Ar. 6S. � a\a 10. Jahrg. Crf.t)etnt täglich außer Montage.* a y A\ A w\M[ 3nIertlon«=3eBüßr Beträgt für BU 'i rcl« pränwnetanBo: vierte,- WZ A- � A M,«M iUM tzll» A v A. W Mufgespaltene Petitzcile oBer dere» lahrllch z�zo Marl, monat! ch l I« A�\AkN»«L- Raum 40 P,g.. für verein,- und i.w Ml, u-och-ntlich ZS Pfg frei WZ l WZ �sHU/ I � � HW WjMs I Versammlung,- An,-igen-0 P!g in, Hau,. Einzelne Nummer B9M| JBB I Hl HZ fC �8 BU 93 D> Fs B* f Inserate für die nächste Nummer ° Pfg. EonntagS-Nummer m., XSSS[ fetgH I W H Hl W) 681 W M W W tM LL. W IS t—Y/ n.nflen Bi, 4 Uhr Nachmittag, in illuslr. Sonnlag,-Beilag«„Nene MW« y�wS HR Ha E9 DD W> W» HB �nj WA tH) BM BS F' der Expedition abgegeben werden. L9!lt"l0Pfg. Post-Adonn-m-nl: WKW[f H B H B BBH DD DD B B Die Crvedilion ist an Wochen- s.goMl.pro Quartal. Unter»reu,- VTBj I BD W W DD B B B B tagen bi, 7 Ubr Abend,, an Sonn- iand: Deutschland u. Oesterreich--> D» DD Dg D« Jtgß�. AASADV Dkv W und Festtagen bi,» Uhr vor- Ungarn 2 Ml., für da, übrig« DD D» � JH\ //W& mittag, geöffnet. tlusland z Ml.pr.Monat. Eingelr. DD! I»�D>- ▼V/ �w/.A3L\. Jy IffjJ- i» der Post-Zettung,-Preisliste__—' // DHi x,rn sprich-Anschluß für ie«3 unter Nr. 6V08. � 7�, �T_ Amt I,»lr. 418S. Verliner VolKsbkaSS. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Aedakfion! SV. IS, N-nIh-Siraße M ci vl mnvx. (Geboren 5. Mai 1818. Gestorben 14. März 1883.) Heute vor 10 Jahren starb 5?arl Marx. Tie revolutionäre, demokratische Sozialdemokratie, welche die Gleichheit alles dessen, was Mcnschenantlitz trägt, zum Ziele hat, kennt und duldet keinen Personenkultus, allein ivir ilichts Menschliches ihr fremd ist, so auch mcht die Dankbarkeit und nicht die Würdigung wahrer Größe. Und voll innigster Dankbarkeit gedenkt heute jeder klaffen- und n cuschheitsbewußte Arbeiter und Mensch des Mannes, der lein Proletariat den Weg der Befreiung gezeigt und die s.eistigen Waffen geschmiedet hat, mit denen es den Befreiungs- kämpf siegreich führt. Als am 14. März 1883 der elektrische Funke in alle Lande die Nachricht trug: Marx ist todt!, da durchzuckte brennender Schmerz die Brust von Millionen und Millionen, und tiefe Trauer Dnkte sich in das Herz von Millionen und Millionen. So ist noch um keinen Monachen getrauert worden. Und kein Monarch hat jemals ein solches Reich gehabt, wie dieser Fürst, d. h. dieser Erste im Reiche der Geister, in der Weltrepublik der Wissenschaft. Was ist Karls des Fünften Reich, in dem die Sonne nicht unter- ging, verglichen mit dem Reiche, das Karl Marx gegründet und beherrscht hat, das er auch heute beherrscht— uird das von Tag zu Tag größer wird, während jenes Reich des kroncntragenden Monarchen in Trümmer zerfallen ist, wie jedes Blut- und Eisenreich in Trümmer zersällt. In allen Ländern der Erde, überall, wohin ein Strahl des Lichts und der Hoffnung gedrungen in die Nacht des enterbten Volkes der Arbeit, da herrschte Trauer und Schmerz— Karl Marx todt! Doch nicht Trauer und Schmerz der Verzweiflung. Nein, die Trauer und der Schmerz von Kriegern an der Leiche des Führers, der auf der Sicgesbahn gefallen, und dem Jeder den heiligen Schwur leistet: voran zu stürmen auf der Bahn, die er gezeigt, und nicht eher das Schwert jinlen zu lassen, als bis der Sieg erkämpft. Karl Marx todt! Beim Nahen des Todes— sagt man— ziehe vor dem Sterbeilden im Flug sein ganzes Leben vorüber. Wenn ein Freund, irgend Einer, der uns nahe stand, plötzlich und unerwartet stirbt, erinnern wir uns jäh seines ganzen Lebens und Wirkens, das sich im Nu zu einem Bilde zu- sammendrängt. Marx todt! Das hieß der Mitverfasser des K o m- m u n i st i s ch e n Manifestes todt! Der Schöpfer des Kapitals todt! Der Gründer der I n t e r n a t i o- nalen Arbeiterassoziation todt! Marx todt! Das hieß der unermüdliche Fechter todt, der von frühester Jugend an in der Presse, in unzähligen Abhandlungen, Flugblättern und Schriften die Sache des Pro- letariats vertreten, und mit dem heiligen Ingrimm eines Marat die Lügner entlarvt, die Ucbermüthigen in den Staub geworfen, die falschen Götzen zerschmettert hatte.-- JTcmtlcfmi. NetHBrua ouBoten.)[38 Die Laufbahn eines Nihilisten. Von S. Stepniak. Autorisirte Uebersetzung. Frei ins Deutsche übertragen von Bertha Braun. Es war von Taras Kostrow und in den un- schuldigen Ausdrücken einer geschäftlichen Botschaft gehalten. Tie Bedeutung war aber nur zu ernst. Taras, der äugen- scheinlich auf Geheiß der Parteileitung depeschirte, verlangte, daß der Anschlag drei Tage ausgeschoben werde» sollte. Es war klar, daß etwas sehr Wichtiges, das am nächsten oder nächstfolgenden Tage vor sich gehen sollte, irgendwie vereitelt werden würde, wenn das Telegramm über die Dubrawnik'sche Angelegenheit vorher die St. Peters- burger Polizei erreichte. Andrej wie auch Sina hatten genügend Erfahrung, um zu wissen, daß solch' ein unglückseliges Zusammentreffen sehr leicht möglich war. Aber sie wußteil auch— wenigstens Andrej—, daß bei dem jetzigen Stande der Dinge, einem solchen Gesuche nachgeben,"den Plan ganz aufopfern hieß. „Wie gefällt Ihnen das?' fragte Andrej sarkastisch, Wassilij das Telegramm überreichend. Als Antwort zerknitterte er es in der Faust und warf es mit einem langen Pfiff auf den Tisch. Und ich habe heute den Wagen so gut eingeschmiert Dienstag» den 14. Marz 1893. Neulich brachten wir eine kurze Lebensbeschreibung von Karl Marx aus der Feder seines geistigen Zwillingsbruders unseres F r i e d r i ch E n g e l s, der»och so tapfer und jugendfrisch unter uns kämpft, und dessen Wirken eins war und gleichwerthig mit dem seines verstorbenen Freundes und Genossen. Auf diese Lebensbeschreibung— s. Nr. 25 des „Vorwärts"— verweisen wir. Die Genossen müssen die dort mitgetheilten Thatsachen sich ins Gedächtniß eingraben. Was Marx für unsere Bewegung, was er für das Prole- tariat war lind ist, das brauchen wir des Näheren nicht den Genossen zu sagen. Marx das ist die mo- derne Arbeiterbewegung. Das Kommuni st ische Manifest, das er mit Engels vor fast einem halben Jahrhundert uns gab, ist das Programm unserer Partei— der internationalen Sozialdemokratie. Das Kapital ist die Bibel des Proletariats— das Buch der Bücher. Ein Torso, und doch in sich fertig und abgeschlossen— ein Riesenbau, fest gefügt, die Quadern demanthart, und keine Fugen, in welche die Kritik einen Hebel eintreiben könnte. Kein Stein ist gebrochen, kein Stein verrückt— und die vielen Bermeßnen, welche aus- zogen, um den Riesenbau zu zerstören, sie sind jämmerlich zu Schanden geworden. Und die Internationale Arbeiterasso- z i a t i o n, die von Karl Marx geschaffen ward, sie ist das Ideal der Proletarier aller Länder, die wetteifernd au seiner Erfüllung arbeiten. Marx hat den Sozialismus zur Wissenschaft gemacht, und damit den Befreiungskampf des Proletariats aus dem Nebel der Utopie auf den Boden der Wirklichkeit verlegt. Er verabscheute jede Sektirerei, er verwahrte sich gegen jedes Papstthum— er wollte„kein Marxist" sein—. Der Mann, der die geschichtlichen und wirthschaftlichen Ent- wickelungsgcsetze aufdeckte, konnte nicht dem Mahn huldigen, mit ihm' habe die Wissenschaft begonnen, und mit ihm höre sie auf. Niemand hat nachdrücklicher die Nothwendigkeit des Forlschritts, die Pflicht des Selbstdenkens und Selbst- Handelns betont. Er billigte Manches nicht, wozu die Logik der Ver- Hältnisse uns in Deutschland zwang. Der Brief ist in frischer Erinnerung, welchen er über das Gothaer Kompromiß- Programm schrieb. Marx überzeugte sich jedoch bald, daß die Einigung der getrennten Gruppen eine Lebensfrage für die deutsche Arbeiterbewegung gewesen war, und mit stolzer Freude betrachtete er das Wachsthum und den sicheren Vormarsch der deutschen Sozialdemokratie, deren Stand- haftigkeit und Muth unter dem Sozialistengesetz ihm wiederholt Worte der Bewunderung entlockten. Und heute vor 10 Jahreil ist das Auge gebrochcü, das Blitze sprühte den Unterdrückern und Liebe ausstrahlte den Unterdrückten. Keiner hat besser gehaßt, aber auch keiner besser ge- liebt. Gleich groß im Haß wie in der Liebe, hat Karl und die Pferde so gut gereinigt!" entfuhr es ihm unter tiefem Bedauern. Andrej wollte mit diesem neuen Hiiiderniß kurzen Prozeß machen. „Es ist zu spät zum Aufschieben," sagte er. „Durchaus nicht." antwortete Sina.„Da es noch nicht geschehen ist, kann es leicht aufgehoben werden." „Das hieße aber es ganz aufgeben. Es ist vielleicht unsere letzte Gelegenheit." „Vielleicht," sagte Sina. „Nun," erwiderte Andrej, eigensinnig werdend,„ich glaube nicht, daß sie das Recht haben, so etwas von uns zu fordern; und wenn sie es thun, sind wir vollkommen berechtigt, unseren Plan zu Ende zu führen. Es ist be- schloffen fvorden, beherzigen Sie dies! Wir arbeiten schon Monate daran; wir sind auf dem Punkte, es zu einem glücklichen Ende zu bringen, und jetzt sollen wir, um irgend eines anderen Planes, vielleicht nur eines Phantasicgebildes willen eine Angelegenheit aufgegeben, in dem eS sich um drei Menschenleben handelt, Nein, das ist zu viel. Nie wird etwas zu stände kommen, wenn unsere Partei eine solche Taktik einnimmt." Sina sprang erregt auf, als ob diese Worte eine per- sönliche Beleidigung enthalten hätten. „Sprechen Sie keinen Unsinn, Andrej!" rief sie aus. „Sie ivissen sehr gut, wie es um uns steht. Glauben Sie, daß die in Petersburg nicht ebenso wie wir ermessen können, was bei einem Aufschub gewagt wird? Wenn sie uns ein solches Telegramm senden, ninß ihre Sache wichtiger als die unsere fem. Sie wissen selbst, daß wir nachgeben müsseil." DaS waren ihre Worte. Und der Blick ihrer großen K�pedition: SW. 19, IZettty-Straße 3. Marx im reichsten und vollsten Maße den Haß der Unter- drücker und die Liebe der Unterdrückten sich verdient. Kein Denkmal von Stein oder Erz bezeichnet die Stätte, wo der große Bahnbrecher des Sozialismus und Vorkäm'pfer des Proletariats den letzten Schlaf schläft— in einfachem Grabe ruht er unter dem Volke— auch im Tode noch der Mann des Volks— der Gleiche unter Gleichen. Statt des Denkmals von Stein oder Erz wölbt sich über dem einfachen Grabe ein mächtiger Dom, himmelhoch, das Erdenrund umschließend: der Tempel der befreiten Arbeit und der brüderlich geeinten Menschheit. Und in diesem Tempel hoch oben in flammenden Lettern die Inschrift Proletarier allerLänder vereinigt Euch! geschrieben von der Hand des Meisters, der leben wird im Geist und Herzen der Völker, wenn seine Lästrer und alle die falschen Helden des Tages längst der Vergessenheit oder Verachtung anheimgefallen sind.— Noch ist der Bau nicht fertig. Aber die Grundmauern sind fest, unerschütterlich— hat doch e r die Steine gewählt, behauen und gelegt und den Plan entworfen, e r der große Baumeister, der auf dem Kirchhof bei London ruht— bei London, der großen„Mutterstadt" der modernen Zivilisation — der Hanplstadt des freien England, das dem Ver- bannten eine Freistätte gab und die Bühne, von der ans er die Welt überschauen und zur Welt reden konnte. In den Umrissen ist der gewaltige Dom schon fertig, und Jeder kann schon die Formen erkennen. Emsig wird gearbeitet; Millionen von Händen, denen er den leitenden Gedanke» gab, arbeiten mit Bienenfleiß und Cyklopenkraft an dem rasch der Vollendung zueilenden Werk; und wie einst bei dem Tcmpclban der Juden, die Hände, die arbeiten, sind auch allezeit bereit die Waffe zu ergreisen, um den Feind abzuwehren, der das Werk stören will. Wir arbeiten! Wir bauen! Wir kämpfen! Und wir werden nicht rasten, bis der Sieg errungen und das Werk vollendet ist. Wir setzen Deine Lehre in Thal um. So ehren wir Dich, todter Meister! todter Freund! poimrrfjc Mebevflrltk. Berlin, den 13. März. Zluö de«» Reichstage. Bei gewohnheitsmäßiger Be- schlußuilfähigkeit fand heute zunächst der Gesetzentwurf, betr. die Postdampfschiffs- Verbindungen mit überseeischen Ländern, igcgen die Stimmen der Linken(Freisinn und Sozialdemokratie) Annahme. Eine von dem Abgeordneten Dr. Barth beantragte Resolution,„den Herrn Reichskanzler aufzufordern, mit"der Gesellschaft des Norddeutschen Lloyd in Unterhandlung zu treten behufs Wegfalls des Dienstes der Zweiglinie von Australien nach Samoa unter Reduktion grauen Augen sagte ihm zu gleicher Zeit:—„Warum quälst Du mich so zwecklos? Glaubst Du, daß ich weniger bei der Sache bethciligt bin, als Du? oder, daß ich nicht immer und immer wieder diese Gedanken selbst gehabt habe?" Andrej biß sich nervös auf die Lippen und drang nicht länger in sie. „Sind sie"— er meinte die Gefangenen—„benachrichtigt, daß heute nichts geschieht?" fragte er. „Ich hatte keine Zeit es zu thun", antwortete Sina. „Das Telegramm traf gestern Abend nach meinem Zu- sammentressen mit dem Schließer ein. Sie werden nichts und niemand in den Straßen sehen und leicht errathen, daß nichts geschehen kann." „Nein, das darf nicht sein. Sie werden daraus nur schließen, daß wir keine Zeit hatten an unsere Posten zu eilen, und daß der Versuch auf dem Rückwege gemacht wird. Sie müssen sofort benachrichtigt werden. Vielleicht werden sie es so einzurichten wissen, daß noch ein zweites Verhör nothwendig wird." „Das ist wahr, wie können wir sie aber jetzt benach- richtigen." „Warum sollten wir sie nicht auf der Straße treffen? Wenn sie uns zusammen und mich zu Fuß sehen, werden sie verstehen, daß wir sie nur sehen wollten und daß heute nichts geschehen kann." Sina gefiel dieser Vorschlag sehr gut. Sie fürchtete nur, daß die Leute der Eskorte Andrej's Gesichtszüge be- merken, und wenn sie ihn bei einer anderen Gelegenheit zu Pferde und in einem anderen Anzüge sähen, Argwohn schöpfen würden. „Zum Teufel mit dieser Vorsicht! Sie werden sich der dafür bewilligten Subvention mit Berücksichtigung der dabei in Betracht kommenden finanziellen Gesichtspunkte,* wurde mit gleichem Stimmenverhältniß abgelehnt. Beim Etat für das Reichs- Eiseubahnamt brachte Bebel den Ausschluß sozialistischer Arbeiter in den Eisenbahn- Werkstätten und die ungesetzlichen Vorschriften der Arbeits- Ordnungen zur Sprache. Der Herr Eisenbahnminister zeigte sich bei der Gelegenheit wieder im vollen Lichte der offiziellen Arbeitersreundlichkeit. Es sei Pflicht der Eisen- dahnverwaltung, so erklärte der Herr, sich die Arbeiter, welche den Staat umstürzen wollen, unter allen Umständen von den Betrieben ferne zu halten. Bebel quittirte gebüh- rend für diese Aufrichtigkeit, welche zwar die Geld- und Blutopfer der Arbeiter rücksichtslos beansprucht, von den Arbeitsstellen aber dieselben Arbeiter um jeden Preis ferne halten will. Gelingen thut dies freilich nicht, aber es ist von Nutzen, den bösen Willen dazu immer und immer wieder zu konstatiren. Sonst verlief die Sitzung ohne bemerkenswerthen Zwischenfall. Es soll die Absicht be- stehen, den Etat in zivciter und dritter Lesung diese Woche noch durchzupeitschen, so daß die Osterferien mit nächster Woche beginnen könnten.— Dem Reichstage ist der Ent- wurs eines Gesetzes zum Schutz der Waaren- bezeichnungen nebst Begründung zugegangen. Die Porlage bezweckt eine Umgestaltung des Gesetzes über Markenschutz vom 30. November 1874.— Im prenstischen Abgeordnetenhause beginnt heute die zweite Lesung des Wahlgesetzes. Sämmtliche Parteien mit Ausnahme der freisinnigen stimmten darin überein, daß an die Einführung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts nicht zu denken sei und sie sich mit einer Aus- flickung des„elendesten* aller Wahlgesetze begnügen wollten. Von den„Freisinnigen* hielt der Abg. Rickert eine matte Rede für das allgemeine gleiche Wahlrecht, der man es an- merkte, daß den Freisinnigen dieses selbst nicht zu sehr am Herzen liege.— Slmtliche StimmnngSmache. Der Postdirektor Schlesier in Tilsit durchzieht, wie man der„Frei- sinnigen Zeitung* von dort schreibt, als Agitator für die Militärvorlage mit einem Packet Bro- schüren aus dem Militärpreßbureau die Restaurants der Stadt und bittet um Auslegung derselben. Es sind die bekannten von dem großen Unbekannten freigebig vertheilten Flugblätter und Broschüren. Wie würde man mit einem Beamten umspringen, der von der Schädlichkeit der Durch- sührung der Militärvorlage überzeugt in derselben Weise gegen dieselbe agitiren wollte. Seltsam, daß sich gerade Untergebene des Herrn v.Stephan besonders diensteifrig erweisen bei der Agitation für die Militär- vorläge.— Cr hat seinen Lohn dahin, der Generalpostmeister Stephan. AuS Hamburg wird unterm!2. März ge- meldet:„Von einer Anzahl bedeutender Ham- bnrger Rhedereien und Handelshäuser ist eine Adresse an Herrn v. Stephan abgesandt, welche eine entschiedene Kundgebung gegen die Angriffe enthält, die bei der jüngsten Etatsberathung im Reichstage von Sozialdemokraten, Deutschfrcisinnigen und Antisemiten gegen die Reichspost- und Telegraphenverwaltung gerichtet waren." Zwar hat die öffentliche Meinung, wie sie in der Presse und im Parlament unverfälscht zum Ausdruck ge- kommen, ihr Urtheil über die Stephan-Fischer'sche Herrlich- keit klipp und klar gesprochen, zwar haben sogar Organe der Zechenbarone den Krach dieser Herrlichkeit unumwunden zugegeben, aber die„Katze, die Katz* ist gerettet". Giebt es auch bessere, glaubwürdigere, tadelfreiere Eideshelfer als die Vertreter jenes hamburgischen Patrizier- klüngels, dessen erzreaktionäres Wesen und zügellose Prositsucht die furchtbare Geschichte der 1392er Seuche aller Well enthüllt hat? Das Rheder- und Ausfuhrkapital ent- rüste sich stürmisch an der ganzen Küste, an der Ostsee und an der Nordsee, von Hamburg bis nach Elsfleth, jenem oldenburgischen Rhedernest,dessen Notable so eifrig sind, Ehren- «rklärungen abzugeben! Wenn die Gegner Stephan's noch zu mucksen wagen, so stoße man s i e in die Wolfsschlucht und verurtheile sie zu der brennenden Höllenqual, sämmt- liche Reime deS Herrn von Stephan— sie sind alle miserabel— auswendig zu lernen.