig sind. Die Herrenkonfektion, um die es sich in dieser Versammlung Haupt- sächlich handelte, ist größtenteils auf den inländischen Markt an- gewiesen und weniger vom Weltmarkt abhängig. Da nun seit un- gefähr anderthalb Jahren stets eine außerordentlich große Anzahl Arbeiter aller Berufe ohne Arbeit ist, und die, die noch etwas Ar- beit haben, meist biel weniger verdienen als früher, ist natürlich auch in der Konfektionsindustrie eine große Absatzstockung einge- treten. Während aber die Arbeiter anderer Industriezweige die Zeiten guten Geschäftsganges ausnutzten, ihre Löhne zu erhöhen, ihre Arbeitszeit zu beschränken und damit auch einer allzu unver- schämten Lohndrückerei in der Zeit der Wirtschaftskrise vorbeugten, haben die Berliner Konfektionsschneider in dieser Hinsicht den An- sll'lutz verpaßt. In der guten Zeit, als es an Arbeit nicht fehlte, nähten sie Tag und Nacht; Frau und Kinder mußten helfen, und wenn sie so einen halbwegs auskömmlichen Verdienst erzielten, be- rechneten sie nicht, wieviel Arbeitsstunden darin steckten und wurden meist gar nicht gewahr, daß ihre Arbeit eigentlich weit schlechter de- zahlt lourde, als die irgend eines ungelernten Arbeiters. Der Schneiderverband bemühte sich unausgesetzt, auch die Konfektions- schneider Berlins über ihre wirtschaftliche Lage aufzuklären, sie schon in der guten Zeit darauf aufmerksam zu machen, daß eine Krise im Anzüge war, daß sie sich rüsten und allesamt organisieren sollten, um dann nicht ohne Rückhalt dem Elend und der Lohn- diückcrei preisgegeben zu sein. Aber die große Masse der Kon- ftktionsschneider nähte und näbte, um nur soviel wie irgend möglich einzuheimsen und schlug die Warnungen in den Wind. Während ibre Berufskollegen in anderen Zentren der Konfeltionsindustrie, mie in Stettin, Frankfurt a. M., München, Breslau auf Grund itrer starken Organisation zu festen Tarifverträge,, gelangten, die ihnen nun guten Schutz gegen die Willkür des U.ricrnchmertumL bieten, sind in Berlin nur in einzelnen Konfektionsgeschäften Tarife abgeschlossen, die Masse der Arbeiter ist schutzlos allen Lohn- drückereien preisgegeben. Dabei sind die Unternehmer selbst stark organisiert und wissen ihre Interessen in jeder Hinsicht rücksichts- lcs zu wahren. Das sollte für die Arbeiter auch eine Mahnung sein, gemeinsam mit aller Kraft ihre Interessen wahrzunehmen. Gegenwärtig liegen die Verhältnisse in der Herrenkonfektion so, daß manche Arbeiter wochenlang kein Stück Arbeit erhalten, die übrigen nur teilweise Beschäftigung haben. Der Redner meinte jedoch, daß Anzeichen dafür vorhanden sind, daß zum Frühjahr ein l esserer Geschäftsgang eintritt. Dazu sollten die Konfektions- sckmeider sich nun durch Zusammenschluß in ihrer Organisation borbereiten, damit sie endlich einmal zu besseren Lohn- und Arbeits- tcrhältnissen gelangen. Durch die bisherigen Mißerfolge lassen sich die Organisationsvertreter nicht abhalten, nun von neuem und mit so viel größerem Eifer zu agitieren, in der Uebcrzeugung, daß fciefc unermüdliche Arbeit auch hier in Berlin schließlich zum Ziele führen muß. k Dem Vortrag, der starken Beifall fand, folgte eine lebhaste Diskussion, in der ebenfalls zu eifrigster Agitation aufgefordert wurde. Allgemein trat auch die Uebcrzeugung hervor, daß die Bc- seitigung der Heimarbeit durch Betriebswerkstätten eine Grund- fvrdcrung zur Verbesserung der Verhältnisse sein muß. Tie Tarifverhandlungen im Glasergewerbe haben sich durch Schuld der Unternehmer zerschlagen. Der bisherige paritätische Arbeitsnachweis wird durch das Nichtzustandekommen eines Tarif- Vertrages am 31. Oktober aufgelöst. Unternehmer und Arbeiter errichten nun eigene Aroeilsnachweise. Der Nachweis des Ver- bandcs der Organisation wird am Montag, den 2. November, am Engelufer 15, Zimmer 9(im Vcrbandsbureau) eröffnet. Alle arbeitslosen Glaser werden in der Zeit zwischen 8 und 11 Uhr vormittags in die Listen eingetragen und erhalten eine Kontroll» karte, die sie zweimal wöchcnilich zwecks Abstempelung in der oben angeführten Zeit vorweisen müssen. Verband der Schneider(Filiale Berlin I). Die regelmäßige Sitzung der Vertrauensleute am nächsten Mittwoch füllt umstände» halber aus. Verband der Schneider und Schneiderinnen. OrtSvcrwaltung Berlin. Deutfchcs Reich. Rheinisch-westfälischer Kollektivvertrag für das Stukkateurgewerbe. Ein Kollektivvertrag im rheinifch-westfälischen Lohngcbiet für das S t u k k a t e u r g c w e r b e ist soeben zustande gekommen. Derselbe sieht sür die Orte Bochum(Stadt) und Tortmund(Stadt) eine 9�stündige Arbeitszeit vor. während für alle übrigen Gebiete die lOstündige Arbeitszeit festgesetzt worden ist. Die Arbeitszeit selbst wird in Berücksichtigung der Wiiterungsvcrhältnisse beson- ders geregelt. An den Sonnabenden in der Zeit vom 1. März bis 31. Oktober ist eine Stunde früher Feierabend, diese Ausfall- stunde wird nicht bezahlt. Der Stundenlohn bis zum 1. April 1909 beträgt für Baustukkateure, Werkstutkaieurc ui d Putzer in den Lohngcbieten: Essen 55, 57 bezw. 65 Pf.; Bochum 55, 56 bezw. 65 Pf.; Dornnund 55, 61 bezw. 66% Pf.; Gelsenkirchen 55, 57 bezw. 65 Pf.; Hagen 55, 55 bezw. 65 Pf.; Necklinghausen 55, 56 bezw. 65 Pf-: Unna-Kamen 55, 55 bezw. 63 Pf.; Wanne 55, 55 bezw. 65 Pf. Vom 1. April 1909 bis zum Ablauf des Vertrages bc» tragen die Löhne in den Lofmgebieten: Essen 57, 58 bezw. 66 Pf.; Bochum 57, 57 bezw. 66 Pf.; Dortmund 57, 62 bezw. 67 Pf.; Gelsenkirchen 57, 57 bezw. 66 Pf.;_ Hagen 56, 57 bezw. 66 Pf.; Recklinghausen 57, 57 bezw. 66 Pf.; Unna-Kamen 56, 57 bezw. 64 Pf.; Wanne 56, 57 bezw. 66 Pf. Für Gesellen, die infolge Alters oder Invalidität in ihrer Leistungsfähigkeit beschränkt sind, kann ein geringerer Lohn vereinbart werden. Diese Lohnfestsetzung mutz innerhalb der ersten sechs Arbeitstage erfolgen. Dasselbe gilt für Gesellen im ersten und zweiten Jahre nach voll- endeter Lehrzeit, wobei jedoch der Stundenlohn im ersten Jahre mindestens 42 Pf., im zweiten 45 Pf. betragen soll. An Zuschlägen zu den Stundenlöhnen werden gezahlt bei Ueberstunden 25 Proz., Nachtarbeiten 50 Proz. und bei Sonn- und Festlagsarbciten 100 Prozent. Zur Schlickstung von Streitigkeiten, die aus diesem Ver» trage entstehen, wirb in den acht Hauptstädten des viel- tungsbercickes je eine örtliche Schlichtungskommission gebildet. Können diese Schlichtnngskommissionen die Streitigkeiten nicht bei- legen, so entscheidet das aus Mitgliedern des StukkatcurgewerbcS in Esten zu bildende Einigungsamt� endgültig. Die Verhängung von Streiks oder Aussper» rungen ist unzulässig, bevor SchlichtungskommMon öder Einigungsamt entschieden haben und den Beschlüssen nicht Folge geleistet wird. Ter Vertrag hat bis zum 31. März 1010 Geltung. Letzte JVacbricbtcn imd vspelcben. Zur Kanzlerkrise. Berlin, 31. Oktober. Der Kaiser fuhr um 5 Uhr bei bem Reichskanzler vor und hatte mit ihm eine zweistimdige Besprechung. Frantfurt a. M, 31. Oktober. Heute nachmittag wurden drei im Rastcintunncl beschäftigte Streckenarbeiter von dem Schnell» zug Frankfurt— Köln überfahren und sofort getötet. Würzburg, 31. Oktober.(B. H.) Auf schreckliche Art verunglückte der Stationsmeister Dorsch von hier. Er fiel unbemerkt von einer Bremse herab. Ein nachfolgender Wagen fuhr ihm beide Beiue unb den Kopf ab, sodaß der Tod sofort eintrat. Im Schlaf erpickt. St. Ingbert, 31. Oktober.(B. H.) Heute früh fand man im Stall der Wirtschaft„Zur Post' im benachbarten Dorfe Rohrbach ! den Invaliden H o l w e ck und einen Unbekannten tot vor. Beide haben vermutlich abends, als sie sich niederlegten, daö Stroh de» . Stalles durck ihre Pfeifen in Brand gesteckt und fanden durch de« I entstandenen Rauch de» Tod._ kh. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: BorwärtsBuchdr. u.Berlag?anftatt Paul Singer& Co., Berlin SW, Hierzu S Beilagen, gt. 257. 25. Jahrgang. 1. Itilnjc i>cs Jotiätfs" Itrliiitt Sonnte, 1. NMOtt(908. Hbgcordtietenbaus» 7. Sitzung. Sonnabend, den 31. Oktober ILbö, vormittags 10 Uhr. Am Ministertische: Frhr. v. Rheinbaben. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Entscheidung über den Protest des Abg. Hoffmann(Soz.) gegen die ihm erteilten Ordnungsrufe. Zur Geschäftsordnung beantragt Abg. Borginann(Soz.), diese Entscheidung bis zum Schlüsse der Sitzung zurückzustellen, bis der stenographische Bericht über die gestrige Sitzung vorliegt. Er beruft sich auf einen ähnlichen Vorgang im Reichstage im Jahre 1902. Abg. v. Pappcnheim(k.): Ich widerspreche; wir sind über den Inhalt der Hoffmannschen Rede genau informiert.(Zustiinmung rechts.) Abg. Hosftnann(Soz.): Ich mache darauf aufmerksam, daß nach der gestrigen Sitzung vier Herren auS verschiedenen Parteien mich gefragt haben, was ich denn eigentlich gesagt habe. Sie können doch nicht über die Ordnungsrufe entscheiden, wenn der Bericht nicht vorliegt; sonst fassen Sie einen Entschlutz, der auf Ihrer Macht beruht, aber nicht auf der Gerechtigkeit. (Lachen rechts.) Abg. Dr. Krause-Königsberg(natl.): Die Geschäftsordnung ist das Gesetz de? Hauses. Der Gesetzgeber hat sicherlich den Fall vor- gesehen, dast die Berichte nicht schon am nächsten Tage gedruckt sein iönnen. Trotzdem hat er bestimmt, das; schon am folgenden Tage über die Sache entschieden werden soll; daran haben wir uns zu halten. Abg. Hoffmann(Soz.): Auch wir wollen die Sache heute erledigen, aber am Schlutz der Sitzung. Wenn Sic noch einen Funken von Gerechtigkeilsgefühl haben, dann müsseil Sie unserem Wunsche nachkommen.(Lachen rechts.) Abg. Dr. Porsch(Z.): Um die Aeuherungen des Mg. Hoffmann vollständig würdigen zu können, mühte inan die ganze Rede im Zusammenhang lesen. Die Geschäftsordnung schreibt uns aber Vor, daß wir ohne andere Rücksichten jetzt entscheide» müssen. Abg. Stroffer(kons.): Wir haben nicht die allergeringste Ursache. diesen Verschleppungsantrag anzunehmen. Herrn Hoffmanns Rede steht ja heute in allen Zeitungen. Abg. Hoffmann(Soz.): Wir verwahren uns ganz enschieden da- gegen, die Sache verschleppen zu wollen; wir verlangen heute eine Beschlutzsastung.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Wenn Sie unseren Antrag nicht annehmen, dann geben Sie zu, daß Sie im Unrecht sind.(Lachen rechts und im Zentrum.) Abg. Fischdeck(fts. Vp.>: Vom Standpunkt der Minderheit »ulsten wir verlangen, dah streng nach der Geschäftsordnung ge- handelt wird; aus der anderen Seite darf man nicht verkennen, daß der Abg. Hoffmann ein Interesse daran hat, baß seine Worte authentisch festgestellt werden. Wir halten eö für gleichgültig, ob jetzt oder später über die Sache entschieden wird.(Bei- fall lmks.) Abg. Hoffmaun(Soz.): Daß Sie nicht unterrichtet sein können. lveSwegen ich den Ordnungsruf bekommen habe, geht auch aus den Zeitungsberichten hervor, in welchen steht, daß ein Teil des Zentrums und der Konservativen während meiner Rede demonstrativ den Saal verlosten hat. Wie wollen die Herren dann wisten, warmn ich zur Ordnung gerufen wurde? Abg. Dr. Friedbrrg(natl.): Ich bin der Meinung, daß nicht der- jenige. der die Beschwerde eingelegt hat, darüber zu entscheiden hat, ob wir genügend informiert sind. Das muß Herr Hoffmann schon dem Gewissen derer überlassen, die über den Einspruch zu emsckieidcn haben, ob sie sich für genügend informiert halten. Wer nicht ge- uügend informiert ist, wird, wie ich annehme, an der Beschlußfassung nicht teilnehmen.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Wenn Herr Hofsmann uns zurief: Wenn Sie auf meinen Vorschlag nicht ein« gehen, schlagen Sie der Gerechtigkeit ins Gesicht, so ist das eine Behauptung, die ich nach Form und Jnthalt entschieden zurückweisen muß.(Bravo I bei der Mehrheit.) Der Antrag Borgmann(Soz.), den Punkt 1 der Tages- Ordnung hinter Punkt 2 zurückzustellen, wird hierauf gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und der Freifinigen abgelehnt. Abg. Hosftnann(Soz.): Ich ziehe nun meinen Antrag für heute zurück und behalte mir vor, ihn wieder einzubringen.(Große Heiterkeit.) Präsident v. Kröcher: Ich bin der Meinung, daß eS nach der Geslbäftsordnung nicht zulässig ist, einen Einspruch zurückzuziehen. der schriftlich eingereicht ist. Abg. Dr. Porschr fürdieBeamten nicht inFrageromme. da die Behörden dies als einen Verstoß gegen den Diensteid, das Treueverhältnis und die besonderen Pflichten des Beamten an- sähen und mit Dicnstentlassuug bestrasten.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) So würdigten sich dieFreisinnigen zuHclfern derKonservativen herab.(Pfuirufe bei den Soz.) Sie haben das nicht getan, um die Beamten zu warnen, weil ihnen das Wohl der Beamten am Herzen lag, sondern um Stimmenfang zu treiben. Und jetzt wogen Sie es, sich hierher zu stellen und uns TerroriSmuS vor- zuwerfen. Mit Stecht hat die noch wirklich liberale„VolkS-Zeitung", als die„Freisinnige Zeitung" dieses Flugblatt verteidigte, erwidert. daff der Blockliberalismuö'daS Recht zu schmutziger Denunziation für den Zimmerstraffeiifreisinn in Anspruch nehme.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Der Abg. Pachnicke hat heute darüber ge- klagt, daß sogar in Schaufenstern Listen mit den Abstimniungs- resultaten auSgebängt seien. Auch diese Art von TerroriSmuS haben die Freisinnigen weit übertroffen. Im zwölften Berliner LondtagSwahlkreise haben sie in den BezirkSanzeigcrn eine „Ehrentafel der treuen und furchtlosen Männer" veröffentlicht. daS heifft der Wahlmänner, die in der Stichwahl nicht für den Genoffen Hoffmann gestimmt haben. Sie haben sowohl den Namen mit der genauen Wohnungöangabe und den Beruf der- jenigen hinzugefügt, die der Abstimmung fern geblieben sind, und noch ganz besonders einen Wahlmann hervorgehoben, der in der Hauptwahl konservativ und in der Stichwahl sozialdemo- krätisch gewählt hatte.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Für heute mögen diese wenigen Proben geniigen. Wir werden uns ja hier noch öfter über TerroriSmus unter- halten.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten und rechts.) Ich weiß nicht, ob die Freisinnigen de» Vorwurf des TerroriSmus gegen uns jetzt zurückzunehmen bereit sind. Wollen Sie gegen den wirklichen TerroriSmuS. den TerroriSmus der Reaktion kämpfen, so werden wir Ihnen treue BnndeSgenoffen sein. Kämpfen Sie mit uns dafür, daß die öffentliche Stimm- ahgabe beseitigt und das geheime Wahlrecht eingeführt wird. So- lange aber die öffentliche Wahl besteht, verzichten Sie darauf, die Sozialdemokratie des TerroriSmuS anzuklagen. (Bravo bei Leii Sozialdemokraten.) Bei der Besprechung der Vorlage selbst werde ich mich auf sehr wenige Punkte beschränken. DaS steuerfreie Einkommen ist mit 900 M. viel zu Aering angesetzt, mindestens 1200—1500 M. müßten feuerfrei bleiben. Seit der Schaffung des Einkommen- steuergesetzeS haben sich die Lebensverhältnisse aufferordenilich der- ändert und ist daS Existenzminimum wesentlich herausgerückt. DaS Reich und Preußen, die das milverschuldet haben, haben die Pflicht, von diesem heute kaum ausreichendem Einkommen nicht noch Steuern verlangen zu wollen. Ein Abgeordueter der Rechten bat vorhin bemerkt, daff die geistigen Arbeiter beute vielfach schlechter bezahlt würden, als die Handarbeiter. Wir treuen uns doppelt, hier auch für die Interessen der geistigen Arbeiter eintreten zu könncn. denn wir sind keineSivegö eine bloße Partei der Handarbeiter, aber daff Sie von uns ein Eintreten siir die geistigen Arbeiter gefordert haben, daran iverden wir Sie gelegentlich erinnern, wenn Sie uns Vorwersen, daff wir zu wenig„richtige" Arbeiter in die Parlamente cnt- senden.(Sehr gut! bei den Soziald.) Auch wir nehme». an, daff die wirtschaftliche Depression nicht dauernd sein, sondern von einer Periode des wirtschaftlichen Aufschwunges abgelöst werden wird. Wenn wir der Regierung jetzt dauernde Steuern bewilligen, wird sie diese auch in den Zeiten guien Finanzstandes weiter erbeben, und dem wollen wir vorbeugen. Ueberhaupt schien es uns angebracht, eine endgültige Regelung der Steuerfragen zu verschieben, bis das Schick- sal der Reichsfinanzreform entschieden ist. Es ist ja eine offenes Geheimnis, daff der Finanzminister diese Borlogen jetzt nur ein- gebrockt hat, um das Reich zu hindern, in weiterem Umfange als bisher direkte Steuern zu erheben.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Die Erhöhung der V e r m ö g e n S st e u e r ist sehr geringkügig. Für einen Maim, der eine Million Vermögen hat, sind 625 M. jahrliche Steuer doch wirklich keine Summe, mit der Ergänzungsstener würden wir viel höher hinaufgehen. Aber da fürchtet die Regierung den Widerstand der be- sitzenden Klasiem Auch fsir die Gemeinden verlangen wir das Recht, Zuschläge zur Vermögenssteuer erheben zu dürfen. Wir werden in der Kommission Anträge in dieser Richtung stellen. Der Gedanke der GcsellschaftSsteuer erscheint uns im Gegensatz zu den freisinnigen Rednern durchaus als nicht verwerflich, nur sollte man ollen kapitalistischen Assoziationen zu Leibe gehen, auch den Gesellschaften mit beschränkter Haftung, und eine Umgehung der Steuer besser verhindern. Ganz ungerechtfertigt ist hingegen die Besteuerung der Konsumvereine. Diese Bestimmung ist direkt ein Ausnahmegesetz gegen die Arbciterkoufumvereine. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Sonst verbieten die Staats- behörden ihren Arbeitern und Beamten den Eintritt in die unter sozialdemokratischer Leitung stehenden Konsumvereine. Man schildert ihnen diese Vereine als Gebilde des Umsturzes, die die kapitalistische Gesellschaftsordnung stürzen wollen. Jetzt mit einem Male sollen die Konsumvereine kapitalistische Organisationen sein! Die Besteuerung der Konsumvereine ist aber auch eine Ungerechtigkeit. Wir werden unS um so mehr dagegen wehren, als man auch hier auf halbem Wege stehen geblieben ist. Man will wohl die Konsumvereins der Arbeiter, aber nicht die Raiffeiseiigenossenschasten. die Kreditvereine usw. besteuern. Zu diesen vielen Bedenken, die wir gegen die Steuervorlage haben. kommt noch ein prinzipielles: Stenern bewilligt man nur einer Regierung, zu der man Vertrauen hat. Zur preuffischen Regierung haben meine Freunde kein Vertrauen, sondern bringen ihr daS größte Mißtrauen entgegen. Deshalb werden wir es uns doppelt und drei- fach überlegen müssen, ob wir dieser Regierung auch nur einen Pfennig bewilligen könncn, dieser Regierung, die nichts ist und nichts sein will als die Sachwaltrrin der besitzenden Klassen, die den Hort der Reaktion in Preußen und Deutschland bildet, die dem Volke das vornehmste Recht des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts vorenthält.(Lachen rechts, Beifall bei den Sozialdemokraten.) Ein Antrag ans Schluß der Besprechung wird angenommen. In einer Bemerkung zur Geschäftsordnung erklärt Abg. Fischbeck(frs. Vp), daff seine Partei auf die Angriffe deS Redners sich vorbehalte, später zu erwidern. Das Lehrer- und das PfarrerbcsoldungSgesetz wird einer be- sonderen Kommission von 21 Mitglieder» überwiesen. Alle übrigen Gesetze gehen an die durch sieben Mitglieder verstärkte Budget- kommission. Präsident v. Kröchrr schlägt vor. jetzt die Beratungen aus- zusetzen und ihm zu gestatten, die nächste Sitzung festzusetzen. Er gedenke diese anzusetzen, sobald die Kommrsston die erste Lesung der Besoldungsgesetze beendet habe und wolle auf die Tagesordnung der ersten Sitzung setzen. daS Gesetz betreffend die Gebühren der Medizinalbeamtcn und daS WohnungSgeldzuschuff- gesetz. Abg. Borgmann(Soz.) bittet in der Zeit, in der die Kommission tage, die Initiativanträge zur Verhandlung zu bringen. Unter anderem befindet sich unter diesen Anträgen ein Antrag, der die Beseitigung der Arbeitslosigkeit bezweckt. Wenn dieser Antrag ernsthaften Wert haben soll, so muff er sofort zur Beratung kommen, da die Zahl der Arbeitslosen im Laufe des Winters steigen wird. Dazu kommt der Wahlrechtsantrag. Sämtliche Parteien empfinden das Bedürsttis, gerade diesen Antrag einer eingehenden Würdigung zu unterziehen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Fischbcck(frs. Vp.) schliefft sich dem an. Er habe schon im Semorenkonvent den gleichen Wunich ausgesprochen. Abg. Dr. Porsch(Z.) widerspricht dem Vorschlag. Die wichtigste Sorg« des Hauses ist jetzt, die BeamtenbesoldungS- Gesetze zu erledigen. Abg. Dr. Friedberg(natl.): Wir hatten den gleichen Wunsch wie die Sozialdemolratcn. Die Geschäftslage des Hauses gestattet aber die Ausführung dieses Vorhabens nicht. Der Vorschlag, neben den Beratungen in der Kommission Verhandlungen im Plenum stattfinden zu lassen, konnte nur von einem Mitgiiede gemacht werden, der auf politischem Gebiete ein Neuling ist.(Sehr richtig! rechts.) Abg. Borgmann(Soz.): Der Abg. Dr. Friedberg hat sicherlich recht, wenn er sagt, daff ich ein Neuling sei. Hier im Hause bin ich es allerdings, aber nicht auf politischem Gebiete. Herr Dr. Friedberg sollte auch wissen, daff im Reichstag eine ganze Anzahl von Kommissionen neben dem Plenum tagen. Wem, ich mir vergegenwärtige, daß sehr oft hier im Saale eine sehr große Zahl von Herren fehlt, obwohl keine Kommission ist(Heiterkeit), wüßte ich nicht, weshalb man nickt Plenarsitzungen neben den KommissionS- Verhandlungen abhalten sollte. Gewundert habe ich mich, daß der Zentrumsabgeordnete nicht den Rachdruck auf die Beratung des ZentrnmSantrageS über Beseitigung der ArbeitSlostg» keit gelegt hat, den man erwarten sollte, und daß er meinte, die Frage der Beamtenbesoldung sei wichtiger als die Frage der Be- seitigung der Arbeitslofigkelt.