Nr. 280. Abonnements- Bedingungen: Abonnements. Breis pranumerando Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 fg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags nunimer mit illustrierter Sonntags Beilage Die Neue Welt" 10 Pfg. Post Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- BeitungsBreisliste. Unter Kreuzband Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. für Vorwärts Berliner Dolksblaff. 25. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel geile oder beren Raum 50 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Bort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Rummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Zelegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Bethmann- Hollweg und der Sprachenparagraph. Sonntag, den 29. November 1908. lege Wert darauf, daß sich in dieser Beziehung kein Irrtum feftfeßt, und stelle ausdrücklich fest, daß ich meine Bemerkungen feines wegs auf die christlichsozialen Arbeiterorganisationen und diese Teile der gewerkschaftlichen Bewegung befchränkt habe." " 1 Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. weder eine ihn auch formell bindende Erklärung ab, noch reißt er den Kontrahenten A. aus seinem Irrtum, indem er ihm mitteilt, daß er auf Grund seiner Erklärung ihm später Da nun wie in den meisten Aeußerungen des Herrn v. Beth- reicht durch dieses dolose Schweigen, daß A. den Vertrag die ausbedungene Vergünstigung vorenthalten werde. Er ermann- Hollweg auch in dieser die vorwurfsvolle Rührung des unterzeichnet. Wenn B. dann späterhin unter Berufung auf In der Sitzung des Reichstags vom 25. November führte berkannten Biedermanns mitzitterte, wirkte sie beim Hören den Wortlaut seiner Erklärung dem A. die Vergünstigung im Anschluß an Ausführungen des Genossen Hue der frei- böllig beruhigend auf die Freisinnigen. Auch der Genosse Hue, der am selben Tage noch zum da der Kontrahent B. den Stontrahenten A. durch eine verweigerte, so müsse jedes Gericht den Vertrag annullieren, finnige Reichstagsabgeordnete Gothein Klage über die Handhabung des Sprachenparaphen des Vereinsgesetzes durch Wort kam, hatte den Eindruck, daß Herr v. Bethmann- Hollweg Täuschung zur Annahme des Vertrages verleitet hat. die Regierungsbehörden. Er meinte, entgegen den Zu alle gewerkschaftlichen Organisationen vor Veration auf Herr v. Bethmann- Hollweg wird sich darüber zu verantsicherungen des Herrn v. Bethmann- Hollweg hätte Grund des Sprachenparagraphen sicher stellen wollte. Den worten haben, daß er die hier gekennzeichnete Methode in der der preußische Minister des Innern den polnischen Zweifeln, die bei anderen Sozialdemokraten erweckt waren, Gesetzgebung zur Anwendung gebracht. Vielleicht mag es Mirbeiterorganisationen den Gebrauch ihrer Muttersprache ver- trug er indes Rechnung, indem er einem Ausweichen des Patrioten" geben, die ein solches Verfahren höchst bewundernsboten. Indem er den Herrn v. Bethmann- Hollweg aufforderte, Herrn v. Bethmann- Hollweg dadurch vorzubeugen suchte, daß wert finden. Ich teile jedenfalls vollkommen die Entrüstung sich eine solche Desavouierung seines Versprechens nicht ge- er seiner Ueberzeugung Ausdruck gab, der Staatssekretär habe des Herrn Gothein. Es liegt auch keinerlei Entschuldigwag fallen zu lassen, sagte er dem jezt vorliegenden Stenogramm alle gewerkschaftlichen Arbeiterorganisationen auch wirklich für Herrn v. Bethmann- Hollweg darin, daß ich in in jenen Worten treffen wollen. zufolge wörtlich: der dritten Lesung des Gesetzes die Methode dieses StaatsWollte Herr v. Bethmann- Hollweg das nicht zugeben, so mannes richtig gekennzeichnet und fast bis aufs Wort voraus" In welche Lage setzt sich der Herr Minister denn selbst, und in welche zage fegt er alle die, die ihm geglaubt haben?" Mir hätte er die Abgeordneten, die dieses Glaubens waren, durch gesagt habe, wie er sich nachher herausreden werde, sobald er haben eine große Anzahl von meinen politischen Freunden, die eine kurze Erklärung aus ihrem Irrtum reißen können und wegen des Treubruches zur Rede gestellt werden würde. für dieses Gesetz gestimmt haben auf Grund dieser Erklärung des als Ehrenmann reißen müssen. Dann hätten aber die Frei- Höchstens kann man daraus die Berechtigung schöpfen, gegen Herrn Ministers( Hört! hört! bei den Sozialdemokraten), erklärt, sinnigen der Müllerschen Erklärung zufolge gegen den§ 7 diejenigen Freisinnigen, die sich trotz meiner Warnung daß sie das nicht getan hätten, wenn sie gewußt hätten, daß der gestimmt. Herr v. Bethmann- Hollweg schwieg. Durch dieses nicht von der Zustimmung zu dem Sprachenparagraphen Herr Minister des Innern dann das hier abgegebene Wort des bolose Schweigen bestärfte er die Frei haben abhalten lassen, den Vorwurf unverzeihlicher Herrn Staatssekretärs tatsächlich brechen würde!( Unruhe.) Mit sinnigen in ihrem für feine 8wede borteil. Beichtgläubigkeit zu erheben. 11 Stimmen Mehrheit ist dieses Gefez angenommen worden: Diese 11 Stimmen wären nicht dafür abgegeben worden, wenn haften Frrtum. Der§7 wurde am nämlichen Tage gewußt worden wäre, daß dieses Versprechen nicht gehalten in zweiter Resung mit 190 gegen 178 Stimmen an bewußtes Bolt über seine Geschide selbst bestimmt, würde ein In jedem wirklich freien Lande, in dem ein selbstwerden würde!( hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Des- genommen. Minister, der sich eine gleiche Handlung hätte zuschulden Als das Stenogramm der zweiten Lesung vorlag, wurde tommen lassen wie Herr b. Bethmann- Hollweg, durch einen halb fordern wir hier mit aller Energie, daß dieses Versprechen, das da abgegeben worden ist, auch gehalten wird!"