— ebenso wenig meines Gesichtes erinnern, als die Hunderte von Leuten, welche sie sonst aus ihrem Wege treffen." Wassily war, wie gewöhnlich, auf Andrej's Seite, und Sina gab nach. Sie machten sich sofort auf den Weg. Als sie sich einige hundert Schritte vom Wirlhshaus entfernt hatten, sahen sie eine Droschke in voller Eile auf sie zu kommen. Watajkos haariges Gesicht blickte hinter der'Schuller des Kutschers, dem er etwas sagte, hervor. „Hallo! Halt!' rief Andrej. Watajko sprang aus dem Wagen. Er brachte die Nachricht, daß in Klein's Fenster daS Signal erschienen wäre. Die Gefangenen waren von dem Geuchtshofe vorgeladen. Die Wachen waren alle aus ihren Posten. „Eile zurück und entlaste sie," sagte Sina.„Sie sollen aus der Straße nicht gesehen werden. Heute ist nichts zu thun." Als sie sein verstörtes Gesicht sah, fügte sie hinzu:„Es ist nichts Besonderes, nur ein Aufschub von drei Tagen.* Watajko eilte zurück, um seine neue Mission zu er- füllen. Sina und Andrej gingen nach der Allee, wo sie die Gefangenen zu treffen hofflen. Es war ein kalter Herbstmorgen. Ein feiner peitschen- der Regen fiel zur Erde. Die Vorübergehenden zogen fröstelnd den Rockkragen enger zusammen und beschleunigren ihre Schritte. Sina öffnete den Regenschirm. Andrej hatte keinen, da er seiner Tracht nach nicht einer Klasse angehörte, bei der das Tragen von Regenschirmen in Rußland üblich war. Er achtele aber nicht aus die Unbill der Witterung. „Welch' schönes Wetter", bemerkte er, mit einem Seufzer auf die Straße weisend. Sina lächelt« und nickte zustimmend. Es war ein prächtiges Wetter für eine Sache gleich der ihren und schade, eine solche Gelegenheit zu verlieren. Selbst die belebtesten Straßen waren fast leer. Als sie in die Lindenallee einbogen, die sie von einem Ende bis zum andern übersehen tonnten, stutzten beide. „Da sind sie!* sagten sie mit unterdrückter Stimme, ohne sich zn bewegen. (Fortsetzung folgt.) Herr Stephan hat Unglück mit seinen Majestäts- beleidigungsprozessen. Das„Echo der Gegenwart", das er wegen eines Artikels über die famosen Cholerasamm- lungen verklagt hatte, ist freigesprochen worden. Und in einem anderen Stephan-Prozeß, der gegen die„Thüringer Tribüne" schwebt, soll auf Antrag des Vertheidigers Har- wenig Herr Stephan selbst als Zeuge geladen werden— was ihm sicherlich nicht zur Freude gereichen wird.— Einheitszeit. Am 1. April dieses Jahres tritt das Reichsgesetz betreffend die Einführung einer e i n h e i t- lichen Zeitbestimmung in Kraft. Voraussichtlich— so lesen wir im„Reichsanzeiger*— wird sich die gleich- zeitige und gleichmäßige Annahme der neuen Zeitbestimmung in allen Bundesstaaten, in welchen die mitteleuropäische Zeit nicht schon gegenwärtig angewendet wird, ohne Schwierigkeiten vollziehen, wenn nicht nur die öffentlichen Verkehrsanstalten, sondern auch die Behörden bei der Ord- nung ihres Dienstes und bei allen Zeitangaben sich vom 1. April ab alsbald ausschließlich der mitteleuropäischen Zeit bedienen wollen. Dies läßt sich aber dadurch be- fördern, daß auf rechtzeitige Umstellung aller öffentlichen Uhren Sorge getragen wird, alle öffentlichen Uhren daher vom Morgen des 1. April ab alsbald die neue Zeit an- zeigen. Zuverlässige Angaben über die letztere zu erhalten, wird nirgends aus Schwierigkeiten stoßen, da bei allen Eisenbahnstationen und Telegraphenanstalten die Abweichung der neuen Zeit von der Ortszeit bekannt ist. Bon dem Reichskanzler ist den Bundesregierungen die An- regung gegeben worden, in diesem Sinne die Behörden an- zuweisen. So ist zu erwarten, daß der Uebergang zur neuen Zeit rasch, in weiten Kreisen der Bevölkerung sogar ohne jede bemerkbare Einwirkung vor sich gehen wird.— Wofür kein Geld zu haben ist. Herr von Ber- e p s ch, der„Minister für Sozialpolitik", hat eine Ver- ügung erlassen, welche für die Sparsamkeit der p r e u ß i- ch e n Staatsregierung ein glänzendes Zeugniß ablegt. Danach werden die staatlichen Zuschüsse für Fortbildungsschulen durchschnittlich in jedem Regierungsbezirk um zehn Pro- zent gekürzt,„da der zur Gewährung von Staats- zuschüssen zur Unterhaltung von Fortbildungsschulen be- stimmte Fonds der Handels- und Gewerbeverwaltung im Staatshanshalts-Etat für 1393/94 nicht erhöht werden wird, die in früheren Jahren bei den übertragbaren Fonds ge- machten Ersparnisse aber jetzt aufgebraucht sind". Die Herrn v. Berlepsch unterstellteii Behörden werden nun aufgefordert, sich darüber zu äußern, was sie für das Rathsamste halten,„ob es zweckmäßiger ist, die Zuschüsse für diese Schulen zu ver- mindern, oder die unumgänglichen Abzüge bei m ö g- lichst wenigen Anstalten, und zwar bei den größten zu machen, weil im ersteren Falle zu befürchten ist, daß da- durch eine größere Zahl von Gemeinden veranlaßt werden könnte, den Unterricht an den Fortbildungsschulen ganz ein- zustellen, und infolge dessen sogar größere Summen, als erforderlich ist, verfügbar werden möchten. Die dritte Mög- lichkeit ist die, an einer Anzahl kleinerer Orte, in denen die Fortbildungsschulen bei den Gewerbetreibenden wenig Interesse gefunden haben, die Zahl der wöchentlich eriheilten Unterrichtsstunden weniger als sechs beträgt und der Besuch nicht obligatorisch ist, den Unterricht bis aus Weiteres ganz einstellen zu lassen." Wenn das Kuegsheer Milliarden verschlingt, wenn der Militäretat die öffentlichen Emkünfte aussaugt, so bleibt für B i l d u n g S z w e ck e, für Kulturausgaben noch nicht einmal das bischen Geld, was sonst dafür verwendet wird. Man spart nur hier, wo es sich um die Erziehung des Volkes handelt; so bleibt man im alten Geleise.— CS giebt keine» Nothstand. Die Handels- kammer zu Halber st adt bezeichnet in dem ersten Theile ihres Jahresberichtes das„Jahr IbiSS als eines der schlechtesten des verflossenen Jahrzehnts; es war ein ertragloses und vielfach verlustbringendes Jahr, das auf der absteigenden Linie der letztjährigen Eutwickelung deutlich den größten Tiefpunkt bezeichnet." Aeußere und innere Ursachen haben an diesem Ergebniß zusammengewirkt. Die Handelskammer äußert sich hierüber wie folgt:„Bei dem reichen Erntesegen, welcher in den 80er Jahren bei günstigen Preisverhällnissen Handel und Wandel belebte, mußte ein so erheblicher Minderertrag, wie ihn das Vorjahr ver- zeichnete, bei der anhaltenden Theuern ng der wichtigsten Lebensmittel, noch fortwirkend auch die Erwerbs- und Kaufkraft des verflossenen Jahres beeinflussen.' Was sagen die Reglerungsvertreter, Herr von Bötticher und seine Leute, zu dieser Kundgebung einer Unternehmer- orgauisation?*— FuSangel und der Zentrtims„thurm". Alles ist umsonst, die Kandidatur Fusangel wird dem ausgesprochenen Wunsch und Willen der Zentrumsfraktioncn zuioider von den meuterischen Sauerländern aufrechterhalten. Wie wir einem Privatbriefe aus Arnsberg entnehmen, hat man auf der vertraulichen Zusammenkunft der Zentrumslente, die, wie bereits gemeldet, am 8. d. M. in H a g e n i. W. stattfand, noch einmal, aber vergeblich, gesucht, den persön- lich erschienenen Fusangel zum Rücktritt zu bewegen. Die Herren Hitze, Bachem, Schädler redeten mit Engelszungen für Herrn Böse, Fusangel aber, den während der Be- jprcchung einige Dutzend Depeschen zum Aushalten er- munterten, gab nicht nach. Nun ist der Krieg offen erklärt worden, und die Böseaner, also daS offizielle Zentrum, haben ein scharfes Flugblatt gegen Fusangel, der in Olpe- Meschede für Reichstag und Landtag kandidirt, losgelassen. Jetzt erntet er den Dank vom Hause— Ulttamontanismus. Ueber die langjährige Wirksamkeit Fusangel's für die katholische Sache quittirt das Zentrum durch ein heftiges Schelten auf diese„politische Vergangenheit"; nachdem F. im Nürnberger Zellengefängniß und in preußischen Ec- fängnissen für das Zentrum gar lange gebrummt, stellt ihn dieses jetzt als einen— Gegner des Zentrums hin. Und nachdem gerade die Parteileitung desZen- t r n m s direkt oder mittelbar den schimpf- lichen Vergleich Fusangels mit B a a r e her- bcigesührt, benutzt sie diese allerdings klägliche Unier- würfigkeit zu einer Kritik„des wirklich kläglichen Aus- ganges" jener Streitsache. Od freilich diese schäbige Kampfesweise bei der Masse der katholischen Wähler ver- fangen wird? Diese steht hinter Fusangel, während der Oberrentmeister a. d. Böse tn Münster das Odium eines Parteiregierungskandidaten zu tragen hat.— Einsichtigeren ZentrumSleutcn wird überhaupt vor dem drohenden Zerfall der nicht mehr durch den Kulturkampf- Zwang zusammengehaltenen Parteischichten angst und bange. In der„ Kö ln i schen V o lks-Z e t tung" liest man:„In nächster Zeit wird auch in der Rhein- provinz eine Ersatzwahl stattzufinden haben: in Sieg- Mülheim-Wipperfürth für den Landtag, in Mul- Heim-Wipperfürth-Gummersbach für den Reichstag. Aitscheinend ist auch da nicht alles in Ordnung. Waschließen das aus dem Umstände, daß bereits mehrere Kandidaten in den Blättern genannt werden. Wir lehnen es ab, irgend welche Kandidatur zu erwähnen, ehe und bevor nicht das Wahlkomitee der in Betracht kommenden Wahl- kreise— wohlverstanden das aus allen drei Kreisen ge- bildete Wahlkomitee— über die Kandidatenfrage Beschluß gefaßt hat." Aber nicht ein„Schaden der W thl- Organisation" ist die Grundursache der Spal- tun gen. Vielmehr sind jene Vorgänge der natur- wüchstge Ausdruck der Unzufriedenheit des katholischen Volkes mit der junkerlich- reaktionären Zentrumswirthschaft. Die volksthümlichen Elemente, Arbeiter, Kleinbauern u. s. w. lösen sich allmälig los von dem Ultramontanismus, der die große Masse mit indirekten Steuern belastet, die Vorrechte der Besitzenden stützt und vermehrt, die Aufklärung bekämpft und bei Post- und S o l d ate n mi ß h a nd l u ng s- Debatten den freiwilligen Regier ungskom- missär spielt. Und der„feste Thurm" schwankt, in seinen Grundvesten erschüttert.— Das angeklagte Druckereipersonak. Am 10. März ist vor der Strafkammer zu Essen der Prozeß gegen die „Bergarbeiter-Zeitung* verhandelt worden, bei dem nicht blos der Redakteur, sondern auch Verleger, Drucker, Faktor, Setzer und Maschinen- meister angeklagt waren. Der Staatsanwalt begründete seinen erstaunlichen Strafantrag, wie der„Frankfurter Zeitung" gemeldet wird, damit, die Druckerei des Berg- arbeiter- Verbandes erzeuge nur Druckschriften strafbaren Inhalts(!), in solchem Falle mußten auch die Setzer prüfen, ob das ihnen übergebene Manuskript einen strafbaren Inhalt habe oder nicht. Nach dem Preßgesetze sei eine solche Be- strafung ja nicht ausgeschlossen. Die Verthcidiger Dr. Wallach und Kohn wandten sich besonders gegen diese Rechts- auffassung. Wohin gelange man, wenn der Gerichtshof solchen Anträgen Folge gebe? Ter Setzer sei garnicht in der Lage, zu prüfen, ob ein Manuskript, das ihm übergeben sei, einen strafbaren Inhalt habe oder nicht. Der Setzer arbeite rein mechanisch, wie der Kanzlist bei den Gerichten, nur habe dieser mehr Zeit zum Ueberlegen, als der Setzer. Bei Bemessung der Strafe gegen die übrigen Angeklagten führten die Herren Vertheidiger besonders auS, es handle sich bei diesen doch um keine ehrlose Handlung, ihre Motive seien ethischer Natur gewesen, sie seien für eine Sache eingetreten, die sie für gut gehalten hätten. Herr Dr. Wallach bc- zweifelte überhaupt die Richtigkeit der jetzigen Auffassung der Bedeutung des§ 110. Die große Volksmenge sei anderer Ansicht, ebenso hervoragende Juristen. Die An- träge der Staatsanwaltschaft lauteten gegen Werkelmanu, den Verleger, der nur den Namen hergiebt, sich sonst aber nicht um die Druckerei bekümmert, auf 4 Monate, gegen den Faktor Dammeier auf 3 Monate, gegen den Drucker- Adams und den Schriftsetzer Capelle auf je einen Monat Gefängniß. Der Gerichtshof entschied in Uebereinstimmung mit dem Volksbewußtseiu, daß diese Angeklagten fSmmtlich freizusprechen seien. Es ist gut, daß das Essener Land- gericht durch diese Entscheidung endlich ein Präjudiz geschaffen hat. Als in Berlin neben dem Redakteur des „Kladderadatsch" auch Druckerei- Angestellte vor Gericht erschienen, verhinderte der Gang des mit Freisprechung endenden Prozesses die materielle Ent- fcheidung der Sache. Wird aber dem Unternehmungsgeist strebsamer Staatsanwälte nicht durch Richterspruch eine Schranke gesetzt. so erscheinen nächstens Setzerlchrlinae. Falzerinnen und Botenfrauen neben dem verantwortlichen Redakteur auf der Anklagebank. Unsere engbrüstige Preßfrciheit kann dieses Zuziehen der Halsbinde gerade vertragen. Besäßen übrigens der öffentliche' Ankläger und die Mitglieder der Ueberweisungskammer auch eine nur oberflächliche Sachkenntniß im Z c i tu ng s w e j e n, so wäre, das elementareWissenvonder Technik der Presse vorausgesetzt, die Erhebung solcher Anklagen ein Ding der Unmöglichkeit.— Der Teufel eine staatliche Einrichtung. Ans Mülhausen i. Elf. wird geschrieben:„Der badische Landtags-Abgeordnete Dr. R ü d t sprach hierüber:„Tie Natur als Erzieherin der Menschheit." Schott seine Einleitung gefiel dem überwachenden Kommissar nicht. Als cr auf den Teufelsspuk einging, verlangte der Kommissar, der Vorsitzende solle dem Reoner daS Kritisiren staatlicher Einrichtungen untersagen. Der Vorsihende erlaubte sich die Frage, seit wann denn der Teufel zu den staatlichen Ein- richtungen gehöre? Erklärlicher Weise entstand große Heiter- teil. Nach Schluß des Vortrags stellte Genosse B u e b das Avancement des Herrn Beelzebub fest, woraus der Kam- missar— die Versammlung ohne Weiteres a u s l ö st e.— Nun der Diktaturparagraph und der stete'Austtahmczttstand der Reichslaude noch durch den Teufel verstärkt sind, wird Niemand es den Elsaß- Lothringern verübeln, wenn sie wünschen, der Ausnahmezustand möge zu der neuen —„staatlichen Einrichtung"— gehen.— Der Militarismus in Oesterreich. Das oster- reichische Kriegsministerium bereitet einen Gesetzentivurf vor, nach welchem das Landwehrgesetz vom Jahre 1883 dahin abgeändert wird, daß die unmittelbar der Landwehr ein- gereihten Rekruten, anstatt wie bisher ein Jahr, künftighin zwei Jahre unter den Waffen zu dienen haben.— Ganz tvie bei uns. Man erinnert sich noch, wcl he überschwäuglichen Hoffnungen von gutmüthigen Sozial- Politikern an Herrn S t e i n b a ch geknüpft wurden, als er ins österreichische Ministerium berufen wurde. Auf der anderen Seile zitterten damals ängstliche Großkapitalistcu, ivelche fürchteten, daß der Mann, der in seinen jüngeren Jahren so hübsch von den„Pflichten des Besitzes" zu reden ivnßte, nun er zur Macht gelangt, den Besitz an seine Pflichten werde erinnern wollen. Eine ganze Reihe von Gelegenheiten hat schon gezeigt, daß auch Herr Dr. Stein- dach seine sozialpolitischen Ueverzengungen im Vorzimmer des Ministerkabinettes bei seinem Regenschirm hat stehen lassen und daß auch der Vertreter des bureaukratischen „Sozialismus* in Oesterreich als Finanzminister mit Wasser kocht. Unsre Leser erinnern sich, daß jüngst im p r e u ß i» s ch e n Landtage die Herren Minister den Grundsatz verfochten, eS fei Aufgabe der Regierung, in den fiskalischen .�.Musterbetrieben" die Löhne auf dem gleichen Niveau wie die Privatbetriebe zu halten, damit die Kapitalisten nicht durch den Hinweis auf höhere Löhne im fiskalischen Betrieb in die Enge getrieben werden könnten. Im österreichi- s ch e n Parlament hat fast zur selben Zeit— es war am _'8. Februar— Herr Steinbach die gleiche Weisheit ver- zapft. Als über die niedrigen Löhne der Ar- beit er innen in den staatlichen Tabak- fabriken von einem Abgeordneten interpellirt wurde, erklärte Steinbach,„daß fich die Löhne im ganzen auf der Höhe halten, aus welche sich die Arbeitslöhne im Privat- verkehre überhaupt stellen, das ist begreiflich. Der Staat, mc ine Herren, kann in diese Verhältnisse nicht gewaltsam eingreisen, und würde man in dieser Hinsicht Grundsätze feststellen, die von den für die Privatindustrie überhaupt geltenden allzuweit sich entfernen würden, so würde das Konsequenzen für die Privatindustrie haben, die wenig wünschens- iv e r t h war c n." Also Herr Dr. Steinbach erklärt offen, daß der Staat in bezug aus den Arbeitslohn nicht„gewalt- sam eingreifen" könne, das heißt die Arbeitslöhne nicht er- höhen dürfe, und zwar weil er dadurch die Interessen der Privatindustrie schädigen würde. Endlich haben wir ein Recht des Bürgers, welches gegen gewaltsame Eingriffe von Seile des Staates sichergestellt wird: das Recht der Großindustriellen auf Huugerlöhn« bei der Frauenarbeit. In der österreichischen Tabakindustrie sind neben 3256 männlichen 29 786 weibliche Arbeiter beschäftigt. Die Arbeit in den Tabaksabriken ge- hört zu den gesundheitsschädlichsten, und zwar insbejonders für Frauen; der Kriegsminister müßte da einschreiten, denn die Fehlgeburt ist die Berufskrankheit der Tabakarbeiterin, natürlich neben der Schwindsucht. Und die Löhne dieser Arbeiterinnen sind vierzig bis sechzig Kreuzer täglich! Aber der Sozialreformer Steinbach darf an diesen Hunaerlöhnen nicht rütteln. Ein unüberwindliches Hindermß stellt sich seinem Reformeifer in den Weg, und dieses Hinderniß heißt—„die Pflichten des Besitzes". Jnsoferne nämlich der Staat, resp. sein Finanzminister, Fabriksbesitzer ist, hat er auch Pflichten als Fabriksbesitzer, und die Pflichten des Fabriksbesitzers sind Tiefhaltung der Löhne; ein unverbrüch- Uches Gebot der Nächstenliebe gegenüber den Kollegen, den übrigen industriellen Ausbeutern, verbietet ihm, an die Hungerlöhne zu rühren. Diese Sozialpolitik der Staatsbetriebe ist so international, wie die kapi- talistische Wirthschaft überhaupt, in Preußen so gut wie iu Oesterreich.— Märzfeier in Wien. Das Gedächtniß der am 13. März 1848 in Wien gefallenen Känipfer des Volkes ehrten am Sonnabend die Arbeilermaffen der Donauftadt, indem sie aus das Denkmal, das den Märzgefallenen errichtet ist. Kränze niederlegten und Hochrufe auf die internationale Sozial- demokratie ausbrachten. Selbst der offiziöse Telegraph schätzt die Zahl der Theilnehmer an der Feier auf 8000.