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Räch weiteren Bemerkungen der AVgg. Dr. F r i c d b e r g(natl.) und Dr. Porsch(Z.) lehnte da« Hauö den Vorschlag deS Abg. Borgmann(Soz�) ab und stimmte dem Vorschlage des Präst- denten zu. Schluß 6 Uhr._ Das Goiftr System. Von der Arbeitslosigkeit werden besonders diejenigen hart er- faßt, die als qualifizierte Arbeiter entsprechend den Verhältnissen ihres Berufs zu viel höheren Leistungen an Staat und Kommune herangezogen werden als der unqualifizierte Arbeiter. Dieser ist insofern dem qualifizierten Arbeiter gegenüber im Vorteil, als er jede Arbeit anzunehmen in der Lage ist, sofern sie nicht besondere berufliche Kenntnisse und Geschicklichkeit erfordert oder aber die Körperkräfte nicht übersteigt. Wir halten die Behauptung nicht fiir zutreffend, daff der un- qualifizierte(ungelernte) Arbeiter gröheren Gefahren bei einer wirtschaftlichen Krise ausgesetzt ist als der BerufLarbeiter, welcher einen Beruf erlernt, um durch die Ausübung desselben sich und seine Familie ernähren zu können. Er kann nicht immerfort um- satteln. Und wollte er auch jede sich ihm bietende Gelegen- heits arbeit annehmen, er würde nur daS Arbeitslosenheer der unqualifizierten Arbeiter vermehren helfen. Darum kann auch mit sogenannten NotstandSarbciten, wie z. B. das Abtragen des Müllberges auf dem Stralaucr Anger in Berlin der Notlage der gelernten Arbeiter nicht abgeholfen werden. Wir gestehen zu, daß es einer Stadtverwaltung schwer ist, für diese in genügendem Maße Arbeit zu schaffen, aber was in dem ge- gebcnen Rahmen zu tun möglich ist, muff geschehen. Der Bei- geordnete der Stadt Strahburg i. E., Rcgierungsrat D o m i- n i c u ö, sagt in seinem Bericht an den Gemcinderat über die Ar- beitslosenversicherung in Stratzburg i. E. für 1997, daff für die ge» lernten Arbeiter aber es der öffentlichen Behörde in der bestehenden WirtschafiSverfassung unmöglich ist, paffende Berufsarbeit im Falle der Arbeitslosigkeit zu organisieren. Für sie bleibt also nur die Gcldunicrftützung.' Gemeint ist der auS kommunalen Mitteln an die Arbeiter- berufsvereine geleistete Zuschuff in Fällen unverschuldeter Arbeits- losigkeit nach dem Gcntcr System. Dieses System der Ar- beitSlosenfürsorge ist so benannt nach Einrichtungen, welche zuerst von der Stadt Gent in Belgien nach mehrjährigen probeweisen Ver- suchen nach dem Plane Lauis V a r l e z' im Jahre 1994 endgültig getroffen wurden. Die grundsätzliche Bedeutung dieses Planes liegt darin, daß besondere Versicherungsbeiträge für diesen Zweck nicht erhoben, sondern die von den Arbeitern an ihre Gewerkschaft geleisteten Beiträge zum Zwecke der Arbeitslosenunterstützung als genügende Leistungen anerkannt werden. Aus rein städtischen Mitteln wird ein Spezialfonds zur Verfügung gestellt, um den Arbeitsberufsvercinen, welche Arbeitslosenunterstützung eingeführi haben, Zuschüsse für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen; in Straffburg i. E. in Höhe von 59 Proz, der von den Vereinen aus- gezahlten Unterstützung. In Belgien hat man außerdem Versuche gemacht mit Sparkassen für Unorganisierte, wozu diese reguläre Beiträge zu leisten hatten, um daraus bei Arbeitslosigkeit Unter- stützungen zahlen zu können. Doch ist das ohne Erfolg geblieben, was auf der Hand liegt, da notorische Indifferente ohne Versichc- rungs zwang zu bestimmten Leistungen nicht zu bewegen sind. In Köln a. Rh. hat man einen ähnlichen Versuch gemacht, auch dieser ist gescheitert. Interessant ist, wie Varlez darauf fußt, daß die Simulation der Arbeitslosigkeit nicht von der Gemeindebehörde, sondern nur durch die Arbeiterorganisation erkannt und vereitelt werden kann, und in einem seiner ersten Berichte an den Gemeinderat der Stadt Gent fügt er dem hinzu, daff einen Erfolg die ArbeitSversicherung bisher nur da gehabt habe, wo sie unter der Form der B e r s i ch e- rung der Arbeiter auf Gegenseitigkeit in ihren Verbänden eingerichtet worden ist. Ein weiterer Ausbau dieser Eigenversichcrung der Arbester ist nun, wie gesagt, der, daß von der Kommune ein Zuschuff hierzu geleistet wird so lange, bis die staatliche Gesetzgebung sich der Ar- deitSlosen annimmt. Es ist unzweifelhaft, daff die Kommune durch die Arbeitslosenunterstützung der Gewerkschaften in ihrem Armen- unterstützungSctat entlastet wird. Ei» klassenbewuffter Arbeiter z. B. lehnt grundsätzlich jede Armenunterstützung deS ihr anhas- tenden OdiumS wegen ab, er zahlt lieber bis ins hohe Alter hinein den unter Umständen im Verhältnis zu seinem Verdienst hohen Beitrag, um sich die Unterstützung in der Notlage der Arbeitslosig- keit zu sichern. In erster Linie steht natürlich die Schaffung von Arbeit?- gclcgenhcit. Aber da die Kommunen noch überwiegend sich im Ab- hängigkeitsverhältnis zu der Privatindustrie befinden, sind sie in ihren Maffnahmen beschränkt. Sogar in der Verkürzung der Ar- beitszeit— unzweifelhaft ebenfalls ein Mittel zur Linderung der Arbcitslosennot, indem Arbeitskräfte untergebracht� werden können— wagt eine Kommune wie Berlin nicht, selbständig vor- zugehen, sie humpelt der Privatindustrie nach. In der Straffburger„Arbeitslosenversicherungsordnung" wird ausdrücklich Rücksicht genommen auf den Berufsarbeiter;„Der Zu- schuff hört auf, wenn Arbeitslosen Arbeit im Beruf uackgc- wiesen wird. Ledige müssen auch auswärts Arbeit annehmen, wenn nicht besondere Umstände vorliegen." In seinem Bericht 1997 führt Regierungsrat D o m i n i c u S aus, daff gelernten Arbeitern, die einer Arbeitslosenversicherung angehören, grundsätzlich die An- nähme von Tagelölmerarbeit nicht zugemutet werden kann. In Konsequenz dieses Grundsatzes wurde einem unterstützungsberech- tigten Zimmerer, der freiwillig Tagelöhnerarbeit angenommen hatte, als er diese freiwillig wieder aufgab, der städtische Zuschuff gewährt. Auch wird nach dieser Bersichcrungsordnung keinem arbeit?- losen Versicherten zugemutet, eine nicht tarifmäßig bezahlte Stelle anzunehmen. EL wird in dem Bericht besonders darauf hinge- wiesen, daff es auch ein Unding wäre, wenn an einem Orte wie Straffburg, wo die meisten Tarife unter Mitwirkung deS Bürger- nieisteramtes abgeschlossen sind, eine städtische Dienststelle wie das Arbeitsamt durch eine andere Praxis der Zuweisung Arbeitsloser zur Durchbrechung des Tarifs beitragen würde. Und wo kein Tarif, da sollten die ortsüblichen Arbeitsbedingungen der verschic- denen Berufe berücksichtigt werden. Keinesfalls aber dürfen bei auSgcbrochenen Differenzen Arbeitskräfte mit Hilfe deS städtischen Arbeitsamts vermittelt werden. Nur eine streng paritätische Handhabung kann hier heilsam wirken. In Sttaffburg i. E. muff jedes Mitglied einer Gewerkschaft, die auf den städtischen Zuschuff für ihre Arbeitslosen reflektiert, sick? spätestens am ersten Werktage nach Eintritt der Arbeitslosigkeit auf dem städtischen Arbeitsnachweis melden. Zu diesem Zwecke werden Formulare kostenlos von der Stadt geliefert. Der städtische Zuschuff wird nur gezahtt bei unfrei- williger Arbeitslosigkeit, nicht infolge von Streiks und AuS- sperrungen. Letzteres ist eigentlich inkonsequent, denn bei einer Aussperrung kann von freiwilliger Arbeitslosigkeit nicht geredet werden. ES soll aber wohl damit nur ausgedrückt werden, daff Ar- beitslosigkcit, die irgendwie im Zusammenhange steht und zurück- zuführen ist auf wirtschaftliche Kämpfe, nicht subventioniett werden soll. Auch in Füllen von Krankheit, Unfall oder Invalidität wird dieser Zuschuff nickt gewährt. Der Zuschuff kommt in Anrechnung bei den monatlichen Ab- rechmxngen mit den Funktionären der betreffenden Gewerkschaften für jedes arbeitslose Mitglied, sofern es mindestens seit einem Jahre ununterbrochen in Stratzburg wohnhaft ist. Deni Bürgermeisteramt sind Statut und Reglement für die Arbeitslosenunterstützung einzureichen. Dieser Unterstützungs- zweig ist getrennt von den übrigen Vereinszwecken zu verwalten (§ 8 der Versicherungsordnung). Ferner gestatten die angeschlossenen Vereine dem Beauf- tragten deS Bürgermeisteramts eine Kontrollo ihrer Buchführung in bezug auf die Arbeitslosenunterstützung. Wer hierin eine Verletzung der Selbstverwaltung erblickt oder dadurch eine Behinderung der gewerkschaftlichen Tätigkeit de- fürchtet, wird natürlich �in Eingehen auf diesen Plan ablehnen. Wie ja auch in keiner Weise ei» Zwang zur Beteiligung ausgeübt wird. Wir können jedoch in dieser praktischen Ausführung der Arbeitslosenversicherung nach dem Genter System in Straff- bürg i. E. eine Beschränkung der Selbstverwaltung nicht erblicken. 5HeineSfalls sollen die Gewerkschaften in ihren Bestrebungen zur Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen behindert werden. Als ein Mangel dieses Systems kann empfunden werden, daff nur diejenigen Gewerkschaften hierbei in Frage kommen, die Ar- beitslosenunterstützung eingeführt haben. Es kann gar nicht von Schaden sein, wenn hierdurch Anregung gegeben wird, sich mit der Einführung dieses UnterstützungSzweigeS zu beschäftigen. Am schwierigsten ist die Durchführung natürlich da, wo die Kon- trolle der Arbeitslosigkeit äufferst erschwert ist, besonders in der Heimindustrie. Fanny I>n l e behandelt das ausführlich in ihrem Buch:„Kritisches und Positives zur Arbcitslosenfürsorge." Sic weist andererseits zugleich treffend darauf hin, daff die Heim- arbeiter am meisten der Saisonarbeit unterworfen sind. Ein Einwand ernsterer Art ist der, daff die kommunale Unter- stützung gerade dann versagt, wenn sie am nötigsten: während der Karenzzeit in der Gewerkschaft, nachdem die statutarisch festgesetzte Unterstützung voll bezogen worden ist. Während der Karenzzeit werden entweder die vollen Beiträge weiter erhoben.«S ruhen aber die Rechte, oder aber es ruhen auch die Pflichten, dann beginnt die Karenzzeit erst mit dem Eintritt in eine neue Beschäftigung, und darüber können bei einer allgemeinen Krise Wochen, wenn nicht Monate vergehen. Tah den Unorganisierten bei dem Genier System nicht Rech- nung getragen wird, kann von unserem Standpunkt aus nicht in Betracht kommen. Alles drängt mehr denn je zur Organisation. alles organisch sich Entwickelnde im Wirtschaftsleben baut sich auf der Organisation auf. Wir erinnern nur an die Tarifverträge. Und da sollten wir Skrupeln empfinden wegen der Unorganisierten? Die Scharfmacher im Unternchmerlager stützen sich natürlich aus die Unorganisierten, sie suchen sie gesondert zu organisieren als „gelbe" Gewerkschaftler. Durch die kommunale Arbeitslosen- Versicherung nach dem Gcntcr System befürchten sie eine Stärkung der freien Gewerkschaften. In Strasiburg i. E. ist das leider bis. der nicht eingetroffen. Jeder ernste Sozialpolitiker, und nur solche können bei der Beurteilung dieses Systems in Frage kommen, wird eine Stärkung der gewerkschaftlichen Position der Arbeiter begrüßen. Das Gcnter System, nach dem Plane Louis Varlcz', steht und fällt mit dem Unterbau der Arbciterberufsvereine und der eingeführten Arbeitslosenunterstützung. In Dänemark ist die staatliche Arbeitslosenversicherung einge- führt. Die Gemeinden sind berechtigt, und zwar ohne Zustimmung der oberen Behörde, einen Zuschuß zu gewähren an solche Arbeiter- vereine, die eine Arbeitslosenunterstützungskasse eingerichtet haben. In Norwegen besteht seit löW ebenfalls eine durch Staatsgesetz sanktionierte Arbeitslosenversicherung, nur beträgt dort der Zu- schuß nicht wie in Dänemark ein Drittel, sondern nur ein Viertel der Unterstützungssumme der Gewerkschaft. Aufsichtsbehörde ist der Kommunalvorstand. Ansätze einer staatlichen Arbeitslosen- Versicherung sind außerdem noch in der Schweiz(siehe den Artikel: „Die öffentliche Arbeitslosenfürsorge in der Schweiz" von Dionys Zinner in der neuesten Nummer der„Neue Zeit") und in Frank- reich. Arbeitslosenversicherungsprobleme liegen vor von Schercr und Dr. Wassilieff in der Schweiz, Dr. Singer, Dr. Herkner, Dr. Freund in Deutschland, und der Plan unseres Genossen Molkenbuhr zu einer Reichs-Arbeitslosenversicherung ist wohl all- gemein bekannt. In Deutschland sind wir diesem Plane ferner denn je. Von den Einzclstaaten ist es Bayern, welches sich anscheinend etwas ernster mit dieser Materie beschäftigt. In Preußen ist bei der Zu- sammensetzung des Treiklasicnparlamcnts daran nicht zu denken. Darum trifft hier zu, was der schon mehrmals zitierte Straßburger Beigeordnete am Schlüsse seines Berichts ILO? äußert:„Unprak- tisch muß es allen Kennern erscheinen, gegenüber einem solchen Problem der Versicherung, wie es die Arbeitslosenversicherung ist, zunächst nach einer Intervention des Staates zu rufen und des- wegen jede Aktion der Gemeinde zu vertagen." Den Weg, zunächst mit der kommunalen Versicherung zu be- ginnen, hat man in Belgien beschritten. Außer Gent sind es eine ganze Anzahl anderer Kommunen, außerdem haben sich die Pro- vinzen dem Vorgehen der Städte angeschlosien, auch sie haben be- stimmte Summen zur Unterstützung der Arbeitslosen laufend zur Verfügung gestellt, so die Provinzen Antwerpen, Ostflandern. Hainaut; Namur und Wcstflandern wollen folgen. Alle Arbciterfürsorge nach ernsthaften sozialpolitischen Grund- sähen soll vor dem Herabsinken in die Armenpflege bewahren, denn nach den herkömmlichen bürgerlichen Begriffen hat Armenpflege völlige Mittellosigkeit zur Voraussetzung.„Die Wohltätigkeit gibt Almosen, der ohne sein Verschulden arbeitslos gewordene Arbeiter wünscht nicht Almosen zu erhalten, sondern, soweit er sich nicht selbst zu helfen vermag, einen Anspruch auf Hilfe erheben zu dürfen." So in der Denkschrift des kaiserlich Statistischen Amts in Teutschland infolge des Erlasses vom LS. November 1902. Bislang ist nach diesem Grundsatz in bezug auf Abhilfe der Arbeits. losennot nichts getan worden.„Denkschriften" sind genug er- schienen, der Worte hierüber genug gewechselt worden, laßt uns auf dem Gebiete der Arbeitölosenfürsorgc endlich einmal Taten sehen! Da Reich und Einzelstaaten versagen, haben die Kommunen die Initiative zu ergreifen. Ist nur ein ernster Wille vorhanden. lassen sich die Schwierigkeiten auch in einer Großstadt wie Berlin überwinden. Hierauf näher einzugehen, lag nicht in unserer Ab- sicht, wir wollten vorläufig nur das Gcntcr System in seinen Grundsätzen kennzeichnen. D. Sericbts- Leitung. Eind Spielautomaten Glücksspiele? Das Reichsgericht hat eine Reihe von Erkötmtnissen bestätigt, die diese Frage bejahten und deshalb den Inhaber der Automaten verurteilten. Es hat aber auch eine Reihe frei- sprechender Urteile gutgeheißen. Das geschah wieder am Freitag. Ucbcr diese Verhandlung geht uns folgender Bericht zu: Vom Landgericht Leipzig ist am 27. April der Gastwirt Emil B ü ck e r t, Inhaber der„Elefantenschänke", von der Anklage des gewerbsmäßigen Glücksspieles freigesprochen worden. Er hatte etwa fünf Wochen lang in seinem Lokale einen Spiel- automaten„K o m e t", �liefert von der Berliner Auto- matenfabrik von Alfred Salomon. aufgestellt. Ter Gewinn wurde zwischen S. und dem Angeklagten geteilt. Das Urteil be- schreibt die Einrichtung des Apparates, erwähnt die Gewinn- und VcrlustauSsichten, und fährt dann fort:„Bon der Kraft des Schlages hängt es ab, in welche Spalte das Geldstück fallen wird. Der Aus- gang des Spieles hängt nicht hauptsächlich vom Zufall ab. Die Aussägen der Sachverständigen und der richterliche Augen- schein ergeben nicht, daß der erwachsene Durchschnittsmensch nicht imstande sei, sich ein Urteil darüber zu bilden, welches Matz von Kraft er auszuivenden habe, um eine Gewinnspalte zu treffen. Allerdings mögen bei Unachtsamkeit und Ungeschick auch bei erfahrenen Spielern Fehlivürfe vorkommen, aber es gehört zrotzc Ungeschicklichkeit zum Verlieren.— Die Revision des Staatsanwalts wurde vom Reichsanwalt für begründet erklärt. Das Landgericht mache den Charakter des Glücksspieles abhängig von der Erlernbarkeit des Spieles. Dies stehe aber im Widerspruch mit der Rechtsprechung des Reichsgerichts. Es sei nötig, daß das Publikum die zum Gewinnen nötige Geschicklichkeit bereits besitze und nicht erst erwerbe.— Das Reichsgericht verwarf jedoch die Revision mit folgender Begründung: Die Frage, ob Zufall oder Geschicklichkeit den Ausschlag gibt, ist eine wesentlich tatsächliche. Das Landgericht hat das fragliche Spiel als ein Gcschicklichkeitssbiel angesehen, eine Entscheidung, die einer Nachprüfung in tatsächlicher Beziehung nicht unterliegt. Ein Rechts- irrtum liegt ihr nicht zugrunde. Das Landgericht hat in Betracht gezogen, welchem Publikum das spiel dargeboten worden ist, und angenommen, daß diesem Publikum gegenüber das Spiel ein Geschicklichkcitsspiel sei. tveil es die Durchschnittsspieler dieses Publikums leicht zu erlernen vermögen. Eine derartige Auffassung läßt einen Rcchtöirrtum nicht erkennen. Die gcgentvärtig« Ent- schcidung steht im Einklänge mit dem Urteile desselben Senats vom ll. April d. I. Auch die Entscheidung des 5. Strafsenats kann als im Widerspruch damit stehend nicht angeschen werden. Umfangreiche Durchstechereien im Kaufhause des Westens kamen in einer Verhandlung zur Sprache, mit der sich gestern unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Rcichhelm die Strafkammer des Landgerichts III zu beschäftigen hatte. Wegen Diebstahls und schwerer Urkundenfälschung waren die Verkäuferin Elise Kappel und die Expedientin Paula Schvnschcck angeklagt. Die beiden An- geklagten sind seit dem 1. Juli d. I. in dem Kaufhause des Westens als Verkäuferin bezw. Expedicntin angestellt gewesen. Eine un- zureichende Kontrolle der abzusenden Waren ermöglichte es den Angeklagten, längere Zeit hindurch unter Mitwirkung anderer Angestellter ziemlich umfangreiche Durchstechereien zu verüben. Diese sortgesctztcn Unterfchlcife wären vielleicht niemals zur Ent- dcckung gekommen, wenn nicht die Angeklagte Kappel eines Tages aus der Lebcnsmittelabteilung ein Huhn entwendet und dies beim Hinausgehen in so ungeschickter Weise verborgen hätte, daß es ausfiel, und sie angehalten wurde. Eine Leibesvisitation förderte nicht nur das Huhn, sondern auch noch seidene Handschuhhalter und Seidenpasscn zutage. Es wurde sofort eine Haussuchung in der Wohnung der K. vorgenommen, bei der ein ganzes Warenlager von Wein, Likören, Konserven, Schokolade usw. beschlagnahmt wurde. Außerdem wurde ermittelt, daß die K. ihrem Vater zur Hochzeit nach Hirschberg zwei gestohlene Rehkeulen geschickt hatte. Im Au- schluß hieran wurde auch bei der Angeklagten Schonscheck eine Haussuchung abgehalten, die ein ähnliches Resultat hatte.— In der gestrigen Verhandlung waren die Angeklagten geständig und be- hauptetcn, daß unter den Angestellten des Kaufhauses eine Art Austauschverkehr bestehe; sobald jemand etwas brauche, gehe er zu dem betreffenden Lager und nehme sich. waS ihm beliebt, wofür er dann Artikel seines Lagers zum Tausch gebe. Die Diebstähle hätten sie in der Weise ermöglicht, daß sie irgendeine Kleinigkeit kauften, dann den mit dem Aufdruck„Bezahlt" versehenen Kassen- zettel durch das Hinzusetzen weiterer Waren fälschten und sich dann durch die Expedition die Sachen zuschicken ließen, da eine Kontrolle, welche Sachen bezahlt waren, hier nicht mehr möglich gewesen sei. — Das Gericht erkannte auf 2 Monate und 1 Woche bezw. 2 Monate Gefängnis._ Die Ansteckung durch Se. Eminenz den Weihbischof, Dieser Tage wurde vor dem Schöffengericht München I eine Beleidigungsklage gegen die Mjährioc Frciin Therese vo» Leoprechting verhandelt. Kläger war der Weilibiichof Graf Vilmos Batthyany aus Neutra in Ungarn. Der Weihbischof und die Baronin lernten sich nach Angaben der Beklagten im Bad Wörrishofen im Jahre 1900 kennen und traten in gc- schlechtlichcn Verkehr. Die Folge war nach Behauptung der Baronin ihre geschlechtliche Erkrankung. Sie bcauf- kragte darauf einen Anwalt, die ihr durch die Ansteckung zugefügten vermögensrechtlichen Nachteile einzuklagen. Der An- walt glaubte— entgegen der Ansicht der mit dem Wcihbischof näher bekannten Baronin— schon eine briefliche Aufforderung an Seine Eminenz würde der Baronin zu ihrem Recht verHelsen. Er trug deshalb die pekuniären Ansprüche der Dame brieflich dem Weih- bischof vor. Darauf wurde auf Antrag des Bischofs gegen die Baronin— ein Verfahren wegen Erpressungsversuchs eingeleitet, aber bald eingestellt. Daraus erhob der Weihbischof die jetzt zur Aburteilung gelangte Klage wegen Beleidigung durch den Brief. Das Gericht sprach die Angeklagte unter Ucbcrbürdung sämtlicher Kosten aus den Wcihbischof Batthyany frei mit der Begründung, daß die Jnformationserteiluiig der Beklagten an ihren Rechts- anwalt noch keine vollendete Beleidigung sei, dazu gehöre auch die Tatsache, daß der Akt, mit dem diese Information in beleidigender Form zutage trat, gewollt war. Voraussichtlich wird sich nun in dem Zivilprozeß auf Schaden- ersatz, der bis zur Entscheidung über die Beleidigungsklage aus- gesetzt war, herausstellen, ob die Behauptungen der 5klägerin über den Verkehr und seine Folgen zutreffen. Wissentlich falsche Denunziation. Der schon bejahrte Arbeiter Wilhelm Walther. der gestern vor der Strafkammer des Landgerichts III wegen wissentlich falscher Anschuldigung zur Verantwortung gezogen wurde, erschien eines Tages auf dem zuständigen Polizeibureau und erstattete Anzeige über einen ihm zugefügten Einbruchsdiebstahl. Als Täter ver- dächtigte er einen Arbeiter Radetzki, der eine Zeitlang unter ihm gewohnt hatte. Er behauptete, daß dieser in Feindschaft mit ihm gelebt und gelegentlich ihm in Aussicht gestellt habe, daß er„an ihn denken solle'. In der Tat waren aus der Wohnung des Angeklagten 20 M. gestohlen worden, die Kisten und Kästen waren durchwühlt und die Wohnung machte ganz den Eindruck, als ob Einbrecher darin gehaust hätten. ES stellte sich aber�heraus, daß der ganze Diebstahl vom Angeklagten fingiert war. Das in einer Kassette aufbewahrte und gestohlene Geld gehörte seinen Kindern. Der Angeklagte hatte Schulden, von denen er sich dadurch befreien wollte, daß er sich das Geld der Kinder aneignete. Da er nicht erwarten konnte, daß die Kinder damit einverstanden sein würden, so wühlte er selbst in den Behältnissen umher, erbrach einige Schlösser und richtete in dieser Weise planmäßig den Schauplatz des„Einbruchs" her.