Nr. S7Ä. HbennnnfntS'Btdln�nseR: (Bcnnnnentä• VretS Dränumncmte» Blcrteliafttl 8�0 SSt, tnonatl. 1.10 M?., wöckienllich W Big. hei inj HauS. Einzelne Nummer b Big. Scmmage. immmer ntü Multrierler SottntagS- Beilage.Die Neue Seit' l0 Big. Poll. SdonnemeiU: 1.10 Marl pro Monat. Einaerragen in die Boll.Zeitung-. PreiJIiils. Unter Kreuzband iür Deutichland und Oellerreich- Ungarn 2 Marl,(fit das übrige Ausland S Mart pro Monat. Postadonnemem» nehmen an: Belgien. Dänemerl, ' olland. Italien. Luxemburg. Bonugal, ' lien. Schweden und die Schweis. «»(im lZgll» anStr nontwt. Ä3. Jahrg. Verlwev Volksblatt. vi« lnierkionz-Sebilhf «eirSgt für die kechsgeldallcne KaloitÄ. geile oder deren Raum BO Big., für doli tische und gewerllchaiUiche ScreinS. und Bersammiung?, Anzeigen 80 Big. clUein« Hnatigcn". das crflc(fett« «edruölel Won 20 Pfg., jedes iveiiere «on 10 Big. Stellengesuche und Schlas- tiellkl'.. Anzeigen das erllc Wort 10 Big-, jedes weitere illort S Big. Worte über IS Buchstaben jählen iür zwei Warle. Anserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition »bgegeben werden. Di« Crvedilion ijl diS 7 Uhr abends geöftnet. Telegramm-Adreis«: ..Sslisllltasllla» Sill!»". Zentralorgan der rozialdetnokratifchen partei Deut f Alands. Redaktion: SSI. 68, Lindenstrassc 69. Sernfyredjec: Amt IT, Nr. 1983. Expedition: 8(0. 68, Lindenstraesc 69. Serusprecher: flntt IT, Nr. 1984. —............. n.............. im miBHiimi Die preukiiche StHdtcordnung. 11. Nächst und neben ihrem Kampfe gegen die Verwüstung der Städte durch die militärische Mißiuirtschaft richteten die Urheber der Städteordnung von 1808 ihr Hauptaugenmerk darauf, die Herrschast der Zünfte in den Städten zu be- seitigen, waS ebenfalls auf ihr Verdieustkonto zu setzen ist. Indem sie verfügten:„Die Wahl der Stadtverordneten wird in den verschiedenen Bezirken der Stadt bewirkt. Die Wahl nach Ordnungen, Zünften und Korporationen wird aufge- hoben. Die stimmfähigen Bürger wirken lediglich als Mit- glieder der Stadtgcmeinde ohne alle Beziehung auf Zünfte, Stand. Korporation und Sekte", schrieben sie zwar nur ziemlich wörtlich den Artikel 7 des französischen Munizipalgesetzes vom 14./18. Dezember 1789 ab, allein das kann ihnen nur zur Ehre gereichen, so sehr es ihnen in den Augen der heutigen Reaktionäre zur Schande gereichen mag. Minder erfreulich war die Nachahmung der französischen Revolutionsgesetzgebung in einem anderen Punkte. Die bürger- lichen Klassen Frankreichs waren kaum ihres Sieges froh ge- worden, als sie sich ihres Ursprungs erinnerten und das Wahlrecht durch einen Zensus beschränkten, indem sie eine di- rekte Staatssteuer im Werte von drei Arbeitstagen zur Vor- bedingung seiner Ausübung machten. Eine unniittelbure Nach- ahmung war hier freilich ausgeschlossen, da es in den preußischen Städten keine direkten Staatssteueni gab. Aber ungefähr wird es dem französischen Vorbilde entsprochen haben, wenn die Stadteord- nung von 1898 nur solchen Bürgern das Stimmrecht verlieh, die entweder mit städtischen Grundstücken angesessen waren, oder ein Jahreseinkommen von— je nach der Größe der Stadt— 150—209 Talern nachweisen konnten. Allzu arg war dieser Zensus nicht; wer eine noch so verschuldete Lehmhütte besaß oder ein Jahreseinkommen bezog, das auch damals schon für Fabrikarbeiter erschwinglich war, der war„stimmfähiger" Bürger und besaß das aktive wie das passive Wahlrecht. Immerhin aber— das allgemeine Wahlrecht enthielt die Städteordnung von 1898 nicht. Jedoch wenn im wenigen Guten, so blieb doch auch das wirklich Gute dem französischen Vorbilde treu, das Gleich- heit unter den Wählern" uud die geheime Abstimmung vor- schrieb. Die Einwände, die heute gegen das gleiche wie gegen das geheime Stimmrecht vorgebracht werden, sind damals schon erhoben worden, aber die damaligen Staatsmmmer waren doch von anderem Kaliber als die heutigen. Stein selbst, der einen Augenblick an die öffentliche Abstimmung ge- dacht hatte, unter dem damals nicht so schlechthin abzn- weisenden Gesichtspunkte, daß der ängstliche und verschüchterte Pfahlbürger an das Gefühl der Verantivortlichkeit vor der öffentlichen Meinung gewöhnt werden müsse, ließ sich bald durch den Polizeidirektor Frey und durch Alteustein, den späteren Freund Hegels, darüber belehren, daß die öffentliche Abstimmung zum Korruptiondmittcl der Reichen und Vor- nehmen werden würde, daß jeder seiner lleberzeugung umso treuer bleiben werde, je geringere Rücksicht er dabei auf irgend jemand zu nehmen habe. Der herrliche Fortschritt, den das städtische Bürgertum seit hundert Jahren gemacht hat, besteht darin, daß es das allgemeine Stimmrecht zwar immer noch nicht erobert hat. aber sich dafür das gleiche und das gcheinic Stimmrecht hat eskamotieren lassen. Zum dritten muß es den Urhebern der Städteordnung von 1808 als ein Verdienst angerechnet werden, daß sie die ganze städtische Verwaltung in der Versammlung der Stadt- verordneten konzentneren wollten, die von den städtischen Bürgern, wenn auch nicht nach allgemeinem, so doch nach gleichem und geheimem Stimmrechte gewählt worden waren. Einig waren sie darin, daß die Sonderstellung des Militärs aufhören müsse; es sollte der Polizei unterworfen sein ivie jedermann, und es sollte als Organ der Polizei nur ans deren Requisition und nicht anders als im äußersten Not- falle gebraucht werden. Für gewöhnlich sollte die Bürger- schast selbst die Exekutive der Polizei sein, sei es nun unter dem Namen der Bürgerbewaffnung oder dem Namen der Gendarmerie oder dem Namen der Bürgermiliz oder dem Namen der Schützengilde, der schließlich angenommen wurde. Wiederum in teilweise wörtlicher Uebereinstimmung mit dem französischen Gesetze rechnete Stein zur Verwaltung des städtischen Gemeinwesens: die Angelegenheiten der städtischen Kämmerei(namentlich Ankauf und Veräußerung von Immobilien, außerordentlichen Steuern, Anleihen, Prozesse); und die Sachen der Armen, der Schulen, der Sicherheits-, Reinigkeits- und Gesundheitspolizei. Der Magistrat sollte den«Stadtverordneten völlig untergeordnet sein; er wurde von ihnen gewählt, als eine rein städtische Behörde, so daß sich auch das Bestätigungsrecht der Regierung nur auf die formale Frage erstreckte, ob die Wahl richtig voll- zogen sei. Die eigentliche Verwaltung blieb durchaus den Stadtverordneten vorbehalten; sie sollten für diesen Zweck Deputationen und Kommissionen bilden, die größtenteils aus Stadlverordneten und Bürgern, aber nur ans einzelnen oder wenigen Magistratsmitgliedern zu bilden vorgeschrieben wurde. Damit sind die wichtigsten Gesichtspunkte angedeutet, die die Städteordnung von 1808 in der Tat zu einem historischen Fortschritt machten. Gerade auf diese Punkte hinzuweisen. ist um so mehr eine Pflicht der historischen Gerechtigkeit, als diese Punkte von reaktionärer Seite möglichst zu verdunkeln gesucht werden. Aber deshalb bleibt es doch wahr, daß auch dieses Produkt der Stein-Hardenbergschen Gesetzgebung, verglichen mit den Gesetzen der französischen Revolution, nur kümmerliches Flick- und Stückwerk ist. Man kann in der vor- trefflichen Biographie Steins von Mar Lehmann bis ins einzelne verfolgen, eine wie mühsame Zangengeburt die Städteordnung von 1808 war und in wie widerlicher Weise sich in ihr die frischen Elemente der französischen Gesetzgebung mit den faulen Elementen des Allgemeinen LandrcchtS mischten. Zwar daß den Städten die Gerichtsbarkeit entzogen wurde, kann nur in der demagogischen Absicht als eine Ver- kleinerung der städtischen Rechte denunziert werden. Die Justizhoheit des Staats war ein Fortschritt auS der feudalen in die moderne Gesellschaft und in Frankreich schon vor der großen Revolution gemacht worden. Anders stand es mit der Polizei. Hier gerieten die Reformen in eine Zivickmühle. In jenen unruhigen Zeiten hieß eS fast eine Prämie auf das Verbrechertum setzen, wenn die zuständige Polizeibehörde an der Grenze des städtischen Weichbildes auch die Grenze ihrer Wirksamkeit finden sollte. Dagegen den Städten die Polizei nehmen und die Polizei bureaukratisch zu organisieren, hieß von vornherein die städtische Selbstverwaltung untergraben, denn ein strebsamer Polizeichef konnte schließlich alles unter den Begriff der öffentlichen Sicherheit bringen. Die Frage war überhaupt erst zu lösen, wenn der preußische Staat als solcher aufgehört hatte, ein Junker-, Militär- und Polizcistaat zu sein. So forderte Alteustein ganz logisch, mit der neuen Ordnung des StädtewesenS müsse eine neue Organisation des Polizoiwesens Hand in Hand gehen. Jedoch diese Forderung blieb ein frommer Wunsch, und die prinzipielle Lösung, die Stein, wieder in Uebereinstimmung mit den Franzosen, durch den Satz fand: Der Magistrat übt die Polizei cx jure delegato aus, kraft eines ihm vom Staate übertragenen Rechts, führte praktisch dazu, daß der Junker-, Miliiär- und Polizcistaat dies ihm zuerkannte Recht lieber selbst ausnutzte, als den Städten übertrug. Er legte die neue Städteorduung sofort lahm, indem cr in einer Un- zahl von Siädten königliche Polizeidircktionen einrichtete, nicht nur in Berlin. Königsberg, Breslau, Stettin, Potsdam, Frankfurt, Brandenburg, sondern auch in kleinen Nestern wie Stargard. Kelberg, Stolp, Anklcnn, Demmin, Brieg, Glatz, Neisse, Schweidnitz, Glogau, Liegnitz. Mcmel, Clbing, Lands- berg a. W. usw. Andere kleine Städte, Krenzdurg, Landeck. Lnblinitz, Striegmi, Kosel, Hirschberg. Köslin, Swinemünde u. a. blieben nur auf ihre flehentlichen Bitten von dieser Plage befreit. Tie gänzlich verarmten Städte wurden durch diese königlichen Polizeidirektionen, für deren Kosten sie bei Heller und Pfennig aufkommen mußten, zur völligen Verzweiflung getrieben; namentlich die Polizeidirektoren selbst ließen sich ihre fragwürdigen Dienste sehr teuer bezahlen. In anderer Form wurde damit wieder die Militärwirtschaft in den Städten hergestellt und ein zweiter Krebsschaden der neuen Städte- ordnung führte dazu, in anderer Form die städtische Zunft- Herrschaft wieder herzustellen. Dieser Krebsschaden war die Unterscheidung zwischen Bürgern und Schutzverwandten, die nicht von der fran- zösischen Revolution kam, sondern auS dem preußischen Landrecht übernonimen wurde. Die französische Revolution hatte das städtische Bürgerrecht zu einem Teil des allgemeinen Staatsbürgerrechts gemacht; das Stimmrecht in der Gemeinde stand allen denen zu, die für die gesetzgebenden Körper, für die Kirchenämter, für die OffizicrSstellen der Nationalgarde zu wählen hatten. In der Städte ordnung von 1898 aber gab es ein spezifisch städtisches Bürgerrecht. Sein Erwerb war zwar nicht schwer; wer sich in einer Stadt niederließ und unbescholten war. konnte— je nach der Größe der Stadt — gegen eine Gebühr von 3, 6 oder 10 Taler ihr Bürger- Werden. Allein diesem nicht eng bemessenen Rechte stand nur eine eng bemessene Pflicht gegenüber. Vorgeschrieben war die Erwerbung des städtischen Bürgerrechts nur für diejenigen Bewohner der Stadt, die ein Haus besaßen oder ein kon- zessionspflichtiges Gewerbe betrieben, das heißt ein Ge- werbe, bei dem die Zunft, der Magistrat, die Polizei mitzusprechen hatten. So bestand die städtische Bürgerschaft vorwiegend ans Zunfthandwcrkern. und die gebildeten Elemente der bürgerlichen Klassen, deren Nachfahren heute so viel von der herrlichen„Selbstverwaltung" zu singen und zu sagen wissen, waren viel zu hochnäsig, um sich mit Gevatter Schneider und Handschuhmacher auf dieselbe Bank zu setzen. Auch haben die Vorfahren der Städteordnung von 1808 nichts dazu getan, hier bessernd einzugreifen, eher im Gegenteil! Bei ihrem an sich sehr berechtigten Haß gegen die verlebte Bureaukratie wollten die Stein und Schön gar nicht, daß „Osfizianten" in die Stadtverordnetenversammlung gewählt würden; Stein wollte den Justizkommissarien, den heutigen Rechtsanwälten, sogar direkt den Eintritt verbieten. Auf diese Weise erklärt es sich, daß die neue Städte- ordnung zunächst nicht so sehr viel am Stande der Dinge änderte. Noch bis zur deutschen Revolution gab es selbst größere Kommunen, die völlig verwahrlost waren und durch gescheite Bureaukraten vor den traurigen Folgen dieser „Selbstverwaltung" gerettet lverden mußten. Ein bekanntes Beispiel dieser Art war die märkische Kur- und Residenzstadt Brandenburg. Franz Zieglcr hat die Zustände, die cr in dieser Stadt vorfand, als er 1840 zu ihrem Oberbürgermeister gewählt wurde, einmal geschildert wie folgt:„Ich bade das Unglück gehabt, mit Kommunal- angcleaenheiten zu tun zu haben, unter der Städteordnung vom 19. November 1808, die die unglückliche Bestimmung hatte, daß zwischen Bürgern und Schutzverwandten zu unter- scheiden war. Was waren denn die Bürger? Gerade die gewöhnlichen Handwerker, wogegen die Rechtsanwälte, die Mitglieder des Gerichts mid alle diejenigen, die eine höhere Stellung einnahmen, sich erst dann herbeiließen, Bürger zu werden, wenn sie ein HauS kauften und Bürger werden mußten. WaS war die Folge davon? Man hatte in der Stadwcrordnctenversammwng gerade die unfähigsten Leute, und diese unfähigsten Leute, die aus den ältesten Familien der Stadt bestanden, bildeten zusammen eine Koterie; wer am besten im Schützenhause seinen Dreikart spielte, der war der Mann! ... Sie hatten die besten Güter der Stadt zu Preffen verkauft, die wirklich lächerlich waren. Noch mehr: der ganze Rathaus- hos war verzehrt. DaS klingt wunderbar, aber die an- grenzenden Besitzer hatten ihre Höfe hinauSgerückt, und noch ein Jahr, so hätte daS Rathaus keinen Hof mehr gehabt. Die ganzen Umgebungen der Stadt, die Wälle der Stadt, wo jetzt die Promenaden sind, ivarcn beinahe verzehrt." Ziegler sprach nicht etwa in bureaukratischem Hochmut von den„gewöhnlichen Handwerkern"; cr meinte die zünft- lerischcn Handwerksnieister, die noch an die ausbeuterischen Praktiken der Zunft gewöhnt waren; er machte diese Aus- führungcn gerade, um das allgemeine Wahlrecht auch für die städtischen Wahlen zu fordern." Er sagte:„Ich habe immer gefunden, daß im ganzen Volk ein richtiges Urteil über diese Wirtschaft war. Wenn man sagt, daß nur eine Minorität die Freiheit bewahren könne, so trifft dies am wenigsten zu für die Städte. Da bewahrt die Minorität nicht die Freiheit, sondern sie bewahrt hübsch ihren Vorteil, das vornehmlich ist ihre Sache, sie will aus dem allgemeinen Stadtsäckel essen und macht sich dieses auf die eine oder die andere Weise zunutze. Davon wollen die angeblich freisinnigen Nachfahren dieses wirklich freisinnigen Munnes allerdings nichts mehr wissen. So viel über die Entstehung der Städteordnung von 1803. Ihre hundertjährige Geschichte aber läßt sich in die kurzen Sätze zusammenfassen: Was an ihr verdorben war, wurde durch die Barrikadenkämpfe von 1848 gebessert; was aber an ihr gesund war, wurde durch die Frechheit der Bureaukraten und Junker in holdem Einklang mit der Feigheit der bürger- lichen Klaffe verdorben. Hierüber noch in einem letzten Artikel. Spare. Kichel, spare! Spare, Michel, spare, damit du Steuern zahlen kannst, mehr Steuern, viel Steuern! Spare, damit du gern Stenern zahlst! Sparen ist der Sinn aller Volkswirtschaft. Vom Sparen hängt die Macht eines Staates ab. Werdet ein Volk von Rentnern, ihr Deutschen, wie die Franzosen es sind, damit wir an den Ausgaben für Heer, Flotte und Kolomen nicht zu sparen brauchen. Drum spare, Michel, spare l D«s war der Kern der moralinsauren Rede, mit der Fürst Bülow, frisch aufgebügelt in Haltung und Stimmung — nicht etwa ein fürstliches Auditorium im Kabarett zum Schwarzen Kater— sondern gewiß und wahrhaftig den deutschen Reichstag regalierte, um ihm die neuen Sydow» steuern schmackhaft zu machen. Er hat auch über die politische Lage geredet, ganz im allgemeinen natürlich, platte Allgemeinheiten, wie wir sie von ihm und anderen Lobrcdnern der jeweiligen Reichspolitik bis zum Ueberdruß stets zu hören bekommen haben: Daß Deutschland groß und stark geworden sei, daß es auf Grund seiner wirtschaftlichen Entwickelnng Weltpolitik treiben inüsse und deshalb auch die Kosten dafür nicht scheuen dürfe. Stetigkeit der Politik brauche es und Ruhe, Ruhe nach Außen und im Innern. Ruhe im Innern, wahrhaftig! Das wagt der Steuermann des Zickzackkm-ses dem Reichstag zu bieten, unmittelbar nachdem der Staatskarren schmählich in den Sumpf gefahren worden, Fürst Bülow mit seiner eigensten Steucrkunst alle Welt in Unruhe versetzt hat. Wie weiland der Stadtkommandant von Berlin, Graf Schulcnburg. alS er nach dem schmählichen Zusammenbruch von Jena aus den Toren von Berlin ritt, die Parole ausgab:„Ruhe ist jetzt die erste Bürgerpflicht" I. so glaubt der deutsche Reichs- kanzler sich der Verantwortung für die latente Regierungskrise entziehen zu können, indem er zur Ruhe ermahnte. Sogar über den Schulenburg hinaus ging der Organisator des inneren Jena, indem er im voraus das„Nörgeln" an der Reichs- finanzpolitik als eine überflüssige Zeitvertrödelniig dem Abscheu aller Patrioten empfahl. Fehlte nur. daß cr"den Nörglern anheimgab, den Staub von den Pantoffeln zu schütteln. So wagte er zu reden. Und was schlimmer ist. er wagte zu schweigen, völlig zu schweigen über das, worüber er unbedingt hätte reden müssen, über die Verständigung, die er in Potsdam mit seinem Monarchen getroffen. Offenbar glaubt cr das als eine Privatangelegenheit zwischen Kaiser und Kanzler behandeln zu können. Die dürftige Notiz im„Staats- anzeiger" über die Notwendigkeit und Stetigkeit in unserer Politik, das ist offenbar alles, was nach BülotvS Ansicht, dem Volke zu wissen not tut. Und doch ist nichts dringender jetzt als die Verfassungsfrage, nichts notwendiger auch als dem Volke Bürgschaften zu schaffen, daß nicht länger nach dem «Srundsah: Sc5 Königs Wille ist das höchste Gesetz, sei es von einem einzelnen oder von einer bureaukratischen Re- gicrungskaste regiert werden darf. Auch für die sogenavnte Finanzreform ist diese Klärung notwendig, denn für jede Steuerbewilligung ist es von ent- scheidender Bedeutung, wem denn die Verwendung der Steuern in die Hände gelegt werden soll. Ehe endgültige Beschlüsse darüber gefaßt werden dürften, müßte die ReichstagStnehiheit die Verfassungsfrage im Sinne des parlamentarischen Regimes zum Abschluß bringen, vorausgesetzt, daß es den Herren crn lvar mit ihrem Auftrumpfen gegen das persönliche Regiment. Sollte Fürst Bülow wirklich glauben, mit seinem Kon- versationSerfolg am Dienstag sei alleS ivieder in schönster Ordnung, dann hätte er ivieder einmal, wie schon so oft, eine politische Situation durchaus falsch beurteilt. Die Krisis i mit dem Potsdamer Zwiegespräch nur in ein neues Stadium getreten; sie ist nicht beendet. Zunächst ist eine umfassende Erörterung der Verfassuugsanträge in, Reichstage durch Ab- machungen zwischen den Fraktionen gesichert. Wäre Fürst Bülow wirklich der kluge, vorausschauende Staatsmann, für den ihn seine Lakaien ausgeben, so hätte cr die passende Gelegenheit, die die Finanzreform ihm bot, schleunigst benutzt. um freiwillig Auskunft zu geben über Dinge, die sich auf die Dauer doch nicht verschweigen lassen. Die Sozialdemokratie wenigstens wird cS nicht daran fehlen lassen, stetig daS Feuer zu schüren, damit endlich unsere politische Atmosphäre von den üblen Dünsten der Hofkamarillen und der nicht minder ge- fährlichcn Verderbnis durch ein stockiges Burcaukratenregiinent gereinigt wird. Während Bülow heute da schwieg, wo er hätte reden müsse«, mag, als cr seine volkswirtsckaftliche Weisheit bei Befürwortung der sogenannten Finanzrefonn verzapfte, sich der Brust manches in volkswirtschaftlichen Dingen nicht völlig ungeschultcn GeheimrateS der Stoßseufzer entrungen haben: o si tacuisses! Hättest du doch lieber geschwiegen! Als ob der Geist des seligen Eugen Richter mitsamt seiner SparagncS in diesen höfischen Diplomaten hineingefahren wäre, predigte cr dem deutschen Volke im Grabeston gerührten Wohl- Wollens eine moralisierende Spartheorie, deren Befolgung die industriellen Krisen verschärfen, die kommunale Hilfsaktion gegen die Arbeitslosigkeit eindämmen, die industrielle Ent- Wickelung ins Stocken und die VolkLvermehrung zum Stillstand bringen müßte. Seine Mahnung an alle Bevölkerungsklassen, zu sparen, suchte er auf einige sozialdemokratische Rufe des Unwillens hin einzuschränken durch die Bemerkung, er kehre sich nur gegen den Luxus der oberen Klassen. Daß er jedoch in Wirklichkeit alle Klassen ermahnen wollte, bewies er dadurch, daß er auch den Kommunen Sparsamkeit in der Aufnahme von Arbeiten zu wirtschaftlichen Zwecken anempfahl und sämtlichen Klassen des deutschen Volkes die Nachahmung der Franzosen anpries, die als ein„Volk von Rentnern" die Bankiers Europas ge- worden seien. Der„leitende Staatsmann" des Deutschen Reiches über- sieht also ganz, daß diese Sorte von Sparsamkeit auf die Einschräukuug des Verbrauchs hinauskommt, daß die Ein- schränkung des Verbrauchs lähmend einwirkt auf die Pro- duktion, daß einem ganzen Volke den Rentnertrieb einimpfen, heißt, es zum Zweikindersystem und zur Produktions- beschränkung treiben,— kurz des gemächlichen Lebens- Unterhaltes wegen die Quellen allen Lebens verschütten. Ahnungslos über die moralische Hinrichtung,� die er damit an sich vollzog, gab dieser schönrednerische Ignorant folgende Tiefenbacher- Weisheit zum besten:„Was das französische Volk weniger verdient, das erwirbt es durch Sparen. Es wird reich durch die.Arbeit des Auslandes, das ihm Zinsen zahlt I" Da haben die Franzosen doch mal wieder etwas zu lachen. Auf ein tieferes Niveau, als auf diese Bülowsche Spar- inoral, war die deutsche Staatsmannskimst wirklich noch nicht gesunken. Und weshalb soll der Deutsche sparen? Zu welchem Zweck? Damit an den stetig anschwellenden Ausgaben für Heer und Flotte und Kolonien nicht gespart zu werden braucht. Von Einschränkungen des weltpolitischen Luxus hatte Spar-Bülow nichts zu vermelden. Sein Finanzkollege, Herr Sydow, der mit einem vierstündigen Exzerpt aus der dickleibigen gedruckten Steuerbegründung das HauS bis zum Einschlafen anödete, deutete zwar an, w o auch die Reichs- regierung zu sparen gedenke. Betleibe nicht bei den Kosten für Weltpolitik, sondern bei den sozialpolitischen Aus- gaben. So„edel" deren Zwecke auch sein möchten, eS müsse alles zurücktreten hinter der dringenden Aufgabe, die Finanzen deS Reichs inS Gleichgewicht zu bringen. Das ist die bureaukratische Regierungskunst, wie sie leibt und lebt! Diese Leute blamieren durch ihre diplomatische Unfähigkeit und ihre weltpolitischen Intrigen das Deutsche Reich im Auslände bis auf die Knochen. Sie treiben im Innern die bornierteste Polizeireaktion. Sie reiten in Friedenszeiten die Finanzen des Reiches in eine beispiellose Schulden- und Pumpwirtschast hinein. Anstatt dann aber im niederdrückenden Bewußtsein ihrer Unfähigkeit, abzutreten vom Schauplatz, appellieren sie im Namen des Vaterlandes an den Sparsinn, an die Opfer- Willigkeit, an den„leidenschaftlichen Patriotismus" des ge- duldigen deutschen Michel. Ein selbstbewußtes Volk, ei» Reichstag, der seiner Auf- gäbe gewachsen ist, dürfte darauf nur die eine Antwort haben: Fort mit diesem ganzen unfähigen Bureaukrateuregiment samt seiner„Finanzreform l" Sie prelle über Rfilows Sieg. DaS amtliche Bulletin deS„ReichsanzeigerS" über den Verlauf der dem Reichskanzler von dem Kaiser gewährten Audienz findet in den Blättern der verschiedenen Parteien naturgeniätz eine ganz verschiedene Beurteilung und Aufnahme. Während ein Teil der Blätter alle Schwierigkeiten der Lage für überwunden erklärt, der eben noch angefeindeten Majestät Wilhelm II. in der servilsten Weise den„tiefgefühlten" Dank der Nation ausspricht und über die erhabene Selbstbescheidung Sr. Majestät sentimentale Rührung verspürt, zeigt sich ein anderer Teil in seinen Erwartungen bitter getäuscht, und ein dritter Teil, wie z. B. das Leiborgan der rheinisch-westsälischen Kohlen- und Hütlenmagnaten. die.Rheinisch» Wests. Ztg.", gefällt sich in hysterischem Gekreische. Am zufriedensten sind natürlich mit dem Verlauf der Sache die Konservativen. Das ist begreiflich. An dem heutigen bureaukratisch- absolutistischen Regierungssystem haben sie ebensowenig auszusetzen, wie an dem persönlichen Regiment. Beide müssen nach ihrer Ansicht zum Wohl d«S deutschen Volkes, b. h. aus dem agrarischen Jargon in gewöhnlichen Deutsch übersetzt, zum Nutzen des Junkertums unbedingt erhalten bleiben. Alles, was die kon- serbativen Wortführer zu tadeln fanden, war, daß S. M. sich manchmal allzu sehr exponierte, zu england- oder amerikafrcundlich auftrat und in der Aussprache seiner wechselnden Ansichten sich nicht die nötige diplomatische Reserve auferlegte, so daß nicht nur die deutsche Politik im Auslände bloßgestellt, sondern auch mit diesem ernste Konflikte herausbeschworen wurden. Nun der Kaiser ver- sprachen hat, seine sogenannte Impulsivität ein wenig zu zügeln, sind die Wünsche der Herren befriedigt— umsomehr als die amt- liche Erklärung eine derartige Form erhalten hat, daß die sogenannte Selbstbeicheidung des Kaisers als ein Alt kaiserlicher Gnade und Herablafiung erscheint. So schreibt, beglückt über die absolutistische Form der amtlichen Kundgebung des„ReichsanzeigerS", das Blatt der Hammerstein- linge, die„Krcuz-gtg.": „Mit besonderer Genugtuung werden es alle Konservativen empfinden, daß diese Billigung in einer Form erfolgt ist. die dem Kaiserlichen Ansehe» keinen Abbruch tut. Namentlich hat die kaiserliche Willensäußerung die Uebertreibungen der öffent- lichcn Kritik zurückgewiesen. Wenn die Worte deS Kaisers besagen, daß diese Uebertreibungen„von Ihm" als ungerecht empfunden würden, so dürfen wir hinzusetzen, daß diese Empfindung in den Weilesten Kreisen unseres Volkes— ja, wie die uns zugehenden Zuschriften beweisen, über die Kreise unserer Gesinnungsgenossen hinaus— mit dem schmerzlichsten Bedauern geteilt wird." Aehnlich äußert sich die„Deutsche Tngrsztg.", daS Organ de» Bundes der Landwirte: „Diese Kundgebung ist, wenn man sie richtig betrachtet und in der Tiefe erfaßt, von weitesttrageuder Bedeutung. Wir dürfen nunniehr. hoffe», daß den zum Teil berechtigten Klagen über den Mangel an Stetigkeit der Rcichspolitik der Boden entzogen werde. Wir dürfen nunmehr erwarten, daß der Geist und der Sinn der Verfassung gewahrt werde. Nur durch solche Wahrung wird eS möglich sein, die Stellung der Krone auf- recht zu erhalten, wie wir eS als unbedingte Monarchisten herzlich wünschen und für nötig erachten. Der Kaiser hat schließlich die Aussührungen deS Reichskanzlers gebilligt und damit auch seiner- seitS zugesichert, daß er künftig auch in Privat- gesprochen eine größere Zurückhaltung zeigen lo e r d e. Man darf nicht verkennen, daß eS dem Kaiser nicht leicht gefallen sein mag, daS auszusprechen und sein Einverständnis mir der Veröffentlichung dieser seiner WillenSmeinnng zu geben. Deshalb gebührt ihm der Dank des Volkes und de» Reiches." Ebenso sind auch die Blätter der Reichspartei und der national- liberalen Partei mit der amtlichen Erklärung zufrieden, nur richten einige nationalliberale Zeitungen an Bülow die bescheidene Mahnung, nun mich alle Mittel anzuwenden, um impulsive Handlungen Wilhelm II. möglichst hintanzuhalten, d. h. dafür zu sorgen, daß der Kaiser seine Zusage halte. Die„Münchencr Neuest. Nachr." schreiben beispielsweise: „Somit ist ein weitergehende? Urteil als unmittelbar nach den amtlichen Bekanntmachungen auch jetzt noch nicht möglich: man ist auf Hoffnungen angewiesen, wobei anerkannt werden kann, daß der Kanzler seine Verantwortlichkeit in der allerbindendften Forin eingesetzt hat, und die Zusicherungen des Reichskanzlers über die künftige kaiserliche Praxis auch in Privatgesprächen durch den Ausdruck der kaiserlichen Billigung und ihre amtliche Veröffent- tichuna im„ReichSanzeiger" allerdmgS eine bisher noch nicht er- lebte feierliche Formulierung gesunden haben. Die Befriedigung über diese Etappe entbindet aber nicht von der Vorsicht, die weitere Entwickelung der Dinge abzuwarten. Die Zusagen find gegeben; nun kommt alles darauf an, daß sie und wie sie gehalten werden. Dabei hat man allerdings als neue Gewähr, daß der Kaiser nach den Sorgen und Aufregungen der letzten Wochen unmöglich verkennen kann, wie daS monarchische Gefühl bis zum bruch erschüttert werden muß. wenn die Tat nicht beweist, was das Volk nach den Versicherungen vom 17. November zu er- warten berechtigt ist. Sorgen erregt in dieser Beziehung noch die Wendung:„Un- beirrt durch die als ungerecht empfundenen Uebertreibungen." Denn es handelt sich bei der ganzen peinlichen Auseinandersetzung doch nicht allein um das Kaiser-Jnterview, sondern um den fort- gesetzten Verdruß und die endlosen Beschwer- nisse. die zwanzig Jahre hindurch sich infolge der zur Genüge erörterten Kalamitäten des persönlichen Regiments aufgehäuft haben." Auch die„Köln. Ztg.", die während der letzten Tage so eifrig BülowS Jntereffe vertrat, schlägt dieselbe Tonart an: „Fn der Schwere des Entschlusses liegt unseres Erachten? aber auch eme Bürgschaft für die Nachhaltigkeit. Wer sich einmal so schwer durchgekämpft hat. wer die Bitterkeit durchgekostet hat, die für den Kaiser in den letzten Ereignissen gelegen haben müffen, der wird auch sein Bestes einsetzen, um eine Wiederholung zu ver- hüten, und einen Temperamentfehler niederzukämpsen, der so harte Folgen gehabt hat. Kein Mensch kann freilich seine innerste Natur verleugnen, und guter Wille ist nicht unbedingt und in allen Fällen eine Bürgschaft für die Ausführung von Vorsätzen. Richtig ist aber auch, daß jeder bis zu einem gewissen Grade über sein Temperament Herr werden kann, und wenn der Kaiser, wie sich jetzt gezeigt hat. den Willen dazu mitbringt, so wird cr auch nach kurzer Zeit erkennen können, daß diejenige Methode, zu der er sich jetzt entschlossen hat. aus die Dauer größere Erfolge und größere innere Genugtuung gewähren kann, alS rücksichtslose Be- tägigung selbstherrlicher Herrschergewalt." Die„Mngdcliurgische Zeitung" meint: „Die heutige kaiserliche Zusage, ein Kaiserwort, an dem sich nicht drehen und deuteln läßt, trifft den Kernpunkt der nationale» Beschwerden und Sorgen, und es wäre in diesem Augenblick un« billig, zu fragen, ob der Begriff der„verfassungsgcmäßcn Verantwortlichkeiten" im engsten Sinne oder in dem weilen, wie ihn der Reichstag vorausgesetzt hat. gefaßt werden soll. Genug. daß Verfassung und Verantwortlichkeit mit diesem Nachdruck vom Kaiser als Norm der salus xudllo» in den Vordergrund gestellt werden. Die Phase der voluaws regia ist abgeschloffen— für immer und einer neuen heilsameren gewichen, der sich ziemt, mit Ver- trauen entgegenzusehen. Dank, auflichtigsten Dank dem edlen Hohenzollern für diesen Sieg über sich selbst." Noch bescheidener als dieses Blatt ist der große Stratege de» Nationalliberalismus, Herr Ernst Bassermann. Er schreibt im roten„Tag": „So bleibt der Kanzler, durch kaiserliches Vertrauen auf seinem Posten gehalten und durch kaiserliches Wort, das eine stetige und ruhige Politik verbürgt, in der Verfolgung einer solchen Politik gestärkt. Ein ausgezeichnetes Ergebnis der ernsten und würdigen Debatten des Reichs- tage»."