— Schweiz. Der Proporz hat sich im Kanton Tessin glänzend bewährt. Bei den Regierungsraths-Wahlen erhielten die Liberalen 3 und die nur um weniges schwächeren Konservativen, wie recht und billig, 2 Sitze. Bei den Großraths- Wahlen fielen den Liberalen 52 und den Konservativen 44 Mandate zu. Bestünde noch der brutale Majorz, so hätten die Liberalen wahrscheinlich, wie früher die Konservativen, den Löwenantheil für sich genommen und die alte Parteiwirthschaft hätte fortgedauert. Jetzt sind die beiden Parteien gezwungen, auf einander Rücksicht zu nehmen und mehr als bisher des Landes Wohl im Auge zu behalten.— In Lausanne(Kanton Waadt) fand am 7. d. M. der zweite Wahlgang für die Großraths- Wahlen statt. Gewählt wurden von den Kandidaten der Arbeiterpartei Schuhmacher Kaufmann, Präsioent der Arbeiterunion, der auch auf der radikalen Liste stand, mit 3684, und der bisherige Vertreter, Redakteur F a u q u e z, der bei der jüngst stattgehabten Nationalraths- Wahl eine starke Minderheit erzielt hatte, mit 2367 Stimmen. Jni weiteren siegten die gemeinsamen Kandidaten der Radikalen und Konservativen mit 3119—3366 Sttmmen. Die übrigen Kandidaten der Arbeiterpartei unterlagen mit 2074—2535 Stimmen. Ter Große Rath von Waadt zählt jetzt im ganzen Kanton 141 Radikale, 65 Konservative und 3 Sozialisten.— Der schwedische Volks-Reichstag. AuS Stockholm meldet unterm 12. d. M. das Depeschenbureau Herold:„Die hiesigen Sozialdemokraten beabsichtigen, dem morgen hier zusanimentretenden Volks-Reichstag ein sozial- demokratisches Gepräge zu geben. Ein Bcwillkommnungs- fest der 130 Mitglieder des Volks-Reichstags soll im Svea- Theater stattfinden, am Mittwoch sind sie zu den Tis- kussionsversamnilungen und zum 19. d. M. zu den Fest- lichkeiten der Sozialdemokralen zur Erinnerung an die Pariser Kommune eingeladen. Nur bezüglich der Forderung des allgemeinen Stinimrechts zur zweiten Kammer sind alle Parteien des Volts-Reichslages einig."— Parlamentarische Obstruktion neben dema- g o g i fche r A g i t a t i o n— das ist die Taktik der e n g- tischen Konservativen gegenüber der Homerule- Bill. Der Entschluß Gladstone's, die zweite Lesung, die ursprünglich auf den heutigen Tag festgesetzt war, bis zum nächsten Donnerstag hinauszuschieben, hat den Kon- servativcn Muth gemacht, und sie verlangen nun die weitere Hinausschicbung des Termins, und haben beschlossen alles aufzubieten, um zu verhindern, daß eine Abstimnmng vor den Osterferien stattfinden kann. Die Ostcrferien sollen dann zu„Brandreden" und zur„Aufhetzerei" benutzt wer- den.— Die englischen Arbeiter sind jetzt vollständig Herren der Sirnation, wie wir es von Anfang an als Folge des letzten Wahlkampfcs voraussagten. Selbst und direkt zur Herrschaft gelangen können sie noch nicht— dazu fehlen die nölhigen Vorbedingungen; aber keine der beiden großen Purreien, die in der Regierung Englands mit einander ab- wechseln, kann sich in der Regierung behaupten ohne die Nnterstiitzung der Arbeiter, die den Preis bestimmen können. Ter alle Gladstone hat durch Zurückweisung der Acht- stnudenbill die Gelegenheit verpaßt, die Unterstützung der Arbeiter verscherzt. Die Tories wollen sich das nun zu nutze machen. Sir R a n d o l p h Churchill, der talentvollste Führer der Tories, der„junge Disraeli", hat sich bereits selt Jahren für die Achtstundeubill erklärt, und er drängt setzt feine Partei zu einem radikalen sozial- politischen Programm.„Wir können ihnen mehr bieten, als die Liberalen!" rief er neulich aus. Und vielleicht hat er recht. Jedenfalls haben die Arbeiter den Vortheil von diesem Wettbuhlen um ihre Gunst.— Der Panama-Skandal hat in Frankreich ein neues Opfer gefordert: nicht Clemenceau, nicht Floquet, nicht Ranc, nicht Freycinet— sie sind der Justiz vorläufig entschlüpft— aber den Justizminister Bourgeois— ein ominöser Name!— der sie entschlüpfen ließ, und weil er sie entschlüpfen ließ. So ist's recht. Die Nemesis waltet ihres Amtes. Und die Schuldigen kommen doch vielleicht zur verdienten Strafe.— Die Vorkonserenz zum internationalen s o z i a l i st i s ch e n Kongreß, die am 26. d. M. in Brüssel statt haben wird, hat zum Zweck,„die geschäst- liche Einrichtung, den Tag, die Tages- und Geschästsord- nung des Kongresses zu berathen" und damit„dem Kongreß Zeit zu ersparen und seine Geschäfte zu erleichtern". Auch vor dem Pariser Kongreß fand eine Vorkonferenz statt j und obgleich der Brüsseler Kongreß praktischer organisirt war als der Pariser, so wurde es allen, die mit der geschäst- lichen Einrichtung und Leitung zu thun hatten, doch klar, daß sehr eingehende Vorberalhungen und Vorbereitungen nöthig sein würden, damit der Züricher Kongreß alle die außerordentlichen Schwierigkeilen (wir wollen nur aus die aus der Sprachverschiedenheit er- wachsenden hinweisen) überwinden könne, die ein internatio- naler Kongreß seiner Natur nach zu überwinden bat. Dies ist so einleuchtend, daß wir wirklich überrascht waren, als wir in der letzten Nummer der„Justice" von London, die seit einiger Zeit sich korrekt gehalten hat, einen heftigen Angriff auf die Vorkonferenz fanden, die als„bös- artiger Unfug"(misvbivk) oder„Zeitverschwendung"(waste) hingestellt wird. Eine Erklärung des an sich ganz un- verständlichen Angriffs wird vielleicht dadurch geboten, daß die„Justice" mit der Wahl der beiden Schweizer Tele- Sirten nicht zufrieden ist, und es lieber gesehen hätte, wenn lodert Seidel gewählt worden wäre. Für Robert Seidel, der jetzt in allerhand recht unerquickliche Streitigkeiten ver- wickelt ist, dürfte die etwas unvorsichtige Reklame der „Justice" nicht sonderlich angenehm fem. Der„Justice" aber können wir versichern, daß Greulich so gut englisch spricht, wie Seidel, und Conzett, der zweite der Schweizer Tele- girten, so gut wie Herr Hyndman selbst. Und betreffs der Konferenz kann Herr Hyndman ganz beruhigt sein. Sie denkt nicht daran, dem Kongreß irgend wie prinzipiell vor- greisen oder Schranken ziehen zu wollen. Sie wird weder Jntriguen machen, noch Jntriguen dulden.— poffeiuarfivtrfjfim. Zur diesjährigen Maifeier ist von der Nürnberger Finna Balmberger behnfs Bestellung auf ein von ihr herausgegebenes Festzeichen an verschiedene Vertrauensleute der Partei k. ein Zirkular verschickt worden, das in verschiedenen Wendungen den Eindruck hervorrufen kann, als ob der Partei- vorstand in irgend einer Weise, sei es durch Adressenmittheilung, sei es durch eventl. Theilnahme an der Abrechnung, an der Her- stellung oder am Absatz dieses Zeichens betheiligt sei. Wir können demgegenüber nur erklären, daß der Parteivorstand mit dem ganzen Projekt« nicht das Mindeste zu thuu hat, von dem- selben erst durch das Zirkular Kenntniß erhielt und die jetzige Benutzung der der Firma voriges Jahr behufs Versendung der damals bei uns bestellten Festzeichen übermittelten Adressen ohne Zustimmung des Parteivorstandes und ohne jede Anfrage bei demselben erfolgt ist. «» » Protestversammlungeu geae» die Militärvorlage sind weiter abgehalten worden in Ehrenfriedersdorf(Reser. Reichstaas- Abgeordneter H o f m a n n- Chemnitz), Lemsdorf (Refer. L a n g e- Magdeburg), Hainichen(Reser. Landtags- Abgeordneter P o st e l t), R o ß w e i n(Referent Grünberg- Hartha), Schramberg, Trossingen und S ch w« n n i n- gen(Refer. Hildenbrandt- Stuttgart). ** Bei der Gewerbegerichtswahl in Lichteustetn-Call«- berg wurden in der Klaffe der Ardeiterverttcrer die sozialdemo- kratischen Kandidaten mit 123 Stimmen gewählt. Die Gegner erhielten nur 0 Stinunen, wobei zu berücksichtigen ist, daß die Agitation für unsere Kandidaten erst�am Wahlrage betrieben wurde. In Glauchau siegle die Sozialdemokratie in der- selben Klasse mit 176 Stimmen gegen 2 gegnerische und 2 zersplitterte. • �• Bon der Agitation. In Stralsund sprach am 26. Fe- brnar Frl. Baader aus Berlin in einer Volksversammlung. die auch von Frauen stark besucht war, über das Thema:„Die Frau und der Sozialismus." Die Nednerin erntete lebhaften Beifall. Di« Versammlung nahm einstimmig folgende Resolution au:„Da die heutige Wirthschastsiveise den Ruin der arbeitende» Klassen in rapider Weise herbeigeführt, haben Männer und Frauen das größte Interesse, sich der gewerlschmtlichen sowie der politischen Bewegung anzuschließen und sich, wenn noch nicht ge- scheheu, zu organisiren, und da keine andere Partei als die Sozialdemokratie die Interessen der arbeitenden Bevölkerung ver- tritt, nur für diese zu wirken." Die Rede B e b e I' s bei der Z u t u n f t S st a a t s- D e- batte ist und wird in so vielen Orten verbreitet, daß die Rcgistrirung der einzelnen Agitationstouren nicht wohl angängig ist. Bemerkt mag daher nur sein, daß— soweit Berichte in der Parteipreffe vorliegen— unsere Genoffen von der Bevölkerung fast immer freundlich ausgenommen werden, und zwar auch in Gegenden, wo das früher nicht der Fall war. So wird der „Rheinisch- Weitf. Arb.- Ztg." über die Agitalionstour der W» t t e n e r Genossen berichtet:„Unser Empfang war bei den Landbewohnen» bis auf vereinzelte Ausnahmen«in guter. BloS hier und da ergrinimle ein Schulmeister oder ein fetter Bauer über u»ser Eindringen in ihre» Machtbereich.„Hier ist kein Boden für den Sozialismus I" fuhren sie uns an. Wir«rwtderten: „O ja, der Boden ist vorhanden, er muh nur bearbeitet werden!" Daß der Boden da ist. haben wir erfahren. Manch« Hütte und mancher harte Bnuernschädet gaben Zeugniß dasür. Mit Freuben nahmen uns dir Leute die Blätter ao. Roth und Elend hallen sie verlernen lassen, nur dem P,arrer und Schulzen zu glauben; sie scheuten sich nicht mehr vor dem rothen Gespenst und ver- breiteten sogar selbst unsere Flugblätter/' Sozialdemokratische Presse. Die galizUchen Parteiblätter „Robotnik" und„Sila", denen man, weil sie angeblich ein „Wochenblatt" vorstellen und hierfür die erforderliche Kaution nicht erlegt ist, polizrilicherseits das Lebenslicht ausblase» wollte, leben noch. ES ist(n dieser Angelegenheit Rekurs eingereicht worden, so daß die definitive Entscheidung noch aussteht. Die galizischen Genossen haben jedoch sofort ein neues Blatt unter dem Titel„Novy robotnik" herausgegeben. In Hamburg fand am 10. März«ine von feiten eines Unabhängigen«inberuiene Volksversammlung statt, die von min- bestens 4000 Personen besucht war und den Parlamentarismus zum Thema hatte. Referent war ein Berliner„Unabhängiger", der es u. a. als„Beweis" für das angebliche„Abschivenken der Soziattzemokratie nach rechts" bezeichnete, daß in einigen Orten die Arbeiter sich an den Kirchenvorstandswahlen betheiligen. Um speziell das Ungerechtfertigte dieses Vorwurfs zu beleuchten, machte der Hamburger Genosse Fischer in der Diskussion über das Referat folgende Mittheilung, die für die„Frage" der Be- »Heiligung unserer Genossen an Kirchenvorstandswahlen von all-- gemeinerem Interesse sein wird. In Bant bei Wilhelmshaven, wo die übergroße Mehrheit der Bevölkerung dem klassen- bewußten Proletariat angehöre, seien einige Fromme aus den Gedanken gekommen, daß der Ort auch eine Kirche haben müsse. Ein Spekulant habe«in Grund>ück hergeschenkt, natürlich um nachher Geschäfte zu machen. Alles sei im besten Gange gewesen, als die Sozialdeinokraten sich an den Kirchenrathswahlen betheiligten und ihre Leute durchbrachten. Diese verwe gerten das Geld für die Kirche, und noch heute' müsse sich der Pastor mit der Friedhosskapelle begnügen, die auch für die Kirchen- gänger groß genug sei. Die Versammlung zollte dieser, wie den übrigen Heimschickungen der„Unabhängigen" lebhaften Beifall und nahm mit allen gegen etwa 10 Stimmen der„Unabhängigen" und Antisemiten eine Resolution an. in der sie„ihre Entrüstung über das die Interessen des Proletariats schiver schädigende Treiben der sogenannten Unabhängigen" ausspricht, stch dagegen mit dem Verhalten der sozialdemokrauschen Fraktion einverstanden erklärt, und von dieser erwartet, daß sie nach wie vor an der bisherigen Taktik festhält. Die diesjährige Parteikonferenz der Landesorganisation für das Grobherzogthun, Sachsen- Weimar- E i f e n a ch wird am 1. Oslerfeiertag in Weimar in Mühl- berg's Lokal abgehalten. Ter Konserenz, die nachmittags l/a2 Uhr beginnt, geht um>/,l1 lUhr vormittags eine Vorbesprechung der Deleg»rten vorauf. Die vorlaufige Tagesordnung lautet: I. Bericht der Zentrale Jena, 2. Bericht der einzelnen Orte, 3 Wahl der Zentrale, 4. Agitation, 5. Stellungnahme zu den Landtags- und Kommunalwahlen. Anträge zur Tagesordnung sind in der Borbesprechung zu stellen. � Die anhaltischen Parteigenossen haben durch den Re- dakteur des in Des, au erscheinende»„Volksblattes", Paul S ch o e p s, eine Petition an den Landtag richten lassen, in der dieser ersucht wird, das B e r e i n s g e s e tz wie folgt abzuändern: l. Die kostenfreie Ausstellung der Anmelde-Bescheiuigung im Gesetz festzulegen; 2. Die Anmeldung der Vorstandsmitglieder, rdenso die Einreichung der Mitgliederliste und ihrer Verände- rungen bei der Polizeibehörde zu beseitigen; den politischen Ver- einen soll serner die Vereinigung mit einander ohne polizeiliche An- Meldung gestattet sein, ebenso soll das Verbietungsrecht der Landes- Polizeibehörde gegenüber solchen Bereinigungen aufgehoben werden; 3. im Gesetz soll festgesetzt werden, daß Gewerkschasien. berufliche Zentratvereiue und Fachvereine nicht als politische Vereine zu betrachten sind; 4. soll den überwachenden Beamte» ein Recht zur Versammlungs-Auflösung nur zustehen, wenn der Letter der betreffenden Versammlung seine Pflicht vernachläßigt; ö. sollen alle Beschränkungen für Frauen und Minderjährige in der Betheiligung an politischen Versammlungen und Vereinen in Wegfall kommen, ferner soll gestattet werden, daß NichtMitglieder in politischen Vereinen als Redner austreten können; auch die Vorschrift, daß einige Vorstandsmitglieder Ge- meindewähler sein müssen, soll beseitigt werde»; 6. die Versamm- lungen unter freiem Himmel sollen den Versammlungen in ge- schlossenen Räumen gleichgestellt iverden. so daß auch solche Versammlungen innerhalb der jeweiligen Residenz und ihres ein- »»eiligen Umkreises»n Zukunft abgehalten werden köniien. Polizeiliches. Gerichtliches»e. — Das Erfurter Schöffengericht verurlheilte den Redakteur der„Thür. Tribüne" Gustav Hülle, mit Rücksicht auf seine Vorstrafen, wegen Beleidigung des Schuhmachers Jürhe zu einer Woche Gefängniß und zur Tragung von i/io der Prozeßkosten. Ta der Verklagte Gegenklage erhoben hatte, wurde Jüthe wegen Beleidigung Hülle's, degaugcn durch eine von Jitthe heraus- gegebene Broschüre, zu 5 M. eventl. einem Tag Gefängniß, so-- wie zur Tragung von Vio der Prozeßkosten rerurlheilt. Das Publikatior-srechl wurde beiden Parteien zugesprochen. — Der Redakteur des„Saalfelder Aolksblatts", Genosse H. Becker, hat am 11. März in» Gefängniß zu Rudolstadt die dreiwöchige Gefängnißstrase angetreten, die ihm »vegen Abdrucks des Artikels„Volk, werde hart!" altserlegt wvr- den ist.— Soziale«eberNSlk: Ueber die Arbeitsordnungen hat der preußische Minister ür Handel und Gewerbe in einer vom t3. v. M. datirten Ver- ügung erklärt, daß die Aufnahme einer Bestimmung, wonach die Arbeit Morgens zwischen 6 und 8 Uhr beginnt und Abends zwischen 7 und 0 Uhr endet, mit der Vorschrift tili g 134d der Gewerbe- Ordnung nicht vereinbar ist. Wen» dort angeordnet wird, daß die Arbeitsordnungen Bestimmungen über Anfang und E»de der regelmäßigen täglichen Arbeitszeil, sowie der für die erwachsenen Arbeiter vorgesehenen Pausen enthüllen muß. so verfolge diese Vorschrift den Zweck, jeden Zweisel über einen der wesentlichsten Theile des Arbeitsvertrages, die Dauer und hie Loge der regelmäßigen Arbeitszeit, auszuschließen. Dieser Zweck wird aber nur erreicht, wenn für Beginn und Ende der Arbeitszeit bestimmte Zeitpunkte festgesetzt werden. Wenn Dauer und Lage der Ardeitszell nach den Jayreszetlen zu wechseln pflegen, so Hinbert nichts, daß die Zeitpunkte für Beginn und Ende der Arbeitszeit nach den Jahreszeilen verschieden angegeben werden. Auch bleibt es dem Arbeckgeber unbenommen, in der Arbeitsordnung Be- ftimmungen darüber zu treffen, unter welchen Voraussetzungen ausnahmsweise Abweichungen von der regelmäßigen Dauer und Lage der Arbeitszeit sollen stattfinden können. Die weiterhin aufgeworfene Frage, ob eine Bestimmung, wonach Zuspätkommen mit einer Geldstrafe bis zu 75 Pf. oder bis zur Hälfte des durchschnittliche» Arbeitsverdienstes be- straft wird, lrotz der Unbestiiiinitheit der Strafandrohung mit der Vorschrift im§ 134b vereinbar sei, bejaht der Minister. Dem, nach der Absicht des Gesetzes erscheine es genügend, daß in der Arbeiteoiduuug nur der Höchstbclräg der Strase festgesetzt, die Bemessung der letzteren iu» Einzelfalle aber dem Arbeitgeber überlassen wird. Vom„christlichen" Staat Preussen. Gegen 60 Berg- leute. meist Familienväter, sind in vergangener Woche allem aus dem Orte Elversberg nach Amerika ausgewandert, weil sie auf den fiskalischen Gruben des Saar-Reviers keine Arbeit mehr bekamen. Weiler meldet die„Franks,-jtg.": Ein Theil der im Saar-Revier für» in in e r Sl b g e l e g l e n, die beim jüngsten«usstanv besonders agitatorisch aufgetreten sind, sollen nunmehr gewiner �Wohllhaten" verluftig neben, die ihnen früher zu theil wurden. Man hört, daß die Behörde von diese» Leuten Vi« ihnen gezahlten Hausbauprämien zurückgefordert und die ge» währten unverzinslichen Banvorschusse bei Vermeidung der Zwangsvollstreckung gekündigt hat, wohingegen die Betreffenden die Entscheidung des Gerichts angerufen haben sollen. Für den Inhalt der Inserate über- nimmt die Redaktion dem Publikum aegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Dienstag, den 14. März. Gpermhauo. Die Rantzau. Schauspielhaus. Vasantasena. rutscheo Theater. Zwei glückliche Tage. Serliner Theater. Die Journalisten. Lesstng-Thrater. Heimath. Allallner- Theater. Die Großstadt- Luft. Kroll's Theater. Die lustigen Weiber von Windsor. Nestden?