— Bor Gericht war er geständig, diesen Streich verübt zu haben, ohne, wie er behauptete, sich sonderlich Schlimmes dabei zu denken. Da aus der Anzeige dem Verdächtigten Weiterungen ent- standen sind und das Vorgehen des Angeklagten als ein frivoles angesehen werden mutz, so ging das Gericht über das niedrigste Strafmaß von 1 Monat Gefängnis hinaus und verurteilte den Angeklagten zu 3 Monaten Gefängnis. Eingegangene Dnichfdmften. ng. Bd. 37. Einführung .uff.— Bd. 32. Eharaktei Wissenschaft und Bildung. Bd. 37. Einführung in die Psycho» logie. Von Pros. Dr. A. Dyroff.— Bd. 32. Charakterbildung. Bon Pros. Dr. Th. Elsenhans.— Bd. 58. Zimmer-«ud Balkonpflanzen. Von Gartcninspcktor P.� Dannenberg. Einzelband geheftet 1 M.. in Sonntag» den 1. November» mittags 12 Mr:'"Wjl Arbeiter! Auf zur Parteigenossen! {tatest- Versammlung i» Feen-Palast, Sntfnlt 24. «nuift Mq-GMUckr Adolf Hoffmann£ ÄuS hält �tc iJCVljtUiJCVtC ohne Schutz der Immunität. Zeigt durch Mafsenbesurh, das; Ihr hinter Euren Abgeordneten steht! ___ Der Einberufer: Engen Ernst, Wöhlertstr. 9. Zweiter Wahlkreis! Franen nnd Männer! Dienstag, den 3. November, abends 8V3 Uhr, im Lokal von Habel, Vergmannstr. 5—7: Bersamfiflnng Tages. Ordnung: »»vi« Trau nm) der Sozialismus". Referentin: Frau Wurm. Mi Diskussion."lWli 2l2/l Da dieser Bortrag ganz besonders für die Franc» interessant ikrd, bitten wir NM»ahlreiche» Besuch. Der Borstand. L A: Frau Döhring. Stcinmctzsir. 23. Zahnärztliehes Institut Schöneberg-Friedenau, Menzelstr. 7 I. Gertrud Oswald, Dentistin. Sophien-Säle empsielsit(eine 50-2000(»Xfp Personen fassen bei» Sophienstraße 17/18 (Querstr. d. Rosenthaler Str.) {Stiiftt Äu Versammlungen und VereinSfestlich- � r leiten unter den kulantesten Bedingungen. 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Gibt eS überhaupt eine Frauenfrage?— Mt dieser Gegenfrage beginnt eine— Frau im„Berliner Lokal-Anzeiger" iNr. 519) ihre Ausführungen auf die vielversprechende, hochgestellte Anfrage:„Hat die Frauenbewegung ihre Ziele erreicht?— Ist die Frauenfrage gelöst?" Ebenso naiv wie die Gegenfrage gestellt ist:.Gibt eS überhaupt eine Frauenfrage", ebenso naiv ist die Beweisführung in der Ne- gation der Frauenfrage. Für die Dame gibt eS keine.Frauenftage'. sondern nur eine „MenschheitSfrage".— Wie aber soll die Menschheitsfrage gelöst werden, wenn nickt ausgebaut auf dem Untergrund eines physisch kräftigen und psychisch gesunden Frauengeschlechts. wenn nicht auf der Basis wirtschaftlich sozial und rechtlich geordneter Verhältnisse für die Frau?— Dast unsere Zustände berechtigten Ansprüchen in dieser Beziehung nicht entsprechen, darin find alle ernsthaften Nationalölonomen einig. Schnell fertig ist die Verfasserin mit der Lösung deS sozialen Problems:„Man solle den Frauen nicht immer mehr und mehr neue Berufsarten und Berufsmöglichkeiten erschließen, und sie nickt zu imnier neuer Konkurrenz für den Mann erziehen, sondern man soll für den Mann die HeiratSmöglichkeiten wieder erweitern. damit die Hanptzahl der Frauen zu ihrem natürlichen Beruf ge- langen kann, zu dem der.Hausfrau und Mutter", denn das ist ihre Aufgabe und ihr eigentlicher Beruf." Das mutet an, als wenn man das Kochbuch aufschlägt und liest:.man nehme' usw.--- Hunderte und Tausende von Frauen sind in den Hafen der Ehe eingelaufen, haben das zu.erstrebende glückliche Ziel' bereits er- reicht und dennoch müssen sie hinausziehen in den Lebenskampf.— hinein in die Fabriken. Geschäftshäuser, Kontore usw.. um den not- wendigsten Lebensunterhalt herbeischaffen zu helfen I Für die große Masie der Frauen, die mit doppelten Pflichten belastet, ein Lasttier- dasein führen, anstatt ihren, erwählten natürlichen Beruf als„Frau und Muiter" nachgehen zu können, ist die Frauenftage eine Lebens- frage, und das allgemeine Wahlrecht, als ein Teil derselben, ist für sie eine ZukunftSfroge von größter Bedeutung. Die hundert- und tausende verheirateter Arbeiterinnen existieren für unsere Problemlöserin gar nicht. Für sie scheint die Frauen- ftage erst bei der„Dame' anzufangen, deren einziger Ausweg aus dem Lebenskampfe die Ehe als VcrsorgungSanstalt sein soll, womit zugleich der ganze große Apparat der wirtschaftlichen Weltfrage»6 a.cta, gelegt wird. Die Dame meint,„daß eS nicht des Weibes Art sei, im Kampfe deS Lebens zu stehen, und sich mit politischen und anderen Gegnern herumzuschlagen, sondern lieben und geliebt zu werden, sich zu fügen und zu schmiegen an den Mann, der ihr wirklich den Mann zu zeigen weiß", llnd weiter heißt eS:„Hat sie den gefunden, dann, meine Damen, pfeift sie auf die ganze Frauenbewegung, auf das allgemeine Stimmrecht usw., für sie ist die Frauenfrage gelöst. Wohl uns, wenn wir wieder dahin kommen, daß sie für jede Frau in dieser Weis« gelöst werden könnte l' Die Schreiberin schlägt sich selbst ins Gesicht, denn im Hand- umdrehen macht sie aus der.Frauenfrage' nicht eine.MenschheitS'- sondern eine„Männerfrage",-- die mit einem einzigen»wenn' zu lösen wäre. Ein altbekanntes Sprichwort sagt:»Der Mann, der daS.wenn' und das„aber" erdacht, hätt' oft aus Häckerling— Gold schon gemacht." Mit.wenn" und„aber" jedoch können superkluge Damen weder die„Frauensrage" noch die.Menschheitsfrage" lösen. Hoffentlich wird die Autorin allen Frauenrechtlerinnen den Rat erteilen, einen Antrag einzubringe».aus Ausschluß der Frauen aus allen Bewieben und dafür überall Einstellung von Männern mit .höheren Löhnen", auf daß sie.Familienväter' werden könnten." Die Unternehmer, die die bürgerlichen Jrrlichtereien sonst sicher als ver- nünftig preisen, würden sicher einmütig ausrufen: die Weiber sind verrückt! wenn man ihnen mit solcher Narretei käme, und doch ist sie die Konsequenz jener Problemlösung. Die Frauen müssen die Dinge betrachten, wie sie vom wirk- lickcn und rein wirtschaftlichen Standpunkte aus sind, und wie sie sich in der Zukunftsperspektive ausnehmen. Selbst eine Frida von Bülow, der man doch gewiß keinen Radikalismus nachsagen kann, sah sich in Abwehr der von Möbius behaupteten Minder» wersigkeit des WeibeS zu folgender Zurechtweisung bemüßigt: .Ein Männergeschlecht, das nicht imstande ist, den größten Teil seiner Weiber vor schwerer Arbeit. Siechtum und Hunger zu schützen, sollte wenigstens schweigen, wenn die Frauen endlich einmal ihr Heil aus eigene Faust versuchen." Setzt man hier anstatt.Männergeschlecht"»kapitalistische Wirt- schaftsweise', dann stößt man auf des Uebels wirklichen Kern. Und das haben die proletarischen Frauen erkannt: an der Erhaltung dieser Gesellschaftsordnung sind sowohl die bürgerlichen Damen als die bürgerlichen Männer interessiert, und die Befreiung der Frau auS der sozialen Unfreiheit, aus der GeschlechlSjllaverei kann nur mit dem Siege des Sozialismus erfolgen. Versammlungen— Veranstaltungen. Berein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 2. November, abends 8>/z Uhr. im großen Saale des Gewcrk- fchaftshauseS: Vortrag. Dr Leopold Hirschberg:„DaS deutsche Volkslied". Mit instrumentalen und gesanglichen Erläuterungen. Den Flügel stellt die Firma Ibach. Gäste, besonders auch jugendliche, willkommen. Jugendabteilung. Sonntag, den t. November, abends 5'/z Uhr. im Gewerkschaftshanse, Engelufer 15: Vorlesung. Nachdem geselliges Beisammensein. Leseabende. S. Wahlkreis. Gesundbrunnen. Montag, den 2. November, bei Arnhold, Soldinerstraße 7b; dann regelmäßig jeden drillen Freitag im Monat._ Amtlicher Marktbericht der städtilchen Markthallen-Direktion über den Großhandel in den Zcntral-Marktdallen. Marktlage i Fleisch: Zufuhr schwach, Gcschäst ruhig, Preise unverändert. Wild: Zusuhr ge- nügcnd, in Wildgeflügel reichlich, Geschäft nicht lebhaft genug, Preise nach- gebend. G e s l ü g« l: Zusuhr reichlich, Geschäft nicht lebhaft genug, Preise nachgebend. Fisch«: Zusuhr genügend, Geschäft matt, Preise wenlg ver- ändert. Butter und Käse: Gcschäst ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obit und Südsrücht«: Zufuhr reichlich, Geschäft ansangS still, später lebhaster, Preise behauptet. Lriekkatten der Redaktion. Dt« JtitiftlMic Svrecki stunde(ludet Lindenstrafle Nr. 3, zweiter ©of, dritter Eingang, vier Treppen,|pe«~ F a h r ft i, h l"MG wochentägltch abends von?»/, bis v>/, n»r statt. Geöffnet 7 Ubr Sonnabends beginnt die Evreill stunde um 0 Ubr. Jeder Ansrage ist ei» Bnamad« und ein« Zahl als Merk, eiche» beizunigen. Briettichc ülntwort wird mchi erteilt. Bis zur Beantwortung im Briefkasten rönnen IS Tage vergehen. Eilige Fragen trage mau tu der Svrechftunde vor. A. O. 38. Leider hastet die Mutter in dem von Ihnen dargelegten können Sie aus den Einwand nicht mebr zmücklommcn." Durch Leistung des OffenbarungScidcs würden Ihnen Nachteile nicht eutstehen. Lehnen sie die Leistung deS Offenbarungseides ab, so ist der Gläubiger berechtigt, einen Haftbefehl zu erwirken. �Dcr Hastbcschluß wird jedoch erst vollstreckbar, wenn er 30 Mark sür einen Monat Verpflegung bei der Gcrichtskasse hinter» legt hat. Außerdem würde der Gläubiger 15 Mark Vcrhastungskosten vor- schuhweise an den Gerichtsvollzieher zu entrichten haben.— K. B. 1- Die Kündigung an den Ehemann sowie eine Kündigung deS Ehemannes in seinem und seiner Frau Namen genügt. 2. Eine Erklärung vor dem Grund- buchrichter genügt. Die Kosten werden etwa 100 M. bettagen.— K. T. 7. Ja.— Max 19. Wenden Sie sich direkt an daS Kolonialamt«der an die amtliche Auskimsisstclle für Auswanderer, Schcllingslraße 4.— A. Ja. — St. R. 87. Wenden Sie sich an eincii Arzt. Allgemeine Mittel zur Kräftigung de» Haarbodens oder dergleichen gibt es nicht, weil verschiedene Ursachen vorliegen.— R. st. IL. 1. Wem die Ausübung der elterlichen Gewalt nach der Ehescheidung zugesprochen wird, hängt davon ab, wer sür schuldig erktärt ist. Ist der Vater für schuldig erklärt, so geht die Fürsorge für die Peffon deS KindeS aus die Mutter über. Die Befugnis zur Ver- Irelung deS Kindes, zur Vermögeusocrivattung und die elterliche Nutz- nießung verbleibt jedoch dem Vater. Wird die Mutter sür schuldig erklärt, fo geht die elterliche Gewalt in vollem Umfange aus den Vater über. Der Mutier bleibt nur daS Ziecht des Verkehrs mit dem Kinde. Werden beide Ehegatten sür schuldig erklärt, so steht die Sorge sür einen Sohn unter 6 Jahren oder für eine Tochter der Mutier, für einen Sohn über 6 Jahren dem Vater zu. 2. Die sogen, gemeinschaftlich erworbene Wirtschaft ist, falls nicht besondere Umstände vorliegen, Eigentum de» Mannes. Das von der Frau eingebrachte hat er herauszugeben. 3. Etwa 60 M. monatlich. 4. Zwecks Scheidung muß zunächst b i dem Amtsgericht, in dessen Bezirk der Maua wohnt, Sühnetermiu beantragt werden. Nach sruchlloscin Ausfall des» selben ist die Ehescheidungsklage beim Landgericht durch einen Anwalt anzustellen. — H.®. 100. Das kann er halten, lote er will.— A. T. 108. So weit ersichtlich, ist bereits rcchtskrästtg über die Forderung entschieden und die Geselllchast zur Zahlung verurteilt. Die» Urteil müßte gegen die Ge- scllschast zur Vollstteckuna gebracht werden. Liegt«in Grund zu der An- nähme vor, daß auch R. oder L. als Arbeitgeber zu betrachten sind, so wären auch diese beim Gewerbegericht zu verklagen.— F. R. 70. 1. Ja. L. Die Zahl der Zeugen ist unerheblich. Soweit ersichtlich, hätte der Arbeit- geber zu beweisen, daß Kündignngsausschluß vereinbart sei. Er kann zu diesem Zweck Ihnen als Beklagten den Eid zuschieben. Sie haben das Recht zu wählen, ob Sie den Eid leisten oder(über das Gegenteil) dem Beklagten zuschieben wollen. Leistet der Bc» klagte den ihm zugeschobenen Eid, so wäre die Klage abzuweisen. — N. Schöueberg. Bilder von RexhSuser. Musstal und Mahlo haben wir nicht.— W. H. i. ivk. Der von Ihnen dargelegte Sachverhalt berechtigt zur Anstellung einer Beleidigungsklage, nicht aber zur Aushebung eines Mietsvertrages.— P. H. 257. Die in dem Gütertrennungsverttag ver- einbarten Bestimmungen treten mit Eintragung in das Handelsregister in Wirkung.— E. L. 25. 1. und 2. Nein. 3. Dem außerehelichen Kinde steht daS Recht auf Atiinentatton bis z» feinem vollendeten IS. Lebens- jähr« gegen den Erzeuger zu. 0exrüllck«t>804|2I Pelzwaren- :, r �>> 1 NeueKönlgstr.ZIII (Ordonnanzhaas) V�Aifin I An* wie alljährlich nach beendeter Bngros- Saison. Pelz-Stolas Muffen zu fabelhaft billigen Preisen. Sonntags geEffnat. Hepar, sauber b. hillig t/t ihrer KobienrechDnni mit Prof. Detsinyi's Radial-Aibest* Ouolen. Fabrikat derAIIg.Elektriz.- Oea.— 14 Patente— Radial kostet 5 Mark, ist aus Asbest, nicht aus Blech, unbegrenzt haltbar und wird durch das Brennen noch dauerhafter. 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Technischen Hochschule, Berlin: Durch analytische Untersuchung, sowie eingehende Besichtigung der Fabrikah'on, habe ich festgestellt, daß HAEMACOLADE aus besten einwandsfreien Rohmaterialien erzeugt werden, welche auf maschinellem Wege sorgfältig und mit peinlicher Sauberkeit gemischt werden. Im Vergleich zu dem niedrigen Preise zeichnet sich das Präparat durch seinen bedeutenden Gehalt an Kohlenhydraten, blutbildendem Hämoglobin, Eiweis- und Fettstoffen vor vielen ähnlichen Produkten vorteilhaft aus, und ist seine Zusammensetzung insofern als eine sehr zweckmäßige zu bezeichnen, als es alle für eine intensive Ernährung des menschlichen Organismus erforderlichen Verbindungen im geeigneten Verhältnis in sich vereinigt, während es andererseits frei ist von allen schädlichen Substanzen, aromatischen und medikamentösen Zusätzen. Die feinkörnige Beschaffenheit des Präparates macht es geeignet zur schnellen und bequemen Bereitung von Getränken aller Art. Infolge des hohen Nährwertes sowie der leichten Verdaulichkeit ihrer Bestandteile und insbesondere auch ihres Wohlgeschmackes wegen stellt Haemacolade somit eine äußerst wirksame und bekömmliche Kraftnahrung zu dauerndem Gebrauche dar, wie es ja auch durch die mir in großer Zahl vorgelegten ärztlichen Original-Gutachten bestätigt wird. Prof. Dr. A. Junghahn, Privat-Dozent a. d. Königl. Tecbn. Hochschule Berlin. «BOlIi* Teppich-Speziafhaus Emil Lefevre Berlin Süd. Seit 1882 nur Oranienstr. 158. Unterhalte nirgends Filialen! Ein Riesenposlen darunter PraohtstUcke in Brüssel, Axmlnster, Perser, Velour, Tapestry, Englisch Block, Velvet und Smyrna. Sofa-Größe ä 5, 8, 10, 15—40 M. Salon-Größe 10, 15, 20, 30-150 M. Saal-Grüße ä 30, 45, 60, 75-500 M. Echte Perser Prunk- Stücke S ISO, 225, 300-750 M. (Regul. Wert bis 1200 Mark.) Kelims, DjidjiinSp,�, Nach answärta per Nachnahme. etwa 600 Abbildungen In bfinstl. Ansatattnng wunJch gratis u. franko. 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Nach- mittags 2'l, Uhr im Deutschen Theater: Kettenglieder; in den Kammerspielen: Frühlings Er- wachen; nachmittags 3 Uhr: im Neuen Theater: Jahrmarkt in Pulsnitz; im Neuen Operetten- Theater: Der Opernball; im Schiller-Theater � O.: Der rote Leutnant; im Schiller- Theater Charlottenburg: Götz von Berit. chingen; im Friedrich-Wilhelnr städtischen Schauspielhause: Die Nibelungen; im Hebbcl-Theatcr: Cypriemie.— Die Stärkere; im Berliner Theater: EmiliaGalotti. Hebbel-Theater Iklniggratzer Str. 57/58. Ans. 8 Uhr Der Liebhaber. Lerliner Theater. 3 Ubr: Emüia GaloUi. tuhT*? I>er Clown. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Der deutsche Graf. Schauspiel in 5 Allen v. Vollmoeller. Montag: Der deutsche Gras. DienStag z. 23. Male: Wahrheit. Kleines Theater. Abends 8 Uhr: Musik. Montag: Musik.__ Zlenv» Operetten-Tbeater, Schtfsbaucrdamm 25, a. d. Luisenstr. Nachm. 3 Uhr: Oer OpernhaU. Abends 8 Uhr: Die DoIIarprinzcsHln Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Der fidele Dauer. Sonntag nachm. 3'/, Uhr m halben Preisen: Die lustige DSitwe. Kesillölii-Iliöstös. Direktion: lilodseit ttlo»allor.— Abends 8 Uhr: „KQmniere Dich um Amelie." Schwank in drei Akten(vier Bildern) von Georges Feydeau. Morgen u. solg. Tage: Kümmere Dich um Amelie.__ Luisen-Theater. Nachmittags 3 Uhr: Ausgewiesen. Abend» 8 Uhr: Stolz der Stadt. Montag: Eine tolle Nacht._ LustspieShaus. Nachm. 3 Uhr: Die blaue ManS. Abends 8 Uhr: Die Tür ins Freie. Dietirich-WilhelmstSlltischss Schauspielhaus. Sonntag, 1. November, nachm. 3 Uhr: Kriemhiids Rache. AbendS 8 Uhr: Die zärtlichen Deruiandten. Montag: Die zärtlichen Verwandten. mmMiM Gr. grantiurler Str. 132. Abends 8 Uhr: Philippiue Welser. Historisches Schauspiel in 5 Alten von O. v. Redwitz. WIM SonntagSprcile."VO Nachmittags 3 Uhr halbe Preise: Kabale und Liebe. liels IH-Mr SchOnhanacr Allee 148. Konzert» Theater und Spezialitäten._ m alhalla V»itfif Tioafer Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Heute 2 Vorstellungen. Nachmitt. 3>/. Uhr: Kleine Preise. Jeder Erwachsene ein Kind srei. Abends 8 Uhr: Das neue Novbr.-Programm. peTiinam.seinenItviiel-en und dieübrigen Gala-Spezialitäten. Im Tunnel Rcgimeiitskapellen w. Theaterbesucher Hab. sreien Eintritt. Crnnis. Wissenschaftliches Theater. Tatibenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Der Mcnthiane. Montag 8 Uhr: Dr. Heimann: Bosnien und die Herzegowina. Hörsaal 8 Uhr Prof. Eathgen: Der Stickstoff. OOIOCISCHER Heute, am 1. Sonntag im Monat Eintritt:;: AK Df die Person � i l. == Ab nachm. 4 Uhr:---= Gr. Militär-Konzert. Morgen, sowie tägl. Gr. Milil.-Konz. Saaleintritt heute extra 25 Pf. Aktionäre u. Abonnenten frei. Berliner Jlqnsrium Unter den Linden 63a Eingang Schadow-StraDe No.14. Heute Sonntag Eintrittspreis gag" so Pf.-iac lioiohhaltigste Ausstellnng der Welt an lebenden Seetieien, Reptilien etc._ 11/16 Passage-Panoptikum. Heutr grosser Schau-Sonntag! Ohne Extra-Entree Z Ledend! Das Lebend I BürenweZb. Simpson der lebende AmbeS der Mann mit dem Stelnkorper. Neapolitanische Briganten. Panophon-Vorträge; Alexander Olrardl, Otto Keuttcr, GaruHO etc. Alles ohne Extra-Entree! Eintritt öv Pf. Kinder, Soldaten L5 Pf. Passage-Theater. Heute Premiere! SZwel Vorstellungen. Nachm. 3—7 Uhr(kleine Preise). Abends 8— 11 Uhr. Anni Wünsch. Schneider-Duncker , Willi Prager und das großartige j November- Progr. Melropol-Theater ! TUglich 8 Uhr: RewneinlOBildern v. Jnl. Freund. Musik von Paul Lincks. Regie Direktor Schultz. Heute Premiere! sowie die übrigen November-Attraktionen. Abends 8 Uhr: Debüts der neuen Attraktionen. U. a.: Siegwart Genies, Humorist. Qibsy-WooK mit ihren„Six Sunbeams". MiB Gianda, Dressur-Akt. Ein Beitrag zur Darwin- schen Entwickeiungslehre. 9.20. Unter persönlicher Leitung des Komponisten! Burleske. Musik v. faul Llnckc, Sertrifer Eis- Patast LutHerstr. 22/24. Ständige Eisbahn. Bon morgens 10 bis nachts 12 Uhr geöffnet Großes Konzert. Abends 9 Uhr: Auftreten erster Kunst- lüuser und-Läuferinnen. Am l. November: Meisterläuserpaar Altred und Sigrid Naeß.— 3., 4. u. 5. November: Grosses Internationales Eis-Wettlaufen d. besten Meister der Welt. Vssmn-I'kvs�on Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Dur noch bis 5. ppunnbrr Familie August Knoche. Freitag, den 6. November Premiere: Hlv DIannbttder. Sonntag 4 Uhr: Hotel Klingebusch. Schiller-Theater. O.(Wallner-Theater.) Sonntag, nachm. 3 Uhr: Der rote l.eutnant. Schauspiel in 3 Alten v. Ed. Goldbeck Sonntag, abend? 8 Ubr: Ol? Zwillingsschwester. Lustspiel in 4 Ausz. von Ludwig Fulda. ' und H. KienzL Montag, abends 8 Ubr: 1)1« Zwilllngsschwester. Dienstag, abends 8 Uhr: Her Fanillicntag. Schiller-Theater Charlottenburg. Sonntag, nachm. 