> Die freisinnige Presse ist dagegen meist mit der Erledigung der Sache durch den Kanzler nicht ganz zufrieden. Sie fordert ver- ässungSrechtliche Garantien. Das Maß dieser Garantien, das sie verlangt, ist allerdings verschieden. Am bescheidensten sind natur- gemäß die Blätter der Freisinnigen Volkspartei und die auch gute Beziehungen zur Wilhelmstraße haltende»Franks. Ztg.": Die„Freis. Ztg." schreibt: „Mit dieser oben erwähnten Zurückhaltimg allein aber ist eS nicht getan. Mehr oder minder deutlich wurde von den Rednern aller Parteien, abgesehen von der äußersten Rechten, bei der Jnter- pellationSdebatte die Erwartung ausgesprochen, daß auck, sachliche Garantien gegen die Forldauer eines persönlichen Rcgiinents und unvsrantworlicher Einflüsse geschaffen werde» müssen. Ob der Reichskanzler hierüber mit dem Kaiser verhandelt und irgend ein positives Ergebnis erzielt hat, geht aus der amtlichen Kundgebung nicht berbor. Wen» dort von Stetigkeit der Politik des Reich?.unier Wahrung der verfasinngsinäßigen Verantwortlichkeit" die Rede ist, so könnte man das vielleicht als eine hierhin gehörige Anspielung auffaffen; aber die gewählten Worte sind so vieldeutig, daß es nicht angebracht erscheint, daran Kombinationen zu knüpfen. Jeoen- falls hat der Reichskanzler, indem er von dem Kaiser da» Versprechen größerer persönlicher Reserve erhielt, erst einen Teil der Aufgabe gelöst, die das Reich von ihm erheischt. Völlig und dauernd befriedigend wird daS Verhältnis sich erst allerseits gestalten, wenn der Monarch und wenn die Reiche- Verwaltung ernsthaft die Durchführung und Ber- wirklichung des konstitutionellen Gedankens betreiben. Welcher Aendernngen der Gesetzgebung und Lcr- waltung cS dazu bedarf, da» haben wir neulich auseinander- gesetzt: Dazu gehören eine faktische Verantwortlichkeit deS Reichs- kanzlers, eine Beseitigung der Kabinettspolitik durch Einrcihung von Zivil-, Militär- und Marinekabimtt in den konstitutionellcn Rahme». Nenorganisation deS Auswärtigen Amtes, und zwar nicht etwa lediglich dnrch Vermehrung der Ratsstellen. Heranziehung nur der Tüchtigsten und Fähigsten zu den höheren öffentlichen Acintern ohne Rücksicht auf Konnexionen, auf Abstammung und auf Reichtum." Noch weit schüchterner ist die altjüngserliche„Voss. Ztg.": „Wenn aber Kanzler und Minister nicbt Handlanger oder Werk- zeuge sein wollen und sollen, nicht„Sr. Majestät erste Schreiber", wie sie sich unter Friedrich Wilhelm IV. gelegentlich nannten, so ist eS ihre Aufgabe, die nötige Fühlung, wie hüben mit der Volks- Vertretung, so drüben mit dem Monarchen zu unterhalten, sei eS durch häufigen unmittelbaren Verkehr, sei es durch Bermittlnng eines un- bedingt zuverlässigen, verantwortlichen Vertrauensmannes, einc» Ministers am kaiserlichen Hoslager, der im Austrage de-Z leitenden Staatsmannes bei allen Kundgebungen des Monarchen, bei allen seinen für die Ocffentlichkeit bestimmten Handlungen mitwirkt. Wobei eS höchst heilsam wäre, die amtlich ausgegebenen Hofberichte ans das nolwendigsie Maß zu beschränken, statt unablässig das Volk weitschweifig über den Kaiser zn unterhalten. Es ist viel, sehr viel zu tun und zu ändern. Der Weg ist jetzt frei. ES wird sich zeigen, welche Taten den ersten Worten folgen werde». Der Kaiser hat dem vornehmlich kundgegebenen VolkSwillen Gehör ge- schenkt. Was weiter gefordert werden muß, hat die Nation vom Kanzler zu fordern." Die„Franks. Ztg." fragt: „Ist nun Bürgschaft für eine dauernde Besserung gegeben? Niemand kann daraus wohl eine bestimmte Antwort geben. Zu- sicherungen allein tun eS nicht, es bedarf stärkerer Garantien, die nicht bloß in den Personen, sondern auch in den Einrichtimgen liegen müssen. Eine Reform an Haupt und Gliedern tut not, eine innere Einkehr, die sich auch ans das Volk mit erstrecken muß: einc Abkehr vom Byzantinismus und Stärkung der politiichen Selbständigkeit, politische Reife, die nicht de» Gängeln» bedarf und sich auch nicht gängeln läßt. Einem Volle und einem Parlament gegenüber, da» diese Stufe erreicht hat, da» aus seinem Recht der lelpstündigen Mitbestimmung besteht, kann ein persönliche» Regiment nicht mehr auflommcu und auch keine willfährigen Minister finden; denn diese würde» sich nicht einen Tag halten können. ES muß dahin gestrebt werde», daß Mini st er nicht einfach nach Laune von oben ernannt und entlassen werden, sondern daß auf da» Parlament auch hierbei Rücksicht genommen. wird. Die Ministerverantwortlichleit in faßbarer Form, die ParlamentSbeteilignng auch an den Ent- fcheidungen der auswärtigen Politik, das sind Forderungen, deren Erfüllung nun endlich in Angriff genommc» werden muß. Das aber muß man vor allem festhalten, daß nur aus dem Volke heraus die Entlvickelung kommen kau», die allein weitere Forlschritte und gesunde Verhältnisse für die Zukunft verbürgt." Daü„Berl. Tagebl." ist etwa? energischer: „Das erhebliche Unbehagen, das auch nach ber Erkkürnng deS„ReichsanzeigerS" noch bestehen bleibt, wird nicht nur diese Form erzeugt, sondern auch durch den unzureichenden Inhalt der Willenskundgebung des Kaisers. Zunächst muß doch darauf hm gewiesen werden, daß eS mit der.Stetigkeit der Politik des Reiche»" allein nicht getan ist.... vor allen Dingen muß man fragen, wo eigentlich in diesem ganzen Handel zwischen Kaiser und Kanzler der Reichstag bleibt. Er ist schließlich auch nach der Verfassung der nächste dazu, die Stetigkeit der Rcichspolitik zu wahren. Wen» deshalb auch der Reichskanzler in seiner verfaffnngsmäßigcn Verantwortlichkeit geschützt werden muß. so besteht doch diese Verantwortlichkeit in erster Reihe dem Volke und seiner erwählten Verlrelung. dem Reichstage gegenüber. Deshalb ist es erforderlich. daß die Stetigkeit der Politik nicht nur durch de» Kaiser und den Reichskanzler, sondern ebenso durch den Reichstag garantiert wird. Die Personen kommen und gehen; daS Reich und da? Volk bleiben. Es ist nicht ausgeschloffen, daß die jetzigen Versprechungen eine? Tages vergessen oder ignoriert werden könnten. Aber selbst wenn solche Eveiilualitäten nicht zu befürchten wären, so darf doch eine Verfassung nicht bloß aus bestimmte Personen zugeschnitten werden... Jetzt ist in» Volke allgemein die Nolweiidigkcit erkaniu, die Verfassung durch die für AuSichaltung der persönlichen Politik nötigen Garantien auSzuge st alten. Dieser Augenblick darr nicht versäumt werden. Die Erklärung deS„ReichSanzeiger»" ändert an einer derartigen politischen Not- wendigkeit nicht daS geringste. DaS Ziel dieser Garantien muß, um es kurz zu sagen, sein, dem Reichstage die Möglichkeit zu geben, bei der Ernennung und Beseitigung des vcr- anuvortlichen Reichskanzlers, oder noch besser eines ver- a n t w o r t l i ch e n R e i ch S in i n i st e r i» m s, m i t z u w i r k e n und schuldige Mini st er für ihre Verfehlungen zurRechenschaft zu ziehen." Der Zentrumspresse ist eS weniger um Verfassungsgarantien, als um den Abtritt BülowS zu tun. Die„Germania" schreibt: „Ohne Zweifel wird eS Pessimisten geben, die an eine nach- haltige Wirkung nicht glauben werden, weit der Kaiser seine Natu.- nun einmal nicht ändern könne. Diesen Pessimisten wollen wie unS nicht anschließen, sondern wir wollen Vertrauen zu unserem Kaiser haben. Wiffen wir doch, daß er nicht nur einen guten, sondern auch einen starken Willen hat. Warum sollte eS ihn- damit nicht gelingen, das als reckt Erkannte durchznfiihreii und begangene Fehler zu vermeiden? Es ist aber auch Sacke de» Kanzlers, ihm bei der Durckführung seiner Absichten behilflich zn sein. Wenn der Kanzler sich seiner Verant- Wartung nicht b c iv u ß t ist. so ist eS schließlich kein Wunder, wenn auck unveiantwoitliche Ratgeber mitsprechen. Am Ende ist doch nickt bloß das Temperament des Kaisers allein an den vielbeklagten Vorgängen schuld, sondern mindestens in gleichem Maße der Kanzler, der sich nicht durchzusetzen wagte." Und die„Köln. SolkSztg." meint zweifelnd: „Besonders ist man zu der Erwartung berechtigt, daß über die dem Reichskanzler gemachten Vorschläge baldigst etwas Be- stimmteö verlauten wird. Erst dann wird ersichtlich werden, ob in diesen Vorschlägen eine gewisse Bürgschaft dafür liegt, daß wir in Zukunft vor solche» peinlichen Ueberraschungen bewahrt bleiben. Tie bis jetzt vor- liegende Lösung der Krifts kann nur als eine vorläufige. besten Falles als ein« vorbereitende betrachtet werden. Der ReichSwg wird sich aufs neue mit der Sache zu be- schästigen haben, wenn die Anträge auf Erlaß eines Ministe- veran'.wortlichkeitSgc'etzcS, vor allem der bezügliche Amrag de» Zentrums, zur Beratung gelangen. DaS wird in oller Kürze ge- lchehen muffen. Dann ift auch der Augenblick da, wo deuilichcr gemacht werden muß. was die Kundgebung im.ReichSanzeiger" mit hinreichender Klarheit mcht erkennen läßt." iEic weltau? schärfste Kritik leistet sich da? Zechenblatt, die „Rhein.-Westf. Ztg.", doch treibt dieses Blatt der rheinisch-west- fälischen Grobindustriellen weniger das Verlangen nach einer Ver» mehrung der VolkSrcchte, nach einer Stärkung des Reichstages zu seiner scharfen Kritik, als vielmehr die Wut über daö durch die Veröffentlichung des„Daily Telegraph" geschädigte Ansehen der deutschen Bourgeoisie im Auslände. DaS Blatt richtet denn auch seine Ausführungen fast ausschließlich an die Adresse deS Kaisers: „Der Kaiser gibt der Stinime seine? Volke? kein Gehör, er weist den Wunsch des Reichstags zurück, er beugt sich nicht der Ausforderung deS Bundesrats, deS preußischen Staats- Ministeriums und den Vorstellungen seines Reichskanzlers. „Unbeirrt" wird er nach wie vor persönlich die Politik des Reiches leiten, in dem Bewußtsein, sie bisher erfolgreich und glänzend geführt zu haben. Wen die Götter verderben wollen, den schlagen sie mit Blindheit. Kaiser Wilhelm EL glaubt bekanntlich an eine besondere Mission, die ihm von der Vorsehung zugewiesen sei. Er traut sich die Fähigkeit zu, durch sein persönliches Erscheinen alle Schwierigkeiten zu lösen und alles zu seinen Gunsten zu wenden. Es ist bekannt, daß er in dem Wahn lebt, als Monarch von Gott besonders erleuchtet zu sein. Die Borgänge der letzten Woche scheinen ihn in diesem Glauben nickt im geringsten erschüttert zu haben. Bei Jogdliedern und Becherilang, unter Kabareitgesängen und Witzwortcn ist ihm der Ernst der Lage nicht zum Beivußtseln gekommen. Es steigt in uns die bange Furcht auf, daß er jenen Vorstellungen schon derart verfallen ist, daß ihm ein klarer Blick in die Wirklichkeit sehr erschwert ist.... „Seine vornehmste Aufgabe" will der Kaiser auch in Zukunft darin sehen:„Die Stetigkeit der Politik deS Reiches zu sichern". Dieses Wort klingt fast wie ein Hohn auf die Bewegungen der letzten Wochen. ES mag unier Partei- Politikern hier und da eine Meinungsverschiedenheit bestehen über einzelne Phasen der kaiserlichen Politik, aber darin sind sie alle einig, daß ihr besonderer Mißstand die Unstetigkeit war. Kein Plan, kein Gedanke der kaiserlichen Politik ist mit Stetigkeit, Be- ständigkeit und Zähigkeit durchgeführt worden. Was heute an- gebetet wurde, wurde morgen verbrannt. Die kaiserliche Antwort stellt sich demnach als eine schroffe Absage dar an den Willen deS Volkes, des Reichstags und des Bundesrats. Der Kaiser will sich mit diesen Faktoren nicht verständigen, sondern den Kampf gegen sie aufnehmen. Der Fehdehandschuh ist uns hingeworfen. er muß blutenden Herzens aufgenommen werden, denn es handelt sich um Sein oder Nichtsein de? Deutschen Reiches, es handelt sich um unsere Wirtschaft- licken Interessen, um unser Ansehen in der Welt und um unsere Ehre. Wird der Kamps weiter geführt. dann wird die Frage praktisch werden, über die kein Politiker zweifelhaft sein kann: Was steht höher, der augenblickliche Träger der Krone oder die Herrscherfamilie, die Herrscherfamilie oder die Verfassungsform, die VerfaffungSform oder das Volkstum? Wir gehen schweren Zeiten entgegen, furchtbare Wirren stehen un» be- vor. aber das Volk darf diesen Kampf nicht scheuen, wenn eS endlich aus seiner jetzigen unerträglichen Lage herauskommen will." fln Sie Henker des Zaren ausgeliefert! Die„Mannheimer Nolksstimme" schreibt: Die preu- ßische Polizei steht im Begriffe, ein ungeheuerliches Attentataufdie Menschlichkeit auszuführen. Wir erfahren darüber zuverlässig folgendes: Anfangs Oktober wurde in Sterkrade. Regierungsbezirk Düsseldorf, ein mit einer Badenserin verheirateter russischer Staats- angehöriger namens Maxim G e s ch k o w verhaftet. Die Frau Geschkows erfuhr von der Verhaftung erst durch einen Brief, den der Gatte ihr aus dem Polizeigefängnis schrieb. Ueber die Gründe der Verhaftung wußte der Mann nichts initzuteilen. Auf eine vom Schwager des Verhafteten, der in Mannheim wohnt, beim Regierungspräsidenten in Düsseldorf gerichtete Anfrage ging am 5. November folgende Antwort ein: Der Regierungspräsident. c. Q. 11. 573. Du sseldorf, 4. Nov. 1908. Nach den amtlichen Ermittelungen ist als erwiesen anzu- sehen, daß der russische Staatsangehörige Marim Geschkow An- Hänger der anarchistischen Partei ist. Er wird daher o r d. »ungsgen, äß mittels Transportes über die russische Grenze abgeschoben werden, sobald seine russische HeimatSbchörde seine Identität anerkennt und seine Uebernahme zugesichert hat. Die diesbezüglichen Verhandlungen sind bereits Mitte vorigen Monats eingeleitet worden. Bis zum Eingange der Uebernahme- crkläruicg wird Geschkow in AuSwcisungShaft ge- halten werden. Seine Entlassung auS derselben ist nicht an- gängig. I. V.: v.(Name unleserlich.), An X. X. in Mannheim. In diesem Schreiben wird also als einziger Grund der Verhaftung und Gefangenhaltung Geschkows dessen an- g e b l i ch e Zugehörigkeit zur anarchistischen Partei be- zeichnet. Kein Versuch, ihm irgendeine strafbare Hand» lung zur Last zu legen. Nicht einmal die Propaganda anarchistischer Lehren wird ihm zum Vorwurf gemacht. Die Gesinnung des Mannes, der uns als ein fleißiger Ar- beiter und braver Familienvater geschildert wird, soll zum Anlaß genommen werden, ihn den Schergen des Zarismus ans Messer zu liefern. Dabei wird uns auf das bestimmteste versichert, daß die Behauptungen der Polizei, wonach Geschkow der anarchistischen Partei an- gehöre, nicht einmal richtig sind. Im Namen der Menschlichkeit, im Namen der Würde des deutschen Volkes erheben wir Protest gegen das un- geheucrliche Vorgehen der preußischen Polizei und gegen ihre Absicht, einen Menschen, dem keine strafbare Handlung zur Last gelegt werden kann, der russischen Polizei in die Hände zu liefern. Diese Auslieferung ist bei den Gepflogenheiten der russischen Polizeidespotie gleichbedeutend mit einer Ver- n i ch t u n g der(F r i si e n z dieses Menschen, ja viel- leicht mit der Vernichtung eines Menschenlebens. Pflicht aller human empfindenden und freiheitlich gesinnten Menschen ist es. sich diesem Protest anzuschließen. Es ist e n d l i ch g e n u g der Schmach, die die preußische Polizei über das deutsche Volk gebracht hat! politische(leberlickt. Berlin, den 19. November 1903. Landtagswahl in Lippe. In einer außerordentlichen Gencralversamm. luna des sozialdemokratischen Vereins für das Fürstentum Lippe, die am Sonntag, den 15. November, in Lage stattfand, wurden die Kandidaten der dritten Klaffe für die am Mittwoch, den 9. Dezember d. I., stattfindenden Wahlen zum Landtage aufgestellt. Di« Regierung hat dem einstimmigen Be- fchluffe de» Landtages, die Wahlen wegen der zurückkehrenden Zicgler cr�t für Januar auszuschreiben, zuwider gehandelt. Das Fürstentum Lipp- ist in sieben LandtagSwahlkreise eingeteilt. Jeder Kreis wählt die Abgeordneten, und zwar je einen für die drei Klaffen in geheimer Abstimmung. Unsere Partei hat erklärlicher- weise nur Aussicht auf Erfolg in der dritten Klasse. Sie war in der letzten Session im Besitze dreier Mandate. Der bisherige Ab- geordnete, Genosse Becker, erstattete den Bericht über die Tätigkeit der Fraktion, im Landtage, wobei er namentlich das volköver- rätcrische Verhalten der Partei deS Herrn Dr. Xeumann» Hofer, NeichStagsabgcordnctcn für Lippe kennzeichnete. Die Einigung der liberalen Parteien aller Schattierungen vereine unsere Partei noch inchr als bisher auf die eigene Kraft und Stärke allein. Die Genoffen möchten deshalb mit allen ihren Kräften in den Wahl- kämpf treten. Vertreten Ivaren 15 Orte durch 24 Delegierte, außerdem die Kreisleitung, das AgitationSkomitec des Bezirks und die Redaktion der„Vollswacht". „Quatschköppe". Im April vorigen Jahres erzählte die„Kölnische VolkSzeitung" zum Beweise der Wertschätzung, die der Reichstag in gewissen Kreisen genieße, einen Vorgang in einem eleganten Restaurant in Berlin. Dort saß an einem Tische eine Gesellschaft, darunter ein Geheiinrat und ein Major. Der Kellner brachte den Herren ein Abendblatt mit der Bemerkung, eS stehe der Anfang der heutigen Reichstagsverhandlungen darin. Die Herren warfen einen Blick in das Blatt, legten eS dann verächtlich beiseite, wobei der eine zum andern sagte:„Geht uns gar nichts an. WaS die Quatschköppe sagen, der Kaiser macht ja doch, was er will!" Nach dem jetzigen Verhalten der bürgerliche, Parteien werden der Herr Geheimrat und der Herr Major mit Genugtuung konsta« tieren, daß die Ereignisse ihr Urteil von damals in vollem Maße bestätigt haben._ Ter neue Chef des MilitärkabiuettS. Zum Chef des Militärkabinetts Seiner Majestät des Kaisers ist der bisherige Kommandeur der 19. Division Generalleutnant Freiherr von Lyncker ernannt worden. Eine Entlarvung. Man schreibt unö aus Z ü r i ch vom 18. November: Unser hiesiges Parteiblatt, das ,, Volksrecht", ver- öffentlicht die Entlarvung des preußischen Polizeispitzels Walter Grsywinski, der vor einiger Zeit nach Zürich gekommen war und sofort Anschluß an die Anarchisten gesucht und gefunden hatte. Bald darauf erhielt aber der Arbeiter, an den er sich zuerst gewandt hatte, von Berlin aus die Mitteilung, daß G. ein Polizei- spitze! sei. In den Kreisen der Anarchisten gebürdete er sich als Agent Provokateur, wurde aber, nachdem man durch jenen Brief über seinen wahren Charakter aufgeklärt worden war, überwacht. Davon scheint wieder die Berliner Polizei Kenntnis erlangt zu haben, denn der Berliner Polizei- kommissar Koch warnte ihn telegraphisch vor der ihm drohen- edn Gefahr und empfahl ihm die Abreise. Er konnte aber noch zurückgehalten werden, bis er in einer Ver- sammlung von etwa 23 Arbeitern öffentlich als preußischer Polizeispitzel entlarvt wurde. Grsywinski gab sodann diese seine Rolle auch zu und beichtete, daß die Berliner politische Polizei seine Notlage benutzt habe, um ihn in ihren Dienst zu zwingen! In der Schweiz sollte er die deutschen Anarchisten bespitzeln, was er auch getan hat, während eine Verbindung mit der schweize- rischen Polizei nicht gewünscht wurde. In seinem ersten Bericht habe er über zwei schweizerische Sozialisten.Angaben gemacht! Unter seinen Papieren fanden sich neben anarchistischen Schriften auch solche mit christlicher Tendenz und Heiligenbilder. Als Sekretär eines polnisch- katholischen Vereins war er zugleich Mitglied einer anarchistischen Verbindung und als Polizeispitzel bettelte er Sozialdemokraten um milde Gaben an. Auf dem Konzept zu einem Telegramm steht der Name des Polizeikommissars Hermann, p. Abteilung der politischen Polizei in Berlin. Die Entlarvung des preußischen Polizeispitzels Grsywinski in Zürich ist ein„neuer Erfolg" der genialen äußeren und inneren Politik des deutschen Regicrungs- systems, das in seinem Zusammenbruche eine Weltblamage an die andere reiht. Wieviel Not unter den zahlreichen Ar- beitsloscn könnte man mildern mit den Riesensummen von Sündengeldern, die ein unfähiges und bankerottes Regime nur für Polizeispitzelei ausgibt. Afrika-Peters will sei' Ruh' Hab'«. AuS München wird uns telegraphisch gemeldet: Peters hat die in Rixdorf gegen den.Vorwärts'(gegen unseren Redakteur Genossen Wennuth. Die Red.) angestrengte Klage zurückgezogen, angeblich wegen der unmotivierten Terminverlegungen. In einer vielleicht erst zwei Jahre nach der Klagestellung stattfindenden Verhandlung könne er eine angemessene Sühne und Geimgtuung nicht erblicken. Die Molivierung de? Schrittes ist äußerst fadenscheinig. Be- kanntlich hat Herr PeterS auch die Berufung gegen baS Urteil in seinem Prozeß wider die.Münchener Post" zurückgezogen. Die neuen Zeugen der.Münchener Post", die diese für die Berufung«- Verhandlung angemeldet hat, scheinen ihm nicht zu gefallen. Da der Prozeß des„Vorwärts" jedenfalls erst nach dem Münchener Prozeß stattgefunden hätte, so wird wahrscheinlich die Münchener Berufungsverhandlung die Erklärung für die merkwürdige Friedens- liebe des Herrn Peters geben._ Gesellfchaftssteuer und Konsumvereine. Die dem Hamburger Zentralverbande angehörenden Konsum- vereine Mittel- und Nieder-SchlesienS, 14 an der Zahl, haben auf einer in Lieanitz abgehaltenen Konferenz eine Protestresolution gegen die geplante GesellschaftSsteuer einstimmig angenommen und die ersten Vorbereitungen für eine energische Abwehraktion berachn. Vorher hatte Justizrat E t e i n s ch n e i d e r- Berlin in einem Ne- feratc dargelegt, daß von der Steuer in erster Linie die mittleren und kleinen Konsumvereine detroffen werden würden und daß diese eine Verdoppelung, wenn nicht gar Verdreifachung ihrer Steuer- lasten zu befürchten hätten._ Protest gegen die Steuerplünderung. Neun Prot« st Versammlungen, die sämtlich überfüllt waren, nahmen am Mittwoch in Köln und Vor- orten Stellung zu den neuen Stcuerplcinen der Reichs- regicrung. Einen solchen Zudrang, wie er bei diesen Ver- sammlungen zu beobachten war, hat man in Köln selten erlebt, zumal nicht bei einer so großen Zahl am gleichen Tage einberufener Versammlungen. Die Redner fanden demonstrativen Beifall. Eni- stimmg wurde in allen Versammlungen eine Resolution an- genommen, di« die Reichsschuldcnwirtschaft als das notwendige Ergebnis der absolutistischen volksfeindlichen Politik bezeichnet, deren Gefahren dem Volke in den letzten Wochen mit so erschreckender Deutlichkeit offenbar geworden feien. Tie Versammlungen protestierten«ntschieden gegen die erneut beabsichtigte Ausdehnung indirekter Steuern und sie forderten: 1. eine vom Geiste der Volkswohlfahrt getragene, vom Volk gebilligte Politik nach außen und nach innen; S. eine de« Volke auch im juristischen Sinne veraniworilicht Leitung dieser Politik; 3. Abschaffung aller die Interessen der minderbemittelte, Volkskreise so schwer schädigenden indirekten Steuern und Zölle 4. Einführung einer stufenweise steigenden ReichSein kcmmmens- und Termögeussteuer sowie zweckmäßigen Ausbau bei Erbschaftssteuer._ Ein gefährlicher Schmort entlarvt. Die fortgesetzten Hetzereien der„vornehmen"„Schlesischeu Zeitung" in Breslau gegen unsere Partei, die Gewerkschaften, Arbeitergenossenschaften und sozialdemokratischen Krankenkassen- Vorstände stammen in der Hauptsache aus der Feder eines gewissen Lichtensteiu, der die Sozialistentölung gegen ein Fixum von fünf- tausend Mark jährlich betreibt. Wie sich nun durch einen gukall herausgestellt hat, kann der Herr für gutes Geld auch schreiben links; er gehört zu den Mitarbeitern der--„Frankfurter Zeitung". Durch den Druckfehlerteufel ist der Schmock entlarvt worden. Am Sonnlag schickte er einen telegraphischen Bericht über die nationalliberale Versammlung nach Frankfurt, die zur Vlllow-Krise Stellung genommen hatte. Durch ein Versehen der Redaktion kani dann der Name L i ch t e n st e i n statt deS OrteS Breslau an die Spitze deS Berichtes._ Arbeiterentlafsunge». Nach einem Telegramm aus Stuttgart hat die Generaldircktkon der Staatseisenbahnen, um Arbeiterentlassungen zu vermeiden, an sämtliche Dienststellen eine Verfügung erlassen, nach der Arbeitern, denen infolge Verkehrsrückaangcs, Ausfallens von Zügen oder aus ähnlichen Gründen gekündigt werden muß, womöglich Gelegenheit geboten werden soll, in anderen Dienststellen unterzukommen. August Jungfer. Liegnitz, 19. November. Der ehemalige freisinnige Reichstags- und LandtagSabgeoldnete für Liegnitz— Goldberg— Haynau, August Jungfer, ist heute im Alter von 64 Jahren gestorben« Militärjustiz. Ein ausgerückter Regimentsschreiber. AuS Halle a. S. berichtet man uns unterm 19. November: Der tlnteroffizier und Negimentsschreiber Kalz vom Kürassierrcgimcnt in Halberstadt war mit seinem Kommandeur Freiherrn v. Schuckmann in Diffc- renzen geraten, da letzterer ihm erklärt hätte, er könne ihn nicht mehr gebrauchen. Kalz nahm sich den Vorwurf derartig zu Herzen, daß er nach Belgien floh und sich dort 5 Jahre aufhielt. Obwohl er damals nur noch 17 Tage zu dienen hatte und der Kommandeur ihm in aller Form„Feierabeird" gab, beantragte der Ankläger eine Gefängnisstrafe von einem Jahr drei Monaten und Ver- sctzung in die 2. Klaffe des Soldatcnstandes. Der Herr Komman- veur, über den sich der Unteroffizier bitter beklagte, wurde unter Ausschluß der Oeffentlichkeit vernom- wen>— auS militärdienstlichen Gründen. Kalz wurdg zy Vier Monaten Gefängnis verurteilt und degradiert.« Tie Balkankrise. Montenegrinische Drohungen. Wien, 18. November. Aus C a t t a r o melden die in Prag erscheinenden„Narodni Listi": Die Montenegriner sind zum Kriege vorbereitet. Die Verbindungen mit Cattaro sind seit zwei Tagen unterbrochen. Auf dem an der Grenze befindlichen hohen Berge Lowtschen, welcher die Bucht von Cattaro beherrscht, haben die Montenegriner Geschütze schwersten Kalibers aufgestellt, deren Mündungen gegen Cattaro und die umliegendeil österreichischen Forts gerichtet sind. Aus Cattaro sind bereits die Familien der Offiziere und Beamten ausgezogen. Die militärischen und administrativen Archive sind weggeschafft. Die katholischen Kirchen in Cattaro haben ihre Schätze anderen katholischen Kirchen in Dalmotien zur Aufbewahrung über- geben. Die Montenegriner kommen nicht mehr auf den Markt nach Cattaro. Weiter berichten die„Narodni Listi" asis Cattaro: Der Dugapaß, welcher den Eingang aus der Herzegowina nach Montenegro bildet, ist stark be- festigt; zu dessen Schutz stehen in Niksic 8999 Montenegriner bereit. Die telcgraphische Verbindung mit Cettinje, welche das österreichische Telegraphenamt in Cattaro ver- mittelt, ist unterbrochen. Hierzu sagt die„Neue Freie Presse" folgendes: Von authentischer Seite wird die Richtigkeit dieser Mel- dnngen aus Cattaro bestätigt, es wird jedoch hinzu- gefügt, daß diese Tatsachen schon einige Zeit an den offi- ziöscn Stellen bekannt sind und dem politischen Tatbestand nichts Neues hinzufügen. Die politische Lage wird trotz dieser Vorgänge an der Grenze hier jedoch ruhig beurteilt. Weitere Rüstungsmeldungen. Wien, 19. November. Nach telcgraphischcn Meldungen auS C e t i n j e hält dort die kriegerische Stimmung an. Alt und Jung rüstet, weil der Krieg für unvermeidlich gehalten wird. In Antivari werden große Vorräte von Munition und Proviant angefahren. Belgrad, 19. November. Gestern abend fand unter dem Vorsitz des Königs im königlichen Palais ein K r i e g s r a t statt. An demselben nahmen der Kronprinz sowie samt- liche Generäle und Regimentskommandeure der in Belgrad, stationierten Truppen bei. Die Zufuhr von Kriegs- Material hält an. Wie die Blätter melden, stehen 39 909 Mann Freiwillige vollständig kriegsmäßig ausgerüstet bereit, um auf das erste gegebene Zeichen in Bosnien und der Herzegowina einzufallen. Dieselben sollen in 29 Banden ein- getellt werden. Die türkisch-bulgarischen Verhandlungen. Köln, 19. November. Die Kölnische Zeitung meldet«mS Kon- stanttnopcl vom 18. d. M.: Seit Ankunft der bulgarischen Ver- treter nehmen die Verhandlungen mit der Orient- bahn einen schnelleren Verlauf. Heut« ist ein Protokoll unterzeichnet worden, durch das Bulgarien und die Orientbahn sich auf einen zu kapitalisierenden Nettoertrag für das osttumclischc Bahnstück einigen. Kein Balkanbündnis. Konstantlnopel» 13. Norember. Der Großwcsir erklärt die Gerüchte über eine türkisch. scrbisch-montenegri» nifche Entente gegen Oesterreick-Ungarn für unbc- gründet. Cnglanä. Die Arbeitslosigkeit. London, 17. November.