( Lebhafte es uns völlig klar, daß die Worte des Herrn Staatssekretärs Sturm der Entrüstung hinweggefegt werden aus dem öffentZustimmung bei den Freifinnigen. Buruf von den Sozial- eine andere Deutung zuließen, als sie ihnen von den Frei- lichen Leben. Daß er es überhaupt wagen konnte, im Reichsdemokraten: Da pfeifen die Herren darauf!) sinnigen gegeben war. Wir beschlossen deshalb, einer solchen tag mit solchen Mitteln zu arbeiten, ist ein neuer Beweis für Herr Gothein ging bei diesen Worten von einer biel zu Auslegung einen Riegel vorzuschieben, indem wir zur dritten die Bersetzung des in Preußen und Deutschland herrschenden günstigen Beurteilung des Herrn v. Bethmann- Holl- Lesung Anträge zur Beseitigung der Unklarheiten im Geset bureaukratischen Regierungssystems. G. Ledebour. weg aus. Denn dieser erklärte nunmehr, er habe in seinen einbrachten. Die Aufgabe, hierbei die Fraftion zu vertreten, Erklärungen gegenüber den Abgg. Graef und Müller- fiel mir zu. Ich wies auf die Doppeldeutigkeit der oben Meiningen bei Beratung des Sprachenparagraphen sich so zitierten beiden Antworten des Herrn Staatssekretärs hin und ausgedrückt, daß daraus das Verfahren des Ministers des fagte dann wörtlich: Innern sich rechtfertigen lasse. Ein Widerspruch bestehe nicht. Daraufhin rief ich dem Herrn Minister zu: Sie haben damals planmäßig die Herren irregeführt. Ich habe es damals fofort nachgewiesen, daß Sie die Herren irregeführt haben." Bei Festsetzung der Tagesordnung für den folgenden Tag, ersuchte ich um Fortsegung der Debatte mit der Begründung: „ Es ist hier durch die Herren Abgeordneten Hue und Gothein die sehr wichtige Frage aufgeworfen worden, ob das Vereinsgesez dolos zustande gebracht ist oder nicht. Ich habe mich zum Worte gemeldet, um die Anflage aus den Aften zu beweisen, die ich gegen Herrn Staatssekretär v. Bethmann Hollweg erhoben habe." 9 Die Mehrheit, einschließlich der Freifinnigen, lehnte die Fortsetzung der Debatte ab. Ich werde deshalb den angebotenen Beweis an dieser Stelle, führen. Der§ 7( jett§ 12) des Vereinsgesetzes ist auf folgende Weise zustande gebracht worden: Bei der zweiten Beratung hatte der antisemitische Abgeordnete Graef ausgeführt, es müsse eine Möglichkeit geschaffen werden, insbesondere in Gewerkschaftsversammlungen in fremder Sprache verhandeln zu können:" Das ist auch nach unserer Ueberzeugung möglich, wenn die Regierung die Erklärung abgeben könnte und wollte, daß sie für solche von der deutschen Arbeiterbewegung beranstaltete Versammlungen von dem Sprachenparagraphen feinen ungeeigneten Gebrauch machen will." " Der Ausgang der Finanzdebatte. Aus der zweiten Erklärung des Herrn Staatssekretärs geht Aus dem Reichstag, 28. November. Das für zwei hervor, daß erstens die Christlichsozialen ausgenommen werden Tage durch die Radbod- Debatte unterbrochene Opferfest der und außerdem noch irgendwelche andere, die er flüglich nicht sogenannten Finanzreform ging heute zu Ende. Zugenannt hat, wie die Hirsch- Dunckerschen, nicht aber die nächst ergriff für das Zentrum Herr Erzberger das Wort. freien Gewertschaften und die Gewerkschaften. Seine Ausführungen gingen über den Rahmen der Steuerdie von den Polen organisiert sind. Nach allem, fritik in der Hinsicht hinaus, daß er die Mängel in der Budgetwas wir erfahren haben, dürfen wir überzeugt sein, daß, wenn beratung überhaupt erörterte. Obgleich er die Notwendigkeit nachher in der Praxis diese Gewerkschaften unter§7 gestellt werden, der Herr Staatssekretär fonstitutioneller Garantien an sich nicht bestreiten will, be v. Bethmann- Hollweg fagen fann: Zeigen Sie mir, wo ich das tonte er doch, daß er großen Wert auf die Geltendmachung gesagt habe, daß daß diese Gewerkschaften nicht schifaniert der Kontrolle der Reichsverwaltung durch Handhabung des werden sollen! Budgetrechts legt. Wegen diefer Methode, unklar zu antworten, durch die der Genosse& m m el hob demgegenüber hervor, daß unter Herr Staatssekretär sich allerdings vorzüglich zum Diplomaten, allen Umständen mit aller Energie auf die Durchsetzung wahraber sehr wenig zum Staatsmann qualifiziert, ist es durchaus haft parlamentarischer Einrichtungen hingearbeitet werden notwendig, daß das Haus oder diejenigen Parteien, die irgendwie Wert darauf legen, daß hier ein Beschluß festgelegt wird, der müsse. Nachdem er mit Rheinbaben wegen dessen vernicht umgestoßen werden tann, in dritter Lefung das unglückter Sozialistentöterei abgerechnet hatte, machte er es sich Gefek so berbessern, daß sich nachher Herr v. Bethmann zur Aufgabe, den Bülowschen Argumenten von der Notwendigkeit Hollweg, selbst wenn er die Hilfe der Herren Graef und eines großen stehenden Heeres entgegenzutreten. Er wies Behrens bekommt, nicht herausreden kann. Deshalb halten wir darauf hin, daß die Elsaß- Lothringer mit der Zugehörigkeit es für nötig, au§ 7 Anträge einzubringen, die einmal im ersten zum Deutschen Reiche völlig ausgeföhnt werden könnten, Abfaz des§ 7 den Satz: Die Verhandlungen in öffentlichen wenn man sie nicht mehr als unterjochtes Volt, sondern als Versammlungen find in deutscher Sprache zu führen" dahin ere Gleichberechtigte behandle. Das beste Mittel, sie zu gewinnen, gänzen, daß vor Versammlungen" das Wort politischen" eingefügt wird, so daß dadurch ein für allemal die ge- sei die Umwandlung der Reichslande zu einem wertschaftlichen Versammlungen aller Art boll- deutschen Bundesstaat mit republikanischer Als die Rechte höhnisch lachte, brachte ständig sichergestellt sind vor den Schifanie Verfassung. rungen mit dem§ 7 durch die untergeordneten und oberen Emmel sie zum Stillschweigen durch den Hinweis auf die Beamten im Deutschen Reich. Gleichzeitig wird auf die in§ 3a Hansestädte, die doch als Republiken völlig in den Rahmen Abs. 3 aufgeführten Versammlungen hingewiesen, damit sie gleich der Reichsverfassung eingegliedert sind. Uebrigens fei, so falls in dieser Beziehung günstiger gestellt werden." fuhr er fort, Vorbedingung einer Steuerreform die Reduktion Herr v. Bethmann- Hollweg nahm kurz darauf in dieser der Ausgaben, dann komme eine gerechtere Verteilung der Debatte das Wort. Er sprach über eine andere Frage, die notwendigen Steuerlasten an die Reihe; dem deutschen mit dem§ 7 zusammenhing, aber mit teiner Silbe Arbeiter fönne man wahrlich nicht zumuten, daß er für die ging er ein auf unseren Antrag oder auf meine Aufrechterhaltung des gegenwärtigen Systems noch mehr Anzweiflung der Auslegung, die von den Freisinnigen seinen Basten auf die Schultern nehme. Worten gegeben war. Zum Schluß tam noch ein Steueroptimist und ein SteuerDurch dieses dolofe Schweigen erreichte er abermals, daß pessimist zum Wort. Als der Optimist geberdete sich unentAbgeordneten Graef besonders umschriebenen Voraussetzungen für die Freisinnigen in ihrem Vertrauen zu seinen Worten bestärkt wegt der Dr. Arendt. Er sah im Geiste schon alle fremdsprachige Teile der Arbeiterschaft zutreffen, diese durch eine wurden und nunmehr auch in dritter Lesung für den§ 7 und Parteien- mit Ausnahme der unverbesserlichen Sozialungeeignete Anwendung des§ 7 in der Verfolgung gefeßlicher