3 Ubr: Hdtis von Bcrlichlngen. Schauspiel in 5 Auszügen v. Johann Wolsgang v. Goethe. S o n»: a g, abends 8 Ubr: Her OraT von Oliarolal«. Trauerspiel in 5 Akten von Richard Beer-Hosmann. Montag, abend» 8 Ubr: Her Siratk von tldarolal». Dienstag, abends 8 Ubr: Her t!raf von S'liarolal». �sstsn' Panoptikum k'rledrleliatraL« - 165- (Ecke Behrenstr.) Pschorrpalast. Ohne Extra-Enlree! Tarlöt�-Vorutellauc der 8 Zwerge! — Allerseelen!— VereinsbiUetts: Halbe Preise. Eirkns Schumann. Heute 8onntae, l.Xovember, nachm. S'/s und abends 7'/, Uhr: a Grolle auBerordentliche Gala-Vorwtellnngen A nachmittags auf allen Sitzplätzen ein Kind frei. � D�- In beiden Vorstellungea nachmittags und abends:' Vfi U. a.; Zum erstenmal in tlnropa! Oer lebende Kreinelr .Ilona. Henueret. Direkt aus Amerika! Mons.Macartis Baboons U.: Noch nie dagewesen: Alfen als Kunstradfahrer, Chauffeure, Jongs leure und Schellenspieler. Absolute Novität! Troupe Fiochi, die Könige aller Akrobaten. Grand- Hotel- Festsäle Am Alexanderplatz. B. Jehmllch. Jeden Sonntag, Dienstag und Donnerstag: ♦ Wilh, Wulffs Hamburger Sänger. Anfang Sonntags 7 Uhr, wochentags 8 Uhr. Eintritt 30 Pfennig. 2161b+ Vorzugskarten haben wochentags Gültigkeit. Luisen.Theater. sss Sonntag, den I. November, nachmittags 3 Uhr: Letzte Sonntags- Aufführung! Die BOttcberschen sozialen Stücke||AUS{|6WI6S6nI" Proihoiff" etc*"tehen ibrer Tendenz nach »> IVIIIVll, streng; auf dem Boden der „Grundsätze und Forderungen der Sozialdemokratie". „Ausgewiesen". Soziales Drama aus der Zoll des Sozialistengesetzes von Karl Böttcher. IS Jahre wecen„Geführdang der AITentllchen Ordnung" polizeilich verboten gewesen! Die Leser des„Vorwärts" zahlen gegen Vorzeigung dieses Inserats an der Theaterkasse So pf. Mr L PiM Aul allen Übrigen teueren Plätzen 25 Pf. Ermäßigung des Kassenpreises. Ausschneiden. Gutschein für 1—3 Personen. Spezlal-Aasscbank Berlin* Potsdamerstr. 127-128 Ecke Eicbhornstrate, nahe Potsdamer Platz Müiiclieö-Tofziigl. Küche z. klein. Prels.-lllJierslll.-Yereinszto!n. Sehen s w ü r d 1 ghel t ersten K a n k e■ I NEU! StaMissenmt Balbchwler. Konzerthaus und Wiuter-Prachtsäle. Badstr. 15a/16. Badstr. I5a/10. larion Cnnnfgn*'n den vorderen Prachtsälen: JcllCU dUUlildy. Gr. hnmorlst.-mnslkallsche Solree. --------- Entree frei!-= Im großen Praohtsaal: Kavalier- Ball. mÄ aS?«"üS* jeden 8fontaS: Losüger Abend der Qdelen Spatzen. _ Direktion: F. Schneider-Bolly u. C. Reising. Cfcvaeht-Säle des Kordens MW BUUorstr. 148.(Pharns-Süle) Gustav Braunort. ) Sonntag Uli Dfllli Pfarr-Preikonz.(Pricassee v. Huhn.) 4 Uhr: Gr. Bittasstlsch.— Reichhaltige Abendkarte zu zivil. Preis. Säle bis 2000 Pers. zu all. Fesllichk. u. Versammlungen. Heute ßgjj Im Wilhelm Busch-Restaurant: Gebr. Friedrichsberg Inh.: Gebr. Arnbold. Frankfürter Chaussee S (früher 120). Stadtbahnstatian Fernsprecher Frankfurter Allee. Jeden Sonntag« Fri#"lrlchsbergNo8 Große Tanz-Stennion. Damenhüte, Gelegenheilskäure! Grolle Posten 8ammcthüte. Garnierte Hüte. Formen, enorm billig;, für Putzmacherinnen vorteilhaft, Königstraße 53/54, gesenüber Bathaas. XIV. Saison. SDiuitapenl.lIöiifinlifr: Große 2 2 Nachm. 4 und abends 7'/, Uhr. Nachmittags 4 Ubr zahlen Kinder I unter IVJahren aus allen Sitzplätzen I halbe Preise.(Galerie volle Preise.)| In beiden Vorstellungen: Hie groll, neuen Hebuts! j In beiden Vorstellungen: oedut! Wöhdüloodut!! große Seelöwen-Gruppe!) In beiden Vorstellungen: o-hutikgMdelFiLlfiefloebut!! In beiden Vorstellungen: Die Uessems! In beiden Vorstellungen: Zsrdarossa I» beiden Vorftelluugeu: Vorführen und Reiten der best dress. Schul-, FreiheilS- 1 und Springpferde. In beiden Vorstellungen: Austreten sämtlicher Clowns mit 1 den neuesten Witzen und Spähen I sowie sämtlicher neu engagierten) Künstler und Künstlerinnen. Parodie-Theater Dresdener Strafte 97. Heute: Cavalleria- Rastikana und die urkomische Burleske „Berlin„teilt Hopp". Ansang Sonnt. 8, wochent. 8'/, Uhr. Ausstellungs-Hallen am Zoo. 24. Oktober bis 3. November. Geöffnet 10-10 Uhr. 4-10 Uhr Konzert. Theater FoIlesCaprice Linien str. 132. Durchschlngender Erfolg! Die lästige Witwe. Die Brantschan. Neu: GrOnecker als Verteidiger in Strafsachen. Vorverk. n. 10-2 a. b. Kasse, b.Wertheim u.Jnvalidrndanl Wlillel Ikeslös Bergstraße 147. Sonntag, den 1. November 1303: Alt-Heiüelherd. Schauspiel w 4 Akt v. Meyer-Förster. _ Ansang 7'/, Uhr. Oebrüder Herrnfeld- Anfang �hnüfais Vorverk. 8 Uhr. lllCniCr. 11-2 Uhr. 57 Kommandantenstr. 67. Der größte Herrnfeld-Erfolg: M» W Komödie in 2 Akten mit Anton Herrnfeid als Verwand- lungSkünstler„Monsieur Ganivel" und Donat Herrnfeld als„Bondi Bindelband". : Vollständig neuer: «BT Künstler-Teil IM Gebr. Renzonis Opern- Duett. Marga u. Milli BliB' Ballett; Walzertraum. Kun Arpad, der berühmte jugendl. Gelgenvirtuose. The six Rockets, Gesangs- und Tanz-Sextett. Wacker u. Wackers Gebirgs-Typen. Königstadt- Kasino. Holzmarklstr. 72. Täglich: Theater- n. Spezialitäten-Vorstellung. Franz 8obunskl, Emmy Lyon, Mr. Ferry, Les Forrös, Mr. Boston u. Stella, Nante Pohlmann, Eva Wagner, Anita u. Stefan Komaromy. Der arme Casimir. Schwank mit Gesang von Schmidt Hawlins. Nach der Vorstellung: Mittw.. Sonnab., Sonntag: Tanz. flestaurant ewerltsoliafts- \ haus.% = Engelufer 15. RRenu 76 Pf. Heute Sonntag: Ochlenschwanzsuppe Lach? in Laues dsauharnais oder: Grünkohl mit Kolelctte. Hamburger Kalbskeule Oder Rostbeaj englisch. Kompott oder SalaL X Reichhaltige Abendkarke. X Wochentäglich: Grosser bürgerlicher Millggsliscli cm». 60 n. StT" 2 sranz. Billards.-VE Ä Kegelbahnen Neu eingesührt: Mrißbitr-Allsschaiik. Am Sonnabend, den 14. No- vember ist der grofte Saal frei geworden. R. Augustin. Reiclishallen-Theater �tettiner Sänger Unter anderem: Das Krsiegellö Braotpaar. llrlomiichc Burlesl«. Ans. wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Reichshalleu-Rcstauraut: Großes nilitär- Konzert. iürgerliches Schauspielhaus Kastanicn-Allce 7—9. Nachmittags 3 Uhr: I> e b o r a lt. Schauspiel in 5 Akten v. Mosenthai Abends 8 Uhr neu eiiistudiertt ISaniAet. Traueripicl in 5 Allen v. Shakespeare. Brimnen-Tbeater Badstratze 58. Direktion: Willy Voigt Sonntag, den 1. November 1908, nachmittags 3 Uhrtz Maria Stuart. Trauerspiel in 5 Akt. v. Fr. v. Schiller Abends 7 Uhr: Her Goldbauer. Schauspiel in 4 Akten von Charlotte Birch-Pseiffer. Montag, den 2. November 1903: Gastsp. dcs Dir. Bernhard Rose: Das bemooste Haupt oder: Ter lange Israel. Schauspiel in 4 Akten v. R. Beliebig Ersuerelfrlelll'lcllslttlll Am Königstor.£ Heute, Sonntag: Eröffnung j d°r Gr. Internationalen» Ringkampt- Konkurrenz* um den Grollen Preis von* Berlin— 6000 B. in bar unter dem Protektorat der »Illustrierten Sport. Zeituna", woseldst der Depositenschein über 6000 M. hwterlegt ist. DG- Berussringer von Ruf sind zugelassen. �WU Heute, Sonntag, zur Eröffnung d.Konkurrenz: � Es ringen 4 Paare Zipps, Champion von Amerika gegen Wladislaw Maksimjak- Galizien. Wachluroll-Rutzland gegen Wenzel Keuda- Böhmen. Aldert«ein, Meifterringer von Berlin gegen Aii Ogli-Turkestan. lehn Pohl— Ahe II- Deutschland c gegen Alhane-Spanien. 9 � Vor den Ringkämpfen: Austr. 8 i> erstklass. Spezialitäten.«» * 3lu6trbee�e: Militärkapelle Z Ansang 5 Uhr. Entrce 50 Ps Res. Platz l At. Num. Tisch 2 M I Sanssouci, KaltUuser Straße 6. Direktion Wilhelm Reimer. Heute Sonntag: - Neues Programm. Cr. Elite-Soiree ktä. von HoHmaonsNoriid. Sängern Zum ersten Male: Frau Feldwebel. Posse in I Akt. Morgen: Soieee. Tanzkr. Beg. Sonnt, ö.wochem. 8 U. Dienstag: Theaterabend: Der Pfarrer von Kirchfeld._ Borussia-JeslsSe Inh. Georg Wolffgramm 6/7, Ackkrftr.6/7, nahe d. Elsafferftr Gr.»->11. Grotzcr saal(800 Personen fassend) zum 5. Dezember frei geworden. Berliner Tolks-Chor Dirigent: Dr. E. Zander. am Dienstag, 1 17. Rovember, abends 8'/- Dhr am Mittwoch(BuStag), 1 IB. Hot., abends 7 Ohr ta d-r„stellen Veit". Hasenheide 108-114: „Die Jahreszeiten" Oratorlom von Joseph Haydn. Mitwirkende: KammersSngerw Fr. Johanna lieh, Franks, a. M. Kgl. Hosopernsänger Herr Rudolf Jäger. Lewzig Kgl. Hosopernlänger Herr Friedrich Pioschke, Dresden Da* Neue TonkOnstlor-Orcheeter.— Oer Berliner Volks-Chor. Eintrittskarten 70 Pf. inkl. Garderobe. Abendkasse t Mark. Vorverkauf bei: F. Brinkmeher. Alexandrinenstr. 25; Karl Vogel. Koppenstr. Ü2: F. Nie- meyer, Weberstr. lS; H. Bobiien. Kommandantenstr. 52;'ist>editlo», Jmlnanuct- kirchstr. 12; Di ich. Rühle. Musikalien lidlg.. Moritzplatz; Z. Sommerfeld, Musikalicilddlg., Noienlbalcr Strafte 5l; Tchrolle, Landwehrslr. 3; Panl Ihm, Arangelstr. 58; H. Fischer, Velerancnftr. 5; Tabak- arbeiter-Gcnossenschaft Rirdolf, Hcrinanastr. llO; Kopcnhagener slr. 2; Fehmarnltr. 3; Putlitzstr. 15; Swinemünder Str. 80; Thaerslr. 18; Köpenicker Str. 20a; Petersburger Str. 5; KopcrnikuSstr. 11.— Feiner in allen Verkaufsstellen der„Konsum-Genofsenschaft Berlin und Umgegend», sowie in allen mit Plakaten belegten Handlungen. fiMF* Hänchen Im Saale Int nicht sestattet!»WM Sladl-Tbeater Moabit, Alt-Hoablt 48. Größter und vornehmster Theater« saal Moabits. Sonntag, den 1. November: Zwei vom Ballett. Posse mit Gesang In 4 Akten von I. Stindc und Georg Engels. Ans. d. Vorst. 8, Ziassenöffnung 7 Uhr. Konzert 7'/, Uhr. Vorverkaus o. 10—1 Uhr t. Theater Nestaurant. Nach der Vorstellung: Hall. Montag. 2. November: Soiree der Lustigen Sänger. V/)> W. Koacks Theater Direkliou. Hob. Oi».«ruiuienllr. Id. Von Stufe zu Stufe. Ans. d. Konzerts K. d. Vorst. 7 Uhr. Entree 40 Ps. Nach der Boriiellung: Tan». 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Anfang 6'/, Uhr Eintritt 50 Pf. mit anschließendem Familienkränzchen Von 5 Uhr ab im weihen Saale LV Groszer Ball.-MA' Jeden Mittmoch: Paul Mantheys lustige Sänger und Frci-Danz. Vorzugskartcn gelten. rmnat* „ICt Lelsfoftfvft bto leb{eist EufrUdca, hact da Nachhilfe?- „Nein, Harr Lehrer, aber Iah Waf« Ruhnkt'l Angenglftl Optll, wohlrarpaßt nach weiaar Wahl. Viele Kinder bleiben in dar Sohole xmAek, nur well Ihre Aaeen achlecht aind. Ea iat nötig, featsnatallen, wie die Sehkraft der Kinder beschaffen ist, ehe ea aahliznmer wird.— Meine Methode der AaKen-ünteraoohnn* eignet sich beaondors för Kinder, such für aohüohterne, d» ihre Angaben keine Rolle dabei spielen. Kommen Sie in eines meiner Gesch<e, die Augen Ihrer Kinder and anob Ihre Augen sollen gewissenhaft geprüft werden ohne Kosten. Wenn CH&aer nötig aind, aollea Sie die passenden erhalten unter Garantie. Ist aber eine ärztliche Behandlang erforderlich, so wird Ihnen dazn geraten werden. 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In der Spielwarenindustrie, in der Herstellung von billigen Schmuckwaren, auch in der Möbeltischlerei hat sich zwar der Gc- schästsgang im Hinblick auf Weihnachten einigermafien belebt, aber daß die Erzeugung erheblich hinter dem Vorjahre zurückbleibt, das geht schon aus der Lage des Arbeitsmarktes in den in Frage kom- Menden Betrieben hervor. In manchen Spielwarenbezirken haben namentlich die Heimarbeiter sehr wenig zu tun. Das ist um so schlimmer für einen Bezirk wie das Erzgebirge, wo gleichzeitig für die Betriebe der Strumpfwarenherstellung eine all- gemeine Lohnreduklion von zirka 15 Proz. vorgenommen wird. Schlimme Wintermonate stehen bevor; wenn auch die soziale Not der Heimarbeiter in den Gebirgsdörfern weniger scbarf in die Oeffentlichkcit tritt als die Arbeitslosigkeii in den Großstädten, so ist fie in ihrer Art schlimmer und verzweifelter, da die Gemeinden lelbst arm und zu schwach zu auskömmlicher Hilfeleistung sind. Käuferbuud„Deutschland". Unter dem Namen.Käufrbund Deutschland' haben sich eine Anzahl von Herren und vor allem Damen der.besten' Gesellschaft zusammengetan. um gewissermaben erziehlich auf Unternehmer und Geschäflsinhaber einzuwirken. Der Räuferbund will nur dort seinen Bedarf an Waren decken, wo man Arbeiter und Angestellte menschen- würdig bezahlt und anständig behandelt. Er führt eine„weiße Liste', auf der nur solche Firmen verzeichnet stehen, die nach dieser Richtung Vertrauen verdienen, und geht sogar so weit, daß er die Organisationen der Arbeiterschaft und des Verkaufpersonals um Auskünfte über die betreffenden Firmen ersucht. So weit so gut. Der Gedanke, das kaufende Publikum als Mithelfer in dem Kämpft gegen die Schandlöhne und andere Uebelstände in der Pro- duktion heranzuziehen und zu organisieren, tauchte zuerst auf, als die Heimarbcitausstellungen das unsägliche Elend der Haus- industriellen unverhüllt vor aller Welt zeigten. Indes kam man bisher über wohlmeinende Vorsätze nicht hinaus, und es blieb so ziemlich alles beim alten. Das große Publikum denkt eben nicht; es ist ihm mehr oder weniger gleichgültig, wie gut oder schlecht die Verfertiger der Ware bezahlt werden, wenn es nur billig kauft. Nicht einmal der Hinweis auf die Ansteckungsgefahr, welche die in den engen, unhygienischen Ouar- tieren der Heimarbeiter angefertigten Waren für ihre Ersteher in sich bergen, hat irgendwie abschreckend gewirkt. Billig, nur billig! ist nach wie vor die Parole, und zwar nicht nur bei denen, die unter dem Zwange der Not handeln. Nein, gerade bei denen, die es eigentlich nicht nötig hätten, herrscht eine wahre Manie, so wohlfeil wie nur möglich einzukaufen. Spekulative Geschäfts- leute sind in den letzten Jabrcn gerade dieser Sucht der Damen auS den wohlhabenden Kreisen durch Gründung von Gc- schäflshäuscrn, die sich angeblich nur mit sogenannten„Gelegenheits- käusen" abgeben, entgegengekomnien. Wer die Damen der guten Gesellschaft einmal an besonders billigen Einkautötagen in derartigen Geschäftshäusern beobachtet, der wird von dem Wahn kuriert, daß dieies Publikum je einen anderen Grundsatz haben könnte als den: Jeder ist sich selbst der Nächste. Da schiebt, drängt und stößt man sich in der unwürdigsten Weise oft schon auf den Treppen vorwärts, nur von der fixen Idee besessen, unter den ersten zu sein, die in den ausgelegten Modeschätzeu wühlen dürfen. In weilen Kreisen der Bourgeoisie ist für die Lebensintercffen unserer Hausindustriellen und ebenso natürlich auch für die der Geschäftsangestelllen kein Verständnis zu erhoffen. Die Herrschaften versagen als Käufer, wie sie als Arbeitgeber versag» haben. Es bleibt nur eine kleine Handvoll human denkender Leute, die als „Käuscrbund" einen gelinden Druck auf die Firmeninhaber aus- üben. Von diesen aber eine irgendwie nennenswerte Einwirkung aus die Hebung der Arbeitsverhältnisse der in Betracht kommenden Arbeilerkalegorien zu erwarten, wäre Narretei. So bleibt den aus- gebrüteten Frauen und Männern schließlich doch nichts als der Kampf auf gewerkschaftlichen, wie auf politischem Gebiete, wenn sie aus ihrem Elend heraus und teilnehmen wollen an den Gütern der Kultur. Feierschichten. Im rheimsch-westfälischen Kohlenrevier haben mehrere Zechen mit je mehreren tausend Mann Belegschaft am Sonn- abend den Betrieb ruhen lassen. Voraussichtlich wird die Einlcgung von allgemeinen Feierschichten noch größeren Um- fang annehmen. Was das heißt, kann man schon aus der Tatsache ermessen, daß im Oberbergamtsbezirk Dortmund von den Zechen pro Tag zirka 1400 000 Mark an Löhnen gezahlt werden. Banken krachen! Aus Magdeburg wird gemeldet: In der Alt- mark sind innerhalb weniger Wochen nicht weniger als vier Banken falliert. Am Freitag wurde über die BaNkfirnm F. W. Hahn in Stendal der Konkurs eröffnet. Die Aktiven mit SO 000 Mark sollen hinter den Passiven um 450 000 Mark zurückbleiben. Folgen der Zollpolitik. In der am Sonnabend abgehaltenen Generalversammlung deS Bochumer Vereins in Bochum bemerkte Generaldirektor Baare u. a.: Die Lage der varerländiscken Gewerbetäligkeit hat sich schwieriger gestallet bei dem Wettbewerben im Auslände und wird sich noch schwieriger gestalten, wenn zu den vorhandenen großen Lasten und Steuern(bei unserer Gesellschaft betrugen sie im Vor- jähre O/z Millionen) noch die ncugeforderten Autwendungen für Reich und Staat hinzukommen und so die GistehungSkosten in Zukunft wesentlich verteuern. Schwieriger wird sich auch die Lage um deswillen gestalten, weil im Auslande mehr und mehr die Konkurrenzwerke. nicht allein finanziell, sondern insbesondere auch . in technischer Beziehung> vervollkommnet sind und den deutschen Gewerbetreibenden und Fabrikanten mehr und mehr erfolgreich entgegentreten. Herr Baare hätte hinzufügen können, daß der Anreiz zur Er- richtung von Konkurrenzwerken im Auslande durch unsere Zollpolitik außerordentlich geförden worden ist— und daß bei den Gründungen vielfach deutsche Unternehmer beteiligt sind. Schutz der nationalen Arbeit!_ Gegen die Lichtsteuer. Der Vorstandsrat des Vereins deutscher Ingenieure Jhat sich mit dem EntWurfe der Elektrizitäts- und Gas- st euer beschäftigt, wobei Vertreter der Städte, der Elektrizitäts- und Gasindustrie und der Großindustrie überhaupt hinzugezogen waren. Der vorliegende Gesetzentwurf fand keinen einzigen FmtPrecher. � wurde sowohl in seinen Grundgedanken wie in vielen Einzelheiten einstimmig auf das schlimmste verurteilt. Namentlich wurde auch hervorgehoben, daß das Gesetz ohne Sach- und Fachkenntnis ab- gesaßt sei. und daß man es versäumt habe, Fachmänner von Welt« ruf, wie unsere Industrie sie aufweist, zur Mitarbeit heranzuziehen. ES wurde daher beschlossen, daß der Verein deutscher Ingenieure einmal in einer Denkschrift beim Bundesrate und beim Reichstage vorstellig werden solle und daß die Vereinsmitglieder aufzufordern seien, die Wirkung des Gesetzes auf die verschiedensten technischen Betriebe in der Praxis zu prüfen und dieses Material dem Verein zur Sichtung und Weiterverarbeitung zu überweisen. Warnung vor Nalhahmungkn! gl fniildnitfllta ii. Kkimn kmiffii bei mir! .\oast Original-Extrakte zur spielend leichten Selbslbercitung on Kognak, Kum, Branntweinen, allen echten Likören, Banken, tJ rog etc. Preis per Fl., reichend zu ca Sy. Liter, mit einsacher Borichrist versehen iio. 35, 40, 50. OO, 751�. etc. Ml?" Bei<» Fl. die 7te Fl. gratis!" Jede Origwalflasche trägt Schutzmarke„iiroti« Noa". Rezept zu Kognak: t Ltr. Weingeist PU Ltr. Wasser 1 Fl. Noas crig..Srtra« zu Cognac i la tranfalse. Rezept zu Rum: k Ltr. Weingeist 1 Ltr. Wasser 1 gl Rone Orig.-Extrakt zu Rum 5 la Jamaika. 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Wahl eines Beisitzers zur Ortsverwaltung. 8. Stellung- nähme zu der Zusammenlegung der Berliner Verwaltungen. 4. Geschäftliches. Mitgliedsbuch ist mitzubringen und am Eingang der Versammlung vorzuzeigen. ZW? Wer mit seinen Beiträgen über»0 Woche» im Rückstände ist, hat keinen Zutritt. S7/S_ Pie Ortaveriyaltang I. I. A.: Fritz Wappler. veulzeder Irsllsporlsrbeiler- Verbaod. VenvaltungLLtelle Berlin II. Verbandsmitglieder! Hente Sonntag» den 1. November 1008. abendS S Uhr, tagen folgend« WF" Versaniiiilung'eii. Für die Bezirke KlxdorS, Lrit? und Treptow bei Thiel, Bergstr. isi/iss. Tagesordnung i 1.»Die Kirche und das Proletariat.» Rcserent Genosse Stürmer. 2. Diskussion. 3. GeschällltcheS. 57,5 Für die Geschäftskutscher und Lagerarbeiter tm»Englischen Garten». Alcxanderstratze S7«!. oberer Saal. TageS-Qrdnnng- 1.»Sozialpolitik und Sozialdemokratie.» Reserent Genosse Jol. Hildebrandt- 2. DlStussion und Verschiedenes. Nach veri Versammlungen findet EOLkltigLL TkiLAMlNLNLLlN Mit«3112 statt. Sektion der Speicherarbeiter und Oetreideträ�er am Mittwoch, den 4. November 1008, abend» 8 Uhr. im Gewerkschaftshause, Engelnfcr IS (ZlrbeitSnachwetSsaal deS Verbandes): ,,, T Branchen» Versammlung.— TagestOrdming: 1.»Die Geschäftoflaue im Berliner Speichereigcwerbe. ihre Ursache und Wirkung aus die Arbeiter dieses Gewerdcv.« Rcserent Kollege A. Uthetz. 2. DiSIussion. 3. tSeschästliches. vetriehsvertrauensieute und kranchenieiter gm Donnerstag, den s. November 1008, abends H'l, Uhr, bei Dräsel, Neue Friedrichstraste 83: Sitzung der Funktionäre. Zutritt zu dieser Sistmig habe» nur Annktioniire der Verwaltung ll. Die Mitglieder werden gebeten, sich an obigen Versamminnge» recht zahlreich durch Besuch VeteUIgen zu mofle»._ YcrwoUnng Iii. I. A.: Albert«thc»!. Nklbkitd dkitlschcr Kkssikicklsehilftti. Bureau: hltnt III. 1174. Kerliu«. Z4, Gr. Hamburger Str. 18/19. Arbeitsnachweis: Amt III, 1813. Ortsverwaltung I Kellner, Köche» Köchinnen» Küfettiers nsnr. Ortsverwalwng 11 Abieilung siir daS Hilfspersonal: Zapfer» Hansdiener, Knpferpuher usw- Ortsverwaltung Abteilung fiir Kierabzieher. II! Die Mitglieder de« Verbandes find mit einer Mitgliedskarte zur Lcgllimalton versehen, die jedes Quartal. erneuert wird. und die Farbe wechselt..._, m Die für oaS laufcnde Onartal gültige Karte lst von weißer Farbe mit schwarzem Rufdruck und liegt dieselbe am nächsten Zahlabend zur Ansicht aus. Gleichzeitig machen wir daraus ausmerlsam. bah der.Verdand deutscher GastivirtSgehilfen» und der .Gastronomische Gehilsenverband» nitlst identisch find._ Der Vorstand. erprobt und bewährt ' Sampen n. Sramier SpirltuS'Zcntralcim Berlin NW. 7, Friedrichstr. 