Nr. 276. Abonnements- Bedingungen: onnements. Breis pranumerando? Bierteljährl. 3.30 M, monatl. 1,10 wöchentlich 28 Big. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags nummer mit illuftrierter Sonntags. Beilage Die Neue Belt" 10 Big. Bost bonnement: 1,10 Marf pro Monat füz Eingetragen in bie Boit Beitungs Breisliste. Unter Kreuzband Deutschland und Desterreich. Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mari pro Monat Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Cridcint täglich außer Montags Vorwürts Berliner Dolksblaff. 25. Jahrg. Die Infertions- Gebühr Geträgt für bie fechsgefbaltene Rolone geile oder beren Naum 50 Bfg. für bolitische und gewerffchaftliche Vereins und Berfammlungs- Anzeigen 30 Big. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gebrudte) Bort 20 Bfg., jedes weitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf ftellen- nzeigen das erfte Bort 10 Blg., febes weitere Bort 5 Bfg. Worte über 16 Buchstaben gählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Rummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition is Dis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm Adreffe: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Profit gegen Menschenleben. Mittwoch, den 25. November 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Ferusprecher: Amt IV, Nr. 1984. Doch der nämliche Minister, der einen Sündenbock nicht laffen. Ruben wird die Reform nicht. Im Gegenteil besteht dann finden fonnte, hielt es doch für angebracht, anzudeuten, daß Aussicht, daß das Bolt fich aufrafft und ein ernstes Wort mit allen die Arbeiter selbst immerhin die Mitschuld tragen fönnten bei Dunfelmännern tonservativer, liberaler und ultramontaner Couleur dem Unglück, weil sie möglicherweise die Kontrollvorschriften spricht. Der unablässige Kampf der Profitwut gegen Menschen nicht genügend beobachtet hätten. Ein wirklicher Gemüts- Im Dezember finden in ganz Württemberg die Bürger leben und Menschenglück hat in der Zeche Rad bod zu einer mensch, dieser Minister! Die Toten tönnen sich ja nicht mehr ausschußwahlen statt. In den größeren Städten wird nach fo graufigen Katastrophe geführt, daß weit hinein in alle verantworten gegen diefe ministerielle Bezichtigung. Sie dem Propora gewählt. Jn Stuttgart find 15 Mandate( von 82) Boltstreife die Gemüter aufgewühlt sind. So unlieb das den selbst können ihm also nie widerlegen. neu zu besetzen. 8ivei unserer Genossen scheiden mit aus. WahrRegierungsleuten ist, die fortdauernde Erörterung der An- Glücklicherweise können aber die Lebenden reden. Die scheinlich wird die Sozialdemokratie um einige Mandate gestärkt gelegenheit läßt sich nicht vermeiden. Dem preußischen Ab- übriggebliebenen Kameraden der Arbeiter und mit ihnen die ins Rathaus zurückkehren und damit zur stärksten Frattion geordnetenhause ist der Reichstag nachgefolgt mit der Be- gesamte Grubenbevölkerung haben laut und vernehmlich des Bürgerausschusses werben. sprechung der Interpellation, die ja nach dem gegenwärtigen Beugnis dafür abgelegt, daß keine individuelle Berfehlung Frage der Neubefegung des Obmann-( Vorsitzenden) Stande der parlamentarischen Geschäftsordnung zu einem entfernt hinreichen würde, die furchtbare Explosion zu er Beschluß irgend welcher Art leider nicht führen kann. Aber flären, daß Mängel des Betriebs, vor allem die ungenügende die Anflage wenigstens wurde formuliert und die Regierung Berieselung, schuld an dem Unglüd seien. zur Verantwortung gezogen.. Deutlicher als in irgend einem anderen kapitalistischen Betriebe tritt die Tendenz des Kapitalismus im Bergbau zu tage, je höher die Aussicht auf Profit steigt, um so ruchlofer alle sittlichen Bedenten, alle Menschlichkeit unter die Füße zu treten. Die Betriebsentwicklung im Kohlenbergbau hat zur Konzentrierung des Kapitals in wenigen Händen geführt. Ein paar Grubenmagnaten, die Thyssen, Stinnes und wie sie heißen mögen, kontrollieren das allmächtige rheinisch- westfälische Kohlensyndikat. Das Syndikat setzt die Kohlenpreise in Deutschland fest. Eine halbe Million Bergleute schinden sich in der ungefunden Arbeit unter Tage ab, die Kohlen ans Sonnenlicht zu schaffen, deren Verkauf jenen Millionären die Zaschen fi. Und dabei zeigen immer wieder neue Unglücksfälle, wie mangelhaft die Betriebe organisiert sind und wie ungenügend die Aufsicht der Behörden funktioniert. Selbst der preußische Handelsminister Herr Delbrück fann nicht umhin, fich verwundert die Frage vorzulegen, weshalb denn, da auch in Preußen alles so übervortrefflich, aller Welt boran" eingerichtet ist, die Unfälle im Verhältnis zur Zahl der Arbeiter stetig wachsen. Eine befriedigende Antwort darauf vermochte er indes nicht zu geben. Bermag er doch nicht Umschau zu halten zwischen den Scheuklappen heraus, in die bureaukratische Bevormundungsgewohnheit an der einen, tapitalistische Beeinflussung an der anderen Seite fein Gesichtsfeld eingezwängt haben. " Dann wird auch bie oftens afut, die infofern von Wichtigkeit ist, als der Vore figende weitgehende Rechte ausübt und feine Stellungnahme nicht selten ausschlaggebend für den Gang der Geschäfte ist. Bisher Zwar hätte die Regierung es nur mit den beiden christ- hatte die Bolkspartei( fog. Demokratie") diesen Posten inne, oblich- sozialen Interpellanten zu tun, so hätte sie leichtes Spiel gleich fie der Anhängerzahl nach eine der schwächsten Parteien gehabt. Aber auch im Reichstag war es ein Vertreter der Stuttgarts ift. Das alte Gemeindewahlrecht nach dem MajoritätsSozialdemokratie, der Genoffe Sue, der als die wahrhaft prinzip ficherte aber der Bollspartei, die den Ausschlag zwischen Schuldigen die Grubenmagnaten und die Bergbehörde selbst Sozialdemokratie und den anderen bürgerlichen Parteien mit flammenden Worten anklagte und für die Besserung der gab, Kaufpreis ihrer Unterstügung stets eine Die Zustände die Folgerung zog, daß mit dem System von Grund Baht threr Anhänger tveit übersteigende Mandatszahl. auf gebrochen werden müsse. So kam es, daß diese Partei eine Bertretung auf dem Rathaus ers bielt, die mit ihrer wirklichen Stärke in schreiendem Mißverhältnis stand. Dem hat die Gemeindereform ein Ende bereitet, und so schwindet die demokratische Rathausherrlichkeit dahin wie Schnee an der Sonne. Bis morgen werden die Minister sich wahrscheinlich genügend gesammelt haber um auf die Anflage antworten zu fönnen. Aber es ist schon gesorgt dafür, daß durch einen sozialdemokratischen Antrag die Verwaltung später vor die Frage gestellt wird, ob sie ernstlich gegen die Brutalitäten ber Profitfucht einschreiten oder sich auch ferner zu deren Mitschuldigen machen will. Aus Württemberg. Der Rüftungswahnsinn. Die englische liberale Regierung hatte sich ihren Wähletn gegenüber zu einer Verminderung der Rüstungen verpflichtet. Der verstorbene englische Premier Campbell Banner. man hatte auch auf der Haager Konferenz eine internatioStuttgart, den 28. November. nale Verständigung über die Einschränkung des Flottenbaues Endlich wird Württemberg die Wertzuwachssteuer er borgeschlagen. Der Vorschlag scheiterte vor allem an dem halten. In der Sigung der boltswirtschaftlichen Stom Widerspruch der deutschen Regierung, die an ihrer uferlosen miffion der Zweiten Stammer teilte am Sonnabend bei Beratung Flottenpolitik unter allen Umständen festhalten will. Ebenso eines Antrages auf unterstützung des Kleinwohnungs- sind auch die inoffiziellen Bemühungen des Handelsministers baues ber Minister des Innern b. Pischek mit, daß ein Gesetz- Lloyd Georges gescheitert, mit Deutschland eine Ber entwurf betreffend die Einführung einer Wertzuwachssteuerständigung über den Flottenbau zu erreichen. Diese Ergebnisausgearbeitet werde. Es handle sich aber nicht um eine lofigkeit hat dem demokratischen, der Vermehrung der staatliche, sondern um eine fatultative Gemeindesteuer. Rüstungen feindlichen Teil der englischen Regierungspartei, Damit wird eine alte Forderung der Sozialdemokratie endlich die als bürgerliche Fraktion ohnehin in ihrer Abwehr des in Württemberg erfüllt. In der Sigung hatte Genoffe teil ver- Militarismus nicht allzu große Energie aufbringt, die Berlangt, daß der Ertrag der Steuer zur Förderung des Kleinwohnungs- tretung ihres Standpunktes erschwert und der zum Imperiabaues verwendet werde. Ob die Gemeinden dieser Forderung nach- lismus neigenden Majorität der liberalen Partei, die auch die tommen, ist allerdings fraglich. ministerielle Politik beherrscht, das Uebergewicht verschafft. Bisher hat er die Schuldigen nicht entdecken fönnen. Und doch müßte eine Tatsache ihm den Blick dafür geschärft haben, too er sie zu suchen hat. Staum ein paar Stunden, nachdem das Unglück geschehen war, das 360 BergIeute in den Tod führte und über tausend Hinterbliebenen Witwen und Waisen das Leben verelendet hat, ließen die Unternehmer den brennenden Schacht vermauern! Sie ließen ihn vermauern, weil auf diese Weise etwas mehr von Die Gemeinden werden den Gefeßentwurf mit Freuden be- Das haben die legten Erklärungen des Ministerpräsidenten den ungehobenen Kohlenschägen für den Brofit gerettet werden grüßen. Seine Annahme, wenn auch in anderer Gestalt, fann als Asquith über den Zwei- Mächte- Standard zur Genüge gefonnte. Sie ließen ihn bermauern, trotzdem mindestens die ficher gelten. In der Tat ist es bringend nötig, daß den Gemeinden zeigt. Andererseits stärkt aber der durch das Wettrüsten stetig Möglichkeit bestand, daß noch Leute lebend hätten gerettet in Württemberg mehr Mittel zur Verfügung gestellt werden. Bur- fich verschärfende deutsch- englische Gegensatz die konfequenten werden können, wenn die Bermauerung nicht so voreilig vorzeit müssen sie ihre Ausgaben zum größten Teil aus burchaus ver- Träger des militaristischen Imperialismus, die Konservativen, genommen wäre, wie es in Courrières unter ganz ähnlichen alteten und ungerechten Ertragssteuern auf Gewerbe, Grund und und in deren Parteiintereffe hat gestern der Feldmarschall Berhältnissen geschehen war. Ja, sie ließen ihn bermauern, Boden usw. decken; auch Verbrauchsabgaben auf Gas, Bier, Fleisch Roberts im Oberhaus, deffen Majorität konservativ ist, einen ehe noch die Bergbehörde die Möglichkeit gehabt hatte, daß tönnen sie erheben. Die gemeindliche Einkommensteuer darf aber demonstrativen Borstoß gemacht, indem er, wie bereits geihre Beamten eine eigene Untersuchung anstellten, die doch im öft fall 50 rozent der staatlichen Ein- meldet, beantragte, durch Einführung der allgemeinen WehrAnhaltspunkte zur Ermittelung der Ursachen der Stata tommensteuer betragen. Diese Beschränkung der Steuerpflicht ein Millionenheer zu schaffen, um der Möglichkeit einer strophe hätte geben fönnen. Kaum je hat der Kapitalismus mittel( Hundesteuer, Warenhaussteuer tönnen als ergiebige bon Deutschland ausgehenden militärischen Invasion vordeutlicher seine Unmenschlichkeit aller Welt offenbart. Aber Steuerquellen nicht in nicht in Stedinung gestellt werden) brachte zubeugen. der Herr Minister fand im Reichstag nicht einmal den sanften unsere Genoffen in den Gemeindevertretungen nicht selten in die Die konservativen Lords haben die Resolution Roberts Tadel für diese Barbarei, der sich doch immerhin im Abgeord Zwangslage, entweder wichtige gemeindliche Aufgaben, Ausbau des mit 74 gegen 32 Stimmen angenommen tros des Widernetenhause seinen Lippen entrang. Bollsschulwesens, Straßenherstellung usw., zurüdaufezen, oder aber spruchs der Regierung, in deren Namen der Staatssekretär für Verbrauchsabgaben stimmen zu müssen. des Kolonialamtes Earl of Crewe folgendes ausführte: Sier handelte es sich wirklich um den Profit einerseits, um Menschenleben andererseits. Und bestand nur die entfernte Die Jungliberalen haben am Sonntag in Blingen Möglichkeit, ein einziges Menschenleben zu retten, jeden ihre Landesversammlung abgehalten. Viel fräftige Worte find gedenkbaren Verlust an Kohlen, an Geldwert müßten die Unter- fallen, an Eaten ist aber nichts zu verzeichnen. Eine Resolution nehmer eher riskieren, als auf die Lebensrettung verzichten. gegen das persönliche Regiment wurde mit 15 gegen Doch die Profitfucht siegte über die Menschlichfeit. Als ein 18 Stimmen abgelehnt. Man tut den Herrschaften zu viel Denkmal fapitalistischer Barbarei, dauernder als Erz, wurde Ehre an, wenn man sie und ihre großen Worte noch ernst nimmt. vor den Augen der jammernden Grubenarbeiter, bor den Auf der Versammlung der Nationalliberalen bes Augen der Witwen und Waisen der Geopferten, die Ver- 1. württembergischen Reichstagswahltreises in mauerung aufgeführt. Und wenn es noch Arbeiter, wenn es Degerloch- Stuttgart fam auch die Volksschulvorlage zur noch Frauen geben sollte im Ruhrgebiet, die an die Harmonie Sprache. In der Volksschulfommission ist nämlich der Karren der Interessen zwischen Kapital und Arbeit glauben, dorthin gründlich berfahren. So zum Beispiel tam betreffs der Grießung follte man sie führen, nach diesem Denkmal fapitalistischer der geistlichen Bezirksschulaufsicht burch die Schande und ihnen die Mahnworte zurufen: So handelt& a chaufficht überhaupt kein Beschluß zustande. Die Regierungsfapitalistische Profitsucht! Bergeßt das nie und arbeitet vorlage wurde abgelehnt, alle Anträge der Parteivertreter erlitten daran, daß überall die Steine niedergerissen werden, mit das gleiche Schidial Es befindet sich demnach ein großes denen der Kapitalismus Euch und Euern Kindern das Lebens- och in dem Gefeßentwurf, das in der zweiten Lesung geflidt glück vermauert! werden muß. Herr Delbrück hat für fo etwas gar fein oder nur ein Das größte Intereffe tonzentriert fich auf die Frage, ob es sehr schwächliches Empfinden. Daß er bisher feinen Schul- gelingt, der Simultanschule eine Gaffe zu bahnen. Die Ausdigen hat entdecken können, tat ihm jedoch leid. Er meinte, fichten find jammervoll. Es ist sogar fraglich, ob den Gemeinden man solle es ihm doch glauben, daß es ihm sehr lieb wäre, gestattet wird, auch nur ausnahmsweise die Simultanschule neben wenn die Verwaltung einen Sündenbod finden könnte. der Konfessionsschule einzuführen. Den Ausschlag gibt die national Damit fennzeichnete er allerdings die Sinnesart der Ver- liberale Partei und nur der fleinere Teil der liberalen Fraktion ist waltung auf das trefflichste. Wäre ein Sündenbod gefunden, bereit, dieses Ronzeffiönchen zu machen. Die Bedürfnisse der den man strafen und dem Abscheu der Menschen preisgeben größeren Kommunen, besonders Stuttgarts, und der überwiegende könne, dann fönnten nachher die Profitschlucker und ihre Teil der großstädtischen Bevölkerung berlangen eben die Simultane Freunde in den Bergbehörden erhobenen Hauptes davongehen schule. Dem tönnen sich auch die liberalen Abgeordneten dieser und ihrem Herrgott danken, daß sie nicht sind wie diefer Städte nicht entziehen. Sie müssen. Sünder. Dann wäre das System gerettet, das System Wahrscheinlich wird es fo fommen, daß gerabe so viele liberale der Arbeiterausbeutung und das der bureaukratischen Bei- Abgeordnete für die Zulassung der Simultanschule in den größeren hilfe der Ausbeutung. Darauf kommt es aber den obrigkeit- Städten stimmen werden, wie nötig find, um auch dieses Stonlichen Vertretern des Staatswohles, den Erbpächtern des zeifiönchen zu Fall zu bringen. Dann allerdings erhebt sich die Patriotismus und der Christlichkeit an, Frage, ob es nicht beffer ist, das ganze Gesetz einfach scheitern as Lord Roberts habe mit seiner Refolution einen sehr ernsten Schritt getan und der Ernst dieses Schrittes fei durch Lord Roberts Rede nicht gemindert worden. Die parlamentarische Erörterung eines solchen Gegenstandes sei eine ernste Angelegenheit, weil es schwierig sei, eine solche Erörterung so zu leiten, daß fie außerhalb nicht zu ernsten Mißver= ständnissen Anlaß gebe. Er tönne nur hoffen, daß ein folches Mißverständnis fich nicht ergeben werde. Rebner verwies dann auf die Rebe Campbell Bannermans, in der dieser die Bezugnahme auf Frankreich in Balfours Erklärung vom Jahre 1905 bebauerte. Die Umstände seien heute andere, er möchte aber den Appell Campbell Bannermans wiederholen, weil er das Gefühl habe, daß, wenn ein solcher Appell nicht era folge, in der öffentlichen Meinung Englands und des Auslandes aus der Rede Lord Roberts sich nicht unnatürlicherweise Konsequenzen ergeben könnten, die von allen bedauert werden möchten. wwww In der Frage einer Invasion gebe es zwei fich gegenier ftehende Parteien. Die eine vertrete die Ansicht, daß eine Schriffsbesatzung an unseren Süften nicht landen könne. Diese Meinung würde jedoch von keiner verantwortlichen Persönlichkeit geteilt. Die andere entgegengesetzte Ansicht sei die, welche Lord Roberts in seiner Rede vertreten habe, nämlich, daß England für praktische Zwede nicht als Insel angesehen werden dürfe, sondern sich in der Lage einer kontinentalen Macht befinde und daß ein sehr beträchtliches Heer die Grenze Englands überschreiten könne, daß infolgedessen Englands Bere teidigungsmittel nach tontinentalen Grundsägen bea ftimmt werden müßten. Diefer Ansicht fei bie ee gierung nicht. Redner verbreitete fich fobann über bie Wirkung, welche die Annahme der von Lord Roberts über eine Invasion aufgestellten Theorien zur Folge haben würde, und erklärte, toas die Flotte anbetreffe, fo feien alle Parteien der Anficht, daß England eine überwiegende Flotte haben müsse. Er glaube, wenn es sich heute herausstellen sollte, daß es an Geld fehle, so würde es für die Bereitwilligkeit bes Randes, Geld für die Verteidigung zur See au spenden, keine Dtenze gebeik. aber ein groher Teil dieser Bereitwilligleil hange davon ab, dah im Volie dvr Glaube vorhanden sei, datz. obgleich die Flotte das Land nicht mit absoluter Sicherheit gegen eine Invasion schütze, sie das Land doch in Wirklichkeit vor einer Invasion betvahre. (Sail of Creme schloß: Tie Flotte wird nicht aus der gegen- wältigen Stärke gehalten lediglich in der Absicht, oasi sie im- stände ist, irgendwo inmitten des Ozeans siegreich zu kämpfen, ivndern sie wird aufrechterhalten und wird, wenn nötig, vcr- stärkt werden aus der Ueberzeugung heraus, dasi hauptsächlich sie die Verteidigung unserer Küsten sichert. Wenn man sich die Theorien Lord Roberts zu eigen machte, so würde daö die,e Ueberzeugung zerstören. Deshalb mißbillige ich ihre Diskussion, und ich würde noch unendlich mehr die Annahme der Resolution mißbilligen. Zu gleicher Zeit bringe ich meinde Z u st i m m u n g dazu zum Ausdruck, daß cs notwendig ist, daß wir ein H e i m a t s h e e r haben, daß stark und organisiert genug ist, um einen Ueberfall abzuweisen, eine Panik zu verhindern und den Feind zu zwingen, in solcher Macht zu kommen, dasi sich für ihn bedeutende Schwierigkeiten ergäben. Zum Schlüsse seiner Ausführungen teilte Eaol of Creme mit, dasi der Generalstab Pläne ausarbeit«, die cs EnK land ermöglichen sollen, zu jeder beliebigen Zeit an jeden be- liebigen Ort die grösitmöglichste Truppenmacht zu werfen, wenn dies erforderlich sei. Die Unterhaltung eines Heeres von einer Million Mann, wie eS Lord Roberts verlange, bedeute eine jähr- liche Erhöhung der.HecreSerfordernisie um 20 Millionen Pfund Sterling.(400 Millionen Mark.) Der Annahme der Resolution sei schon deshalb zu widerraten, weil Roberts in seiner Rede auf Deutschland verwiesen und die Resolution von der Rede nicht zu trennen sei." Die Resolution wurde von den hervorragendsten konser- dativen Führern, von Lord Lansdowne, dem früheren Minister des Auswärtigen, Lord Crom er. dem früheren Vizckönig von Aegypten, und anderen, wenn auch mit großer Zurückhaltung unterstützt. Die Annahme der Resolution wird freilich keine un- mittelbaren praktischen Konsequenzen haben, da über die englische Politik nicht das Oberhaus, sondern das Unterhaus entscheidet. Aber deshalb bleibt sie doch ein bemerkenswertes Symptom. Denn die Herrschaft der Liberalen erscheint nicht allzu gesichert und die Abstimmung der Lords kann vielleicht das politische Glaubensbekenntnis der künftigen englischen Regierung bilden. Um so wichtiger ist cs, daß die Völker selbst hüben wie drüben dem wahnsinnigen Wettrüsten ein Halt zurufen. Wenn die bürgerlichen Liberalen in Deutsch- land vollständig und in England zum Teil vor dem Militarismus kapituliert haben, so muß das Proletariat beider Länder um so energischer den Kampf gegen den Mili- tarismus und für die friedliche Verständigung beider Nationen zur gemeinsamen Einschränkung der Rüstungen fortsetzen. politische CUberfabt. Berlin, den 24. November 1908. Kirchensteuern. _- Die dem Reichstag zur Begründung der Reichsfinanzreform zugegangenen Denkschriften stellen auch die Höhe der Kirchensteuern fest. Nach dieser Statistik betrugen im Jahre ILO? die Steuern und Abgaben in den evangelischen Kirchengemeinden 43,7 Millionen Mark, in den katholischen Idsii Millionen Mark. Auf die einzelnen Bundesstaaten verteilt ergibt sich folgendes Resultat: In Preusien betrugen die Steuern und Abgaben in den evangelischen Kirchen- gemeinden 30.g Millionen, in den katholischen 12,4 Millionen, in Bayern 0,g und 0,7 Millionen, im Königreich Sachsen d.S und 0,3 Millionen, in Württemberg 0,8 und 0,2 Millionen, in Baden 1,4 und 1,4 Millionen» in Hessen 0,3 und 0,4 Millionen, im Groß- Herzogtum Sachsen 0,3 Millionen und 2000 M., in Oldenburg 0,3 und 0,0 Millionen, in Braunschweig 0,2 und 0,02 Millionen, in Waldcck und Pyrmont 33 000 und 2000 M., in Reusi ä. L. 49 000 und 2000 M.. in Lippe 174 000 und 3000 Mi, in Lübeck 114 000 und 3000 M., in Hamburg 860 000 und 04 000 M. Rur in evange- tischen Gemeinden wurden an Steuern uns Abgaben aufgebracht in Sachsen-Meiningen 288 000 M.. in Sachsen-Altenbyrg 163 000 Mark, in Anhalt 114 000 M., in Schaumburg-Lippe 63 000 M., in Bremen 61 000 M., in Elsasi-Lothringen 227 000 M. In den beiden Mecklenburg, in Sachsen-Koburg und Gotha, in den beiden Schwarzburg sowie in Reuß j. L. werden keine Kirchen- steuern erhoben.--_ Militarismus. Bekannt Ist, mit welcher Strenge, ohne Rücksicht auf da» Wirt- schaftliche Leben, die Bezirkskommandos gegen Anmeldepflichtige Verfahren, die ihren Verfügungen nicht strikte Folge leisten, lieber einen neuen Fall solcher Rücksichtslosigkeit wird dem»Berl. Tagebl.' anI Aachen berichtet: Der bei der Maschinenfabrik von Hensch u. Co. in Sachen beschäftigte Schlosser Wilhelm Thönnissen hatte Ende Oktober auf brieflichem Wege dem BrzirkSkommando seinen WohnungS- Wechsel angezeigt, vorschriftSmähig, unter Beifügung des Militärpasses. Man schrieb ihm vom Kommando, er solle sich am anderen Morgen um 10 Uhr seinen Pasi abholen. Thöuissen, der Landwehrmam», verheiratet und Bater von drei Kindern ist, wollte auch rechtzeitig den Pasi abholen, wurde aber von seinem Arbeit- geber um eine Stunde aufgehalten, weil er gerade mit einer sehr wichtigen und dringenden Arbeit beschäftigt war. Er kam also anstatt um 10 Uhr um 11 Uhr aufs Bezirks- kommando. Dort wurde er sofort wegen der Verspätung vom Platze weg— für achtundvierzig Stunden ein- gesperrt. Als die Firma des Arbeitgebers das Ausbleiben ThönnissenS und den Grund erfuhr, schrieb sie sofort an das Bezirkskommando«in Gesuch um Erlasi der Strafe. Sie schilderte die Ursache des Zuspätkommens, betonte, dasi es sich um eine auherordentlich eilige Arbeit ge» handelt habe, deren verspätete Ablieferung mit hoher Konventionalstrafe bedroht gewesen sei, versicherte, dasi Thönnissen sonst ein sehr fleißiger, tüchtiger, gewissenhakter und pünktlicher Mann fei— alle» vergeblich l Der BezirkSosfizier, Hauptmann Lindhorst, hielt die Strafe aufrecht und erließ dem völlig unschuldigen Landwehrmann auch nicht eine Stunde von dem zwei- tägigen Arrest._ * Das amerikanische Interview. Die Veröffentlichung der„World' wird jetzt auch vom Fürsien Bükow dementiert. Einem französischen Journalisten erklärte er: „Ich bin der Ansicht, daß Erfindungen von hoher Phantasie nur gestattet sind, wenn sie sich auf imaginäre, d. i. nicht existierende Personen beziehen und keinerlei des Respekts würdige Interessen schädigen. Aber niemand wird mich widerlegen, wenn ich erkläre, daß eS unzweifelhaft ein höchst tadelnswerter Akt ist, dem Kaiser so grenzenlos unsinnige Worte in den Mund zu legen, die er n i e gesprochen hat, und an die er auch nie im Traume gedacht hat. Wohin würde es kommen, wenn die Fabrikation kaiserlicher Interviews ein Lieblingssport gewisser erfinderischer Geister würde?" Wir verstehen die Bekümmernis, die in der letzten Frage des Kanzlers liegt. Haben ja schon die authentischen Aeusienmgen zu der Frage geführt: Wohin soll«S noch kommen? Slber i ob nicht Fürst Bülow allzu dick verspricht, wenn er auch dafür die Verantwortung übernimmt, dasi Wilhelm II. solche Gedanken auch nie i m T r a u m e kommen?— Eine Bankumsatzsteuer. Ter Schutzverband Reichsfinanz reform" jene Vereinigung, die sich gebildet hat aus Mitgliedern des Reichölügen. Verbandes und Abgeordneten des Blocks— unterbreitet der Oeffent- lichkeit den Entwurf zu einer Bankuinsatzsieuer. Es wird darin be« stimmt: Der Bankverkehr ist im Reiche nach Maßgabe dieses Gesetzes stempelpflichtig. Die Höhe des Stempels wird für jede? Wirt- schaftSjahr neu festgesetzt(für das kommende Jahr wird die Erhebung von ein Zehntel Prozent vorgeschlagen). Die Stempclkosten fallen grundsätzlich dem zur Last, der in irgendeiner Form an einer Bank im Bundesgebiet Geld empfängt. Die Banken sind dem Reiche für die rechtzeitige Kassierung des Stempels haftbar. Diese Bankumsatzsteuer soll die Nachlasisteuer beseitigen. Kulturkampfschmerzen. Kaiser Wilhelm hat eine Abordnung an den Papst geschickt unter Führung des rheinischen Oberpräsiöcntcn Freiherrn von Schorlemmer-Lieser. Wie die„Kölnische Zeitung" mit- teilt, hat der Papst der Abordnung gegenüber seine Befriedi- g u n g darüber ausgedrückt,„dasi unter der weisen Regierung des deutschen Kaisers die deutsch enKatholiken in voller Freiheit ihrem Glauben leben könnte n." Solche Worte sind den deutschen Ultramontanen selbstverständ- lich nicht angenehm. Dem Zentrum liegt daran, unter seinem Anhang eine gewisse Kulturkampfstimmung zu unterhalten; daZ ist die beste Art, die Aufmerksamkeit der Massen von der Volks» feindlichen Politik deS Zentrums abzulenken. Zur Hebung der Kulturkampfstimmung trägt es aber nicht bei, wenn die Katholiken in Deutschland durch den Mund des Papstes hören, dasi sie„i n voller Freiheit ihrem Glauben leben könne n". Die Zentrumspresse bemüht sich daher krampfhaft, die Worte deS Papstes abzuschwächen und ihre Richtigkeit zu bestreiten. So schreibt die„Kölnische Volkszeitung": „In zuständigen vatikanischen Kreisen wird bezweifelt, dasi daS Wort„volle' überhaupt gefallen sei. Aber selbst ange- nommen, der Papst habe sich wirklich so ausgedrückt, so könnte daraus in keiner Weise die Folgerung gezogen werden, dasi nun die deutschen Katholiken auf kirchenpolitischem Gebiete keine be- rechtigten Wünsche mehr hätten und dasi keine diesbezüglichen Beschwerden mehr erhoben werden dürften. In vatikanischen Kreisen lächelt man über die Versuche, aus einem höflichen und freundlichen Worte des Papstes eine allgemeine Billigung des gegenwärtigen kirchenpolittschen Zustandes m ganz Deutschland zu machen.... Im übrigen könnten die Herren der Abordnung auch sehr leicht gehört und verstanden haben." Es ist auffallend, wie gering gewisse Zentrumsleute von der Autorität des Papstes denken, wenn daS Oberhaupt der Kirche Worte spricht, die nicht in die ultramontane Politik passen. Wir fühlen uns nicht berufen, die Autorität des Papstes vor der Zweifel. sucht des Zentrums in Schutz zu nehmen, aber sein Wort, daß die deutschen Katholiken„in voller Freiheit ihrem Glau- ben leben können", wollen wir uns doch merken für die Fälle, wo das Zentrum zur Fanatisierung der Massen und zur Bcmänte- lung volksfeindlicher Streiche das Lügenlied von der Unterdrückung der Kirche schmettert._ Ein Opfer der Kolonialskandale. Aus Leipzig wird vom 24. November gemeldet: Das Reichsgericht verwarf heute die Revision des früheren Geheimen Sekretariatsassistenten Oskar Pöplau, der am 4. Mai vom Landgericht I in Berlin zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden war, weil er eS unternommen hatte, den Staats- sekreiär v. Echoen zur Vornahme einer Amtshandlung zu nötigen. Die Verhandlung fand unter«usschlusi der Oeffentlichleit statt. Pöplau und Wistuba sind also so ziemlich die einzigen Opfer der Kolonialskandale geblieben, denn selbst die Puttkamer, Geo Schmidt usw. sind ja frei von Schuld und Fehle befunden worden. Gerade die beiden Beamten, die, angeekelt von dem skandalösen System, der Oeffentlichleit Kenntnis von den unerhörten Vorgängen unseres Kolonial-PanamaS gaben, die sich also verdient nicht nur um die Nation, sondern sogar um die Kolonialpolitil selbst machten, blieben auf der Strecke I— Eine Mißtrauenskuiidgebung. In der zweiten Kammer des sächsischen Landtages ziehen zwei Skandalaffären weitere Kreise. Es hatte bekanntlich vor kurzem der nat i o na l l i be r a le Abg. Langhammer ein Geheim zirkulär der Agrarier zurWahlrcchtS- reform veröffentlicht, das ein anderer nationalliberaler Ab- geordneter in einein Arbeitszimmer gefunden hatte, wo es offen- bar der Geschäftsführer des Bundes der Landwirte, Abg. Schmidt, hatte liegen lassen. Fast zu gleicher Zeit>var dem in diesen Tagen gestorbenen national.'ieberalen Abg. Rü h l m a n n ein an den Führer der Konservativen, Ovitz, gerichteter Brief aus noch nicht völlig geklärte Weise in die Hände gefallen, den Rühlmann, der Reltor des Gymnasiums zu Dobeln war, dazu benutzt hatte, einem Lehrer dieser Anstalt, von dem der Brief herrührte, Vorhaltungen darüber zu machen, daß er Aeuherungen NühlmannS über Opitz diesem zugetragen habe. In der ersten Aft'äre hat der Präsident der zweiten Kammer, Dr. Mehnert, der gleidjzeitig Führer der Konservativen ist, die Staatsanwaltschaft gegen den angeblichen Briefdieb mobil gemacht, im anderen Falle hat er ohne vorherige Verständigung mtt den Fraktionen eine Erklärung des Abg. Rühl- mann, der damals geistig nicht mehr normal war, entgegengenom- men, wonach er auf eine weitere Ausübung seine» Mandats ver- zichten wolle. Diese Vorfälle sind der Ausgangspunkt einer ErNärung, die am Dienstag der Führer der nattonalliberalen Frak- tion. Schieß, in der zweiten Kammer abgab. Sie richtete sich scharf gegen den konservativen Präsidenten, dessen Handlungsweise in den oben erwähnten Fällen Langhammer und Rühlmann alz unverständlich bezeichnet wurde. Dann heisit es wörtlich weiter: Das vom Herr» Präsidenten eingeschlagene Verfahren erscheint der Fraktion im höchsten Grade bedenklich. Der Würde deS HauseS entspricht cs nicht, und das Ansehen der zweiten Kammer hat nach der Auffassung der Fraktion schweren Schaden dadurch erlitten. In anderen Parlamenten, so auch im deutschen Reichstag, ist eS selbstverständlicher