(Eig. Ber.) gestern er- schienene„Labour Gazette" gibt die Lage des Arbeitsmarktes zu Ende Oktober. Es berichteten 257 Gewerkschaften, die 591 953 Mitglieder haben: davon waren 56299 oder 9,5 Pro;,. arbeitslos. An L o h n ä n d e r u n g e n waren 72 999 Arbeiter beteiligt; davon erhielten 65 999 eine Lohn- Herabsetzung: das Gesamtergebnis der Lohnänderungen war eine Lohnab nähme von 39 999 M. pro Woche. Die Ergebnisse der GeöleindeSablen. — London, 15. November.(Gig. 23cr.) Der„Labour Leader" vom 13. d. M. enthält eine gute Zusammenfassung der Ergebnisse der vor zwei Wochen in England, Wales und Schottland abgehaltenen Ge- mcindewahlen. Das Gesamtergebnis ist für die britische Arbeiter- bcwegung nicht günstig. Es kandidierten: 210 Mitglieder der Un° abhängigen Arbeiterpartei(gewählt wurden 63); Gewerkschafter 103 (gewählt 25); Sozialdemokraten LI(gewählt 13); andere Sozialisten 24(gewählt 3). Insgesamt kandidierten 421 sozialistische und gewerkschaftliche Mitglieder; davon waren 101 erfolgreich; neu erobert wurden 45 Mandate, verloren wurden 78; Reinverlust 33. Die Gesamtzahl der auf die sozialistischen und gewerkschaftlichen Kandidaten ent- fallenen Stimmen beläuft sich auf 227 300. Sozialistentöter. London, 16. November.(Gig. Ber.) Als ein Zeugnis für da? Wachsen des Sozialismus in England darf die Gründung eines antisozialistischen Verbandes gelten. die vor kurzer Zeit in London vorgenommen wurde. Ter Verband teilt dem Publikum mit, daß die Sozialisten etwa 2000 Versammlungen wöchentlich im Lande abhalten. Die britischen Sozialisten gaben jährlich auf Propaganda und Organisatiou beinahe eine viertel Million Pfund Sterling aus. Der antisozialistische Verband hat in London eine Schule eingerichter, um Redner heranzubilden und Schriften heraus zugeben, die dem Sozialismus entgegenarbeiten könnten. Der Verband erfreut sich der Gunst mehrerer Lords und Mitglieder des Parlaments. ■franhmeb. Die Todesstrafe. Paris, 13. November. Die Deputierte nkammer setzte in ihrer NachmitlagSfitzung die Verhandlungen über die Todes- st r a f e fort. P u e ch, der Präsident der Kommission für Justiz reform, versuchte die von Briand gegen die Aufrechterhaltung der Todesstrafe vorgebrachten Gründe zu widerlegen. Vriand seinerseits trat dieser Auslegung entgegen. I a u r s S bekämpfte gleichfalls die Ausführungen PuechS. Hierauf wurde die Generaldiskussion geschlossen und die Beratung der einzelnen Artikel auf den 2. De� zcmber vertagt.— perNen. Ein Erfolg der Revolutionäre. Täbris, 17. November. Die Revolutionäre haben Arn ed Dauleh von ieglicher Verbindung mit der Stadt ab geschnitten._ Der widerspenstige Schah. London, 13. November. Nach einer Blättermeldung au-S Teheran ist die Antwort des«ch ah s auf die letzten englisch. russischen Vorstellungen unbefriedigend. Der Schah erklärt, dast er konstitutionellen Tendenzen geneigt sei, dast aber zu seinem Bedauern die Nation anti'onslilutionelle Gesiimuugen habe. CKltia. Der Thronwechsel. Peking, 17. November. Es herrsäst hier völlige Ruhe. Die in den Straßen patrouillierenden Gendarmen und Wachen sind stark verringert worden. Die Räte kündigten den kaiserlichen Prinzen an, daß die Regentschaft eine endgültige sei, und daß man jedem Widerstand unverzüglich mit den erforderlichen Mitteln entgegentreten und ihn bestrafen würde. Viertausend Soldaten werden im Palast der Äaiserin-Witwe in Bercib schaft gehalten. Der Sieg deö unter dem neuen Regime stark ver- tretenen Reformeleme-ntS beunruhigt die Organisationen der Mandschupartei. Man ist der Ansicht, daß der Einfluß dieser Partei gefährdet ist. In den Provinzen wurde die Nachricht von der Einsetzung der Regentschaft mit Ruhe aufgenommen- Das Rcformprogramm. Peking, 18. November. Eine Reihe von Edikten ist heute erlassen worden. Unter anderem wird eine strenge Bewachung der 2Zerbotenen Stadt angeordnet; ein zweites Edikt kündigt an, die Aera des neuen Kaisers werde den Namen Hsuan Tung führe,:. Dieser Name wird dahin ausgelegt, daß die Einheit der Nation� und die Durchführung der Reformen das Programm des Thrones sei. Ein drittes Edikt setzt den Titel nach dem Tode für den verstorbenen Kaiser und die Anerkennung seiner Verdienste fest und verbreitet sich über das Reform Programm, wozu Kwanghsüs Abschicdsedikt den Thron verpflichtet habe.—_ Andauernde Ruhe. Peking, 18. November. Die 14 Bankhäuser, die vor einigen Tagen geschlossen hatten, haben heute wieder ge öffnet und mit der Auszahlung begonnen. Die Mittel dazu wurden ihnen von der Negierung zur Verfügung gestellt, um ihnen über die Panik hinwegzuhelfen. Diese Zahlungen sollen fünf Tage lang fortgesetzt werden. In Peking herrscht vollkommene Ruhe; es werden auch keine Ruhestörungen erwartet. Zehntausend nach ausländischem Muster ausgebildete Soldaten halten die Ordnung aufrecht. Sie verhalten sich freundlich gegen die Fremden. Bisher sind Aenderungen irgend- welcher Art offizell nicht bekannt gemacht geworden. Indien. Die NnabhängigkeitSbewegung. London, 16. November. fEig. Ber.) D»e Hindu halten Wort. Auf das Manifest Eduards VN. antworteten sie mit den Worten „Wir werden uns durch schöne Worte nicht mehr betrügen lassen." Seitdem sind in Nordindien mehrere Attentate und england feindliche Demonstrationen vorgekommen. Ein Student schoß in einer öffeittlichen Versammlung auf den Vizegouvernenr von Bengalen, ohne ihn indes zu töten. Bald darauf wurde ein Polizist erschossen. Noch charakteristischer war folgender Vorfall: In einem Attenlatsprozesse in Alipurn gegen mehrere Studenten, wurde einer von ihnen namens Gossain zum Verräter. Unter dem Vorwaude eines Besuches kam zu ihm ein anderer Student namens Kanai ustd schoß ihn im Gefängnis nieder. Kanai wurde gesangen genommen und in Kalkutta zum Tode verurteilt. Nach der Hinrichtung wurde die Leiche seinen Verwandten zur Bestattung ausgeliefert. Der Leichenzug und die Verbrennung Kanais gestalteten sich zu einer imposanten nationalen Demonstration, bei der sich besonder« die Frauen auszeichneten. Die Leiche wurde mit Lorbeerkränzen geschmückt, der Sarg mit zahlreichen Blumen- sträußen bedeckt und die Verbrennung wurde von Zeremonien be- gleitet, die sonst nur den Größten des Landes gewährt werden. Kanais Name soll durch die Aufstellung eines Marmorblocks verewigt werden. Die Solidarität des Islams. Lahor«, IS. November. Die einheimische mohammedanische Presse empfiehlt der islamitischen Welt, Sympathiekund- ge bungen für die Türkei zu veranstalten nnd österreichisch ungarische Waren zu bohkottieren. Sie richtet zugleich an die, Mißstände in den Betrieben der«»slischen Gasanstalt wurden mohammedanischen Importeure in Bombay und Kalkutta die Aufforderung. sich der Bewegung anzuschließen. Marokko. Die versöhnten Brüder. Loudon, 18. November. Wie ein hiesiges Blatt aus Tanger meldet, ist zwischen M u l a y H a f i d und Abdul A s i s eine Verständigung dahingehsiiv erzielt worden, daß Abdul AstS sein Privateigentuni zurückerhält, daß ihm eine Pension von sieben- tausend Pfniid Sterling zugebilligt und akZ Wohnsitz Tanger ange- wiesen worden ist.___ 6ewcrkrchaftUcbcQ. Ein christlicher„Sieg". In der Bindfadenfabrik zu Schretzheim kam es vor kurzem zu einem Kampf zwischen Arbeit und Kapital. Mit der größten Rüctsichtsloiigkett ging die Betriebsleitung gegen ihre Lohnsklaven vor. Die Arbeiter waren christlich organisiert. Ter Kampf endete mit einer Niederlage der Arbeiter. Die Christen aber logen die Niederlage in einen Sieg um. In der ganzen bayerischen Presse wurde der große„Sieg" verkündet. Jetzt veröffentlicht nun die Firma in der„N. A. Z." eine Berichtigung und das Protokoll über den Friedensschluß, wie es mit den christlichen Führern festgestellt wurde. In der Be- richtiguna heißt es: 1. Die Gemaßrcgelten muhten nicht wieder eingestellt werden, sondern es wurden von uns entgegenkommend nur zwei von vier aufgenommen. 2. Von den noch dagewesenen 180 Ausgesperrten wurden nur 110, nicht 130, und zwar nur nach Bedarf und nach den Dienstjahrcn eingestellt. Diese 110 wurden nicht von der Orga- nisationsleitung bestimmt, sondern es wurde dieser nur die Vor- läge einer Liste der noch anwesenden Arbeiter zugestanden, die Auswahl aber selbstverständlich von uns selbst getroffen. 3. Wir haben in der Sache bisher noch gar nichts berichtet, werden aber, nachdem Ihr Blatt und verschiedene andere Zeitungen von einem Siege der Arbeiterschaft sprechen, den Wort- laut des Vertrages mir den organisierten Arbeitern heute ver- öffentlichen, damit das Publikum sich selbst ein Urteil darüber bilden kann, was für einen Sieg die christliche Organi- sation in dem Kampfe mit unserer Fabrik errungen hat." Das Protokoll ergibt, daß irgendweiche Verbesserungen der Arbeitsbedingungen nicht erreicht wurden. Im Interesse der Arbeiter ist das zu bedauern. Aber die christliche Organi- sation hat sich in geradezu schmählicher Weise prostituiert. Statt den Kampf, wie das oft vorkommen kann, bedtngungs- los abzubrechen, ist sie Bedingungen eingegangen, die die ge- samte Textilarbeiterschaft Bayerns zu schädigen geeignet sind. Nach dem Vertrag „wird nur noch ein Teil der ausgesperrten Arbeiter Beschäf- tigung finden können, und zwar zunächst bestimmt nur 60 bis 70� und falls der Zuzug der bereits unterwegs befindlichen ungari- scheu Arbeiter aufgehalten werden kann, vielleicht weitere 50 bis 60. Die Direktion erklärt sich bereit, diesen Transport ungarischer Arbeiter zu sistieren, wogegen sich die Organisation bereit ertlärt, alle der Direktion hieraus bereits erwachsenen und etwa noch weiter er» wachsenden Kosten einschließlich der Vermitt- lungö- und Untcrsuchungsgebührcn zu über- nehme n." Sodann heißt es unter Punkt 7:. „Tie Organisation verpflichtet sich gelegentlich der Be- sprechung der beutigen Verhandlung in der Presse zum Ausdruck zu bringen, daß im vorausgegangenen Kampfe Ilebertreibungen und Unrichtigkeiten unterlaufen sein mögen, welche von ihrer�Seitc m i ß bi l l i g t werden und besser unterlassen wären." Es dürfte schwerlich jemals eine Arbeiterorganisation einen solchen Vertrag abgeschlossen haben. Es wäre noch ent- schuldbar, wenn irgendwelche Vorteile für die kämpfenden Ar- heiter dadurch erkauft worden wären. Aber der Vertrag wurde eingegangen, lediglich um den Kampf ohne jedes Zu- geständnis der Firma zu beenden. Deshalb übernahm die christliche Tertilarbeiterorganisation die Kosten des Trans- Ports, der Vcrmittelung und Untersuchung der Streikbrecher. Deshalb sollen die Arbeiter öffentlich der Uebertreibung be- zichtigt werden— durch ihre eigene Organisation. Gerade die Ursachen dieses Kampfes und das Vorgehen der Betriebsleitung gegen die Arbeiter hätte den Schluß nahegelegt, die Rücksichtslosigkeit dieser zu geißeln. So führt die Harmonieduielei notwendig die„Christen" zur Preis- gebnng der Arbeiterehre. Die christliche Organisationsleitung mag mittlerineile auch das Schändliche ihres Tuns eingesehen baben. In Nr. 236 des„Donauboten" erläßt die Firma folgende Erklärung: „Nack, Mitteilung des kgl. ZZezirksamtes in Dillingen weigert sich die christliche Organisation, die Ziffer VII des Ueberein- kommens vom 13. Oktober d. I.. wonach die Organisation bei Besprechung desselben erklären soll, daß in dem voraus- gegangenen Kampse Uebertreibnngen und Unrichtigkeiten unter- laufen sein mögen, welche von ihrer Seite mißbilligt werden und besser unterblieben wären, zu erfüllen. am Montag in einer Versammlung von Arbeitern der englischen Gasgcsellschaft besprochen. Unter Anführung einer großen Zahl von Einzelfällen zeigte der Referent Polenske, daß die Zu- stände, welche zurzeit in den verschiedenen Abteilungen der eng- lischen Gasanstalt herrschen, für die Arbeiter im höchsten Grade drückend sind. Unter anderem sührre der Referent aus, die Ver- besscrungen und die Rechte, welche die Arbeiter im Jahre 1903 er, rungen haben, würden ihnen jetzt nach und nach ivtcc.l. genommen. Der Arbeiterausschuß werde von der Betriebsleitung so wenig be- achtet und seine Beschwerden in einer Weise erledigt, daß man sagen könne, der Ausschuß sei nur noch dazu da, um den Arbeitern die Ablehnung ihrer Beschwerden zu übermitteln. Willkürliche Ent- lassungen seien an der Tagesordnung, sie erfolgen entgegen den Bestimmungen der Arbeitsordnung und im Widerspruch zu den öfter abgegebenen Versicherungen der Direktion. Besonders würden solche Arbeiter entlassen, die für die Interessen ihrer Kollegen oder für oie Organisafton eintreten. Als Grund der Entlassung werde leicht irgendein kleines Versehen des betreffenden Arbeiters heraus- gefunden. Obgleich die Arbeitsordnung für derartige Versehen nur einen Verlveis Vorsicht und erst nach dem Verweise die Eist- lassung in Aussicht stellt, seien Entlassungen erfolgt, ohne daß auch mir ein Verweis vorausgegangeli war. Durch ocrarcige Willkür- liche Maßnahmen, die von bestimmten Vorgesetzter ausgehen. würden die früher errungenen Sicherungen gegen das persönliche Regiment der Vorgesetzten aufs Spiel gesetzt. Hand in Sand mit diesen Willkürlichkeitcn gehe eine Ausbeutung der Arbeitskraft, be- sonders im Gaswerk lviariendorf, die als ungeheuerlich bezeichnet werden müsse. Auch über rigorose Behandlung der Arbeiter wird viel geklagt. Es wurde jedoch betont, daß sich diese Vorwürfe nicht gegen alle, sondern nur gegen getoisse Vorgesetzte richten. Besonders wurde über die Behandlung der Arbeiter durch den Inspektor Reh- topf geklagt.— Außer dem Referenten trugen noch mehrere Redner durch Besprechung von Einzelfällen zur Illustration der erivähntcn Verhältnisse bei. Schließlich wurde die nachstehende Resolution ein- stimmig angenommen: Die heute, am 16. November 1903 im„Hofjägerpalast", Hasenhcide 52/58, zahlreich versammelten Arbeiter und Hand- werker der Englische,! Gasanstalten Berlins und Umgegend prs- testiercu auf das schärfste gegen die seitens einzelner Betriebs- leitungen unv unterer Vorgesetzten deliebte Mißachtung der Ar- bciterausschüsse und der Bestimmungen der Arbeitsordnung. Durch die Behandlung der Anträge der ArbeitcrauSschüsse. über die von der Direktion entschieden wird, ohne den Mit- gliedern der Ausschüsse Gelegenheit zu geben, sich vorher zu den Anträgen zu äußern, wird die nachherige Verhandlung zu einer Farce und die Ausschüsse selbst zu einer bloßen Dekoration. Die Bestimmung eines Subaltcrnbeamten des Außen- betriebcS, wonach sich ohne dessen Genehmigung die Mitglieder des Arbeitcrausschusscs nicht an den Vorsitzenden wenden dürfen. stempelt den Ausschuß zu voller Bedeutungslosigkeit. Die Versammelten erklären, daß sie bisher stets bestrebt waren, durch die Arbeiterausschüsse mit der Direktion ein zu- friedcnsteller.des Arbeitsverhältnis zu erzielen; sie haben aber bei einem weiteren Fortbestehen ihrer Beschwerden keinerlei Interesse an dem weiteren Fortbestehen dieser Institution. Die Versammelten wenden sich ferner gegen oie in letzter Zeit erfolgten Entlassungen im Außcnbctricb und im Gaswerk Obcrsprec. Die Entlassungen sind erfolgt im Gegensatz zu den Bestimmungen der Arlvitsordnung und wiederholten Erklärungen des Herr Direktors Rudolph in seiner Eigenschaft als Vor- sitzender deö ArbLiterausschusseS. Die Versammelten beaustragen die Ortslcitung deS Ver- bandcs der Gemeinde- und StaatSarbeiter, diese Resolution der Gcneraldircktion zu übermitteln. Die fehlende Null. In unserer DienStagnummer brachten wir einen Artikel: „Die Krise und der Deutsche Metallarbciterver» bau d". Der Druckfehlerteufel hat nun in dieser Notiz heim- tückischerwcisc eine Null verschwinden lassen. An Arbeitslosen- Unterstützung wurden in Berlin für die ersten drei Quartale nicht 70113,80 M., sondern erheblich mehr, nämlich 700113,80 M. gezahlt. Soweit unsere Leser den Fehler nicht schon selbst bemerkt haben, wollen sie freundlichst von der Berichtigung Notiz nehmen. Achtung, Töpfer! Die Firma Unfug führt in der Island- straße einen Bau aus. Dieselbe zieht pro Stück 1,50 M. vom Tarif ab und beschäftigt Hirsche und Unorganisierte. Die Firma ist somit als gesperrt zu betrachten. Die Verbandsleitung. Achtung, Zuschneider! Wir machen darauf aufmerksam, daß in Berlin unter Deckadresse Zuschneider für die Firma Dorn- darf- Breslau gesucht werden. Da sich die Kollegen wegen Lohn- disferenzen im Streik befinden, ersuchen wir, Arbeitsangebote dorthin nicht anzunehmen. Zentralvcrband der Schuhmacher. Ortsverwaltung Berlin. NuoUuid. Generalaussperrung der Schneider in der Schweiz. Der schweizerische Arveitgebervcrband für das Schneidergewerbe hat in schlechter Nachäffung seines deutschen Bruderverbandes die Aus- sperruug sämtlicher organisierter Schneidergehilfen vom 1. De- zcmber ab beschlossen, wenn bis dahin der Konflikt im Schneider- gciverbe in Davos nicht beendet sei oder die Gehilfen ihren Aus- tritt aus dem Verbände erNärt haben. Also auf die Vernichtung der Gewerkschaft ist es abgesehen, ein Wahnwitziger Plan, cm dessen Gelingen nur alberne Spießbürger glauben können. Der Kampf in Davos dauert schon seit 15. April 1907, er ist eigentlich nur noch ein latenter, da weder Streik noch Sperre mehr besteht. Die strittige Forderung betrifft die Abschaffung der Stückarbeit und die Einführung deS TagelohneS. Das Vorgehen der Schneider. meister ist durchaus ungerechtfertigt und daher in höchstem Maße frivol._ Norwegische Studenten als Streikbrecher. Der Umstand, daß einige Studenten bei dem Hafenarbeiter- streik in Kristiania als Streikbrecher arbeiten, hat im Studenten- bund eine lange und lebhafte Auseinandersetzung hervorgerufen. Es war ein Antrag gestellt, wonach der Bund gegen die Strcikbrecherei protestieren sollte. Der Vorsitzende schlug jedoch vor. über den Ancrag zur Tagesordnung überzugehen, da es sich um eine Sache handele, die den Studentenbund nichts angehe, und sein Vorschlag siegte schließlich mit 216 gegen 112 Stimmen. Zwei Vorstands- Mitglieder, Rechtsanwalt Bonnevie und Student Morgenstierne, haben dieses Beschlusses wegen ihre Aemter niedergelegt. Es wird nun wahrscheinlich zur Gründung einer neuen Studentcnver- einigung kommen, die keine Streikbrecher in ihren Reihen duldet. Letzte Nachrichten und Depe leben. Protest gegen die Jnseratenstener. Berlin, 19. November.(B. H.) Der Verein deutscher Redakteure hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, eine Petition gegen die Jnscratrnstnier an den Reichstag zu senden mit der Be- gründung, daß diese Anzeigensteuer für den Stand der Rcdaktenrr in materieller wie sittlicher Beziehung die größten Gefahren in sich schlösse. Die Anzeigensteucr sei grundsätzlich verwerflich und technisch undurchführbar; sie bedrohe besonders kleine nnd mittlere Blätter und deren Redakteure in ihrer Existenz. Sie berge in fitt- licher Beziehung die Gefahr, daß die Redakteure verleitet werden tönnten, zur Noigchnug der Anzeigenstcucrn Anzeigen und Reklamen im redaktionellen Teil der Blätter aufzunehmen. Ein solches Bor» gehen müsse zur Korruption der Presse führen und Ehre und Ansehe» __. der deutschen Redakteure untergraben.-~ �, Berantw. Redakteur: HanS Weber. Berlin. Inseratenteil verantw.: ZH.Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u.Verlagsanstalt Paul Singer L: Co., Berlin SV/. Hierzu 3 Beilagen u.NaterhaltungSbl. Wir überlassen es dem sich für die Sache interessierenden Pu- blikum. sich selbst sein Urteil über die Vertragstreue der Organisation zu bilden. Schretzheim. 7. November 1903. Mech. Vindfadenfabrik Schretzheim.� Eine treffliche Illustration zu den christlichen„Siegen". Berlin und llmgegend. Die Bereinigung der Steinarbeitergruppen. Ter Zentralverband der Steinarbeiter. Filiale II. hatte am Mittwoch vormittag eine Mitgliederversammlung nach dem„Ge- werrschastshaus" eiiibcrufen. Die Verschmelzung der � beiden Filialen und die Anstelluna eines Beamten als Geschäftsleitcr staub zur Beratung. Ter Vorsitzende Baumgarten erklärte. daß die Frage einer Verschmelzung genügend erörtert worden ist und fast allgemeiner Zustimmung begegnet. Dagegen wird noch einige Opposition gegen die Anstellung eines Beamten laut. Baum- garten legte nun eine Berechnung über die Mitgliederzablen der beiden Filialen und über die Entschädigung, die dem Beamten zu zahlen sei, vor und stellte die Vorlage zur Diskussion, Einzelne Redner brachten Bedenken vor, indem ihnen die Mitgliederzahl von etwa 750 als zu klein erschien, um einen besoldeten Beamten zu erhalten. Andere aber verteidigten mit Eifer oie Notwendig- keit eines Beamten, damit die Organisation Fortschritte machen könne; sie versprachen sich gerade eine Erhöhung der Mitglieder- zahl durchs die Tätigkeit eines Beamten, der den Unternehmer» als unabhängiger Mann gegenübertrcten könne. Di« Vereinigung der beiden Gruppen hätte gar keine Bedeutung, wenn man keinen Geschäftsleiter anstellen wolle. Eine geheime Abstimmung erfolgte. 62 Zettel wurden abgegeben. Für die SZerschmelzung der Filialen timmten 53, dagegen 7. Für die Anstellung eines Beamten timmten 49, dagegen 9. Somit ist die Vereinigung und die An- tellung eines Beamten von der Filiale II beschlossen.— Ter zweite Punkt der Tagesordnung, die Lehren des letzten Streiks, wurde vertagt. Der Vorsitzende machte unier anderem dann �uxh auf die Gewcrbcgerichiswahlcn aufmerksam und forderte zu starker De- teiligung auf, 9,. 272. 25.Wt5.n8. 1. KtllM des„AllNÜS" Ktrlllltt Dglksbllltt. Reld�stag. 163. Sitzung vom Donnerstag, den 16. November, nachmittags 1 Uhr. HauS und Tribünen sind stark besetzt. Am Bundesratstische: Fürst Vülow, Shdotv, v. Loebell, von Bethmann- Hollweg, Dernburg, von Tirpitz. Auf der Tagesordnung steht die erste Lesuug der Rdcbefinanzreform. Reichskanzler Fürst Bülow: Wir stehen vor einem schwierigen Problem. Wird es gelingen, das Reich auf eine dauernde, feste und dauernd gesicherte finanzielle Grundlage zu stellen? Oder wird es ein überaus lästiger Kost- ganger der Einzelstaaten bleiben? Wird der Kurs unserer An- leihen weiter sinken, und wird es, zur Sorge jedes Patrioten und zur Schadenfreude des Auslandes, bei der bisherigen Schulden- lvirtschaft bleiben? Die Gründung des Reiches war nicht der Bau eines bis ins kleinste eingerichteten Hauses. Staatliche Organisationen entstehen nicht über Nacht, sondern sind das Werk von Jahrhunderten. Die Gründung des Reiches war die Grundsteinlegung; an der inneren Einrichtung des HauseS bauen wir heute noch. Als das Reich gegründet ivar, galt es zunächst, der Arbeit, die kommen sollte, die ungestörte Ruhe zu sichern. Darum waren im neuen Reiche die militärische» und aus- wärtigen Fragen zunächst das Wichtigste. Das junge Reich konnte seinen Blick nicht von Frankreich wenden, daS sich mit seltener Elastizität von den Schlägen des Krieges erholt hatte. Unsere Wehr- kraft nu, fite ausgebaut werden, zumal da nach dem Berliner Kongresse die Möglichkeit eines Krieges nach mehreren Fronten erschien. Im Innern galt eS, die Grundsätze der Zoll- und Handelsvertrags- volitik festzulegen. In Verbindung damit muhte die soziale Re- form begounen werden, und da wir Deutsche, wenn wir etwas an- fangen, gründliche Arbeit zu leisten pflegen sLawen bei den Sozialdemokraten), so haben wir ein Werk sozialer Fürsorge ge- schaffen, rascher und gründlicher als die anderen, auch die älteren Völker. sLebhafte Zustimmung rechts und im Zentrum.) Ferner inuhte das einige Deutsche Reich eine einheitliche Rechtspflege er- halten. Trotz unserer alten Geschichte sind wir wenigstens in Europa das jüngste unter den großen Völkern. Wir sind sehr spät auf dem Kampfplätze erschienen. Die Entwickelung muhte eine rasche sein und war eine rasche. Sie stellte fortgesetzt neue und grohe Ausgaben an die Regierungen und an den Reichstag Unser wirtschaftlicher Aufschwung, unier Fortschritt in Handel, In- dustrie und Schiffahrt zwang uns. Kolonien jenseits der Meere zu suchen, unseren jungen Welthandel politisch zu sichern, mit den Traditionen einer kontinentalen, rein europäischen Politik zu brechen und Weltpolitik zu treiben. Dieser Nebergang stellte uns eine neue dringende und loichtige Aufgabe. DaS Reich bedurste einer Flotte, stark genug. seine Küsten, seine überseeischen Interessen und seine Handels- beziehungen zu schützen. So gebar jede neue Aufgabe wieder eine neue. Kein unparteiisches Urteil wird und kann den Regierungen und dem Reichstag den� Vorwurf machen, die Sprache der Zeit nickt verstanden und den Schritt der Entwickelung nicht gefördert zu haben. Gewiß Jileibt noch manches zu tun übrig, aber es ist viel getan. Manches Stockwerk läht sich noch wohnlicher einrichten, aber das Haus ist bewohnbar auch für ein Volk, das beute um 50 Proz. zahlreicher ist als zur Zeit deS Beginns des Baues. Wer die Entwickelung in ihrer Gesamtheit überschaut, wird verstehen, dah die finanzielle Seite immer tvieder übersehen, vertagt und mit leichterer Hand behandelt wurde. als wir sie heute behandeln würden. Erst machten uns die Milliarden der Kriegsentschädigung sorglos, und dann steigerte der ungeheure wirtschaftliche Auffckwüng vielleicht noch unsere Sorg- losig keit. Wir glichen dem sorglosen Jüngling in Schillers schönem Gedickt sHeiterkeit links), der alles der Zukunft iiberläht, fidh_ und seiner Kraft auch für später vertrauend. Andere Ursachen der Sorg- losigkeit lagen in der Logik der Dinge und in der Eigenart unserer Entwickelung. Die Notwendigkeiten folgten so schnell auseinander, dah niemand berechnen konnte, was das Reick nach fünf Jahren brauche» würde. So»vor eine einmalige gründliche Reform der Finanzen nicht möglich. Man reformierte, und binnen kurzem erwies sich die Reform als unzulänglich. Vertrauensvoll wurden alle Laste» auf die Schultern der Zukunft gewälzt. Diese Schultern sind unsere Sckultern. und wir stehen jetzt vor der schwierigen Aufgabe, die Sorg- lofigkeit und das Vertrauen der Vergangenheit zu rechtfertigen. Emporkömmlinge sind im allgemeinen nicht beliebt.(Sehr richtig! imd Heiterkeit.) Auch das Deutsche Reich hat seit seinem Bestehen mehr Respekt als Zuneigung eingeflößt. Die nackbismarckische Zeit mag Fehler begangen haben, und sie hat Fehler begangen, aber die kleines feuilleton. Elter«, schützet Eure Kinder! Gegen die Schundliteratur, luic sie besonders von Sckülern und jungen Leuten bevorzugt wird, hat die Hamburger Gesellschaft der Freunde des vaterländischen Schul- und ErziehungswcsenS eine energische Bewegung begonnen. Ein Flugblatt ist an alle Schulkinder verbreitet worden, an» denen einige beherzigenswerte Stellen hier ihren Platz finden mögen. Ihr Eltern wiht alle— heiht es darin— wie sich Kinder. junge Leute, ja selbst Erwachsene vor Papier- und Zigarrenläden, Zeilungsständen uro Kolportagebuchhandlungen zusammendrängen und mit gierigen Blicken die ausgehängten Hefte:„Nick Carter", „Buffallo Bill". Kapitän Morgan",„Fürst Petroff",„Die rote Jule",„Jungenstreiche" u. a. oetrachtcn. Und was sehen sie? „Bilder", die Umschlagzeichnungen jener Hefte, die mit häßlichen, grellen Farben eine aufregende, grauenhafte, meist verbrecherische Szene uns der„Geschichte" deS betreffenden Heftes darstellen. Diese „Bilder" reizen die Phantasie der leichtgläubigen Jugend und anderer unerfahrener Menschen so sehr, dah sie die Unmöglichkeit, die Unsinnigkeit, die Verrückthen des Dargestellten gar nicht erkennen. Den„Bildern" entspricht_ der Inhalt jener Hefte. Die„Geschichten" sind eine Anhäufung von Abenteuern. immer Blut fliehen. Die Kinder verschlingen die Hefte förinlich und merken nickt, wie übertrieben, wie unmöglich, wie verlogen die„Gc- schickten" find. Nebet diese Lesewut und die Dummheit der Leser freuen sich die Verfaffer. Verleger und Verkäufer der Hefte. Tie machen ein glänzendes Geschäft mit den Spargroschen Euerer Kinder, denn tausendfach wird ihre schlechte Ware von Groß und Klein gekauft Der Schreiber der Geschichten erhält 25 M. bis 100 M. Die Herstellungskosten eines Heftes betragen für den Verleger 2 bis 8 Pf. Em Berliner Verleger hat jährlich S'/o Millionen Mark an diesem Schund verdient. Der Händler verdient an einem 10 Pf- Heft mindestens 4>/„ Pf._ j-joiKi selbständige Kolportagebuchhand- Imigcii mit einem Heer von 80 000 Kolporteuren ernähren sich durch den Vertrieb solcher und ähnlicher Hefte. Dieses Geld wird Haupt- sächlich den Bewohnern der dicht bevölkerten Arbeiterstadlteile unserer Großstädte aus der Tasche gezogen Die Wirkung jener Geschichte ist in raffinierter Weise auf die Reizuiig natürlicher, gesunder Triebe in unseren Kindern wie Gegnerschaften gegen das Reich beruhen zunächst doch aufelemen- t a r e n Ursachen. Auch Fürst Bismarck hat es nicht ändern können, dah der Revanchegcdanke in Frankreich nicht erloschen ist und in Ruhland nach dem Türkcnkriege deulschfeindliche Strömungen sich geltend niachten. Ist es schließlich so verwunderlich, daß liiisere aus dem Wachstum der Bevölkerung und der ProduktionSkräste hervorgehende wirtschaftliche Expansion die einst freundlichen Gefühle des englischen Volkes wenigstens bei einem Teil des englischen Volkes in Mißtrauen verwandelt oder doch mit gewissen Besorgnissen erfüllt hat? Ich Halle diese Gegnerschaften nicht für unüberwindlich; manches wird die Zeit heilen oder mildern. Ich sehe keine nahe Kriegsgefahr. Was wir brauchen, ist Kaltblütigkeit, Furchtlosigkeit, Stetigkeit(Lebhaste Zuruft: Sehr richtig I Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.). Ruhe nach ausicn und nach inucn. (Lebhafter Beifall rechts.) Ich erinnere an das Bild Dürers von dem Reiter, der in voller. Rüstung neben Tod und Teufel ruhig und kaltblütig dahinreitet. Neben dieses Bild stelle ich ein anderes, das int vergangenen Frühjahr in. einer französischen Zeitung erschien: Ein deutscher Kürassier mit Pallasch und Helm, aver iiiit abgerissener Uniform streckte einem mit abwehrender Geste vorübergehenden Fremden bettelnd die Hand entgegen. So stellt sich unsere finanzielle Lage und damit untere Wehrfähigkeit, unsere Ver- leidignngssähigkeit in weiten Kreisen des Auslandes dar. Hier liegt eine wirkliche und grohe Gefahr, und diese zu überwinden, hängt ganz allein von uns ab. Sie kennen alle die gegenwärtige Lage. Es handelt sich nicht wie früher darum, ein paar neue Stenern zu bekommen, sondern wir wollen und müssen ganze Arbeit machen! Wir hatten 1878 139 Millionen, 1888 881 Millionen und 1908: 4499 Millionen Schulden; mehr als eine Milliarde steht wieder für das nächste Jahr in Aussicht. England hat im Laufe des vorigen Jahrhunderts fünf Milliarden von den zwanzig Milliarden Schulden, die es nach dem napoleonischen Kriege halte, ab- getragen. Der Burenkrieg hatte die Schuldenlast wieder um drei Milliarden vermehrt, aber an der Tilgung dieser neuen Belastung hat England unausgesetzt gearbeitet. Der frühere Finanzminister und jetzige Premienninister Asquith konnte init berechtigtem Stolz darauf hinweisen, dah die englische Staatsschuld am 31. März 1909 bereits 10 Milliarden Mark weniger betragen werde als am 3l. März 1899 vor dem Ausbruch des BurenkriegeS.