96, gegenüber dem Central-HoteL Orts- Krankenkasse d-S Ml»lttrgeii>erbcs zu Berlin. Hierdurch wird aus Grund deö Z 67 des Statuts bekannt gemacht, daß die Kaffe zurzeit 12 518 Mitglieder hat und nach 6 50 des Statuts daher 1. aus der Zahl der Kassenmitgtirder 125 Vertreter, 2. aus der Zahl der Arbeitgeber 62 Vertreter für die Jahre 1306 und lS10 neu zu wählen sind. Wahlderechtigt und wählbar find nur solche Perionen, welch« gros- jährig und im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte find. Die Wahl der Vertreter der Kassen- Mitglieder findet statt am Sonntag, den 8. November 1908. vormittags von 10—12 Uhr» in den Arminhallrn, Kommandanten- straße 58/59, und die Wahl' der Vertreter der Arbeitgeber ebendaselbst am Montag, den 9. November 1908, abends von 8—9'/, Uhr. Di- Dahl ist geheim. Zutritt zum Wahllolal haben nur solche Arbeitgeber resp. deren Ver- trcier, welche Beiträge an die dies- seitige Kasse zahlen, und nur wähl» berechtigte Mitglieder der genannten Kasse. Diese haben sich durch das bis zum letzten ZahluiigStcranin ab- gestempelte Quitiuiizsbuch sowohl beim Eintritt in das Wahllolal wie zur Ausübung des Wahlrechts am Wahltisch zu legitimieren. Zu diesem Zweck weiden die Serren Arbeitgeber ersucht, den bei ihnen beschäsNgten Kassenmitgliebcrn die Quittungsbllchcr rechtzeitig ordnungSgemätz quittiert auszuhändigen. Di« Kasse ist am Wahltage ge- schlössen. Berlin, den 22. Ottober 1WS. Der Worntand. A. Oaehne, Vorl. E. Simanowski Vors., Lychcncrstrafie 13. icweki, Mullerstratze la. Bekanntmachung der Gemeiim Orls-Mecte siir Hariendorf und Umgegend. Am 9. November d. I., abend» y/a Uhr. findet im Restaurant von i»uraeül«v, zu Jlarlendorf, Chauflerstr. Nr. 301. die Ordentl. General-Versammlung der Kasse statt, zu der die Herren Delegierten hierdurch eingeladen werden. 277/17 Tage»- Ordnung: 1. Neuwahl«tneS Arbrttgeber- und zweier Arbritucluncr- Tele- girrten für den Vorstand zur Wahl- Periode sür lSl>S?-lSll. •>: Wahl ferner Revisoren zur Prüfung der FahreSrechmmg für 1208. 3. Der mit.einigen Aendernngen genehmigte X. Nachtrag zwn Statut. s. Der mit Herr» Dr. Gutsmonn vereinbarte Vertrag sür 1202. 5. Antrag der Aussichtsbchörbe um Rückstellung de» biesseiiigen Antrages. betreffend die Abzweigung der Ort- schalten Buckow, Grog- und Klein- Ziethen von dem diesseitigen Kassen- dezirt. v. Verlegung der Kaffenstunden sür die Werktage aus die Zeit von 8— 2 Uhr. 7. Antrag zur nanicntltchcn Bekannt- gäbe der Arbeitgeber in den Jahres- berichten der Kasse, bei denen die Psändnnzen zu den Forderungen der Kasse sruchllos ausiallen. 8. Antrag der Kasleiibeamten um Gewährung von Beiträgen auS Kassen- Mitteln zur PenstvnS- und Unsall- Versicherung. 0. Die gemeinschastliche Errichtung eines Genesungsheims durch Orts- Krankenkassen der südwestlichen Bor- orte. 10. Verschiedenes. Etwaige slnsragen und Beschwerden oder dergl.. zu denen die Einsichtnabme der Gelchä'lSbücher ersorderlich ist. sind mindestens 3 Tage vorher schristlich einzureichen. Martendorf, den 25. Oktober 1303. Der Vorstand. P. Saedler, Fr. Flicher, Schristiichrer. Borsihcndcr. Orts- Krankenkasse l! Gemätz§ 40 und 50 des Statuts findm am Montag, den 9. November, von nachmittags 5'/, Uhr bis abend» 8 Uhr die Wahlen sämtlicher Dele- gierten zur Gmeraiversammlung statt. Es haben zn wählen die Arbelt- geber 70 und die Arbeitnehmer HO Delegierte. Die Wahlen sür die Kasscnimtglieder finde» im gr,b-n Saale und die Bahlen sür die Arbeit- geber im tleineu Saale der Witwe Wcigek. Türvschmidtstr. 45, statt. Wahlberechtigt und wählbar find nur diejenigen Kassenmitglieder, welche grogjährig und im Lefitz der bürgerlichen Ehrenrechte find und die- jenigcn Arbeitgeber, welche sür erster« Beiträge aus eigenen Mitteln zahlen sowie grostjährig und im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte sind. Als Lcgitimalien gilt sür die Mit- gltcder ihre Mitgliedskarte oder eine Bescheinigung vom Sirbeltgeber. Die Dahl ist geheim. Der- Vorstand. 277,18_ O. John. Cliarlollenbarg, Äcrk Htigienischc Milchwirtschaft Rob. Ansorge. Smvsehle mich zur Lieseruna von Milch frei HauS. Uebernehme Flaschen- mllchltejerung f. Fabriten u. Kantinen. Verein für framn u. Madeben der Arbeiterklasse. Montag, den L November, abends»>,, Uhr. im grosten Saale des Gewerkschaftshausos: VeH-ti-ae: Heit Dr. Illrschberg:»Das deutsche Volkslied«. Flügel von der Finna Ibach.— Gäste willkommen._ 56,7 Zenlralverband d«f Schmiede Zahlstelle Berlin. Bureau: Skalauer Strohe 45. Telephon: Amt la 77Tft Donnerstag, den 5. November, abends«>/, Uhr: Oeffeutliche Uersammliiug ssmtl. Schmie«!« kerlinz iimt See Vororte w dm Müsikcrsalen, Kaiser-Wilhcim-Dtrasic 18 ni, großer Saal. Tages-Ordnung: „Ans der Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung." R-sermt: Netchstag»°bg Genosse Karl Legien.— Diskussion. 17ö,14* Zahlreiches Erich einen der Kollegen erwartet der Einberuser. _ W. Slcrlng, Stralauer Straße 48. Nerbtlnd dnWliltr.Liilliitttt.Aiillrcillser-c. rilial« Derlla. öueeau: Melodlorstr. 28, parterre. Fsrmprecher: Ami IV, 4787. Mittwoch, den 4. November 1908, abends 8'/? Uhr: 8elitjollsverssmmliivg»«• Lackierer in DritfelS Yestfälen, Neue Friedrichstrahe 23. TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen Cie>tn-ni»n« über:„Was habet» die Arbeiter vom Reichstag zu erwarten?" 2. Diskussion. S. Werkstattangelegenheite». 107/12 Die Kollegen werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert.>< KB. Am Dienstaa. den 17. November 1S08. findet im»Alten Tchührnhause". Linienstr. 5, ein -------- �nteriAaitunxs-»�.bend-------- statt. Billetts a 20 Pf. find beim Kassierer sowie bei sämtlichen Vertrauens- leute» zu haben.__ Die Sektloiiwlcltung. Konsumverein fiir Tegel Singewagcne Genossenschaft mit beschräntler Haftpflicht. DienStag. den 10. November, abends 8 Uhr, in Trrbesch'S Fest- fälen, Tegel, Bahnhofstr. 1 1 S Qrdsnlliclie Generalversammlung.% Tagesordnung: 1. GeschäslSbericht und Bericht de» Aussichtsrats. 2. Ge- nehmigung der Bilanz und Entlastung des Vorstandes, v. Gencbnrigiuig des VertcilungSPlancS. 4. Anträge der Verwaltung:#) Acndernng des § 3 der Äpnrocbimng. b) Statutenänderung(Acnderung der ßZ 2, 30, 34, 44, 48, 52 und 53.— Eintritt nur gegen Legitinialtonskarte. 127, IS � � Ter SlnfsichtSrat. W. Grell. 13. H. 3 Hamburg. JVHtgllcdcr-Terfammlungen der Örtlichen Tevtraltangsatellen. Berichtigung! Die Versammlung der BerwallungSstclle vcrlln B. findet am Sonntag, deu 1. November 181,2 vormittags OV* Uhr, im»Vewerkschaftohanse", Eugelufer Nr. 13(Saal 3) statt. Tie Ortsverwaltung. Stukkateure! Fn Uebercinstimnilmz mit der Baupolizei-Derordnung vom 1. 10. 01 und der Uniallvcrhütungs-Verschnste» sür BetrirbSinhaber besagt unser Tarisoertrag Pos. 13 der alkgeineine» Bestimmungen: »TaS Arbeite» bei offen en KokSfcuern ist nicht gestattet «nd find überall vom 1. November ab die Räume mSglichst zugsicher und frostfrci lierzusteUen." Wir ersuchen die Kollegen, überall aus Sinbaltung dieses Punktes z» dringen, uno wo am Montag deswegen nicht gearbeitet werden kann, ist sosorl Meldung nach dem Verbandsburcau zu machen. Die Ortsverwaltung deS ZentralvcrbandeS der 17.1,4 Stnkkatetlre Deutschlands, Fil. Berlin. Kerliaer Zcknsillerei> Lenosseascliatt B. 0. m. b. S. ?Wl»ed«n Narentdalar km,t»»,a»,«>1»» iflK Zwischen Rosmthaler I Tor u. Invalidenstr. ölliUUCUSlI. IOÖ Tor u. InvaIHtenstr. Qegr.i.f ebrnarl806 v. erpjanisiert. SehneidergehüLfon Berlins. und S"." Arbeitern, Parteigenossen Mitbürgern cur Anfertigung elegant«* Herren-iKnaaenganlerolie Großes Lager fertiger Herren-, Knaben- o.Kinder-AnzQge, GreBe Aaswahl in Winter- Palelcls,(Ilsier. Haiiiaiiraiiziigen n. Fant-Westen in allen Größen und Preislagen sowie Arbeiter- Berufskleidung:. Die Iferstellans anserei Fabrikate erfolgt in eigenen BetriebSWerkStättCll unter den von unserer Organisation festgelegten Bedingungen. Lieferanten der Konanm-Gmoasrnwchart lt«rlins n. Fmgcgend, des Kerllner und Cliarlottcnbureei* Koiihuiu- Vercins and des Arbcltcr-Katirahrei-bundes. Tci-lobnngB• Anrelgc. AIS Verlobt« einpsehlen sich Z?? j«I» lt« t t> g L!vt»a?«I Wulf. Rirdors. SESafcISbotf. % öfs � Karl Paal und Frau A <-> silbernen Hochzelttsest die« herzlichsten Gluckivllnlche. H sZsssSHe t (,]' Dem Jubelpaar « (d «s >p. Oie Parteigenossen da* 349. Bezirks. scgse—» iSozialiieinoMelierWalilyereln für den jl.BerlinsrRelelistags-Walilla'els. («SPenicker Viertel.) Bezirl Nr. 210. Teil l. Den Mitgliedern zur Nachricht. \ das unser ü moste, der Maurer Eimsl Golisch (Lvprrnerstr. 30) � gestorben ist. Ehre seinem Andenke»; I Di« Beerdigung findet am I Montag, den 2. November, nach- s mittags 31/. Ufir, von der Leichen- ! alle deS EmmauS-KtrchhofeS in Britz aus statt. Um rege Beteiligung ersucht >222/7 ver Var!«tanS. Zeßtrai-Veriianil der Maurer Beütsclilanils. Zweigverein Berlin. (tzchtlon der Patner. Unteren sowie den Mitgliedern deS Gesangvereins zur Nachricht, dag unser Mitglied Ernst Golisch am 30. Oktober im Alter von ■ü Jahren an Lungenschwindsucht rerstorven ist. Ehre seinem Andenke»; Die Beerdigung findet am Montag, den S. November, nach- mittag» 3'/, Uhr, von der Leichen balle des Smmaus-KirchhoseS, Ziirdorf. H ermannt traße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Jü L SEÄmtrat, BjHtertiD (Ur den M Frankjurter Viertel. Bezirk 381. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genoste, der Maurer Karl Fehland Deberstrasie 29 gestorben ist. 222/8 Ehre seinem Andenken! Die vecrdigtma findet heute .Sonntag, den 1. November, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- k, balle deS AuferstchungS-KirchhoseS s in Weisiensce aus statt. ! Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Zentral-fertanil der Hanrer Dentseblands. Zweigverein Berlin. Zahlstelle JSord-Ost. Den Kollegen zur Nachricht, dasi unser Mitglied Karl FeHland am 29. Oktober verstorben ist. Die Beerdigimg findet am «oimtag, den 1. November, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- hall» des AuserstehungS-Kirchhoses in Weixensee aus statt. Um zahlreicheBeteiligimgersncht U0(2 Der Vorstand. Sbs iSozIaldefflokratiscberVatilverelDl fQr den i Her Reletistags-ffiliM Gorlit-er Viertel« (Bezirk Nr, 2l8. Teil I.) Den Mitgliedern zur Nachricht, dasi unser Genoste, der Arbeiter Ms» Meißner Grilnauerstr. 27, gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Montag, den 2. November, nachmittags 3'/, Uhr. von der Leichen- hall« des Freireligiösen FriedhosS, pavpelallee, aus statt. IUm rege Beteiligung ersucht 222(9_ Der Vorstand. ISozisIöefflokraliscöerWaWyerelD für Friedenau. Dodesanzeige. Am Freitag verstarb unser Mit- glied, der Gastwirt fgul liegest jun. Shre seinem Andenkenl Die Beerdigung findet am Montag, den 2. November, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Friedenauer Friedhofes saus statt. Ilm rege Beteiligung ersucht > 203/10 Der Vorstand. Zentralverband der Töpfer Deutschlands Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dasi unser Mitglied, der Kollege Hermann Schreiber (Bezirl ZS-dding) im Alter von 38 Jahren, am LS. Oktober verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Montag, den 2. November, nach- iniltaaS 4 Uhr. von der Leichen- balle deS NazarelhkttchhoseS, Gee- strasie, aus statt. 193/10 Der Vorstand. Am 30, Oktober verstarb mein guter Mann, der Droschkenkutscher KemM Kretschmer im 54. Lebensjahre. 25676 Die Beerdigung findet Montag nachmittaa 2 Uhr von der Leichen- Halle de« Moabtter Krankenhauses, Birtenstrab«, aus aus dem HeilandSkirchbose statt. Witwe Kretschmer. Dodesanr.eige. Nach langem schwerem Leiden entschlies am Freitag, d-n 30. Ok- tobcr 1908, meine liebe Frau. unsere gute Mutter 2S74b Frida WenzeS geb. Schneider. Um stille Teilnahme bitten vi« tnuiorndon Hinterbliebenen. Cicorg Wcnscl. Berlin SO. 26, Naunhnstr. 6Sa. Die Beerdigung findet am Montag, den 2. November, nach. mittags VI, Uhr, von der Leichen- Halle deS ThomaSkirchhofe», Rix- dorf. Hermannltrasic. aus statt. dal Dodes-Annelge. fierdurch die ttaurige Nachricht, i meine liebe Frau Kvg«8le 8tein!eKe geb. Dreadel am Freitag verstorben ist. Die Beerdigung findet Montag. den 2. November, nachm. 3 Uhr, von der Halle de« neuen Luisen- Kirchhofes am Fürstenbrunner Weg ans statt. 48972 Ter trauernde Gatte nebst Elter» und Geschwistern, Schwager u. Schwägerin. Danksagung. Für die vielen Deweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und Vaters jagen wir allen Verwandten und Bekannten, be- sonders aber den Kollegen der Finna Eckert und den Mitgliedern des Rauch- NubS.Weichsclbialt" unseren herz- ttchsten Dank, 2581b Witwe Karle Keaeh _ nebst Tochter._ Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meine» Mannes sage allen Freunden, dem Aahloerein Rirdors und dem Deutschen Metallarbeiter- verband meinen herzlichen Dank. Lmma Rietzel nebst Kindern._ Dr. Simmel Speziai- Haut- und Arzt fSr Haut- und Harnleiden. Prlnzens(r.4l,,t".. 10—2, 5—7. Sonntags 10—12. 2—4. Dr. SchUnemann Svezial-Arzi für 450311* Bant- and Harnleiden, Fraaenkrankheltpn. Frledrlchstr. 203, Ecke Schuvenstr. 10-*. 5-7, Achtung! 2. NMag Achtung; zur großen Liste der beivilligten Bäckereien Berlins und Umgegend vom 4. Oktober 1908. Neu HInzulommende Torisbäckereien oder solche, die durchbrochen hatten und dann wieder neu bewilligen, werden jetzt in den lnnfenden Nachträgen nur noch je einmal veröffentlicht, also bittm wir, diese Nachtrage sorgfältig aufzubewahren. Solche Bäckereien sind seit dem Nachtrag vom tt. 10. folgende: * Reue Hochstr. 18, SS cd, Genvss.» Bäckerei. Petersburger Str. 66. Peter, + Pianuscr 33, Bert. 05» nosj.-BZckerei. Rcvaler Str. 14, Reich. Rhckestr. 51, Reichert. Stargarder Str. 63, Stall. TIstiter slr. 26, Gesiner. Weidenweg 37, Hamann. Wilhelm-Stolzc-Str. 32, Brenner. Schulzendviler Strasie 23, Barth. Blxderr. Bekgstr. 84, Terstegen. Maricndarser Weg 1, Freudenreich. Wetchselftr. 3, NabatoivSki. Tcupitzer Str 12. Schmidt. Sehvneherg. KhfiHäuser-Str. 2, Paul. * Diese Bäckereien waren w der großen Liste verstfimmelt wiedergegeben. Tarifbrnchige Bäckereien. Bornholmer Str. l4, Burger. ESmarchstr. 23. Reichert. » lScrichtstr. 23, Bert. Genoss.-Bückerci (Zentrale). Gubener Str. 42, Gillard. Guinca-Str. I, Mindt. Körlitzer Str. 36, Beckmann. IabloiiSltstr. 21, Höhne, Kopenhagener Str. 11, Ehling. Kuglerstr. 4, Dohrmann. Malmöcr Str. 6, Wielgosi. UOpenletr. Grünauer Stt. 8, Peter. , 27, Krämer. Augufte-Viltoria-Str. 23, Ulrich. ParisluSstr. tl, Klünner. Rosenstr. 2, Kämpf. Adolsstr. 21, Frankenstein. Gr. Frankfurter Str. 38, Hanke. Guinea- Str. 35, Hanke. Huisitenstr. 5, Friedrich. Koloniestt. 34. Much«. Skorsörer Str. 2, Piüller. Kleine MarluSstr. t, Widerstch. Langestratze, Fr. Hanke.(Am 1. 11. eröffnet.) Memclcr Str. 11, Helfer. Boxhagcn. Neue Bahnhofstr. 27, Hanisch. KOpenlcb. Gllcnlcker Str. 29, Hackelberg. l-lchtcnbcrg. Gürtelstr. U, Bienert. Alcdcr-SehOnhanscn. Beuthstr. 1t, Kiügerke. Buchholzer Str. s, Richter. Steglit«. Macckftelnstt. 1. Fischer. Schlotzstr. 116(ist zu). MuSkauer Sir. 6. Kzwtan. „„ 13. Lattemann Nchflg. Nazarethkirchstr. 39, Tchittlow. Pallsadenstr. 2, Hanke. Pankslr. 74, Frankenstetn. Prenzlauer Sillee 86. Räuber. Ramlerstr. 34, Dehme». Schiveibciiier strasie 18, WM. Webedlr. 25, Hanke. Tegeler Str. 11. Lenzner. Relnlehendor?. JustuSstr. 29, Ocdcl Nächst. HIxdort. Elbestr. 13, Seifert. Bcdlnerstr. 16/17. Schlbgill. Jsarstr. 7. Zech Nächst. Ziethens ttrirori stt. 41 (HaiiSlotrt). Htz'ekSensee. Frieseckestr. 23. Thiele. LanghanSstr. 75, Räuber. 'z�illlgstewsMlIe� xeckisKener VrsuergkirSLt'gde , in s Mektmanns! Trauermag/azin ISerlin W., Mohronslr. 37a g Berlin NO. Gr. Franlcf. Str. 1 15| Empfehlen den Genossen unser j Sai gtnagazin fieerdigungsinstltnt „Solidi» H. Fischer& KreutzbergerJ Bixdorf, Pflügerftr�ste 70.! Ecke�edeM�AmNllttdu�etz��i Grts-Krattkeycknsse der Kürschner und verivandten Gewerbe zu Berlin. Bekanutmschnng. Der von der Generaloermmuilung mn 23. Av-U IS>i» beschlostenen Sin- reihung tünttlicher Abänderungen in ose betreffenden Paragravhen des revidierten Statuts ist seikenZ des DezirkSauischufieS am 19. September 1906 die Genehmigung erteilt. Dnickerewu/lare werden von Montag, den 2. November 1903 ab gemäsi tj 67 des Statuts an die 2'titglieder verabjolgt werden. Berlin, den 3t. Oktober 1908. Ter Borstand. O. Prltse, Vorsitzender. FMöbel Hessin! C. Rosemha'er Straße 3.4 Stadfbahnhof Börse{ Oorwärisletcrnn 5 erhalten n„ bei Kailaiiauf n. 75.-.-9 Schönste Sochwald- parzelleu am$ und Land Bahnhos* Aus vielfache Anfrage« teilen wir mit. dasi die Bäckerei von ffr.»»nies. Ufrcchtct Str. 15, nicht als bewilligt gilt, sondern im Gegenteil solch Ansinnen in schroffster Form zurückweist. Desgleichen ist die Bäckeret von vlssssn, AnNamer Str. 36, nicht al» bewilligt zu bewachten. Iliiitnpofcn! �ßiiüftmien! Arbciler! Nliterßiiht iinil) wie mr die um ihre MtiislliclircAtllWiiftiibensiSlknsestlltll! 2572b Der Vertranensmaun der Kacker Kniitts und Zlmgtgtnd. Keiner marktschreierischen Reklame, keinen wertlosen Zugaben, ■ sondern e.nzig und allein seiner Oute verdankt Dr. Lohmann*s j UNI (wäscht selber fix und fertig) | seine ßeliebtheit bei allen Hausfrauen.! m. h. M.. Soliitwelierg. j Hitppcner A 4 Sadowa an der Strasie«ach Biröborf, 7 Minuten ab Bahnböf beainncnd, lH Ru 10 Mark Döring in Neu- Sad-'wa und Restaurant Götze, LttmlSdorf. Miesclialke& Hitsche Berlin NO, Neue Königstrasie 16. Heinrich Franck Berlin. Bi-anncnstr. 1S5 Suraalra- ganz hell. unter N/, Pfd. deck., fiotUr schnseweiSer Brand m* 2,90 verz.* GeschäftsschluB 7 Uhr. Billige Rohtabake." Max Jjicohy, Strelitzerstr. 82. W. Hermann Müiier,| Berlin, Magazinstr. 14. (Samatra Decbe Kr. 0198 a 1,70 M. verzollt. |Java-Siinintra TV r. Ol 93 a 2,50 M. verzollt. 41Ub25 �Vollblätt-r mit guten Farben undI ffeinem Brande. 270/3* Pradithlnderwagen verdeck- sich selbsttätig auf- u. nieoerbewegeltd, erhalt. Sie elegant zum Fabrifpreise. 10 proz. Uabatt otrekt von d. Ziinderwagenfabrik Zul. Itctdar in Grimma 134 Epochemacfiende Erfindung! Vollkommenster orthopädischer lApparat für Erwachsene und Kinder! Bei KiicHflrat' Vcrkriimmunfl Unsymmetrio der Schulterblätter u. 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Zahrgang. 4. ßfildjc des.HwSrls" Knlim WWM. Sonntag, l. Nontlnber IM. Partei- Angelegenheiten. Zur Lokalliste. In Groß-Lichterfclde, stehen uns folgende Lokale neu zur Verfügung:„Gesell schastShaus", Inhaber Friedr. Wahrendorf, Bälestratze 22, und das Lokal von Ernst Richter, Chausfeestraße 104. Die Lokalkommisston. Zweiter Wahlkreis. Dienstag, den 3. November, abends Z'/z Uhr, bei Habel, Bergmamistraste ö/7: Versammlung. Vortrag der Genossin Wurm über„Die Frau und der Sozialismus". Der Vortrag ist ganz besonders für die Frauen interessant. Sonnabend, den 7. November, abends 8'/z Uhr, bei Kliem, Hasenheide 13/lS: Unterhaltungsabend, be- stehend aus Konzert, Gesang, humoristischen Vorträgen, unter Mir Wirkung des Gesangvereins„Kreuzberger Harmonie" und de? be- liebten„Vertiner Ulk-Trio". Eintrittspreis inkl. Tanz 30 Pfennig. BilleltS sind bei den Abteilungs- und BczirkSsührern. sowie in den Parteispeditioncn zu haben._ Der Borstand. Dritter Wahlkreis. Heute Sonntag, abends ßl/3 Uhr. findet im Gewertschaftshause. Engelufer 1ö tgroster Saal), eine Versammlung für Männer und Frauen statt. Genosse Emil D i t t m e r spricht über:„Darwinismus".— Nach der Ver- sammlnng: Gemütliches Beisammensein. Entree inklusive Garderobe 20 Pf. Tanz frei. Rixdorf. Die Mitglieder de-Z Wahlvereins, insbesondere aber die Frauen, werden darauf aufmerksam gemacht, dah die ständige Monatsversanimlnng der Frauen in: November, nicht am Mittwoch, den 4., sondern Umstände halber erst am Freitag, den 6. November, stattfinden kann.— Da Handzettel dieses mal rncht zur Verbreitung gelangen, ist es notwendig, auf das Inserat am Dienstag zu achten. Der Vorstand. Groß- Lichterfelde. Die Versammlung deS sozialdemokratischen Wahlvereins findet morgen Montag, den 2. November, abends 3 Uhr, im Saale des„Gesellschastshaiises", Baekcstr. 22 (Inhaber Fr. Wahrendorff statt. Tagesordnung:„Die Ziele und Aufgaben der Sozialdemokratie". Referent: Genosse D e» tz e r. Diskussion. Wahlen zum Vorstände. Vereins- angelegeiihcilen. Die Frauen werden auf diese Versammlung be- sonders hingewiesen. Der Vorstand. Lankwitz. Donnerstag, den 6. November, abends 3 Uhr, findet im Lokal Brauert, Maricnfelder Straste, eine östentlichc Versamm- lung statt, in der Reichstagsabgeordneter Fritz Zubeil über die Kriegshetze spricht. Wilmrrödorf-Halensee. Am Dienstag, den 3. November, abends L'/z Uhr, findet im„Luisenpark" die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Die Stadtverordneten- wähl. 2. BereinLangelegenheiten. 3. Verschiedenes.— Mitglieds- buch legitimiert. Der Borsland. Treptow-Baumschiilentveg Am Dienstag, den 3. November er., abends 3'/, Uhr, findet im Lokale„Zur Rennbahn" die monatliche Mitgliederversammlung für den OrtSleil Treptow statt. Tages- ordnung: 1. Vortrag deS Gcnoss.n Hast über:„Soziale Kämpfe im Mittelalter". 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Der Vorstand. KarlShorst. Dienstag, den 3. November, abends 8Vs Uhr, WahlvereiusversamitUuiig bei Fr. Bartels im Fürstenbad. Vortrag über die politische Lage. Der Vorstand. WilhelwSruh-Nicdrr-Schönhausen-Wcst. Dienstag, den 3. No- vcmbcr, abends 8 Uhr. im Lokal von Barth, Vikloriastrasze 7, Mit- gliederversqinmlung. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Partcitagsprotokolle 1908 kommen in dieser Ver- sammlung zur Ausgabe. Um rege Benittznug unserer Bibliothek wird ersucht. Der Vorstand. Sdandau. Heute(Sonntag), nachmittags 4 Uhr, findet im .Volksgarten", Halenfelde, eine große Versammlung mit nach- folgender Untcrha.inng und Tanz statt. Die Genossin Kiesel. Berlin, referiert über„WaS verlangt der Staat von unseren Frauen". Potsdam. Die G e n c r a l v e r f a m m l u n g des Wahlvereins findet am Mittwoch, 4. Noveniber, abends Si/3 Uhr, bei Ladenidin, Kaiser-Wilhelm-Strabe, statt. Tagesordnung: Wahl des Vorstandes und sämtlicher Konunissionen. Der Vorstand. Lerliner JSachrichten. Verband sozialdemokratischer Wahlvcreinc Berlins und Umgegend. Die beiden VortragL-Zyklen über die„Geschichte der französische» Revolution"(Lortragender: Ge- nasse Dr. o n ra d y) beginnen am Montag, den 2. November, in den Germania-Pracht- Sälen, Chanssecftr. 110; am Freitag, den 6. November, in Kellers Festsälen, Koppcnstr. 29, bt Uhr abends. Das Programm lautet: 1. Die Vorgeschichte der französischen Revolution. 2. Die Zeit der Konstituante. 3. Der Konflikt mit dem Ausland und die Entstehung der Republik. 4. Die Konventszeit bis zum 9. Thermidor. 5. Vom Tode RobespierreS bis zur Babeufjchen Verschwörung. ö. Die letzten Jahre des Direktoriums, der Staatsstreich und das Konsulat. Der Preis dcö Billetts ist auf 60 Pf., für alle 6 Abende lauteud, festgesetzt und sind Eintrittskarten beim Beginn in den betreffenden Lokalen durch die Abteilungs- resp. Bezirks- führer zu erlangen. _ Der Zentralvorstand. Ter Achtuhr-Ladenschlust tritt mit dcnt heutigen ersten November in Kraft. Ta der heutige Tag ein Sonntag ist, wird der frühere Ladenschluß erst am morgigen Abend seine praktische Wirkung ausüben. Mit Sehnsucht warten Tausende von Geschäftsinhabern Und Zehntausendc von Ladcnangestcllten auf den Zeitpunkt, da sie eine Stunde früher die Verkaufsräume verlassen und diese so gewonnene Stunde in ihrem persönlichen Interesse ver- wenden können. Wir gönnen ihnen die Verkürzung ihrer langen Arbeitszeit aufrichtig. Es wird sich bald herausstellen, daß auch diejenigen Inhaber offener Geschäfte, die in Ver- kennung der tatsächlichen Verhältnisse sich nicht für den Acht- uhrschluß erwärmen konnten, die aber, wie die erfolgte Ab- stiminung bewiesen hat, in der Minorität bliebe», bald die Wohltat dec. srnhcrcn Ladenschlusses am eigenen Leibe spüren werden. Sie werden bald erkennen, daß bei einem all- gemeinen Ladenschluß, wie ihn vcrständigerweise der Polizei- Präsident angeordnet hat, sich lediglich die Zeit des Einkaufs verschiebt. Und das kaufende Publikum wird sich sehr bald in die neuen Verhältnisse schicken. Gewiß wird manche Hans- frau die ersten Tage infolge Vergeßlichkeit manche Unan- nchmlichkeiten haben, genau so. wie das bei Einführung des Neunuhr-Ladenschlusses der Fall war, aber auch sie wird sich sehr bald merken, daß nach 8 Uhr nichts mehr zu kaufen ist und wird sich früher einrichten. Große Geschäfte haben schon seit mehreren Tagen große Plakate an den Schaufenstern, in denen auf den Achtuhr-Ladenschluß aufmerksam gemacht wird. Zu besonderen Betrachtungen geben die an den Schaufenstern der großen Zigarrengeschäfte von Loeser u. Wolff befindlichen Ankündigungen Anlaß. Dieselben erwecken den Eindruck, als ob diese Firma mit ihren zahlreichen Filialen den Achtuhr- Ladenschluß mit Freuden begrüßt. Dem ist aber nicht so: im Gegenteil. Tie großen Zigarrensirmcn arbeiten mrt allen Mitteln dahin, auch jetzt noch die wohltätige Maßnahme des Polizeipräsidenten für ihre Geschäfte bezw. ibre An- gestellten illusorisch zu machen, indem sie gegen die polizeiliche Anordnung Sturm laufen. Und da sollten die übrigen Zigarrenhändler nicht ruhig zusehen: sie sollten ihrerseits mit Eingaben an die zuständigen Instanzen, sei es Polizei- Präsident, Oberpräsident bezw. Minister herangehen und darauf hinwirken, unter keinen Umständen Ausnahmen zu- zulassen, von denen sie von ihrem geschäftlichen Standpunkt aus nur Schaden haben, denn die an allen belebteren Straßen- ecken befindlichen Filialen der großen Geschäfte sind ja ihre schliminsten Konkurrenten. Hoffen wir, daß es nicht gelingen wird, den Achtuhr- Ladenschluß zu durchbrechen: ein wirklicher Achtuhrschluß muß ohne jede Ausnahme erfolgen, so, wie ihn der für das Er- werbsleben Verständnis zeigende Berliner Polizeipräsident erlassen hat._ f Ein MagistratSbcamtcr als Sittlichkeitsverbrecher. Vor etlichen Wochen berichteten wir über einen Prozeß, der gegen einen Magistratsbureauassistenten Karl Neu- mann unter Ausschluß der Ocffentlichkeit verhandelt wurde. Neu- mann, der bisher beim Berliner Magistrat beschäftigt war und zuletzt im Hause Müller st raße 1S9a wohnte, wurde zu einem Jahre Gefängnis verurteilt wegen eines SiltlichkeitsverbrechenS, das er gegen ein noch schulpflichtiges Mädchen verübt hatte. Nun hat man uns inzwischen mitgeteilt, daß schon im Jahre 1905 gegen einen Karl Neumann, der gleichfalls beim Berliner Magistrat beschäftigt war und den Titel eines Bureauassistenten hatte, die Beschuldigung erhoben worden sei, er habe sich an einem noch schul- Pflichtigen Kinde vergangen. Magistratsbureauassistenten mit dem Namen Neumann gibt es in Berlin in erheblicher Zahl, cS wird aber behauptet, daß es sich hier um eine und dieselbe Person handle. Der Magistratsbureauassistent Neumann von 1905 wohnte im Hause Prinzenallee 36, und in seinem Amt war er der Schuldeputation zugeteilt. Die Beschuldigung, die damals gegen ihn erhoben ivurde, ist so eigenartig, daß wir aus diesem Grunde aus die Angelegenheit, von der wir leider erst jetzt Kenntnis erhalten, noch eingehen müssen. In der Wohnung eines Mannes, dessen dreizehnjähriges Mädchen die' Schule versäumt hatte, war eines Tages ein Fremder erschienen, der dem Mädchen in Abtvcscn- heit des Baters sich als„Schularzt" bezeichnete und es nötigte, sich von ihm untersuchen zu lassen, damit festgestellt ivcrde, ob die Schulversäumnisse begründet seien. Der Vater, dem das Mädchen hinterher von den Manipulationen des„Schularztes" Mit- teiluug machte, ging zum Reltor, um sich zu beschweren, und erfuhr nun. daß gar kein Schularzt Auftrag erhalten habe, eine Untersuchung vorzunehmen. Daraufhin erstattete der Vater Anzeige bei der Kriminalpolizei. Einige Tage später gelangte an ihn— so schildert er den weiteren Verlauf der Angelegenheit— vom Aathause aus eine Zuschrift, durch die er benachrichtigt wurde. daß die Schulversäumnisstrafe niedergeschlagen worden sei. Da er selber sich nicht erinnerte, gegen die ihm drohende Strafe Widerspruch erhoben zu haben, so wurde er stutzig und glaubte auch diesen Umstand der Kriminal- polizci melden zu sollen. Nach einiger Zeit führten dann die an- gestellten Ermittelungen dazu, daß das Mädchen mit dem bei der Schuldeputation beschäftigten Magistrats- bureauassistenten Neu mann konfrontiert wurde und nunmehr bezeichnete eS diesen als den Mann, der den Schularzt" gespielt habe. Neumgnn wurde in Hast genommen, doch gab man ihn schon sehr bald wieder frei. Es scheint, daß kein Anlaß gefunden wurde. Anklage gegen ihn zu erheben. Das Verfahren wurde eingestellt und dem Vater wurde schließlich von der Polizei zu verstehen gegeben, er möge sich nur hüten, die Sache weiter zu erzählen. sonst könne er noch böse anlaufen. Nebenbei bemerkt: auch über dies e n Neumann erzählt man, ebenso wie über den im Jahre 1908 angeklagte» Neumann, er sei früher riminalschutzmanu gewesen und habe als solcher die Anzeigen von Sitllichkeitsverbrechen zu bearbeiten gc- habt. Beide Neumann sollen ja, wie schon gesagt, eine und dieselbe Person sein. Der im Jahre 1905 freigelassene Magistratsbureauassistent Neumann galt der Kriminalpolizei als unschuldig und vermutlich auch dem Magistrat, der doch wohl von dem eingeleiteten Verfahren Kenntnis er- halten haben wird. Aber in der Prinzcnallee wurde dem Herrn Magiftratsburcauassistenten von da an der Spitzname„Schul- arzt" beigelegt. Er zog dann von dort weg und wurde übrigens auch von der Schuldeputation an die Krankenhausverwaltung ab- gegeben und dem Virchow-KrankenhauS als Bureauäsfistent zu- geteilt. Wenn die Vorgänge sich damals wirklich so abgespielt haben. wie sie jetzt aus Anlaß der kürzlich erfolgten Verurteilung des Magiftratsburcauassistenten Reumann mnhererzählt werden. so muß man fragen, was denn der Magistrat im Jahre 19 05 getan hat. um diese höchst sonderbare An- gelegenheit aufzuklären. Wir meinen, daß sie nicht nur die Kriminalpolizei interessieren konnte, sondern auch bei dem Magistrat den Wunsch rege machen mußte, eine völlige Aufklärung herbeizuführen._ DaS Berliner GrwerkschastShauS ist durch eine Notstandsstiftung in den Stand gesetzt worden, in der Zeit vom 1. November d. I. bis 81. März 1909, also während einer Zeit, in der die Krise sich besonders fühlbar machen wird, die Preise pro Bett für Wandernde um 15 Pf. herabzusetzen, so daß während dieser Zeit statt 45, 55 und 65 Pf. 30, 40 lind 50 Pf. pro Bett zu zahlen sind. Soweit von den Gewerkschaften Schlaftarten ausgegeben werden, sollen die ersparten 15 Pfennige den Nebernachtendcn in Form eines Speise- bons zu gute kommen. Die Mitgliederversammlung der Zentral-Kranktn- und Sterbe- lasse der Tischler(E. H. 3 Hainburgl Berlin B, die im gestrigen Inseratenteil mit angezeigt ist, sinder heute vormittag 9'/3 Uhr im Gewerkschastshause, Saal 3, statt und nicht, wie irr- tümlich gesetzt, abends. Vom städtischen Obdach brachte jüngst das„Berliner Tageblatt" in seiner Wocheiibeilage„Frauen-Rundschau" einen merkwürdigen Artikel, der eine fast leichtfertige Nnkenntnis der Einrichtungen des Obdachs verriet. Kenner der Verhältnisse mußten sich über diese falsche Darstellung umsomehr toundern, als dasselbe Blatt im vorigen Frühjahr aus der Feder Hermann Heijermans über die Berliner städtischen Asylzustände eine Schilderung veröffentlichte, die peinliches Aufsehen erregte und vom Magistratstische eine heftige Abwehr erfuhr. Damals konnte die sehr abfällige Kritik des be- kannten holländischen Schriftstellers, welcher persönlich unerkannt sin Obdach genächtigt hatte, in der Hauptsache nicht widerlegt werden. Mit Vergnügen haut daher Oberinspektor Jäckel vom städtischen Obdach in die jetzt entstandene Kerbe. Nachdem er in einer langen Entgegnung erklärt hat, daß schivangere Frauen und Mädchen hier nicht, wie behauptet, bloß drei Tage, sondern Wochen und Monate verpflegt, ja sogar mitten in der Nacht ausgenommen werden, kommt er zu folgendem uns besonders interessierenden Schluß: „Ich weiß mich mit vielen Fackleuten und einer großen Zahl meiner Mitbürger, die alle das Obdach aus eigener Wrssenschafi kennen, darin ei»S, daß sich B e r l i n mit s c i n c n E i n r i ch- tun gen im Obdach nicht zu ver st ecken braucht. Mit Genugtuung können wir verzeichnen, daß viele von denen, die sin Obdach Unterkunft, Rat und Hilfe fanden, mit Dank und An- erkeimung sich ihres Aufenthaltes daselbst erinnern." DaS hört sich genau so an, als ob ein Vater in sein Kind auch dann noch vernarrt ist, wenn es die allerdümmsten Streiche macht. Mt den„Fachleuten und Mitbürgern, die daS Obdach aus eigener Wissenschaft kennen", können doch nur solche gemeint sei», denen man Potemkinsche Kulissen gezeigt hat. Wahrscheinlich hat Herr Jäckel auch nur die Einrichtungen des übrigens auch keineswegs völlig einwandfreien— Familienobdachs für Frauen genieint. Die Verhältnisse im allgemeinen Nachtasyl zu lobhudeln, dazu gehört ein ganz besonderer Geschmack. Sind denn die berüchtigten Fischbeckschen Gummiknüppel schon sämtlich an das Märkische Museum abgeliefert, Herr Oberinspektor? Wir haben noch nichts gehört von der Auf- Hebung dieser mittelalterlichen Einrichtung erhabenen stadträtlichen „Geistes". Tie Vereidigung der Rekruten der Garnisonen von Berlin fand gestern, wie üblich, im Lustgarten statt. Der Kaiser hielt eine An- spraclx. Vor Eröffnung des Aktes wurde bemerkt, daß Soldaten damit beschäftigit waren, die für die kirchliche Weihe herangeschafften Gegenstände, wie Leuchter und Kruzifix erst durch Putzen in einen „dem Akt würdigen" Zustand zu versetzen. Ist denn das alles Talmi? Bom Kuratorium der Unfallstationen wird uns mitgeteilt, daß die von uns gestern gerügte Nichtbeleuchtuna der zu der Unfall- station am Mariannenufer führenden Treppe beseitigt werden wird: von gestern ab ist die Wiederbeleuchtung der Treppe angeordnet. Die Lehrer und die Besoldungsvorlage. Der Berliner Lehrerverein nahm am letzten Freitag zum Lchrerbesoldungsgesetz Stellung. Weit über 1000 Lehrer füllten den Saal des VcreinshauscS. Abgeordnete aller Fraktionen waren zu der Versammlung eingeladen worden. Er- schienen waren die Herren Dr. Schepp(frs. Vp.) und Borg- mann(Soz.j. Herr Lehrer Menzel wies in seinem Referate auf die Spannung hin, mit der diese Vorlage erwartet morden ist. Dazu habe nickt zuletzt die Geheimhaltung des seit 3 Monaten fer- tigen Entwurfs beigetragen, wodurch der Eindruck erweckt werden mußte, daß die Regierung die Kritik fürchte. Nach Annahme des SchulunterhaltungsgcsetzeS, so führte der Redner weiter aus, sollte angeblich die Entwickclung der Lehrerbesoldung mit Riesenschritten vorwärts gehen. Nun man den Bau bewundern kann, hat sich der Lehrerschaft eine begreifliche Erregung bemächtigt, weil man durch die gesetzlich je st gelegte Gehaltsbrem sc die EntWickelung der Lehrcrbesoldung h e in men w i l l. Wer behauptet, daß die Grundgehälter(1350 M.) eine Erhöhung um 50 Proz. erfahren, der vergißt, daß im Jahre 1906 die Grund- gehälter der ersten und allcinstebenden Lehrer aus 1100 und die der übrigen aus den fürstlichen Mindestsatz von 1000 M. gebracht worden sind. Die Begründung der Vorlage klagt bitter darüber, daß einzelne Gemeinden die Regierung durch Gehaltserhöhungen zwingen, die Gehälter auch in anderen Orten zu erhöhen. Diese Gemeinden verderben offenbar dem Staat die Preise. Tie sächsische Regierung findet das der EntWickelung der Schule fördcr- lich; in Preußen verbietet man solch frevles Beginnen. Durch Vergleiche mit anderen Bcamtcngruppen weist der Redner nach, wie gering der preußische Staat die Arbeit der Lehrer einschätzt. Die Ortszulagen sind völlig mechanisch verteilt, so daß die Vorlage für zahlreiche Städte geradezu eine Verringerung der Gehälter bringt. Während der vierte preußische Lehrertag Gleichstellung mit den Sekretären der allgemeinen Staatsverwaltung forderte, ver- g r ö ß e r t die Vorlage den Abstand zwischen diesen und den Leh- rern. Sie stellt die Lehrer in eine Linie mit diesen Beamten in der Anrechnung nur eines Durchschnittssabes der Mietscntschädi- gung zur Pensionierung, also dort, wo sie Schaden haben, unter Umständen eine Einbuße an Pension von 150 M. Lei der Auf- bringung der Mittel will man den agrarischen Osten schonen, ob- wohl diese Aufwendungen des platten Landes in fünf Jahren nur um ganze 57 Ps. gestiegen sind. Die Höchstgehälter werden nach 31 Tiensljahren viel zu spät erreicht, und da die SterblichkeitSziffer der Volksschullehrcr eine hohe ist. bekommen es recht wenige. Der Lehrermangel wird durch ein sojches Gesetz nicht beseitigt. Man kann auch nicht einmal annehmen, daß die Vorlage diesem Zwecke dienen soll, da die Regierung den ursächlichen Zusammenhang zwischen Besoldung und Lehrcrmangel bestreitet. Die Vorlage bringt eine in Anbetracht der Lebensmittelpreise geringe Aufbessc- rung, beseitigt die Hoffnung aus ein Weiterkommen und greift das an, was die Lehrer bereit» haben. Die Lehrer können nicht wünschen, daß die Vorlage in dieser Form Gesetz wird. In der Debatte wandte man sich besonders gegen die Gehalts- bremse sowie gegen die Erledigung der Deckungssrage durch in- direkte Steuern, wodurch ein Teil der geringen Gehaltserhöhung lediglich zu einem Durchgangsposten im Lchrerhaushalt werden würde. Einstimmig wurden die im Sinne des Referats achaltcncn Leitsätze angenommen._ Die EintüchenhauS Gesellschaft der Berliner Bororte m. b. H. teilt uns mit, daß sie nicht identisch ist mit der„Zentrale für Ein- küchenhäuser", die in der Kuno-Fischer-Straße am Lietzensee unter den von uns gerügten Umständen baut. ' TaS'Preisgericht zur Entscheidung icher die Znerkcimung der Preise in der vom Berliner Verein für Lnftschisfnhrt als Bevoll- mächtigter des deutschen Luftschiffervcrbandrs am II. Oktober vcr- anstaltet.m diesjährigen B a I l o n lo c t t f a h r t um den Gordon Bennet-Preis der Lüfte ist gestern zusammengetreten. Der erste Preis wurde zuerkannt dem schweizerischen Ballon„Hclvctia" (Führer: Generalftabsoberst Schacck), der zweite Preis dem eng- lischcn Ballon...Banshec"(Führer: Dünville), der dritte. Preis dem belgischen Ballon„Belgica"(Führer: GcerlS). lieber zwei Schmeiiiediebstnhlc wird uns bericbtct: Dem Sckilawicrmeiftcr Zwanzig, Tanzigcr Str. 35, wurden vom Zentral- Viehhof sechs halve Schweine fortgestohlen. Der oder die Diebe haben sich icdenfalls den Anschein von Echlächtcrgeselleu gegeben, denn als solche war es nicht schwer sür jic, den Diebstahl zu be- werkstclligcn.— Ein ganzes Fuhrwerk mit zehn halben Schweinen wurde dem Schlächtermeister Bader aus RummelSburg entwendet. Das Fuhrwerk hatte in der Memeler Straße angehalten und tväh- rcnd sich der Kutscher für einen kurzen Augenblick in einem Restaurant aufhielt, stieg ein dreister Wagenmarder auk den Bock, trieb die Pferde an und fuhr mit dem Wagen davon. Zu dem Ehedrama im Untcrgrundbahnzuge, wo, wie wir be- richteten, der Buchhalter Mcnza sich und feine Frau zu erschießen versuchte, wird uns mitgeteilt, daß in dem Befinden der Frau M. eine Besierung eingetreten ist. Man hofft nunmehr, die Schwer- verletzte am Leben zp erhalten. Auch bei dem Ehemann ist eine kleine Besserung eingetreten. Er liegt als Polizeigefangener im Krankenhaus Westend und wird sich, falls er wieder völlig her- gestellt wird, wegen Gattenmordversuchs vor dem Strafrichter zu verantworten haben. Luftartillcrie. Interessante Neuerungen wurden gestern vormittag durch das Berliner Luftschifferbataillon in Gegenwart zahlreicher Offiziere auf dem Tegeler Schießplatz erprobt. Von der Gondel eines Drachenbataillons wurden Handgranaten, die zwar ungeladen, oder mit automatischer Zündung versehen waren, auf die Erde ge- warfen. Der Drachenballon Ivurde um 10 Uhr nach dem Schieß- platz geführt und stieg dort mit einem Offizier in der Gondel zu- nächst in eine Höhe von 100 Meter auf. Aus dieser Höhe Ivarf der Offizier, nachdem der Platz in weitem Umkreis abgesperrt worden war, nacheinander zwei Granaten, die mit Fähnchen versehen waren, nach einem bestimmten Ziel, wo sie mit leichtcin Knall auf- schlugen. Nachdem das Ergebnis des Wurfes festgestellt worden und der inzwischen gelandete Ballon wieder in die halbe Höhe auf- gestiegen war, wurden zunächst ein Fallschirm und dann abermals zlvci Granaten geworfen. Dann stieg der Drachenballon bis zur Höhe von 250 Meter, von wo aus wiederum zwei Granaten zur Erde geschleudert wurden. Bei diesen Versuchen wurde die Flug- bahn der Granaten jedesmal photographicrt. Tie Experimente sollen in nächster Zeit auch vom lenkbaren Luftschiff unternommen und dann mit geladenen Granaten fortgesetzt werden. Ein Betriebsunfall ereignete sich gestern nacht l'/a Uhr im Dainpfmaschinenrauin der ,, Berliner Morgenpost". Dort platzte an einer Dampfmaschine ein Arrschlußdeckel. Durch die umherfliegenden Stücke erlitt der Maschinist G u t s ch e einen komplizierten Obcr- schenkelbrnch, wahrend der Maschinist Bolkmann eine Fußverrenkung davontrug. H. wurde mittels Krankenwagen nach der Unfallstation transportiert. Aus dem Fenster gestürzt hat sich gestern nachmittag das 22 Jahre alte Dienstmädchen Anna Heidrich, das bei dem Pateirtanwatt B. in der Guschiner Straße 3 in Stellung war. In hoffnungslosem Zustande wurde die Lebensmüde in das Krankenhaus am Urban eingeliefert. Die Ursache deS Selbstmordversuchs soll darin zu suchen sein, daß dem Mädchen von Bekannten Vorwürfe über ein Liebesverhältnis gemacht wurden. Die Ausstellung belgischer Kunst im Sezessionsgebäudc am Kurfürstcndamm 208/200 ist wegen des rege» Besuches um eine Woche verlängert worden und schließt somit erst am 8. November, abends 0 Uhr. Arbeiter-Bilduugsschule Berlin. Heute, Sonntag, den 1. No- benivcr. findet abends 7 Uhr im Berliner Schullokal, Grenadier- straße 37, die erste Mitgliederversammlung in diesem Winter statt. Ein Vortrag über:„Das Wesen und die historische Bedeutung der Religion und ihr Verhältnis zum Sozialismus" wird den Abend einleiten, an den sich eine Diskussion schließen soll. Diese Abende sollen dazu dienen, schwierigere Probleme der Arbeiterbewegung gründlicher zu behandeln, als es in öffentlichen Versammlungen möglich ist. Ter Zutritt ist nur gegen Vorzeigung des Mit- glicdsbuchcs gestattet. Einen schweren Berlust hat gestern«in ArbeitSburscke erlitten, der für seinen Arbeitgeber aus einem Dreiradc eine Reihe von Straßen durchfuhr und dabei die ihm nicht gehörige, in einem grauen Geldbeutel befindllche Summe Geldes im Betrage von 125,02 M. verlor, darunter ein Hundertmarkschein. Ter junge Mann bittet den eventuellen Finder, ihm zur Wiedererlangung des Verlorenen behilflich zu sein und Mitteilung an Max Müller, Rix- dorf. Sanderstr. 