Brauch, dasi der Präsident keiner Fraktion angehört, dasi er über den Parteien steht. Zahlreiche Erfahrungen und Beobachtungen haben erwiesen, dasi der Herr Präsident sich in der konservativen Fraktion nach wie vor betätigt und seinen Ein- slusi wenn auch nicht in dem Namen, so doch in der Tat, als Frak- türnsführer geltend macht. Auch in der Wahlrechtsdeputation, der er als Mitglied nicht angehört, ist der Parteieinfluß des Präsiden- ten in einer anderen als der ihm nach Meinung der nationallibe- ralen Fraktion zukommenden Weise vielfach zu verspüren gewesen. Dies alles und insbesondere das Verhalten im Falle des Wg. Rühlmann, in dem vom Herrn Präsidenten wiederholt auf Be» schlüsse der konservativen Fraktion verwiesen worden ist, wider- spricht den Auffassungen der Fraktion über die Stellung und Auf- gaben eines Präsidenten der zweiten Kammer. Nach alledem muß die nationalliberale Fraktion erklären, dasiihrVertrauenzueinerodjektivcn, würdigen Führung der P rä s i d i a l g e sch ä ft e durch Herrn Präsidenten Dr. Mehnert erschüttert ist. Dieses Mißtrauensvotum schlug wie eine Bombe ein. Der Präsident, der sich tatsächlich in diesem Falle mehr als Führer der konservativen Fraktion, denn als Präsident beteiliAt hat, er- � te, trotz des Mißtrauensvotums die Präsidialgeschafte weiter reu zu wollen, im übrigen versuchte er sein Verhalten im Falle iühlmann zu rechtfertigen, während er sich über den Fall Lang- Hammer, in dem sein Verhalten besonders greifbar ist, Äusführun- gen für eine vertrauliche Sitzung aufsparen wollte. Bemerkt sei noch, dasi sich die Annahme, es handele sich in der Zirkularaffäre um einen Diebstahl, als völlig irrig herausgestellt hat. Es ist von einigen nationalliberalcn Abgeordneten ein Zir- kular abgeschrieben worden, das offen dagelegen hat und durch das die zweite Hohenthalsche Wahlrechtsvorlage als agra- rische Mache gekennzeichnet wurde. Tie Staatsanwaltschaft hat das Verfahren auch bereits eingestellt. Die Vorgänge im Landtage werden voraussichtlich noch weitere Folgen haben. Vor allem ist daraus ein« sich immer mehr zu- spitzende Feindschaft zwischen Nationalliberalen und Konservativen zu erkennen. Erstere sind vor allem wütend darüber, dasi sie bei dem Wahlrechtsschacher von den Konservativen derart übervorteilt worden sind, dasi sich die Konservativen voraussichtlich auf Koste.' der Liberalen dauernd eine übergrosie Mehrheit, und iwar durch die Eventualvorlage sichern werden. Protest der Winzer gegen die Weinsteuer. Am vergangenen Sonntag fand in Geisenheim am Rhein eine aus dem ganzen Rheingau stark besuchte Winzerversammlung statt. die einstimmig eine Resolution gegen die geplante Flaschenwein- steuer annahm, weil eine solche Steuer nicht auf den Konsumenten abgewälzt werden könne, sondern von den Winzern getragen werden müsse. In der Versammlung, welcher auch der Landrat beiwohnte, sprachen neben zwei katholischen Geistlichen und einem Vertreter der Winzer, der nationalliberale LandtagSabgeordnete Wolf-Biebrich sowie die ReichStagSvertreter des Bezirkes, der Zentrumsabgcord- nete Dahlem und der sozialdemokratische Abgeordnete L c h- mann. Wiesbaden. Unser Genosse fand mit seinen Darlegungen, dasi alle erforderlichen Staatsmittel, wie das bei den Gemeinden zum größten Teil jetzt schon der Fall sei, und wie das die Sozial- demokratie immer verlangt habe, auf direktem Wege aufgebracht werden sollen, reichen Beisall. Kosakensalut. Wie der Schlesische Verein für Luftschiffahrt mitteilt, wurde am vorigen Sonnabend in der Nähe von Krowschin der Ballon „Schlesien" von Grcnzkosaken beschossen, obwohl er sich noch über dem deutschen Gebiet befand und weithin sichtbar die deutsche Flagge trug. Einer der zirka 15 Schüsse, die abgegeben wurden, rraf den Korb und schlug in einen Sandsack ein, ohne glücklicherweise jemanden zu verletzen. Dem„Berk. Tageblatt" wird dazu geschrieben, dasi früher das Beschießen von Ballons an der russischen Grenze durchaus keine Seltenheit gewesen sei. In der Tat sind ja die russischen Grenzkosaken ihrer Schiesilust wegen, die sie nichts nur an Luftballons üben, berüchtigt. Und Deutschland hat sich bisher diese frechen Schießereien seelenruhig gefallen lassen. Wegen des lächerlichen Zwischenfalles mit den drei Deserteuren in Marokko inszenierte man eine wüst« Kriegshetze gegen Frankreich— die freche Schießerei der Grenzkosaken aus den deutschen Ballon wird man aber wahrscheinlich auch diesmal einstecken, ohne hin- längliche Genugtuung oder auch nur irgendeine Garantie für oieZukunst erhalten zu haben! Enthusiasmus im Blocklager. Karlsruhe, 21. Novemiöer. Der präparierte Ertrakt, welchen die Hofapothekerin„Nordb Allgem. Ztg." über daö Kaiser-Kanzler-Stelldichein zu Potsdam zum Beilen gab, veranlaßte einen Btockjubel zu F r e i b u r g i. B. Dort fanden sich am 13. d.M. die Gläubigen deSHottentottenbekenntnijfc' zu einer großen Berfammluna unter Prosesior v. BelowS Borsitz zusammen. Sie jubelten vor Entzücken über die glückliche Wendung durch Bernhards Fügung und drahteten den Häuptling des Blocks an. um ihn wegen der konstitutionellen Errungen- f ch a f t e n im kaiserlichen Kabinett zu beglückwünschen. Bülow ant- wartete telegraphisch an Below, dasi ihm dieses Verständnis dce Freikoiifervativen, Nationalliberalen und Demokraten zu Frei- bürg für die dankenswerte Kundgebung deS Kaisers iv ganz Deutschland empfehlenswert erscheine. ES war kein Blockbrudcr, der einstens zu Frmbmg daS Pulver erfand. Welche Naivität gehört aber hierzu, wenn Polttiker von der Sorte des UniversiiätsprofessorZ Schmidt in der Blockversammlung sich gegen die Einwirkung der Volksvertretung auf die Ernennung und Entlassung der Minister wenden, die sozialdemokratischen Anträge zum konstitutionellen Ausbau bekämpfen und schließlich rme Wendung der sckliminen Zeiten nur erwarten.vonderinnere» Umwandlung des Kaisers". Doch es kommt noch schöner I In einer von den Jungliberalc. einberufene» Versammlung zu K a r t S r u h e forderte der Vorstand zur Bekämpsung de» persönlichen Regiments verfasiungSmasiige Garantien mit der Bedingung: keine Steuerbewilligung ohne Verfassungsänderung. Vor dem Protest de: Diskussionsrediier. zu denen auch der neueste demokratische Glanz- stern Professor H« l b i n g gehörte, der Gedächtnisredner für den Revolutionär Robert Blum, mußte die Garantieresolution zurück- gezoge» werden.—_ Ter prozestmude Afrika-Peters. Die„Münchener Post" teilt mit, dasi Dr. PcterS dieser Tage die Kosten seines Prozesses gegen die.Kölnische Zeitung", die er vor einigen Wochen noch nicht zahlen konnte, gezahlt hat. Dana cd ist es alio nicht etwa Geldmangel, der Herrn PeterS zum Zurück- ziehen seiner Klage gegen die„Münchener Post" und gegen den „Vorwärts" bewogen hat.—_ Die Balkankrise. Der österreichische Standpunkt. Die Frage deS türkischen Boykotts bereitet der öfter- reichischen Regierung sichtlich zunehmende Schwierigkeiten. Im letzten österreichischen Ministerrat herrschte die Auffassung. dasi bei Fortdauer deS Boykotts die Verhandlungen mit der Türkei nicht fortgesetzt werden könnten. Dagegen ist die österreichische Ltc- gierung zu einer Reihe wirtschaftlicher Zugeständnisse an die Türkei bereit. Sie will der Abschaffung der Kapitulationen zustimmen und einen neuen Handelsvertrag abschließen, also die Türkei in Justiz und Handel als vollberechtigten modernen Staat anerkennen. Außerdem verspricht Oesterreich die Unterstützung der türkischen Geldansprüche an Bulgarien. Das sind sicherlich Zugeständnisse, von denen man annehmen sollte, sie könnten das Zustandekommen einer türkisch-östcrrcichischen Verständigung herbeifübren. Der Boykott. Köln, 24. November. Wie die„Kölnische Zeitung' vom 23. aus Saloniki meldet, ist der aus Antwerpen eingetroffene, von einer belgischen Reederei gecharterte österreichische Dampfer„Alga' trotz der belgischen Flagge am Ausladen verhindert worden. Wie dasselbe Blatt unter gestrigem Datum aus UeSküb er- fährt, ist der Albanier Boletinaz mit 70 Mann in seiner Festung bei Mitrowitza umzingelt worden. Artillerie konnte wegen Geländeschwierigkeiten nicht herankommen. Die Verlust: au Soldaten betragen bis jetzt fünf Tote und acht Verwundete. Der Kamps dauert fort. Verschärfung der türkisch-österreichischen Beziehungen. Konstantinopel, 24. November. Der Grosivezier Kiamil Pascha erklärte, gegen die Boykottbewegung keine Machtmittel anwenden zu können. Um den Widerstand der Lastträgerzunst, die die Verladung der österreichischen«nb ungarischen Waren vorzunehmen ablehnt, zu bredhjen, müßte er Sie bewaffnete Macht aufbieten; hieraus tönnten schwere Komplita. tionen entstehen, für welche die Pforte die Verantwortung nicht tragen wolle. Darauf verständigte der österreichischungarische Botschafter Markgraf Pallavicini die Pforte, daß er infolge von Instruktionen von seiner Regierung übermorgen Konstantinopel bis auf weiteres berlasse. Zur Führung der Geschäfte bleibe Botschaftsrat Otto zurüd. Die Abreise Ballavicinis wird allgemein im Sinne einer sehr ernsten Demonstration beurteilt. Serbische Banden. Serajewo, 24. November. Nach Meldungen aus Plevlje herrscht an ber serbischen Grenze lebhafte Bewegung. Wie es heißt, ist eine große Bande, die mit Bomben ausgerüstet sei, aufgetaucht. Serbische Rüstungen. Konftantinopel, 24. November. Jeni Gazetta" meldet, Ser. bien habe 120 000 Stüd 7 Millimeter- Maufergeivehre und 30 Mil lionen Patronen angekauft, deren Transport, wenn die Pforte es geftatte, über Saloniti erfolgen soll, Oefterreich. Wieder ein sozialdemokratischer Wahlfieg. Wien, 23. November.( Eig. Ber.) Am Samstag fand die Stichwahl für den istrianischen Landtag im Wahlbezirk Muggia fola( Städtekurie) statt. Es erhielt von 358 gültig abgegebenen Stimmen der Lehrer Franz Borzenon( Sozial. demokrat) 182 Stimmen; auf den Pfarrer Mujesan( christlichfozial) entfielen 171 Stimmen. Ersterer erscheint somit gewählt. Die Studentenkrawalle. Wien, 23. November. Bei den heutigen Vorfällen in der Universität sind dreiundreißig Studenten mehr oder weniger berlebt worden. 27 Studenten wurden verhaftet, von denen fünf wegen schwerer Körperberleegung dem Landesgerichte eingeliefert wurden. Wien, 24. November. Der Rettor der Universität hat in einer Bekanntmachung das Vorgehen der italienischen Studenten, die tödliche Waffen bei sich geführt haben, auf das schärffte verften Disziplinarstrafen gegen die Schuldigen angekündigt. urteilt, ihre Tat als ein Verbrechen bezeichnet und die schwer Die Universität und auch die Technische Hochschule bleiben bis auf weiteres geschlossen. In einem Communiqué protestieren italienische Abgeordnete gegen die Darstellung der gestrigen traurigen Vorfälle und erklären, vor Abschluß des strafgerichtlichen Verfahrens tönne niemand ein Urteil abgeben, daß die italienischen Studenten allein geschossen und dies nicht in äußerster Notwehr getan hätten. Die Abgeordneten forderten, daß auch gegen die Angreifer mit gerechter Strenge vorgegangen werde. Die Wirkung in Italien. Rom, 24. November. Aus Anlaß der Vorfälle zwischen deutfchen und italienischen Studenten an der Universität in Wien haben heute früh und heute nachmittag an der hiesigen Universität Studentenfundgebungen stattgefunden, die aber ohne bemerkenswerte Zwischenfälle verlaufen find. Eine kleine Gruppe von Studenten begab sich nach der Piazza Colonna zur österreichisch- ungarischen Botschaft, um hier Kundgebungen zu ber Fanstalten, wurde aber von der Polizei ohne Schwierigkeit zerstreut. Auch aus den Provinzen kommen Meldungen über eine Bewegung unter den Studenten infolge der gestrigen Vorgänge in Wien, doch sind bis jetzt keine bemerkenswerten Zwischenfälle zu berzeichnen. frankreich. Eine Enquete über die sozialen Bedingungen der Kriminalität. Paris, 28. November.( Gig. Ber.) Die parlamentarische Diskussion über die Todesstrafe hat die geeinigten Sozialisten veranlaßt, eine Reihe von Gefeßentwürfen auszuarbeiten, die durch hygienische und pädagogische Maßregeln der Degeneration der großstädtischen Jugend, dieser furchtbaren Verbrechensquelle, Einhalt tun sollen. Der erste dieser Vorschläge hat die Errichtung einer permanenten Untersuchungskommission aum Biel, die ihren Hauptfis in Paris und Seftionen in allen Orten, wo sich Strafgerichte befinden, haben soll. Sie soll die Vergangenheit, die sozialen Antezedenzien der Verurteilten erforschen und den Einfluß festzustellen fuchen, den die Unwiffenheit, die Verlassenheit, die Arbeitslosigkeit, das Elend, das Milieu seiner Schlupfwinkel und der Gefängnisse mit ihrem Durcheinander von unreifer Jugend und ausgewachsenem Verbrechertum, der Altohol und nervöse Entartung auf die Entstehung des Verbrechens ausüben. Die Refultate dieser Untersuchungen find alljährlich dem Barlament borzulegen. Die Kommission soll aus Richtern, Rechtsgelehrten, Boltswirtschaftlern, Soziologen, Lehrern, Professoren, Aerzten, Mitgliedern der Gesetzgebung, Bertretern der Unternehmerverbände und der Handelskammern sowie der Gewerkschaften und Arbeitsbörsen bestehen. In der Begründung dieses Vorschlages verweift Jaurès in der Humanité" auf die entsetzliche Tatsache, daß unter der britten Republik 74 junge Männer unter 20 Jahren guillotiniert worden sind. Und viele von ihnen waren teine 17 Jahre alt! England. im Parlament, den Beschluß gefaßt, an den Wahlen teilsu.fum Grawäsche und um Reinigungsarbeiten handelt, zulässig nehmen. Das jungtürkische Komitee bietet jetzt den Griechen sein soll. anstatt 3 Deputiertenmandate für Konstantinopel nur deren zwei. Perfien. Wieder aufgeschoben. Die so gestaltete Vorlage wurde dann einstimmig angenommen. Der Bericht der Kommission wird voraussichtlich in der nächsten Woche dem Plenum zugehen können. Drucksachen. Teheran, 24. November. Die Proklamation des Schahs, in der erflärt wird, der Schah habe sich entAus dem Reichstag.( Nr. 1045) Verordnung über den schlossen, fein Parlament einzuberufen, ist zurückgezogen Boftüberweisungs- und Schedverkehr( Posti che d ordnung). worden. Wie man glaubt, ist dies mit Rücksicht auf die Vorstellungen von England und Rußland erfolgt. Eine englische Regierungserklärung. erklärte auf eine Anfrage bezüglich des Neffripts des Schahs, der London, 24. November. Interbaus. Staatssekretär Grey Schah habe dies völlig im Gegensah zu den Ratschlägen getan, welche die englische und die russische Regierung im Interesse der Aufrechterhaltung der Ordnung in Persien gegeben haben, und deshalb falle die Verantwortung für die Folgen dieses Vorgehens dem Schah ausschließlich zur Last. Indien. Ein neues Attentat. Lahore, 24. November. Der Polizei Diftrittschef bon Jalalpur ist von einem eingeborenen Polizeibeamten ermordet worden. Aus der Partei. Zum Wahlfieg in Nürnberg wird uns von dort noch geschrieben: Am Montag schlugen unsere Nürnberger Genossen wieder eine heiße Schlacht. Es galt dem Anfturm auf die letzte Position, die der Freifinn- Liberalismus in Nürnberg noch inne hat: auf das Rathaus. Infolge der Einführung des Proporzes fönnen die Sozialdemokraten jezt nicht mehr aus der Gemeindevertretung ausgeschlossen werden, deshalb wurden von dem Gegner alle Kräfte darauf konzentriert, die Zahl der sozialistischen Vertreter möglichst zu beschränken und die liberale Vorherrschaft zu behaupten. Nach alter Gewohnheit glaubte dies der Freifinn durch die schlimmsten Verleumdungen und Verdächtigungen erreichen zu fönnen. Der Erfolg diefer Stampfmethoden war, wie immer, ein negativer. Fünf Parteien warben um die Gunst der Wähler: die Sozialdemokratie, die verbündeten Freifinnig- Liberalen, das Zentrum, die Bolfspartei und die Mittelstandseffentengruppen ihre Sonderlisten zu empfehlen. Das Stimmenresultat ist folgendes: Der Proteit gegen das perfönliche partei. Außerdem fuchten in legter Stunde noch einige InterRegiment und die Steuerplünderung. 5 Fünf große Protestversammlungen fanden am Sonnabend in Groß Stettin statt. In überfüllten, nicht nur von Arbeitern besuchten Versammlungen hielten die Genossen Decker, Hanisch, Hunger, Kunge und Mehlich scharfe Abrechnung mit dem herrschenden Regiment. Die Protest resolution wurde einstimmig angenommen. Sozialdemokratie. Freifinnig- Liberale. Boltspartei. Mittelstandspartei Zentrum. 9000 Bettel mit 270 000 Stimmen 6440 192 860 " " 770 28220 • " " " 1250 87 480 • " " " 1260 87 910 . " " " teilen: 9 Sozialdemokraten, 8 Liberale, 3 Mittelstandspartei und Die 20 Size, die zu befeßen sind, dürften sich wie folgt ver Zentrum zusammen. In Elbing sprach der Genosse Lipinski am Sonnabend Von allen Gemeindewahlen, die jetzt in Bahern stattfinden, in einer start besuchten Versammlung im großen Saale des beanspruchen die in Nürnberg das größte Interesse. Und zwar Vereinsgartens über den Bankrott der Reichspolitik". Die Aus- deshalb, weil hier endlich einmal eine durch vier Jahrzehnte mit Resolution wurde einstimmig angenommen. führungen fanden begeisterten Widerhall. Die Leipziger der größten Schamlosigkeit und Verleugnung der eigenen Parteigrundsätze aufrecht erhaltene Gewaltherrschaft gebrochen worden ift. Der Proporz hat mit dem freifinnigen Regiment aufIn Schlesien tagten überfüllte Versammlungen am geräumt. Bei dem bisherigen System konnte der Freifinn zulekt Sonnabend in Langenöls, am Sonntag in Tiefen- feine Herrschaft nur dadurch behaupten, daß er mit allen anderen surth, Rauscha, Loßwis, Neisse, Neustadt, bürgerlichen Barteien Kompromiffe abschloß und ihnen zum Dant Oppeln und eubusch bei Brieg. für ihre Wahlhilfe eine bestimmte Anzahl der Siße abließ. Damit Eine Massenversammlung zu Recklinghausen nahm ist es jetzt zu Ende. Alle Parteien hatten für einen Teil ihrer Kanam Sonntag nach einem beifällig aufgenommenen Referat didaten von dem Recht der Stimmenhäufung Gebrauch gemacht. des Genossen Scheibe- Dortmund eine energische Re- bunden, um die fich bei der Verteilung der Size ergebenden Zentrum und Mittelständler hatten ihre Listen miteinander verfolution gegen das persönliche Regiment wie gegen das be- Stimmenreste nicht zu verlieren und eventuell für die eine oder stehende Regierungssystem an. Scharfe Worte fielen besonders die andere der Parteien noch einen Bevollmächtigten herauszugegen das waschlappige Verhalten der hier dominierenden schlagen. Die Sozialdemokratie hatte 15 Standidaten aufgestellt, Bentrumspartei. Eine ganze Reihe Versammlungsteilnehmer, von denen sie sechs je dreimal und brei je zweimal häufte, die Männer wie Frauen, meldeten sich zur Aufnahme in den sozial übrigen erhielten einfache Stimmen. Die Sozialdemokratie hatte bor drei Jahren 5400 Stimmen aufgebracht gegen 8100 der ge= demokratischen Verein. samten bürgerlichen Parteien. Damals betrug die Zahl der Wahlberechtigten 16 300. Inzwischen war fleißig gearbeitet worden, um recht viele Genossen zum Erwerb des Bürgerrechts zu veranlassen. Der Erfolg dieser Agitation, die freilich auch auf der Gegenseite mit vermehrter Tätigkeit beantwortet wurde, zeigte sich in der Bunahme der Wahlberechtigten. Die Wäblerlisten wurden am 2, NoDie Kommission zur Bératung der Gewerbeordnungsnobelle bember mit 22000 Wahlern abgeschloffen; seitdem waren aber beendete gestern die zweite Befung des Zeiles noch weit über 1000 Bürgerrechtsverleihungen erfolgt, so daß mehr der Gewerbeordnungsnobelle, der mit ber als 28 000 Wähler borhanden waren. Die erdrückende Mehrheit Berner Konvention in Verbindung steht. Der der neu zugegangenen Wähler bestand aus Arbeitern. Antrag unserer Genossen auf besondere Bezahlung für die lle ber. arbeitszeit mußte zurüdgestellt werden, weil die National liberalen und das Zentrum leider gegen seine Beratung an dieser Parlamentarifches. Die Gewerbeordnungsnovelle. Die Nürnberg, 24. November. ( Privatdepesche des Vorwärts".) , Gemeindewahlen. Stelle ber Novelle Widerspruch erhoben. Die elfstündige Nach neuerer amtlicher Berechnung find nicht neun, fondern Ruhezeit für Arbeiterinnen war auf Antrag unserer Genoffen en Sozialdemokraten gewählt. Die Hälfte in der ersten Lesung in§ 189a, Biffer 5, hineingebracht. Diese ber Sige fällt also bei der Drittel Erneuerung der SozialBiffer ermächtigt den Bundesrat, Ausnahmen von den Schutz- demokratie zu. Jm ganzen find gewählt: zehn Sozialdemokraten, bestimmungen für solche Gewerbe auzulassen, in denen die Ber- acht Liberale, ein Mittelständler und ein Zentrumsmann. richtung der Nachtarbeit zur Verhütung des Verderbens von Rohstoffen oder des Mißlingens bon Arbeitserzeugnissen dringend erforderlich erscheint. In Fürth i. B. fielen bei der Stadtverordnetentvahl am Vertreter der braunschweigischen und preußischen Regierung fratie und den Freifinnigen und Nationalliberalen 4 Mandate zu. Montag der Sozialdemokratie 6 Mandate, der Demohatten lebhaftesten Widerspruch gegen die Notwendigkeit der Die Kommunalwahlen in Schleswig- Holstein, Gewährung einer Mindeftruhezeit von elf Stunden erhoben, weil die laut Städteordnung im November stattgufinden haben, brachten die Konservenfabriken für Gemüse und Obst mit solcher Be- der Sozialdemokratie in einer ganzen Reihe von Gemeinden schöne ftimmung nicht auskommen fönnten. Das Zentrum fam der Erfolge. Sie hat in behoe, Lauenburg und, wie schon Regierung entgegen. Es beantragte die Ueberschreitung der telegraphisch gemeldet wurde, in Wandsbed Mandate erobert, Arbeitszeit für 60 Tage und eine Berkürzung der Ruhezeit bis während in Flensburg, Neumünster, Altona und anderen auf 8% Stunden für die betroffenen Gewerbezweige zu gewähren. Orten unsere Genossen den vereinigten Gegnern hart auf den Leib Vergeblich legten Moltenbuhr und Stadthagen die Ent. gerüt find, so daß bei den nächsten Wahlen die Mandate der Sozialbehrlichkeit solcher Ausnahmebestimmung dar und verlangten, bie fratische Stimmenzuwachs ein ganz enormer, hat er sich verdoppelt Semokratie zufallen dürften. In mehreren Orten ist der sozialdemo Ausnahmen eventuell auf Ronservenfabriten und sogar verdreifacht. für Gemüse oder Obst zu beschränken, die Fisch= Besonders heiß und interessant war der Verlauf der Wahl räuchereien und Fischkonservenfabriken und in Wandsbed, einer 35 000 Seelen zählenden Nachbargemeinde andere Industriezweige also nicht unter die Samburgs. Hier hat von jeher ein ebenso borniertes wie Ausnahmebestimmung zu bringen. Ihr Antrag brutales Spießertum bas Rathaus beherrscht und, um unseren Ge wurde aber gegen ihre und die Stimmen der Ab- noffen die kommunale Mitarbeit zu verwehren, den höchfizulässigen geordneten Botthoff und Gothein( frs. g.) ab. gelehnt. Der Antrag des Zentrums gelangte mit einem Amendement des Abgeordneten Schack, daß die Mindest zuhezeit nicht 8% Stunden, sondern 9 Stunden betragen solle, zur Annahme, Bahlzenfus von 1850-1500 9. eingeführt, während er in anderen größeren Gemeinden der Probing 900-1350 beträgt. Jn gäber, unermüdlicher Agitationsarbeit, die schon Anfang der neunziger Jahre einfezte, haben unsere Genossen Breiche in diefes reaktionäre Bollwert geschoffen, indem sie im vorigen Jahre einen und bei der Der Auskauf der irischen Großgrundbesiter. Wahl am Montag drei Genoffen in das achtzehn Köpfe starte StadtLondon, 23. November. Unterhaus. Der Cheffekretär In§ 154a hatte die Kommission dem Verbot der Beschäfti- folleg wählten. In den nächsten Jahren werden die Spießer glatt für Irland Birrell brachte ein Gefeß ein, betreffend Ab- gung von Arbeiterinnen in Bergwerten unter Tage binausgewählt werden. Die Furcht vor der öffentlichen Stimm änderung des gegenwärtigen Systems für Banderwerb in Irland. Birrell legte die Gründe bar, warum die finanziellen auch das Verbot der Beschäftigung über Tage beigefügt. Hier- abgabe ist überwunden, das auf Terror geftimunte Wahlrecht schrect Maßregeln des Systems versagt haben, und führte aus, daß die gegen liefen die Werksbefizer in Oberschlesien Sturm. Sie be- das Proletariat nicht mehr zuriid, bielmehr schreit jetzt das Bürgerbereits abgeschloffenen Landerwerbsgeschäfte sich auf 25 Millionen haupteten, daß über 9500 Mädchen im Alter von 16 bis 24 Jahren tum itach einem„ befferen" Wahlrecht. Pfund Sterling belaufen, während die noch im Verhandlungs. mit lediglich leichten Arbeiten beschäftigt würden und daß eine Die Mishelligkeiten in der sozialistischen Arbeiterbewegung Englands. ftadium befindlichen Geschäfte einen Wert von 52 Millionen dar- Grfagarbeit sich nicht finden würde. Zwei preußische Rea Unser Londoner Korrespondent schreibt uns: stellten und die zukünftigen Geschäfte auf 100 Millionen geschäßt gierungsvertreter unterstützten eindringlich das Begehren Die Ablehnung Hyndmans und Graysons, zufammen mit Keir würden. Er schlage vor, daß der Reichsschazz den irischen Pachte der Werksbesitzer. Auch der Abgeordnete Gothein( frf. Vg.) Hardie auf einer Tribüne zu sprechen, hat die Mißhelligkeiten in der zahlern dadurch zu Silfe komme, daß er die Verantwortung hält die Beschäftigung von Arbeiterinnen in Bergwerksbetrieben sozialistischen Arbeiterbewegung verschärft. In einem Eingesandt an für die Verluste übernehme, die durch Begebung der Anleihe unter pari entstehen könnten; diese Verluste könnten fich über Tage für nicht gesundheitsschädlich und einen Ersatz der die" Daily News" protestiert der Arbeiterabgeordnete Peter eventuell auf 660 000 fund Sterling jährlich belaufen. Be Arbeit für unmöglich. Genoffe Moltenbuhr legt dar, die Be Curran gegen die Beleidigung, die Hardie zugefügt wurde. züglich der im Verhandlungsstadium befindlichen Geschäfte sollten schäftigung der Arbeiterinnen im oberschlesischen Bergbau ist lebig- Curran betrachtet die Sozialdemokratische Partei( früher: Sozialdie Grundeigentümer die Wahl haben, ob sie das aufgeld in lich eine Lohnfrage. Die Arbeiter in Rheinland- Westfalen er- demokratische Föderation) als die Unruheftifterin. Anleiheanteilen oder teilweise in solchen und teilweise in bar hielten nach den amtlichen Nachrichten im Jahre 1907 gegen 2 M. fiche Ich mit der Frage der Zukunft der Arbeiterpartei". Gr Im laufenden Monatsheft des Social- Demokrat" beschäftigt wollen, während bezüglich der zufünftigen Geschäfte eine neue mehr als die in Oberschlesien, soweit es sich um Arbeit unter wirft ihr vor, daß ihre Selbständigkeit noch vieles zu wünschen 3 proz. Anleihe begeben werden solle. Tage handelt, und etwa 1 M. mehr, soweit die Arbeit über übrig laffe. Mangels eines fozialistischen Programms habe der Tage in Frage kommt. Die Arbeiterin erhält in Oberschlesien Liberalismus innerhalb der Arbeiterpartei einen großen Spielraum. aber nur etwas über 1 M., im Jahre 1907 durchschnittlich 1,24 M.! Die Arbeiterfraftion habe aus Rüdsicht auf die liberale ReFür diesen billigen Lohn find allerdings auch ausländische Arbeiter gierung die Arbeitslosenfrage im Barlament nicht mit der nötigen nicht zu haben. Dieser niedrige Lohn ist der Grund für die Energie vertreten. Wolle bie Arbeiterpartei eine Zukunft haben, fo Beschäftigung der im Haushalt ihrer Eltern lebenden Mädchen. müsse sie sich in eine sozialistische Partei der Arbeiterklasse verSchließlich gelangte mit allen Stimmen der Kommission, auch wandeln. denen Macdonald Beschäftigt sich in der heutigen Nummer bes 5e8 Zentrums, gegen Die Stimmen Labour Leader" mit der Haltung der Arbeiter in der Arbeitslosene unserer Genossen die Abschwächung zur Anfrage und behauptet, daß es für fie ganz unmöglich war, anders zu nahme, daß für Arbeiterinnen die Arbeit über Tage, soweit handeln. Die Regierung lehnte es entschieden ab, eine Gefeßesvorlage es sich um laubearbeit( Aussonderung der Steine von der Stohle), betreffend Arbeitslosigkeit in der gegenwärtigen Tagung einzubringen Gegen die Schankbill. London, 24. November. Eine Versammlung unionistischer Mitglieder des Oberhauses hat mit großer Stimmenmehrheit beschlossen, die neue Schantgefegvorlage in zweiter Lesung zu verwerfen, Cürkei. Die Wahlen. Konstantinopel, 24. November. Die Griechen in Bera haben in einer Versammlung, unter Borbehalt des Proteftrechtes «et anzunehmen, da seit mehreren Monaten eine Speziassommisflon über doS geltende Armengesetz berät und bald einen Bericht darüber mit den nötigen Reformvorschlägen deni Parlamente unterbreiten wird. Die Regierung wartet auf die Ergebnisse der Kommission. Die Arbeitertraktion konnte also vorläufig mir auf die Ergreifung von Berwaliungsmaßregeln dringen und das habe sie auch getan. Alle Anklagen, die in dieser Beziehung gegen die Arbeitersraltion erhoben Werden» beruhten auf einer Berkennung der parlamentarischen Lage. poliseilicke», Gericbtiicbcs ufw. Wie sozialdemokratische PrcMmder behandelt werden. Genosse Steinkamp vom«Volksblatt" für Bochum hatte in der Strafanstalt Werl eine einmonatliche Gefängnis st rase wegen Beleidigung des Kriegsministers zu verbngen. Trotz seines Protestes und trotz seines Hinweises, dah er ein olles, chronisches Magenleiden habe, wurde ihm keine Kiankenkost bewilligt, er hat vielmehr das gewöhnliche Brot zu kosten bekommen. Sofort nach der Entlassung ist er nun von seinem alten Leiden wieder befallen worden und hat sich in ärztliche Behandlung begeben müssen. Seine Wiederherstellung wird nach Aussage des Arztes Wochen erfordern. Hws Induftrie und Handel. Nheimsch-wcstfalisches Kohlensyndikat. Der Beirat des Kohlensyndikats hat nun endlich beschlossen, �ine Preisermäßigung für Koks und Kohlen eintreten zu lassen. ES sollen ermäßigt werden die Rohpreise für Hochofenkoks für die Zeit vom� 1. Januar bis 30. September 1909 um zwei Mark pro Tonne, für Kokskohle um 1,25 M. pro Tonne. Die Preise für die übrigen Kokssortcn. für Briketts und Jndustrickohlen wurden für das nächste Abschlutzjahr, das ist vom 1. April 1909 bis 31. März 1910, um 0,25 bis 1.00 M. pro Tonne ermäßigt; die Preise für gröbere Kohlensorten blieben unverändert. Aus dem der Zechenbesitzcrversammlung erstatteten Bericht ist folgendes zu entnehmen: Der rechnungsmäßige Absatz betrug im Oktober bei 27(im gleichen Monat des Vorjahres 27) Arbeits- tagen 5 530 623(Vorjahr 5 999 806).Tonnen oder arbeitstägtich 206 690(Vorjahr 222 215) Tonnen. Von der Beteiligung� die sich im Oktober auf 6 959 517(Vorjahr 6 876 382) Tonnen beziffert, sind danach 80,19 Prozent(Vorjahr 87,25 Prozent) abgesetzt worden. Der Versand einschließlich Landdebit, Deputate und Liese-- rungen der Hütenzcchen an die eigenen Hüttenwerke berug an Kohlen bei 27 Arbeitstagen(Vorjahr 27) 4 812 986(Vorjahr 4 690 462) Tonnen oder arbeitstäglich 179 370(Vorjahr 173 721) Tonnen; an Koks bei 31(Vorjahr 31) Arbeitstagen 1033 282 (Vorjahr 1316 521) oder arbeitstäglich 33 493(Vorjahr 43 436) Tonnen; an Briketts bei 27(Vorjahr 27) Arbeitstagen 273 031 (Vorjahr 259 280) Tonnen oder arbeitstäglich 10 112(Vorjahr 9603) Tonnen. Hiervon gingen für Rechnung des Syndikats an Kohlen 4 032 093(Vorjahr 4 015 204) Tonnen oder arbeitstäglich 149 337(Vorjahr 148 711), an Koks 782 823(Vorjahr 1135 116) Tonnen oder arbeitstäglich 25 252(Vorjahr 36 