(Hört! hört!) Frankreich hat von 1883 bis 1907 trotz enormer Auf- Wendungen für Heer und Marine jede öffentliche Anleihe ver- mieden.(Hört! hört!) Die Staatsschuld Frankreichs hat feit 1890 abgenommen. In Deutschland haben Reich, Einzelstaaten und Kommunen den Geldmarkt durch ihre Anleihen in beispielloser Weise in Anspruch genommen. Die Aufnahmefähigkeit des deutschen Marktes ist durch Staats- und ReichSanleihen erschöpft und der Stand unserer Anleihen dauernd herabgemindert worden. Während die vierprozemige deutsche Rente am 31. August 1908 auf 97,6 stand, standen Italiener 104,75(Hört! hört!), Spanier 96,95, Türken 96,65, L'/zProzentige englische Koissols 87,50. 3prozentige französischeRente 95,30, 3prozentige deutsche Reichsanleihe 83. (Lebhaftes Hört I hört! und Bewegung). Die wirtschaftliche Folge dieses ZustandeS war ein rasch steigender Zinsfuß, der eine erheb- liche Berntehrmig der Ausgaben für den Schuldendienst verursachte, beklagenswerte Verluste der deutschen Anleger an den sinkenden Koniols, der Einwirkung des steigenden Zinsfußes aus den Reichs- bankdiskont und daraus hervorgehend Nachteile für Handel und Industrie, die hier noch eingehend erörtert werden sollen.— 1897 erzielte das Reich für seine 3prozentige Anleihe im Betrage von 52 Millionen Mark einen DurchschnitlSbegebungspreis von 99,39. Seitdem hat das Reich Anleihen zu 3, S1/� und 4 Proz. im Gesamtbetrage von 1782 Millionen Mark begeben, für die es jedoch nur 1686 Millionen Mark erhalten und sich einen Zinsdicnst von jährlich 50 Millionen Marl aufgeladen hat. Wäre cS dauernd möglich gewesen, den Bedarf durch dreiprozentige Obligationen zum Kurse von 1897 zu decken, so hätte daS Reich einen um 87 Millionen Mark geringeren Betrag ausgegeben und jährlich einen um 8 Millionen Mark geringeren Zinsdienst gehabt. Ende Oktober 1897 waren an Reichsanleihe zu 3 und 3>/„ Proz. 3351 Mtll. M. begeben, deren Kurswert sich, nach dem DurchschnfttSkurs des August berechnet, auf 2950 Millionen Mark stellte. Nach dem Kurs vom 31. August 1908 war der Kurswert dieser ReichSanleihe auf 2796,/4 Millionen Mark gesunken. Somit hatte sich dieser Ver- mögensbestandteil deS deutschen Volkes um 11,71 Proz. gemindert. Das ist um so bedauerlicher, als viele Käufer der ReichSanleihen, kleine Rentner, auf eine absolut sickere Anlage ihrer Ersparnisse an gewiesen sind. Seit 1897 hat daS Publikum für die begebenen An Tatendrang und Abenteuerlust berechnet. Diese Anlagen werden durch die überspannten Schilderungen übermäßig gereizt und in falsche Bahnen gelenkt. Die Phantasie der Kinder wird über- reizt, der Sinn für Wirklichkeit und Wahrheit zerstört. Ihr Ge- schmack wird verdorben. Tie Kinder werden unfähig zum Genuß guter Bücher. Sie werden zerfahren, arbeitSunlustig. Ja, in manchen Fällen werden sie roh und brutal. Zwar sind die Folgen nicht immer gleich zu sehen, aber sie stellen sich stets nach längerer oder kürzerer Zeit ein. Wie oft ist der Reiz der Hefte so groß gewesen, daß das Geld zum Kaufen derselben auf unrechtmäßige Weise erworben worden ist. Wie manchen schwachen Charakter oder Trankhaft veranlagten ;ungen Menschen hat das Lesen dieser elenden Machwerke aus die Bahn des Verbrechens getrieben. Aufhören wird die Wirkung dieser Hefte erst oann, wenn sie keine Käufer mehr finden. EUern, rafft Euch darum aus. dem Unwesen, das Eure Kinder verdirbt, zu steuern. Jagt Eure Kinder hinaus auf die Spielplätze. in die Badeanstalten, auf die Eisbahnen, daß gesunde, kräftige Be- ivegung ihren Tatardrang stille. Laßt sie in den Ferien Wände- rungen machen, daß sie selbst etwas erleben. Wenn sie aber lesen, so kümmert Euch um das, was sie lesen. Eltern, es handelt sich um. Euer Liebstes, um Eure Kinder! Seht darum nicht länger gleichgültig zu, wie man sie um schnöden Mammons willen verderblich beeinflußt. Helft der Schule im Kampfe gegen diesen schlimmen Feind der Jugend. Musik. Am sogenamrten Bußtag darf nach einer berühmten Po- lizeiverordnung nur Miufik religiösen Charakters vorgeführt werden. Nu» rechnet„man" zu solclicr Musik auch„O r a t o- rien", wohl in der Meinung, der Name komme jedenfalls von arare—„beten", und die Werke seien lediglich religiös oder gar kirchlich. Tatsächlich jedoch ist die Ableitung unsicher und die Kunst- form selbst schon von Anfang an halb weltlich— eine allmähliche Ilmformung des nrittelalterftche» Theaterspieles zu einem Konzert- spiele. Neben biblischen und namentlich alttestamentlichen Stoffen würden längst schon unbiblische benützt; und der Frühklassikcr Joseph Haydn,„Vater Hahdn", gab in seinen zwei Ora- torien„Die Schöpfung" und„Die Jahreszeiten" Werte, die sich von sonstiger unkirchlicher Musik höchstens durch eine sehr allge- meine Frömmigkeit unterscheiden. Aber weit ernstere Werke sind schon am Bußtage verboten worden, während die zwei„Oratorien" Haydns überall gestattet werden. So konirte man selbst im Kgl. iTjnpmTvYiiiV» Vinn hivTtWv»?* WeltlicMcit: fThrtr he.E leihen 1697 Millionen Mark zu bezahlen gehabt, während jetzt diese Anleihen nur noch einen Kurswert von 1586>/, Millionen Mark haben. Das bedeutet einen Kurs von 6.54 Proz. Die Durch- schnittsverzinsling der englischen Konsols stellte sich 1907 auf 2,98, die der französischen Rente auf 2,18, die der deutschen 3prozcntigen ReichSanleihe auf 3,57 Proz. Zu gleicher Zeit war der durchschnitt- liche Bankdiskont 4.93 Proz. in England, 3,64 Proz. in Frankreich und 6,03 Proz. in Deutschland. Ich brauche nicht zu sagen, wie sehr diese Zinsuntcrschiede ans Staatsfinanzen, Landwirtschaft und Industrie eingewirkt, wie sie unsere Prodlittionsbedinglmgen verteuert und unsere Konkurrenzfähigkeit beeinträchtigt haben. Die politischen und militärischen Folgen dieser Situation treten hervor. Hier muß gründlich Wandel geschaffen werden.(Beifall rechts.) Der Staatssekretär deS Reichsschatzamtes wird die Steuerplänc im einzelnen und im ganzen klarlegen. Die leitenden Gedanken bei der Auswahl der neuen Steuern waren: negativ keine Belastung der notwendigen Lebensbedürfnissc, positiv höhere Besteuerung allgemeiner Genuß- mittel, neue Abgaben für die Lieferung von Gas, elektrischem Licht, elektrischer Kraft und endlich stärkere Heranzieh uitg des Besitzes in Form einer Erweiterung der Erbschaftssteuer. Die Unterscheidung ztvischen direkten und indirekten Steuern ist überwiegend theoretischer Natur. Was die Anhänger direkter Steuern praktisch erreichen wollen, deckt sich im wesentlichen mit dem, was ich als stärkere Heranziehung des Besitz s bezeichnete. Dazu treten noch erhöhte Malrikularbeiträge. Tas deutsche Volk ist staek genug, neue Lasten zu tragen! In Deutschland werden jährlich für fünf Milliarden Bier, Branntwein und Wein genossen. Wir rauchen die billigsten und preiswerte jtcn Zigarren der Welt. Bier, Branntwein und Tabak tragen in Deutschland weit geringere Lasten als anderswo.(Hört! hör-. rechts.) Unser jährlicher Zuwachs an National- vermögen wird auf dreieinhalb bis vier Milliarden geschätzt. Die Gesammtsumme der Einnahmen der Sparkassen beträgt mehr als zwölf Milliarden. Ein solches Land ist nicht arm, ein solches Land kann noch stärkere Lasten ertragen, wenn unser Ansehen und unsere Sicherheit es erfordert. Profesior von Schiiltze-Gaevernitz hat gesagt, die deutsche Finanzmisere beruhe nicht auf Mangel an Steuerfähigkeit, sondern auf Mangel der Steuer Willigkeit. Und was gar mein alter Gönner Profesior Adolf Wagner gesagt hat, will ich lieber gar nicht wiederholen. (Heiterkeit.) Mit der Bewilligung neuer Steuern ist die Finanzreforin noch nicht zu Ende.(Sehr richtig! rechts.) An sie schließt sich eine nicht minder ernste und nicht minder wichtige Forderung an Volk, Reichstag und Regierung. Reich, Staaten und größere Kommunen haben über ihre Verhältnisse gelebt.(HörtI hört! rechts.) Sie haben Anleihen über Anleihen aufgenommen, für gewisse, lauter sehr hübsche, aber gewiß hier und da auch entbehrliche Dinge. (Sehr richtig l rechts, Zurus links: So?) Außer neuen Steuer» ist größte Sparsamkeit nötig, und die Kommunen und die einzelnen müssen da mithelfen. Die lieber- schätzung des materiellen Genusses gefährdet das höchste Gut de» Volkes, seine intellektuelle Kultur. Wir müssen zurück zur größeren Sparsamkeit und Einfachheit!! (Zurufe links: An allen Stellen!) Ich nehme niemanden aus. Neben den Mehrverdienst muh die Sparsamkeit treten. Wer weniger verdient, aber spart, ist nützlicher für die Nation als der, der viel verdient und viel verbraucht.(Sehr gut I rechts.) ES wird viel gespart. aber es kann noch vielmehr gespart werden. Blicken Sie nur nach Frankreich, das seinen Reichtum nicht zum wenigsten der be- wundernswürdigen Sparkraft seiner Bewohner verdankt. Alles sollte zusammenwirken, um den Spargedanken in unserem Volle zu fördern.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Ich denke nicht daran. den kleinen Mann zur Einschränkung seiner Lebenshaltung ans- zufordern; meine Mahnung richtet sich gegen den überflüssigen Luxus, in erster Linie an die mittleren und höheren Stände. Verhältnismäßig am einfachsten geht es noch in militärischer Kreisen zu.(Lautes Lachen bei den Sozialdemokraten.) Gehet Sie nur dorthin, und Sie werden sich wundern, wie bescheiden es dort zugeht.(Erneutes Lachen bei den Sozialdemokraten.) Das is nicht zum Lachen, das ist ein viel zu ernstes Kapitel.(Beifall rechts. Nicht neue Steuern genügen, eine neue Acra der Finanzwirtschast wüst kommen. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) In alle Finanzgeschäfte dm Regierung muh ein»euer Geist einziehen.(HörtI hört! und Heiter- keit.) Wir müssen lernen, kaufmännischer zu arbeiten. Die Welt tem Sinne„heitere Situation zunutze gemacht und, wie früher die „Scköpfung", so jetzt auch das andere Hayonsche Oratorium da Oefsentlichkcit vorgeführt. Die Aufführung am Mittwoch zeigte wohl auch Fernerstehcn- den klar, was wir an dem Werte selbst, und was wir an dem Eher besitzen. Der Saal der„Neuen Welt", 5000 Personen fassend und diesmal nahezu gefüllt, verlangt von allen Musikern insofern viel, als die nötigen feinen Nuancen doch nur in einer Vergrößerung gegeben lverden können; und die Verhältnisse des Volkschores lassen die weit mehr als 200 Mitwirkenden, zumal das Orchester, uicht so gründlich einexerzieren, wie es anderswo möglich ist. Wären der Chormitglieder noch mehr, so würde die Lage nicht etwa ungünstiger, sondern günstiger sein; und unsere gerechteste Kritik des Abends kann lediglich der Wunsch sein, daß noch weit mehr Sänger als bisher sich dem Chor anschließen und somit nicht nur die Sache, sondern auch sich selbst fördern. Wie gut läßt doch ein solches Kunstwerk in Zeitliches und Zeitloses hineinblicken? Der Text ist ein Auszug aus dem gleich- namigen poetischen Werke des Engländers I. Thomson, von dessen Einwirkung auf die deutsche Literatur zur Zeit KlopstockS viel erzählt werden könnte. Nun wird den Hörern sowohl am Texte wie an seiner Vertonung vor allem eine so zufriedene, rosige, diffonanzenlose Stimmung aufgefallen sein, wie wir sie nicht bald wieder bei einem Dicht- und Tonwcrke finden. Sodann: mit welchem anspruchslosen Behagen lverden(besonders im„Sommer") die simpelsten Gedanken und Gefühle ins Breite gezogen! Das alles spüren wir als das Zeitliche. Und daneben das viele Große. von dem wir uns nicht denken, können, daß es in später Zulunft weniger gefallen sollte! Im Laufe der Jahre hat uns der Volkschor schon mit recht Verschiedenartigem bekannt gemacht. Er lehrte unS Haydn und Schubert ebenso würdigen, wie Schumann und die Modernsten. Kommt nun einer von denen, die nur hier und nicht auch dort eine wahre Kunst sehen wollen, so sind wir jetzt erfahren genug, um ihm Bescheid zu geben.?!icht darauf wird eö zuerst ankommen, jeden Künstler„aus seiner Zeit heraus" zu verstehen, son- der» vielmehr, ihn trotz seiner Zeit zu verstehen. Was uns heute da oder da veraltet erscheint, das hätten wir eigentlich, wären wir dabeigewesen, gleich damals als minderwertig erken- neu müssen. Und je mehr wir vergleichen lernen, desto mehr können wir auch vor Modernsten Iva»«, zu unierscheioen, tvas davon bleiben wird, und was n i« t bleiben wird, weil es eben bereits heute minderwertig ist.— Mög eS denen, die zum Volks- chor so selbstlos zusammenhalten, noch häufig ebenso gut wie dies- mal gelingen, uns in Vergängliches und UmKrgpngkichcs blicken zu lassen. sr. gejchichte wird immer mehr zu einer Gesrbichie der finanziellen Be- Ziehungen und Transaltioncn. Wenn wir die Anleihe wirnckoft fortsetzen, gefährden wir unser Ansehen. unsere Sickierheit und unseren Frieden.(Sehr richtig! rechts, Widerspruch links.) Werden neue Steuern gefordert, so erscheinen alle Jutercsiemen auf dem Plane und stimmen die Melodie an:„Heiliger Florian, verschon' mein Hans, steck' andere an!"(Zustimmung rechts, Unruhe links.) Solche Gesinnungen kann das Reich nicht brauchen. Wir alle: alle Bundesstaaten, alle Parteien, müssen mitarbeiten, die auf den Bau des Reiches verwendeten Bangeldcr abzutragen. Die Regierungen sind überzeugt, daß die Vertreter der Ration diese Aufgaben so lösen werden, wie eS eines starken, friedlich verwKrtLstrebcndcn und grogen Volkes würdig ist.(Spärlicher Beifall rechts, der von lautem wieder- holtem Zischen bei den Sozialdemokraten übertönt wird.) RcichSschatzsekretär Sydow: Die Reform der Reichsfinanzen hat eine dreifache Aufgabe: die Abkehr von der Anleihewirt schaft, die Herstellung deö Gleichgewichts zwischen Einnahmen und AuS- gaben, und drittens die dauernde Klarstellung d e S iinanzielleit Verhältnisses zwischen Reich und Einzel st a aten. Z» den Rcichsschiildcn von 4 Vg Milliarden kommen Schulden der Bundesstaaten in Höhe von 141<, der Kommunen von 7� Milliarden. Freilich stehen diesen Schulden von ckü Milliarden Mar! Aktiva gegenüber; denn unser National- vermögen wird von den verschiedenen Gelehrten zn ILO bis zu 350 Milliarden Mark geschätzt. Immerhin sind jetzt vom Reich 154 Millionen jährlich an Zinsen aufzuwenden. Dabei sind nur 17 Prozent der Anleihe!: für werbende Zwecke gemacht worden, der Rest entfällt ans Befestigungen, auf Beivaffuung, auf SchiffSbaioten, auf Unterdrückung von Aufständen, von denen die Generationen nach 20 bis 30 Jahren wenig mehr wissen, jedenfalls nur geringe Borteile haben werden. Abkehr von der Anleihcwinfchaft. In Zukunft müssen Ausgaben für nicht werbende Anlagen tunlichst nicht mehr auf Anleihen genommen werden, wenn sich das in der nächsten Zeit auch nicht ganz wird vermeiden lassen. Die Anleihen zu werbenden Zwecken sollen in Zukunft in 30 Jahren getilgt werden, die für nicht werbende Anlagen in 22 Jahren, die bereits bestehenden Anleihen sollen in 43 Jahren getilgt werden. Schulden tilgen und Anleihe» vermeiden aber kostet Geld, und das führt mich zu der zweiten Aufgabe, der Herstellung des Gleichgewichts in Einnahmen«nd Ausgaben. Hierbei sind wir auf die Mithilfe des Reichstages angewiesen, am möglichst sparsam zu wirtschaften, ich erinnere daran, dah der Reichstag mehrfach Wünsche geäustert hat, denen auch Folge gegeben ist, welche nicht unerhebliche Ausgaben ver- ursachten. Würden die Ausgaben in dem bisherigen Maße die Ein- nahmen überschreiten, so würden wir im Jahre 1913 bereits bei einem Fehlbetrag von 737 Millionen Mark anlangen, wovon natür- tich keine Rede sein darf. Aber nach den sorgsamsten Angaben der Ressorts steigt der Fehlbetrag von 205 Millionen Mark im Jahre 1909 auf 247 Millionen im Jahre 1913. Dazu kommen aber auch die Verbesserungen der Besoldungen, die 19 Millionen mehr jährlich erfordern, ferner die vom Reichstag verlangte höhere Löhnimg der Mannschaften bei Heer und Marine, wozu 20 Millionen Mark jährlich »oiwendig find. Auch werden 1911, spätestens 1912, 20 bis 30 Millionen für die Zwecke des dann aufgebnmchten Reichsinvalidenfonds nötig, und weiter wird für die Schuldentilgung ein Mehr von 27,/3 Millionen Mark erforderlich. Dazu gesellen sich Verminderungen in den Einnahmen, die Ermäßigung der Zucker- stcucr>nit 35 Millionen Mark und andere, die sämtlich den Fehl- betrag erhöhen. Auch die ungedeckten Matrikularbeiträge gehören hierher. Formell find zwar die Bundesstaaten z» ihrer Zahlung verpflichtet, gerecht und billig wäre es aber nicht, das zu fordern. Als man sie stundete, rechnete man darauf, den Minderertrag eines Jahreö durch den lleberschufc eines folgenden decken zu können; man dachte nicht an eine fortlaufende Kette von Jahr zu Jahr sich fortpflanzender Fehlbeträge. Sobald diese Gefahr austauchte, habe» die Bundesstaaten nicht unterlassen, zu protestieren, daß'ihnen diese Ausgaben zur Last gelegt Iverden. Auch die Teuerungszulagen sind im März dieses Jahreö von den verbündeten Regierungen beantragt und vom Reichstage bewilligt nur unter der Voraussetzung, dag sie nicht den Einzelstaaten zur Last fallen sollen. Es ist also mit einem jährlichen Sollbedarf von 400 bis 500 Millionen Mark zu rechnen. zu dessen Deckung, auch ganz abgesehen von den neuen Steuern, wir nicht nur einer festen Hand, sondern manchmal auch einer schwielige» Faust bedürfen. Ich komme mm zu der Frage der Deckung de» Sollbedarfs durch neue Steuern. Die Lasten müsien auf möglichst viele Personen- gruppen und Objekte verteilr werden, damit nicht der einzelne erdrückt wird. Auch haben ja alle Kreise der Erwerbötreibenden. Landwirt- schaft, Industrie, Handel usw. ein Interesse an der Ordnung der ReichSfinanzcn. Diese Ordnung kann übrigens nicht erfolgen ohne Rücksicht auf die Bundesstaaten; denn Reich und Bundesstaaten bilden ein organisches Ganzes; das kann nicht oft genug betont werden. Don den neuen Steuer» darf weder der Besitz allein noch der Verbrauch allein betroffen werden. Die Meinung, daß bei uns die direkten Abgaben im Verhältnis zn den indirekten vernachlässigt worden find, ist viel verbreitet. AuS dem Ihnen vom Reichsschatzamt zur Verfügung gestellten Material— das leider erst in den letzten Tagen fertiggestellt werden konnte— geht in dieser Beziehung folgendes hervor: Die Steuern auf den Besitz betragen im Reiche 2V.3 Millionen, in den Bundesstaaten 534,2 Millionen, in den Gemeinden 925,1 Millionen. Kirchensteuern 59,3 Millionen, ins- gesamt I6IOV2 Millionen oder 25,9 M. pro Kopf. Die Stenern vom Verbrauch, die„sogenannten" indirekten Steuern betragen im Reiche 1179 Millionen, in den Bundesstaaten 17o:/z Millionen, in den Gemeinden 100 Millionen, zusammen 1450'Millionen----- 22,2 M. pro Kopf. In Deutschland ist also das Verhältnis der direkten zu den indirekten Steuern etwa 1:1, in Frankreich dagegen ist es 1:2. Von der Linken wird nun stets das Verlangen geäußert, den Bedarf des Reiches allein ans den Steuern auf den Besitz zu decken. Schon heute aber betragen die Einkommensteuem 10 bis 15, ja in manchen Gemeinden 15 bis 20 Prozent des Einkommens. Wollte man noch die 500 Millionen neuer Steuern hinauslegen, so würde die Einkommensteuer sich auf 25 Prozent des Einkommens erhöhen, was zweifellos einer Konfiskation des Einkommens gleich käme. Dazu kommt, daß die Bundesstaaten— ich erinnere an das Vor- gehen in Preußen— für ihren eigenen Bedarf die Einkommensteuer erhöhen müssen. Die Vermvgeiissteuer andererseits ist lediglich eine ErgänzungSstencr. von ihr gilt also dasselbe wie von der Ein- kommensteuer. Aber auch der Konsum allein soll nicht von den neuen Lasten betroffen werden, schon mir Rücksicht darauf, daß die minderbemittelten Kreise von den VerbrauchSabgabc» im Berhältuis zu ihrem Ein- kommen stärker belastet werden als die Besitzenden. Ihre Ausgaben für die notiocirdigr» Lebensinittel machen einen höheren Prvzentsatz ihres Einkommens aus als bei den bessergestellten Klassen. Die soziale Gerechtigkeit verlangt daher, die stärkere Belastung der Minder- oemittelten durch die Verbrauchsabgaben dadurch auszugleichen daß die befitzenden Klassen zu erhöhten Abgaben für den Besitz heran- gezogen iverden. Ich komme nun zu den Steuern im einzelnen, zunächst zur Branntweinsteuer. Daß insbesondere der Trinkbranntwein, den man als Volksgift bezeichnen kann, eine höhere Steuer ertragen kann, dürfte nicht be- stritten werden. Die jetzige Belastung des Branntweins macht kaum ein Drittel der Belastung in anderen Ländern auS. Außerdem bedarf das bisherige System der Branntwcinbesienerung ohnehin einer Aenderung. Aber jichergestelit muß werden dir Aufrechterhaltung der l a n d to i r t s ch a f t l i ch e n Brennereien! Da? ist möglich, wenn das Reich den Einkauf und Verlauf des Branntweins in die Hand nimmt, also ein Monopol für den Zwischenhandel errichiei wird. Die LiebcSgave soll beseitigt werden, allerdings nicht ohne Entschädigung für die Breimrrcicn. In den Zeitungen hat gestanden, das Reichsschatzamt hätte neben dem vorgesehenen Gesetz- entwurf noch einen anderen in Reserve. DaS ist aber nicht richtig. Die verbündeten Regierungen erwarten von der vorgelegten Steuer im großen und ganzen einen Ertrag von 100 Millionen Mark. Die Erhöhung des Preises durch diese Sieuer wird nicht so hoch sein, um den Koiisiun wesentlich einzuschränken. Tabak. In zweiter Linie denken die verbündeten Regierungen au den Tabak, unbestreitbar wohl das entbehrlichste Genußmittel. In England kommt an Tabaksteuer auf den Kopf der Bevölkerung 6,63 M., in den Vereinigten Staaten 3,87 M., in Deutschland nur 1,19 M., nach dem neuen Entwurf 2,74 M. DaS allgemeine Tabakmonopol ist seinerzeit— die meisten Leute werden jetzt wohl sagen leider— abgelehnt worden. Es jetzt einzuführen,'ist nicht wohl möglich, weil die Tabakindustrie inzwischen noch mehr dezentralisiert ist und die zu zahlende Abfindung noch gestiegen ist; man schätzt sie auf 1'/, Milliarden. Auch der Weg des RohtabakinoiiopolS scheint mir nicht gangbar. Die verbündeten Regierungen empfehlen Ihnen viel- mehr eine Fabrikatsteuer in Form der Banderoleusteuer. Diese trifft das Fabrikat erst, wenn cS verkaust ist und läßt sich dem Werte desselben anpassen. Der billige Rauchtabak soll frei bleiben in Rücksicht auf das vielgenannte Pfeifchen des armen Mannes. Man hält dieser Steuer entgegen, sie werde einen Konsumrückgang und damit Arbeitcrentlassungen im Gefolge haben. Daß be! einer Steuer ans den Verbrauch vorübergehend ein Konsunirückgang ein- treten kann, ist nicht zu bestreiten; man geht zunächst zu einer ge- ringeren Sorte über, dann kehrt nran zu seiner gewohnten Sorte zurück, raucht aber eine Zigarre weniger, und wie lange das anhält, wollen wir abwarten. Jedenfalls ist nach dem Jahre'1879, als die Tabaksteuer wesentlich erhöht wurde, die Zahl der in der Tabak- jndnstrie beschäftigten Personen nicht gesunken, ivie der frühere Ab- geordnete ts. Elm behauptete, sondern g c st i e g e n. Herr v. Elm kam zu seiner Behauptung wohl dadurch, daß er die Ergebnisse der Berufszählung von 1832 mit denen der Gewerbezählung von 1375 verglich. Vergleicht man, wie es allein zulässig ist, die Ergebnisse der Gewerbezählimgen, so zeigt sich nicht ein Sinken. sondern ein Steigen der in der Tabakiiidnstrie beschäftigten Personen von 110 800 im Jahre 1875 auf 114 590 im Jahre 1882 und aus 153 000 im Jahre 1895.— Weiter fürchtet man eine zentralisierende Wirkung der Banderolcnstcner. Nun, in den Vereinigten Staaten hat sie solche Wirkung nicht gehabt. Weiter sürchtct man. die HanS- und Heimindustrie würde durch diese Steuer unmöglich gemacht werden. DaS ist aber nicht der Fall. Es sind keine Maß- nahmen getroffen, um der Heimarbeit das Leben zu erschweren. Es ist dem Bundesrat zwar vorbehalten, Konffollvorschristeu zu erlassen, aber diese Kontrollvorschriften sind sehr einfach. Wenn es vielleicht einmal vorkommt, daß der Heimarbeiter auS dein ihm gelieferten Tabake die eine oder die andere Extrazigarre für sich herstellt, die der Besteuerung entgeht, so wird daS Reich einen solchen Verlust ertragen können. Auch eine Abwanderung der Tabak- industrie von Nord- nach Süddeutschland— wie 1879— fürchtet man. Wenn sie damals stattgefunden hat. so nur in minimalem Umfange. 1875 wurden in süddeutschen Betrieben 25,1 Proz., in den norddeutschen 74,9 Proz. der Arbeiter beschäsligt. 1882 in den süddeutschen Betrieben 25,5 Proz., in den norddeutschen 74.5 Proz., 1895 in Süddeutschland 32.2 Proz., in Norddeutschland 67,8 Proz. Außerdem hat sich die Zahl der Zigarrenarbeiter in Norddcutschland ständig vermehrt. Auch ist der frühere Unterschied der Löhne in Süd- und Norddcutschland so gut wie ausgeglichen. Für die ver- bündeten Regierungen kamen gegenüber all diesen Be- fürchtungen vor allem in Betracht die Erfahrungen, die mit ganz ahnlichen Befürchtungen bei der Zigarettenstcuer gemacht worden sind. Wenn man jene Befürchtungen mit den gegenwärtigen Verhältnissen vergleicht, wird man doch ähnlichen Befürchtungen gegenüber etwas skeptisch. Auch der Zigarettenkonsum ist uicht, wie man erwartete, zurück- gegangen. Ich erkläre mir den Widerspruch gegen die Tabaksteuer daraus, daß die neue Form der Besteuerung von der bisherigen loesentlich abweicht. Aber gegenüber den wirtschaftlichen Borteilen für das Reich werden die hieraus folgenden Unbequemlichkeiten über- wunden werden können und müssen. Ich gehe über zur Besteuerung des Bieres, bekanntlich des Nationalgetränkes der Deutschen. Wenn diese Steuer ein Mehr von 100 Millionen Mark bringen soll, so muß sie eine Form haben, welche dem Brauereigcwerbe eine Abwälzung auf das konsumierende Publikum gestattet. Die verbündeten Regierungen glauben, durch die vorgeschlagene Staffelung den berechtigten Interessen der Brauereien Rechnung zu tragen. Gegen etwaige Der- suche der Brauereien, das Publikum in unbilliger Weise zu belasten, we»ß sich dieses nach den bisherigen Erfahrungen zu wehren. Das vierte Stcuerobjelt ist der Wein, und zwar wird eine Besteuerung der Flaschenweine vorgeschlagen. die nicht den Winzer trifft, sondern nur die wohlhabenden Käufer; ein Rückgang des Konsums ist deshalb auch nicht zu erwarten. Ich wende mich nun zu der zweiten Gruppe von Verbrauchs- steuern: die Industrie, Handel und Gewerbe treffen, zu der Elcktrizitäts- und Gasstcuer, die mehr als jede andere angegriffen ist. Die Elektrizität und ihre Anwendung haben sich antzerordentlich entwickelt, und eö ist vielleicht nicht unnatürlich, daß sich aus ein so trefflich entwickeltes Kind auch das vorsorgende Auge des Finanzmannes richtet.(Heiterleit). Auch betrachte ich die Heranziehung der Elektrizität zu den Ein- nahmen des Reichs als innerlich berechtigt wegen des Schutzes, unter dem der elektrische Verkehr sich hat entwickeln können. Es war ja auch die Rede von einem EleklrizitäiSmonopol. Aber dazu ist mir die Industrie noch zu jung.(Heiterkeil.) Sie bedarf der Initiative und der Beweglichkeit der Privatindustrie und wird sie wohl auch für alle Zukunft bedürfen. Die Steuer muß so niedrig bemessen werde», daß durch sie die Entivickelung der Elektrizität und ihrer Anwendung nicht gefährdet wird. Das geschieht aber au» nicht durch die vorgeschlagene Steuer von 5 Proz. deö Preises, die ja doch«/10 Pfennig pro Kilowattstunde nicht übersteigen soll. Die Kommunen besteuern die Elektrizität ja auch, ohne daß die Eiitwickeliing dadurch behindert wird; so zieht Berlin jährlich 5 Millionen Mark aus den Elektrizitätswerken. Warum soll es plötzlich kulturfeindlich sein, wenn der Staat da?- selbe tut wie die Kommunen? Die Besteilerung der Elektrizität zieht die ihre? Konkurrenten, des Gases, nach sich. Auch daS Gas macht höhere Belastungen durch bessere Einrichtungen bei der Ber- Wendung wieder wett; so sind trotz der gestiegenen Kohlenpreise die Gasprci'e in der Zeit von 1892—1907 beständig gesunken. Wenn man mich auf Grund dieser Stenern als„Dunkelmann" bezeichnet hat. so dürste dabei doch eine Verwechselung zwischen innerer Erleuchtung und äußerer Beleuchtung zugrunde liegen.(Heiterkeit.) Eine Erschlvernng der Konkurrenzfähigkeit der elektrischen Jndnstrie gegenüber der des Ausländes ist bei ihrer tech- nffchen Höhe nicht zu befürchten. Auch kommt man ja mit solche» Einwänden nicht, wenn eS sich um sozialpolitische Lasten handelt. Besonders hat man von einer Vorzugsbelastiing des Südens gesprochen. Sie werden mir keinen Fall nennen können, wo daS Reich de» Süden absichtlich stärker zu Stencrii herangezogen hätte als Norddeutschland.