Nr. 2G3* ilboniKinentS'B(d1n9tin9(B: ?mentS» Preis prininnnimdo» vierleljäbrl. Z.A0 Mk, monatl. l.IN Ml. wLSenMch B Lsg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Big. Sonniags- nununel cni illuftrterier SonmagZ. BeUage.Die Neue Welt' 10 Virn Lost- «bonnement: l.l0 Marl vro Monat. Sinaerragen m die Boll. Zeitimgs- Treisliile. Unter Kreuzband für Deui! forderlich erscheint. Jedoch muß in letzterem Falle die Mindestruhezeit von 11 Stunden gewährt werden. Wenn auch nicht verkannt werden soll, daß es der Kam- Mission gelungen ist, Verschlechterungen, die die RegienmgS- Vorlage beabsichtigte, zu beseitigen und einige Verbesserungen vorzunehmen, so läßt sich doch nicht verkennen, daß die Be- schlüsse der Kommission lediglich Flickwerk sind. Wir sehen davon ab, daß die vorgeschlagenen Schutzvorschriften sich ledig- lich aus Arbeiterinnen und jugendliche Arbeiter erstrecken, weil der bislang beratene Teil der Gc- Werbeordnung nur eine Art Ausführung der Berner Konvention ist, die sich ja nur auf Arbeiterinnen bezieht. Schutzvorschriften für männliche Arbeiter sowie überhaupt Aendernngen der Geiverbeordnung. tvclche über diesen schmalen Rahmen hinausgehen, sind dem Teil der Gewerbeordnung, der nach der Verabschiedung des be- sprochencn Teiles zur Beratung kommt, vorbehalten. Aber auch bei Berücksichtigung der Abgrenzung ans das von der Berner Konvention berührte Gebiet gehcsit die KomnujjionS- beschiüsse bei weitem nicht weit genug. Insbesondere ver- missen wir die Ausdehnung des Schutzes auf alle Betriebe ohne Rücksicht auf die Zahl der beschäftigten Arbeiterinnen, zum mindesten auf alle Betriebe, die fünf Arbeiterinnen oder mehr beschästigen. Der Zehn- stundentag hinkt hinter dem, was erreichbar und dnrchfi'chrbar ist, durchaus hinterher. Im Jahre 1302 war bereits in nahezu zwei Dritteln der Betriebe der Zehnstundentag errungen. Die Durchführung eines Achtstundentages lväre im sozialen, gesundheitlichen, sittlichen und kulturellen Interesse der Arbeite- rinnen und der Gesamtheit notwendig und durchführbar. Leider hat in erster Lesung die Konuniision den Achtstunden- tag und auch den Neilnstiindcutag abgelehnt. Für bedauerlich halten wir ferner, daß die Kommission die Anträge auf Ein- engnng der Ausnahmebestimmungen, insbesondere die Be- stimmung nicht gestrichen hat, daß auch auf Gärtnereien. das Schankwirtschaftsge werbe und das Ver- kehrsgewerbe die Schutzvorschriften Anwendung finden sollen. Es wird noch viel mühselige Arbeit erforderlich sein, um den dem Abschluß nahenden Teil der Geiverbcordnung zu einem brauchbaren zu gestalten. llm das periönliche Kegiment. Hätte eö noch jemand gegeben, der daran gezweifelt hätte, daß die bürgerlichen Parteien in dem Kampfe um die Rechte des Parlaments schmählichen Bankerott machen werden, so könnte den Einfältigen die Erklärung bekehren, die die kon- scrvative Partei erlassen hat. Sie lautet: Die letzten mit den Beröffenttichnngen der englischen Preffe verbundenen Ereignisse zeigeil, daß der Dienst des Aus- wältigen AmleS nicht überall ausreichend orga- nisiert ist. Trotz der vom Reichskanzler fonnell übernommenen Verlretnng müsien Vorkehrungen getroffen werden, welche die Wiederkehr solcher Mißstände für die Zukunft mit Sicherheit verhindern. Im Zusammenhange hiermit hält der versammelte Vorstand der konservativen Partei es für erforderlich, folgendes Auszusprechen: Wir sehen mit Sorge, daß Aeußerungen Seiner /Majestät des Kaisers, gewiß stets von edlen Motiven aus- gebend, nicht selten da zu beigetragen haben, teil- weise durch mißverständliche Auslegung untere auswäriige Politik in schwierige Lage zu bringen. Wir halten, geleitet von dem Bestreben, das kaiserliche Ansehen von einer Kritik und Disknision, die ihm nicht zuträglich sind, zu bewahren, sowie von der Pflicht beseelt, das Dcntsche Reich und Volk vor Verwickelungen und Nachteilen zu schützen, unS zu dem ehrfuchtsvollcn Ausdruck deS Wnn'cheS verbunden, daß in solchen Aeußerungen zukünfrig eine größere Zurückhaltung bcob- achtet werden möge. r«!"' wollen dabei zugleich mit aller Entichiedenheit feststellen, daß wir im Interesse der Würde und des M.ichtbewußlseinS des Deutschen Reiches eine weitere publizistische Behandlung dieser Vorgänge nicht für segensreich erachten können. Wir müssen wünichen, insbesondere auch dem Auslände gegenüber, diejenige Ruhe und Geschlossenheit deS Volkes zum Ausdruck zu bringen, welche für uns. umdroht von Gesahren. eine politische Notwendig- keit der Selbstorhaltung ist. Die 5ionserpativc'n sind also mit ihrem Urteil fertig. Sic brauchen nicht erst die parlamentarischen Verhandlungen ab- zuwarten. Sie wissen, daß Vülow weiter ihre Geschäfte besorgen wird, ja in Zukunft in noch höherem Maße. Denn je schtvächer seine Position und je geringer sein Ansehen, desto sorgsamer muß es Bülow vermeiden. sich die Protektion der Junker zu verscherzen. Die Maßgebenden des Blocks sind also entschlossen, jede wirkliche Tat des Parlaments zu verhindern und damit ist die Politik der Reichstagsmasorltät entschieden. Denn die nationallibcrale Charakterlosigkeit und die freisinnige Hnndedeimit kann sich zn einem selbständigen Entschluß ja überhaupt nicht aufraffen. Sic sind nur Lakaien, ' die die Befehle der Herren auszuführen haben. Bülow siegt, wie er will. Dem armen Wilhelm IL. werden ein paar Wahrheiten gesagt, eS wird ihm erklärt, daß er sich gefälligst in Zukunft größere Zurückhaltung auferlegen soll und an Stelle des persönlichen Regiments des Hohen- zollcrn, tritt das persönliche Regiment des Bülow. als des Statthalters der Jnuker. Die Junker wollen nur einen nach ihrer Meinung unfähigen Diener ihrer Interessen durch einen— wieder nach ihrer Meinung— fähigeren ersetzen. Das Verhältnis von Bismarck und Wilhelm I. soll wieder hergestellt werden. Das Parla- mcnt, die Volksvertretung muß einflußlos bleiben wie bisher und die Krone soll die Kreise der junkerlichen Politik nicht durch ihre Ungeschicklichkeiten stören. Die„Voss. Ztg." spricht in nur deutschen Liberalen erreichbarer Dummheit von der„Ueberwindung", die es den königstreuen und monarchischen Konservativen gekostet haben muß. dem Kaiser Vorhaltungen machen zu müssen.- Solche Esel! In Wirklichkeit ist für die Konservativen, deren Stärke es von jeher gewesen ist, die Krone rücksichtslos unter ihr Joch zu zwingen, die den König nur dann und nur so weit absolut haben wollen, als er ihrem Willen gehorcht, nur Eines unangenehm: Daß selbst s i e gezwungen sind, Wilhelm II. öffentlich ihr Mißtrauen auszusprechen und damit die Autorität der Krone herabzusetzen. Denn da die Krone in Preußen für die Junker nie eiiväs anderes gewesen ist als das Instrument ihrer Ä l a s s 0 n h e r r- schaft, so ist es natürlich dieser Klasse unangenehm, selbst die Brauchbarkeit dieses Instruments vermindern Zu müssen. Daß sie nicht,>vie sie eß gewohnt sind, die Beugung der Krone unter ihrem Willen als ihre Privatsache ausfechten können, von der die Oeffentlichkeit nichts erfährt, daß der Skandal so groß.geivordcn ist, daß selbst sie ihr Werkzeug öffentlich tadeln müssen, daß ist das Einzige, was den Junkern Pein bereitet, lind selbst jetzt sind sie hochmütig genug, die Aus- cinandersetzung mit der Krone als eine Angelegenheit zu betrachten, die eigentlich mir s i e allein angeht. Deshalb diese schnelle Stellungnahme, die dem Reichstag zuvorkommt, deshalb der komische Appell am Schluß der Erklärung, jetzt, nachdem ge- schehen, was die Junkcrsippe für notwendig hält, die pnbli- zistischen Erklärungen einzustellen. Durch die Lcröffentlichiing der Erklärung wollen die Konservativen zugleich ausdrücken, lvie gering sie den Reichstag und seine Debatten einschätzen. Und die .Fkreuz-Zeituug" unterstreicht diese Absicht noch ausdrücklich: „Daß der Parteivorstand nicht die p a r l a in e n.t ar is ch e . Aktion abgewartet hat, erilärt sich aus der Stellung der Partei dem Parlamentarismus gegenüber. Zu einer Machtfrage zivi scheu Krone und Parlament darf uns diese Sache nicht werden." Damit ist offen gesagt, daß der Zweck der Kundgebung der ist. jede Machterweiterung der VoltSvcrtretnng gegenüber dem Absolutismus zu verhindern. Bei den Konservativen nimmt das kein wunder. Sic waren immer die g e- schmore neu Feinde des deutschen Reichstags und seiner Grundlage, des allgemeinen gleichen Wahlrechts. Sie sind in Preußen und durch Preußen in Deutschland die regierende Schichte. Sie haben alle Machtmittel des Staates in Händen, die Armee und die Verwaltung. Sie brauchen den Reichstag nicht, und sie haben aus ihrer Feiud- schast gegen die Rechte der Volksvertretung nie ein Hehl ge- macht. Was soll man aber zu den Vertretern der bürg er- l i ch e n Parteien sagen, vor allem zu den Blockgcnossen der Junker? Neben sie nickt den i n f a ni st c n V 0 l k s v e r r a t, wenn sie dazu helfen. den Reichstag um den letzten Rest von Macht, Ansehen und Einfluß zu bringen? Wird ihnen denn nicht klar, daß sie im Begriffe sind, dem Absolutismus zu feinem größten entscheidendsten Triumpf zu verhelfen in demselben Moment, wo er vor dem deutschen Volke, vor der ganzen Kulturwelt sich mit unauslöschlicher Schmach bedeckt hat? Aber die Vertreter des deutschen Bürgertums sind längst kampfunfähig geworden. Ihr Sinn steht nicht nach Kämpfen, sondern nach dem Verdienen. Der Block be- deutet Bereicherung. Bereicherung an der Kolonial- Politik, an Flottenbauten und Heereslieferungen, Bereicherung an Wucher- und Kartellzöllen. Bereicherung, ungestörte Be- reicherung durch Abwälzung aller Lasten der Reichspolitik auf die Besitzlosen und deshalb muß der Block erhalten bleiben, sein Träger sein Vertrauensvotum erhalten und die Rechte der Volksvertretung verraten und verkauft werden. Der bürgerliche Parlamentarismus ist bankrott. Aber um so lauter und energischer muß das Volk selb st seine Stimme erheben. Eine große Prot e st- bewegung muß es werden und je"stiller die Ver- rüter im" Parlament werden, desto lauter muß draitßen schallen. Und schon kommen aus allen Teilen des Reiches die Nachrichten von dem Beamn der Volksbewegung. Der bayerische Landesvorstand veröffentlicht, wie uns eine Privatdepesche meldet, einen scharfen Aufruf gegen das persönliche Regiment. Alle Organisationen werden zu M a s s e n d e m o n st r a t i onen aufgefordert. In München ist für nächsten Mittwoch eine Massenkundgebung geplant. Die Arbeiter von Leipzig demonstrieren bereits heute. In dem Ausruf des Agitattonskomitees heistt es: Der Zusammenbruch deS persönlichen Re- g i m e n t S ist zugleich auch der Zusammenbruch des bürgerlichen Parlamentarismus! Die donnernden Proieste der bürgerlichen Presse gegen die Schündnng des deutschen Namens im In- und Auslände haben bisher in den Massen der Bourgeoisie kein Echo gefunden. An der A r b e i te rk las s e ist es daher, jetzt der Öesfentlichkeit-zu zeigen, dost sie die Schmach dieser Zustände, die man durch das ruchlose Spielen mit dem Weltkrieg über- tünchen will, tief enipfindct und fest entschlossen ist, diesem Schrecken ohne Ende ein Ende mit Schrecken zu bereiten. Der Appell geht nickt nur an die Arbeiterklupe, sondern an die gesamte Bevölkerung. Es Much dokumentiert werden, dag das denisckc Volk m ii n d i g ist Mnd nickt Lust hat, noch weiter am G ä n g e l b a n d e des jMt- s o n l i ch e n Regiments zu lausen. Arbeiter l Ericheint in WM» Hansen! Es gilt die Ehre deS de n t schen Name nVI Die Herren im Parlament haben Dienstag das MWt. Sloch einmal mögen sie eS sich gesagt sein lassen. Mß% oder so ihre Worte außerhalb des Park««»«? ein gelv altiges tzcho finden werden. Den, de»W«i Absolutismus mich unter allen Umständen der Vernichtungskampf geliefert werden. Das hängt zum Glück nicht vom Reichstag ab. Was aber von ihm abhängt, ist. ob er als Mitkämpfer dem Volke nützlichen Dienst erweisen oder als Mitschuldiger deS verderblichen Absolutisinus zurRechenschaft gezogen werden wird. vS! verratene volkzrecht! Di« freisinnige„Neue Hamburger Zeitung" teilt mit: „Der Freifinnigr WahlrechtSausschuß ist in seiner letzten Sitzung zu dem Entschlüsse gekomme», die Agitation für die preußische Wahlrechtsreform sei auf einen günstigeren Zeitpunkt zu vertilgen, da gegenwärtig andere Fragen, wie die Neichofiiianzreform, daS Interesse beherrschten." Das Hamburger Blatt bemerkt dazu: „Stillschweigend»vird damit eine Erzwingung und Be- schleunig un g der Wahlreform durch den Druck in den Reichsfinanzsragen abgelehnt." Für jeden ernsthaften Politiker war eS von vornherein klar, daß der Freisinn jedem Kampf um das Wahlrecht aus dem Wege gehen werde. Ein ernstgemeinter, kraftvoller, rücksichts- loser Borstoß für das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht könnte ja zu Konflikten mit der Regie- rung führen, die der Freisinn unter allen Umständen vermeiden will, um nicht der Blockgenossenschaft verlustig zu gehen. Denn wenn der Freisinn der Regierung die Pistole auf die Brust setzen und erklären würde, daß er ohne bindende Zusage einer baldigen wirklich demotratischcn Wahlresorm die Regierung im Reiche sowohl wie in Preußen nicht länger zu unter- stützen vermöge, so würde wahrscheinlich die Regierung keine tvesenkiich andere Antwort geben» als sie Fürst Lütow im Silfang dieses JahreS im preußischen Landtag abgegeben hat. Und um nicht i» die Rotlage versetzt' zu tverdeis, den Kamps gegen die Stieg, errurg und die wahlrechtsverweigetnde Reaktion aufnehmen zu müssen, um nur so weiterhin als Regierungspartei sort- vegetieren zu können, verzichtet der Freisinn lieber auf jede energische Berfcchtung seiner so pompös angekündigten Wahlrechts- forderung. DaS höchste, was er sich leisten wird, wird die Forderung sein, seinen WahlrechtSantrag im preußischen Ab- geordnetenhause verhandelt zu sehen. Aber nach der Mit- teilung des hamburgischen FreistnnsblatteS denkt der Frei- sinn gar nicht daran, für die Forderung des ReichStagSwahlrechtS ,mt R a ch d r u ck einzutreten und seine Anhänger zum Kampfe gegen die Reaktion aufzurufen, falls auch diesmal die Antwort der Regierung ablehnend oder günstigstenfalls ausweichend ans- fallen würde. Der Freisinn will sich auch diesmal nur mit einem platonischen Wunsche begnügen, der ihn dem Volke gegen- über salviere» soll, von dem aber die Regierung ganz genau weiß. daß er ihrer Verschleppungstaktik in Sachen der Wahl- reform nicht den geringsten ernstlichen Widerstand bereiten wird! Dieser abermalige Verrat des Freisinns au den Rechten des Volkes ist um so nichtswürdiger, als nicht iu,r die Reichs- finanzreform dem Freisinn die Gelegenheit bietet, der Regierung Gesetze diktieren zu können. Ist doch infolge deS schmachvollen Zusammenbruchs unserer auswärtigen Politik die Lage der Regierung und der reaktionären Parteien eine so geschwächte und erschütterte, daß die Reaktion einem geeinten Ansturm der proletarischen und libe» ralen Demokratie unbedingt w eichen müßte, sofern nur das freisinnige Bürgertum den Kampf gegen die Reaktion kraft- voll zu führen den Mut hätte. Eine Regierung, eine herrschende Klasse, die so völlig isoliert und mit dem Fluche der Lächerlich- keit behaftet dasteht, wie augenblicklich das offizielle Deutsch- land, könnte eS nicht wagen, energisch vertretenen Volks« forderungen Widerstand entgegenzusetzen. Aber auch diese Situation scheint der Freisinn verpassen zu»vollen. Und sicherlich nicht ans diplomatischem Ungeschick, sondern einfach deshalb, weil eS ihm mit der Erriiigmig deS allgemeinen, gleichen, geheimen und direkte« Wahl- rechts niemals ernst gewesen ist! Herr sibgeoräneter Liesbert;. Zur selben Zeit, wo Herr Johann GieSbertS in M.-Gladbach jfciti Stadtverordnetenmandat niederlegt, kommt die„Rheinisch- Westfälische Arbeitgeber-Zeitung" mit äußer st seltsamen Ent- h ü l l u n g e n. die in der deutschen Arbeiterschaft das größte Auf- sehen erregen werden. Herrn GieSbertS werden in dem genannten Blatt Dinge zur Last gelegt. die ihn als Arbeiterführer un- möglich machen. Sozialdemokratie und freie Gewerkschaften wenigstens würden einen Mann, der ähnliches verschuldet hätte, davonjagen. Herrn GieSbertS wird zur Last gelegt: 1. dem Vorsitzenden einer Unternehmerorganisation die wichtigsten Geheimnisse und Absichten einer Arbeiterorgani- sation am Biertisch ausgeplaudert zu haben; 2. die sozialdemokratische Presse wider besseres Wissen zur Aufnahme einer Berichtigung gezwungen zu haben. Beides wird ihm in der„Rhcinisch-Westsälischen Arbeit- geber-Zeilung" nachgewiesen, und zwar durch einen Herrn Adam Becker, ZentrumSmann und Stadtverordneter in N.-Glad- bach, also von einem FraktronSkollegen des Herrn GieS- bertS. Dieser Herr Becker ist gleichzeitig Vorsitzender des Arbeit- geberbnndeS in M.-Gradbach. Zu Beginn dieses JahreS erstrebten die Bauarbeiter von Rheinland und Westfalen eine» günstigen Tarifvertrag. Mehrfach drohten die Verhandlungen zu scheitern. Die Unternehmer wollten unter keinen Umständen nachgeben. Da erschien zuerst in der„Rheinischen Zeitung" in Köln eine Notiz, die die Weigerung der Unternehmer allerdings verständlich erscheine» ließ. In dieser Notiz hieß eS, daß der Vorsitzende T h i e m a n n vom Kölner Arbeitgeberverband in einer Versaimnlung der Unternehmer mit- geteilt habe, der Abg. GiesberiS habe einem anderen Herrn vom Arbeitgcberbimd gegenüber geäußert:„Die christlichen Gewer kschaften ständen voll und ganz auf dem Boden deS TarifSeniwursS des ArbeitgeberverbandeS, und man würde keine höheren Lohnansprüche st eilen, jedoch stoße man sich an dem Worte „tüchtig"." Danach wird man das Sträuben der Unternehmer zu weiteren Zugeständnissen an die Arbeiter verständlich finden. Die Unternehmer deuteten die Aeußenmg nicht mit Unrecht in dem Sinne, daß die Arbeiter einen ernstlichen Kampf nicht»vagen würden. Herr GieSbertS sandte darauf eine Berichiigttng ein, worin er in Abrede stellte, eine solche Aeußerung„weder öffentlich noch privatim" getan zu haben. Diese„Berichtigung" ist Herrn GieSbertS zum Verhängnis geworden, denn die Unternehmer erblicken darin den Vorwurf der Unwahrheit, den sie nicht auf sich sitzen lassen könnten. Durch öffentliche Darlegimg deS Falles in dem erstgenannten Unternehmer- blatte weisen sie Giesberts Dementi als unrichtig nach. Der Parteigenosse und FraltionSkollege deS Herm GieSbertS, Herr Adam Becker. Vorsitzender deS Srbcitgebcrbundes in M.-Gladbach, hat yor einiger Zeit schon an Herrn GieSbertS einen Brief gerichtet, der letzt in dem Untecuehmerorgan zum Abdruck gebracht wird Dieser Brief ist recht wichtig und intereffant. Herr Adam Becker schreibt: „Wir haben uns zur Zeit kurz nach der Einreichung unterer Arbeitsordnung an die christliche Geivcrlschast im Restaurant Herfs über dieselbe unterhalten. Sie sagten mir damals, daß die Christlichen wohl auf keine Erhöhimg des Lohnes und auch auf leine Verkürzung der Arbeitszeit recknen würden, jedoch»vürde.man an dem Worte„tüchtig" sich reiben. „Ich habe diese Ihre Aeußerung gleich ander» TageS meinen Kollegen mitgeteilt, damit Herr Thiemann-Köln in einer dortigen Versammlung Gebrauch machen könnte. Die„Rheinische Zeitung" hat diese Ihre Aeußerung in ihre» Nummern vom 12., 14. und 18. Februar 1908 besprochen, und hat auch von Ihnen eine V« r i ch r i g u n g gebracht, worin Sic in Abrede stellen, eine solche Aeußerung weder öffentlich noch privatim gemacht zu haben, auch sei eS Sacke des Zentralverbandes der Dauhandwerker, welchem Sie nicht angehörten. Ihre zur Zeit gemachten Aeußerungen ließen erlennen, daß Sie die von uns seit einigen Tagen eingereichte Arbeitsordnung in allen Einzelheiten kannten und mußte ich annehmen, daß Sie bei einer Besprechung mitgeivirkt haben. Ich werde nun Herrn Thiemann in Köln benachrichtigen, daß er diesen Tatbestand durch die Presse. bekannt gibt. Sollten Sie aber einen anderen Weg wollen und den Herrn Thiemann von dem ihm gemachten Vor- ivurf der Unwahrheit(durch die„Berichtigung an die sozioldemokratiscke Presse. Red.) befreien, so sieht der- selbe Ihrer Antwort entgegen. Achtungsvoll Ad. Becker." Herr Giesberts hat darauf nicht geantwortet trotz noch- maliger Mahnung. Das Unternehmerorgan sieht in dem Schweigen daö Zugeständnis der Schuld. Das Verhalten Giesberts diene keineSivegS dem Frieden zwischen Arbeitern und Unternehmern und ihn treffe die Schuld,„wenn durch derartige Ber- hetzuugen dem Unfrieden immer wieder neue Nahrung zugeführt wird". Nach dieser öffe»»tlichen Festnagelung konnte Giesberts nicht mehr gut schweigen. Er setzte sich also hin und schrieb der„Rheinisch- Westfälischen Arbeitgeber-Zlg." einen RechlfcrtigungSvcrs uch. Dieser Versuch ist völlig daneben geraten. GieSbertS erzählt, in Berlin sei der NeichStagsabgeordnete Wiedebcrg. Vorsitzender des „christlichen" BauarbeitervcrbandeS, zu ihm gekommen und habe ihn auf die Nachricht in der Presse aufmerksam gemacht. Er, GieSbertS, habe sofort erklärt, daß diese Nachricht falsch sei; er hätte mit keinem Vertreter der Arbeitgeber weder öffentlich noch privatim verhandelt. Auf Wunsch habe er darauf eine Berichligung erlassen. Dam» sei das Schreiben des Herrn Becker gekommen, über welches er sehr erstaunt gewesen sei. Dann kommt folgendes Eingeständnis: „Das Gespräch snit Herrn Becker lag längere Zeit zurück. Ich glaube wohl ö— 8 Wochen, und ich hatte mich dessen wirklich nicht erinnert. Man wird mir glauben können, wenn ich sage, daß es mir faktisch unmöglich ist. die am Biertisches!!) über politische und sozialpolitische Angelegen- Helten geführt werden, in» Gedächtnis zu be- halten. Das Gespräch mit Herrn Bccker konnte mir umso« weniger im Gedächtnis hasten, als dasselbe vollständig neben- sächlich und privatim war. Herr Becker und ich sind beide Stadtverordnete der Zentrumspartei in München-Gladbach. Nach den Sitzungen pflegen wir mit noch mehreren Kollegen ein Glas Bier zu trinken. Bei einer solchen Gelegenheit ist daS Gespräch auf den Bauhandwerkertarif gekommen. Den Wortlaut heute noch festzustellen, ist nlcht möglich. ES ist aber völlig aus- geschloffen, daß ick daS gesagt haben soll, was Herr Becker in seinem Briefe angibt. Ich kann gesprochen haben, daß über die Loh ii frage und die Arbeitszeitfrage Ivohlall- gemein eine Verständigung möglich sei und eS dieserhalb nickt zu schweren Kämpfen zu kommen brauche, daß aber daS unglückliche Wort„tüchtig" Anlaß zu Differenzen geben könnte." GieSbertS meint, die Angelegenheit wäre besser der Vergangen- heit anheimgefallen. ES sei von Bccker nicht anständig ge- wesen, daß er als GesimulitgSgenosse und FraltionSkollege von Privatgesprächen Gebrauch gemacht habe. Becker hätte sich dazu erst die Gene hm igung erbitten müssen. Der langen Rede kurzer Sinn ist: ß i e Sache stimmt! GieSbertS hat von denVer- Handlunge» und Absichten der Arbeiterorganisationen Kenntnis ge- habt und sie bei der ersten Gelegenheit am Viertisch einem Unter- nchmervertreter verraten. Durch diese Handlung hat GieSbertS der VanarbeUerschaft von Rhemland und Westfalen unermeßlichen Schaden. zugefügt! Jetzt haben die Arbeiter das Wort. GieSbertS hat als Führer Schiffbruch gelitten. Doch wirds ihm kaum schaden. Ja. wenn er seinen Kampf gegen die katholischen Fachabteiler nicht gerade zur rechten Zeit eingestellt und der katholischen Geistlichkeit im Saar- revier gegenüber feierlich Abbitte geleistet hätte, dann wäre eS vielleicht anders. NunaberwirdihndieZentrumspresse sicherlich decken! Line verfehlte HIIKsMioo. An der Spitze der neuesten Nummer deS„Korrespondent für Deutschlands Buchdrucker" erläßt der Vorstand dcö Buchdrucker- Verbandes fokgende Erklärung: Den BcleidignngSprozctz des GeschäflSführerS der„Vorwärts"- Druckerei in Berlin, Fischer, gegen die„Post", haben der„Vorwärts" sowie die„Leipziger Volkszeitung" benutzt, um den Redakteur deS „Korrespondent", Kollegen Rcxhanser, in verleumderischer Weise zu bcschiinvfcn. Als Borwand für ihre Ebrabschneidereicn nehmen genannte Organe beziig auf Artikel im„Korrespondent", die zwei Jahre vor Veröffentlichung der„Post"-Artikel erschienen und sich auf eine Differenz mit der„VorwärtS"-Dnickerei über die seitens derselben beliebte Kontrolle bezogen, also in gar kciiicu Zllsanimenhaiig mit der Behauptung der„Post" gebracht werden können. Wir können über diese gehässige Art, einen ehrlichen Vertreter der Interessen seiner Berufskollegen in der Oeffentlickkeit herab- zutvii, digen, nur unser Bedauern aussprechen und verbinden damit die Erklärung, daß die nur zu durchsichtigen Beschimpfungen nicht dazu augeta» sind. daS Vertrauen zu unferein Redakteur im gc- ringsteu zu erschüttern. Berlin. Der Verbandsvorstand. Wir bedauern diese Erklärung— im Jutereffe deS Ansehens des Verbandsvorstandes. Denn sie steht, wie jeder weiß, der den Prozeß Fischer kontra„Post" verfolgt hat, in so krassem Widerspruch zu den Tatsachen, daß man sich wirklich erstaunt fragt, wie der Vorstand einer großen, angesehenen gewcrk- schafilichen Organisation derartige» mit seiner Unterschrift decken kann. Die Artikel des„Korrespondent", die„zwei Jahre vor den „Post"-Artikeln erschienen und sich auf eine Differenz mit der „Vorivärts"-Druckerei über die seitens derselben beliebte Kontrolli: bezogen", hat niemand mit der Behauptung der„Post" in Zu- sainnienhang gebracht! Wohl aber ist mit ihr in Zusammenhang gebracht worden die in einem der o!icngciiaitntcn„Korrespondent"- Artikel von Rexhauscr veröffentlichte X. Y.-Noliz! Daß e» sich um diese handelt, weiß der Verbands- vorstand. Herr Döblin weiß eS aus der Verhandlung selbst, auS den PlaidohcrS der Anwälte, die er als Zeuge hörte. Tie übrigen Mitglieder des Vorstandes niüffen es wissen auS den Be- richten der Zeitungen über den Prozeß. Und wenn sie die nicht für beiveisend genug halten, dann wissen sie eS auS den zehn Spalteu, in denen Rexhänser selbst über seinen Fall im„Korrespondent" ge- schrieben und worin er trotz allen heißen Bestrebens, den Tatbestand zu verdunkeln, die Darstellung des„Vorwärts" vom Sachverhalt bestätigen mußte. In diesem Zehnspalten-Artikel zitiert Rex- Häuser die K. U-N o t i z, die der Verbandsvorstand nicht zu kennen scheint, nicht weniger als zweimal! W i e diese Notiz(zum Ueberfluß sei der Wortlaut noch einmal hierher gesetzt): Laffen Sie sich durch den„VorlvärtS'-Artikek nicht stören. Theorie und Praxis ist da zweierlei. Die Maschinenmeister er- halten schlechtes Papier und X.?). 1000 Mark für guten Papier- äbsckluß extra. Ja, Bauer, daS ist ganz waS andres. gedeutet wurde und daß Nexhöiricr diese—»ach ihm falsche— Deutung passieren ließ, daß er nichts tat, um den Eindruck zu zer- stören, er wolle den Genossen Fischer einer unehrenhaften Handlung bezichtigen, daß er sich also durch sein Schweigen zu der— nach ihm falschen— Deutung der wissentlich falschen Bc- s ch u l d i g u n g. der g e m e i n e n Verleumdung schuldig machte, das alles wissen die Mitglieder des.VerbandSvorstaitdcc. Aber ihre Entrüstung kehrt sich nicht gegen den doppelt feigen Verleumder, der»tichi einmal durch direkte Bezichtigung, sondern durch die von ihm vorausgesehene Deutung einer an sich unklaren Notiz seinen Gegner zu meucheln sucht, sondern gegen die- jenigen, die diesen Menschen so nennen, wie eS ihm gebührt. Sie erlassen ihre Erklärung als Mitglieder des Verbands- Vorstandes. Wie sie sie mit ihrer Eigenschaft als anständige Menschen vereinbaren Wölls», daS wissen wir nicht. Indes, wenn sie einmal für Rexhänser soviel getan haben, so mögen sie auch ein übriges tun. Wir erwarten, daß sie jetzt auch den Nichter der verleumderischen Beschimpfung NcxhäuserS, der Ehrabschneiderei der gehässige» Art beschuldigen, der dem Zerr gen Rexhäuser im Gcrichtssaale sagte, daß er nicht so gchaudrU habe» wie jeder aiiftändige Redakteur hätte h rndeln müsse». Warten wir ab, ob der VerbandSvorstand gegen diesen Richter eine ähnliche Erklärung wie gegen uns erlassen wird. Solange er sich nicht zu dieser Konsequenz aufichivingeil kann, berühren uns die starken Worte seiner jetzigen Erklärung nicht. Pension" Leiibus. DaS Einzelschicksal deS Herrn Lnbecki ans Beuthen, cS mag rtiiö rühren und ergreifen, aber(wir deuteten's schon gestern an) eS interessiert und nicht. UnS und die große Oeffentlickkeit tnler- e s s i e r t lediglich, waS wir auS den Verhandlungen deS Sckneidt- Prozesses über das System in einer deutschen, einer preußischen Irren- arrstalt hinzulernen können. An den ersten beide» VerhandlmigStagen— denen weitere folgen. werden— ist das Regime in der fchlesischen Irrenanstalt LeubuZ eingehend„gewürdigt" worden. DaS Regime von LeubnS I, der DSpendance für wohlhabende Kranke, und das Regime von LeubnS II, der Stamnraiistalt, die zur Ausnahme von Nichtzahlung S- fähigen, also doppelt unglücklichen Irren bestimmt ist. Ueber LeubliS I und Lenbus II hinaus entrollt sich aus den Verhandlungen der ersten beiden Prozeßtage die traurige Gewißheit, daß wir Dntzende von SenbuS i» Preußen und vermutlich auch in den übrigen deutschen Bundesstaaten haben dürften. Nicht etwa, weil die betreffenden Acrzte, Beamten. Aufsichtsbehörden besonder» bösartig oder nachlässig wären, sondern einzig und allein, weil wir in einem der allerivichligsten VerwaltungSzweige noch immer, immer keine allgemeingilltigen Regeln, keine Normen und festen Formen haben! Was ist denn in dieser Richtung gestem festgestellt worden?— Dem fchlesischen Landesrat Schoelzel, der als Zeuge vernommen wurde, ist keine Bestimmung bekannt, die daS Arrfnahmeverfahren in Irrenanstalten regelt! Für ganz Prepßen existiert überhaupt keine cinhrillrche Be- stlmmung! Die Materie ist nur provinzrnziell geregelt! Innerhalb einer Provinz wieder gibt es für die verschiedenen Kategorien der Irren und der Jrrenaiistalten verschiedene Bcslimmmrgen: für die o s f e n e n Anstälte» andere als für die geschloffenen und— waS besonders intereffant und von hervor- ragender Wichtigkeit ist— für wohlhabende Irre andere als stir arme!! Von den gesetzlich eigentlich(!) erforderlichen Aufnahme- Genehmigungen des noch nicht entmündigten Geisteskranken bezw. seines Pflegers wird in der Praxis meistens abgesehen! AI» Surrogat besorgt sich die Anstalt ein„schleuniges Pflegschafts- Altest", und die Erklärung des Pflegerö wird nachträglich ein- geholt! In LeubnS schließt die Verwaltung mit den — zahlungSsähigen—■ Verwaildten der„Pensionäre" eriieu Vertrag, daS heißt: nur da kommt überhaupt einmal eure Strt ton Stlpuüenmg der gegenseitigen Reckte und Pflichten zu- stände, wo es sich darum handelt, dem Jrrenhause sein Geld zu sichern l Nun gibt CS— so sagt der Herr LandcSrat— allerdings „OrdnungZvarschriften". aber in der Praxis»kann und mufe" von ihnen abgewichen werden I Und woraus wiederum besonders zu achten ist: zumal für die vermögenslosen Irren kommen diese AuSnabmebeftiminungen in Betracht I Nicht nur der schlesische LandcSrat, auch andere hochbeamtete Herren wußten interessante Enthüllungen zu machen. So der Medizinalrat Laroche, als er mitteilte: Die obligate Bc- scheinigung, daß der aufzunehmende Irre keine akute Krankheit habe, sei im allgemeinen nicht ärztlichen, sondern— polizeilichen Ursprungs ustv. usw. Und in dieser Desorganisation, unter diesem Willkürzustande arbeiten jähre», jahrzehntelang, ganze Mcnschenalter hindurch Justiz», Äerwaltungsbeamte, beamtete und nichtbeamtete Irrenärzte, deren einer— ein beamteter— in einem der vielen denkwürdigen Momente der gestrigen Verhandlungen sich allerdings das Ein- geständnis abrang:.Für uns sind feste Bestimmungen besser... Wenn gesetzliche Bestimmungen<über Weitergabe von Briefe» Irrer) existierten, so wäre uns das sehr angenehm!" Und nun noch eins: Was hat der Prozeß b i S j e tzt an Einzelheiten über L e u b u s ergeben? Der vielbeschäftigte Herr Landeshauptmann.revidiert' nur zweimal im Jahre, und auch da ist es ihm nicht möglich, mit allen Leuten, die eine Audienz erbeten haben, zu sprechen..Auch kommen wir sl) nicht durch alle Ab» teilun genl' Aus dem Audienzzettel, der dem Herrn Landes- Hauptmann vorgelegt wurde, stand natürlich neben Namen wie Schultz? und Müller auch der Name Lubecki, aber der Zettel existiert nicht mehr. Die Pfleger von LeubuS(auch anderwärtig??) rekru- tieren sich in der Regel aus den eben entlaflenen— Reservisten, von denen nach sechsmonatiger Ausbildung die gewandteren und — freundlicheren zu den.Pensionären" kommen, das heißt: zu den zahlungsfähigen Patienten. Die vermögenslosen Irren , nüssen sich also mit den minder gewandten und mit den weniger freundlichen begnügen k— Briefe, die Patienten an Behörden richten, Anträge auf Auf» Hebung der Entmündigung werden.in der Regel" weiter- gegeben, aber doch nicht immer. Im Falle Lubecki wurden die Briefe und Depeschen deS„Pensionärs" weder dem Landeshauptmann, noch dem Staatsanwalt, noch dem Justizrat, noch dem Medizinal- rat, an die er sich um Hilfe und Rechtsschutz wandte, zugestellt. Sogar der Vorsitzende, der gestern mal einen schlechten Tag hatte, sich unnötig erregte, seinen Nerven zuviel Spielraum ließ und die Neigung, mit den Aerzten von LeubuS durch dick und dünn zu gehen, häufig nicht bemeistern konnte, wunderte sich hier und warf ein: Es müßte doch schließbch den angerufenen Instanzen, z. B. der Staatsanwaltschaft, überlasten bleiben, selber zu entscheiden, und ferner: Weder den Lubecki dem Landeshauptmann vorzuführen, noch auch dessen schriftliche Gesuche an den Landeshauptmann gelangen zu lasten: das sei keinesfalls korrekt. Doch zurück in die Anstalt LeubuS: Wenn dort deS Nachts auf der schweren Station ein Kranker lärmt, so werden gleich alle tnS Walser gesteckt, weil eS für den Lärm- macher besonders beruhigend sein soll, auch rechts und links eine» Leidensgefährten in der Wanne zu sehen. SchneidtS bescheidene Zwischenfrage, ob es die anderen nicht gerode aufregen müsse, unschuldig mitzuleiden, faud nicht die ihr gewiß gebührende Beachtung. Die Temperatur deS Leubuser Bade- wasterS beträgt 34 Grad EelstuS. Nach 8(sechs) Stunden wird das Wasser erneuert: wie weit eS sich in dieser langen Zeit ab- kühlt, daS kam leider auch nicht zur Sprache.... Die Daner eines Bades beträgt 6. 