Nr. 59. Erscheint täglich außer Montags. Prets pränumerando: Bierteljährlich 8,30 Mart, monatlich 1,10 m, wöchentlich 28 Pfg frei in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illustr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mt.pro Quartal. Unter Preuz band: Deutschland u. OesterreichUngarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mr.pr.Monat. Eingetr. in der Poft- Zeitungs- Preisliste für 1893 unter Nr. 6708. Vorwärts 10. Jahrg. Insertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Bereins- und Bersammlungs- Anzeigen 20 fg Inferate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr Abends, an Sonnund Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. Eernsprech- Anschlug 3mt I, Nr. 4186. Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Kann Europa abrüsten? VIII. Freitag, den 10. März 1893. " Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. auch das Schulwesen, ganz wie die Armee, sich im und wer den Krieg. Und wenn dann vielleicht einmal eine Zustand der Revolutionirung befindet, so wird auch die wirklich kriegslustige Regierung in Frankreich an's Ruder allgemein törperliche und speziell militärische Vorbildung fäme, sie stände vor einer Lage, die ihr, bei einigem Vers der Jugend sich dort weit rascher und leichter ins Werk stande, den Krieg absolut verböte. Wie sie sich auch anfezzen laffen als anderswo. Das würde aber bedeuten, daß stellte, vor ganz Europa stände sie da als der Theil, der Bisher haben wir vorausgesetzt, der Vorschlag zur all- bie militärische Machtstellung Frankreichs gegenüber Deutsch- den Krieg heraufbeschworen, heraufgezwungen hat. Damit mäligen gleichmäßigen Herabsehung der Dienstzeit mit land sich verstärkt. Trotz alledem ist es möglich und selbst hätte sie nicht nur die Kleinen, nicht nur England gegen schließlichem Uebergang zum Milizsystem sei allgemein an- wahrscheinlich genug, daß die chauvinistische Strömung sich gestimmt, sie würde nicht einmal der Hilfe Rußlands genommen worden. Die Frage ist aber vor allem: wird der französische Chauvinismus ist genau so dumm wie der sicher sein, nicht einmal jener traditionellen Hilfe Rußlands, er angenommen? deutsche stark genug wird, jede Regierung zu stürzen, die darin besteht, daß es seine Bundesgenossen erst hinein Nehmen wir an, Deutschland stellt den Vorschlag zu- die so etwas annimmt, namentlich wenn es von Deutsch reitet und dann im Stiche läßt. nächst an Desterreich, Italien und Frankreich. Desterreich land tommt. Nehmen wir also an: Frankreich lehnt ab. Bergessen wir nicht: im nächsten Kriege ents wird eine Marimaldienstzeit von zwei Jahren mit Freuden Was dann? scheidet England. Der Dreibund, in Krieg gegen annehmen und wahrscheinlich in seiner eigenen Praxis noch Dann ist Deutschland durch die bloße Thatsache, daß Rußland und Frankreich, ebensowohl wie Frankreich, von weiter herabgehen. In der österreichischen Armee spricht es diesen Vorschlag gemacht, in enormen Vortheil gesetzt. Rußland getrennt durch feindliches Gebiet, sie alle sind für man sich, scheint es, weit offener aus, als in der deutschen, Wir dürfen nicht vergessen: Die siebenundzwanzig Jahre die ihnen unentbehrliche starke Korneinfuhr angewiesen auf über die günstigen Erfolge mit der kurzen Dienstzeit eines Bismarckwirthschaft haben Deutschland nicht mit Un- den Seeweg. Diesen beherrscht England unbedingt. Theils der Truppen. Biele Offiziere dort erklären gerade recht im ganzen Ausland verhaßt gemacht. Weder die Stellt es seine Flotte dem einen Theil zur Verfügung, fo zu die Landwehr, die nur ein paar Monate dient, für eine Annexion der nordschleswigschen Dänen, noch die Nicht- wird der andere einfach ausgehungert, die Kornzufuhr beffere Truppe, als die Linie; sie haben jedenfalls das für einhaltung und schließliche Estamotage des auf fie bezüglichen wird abgeschnitten; es ist die Aushungerung von Paris sich, daß ein Landwehrbataillon, wie mir versichert wird, Prager Friedensartikels, noch die Annexion Elsaß- Lothringens, auf toloffal vergrößertem Maßstab, und der ausgehungerte in 24 Stunden mobil macht, während ein Linienbataillon noch die kleinlichen Maßregeln gegen die preußischen Polen Theil muß tapituliren, so sicher zweimal zwei vier ist. mehrere Tage dazu braucht. Natürlich: bei der Linie hatten mit der Herstellung der nationalen Einheit" das Nun gut: in diesem Augenblick hat die liberale fürchtet man sich, den altösterreichischen breitspurigen geringste zu thun. Bismard hat es verstanden, Deutschland Strömung in England Oberwasser, und die englischen Libe Schlendrian anzutasten, bei der Landwehr, wo alle in den Ruf der Ländergier zu bringen; der deutsche ralen haben entschieden französische Sympathien. Dazu ist Einrichtungen neu geschaffen, hat man dagegen den Muth chauvinistische Bürger, der die Deutschösterreicher hinaus der alte Gladstone persönlich ein Russenfreund. Bricht ein gehabt, ihn nicht einzuführen. Jedenfalls seufzt in Defter warf und dennoch Deutschland noch immer Don europäischer Krieg aus, so bleibt England so lange wie reich Bolt wie Regierung nach Erleichterung der Militär- der Etsch bis an die Meme fiber alles brüderlich möglich neutral; aber selbst seine wohlwollende" Neutralität last, und die ist hier, gerade auf grund der gemachten zusammenhalten will, der dagegen Holland, Flandern, die fann unter den erwähnten Umständen einer der kriegführenden eigenen Erfahrungen, am ehesten zu haben durch Herab. Schweiz und die angeblich deutschen" Ostseeprovinzen Ruß- Parteien von entscheidender Hilfe sein. Macht Deutschland fegung der Dienstzeit. lands mit dem Deutschen Reich vereinigen möchte dieser unseren Vorschlag und wird er von Frankreich abgelehnt, Italien wird ebenfalls mit beiden Händen zugreifen. deutsche Chauvin hat Bismarck redlich geholfen, und mit so so hat Deutschland nicht nur alle entgegenstehenden englischen Es erliegt unter dem Druck des Kriegsbudgets, und zwar herrlichem Erfolg, daß heute den biedern Deutschen" fein Sympathien überwunden und sich Englands wohlwollende in solchem Grad, daß hier Abhilfe geschafft werden muß, Wiensch in Europa mehr traut. Geht wohin ihr wollt, ihr Neutralität gesichert; es hat außerdem der englischen Reund das bald. Auch hier ist Verkürzung der Maximal werdet überall Sympathien mit Frankreich finden, aber Miß- gierung so gut wie unmöglich gemacht, im Krieg den Gegdienstzeit der nächste und einfachste Weg. Man kann also trauen gegen Deutschland, das man für die Ursache der nern Deutschlands sich anzuschließen. fagen: entweder geht der Dreibund in die Brüche, oder er gegenwärtigen Kriegsgefahr hält. Dem allem würde ein Also zum Schluß: muß zu einem Mittel greifen, das mehr oder weniger auf Ende gemacht, entschlösse Deutschland sich zur Stellung Entweder nimmt Frankreich den Vorschlag an. Dann unsern Vorschlag hinausläuft. unferes Antrages. Es träte als Friedensstifter auf in einer ist die Kriegsgefahr, die aus den stets gesteigerten Wenn aber Deutschland, gestützt auf die Annahme Weise, die feinen Zweifel zuläßt. Es erklärte sich bereit, Rüstungen erwächst, thatsächlich beseitigt, die Völker durch Desterreich und Italien, diesen Vorschlag der voranzugehen im Werk der Abrüstung, wie dies von Rechts- kommen zur Ruhe, und Deutschland hat den Ruhm, dies französischen Regierung unterbreitet, so kommt diese in eine wegen dem Lande zukommt, das das Signal zur Rüstung eingeleitet zu haben. sehr fatale Stellung. Nimmt sie an, so verschlechtert sie gegeben hat. Das Mißtrauen müßte sich in Zutrauen, die ihre relative militärische Lage absolut nicht. Im Gegentheil, Abneigung in Sympathie verwandeln. Nicht nur die RedensSie erhielte Gelegenheit, diese relative Lage zu verbessern. Es art, der Dreibund sei ein Friedensbund, würde endlich wahr seine eigene Stellung in Europa und verbessert Deutschlands ist in mancher Beziehung ein Nachtheil für Frankreich, daß heit, sondern auch der Dreibund selbst, der jetzt nur ein Stellung in einem solchen Grad, daß Deutschland einen die allgemeine Wehrpflicht dort erst seit 20 Jahren ein Schein ist. Die ganze öffentliche Meinung Europa's und Krieg absolut nicht mehr zu fürchten braucht, und sogar geführt ist. Aber dieser Nachtheil schließt den Vortheil ein, Amerika's träte auf feiten Deutschlands. Und das wäre ohne alle Gefahr im Verein mit seinen Bundesgenossen, die auf eigene daß alles noch neu ist, daß der alte Zopf von Anno Tobat eine moralische Eroberung, die selbst alle, möglicher Weise dann erst wahrhaft seine Bundesgenossen erst neuerdings abgeschnitten worden, daß weitere Ver- noch herauszuspintisirenden, militärischen Nachtheile unseres Faust zu einer allmäligen Herabsehung der Dienstzeit und Vorbereitung zum Milizsystem schreiten kann. befferungen leicht einzuführen sind, ohne auf den zähen Vorschlags überreichlich aufwöge. Widerstand eingerosteter Vorurtheile zu stoßen. Alle Frankreich dagegen, das den Abrüstungsvorschlag ab- Wird man den Muth haben, den rettenden Schritt zu Armeen sind ungemein bildungsfähig nach großen gelehnt, käme in dieselbe ungünstige Verdachtsstellung, thun? Oder will man warten, bis Frankreich, aufgeklärt Niederlagen. Eine bessere Ausnutzung der ver- wie Deutschland jetzt. Nun sehen wir alle, würde über die Lage Rußlands, den ersten Schritt thut, und den tragsmäßigen Dienstzeit wäre daher in Frankreich der europäische Philister sagen- und der ist die größte Ruhm für sich einerntet? leichter durchzuführen als anderswo, und da Großmacht, nun sehn wir alle, wer den Frieden will weit Feuilleton. Nachdrua verboten.) ( 35 Die Laufbahn eines Nihilisten. Von S. Stepniat. Autorisirte Uebersehung. Frei ins Deutsche übertragen von Bertha Braun. Rapitel IV. Ein neuer Plan. Sie sollten sich an diesem Morgen im Stadtgarten treffen. Eine halbe Stunde vor der bestimmten Zeit saß Andrej auf einer Bank am Ende eines abgelegenen Weges. Als er Sina's lichtbraunes Kleid durch die Bäume schimmern sah, ging er ihr entgegen. Was giebt's?" fragte er. " Vorige Nacht. Gehen wir aber lieber zur Bant. Ich werde Ihnen alles erzählen. Sie setzten sich auf Sina's Lieblingsbank. Sie lag abgesondert und hatte den Vortheil, daß man von ihr aus jeden Ankommenden schon aus größerer Entfernung sah. Hier erzählte die junge Frau furz, wie es zugegangen war. Kunigin war gerade in den Gang gestiegen, um die letzten paar Fuß Erde auszugraben, als unter seinen Mitgenossen ein Lärm entstand. Sie spielten Karten. Einer hatte falsch gespielt und ein anderer hatte sich auf ihn mit einem Messer gestürzt und ihn an der Schulter verwundet. Die Wächter eilten bei dem Geräusch herbei. Kunizin hatte kaum Zeit ins Bett zu springen; er fonnte aber die Diele, welche die Deffnung des Ganges verdeckte, nicht mehr ordentlich hinlegen. Ein Wächter stolperte gegen die vor stehende Ecke, und der Gang war im selben Moment entdeckt. Andrej blickte Sina, während sie sprach, aufmerksam an, achtete aber kaum auf die einzelnen Worte. Ihr Plan war vernichtet, das war das Einzige, was ihm flar war. Das ist die Frucht unserer Berzögerung!" rief er vorwurfsvoll aus. " Sie antwortete nicht sofort. Ein Herr, welcher seinen Morgenspaziergang machte, ging in diesem Momente gerade vorbei. Eine Zeit lang schritten sie schweigend einher. Er war so betrübt, daß er nicht bedachte, wie grausam Sina sah sehr ernst aus; etwas mußte vorgefallen sein, obgleich Andrej nicht errathen konnte, was es war. " Nun? fragte er, als sie aus jedermanns Gehörweite waren. Alles ist wieder vereitelt," antwortete Sina, ihm ins Antlig blickend. Der Gang ist von den Aufsehern entdeckt worden." Andrej blieb bestürzt stehen. Entdeckt!" rief er aus. und ungerecht seine Bemerkung war. Oder Frankreich nimmt nicht an. Dann verschlechtert es Friedrich Engels. „ Nein, zum fünften. Wir haben drei verschiedene Pläne versucht und aufgegeben, bis wir uns für den letzten entschieden." " Welches wird dann unser nächstes Experiment sein? Ist uns noch etwas übrig geblieben?" fragte Andrej und versuchte ruhig zu sein. " Hoffentlich wird sich etwas finden. Wir müssen sehen.... Boris kann vielleicht etwas vorschlagen.... Unser Geld geht zu Ende das ist das Schlimmste." Es entstand eine lange Pause, beide gaben sich ihren eigenen Gedanken hin. Sina brach das Schweigen. " Ich bin benachrichtigt worden, daß der Untersuchungsrichter von St. Petersburg aus den Befehl erhalten hat, Boris' Prozeß rasch zu Ende zu führen. Sie hatte dies von der Frau eines Gerichtsdieners ge= hört, der mit dem Prozeßgange vertraut war. " Worauf läuft das hinaus?" fragte Andrej. " Auf nichts Besonderes. Sie werden wieder einige Verhöre anstellen; das ist alles." " Findet das Verhör innerhalb des Gefängnisses statt, oder werden die Gefangenen anderswohin gebracht?" fragte Andrej, dem ein Gedanke durch den Kopf fuhr. " Das Verhör geht in der Stadt vor sich," erwiderte Wir wären noch viel schlechter gefahren, wenn wir Sina. Die Untersuchungskommission hält es unter ihrer nicht vorsichtig gewesen wären," erwiderte Sina ruhig. Würde, sich zu ihren Opfern zu bemühen. Die Gefangenen Wenn die Schließer durch Zuckat vorher davon Wind werden unter Eskorte in den Gerichtssaal gebracht, in dem bekommen hätten, wäre uns eine Falle gestellt und alle die Kommission ihre Sigungen abhält." Unsrigen gefangen genommen worden. Jetzt haben wir nur von neuem zu beginnen." Bum dritten Male, denke ich!" warf Andrej mürrisch ein. Wie wäre es, wenn wir auf dem Wege dorthin einen Befreiungsversuch machten?" fragte Andrej, sich Sina zu wendend. Sie blickte ihn erstaunt an. polifir#® itelrcfUrftl. Verlin, den 9. März. N»s dem Rcichstaße. Die zweite Lesung des Militär- etats brachte heute die bei dieser Gelegenheit üblichen Klagen und Beschwerden. Militärboykott, Konkurrenz der Militär- Musiker und dito Handwerker gegen die Privaten, Aende- rung der Militärstrasprozeß- Ordnung, Soldaten-Miühand- lungen ec. Was den Militärboykott, die von den Militär- Verwaltungen theilweise geführten schwarzen Listen, sowie die Beeinflussung der Privatunternehmer, keinen Sozial- demokrateu zu beschäftigen, betrifft, so geißelten die Ab- geordneten Bebel, Ulrich und Grillcnbergcr dieses Treiben in gebührender Weise. Letzterer wies auch auf das ganz Nutz- und Zwecklose eines solchen Verfahrens hin, durch das der Sozialdemokratie nicht ein Mann abspenstig gemacht, wohl aber Heuchelei und Verstellung groß gezogen werde. Ulrich zeigte an einigen drastischen Fällen, wie Ltekruten, sobald sie ans be- stimmten Gegenden oder Ortschaften kommen, so z. B. von Offenbach a. M., schon von vornherein als Sozialdemokraten behandelt und nicht selten miß— kannt werden. Ueber den Militärboykott beklagte sich auch der Abgeordnete Rösicke bitter, im Interesse der Lokalbesitzer, welche dadurch nicht selten zwischen zwei Feuer kommen. Seitens des Herren Kriegsministers wurden in bekannter Weise alle diese Klagen zurückgewiesen und erklärt, daß die Militärverwal- tung vor wie nach mit aller Energie gegen jede sozial- demokratische Erscheinung vorgehen werde. Da diese Hal- tung der Militärbehörden bis jetzt nur dazu beigetrage» hat, das Drachengift der Opposition in sonst der Sozial- demokratie unzugängliche Kreise zu tragen, so können wir uns, vom Parteistandpunkt aus, nur zu der Erklärung des Kriegsministers gratuliren. A h l w a r d t, der heute seinen Junpfernspeech hielt, hat den einen oder anderen vielleicht insofern enttäuscht, als er zwar die Frage der Indenflinten streifte, sich aber auf den Bor- wurf beschränkte, daß die Regierung bei der Abnahme der Gewehre es an der„gewissen Fabriken" gegenüber noth- wendigen besonderen Kontrolle habe fehlen lassen. Ueber das Kapitel militärische Justizpflege brachte der Abgeordnete Kunert ein ungemein reiches Material bei, aus dem er zu beweisen suchte, daß Vergehen der Soldaten ungemein hart. Vergehen der Vorgesetzten aber— be- sonders wenn es sich um Mißhandlungen Untergebener drehe— überraschend milde bestraft werden. Der Redner brachte dabei einzelne Fälle von Soldaten- Mißhandlungen zur Sprache, welche lebhaft an den be- kannten Erlaß des Prinzen Georg von Sachsen erinnerten. Der Vertreter des Kriegsministers wußte darauf nur mit einer begeisterten Lobrede auf die Zustände in den mili- tärischeu Strafanstalten zu antworten. Außerdem betonte er, daß die gefällten Urtheilefauf gesetzlicher Grundlage beruhen; letzteres ist von Kunert auch keinesweges bestritten worden. Es kommt nur darauf an, wie in dem einzelnen Falle das Gesetz angewendet wird. Und was in dieser Hin- sicht auf dem Gebiete der Militär-Iuftizpflege möglich, dar- auf haben die Ausführungen des Abgeordneten für Halle nur allzu charakteristische Schlaglichter geworfen.— Die X. Kommission hat ihren Bericht über den Gesetzentwurf, betreffend Ergänzung der Bestimmungen über den Wucher, erstattet. Die Vorlage der Regierung ist im wesentlichen unverändert angenoinmen. Nur der Artikel 4 hat folgende neue Gestalt erhalten:„Wer gewerbsmäßig Geld- oder Kreditgeschäfte betreibt, hat für jeden, mit welchem er daraus in Geschäftsverbindung steht, nach Schluß des Kalenderjahres die Rechnung abzuschließen und das Ergebniß dem Schuldner binnen drei Monaten schriftlich mitzutheilen, so- fern nicht vorher schon eine schriftliche Ab- rechnung stattgefunden hat. Ein Schuld-An- erkenntniß oder eine Schuldverwandlung ersetzt nicht eine solche schriftliche Abrechnung. Wer sich dieser Verpflichtung vorsätzlich entzieht, wird mit Geldstrafe bis zu fünfhundert Mark oder mit Haft bestraft und vertiert den Anspruch auf die Zinsen für das verflossene Jahr hinsichtlich der Ge- schäste, welche in dem Rechnungsabschluß nicht enthalten sind. Die vorstehenden Bestimmungen finden keine An- wendung: 1. auf öffentliche Banken, Notenbanken, Boden- kreditinstitute und Hypothekenbanken auf Aktien, 2. auf Kaufleute im Geschäftsverkehr mit Kaufleuten, deren Firma in das Handelsregister eingetragen ist."