(Widerspruch im Zentrum.) Ich will hoffen, daß die Ausnutzung der Wasserkräfte im Süden die auf sie gesetzten Hoffnungen ersiillt, obgleich ich diese Hoffnungen für etwas über- trieben halte. Aber, es ist zu beachten, daß die Gewinnung der Elektrizität ans Wasserkräften erheblich billiger ist, als die Gc- winmmg ans Kohlen. Infolgedessen trifft die Steuer die aus Kohlen gewonnene Elektrizität viel hoher, als die Elektrizität auS Wasser» kräften. Gegen die Juseratensteuer hat sich die Presse ziemlich einstimmig ausgesprochen. Demgegen- über habe ich aus dein Publikum nach Hunderten Zllstimmungs- erklärungen erhalten. lHeiterteit.) Ich bin also im Ztveifel, ob in diesem Falle die öffentliche Meinnung mit der Presse in Uebercinslimmung ist. Im Grunde genommen ist die Anzcigensteuer eine populäre Steuer, ihre Veranlassung ist der zunehmende Gebrauch des Inserats. Nach vorsichtiger Schätzung werden jährlich 412 Millionen Mark für Inserate ausgegeben, wahrscheinlich ist es mehr, etwa 500 Millionen Mark, ali'o so viel, als das Reich an neuen Steuer» braucht.(Heiterkeit.) Je mehr für Inserate ausgegeben wird, desto größer ist der wirtschaftliche Vorteil. Es ist berechtigt, daß das Reich den dadurch erlangten Vorteil besteuert. Die Steuer muß so eingerichtet werden, daß nicht die Presse getroffen wird, sondern der Inserent. In erster Linie sollen die Großinserentcn getroffen werden. Daß sie zufolge der Steuer weniger inserieren werden, trifft nicht zu; denn sie versprechen sich vom Inserieren Wirtschaft- liche Vorteile. Der Einwand, daß die Steuer eine Steuer auf die Bildung sei, ist ganz hinfällig. Man sagt auch, die Inserate werden abwandern in den redaktionellen Teil. Daß es dazu nicht kommt, daran hat die Preffe selbst ein großes Interesse, und sollte eS doch der Fall sein, so sieht der Gesetzentwurf vor, dem Bundesrat entsprechende Befugnisse zu erteilen. Die Presse sollte den Gesichtspunkt des eigenen Nutzens hinler den des Interesses der Gesamtheit zurück- treten lassen. Ich komme nun endlich zu der Belastung de? Besitzes. ES kann sich nicht um eine Sonderbesteuerung einzelner Besitzenoen handeln, sondern alle Arten des Besitze? müssen gleich getroffen werden. Gegen eine Vermögenssteuer spricht die Notwendigkeit der Rücksicht auf die Eiuzclstaatcir. Eine solche Vermögeuösteuer durch das Reich würde je nach der Verschiedenheil der Einkommenstener in de» einzelnen Bundesstaaten in diesen sehr verschieden wirken. Eine llmlcgung der Vermögenssteuer nach Kopfquoten auf die Bundes- staaten durch Erhöhung der Matrüularumlagen hat auch ihre großen Bedenken; die Finanzen der Bundesstaaten würden dadurch schwer geschädigt. ES bleibt also die Erbschaftssteuer übrig. Der Kern der Frage ist, ob die bestehenden Ausnahmen für Ehegatte» und Deszendenten, die drei Viertel aller Erbfälle aus- machen, mit Recht zu beseitigen sind. Jeder Erbsall stellt für den Erben einen wirtschaftliche» Borteil durch Zufall dar. Eine ganz allgemeine Nachlaßsteuer findet sich fast im ganzen übrigen Europa. ferner auch i» den Hansastädten und in Elsaß-Lothringen. Auch ist es mir bei dieser Form möglich, eine Art Wehrsteuer einzuführen. Der Entwurf ivill den Nachlaß von 20 000 M. an mit einer Steuer von'/a bis 3 Proz. belegen. Man wendet gegen die Steuer ein, sie werde den Familiensinn beeinträchtigen. Aver eine enge Ber- diudung zwischen Familiensinn und Bcsiii besteht gar nicht, die Nicht- besitzenden haben nicht weniger Familiensinn als die Besitzende». Man sagt, der Erbe habe oft beigetragen zum Erwerbe des Vermögens. Dann hat er aber auch den Vorteil davon gehabt. Weiter sagt man, die Pietät werde verletzt, der Stenerexekutor stelle sich beim Grabe ei»! Aber jeder weiß doch, daß das nicht zutrifft. Eine gewisse Berechtigung bat der Einwand, daß der Grundbesitz schwerer getroffen wird, als der bewegliche Besitz. Aber diesem Umstände hat der Entwurf vollauf Rechnung getragen durch die Vorschriften: in welcher Weise die Schätzung deS Grundbesitzes stattfinden soll, weiter dadurch, daß bei erneutem Todesfall in fünf Jahren die Steuer nicht wieder erhoben werden soll. Man kann also gewiß nicht sagen, wie es in einer Zeitung geschah, die hier vorgeschlagene Nachlaßsteucr lege die Axt an die Wurzel des befestigten Grundbesitzes.— Auch bei dieser Steuer soll den Bundesstaaten eine Beteiligung an dem Erlrage der Steuer bei- behalten werden. Ich komme noch kurz auf den Vorschlag der Wehrsteuer. Ihren Grundgedanken halte ich für berechtigt, doch waren die früheren Vorschläge nicht durchführbar. Die enizlg mögliche Art ihrer Verwirllichimg. die auch jeden Verdacht beseitigt, als käme eine Loskaufung vom Militärdienst in Betracht, ist ihre Verbindung mit der Nachlaßstener in Form eines Zuschlages. Vorgeschlagen sind l'/z Proz. deö NachlaßwcrteS. Redner geht des weheren noch auf die Neuregelung der Matrikularbeiträge ein. Dos System der aufgehobenen Matrikularbeiträge soll ve- seitigt werden und die Matrikularbeiträge auf e.ue Höchstgrenze festgesetzt werden. An den Schluß meiner Darlegungen möchte ich ein Wort stellen. das ein englischer Staatsmann 1717 über neue Steuern gesprochen hat:„Die tägliche Erfahrung lehrt uns, daß es nichts gibt, waS so den Neigungen der Menschen zuwider wäre, Ivie die Einführung von Steuern!"(Lebhaftes Sehr richtig! und Heiterkeit.) Sehr richtig! sage ich mit Ihnen. Bei all Ihrer Kritik der Rcgierungs- Vorschläge, die nicht ausbleiben wird, bitte ich Sie, eine Frage nicht unbeantwortet zu lassen, wenn Sic die vorgeschlagenen Steuern ermäßigen oder ablehnen wollen. Woher soll sonst daS unbedingt nötige Geld kommen?(Sehr richtig! rechts.) Ucbcr die Einzel- heilen wird sich diskutieren lassen, an gewissen Grundzügen aber müssen die verbündeten Regierungen festhalten. Erstens daran, daß neue Steuern in Höhe von 500 Millionen notwendig sind, wenigstens, wenn gleichzeitig die Fahrkartensteuer beseitigt und die Zuckerstcuer ermäßigt werden soll. Zweitens daran, daß die Steuern sowohl den Konsum, und zwar den Massenkonsum wie den Besitz, und zwar alle Arten des Besitzes, tresfen müssen. Trittens muß die Regelung der finanziellen Verhältnisse zwischen den Bundes- staaten und dem Reich auf der Basis der Beseitigung der auf- geschobenen Matrikularbeiträge und der festen Begrenzung der- selben erfolgen. Viertens müssen die neuen Mittel zu einer euer- zischen Anleihetilgung verivandt tverden, und es muß bei Weisung neuer Objekte aus Anleihen mit allergrößter Peinlichkeit vor- acgangcn werden, sie muß womöglich ganz vermieden werden. (Bravo!) Endlich muß mit einer gewissen Rücksickitslosigkeit in Zu- kunft der Grundsatz gewahrt werden, daß neue Ausgaben nur über- nomine» werden dürfen, wenn auch Deckung dafür vorhanden ist. (Lebhafte Zustimmung links und im Zentrum.) Wir sind uns alle vollkommen bewußt, waS es heißt, 500 Millionen Mark jährlich von dem deutschen Volke zu fordern. Wir sind uns aber auch bewußt, daß wir vor einer harten Notwendig- keit stehen. Die Frage ist: Will das deutsche Volt die Kosten über- nehmen, die notwcndlg sind, wenn eö die politische und Wirtschaft- liche Stellung aufrechterhalten will, die seiner kulturellen Bcdcu- tung entspricht, oder soll es allmählich auf die Bahn herabglciten, die das alte Deutsche Reich befolgt hat, daS nicht zuletzt an der. Schwäche seiner finanziellen Lage gescheitert ist?(Sehr richtig! rechts.) Ich zweifle nicht, wie die Mehrheit des Volles antworten wird. Soll aber der Weg aufwärts gehen, so müssen alle Hindernisse überwunden werden: dazu gehört ein starker Wille, der den Blick richtet auf die unbedingte Notwendigkeit, das Ziel zu er- reichen. Und dieser starke Wille muß getragen werden von dem kategorischen Imperativ einer starken, brennenden, ich möchte fast sagen leidenschaftlichen PaterlandLIiebe.(Bravol rechts und bei den Nationalliberalen.) Darauf vertagt sich das Haus auf Freitag 1 Uhr. Interpellationen des Zentrums und der wirtschaftlichen Ber- ciniflung betr. das Grubenunglück auf Zeche„Nadbod". Darauf Fortsetzung der heutigen Beratung. Die Ausführungen deö Genossen S e v c r i n g in der Sonn- abendsitzung des RelchStags über die Arbeitslosen-Unterstützungen durch den Deutschen Mctallarbeitcrverband sind in unserem Bericht rtidj* ganz genau wiedergegeben. Nach dem asUlichcn Stenogramm sagte Genosse S e V c r i n g: �Ter 7. Bezirk dea Metallarbeiterverbandes Rheinland und Westfalen zahlte im Jahre 1907 33 728 M. an Arbeits- losenunterstützung, in drei Quartalen 1998 gab er die Summe von 179 732 M. aus. Tie Verwaltungsstelle Bielefeld des Mctallarbeiterverbandes zahlte vom 1. Oktober 1999 bis zum 39. September 1997— also vor der Krise— insgesamt 11 427,39 Mark an Arbeitslosenunterstützung, vom 1. Ottober 1997 bis Ende Oktober 1998 dagegen 199 782 M. Tie Verwaltungsstelle So- l i n g c n des Deutschen Metallarbeiterverbandes zahlte in zwei Ouartalen des Jahres 1008 89 479 M., der Industriearbeiter- Verband für den gleichen Zeitraum 4a 777 M., die beiden Organi- sationen mit einigen anderen kleinen Gewerkschaften in Solingen zusammen in einem halben Jahre 159 999 M. Die Vertoaltungs- stelle Berlin des Deutschen Metallarbeiterverbandes zahlte in den ersten drei Ouartalen des Jahres 1998 an 19 317 Arbeitslose die Summe von ÜL1919 M.'Arbeitslosenunterstützung aus." Parlamentarisches. Scniorcnkonvent des Reichstags. Die Erwartung, dast dem Donnerstag in aller Frühe zu einer MittagSsitznng zusammenberufenen Seniorenkonvent des Reichstags nähere Mitteilung über den Vortrag des Reichskanzlers beim Kaiser gemacht würden, ist arg enttäuscht worden. Der Präsident lieh sich daran genügen, den Senioren zu er- zählen, dah der Reichskanzler nach ssiner Rückkehr von Potsdam. neben dem Staatssekretär des Innern und den preußischen Ministern auch den ReichSlagspräsidenten zu sich gebeten babe. um ihm mit- zuteilen, daß die ossizielle Erklärung des Reichskanzlers über das Resultat der Unterredung, am Dienstagabend im„Reichsanzeiger" bekanntgegeben werde. Da es sich nicht um eine Denkschrift an den Rerchstag ge- handelt habe, so nähme der Reichskanzler, dem bisherigen Brauche folgend, davon Abstand, dem Reichstag selbst eine Milieilung über den Verlaus der Unterredung zu machen, bäte jedoch den Präsidemen, dem Reichstage in geeigneter Weise von seiner Unterredung mit dem Kanzler KeimlniS zu geben. Auf eine Anfrage, ob der Präsident dre Angelegenheit damit für den Reichstag als erledigt betrachte, meinte der Präsident, daß er nach Erledigung der ersten Beralung der Finanzreform vorschlagen werde, einen Schiverinstag abzuhalten, an dem vorauSsichilich der freisinnige Initiativantrag aus Erlaß eineö Miiiisterverantwortlichkeits- gcsctzeö zur Verhandlung käme, wobei dann seiner Meinung nach auch die Notiz des„ReichScmzeigers" diskutiert werden tönne. In einer längeren Aussprache wurde die Notwendigkeit betont. in Verbindung niit dem freisinnigen Antrag auch die iozialdemo- kratiichcn Jniiialivanträge aus Abänderung der Verfasjung und der Geschäftsordnung, sowie de» von dieser Partei eingebrachten Gesetz- entwurf betr. die Verantwortlichkeit des Reichskanzlers— Anträge, die in Konsequenz der Verhandlungen über das„Kaiierinterview" gestellt sind— zur Beratung zu stellen. Auch der ZentrnmSantrag (Mimsierverantworilichkeit) sowie der Antrag der Wirtschaftlichen Vereinigung(Adresse an den Kaiser) sollten gleichzeitig beraten werden, daniit der Reichstag in der Lage fei, in einer einheitlichen Diskussion alle bei dieser Frage in Betracht konimenden Gesichts- punkte zu erörtern und zu einem abschließenden Urteil sowie den nötigen gesetzgeberischen Maßnahmen zu gelangen. Diesen Anregungen wird nach Beendigung der ersten Lesung der Finanzreform Folge gegeben werden, da man allseilig der An- sicht ist, daß diese Angelegenheit noch vor den WeihnachtSferien im Reichstag verhandelt werden müsse.... Von sozialdemokratischer Seite wurde nachdrücklichst auf d,e Notlvendigkert hingewiesen, neben der oben erörterten Frage auch die Juterpetlationen wegen deS entsetzlichen Grubenunglücks ungesäumt zur Verhandlung zu bringen. und der Präsident ersucht, die Jnrerpellalionen auf die TageS- ordnung für Freitag z» setzen. Der ReickStag könne und solle nicht die Beranlworrung dafür übernehmen, daß die Verhandlung über die Ursachen dieses das ganze Volk aufs tiefste erschütternden Vor- falles noch länger hinausgeschoben werden, und wenn die Regierung mit der Bcaulivortling der ReichStagSinterpellationen noch warten lvolle, so möge sie vor dem Lande die Verantwortmig tragen. Eine Unterbrechung der Fi»a»zrefonnberatung fei zwar nicht angenehm, aber gegenüber der Bedeutsamkeit deS Gegeilstandeö der Juter- pellationen nicht zu umgehen. r r, v~ L Die Notwendigkeit einer sofortigen Verhandlung der Jnter- pellationen wurde von allen Seiten anerkannt. Der Präsident wurde vom Scniorenkonvcnt ersucht, alö ersten Punkt für die Tages- ordnung vom Freilag dem Hause die Beralung der Interpellationen vorzuschlagen. Falls die Regierung die Beantwortung an emem anderen Tage vornehmcn will— ein ihr nach der Geschäftsordnung zustehendes Recht—. so wird die Beratung der Finanzreform fort- geletzt; in diesem Falle werden die Interpellationen vermutlich am Momag nächster Woche zur Beratung gelangen und die Verhandlung der Finanzreform für die Dauer der JnterpellationSbesprechung ausae setzt. 'Da der Seniorenkonvent darüber einig ist. daß die Jnter- pellationen. Anträge au« Anlaß des.KaiferinterviewS". Finanzreform. Etal und Besoldungsvorlage— die Gesetze natürlich nur in erster Beratung— noch vor der WeihnachtSpause erledigt werden sollen, so ist es nicht ausgeschlossen, daß die WeihnachtSferien einige Tage später— etwa am 15. bis 10. Dezember— beginnen müssen. Tie Audgetkonunisfion des Abgeordnetenhauses hat am TonncrStag ihre Arbeiten wieder aufgenommen. Während die be- antragte Erhöhung des Gehalts der NavigationSlehrer. kunstge- werblichen und technischen Lehrer abgelehnt lvurde, gelangte eln Kvmpromißantray aus Aufbesserung der Polizei rate zur Annahme. Diese Beamten beziehen heute 3999 b>S 5999 M�: sie sollen nach der Regieruiigsvorlage im Endgchalt bis auf 5499 Mark steigen. Ter Kommission geht das nicht weit genug, sie be- schloß mit allen gegen 9 Stimmen eine Erhöhung des Endgehalts um weitere 999, also aus 9999 M. Der Vertreter deS Finanz- Ministers, Unterstaatssekretär DomboiS, widersprach dem An- trag; er wies nach, daß die Polizciräte eine weitere Aufbesserung nicht nötig haben, da sie bereits den Wohnungszuschuß der höheren Beamten beziehen sollen, was für jede» Berliner Polizeirat allein 4S0 M. mehr als bisher ausmacht. Ferner warnte der Rcgic- rungSkommissar davor, die Bureaubeamten besser zu stellen als die Beamten des Außendienstes. Er machte daraus ausmcrkiam. daß selbst die Polizeihauptleuw in Berlin nur 5499 M. Höchstgehalt beziehen.— Tie Kommission ging über alle diese Bedenken hinweg. Weniger Entgegenkommen bewies die Kommission den Seminaroberlehrcrn: sie lehnte verschiedene Anträge. auch diese aufzubesiern, rundweg ab. Gleichfalls abgelehnt— allerdings nur mit 13 gegen 12 Stim- mcn— wurden Anträge, die eine Besserstellung der Geistlichen bei den besonderen Gefängnissen, bei der Strafanstaltsverwaltung, beim Charitekrankenhaus in Berlin sowie der Direktoren bei einigen Erziehungsanstalten betrafen. In der Debatte wandte sich Unterstaatssekrctär D o in b o i L grundsätzlich gegen die Gleich- stkllung der Geistlichen mit den Oberlehrern. Eine lebhafte Erörterung knüpfte sich an die Vorschläge der Regierung betr. die Besoldung der Beamten der Klasse 32(3999 bis 9999 M. Gehalt). Dies Gehalt sollen auch eine Anzahl von cxpediercndcn�Sekretären bei den Ministerien beziehen. Es handelt sich da um Subalternbeamte, die über alle übrige» Subaltern- bcanitcn weit hinausgehoben werden. Während der RegicrungS- Vertreter diese Maßnahmen mit dem Hinweis auf die historische Entwickclung begründete, waren fich alle Redner darin einig, daß es ungerecht sei, einfach alle diese Beamten so reichlich zu besolden. Ein Beschluß wurde nicht gefaßt, doch wurde für die zweite Lesung ein Antrag angekündigt, die in- Betracht kommenden Beamten in eine niedrigere' Klasse(Klasse 31, mit 4299 bis 9399 M.) zu der- sitzen und nur besonders hervorragende von ihnen mit dem höheren Gehalt zu hedenseit. Eine andere Anregung ging dahin, sie in Klasse 28(3999 bis 9999 M.) zu versitzen. Natürlich kann daS nur für später anzustellende Beamte gelten, da jeder Beamte einen rechtlichen Anspruch auf das Gehalt besitzt, das er zurzeit bezieht. Interessant war eine Auskunft des Gcheiwrats Krahne über die Gründe, aus denen die Direktoren der Strafanstalten so verschiedenen Gehaltsklassen angehören. Hiernach werden für solche Anstalten, die Jugendliche aufnehmen. Ämtsanwälte, Staats- anWälle oder Geistliche als Direktoren angestellt, für Anstalten, die in der Hauptsache Vorbestrafte aufnehmen, dagegen ehemalige Offiziere! Sollte eS im Hinblick auf das Ziel der Besserung der Gefangenen nicht angebrachter sein, von der Anstellung von Ossi- zieren völlig abzusehen? Mit Rücksicht darauf, daß am Freitag das Plenum wieder zusammentritt, findet die nächste Sitzung erst am Viontag. eventuell MontaMvend statt. Tie Lehrcrbcsoldungskominission des Abgeordnetenhauses sitzte Donnerstag vormittag nach fast achttägiger Pause ihre Beratungen fort. Von feiten der Regierung wurde init Genugtuung anerkannt, daß jetzt bei allen(?) Parteien Einigkeit darüber herrsche, daß, wenn der Staat Mindestgehälter festsetzt, er auch Höchstgehälter sistsetzen müsse. Damit ist also die Bremse gesichert, lvaS nament- lich die Lehrer in den großen Städten und im Industriegebiet höchst unerfreulich berühren wird. Die Regierung begründet die Bremsirei damit, daß das Gesetz von 1897 gescheitert sei, weil zwischen einzelnen Provinzen eine Differenz in den Gehältern in der Grenze von 1899 vis 3899 M. möglich war; es habe des- wegen um die höheren Gehälter ein Kampf begonnen, der un- bedingt im Interesse deS Staates, der Gemeinden und der Volks- schule beendet werden müsse. Diese Darlegung läßt ganz außer acht, daß doch schon vor 1897 ein heftiger Kampf der Lehrerschaft um Besserstellung geführt wurde. Wenn es durch das Gesetz von 1997 nicht gelang, Ruhe zu schaffen, so ist dies ein sehr schlechtes Zeugnis für die Sachkenntnis, mit der das Gesetz geschaffen wurde. Von den Freikonservativen und Konservativen, die ja angeb- lich ein so warmes Herz für die Lehrer haben, wurde ein heftiger Kampf geführt, um die Ortszulage nicht pensionsfähig zu machen: Es sei gar keine Veranlassung, diese Zulage, die doch nur wegen der Teuerung am Dienstorts gezahlt würde, bei der Pension zu berücksichtigen, da ja der in Ruhestand getretene Lehrer nach einem billigeren Orte ziehen könnte! Daß damit die Familien- und Gesellschaftsverhältnisse zerstört werden, das sicht die„Freunde" der Lehrer nicht an. Wenn nur dem Lande Leute zugeführt werden! Aus diesem Verhalten und aus den Aeuße- rungen der höchsten Rcgierungövertreter: daß der Hauptzweck der Regierungsvorlage sei, Ruhe, selbst unter Anwendung von Gewalt, zu schaffen, nicht aber die Beseitigung der unzulänglichen Ge- Haltsverhältnisse, wird den Lehrern ein Licht ausgehen, wie sie durch diese Vorlage auf lange Zeit in. der Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse gehemmt werden. Für die Berliner Lehrer würde die Nichtpcnsionsfähigkeit der Ortszulage bedeuten, daß die Pension beim Höchstgehalt um 999 Mark, die Witwenpension um 249 M., die Zuschüsse an ein Kind um 49 M. herabgesetzt würden.... Hier zeigt sich die ganze Gedankenlosigkeit und Oberfläcblichkcit. mit der in dieser Kommis- sion gearbeitet wird. Seitens der Regierung wurden diese An- träge nur sehr matt bekämpft, sodatz für die Lehrer in größeren Städten tatsächlich die Gefahr besteht, eine wesentliche Verschlechte- rung ihrer Bezüge zu erhalten.— Hus der Partei. Gemeindewahlen. Im Fürstentum R e u ß j. L., so wird u»S aus Gera berichtet, finden zur Zeit die ErgänzungSwahlen zu den Gemeiuderäten statt. Bei den bisber vorliegenden Wahlen hat die Sozialdemokratie recht gut abgeschnitten. In UntermHauS babe» sie ein Mandat be- Häupter und ein? erobert; in Zwötzen wurden ihre acht Kandidaten gewählt, ohne daß die bürgerlichen Parteien eine Gegenliste aufgestellt hätten; in Langenberg siegte ebenfalls ihre Liste. In UntermHauS und Langenberg sind die sozialde»nokralischcn Stimmen erheblich gewachsen.— Die schweizerische sozialdemokratische Partei hält am 28. und 29. November in Ollen ihren diesjährigen ordentlichen Parteitag ab. Auf der provisorischen Tagesordnung stehen u. a. die staatliche Mobiliarvcrsicherung, iiiternntionales sozialistisches Bureau. Revision der Parteistatuten, das Getmdemvnopol. die Wählbarkelt der Eisenbahner in Gemeinde« und Kantonsbehörden. Unter den Anträgen figuriert einer der aargauischen Grüilivereine, der die Partei auffordert, die BolkSabsiimmung für die Proportionalwahl deS Nationalrates zu der- langen. Mit diesem Antrag hat sich bereits die Partei presse beschäftigt und sie stimmt ihm zu mit Ausnahme des Luzerner.Demokrat", der in seiner Kritik zu schroff und zu weitgehend von.Dummheiten" redet. Vergegenwärtigt man sich aber, daß die sozialdemokratische Partei deS Kantons Luzern zu den letzten Nationalratswahlen nicht einmal einen eigene» Kandidaten aufstellte, trotzdem 1995 der sozialdemokratische Kandidat 2714 Stimmen erhalten hatte und in die Stichwahl gekonimen war. so könnte man fast von einer Konsequenz der Taktik der Passivität reden. Grundsätzlich ist allerdings der.Demokrat" ebenfalls für die proportionale Wahl des Nationalrates. In dieser Frage gab eS schon vor ackl Jahren, am 4. November 1090, eine Volksabstimmung, in der aber die Proporzinitiaiive mit 270 502 gegen 145 936 Stimmen verworfen wurde. Seitdem hat aber der Proporzgcdanke in der Schweiz und im Auslände weitere praktische Geltung und die sozialdemo- kratische Partei hat eine erhebliche Verstärkung erfahren, mit der ihre Vertretung im Nationalrat im schreiendsten Mißverhältnis steht. Inzwischen Hai die christlichsoziale Partei des Kauions Zürich bereits die Bolksiititiative für die Proportionalwahl des Nationalrats be- schlösse», zu deren Durchführung sie mit anderen Parteien zu gemein- samem Vorgehen in Verbindung treten will. � Zum Thema Getreidemonopol hat Genosse Seidel alö Referent bereits eine längere Resolution aufgestellt, in der er daS Getreide- und Meblmonopol fordert zur Beseitigung deS Privatmonopols der Getreidehändler und der AuSbeiilnng der Koiisumcnten, wobei eS sich lin, eine Summe von 159 Millionen Franken jährlich handelt; zur Bekämpfung der Müllerringe und der Zurückdräiignng der aus- ländischen Müllerei; zur Herbeiführung menschenwürdiger Arbeit»- zustände mittels Gemeinde- und Genosseuschaftsbäckereien. Endlich soll das staatliche Gctreidemonopol bewirken, daß genügende Getreide- Vorräte zur Volksernährung aufgespeichert und de» Konsumenten billiges Brot beschafft iverde. Daher soll daS Monopol weder fiskalischen, noch agrarischen Zweckel» dienen und ein eventueller Gewinn soll zur Sicherung und zum Ausbau der Mouopolzwecke selbst sowie zu soziale» Zivecken(Alters- und Invalidenversicherung. Förderung des GeiivssenschaflSwesinS verwendet werden. Bereits hat sich auch der Bauernsekretär Dr. Bauer für daS Getreidemonopol ausgesprochen, aber für ein solche« i la Könitz nur zur Sicherung hoher Getreidepreise für die Agrarier. Für ein staatliches Gctreidemonopol zu diesem Zwecke müßten sich die Arbeiter schönstens bedanken. Denn dabei kämen sie vom Regen in die Traufe._ Die JahreSkonferenz der britischen Arbeiterpartei. London, 14. November.(Eig. Ber.) Die britische Arbeiterpartei hält ihre 9. Jährcskonfereiiz Ende Januar 1999 ,» Portöinouth ab. Allein schon am 1. November tage» die Resolutionen der Organisationen de», Parteivorstande vor und sie wurden gestern veröffentlicht. Die gedruckte» Resolutionen gehen sodann an die Organisationen zurück, die da« Recht haben, Zusatzanträge(Amendements) zu stellen. Einige Wochen vor der Konserenz werden die Resolutionen nebst Zusatzanträgen gedruckt und dienen als Berainngsgegenstände der Konferenzdelcgicrtcn. Unter den Resolutioiien sind folgende bemerkenswert: Die Tapezierer beantragen folgenden Zusatz zu den Parteis atzungen:.DaS Endziel der Partei besteht darin, den Arbeitern die ganzen Ergebnisse ihrer Arbeit zu sichern durch den Umsturz deS herrschenden kapitalistischen, auf Konkurrenz begi ündeten Systems und der Einführung eines Systems gesellschaftlichen Eigen- ttims und gesellschaftlicher Verwaltung der Produktionsmittel." Die Organisationen von West H a m und HudderSfield verlangen, daß die Parteikandivalen entweder als Arbeiter oder alö sozialistische Arbeiter auftreten sollen. DerB r iefträg erv erba n dbeantragl ein Tad elSV o tum gegen den Parteivorstand wegen dessen ablehnender Haltung bei der parlamentarischen Nachwahl' in Dundee« wo der Bvrstand den Genossen Stuart nicht unterstützen wollte. Die D o cka r b c i t er beantragen:„Es soll keinem Arbeiter« abgeordneten oder Arbeiterkandidaren gestattet sein, in Veriamm- lungen zu sprechen, die legislative Fragen der Religion. Temperenz oder Politik behandeln sollen und von der Regierungspartei ein- berufen sind, außer wenn solche GesetzeSmaßnabmen von den Äonfcrenzen der Arbeiterpartei gebilligt worden sind." Zur Verbesserung deSAtterspensionLgesetzeS beantragen die"Dockarbeiter:.Die Altersgrenze ist auf 55 Jahre zu setzen; im Falle der Invalidität soll die Pension schon mit dem 39. Jahre beginnen; die hierzu nötigen Finanzmittel sind zu be- schaffen durch' eine Steuer von 19 Proz. bei Einkommen von über 29999 Pfd. Sterl.; 15 Proz. bei Einkommen von über 39999 Pfd. Sterl.; 29 Proz. bei Einkommen von über 49 999 Pfd. Sterl.; 5 Proz. bei Einkommen von über 59 999 Pfd. Sterl." Das Internationale Vnrca» der sozialistischen Jngendorgani- sationen zu Wien erläßt folgende Erklärung: In der Erwägung, daß die italienische syndikalistische ITockora- zione Nazionalo Giovanilo Sooiaiata, da sie außerhalb der italienischen Parteiorganisation sieht und somit auch nicht der sozialistischen Internationale angehört, auch nicht Mitglied der Internationalen Verbindung der sozialistischen Jugendorgani- sationen sein kann; in der ferneren Erwägung, daß diese Organisasion in der Zeit ihrer bisherigen Mitgliedschaft die Pflichten gegenüber dem Jnter- nasionalen Sekretariat stets vernachlässigt hat: beschließt das Internationale Bureau den Ausschluß dieser Or- ganisalion aus der Internationalen Verbindung. Die der italienischen Partei angeschlossene Poäsraziono Italiava Giovanilo Socialista wird definitiv in dir Internationale Verbindung ausgenommen. Meüor Dr. nuhland stontra Professor Dr. llllermei Vor der 147. Abteilung des Schöffengerichts unter Vorsitz des Amtsgerichtsrats Jockisch stand gestern Hauptverhandlungstermul an in der Privatklage des Professors Dr. zur. et phil. Ruhland wider den Professor der Staatswissenschaften cm. der Ilnivcrsität Gießen. Or. zur. et pbil. Magnus Birrmer. Letzterer wird vom Rechtsanwalt Leop. Gottschalk und Geh. Justizrat Gutfleisch (Gießen) verteidigt. Rechtsbeistände des PrivaitlägcrS sind die Rechtsanwälte Ulrich und Dr. Friedrich Artur Meyer.— Gegen» stand der Privatklage ist eine im Jahre 1993 erschienene Streit- schrift deS Professors Dr. Biermer unter dem Titel:„Ruhland, Köhler-Langsdorf u. Co.". Diese Broschüre enthält eine scharfe beleidigende Charakteristik des Privatklägers. ES wird unter anderem ausgeführt, daß es in Preußen, insbesondere in der Nationalökonomie und Theologie, Strasprofessuren gebe, um auf den Universitäten die freiheitlichen Richtungen nicht aufkommen zu lassen, trotzdem sei es dem Professor Ruhland noch nicht ge- lungen, in Preußen einen Lehrstuhl zu sinden. Ruhland sei viele Jahre Freihändler, GoldwährungSmann und„Güterzertrümmerer" gewesen, der im Auftrage eines Großindustriellen, der auch Groß- grundbcsitzer werden wollte, zahlreiche Bauerngüter für diesen aufgekauft habe. Er habe einmal der demokratischen„Frankfurter Zeitung" den Vorschlag gemacht, eine Antiagrarliga zu gründen, sei aber damit hinauslomplimentiert worden. Dann sei er Plötz- lich mit einer Broschüre über die Notlage der Landwirtschaft in die OeffeuilicHIeit getreten, habe darin den Freihandel heftig be. kämpft, sei für die Doppelwährung eingetreten und habe den An- trag Kanih alö unerläßliche Forderung seines AgrarprogrammL bezeichnet. Danach sei er bald bezahlter Experte des Bundes der Landwirte geworden. Die Broschüre RuhlandS wird als Beweis deS mangelnden VerstälidnisscL für das soziale Empfhtden der Volksmasjen hingestellt und Professor Ruhland als Wissenschaft- liches Chamäleon behandelt, der es fertig gebracht habe, obwohl Protestant, an der katholische« Dominikaner-Leyranstalt in Frei- bürg(Schweiz) eine Professur zu übernehmen. Alle anständigen deutschen Katholiken hätten sich von dieser Lehranstalt abgewandt. weil sie fortgesetzt das Deutsche Reich befehde. Der antisemitische hessische LandiagSalgeordnete Köhler-LangSdorj gehe in der Zweiten hessischen Kammer unter Berufung auf den Bund der Landwirte in der aufdringlichsten Weise für eine Professor Ruh- land hausieren, es sei der Firma„Ruhland, Köhler-Langsdorf v. Co., G. m. b. H. für akademische Stellenvermittelung" aber noch nicht gelungen, einen Erfolg zu erzielen usw. usw.