11. 13 Stunden und mehr, unter Uinständen bleiben die Patienten Tag und Nacht in der Wanne. ES soll nach ärztlichen Bekundungen kein besseres„Beruhigungsmittel" für Irre geben. Der Oberarzt Herr v. Kunowski, Schwiegersohn des dirigierenden Arztes, machte viele, viele wichtige Aussagen, die verdient hätten, ihrem vollen Inhalt nach stenographisch festgelegt zu werden. Für heute sei nur einer der Sätze, die er sprach, registriert, wortwört- lich registriert:.Wir sind nicht im mindesten ver- pflichtet, Briefe oder Eingaben weiterzugeben, von deren Erfolg wir nicht Überzeugt sind." lind eins noch zum Schluß: Im Volke' herrscht ein besonders reges Mißtrauen gegen P r i v a t- Irrenanstalten. Wir hielten dieses Mißtrauen bisher nur für besingt richtig, müssen aber diese Anschauung nunmehr revidieren. Hai doch der Zeuge Albrecht gestern unter seinem Eide ausgesagt, daß Medizinalrat Laroche ihm erklärte: Leubus ist keine P r i v a t» Anstalt, hat (also) keinJntcressedaran, die Patientenlänger als nötig festzuhalten. Die Anstalt untersteht dem Staate, und da geht eS gerecht zui Wir unterlassen eS einstweilen, diese Aeußerungen zu kommen- tieren. Sie mögen vorerst einmal— wie das übrige— für sich selber reden. poUtifchc GcbcrlTcht Berlin, den 7. November 1908. Wie viel Wasser darf in den Wein? Aus dem Reichstage. 7. November. Wie viel Wasser darf in den Wein? Das war die Preisfrage, mit der der Reichstag sich heute bei Beratung des neuen Wein» g c s e tz e s beschäftigte. Die Negierung meinte, in den Wein solle an Wasser nur ein Fiiuftel von dessen Oiiantlim ge- schüttet werden. Dann bleibt das Getränk immer noch Wein. Die außerordentliche Schwierigkeit ist aber die Kontrolle, durch die verhütet werden soll, daß diese Wassermenge überschritten lvird. Während nun im allgeincinen die Weinprodnzenten, mit solchen Maßregeln, die zur Erzielung einer höheren Durchschnitts- qualität der deutschen Weine erforderlich, einverstauden sind, haben die Händler dagegen mehr Bedenken. Dieser Gegensatz kam auch in der Diskussion dadurch zum Ausdruck, daß von den Freisinnigen der Bremer Abgeordnete H o r m a n n sehr scharf gegen das Gesetz ivetterte, während der vom Wahl- kreise H e i I b r o n n adoptierte Herr Naumann(von der- selben Fraktion wie Hormann) als Freund des Gesetzes austrat. Der Genosse David sprach gleichfalls sich für die Tendenz des Gesetzes anS, hatte aber starke Bedenken betreffs mancher Einzelheiten. So ist er damit einverstanden, daß der Haustrunk der kleinen Winzer unkontrolliert bleibe, warnte aber davor, die Freilasinng des Haustrunks auch auf die großen Produzenten auszudehnen, da die Großindustriellen dann ihren Arbeitern euien„HanStrnllk" unter jeder Kritik zu trinken geben. Tie Arbeiter haben aber ein Anrecht darauf. wirklichen Wein zll bekommen, wie jeder andere Konsument. Der Antisemit Staufs er ans der Pfalz gab seinem Schtneiez über die konipromittierliche Entlarvung der Mnsbacher Praktiken Ausdruck, indem er behauptete, im Auslande wäre man nicht so unvorsichtig, über die entlarvten Wcinpantschereien laut zu reden. Man sieht, Herr Stauffer ist ein echter deutscher Patriot: Alles vertuschen ist die erste Bürgerpflicht! Nachdem der naiionalliberale Herr H e y l von H e rr n s- heim für die Erhöhung des Wasserzusatzes bis auf ein Drittel des Weinquautunis plädiert halte, wird die Beratung vertagt, da noch eine ganze Anzahl JiUmstenten zum Wort kommen will. Die Tchützer des Friedens. Die Casablanca- Angelegenheit ist noch immer nicht abgeschlossen. Die Kriegshetze ist zwar ab- bestellt, aber solange Bülow nicht sein Vertrauensvotum hat, braucht er eine„gespannte internationale Lage". Die deutsche Diplomatie hat daher die Lösung deS schwierigen Problems. ob Frankreich und Deutschland gemeinsam„bc- dauern" oder Frankreich zuerst und dann erst Deutschland. noch immer nicht getroffen. Vielleicht kann auch dieses Problem durch Schiedsspruch entschieden werden, und wir möchten als Schiedsrichter den Oberzercmonien- m e i st e r des chinesischen Kaisers ernstlich empfehlen. Aber die Kriegshetze, die da in so gewissenloser Weise inszeniert worden ist, hat wenigstens e i n gutes Resultat ge- habt. Sie hat dein Proletariat wieder bciviesen, wie dringend notwendig es ist, die Entscheidung über Krieg und Frieden selb st zu überwachen. Aber bei der bloßen Erkenntnis darf es nicht bleiben. Eine Privatdepesche aus Paris meldet uns:„Die sozialistische Fraktion der französischen Kammer hat gestern über die internationale S ituation beraten. Sie hat beschlossen, sofort mit der deutschen Sozialdo niokratic in Verbindung zu treten, dagegen erklärt, daß augenblicklich keine Notwendig- keit besteht, an daS internationale sozialistische Bureau in Brüssel zu appellieren, da ein kriegerischer Konflikt wegen des nichtigen Zwischenfalls von Casablanca zu ungeheuerlich wäre, um möglich zu fein. Da aber die allgemeine Opposition gegen den Krieg nicht ausreicht und bestimmte, präzise Aktionen zur Verhütung eines Zusammenstoßes nötig sind, so wird die sozialistische Fraktion, in dem Wunsche, alle Möglichkeiten eines Konfliktes zu vernichten, bei der nächsten sich darbietenden Gelegenheit das Verhältnis von Frankreich und Deutschland in der Kammer zur Sprache bringen lind eine Annäherung der beiden großen Kulturstaaten fordern." V a i l l a n t. der französische Vertreter im Internationalen Bureau, schrieb in diesem Sinne an den Sekretär der Internationale, Huy sm a n s, und bat ihn, von den deutschen Genossen Mitteilungen über ihre Auffassung und die Haltung der Sozialdemokratie einzuholen. J a u r e S behandelte gestern in einer großen, von über 10000 Personen besuchten Versammlung, die für die Frei- lassung der wegen der Vorfälle von Villeneuve noch ein- gekerkerten Gewerkschaftsführer demonstrierte, auch die Kriegsgefahr und forderte das französische organisierte Proletariat auf. de in deutschen Proletariat die Haiid zu reichen, da die Macht des Proletariats die einzige wirkliche und dauernde Bürgschaft der Erhaltung des Friedens darstellt. Die deutschen Sozialdemokraten brauchen nicht erst zu versichern, daß sie den Beschluß unserer französi- schen Genossen mit wärmster Sympathie begrüßen und auch ihrerseits alles daran setzen werden, daß die Macht der proletarischen Organisation so erstarke, daß an ihr alle Hetzereien der herrschenden Klassen zu schänden werden.—_ Darf Wilhelm II. nichts mehr veröffentlichen? In der Dezeinbernummcr einer amerikanischen Zeitschrift -jitte ein neues Interview mit Wilhelm ll. veröffentlicht werden. Es handelt sich um ein langes und intimes Gespräch, das der Kaiser mit einem amerikanischen Journalisten Hake über alle möglichen und unmöglichen Dinge auf seiner Jacht geführt hat. In diesem Fall aber soll eS gelungen sein, die Veröffentlichung zu verhindern. Nicht ganz leicht; denn„nur einem geivaltigen Drucke nachgebend"— so wird der„Times" aus New Uork telegraphiert—„zerstörte der Verleger die Nummer des Blattes". Wirklich alle? Und wer zahlt die bereits entstandenen Kosten? Stehen dafür dem AuS- wältigen Amt Geheimfonds— etwa weil eS sich um .öffentliche Interessen" handelt— zur Verfiigiing? Vielleicht gibt uns Bülow Auskunft.— Der Sündenbock. Der arme Geheinirat K l e h m r t, der das unglllckselige Manu- skript deS KaiscrinierviewS gelesen hat und als gutgezogcner Beamter gegen kaiserliche Aeußerungen keine Einwendungen zu machen sich getraut, wird nun als Opfer in die Wüste geschickt. Er hat seine Entlassung erhalten und kann nun darüber nachdenken, daß es selbst von monarchischer Gesinnung ein Zuviel geben kann.— Die Kriegsspiele Wilhelms ll. Nach dem vom Kaiser durchgesehenen und für richtig befundenen Bericht über das berüchtigte Kaiser-Jnterview hat Wilhelm II., der im Jahre 1906 den Präsidenten Krüger dazu beglückwünscht hatte, daß er ohne die Unterstützung eines anderen Staates den Einfall Janiesons vereitelt habe, England einen Feldzugsplan gegen die Buren zur Verfügung gestellt, den er selbst mit Unterstützung des Großen Generalstabs entworfen hatte. Zu dicsenr Feldzugs» plan des Verfassers des Krüger- Telegramms bemerkt die „Militärisch-Politische Korrespondenz": „Die Angabe des„Daily Telegraph", daß ein Feld- z u g s p l a n des Kaisers für die englischen Aktionen des Winters 1899/1900„dem Großen General st abc vorgelegen habe", ist in dieser präzisen Form wohl keinesfalls richtig. Der damalige Chef des GencralstabeS der Armee, Generaloberst Graf von Schlieffsn, will in ein solches „Dokument" ebensowenig Einsicht gehabt haben, wie der Ehef der einschlägigen(III.) Abteilung, der jetzige Generalleutnant und Direktor der Kriegsakademie von F l a t o w. Man hält es in militärischen gut unterrichteten Kreisen dagegen für möglich, daß der heutige kommandierende General des XVII. Armee- korps in Danzig, von Mackensen, als damals ältester Flügel- adjutant, oder der General von Besefer, der zu jener Zeit Oberquarticrmeifter im Gcneralstabc der Armee war und oft zum Kaiser befohlen wurde, einen solchen kaiserlichen Eni» wurf begutachtet Häven. General von Besclcr, jetzt General- inspektcur des Ingenieur- und Pionierkorpö uno der Festungen, hat auch in jenem Winter des Jahres 1900 mehrfach Kriegs- spiele geleitet, die auf dem damals allerdings noch ziem- sich primitiven südafrikanischen Wege- und Ge» lande karten Material gespielt wurden und tat- sächliche, kriegsmäßige Annahmen aus dem eng- tischen Feldzug gegen die beiden Burenrepu» bliken zur Grundlage hatte n." Leider teilt die„Militärisch-Politische Korrespondenz" nicht mit, ob bei diesen vom General von Besclcr geleiteten Kriegsspielen die Buren auch(Zriindlich in die Pfanne ge- hauen worden sind. Denn da die Engländer von dem ihnen zur Verfügung gestellten Jeldzngsplan anscheinend keinen Gebrauch gemacht haben, wäre doch wenigstens die Mit- tcilung von einiger Wichtigkeit, ob wenigstens bei den vom General von Beseler veranstalteten Kriegsspielen die Buren die ihnen zugedachten vernichtenden Schläge empfangen haben! Professorenausgebot für neue Steuern. Um Stimmung für die Reichsfinauzreforin zu machen, hatte der Verband der sogenannten nationalen Vereine Groß-BerlinS eine Versammlung nach der„Philharmonie" einberufen und als Z»g- kräfte für diese Veranstaltung die Professoren Wilhelm Kahl, Adolf Wagner und Karl Lamprecht bestellt. Die Aussicht darauf, einige gewandte und berühmte Redner zu hören, hatte denn auch ein zahl- reiches Publikum nach der„Philharmonie" gelockt. Nur die sehr Bescheidenen kamen auf ihre Rechnung. Herr Kaht redete auSiiihrlich über die nationale Pflicht zum Stenei zahlen und die Unbeliebtheit der Stenern bei allen Teilen der Siaatsbürger, besonders aber beim weiblichen Geschlecht, und Professor Lamprecht sprach über die historische Notwendigkeit des„Sparens", d. h. des SteuerzahlenS, denn das Steuern sei. so meinte er, nichts anderes als ein Sparen für die gesamte Nation. Wir dürften nicht ohne weiteres einstecken, was unsere Ahnen nnS hinterlassen hätten; wir müßten eS mehren. DaS sei unsere verdammte Pflicht, und dazu sei daS Steuerzahlen nötig. Auf etwas höherem Niveau stand die Rede Adolf Wagners, der wenigstens auf die heu'ige Netchsfinanzlage und die verschiedenen Steuervorschläge näher einging. Er sagte: Unsere Finanzlage ist immerhin noch eine musterhafte und läßt sich mit der anderer Siaaten überhaupt gar nicht vergleichen. Außerdem haben wir noch große Steucrreserven i» den in- direkten Verbrauchssteuern. Alkohol und Tabak werden auch durch die neuen Steuerprojekte noch lange nicht so scharf herangezogen. wie in anderen Ländern. Gegen die Gas-, ElcktrizitätS- und Jnseralensteuer läßt sich manches sagen. Will man sie ablehnen, so muß man aber auch für Ersatz sorgen. Da die neuen Steuern den unteren Klassen g'etviß mehr Lasten auferlegen, und diese Klassen auch die Agrarzölle am meisten empfinden, muß an die wohlhabenden Schichten appelliert werden, daß sie auch das ihre zu den Ausgaben des Reiches bei- steuern, und daS kann mir geschehen durch direkte Steuern. Wenn eS heißt: noblesse oblige, so heißt c8 noch richtiger: riebessv odligv. Auch die direkten Steuern sind'im Auslände viel höher als bei uns. Leider stehen ja den direkten Steuern bei uns die bimdesstaatlichen Verhält- nisse entgegen. Daher muß an ihre Stelle die direkte Steuerart der Erbschaftssteuer bezw. Nachlaßstcuer treten. Bei den großen Erbschaften könnte aber noch weit über die vor- geschlagenen Sätze hinausgegangen werden. Wir stehen einer schweren und großen Aufgabe gegenüber, eine halbe Milliarde neuer Einnahmen zu schaffen, eine Aufgabe, wie sie noch kein Volk in Friedenszetlen gehabt hat. Sin neues Seebataillon. Das offiziöse Depeschenburcau meldet; � Berlin, 7. November. Wie wir erfahren, soll dem Reichstage vorgeschlagen werden, an Spelle des bisherigen o st asiatischen D o t a ch e in e ii t s in Peiing und Tientsin ein n e u z u- bildendes Marinedetachemcnt treten zu lassem daS sich ebenso wie das in Tsingtau stationierte dritte See- bataillon aus dem dritten Stammsecbataillon ergänzt und dem Gouvernement in Kiautschou unmittelbar unterstellt wird. Nach erfolgter Bildung des Marine- detachcments soll das ostasiatische Detachement zurückgeführt und aufgelöst werden. Als Zeitpunkt für die Durchführung dieser OrganisationSänderung ist das Frühjahr 1909 in Aussicht g e n o m m c n. � Bekanntlich ist die sogenannte ostasiatische Besatzungs- brigade, die man nach dem glorreichen China-Kreuzzug im himmlischen Reiche als kostspieliges Andenken für die deutschen Steuerzahler zurückgelassen hatte, vor einiger Zeit reduziert worden. Da man in Südwestasrika den starken Stamm einer Kolonialarmee schaffen konnte, konnte man ja leicht die ostasiatische Kolonialarmee vermindern. Be- fremdend war nur, daß man die Truppen aus China nicht völlig zurückzog, da doch die Nachwehen des Krieges längst geschwunden sind. Wie nun aus der obigen Meldung des Wolsfschen Depeschenburcaus hervorgeht, denkt man auch gar nicht daran, diese in Peking und einigen anderen Orten stationierten Truppenteile aufzulösen, sondern man will sie durch ein neues S e e b a t a i l l o n ersetzen. An die Stelle der vorübergehenden Erscheinung der an- geblichen Sicherheitstruppc soll die st ä n d i g e In- stitution eines neuen Scebataillons treten! Es versteht sich von selbst, daß die Sozialdemokratie eine solche kostspielige Verstärkung des ohnehin verlorenen Postens in Ostasien mit aller Entschiedenheit bekämpfen wird! Der„gestohlene" Geheimerlast. Am Mittweih wurde in der bürgerlichen Presse Sachsens ein „streng vertrauliches" Rundschreiben der Leitung des Bundes der Landwirte in Sachsen zur Wahlreform veröffentlicht. In dem Rundschreiben heißt es: „Die sächsische Regierung hat einen Wahlrechtsvorschlag(den sogenannten Eventualvorschlag) eingebracht, der recht sehr im Jnteressedesstädtischen und ländlichen Mittelstandes liegt und unseren Einfluß auf die Gesetz» g e b u n g in der rechten Weise sichert. Natürlich wird derselbe von den Feinden deS Mittelstandes und txisonders der Landwirtschaft, den Sozialdemokraten, Frei- sinnigen und Linksliberalen, auf das schärfste bekämpft. Wir müssen demgegenüber darauf hinzuwirken suchen, daß dieser Entwurf jetzt Gesetz wird. Es liegt für uns, d. h. bc- sonders den ländlichen Mittelstand, eine Gefahr darin, daß viel- leicht öbrläusig das alte Wahlgesetz beibehalten würde. Dasselbe begünstigt durch den großen Einfluß, den die ganz reichen Leute durch die erste Klasse haben, den Liberalismus der- artig, daß wir bei der nächsten Wahl nach diesem Gesetz vor- aussichtlich eine liberale Mehrheit haben würden. Wenn dann einem derartigen Landtage die Aufgabe, ein neues Wahlgesetz zu schaffen, zufällt, so wird dasselbe so gestaltet werden, daß der Einfluß der ländlichen Bevölkerung für immer vernichtet ist. Deshalb heißt eö für uns: jetzt zugreifen! Der Gesetzentwurf, der für alle diejenigen, welche vorausficht. lich nicht sozialdemokratisch wählen, gleichmäßig vier Stimmen vorsieht, stellt den kleinen Bauer und den Handwerker auf die gleiche Stufe mit dem Millionär, dem größten Fabrikbesitzer u. dergl." Dem Rundschreiben sollten als Anlagen zwei Petitionen für dieses.mittelstandfreundliche" Wahlrecht beigegeben werden, um deren Einreichung mit recht vielen Unterschriften gebeten wurde. Ilnterschnebenjst das Zirkular von dem konservativen Landtags- abgeordneten Schmidt. Jetzt behauptet nun dieser Schm,ot. das Rundschreiben sei nicht Verschickt worden, es handele sich nur um einen Entwurf— und der sei ihm gestohlen worden. Die„Leipziger Neuesten Nachrichten" schreiben hierüber: „Wie dieser Entwurf eines ursprünglich beabsichtigten, ober tatsächlich chcht ergangenen Erlasses nun aber in die Ocffent- licbkeit gelangt ist. das ist eine absolut peinliche Sache, die gegen- lvärtig noch des näheren erörtert wird. Abg. Schmidt hat nach Kcnmnisnahme der Veröffentlichung seines Entwurfes dem Direktorium der Kammer angezeigt, daß ihm dieser Ent- wurf aus seiner in dem von ihm benutzten Ar- beitszimmer des Landtages, das auch anderen Ab- geordneten zur Verfügung steht» aufbewahrten Mappe entwendet worden ist. Es bleibt abzuwarten, welche Schritte das Direktorium ein- zuscblagen gedenkt, und ob der betreffende Täter sich selbst als solchen bezeichnen, oder ob man gar die Staatsanwalt- schaft mit der näheren Untersuchung beauftragen wird. Auch lägt sich annehmen, dag in der Freitagssitzung der Zweiten Kammer eine Aufklärung erfolgt." Der Erste, der in der Ocffentlichkcit von dem Rundschreiben Gebrauch macbte, ist der n a t i o n a l l i b e r a l e Abg. Sang» Hammer. Zwischen Nationalliverale» und Agrariern wird also der Zank entbrennen. Aber welche„Aufklärung" auch kommen mag, das Rundschreiben bleibt ein charakteristisches Dokument agrarischer Unverschämtheit._ Stadtverordnetcnwahlen in Bochum. Bei den heute abgeschlossenen Stadtverordneten- Wahlen standen sich Nationallibcrale und Zentrum, die bisher in einem KompromigverhälNns zueinander gestanden halten, feindlich gegenüber.— Die Nationalliberalen sind mit der Wahlhilfe des Zentrums bei der RcichstagSstichwahl unzufrieden. Tie Wegnahme des Bochumer Sandtagsmandats durch das Zentrum erweckte ihren Zorn. Sie rächten sich dafür im Stadtparlament bei den Wahlen zur Schuldeputation, und kündigten dem Zentrum zugleich den Kompromiß für die Stadwerordnetenwahlen auf. Nach dreirägigcm Ringen, in dem die konfessionelle Schule als Kampfmittel herhalten mußte» unterlagen die Nationalliberalen in der 3. Abteilung gegen das Zentrum und die mit demselben Verbündeten Christlicbsozialen. Das Zentrum erhielt 556!, die Nationalliberalen 4ll0 Stimmen.— Die Wahllokale und die Wahl- zeit lagen für die Arbeiter so ungünstig(für rund 26 606 Wähler nur drei Wahllokale), daß das' Resultat für die Sozialdemokratie ein unbefriedigendes ist. Wir erhielten nur 824 Stimmen gegen 854 im Jahre 1S66. In der 2. Abteilung und der 1. Abteilung siegten die National- liberalen«_ I Überstieg er die Absperrung, holte die Kette herbor, um den Manu zu fesseln. Letzterer wich aus und der Beamte haschte unter «Hrtfirtrht» I den Arbeitern herum, bis er ihn ergriffen hatte. Die Kollegen des ornyoror.! verhafteten waren in Erregung geraten. Alle verlangten, der Bc- Nach de» Zeitungsberichten über den Vortrag des Beigeord-«mte solle doch den Kollegen in Ruhe lassen, er hätte nichts der- ".......... � brachen. Der Beamte rief:„Ist denn kein Schutzmann da, der mir hilft!" Da kamen mehrere Nachtwächter vom Dienst und ein Zivilist hinzu und schleppten den Missetäter unter Beihilfe eines zweiten Polizeibcamtcn ins Gewahrsam. Bald darauf holten sie noch zwei Steinsetzer nach, angeblick wegen Verhinderung der Verhaftung. Nach ungefähr zwei Stunden wurden die Ver- hafteten, nachdem sie verhört worden, wieder in die Gncsencr neten Rcgieruugsrat Dominicus-Straßburg über Arbeits- I o s e n v e r s i ch e r u n g hat in der Diskussion Herr Rahardt, der Vorsitzende des Arbcitgeberschutzverbandes für das Holz- gewerbe, Ausführungen gemacht, die höchst befremdend sind und � eine nähere Beleuchtung bedürfen. Daß Herr Rahardt. dem Drange seines Unternchmerherzens folgend, die Arbcitslosenvcr» sicherung durch Gemeinde, Staat oder Reich bekämpft, dürfte er- ktärlich sein. Denn in der Bekämpfung der Arbeiterbestrcbungcn Freiheit hinausgclajsen. � auf bessere sozialpolitische Matznahmen durch Staat und Ge- j Die Steinsetzer der Stadt Enesen befinden sich nun im Streik. meinde sind sich die kleinen und großen Scharfmacher einig. Jedoch■ Zuzug ist fernzuhaltcu. Die Balkankrise. Ei« österreichisch-serbischer Zunschenfall. Belgrad, 7. November. Das serbische Presiebnrean teilt mit: Gestern wurde der Kapitän eines serbischen Dampfers von dem Kommandanten der bei Eeinlin liegenden österreichisch- ungarischen Donanfloliille ersucht, nmziikehren. weil die Flouille Uebungen vornehmen wolle. Nach zwei Stunden werde der Weg für die Schiffahrt wieder frei sein. Der serbische Dampfer kehrte nach Seiplin zurück und. als der Kapitän nach Ablauf zweier Stunden zwei österreichische Dampfer passieren sah. machte er sich ebenfalls auf die Fahrt. Die FloNille aber, welche die österreichi- scheu Dampfer unbehelligt gelassen hatte, versperrte dem serbi« schen Dampfer von neuem den Weg und befahl ihm, unverzüglich zurückzufahren. Als der serbische Kapitän Erklärungen ver- langte, wurde er gezwungen, nach Belgrad zurückzufahren. Der Zwischenfall hat in allen BevöllerungSschichten Belgrads große Trregnng hervorgerufen._ könnte man von Herrn Rahardt, der sich bemüht, im politischen Leben bekannt zu werden, erwarten, daß er seine Beweisführung gegen die Arbeitslosenversicherung nur auf erweislich wahre Tat- fachen stützt. Dies ist aber nicht der Fall. Der Herr ist wenig sorg- fältig in der Wahl seiner Mi tel, die Arbeiter in ihrem Streben. sich eine menschenwürdige Existenz zu schaffen, herabzusetzen und die Kreise, die etwas mehr sozialpolitisches Verständnis haben wie er, gegen die Arbeitslosenversicherung einzunehmen. Die Ten- denz seiner gesamten Ausführungen geht dahin, daß die Arbeiter gar nicht arbeiten wollen, wenn sie unterstützt werden. Eine geradezu verwerfliche Kampfesweise. Nach dem Bericht des„Vorwärts" sowohl als auch einiger anderer Zeitungen hat Herr R. weiter ausgeführt, daß eine genaue Kontrolle durch die Gewerk- schaftsbeamten Über unverschuldete Arbeitslosigkeit nicht möglich sei, da die Beamten, wenn sie ihre Aufgaben ernst nehmen würden, immer gewärtig sein müßten, datz sie fliegen würden. Herrn Rahardt mag wohl bei diesen Ausführungen seine abhängige Stellung bei den Untcrnebmervcrbänden vorgeschwebt haben. Denn aus seiner Tätigkeit als Mitglied des Kuratoriums für den pari- tätiscben Nachweis mutzte er die Neberzeugung gewonnen haben, datz die Verbandsangestellten des Nachweises ihre Stellung sehr ernst nehmen, und datz die Verwaltung im Auftrage der Vcr- bandsmitglieder auf eine korrekt- Kontrolle der Unterstützung- beziehenden sehen mutz. Stempelt doch sogar einer der Herren Arbeitgebervermittler auf dem Nachweis die Kontrollkarten des Holzarbeiterverbandes ab. nach welchen Unterstützung vom Ver- bände gezahlt wird. Also eine ganz leichtfertige Behauptung des Herrn Rahardt. Aber weiter. Herr R. behauptet, datz auswärtige Stellen vom paritätischen Nachweis nicht besetzt werden könnten. Nach Rücksprache mit den Arbeitvermittlern können wir erklären, datz bis jetzt sämtliche auf dem Nachweise eingegangenen answär- tigen Stellen besetzt worden sind. Und das. obgleich Herr Rahardt im Jahre 1966 heftig dagegen protestiert hat, datz Stellen nach auswärts vom paritätischen Nachweis besetzt werden. Erst nach langen und heftigen Debatten gelang es damals den Arbeiter- Vertretern, in der Schlichtungskommission durchzusetzen, datz Stellen nach auswärts vermittelt werden dürften, allerdings auf Verlangen des Herrn Rahardt und Genossen in nur beschränktem Matze. Her? R. hat weiter operiert mit dem Hinweis auf eine angeblich nicht zu besetzen gewesene Ausbilss- stellung zu dem Lohne von SO M. Auf dem Arbeitsnachweis ist ein solcher Fall nicht bekannt. Doch hat beinahe vor Jahresfrist ein Kollege des Herrn Rahardt, Herr Brunzlow, gesegentlich der Arbeitslosendebatte in der Stadtverordnetenversammlung dieselbe Behauptung aufgestellt; wahrscheinlich ist dies ein und derselbe Fall. Angenommen der Fall beruhe aus Wahrheit, wie kann Herr Rahardt es mit seiner Stellung als Vorsitzender der Vertrags- Partei vereinbaren, datz er verlangt, ein Arbeiter soll eine Aus- bilssstelle. noch dazu au Holzbearbeitungsmaschinen, zu geringerem Lobn annehmen, als der Tarifvertrag vorschreibt. Unterstützt er nicht dadurch geradezu das Bestreben gewisser Meister, den Ver- trag zu brechen. Einen solchen, noch nicht einmal als wahr unterstellten Fall, bat Herr R. den Mut, gegen die Arbeitslosenver- sicherung inö Feld zu führen. Grote?? ist sein Austreten, wenn er im Anschluß hieran ver- langt, die Arbeiter dürften in guten Geschäftszeiten keine höheren Breis« verlangen, als wie solche im Tarif stehen. Schließlich reitet Herr R. nocki sein Pferd der Krankenkassensimnsanten. Er kann noch immer nickt hegreifen. daß während der Zeit der KristS die Zahl der Kranken steint, datz ein Arbeiter in der gixfcn OHcliäfts- zeit, selbst wenn er sich nickt gesund fühlt, alle Kräfte zusammen- nimmt, um die Zeit auszunutzen und einige Groschen zu ver- dienen. Und datz in der Zeit des KeschäftSniederganaes er Zeit finden mutz, kick in ärztliche Behandlung zu geben. Dock wo Vor. cingenommenheit herrscht, nützt alle Logik nichts. Datz Herr R. auch aus Liebe zu den Nichtorganisierten und Gesben gegen die Arbeitssosenversicheruna ist. können wir ihm verzeihen, obgleich er während der Verhandlungen mit dem Holzarbeiterw'rband mehr als einmak heteuert hat. datz es ihm lieb sei. datz Arbeiterorgan i- satianen im Gewerbe beständen, da durch die mit denselben ab- geschlossenen Verträge eine Stabilität im Gewerbe herbeigeführt würde Doch Herr Rahardt kann auch anders. Wir wallen duvch diese Ansführnnaen entschieden Verwahrung aeaen die Unterstellung de8 Herrn Rahardt einlegen, als ob die Arbeiter mühelos ans Kosten anderer leben wollen. Das ist ein Vrinileg der Unternehmer. Im übrigen erwarten wir von den maßaebenden Persönlichkeiten, datz sie mit grössere? Objektivität die überaus notwendige soziale Massnahme prüfen un!r zu einem anderen Resultate als der Scharfmacher Rahardt kommen werden. Ocftcmich. Die Ministcrkrise. Wie», 7. November. Ministerpräsident Freiherr> v. Beck hat heute nachmittag dem Kaiser ans Grund eines Beschlusses des Ministerrates die Demission des gesamten Kabinetts überreicht. Der Kaiser hat diese Demission angenommen und daS Ministerium bis auf weiteres mit der Fortführung der Geschäfte belrnnt. Als Nachfolger Becks wird der bisherige Minister des Innern, Freiherr v. B i e u e r t h bezeichnet. Das künftige Ministerium dürfte einen stärkeren christlichsozialen Einschlag aufzuweisen haben._ Polonyi. Budapest, 7. November. Der Oberste Gerichtshof hob das Urteil des Presscgerichts in dem Verleumdungspro zcß des früheren Justizministers Polonyi gegen den Abgeordneten Zoltan Lengyel, das diesen mit dreimomrtlichem Gefängnis und einer größeren Geldbuße bestraft, auf. Die neue Verhandlung wird vor anderen Geschworenen stattfinden. Portugal. Blutige Wahlen. Lissabon, 6. November. In Porto de Moz(Distrikt Leiria) wurden heute aus Anlaß der Gemeindewahlen Kundgebungen veranstaltet. Als ein DemonstrationSzug an dem Hause des Führers der Progresststenpartei. Dr. Crespo, vorüberkam, fielen Re- v o l v e r s ch ü s se, durch die zwei Personen getötet und mehrere verletzt wurden. Dr. Crespo und seine Familie wurden ver- haftet. Inclien. Die englische Herrschast. London, 4. November.(Eig. Ber.) Aus Anlaß des 56 jährigen Jubiläums der definitiven Uebernahme Indiens durch England hat der König von England und Kaiser von Indien ein Manifest erlassen, in dem unter einem Wust von Phrasen' daS Verspreche» Über die Ausweitung der politischen Freiheiten der indischen Be- völkerung gemacht wird. Die betreffenden Reformen befinden sich gegenwärtig in Beratung und sollen bald der Oestentlichkeit über- geben werden. Aus demselben Anlaß begnadigt der König-Kaiser die Gefangenen Indiens oder setzt deren Strafen herab. Die indische Preffe ist fast einstimmig der Ansicht, daß das Manifest eine Enttäuschung ist. Sie weist aus die wachsende Verarmung der Völkerschaften sowie aus die zu- nehmenden Verfolgungen der indischen Reformer hin und sie ver- sichert den König-Kaiser, daß„Indien sich nicht mehr durch schöne Worte täuschen lassen wird."_ Hmmba. England«nd die Bereinigte» Staate». London, 4. November.(Eig. Ber.) Der amerikanische Botschafter. Mr. Whitlaw Reid, hielt hier heute eine Rede über das Ergebnis der amerikanischen Präsidentenwahl. Er berührte auch die äußere Politik, von der er sagte:„Die neue Regierung wird in den äußeren Beziehnngen die bisherige Politik verfolgen. Sie wird sich bemühen, mit allen Ländern in Freundschaft zu leben, besonders aber und in den freundschaftlichsten Beziehungen mit dem Mutterlande." ES ge- .chieht nicht oft, daß ein Amerikaner England das Mutterland nennt. Verantw. Redakteur: HanS Weber» Perlin. Inseratenteil verantw.: Zh. Glocke, Berlin. Druck u. Ve'clag� Vorwärts Bnchdr. u. Verlägsanstalt Paul Singer& Co., Berlin S\V, Deutkchco Reich. Ei« Streik um die Arbeiterehre. Bürgerliche Provinzblätter aus Ostpreußen brachten die Nach- richt, daß die Steinsetzer in Gnesen in den Streik getreten sind. Vor dem Magistratsgebäude beschimpften nun angeblich einige Ar- beiter den Stadtbaurat, der die Pflasterungsarbeiten kontrollierte. Hierbei wäre es zu heftigen Anstritten gekommen. Fünf Per- sonen wurden verhaftet. Wir bekamen nun ein Schreiben aus Danzig von dem Gauleiter des Stein setzerverbandes, wonach die Vorgänge in der Stadt Gnesen eine andere Beleuchtung erfahren. Das Schreiben kantet: In diesem Jahre wurden hier umfangreiche Siraßen- Pflasterungen ausgeführt. Ist nun mit dem Arbeitgeber gut auszukommen, so können wir das leider von der städtischen Bauver- waltung nicht sagen. Nicht genug, daß der Arbeitgeber schon 156 M. Strafe wegen Beleidigung des Herrn BaiiratS K a d o zahlen mutzte, nein, jetzt scheint es der Herr aus die Steinsetzer selbst abgesehen zu haben. So schimpfte er einen Steinsetzer „Bengel", einen anderen„Esel". Als letzterer meinte:„Sie wollen ein gebildeter Mann sein und nennen mich einen Esel", sollte er sofort den Bau Verlaffen. Ter Steinsetzer ging aber nicht, sondern meinte, datz der Herr kein Recht habe, ihn von der Baustelle zu weisen. Der Arbeitgeber mutzte den„frechen Arbeiter" entlassen, beschäftigte ihn jedoch in einer anderen Kolonne weiter. Als der Herr Banrat später wieder kam und den Steinsetzer sah, sandte er einen PolizeibcamtenÜ der den Steinsetzer von der Arbeit bringen sollte, klm Ruhe zu behalten, entließ der Polier den Mann. Hierauf legten sämtliche Steinsetzer die Arbeit nieder. Dies war am letzten Freitag. Am abend einigte man sich dahin, datz alle Steinsetzer am Sonnabend früh wieder anfangen sollten. .Kurz nach g Uhr am Sonnabend früh erschien Herr Banrat Kado und als er sah, datz der auf sein Verlangen Entlassene wieder arbeitete, schickte er den städtischen Bauführer nach der Polizei und verschwand. Ter Beamte forderte den betreffenden Steinsetzer auf, ihm zu folgen. Der Arbeitgeber hingegen be- stimmte, der Mann solle ruhig weiterarbeiten. Dem Beamten wurde der Zutritt zu der abgesperrten Baustelle verweigert. Dieser erklärte, er müsse den Befehl des Herrn Baurat ausführen und wenn der Mann nicht mitginge, brauche er Gewalt. Hierbei Uuslanck. Ter Hafenarbeiterstreik in Kristiania gewinnt immer größere Ausdehnung. Erst war cS nur die größte, 466 Mann staekc Or- ganisation der Arbeiter, die an den Post- und Rov'endampfern beschäftigt sind; nun haben aber auch die kleineren Hasenarbeiter- orgcmisauonen die Arbeit niedergelegt, die Arbeiter, die an den nicht rcgelmätzig fahrenden Schissen tätig sind, sowie die, die die Waren vom Kai weiter transportieren, und auch die Arbeiter der Kohlen- und Koksschifse haben sich den Streikenden an- geschlossen. Der Hafen- und Transportarbcitcrdcrband richtet an die ganze Arbeiterschaft'die Aufforderung, dafür zu sorgen, datz keiner zum Streikbrecher wird. Die Unternehmer sind dagegen eifrig bemüht, Streikbrecher hcranzusckiaffen. Man will Engländer boten, vermutlich dieielven, die diesen Sommer in Schweden als Streikbrecher tälig waren. Man hatte bereits damit begonnen, ein altes Schiff zu einer Streikbreckcrherberge umzuwandeln. Als aber die Arbeiter, die Dampsheizungsrohre anbringen sollten. merkten, welchen Zweck das hatte, legten sie sofort die Arbeit nieder, und ebenso weigerten sich andere, im Lastranm des Schiffes Lagerstätten herzurichten. Die Unternchmerpresse sucht den Glauben zu erwecken, als ob die Arbeit im Hafen trotz deS allgemeinen Streiks glatt von statten gehe. Das ist aber keineswegs so. Auf einigen Dampfern sind eS Leute vom Schiffspersonal, die die Arbeit, so gut oder so schlecht es geht, zu bewältigen iucken. Hier und da haben Damen der„besseren" Gesellschaft die Kücken- arbeit übelnommen, damit die SchiffSköchc Lasten schleppen können. Aber die fast 1066 Streikenden können natürlich auch durch solche Machcnschasten nicht ersetzt werden. Leider sind am Donnerstag ans Kopenhagen 36 Streikbrecher nach Kristiania abgefahren. Es sind meist Leute aus einem gelben, vom Unterncbmertiim gegründeten Verein. Als sie mit dem Amerikadampfer„Oskar kl" abfuhren, hatten die Kopenhogener Hafenarbeiter sich in unoeheurcr Masse versammelt, um ihnen wenigstens die possenden Gelcctsworte mit auf den Weg zu geben. Natürlich tst auch dafür gesorgt, datz sie in Kristiania von de;? Streikenden erwartet und gebührend empfangen werden. Letzte Kachnebten und Depefeben, Die Handlanger der Grossindustriellen. Gestern abend fand im Hotel Adlon ein Festessen des Zeniral- Verbandes Deutscher Industrieller statt, an dem etwa 126 Personen teilnahmen. Unter den Anwesenden befanden sich der prrnhischc Finaiizministrr Freiherr von Rheinbaben, der vrenhische Minister für Handel und Gewerbe Delbrück, der Nnterstaatssckretär ia» Neichsschatzamt Twcle, der Unterstaatssekretär im prcusiischc» Finanzministerium Tombois, der Unterstaatssckretär im prcusss- schen Handelsministerium Dr. Richter sowie die Exzellenzen von Liebert und von Schubert. Landrat Roctger, Vorsitzender des Direktoriums der Firma Krupp, begrüßte die Gäste. Es sei im Zentralvcrcin Sitte geworden, die Herren dcv Reichs- und SiaatSrcgierung als Gäste bei seinen Beratungen zu sehen. So seien auch die heute anwesenden StaatSminister Frei- Herr von Rheirckaben und Delbrück keine Fremde mehr, und ihre Anwesenheit gibt uns eine Gewähr dafür, daß die Bedenken, die insbesondere über die vermehrte Heranziehung der Industrie zu den neuen Stenern im Zentralverband erörtert worden sind, wohl- wollend geprüft werden von der Reichsregierung, wie sie auch im Zciitralverein geprüft werden werden. Er schloß mit einem Hoch auf die anwesenden StaatSminister und Vertreter der Reichsrcgic- ruug. StaatSminister Freiherr von Rheinbaben dankte auch im Namen seiner Kollegen für die Begrütziingstvorte und richtete dann an die Industrie einen warmen Appell zur Opferwilliglcik. „Wenn die Industrie groß und stark werde» wolle, müsse sie anderer- seits auch zu Opfern bereit sein!", das war der Kernpunkt seiner wiederholt von Beifall unterbrochenen Rede. Zusammenkünfte Ivie die heutige mit den erstell Kräften ans dem wirtschaftlichen Lebe» halten die Fühlung zwischen Regierung und dem lebendige» Schaffen aufrecht. Redner weist dann mittels statistischer Zable» nach, welchen Aufschtvung daS wirtschaftliche Leben in den letzte» vierzehn Jahren genommen habe, ein Aufschwung, an dem alle Kreise der Bevölkerung, auch die Arbeiter, teilgenommen hätten. Der Staatsminister wendet sich dann der schlechten Finanzlage de? Staates zu. Daß es so nicht weiter gehen kann, darüber sind wir unö einig, nur nicht Über die Miitel und Wege, wo die Ansicht«» weit auseinandergehen. Redner ermahnt dann die deutsche In- dustrie zur Opferwilligkeit, den» nur die Nation wird die größte sein, die sich auch zu den größten Opfern bereit erklärt. Eine Steuer, die ein allgemeines Lustgefühl erzeugt, ist noch nicht gc- funden, und jede Steuer greift tief in das Wirtschaftsleben ein. Ohne große und ohne schwere Opfer wird eine Besserung der Loge nicht möglich sein. Freiherr von Rheinbaben dankte dann noch für die treue Bundesbrüderschaft» die auch in Zukunft noch weiter br« stehen werde. Unterschlagungen. Anbapest» 7. November.