— „Aus der Straße einer großen Stadt? Am hellen Tage? Sind Sie von Sinnen? „Ich habe diesen Plan nicht positiv vorgeschlagen. Es war nur eine Eingebung, die der Erwägung jedenfalls werth wäre. Könnten Sie mir sagen, wie stark die Bedeckung gewöhnlich ist?" „Das letzte Mal wurden sie von vier Gendarmen be- gleitet." „Nur vier! Das ist nicht so schlimm, als ich erwartet hätte." Er begann jetzt seinen Plan ernster zu vertheidigen, er legte dar, daß die Gefahr, eine PoUzei-Eskorte auf offener Straße am hellen Tage anzugreifen, nicht so groß war, als sie im ersten Momente erschien. Wenn der Anschlag wirk- lich durchgeführt werden sollte, müßte er in einer halben Minute entschieden sein. Ein Auflauf wäre nicht zu be- fürchten, denn die Zeit wäre kurz. Aller Wahrscheinlichkeit nach würden sich die Unbetheiligten bei den ersten Schüssen aus dem Staube machen, um nicht ins Handgemenge zu gerathen. Ueberdies könnte man zuni Angriff einen Ort wählen, der weniger belebt wäre. Das Gefängniß lag in einer Vorstadt, und die angrenzenden Straßen waren sogar während der regsten Geschäftszeit menschenleer. „Sie vergessen aber etwas Wesentliches," fiel Sina ein. „Die Bedeckung. Vier Mann müssen doch wenigstens von vier auf unserer Seite angegriffen werden, wenn ich selbst den Vortheil der Ueberrumpelung zugestehe. Mit den drei Gefangenen sind es dann sieben. Wir brauchen dann noch zwei Wagen und zwei Kutscher, um sie alle fortzubringen. Bedenken Sie nur, welche Konfusion das absetzen würde..." „Mit ein wenig Energie von unserer Seite könnten wir doch das Geld und die Leute dazu auftreiben," sagte Andrej. „Möglich. Es wird aber ein regelrechter Kampf sein und keine Ueberrumpelung. Darnach streben wir nicht. Was nützt es, wenn wir die Gefangenen befreien und dafür einige der Befreier verlieren?" (Fortsetzung fofgt.) Der BnudeZrath hat in seiner heutigen Sitzung dem Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag zwischen dem Reich und dem Freistaat von Kolumbien seine Zu- stimmung ertheilt und hat ferner dem Gesetzentwurf zum Schutze der Waarenbestimmnngen zugestimmt.— BnndesräthlichcS. Nach Antrag der Bundesraths- Ausschüsse soll der Entwurf einer Branntwein- R e i n i g u n g s- O r d n u n g an: 1. April d. I. in Kraft treten und der Bundesrath beschließen, daß nach näherer Bestimmung der Direktivbehörde in den Branntwein- Reinigungsanstalten, die bisher nur ein Prozent Schwund steuerfrei erhalten können, nachträglich für die seit den er- folgten Bestandsaufnahmen der glaubhaft nachgewiesene Schwundverlust bis zur Höhe von LVz pEt. der zur Destillation verarbeiteten Litermenge reinen Alkohols außer Steueransprnch gelassen werden darf. Die Branntwein- Reinigungsordnung umfaßt 73 Paragraphen und enthält Bestimmungen über die Arten von Branntwein-Reinigungs- anstalten, über die Vergünstigung, über die Anmclvung der Räume und Geräthe, über die Anmeldung und Abfertigung von Branntwein zur Reinigungsanstalt, über die Register- führung, über Hastung und Sicherheitsleistung der Angabe, über Bctriebsführung und Steueraufsicht, über Bestands- aufnahmen und Schivundnachlaß, sowie über Straf- bestimmungen.— Der ttmfall des DeutschfreisiunS. In der„Frei- sinnigen Zeitung" liest man die folgende parteiamtliche Mit- theilung; „In der Fraktionssitzung der freisinnigen Partei, welche am Mittwoch Abend über die Militärvorlage bei Anwesenheit von S2 Mitgliedern verhandelt«, konstatirie am Schluß der Verhandlungen der Vorsitzende, daß nach dem Gesaminteiiidruck der gepflogenen Verhandlungen kein Zweifel darüber bestehen könne, daß die Fraktion auf demselben Standpunkt stehe, wie vor der ersten Beralhung der Militäroorlage im Plenum. Auch wurden zwischen den Mitgliedern der Militärkommisflon Erklärungen gewechselt, welche einen über- einstimmenden Gang der Verhandlungen in der Kommisston sichern." Diese gewundene Erklärung, die nicht gehauen und nicht gestochen ist, geht um den K e r n p u n k t der Frage vorsichtig herum. Der deutschfreisinnigen Katze ist eben der Brei viel zu heiß. Warum wird nicht schlankweg festgestellt, daß die Fraktion entschiedeneGegnerin derVor- läge sei, daß sie diese Vorlage durchaus ablehne? Auf solch eine offene Kundgebung wartet die große Masse der deutschfreisinnigen Wähler. Sieht sie sich in ihren Erwartungen wie hier getäuscht, um so schlimmer für die Fraktion, um so besser für uns. Wenn wirklich die Deutschfreisinnigen gegen die Militärvorlage sind, weshalb wird dies nicht gesagt, wes- halb wird nichts Genaues verlautbart über„denselben Standpunkt"? Mit solch windigen Erklärungen lockt man keinen Hund hinterm Ofen vor. Aus ihnen ergiebt sich nur» dag thatsächlich die K o m p r o m i ß s u ch t die Mannes- scelen der Wadelstrümpfe bis zum Rande erfüllt, und daß die Hinze, die Rickert und andere Windfahnen knarrend sich nach der Richtung Caprivi drehen.— Zur Klassenjustiz— ein weisier Rabe. Der be- rühmte Wiener Professor Benedikt richtet einen offenen Brief an seine englischen' Genossen, der also beginnt:„Seit Jahr und Tag quält mich die Sorge, daß infolge einer herrschenden Unklarheit in der Wissenschaft eine Klassen- justiz geschaffen werde, die faktisch bei uns schon zu einer Gewohnheitsiustitution zu werden droht. Wenn nämlich jemand aus den besser sttuirten Gesellschaftsklassen ein Ver- brechen begeht oder einen leichtsinnigen Lebenswandel, der für die Familie verderblich werden kann, führt, so ist es schon ins allgemeine Bewußtsein eingedrungen, man müsse eine psychiatrische Untersuchung einleiten, es werde wahrscheinlich gelingen, daß dloral msanity(Kranksein der Moral), vielleicht auch ein niederer Grad von Intelligenz diagnostizirt werde, und daß dann ein Zeugniß auf Un- zurechnungsfähigkeit ausgestellt wird. Es ist dies besonders ein ganz handwerksmäßiger Usus in der advokatorischen Praxis geworden. Es wird dann eine Kontumazirung des Uebelthäters in eine Privat-Heilanstalt vorgenommen, bis Gras über die Affäre gewachsen ist. Die Anklage war schon früher auf diese Weise bei Seite geschoben." Gegen den Schluß sagt der weltberühmte Gelehrte:„Ich weiß, daß mein Mahnruf wegen der Klassenjustiz diesseits und jenseits des Ozeans einen mächtigen Widerhall finden wird. Aber in meiner Heimath besitze ich keine Autorität und keinen Einfluß. Die offizielle medizinische Welt weiß es nicht oder thnt wenigstens, als ob sie es nicht wüßte, daß ich eine autoritative oder überhaupt eine Stellung in der internationalen Welt der Psychopathologen(Seelenheil- küustler) einnehme, und dieser Kreis hat, so sonderbar es Ihnen auch scheinen mag, das Ohr und die Brachial- gewalt(Arm) der Regierung völlig zur Bersügung." Das heißt aus gut österreichisch: Wegen meines beschränkten Uuterthanenverstandes habe ich nach Oben das Maul zu halten. Trösten Sie sich, Herr Professor, mit Ihrem Kollegen Birchow, dem geht eL in Preußen auch nicht besser wie Ihnen in Oesterreich!—' Ein Beitrag zur Geschichte der„unpolitischen" Kricgervereine. In der„P a r o l e". einem amtlichen Organ der Kriegervereine, liest man: „Riegelsberg im Saarkohlenrevier. Das Verhalten unserer Kameraden in dem letzten Streik, ins- besondere der Umstand, daß die größere Mehrzahl der- selben den von Bildstock ausgehenden sozialistrfchen Lehren willige Ohren lieh und der rothen Fahne eifrig folgen zu wollen schien, machte den Vorständen der einzelnen Vereine sowohl als auch dem Bezirksvorstande zu St. Johann a. d. S. nicht wenige Kopsschmerzen, trotzdem man überzeugt war, daß daß Gros dieser fahnenflüchtigen Kameraden aus Unwiflenheit und Furcht, und nur eine verschwindende Minderzahl in voller Ueberlegung gehandelt hatte. Es war nun die Aufgabe der Vorstände, ein Mittel zu finden, um Spreu und Weizen zu sondern. Zu diesem Zwecke fand zu Et. Johann eine Bezirks- Vorstandssitzung mit hinzugezogenen Vereinsvorstünden statt. Nach langer Debatte einigte man sich dahin, daß von den Mitgliedern des Deutschen Krieger-Bundes, welche Mitglieder deS Bildstocker RechtsschutzvereinS sind, eine Erklärung darüber abgefordert werde, ob sie bis zum l. April d. I. ausscheiden und keinerlei sozialistische Zeitschriften in Zukunft weder halten noch verbreiten helfen wollen. Jeder ehemalige Krieger, der sich weigert, diese bestimmte Erklärung abzugeben, soll ohne weiteres als aus dem Verein ausgeschieden betrachtet werden. Um diesen Beschluß zur Ausführung zu bringen, hatte am Sonntag den IS. Februar Herr Bürgermeister Speicher zu Riegelsberg den Kriegerverein„Friedrich" zu einer außerordentliche» Generalversammlung zu- sammenkommen lassen. Von dem Uber 320 Mann starken Verein war vielleicht die Hälfte er- schienen. Mit sichtlicher Spannung hörte man den Beschluß des B ezir ks v o rstan d es a n. Darauf setzte der Vorsitzende in etndrtna- lichenMortenseine Ansichten über denBtld- stocker Rechtsschutzverein und die Gefahren, die er den Bergleuten bringe, auseinander. DteWirkungdieser Ansprache war eine erfreu- liche: denn fast alle anwesenden Bergleute er- klärten, sofort aus dem Rechtsschutzverein austreten z u wollen. Gebe Gott, daß auch die Kameradenm den Nachbarvereinen bald denselben oder noch besseren Erfolg be- richleu können; dann wird die rothe Fahne in Bildstock bald sinken und dann wäre es wahrschemlich, daß der große „Kladderadatsch" für die dortigen Maulhelden schon im Jahre 1393 eintreten könnte." Unter Assistenz des Burgermeisters wird das Recht der freien Meinung munter vergewaltigt. Die naseweisen Polterer der„Parole" dürften bei dem großen„Kladdera- datsch", der ihrer Kriegervereins-Herrlichkeit bevorsteht, mit Heldenmuth zuerst das Hasenpanier ergreifen. Im Uebrigen ist es erfreulich, daß auch in den Kriegervereinen das sozia- listische„Gift" zersetzend und auflösend wirkt, laut dem eigenen Zugeständniß der ruhmredigen„Parole".— Politik treiben diese Herren, ein Bürgermeister wirkt dabei mit, aber„unpolitisch" bleiben sie doch. Es lebe das Vereins- gcsetz!— Vereine, die sich mit öffentlichen Angelegenheiten beschäftigen, dürfen nach dem preußischen Vereinsgesetz nicht miteinander in Verbindung treten. Wenn Sozial- demokraten dagegen verstoßen, werden sie schwer bestraft. Die antisemitischen Deutsch-Sozialen nehmen aber offenbar an, daß man mit ihnen nicht oder nicht hart ins Gericht gehen werde. Sie halten am 22. März in Dortmund einen Parteitag ab, zu dem sie die deutsch- sozialen Vereine und Ortsgruppen auffordern, Delegirte zu wählen. Das ist nach dem Gesetz strafbar. Uns liegt natürlich nichts an einer Bestrafung dieser Leute, aber wenn ihnen das jetzige Vereinsgesctz selbst unbequem ist, dann mögen sie mit dafür sorgen, daß es abgeschassr wird; wir können nicht dulden, daß arme Arbeiter für ein Vergehen schwer büßen müssen, dessen VerÜbung den wohl- genährten Herren der Ailtisemiterei nach ihrer zu ver- muthenden Hoffnung gar keine oder nur eine äußerst milde Straf« einbringt.— Aus der Ferienkolonie. Aus Koblenz wird der „Frankfurter Zeitung' unterm 6. März geschrieben:„Vier Selbstmorde von Soldaten passirten hier im Ver- lauf weniger Wochen. Vorgestern erhängte sich ein Fußartillerist vom Regiment Encke(Magdeburg'sches) Nr. 4 im Militärarresthaus und gestern Abend erschoß sich ein Soldat des Jnfanterie-Regiments v. Goeben(2. Rhein.) Nr. 23 auf Posten im Zivilarresthaus.'— Wie's gemacht wird. Als sich am 1. ds. Mts. der Bataillons-Kommandeur in Landshut(Bayern) von den zur Ucbung einberufen gewesenen Reservisten und Landwehrleuten verabschiedete, benutzte er diese Gelegenheit zum Hinweis darauf,„daß für den Militärs- mann die Stellungnahme zur Militärvorlage genau vorgezeichnet sei". Wenn sich dieses Vorgehen nicht als amtliche Beeinflussung kennzeichnet, was ist dann amtliche Beeinflussung?— IS SO« Jesuiten! Arme„evangelische Männer", welche Schrecken drohen Euch! Der an hochgradiger chro- nischer Jrsuitophobie(Jesuitenscheu) leidende Hallische Theologieprofessor Willibald Beyschlag macht alle ilfstruppen zum Kampfe für das Jesuitengesetz mobil. etzt läßt sich dieser geistesstarke Held von dem„bekannten heologen" Richard Weitbrecht einen Artikel über die„Waffen der Jesuiten' schreiben, der in den„Deutsch- Evangelischen Blättern" erschienen ist und von den glauben- starken liberalen Blättern eifrig nachgedruckt wird. Da heißt es:„In Wirklichkeit sind die paar Jesuiten 12 306 Ordensglieder, von denen auf Deutschland tausend „gerechnet" werden. Es können nach Aushebung des Jesuitengesetzes aber ebensogut alle 12 000 nach Deutsch- land kommandirt werden!" Im Jahre 1885 gab es in Deutschland 29 369 847 Protestanten, also«S,«8 Prozent der Bevölkerung gehörten diesem Bekenntniß an. Schon sehen wir, wie die 1000 oder„ebensogut" die 12 306 Väter der Gesellschaft Jesu, das„Jesuwiderhüt- lein", um mit Fischart zu reden, kühn in den Nacken ge- schoben, das Ordenskleid zum Marschtritt aufgeschürzt, sich aus die dreiftig und mehr Millionen der protestantischen Opfer werfen, die rettungslos mit schlotterndem Gebein ans gnatius von Loyola sich einschwörcn lassen müssen. Das emetzel dieses Jesuitenseldzuges wird Herodes überherodi« siren, und das monumentale Beinhaus der Hingeschlachteten wird ein wahres Arsenal von Perrücken. Schlafmützen, Schlappschuhen und Waschlappen bilden. Wir erwarten den Einfall der Jesuiten kühl bis an's Herz hinan. Da aber die Beyschlag und Weitbrecht, die Tante Voß und Konsorten so ängstlich gackern, das Kapital sei in Gefahr, so soll xs uns ein liebliches Ergötzen sein, wenn den warnenden Gänsen des Kapitals reihum der Kragen um- gedreht wird— von den 12 306 Jesuiten. Der alte Fritz, der Abgott der liberalen Kulturkämpfer, dessen Schatten wir jüngst aus dem Dunkel der preußischen Staatsarchive zitirten, würde sich nicht wenig belustigen über diese kindische Furcht der protestantenvereinlichen „Krapüle".— Die schlesischen Hausweber, deren Elend sprich- wörtlich ist, erscheinen den Herren, die im schlesischen Provinziallandtag Diäten verzehren, offenbar noch nicht als Nothleidende. Wie aus Breslau be- richtet wird, hat der Provinziallandtag die zur Hebung der Lage der Hausweber beantragte Bagatelle von zehntausend Mark, einen wahren_ Pappenstiel, abgelehnt. Der Hungertyphus ist eben keine Agrarier- krankheit, sondern ein Sonderleiden schlesischer Leineweber. Wie sie alle für die Sozialdemokratie wirken, diese christ- lich-deutschen Sozialreformer!„Wir weben, wir weben."— Die Junker dürfen auf die thatkräftige Hilfe der Regierung zählen. Während die Organisation der Arbeiter mit Mißtrauen beobachtet, tribulirt, bis zur Verkümmerung eingezwängt oder gar unterdrückt wird, wird die mächtige Klasse der Großgrundbesitzer, die doch das Heft in Händen hat, noch des weiteren gefördert. Jetzt sollen sie auch Land- wirthschaftSkammera erhalten. ES ist nach einer vMiösen Meldung«die geseizgederische Ausgestaltung des Gedankens innerhalb der Staatsregiernng zur Erörterung gezogen, und zwar sei dabei auch erwogen, ob es nicht an- gängig sein würde, noch in der jetzigen Session dem Land- tage eine entsprechende Vorlage zu machen." Arbeits- k a m m e r n freilich sind ein Rührmichnichtan für die Sozialreform von oben. Was sie säet, wird sie auch ernten müssen.— Der Bund der Laudtvirthe hat bereits sein amt- liches Vereinsorgan. Es ist die in Bunzlau in Schlesien erscheinende„ L a n dw i r t h s ch a f t l i ch e Thier- z u ch t", dasselbe Blatt, worin zuerst der Rufer im Streit, Herr R u p r e ch t- R a n s e r n seine Stimme erhob: «Schreien wir, schreien wir, schreien wir!" Ein geeigneteres Blatt als die«Thierzucht* hätte der Fachverein der Brot- vertheurer gar nicht finden können.— Die nothleiden- d e n Agrarier veranstalteten im Kreise Grimmen, um sich von den Anstrengungen der Nothstandsreisc nach Berlin zu erholen, am Sonntag unter Bctheiligung von uu- gefähr 150 Personen eine große Festlichkeit, be- stehend ans Konzert, Festmahl und Ball, wobei, wie aus dem Kreise geschrieben wird, sehr viel Sekt konsumirt wurde. Der pommersche Witz hat das Fest mit dem Namen «N o t h st a n d S b a l l" bezeichnet. Noch„Heller" sind die agrarischen Sächser. Q;n einem Dahlener Lokalblatt — Dahlen liegt im Königreich Sachsen, nahe Würzen— lieft man das nachstehende„Eingesandt": „Ter landwirthschaftliche Verein Dahlen, welcher heute 280 Mitglieder zahlt, hatte beschlossen, am 1. März d. I. sein von zwei zu zwei Jahren statlsindendes Stiftungsscst, wie dies biS jetzt seit SO Jahren der Fall gewesen,'durch ein kleines Fe st essen und Ball zu begehen. Infolge einer zu schwachen Betheiligung(es hatten nur 42 Mitglieder gezeichnet), welche einzig und allein nur aus die überaus gedrückten Verhältnisse, übermäßigen Lasten, und die h ö ch st traurige Lage, in welcher sich die Land- wirthschast jetzt befindet, zurückzuführen ist, hat sich der Verein leider genöthigt gesehen, dies Vergnügen gänzlich aussallen zu lassen, was im Vereinsbezirke allerseits mit ausrichtiger Freude begrüßt wurde." Gut gebrüllt! Wenn sich die„Kreuz-Zeitung" nur diesen Beleg für die Nothlage der deutschen Laudivirthschaft nicht entgehen läßt!— In der„Breslauer Zeitung" liest man: „Vor uns liegt ein interessantes Buch:„Neue Feuerbrände herausgegeben von dem Verfasser der vertrauten Briefe über die innern Verhältnisse am preußischen Hose seit dem Tode Friedrichs II." Das Buch ist ISO? bei Peter Hammer in Amsterdam und Köln erschienen. Es befindet sich darin auf Seite 6S:„Das schwarze Register oder Generaltableau sämmt- licher in Süd-Preußen, während der Minister von Hopm diese Provinz verwaltet hat, in den Jahren 1794 bis 179S als Gratialgüter verschenkten, ehemaligen polnischen Krön- und geistlichen Güter." Nach diesem„schwarzen Register" beträgt die Zahl der Donatarien 52, die Zahl der verschenkten Güter 241, deren Nominalwerth bei der Schenkung 3'/s Millionen Thaler, deren wahrer Werth jedoch 20 Millionen Thaler. In diesem Register heißt es unter Nr. 35: Major v. Plötz vom Regiment von Grävenitz; er erhielt das Gut Wonglzow-Warta zum Nominalwerlh von 10 000 Thaler geschenkt. In einer Anmerkung dazu heißt es:„Verkauft sür 20 000 Thaler. Die Kabinetsordre ist vom 20. April 1797."