das ganze Gesetz stimmten. demokraten natürlich zur freudigen Bewilligung von Bestrebungen auf dem Gebiete der Regelung ihrer Lohn- und Herr v. Bethmann- Hollweg hat übrigens nicht nur auf 500 Millionen Mart neuer Steuern sich vereinen. Der Arbeitsbedingungen nicht beeinträchtigt werden." die freisinnige Partei irreführend gewirkt. In dem soeben Pessimist war der Bauernbündler Hilpert aus MittelDa die hier enthaltene Zusicherung nach dem Wunsche erschienenen Kommentar zum Vereinsgesez bon franken, der, soweit man ihn verstehen konnte, der ganzen des Herrn Graef nur auf die christlich sozialen Arbeiter- Müller u. Schmid wird auf S. 138 aus der vorhin Finanzreform ein betrübtes Grabgebet murmelte. organisationen bezogen werden konnte, erklärte der freisinnige zitierten Antwort Bethmann- Hollwegs auf Müller- Meiningens Möge der Sydowschen Finanzreform die ewige Ruhe im Abg. Müller- Meiningen nunmehr in ganz unzweideutiger Anfrage der Schluß gezogen: Papierkorb leicht werden! Weise, daß seine Partei bei dieser Einschränkung dem Paragraphen nicht zustinimen fönne. Er sagte wörtlich: Darauf erwiderte Herr v. Bethmann Hollweg: Der Herr Abgeordnete Graef hat bes weiteren auf die Ge fahren hingewiesen, welche§ 7 der christlichsozialen Arbeiter bewegung schaffen tönne. Auch hier halte ich mich zu der bestimmten Annahme für berechtigt, daß die Landesregierungen ihre Maßnahmen so treffen werden, daß, soweit die von dem Herrn Aus dieser Antwort geht hervor, daß die ganze Geertbereinsbewegung, welcher gleich viel politischen Richtung fie angehört, gleichmäßig behandelt Die progreffive Einkommensteuer und die Sozialdemokratie. werden soll. Man muß zur richtigen Erfassung der Bethmann- Hollwegschen Wir wollen, daß alle Arbeiterorganisationen dieselben Rechte erhalten, wie die christlichen Arbeiter( Sehr richtig! links), die Hirsch- Dunckerschen und alle anderen Arbeiterorganisationen auch." Der§ 7 mußte also fallen, wenn die Ausschlag gebende Staatsmannskunst seine Methode nur einmal in das PrivatGenosse Schib pel schreibt uns: freifinnige Partei nicht zur Zustimmung bewogen wurde. leben übertragen: Angenommen, A. und B. wollen einen Es dürfte im Augenblick reichlich genügen, wenn ich gegenüber Wie erreichte das Herr v. Bethmann- Hollweg? Er Vertrag schließen. A. verlangt von B. als Vorbedingung für seine Zustimmung die Zusicherung einer bestimmten dem heutigen Vorwärts" das Folgende erwidere: Vergünstigung. B. bersetzt durch seine Erklärung A. Meine„ Afterkritik" an den Engels- Kautskyschen ultraAus den Ausführungen des Herrn Abg. Dr. Müller- Meiningen in den Glauben, daß ihm die ausbedungene Bergünstigung revisionistischen feierlichen Steuerkundgebungen ist vor dem Parteientnehme ich, daß meine Antwort auf die Anfrage des Herrn Abgeordneten Graef dahin misverstanden worden ist, als zugestanden sei. Auf Einwendungen von anderer Seite, tage geschrieben und beröffentlicht. Aus dem sehr einfachen Grunde, ob ich dabei die gewerkschaftliche Bewegung nur der christlich die B.sche Erklärung fönne auch so gedeutet werden, weil in Nürnberg die Steuerpolitik auf der Tagesordnung stand sozialen Organisationen im luge gehabt hätte. Ich daß dem A. die Vergünstigung nicht zugestanden set, gibt B. und weil Barteitage bekanntlich dazu be fein sollen, nichts an erwiderte: vertuschen" und auch spezielle Tagesfragen prinzipiell zu behandeln Prinzip und Taktik nach wie vor in Einklang zu halten oder an einander zu korrigieren. Irgendeine Gefahr konnte mit meinen damaligen kritischen Hinweisen auf Engels und Kautsky gar nicht verbunden sein, da jede Parteitagsverwahrung gegen die Billigung solcher Anschauungen alle gegnerischen- Berufungen darauf von vornherein hinfällig gemacht haben würde. Der Parteil tag hielt es. leider, für wichtiger, sich über die, meines ErachtenS gar nicht so schwerwiegenden süddeutschen Budgetanschauungen bis zur letzten Stunde zu ereifern. Ich bedauere das nunmehr heute erst recht. Aber ich bin selbstverständlich nachher auf diese Dinge— meine Zitate vom August-September erschöpfen die heiklen Aeufjerungen Kautskhs z. B. noch keineswegs— nicht wieder zurülkgekommen und denke dies zunächst selbstverständlich nicht zu tun. DaZ ist, glaube ich, ein ganz unangreifbarer parteigenössischer Standpunkt, und hoffentlich verhalten sich unsere radikalen Partei rctter jederzeit ebenso zurückhaltend in der Hervorhebung„revjsio mistischer" Aeußerungen. In der Zukunft wenigstens, denn in der Vergangenheit war nicht das geringste davon zu spüren— siehe die Verlegenheiten der süddeutschen Parlamentsfraktionen. Den Aerger der prinzipienfesten Sittenschnüffler, die mit einem Male in der Nacktheit opportunistischer Fleischesschwäche dastanden, verstehe ich freilich. Nur sollten sie in ihrer Betroffenheit nicht, wie preußische Bergwerksvcrwaltungen. von„unkontrollierbaren „nicht nachprüfbaren" Aeußerungen sprechen, und im Notfälle Sollten die Parteigeuoffen jedesmal bei solchen hülflosen Drücke- fekg�reien volle Mitteilung des, seltsamerweise meist noch immer borenthaltenen klipp und klaren Wortlautes der Zitate fordern. Das zu verlangen, haben die Parteigenossen bei weiteren Ableugnungs versuchen ein gutes Recht. Der Genosse Kautsky könnte dann allerdings recht rasch am eigenen Leibe spüren, daß schon das Revi- dieren und Einschränken von Steuerprogrammforderungen eine sehr bittere und schwierige Kunst ist. Mich wird er aber, wenn die Bedrängnis für ihn allzu schlimm werden sollte, in der Er- innerung an alte literarische Freundschaft jederzeit bereit finden, feurigste Kohlen auf sein armes geschlagenes Denkerhaupt zu häufen. Berlin, 29. November 1008. Max S ch i p p e l. « Genosse KautSky schreibt uns: Es ist natürlich, daß man die„Sozialistischen Monats- hestV' möglichst ignoriert. Wollte man auf alle Provokationen antdiorten, die dieses famose Organ alle vierzehn Tage gegen die große Mehrheit der Partei ununterbrochen und systematisch schleudert, man käme aus dem Zank nicht heraus. Wir sind dessen müde und schweigen, wenn nicht die Gegner unS zwingen, von den Angriffen Notiz zu nehmen. Leider kommt das öfter vor. als uns lieb ist, denn für unsere Gegner»sind die roten Hefte eine unerschöpfliche Fundgrube Von Mater ial gegen die Sozialdemokratie. So ha't letzt auch Rheinbaben sn seiner Rede zur Finanzreforni am letzten Donnerstag Material gegen die Partei