(L. H.) Bei den Vereinigten Spar» kasscn haben bedeutende Defraudationen stattgefunden. Tie Skontrierung hat bisher ein Manko von 140 060 Kronen ergeben. Festgenommener vautri»»«. London, 7. November. In einem Wechselladen der ShaftcSbnrh» Avenue im Westend von London verübte heute ein unbekannter Mann, dein Anscheine nach ein Ausländer. der mit Dolch und Revolver bewaffnet war, einen Uebrrfall auf den Angestellten und verwundete ihn. Dieser schlug Lärm, worauf der Angreifer Feuer gab und sick zur Flucht wandte. Nachdem er noch einen Straßenkehrer und einen Polizeibeamten verletzt hatte, gelang es. ihn zu stellen und zu verhaften. Der verletzie Bank- beamte wurde ins Krankenhaus geschafft. DaS Urteil Amerikas. New Dort, 7. November. Tie hiesigen Blätter, die die Easa» blanca-Asfäre ausführlich besprechen, sind allgemein der Ansicht. daß die Schaffung auswärtiger Schwierigkeiten zur Bertnschung elnrr hrimischrn Blamage verbrecherisch wäre. Hierzu 5 Beilagen. 5r.26J. 23. 3.�, 1. Keilllge iltS.Illlllllllls" Kcll!ller Nslksdllltt. SMq.8.N.m.w,S»8. Z.eLckstag. M. Sitzung, Sonnabend, den 7. November, vormittags 1t Uhr. Am BundeSratstische: v. Bethmann-Hollweg, v. Llrnim«Cri«wen. Eingegangen ist der Entwurf eines BesoldungS- gesetzes. Auf der Tagesordnung steht die erste Beratung des Ent- wurss eines Weingesetzes. Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg: Der reelle Wein- Handel und der Winzerstand find durch ernste Vorgänge im Wein- Handel schwer geschädigt und in eine bedrohliche Lage geraten. Ihnen soll das neue Gesetz Hilfe bringen, und zwar haben wir ge- glaubt, uns nicht mit einer Novelle zu dem bisherigen Gesetz be- gnügen zu tönnen. Bon einzelnen Vorschriften erwähne ich di�, welche die Bezeichnung von Ortsnamen nur zur Angabe der Her- kunst gestattet. Man hat sich im Weiichandel daran gewöhnt, bei einer falschen Bezeichnung sich gar nichts zu denken. Dann kann man aber leicht auch zu einer Entschuldigung kommen, wenn ein Weinhändler aus ein und demselben Faß fünf verschiedene Sorten zu fünf verschiedenen Preisen verkauft. Auch in dieser Beziehung mutz der Grundsatz gelten: jn vino veritas(im Weine Wahrheit!) Die Interessenten haben den Deklarationszwang für den Rotwein- verschnitt gefordert; doch würde die Erfüllung dieser Forderung ungünstig auf unseren Import einwirken und wir glauben, den Schutz des deutschen Rotweinbaues vor unlauterer Konkurrenz auch ohne diesen Deklarationszwang erreichen zu können. Anfechtung baben in der Prcffe auch die Vorschriften über die Zuckerung des Weines gefunden. Wir muffen dankbar sein, datz es der Keller- Wirtschaft gelungen ist, durch Zusatz von Zucker und Wasser das Erzeugnis geringerer Jahre dem besserer gleichzumachen. Hierin liegt die Berechtigung, aber auch die Grenze der Zuckerung. Wenn die entsprechenden Borschriften in der Beratung eine Verbesserung erfahren, so werden wir sie dankbar annehmen. Zu den Vorschriften über den Vollzug des Gesetzes bemerke ich, datz eine Kontrolle ohne einen gewissen Formalismus nicht ausgeübt werden kann. Die Hauptsache ist, datz die richtigen Leute an den richtigen Platz ge- stellt werden. Die Richtlinien des Entwurfes sind der Schutz der redlichen Arbeit.(Bravo!). Abg. Baumann(Z.): Meine Freunde stehen dem Gesetzentwurf sympathisch gegenüber, denn er erfüllt eine Reibe von Forderungen, die wir bereits im Jahre 1S01 gestellt haben. Einige Paragraphen aber bedürfen der Verbesserung. Bor allem bedauern wir, datz das berechtigte Verlangen des RotweinbaueS nach der Deklaration des Verschnitts von Rot- und Weitzwein in dem Entwurf nicht ent- halten ist. Auch die Vorschriften über die Zuckerung des Weines bedürfen einer klareren Fassung. Die Bestimmungen über die Kellerkontrolle sind viel zu kurz geraten. Es müssen nicht nur Chemiker, sondern auch Zungensachverständige zur Kontrolle her- angezogen werden. Eine Reichszentrale sollte über die Tätigkeit der Sachverständigen wachen. Ich beantrage den Entwurf an eine Kommission von 28 Mitgliedern zu verweisen.(Bravo! im Zentrum). Abg. Dr. Rösscke(k.): Mit Eilzugs- resp. Luftschisfsgeschwindig- keit ist der Entwurf gerade nicht gekommen(Heiterkeit). In Ein- zelheiten bedarf er nocki der Verschärfung. Die Hauptsache ist eine ausreichende Kontrolle. Sie darf nicht den Landesregierungen überlassen werden, sondern mutz einheitlich sein, sonst gehen die Weinpantscher einfach dorthin, wo die Kontrolle mangelhaft ist. .um mindesten mutz zu diesem Zweck eine Aufsicht des Reichs ein- geführt werden. Schwer geschädigt sind die Winzer dadurch, datz das Gesetz nicht früher gekommen ist. Wenigstens sollte es jetzt sobald wie möglich in Kraft treten, damit der Winzer von seinen schweren Sorgen befreit werde und wieder froh singen kann: Wundervoll ist Bachus Gabe, Balsam fürs zerrissene Herz!(Beifall rechts.!. Abg. De. Blankenhorn(natl.): Das bisherige Gesetz ist besser als fein Ruf. Leider wurde es nicht gleichmätzig gehandhabt und ausgelegt. Deshalb sollten wir bei dem neuen Gesetz Vorsorge für eine gleichmäßige Handhabung treffen. Die Vorschriften über die Zuckerung können vielleicht noch klarer gefatzt werden. Die Be- stimmungen über den Verschnitt von Rot- und Weißweinen ge- nügen nicht, um zu verhindern, datz diese Verschnittweine unter falscher Flagge segeln. Gegen eine Reichsweinsteuer, von der im Zusammenhang mit Kontrollmatzregeln früher die Red« war haben wir uns damals gewehrt und werden es auch m Zukunft tun. kleines feuilleton. Dle täglichen Schwankungen der geistigen Arbeitskraft. Ein amerikanischer Psychologe. Howard D. Marsh, beschäftigt sich in einem auf eingehenden Experimenten beruhenden Werke„Der tägliche Ablauf der Leistungsfähigkeit" mit der Frage, zu welcher Zeit inner- balb von 24 Stunden immer die menschliche Geisteskraft ihren Höhepunkt erreicht. Er stellte bei einer großen Anzahl von Ver- suchspcrsonen Experimente über den Grad ihrer Aufmerksamkeit an und kam zu dem Resultat, datz die weitaus größte Anzahl mittags die besten Leistungen aufwies, die geringsten am Morgen und Abend. Doch fand sich auch eine nicht unbeträchtliche Menge von Personen, deren Aufmerksamkeit am Morgen am angespanntesten war. Bei Gedächtnisprüfungen ließ sich kein so sicheres Resultat feststellen, sondern die Stärke des Gedächtnisses schwankte bei ver- schiedcnen Personen zu verschiedenen Tageszeitungen ganz unregel» niähig. Rechenaufgaben wurden von den Versuchspersonen am leicbtesten in der Zeit von IVj Uhr mittags bis 8 Uhr nachmittags gelöst. Als Gesamtresultat ergab sich ihm aus seinen Forschungen die Beobachtung, datz die menschliche Leistungsfähigkeit um die Mitte des Tages am größten ist und auch in den Morgenstunden höbere Anforderungen erfüllt als am Nachmittag und Abend. Dem steht aber nun die Tatsache gegenüber, datz eine protze Zahl geistiger Arbeiter die Nachtstunden bevorzugen. Marsh lucht zunächst durch eine Statistik die Behauptung zu widerlegen, datz die Zahl der geistigen Nachtarbeiter größer sei als die der Tagarbeiter. Er studierte zu diesem Behufc 1(30 Biographien berühmter Männer, um aus ihnen ihre Lieblingszeit des Schafsens festzustellen. Dabei fand er, datz 3! Proz. die Morgensrunden, das heißt die Zeit von 0 Uhr morgens bis 2 Uhr nachutirtags bevorzugten, 12 Proz. die Nachtstunden von 7 Uhr abends bis Mitternacht und ö Proz. die Stunden nach Mitternacht, so datz 3i Proz. Tagarbeitern 18 Proz. Nacktarbeitern gegenüberstehen. 23 Proz. schufen zu allen Tages- stunden, 17 Proz. wählten die Morgen- und Nachmittagsstunden, 4 Proz. die Morgen- und Nachtstunden, 3 Proz. die Nachmittags- und Nachtstunden aus. Marsh hat auch den Hühepuntt der körper- lichen Kräfte«n Ablauf eines Tages untersucht und ist zu dem Resultat gekommen, daß die Kräfte des Menschen bis 11 Uhr mor- gens zunehmen, dann bis I Uhr sich auf der gleichen Höhe erhalten, von 3Vi bis 5% Uhr nachmittags ihr Maximum erreichen und darauf wieder abnehmen. Der amerikanische Psychologe hat das Bestreben, in dem Ablauf unseres täglichen Ledens einen bestimmten Rhythmus aufzuweisen, der bei aller Verschiedenheit der einzelnen Individuen doch von jedem Menschen innerhalb seiner Lebens- sphäre festgehalten wird. Mufit. Maurice Maeterlinck, nach dessen Tert am Mittwoch in der Komischen Oper das Musikdrama„PellcaS und Meli fände" aufgeführt wurde, ist dem deutfchen Literatur- IDcnn diese Steuer kann auf die Konsumenten nicht abgewälzt werden. Wenn der Staatssekretär meinte, die Hauptsache bei der Kontrolle sei, die richtigen Leute an den richtigen Platz zu stellen. so geben wir das zu, haben aber leider nicht die Hoffnung, datz es geschehen wird. Das Gesetz scll den deutschen Weinbauer nicht nur vor der unlauteren inländischen, sondern auch vor der ausländischen Konkurrenz schützen. Gott gebe uns dazu gute Weinjahre! (Beifall). Abg. Dr. David(Soz.): Die Stellung meiner Freunde zu dem Entwurf ist gegeben durch unsere Zustimmung zu der Resolution Baumann im vorigen Jahre, in der die Regierung ersucht wurde, wirksame Matznahmen gegen Fälschungen bei der Weinproduktion und bei dem Weinhandel zu treffen. Soweit die Tendenz des Entwurfes dahin geht, die Lauterkeit in der Produktion und im Handel mit Wein zu fördern, stimmen wir ihm zu. Wir wollen aber keine unnötigen Erschwerungen für den Handel, die Schikanen bedeuten. Zunächst kommt es darauf an. die Konsumenten zu schützen, und zwar vor allem diejenigen, die nur gelegentlich bei Festlichkeiten oder>ur Auffrischung für Kranke sich Wein gönnen tönnen. Der reiche Mann kann sich auch heute schon gegen Betrug schützen, indem er sich mit Hilfe von Weinkennern die edelsten Marken tauft. Weiter wollen'wir die kleinen Weinbauern schützen, die einen außerordentlich schweren Kampf um ihre Existenz führen.(Sehr richtig!) Und schließlich haben wir auch den Schutz des soliden Handels im Auge, denn durch nichts wird das reelle Weingefchäst so geschädigt, tote durch die unreelle Kon- kurrenz. Die Formulierung der Einzelheiten des Entwurfs werden wir in der Kommission aufs ernsteste zu prüfen haben. Große Bedenken haben wir gegen den A r t i k e l 9, der den sogenannten Haustrunk von den Schutzbestimmungen aus- n i m m r. und zwar vor allem deshalb, tveil in großen Betrieben dieser Haustrunk den Arbeitern von den Unternehmern angeblich unentgeltlich zum Lohne zugegeben wird. Jn Wahrheit toird er rfdtiirficb aenau so wie die Zigarren in den Zigarrenfabriken in den Lohn hinei igerechnet.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir wunichen iilcut, daß für diesen Wein alle.Sicherungsbestim- mungen in bezug auf Zuckerung. Verschnitt uswk beseitigt werden. Auch der 8 7 soll für den Haustrunk nicht gelten, welcher lautet: Es ist verboten, Wein nachzumachen. Das ist also der eigentliche Fall der Hochzeit von Kana, daß nämlich Wein direkt aus Wasser produziert wird.(Heiterkeit.) Eine ganze Menge der Gicherungs- maßregeln sind auf die Weinbaugebiete aufgebaut. Daher ist es unbedingt notwendig, daß diese Weinbaugebiete gesetzlich begrenzt werden, und datz diese Begrenzung nicht dem Bundesrat überlassen bleibt. Die Hauptsache ist auch für unS eine einheitliche Kontrolle durch unabhängige Sachverständige im ganzen Reiche. Es ist der größte Mangel dieses Gesetzes, daß es eine solche Kontrolle nicht gewährleistet. In dieser Frage hat sich bisher PreußenalSHemmschuhfürdenFortschritt erwiesen.+ Ueberau müssen Sachverständige im Hauptberuf zur Kontrolle angestellt werde», auch wo der Weinhandel nicht in erheblichem Mäße getrieben wird. Sonst wird die Kontrolle der polizeilichen Nahrungsmittelkontrolle überlassen, und datz die nicht ausreicht, wissen wir. Es läge ja nahe, daß die Polizei in die vielen Kolonialwarengpschäfte und Restaurants zur Kontrolle geht.(Zuruf: Ja, bis in das ReichstagSrestaurant hinein! Heiter- tcit.) Aber wo geschieht das? Die tlvstenfrage der Kontrolle ist am einfachsten zu lösen, wenn man endlich eine allgemeine r e i ch L- ?esetzliche Regelung der Nahrungsmittel- o n t r o l l e durchführen würde. Vor drei Jahren hat Graf von Posadowsky einen fertigen Entwurf dazu dem preußischen Ressort- minister zugehen lassen. Vor einem Jahre war noch keine Antwort getommcn, vielleicht ist sie heute noch nicht dg. Es ist doch nicht anzunehmen, daß der Entwurf e n g l i s ch g e s ch r i« b e n i st u n d die Handschrift wird ja auch nicht so unleserlich sein, datz das Ressort die Sache bis heute noch nicht gelesen hat.(Heiterkeit.) Wir müssen verlangen, datz diese allgemeine Nahrung'smittelkonkrolle nickt weiter auf die lange Bank geschoben wird. Der unglücklichste Ausweg ist es. die Koiten durch eine Wein st euer aufbringen zu wollen. Diese Steuer haben wir vor allem den Herren von der agrari- scheu Rechten zu verdanken. Die Weinbauern im Süden und Westen des Reiches werden den Herren den verdienten Dank ab- statten. Für uns ist die Wcinsteuer unannehmbar, weil sie eine A u s n a h m e st e u e r für ein bestimmt umgrenztes Gebiet ist. Jn dieser Beziehung gleicht sie der Elektrizitätssteuer und auch darin, datz sie in erster Linie die wirtschaftlich Schwachen trifft, auf welche die wirtschaftlich Stärkeren die Steuer möglichst abzu- schieben suchen werden. Die ganze Förderung der kleinen Wein- Publikum hauptsächlich durch Dramen bekannt. Ihre Eigenart be- steht in einer schwebenden mystischen Stimmung, hervorgerufen namentlich durch das stete Gefühl eines ungewissen schaurigen Schicksals. Diesmal gilt es einer am einsamen Quell in Angst ver- lassencn Jungfrau.'Melisande wird von dem Königsenkel Golo gesunden und zu seinem Weibe aemacki. Jn die Stimmung seines düsteren Schlosses findet sie sich nicht hinein, desto mehr in ein kindlich-unschuldiges Liebesspicl mit Golos Bruder Pelleas. Wie ihr Gatte sich alle Mühe gibt, das Gemüt der Liebenden zu prüfen und das seinige zu beruhigen, bis er endlich doch mit Faust und Schwert dreinschlägt. aber am Sterbelager seiner Gattin dereut: das macht die in 11 Bilder zerfallenden 5 Akte aus. Das Drama des(1862 geborenen) belgischen Dichters wurde zuerst 1892 gespielt; 1903 erschien es als Oper. Ter Komponist ist Claude DebussY. Gleichaltrig mit dem Dichter, hat dieser Franzose seit etwa Li) Jahren sich durch mehrfache, besonders an neuere französische Dichtungen an- geschlossene Kompositionen bekannt gemacht— bekannt und befehdet ob eigener neuer Tonsprache. Auch in unserem Konzert- leben fehlen sie nicht. So hörten wir vor kurzem einen Lieder- abend von Sänger und Sängerin S e n i u s, der auch Gesänge und Klavierstücke von DebussY brachte; sie zeigten einen gut ein- heitlichen, nicht mit Einzeleffetten arbeitenden Zug, und ein Klavier- stück genoß die Ehre des(im Konzertsaals hier so seltenen) Zischens. Nun also die Uebertragung der Maeterlinckschen Angstmystik mit ihren schwebenden Stimmungen in die Tonsprache? Dazu bringt der Komponist eine Erweiterung unseres Tonsystcms mit, die samt ihrer interessanten physikalischen Grundlage hier nicht aus- einandergesetzt lvcrden kann. Doch ein paar Andeutungen seien gewagt. Ueber tiefen Grundstrnen bewegen sich häusig zwei oder mehr höhere Töne miteinander ein wenig aus und ab und um- spielen die stets rezitativische Singstimme—„schwebend", so av- schlußlos, so vange zitternd, wie es eben zu derartigen Stimmungen taugt. Denken wir uns irgendeine geläufige Melodie, so merken wir leicht, wie sie mittels eines„Leitetoncs" zum Schlutztone geht — einen sogenannten„halben Ton" ausschreitend. Denken ivir unS nun gerade da einen„ganzen Ton", so haben wir aus den be- häbig zufriedenen festen Abschluß verzichtet, der unser Tonsystem einförmig kennzeichnet, und statt dessen ein Schweben, ein Hinaus- weisen ins Ungewisse gewonnen. Denken wir weiterhin diesen „Ganzschritt" aufsteigend wiederholt, öfter als eS sonst üblich, daß es wie ein Auseinandcrzwingen inS Unendliche klingt, so haben wir etwa das Motiv, mit dem Golo seines Bruders Gewissen beim schaurigen Gange durch unterirdische Gewölbe prüft. Derart schwingen die Dissonanzen durch DcbussyS Musik hin- durch— nicht mit dem kompakten Angriffe, den sie in bisheriger Musik aus uns machen, sondern als zarte und doco markante Be- gleitungen in der Hohe zitternd. Das sind nicht die Einzelmalereien» in denen die Unsrigen von heute so groß sind, daß sie in den .Hauptdingen recht klein werden. Tebussy verschmäht das gänzlich; ja er verschmäht auch das Konzentrieren auf große Themen, und dauern durch das Gesetz würde durch eine Weinsteuer null und nichtig gemacht. Da ist es sehr zu bedauern, daß Herr Blankenhorn nicht erklärte, seine Freunde ständen in der Bekämpfung der Wein- steuer hinter ibm. Man hat darüber geklagt, datz der Konsum des Weins durch die Abstinenzbestrebungen außerordentlich benachteiligt würde. Davon kann keine Rede sein, denn der großen Masse dcS Volkes braucht man keine Mäßigkeit im Weingenutz zu predigen. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es gibt Tausende vo» Arbeitern in großen Gebieten unseres Landes, die niemals in ihrem Leben ein Glas Wein getrunken haben. Diese ausgezwungene Abstinenz ist es, die den Weinkonsum und den Weinbau schädigt. Diese unfreiwillige Abstinenz ist noch ver schärst worden durch die Verteuerungen der Massen« gebrauchSartikcl des Volkes, durch die gan�e agra- rische Brot- und F l e i s chve r t e u er u n g»poli t i k. durch ivelche die Konsumkraft der Massen bis weit injne mittelständischen Schichten hinein geschwächt worden ist.(Sehr wahr! oei den Sozialdemokraten.) Wir wünschen eine Hebung des Ein» kommens der großen Masse des werktätigen Volkes in Stadt und Land. Tie sozialdemokratische Wirtschaftspolitik ist auch die beste W'einbaupolitik. Wir können nur wünschen, daß Sic mit uns dahin Aufstreben suchen, datz möglichst bald die Zeit kommt, in der jeder Arbeiter am Sonntag nicht nur das bekannte Huhn, sondern daneben auch eine Flasche Wein auf dem Tische zu stehen hat.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) ' Abg. Hormann(frs. Bp.): Jn den Kreisen der kleinen Winzer begrützt man den Gesetzentwurf nicht sehr freundlich. Man hat ihn sogar als unannehmbar bezeichnet. Das würde aber heißen. das Kind mit dem Bade ausschütten. Gewiß ist der Entwurf m vielen Teilen anfechtbar, aber er bietet doch immerhin eine brauch-. bare Grundlage für eine weitere Beratung. Abg. Dr. Höfsrl(Rp.): Die Vorlage dringt uns einen Schritt vorwärts und wir hoffen, datz infolge dieses Gesetzes der Natur« wein immer mehr die ihm zukommende Stellung erhalten wird. Unsere Winzer leiden nicht unter den Erfolgen der Antialkohol» dewegung, auch nicht unter der Konkurrenz des Bieres, sondern vor allem unter der Massenproduktion unreeller Produkte, die als Wein in den Handel kommen. Dem soll das neue Gesetz einen Riegel vorschieben, doch sind seine Bestimmungen dazu nicht über- all ausreichend. Vor allem mutz für eine einheitliche Kontrolle im ganzen Reiche gesorgt werden. � Abg. Stauffer(Wirtsch. Vg.): Die großen Weingutsbentzer geben ihren Arbeitern als Haustrunk keinen gezuckerten Wein, darüber kann sich der Abgeordnete Dr. David beruhigen. Durch Aufhetzen der kleinen gegen die großen Winzer und des kleineu Weinhandels gegen den großen wird man nicht zu einem guten Weingesetze gelangen. Die Notlage des Weinbaues ist internatio- nal, wie die französische Winzerbewegung beweist. Die Wasser- frage ist der Angelpunkt der Weinfrage.(Stürmische Heiterkeit.) Wer das Wasser in der Hand hält,(L-challendes Lachen) der hat auch das Pantschen in der Hand. So ist die ganze Weinfrage eine Wasserfrage.(Erneute Heiterkeit.) Und wenn das Wasserpantschen nicht beseitigt wird, so ist das ganze Gesetz ein Schlag ins Wasser. (Schallend« Heiterkeit im ganzen Hause und auf den Tribünen.) Abg. Naumann(frs. Vg.): Die große Mehrheit meiner Freunde steht dem Entwurf freundlich gegenüber. Wir können nicht anerkennen, datz er mehr den großen»Winzern als den kleinen zugute kommt. Auch auf anderen Industriegebieten haben wir die Bewegung: Fort von dem billig und schlecht zu der Ouali» tätsfrage! auch im sozialpclitiscken Interesse. Datz man die Quält» tätssichcrung nur mit Bermcbrung der Beamten erreichen kann, ist eine bedauerliche Nebenerscheinung. Die Idee der Weinstcuer wird in allen Weingegenden als Ausnahmegesetz empfunden. Vor» läufig spricht man nur von der Besteuerung der Flaschenweine. Wird aber mit der Besteuerung erst begonnen, so wird man bald allen Wein als Sydowwein erklären.(Heiterkeit.) Die Kontrol- leure sollten nicht von den Landesbehörden, sondern vom Reiche angestellt werden; denn das neue Gesetz ist gerade notwendig ge- worden, weil die Kontrolle der Landesbeamten sicki nickt als aus- reickend erwiesen hat. Was die Abstinenzbewcgung anlangt, so ist nicht sie der Feind des Weins, sondern des Ligucurs. Die Spiri- iuosenverarbeiter sind die Geichinackverderber für den natürlichen, einfachen, gesunden Wein.(Bravo! links.) Abg. Wetterle(Elf.) fordert Berücksichtigung der clsatz-loth» ringiscken Wünsche zum Weingesetz. Abg. Frhr. v. Wolff-Metternich(Z): Ein Gesetz, das allen Weinbaugebieten gerecht wird, ist unmöglich. Im Moselgebiet ist dem Winzer die Arbeit besonders durck den Kampf mit den Para- fiten erschwert, daher und mit Rücksicht auf den Weltruf des Moselweins sollte das Gesetz aus die besonderen Bedürfnisse des Moselweinbaus möglichst Rücksicht nehmen. nur an den erregtesten Stellen des Textes läßt er feine flatternden Dissonanzen zum großen Schmerz ausschreien. Man mag»n all dem falsche Wege der Kunst sehen; aber die vollendete Durcharbeitung der neuen Kunstsprache ehrt ihren Schöpfer felllst dann, wenn die lange und breite Einförmigkeit er- müdet. Daran litt auch die Aufführung. Die Szenierung machte den modernsten Bühnenzug, den nach flächenhaster Bildivirkung, mit allem Raffinement ihrer Licht- und Farbenkünste mit. Dem rn-e". im Gesänge gerecht zu werden, gaben sich die verschiedenen Mit- wirkenden"redliche Mühe. Bert Deetjcn traf das Mimosen« hafte der Melisande im andeutenden Pianogesange besser als im Schmcrzensschrei. Ob auch das Publikum sich die Mühe gegeben hat. d. Die bürgerlichen Kandidaten halten am drillen Tage nur noch eine Majorität von■iOO—öOO Stimmen. I» Anbetracht des hohen Wählzemus— IAO— tSOO M.— und der öffentlichen Stinmiabgabe bedeuten diese Wahlen einen schönen Er, folg unserer Genossen, die voraussichtlich im nächsten Jahre ihren Einzug in das Altona« Stadtkollegium hallen werden. Pom Fortschritt der Presse. Der Druck der„Schwäbischen Tagwacht" zu Stuttgart soll bekanullich demnächst in eigener Druckerei erfolgen. Für den Betrieb ist eine Gesellschaft mit be- schränkt« Hastpflicht gebildet worden, die dieser Tage ins Handels- register eingetragen wurde. Der Gesellschaft gehören an: Rudolf Behr, Karl S p e r k a, Karl Hilde nbrand, gritz E b« r t fBerlin), Gottl. Fischer(Cannitatt), Wilhelm Kerl, Georg Reichel und Otto W a s n e r. Rudolf Vehr ivurde zum Ge- schSstsführ«. Karl Sperka und Karl Hildcnbrand zu stell- vertretenden Geschäftsführern der Firma bestimmt. Das Stamm- kapital der Gesellschaft beträgt LSVOV Mark. Uiifere Tote«. Am Mittwoch starb in Stenn sSacksen) der Genosse Julius S ch l e g e l. Er war. wie das»Sächsische Volks- blatt" zu Zwickau schreibt, einer der Alten, die immer treu und fest zur Fahne gehalten haben, wenn sie auch durch ihr Alt« und andere Verhältnisse gezwungen waren, die aktive Tätigkeit im Dienste der Partei uns des Proletariats der jüngeren Generalion zu überlassen._ Jahrestag der ermordete» 80»»» Reval. AuS Reval wird uns geschrieben: Am Grabe der 80 Genossen, die am SS. Oktober tsos von den zarischen Schergen meuchlings erschossen wurden, schwor das Pro» letariat von Reval. diesen Blut- und Sckandlag der russischen Re- gierung durch A r b e i»« r u h e demonstiativ zu gedenke n. Das möchte» die Schergen des Zaren gern verhindern. So war auch rn dieiem Jahre jegliche Gedenkfeier strengstens verboten und alle Maßregeln dagegen ergriffen. Aber ungeachiet dessen ruhte doch die Arbeit in allen größeren Fabriken fast völlig. Große Massen be- weglen sich. Trauerzcichen tragend, auf den Straßen. Die Polizei war auf dem Kriegsfuß und nahm viele Verhaklungen vor.— Troy aller Wachsamkeit der Polizei war eS den Arbeitern doch gelungen. die Mordstälte— den Marktplatz— mit roter Farbe zu besprengen und einen Trouerkranz an den auf dem Platze befindlichen Loiernenpfahl zu hängen, wie auch das Massengrab mit Blumen Teich zu schmücken. Tieie Tatsache ist um so erfreulicher, da sie von der Unverzaglhert der Arbeiter neu Zeugnis ablegt. Die Regierung hat nichts unterlassen. um die Organisation der A> bester zu zerstören. Unzähligcmal bat sie die gewählten Vertrauensmänner verhaftet, deS Landes verwiesen und schweren Strafen unterworfen. Doch finden sich immer noch neue, die mutig jeder Gefahr trotz«« und der Arbesterkache dienen. Die legale Arbeiterpresse ist total»nterdrückt, Versammlungen un- möglich gemacht, jede öffentliche Agitation unterbunden; dennoch lebt der Geist d« Revolution und daS Alasseiibewußtsei» des Proletariats in der Brust der estnischen Arbeiterschaft fort und arbeitet auch unter zelUllerschwerem Druck weit« an der Befreiung der Arbeiterklasse. polireilicbev» Verntmuvea ul*>« Eine erfolgreiche Revision. Eine herdeKorrektur nahm das Reichsgericht an einem Urteil des Landgerichts G l a tz vor. Unser Genosse, Srbeit«setretär O st e r o t h aus Waldenburg, war danach wegen V e r ä ch t- lickmachung von StaarSeinrichtungen und B e- leidigung eines Gendarmen zu einem Monat Ge- f ä n g n i S verurteilt worden. Genosse Lsteroth hatte in einer Versammlung in Kunzendorf üb« das neue Vereiusgesetz ge- sprachen. Er sprach sehr fließend und lange und dennoch behauptete der Wachtmeister, der die Veriämmlnng beaufsichtigte. genau die Aeußerungen Osteraths festgehalten zu hoben! Nach den trefflichen Notizen dieses Gendarmen soll Okterolh folgende drei Sätze gesagt haben: 1. Jeder, der die Wahr- heit sage, würde dann wegen MajestätSbeleioigimg, oder Schntz- maiinSbeleidigung oder do« wenigstens wegen groben UnfugS be- straft. Jeder müsse vor dem Dorfpolizisien niederlnieu. 3. Die Arbeiter kriegten keine Jnvalidenunlerstüyuiig. wenn sie sich noch selbst die Hosen anknöpfen könnten. 3. In der Schule lerne man »ichrö Gescheidtes, nur Beten, deshalb müsse man in die Gelv«k- schafte» eintreten um das Nötige nachzulernen.— Der Gendarm kühlte sich beleidigt durch die angebliche Aeußerung: Viele Polizeibeamte, wie hier einer sitzt, stammen aus dem Volke, sie fühlen deshalb auch mit dem Volke, aber sie müssen barsch aus- treten, um den Mackihabern zu gefallen. DaS Landgericht Glatz hatte die blöden Sätze ohne weiteres als richtig an- genommen. Die Anträge. dem Gendarm einmal durch den Direktor de» stenographiichen Bureaus in« Konzept sehen zu lassen und Versainmluiigöteilnehm« zu vernehmen. hatte daS Gericht einfach abgelehnt. In der Revision ivurde da« gerügt. Der Reichsaiiwalt hielt da» zwar nicht für durchschlagend, daS Urteil fei aber nicht zu halten. StaatSei nrichtungen seien gar nicht verächtlich gemacht, denn es handle sich um eine Kritik der Ausführungsorgane und der Handhabung der Gesetze. In diesem Falle sei die Aeußerung hart an der Grenze de« Erlaubten. Ackch die Beleidigimg leite das Gericht nicht aus dem Wortlaut, sondern dem angeblichen Sinne d« Aeußerung her, ohne festzustellen, ob denn der Sinn auch von den Versammelten so verstanden worden ist.— DaS Reichsgericht ging noch weiter. Es akzeptierte die Meinung des Reichsanwalls, hielt ab« auch die Ablehnung der BewetSanträge für ungerechtfertigt und wie« die Sache an»in anderes Gerich» nach Schweidnitz zurück.-- Eine heilsame Lehr« für die schlesische Justiz. IZus Industrie und rtandel* Zwangsversteigerungen ländlich« Grundstücke in Preuße». Die zwangsweise Versteigerung hauptsächlich landwirtschaftlichen Zwecken dienender Grundstücke, deren Besitzer Land- und Forstwirt- Ichaft betrieben, ist seit 1888 fast regelmäßig gesunken. Folgende Zusammenstellung gibt darüber Ausschluß. Es wurden zwangsweise versteigert: mit mit «nmdsiück« Gesamtfläche Grundsteuer. GNtiivstuae£cltat Reinertrag Mark 1886.... 2974 110063 983468 JSPO.... 3LS0 58 310 484 809 lSSö.... 1884 8? Söll 87, SSS ,90,.... tSSt 42 47b 427727 tgaZ.... 1134 3S7S4 870 728 1008.... 1047 82 884 288 830 1804.... 1076 27SS0 181 40S 1000... 963 21 027 187692 Hiernach hat sich teil ISSö die Zahl der zwangsweise verlausten Grundstück« um t/j, ihre Fläch« und Grimdsteuerreinertrag um */* vermindert. Man dari gespannt darauf sein, wie die Agrarier die Zahlen als Beweis für die wachsend« Rot der Landwirtschaft verwenden werden. Warenpreise im September. Die Preise der wichtigsten Waren ermittelt die„Bosfische Zig/ in regelmäßigen Zusammenstellungen nach Indexzahlen, wobei v« Durchschnitt der zehnjährigen Peripde von l888 bis 1898 gleich 100 gesetzt ist. Bringt man die eiiizelnen Waren in Gruppen zusammen, so ergibt sich die nachstehende Tabelle. Jahresdurchschnitt Sept. 1800 ,007 1808 Getreide....... 105,05 118.88 114,82 Sonst, ink. kandw. Produkt« 03,18 107.47 114,00 RuSländische landw. Produkt» 110.87 117,46 118,38 Tierisch- Produkte.... 138.50 180 82 128.80 Texnlprodukls..... 134,61 153.63 125.41 Mineralien...... 147,83 150,95 121,84 Gegenüber dem August dieses Jahres haben die Preise für die Erzeugnisse der Agrarkultur angezogen: im September 1907 war der Preisstand aber noch höder als jetzt. Mit Ausnahme der Preise für tierische Produkte hält sich das Scptember-PreiSniveau weit über dem der Jahrcedurchichnilte 1906 und 1807. Stark gesunken sind die Preise für Textilprodukte und Mineralien; aber damit kann der Arbeiter nicht den Magen füllen. Hypothekenbeweguug in Preuße«. Die hypothekarischen Eintragungen weisen seit 1888 ständige Zunahme aus. sowohl auf dem Land« als in den Städten. Das Plus der Eintragungen, also nach Abzug der Löschungen, betrug: w städtischen in ländlichen Bezirken in Millionen Mark 1806... 751 277 1800... 1,04 386 1803... 1478- 445 1804... 1531 407 1805... 