— Die„Bresl. Zeitung" fragt, ob vorstehender v. Plötz ein Ahn des Präst- deuten des Bundes der Landwirthe ist.— Uebrigens erhält der Bund einen Konkurrenten. Irgend ein strebsamer Agrarier,— er heißt Klappern- Pill- piemen—, der„mit dem Ergebniß der Tivoliversammluug nicht zufrieden ist", will einen„Deutschen Lundbuud" stiften, dessen Vorstand aus allen Parteien, außer der sozialdemokratischen, gebildet werden soll. Selbiger Gründer scheint ein Erzkoufusionsrath zu sein. Er will verhüten, daß die Konservativen die erste Geige spielen und eine eigene parlamentarische Partei aufthun.— Ein putschender Staatömiuister. Ist da vor kurzem ein preußischer Konservativer, ein Herr Dr. von Koseritz, anhaltischer Staatsminister geworden. In der Rede, womit er den anhaltischen Landtag eröffnete, heißt es, daß sich nicht nur das finanzielle Verhältniß Anhalts zum Reiche unter der Wirkung der Handelsverträge und bei der an- dauernden Steigerung der Militärlast verschlechtert habe, sondern es wird auch auf den„Stand der Unsicherheit, sowohl in bezug auf die Befürchtung des Abschlusses weiterer unserer Landwirthschaft nachtheiliger Handelsver- träge, als auf das Schicksal der schwebenden Militär- vorläge" verwiesen. Ueber diese an der Reichsregierung geübte Kritik des Herrn von Koseritz sind offiziöse und liberale Prcßorgane gleicherweise entrüstet. Warum aber der Minister eines Bundesstaates nicht seine Ansicht über die Maßregeln des Reichs aussprechen darf, ist uns un- erfindlich. Allerdings hat Anhalt im Bundesrath den Handelsverträgen und der Militärvorlage zugestimmt, und Herr von Koseritz hätte besser gethan, wenn die anhaltische Regierung seiner Ansicht ist, den Vertreter des Herzogthums im Bundesrathe dem- gemäß zu instruiren. Wenn der verantwortliche Minister der Landesvertretung seine Auffassung der Reichspolitik entwickelt, so gilt das als ein Frevel, weil diese Auffassung dem neuen Kurse zuwiderläuft. Aber mit Behagen ver- zeichnen die Pindter und Genossen jede Kundgebung irgend eines der Volksvertretung gegenüber nickt verantwortlichen Bundessürsten zu gunsten ver Militär- vorläge, so kürzlich als der Großhcrzog von O l d e n- bürg der Landtags-Abordnung erklärte, er halte die Vor- läge für nothwendig und nützlich. Schalt damals die „Norddeutsche" nicht heftig darüber, daß die olden- burgischcn Landboten die großherzogliche Rede nicht kol- portirt hatten?— Bei den spanischen Wahlen ist keiner der sozialistischen Kandidaten durchgekommen. Die für sie abgegebene Stimmen- zahl werden wir erst in den �Parteiorganen finden.— Sehr bedeutend sind die Ziffern, mit denen die republikanischen Kandidaten gewählt worden sind. Und daß sämmtliche größere Städte des Landes sich überwiegend republikanisch gezeigt haben, eröffnet der Regierung und der Monarchie keine günstigen Aussichten.— Frankreich. Man schreibt uns aus Paris, den 7. März 1893: Die Frage der Kammerauflösung ist in Frankreick einstweilen wieder von der Tagesordnung abgesetzt worden; die Budget- berathmig hatte man so verschleppt, daß Regierung und Kammer jetzt die größten Anstrengungen machen müssen, um das Ver- säumte nachzuholen; werden diese praktischen Arbeiten nicht wieder durch sensationelle Enthüllungen unterbrochen, so dürfte di« Regierung wohl kaum Veranlaffung nehmen, vor dem gesetzmäßigen vermin im Herbst die allgemeinen Wahlen anzu- beraumen. Indessen haben die Regierungsparteien den Gc- danken einer früheren Auflösung der Kaminer nicht unbedingt im Prinzip zurückgewiesen und die Opposition thut gut daran, auf der Hut zu sein und sich nicht in einem ungünstigen Augen- blick überraschen zu lassen. So bereiten sich auch schon gegen- wärtig besonders zwei Parteien auf den Wahlkampf vor, welche hoffen, während der künftigen Gesetzgebungsperiede eine ausschlaggebende Rolle zu spielen. Es sind' dies einer- seils die sogenannten Ralltirten oder die„konstitutionelle Neckte"(d. h. diejenigen früheren Monarchisten, welche unter der Führung von Herrn P i o u und auf ausdrückliche Aufforderung des Papstes die Republik von jetzt an als die rechtmüßig be- stehende Staatsform anerkenne»), die darauf rechnen, im neu- gewählten Parlamente die führende Stellung in einer nach dem Muster der englischen Torypartei zu bildenden großen konser- vativen Partei einnehmen zu können. Auf der anderen Seite, nicht minder rührig, nicht minder thalkrästig und nicht minder sicgesgewiß, findet man die Partei der sozialistischen Radikale» uuler der Führung von Goblet und Millerand, welche danach trachten, eine starke Partei des sozialen Fortschritts um sich zu schaaren; auch sie rufen das Beispiel Englands an, dem Bunde der Rechten wollen sie eine mächtige Wighpartei entgegenstellen und rechnen dabei auf den Zuzug der vorgeschrillenen Republikaner unter der Leitung des Senators Ranc, der I8S9 sämmtliche republikanische Parleien zur Bekämpfung der boulan- gistischen Reaktion einigte, und auch nach links hin fordern sie sämmtliche Sozialisten, denen daran liegt, die Um- gestallung der gesellschaftlichen Ordnung auf friedlichem Wege vorzunehmen, auf, mit ihnen gemeinschaftliche Sache zu machen. In ihrem Wahlprogramm fordern die sozialistischen Radikalen vor allem die Revision der Ver- fassnng von 187S im demokratischen Sinne, die Einführung des Referendums nach schweizerischem Muster, die Trennung von Kirche und Staat und die Beschränkung der Vorrechte der großen Finanzinstitute. Der Abgeordnete Mill erand setzte dieses Programm in einer großen Wählerversammlung letzten Sonntag in Calais auseinander und erntete reichen Beifall; nach ihm ergriff in der Versammlung, die als der Beginn des diesjährigen Wahlfeldzuges anzusehen ist. Lafa rgue im Namen der Ar- beilerpartei das Wort und entwickelte seine Ansichten über das vorgeschlagene gemeinsame Vorgehen; er erklärte sich bereit, den Radikalen dabei zu helfen, den Finanzherren die Bank, die Bergwerke und die Eisenbahnen zu entreißen. „Wir gehen darauf ein," schloß er nach der„Petite Republique franyaise", mit Millerand zur Schlacht zu marschiren, um die Verwirklichung dieses Programms zu erlangen; jedoch behalten wir uns vor, nachher weiter zu gehen." Die Versamm- lung erklärte sich mit dieser Taktik einverstanden.„Auch B a u d i n und G u e s d e hatten versprochen, in Calais zu erscheinen; der eine war jedoch genöthigt, in Rive-de-Gier, der an- dcre, in R o u b a i x zu bleiben; I a u r ö s hielt zu gleicher Zeit eine Versammlung in L y o n zu gunsten der Metallarbeiter von Rive-de-Gier ab. Der Wahlfeldzug soll von nun an mit aller Energie und Ausdauer fortgesetzt werden; in allernächster Zeit werden in Bordeaux große Versammlungen stattfinden, in denen Millerand, Guesde, Jaures und Jourde als Redner auf- treten werden. Und nicht nur aus die Eroberung der großen Städte hat es die Opposition abgesehen; auch au? dem Lande soll energische Propaganda betrieben werden, eine Broschüre zur Erläuterung des auf dem Marseiller Kongresse ausgearbeiteten Programms, welches die ländlichen Sirbeiter, Pächter und Kleinbauern der sozialistischen Partei zusühren soll/ befindet sich unter der Presse.— Der zweite Panama-Prozeß, der seit vor- gestern verhandelt wird, ist fast noch interessanter als der erste. Die Verurtheilten des ersten Prozesses geben sich nämlich die größte Mühe, die nicht angeklagten Mit- schuldigen an's Messer zu liefern. Clemeuceau, Floquet und Frey einet werden immer schwerer belastet, und, obgleich der Gerichtspräsident und Oberstaarsanwalt„Abweichungen" d. h. unbequeme Aussagen zu verhindern suchen, so sind in Frankreich doch die Dinge zu weit gegangen, als daß ein Eindämmen des Skandals noch möglich.— Belgien. Polizist, Soldat und Staatsanwalt— das sind die drei Säulen, aus die sich in Belgien wie anderswo die Geldsacks-Ordnung der Dinge stützt. Der Soldat ist nun dort nicht sehr verläßlich, und auch der Polizist ist keine zureichende Stütze. So muß denn der Staatsanwalt heran. Die Regierung hat gestern beschlossen, unser Brüsseler Parteiorgan, den„Peuple", wegen Aufreizung zur Gewalt- that strafrechtlich zu verfolgen. Der„Peuple" hatte nämlich in der Nummer vom 7. d. M. gesagt, wenn die Regierung, gegenüber dem durch das Referendum so deutlich ver- kündeten Willen des Volkes, das allgemeine Stimmrecht zu verweigern fortfahre, werde sie mit ihrer Gewaltpolitik bankrott machen, und„bereite den Bürgerkrieg vor". Hieraus soll nun der belgische Staatsanwalt, nach bekannten Mustern, eine Aufforderung zur GewalUhat zurecht drechseln, was der gute Mann wohl auch fertig bringen wird. Schade nur, daß in Belgien die Preßsreiheit nicht blos auf dem Papier besteht, und daß derartige Attentate auf das Recht der freien Meinungsäußerung bisher noch stets mit Niederlagen der Regierung geendet haben. Und so wird es auch diesmal geschehen! Der Prozeß gegen den„Peuple" erinnert uns an die Unterdrückung unseres Hamburger Partei-Organs zur Zeit des Sozialistengesetzes. Das Weitererscheinen des Blattes wurde damals verboten wegen eines Artikels, der das be- kannte Gladstone'sche Wort:„Gemalt ist kein Heilmittel" im Sinne der Ohnmacht der rohen Gewalt besprach— ganz wie der jetzt in Belgien verfolgte Artikel des„Peuple".— Der König empfing gestern Herrn Grimard, den Vor- sitzenden des Komitee's für das Brüffeler Volksrefcrendum, und sagte ihm, er sei„im Prinzip ein Anhänger freiheit- licher Einrichtungen"; aber die Gesetze würden nicht von ihm, sondern„von der Nation" gemacht. Der König von Belgien scheint ein Spaßvogel zu sein. Er ist „im Prinzip" Anhänger dessen, waS er thatsächlich bekämpft; und wenn er die Vertreter einer winzigen Minorität von Zensuswählern„die Nation" nennt, so thut er das natürlich„aus Prinzip".— Drüben»nd Hüben. Drüben in Amerika ging am Sonnabend der Auszug des alten und der Einzug des neuen Präsidenten in der gemüthlichsten Weise vor sich. Beide Herren begrüßten einander aufs Herzlichste, fuhren, nebst ihren Frauen, in freundschaftlichstem Gespräch durch die Straßen und verkehren auch seitdem wie zwei Freunde und Kollegen. Und Hüben? Man denke sich Bismarck und Caprivi in einer Droschke! Wenn letzterer nicht acht gäbe, würden ihm die Augen ausgekratzt. Und das drei Jahre nach dem Kanzlerwcchsel! Hätte Harrison sich solch unanständigen Benehmens gegen seinen Nachfolger schuldig gemacht, die Kinder auf der Straße würden ihn auspfeifen und mit faulen Eiern bewerfen. Und das von Rechts wegen.— Die„Botschaf t", welche der neue Präsident zu er- lassen hatte, enthält nichts Vemerkenswerthes, worüber sich blos die Grünlinge wundern können, die einen plötzlichen Ruck des Steuerruders zu einem„neuen Kurs" erwartet hatten.— ZZarlennettkQrisUxev. Die, Militärkommission hatte beschlossen, vor der Ab- stimmung über die gegenwärtig der Spezialdiskussion unterstehen- den Positionen eine mehrtägige Pause eintreten zu lassen, damit die Kommissionsmitglieder Gelegenheit bekämen, sich erst mit ihren Fraktionsgcuossen über ihre definitive Stellungnahme ju_ verständigen. Heute einigte man sich dem entgegen dahin, sofort an die Diskussion anschließend die Abstimmung vorzunehmen und dann vor der zweiten Lesung die projektirte Pause zu machen. In der Fortsetzung der Diskussion werden eine ganze Reihe von Titeln ohne Erörterung gelassen, bei der Pofiiion „Stämme für Reserveformationen der Kavallerie" jedoch enlsttht eine längere Pferdedebatte, bei der die Herren v. d. Schulen- bürg und v. Friesen ihre kavalleristischen Erfahrungen zum Besten geben und für die Bewilligung der geforderten Mehr- betrüge eintreten. Richter widerspricht; wenn die Ausfüh- rungen der konservativen Redner richtig wären, müßte der ganze Kriegsbedarf von Pferden im Frieden präsent sein.— Bezüglich der fahrenden Artillerie richtet Buhl diverse Fragen an die Militärverwaltung, um sich die, ihm— wie er versichert~ augenblicklich noch sehlende Neigung zur Bewilligung bei- bringen zu lassen. Major Wachs versichert natürlich, daß die Militärverwaltung die verlangten Formationen haben müsse; demgegenüber weist Richter nach, daß die forlgesetzte Vermehrung der Artillerie in Deutschland eine derartige war, daß es Frank- reich und Rußland(jedes einzeln gerechnet) überlegen ist, der Dreibund ist den beiden Staaten zusammen an bespannten Geschützen überlegen. Die Militärvertreter behaupten dagegen, daß Frankreich und Rußland mehr Geschütze aus den Kriegs- schauplatz bringen können. Der Streit über diese Frage, in den auch der Reichskanzler eingreift, und über die Pferdezucht in den einzelnen Ländern zieht sich durch den größeren Theil der Sitzung hindurch. Um'/ei Uhr wird, da im Plenum der Militäretat auf der Tagesordnung steht, die Sitzung geschlossen. Morgen Bormittag '/,11 Uhr Fortsetzung. Die Kommissio« zur Vorberathnng der lex Heiuze begann ihre heulige— 22.— Sitzung mit einer recht ani- mirten Debatte über den Lattenarrest-Vorschlag. Bekanntlich hatte die Kommission den Regierungsvorschlag insbesondere dadurch verbösert, daß sie den Lattenarrest aus die ganze Dauer der Strafe zulassen wollte. Diese und einige andere Verrohungen beseitigte die Kommission nach heftigem Kampfe. Schließlich siegten aber doch die laltenarresilusligen Mitglieder mit einer Stimme Majorität durch Annahme des folgenden§ ISa:„Bei der Ver- urtheilung zuZuchthaus- oderGefängnißstrase wegenVerbrechen und Vergehen gegen die Sittlichkeit, wider das Leben oder wider die persönliche Freiheit, wegen jKörperverletzung, Raubes, Er» Pressung oder Sachbeschädigung oder wegen gemeinfährlicher Ver- brechen und Vergehen kann, ivenn die That von besonderer Roh- hnt, Bosheit oder ehrloser Gesinnung des Thäters zeugt, ans Verschärfung der Strafe auf die Dauer der ersten ö Wochen erkannt werben. Die Verschärfung der Strafe besteht darin, daß der Verurtheilte eine harte Lagerstätte und als Nahrung Wasser und Brot erhält. Die Verschärfungen können einzeln oder ver- einigt werden und kommen an drei jedoch nicht aufeinanderfolgenden Tagen in der Woche in Anwendung. Auch kann aus eine mildere Vollstreckungsweise erkannt worden. Die Strafverschärfungen sind auszusetzen, wenn und so lange der körperliche Zustand des Ver- urtheilten den Vollzug nicht zuläßt." In der Diskussion hatte Stadthagen u. a. daraus hingewiesen, daß schon heute der Aufenthalt in preußischen Gefängnissen dem Latlenarrestvorschlag zum Theil gleiche. So sei einem Journalisten(Genossen John) im Gefängniß zu Koltbus, sich Butter anzuschaffen, verwehrt. Die Kost sei so wässerig, wie Waffer, nur daß dieses reinlicher zu sein pflege. Die Schwärmer für Lattenarrest mögen doch probe- weise Gesüngiiißaufenlhalt sich selbst verschaffen oder bei ihren politischen Freunden, denen unfreiwillige Staats- wohnung verschafft war, Umfrage halten. Wie wenig aus Inno- hallung der Humanitären Minimalanforderungen gehalten werde, zeigen z. B. auch die in der Untersuchungsstation der Berliner Stadtvogtei herrschenden Zustände. Ein Schuhmacher sei vor kurzer Zeit dorthin gebracht, weil er trotz eifrigen Suchens nach Arbeit solche nicht gefunden und das Asyl für Obdachlose, fünf Mal aufgesucht hatte. Das nennt die bürgerliche Rechtsordnung„der Arbeitsscheu verdächtig sein". Dieser wegen angeblicher Arbeits- scheu übrigens Freigesprochene schildere das Versahren in der behördlichen Anstalt wie folgt:„50 Mann mußten wir zunächst in e i n und demselbenWasfer, zu 2 Mann in derselben Wanne baden, wiewohl einer der Jnhaftirten ein eitriges Bein hatte. Dann mußten wir schmutzige uns nicht gehörige Hemden, Halstücher, Strümpfe u. s. w. anziehen. Infolgedessen erhielten mehrere Jnhastirte als Mitbewohner eine Anzahl Läuse u. s. w." Das sei das Aussehen eines heutigen preußischen Gefänanißsystems— statt solche empörende Zustände zu beseitigen, schlage man nun Torturen gegenüber Bestraften vor! Z 382 der Borlage und Beschluß erster Lesung will die Labsal eines Lattenarrestes auch Solchen durch den Richter auferlegen lassen, die wegen Bettelns, Landstreichens, Arbeitsscheu, Müßiggang u. s. w.(Uebertreimng gegen Z 361 Nr. 3—8) bestraft sind. Bereits in erster Lesung hatte Bebel darauf hingewiesen, wie häufig fechtende Handwerker, insbesondere von unerfahrenen, jungen, streb- samen Richtern als— Bettler bestrast werden. Die Kommissions- Mitglieder und die Regierung hatten zwar das Unberechtigte der Anwendung des Stramesetzbuchs in solchen Fällen zumeist an- erkannt, aber doch Abhilfemittel niait finden können. Den in erster Lesung gegebenen Anregungen folgend schlug Abg. Gröber — ein Lattenarrest- Gegner— sü. die zweite Lesung vor, die Lattenarrest-Zugabe nur in den Fällen zuzulassen, wenn die Be- treffenden wegen Betteins, Landstreichens, Arbeitsscheu u. s. w. mehrfach innerhalb drei Jahren bestraft feien. Der Wider- spruch gegen diese Abschwächung des Lattenarrest- Vor- schlages seitens der Regierung veranlaßte Stadthagen, auf die häufigen Fälle unrichtiger Anwendung der Begriffe Arbeitsscheu, Landstreichens u. s. w. hinzuweisen. Wolle man ivegen Arbeitsscheu strafen, so müsse man doch den Arbeit- suchenden Arbeit geben. Wo kann man innerhalb der heutigen Gesellschaftsordnung Arbeit erhallen? Die Gesellschaft habe doch, wenn solch verkehrte Urtheile vorkommen— und daß sie sich häuften, dafür bürge schon die zunehmende Beamtenstrebsamkeit und damit verbundene Gewissens- und Kenntnißlosigkeit auf den verschiedensten Gebieten— die verdoppelte Pflicht für Arbeits- beschaffung zu sorgen— statt besten Lattenarrest! Redner erinnert an die ungeheure Anzahl sozialdemokratischer Stimmzettel-Vertheiler, welche zur Förderung der Wahl des Prinzen Handjery in Teltow- Beeskow- Storkow als angebliche Landstreicher solange verhaftet wurden, bis die Wahl zu Ende. Selbst alte Richter, so der nationalliberale durch- gefallene Geraer Kandidat, Herr Alberti, habe sich dazu hinreißen lassen, von einem ihm nicht weiter bekannten, außerordentlich tüchtigen, fleißigen, kenntnißreichen, ehrlichen Redakteur, der aller- dings die natronalliberalen Mollusken herzhast bekämpfte, in einen Erkenntniß, das nicht einmal gegen den Redakteur erging, alS einem„Menschen obskurer und bedenklicher Existenz... einen aus Böhmen hergelaufenen Strolch" zu sprechen. Wie würde es dem Redakteur gegangen sein, wenn er etwa irgend etwas begangen hätte? Die Debatte wurde dann abgebrochen und aus morgen 10 Uhr vtrtagt. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung 8. Theater. Freitag, den 10. März. Opernhaus. Die Rauzau. Schauspielhaus. Vasantasena. Deutsches Theater. Zwei glückliche Tage. Berliner Theater. König Lear. Leffing- Theater. Heimath. Wallner- Theater. Die Großstadtluft. Kroll's Theater. Mala Vita. Residenz- Theater. Familie Pont: Biquet. Viktoria Theater. Die Reise um die Welt in achtzig Tagen. Neues Theater. Toska. Friedrich- Wilhelmstädt. Theater. Don Cäsar. Adolph Ernst- Theater. Modernes Babylon. Thomas Theater. Der Talisman. National- Theater. König Ottokars Circus Renz. ( Karlstraße.) Freitag, 10. März, Abends 7/4 Uhr: Wiederholung der Gala- FeftAuf allseitiges Verlangen: E vortellung vom 27. Januar. Großer Feftaufing. 1. Reigen der Ritter und Edeldamen: 2. Militärisches Divertissement( Gegenwart). Zum Schluß: Ein Künstlerfest. Große Ausstattungs- Pantomime. Neue Einlagen mit überraschenden Wasser- und Lichteffecten. Ballet von 100 Damen. Glänzender Blumencorso. Grosses Brillant- Feuerwerk. Außerdem: Mr. James Fillis mit dem Schulpferde Markir. Das boxende Känguruh, c. Sonntag: 2 große Vorstellungen. Um 4 Uhr( 1 Kind unter 10 Jahren frei): Die lustigen Heidelberger. Abends 71/2 Uhr: Ein Künstlerfest. Fr. Renz, Direktor. Feen- Palast Jeden Tag: Alexanderplay- Theater. Die Kon- Gr. Spezialitäten- Vorstellung. fektioneuse. Apollo Theater. SpezialitätenVorstellung. MoritzEtablissement Morih litäten Borstellungen. Spezia Blas Buggenhagen. Blay. Kaufmann's Variété. Spezialitäten- Täglich: Instrumental- Konzert. Vorstellung. Großer Frühstücks- u. MittagsGebrüder Richter's Variété. Spe- tijd. Spezial- Ausschant von Pakenzialitäten- Borstellung. hofer Lagerbier, hell und dunkel. Winter- Garten. Spezialitäten- Bor- An Sonn- und Festtagen stellung. findet das Konzert in den oberen Sälen statt. Adolph Ernst- Theater. Entree Bochent. 10 Pf. Sonnt. 25 Pi. Zum 76. Male: Modernes Babylon. Säle für Versammlungen, Rommerse, Festlichkeiten 2c. Dem Schraubendreher A. Hewemann zu seinem 18. Wiegenfeste ein donnerndes Hoch! Ein durstiger Rother. Buchholz, laß gießen. 1710b Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser Sohn, Bruder und Schwager, der Restaurateur Carl Boll nach langem Krankenlager am Mitt woch, Vorm. 10 Uhr, sanft entschlafen ist. Die tiefbetrübte Wwe. Emma Boll geb. Drüblom nebst Kindern und Verwandten. Die Beerdigung findet am Sonntag, Große öffentliche Volks- Versammlung Sonntag, den 12. März, Vormittags 10 Uhr, im Schultheiß( früher Eiskeller), Chausseestraße 88. Tages- Ordnung: 353/ 4* 1. Stellung zur diesjährigen Maifeier. Referent: Genosse Gerisch. 2. Wie stellen sich die Genossen zur Aufhebung der boyfottirten Lokale, die im vorigen Jahre zur Maifeier nicht zu haben waren. 3. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. Die Vertrauenspersonen. Nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Freie Vereinigung der Bau- Arbeiter Berlins. Emmaus- Kirchhofes aus statt.[ 1713b Zentral- Kranken- u. Sterbekasse der Tischler 1. s. 10. Oertl. Verwaltung Berlin F. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Zahlstelle Bernauerstr. 103 nach der taliberſtraße 31. bei Böhlke verlegt worden ist. 304/5 Die Ortsverwaltung. Orts- Krankenkasse der Klempner. Ginladung zur außerordentlichen General- Versammlung der Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer am Sonntag, den 19. März d. J., Vormittags 10 Uhr, bei Mundt, Köpnickerstraße 100. Tagesordnung: Beschlußfassung über das vom BezirksAusschuß nicht genehmigte neue Statut. Der Vorstand. 1709b Gesangsposse in 3 Atten v. Ed. Jacobson Gratweil's Bierhallen Bekanntmachung. und W. Mannstädt. Couplets theilweise Don G. Görss. Musik von G. Steffens. In Szene gefeht von Adolph Ernst. Anfang 71/2 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. American- Theater. Novität! Novität! Der Dussel ( Nulpus) Parodistisch- realistischer Vorgang in der Dachlammer, frei nach Jbsen und Tolstoi von D3 car Wagner. ( Klemm Ede.. Martin Bendix.) O Alfred Bender in seinem neuesten Originalvortrag Der Volksmund in Berlin. Blank, der beste Bauchredner. Anhaltender Erfolg. Die Trockenwohner. Castan's Panoptikum. Letzte Woche! Lili, Hagenbeck's gr. zoolog. Wunder: fleinst. lebend. Elefant d. Welt, Tai- za- Wunder- IllusionenTheater. Sämmtlich ohne Extra- Entree. PassagePanopticum. Neu! Das unerklärliche Verschwinden eines frei in der Luft hängend. Mädchens. Kaufmann's Variété Am Stadtbahnhof Alexanderplatz. Große Spezialitäten- Borstellung. Vollständig neues Programm. Tom. Belling, Original- August. Truppe Hugoston, Atrobaten. Kolling Müller, Wasserkünstler. The Matinos, Gyentrics. Geschw. Tacianu, Duettistinnen. Heinr. Bender, Humorist. Martha Ventura, Rostümsoubretten, sowie sämmtl. engag. Spezialitäten. Anfang Wochentags 8 Uhr. Entree 50 Pf. Bücher, BiblioMeyer's Lexiton, theten fauft Hannemann, Kochftr. 56.[ 1711b* Kommandantenstraße 77-79. Täglich: Orts- Krankenkasse der Buchbinder etc. Vom 1. April d. J. ab befindet sich die Kasse Naunynstr. 33, 1 Tr.( Ede Germania- Konzert- uber Adalbertstraße) und ist dieselbe geöffnet an den Wochentagen von 7 bis 1 Uhr Mittags und Sonnabend von 6-8 1hr Abends. An Sonn- und Festtagen gänzlich geschlossen. Der Vorstand. C. Hoffmann, Vorsitzender, Naunynstr. 38, IV. Kouplet- Sänger sowie Auftreten des musikal. Clown Mr. Barna und Damen- Imitator Willy Wilson. Gr. Frühstücks- u. Mittagstisch. Zwei Säle zu Bersammlungen und Bergnügungen. sowie 6 Billards unb 8 Regelbahnen, 119/4 Mitglieder- Versammlung am Sonntag, den 12. März 1893, Vormittags 11 Uhr, bri Scheffer, Inselstraße 10 II. Tagesordnung: 1. Bortrag des Kollegen Wallenthin über: Der Staat und seine Bedeutung. 1714b 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Gäste willkommen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Achtung! Steinmetzen! Achtung! Grosse öffentliche Steinmetz- Versammlung Sonntag, den 12. März cr., Vormittags Punkt 9½ Uhr, bei Müller, Johannisstraße Nr. 20. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum Submissionswesen des Magistrats. 2. Stellungnahme zur Beitragsleistung des Generalfonds. 3. Urabstimmung über den nächstfolgenden Steinmez- Rongreß. 3. Verschiedenes. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist jeder Rollege verpflichtet, zu erscheinen. Ferner mache ich noch bekannt, daß unser Kollege Heinr. Bohsmann Sonntag, den 12. März, Nachmittags 2 Uhr, von dem Elisabeth- Krankenhause ( Lützowstraße) aus nach Rigdorf beerdigt wird. Um rege Betheiligung wird ersucht. E3 werden sämmtliche Play- Altgesellen aufgefordert, diese Anzeige bekannt zu machen. Der Vertrauensmann: Joseph Buchmann, Mittenwalderstr. 7. Achtung! Deffentliche Achtung! Bersammlung für Frauen u. Männer Sonntag, den 12. März, Abends 5%, Uhr, in Pape's Salon, Badstraße Nr. 58( Gesundbrunnen). Vortrag des Herrn Stüve aus Hamburg über: F. Sodtke. Grosse Versammlung ,, Die Hiermit empfehle ich meine in Friedrichshagen, Friedrichstr. 123, neu errichtete Weissbier- Brauerei nebst Ausschank der Freien Vereinigung der Die Cholera in Hamburg" Uniform- und Zivil- Shneider Berlins 1715 mit Benutzung von 40 Lichtbildern. Entree 10 Pf. In anbetracht des interessanten Vortrages ersucht um zahlreiches Erscheinen Der Einberufer. Sonnabend, den 11. März, Freie Vereinigung aller in der chirurgischen Branche beschäftigten Berufsgenossen. Abends 81/2 Uhr, in den Arminhallen, Rommandantenstraße Nr. 20. allen Freunden und Bekannten zur gefälligen Berücksichtigung. Versandt in Gebinden und Flaschen jederzeit. 3807L* August Kapell. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Disfussion. 3. Verschiedenes und FrageGrößtes LagerBerlins tasten. Um zahlreichen Besuch wird Der Vorstand.[ 237/14 Kinderwagen. Andreaskr. 23. Hp gebeten. Feen- Palast. Freitag, den 10. März 1893: Einmaliger Ringkampf bis zur Entscheidung zwischen dem Meisterschaftsringer der Welt Herrn Carl Abs aus Hamburg und dem griechischen Preisringer Mr. Antonio Pierri. Anfang präzise 10 Uhr. Sonntag, den 12. März, Vormittags 10% Uhr: Grosse Versammlung 130/8 in Philipp's Salon, Rosenthalerstr. 38. Tagesordnung: 1. Vortrag des Srn. Canitz über Naturheilmethode. 2. Diskussion. 8. Das Lehrlingsunwesen in unserer Brauche. 4. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Verband der Geschäftsdiener, Bader und Berufsgenossen. Bureau und Arbeitsnachweis: C., Neue Grünstr. 10, L. Fernspr.: Amt 1, 810. Sonnabend, den 11. März, Abends 9 Uhr: Grosser Wiener Masken- Ball in den Gesammträumen der Koukordia Festfäle", 64 und Krantstr. 38. Großer eing: Bilder aus dem 15. Jahrhundert. Nach der Demastirung: Bier lebende Bilder: Die Schmiede im Walde. Drei gut befehte Orchester. Musiker der Freien Bereinigung der Zivil- Berufsmusiker. Einlaßkarten à 50 Pf. sind in den bekannten Handlungen, im Bureau, Vorher: Grosse Spezialitäten- Vorstellung. Neue Grünstr. 10, I., sowie in folgenden Zahlſtellen, in welchen Beiträge Anfang 28 1hr. Passepartouts und Bons haben an diesem Abend keine Giltigkeit. Billet- Vorverkauf Vormittags von 11-1 Uhr. Oranien- Bad Oranienstrasse 44. Abonnements I. RI. 60 Bf., II. RI. 3 Bäder 1 M. Dampfkasten- Bäder. Einpackung und Massage. Leitungswafer. 8719L* Verlag des ,, Vorwärts" Berliner Volksblatt Berlin SW., Beuthstraße 2. Soeben erschien: Heft 38 der 3808L Reden und Schriften Ferd. Lassalle's ( Vollständig in ca. 50 Heften à 20 Pf.) Bestellungen nehmen alle Buchhandlungen, Zeitungsspediteure und Kolporteure entgegen. gezahlt und Mitglieder aufgenommen werden, zu haben: Süden. Nord- Westen. G. Schulz, Admiralstr. 40a, am Rott- Beleke,( Moabit), Lüneburgerstr. 5, Keller. bufer Platz, Zigarrengeschäft. 5. Gräbert, Jakobikirchstr. 8, im Gosmann, Artillerie- und Oraniens Restaurant. F. Krause, Gitschinerstr. 93, Restaur. Norden. Schuhmann, Ruppinerstr. 8, Keller. Tiek, Invalidenstr. 124, gegenüber dem Stettiner Bahnhof, Zigarrengeschäft. Alb. Löwenberg, Neue Schönhauser ftraße 18, Zigarrengeschäft. Herbst, Elsasserstr. 96, Restaurant. Franz Gleinert, Müllerstr. 174, Gin gang Fennstraße. Osten. A. Graeff, Breslauerstr. 1, Ede Holz marktstraße, Zigarrengeschäft. M. Richter, Grüner Weg 65, part. Oberschmidt, Blumenstr. 21a, Restaur. Süd- Westen. burgerstr. Ecke, Laden. Westen. Barnewitz, Bülowstr. 14, Portier. Sager, Krausenstr. 24. Centrum. Salzwedel, Klosterstr. 88. Bureau, Neue Grünftr. 10, I., von 8-1 und 3-6 Uhr. Kahler, Burgstr. 18, Portier. Nord- Osten. Straube, Linienftr. 9, Hof parterre. Gumpel, Barnimstr. 42, Bigarren geschäft. 170/10 Süd- Osten. E. Eichberg, Lindenstr. 51, Restaur. Methner, Waldemarstr. 29, Zigarrens W. Hilscher, Belleallianceplay 6, geschäft. Restaurant. Vok, Köpnickerstr. 39a, Bigarrenladen. Kranken- Unterstützungsverein der Tabakarbeiter ( früherer Medizinal- Verein). Sonnabend, den 18. März, Abends 9%, Uhr, bei Feind, Weinstraße 11: General- Versammlung. Zagesordnung: 1. Rechnungslegung. 2. Neuwahl des Bor standes und Ausschusses, sowie der Kranken- Kontrolleure. 3. Sonstige Vereinsangelegenheiten. Der Vorstand. Louis Dechand, Ruheplatstr. 24. Gierzu zwei Beilagen.. 320/4 Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schröder in Berlin. Druck und Verlag von Mag Bading in Berlin, SW, Beuthstraße 2. 1. Beilage zum„Vomiirts" Berliner VolWlatt. Ur. 59. Freitag, de« 10. März 1893. 10. Jalzrg. p a r l a»u e n 1 1> c v i ri, t e. Deutscher Reichstag. LS. Sitzung vom 9. März 1893. 1 Uhr. Am Bundesrathstische: v. Bötticher. v. Kaltenborn. Auf der Tagesordnung steht die Berathung des Militär- «t als und zwar zunächst das Ordinarium der Ausgaben. Beim Titel„ K r i e g s m i n i st e r i u m Titel 1. Kriegs- Minister 86 000 M.. führt Abg. Buhl(natl.) Beschwerde darüber, daß mehrfach von den Militärbehörden ein Druck aus die nachgeordneten Mann- schaften, Offiziere und Beamte dahin ausgeübt werde, den deutschen Offizierverein oder das Waarenhaus für deutsche Beamte zu begünstigen. Bon dem Oberkommando der Marine- Verwaltung sei schon 1390 eine Verfügung erlassen, daß die neu einzustellenden Seekadetten ihre Bedürfnisse beim Offizierverein zu entnehmen hätten. Ein Divisiousbureau in Metz hatte in gleicher Weise die Geschälte des Osfiziervereins besorgt. Ein solcher unzulässiger Druck dürfe nicht ausgeübt werden; die Be- vorzuguug der Konsumvereine vor den freien Gewerbetreibenden könne ebenso wenig hier wie an irgend einer andern Stelle ge- billigt werden. Bundeskommissar General v. ftiiuf: Es ist durchaus in der Abftcht der Verwaltung gelegen, jede Bevorzugung der erwähnten Art vermieden zu sehen. Eine Nachfrage vor zwei Jahren hat auch ein durchaus negatives Resultat ergeben. Der einzelne Fall in Metz hat zu sofortiger Rektifikation Veranlassung gegeben. Ueber die angebliche Verfügung des Oberkommandos der Marine bin ich nicht unterrichtet. Abg. Lingens(Z.) kommt auf die Frage des Besuchs des Sonntags- Vormittags- Gottesdienstes durch die Mannschaften zurück. Vielfach werde dieser durch die am Sonntag- Vormittag abgehaltene Kleiderparade verhindert. Eine Abänderung dieser seil.60 Jahren bestehenden Ordnung sei dringend geboten. Anch andere Vorkommnisse ließen erkennen, dah die Beachtung der religiösen Bedürfnisse, namentlich der Katholiken, noch nicht all- gemein erfolge. In Glatz seien die Rekruten auf den 1. No- vember, Vormittags 10 Uhr, einberufen worden, während doch dieser Tag Allerheiligentag sei und 10 Uhr in die Zeit des Sauptgottesdienstes falle. Bei den Manövern seien an den ountagen weder Offiziere noch Mannschaften in den betreffen- den Kirchen zugegen gewesen. Kriegsminister von Kaltenborn verliest die auf den Gottes- dienst bezügliche Garnison- Dienstvorschrift, aus welcher hervor- geht, daß jeder Soldat evangelischen oder katholischen Bekennt- nisses mindestens einmal im Monat zum Gottesdienst geführt werden soll, daß darüber hinaus auch auf alle katholischen hohen Feiertage Rücksicht genommen werden soll, soweit es die dienstlichen Erfordernisse gestatten. Damit sei alles gethan, was innerhalb des Rahmens des militärischen Dienstes für die Be- friedigung der religiösen Bedürfnisse der Mannschaften geschehen könne. Es sei unthunlkh, in den Manövern den Mannschaften jeden Sonntag bedingungslos freizugeben. Die Vorbereitung der Rekruten zur Vereidigung erfolgt durchaus im Einverständnis mit dem katholischen Feldprobst. Anträge des letzteren wird die Verwaltung wohlwollend prüfen. Abg. Richter(dsr.): Ich möchte den Kriegsminister fragen, aus welchem Titel seines Etats die jetzige Agitation im Lande für die Militärvorlage bestritten wird.(Heilerkeit.) Bei allen Kreisblättern, bei den sächsischen Amtsblättern, bei den badischen Amlsverkündigern finden sich als Beilagen die Artikel des Militär-Preßbureaus, die doch ziemlich hohe sächliche Ausgaben verursachen. Unter diesen Artikeln(deren Ueberschriftcn Redner aufzählt), findet sich ein rührsamer Wcihnachtsarlikel, der mit den Worten ansängt:.Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden!" und schließt: Nehmt die Militärvorlage an l(Große Heiterkeit.) Neben diesen Artikeln schießen Wochenblätter wie Pilze aus der Erde, denen jeder ansteht, daß sie sich nicht selbst erhalten können. Wie steht es ferner mit der Broschüre.Auf- klärung über die Militärvorlage", welche in Millionen ebenso wie ein entsprechendes Flugblatt verbreitet wird und zwar un- entgeltlich? Die Vermittelung erfolgt durch eine bekannte Militärbuchhandlung in Berlin, die sonst nichts verschenkt, sondern recht hohe Preise für ihre Lieferungen nimmt.(Heiterkeit.) Auch die Kriegnvereine verbreite» diese Dinge, desgleichen die Post- beamten bei ihren amtlichen Umgängen. Wer von den Herren trägt dafür die Verantwortlichkeit und deckt die Kosten? Kriegsminister v. Kaltenborn: Ich kann mich darauf be- schränken, daß für den beregtcn Zweck seitens der Heeresverwaltung nicht ein Nickel ausgegeben wird. Abg. Richter(dsr.): Ich kann mich damit nicht so leicht ab- finden lassen. Es steht fest, daß Offiziere dem Auswärligen Amt attachirl worden sind, um Artikel dieser Art zu schreiben. Ich muß also annehmen, daß die Mittel hierfür aus den geheimen Fonds der Regierung bestritten werden. Ich habe seiner Zeil gegen diese geheimen Fonds gestimmt. Der Reichskanzler hat mit diesem Vorgehen diejenige Verhaltungslini» verlassen, welche er sich vor einem Jahre selbst vorgezeichnet hatte. Der Reichs- kanzler befindet sich danach nicht mehr in so vollständigem Ein- klang mit der öffentlichen Meinung wie früher; je mehr man gegen den Strom schwimmt, desto mehr braucht man offiziöse Schwimmblasen, um sich über Wasser zu halten.(Heiterkeit.) Hier werden Reichsgelder verwendet, um Krieg gegen den Reichstag zu führen, ein durchaus ungehöriges Verfahren, umso ungehöriger, als die Regierung nicht von Amtswegen, sondern vermummt austritt. Irgend ein Quidam, der große Unbekannte aus dem Volke, vertheilt Millionen Schriftslücke, die von Offi- zieren ausgehen, die aus diesem Militäretal unterhalten werden. In einem dieser Artikel heißt es, das Volk solle das Joch ab- schütteln, welches ihm der Reichstag auferlegt, und und ähn- liches. Kriezsminister von Kaltenborn: Auch aus den geheimen Fonds des Kriegsministeriums ist nicht ein Nickel für Preß- zwecke verwendet worden. Allerdings ist Major Keim zum Aus- wältigen Amt kommandirt worden, wozu weiß ich nicht.