benutzt, das ihm der freikonservative Parteigenosse Max Schippet in einem Artikel der„Monatshefte" gerade zu der ?cit geliefert hatte, wo die Regierung es am dringendsten rauchte. Der„Vorwärts" hat ihm schon geantwortet. Aber da das edle Brüderpaar Rheinbaben-Schippel sich nicht bloß auf Engels, sondern auch auf mich berufen hat, der ich noch unter den Lebenden weile und selbst über meine Anschauungen Auskunft zu geben vermag, könnte mein Schweigen vielleicht mißdeutet werden. Auch ist es für unsere Agitation notwendig, diesen Punkt völlig aufgehellt zu sehen, damit der Reichslügenverband ver- hindert wird, aus dem jüngsten Schippelschen Beitrag Kapital zu schlagen. Es seien mir daher noch einige Worte zur Frage ge- stattet. Schippe! behauptet, in„unserer radikalen Parteijugendzeit" hätten wir die allgemeine progressive Einkommensteuer„in Grund und Boden hinein abgekanzelt, als kleinbürgerlich, als arbeiterirreführend, zum mindesten aber für die Arbeiterklasse so gut wie gleichgültig". So Viele Worte, so viele Unwahrheiten. Bereits im Kommunistischen Manifest finden wir als zweite der Maßregeln. deren Durchführung es fordert, eine„starke Progressiv- st e u e r". Nach dem Ausbruch der Februar-Revolution erließ die Zentralbehörde des Konununistenbundes, in der Marx und Engels saßen, im März 1848 von Paris auS ein Manifest: „Die Forderungen der kommunistischen Partei in Deutschland". Die fünfzehnte Forderung lautet: „Einführung von starken Progressivsteuern und Abschaffung der Konsumtions steuern." Seitdem haben Marx und Engels kein Wort ge- schrieben, daS dieser Auffassung widersprechen würde. In der Revue der..Neue» Rheinischen Zeitung" besprach Marx eine Schrift Emile de Girardins über den„Sozialismus und die Steuer" aus dem Jahre 135d. Diese Schrift wollte einzig durch die Steuergesetzgebung daS Proletariat emanzipieren. Dieses Trugbild vernichtete Marx. Für uns hier kommen nur folgende Sätze in Betracht: „Das Proletariat wird durch jede neue Steuer eine Stufe tiefer herabgedrückt." Und weiter: Die Steuer auf da« Kapital als einzige hat ihre Vorzüge. Alle Oelonomen. namentlich Ricardo, haben die Vorteile einer em- zigen Steuer nachgewiesen. Die Kapitalsteuer al« einzige Steuer beseitigt mit einem Schlage das zahlreiche und kostspielige Personal der bisherigen Sleuerverwaltung. greift am wenigsten ein in den regelmätzigen Gang der Produktion, Zirkulation und Konsumtion und trifft allein von allen Steuern das Luxus- kapital." Lassalle hat dann bekanntlich schon 1363 den Kampf gegen die indirekten Steuern in den Vordergrund seiner Agitation gestellt. Von alledem schweigt Schippet. Er beginnt mit einem Hinweis auf einen Satz, den Engels 1872 im„Volksstaat" schrieb. Schippel zitiert: „Steuern I Dinge, die die Bourgeoisie sehr, die Arbeiter aber nur sehr wenig interessieren: Was der Arbeiter an Steuern zahlt, geht auf die Dauer in die Produktionskosten der Arbeits« kraft ein, mutz also vom Kapitalisten mit vergütet werden. Alle diese Punkte, die uns hier als hochwichtige Fragen für die Arbeiter- Nasse vorgehalten werden, haben in Wirklichkeit wesentliches Interesse nur für den BurgeoiS und noch mehr für den Klein- bürger." Auch in diesem Zitat steht kein Wort gegen dtepro- gresstve Einkommensteuer. Wenn man aber aus dem Zitat schließen wollte, Engels habe gemeint, die Steuer- frage brauche den Arbeiter nicht zu bekümmern, so sei an den oben angeführten Marxschen Satz erinnert, daß jede neue Steuer daS Proletariat um eine Stufe tiefer herabdrückt. Der Satz bekommt auch ein ganz anderes Ansehen, wenn man ihn in seinem Zusammenhange liest. Engels wendet sich dort gegen einen Proudhonisten, der durch gesetzliche Herabsetzung des Zins- fußes, durch Kreditanstalten und Steuerwesen das Proletariat emanzipieren will. Engels betont daher, daß gegenüber der großen Frage des Verhältnisses zwischen Kapitalist und Lohn- arbeiter diese anderen Fragen als untergeordnete erscheinen. Es ist eine grobe Entstellung des wirklichen Sinnes, wenn man daraus allgemeine Gleichgültigkeit für Steuerfragen oder gar eine Ablehnung der progressiven Einkommensteuer konstruiert. Engels hätte sich damit 1872 in Gegensatz gesetzt nicht nur zum Kommunistischen Manifest von 1848, sondern auch zum Eisenacher Programm von 1869, das ausdrücklich verlangte: „Abschaffung aller indirekten Steuern und Einführung einer einzigen direkten progressiven Einkommeusteuerund Erbschaftssteuer. Schippel beruft sich dann noch auf einen Passus auS einen: Artikel, den Engels 1894 in der„Neuen Zeit"„Neber die Baucrnfrage" veröffentlichte, und auf Ausführungen in meiner Schrift„Am Tage nach der sozialen Revolution" Jedoch weder Engels noch ich sagen da ein Wort, das der „Abkanzelung" der progressiven Einkommensteuer„in Grund und Boden hinein" auch nur im entferntesten anzusehen wäre. Wir beide untersuchen an den angegebenen Stellen gar nicht die Frage, ob die progressive Einkommensteuer als Ersatz indirekter Steuern notwendig sei— das setzen wir beide als selbstverständlich voraus. Wir untersuchen bloß die Frage, ob die Bedingungen gegeben sind, innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft die progressive Ein kommensteuer als einzige Steuer durchzuführen. Und da äußern wir Bedenken. Mit der jetzigen Steuerreform haben diese Bedenken gar nichts zu tun. Und am aller wenigsten darf man aus ihnen eine Geringschätzung oder gar Veriverfung der progressiven Einkommensteuer schließen. Meine Anschauungen in der Steuerfrage habe ich nicht tn der Schrift über die soziale Revolution entwickelt, wo ich sie nur kurz streife, sondern in meiner„Agrarfrage"(1899), wo ich dieser Frage ein Kapitel gewidmet habe über„bürger liche und proletarische Steuerpolitik"(S. 424—436). Ich führe dort aus, daß eine proletarische Steuerpolitik trachten muß, die Steuern ausschließlich aus den Mehrwert zu legen. Das ist freilich schwer zu fassen, aber die Forde rung unseres Programms einer progressiven Einkommens- Vermögens- und Erbschaftssteuer scheint uns in der Tat den Mehrwert am sichersten zu treffen. „Auch die bürgerliche Demokratie fordert derartige Steuern und hal ihre Annahme teilweise durchgesetzt; aber sie besitzt nickt die Rücksichlslosigkeit, um dem Kapital auf diesem Wege erhebliche Summen zu erpressen. Stur die Sozialdemokratie kennt leine Rücksickiten gegen daS Kapital."