617) Tonnen, an Briketts 264 442(Vorjahr 254 073) Tonnen oder arbeitstäglich 9794(Vorjahr 9410) Tonnen. Die Förderung stellte sich insgesamt auf 7 102 633(Vorjahr 7 164 214) Tonnen oder arbeitstäglich auf 263 062(Vorjahr 265 341) Tonnen und im September 1903 auf 7 071 746 rcsp. 271 990 Tonnen. Der Bericht führt weiter aus: Die Ausführungen des vor- monatlichen Berichtes über die im Monat Oktober dieses Jahres ausfallend starke Abschwächung des Brennmatcrialbedarss und über den infolgedessen zu gewärtigenden weiteren Rückgang des Absatzes hoben durch t�e vorstehenden Zahlen ihr volle Bestätigung ge- funden. Der rechnungsmäßige Absatz ist mit arbeitstäglich 206 690 Tonnen aus einen so tiesen.Stand gesunken, wie er seit November 1905 nicht mcchr zu. verzeichnen gewesen ist. Er weist im Vergleich zu dem schon recht ungstnjtigcn Ergebnis des Vor- monats eine Abnahme von 5,9 Prozent und gegen den gleichen Monat des Vorjahres eine solche von 6,99 Prozent auf. Auf die Beteiligung wurden 80,19 gegen 85.25 Prozent im Vormonat abgesetzt. Ebenso ungünstig haben sich die Verhältnisse im Absätze für Rechnung des Syndikats gestaltet. Derselbe stt hinter dem Ergebnis des Vormonats arbeitstäglich in Kohlen um 8,03 Proz.. in Koks um 1,43 Prozent und in Briketts um 1,26 Prozent zurück- geblieben. Wegen des herrschenden, sich auf alle Sorten, ins- besondere aber aus Feinkohle erstreckenden Absatzmangels war das Snndikat wiederum genötigt, größere Mengen der abgenommenen Kohlen und Briketts zu lagern. Auch die Koksbestände aus den Zechen haben infolge der anhaltend schwachen Anforderungen der Hüttcnzecken wiederum eine Erhöhung erfahren. Der Absatz in Breckkoks war nach Lage der allgemeinen wirtschaftlichen Per- Hältnisse befriedigend. Die ungünstigen Absahverhältnisse dauern im laufenden Monate ungeschwächt fort. Sie haben zeitweise sogar noch eine Verschlechterung durch die Behinderung erfahren, die der Wasser- Umschlagsverkehr über die Rhein.Ruhrhäfen infolge des niedrigen Wasserstandes und vorübergehend auch durch Frostwetter er- litten hat._ 10 Millionen Mark Reingewinn. Die Siemens-Schuckert-Werke,©, m. b. H.. erzielten nach der dem Aufsichtsrat vorgelegten und von diesem akzeptierten Bilanz bei reichlichen Abstellungen und Rückstellungen einen Reingewinn von 10194 910 M. Es soll daraus den beiden Gesellschaftern als Gewinnanteil 9 000 000 M. überwiesen, 800 000 M. für Grati- fikationen an Angestellte und Arbeiter und 350 000 M. zur Dotierung des Dispositionsfonds verwendet und der Rest von 44 910 Mark auf neue Rechnung vorgetragen werden, lieber das laufende Geschäftsjahr wurde berichet, daß die bisher eingegangenen Be- stellungcn diejenigen der gleichen Periode des Vorjahres nicht un- wesentlich übersteigen._ Zahlungseinstellungen der Bonner Bank für Handel und Ge- werbe. Die Bonner Bank für Handel und Gewerbe hat ihre Zahlungen eingestellt. DaS Aktienkapital der Bank, die im Jahre 1875 begründet wurde, beträgt 3 000 000 M., die Rücklagen macaen etwas über 1 000 000 M. aus. Es sind nicht unbeträchtliche Be- träge von Depositengeldern bei ihr eingezahlt. Die Kossen der Bank blieben am Montag geschlossen. Die Zahlungen sind em- gestellt. Die Bank hat in Grundstücken sehr große Beträge fest- gelegt, so von einer Godcsberger Baugesellschaft allein 3 000 000 Mark zu fordern. Darin liegt auch die Ursache der Schwierigkeiten. Das Altienlapital und die Reserven der Bank gelten als völlig verloren. Inwieweit die übrigen Gläubiger befriedigt werden können, steht noch nicht fest, dock dürfte auch hier ein größerer Ausfall wahrscheinlich sein. Dcpositengläubiper sind hauptsächlich der Bonner Bürgerstand und eine Reihe von Stiftungen, Soziales» Protestversammllmgrn der Konsumvereine ßtgta die GesellschastS- ftcuer. Die Konsumvereine find eifrig an der Abwehr gegen den Teil beS Gesetzentwurfs über die Gesellsckmstssteuer. der sich gegen sie richtet. Dieser will bekanntlich die Konsumvereine, die schon mit Sievern aller Art reichlich bedacht sind, mit einer neuen Steuer be- lasten. Der Unterverband der Konsumvereine der Provinz Brandenburg hält zum Zwecke der Information über die Tragweite des Gesetzentwurfes Bezirksversammlungen ab. Nachdem am IS. November eine solche Versammlung in Liegnitz statlgeiunden hatte. die sich gegen jede Besteuerung aus- gesprochen hat, kamen am letzten Sonntag vre Konsum- vereine der Niederlausitz in KottbuS zusammen, um ebenfalls gegen den Gesetzentwurf Stellung zu nehmen. Genosse Karl Giebel-Berlin, erläuterte in einem emstundigen Vor kage eingehend den Entwurf. Redner wieS an der Hand von vielen l Verkrauensmännerfitzung, der Versammlung, za beschließen, daß Beispielen dre Un Haltbarkeit der dem Gesetzentwurf bei-, die Werlstattkommissionen am Montag den betreffenden Fabri- gegebenen Begründung und die Ungerechtigkeit der Steuer nach.| kanten die mit den Firmen Sindel und Wiedemann getroffenen Die Konsumvereine stellen Personenveremigungen dar, die sich zwecks Abmachungen vorlegen und bis Mittwoch endgültig Antwort ver- Bcichassung �billiger«.ebeiisinittel zusammengeschlossen haben� und langen soll, ob diese Abmachungen anerkannt werden oder nicht. können somit mit ausbeulenden Äktiengeiellfchaften nach keiner Richtung verglichen werden, deren direkiester Gegenpol sie sind. Die neue SMier gegen die Konsumvereine ist ein Ausnahmegesetz gegen die ärmeren Volksschichten. Eine lebhafte Diskufsion legte Zeugnis davon ab. daß der Ernst der Situation erlannt wurde. Der Vorsitzende Paul Müller- Berlin forderte noch zum einmütigen Protest gegen den Eulwurf auf, den. er als eins Konzession an die wirtschaftlichen und politischen Scharf- macher kennzeichnete._ Gcwerltfchaftlicbea* Ein gefundenes Fressen ist natürlich der arbeiterfeindlichen Presse die Form der De- batte über den„Post"°Prozeß. die R e r h ä u s e r und seine Freunde ihr zu geben versuchen. Unter der Ueberfchrist„Der „Vorwärts" nackt" leistet sich„Das Reich" einen Leitartikel, in dem das Blatt ein Flugblatt des Ortsvereins Bielefeld des Buchdruckerverbandes ausbeutet und sich auf einen Artikel des Setzers Mahlo im„Korrespondent" über angebliche M,ß- stände im„Borwärts"-Betriebe stützt. Eigene Geistesblitze verschwendet die Redaktion des„Reich" in ihrem Leiter nicht. wenn man nicht das Folgende dafür ansehen will: „Die Frage, wie sich die sittliche Schuld an diesen immer Wieder auftauchenden Bitternissen verteilt, ist weniger wichtig; wesentlich ist, daß trotz aller guten Löhne und Wohlfahrts- einrichtungen, aus die man in der Druckerei der Lindenstraße so stolz ist, nicht einmal dieS glänzend rentierende Unternehmen ein erträgliches Verhältnis im Betriebe herstellen kann. Die Predigt des Klassenkampfes röcht sich an ihren eigenen Kindern." In den Zwistigkeiten im.,Vorwärts"-Betriebe einen Ausfluß des Klassenkampfes zu sehen, blieb allerdings der Redaktion des„Reich" vorbehalten. Was die„Tatsachen" betrifft, mit denen Mahlo im „Korrespondent" aufwartet, so mag es genügen, dazu ein paar Zeilen aus einem Schriftstück des Genossen Böhm an uns wiederzugeben, der sich gegen Mahlo u. a. wie folgt verwahrt: „Am letzten Zahlabend hat Mahlo u. a. behauptet, ich. als Mitglied der Neunerkommission des„Vorwärts", hätte ihn vor zwei Jahren zum Diebstahl einer im„Vorwärts" gedruckten „Buchbinder-Zeitung" verleiten wollen. Ich erkläre dies für unwahr! In RexhäuserS Organ vom 21. November d. I. behauptet ferner Mahlo in einem Artikel, ich hätte ihn in derselben Angelegenheit zum Vertrauensbruch verleiten wollen. Auch dies ist unwahr! Anlaß zu seinen Verdächtigungen gaben die von ihm überall kolportierten angeblichen Mißstände im„Vorwärts". Ich möchte doch nur einmal die„Buchbinder-Zeitung" lesen, so lamentierte Mahlo vor zlvei Jahren; dann würde ich staunen, wie eS in dem genannten Betriebe zuginge. Ich erbat die Zusendung der be- treffenden Artikel, damit ich dieselben in einer gemeinschaftlichen Sitzung der Firmenträger, der Neunerkommission und der Ge- schäftsleitung vorlegen könne. Die Artikel sind mir nicht zu- geschickt worden. Mahlo aber zur Erlangung einer„Buch- binder-Zeitung" durch Diebstahl oder Vertraucnsbruch bewegen zu wollen, ist mir nicht eingefallen." Dies zur Kennzeichnung des Herrn Mahlo. den wie vorher die„Post" jetzt„Das Reich" als Gewährsmann heran- zieht. WaS nun die Verhältnisse in der„Vorw3rts"°Druckerei anbelangt, so können wir uns diescrhalb aus die Wiedergabe einer Aeußerung beschränken, die unserem Freunde Rex» Häuser gelegentlich der damaligen Debatte über dieselbe Angelegenheit vor zwei Jahren im„Korrespondent" ent- schlüpfte. Er schrieb damals wörtlich: „Daß die Arbeitsverhältnisse im„Vorwärts" besser find als in den meisten bürgerlichen Betrieben, ist oobestritten. Das ist aber doch selbstverständlich." Die Redaktion des„Reich" würde sich den Dank der Buch- drucke? nnt Recht verdienen können, wenn sie, statt aus allzu durchsichtigen Gründen in hähmischer Weise über die Zustände in der ,.Vorwärts"-Druckerei zu leitartikeln. tatkräftig daran ginge, den Lohn- und Arbeitsverhältnissen des„Vorwärts"» Betriebes Eingang in der Druckerei des„Reich" zu ver- schaffen! Kerll« und llmq-eqenck. Die Lohnbewegung der Militärsattler. In einer außerordentlichen Branchenversammlung der Militär- sattler, die am Sonntag im großen Saale des Gewerkschaftshauses stattfand, berichtete Riedel über den Stand der Lohnbewegung. Gemäß dem Beschluß der Versammlung vor acht Taijen hatten Riedel und M ü n t n e r sich zunächst nach dem Reichstag be- geben und dann auch um eine Unterredung im Kriegsministerium nachgesucht. Der Abgeordnete Singer, an den sie sich zuerst wandten, erklärte, daß augenblicklich die Zeit, die Sache im Reichs- tag zur Sprache zu bringen, sehr ungünstig sei; das könne mit Aussicht auf Erfolg erst'bei der Etatsbcratung geschehen. Das beste wäre, wenn sie sich erst einmal an den betreffenden Dezer- nenten des Kriegsministeriums wendeten. Am Freitag vormittag hatten sie dann auch eine Besprechung mit dem Adjutanten des Kriegsministers. Dieser erkannte die Forderungen der Militär- sattler als berechtigt an, versprach in dieser Hinficht sein mög- Iichstes zu tun und auch mit den Fabrikanten Rücksprache zu nehmen. Er erklärte auch, daß die Heeresverwaltung selbst- verständlich großen Wert daraus lege, daß nur gutes Material zu den Arbeiten verwandte werde, und wünschte womöglich schon am nächsten Tage Mitteilung über die weitere Stellungnahme der Fabrikanten zu erhalten. Diesem Wunsche konnte jedoch nicht nach- gekommen werden, da die Lohnkommission selbst am Sonnabend- nachmittag noch keine Mitteilung darüber erhalten hatte, obwohl die Frist, in der die Antwort der Fabrikanten eintreffen sollte. bereits am Mittag desselben TageS abgelaufen war. Wie später bekannt wurde, hat die Fabrikantenvereinigung am Freitag einen Tarif ausgearbeitet, dessen Preise größtenteils mit den in den Spandauer Staatswerkstätten gezahlten übereinstimmen, für ein- zelne Artikel jedoch niedriger angesetzt sind. Was diesen Tarif außerdem und vor allem unannehmbar macht, ist, daß die Lieferung von Faden und Wachs abgelehnt wird. Zu Verhandlungen fanden die Unternehmer sich nicht bereit. Es hat aber dann am Sonn- abend eine besondere Verhandlung mit den beiden Firmen S i n d c r und Wiedemann stattgefunden, die fünf Stunden dauerte und schließlich zu einer Einigung führte. Die beiden Firmenvertreter hatten erklärt, daß sie lieber vi« festgesetzte Konventionalstrafe— die 500 Mk. betrogen soll— zahlen wollten, als einen Streik ris- tieren. Der Tarif, der hier vereinbart wurde, weicht nur in ein- zelnen Punkten und um wenige Pfennige von den Spandauer Preisen ab, und die Lieferung von Faden und Wachs ist ebenfalls bewilligt. Die Vertraucnsmannersitzung, die daraufhin stattfand. beschloß dann auch, das Angebot der beiden Firmen gutzuheißen. Im übrigen hat die Firma Becker die Forderungen der Militär- sattler ohne Einschränkung anerkannt. Die genannten drei Firmen beschäftigen über die Hälfte der an der Bewegung be- teiligten Arbeiter. Von den anderen Firmen zeichnet sich Felix Eobau dadurch aus, daß hier an den von den Fabrikanten fest-, Den Werkstattsitzungen, die am Mittwochabend stattfinden, soll es dann überlassen bleiben, selbständig über die vielleicht unver- meidliche Arbeitsniederlegung zu beschließen. In der regen aber sachlichen Diskussion, die dem Bericht folgte, sprachen sich mehrere Redner dagegen aus, den Fabrikanten noch- mals eine Bedenkzeit zu gewähren, und hielten es für zweckmäßiger, bei Ablehnung des Angebotes sofort in den Streik zu treten. Die Mehrheit war jedoch der Meinung, daß man erst alle friedlichen Mittel erschöpfen solle, und demgemäß stimmte die Versammlung schließlich den Vorschlägen des Referenten zu und ebenso dem mit Sindel und Wiedemann getroffenen Ucbereinkommcn. Im übrigen wurde hervorgehoben, daß die von den beiden Firmen erwähnte Konventionalstrafe als ein Verstoß gegen die guten Sitten keines- Wegs rechtsverbindlich sein kann. Ferner wurde erwähnt, wie der Fabrikant Backhaus einen großen Posten Hufeisentaschen zur Anfertigung übernahm und zwar für 93 Pf. das Stück. Er gab sie weiter an Zwischenmeister, die sie für 80 Pf. lieferten. Ein Zwischenmeister, der bei Freiberg in Sachsen ansässig ist, ließ sie von böhmischen Arbeitern für 60 Pf. das Stück anfertigen. Die Arbeiter der Spandauer Staatsweristättcn erhalten aber für dieselbe Arbeit bei freier Lieferung von Faden und Wachs 1,07 M. Der Preis ist also durch die Geschäftemacherei der Mittelspersonen fast auf die Hälfte, und so tief herabgedrückt worden, daß man schließlich die billigsten ausländischen Arbeitskräfte zur An- fertigung heranziehen mußte. Sonntagsruhe in der Photographie? Am Donnerstag, abends 8� Uhr, findet in Mendts Prachtsälen, Münzstr. 17, abermals eine öffentliche Versammlung der Berliner Photographen statt. In der- selben soll das Resultat der bei den Inhabern photographischer Ateliers stattgehabten Abstimmung bekanntgegeben und über weitere Maßnahmen in dieser Angelegenheit beralen werden. Ge- nosse Reichstagsabgeordneter Hildenbrandt referiert über das Thema:„Der Kampf um die Sonntagsruhe und das Resultat unserer Abstimmung." Das allgemeine Interesse, welches die Frage der Sonntagsruhe seit langem von allen Bcrufsangehörigen entgegengebracht wird, läßt einen starken Besuch dieser Versamm- lung erwarten. Ocutfdics Reich. Masscnkündigung von Bergleute». Auf Zeche Friedrich der Große in Herne wurde 150 Bergleuten wegen Mangel an Absatz gc- kündigt. Unter den dortigen Bergleuten herrscht eine sehr ge- drückte Stimmung. Husland. Lohnkampfkrcdit der schwedischen Buchdruckereibesitzer. Der Tarifvertrag der schwedischen Buchdrucker läuft mit dem 31. Dezember ab. Für den Fall, daß ein neuer Vertrag nicht zustande kommt und damit ein Lohnkampf ausbricht, hat ein Konsortium von 17 Banken den Buchdruckcreien einen Kredit von 2 Mit- lionen Kronen zugesichert. Die Prinzipale haben diese Tat- fache durch Telegramme in allen Zeitungen des Landes verkünden lassen, offenbar um mit ihrer Kriegsanleihe der Gehilfenschaft von vornherein einen heilsamen Schreck einzujagen, was aber sicherlich ein verfehltes Beginnen ist. Letzte JVachnchten und Depefchea Ncntenfestsctzung für Nadbod. Das offiziöse Wollssche Dcpeschenbureau verbreitet über die Rcntensestsetzung für die Hinter» bliebe neu der Katastrophe von Radbod folgende Notiz: Bochum, 24. November. Bei dem Unglück auf der Zeche Radbod sind 341 Personen getötet und 27 verlebt, mithin waren 363 Personen von dem Unglück betroffen worden. Das Sektions- vcrwaltungsburcau der Knappschofts-Berufsgenosscn'chaft hat die erforderlichen Arbeiten für das Rentenfestjetzungöverfahreli un» verzüglich aufgenommen und so gefördert, daß mit der Auszahlung der Entschädigungen für die Hinterbliebenen seitens der zuständigen Postämter am 19. November begonnen werden konnte. Die letzten Zahlungsanweisungen sind, soweit deren Ausfertigungen erfolgen konnten, der kaiserlichen Obcrpostdirektion in Dortmund am 22. November vormittags eingesandt worden. In 71 Fällen konnte das Sterbegeld, und in 79 Fällen die Hinterbliebenenrente noch nicht angewiesen werden, weil der Wohnort der Hinterbliebenen noch nicht zu ermitteln war. Die Fürsorge für die Ausländer wird stattfinden, wenn die erforderlichen Urkunden durch die betreffenden Konsulate beschafft worden sind, wozu sich diese schon bereit er- klärt haben. Die bis jetzt festgesetzten Unfallentschadigungen be- tragen a) einmalige Ausgaben für 341 Getötete 36 536,23 M. Sterbegeld oder im Durchschnitt pro Kops 107. l4 M., b) fortlaufende Ausgaben für 232 Witwen mit 567 Kindern 184 010,34 Mark. Im Durchschnitt entfallen aus jede Familie rund 800 M. (genau 793.15 M.j. Danach erhalten 6 Waisen zusammen eine JahrcSrente von 1382,22 M. Nach den Feststellungen der Knapp. schaftS-Benifsgenossenschaft werden an Nenten beziehen: 31 Witwen mit mehreren Kindern eine JahrcSrente von 1000—1100 M.. IIS Witwen mit mehreren Kindern eine Jahresrcnte von 90—1000 M.. 2 Witwen mit mehreren Kindern eine Jahresrente von 800— 900 M., 4 Witwen mit me Heeren Kindern eine Johrcsrente von 790— 800 M., 32 Witwen mit einem Kinde eine Jahresrente von 600— 700 M„ 1 Witwe mit einem Kinde eine Jahresrcnte von 573.12 M.. 1 Witwe mit einem Kinde eine JahrcSrente von 476,40 M., 46 alleinstehende Witwen eine Johresrente von 300—400 M.. 3 allein- stehende Witwen je eine Jahresrente von 375.88 M.. 1 alleinstehende Witwe eine Johresrente von 233,20 M. Die Verhandlung über Aszendcntenansprüche sind, sobald solche bekannt geworden, eingeleitet, haben aber ihren Abschluß noch nicht finden können. Zurzeit befinden sich noch 22 Verletzte im Krankenhause, während 5 inzwischen entlassen werden konnten. Protest gegen den Eidbruch deS Schahs. Teheran, 24. November.(Meldung des Neuterschen BureauS.) Die englische und die russische Gesandtschaft haben am Sonntag gegen die Proklamation des Schahs, kein Parlament einberufen zu wollen, energischen Protest eingelegt. Einige Exemplare der Pro- klamation wurden von den Straßenecken und den Moscheetüren hcrabgerisscn. Gestern wurden einige Personen verhaftet, weil sie gesagt hatten, der Schah habe seinen Eid auf die Verfassung ge- brachen. Die Bevölkerung zeigte jedoch im allgemeinen Gleich- gültigkeit gegen die Frage der Einberufung des Parlaments. Man glaubt, daß ihre Haltung auf die Furcht vor den Kosalra zurück- zuführen ist. Auf den Gesandtschaften wurde der Genugtuung darüber Ausdruck gegeben, daß der Schah sich guten Ratschlägen zugänglich erwiesen hat.__ Straßenkämpfe in Nanking. New York, 24. November.(W. T. B.)(Auf deutsch-atlantischem Kabel.) Nach einer Meldung auö Peking haben in Nanking Straßenkämpfe stattgefunden. Ein Teil der dortigen Ausländer ist auf das britische Kanonenboot geflüchtet. Auch ein deutsches Kanonrnboo« liegt vor Nanking._ Opfer der Wirbclstürme. Little Rock, 24. November.(W. T. B.) Infolge der Wirbel- c.oo°u vauuiuj—. uuB„„, stürme sind in Arkansas 50 Menschen UMS Leben gekommen. Eine gesetzten Preisen bei einzelnen Artikeln noch Abzüge gemacht! große Anzahl von Ortschastcu wurde zernort, unter ihnen die werden.— Der Referent empfahl nun, im Einverständnis mit der deutsche Niederlassung Peney. Verantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil veranto.; Ih, Glocke, Berlin. Druck u.VcrIag:VorwärtöBuchdr.u.BerlagsanstaIt PaulSingerLiEo„Bcrlin�V. Hierzu Z Beilage« u.Naterhalwngsbl. Hl. 276. 23. ZahrglMg. 1. KkW des LsmÄs" Kcckicr NsIdsdlÄ Mittwoch. 23. November 1968. R.eLcKstag. tv7. Sitzung vom Dienstag, den 24. No bemBer, nachmittags 1 Uhr. Slm BundeSratStische: von Bethmann» Hollweg. Dr. D e l b r ü cl. Präsident Graf Stolterg teilt mit, daß die Belgische Kammer der Repräsentanten am 17. d. Mts. dem Deutschen Reich als einer Befreundeten Nation ihr lebhaftestes Mitgefühl mit der schrecklichen Katastrophe zu Radbod ausgedrückt hat. Der kaiserliche Ge- sandte in Brüste! hat den Dank der Reichsregierung ausgesprochen. Der Präsident schlägt vor, dah auch der Reichstag der belgischen Kammer der Repräsentanten den Dank für die Teilnahme ausspricht. Die Mitteilung wird von den Abgeordneten, welche sich erhoben haben, mit Bravorufen aufgenommen. Bor Eintritt in die Tagesordnung erhält das Wort Abg. v. Payer sSüdd. Bp.): Mit Bezug auf meine gestrige Be- merkung über die Nichtabnahme des Zcppelinschen Luftschiffes hat mir der preußische Kriegsminister mitteilen lassen, daß das Kriegs- Ministerium schon seit erniger Zeit seine Zustimmung zu dieser Ab- nähme gegeben habe. Ich bedaure. infolge unrichtiger Jnsvrination einen Unschuldigen in Verdacht gebracht zu haben. Auf der Tagesordnung stehen die Interpellationen deS Zentrums «nd der Wirtschaftlichen Vereinigung über cfos Grubenunglück auf der Zeche Radbod. Die Interpellation des Zentrums lautet: „Ist der Reichskanzler in der Lage und bereit, über vre Ursachen des Grubenunglücks in Radbod Auskunft zu geben? Sind insbesondere aus Grund der Erfahrungen bei den Gruben- Unglücksfällen in den letzten Jahren genügende Vorsichtsmaßregeln zur Verhütung von Scvlagivenern und Kohlenstauberplosionen in Bergwerlen getroffen worden? Welche Maßnahmen find beab- fichligt, uni in Zukunft solche Katastrophen zu verhüten?" Die Interpellation der Wirtschaftlichen Vereinigung lautet: „Ist der Reichskanzler bereit, über die Ursachen de» Gruben- Unglücks auf Zeche Radbod und über etwaige Maßnahmen, die zur Verhütung solcher Unglücksfälle zu treffen sind, Auskunst zu geben?' Die Interpellation des Zentrums Begründet Abg. Wiedcberg sZ.): Die Katastrophe in Radbod wird nur noch überttoffen durch das Unglück in CourridreS und ein ähnlich schweres in Amerika. Auch bei dieser Katasttophe sind zahlreiche Samm- lungen für die Hinterbliebenen der Verunglückte» veranstaltet worden. Bei der Gelegenheit möchte ich dem Wunsche der Berg- arbeiter Ausdruck geben, daß bei der Verteilung der Gelder Vertreter der Arbeiter hinzugezogen iv e r d e n l— Was die Verhütung ähnlicher Katastrophen anlangt, so möchte ich die Regierung fragen, ob die Schieß- ineister vor ihrer Anstellung Gruben- und Hauerarbeiten geleistet haben, und weiter, ob die Begrenzung der .Kotierung der einzelnen Wetterabteilungen absolut sicher war. Vor allem scheint es auch in diesem Falle an der nStigen Berieselung gefehlt zu habe». Das haben mir alle von mir befragten Arbeiter gesagt. sHört! hört l) Redner verlieft eine Reih« solcher Aussagen von Bergarbeiter«, die bereit find, ihre Aussagen vor Gericht zu wiederhole». Aus den Aussagen geht auch hervor, daß die Wetter- konttolle von den Beamten nebenbei ausgeübt werden mußte 1 1 Ich bin bereit, dem preußischen Herrn Handelsminister die Namen zu nennen, wenn uns auch hier die Zusage gemacht wird, daß diese "lrbeiter in die fiskalischen Gruben aufgenommen tverden, falls ihnen infolge ihrer Aussagen von feiten der Zechen- Verwaltung Schaden erwächst. Nicht nur Arbeiter. sondern auch Steiger werden Aussagen über die mangelhafte Berieselung machen können. Wenn sich die Angaben des Steiger- organs in dieser Beziehung bewahrheiten, muß man sagen, daß auf der Zeche Radbod mit Menschenleben gespielt worden ist unter Duldung der königlichen Bergbehörde.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Ferner frage ich die Regierung, ob ihr bekannt ist, wieviel Arbeiter in der Unalücksnacht Doppel- f ch i ch t e n verfahren mußten. Nach dem Gesetz sind zwei volle Schichten hintereinander verboten, aber man hilft sich damit, daß man die Arbeiter eine volle und eine'/z Schicht verfahren läßt! ,Hört! hört l bei den Sozialdemokraten.) Gerade diese Ueber- schichten, durch welche die Arbeiter bei der großen Hitze übermäßig Kleines feuilleton. Aus der Sturm-«nd Drangzeit de? Zylinders. Die Tage des ZhlinderhuteS scheinen gezählt. Die geübtesten Diagnostiker der Mode geben ihm keine lange Lebensdauer mehr. Seitdem König Eduard die revolutionäre Tat vollbracht hat. sogar zu einem Frack einen runden Hut aufzusetzen, ist die Gesetzestafel zerschlagen, die aus der Gesellschaft der honetten Bürger den Unglücklichen ausstieß, der nicht in der Lage war, feierliche Gemütsbeivegungen durch cincn hohen Hut auszudrücken. Wohl wird der� Todeskampf deS Zylinders noch eine Weile dauern, sowie ja auch der erste Königsgedanke Eduards— der offene letzte Westenknopf— seinerzeit die elegante Welt nicht an einem Tage erobert hat. Aber dennoch wird die Verachtung des Zylinders überall durchgreifen, und schon sehen wir die Zeit kommen, wo die Kulturstaaten Kolonialkriege unternehmen werden, um im Interesse der unter ihren unverkäuflichen Zylindervorräten notleidenden Hut- fabrikanten die farbigen Häuptlinge zur Einführung der Zylindcrkultur zu zwingen/ Indes wird kein Mensch von Geschmack dem Verscbivindenden eine Träne nachsenden. Denn es ist, ästhetisch betrachtet, ein Zylinderhut wirklich auch dann nicht schön, wenn man ihn besitzen tut. � Mau muß sich sogar wundern, daß dieses häßliche Kleidungsstück_ so lange seinen Platz behaupten konnte. Es herrscht nämlich ungefähr so lange wie die Bourgeoisie, und kann sogar als Sinnbild ihrer loechselilden Gesinnungen angesehen werden. Nachdem sich die Zylinder-Fdee schon unter Ludwig XV. vergeblich durchzusetzen versucht hatte, verwirklichte sie sich in der französischen Revolution. Von 1700 an zeigt sich der Zylinder immer häufiger. Er erobert den repräsentativen Platz der absolutistischen Perücke. Doch blieb noch in der Zeit der„inoro�ubles", der Modegecken unter dem Direktorium, die Sitte bestehen, den Hut nicht auf dem Kopf, sondern mit dem Stock zusammen in der Hand zu tragen. Die radikalen Demokraten freilich brachen mit der Methode des„Hutes in der Han5". Wie Duponi-Terrier im„Journal des Debats" be- richtet, saßen bei der Verhandlung gegen die Girondisten im Oktober die Angeklagten mit entblößtem Haupt auf ihren Bänken, dagegen die Zuhörer mit. aufgefetzten gyrinW. üten. In'der Rcstaurationszeit ist der � Zylinder, cuigeuucjica uui uui lyicii dagegen die Zuhörer mit aufgefetzten Zylinder- urrii. Iii der Rcstaurationszeit ist der. Zylinder, der amalS die Form eines umgekehrten abgestumpften Kegels »nahm, bis zur Schuljugend vorgedrungen. Er verlor jetzt seinen idolutionären Charakter, ja als das Proletariat in der Revolution on 1843 die politische Bühne betrat, wurde er zu einem Sinnbild -r„guten Gesinnung". J„ Deutschland demonstrierten nach dem ieg der Reaktion die braven Bürger, daß sie mit den Heckerhüten" und Calabresern der roten Republikaner nichts zu tun iben wollten und setzten loyale„Angströhren" aus.— Nun ist auch cse Zeit vorüber. Der richtige Bourgeois hat jeder weder ne„schlechte" noch eine„gute" Gesinnung, sondern überhaupt ine. Er ist„unparteiisch" wie ein Scherlsches Erzeugnis, zuastisch bis in die erweichten Knochen mit gelegentlichen ermüdet werden, tragen viel zu den Unglücksfällen bei.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ein Hauptllbelstand ist ferner die übern, äßige Heranziehung fremder ungelernter Arbeiter im Bergbau. DaS unsoziale Verhalten der Zechen- Verwaltungen, die Taüfverträge abiolut ablehnen und organi- sierte Arbeiter auf die schwarze Liste setzen, bringt eS mit sich, daß ältere Bergleute ihre Söhne nicht mehr wie früher dem Bergbau zu- führen, so daß immer mehr ungelernte fremde Arbeiter heran- gezogen werden müssen, deren Organisierung durch das Vereinsgesetz noch ersckiwert ivird.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Redner verlangt ferner Maßnahmen zur Beseitigung des Prämien- Wesens im Bergbau und gegen den forcierten Abbau in Gruben. Gerade durch diesen forcierten Abbau, der es mit sich bringt, daß auf einem verhältnismäßig geringen Raum eine hohe Zahl von Arbeitern beschäftigt wird, ist das Unglück auf der Zeche Radbod so groß geworden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Weiter reicht die Kontrolle in den Gruben bei weitem nicht aus. Die Forderung der Bergarbeiter, an der Kontrolle mitzuwirken, ist durchaus berechtigt. Schon damit die Bergarbeiter mehr Vertrauen zum Betriebe haben, sollte die Regierung dieser Forderung nach- kommen. Eine weitere alte Forderung ist die eines Reichsberggesetzes\ sie ist umso dringender, als die Erfahrungen der preußischen Bergarbeiter mit dem preußischen Landtage sehr schlechte sind. Die Mehrheit dieses Hauses hat wiederholt ein Reichsberggesey gefordert, und wir wünichcn zu wissen, wie die verbündeten Regierungen sich zu dieser Forderung stellen. Weiter verlangen wir von der Regierung eine rücksichtslose Untersuchung über die Ursachen des Unglücks und rücksichisloseS Vorgehen gegen die Schuldigen.(Bravo I im Zentrum.) Die Interpellation der Wirtschaftlichen Vereinigung begründet Abg. Behrens(Wirtsch. Vg.): Nach dem Unglück von Courrisres wurde uns gesagt, bei uns sei ein solches Massenunglück unmöglich, falls die bergpolizeilichen Vorschriften befolgt würden; eS könne nur aus den Mangel der Berieselung zurückgeführt werden. Danach muß man annehmen, daß auch auf Zeche Radbod die bergpolizei- lichen Vorschriften nicht befolgt wurden und daß die Bergbehörde es an der erforderlichen Aussiebt hat fehlen lassen. Die Grube hat sich außerordentlich rasch entwickelt, ihre Belegschaft bestand zum großen Teil auS Neulingen, die noch nickit lange unter der Erde gearbeitet hatten. Der Arbciterwechfel soll auf Radbod sehr Itark gewesen sein— alles Dinge, welche die Sicherheit des Betriebes ungünstig beeinflussen. Fest steh! ferner das Vorhandensein von Schlagwettern in der Grube; mangelhaft soll auch die Zuführung der Luft gewesen sein, die Haupianklage aber ist, daß die Be- r i e s e l u n g mangelhaft funktionierte. Die Steiger drängten bei der Verwaltung nicht auf Abstellung der Ucbelstände, aus Furcht, ihre Abkehr zu erhalten, die Behörde ist aber nicht von der Schuld freizusprechen, diese gefährliche Zeche nicht genügend kontrolliert zu haben. Die Untersuchung wird hoffentlich volle Klarheit über die Schuldfrage ergeben; hierbei möchte ich bemerken, daß die Unter- suchung über das Unglück auf der Zeche Baden im Saarrcvicr heute noch nicht abgeschlossen ist!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wie ungenügend der Bergarbeiterschutz durchgeführt wird, geht auch daraus hervor, daß nach Zeitungsnachrichten jetzt wieder in Elsaß-Lothringen die Belegschaft einer Grube in den Ausstand getreten ist. um die Durchführung der Sicherheitsvorschriften zu erzwingen. Im weiteren werdet sich der Redner gegen die schwarzen Listen und gegen das im Bergbau übliche Prämienshstem. Beim Ausbau der Einrichtung der Arbeitcrkontrolleure. welche der preußische Handelsminister beabsichtigt, muß Vorsorge für eine geheime un- abhängige Wahl getroffen werden. Vor allem aber muß die Berg- gesetzgebung einheitlich für das ganze Reich sein, sie muß reichs- gesetzlich geregelt werden.