1740 471 Im Jahre 1905 war sowohl in städtische» als auch in ländlichen Bezirken das Mehr der Eintragungen am höchsten. In de» srädti- 'chen Bezirken ist die Steigerung am stärksten; von 1886 bis 1905 betrug ste rund 130. in ländlichen Bezirke» rund 70 Prozent. Die Konsumgeuossenschaft als PreiSregulator. Wenn die große Arbeiter- Konsiimgenossenkchart.Maii'on du Beuvle* tn Brüssel den Preis des Brotes von neuem regelt, bann teilr sie das der Bevölkerung aus folgende originelle Wesse mit: Eine Anzahl Genossen setze» sich, daS Bläserchor de-Z„Peuple" an der Spitze, tn Bewegung und durchziehen die Slroßen der Stadt. Durch vre im Zuge mitgesührten Transparente wird der Preis des Brote« angezeigt. Die Bäckermeister müssen wohl oder Übel den PreiSlessseyungen des„Peuple* folgen, da die umfangreiche Bäckerei der Gcnonen'chatt emen beträchtlichen Teil des Marktes beherrscht. Wie weit in dieser Beziehung der Einfluß deS„Beuple* reicht, zeigte sich die'« Tage recht deutlich. Die kleinen Bäcker- inesst«. allelaml wütende Gegner der Geuoisenschast. entsandte» eine Tevutation an die Verwaltung des Konsumvereins, um mit dieser über eine vorzunehmende Erhöhung der Brolpreise zu verhandeln. Der Genosse Lct«. GeichästSsührer deS„Peuple*, gab rückhaltlos zu, daß die gegenwärtigen hohen Mehlpreise eine Erhöhung wohl rechtfertigten. Andererseits aber müsse der„Peuple* Rücksicht nehmen auf die jetzt herrschende große Arbeitslosigkeit. Es gehe nicht an, im gegenwärtigen Zeitpunkte den Preis deS wichiigsten Lebensmittels des Volkes auch nur um wenige EentinreS zu er- höhen. Die Bäckerrneister mußten fich damit bescheiden. Selbst wenn sie nu» doch eine Erhöhung vornehmen sollten, so wird diese sich bestimmt in bescheideneren Grenzen hallen, als wenn sie mit der Konkurrenz der Genossenschaft nicht zu rechnen Hütten. SozialcQ* Ei« eigenartiger Krankenkaffenflreit, dessen Borgeschichte bis in das Jahr 1904 zurückreicht, ist jetzt vom Obcrvertvaltungsgericht erledigt worden. Der§ 33 des Kranken- versicherungsgcsctzeS bestimmt im Absatz 1:„Ergibt sich aus den Jahresabschlüssen der Kasse(OrtSkrankenkasse), daß die Einnahmen derselben zur Deckung ihrer Ausgaben einschließlich der Rücklagen zur Ansammlung und Ergänzung des Reservefonds nicht aus- reichen, so ist entweder unter Berücksichtigung der Vorschriften des § 31 eine Erhöhung der Beiträge oder eine Minderung der Kassen- leistungcn herbeizuführen.* Wenn die Vertretung der Kasse es unterläßt, diese Atänderungen zu beschließen, so hat nach dem Absatz 3 desselben Paragraplxm die höhere Verwaltungsbehörde die Beschlußfassung anzuordnen, und falls dieser Anordnung nicht Folge gegeben wird, ihrerseits die erforderliche Abänderung des Kasseiislatuts von Amts wegen mit rechtsverbindlicher Wirkung zu vollziehen. Und der Absatz 4 besagt dann u. a.:„Wird zur Aus- rechterhaltung oder Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit einer Kasse eine schleunige Vermehrung ihrer Einnahmen oder Verminde- rung ihrer Ausgaben erforderlich, so kann die höhere Verwaltungsbehörde. vorbehaltlich des vorstehend vorgeschriebenen Verfahrens, eine sofortige vorläufige Erhöhung der Beitrage oder Herabsetzung der Leistungen, letztere bis zur gesetzlichen Ätndeslleistung. ver- fügen. Tagegen ist die Beschwerde an die Zentralbehörde zulässig. Dieselbe hat keine aufschiebende Wirkung.* Der Lberpräsident der Provinz Brandenburg und von Berlin machte nun durch eine Verfügung vom April 1904 gegenüler der Berliner OrtStrankcnkass« für da» Töpfergewerbe von der Befugnis aus Abiatz 4 des§ 32 Gebrauch. Er ordnete eine vorläufige Er- höhung der Beiträge an und verfügte toeiter, daß bei Zahlung des Krankengeldes eine dreitägige Karenzzeit innezuhalten sei, was bisher nicht statutarisch vorgeschrieben war. topfiter folgte eine weitere Verfügung aus Gruird des K 33 Absatz 3. daß«ine oronuiigs- mäßig einzuberufende Eleneralversammlung die entivrechcnde Sta« tutenandcrung zu beschließen und zur ordnungsmäßigen Genehmi- gung einzureichen habe.— Die Generalveriammluug der Kasse beschloß nur eine Erhöhung der Beiträge und nahm im übrigen einen Antrag an. vorstellig zu werden, daß von der Jnnehaltung dreier Karenztage bei Zahlung des Krankengeldes abgesehen werden möge. Der Oberpräsident, der im August 1884 davon Kenntnis erhielt, verfügte erst am 8. Januar 1985 gemäß§ 33 Absatz 3 die Aenderung des Statut« dahin, daß eine dreitägige Karenzzeit innc- zuhalten sei. Tie Kasse ljatie aber inzwischen schon Karenztage weiterbezahlt, t-otz der Verfügung gemäß Absatz 4, wonach da« unterbleiben sollte.' Das waren rtlvas über 150 M. Ter Magistrat als Aufsichtsbehörde(oder vielmehr ein Magistratskouunissar) ver- langte vom Vorstand die Rückzahlung des Betrages an die Kasse. Tie Erstattung wurde abgelehnt. Tie Generalversammlung der Kasse, der die Sache unterbreitet wurde, lehnte es ob, die Vorstands- Mitglieder zum Ersatz zu veranlassen. Nunmehr klagte der Magi» slrar im Zivilprozeß gegen die Vorstandsmitglieder, die fragliche Summe, die unrechtmäßig als Krankengeld zuviel gezahlt sei, der Kasse zu erstatten. T»« Landgericht wies den Magistrat ab und legte ihm die Roslen de« Prozesses auf. Ta« Zivilgericht nahm an. daß der beklagt« Vorstand materiell zwar zu Unrecht die Karenz- tage mitbezahlt habe, daß aber ein subjektives Verschulden nicht vorlieg«. Die Vorstandsmitglieder hüten sich befugt halten dürfen, die Karenztage mitzuzählen, weil der Oberpräsident längere-Zeit gar nichts habe von sich hören lassen, nachdem er im August 190' Kenntnis erhalten habe von dem Beschluß der Generalversammlung. vorstellig zu werden, daß er von der Auslage bezüglich der Karenz- tage Abstand nehmen möge. Der Magistrat wollte nunmehr der Kasse die Kosten des Zivil- Prozesse« auferlege«, insgesamt 204 M. Er berief sich auf z 45 Abs. 5 de» Gesetzes, wonach die Aufsichtsbehörde die Befugnisse und Obliegenheiten der Kassenorgtme selbst oder durch von ihr zu be- stellende Vertreter aus Koste« der Kasse wahrnehmen kann, wenn die Organe der Kasse die Erfüllung ihrer gesetzlichen oder statutcn- mäßigen Oblicgenl>eiten verweigern.— Tie Kasse klagte im Per- waltungvftreitvcrsohrrn gegen den Mrigistrat und bestritt, jene Prozeßkosten decken zu müi'en. Ter Bezukoauoschus? wie« jedoch die Klage der Kasse ab. Die von der Kasse eingelegte Berufung vertrat Rechtsanwalt Dr. Herzseld. In längeren Ausführungen legte er dar. daß hier aus verschiedenen Gründen die Boraus- srtzungen für ein Eintreten deS Magistrats aus Grund des§ 45 Zbvsatz 5 gefehlt hätten.— Tas LbcrverwaltungSgcricht bestätigte aber am 5. November das Urteil des Bezirksausschusses. Be- gründend wurde u. a. ausgeführt: Nach dem tz 23 des Gesetzes könne der Obcrvräsident auch ohne Abänderung des Statuts der Kasse verfügen, daß die Karenztage nicht zu bezahlen seien. Dieser Anordnung aus Absatz 4 des tz 33 müsse ohne weitere« Folge ge- leistet werden. Daran ändere die weitere Verfügung, eine General- Versammlung beschließen zu lassen(tz 33 Absatz 3). nichts. Der Befehl auf Grund des ß 32 Absatz 4 blieb bestehen.— Wesentlich sei für de» vorliegenden Prozeß, baß eine Weigerung der Generalversammlung vorlag, gegen den Borstand auf Ersatz des zuviel gezahlten Krankengeldes zu klagen. Dabei sei es bedeutungslos, ob die vorher gestellten Ansorderunaen auf Zurückerstattung deö zuviel ausgezahlten Krankengeldes lediglich von einem dafür nicht zuständigen Kommissar des Magistrats gezeichnet ivaren. Denn der, die Klage gegen den Vorstand ablehnende Beschluß der General- Versammlung sei an sich die unbedingte Weigerung des dafür maßgebenden Organs der Kasse, die obliegende« Berpsltchtungeu zu erfüllen. Damit erlangte nach tz 45 Absatz 5 der Magistrat als Aufsichtsbehörde das Recht, die Klage aus Kosten der Kasse gegen den Vorstand zu erbeben, so daß die Kasse die Prozeßlosten zu tragen habe, denn hier sei der Magistrat an Stelle der Kasse getreten.____ Eine mit Recht verweigerte Arbeit. Der Hausdiener N. verlangt« durch Klage beim Berliner Gc- werbe geri cht 20 M. Lohnentschadtgung wegen unberechtigter End» lassung. Gegen den Anspruch wird vom Vertreter der beklagten Firma AdcrS u. Blumenberg Arbeitsverweigerung geltend gemacht. ES stellt sich heraus, daß die Fenster, deren Reinigung er ver- tocigert hatte, weder zu den AroeitSräumen noch zu den Privat. räumen dcr Beklagten gehörten. Sie definden sich anderweitig in dem Hause, über das die Firma die— Hausverwaltung hat. Die Beklagte wird zur Zahlung verurteilt. In der Begründung wurde ausgeführt: Unstreitig habe Kläger daS Putzen jener Fenster ve» weigert. Wenn auch ein Hausdiener verpflichtet sei. Fenster in den Räumen des Betriebes und eventuell auch in Privatraumcn der irma zu putzen, so handle es fich hier doch gar nicht um solch: äume, sondern um einen Raum in einem Hause, dessen Berwal- tung die Firma zufällig habe. Dort die Reinigung vorzunehmen. habe Kläger keine Pflicht gehabt, und zwar um so weniger, als die Maurer vorher darin waren und viel Schmutz verursacht hatten. Der Kamps um die Ortstraukenkafle i» Nürnberg ist Wied« in ein neue« Stadium getreten. Aus eine Beschwerde hat die Regierung den Mag strat aufgefordert, zu erklären, ob er eine OilSkaiie freiwillig erricdten wolle. Ter Magistrat hat das verneint und da» Gemeindekollegium hat sich diesem Beschlüsse angeschlossen. Bezeichnend sind die Gründe, die in der Debatte für die Ablehnung angeführt wurden. Im Magistrat brachte man lediglich die Ausrede vor, daß es sich nicht empfehle, jetzt die Gemeindelrankeukaffe in eine Ortskrankenkasse umzuwandeln, da«ine reichsgesetzliche Regeluna des Kran!enversichenmgSwesenS in Aussicht stehe. Im Gemeindekollegium dagegen liesi man die Äatze aus dem Sacke. Einer der freisinnigen Hauplführer erllärte die�Äegneisckafl der freisinnigen Partei damit, daß die Verwaltung der Ortskrankenkasse in die Hände der Sozial« demokratie fallen und dieser Gelegenheit bieten würde, 60 bis 7l) ihrer Anhänger zu„versorgen", was dann einen hübschen Stab sozial- demokratischer Agitatoren geben würde. Also: Wollen nicht die Arbeiter sich für de» Freisinn als Stimmvieh gebrauchen lassen. so werden sie mit der schlechtesten Form der Äranlenversicheruiig bestraft! Bayern bleibt demnach selbst in Deutschland mit der Rückständig- keit in der Kraukenversicherung voran. Ist der Sohn nie versicherungspflichtig? Ein Bäckern, eister Cypek beschäftigte längere Zeit seinen Sohn in seinem Betriebe. Er wurde von der Strafkammer in Ratibor zu einer Geldstrafe verin teilt, weil er den Sohn nicht zur Kranken- lasse angemeldet hatte. Das Kammergericht verwarfdie Revision des Angeklagten mit folgender Begründung: Aus tat- sächlichen Erwägungen heraus habe das Landgericht angenonmieu, daß der Meister den jungen Mann nickt deswegen ini Haute behalten habe, weil es sein Sohn sei und er als Vater ihn dock alimentieren müsse, sondern um den Sohn als Lehrling auszubilden. Ohne Rechts- irrtum habe das Landgericht weiter geschlosien, datz darum Kost und Logis als Naturalleistung für die in dem Sohn gkwonneue Hilse anzusehen seien. Somit sei der Sohn kraukenvetsicheruiigspflichlig gewesen und hätte angemeldet werden müssen. JJiis der Frauenbewegung. Schützet die Kinder! Die Kinderarbeit gehört zu den traurigsten Begleiterscheinungen der kapitalistischen Produktionsiveise. Für diese ioehrlosesten aller Proletarier bestehen weder ausreichende Schutzgesetze, noch wird für die Durchführung der bestehenden vom Staate in ausreichendem Maße gesorgt. So bleibt es Aufgabe der klasseiibc>v»tzten Arbeiterschaft, darüber zu wachen, datz nicht Unverstand oder böser Wille Kinder noch über das Maß der gesetzlich zulässigen Ans- bentnng hinaus durch Eriverbsarbcst schädigt, während gleich- zeitig die unzureichende Entlohnung der Kinderarbeit den Er- wachseuen eine unlautere, ihre Lebenslage noch mehr herab- drückende Konkurrenz macht, so datz deren Kampf um bessere Existenzbediiigllngen dadurch gelähmt wird. Zwar ist es znuicist die Not. welche die Eltern antreibt, ihre Kinder gewissenlosen Ausbeuter» zum Opfer zu bringen, aber, wie die Heimarbeit am deutlichsten zeigt, wird durch die Kinderarbeit die Notlage der Erwachsenen nur gesteigert. indem deren Löhne niedriger angesetzt werden, als es ohne Kinderarbeit der Fall sein würde. Und nur, weil das Unter- nehmertum durch die Kinderarbeit in der Lage ist, größeren Profit zu machen, ist das staatliche Verbot jegliche r Er- werbsarbeit der Kinder noch immer nickt Gesetz. Ja. in der Landwirtschaft besteht überhaupt kein gesetzlicher Kinderschutz die Brot- und Fleisckpvncherer haben auch diesen Wucher mit Menschenfleisch als Sonderprivileg vom Staate bewilligt bekommen. Zur Kontrolle, ob die gesetzlichen Bestimmungen über Arbeitszeit und Beschäftigungsart der eigenen und fremden Kinder innegehalten werden, haben die Berliner Genossinnen eine Kommission eingesetzt, welche sich nicht nur um die Uebertretungen des Kinders chutzgesetzes kümmern wird, sondern auch bereit ist. Beschwerden über Mißhandlung von Kindern entgegenzunehmen. Dieser Kommission gehören an: Frau Belger, Zimmerstr. 39, „ Bongerts, Andreasstr. 4t, „ Schreiber. Pücklerstr. 42. vorn 2 Treppen, „ Brodle. Schwedterstr. 80. Hof 4 Treppen, „ Lohse, Oderberger Str. 20, vorn 4 Treppen, „ Rudolf, Müllerstr. 7, Seitenfl. 4 Treppen, „ Gudn, Zorudorser Str. 37. „ Wehl, Lothringer Str. 67 1 Treppe, „ Eyke, Charlottenburg, Eicken-Allee 8, „ Ziuiinerinaun, Plonufer 92, „ Mittag. Nixdorf. Neuterstr. 7t, „ Stock, Grunewald, Wangeuheimstr. 3, „ Morquard. Melchiorstr. 17, „ Marie Rudolph, Müllerstr. 7. Seitenfl. 4 Treppen, „ Helene Nokita, Müllerstr. 126 a/b, „ Malwine Wolf. Wiesenstr. 1, Ouergeb. 3 Treppe», „ Ottilie Pohl. Rostocker Str. 27. Männer- und Franenlöhne in der Industrie. DaI statistische Amt der Stadt München hat dnich eine Enquete die Löhne der gewerblichen Arbeiterschaft zu erlassen gesucht. Es wurden dabei Auskünfte über 30 S38 Arbeiter und 3500 Arbeilerimien erlangt. Die von männlichen Arbeitern verdienten Löhne verteilen sich so, daß von 39 538 Arbeitern pro Woche durchickniltlich hatten 15 bis 20 M: 15.8 P,oz. 20-25 M.: 34 Proz., 2ö-30M.: 84.8 Proz., 30-35 M.: 11,3 Proz.. 35-40 M.: 4 Proz.. 40-45 M.: 6 Proz. Rricklich zwei Driilel hallen also einen dnrchschnililichen Wochen- Verdienst von 20—30 M. Unter 20 M. bleibt etwa die gleiche Zahl zurück, die über 30 M. hinausgeht. Ganz anders die Arbeilerinnen. Von 3529 gewerblich tätigen Frauen verdienien o u r Folg. Zahl verdient Folg. Z ab! verdient Folg. Zahl verdient z.oyiMatz ncbciislcheiid. Lohnsatz nebeiibchend. Lohnsatz in M. 5.0- 7.5 7,5-10,0 10,0—12,5 12.5-15.0 15,0-17.5 17.5-20.0 20.0—22.5 22.5-25.0 als MlndesNohn als DurchschniNSlohn 447 ISöl 1184 40 254 43 12.8 43.2 S4.Ü 1,1 7.2 1,3 0/ /o als tzöchstlobn zusammen 8529 100 Als jährliches Durchschnittseinkommen von 3000 gewerblich tätige» Fronen ergibt sich in 869=- 12 Proz. der Fälle 400-500 M.. in 1 126= 86,5 Proz. 500- 600 M. in 1246= 40,4 Proz. 600-700 M.. in 300= 9,7 Proz 700—800 M. Nur 47<1,4 Proz.) Frauen ver- dienten jährlich mehr als 300 M. Somit bleiben die Franenlöhne in der überragenden Zahl weit hinter dein zurück, was der schlachtest bezahlte ungelernte Arbeiter verdient<15— 2oM. pro Woche) und erreichen mir zu einem winzigen Bruchteil<28-- 0,7 Proz.) die Unterstufe der 20—25 M. pro Woche verdienenden Arbeiter. 72 Proz. von rimd 3800 Arbeiterinnen arbeiten unter Tarif- vertrag. Dabei ist zu berücksichtigen, daß Angaben hauptsächlich für Organisierte vorliegen, ein? Feststellung. die die geringen Lohnsätze »lio doppelt bedauerlich und höchst bezeich/wnd für das erscheinen läht, was autzetholb der Organisationen an Löhnen bezogen wird. Aufhellend in dieser Richtung und beweisend für den Wert von Tariivcrträgen sind die Mitteilungen über Lohnverhältuisie auS der Bürslenindustrie. Dort haben llO Einzieheriimen ohne Tarif WochenlZhne zwischen 6 und 15 M., dagegen sieht ein Tarif2ä im Ncstanrant von 3—6 Uhr. Familien- Sterbekasse Pletschmann. Heute! Zahltag mid Aus- nähme neuer Mitglieder bei Raiss. NO., Huselandstr. 5, von 10-12 Uhr. Freie Jngendorgaulsation Berlin. Abt. Llchtenberg-RnmiiielSburg: Heute nachiniitag 3 Uhr bei Letzpsand, Gorlheslr. 9: Versammlung.— Abt. Weitzensee: Heute nachmittag 6 Uhr bei Slotzkups, Köuig-Chaussee 38: Unterhaltmigsabeiw. Berein der polnischen Sozialdemokraten<°v. P. 3.). Sonntag. den 8. November, nachnüllags 4 Mir, sindei im Lokal WischnieivSki, Löive- stratze 2f, eine Mtgliederoersaminlung statt. Aus der Tagesordnung steht ein Vortrag des Genossen B l o t h. Oberschlesien über„?!atlonalpolen und Soziatdemolralle-. Polen, welche Mitglieder werden wollen, haben Zutritt. Demsche Genossen werden gebeten, polnische Arbeiter hieraus ausmertsaM zu viachen. fä Seliuhvaren' Fabrik BürfJ Magdeburg Achten Sie bitte recht genau auf unsere volle Firma, um Verwechselungen mit ähnlich lautender zu vermeiden! o, Splttelmarkt 19. C., Rosenthaler Straße 14, w., Poltdamer Straße Wir bitten gonan CQ aoi dieilausnummor" Ja W,, IcbillstraBa 18. I .?| W., 7 urwstraBe 41, 1 I illrinsieave»>, llckenburger vtralle. HA., Wilsnackar Straße 22. NW., Beusaelstraße 29. ff., Frledrlehttraße 127, sobrSg enüber iOranienburgentr. N., MUllmtraße 3. N.,«einlckemlcrter Strafe N., Brunnen.traOe 87. Wir bitten genau auf! die HauHnummer' zu achten H.j Oenrljer Straße I. 23. 0., Andreasstraße SO. Wir bitten genau Cfl zu auf diellauBnummei»Wachten. v., Frankfurter Allee 129, SO., Oranienslraße 32, zwiechen Oranienplatz»ad Adalbertstraße. SO., Oranienetraßa 2a, omnlttelbar an der Hochbahn. etation Orariieustraße. 80., Wrangeletraße 49. SW., Frledrichstraße 240—241, am HaUeechen Tor. CharJottonhnrjf i nur Wilmersdorfer Straße 122-123. Klxtlort i Bergstraße 80 31. Potsdam: Brandenburger Straße 54. 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Anfang November sind es 25 Jahre, seitdem G. Plechanows Broschüre»Sozialismus und politischer Stampf"— das erste Wert der ersten russischen sozialdemotratischen Organisation— der Gruppe der„Befreiung der Arbeit", das Licht der Welt erblickte. Diese Gruppe, die im Jahre 1883 begründet wurde und aus Paul Axelrod. Leo Deutsch, Wera Sassulitsch, Wassili Jgnatow und Georg Plcchanow bestand, war die Stammutter der sozialdcmokra- tischen Bewegung in Rußlaud, deren Führer sämtlich an ihrer Literatur erwuchsen. Als vor 2b Jahren die russischen Sozialdemokraten zum ersten Male ihre Stimme erhoben, stand ihnen ein ganzer Berg traditio- neller Vorurteile im Wege, die aus der sozialpolitischen Rück- ständigkcit RustlandS entsprossen und durch heroischen Kampf ge- heiligt waren. Es bestanden zwei revolutionäre Organisationen die sich nach der Auflösung der Vereinigung»Scinlsa i Wolja" gebildet hatten: die Organisationen»Tscherny Peredel" und »Narodnaja Wolja". Beide Organisationen waren sozialistisch. Allein während die eine.„Tscherny Peredel", den sozialistischen Kamps ohne.Politik", ja mit direkter Ablehnung derselben, als einer„bourgeoisen" Angelegenheit wollte, konzentrierte die andere, »Narodnaja Wolja", ihre gesamte Tätigkeit auf dem politischen Kampf und vernachlässigte tatsächlich die sozialistische Arbeit gänz« lich, die sie auf einen Zeitpunkt hinausschob, da die Besitzergreifung der Staatsgewalt durch ein Häuflein kühner Verschwörer und Terra- risten die Möglichkeit geben würde, die gesawte politische und soziale Ordnung von Grund aus zu reformieren. Sozialisinus ohne Politik und Politik ohne Sozialismus— daö war die da- malige Lage der Tiilge im revolutionären Lager. Diese Scheidung von Politik und Sozialismus war unauSbleib lich bei der Grundlage, aus der die russischen revolutionären Or ganisationen standen und ihre Tätigkeit entfalteten. Der Geist beider revolutionären Orgaiüsationen wurde uneingeschränkt vom russischen Tors beherrscht, das, soeben erst von der Leibeigenschaft befreit, unter dem doppelten Druck dcS aufwärtsstrebenden Kapita- lismuS und der asiatischen politischen Ordnung, die diese kapita- listische Entwickelung im Dorfe in eine allgemeine Verarmung ver- wandelte, bereits bei lebendem Leibe in Verwesung überging. DaS in der Entwickelung begriffene Proletariat hatte das Band noch nicht zerrissen, daö cS mit dem Dorfe verband. Die Bourgeoisie, hin- gerissen von den Orgien des Gründertums und der ursprünglichen Akkumulation, war politisch tot. Dagegen traten liberal hervor der kleine und der mittlere Adel, deren Existenzbedingungen dank dem Eindringen des Kapitals in daS Dorf untergraben waren. Unter diesen Bedingungen schien es der russischen revolutionären Intelligenz, die auS den Reihen deS adligen Kleingrundbesitzes. der Dorfgcistlichkcit, des niederen Beamtentums und dcS patriarcha- lichen SpiestlmrgertumS hervorgegangen war, dast das Proletariat nur ein.Geschwür" am Volkskörper, eine unglückliche Folge deS »künstlich grostgezüchtetcn" Kapitalismus, die Bourgeoisie bloss ein Häuflein dörflicher Aufkäufer und Wucherer, und der russische Kapitalismus selber ein»totgeborenes" Kind fei. Die Intelligenz war der Ansicht, dass Rußland„ein besonderer Entwickelnngsgang" bevorstehe, daß das Dorf mit seinen angeblich kominunistischen An- sätzen in Gestalt der Dorfgemeinde das russische Reich unter Ueber- springen des Kapitalismus aus der asiatischen Barbarei direkt in daS Reich des Sozialismus hinüberführen werde. Auf diesem Boden entstand eine eigenartige revolutionäre Lehre, in der die Theorien des alten Slawophilentums mit Bruchstücken der ökono- mischen Lehre von Marx, deS utopischen Sozialismus, des baku- nistischen Anarchismus und den Traditionen des französischen 'BlanquismuS eng verschlungen waren. Mit allen diesen Vorurteilen, die noch heut« Traditionen sind. die immer wieder in neuen Formen auftauchen, mußten die ersten russischen Sozialdemokraten, die aus der Gruppe»Tscherny Peredel" hervorgegangen waren, den Kampf aufnehmen. DaS Verständnis der Notwendigkeit einer Massenbewegung machte eS dieser Gruppe leichter, kritische Arbeit zu verrichten, als der Verschwörer-Organisation»Narodnaja Wolja". Die kritische Arbeit wurde aber notwendig, als zu Beginn der achtziger Jahre deutlich hervortrat, daß der sozialistische Kamps des»Tscherny Peredel" auf unüberwindbare politische Hindernisse stieß, während der poli- tische Kampf der»Narodnaja Wolja" dank dem Fehlen einer Massenbewegung Schisfbruch erlitt. Die Notwendigkeit, den poli- tischen Kampf mit einer Massenbewegung zu vereinigen, oder mit anderen Worten— die Verwandlung der politischen Bewegung in eine Massenbewegung—, das war der Ausgangspunkt dieser kri- tischen Arbeit. Und wie in anderen Ländern, so führte auch in Rußland die Lösung der Frage über die Wechselbeziehungen zwischen vom Hoffmann und vom Hol— mann. Giordano von Kröcher, ich grüße Dich? Ich grüße Dich mit dem ehrfurchtsvollen Gruße, den das pauvre Obiett der Gesetz- aebung dem S u b j e kt sder Gesetzgebung nämlich) schuldet. Und ich grüße Dich mit dem Gruße, der dem verkannten Genie gebührt. Giordano von Kröcher, ich bitte Dich, mich nicht zu unter. brechen oder zur Ordnung zu rufen; denn Du bist e,n Geniel Würden sonst Deine erhabenen Ideen von den Zcit-.,Gcnossen" so gründlich mißverstanden werden, wie in allen Kulturepochen immer nur die Ideen der Edelsten und Besten aller Nationen? Ich erinnere Dich an verkannte Genies wie Tvrquemada. ArbucS und die späteren Edclinge der heiligen Inquisition, die unter Papst Clemens— zu deutsch: dem Gnadenreichen— ja auch Deinem Namensvetter Giordano so gründlich heimgeleuchtet haben. Ungefähr wie Du dem Ketzer Adolf Hvffmann. Allerding» verzichtetest Du darauf, den Diätcnkerl aus dem Scheiterhaufen knusprig zu braten. Auch hast Du ihm nicht den Lockcnkopf mit dem Fallbeil heruntcrgekröchert; denn das hätte Dir vielleicht dock, der eine oder der andere Staatsanwalt übelgenonmicn. Aber mit der G e s ch ä f t S o r d n u n g S- Guillotine hast Du ihm, wenn auch nicht den Lebens-, so doch den Redefaden so schneidig ab- geknipst, daß er 48 Stunden Zeit brauchte, um im Fccn-Pnlasi— hundert Schritt vom Palast Wilhelm ll. entfernt— auS seiner Betäubung zu erwachen. Fürwahr, Giordano von Kröcker, Deine Genialität wird ver» kanntl Und so will ich Dir denn aus Dankbarkeit für die unschötz. baren Dienste, die Du der Sozialdcnwkratie stets geleistet hast und weiter leistest, mit Vergnügen verraten, weshalb Dein Genie verkannt wird, weshalb es verkannt werden muh. Glaub mir, mein lieber, starker Mann: Du stehst nicht am richtigen Platzt Bei Eröffnung und bei Schluß des Parlaments cm Hoch auf den König von Preußen ausbringen— das kann Lehmanns Kutscher auch. Die Präsidentenglocke schwin- gen. daß selbst Fischbcck auf zwei Minuten auS seinem berühmten Parkamcntöschlaf emporschreckt. das macht der erste beste Vollefchc Milchjungr ebenso gut wie Du. Die geschäftlichen Mitteilungen hernnterbrobbeln wie ein hcbräikches Nachtnebct, dafür ist Deine junkerliche Ostelbicrkraft dock wirklich zu schade. Und waS daS schlimmste ist: wie selten wird Dir Gelegenheit, Deine Force zu zeigen! Nickst jeden Tag kannst Du einen edlen und er- lauchtcn Herrn»zur Sache" oder„zur Ordnung" rufen. Nur alle Jubeljahre mal blüht Dir das hohe Glück, einen Adolf Soffmann an seiner empfindlichsten Stelle zu beschneiden. s Sozialismus und politischem Kampf die Sozialisten auf den Weg j der internationalen Sozialdemokratie. Das Finden dieses Weges wurde den Mitgliedern des„Tsckiernh Peredel" noch erleichtert durch den Umstand, daß sie, auS ihren Positionen im Dorfe verdrängt, bereits zu Ende der siebziger Jahre sich genötigt sahen, einen bedeutenden Teil ihrer Kräfte in der Stadt zu konzciitricrcn. Dort aber stießen sie, die Anhänger der Massenbewegung, gerade in jenem Zeitpunkt auf das Proletariat, als dieses sich in großen Streiks zu regen begann. Dank diesem Umstände verwandelte sich die Praxis der Mitglieder des„Tscherny Peredel", nach den Worten P. Axelrods, während sie in der baku- nistischen Weltanschauung steckte, zu drei Vierteln in eine sozial- demokratische. Auch hier hieß es:„Im Anfang war die Tat." Zu- gleich drangen aber auch in ihre Weltanschauung sozialdemokratische Elemente ein. Das ließen z. B. die Artikel von G. Plechanow in der Zeitung„Tscherny Peredel" deutlich erkennen. Wie bereits erwähnt, mußten die Gründer der Gruppe der „Befreiung der Arbeit", ehe sie endgültig den Weg der Sozial- demokratie betraten, einen ganzen Berg von Vorurteilen aus dem Weg räumen und die herrschende Theorie und Praxis der Revo- lntion einer gründlichen Revision unterwerfen. Zugleich mit der Prüfung der Frage über die Beziehungen zwischen Sozialismus und Politik mußte auch die Frage über die Methode des politischen Kampfes revidiert, die Verschworcrtattik verworfen und der poli- tische Kampf als Masscnkanips anerkannt werden. Und dann aalt es zu erkennen, wo in Rußland VolkSmasscn vorhanden seien, die an die Spitze des Freiheitskampfes treten konnten. Es mußte der Beweis erbracht werden, daß nicht das Bauerntum, sondern das Proletariat diese führende Rolle spielen werde. Um aber berech- tigt zu sein, dem Proletariat eine solche Stellung einzuräumen, mußte die Existenz des Proletariats als Klasse als historisch be- ceckstigt erwiesen werden. Das hieß: den russischen Kapitalismus nicht als eine fremde,»künstlich gezüchtete",„totg.borenc" Er- scheinung darzustellen, sondern als ein unvermeidliches Produkt der vorhergegangenen und als eine notwendige Phase der weiteren sozialökonomischen Entwickelung Rußlands nachweisen. Eine solche Erkenntnis verlangte aber einen schroffen Bruch mit der»subjck- tivcn" Soziologie und der lubjektiv-idcalistischen Philosophie, die der bisherigen revolutionären Ideologie zugrunde lagen. Ockonomik. Politik, Taktik, Soziologie. Philosophie, alles mußte einer gründ- lichen Revision unterworfen werden. Jetzt, nach einer 25 jährigen Entwickelung, haben die Tatsachen die Nichtigkeit der kritischen Analyse glänzend erwiesen, die von der Gruppe der„Befreiung der Arbeit" vorgenommen wurde. Allein damals und noch lange Jahre hindurch bis zum Ende der nenn- ziger Jahre, war eine unermüdliche kritische und polemische Arbeit der Sozialdemokratie, waren endlose Streitigkeiten über die »Schicksale des russischen Kapitalismus" notwendig, um zu be- weisen, daß dieser Kapitalismus und die von ihm ins Leben ge- cufene Arbeiterklasse natürliche Eijckieinungen der russischen Wirk- licksteit waren; daß die künftige Revolution nach ihrem sozialen Inhalt keine andere sein könne, als eine bourgeoise Revolution; daß der Sozialismus in Rußland bloß als proletarischer Sozialis- muS denkbar sei; daß endlich der politische Kampf und infolgedessen bei den gegebenen Bedingungen die Herrschaft der Bourgeoisie und die freie Entwickelung der bürgerlichen Gesellschaft eine notwendige und progressive Etappe im Kampf für den Sozialismus sei. Dies alles widersprach damals, vor 25 Jahren, so sehr allen traditionellen Anschauungen über Rußland, daß selbst westeuropäische Sozial- dcmokratcn bei weitem nicht immer genügend Verständnis für die Tätigkeit der russischen Sozialdemokratie zeigten: so sehr hatte sich. beimißt oder unbewußt, die allgemeine Uebcrzcugung eingebürgert, daß Rußland ein„besonderes" Land sei. für welches die Gesetze der „profanen" Länder nicht existierten. Um diese grandiose kritische und schöpferische Arbeit zu voll- bringen, um in den schwachen Ansähen der damaligen kapitalistischen Entwickelung Rußlands ihre künstigen Schicksale und die Klassen- beziehungen, die auf ihrem Boden entstehen würden, voraus- zuahnen; um die Grundfesten der damals herrsckienden Weltanschauung niederzuwerfen; mit einem Wort, um den Boden vorzu- bereiten für die Entstehung und die Tätigkeit der Sozialdemokratie in Rußland, bedurfte es einer zuverlässigen geistigen Waffe, und diese Waffe fand die Gruppe der„Wesrciung der Arbeit" im Marxismus. Man mußte aber diese Waffe nicht bloß einfach zu führen verstehen, man mußte sie meisterhaft beherrschen, um die auf der Tagesordnung stehenden grandiosen Aufgaben zu be- wältigen und die marxistische Methode in den zurückgebliebenen sozialpolitischen Bedingungen Rußlands anwenden zu können. T>aS ist der Grund, daß die Gruppe der»Besreiuna der Arbeit" nicht nur die Stammutter der russischen Sozialdemokratie wurde, sondern auch bald eine angesehene Stellung im internationalen Marxismus einnahm. Unter ihrem unmittelbaren Einfluß ent- Darum bleibe ich dabei: Giordano von Kröchers Königreich muß größer sein. Er gehört an einen Platz, auf dem ihm die Möglichkeit geboten ist, täglich und stündlich, ja minütlich und Sekündlich zur Sache und zur Ordnung zu rufen, an einen Zlatz, auf dem er zugleich der Menschheit hervorragende Dienste leistet, wenn er energisch, konsequent, nachdrücklich daö Wort ent- zieht: je öfter, desto besser. Nehmen wir an, Giordano von Kröcher wird Kanzler und Obcrvormund bei Ferdinand von Bulgarien. Jordanowitsch(so heißt jetzt unser Freund) ist zur Audienz befohlen. Mit unter- tänigem Schauer naht er sich dem neuen Thronsessel, auf den— nebenbei bemerkt— Nante, der junge Zar, erst 2 Frank und 3 Centimes angezahlt hat. Ter erhabene Herrscher ist in mit- tcilsamer Stimmung. Sein fürstliches Auge und Sein Koburgcr Röschen funkelt. Herablassend winkt Er Jordanoivitsch zu Sich heran und dem Gehege Seiner Zähne(für die Er dem Zahnarzt auch noch WO Frank schuldet) enislattern die majestätischen Worte: »Ich habe Mich gestern von einem russischen Privatmann intcr- viewen lassen und—" „Majestät verzeihen, daß ich zu unterbrechen wage, aber in der kritischen Situation, die wir gegenwärtig.. »Papperlapapp! Sie müssen doch erst hören, was Ich durch den Mann heute in russischen Zeitungen veröffentlichen lasse. Also: Ich erzählte ihm, daß während dcS ruistsch.japanijchen Kriege« die Türken und die Oesterreichcr zusammen mit Bugarien in Rußland einsallen wollten und daß Ich der russischen Regierung von dieser Anregung brühwarm Mitteilung gemacht habe.' „Alicr Sire! durch solche Indiskretionen entfremden wir uns doch unsere Freunde! Unsere Bundesgenossen verlieren alle Lust, uns jemals inS Vertraue» zu ziehen und was das Schlimmste ist: wie leicht können wir in einen Krieg verwickelt werdcnl" „Meinen Sie wirklich, lieber Jordanowitsch? Ja, an all' das, was Sie da sagen, habe Ich in der Tat nicht gedacht. Als Ich noch in dem östcrreiebischcn Husareiiccgimcnt diente..." „Majestät gestatten wohl, daß ich Majestät zur Sache bitte." »Aber bester Jordanowitsch: Ich spreche doch zur Sache!" Jordanowitsch(für sich):„Wenn ich noch Präsident des preu- ßifchen Abgeordnetenhauses wäre, müßte ich solche unverschämte Kritik an meiner Geschäftsführung mit einem strammen Ordnungsruf bestrafen."(Laut):„Ich erlaube mir, untertänigst zu be» merken, daß Majestät doch niitleilcn wollten, waS Sie dem russischen Privatmann sonst noch gesagt haben." „Äch ja nchtigl Ich besinne Mich. Na, Ich habe dem Menschen gesagt, daß Ich stet» treu zu Nikolaus hielt und halte, daß Ich im Laufe des großen Krieges einen FcldzugSplan für Rußland ausgearbeitet habe und daß Japan ganz sicher besiegt worden wäre, wenn Rußland Meinen Plan benutzt hätte, statt ihn in den Archiven von St. Petersburg modern zu lassen, bi» er durch die staunende Nachwelt dereinst ans Licht gezogen wird." wickelte sich die sozialistische Bewegung innerhalb der verschiedenen Nationalitäten, die zum russischen Reich gehören(der Polen, Juden, Litauer. Letten, Esten, Georgier, Armenier. Tataren usw.) unb in den Staaten, die zur Einflußsphäre der russischen Kultur gehören(Serbien. Bulgarien, Rumänien, gegenwärtig— Persien). Auf internationalen Kongressen, in der Literatur standen und stehen sie heute in den ersten Reihen im Kampfe für den Marxis- mus gegen den russischen und internal ionatcn„Revisionismus", weiche Färbung er auch trägt--- die reformistische oder die an- archistische. Auf die Arbeit der verflossenen 25 Jahre zurückschallend, können die Mitglieder der Gruppe der„Befreiung der Arbeit" mit Recht stolz sein auf die erzielten Resultate. Die Gruppe hat sich dabei nicht auf theoretische und propagandistische Arbeit allein beschränkt. Alle ihre Mitglieder nahmen stets hervorragenden Anteil an der Begründung und Leitung der Kampforaane der russischen sozial- demokratischen Partei(wie z. B. der„Jskra" und„Sarja"), an den Arbeiten der Parteikongresse und der Lösung der praktischen Auf- gaben der Bctvegung innerhalb und außerhalb Rußlands. Und heute stehen ihre Mitglieder(mit Ausnahme des im Jahre 1883 verstorbenen W. Jgnatowitsch) an der Spitze der sogenannten „menschewistischen" Fraktion der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands, und P. Axelrod und G. Plcchanow sind Mitglieder der Redaktion und Leiter des Organs dieser Fraktion—„Golos Svzialdemokrata". Die praktische und theoretische Bedeutung der Tätigkeit der Gruppe der»Befreiung der Arbeit" gestaltet das Jubiläum zu einem stolzen Gedenktag nicht nur der russischen, sondern auch der internationalen Sozialdemokratie. Einem Kolumbus ähnlich war die Gruppe ausgezogen, eine neue Welt für den internationalen Sozialismus zu erschließen; diese Welt war Rußland. T h. Dahn. Soziales. Wider die guten Sitten verstoßender Vertrag. Herr Danter als Inhaber eines Malateliers in der Kottbufer Straße 0 schließt Verträge ab, durch die er sich verpflichtet, den Kontrahenten als„Porträtmaler für Photographie" auszubilden. und zwar in 14 Tagen für ein Lehrgeld von 30 Mark. Herr P., ein noch junger Mann, war einen derartigen Vertrag eingegangen. Nach fünf Tagen kam man wieder auseinander. P. klagte beim Gcwerbcgcricht auf Zurückzahlung de» Lehrgeldes von 30 Mark. Tie Angelegenheit beschäftigte die 8. Kammer unter Borsitz des MagistratsasscssorS Schultz. Seine erste Frage ging dahin, ob eS denn überhaupt möglich sei, jememden, der keine Vorkenntnisse habe, in 14 Tagen daö Ausmalen(Vervollständigen) jener bekannten tohlezeichiinngSähnlichen Printen(mechanische Vergrößerungen nach Photographien) beizubringen? Der Beklagte behauptete, das sei möglich. Er habe schon Schüler gehabt, die es in noch weniger als 14 Tagen gplernt hätten. Es handle sich im wesentlichen nur darum, die Technik zu lernqn. Photographische Vergrößerungen würden nur retouchiert und auSgejlcckt.