(S. 430.) „Aber freilich, wie geringe Rücksichten auch die proletarische Demokratie auf das Kapital nehmen mag, ganz nach Belieben wird sie den Mehrwert nicht besteuern können. An eine derartige Erhöhung der oben erwähnten Steuer, die den Mehrwert konfiszierte, ist nicht zu denken."(S. 432.) So lange wir eine kapitalistische Produktionsweise haben. dürften die Steuern nicht so hoch werden, daß sie die Akkumulation des Kapitals beeinträchtigten: „Zum Glück für den Fortschritt ist der Akkumulationsdrang des Kapitals ein so gewaltiger, daß man eS sehr derb anfasien kann, ohne ihn zu stören... Angesichts dessen wird man dem Mehrwert noch ganz anders zu Leibe rücken können als heutzutage, ohne eine Gefährdung der ökonomischen Entwickelmtg befürchten zu müssen."(S. 433.) Mit anderen Worten: Ich bin entschiedener Verfechter der progressiven Einkonlmensteucr, und zwar seit jeher. Wohl erkenne ich an. daß sie in der heutigen Gesellschaft nicht weit gesteigert werden kann, daß sie den ganzen Mehrwert konfisziert, aber ich beweise, daß man diese Steuer ehr erheblich über das jetzige Maß hinaus tetgern darf. Damit will ich natürlich nicht sagen, daß ich für eine Er- höhung der gegenwärtigen Steuerlast bin, die nur zu un- produktiven Ausgaben für den Militarismus dient. Wohl aber bin ich innerhalb dieser Steuerlast für ihre Verschiebung auf die Schultern der besitzenden und ausbeutenden Klassen. Man steht, mein Standpunkt und ebenso der von Engels wie auch der gesamte„unserer radikalen Parteijugendzeit" ist das gerade Gegenteil dessen, was Schippel davon aussagt. Der Mann der morol insanity hat da wieder einmal frech verdreht, um eine Anzahl Parteigenossen herabzusetzen und die Ocffentlichkett irre zu führen. Ich gebe gern zu, daß diese Konstatterung nicht dem guten Ton entspricht, der unter Parteigenossen herrschen soll, aber ich fiihle mich nicht verpflichtet. Rücksichten der Kameradschaft auf Helfer des Retchslügenverbandes deshalb zu nehmen, weil diese ihr sauberes Handwerk im Nahmen der Partei- organisation betreiben. _ K. Kautsky. Phantasie und AiiMhIM. Aus Washington kommt die amtliche Meldung, daß zwischen Ja p a n und Amerika ein Abkommen über die Politik beider Länder im Pacifischen Ozean ge- troffen worden ist. Dieses Abkommen bindet jede der beiden Mächte, den Besitzstand der anderen zu achten und die I n t e- grität Chinas zu verteidigen. Es gewährt allen Na- tionen dort gleiche Vorteile für Handel und Industrie. Ferner werden dem Abkommen gemäß Japan und Amenka für den Fall, daß V e r w i ck e I u n g e n den Statusquo bedrohen sollten, darüber in Verhandlungen eintreten, was gemein- s a m zu tun sei. Der Abschluß dieses Uebereinkommens beseitigt den seit längerer Zeit bestehenden Gegensatz zwischen Japan und den Vereinigten Staaten. Der Gegensatz hatte seinen Ursprung einmal in der Frage der japanischen Einwände- rung, die bei den Amerikanern auf heftigen Widerstand stieß; doch gelang es schon vor mehreren Monaten, ein Uebcr- einkommen durch Beschränkung der Einwanderung zu treffen. Eine andere Quelle der Konflikte entsprang der imperialistischen Politik beider Staaten. Seit den Siegen Japans über China und Rußland fühlten sich die Vereinigten Staaten in ihrem Besitz der Philippinen durch Japan bedroht. Um sich zu sichern, beschleunigten sie den Flottenbau und führten auf den Philippinen kostspielige RüstungS- und Hafenbauten aus. Jetzt beseitigt das Abkommen, daS den gegenseitigen Besitzstand garantiert und darüber hinaus den Eingriffen fremder Möchte in die ostasiatische Politik gemeinsame Ab- wehr ankündigt, auch diese Gegensätze. Da Japan der Bundesgenosse Englands ist, ist dieses Uebereinkommen, daS England für die Zukunft vor der peinlichen Wähl bewahrt, zwischen seinem Bundesgenossen und den Vereinigken Staaten entscheiden zu müssen, für England gleichfalls ein Vorteil, ver- stärkt seine Einflußsphäre und bcfesttigt die englisch-ameri- kanischen Beziehungen. Das Bündnis zwischen den beiden Großmächten des Stillen Ozeans beleuchtet aber auch so recht die phantastischen Kombinationen Wilhelms II. über die Entscheidungen, die im Stillen Ozean über die Geschicke der weißen und gelben Nasse fallen sollen. Während der deutsche Kaiser Bilderchen über die gelbe Gefahr anfertigen und an die Höfe verschicken ließ und seine aus primitiven Rassenvorurteilen entsprin- genden Anschauungen über die chinesische und japanische Ge- fahr in alle Welt hinausredete, telegraphierte und inter- viewte, haben die anderen Staaten Politik getrieben. Noch vor kurzem hat Wilhelm II. England seine allerhöchste Mißbilligung über das Bündnis mit Japan zu erkennen ge- geben und die amerikanischen Staatsmänner in seiner über- schwenglichen Weise gepriesen, weil diese angeblich gegen Japan eine feindliche Stellung einnehmen und so die Sache der weißen Rasse verfechten. Jetzt muß er den Schmerz er- leben, daß Amerika sich mit Japan verständigt, mit ihm zu- sammen die Integrität Chinas verbürgt und der Phantasie, daß die deutsche Flotte berufen sei, im Kampf um den Stillen Ozean eine entscheidende Rolle zu spielen, gründlich den Garaus macht. Unterdessen aber hat die Hunnenpolitik Deutschland die Blamage der Weltmarschallschaft, die Ver- mehrung unserer Staatsschuld, die Feindschaft der er- wachenden ostasiatischen Welt und den famosen„Platz an der Sonne" eingetragen, jenes Kiautichou, das nur ein Pfand in den Händen der Japaner für das Wohlverhalten der deutschen Negierung ist. Die Nachricht von dem japanisch-amerikanischen Ueber- einkommen, in das die Eradmirale des Atlantischen wie des Stillen Ozeans wirklich nichts hineinzureden hatten, kommt zur richtigen Stunde. Wenn im Reichstag in den nächsten Tagen über den Ausbau unserer Verfassung ge- redet werden wird, dann wird dieser neue Beweis für die Schädlichkeit und klägliche Ergebnislosigkeit der auswärtigen Politik des persönlichen Regiments schwer in die Wagschale fallen._ politische debersicbt. Berlin, den 28. November 1993. Sydou» alS Förderer des Unisturzes! In sträflicher Nichtachlung seiner„heiligsten Pflicht' hat der Reichsichatzsekretär in seiner Staats- Schnapswuchervorlage die treuesten Schützer de? Reiches und Bekämpfe» des Umsturzes bei Verteilung der Liebesgaben und Abfindungen übergangen und des- halb mucken sie— natürlich„in aller Ehrerbietung und Hochachtung"— auf. Der„Deutsche Brennmeisterbund" hat eine Ein- gäbe