(Bravo! bei der Wirtschaftlichen Bep einigung.) Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg: Wenn ich zuerst meinerseits um das Wort gebeten habe, so geschieht eS mit der Bitte, meinem Nachbar, dem preußischen Handelsminister, die Erteilung der Auskunft auf diejenigen Fragen vorbehalten zu dürfen, welche auf die Entstehung des Gruben- Unglücks bei Hamm und feine Folgen unmittelbar Bezug haben, überhaupt auf die Fragen technischer Natur. Sie werden in dieser Beziehung auf die sachverständigeit Darlegungen der unmittelbar beteiligten preußischen Bergbauvcrwaltung nicht versichten wollen. Mir liegt daran, an erster Stelle dem allgemeinen Gedenken Aus- druck zu geben, zu dem die Reichsregierung durch die gewaltige Katastrophe gedrängt worden ist. Da darf ich zunächst sagen, daß das erschütternde Unglück eine weit über die Grenzen liberalen Hohnbcdücfnisien. Er ist kein sanfter Biedermeier und kein starrer Doktrinär, sondern eine„komplizierte Natur": Reserve leutnant und Handelsjude, Turftrottel und skeptischer Dekadent zw gleich. Der altvaterische behäbige Zylinder hat ausgespielt. Er hatte Pathos und heute regiert der Bluff. Nackte Schönheit. Die selige Lex Heinze ist noch lange nicht tot. Sie kann immer noch wieder erstehen, so lange der Geist, die Anschauung und die Macht bestehen, aus denen heraus sie geboren war. Wahrhafte Blüte der Kunst ist ja nur in einem freien und zur Kultur erzogenen Volke möglich. Wie weit wir davon entfernt sind, wissen wir, die wir darunter lelden, ja nur zu gut. Die reaktionären Klaffen haben kein Jntereffe an der Kunst, im Gegenteil, sie hassen sie, wenn sie nicht ihren engen und muffigen Zwecken dient. Die Kunst als Befreierin aus der Dumpfheit, als Sinnerweckerin, als das Leben erhöhende Kraft, als Schöllheitsspenderin steht nicht im Programm von Par teien, die gedrückte Untertanen und Herdengläubige brauchen, um ihre Herrschast aufrecht zu erhallen. Und wenn sie nicht die ganze Lex Heinze haben können. versuchen sie es mit kleinen Mitteln. Herr Roeren, der sich durch Nuditäten Verfolgung um das Seelenheil des deutschen Volkes verdient macht, ist wieder einmal von erschrecklichen Attentaten auf die Sittlichkeit aufgestört worden und hat im Abgeordnetenhause eine Interpellation angemeldet. Es war aber auch gar zu unerhörter Mißbrauch mit der verdammten Freiheit getrieben worden. In einem Lande, in dem die Nacktheit des Kindes Anstoß erregt und die Mutterbrust AergerniS verbreitet, und gar erst künstlerische Darstellungen nackter Schönheit die Sittlichkeit untergräbt(so sagen die Mucker und Nuditäten- schnüffler), hatte man es gewagt, lebendige nackte Schönheit auf Bühnen zu zeigen l Kein Strafgericht des Himmels war erfolgt (armer Roeren) und erst zu guterletzt hatte der Minister des Innern ein für allemal die„Veraustaltuug öffentlicher Nacktvorstellungen" in Preußen verboten. Also Herr Roeren kann und wird seine Kapuzinermedig, halten. Von den» Verbot des Ministers war auch der Berliner Verein „Schönheit", der etivaS schwärmerisch— eine ideale Kultur anstrebt und inzwiscyeu zum Genuß der nackten menschlichen Schönheit in öffentliche» (mit Hüllen) und nichtöffentlichen Vorsührnngen(z. T. ohne Hüllen) betroffen worden. Um den Gesetzesgebern und Vertretern der Presse Gelegenheit zu geben, sich vo» der sittlichen und ästhetischen Unbedenk- lichkeit und Reinheit seiner Ziele zu überzengen, führte er ihnen am Montagjim Mozartsaal sein ganzes Programm vor. Wie die trojanischen Greise Helenas Schönheit musterten, so saßen die angestamrnteu, aufgenötigten und schlecht und gut erlvählien Gesetzesniänncr zu Gericht und schauten, ob JIga DeS mondS Tänze, ob die lebenden� Bild- werke Adolf Salges und F i d u S' zarte und schönheitssehnsüchtige Bilder nicht sittlich anstößig, uukeusch und so was wären. Es schien, als ob kein sittliches Gleichgewicht gestört wurde, man börte kein brünstiges Wiehern(wie in gewissen Tingeltangeln, wo viel mehr Bekleidetheit herrscht) und gezotet wurde wohl auch nicht. Beim unseres Vaterlandes hinausgehende sympathische Teilnahme ge- fnnden hat. Dem Dank, den Reichstag und Nation dieser einmütigen Teilnahme spenden, schließt sich die NeichSregierung auch von dieser Stelle aus an.(Beifall.) Infolge des Unglüäs ist wieder der Ruf nach einem erhöhten Bergarbeiterschutz und nach einem Reichsberggesetz laut geworden. Ich will die Frage aus dem Spiel lassen, inwieweit menschliche Schuld an dem Unglück beteiligt war. Jedenfalls wird nach- gewiesene Schuld ihre Sühne finden. Hier und für die Reichs- Verwaltung steht in Frage, ob den Bergarbeitern ein erhöhter Schutz zu gewähren ist und ob zu diesem Zweck ein Reichsberggesetz ge- Ichaffen werden soll. Diese Frage ist eigentlich ganz un- abhängig von der Katastrophe; denn wenn die Reichs- regierung in dieser Beziehung eingreifen muß, dann kann es nicht eines Unglückes wie des jetzt von uns beklagten bedürfen, um sie zum Handeln zu bestimmen. Auf der Unglücksstätte haben die Bergarbeiter laut den Vorwurf erhoben, sie seien um die Ver- sprechungcn betrogen worden, die ihnen bei dem großen Streik im Jahre 1902 gemacht worden seien. Ich habe volles Verständnis da- für, daß im Angesicht der Opfer, die die Tiefe verschlungen hat, ihre Kameraden voll Bitterkeit der Forderungen gedenken, die ihnen da- mals unerfüllt geblieben sind, und daß sich bei ihnen die Vor- stellung festgesetzt hat, als wäre das Unglück nicht geschehen, wenn es damals anders gekommen wäre. Eine ruhige Bettachtung aber, wie wir sie hier anstellen müssen, wird einer derattigen Vorstellung nicht recht geben können. Es haben bei dem Unglück zweifellos elementare Kräfte gewirkt, und nach dein Stande unserer technischen Schutzmaßregeln werden solche Unglücksfälle sich nie ganz per- meiden lassen. Darum sollte die Oeffentlichkeit mit ihrem abschließenden Urteil zurückhalten, bis der Hergang soweit ans- geklärt ist. wie eS menschenmöglich ist.(Sehr richtig! rechts.) Ich will nicht auf alle Forderungen eingehen, die von den Bergarbeitern und von den großen Parteien dieses Hauses erhoben worden sind. Ich laste unberücksichtigt die Fragen deS Ueber- schichten- und Nebeitschichtenwesens, die Frage der Schichtdauer, des PrämienwesenS und auch der Zuständigkeit der Arbeiter- ausschiisie, zweifellos alles Fragen, deren Gewicht niemand unterschätzen kann und die sowohl einzeln als auch na- mentlich in ihrer Gesamtheit für die Gestaltung der allgemeinen Verhältnisse der Bergarbeiter und damit zu- gleich für die Sicherheit des Bergwerlbetriebes von Bedeutung sind. Besonders akut geworden sind die Fragen der Verant- Wartung für den Betrieb und nach der Anstellung von Arbeiterkon trolle uren. Der preußische Handels- minister hat ja neulich ausgeführt, wie er die Ausgestaltung der Verantwortung für notwendig hält, und bat mit seinen Ausführungen die lebhafte Zustimmung der preußischen Kammer gefunden. Ganz im Vordergrunde steht die Frage der Arbeiter- kontrollenre. Sie tverden ebenso nachdrücklich in einem Lager gefordert, wie sie im anderen zurückgewiesen werden. Ich bin der Ansicht, die Gegner der Institution stellen sich auf einen prinzipiellen Standpunkt. Wenn ich von der speziellen Frage der SicherheiiSkontrolle absehe, so wird mir jeder, der im praltischen Leben steht, zugeben, daß früher und auch jetzt noch in allen einfachen Betrieben, wo ein persönliches Ver- hättnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer erhalten geblieben ist, der Arbeitgeber sich die Sachkunde seines einsichtigen Arbeiters m mannigfachen Fragen des Betriebes gern und umfassend zunutze macht.(Sehr wahr!) Das bringt die Praxis, die vom einfachsten Arbeiter über den Vorarbeiter, den Aufseher, bis zum Betriebsleiter ein ununterbrochenes Band darstellt, ganz von selbst mit sich. Die Schwierigkeiten beginnen bei den großen, bei den unp e rsön- lich gestalteten Riesenbetrieben, wo sich die Gegensätze zwischen Arbeitgeberschaft und Arbeitnehmerschaft leider in unheilvoller Weise ausgestaltet haben und wo jedes Verwischen der Grenz- linien als ein nie zu duldender Uebergriff angesehen wird. Daö eine ist unbestreitbar: Je straffer in solchen Großbettieben die Ordnung sein muß,� wenn der Organismus überhaupt funktionieren soll, um- somehr ist es erforderlich, daß diejenigen Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, von denen ich soeben sprach und die in einfachen Betrieben eine Folge der Dinge an sich sind, daß diese Beziehungen in den großen Bettieben auf eine feste und organische, jede Willkür ausschließende Grundlage gestellt werden. Aber die Frage, ob die Bergarbeiterschaft an der Kontrolle der Sicherheit des Bergbaubetriebes zu beteiligen ist,' kann aus diesen allgemeinen Gesichtspunkten nicht allein beantwortet werden, sondern sie hängt mit der Eigenart des bergbaulichen Betriebes unmittelbar und aufs das engste zusammen. Mir scheint folgendes in dieser Be- hl. Roeren, selbst der verruchte Schwertertanz ließ unS kalt, und das war doch sozusagen bewegte Nacktheit! Wir vernieiden es henre absichtlich, diese EchönheitS- Veranstaltungen ästhetisch zu würdigen. Man mag sie schön oder häßlich, überflüssig oder für die Erziehung zur Schönheit be-. deutsam finden, aber darüber kann bei keinem gesund und natürlich_ empfindenden Menschen Zweifel herrschen, daß die Polizei und den Minister des Innern diese Sache nichts angeht. Nur Heuchler und Menschen mit verdorbenen Sinnen können daran Anstoß nehmen. Möglich, daß vielen der nackte Körper und seine besondere Schönheit, die die Quelle aller Schönheit ist, etwas Fremdes, UngekannteS, Unverstandenes ist. Möglich, daß alkoholisierte Herrschaften, die St. Paulifreuden suchen, nicht aus ihre Rechnung kommen. Aber was geht das die Polizei an? Notizen. — Neue Dramen. G. Hauptmanns neues Drama „GrifeldiS" soll im Februar im Lessing-Theater aufgeführt werden. — Haeckels Rücktritt vom Lehramt. Profeffor Haeckel will mit Rücksicht auf sein Alter(er steht im 7Ü. Lebensjahre) die Professur für Zoologie, die er seit 1865 in Jena innehat, am Ende des Wintersemesters niederlege» und sich ganz dem von ihm be- gründeten phylogenetischen Museum widmen. — Sexuelle Aufklärung. DaS Preisausschreiben, daS der Dürerbund zur Erlangung von Beiträgen zur sexuellen Aufklärung erließ, hatte 480 Einsendungen aus allen Schichten ver- anlaßt. 30 Arbeiten sind jetzt Preise zugesprochen worden,(zu- sammen 3500 M.). Die preisgekrönten Arbeiten, denen auch andere hinzugesellt werden, sollen im Frühjahr in Buchform erscheinen. Daneben sollen die mehr theoretischen Arbeiten gesondert heraus- gegeben werden. — Der N obelpreis dieses JahrcS soll nach den Beschlüssen de? NobelpreiSkomitces in Stockholm für Medizin geteilt an M c t s ch n i k o w. den zweiten Direktor des Pastenrschen Instituts w Paris und Professor Ehrlich. Direktor des Instituts für experimentelle Therapie in Frankfurt a. M.. für Physik an den Berliner Professor Planck, für Chemie an Prof. E. Rutherford (in Manchester) und für Literatur an den englischen Lyriker S w i n b u r n e verliehen werden. � Die Herstellung künstlicher Saphire ist jetzt einem französischen Chemiker Vollaus gelungen. Sie werden aus Aluminium dargestellt, dann künstlich gefärbt. Ohne mikroskopische Untersuchung sind die echten Saphire von-den künstlichen nicht zu unterscheiden. — Die größte Tiefe im Stillen Ozean, außerhalb des PhilippineugrabenS, ist nach der ,Umsch«m" von dem in der Südsee stationierten Vermcli'ungSschiff„Planet" auf 154 Grad öst- sicher Länge und 7 Grad südlicher Breite gelotet worden; sie bettäat 3045 Meter. aUljutig von Dedeutung zu sein: Die besondere Gefahr des verg- baulichen Betriebes hat zu der Aufstellung besonderer und detaillierter Auffichtsvorschnsten geführt, welche von einer großen Zahl von Aufsichlsbeamten gehandhabt werden. Wenn trotzdem die Verhältnisse vielerseits als unbefriedigend geschildert werden, so will ich im gegenwärtigen Augenblick nicht untersuchen, in wie- weil die Vorwürfe begründet sind, daß diese AnisichlSbeamten selb- ständiger und unabhängiger gestellt werden müssen und vasi ihre Verantwortlichkeit anders zu regeln sei. Wenn speziell autorisierte und vom Vertrauen ihrer Kameraden getragene Ardcitcr mit der Be- sngnis ausgestattet werden, die Sicherheit der Betriebscinrichtungen zu veodachten und vorgestindene Mangel im geordneten Verfahren bei der Zechenverwaltung und nötigenfalls bei der Bergbehörde zum Ans- trag zu bringen, so kann von einer solchen mitverantwortlichen Be- teiligung der Arbeiter daö Ganze nur einen Borteil ziehen. biet des ArbeiterschutzeS, und auf diesem Gebiete tritt die Frage nach der staatsrechtlichen Kompetenz in den Vordergrund. nicht die Frage der Zuständigkeit. Aber auch nicht die äußere Ver- einheitlichung steht in erster Linie in Frage, sondern daS allseitige Bestreben, den Schutz der Bergarbeiter gegen die besonderen. ,n ,hrem schweren Beruf ihnen drohenden Gefahren bald und wirksain zu verstärken. Daran haben alle Faktoren unseres öffentlichen Lebens, (Jiuzelstantcn und daö Reich, ein gleichmäßiges Interesse.(Sehr richtig l) Daran mitzuwirken, werde ich— davon können Sie über- zeugt sein— mit allen Kräften bestrebt sein.(Lebhafter Beifall.) Preußischer Handelsminister Dr. Delbrück: Auf die Erörterungen des Abgeordnetenhauses will ich ebenso wenig wie die beiden Herren Interpellanten eingehen. Ich will mich auf einige weitere Feststellungen beschränken. Daß eine weitere Explosion vor wenigen Tage» stattgesunden hat, ist Ihnen bereits bekannt. Infolge dessen ist der Zechenplatz abgesperrt und der Schacht nicht wieder geschlossen worden. Die Bergung der Leichen kann nicht eher gestattet werden, als bis jede Gefahr für die Bergungsmannschaflen ausgeschlossen ist. Darüber, ob es an Be- rieselung gefehlt hat, sind!7 Beamte. 10 Arbeiter, die als Riesel- meister tälig waren, und 4 Kohlenhauer eidlich vernommen worden, Auf Grund dieser Vernehmungen ist bis jetzt als festgestellt anzu- sehen, daß es am Montag von 9 Uhr morgens bis 12 Uhr mittag? an Wasser gefehlt bat infolge Einfrierens der Wasserleitung über Tage. Im übrigen stimmen die Aussagen der Zeugen hier wie auch in anderen Fragen nicht überein. Eine genaue Prüfung der in der Presse aufgestellten Behauptung, daß die Vorschriften über die Stärke der Belegung nicht befolgt seien, hat bis jetzt noch nicht erfolgen können. Der Abg. Leinert hat im preußischen Abgeordnetenhause be- bauptet, daß die beiden Hauer mit den Rümmer« 5C3 und 598 auch nachträglich— anscheinend ist gemeint nach Einstellung der Rettungs- arbeiten— sich durch den Aufbruch von der zweiten nach der ersten Sohle gerettet haben. Nach dem Bericht des Revierbeamten sind die beiden Hauer Thomas und Siermberg— diese haben die be- treffenden Nummern— zur dritten Sohle heruntergefahren, auf der Flucht zur ersten Sohle durch die Nachschwaden betäubt liegen ge- blieben und von da durch die Rettungsmannschaften zu Tage gefahren worden. Beide bestreiten, erzählt zu haben, daß sie sich durch den Aufbruch von der 2. nach der 1. Grube gerettet hätten, was auch deshalb unmöglich erscheint, weil der Aufbruch von Beginn der Explosion bis zur Schließung zum Abzug der Nachschwaden benutzt wurde. Weiter ist behauptet worden. eZ hätten Steiger dem Berg- inspektor Holländer gegenüber erklärt, die Berieselungsanlagen seien derartig, daß sie die Verantwortung für die Berieselung nicht über- nehmen könnten. Davon, daß wegen der Menge des Kohlenstaubes eine Verantwortung für die Berieselung nicht übernommen werden könne, ist nicht die Rede gewesen. ES ist dann in,„Vorwärts* eine Mitteilung über Mängel bei der Zimmerung und dem Vergeersatz veröffentlicht lvorden. Ich habe das Oberbergamt um Auskunft gebeten und habe folgende Antwort bekommen: Die protokollarische Vernehmung einer Reihe von UufsichtS- beamten. Steigern und Hauern durch den Oberbergrat Schanz hat irgend welche Anhaltspunkte über die im„Vorwärts" vom 17. d. M. behaupteten Mängel nicht ergeben. Der Berginspeklor hat die Grube Radbod seit dem Sl. Januar 89 mal befahren und niemals schlechten Streckenausbau, Hohlräume bei der Zimmerung usw. gefunden. Klagen oder Beschwerden in dieser Richtung sind weder mündlich noch schriftlich vorgebracht, noch durch die Presse bekannt geworden. Die ver- nommenen Beamten der Zeche sagen übeceliistimmend aus, daß daS hängende Flötz ausnahmslos gut war, das liegende leicht zu Oiiellungen geneigt war. Hohlräume, welche vereinzelt durch Brüche entstanden, wurden sofort ausgefüllt. Wenn trotzdem Hohlräume gefunden wurden, so wurden die Schuldigen energisch verwarnt oder bestraft. Ich gebe diese Mitteilungen, ohne irgend welche Folgerungen daran zu knüpfen. Ich weiß, daß für die abweichniden Be- hauptungen der Arbeiter eine Reihe von Zeugen benannt find. Ich nehme an. daß die Zeugen, die Herr Abg. Leinert mir namhaft gemocht hat, auch über diesen Punkt vernommen werden. Ich bin der Ansicht, wir müssen uns alle jeder Kritik über diese Fragen ent- halten, bis die abgeschlosiene Untersuchung vorliegt und die in manchen Beziehungen zunächst uiistimmigen Zeugenaussagen auf ihre Richtigkeit geprüft worden sind. Ich will nun zunächst ans einige Fragen der Herren Jnter- pellanien antworten. Nach den für den OberbergamtSbezirk Dortmund bestehenden Vorschriften können die Funktionen der Schießmeister nur von besonders hierzu angestellten Schießmeistern ausgeübt werden. Nur in besonderen Fällen können die Ortsältesten zu Schietzmeistern bestellt werden, doch ist daiür stets die Genehmigung des Nevierbeamten«rforderiich. ES wird untersucht werden, ob seitens der Zeche diesen Anforderungen immer entsprochen wird, oder ob der Revierbeamte einmal ungeeignete Leute zu Schieß- meistern zugelassen hat.— Ob ein ursächlicher Zusammenhang zwischen den Ucber- und Nebenschichten und dem Unglück wird konstruiert werden können, erscheint mir sehr zweifelhaft. Im übrigen ist in Preußen da? Uebcrschichtenwcsen Gegenstand dauentder Aufmerksamkeit der Bergverlvaltung. Auf meine Anordnung hin sind die Gesundheitsbeiräte gehört worden. Sie haben sich übereinstimmend auf ein gewisses Maximum von Ueber- und Nebenschichten geeinigt und die Voraussetzungen fest- gelegt, unter denen»ach ihrer Ansicht eine derartige Anzahl geleistet werden kann. Ich habe die Oberbergbehörde angeioiesen, darauf zu achten, daß auf den Zechen diese Grundsätze beachtet werden. Ob im vorliegenden Falle Verstöße dagegen vorgekommen sind, wird ge- prüft werden. DaS Prämienwesen bat die Vergverwaltung wiederholt beschäftigt. Die Einrichtungen sind in dieser Beziehung auf den einzelnen Zechen sehr verschieden, meist aber sind die Bedingungen der Prämiengewähning derart, daß sie unschioer erfüllt werden kann. UebrigenS ist festgestellt, daß ge- rade dort, wo am meisten über das Prämienwesen geklagt wird, die Unfälle nicht besonders zahlreich sind. Daß eine der beteiligten Zechenverwaltungen einen Mann deS- halb, weil er unter seinem Eide seiner staaisbürgerlichen Pflicht ge- nügt, entläßt, kann ich nicht glauben.(Lebhafter Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Wenn sie recht haben, werden die Leute aus fiskaltschen Gruben beschäftigt werden. Ich werde jedem dankbar sein, der mir zur Aufklärung der Ursachen der Katastrophe verhilft und sichere jedem Zeugen denselben Schutz zu, wie den von dem Abgeordneten Leinert benannten, unter den im preußischen Ab- gevrdneteuhause genannten Bedingungen. Herr Behrens behauptete auch, daß die Untersuchung über das Unglück aus der Zeche Reden noch nicht abgeschloflen s e i. Sie ist längst abgeschlossen und hat zur Einstellung des Verfahrens seitens der Staatsanwallschaft geführt, weil ein verschulden eines beteiligten Beamten nicht hat nachgewiesen werden können. Die preußische Bergverwaltung hat kein Interesse daran, etwaige Schuldige der Bestrafung zu entziehen: ich hätte eS sogar viel bequemer, wenn ich bei jedem Unglücksfall einen Sündcnbock hätte. Aber einen Unschuldigen kann ich nicht zur Rechenschaft ziehen. Die preußische Vergverwaltung ist schon seit längerer Zeit damit beschäftigt, zu prüfen, wie die Schutzmaßregeln in technischer Be- ziehung ausgebaut werden können. Das Unglück auf der Zeche Radbod wird einen neuen Anstoß geben, zu prüfen, was zur Bekämpfung der Schlagwetter noch weiter geschehen kann. Unmöglich wird es sein, bei dem Umfang und der Zahl der Bettiebe überall täglich eine Kontrolle durch Polizeibeamte vorzunehmen. Deshalb muß das verantwortlichkeitsgefuhl der unmittelbar Be- teiligten gestärkt werden, sowohl der Arbeitnehmer wie der Arbeit- geber. Die Kontrolle über die Unfallverhütungsvorschriften wird wirksam nur ausgeübt werden können durch Leute, welche täglich in der Grube sind. Deshalb habe ich den Ausbau der Grubenkontrolle in der Weise vorgeschlagen, wie sie auf den preußischen Gruben im Saarrevier eingerichtet»st. Diese Mitbeteiligung der Arbeiter an der Grubenkontrolle liegt nicht nur im wirtschaftlichen und sozialen, sondern auch im allgemeinen nationalen Jutereise.(Bravo I rechts.) Nils Antrag Graf Hompesch(Z.) wird die Besprechung der Interpellationen beschkoffen. Abg. Dr. Osann(natl.): Wir wünschen eine sirenge Durch- führung der Untersuchung ohne Rücksicht auf die Person, aber wir dürfen keine Beschuldigungen erheben, ohne daß klare Beweise vorliegen. Bei beiden Interpellanten habe ich�die Feststellung ver- mißt, welche die Gerechtigkeit erfordert hätte, daß die Grube technisch auf der Höhe stand. Die Berieselungsanlage ist vorhanden und in- stand gewesen, nur ist die Frage ungeklärt, ob immer genügend Wasser darin war. Mir ist ans daS bestimmteste versichert worden, daß dies der Fall gewesen sei.(Hört! hört!) Jedenfalls müssen die Ananben, die Herr Leinert gemacht hat, erst durch eidliche Bernehmnng geprüft werden. Bor dem Unglück hat auch die sozialdemokratische Presse nicht über Mißstände in der Grube Radbod geklagt.(Abg. Hue:„DaS haben Sie in der„Frankfurter Zeitung" gelesen Ij Die„Frankfurter Zeitung" ist in der Beziehung jedenfalls durchaus objektiv.(Lachen bei den Sozialdemokraten. Zuruf: Abwarten I) Zugeben will ich, daß daS Uebcrschichtenwcsen ruigcschränkt werden muß. Auch hätte eS zur Beruhigung der Arbeiter beigetragen, wenn sie bei dem Portrag, den der Herr Minister mit Vertretern der Zeche vor dem Prinzen Eitel Friedrich gehalten hat, auch als Sach- verständige hinzugezogen worden wären. Die Zeugen mußten sofort vor einem Richter eidlich vernommen werden. Der Schacht hätte nicht vor der Ankunft des Kommissars des Ministers geschlossen werden dürfen. Der Zeche macht man den Vorwurf, der Arbeiterwechsel sei bei ihr sehr stark gewesen, aber zu ihrem Ruhme muß gesagt werden. daß sie Mustergültiges geleistet hat in der Schaffung von Arbeiter- Wohnungen und Rentengütern. Mehr Arbeiterschutzl riefen die Arbeiter dem kaiserlichen Prinzen zu. Wer wollie dem widersprechen?(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Die Nationalliberalen!) Solcher vor- wurs läßt sich nicht aufrecht erhalten; die Arbeitgeber treten in umsaiigreichem Maße für Arbeiterschutz ein.(Sehr richtig! bei den Nationalliberalen.) Wir haben früher ein allgemeines Reichsberggesetz gefordert, und wir treten auch heute dafür ein, obwohl unsere Freunde im Abgeordnetenhause sich dagegen erklärt haben. Die Konirolle in den Gruben kann noch verschärft werden, und deshalb treten meine Freunde hier und im Abgeordnetenbause für Kontrolleure ein. die von den Arbeitern in geheimer Wahl' gewählt werden. Dieses Unglück sollte die Arbeiter und Arbeitgeber ver- einigen, wie das in England möglich ist, wenn es sich darum handelt. technische Fragen zu erörtenr. Bei uns ist da« leider unmöglich in- folge der unglücklichen Verquickuiiq der Sozialdemokratie und der Gewerkscbaflcn.(Lachen bei den Sozialdemokraten. Sehr richtig I bei den Nationalliberalen.) Die sozialdemokratische Presse hat dag Unglück zu neuen Hetzereien benutzt.— Redner vei liest einige Stellen auS sozialdenioktatischen Blättern, die ans den Reihen der Sozialdemokraten mit lebhaftem Sehr richtig! begleitet werden. Die Hilfe, die aus allen Teilen der Welt den Hinterbliebenen geboten wird, wird von den sozialdemokratischenOrgaiien als Heuchelei bezeichnet. Bei einem Manne, der eine große Gabe von 25(XX) M. spendete, fügte das Zentraloraan der Sozialdemokratie hinzu, daß wäre nicht sehr viel; denn seine Zivilliste betrage 16'/g Millionen.(Sehr richtig I bei dm Sozialdemokraten. Unruhe recht?.) Der soziale Ge- danke muß den Arbeitgebern über solche Angriffe hinweghelfen. Mr verlangen, daß die Arbeitgeber trotzdem mit wirklicher sozialer Für- sorge fortfahren und daß die Behörden die Maßregeln ergreifen, die zum Nrbeiterjchutz absolut notwendig sind.(Bravo! bei den National- liberalen.) Abg. Hue(Soz.): Herr Osann hat mit einem Lobe an die ReichSregierung begonnen, weil sie die heutige Interpellation beantwortet und sich nicht hinter Fornialitäten zurückgezogen habe. DaS ist allerdings früher geschehen, z. B. als wir über Borussia interpellierten. Und wenn durch die heutige Beantwortung der Interpellation angedeutet werden soll, daß die Regierung sich künftig nicht mehr hinter Fornialitäten zurückziehen wird, wenn hier große Lebensfragen des Volkes zur Verbatidlung stehen, so werden wir daS begrüßen. Auf die letzten, parteipoleinifchen Ausführungen des Herrn Osann will ich nicht eingeben, weil ich hoffe, daß Herr Osann am Schluß meiner Rede davon überzeugt sein wird, daß auch von uns diese Kala- strvphe nicht einseitig, sondern durchaus gerecht beurteilt wird. Herr Osann bat erklärt, die Nationalliberalen seien für die Wahl von Arbeiterkontrolleuren auS Acbeiterkreisen. Sollten diese Arbeitcrkontrolleure so gedacht sein, wie sie der Herr Minister uns vorgeführt hat, so kann ich erklären: Auf diese„Arbeiter- kontrollenre" leisten die Bergarbeiter von vornherein Verzicht.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Gegenüber den AuSführungm des Herrn Osann über die Notwendigkeit eines verstärkten Arbeiter- l'chuyes will ich nur feststellen, daß. wenn seine Parteigenossen im preußischen Landtag 1995 nur wenigstens die Regierungsvorlage!. angenommen hätten, jetzt schon manches in bezug aus die gesetzlichen Vorschriften zum Schutze der Bergarbeiter besser wäre.(Sehr wah»' bei den Sozialdemokraten.) Vom Ministertisch- wurde ausgeführt, es könne doch nicht eine Katastrophe zum Anlaß einer neuen Gesetzgebung gemacht werden. Als im Jahre 1877 der Lloyddampfer„Deutschland" ver- unglückte, wurde auS Anlaß dieses Unglücks daS bekannte Gesetz, welches Seeämler zur Untersuchung von Seeunfällen einsetzte, erlassen I(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ein solches Vor- gehen wäre also durchaus kein Novnm.— Herr Minister Delbrück hat auch heute wieder den lebhaften Wunsch geäußert, er möchte alle Zeugen, die zur Sacke etivas aussagen könnten, zur Elforichung der Wahrheit genannt wissen. Im preußischen Abgeordnetenhause bemerkte er in dieser Beziehung gegenüber meinem Freunde Leinert: Wer die Zeugen nicht namhaft mache, wer nicht dazu beitrüge, die Wahrheit zu ergründen, der mache sich mitschuldig. Mit diesen Worten, Herr Minister, haben Sie und die preußische Bergverwaltung, die Bergbehörden, sich vor aller Welt gerichtet. Wir haben in diese,» Hause gelegentlich der Borussia-Jnlerpellation und der preußische Bergardeiterverband hat in seiner Zeitung und in Beriaminlungen die Bereitwilligkeit erklärt, Zeugen zu nennen, um die Ursachen der Katastrophe nachweisen zu können. Weder der preußische Bergwerks- minister von damals, noch die preußische Bergbehörde hat auch nur den Versuch gemacht, die von uns angebotenen Zeugen namhaft gemacht zu bekommen!(Höit! hört! bei den Soz.) Als 1909 die Interpellation über Borussia hier besprochen wurde— die Regierung war natürlich nicht vertreten—, haben Bvmelbnrg, Sachse und ich eine Reihe von gravierenden Mitteilnngen über Zustände im Bergbau gemacht, die zweifellos im höchsten Grade menschengefährlich sind. Damals war Herr Delbrück schon Minister, aber er hat auch nicht eine Silbe an uns geschrieben, um Aufklärung darüber zu erhallen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wenn er also das Nichteniiitteln von Zeugen als Verdunkelung der Wahrheit bezeichnete, so hat er sich damit selbst vor der Kulturwelt gerichtet, bat er damit erklärt, daß er mitschuldig an den Mißstände» in den Gruben und den fortwährenden Unglücksfällen ist und daß er die Wahrheit über die Zustände in den Gruben nicht erfahren will.(Unruhe reckts.) Ich bringe nur Tatsachen vor. die ich jederzeit, auch außer- halb deS Hauses beweisen kann.(Rufe rechts: Ra! Na!) Belehrter Herr Kollege Arendt: Wenige Tage nach, dem Borussia-Unglück, 1905, habe ich daS mir von den Arbeitern vorgetragene Material in öffentlicher Bergarbeiterversaminlung unmittelbar bei der Zeche, also nicht unter dem Schutze der Immunität, vorgetragen, habe Berg- behvrde und Staatsanwalt gebeten, mich darüber zu vernehmen und eventuell anzuklagen. Nichts ist darauf erfolgt!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Damit dürfte wohl Ihr»Na. na" erledigt sein, Herr Arendt. Der Herr Minister sagte, man solle nicht einseitig urteilen, sondern erst das Resultat der Untersuchung abwarten. Diese» guten Rat sollte er nur selbst befolgen.(Sehr richtig I bei den Sozial- demokratem) Er führte hier die»Dortmunder Arbeiterzeitung" an, die bereits am 14. November in drastischer, aber zu- treffender Weise geschildert bat, was zu dem Unglück hat führen können. Aber schon am 13. November hat der Minister eS für notwendig gehalten, einem Vertreter der Presse gegenüber und dem kaiserlichen Prinzen»die Unschuld der Zechenverwaltung" zu bezeugen. Er hat diese sehr fatale Geschichte abznschlvächen gesucht und gesagt, er habe einen Vertreter des„Berliner Tageblattes" gesprochen, der aber seine Worte falsch wiedergegeben habe. Ich gebe gern zu. daß der Pertreter des betreffenden Blattes in der Erregung falsch gehört haben mag. aber nach dem amtlichen Stenogramm hat der Minister gesagt:„Nach den mir bis jetzt vorliegenden Aussagen der gehörten Beamten. Ricselmeister und Mitglieder des Albeiter- auSschusseS scheint allcS in Ordnung grwesen zu sein"(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten), und an anderer Stelle sogt er:„Bon meinem Kommiflar sind an dem Tage nach dem Unglück mehrere Riei-lmeister, Schießmeister und Mitglieder des ArbeiterauSschuffcS darüber vernommen, ob die Berieselung ungenügend vorgenomnicil war. ob sie Schlagwetter in den letzten Tagen angetroffen und ob sie eine Gefahr befürchtet oder von einer solchen gehört hätten. Sie haben das sämtlich verneint." Da haben Sie doch mindestens ein negatives Zeugnis. Dieses Urteil kann von der gesamten Bevölkerung nur als indirekte Beschuldigung der Beamten und Arbeiter, die noch da nnten waren, aufgefaßt werden.