(Große Heiterkeit.) Abg. Bebel: Die Heiterkeit, welche die Antwort des Kriegs- Ministers erregt hat, wird ihm wohl gezeigt haben, daß man seine Antwort sehr gut versteht. Auch uns sind aus allen Enden Deutschlands derartige Artikel zugegangen wie dem Abg. Richter. Hoffentlich kommt es zu einer Reichstagsauflösung, dann werden wir ja sehen, welchen Profit die Herren von dieser Agitation ge- habt haben. Wir haben schon beim Etat des Staatssekretärs des Innern darauf aufmerksam gemacht, wie innerhalb der ver- , schiedenen Staatsverwaltungen die sozialdemokratischen Arbeiter ferngehalten werden. Dies gilt auch von den Militärbetrieben. Die Arbeitsordnungen in diesen Betrieben stehen im offenbarsten Widerspruch mit der Gewerbeordnung, und ick möchte den Kriegs- minister fragen, wie er darüber denkt. Die Sorge der Militär- Verwaltung erstreckt sich sogar aus die der Sozialdemokratie ver- dächtigen Rekruten. Die Militärverwaltung unterrichtet sich genau. mit welchen Leuten sie es zu thun hat. Seit Jahren wird im Verein mit den übrigen Ver- waltungsressorts des Reicks und der Einzelstaaten ein systematischer Spitzel- und Spionirdienst in großartigstem Maße geübt, um festzustellen, welche von den iungen Leuten der sozialdemokra- tischen Gesinnung verdächtig sind. Ich habe hier eine V8er- Ordnung, die wie so viele andere unserer Parteipresse in die Hände gefallen ist.(Unruhe und Zurufe). Die Militärverwaltung sollte doch allmälig zu der Erkenntniß gekommen sein, daß eigentlich nichts von ihr gegen uns unternommen ivird, wovon wir nicht sofort die genaueste Kenntniß haben.(Unruhe.) Die Sozialdemokratie ist viel weiter verbreitet, wie Sie glauben. (Zlistimmung bei den Sozialdemokraten.) So kommen wir zu dergleichen Erlassen und haben damit die Handhabe, um gegen die be- treffende Behörde vorzugehen. Ich jhabe hier ein Schreiben des Bürgermeisters von Lennep an das Königliche Landrathsamt betreffend die Zugehörigkeit der Militärpflichtigen zur Sozial- demokratie. Danach hat ein Polizeiwachtmeister die Aufgabe erhalten zu beobachte», welche junge Leute der Sozialdemokratie angehören. Der Wachtmeister berichtet an den Bürgermeister, dieser an den Landrath, dieser an den Obcrpräsidenten und so iort. Dieses System ist über das ganze Reich verbreitet. In Baden kam es schon in früheren Jahren vor, daß die Polizeibehörden in be- stimmten Perioden sämmtliche Fabriken aussuchten und sich bei den Arbeitgebern erkundigten, welcher Gesinnung die Arbeiter wären und welche von ihnen Sozialdemokraten wären. Ich habe hier eine Verordnung des königlichen Regierungsdirektors der bayerischen Pfalz vor mir, datirt von Speier, den 4. Oktober 1892. Präsidium der königlich bayerischen Regierung der Pfalz betreffend die Anhänger und Förderer der sozialdemokratischen Partei, über den Eintritt in die Armee(Redner verliest dies Aktenstück). Aus dieser Verordnung, welche sich übrigens auf eine Ministerialver- ordnung von 1885 stützt, wird über folgende drei Punkte Bericht erstattet: I. welche von den betr. Rekruten in der Sozialdemokratie eine Führcrrolle gehabt haben, 2. welche von ihnen eifrige und zielbewußte Anhänger der Sozialdemokratie waren, 3. welche von ihnen sozialdemokratischer Bestrebungen verdächtig ivaren. Die sozialdemokratischen Rekruten werden nach Namen und Aushebungsbezirken einzeln aufgeführt. Solche Listen gehen von den Generalkommandos an die einzelnen Re- gimenter und müssen selbstverständlich zu einer besonderen Ueber- wachung, vielleicht auch zu einer ausnahmsweise strenge» Be- Handlung während der Dienstzeit führen. Dieser Brauch muß in der ganzen deutschen Armee herrschen, wie die uns vorliegenden Akten beweise». Dazu hat aber die Staatsbehörde keinerlei Recht, so lange Sozialdemokraten nach Aufhebung des Sozialisten- gesetzes dieselben Rechte wie die übrigen Staatsbürger genießen. Sind sie als staatsgesährliche Elemente anzusehen, dann sollten sie gesetzlich vom Militärdienst ausgeschlossen werden. Ein solches Gesetz würde viel Anbang im Volke finden, denn ein Ver- gnügen ist es nach meiner Meinung nicht zu dienen.(Zuruf rechts: Aber eine Ehre!) Das mögen Sie denken, andere denken anders darüber. Das geübte Verfahren ist einfach heim- tückisch und muß aufs aller entschiedenste verurtheilt werden. Das Verfahren führt natürlich zu den schlimmsten Mißbräuchen der untergeordneten Organe, welche diesen oder jenen als Sozialdemokraten denunziren, blos um ihm das Leben möglichst sauer zu machen. In zahlreichen Fällen haben die Opfer dieser Mißbränche nachher erklärt, garnicht zu wissen, was ein Sozialdemokrat ist. Wenn Sie die Sozialdemo- traten in den Staatswerkstätten nicht beschäftigen wollen, werden Sie die besten Arbeiter entlassen müssen; ohne Sozialdemokraten kommen Sie garnicht mehr aus, und hoffentlich wird es bald keinen denkenden Arbeiter mehr geben, der nicht Sozialdemokrat wäre(Große Unruhe rechts), und gerade solche Maßregeln, wie die gerügten, sind das beste Mittel, um für unsere Partei Pro- paganda zu machen.(Lebhaste Zustimmung.) Man verlangt jetzt in den Werkstätten von den Arbeitern die Ausstellung von Reversen, daß sie nicht Sozialdemokraten sind, ja man verpflichtet die Unternehmer zu ähnlichen schriftlichen Versicherungen(Ruf rechts: Beweise!) In Köln hat ein Unternehmer, der selbst Sozialdemolrat ist, einen solchen Revers vorgelegt bekommen und selbstverständlich anch kalten Blutes unterschrieben. In Ulm ist uns der Wortlaut des Reverses für die Arbeiter zu- gänglich geworden.(Redner verliest den Wortlaut.) Die Verwaltung mag nun erklären, ob dies eine Fälschung ist. Ein ähnlicher Revers wird den Unternehmern vorgelegt. Darin ist die Bestimmung charakteristisch, daß sie ausnahmsweise tüchtige Kräfte beschäftigen dürfen, auch wenn sie Sozialdemokraten sind. Also wo man die Sozialdemokraten nicht entbehren kann, läßt man sie zu. Diese Kasuistik nennt nian im Leben gewöhnlich jesuitisch- sie bestand aber, ehe es Jesuiten gab.(Zwischenruf. Der Präsident ersucht, den Redner nicht durch Zwischenrufe zu unterbrechen.) Ein solcher Revers ist ein Skandal. Wenn uns ein Unternehmer fragt, sagen wir ihm:„unterzeichne in Teufels Namen, unterzeichne zehn Mal". Damit züchtet man Heuchler und untergräbt die öffentliche Moral. Der Arbeiter ist schon im übrigen kem freier Mann; wenn aber die Behörden in dieser Weise ihre Macht mißbrauchen, um die Arbeiter wegen einer bestimmten politischen Gesinnung brotlos zu machen, dann haben die Arbeiter ein volles Recht, gegenüber einer solchen Kriegsweise zu ähnlichen Mitteln zu greifen. Als 1373 mit wenigen Ausnahme» ein allgemeiner Entrüstungssturm gegen die Sozial- demokratie durch die bürgerliche Presse ging und die Unternehiner sich verpflichteten, keinen Sozialdemokraten zu beschästigen, haben wir öffentlich in unseren Blättern den Arbeitern erklärt und werden es stets erklären:„Wenn die Unternehmer Euch vor eine solche Alternative stillen, unterschreibt ruhig. Man will Heuchler, seid Heuchler." Derartige Maßnahmen befördern die Verächtlich- machung von Staatseinrichtungen und Behörden mehr als alle sozialdemokratischen Agitationen. Was müssen die Arbeiter bei solchen Reversen von den Staatsbehörden denken! Wenn ich Minister eines Staates oder Reiches wäre und mit solchen Mitteln kämpfen sollte, ich würde mich meiner Stellung schämen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Rösicke(wild) lenkt die Aufmerksamkeit des Hauses auf die Erlasse zahlreicher Kommandanturen, welche das Ab- halten von Militärkonzerten in denjenigen Lokalen verboten, in denen sozialdemokratische Versammlungen abgehalten werden. Die Lokaliuhaber haben infolge dessen meistens den Sozialdemo- kraten ihre Säle entzogen und sind dafür von den Sozialdemo- kraten geboykottet worden, ebenso wie die Brauereien, welche diesen Gastivirthen das Bier lieferten. Die unangenehme Er- fahrung, welche die Brauereien gemacht haben, bat sie dahin ge- bracht, hei den Behörden um eine mildere Handhabung der be- stehenden Bestimmung vorstellig zu werden; der Reichskanzler hat inzwischen bereits geantwortet, daß er in dieser Beziehung nichts thun könne, da es sich um dauernde Verbote nur in Aus- nahmefällen gehandelt habe und meistens nur eine Androhung des Verbotes in Frage stehe. Diese Androhung ist aber praktisch genau gleichwerthig mit dem Verbote selbst. Die Gastwirthe bleiben also zwischen zwei Feuern. Das Schlimmste ist, daß die Verbote ausgesprochen werden lediglich aus Antrag der Polizei- behörde. Das subjektive Ermessen dieser Behörde hat natürlich ein ganz verschiedenes Vorgehen der Behörden in verschiedenen Städten und verschiedenen Theilen derselben Stadt zur Folge. Die Bürger werden also mit verschiedenem Maß gemessen. Dieser sehr bedauerliche Zustand sollte dadurch beseitigt werden, daß wenigstens eine gleichmäßige Behandlung beliebt und ge- wisse Merkmale angegeben würden, nach welchen sich die Unternehmer, namentlich diejenigen, welche neue Lokale zu errichten im Begriffe stehen, zu richten haben. Der Boykott wird von den Sozialdemokraten mit den schwarzen Listen der Arbeilgeber gerechtfertigt, aber dies liefert doch nur einen Vorwand für die Berechtigung, weil bei dem Boykott der Brauereien gar nicht darnach gefragt wird, ob die Unschuldrgen darunter leiden. Das ist aber in großem Maße der Fall. Nach Herrn Bebel sind von zehn Gastwirthe» neun lediglich die Pächter der Brauereien. Das ist aber nicht wahr. Gerade weil die kleineren und mittleren Brauereibetriebe sich in un- günstiger Lage befinden, muß aus beiden Seiten Wandel em> treten. Kriegsminister v. Kaltenborn: Allerdings enthalten die alten Arbeitsordnungen der Militärverwaltung die Bestimmung, daß Arbeiter nicht Mitglieder von sozialdemokratischen Vereinen sein dürfen und deren Bestrebungen fern zu bleiben haben. Es sind aber gemäß der Gewerbe-Ordnungs-Novelle von 1891 die Arbeitsordnungen umgearbeitet worden und werden demnächst zur Ausgabe gelangen; auch die älteren sind schon seit Oktober 1892 umgeändert worden, in dem Sinne, daß sie keine Be- stimmungen enthalten dürfen, welche das Verhalten der Arbeiter außerhalb des Dienstes reglementrt. Ich erkläre aber, daß nach wie vor Arbeiter, welche Sozialdemokraten sind, in den könig- lichen Werkstätten keine Beschäftigung finden.(Bravo! rechts. Unruhe links.) Jede Verwaltung kann die Bedingungen festsetzen, unter welchen sie Arbeiter annehmen will. Die schwarzen Listen der Rekruten von der sozialdemokratischen Partei sind zum Gegenstände der Kritik gemacht worden. Die Gesinnungen selbst geoen keinen Anlaß zu solchen Erlassen, aber die Bethätigung dieser Gesinnung und dieses Geistes muß von der Armee aufs entschiedenste fern gehalten werden.(Beifall rechts.) Die Frage des Besuchs der Lokale, in welchen sozial- demokratische Versammlungen abgehallen werden, ist lediglich Sache der hetreffenden Trupenkommandeure. Es ist doch selbst- verständlich, daß in den Lokalen, wo solche Versammlungen ab- gehalten werden, der zunge 21jährige Mann nicht viel Nutzliches lernen kann.(Lebhafte Zustimmung rechts.) Abg. Ulrich(Soz.): Die Militärverwaltung bleibt bei schwarzen Listen nicht stehen, um die Sozialdemokratie zu be- kämpfen. Seit Jahren schon klagen die jungen Leute aus Offen- dach, welche ihre Dienstpflicht in Darmnadt erfüllen müssen, daß sie in unerhörter Weise drangsalirt und gepeinigt werden.„Ihr Offenbacher Sozialdeniokraten, Euch wollen wir die sozialdemo- kratischen Possen austreiben, sozialdemokratischer Saukerl, sozial- demokratischer Lümmel", solche Ausdrücke werden in Darmstadt von Offizieren und Unteroffizieren gebraucht. Läßt der Gepeinigte auch nur mit einem Blick merken, daß er diese skandalöse Be- Handlung fühlt, so muß er nachexerzieren, wird nachts aus dem Bett geholt, muß den Säbel umschnallen und im Hemde üben. Beschweren können sich die Betreffenden nicht, sonst werden sie noch mehr geschuhriegelt. Die geschilderte Behandlung wird von den Herren Offizieren sportsmäßig betrieben und ist auch auf die Unterosstziere übergegangen.(Redner giebt seiner Stimme einen schnarrenden Ton.)„Sie sozialdemokratischer Kerl, marschiren Sie mal ordentlich", wird fast bei jeder Uebung in Darmstadt auf dem Exerzierplatz geschnarrt. Dabei werden die Soldaten herumgestoßen, daß es ein Skandal ist. Sehr häufig wird von einem Offizier die Wendung gebraucht:„Da marschiren die Kerle alle, als wenn es eine sozialdemokratische Bande wäre und nicht, als wären es Soldaten."(Heiterkeit). Das ist nicht zum Lachen. Die jungen Leute werden dadurch zur Verzweiflung getrieben, wenn sie nicht an Vater und Mutter dächten, würde sich so mancher das Leben nehmen. Einige haben schon erklärt: wenn der und der Offizier oder Unterossizier so fortfährt, und ich weiß, ich bin verloren, dann nehme ich ihn aber auch mit. Das ist menschlich sehr leicht erklärlich.(Ironischer Ruf rechts: Lauter!) Die Leute müssen im Dienst genug sich plagen und werden dann noch mit solchen Redensarten traktirt. Ich hoffe, daß die Militärverwaltung dafür sorgen wird, daß diese Dranasalirung der Soldaten in Darmstadt aushört. Die Herren Offiziere und Unteroffiziere wollen dadurch die Sozial- demokratie verächtlich machen, sie glaube», daß die mit den Offenbachern gleichzeitig Dienenden einen besonderen Abscheu vor der Sozialdemokratie bekommen. Damit sind sie aber ganz ge- waltig auf dem Holzweg. Die Kameraden sehen, daß die sozial- demokratischen Soldaten ihre Schuldigkeit thun wie die andern, und finden, daß die Sozialdemokraten ganz anständige Leute sind. Es wäre gut nach allen Richtungen hin, �wenn sich die Militär» Verwaltung um diese Sache bekümmerte. Ikriegsminister von Kaltenborn: Es muffen bestimmte Fälle angeführt werden, wo Vorgesetzte sich einer solchen vorschrifts» widrigen Behandlung der Mannschaften schuldig gemacht haben. Ist der Vorredner dazu in der Lage, so werde ich dre Beschwerden prüfen lassen. Abg. von Friesen(k.): Die Slrmee hat die Aufgabe, daS Vaterland zu vertheidigen, und die Armeeverwaltung hat die Aufgabe, diesem Zweck zur vollsten Durchführung zu verHelsen und jedes störende Element fern zu halten. Schreibt eine Parte» auf ihre Fahne den Zukunftsstaat und den Umsturz des Be- stehenden, so hat die Armeeverwaltung die Pflicht, solche Elemente erst recht von der Armee fern zu halten. Abg. Ahlwardt(Antisemit): Ich kann mich der Ueberzeugung nicht verschließen, daß die Armeeverivaltung betreffs der Sozial- demokraten schwere Fehler begeht, in schwere Jrrthümer bei deren Behandlung verfallen ist. Ich meine, es sollte doch inner- halb des deutschen Reichstags eine Meinung darüber herrschen, daß es unberechtigt ist, jemand wegen seiner .ugehörigkeit zu irgend einer Partei brotlos zu machen. )as hat der Kriegsminister proklamirt, aber er hat nicht pro- klamirt, daß er nicht auch Steuern bezahlen und das Vaterland nicht zu vertheidigen braucht. Wie will man denn feststellen, wer Sozialdemokrat ist? Mit solchem Spioniersystem erzieht man nur Heuchler. Durch politische Verfolgung hat man zuerst die katholische Partei, dann die Sozialdemokraten groß gemacht; ich wünschte sie auch für uns, damit wir recht bald groß wür- den. Wegen meiner Broschüre„Judenflinten" hat der Reichs- kanzler den Ausdruck Verleumder gebraucht. Ich werde jetzt den Beweis versuchen, daß meine Vorwürfe zutreffen und daß die Armeeverwaltung nicht mit der nöthigen Vorficht verfahren ist (Sensation). Vor Jahresfrist wurde mir die Thatsache bekannt, daß in einer hiesigen Fabrik Gewehre angefertigt würden, so schlecht und so ohne jede Kontrolle, daß für den Fall eines Krieges die größte Gefahr entstehe. Ueber hundert Arbeiter waren bereit, diese Dinge zu beeiden. In dem Prozeß haben die Vernommenen sie auch bmdet. Es ist festgestellt, daß die Ge- wehre gemacht wurden in dieser Fabrik, als die Staatswerk- stätten nickt voll beschäftigt waren, daß diese Fabrik höhere Preise erhalten hat, daß zahlreiche Fehler bei der Herstellung gemacht waren. Es sind 60 000 Läufe von der Firma aus Solingen geliefert worden, welche die italienische Regierung bereits als unbrauchbar zurückgewiesen hatte(Hört! hört! rechts). Ferner ist thatsächlick nachgewiesen, daß die Läufe gedrückt worden und. daß sie geschmirgelt worden sind, daß dies geschehen ist mit Wissen des Direktors Kühne und unter seinem wohl- wollenden Schutz. Mancherlei andere Dinge sind noch außerdem vorgekommen, die die Brauchbarkeil der Läuse beeinträchtigen. Nach dem Prozeß ist noch schlimmeres festgestellt worden, so z. B.daß die beiden Fabrikanten mit Besitzern eines englischen Etablissemeirts gesprochen hatten über Lieserungen, über welche Unterhaltung Bei den Gewerbegerichts- Wahlen in Hohenstein- Ernst thal wurden die sozialdemokratischen Kandidaten gewählt. Zur Nachwahl im 17, württembergischen Reichs. tags Wahltreis( Ravensburg- Tettnang) kandidiren nume mehr: Sozialdemokrat Tauscher, Demokrat Sauter, Sentrumsmann Rembold, Deutschparteiler Dr. Müller aus Mochenwangen. Das Zentrum weiß seinen Kandidaten nicht besser zu empfehlen, als durch die Bemerkung, daß er ein Nette Boltsfreunde" die Freund der Getreidezölle" sei. Schwarzen! Graf Hohenthal bem Kriegsministerium Mittheilung gemacht| bei der preußischen Militärverwaltung schwebe. Der preußische stimmen werde. Das Bureau der Versammlung ist mit der Ueber hat, ohne daß die Sache weitere Folgen gehabt hätte. Das Militär- Strafprozeß vertrage sich in feiner Weise mit den mittelung dieser Resolution beauftragt. Metall, welches die Engländer lieferten und aus welchem die Grundlagen des Prozeffes im bürgerlichen Verfahren der ganzen Die Mißhandlung von Untergebenen sollte Schlöffer und Schloßtheile gemacht worden sind, ist sehr schlecht zivilisirten Welt. gewefen und doch verwendet worden. Die Kontrolle hat alfo burch unsere Resolution möglichst verhindert werden; aber leider fehr viel zu wünschen übrig gelassen; die Verwaltung fann den seien seitdem zahlreiche weitere noch erschreckendere Fälle von ihr hieraus erwachsenden Vorwurf nicht zurückweisen. An eine Mißhandlungen bekannt geworden. In der Diskussion über die Verleumdung habe ich gar nicht gedacht; hiergegen muß ich mich Militärvorlage sei in der Deffentlichkeit einhellig das Verlangen Derwahren. nach einer besseren Militärjustig erhoben worden. Kein besserer Vorspann tönnte der Vorlage geleistet werden, als das Bus geständniß dieses Wunsches, für welches in