—„Was waren Sie vor- her?" fragt der Vorsitzenoe dann den Kläger. Ttejer erklärt, daß er in einem Stoffgeschäft Muster geklebt habe. Der Beklagte will sich nun darauf licrufen, daß Kläger doch ihm gesagt hätte, er habe schon in einer Kunstanstalt gearbeitet.— Ja. sagt der Slläsger, früher habe er zwei Jahre bei Klitscher gearbeitet, wo die Vergröße» rungen mechanisch lzergestcllt würden. Da würde doch aber nichttz ausgemalt.— Das Gericht verurteilte den Beklagten, an � i Kläger 30 M. Lehrgeld zurückzuzahlen. Einstimmig stellte sich das Gericht, wie der Vorsitzende bei der Urteilsverkündung hervorhob, auf den Standpunkt, daß hier§ 138 Abs. 2 des Bürgerlichen Gesetzbuchs Platz greise. Im Absatz 1 bestimmt der Paragraph, daß Rechtsgeschäfte, die gegen die guten Sitten verstoßen, nichtig seien. und Absatz 2 besagt dann:„Nichtig ist insbesondere ein NechtS- geschäst, durch das jemand unter Ausbeutung der Notlage, deS Leichtsinns oder der Unerfahrenheit eines anderen sich oder einem Dritten für eine Leistung BermögenSvorteile versprechen oder ge- währen läßt, welche den Wert der Leistung dergestalt übersteigen. daß den Umständen nach die BermögenSvorteile in aufsälligem Mißverhältnis zu der Leistung stehe." Von einer Notlage, so wurde begründend ausgeführt, könne ja hier nicht die Rede sein, wohl aber von einer Unerfahrenheit des Klägers. Mit diesem Manne ohne jogliche Unkenntnisse sei ein Vertrag geschloffen worden, wonach er gegen eine verhältnismäßig hohe Entschädigung in 14 Tagen für einen Beruf ausgebildet lverdcn sollte, den in 14 Tagen nur ein Mensch lernen könne, der Vorkenntnisse mitbringe. Offenbar habe eS sich für den Beklagten nur darum gehandelt, um mit leichter Mühe ein Lehrgeld zu erzielen. �• „Um GottcSwillenl um Gotteswillen!! Majestät! Majestät!! Wir machen uns ja unmöglich! Weiß doch alle Welt, daß Sie nach Beendigung des Krieges dem siegreichen Mikado ein langes Glück- wunschielegramm und feinen Feldherren Oyama, Nogi und Kuroki den Alexanderorden am gelben Bande geschickt haben!" „Nun, mein teuerer Jordanowitsch, das ist doch mal nicht anders! Sie fanden ja auch nichts dabei, daß Ich letzten Montag. 24 Stunden vor der amerikanischen Präsidentenwahl, eine Ermunte- rungsdcpesche an den Demokraten Bryan, und Mittwoch ein Glück» wunschtelegramm an den republikanischen Sieger Taft gekabelt habe!" Jordanowitsch rauft sich die Haare auS:„Davon weiß ich doch kein Sterbenswörtchen!" „Eooo? Habe Ich Ihnen nicht die Entwürfe der beiden Tele- gramme zugesandt?!" „Wie, MKjcstät? Montag——» Mittwoch—— die beiden Handschreiben-- daS waren die Entwürfe? Ja, allerdings— um Verzeihung, die habe ich ungelcfen ans Ministerium deS Aeußeren weilergegpben.. (Große Kunstpause.) Jordanowitsch rafft sich auf. Er schlägt die Hacken zusammen und bittet um seinen Abschied. „Aber Jordanowitsch! was fällt Ihnen ein? Ich soll Sie gehen lassen? Wo kriege Ich so schnell einen anderen mit einem so schönen breiten Buckel her? Und glauben Sie, daß der Neue allo meine Handschreiben. Artikel, Notizen, Entwürfe, Mitteilungen lesen wurde? Nein. Sie bleiben!" Jordanowitsch bleibt. „Ich werde Sie bei der nächstbesten Gelegenheit zum Herzog befördern!" „Sire, ich danke �hnen. Aber ich knüpfe an mein Verbietben eine Bedingung: Maicstät müssen in Zukunft weniger schreiben, weniger telegraphieren, wenjger reden, weniger....." „Jordanolvitschl Jordanowitsch!l Ich folge doch nur.. Jordanowitsch stopft sich beide Ohren zu:„Majestätlll Halten Sie eint Do ich Ihnen nicht das Wort entziehen kann, so will ich. so darf ich nichts gehört haben. Gestatten Majestät, daß ich mich für heute empfehle......" Möglich, daß Jordanowitsch sich weigert, als Kanzler und Obcrvormund zu Nant-e zu gehen. Etwa weil ihm Sofia zu weit südöstlich von der teuren EU« liegt. Oder weil in Bulgarien die Erbschaftssteuer zu hoch ist. Oder aus sonst einem feudalen Grunde. WaS dann?— Dann könnte Jordanowitsch oder ein ihm Kon- genialer vielleicht anderwärts entsprechende Verwendung finden. »Eirgl. ftm den Jnoal» der Inserate Übernimmt die Redaktion dem Pndlttnm gegenüber keinerlei Verantwortung. UKeater. (Siehe Wochen» Spielplan.) Tormtag, den S. November. Freie Volksbühne. Nachmittags 3Ubr: ll. Abteilung im Neuen Schauspielhause: Die Kinder der Exzellenz. Montag, den S. November. 18.(II.) Abendabietlung: abends 8 Übt im Neuen Schauspielhause: Julius Caesar. Neue Freie Volksbühne. Nach. mittags 2'/z Uhr im Deutschen Theater: Kettenglieder; in den Kammerspielen: Frühlings Er- wachen; nachmittags 3 Uhr: im Neuen Theater: Jahrmarli in Pulsnitz; im Neuen Operetten- Theater: Der Opernball; im Schiller-Theater 0.: Der rote Leutnant; im Schiller» Theater Charlottenburg: Götz von Berti- chingen; im Friedrich-Wühelm- städtischen Schauspielhause: Die Nibeluiigen; im Hebbel-Theater: Cyprieune.— Die Stärkere; im Berliner Theater: Mclcadet. Hebbel-'nieQter KZniggrätzer Str. 57/58. Ans. 8 Uhr: Der Liebhaber. IerUner 7keater. Uaelun. 3 Oirr: bleroallvd. L.Iionäs 8 Hirr: vor VeikKenkresser Neues Theater. Abends 8 Uhr: Walirliclt. Lustspiel in 4 Akten von Ctyde Fitch. Morgen und solgende Tage: Kleines Thealer. ZlbendZ 8 Ubr: Musik. Montag: Musik._ Residenz-Ttiealer. — Direktion: Richard Alexander.— Abend? 8 Uhr: „Kümmere Dicii um Amelie." Schwank in drei Alten(vier Bildern) von Georges Feydcau. Morgen u. solg. Tage: Kümmere Dich um Ainrlie. Sonntag, den 8. November, nach- Mittags 3 Uhr: V'vi-i'«?«»). Sonntag, 15. Nov., nachm. 3 Uhr: Haben Dir nichts zu verzogen? A>vu«b Opcpcttcn-TIionter. Schifsbauerdamm 25, a. d. Luisciiilr. Nachm. 3 Uhr: l»vp«»poradnll. Abends 8 Uhr: vi« voll» pp»'» 1 1». Idealer des Aesleoz. Allabendlich 8 Uhr: vv« fldcle Hauer. Sonntag nachm. 31/. Uhr zu halben Preisen: Die lustige Witwe. l.ui8sn-llikg!er. Nachmittags 3 Uhr: Abends 8 Uhr: Eine tolle Nacht. Montag: Freiheit. Dienstag: Eine tolle Nacht. Mittwoch: Die Ehre. Donnerstag: Die Ehre. tteilag: Eine tolle Nacht. onnabend nachm. 4 Uhr: Aschen- Irödet. Abends: Eine tolle Nacht. Nachm. 3 Uhr: Die blaue MauS. Abends 8 Uhr: Die Tür ins Freie. Friedrich-Wütielmstädtisches Schauspielhaus. Sonntag, 8. November, nachm. 8 Uhr» Kriemhilds Rache. StbcndS 8 Uhr: Alls ich wiederkam. Montag: Grostmama._ ERNWRÖtfim Gr. Franlturler Str. 132. Gastsp. Jakoba Heustler: Die Jungfrau von Orleans. Ansang 8 Uhr. SonnlagSpreise. Nachm. 3 Uhr halbe Preise: Das Kaihchen von Heilbron«. Weinnergsmeg 19/20, Hoscnih. Tor Heute 2 Vorstellungen. Nachmilt. 3>/, Uhr: Kleine Preise. Jeder Besucher ein K i n d s r e i. und abends K Uhr: DaS neue Novdr.-Programm. pel-lkinam.seinenlivlieren u. die ilbrigen Gala-Spezialitäten. Im Tunnel Negimciilslapellen?c. Theaterbesucher Hab. freien Eintritt. Vrissensaiinsdliaiiss T'ttssisr. laubsnsrralZs 48/49. L.bsn6s 8 Uhr: ver iflonthlnne. Montag 8 Uhr: Bulgarien, Land und Leute, Prof. Dr. Kallner. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. P. Kathgen: Die atmosphärische Luft und ihre Verflüssigung. Heute Sonntag; Df Eintritt: r 1. Kinder unt. lOJahren d Hallte. Ab nachmittags 4 Uhr: Gr. Militär-Konzerl. Morgen sowie täglich: Gr. Uilltilr• Konzert. Passage-Panoptikum. Obne Extra-Entree Z Lebend I DaS Lebend I Bäreuweiv. Simpson der lebende AmboS der Mann mit dem Steinkörper. Neapolitanische Briganlen. Panophon-Vorträge: Al«x»ii0. ?rr Glockrilguß;u Krtslau. Histol isches Schauspiel in. Melodramen. Ans. d. Konzerts«. d. Vorst. 7 Uhr. Enlree 4« Ps. Nach der Vorstellung: Danz. Monlag zum letztenmal: Der Glockengusi zu Breslau. Dienplag: Frau Zors Rache« O.(Wallner-Theater.) Sonntag, nawm 3 Ubr: t>«r r«t« I.cntnant. Schauspiel in 3 Alten v. Ed. Goldbelk und H. Kienzl. Zonnlog. adenoS b Udr: ver«chnqrzc Kavalier. Ein deulschcs Spiel in 3 Allen von Helmich Liilelisein. Montag, abend» 8 U h l> 3» I i n>» Cilsar. Dienstag, abends 8 Nhtt Kahale lind l iehe. Schiller-Tdeater Charlottenburg. Sonntag, n a.eellungen A � Nachmittag» auf allen Sitzplätzen ein Kind frei. In beiden Vorstellungen nachmittags und abends: %nT«r«parn,,ü Der Bebende Kreisel mona. ncmicret. Direkt aus Amerika I Möns. Macartös Baboont U. n.: Noch nie dagowesen: Alfen als Kunstradfahrer, Chauffeure, Jong> teure und Schellenspieler. 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Jeden Sonntag: in den vorderen Prachtsalsn: Gr. hnniorlsl.-muHlliallache Solree. : Entree frei! 1 Im groOos Prachtsaal: KöVSMcr-Bflll. mu's�h'An* S�Uhr jeden Montag: Lusligsr&b9nd der ddclen Spatzen. Direktion; F. Schneider-Bolly u. C. Rcising. Spezlal-Aasscbani Berlin* Polsdamerstr. 127-128 Ecke Eichlisrastrafle, nah» Potsdamer Platz Mönehen-Vorzügl. Oche z. klein Preis- Diners I M-Vereinszimni fy L 1 If Schcnwevflrdl gh el t|�| er»!«» Ka n g e» I tracht-Säle des Kordens •m .HUItertitr. 148.(l*h«rna Säle) Gustav ßraunort Honte ß. Dell Anfang Im Restaurant; Jeden H|H Sonntag*"• Dulli 4 uhr. Urcikonzcrt. Mittwoch: ww VorMtclInng der 8proe- Athener. Sil« bis 2000 Per». tu Festlichkeiten und Versammlungen. 2635b' Inh.: Vehr. Arnhnifl. frankrurter ChaiiMtx-e 5 (früher 120). Stadtbahnstalion......."""" Feraspreeher Franklurter, Allee. Jeden Sonntag i frlednehsbergNoB Große Tanz-Kennion. „VoIkslieim'S Spandau, naveistr. 20. 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Lssnno-I'kvatsp Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. 8 Ubr: Botet Ftiinledter. S'/j Ubr: Das November-Programm. Original Oledrich Ulpts usw. S't, Uhr: „Die Dianabäder". Sonntag 4 Uhr: Beezeiigasge Ba, Abends 8 Udr: Debüts der neuen Rttrattionen. U. a.: Blegwart Gante», Humorist. Gibsy-Wooli mit ihren.Six Sunbeams*. Miß Oianda. Dressur-All. Ein Beitrag zur Darwinsche» Eutw'ckelungSiehre. VJSO. Unter persönlicher l-eitung des Komponisten l Burleske. Musik v. I'uut Ulncke. ThealerFoiiesCaprice Linieuilr. 132. Durchschlagender Vrknlg! Die lästige Witwe» l>le llrautMOhnn, Neu: GrDneckar als Verteidiger in Strafsachen. Sorvtrf.D. IO-2a d Kasse, b Wn Ibrim n Jnnalideudanl Parodie-Theater Dresdener Straste 97. Heute: CavaMeria• IIiiNtlkana and die urlomsiche Burleske „Berlin nt eh» Kopp". Ansang Sonnt. 8, wechenl. 8'/, Uhr. Brunnen-Theater Badsltahe 58 Dtrittion: Willy Voigt Nachmittag« 8 Uhr: Der Goldbauer. Schauspiel in 4 Akten von Charlotte Birch-Pseisser. Abends 8 Uhr: Das bemooste Haupt »der: Der lanqe Israel. Tchausptel M 4 Akten d. R. venedix. MoMag, den 9. November 1908: Das Stiftungsfest. Lustspiel in 3 Alle» oon G. o. Moser. Sanssouci, 5.°�.'" Direklion Wilhelm Reimer. Heute Sonnlag: Rnieo Programm. Gr.Eliie-Soiree ATaa�eh. oon BonmanDsKirdil. Sängern Zum eiste» Male: Fränlein Zange. Posse tu 1 Akt Morgen: 8oiree. Tanzkr. Beg Sonnt. 5, wocheni. 8 U. Dienstag Theaterabend: Frauen von heute. Qa r«» • i. last-Theater Bm gtlr. 24, 2 MW. v.«hs. Börse Täglich 8, SonnlagS liß Uhr. Das glänzende November- Programm. Oer Spion!! Vendaros Wunderallen. Mr. Carlo. Steve und Ella. Feldow Seegall. Finlay Brothers. Les 3 Soraines. Ella Vendaro Trio. RSmhler C»mp. Biographische Bilder. Die Frau mit den drei Männern- Famllienkarten, wochentags halbe Preise, überall gratis. ftestmst ewerkschafts- � bans.% =» Engeluler IS.- Itienu 75 Pf. Heute Sonntag: Legierte Gemüsesuppe Hecht grün oder: Rotkohl mil Schnitzel Fritchrn Schweinelchwkrn oder: Rehkeule mit Sahuensauc» Kompott oder Salat. X Keicbhaltlxe Abendkarte. X Wochentäglich: Groster bürgerliche» Millagslisdicim.GOi'i 2 franz. Billards.-Vg A Kegelbahnen Neu ewgesübrt: Mrißliitr-Ausschluiik. Am Sonnabend, den 14. No- vewder ist der graste Saal Ire» geworden. _ R. Augustin. ßeHfner Eis- Palasr Lulhcrltr. 22/24. Ständige Elsba.in. Bon morgens 10 Uhr vis IL Uhr geöfsnet. (lruües Konzert. AbendS 9 Uhr: Auftreten ertier KunstlSufer und .läuferinne». Drüllerei EriedricliZhain Am KonigStor. Heute, Sonntag. 7. Dag der Lr. luisrcziicnzlöii McgliWpi-Konlcursösiz NM den Großen Frei» von UerHu— UOOU.71. in bar. Heute ringen 5 Paare: Entschridnngskainpf t Zipps-9lor6-ähnerita. ßfqeti lakson Oeriller-Snglanb. Van Deik, der Ries« n. Holland g-g-n Mai Sehwarz-SerRn. Wachturolf-afufelanb gegen Georg Aiimann-BerlÄ. Albane Spauiez» gegen ttoszak-BerltN. Banerer-Bnyern gegen Schidliski-Berltn. Vor den SUngkämpsen i ktuslr. der aeuesleu und beslea Spezialitäten: anherdem eine Militärkapelle. Ansang ß Uhr. Eutree SO Ps. Res. Platz l M. Rum. Tisch SM. iü Rixdorfer Ttioalsr Bergstraße 147. Sonntag, den 8. November 1908 1 2. Gastipiel des Neuen Operetten-Ens. unter Leiliing von Artur Bclow: Alf Soüarprinzrsjlii. Montag, 9 November: 3. Volks- Vorstellung zu halben Preisen: Nora. Herrnfeld- Anfang Thaofn« Vorverk. 8 Uhr. lUCtllcr. ii.g Uhr. 67 Kommaadantenstr. 67. Der größte HerrnfeltUErlolg: Komödie in 2 Akten mit Anton Narrnleld als Verwand- lungSkünstler„Monsieur Oanlvet" und Oonal Herrnteld als„Bondi Bindelband". : Vollständig neuer: K Hnxf ler-Tei I GJd Gehr Renzonis Opern■ Ouett. Marga u. Midi BliB' Ballett: Walzertraum. Kun Arpad, der berDhnte jugeadl. Geigenvirtuose. The sii Rstksta, Geaaags- und Tanz-Sextett. Wacker u. Wackers Gebirgs-Typen. Gustav Bkluens- Tlieater. Echte Spreentljrner. Volksstück mit Gesang und Tanz von Walther Gerieke. FranzHelbig, HauSdirnrr: Dir. Gustav Behrens, Wilhelm Henschel, Arbeilcr: Regiss. Beruh. Lauge. Außerdem die übrigen erstflasfigen _ 8peziaii<ütcn. JJ(F~ UiiHkcs Vitograph. Aiijang 8 Uhr. SonnlagS 6 Uhr. Gastspiel-Theater Kopeuicker Straße 68. Sonnabend, 7. November, 8'l, Uhr: Oaetspiel Hedwig: Lange» Zaza. Sonntag�iachmittae 8'/, Uhr: Die liaubenferche.* Königstadt» Kasino* Holzmarklltr. 72. Tätlich: Konzert, Theater- u. Spezlalitäten-Vor- «teliung mit Franz Nobanitkl. _ Ren I Reu! DM- Vi Xninmern IS-MD Um S Übt: H n t Ii. Komöbi« in t Akt von Braune. «nl. 8 Uhr, d. Konzerts 7'/,. sonntags 6'/, Uhr, des Konzerts b'/, Uhr. Stadt-Theater Moabit. Alt-Üoablt 48. Größter und vornehmster Theater- saal Moabits. Eoimtag. den 8. November: Der Ttöre«fried. Luttipiel In 4 Sitten v. Rod. vencdix. d. Borst. 7, Kassenöffnung S Uhr. Konzert 6',, Uhr. Noch der Vonlelluna: Dali. D-oniag, 9. November: Koiree der ttnstlgeo Sänger. vei-mania-pTacdtsÖie. Lael glchter. EHausteestr. 110. Chaufleefte. 110. Jeden Sonntag: Paul Manfheys lästige Singer (ehem. O. Steibis _\ Hamb. Sänger) stets neues Programm. Ansang C'/j Ubr Eintritt SO PI mit anschiiehendem Familienkränzcnen von 5 Ubr ab im weihen Saale DM- Grostrr Ball.» Jeden A>iit»»och: Paul Maotheys lustige Sänger und Jrrl-Tanz. vorzugstarten gelte». �llinmdra Vallner-Theatetstrabe IS. Großer Ball Srohes Orchester. Ansang Sonntags v Uhr. A. Xameitut. Warkgrafcn-Säle: Markgrafendamm 34 Am! 114277! Inh. ftlorniann Ocholts.> Heute: Gl*. Ballo> Säle von t— 1000 Pertonen zu[ i Festlichkeiten und Versammlungen» L Hezre-Ibabn«».* i MMMMMMMMMMMMMMMD Elysium Lnndobrrger Allee 40/41. Jeden Sonntag s• Großer Ball. Zwei Balltapcllen. Anfang*'/, Uhr. Entree frei. Naunyn-Feslsäle. 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Der Borstand: Koppe streun Vorsitzender. Schusijühre» Orts- Krattkctttasse der Kupferschmiede. Mittworst, den 18. November 1903, vorm. 10 Uhr. Nosenihalerstr. 11/12: Gener»!-Bersammlung. TageS- Ordnung stehe übersandte Elnladunc de» Vorstandes." OrtS- Krankenkasse d-r posamkutikre. Keiler. Ztidenknopf-'uKandmachtr. Am Montag, 16. November 1908, abends 8 Uhr, findet im Restaurant Grupe. Annensir. 16. die ftatuicnmäßige Wahl- Versammlung fSmtltcher Arbeitgeber, sowie aller großjährigen Saffenmit. glleder statt. 2658b Tagesordnung: Wahl der Vertreter zur General- veriammlung. Es sind zu wählen: 45 Arbeitgeber, 100 Arbeitnehmer. ÄSte ordentliche General« rlung der Vertreter findet am Donnerstag, den 26. No» vember 1908, ab nds 8 Uhr, im obengenamiten Lokal statt. Tagesordnung: 1. Bericht deS Vorstandes und Kassenbericht pro 1., 2. und 3. Quartal 1908. 2. Wahl des GesamtvorftandeS. 3. Wahl von drei Kassenrevisoren. 4. Etwaige Anträge nach§ 52 Abs. 7 deS Sinluts und Verschiedenes w Kastenangeiegenheiien. Iber i'orhland. I. v.: Bernb Herzer, Vorsitzender, _ Georgcntirchstr. 58. Orts- Krankenkasse der Möbrlpolitrn. l!eners!-Vör5SmmIung Tonntag. den 15. November, nachm. X'i, Uhr. Biumenstr. 38. TageS-Ordnung: I. Bericht deS Vorstandes, 2. Er- gänzungSwahl des Vorstandes. 3. Wahl der Revisoren für 1308. 4. Wahl des Kassierers(ür Zahlstelle Norden. 5. Anträge, Veischiedenes. An demselben Tage in demselben Lokal, nachmittags 5 Uhr, finde! die Wahl der Delegierten für die Periode 1909—1910 statt. Die Arbeitgeber «üblen 14 Delegierte, die Kailen- milgiieder 34 Delegierte. 278/14 Der Vorstand. OrtS- Krankenkasse für da» lapeilerer-Leverde »u Berlin. Dennerstag. den 12. November er., abends 8ll, Uhr, im Gewerkschafts- Hause, Engelufer 15, Saal 7: Ordentliche General-Versammlung TageS-Ordnung: Rechnungsbericht. Bekanntmachung der Beschlüsse des Vorstandes. Wahl von 6 Vorstandsmitgliedern (SKassenmitglieder, 2 Arbeitgeber). Wahl des Ausschusses zur Pru- tun der JahreSrcchnung sür 1908. ' i ebenes. 278/3 Der Borstand. H. Lobltz, Vorsitzender. M> Spandau! Ortskrankenkasse der Handwerker. Montag, den 16. November. abend» 8 Uhr, findet im Hole!.Roter Adler» die Mitgliederversammlung zur Wahl der Delegierten für Ivo» statt. ES find zu wäblen: 22 Arbeitgeber. Vertreter ond 22 Stellvertreter, 44'Arbeiwehmer-Bertreter und 44 Stellvertreter. Legitimation für Arbeitgeber die letzte Quittung über bezahlte Bei- träge, sür Arbeitnehmer die Mit- glicdSkarte. 278/15 Daran anschließend eine General-Versammlung. TageS- Ordnung: 1. Neuwahl deS Vorstandes:») t Ar- beitgeber, b) 2 Arbeitnehmer. 2 Er- satzwabl: a.) 1 Arbeitnehmer. 3. Wahl einer RechnungSpcüsungSkommisfion. 4. verschiedene». Ifen- Vo>>»te»n4. Job. Seher, Vorsitzender. Virzilhiig,«i< tplt Ist et? Olt Ratkm-Ukr Ist grme zveil Wie? Oes Mb- sei Sit Tte hier sehet? '»ohll Ich tragt eivileh Ruhnke» Augenglas „OptalM WohhferpaM eaeh«elstr Wihl! Viel« Leut« bewanians die seberfen Angen anderer, ohne so wissen, daO sieh ibve eieene Sehkraft meist ebecsao hebun l&ßt durch richtir ang maßte Optal-GlAaer. Nach meiuer erprobten Methude er hatten Sie fetsaa paesende GlAser unter Garantie! Die Untereoebaug geht schnell, tat nicht weh and kostet nicht«. Besaebeo Sie eines meiner Gesch&tte, erfahrene Fachleute beraten Sio dort, oder verlangen Sie Orntis-Zusendang meiner Schrift; Aage aud Brille**.* Brillen and Knceifer mit Optal- Gläsern. in Nickel von M. 2Ä) an. in Elektro-Oold von Ii, i, in Doublt- Gold von M* 6 ond in echt Gold von ML 12 an in Ober ÜÜO verschiedenen Mastern. Schöne Lorgnetten preis werk Optiker Ruhnko, Berlin. Oruioutr.<7, mounesstr. IM, Sruaoutr. U, » d. Laekowe ötr. e. d. Krootn.te.», ä. 1iiTaliden.tr. 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Cranz' Festfäle, Kösliner Straße 8. Prachtsäle Nordwest, Wiclefstraße 24. 1 TeltoW'Dccskow. Cliarlottcubnrg. Kolbshaus» Rosinenflraße 3. KOpeulck. Kaiserhof, Grünstraße. Nowawes. Singers Kolbsgarten, Priesterstraße 91. KixÄnrt'. Uene Welt» Hasenheide 103— 114. 8cliOneberg. Uene KathanssSle» Meininger Straße 8. KtegiUm. Kirkenwaldchen» Schützenstraße. rViefler*Bnriiini. lilobtenberg. Kronprinxengarte«, Frankfurter Chaussee 128. ObersebOneH�eiOe. Wilhelminenhaf, Wilhelminenhofstraße. Lankow. Zum Kurfürsten» Berllner Straße 102. Reinickendorf-Ost. Schützenhans» Nesidenzstraße 1/2. Rnmmeisbnrg. Wwe. Weigel, Türrfchmidtstraße 45. Vegei. Trapps Festfäle, Bahnhofstraße 1. HVeivenseo. Schloß-Restaurant Weißenfee. Tages-Ordnung: Deutschlands innere und äussere Politik. wm~ Freie Diskussion,"«k Referenten die Reichstags- und candtagsabgeordneten der fsaiaidemokratischen Partei: Binder, Bohle, Borgmann, Brey, Dr. David, Emmel, Riehard Fiseher, Geek, Grunvald, Hugo Heimann, Heine, Hildenbrand, Paul Hirsch, Ad. HoHmann, Lehmann, Ledebour, Molkenbubr, Noske, Seheidemann, Robert Schmidt, Heinr. Sehulz, Severing, Stadthagen, Ströbel, Stüeklen, Zubeil. Kranen und Manner, erscheint in Masten! Für die Einberufer: Rngen Ernst, Wöhlertstr. 9. 6. Wahlkreis. Moabit. Goiwtag, dk» 8. November IV08. abends S'/, Uhr, tu de» »Prachtiaien Rord-Weft-.»roher Saal» � Volksversammlung für Männer und Frauen. Zageiordnul.gi t„Wer bezahlt die 600 Millionen neue Steuern?" Relermt! ReiihStagSabgeordneter l/vlimaai»- Wiesbaden. A Diskussion. Nachdem! Skmnttidjks Ktisammensem mit Tanz. 230/18* Ter Gtnbrrufer t Nu VisUi, Liclesftr. 23. �enkcsl-er- W�i * fp!31 , ,vV:;3v|"� //7 0 //er AI Uft de, NLW-YOnK> BERLIN öemvalverkr. i. 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TageS-Ordnung: > Vortrag d«S Genossen Schriftsteller Max Schütte über:»Bor »reisjig Jahren». 2. Diskussion. Nachdem: Geselliges Beisammensei«. 208/11 EtnlrUl mit Garderobe 20 Psennig. Tanz frei. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Ardrttenaiiiwei»: BrttvalningSstelle Berit«. Hauptburrau: Hos I. Amt 3, 1239. Charitestraße 3. Hos(iL Slnrt 3, 1987. Montag, den 9. November 1908: KtKKs-Nrchimlmgtll für die gesamte vewaltlingsktelle IlZerlln in folgenden Lokalen: I. Norden: Bockbranerei. Chausscestr. 64. abends 8 Uhr. 2. Norden t Obiglo. Schwedter Str. 23. abends 8 Uhr. 3. Norden: ssrankes Festsäle, Badstr. t9. abends 8 Uhr. 4. Moabit: Brünings Prachtsäle. Wiclesstr. 24, abends 8 Uhr. Charlottenburg: DolkshauS, Rosinen str. 3. ab. 8 Uhr. Steglitz: Wareudorf» Gr.-Lichterfelde. Bäkestr. 22. abcndS 8 Uhr. Süden: Gcwerkschaftshans, Engelufer Ib. ab. 3 Uhr. Often-Lichteuberg: Litfin. Meweler Str. 67. ab. 8 Uhr. Stralau-Nummelsburg: Im Lokal Markgrafendanun 34, abendö 8 Uhr. Weiftenfee: Rostkopf, Königchansfee 33. abends 8 Uhr. Obcr-Schöueweide: Im Lokal Hafsellverder, abends b'/z Uhr. Köpenick: GefellschaftShanS, FriedrtchShagen, Friedrich- straste 69. abends 8 Uhr. Tegel: Trebesch, Bahnhofstr. t. abends 6 Uhr. Spandau: Böhle, Havelstr. 20, abends 8 Uhr. Westeu-Tchöneberg: Zühlke, Dennewitzstr. 13. ab. 8 Uhr. Tagei-Ordnnng in allen Versammlungen: t. Stellungnahme zur bevorstehenden Gcneralversammlnng. 2. Die bevorstehende» BewrrbrgrrichtSwahIe». Zum Punv 2 sind folgende Referenten vorgesehe»: krückner, vekreall, fenclel, Nsaclke, ttart» mann, ttorn, Körsten, Link, Massini, Ritter, Rebbein, Siering, Thurow, Zeiske, Zernicke. Außerdem ist für Rixdorf besonderer Umstände wegen am Dienstag, den>O. November, eine BezirkSversamnilung mit dem obigen Thema vorgesehen und zwar im Lokal Hoppe, Hermannstr. 49, abends 8 Uhr. Zu allen diesen Versammlungen ist der Zutritt nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches gestattet. gahlretcher Besuch wird erwartet. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. Dienstag, den 10. November 1908, abends 0 Uhr: WS" Versammlung (Ur IHctalldrücker Berlins u. Umgegend im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, Saal 3. Tage». Ordnung: 1. Vortrag des Genossen vi-. Heinrich Brann. 2. Diskussion. 3. Branchen« und VerbandSangelegcnheile». 4. Verschiedenes. Kollegen I M» Rücksicht aus die Wichligkcit der TageSordMMg ist eS Pflicht aller Beteiligten, in dieser Versammlung zu ericheinen. Die Metallarbeiter- Notiz- Kalender für Ivo» find erschienen and zum Preise von 69 Pf. pro Stück im Bureau und bei alle» BezirkSkassiereru zu haben. 124/11 I>lc Orts Verwaltung. tertoniMi W MUoI ü Oqepii _ ffi.(3. w. 6. H.> Sonntag, de« IS. November 1V08.«achmittagS S Uhr, ££ G eneral- Versammlung 3S in Franz AitbneS Saat.„ZldlerShafer Garte«». AdlerShos. Ecke der BiSmarckslratze und Adieigestcll� Tagesordnung: 1. GeschäslSbericht dcS Vorstandes für daS Geschists« sabr iS07i03. 2. Bericht des AussichtSraie». 3. Beriesung deS RevtsionS. üerlchteö. 4. Verteilung des Reingewinnes. S. Sinschluh der Konsum-Ge- nosienschast von Ar-iedrichshagen u. Umg. an unsere Genosienschast. 6. Neu« und Ergänzilnuswablen des AussichlSrateS und Vorstandes. 7. Ztatnien- undcrung. ö. Die Bedeutung der SarenhauSsteuer für unsere Genossen- jchast. S. Sonstige Anträge. Nach dem Turnuö scheiden nom Ausilchtsrate au»: llenst»tolnliols. AdlerShos: gart 8ohnaiö»e. Alt-Glie»Icke; August Wolf, AdlerShos; Ernst ladel. Ober>Schö»ewcide. Freiwillig scheidet auS: Richard Druck, Adlershof. Vom Vorstände scheid« auS: Wilhelm Koht, Adlershof.* Die Genossen find wieder wählbar. WM- Anträge der Mitglieder für die Generalversammlung müssen Selm Vorstände bis zum 4. November ISV8 fchrlstlich eingereicht fein. Mitgliedebiich oder Legitimatioiiökartc legitimiert. Stimmrecht bcsitit nur dasjanigv Familienmitglied, welches die Beitritte. Erklärung unterschrieben hat. WW» Vertretungen können nicht ftattstndrn« WtS Der Vor-Atan«!. iierm»tut lilldebrendt. Wilhelm lloht. Ptut Beuman» Achtung Töpfer Berlins und Umgegend. Dounrrstag, iiru 12. Uoiiembtr, alitnds C ilhr, bei Ktder, Kopptuflr. 29: Geffentliche Töpfer-Uersnmmluug für Kerliu und Umgegend. Tages-Ordnung: „Warum sind für die modern organisierten Arbeiter einheitliche Gewerkschafts- organisationen notwendig?" Ref.: ReichStagsabgeordneter Genosse K. Legien. Lwtriti nur, mv sich a!s Töpfer legitimieren kann, 193/12» Regen Besuch erwartet AaCuus prüalse. Der Giiiberufer Franz Scgnwo. 80. 10, Engetufer 14— IS. Sonntag, den 8. November: Nrabstimmnng über den Antrag, die zukslnftiaen Generalversammlungen ans Delegierte» zusainmenzusctzeu, i» folgenden Lokalen: I. Habels Brauerei, Bergmciiilistr. 6—7. 2. Märkischer Hof, Admiralstr. 18o. 3. Krumbein» Schönleiustr. 6. 4. Rcichcubergcc Hallen, Ncichenberger Str. 147. 5. Mix» Skulitzer Str. 59(ain Schlosischen Tor). 6. Sludreas-Fcstsäle, Andreasstr. 21. 7. Litstn, Memeler Str. 67. 8. Wildner, Friedrichsberg, Friedrich-Karl-Stt. 11. 9. Boekcr, Weberstr. 17. 10. Obiglo» Schivrdtcr Str. 23. 11. Raabe, Kolberger Str. 23. 12. Lamprecht, Putlitzstr. 10. Die Zlbstiminuug beginn» um s Uhr vormittags und endet um 12 Uhr mittags. Die Ltimmzeltei werden in den AbstimmungSIo'alen ausgegeben. Jedes Mitglied mich persönlich zur Abstlmmuim erscheinen und alS Legitimation daS Mitgliedsbuch vorzeigen. Qhnc Mitgliedsbuch wird niemaud jugclasie». Die Abstlmmtmg kann feder Kollege in dem Lokale ausüben, welches für ihn am bequemsten zu erreiche» ist. Die ikSerkstativertrauenslente werden ersucht, den Kollegen die Mitgliedsbücher auszuhändigen. 93/2 Die OrtBvcrwoltnnj. Bodenleger."VE Montag, den 0. November, abends 8 Uhr, im Gewerk» schaftshause, Engelufcr 16, Saal 7: Branchen- Versammlung. __ Die Brailcheuleitinig. Steinarbeiter! Eouutag. den 8. November, vormittags 10 Nkr. in den»Armin hallen», Kommandautcustr. S8/Sg t Mmröentl. Mglieller-Verillmmlung heider iiiislea(1 und II). TageS-Orbnung: Stellungnahme zur Verschmelzung beider gilialeu and zur Anstellung eincS Ortsboamtcn. Jeder orgauisicrte Kollege ist verpflichtet, an dieser wichtigen Beratung teilzunehmen. 172/8* i.■... Mitgliedsbuch legitimiert«.■; ,i- Die Orisverwaituilge» Berlin l und ll. Orts KranbrnirnUe der Mtsstrslijmirdt, Schwert- ftger v. Kerfertiger chirurg. Illstrllmeute za Kerlia Dienötag, den 17. November, abends K>/, Uhr, bei Henfei. Nosenlhaler Str. 11-12: Ordentliche—• General-Tersammluog. Tagesordnung: 1. Dahl von 3 AuSschuljinIIglledern zur Abnahme der JahreSrechnung 1938. 2. Wahl von 3 VorstaiidSinit- gliedern(1 Arbeitgeber und 2 Arbeitnehmer). 8. Wahl deS Kassierers. 4� Verschiedeiik».— Anträge, dir Einsicht in die Kassenbücher evfoebern, sind vier Tage vorher einzureichen. ttitgliedshuch legitimiert. Die Herren Arbeitgeber find hier- mli eingeladen. 278/11 Der Borstand. Orts-Kranteukasse des Maurer-Gewerbes zu Verlin. DIenStag. b. 17. November lvvlt. abends 8 Uhr, findet Engel-User lö, im Gewerlschastohause, Saal 7 General-Versammlung der Vertreter der Kasienmitgliedcr und der Arbeitgeber statt. Tage«. Ordnung: 1. Bericht über die Tätigkeit deS Vorstandes. 2. ErgänzimgSwahl des Vorstandes für die Iah,«>90? und 1910 für die ausscheidenden vorstandSinilglledcr o) von den Arbeitgebern die Herren Schmidt und Gcwisi, d) von den Kassenmitgliedern die Herren Daehne, Lthmpsuhi, Tüll und Haehnel. g. Wahl des RcchnungSPrüsungS- NuSschuss««. 4. Verschiedene«. 2SS2b' Der Vorstand. A. Dithne. E. Slmanowskl. S»l der Drcchsler-IWWg. Montag, den S. November 1SV8, abends 8 Uhr: Vfonssmmkmg 1. dergrobjähngenKassenmitglieder zur Autstellung von 80 Vertrelem (Delegierte») zur General- Ver» fammiung, im GewertschastShause, Saal t, 2. der JiiuungSmItglieder. welche für die bei ihnen beschäftigten Per- jonc» Beiträge aus eigene» Mitteln zahlen, zur-Aufstellung von 4? Vertretern(Delegierten) zur Ge- neral>Versam»iluiig, im Köuigstadt- Kasino, Holzmarllstr. 72. Sonntag, den 12. November Iv«8: vorm. 1? Uhr, in denselben Lokalen: Wahlversammlung L der arosijShrig. Kaste» Mitglieder: Wahl von 8? Vertretern(Dcle» gierten) zur General-Bersammlung, 2. der Jiiiiungsmitgllrder, welche für die bei ihnen beschästigten Per. jonen Beiträge auS eigenen Mitteln zahlen: Wahl von 40 Verlretcrn (Delegierten) zur General- Ver. saninilung. 278/9 Für die Kassenmitgliedcr legitimiert daS Kassenbuch. Für die LniiuiigS- Mitglieder legilliniert die lebte Bei- tragSquiltniig zur Kranlenkasse. I»cr Vorstand. Em» Kflppen, Vorsttzcnder. OrtS-Zirankeukasse der Lackierer. Sonntag, den lS. November er«, vonniiiagS l? Uhr: iZöllösSl-VeiSZilliillllllg Im Nestanrant Sclinhniachvr, Skalitzerftr. 126. Tagesordnung: 1. ErsnHn'abl deS Vorstandes(1 Ar- beligeber. g Arbeiinebnier). 2. Wahl deS Ausschusses zur Prüfung der Jährest echnniig pro 1968(1 Arbeit- -eher, S Arbeitnehmer). 3. Verschiedene Kassenangelegenhellen. Ter Vorstand. L646b stoberi Tiadier, Vorsitzender. IjflZ'llk'zliiiekilczKö der Weher und verwandte» Gewerbe. Die Delegierien, Arbeitgeber und Mitglieder, werden hierdurch zu einer UM. Generai-Versüinmlüng am Sonntag, de» 15. November 1908, vormulags lO'/j Uhr präzise, in Schmidt» Lolal, Fiucht- ftrage ISa(Freischütz), großer Saal, ergebenst eingeladen. Tage«- Ordnung: a) In getrennter Versammlung: ElgänznngSwahl deS Vorstandes von den Arbeitgebern nach{;§ 37 und 38 des Statut« für 1909 und 1910. b) In grtiemiter Versammlung: 1. Ergänzuugswahl des Vorstandes von den Mitgliedern nach KZ 37 und 38 des Statuts für 1909 und 1910. 2. Ergänzungswahl des Vorstandes von den Mitgliedern nach ß 39 deS Statuts für 1909. «> In gemeinschaftlicher Versammlung: >. Wahl von drei Revisoren zur Prüfung derJahreSrechnuiig pro 1909. 2. VeifchledeneS. Einlas nur mit Delegiertenkarte. Berlin, 8, November i908. Der Vorstand. Karl ReiDmann, Paul liepelt, Vorsitzender. Schristführer. Sonntag, d. 9. Novbr. 1998. vonnillagS 10'/, Uhr, in demselben Lolal(groher Saal): Ansstcllnng von Kandidaten der Mitglieder zur Delegiertenwahl für das Jahr 1909. Sur Mitglieder über 21 Jahre find eingeladen. Da» Mliglledsdunh legitimiert. 26406 Der Vorstand. Ordentl, General-Versammlung der Vertreter der Arbeitgeber nnd Arbeit- nebmer der Ortskrankenkasse der Hasehlnenhauarbeiter u. verwandten Gewerbe zu Berlin am Montag, 23. November 1908, abends 8'/, Uhr. im Wr. WllUe'ttchon Lokal, Brunnenstr. 188. TageS-Ordnung: t Wahl von drei Revisoren zur Prüfung der JahreSrechnmig für daS Jahr 1008. 2. Bericht der am 29. Januar 1903 gewählten Kommission betreffend Penftonieiung der Beamten. 3. Verschiedenes. 26596 Alisrnge» und Beschwerde» müssen bis zum 22. dS. MtS. mündlich oder schrijllich behuss Beaiilwortuiig der- selben in der Generalversammlung dem Vorstände miigeteiU werden. Eine anfterordentliche General- Versammlung der Vertreter der Arlieitnetiiiier findet gleichfalls am 23. November 1908 nach cchlilb der ordenllichen Generalversammlung in deuiselben Lokale statt. TageS-Ordnmtg: Ersatzwahl sllr ein Vorstandsmitglied (Kühl). Zahlreiches und pünttlicheS Erscheinen der Herren Vertreter ist sehr erwünscht. DaS Mandat legitimiert. Berlin, den 7. November 1908. Der Vorstand: Fr. Schuldt. Orts-Krnnkenkaffe der Mechaniker, Optiker und nerw. Gewerbe zu Kerlin. Montag, den 10. November, abeudS Präzise 8«Ihr, in den »Arutinhallen--, Konimandante«- strafte 58/59: Os-dcntllolso■ General- Versammlung sämtlicher Vertreter. TageS-Ordnung: In getrennter Wablversanimlmig: Jür die Vertreter der Zlrbeit- gober: Wohl von zwei Mitgliedern und zwei Ersatzmännern z»ni Vor- stand an die stelle der ailsscheidenden Herren Goldlchnudt und Thormeyer. Für die Vortreter der Kasten- miigliedrr: Wahl von vier Mit- gliedern und vier Ersatzmännern zum Vorstand. ES scheiden aus die Herren Wellenberg, Hönisch, Kestner und strunz. In gemeinschastlicher Versammlung: 1. Wahl einer Kommission zur Prä'ung der JahieSrechnung von 1908. 2. Bericht der KommIIston zur Regelung des PenflonSregnIativS. 3. GeschästSdnichte. 278/10 Berlin, den S. November 1903. Der Vorstand. I. A.: Kax Lutsche, Vorsitzender. Beschwerden und Antragen, zu deren Erledigung dieEinsicht der Kassenakten erforderlich ist, sind bis zum 12. No- vember schrisiiich im Kassenlotal ein- zureichen. Die Grneralversammtimg wird pünktlich eröffnet. und verwandten Gewerbe zu Berlin. Am Montag, de« IS. No- vember b. I.. abend» 8 Uhr, im Saale de« Herrn I. Meier, hier, Sebastianstr. 