(Große Unruhe bei den Nationalliberalen und rechts.) Kommen Sie mir dorthin und hören Sic, wie das Volk dort urteilt. Dann werden Sie nicht mehr murren und werden verstehen, warum Prinz Eitel Friedrich die Stimme des Volke« gehört hat.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Auch früher war es ja schon ebenso. Bei dem Unglück auf der Zeche Borussia schlugen die Flammen noch aus dem Schacht, und gleich am nächsten Tage erklärte der Vorsitzende der Zechenverwaliung, die Bergbehörde habe der Verwaltung versichert, daß sie keine Schuld treffe.(Hört l hört! bei den Sozialdein) Wie ist so etwas möglich? Nach eincm Jahr erst kann die Untersiicbung abge'chloffen werden. und schon einen Tag nach dem Unglück wird der Verwaltung von der Bergbehörde beicheinigt, daß sie unschuldig sei. Wenn von dem obersten Vertreter der Bergbehörde derartige Aeußcrungen in die Presse dringen, ist die Erregung begreiflich. Wäre der Herr Minister zu uns in Zivil gekommen, nachdem seine Aeußcrungen bekannt waren, lo wäre ihm wohl ein viel wärmerer Empfang bereitet worden. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) EineS ist sehr merkwürdig. Der Minister oder die Bergbehörde hat schon am Tage nach der Katastrophe Vernehmungen veranstaltet, und der Obcrbergrat Meißner hat schon daraufhin gesagt:„Wir habe» eine ganze Anzahl Aussagen von Arbeitern, deren Resultat ist. daß bisher nicht erwiesen sei, daß irgend etwas vorliege. Wir haben mir Leute gefunden, die relativ günstig für die Zechenverwaltung aussagen."— Das ist doch ganz merkwürdig. Wir habe» von den Herren Kollegen Wiedeberg und VchrenS gehört, die dock beide nicht mit uns in organisatorischer Beziehung stehen, daß beide genau dieselben Erfahrungen über daS Urleil der Arbeiter und Beamten gemacht haben wie wir. Und genau das- selbe gibt die Fachpresse über das Urteil der Beamten an. DaS Organ des Hirsch- Dunckersche» Gewerkvereins der Bergarbeiter spricht sich unzweideutig dahin aus, daß eine solche Katastrophe gar nicht möglich iväre, ivenn die Zustände sich in dem gesetzlichen Zustande be- funden hätten. Noch charaktenstischer ist die Angabe deS Herrn Brust, dessen Rede im preußischen Abgeordnetenhause doch durchaus nicht als hetzerisch bezeichnet werden kann. Auch er sagte:.Ein Herr, dessen Namen ich nachher dem Minister nennen werde, sagte mir. daß auf der Zeche schon seit 14 Tagen kein Wasser war. oder doch so wenig, daß es zur ordnungsmäßigen Berieselung nicht langte." sHört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Also auch Herr Brust findet Gewährsleute für genau dieselben Anklagen wie wir. Ebenso schreibt das Organ des christlichen Bergarbeiterverbandes. „Der Staub konnte nicht niedergeschlagen werden, weil Wasser fehlte." sHört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Also Herr Wiedeberg, Herr Behrens, Herr Brust, das Organ des Hirsch-Dunckerschen, das Organ des christlichen Verbandes, sie alle sagen das Gegenteil von dem. was bisher der Herr Minister durch seinen Kommissar hat er- Mitteln können.(Hört! hört!) Nun aber das wichtigste, da? ein Novum in der Geschichte der BergarbeiterSewegnng ist: Es hat sich zum ersten male ereignet, daß sich rückhaltlos auch die Bergbeamten, die Steiger auf die Seite der Arbeiter stellen, daß sie sich rückhaltlos dahin aussprechen, daß die Haupt- schuld an dieser Katastrophe nur die Bergbehörde trägt!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das sind Beamte, welche ihre Versammlungen mit einem Hoch auf den Kaiser eröffnen lind schließen, also keine Sozialdemokraten. Herr Osann I �Zn dem Organ dieser Beamten stehen die schwersten Anklagen gegen die Bergbehörde, viel schwerer, als ich sie jemals im Reichstag ausgesprochen habe. Aber zu unserem Erstaunen hören wir, daß der Herr Minister keine Zeugen findet, welche all das bestätigen, was wir gesagt haben, sondern der Gesamteindruck der von ihm ermittelten Zeugenaussagen ist der, daß.alles in Ordnung" war. Herr Osann klagt über Stimmungsmache in der Presse. Ja. Stimmung ist gemacht worden, das gebe ich zu. Der Herr Minister hat selbst im Landtage erklärt, der Bergmann Meyer habe seine Aussage aufrecht erhalten. Wenn der Minister von� seinen Kommissaren nur einigermaßen bedient worden wäre, so hätte er wissen. müssen, daß der Name Meyer ein Pseudonym ist, daß der betreffende Bergmann Gab heißt und daß dieser seine Aussage vor dem Staatsanwalt mit ganz unwesentlichen Abänderungen aufrecht erhalten hat.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten) Warum teil» der Minister nicht mit, was der Zeuge Gab gesagt hat. Wenn er es täte, so würden Sie wohl verstehen, daß man zu dem, was der Minister vorhin gesagt hat. nichi das mindeste Vertrauen haben kann.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Immer noch wird der nur in der Phantasie bestehende Zeuge Meyer angeführt. Dem Zeugen Gab aber wird nach- gesagt, daß er habe fliehen wollen, während der Mann sich freiwillig gestellt und zur Aussage gemeldet hat! So wird Stimmung geinachtl(Lebhaftes Sehr richtig!) Das deutsche Volt soll eben meinen, daß alles in Ordnung war. Ich versichere Ihnen, bei diesem ganzen Unglück ist es noch ein Glück, daß die Katastrophe im Ruhrgebtet statt- gesunden hat— und nicht in Saarabien. Im Ruhrgebiet werden ioir so viele Zeugen anführen, daß die Angeklagten von dem Be- iveismaterial erdrückt werden.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Die Ursachen der Katastrophe. Sehr viel ist von den Ursachen der Katastrophe gesprochen. Ich habe die Empfindung, es ist überflüffig, davon zu reden, soioeit man meint, eine spätere Untersuchung könne die Ursachen feststellen. Sie haben ja alle gelesen, daß die Elementarmächte in der Grube jetzt wüten, daß Explosion aus Explosion jetzt dort erfolgt. Es wird daher ganz unmöglich sein, später festznstellen. wie der Zu- stand vor der Katastrophe war. Und daraus allein kommt eS an. Hierfür aber haben wir massenhaft Zeugen, und ich wundere mich nur. daß der Herr M i n i st e r kerne gesunden hat.(Lebhaiies Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Herr Wiedeberg hat schon die rasche Entstehung der Zeche angerührt. Daraus gründet sich der scharfe Angriff der.Dortmunder Arbeiterzeitung"; denn diese Zeche ist geradezu typisch für den modernen Berg- betrieb, wo man nur schnell teufen muß, obne Rücksicht daiauf. daß die Vernachlässigung sich rächen wird.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokralen.) Die Berieselung. In dem Organ der Steiger ist angegeben, daß. während durch- schnluiich bei 800 Meter Teute im Rnhrgebiet eine Temperatur von 30 Grad herrscht, auf der Zeche Radbod nach der Bekundung vieler dort beschäftigten Arbeiter daS Gestein an mehreren Stellen s- heiß war, daß die Arbeiter, dir dort mit bloßem Körper schweiß- bedeckt schuften müssen, mit dem bloßen Körper sich nur ga», kurze Zeit darin aufhalte» kannten. Infolgedessen war schon eine Viertel- bis eine halbe Stunde nach der Be- rieselunp wieder alles vollkommen ansgrtrocknet. Gerade auf dieser Zeche hätte deshalb für eine starke Berieselung gesorgt werden müssen. Ich stelle fest, daß mir von Arbeitern, die monatelang aus der Zeche beschäftigt gewesen sind.-- nicht von Bergkommissaren, die nur selten einmal hinkommen erklärt worden ist, daß im Verhältnis zu dieser großen Hitze die Berieselung häufiger hätte erfolgen müssen. daß aber � und hier setzt untere Anklage ein— den Leuten d i e Berieselung nicht möglich gewesen ist»ach der über- einstimmenden Aussage von Dutzenden von Bergleuten, nach der Aussage des SleigerorganS und auch nach den Aussührungen der Herren Kollegen Wiedeberg und Behren«: sie alle bezeugen, daß die Berieselung im BcrhältniS zur hohen Temperatur und der damit verbundenen Staubentwickelung durchaus ungenügend gewesen ist. lHört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Herr Minister bat den Namen de» Werkmeisters Holländer genannt. Herr Minister. cß ist doch selbstverständlich, daß ein Angeklagter sich nach Möglichkeit zu entlasten sucht. Bei jedem Prozeß rechnen die Olichter damit, deshalb wird ja auch der Angeklagte nicht vereidigt. Der AuSiage des Bergmeisters Holländer aber steht gegenüber die Feststellung im neuesten Steigerorgan, wonach tatsächlich ein Gruben- beamter. als er wegen der schlechten Berieselung zur Rede gestellt tvurde, geantivortet habe, er müsse jede Verantwortung für die Berieselung ablehnen! DaS sind also Aus- sagen von Beamten selbst, die beschuldigt worden sind, indirekt an der Katastrophe mitschuldig zu sein. Die Ueberschichten. Der Herr Minister hat die angegebene hohe Zahl der der- fabrenen Ueberschichten bezweifelt. DaS eine aber steht fest: In dieser Grube find eine ganze Anzahl Menschen verungtückt. die eme Doppelschicht verfuhren. Bedenken Sie einmal, waS daS bedeutet. Diese Leute müssen in einer Doppelichicht 1b— 16 Stunden ununterbrochen in dieser Atmosphäre verbleiben.(Hört! hört! be» den Sozialdemokraten.) Der Herr Minister verwies darauf, daß der„GrsundheitSbeirat� in bezug auf die Höhe der zu leistenden Ueberschichten Normen festgesetzt habe. ES wäre unS sehr willkommen, Herr Minister, wenn Sie unS einmal misteilen wollten, was denn der„GesundheitS- betrat' beschl-sien hat. Wir wissen von nichts(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten), und die Arbeiter auch nicht.(Erneutes Hört! hört! bei deu Sozialdemokraten.) Im anderen Falle würden stch die Arbeiter ja bei den Kommandierungen zur Ueberschicht dagegen verwahren unter Berufungen auf den Gesundheitsbeirat.— Wir er- warten nun. daß die Zechsnbehörden öffentlich bekannt machen, was der„GesundheilSbeirat" in bezug auf das Ueberschichtenwesen für notwendig erachtet..„ Wenn nian überhaupt ein Urteil abgeben soll über die Mog- keit einer solchen Katastrophe, so scheiden bei dem Radboder Unglück die sogenannten elementaren Ereignisse auS. Mir haben Hunderte von Bergarbeitern gesagt, und Herr Wiedeberg hat daS bestätigt, daß das starke Auftreten von Gasen niemals eine solche Katastrophe ermöglichen könne, sondern imr daS Zusammentreffen einer ganze» Summe von einzelnen Mißstände», die es herbeiführen, daß eine Explosion an einer Stelle sich weiter überträgt. Arbeiter und auch Beamte, die zehn und zwanzig Jahre 'Beamte find, erklären, eine solche Katastrophe sei unmöglich bei Befolgung der heute bestehenden gesetzlichen und bergpoftzeilichen Vorschriften. Darum schließe ich nnch dem an, was schon gesagt worden ist: Wir brauchen keine polizeilichen Vorschriften mehr, wir haben schon viel zu viele. Auch wenn in einzelnen Fällen Arbeiter wirklich die Vorschriften nicht beachtet haben, so hätte daS doch nie eine solche Katastrophe erzengen können. Sind denn aber die Arbeiter immer in der Lage, die bergpolizeilichen Vorschriften zu befolgen? Hier stelle ich fest, daß nicht überall. aber an sehr vielen Stellen, das Gedinge so festgesetzt wird, daß nur unter Aufbietung aller Kräfte die Arbeiter einen Lohn heraus- schlagen können, den sie notwendig zum Leben brauchen. Es ist charakteristisch für die preußische Bergbehörde, daß sie stelS aus diese Kernfrage, auf die Lohnfrage, nicht eingehen will, und doch hängt alles damit zusammen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) ES fragt sich gerade, ob das Gedinge so gestellt ist daß die Arbeiter dabei unter Beobachtung aller erlassenen Sicherheitsvorschriften noch zu einem aus- reichenden Lohn kommen. Das ist die Kernfrage, die auch von den Arbeiterkontrolleuren sehr wobl gelöst werden kann; denn sie fühlen mit den Arbeitern mit.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Und sind denn nur die Beamten schuldig zu sprechen? Es ist, wie gesag», ein Novum. daß jetzt die Bergbeamten sich ans die Seile der Arbeiter stellen bei dem Vorgehen gegen die Bergbehörden. In diele» Tagen habe ich Dutzende von Briefen von Grubenbeamten aus allen Teilen Deutschlands bekommen, und aus allen dringt der SchmerzenSschrei heraus: Sagen Sie auch einmal iin Reichstage, wie wir gedrückt werden von oben her, wir Betriebsbeanite, Ww uns die Bergbehörde in Stich läßt im Kampfe gegen die Grubenbesitzer.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Man will den Grubenbeamten eine größere Veranlivortlichkeit auf- bürden. Wir wissen ja, was kommen wird: Den OrtSälleslen wird man verantwortlich machen, dann hat man ja den Sündenbock! Aber damit ist uns nicht gedient. Wie liegen die Dinge eigentlich? Man hat in den Gruben- betrieben das„Sollsystcm" eingeführt. Auf den Kalkulationsbureaus wird das Soll, da? der Steiger fördern muß. festgeietzt. Damit ist von oben aus eigentlich die Frage des Gedinges gelöst. Und nun heißt es für den Steiger: Das vorgeschriebene Soll mußt du fördern, sonst bekommst du die Prämie nicht. Ein großer Teil der Steiger bezieht mehr an solchen Prämien als an sixcui Gehalt!(Hört! hört! bei den Sozialdemo- kralen.) Dasselbe ist übrigens auch in der Hüttenindustrie in bezug auf die Obermeister der Fall. Wenn aber in irgend einem Gewerbe das Akkordsystem. daS Prämicnsystem Mordsystem genannt werden mutz, io gewiß im Bergwertsbetriebe.(Sehr wahr! bei den Sozialdem.) Die Steiger sind manchmal viel schlimmer daran als die Arbeiler Die Arbeiter wollen natürlich ein gutes Gedinge und schimpfen vielleicht auf den Steiger, weil nicht jeder von ihnen die wirtschast- lichen Zusanimeuhänge kenm. Der Steiger aber wird von oben koinniaudiert. Liefert er nicht genug Kohlen, so droht man ihm mit Entziehung der Oualifikation. Bei dieser Entziehung der Onalifikaiion wird von der Bergbehörde, wie wir daS bei anderer Gelegenheit altcnmäßig werden feststellen können, durchaus nicht immer einwandsfrei Versahren. Nur einen Fall will ich zur Illustration anstihren, wie es unter Umständen den» Steiger geht. Aus der Zeche Deutscher Kaiser, die der Firma Thyssen gehört, hatte vor einiger Zeit ein Steiger ein so hoheö Soll gesetzt bekommen, daß er es häufig nicht liefern konnte. Sein Vorgesitzter drangsalierte ihn und drohte mit Entlassung, und als der arine Tcnfel eines Tages wieder das Unglück harte, das Soll nicht gefördert zu haben, jagte ihn sein Vorgesetzter in die Grube zurück! ES ist das so beliebt worden bei den Herren Assessoren, daß man die Steiger zur Strafe zum „Nachexerzieren' kommandiert und fie nach achtstündiger schwerer Schicht wieder in die Grube jagt l!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Beamte wußte nun nicht ein noch aus. Und waS geschieht? Am anderen Morgen kam die Frau des Beamten und fragte, wo ihr Mann sei. Niemand wußte eS. EriftdieNacht über nicht nach Hause gekommen. Man sucht in der Grube, man findet ihn nicht. Ein Polizeihund spürt dann den armen Teufel nach 33stiindigem unterirdischem Aufenthalt ziisammcngekanert in derGnibe aus uird nachdem er hcrausgeschufft woroen ist, konstatiert der Arzt geistige Depression. (Bewegung.) Ich sage also: die Steiger sind übler daran als die Arbeiter und deswegen erheben wir von dieser Stelle auS die An- klage: Die Steiger so wenig wie die unmittelborenIBetriebSbeamten und die Arbeiter können an solche» Katastrophen schuldig sein, sondern die Schuldigen sind jene Herren, die nie ihre Finger schmutzig machen beim Fördern von Kohlen, die aber die riesigen Gewinne. die ungeheuren Dividenden einstecken.(Lebbaste Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Es ist nicht zu bestreiten, daß auch die Betriebsverwallungen, die Generaldirektoren unter Umständen nichts sind als Marionetten in den Händen der Leute von der hohen Finanz; in den Bureaus der grossen Bankhäuser wird mit Leben und Tod von Hunderttausende« von Berg- arbeitern gewürfelt. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten,) Hören Sie, was die Beamten über die sogenannte Sparsamkeit sagen: Es ist gar nicht ausgeschloffen, daß, wenn auf der Grube Radbod oder Borussia SO M. mehr für Reparaturen ausgegeben worden, die Katastrophe nicht erfolgt und Millionen gerettet wären. Hier trifft das Wort zu: Man spart am Zapfen und läßt durch den Spund laufen. Wir können heute erfreulichei weise konstatieren, daß auch die Beamten sich organisiere» und sich die bisherige Behandlung nicht mehr ge° fallen lassen. Die überaus zahlreiche Verwendung ausländischer Arbeiter in den Gruben ist schon besprochen worden. Durch sie wird zweifellos die Unfallgefahr und die Krankenziffer erhöht. Wie man von ge- wisscr Seite den Menschen im Arbriter achtet, geht anS einem Ufa« der Zeche Hibernia an ihre Steiger hervor. Dort wird von ober- schlestschen Arbeitern als„solchen Kmldcn" und„Bm-diten" gesprochen! (Hört I hört! bei den Sozialdemokraien.) So behandelt man Berg- arbeiter I Man will ja auch nur willenlose Leute und keine„Industrie- bürger'. wie Naumann sagte. Ueber die schwarzen Liste« haben wir ja hier tagelang diskutiert. Auch bei dieser hoch- wichtigen Debatte war kein Vertreter der Bergverwaltung zu- gegen. Die Erbitterung der Massen, wie sie in Radbod auch gegenüber dem Prinzen Eitel Friedrich zum Ausdruck gekommen ist, muß ja gesteigert werden, wenn forlgesetzt Tausende auf die schwarzen Listen gesetzt werden, wen» auf alle höslichen und manchmal sehr demütigen Eingaben von Organisationen und Arbeitern, ob sie nun vom christlichen, vom Hirsch-Dunckerschen oder freigewcrkschast- lichen Verband stammen, nicht einnial eine Autwort kommt. Man verhandelt einfach mit den Arbeitern nicht! Und da wundert sich Herr Osann über die Empörung- der Bergarbeiter. Iin Altertum bat man die Bcrgwerkssklaven mit Ketten an die Arbeit gefesselt, Heute ist man humaner, heute macht man schwarze Listen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) In bezug ans das Berhälmis der Bergbehörde zu den Bergwerks. befitzern habe iÄ bei Gelegenheit des Reichsvereinsgesetzes die Behauptung anfgcsiellt. daß der Sprachcnparagraph bestellte Arbeit der rheinisch- westfälischen Jndnstrieherren sei. Damals hat der Herr Staats- sekretär v. Bethmaim-Hollweg feierftch vor aller Welt die Erklärung abgegeben, daß dieser Sprachenparagraph„ichr aus die Wirtschaft- lichen Organisationen der Arbeiter Anwendung finden solle. Und nun konstatiere ich vor der ganzen Oeffentlichkeit, daß im Ruhr- gebiet das eingetroffen ist, was wir vorausgesagt haben.(Hortl hört! bei den Sozialdemokraten.) Die RegienrngSpräsidenten von Münster, von Arnsberg und von Düsseldorf haben aus Eingaben der polnischen Gewerkschasten. man solle in de» Gewerkschaflsver-' sammlungen die polnische Sprache gestalten, ablehnend geantwortet! (Hört! hört! bei den Sozialdemokraien.) Man hatte stch in dieser Eingabe auch auf die Erklärung des Staatssekretärs des Innern berufen; das hat aber nichts genützt. Auch auf eine Beschwerde an den preußischen Minister des Jimern v. Moltke hat dieser den Bescheid nicht widerrufen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Nun bitte ich Sie, Herr Staatssekretär, wie soll man denn dann Ihrem Worte jetzt noch veilrauen?(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Ich bin fest überzeugt: wäre jene Erklärung des Herrn StaatssekrerärS damals nicht erfolgt, so wäre der Sprachenparagraph von einer ganzen Anzahl derer, die ihm zu- gestimmt haben, abgelehnt worden.(Sehr richtig! links.) Also, meine Behauptung, daß der Sprachenparagraph ein Geschenk an die rheinisch-westfälische« Großindustriellen sei, ist durch die Tatsachen vollkommen belegt worden. Weiter haben wir wiederholt verlangt, man solle die Schlitz- Vorschriften auch in polnischer Sprache anschlagen, damit sie die polnischen Arbeiter verstehen. Die Regierung hat.nationale" Gründe vorgeschoben. Naiionale Gründe erlauben es, Zehntansende ausländischer Arbeiter in die Gruben zu verschleppen und sie in die größte Gefahr zu bringen, sie erlauben es, ihnen die Muttersprache zu verweigern. Und warum? Weil eS die Herren Hültenbesitzer wollen. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Das ist die einfache Er- klärung. Ich erinnere daran, daß bei der Borussia-Katastrophe die Bergbehörde, ehe auch nur die Möglichkeit einer Untersuchung vox- lag, der Grnbeuverwaltung ihre Unschuld bcstäligt hat.' Sehr charakteristisch für den Einfluß der Großindustriellen ist das Schicksal des Hüttenarbeiterschutzes. Im preußischen Landtage hat man noch nie— meines Wissens— darüber gesprochen, jedenfalls noch nie einen Amrag auf Vorlegung eines Hüllenarbeiterschutz- gcsetzes angenommen. Wohl aber ist das im Reichstag mit großer Majoriläi geschehen. Und was erleben wir? Diese An- gelegenheit des HüttenarbeiterschutzeS wird aus den, Reichstag, wo sie doch wahrhaftig hingehört— bier können Sie doch keine HoheitS- rechte geltend machen. Herr Minister I— in das pmißische Handelsministerium verschleppt I Und warum? Weil die Hütten- besitzer gedroht haben, daß sie Rebellion machen würden, wenn ein Hültenarbeiterschny wie der Reichstag ihn wolle, zustande komme! (Lebhafles Hört! hörl I bei den Sozialdemokraten.) Wir werden bei der sozialpolmschen Debatte noch darauf zurückkommen. All diese Vorgänge haben weitesten Kreisen die unausrottbare Ueberzeugung beigebracht, daß Bergverwaltung und Grubenverwaktnng unter einer Decke stecken. Nun zur Frage der Untersuchung der Unfälle. Die Bergbehörde darf in keiner Weise an der Untersuchung teil- nehmen. Auch nicht an der Voruiileriuchuiig I Wir haben den Borussiaprozeß, den Prozeß gegen den Bergrat Hilger, den Prozeß gegen die Seustenbergcr Gruben, den HcrkuleSprozeß gehabt. Und in allen diesen Prozessen trat der Verlreter der Bergbehörde als Sachverständiger auf, obwohl sich die Anklage nicht bloß gegen die Gruvenverwaltnug, sondern auch gegen die aufsichtstihrende Bergbehörde richtete. Ja, man hatte den Myt. als Vertreter der Bergbehörde und als Sachverständigen den Beamten zu laden, der in dem Revier amtierte, wo der Unfall geschehen war I(Lebhaftes hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) DaS wäre in jedem anderen Prozeß ausgeschlossen. Jeder Untersuchungsrichter, der sich irgendwie persönlich beteiligt fühlt, lehnt stch selber ab.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Die Bergbehörde kennt.solche Bedenken nicht, und dabei ist eS klar: wenn Mißstände' nachgewiesen werden, dann belastet sie sich selbst, weil sie ja unter ihrer Aufsicht eingetreten sind. (Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Das ist nicht etwa sine sozialdemokratische Anschauung. Nein, daS gleiche hat auch die„Nheniisch-Westfälische Zeitung" im Jahre 1905 ausgesprochen; sie hat der Bergbehörde damals die Fähigkeit abgesprochen, als un- befangene, objektive UntersuchuiigSbehörde zu fungieren. Wir haben eS ja erlebt, wie in den KnappjchaftSdebaNcn die Bergbehörde die Mißstände zu vertuschen suchte. Und nun sollen imr ruhig zuiehen, wie die Bergbehörde nach dieser furchtbaren Katastrophe als Selbstbeteiligie die Untersuchung führt l Das ist ganz unmöglich.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wenn ein Bergbeamler findet, daß nicht eine kleine Explosion, sondern eine Summe von Umständen an der Katastrophe schuld war, so belastet er in erster Linie die Bergbehörde, und deshalb vcr- langen wir, daß die Bergbehörde an dieser Untersuchung nicht be- teiligt ist. Wir haben einen Antrag eingebracht, der eine von der Bergbehörde unabhängige Kommissipii für diese Untersuchung verlangt. Noch auf einen Unistand will ich mifmerksam machen. Sie finden unter de» Bergasscssvien und Bcrgrefcrcildaren genau dieselben Namen wie unter den Aktionären und Aiifsichtsratsuiitglicdern. Die Beamten kontrollieren hier die Gruben ihrer eigenen Familienmitglieder. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) DaS ist doch ein unmög- sicher Zustand. Schon anö diesem Grunde müssen wir A r-> beiterkontrollcure verlangen. Selbst d,e„Rheinisch- Westfälische Zeitung" schrieb im Jahre 1906, daß nicht mehr nach technischen und loirtschaftlichen Gesichtspunkten, sondern nach finanztechnischcn und dividenden technischen Gc� sichtöpunkten die Verwaltung der Gruben geleitet wird. Wenn selbst ein Organ der Unternehmer sagt, daß die sozialvolitischen Gesichtspunkte vor den dividcndcnrcchtlichen zurücktreten, dann wäre cö hohe Zeit, daß die Bergbehörde sagte: So geht eS nicht weiter!(Lebhaste Zustimmung rechts.) Dort unten srnclen sich Dinge ab, von denen die große Mehrheit hier nichts weiß, sonst wäre ihr Widerstand gegen unsere sozialpolitischen Vorschläge gar nicht verständlich. Wenn Sie unseren Antrag auf Einsetzung einer parlamentarische« UntcrsuchungS.'ommission annehmen, dann werden Sic Dinge erleben, von Dingen hören, die Sie für unmöglich gehalten.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Warum weist man das Verlangen eines ReichsberggcsetzeS zurück? Lediglich, weil die Unternehmer es tun. Diese wissen, daß bei einer rcichSgesctzlichen Regelung auch die Arbeiterfrage berücksichtigt würde, und deshalb widersetzen sie sich.(Sehr toahrl bei den Sozialdemokraten.) Weshalb aber sollen die Bergarbeiter von der ReichSgesctzgebung ausgeschlossen bleiben? Dafür gibt es keine andere Erklärung, als daß die Bergbehörde sich dem Willen der Unternehmer fügt. Auf oie versprochenen„Arbciterkontrolleure" verzichten wir. da man sie nach dem Muster in Saarabien machen will. In dem Prozeß deS Ooerbcrgratö Hilger gegen den Berg- arbeiter Krämer wurde von Arbeitcrausschußmftgliedenr unter Eid erklärt, daß, als sie Mißstände gerügt und das Kmstrollbuch zur Eintragung gefordert hätten, ihnen vom Obersteiger gesagt wäre, das verbäte er sich, und sie hätten dann in das Buch hmeingcschriebeni „Alles in Ordnung"! Solche Arbeitcrlontrolleure sind keine Reform, sondern nur ein 5iulisse, uin sich der wirklichen Reform zu entziehen.(Lebhaftes Sehr richtig.1 beß den Sozialdemokraten.) Sozialpoliti''� vor- geschrittener als die preußische ist die bayerische Bergverwaltung. Diese bat längst ArbeiterauSschußmitglieder an der Kontrolle be- 'teiligt und ihnen Holzes Lob gespendet. Diese Mitglieder waren ohne Ausnahme auch Mitglieder des sozialdemokratischen Berg- arbeitcrvcrbandeö. Sie sehen, daß wir sehr wohl in der Lage sind, eine unparteiische Ausübung solcher. Aeruter zu garantieren. Aber in Preußen will man das nicht, in Preußen darf man das nicht, sonst hätte man sofort das ganze Unternehmertum aus dem Hals. (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Reisen Sie zu den Bergleuten, hören sie Hundert, hören Sie Tausend Berg- arbeiter, Sie werben bort vieles erfahren. Die Bergarbetter haben Gefahr diefer fapitalistischen Entwidelung der Sohlenindustrie hin- nehmern fommt. Und wenn Sie an die Regelung der Berg, das Vertrauen zu dem Reichstag, daß er ihre Klage hören wird. gewiesen. Wenn das Volk wüßte, wie billig in Wirklichkeit die arbeiterfrage gehen, so erhebt sich dahinter das viel größere Ich bitte Sie dringend im Namen der Bergarbeiter, im Namen der Kohle gefördert wird und wie teuer sie bezahlt werden muß, so Problem: Wie erhalten wir unserem Volte, was unserem Volke Opfer, die dort gefallen find, rechtfertigen Sie dieses Vertrauen, würde eine flammende Empörung die ganze Bevölkerung erfassen. gebührt? Wie erhalten wir der Nation, was der Nation gebührt?" erfüllen Sie die Bitten, der Bergarbeiter. Wiederholt hat der( Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Gegen diese Sie müssen die soziale Frage lösen in dem Sinne, wie wir es vorReichstag Anträge angenommen, die ein Berteuerung des Nationaleigentums gibt es fein anderes Mittel schlagen, an dem Punkte kommen Sie nicht vorbei.( Anhaltender als die Beifall bei den Sozialdemokraten.) Reichsberggefek Enteignung des Großunternehmers, Expropriation der Expropriateure! Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Mittwoch, 1 hr. Schluß 6% Uhr. fordern. Helfen Sie der Gerechtigkeit, helfen Sie der Menschlich- als die feit zum Siege und machen Sie Front gegen das, was von der Regierung hier als„ Reform" vorgeschlagen wird.( Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Sie beschüßen damit nicht( Rebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Auch der den nur die Arbeiter, sondern auch das gesamte Voltseigentum. Mehr- Konservativen nahestehende Professor Adolf Wagner sagt, daß die Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen Direktion über fach hat Graf Kanik hier die Affumulation des Grubenkapitals Entiidelung zu einer immer stärkeren Entwickelung von Reichtum den Großhandel in den Zentral- Marktballen. Marktlage: Fleisch: geschildert. Er hat geschildert, wie die nationalen Grubenschäße auf der einen Seite, zu einem immer größeren Klassengegensatz zufubr reichlich, Geschäft ruhig, Breise unverändert. Wild: Zufuhr reich verschleudert werden, wie man die Brennstoffe dem deutschen Bolte führt. Diese Gegensäge zu lösen, an dem Punkte kommen wir lich, Geschäft lebbaf, Preife feft. Geflügel: Zufuhr reichlich, Geschäft nur zu Apothekerpreisen abgibt. Eine kleine Handvoll von Unter- nicht vorbei. Die unabhängigen Männer der Wissenschaft sprechen flau, Preise nachgebend. Fische: Zufuhr genügend, Geschäft sehr Butter unb nehmern, eine verschwindende Handvoll von Millionären beherrscht es mit uns aus, daß wir die Geburtswehen einer neuen Zeit er- schleppend, Karpfen faum abiegbar, Preise nachgebend. icht schon den Bergbau. Da ist es Zeit, daß man den Finger in leben, die eine bessere Zeit sein muß. Die Sozialdemokraten ver- säje: Geschäft ruhig, Breise unverändert. Gemüse, Obst und Süd. die Wunde legt und das Boltseigentum schüßt vor denen, die es langen, daß in der Volksvertretung an dieser Grundfrage unserer früchte: Zujuht genügend, Geschäft ruhig, Preise wenig verändert. verschleudern. Das ist nicht nur eine Frage, welche die Sozial- Beit nicht vorbeigegangen wird. Wenn sie noch so viel reden und demokratie angeht, hat doch die preußische Regierung bei der Be- es noch so viel abstreiten, an der Tatsache ändern Sie nichts, daß gründung in ihrem Gesezentwurf im Jahre 1906 selbst auf die die Masse des Volkes in immer größeren Abstand von den UnterA. JANDORF& C Spittelmarkt Belle Alliancestrasse Grosse Frankfurterstrasse Brunnenstrasse Kottbuser Damm Wir geben unseren Kunden schon jetzt Gelegenheit zum besonders billigen Weihnachts- Einkauf und verabfolgen trotz billigster Preise bei Einkäufen noch die. 14. Ziehung 5. Kl. 219. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 24. November 1908, vormittags. Nur die Gewinne über 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. verboten.) ( Ohne Gewähr.) ( Nachdruck 107 301 611 64 993 500 1199 360 65 757 969 2093 216 413 76[ 3000] 639 78[ 1000] 779 857 3491 584 614 89 73 926[ 500] 44 4006 15 181[ 3000] 254 425 555 782 841 939 5055 271 397 496 577 6275 509 687 993 7169 278 843 447 81 84 592 753 915[ 500] 8132 359 474 86 820 963 9026[ 3000] 209 70[ 3000] 326 449 540 642 55 731 804 10314 561 85 644 786 11241 57 401 517[ 15 000] 23 98 12186[ 1000] 594 741 47 920 56[ 500] 13065 74 769 14054 289 677 741 900 26 61 15200 94 894 404 679 789 896 16000 86 635 847 944 17128 239 65 549 677 754 78 18080 172[ 500] 317 88[ 3000] 632 818 981 19105 93 272[ 3000] 403 26 574 607 18 81 20048 271 444 539 615 67 792 896 21280 58 634 773 22193 410 23096 135 91[ 500] 230 66 87 850 504 15 24130 63 86 98 739 898 25135[ 1000] 275 313 81 505[ 500] 618 954 26018 483 515 66[ 1000] 616 86 795[ 1000] 844 27117 210 18 314 487 614 21[ 500] 731 87 803 10 36 58 28128 1500] 71[ 500] 680 704 21 28 29061 98 159[ 500] 78[ 5000] 83 304 5 407 34[ 500] 517[ 500] 859 932 30119 36 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à 60 000, 2 à 50 00, 3 à 40 000, 11 à 80 000, 11 å 15 000,$ 9 à 10 000, 67 à 5000, 1017 à 5000, 1574 à 1000, 1316 à 500. Anzahl Rabattmarker Von dieser Vergünstigung sind nur wenige Artikel ausgeschlossen. 14. Ziehung 5. Kl. 219. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 24. November 1908, nachmittags. Nur die Gewinne über 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. ( Ohne Gewähr.) ( Nachdruck verboten.) 26 123 248 73 712 1467 82[ 1000] 554 675 879 886 2022 281 83 809[ 5000] 55 595 617 47 818 912[ 5000] 3067 157 245 90 397 805 911 4036 184 226 56[ s000] 96 364 91 412 554 681 770[ 100] 830 962[ 500] 99 5272 320[ 8000] 470 621 702[ 1000] 93 955 58 61 6112 7112 90 246 55 831 478 91 514[ 500] 15 740 8073[ 500] 434 500 67[ 3000] 629 86 760 9141 588 649 88[ 5000] 709 78 805 51 95 10133 84 449 506 793 831 59 11308 75 402 4 655 786 816 924 12071 83 88 230 308 431 68 565 98 676 784 832 13123[ 500] 65 441 51 561 608 19 831 14874 88 774 15091 281 384 565 74 619 955[ 300] 16298[ 1000] 516 45 656 714 17003 182 825 489 558 641 928 18273 386 442[ 500] 674 915 50 19021 809 23 654 738 862 77 85 956 20000 47 263 382 633 88 747[ 1000] 62 21206 64 90 354 91 583 714 22035 220 55 56 420 809 920 38 23125 [ 3000] 207 473 855 994 24003 39[ 500] 55 158 224 352 571 670 97 877 969 25032 212 372[ 500] 865 26058 287 425 27 514 642 821 79 942 27052[ 500] 248 550 800 87 911 44 28018 105 225 558 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739 990 Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW, Nr. 276. 23. Jahrgang. 2. licilagc des Jotiüiltto" Kcrlim Nslkdlsll Mittwoch. 23. November 1908. Partei- Hngclcgenbdten. Steglitz— Friedenau. Auf die am DorinerZlag, den 26. No- bember, abends 8 Uhr im„Rheinschloß- in Friedenau stall- findende öfienlliche Versaininlung, in der Genosse Sachse über dad Grubenunglück von Radbod spricht, sei zwecks guten Besuchs »pchmals hingewiesen. Lankwitz. Die heutige Mitgliederversammlung deS Wahlvereins findet bei Uebel, Maririiselderfiraße 9 statt. Thema und Referent werden in der Bersanunlung belaunt gegeben. Fricdrichsfelde. Heute findet bei Bube, Prinzen-Allee 80. eine öffeniliche Versammlung statt, in welcher der Genüsse Adolf Hoff mann sprechen wird. Friedrichshagcn. In der heute Mittwoch bei Lerche statt- findenden WahtvereinSversammluilg werden an die Mitglieder zurück- gesetzte Jugendschriflcn sMärchendücher) zu über die Hülste er- mäßiglem Preise ausgegeben werdeu. Französisch-Buchholz. Am Sonntag, den 29. November, nach- mittags 4 Uhr findet im Lokal von Kähne, Berlmeijlrasze 39, eine öffentliche Versoiuiiilung für Französisch-Buchholz und Umgegend stall, in welcher SchiislueUer Stern- Berlin über«das Wesen des Chrisleumms' referieren wird. Die Geistlichen find zu dieser Ver- samnilung brieflich eingeladen. Berliner I�lacdricbten. Verschönerungsrats Elirentag. 'Ein festlich geschmückter, von elektrischen Lichtsluten überstrahlter Saal, und in der Mitte drei lange, weitzgedcckte Taseln. Nicht zur Abfütterung sind sie bestimmt. An ihnen soll nach allen Regeln der Kunst des Figaros gezeigt werden, daß Arbeit vor dem Sattessen und Festeseiern kommt. Die blauen Sprühfunken der Bogenlichtlampen und die gleich- mäßig ruhigen gelben Reflexe der Glühbirnen brechen sich auf den Taseln tausendfältig in mehr als einem halben Hundert Spiegeln. Neben jedem duftet als galante Spende ein frisches Bukett, und aus der anderen Seite lagert, zierlich gc- ordnet das Handwerkszeug des modernen Verschönerungsrats. Kämme und Bürsten, Brennscheren tind Spirituslämpchen, Flakons und Puderquasten. Vollzählig harren alle die männ- lichen und weiblichen Versuchskarnickel auf den ihnen zu- gewiesenen Plätzen des graziösen Kampfspiels. Rings uni das Parkett an vielen kleinen Tischen wird schon fleißig poku- liert und die Cour geschnitten, und auf hoher Empore, wo die ballmäßig gekleidete Menge sich Kopf an Kopf drängt, erwägt man eifrig die Chancen des ersten Preisringers. Heute sollen sie zeigen, die ins volle Menschenleben, in den Kampf ums 'Dasein treten, was sie gelernt haben in langen drei Lehr- jähren. Auf den Ehrenplätzen der Mittelgalerie hat man inmitten des Kranzes schöner Frauen und Mädchen die Sach- verständigen, die Mitglieder der Gewcrbedeputation und die Vertreter der Presse plaziert. Wir Zeitungsmenschcn gehören ja eigentlich auch init aiiin„Bau", denn so wie wir hat es nicht mal der Haarrünstler heraus, anderen Leuten den Kopf zu »vaschen. Wichtig eilen die befrackten, geschniegelten „Koniiteeter" hin und her. Jetzt wird eine breite Gasse frei- gemacht, und unter den Klängen eines flotten Marsches schlängeln sich fünfzig hoffnungsvolle Jünglinge in den Saal, jeder an seinen Platz hinter dem Spiegel und jeder in der festen Ueberzeugung, mit Kamm und Bürste den ersten Preis zu erringen. Es ist ein eigenartig anziehendes Bild, solches Schaufrisieren der Lehrlinge. Wie sie glühen vor Eiser, die fünfzig jungen Menschcnblüten, die heute eine Probe ihres Könnens ablegen sollen! Im Takt nach der Musik, unter schallender Heiterkeit der Zuschauer, bearbeiten Kamm und Bürste die geduldigen Modellhätlpter, Strich auf Strich formen sich unter geschickten, flinken Händen die üppigsten Haarwellen zu bestimmteren Gebilden, und allmählich ent- stehen mit der wunderbaren Hilfe der Brennschere kleine Kunstwerks, die nur den einen bösen Fehler schneller Ver gänglichkeit haben. Kritischen Blickes wandern die Preis richter von Tisch zu Tisch. In ihren Mienen glaubt man das Urteil zu lesen, aber es kommt regelmäßig anders, als man denkt. Mancher war in zehn Minuten fertig und hat eine tadellos sichere Frisur geliefert, andere murksen noch nach dreiviertel Stunden an ihren Karnickeln herum. Herrgott. was da alles unter dem heißen Eisen, das so elegant durch die Luft geschlenkert und schnuppernd an die Nase geführt wird, entstanden ist! Mehr als einer und eine kennt sich kauin wieder und bläht sich stolz im Zauberspicgel. Aus struppigen Tickschädeln sind unter Künstlerhand prächtige Lockcnköpfe geworden, nüchterne Haussrauensrisuren haben sich in altmodische Rokoko-Turmbauten, in die seltsamen Haartrachten des Mikadoreiches oder in die bizarren Phantasie- figuren unseres Jahrhunderts gewandelt. Und was vielleicht das Beste ist— auf diesen so geleckt wie Wachsfiguren in die Welt schauenden Köpfen sind die Haare„garantiert echte Natur". Da steht nicht zu befürchten, daß die Auserkorene im seligen Augenblick des„Endlich allein" den prächtigen Haarschmuck, der„ihn" so verliebt gemacht hat, mit un- schuldigster Miene an die Wand hängt. Wie der Schein trügt und nicht alles echt ist, was glänzt,— wir sehens im Neben- saal, wo überraschend geschickt angefertigte Haararbeiten aus- gestellt sind, Zöpfe von wunderbarer Feinheit. Perücken in den vielgestaltigen Formen längstvcrgangener Zeiten, wohl- frisierte Pnppenköpfe mit echten Menschenhaaren, und als Allerneuestes die sogenannten Wasserpostiches. Was ist das? Auch so ein modernes Mittelchen zum Einsangen von uns „Herren der Schöpfung". Raffiniert erfundene Damen- Perücken sind es. die sich von Natur nur durch das Kenner- auge unterscheiden lassen und auch dem armseligsten Schopf ein die Männerfreiheit gefährdendes Relief verleihen. Mit dem Eisen gebrannt zu phantastischen Gebilden und daraus in Wasser getaucht, werden sie einem besonderen Hitzeprozeß unterworfen, bis das Wunderwerk genügend Festigkeit besitzt, um sich wochenlang auf dem Haupte unserer Schönen zu halten. Aber da habe ich fast schon zuviel von Toiletten- geheimnissen verraten. Also schnell zurück in den Festsaal. wo Hunderte sich jetzt um die Taseln drängen und die preis- gekrönten Frisuren unter die Lupe mehr oder minder sach- verständiger Kritik nehmen. Noch eine schwungvolle Fest- rede, ein schmetternder Tusch, ein kerniger Weckruf an die Jugend, sich von den unfreien Strömungen der Zeit nicht unterkriegen zu lassen,— und dann wird getanzt bis in den bellen Morgen hinein. Der Borort Buch mit seinen großen städtischen Anlagen, darunter eine elektrische Zentrale zur Versorgung der beiden städti- scheu Irrenanstalten, des Hospitals, der Heimstälte, des Rieselgutes, der Bäckerei. Apotheke, des Ärugs und Schlosses mit Licht. Kraft, Heizung. Wasser usw. nimmt dauernd zu. Die Zahl der Insassen der verschiedenen Anstalten sowie der Bewohner bat bereits an- nähernd 6000 erreicht und eine weitere Zunahme ist mit Sicherheit nach dem Umbau des Bahnhofes, Fertigstellung der städtischen An- stalten, Herstellung der Chaussee zwischen Heiuersdors— Karow— Buch zu erwarten, besonders da auch die Privatbautäligkeit wieder zu- genommen hat. Unter diesen Umständen hat der Magistrat be- schlössen, zur Erhöhung der Feuersicherheit besondere Räume für Feuerlöschgeräte, darunter auch eine große mechanische Leiter, zu er- richten. Ein Teil der dortigen Beamten ist bereits im Feuerlösch- dienst ausgebildet worden Außerdem ist Vorsorge getroffen worden. daß im Fall eines BrandeS die Berliner Feuerwehr sofort nach Buch Züge entsenden kann. Em braver Kämpfer für unsere Sache ist in der Person des Genossen Wilhelm Langfeld dahingegangen. Laiigseld, der von Berus Tischler war. gehörte zu denjenigen Genossen, die in stiller, aber desto eifrigerer Weise für die Sache der Sozialdemokratie wirkten. In der schweren Zeit des Schandgesetzes stand Langfeld tapser aus dem Posten. Ansang der 80er Jahre wurde er wegen Verbreitung deS Züricher„Sozialdemokrat" verhaftet und schwer bestraft. In unserer Parteikosse war damals große Ebbe und es war nicht möglich, der zurückbleibenden starken Familie das zuteil werden zu lassen, waS in anderen Fällen zu anderer Zeit möglich gemacht wurde. Im Jahre 1888 war Laiigseld in dem Geheim- bundsprozeß Lau und Genossen verwickelt und mußte vier Monate in Untersuchungshaft sitzen. Der Prozeß selbst endete mil Freispruch. Die Gesängnisstrase halte auf den Gesundheitszustand Langselds recht ungünstig eingewirkt. Jetzt ist der treue Genosse dahingegangen. Die Genossen des vierten Kreiies verlieren in ihm einen vpfer- freudigen Kämpfer sür den proletarischen Befreiungsgedanken und werden seiner überS Grab hinaus gedenken. Den durch den Achtnhrladenschluß geschaffenen Aendcrungen in dem Berliner Berkehrslebcn hat die Eiseiibahndirektion Berlin durch enliprecheiide Zugverleguugen bereits teilweise Reclmung getragen. Der um 8°� Uhr abends von Charlottenburg abgelassene Voronzug nach Friedrichshageu wird jetzt bis nach Eikner durchgeführt, wo er 92i Uhr eintrifft. Der 3� Uhr von Charlottenburg abgelassene Zug. der solange mil Rücksicht aus den Neunuhrladeuichluß bis Erkner subr, verlehrt nur noch bis Friedrichshagen. Der Abeudzng ab 9� Uhr von Friedrichshogen ist ausgehoben und dafür ein Spätzug eingelegt, der um 1024 Uhr von dem genannten Borort nach Berlin abgelassen wird._ AuS der Leichensammelstckle in der Diestelmeverstraße. Wie eS bei Beerdigungen von Armenleichen zugeht, das ist im„Vorwärts" oft und erst ganz kürzlich wieder gezeigt worden. Heute müssen wir scbon wieder über ein Vorkommnis berichten, das einen neuen Beitrag zu diesem leider unerschöpflichen Thema bildet. Leichen, die auf Kosten der Stadt beerdigt werden sollen. werden zunächst nach der Sammelstelle in der Diestel» meyer st raße gebracht, von wo man sie dann im Massenhans- port nach dem Gemeindefriedhof zu Friedrichsseide hinausschafft. In dieser Leichensammelstelle, deren Betrieb von einem anschei- nend überlasteten Angestellten, einem alten FriedHofsarbeitcr, besorgt wird, scheinen sehr sonderbare Zustände zu herrschen. Eine Frau D. teilt uns mit, welche Erfahrungen sie dort ge- macht hat, als sie ihre in einem Krankenhause der Stadt ver- storbcne Mutter aus Stadtkosten zu Grabe tragen lassen mußte. Da sie an der Beerdigung teilzunehmen wünschte, so begab sie sich am zweiten Tage nach dem Ableben der Mutter zu der Leichen- sammelstelle und fragte an, wann die Beerdigung stattfinden werde. Sie bekam von der Frau des Angestellten der Sammelstelle die Antwort, über den Zeitpunkt der Beerdigung sei noch keine Bestimmung getroffen, die Leiche sei ja noch nicht mal vom Krankenhause hier eingeliefert worden. Frau D. bat nun, ihr Per P o st k a r t e mitzuteilen, wann man die Mutter beerdigen wolle. Für die Bemühung einschließlich Porto bezahlte sie 2S Pfennig. Das war nicht etwa eine vorgeschriebene Gebühr, sondern ein freiwillig gewährtes Trinkgeld für den Angestellten. Der Mann bekommt für seine Arbeit keinen sürstlichen Lohn, da wird er solche Nebeneinnahmen nicht zurückweisen wollen. Aber zu bedauern ist, daß er sie von Leuten beziehen mutz, die selber nichts haben. Eigentlich sollte man erwarten, daß die Stadt Berlin noch die paar Sechser drüber habe, schrkst- liche Nachrichten über den Zeilpunkt der Beerdigung von Armen. leick>«n allen denjenigen Hinterbliebenen zukommen zu lassen, die sich um die Leichen ihrer Verstorbenen kümmern. Indes, wir wagen nickt, ohne weiteres anzunehmen, daß diese Vorschrift tat- sächlich bestehe. Der Angestellte der Leichensammelstelle mutz übri- gens auch noch einen Handel mit Kränzen betreiben, um sein Ein- kommen aufzubeffern. Seine Frau machte der Frau D. den Vor- schlag, sie möchte bei ihr einen Kranz kaufen, den liefere sie ebenso gut und ebenso billig, wie jedes Blumengesdiöst. Frau D. ließ sich einige Kränze zeigen und zahlte dann 1 Mark für einen Kranz, der auf den Sarg gelegt werden sollte. Nach alledem konnte wohl kein Zweifel daran sein, daß Frau D. tatsächlich den sehr lebhasten Wunsch hatte, an der Beerdigung der Mutter teilzu- nehmen. Aber die ihr versprochene Benachrichtigung— kam n i ch t. Frau D. wartete«inen Tag. sie wartete einen zweiten Tag, sie wartete vergeblich auch noch einen dritten und vierten Tag. Schließlich regte sich bei ihr die Besorgnis, daß da wieder irgend- eine Bummelei vorliege, und sie machte sich auf den Weg nach der Dieslelmeyerstraße. Diesmal bekam sie den Angestellten selber zu Gesicht.. Auf ihre verwunderte Frage, ob denn die Mutter immer noch nicht beerdigt werden sollte, blieb er zunächst die Ant- wort schuldig. Er konnte sich gar nicht erinnern, daß unter dem angegebenen Namen eine Leiche bei ihm«ingeliefert worden sei. Dann fragte er per Telephon an, vermutlich bei dem Inspektor des GemeindefricdhofcS, und nun mutzte er kleinlaut bekennen. die Leiche sei bereits am Tage vorher der Erde übergeben worden. Bestürzt rief Frau D., wie denn das möglich sei, da sie doch um Nachricht gebeten habe. Der andere bedauerte, das habe er„ganz verschwitzt". Er gab ihr jetzt das Geld zurück, das sie für den Kranz bezahlt hatte, dagegen behielt er das Trinkgeld für die„verschwitzte" Benachrichtigung. Uns will scheinen, daß da in der Dicstclmeherstraße so m a n- cheS recht verbesserungsbedürftig ist. Die Aufsicht über die Leichensammelstelle wird ausgeübt nicht etwa von einem Beamten der Siadt, sondern von dem Inspektor deS be» nachbarten Friedhofs einer Kirchengemeinde. dem der Posten bei der Leichensammelstelle der Stadt nur Neben- a m t ist. Was er dabei zu tun hat. wiffen wir nicht. Er bezieht aber für sein«„Mühe" von der Stadt eine Vergütung von 1000 M. pro Jahr, während der oben erwähnte Angestellte, der die eigcnt- liche Arbeit leisten muß, mit l300 M. entlohnt wird. Solche Per- sonalverbindung zwischen Stadt und Kirche ist nicht ganz unbcdenk- lich. Beamte von Kirchengcmeinden haben die Pflicht, vor allem an daS Seelenheil ihrer Mitmenschen, der lebenden und der ver» storbenen, zu denken. So erklärt eS sich wohl auch, daß in der Lcicheniammelstclle wenigstens d aS nicht vergessen worden ist, der Frau D. nahezulegen, sie möchte eine Traucrfeier ab- halten lasten. Die Frau des Angestellten redete aus sie ein, eine solche Feier koste ja gar nichts, der Pastor spreche ganz umsonst, und da- mache sich doch sehr nett. Frau D. lehnte ab. weil sie gc- lernt hat, in Freud' und Leid ohne Pgjtor fertig SU werden. Leider läßt die Stadtverwaltung zu, daß in ihrer Leichensammel- stelle ein eigens hierzu von der Stadtsynode beauftragter und be- zahlter Geistlicher ein- und ausgeht, dessen Gratistrost den Hin- terbliebenen aufgedrängt werden muß. Anaenommen wird er freilich nur sehr selten. Der„Verein für die Armen" als Hauswirt. Wie es einem .,Vorwärts"-Leser bei dem sogenannten„Verein für die Armen" ergangen ist, das wurde von uns in Nr. 271 geschildert. Dieser Verein besitzt in Berlin die Häuser A ck e r st r. 189— l42, Bernauer Straße 111— 114c, MuIIcistr. 63— 63a, Türkenstraße 1— 6, die er erworben bezw. selber gebaut hat, um in ihnen kleine Wohnungen an Unbemittelte zu vermieten. Er verspricht, gegen seine Mieter bei etwa eintretender Geldverlegenheit nicht etwa rigoros vorzugehen, sondern— so steht's sogar in seinen Mietsverträgcn— ihnen die Miete zu stunden. Dessenungeachtet wurde gegen einen im Hause Türkenstraße 6 wohnenden Mieter S., der an einem Monatsersten die Miete nicht p ü n k t- lich hatte zahlen können, binnen wenigen Tagen die Klage auf Mietszahlung und zugleich auf Ex- Mission eingereicht. S. zahlte dann nach Zustellung der Klage am 13. desselben Monats die Miele, aber das rettete ihn nicht mehr vor der Exmission. Im Vertrag war. trotz Stundungsverspcechens, vorbehalten worden, daß schon bei bloßer UnpünkUichkeit der Mietezahlung Exmission erfolgen könne, selbst dann noch, wenn die Miete inzwischen gezahlt worden sei. Und tatsächlich wurde vom „Verein für die Armen", nachdem S. gezahlt hatte, die Klage auf Exmission aufrechterhalten und durchgeführt. S. wurde selbstverständlich verurteilt, wie der Vertrag es ausbedungen hatte, und mußte noch in demselben Monat die Wohnung räumen. Vor Gericht konnte außer der Unpünktlich- keit der Mietezahlung nichts weiter gegen ihn geltend gemacht werden. Die Personen, die den Verein gegenüber den Mietern zu vertreten haben, für das Haus Türkenstr. 6 der Verwalter Jahnke und für den Vereinsvorstand der Kaufmann Hosemann(wohnhaft Ackerstr. 140). hatten an ihrem Mieter S. höchstens noch als störend empfunden, daß er sich ein Hündchen hielt und den„Vor- wärts" las; doch wurde das vor Gericht nicht vorgebracht. Tiere irgendwelcher Art zu halten, verstößt in den Vereinshäusern gegen die Ordnung, und den„Vorwärts" zu lesen, wird t m Hause Türkenstr. 6 und Wohl auch in den anderen Häusern des Vereins nicht{jeduldet, obwohl das nicht ausdrücklich durch die Hausordnung untersagt ist. S. war nun nicht nur genötigt, sich schleunigst eine andere Wohnung zu beschaffen, sondern mußte auch für Gerichtskosten einschließlich Pfändungsgebühren noch 17,35 M. hiwterherwerfen. Er hatte genug von dem„Verein für die Armen", in dessen Haus er hineingeraten war. weil er seine Tendenzen nicht gekannt hatte. Aber er dachte, daß eS nun wirklich genug sein würde. JndeS. er sollte diesen Verein mit den christlichen Grund- sätzen noch genauer kennen lernen. Die Wohnung hatte er einen Monat vor Ablauf des Vertrages räumen müssen, nach den Vertragsbestimmungen blieb er aber haftbar für die Miete bis zum Ablauf des Vertrages. Das steht in allen Mietskonbrakten, aber es wird hiermit bei Exmissionen nlicht immer so genau genommen. Vom„Verein für die Armen" hätte S. am allerwenigsten erwartet, daß er daraus bestehen würde, auch noch die Miete für den letzten Monat zu fordern, in dem S. bereits eine andere Wohnung hatte und diese bezahlen mußte. Doch er hat den Verein auch in diesem Punkt falsch beurteilt. S. hat jetzt durch den Rechtsanwalt des Vereins die Aufforderung erhalten, noch die Miete für den letzten Monat der Ver- tragSzeit mit 20 M. zu zahlen, dazu 1.46 M. Gebühren für die Aufforderung zu entrichten, andernfalls werde man Klage gegen ihn anstrengen. So wird's gemacht beim„Ver- ein für die Armen", der in seinen Mietskontrakten ver- spricht, bei unpünktlicher Zahlung der Miete eventuell Stundung zu gewahren! So wird's gemacht bei diesem Verein, der das Christentum auf seine Fahne geschrieben hat! Ein Mann, gegen den nichts weiter angeführt wird als die Unpünktlichkeit der Mietezahlung, ein Mann, der nicht etwa die Miete dauernd schuldig blieb, sondern sie noch am 13. des Monats zahlte, wird trotzdem exmittiert und unter Ausnutzung der Vertragsrcchte ge- nötigt, noch Miete für die nicht benutzte Wohnung zu zahlen. Ein schreckliches Unglück hat sich in Bethanien zugetragen. Dort wurden zwei Dienstmädchen, die in der Rollstube mit Wäscherollen beschäftigt waren, derartig gequetscht, daß das eine sein Leben lassen mußte, während das andere schwere Verletzungen erlitt. Als der Hausdiener Behrend die Rollstube betrat, fand er die 16 und 16 Jahre alten Dienstmädchen Amanda Kapping und Lina Beimchn, zwischen Fensterwand nnd Rollkasten eingeklemmt, bewußtlos vor. Nachdem er den Kasten mit der Handkurbel zurückgedreht hatte,' fielen beide zu Boden. Ein sofort hinzugezogener Arzt tonnte bei der Kapping nur noch den bereits eingetretenen Tod, bei der Beinuhn schwere innere Verletzungen feststellen. Auf welche Weise sich der Unfall zugetragen hatte, konnte bisher nicht festgestellt werden, da die Beinuhn noch besinmmgslos ist. Ermittelt ist nur, daß die Kapping den Vorraum zum Waschhaus verlassen hatte mit der Bemerkung, daß sie Wäsche rollen wolle, und daß die Beinuhn ihr später folgte. Sie hatte dann auch den Motor ein- geschaltet. Als dieser plötzlich aufhörte zu gehen, betrat Behrend den Raum. Der Treibriemen war vom Schwungrad abgesprungen, wodurch die Rolle zum Stillstand gekommen war. Ein Paket mit Parteischriften ist am Montagabend in dem 6 Uhr 40 Min. vom Slelnner Bahnhof nach Oranienburg ab- gehenden Zuge gefunden worden. Der Verlierer wolle fich zwecks Empfangnahme an die„VorwärtS'-Spedition in Hobm-Neueudors an der Nordbahn. Berliner Straße 8. wenden. Fenrrwehrnachrichle». In der letzten Nacht kam in der Bellevu» straße 16 Feuer aus. AIS die Gefahr bemerkt wurde brannten dort in einer Remise Kisten, Stroh, Schaldecken. Türen usw. und Teile einer angrenzenden Laube. Der 19. Zug löschte den Brand mit einer Schlauchleitung. Die Ursache des Brandes ist noch nicht ermittelt. Heute früh um 6 Uhr brannten in der Kaiser-Wilhelm- Straße 16 Betten und Möbel. Wegen eines Kellerbrandes wurde der 17. Z"g nach der Ritterstraße 73 gerufen. Die Feuerwehr mußte tüchtig Waster geben, um die Gefahr zu beseitigen. Durch einen Badeofen kam nachts in der Rheinsberger Straße 73 ein Brand aus. Der 20. Zug hatte in der Neuen Roßstraße 7 einen Wohnunas- brand zu loschen, der bei Ankunft der Feuerwehr schon eine große Ausdehnung erlangt hatte. Mit Erfolg wurde ein Sauerstoffapparat von der Feuerwehr bei einer kranken Frau in der Girschiner Stmße 84 benutzt, die an Herzschwäche litt. In der Teliower Straße 36,36 mußte ein Brand gelöscht werden, der im Keller aus- gekommen war und Holzwolle usw. ersaßt hatte. Ferner hatte die Wehr in der L'bauer Straße 18(Wohnung), in der Christburger Siraße 21. an der Ecke der Großen Frankfurter und Fruchtstratze und in der Kraulstraße zu tun. Vorort- JVadmcbteiK Schöneberg. Friedensschluß unter den Schöneierger Liberalen, gm Cäcilien- saale des Neuen Schauspielhauses fanden kürzlich einige Vortr-ne von Mitgliedern der Liberalen Vereinigung statt. Gegenstand der Besprechung war der neue Stadtpark. d,e bevorstehende Stadt- verordnerenwahl der zweiten Abteilung für Herrn Marre, der sein Mandat niedergelegt, sowie dio Reudesetzung des Voitens Stadtrats an Stelle des berstorvenen Stadtrats Hehl. ES handelte sich also um rein kommunalpolitische Fragen, die zur Gesvrechung standem Bei dieser Gelegenheit wurde von dem Redner der Liberalen Bereinigung darauf hingewiesen. Sah mit dem Liberalen Verein — den sogenannten entschiedenen Liberalen der Richtung Zobel— eine Aussöhnung stattgefunden hätte. Die Streitaxt sei be- graben. der Bruderschmatz ausgetauscht und gemeinsam will man seine Gebete nach der Zimmerstraße richten. Man sei nun nicht mehr abhängig von der bösen Sozialdemokratie. brauche auf sie keine Rücksicht mehr zu nehmen, sondern könne nun« mehr alle zu besetzenden Stellen und Posten ganz unter sich ver- teilen. In beiden Lägern herrscht darob eitel Freude und Jubel. Selbst der ungekrönte König von Schöneberg mckt w behaglicher Zufriedenheit. Den Gewinn heimst er doch em. Die früheren Ver- bmibeten der Vereinigung, die sogenannten Unabhängigen, die Haus- besitzerpartet, die früher tonangebend war, ist nunmehr kaltgestellt. Nur einige Museumsodjekte find noch vorhanden, bis auch sie über Nacht verschwinden. Für unsere Genossen wird es ein um so schärferer Ansporn sein, unermüdlich aufklärend zu wirken. Es ist das Borspiel der im nächsten Jahre folgenden Stadtverordneten- Wahlen. Rixdorf. Die gestrigen Stadtverordnetenwahleu in der zweiten Abteilung brachten der Sozialdemokratie einen er- freulichen Sieg. Im Südbezirk wurden unsere Genossen mit großer Mehrheit gewählt, während wir im Westbezirk in Stichwahl kamen. Nachstehend bringen wir die Einzelergebnisse: Nordbezirk: a) Ergänzungswahl. Es erhielten Emmeluth fbürgerl.) 243, Janiszewski sSoz.) 173 Stimmen.— b) Reuwahl: Mehle(bütgeil) 243, Alfcher(Soz.) 178 Stimmen. O st b e z i r k: I» der ErgänzungSwahl erhielten Rechnungsrat Koye und Vögelke(bürgert.) je 321, Engel und Zirkel (Soz.) je 140 Stimmen.— In der Neuwahl erhielten Mnter (bürgerl.) 321 Stimmen, Pfeiffer(Soz.) 140 Stimmen. We st bezirk: Stichwahl zwischen Vincent, Seltmann und Prange(bürgerl.) mit 140 Stimmen und den sozialdemokratischen Kandidaten Franke, Hoppe und Fischer, auf welche 168 Stimmen entfielen. Die Liste des Bezirksvereins Westen vereinigte 27 Stimmen auf sich. Südbezirk: ES wurden die Kandidaten der Sozial- demokratie Schuch, Rohr und Zepmeisel mit je 282 Stimmen gewählt, während auf die Kandidaten der bürgerlichen Parteien Rahmig, Nosttt und v. Wilmersdorf 166 Stimme» ent- fielen. Damit ist es der Sozialdemokratie zum erstenmal gelungen, auch in die zweite Abteilung Bresche zu legen. Rechtsstreit um die Befreiung von der Umsatzsteuer. Die Rixdorfer Umsatzsteuerordnung bestimmt, daß hinsichtlich der Steuerbefreiungen die gesetzlichen Bestimmungen über den Urkundenstempel Anwendung finden. Der g 6g des preußischen Stempelsteuergesetzes spricht nur die Befreiung vom Stempel aus für Genossenschaften, Aktiengesellschaften und Gesellschaften mit beschränkter Haftung, deren durch Statut bestimmter Zweck aus- schließlich darauf gerichtet sei. unbemittelten Familien gesunde und zweckmäßig eingerichtete Wohnungen in eigens erbauten oder gekauften Häusern zu billigen Preisen zu verschaffen, und die noch anderen Bedingungen genügten. Auf den Vorteil aus den zitierten Vorschriften glaubte die Gesellschaft„Konkordia" Anspruch zu haben, welche die Errichtung billiger unkündbarer MietLwohnungen betreibt. Sie klagte deshalb auf Freistellung von der Steuer, als sie nach Erwerb eines großen Baugrundstücks in Rixdorf vom dortigen Magistrat zur Umsatzsteuer herangezogen worden war. Gleich dem BezirlLaiiSschuß wies sie jedoch das O b e r- V e r- w a l t u n g s g e r i ch t ab. Und zwar deshalb, weil ihr Statut neben unbemittelten Familien auch minder bemittelte Familien als solche aufführte,. denen durch die Beschaffung der Wohnungen genutzt werden sollte. Danach stände ihr Statut in Widerspruch mit den Anforderungen des§ 5g des Stempelsteuergesetzes, der nur von unbemittelten Familien spreche.„Unbemittelte Familien" im Sinne dieses GeietzeZ seien auch keine„minder- bemittelten Familien". Die Begriffe deckten sich n i ch t. Wer un- bemittelt fei, habe eben noch weniger als ein Minderbemittelter. Wilmersdorf. Wegen eines größere» Brandt» wurde gestern früh die WilmerS« dorfer Feuerwehr nach der Smser Straße 44. Ecke Düsieldorfer Straße, gerufen. Die Wehr fand bei ihrem Eintreffen auf dem Stätteplatz einen Schuppen in großer Ausdehnung in Flammen stehend vor und es gelang ihr erst nach längerem krafliaen Wasser- geben, de? FeuerS Herr zu werden. Ueber die Enlslehuny des Brandes wird erst die eingeleitete Untersuchung Aufklärung bringen. Friedrich sfelde- Karlshorst. Eine mehrstündige Debatte entspann sich in der letzten Gemeinde- bertretersiyung bei der Vorlage betreffs Aenderung des ß 0 der Ordnung über die Aufbringung der direkten Gemeindesteuern in der Landgemeinde FrledrichSfelde. Durch diese Aenderung sollte eine stärkere Belastung de» Grundbesitzes herbeigeführt und dadurch die finanzielle Lage oer Gemeinde gehoben werden. Die Vertreter des Grundbesitzes hatten mit gesundem Instinkt gewittert, daß ihre Jnteresien hierbei im Spiele find. Insbesondere wandte sich Ge- meindevertreter v. Treöckow gegen die beabsichtigte Aenderung des § 0. weil dadurch der Grundbesitz zu sehr belastet und die Tut- Wickelung der Gemeinde gehemmt würde. Ihm wurde treffeud er- widert, daß der Gemeinde eS gerade darauf ankäme, eine gesunde Finanzpolitik zu treiben. DieS könne nur geschehen, wen» die stärkere» Schultern, der unbebaute Grundbesitz mehr belastet würde, der ja nur den Vorteil von der Entwickelung habe. Zu de» Befürwortern der Aenderung der Steuerordnung gehört außer den, Bürgermeister llngewitter, Genosse Pinseler. Betgeordneter Casselbaum und die Gemeindevertreter Hintze und Bierroth. Gemeindevertreter von Treskow glaubte vor der Aufiiahme von Anleihen in« Blaue hinein warnen zu müssen. Gegen diesen indirekten Borwurf legte Gemeinde- Vorsteher Ungewttter entschieden Verwahrung ein. Die Gemeinde müsse das"Allgemeininteresse im Auge haben und dürfe keine Jnteressenpolitik treiben. ES sei dringend nötig, dem Beispiele anderer Orte folgend, die Einkommensteuer auf 100 Prozent herab- zusetzen. Trotz all dieser wichtigen Einwendungen lehnte die Ber- tretung mit 12 gegen 9 Stimmen die Vorlage ab. Den Hinter- bliebenen der verunglückten Bergarbeiter in Radbod wurden 200 M. bewilligt. Reinickendorf. In der Gemeiubevertretersitzunz am 23. d. M. gelangte zunächst eine Uebersicht über den Bedarf an Lehrkräften im nächsten Jahre zur Kenntnis. Unsere Genossen forderten den Gemeindevorstand auf, sein Augenmerk auf die vorhandenen Schulklaiien zu richten, damit nicht wieder zur Einrichtung von fliegenden Klassen gegriffen werden muß. Da unsere Geiiosien in der Schuldeputation nicht vertreten sind, können sie leider nicht beurteilen, ob die Antwort deS Gemeinde- Vorstandes, daß geniigeno Schulränme vorhanden find, richtig ist. Den wichtigsten Punkt der Tagesordnung bildet« die Beratung des „Statuts eines Rieielvcrbandes der Gemeinden Reinickendorf und Wittenau". Beide Gemeinden haben in der Gemarkung Schöner- linde Grundstücke zu Nieselzwecken erworben. In 2» Paragraphen regelt das obig« Statut die Rechte und Pflichte» der beiden an- geichloffenen Gemeinden. Zur Verwaltung der Niefelaiilagen, der gemeinsamen Rohrleitungen usw. wird ein„Vcrbandsauslchuß" mit einem „Verbandsvorstchcr" an der Spitze eingesetzt. Der VsrbandsauSschuß wird von den Gemeindevertretungen der angeschlossenen Gemeinden gewählt. Zunächst entsendet jede Gemeinde drei Vertreter, unter denen sich als erster der Gemeindevorsteher befinden muß. Dann entsendet jede Gemeinde ferner auf je 10 000 Einwohnerzahl einen weiteren Vertreter. Die Wahlen der Mitglieder erfolgen auf sechs Jahre. Etwaige Veränderungen in der Zusamniensetzmig des BerbandSausschusfeS erfolgen am 1. Januar des darauf folgenden Jahres.