- Theater. Die beiden Chainpignol. Uihtoria-Theater. Die Reise um die Welt in achtzig Tagen. Neues Theater. Tesca. Friedrich-Wilhelmlliidt. Theater, Die Fledermaus. Adolph Krnk-Tkeater. Berlin wie es weint und lacht. Thomas> Theater. Ihr Korporal. Uatioual-Theater. Der Trompeter von SäMngen. Alerand-rplah-Theater. Die Kon- fektioneuse. Apollo- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. Theater der Reichshalle«. Spezia- litäten-Vorstellung. Kaufmann s Nariete. Spezialitäten- Vorstellung. Gebrüder Kichter's Karistä. Spe- zialitäten-Vorstellung. Minter-Garten. Spezialitäten-Vor- stellung. Ern8t- TKeater. Üenefik für Edmund Schmafom: Berlin, vit es mint vns lcht. Volksstück mit Gesang in 3 Akten von F. Berg u. D. Kalisch. Musik von A. Konradi. In Szene gesetzt von Adolf Ernst. Anfang Vjt Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. �meneav-'nikater.I Novität! Novität! Der DusseB (Niilpus) Parodistis ch-realistischer Vorgang in der Dachkammer, frei»ach Ibsen und Tolstoi von Oscar Wagner. tKlemm- Ede.. llarvn Bendlx.) Alfred Bender in feinem neuesten Originalvortrag I Der Mtanii in Berlin. Blank, der beste Bauchredner. Anhaltender Erfolg. Die Tiockenwoliner. Passage- Panopticum. Reu! Das unerklärliche Verschwinden eineö frei in der Luft hängend. Mädchens. LssKsiu's Panoptikam. Große Ausstellung lebensgroßer Wachsfiguren u. Gruppen. Neue Illußon: Lotgsblnine. Andere Illusionen. Pantoelle-�Iwater. v aslan'» Irrgarten. Schreckenskammer. Kaufmann's Variete Am Stadtbabnhof Alezanderplatz. Groste Spezinlitiiten-Borßellnng. Uollständig nrnes Urogramm.| Tom. Belling, Original-August. Trnppe Hngoston, Akrobaten. Bölling Müller, Wasserkünstler. The Matinos, Exentrics. Geschw. Tacianu, Duettistinnen. Heinr. Bender, Humorist. Martha Ventara, Kostumsoubretten,! sowie sämmtl. engag. Spezialitäten.� Anlang 1?ooheniags ö Uhr. Entree 50 PI. Circus Renz. (Karlstraße.) Dienstag, d. 14. Härz, Abends VU Uhr: EHST Aul allseitiges Verlangen:"VgJfB 9. Wiederholung der Gala-Fest- Vorstellung vom 37. Januar. MF* G roster Festreigen.*MA 1. Neigen der Ritter und Edeldamen; 2. Militärisches Divertissement(Gegen- _ wart). Zum Schluß: ™ Ein KnnßlerseK. Große Ausstattungs-Pantomime. kiene Einlagen mit überrasohenden Wasser- und Lichteffecten. Ballet von 100 Damen. Glänzender BInmencorso. Grosses Brillant-Feuerwerk. Außerdem: MF* Hr. James Fiüis mit dem Schulpferde Germwal. Grande Quadrille de la haute eqni- tation:c. Morgen, Mittwoch, Abends 7l!i Uhr: Gin Künstl erfest. Billet-Borverkauf an der Zirkuskasse u. beim„Jnvalidendank", Markgrafen- straße 51a. Fr. Bonn, Direktor. Krafwvil's Bierhallen Komniandantenstraße 77—79. f Täglich: Germania-Konzert- o. Kouplet-Sänger sowie Auftreten des musikal. Clown Mr. Barna und Damen-Imitator Willy Wilson. Gr. Lrnhllncks- u. Mittagstifch. MF* Zwei Säle*WZ u Versammlungen und Vergnügungen, owie 6 Billards und 3 Kegelbahnen. F. SoeUko. anon� Etablissement Monh- ?Iaö Buggenhagen. Täglich; Instrumental-Konzert. Großer Frühstück»- u. Mittagstifch. Spezial-Ausschank von Pasten- hofer Lagerbier, hell und dunkel. MF* An Kann- und Festtagen findet das Konzert in den oberen Käie» statt. Entree Wochent. 10 Pf. Sonnt. 25 Pf. Säle für Versammlungen, Kommerse, Festlichkeiten ic. Sanitäts-Yerein für Arbeiter beiderlei Geschlechts (E. H. 85). General-Versammlung am Sonntag, d. 19. Härz, Nachm. 4 Uhr, Alte Jakobstr. 75. T.-O.: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Bericht des Kassirers. 3. Revisions- bericht. 4. Wahl des Vorstandes und des Ausschusses. 261/2' Mitgliedsbuch oder Karte legitimirt. Der Vorstand. I.A.: P.Bund. Feen-Uaiast\ Jeden Tag:*-k Kr.HeMlltilteil-Borßellullg. Passepartouts u. Bons haben Giltigkeit. Große Versammlung des Sozialdemokrat. Agitations- Vereins für die Kreise Wittenberg, Schweinist, Torgau und Liebenwerda am Mittwoch, den 15. März, Abends SVe Uhr, bei Herrn I,ehmann, Neue Grünstraße 14. Tagesordnung: 1. Vortrag über:„Der 18. März". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Mitglieder, welche noch im Rückstand mit ihren Beiträgen sind, werden er- sucht, dieselben zu entrichten. Gäste willkommen. 338/5 0rt8-Xraokellka88s der Cigappenmachcp etc. Donnerstag, den 23. März, Abends 8 Uhr, Restaurant Gollma«», Gipssir. U: Venersl-Ver8amm!uug. Tages-Ordnung: Bericht der Kommission zur Vor- Prüfung der Jahresrechnung. Kassen- bericht und Ertheilung der Decharge für den Rendanten. Anhang zum Statut, betreffend Strafbestimmungen, Krauken- Konirolle u. f. w. Geschäftliche Mit- theilungen, Anträge. 17955 Bei- Vorstand. Roh-Tabak A. Goldschmidt,38061-* am hiesigen Platze wie bekannt gposste Auswahl! Garantie ftlr sicheren Brand. Streng reelle Bedienung, billigste Preise! Sämmtliche im Handel befind!. Rohtabake sind am Lager. A. Goldschmidt, gOranienburgerstr.2. Ottilie Post, geb. Schulze Otto Gerndt 1800b Verlobte. Unserem Freunde und Genossen Jakob Karbe zu seinem heutigen Wiegenfeste ein donnerndes Hoch! Der dußliche Budiker Lademann und Kompagnie. 1780b Unserem Schankwirth Fritz Pätzke zum Heuligen Wiegenfeste ein dreimal donnerndes Hoch, daß die ganze Schank- wirthschaft in allen Fugen kracht. 1784b Die Lnckat'sche Werkstatt. Fritz, läßt Du heute gießen? Wir haben mächtigen Durst. Allen Freunden u. Bekannten die traurige Mittheilung, daß unser lieber Sohn, der Drechsler Fritz Laufor im Alter von 21 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet Mitt- woch, den 15. März, Nachmittag 4 Uhr, vom Trauerhause, Ritter- straße 104, aus statt. 1807b Die trauernden Eltern. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser lieber Vater, der Restarateur 1793b Friedrich Dübel, Forsterstr. 19, nach schwerem Leiden am 12. März im Alter von 57 Jahren sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch. den 15. d. Bits., Nachmittags 2 Uhr, vom KrankenhauseBethanien, Bethanien- Ufer, aus statt. Die trauernden Hinterbliebene». Beerdigungsverein Berliner 'Zimmerleute. Am 12. d. Mts. verstarb nach kurzem Krankenlager unser Vereinskamerad Friedrich Bülow im Alter von 74 Jahren. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 15. d. Mts., Nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle der Königl. Charitee aus nach dem Neuen Elisabethkirchhof statt.[17986] Der Vorstand. Hiermit erkläre ich Frau Heidemann, Gerichtsstr. 31, als ehrenhafte Frau. A. Kreisch mann, Pasewalkerstr. 4. Außerordentliche Greneral-Versammlung der Vrts-Krankenkalfe der Kntmachrr, Kutfonrnitnren- «nb Lilzmaarru- Urrfertiger z« Kerli». am Sonntag, den 26. März 1893, Vormittags 10 Uhr, im Kranerei- Ana schank Mötzow, Prenzlauer Allee 242-247._ Der Eintritt ist nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches gestattet. Tagesordnung: Ergänzungswahl von 10 Delegirten der Arbeitnehmer. 1791b Der Vorstand. gez. H. Rieck, Anhaltstraße 14. Ordentliche Generalversammlung der Srts-Krankenkalfe der Hntmacher, Antfonrnitnren- nnd Lilzmaaren- Verfertiger zu Ker'.in am Sonntag den 26. März 1893, Vormittags lO'/z Uhr, im Kranerri- Ansschank Kotzom, Prenzlauer Allee 242- 247. Eintritt nur gegen Vorzeigung der Postkarte oder des Mandats als De- legirter gestattet. Tagesordnung: 1. Jahres- u. Kassenbericht. 2. Bericht der Kassenrevisoren pro 1892 und An- trag auf Ertheilung der Decharge. 3. Wahl von 3 Vorstanhsmitgliedern der Arbeitnehmer. 4. Verschiedenes. Der Vorstand gez. H. Rieck, Anhaltstraße 14. Deutscher Tischler-Verband. Zahlstelle Berlin. Uersammlmtg mit Frauen am Dienstag, de» 14. März 4893, Abend« 8Ve Uhr, bei Gnggsndagen, am Moritzplai». Vortrag des Herrn Bermann Stüve über: Hamburg und die Cholera, ein Beitrag zur Geschichte des menschlichen Elends, illustrirt durch 40 Lichtbilder. Diskusston. Die Grtvverwattung.[317 8 Oeffentliche Sattler Uersammlnng am Mittwoch, de» 13. März, Abends Uhr, im Lokale des Herr» Krieger. Wasserthorstraße Nr. 68. Tagesordnung: Die bevorstehende Militärarbeit. Das Erscheinen sämmtlicher Kollegen ist unbedingt erforderlich. 264/12 Ger Einberufer. Bier össeiitliche BersamluW!! für Frauen und Männer. Tagesordnung: Vortrag des Herrn Hern,. Stave aus Hamburg über: Uie ChoBera in Hamburg, ein Beitrag zur Geschichte des menschlichen Elends, illustrirt durch 40 Lichtbilder. (Vergleiche Reden der Abgeordneten Frohme und Metzger in der Reichstags- Sitzung am 22. Februar d. I.) 1. Für Rosenthaler und Hamburger Vorstadt: in Hensel's Festsälen, Jnvaliden- straße 1, Mittwoch, den 15. März, Abends 8 Uhr. 2. Für Schönhauser und Prenzlauer Vorstadt: in Schuelder's Cesellschaits- haus, Belsorterstr. 15, Donnerstag, den 16. März, Abends 8 Uhr. 3. Für Moabit: in Ahrens' Brauerei(großer Saal), Thurmstr. 26, Freitag, den 17. März, Abends 8 Uhr. 4. Für Gesundbrunnen und Wedding: in Fape's Salon, Badstr. 58, Sonntag, den 19. März, Abends 6 Uhr. 18096 Entree 10 Pf. In anbetracht des interessanten Themas ersucht um zahlreichen Besuch Der Ginbernfer: V. Gassmann. Zentralverein der Bildhauer Deutschlands. Gauverein Berlin. DW" VeB*saiwmiasng �Wg enstag, den 14. März, Abends 8V2 Mlzr, Annenstratze 16. Dienstag, den 14. Marz, s Tagesordnung: 1. Wahl eines Schriftführers zum Zentralvorstand. 2. Berichterstattung über die Lohnbewegung aus Platz Plöger. 3. Bibliothek»- Abend. Vorlesung aus Pfau's Schriften über„Kunst und Politik".— Tie Vertrauensleute der Steinbildhauer sind behufs einer Besprechung eingeladen. 117/6 Der Vorstand. Oeffentliche Versammlung sämmtlicher Mitglieder der Lrts-KrMMe üttWtrWnls, sme dem Meitgeber am Mittwoch, den 15. März, Abends 8�/2 Uhr, in Gratweil's Bierhallen, Kominandantenstrafze 77— Vit. Tagesordnung: 1. Die freie Aerztewahl. Referent: Herr Dr. Hagdan. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 180lb Legitimation ist nicht erforderlich. Um recht zahlreichen Besuch ersucht Der Vorstand. Lithographeß, Steindmcker und Beruf sgenossen und Hilfsarbeiterinnen Berlins. Donnerstag, den 10. Mär?. Abends 8V2 Dhr: Grosse offesitl. Wepsamml&sng im Lokale des Herrn Fbilipp, Uosenthalerstraße Dr. 38. Tagesordnung: l. Die französische Revolution. Referent: Genosse Fr. Inbell. 2. Tis- kusfion. 3. Abrechnung vom?treik der Präger bei Hellriegel. In anbetracht der wichtigen Tagesordnung bittet um zahlreichen Besuch 203/11__ Der Ginbernfer. ESSOü Arbeiter Sängerbund Berlins«ub Umgegeub. Sonnabend, den 18. März er., im Saale der Vranerci Friedrichshain: Uezzss'-MtvhcIL' Anfang Abends präzise 9 Uhr. Zum Eintritt legitimirt nur Bundesmitglied?- karte.— Am 15. März(Mittwoch), Abends 8>/s Uhr, findet ebendaselbst ei ic Probe des von allen Vereinen durch je ein Mitglied zusammengesetzten Ehores statt. Die Eintheilung ist dieselbe wie beim Parteikommers. Pflicht der Vereine ist es, pünktlich vertreten zu sein. Der Vorstand, stoö 11 Der beste Maulkorb ist ein gut konstruirter und verlötheter Draht- korb, besonders für Ziehhunde, und empfiehlt dieselben R. Herda, Wall- straße 23. 1802b ä, 3,50 Mark, 500 Backfisch- Jaquets ä 2,50 Mark im Damen-Mänlel-Lager S. E. Leyser 4 Co., Leipzigerstr. 91, 1 Tr. Unsere sonstigen aus den feinsten Materialien rein eiugebrauteu Biere empfehlen wir zu den folgenden Preisen: 30 gr. Flaschen helles u. dunkles Lagerbier 24„„) Berliner Löwenbräu 30 kl.„/ nach Mlinchener Art } für je 3 Mk. Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schröder in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin, S)V. Beurystraße 2. Sierra eine Beilade. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblat Ur. 6Ä. Zum zehnjährigen Todestage (14. Marz 1883) von Karl Marr. Karl Marx' Todtenfeier im Cooper-Hanse zu New-Uork den 19. März 1883.*) Im Arbeitskittel viele Tausend Sie sitzen, stehn zumal, Und ihr Gemurmel füllet brausend Den Riesensaal. In all den Sprachen, in den Zungen Der Weltnationen dort Dem todten Kämpfer ist erklungen Ein Abschiedswort. Der Brite sprach:„Geliebt in Hütten, Gefürchtet im Palast, Hat er gelebt, gewirkt, gestritten Ohn' Hast und Rast. „Sein Name, wo Maschinen schwirren, Bei uns in Stadt und Land Die Fenster der Fabrik erklirren, Wird heut genannt." Der Russe:„Wo Despoten thronet* Bei uns durch Graus und Nacht, An ihrer Kette zerr'n Millionen, Wird sein gedacht." Ter Franke:„Wie ein Weltbefreie» Von Völkerhaß und Krieg Focht er, und diese Todtenfeier Bürgt uns den Sieg." Ter Deutsche**) sprach:„In Liebe wollen Wir vor den Andern heut Dem Denker wie dem Kämpfer zollen Ein Grabgeläut. „Denn wie einst neu die Himmelskunde Kopernicus erschuf, Dem Wissen scholl aus seinem Munde Ein Werderuf. „Dem Wissen von des Volkes Leiden Und von der Arbeit Qual. Der Götze schon liegt im Verscheiden, Das Kapital! „Er hat für unfern Kampf auf Erden Ein scharfes Schwert verlieh'n, Daß eine neue Welt soll werden, Drum ehret ihn! „Noch gab uns ein Geschenk kein Spender Dem Donnerworte gleich: Ihr Proletarier aller Länder Vereinigt Euch!" Leopold Jacob y. *) Der Verfasser dieses Gedichtes war bei der erhebenden Todtenfeier im Cooper-Hause zu iliew-Hork anwesend.— Der gewaltige Eindruck dieser internationalen Feier und ihre Bedeu- tung für die Erkenntniß der sozialen Idee wird hervorgehoben von dem Professor der Sozialökonomie an der Universität Straß- b»rg Sartori us von Waltershausen in seinem Werk:„Die Arbeiterbewegung in den Vereinigten Staaten von Siordamerika". Dort werden auch Auszüge aus den gehaltenen Sieden gegeben.— **) Adolf Douai f 1888. patlameufsltcvidüfe. Deutscher Reichstag. 65. Sitzung vom 13. März 1893. 1 Uhr. Am Tische des Bnndesralhes: von Bötticher, von Maltzahn, von Stephan, Schulz, Gras Lerchenfeld. Zur zweiten Berathung steht die Novelle zum Gesetz, be- treffend P ostdampfschiffs- Verbindungen mit über- seeischen Ländern. Die Budgetkommission beantragt die unveränderte Annahme der Vorlage. Nach§ 1 derselben soll die Anschlußlinie im Mittelmeer und die dafür ausgesetzte Beihilfe von 4 090 009 M. wegfallen, dagegen für das Anlaufen von Neapel eine Beihilfe von 100 000 M. geleistet werden. § 1 wird ohne wesentliche Debatte genehmigt. Nach ß 2 soll für überseeische Anschlußlinien eine Fahr- geschwindigkeit von iveniger als 11'/s Knoten ausnahmsweise gestattet werden können. Dazu liegt eine Resolution des Abg. Dr. Barth vor: Den Reichskanzler aufzufordern, mit der Gesellschaft des Nord- deutschen Lloyd in Unterhandlung zu treten behufs Wegfalls des Dienstes der Zweiglinie von Australien nach Samoa unter Reduktion der dafür bewilligten Subvention mit Berücksichtigung der dabei in Betracht kommenden finanziellen Gesichtspunkte. Diese Resolution ist schon in der Kommission beantragt ge- wesen, von derselben aber abgelehnt worden. Nach unerheblichen Auseinandersetzungen zwischen dem Abg. Barth und Herrn von Stephan wird Z 2 angenommen, die Resolution Barth gegen die Stimmen der Freisinnigen. Volks- parteiler, Sozialdemokraten und der Abgg. Thomsen und Wisser abgelehnt. �., Darauf wird die Etatsberathung fortgesetzt. Zur Debatte steht zunächst der Etat des Reichseisenbahn- amtes. Bei den Ausgaben bemerkt Abg. Schräder(dsr.): Wir haben zur Zeit mit An- trägen auf Erlaß eines Reichseisenbahn-Gesetzes keine Aus- ficht aus Erfolg. Wenigstens muß aber eine Ausdehnung Dienstag, den 14 Marz 1893. der Reichsgesetzgebung verlangt werden in einer Richtung, wie sie 1879/80 schon einmal angebahnt worden ist, nämlich bezüglich des Pfandrechts an den Eisenbahnen und der Zwangsvollstreckung in dieselben. Man hat wohl weitere Schritte wegen der inzwischen stattgehabten Verstaatlichung nicht mehr für uölhig gehalten. Doch existiren zur Zeit noch eine erhebliche Anzahl von Kilometern Privateisenbahnen, und neuerdings ist in Preußen durch das Kleinbahnengesetz eine weitere Vermehrung der Privat-Bahnbauten angebahnt worden. In nicht ferner Zeit wird also wieder ein größeres Privat-Eisenbahnnetz in Deutsch- land vorhanden sein, und es muß rechtzeitig von Reichs wegen für die Ordnung der Rechtsverhältnisse desselben gesorgt werden. Es kommt darauf an, den Prioritäts-Obligationen ein Pfandrecht beizulegen, welches ihnen jetzt nicht inne wohnt. Ein Pfandrecht an dem Grundbesitz an Eisenbahnen ist zur Zeit nur möglich durch hypothekarische Eintragung. Selbst bei Klein-Eisenbahnen würde es schwer sein, ein Pfandrecht am ganzen Besitz der Bahnen zu konstruiren. Mit diesem Pfandrecht würde auch nicht viel gewonnen sein, denn eine Bahn ist nur als Ganzes und im Betriebe etwas werth. Hat man die Absicht, den Klein-Eisen- bahnbau zu fördern, so muß glso eine anderweite Regelung und zwar von Reichs wegen erfolgen. Präsident des Reichs-Eisenbahnamts Dr. Schulz: Die Ord- nung der vom Vorredner angeregten Pfandrechtsverhältnisse ist durch das preußische Kleinbahngesetz wieder dringender geworden. Andererseits aber sind auch die Vorarbeiten für das deutsche bürgerliche Gesetzbuch inzwischen sehr gefördert worden, und es wäre doch für ein Spezialgesetz sehr vortheilhaft, wenn die allgemeinen Grundsätze über das Pfandrecht schon festständen. Uebrigens wird in Preußen an der Regelung dieser aus dem neuen Gesetze sich ergebenden Verhältnisse in den Ministerien gearbeitet. Abg. Hammacher(ntl.) erklärt, die Anregungen deS Abg. Schräder auf das wärmste unterstützen zu müssen. In Preußen seien noch gegen 4000 Kilometer Privatbahnen vorhanden und das Kleinbahnen- Gesetz stellt eine große Vermehrung dieses Be- standes in Aussicht. Das Kleinbahnwesen komme aber in Preußen trotz des Gesetzes nicht vorwärts, weil es ihm an Kredit mangele, da die Kapitalisten genügende Sicherheit vermißten. Hier könnte nur ein Reichsgesetz, wie es Herr Schräder gefordert habe, helfen, um den Bau von Tertiärbahnen wirklich zu fördern. Der Zeit- punkt, auf den der Präsident des Reichs-Eisenbahnamts hinweise, liege