— Durch den Inhalt dieser Broschüre fühlte sich Professor Ruhland beleidigt und hat die Klage angestrengt. Diese wird im kleinen Schwurgerichts- saale des alten KriminalgcrichtsgebäudeS verhandelt. Als Sach- verständige sind geladen: Professor Dr. Lonrad-Halle a. S. und Professor Dr. Lexis-Göttingen. Vor Eintritt in die Verhandlung stellt Rechtsanwalt Dr. Meyer einen Antrag auf Ablehnung des Sackzverständigen Prof. Dr. Conrad in Aussicht.— Rechtsanwalt Dr. Gottschalk wendet sich gegen den Antrag. ES sei sehr bezeichnend, daß, nachdem die Professoren Schmoller, Brentano und Wagner abgelehnt worden, nun auch Professor Conrad abgelehnt werden solle. Wenn alle Sach. verständigen abgelehnt werden sollen, dann würde vielleicht nur noch der Generalsekretär des Bundes der Landwirte alö der dem Privatkläger genehme Sachverständige übrig bleiben. Das Gericht beschließt, den Antrag de'ö Verteidigers auf Ablehnung des Professors Conrad als Sachverständiger abzulehnen. Es erfolgt hierauf die Verlesung der ganzen Broschüre des Angeklagten, welche 54 Druckseiten umfaßt. In der Broschüre wendet sich der Verfasser gegen die Degradierung der Nationalökonomie als Lehrfach zu einem Mittel für die bessere Vertretung selbstsüchtiger wirtschaftlicher Jnter- essen. Behauptet ist in der Broschüre unter anderem, nicht Herr Köhler-Langsdorf, sondern Professor Dr. Ruhland habe den Antrag Köhler-Langsdorf veranlaßt oder mindestens inspiriert, er fei der eigentliche Spiritus rector„der ganzen widerlichen Reklame". „Unter dem Vorwande, für die Parität wissenschaftlicher Richtungen an den Universitäten grundsätzlich eintreten zu wollen, inszeniere man einen Konkursauöverkauf, in dem man einen agrarpolitischen Publizisten, den man schon lange auf Lager habe, den aber kerne andere Reichsuniversität wegen seiner notorischen GesinnungS- und Charakterlosigkeit auch nur zur Habilitasion als Privatdozent zulassen würde, dem hessischen Staate als Ordinarius„59 Prozent unter dem Selbstkostenpreise" offeriere. Wenn sich ein National- ökonom, überhaupt ein Gelehrter, zu einem solchen verwegenen Manöver hergebe, so richte er sich in den Augen aller anständigen Menschen ganz von selbst." Es wird dann dargelegt, daß Professor Ruhland noch 1894 den Standpunkt der Freihändler„entschieden als richtiger" anerkannt als den der Schntzzöllner, er habe dann Wandlungen ganz unvermittelter Art erlebt,'die über das Maß des Erlaubten himmelweit hinausgehen. Heute sei Herr Ruhland Bauernfreund, radikaler Agrarschutzzüllner und Angestellter des Bundes der Landwirte. In der Beweisaufnahme wird zunächst der Abgeordnete Köhler- Langsdorf vernommen, der auch den Wahlkreis Gießen im deutschen Reichstage vertritt und am 19. Dezember 1992 bei der Zweiten hessischen Kammer den in der Broschüre deS Angeklagten behandelten Antrag bezw. Tie Anfrage gestellt hat. Er bestreitet, daß Professor Ruhland irgend etwas dazu getan habe, um ihn zu be- wegen, Professor Ruhlnnd zu präsentieren. Nicht dieser habe ihn, sondern er habe Professor Ruhlcmd geschoben. Zeuge Schriftsteller Edmund Klapper: Er habe auf den Antrag Köhler-Langdors weder brieflich noch mündlich eingewirkt, auch nicht gewußt, daß überhaupt beabsichtigt war, eine neue Professur für Nationalökonomie an der Universität Gießen einzurichten. Als er die Nachricht aus Hessen erhielt, sei er sehr überrascht gewesen, er habe die Nachricht Herrn Ruhland mitgeteilt und die Empfindung gehabt, daß dieser ebenso überrascht war und auch vorher von dem Antrage nichts wußte. Der Zeuge erklärt auf Befragen, daß er seit einigen Jahren mit dem Privatkläger befreundet sei. aber doch noch bis in die neueste Zeit hinein manche sachliche Differenzen mit demselben auszukämpfen gehabt habe. Der Personal-Dezernent aus dem Kultusministerium Geh. Rat Elster soll bekunden, ob die Behauptung des Angeklagten richtig ist, daß der Zeuge im Auftrage das Kultusministers an ihn, den Privat- kläger, die Frage gerichtet habe, ob er eine Professur an einer preußischen Universität annehmen wolle, und daß der Privatkläger abgelehnt habe. Geh. Rat Elster: Bor einigen Jahren habe eine Unterredung stattgefunden, die durch den Abgeordneten Frhrn. v. Wangenheim veranlaßt worden sei. Frhr. v. Wangenheim habe mit Exzellenz Althoff und ihm, dem Zeugen, gesprochen, ob es nicht möglich sei, dem Professor Ruhland eine Profcssur an einer preußischen Uni- versität zu übertragen. Es sei ihm darauf die Antwort gegeben: Ja, warum nicht? Wenn er seitens einer Fakultät vorge- schlagen werde! Der Kultusminister habe immer den Stand- Punkt vertreten, daß allen wissenschaftlich legitimierten Richtungen Raum auf den Universitäten gewährt werden solle. Dann habe ihn Professor Ruhland eines Nachmittags im Ministerium aufgesucht und über dieses Thema mit ihm gesprochen. Er habe ihm nichts anderes erwidert, als was er Herrn v. Wangenheim gesagt hatte: „Gewiß können Sie berufen werden, wenn Sic vorgeschlagen wer- den, aber ein solcher Vorschlag liegt nicht vor." Die Sache sei nicht so weit gekommen, daß sie dem damaligen Kultusminister vor- getragen wurde, sondern es handelte sich nur um eine vorläufige und unverbindliche Besprechung. Er, Zeuge, wäre gar nicht be°- rechtigt gewesen, bei Herrn Professor Ruhland anzufragen, ob er bereit wäre, eine Professur an einer preußischen Universität an- zunehmen.— Professor Ruhland: Der Unterredung mit dem Zeugen ging ein längerer Vortrag beim Kultusminister voraus.— Prof. Ruhland bleibt dabei, daß der Zeuge beim Empfang die Frage an ihn gerichtet habe: Ich habe im Auftrage des Ministers Sie zu fragen, ob Sie eine Professur an einer preußischen Universität annehmen wollen? Er habe darauf erwidert: Die Nationalökonomie, welche heute auf den Universitäten gelehrt werde, halte er für falsch, wenn er diese lehren wollte, müßte er gegen seine Ueberzeugung handeln, deshalb müsse er ablehnen, vis er sein„System", von dem erst der erste Band vorlag, fertiggestellt habe.— Geh. Rat Elster: Er habe leinen Auftrag vom Kultusminister gehabt, einen Ruf an den Privatkläger ergehen zu lassen. Für ihn sei es ganz ausgeschlossen. daß er einem Herrn eine„Profcssur in Preußen" anbiete. Wir haben in Preußen Universitäten, er hätte also doch mindestens sagen müssen, welche Universität in Frage komme. Herr von Wangenhcim habe angeregt gehabt, ob es nicht möglich sei, die Kraft des Herrn Rubland an einer preußischen Universität zu ver- wenden, eine so wichtige Sache werde aber doch nicht so en psssant abgemacht.— Professor Biermcr: Der Privatkläger hat auch den Antrag auf Buße gestellt, weil nach der Broschüre angeblich das Kultusministerium die Verhandlungen mit dem Privatkläger ab- gebrochen habe.— Geh. Rat Elster: Mit Professor Ruhland haben weder vorher noch nachher irgendwelche„Verhandlungen" statt- gesunden.— Rechtsanwalt Dr. Meyer: Wenn seht an den Zeugen erneut die Frage nach einer Ucbertragung einer Professur an Pro- fessor Ruhland heranträte, würde da nicht die Broschüre einen schäd- lichen Einfluß ausüben?— Geh. Rat Elster: Wenn heute der Privatkläger vorgeschlagen werden würde, so würde gesagt werden können: Die Fakultät hat zweifellos die Angriffe geprüft und ihnen keine Bedeutung beigelegt. Das Kultusministerium wurde es aber für seine Pflicht halten, selbst an die Sache heranzutreten und zu prüfen, ob die Angriffe berechtigt sind. In bczug auf die Frage der Buße wird der Direktor de-- Bundes der Landwirte, Pnsnuda, vernommen. Er glaubt, daß der Privatkläger durch die Broschüre materiellen Sdhaden erlitten habe. Ter Bund der Landwirte habe seinerzeit beabsichtigt, in Berlin eiiicii„Getreidemarkt" zu gründen. Zum Leiter desselben sei Professor Dr. Ruhland gewählt worden. Während das Reichs- amt des Innern ursprünglich seine moralische und materielle Nutcrstübung zugesagt hatte, habe es dann diese Zusage zurück gezogen und der Privatkläger habe infolgedessen aus Gehalt ver- zichtet. Der Zeuge glaubt daß die veränderte Haltung des Reichs- amts des Innern auf das Erscheinen der Broschüre zurückzu führen sei. Es folgt dann die Perlesung der Auslagen mehrerer kommis- sarisch vernommener Zeugen und einiger Artikel der„Münchener Post". Es handelt sich dabei darum, daß behauptet wird, der Privatkläger habe sich mit dem Geschästsfühccr der sozialdemokra- tischen„Münchener Post" seinerzeit in Verbindung gesetzt und ihm »"">nglücks auf Zeche„Radbod" 5000 M. ans Stadtmitteln. Explofionei» in deutschen Gruben. Jn den letzten Jahrzehnten ereigneten sich auf Gruden in Teutschland u. a. folgende Masfenunglücke: Jahr Name der Zeche Tote 1869 Neu-Jserlohn....... 81 „ Burgker Schächte..... 269 1876 Ren Iserlohn....... 33 1879 Briickenbcrg-Schachte.... 89 1881 Luise Tiefbau....... 17 1885 Camphauseu....... 181 1893 Kaiserstnhl........ 63 „ General Blnmeuthal.... 20 1895 Prinz von Preusic«.... 37 1896 Kleophasgrube...... 30 1897 Kaisrrstu�l 11....... 20 1898 Zolleru......... 45 „ Karolineiiglück...... 119 1901 König Ludwig...... 10 „ Konsolidation....... 18 1907 Reeden......... 148 Das Unglück ans„Radbod'� schlug den Rekord in der Massenvernichtnng. Es wird übcrtroffcn durch das furchtbare Unglück von Courriorcs in Frankreich. Nach jcdcni Massen- unglück ist„festgestellt" worden, daß die betreffenden Gruben- Verwaltungen keine Schuld trifft; Mißstände waren augeblich auf den Werken nicht vorhanden. Nach jedem Unglück hört man die Redewendung von dem„nnerforschlichen Ratschluß Gottes", der es zugelassen habe, daß so oder so viel„brave Bergleute" einen frühen Tod fanden. Diesmal liegt des Systems Schuld aber doch zu offenkundig auf der Hand, als daß es gelingen könnte, die öffentliche Meinung irrezuführen. Daß endlich die Quelle solcher Katastrophen nach Mög- lichkeit verstopft wird, das ist nun das wichtigste! Versammlungen. Protest gegen die GaS- und Elektrizitätssteuer erhob eine stark besuchte öffentliche Versammlung der GaS- und Elektrizitätswcrksarbciter, welche der Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter am Mittwoch nach Kellers Saal in der Koppenstratze einberufen hatte.— Der Vorsitzende des genannten Verbandes, A l b i n M o h s, trat als Referent auf. Er kritisierte den Entwurf dcS GaS- und ElektrizitätssteuergesetzeS und verwies darauf, daß die Arbeiter dieser Industriezweige erheblich geschädigt Werde», wenn der Entwurf Gesetz winden sollte. Jede Steuerbelasiung gebe Anlaß, eine Verbilligung der Produktion herbeizuführen, um die Belastung des ProduitS durch die«teuer auszugleichen. Die Vcr- billigung der Produktion geschehe aber in der Regel auf Kosten der Arbeiter. Wie sich dieser Prozeß bei der Gasproduktion vollziehen werde, lasse sich schon voraussehen. Man werde die Einführung der, neuen Kammerösen in den Gasanstalten beschleunigen und das bis- herige Rciortcnsystem abschaffen. DaS bedeute, daß der vierzehnte Teil der Gasarbeiter überflüssig werde. Auch die durch eine Be- stcuerung eintretende Verminderung des Konsums werde eine Ein- schränkung der Produktion und dadurch eine umfangreiche Ent» lassung von Arbeitern zur Folge haben. Aber nicht nur die unmittel- bare Schädigung der Arbeiter veranlasse diese, gegen das neue Steuerprojekt zu protestieren, sondern auch der Umstand, daß die Besteuerung von Gas und Elektrizität die kulturelle Entwickelung hemmen werde.— Nach kurzer Diskussion, die sich im Rahmen der Ausführungen des Referenten bewegte, wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Tie Versammlung der Gas- und ElcktrizitätSarbeitcr er- hebt Protest gegen die geplante Einführung des Gas- und Elektri- zitätssteüer. Tie Vcrsammclien erblicken in der Verwirklichung dieses Problems eine schwere Schädigung der Gas- und Elettrizitäts- Industrie. Eine solche Steuer lvürde nicht allein eine bedeutende Preiserhöhung von Licht und Kraft, sondern auch der zu ihrer Verwendung notwendigen Produtte zur Folg« haben. Eine Ein- schränkung oeS Konsums und mit ihr der Produktion wäre unaus- bleiblich. Mindereinnahmen aus diesen Beirieben würden aus die Konsumenten und produzierenden Arbeiter abgewälzt. Di« Gab- und Elektrizitätsarbeiter träfe doppelter Nachteil, und zwar als Konsumenten und Produzenten. Diese Belastung der Industrie zöge ein noch weiteres Sparen an Arbeitskräften nach sich. Arbciterentlassungen erfolgten in größerem Maße als bisher. Die Gas- und Elektrizitätsarbeiter würden also in ihrer Erwerbsquelle erheblich beeinträchtigt. In ihren Lohn- und Arbeitsverhältnissen, die so schon ungünstig sind, kämen noch weitere Verschlechterungen zur Geltung. Nus diesen, Grunde protestieren die GaS- und ElektrizitätS- arbeiter gegen die Einführung dieser Steuer und erwarten vom Bundesrat und Reichstag die Ablehnung resp. Zurückziehung des kultnrschädigendcn Gesetzentwurfes. Tie Versammelten beaustragen den Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter, dem Bundesrat und Reichstag diese Reso- lution mit näherer Begründung zu überreichen." Wetterprognose ftir Freitag, den SO. November 1908. Kühler, zeitweise heiter, jedoch sehr unbeständig mit Regen, Schnee oder Graupelschauern und ziemlich starken iiordweglichen Winden. Berliner Wetterbureau. WItter»inqsiibersicht vom 19. November 1908,»norgenS 8 Ilbr. Stationen ss te— 1 4= Igl s| Iii Wetter Swmemde 755SJSS Mamburg 753 ZW Berlin 1758 5® Iranti.il M 762 Z® lltünchen 766 a® ffi'tii 767 SO 4 Regen 7Regcn 4 bedeckt SRegcn 5 wolkig 1 Nebel tsss c* »!! I? Stationen =||| jl Z" Z Wetter tss s« »II I? wi S �avaranda 750 Still j wolkig.— 10 6'Petersburg 749 SS i 2 bedeckt j 1 5 iSciUtj' 764SSIS 5 bedeckt! 10 3! tlberdeen j760NS 3halbbd. 4 1 iBarr».763 a&S 3 brdeckt j 7 -6' I 1 1' Für ben Inhalt der Inserate übernimint die Redaktion dem Pttbltktim gegenüber keinerlei Slerantwortimg. Cbcatcr. Freitag, 20. November. Ansang 7',, Uhr. Könlgl. TchanspielhauS. Die Rabensteinerin. Deutsches. Die Revolution in Krähwinkel. K a m m c r sp I c I c. Frühlings Er- wachen. Ausang 8 Uhr. Neues Schauspielhaus. Blaue Berge. Anfang 8 Ubr. Königliches Opernhaus. Tarda. napal. Neues kgl. Operntheater. Pars. graphenschuster. Berliner. Der Beilchensresser. Neue». Ahasver. Besuch. Die Silberfischchen. Lessing. Gespenster. Westen. Der fidele Bauer. Kleines. Moral. Komisch« Oper. HossmannS Er- zählungen. Residenz. Kümmere dich um Amelie. Hebbel. Erde. Schiller O., Saliner• Theater.) Der schwarze Kavalier. Dch iin Charlottrudurg. Der Friedrich- Wtlhelmttödt. Schau- ipielhaus. AIS ich wiederkam. Wilhelui-Dheater. Die Schöpfung. Thalia. Bruder Straubinger. Luise». Eine tolle Nacht. Luitipteldaas. Madame Flirt. Triano». Die Liebe wacht. Neues Operette«. Die Dollar- Prinzessin. Berliner Operrtten-Theater SW. Havana. Gastspiel- Theater. Demtmondc. Zlnsang S'l, Uhr. Bernhard»tose. Baronin Gisela. Ansang S'/i Uhr. Bürgerl. Schauspielhaus. Aus- gewiesen. Ansang S'l, Uhr. Gebrüder Herrnfeld. Die beiden Bindelbands. Vorher: Intern. Künstler-Teil. Apollo. Eine lustige Spreewald- fahrt. Spezialitäten. Metrooot. Donnerwetter— tadel- los. Wintergarten. Spezialitäten. lvanage. Spezialitäten Kasino. Die Dianabäder. Spezia- litätm. ReichSballr«. Stetttner Sänger. Walhalla. Svezialitäien Folies-Eaprice. Die Brautfchau. Die lästige Witwe. Gustav Behrens. Echte Spree- athener. Spezialitäten. Carl Haverland. spczialiäten. Urania. T»»oe»str»he»8/49. Abends 8 Uhr: Jerusalem. Steenivartr. Jnvalideiiltr. 67/62. Heues Theater. AbendS'1,9 Uhr: tar. Besoeli. Silerfisefielien. Sonnabend: Dieselbe Vorstellnng. Sonntag: Baccarat.__ Kleines Theater. Zum erstenmal: Moral. AnsangstUhr. Sonnabend: Moral. 7de»ler lies Westens. Allabendlich 8 Uhr: Der fldelc Bauer. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Dorn- röSrheu. friölisilzti-WIIKelmKtSlltisotiös 8l!!tZU8pigIttStZ8. Freitag. 20. Nov., Ansang 8 Uhr: Als ich wiederkam. «onnabend nachm. 4 Uhr: Aschen- brödel. Abends 8 Uhr: Die zärt- tichen Verwandten. Serliner Theater. Abends 8 Uhr; Der Veüchenfresser. Neues Ojicretten-Thentet-. Schiffbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Abends 8 Uhr: Die DoHarprluzessIu. Operelte in 3 Akte» von Leo Fall. Nebbel-'l'heÄter Kvniggräher Str. 57/58. Ans. L Uhr. ikrÄ«. Ulliileiik-IIiesfss. Direltion: Richard Alexander.— Abends 8 Uhr: „Kümmere Dich um Amelie." Sonntag, 22. Nov.(Totensonntag), 8 Uhr: Ferr�ol. Schauspiel in t Allen von Sardou. Urania. Wiseenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Jerusa Bern. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr zum erstenmal: Maäarne Flirt. Luisen-Tlieater. Abends 8 Uhr: Eine tolle Nacht. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Die KünigSkinder. Abends: Die Ehre. Sonntag nachmittag: Geschlossen. Abends: Die Räuber. Montag: Die Ehre._ WIMM UM Gr. Franksurler Str. t32. AbendS S'l, Uhr: Baronin Gisela. Drama in 3 Alten v. Erich Capelle. PMF" WochentagSpreiss. Rixdorfer Theater Bergstraße 147. Sonntag(Totensonntag). 22. Nov.: Keine Vorstellung;. Montag, den 23. November 1908: 4 Bolksoorstellungzu halben Preisen: Ueber unsere Kraft. _ Ansang 8 Uhr._ Melropol-Theater Täglich 8 Uhr: Ooimlter-Wlos! Totensonntag, 22. November, abends 8 Uhr: Bustnachl. Schauspiel in 2 Akten von Rieh. 3 alle. Er. Bild n, d. Pariser Leben i. 1 Akt von O. Mättänier. November- Attraktionen� uAntjeiOVebende Bilder Die l\rdto n j. ReifenMöaffiimf louiss, Bist, PSilTV SAbC-t»'»J, - Sir-ylvhonhrl > T)it-5Li£DE5, dasmyrffribit He» Ggleman rstj.onmiFTt rtuNot- ATTJ'tS. oAPANERmuppe. ßfPö.JAflRTIN Xylophomsfen KOer Biograph.� Burleske. Musik o. l'uul Eluoke. 9.»°! Das AttraktionS- Programm und Ziegwart Gentes al» fromme Helene. Ab 1. Dezember: Mlzl tiiz.1. Passaga-Theater. Abends 8 Uhr: Das glanzende:» November-Programm» Schneider-Dunckeri RYankeeDoodleGirls, und 14 neue::::' Varidte-Attraktionen! rteinuerflsweg 19/2(1, ftosanih. Tor. Anfang S Uhr: Das neue November-Programm. Perzinam.seinen UOTieren 1 Fm Tunnel SiegimenISkapellen-c. Theaterbeiucher Hab. freien Eintritt. Steh B iler-Tlieatep. O.(Wallner-Theatcr.) Freitag, abends 8Udr! Der»rliuurzic Kuvnllcr. Ein deilticheS Spiel in 3 Allen von Heinrich Liliensein. S onnabend, abends 8Uhr: Dl« liuTlll»g«»ch«e»tvr. Sonn lag, abends 8 Uhr: Kuhul« und Elobe. Schiller-Theater Charlottenburg. Freitag, a b e n b S 8 Uhr: Der Esuilticutsg. Lustspieliii 3 Akten o.Gnslav Kadelburg. Sonnabend, nachm. 3 Uhr: «lullu» Cäsar. Jonnobenb.avenvS 8 U d r: Die Urant von ÜKesaina. Sonnlag, abenbS 8 Uhr: Der vrar von Charalul«. Lria»§eIlMZNn. bleute kreitag. den 20. November tSVS, abends prür. Tl, Uhr: Grofie auUcrordcntliche Voratcllung und um 91/,.. Lexinn der die�Jährlgou groven Drueht» / � unr. OggT" AuBStattungs-Pantoniiiue Oolo, der Seeräuber und Mädchenbändisr. 5 wunderbare Akte mit sich von Akt ru Akt steigernden, SÄ"'; Marchs« aus 100!«acht, Vorher: Gala-Programm und der Riesen-Alle Bfimbola Ein wirkuches Naturwunder. Prachtsäla des Ostens'".«-m."'- Sonntag, den KL. November 1008: —= KONZ£RT=— der Gustav Voigtschen freien Sänger-Akademie ausgeführt von 24 Damen und Herren. Zum Vortrag gelangen: Solls, Duette, gemischte und Männer- Chöre u. eine dramat. Aufführung a. d. Dp.„Iphigenie" v. Gluck. Bületts a 50 Pf. inkl. Tanz sind in folgenden Restaurationen zu haben: Rudolf Pietsch, Lübbener Straßa 1, Paul Heffmann, Oppelner Straße 47. Robert Hellriegel, Weidenweg 68, Willy Hentschel, Zomdorfer Straße 44. Ix•lipu' Bs-�alas; t/ulherstr. 22/24 Ständige Eisbahn. Von morg. 10 Uhr bis nachts 12 Uhr DM" geöffnet,"ana Großes Konzert. AbendS 9 Uhr: Auftrete» eriier Kunstläufer und -läuferinnen. ?S5Zi»ge-?Wopti!lum. Ohne Extra-Entree t Lebend! Das Lebend! KSreimeid. Simpson der lebende AmbeB der Mann mit dem Steinkörper. Neapolitanische Briganten. Panophon-Vorträge: Alexander Girardi, Otto Kcutter, CaruNoetc Alles ohne Extra-Entree i Gintritt SS Pf. Kinder, Soldaten LS Bf. Königstadt« Kasino. Hoizmarklftr. 72. Morgen und folgende Tage: Der Seekadett. Singspiel in 2 Bildern von O. Richter. Musik von Gust. Steffens. Vorher um 8 Ubr: Die November-Spezialitäte« mit Franv: 8obnnaki. Reichshallen-Theatn Stettiner Sänger Zum Schlufi neu: ljsp ÜWAüje-Sil!!. Mlit arische Humoreske von'lejael. Onf. wochentags S Uhr, Sonntags 7 Uhr. Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. 8 Uhr: Des glänzende bunte Programm. 9-/, Uhr: Großer Lacherfolg!"MD „Die Dirnisdader�. Sonntag 4 Uhr: Nick Carter. Folies Gaprice. AbendS 8 Uhr: Die Brautschau. Bunter Soloteil. Die lästige Witwe. Sonntag, den 22. November: Einmalig. GesamtgMp.u. Leit. o. William Löwe: Ais Kaubenlerehe. Brauerei Friedrielishain Am Königstor. Heute, Freitag. 17. Tag der 6t. Internationalen Ringkampf- Konkurrenz I um den Großen Preis von j Berlin— GOOU II. in bar. Heute ringen 5 Paare: Petrolf-Oulgntitn gegen Wachturotf-Rntzland. Neger Zipps-Nord-Ämerika gegen Anlonlteh-BoZnIen. Saballe-Frantreich gegen Pytlaslnski-Äarfchau. Sauerer-München gegen Van Dem-Belglen. Ferner autzer Konkurrenz z Freier Rtngtainpf, alle Griffe erlaubt: Tiberio-Spanien gegen All Dglu-Turfeflan. Bor de» Rnigkämpsen: Vo». stündlz neues Spezwlittttei,- Programm. Anfang 8 Uhr. Enlree l M Res. Platz 1,50 M Nnm. Tisch L M. XIV. Saison l Zirkus Busch. I Heute Freitag, 20. November, abends präz. Tl, Uhr: Gr. Galaabend. U. 9 11. ca: j Mensch.... Affe?! TaS vieiumstritteue Ratnr- Wunder ans Paris. Kapitän Wcbb» O dressierte I 8eelUwcn! Die tleffenis.! ferner: Herr Durkhardt-Fottit, I Schulreiter. Herr Ernst Schumann. Neudress. Math. Renz. Schulreit. Um O'l, ca.: Barbarossa!!! Sonntag, 22. Nov.: Totensor.nlag I Tl, U. Nur eine Vorstellung. Tl, m Bruckeimr. 2, a. d. Jaunowitzbrücke. Täglich Ansang 8 Uhr. Die Schöpfung. Naturwissenschaftliches Schauspiel von Pros. Job. o. Weniger. tzsLtspie!-7ksAter Köpenicker Straße 68. 8'/, Uhr; Gastspiel Hedwig Lange. Demiiiionde. 16/15* Morgen u. folgende Tage S'l, ü.: Demlnionde. Brunnen-Tlieater Badstratze 58. Direktion: Willy Voigt. Freitag, den 20. November 1908: Muttersegen oder: Die jjerlc vlm Snvoyeu. Schauspiel mit Gesang in 5 Akten von W. Friedrich. Gebrüder Herrnfelsl- Anfang ThOQfOP Vorverk. 8 Uhr. lUCfllCr. ii.g Uhr. 67 Kommandantenstr. 57. Herrnfeld3 größter Erfolg! Die beiden Bindelbands. Dazu: KUnstlerteil. Sonnabend: Fcs.vorstellung: Zum 50. Malet Die beiiSeQ Biniisüiatids. Sonntag: Einmalige Auffllhrung: Die lotste Ehre. HuiiHierer JocUcle. Künstler-Teil. Stadl-Theater Moabit. Alt-noabit 48. Größter und vornehmster Theater- saal Moabits. Sonntag, den 22. November: Schloß Greifettstein Schauspiel in 6 Zllle» von Charlotte Birch-Pscisser. Ans. d. Borst. 7. Kassenöfinung S Uhr. Konzert 6'/, Uhr. Nach der Vorstellung:«»II. Montag, 23. November: Soiree der Lustigen Säuger. V?.Z�oaekZ7ksALsr Dtreliio» Rod. Olli. Sriuuienttr.>«. Kistbllds. eiinleiitscbgzfpzgetibm Anfang 8 Uhr. Enlree St) Pf. Sonnabend, 21. Nov.: Opernabend. 20jShriges Bühnenjubiläum des Dir. Rod. Di». Gustav Behrens- Theater. Madame ColleyAshfon genannt Der weibliche Houdini nw Grosser Fcsselakt Größte Sensaiian des 20. Jahrhunderts, Ausserdem daS Eiite- November- Programm. Hchlager auf Sc!i lagert Ansang S>/. Uhr. Sonntags S Uhr. BürgsrlicliES Sciiauspioliiaus Kastanien-Allee 7—9. Zum 1. Male:*99 Ausgewiesen. SozaleS Drama von Kart Böttcher. Ansang S'l, Uhr. A v iS l Dow erStag, 3. Dezember: IV. Opernabend. Ys jTsii • T last'7heater Burgstr. 24, 2 Min. v. Bbs. Börse Täglich 8, sonntags'jß Uhr. Das glänzende November- Programm. Oer Spion!! Vendaros Wunderaffen, Mr. Carlo. Steve und Ella. Feldow Seegall. Finlay Brothers. Les 3 Soraines. Ella Vcndaro Trio. RAmbler Comp. Biographische Bilder. Die Frau mit den drei Männern. Familienkarte», wochentags halbe Preise, überall gratis. SsNSS0Uvi,»rase'" Direktion Wilhelm Reimer. Montag, Donnerstag und Sonntag: Hoffmanns und Tanzkränzche».| Einakter, Ensembleszenen. Bcg. Sonnt. 5, wochenl.8U. Totensonntag: Gr. Ver- einsjcslltchkeiliGeschlossen Mlkslm- Kasino Brückenstr. 2, a. d.Jannowitzbriicke Anfang 8'/, Uhr. Familien•Biercaitöret das nenc November-Progr. 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Branchcnangeiegcnheiten.— hl!igllell,burh legitimiert. Die Kollegen von SW. sind ganz besonders Hierzu«sngeladen. Die Bronchenkommissii 93/17 aon. Vnsnvke den Näh- und Damen- Schreibtischmacher. Montag, den 23. November, abends 8'/, Uhr» bei Kluge, Langestr 13, Erle Jruchtstraste.: Versammlung. DaS Erscheinen sämtlicher Kollegen wird erwarte!. Die Kommisfio». Vongolllei». Montag» den 23. November» abends 8 Uhr, in den Neuen Arminhallen, Kommandantonjtr. 58/59: Branchen- Bersammlnng. TageS-Ordnung: Vortrag de» Genossen Schütte über:»Römische Geschichte." 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten. KrWshe der Mujikiiillriimciiicii-Arbkiitr. Zur Beachtung! Die Vertrauensleute sämtlicher Betriebe werden ersucht, am Sonnabend, den Sl. November, abends von 7 618 9 Uhr, im VerfehrSIokal« Ädalbertstrasie 59, die Wnbllegitimationen zur SewerbegerlchtSwahl w Smpsang zu nehmen. Die Branchenleitnng. KS. Die Branchenversammlung am Montag, den 23. November er., fällt ans._ Verband der Saitler =— Orfsvenoaltung Berlin.===== Achims! Militärsattler! Ach�m! Sonntag, den 22. November, vormittags Präzise 19 Uhr, im Getverkschaftshanse, Engelufer 15 sgr. Saal): flußmrd. Branchenvcrfammlung TageS-Ordnung: t. Bericht der Vertrauensleute über die Verhandlungen mit den Arbeitgebern. 2. Unsere weitere Stellungnahme. iös/7 Kollegen! Die wichtige Tagesordnung«rsorbert, bah alle MlilSr- sattler zur Stelle sein müssen. IMe Ortsverwaltuns. Tischler-Verein-.». ävKÄ;.?"" Versammlung. Lichtbildervortrag bei Herrn R. Dledeman»!»Die sromme Helene" von W. Busch.— Unterst ützungSgesuch. igg.n ver Vorstand. fentrslverbsnä-°r Lseluieeker » Voi-�altansis.telle»eella.—, Sonntag, den 22. November, vormittags 19 Uhr, Weinstr. 11: MM- Versammlung.-WZ TageS-Ordnung: 1. Vortrag de» Genossen Alwin Körsten über: Die bevorstehenden Gewerbeacrlchisbeisiherlvahlen für Berlin. 2. Abrechnung vom SiistungS. fest. 3. VerbandSnngelegpnhciten. i>t/17 Zahlreiches Erscheinen erwartet »er Vo ratend. Arbeiler-Abslinen(en-Bunl 0sr Srettag. abends«-/, Uhr. im GcwertschaftshauS. Engeluser 15: Dortrag des Gcnosien I". R-en�ner über:. Aeien umi Miene der geistigen Arbeit. Freie Diskussion.— Kein Trinlzwang. 292,19 Zahlreichen Besuch erwartet___ Der Borstand. Am Montag, den 16. November verstarb Plötzlich mein lieber Mann. unser guter Vater, Bruder und Schwager, der Schankwirt kritz Langanke Gabelöbergerstr. 9. Um stilles Beileid bitten Die Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Freitag, den W. November, nach- mittags 2lL Uhr, vom Trauerhause aus statt. 2804b Danksagung. Für die sreundliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben MunneS, des Bäckermeisters A.nxr>«t «»-mid, sage ich ollen werten Freunden und Bekannten weinen herzlichsten Dank. 281 5b Witwe Agnes Grund geb. ManSseld. Orts- Krankeukä sie der Ztgarrenmacher, Zigaretteumacher, Zigarettensortierer und deren gewerbL Hilfsarbeiter z« Berlin. Am Freitag, den 27. November, abends 7 Uhr, findet in dm»Musiker- sälen", Katjer-Wilhelm-Str. 18m, die Geneeal- Vei-snniinluas der Arbeitgeber statt. Tagesordnung: 1. Dahl von drei VorslandSmttgliedern. 2. Wahl ekeS Delegierten zur Vorprüsung der Jahresabrechnung. 28936 A« demselben Tage und in dem- selben Lokal findet abends 8'/, Uhr die«eneeal- Ven,aini>»Ians der Arbeitnehmer statt. Tagesordnung: 1. Bericht beS Vorstandes. 2. Bericht des Rcndanten. Bericht über de: ..-HI standsmitgliedern sowie Ersatzwahl 3. Bericht über den Krankenkassen- kongreß. 4. Neuwahl von sechs Bor- sllr ein ausgeschiedenes VorüandS- Mitglied. 5. Wahl von zwei Dele- gierlen zur Vorprüstmg der Jahres- abrechnung. 6. Stellungnahme zu dem ablehnenden Bescheid des Cber. Präsidenten betreffs Aenderung der Kassenbeilräge. AM- Nur die am 13. November 19K gewählten Delegierten haben Zu- tritt. EinladnnaSlarle legitimiert. Idee Vorstend. Grand- Hotel- Festsäle Am Alexanderplalz... 0. tehmNvd. decken Sonntag, Dienstag und Donnerstag: � Wilh. Wolkls Homdurzer Sänger. ♦ Anfang Sonntags 7 Uhr, wochentags 8 Uhr. Eintritt 30 Pfennig. 2I61b+ VorzngskarteD haben wochentags Gültigkeit. »www■ I I wwwwwwwwwwwwwwwwww« Bekanntmaehanc- Orts- Krankenkasse NrKt« bei Verlin. Am Montag, 23. November, abends 8'/, Uhr, findet die oFdentllcbe General-Versammlang der Vertreter der Arbeitnehmer und Arbeitgeber im Rcataurant A. Raddatz. Britz, Chauaseestr. 39, statt. Tagesordnung: 1. Neuwahl von einem Vorstands- Mitglied der Arbeitgeber und zweien der Arbeitnehmer. 2. Ersatzwahl sur cht Vorstandsmitglied der Arbeitgeber. 3. Wahl des PrüsungSauSschusseS. 4. Feststellung eines Vertrages durch die Versammlung. 5. Verschiedenes. Der Vorstend. 279/17 Behrend._ Orts- Krankenkasse der Stellmacher. Freitag, den 27. November 1908, abends 8'/, Uhr, in DräselS Festsälen, Neue Fried: ichstr. 36: «rdoiitltel»« lZeaeral-VersammIoiig. Tagesordnung: I. Bericht des Vorstandes. L. Neuwahl von drei Vorstand». Mitgliedern(einen Arbeitgeber, zwei Arbeitnehmer). 8. Wahl von drei Nevisoren zur Prüfung der Ja hreSrechnung 1 908. t. Stellungnahme zu der beschloffenm Stalutenabaiiderung- 5. Verschiedene Kasienangelcgen» heilen. Der Borstand. 279,16 Y. A.: F. teaewekl. M\m Ärlifilter- üailfalirär-IfereiB" RUglied de» Arbellev' Ziadsahrer-Vunde» .OolidarttSt«. Touren zum Sonntag, den 22. November. 2. Abt. 1'/, Uhr: JörSsetde. Start: gontanepronienade 15. 3. Abt. 1 Uhr: Neuer Krug. Start: Mariannenplatz. 