an den Reichstag gerichtet, in der er nachweist, daß und warum die Branntweiubrennerei zurückgehen und zahlreiche Brem:- meister entlassen werden würden, sobald der Entwurf in Kraft tritt. Dabei plaudern sie sehr hübsch aus der Schule! Sie verraten, wie durch den geplanten Entwurf das Reich doppelt und dreifach geplündert wird, indem sich die Brennereien noch höhere Abfindungen verschaffen, als ihnen ohnehin schon Sydow mit vollen Händen gibt. In der Eingabe heißt es: „ES ist bekannt, daß für alle Brennereien mit Rück- ficht darauf, daß sie bei der Einführung eines Brannlwein- Monopols entweder vom Staate übernommen oder ihrer Brannt- weinprodulüon entsprechend entsckiödigt werden mußten, der Anreiz zu einer im allgemeinen möglichst großen Produktion gegeben war. um den dem- n ä ch st zu erwartenden EntschäbigungSwert der Brennerei zu heben, selbst wenn die Ueberproduktion an Branntwein, wie e» ja auch durch die SpirttuSzentrale geschehen ist. unter Herstellungspreis dabei nach dem Auslände abgeschoben werden mußte." Da wird ja wieder einmal ein schönes Gaunerstückchen der Patrioten" enthüllt! Denn„bekannt" war das nur den Eingeweihten, und sobald von anderer Seite ihnen solche unlauteren Geschäftchen vorgeworfen wurden, wiesen die adeligen wie nicht- adeligen SchnapSbrenner dies mit Entrüstung zurück. Und nun kommt die Bestätigung von Sachverständigen erster Güte, von den Brennmeistern, die sich stolz in ihrer Eingabe bezeichneten als„eine Gruppe von Menschen, die neben der Kapitalkraft die eele der ganzen Branntweinerzeugung und des gesamten Brennereibetriebes verkörpert." Diese„verkörperte Seele" ist tief betrübt, daß die.Kapitalkraft" o reichlich abgefunden werden soll und sie leer ausgehen muß. Denn, sagt sie, es ist so darauf los produziert worden— aber wegen der jetzt zu erwartenden Abfindung und Kontingentierung— lagern sehr große Vorräte von Spiritus und in den nächsten Jahren wird weit weniger wie bisher produziert werden. Man muß sich dieses Eingeständnis merken, denn wenn das Monopol oder irgend eine ander« höhere Belastung des Schnapses eintritt, werden später die Brenner ziffernmäßig nachweisen, daß die Produktion zurückging— natürlich infolge deS neuen Gesetze«— und sie daher noch eine besondere Entschädigung erhalten müssen. Diesen Schwindel haben sie auch 1887 gemacht und daher kommt der anscheinend plötzliche Rückgang der SpirituSmdustrie in den Jahren nach Einführung des neuen Gesetzes, in denen sie ja eben für diesen angeblichen Rückgang die Liebesgaben bewilligt bekamen. Die Brennereibeamten interessiert dieser Schwindel nicht, weil er ein Schwindel ist. sondern weil sie fürchten, teils entlassen zu werden, teils einen Rückgang in ihren Tantiemen zu erleiden, wenn die Produktion zurückgeht. Und so verlangen sie denn so gut wie ihre Herren eine Ab- lndnng und Entschädigung auf Kosten deS Volkes.„Hier, wo Millionen verausgabt und den Konsumenten auserlegt werden, kann eS auf einige hunderttausend Mark Ausgaben mehr nicht ankommen," chreiben sie ganz naiv. Und um sich bei einem hohen Adel und anderen LiebeSgabenschluckern besonders zu empfehlen, spielen sie einen Trumps aus, der, wie sie hoffen, seine Wirkung nicht verfehlen wird. In fetter Schrift heißt eZ In der Eingabe: „Der Stand der Brcnnereibeamten ist dagegen gerade auf dem Lande stets ein Wall gegen daS Anfluten von Umsturzgedanken gc- Wesen und hat sich stets in dieser Beziehung nur mit den Elementen zusammengetan, welche die Stützen von„Thron und Altar" sind. Einen solchen staatserhaltenden Stand sollte man nicht untergehen lassen; ihn nach jeder Richtung hin stärken und vor dem Ruin be- wahren, daS ist nicht bloß Pflicht der Brennereibesitzer, sondern jetzt, wo der Staat den Zwischenhandel selbst in die Hand nimmt, ,n er st er Linie ouchseine heilig st e Pflicht." Also, Blockbrüder, darin seid Ihr ja einig, einig, einig: Tut Eure heiligste Pflicht, an die Sydow schändlicher Weise vergaß, und stärkt die patriotische Gesinnung dieser treuen Brennmcisterseelen durch Gewährung von ein paar hunderttausend Mark.. Sonst geht eS ihnen womöglich wie den Hunden: auch Hundeseelen find treu, wenn aber kein Futter da ist, dann schnappen sie jedem nach den Beinen, Junkern, Ministern— und am Ende gar noch dem Herm König l Reichsverband hilf!_ Der Kampf der Kamarilla. In den Hof- und höheren Bureankratenlreisen scheinen wieder allerlei Treibereien der Kamarilla gegen einander stattzufinden. So läfit z. B. Bülow in der„Siidd. Neichskorresp." folgende Notiz gegen die„um sein Wohl Besorgten" los: In verschiedenen Preßnotizen gibt sich eine Neigung kund, den Reichskanzler während der parlamentarischen Weihnachtsserien auf Urlaub gehen zu lassen. Die einen möchten ihn nach dem Süden schicken, oder, noch bestimmter, ihm zwei Wochen Rom ver- ordnen. Andere tvieder haben beschlossen, er solle die Reichstags- ferien in Klein-Flottbcck an der Elbe verbringen. Eigentlich mußte Fürst Bülow für solche Besorgtheit um sein Wohl- befinden dankbar sein. Es könnte aber auch beinahe der Eindruck entstehen, als nehme man irgendwo ein gewisses Interesse daran. den Reichskanzler wochenlang fern von Berlin zu wissen. Dieser Eindruck läßt sich durch die Behauptung nicht vermindern, der Plan eines Weihnachtsurlaubs werde„von einer dem Fürsten Bülow nahestehenden Seite ausdrücklich zugegeben." Das kann nicht stimmen: der Reichskanzler hat zu niemand von Urlaubsabsichten gesprochen und trägt sich nicht mit Reisegedanken. Gesundheitsrücksichten sprechen keineswegs dafür, daß er um Weihnachten herum Berlin verläßt, andere Rücksichten eher dagegen.