39: General-Versammlung» TageS-Ordnung: t. In getrennter Versammlung: Ersatzwahl der statutenmäsiig auZ« scheidenden VmslandSuiitglicdcr: n) Arbeitgeber. Es scheiden au? auf Grund des KasienslainlS die Herren P. Heinrich und Polzin. Es sind daher zu ivälilen zwei Arbeit- geber als VorslaudSniiiglieder auf zwei Jahre und zwei Stellvertreter aui die gleiche Zeitdauer; b) Arbeitnehmer: Es scheide» au> aus Grund de« KassenstatutS die Herren Kust. Lnbalsch. Rud. Neumann. Georg Müller und E. OppenkowSki, a»s Iis: und deS NuZscheidens als Arbeitnehmer Herr StawinSkt. Es sind daher zu wählen vier Arbeit- nebmer als Vorstandsmitglieder auf die Dauer von zwei Jahren und einer auf die Dauer eines Jahres. Ferner fünf Stellvertreler auf die gleiche Zeitdauer. ?. stach beendeter Wahl In gemelnschaftücher Versammlung: i. Wahl des Ausschusses ftw die Prnslingderlllcchnnngen de« lausende« Jahres, und zwar ein Arbetlgeber und zwei Arbeitnehmer(KZ 4L und 49 Nr. 4 deS KasiensiatutSi. 2. Vortrag de« Herrn Dr. Arnold Freudenthal über„Nervenleiden". 3. Bericht über de» Krankeiikasseiitag zu Binunschweig. Referent: Herr 6. Lubalsch. 278/5 5. Verschiedenes. Die Herren Delegierten werden ge» beten, zahlreich zu erscheinen. Die zugesandle Legitimation ist am Ein» gange verzuzeigen. Der Vorstand. I. S.: P. Heinrich, BorsitzendUs Reue Wiihclmsw. 12. Orts-Krankenkasse der ». und verw. Gewerbe zu Berlin. Wahlversammlung der Arbeit, uehmer. Am Sonntag, den 15. November, von 10 Uhr vormittag» bis 3 Uhr nachmittags, finden im Restaurant , LebenSquelle"(alte„Arminhallen'). Kommandantenstr. 20, die ErgänzungSwablen der Vertrete» zur Generalversammlung statt. TageS-Ordnung: Wahl von 222 Vertrelem der Kassen« Mitglieder gemätz g 49 deS Kassen» ftaliit«(6. Abänderuna). Als Lcgitinmtion dient daS Mit- gliedSbuch oder eine Bescheinigung des Arbeitgeber» über eine, die Ver- ficher ungSpsttchi zur Kasse begründende � Um a�ht9 werden die Türen ge. ichiesicn. Späicrtommondc verlieren ihr Wahlrecht. Wahlversammlung»er Arbeit« geber. Am Dienstag, den 17. November, abendS von 8-10 Uhr, finden im Restaurant.LebenSquelle'(alte.Ar» minhallen'), Kommandantenstr. 20, die ErgänznngStvahIen derVertrettr zur Generalversammlung statt. TageS-Orbnung: Wahl von 91 Verlretem der Arbeit» geber gemäsz ß 49 deS KaflenstatutS (L. ZIbanderung). AlS Legilimaiion dimi die letzte Rechnung oder Anmeldebescheinigung. Um 10 Uhr werden die Türen ge- schlössen. Späterlommende verlieren ihr Wahlrecht. 278/12 Der Vorstand. Gustav Nahtow, Vo, sitzender. Paul Dörth. Schrlslssthrer. Orts- Kraklkenkasse der Sattler und verwandten Gewerbe g» Berlin. Montag, den 16. November tOOZ abends 8'/, Uhr: Ordentliche General-Versammlung der in den Wahlversawmtnnge« vom Lk-Ottober 1998 gewählten-Ver- treter der K»ste»ml«gltedrr und Arbeitgeber in den „Anuinhallen", Kommandaatn» strasie S8-ÜS. TageS-Ordnung: 1. In getrenuter Geueral» Ver» sammlnng: a) für die Vertreter der Kasten- Mitglieder: Ersatzwahl von zwei Mitgliedem zum Vorstand für 1908; ErgänzimgSwahl von vier Mitgliedem zunt Vorstand für 1909-1910; b) für die Vertreter der Arbeitgeber: Ergänzungswahl von zwei Mit- gliedern zum Vorstand für 1909—1910. 2. In gemeinschaftlicher General-Ber« fammiung: t. Wahl deS NechnungSanZschuffeS: 2. Verschiedenes. Nur die mit Legitimation ev. Mit- giiedStarte versrhenen Vertreter haben Zutritt. Die Versammlung wird pünktlich um '/,0 Uhr eröffnet. NB. Anfragen, zu deren Beant- Wertung die Einsicht der Kassenbücher notwendig ist, müssen drei Tage vor- her dem Vorstände fchristtich ein« gereicht werden. 278/13 Um zahlreiches und pünktliches Er- scheinen ersucht Den Vorstand. 6. Sänger, Vorsitzender. 1. Landgrebe, Schrijlsührer. KOnlerstrmase Bitte, pen&a»af fi�ntatimmet 40 zu ftchten. da häufig Vex* wc»c Iis langen Torgekonunea. In 80 m Innger Aasiage finden Sie Tausende Schmuckgegec- stände mit deatiicher Frei«- notier ang ausgestellt Bdmonle » Ein Uoictoru/orl ftlrtotion Delaü- lEipSlH Str. 35. tSport" Verkanl ojä«Zill. 45. 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November. abcudS 8 Uhr. 26 Boltsvcrsammlvugeu für Gros,-Berlin statt, in welchen die Reichstags- und Landtagsabgeordneten unserer Partei über Deutschlands innere und äußere Politik sprechen werden. Es ist Pflicht der Genossen und Ge- nossinnen. diese Versammlungen z»besuchen und für Massenbesuch zu agitieren. Ter AgitationsauSschnß. Zur Lokallisie. Am Sonnabend, den 14. November, veran- staltet der„Geselligkeitsverein der städtischen Gasanstaltsarbeiter" in Tegel im Lokal von H a m u s e k. Hauptstratze, ein Wintervergnügen. Da uns dieses Lokal nicht zur Versügung steht, so sind alle etwa angebotenen Billetts ent- schieden zurückzuweisen, und machen wir die organisierten Arbeiter der dortigen Gasanstalten auf die eventuellen Folgen eines Boykott- bruches aufmerksam. UmJrrtümernvorzubeugen, teilen wir auf Wunsch der ivi„Verband der Gemeinde- und Staats- a r b e i t e r" organisierten GaSaustaltsarbciter mit. das; dieselben zum gleichen Tage unter Mitwirkung des Arbeitergesangvereins „Immergrün" in„W. T r a p p s F e st s ä l e n" ein Vergnügen arrangiert haben und ist hierzu die weitgehendste Unterstützung seitens der Parteigenossen erwünscht. Die Lokalkommissüm. Erster Wahlkreis. Seute, Sonntag, den 8. November, abends 6 Uhr, in der„Lebensquelle", Komnrandantenstr. 20: Versammlung mit Frauen. Vortrag des Genoffen Schriftsteller Max Schütte über:„Vor 30 Jahren". Nachdem: Geselliges Beisammensein. Eintritt mit Garderobe 20 sPf. Tanz frei. Vierter Wahlkreis. Sonntag, den 1o. November, feiert der Wahlverein in den Lokalen: Freyer, Äoppenstr. 29; Boeker, Weber- straffe l? und im Gewerkschastshaus sein Stiftungsfest. Für reichhaltige, abwechselnde Unterhaltung ist Sorge getragen. Wir bitten die Mitglieder, sich zahlreich daran zu beteiligen. Der Borstand. Ritdorf. Achtung! Billetts zur Theatervorstellung„Kater Lampe" sind noch bis 2 Uhr in Thiels Restaurant: Bergstraffe Nr. 150/151, zur heutigen Nachmittagsvorstellung zu haben. Wir ersuchen unsere Mitglieder, ausgiebigen Gebrauch davon zu machen. Der Bildungsausschutz. Eaarlouenvurg. Mittwoch, den 11. November, findet für die 6. Gruppe ein gemeinschaftlicher Zahlabend im Volkshause. Rosinen- straffe 3(kleiner Saal), statt. Der Vorstand. Zeuthen. Mittwoch, den 11. November, abends 8lH Uhr, findet sei Lindcmann der Zahlabend für MierSdorf und Zeuthen statt. Derselbe ist mit einem Vortrag über:.Die Ziele der Sozialdemo- kratie" verbunden.— Sonnabend, den 14. November, findet unser »j. Siistungssest bei Schöps, früher Lier. Miersdorf, statt. Da hierzu nach jeder Richtung hin Sorge getragen ist. um den Genossen einen genuffreichen Abend zu verschaffen, wird ersucht, rege für das Fest zu agitieren. Der Vorstand. R-waweS. Mittwoch, den 11. November, abends 8% Ahr, findet im Lokal des Herrn Schmidt, Wilhelmstr. 41-�43, die Versammlung des Wahlvereins mit folgender Tagesordnung statt: 1. Ge- schaitliches. 2. Kommunales. 3. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt. Der Vorstand. Hulrnsre. Heute, Sonntag früh 8 Uhr. findet eine Hand- -ettelverbreitung für unseren Ortsteil statt. Die Genossen finden sich in den beiden BezirkSlolalen ein. Der Borstand. RiederschSnhause«. Am nächsten Mittwoch gelangen in den Zablabendcn die BillettS für den am Sonnabend, den 28. November, stattfindenden Lichtbildervortrag des Gciwffen Roth: �Jm Reiche der schwarzen Diamanten" zur Ausgabe. Der Vorstand..-».- Mittwoch, den 11. November, abends>"nd rund m die Tasche. FranzSstsch-Buchholz._ 8% Uhr. Wahlvereinsversammlung bei Kahne. Berliner Straffe 39. Tagesordnung: 1. Die Lokalorganisation und der Parteitag. 2. VereinSangelegenheit und Verschiedenes. Tegel. Montag, den 9. November, abends von 7% Uhr ab. findet von den bekannten Bezirkslokalen aus«ine Handzettclvertci- lung statt. Dienstag, den 10. November. Protestversammlung für Tegel und Bezirk WaidmannSlust. Genossen agitiert für Massen- besuch._ Der Vorstand. ßerllncr JVachncbtcn. Wie mau Kirchen baut. Ein jnngcr Silfsprediger. durch dessen hohle Backen man vorläufig noch das Vaterunser pusten kann, kommt zum Äousistorialrat und bittet unter Vorlegung vorzüglicher Empfehlungsbriefe um eine recht fette Stelle. Aber der hoch- mögende geistliche Herr hat gerade nichts Passendes auf Lager. Die Pfründen gehen weg wie die warmen Semmeln.„Wenn ich Ihnen helfen wollte, mein lieber Bruder in Christo". platzt er sarkastisch heraus,„mufften wir ausgerechnet für Sie eine neue Kirche bauen." Und schlagfertig enmdert der Stellen- jäger:„Ich nehme Sie beim Wort. Herr Oberkonsistorialrat. Sie bauen also für mich eine neue Kirche."" Das nicht übel erfundene Geschichtchen kennzeichnet den Gipfel der modernen..Kirchennot". Im Geiste sehen wir den Herrn Konsistorialrat. wie er greillich flucht, daff die meisten Berliner Plätze schon mit oft recht unchristlichen Denkmälern besetzt sind. und Wie er auf dem Plan von Berlin und Umgegend die Kirchennot mit dem Zirkel abmifft. Wo im Umkreise von tausend Metern noch keine Kirche ragt, muff entschieden eine gebaut werden, und wenn sie auf freiem Felde stehen sollte, wie vor mehreren Jahren die Kapernaum- kirche in der damals unbebauten Secstratze. Heute istniauja mitten drin im erwünschten Fahrwasser der gewaltsamen Volks- versrommung und christlicher Stellenversorgung notleidender Amtsbrüdcr. An gewisser hoher Stelle hält noch imnier das Märchen vor. daff die Berliner Bevölkening nach Kirchen förmlich lechzt und daß die wenigen vorhandenen Kirchen den Strom der Gläubigen nicht zu fassen vermögen. Die aus- rangiette freihcrrliche Äirchbau-Exzellcnz, welche einst bei Hofe eine so gewichtige Rolle spielte, war auf dieses Geschäft ein- geschworen und Hat auf Jahrzehnte hinaus gut ! vorgearbeitet. Wenn alle die hohen und höchsten Herrschaften, die sich für das Seelenheil der lieben Berliner so furchtbar unnötig aufregen, mal ganz heimlich und unerkannt eine sonntägliche Kirchenrazzia abhalten wollten, würden sie freilich bald dahinter kommen. daff man ihnen seit Jahrzehnten einen mächtigen Bären auf- gebunden hat und daff nur ein vcrschivindelider Bruchteil der Groffstadtbevölkerung die weit über hundert Berliner Kirchen anders als von auffen betrachtet. Bis auf weiteres fällt es also, da diesen Kreisen die Wahrheit absichtlich verborgen bleibt, nicht schwer, für neue Kirchenbauten da Stimmung zu machen, wo auch in religiöser Beziehung so eine Art„Persönliches Regiment" beliebt wird. Ist erst mal vom Herrn Konsistorialrat das freie Plätzchen entdeckt, so läfft die Kirche nicht lange auf sich warten. Die Kirchennot wiro mit kirchlicher Geivissen- haftigkeit schlagend bewiesen durch allerhand Zahlenkunststücke, auch wenn es in jener Gegend von Dissidenten wimmelt, und an Geld fehlt es der evangelischen Kirche für solche frommen Zwecke heutzutage niemals. Der dumme Michel sorgt ja dafür, daff, wenn auch sonst, alle Taschen eine gähnende Leere zeigen, diejenigen der'Kirche bis zum Natplatzen gefüllt sind. Aus diesem prallen Beutel könnte unsere reichsdeutsche Finanzexzellenz sich ihr ganzes frischblühendeS Steuerbukett bezablen lassen. Jeder neue Kirchenbau ver- schluckt aus der vollen Krippe, die doch erst der Steuerzahler zurecht gemacht hat. rund eine halbe Million. Ost dauerts nur ein knappeS Jahr, bis der stolze Bau gen Himmel ragt. Titelsüchtige und Ordenshuugrige stisten die innere Einrichtung. Am EimveihungStage findet eine jener über den Kamm ge- schoreucn Feiern statt, an die der Berliner nachgerade gewöhnt ist. Von da ab hat der Teufel seine helle Freude an dem leerstehenden Bettempel— und der junge Hilfsprediger hat, wie er es sich ausbedungen, feine geziemende Versorgung. Nach ganz anderem Rezept baut die katholische Kirche. Der frisch geweihte Kaplan wird von seinem Bischof nach einer besonders unwirtlichen, mit möglichst vielen Ungläubigen ge- segneten Gegend geschickt. Das ist der rechte Boden, auf dem er seine Kunst im Seelenfangtanz beweisen soll. In alle Winde flattern die Bettelbriefe um Kirchbaugelder. Der jugendliche Gottrsmann entfaltet darin einen Feuereifer, würdig einer besseren Sache. Und da ja die Dummen nicht alle»verden, regnet es bald Geld aus allen Himmelsrichtungen. Zu den vielen Hunderten von Bonifaziusvercinen, die durchrdeg die Kirchbaubettelei auf ihre Fahne geschrieben haben, wird ein neuer gegründet. Nach kaum Jahresfrist kann der Baugrund gekauft werden, nach einem weiteren Jahre wird der Kirchbau begonnen, alles von Bettelpfennigen. Und was nicht bar bezahlt werden kann, wird einfach gepumpt. Aber die neue Kirche wächst zusehends hoch, und so schafft sich der katholische Geistliche, der sich um die Schulden keine grauen Haare wachsen läßt, feine eigene Versorgung. Trotz dieser Verschiedenheit in der Aufbringung der Kirch- baumittel zeigen beide Methoden doch dieselbe Charakteristik: die Kirche leistet für Kirchbanten so wenig wie möglich aus dem Kirchenvermögen. Was die evangelische Kirche für neue Kirchen hergibt, das holt sie aus dem Steuerbcutel heraus. Die forttvährendeN Kiichenbauten, die wir absolut nicht nötig haben, sind ja auch der Grund, weshalb die Synode am liebsten schon bei ihrem letztmaligen Zusammentritt die Kirchensteuern abermals höher geschraubt hätte— auf 25 Proz. der Staatssteurr. Nur die sehr begründete Furcht vor Massen- austrittcn aus der Landeskirche hat sie cinstivcilen davon ab- gehalten. Aber kommen wird diese Erhöhung schliefflich doch. Darauf können alle, die heute zum Austritt aus ihrer Kirche noch nicht den Mut haben, Gift nehmen. Noch schlauer arbeitet die katholische Kirche. Sie läfft sich die neue Kirche von den Gläubigen bezahlen und steckt die Kirchensteuern nett Wem da nicht die Augen aufgehen, der ist nicht zu bemitleiden, daff er von den Dienern des Herrn weidlich geschröpft wird. betracht der Verkehrsoerschielning hat die Große Berliner Straffen- «ihn seit zwei Tagen ihren Fahrplan dahin geändert, daß in der Zeit von 7 Uhr bis 8,35 Uhr abends die Zahl der Anhängcivagcn wesenilich erhöht und das Platzangebot durch Einführung weiterer Einsatzlimen verstärkt worden ist. Dagegen tritt nach i49 Uhr ein derartiger Verkehrsrückschlag ein, daff um diese Zeit sowohl die Zahl der Einsatzzüge als auch der Anhängewagen erheblich ver- mindert und die Zugfolge etwa drei Viertelstunden früher ver- ringert werden kann, als dies vor dem Achtuhrladenschluff der Fall war. Die gleichen Verkehrsmaffnahmen sind auch seitens der All- gemeinen Berliner Omnibusgesellschast und der städtischen Straffen- bahn getroffen worden. Auf der Stadtbahn ist eine Aenderung des Fahrplanes noch nicht eingetreten. Der Andrang zu den Zügen ist jedoch in der Zeit von 8 bis 9 Uhr abends so stark, daff auch hier eine Zugverschiebung vorgenommen und die Zahl der Trains, die jetzt nach beiden Richtungen je 21 beträgt, auf 23 erhöht werden ssoll. Dafür wird eine Verminderung der Zugfolge zwischen 9 und 10 Uhr abends von 21 auf 19 eintreten. Auf der Hoch- uui» Untergrundbahn ist eine Aenderung des Fahrplanes bis jetzt noch nicht vorgesehen. Eine größere Zugdichtigkeit kann vorläufig nicht ein- treten, und so wird durch den vermehrten Verkehr in de» Abend- stunden eine erhebliche Ueberfüllung der einzelnen Züge herbei- geführt. Dem wird die Gesellschaft jedoch dadurch entgegentreten, daff sie die Zuglänge durchtveg auf vier Wagen erhöhen wird. Dir städtische Straßenbahn erfreut sich fortgescyl einer steigenden Frequenz. Der Betriebsbericht für den Monat Oktober lautet: A) Einnahmen: 1. aus Fahrscheinen 2. 3. 4. 5. 6. Monatskarten........ Schülerkarten........ Albeiter-Wochenkarten(2 mal täglich) (1 mal täglich) verschiedene Einnahmen..... 04 048,70 M. 1105.80„ 75,—„ 342.-„ 87-. 17,50. Im Obdach der Stadt Berlin ist regelmäßig in den Sommermonaten die Frequenz der Ableilimg für nächtlich Obdachlose bedeutend geringer als in den Winiermonatcn. Das gilt besonders für die obdachlo'en Männer. Auch in dem diesjährigen Somnier ist diese Frequeiizvermindernng. die bekanntlich nicht ohne Zutun der Ber- waltuug zustande kommt, wieder erzielt worden. Es fällt aber auf, daff diesmal die Som mersrequenz nicht so weit wie sonst herabgedrückt werden konnte. Im Jahre 1907 war die Zahl der beherbergten Männer im April und Mai nur 4t 903 und 3t 750. im Juni und Juli erreichte sie ihren tiefsten Stand mit 20 473 und 27 293, und im Auaust und September war sie erst wieder auf 30 258 und 31030 gestiegen. Im Jahre 1908 aber mufften im April und Mai noch Ol£47 und 49 688 Männer beherbergt werden, im Juni und Juli wurde der liesste Staub mit immer noch 32 790 und 33 038 erreicht, und im Anglist und Sepleinber war die Zahl der beherbergten Männer bereits wieder 33 883 und 42 949. In dem ganzen Sommer- Halbjahr April bis September wurden beherbergt i n 1907 nur 188 7l2 Männer, in 1908 aber 259 395 Männer, das sind reichlich 70000 mehr. Auch diese gewaltige Steigerung der Obdach- frequenz gehört zu den„Zeichen der Zeit", die sich dem Betrachter unserer wirtschaftlichc» Zustände aufdrängen. Sie ist eingetreten, obwohl die Verwaltung des Obdachs alles Mögliche tut. die Obdach- losen aus dem ungastlichen Haus an der Fröb-lstraffe hinauszu- graulen. Wir erinnern hier nur an die Fischbecksche Idee, die An- gestellten mit Gummikuüppcln auszulii sten. Zu beachten ist auch. daff schon seit mehr als Jahresfrist die Zuzüge nach Berlin sich vermindert und gleichzeitig die Wegzüge von Berlin sich vermehrt haben. Da hätte man eigentlich envarten sollen, daff auch die Obdackssrequcnz sich auf mäffigcr Höhe halten würde. Aber diese Wirkung ist. wie die oben mitgeteilten Zahlen zeigen, a»S- geblieben. Zu welcher ungeheuren Höhe ivird die Obdachfrequenz im bevorstehenden Winter an- schwellen? Und auf welche neuen Mittel wird der Gnnnni- knüppelmann sinnen, durch die dem Aiisturin gewehrt werden soll? Tie Einwirkung des Achtuhrladenschlusses auf den öffentlichen Berkehr hat eine wesentliche Aenderung der Jahrpläne der ver- schiedencn Verkehrsgesellschaften zur Folge und wird auch im Eisen- hahnbetriebe eine Umänderung der Fahrpläne notwendig machen. Ter stärkere Verkehr in der Zeit von%8 bis �-9 Uhr wird nicht allein durch das Personal, sondern auch durch das kaufende Publikum herbeigeführt, das besonders in den größeren Warenhäusern sich in der letzten Gcschäftsstuiiöc zusammendrängt und gleichzeitig mit den Verkäufern die Berkehrsmittel 4» Anspruch nimmt. In An- 1. O Sa. A: 65 736,— M. (gegen 00 155,85 M. im September 1908) d. i. gleich 2I2t Mark Tageseinnahme(gegen 2005 Mark im September 1908.) L) Beförderte Personen: auf Fahrscheine........ 640 487 Personen , Zeitkarten......... 47 842, Sa. B: 688 329 Personen (gegen 621 898 Personen im September 1908). Der Etat sah für die zehn Monate Juni 1908 bis April 1909 eine Einnahme von 375 000 M. vor, dazu 75 000 Zuschuß aus der Stadthauptkaffe, zusammen 450 000 M., so daff sich Ausgaben und Einnahmen inklusive des Zuschusses deckten. Die Ausgaben be- tragen pro Monat 45 000 M., so daff also dem Etatansay ent- sprechend im Monat Oktober ein Gewinn von 20 730 M. erzielt wurde. Diese Bahnlinie wurde in der Stadtverordnetenversamm- lung als Wüstcnbahn bezeichnet, die niemals Ueberschüsse abwerfen könne. r Bei dieser Gelegenheit dürste es von Interesse sein, zu Höven, daß der gleich bei Aufstellung des Prljektes ins Auge gefaßte Plan, die Bahn bis zum Görlitzsr Bahnhof durchzuführen, jetzt seiner Verwirklichung entgegengeht, indem bereits seitens der Ver- kehrsdeputation die stonzessionicrung zur Weitersührung der Linie beim Polizeipräsidium eingereicht worden ist. Damit wird für den Südosten und Osten eine neue wichtige Verbindung geschaffen, die nach der ebenfalls geplanten Verbindung mit der Siemensbahn noch eine wesentliche Verbesserung erfahren wird. Sobald aber der Tunnel unter dem Opernplatz, den zu erbauen sich die Stadt- gemeinde schon vor sechs Jahren bereit erklärt hat, fertiggestellt sein wird, so wird durch Verbindung der beiden Siemcnsbahnen und der städtischen Bahn eine Ringlinie erstehen, die für den Verkehr Berlins von der größten Bedeutung sein wird. Dir ersten künstlichen Eisbahnen wurden bereits am gestrigen Nacknniltag eröffnet, nachdem die intensive Kälte der verflossenen Nacht— die Temperatur war bis auf— 7 Grad zurückgegangen— eine gute Eisentivickelung ermöglichte. Mehrere Pächter haben sich dies zunutze gemacht und flott gegossen. Durch Plakate, die an den Zäunen befestigt waren, wurde die Eröffnung der Eisbahnen an- gekündigt._ Die Klagen über ungerechtfertigte Veranlagung zur Kirchensteuer reißen nicht ab. Fortgesetzt gehen uns Beschwerden zu. in denen nachgewiesen wird, daff Personen zur Zahlung von Kirchensteuern veranlaßt tpordcn sind, die entweder der veranlagenden Kirchen- gemeinde gar nicht angeboren oder auS der betreffenden Gemeinde seit Jahren ausgeschieden sind. ES ist ganz unmöglich, alle diese Fälle zu veröffentlichen, nur von besonders krassen Fällen können lvir Notiz nehmen. Ein solcher liegt heute wieder vor. Der Schloffer Karl I.. Loryingstr. 9, ist gleich mit zwei Kirchensteucrveranlagungen für das Jahr 1908„beglückt" worden. Die evangelische wie die katholische Kirche will von dem Manne je 5 M. 20 Pf. haben; beide aber zu unrecht. Herr I. ist nach uns vorliegenden geeicht- lichen Bescheinigungen bereits im Anfange des Jahres 1890, seine Ehefrau im Jahre 1891 auS der evangelischen Kirche ausgeschieden. Wenn eS richtig sein sollte, was lürzlick, der Gesamtverbaud der katholischen Kirchcngemeinden öffentlich erklärte, nämlich, daff die Kirchengcmeinden die Kirchcnhebelisten fix und fertig vom Berliner Magistrat erhalten, so läfft diese Geschäslsgebarung auf einen be- bäuerlichen Mangel an Ordnung in unseren SteuerbnreauS schließen. Als Ansang dieses JahreS Genosse Leid in der Stadtverordneten- Versammlung auf diese unglaubliche Wirtschast hinwies, suchte der Stadtrat Tourbis die vorgebrachten Klagen mit der Bemerkung ab- zutun, eö könne sich doch nur um vereinzelte Fälle handeln und die könnten in einer solch' großen Benvaltung schon vorkommen. Die diesjährige Veranlagung zur Kircheustcuer beweist aber, daß eine noch größere Schlamperei in der Stencrverwaliung zu hcrrsckicn scheint, als der größte Pesstinist vermuten konnte. Die Berliner Bürgerschaft kann verlangen, daff Maßnahmen getroffen werden, die sie vor solchen fortgesetzten Belästigungen schützen. Was die Erhebung der Kirchensteuer überhaupt betrifft, so geht aus Zuschriften an uns hervor, daff noch immer keine Klarheit zu herrsche» scheint über die Grenze, von der ab Kirchensteuer erhoben wird. Wir möchten deshalb wiederholen, daff darüber die Kirchen- gemeinden entscheiden. In Berlin erhebt die katholische Kirche die Kirchensteuer von einem veranlagten Einkommen von 1200 M., die evangelische Synode von 1500 M. an. Die Kirchengemeinden können aber auch erheblich niedrigere Einlommeu zur Kirchensteuer heranziehen. Sie richten sich hier nach dem§ 9 de« KirchenstenergesetzeS, der lautet:„Als Maßstab der Umlcgnng dient die StaatScinkommcn- steuer einschließlich der staatlich veranlagten fingierten Normal- steuersätze". Die fingierten Normalsteuersätze betragen gemäß ß 74 des Einkommensteuergesetzes bei einem Einkommen von— M. bis 420 M.: 1,20 M.. von 420 M. bis 660 M.: 2,40 M.. von 660 M. bis 900 M,: 4 M. Die Veranlagung zur Steuerzahlung kam, also schon Bei jedem Einkommen mit dem niedrigsten Steuersatz bon 1,20 M. ersolgen. Wem» also in.RIrdorf die evangelische Kirchengemeinde, wie uns mitgeteilt wird, bereits von 900 M. Einkommen Kirchensteuer erhoben hat, so stützt sie sich auf ihr fonnciles Recht:. Jeder, der noch formell der Kirche angehört, sollte sobald als möglich Schritte tun, um seinen gerichtlichen Austritt zu erklären, und zwar noch vor Tchlntz dieses Jahres. Er spart dadurch ein volles Jahr Kirchen- steuer und Hilst der Kirche Mittel entziehen. Betreten verboten! Wir erhalten folgende Zuschrift: ES ist sicher zu wenig bekannt, dasi inmitten des Grunewaldes, Jagen M und 52(ein Heideland) als Exerzierplatz benutzt wird. Das Be- treten desselben ist, wie an den misjersten Ecken angebrachte, graue, unauffällige Warnnngstoseln berichten, verboten. Da der Platz nicht eingezäunt ist,' läust der von Halensee direkt vom Walde kommende Spaziergänger nur zu leimt Gefahr, diese Heide zu ül'H schreiten, um sich den Weg abzukürzen. Ein solches harmloses Belgnügen stellt sich zuweilen auf 3.40 bis 9,60 M. So erging es kürzlich einer kaufmännisch angestellten Dame. Sie benutzte eine» schönen Herbstmorgen zu einem Anfentholt im hellen Sonnen- schein auf dem betreffenden, anscheinend hierfür besonders geeignete» Terrain. Das Resultat war. das; sie von einem Gendarm auf- geschrieben wurde und daraufhin binnen 7 Tage» 3.60 M. zu zahlen hatte. Auf ihre beim Aorstand eingereichte Bitte um Erlah derselben erhielt sie abschlägigen Bescheid. Ihre Angaben, daß sie nicht wntzte, dag sie auf verbotenes Terrain gekommen war— denn sie hatte dasselbe, von Halensee kommend, quer vom Walde her betreten— fanden keine Berücksichtigung und sie mutzte zahlen. Um andere vor dergleichen zu schützen, wäre es angebracht, den Platz zw umzäunen, mindestens aber die WarmingSlafel» hell zu streichen und in kürzeren Zwischenräumen auszustellen, damit dieselbe» aufsallen und unbedingt gesehen werden müssen. Da es sich durch- schnittlich um die arbeitende Klaffe handelt, welche dort in nächster Nähe der Grotzstadt Erholung sucht, wäre eS dem Publik««» zu wünschen, dergleichen Extraausgaben zu ei sparen, dem reichen Forst- FiskliS aber weniger leicht Gelegenheit zu solchen Einnahmen zu geben. Kosernenhofgehcimiiisse werden zumeist vor dem profanen Auge deS.Zivilistnipacks" sorgsam gehütet. Zivilisten sind nur zu leicht geneigt, die Beionderheiien des GainascheudieusleS falsch ansznfassen und sie respektlos zu bekritteln. Darum wird mancher es ganz in der Ordnung finden, datz man sich alle Mühe gibt. Kaiernen- Höfe möglichst vollständig gegen die Luhenwelt abznschlietzen. JndeS, mitunter lätzt sichs doch nicht umgehen, auch mal einem Zivilisten den Anblick eines mit Rekruten beletzten KasernenhofeS zu verstatten. In Charlottenbnrg war das beim Elisabeth- Regiment in der sogenannte» Ostkaserne unvermeidlich geworden, weil dort Bauarbeiten ausgeführt werden mntzien. Einer der dabei be- schäsligten Arbeiter, ein Klempner M.. hatte nun auf demKasernenhvfGe- legenheit gefunden, die Rekrulendrillerei auS nächster Nä he z» be obachten. Er hat sich da über etliches gewundert, obwohl er einst selber Soldat gewesen ist und demnach eigenttich an manches gewöhnt sein sollte. Einmal glaubte er zu bemerken, datz ein Leutnant v. Oppen— der, nebenbei bemerkt, ein junger Mann von 20 Jahren sein soll— einen Rekruren in �iner Weise bebandelte. die ihm. dem Arbeiter M., als duichaus unvorschriftsmätzig erschien. In demselben Augenblick wandte der Herr Leutnant sich plötzlich dem Beobachter zu und kommandierte:.Scheren Sie sich an Ihre Arbeit, sonst werde ich Sie beim Bataillon melden.* M. war zunächst ganz verdutzt, dann aber antwortete er ruhig:.Herr Leutiiayt, i ch werde Sie beim Herrn Hauptmann melden.' Und das machte er wahr. Zwar konnte er nicht den Hauptmann selber sprechen, aber er trug dein Feldwebel vor. was er gehört und ge- sehen zu haben glaubte, unh ersuchte ihn. die Angelegenheit weiterzugeben. Man sieht, welche Verdrietzlichleiten diesem Offizier daraus erwachsen, datz einem Zivilisten die Möglich- keit gewährt worden ist, der Rekrulendrillerei zuzuschauen, tlebcr denselben Leutnant v. Oppen wird uns noch mitgeteilt, er habe während der erwähnten Bauarbeiten auch durch seinen Jnstrnktionsuntcrricht die Ansinerksamkeit des.ZivilisteiipockS' erregt Einmal habe er bei offenem Fenster seinen Rekruten mit erhobener Stimme erzählt, sie«önnten stolz darauf sein, zur Garde zu gehören, vo» den Berlinern würden sie darum beneidet, die dürften nicht bei der Garde dienen, weil sie Sozialdemokraten seien. Ja. diese neidischen Berliner I Wie stolz wären sie, wenn sie sich vom Leutnant v. Oppen drillen lasfen durften I ilebrigen« soll dein Klempner M., der die Lehrmethode diese« Leutnonts v. Oppen für unvorschriflS», ätzig hielt, fein Eifer febr übel genommen worden sein. Wir höien, datz sein Arbeitgeber. derKlempneroberme.ister Wiese in Ehar« lottiuburg, ihn einige Tage nachher zu sich beschieden und ihm eröffnet hat. er müsse aus die Militärbehörde Rücksicht nehmen und sei daher leider genöiigt, ihn zu entlassen, weil er sich in Dinge hineiiigemengt habe, die ihn nichts angehen. DaS Militärlustschiff ist gestern vormittag zu einer neuen UebnngSsohrt in Tegel anfgesttegen. In der Gondel nahmen acht Personen Platz Die Führung lag ln den Händen deS Majors «perling. Da« Litftichiff hatte gegen einen 7 Meter Parken, auS Nordwest wehenden Wind zu kämpfen. Längere Zeit manövrierte es in einer Höhe von kOO Metern über der Segensktiche in Reinickendorf. Der Ballon war bald gezivinigen. bei Oranienburg um- zukebren und sich möglichst schnell nach dem Tegeler Schietzplatz zurück zu begeben. Er hatte gegen den starten Wind heftig an- znkiiniplen und mutzte besonder» über dem Reinickendorfer Kirchlunn schwierige Manöver unternehmen. In der Nähe von Tegel entleerte sich der Ballon plötzlich mit einem starken Knall. Er knickte nach der Mille zu ein und mutzte sofort zur Landung niedergehen. Der Schtetzplay wurde vom Militär für das Publikum abgesperrt. Born Zuge gestürzt. Einen schrecklichen Tod fand der Heizer Zahn, der gestern eine» Güterzug von Berlin nach Grunow be- gleitete..Zwilchen KönigS-Wuslerhausen und Bornow war Z. von dem Zuge herabgestürzt, geriet unter die Räder der nachfolgenden Wagen und wurde überfahren, ohne datz von dem übrigen Personal der Unfall bemerkt worden war. Erst als der Zug auf der Station BeeSkow einlief, wurde Zahn vermitzt, und mehrere Beamte sichren auf einer Refervemaichine die Strecke zurück. Der Heizer wurde in der Nähe des Bahnhofs Bornow neben de» Gleisen tot anfgefuitden. Die Art der Verletzungen lätzt die Annahme zu, datz der Unglück- liche nicht sofort getötet ivar, sondern noch einige Zeit, wenn auch bewutztlos, lebend ans der Strecke gelegen hat. Der verstorbriie. der als pflichtgetreuer Beamter galt, hiulerlätzt eine Frau und zwei Kinder. Zahlreiche LootSdirbftiihle sind in der letzten Zeit an der Ober« spree verübt worden. Die Diebe suchen dauplinchtich die Boots- lagecplätze bei Grünau und bei FriedrtchShagen heim. Aber nicht allein auf die Rnderboote haben es die Spitzbuben abgesehen, sondern auch auf den Inhalt der Schränke in den Bootshäusern. Segel- titcher, Gummimäntel, Kleidungsstücke usw. eignen sie sich an und schaffen die Beute auf den gestohlenen Booten auf dem Wasser« ivege fort. Die Beerdigung de« sich selbst getöteten Bildhauers Harro Magnussen ist in letzter Stunde inhibiert worden und zwar auf An- ordnung der StaatSanivaltschast. von privater Seite ivar die Meinung ausgesprochen worden, datz es sich bei dem Tode des Bild- hanerS um ein verbrechen handele. Die Leiche des Künstlers war bei dem völligen Fehlen irgendwelchen Verdachtes einer strafbaren Handlung und weil, woran die zuständige Behörde auch jetzt noch festhält, angenschcinlich Selbstmord vorlag, den inzwischen in Berlin eingetroffenen Angehörigen überlassen worden. Als diese im Begriff waren, sich vom Trauerhalts« nach dem Friedhofe z» begeben. erhielten sie die Nachricht von der Beschlagnahme. Die amt- liche Leichenöffnnug fand gestern nachmittag um 1 Uhr statt. Hinsichtlich der Motive zur Tat stehen die Angehörigen noch jetzt bor einem Rätsel: besonders von dem neu aufgetauchten Verdacht gegenüber, datz Magnuffen einem Veibrechen zum Opfer gefallen sei, sind sie völlig überrascht. Dem Bruder deS verstorbenen, Sanitätsrat Dr. Magnussen ans Danzig, ist iveder über die Beziehungen des BildkpnerS noch über irgendwelche Persönlichkeiten etwas bc- tannt, die diesem hätten nach dem Leben trachten können. Dennoch i't ein Ermittelungsverfahren anhängig gemacht worden, über dessen Ergebnis der Staatsanwaltschaft Bericht erstattet werden wird. DaS Kasino-Theater in der Lothringer Strotze hat am Freitag seinem Publikum ein neues Programm geboten..Hotel Einsiedler' betitelt sich ein Lustspiel in einem Aufzug von Benno Jacobson, in dem dnrch eine Znnmerverwecbslung zwei Ehepaare zusammentreffen, ein Silberpaar, datz vor 25 Jahren das betreffende Zimmer zun« ersten Male bewohnte, und ein eben erst vermähltes junges Paar, das aus der Hochzeitsreise begriffen ist. Freudige Er- innerimgen und bevorstehende Freuden der beiden Paare sind es, die in Gegensatz gestellt werden und Unverheiratete und Ber- heiratete zu manchem reckt verständigen LZckeln reizen. Ganz besonders aber wurde die Lachlust des Publikums angeregt dnrch eine dem Frmtzösiscken entnommene von Benno Jacobson eigens fürs Kasino-Theater zurecktgemachte Burleske: „Die Dianabäder". Ein Abenteuer eines Tierarztes liegt dem tollen Spuk zu Grunde. Der Tierarzt Delbeus hat ein Tete- a-Tete mit einer Ausländeriii', natürlich hinter dem Rücken seiner Gattin. Die feurige Nussiu sucht aber durchaus nack einein Vater für ihr Kind und vei langt von Delbeus. er solle Vater spielen. Das tut sie in einer ihr gehörigen Badeanstalt, in welcher sich ein tolles Treiben abspielt. D. wird im heißen Kastenbad gezwungen— ein nickt gerade gewöhnlicher Weg—, die Vaterschaft anmerkennen. Scklietzlick ordnet sick die Geschichte noch auf andere Weise. Ob- wohl kein reckter Zusamineiibang zu erkennen war. lackte das Publikum angesichts der komischen Situationen, waS das Zeug hielt. Und das war ja auch die Hauptsache. Herr Direktor' Berg tat wieder das Seiuige. Bermißt wird seit dem 9. Oktober der Invalide Johann Notvack, 6. August 1342 zu Jakobsinühle geboren, Friedebergstrahe 17 wohn- Haft gewesen. Er ist l,50 Meter grotz, hat graues Haar, Glatze, großen Voll- und Schnurrbart, blaue Augen, Sommcrsproffen im Gesicht und gute Zähne. Bekleidet war er mit dunklem Jackett und ebensolcher Weste, schtoarzcr Hose, halbseidenem Halstuch blau mit roten Blumen. Schaftstieftl, weißem Barchentbemd mit blauen Streifen und schlvarzgarau gestreifter Schirmmütze. Notvack leidet an Krämpfen und Gedächtnisschwäche uird steht zu vermuten, datz er irgendwo Ausnahme gefunden hat. Personen, die über den Per- bleib deS Vcrmitzten irgendwelche Angaben machen können, Verden gebeten, ihre Wahrnehmungen der Kriminalpolizei oder einem Polizeirevier mündlich oder schriftlich zu den Alten 6125 IV. 2b. 08 mitzuteilen. Arbeitcr-Samaritcr-Kolonnr. Montagabend 9 Uhr 5. Abteilung in Rixdors bei Thiel. Bergstratze 151; Dienstagabend 2. Abteilung bei Dase. Brunnenstratze 154. Vortrag über: Verletzungen— Wundbehandlung— Blnistillnng. Daran anscklietzend praktische Uebungen. Neue Mitglieder können noch in beiden Abteilungen ein- treten. Vorort- I�acbricbten. (sharkattenbnrg. Mit der am 17. November auch in Eharlottenburg stattfindenden Arbeitslosenzählung befaßte sich die am 4. d. Mts. abgehaltene Sitzung der Charlottenburger GewerkschaftZkommission, in welcher neben den Delegierten auch die Vorstände und Bezirksleiter der einzelnen Gewerkschaften vertreten waren. Genosse Flcmming, der in dieser Sache eine Besprechung mit dem Direktor de» hiesigen Statistischen Amts. Herrn Dr. Badtke. gehabt hatte, gab die näheren informatorischen Hinweise auf die Act und Weise der Zählung. welche sich im wesentlichen mit der in Berlin vorgenommenen deckt. Es wurde von ihni ganz besonder« daraus hingewiesen, datz ein jeder Arbeiter oder Arbeiterin jeglichen Berufes sich zur Pflicht machen müsse, die Zählkarten gewissenhaft auszufüllen und ab- zugeben. Ferner behandelte Genosse Flemming die am 29. No- vember er. in Berlin stattfindenden Gewerbegenchiswahlen. Bezüglich der letzthin stattgefundenen Wahl de» GesellenausschusseS zur Handelskammer Berlin regte Flemming an, sich mehr an den Wahlen zu den GesellcnauSschüffen der einzelnen Innungen in Charlottenburg zu beteiligen. Mit der Redensart, den alten Zopf nicht mehr mitzumachen, komme man in der prak.ijchen Arbeit nicht weit. Rur einige Gewerkschaften wie die der Maler, Holzarbeiter und Schuhmacher, seien auf dem Gebtete des JnnungS- wesenS bisher in anerkennenswerter Weise recht rührig gewesen. Zu den am Ende dieses Monats stattfindenden Ergänzunps- wählen zum Vorstände der hiesigen Allgemeinen Ortökrankenkasie wurden die ausscheidenden Miiylieder Sattler Becker, Brauerei« arbeitet Ganschow, Töpfer Mitsching und Fabrikarbeiter Schwarz wieder einstimmig als Kandidaten aufgestellt. Genosse Lange bringt zur Sprache, daß die Räume im Städti» schen Arbeitsnachweis in der Kirchstratze viel zu klein sind und vatz namentlich setzt eine große Anzahl Arbeitsuchender draußen stehen müssen. Vom Genossen Flemming wurde� hierauf mitgeteilt, daß die letzte Sitzung der Deputation für den Städtischen Arbeits- nachwei» sich mit diesem Uebelstande beschäftigt� habe und ein- stimmig ein Ersuchen um Schaffung grötzcrcr Räuucliehkeiten an den Magistrat der Stadt gestellt sei. Genösse Gebert berichtet noch über die Arbeiten der Kost- und LogiSzwangSkommission und bedauert lebhaft, daß er in seiner Tätigkeit von den in Frage kommenden Gewerkschaften fast gar nicht unterstützt werde. Es wurde beschlossen, Wandel in dieser Hinsicht zu schaffen. Von den Genossen Gebert und AhrenS wurde noch angeregt, mehr als wie bisher den Vertrieb der VolkshauSmarkcn zu bemerk. stelligen und überhaupt die Frequenz des VollShauses mehr zu heben. Tie. Vertreter der Fleischer und Gastwirtsgehilfen fehlten ohne Entschuldigung. Elternvereine für freie Erziehung(verein Freier Kindergarten). Mittivoch, den 11. Noveinber, findet im Bollsbaitse. Rosinenstr. 