4. Abt. 1 Uhr: Streiszüge durch den Ollen, Endziel Baumschnlenwcg (Zabangs. Start: Küilriner Platz. 6. Abt. 2 Uhr: Kartoffel- u HeringS- tour, Ober-Schöneweide(DobSlaw). Start Elysium. 6. Abt. VI, Uhr: Heiligenseer Schweiz(Gruber). Start:Oderberger Straße 28. 7. Abt. 1 Uhr: Streiizüge durch den Norden. Endziel Reinickendors- West(Schllllngstrake 1, Wicke). In den Wintennonaten werden die Touren an den Tafeln»KöSIiner Hos" und Grenzstrabe 21 bekannt- gegeben. 13/29 8- Abt. 1 Uhr: Bernau(Elysium). Start: Waldstraße 8. Abt. I1/, Uhr: Martendorf. Start: Schilllngstr. lS/lk. 19. Abt. 1'/, Uhr: Wannsee (Fürstenhos). Start:»eberfflr. 17. SollMeiiilllli'al. ffahM für den IBerllserReictistägswatillireis. Landsberger Viertel. Bezirk 376, Teil II. i Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unser Genosse, der Gastwirt kriedneb Langanke GabetSbergerstr. 9 gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Freitag, 20. November, nachm. 2'/. Uhr, vom Trauerhause aus nach dem Zentral-Friedhos in FriedrichSsclde swtt. Um rege Beteiligung ersucht 222,14 vor Vorstand. Wanil der freien Gast- und Zahlstelle Berlin. Bezirk HL Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 16. November der Kollege rrledrfcb Langanke GabelSbergerftr. 0 verstorben ist. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet heute Freitag, 29. November, nachm. 2'/.. Uhr, vom Trauerhouse au§ nach dem Zentral- Friedhos in FriedrichSsclde statt. Um rege Beteiligung ersucht 51/3 Tie Ortsverwaltung. Sozialdemokratischer WalilYereiii für den 6. Xnrhruf. Am 14. November verstarb unser Mitglied, der Arbeiter Karl Alwart Neue Höchste. 3. Ehre seinem Andenke« t Die Beerdigung bat amDonnerS- tagnachmittag aus dem Begräbnis- platz der DanleSgememde in Ret- nickendors statigesuoden. 23116 Der»erstand. Verband d. baugewerblichen Hilfsarbeiter Deutschlands. Zweigverein Barlin n. Umgegend. Bezirk Weddlng. Nachruft Durch die Prolelarierkiankheil verschied der Kollege Wilhelm im 45. Lebensjahre. 131/15 Er war ein pflichtgetreuer Kollege, deffen Andenken wir stets m Ehren halten werben! Der ZwetgvereinSvorftanv. Hoher Neben¥enlienst! Wer nbci nimfnt ben Berhieb hocheleganter Weihnaohtsgeschenkartikel an Plwate. Beamte, Kollegen usw.? Sonntag, Zwickau I.8.. Glauch. Str. St. Steiadruekep n. verw. Berufe. Mitgliedschaft Berlin. Filiale der Litbograpben. Am 13. November 1908 verstarb unerwartet unser Mitglied, der Lithograph (iottlod Ksjokr im Alter von 44 Jahren. Ehre seinem Andenken 1 292/18 Die Verwaltung. ZeotraMeM der Maurer Deutschlands. Zwcigverelu Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. Den Mitgliedern zur Nachricht. dah unser Kollege Karl Hartftel am 17. November nach langem Leiden verstorben ist. 149/6 Ehre seinem Rudenke»! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 21. November, vormiltag» 11 Uhr, aus dem Städtischen griedhos in Friedrichs- >elde statt. Um rege BeteMgnng ersucht Der SektionSvorstand. Todes-Zlnzeige. Am Montag, den 16. November, starb mein lieber Mann, unser guier Vater, der Maurer «Johann Knoll im 51. Lebensjahre. Die Beerdigung findet heute Freitag, den 29. November, nach. mlllagS 3 Uhr, aus dem neuen tatbolischen Kirchhos(Mariendors) statt. 61120 Frau Jolianna Knoll nebst Kindern. Kranz-, Bukett- u. Birlandonbinderei. Palmenarrangements, VereinskrAnzu werden gel» mackvoll und billig aus- gesührt. 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IS u 15 000, 51 4 10 600, 98 4 ÜOOO, 1393 4 3000, 2X31» 1690, 3234 a 590. Berlin. Für den Jiiseraienseil veraiitw.: Th. Glocke� 10. Ziehung 5. Kl. 219. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 19. NbTcmbcr 1908, nacbrolllagt. Nur die Gewinne über 240 Mark sind den betreffenden Nummer« in Klammern belzetiigt. (Ohne fiew-Shr.)(N'aeMruek verboten.) 837 571 079 85 770[500] 816 99 1085 618 9 1 70 1 953 2130 322 577 96 729 3265 377 67«[3000] SSO 4273 420«21 708 13 813 991 5020 119 458 615 71 950 6123 206 41 97 337 430[1000] 39 539 7 282 820 433[500] 703 44 50 80 82 8581 601 773 840 SO 9223 428 813 103C9 92 631 731 82 903 1 1421 89 12215 501 71 74 13029 319 28 467 90 820 910 1 4105 271 876 501 23 908 23 39 15231[lOOO] 423 97 705 901 22 78 16319 88 78 401 «25 81 752 61 73[30001 830 56 1 7017 133 615 053 60 18335 4SI 810 57 914 1 9216 55 83 SU 77 608 666 20031 IOC[1000] IS 592 644[500] 835[500] 975 21083 IST 360 503[1000] 41 05 630 13 823 60 71 22120[590] 393 [500] 433 537 83 862 2 3 251 486 320 71 867 913 63 2 4II71 [500] 140 299 317 483 892[500] 88 2 5 226 378 424[50OJ 55[1000] 858 878 2 631» 600 813 2 7118 359 569 619 58 984 2 8102 2 7 38[1900] 245 567 057 29124 65 257 59 608 67 87[1000] 623 67 727 829 77 93 30218[500] 21 482 772 88 910 60 3 1 037 168 203 377 401[1000] 897 755 943 3 2135 82» 92[500] 599 627 80 761 3 3070 220 29 83 319 120 33 539 64: 718 97 856[500] 34071 142 353 424 40[500] 875 929 3 5169 201[500] 4 328 673 703 871 36139 88 263 92 838 408 898 3 7 278 513 34 548 76[1000] 879 3 8053 189[500] 206 33 402 777 926[500] 39004 14 93 238 890 586 621[1000] 704 11 4O006 114 313 50 531 663 970 89 4 1 335 93 420 542 601 [5000] 66[1000] 758 820 42:23 76[ 3000] 403 703 865[500] 43614 92 228 4 9 658 87 4416«|3000] 815 17 61 749 912 4 5 010 138 376 91 455 585 7.11 94 871 994[500] 46)00«43 536 653 703 824»85[5001 47077 205 433 573 632 53 66 747 81[390] 913[500] 48003[3000] 125 521 483 624 707 89 979 49597 656 711 5O0U 297 98 424 73 537[500] 51583 721 SIS 998 5 2013 61 243 541 641[1009] 755 854 88 980 5 3281 534 749 SU 54 416 17 30 98 509 18 721[500] 55016£80 682 859[506] 912 76 56021 215 311 437 34 654 637 737 96 [1000] 819 5 706 1 731 973 5 8026 251 89[1009] 304 5,9 901 81 5 9040 247 99 543 43 63 703[1000] 10 866 929 50 «001)7 123[1000] 262 7« 43$ 8«)> 6 1 373 I!«4 752[500] 83 6 2:)75 170 83 600 4 3 54 89 831 993 6 3072 154 495 551 672 800 8 4136 86[5090] 586 646 735 6 5 023 185[500] 473 691 76 4 871 66036 141 341 83 405 COS 39 97 67296 401 661 635 60 6 8)30 272 313 34 605[301,5] 784 894 93 925 SO 69174 867[.,00] 103 38 515 891[500] 976 70036 73 259[1000] 500 828 7 7[3000] 7101« 7» 103 425 613 31 7 2031 230 43 538 624 702[500] 802[1000] 73 012 687 807 911 74080 209 405[500] 89 346 68 96 [10001 799 884 90 7 7 5 0 48 59[ 500] 248 454[500] 815 987 76040 82 269 513 663 70! 803 7 7251 617[500] 715»29 7« 78825 7 9222 632 1 30,-9) 800 17 80211 991[lOOO] 81041[3000] 57 115 804 459 65 783 971 82122 47 55[lOOO] 65 480 7 7 370 709 83 8 3053 530 61 89 873[500] 84026 33 43 193 462 98 514 748 8 3017 829 44 574 85 724 919 8 6 217[8000] 316[500] 550 80 829 62 77 87050 245 869 614 678 774 8 8063 02 141 716[3000] 89031 397 415 711 868 73 9O036 294 650 769 866 930 69 81 9 1 608 787 9 2019 27 68 131[1000] 82 388 504 68 603 95 716 Sil 93105 21 281 811 453 68 9 4007 49 238 610 14[300] 28 88 936[ 3060] 95053 237 318 39 47[3000] 78[5000] 572 755 96133[lOOO] 44 553[XOOO] 545 765[500] 830 9 7028 52 2)9 304 511 33 77 726 825 914 27 98004 72 182 254[1000] 354 547 761 94 945 96 flftieS 241[.lOOfll 161 63« 15 74««11 65[500]!>67 92[ 500' 1OO029 32 82 88 102 295 357 520 611 49 867[500] 928 1 01182 313.113 30 523 HOOG) 633>500] 96 729 871 102079 84 173 281 833 765 75 57 823 885 1 03047 235 739 894 802 57 1O4210 347 582 671 1O506S 134 68 297[500] 440.[lOOO] 869 901 6(1 106105 II 277■(' 1 624 735 895 1 0 7336 555 C3» 783 45 Sil 939 1 08149 848 [500] 63 472 688]!060l 752 88» 663 1 09110 245 67 [3000] 91 377»5 763 952[ 500] 11O008 34[30001 37 483 557 83 650[500] 111123 89 411 88[500] 112316 21 13000) 4M 954[500] 113078 184 842 923 114113 40 15 218|r>00] 68 801 43 450 736 887 115242 413 866 060 116012 40 73 470 613 43 93 759 891[500] 117308 30 527 59 118415 541 722 627 906 90 119"« 43« 95[500] 572 603 879 12 0229 649 970 72 1 21196 639 628 754 87 1 2 2072 106(1000) 415 23[7000] 668 93 713 89 909 1 26983 [3000] 280 452 523 657 93 807[500] 60 932 1 24)59 76 220 21 983 1 25110 29»M 417 621 70[3000] 836 69 068 1261)67 509 607 53 SÄ! 007 1 27 230 325 531[309] 631 734 1 28064| 500] 187 335 5Ü4 730 801[590] 70 129016 78»40 64 649 122 990( 30001 130485 953 131463«90 973 1 32197 4 8 302 50 57[51)0] 457 72[1000] 73 657 55 713 864 1 3390:1 118 225 1 34045 162|600| 35t»02[lOOO] 747 830 938 1 3 5078 301 1500] 355 69 83 87 467 521 III SO 948 1 38179 60 537 606[500] 71 13 7009 64 SO 215 42 54 56[3000] 332 83 424 45[500) 513 698 974 77[3009] 13 8032 229 307 52 85 453 1 39068 119 SS» 67 140203 SO 318[SCO] 45.1 63 141112 33»79 P5' 673 725 874 9?1 1420.00 101 88 SM 510 67 1 43 044 258! 651 613 707 901 11 81 15501*41023 156 290 559 C61 773 9M«3 14. 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Druck u. Verlag:Borivart» Buchdruckeret u. Berlagsanstalt Paul Singer Sc Co.. Berlin SW, 3. Keilnzc i>cs.Amilrls" Knlim WsM Freitag. 20. Dovember 1908. sreitag, öen 2S. llovemder: Lese- unä vizkutier-übenä slir stauen in den bekannten Lokalen. Sonntag, üen 21, november von 8 Uhr früh an fiugbjattveedeeituag für die zum von den Bezirkslokalen aus. Partei- Kngelegenbeiten. Rixdorf. Heute, Freitag, den 2(X November, abends S'/a Uhr findet bei Felich, Knejebeckstrabe 48/-19 eine öffentliche Wähler- Versammlung für den Ib und 12, jloiiiiiiuiialwadlbe�icl statt, in welcher Sladiverordneter Genosse T h u r o w über die Ausgaben der Sozialdeinolratie im Sladtparlament ceserleren wird. Tie Einberufer. Sonntag. den 22. November. nachmittags 2'/, Utir, findet im ?bealer von Rixdorf die vom Bildnngsansfchnh arrangierte Theater- Vorstellung mit der Aussübrnng„Nora" stall.' B>lletlS sind nur noch in beichräulter Zahl in der Parteiipedition. Neckarstr. 2 zu haben.— Der Vortragsabend am Montag, den 23. November, abends 8'/, Uhr, vom Genossen Max Griinivald fällt wegen der Stadt- Verordnetenwahl an diesem Abend aus. Steglitz» Friedenau. Aus das Wintersest, das der Steglitzer Wabloerein am morgigen Sonnabend im Rheiiischlosz in Friedenau Veranstaltet, verweisen wir hierdurch noch einmal die Genossinnen und Genossen. Um das Beiianiniensein zugbich für die Belebung der Franenagitalion auszunutzen, wird Genossin Luise Ziey eine Anspiache hallen. Der künstlerische Teil des ProgrnininS liegt in den Händen bcwäh>tcr ilräfie: der Konzersängerin Säte Völker- l i n g, deS Pianisten Leo Kestenberg und des Vortrags» Meisters Fritz Richard. Der Eintrittspreis beträgt 80 Pf. Trebbin. Am Sonnabend, de» 21. November, abends 8 Uhr. bei Wolf: WahlvcrcinSversaunnlnng. Tagesordnung: 1. Kasse und Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Abrechnung vom 8. Quartal. i. Parteiangelegenheilen. 4. Fall Rexhäuser. Nieder- Schönhausen. Am Sonntag, den 22. d. MtS.. früh 8 Uhr, findet eine Flugblativerbreilung und Agiialion für den .Vorwärts" von den Bezii kslokalen aus statt. Der Vorstand. Franz.-Buchholz. Am Sonntag. den 22. November, findet eine Handzetlelvcrbreitung über den ganze» Bezirk stall. Die Genossen werden ersucht, sich Punkt ö'/a Uhr bei Kähne, Berliner Straße SS einzufinden.______ Berliner JVachriebten. Kcssclexplosion in den B. E.-W. Mittwoch, nachmillag» gegen b'/, Uhr. platzte auS noch nicht aufgellälter Ursache in dem Sesselhause der Berliner ElektristtätS- Werke in dem Hofgebäude ein Rohr des Röhrenkcssels Nr. 8. während sich der Kcffel in vollem Betriebe befand. Der Dampf strömte auf die Feuerung und brach durch die Feuertür sowie durch die Roste noch den im drillen Slockwerl liegenden Aschsalltüren hindurch und verbreitete sich rm Kessel- sowie im Aschsallraum, am schärfsten an- scheinend im letzteren. Hier tras er den etwa vier Meter von der Aschfalltür entfernt stehenden 27 Jahre alten Heizer Friedrich Willig aus Rixdorf. warf ihn zu Boden und verbrühte ihn der- art, daß er beim Auffinden bereits bewußtlos war. Der vor der Feuerung des Kessels stehende und sie bedienende öS Jahre alte Heizer August Schöneig, Alt-Moabit 3S wohnhaft, erlitt nur leichte Brandwunden an Händen und Füßen und rettete sich durch einen Gang zwischen Ueberhitzer und Kessel nach dem Treppenhause, welche» zur Luisenslraße führt. Der 27 Jahre alte Heizer Franz Brachlow und der Heizer Gustav Starke II, welche Himer den Kesseln 3 und 4 arbeiteten, versuchten sich dadurch zu retten, daß sie über eine durch den Aschfallraum führende Berbindungslreppe des Treppenhauses, welches zum Schiffbauerdamm führt, zu er- reichen trachteten. Hierbei kamen sie in den ganz mit Danipps angefüllien Aschfallraum und erlitten schwere Verbrühungen am ganzen Körper. Die 27 Jahre beziehungsweise 24 Jahre alten Heizer Hermann Kolberg und Hugo Elsner, der letztere in Treptow wohnhaft, welche Kessel 1 und 6 bedienten, trugen leichtere Verbrühungen der Hände, Füße und des Gesichts davon. Durch die Gewalt der ausströmende» Dampf- und Wassermassen wurden Ziegel- steine aus dem Kessel- in den Aschfallraum gerissen. Das Wasser selbst stand dort stellenweise 20 Zentimeter hoch. Die Verunglückte» wurden durch Angestellte der Berliner Elektrizitätswerke sowie durch Mannschaften der von den Werken alarmierten Feuerwehr im KraukcnlranSportwagen des Verbandes für erste Hilfe gebettet und der CharitS zugeführt. Hier konnte bei Wittig nur noch der eingetretene Tod festgestellt werden. Seine Leiche wurde beschlagnahmt und dem Schauhause überwiesen. Brachlow, Starke II. Kvlberg und Elsner fanden in der Charitö Aufnahme. während Schöneig. dessen Verletzungen leichter waren, nach Anlegen von Verbänden nach seiner Wohnung entlasten werden konnte. Brachlow ist im Laufe des Abends gegen S'/g Uhr ebenfalls seinen Verletzungen erlegen. Seine Leicke ist in der Charitö verblieben. Die Verletzungen deS Starke II sind sehr schwer.. Kolberg und Elsner werden nach Ansicht der Aerzte vermutlich das Krankenlager überstehen. Der beschädigte Kessel Nr. 3 wurde gegen 10 Uhr abends durch den Gewerbeinspekior besichtigt und bis zur endgültigen Unter- suchung durch den Danipfkesselreviflonsverein gesperrt. Kinder im Dienste deS„KeuschheitSbundeS". Aus unlerem Leserkreise wird unS geschrieben: „Als ich mit einem Bekannten am letzten Sonntag 8 Uhr abends in einem Automatenrestaurant in der Potsdamer Straße saß..be- traten zwei Kinder im Alter von sechs bis sieben Jahren das Lokal. um Traktate und Einladungen zu einer christlichen Bersaminlung aus den Tischen auszulegeir. Aus Befragen erklärten die Kinder, daß sie gewöhnlich den Sonntag dazu benutzen, um diese Arbeit zu verrichten. Es wirft gewiß ein bezeichnendes Licht aus diesen sogenannten KeuschheitSbnnd für junge Männer(Weißes Kreuz), Steglitzer Straße 71, Seitenflügel 1, wenn er Kinder, noch dazu in einem solch jugendlichen Alter, an den Sonntagen in den Abendstunden von Lokal zu Lokal sendet, um den Beivohnern des Westens den KeufchHeitsgedanlen beizubringen I Es gehört eine große Portion Heuchelei dazu, Keuschheit zu predigen und andererseits Kinder dazu zu benutzen, die Traltätchen in Bierlokalen auszulegen oder direkt an die Gäste zu verteilen. Die Gefahren, denen hier die Kinder ausgesetzt w.cden, sind un- ermeßlich. Dazu kommt, daß es am letzten Sonntag erheblich kalt war und die.Kinder über keine Ueberkletder verfügten. Wie lange soll dieser Unfug dauern?_ Weihnachtsmarkt. Gemäß Z 21 der Polizeiverordnung vom 12. Juni 1833, betreffend den Vertehr auf den Berliner Jahr- und Weihnachlsmärkten, in der Fasjung der Polizeiverordiiuug vom 24. November 1005, findet der diesjährige Weihnachtsmarkt auf dem Arkonaplatz und dessen Umgebung sowie in der Warschauer Straße l"on der Revaler Straße bis zur Frankfurter Allee) und in der Petersburger Straße statt. Der Markt beginnt am 11. De- zcinbcr und dauert bis zum 27. Dezember einschließlich mit der Matzgabe, daß am 28. Dezeniber. früh 8 Uhr, sämtliche Buden und Verkaussvomchtungen von den Straßen und Plätzen fort- geschafft sein müssen. Los von der Kirche! Am Bußtag stand im„Berliner Lokal. Anzeiger", just in jenem Blatt, in dem Hofprediger und andere Altarstützen für blanke Zivanzigmarkstücke ihren fromnien Senf abzulagern pflegen, der folgende Schinerzensschrei eines Geistlichen, von Freundeshand beschützt, zu lesen: „Ich suche für meinen Freund eine Lebensgefährtin. Der selbe, ein hochangesehenerGeistlicher, leidet schwer unter diesem Beruf und wünscht sehnlich, ihn mit einer freien Tätigkeit zu vertauschen. Eine durch und durch selb- ständige, sympathische Natur, künstlerisch hoch begabt, gemütvoll und feinfühlig, dabei großer Natur- und Sportfreund, erfolg. reicher Schriftsteller. Welche junge Dame von Herz und Geist, innerlich wie äußerlich unabhängig, reicht ihm die be- freiende Hand? Man wende sich in völligem Vertrauen auf peinlichste'Diskretion an Dr.(folgt genaue Privatadresse)." Eine Ratte verläßt das sinkende Schiff! Oder es ist ein in seinen Beruf Hincingezwungener, der nun auS eigener Kraft vom schivarzen Rock nicht los kann. Mutz er dazu wirklich erst eine reich« Partie machen? Eine durch und durch selbständige Natur sollte allein den Rückweg zur geistigen Freiheit finden. Bei so vielen Talenten kannS doch nicht fehlen. Milchpreiserhöhung. In einer am Montag, den 16. d. M., in Kellers Festsäten. Koppenstr. 29, stattgefundenen, von annähernd 1500 Milchhändlern und Molkereibesitzern Groß-BerlinS besuchten Versammlung wurde eiustimniig folgende Resolution angenommen: „Die heutige ösfeutlrche Versammlung der Milchhändler und Molkereibesitzer von Groß-Berlin erklärt, daß eS angesichts der hohen Pachtpreise und der enorm gestiegenen Unkosten dem Milchhandel nicht möglich ist, bei dem Preise von 20 Pf. für reelle Vollmilch seine Existenz aufrecht zu erhalten, und daß es deshalb eine zwingende Notwendigkeit ist, an dem früheren Befchlufse, 22 Pf. ab Laden und 24 Pf. frei HanS, festzuhalten." Die Zahl derjenigen Miichhäudler, die bisher noch unter diesem Preis verkauften, scheint nicht gering zu sein, sonst hätte eS doch einer Wiederholung des schon vor Jahr und Tag gefaßten Be- schlusjeS nicht bedurft. In der Tat verkaufen zahlreiche aus der Umgegend kommende Milchhändler ihre Milch unter 24 Pf. das Liter. In dem Artikel„Der Armrnsarg"(Nr. 270 deS„Vorwärts") ist die Andeutung gemacht worden, daß von Freistellen gelegentlich die Kränze bald nach der Beerdigung verschwinden. Dies bezieht sich, wie vom Verfasser des Artitcls gern versichert wird, nicht etwa auf eine zu vermutende Unehrlichkeit der Friedhossarbeiter. Viel- mehr ist eL allen Leuten, die in Kirchhofsangeleg�uheiten Erfahrung haben, bekannt, daß frische Kränze sehr häufig von dritter Seite, also von außen her, entivendet werden, um sie abermals zu ver» taufen. Insbesondere war an Arbeiter des Zentralfriedhofes in Friedrichsfeld« nicht entfernt gedacht worden. Jedenfalls aber sind Personen vorhanden, die ihre Kränze bald nach der Beerdigung vermißt hoben. Leider haben eS dieselben unterlassen, den Verlust bei der Fricdhofsverwaltung anzunielden, da sie sich hiervon doch keinen Erfolg versprachen. Daß man es nicht gern sieht, wenn Kränze mit in die Gruft geworfen werden und dort verbleiben, ist jedem Fachmann bekannt. Die unmittelbar auf und neben dem Sarge liegenden Kranzspenden modern sehr schnell in der feuchten Erde und wirken aus leicht gefügtes Sargholz ungünstig ein. Auch ein Senken des Erdreiches ist zu befürchten, wenn sehr viele Kränze nachgeworfen werden. In einem Falle der letzten Zeit wurde den Angehörigen aus ihre Frage, wo die Kränze bleiben, aus- drücklich gesagt, daß dieselben über den Pfahl zu Haupte» deS Hügels zu legen seien. Niemand fühlte sich, obwohl fünf Kirchhofs- angestellte dabei waren, berufen zu dom freundlichen Zugeständnis, daß die Kränze, was die Angehörigen sehr gern gesehen hätten, mit in Gruft hinein könnten. Auch wird man fast stets bei Armen- beerdigungen sehen, daß die Armcnsärge keinerlei Kranzspenden tragen. Die Angehörigen tragen solche in der Hand und legen sie an der Gruft nieder. Der Glaube, daß man in dieser Beziehung beschränkt werde, ist eben allgemein verbreitet. Sollte es neuer» dingS gestattet sein, die Kränze mit in die Gruft zu legen, so wäre das mit Rücksicht auf das der Armut doppelt zukommende würdige Verhalten erfreulich. Wir werden diesen Verhältnissen fortan be- sondere Aufmerksamkeit widmen, betonen aber, daß unsere höchst berechtigten Ausführungen über die Behandlung der Armut im Todcssalle durchweg auf ganz andere Stellen gemünzt waren als auf Friedhossarbeiter, die nur den ihnen erteilten amtlichen Weisungen nachkommen._ Eine polizeiliche Entschuldigung. Wir berichteten vor einiger Zeit über ein Erlebnis, da» der Ge- noffe O. Hammerschmidt anläßlich seiner Anwesenheit in Berlin mit der Polizei hatte. Bekanntlich wurde H. in aller Herrgottsfrühe auS dem Bette heraus verhaftet und nach der Polizei geführt. Dort stellte sich heraus, daß man den Genossen H. mit einer anderen Person verwechselt hatte. H. beschwerte sich über dieses Verfahren. Weil er aus seine erste Beschwerde keine Antwort erhielt, richtete er eine zweite an den Polizeipräsidenten. Die Antwort, die H. erhielt. lautet folgendermaßen: Der Polizeipräsident Berlin C., den 10. November 1908. Abteilung 1. Tageb. Nr. L 6715. 08. Auf Ihre Beschwerde vom 21. Oktober 1908 erwidere ich Ihnen, daß Ihre Festnahme am Morgen deS 6. September d. I. zwcisellos ei» Mißgriff sciteus des hiesigen 26, Polizeireviers gewesen ist. Dieser Mißgriff ist dadurch verursacht worden, daß das Signalement eines von der Königlichen Slamsaiiwallschaft in Köln erlassenen Sieckbriefes, wie Sie selbst anerkannt haben, im allgemeinen ans Ihre Person paßte. Ich kann unter diesen lim- ständen den in Betracht kommenden Beamten einen Vorwurf nicht machen, sondern muß mich darauf beschränken, Sie zu bitten, dieses bedauerliche Vorkommnis mit dem Zusammentreffen zu- fälliger lluislände zu entschuldigen. Au den GeschäftSsührer Herrn Otto Haninierschmidt(Name unleserlich) in Braunschweig. Nach Lage der Sache konnte zwar der Polizeipräsident nichts anderes mehr tun, als sich entschuldigen! allein die Beamten des 26. Reviers, die die Verhaftung aussührten, hätten sich genauer vergeivissel» müssen, bevor sie zur Verhaftnug schritten.'Und dann brauchte es auch nicht gerade früh um 4 Uhr zu sein. Uebrr die Ursache deS ZusammenstoHes zweier Stadtbahnzllge auf dem Bahnhof Jannowitzbrücke teilt die Eise.ibahndireklion fol- geiides mit: „Durch die Untersuchung deS Eisenbah-nunfalls auf Bahnhof Jannowitzbrücke am 17. November d. I. ist festgestellt worden, daß die Schuld an dem Vorkommnis den Siglialwärter trifft. Dieser hatte das AuSfahrsignal für den Zug 2721. das infolge der Mit- Wirkung deS Zuges nach Verlassen der isolierten Schienci. strecke selbjttätig auf Halt gefallen wäre, irrtümlich vorzeitig auf Halt gestellt. Um dieses Versehen Wieoer gutzumachen, hat der Signal- Wärter alsdann unerlaubte Eingriffe in das Blockwcrk gemacht und es hierdurch soivie durch sein weiteres fahrlässiges Verhalten ermöglicht, daß der folgende Zug 1521 in den noch vom Zug 2721 besetzten Streckenabschnitt einfuhr und auf den vor diesem liegen- den Zug auffuhr. Die vielfach geäußerte Annahme, daß die elektrischen Block- einrichtungen versagt hatten, trifft hiernach nicht zu." Wer liest den„Vorwärts"? Ucber den Lehrer Fischet von der 23 2. Knaben-Gemeindeschule(Glogauer» st r a ß e) hatten wir in Nr. 265 gemeldet, daß er an Schüler seiner Klasse die Frage gerichtet habe, wessen Eltern den„Vorwärts" lesen Hierzu hat Herr Fischer uns einen Brief übersandt, in dem er klagt: „In diesem Artikel finden sich einige Sätze, die recht ge« hässiger Natur sind. Das ist um so betrüblicher, als die Mit- teilnng, auf die sich Ihr Artikel stützt, völlig aus der Luft ge- griffen ist. Die Schule hat nichts mit„der Parteien Haß und Gunst" zu tun, und niemals ist es mir eingefallen, die Frage: „Wer liest den„Vorwärts"?" zu stellen. Eine Umfrage in meiner Klasse hat ergeben, daß niemand von„einem Aushorchen der Kinder bezüglich der.,VorwärtS"-Lektüre" etwas weiß. Ich muß Sie deshalb bitten, Ihre Auslassungen zu widerrufen." Als„völlig aus der Luft gegriffen" wird die Sache jetzt Herrn Fischer selber erscheinen, das glauben wir ihm gern. Aber das Gedächtnis von Lehrern ist manchmal ein bißchen kurz, das hat man schon öfter beobachtet. Gerade solche überflüssige Fragerei und Rederei wird von ihnen selber sehr rasch wieder ver- gcssen, vielleicht deshalb, weil sie sie wirklich nicht so ernst meinen, wie einzelne Kinder und deren Eltern sie nehmen. Herr Fischer beruft sich zu seiner Rechtfertigung auf das Ergebnis einer U m. frage, die er in seiner Klasse, als unsere Notiz ihm bekannt- geworden war, veranstaltet habe. Wir haben unS erzählen lassen, welches Verfahren er bei dieser von ihm so genannten„Umfrage" befolgt hat. Man sagt uns, er habe zunächst vor versammelter Klasse ärgerlich erklärt, das sei ja gar nicht wahr, was da im„Vor- wärtS" stehe, hinterher habe er an die Klasse die Frage gerichtet, ob es etwa wahr sei, und nun habe der ganze Chor ihm zugestimmt, eS sei unwahr. Herr Fischer scheint in solchen„Umfragen" noch wenig Erfahrung zu besitzen, sonst müßte er wissen, daß in einer Angelegenheit, die den Lehrer selber betrifft und ihn sichtlich ver- drießt, leider die meisten Schüler nur das zu ant- Wortenwagen. waSihrerMeinungnachderLehrer erwartet. Zu beachten ist auch, daß die Frage:„Wer liest den „Vorwärts"?" nur einer Minderheit der Schüler des Herrn Fischer bekannt sein kann. Herr Fischer hat in einer Pause diese Frage an«ine Gruppe von Schülern gerichtet, die noch in der Klasse zu» rückgebliebcn war. Herr Fischer läßt sich nicht genügen an dem Versuch, sich uns gegenüber zu rechtfertigen. Er glaubt, noch ein übriges tun zu sollen, und schließt seinen Brief so: „Der Redaktion möchte ich aber den guten Rat geben, Schüler» aussagen, selbst wenn sie von parteieifrigen Vätern mitgeteilt werden, recht vorsichtig zu behandeln. Im übrigen wäre es mir sehr angenehm, den Namen Ihres mitteilsamen Gewährsmannes zu erfahren." Der hier ausgedrückte Wunsch, den Namen unseres Getvährs- manneS zu erfahren, ist ein bißchen sehr naiv. Herr Fischer wird sich seine Neugier schon verkneifen müssen. Anch den„guten Rat", den er uns gibt, hätte er sich sparen können. Daß Schüler» aussagen mit Vorsicht aufzunehmen sind, wissen auch wir, und vielleicksi wissen'» wir sogar besser als mancher seiner Kollegen. Lehrern fällt dieser gute Rat gewöhnlich erst dann ein, ivenn Schüleraussagen sich gegen sie selber richten. Wie oft werden in Schulen über Schüler Strafen verhängt, die sich auf Aussagen ihrer Mitschüler stützen! Wie oft wird von Lehrern über Eltern ein absprechendes Urteil gefällt, das sie sich lediglich nach Mit» teilungen der Kinder gebildet haben I Viele Urteile der Lehrer über die Eltern werden von diesen als ebenso„gehässig" empfunden, wie Herr Fischer unser Urteil über die nach„Vorwärts» Lesern forschenden Lehrer als„gehässig" empfunden hat. Uebrigens läßt Herrn Fischers Anspielung auf den„Partei- eifer" der Väter uns vermuten, daß doch auch er von„der Parteien Haß und Gunst"(so zitiert er. nicht ganz wortgetreu nach Schiller) nicht frei ist. Wenn er meint, daß dl« Schule mit solchen Stimmungen nichts zu tun habe, so möchten wir i h m den„guten Rat" geben, hierüber mal unter seinen Kollegen eine„Umfrage" zu veranstalten. AuS der Unglückschronik. Ein aufregender Unglücksfall hat sich vorgestern nachmittag an der Ecke der Waldenfer- und Wald- straße zugetragen. Der Maurer Karl Mabrat, Krumme Straße 88, fuhr auf seinem Zwcirade, von der Waldenfer Straße kommend in die Waldstraße hinein, und er versuchte noch kurz vor einem herannahenden Automobilomnibus den Fahrdamm zu kreuzen. Er geriet mit der Maschine an den Kraftwagen heran, wurde um- gerissen und das Hinterrad des Autobusses ging ihm über den Kopf hinweg. M. erlitt einen schweren Schädelbruch und wurde in bedenklichem Zustande in das Krankenhaus Moabit gebracht.— Vom Automobil der städtischen Straszenreinigung überfahren und schwer verletzt wurde vorgestern abend der Buchhalter Bruno Ehr- Harb vom Nürnberger Hof. E. war im Begriff gewesen, cm der Ecke der Friedrich- und Mohrenstraßc den Fahrdamm zu über- schreiten, als der Kraftwagen in ziemlich schnellem Tempo heran- gefahren kam. Da in dem gleichen Moment noch zwei Droschken den Kreuzungspunkt passierten, so war es für E. nicht möglich, dem Automobil auszuweichen; er wurde umgerissen und das schwere Gefährt ging über ihn hinweg. In besinnungslosem Zustande schaffte cm Schutzmann den Ucberfahrenen nach der Unfallstation in der Kronenstratze, wo der Arzt schwere innere Verletzungen und Verstümmelungen des Kopfes feststellte. Nach Anlegung von Notverbänden wurde E. in bedenklichem Zustande in das Kranken- Haus Moabit eingeliefert.— Bei einem verhängnisvollen Unglücks- fall hat der 43 Jahre alte Arbeiter Ernst Schubert den Tod ge- funden. Sch. war die Treppen des Hauses Heidcstratze b3 hinauf- gestiegen und im vierten Stockwerk angelangt, trat er fehl, verlor das Gleichgewicht und stürzte rücklings in die Tiefe. Er zog sich einen schweren Schädelbruch zu und starb nach wenigen Minuten. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Eine Petroleumscndung in Flammen. Ein grosses Lösch- anfgcbot der Berliner Feuerwehr wurde gestern nachmittag kurz nach 4 Uhr infolge mehrfachen Alarms nach dem Schlesischen Güter- bahnhof in der Mühlenstrahe gerufen. Als die Züge dort eintrafen, stand ein mit Petroleumfässern voll beladener Eisenbahnwaggon in hellen Flammen. Nach halbstündigem Wassergeben war der Braud erstickt. Bon der Petroleumladung konnte jedoch nichts mehr ge- rettet werden. Der Waggon brannte bis auf die Eisenteile nieder. Ueber die Entstehungsursache ist noch nichts festgestellt. Der Güterzug war erst um 3 Uhr auf dem Schlesischen Güterbahnhof eingelaufen. Die Pelroleumladung kam aus Galizien und war für eine Berliner Firma bestimmt. Der Gesangverein„Rote Rose" lM. d. A.