0, zu machen. Jeucrwehrbrricht. Die Berliner Feuerwehr hatte in der letzten Nacht in der Schlltzcnstr. 13 zu tun, wo Betten und Möbel auf einem Hängeboden brannten. Nickt weit davon, in der Krausenstr. 16. brannten Preßkohlen usw.. Kartons, Hüte, Türen usw. in einem Lagerraum. Auch in der Ritterftr. 13 brannten Preßkohlen, während in der Wrangelstr. 58 ein kleiner Wohnungsbrand gelöscht werden inußte. Der Brand des Zwischengebälks in der Naunynstr. 68 be- schästigte den achten Zug längere Zeit. Der 15. Zug ivurde wegen deS Brandes einer Lore Müll nach dem Moabiter Güterbahnhof an der Stemensstraße gerufen. Ferner halle die Feuerwehr in der Ackerstr. 120, Sckröderstr. 13 und anderen Stellen zu tun. Wegen eines großen Dachstuhlbrandes wurde gestern die Schöne- berger Feuerwehr nach der Bahnstr. 17 alarmiert. Als Branddirektor Flöter dort ankam, stand der Dachstuhl des HauseL schon in großer Ausdehnung in Flammen. Diese hatten an dem Hausrat der Mieter, dem Dachgebälk bereits reiche Nahrung gefunden. Di« Schnelligkeit, mit der die Flammen sich über das Dach und die Bode'räume verbreiteten, und immer wieder bald hier, bald dort emporloderten sowie die große Ausdehnung des Brandes lasten auf Brandstiftung schließen. Die Schönebcrger Feuerwehr hatte mehrere Stunden zu tun, um die Flammen zu löschen. Der Schaden ist ganz bedeutend und trifft auch Mieter, die nicht oder ungenügend versichert find. Von dein Brande ivurde die Kriminalpolizei benach- richtigt, von dem Täter hat man nicht die geringste Spur. Arbeiter-Samariterkolonne. Montag abend v Uhr. I. Ab- teilung: Dresdener Straße 45. Vortrag und Verbandübungen über Verletzungen: Wundbehandlung und Blutstillung. Da mit diesem Vortrag der eigentliche Samariterkursus beginnt, können neue Mitglieder noch in allen Abteilungen eintreten. Am Donners- tag: Bortrag in der 3. und 4. Abteilung. Berlore» gegangen ist auf dem am Sonnabend, den 24. Oktober vom Wahlverein des 6. Wahlkreises in der Kronen-Branerei arran- gierten Kunstabend ein goldenes Armband. Der Finder wird gebeten, dasselbe bei Max Richter, Wiclefstr. 24. abzugeben. Vorort- JHacbnchten* Wilmersdorf. Die Borteile eines bürgerlichen StadtverordneteiimandatS. In mehreren Kommunalvereinen von Wilmersdorf ist aus Anlaß der Stadtverordnetenwahlen eine ungemein kitzliche Frage aufgerollt worden. Nämlich die nach den Vorteilen� welche ein Stadtverordnctenmandat seinem Inhaber einbringt. Iii sozialdemokratischen Kreisen war man bisher der Ansicht, daß ein Stadtverordneter nur auf unlauteren! Wege persönliche Borteile ergattern könne. Diese Ansicht scheint aber im Bürgertum nicht allgemein geteilt zu werden, denn im Grundbesitzerverein des OrtLteils Halen see trat ein Herr Ziechmann mit der Ansicht hervor, daß ein Stadtverordnetenmandat gewiß viel Arbeit verursache. jedoch auch seinem Träger viel Ehren und Vorteile bringe. Auf welche Weise ein Stadtverordneter sich diese Vorteile zu verschaffen versteht, wurde leider nicht näher auseinandergesetzt; jedoch schien es sich bei der Debatte darum zu handeln, den zu nominierenden Kandidaten auf das zu erwartende Mandat recht lecker zu machen. So ein Stadtverordnetenmandat hat nämlich für seinen Inhaber zunächst einen unangenehmen metallischen Beigeschmack. Während die Koste» der Agitation in der Sozialdemokratie opferwillig von der organisiericn Arbeitcrschafk aufgebracht werde», ist e-Z in bürgerlichen Kreisen vielfach Sitte, dem»eugewähltc» Stadt- verordneten neben der Ehre des Sieges auch das Zahlen zu über- lasten: man erwartet von ihm, daß er die Geldausgabc», die der Wahlkampf gekostet bat, entweder ganz oder doch zum erheblichen Teil aus seiner Tasche deckt. Der erwähnte Herr Ziechmann der- trat nun den Standpunkt, daß ein Zuschuß zu' den Wahlkosten aus der Vereinskaste ohne weiteres abgelehnt werden könne, und zwar in Anbetracht der Vorteile, die der Gewählte zu genießen in die Lage komme. Dieser Ansicht über die Deckung der Kosten pflichtete auch ein Herr bei, der von altcrsher Erfahrungen in dieser kniff- lichen Angelegenheit hat, der frühere Gemeindeverordnete und jetzig- Stadtrat Müller nämlich. Er wollte, daß der Verein zwar die Mittel für den Wahlkampf zunächst auslege, jedoch nur in der Erwartung, daß der Kandidat das Geld zurückerstatte. Andere Herren traten der Ansicht von den Vorteilen eines Stadt- verordnetenmandats zwar entgegen, und der Verein beschloß dann, zu den Kosten des Wahlkampfcs einen Zuschuß von einer Mark pro Mitglied zu gewähren; aber für die Einwohnerschaft hat die Unterhaltung über den Taxwert eines Stadtverordnetenmandats doch genügend ergeben. Sie gibt vor allem der Arbeiterschaft und der minderbemittelten Bevölkerung die Lehre, daß es notwendig ist wenigstens einige Leute ins Rathaus hineinzubringen, die die bürgerlich'«» Praktiken zu beleuchte» wisse». Daß hierzu nur Sozialdemokraten taugen, versteht sich. Slklönederg. Ungültige KanalisationSgciührcnordnmiz. Die Gebührenordnung für Benutzung der Schöneberger Känalisalion bestimmt, daß für die Höbe der Gebühr der gemeine Wert des angeschlossenen Grundstücks maßgebend sei. Verschiedene Besitzer, darunter der Besitzer Berge- mann, sträubten sich gegen die Anlegung dieses Maßstabs und klagten auf Freistellung. Der Bezirksausschuß' ivieS sie ab. doö Ober- verivaltungsgericht erkannte aber am 30. Oktober zu ihren G u n st e n. Der zweite Senat erklärte die Gebührenordnung für u n a n w c n d b a r, weil sie die Höhe deS gemeinen Werts als Maßstab für die Bemessung der Gebühren nimmt. Der gemeine Wert sei kein geeigneter Maßstab für eine Gebühr für Kanalffations- benutzuna, denn er stehe nicht in einem wirtschaftlichen VerhäliniS zu der Jnaiifprnchiinhine der Kanalisation. Er sei als Maßstab nicht geeignet, den Grundsatz zu wahren, daß eine Gebühr zu der dafür gewährten Leistimg in cineni angemessenen Verhältnis stehe. Ein Grundstück könne einen sehr großen Wert haben und nur von sehr wenig Personen bewohnt iein. also für die KanalifationS- Nutzung nur wenig in Betracht kommen. Steglitz. Bon einem Automobil überfahren und schwer verletzt wurde bor- gestern der Hausdiener Hermann Fischer vom Logenrestaurant. Der junge Mann hatte beim Ueberschreitcii des FahrdammcS der Schloß- straße nicht das Herannahen eines Privatantomobils beachtet und war in den 5traftivagen hineingelaufen. Bevor der Chauffenr an- zuhalten vermochte, waren die Räder des Gefährtes über F. hinweggegangen. Er zog sich schwere innere und äußere Ver- letzungen zu und mußte in daS Kreiskrankenhaus eingeliefert werden. Rixdork. Lebendig verbrüht. Einen qualvollen Tod bat gestern nachmittag daS dreijährige Söhnchen des Arbeiters DähmS, Ziethenstr. 60, gefunden. Die' Mutter des Kindes hatte in der Küche eine große Schüssel mit kochendem Wasser ans dem Fußboden gestellt. Während sie sich einen Augenblick aus der Küche entfernte, stürzte der Knabe, der in der Nähe des Herdes gespielt hatte, in die siedende Flüssigkeit. Auf das Geschrei des Kindes eilte die Mutter sofort herbei. Sie rannte mit dem Knaben nach einem Arzt in der Nachbarschaft, der aber nur noch den Tod bei dem bedauernswerten Geschöpf feststellen konnte. In der stäbtischril SSugliugsfürsorgcstelle. Steinmetzstratze 113, Iverden vom 1. November ab neben den Sprechstunden f Montag. Donnerstag und Sonnabend von 2—3 Uhr), in denen allein ärzi- licker Rat erteilt wird, an den anderen Wochentagen fDienStag, Mittwoch und Freitag von 2—3 Uhr) die Fürsorgeschwestern zur AuSlunfterteilung anwesend sein. Die die Fürsorge in Anspruch nehmenden Mütter werden hieraus niit der Bitte aufmerksam ge- macht, in diesen Stunden auch die WohnungSverlegungen und Todesfälle zur Meldung zu bringen. Die Freie Jugendorganisation Rixdorf hält heute Sonntag, abends 6 Uhr, in Selfchs Gefellfchaftöhauö, Knefebeckstr. 48/49, einen Elternabend ab. Durch Musik, Gesang, Rezitationen und Tanz ist für Unterhaltung Sorge getragen. Der Eintritt ist frei. Gäste willkommen. Friedenau. Der Bonmmd als Sittlichkeitswächter. Eigenartige Vorstellungen über seine Pflichten als Vormund scheint der pensionierte Oberlehrer Sprockhoff von hier zu besitzen. Dieser Herr hat zahlreiche Mündel. ist auch Schiedsrichter und in der Armenverwaltung tätig. Jüngst wurde er von dem zuständigen Gericht als Vormund bestellt über das uneheliche geborene Kind eines Briefträgers und einer Näherin. Er beschied die junge Mutter zu sich und spielte ihr gegenüber den strengen Sittenrichter, der den„Fehltritt" des Mädchens scharf verurteilte. Dabei stellte er einige übermäßig neugierige Fragen über daS Verhältnis der beiden Eltern seines Mündels. DaS Mädchen begann in Angst und Scham zu weinen, aber der sittlich strenge Herr heischte Antwort und gab ihr auf, wiederzukommen und das nächste Mal seine Fragen zu beantworten, sonst, so drohte er, müßte sie„vor Gericht" die Aussagen machen. Die Verlvandten des Mädchen» waren entrüstet, als sie davon hörten, umfomehr als sie in dem Verhältnis keinerlei Uiisittlichkeit erblicken. Die Heirat hat der Vater, der, wie bemerkt, Briefträger ist, nur deshalb hinausgeschoben, weil sein Gehali noch zu körglich ist, um einen eigenen Hausstand gründen zu können. Jedenfalls hat dieser Vormund sich Rechte angemaßt, die ihm nicht zugestanden werden können und die sogar zu schweren Bedenken Anlaß geben, ob der Mann zur NebernaHme der Pflichten als Vor- inund die geeignete Person ist. (Srost-Lichterfelde. Am heutigen Sonntag findet eine Besichtigung der Arbeiter- WohlfahrtL-Ausstellung in Charlottenburg statt. Der Sammelpunkt ist Chausseestr. 104, Restaurant Richter. Der Abmarsch pünktlich um 12'/z Uhr. Die Besichtigung ist unentgeltlich. Die Genosten werden um rege Beteiligung ersucht. Lichtenberg. Dem Projekt einer Zubriugerlinie der Hochbahn, die als Riveau- bahn vom Bahnhof Warschauer Straße einige hundert Meter auf Berliner Gebiet, alsdann durch Ruminelöburger Gebiet nach Lichtenberg über die Scharnweberstraße nach der Ecke der Gürtelstraße und von hier in die Frankfurter Chaussee geleitet werden soll, wird, wie in der Sitzung der Berkehrsdeputation vom MagistratSvertretcr mit- geteilt wurde, noch Schwierigkeiten gemacht. Wie der Redner be- tonte, feien dieselben in der ablehnenden Haltung der Berliner Verlehrsdeputation zu suchen. ES sei daher in absehbarer Zeit auch eine Aenderung der Behandlung dieser Frage durch den Berliner Magistratsdezernenlen nicht zu erwarten. Die Darstellung des Sachverhalts zeitigte eine recht eingehende Debatte, in der die ganze BerkehrSpolnik Berlins und auch der Vororte zur Besprechung kam. AuS der Debatte klang die Befürchtung heraus, daß die Bildung des Zweck- Verbandes dazu führen könnte, die Vororte»och mehr als bisher in ihrer Entwickelnng, insbesondere der Beschaffung neuer Verkehrswege zu hemmen, und daß das überaus langsame Tempo deS endgültigen Zustandekommens des Verbandes an dem ernsthaften Willen, eine weitsichtigere Verkehrspolitik treiben zu wollen, Zweifel aufkommen lasie. Kein Wunder, daß die Besitzer großer Terrains mit ihrer Forderung, man solle mit der»Großen" ruhig weiter ver- handeln und ebent. auch Abschlüsse herbeiführen, einzig bei den sozial» demolratifcheu Stadtverordneten auf Widerspruch stießen. Wann wird eigcnltich einmal mit dem Schlendrian aufgeräumt werden'« Sollen wirklich die Pläne der„Großen" erst verwirklickit werden Lichtenberg ist gewiß nickt die einzige Gemeinde, mit der die Sonder- abmachungen versucht werden. Stralau. Aus der Gemeindevertretmig. Seit 1. Oktober d. I. wird von der Gemeinde eine Krankenpflegerin zur uneiitgelllicheii Hilfeleistung bei Ärankheilsiälleii aus der Diakoniffenoiiftalt in RnnimelSbiirg entnommen. In Rücksicht auf die großen Umstände beschloß die Venreluiig. die Krankenschwester in Stralau zu stationieren. Die Sängliiigsfürsorge wird von den hiesigen vier Waisenräten und deren Ehefrancii unter Aussicht gencmunen. An unbemittelte Mütter soll Milch für Säuglinge unentgeltlich auS zwei im Orre unter Aufsicht stehende Milchverkanfsstellen verabreicht werden Für selbststillende Mülter sollen Prämien ausgesetzt werden. Die Mittel hierzu werden im nächsten Etat eingesetzt. Beschlossen ivurde weiler. an schwache und kränkliche Schnlkinder unbemittelter Eltern während der Schul- zeit für das Winterhalbjahr Milch und Zubrot auf Kosten der Ge- nieinde durch den Schuldiener verabfolgen zu lassen. Genosse Buck beantragte, diese Wohltat sämtliwen Kindern zu teil werden zu lassen. Der Antrag wurde mit Rücksicht auf die Kosten(jährlich 5000 M.) gegen die Stimme des Antragstellers abgelehnt. Von zirla 500 Kindern sollen 30 bis 40 berücksichtigt werden. Die Kosten betragen hierfür 350 bis 400 Mark. Ein Gesuch des EisenbahnfiSkuS, die Regenwäsier des Parallelweges in die Stralaner Kanalisation hineinleiten zu dürfen, wurde mit der Maßgabe genehmigt, daß die dadurch entstehenden Kosten vom FiSknS getragen werden. Zum SchiedSmannöstellvertreter wurde der Lehrer Herr Heimig gewählt.— Der Gemcindevorstand teilte mit, daß ein von ihm au die Regierung gerichtetes Gesuch um Erstattung der durch Einrichtung einer Schisserklaffe während des Winters entstehenden Kosten abschlägig beschieden worden sei. Bezeichnend ist die ablehnende Begründung de» Gesuchs. Danach soll die vorüber- gehende Einschnlnng der Schifferlinder zum guten Gedeihen der hiesigen Schillverhältnisse außerordentlich beitragen. Durch diese Ablehnung ist die Gemeinde wiederum gezwungen, von den Schiffern Schulgeld zu erheben. Es wäre endlich Zeit, daß die interessierten Schiffer sich gemeinsam an die Regierung wenden. Lichtenberg-Rummelsburg-Boxhage«. Arbeitcr-BildungSschule Berlin. Heute abend findet eine Mit» gliederversammlung statt. Thema:„Das Wesen und die historische Bedeutung der Religion und ihr Verhältnis zum Sozialismus".(Siehe auch unter„Berliner Nachrichten".) Wilhelmsruh-Rosenthal. Eine starke Erregung»lacht sich gegenwärtig unter den hiesigen Gemeindevertretern gegen den Gemeindevorsteher Schmidt bemerkbar. Entgegen der sonstigen Gewohnheit., die Gemeindevcrtretersitzung nachmittags 5 Uhr anzuberaumen, bat Herr Schmidt bereits zwei» nial die Sitzung auf nachmittags 2 Uhr festgesetzt. Da alle Schöffen und Grmeindcvertrcter ihrem Broterwerb nachgehen müssen, so hatten sie natürlich keine Zeit, zu der Sitzung zu erscheinen. Der Herr Gemeindevorsteher hätte das bereits nach der ersten einberufenen Sitzung einsehen müssen, daß er den Vertretern der hiesigen Be» Völkerimg nicht zumuten kann, so früh zur Sitzung zu erscheinen. Doch Herr Schmidt kehrte sich nicht daran; trotzdem er sah, daß außer ihm und dem Polizeisekretär niemand erschienen war, ordnete er die Ausschreibung einer neuen Sitzung auf nachmittags 2 U h r an. Nach dieser zweimaligen Vergewaltigung rafften sich die Vertreter auf und erhoben gegen daS Machtgebot Einspruch durch Einberufung einer Volksversammlung. In dieser Versanmilniig wurde an den Maßnahmen des Gemeindevorstehers herbe Kritik geübt. Alle Schöffen und Gemeindcbertreter, mit Aus- nahnie von 2 Mitgliedern, haben sich außerdem beschwerdeführend an den Regierungspräsidenten gewandt mit der Bitte, dem Willkür» lichen Borgehen doS Gemeindevorstehers Einhalt zu tun. In der Tat verdient die Behandlung der Gemeindevertreter durch den Gemeindevorsteher die schärfste Verurteilung. Die Ge- meindevertreter sind durch ihre Wähler beauftragt, daS Wohl und die Interessen der Gemeinde zu fördern. An der Ausübung dieser Pflicht werden sie jedoch gehindert, wenn die Gemeindevertreter- sitzungen in eine Zeit verlegt werden, in welcher die größte Zahl der Vertreter auS beruflichen Gründen die Sitzungen nicht wahr- nehmen können. Hoffentlich erhält der Gemeindevorsteher durch feine Aufsichtsbehörde eine dahingehende Zurechtweisung. Pankow. Vom dritten Stockwerk abgestürzt ist vorgestern nachmittag bet 40 Jahre alte Maurerpolier Karl Stein auS der Birkenstratze 24. St. war aus dem Neubau Florastraße 74 tätig gewesen. Als erden noch nicht ganz fertiggestellten Balkon de- dritten Stockwerks betrat. beugte er sich etwas weit vor, uni einem Arbeiter auf dem Hose etwas zuzurufen. Er verlor dabei das Gleichgewicht und stürzte von dem geländerlosen Balkon herab. Schwerverletzt wurde der Ver» unglückte nach dem Krankenhause gebracht. Hohen- Schönhansen. Mit der Anstellung eines besoldeten Gemeindevorstehers beschäftigte sich die letzte Gemeindevertretung. Der bisherige Gemeinde- Vorsteher Herr Hukwitz, gegen welchen ein Privatklageverfahren seitens der Gemeindevertretmig betreffs Wiedererstattung der von dem früheren Gemeindesekretär Linhardt unterschlagenen Gelder ge» führt wird, hat seine sämtlichen Aemtcr niedergelegr. Bisher wurde dies Amt ehrenamtlich verwaltet. Genosse Thiele unterzog die bisherige Wirtschaft in der Gemeinde einer scharfen Kritik und empfahl dringend die Anstellung eine« besoldeten Ge- nieiudevorstehcrs. Der bürgerliche Vertreter Herr Eisermann wandte sich gegen die Anstellung eines besoldeten Vorstehers und hob ins- besondere die Kostendeckniigsfrage hervor. Redner bemerkte, daß es wieder der Grundbesitz sei. ivclcher die Kosten zu tragen habe; hierzu sei er nicht mehr in der Lage, da der Grundbesitz so wie so schon so schwer mit Abgaben belastet ist. Von imsern Genossen wurde dem Herrn die gebührende Ant- wort zu teil. Mit acht gegen sechs Stimmen wurde beschlossen, einen besoldeten Gemeindevorsteher auf die Dauer von 12 Jahren mit Pensionsberechtigung anzustellen. Auf Antrag des Genossen Thiele beschäftigte sich die Ver« trehnig ferner mit der Einführung einer Geschäftsordnung; des weiteren mit der Unterbringung der Bureaurälime, diese Angelegen- Heft ivurde einer Kommission überwiesen. Unter Verschiedenem ivurde die bisherige Feucrlöschordmmg einer Beratung unterzogen. Da neben der OrtSwchr noch ein Fcuerlösch- und AettnngSverein besteht, an dem auch die Stadt Lichtenberg be- teiligt ist und die Gemeinde Hohen-Schönhousen zu der VersicherungS- sumiiie der Mitglieder des belreffcnden Vereins beitragen soll, wurde beschloffen, die Mitglieder des Feuerlösch- und Rettungsvereins, welche ans Hohen-Schönhauser Gebiet wohnen, aufzufordern, sich der Hohcn-Schönhanscr Wehr anzuschließen. Desgleichen wurde beschlossen, daß die bisher von Hören- Schönhauieiier Besitzern an den Fenerlösch- und Rettiingsvercin gezahlten Anliegerbeilräge vom 1. Januar 1900 ab an die Ortölvehr von Hohen-Schönhausen zu zahlen sind. Potsdam. Die am Freitag abgehaltene Stadtverordnetenversammlung hat von neuem gezeigt, wie außerordentlich notwendig es ist, A»- beiiervertreter im Stadtparlamcnt zu haben. Seitens des hiesigen Gewerischaftskartclls war an die Stadtverordneten sowohl wie an den Magistrat eine Eingabe mit dem Ersuchen gerichtet, infolge der hier herrschenden Arbeitslosigkeit Notstandsarbeiten in Angriff zu nehmen. Gleichzeitig wurde ersucht, bei solchen Arbeiten, wo«s sich um bestimmte Vrancheu handelt, den zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern vereinbarten Lohn zu zahlen, während alle anderen Arbeiter mit dem ortsüblichen Tagelohn entlohnt werden sollten. Dies war deshalb geschehen, weil man im Vorjahre den Arbeits- losen zumutete, für de» Lohn zu arbeiten, den sonst Invaliden und dergleichen erhalten. Eine Arbcitslosenzählung von Haus zu Haus war ebenfalls beantragt worden. Wenn schon das Benehmen bei Verlesung dieses Schriftstücks zeigte, mit lvcs Geistes Kindern man es hier zu tun hatte, so überzeugte die Rede des Stadtv. Endcrs, daß in unserem Stadtparlamcnt Leute sitzen, welche von sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen auch nicht den blassesten Schimmer haben. Dieser zu lvicderholten Malen mit Beifalls- zeichen geehrte Herr Enders erzählte seinen lauschenden Zuhörern, daß es ja die Antragsteller selbst seien, welche die Arbeitslosigkeit herbeigeführt hätten, denn durch ihre fortwährenden Lohn- erhöhungen und Tarifabschlüsse hätten sie einen Zustand geschaffen, welcher überhaupt ein dauernder bleibe. Während früher, als die Arbeiter noch zufriedener waren, sie seitens ihrer Arbeitgeber auch in den schlechtesten Zeiten über Wasser gehalten worden seien, wäre dies infolge der hohen Entlohnung jetzt unmöglich. An allem seien die Organisationen schuld, und'so lange diese bestehen würden, werde es selbst dem besten Arbeiter nicht möglich sein, Gelegenheit zum Arbeiten zu finden. Darum ersucke er als Vertreter der Bürgerschaft den Magistrat, einem Organisierten weder Arbeit noch einen Pfennig Unterstützung zu geben. Die Arbeiter sollten die Mark und mehr, die sie allwöchentlich ihrer Organisation zahlen müßten, sparen, dann würden sie im Winter etwas zuzusetzen baben. Diese Gelegenheit nahm der Stadtv. Pauli wahr, um den Potsdamer Arbeitern zu zeigen, daß er ihr Freund sei, indem er die Ausführungen des Stadtv. Enders zum größten Teil verwarf und hauptsachlich unsere Tarifverträge als ganz außerordentlich wichtig hinstellte. Wir würden ja seinen Ausführungen Glauben schenken, hätte er sich nicht schon zu oft als Arbeiterfeind entpuppt. Rachdeui dann noch der Oberbürgermeister Vosbcrg einige dem Antrag des Kartells sympathische Ausführungen gemacht hatte. deren Wert wir jedoch erfahrungsgemäß nicht zu hoch anschlagen dürfen, wurde die Sache dem Magistrat zur Prüfung übergeben. Fn der nächsten Stadtverordnetensitzung werden unsere Stadt- Väter Farbe bekennen müssen, inwieweit sie sich mit dem Stadtv. Enders identifizieren. Hieran schloß sich eine Magistratsvorlage betreffs Erhöhung deS Etats zur Straßenreinigung von LoOV auf 7500 M. Man will durch diese Summe der Arbeitslosigkeit etwas steuern. Diese Vorlage wurde angenommen, nachdem vorher der größte Teil de: Stadtverordneten den Saal verlassen hatte. Ein langes Debattieren brachte ein Antrag des Stadtv. Richter betr. einheitliche Bearbeitung des gesamten städtischen Kassen- und Rechnungswesens. Trotzdem man seitens des Magistrats warm für diesen Antrag eintrat, da unter den jetzigen Verhältnissen eine Prüfung der Rechnungen nach der sachlichen Seite hin unterblieben oder wenigstens mangelhaft geschehen sei und erst in letzter Zeit zwei größere Rechnungen doppelt bezahlt worden wären, wurde derselbe niit Stimmengleichheit abgelehnt. Ferner soll auf An- ordnung der Regierung der Stadtkanal ausgebaggert werden. Die Stadt will hierzu, trotzdem sie diese Arbeit vorläufig noch nicht für nötig hält, 2000 M. zahlen. Den bisher bewilligten städtischen Zu- schuß an den Evangel.