doch noch sehr fern. Der Etat des Reichs-Eisenbahnamts wird darauf unverändert bewilligt. Es folgt der Etat der Reichs-Eiscnbahnen. Die Einnahmsn sind auf 57 866 000 M. veranschlagt, die ordentlichen Ausgaben auf 37 220 900 M. Das Extra- Ordinarium erfordert nach dem Anschlag 13 386 810 M. Abg. Hammacher ersucht den Chef der Reichs- Eisenbahn- Verwaltung um Mittheilungen über die Ergebnisse des Betriebes im laufenden Jahre. Im großen und ganzen sei das finanzielle Ergevniß der Reichs-Eisenbahnverivaltung ein recht günstiges. Der Ueberschuß pro Kilometer sei im Jahre 1891/92 bei den reichsländischen Bahnen der höchste gewesen, der überhaupt in Deutschland herausgearbeitet wurde, nämlich 14 026 M., während er in Preußen nur ca. 12 000 M. betrug. Der wirkliche Ueber- schuß der Jahres 1891/92 sei auch höher gewesen als der jetzt im Etat mit ca. 20 Millionen für 1893/94 ausgeworfene. Chef der Reichseisenbahnen preußischer Minister der öffent- lichen Arbeiten Thielen: Der günstige Abschluß der Eisenbahn- Verwaltung der Reichslande für die Vergangenheit ist eine That- fache, die nicht ohne weiteres auch für die Zukunft in demselben Maße erwartet werden kann. Es ist hier hauptsächlich daran zu erinnern, daß jetzt fast durchweg die Erneuerung der seinerzeit auf einmal beschafften Betriebsmittel vorgenommen werden muß, welche Operation die Betriebsüberschüsse erheblich beeinflußt. Das Resultat des laufenden Jahres muß angesichts der Störung, welche auch hier die Cholera im vorigen Sommer gebracht hat, auch als ein günstiges bezeichnet werden. Abg. Hammacher: In Elsaß-Lothringen nimmt der Güter- verkehr einen größeren Raum ein als in Preußen; die Ein- nahmen daraus machen dort 67, in Preußen nur 56 pCt. aus. Die Erneuerungsfrage ist in letzter Zeit im preußischen Ab- geordnetenhaus erörtert worden. Es wäre angesichts der Ersah- rungen in Preußen doch auch in Zukunft für das Reich viel empfehlenswerther, entweder für die Erneuerung der Betriebs- mittel größere Summen zurückzulegen oder in jedem Jahre grö- ßere Fonds für die Erneuerung zu bewilligen, um auch in schweren Zeiten das Ern euerungsbedürfniß zu befriedigen. In dieser Weise ist man in Sachsen längst vorgegangen. Die Einnahmen des Etats der Reichseisenbahnen werden daraus bewilligt. Bei den ordentlichen Ausgaden für die Zentral- Verwaltung nimmt Abg. Lingens(Zentr.) Gelegenheit, die Verwaltung dar- über zu unierrichten, daß er aus dem Kreise der hier in Betracht kommenden Beamlenkategorien immer Klagen über ungenügende Gewährung der Sonntagsruhe erhalte. Er wünscht, daß diesem so überaus wichtigen Gegenstände größere Aufmerksamkeit seitens der Verwaltung gewidmet werde. Vor allem dürfe es nicht vor- kommen, daß die Sonntagsruhe den Beamten und Arbeitern ge- währt werde, nachdem sie die ganze vorhergehende Nacht noch Dienst gethan hätten. Auf eine solche Nacht könne ein Ruhetag in dem Sinne des Gesetzes, der zugleich die gottesdienstlichen Be- dürfnisse der Beamten und Arbeiter befriedigen solle, nicht zu stände kommen. Chef der Reichseisenbahnen Minister Thielen: Die Regelung der Ruhetage und dienstfreien Sonntage ist im Reichs- lande dieselbe wie in Preußen. Die Verhältnisse sind nach beiden Richtungen hin in den letzten Jahren gebessert. Der Minister verliest aus einer im Ministerium gemachten Zusammenstellung eine Reihe von Zahlen, welche bezüglich der Bureaubeamten, des Stations-, Fahr-, Strecken-, Expeditions- und Telegraphen- Personals diese Besserung beweisen. Es wird aber nicht nur die Regel aufgestellt, sondern über ihre Beobachtung auch eine Kontrolle geführt. Wenn es trotzdem vorkommt, daß hier und da ein einzelner Beamter nicht die verbürgte Ruhezeit hat, so liegen dem plötzliche Erkrankungen anderer Beamten und Arbeiter und dergleichen unvorhergesehene Zwischenfälle zu Grunde. Abg. Bebel(Soz.): Ich habe mich schon im vorigen Jahre lebhaft darüber beschwert, daß in den Arbeitsordnungen für die Eisenbahnverwallungen Vorschriften enthalten sind, wonach sozial- demokratische und wegen ihrer politischen Gesinnung sonst un- bequeme Arbeiter nicht Ausnahme finden sollen, und auch Vor- schriften über das Verhalten dieser Arbeiter außerhalb des Be- triebes erlassen sind. Diese Vorschriften widersprechen ausdrück- lich dem§ 134 der Gewerbe-Ordnung. Als ich diese Frage beim Reichs- Militäretat zur Sprache brachte, bestritt der Kriegs- minister, daß man ihm verwehren könne, zu bestimmen, welche Arbeiter Aufnahme finden sollen, fügte aber hinzu, daß es aller- dings mit dem Gesetz in Widerspruch stände, wenn solche Vor- schriften in der Arbeitsordnung enthalten wären, und daß diese bei der neuen Arbeitsordnung in Wegfall kommen sollten. Es ist also wenigstens von einer Seite offiziell zugestanden, daß man bisher gegen das Gesetz gehandelt hat. Bei der Marine- Verwaltung hatten wir keine Veranlassung das Wort zu nehmen, da diese so anständig war, bereits aus grund der vorjährigen 19. Jahrg. Debatte sofort die Streichung der betreffenden Bestimmungen aus der Arbeitsordnung zu veranlassen. Nun habe ich gehört, daß auch bei der Reichs-Eisenbahn-Verwaltung in Elsaß-Lothringen genau dieselben Bestimmungen nahezu wörtlich in Giltigkeit sind wie bei der preußischen Staats-Eisenbahn-Verwaltung. In den dortigen gemeinsamen Bestimmungen für die Arbeiter aller Dienst- zweige, gillig vom 18. Mai 1892, also nach Inkrafttreten der Gewerbe-Ordnung, heißt es im ß l:„Die aufzunehmenden Per- sonen müssen sich in ihrem bisherigen Lebenswandel achtbar und anständig geführt und dürfen sich an deutschfeindlichen Bestre- Hungen nicht betheiligt haben." Ich gebe ohne weiteres zu, daß es keine gesetzliche Bestimmung giebt, die einer Staatsbahu- Verwaltung verbietet, eine solche Vorschrift in die Arbeitsordnung auszunehmen, aber es ist sehr vieles nicht gesetzlich geregelt, was man trotzdem als ungehörig und unstatthaft ansehen muß. Wenn einmal der Grundsatz der allgemeinen Rechtsgleichheit ausgesprochen ist, serner jeder Einzelne verpflichtet ist, nach Maß- gäbe seiner Kräfte und über seine Kräfte hinaus, ich erinnere nur an die indirekten Steuern und die Zölle, zu den Reichslasten beizutragen, seine Pflicht als Soldat thun muß, dann ist es ganz selbstverständlich Aufgabe für jede Staatsverwaltung, auch in den Rechten alle gleich zu stellen, und nicht Bezug zu nehmen auf die religiöse und politische Gesinnung der Betreffenden. Daß inner- halb des Betriebes keine Agitation geduldet wird, begreife ich. Aber außerhalb des Betriebes ist eine Agitation nicht strafbar. In den gemeinsamen Bestimmungen heißt es weiter in§ 2: Auch außerhalb des Dienstes hat der Arbeiter sich anständig zu führen und sich von ordnungs- und deutschfeindlichen Bestrebungen fernzuhalten. Durch diese Bestimmung wird§ 134 der Gewerbe-Ordnung in ganz fla- granter Weise verletzt. Der Kriegsminister hat zugegeben, daß ähnliche Bestimmungen ihn veranlaßt hätten, dafür zu sorgen, daß Remednr eintrete. Der Chef für die Reichs-Eisenbahnverwaltung ist ja auch zugleich Minister in Preußen für die Staats-Eisenbahnverwal- tung. In dieser Eigenschaft nnterlicgt er nicht unserer Kompetenz, aber ich nehme an, daß, wenn der Staatsminister in die Lage kommen sollte, als Chef der Reichs-Eisenbahnverwaltung anzuerkennen, daß die betreffenden Bestimmungen ungesetzlich sind, er auch da- zu übergehen wird, die ganz gleichlautenden Bestimmungen in Preußen zu beseitigen. Ich frage ihn daher, ob ihm überhaupt bekannt ist, daß derartige Bestimmungen in Kraft sind, ob erder Meinung ist, daß dieselben mit dem Gesetz in Widerspruch stehen und ob er alsdann entschlossen ist, diese ungesetzlichen Vor- schriften sobald als möglich aus der Arbeitsordnung zu ent- fernen. Minister Thielen: Es find Arbeitsordnungen erlassen, welche sich auf bestimmte Werkstätten oder bestimmte Arbeiter- kategoricn beziehen, daneben bestehen allgemeine Bestimmungen für alle Arbeiter. Alle diese Ordnungen sind nach der Gewerbenovelle neu redigirt worden, und daraus sind die Vorschriften hervorgegangen, welche der Vorredner erwähnt hat. In Preußen bestehen dieselben Vorschriften. Sie sind vor ihrem Erlaß den Arbeiterausschüssen vorgelegt worden. Diese haben sie gebilligt. Die Verwaltung hat sich für berechtigt gehalten, auch Verhaltungsmaßregeln für die Zeit außerhalb des Dienstes den Arbeitern zu geben. Für die Frage der Aufnahme in den Dienst hat auch Herr Bebel diese Maßnahme nicht für ungesetzlich bezeichnet. Die Verwaltung hätte ja diese Bestim- münzen weglassen können, glaubte aber, ihren Arbeitern gegen- über loyal zu handeln, wenn sie den Arbeitern ihre Stellung mitthcilte, wie sie sie bei Annahme und Beibehaltung der Ar- beiter nimmt. In den früheren Vorschriften für die militärischen Betriebe war die Entlassung angedroht; das stimmte mit der neuen Gewerbe-Ordnung nicht mehr und mußte beseitigt werden. Dagegen kann keinem Arbeitgeber und auch nicht dem Staat verwehrt werden, den Arbeitern mitzutheilen, unter welchen Uin- ständen er Arbeiter annimmt oder nicht. Die Gewerbe-Ordnungs- Novelle giebt eine ganze Reihe von Vorschriften, welche sich aus das Verhalten des Arbeiters außerhalb des Dienstes beziehen, so namentlich bei den Entlassungsgründen. An und für sich ist es selbstverständlich, daß sozialdemokratische Arbeiter in staatliche Betriebe nicht gehören.(Sehr richtig! rechts.) Wenn die Ver- waltung bisher ein mildes Regiment geführt und Herz und Nieren der Arbeiter auf ihre Gesinnung nicht geprüft hat, so hat sie andererseits die Pflicht, die Arbeiter zu entlassen, welche diese Gesinnung agitatorisch bethätigen. Ein Unrecht kann also in der Aufnahme dieser Bestimmungen nicht gefunden werden. Abg. Bebel(Soz.): Der Minister hat seine Sache nicht mit besonderem Geschick vertreten, wenigstens nicht für diejenigen, die objektiv zu denken gewohnt sind. Die Eisenbahn-Verwaltung hat nicht wider das Gesetz gehandelt; aber eine Staatsverwaltung hat eine andere Stellung einzunehmen wie ein Privatunternehmer. Das Recht, wie jeder andere Unternehmer Arbeiter aus irgend einem Grunde nicht anzunehmen oder aus der Arbeit zu entlassen, bestreite ich gerade einer Staatsverwaltung auf das entschiedenste. Wir haben es hier mit einem Betriebe zu thun, der im Interesse der Allgemeinheit besteht, der aus den Mitteln aller unterhalten wird, insbesondere mit einem Beamten- organismus, der den allgemeinen Gesetzen in bezug auf die Staatsbürger unterworfen ist und sich nicht Ding« herailsnehwen darf, die dem einzelnen Privatunternehmer sehr wohl erlaubt sein können, wenn sie auch bei ihm zu tadeln sind. Soweit mir bis jetzt die einzelnen Arbeitsordnungen der Privatunternehmer bekannt sind, enthält keine einzelne ähnliche Bestimmungen, wie sie eben von feiten des Eisenbahnministers vorgetragen worden sind. Der Beamte desjenigen Staates, der sich hauptsächlich als Ver- treter der Sozialreform aufspielt, greift zu Maßnahmen gegen sozialdemokratische Arbeiter, zu denen zu greisen sich die Mehr- zahl der Privatunternehmer trotzalledem schämen würde. Die Bestimmungen deS§ 2, betreffend die Thätigkeit der Arbeiter außerhalb des Betriebes sollen nicht gegen das Gesetz verstoßen, weil keine Strafe angedroht sei. Nirgend in der Gewerbe- Ordnung wird vorgeschrieben, daß solche Bestimmungen dann ungiltig seien, wenn ihre Uebertretung nicht mit Strafe be- droht wird. Die Fabrikordnung der Gebrüder Stumm wurde in der Gewerbe-Ordnungs-Kommission zum Gegenstand lebhafter Angriffe gemacht, und infolge dessen wurden die Bestimmungen des ß I34b in die Gewerbe-Ordnung aufgenommen, daß nur für minderjährige Arbeiter Bestimmungen über ihre Thätigkeit auch außerhalb des Betriebes erlassen werden könnten. Nach meiner Ueberzeugung stehen die Bestimmungen der Eisenbahn-Ver- waltung im Widerspruch mit dem Gesetz. Der Kriegsministcr hat mir am Freilag entgegenkommend geantwortet. Der Eisenbahn- minister giebt ganz entgegengesetzten Anschauungen Ausdruck. Diese Anschauungen mögen sich bei ihm aus seiner früheren Thätigkeit als Direktor des Betriebsamtes in Hannover fest- gewurzelt haben, wo in jener/Zeit solche Maßnahmen gerade unter seiner Verwaltung in ganz besonderem Maßstabe ausgeübt würden. Er hat dort sogar veranlaßt, daß Beamte seines Betriebes bei Arbeitern, die im Staatsdienst beschäftigt waren, Haussuchungen nach sozialdemokratischen Schriften und Zeitungen abhielten. (Staatssekretär v. Bötticher ruft in scherzhaftem Tone dem Slaatsminister Thielen zu: Das ist ja schauderhaft!) Stimmten die Arbeiter sozialdemokratisch oder welfisch, so würden sie ent- lassen. Ferner wurde unter der Verwaltung des Herrn Thielen in Hannover in ausgiebigstem Maße die Einrichtung schwarzer Listen eingeführt, wie wir sie mehrfach veröffentlicht haben. Nach diesen Antecedentien benutzt der Eisenbahnniinister auch seine neue Stellung, mn seine Feindschaft gegen sozialdemvkra- t II che Arbeiler zu vethätigen. Was ein Staatsminister persönlich für unzulässig erachtet, kann er lange nicht in seiner Eigenschaft als Staatsmmisler für unzulässig erachten. Der Minister ivill nur einen Akt der Loyalität vorgenommen haben. Das ist eine eigenthümliche Auffassung. Loyal ist es zunächst, sich streng cm die gesetzlichen Bestimmungen zu halten. Das soll jeder gewöhnliche Staatsbürger schon thun. Von dem Chef einer Reichsverivaltung ist es erst recht zu verlangen. Was soll der lleine Mann von einer solchen Easnistik denken? W«i,n die höchsten Beamten das Gesetz so mißachten, so kann inazi sich nicht mehr wundern, daß überall im Deutschen Reiche die Opposition gegen die neuen Gewerbe-Ordnungs-Beslimiiiuiigen immer lebhafter wird. Minister Thielen: De» Vorwurf der Ungesetzlichkeit weise ich zurück(Zwischenruf: Mißachtung!) Warum fuhrt Herr Bebel keine Thatsachen an? Warum theilt er nicht mit. wieviel Arbeiter auf grunv dieser Bestimmungen eittlasfen oder nicht angenommen worden sind? Der Staat als Arbeilgeber hat allerdings eine be- sondere Stellung einzunehmen; er hat strengere Vorschriften und strengere Handhabungen durchzuführen als es in Privatbetrieben nothwendig ist. Gerade der Staat hat sich dagegen zu wehren. daß nicht in seinen Betrieb Arbeiter hineinkommen, deren Bestrebungen offenkundig auf die Vernichtung des Staates hingeben. die»ur Hetzen und Unfrieden säen wollen. Diese Elemente müssen und werden wir fern halten(Beifall rechts). Abg. Bebel: Dem Staatsminister mit Thatsachen zu dienen, ist aus dem einfachen Grunde unmöglich, weil man denjenigen Arbeitern, die man aus grund dieser Bestimmungen nicht an- nimmt, nicht sagt, warum man sie nicht annimmt. Man führt im Elsaß rothe, nicht schwarze Listen und sagt dem Arbeiler. für Dich ist keine Arbeit, med wenn auch zehnmal Arbeit da ist. Bei der Arbeilerentlassung ist es ebenso. Der Bc- amte hat die Anweisung, solche unbequemen Arbeiter zu entlassen. warum er entlassen wird, erfährt der Arbeiter nicht. Aber selbst ,venn kein Arbeiter entlassen würde, so würden meine Aus- fühnmge» doch nicht an Werth und Gewicht verlieren, denn jene Borschristen sind eben unzulässtg. Wenn die sozialdemo- kratisckMN Arbeiter wirklich den Betrieb störten, ihre Pflicht nicht erfüllten, dann hätte der Minister allerdings das Recht, solche Elememte zu beseitigen. Aber er soll erst einmal beweisen, wo das vorgekommen ist. Unsere sozialdemokratischen Arbeiter sind viel zu klug, als daß sie eine solche Thäligkeit entfalten würden. die mit Rolhwendigkeit zu ihrer Entlassung führen müßte. Hat der Minister mit solchen Vorschriften irgend etwas errreicht? (Der Minister macht eine zustimmende Bewegung.) So. Sie glauben es wirklich, Herr Minister? Nun. ich kann Ihnen sagen, daß im Elsaß, in Straßburg und Mülhausen Tnusends und Tausende von sozialdemokralischen Arbeitern in Ihren Betrieben beschästigt werden. Durch politische Unterdrückung erzeugt man nur Heuchler. Probiren Sie nur so fort, wir werben sehen, wie weit Sie kommen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Das Kapitel wird bewilligt. Bei den Ausgaoen für die Betriebsverwaltung wird über eine Anzahl von Petitionen verschiedener Beamtenklassen referirt, welche Ausbesserung des Diensteinkommens bezwecken. Ueber die Pelitionen, welche nach dem Vorschlage der Budgetkommission theils durch Uebergang zur Tagesordnung, theils durch Ueber- weilung an die verbündeten Regierungen als Material erledigt werden sollen, wird erst nach Abschluß der drillen Lesung ad- gestimmt werden. Unter den einmaligen Ausgaben befindet sich eine Forderung von 250 000 M. als erste Rate zur Herstellung einer vollspurigen Eisenbahn von Wingen über Meisenthal nach Münzthal(St. Louls). Die Linie soll im Ganzen etwa N/s Millionen kosten. Die Bubgetkommisston hat diese Position gestrichen. Minister Thielen: Der Landeöausschuß von Elsaß-Lothringen hat am 22. Februar einstimmig beschlossen, die verbündeceu Regierungen zu ersuchen, dem Beschluß der Kommission nicht zuzustimmen, sondern die Position unverändert zu bewilligen. Ich komme diesem Ersuchen nach und bitte den Reichstag, die Bewilligung auszusprechen. Die Linie ist wirthschastlich und stralcgisch wichtig und würde eine Glasindustrie, welche 4000 Arbeiter beschäftigt, an das Bahnnitz anschließen. Abg Mangos(Elsässer, Vertreter für 12. Elsaß-Lothringen, Saargemünd) besürworlet gleichsalls die Beivilligung der Bahn, welche einer armen Gebirgsgegend sehr aufhelfen würde. Die Ablehnung in der Kommission sei auch nur mit einer Stimme Maio.ität erfolgt. Der Reichstag solle doch dem Jnieresse der Betheiligten entgegenkommen, zumal es sich um einen hohen Betrag nicht handele. Abg. Adt(»all.) tritt im Interesse der westlichen Pfalz auch seinerseits für die Bewilligung ein. Abg. Baumbach(vsr.) erklärt, daß er, wenn er in der Kom- Mission zugegen gewesen wäre, für die Bewilligung gestimmt hätte, und