-S.-B.) veranstaltet am Sonntag, den 22. d. M.(Totensonntag), in Joseph Frankes Festsälen. Badstr. IS, ein Vokal, uno Jnstrumentalkonzert unter gütiger Mitwirkung von Mitgliedern des Sinfonie-Orchesters(Dir.: Maxim. Fischer). Der Eintrittspreis beträgt im Vorverkauf 0,30 M., an der Kasse 0,40 M. Fcuerwchrbcricht. Die Berliner Feuerwehr wurde am Bußtage nachts um 1t Uhr böswilligerweise nach der Schlossbrücke alarmiert. Der Täter war bei der Ankunft der Feuerwehr geflüchtet. Um 8 Uhr abends mußten zwei Brände in der Ritterstr. 94 und Koch- strasse 24 gelöscht werden. Aus den Höfen der beiden Grundstücke brannten Kisten. Stroh. Papier und anderes. Kellerbrände wurden gestern aus der Oranienstr. 130a, Reichenberger Str. 102 und anderen Stellen gemeldet. Stroh. Holz, Kisten usw. brannten dort. Die Schöncberger Feuerwehr hatte eine volle Stunde in der Bahnstr. 64 mit solch einem Kellerbrande zu tun. Der neunte Berliner Löschzug wurde wegen einer Benzinexplosion nach der Linkstr. 27 alarmiert, wo bei Ankunft der Wehr Autoreifen brannten. Fenster. Türen usw. beschädigt waren. Ferner halte die Wehr Prinz-Eugen-Straße 12. in der Königgrätzer Str. 62. Landsberger Str. 114, in der Lauben- kolonie.Berg und Tal". Schönhauser Allee 63. Birkenstr. 67, Sparrstt. 1 und anderen Stellen zu tun. Watten. Wäsche. Kleider, Möbel. Schaldecken. Lauben, Kartons. Späne und anderes wurden bei diesen Bränden ein Raub der Flammen. Vorort- ptodmcbtern Lichtenberg. AuS der Stadtverordnetenversammlung. Die Stadtverordneten hatten eS seinerzeit abgelehnt, die Linienführung der Straße 71 aus dem ehemalig Dottischen Gelände nach dem Vorschlage des Magistrats zu genehmigen, daitir ober einem Vorschlage aus der Mitte der Versammlung ziigestimmt. In der letzten Sitzung teilte nun der Magistrat der Versammlung in einem Schreiben mit, daß er wohl dem Beschlüsse beigetreten sei. aber nur. um nicht die rechtzeitige Fertigstellung damit zusammenhängender Bauprojekte für Schul- bauten zu gefährden. NamenS unserer Genossen verwahrte sich Stadtv. Grauer gegen diesen Borgang, der einer Vermahnung, ja einer Rüffelimg der Stadlverordnelen sehr ähnlich sehe und verwies den Magistrat unter Beifall der Versammlung auf den gcschäftsordnungSmässigen Weg. Der erste Bürgermeister wollte die dem Magistrat unterstellte Absicht nicht gelten lassen.— Nachdem einige Festsetzungen von Kostenverteilungspläncn über Neu- Herstellung von Bürgersleigen im Sinne de» Ortsstatuts die Zu- stimmung gefunden, kam folgende Interpellation Schachtel und Genossen(Grundbesitzervereinler) über die geplante Hochbahn in der Fran kfurter Allee zur Besprechung:„Was gedenkt der Magistrat zu tun. um zu verhindern, daß bei der in Aussicht ge- noninienen Fortführung der Untergrundbahn vom Alexanderplatz durch die Frankfurter Allee dieselbe als Hochbahn weiter geführt wird. Ist der Magistrat entschlossen, eventuell den Austritt der Stadt Lichtenberg aus dem VerkehrSzweckverband anzukündigen, wenn die Stadt Berlin der Fortführung der Untergrundbahn als Hochbahn durch die Frankfurter Allee zustimmen sollte?" Stadtv. Schachtel wies aus die Gefahren hin. die dem Osten in seiner EntWickelung bei Verwirklichung des HochbahnprojekleS drohen. i �Die nach Blättermeldungcn vom Oberbürgermeister Kirschner gemachte Bemerkung, daß die erhobenen Einsprüche ein- seitige Grundbesitzerinteresse» wahren sollten, lehnte der Redner entschieden ab und empfahl dem Magistrat, eventuell von einem Beitritt zum Zweckverband Abstand nehmen zu wollen. In der folgenden Besprechung gab zunächst namenS des Magistrats Stadt- baurat Kuipping die Erklärung ob, daß der Magistrat in allen Stadien der Entwickelung nachdrücklichst die Interessen des Ostens und im besonderen die Lichtenbergs zu wahren sich bemüht habe. Leider sei der letzte Einspruch des Magistrats bei der Gesellschaft für Hoch- und Untergrundbahn nicht einmal einer Antwort ge- würdigt worden. Eine andere Frage aber sei eS, ob eS zweck- dienlich fei. daß schon heute zu dem letzten Mittel, Fern- bleiben von dem Zweckverband, gegriffen werden müsse. Die Frage müsse reiflich erwogen werden. Stadtv. Heckert(Soz.) erklärte namenS seiner Freunde die nachhaltigste Unterstützung zu dem Be- streben, an Stelle der Hochbahn eine Untergrundbahn zu schaffen. Die Frage des Austritts aus dem Zweckverband müsse er als undiskutabel erachten. Stadtv. Grauer(Soz.) schloß sich den Aus- führungen des Stadtv. Heckert an und brachte dann in längeren Ausführungen die ganze Unzulänglichkeit und Schädlichkeit der Bcrkehrspolitit, wie diese durck die Privatgesellschaften getrieben werde, zur Sprache. Besonders betonte der Redner die Vernachlässigung des Osteirs gegenüber dem Westen und ermahnte den Magistrat. mit den Nachbargemeinden aus Ausbau oder Schaffung neuer Verbindungen unter einander und mit der Hauptstadt in eigener Regie in Unterhandlungen zutreten. In der Frage der Uniergrundbahn verlangt Graner nicht nur deren Fortführung bis zum Bahnhof Lichtenberg, sondern darüber hinaus durch Friedrichsfelde nach Biesdorf bezw. dem Magerviehhof. Ein solches Ziel fei aber nicht durch Austritt aus dem Zweckverband, sondern durch energisches Vertreten solcher Forderungen im Zweckverband zu erreichen.— Die Berichterstattung in der Frage des Kranken- Hausbaues in einer„geheimen" Sitzung haben unsere Genossen nicht zu verhindern vermocht. Beschlossen wurde, die von der ge- mischten Kommission empfohlenen Anträge an die Kommission zurückzuverweisen und diese zu beauftragen, neue Verhandlungen aus Grund neuer Offerten, soweit es sich um die Bauplatzsrage handelt, anzuknüpfen! Arbeiter-BildungSschule Berlin. Wegen plötzlich eingetretener Erkrankung des Lehrers, Genossen Grunwald, muß heute abend der Unterricht in Nationalökonomie ausfallen. Charlottenburg. Zur Jahrhundertfeier der preußischen Städteordnung fanden sich gestern die Vertreter der Stadtverordnetenversammlung, des Magi- ItratS, ferner die Ehrenbeamten und die besoldeten Beamten der Stadt nebst den Vertretern staatlicher Behörden zahlreich im Fcstsaal des Rathauses ein. Die Festrede hielt Herr Stadtrat Professor Dr. I a st r o w. der in rethorisch vollendeten Ausführungen die Be- dentung de? Freiherrn vom Stein für das Zustandekommen der Städteordnung hervorhob, ans die wesentlichen Merkmale des Selbstverwaltungsrechts der Gemeinden einging und an einigen Beispielen den Fortschritt zeigte, der so gut auf dem Gebiete der Armenpflege, des Schulwesens, als in bezug auf die Erfüllung sozialer Aufgaben nur dem regen Eifer der sich selbst verwaltenden Gemeinden zu danken sei. Etwas gezwungen klang es, als der Redner auf das harmonische Zusammenarbeiten staat- licher und städtischer Behörden hinwies. Die Gegenwart und die jüngste Vergangenheit haben diese Harmonie oft genug vermissen lassen. Nach der Festrede hielt noch der Oberbürgermeister eine kurze Ansprache, bei der der Redner die von den städtischen Körper- schaften zu diesem Städteordnungs-Jubiläum geschaffenen Stiftungen öffentlich bekannt gab. ES wurden gestiftet 50 000 M. für einen dem Gedächtnis des Frhrn. v. Stein gewidmeten Brunnen auf dem Steinplatz und 100 000 M. zur Errichtung einer Frhr. v. Stein- Stiftung, aus deren ZinSerträgiiissen bedürftige und würdige An- gehörige und Hinterblieben� städtischer Ehrenbeamte unterstützt werden sollen. Wilmersdorf. Bei den gestrigen Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung der dritten Abteilung sind die von nnS aufgestellten Kandidaten leider mit 200 Stimmen den vereinigten bürgerlichen Parteien gegenüber in der Minderheit geblieben. Während auf diese 1360 bis 1430 Stimmen entfielen, erhielten unsere beiden Parteigenossen Riedel und West phal 1201. und 1194 Stimmen. Wir sind. somit den Gegnern hart auf den' Fersen und hoffen, daß wir bei den nächsten Wahlen, auch wenn die ungerechte Listenwahl beibehalten werden sollte, die Mehrheit erhalten. Die Wahlbeteiligung war bedeutend schwächer als vor zwei Jahren. Damals erhielten die bürgerlichen Kandidaten 1700 bis 2500 und unsere Kandidaten im Durchschnitt 1400 Stimmen. Friedrichshagen. Die gegenwärtige politische Lage besprach in einer gut besuchten Versammlung am Busstag Genosse Dr. Oskar Cohn. Redner entwarf in markanter Weise ein Bild von den letzten Ereignissen und übte schneidende Kritik an dem Verhalten der bürgerlichen Parteien gegenüber dem persönlichen Regiment. Durch ihren Berfall bewies die Versammlung am Schlüsse des Referats, daß sie sich mit den Ausführungen voll und ganz einverstanden erklärte. Einstimmig wurde die den Protestversammlungen der vorigen Woche vorgelegte Resolution angenommen. Mariendorf-Südende« In einer gtitbesuchtcn öffentlichen Sersammlimg referiert« am Dienstag im Lokale„Zum alten Askanier" Genosse K a l i S k i über das Thema:„Köpenick und Jena". Dem Referenten wurde während und am Schlüsse seiner Ausführungen reicher Beifall gezollt. Die Ver» sammelten nahmen hierauf folgende aus der Mitte der Versammlung ein- gegangene Resolution einstimmig an:„In Erwägung, dass die heutige Politik unserer Regierung die Masse des Volles immer mehr in Ge- fahr und Elend bruigt, verspricht die heute am Ort tagende Ver- sammlung, mit aller Macht dahin zu wirken, dass das persönliche Regiment beseitigt wird und der arbeitenden Klasse die Rechte im Parlament eingeräumt werden, welche eS zu beanspruchen hat." Nachdem noch die Genossen R e i ch a r d t und S u ck e r einige ört- liche Angelegenheiten zur Sprache gebracht, wurde die imposant ver- laufene Versammlung geschloffen. Stralau. Der Gesangverein„Vorwärts Vl" veranstaltet am Sonntag, den 22. November, abends 6 Uhr. in den Markgrafensälen, Markgrafen- dämm 34. einen UnterhaltungSabend. Da genannter Berein stets bei allen Parteifestlichkeiten mltgewirkt, ersuchen wir die Genoffen um rege Beteiligung. Pankow. Bei der am Dienstag stattgcfundenen Gewerbegerichtswahl der Arbeitnehmer wurde, da Gegenkandidaten nicht aufgestellt waren, die Kandidaten des Gewerkschafiskartells gewählt. Von 905 eingeschriebenen Wählern üblen 320 ihr Stimmrecht aus. Bei der Arbeitgeberivahl siegte die Liste der Gegner. Wären unsere Arbeitgeber aus dem Posten gewesen, so hätte ein Kandidat durchgebrach« werden können. Die hcliographische Verbindung Potsdam— Sperenberg bei Jüter- bog, die vom geodätischen Institut des Potsdamer königlichen Obser- vatoriums eingerichtet wurde, ist bereits in das Versuchsstadiuin getreten. Aus der höchsten Erhebung deS 78,5 Meter hohen Speren- bergeS wird ein Steinpfeiler errichtet, auf dem die heliographischen Instrumente besesligt werden. Die Luftlinie der Verbindung beträgt 32 Kilometer. Die Verbindung wird durch Sonnenspiegel her- gestellt und gleicht der bereits bestehenden Heliographenstatlon aus den Müggelbergen, die auch mit dem Potsdamer Observatorium durch Leuchtsignale in Verbindung tritt. Ein Versuch hat sich als erfolgreich erwiesen. Potsdam. Den Bau einer Warmbadeanstalt verlangen die gesamten hiesigen Aerzte. Die Flussbadeanstalten sind mit einer Ausnahme alte, primitive Einrichtungen, die drei Privatanstollen mit Wonnenbädern genügen nicht im mindesten den hygienischen Ansprüchen. Die Stadlverwaltung hat aber dazu kein Geld, trotzdem dieses Projekt schon 25(I) Jahre besteht und bereits schon einmal eine Rate von 70000 M. bei einer Anleihe mit aufgenommen wurde. Es soll jetzt '/j Million Mark kosten, wobei mit Rücksicht aus den Charakter der Sradt als Residenzstadt ein Hauptgewicht auf die äussere Ans- geftaltung gelegt werden soll. Man will nun auf einen Wohltäter warten, der(vielleicht in weiteren 25 Jahren) mal ein Kapital zur Verfügung stellt. Zur EinziigSfeierlichkeit deS Prinzen am 23. November sind aber bereits schon wieder städtische Mittel be- willigt worden._ Serickts- Leitung. Wilhelmshavener Polizei. Am Montag hatten sich vor der Strafkammer des Landgerichts in Aurich der Wilhelmshavener Polizeikommissar Balser. der Wachtmeister Evcrs von dort und ein früherer Schutzmann wegen vorsätzlicher Körperverletzung, begangen im Amt. zu verantworten. die sie in den Jahren 1904 bis 1906 begangen hatten.— Unser Banter Bruderorgan kritisierte vor etwa zwei Jahren schon ein- mal das Auftreten der Wilhelmshavener Polizei, als diese beim Transport von Ausländern ohne ersichtlichen Grund von der Waffe Gebrauch gemacht und einen Ausländer schwer verletzt hatte. Da den polizeilichen- Aussagen damals solche von Personen, die den Vorgang nur von weitem gesehen hatten, gegenüberstanden, er- folgte die Bestrafung deS betreffenden Redakteurs zu 1000 M. Geldstrafe. Während vor Gericht der Kommissar die ihm zur Last gelegten Vergehen bestritt, gab der Wachtmeister zu, in zwei Fällen Sistierte geschlagen zu haben. Zum Beweise dafür, dass er einen Verhaf- teten nicht vorschriftswidrig behandelt habe, leistete sich der Herr Kommissar folgende Erklärung:-Bcl der Verhaftung waren viele i Werftarbeiter zugegen; diese stehen mit dem„Norddeutschen Volks« blatt" in enger Verbindung, das der Polizei gern eins auswischt. Da kein Artikel in dem Blatt darüber erschienen sei, kann ich mich also gar nicht vergangen haben." Seine Anwesenheit auf der An- klagcbank führte der Beamte auf Rache früherer Schutzleute zurück. Die Zeugenaussagen ergaben, dass das Verhältnis der Be- amten untereinander ein solches wie Hund und Katze war. Ein Schutzmann erklärte, daß Schlagen oder Rütteln von Verhafteten etwas Alltägliches sei. Von einem Gefangenenaufseher war zu Protokoll erklärt, dass auf der Wache wohl die Einlieferungsscheine von Gefangenen in mehreren Exemplaren mit einem gleichen Ver- Haftungsgrunde ausgefüllt würden, obwohl derselbe nicht immer zuträfe, und bann nur unterschrieben würden. Auf die Frage des Vorsitzenden, warum die Zeugen Uebergrlffe des Kommissars nicht dessen Vorgesetzten gemeldet hätten, erklärten sie, daß sie bann ge- schuhriegelt worden seien. Eine beim Landrat eingereichte An- zeige habe dieser für unwahr erklärt; da ihm auch die ganze Sache unangenehm war. habe er ihnen ein Schreiben vorgelegt, worin die Anzeige zurückgenommen wird. Da ihnen Straffreiheit zu- gesichert war, unterschrieben sie, erhielten später jedoch einen Verweis.. �• Der Staatsanwalt legte dar, es sei erwiesen, daß der Kom- missar sich tn drei Fällen Uebergriffe schuldig gemacht habe, indem er Verhaftete geschlagen habe. Ebenso sei festgestellt, dass der Wachtmeister einen Verhafteten und einen Jungen auf der Strasse geschlagen habe. Unter Annahme mildernder Umstände beantragte er gegen elfteren 350 M. Geldstrafe, gegen den letzteren 95 M., den Mitangeklagten früheren Schutzmann beantragte er freizusprechen, da-oessen Teilnahme an Misshandlungen nicht erwiesen sei. In seiner Berteidigungsrede stellte der Herr Kommissar die Belastungszeugen(alles Schutzleute) teils als roh, verlogen und mit notorischer Gedächtnisschwäche behaftet hin. Einer von ibnen habe als Sittenschutzmann mit Huren verkehrt, mit seiner Frau das Hurenhaus besucht und mit dem Wirt Wein getrunken. Um die Aussage dieses Zkugen vollständig unwahr erscheinen zu lassen, bemerkte der Angeklagte schliesslich, die beiden Brüder deS Zeugen seien Sozialdemokraten! Der Vorsitzende rügte solche Verteidi- gungsmittell' Der Wachtmeister erklärte zu feiner Verteidigung, dass er sich laut einer Entscheidung des Strafsenats für berechtigt gehalten habe, den detreffenden Jungen, der auf feine Verwar- nungen nicht gehört habe, zu schlagen. Nach längerer Beratung ging das Urteil des Gerichts dahin, dass der Angeklagte Balser wegen Vergehens gegen die 340 und 74 des Strafgesetzbuchs in zwei Fällen zu 220 M. Geldstrafe, der Angeklagt« Evers wegen derselben Straftaten in zwei Fällen zu 60 M. Geldstrafe verurteilt sei. Bruns wurde freigesprochen. Die ungeheuer milde Strafe ist insbesondere gegenüber der bewiesenen Feigheit und Roheit der Straftaten auffallend. Wird nunmehr die Regierung und der Landrat endlich aus Aenderung der empörenden Polizeiverhältnisse in Wilhelmshaven dringen? Nochmals die Spielautomaten. Die Frage, ob der Betrieb der Spielautomaten den Tat- bestand der gewerbsmässigen Glücksspiele enthält, ist immer noch nicht geklärt. Je nach den Feststellungen, die ein Landgericht trifft, entscheidet auch daS Reichsgericht bald so, bald anders, was sich au? der Natur des Rechtsmittels der Revision ergibt. Vor kurzem bestätigte, wie wir mitteilten, der 4. Strafsenat ein Urteil des Landgerichts Leipzig, welches freigesprochen hafte, weil als er- wiesen angesehen wurde, dass die Gäste deS fraglichen Lokale? diejenige Geschicklichkeit besitzen, um daS Spiel nach Wunsch zu lenken. Am Freitag unterlag nun demselben Senat ein Urteil des Landgerichts Chemnitz vom 5. Juni zur Prüfung, durch welches der Fabrikant des Spielautomaten„Ideal", A. in Frankfurt a. M., und zwei Gastwirte verurteilt worden sind. Der entscheidende Satz des Urteils lautete: Die grosse Mehrzahl der Spieler befaß nicht die Geschicklichkeit, zu gewinnen.— Die Revision der drei An- geklagten wurde mit dem Hinweis auf die Unanfechtbarkeit der tatsächlichen Feststellungen verworfen. Polizeiwidrige Trinkgelage. Eine eigenartige Polizeiverordnung, so schreibt man ans Halle a. S., besteht für das Städtchen Löbejün. Dort duldet die Polizei kein„Trinkgelage" der Arbeiter m Fabriken usw. Weil nun eines Tages acht Arbeiter je 20 Pf. zusammengesteuert und da- für ein Fässchen Bier<12Vz Liter) zur Vesper gewunken halten, schickte die Polizei jedem ein Strafmandat. Das H a l l e f ch e Landgericht sprach jedoch die acht polizeiwidrigen Trinker frei.— Solche Polizeiverordnung entbehrt durchaus der Gültigkeit._ SittlichkeitSv erbrechen. Di« Strafkammer in HildcSheim verurteilte am Dienstag den Opernsänger Wilhelm Rieke, der seinerzeit einer Zheatergefellschaft angehörte, die in Goslar gastierte, wegen Sitt» lichkeitSverbrrchen zu neun Monaten Gefängnis. Er hatte in GoSlar unter allerlei Vorwänden ein elfjähriges Mädchen auf fein Zimmer gelockt und sich dort in sittlicher Beziehung an ihr vergangen. Eue der framnbewegung. Franenrcchte und Sozialdemokratie. Laut Programmsatz fordert die Sozialdemokratie„Abschaffung aller Gesetze, welche die Frau in öffentlicher und prwatrechtlicher Beziehung gegenüber dem Manne benachteiligen." Nach der letzten Bernfszählung sind ungefähr 8 Millionen Frauen und Mädchen in Deutschland erwerbstätig beschäftigt. Diese Zahl befindet sich zurzeit in aufsteigender Linie. Berichte vom Arbeitsmarkt der Grossstädte beweisen, dass in den letzten Monaten das Angebot der Frauenarbeit gestiegen ist; dies bewirkt ein Sinken der Arbeitslöhne im allgemeinen. Die gesetzliche Rechtlosigkeit der Frau und deren dadurch gross- gezogene Schüchternheit und Bescheidenheit liefert der kapita- listischen Gesellschaftsklasse billige und willige Arbeitskräfte. Die weiblichen Arbeitskräfte haben leider ihren Wert im Warenerzeu» gungsprozess noch nicht erkannt, sonst würden sie sich nicht derartig schurigeln lassen, wie es heute geschieht, sondern sie würden, sich in Gewerkschaften zusammenschließen, vereint Recht und Anerkennung von der Gesellschaft erzwingen. Der bestehende Zustand hindert die Arbeiterklasse in ihrem Emporstreben in wirtschaftlicher und geistiger Beziehung. Aus diesem Grunde fordert die Sozialdemo- kratie die wirtschaftliche und rechtliche Gleichstellung der Frau und die Schaffung eines wirklichen einheitlichen und freiheitlichen Ver- cinS- und Versammlungsrechtes. Dem Vereins, und Versamm- lungsrecht muß das gesicherte Koalitions, und Streikrecht folgerü Wohl gewährleistet der§ 152 der Gewerbeordnung das Recht der Vereinigung zwecks Erlangung günstiger Lohn- und Arbeits- bedingungen. Doch wird den Arbeiterinnen dieses Recht sehr oft durch Vorgesetzte in der'Fabrik oder übereifrige Beamte der ösfent» lichcn Ordnung verkümmert. Sind doch Arbeiterinnen direkt von der Ortsbehörde aufgefordert worden, sich ihr Eintrittsgeld, welches (Ü WfuWIBfctfe Vit Ho�arbeit«Lttva>S gtzaHlt hatte«, zurück. zuholen, weU eS ungesetzlich sei, daß Arbeiterinnen sich organi. sierten. In einer Spinnerei machte ein Meister den Arbeiterinnen folgenden Vorschlag: Sie sollten doch lieber die Verbandsbeiträge ihm(dem Meister) zur Aufbewahrung übergeben, damit dafür im Sommer ein Ausflug und im Winter eine Theatervorstellung arrangiert werden könne, dann hätten sie(die Arbeiterinnen) doch wenigstens etwas fürs Geld. Einer Witwe, die ihre Kinder schlicht und recht ernährte, drohte die Behörde, ihr die Kinder zu nehmen und in Fürsorgeerziehung zu geben, weil sie— dem sozialdemo- kratischen Textilarbeiterverband angehöre. Diese Fälle lassen sich um viele mehr registrieren. Die Betätigung der Frau wird will- kürlich erschwert von allen jenen, die in der Beteiligung der Frau eine Gefahr für den dreimal heiligen Geldsack erblicken. Die Teilnahm« der Arbeiterin an den wirtschaftlichen Kämpfen gur Erringung von menschenwürdigen Arbeitsbedingungen, zur Erhöhung des Lohnes und Verkürzung der Arbeitszeit, ist aber eine zwingende Notwendigkeit im Interesse der gesamten Arbeiterschaft. AuS diesem Grunde fordert die Sozialdemokratie die rechtliche Gleichßelling der Frau, sowie den freien Gebrauch aller jener Waffen, die heute dem Manne im Klassenkampf zur Verfügung stehen. Rur wenn die Frau ungehindert sich persönlich an allen Fragen des wirtschaftlichen Lebens beteiligen kann, wird auch ihr Interesse für öffentliche Angelegenheiten und politische Massnahmen erwachen und wachsen; und dieses Interesse wird den Klassenkampf fördern. Darum erheben wir immer aufs neue die Forderung: Her mit dem freien Koalitions- und Streikrecht für die Arbei- terinnen! Versammlungen— BeranstaltuugeNl Teresa für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Jugend» Abteilung. Sonntag, den 22. November, nachm. 6 Uhr, im .Gewerkschaftshaus', Engelufer IS: Vortrag und geselliges Beisammensein. Gäste willkommen. Leseabende. 6. Wahlkreis. Freitag, den 20. November, abends 6Vi Uhr, an folgenden Stellen: t. Abt. bei Klaust, Schönhauser Allee ISS. 2. Abt. bei Kranz, Dunckerftr. 8. 3. Abt. bei Schade, Kopen» Hagener Strasse 74. 4. Abt. Lei Leppin, Brunnenstr. 30. 5. Abt. bei Hübner, Wattstr. 7. 6. Abt. bei Schölzel, Boyen» strasse 12.' 7. Abt. bei Lamprecht, Putlitzstr 10. 8. Abt. bei Stark. Waldstr. 8. 9. Abt. bei Funke. Triftftr. 63. 10. Abt. bei Glawe, Liebenwalder Strasse 4. 11. Abt. bei Franke, Bad» strasse 19. Der Leseabend für die 11. Abteilung findet nicht, wie am Mittwoch augegeben, bei Matz, Wiesenstr. 27, statt, sondern, wie heute mitgeteilt wird, bei Franke, B a d st r. 19. Pank-w. Freitag, den 20. November, 8� Uhr. bei Abendroth, Mühlcnstratze 31. Wilhelmsrnh-Nieder-SchSnhausen-West. Heute S Uhr bei Barth, Dlktoriastr. 7. Stralau. Heute bei Käser, Markgrafendamm 11. Vermischtes. Ueberschweummngen in Siiditaliea. Nach einer Meldung aus Rom sind dort aus Sizilien und Süd- Italien Nachrichten über schwere Verheerungen eingegangen, die durch Regengüsse verursacht worden sind. Aus Catania wird ge- meldet, dass in Riposto mehrere Häuser eingestürzt sind. ES sind Verluste an Menschenleben zu beklagen, zahlreiche Familien sind obdachlos. Fast alle Fischerbarken wurden zerstört. Die Eisenbahn- Verbindungen zwischen Catania und Syrakus sowie zwischen Catania und Messina sind unterbrochen. Einige Personen- züge liegen auf der Strecke, doch droht dem Leben der Reisenden keine Gefahr.— In Messina sind die öffentlichen Gärten überschwemnit, der Eisenbahnverkehr ist unterbrochen. In Casal- vecchio sollen einige Menschen umgekommen und mehrere Häuser eingestürzt oder schwer beschädigt sein.— AuS Syrakus kommt die Nachricht, dass hundert Reisende infolge der Ueberschwemmung auf dem Bahnhofe von Priolo eingeschlossen sind. Hilfswagen sind dahin abgegangen.— Ein Telegramm aus Reggio di Calabria besagt, dass in Melito mehrere Häuser eingestürzt sind. Auch in Reggio selbst ist einer Blättermeldung zufolge ein Haus eingestürzt. Eine Person ist tot. eine andere verletzt. In Siveno ist eine Fischerbarke gescheitert, zwei Insassen ertranken. Weitere Rachrichien aus dem Innern Siziliens und KalabrienS besagen, dass die durch die letzten Regengüffe verursachten Wer- heerungen ausserordentlich gross sind. Grosse Besitzungen wurden verwüstet und zahlreiche Häuser zerstört. Die Zahl der Toten schätzt man aus 12, die der Verletzten auf 200. Fast alle Bauern aus dem flachen Laude stehen ohne jede Hilfe da. Truppen und Polizei- Mannschaften mit Lebensmitteln und Medikamenten sind unterwegs. Eine spätere Meldung aus Giardini, Provinz Messina, besagt: Die Ueberschwemmung richtete auch in hiesiger Gegend grossen Schaden an. Mehrere Häuser sind eingestürzt oder beschädigt. Vier Personen kamen dabei ums Leben, zahlreiche wurden verletzt. Der Schaden ist sehr bedeutend. Auch in den benachbarten Dörfern ist der angerichtete Schaden erheblich; die Eisenbahn«. Post« und See- Verbindungen sind unterbrochen. Gewölbeewstnrz im Hammerhausener Tunnel. Au» Hagen wird amtlich gemeldet: An dem bis auf das Gewölbe abgetragenen Hammerhausener Tunnel zwischen Schalksmühle und Brügge(West- salen) stürzte gestern morgen gegen 9 Uhr das Gewölbe auf sieben Metern Länge ein. Personen find nicht verletzt. Nach näherer Untersuchung ist anzunehmen, dass infolge Tauwetters nach vorher« gegangenem Frost Felsmassen an den Böschungen sich gelöst und das Gewölbe durchschlagen haben. Zur völligen Sicherung der Züge erscheint eS geboten, das Gewölbe und weitere Mafien abzutragen. Infolgedessen mutz die Strecke mehrere Tage für den durchgehenden Verkehr gesperrt werden. Der Personenverkehr wird dadurch aus- rechterhallen, dass von der Arbeitsstelle nach Brügge(Westfalen) ein Omnibusverkehr für Personen und Gepäck auf Kosten der Eisenbahn« Verwaltung eingerichtet ist. Der Güterverkehr wird umgeleitet. Explosion in einer Gasanstalt. Mittwoch vormittag erfolgte, wie der.Vogtländische Anzeiger' auS Reichenbach i. V. meldet, im Retortenraume der Gasanstalt eine Explosion, durch die drei Gas- arbeiter getötet, vier schwer und fünf leicht verletzt wurden. Weiteres grosses Unglück wurde durch baS schnelle Eingreifen deS GaSdireltorS Selling verhütet, der den Haupthahn sofort abdrehte. Selling, ebenso wie der GaSdirektor Frische erlitten schwere Ver- letzungen. Die Explosion entstand bei der Reparatur einer Retorte. Die Leiche eines Gasschlossers wurde erst nach zwei Stunden unter den Trümmern hervorgezogen. An dem Aufkommen der Schwer« verletzten, die im Krantenhause untergebracht sind, wird gezweifelt. Der durch die Explosion entstandene Brand hat keine grosse Aus« dehnung genommen. Eine furchtbare Scharlachepidemie wütet einer Meldung au» Beuthen zufolge, in dem benachbarten Neudorf. Fast in jedem Hause liegen Kranke. Die Stcrblichkeitsziffer hat eine erschreckende Höhe erreicht. In einem Hause starben vor wenigen Tagen dreiKinder und am Dienstag erlagen wieder zwei Kinder der Familie Thomas der tückischen 5krankheit. Die Behörde sinnt auf außergewöhnliche Mittel, um der Epidemie entgegenzutreten. Der Bahnasflstent als Kasscndiev. Nach einer Meldung auS Kaiserslautern, wurden die in der dortigen Güterkasie am 8. Noveniber gestohlenen 22 000 M. in der Wohnung des Verhasteten Eisenbahn- assistenten Busch vorgefunden. «lmtlicher Marktbericht der städtischen Marktballen-DIreMim über den Grogbandcl in den Zentral-Marktliallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr stark, Gcschäst schleppend, Preise sür Fresser, Kälber und Schwein« nachgebend, sonst unverändert. Wild: Zusuhr reichlich, Geschäsl ziemlich ledhast, Preise besriedigend. G c s l ü g e l: Zusubr in Gänsen über Bedarf, sonst nicht ausreichend. Kelchäst still, Preise in Gänsen gedrückt, sonst gut. Fische: Zuiuhr mäsjig, Geschäst etwas lebhafter, Preise wenig oerändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unvcrändrt. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zusuhr genügend, Geschäft ruhig, Preise wenig verändert. BSasterftandS. Nachricht»» der Landesanslast für Gemäss erkiinoe, mitgeteilt von» _ Berliner Wetlerbureau. 0+ bedeutet Wuch».— Fall.—•) Unterdeael.—*) Ei S stand.— 1 Eisfrei,— oberhalb von Thorn Eisstand.--°j RandeiS.—«) Grundeis» «) Treibeis. Ißw noch kurze Zeät! Grosser iusverkauf wegen baulicher Veränderung, vertagt*ob der Feuerpolizei 8h» fo lange Borrat tüdsL echt chinesische Ziegenfell« t» crae, weite, weif. DW moi brau nb&rl erbig<% A • 10, 8.50, 6.75 und W■. H Angora-Lammtelle| eohneewels«. beaondert rn locblg und langhaarig, 80X1 75 gross, 10,50 u.%ß m, E«kt elbirtscbe IV Alf e 4|ftl50 ■dt Kopf u. GsMes{l� u ■ 30, 25, 20, 18»nd VCaf K Dingofellteppiche ■R Fetter, wattiert, IV ■ 15, 12, 10 nd g„ Bebt engliHcne" Angorafelle| beseotitre langhaarig, gm Ä ■>t Seldeuglanz, in allen exlstiertn ien Farben, BH_ n 13, 12.50, 10, 8 und Ämter aeoh««uswabl t» echte« Fellen m.«opf u.«ebift. wie Braunbär. Tiger, Panther, Eisbär-»» Puma- Löwe. iw 91. 19 größere um® M. ca. 1SOO kleinere s m® ML 1 Hanptgenlnn HOOG M. � Bargeld sofort für Jeden Gewinn Gustav Kaase, Berlin, S: Lose a SC Pf., II ö M. xz'?..» Liste extra.:: HERREN KNABEN ' CHARLOTTENBURG « SCHARRENSTR.3& Jedes Wort 10 Pfennig., Das erste Won(fettgedruckt) 20 Pfg. 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