-Kirchl. Hilfsverein zur Besoldung der Stadt- Missionare erhöhte man von 300 auf 600 M. Der alte Friedhof wird von der Friedhofsgassc aus einen Eingang erhalten. Für die Pflasterung eines Abfahrtwegcs vom neuen Friedhof zur Saar- munder Straße bewilligte man die Summe von 1200 M. Neben der Erledigung verschiedener anderer unwesentlicher Punkte bewilligte man noch die Kosten für ein Heilverfähren eines lungenkranken löjährigen Mädchens. s wurm. Sonnabend: Montag: Kaiser Hciuri Neues königl. Qpcrii-Xheater. Vermifcbtes. Mord und Selbstmord. Nach einer Meldung aus Hamburg erschoß gestern früh der 21jährige Kellner eines Restanraills in den Kolonaden die t7jährige Tochter iseineS Wirts, die das Verlöbnis mit ihm aufgehoben hatte, und verübte darauf Selbstmord. DaS Mädchen war sofort tot, der Täter starb auf dem Transport. 24000 Mark-Naub ans der GütecabfrrtigungSkafle. Nach einer Meldung aus Bremen ist die Kasse der Gnterabfertigiing des dortigen Bahnhofes in der letzten Nacht um 24 000 M. beraubt worden Der Dieb hat die Kasse mittels Nachschlüssels geöffnet, die Summe herausgenommen und die Kasse wieder verschlossen. Das Geld war zu Lohnzahlungen bestimmt. Vom Täter hat man noch keine Spur Gesunkeoes Kohlenschiff. Wie aus Konstantinopel berichtet lvird, sank vorgestern abend das mit Kohlen beladene türkische Schiff „Paif" infolge eines Zusammenstoßes mit einem anderen Schiffe. Die Mannschaft konnte gerettet werden. Massenrrkrankung von Matrosen. Nach einer Meldung ans Toulon sind an Bord des Panzerschiffes„Brcnnus" 00 Matrosen unter Vergiftungserscheinnngen erkrankt. Der Schiffsarzt hat eine Untersuchung der verwandten Nahrungsmittel angeordnet. Eine Wetterexplosion, wobei drei Heizer imd ein Fahrhauer verletzt wurden, fand am Donnerstag, mittags gegen 2 Uhr, ans Zeche Rodbod bei Hamm(Westfalen) statt. Der Steiger Carierr erlitt außer den Brandwunden einen Beinbruch dadurch, daß er in einen Auf- bruch hinuntcrfiel. Die Explosion war so stark, daß die ausfahrende Belegschaft am Schacht vollständig in Verwirrung geriet und die Ordnung nur mit größter Mühe aufrecht erhalten werden konnte. Die gesamte Mittagsschicht mußte infolge der Explosion feiern, da- gegen konnte die Nachtschicht wieder vollzählig anfahren. Nach ein- gezogenen Erkundigungen ist festgestellt, daß wenn die Beamten nicht den Kops verloren und taktvoll vorgegangen lvären. nur der Arbeiter verletzt worden iväre, der, bevor die BeanUen erschienen, bereits in Sicherheit gebracht war._____ Mocken Spielplan der Berliner Cbeater. Köuigl. Opernhaus. Sonntag: Margarete. Montag: Dia Walküre. tAnsang 1 Uhr.) Dienstag: Sardanapal.(Ansang 8 Uhr.) Mittwoch: Salome.(Ansang 8 Uhr.) Donnerstag: Der siiegende Holländer. Freitag: Sinsoniekonzcrt der königlichen Kapelle. Sonnabend: Das Rheingold. Sonntag: Die Bohömc. Mcntag: Die Wallni e.(Ansang 7 Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Die Rabensteincrin. Montag: Faust.(Ansang 7 Uhr.) Dienstag: Nathan der Weise. Mittwoch: Der letzte Funke. Donnerstag: König Heinrich V. Freitag: Der G'wissenS- Die Rabeusteineriu. Sonntag: Doktor Klaus. einrich VI Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der Paragraphen-Schuster. Abends: s' DorsgehonmiiiS. Montag: 's Dorsgchoamin». Dienstag: Im Austragstüber'l. Mittwoch:'s Dorf- gehoamnis. Donnerstag: Der Amerilaseppel. Freitag: Paragraphen- Schuster Sonnabend: Geschlossen. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: In der Sommerfrisch'n. Abends: Jägerblut. Montag: Der Amcriknseppel. Deutsches Theater. Sonntag: König Lear. Montag: Fiesko. Dienstag: König Lear. Mittwoch: Was ihr wollt. Donnerstag: König Lear. Freitag: Die Räuber. Sonnabend und Sonntag: König Lear. Montag: Ein SommernachtStraum. Deutsches Theater(Kamm erspiele). Sonntag: Eine Heiralsgeschichte. Montag: Elavigo. Dienstag: Eine Heiratsgeschichte. Mittwoch: Elavigo. Donnerstag: Frühlings Erwachen. Freitag: Elavigo. Sonnabend: Eine Hciratsgeschichte. Sonntag: Elavigo. Montag: Frühlüigs Erwachen. Lessiug- Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die versunkene Glocke. Abends: Gespenster. Montag: Hedda Gabler. Dienstag: Der Raub der Sabincrinnen. Mittwoch: Gespenster. Donnerstag: Der Biber- pelz. Freitag: Der Raub der Sabineiinnen. Sonnabend: Michael Kramer. isomitag, nachmittags 3 Uhr: Die Weber. Abends: Michael Kramer. Montag: Die Stüeen der Gesellschaft. Berliner Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Emilia Galotti. Abends und Montag; Der Clown. Dienstag: Der Traum ein Leben. Mittwoch: Der Veilchensresser.(Aniang 71/a Uhr.) Donnerstag: Der Veilchensresser. Freitag: Der Clown. Sonnabend: Der Veilchensresser. Sonmag, nachmittags 3 Uhr: Mereadet. Abends: Der Veilcheiisresier. Montag: Der Clown. Neues Theater. Sonntag und Montag: Der deutsche Gras. Diens- tag und bis ans weiteres täglich: Wahrheit. Neues Schauspielhaus. Sonnlag und bis auf weiteres täglich: Julius Cäsar. Kleines Theater. Sonntag, snachmUtags 3 Uhr: 2X2= 5. Abends: Musik. Montag: Lady Frederick. Dienstag: Musik. Mittwoch: 2X2= 5. Donnerstag: Musik. Freitag: Lady Frederick. Sonnabend: Musik, �-onii- tag, nachmittags 3 Uhr: 2 X 2= S. Abends: Musik. Montag: Unbestimmt. Komische Oper. Sonntag, nachmittags 3 Ubr: Hostmanns Er- zählungeil. Abends: Tiesland. Montag: Hofimmms Erzählungen. Diens- tag: Tiefland. Mittwoch: Pelleas und Melisandc.(Ansang 7>� Uhr.) Donnerstag: Hoffmanns Erzählungen. Freitag: Pclleas und Mctisande. Sonnabend: Tieilaud. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Tiefland. Abends: Pelleas und Melijande. Montag: HoffmannS Erzählungen. Nesideuz-Theatcr. Sonntag bis Sonnabend: Kümmere dich um Amelie. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Ferreol. Abends und Montag: Kümmere dich um Amelie. Trinuou- Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Frl. Josette— meine Frau. Abends sowie täglich: Die Liebe Ivacht. Sonntag, den 8. November, nachmittags 3 Uhr: Frl. Josette— meine Frau. Abends und Montag: Die Liebe wacht. Neues Opercttcn-Thcater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der Operuball. Abends sowie täglich: Die Dollarprinzessin.(Ansang 8 Uhr.) Sonntag, den 8. November, nachmittags-3 Uhr: Der Opernball. Abends und Montag: Die Dollarprinzessin. Hebbel- Theater. Sonntag und biS aus weiteres täglich: Der Lieb- habcr.(Ansang 8 Uhr.) Lustspiel hau«. Sonntag. nachmitt-igS 3 Uhr: Die blaue Maus. Abends und Montag bis Sonnabend: Die Tür ins Freie.. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die blaue Maus. Abends und Montag: Die Tür ins Freie. Theater deS Westens. Sonntag, nachmittags 3'/« Uyt: Die lustige Witwe. Abends und Montag bis Sonnabend: Der fidele Bauer. Sonntag, den 8. November, ncchmiltagS 3st, Uhr: Die lustige Witwe. Abends und Montag: Der sidele Bauer.(Ansang 8 Uhr.) j Tchiller-Theater O. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der rote Leutnant. ZlbcndS und Montag: Die ZwillingSschwefler. Dienstag: Der Familien- tag. Mittwoch: Die Zwillmgsschweiler. Donnerstag: Das Ov'-�'amm. Freitag: Die Zwillingsschwestcr. Sonnabend: Der schwarze Kavalier. «onntag. nachmittags 3 Uhr: Der rote Leutnant. Abends: Der schwarze Kavalier. Montag: Julius Cäsar. Schiller-Theater Charlottenburg. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Götz von Bcrlichingen. Abends, Montag und Dienstag: Der Gras von Charolais. Mittwoch: Das Opferlamm. Donnerstag: Der Familientag. Freitag: Der Gras von Charolais. Sonnabend: Der Famik Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Götz von Berlichingen. Abends sowie Montag: Der Familientag. Friedrich- Wtlhelmstädttsches Schauspielhaus. Sonntag, nach mittags 3 Uhr: KAemhildS Rache. Abends und Montag: Die zärtlichen Verwandten. Dienstag: AntcroS.(Anfang 71;s Uhr.) Mittwoch: AntcroS Donnerstag: Grosimama. Freitag: AnteroS. Sonnabend, nachmittags 4 Uhr: Sneewiltchen. Abends: Im weißen Röhl. Sonntag, nrn mittags 3 Uhr: Kricmhilds Rache. Abends: AIS ich wiederkam. Montag: Anteros. Thalia-Theater. Sonntag, nachmittag? 3 Uhr: Der Meineidbauer. Abends: Bruder Straubinger. Montag und Dienstag: Das liebe Ich Mittwoch: Bruder Straubinger. Donnerstag: Das liebe Ich. Freitag und Sonnadend: Bruder Straubingcr. Sonntag, dm S.November, nachmv 3 Uhr: Nora. Abends und Montag: Bruder Straubinger. Luiscn-Thcater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: LluSgcwiesen. Mends: Stolz der Stadt. Montag: Eine tolle Nacht. Dienstag:~ mann als Erzieher. Mittwoch: Stolz der Stadt. Donnerstag: Eine tolle Nacht. Freitag: Die Ehre. Sonnabend, nachmittags 4 Uhr: Aschenbrödel. Abend«: Freiheit. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Ausgewiesen. Abends und Montag: Eine tolle Nacht. Bürgerliches Schauspielhaus. Sonnlag, nachmittags 3 Uhr: Deborah. Abends: Hamlet. Montag: Deborah. Dienstag: Unsere Frauen. Mittwoch: Der Troubadour. Donnerstag: Maria Stuart. Freitag: Don Carlos. Sonnabend: Geschloffen. Sonntag, den 8. November, na� 8 Uhr: Die Räuber. Abends: Don Carlos. Bernhard Rose- Theater. Sonntag Paragraph. Abends, Montag und Dienstag.... nachmittags 3 Uhr: Die Jungstau vou Orleans. Abends: Herr Paragraph. Donnerstag: Die Jungfrau von Orleans. Freitag: Philippine Weiser. Sonnabend, nachmittag» 4 Uhr: Rotkäppchen. Abends: Die Jungfrau von Orleans. Sonntag�den 8. Nov., nachmittags 3 Uhr: DaS Käthchen von Heilbronn. AbendS: Die Jungfrau von Orleans. FolieS Capricc. Täglich: Die Brautschau. Die lästige Wlttve. Casino-Theater. Sonntag, nachmittags 4 Uhr: Hotel Kliw Slbends bis Donnerstag: Familie August Knoche. Ab Freitag: Die Diana- bädcr. Sonntag, den 8. November, nachmittags 4 Uhr: Reezengasse Sa, Abends und Montag: Die Dianabäder. Gebr. Herrufeld-Theater. Allabendlich: Die beiden BindelbandS. (Ansang 8 Uhr.) Metropol-Theatcr. Allabendlich: Donnerwetter— tadellos.(Ansang 8 Uhr.) Wintergarten. Mabmdlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) SU'ollo-Tliearer. Bis aus weitecs täglich: Eine lustige Spreewalb- fahrt. Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Reichshallen- Theater. Allabendlich: Stettiner Sänger. Uranta-TIieater. Taubenlwaze 48/49. Sonntag: Der Montblanc. Montag: Bosnien und die Herzegowina. Dienstag: Der Montblanc. Mittwoch, nachmittags 4 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzmann. Abends: Bosnien und die Herzegowina. Donnerstag: Eine Nilsahrt bis zum zweiten Katarakt. Freitag: Der Montblanc. Sonnabend, nachmittags 4 Uhr: Uebcr den Brenner nach Venedig. Abends: Bulgarien, Land und Leute. Sonntag, den 8. November; Der Montblanc. Sternwarte. Jnvalidenstr. 57—62. Lese- und DiSkutkerklub„Moabit«. Montag, den 2. November, abends 0 Uhr, bei Bachstein, Salzwederler Sttag: 16: Vortrag. Wasserstandö-Nachrichten der LanbeSaiistalt für Gewäisertunde, miigelellt vom Berliner Wetterbureau. Wafferstand M e m e l. Tilsit P r e g e l, Jnsterburg Weichsel. Thon, Oder, Natibor „ Krosjen , Frankfurt Warthe, Schrimm . Landsberg Netze, Vordamn, Elbe, LeiNncritz , Dresdm » Barby . Magdeburg am seit 30.10. 29. 10. cra 118 —25 3§ 88 6« 78 22 4 —9 -69 —166 26 48 cm1) +1 0 +4 0 4-1 o 0 0 0 —3 +4 _ 2 +4 Wafferstand Saale, Grochlttz Havel, Spandau°) , Rathenow') Spree, Sbrcmberg') , BecSlow Weser, Münden Minden Rhein. Maximiliaitsau , Kaub , Köln Neckar, Heilbconn Main, Wertheim Mosel, Trier am 30.10. orn 70 45 21 72 67 -105 -38 314 III 83 30 101 , 16 seit 29.10 cm1) 0 +2 —3 0 0 _ 2 +1 _ 2 I Q -r" -1 —3 +1 e •)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—') Unterpegel. WitterungSüberlicht vom FL. Oktober 1008. tnorgeus 8 Uhr. Stationen Swmmid« Hamburg Berlin £.2 »— c 3 S® 7ilO 770 OSO '771 D 770 S 768 WNW Wetter 1 Nebel 3 Nebel 2 woitenl 1 bedeckt 2 Nebel 2 bedeckt sä <-.0 i* o Stationen K Savaranda 773 D eterSburg 771 ONO Scilly 763 S .'lberveen Pari? 763 S 766 SO I i Wetter 2 bedeckt 1 bedeckt 2 wolkig 1 Regen 1 wolleul w« r-� »i! gt* wS ~l 12 11 6 Franti.a M 769 SO München Wien Wetterprognose kür Sonntag, den 1. November 1008. Trocken und vorwiegend heiter, nachts etwas kälter, um Mittag mild bei mäßigen östlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Habe mich als Arzt niedergelassen. Br. C. Westphal, Wilmersdorf, Pfalzburgerstr., 40 I Tel..: Wi. 2154. 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Bon mehreren Mitgliedern sowie von einzelnen Bezirken und Branchen war wiederholt ver- langt worden, daß die Generalversammlungen in Zukunft nicht aus der Masse der Mitglieder, sondern aus Delegierten zu- sammengcsetzt werden sollten, und die Generalversammlung vom 26. August gab dann der Verwaltung einstimmig den Auftrag, der nächsten Generalversammlung eine dcmentsprcchendc Vorlage zu unterbreiten. In einer kombinierten Versammlung der Äontroll- kommission mit der Ortsvcrwaltung wurden die Vorschläge auf- gestellt, die nun der Generalversammlung gedruckt vorlagen, nach- dem sie vorher schon in Wcrkstattsitzungen besprochen worden waren. Ter Referent Leopold berichtete über die Gründe, die für die vorgeschlagene Neuerung maßgebend waren. Da die Ortsvcrioal- tung Berlin rund 22 000 Mitglieder zählt, die ja unmöglich in irgend einem Saalc alle zusammenkommen können, bleibt der größte Teil den Generalversammlungen fern, weil man sich sagt, daß wohl kein Platz mehr zu finden sein wird, und das trifft na- türlich vor allem für die Mitglieder zu. die einen weiten Weg zurückzulegen babeu. So kommt es. daß die Generalversammlungen zuweilen schlechter besucht sind als die Vertrauensmännervcrsamm- lungen. Destvegcn ist es auch schon oft geschehen, daß eine Generalversammlung wichtige Angelegenheiten der Vertrauens- männerversammlung als der zahlreicheren Vertretung der Kol- legenschaft zur Entscheidung überwies. Unter außerordentlichen Umständen, wie bei allgemeinen Lohnbewegungen und großen Kämpfen, ist jedoch der Andrang zu den Generalversammlungen so stark, daß oft der größte Teil der erschienenen Mitglieder keinen Einlaß mehr finden kann und in solchen Fällen um sein Mit- bestimmungsrccht kommt. Aehnlich liegen die Verhältnisic, wenn Fragen auf der Tagesordnung stehen, die eine bestimmte Branche besonders interessieren. Diese Branche kann dann dadurch, daß sie frühzeitig den Saal besetzt, eine Entscheidung treffen, über die die Mitglieder aller Branchen mitbestimmen sollten. Aus allen diesen Gründen erscheint eine Zusammensetzung der Generalvcrsamm- lungen aus Tektztgierten sämtlicher Mitglieder zweckmäßiger und gereckter. Bei Ausarbeitung und Beratung der Vorlage haben sich Kontrollkommissio« und Lrtsvcrwaltung nach dem von den Wahl- vereinen Groß-Barkins eingeführten System gerichtet. Man hat danach getrachtet, daß möglichst viel Mitglieder als Vertreter der Gesamtheit an in* Generalversammlungen teilnehmen können, obnc daß es den Rednern allzu sehr erschwert wird, sich allgemein verständlich zu mache.,. Nach der Borlage soll auf je 30 Mitglieder ein Delegierter kommen. Tic Delegierten sollen alljährlich im Januar in den Bezirks- und Branchcnversammlungen durch Stimm- zettel oder Stimmlisten gewählt werden. Alle wichtigen Anträge zur Gcneralversmnmlung müssen in den Bezirks- und Branchen- Versammlungen vorbcraten werden. Außerdem hat auch schließlich die Urabstimmung über u*chrige Beschlüsse zu entscheiden. Das Werksrattvertraucnsmänner�stcm und die Vertrauensmänner- Versammlungen sollen beibehalten werden wie bisher. Tem Referat folgte eine lebhafte Debatte. Einzelne Redner waren gegen das DelegicrtcnMcm, andere dafür. Es wurden auch Abänderungsvorschläge zu der Vorlage gemacht wie der, daß die Generalversammlungen aus Werkstattdclegicrtcn zusammen- gesetzt werden sollten. Die Tcibatte endete damit, daß beschlossen wurde, die Frage des Telegiaüenfystems zunächst einer Urabstimmung zu prinzipieller Entscheidung zu überweisen. Berbaad der Fabrik-, Hilfsarbeiter und-Arbeiterinnen. Tic Verwaltungsstelle Berlin dieses Verbandes hielt am Sonntag im ©pwerkschastshausc ihre Gciieralversvnmnlung ab. Es war die erste nach Einführung des Delegiertenftistems. Der Bericht des Vorstandes, den der Bevollmächt-igte Bruns gab, zeugte dafür, daß die Organisation trotz der allgemeinen Wirtschaftskrise im verflossenen Quartal nicht zurückgegangen ist. sondern im Gegenteil noch Fortschritte gemacht und auch Erfolge erzielt hat. Ter Redner nannte mehrere Betriebe, i« denen es gelungen ist, tarifliche Vereinbarungen zu treffen, und zlvar in der Form, daß auch der Verband als vertragschließender Teil mit aufgcführl wurde. Für die Schallplattenindustrie wzird es wohl demnächst möglich werden, einen allgemeinen Tarffvertrag abzuschließen. Die Agitation'für den Verband konnte selbstverständlich nicht so erfolgreich betrieben werden, wie das in Zeiten guten Geschäfts- ganges der Fall ist, doch ist sie keineswegs vernachlässig, l»rte« und auch nicht unfruchtbar geblieben. Eine große öffentliche ver» sammlung der Arbeiter und Arbeiterinnen der chemischen Betriebe» der Schallplattcn-, der Gummiwaren-, der Seifenfabriken as». wird zum 15. November nach dem Palastthcater einberufen. Dort wird der Vcrbandsvorsitzcndc, Reichstagsabgeordneter Brey. sprechen. Als eine erfreuliche Tatsache im inneren Verbandsleben erwähnte der Redner, daß die vom Münchener Berbandstage cnd- gültig beschlossene Verschmelzung der in einem Umkreis von 15 Kilometer liegenden Zahlstellen nun auch für Groß-Berlin fast gänzlich verwirklicht ist, nachdem auch die Zahlstelle Köpenick sich mit Berlin verschmolzen hat und die Zahlstelle Adlcrshof sich ernstlich mit derselben Frage befaßt. Tie Abrechnung vom 3. Quartal, die gedruckt vorlag, schließt für die Hauptkassc mit der Bilanzsumme von 26175,05 M. Für Erwerbsloseniinterstützung wurden ausgegeben: an Arbeitslose 2133,70 M., auf der Reise 218,50 M. und an Kranke 5173,80 M. Tic Streikunterstützung erforderte 1051,80 M., die Gemaßregeltcn- Unterstützung 173,50 Mk. An die Verbandskasse wurden 3823,82 M. gesandt. In der Abrechnung der Lokalkasse bcläuft die Belanz- summe sich auf 21 783,36 M. Mitglieder hatte die VcrwaltungS- stelle am Quartalsschluß 5822 männliche und 281 weibliche, das ist gegenüber dem vorigen Quartal eine Zunahme von fast 100 Mitgliedern. Es kamen sodann einige Anträge zur Beratung, besonders solche auf Erhöhung des Lokalbeitrages von 5 auf 10 Pf., oder auf Veranstaltung einer Urabstimmung über diesen Vorschlag. Tic Versammlung ging über die Anträge zur Tagesordnung über, in der Ueberzeugung, daß die Zeit der Wirtschaftskrise nicht zu einer Beitragserhöhung geeignet ist. Hierauf wurde über das Regulativ beraten, das von den Generalversammlungen, ihrer Zusammensetzung und Kompetenz bandelt und den Mitgliedern als Grundlage bei der Urabstimmung über die Einführung des Tclegiertcnfystcms bekanntgegeben wurde. Nach gründlicher Debatte beschloß die Versammlung, die Vorlage in der Weise abzuändern, chatz nicht erst auf 50, sondern schon auf 30 Mitglieder ein Delegierter kommen soll. Im übrigen wurde daS Regulativ in der vorgeschlagenen Abfassung gutgeheißen. Als Gauvorstandsmitglicdcr wurden Neumann, Rücket, Weiße, Jochim und WeinSheim er gewählt. K Abend- nnd Theater-Mäntel aus priraa Tuch- und Foule-Stoffen mit reichen Gamierungen m. 26.-, 34.-, 38.-, 47.-, 58.- � 250.- in nur prima Qualitäten und modernstens Fassons m. 25.-, 32.-, 36.-, 45,-, 48.- dl- 150. 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