daß er dies jetzt, nach den Erklärungen des Abg. Mangos und des Munsters auch im Plenuni thun»verde. Die Forderung wird hieraus unter großer Heiterkeit des Hauses fast einstimmig bewilligt. Auch der Rest deS Extra- Ordinariums gelangt ohne Abstrich zur Annahme. Nach ö Uhr wird die Fortsetzung der Etatberathung aus Dienstag 1 Uhr vertagt. Lolralss. Bekanntmachung. Am 10. April d. I. eröffnet das Gewerbegertcht zu Berlin sein« Thätigkeit. Das Geschäftslokal befindet sich Stralauer- straße 9/0. Zu Vorsitzenden sind die Herren MagistratS-Affefforen Dr. Freund, von Schulz. Cuno und Dr. Leo, zu stellvertretenden Vorsitzenden die Herren MagistratS-Affefforen Dr. Meyer und Dr. Herzfeld gewählt und als solche für die Dauer erneS Jahres bestäliat worden. Die Bearbeitung der Generalien beim Gewerbegericht erfolgt durch Herrn Dr. Freund, im Falle der Behinderung desselben durch Herrn Assessor von Schulz. Als Erster Gerichtsschreiver fungirt Herr Magistrats- Sekretär Milisch. Magistrat hiesiger königlichen Haupt und Residenzstadt. Zelle. Berlin, den 9. März 1393. AuS einer großen Anzahl Berufen ergehen zu Ostern Warnungen an d,e Eltern, ihr» Kinder denselven zu widmen. Sie sind fast sänimlich gut begründet, nur ein Faktor wird über- sehen, daß dieselben Uebelstände fast in allen Bernsen oertreten find. Wenn aber eine Warnung besonders angebracht ist, so ist es die vor solche» Berufen, von denen die Eltern meinen, daß ihre Kinder durch sie etwas Besseres und Feineres werden, als andere Arbeiter. Und gerade in solchen Berufen findet die Ausbeutung und die elendeste Bezahlung der Arbeiter statt. Uns geht ein Aufruf, unterzeichnet von einem Bureauvorsteher und einem Bureaugehilfen zn, der die Aussichten im Schreiber- geuerbe schildert und den wir hiermit wiedergeben. An die Eltern! Bei den herannahenden Schutentlassungen dürfte es angezeigt sein die Eltern bei der Berufswahl für ihre Söhne auf eine Ge- fahr aufmerksam zu machen, welche gewöhnlich bei diesem wichtigen Schritt nicht berücksichtigt wird. Sei es, daß«ine große Anzahl Eltern ihre Söhne vorläufig für zu schwach halten irgend ein Handwerk oder dergleichen zu erlernen, oder sei es. daß viele Eltern von ihren Kindern eine baldige Unterstützung zu ihrem deschränkten Haushaltungsbudget erwarten, man giebt seinen Sohn einem Rechtsanwälte, Gerichtsvollzieher:c. aufs Bureau. der die Entwickelung des heranwachsenden Jünglings durch über- mäßig lange Arbeitszeit, verbunden mit einer sitzenden fast körperlich bewegungslosen Beschäftigung zerstört, und sö der Keim einer Krankheit in das junge Leben hiein gelragen wird. Der meist vorläufig gewählte Hilfsberuf wird in den weitaus größten Fällen beibehalten, weil die Eltern sich an die regelmäßigen monatlichen Einnahmen gewöhnt und auch überwiegend derselben dringend bedürfen. Damit haben sie aber vielleicht unvorhergesehens, aber großes Unglück über das Schicksal ihrer Kinder heraufbeschworen. In keinem Berufe sind die Lohnverhältnisse elendere und traurigere, die Arbeitszeit eine größere und die Etellungslosigkeit eine aus- gedehntere, als im Schreiberfache. Werden doch bei einer 12— I4slündigen Arbeitszeit Löhne gezahlt, die beispiellos und für den Uneingeweihien kaum glaublich sind. 20— 30jährige Menschen erhallen pro Monat 2d— 30 M.. Familienväter 50—60 M., und diese Fälle gehören keineswegs zu den Selten- heilen; verdienen doch noch vielsach jüngere Schreiber aus- gerechnet 2—3 Psg. Stundenlohn. Angesichts solcher empörenden Zustände wäre es ein Ver- brechen der Eltern, wollten sie ihre Krnder einem Berufe wivmen, der auch den elendsten aller anderen Berufe in den Schatten stellt. Eltern! Bei enkt die ernste Mahnung und schickt Eure Söhne nicht in's Bureau, wo Eure Kinder neben Hungerlöhnen bei einer unmäßigen langen Arbeitszeit ihre Gesundheit unter- graben und dem traurigsten aller Meuschenloose entgegengehen. Laßt Euch nicht durch die bessere Lage Einzelner dieses Be- rufes blenden und bedenkl, daß es in jedem Berus« wenige bessere Situirle giebt, während gerade im Bureaufache die überwiegend große Masse am Hungertuche nagt. Die Parteigeuoffeu deS 4. Reichstags- Wahlkreises hatten am letzten Sonntag wiederum die traurige Psticht, einem der ihrigen, dem im Alter von 38 Jahren verstorbenen Nestau- rateur Karl Boll, das letzte Geleit zu geben. Die überaus reiche Betheilignng der nach mehreren Hunderten zählenden Ge- »offen und Genossinnen dewies, welche Anhänglichkeit sich der Verstorbene durch seinen schlichten, rechtlichen Charakter unter den Genossen erworben hat. Von den prachtvollen Kranzspenden zeichneten sich besonders aus die vom Wahlrerein des vierten Reichslags- Wahlkreises, vom Jnteressenverein der Gast- und Schankwirlhe Berlins, von der Berliner Filiale Südost des Zentral- Vereins der Maurer, sowie vom Kegelklub„Lustige 13" ge- widmeten Kränze. Ehre seinem Andenken! Ein Mißverstäudnift. Nach Dynamitbomben gehaussucht wurde vor kurzem bei dem in der Cuxhavenerstr. 3 wohnhaften Fabrikanten Warnecke. Zu dem gedachten Zweck« erschienen eines Tages drei Beamte der politischen Polizei bei Warnecke. Die- selden eröffneten ihm, daß bei der Behörde Anzeige erstattet wor- den sei, bei Warnecke würden Bomben angeferligt. Warnecke arbeitet nun keineswegs in Bomben und Höllenmaschinen, sondern betreibt die Fabrikalion von Preßmaschiiien zu Bondonfabrikation und war insolge gehäufter Aufträge in letzterer Zeit gezwungen, auch nächtlicherweile arbeilen zu lassen. Irgend ein Spaßvogel hatte sich nun aligenscheinlich auch einen vorzeitigen Aprilscherz erlaubt und die Polizei dergestalt düpirt, daß er aus der Bonbon- sabrik eine Bomdeusabri! machte und diese der Behörde zur An- zeige brachte. Selbstmord. In weiteren Kreisen erregt es Aufsehen, daß der Weinhändler Adam Becker, Werftstr. 1, Moadit, Hand an sich gelegt hat. Unter der Firma Peier Becker halle er dem Kriminalgericht gegenüber eine Weinstube geführt, welche von Rechtsanwälten, Richtern, Zeugen, viel besucht wurde. Am Sonnabend feierte er in größererer Gesellschaft, in bester Laune, seinen 46. Geburtstag bis Morgens 2 Uhr. Sonnlag früh fand ihn das Dienstmädchen— er ist Junggeselle— als Lerche. Den Revolver hatte er sich einige Tage zuvor gekauft. Die That war also eine überlegte. Was den jovialen Mann in den Tod ge- trieben, ist bisher noch Geheimniß. Die Kunde von einer Blutthat versetzte vorgestern die Bewohner der Friedrichstadl in große Aufregung. In der ersten Etage des Hauses Kanonierstraße 23 befindet sich die Wohnung und daL Bureau des Agenten und Stellenvermittlers Rinkel. Die „Post" berichtet darüber:„Gegen 5 Uhr Abends betrot Herr R. die Küche der Wohnung, um sein Dienstmädchen Namens Karharina Willkowska über den Verbleib eines Manschettenknopfes zu befragen. Obgleich diese Frage in ruhiger Weise gestellt würbe, schrie das Mädchen seinem Brot- Herrn zu, er solle die Küche sofort verlassen. Ehe letzterer sich aber von dem Erstaunen über die Frechheit erholte, griff die W. nach einem ihr zur Hand liegenden Küchenbeil und versetzte ihm blitzschnell einen wuchtigen Hieb über die Stirn. Blutüberströmt und halb betäubt von der Gewalt des Schlages konnte R. nur noch einen lauten Hilferuf auS- stoßen und brach dann kraftlos zusammen. Alanmrt durch den Ruf eilte Frau R. und gleich nach ihr mehrere Nachbarn herbei. Plötzlich stürzte sich die W. wie rasend aus die Frau R.. würgte sie an der Kehle, schleuderte sie sodann gegen die Wand und stürzte, die übrigen Personen gewaltsam zur Seite drängend, durch die Thür zum Flur die Treppe hinab und auf den Hof, da ihr der Ausweg zur Straße bereits durch Einbringende ver- sperrt war. Auf dem Hofe gelang es, das sich wie rasend ge- berdende Frauenzimmer nach heftiger Gegenwehr zu überwältigen, woraus sie einem herbeigeholten Schutzmann übergeben und von diesem zur Wache des Polizeibureaus in der Königgrätzerstraße geschafft und später nach dem Gewahrsam am Alexanderplatz überführt würbe."— Die Ha> Bewohner und die Nachbarn lassen sich über den Vorfall in vielen Punkten ganz anders und viel glaubwürdiger aus. Aller Wahr- schcinlichkeit nach habe eine gewisse Nothwehr seitens der Wiltkowska vorgelegen. Die Dienstmädchen bei Rinkel's hätten von jeher einen schweren Stand gehabt, Frau Rinkel wäre nur wenig zur Milde geneigt, zumal da sie häufig genug nur zu begründeten Anlaß zur Eifersucht gehabt. Da sei er denn auch einmal an die Unrechte gerathen und dürfte sich nicht allzulaut beklagen. Die WitlkowSka habe, so erzählen die Nachbarn weiter, am Auge und auf der Wange blutige Schräm- men gehabt, es müsse doch also wohl dem Beilhiede ein Kamps vorhergegangen sein. Nach der Thal sei sie zur Küche des im Parterre gelegenen Restaurants gelausen und habe in ihrem ge» brochenen Deutsch gesagt:„Herr mich geschlagen, ich Herrn. Eanilälswache gehen!" Der Eindruck, den das Mädchen auf die Hausbewohner gemacht, ist kein ungünstiger, sie sei jedem Klatsch aus dem Wege gegangen, nie habe sie geklagt, sondern di» ihr reichlich zugemessene Arbeit bis in die späte Nacht hinein ohne Murren gethan. Die Wunde des Herrn Rinkel, die allerdings von der rechten Stirnseite aus quer über des Gesicht bis auf die linke Wange reicht, giebt nach der Aussage des behandelnden Arnes Dr. Röseler zu irgend welchen Bedenken keinerlei Per- anlaffung. Ein noch nicht ganz klarer Vorgang beschäftigt seit heute(Montag) Morgen die Polizei. Gleich nach 7 Uhr flog aus einem Kücheniensier des Hauses Markgrasenstr. 69 drei Stock hoch ein menschlicher Körper auf den Hos hinab, und blieb dort liegen. Der im Erdgeschoß wohnende Gastwirlh Kessel eilte hinzu und erkannte in der Herabgestürzten die 16 Jahre alte»n- verehelichte Marie Kosokewtcz, die sich bei ihrer Tante Mn- kowska in demselben Hause aufhielt. Nachdem sie zunächst in den Hausflur gebracht worden war, wurde das 39 Polizeirevier benachrichtigt, und ein Sckutzmann brachte die Schwerverletzte nach der Charitee. Di« Kosakewicz hat angegeben. von ihrer Tante aus dem Fenster geworfen worden zu sein. Ob dtes zu» trifft, erscheint zunächst zweifelhaft. Oben in der Küche wurde ei» Zettel gesunden, der u. A. die Angabe enthält, daß die K. sich ertränken wolle. Wie verlautet, sollte das junge Mädchen zu einen Angehörigen zurückkehren und Berlin verlassen. Wie sich nachträglich ergiebt, dürfte die Annahme, daß ein Selbstmord vorliegt, die richtige sein. Veranlassung zu demselben soll die Befürchtung, einer Besserungsanstalt überwiesen zu werden, gewesen sein. lOOO« Mark Defizit weist nach der Mittheikung Stöcker's das letzte Geschäftsjahr der Berliner Stadt- Mission aus. Ob die intimen Freunde des Herrn Stöcker, die nothleidenden Rittergutsbesitzer, nicht dieses kleine Defizit decken werden'i Ja, die Herren Agrarier haben zwar ein großes Bedürsniß nach Frömmigkeit und Christlichkeit, aber ein noch gröberes nach Champagner und Austern. Und wenn diese beiden Zedlirfniffe mit einander in Konflikt gerathen, muß natürlich das erster« zurücktreten. Die Gedächtnisfeier deS 10jährigen Todestage« von Karl Marx sand nicht, wie in der letzten Sonntagsnummer irrthümlich gemeldet, am 12. d. M. statt, sondern wird, wie unsere Leser aus früheren Inseraten wohl schon ersehen haben werden, am Sonntag den 19. März im.Feenpalast" vor sich gehen. Polizeibericht. Am 11. d. M. Morgens wurde vor� dem Grundstück Görliyer User 24 ein Arbeiter an einem Baum er- hängt vorgefunden.— Nachmittags wurde ein Agent, Kanonier- straße wohnhaft, gelegentlich eines Wortstreites mit seinem Dienst- mädchen, der unverehelichten Witkowska, von dieser mit einem Hackebeil ins Gesicht geschlagen, so daß er eine bedeutende Ver- leyung der Stirn erlitt. Das Mädchen wurde verhastet.— Auf einer Bank am Belleallianceplatz versuchte Nachmittags ein geistesgestörter Arbeiter sich durch Oeffnen der Pulsader an der linken Hand zu tödten. Nach Anlegung eines Nothverbandes wurde er nach der Charitee gebracht.— Abends fiel ein Maurer im trunkenen Zustande nahe der Fennbrücke in den Spandauer Schiffsahrtskanal, wurde jedoch noch lebend aus dem Wasser ge- zogen und nach der Charitee gebracht.— Abends wurde in einem Hotel ein am Tage zuvor aus Hamburg angekommener Reisender mit einer Schußwunde in der rechten Schläfe lodt aufgefunden.— In der Nacht zum 12. d. Mts. wurde ein unbekannter, etwa 40 Jahre alter Mann im Thiergarten aus dem großen Spielplatz neben einer Bank todt auigesunden. Anscheinend hat sich derselbe durch Gift aetödtet.— Auf dem Grundstück Stülerstr. 5 sand in der Nacht zum 5. d. Mts. ein Dachsluhlbrand statt. Bei den Löscharbeilen brach ein Feuer- wehrmann durch die beschädigte Decke und stürzte in das darunter gelegene Stockwerk hinab, wobei er im Gesicht und an den Armen dedeutende Verletzungen erlitt, so daß er nach dem Elisabeth- Krankenhause gebracht werden mußte.— In der Nacht zum 12. d. M. erschoß sich ein Weinhändler in feiner Wohnung in der Werflstraße mittels Revolvers.— Am 12. d. M. Vormittags sand an der Ecke der Bismarck- und Moltkestraße zwischen einem Omnibils und einem Geschäflswagen, dessen Pferd scheu geworden und durchgegangen war. ein Zusammenstoß statt, wobei der Führer des letzieren vom Bock in eine Glasscheibe des Omnibus geschleudert wurde und so bedeutende Verletzungen im Gesicht erlitt, daß er nach der Charitee gebracht werden mußte.— Nachmittags fanden in der Wrangelstt. 46 und Rügenerstt. 3 kleine Brände statt. TheAtev. Der Verein„F r e s k o- B ü h n e" hatte am Sonntag seine zweite Vorstellung, und zwar diesmal im„Viktoria- Theater" veranstaltet. Der Verein hatte es sich zur Aufgabe gestellt,„Stücke zur Aufführung zu bringen, in denen sich eine große Welt- anschauung durch groß angelegte Charaktere wuchtig verkörpert, in denen sich bedeutsame Schicksale rasch und leidenschaftlich voll- ziehen". War nun in der ersten Vorstellung„Manometer auf 99" eine Weltanschauung verkörpert, für welche in leidlich gesunden Menschenhirnen kein Raum und bei der höchstens der Dichter ein psychologisches Interesse erregt, so stteg das gestern zur Auf- sührung gelangle Stück„Thomas Becket" von Hans Wellberg von jeuer Höhe wieder herab und führte uns in den Bereich schüler- hafter Nachahmung konventionellster Historien-Dramatik. In dein Kamps für Befestigung seiner Herrschait und für die Unabhängig- keit mit Rom, den Heinrich IL von England führte, unterstützte ihn Thomas Becket, sein Kanzler, und bald darauf Erzbischof von Canlerbury, der jedoch, eine so ergebene Stütze des Königs er vorher gewesen war, ein um so leidenschaftlicherer Vertreter Rom's gegen denselben König wurde. Mit der Ermordung Beckel's endet das Stück. Diese fällt geschichtlich in das Jahr 1170, und Rom würdigte seine Verdienste damit, daß der Papst ihn bereits zwei Jahre nach seinem Tode für heilig erklärte. Der Stoff an und für sich würde wohl auch heute noch im stände sein, Interesse zu erregen, wenn die dargestellten Personen und ihre Entwickelung menschlich und lebenskräftig charakterisirt wären. Das ist aber in diesem Stücke nicht der Fall. Von einem Konflikt, den der Held des Stückes zu lösen hat, kann gar nicht die Red« sein. Gleich tn der ersten Szene ist uns seine Bekehrung so zweifellos, daß es uns nur unbegreiflich erscheint, wie er überhaupt zum Kampfe gegen die Kirche kommen tonnte. Neben der Hauvtbandlung bewegle sich auch noch der Kamps der Königin, die ov des Liebesverhältnisses des Königs mit Rosa- munde Clifford die Empörung gegen diesen anfacht und leult, und sich, als Ihr die Gegnerin in die Hände fällt, durch Becket zur Verzeihung bewegen läßt. Diese Nebentragödie, welche die beiden letzten Akte füllt, schwächte jedes dramatische Interesse. das sich im 3. Akte noch durch wiederholte Hervorrufe geltend machte, vollends ab. Mit sichtlicher Heiterkeit verließ das Publikum das Theater. Die Darstellung ist im Ganzen zn loben; besonders verdient Herr B e a u r e p a i r e in der Titelrolle hervorgehoben zu werden. Wir besürchlen, daß der Fresko- Bühne es schiver werden wird, noch einmal tüchtige Schauspieler zu gewinnen, wenn eZ sich nur darum handelt, solche dramatische Versuche, die allenfalls in einem krähwinklichen Liebhabertheater unter den Angehörigen des- Dichters und der Darsteller mit Erfolg gekrönt fein können, zur Aufführung zu bringen. Im ThomaS-Theater bringt feit Sonnabend das Wiener Ensemble des Direktors Graselli wieder eine neue Posse„Ihr Korporal" von Carl Costa mit der Musik von Millöcker zur Aus- sührung. Wenn die Posse den Zweck hat, lustig zu amüsiren, so wird dieser Zweck vollständig erreicht, besonders bei der frischen und munteren Tarstellung, die sie im Thomas-Theater fand. Von den Darstellern vervient Herr Müller als Gottsried Lampl, Malerialist und Hausbesitzer, hervorgehoben zu werden. sowie Frl. Jolli, die dessen streitbare und durch die Liebe zu ihrem Korvorel Jstwan,(Herr Blum), gezähmte Schivester. mit naturwüchsiger Anmuth wiedergab. Mit ihnen seien noch rühmlich genannt Herr K ö p p e l und Frau M e n tz l. Gerirltks-Äeiknng. Wegen wissentlichen Meineids stand gestern der frühere Bildhauer Werber aus Charlottenburg vor den Schranken des Schwurgerichts am Landgericht L Der Angeklagte ist eine au Genchlsstelle nicht unbekannte Persönlichkeit, er gehört zu den weisen Männern, welche den kleinen Leuten, die mit dem Gerichte zu thun haben, die Schrijlsätze anfertigen und mit guten Rath- IchlSgsn gleich bei der Hand sind. Er steht sogar im Verdacht, gewerbsmäßig in allerlei Prozessen als Zeuge aufgetreten zu sein. Daß eine solche Persönlichkeit es mit der Heiligkeit des Eides nicht allzu genau nimmt, ist eigentlich nicht zu verwundern. Der Angeklagte wurde beschuldigt, aus ganz unbedeutender Veranlassung einen Meineid geleistet zu haben. Er hatte unter seinem Eide be- haupret, daß er eines Tages im