Bayern seit 25 Jahren ein Vorbild vorhanden sei. Generallieutenant v. Spis: Es ist der Verwaltung ernst damit, eine Strafgerichts- Ordnung fertig zu stellen, die nach Möglichkeit dem bürgerlichen Strafverfahren entspricht. Der Hoffnung, daß es gelingen werde, im nächsten Jahre einen Entwurf vorzulegen, geben auch wir Ausdruck. Zu bedenken ist, daß auch die Civil prozeßordnung fehr lange in Arbeit gewefen und jetzt wieder in Ju Neudorf- Straßburg forderte eine von über 1000 BürFluß gekommen ist. Die Schwierigkeiten sind deshalb so groß und die Aufstellung einer militärischen Strafgerichtsordnung des gern und Arbeitern besuchte Voltsversammlung nach dem halb schwieriger, weil der militärische Gehorsam etwas ganz Bortrage unsers Genossen Böhle die Einführung einer ein anderes ist, als der bürgerliche Gehorsam vor den Gesezen. zigen diretten progressiven Gintommen und Auch muß die Rechtspflege im militärischen Leben rascher sein, Vermögenssteuer an stelle der jetzt in Elsaß Lothringen als im bürgerlichen Leben, namentlich was die zu gewährenden herrschenden direkten und indirekten Steuern. Rechtsmittel betrifft. In einem Nachbarstaate ist man jezt glück. lich beim zehnten Entwurf angekommen; soweit sind wir allerdings noch nicht. " Parteiorganisation. In Dinglingen( Baden) errich teten 40 Parteigenossen einen Wahlverein. * Todtenliste der Partei. In München ist der Schneider Mosauer, früher Kassirer des sozialdemokratischen Wahlvereins, verschieden. Er war ein treuer und opferfreudiger Parteigenosse. " Polizeiliches, Gerichtliches ze. 0 Kommunales. Abg. Grillenberger( Soz.): Herr Rösicke hat sich einseitig auf den Standpunkt des geschädigten Unternehmers geftellt; baš ist immer so, wenn man Sie auf Ihre kapitalistischen Hühneraugen tritt, schreien Sie. Für uns Sozialdemokraten kommt hier aber das fundamentalste Recht des Staatsbürgers, das Vereinsund Versammlungsrecht, in Frage, und der Schaden des einzelnen Gastwirths kann nicht entfernt demjenigen gleich kommen, den eine ganze Partei durch die Saalabtreibereien und durch die Unmöglichkeit, fich zu versammeln, erleidet. Nach dem Fall des Sozialistengefeges tann man Versammlungen nicht mehr beliebig verbieten, jetzt greift man zum militärischen Boytott. Tie Militärverwaltung geht Hand in Hand mit der Polizeiverwaltung, sie wird von ihr in den allermeisten Fällen erst auf die betreffenden Lokale aufmerksam gemacht. Der Saalbefizer wird durch den militärischen Boytott gewaltig geschädigt und hat vielleicht mit der Sozialdemokratie nicht das Mindeſte zu schaffen. Er muß seine Pacht aufbringen und die kolossalen Steuern erfchwingen, die zum allergrößten Theil von dem Militarismus aufgefressen werden. Wo steht in irgend einem Abg. Kunert( Soz.): Die dilatorische Antwort des RomGesetz oder in der Verfassung, daß die Militärverwaltung das miffars giebt keine Hoffnung, daß die Sache aus dem Stadium Recht hat, die Staatsbürger in dieser unerhörten Weise so tief der Erwägungen bereits herausgetreten ist. Ich muß mich völlig greifend zu schädigen? Der Kriegsminister meinte, in den sozial- dem Wunsch des Abg. von Marquardsen anschließen. Um Das Landgericht zu Ghemnis verwarf die Berufung demokratischen Versammlungen könnten die jungen Soldaten aber die Sache in Fluß zu bringen, beantragen wir bis zur Vornichts Nützliches lernen. Aus dem Gyerzierplaglerifon lernen fie legung eines Entwurfs die Kosten von 85 600 M. für das des Berginvaliden Bliez in Lugau, welcher vom Stollberger gewiß nichts Nüßlicheres. Solche Gemeinheiten, wie sie Abg. Generalauditoriat zu streichen. Es giebt fein reaktionäreres Schöffengericht zu 30 M. Geldstrafe verurtheilt worden war, weil Ulrich hier zusammenstellte, pflegen in sozialdemokratischen Ber Gebiet als das der Militär- Justizpflege. Schon vor einigen er im Beobachter" den Beginn einer von ihm einberufenen Ver fammlungen nicht vorzukommen. Aber die jungen Soldaten gehen Jahren hat Bebel diese Gerichtspflege mit einer geheimen Vehine sammlung auf eine halbe Stunde früher angesetzt hatte, als der Er hatte gar nicht in diese Bersammlungen, fie dürfen sie ja gar nicht besuchen. verglichen. Innerhalb der arbeitenden Volksklasse steht man Chemnißer Amtshauptmannschaft angemeldet war. mit dadurch erreichen wollen, daß die Leute beim eigentlichen Beginn Selbst bei Tage tommen ja die Soldaten kaum in diese Lokale, ihr mit dem größten Mißtrauen gegenüber, und fie bleiben da meistens in ihren Kantinen. Aber den Soldaten Recht, denn die Strafen werden mit außerordentlicher der Versammlung pünktlicher da wären, als das gewöhnlich der werden sogar die einfachsten Bierkneipen verboten, so in Nürn- Härte namentlich gegen gemeine Soldaten verhängt. Ich Fall ist. Gegen den Entscheid des Landgerichts soll nun das Nicht Oberlandesgericht angerufen werden. berg unter dem Ausnahmegesetz nicht weniger als 147 Lokale. fann dafür Beispiele anführen und Namen nennen. -Vorigen Freitag standen 25 Genossen, sämmtlich MitWenn die Soldaten ausgingen, mußten fie immer diese Leporello- Beitungsausschnitte, sondern Abschriften kriegsgerichtlicher Atten Listen mit sich führen, um nicht irre zu gehen. Heute ist diese liegen mir vor. Gin Soldat vom 34. Regiment ist wegen wieder- glieder des Arbeiter Gesangvereins in Velbert, vor dem So Lifte auf 23 Lofale beschränkt; man hat eingesehen, daß damit holter Achtungsverlegung zu dreijährigem Gefängniß verurtheilt linger Schöffengericht, weil sie von zwei Polizisten beschuldigt nichts zu erreichen ist. Andererseits werden in Nürnberg Lokale worden. Drei Leute vom 48. Regiment in Königsberg wurden worden waren, beim Stiftungsfest des Walder Arbeiter Gefang von der Militärbehörde schon boykottirt, wenn sie auch nur zu auf grund eines von einem Sergeanten belauschten Gesprächs, vereins Vorwärts" durch demonstratives und radaumäßiges" Vergnügungen eines sozialdemokratischen Wahlvereins zur Ver- in welchem das Wort„ Streit" vorfam und von rothen Federn Singen der Marseillaise in der zehnten Abendstunde großen fügung gestellt waren. So war seitens der Kommandantur an dem Hute" die Rede war, verurtheilt und zwar einer von Lärm" erregt zu haben. Das Schöffengericht erkannte jedoch bei beabsichtigt, die Militärkapellen anzuweisen, in der Magwell- ihnen zu 5 Jahren, die beiden anderen zu 6 Monaten! Wegen 24 Angeklagten auf tostenlose Freisprechung und verurtheilte nur Restauration teine Konzerte mehr zu geben. Erst den An- Abwehr eines Angriffs wurde ein Soldat des 21. Regiments zu einen zu 15 M. Geldstrafe. Als Kuriosum sei noch erwähnt, ftrengungen der diftinguirten Persönlichkeiten der Stadt gelang 5 Jahren Gefängniß verurtheilt, er hatte sich gegen einen An- daß zwei Genossen mit angeflagt waren, die an dem betreffenden es, diese Maßregel zu hintertreiben; es verkehren dort nämlich griff des Unteroffiziers gewehrt. Beim 88. Regiment wurde ein Abend gar nicht in Wald gewesen waren. Sie erhielten, wie nur die exklusiven Kreise, die nun einmal ohne Militärkonzerte Soldat wegen Ungehorsams oder Gehorsamverweigerung mit recht und billig, ihre Unkosten entschädigt. Die anderen Frei nicht auskommen fönnen. Was hat denn die Militärmusik mit dem Entfernung aus dem Heere und 6 Jahren Gefängniß bestraft. gesprochenen leider nicht. Einige Schweriner Genossen, die in einem Orte, die Umstand zu schaffen, daß in jenem Restaurant einmal ein Stiftungsfest Bu derselben hohen Strafe wurde ein Soldat verurtheilt, der eines fozialdemokratischen Vereins gefeiert worden ist? Glauben vorher angeblich wegen Widerstandes gegen feinen vorgesetzten Broschüre Gespräche eines Landmannes mit einem Sozialdemo Der Fall fraten" verbreitet haben, erhielten von der Polizei je ein über Sie, daß Sie dadurch den Verkehr der Soldaten mit den Sozial- Unteroffizier mit 8 Monaten bestraft worden war. demokraten hintertreiben tönnen? Die Soldaten rekrutiren fich lag so, daß der betreffende Mann nach Ueberstehung einer Rrant- 10 M. lautendes Strafmandat. Sie haben gerichtliche Ent doch zum größten Theil aus den Arbeiterfreisen. Sie find beit von jenem Unteroffizier entgegen dem Verbot des Arztes zu scheidung beantragt. während ihrer Gefellenzeit in den Städten mit den Sozialdemo: einem schweren Stalldienst kommandirt wurde. Der Mann konnte fraten in Berkehr gekommen. Die sozialdemokratischen Soldaten den Dienst nicht leisten und nun wurde er von einem anderen Manne werden besonders schlecht behandelt, ja mißhandelt und auf jede auf einen Wink des Unteroffiziers bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen. Weise chikanirt. Dadurch werden ja die anderen jungen Leute Der Geschlagene erholte sich wieder und machte den Verfuch, sich gerabe zu Sozialdemokraten gemacht. Ich proteſtire gegen diese ein Messer in die Brust zu stoßen. Nun wurde behauptet, er Behandlung im Interesse des allgemeinen Rehts. Wer die Geld- habe den Unteroffizier damit stoßen wollen. Der Soldat fai und Blutsteuer in ganz gleichem Maße zu tragen hat wie jeder wieder ins Lazareth und wurde später einem Unteroffizier unterandere, muß auch durchaus ebenjo Lehandelt werden stellt, der ihn bis zur Verzweiflung chikanirte. Daß nicht nur wie jeder andere Staatsbürger. Menn Reichs die Vorgefeßten gegen den Gemeinen, fondern auch die Gemeinen Deffentliche Sigung vom Donnerstag, den 9. März, Armee alle diese störenden Elemente ferngehalten würden, gegen die Gemeinen sich derartige Drangfalirungen zu schulden dann würde sie schon heute auf die Hälfte herabsinken. kommen lassen, dafür tann ich verschiedene Beispiele anführen. Der Kriegsminister hat erklärt, daß der berüchtigte Paragraph( Redner wird vom Präsidenten verhindert, diesen Borsay ausnehmigung von Pferdebahnlinien über den Straßenzug auf Grund der Gewerbeordnung aus den alten Arbeitsordnungen zuführen.) Ich muß mich fügen, da ich doch den Rürzeren ziehen Unter den Linden zur Verbindung der Geleise in der Französischen entfernt worden ist; er sei bemüht sich den Bestimmungen der würde. Geradezu barbarisch ist die Behandlung der Strafgefangenen. Straße mit den Geleisen nördlich der Weidendammer Brücke, Gewerbeordnung anzupassen. Es ist recht interessant, daß sich Es ist vorgekommen, daß ein Mann bis zu 30 Jahren Gefängniß sowie auch mit denen auf dem Monbijouplay und dem Hacke'schen ein so wichtiger Reffottchef noch bemühen muß, um dies zu er verurtheilt worden ist. Vergleichen Sie damit, welche Strafen Markte hat sich mit 13 gegen 1 Stimme für die Annahme der erreichen. Er hat aber hinzugefügt, daß nach wie vor fein Chargierte zu treffen pflegen. Der Fall, den ich vornehmlich im Magistratsvorschläge entschieden. Einige der im Ausschusse ans Sozialdemokrat in die Militärwertstätten eingestellt werde. Der Auge habe, liegt allerdings einige Jahre zurück, er ist aber geregten Erweiterungen der Vorlage in der Richtung, daß an Kriegsminister stellt sich den Sozialdemokraten gegenüber genau auf sehr lehrreich. Ein Sergeant Nietsch kommandirte seine Soldaten die Konzessionsertheilung gewisse Bedingungen bezüglich des Beden Standpunkt des Herrn v. Stumm, auf den einer verwerflichen auf die Stabe und befahl ihnen, zu onaniren, sich selbst zu be- triebes und des Tarifs der Pferdebahn- Gesellschaft geknüpft werden Umgehung des Gesezes. Damit erziehen Sie in der That fleden.( Pfui! bei den Sozialdemokraten.) Einzelne Soldaten follten, sind zur Annahme gelangt, der Hauptantrag auf Einnur Heuchler, wie Herr Ahlwardt ganz richtig gesagt hat. weigerten sich zwar, dies zu thun, sie besaßen aber nicht den führung des Behnpfennig- Tarifs ist aber abgelehnt worden. Der Ausschuß empfiehlt folgende Beschlußfassung: Die Arbeiter find zu zwei Dritteln in den Militärwerkstätten Muth, den Kerl niederzuschlagen, sondern ergriffen die Flucht. Die Versammlung erklärt thre Zustimmung: Sozialdemokraten, fie binden es Ihnen nur nicht auf die Nase! Aber andre ergaben sich und führten diesen scheußlichen Befehl ( Heiterkeit.) Wenn die Arbeiter so vom Broterwerb ausgeschloffen aus. Dieser Sergeant wurde zu zwei Jahren verurtheilt. Ich werden sollen, müssen sie sich auf irgend eine andere Weise er- habe dem nichts hinzuzufügen. Das hängt alles mit ihrem nähren. Die städtischen und Polizeibehörden verlangen von jedem System zusammen. Die Offiziere, welche sich Uebergriffe gegen Arbeitslosen, daß er binnen einer bestimmten Zeit Arbeit nach ihre Untergebenen gestatten, werden natürlich noch viel milder weist, sonst wird er auf den Schub gebracht. Er muß seine bestraft.( Redner zitrt eine große Anzahl Fälle, welche von der Familie ernähren, er muß, das ist jetzt seine erste Bürgerpflicht, Rechten unter wachsender Unruhe angehört werden. Nufe: Steuern zahlen. Sie wollen ihm den Eintritt in Privat- und Schluß!) Die gemeinen Soldaten werden so chikanirt, daß sie ftaatliche Werkstätten verweigern. In Belgien hat sich neuerdings herausgestellt, daß innerhalb der Armee sozialdemokratische Beftrebungen existiren, die es sich zur Aufgabe machen, unter feinen Umständen im Falle eines Aufstandes auf das Bolt zu schießen. Glauben Sie denn dadurch, daß Sie seitens der Militärverwaltung Generallieutenant v. Spin: Rein gewissenhafter und geDen Sozialdemokraten systematisch die Lokale abtreiben und die rechter Mann wird sich auf grund des Materials, welches der Ausübung des Versammlungsrechts unmöglich zu machen suchen, Borredner hier angeführt hat, ein Urtheil bilden können, daß fie auf den Grerzierplägen beschimpfen, von den Werkstätten aus gegen die Gesetze von den betreffenden Richtern geurtheilt wurde. schließen, die Arbeiter zu verföhnen? Im Gegentheil, wenn Sie Die Militärverwaltung ist natürlich nicht in der Lage, auf einen bie Leute verhungern lassen, fie chitanös behandeln und troßdem ober den andern dieser Fälle jetzt einzugehen. Da aber so werden wir verlangen, daß sie ihren Militär- und staatsbürgerlichen Pflichten der Vorredner Namen genannt hat, genüge leisten, dann könnten sie eines Tages vor die Frage die Fälle untersuchen lassen. Ganz entschieden muß ich aber treten, ob sie im Falle eines Krieges marschiren sollen, und die dagegen Verwahrung einlegen, daß gegen den gemeinen Mann Zeit, wenn Sie so fortfahren, wird nicht mehr so fern sein. Sie bärter geurtheilt wird als gegen seinen Vorgesezten.( Lebhafte glauben durch ihre rigorose und verwerfliche Behandlung den Zustimmung rechts.) Das ist durchaus unwahr.( Rufe bei den fozialdemokratischen Geist von der Armee fern zu halten, sie Sozialdemokraten: 63 ist wahr.) Der Vorredner scheint nicht werden diesen Geist gerade hineinbringen.( Beifall bei den Sozial- zu wissen, das beim Militär Insubordination schärfer bestraft wird als im bürgerlichen Leben. Endlich muß ich auch dagegen demokraten.) Abg. Bollrath( bfr.): In Breslan find die Zivilmusiker protestiren, daß die Strafgefangenen in den Strafanstalten gesetzdurch die Konfurrenz der Militärmusiker gänzlich herunter- widrig behandelt und bestraft werden. Es herrscht in diesen Angefommen. Die Militärkapellen unterbieten fie in jedem Falle, stalten die peinlichste Reinlichkeit und Ordnung. Das erziehliche und alle Anstrengungen, Wandel zu schaffen, sind vergeblich ge- Moment wird dabei besonders im Auge behalten, und wir haben blieben. Der Kriegsminister hat in einem Bescheide die Be- sehr schöne Resultate erzielt. Daß darunter auch unverbesserliche rechtigung dieser Beschwerde in Abrede gestellt; es find aber Taugenichtse sind, welche vom bürgerlichen Leben aus alle mög lediglich die Militärmusiker, nicht die Zivilmufifer vernommen lichen schlechten Eigenschaften mitgebracht haben, liegt auf der worden. Namentlich verlangen lettere, daß die Militärtapellen Hand. Ich reise alle Jahre im Reiche umber und sehe genau nicht ständig als Theatertapellen benutzt werden. Den be zu, daß nichts vorkommt, was gegen die Militärgeseze verstößt. rechtigten Anforderungen der Zivilmufiter muß Rechnung ge Hierauf wird um 58/4 die weitere Berathung bis Freitag tragen werden, die Verwaltung darf nicht unthätig zusehen, wie 1 Uhr vertagt. ein ganzer Stand durch den Militarismus ruinirt wird. Abg. Ulrich( Soz.): Wenn ich der Ueberzeugung sein könnte, daß den Soldaten, die die gerügte Behandlung erfahren haben, nichts passirte, würde ich bereit sein, die Namen zu nennen; ich hoffe aber, daß der Kriegsminister wenigstens in Darmstadt recherchiren lassen wird, wie die Partie steht. Damit schließt die Diskussion. Das Gehalt des Kriegs ministers wird bewilligt, ebenso die Kapitel Militärkassenwesen", Militärintendanturen", Militärgeistlichfeit". nicht selten zu Selbstmord schreiten. Dazu führen nicht blos förperliche sondern auch geistige Mißhandlungen, Das Volk verlangt Oeffentlichkeit und Mündlichkeit der Militärgerichts- Verhandlungen, damit dergleichen Fälle sich verringern. Parteinachrichten. Gegen die Militärvorlage erklärte fich in Breitenhain ( Kreis Schweibniz) eine Boltsversammlung, in der der Genosse 3 a hn aus Breslau referirt hatte und die auch von vielen Landwirthen besucht war; ferner Bersammlungen in Dhis bach ( Referent Ged Offenburg), Berghausen und Jöhlingen ( Referent Kalnbach- Karlsruhe), Hartha( Ref. Rosenow Ghemniz). Beim Kapitel Rapitel Militär Justiz- Berwaltung" frägt Abg. von Marquardfen( nl.) nach dem Stande der Reform Weiter fand in Büdelsdorf bei Rendsburg eine Proteft der Militär- Strafprozeßordnung. Im vorigen Jahre seien durch Nesolution die verbündeten Regierungen ersucht worden, im In- versammlung gegen die Militärvorlage statt. Genosse v. Im tereffe größerer Sicherstellung einer angemessenen Behandlung aus Hamburg referirte. Die Versammlung sprach in einer Reder Soldaten bei der Reform der Militärjuftig die Ständigkeit solution noch die Erwartung aus, daß auch der Vertreter des und Selbständigkeit der Gerichte, die Deffentlichkeit und Mund- 8. schleswig- Holsteinischen Wahlkreises, der freisinnige Reichstags lichkeit des Verfahrens einzuführen, wie sie sich in Bayern be- Abgeordnete Lorenzen Büdelsdorf, bei der Abstimmung über währt haben. Ge sei nur erklärt