— Freisinniger Verantwortlichkeitsantrag. Die von der freisinnigen Fraktionsgemeinschaft eingesetzte Kom- Mission zur Ausarbeitung eines Gesetzentwurfs, betreffend Ab- änderung der Verfassung hat gestern abend den vom Abg. Dr. Müller- Meiningcn ausgearbeiteten Entwurf genehmigt. Die Grundlage bildet die Errichtung eine? Staatsgerichtshofes. Die Vcranlwortlickikeit der Minister und deren Stellvertreter ist auf der Basis der badischen Gesetzgebung aufgebaut worden. Sie enthält die Haftung auch für die Handlungen des Kaisers und zwar selbst dann, wenn sie nicht bloß der Verfassung entgegen sind, sondern auch die Wohlfahrt und Sicherheit des Reiches bedrohen. Der Staarsgerichtshof soll angegliedert werden an das Reichs- gericht in Leipzig und nach den Bestimmungen, die auS der Vorlage selbst hervorgehen, seine eventuellen Funktionen ausüben. Zu dem Entwurf eines Automobil-Haftpflichtgesehes haben die im Transvortarbetterverband organisierten Automobilführer schon gleich nach Bekanntwerden des Entwurfs Stellung genommen. Sie forderten in der Hauptsache, daß, wenn die Qualität der Führer den Anforderungen des Gesetzes genügen sollten, städtische Fahr- schulen eingerichtet werden müßten, die unter paritätischer Leitung stehen. Ferner erklärten sich die Führer gegen die Bestimmungen über die Fahrgeschwindigkeit, besonders gegen die maßgebende Rolle, welche dem oft nicht zuverlässig funktionierenden Geschwindigkeits- Messer zugeteilt werden soll m solchen Fällen, wo ein Führer wegen angeblich zu schnellen Fahrens angezeigt wird. Auch sonstige weitgehende Befugnisse, welche der Polizei eingeräumt werden sollen, erregten den Widerspruch der organisierten Auto» führer Berlins. Die Leitung der Organisation hat nun zum 4. Dezember eine Konferenz der Autoführer Deutschlands einbe» rufen. Auf dieser Konferenz sollen möglichst alle Orte vertreten sein, in denen daS Automobilwesen eine Rolle spielt, auch sollen alle Untergruppen der Autoführer: Benzin- und elektrische Droschken, Geschäft»- und Privatwagen usw. ihre Vertretung finden. Auf diese Weise erwartet man eine rege Aussprache und eine Formulierung der Wünsche aus allen Kreisen der Automobil- führer bezüglich der Gestaltung des Gesetzes. Das so zusammen- gestellte Material soll dem Reichstage zugänglich gemacht werden, damit es bei der Beratung des Gesetzes berücksichtigt werden kann. — Zu dieser Konferenz nahmen am Freitag zwei in Berlin ab- gehaltene Versammlungen der Automobilfubrer Stellung und wählten ihre Delegierten zu derselben. Der Verband deutscher Zigarrcn-Ladeninhaber hielt in Berlin zur Stellungnahme gegen die drohende Tabaksteuer einen außer- ordentlichen VerbandStag ab. Auf diesem wurde folgende R e s o- lution einstimmig angenommen: „Der Verband deutscher Zigarrcn-Ladeninhaber, dem 63 Ver- eine in allen größeren Städten Deutschlands angehören, protestiert auf seinem heutigen außerordentlichen Berbandstag energisch gegen jede neue Belastung dcS Tabaks. Die versammelten Delegierten erklären einstimmig: Die von den verbündeten Regierungen als Teil der Reichs» finanzreform eingebrachte Tabak-VerbrauchSsteuer bedeutet eine schwere Belastung des gesamten Tabakgewerbes, durch welche ein großer Teil der in diesem Gewerbe tätigen Personen auf das schwerste geschädigt wird. Die Bauderolcnsteuer speziell würde eine Vernichtung des unter den Zigarrenhändlern überwiegend vertretenen Mittel- ftandcS bedeuten, des Mittelstandes, für dessen Hebung der deutsche Reichstag sich stets ausgesprochen hat. Die Versammelten ersuchen den Hohen Reichstag, diese ungerechte und vernichtende Belastung ihres Gewerbes abzulehnen. Wir verwahren uns außerdem gegen die in der Begründung der Vorlage Seite 41 enthaltene Anschuldigung, daß vie Kon- sumenten von den Händlern durch Ueberforderung geschädigt würden. Die Händler verlangen, daß von feiten der Regierung diese bedauerliche Anschuldigung widerrufen werde." Ein feines Geschäft. Der Verlag der„Schlcsischen Zeitung", der vornehmsten aller Sozialistenfresserinnc», die Millionenfirma Wilh. Korn in Breslau, hat neben anderen emtrcksslichen Geschäften auch den Rcgieverlag deS evangelischen PrcvinzialgesangbuchS in Händen. Und sie hat «S mit bewundernswürdigem Geschick verstanden, auS diesem frommen und Gott wohlgefälligen Geschäft Kapital zu schlagen. Als einst eS sich um die Regievcrgebung handelte, da hatte die Firma Korn sich verpflichtet— gewissermaßen als Köder»- von tbrem Reingewinn auS dem Gesangbuchgeschäfte jährlich an den KvllektensondS für Pastorenwitwen und-Waisen eine Summe ab- zuführen, die nach heutigem Gelde etwa lOOO M. betrug. So blieb eS, obgleich die Reingewinne der Firma von Jahr zu Jahr wuchsen, bis in die neueste Zeit. Endlich aber riß der Provinzialsynode die Geduld, und da die fromme Firma freiwillig nicht mehr heraus- rückte, drohte man mit Entziehung der Regie. Die Summe wurde auf bOCKI. dann auf 5500 und schließlich auf 15 000 M. erhöht. Aber auch die heiligen Synodalmänner scheinen etwas vom Geschäft zu verstehen; auch jetzt noch waren sie der richtigen Ansicht, daß die Abfindung nicht dem Bombengewinn entspreche. Und so wurde nun die Herstellung der Bücher in Submission vergeben. Und siehe da: die Provinzialkirchenkasie erzielte nun einen glatten Reir.gewinn von 42 697 M. nach Abzug aller Unkosten! Man kann daraus ermessen, welche Unsummen im Laufe von 150 Jahren die Firma Korn auS der Frömmigkeit anderer gewonnen haben mag. Von der sächsischen Wahlreform. Die Berichte der Wahlrechtsdeputation sind erschienen. Der Bericht der Mehrheit beantragt-die glatte Ablehnung des ursprünglichen Regierungsentwurfes und empfiehlt Annahme des sogenannten Eventualvorschlageö, der ein P l u r a l w a h l r e ch t vorsieht, unter dem auf die Arbeiter je eine Stimme, auf die Angehörigen der bürgerlichen Klassen 4 Stimmen entfallen. Das Minderhettsvotum verlangt Ablehnung der sch ®Ä.____. führung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts. Weiter hat der Abgeordnete Andrä(k.) mit 3S anderen kon- servatiden Abgeordneten noch einen Antrag eingebracht, eine dritte Wählerklasse zu schaffen/ in welcher diejenigen Angehörigen der i einstimmigen Wählerklasse, die über 50 Jahre alt sind, eine Zusatz- 1 stimme erhalten sollen. Die Sozialdemokratie veranstaltet für nächsten Dienstag im ganzen Lande Wahlrechtsversamm- lungen mit der Tagesordnung: Regierung, Landtag und Volksbetrug.—-_ Der Rückzug. Die Herren Nationalliberalen sind besorgt, daß nicht am nächsten Mittwoch die ReichstagSdebatte über die Kanzlerverantwortlichkeit die Grenze einer akademisch-staatSmännischen Erörterung überschreitet. Die nationalliberale«Magdeburger Ztg." hält eS deshalb für not- wendig, denjenigen linksliberalen Blättern, die gehofft hatten, die nationalliberale Partei werde sich den Forderungen nach konstitutionellen Garantien energisch anschließen, einen Dämpfer aufzusetzen. Sie schreibt: „Die Ernennung des Reichskanzlers unter gesetzlicher Mit- Wirkung des Reichstages ist eine so barocke Idee, daß wir u»S doch beeilen möchten zu erklären, daß wir mit Forderungen dieser Art nichts gemein haben. Unsere Auffassung geht dahin, daß die Ver- anlworrlichkeit des Reichskanzlers dein Reichstage gegenüber keine bloße Redensart bleiben darf, daß sie sich auf alle Maßnahmen der Reichspolitik erstrecken und die notwendigen Handhaben für ihre Geltendmachung erhalten muß. Ernrir Eingriff in daS Er- nennungSrecht der Krone und ähnliches lehnen wir aber ganz ent- schiede» ab."