Anschluß an seine vor dem hiesigen Amtsgericht II stattgefundene Zeugenvernehmung aus dein Korridor des Gerichtsgebäudes gehört habe, wie d»e eine der streitenden Parteien die andere mit Schimpfwort«» belegt habe. Durch die Beweisaufnahme wurde die Unwahrheit dieser Bekundung dargelegt und die Geschworenen gaben deshalb einen Schuldigspruch ab. Der Gerichtshof verurtheilte den Angeklagten zuzweiJahrenZuchthauö. lieber die Berechtignug der Dienstherrschaft, Weih- nachts- oder Neujahrsgeschenke ganz oder zum Theil zu wider- rufen, wenn im Laufe des folgenden Jahres der Dienstvertrag durch Schuld des Gesindes aufgehoben wird, hat sich kürzlich eine Zivilkammer des Landgerichts I dahin ausgesprochen: Fraglich könnte nur fein, ob man berechtigt ist, das ganze Weih- nachtsgeschenk in Anrechnung zu bringen oder nur nach Ver- hältniß der in einem Jahre abgedienten Zeit. Das Kammer- gericht bat sich früher einnial fiir diese letztere Ansicht aus- gesprochen, die Zivilkammer hat sich derselden aber nicht an- schließen können, da sie im Terte des Gesetzes keinen Anhalt siudet. Ter Grund des Gesetzes kann ebensowohl der sein, daß das Gesinde möglichst dazu angehalten werden soll, die Dienstver- träge lange, also auf mindestens ein Jahr, auszuhalten, so baß das- selbe bei Verlassen desDieustes um das ganze ihm gewährteWeihnachts- Geschenk gekürzt werden soll, wenn dieses Verlassen vor Bc- cndigung des ersten DienstjahreS stattfindet, wie auch, daß das Gesinde sich das. zu e, n e r Zeit im Jahre ihn, zugewendete Geschenk allmälig abverdienen soll, sodaß dem Gesinde nur ein nach Verhältniß der Dienstzeit zu berechnender Betrag gekürzt werden soll. Bei dieser Zweifclhaftigkeit des Grundgedankens des Gesetzes liegt keine Veranlassang vor, vom Wortlaute des- selben abzuweichen. Nach diesem ist die Herrschast berechtigt, während des ersten Dienstjahrcs das ganze Weihnachtsgeschenk auf den Lohn anzurechnen, wenn das Gesinde durch eigene Schuld vor Ablauf dieses Jahres irgend wann den Dienst ver- läßt. Eine Schuld i», Sinne der Gesinde- Ordnung liegt vor, wenn das Gesinde die Ursache zum Berlasien des Dienstes giebt, und diese Ursache giebt es auch dann, wenn es den Dienst kündigt. Ter am Sonnabend wieder i» Haft genommen« Kauf- mann Carl Paasch wurde gestern. August v. I. ein Artikel mit der Ueberschrifl:„Pariser Briefe aus dem Tagebuch« einer Erzieherin", welcher später unter Anklage gelleUl wurde. Verantwortlich war zu jener Zeit für den polilischen Theil des Blattes Dr. H. Lux, für den Jnseralemheil der jetzige Angeklagt« W. Meyer, und fiir den übrigen Theil drs Blattes E. Köster in Groß- Ottersleben. Meyer war zugleich Verleger für seine eigene Rechnung, während die beiden anderen Redakteure von ihm be- foldet wurden. Der Artikel, welcher nach der Ansicht der Staatsanwaltschaft den Thalbestand eines ReligionSvergehens eut- hielt, geHörle zu demjemgen Theile des BlatteS, welcher von dem Redakteur Köster verantwortlich zuscunmengestellt ivurde. Gegen diesen wurde auch Anklage auS§ 166 St.G.B. erhoben, er flüchtete aber vor der Hnuplverhaiidluug ins Aus- land. Nunmehr wurde gegen den ihin zunächst stehenden Hinter- mann, den Verleger Meyer, die Anklage gemäß Z 31 des Preß- gesetzes erhoben. In beiden Hauplverhandlungen wurde fest- gestellt, daß der inkriminirte Artikel gegen den§ 166 verstößt, und ivurde in ihm eine Beschimpfung der christlichen Kirche erblickt. Der Verfasser resp. die Verfasserin oeS Artikels ivurde nicht bekannt gegeben. Der Angeklagte Meyer behauptete unwiderlegt, der Artikel sei ohne sein Wissen in die Zeitung gekommen. Das Gericht hat ihn aber für verpflichtet gehalten, eine sachliche Prüfung der zur Aufnahme bestimmten Artikel vorzunehmen, um so mehr, da er wußte, daß Köster eine spitze Feder führe.— Die abermalige R e< vision des Angeklagten kam kürzlich vor den» dritten Strafsenate deS Reichsgerichts zur Verhandlung. Die Recht- sertigungcfchrift, vom Rewisanwalt Werner in Magdeburg ver» faßt, führte hauptsächlich darüber Beschwerde, daß er, der Ver- lheidiger, nicht zur Hauptvcrhandlung vor der Strafkammer ge- laden morden war. Der Angeklagte Meyer habe sich damals in Haft befunden und nicht selbst bei ihm, dem Vertheidiger, nachfragen können, ob er eine Ladung erhalten habe. Durch eine Nichtladung deS Vcrtheidigers sei der Angeklagte in seiner Verlhcidigung beschränkt worden. Zu be- merken ist hierzu, daß Herr Rechtsanwalt Werner in der ersten Magdeburger Hanplverhandlung am 22. Juli IöS2als Vertheidiger aufgetreten ist und daß er zu der ersten Revisions» Verhandlung vor dem Reichsgerichte benachrtchligt wurde. Eine fchnitliche Vollmacht für ihn war allerdings nicht bei den Akren. — DaL Reichsgericht sah die erHobe»« Beschwerde alS begründet an und erkannte aus A u f h e b u n g des Urlheils und nochmalige Zurückverweisung der Sache an das Landgericht Die Gninbe lauteten: Ter Angeklagte ist mit einem Ver- theidiger in der früdcren Veihandlung aufgetreten; der letztere hat auch die Revision für den Angellagien eingelegt. Durch diese Umstände und durch die Angabe des Angeklagten selbst war der Vertbeidiger dem Gerichte bekannt. Es bedume deshalb für die neue Hanplverhandlung vor der Strafkammer keiner An- zeige von der stattgehabten Wahl des Vertheidigers; das Gencht mußte vielmehr aus freien Stücken den Vertheidiger zur Haupt- Verhandlung laden. ■DcvlÄmmhmgeu: Eine Branchenversammlnng der Klempner vom Verband aller in der Metallindustrie beschäitiglen Arbeiter tagt« am 26. Februar. In derselben hielt Genosse Mehner einen interessanten Vortrag über Antisemitismus und Sozialdemokratie, dem eine lebhafte Diskussion folgte, an der sich die Kollegen Winter, Krause, Nälher u. a. betheiligten. Hieraus wurden die Kollegen Schiller und Anders in die Fachkommission gewählt; sodann erörterte die Versammlung tinige innere Organisations- Angelegenheiten. Der Verband der Sattler«nd Tapezirer hatte am 4. März eine Versammlung, in welcher der Augenarzt Herr Dr. Wurm über das Thema sprach: Wie erhält man die Augen gesund? In der Diskussion kam der Kollege K. Schulz auf das Arbeiterschntzgesetz zu sprechen und zeigte, daß dasselbe nicht im stände ist, die gesundheitsschädlichen Zustände aus den Arbeitsstätten zu beseitigen. Die Versammlung beschloß serner, den Werkführer Nehse wegen seines Verhaltens den ihm unterstellten Arbeitern gegenüber aus dem Verband auszu- schließen. Zum Schluß legte der Kollege Lockstädt sein Amt als Bevollmächtigter nieder. Die Bersammliing der freien Vereinigung der Graveure und Ziseleure vom 6. März beschäftigt« sich mit dem Thema: Ausbau der Organisation. Es wurde allseitig be- dauert, daß durch die Amtsniederlegung der Agitationskommission die Fühlung mit der auswärtige» Kollegenschafl unterbrochen ist. Folgende Resolution ivurde angenommen: Die heutige Versammlung ersucht die Berliner Kollegenschaft, zur Wahl einer Agitations- Kommission in zustimmendem Sinne Stellung zu nehmen. Mit einem begeisterten Hoch auf die moderne Arbeiterbewegung wurde die Versammlung geschlossen. Mit der Frage der diesjährigen Maifeier hatte sich die Parteiversamiulung des sechsten Wahlkreises, welche am 12. d. M. im„Schultheiß"(Eiskeller) tagte, zu befassen. Das einleilende Referat hielt A l w i n G er i s ch. Derselbe hob her- vor, daß die prinzipielle Seite der Frage schon auf dein letzte» Parteitage erledigt worden sei. Es rönne sich demzufolge nur darum handeln, sich über die praktische Gestaltung der Feier zu einigen. Da von einer Arbcitöruhc keine Rede sein könne, so lnüsje man sich über die Gestaltung der Feier in anderer Weise verständigen. Die Meinungen hierüber seien sehr getheilt, es spiele bekanntlich die Lokalfrage hierbei die größte Rolle. Nach Lage der Verhältnisse Halle er die Abhaltung großer Versamm- langen am Abend des 1. Mai für die würdigüe Form der Mai- seier. Dieselben könnten event. durch Konzert, Gesang, lebende Bilder u. s. w. verschönert werden. Neber die Einzel- heilen der Feier hätten die Parteigenossen zu be- stimmen. Jedenfalls müsse alles daran gesetzt werden, auch die diesjährige Maifeier zu einer einhettlichen und großartigen zu gestalten. Gegen jedt Maifeier war I ä n i s ch. Der- selbe plädirte für Demonstrationen und Versammlunaen für Männer und Frauen. Koopmann wünscht« am Nachmittage ein familiäres Vergnügen und Abends Versammlungen. Dorn« b u s ch stand auf demselben Standpunkle. Ohne jegliche Festlich- teil— mit Ausschluß des Tanzes— würde es in Berlin nicht abgehen können. Auch Marten war dieser Ansicht und wünschte, daß in vier größeren Lokalen wieder die Maifeier ab- gehalten iverde. H e r m e r s ch ,u i d t beantraate, den Vertrauens- Personen die Regelung der Maifest-Feicr bezw. die Veranstaltungen zu derselben zu überlrageu. G i c s h o i t war gegen jede„Feier". Er wünschte Versammlungen am Vormittage. Es gäbe Arbeit- gebrr, welche ihren Arbeitern gerne Gelegenheit geben, am Tage zu demonstriren. Ebenso müßte den Arbeitslosen zur Demon- strution Gelegenheit gegeben werden. Den allgemeinen„Kasseeklatsch" am Nachinillage hielt er vom Hebel. Abends sollte» dann ebenfalls mehrere Volksversammlungen abgehalten werden. Auch war er gegen den Antrag Hermersch midt. Näther unterstützte energisch den Vorschlag Gt es holt's. Er faßte den Beschluß des Parteitages, den ersten Sonntag im Mai zu feiern, dahin aus, daß dies nicht für ewige Zeiten zu verstehen sei, vielmehr daß allmälig zur Feier des 1. Mai zurückgekehrt werden solle. lim denjenigen, die am 1. Mai demonstriren wollten, die Ge- legenheir hierzu nicht zu nehmen, war er fiir eine Vormittags- Versammlung. Dietrich machte noch besonders darauf auf- merksam, daß viele Genosse» durch Arbeitslosigkeit derartig hcruntergekoinmen seien, daß sie sich bei einer„Fenlichkeit" nicht sehe» lassen könnleii. Deshalb war auch er für eine Tages- versamnilung. Gerisch's Meinung ging dahin, daß weder die Arbeitslose» noch die Familie» von der Theilnahme an der Maifeier ausgeschlossen werden dürften. Die Versaiiimlunp beschloß, am Tag» eint Versammlung abzuhalten. Im Uebvigen wurde die Veranstaltung der Maifeier den Vertrauensmännern über- lragen. NamcnS der Lokal-Ztoin Mission reserirte hierauf H e r- m e r s ch m i v t über die Lokalfrag,. Derselbe verlas zunächst Schreiben von Max Wciinan», Volksgarten(Gesundbrunnen), von der Direktion der Norddeutschen Brauerei, dein Oekonom vom„Feldschlößchen" Müllerslraße, sowie die Erklärung des Oekovornen Wcbekino(Ahrens Brauerei, Moabit). Dieselben gingen glcichlaulend dahin, daß sie ihre jeweiligen Lokale der sozialdemokratischen Partei für gewerkschastliche wie politische Versammlungen, wie auch zur Abhaltung der Maiseier uneal- aeltlich zur Verfügung stellen wollen. Das Lokal„Schloß Schön- holz" blieb aus dem Bereiche der Erörterungen, da hierüber zu bestimmen die Charlotteiiburgcr Lokal- Kommission sich vor- behalten hat. Nach der Erklärung Hermerschmidt's ist die Berliner Lokal- Kommission sich dahin schlüssig ae- morden, daß, sofern die Versammlung den Boykott nver die vorstehenden Lokale aushebe, ste sich diesem Beschlüsse anzuschließen gewillt sei. Redner gab indessen zu bedenken, daß die Sommerlokale Weimann'S Vvlksgartcn, Ecliweizergarten, Puhlmann, Feldschlößchen ec. sich während der Saison, wo keine Gelegenheit zur Abhaltling von Versanimlnngen ist, sich den Ar- beilern gerne znr Verfiiaung stellen. Es würde davon ab- hängen, ob derartige Lokale auch für Versammlungen zu haben sein werden, ehe Beschluß über dieselben gefaßt werden könne. Im Interesse der Maifeier sorderte Marten Beschlußfassung dar- über, od die seit dem vorjährigen 1. Mai bestehende Lokalsperre vor Ablauf deS festgesetzten Termins auszuheben sei. Groß- mann versprach sich eine noch größere Wirkung eines Lokal- boykottS, wenn die Kenntniß eines verhängten Boykottes mehr verbreitet und derselbe mehr gehalten würde. Die Boykoltlifte müßt« mehr verbreitet werden. Kleinert war gegen die Aushebung des Boykotts. Sei man so lange ohne diese Lokale ausgekommen, so brauche man ste auch jetzt nicht. Die betreffenden Lokalinhaber hätten schon längst komme» müssen. De», Redner wurde klar gemacht, daß die Lokalinhaber sich schon lange und wiederholt um die Aufhebung des Boykotts bemüht hätten. Der gesabte Beschluß lautete aber aus die Dauer eines Jahres. Aus der ferneren Debatte sind die Aussührunaen Wernau'? hervorzuheben. W e r n a u gab zu verstehen, daß vi« Lokalkommission vor einem Konflikt mit der Schultheiß-Brauerei stehe, daß er aber hoffe, daß derselbe ohne ernste Folgen bleiben werde. Er führte ferner aus, daß der Boykott von seilen der polilischen und gemerkschasliichen Organisationen durchgeführt worden sei, nicht aber von den„Auchgeuossen", von„Qualmtuten-Vereinen" tc. Ferner wies er aus die Mißstände hin. die durch den Besuch Berliner Genossen von gesperrten Lokalen in der Umgegend hervorgerufen werden, und empfahl, den Rauchklubs. Ber< arnignugsuereinen ec. ernstlich auf die Finger zu sehen, und bei Veranstaltung von Vergnügungen in Orlen der Umgegend sich vorher mit den Lokalkommisstonen der betreffenden Orte in Ver- bindnng zu setzen. Tie Adstimmnng betreffs Aushebung des Boykotts erfolgte einzeln über die fraglichen Lokale. Beschlossen wurd«, den Boykott sofort aufzuheben üb«r die Norddeutsche Brauerei(gegen 10 Stimmen), Weimann's Volksgarten(gegen eine große Minderheit), und Ahren's Brauerei, Moabit(gegen eine große Minderheit). Den politischen wie gewerk« schaftlichen Organisationen wurde indessen aufgegeben, die freigegebenen Lokale vor dem 1. Mai nicht zu benutzen. Der Boykott über das Lokal Feldschlößchen, Müller st raße, dauert fort. Psarr sorderte sodann auf, die Zeitschrift zum 18. März vom Genossen W i l k e nicht zu respekliren, sondern nur oie rothe Nummer des Teltow-Beeskower Äolksblattes hoch- zuhalten. Denselben Appell richtete Kiesel an die Genossen, Habanz hob hervor, daß der Uebersckniß des Wilke'schen MärzblatteS gleichfalls„der Partei" zufließe. Psarr erklärte die vier Geranten des Wilke'schen Märzblattes nicht für maß- gebend. G e r i s ch trat der Auffassung entgegen, daß Wille im Einverständnisse und mit Zubilliaimg des Parteivorstandes ge- handelt habe. Wille treffe der Vorwurf, die ihm angebotene Einigung zurückgewiesenen haben. Demzufolge könne nur das Parlei-Unternehmen in Betracht kommen. Zum Schlüsse gab Raschle die Abrechnung der Sammellisten betr. Delegirten- wählen zum letzten Parteitage. Erhalten halte die Kom-- Mission 807 Listen. Eingegangen waren 1039, öö M. Verausgabt 107,30 M. Der Ueberschuß beträgt 932,0S M. De« Verirauenspersonen sind übergeben 862 M. ö Ps. Der Koi».- missionsbestand ist 60 M. Es stehen noch drei Listen aus. Zur Sprache kam auch noch die Kellnerfrage, da die Kellner'au „Schultheiß" behaupteten, es gebe kein Erkennungszeichen mehr. H e r m e r s ch m i d t hob hervor, baß zuweilen großer Unfug mit der Legitimation als Wahlvercinsmitglied getrieben werde. Die Vertrauenspersonen werden dafür Sorge tragen, daß bei der Maifeier nur organistrte Kellner beschäftigt werden. A u g u st i n beantragte hierauf, an Stelle des inhaftirten Bertrauensmaiimes Pingau für den Schönhauser Bezirk den Genossen Former K e t t n e r provisorisch zu wählen. Die Wahl wurde dein An- trage gemäß vollzogen. G r a ß h o l d brachte zur Sprache, daß der Vorstand der Krankenkasse der Wäschebranche wieder bei Puhlmann ein Vergnügen abhalte und forderte auf, BiUets nicht zu kaufen. M i l l a r g richtete an die in der Versammlung >n corpore erschienenen Bierfahrer der Norddeutschen Brauerei, die sonst nie in Parteiversammlungen zu sehen geiv�en seien, die Aufforderung, sich endlich auch einer Organisation anzuschließen. Die Frage der Gesangvereine:c. wurde vis zur nächsten Partei- Versammlung vertagt. Hierauf wurde die Versammlung mit einem brausenden Hoch ans die Sozialdemokratie geschlossen. »er in HoI,I,»arb«I»>m?«sabrik-» NN»«Nif A«l,p>Stz»« vesch-iftiat»» Arveit-r und judtitfriuntn D«utschland». Otts- v-rwailung Betlin s Nord. Di-nstng, den l«. ffliflti, Abends 8* Uhr, ffilit» gUiderversammlung bei Nehli»,«etgur>-. ZogeSotdnung-«oritag. zokninerbnnd der Zimmerer zveiAensee». Dienstag, den 14. März, Versammlung bei«rhardl, Langhansstr.»?. iutlanale dausmiinnifch« Kranken- und Kterbekals». Dienuag, den u. März, Abends 8J1 Uhr. im Mestanrani P. Bodenburg,»om- mandanienst aste lv— u. z>«r»i» Kerline» Kauddlener. Dienstag, den I». März. Abends» Uhr, a»ß>rord«nNiche Senecalversammlung in de.. Arminhallen, Kommandanten- 'tta t ii t rnli-ereln der Hildha»»» Deuttchland», Sanvereln Berlin,«er- iammlung Abends slj Uhr, Annenstr.>«. Tagesordnung: Bibliot h-ISabend rc. Siehe heutige Annonce. Ardeiier Ktldungdtchut». Dienstag Abend«X—»olj Uhr:«Sdschnle, »aaelSbernersir. 48: Unlerrichl in Deutsch lmriileres und unteres); Südost- Schule, Neichenbergersir. IS»! Unierrichl in Deutsch(minieres und unteres»: Ost-Schule, Mariusstr. Bl: Unierrichl in Deutsch iniittl-re« und nniereS»: Nord-Schule, Mülterftr. ueo:«Leschichie(neue», Kausmännisches Rechnen, Wechselrechi und Korrespondenz. In allen Fachern tönne» noch Schüler und Schülerinnen, auch tehi im Laus, de» Semesters, einlrelen. renn» x>>»k»iiri,Ir>k». Sien Nag.„Empor",«bendS»X Uhr, «ehrend, Blunienihalstr. e. Zird-iirr-Siingrrbund Berlins und Umgegend. Alle Aenderungen im yereinsialender sind ,» richlen an Friedr. Korlum, Niantousseiftr. 70. Siriistag, AbdS.» Uhr, UebungSstunde. Ausnahme neuer Mitglieder.— Freundschaft>, bei Ööwaid Berliner, Brunnenstrabe iu.— Olympia, Alte Zalobstr. 88 bei Richter.— Schildhorn, Uiedomstr.»» bei Miek«.— Allegro, Wrangelstr. 141, bei Schinivi.— Aipengloile,»rüner Weg»», bei Saeger.— «rnberherz. Mameustelstr.» bei Nowacl.— Jhn'scher Humor, Strauß- bergerstraße z bet Birk.