„Verbandsvorsteher" soll jedesmal der Gemeindevorsteher der größten der angeschlossenen Gemeinden sein usw. Die Aufsicht über die Anlagen, Verwaltung usw. übt der Landrat. genannt KreiSausschuß und Vorsitzender des KreisauS- s ch u s s e s aus. Nimmt eine der angeschlossenen Gemeinden die Städteordnung an. gehen diese Funktionen aus den Bezirksausschuß über. Wie man sieht, haben die einzelnen Gemeindevertretungen, von der Ausficht durch den gewiß sehr fach- verständigen Landrat ganz abgesehen, sobald die Wahl der Verbands- ausichußmitglieder erfolgt ist, sehr wenig Einfluß aus die Verwaltung der Riesclanlagen. Von unseren Genossen wurde daher ein weiter- gehender Einfluß der Gemeindevertretinigen verlangt, dem man auch uisofern nachkommen will, als der auszustellende JahreSetat und die Schlußrechnungen nicht nur in den Rathäusern der beteiligten Ge- meinden ausgelegt werden sollen, sondern auch den Gemeindevertretern zugehen werden. Das Statut wurde schließlich einstimmig angenommen. Genehmigt wurde ferner die Ausnahme einer mit 4>/z Proz. zu verzinsenden Anleihe von 1 900 000 M. bei der Preußischen Pfand- briefbank zum Kurse von 99.6 Proz. Von der Summe sollen ver- wendet werden: 000 000 M. für den Krankenhausbau. Der Gesamtbedarf hierfür stellt sich auf 1400 000 M., der KreiS gewährte bisher 360 000 M., weitere 400000 M. glaubt man von derselben Stelle als unverzinsliches Darlehen erhalten zu können. Für die Anlage der Rieselfelder und Zukauf von Grundstücken zu demselben sowie Erwerb von Wirtschaftsgebäuden und lebendem wie totem Inventar sollen insgesamt 900 000 M. verwendet werden. Der Rest wird zur Anlage und Verbesserung von Straßen usw. gebraucht. Zu dem- selben Zwecke sollen ferner auch einige Grundstücksflächen aus- getauscht respektive erworben werden. Für die Neptunslraßc wurde ierner eine neue Fluchtlinie festgesetzt. Hierauf folgte eine geheime Sitzung. Bernau. Die letzte Stadtverordnetenversammlung wurde mit zwei An- sprachen über die Hundertjahrfeier der Städleordnung eröffnet. Der Bürgermeister als erster Redner kam aus der Bewunderung und dem' Lobe über die Slädteordnnng nicht heraus. Anders der Vor- steher, welcher die zweite Rede schwang. Er gab zu. daß früher der Magistrat die ausfllhreude und die Stadtverordneteiiveriainmliing die beschließende Behörde waren, auch wurden die Wahlen in geheimer Abstimmung vorgenommen. Als sich nun Genosse Helbig zum Wort meldete, um unseren Standpunkt über die Städteordnung darzulegen. wurde ihm das Wort nicht erteilt mit dem Bemerken. eS wären nur diese beiden Reden vorgesehen gewesen. Aller Voraussicht nach be- fürchtete man, es könnte von unserem Genossen zu viel Wasser in den Wein gegossen werde». Es fand dann die Magistratsvorlage betreffend Gestellung von Gespannen und Bezahlung der Mannschaften der freiwilligen Feuerwehr zur Hilfeieistung bei auswärtigen Bränden Annahme. Demnach sollen pro Gespann bis zur Dauer von sechs Stunden 10 M., für jede weitere Stunde 1,60 M. gezahlt weiden. Für die Stellung der Gespanne zu obigen Sätzen haben sich die Fuhrhrrren Jrrgang und Kube bereit erklärt. Den Mannschaften sollen künftig bei auswärtigen Bränden 3 M. und dem Oberführer bezw. dessen Stellvertreter 5 M. gezahlt werden. Der Magistratsvorlage, eine Beihilfe von 160 M. für die Hinterbliebenen der auf Grube Radbod verunglückten Berg- leute zu bewilligen, stimmte die Versammlung zu. Vom Genossen Helbig wurde die Annahme der Magistratsvorlage empfohlen, als er aber die Habgier der Grubenbarone ins rechte Licht stellte und eine exemplarische Strafe der Schuldigen dieses Unglücks verlangte, gaben die Bürgerlichen ihren Unmut über die Ausführungen unseres Ge- nosfen durch laute Zwischenrufe kund. Vom Vorsteher jedoch wurde auch die Meinung laut, daß eö Ausgabe der Grubenbesitzer sei, für die Hinterbliebenen zu sorgen. Die Dachdeckerarbeiten am neuen Krankeiihause wurden dem mindeslfordcrnden Paivei zum Preise von 5650,80 M. und die Klempnerarbeitcn gleichiaüS dem mindest fordernden Klempnermeister Krüger zum Preise von 1348 M. übertragen. Oranienburg. Eine gutbesuchte Protestversammlung gegen das persönliche Regiment tagte am Totensonntag im Waldhaus Sandhausen. Die Versammelten folgten den Ausführungen des Referenten Genossen D e n y e r mit großer Aufmerksamkeit. Der langanhaltende Beifall am Schluß seiner Rede zeigte das Einverständnis der Versammelten mit den ÄuSführiintzen des Redner«. Hierauf wurde folgende Resolution einstimmig angenommen:„Die im Waldhaus Sand- Hausen tagende Veriammlung protestiert gegen das persönliche Regiment und verlangt einen vom Reichstag zu wählenden verant- wörtlichen Leiter der deutschen Politik. Mit Nachdruck wenden sich die Versammelten gegen die indirekte Besteuerung; sie fordern eine vrogrcssiv steigende Besleucrung des Einkommens und Vermögens. Endlich fordert die Versammlung Einschränkung der Rüstungen zu Wasser und zu Lande und die Ablehnung der jetzigen Steuervorlagen vom Reichstag." Nachdem eine Anzahl Genosien ihren Beitritt zum Wahlverei» angemeldet, schloß der Vorsitzende die imposante Ver- sammlung._ Gcricbta-Zcituncf. Nur abgewehrt? Neber ein blutiges Rencentre, das sich u, der Nacht vom 20. zum 21. September in der Schönhauser Vorstadt abgespielt hatte, wurde am Dienstag vor dem Amtsgericht Verlin-Mitte<149. Ab- teilung) verhandelt. Jtz jener Nacht, gegen 8 Uhr morgens, hatte an der Ecke der Wader und der 5korsörer Straße der Müllabfuhr- inspektor Spick dem Bureauvorstchcr Durau durch Stockhiebe zwei schwere Kopswunden beigebracht. Als damals im„Vorwärts" diese Affäre mitgeteilt wurde, schickte Herr Spiek uns eine«Be- richtigung" und drohte mit Klage. Am DienStag aber stand wegen der Verletzungen, die Herr Durau erlitten hatte. Spick als An- geklagter vor Gericht. Die Anklage lautete auf vorsätzliche körperliche Mißhandlung mittel? eines gefährlichen Werkzeugs. Als Zeuge gegen Herrn Spiek trat hauptsächlich Herr Durau auf, der auch als Nebenkläger zugelassen wurde. Durau forderte wegen der erlittenen Ver« letzungen fewie wegen Beschädigung seiner Kleider eine Buße. Der Angeklagte, der ohne Verteidiger erschienen war. gab die Tat zu, er behauptete aber, von D. gereizt und später von ihm angegriffen worden zu sein, so daß er ihn habe abwehren müssen. In dem Lokal von Kürsten an der Ecke der Kopenhagener und der Sonnenburger Straße habe es beim Damespiel Streit zwischen ihm und D. gegeben, da habe D. ihn dann beschimpft. Sp. zählte die Schimpfworte auf, die D. ihm an den Kopf geworfen habe: „Betrüger, Lumv, Strolch, Penner, wcggciagter Schutzmann, dreckiger Mitllkusicher— und noch viel mehr— ich weiß sie nicht alle— ich habe solche Ausdrücke gar nicht." Sp. ist, nebenbei be- merkt, Inspektor bei der Müllabfuhr der WirtschaftSgenossenschaft Berliner Grundbestber? früher war er Schutzmann. Bor Gericht fügte er seiner Schilderung des Streites die Versicherung hinzu, was in dem Lokal verkehre,- das sei»alles rot", daher habe man sofort„gegen ihn Partei ergriffen", zumal da er»oft gegen rot aufgetreten" fei. Auch sei er Armenvorsteher. Unverschämte Arm« weise er ab, von denen werde er dafür in den Kneipen schlecht gemacht. Er Hab« nun, weil er Tätlichkeiten fürchtete, sich auf den Heimweg nach seiner im Hause Kopenhagen« Straße 31 gelegenen Wohnung begeben. An der Ecke der Kopenhagen« und der Vstader Straß« sei D. hinter ihm her gekommen und habe ihn fortgesetzt beschimpft. DaS habe auch Ep.'s Frau vom Balkon aus gehört. Sp. sei in die Vstader Straße hineingegangen, weil er in der Nähe feiner Wohnung keinen Auftritt haben wollte, doch sei D. gefolgt, habe lveitcr geschimpft, sei zuletzt tätlich gelvordsn, und da habe Sp. sich mit dem Stock— gewehrt. ES könne doch, so schloß er seine Verantwortung, keiner von einem deutschen Man» ver- langen, daß er sich nachts auf der Straße anfallen lasse. Diese Darstellung mit all ihrem Drum und Dran machte Eindruck, besonders auf den Staatsanwalt. Als jetzt Durau als Zeuge seine Aussage vortragen wollte und mit der Entgegnung begann, Sp. habe ja auf der Straße sofort auf ihn eingchauen, erörterten der Vorsitzende und der Staatsanwalt zunächst die Frage, was das Zeugnis des Verletzten wert sein könne und ob es genügen werde. Der Staatsanwalt fand von vornherein auf- fällig, daß D. nach seiner Wohnung im Hause Sonnenburg« Straße 9 den Umweg über Kopenhagener und Vstader Straße ge- macht habe. D. erklärte, er habe im Lokal von Hübner an der Ecke der Vstader und der 5torsörer Straße noch einen Herr» sprechen wollen. D. durfte nun seinerseits den Hergang schildern. In dem Streit bei Kürsten habe Sp. ihn„Strolch" und„ehrloser Kerl" geschimpft und gesagt:„Uebrigens haben Sie mich ja auch schon ein paarmal angebettelt." Er renommiere nämlich gern mit seinem Armenvorsteheramt, doch habe selbstverständlich D. nie mit Spi als Armenvorsteher zu tun gehabt. Sp. sei dann gegangen mit den Worten:„DaS andere wird sich finden." Draußen habe Sp., wie D. erst ein paar Tage später erfuhr, noch eine Weile gewartet. Als nachher D. zu Hübner wollt«, habe er Sp. erst in dem Augen- blick gesehen, wo dies« mit den Worten:„Na, da sind Sie ja!" ihm entgegengetreten sei und dann loSgrhauen habe, so daß D. hingestürzt sei. Ter Zeuge geriet bei der Schilderung dies« Szene in starke Erregung. Der Borsitzende rügte das und hielt ihm vor. er mache überhaupt einen viel weniger ruhigen Eindruck als Sp., er werde doch wohl Sp. beschimpft und angegriffen haben. Da zeigte D. in neu ausbrechend« Erregung dem Gericht die Narben auf feinem Kopf. Diese verlaufen nicht von vorn nach hinten, sondern querüber. D. fügte hinzu, infolge der furchtbaren Schläge von dem Stock des„nur abwehrenden" Herrn Sp. sei diese Erregbarkeit zurückgeblieben. Der Staatsanwalt meinte, darüber müsse man doch einen Arzt hören, einfache Behauptung des Zeugen genüge nicht. Der Borsitzende bemerkte, es handle sich allerdings um„eine sehr brutale Verletzung", und er stellte aus dem ärztlichen Attest fest, daß D. zwei klaffende Hautwunden auf dem Kopf, eine Beule an der Stirn, Blutunterlaufungen an den zur Abwehr vor- gehaltenen Händen und einen sehr starken Blutverlust erlitten hat. D. legte auch den damals von ihm getragenen Rock vor, der von dem aufgesogenen Blut steif war und dessen Anblick auf einen geradezu entsetzlichen Blutverlust schließen ließ. Gegen die Vereidigung D.'S wehrte sich der Staatsanwalt, in- dem er ihm immer neue„UnWahrscheinlichkeiten" vorhielt, die aber D. stets aufktärte. Der Staatsanwalt, der dem Angeklagten geradezu den fehlenden Verteidiger ersetzte, hob hervor, dem Gericht stehe es frei, nicht dem Zeugen, auch nicht dem vereideten, zu glauben, sondern dem Angeklagten, dem der Zeuge offenbar feind- lich gesinnt sei. Schließlich wurde die Vereidigung bis auf weiteres ausgesetzt und D.'s Aussage wurde als zunächst nur informa- torisch hingenommen. Dann wurde Vertagung beschlossen, weil noch andere Zeugen geladen werden sollen, darunter Frau Spick, die während der Verhandlung im Zuhörerraum saß. Die Verzweiflungstat einer Berlasiencn lag einer Anklage wegen versuchten Totschlags zugrunde, mit welcher sich gestern das Schwurgericht des Landgerichts II zu be- fchäftigcn hatte. Unter der Beschuldigung, eS versucht zu haben, ihre sechsjährige uneheliche Tochter Charlotte durch Leuchtgas zu töten, stand eine 30 jährige unverehelichte Buchhalterin aus Rixdorf vor den Geschworenen. Den Vorsitz im Gerichtshose führte LandgerichtSrat Ellendt, die AnIIagc vertrat Staatsanwaltrat Meyer, als Verteidiger fungierte Rechtsanwalt Dr. Tiktin. Tie Angeklagte hatte die verzweifeltesten Versuche gemacht, für sich und ihre sechsjährige außereheliche Tochter zu sorgen. Am 28. September öffnete die Lebensmüde den Gashahn und legte sich neben ihr Kind ins Bett. Als sich die ersten VergistungSerschcinungen bei ihr einstellten, schloß sie den Hahn wieder, um ihn aber am frühen Morgen, alö sie wieder an ihre traurige Lage dachte, zu öffnen. Am Abend deS 29. September nahm die auf demselben Korridor wohnhafte Frau Mahlo starken Gasgeruch wahr. Sie alarmierte die Hausbewohner und sorgte für ärztliche Hilfe. Auf der nächsten Unfallstation wurden dann beide mit Hilfe des Saurrstossapparates wieder in daS Leben zurückgerufen.— Bor Gericht gab Medizinal» rat Dr. Hoffmann sein Gutachten dahin ab, daß die Angeklagte zu jenen bedauernswerten Geschöpfen gehöre, die durch«inen großen Fehlschlag in ihrem Leben zu den ärgsten Pessimisten werden und alles grau in grau ansehen. Diese schwere seelische Depression habe auch die freie WillenSbestimmung der Angeklagten stark be» cmträchtigt, jedoch nickst ausgeschlossen, so daß der§ 61 bei ihr nicht in Anwendung kommen könne.— Die Geschworenen ver- «einten jedoch mit Recht die auf versuchten Totschlag lautende Schuldfrage. Die Angeklagte wurde deshalb frrigesprochrn und sofort aus der Haft entlasse«. Ein Akt ungewöhnlicher Bosheit beschäftigte geflern die 3. Strafkammer des Landgerichts III in einer Verhandlung gegen den Eisenbahnunternehm« Ernst Schultz«, der unter der Anklage der Freiheitsberaubung stand. Der An- geklagte ist verheiratet und Familienvater. Im Jahre 1904 war er Monteur bei Siemens u. Halske und ging im Auftrage dieser Firma wiederholt nach Holland. Belgien und anderen Orten des Auslandes. In Brüssel lernte er ein Fräulein L. kennen, der gegenüber er sich als Junggesellen ausgab. Er fing mit ihr ein Verhältnis an, verlobte sich mit ihr und versprach ihr die Ehe. Auf seinen Wunsch entschloß sich das Mädchen nach Berlin über- zusiedeln. Hier mietete sie sich eine Stube und blieb in täglichem regen Verkehr mit ihrem„Bräutigam". Sie begleitete diesen auch mehrmals auf seinen Geschäftsreisen und figurierte dabei immer als„Frau Schultze". So kam es dann, daß sie eines TageS in Guben bei einem Rechtsstreite von dem Angeklagten, der sie als Zeugin geladen hatte, als dessen Ehefrau auftrat und die Rechnung über �die Zeugengebühren als„Frau Schultze" unter- zeichnete. Di« Sache ist ihr schlecht bekommen, denn sie ist später wegen dieser Urkundenfälschung zu drei Tagen Gefängnis ver- urteilt worden, während über den Angeklagten, als den Anstifter, eine Gefängnisstrafe von fünf Monaten Gefängnis verhängt wurde, die er zurzeit in Tegel verbüßt. Nach dreijährigem Verkehr mit dem Angeklagten erhielt sie durch ihre Wirtin die Kunde, daß Schultze verheiratet und Familtenvater sei. Infolgedessen kam es zum Bruch zwischen beiden. Der Angeklagte wollte sich aber nicht von dem Mädchen trennen, sondern verfolgte sie nun in der empörendsten Weise auf Schritt und Tritt und mackite ihr das Leben fast unerträglich. Er belästigte sie, wo er nur konnte, brachte sie auS ihren Arbeitsstellen, lauerte ihr stundenlang vor ihrer Wohnung auf, machte ihr unangenehme Szenen aus der Straße und schreckte auch vor Mißhandlungen nicht zurück. Tie L. traute sich schließlich nicht auf die Straße und blieb einmal 14 Tage lang, gewissermaßen als Gefangene, in ihrer Wohnung. Der Angeklagte machte dann gegen sie polizeiliche Anzeigen, die sich auf angeblichen liederlichen Lebenswandel der 6. bezogen, daran schlössen sick Anzeigen wegen Erpressung, schwerer Ur- kundenfälichung uno dergl.. wobei er allerhand Geschichten vor- brachte. DaS Mädchen hatte keine ruhige Minute mehr; sie wurde derartig geänstigt, daß sie aus ihrer Wohnung auözog und auf dem Einwohnermeldeamt dafür sorgte, daß ihre neue Adresse für neugierige Fragcr gesperrt wurde. Das Unglück wollte, daß, als sie am 26. Oktober v. I die Sparrstraße entlang ging, der An. geklagte dort auf der Bildfläche erschien. Die flüchtete vor ihm in einen Butterladen und glaubte, dort sicher vor ihm zu sein. Er ging längere Zeit vor dem Laden auf und ab. und als fte nicht heraustam, wandte er fid) an einen Schuhmann und forderte p ihn auf, das Mädchen festzunehmen, da es wegen verschiedener Straftaten gesucht und steckbrieflich verfolgt werde. Der Schutzmann warnte zunächst den Angeklagten, da aber dieser auf der Festnahme des Mädchens bestand und die Verantwortung über nahm, ging der Schuhmann mit dem Angeklagten in den Butter Laden und forderte fie auf, ihm zur Wache zu folgen. Das geschah denn auch. Das Mädchen, welches außer der kleinen, durch die Schuld des Angeklagten erlittenen dreitägigen Gefängnisstrafe gänzlich unbescholten war, hat 2½ Stunden auf der Polizeiwache zubringen müffen, ehe ihre Personalien festgestellt waren. Dies der Tatbestand. Der Staatsanwalt hielt diese Betätigung für so bodenlos niederträchtig, daß er zwei Jahre Gefängnis beantragte. Der Gerichtshof erkannte auf eine 8ufabstrafe von ein Jahr Gefängnis. Aus der Frauenbewegung. Verfammlungen. Sandel stodt. Die Fattoreien find von Arbeitskräften zum Teil ent blößt. Die Bazare sind still und die Straßen verlassen. Der Zentralverband der Schuhmacher hielt am Donnerstag. abend feine Generalversammlung in Bockers Festjälen ab. Nad Segelichiff Fernanda", mit Holzlabung von Riga nach Swansea Gestrandet. Aus Curhaven wird gemeldet: Das italienische dem Staffenbericht des Rassierers Bendig über das dritte Quartal beftimmt, ist bei Terschelling gestrandet. Fünf Mann find gerettet, 1908 bilancierten Einnahmen und Ausgaben der Lokalkaffe mit der Stapitän und ein Mann befinden sich noch an Bord, sieben Mann 9199,52 M., der Bentraltasse mit 13 250,35. Unter den Aus- werden vermißt. gaben der letzteren stehen verzeichnet für Arbeitslosenunterstübung Wirbelstürme in Arkansas. Ein Telegramm aus Little Rock 1797,65., für Strantenunterstüßung 3624,70 M., für Reifeunter( Arkansas) melbet, daß zwei Wirbelstürme gestern mehrere Städte stübung 271,85 M., für Unterſtüßung bei Sterbefällen 200 m. In im nordwestlichen Arkansas schwer heimgesucht haben. Dreißig Ber M.( Arkansas) meldet, daß zwei Wirbelstürme gestern mehrere Städte der lokalen Zuschußkasse bilancierten Einnahmen und Ausgaben fonen find tot, viele verlegt, andere werden vermißt. Es sind mit 6195,26 M. Für Arbeitslosenunterstübung wurden von der Zuschußfaffe 229,10 M. ausgegeben. Die Mitgliederzahl ist un Eisenbahnzüge mit Mitteln zur Steuerung der ersten Not nach den verändert geblieben und beträgt am Schlusse des 3. Quartals 2874. betroffenen Ortschaften abgelaffen worden. " Den Geschäftsbericht erstattete Hildebrand. Im Laufe Rettung Schiffbrüchiger. Die Rettungsstation Helgoland der des 3. Quartals fanden 9 Versammlungen, 15 Sizungen des Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrfichiger telegraphiert: Am Borstandes, der Bertrauensmänner usw. und 86 Stonferenzen statt. 23. November von den drei deutschen Tjalten„ Talkea"( Schiffer Der Vorstand hatte mit einer Reihe von Firmen Verhandlungen Ulbs), Wilhelmine"( Schiffer Bockhoft) und Hermann"( Schiffer Das Frauenstimmrecht in der Praxis. aufgenommen, um ausgebrochene Differenzen zu schlichten, was Bockhoft), von Hamburg nach bier bestimmt, sechs Personen durch Seit fünfzehn Jahren besigen in Neuseeland die Frauen im allgemeinen auch gelang. Ferner hat der Vorstand den Or- das Rettungsboot Claus Dreher" in zwei Fahrten gerettet. ganisationsverhältnissen in den verschiedenen Betrieben seine Auf- Katastrophe im Theater. Aus Barcelona wird gemeldet: Ji bas aktive Bahlrecht. Bor feiner Einführung erging man sich in merksamkeit gewidmet. Hildebrand machte noch darauf aufmerk- Alcey- Theater gab gestern das Geländer der Galerie beim Andrang den schwärzesten Prophezeiungen über die demoralisierende, die echte sam, daß man bei den Massenentlassungen, die gewöhnlich zu des Bublifums nach. Einige hundert Personen stürzten zwölf Weiblichkeit schädigende Wirkung, die es unbedingt haben würde Weihnachten vorkommen, darauf achten müsse, sein Recht auf die Meter tief hinunter ins Barlett. Alle wurden schwer, drei tödlich ganz im Stile jener Beschwörungen, mit denen unsere Philister das Krankenversicherung zu wahren. Es ist vorgekommen, daß ent- verlegt. ihnen so unheimliche Frauenstimmrecht zu bannen versuchen. In lassene Arbeiter, die krant wurden, plötzlich ohne Versicherung Neuseeland hat sich feine dieser Prophezeiungen erfüllt, wie neuer trauensmänner. Dally erstattete dazu einen ergänzenden Bedaftanden. Wer nähere Auskunft braucht, wende sich an die Verdings die Westminster Gazette" tonstatiert. Daß Frauen wählen, richt für die Schoßbranche. Diese hatte im Laufe des Quartals ist eine Tatsache, mit der man sich dort abgefunden hat und 43 Werkstattsigungen, 2 Agitationsversammlungen und 2 Agitaüber die nicht mehr viel gefprochen wird. Das Familienleben tionstommissionsfizungen abgehalten. In verschiedenen Werkstätten hat durch die politische Betätigung der Frauen in teiner ist eine erfolgreiche Agitation betrieben worden. In einem Falle Weise gelitten. Diese haben nicht einmal eigene politische Organi- mußte ein entlassener Vertrauensmann wieder eingestellt werden, fationen gegründet, sondern reihen sich den vorhandenen politischen weil feine Kollegen geschlossen hinter ihm standen. Am 1. April zu Eingegangene Druckfchriften. Gabriele Reuter: Das Tränenhaus. Roman. Geb. 3,50 M., geb. 4,50 9. F. Heffel: Laura Wanderl. Münchner Novellen. Geb. 2 M., 5. Bang: Das graue Haus. Roman. Geh. 3 M., geb. 4 M. Verlag: S. Filcher, Berlin. Bülowstr. 90. Jahresbericht der Arbeiter- Bildungsschule Berlin 1907/08. 23 Seiten Selbstverlag Berlin, Grenadierftr. 37. geb. 3 M. Bolkstümliche Freidenferschriften. Nr. 12: Gin Blick ins Weltall. Nr. 13: Die unwahrheit in der Bibel. Nr. 15: Der Truppen ein und tämpfen unter denselben Fahnen wie ihre Ende, was eine Mahnung sein sollte, eifrig für die Organisation reiche Staat. Sämtlich von Dr. G. Kramer. Selbstverlag, Magdeburg, Brüder. Nur in der Frage der Temperengreform stehen die Frauen gefchloffen zusammen. In solchen Diftriften, wo sie über die Majorität verfügen, haben fie die Schließung der Schankwirtschaften erlangt. Auch den so oft erhobenen Einwand, daß die Frauen sich durch aus nicht zur Stimmabgabe drängen würden, wenn fie das Wahls recht hätten, haben die Neuseeländerinnen widerlegt. Im vergangenen Jahre betrug die Wahlbeteiligung der Frauen 82 Prozent, die der Männer 84 Prozent. Ein Seitenstüd dazu bilden die fürzlich auf der englischen Insel Man erfolgten Wahlen. Sier war die Wahlbeteiligung der Frauen nicht nur verhältnismäßig stärker als die der Männer, ihr Arbeitseifer bei den Vorbereitungen der Wahl übertraf fogar den des anderen Geschlechts. Was die Einwirkung des Stimmrechts auf den Charakter anlangt, so erklärt der Verfasser des Artikels in der Westminster Gazette, daß er fein bernachläffigtes Heim in Neuseeland gesehen habe. Nichts in dem Aussehen der Straßen oder Wohnungen erinnert daran, daß die Frauen das Stimmrecht haben. Die jungen Mädchen find ebenso hübsch und nett angezogen, ebenso weiblich wie die englischen Mädchen, fümmern sich um dieselben Dinge und haben diefelben Sympathien wie fie. Interessant ist, daß den Neuseeländerinnen die politische Freiheit ohne großen Kampf gewährt wurde. Aber sie haben fie gut benut, indem fie u. a. folgende Gefegreformen durchfesten: zu arbeiten. Nach der Diskussion über die Berichte wurde ein Antrag an genommen, nach welchem die Mitglieder der Zuschußkasse zu einer Bersammlung eingeladen werden sollen, um über die Erhöhung der Zuschüsse zu beraten. Der Bum zweiten Vorsitzenden wurde Meschte gewählt. Als Kommission für die Vorarbeiten zu den Wahlen der Ortskrankenkasse wurden Röst el, Stodmann und Mating gewählt. Borfißende hielt zum Schluß noch einen Vortrag über die Gewerbegerichtswahlen und betonte die Notwendigkeit einer zahlreichen Beteiligung. tommen. Lessingste. 69. Philipp Vivian, Kirche und Modernismus. 5 M., geb. 6 M. Berlag von B Elischer Nachfolger, Leipzig. witterungsübersicht vom 24. November 1908, morgens 8 be Stationen Barometer land mm " Qu richtung Windstärke Better Swinenibe 756 WNW 3 bebedt 762 9 Lefe und Diskutierklub Süboft. Heute abend Sibung bei Samburg Tolfsborf( Nachfolger Starl Schula), Görliger Straße 58. Berlin Gäste will Franti.a Cozialdemokratifcher Lefe und Disfutterflub Heinrich Seine". München eute abend 8%, Uhr bei Bolze, Rodenbergstraße 8: Sizung. Gäste will tommen. Achtung! Fleischergesellen und Krankenkaffen- Mitglieder! Donnerstag, den 26. November, abends 9 Uhr: Große öffentliche Ber fammlung im Gesellschaftshause Berliner Mufiter, Raiser- Wilhelm Straße 18m. Vermischtes. Eine schwere Einsturzkatastrophe, bei der fünfzig Kinder von Fünfzig Kinder verschüttet. Ehescheidung unter gleichen Bedingungen für Mann und Frau, den Trümmern eines baufälligen Schulhauses begraben wurden, hat Gleichberechtigung für Frauen und Männer bei den Kommunal- sich vorgestern in dem ungarischen Flecken Dorozma ereignet. Von wahlen, Bulaffung der Frauen zum Anwaltsberuf und Erhöhung den fünfzig Opfern find zwei Kinder tot, fünfzehn schwer verletzt. des weiblichen Schußalters auf 17 Jahre. Die Eltern hatten bereits seit Monaten Sizungen abgehalten, in denen sie den Neubau der baufälligen Schule forderten. Der Patron der Schule ist ein fatholischer Bischof. Er hat den Neubau der Schule verhindert, da er einen Beschluß der Gemeinde berlangte, daß die Schule katholischen Charakter tragen solle. Wenn die Neuseeländerinnen erst das paffive Wahlrecht und damit die bolle politische Gleichberechtigung errungen haben, wird der Nutzen des Frauenstimmrechts noch stärker in die Erscheinung treten. Die gewerbliche Frauenarbeit ist nach dem Bericht der britischen Sektion für Arbeiterschuß in den englischen Kolonien Neuseeland, Ceylon, Gibraltar, Goldfifte, Nord- Rigeria, Trinidad und Uganda Schutzgebiet verboten worden. Theater. Für den Jubalt der Jnierate| Wintergarten. Spezialitäten. übernimmt die Redaktion dem Vañage. Spezialitäten Publikum gegenüber feinerlei Kasino. Die Dianabäder. Spesta. Verantwortung. litäten. Reichsballen. Stettiner Sånger. Walhalla. Svezialitäten. Folies- Caprice. Die Brautschau. Die lästige Witwe Guitav Behrens. Echte Spree athener. Spezialitäten. Carl Haberland. Spezialiäten. Urania. Taubenstraße 48/49. Abends 9 Uhr: Jerusalem. Hörsaal: Brof. Dr. Ed. Büchner: Das Problem ber Gärung. Anfang 8 Uhr. Mittwoch, 25. November. Anfang 7%, Uhr. Königliches Opernhaus. Fidelio. Königl. Schauspielhaus. Die Welt, in der man sich langweilt. Die Nevolution in Deutsches. Strähwinkel. Kammerspiele. Der Arzt am Scheidewege. Aufang 8 Uhr. Anfang 8 Ubr. Nenes tgl. Operntheater. fchloffen. Berliner. Der Bellchenfresser. Neues. Baccarat. Geo Nenes Schauspielhaus. Julius Cafar. Lessing. Nora. Kleines. Moral. Komische Oper. Die verlaufte Braut. Residenz. Kümmere dich um Amelie. Hebbel. Hohes Spiel. Schiller 0. ( Wallner Die Bwill gsschwester. Sch the Charlottenburg. Braut von Messina. beater.) Die Friedrich Wilhelmstädt. Shan. spielhaus. Jm weißen Nößl Westen. Der fidele Bauer. Thalia. Künstler blut. Rachmittags 4 Uhr: Hänsel und Gretel Quisen. Ausgewiesen. Bernhard łoje. Wohltäter der Menschheit. Anfang 8 Uhr. Nachmittags 3 Uhr: Die Jungfrau bon Drleans. Nachm. 4 Uhr: Eine Nilfahrt bis zum zweiten Rataratt. Sternwarte, validenftt. 67/62. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Baccarat. Donnerstag: Wahrheit. Freitag: Baccarat. Kleines Theater. Anjang 8 Uhr. Moral. Donnerstag: Moral. Theater des Westens. 4 Uhr fleine Preise: Doruröschen. Abends 8 Uhr: Der fidele Bauer. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Mittwoch, 25. Nov., Anfang Uhr: Wilhelm Theater. Die Schöpfung. Im weißen Nößl. a vietaus. Madame Flirt. Trianon. Die Liebe wacht. Neaes Overetten. Die Dollar prinzessin. Berliner Operetten- Theater SW. Havana. Anfang 8% Uhr. Nachmittags 3%, Uhr:" Nathan der Weise. Gastspiel Theater. Demimonde. Anfang 8 Uhr. Bürgert. Schauspielhaus. Ausgewiefen. Gebrüder Herrnfeld. Die belben Bindelbands. Vorher: Intern. Künstler- Zeil Barodie. Die Zauberflöte. 2X3= 7. Berlin steht Kopp. Anf. 8%, Uhr. Apolio. Eine lustige Spreewaldfahrt. Spezialitäten. Metropol. Donnerwetter los. tabel Die Malaria in Indien. Einer Meldung aus Lahore zufolge breitet sich die Malaria in Pundschab immer mehr aus und fordert zahlreiche Opfer an Toten. In Amritsar wütet die Epidemie am fchlimmsten. Es tommen dort täglich etwa 100 Todesfälle vor. Der Schiller- Theater. O.( Wallner- Theater.) Mittwoch, abends 8 Uhr: Die Zwillingsschwester. Luftspiel in 4 Aufz. von Ludwig Fulda. Donnerstag, a abends8uhr: Das Opferlami. Freilag, abends 8 br: Der schwarze Kavalier. Schiller Theater Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 Ubt: Die Braut von Messina. Ein Trauerspiel mit Chören von Friedrich Schiller. Donnerstag, abends 80 br: Die Zwillingsschwester. Freitag, abends 8 Uhr: Der Familientag. Zirkus Schumann. Heute Mittwoch, den 25. November 1908, abends präz. 7, Uhr: Grande Soirée équstre.. Elite- Programm und 9%, Uhr: Das gr. u. glänzendste Pracht Manegenschaustück Besonders hervorzuheben: Golo, der Seeräuber und Mädchenhändler. Ein Sensations- Schauspiel ersten Ranges. Absturz eines lebenden Pferdes mit Reiter von der höchsten Spitze des Berges. Grand Hotel- Festsäle Am Alexanderplatz. B. Jehmlich. Jeden Sonntag und Dienstag:[ 2161b+ Hamburger Sänger. Anfang Sonntags 6, Uhr, wochentags 8 Uhr. Vorzugskarten haben wochentags Gültigkeit. en Lemp. n. 6. 6° C. 4° R Stationen Barometer ftand mm Wind aparanda 758 1 Retersburg 758 D Bunja Windstärke Better Xemp. n. E. 2 bedeckt 17 1 bedeckt -10 11 8 4 molten! 