8. ein Märchenabend unter besonderer Berücksichtigung moderner Märchen statt. Srzäblerin ist Frau Toni Sutzinann. Beginn 5 Uhr Zur Decktmg der Unkosten Eintritt 10 Pf. Zahlreiche Beteiligutig von Kindern ist erwünscht. Nixdorf. Eine folgenschwere Bettzittrxpkoflon richtete in ber chemischen Wäsckerei von Engelhardt in der Hennannstr. 4 großes Unheil an. Auf bisher noch nicht erntittelte Ursache explodierte in dem im ersten Stockwerk belegenen Benzinwaschraum eine Zentrifuge. Der 47 Jahre alte Wäscher Otto Kubeil, Ziethenstr. 55, der die Zentrifuge bediente. erlitt erhebliche Brandwunden int Gesicht und am linken Arm. Er wurde nach der Unfallstation In der Sleinmetzstratze gebracht, wo er die ersten Notverbände erhielt. Das Feuer, daS durch die Explosion entstand, wurde durch die alarmierte Feuerwehr gelöscht. Eine An- zahl Theaterkostliine wurden durch den Brand vernichtet und bei der Explosion wurden sämtliche Fensterscheiben zertrümmert. Auch die Decken und Wände wurden beschädigt. Als ein Wunder ist cS zu betrachten, daß der in dem betroffeimt Raitm stehende große Vcttzin« behälter nicht in Mtileidettschnft gezogen worden ist. Wäre er zur Explosion gekoninten, so hätte eine unabsehbare Katastrophe eintreten lotmeu. Wilmersdorf. Statistik über die BersicherungSpfticht der Portiers und HauS- remiacr. Am 2. Dezember 1907 hatte eine Bersatittttlimg von Portiers und HauSreintgern, die in den Pcachlsälen des Westens tagte, eine Reiolntion angenommen, in der der Magistrat darauf hingewiesen wurde, datz die Berufsgriippe der Versnimnelten von den Wohltaten der Krankenversicherung anZgeschkoffe» ist. AuS diesem Grunde erging weiter an den Magistrat das Ersuchen, durch Ortsstatut die VersicherungSpflicht der Portiers usw. ein» zuführen. In der Beantwortung dieser Zuschrift gab der Magistrat von Wilmersdorf zu. datz die vorgebrackten Wünsche in sozialpolitischer Hinsicht Berücksichtigung verdienen. Nach den gegenwärtigen gesetzlichen Bestimmungen seien indes nur diejenigen Portiers usw. der versicheruitgspstickt unterworsen, zu deren Funktionen die Be- dienung eines elektrisch betriebenen Fahrstuhls, einer Dampsheiz- cmlcige oder einer sonstigen Anlage gehört, die durch elementare Kraft in Bewegung gesetzt wird. Eine Abweichung von dieser durch die Gesetze gebatetteit Praxis könne zurzeit nicht eintreten. Ebenso- ivenig sei der Magistrat in der Lage, durch den Erlaß eines OrtS- statutS, welches dte Kcankettversichernngspflicht der Porliers ausspricht. eine Aeiiderung des bestehenden ZnstandeS herbeizuführen, da das Recht zum Erlaß von OriSstatnten durch den K 2 des KrankenversichernngS« geseveS begrenzt ist. Auch der in der Resolution kundgegebenen Auffasiung, der HmtSbesitz sei heute fast allgemein als Gewerbebetrieb anzusehen und die in den Häulern beichästiaten Portiers usw. als Gewcrbegchilfen, vermöge der Magistrat ohne weiteres ttickr zu teilen. Der Magistrat warf den Petenten schließlich den mageren Knochen hin, datz sie sich freiwillig zu versichern ja ei» Recht hätten. Immerhin hielt der Magistrat es für angebracht, in den Mottaiett Mai uitd Juni d. F. bei den Hausbesitzern sämt« ticket in Wtlmetödors vorhandenen bebauten Grundstücke Er« Mittelungen zu veranstalten, deren Ergebnis jetzt vorliegt, von den 1476 Fragebogen, die der Magistrat versandte, kamen 1250 zurück, die sich zur Bearbeitimg brauchbar erwiesen. Von den 1250 in Be- tracki kottmrenden Grundstücken hatten 1087 einen oder mehrere PottierS. während 163 ohne Portier waren. Einen bis drei mann« liche Portiers hatten im ganzen 344 Grundstücke, einen weiblichen Portier 279 Grundstücke, eine» männlichen und einen weiblichen Portier 864 Grundstücke. Ohne Zweifel ist der Umstand. datz so viele Grundstücke mit nur weiblichen Portiers angegeben find. auf falscher Beantwortung deS Fragevogens zurückzuführen. Die Be- obachluiig lehrt, datz in den meisten von diesen Fällen der noch andertveirig beschäftigte Ehemann der Portierfrau in der Bedienung deS Hauses iveietitliche Hilfe leisten mutz. Da eS gelang, auch für«inen veträckllichen Teil solcher Grund« stücke, deren Besitzer den Fragebogen nicht beantwortet hatte, die Zustände festznitellen. so ergab sick folgendes Resultat der Ausnahme: Unter 1453 Personen, auf welche sich die Nachtragen erstreckten, waren sechs, die wegen ihrer im Haupl- oder Nebenberuf ausgeübten h a u S i u d u st r i e l l e n Tätigkeit durch Erlaß eines Orrsstatuts der VersichernngSpflicht unterworfen werden könnten. Hingegen sind 503, also etwa ein Drittel, infolge ihrer besonderen Obliegenheilen als Portier veritchentiigspflichtig. Entweder haben sie«inen Fahistuhl oder eine Heizanlage oder beides zu bedienen. Etwa zwei Drittel der Porti«! ö in WilmerS« dorf, näutlich 944, unterliegen hingegen nach dem jetzigen Stande der Gesetzgebung nicht der versicherungSpflichr. In Wilmersdorf mit seinen verhältnismäßig zahlreichen modernen Bauten liegen die Verhältnisse für die Portiers und HanSreintger noch verhättuiSmätzig günstig; eine Urnftaae in Berlin dürfte ein viel schlechteres Resultat ergeben. Ohne Zweisel lätzt aber gerade deswegen die WilmcrSdorfer Engnete erlenneit, wie notwendig eine AuSdehiiung der Vetsichenmgspflicht auf diese Arbeilerkategorie ist und wie sehr eö eilt, datz die Behörden sich von der Fiktion frei- machen als ob der Hansbesitz in unseren Tagen nicht ein Geioerbe- betrieb sei. Mit den devorsteheitden Stadtverordnetenwahlm beschäftigte sich die letzte Milaliederveriaminlung des Wahlvereins. Nach eingebender Debatte winden als Mieter-Kandidaten der Sozialdemokratie die Genossen Oskar Riedel und Dr. med. Karl Westphal nominiert. Eine rege Debatte schloß sich an den Bericht de« KoiitmissionSmitgliedes betreff» der ArbeilSlosettzählnng am 17. No- vember. E« wurde der Befürchtung Ausdruck gegeben, datz nach diesem System eine geivissrnhaste Zählung nicht stattfinden köimc nnd bedauert, datz dlesclbe nicht nach dem HmiSltsteniyttem vor- geiiommen werde. Ebensogut wie«S den Behörden möglich sei. jeden Etenerzabler. ja jeden steuerpflichligen Hund anSfindig zu niachen. hätte ihr auch die HanszSolung der Arbeitslosen möglich sein ntüssen. Wer zählt nach dem jetzigen System alle diejenigen, welche verkürzt arbeiten? Wer das Heer der Heimarbettcr und Arbeileriniten? Treptotv-Vnnmschulentueg. In der am letzten TicitStag stattgefnudenen gut besuchten Monaisversanmilung für den Ortsteil Treptow hielt Genosse Haß einen von den Anwesenden beifällig aufgenommenen Vortrag über „Soziale Kämpfe im Mi.telalicr". Hierauf machte Genosse Grainenz einige interessante Mitteilungen anS der Gemeinde- vcrtrelung.— Unter VeteinSangcleaenheiten besprach Genosse Ehm die am 17. d. M. stattfindende Arbeitsloseiizahlung. Außerdem � machte er auf die am nächsten Dienstag hier stattfindende Frauen» Versammlung aufmerksam und forderte zu reger Agitation für dieselbe auf. Steglitz. Der lilicral« Bcrcin zu Steglitz hatte kürzlich eine öffentliche vcriatntttlting nach dem»fit cingrtia teten AlbrechtSbvf einberufen. Der Saal ist der größte am Orte und steht zurzeit der sozialdemo« kraiikchett Partei noch nicht zur Betfügtttig. Ter Referent Herr v. Gerloch imfim Stelltiiig zur Kanzlerkrise und der Ftnanzreform. Tide.Reform' sei unannehmbar. Neue Steuern können nur Zug um Zag gegen neue, versassungsmäßig garantierte Volksre.bte be- � willigt werden: Etvtührüng des RriwstagftvahUecht« in Pmttzen, volle Miitiftervermitwort ltÄfeit und Beieitigung des periö.tlicken Regiments. Die Stenern sollen die wirtichafilich starken und stärksten Schultern belasten, daher müssen sie direkt sein. Trotzdem cmglctste der Redner hierbei sehr erheblich, als«r hervorhob, datz man evettlttell — allerdings nicht in der attgettbltcklichen politischen Lage— auch für indirekte Steuern eintreten kütttte, und zwar für die Steuer ans MassettluxitS-Kottitimarttkel ufw.. Wein. Bier, Vramitwein. Tabak ui'w. Der freisinnigen Blockrichtnita sprach Herr v. Gerlach da« Recht ab. sich liberal zu nennen, da fit ohne die erfordc, ticken versaffuiigSmätzigen Garaniien die pretttzisch-detnsche Rcgierttng unier- stützt. Nach kurzer Diskussion wurde eine Resolulio» un Sinne der ÄuSführungen des Referenten angettoinmen. DaS Opfer einer verhängnisvollen Flaschenverwechfrlnng ist die 35 Jahre alte Krattkenpflegerttt Bmia Schönberger geworden. Seit einigen Tagen ttachn die Sch. Medizin ein. Dabei verwechselte sie irrtümlicherweise die Medtzittflasche mit einer Flaiche, in der Salmiallöinng enthal'en war. Sie nahm von dem Gifte ein solch starles Lnaninm. daß sie vorgestern im KreiSkrattkenhause in Grotz« Lichler fttde, wo sie Aufnahme gefuttden hatte, an den Wulungea starb. Lichtenberg.' Eine öffentliche Gewerkschaftsversammlnng sollte sich am DienStag im Lokale von G ü r s ch, Frmtlsttrt« Chaussee, mit der bevorstehenden ArbcitSlosettzältlttng und noch anderen wichtigen Tingen beschäftigen. ES sei hier mitgeteilt, daß diese Versammlung ausfällt, dafür aber in demselben Lokale eine von de» von Grotz-Brrlin einberufenen Protestversaminluiigen stattfindet. Voßhagen-Nnminelsburg. Trlcgicrlrnwithl zur Ottölratikenkasse. Am Montag, den 9. Ro« vember, von nachmittags 5'', Uhr bis abends 3'/, Uhr finden die Wahlen der Delegierten zur G e n e ra l v e rsa tnm lnn g statt. Wahllokal: im großen Saal der Witwe Weigel, Türrschmldt« stratze 45. Wahlberechtigt und wählbar sind mir diejenigen Kaffenmitgliedcr, welche großjährig und im Besitze der bnrqerlichhn Ehrenrechte sind. ZNS fieftHimation fitü für Mitglieder die Mitgliedskarte oder eine BesSeinigung des Arbeitgebers. Die Wahl ist geheim. Die Liste des GewerljchaftSkartellS beginnt mit dem Namen Iah», Otto(10852) und endet mit dem Namen �ugbaum, Wilhelm(19217). Wir ersuchen alle Mitglieder der Kasse, nur diese Liste bei der Wahl abzugeben. Das Gewerkschafkskartell. I. A.: B r ü s ch! e. Köpenick. Stadwerorduetenwahleo. In der nächsten Woche werden die Ergänzungswahlen zur Ktadtverordnetenversammlung vollzogen. Die Gegner, welche der Sozialdemokratie bisher keine Kandidaten in der dritten Abteilung gegenüber stellten, werden diesmal auf dein Plan erscheinen. Die Führung des Wahlkampfes hat der ReichSlügenverband übernommen. Bis heute ist von einer Wahlagitation der Gegner in der dritten Abteilung noch nichts gemerkt worden. Da dieselben jedoch stets erst in letzter Stunde mit der Agitation zu beginnen pflegen, ist eS doppelte Pflicht unserer Parteigenoflen, auf dem Posten zu sein. Wir ersuchen deshalb, die kurze Zeit bis zu den Wahltagen auSzu- nutzen und für die Wahl unserer Genossen zu agitieren. Auch an die Wähler der zweiten Abteilung ergeht die Aufforderung, rege für die Wahl unserer Kandidaten tätig zu sein. Die Wahl in der dritten Abteilung findet statt: Für die in der Alistadt und Dammvorstodt wohnenden Wahler am Montag, den 9. November, nachmittags von 4—8 Uhr. im Stadttheater, Friedrichstr. 6; für die in der Kictzer Vorstadt wohnenden Wähler am Dienstag, den 10. November, nachmittags von 4—8 Uhr. im Restaurant Hallsknecht(früher Ludwig) Dorotheenstr. 1; für die m der Cöllnisazen Borstadt wohnenden Wähler am Mittwoch, den 11. November, von 4—3 Uhr im Restaurant Schcer, Rudower Straße 1. Kandidaten find die Genossen: Stadw. Paul Hein, Rudower Straße; Zigarreufabrikant Franz Weber, Bahnhofstr. 15. Die Wahl in der zweiten Abteilung findet am Donnerstag, den 12. November, von 3—7 Uhr nachmittags im Rat- Haus, 2 Tr.(Stadtverordnete»' Sitzungssaal) statt. Unsere Kandidaten sind: Zeiiuugsexpedient Otto Nickel. Wilhelmstr. 8/9 I, Hansbesitzer Rudolf Finger, Parisius- straße 9. Gastwirt Max Golze, Kaiserin-Auguste-Bictoria- Straße 15. Hausbesitzer Hermann Baedecker, Dorotheen- straße 13, Schuhwareuhändler Emil Ternick, Grünauer Straße 8. HauS- und Wäschereibrsitzer Karl L a d e w i g. Grünancr Straße 50. Parteigenossen, welche an den Wahltagen bei den notwendigen Arbeiten helfe» wollen, ersuchen wir. sich umgehend bei dem Genossen W i ß l e r, Kietzerstr. 6, zu melden. _ DaS Wahlkomitee. Den Bericht über die Tätigkeit der sozialdemokratischen Fraktion im Stadlparlonient erstattete in der letzte» Wahlvereiiiöversaiuniluiig Genosse Paul Herbst. Redner erörterte eingehend die geniawten Fortslvrilte aus dem Gebiete der Schule, der öffentliche» EeniiidheitS' pflege, des Haliekinderiveseus und der Gehaltsaufbesserung süi Beamte und Lehrer. In der Diskussion des mit Beifall aufgenonuilelle» Berichts wurde allseitig die Tätigkeit der Fraktion gutgeheißen. Hierauf wurde die Aufstellung der Kaiididaten für die bevorstehende Stadiverordnetcnwahl vollzogen, der dritten Abteilung, in der zwei Mandate erledigt sind, kandidieren die Genossen Paul H-tn. Bäckermeister, und Franz Weber, Zigarrenhändler. Die zweite Ableitung wurde mlt folgeudcn Kandidaten besetzt: Otto Nickel. ZcilungScxpedient; Rudols Finger. Restauralrur: Max Golze, Rcstauratem; Hermann Bädecker. ElgentÜiner und Restauraieur; Emil Termick, Schuhwarenhändler, und Karl L a d e w> g. Wäschere»bes>tzu. Friedrichshagen. FrirdrichShuge«. Diejenigen Abonnenten, die die Zeitung an der Bahn erhalten, werden darauf aufmerksam gemacht, daß wir zum Schutze der Verteilerin und der Zeitungen gegen Aittcrungsunbill im Garten des Gesellschastshauses(drittes Haus von der Bahn) ein Brettcrhaus aufgestellt haben, von dem aus von Dienstag ab verteilt wird. Nichtabgcholte Zeitungen können dort nach Meldung in der Stehbierhalle des Gesell>chaftShauscS in Empfang genommen werden. Die Zeitungskommission. Wilhelmsruh-Nosenthal. In dem letzten Bericht über die Wahlvereinsversammlung muß e» beißen: Auch für die Jndnsirirbahn verlangt der Gemeinde- Vorsteher jetzt noch 70000 M., während nur 85000 M. dafür eingesetzt waren. Zeuthen. Ter Pastor al» Sittenrichter. Auf recht eigentümliche Weise wurde vor einigen Tagen eine hier staitgefundene Trauung gestört. Em Brauipaar hatte da» Bedürfnis, beim Eingehen in den Shebund auch den Segen dcS hiesigen Pastor« zu erhalten. Bei diesem Bor- gang hatten sich eine Anzahl Angehörige und nähere Bekannte des jungen Paares eiiigefimden. Als das Brautpaar die Stufen der .»ärche betrat, wurde der Braut plötzlich vom Herrn Pastor befohle». den Schleier abznnrburen. Was hatie die» für eine Bedeutung? Nun. der Seelsorger hatte erfahren, daß die Braut sich bereit« in glücklicher Hoffnung befand. In diesem Zustande sollte sie unwürdig lein, daS Gotteshaus mit dem Srvleicr zu betreten. Der Eingriff des Seelsorgers rief bei den HochzeilSgästen eine große Erregung hervor, die sich in dem Auörus:„LoS von der Kirwe l" Luft mocvte. Aber nicht nur die Gäste, sonder» auch die t, ingen Eheleute werde» von dem Gang zur Kirche kuriert sein. Daß die Scbivangerschoft für eine in den Ehestand tretende Braut ein Anlaß sein soll, von einem Ticner Gatte« herabgesetzt zu werden, wird ihnen recht •onderb« vorlommen. Mocben Spielplan der ßerllner Cbeater. Königl. Opernhaus. Sonniaa: Die vohime. Montag- Die Wal- rüie. Ausgewiesen. Abend«: Eine tolle Nacht. Montag: Fiethctt. DIenStag: Eine toll« Nacht. Mltwoch, Donnerstag: Die Ehre. Freitag: Eine tolle Nacht Sonnabend, nachmiitagS 4 Ubr: Aschenbrödel. Abends: Eine tolle Nacht. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Flachsmann als Erzieher. AbeudS: Die Ehre Montag: Eine tolle Nacht. Berliner Operettcu-Theater S W. Jeden Abend: Havana. Mittwoch und Sonnabend, nachmillagS 4 Uhr: Dornröschen. Nächsten Sonn« tag, nachmittags 3'/, Uhr: Der Hültenbesttzer. Bürgerliches Schauspielhaus. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die Räuber. Abends, DicnStag. Donnerstag und Sonntag, den 15. No- oember: Don Carlo«. Montag: Unsere Frauen. Mittwoch: Die von Hoch- tattet. Freitag: Die Herren Söhne. Sonnabend: Kunslabend. Montag, den 16. Noocinber: Hamlet. Nächsten Sonntag, nachmittag» 3 Uhr: Hamlet. Bernhard Rose- Theater. Sonntag, nachmittag» 3 Uhr- DaS Käthch-n von Heilbionn. Abend«, Montag und Fictlag: Die Jungsrau von Orleans. DtcnSiag: Herr Paragraph. Mitlivoch: Philippine Wellcr. Donnerstag, Sonnabend und nächsten Sonntag: Baron!» Gisela. Mitl- woch, nachmitlags 3 Uhr: Die Junghau von Orleans. Sonnabend, nach- miltagS 4 Uhr: May und Moritz. Somitaz, den 15. Nov., nachmittags 3 Uhr: Philipptne Weher. FotteS Eaprice. Täglich: Die Brantschau. Die lästige Witwe. vastno-Th' ater. Sonniag, nachmittags 4 Ubr: Reezengasse 8s. Jeden Abend: Die Dianabäder. Sonntag, den 15. November, ilachmittagS 4 Ubr: Die sid.l« Kiste. Gebr. Herinfetd-Thrater. Allabendlich: Die bctdrn LindclbandS. (Ansang 8 Uhr.) iUtmopoi. Theater. Allabendlich: Donnerwetter— tadellos.(Ansang 8 Uhr.) Nächsten Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Dnrchlalicht Radieschen. Wlne- rgarten. Allabendlich: Spezlalitälen.(Ansmig 3 Uhr.) Heule nachmittag 8 Uhr: Vorstellung. Apallo-Tvearer. Bis aus weitces täglich: Eine lustige Sprcewald- fahrt. Spezialitäten,(tzlnsang 8 Uhr.) Steietistialten< Thraier. Allabendlich: Sleltiner Sänger. Uranta-Thraier. Zaubeiitlraize 48/4». Sonnlag, Dienstag. Miltwoch, Freitag und Sonntag, den 15. November; Der Montblanc. Moulag: Pia. iessor Dr. Katzner: Bulgarien, Land und Leute. Donnerstag: Eine Nil- jährt btS zum zweiten Katarakt. Sonnabend: Uebcr den Brenner nach Venedig. Sonnabend, nachmiltag» 4 Uhr: Die Kruppschen Werke. Sternwarte. Jnvalidenslr. 57—62. Bastaae-Thratrr. Allabendlich 8 Uhr: Spezialitäten. Sonntag, nach- mittag« 3 Ubr: Svezialiläten. Balnst. Theater. Allabendlich: Der Seekadett. Spezialitäten.(Ansang 7'/, Uhr.) Walhalla-Theatrr. Spezialitäten,(tzlnsang 3 Uhr.) Amtlicher Marktbericht der städllschen MarNballen-DIrektlon über den Grotzdandel tn den Fentral-Marttballen. Ältarkilage: Fleisch: Ausuhr schwach, Gcschäsl lebbast, Preise unverändert. Wild: Zusuhr genügend. Gcjchäst lebhaft. Prelle befriedigend. Geslügel: Anjudr sehr reichlich, Geichäst ziemlich lebhast, Preise nicht gan» besricdlgend. Fisch«: Zusuhr genügend, Geschäft ruhlg, Preise wenig verändert. B u I t e r und Käse: Gc-chäsl ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südsrüchte: Zusuhr genügend, Geschäft ruhig. Preise un- verändert. Vermifcdtes. Die Erderschütterungen im Bogtlaud. Ein Telegramm aus Plauen meldet: Nacksdem s»n Laufe des gestrigen Nachmittags kleinere Erschütterungen im Eidbebengebiet verspürt worden waren, erfolgte dem„Vogtlandiscben Anzeiger" z» folge um 7 Uhr 42 Minuten abends ein ziemlich starker Erdi"ß- In der Nacht wurden noch eine große Anzahl Erderschütterunge-{'O" geringerer Stärke wahrgenommen, die beiden heftigsten u"* 45 Minuten und um 1 Uhr 50 Minuten. Gegen MvAen ist cS ruhiger geworden.__ Eine neue Zeppelin- Fahrt fand am gestrigen Tage statt. Diese Fahrt»vird iv» den Telegraphen« bnreanS als eine Weltbegebenhcit behandelt, lr�.u an derselben autzer dem Grafen Zeppelin der deutsche Kronprin? teilnahm. Der Aufftleg erfolgte nach einer Meldnng aus FricdrichiUafen um 11 Uhr-0 Min. Um 12 Uhr 15 Min. befand sich das IMtfäifT bei Ueberlmgen und führte dort einige wohlgelnngene Man-��r aus. Dann gmg die Fahrt weiter in der Richtung nach Singe» und Donaueschingen zu. Der Ballon passierte um 4 Uhr Singer, um 4 Uhr 30 Min. Radolfzell und fuhr dann weiter in der sirchtung auf Konstanz. Eine Meldung aus Ueckerlinaen besagt: DaS Luftschiff fand in größerer Höhe Winfftille und seine Fahrt verlief schnell und sicher. Die Geschwindigke� babe etwa fünfzig Kilometer die Stunde betragen. Ein dem sufischiff folgendes Automobil sei in dem hügeligen Gelände bap zurückgeblieben..„ Die Landung er/vigte nach einer Meldung aus Frredrich»- Hafen um 5 Uhr 50 Minuteu nach S'/�stündtger gläiizender Fahrt in Manzell. Es passierte die Insel Reichenau 4 Uhr 40 Minuten und befand sich in niedriger Fahrt um 5 Uhr über Konstanz. Selbstmord eines Bankiers. Aus Mainz wird gemeldet: In der Nacht erschoß sich der Stadtverordnete Karl Oppenheim, Mitinhaber eines der ältesten Bankhäuser Hessens. Schwere finanzielle Verluste sollen die Ursache sein._ Huudertfünfzig Personen ertrunke«. Ueber eine Schiffskatastrophe wird aus Tokio folgendes ge- meldet: Der Dampfer.Taish" ist wahrend eines Sturmes auf der Höhe der Insel Jturup untergegangen. Hundertfünfzig Personen sind ertrunken. ßrfcfhaften der Redahtfon. Dt«(nriftitrfie Cvrcchnnnde nullet Liiidenftraftr Rr. 8. zweiter Hot, dritter Eingang, vier Treppe», BV Aabrstuhl roortirmnqlirti abend? von 7'/, dir O'/i IIb» ftat«.«Neiittuet 7 übt s»»»abend« begli»» die Svreit, stunde»u> n Ilbr. Feder Slnsrag- ist ein '»»chitabe„ud eine Aabl al? tvterk,e>>de» beipiiiige». Prieiliche 41»nuort wirb nicht trtnli. Bis zur Beantwortuiig im Briefkasteu köiiucu 14 Tage vergeben. Eilige Fragen trage mau«u der Sprechnuiide vor. Bö. K. 1V0I. Lassen Sie sich die gcsundheilsgcsährdcnde Beschaffen- heil der Wohnung durch einen Arzt bescheinigen, reichen dem Amtsgericht die» Attest und eine Klag« aus Anfhebung des Vertrages und Schadenersatz ei» und bemitragcn einen möglichst nahen Termin anzuberaumen.— Wiener itO. Eme Rückzahlung erjolat nicht.— O. P. 45. 1. Wenn mindestens 266 Marken geklebt sttib, hatte ein Antrag aus Invalide»»»!« Aussicht ans Erfolg. 2. Wenden Sie sich an die SlismngSdepulalion, Post» stratze 16 II.— P. G. Ä7. Bis zum Schlutz des Jahre« 1309 sind Sie noch tircheiisleuerpflichtig.— I. B. 18. Liegt keine eiitgegenilcheiide mündliche oder schiisiüche Abrede vor, so haben Sie die Miete postnumc- rmido(also am Schluß des Monats), also niwt pränumerando(im Voraus) zu zahlen.— E. H. 8,». 1. In der Regel nein. 2. Rein. 3. Wenden Sie sich an die S>isuin.iSdcputation, Poststr. l6 II. 4. Machen Sie eine» Versuch.—®. M. 99. Nein: nach dem Gesetz sind die Kinder nur so- iveit zur Unterstützung der Eltern verpflichtet, als dieS ohne Beeinträchtigung dcS standeSgemätzen Unterhalts der Familie möglich ist. Ihr Vater sollte bei der Armendireltton Beschwerde einlegen. — kW. S. 3. 1. und 3. Sie werden als zur evangelltchen Kirche gehörig gerechnet. 2. Solange Sie nicht au« der Kirche ausgcttetcn sind: ja.— BarittS, Die Vrrelnbanmg der jedcrzrttigen dretlägtgrn Kündigung ist güllig.— E. R. 99. Die Beschlagnahme kann auch seitens nicht ein» getragener Gtänbiger eriolgen.— O. S. S. Beantragen Sie schristlich, Jlmen eine Bescheinigung über den'Austritt zu erteilen.— H. P. 33. Ohne Einsicht in den Veisichernngsvertrag nicht zu bcanlworten.— H. S. 73. Für Lohmückstäude aus dem Gesiiideverhältnis ist das Amtsgericht, für solche aus einem gewcibllchen ArbcitSverhällnlS das Gewerbe» gerichl(Zlniinerstr. 84) zuständig.— C. Ct. 209. Nein.— B. Z. 817. l. Nein. 2. Stellen Sie baldigst die Klage aus Zahlung an. 3. In 30 Jahren.— Treptow 98. Eine Beleidigungsklage hatte ivcutg Aussicht aus Ersolg. Sic lönuen der Betreffenden eine angemessene Frist zur Aeuderung der Bluse stellen. Ihr androhe», datz sie nach sruchtlosrm Ablauf der Frlit die Aenderuiig aus ihre Kosten vornehmen lassen würden und Ihre Drohung aussühren. Da aber in dem Prozctz daS uubcrccheiibare Gulawten Sachverstäudigcr matzgebend sein würde, so Ist es in der Regel ralsamer, zu zahle»«.— H. G. Ja. Wlftfrunnsiidcrfldtt vom 7. November>99». morgen» 8 Illir. «tatlonen S ij if »wmembe 765® Hainburg 768 Still «crllt 766®«® Iranft.a IM 766 RO Müinhen 766 0 W'UI 768 SA Wetter w« ä* I- Stationen 3 heller—2 ,H>wainnda 754« Nebel—4 j Petersburg 752« 1 wotteiil—3.Sctllv 756O 3woltenl— 5! lberdeeu 764 ZW 2 wotteiil—8 Parts 761 NOt 1 halb bd. S! Wetterprognose kür Sonntag, den 8. November 1998. Kalt und vteliach heiter, aber veränderllch mit leichten Schueejällen mäßigen nordwestlichen Winden. Berliner Vetterburea t* B» A II Li» 4' bedeckt 2 bedeckt 5 bedeckt 1 wollig Lwolleul -7 —6 -1 UN» u. WaNerftandS-Nackirtckiten d« LattdeSanslnlt für Gewäffcrtuilde. mitgelellt vo» _ Berliner Wetterbureau. vafferstand M- m- l. Tllsit P r e g e l. Jnstcrburg Weichsel. Tborn Oder. Slatlbor , Krrffe» , grankiurt Warthe. Schrimm , LaudSberg Netzt, Boroainm Elbe. Letnnerltz , Dresden , Bardo , Magdeburg vafferstand Saal», Grochlitz Havel, Spandau') , Ratbcnow') Spree, Svremberg') , Becskow Weser, Münde» , Minden R h c t n, MaximllianSau , Kaub , Köln Neckar. Heilbrom» Main, Wertheim Mosel, Trier ') 4- bedeutet Wuchs,— Fall,—>) Unicrpegel. üiihiger 5chlsf ist kr größte Wchllätn. Wer ri« Gtlröiil! will, dlis liiciiilils de« Schlaf stört, der hak« gcaitßc Kathreiaces Maljkffce. Av die arbeitende jZevölberung. Tausrndr von Kindern erhalten kein warmes Mittagessen, weil die Mutter auher dem Hause arbeitet, oder weil die Haupt- u�hlzeit erst abends gekocht wird. we»., hxx Bater von der Arbeit komm. Tie Kinder erhallen Mittags�xjftAiiff�miliSJnnijsm. (f jnr folfoj? Ernährung ist für die Kinder gtsnudheitsslhäd- lifh. Wirverabreir�n in unseren Kinder-Boltstiicheu Kinder im Alter von 2-6 Ä-Hrrn ein Mittage,-en«ür S Pf� sowie kür schnlpsliivtige Kinde» tin Mittagessen für 10 Pf.;»och kann das Essen nach Hause g>- hol« werden. Die Vliislalicn befinden sich: Freiligrnthstr. 7. Bredow- strafte 22, Antoustr.'Xt, Grün- thaler Ztr. 17, Swincmündrr Dtraüe 26, Denefelderstr. 3, Mulackstr. 35, B)ilhelm-Dto ze- Dtrahe lO. Gubener Dtr. 13. Förster Dtr. 51, Wassinann» strafte II. Gleimstr. 13, luriner Ttraftr3.Hübnrrstr.5, Dtralauer Plan 6/7, Groftgürschcnstr. 23. Marken a 5 Pf. und 10 Pf. find in den mit Plakate» ver- scheuen BerkaufsstcUen zu haben, welche auch in den Kinder-Bolks- küche« z« erfahren sind. 4899�* P. 8. Die Küche» sind, aujjcran Sonn- und Feierlagen, von 11'/, Uhr vormittags bis 2 Uhr nach- mittags geöffnet. Der Vorstand des Vereins für Rinder» Volksküchen. Hermann Abraham, Vorsitzender. � Hygienische Bedartsarükel. NeuoaL Katalog ÜLEmpfohl.viel Aerzieu.Prot. grat.o4j B. Dngar. 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(Ohne Gewähr.)(Nachdruck»erbot»!.) 771 408 79 628 848 80»89[aOO] lOj« ISUUj 105 488 (3 98 llOOU] 631 33 704 813 63 966 2(24 600 28 72« 67 [8000]»72 84 17000] 3064 732 299 324 600 833 4077 729 •233 862 99 571 702 392 929 46 75 slOOO] 5768 490[5001 010[ 600] 21 720 881 6261[1000] 426 620 878 950 75 7252 60[1000] 306 439 609 21 731 8227 443[600] 645 602 93 760 805 65 75 98 982 9013 85 164[1000] 221 810 401 641 72[ 7000] 638 951[1000] 10071 121 222 98 376 413[1000] 821 689 795 851 879 11192 315 733 839 80 919 67 1 2007 232 316 88 661 739 814 45 47 87 1 3077 84 117 56 322 798 818 69 1 4949 407 78 551 701 386 991 15015 157 220[500] SO 69 787 48 95[1000] 899 1 6019 511 13000] 623 707 1 7363 557 [3000] 74 620 55 755 68 838 1 8192 271 415 540 767 855 »57 1 9010 244 559 624 87 99 817 979 20)00 230 7) 996 2 1 042 148 470 688 719»94[500] 22034 1(2 81 23)39 402 593 806 24005 127 97 314 618 711) 500] 971 2 5205 34« 93 9U7 26)03 19 366[ 600] 938 27053 237 45 333 91 711 13 829 95 2 8011 131 417 91 695 660 f 10 000] 744 2 9014 60 57 78 209[1000] 857 97 463 601 838 30357[500] 93 1590] 405 22 63 661 829 3 1 063 110 678(106«20 86 99 3 2017 101 251 397 652 197 819[600] 925 33864 67 439 85 517 826 937 3 4014 160 67[3000] 541[10C4I] 773[ 3000] 832 96 3 5018 267 78 407 62 631 36015 183 359 88 530 65 998 3 7 033 76 312 64 466 667 Od 946 3 8071 174 222 619 82 67 749 39151 216[lOOO] 861 656 626 760 llOOd] 882 40192 639 891 41)16 302 436 73 98 637 708 M 6» [lOOOJ»25 42(6)2 III 513 69 848 919 43196 289 347 76 489 507 81 619 59 73 708 901[8000] 5 13000] 44(60 [3000] 154 387 194 758 4 5246 4 6006 108[5001 400 648 715 80. 93 982 4 7 208 378 629 790 861[1000] 48128 477 642[ 500] 5 756 812 961[500] 49lM5 174 252 856 499 699 881 929 45 50(461 742 842 935 5 1515 790[500] 85«»19 52141 [1000] 959 5 3074 179 367 5 4050 245[1000] 824 698 751 59 55)98 250 165 648 803 56098[6001 86« 57 883 419 [1000] 600 988 58)91[600] 705 383 426 682 848[600] 993 [1000) 5 9 246 48 385 66« 982 60(137 UOOO] 126 318 437 71 603 862 6 1 227 669 841 «2)06 30« 51 62 688 91 708 47 918 95 6300« 17 276 300 565 899 994 99[3000] 64120 246 331 96 479[lOOOs 86 639 601 44 700 909 6 5534 55 620 49 763 806 21 66030 [3000] 38[ 600] 242 90 337 75 433 79 660«II 716 68206 716 9)8 96 69 164 251 69 310 7 7 722 99[600] 70219 687 805 705 7 1 209 15 449 62 605 7 2056 68 18« 83 406 890 921 73140 223[3000] 91 339 80 481 74201 74 409 651 608 66 954 7 5068 220 82 84 99 724 UOOO) 98 843 7 6 079 133 319 93[1000] 486 540[500]«22 77127 [1000] 71 78 220 28 32 799 78490 648[600] 730 842«4 791*13 418 531 802 921 8O097 304[500] I« 498 61, 86 43 772 927 71 8 1 477 675«31 82375 4-11 97 615 27 60 859 8 3197 262 686 8 4302 13 45? 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KtillM des Lllmillls" Ktllilltl Alksdlllü. filodcrnc Irrenljausfoltcr. 2. LerhandlungStag. ES wird zunächst nochmals die Zeugin Frau Lube»i der- nummen. Sie bekundet auf Befragen, datz sie an die Anstalt m LeubuS absolut nichts weiter gezahlt habe, als die VerpslcgungS- kosten. Sic habe ja kein Interesse daran gehabt, ihren Mann in der Anstalt festzuhalten, vielmehr habe sie gehofft, ihren Mann gesund wieder zu bekommen. Ihre Intimitäten zu Dieterichs seien nicht weiter gegangew als sie gestern angegeben. Auf Befragen des Rechtsanwalts Holpert bestätigt die Zeugin, daß sie am Tage vor der Entlassung ihres Ehemannes aus dem Jrrenhause mit Dietrrich« einen Vertrag abgeschlossen, wonach dieser im Falle, daß er von dem Ehemann entlassen werden sollte, eine Extrarcmune- ratio» erhalten sollte. Auf Grund dieses Vertrages hat Dieterichs einen Prozeß angestellt, der aber keinen Erfolg gehabt hat. Auf weiteren Vorhalt des Rechtsanwalts Dr. Holpert bleibt die Zeugin mit aller Bestimmtheit dabei, daß sie erst während des Internats ihres Ehemannes Intimitäten mit Herrn Dieterichs ausgetauscht habe. Im Anschluß an die Fragen, die Rechtsanwalt Holpert an Frau Lubecki hinsichtlich ihrer Beziehungen zu dem damaligen Geschäfts- führer gestellt hat. gibt ersterer die prinzipielle Erklärung ab, daß er durch die Fragestellung nicht bezweckt habe, aus eventuellen Ver- fehlungen Schlüsse aus die inoralischcn Qualitäten der Ehefrau Lubecki zu ziehen. Derartige Versehlungen unter Ehegatten inter- efsieren lediglich diese, aber keinen dritten, insbesondere nicht die Verteidigung. Dieselbe habe nur im Rahmen deK inkrimierten Artikels derartige Kragen gestellt zum Nachweis, ob und inwieweit der von dem Ehemann Lubecki festgehaltene Eisersuchtswahn, den die Psychiater festgestellt, berechtigt gewesen. Der Zeuge TieterichS, 28 Jahre alt, wird eingehend über die Zeit und den Umfang seiner intimen Beziehungen zu Frau Lubecki befragt. Er habe sich als Freund der Familie betrachtet .und so sei es denn gekommen, ohne daß er sich etwa» besonderes dabei gedacht habe". Die Intimitäten hatten erst noch der Inter- nierung des Herrn Lubecki begonnen und seien über den Austausch von Küssen nickü hinausgegangen.