— U nverzag l», Moabit, Kronen-Brauerei.—< Hoffnung 2, Deutsch- WilinerSdors, Brandrnburgslraste bei Erliii.— Waldkapelle, Reichenvergeriir. to bei Roscher.— Arbeiter- Mai- dun», RowaweS, Wallstrahe bci Eüriner.— Sänger kette, aräsestr. i« bet Plötz.— Kre uzber g, Lichtersetdersiraße Nr. 1—8 bei Winter.— Alte Linde, Reichendergerstraße 30 bei Fürstenau.— Vorwärts 4, Rathenow, Resiaurani Zur Erholung bei W. Frieserk«.— Einigleil», Landsberger- stratz«»> bei Muschold.— Sorgenlos. KäSlineriir>7 bei WendU.— Besangverein der«öucher Steineiche, Zlldenstr. bei Drieschntann.— Vorwärts 8, Warwitz, bei Wiih.lm Rölie.— Hilaria, Blumenpraße 4« bei Wenk Sänger-Ehor der Töpfer, Neue Friedrichsir. 44, bei RöNig,- W i« d erh a ll, Eisenvahnfir, eo bei Siegmund. Äesangverein Sei, efelder, Fischeritr. 41 bet Ssideuian».— Johanni, Ostbahnhof 7 be! Schulz.— Vorwärts 3. FrlcdnchSselde, Wilhei.mstr. lo bei Moniber.— iSeiangrsretn Rothe Nelke».bei Rade, Rupp»ner- und Schönholzerstraßeii< Eile.— Schneeglöckchen», Nlxiocs, Berliner- stratze 13« bci Nummer.— Eesaiigvereiii Ein t rächt, lliteoer-Schönweide, Restaurant Hinz.— Mobr'scheS Doppelquartett, FriebrichSdcrgerstr. 10. - Gesangverein Frohsinn in Stralau bci Gaster.— Deutsche Liedertafel, Grüner Weg e» bei Süger.— Sängergrust, FriedrichShagen, Blank'S Restaurant.— Vorwärts 7, R»»unels- burg, bei Vorgmaiin.— Epheu,«ckerstr. 133 bet Stüiule.— Gesangverein „F r e t h e t t 1, ilulmstr.«8 bet Rauinann.— Gesangverein„Echo W a Uhr AdendS UebungSstunde bei Retinann, Alle Schö»ha»ser(lr. 43.— Gesangverein Gerechltg teil Westen, Sli-innutzstrabe-8a bet Brediow.— Ardetler- Männernesangvireln„Sän gerkretS" Wetßensee,«önigS-Ehaussce 48, bet Brenne«.— Gesang- und Theaterverein„Acacie"(geinisch. Chor). Elalitzcrstr.«4, bei A. Henk»,— Arbeiier-Gefangve rein Freiheit 3, Ablers- hos, Restaurant Kuhle. Hund der gefellige» Zirdelteruerein, Kerlin««nd N», gegen». Vit» Zuschrtsten, den Bund betrefseud. find zu richten an P. Henkel, Bergmannstraße»l, Hof 8 Tr. Dirnstag. Skatkirrb Kreuz-Solo bet Stecher, AudreaSstr. u. AdendS 8— 10 Uhr.- Th ealerveretn Blume niese bei Sommer, Siallschreivcrstr. 8».— Geselliger Berein Hoffnung bei Nemitz, Lrbuserstr. s, alleu Tage.— Tamdourv-rein Wirbel, bei M aller, Sartensir.83.— Gesell ger B-rei» Mehr Licht bei Goltz, Gr Frankfurter- (iraße 133.— Loutfenstädtächer Verein Frohsinn bei Mohnng, AdiNiral- iraße ISc.— Tambourverein Deutsche St che beiNiederichuh. Furdringer- str. 7.— Tambour> Verein Borussia bei Scholz, Wetoenwcg, Ecke Mög- linerstraße.— BergnllgungSverein Klimbim bei Brediow. Bülowstr. 88.— «ergnügungSverein Amor II bet Bergemann, Prmzr»-Alloe 10.— ? rmbourveretn Ruf bet Sperling, Jnlelstr. l.— Mnstrverein Hoff- nuno, bei Drcßler, Etsenbabnstr. 8.— VergnügungSoerrin Alpen- Veilchen im GesellschafiShauS Ostend, RüderSoo-serftc. 48.— Schützen- derein F r e t k u g e l bei Henle, Skaliverstr. 54. Gesang-, turn- und geieliig» Derein», virnftag. Gesangverein V n a k r« 0 n, AdendS«-Ii Uhr, der Keßner, AnnliiZlraße 18.— Musilveretn No rd ex— Li Uhr. Wriezenerstr. 8, bet Scndke. Turnverein Gesundbrunnen. Die 1. Männar-Abthellnna turnt von «X— loii Uhr in der Turnhalle des Lesstng-Gvmnastum«, Paukstraße»—10.— Berliner Tnrngenossenschasi. Die». Manneradihetlung lurnl jeden Dienstag und Freitag in der weinemdeschuie, BlumenAr. 83a. Theater-Acrein Othello 9 Abend«»»Hr. de» Tägcrs, Gartenstr.»3—>4. — Vrivai-Thealer-Selellschast BertinerHumor, Abend» b Uhr, Köpniiler- slräße 188 bei BuchS.— Prwailheaiervereni Crescendo. Abend«, bei Ntcolav, Sltsabelhlirchflr. 14.— Thealerverein Bulkanta bei Täger, Garrenstraste lg— 14.— Theaterverein Vuclania 3 AdendS»X Uhr Acker- siraße 144 Vorstadtisches Kasino. «ergi.ugungSverein Amiciita,«X Uhr, bei Schönnagel, Barnimstr. 47. — iiZergnüaungSvereln LletchSkrone, AbcndS«Uhr, in Reichen'« Fest- fälen, Müllerftr. 7.— Geselliger Verein Brüderschaft, im Restan.ant Deulscher Reichsadler, Lensseiftr.».— VergnügungSoeretn Saturn alta, beul« Abend« Uhr, Raupachfir. s.<- Bergnügungsoerein Fidel to. Alle Dienstag Abend« 0 Uhr Sitzung mit Dame» bet Seifert, Oranienstraß««>.— Bergnügungsvercin«ervl ina, ehem.«oll'fche Tanzschüler, Abends» Uhr, im Resiaurani Pro» Rnnenftr.».—»ei»üiger Berecv„Mehr Lichl"' Abend«»»Ihr, Groß« Franlsurierstr. 13» bei Gold«.— Touristenllüb „Wanderlust", Abend»« Uhr, Franseckiilr. und Schönhauser- Allee Ecke.— Geselliger»rdeiiervrrein v 0! f n u u g VoretvSlolal(Südoeulschee Brauerei- Ausschank) Reichenbergerstr. il. Jede» Dienstag, alle>4 Tage, Abend« 8 Uhr. Geselliger Verein Regina Sitzung mti Damen Orontensir. 188 bei Schön- walder.—. Vergnügungsverein L» n a. Jeden Dienstag Sitzung bei Haberecht, Große Franlfunerstc.«0, Fidelttas. Mustk-Tllettaiitenverel»„Preziosa", jeden Dienstag, Abend««X Uhr, Uebu»gSstu»de in Schessler« Resiaurani. Reinilkendo.f-rstr. 38. Aiifnahine.— giiherklud„FreihejiSklänge" jeden Dienstag Abend bei«. Franke, Aposteikirche 7 b. Zitherverein„Ginigkeit". Jeden Dienstag Abends X» Uhr bei Sauer- mann,«daldertstr. 8: uednngSliunoe. Orientalischer Rauchliud Spar- undKrediiverein, Abe cd«» Uhr, Recchenbeigerstiaße 24, bei Schiöder.— Rauchliub DäMiii» rwolke, Böelhstr. 8l.— Rauchklub Bruderbund. Adens« 9 Uhr, Lausttzersir. 80, bei«canbe.- Rauchliud Zeitgeist, Abend« 9 Uhr bei KaSpar, Reciaucant zum Zeitgeist, Bernauerstr. 72.— Rauchliud Unverzagt bei Müller, Fruchistraße Rr. l— 3.— Rauchliud P 0 ri or ico, Avend« 9 Uhr, t>4> Nohn, Wrangelstraß» Nr.>2«.— Rauchklub Semüthlichkeit 3, Abend« 2 Uhr bet Achsel,«öpenttterstraße l«t.— Rauchklub Blaue Luft, Abend« 9 Uhr det Lredlow, Blllowstr. 88.—«auchkmd Abguß, 8X Uhr, bei Schutze, wedersn. l».— Altdeutscher Rauchklub. Jede» Dienstag bei Wuttke,«rauben, erste. 2.— Rauchklub Abguß 1. AdendS vX Uhr det Raivrod MarkuSstr. 28. Tamdouivetein Rolhe Reite. Dienstag und Frei tag, Abends» Uhr, Sei Thiele, Brande�burgstr, 6«.— Tambourvereln S3t f t o t i a, NcbunaSNilndi Tienstag und Freitao,.»uifnahme nur aeübier Milglieder, Siümle's iHeftou; rant. Ktftiilr. 123.- ficgeitlab Fidello 1, Klubhaus Süd-Ost, Falckenlicln- flraße«l. u'd-n Tlen'tag»y, iihr. .,S r e i r u«- l Jeden Dienstag vor dem l. und IS, j-d-n Monais. Admiralstraße bei Lalow. VerniiMzkes. Zum Kapitel der Soldatcnmißyandlungen schreibt man der„Suemeii Presse" aus Mainz, erlauben nur uns im öffent- llchcn Interesse auf den Fall zurückzukommen, der sich im Juli vorigen Jahres in der zivciten Landivebrkompagnie unter Führung des Hauptmanns W..... zutrug. Zur Orientirung des Lesers sei folgendes kurz erwähnt. Ein trank geschriebener Wehrmann mub auf Befehl seines Hauptmanns feldinarschmasiig zum Dienste ausrücken, von wo er, einer Ohnmacht nahe, ins Krankenhaus ge- bracht wird, aus welchem man ihn als übungsunfähig entläßt. Vor feiner Abiührung ins Krankenhaus wird er seitens des Haupt- manns, der in ihm einen„Drückeberger" wittert, mit den gemeinsten Schimpfwörtern, die näher zu rcgistrircn uns der Anstand verbietet, traktirt. Aus dem vorgeschriebenen Dienstwege— Beschwerdeweg genannt— wurde der Hauptmann seitens des Beleidigten zur Rechenschaft gezogen, und die Beschwerde trotz aller Machinationen der dem Hauptmann untergebenen Fakloren aufrecht erhalten. Die „Kl. Pr." vom 27. Juli vorigen Jahres war in der Lage, ausführlich über diesen Fall zu berichten. Eine Untersuchung vor dem Militärgerichte stellte den veröffentlichten Inhalt der Be- schwerde, die übrigens von fMajor und Oberst als berechtigt anerkannt ivar, als vollständig der Wahrheit entsprechend fest. Bei dieser Vernehmung des Klagers ergab sich ferner, daß die bereits protokollarisch aufgenommene Aussage des Hauptmanns mit der des Klägers in direktem Widerspruche stand, und zwar zu gunsten des Hauptnianns. Eidlich er- härtete der Wehrman», daß die Veleidigungsszene sich in ganz anderer Weise abspielte, als vom Hauptmanne, dessen widersprechende Aussage man ihm vorlas, dargestellt wurde. Zur weiteren Bekräftigung dieser seiner Aussage, sowie zur Eut- krästigung der unzutreffenden Behauptung des Hauptmanns nannte der Wehrmann 5 Zeugen, und zivar auf Wunsch des Herrn Vorsitzenden. Der Wehrmann wollte cS ganz dem Er- messen des Untersuchungsrichters anheimstellen, irgendwelche Zeugen aus den Leuten auf dem rechten Flügel der Kompagnie auszuwählen. Dies geschah am IS. September. Beim Verlesen des Protokolls ivaren nur 4 Zeugen aufgeführt. Der Vorsitzende, darüber intcrpellirt, erwiderte, auch 4 Zeugen seien genügend. Dieser vergessene Zeuge ivar bei der Beleidigungsszene der unmittelbare Vorgesetzte des Wehrmannes und also ganz be- sonders im stände, ein klares Bild des Auftritts zu entwerfen und die Widersprüche zu lösen. Warum man ihn, trotz Reklamation, nicht in das Protokoll aufnahm, wissen wir nicht. Aber auch diese 4 Zeugen, die berufen wurden, der Wahrheit zum Siege zu verhelfe», sind bis heute noch nicht ver- n online» worden. Unsere Behauptung mag etwas unglanb- lich klingen, wir sind in der Lage, den Beweis der Wahrheit zu erbringen. So ruht allen» Anscheine nach bis heute noch diese Klagesache in dem Schoope der Verschwiegenheit. Welchen Fak- torcn diese Verschleppung zuzuschreiben ist, entzieht sich unserer Kenntniß. Denn für den Laien hüllt sich unser heutiges Militär- versahreu in ein mystisches Dunkel, das ihn lebhaft an das Bibelwort erinnert:„Herr, unerforschlich sind deine Gerichte". Erwähnen wollen wir noch, daß der betreffende Hauptmann im Herbste vorigen Jahres, kurz nach dieser Affäre, im Avancement befördert wurde. Ein entsetzliches Unglück ereignete sich aus der Karlshütte bei Delligsen. Ten Arbeitern des Werkes ist es erlaubt, außer der Vetriebszeit das für ihren Bedarf erforderliche Holz mittels der Kreissäge zu zerschneiden. Bei dieser Gelegenheit kam der Former Temme der Kreissäge zu nahe. In einem Augenblick— die Säge macht ca. 800 Touren in einer Minute— die Säge Körper des Unglücklichen von der linken Schulter bis zur rechten Hüfte buchstäblich durchschnitten.— In Karlsbad stürzte der innere Tdeil eines im Rohbau begriffenen Hauses ein. Ein größerer Theil der Arbeiter wurde verschüttet. Bisher sind zwei T 0 d t e und zwölf Verwundete geborgen. Es sollen sich noch viele Menschen unter den Trümmer» befinden. In Salmdorf, einem Orte der Eisenbahnlinie München Simbach, wurde die 66jährige Wittwe Reitsberger mit ihren drei 14- bis 23jährigen Töchtern in bestialischer Weise durch Zertrümmerung der Schläfen mittels eines harten Gegenstandes ermordet. Alsdann wurde das Haus an zwei Stellen in Brand gesteckt und brannte völlig nieder. Von dem Mörder ist bisher keine Spur vorhanden, ebenso ist der Beweggrund zur That noch unbekannt. Der norwegische Dampfer„Terjc Viken" ist. wie aus Kopenhagen gemeldet wird, am Freitag früh bei dem Leuchtfeuer von Hanstholm g e st r a n d e t; die Mamischaft wurde durch die Raketenapparate gerettet. Depelrhen. (Depeschen deS Änrea» Herold.> Graz, 13. März. Hier droht ein größerer Maurerstreik, falls nicht eine Lohnerhöhung und eine Verkürzung der Arbeits- zeit(Montag und Sonnabend je eine Stunde) bewilligt werden sollte.— In Marburg wurde gester» eine Versammlung von Arbeitern und Winzern, welche über die Maifeier berathen wollte, polizeilich aufgelöst. Vvirfk, alten der Vedakkion. Alter Abonnent. Wenn Sie den Bestellschein unter- schrieben haben, müsse» Sie auch dann Zahlung leisten, wenn Sie nichts angezahlt habe». A. M. 1. Ter Standesbeamte hat meines Erachtens kein Nechl, den Taufschei» eines, inhaltlich einer vorgelegten amt- lichen Bescheinigung aus der Landeskirche Ausgctreteuen zu be- zehren. 2. Die Einwilligungs-Erklärung des Brautvaters muß den Namen des Bräutigams enthalten. Bcinde Nr. IS'Kreuznach. Das nicht gewerbsmäßige Verbreiten derartiger Schristm ist straftos. W. A. 78. Jeder der genannten Beamten hat seine be- stimmten Funktionen. Mit welcher der höhere Rang verbunden ist, können Sie, wenn es Sie so sehr interessirt, durch die Dienst- reglements erfahren. Fericukoloilic. Bitte um nähere AuZkiinft. Bcrg. 1. Uin die Geschästsannoncen bekümmert sich die Redaktion nicht, noch weniger empfiehlt sie eine Waare, weil sie annoncirt ist. 2. Das ist kein Hinderungsgrund. W. 1. Der Beischlaf mit ciner'andern als derjehigen Braut giebt der Ersten kein Recht auf Widerspruch gegen die Heirath mit der jüngere» Braut. 2. Gerichtlich vor der Heirath. A. P. litt. Wenn Sie gemiethet haben(schriftlich) und nicht einziehen, so kann der Wirth auf Miethszahlung gegen Sie klagen. Versuchen Sie in Güte mit ihm auseinander zu kommen. Fritz Winter. Ja. G. R. In b Jahren; wir rathen nicht zur Anzeige, da die Sache immerhin zweiselhaft ist. M. L. Sie kann zum 1. April ziehen. W. So lange Sie im Zweifel sind, ob Ihr Schuldner zahlungsfähig ist, würde zu eiuer Klage bei 13 M. Objekt nicht zu rathen sein, da die Kosten zu hohe. A. H. und H. W. Bei der Frage, wann in diesem Jahre die zum l. April gekündigte Wohnung in Berlin geräumt sein muß, kommt es nicht auf die Höhe des Miethspreises, sondern lediglich auf die Anzahl der Räumlichkeiten an. Die diesbczüg- liche polizeiliche Anordnung geht dahin: Der Miether einer aus höchstens 2 Wohnzimmern und Zubehör bestehenden Wohnung mllß am I. April, der Miether einer aus höchstens 3—4 Wo/- zimmern und Zubehör bestehenden Wohnung muß am 4. April Mittags 12 Uhr, der Miether einer aus mehr wie 4 Wohn- zimmern bestehenden Wohnung muß am 5. April 12 Uhr Miftags geräumt haben. Tie Inhaber von Wohnungen aus 3 bis 4 Wohnzimmern müssen ein Zimmer, die Inhaber von größereu Wohnungen zwei Zimmer schon am I. April für die Unter- bringung der Möbel des neu einziehenden Miethers zur Ver- fügllng gestellt haben. Zwei Wettende. Hängt vom Inhalt der Statuten ab. Unglaube. Weder der Ehambregarnist noch der Miether ist verpflichtet, ain M i t ta g des 1. April zu ziehen; er muß nach dem Gesetz nur am 1. April räumen. � Emil. Tie mündlichen Vertragsbestimmungen find bindend. W. G. 27. Wenn der Inhalt der uns unbekannten Statuten nicht entgegensteht, können Sie aus beiden Kassen Unter- stützung beziehen. E. L. 38. Allerdings kann Schimmel Krankheiten erzeugen; befragen Sie einen Arzt. Kalk. Der Agitationstour im Landkreise Köln ist schon in der Honiiabendnummer Erwähnung geschehen. H. Sch. Mit Lotterie-Vereins-Angelegenheiten befassen wir uns nicht. M. B. Aa. Der Brief ist angekommen und wird zu dem anderen Ntilitärmaterial genommen werden. F. Adalbertstrasie. Wir sind im Solo keine Sach- verständigen. F. Z. I. Wie Sie Kaninchen�lle gerben? Das wird Ihnen ein Gerber an» besten sagen können. 2. London hatte nach der Zählung von 1891 4 211 0ö6 Einwohner. 3. Wann das Schiff„Eimbria" unterging? Fragen Sie bei der Hain- burger Packelfahrt-Gesellschaft an. B. Zunächst muß Sühneversuch vor dem Schiedsmann stattfinden. Tie gerichtliche Klage muß innerhalb 3 Monaten nach der Beleidigung eingereicht sein. 3. Fl. Ei» Reichstags- Abgeordneter kann sowohl von seinem Platz ans, wie von der Rednertribüne aus sprechen. K. 38. Die Eiuschätznng in Berlin ist für Ihren jetzigen Wohnort nicht maßgebend. A. M., SolmSstrasie. Ein Deutscher ist auch dann wehr- pflichtig, wenn er vor seinem 14. Lebensjahre nach Amerika ans- gewandert war, ohne dort Bürger geworden zu sein. H. F. 1. Wen» Ihne» das Queue vor länger als sechs Monate» geschenkt ist, so ist ein Widerruf der Schenkung ohne Wirkung. 2. Die Gesaniniterben hasten für die Schuld de- Erb- lassers, wenn nicht bei Theilung der Masse von Einem allein übernomnien ist. Alter Abonnent 8t. Ja. H. W. 3t. 1. Auch der Soldat, der Vater eines unehe- lichen Kindes geworden ist, muß Alimente zahlen. Erkennt er nicht sreiivillig zu gerichtlichem Protokoll seine Vaterschaft an oder zahlt er keine Alimente, so müssen Sie ihn verklagen. Be- hnfs Führung der Klage wenden Sie sich mit dem Antrag uin Ertheilung eines Armenattesles an das Vormundschaftsgericht, dann mit dem Antrage ans Ertheilung des Armenrechts unier Beifügling des Attestes an das Amtsgericht. 2. Solch Institut keniieii wir nicht. A. G. 3t. Wenn Sie den Arbeitgeber in der von Ihnen beschriebene» Weise einladen, Sie wie eine Briefmarke zu be- handeln, so steht ihm das sofortige Entlassungsrecht, Ihnen kein Recht auf Einklaguiig vierzehutägigen Lohne- zu. Fr. I. Wenn im Vertrage(siehe unter g 6 oder 10, Hau-- Ordnung) Dein Miether das Recht, Thiere zu halten, untersagt ist, kann der Wirth, w e» n e r n i ch t mit Haltung des Thicres sich einverslandcn erklärt hat, Abschaffung verlangen. Auch wenn der Wirth die Genehmigung ertheilt haben sollte, kann er wegen ruhestörenden Lärms de- Thiers die Entfernung verlangen. L. B. 100 wünscht die Angabe einer Krankenkasse,' die Frauen ailfniinint, welche nur in ihrer eigenen Wirthschaft thitig sind. Vielleicht meldet sich solche aus dem Leserkreise heraus? Die Extranummer des„Uolksvlutt für Teltow" Zum 18. Mlirz wird für die Kolporteure und Händler vom Mittwoch Mittag ab ausgegeben. vis Expedition, BeMr. 2, Hof pari. Verlag i>es„VorivartS" Berliner Bolksblatt Berlin 8�V., Beuthstrasze 2. UM" Zweite Auflage. Der sozialdemokratische 40,"s' „Zulrunftsstaat." Verhandlungen des Deutschen Reichstages am 31. Januar, 3., 4., 6. und 7. Februar 1693. (Veröffentlicht nach dem offiziellen stenographischen Bericht.) ca. 138 Seiten Lerikon- Gsttav. preis geheftet 15 Pf. In Partien Rabatt. Unser Pericht bringt nicht nur die Reden der sozial- demokratischen Abgeordneten, sondern die gesammte Debatte iiber die betr. Frage, also auch die Reden der Gegner, und wird derselbe den Parteigenosse» alö gutes AgitatiouS- mittel dienen. Zahlreichen Bestellungen, die wir baldigst aufzugeben bitten, sehe» wir entgegen. Alle Bnchhandlunzen, Kolporteure und Zeitungs-Spediteure nehmen Bestellungen entgegen. 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