worden, daß die Sache jezt die Militärvorlage im Reichstage anwesend sein und gegen diese Stadtverordneten- Versammlung. Nachmittags 5 Uhr. Der Ausschuß zur Vorberathung der Vorlage betr. GeI. daß nach Maßgabe des anliegenden Projekts 1. eine Pferdebahn, abzweigend von den Geleisen in der Französischen Straße durch die Straße Hinter der katholischen Kirche direkt nach Norden zur Verbindung mit den Gleiten in der Dorotheenstraße, 2. eine fernere Bahn, von den Geleisen in der eben ge dachten Straße durch die verlängerte Charlottenstraße über die Weidendammer Brücke zum Anschluß an die dort vorhandenen Gleise, 3. weiter eine Bahn, abzweigend von der zu 1 aufgeführten Linie bei der Straße Am Festungsgraben, über die Eiferne Brücke, Friedrichsbrücke, durch die Burgstraße zum Anschluß an die Geleife auf den Monbijou- Plage und dem Haackeschen Martte ausgeführt werden; II. Daß die Genehmigung der Ausführung der gedachten Bahnanlagen der Großen Berliner Pferdebahn- Gesellschaft unter den vertragsmäßig festgefeßten Bedingungen ertheilt wird, wenn die Gesellschaft dafür an die Stadtgemeinde 1 Million Mart zahlt, wodurch sie von den Rosten befreit wird, welche infolge der Bahnanlagen für Benutzung oder Erwerb von Land oder für Aenderungs- und Neubauten an Brücken nothwendig werden. Hierbei erklärt die Versammlung, daß sie an der feit 1880 wiederholt ausgesprochenen Ueberzeugung festhält, die dahin geht, daß die Verbindung der Bjerdebahn zwischen Behrenstraße und Weidendammer Brücke im Interesse des Verkehrs und des Publikums durch die Charlottenstraße herzustellen sei. Sie ersucht daher den Magiftrat, mit den zuständigen Behörden darüber in Verbindung gu treten, daß die Pferdebahn durch die Charlottenstraße gelegt werde. Dieser Vorschlag soll die Ausführung obiger Beschlüsse nicht aufhalten. Ferner ersucht die Bersammlung den Magistrat, dahin wirten zu wollen, daß die Große Berliner PferdebahnGesellschaft sich verpflichtet: 1. vom April d. J. ab( Sommer- Fahrplan) Arbeiterwagen und zur Benuzung derselben mit ermäßigten Fahrpreisen sowohl einfache Fahrtarten für die bloße Hinjahrt, als auch Rückfahrkarten, welche zur Rückfahrt mit jedem beliebigen Wagen der betreffenden Strecken von 5 Uhr Nachmittags an berechtigen, in derselben Weise einzuführen, wie dies bei der Neuen Berliner Pferdebahn- Gesellschaft seit dem 1. Oftober v. J. durchgeführt ist; 2. die Heizung ihrer Wagen bei Temperaturen unter 5 Grab C einzuführen; 3. Die neue Anlage des ordbahnhofes in der Bernauer Straße durch Pferdebahn sowohl mit der Brunnenstraße als auch mit der Schönhauser Allee in Berbindung zu bringen. Es waren zu dem Gegenstande awei Petitionen ein. gegangen, welche beide die Ueberführung der Pferdebahn über die Linden im Zuge der Kanonierstraße befürworten, während eine derselben darüber hinaus noch eine Ergänzung des Neges durch Einlegung von Geleisen in den oberen Theil der Mauer- straße von der Leipziger- bis Friedrichstraße wünscht. Beide Petitionen sollen durch die Beschlußfassung über die Vorlage als erledigt erklärt werden. Referent Dr. Stryck macht in Ergänzung des Berichts darauf aufmerksam. daß für die Benutzung des Kastanien- Wäldchens ein Kanon an die Universität zu zahlen sein würde, den aber die Pferdebahn- Gesellschaft zu tragen haben würde. Da für die Führung der Verbindungslinie der Weg durch die Friedrichstraße auf absehbare Zeit versperrt sei, andererseits aber eine möglichst geradlinige Verbindung nothwendig sei, so dürfe die Leitung durch die Charlottenstraße nicht aus den Augen ver- loren werden. Der Ausschuß habe einen dementsprechenden Be- schluß gefaßt. Die übrigen Resolutionen hätten den Zweck, die Pferdebahn zur Schaffung gemeinnütziger Einrichtungen mehr als bisher anzuregen. Außer dem Antrag auf Einführung des Zehnpfennig-Tarifs sei anch der Vorschlag gemacht worden. Um- stcigebillets zu IS Pf. einzuführen; der Ausschuß habe aber aus Gründen der Verkehrssicherheit auch von diesem Vorschlag ab- gesehen. Stadtv. Spinola: Ich bitte Sie, die Resolution wegen der Heizung der Wagen abzulehnen. Technische und hygienische Rücksichten sprechen dagegen. Die Luft in den Wagen würde noch mehr verdorben werden und ein höchst gesundheitsgesähr- licher Zug entstehen. Auf den Passus bezüglich der Charlotten- straße leg« ich den höchsten Werth. Man könnte sich ja mit einem Geleise begnügen, wenn zwei durchaus unzulässig sein sollen— obwohl in viel engeren Straßen anderer Städte zweigeleisige Pferdebahnen im Verkehr sind. Stadtv. D i n s e: Wir sind auch geneigt, auf die Vorlage einzugehen, halten aber mit aller Entschiedenheit daran fest, daß der berechtigte Wunsch der Bewohner des Nordens und des Südens von Berlin auf möglichst direkte Verbindung mit allem Nachdruck weiter seiner Erfüllung entgegengeführt wird. Die Resolution wegen der Arbeiterwagen empfehlen wir dringend. Bei der Art und Weise, wie in Berlin für die Arbeiter die Arbeitsgelegenheit wechselt, ist eine solche Einrichtung absolut geboten, wie sie sich bei der Neuen Pferdebahn so ausgezeichnet dewährt hat. Auch die Heizung muß eingeführt werden. Wes- halb werden denn die Eisenbahnwagen geheizt, wenn das Heizen so gesundheitsgesährlich ist? Was den Nordbahnhof betrifft, so muß man hier wirklich die Aktionäre der Großen Berliner Pserdebahn-Gesellschaft gegen ihre eigene Verwaltung in Schutz nehmen; nur die Engherzigkeit der letzteren verschuldet es, daß die beiden Anschlüsse noch nicht vorhanden sind. Zur Durchführung des Zchnp ennig-Tarifs ist jetzt der geeignete Moment. Mit der Gewähning der Konzession für die Berbin- dung über die Linden wird der Gesellscbaft eine Wohlthat er- wiesen, für welche sie eine höhere Gegenleistung bieten muß. Stadtv. Borgmann beantragt, unter die. Konzessions- bedinguugen als Nr. 4 aufzunehmen:»bis zum 1. Oktober 1893 die Eimührung des Nornial-Zehnpfennig-Tarifs innerhalb des Weichbildes der Stadt Berlin zu bewirken." Stadtv. V o g t h e r r: Wir sind immer erfreut, wenn bei großen Vorlagen mit einer gewissen Gescbwindigkeit gearbeitet wird. Bei dieser Frage mißfälltjuns die Geschwindigkeit jedoch, weil man sich allzu schnell mit dem Gebotenen zufrieden zu geben scheint. Im Ausschuß hat man offenbar die Frage der Führung der Linie durch die Charloltenstrape nicht erschöpfend behandelt. Ob der Magistrat mit den Behörden bereits Fühlung über die Zu- lässigkeit der Führung einer Linie oder wenigstens eines Geleises durch die Charlotteustraße genommen hat, erfahren wir nicht, wir wissen nur. daß die Durchführung durch die Friedrichstraße auf absehbare Zeit unmöglich geworden ist. Die Pserdebahn-Gescllschafl kann zweisellos noch einen tüch- tigen Puff vertragen. Den Bedingungen, welche der Ausschuß angenommen hat, legen wir weniger Bedeutung bei, als den ab- fielchnlen, für welche sich schon früher ein großer Theil der Ver- ammlung ausgesprochen hat. Herr Spinola will von Heizen nichts wissen. Nun, es wird nicht so beiß geheizt, wie befürchtet wird. Von einer Siedehitze in den Wagen wird um so weniger die Rede sein, wenn man sich der handbreiten Spalten in dem Fußboden der Wagen eriunerl. Selbst beim besten Willen der Gestllschasl, den ich nicht voraussetze, wird eine solche Ueber- Heizung nicht zu befürchten sein. Die Forderimg des Zehnpfennig- Tarifs haben wir aufs neue zum Antrag erhoben und hoffen auf dessen Annahme. Wir haben früher immer hören müssen, daß solche Forderung nur gestellt werden könnte bei einer Ge- legenheit, wo wir selbst etwas zu vergeben haben. Nun, jetzt oder nie ist eine solche Gelegenheit geboten. Die Pferdebahn wird niemals ohne einen Druck unsererseits sich auch nur zu dem geringsten Entgegenkommen bereit sinden lassen. Im Aus- schuß hat der Magistrat mittheilen lassen, daß. die Gemeinde- behörden seit dem Erlaß des Kleinbahnen-Gesetzes keinen direkten Einfluß auf den Tarif mehr haben; aber dieser Einwand ist nicht stichhaltig. Es braucht nur der Gesellschaft auferlegt zu werden, die polizeiliche Konzession für die neue Linie unter der Bedingung der Einführung des Normal-Zehnpsennig-Tarifs im Weichdilde der Stadl Berlin nachzusuchen. Wie die Million zu Stande gekommen ist, welche die Gesellschaft zu zahlen geneigt ist, wäre doch von Interesse, zu erfahren. Die Erfahrungen, die wir bei dem Vergeben der Litfaßsäulen mit der Firma Nauck u. Hartmann gemacht haben, müssen uns doch solchem Angebote gegenüber sehr vorsichtig machen. Die Pferdebahn hat mindestens denselben großen Nutzen aus der neuen Verbindung, wie das Publikum, und wir haben keine Veranlassung, ihr diese neue Gelegenheit zur Ausnutzung des Publikums so billig zu ver- kaufe». Wir stellen bei dieser Gelegenheit nicht besondere An- träge auf Verpflichtung der Gesellschaft zu besonderen Leistungen ihren Angestellten gegenüber, weil ivir diese wichtige Angelegen- heil zum Gegenstand selbständiger Anträge zu machen gedenken. In erster Linie haben wir nicht nach der Rentabilität des Unter- nehmens zu fragen, welche übrigens nicht geschmälert werden wird, sondert, wir haben alles zu fordern, was nach Recht und Gerechtigkeit zu fordern ist. Deshalb empfehle ich die Annahme unseres Antrages wegen des Zehnpfennig-Tarifs. Stadt. Gerstenberg: Die Schwierigkeit bei der Ueber- führung liegt nicht in den Linden, sondern in der Enge der Eharloltenstiaße, die in dem Engpaß bisj zur�Behrenstraße enger ist als die Rofenstraße. Befremden muß das geringe Interesse des Vorredners für die Arbeiterwagen. Ob die Pferdebahn sich bereit finden lassen wird, selbst den Antrag auf Einführung des Zehnpfenmg-Tariss zu stellen, ist doch die große Frage. Bei der Litfaßsäulen-Angelegenheit befanden wir uns doch in ganz anderer Situation, da war die Konzession abgelaufen. Ist das hier der Ball? Im Jahre 1911 wird die Zeit sein, auf die Anträge der erren Vogthcrr und Genossen einzugehen.(Heiterkeit.) Stadtv. Schmeißer will de» Passus des Ausschußantrages betreffs der Charlottenftraße insofern verschärfen, als darin der Durchführung wenigstens eines Geleises ausdrücklich Erwähnung gelhan werden soll. Stadtv. B a i l l e u: Herr Vogtherr ist auf den Zehnpfennig- Taris zurückgekommen und auch Herr Gerstenberg hat Sympath,e dafür bekundet. Nach meiner Ueberzeugung liegt der Zehnpfennig- Tarif nicht im Interesse des Publikums.(Unruhe.) Der Verkehr und die Straßen sind schon jetzt so belastet, daß eine Steigerung des PserdebahnvertehrS nicht erwünscht erscheint. Die Berliner Straßen sind doch nicht allein der Pferdebahn wegen da. Schon hat das Berliner Polizeipräsidium gegen die Ve-längerung der am Rathhause endenden Linien bis zum Spittelmarkt in der Er- wägung, daß die betr. Straßenzüge einen stärkeren Verkehr nicht tragen können, Einspruch erhoben. Damit schließt die Debatte. Stadtv. Vogt Herr verwahrt sich gegen den Vorwurf, den Arbeiterwagen nur geringes Interesse entgegenzubringen. Nachdem Dr. Stryck als Referent den Ausschuß gegen die Vorhaltung, zu rasch gearbeitet zu haben, in Schutz genommen, wEd der Äusschuhantrag mit dem Amendement Schmeißer, aber unter Ablehnung der auf die Heizung bezüglichen Resolution angenommen. Der Antrag auf Einführung des Zehnpfennig-Tarifs wird in namentlicher Ab- stimmung mit 36 gegen 48 Stimmen angenommen und tritt als Nr. 4 der Resolution am Schlüsse hinzu. Mit der vorgelegten Skizze zum Neubau einer'Schutz- und Erfrischungshalle im Treptower Park er- klärt sich die Versammlung einverstanden. Dem Abschluß eines Vertrages betr. die Ausdehnung der Gasbeleuchtung aus den städtischen Gasanstalten auf die Ortschaft Reinickendorf wird zugestimmt. Zur Legung der Rohrleitungen und zur Aufstellung der Kandelaber sind nach dem Anschlage 221230 M. erforderlich. Schluß 7 Uhr. Lottales. Nachtrag zur Berliner Lokalliste. Unterschrieben, ihre Säle zu Versammlungen hergeben zu wollen, haben: Schnegels- berg(früher Gründer), Hasenhaide 11, Zimmermann(Kauf- mann's Variete). Von der Umgegend: Seinen Saal zu Versammlungen giebt her Herr Gillmann, Inhaber vom Restaurant»Wilhelmshöhe"(früher Kamerun) in Woltersdorf. Charlottenburg. Von der Liste ist zu streichen: Pohl und Knebels Klubhaus(Westend). Die Berliner Lokal-Kommission. I. A.: I. Wernau, Rosenstr. 30. Wie die Nothlage der Arbeiter diese zwingt, sich allen Bedingungen zu unterwerfen, und schließlich sich mit mehr als Hungerlöhncn zu begnügen, dafür sprechen solche Vorfälle wie in der Rixdorser Eisengießerei von G. P. Müller u. Komp. Sechs Former hatten daselbst in der ganzen vorigen Woche nur je 7,72 M. verdient. Die Arbeit wurde dadurch hin- gehalten, daß das Eilenmaterial fehlte, und die Former Oeßen es sich gefallen, weil sie die Hoffnung hegten, daß die Arbeits- Verhältnisse sich bessern dürfen. Einer der Former ließ sich, um von seinem Wirth, der den Behauptungen über den geringen Verdienst nicht Glauben schenken wollte, Miethestundung zu er- langen, dieses von der Firma bescheinigen. Der Schein lautet: »Wir bestätigen dem Former x. I., daß er in der Zeit vom 27. Februar bis 4. März 1693 von uns für geleistete Arbeit Mark 7,72 ausgezahlt erhalten hat. G. P. Müller u. Ko." Wozu das Militär gut ist. Die Firma Gerson u. Komp. hat 32 Hausdiener entlassen, trotzdem sie, zumal wegen ihres Um- zuges Arbeitskräfte braucht. Sie fand eben ein billiges Mittel dieselben zu ersetzen. Sie requirirte vom 2. Garde-Regiment 13—13 Mann, welche 8 Tage lang ihr dienstbar waren. Es ist dieses eine sehr gute Empfehlung für die Militärvorlage: immer mehr. Soldaten einstellen, die Steuerlast des Volkes erhöhen und d�e steuerzahlenden Arbeiter noch durch die Konkurrenz der Soldaten arbeitslos machen! Wir bezweifeln übrigens, daß man an höherer militärischer Stelle das Verhalten des betreffenden Regimentskommandos kennt oder gar billigt. In enier Zeit wo so viele tausende Familienväter n> Berlin arbeitslos sind und Roth leiden, sollte doch alles vermieden werden, was die Roth- tage noch künstlich vermehrt. In Angelegenheit deS Rixdorfer Bahuhof-Umbaues wurde, wie die„Nordd. Allg. Ztg." mittheilt, der Grubenbesitzer F. W. Körner am Freitag Vormittag von dem Finanz- m i n i st e r Dr. Miquel empfangen. Er überreichte dem Minister eine Petition zahlreicher Einwohner Rixdorss um schleunigen Umbau des längst nicht mehr ausreichenden Bahnhofs.»In liebenswürdigster Weise", heißt es dann weiter,»versprach, wie die„stiixd. Ztg." schreibt, der Minister, zur Beschleunigung des Bahnhos-Umbaues zu thun, was in seinen Kräflen stehe. Gleich- zeitig empfehle er aber, auch dem Handels minister eine gleiche Petition zu überreichen, damit die Angelegenheit so rasch wie möglich in Fluß komme. Herr Körner wird in Befolgung dieses Rathschlages demnächst auch dem Handelsminister eine Petition in Sachen des Rixdorfer Bahnhofes überbringen." Haben wir denn gar keinen Eisenbahn mini st er mehr, fragt die „Frankfurter Ztg.", oder ist es soweit gekommen, daß der Finanz- minister und der Hanoelsnünister als die geeigneteren Instanzen zur Anbringung derartiger Wünsche angesehen werden? Jeden- falls giebt dieser an sich unbedeutende Vorgang zu denken. Die„Vossische Zeitung" hält sich in Wien einen Korre' spondenten L. Wollmann, der augenblicklich den Gesprächsgegen- stand unter den Wiener Journalisten bildet. Der Herausgeber der»Politischen Korresp.", Schäffer, hatte kürzlich den Wollmann im Vestibül des Haupttelegraphenamts des Diebstahls beschuldigt. W. strengte deshalb die Ehrenbeleidmunpsklage an. Schäffer vertheidigle sich damit, W. habe in inkorrekter Weise Nutzen aus von der„Polit. Korrespond." gezogen, indem er sich den Redak tionsdienern, denen er dafür Zigarren gab, die Exemplare aus- händigen ließ und widerrechtlich den Inhalt an die Voss. Ztg." telcgraphirte. Das Gericht sprach Schäffer frei. In der interessanten Urtheilsbegründung heißt es:»In objektiver Hin- ficht muß es als erwiesen angenommen werden, daß der Beklagte dem Kläger die Worte Dieb und Dieb- stahl zuschlenderte. Wenn auch das Wort Dieb an und für sich ein Schimpfwort ist, so muß doch im vorliegenden Falle ins Auge gesaßt werden, daß sich der Beklagte dieses Wortes nur zur Bekräftigung der gegen den Kläger erhobenen Beschuldigung des Diebstahls, nicht aber als Injurie bediente, weshalb der Wahrheitsbeweis dem Beklagten gestattet werden mußte. Dieser Wahrheitsbeweis muß als gelungen bezeichnet werden. Das Wort Dieb darf deshalb auch nicht in der strengen Fassung des Klägers, sondern blos nach dem allgemeinen Sprach- gebrauche beurtheilt werden. Da der Kläger aus dem Kopfe der „Pol. Korr." ersah, daß das Abtelegraphiren des Inhalts ver- boten ist und dies dennoch that, hat er nicht blos gegen die Ge- setze des Anstandcs gefehlt, sondern direkt eine Thal begangen, welche wohl juristisch nicht als Diebstahl gelten kann, sich aber mit dem sprachgebräuchlichen Begriffe Diebstahl deckt, denn sie involvirt einen unberechtigten Eingriff in das literarische Eigen- thum." DaS Märchen vom amerikanischen Duell taucht wieder auf. Am 7. d. M., Abends um 9'/« Uhr, nahm ein unbekannter Mann die von dem Kutscher Karl Gerstnick, Reinickendorfcrstr. 9, geführte Droschke erster Klasse 867, um vom Kemper-Platz nach dein Hanse Stromstr. 37 zu fahren. Als er hier nicht ausstieg, sah der Kutscher in dem Wagen nach und fand seinen Gast mit einer Schußwunde in der Stirn in der Wagenecke sitzen. In dem Krankenhause Moabit, wohin der Verwundete gebracht wurde, erklärte er, daß er das Opfer eines amerikanischen Duells sei. Er weigerte sich, über seine Person Auskunft zu geben, weil er sein Ehrenwort verpsändet habe, sich zu tödten und zu schweigen. Bezüglich deS Vorganges im Friedrichshain hat sich die Annahme der Kriminal-Polizei, daß das»Verbrechen" er- dichtet sei, als richtig erwiesen. Hornaus hat sich, als ihm die Unwahrscheinlichkeit seiner Darstellung vorgebalten wurde, de- qnemt, einzugestehen, daß er die ganze Geschichte erfunden habe. 