3 bedeckt 3 Scilly 3 bedeckt 5 berbeen 6 bededt 1 Daris 767 523 755 S 771 S 4 bedeckt 3 bededt 8 2 wolfen! 1 4 bebeɗt 5 759 767 SB 768 760 2 Wetterprognose für Mittwoch, den 25. Movember 1908. Etwas warmer, veränderlich, vorwiegend trübe mit Regenfällen und ziemlich starten südwestlichen Winden. Berliner Betterbureau Wafferstands- Nachrichten ber Landesanitalt für Gewäfferfunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wafferſtand Memel, Lilfit Bregel, Insterburg Dber, Ratibor 2eichiel, Thorn Stroffen Frankfurt Barthe, Schrimm Landsberg Rege, Bordamin Elbe, Leitmeriz Dresden Barby Magdeburg aut feit 23.11. 22., 11 cm cm ¹) 216) 4-24 68)-11 Bafferstand Saale, Grochlig Havel, Spandau) Rathenow³) Spree, Suremberg) Beeskow Weser, Münden Minden Staub Rhein, Maximiliansau 10°)+22 68 +-1 50 0 68 <<- 4 12+10 4+3 -81+8 -195+1 15 81 +1 Main, Wertheim Mosel, Trier Stoln Redar, Heilbronn 9+ bedeutet Buchs, Rall. Eisfrei, oberhalb von Thorn Eisitand. Unterpegel. att feit 23.11. 22.11. cm cm¹) 78+2 50+4 22+8 70 59 -90+5 34+2 296+5 86+2 61+6 86+19 102+2 44+20 Eisstand. Lustspielhaus. Urania. Abends 8 Madame Flirt. Passage- Theater. Abends 8 Uhr: Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. 4 Uhr: Eine Nilfahrt. Abends 9 Uhr: Jerusalem. Das glänzende Luisen- Theater. November- Programm Schneider- Duncker 9Yankee Doodle Girls und 14 neue:: Variété- Attraktionen Passage- Panoptikum. Lebend! Lebend! Ohue Extra- Entree! Das Bärenweib. Simpson der lebende AmboB der Mann mit dem Steinkörper. Neapolitanische Briganten. Panophon- Vorträge: Alexander Girardi, etc. Bürgerliches Schauspielhaus Gastspiel- Theater Otto Rentter, Caruso oto. Raftanien- Allee 7-9. Ausgewiesen. Soziales Drama aus der Zeit des Sozialistengefeges. 12 Jahre wegen Gefähr bung der öffentlichen Ordnung Donnerstag 8. 1. Male: Irmingard. polizeilich verboten gewesen! Dramain 4 Alten v. Herbert b. Berger. Freitag: Irmingard. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Der Veilchenfresser. Morgen: Herodes und Mariamne. Hebbel- Theater Anfang 8 Uhr. 3ur gefl. Beachtung! Köpenicker Straße 68. 81, Uhr: Gastspiel Hedwig Lange. Demimonde. Morgen: Zaza. Wilhelm- Kasino Brückenstr. 2, a. d.Jannowitzbrücke Anfang 8, Uhr. Familien- Biercabaret Mur bis abonnenten dieses Blattes Familien- Biercabaret sablen ausnahmsweise heute Mittwoch, 25. November, bei Borlegung dieser Annonce halbe Kassenpreise! das neue November- Progr. Casino- Theater Folies Caprice. Königgräger Str. 57/58. Unf. 8 Uhr. Lothringer Str. 37. Hohes Spiel. Neues Operetten- Theater, Schiffbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Abends 8 Uhr: 8 Uhr: Das glänzende bunte Programm. 9% Uhr: Großer Lacherfolg! B ,, Die Dianabäder". Die Dollarprinzessin. Operette in 3 Affen von Leo Fall. Sonntag 4 Uhr: Die fidele Kitte Abends 8 1br: Die lästige Witwe. Bunter Soloteil. Die Brautschau. Alles ohne Extra- Entree! Eintritt 50 f. Kinder, Soldaten 25 Pf. Rixdorfer Theater Bergstraße 147. Mittwoch, den 25. November 1908: Ultimo. fel in a aften von 6.5. Mofer. uftipiel in 4 Aften von G. v. Moser. Freitag, den 27. November 1908: Die Dollarprinzessin. Operette Abends 8 Uhr: Ausgewiesen. Donnerstag: Cine tolle Nacht. Freitag Bremiere: Billa Bentendorf. Sonnabend 4 Uhr Kindervorst.: Die Königstinder. Abends: Die Ebre. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Ausgewiesen. Abends: Die Ebre. Montag: Stolz der Stadt. DERNHARD ROSE THEATED: Gr. Frankfurter Str. 182. Abends 8 Uhr: Wohltäter der. Menschheit. Schauspiel in 8 Aften v. F. Pbilippt) Wochentagspreise. Nachm. 8 Uhr Schülervorstellung: Die Jungfrau von Orleans. Residenz- Theater. Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: „ Kümmere Dich um Amelie." Schwant in drei Aften( vier Bildern) bon Georges Feydeau. Sonntag, 29. Rob., nachm. 3 Uhr Gaben Sie nichts zu verzollen? in 3 tittien von Leo gau. Stadt- Theater Moabit Affen Fall. Anfang 8 Uhr. Alt- Moabit 48. Königstadt Kasino. Größter und vornehmster Theater Holzmarfiftr. 72. Morgen und folgende Tage: faal Moabits. Donnerstag, den 26. November: Der Seekadett. Der Pfarrer von Kirchfeld. Singfpiel in 2 Bildern von D. Richter. Musik von Guft. Steffens. Borher um 8 Uhr: Die November- Spezialitäten mit Frans Sobanski, Unf. b. Vorft. 7, Staffenöffnung 6 Uhv Stonzert 6%, Uhr. Nach der Borstellung: Ball. Montag, 30. November: Soiree der Luftigen Sänger. XIV. Saison. Zirkus Busch. Mittwoch, den 25. November 1908. abends präzise 7, Uhr: Gala- Wohltätigkeits- Vorstellung zum Besten des Vereins zur Fürsorge für die weibliche Jugend. aus Paris. zirka: Zizi Bamboula, das größte Naturwunder Kapitän Webbs 9 dressierte Seelöwen 9. Die Uessems! Ferner: Mathilde Renz, Schulreiterin. Herr Burkhardt- Foottit, Schulreiter. Herr Ernst Schumann mit den neuesten Dressuren. Gerard& Fontana, Reitkünstler. Um 9 Uhr: Barbarossa! Große Orig. Ausstatt.- Pantomime des Zirkus Busch in 6 Bildern. Vorher Gala- Programm! Metropol- Theater Sanssouci, Täglich 8 Uhr: Donnerwetter- tadellos! Revue in 10 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Paul Lincke. Regie Direktor Schultz. Sonntag, 29. November, nachm. 3 Uhr: Durchlaucht Radieschen. Kottbuser Deutscher Holzarbeiter- Verband. Heute Mittwoch, den 25. November, abends 8, Uhr, bei Freyer, Koppenstraße 29: Pertrauensmänner- Versammlung für sämtliche Bezirke und Branchen. Tages Drdnung: 1. Die Gewerbegerichtswahlen. Referent Genosse E. Brüduer. 2. Die Ueberstundenarbeit in einigen größeren Betrieben. 8. Verbandsangelegenheiten. Direktion Wilhelm Reimer. Montag, Donnerstag und 93/20 Sonntag: Hoffmanns Jede Werkstatt mus vertreten fein. Mitgliedsbuch und Vertrauensmännerkarte legitimiert. Die Ortsverwaltung. Möbelpolierer. Norddeutsch. Sänger Donnerstag, den 26. November, abends 8 Uhr, in den AndreasEinakter, Ensembleszenen. Aktuelle Vorträge in Mort und Lied usw. Festfälen, Andrcasstraße 21: Branchen- Versammlung Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. Sonntag, den 29. November, abends 71 Uhr: KUNST- ABEND arrangiert von Margarete Walkotte unter gefl. Mitwirkung von Herrn Leo Gollanin, Konzertsänger; Frau Amalie Birnbaum, ViolinVirtuosin, Herr Fritz Lachmann, Rezitator; am Flügel: Herr Bernhard Nitsche. Eintritt im Vorverkauf bei Herrn Horsch, Zigarrenhandlung. Gewerkschaftshaus 50 Pf. A. d. Abendkasse 60 Pf. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Arbeitsnachweis: Berwaltungsstelle Berlin. of 1. Amit 3, 1239. Charitéstraße 3. Hauptbureau: of III. Amt 3, 1987. Achtung! Metallarbeiter Rixdorfs! Achtung! Donnerstag, den 26. November, abends 6 Uhr: Beg, Sonnt. 5, wochent. 81. der Möbel- und Stuhlpolierer sowie Bezirks- Versammlung WINT REN Reichshallen Theater 165 Q November Attraktionen, D'Angelo Siebende Bilder Die Kraton's. Relenpantomime OUISE BLOT WOODWARDS SEELOWEN SEEHUNDE PARISER SANGERIN LA TITCOMB SANGERIN ZU PFERDE amerikan TOLA SELBINL andthonheit DIE SLEEDES das mysteriose Haus GOLEMANNS.DRESSIRTE HUND AN JAPANER TRUPPE BAS MARTIN Xylophonisten Der Biograph. pollo Theater Eine lustige Spreewaldfahrt. Burleste. Mufit v. Paul Lincke. Abend 9.30 Uhr: Die bedeuteaden Attraktionen Siegwart Gentes als fromme Helene. Ab 1. Dezember: Mizi Gizi. Walhalla Varice Theater Weinbergsweg 15/20, Rosenth. Tor. Anfang 8 Uhr: Das neue November- Programm. Perzina m.seinen 110Tieren Im Tunnel Regimentsfapellen ze Theaterbeiucher hab. freien Eintritt. Balast- Theater Pala Burgstraße 24, 2 Minuten vom Bahnhof Börje. Täglich 8 Uhr: Der Riesen- NovemberSpielplan. n. a.: Istvan Béliks Sprung aus d. VI. Etage! Vendaros Bunderaffen! Rambler Comp., Jongleure! SchmidtHawkins! Die Frau mit den drei Männern! und 12 Attraktionen I. Ranges. Familienfarten, wochentags halbe Breise, überall gratis. Gebrüder HerrnfeldAnfang Theater. 8 Uhr. Vorverk. 11-2 Uhr. 57 Kommandantenstr. 57. Herrnfelds größter Erfolg Die beiden Bindelbands. Vorher: Künstler- Teil. W. Noacks Theater Dreftion: Rob. Oill Brunnenit 16. Die Haubenlerche oder: Die Ehre eines armen Mädchens. Sittenbild in Aften v. E. v. Bildenbruch. Entree 30 Bj. Anfang 8 Uhr. Donnerstag: Letzter Opernabend. Sonnabend zum erstenmal: Gin' fefte Burg ist unser Gori. Berliner Eis- Palast Butherstr. 22/24 Ständige Eisbahn. Bis nachts 12 Uhr geöffnet. 4 Uhr nachm.: 2. Jugendkunstlanfen. Abends 9%, Uhr nur wenige Tage: Broor Meyer, der beste Stettiner Sänger Zum Schluß neu: Der Kompagnie- Ball. Militärische humoreste bon Meysel. Anf. wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Magazinarbeiter und Beizer. Zages Drdnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Berbands. und Branchenangelegenheiten. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet Die Branchenleitung. Modell- und Fabriktischler sowie Modelldrechsler. Donnerstag, den 26. November 1909, pünktlich abends 8 Uhr: Brauerei Friedrichshain im Berbandshause der Gastwirtsgehilfen, Große Hamburgerstr. 18/19. Branchen- Verfammlung. Am König stor. Heute Mittwoch. 20. Tag d. Gr. Internationalen Ringkampf- Konkurrenz um den Großen Preis von Berlin- 6000 M. in bar. Heute ringen 5 Baare: Antonitch- Bosnien gegen Wachturoff- tußland. Van Dem- Belgien gegen Neger Zipps- Nord- Amerika. Petroff- Bulgarien gegen Albert Hain- Berlin. Jakson Deridder gegen John Pohl Abs Il- Deutschland. Tiberio- Spanien gegen Sauerer- München. Vor ben Ringfämpfen: Vollständig neues Spezialitäten Programm. Anfang 8 Uhr. Entree 1 M. Res. Blab 1,50 m. Num. Tisch 2 M. Stolas, Kolliers, Krawatten, Muffen, Herren- u. Kinder Garnituren, Pelzjacken, Pelze, garnierte Pelzhüte, Baretts, Pelzdecken, nur eigenes Fabrikat, in größt. Auswahl, aus bestem MateKein Zwischenhändler, daher Fabrikpreise. rial. Kein Laden! Sonntags geöffnet. F. Kalman, Kürschnermstr. 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Engelufer 14. parterre( Arbeitslosenraum): Branchen- Versammlung. Mugliedsbuch legitimitert. Jalousiearbeiter. Donnerstag, den 26. November, abends 8, Uhr, bei A. Boeker, Weberstr. 17: Branchen- Verfammlung. Zages Ordnung: 1. Die wirtschaftliche Krise und ihre Folgen. Referent: Genoffe Adolf Hitter. 2. Distuffion. 3. Branchenangelegenbetten. Die Ortsverwaltung. Donnerstag, den 26. November, abends 8%, Uhr: Branchen- Verfammlung der Stellmacher im, Rosenthaler of", Rosenthaler Straße 11-12. Zages Ordnung: 1. Bortrag des Kollegen M. Keiditsch über: Die Entwickelung bes Handwerks zur modernen Juduftrie". 2. Disluffion. 8. Branchen angelegenheiten. 94/1 D Gustav Die Kommission. Puhlmanns = für für Nixdorf= in Hoppes Festsälen, Hermannstraße 49. Tages Ordnung: 1. Die bevorstehenden Gewerbegerichtswahlen und Stellungnahme der Metallarbeiter bierzu. Referent: Stollege Karl Schmidt. 2. Distuffton. 8. Berschiedenes. Bahlreicher Besuch wird erwartet. # Donnerstag, den 26. November, abends 8%, Uhr: Versammlung der Gold- und Silberarbeiter und verwandten Berufsgenossen im Dresdener Garten, Dresdener Straße 45. Sages Drdnung: 1. Bortrag bes Genoffen Störmer: De Revolutionierung ber Gehirne. 2. Bericht und Neuwahl der Agilationsfomniifion. 8. Berbands angelegenheiten. Um zahlreiches und pünktliches Gridhetnen wird ersucht. Donnerstag, den 26. November, abende 8%, thr: Branchen- Versammlung der Elektromonteure und Helfer Berlins und Umgegend im Lotale von Meier, Sebastianstraße 89. Tages Ordnung: 1. Bortrag des Genoffen W. Paetzel über: Die Krife and thre wirtschaftliche Bedeutung". 2. Distuffton. 3. Veibandsangelegenheiten. Bahlreichen Befuch erwartet Die Ortsverwaltung. 125/6 Sonnabend, den 28. November, abends 8%, Uhr: Unterhaltungs- Abend ber Elektromonteure und Hlifsmonteure in Meiers Festsälen, Sebastian- Straße 39. Entree 25 Pfennig. Oeffentliche Volksversammlung am Mittwoch, den 25. November, abends 8 Hhr, im Schweizer. Garten", am Friedrichshain 29/32. 2ages Ordnung: Behrens- Theater und Festfäle Konsumgenoffenschaft und Sozialdemokratie. Theater. Goltzstr. 9. Madame Colley Ashton genannt Der weibliche Houdini D Großer Feffelatt Größte Sensation des 20. Jahrhunderts. Außerdem das Elite- November- Programm. Schlager auf Schlager! Anfang 8% Uhr. Sonntags 6 Uhr. 21 Gegründet 1864 21 PelzwarenFabrik S. Schlesinger. Neue Königstr. 21 II ( Ordonnanzhaus) Kein Laden! Fröbel. Inb.: J. Leschkowski). Schönhauser Allee 148. Heute Mittwoch 4 Uhr: 1. große Kinder Vorstellung. Kinematograph. Ganz neues Programm. An die arbeitende Bevölkerung. Tausende von Rindern erhalten fein warmes Mittagessen, weil Die Mutter außer dem Hause arbeitet, oder weil die Haupts mahlzeit erst abends gefocht wird, wenn der Vater von der Arbeit tommt. Die Rinder erhalten mittags meist Kaffee und Brot usw. 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Jahrgang. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Bitfwod, 25. November 1908. Aus den Betriebsgeheimnissen der Hochbahn. Ms am 26. September sich die Kunde von einem furchtbaren Unglück auf der Hochbahn in der Berliner Bevölkerung verbreitete, wurde neben dem Bedauern über die Opfer der Katastrophe auch die Frage nach den Schuldigen erhoben. Die Hochbahnverwaltung lieg erklären, daß die Einrichtungen auf der Hochbahn tadellos seien und die Folge war schließlich die Verhaftung des Zugfahrers Schreiber. Wir haben damals in unserem Blatte dargelegt, daß bie eigentlich Schuldigen an ganz anderer Stelle zu suchen seien. Zunächst liege in dem ganzen Arbeitssystem, dem das Betriebspersonal unterworfen ist, eine schwere Gefahr für einen regelvechten tadellos funktionierenden Betrieb. Dieser bedinge ein Personal, das infolge einer anständigen Bezahlung sich gut nähren könne und durch eine möglichst kurze Arbeitszeit gut ausgeruht ist und dadurch seinen Dienst frischer, aufmerksamer verrichten fann. Diese Voraussetzungen seien bei der jeßigen Bezahlung, bei der Arbeitszeit und bei der geradezu vielfach schikanösen Behandlung nicht vorhanden. Dazu tomme, daß die Einrichtungen auf der Hochbahn durchaus feine einwandfreien feien, insbesondere sei die Anlage des Gleisdreieds eine Quelle ständiger Gefahr. Die Eisenbahnbehörde als technische Aufsichtsbehörde der Hochbahn war anderer Meinung. Sie hat eine Untersuchung der gesamten Betriebsverhältnisse der Hochbahn vorgenommen und im wesentlichen alles in bester Ordnung gefunden. In ihrer Veröffentlichung über das Ergebnis der untersuchung sagte die Eisenbahndirektion u. a.: II. Am 13. Oktober wiederholte sich unter dem Zugführer Brenneke am Zoologischen Garten der Vorfall; nur der Aufmerksamkeit des Führers war es zu danken, daß ein Zusammenstoß bereitelt wurde. III. Mittwoch, den dazu gehörigen Kontakt ausgelöst hatte. Er drüdte zurüc und bekam Signal zur Weiterfahrt. Das ist auch ein Vorkommnis, das der Blod unter feinen Umständen zulassen darf, wenn er forrett funktionieren soll. Diese Vorkommnisse scheinen uns zu beweisen, daß das SignalAm Mittwoch, den 30. Oktober, abends, erhielt der Zugführer wesen auf der Hochbahn durchaus nicht in der betriebstüchtigen Schiffler an der Haltestelle Zoologischer Garten gleichfalls das Verfassung ist, wie dies die Eisenbahnbehörde in ihrer UnterVorzieh- Signal zum Rangieren nach der Werkstatt( Gleis IV). suchung dargestellt hat. Es dürfte gar nicht möglich sein, daß Die betreffende Weiche 5 und 6, welche dazu gehört und mit mit dem richtigen Signal falsche Weichen gezogen werden können. dem Signal berbunden sein muß, zeigte eine falsche Gleisrichtung Kommt aber unter solchen Umständen ein Unglüd vor, so wird an, was aber der Zugführer sofort merkte und seinen Zug noch der unglüdliche Fahrer als der Verantwortliche zur Rechenschaft bor derselben zum Halten brachte. Erst auf Veranlassung des gezogen, während die eigentlich Schuldigen frei ausgehen und noch Führers wurde die Weiche in die richtige Lage gebracht. zum Gegenstand besonderer Anerkennung gemacht werden. Dieses elektrische Stellwerk ist eins allerneuester Konstruktion und ähnelt dem auf dem bekannten Gleisdreieck. Ingenieure werden faum glauben, daß etwas Derartiges vorkommen könne. IV. Am 15. Oktober wurde von der Station Wittenbergplatz ein Zug abgelaffen, der unrettbar auf einen zweiten Bug gefahren wäre, wenn der Fahrer nicht seinen Zug rechtzeitig zum Stehen gebracht hätte. Der Fahrer hatte vom Blockwärter der Haltestelle Wittenbergplatz freie Fahrt nach dem Zoologischen Garten. V. Am 30. September tam ein Bug unter Führung des Zugführers Wustmann von der Haltestelle Prinzenstraße und fuhr nach dem Kottbuser Tor zu. Prinzenstraße hatte W. Ausfahrt; fein Signal stand auf freie Fahrt. Nachdem er das Abfahrtszeichen erhalten hatte, fuhr er ab. Am Wassertorbecken an der Kurve sah er, daß das Einfahrtsignal nach Kottbuser Tor auf Halt stand und noch ein vollbesetzter Zug vor demselben hielt, welcher auf Einfahrt wartete. W. wandte sofort alle ihm zur Verfügung stehenden Bremsmittel an, um so schnell wie möglich den Zug zum Stehen zu bringen und somit einen Zusammenstoß zu verhindern. VI. „ Die baulichen und betrieblichen Einrichtungen entsprechen dem gegenwärtigen Stande der Technik. Die Sicherungseinrichtungen sind nach den gleichen Grundsähen wie auf der Berliner Stadt- und Ringbahn ausgeführt. Die Zugfolge wird durch das auf den Stadtbahn- und Schnell- Am 1. November zwischen 10 und 1 Uhr fam der letzte zugsstrecken der deutschen Staatsbahnen erprobte Blocksystem Bug( Bugführer Ruthenberg) von der Bülowstraße und wollte nach in der vierfeldrigen Form unter Mitwirkung des Zuges gesichert. dem Leipziger Platz. Als er am Stellwert A angelangt war, Die in Verbindung mit der Stredenblockung den Betrieb sichernden mechanischen und elektrischen Stellwerke einschließlich der bemerkte der Zugführer, daß Signal H und Kauf freie Fahrt Signalanlagen sind von der auf diesem Gebiete bewährten Firma standen. Der Zugführer hielt an, worauf der Weichensteller mit Siemens u. Halste in Berlin ausgeführt; sie sind sachgemäß dem Blockschlosser vom Stellwert herunterkamen und die beiden unterhalten und durchaus betriebstüchtig. Dies gilt insbesondere Signale auf Halt legten. Darauf tourde für den betreffenden auch von den Sicherungsanlagen des sogenannten Gleisdreieds. Bug das ihm gehörige richtige Signal gezogen, worauf er weiter Durch die Untersuchung ist ferner von neuem festgestellt fuhr. Die Stelle, an der das passierte, ähnelt der, an welcher sich worden, daß das Betriebspersonal mit der Handhabung der das schwere Unglüd ereignete, aufs Haar; auch hier vereinigen bestehenden Betriebs- und Sicherheitseinrichtungen durchaus sich zwei Geleise. Wäre von der Mödernbrüde auch ein Bug geWenn sich auch die Zugfolge der Hoch- und Untergrundbahn kommen und wären beide Zugführer, wozu fie berechtigt waren, bei den gestiegenen Verkehrsanforderungen mehr und mehr ver- weitergefahren, da die Signale auf freie Fahrt standen, hätte sich dichtet hat, so find doch ihre Betriebsverhältnisse so übersichtlich, das Unglück vom 26. September wiederholen können. Es müßte daß bei Anwendung eines nur mäßigen Grades von Aufmerk doch unmöglich sein, daß der sogenannte Block zuläßt, daß zwei famkeit seitens des Zugfahrers und Zugbegleiters ein Unfall Signale zu gleicher Zeit gezogen werden. wie der am 26. September erfolgte sich nicht hätte ereignen fönnen." vertraut war. VII. Sot, Briefkaften der Redaktion. Die furiftische Sprechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, weiter dritter Eingang, vier Trevven, wochentäglich abende von 7 bis 9%, lbr ftatt. Geöffnet 7 Uhr Sonnabends beginnt die vrechstunde um 6 Uhr. Reder Anfrage iſt ein wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Briefkasten können 14 Tage Buchftabe und eine Zahl ale Wiertzeichen beizufügen. Briefliche Antwort bergehen. Gifige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. A. 2. 36. Leider nein. F. S. 25. Nein, Sie müssen sich auf der Gerichtsschreiberei erfundigen, was in dem Termin beschloffen ist. Sie können auch schriftlich um Abschrift des Protokolls einfommen. Sollte etwa cin Bersäumnisurteil gegen Sie ergangen sein, so müßten Sie gegen dasselbe Einspruch erheben. Ober Schöneweide 15. Wenn das Testament datiert, eigenhändig ge- und unterschrieben ist, so ist eine Uebergabe an das Gericht oder an einen Anwalt nicht erforderlich. Gerhard. 1. Nein. 2. Sie sind, folange kein anderer ernannt ist, von Gesezes wegen Vormund. H. 17. Eingreifen könnte leider nur der Vormund. Das fann er auch vom Auslande aus. 2. 3. 1883. 1. In der Regel erhält der Austretende vom Gericht teine Nachricht. Er hat zwischen dem 29. und 42. Zage fich ohne Aufforderung auf das Gericht zweds Erklärung seines Austritts zu Brotokoll einzufinden. 2. Sie fönnen einen schriftlichen Antrag stellen, füllung. 3. Benden Sie sich an irgend einen der betreffenden Abgeordneten. bei der großen Nachfrage ist aber toenig Aussicht auf seine Er mi. T. 51. Nur wenn das Geschäft einen größeren Umfang hat. Köpka. Nein. W. 21. Um aus der Kirche auszutreten, teilen Sie Ihr Vorhaben dem Amtsgericht mit und erklären dann in der Zeit vom 29. bis 42. Sage nach Eingang Ihrer Mitteilung Ihren Austritt zu Brotofoll des Gerichts. Wenn Sie noch in diesem Jahre austreten, so haben Sie Stirchensteuer nur bis zum 31. Dezember 1909 zu zahlen. Eichler. Um Hebamme zu werden, ist Meldung bei dem Polizeipräsidium erforderlich. Dann erfolgt Borprüfung durch den Stadtphysikus und Eintragung in die Liste der Bewerberinnen. Später erfolgt Einberufung zu dem sechsmonatigen Sturjus in der Charité, dann Prüfung. Der Stunfus foftet 300 m. Da der Andrang sehr start ist und eine Anstellung als Hebamme nur erfolgt, wenn das Alter von 30 Jahren nicht überschritten ist, so wäre eine Melbung für jemand, der älter als 27 Jahre ift, zwecklos. F. Sch. Nixdorf. Wir wissen auch nichts Näheres. Soran 1234. Die angefragten Grundfäße ergeben sich aus den örtlichen Verhältnissen. R. Ch. 7. Im„ Korrespondenzblatt für Tapezierer", Berlin, Köpenider Ein Grundstüdsmaller wird Ihnen die Schäzung sagen fönnen. Straße 49. E. 3. 47. 1. 1890. 2. 1. Januar 1891. Stiftungsdeputation des Magistrats, Boststr. 16. 87 000. P. 4. 200. 1. Ja. 2. Neint. Tarameterhut. Wollen Sie gefälligft bei der Seftion der Droschfenfutscher, Mitgliedschaft des Handels- und Transportarbeiterverbandes, Schillingstraße 6, anfragen. O. P. 99. Die Geburtsurkunde. 2. R. 1908. Wien: 2 021 000, Floresdorf, feit 1906 mit Wien vereint, J. Möller. Fachschule für Maler, O. 17, Langestraße 31. J. G. 15. 1. Finden Sie im Adreßbuch. 2. Ja. Drei Streitende. Der Ratalog einer größeren Annoncenegpedition gibt Ihnen darüber Ausfunt. Sch. 112. Jn Berlin, Köpenider Straße 71. B. 6. Der Verband der Gastwirlsgehilfen, Große Hamburger Straße 18/19. einen Anwalt zweds Anstrengung der Klage. Bestimmte Anwälte, Aerzte, R. 61. 1. Klagen Sie fobald als möglich und wenden Sie sich an Firmen usw. zu empfehlen, lehnen wir grundsäglich ab. 2. Eine Lohnforderung verjährt in zwei Jahren. R. 2. 2255. 1. Jn dreißig Sabren. 2. Nein. 3. Rein. 4. Ja. nkaufsgelb beſteht nicht, wohl aber kann ſtatutarisch bie Zahlung eines empfiehlt es sich nicht, bei der Heirat Erstattung der Marken zu verlangen, Bürgerrechtsgeldes festgesezt sein. vielmehr ist es vorteilhafter, weiter zu fleben. Die Frau hält ihre Ansprüche aus der Invalidenversicherung aufrecht, wenn sie mindestens in je zwei Jahren zwanzig Marfen flebt." Läßt sich aber die junge Frau den Betrag der Marken auszahlen, so würden ihr Rechte aus der Invalidenversicherung Am 2. November zwischen 11 und 12 Uhr nachts tam ein erft werden, wenn sie mindestens 200 Marfen auf Grund einer ver Am 1. November in der Mittagszeit fuhr ein Zug unter Im Anschluß an diese Darlegungen der Eisenbahnbehörde Führung des Zugführers Schlösser vom Nollendorfplatz nach dem wiesen wir schon in unserer Nummer vom 14. Oktober darauf hin, Wittenbergplak. Das vor Wittenbergplak stehende Einfahrtsignal baß das Ergebnis ein sehr dürftiges fei; insbesondere machten zeigte freie Fahrt. Der Fahrer aber bemerkte rechtzeitig, daß in wir darauf aufmerksam, daß am Gleisdreieck wiederholt Züge der Station Wittenbergplaß ein Zug stand und hielt, den Blockeinander überfahren haben, nur daß bis vor dem 26. September wärter durch Pfeifen auf die falsche Signalgebung aufmerksam ein Unglück durch die Fahrer noch verhütet wurde. Es sei also nur machend. Dieser legte darauf das Signal auf Halt, aber gleich ein reiner Glücksumstand, daß gerade infolge der Einrichtungen wieder auf freie Fahrt, trotzdem der in der Haltestelle W. befinddes Gleisdreieds nicht schon früher schiveses Unglück heraufliche Zug noch nicht fort war. Erst als die Strede frei wurde, beschworen wurde. fuhr der Zug in die Haltestelle ein. Auch ein Beweis, daß der Block nicht tadellos funktionierte. Daß es im Betriebe der Hochbahn durchaus nicht so glatt zugeht, wie es die Eisenbahnbehörde hingestellt hat und daß es keiner mäßigen, sondern einer sehr großen Aufmerksamkeit des Zugpersonals bedarf, um Unglücksfälle zu vermeiden, dafür möchten wir der Eisenbahnbehörde folgende nackte Tatsachen zur Nachuntersuchung unterbreiten. I. Am 11. Oktober hielt der mit mit dem Zugführer Ruthenberg besezte Zug am Zoologischen Garten. Vom Stellwert aus erhielt der Führer das Vorzieh- Signal zum Umseben nach Gleis IV. Als der Zug am Stellwerk vorbei war, fah der Zugführer zu feinem Entsetzen, daß Gleis IV noch besetzt war. Er brachte seinen Zug sofort zum Stehen, so daß ein Zusammenstoß berhütet wurde. VIII. St. G. 42. 1. und 2. Ja. 3. Ein M. R. 11184. In der Regel Zizzi 100. Arbeitsnachweis Gormannstr. 13, Abteilung für Maler. zug vom Leipziger Plak und wollte nach der Bülowstraße. Als ficherungspflichtigen Beschäftigung gezahlt hat.-.. 1. Ja. 2. Nein. der Bug( Bugführer Pau Hennig) das Signal 6 paffierte, ftand G. St. 27. Sie müssen sich mit Ihrem Anliegen an einen Patentanwalt das Signal vorschriftsmäßig( ein Flügel grünes Licht), dagegen wenden. Märzgefallener 1908. Ein folcher Verein beztv. eine solche A. H., Charlottenburg. Wollen Sie stand die dazu gehörige Weiche in der Richtun nach der Möckern- Bartei ist uns nicht bekannt. brüde. Der Zuführer bremste fofort, als er die falsche Weichen- bte Frage einem Geschäft für Bildereinrahmung vorlegen. Uns iſt ein folches Mittel nicht bekannt. 7. K. 100. 1890." Fanatische stellung bemerkte, tonnte aber nicht verhindern, daß er mit den menge". Reichstagsabgeordneter Th. Schwarz, Reichstag, Berlin. ersten Wagen in die Weiche geriet. Jezt überführte sich der F. K. Berlin. Zentralverband der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen 100. Das steht im BeZugführer noch einmal, ob auch sein Signal richtig gestanden habe und bemerkte zu seinem Erstaunen, daß das Signal C schon wieder auf Halt lag, trokdem er mit seinen Zuge noch gar nicht JOSETTI JUNO CIGARETTEN sind von anerkannter Güte und bieten trotz thres billigen Preises volle Garantie für feinste Qualität, Joselliz 10 St. für 20 Pfg. Deutschlands, Hamburg, Besenbinderhof 57. H. B. Köln. Wollen lieben und tommt auf den 3wed an Sie sich in der dortigen Bibliothek den Etat des preußischen Staates und des Deutschen Reiches vorlegen lassen. P. Nein. 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Berliner Reichstagswahlkreis. Görlizer Viertel. Bezirk Nr. 181. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genoffe, der Gastwirt Gustav Heidorn ( Laufizer Str. 2) geftorben ift. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 25. November, nachmittags 3 Uhr, von der Zeichenhalle des Emmaus- Kirhofes in Briz aus ftatt. 222/16 Der Vorstand Zentral- Kranken- u. Sterbekasse der deutschen Wagenbauer. Berlin. Bezirk 17. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, baß unjer Mitglied Gustav Heidorn am 22. November verstorben ist. Die Beerdigung findet heute, Mittwoch, den 25. b. Mis., nach mittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus Kirchhofes, Rigdorf, Hermannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 253/10 Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Sollege, der Maschinenarbeiter Deutscher Metallarbeiter- Verband Berwaltungsstelle Berlin. Todes Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unfer Mitglied, der Former Otto Brunzlow am 22. d. Mts. am Gehirnschlag geftorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 26. November, nachmittags 34, Uhr, von ber Leichenhalle des Friedens- Kirch hofes in Nordend Reinidendorf aus ftatt. Rege Beteiligung erwartet 125/7 Die Ortsverwaltung Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Gastwirts Wilhelm Matthes sage ich allen Freunden und Bes tannten fowie dem MetallarbeiterVerbande, dem Wahlverein, dem Lotteries, Spar und Gesangverein meinen beften Dank. Frau Anna Matthes geb. Wolff nebst Kindern. Allen Berwandten und Kollegen, insbesondere dem Deutschen Transportarbeiter Verbande, Seftion II, und den Kollegen der Firma Starl Bliesener sage ich für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes Gustav Schmidtchen aufrichtigen Dank. Anna Schmidtchen. Danksagung allen Verwandten, Freunden und Bekannten, besonders den Frauen der Solonie Süd- Ost, für die rege Beteiligung und reichen Kranzspenden Wilhelm Stellmacher bei ber Beerdigung meiner Frau. am 21. November gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 25. November, nach mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle bes Georgen- Kirchhofes, Landsberger Allee, aus statt. 94/3 Die Ortsverwaltung. 51602 F. Wollert. Dr. Simmel Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41. dicht am Moritzplatz, 10-2.5-7. Sonntags 10-12. 2-4 Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort( fettgedruckt) 20 Pig. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort ( fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. 1000 Teppiche, Brachtstüde einzelner Musterteppiche. 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Wahlvereins, den Mitgliedern vom Formerverein des Deutschen Metallarbeiterverbandes und den Kollegen der Firma Rudolf Hartmann meinen besten Dank. 5159 Reste! Damentuche, schwarz und farbig. Costumes- Stoffe( neueste Muster, 211 Bitme Anna Alte. jeder Saison), Astrachan, Krimmer, Wollplüsch, Seidenplüsch, Velours du Nord, Sammet, Seide, Velvet etc. 4147L* Confektion Günstiges Kaufangebot. Gasthofsgrundstüd mit gr. Lokalität., mit mächt. gr. Saal u. Garten, in start. Industriestadt Anhalts, 13 000 Einto., einz. Parteilofal ohne Kontur., ca. 400 ftol. Lagerbier, bedeut. nach weist. Umf. and. Biere, Spirituof. 2c. Paletots, Jacketts, Costumes und Forderung 62000 M., Anz. 10 000 Mart, Hypothet feststehend. Sofort Costumesröcke in großer Auswahl Billigste Bezugsquelle gedieg. Trauergarderohe Westmanns Trauer- Magazin Berlin W., Mohrenstr. 37a NO., Gr. Frankf. Str. 115. Genaue Beachtung meiner Firma u. Hausnummer geboten! 。 berfäuflich durch C. Koch, Wittenberg C. Pelz, Straße Kottbuser 5. 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