— Der Borsiyend» Landgerichts- birektor Splettstöster wünscht von dem Zeugen Auskunft darüber, wie er denn zu dem mit der Frau L. abgeschlossenen schriftlichen Vertrage, der doch für Herrn L. sehr ungünstig war, gekommen sei. Ter Zeuge erwidert, daß er nicht ohne weiteres aufs Pflaster geworfen werden wollte. Der Vorsiliende hält ihm vor, daß Herr Lubecki ihn wegen des AuStauschS von Zärtlichkeiten mit der Ehe- frau sofort hätte entlassen können. Die Entlassung ist dann auch etwa ts Tage nach der Rückkehr de» Herrn Lubecki aus der Anstalt erfolgt. Der Zeuge erklärt weiter aus Befragen, daß er Herrn L. nicht für normal gehalten habe. Dieser sei so kolossal auf- gcrcgt und nervös gewesen daß er manchmal geglaubt habe, eS sei nicht ganz richtig mit ihn,. Ter Vorsivende weist darauf hin, daß Herr Lubecki seine kaufmännische Tätigkeit mit 50 M. begonnen und zeitweise cS schon zu einem Vermögen von über 200 000 Mark gebracht habe. Da» Vermögen sei dann später rapide zurück- gegangen.— Staatsanwalt Rasch läßt aus den Akten feststellen, daß Frau Lubecki am 9. September lÖOb zur Pflegerin über ihren Ehemann bestellt und die Pflegschaft am IL. Februar 1900 aufgehoben worden ist. In dem zur Verlesung kommenden Vertrage hat Frau Lubecki dem Zeugen Dieterichs u. a. auch zugesichert, daß auch für den Fall, daß er durch sein« Schuld plötzlich entlassen werden sollte, ihm noch sein Gehalt für den laufenden und noch für 4 wcitcre Monate»nd auhrrdem extra 500 M.»ufliehrn sollten.— Der Zeuge Dieterichs gibt auf eine Frage des Singe. klagten die Möglichkeit zu, daß er die Frau L. gelegentlich auch geduzt habe. Als Zeuge wird sodann Geheimer Sanitätörat Dr. Alter, der Leiter der Provinzial-Jrrcnanstalt zu LeubuS, vernommen Die Slufnahme des Herrn Lubecki in die Anstalt sei in durchaus korrekter Weife erfolgt, wie auf Befragen der im Saale anwesende LandeSrat Schoelzel bestätigen werde.— Rechtsanwalt Dr. Halpert beantragt nunmehr, daß der Herr Landesrat den Saal zu verlassen habe, da er eventuell al» Zeuge austreten müsse.— Staatsanwalt »lasch widerspricht diesem Antrage, der jedoch vom Angeklagten Schneidt ausgenommen wird. Die Tendenz des inkriminierten Artikel» gehe ja gerade dahin zu beweisen, daß. wenn auch ganz korrekt Verfahren werde, doch solche Ungcheuerlicheiten nach Lage unserer JrrenhauSgesetzgcbung passieren können.— Rechtsanwalt Dr. Halpert: Die Verteidigung geht weiter und behaupte, daß nicht korrekt verfahren sei.— Das Gericht beschließt, Herrn Landesrat Schoelzel alsbald zu vernehmen. Inzwischen ist der bis dahin nicht anwesend gewesene Sachverständige Medizinalrai Dr. Leppman» erschienen. Der Vorsitzende hält es für notwendig in dessen Gegenwart die heute vernommenen Zeugen noch einmal kurz zu vernehmen. Dies geschieht,— Der als Zeuge aufgerufene LandeSrat Schoelzel ist OsL Jahre in der Provinzialverwaltung und 23 Jahre Jurist. Er gibt eingehende Auskunft über die Be� ftimmungen, die für die Aufnahme in öffentliche Irrenanstalten solcher Personen gültig sind, welche den Landarmenvcrbänden zur Last fallen. Diese Bestimmungen sind für die einzelnen Pro- vinzcn je nach den besonderen Verhältnissen verschieden und für die Provinz Schlesien sind natürlich nur für diese gültige Vor- schristen vorhanden. In Schlesien beträgi die Zahl der GeisteSi kranken zur Zeit 0000. Da e» sich im Falle Lubecki nicht um eine» Armcnkrankcn. sondern um einen vermögenden Kranken handelte. areife das revidierte Reglement vom lO. April 1806 Platz. Die Aufnahme auch in die PensionSabteilung bedarf der Zustimmung des Aufzunehmenden oder dcrjcnigcn Person, welche gesetzlich be fugt ist, über die Person dcö anderen zu verfügen. Aus Grund seiner allgemeinen Ersahrungen könne er sagen: Die Personen werden fast immer aufgenommen auf Antrag von verwandten. Tie Ausimhmebedingungen stellen einen Vertrag zwischen der VcrwaltungSdirektion und den Anverwandten der Aufzunehmenden dar. der später dem LandeShaupimann zur Genchmigung vorgelegt wird. Lubecki sei mit seinen: Schwager in LcubuS erschienen und habe selbst gesagt, daß er ausgenorninen werden wolle. Deshalb sei die Ausnahme nach den allgemeinen Ausnahmebestinimuiigen korrekt erfolgt. Zur Zeit der Ausnahme Lubcckis sei ein gesctz- licher Vertreter noch nicht dagewesen und da ja Lubecki selbst be« bauptet, daß er zur Zeit der Ausnahme diöposilionSfähig war, so sei dem Formalen genügt worden.— Rechtsanwalt Dr. Halpert sucht aus verschiedenen Bestimmungen de» SlufnahinereglemcntS nachzuweisen, daß die Aufnahme nicht korrekt erfolgt sei und be- mangelte e», daß die Bedingungen der Aufnahme, die einen .Vertrag" darstellen, von dem Schwager Lubecki», Herrn Sllbrecht, unterschrieben worden sei. Er hebt ferner hervor, daß in dem Falle Lubecki sowohl dieser, als auch dessen Frau der Meinung waren, daß es sich gar nicht um die Aufnahme in eine Irren- anstalt, sondern in eine Pension handelte, sie also über die Auf- nähme sich im Zustande der Täuschung befunden haben.— Landes- rat Schoelzel hält die Bemängelungen des Verteidiger» nicht für mitreffend und weist darauf hin. daß die Unlerschrist de» Herrn Albrccht doch nur die Bedeutung habe, daß für die Kosten auf- gekommen wird. Der Zeuge setzt weiter auseinander, daß Situ- ationen vorkommen, wo von de» Vorschriften des Reglements nach Lage des einzelnen Falles abgesehen werden und die Bestellung eines Pflegers schnell nachgeholt werden muh. Das sei hier in diesem Falle geschehen und da bei der Einlirferung die polizeiliche Gciiehiniguna und da» ärztliche Attest vorhanden war, so Ist nichts inlorrette» festzustellen ll Auf Fragen deS Verteidiger» und des Angeklagten selbst erklärt der Zeuge, daß er in abstracto es für. I absolut inkorret halten würde, wenn sachliche Anträge, die ein > Kranker in durchaus richtigem Jiistanzcnzuge an Behörden usw. J richtet, nicht an ihre Adressen befördert, sondern einfach sä octa . gelegt werden.— Die längeren Erörterungen über die Korrektheit oder Inkorrektheit der Ausnahme schließt der Vorsivende mit der ' Bemerkung, daß an der Ausnahme»nd an der Berechtigung der Anhalt, Herrn Lubecki dort zurückzuhalten, gar kein Zweifel ob- walten könne. Rechtsamvalt Dr. Halpert ist anderer Ansicht.— Der LandeSrat Schoelzel bekundet noch, daß die Slustalt in Leubus und der Leiter und die Aerzte sich des vorzüglichsten Rufes er- freuen. Es wird nunmehr der Geheime SanitätSrat Dr. Alter weiter vernommen, der folgendes bekundet! Es haben sich bei L. ganz auffallende Stimmungsschwankungen gezeigt; seine oft sehr ge- hobene Stimmung sei ganz jäh in das Gegenteil umgeschlagen. Tie ganze Art, wie Lubecki anderen Kranken die irninisten Mitteilungen auö seinem Leben machte, habe keinen Zweifel an dem Vorliegen einer sogenannten Stimm ungS- oder Slssektspsychose übriggelassen. ES griff bei L. die Bettruhe- und Badebehandlung Platz. Im Laufe des Oktober sei bei L. eine Beruhigung und Besserung eingetreten. Slnsang November sei dann erwogen worden, ob man ihn entlassen könne, und der Ehefrau wurde vor- geschlagen, ihn in ein offenes Sanatorium zu überführen. Vorher fei aber noch ein schwerer Erregungszustand eingelreten, so daß von einer Uebersührung vorläufig noch Abstand genommen werden mußte und erst am 30. Januar die Enilassung erfolgen konnte. Zeuge betont, daß es völlig unrichtig sei, daß Lübeck!„zur Strafe" in das Wasserbad gesteckt worden sei, wie in dem inkrimi- nicrtcn Slrtikel behauptet werde. Ebenso sei es unrichtig, daß das Wasserbad ein bekannies und gefürchictes Sirasmittel in Leubus sei. Jeder Sachverständige werde ihm bestätigen, daß die Dauer- bodbchandlung die mildeste Methode, die zur Beruhigung der Kranken in Anwendung gebracht würde, sei. Unrichtig sei ferner die Behauptung des Artikels, Lubecki sei bei der Inspizierung durch den Landeshauptmann verbargen gehalten worden. Es wurden vor dem Besuche die Namen sämtlicher Kranken, die den Landeshaupt- mann zu sprechen wünschten, festgestellt und dann in einer Liste diesem vorgelegt. EL sei nickst so gewesen, daß Lübecks am Tage de» Besuches des Landeshauptmanns in ein entlegenes Zimmer gebrocht sei, wo man ihn unbekleidet eingesperrt habe, sondern der Vorfall habe sich so abgespielt, daß dem Lubecki wegen seines Flucht- Versuches am 30. September Bettruhe in der Beabachtungsstatian verordnet worden sei, wobei ihm natürlich, wie es üblich sei, die «leider weg,ic»oi»»itn worden wären. Dies sei keinesfalls etlva wegen der Inspizierung, sondern wegen des Fluchtversuchs ge- schehcn. Bors.: Ich muh nun eine Frage an Sie richten, so peinlich sie auch ist. Ich bitte vorher um Verzeihung, aber da Herr Lubecki ganz bestimmte Behauptungen ausstellt, bin ich verpflichtet, diese Frage an Sie zu richten: Haben Sie oder Ihre unterstellten Slerzte irgendwelche besonderen pekuniären Vorteile durch die Unterbringung von Kranken in die PensionSanstalt? Zeuge: Davon kann gar keine Rede sein. In einem anderen Falle, der, wie ich ausdrücklich betonen will, mit dem Fall Lubecki nicht das Geringste zu tun hat. sind meinem Sahne einmal 500 M. zu- geschickt worden, die aber sofort wieder an die Adsender zurückge- gangen sind. Staatsanwalt Dr. Rasch richtet an den Zeugen die Frage, welche Ausbildung den in der Anstalt angestellten Pflegern zuteil werde. Ter Zeuge erklärt, daß sich da? Pflegepersonal zumeist aus Reservisten zusammensetze, die in der Anstalt selbst ausgebildet würden. Erst nach sechsmonatlicher Probedicnstzeit würde dann bei denjenigen Leuten, die sich als ruhig und zuverlässig erwiesen hatten, die definitive Anstellung als Pfleger bei dem Landrat nachgesucht Nach der Mittagspause äußert sich Geheimer Rat Dr. Alter über da» Nichtabsenden van Schriftstücken deS Herrn Lubecki. Er erklärt, daß die Eingaben usw. von Kranken an Behörden über Entmüiidigungsongelcgenheiten weiter geschickt werden, dagegen werden Schriftstücke solcher Kranken, die über kurz oder lang entlassen werde» dürsten, nicht immer abgeschickt. Die Schriftstücke des Herrn Lubecki sind deshalb nur zu den Akten genommen worden, weil damals schon in Aussicht genommen ivar, daß er sich doch nicht mehr lang« in oer Anstalt auf- halten würde.— Der Vorsitzende fragt, warum denn ein Tele- gramm deS Lubecki an die Staatsanwaltschaft, in dem er sich über seine Zurückbehaltung In der Anstalt beschwert, nicht abgeschickt worden ist? Geheimer Rat Alter erklärte dies damit, daß dieses Telegramm nur als ein Produkt der Slimmungsschwankung Oes Herrn Lubecki betrachtet wurde!— Ein Brief de» L. an den Mcdizinalrat La Rocke sei deshalb nicht abgegangen, weil L. in wenigen Tagen entlassen werden sollte und ein Besuch de» Bruders unmittelbar bevorstand.., Das Schicksal der Nichtabsendung halten auch zwei Depeschen des L. an den Landeshauptmann von Richthofen mit einer Vefchwerde und an den Justizrat Kaiser in Beuthen O.-Schl. mit der Bitte um schleunigen RechlSbeistand.•— Der Zeuge erklärt dies damit, daß ja doch der Besuch de» Landes Hauptmanns unmittelbar bevorstand l Auch die Nichtabsendung eine» Schreibens de« L. an den Rittergutsbesitzer Albrccht wird in derselben Weise motiviert. Aus weiteres Befragen gibt Geheimer Rat Dr. Alter sein« Ansicht dahin kund, daß vaS Leiden des Lubecki als „Aff«ttS-Pl»ch»I« auf pftzchopatifcher Ball»" zu bezeichnen iei die wahrscheinlich aus seine Famillenkonflikte und auf geschäftlich« Unannchmlichkcilcn zurückzuführen sei. Referent LaiidgerlckuSrat Kämpse: Dem Herr» Lubecki sind in der Anstalt Geschäftsbriefe mit aufregendem Inhalt ausgehändigt worden. War das nicht auch ein plausibler Grund, ihn in Depres- sion zu versetzen? Zeuge: Ja. LaudgerichtSrat Kämpfe: Reicht nicht auch begründete Eifer- sucht oazu aus, um«ine AsseklionSpshchose auszulösen? Zeuge. Das ist doch nur bekingt zuzugeben. Rechtsanwalt Halpert: ES ist die Behauptung aufgestellt«vor» den. daß Herr Lübeck! sehr sinnlich afsizicrt sei. Haben Sie davon daö mindeste entdeckt? Senge: Rein. r. Hiklprrt: Herr Lübeck, behauptet, er sei erregt worden. weil er mit Schwerkranken zusammen baden mußte, die sich mit Kot bewarsen. Ist da nicht eine Erklärung für die Erregung naheliegend? Zeuge: Jawohl. Verteidiger: In dem Attest de» Medizinalrat« Dr. Laroche steht auch:»Verdacht dcr Luc»". Haben Sie davon das geringste bemerkt? Zeuge: Nein. Auf Befragen erNärt der Zeuge, daß die Dauerbäder einen günstigen Einfluß aur die Kranken ausüben. Man könne darauf keine Rücksicht nehmen, ob die Bäder den Kranken etwa» un- angenehm sind. Staatsanwalt Rasch. Wie ist die Temperatur dieser Bäder? Zeuge: 34 Grad Eelsiuö. Tie Kranken blieben oft nach viel länger»m Bade als Herr Lubecki. Tie Kranken essen im Wasser. lesen, spielen Skat, rai'ckcn usw»sw. Verteidiger: Wie ist der Ausdruck„Asfektpsychose" zu vcr- deutschen? Zeuge: Mit StimmungS Irresein-, Angeklagter Schneidt: Wäre c» nlcht Pflicht gewesen, den Mann, der durch allerlei Schriflstücke versuchte, seine Freiheit zu erringen und dessen Eingaben man einfach ack»et» legte, nach seinem Wunsche dem Lanoesdirektor vorzuführen? Borsilirndcr: Gewiß, man hätte wohl den Landeshauptmann, wenn er auf seiner Inspizierung gerade durch die Räume kam, wo der Argeklagte sich aufhielt, darauf aufmerksam machen sollen. daß Herr Lübeck, ihn sprechen wolle. Versehen kommen aber überall einmal vor. Auf eine Bemerkung des Staatsanwalts Rasch protestiert Rechtsanwalt Dr. Halpert mit aller Bestimmtheit gegen die Aus- führung, oaß es in das diskretionäre Ermessen des'Anstaltsleiters gestellt sei, welch? Schriftstücke der Kranken abzuschicken seien. Hierauf wird der Zeuge Dr. PrzytzllSti aus Beuihen vernommen. Er ist seit l? Jahren Hausarzt i» der Familie gewesen. Nach seinen Wahrnehmungen haben sich die Eheleute L. nur im besten Einvernehmen gehalten, er habe oft den Eindruck gehabt, als ob sie noch in den Flitterwochen lebten, und er sei sehr erstaunt gewesen, als er eine» Tages hörte, Lnbecki fei ins Irrenhaus ge- vracht. Lubecki sei bei Diskussionen über Politik oder Religion sehr lebhaft gewesen, aber von einer Geistesstörung hat Zeuge bei ihm nie etwas gemerkt. Der Borsitzende hält dem Zeugen zwei damit nicht im Einklang stehende Briefe vor, die der Zeuge an den Anstaltsdirektor gerichtet bat. Darin werden zahlreiche Einzelmomeule dargelegt, die darauf hindeuten dürsten, daß Lubecki krankhasten Geistes sei. Der Zeuge erklärt, er habe in den Briefen nur da» mitgeteilt, was ihm die Frau gesagt habe. Rechtsamvalt Halpert: Sie haben in den Briefen auch mit- geteilt, daß Sie seit 17 Jahren Hqasarzt im Lubrckiscken Hause waren. Sind von der Anstaltßleitnng irgendwelche Slnstalten ge» macht worden, Sie über den Gesundheitszustand des L. zu hören? Zeuge: Nein. Oberarzt Dr. v. KvnowSki: Bei der Aufnahme dcS L. fehlte allerding« der Antrag dcr Ehefrau, es wurde offen gelasten, denselben baldigst nachzuholen, zumal der Schwager de» Lubecki und dieser selbst den Willen zur Aufnahme bekundeten. Mein Prinzip ist eS, ftctS bei der Aufnahme den Kranken zu fragen, ob er auch wisse, in welch« Slnstalt er komme. Lubecki war vollständig darüber orientiert, daß die„PensionSanstalt LeubuS" ein inte- grimnder Bestandteil der geschlossenen Irrenanstalt ist, außerdem ist LeubuS in Schlesien so bekannt wie Dalldorf in verlin. Kein Mensch hält Leulms für einen Luftkurort! Ich habe mich eingehend und lange mit Lubecki beschäftigt und kann belunden. daß er an einer überaus heftigen akuten Pitzchose litt. Lubecki war vielfach im Zustand tiefster Depression, seine Stiinniung war ungeheuren Schwankungen unterworfen, er hatte öfter heftige Wutanfälle und tvar so unruhig, daß die Patienten, die mit ihm zusammen waren, mit der Bitte hervortraten, sie doch von diesem entsetzlichen Men- scheu zu befreien: seine ewigen Klagen seien nicht auszuhallen. Was die schließlich erfolgt« Entlassung betrifft, so liege die Gefahr vor, daß nach allem, was nach der Entlassung liegt, die Sachverständigen den Anftalisärzten auö der Entlassung noch einen Vorwurf machen könnten(l), denn nach den Mitteilungen seiner Verwandten habe er sich doch gemeingefährlich benommen. An den Zeugen richten der Angeklagte und sein Verteidiger zahlreiche Fragen, die durch den Zeugen beantwortet werden mit der Tendenz, daß alle von jener Seite gemachten Einwände und Bemängelungen der Llufnahme des L. in die Anstalt und seiner Behandlung daselbst ohne jeden Grund erhoben werden. Zeuge Lübecks selbst bestreitet, daß ihm der Zeug« bei der Aufnahme darüber Aufklärung gegeben habe, daß eS sich um eine Irrenanstalt bandle. Bon der Verteidigung und dem Angeklagten wird wiederHoll bemängelt, daß Briefe des L. an seine Verwandten, in denen ei selbst zugab, daß er geisteskrank fein müsse, von der Anstalts- leitung befördert seien, nicht aber die Depeschen und Brief«, in denen Lubecki seine Befreiung aus der Anstalt betriebl Lebhafte Erörterungen mit dem allmählich in nervöse Erregung geratenden Vorsitzenden entspinnen sich, als der Slngcklagte erklärt, er müsse wiederholt feststellen, daß Herr Lubecki widerrechtlich in die Anstalt aufgenommen sei. Der Vorsitzende erklärt nach- drücklichst, daß dies ganz und gar nicht festgestellt sei! Im Gegen, teil sei krstgestellt, daß die Slufnahme absolut cinwandSfrei sei. Angeklagter Schneidt hält dieses Eingreifen de? Vorsitzenden nicht für begründet und bittet, doch nicht nervös zu werden. Er selbst habe daS Recht, in Verteidigung seiner berechtigten Inter. essen die ihm notwendig erscheinenden Fragen an die Zeugen zu richten und lasse sich dies Recht nicht nehmen. Rechtsanwalt Dr. Halpert: Er müsse namens des Angeklagten und in seinem eigenen Namen auf das nachdrücklichste gegen de« Ton protestieren, den der Borsitzende gegen sie anschlage! Es könne keine Rede davon sein, daß eine„Feststellung" im Sinne des Herrn Vorsitzenden getroffen sei. Daß bei der Aufnahme korrekt verfahren sei, sei doch zunächst nur eine Ansicht de» Borsitzenden, und gegen diese habe Schneidt das Recht, seine Meinung geltend zu machen. Angeklagter Schneidt erklärt, daß er sich durch die Unke» brechung des Vorsitzenden, die er nicht verdient habe, in friner Verteidigung beschränkt fühle. Eö wird sodann der praktische Arzt Dr. Blumenreich au» Dorau sOberschlesien) als Zeuge und Sachverständiger vernommen, der als leitender Arzt in der Pflegeanstalt zu Sorau angestellt ist. in der die Schwester des Zeugen Lubecki als Oberin beschäftigt ist. Dr. B. bekundet, daß Lubecki eines Tage» zu ihm gekommen sei und sich über daö Unrecht, welches ihm durch seine Unterbrin, gung in der Irrenanstalt geschehen sei, beklagt Hab«. Lubecki habe ein Attest von ihm verlangt, daß er nicht Paralytiker sei. ZIach körperlicher Untersuchung und auf Grund de« allgemeinen Ein- drucks habe er keinerlei Erscheinungen bei Lubecki wahrgenommen, die auf Paralysis oder sonstige Geisteskrankheit schließen ließen, ebenso habe er keine Wahrnehmungen von Beeinträchtigungsoder Wahnideen oder Halluzinationen bei L. gemacht. Zeuge Rittergutsbesitzer Sllbrecht ist der Schwager de» Zeugen Lnbecki. Er bekundet, baß da» ganze Benehmen des L. nur den Schluß zugelassen habe, daß er„nicht normal" fei, für geisteSlrank aber habe er ihn nie gehalten. Er lZeugej sei deshalb sehr er, staunt gewesen, als er plötzlich hörte, daß die Ehe infolge der krankhaften Eifersucht seines Schwager» eine sehr unglücklich« sei. Er sei selbst ganz erstaunt gewesen, daß Dr. Medizinalrat Laroche die Irrenanstalt Leubus vorschlug, da er seinen Schwager für so krank nicht gehalten habe. Nach der Entlassung auS der Anstalt habe Lubecki sofort wieder Krach gemacht, so daß seine Ehefrau an ihn(Zeugen) telegraphierte, ihr Mann sei ebenso krank wie zuvor. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er den Zeugen Lubecki für geisteskrank gehalten habe, erklärt der Zeuge, daß er nicht sagen könne, ob sein Schwager geisteskrank sei. Dies sei ihm als Laien nicht möglich, sondern es könne nur von Herzten entschieden werden. Auf Befragen erklärt der Zeuge noch: Medizinalrat Larsche habe hei den ersten Erörterungen über die Unterbringung des Lubecki In eine Anstalt, gerade LcubuS vorgeschlagen, weil dort«in« staatliche Irrenanstalt sei. mit der ein besseres Pensionat verbunden «i. und aus dem der Kranke auf seine» Wunsch jederzeit wieder entlassen werden könne! Tic wdiere Verhandlung wird um 5'� Uhr unterbrochen und öll erst am Dienstag fortgesetzt werden. Im Anschlich an diesen Proze�bericht möchten»vir bemerken: Wir haben aus der gestrigen Verhandlung ersehen, daß uns ein Irrtum unterlaufen ist, als wir in unserer 2. Beilage vom 4. Juli d. I. sagten, der leitende Direktor der Leubuscr Anstalt sei in Pension gegangen. Wie aus einer beiläufigen Erklärung dieses Herrn hervorging, hat nicht er. sondern sein Sohn. Dr. Aller jr., die Anstalt Leubus verlassen, und zwar ist Herr Dr. Alter jr. nicht in Penfion. sondern als Arzt an die fürstlic�lippische Anstalt gegangen. Versammlungen. Der Deutsche TrimSportarbritervcrband hatte am Freitag eine Versammlung der Hitssarbeiler aus den Betrieben der Allgemeinen ElekirizitälSgeiellslbast, Brunnen- und Boliaslratze, veranstaltet, die im Swinemunder GeiellschaflShauS stattfand und gut besucht war. August Werner referierte über das Thema:„Die Krise und die Ausnutzung derselben gegenüber den alten Arbeitern durch das llm�hcvmertum.* Der Redner besprach die gegenwärtige wirtschastliche Lage, die für die Arbeiter einen Notstand gebracht hat, der nicht mehr wegzuleugnen ist. Manche Erwerbszweige sind besonders hart getrosten worden: auch die Unternehmer leiden darunter, aber niemals so, daß sie Not und Elend kennen lernen wie die Arbeiter. Die Unlernehuier machen schlechtere Geschäfte, das Heidt, sie erzielen weniger Gewinn; sie verstehen aber gewöhnlich sich so ein- zurichten, um über krisische Zeiten leicht hinwegzukommen. Sie entlassen viele Arbeiter, sie produzieren weniger, sie kürzen die Löhne und nützen die Not der Arbeiter vielfach ouS. So werden die besten Kräfte ausgesucht, ältere Arbeiter aus die Strohe gesetzt und strengere Arbeitsordnungen eingeführt. Man kann die Beobachtung machen, daß in �en modernen Gi ohbetrieben. wie auch bei der Allgemeinen Elektkizitäls-Gefellschaft, die Ober- und Unterbeamten, die Aufseher, die Meister und wie die Bor- gesetzten der Arbeiter noch heihen mögen, besonders anmahend werden und mit Drohungen der Entlastung in kritischen Zeiten schnell bei der Hand sind. Bei der A. E.-G. war ein Mann 20 Jahre beschäftigt und der muhte sich kürzlich von einem Meister Rahn sage» lasten, dah man ihn nicht länger brauchen könne; er erhielt die Kündigung, die erst auf eine Vorstellung bei der Direksion wieder zurückgezogen wurde. Ein anderer Mann, der 11 Jahre schwere Arbeit verrichtet hatte, wobei er mehrmals verunglückt war und ein- mal einen doppelten Beinbruch erlitt, erhielt ebenfalls von seniem Meister die Kündigung. Auch diese Kündigung wurde ans eine Be- schwerde an leitender Stelle zurückgezogen, aber die Leute müssen jetzt in Angst leben, dah sie bei der nächsten Gelegenheit dennoch entlassen werden. Warum werde» solche Leute nicht pensioniert? Die Firma prahlt doch mit ihrem Penfionsfondö von 3 Millionen Mark.— Ein Arbeiter, der acht Jahre im Betriebe tätig war, bat um eine Woche Urlaub, weil er seinen kranken Vater besuchen wollte. Als er zurückkehrte, stellte man ihn als neuen Arbeiter ein und er halte alle Nachteile davon zu tragen. In anderen Betrieben haben die Transportarbeiter es durch- setzen können, dah sie jährlich eine Woche Urlaub und ohne Lohnabzug erhallen. Ein anderer, der zwölf Jahre bei der A. E.-G. arbeitel, muhte sich nach einem Konflikt mit einem Meister gefallen lasten, dah ihm als eine Art Strafe sehr schlechte Arbeit zugewiesen wurde. Ein Arbeiter, der um leichtere Beschäftigung bat, weil ihm der Arzt schwere Arbeit verboten hatte, erhielt zur Antwort, dah er sich vom Arzt seine Arbeit holen solle. Dergleichen Fälle louune» jetzt nicht selten vor; auch hat man ein Spitzelniüem eingeführt und viele Arbeiter kommen zur Anzeige, ohne dah sie erfahren, was man ihnen zur Last legt.— Der Redner legte den Anwesende» eindringlich dar, in welchem Gegensatz die Interessen der Arbeiierschajt und des Unter- nehmertumS zu einander stehen und forderte sie zu treuem Zusammenhalten und zum Aiiichluh an die Organisation ans. In ähnlicher Weise sprach Karl Fromke, der Vergleiche zog zwischen den niedrigen Löhnen, welche die Hilssarbeiter bei der A. E.-G. erhallen, und den Ansprüchen an die Arbeiter durch die herrschende Teuerung. Die Arbeiter mühte» sehr auf der Hut sein, denn man versucht sogar die eingeführten Lohnsätze zu durchbrechen, indem man diejenigen, die schon eine etwas höhere Lobuklasse erreicht haben, entlähl und zu niedrigen Sätzen wieder einstellt. Den besten Schutz bietet den Arbeitern stets die Organisation, für die unablässig zu agitieren jeder sich zur Pflicht machen muh. Wem ein Unrecht geichtehl, kann sich an seine Organi» sation um Rat und Hilfe wenden, während er allein hülslos und verlosten dasteht. Die Ausführungen der beiden Redner wurden mit großem Beifall ausgenommen. Ter Zentralverband der Schmiede hatte am Donnerstag eine öffentliche Versammlung in den„Musikersälen' veranstaliet, die sehr gut besucht war. Genosse Karl Legten hielt einen Vortrag über das Thema:„Aus der Geschichte der deutschen Gewerkschasls- bewcgung". lieber den Inhalt des interessanten Vortrages haben wir schon berichtet sin Nr. 240 deS„Vorwärts'), als Legten kürz- lich vor den Werkzeugmachern über dasselbe Thema sprach. Am Eingänge zum Lokal wurde wieder, wie in letzter Zeit fast rcgel- mätzig. ein Flugblatt des christlichen Mctallarbeitervcrbandcs vcr- breitet. Und zur Diskussion meldete sich ein junger Mann, der Legiens Ausführungen über die christlichen Gewerkschaften, be- sonders als Hilfstruppe für die Politik der Zentrumspartei, zu bekämpfen versuchte. Er wollte eS nicht glauben. Aber Legten bewies ihm, dah die Sorge um den Glauben eitel Dunst sei. die Sorge um den Einfluh aus die Arbeiicrmassen zu politischen Zwecken dagegen den Ausschlag gegeben habe, der Gründung christ» sicher Gewerkschaften möglicbst Vorschub zu leisten. Lcgien wies ferner nach, dah nur 274 000 Arbeiter zu den christlichen Gewerk- schaften gehören, die gegenüber den beinahe zwei Millionen in den freien Gewerkschaften nicht schwer ins Gewicht fallen. Ein Redner aus der Versammlung warnte vor den Christlichen als Hand- langern des Unternehmertums und gab dem jungen Manne den Rat. erst etwas mehr zu lernen, che er es wagen könnte, nach dem gehörten Vortrage mit seinem Wissen vor die Versammlung zu treten. Ter Vorsitzende Siering machte noch darauf aufmerksam, dah die Bczirtsversammlungen in der nächsten Zeit von jedem Ar- beiter besucht werden mühten, weil dort über die Gewerbegerichts- wählen gründliche Erörterungen stattfinden. Ferner gälte es, bei der Arbeitslosenzählung gewissenhaft mitzuwirken. Sicring knüpfte an Legiens Vortrag au und betonte die Notwendigkeit für jeden Anwesenden, agitatorisch tätig zu sein und nicht zu rasten und zu ruhen, bis der letzte Mann in den Werkstätten zur Or« ganisation gehört. Eingegangene Drudtfehnften. Tie ErlhSferin. Roman von!>. Schaffner. IM.— L'Zlduktera. Roman von Tb. Fontane. IM.— Eine Ehe. Roman von Jon.iS Lie. I M.— Ter Tor. Roinan von B. Kellermann. GeHefiei 5, gebunden 6 M.— Nachbarn. Erzählimg von tz. Hesse. Gebe stet 3,50 M., gebunden 4.50 M. Vertag: 3. Fischer Berlin\V.. Bülowstr. 90. Berliner Tkizzrnbuch von H. HeijeimannS. Broschiert 3 M., ge» bunden 4 20 M. Verlag: Boll u. Pickärdl, Berlin NW. 7. Zeilschrift für Texnalwissenschaft. Nr. 10. Herausgegeben von Dr. M Huichseld. I M. Verlag: G. H. Wigand in Leipzig. Ter Fall Hau und seine Nachspiele. Von Amalie Engelbert. PreiS 15 Ps. Wertheim a. M. Ter Tchüiiing. Ein beimnlllcheS Kalenderbuch aus daS Jahr 1909. SO Ps Verlag: A. Svonholtz in Hannover. Die Jesuiten unserer Kolon ien. Bon Psarrer V. Stles. 2 M. Verlag:„Modernismus" in Offenburg i. B. Kulturgeschichte deS deiiischen Bolke». Von Dr. O. Henne am Rhy». Voll-ZauSgabe in 12 Lieferungen a 1 SC?. In zwei Bänden gc- bunden 18 M. Bcilin W. 30, Hiswiitcher Verlag Baumgärtel. Walter von Niolo. Klaus Tiedemann, der Slmismann. Verlag F. Fontane in Co., Berlin-Grunewald. Preis broschiert 3 M., geb. 4 M. Ohne Grenzen und Enden. Gedanlen Über den unendlichen Gott von O. Zimmermann, Freiburg 1903, Herdersche VerlagShandiung 1,80 M., gebunden 2.50 M. ZMiiMi'stized.Vzlilvei'e!!! 8. des Todeii- Anzeige. Am 6. November verstarb unser Mitglied, der Stellmacher Ueirnann Bentz Soldmer Sw. 69. tphre seinem Andenke« t Die Berrdtguna findet heute Sonntag, den 8. November, nach- mittags 2 Uhr. vom Trwicrhauie aus nach dem Georgen-Knchhofe in Weitzensec, Röltestiahe, statt. Um rege Betelligung ersucht 230/17 Oer Vorstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht. dah unser Kollege, der Stell- niacher nerrnsrrn Bentz am 6. November gestorben ist. Ehre seinem Audcnken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 8. Nsvember, nach- mittags 4 Uhr, vom Trauerhause. Soldinersw. 69, auS nach dein Georgeii-Kirchhos in Weisjensee, Siüllestr. 93. statt. Um rege Beteiligung ersucht 93/3 vi« Ortsverwaltung. VeM der Kuplersehniiede Deiitselilaods. Filiale Berlin.— Am Donnerstag, den 5. No- vember, verstarb unser Mtlglied, der Kollege �icliard Winkel im Alter von 63 Jahren an Herzlähmung. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 9. November, nach. mittags'l,i Uhr, aus dem Fried- hos in Tegel statt. Um zahlreiche Betcllignng bittet 100/5 vis 5!lialver«»altiing. Verband der Baienarbeiter und yera. Benifsp. Deutscblands. Mitgliedschaft Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unser Mitglied Vitbetni Gammelt plötzlich verstorben ist Die Beerdigung findet am MoMag. den 9. November, nach- mittags 3 Uhr, aus dem Heilig. Kreuz. Kirch hoj w Mariendosi statt. 19/9 Um rege Betcillgung ersucht Der Vorstand. Heute siüh S Uhr verschied nach langem Leiden mein lieber Mann. der Klempner Hsns Kohnert im 51. Lebensjahre. DreS zeig! iiesbelrübt an Berlin, 6. November, Friederike Kohnert. Die Beerdigung findet am Montag, 9. November, nachmittags 2 Uhr von der Halle des EmmauS- tnchboses in Britz aus statt. 14/2 Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Tode«- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, dah unser Müglted, der Klempner Bans Kotmert an Herzleiden gestorben ist Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigimg finde« am Montag, den 9. November, nach. mittags 2 Uhr. von der Leichen- halle des EmmauS-Kirchhoses in Rixdors aus iialt. Rege Beteiligung erwartet 124/12 vi« Orts»sn*a»ung. Allen Verwandten und Be- kannten die traurige Nachricht, dah meine liebe Frau und gute Mutter Btwine Sommer geb Ehmko nach langen, Ichweren Leiden am 5. d. M. ianst entschlafen ist. Die Beerdigung findet am Montag, nachmittags 3'/, Uhr. von der Lclchenh lle deS Emmaus. Kirchhofes auS statt. vis trauernden Hinterbliebenen Hermann Sommer nebst Sohn. TodeBun zeige. Slllen Verwandten, Kollegen und Genossen die traurige Nachricht, dah unser lieber Vater, Schwieger- und Grvhvater, der Maurer friedrtcb Nitschkc am 7. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet am Dienstag, den tO. d. M., nachmittags 3 Uhr vom Trauerhause. Odcrberger Strohe 9, auS nach dem Gethsemanes. iedhos, Nord- end, statt. 4987L vis trauernden Hinterbliebenen. Nnlmud hfr Pnlft, fndnrrrr, Anstmchrr usw. Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachsicht, dah unser Kollege Paul Murawski am 5. d M. verstorben ist.' Ehre seinem AndenkenZ Die Beerdigung findet am Montag, den 9. November, nach. mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle deS Elisabclh» KirchhoseS, Ackerstrahe 37, aus statt. 130/14 Die Ortsderwaltnng. Heule früh 8'/, Uhr starb im Aller von 58 Jahren der Schloffer Willielm Bietz. Die Beerdigung findet am Montag, den 9. November, nachmittags 4 Uhr, vom Kranienhause Fsiedrichshain aus nach dem Georgen-Kirchhose in der Lands- berger Allee statt. L669b tamilie Richter cnsteiner Sirahe 37. Statt jeder besonderen Anzeige. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, dah meine liebe, herzensgute Frau, unsere wen- sorgendeMulter.TochterSchwiegcr- lochicr, Schwester, Schwägesin und Tante 4988L Fr°° Helene Dsörnerl geb. tzzchAhecnich am 6. November, nachm. 2'/, Uhr, plötzlich verstorben ist. Um stilles Beileid dilie« im Hamen der Hinterbliebenen nermsnn Nrömert. Die Beerdigung findet Montag. den 9. November, nachm. i'/z Uhr, vom Trauerbause, Challotlenburg, KnobeiSdoifistr. 60. auS statt. Dnnhsagnng. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und ValcrS sagen wir allen Freunden und Bekannlcn, sowie dem Gesangverein Note Nelke II und den Genossen des 6. Wahl- kreiscS, dem Verband der Maler, so- wie der Osiskrankenkafse der Maler unseren herzlichsten Dank. 4935L Ww. Auguste Besenthal nebst Kindern. Danksagung. Für die freundliche Teilnahme an der Beerdigung meiner lieben Frau Herta Brandenburg sage allen werten Genoffen und den sonstigen Teilnehmern meinen herz- lichslen Dank. 4386L Ott» Brandonlmrg, Urbanftr. 102. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzensir�U�Ä, 10— 2. 5—7. Sonntaffs 10— 12. 2— 4. Dr. Schünemann Svezial-ArzI für 45032* ünnt* und llurnlciden, l-'rauc n kr unk heilen. Friedrichstr. 263, Ecke Schützenstr. 10-*. 5-7, Sonni 10- IJi Uhr. Von der Reise zurück l>r. Oliksman l.andnberger Allee SO. ||f Billigste Bezugsplle� gediegener Trauergarderobe _ in Mettmanns! 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