'Allerdings sind die Angaben, die er jetzt über die Entstehung der Verletzungen macht, auch nicht recht glaubwürdig, er behauptet nämlich, daß er, um ein Bedürfniß zu befriedigen, über einen aun gestiegen und sich dabei beschädigt habe. Diese zufällige erunglückuug habe er nun ausgebeutet, um sich als Opfer eines Ueberfalls zu bezeichnen und Almosen zu erlangen. Der vorstehende ist wieder einer jener Fälle, welche dringend eine Abstellung der Lücke rm Strafgesetzbuch fordern, wonach erdichtete Anzeigen von Verbrechen nicht bestrast werden. Jetzt tritt die Bestrafung nur ein. wenn be- stimmte Personen des Verbrechens bezichtigt werden. Durch solche unwahren Anzeigen wird aber den Behörden viel unnütze Arbeit gemacht und das Publikum beunrubigt. Das wäre aber nur ein geringfügiger Schaden, das schlimmste ist, daß unschuldige Leute in Verdacht kommen und verhaftet werden. So ist es auch diesmal gewesen. Ein Mann, dem man eine derartige That wohl zutrauen konnte und der auch durch das Zusammentreffen anderer Zufälligkeiten belastet schien, ist verhaftet und erst beute aus der Haft entlassen worden, nachdem seine völlige Unschu.d dargethan war. Wegen schweren Betruges im Sinne des s 263 Straff aesetzbuchs ist der Weinhändler Anton H a b e r in a n n, der durch seinen Handel mit medizinischen Ungarweinen bekannt ist, ver- haftet worden. Am Morgen des 6. d. M. entstand in den Lager- räumen des Kellers im Hause Brückenallee 20 Feuer, die Feuer- wehr mußte den Eingang zu den verschlossenen Kellerräumen gewaltsam erbrechen, und als sie sich bis zu dem Herd des Feuers durch den mächtigen Qualm Bahn gebrochen hatte, fand sie nur brennende Kisten, Stroh und leere Weinfässer und kam zu der Ueberzeugung, daß der Brand nur ein Leitungsfeuer sei. Da also angenommen werden muß, daß Hab ermann, nur um sich in den Besitz der 21 000 M. betragenden Versicherungssumme zu setzen, das Feuer angelegt habe, so ist er verhaftet worden. Ein Moustreprozest, in welchem nickt weniger als gegen 4000 Verklagte zu verhandeln ist, spielt sich gegenwärtig vor dem kgl. Amtsgericht I in der Jüdenstraße ab. Der gewaltige Prozeß bildet ein Nachspiel zu den Zwistigkeiten, der sich zwischen dem Vorstand und Mitgliedern des Vereins„Zukunft" abgespielt. Bekanntlich ist ein großer Theil der Letzteren aus dieser Kranken- kaffe ausgeschieden, ohne die Vereinsbeiträge für den Monat des Austrittes zu zahlen. Gegen diese Personen, und die Zahl der- selben beträgt 4000— hat der Vorstand die Klage erhoben und seit etwa drei Wochen wird vor dem Amtsgericht I in Sachen „Zukunft" contra Mitglieder— und zwar jedesmal summarisch gegen 23—100 Personen verhandelt. Die Kosten des Riesenprozesses hat zum größten Theil der Verein„Zukunft" zu tragen, da die von demselben gestellten Forderungen meist zu hoch sind und die Verklagte» sich ohne Weiteres zur Zahlung der ursprünglich und gesetzlich normirten Beiträge bereit erklären. Erschossen hat sich am Mittwoch Abend der Landschafts- maler Grothe, ein Sohn des bekannten Schriftstellers Wilhelm Grothe, der im Februar vor. Js. in Friedrichshagen starb. Ein merkwürdiger Zufall wollte es, daß der Selbstmörder denselben Revolver gegen sich richtete, aus dem er aus seinen Vater ein halbes Jahr vor dessen Tode geschossen hatte. Er war nicht ver- heirathet. Vergiftet aus unglücklicher Liebe hat sich daS 23 Jahre alte Dienstmädchen Auguste Matz, das bei einem hiesigen Schlächter- meister in Stellung war. Sie trank vorgestern Morgen Karbolsäure, wurde nach der Charitee gebracht und ist dort gestern Morgen um 7 Uhr gestorben. Polizeibericht. Am 8. d. M. Morgens wurde ein Echan!- wirth in seiner Wohnung in der Mühlenstraße erhängt vor- gefunden.— Auf dem Neubau Wörtherstraße 16 stürzte Vor- mittags der Zimmermann Henke beim Legen von Balken aus dem dritten Stock auf die Straße hinab und verstarb auf der Stelle.— Am 9. d. M. Morgens entstand im dritten Stock des Seitenflügels des Hauses Fehrbellinerstr. 97 Feuer, wodurch der Inhalt einer Tischlerei und einer darüber liegenden Schneider- Werkstatt zerstört wurde. Gevtckks-'Ietkung: Die Eislebener Affäre vor Gericht. Heute wurde das Urtheil gegen die Angeklagten gefällt. Wir geben dasselbe wieder, indem wir es den Anträgen des Staatsanwalts gegen- überstellen. Der Staatsanwalt beantragte Jahre Gefängniß Monate„ Wochen„ Monate„ 2 6 4 6 Der Gerichtshof erkannte auf 9 Monate Gesängniß 14 Tage., Freisprechung Freisprechung 4 1 1 2 Monate„ Monate„ Monat„ Monate„ 4 Wochen„ 6 Wochen„ 14 Tage„ 14 Tage„ 3 Monate„ 6 Wochen„ Freisprechung 6 Monate Gesängniß 9 Monate» 6 Monate„ 4 Monate» 1 Woche„ 1 Monat„ 4 Monat„ 3 Wochen» 4 Monate» 3 Wochen„ Freisprechung Franke... Wolf.... Ritter... Krüger... Polizei- Sergeant Köhler.. Liebau... Wunderlich G l a tz... Breithaupt. R e u p e r t., Z i ch.... Günther.. Dettmeyer. Frieß... Beinroth« Hosfmann..„„ Das Urtheil selbst bezeichnete die Bergleute als Urheber des Krawalls und das Vorgehen Köhler's als frivol. Die vier oben zuerst Genannten sind die angeklagten Sozial- demokraten; gegen diese hatte der Staatsanwall 2 Jahre 6 Monate 10 Wochen Gefängniß beantragt, wäbrend der Gerichts- Hof aus 9 Monate und 14 Tage erkannte. Gegen den Polizisten und die Bergleute hatte der Staatsanwalt 11 Monate und 20 Wochen Gesängniß beantragt, der Gerichtshof erkannte jedoch auf 34 Monate und 7 Wochen Gefängniß. In wie tendenziöser Weise die Sensationsblätter der Vonr- geoisie über das Urtheil berichten, zeigt das„Berliner Tageblatt", welches dasselbe in folgender Weise meldet: Das heute in dem Krawallprozeß verkündete Urtheil lautete gegen den Sattler Franke auf neun Monate, gegen den Polizcisergeanten Köhler auf sechs Wochen, gegen die übrigen zehn auf eine Woche bis sechs Monate Gefängniß. Zwei Sozialdemokraten und zwei Bergleute wurden frei- gesproche n." Acht Genossen des Rauchklubs Rauch von Reinickendorf standen am 6. d. M. auf der Anklagebank des Schöffengerichts zu Moabit, um sich gegen ein Vergehen des Vcreinsgesetzes zu verantworten. Die Angeklagten sollten am 2. November 1392 eine geheime Versammlung un Lüdecke'schen Lokal zu Reinickcn- dorf abgehallen haben, in der einer von den Angeklagten über den„Zukunftsstaat" und ein anderer über die„ErbschaftS- regulirung" gesprochen haben sollte, ohne polizeiliche Anzeige von einer politischen Versanimlung gemacht zu haben. Der Gerichts- Hof sprach sämmtliche Angeklagte von Strafe und Kosten frei. Er führte in der Urtheilsbegründung aus, daß selbst, wenn über öffentliche oder politische Angelegenheiton in dem Klub gesprochen sei, doch immer noch nicht die Anklagebehauptung erwiesen sei. Sotiale LtettevNrhk. Die Sperre über die List'sche Seidenfabrik in Bernau ist aufgehoben, da die Arbeiter auf mechanischen Webstühlen einen Vergleich mit dem Unternehmer eingegangen sind und somit ihre Forderungen zum großen Theil bewilligt erhalten haben. Wegen Lohnreduktion ist in Remscheid in der Schlittschuhfabrik von Eduard Engels ein Streik ausgebrochen. Es wird um strenge Fernhaltung des Zuzuges| aussagte, ist in einer anderen Angelegenheit vom Geraer Schwur- erhielten Riß( 3entrum) 2990, Heindl( liberal) 610 und Sieben gebeten. gericht wegen Meineids zu 1 Jahr 3 Monaten Zuchthaus ver- bürger( Sozialist) 333 Stimmen. Die Entlaffung von 100 Bergleuten in Altenberg urtheilt worden. Sie war zweimal wegen gewerbsinäßiger Unist zurückgenommen worden, nachdem der Stadtgemeinde- Rath die zucht vorbestraft. Bergwerksdirektion darum ersucht hatte. Einer von den Besseren. Unser Erfurter Parteiblatt, die ,, Thüringer Tribüne", berichtet folgendes: Ein Komtorist einer Achtung, Glasarbeiter! Die Glasarbeiter der Firma hiesigen Brauerei hat ein einfaches Mittel gefunden, sich seiner Jordan in Oder haben wegen angekündigter Lohnreduktion Verpflichtungen gegen ein von ihm verführtes Mädchen zu entihre Arbeitsstellen gekündigt. Der Zuzug ist bis zur Regelung ledigen. Nachdem er das Opfer feiner Begierde noch obendrein der Angelegenheit streng fernzuhalten. Die General frant und elend gemacht hat, denunzirt er das Mädchen bei der Kommission. Behörde wegen Unzucht. Auf grund dieser Denunziation wird läuft schadenfroh herum und freut sich seines gelungenen Streiches. das Mädchen unter Kontrolle gestellt und der saubere Patron Wenn durch die lex Heinze solche Subjekte gefaßt und zu Wasser, Brot und Latten verurtheilt werden könnten, hätten wir wahrlich nichts dagegen. Leider ist dazu keine Aussicht vorhanden, die Sucht des Gesetzes fällt, wie gerade dieser Fall wieder beweist, auf das verführte Opfer." Klerikale Jugenderziehung. In einem Eingesandt der Klerikale Jugenderziehung. In einem Gingesandt der Fränkischen Tagespost" wird mitgetheilt, daß der Nürnberger Kaplan Huber bei der Ertheilung des Religionsunterrichts einem Schüler acht Hiebe auf die Hand versetzte, weil diefer feine jett begangenen Sünden nicht auf geschrieben hatte. bis Verlammlungen. Im Verein Vorwärts zu Rigdorf sprach am 28. Februar Genoffe Metzner über das Thema: Was ist Schule und was soll sie sein? Der vortreffliche Vortrag wurde mit Beifall aufgenommen und gab die Veranlassung zu einer lebhaften Debatte, an welcher sich die Genossen Skrannewit, Rezerau und Andere betheiligten. Unter Vereinsangelegenheiten wurde die beantragte Gründung eines Gesangvereins aus der Mitte der Mitglieder verworfen. Beschlossen wurde am 18. März eine Gedenkfeier zu veranstalten. Zum Schluß erstattete der Vorfizzende Bericht über den Verlauf der letzten Agitationstour. Achtung, Schneider! Große Werkstatt- und Geschäfts- Delegirten- Berfammlung am Freitag, den 10. März, Abends 8% Uhr, in Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstr. 77-79. Ablieferung der ausgefüllten Lohntarife und Ausfüllung der vorgedruckten Formulare. Berliner Naturheilverein 2. Vortrag des Herrn Dr. Böhm über Augenkrankheiten bei Noack, Brunnenstr. 18-19. Tanzlehrerverein Solidarität". Mitglieder- Versammlung Abends 8% Uhr tin Lofal des Herrn Ehrenberg, Annenstr. 16. Vermischtes. Der Künstler in der bürgerlichen Gesellschaft. Wie aus München gemeldet wird, wurde der Maler Alois Gabl, Professor der Akademie, in seinem Atelier erhängt aufge: funden. Seit sechs Tagen hatte man ihn nicht mehr gesehen; Die Nachbarschaft glaubte, er sei verreist. Der Zustand, in dem der Leichnam gefunden wurde, läßt vermuthen, daß Gabl den Selbstmord schon vor sechs Tagen begangen habe. Man glaubt, daß er die That aus Noth beging. Briefkaffen der Redaktion. A. K. Das durch Hasenclever's Doppelwahl erledigte Reichs. tagsmandat für Berlin VI fiel Pfannkuch zu. mit dem Stempel der Organisation versehen sein, Steinbildhauer. Veröffentlichungen über Streits 2c. müssen wenn sie Aufnahme im Vorwärts" finden sollen. Kiftenmacher. Auch für Sie gilt das Obige. für hergestellt werden und namentlich in der Diterzeit. Mein kleines H. N. 30. Es ist allerdings Thatsache, daß fünstliche Gier Töchterchen glaubt allerdings, daß der Osterhase sie liegt. Christen und Juden, Türken und Heiden. M. B. Die Bestimmungen über die Sonntagsruhe gelten Der Lübecker Dampfer ,, Ostsee" ist auf der Fahrt nach werke ist das Recht, ausschließlich Lehrlinge zu halten, durch B. K. 85. Nur gewissen Jnnungen nicht aller GeLibau im Eis gesunken. Der Steuermann und 6 Mann Verwaltungsanordnungen ertheilt. wurden von dem Dampfer Rußland" gerettet. Ueber das Schicksal der übrigen 7 Schiffsleute ist noch nichts Bestimmtes Sie und wo befindet sich dasselbe? bekannt. Depeschen. ( Wolff's Telegraphen- Bureau.) Paris, 9. März. Die heute fortgesette Verhandlung des Panamaprozesses wurde um 124 Uhr begonnen. Fontane äußerte sich auf Befragen des Präsidenten über die Stellung, die er bei der Panama- Gesellschaft eingenommen hatte, und erzählte sodann von den Schritten, welche Blondin unternahm, um das von Baihaut für die Einbringung der Panama- Vorlage verlangte Geld zu erhalten. Baihaut hätte ihm erklärt, das Geld sei für die Interessen des Landes bestimmt. Der Präsident ging sodann zu der Frage der anonymen Bons über. Fontane erklärte, die Bons seien bestimmt gewesen, die Kosten für die Veröffentlichungen zu decken, andere hätten zur Bezahlung vnn Banditen gedient, welche der Gesellschaft wie in einem Winkel des Waldes auflauerten. Der Präsident befragte sodann Baihaut, welcher mit tief bewegter Stimme antwortete: Ich bin schuldig! Kein Wort kann meine Rene und meinen Schmierz ausdrücken! Ich verstehe selbst noch nicht, wie ich mich habe so vergehen können.( Lang anhaltende Ruf ich vielleicht kompromittirt habe! Barhaut führte fodann aus, Bewegung.) Ich bitte mein Land um Verzeihung, dessen guten er habe auf Antrieb von Blondin gehandelt, welcher 75 000 Fr. zurückerhalten habe. Er( Barhaut) habe den Betrag zurückschloß unter anhaltender Bewegung der Zuhörer mit Ausdrücken stellen wollen, aber er fürchtete, sich zu verrathen. Baihaut 75 000 Frants erhalten zu haben; er habe nur im Interesse der des Bedauerns und der Verzweiflung. Blondin bestritt, die Banama- Gesellschaft gehandelt. Die Aussage Barhaut's bezeichnete er als einen Aufbau von Lügen. Im Zuchthaus zu Waldheim( Sachsen) wurde der Auf seher Baufler durch einen Sträfling ermordet, zwei andere Aufseher und ein Sträfling schwerverletzt. Die Zengin Thekla Riedel, die in dem Prozesse, den der altenburgische Staatsminister a. D. v. Leipziger gegen den ( Depeschen des Bureau Herold.) Redakteur des Altenburger Wählers", unsern Genossen Bogenih, Amberg, 9. März. Die Amberger Volkszeitung" rechnet wegen Beleidigung angestrengt hatte, zu Gunsten des Ministers für Riß( Zentrum) auf 8 bis 9000 gegen 1500 Stimmen. Bisher Große öffentliche Versammlung der Maurer in Putzer Berlins und Umgegend am Sonntag, den 12. März, Vormittags 10 Uhr, im Feen- Palast, Burgstraße. Tages Ordnung: 1. Fortsetzung der Diskussion über: Welche Forderungen stellen wir in diesem Jahr? 2. Gewerkschaftliches. Das Erscheinen aller Berufsgenossen ist nothwendig. Die Vertrauensleute: 242/ 8* Heinrich Schigolsky, Schwedterstr. 27. Friedrich Graeschke, 2übbenerstr. 26. Deutscher Tischler- Verband. Zahlstelle Berlin. Sonntag, den 12. März, Vormittags 10% Uhr, Versammlung. in Habel's Brauerei, Bergmannstraße 5-7. Tages- Ordnung: Die wirthschaftlichen Krisen. Referent: Rollege Koblenzer. Vorschläge Don 4 Mitgliedern der Werkstatt- Kontrollkommission. Verbandsangelegenheiten. Verschiedenes. 317/ 7* Die Ortsverwaltung. Achtung! Zimmerleute! Achtung! Große öffentliche Versammlung der Zimmerlente Berlins und Umgegend am Sonntag, den 12. März 1893, Vormittags 10 Uhr, bei Joël, Andreasstraße 21. Tagesordnung: 1. Ist in der gegenwärtigen Krise der Achtftundentag eine berechtigte Forderung? Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersuchen Die Vertrauensmänner. 363/3 Achtung, Schneider! Große Werkstatt- und Geschäfts- Delegirten- Versammlung am Freitag, den 10. März, Abends 8½ Uhr, in Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstr. 77/79. Tages Ordnung: 1. Ausarbeitung der Lohntarise von den Kollegen der einzelnen Geschäfte nach den vorgedruckten Formularen. 2. Entgegennahme der ausgearbeiteten Lohntarife. Diejenigen Kollegen, welche wünschen, daß ihren Geschäften formulirte Tarife zugestellt werden, bitten wir, zu erscheinen und sich an der Ausarbeitung zu betheiligen. Besonders fordern wir noch auf die Kollegen der Geschäfte: Hermann Hoffmann, Schützenstraße, Basedow, Leipzigerstraße, Louis Landsberger, Oberwallstraße, Germania, Unter den Linden, Deutscher Offizier Verein, American Pants u. Suit Faktory, Kurstraße. Die Agitations- Kommission. Ausstellungs- Möbel. Die von mir seinerzeit im Landes- Ausstellungspark ausgestellten WohnungsEinrichtungen fanden beim Bublifum den ungetheiltesten Beifall. Möbel aller Art, ganze Wohnungs Einrichtungen 2c. werden stets angefertigt, und sind solche auch im Fabrifgebäude Naunynstr. 3, 1. u. II. Et., ausgestellt. Verkauf nur unter Garantie zu mäßigen Preisen. 3791L* B Heinrich Meyer, Tischlermeister, Naunynstrasse 3. Elektr. Beleuchtung. " Welches Gewerbe meinen Gleichheit 100. 1. Wenn Sie in Berlin heirathen, so leben Sie ohne weiteres außer Gütergemeinschaft. 2. Bu standesamtlicher Trauung gebraucht man teinen aufschein; Ihr Geburtsattest genügt. Sorgen Sie rechtzeitig für die nöthigen Papiere; Auskunft, ob die in Ihrem Besitz befindlichen genügen ( Einwilligungsschein) giebt Ihnen das Standesamt. Büdelsdorf bei Rendsburg. Die Reichstags- Kandidatur des Genossen v. Elm ist schon in Nr. 47 erwähnt worden. K. R. 28. Sie können den Brief wieder abholen. F. A. Hilsker, Bremerhaven. Warnungen vor Schwindlern veröffentlichen wir nur in ganz besonderen Fällen. Ein solcher liegt unsers Erachtens hier nicht vor. Kornträger. Das Gewünschte steht zu Ihrer Berfügung. 2. 1000. Schadenserjahanspruch steht Ihnen nicht zu. Nr. 1. 2. 3. Die Eltern sind zu ihrem Verlangen, daß ihr Kind nicht eingeschlossen gehalten werde, berechtigt. 2. V. Nach Ihrer Darstellung ist Ihre Frau nicht ver pflichtet, soviel aus Ihrem Schreiben zu ersehen, aber Sie. A. St. Geschenke, auch Verlobungsringe, können innerhalb Monaten zurückgefordert werden. 6 B., Rheinsbergerstraße. Nein. M. W. Ja. 2. 2. Eine Prostituirte gilt als bescholten, und kann daher weder für sich, noch für ihr armes Kind in Preußen Alimente beanspruchen. Briefkaffen der Expedition. Sie sich an die Verlags- Buchhandlung von S. Fischer, Berlin. M. S. Die gewünschte Adresse wissen wir nicht. Wenden Bezugsquelle ist uns also nicht bekannt. A. N. Das betr. Gedicht ist unseres Wissens verboten, eine Bezugsquelle ist uns also nicht bekannt, L.T., Tempelhof. Besten Dank. Wir haben schon anderweitig ein Exemplar des Franz von Sidingen" erhalten. N. H. K., Charlottenstraße. Wir sind bereits mit den älteren Jahrgängen der Neuen Zeit" versehen. Ihre Offerte trifft zu spät ein. Besten Dant. Bersand nach Auswärts. ,, Zum Prophet Welthaus für Herren- und Knaben- Garderoben. I. Etage. Am Dönhoffplatz. Etage. Ecke Leipziger- und Kommandanten- Straße. Abth. I. Herren- Anzüge von 9 Mark an bis zu den feinsten Qualitäten vorräthig. Anzüge sonst 18-48 m. von 9 M. an 6 II. Salon- Anzüge " III. 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