---_ Zentrum und Arbeiter. Im frömmsten Teil der schwarzen Rheinprovinz liegt daS Städtchen Geldern. Dort fanden vor kurzem Stadtverord- netenwahlen statt. Von den 630 Wählern der dritten Ab- teilung sind mindestens 120 Arbeiter, von denen mindestens 80 dem katholischen Arbeiterverein angehören. Die gläubigen Proletarier in Geldern hotten bisher immer getreulich die von ihrer Partei, dem Zentrum, präsentierten Kandidaten aus dem dortigen Bürger- tum gewählt. Diesmal nun erhoben sie unter Führung des katho- lischcn Arbeitervereines die Forderung, daß einer der ihrigen als Kandidat für die Wahl in der dritten Abteilung aufgestellt werde. Sie glaubten mit seiner Wahl um so eher rechnen zu können, als gerade in der letzten Zeit das Zentrum so viel Rühmens gemacht hatte von der Notwendigkeit, die Arbeiter als gleichberechtigt an- zuerkennen und sie einzureihen in die bestehende Gescllschafts- ordnung. So stellte denn— wir folgen hier dem Bericht der „Westdeutschen Arbeiterzeitung"(M.-Gladbach)— der katholische Arbeiterverein in Geldern sein Mitglied, den Schuhmacher Johann Kubban, auf, einen ruhig denkenden, gereisten und sozialpolitisch erfahrenen Mann, der jahrelang Beisitzer am Gewcrbegericht und Vertreter der Allgem. Ortskrankenkasse ist. Mit dieser Kan- didatur fiel man aber schmählichhinein. Wohl war der Vorstand deS Vereins vorher gewarnt worden. Bürger, die es wissen konnten, sagten offen heraus: Die Bürger Gel- dernS wählen keinen Arbeiter in den Ge- meinderat! Und so kam eS. Der Arbeiterkandidat fiel glänzend hinein; ihn wählten die Arbeiter, die bürgerlichen Stimmen verein hg ten sich sämtlich'aus den Gegenkandidaten. Die wackeren Zentrumsleute setzten alles in Bewegung, die Wahl des Arbeiterkandidaten zu hintertreiben; alte und kranke Wähler wurden per Wagen zum Wahllokal spediert. Kurz und gut— so schreibt das M.-Gladbacher Blatt— das ganze Gebaren war ein Notschrei an die Bürgerschaft: „Bürger, wählt, damit vor allem kein Arbeiter in den Stadtrat kommt!" So geschehen in der frommen ZentrumSstadt Geldern. Wae hier geschehen ist, bildet eins von den vielen Beispielen, die dartun, daß daS Zentrum die Arbeiter nur als Stimmbieh zu schätzen weih, daß im übriger, sein Gerühme von der arbeiterfreundlichen Ge- sinnung deS Zentrums eitel Humbug ist. Die staatsgefährdende Revolutionsgeschichte. DaS unglaubliche Urteil der Frankstirter Strafkammer gegen den Genossen Thieme läßt die Mannheimer„V o l k s st i m m e" folgende Erinnerung aus der Parteigeschichte ausgraben: „Ganz ähnlich war der Tatbestand bei dem eingangs erwähnten Mannheimer Hochverratsprozeß von 1804 gelagert, der sich bekanntlich gegen Dreesbach, Teufel und F e n tz, den Geschäfts-, den technischen Leiter und den Redakteur der„Volks- stimme", richtete, welch letztere in einer historischen Remininiszenz auS dem Jahre 1848 ebenfalls seinen von Amand Gögg verfaßten) „Aufruf au das deutsche Volk" reproduzierte, von dem die Staats- anwaltschaft, vertreten durch den vor einigen Jahren als Oberstaats- anwalt am Obcrlandesgericht in Karlsruhe verstorbenen Herrn Geiler, annahm, daß er von der„Volksftimme" in der Absicht reproduziert worden sei, zum Hochverrat aufzufordern und in Mannheim die Fahne der bewaffneten Revolution zu entfalten s! l). Die An- klage, die als Preßangelegenheit vor den Geschworenen ver- handelt werden mußte, brach dort elend zusammen und endigte mit der Freisprechung der Beschuldigten von der Anklage des Hoch- Verrats." Es hat sich also wieder einmal die Ueberlegenheit der juristischen Otichter über die Laienrichter erwiesen. Die Geschworenen haben die unmögliche Konstruktion der Staatsanwaltschaft abgewiesen, die beamteten Richter haben Geschmack daran gefunden. Sie sind also weit brauchbarer als die Laienrichter— für die Herrschenden. Herr Professor Reinhold Hclbing-Karlsruhe, Mitglied der Deutschen Volkspartei, schreibt uns, daß nicht er in einer jung- liberalen Versammlung zu Karlsruhe sich dagegen ausgesprochen hat, daß Finanzreform und BerfassungSreform miteinander verbunden werden. Krtv... is-,. gerissen, in der Stube gegen die Bettstelle gestoßen, beim Bajonettieren mit dem Kolben schmerzhast in die Seite geknuf ft. Am 8. Juli ließ der Unteroffizier Pohl sich auf den Korridor hinlegen, ausstehen, Gewehr strecken, Knie- beuge machen, schlug ihn in? Gesicht, stieß ihn an ein Spind, trat ihn mit den Füßen in die Seite. Die Grenadiere Kirsch und Halfan behandelte er vorschriftswidrig, auch sammelte er Geld von Untergebenen für für die Kompagnie an- zuschaffende Ausrüstungsstücke ein und drohte dabei:„Wollt ihr lieber Schuppendienst, bestraft werden oder freiwillig Geld geben?" Das gesammelte Geld behielt er zunächst für sich; erst als Anklage erhoben war, gab er eS zurück. Das Oberkricgsgericht erkannte auf sechs Wochen Mittelarrcst. Die Balkankrise. Eine Abweisung. PariS. 23. November. Nach einer offiziellen Meldung hat Frei« Herr v. Nehren thal vorgestern an den französischen Botschafter C r o z i e r die Aufrage gerichtet, ob Oesterreich-Ungarn in der An« gelegenheit der Boykottierung der österreichisch- ungarischen Waren in der Türkei auf die guten Dienste Frank- r e i ch S rechnen könnte. Die französische Regierung habe geantwortet, sie könnte, so gern sie auch Oesterreich- Ungarn angenehm sein möchte, nicht intervenieren, um die Türkei zur Annahme österreichisch-ungarischer Waren zu bewegen. Frankreich könnte auS leicht begreifliche» Gründen nicht riskieren, einen unnützen Schritt zu tun.„Malin" will wissen, Crozier habe dargelegt, daß die Boykottierung nicht vor Einberufung der Konferenz verhandelt werden könnte; sie gehöre zu denjenigen Fragen, welche der Prüfung durch die europäischen Regierungen unterliegen. England und die Türkei. Budapest. 28. November. Der offizielle Delegierte deS jung« türkischen Komitees in Paris, Nazim Bey, äußerte bei einer Unterredung mit einem Mitarbeiter der„Pester Lloyd":„Wir fürchten nicht, daß Oesterreich-Ungarn der Türkei den Krieg erklären wird. Auch sind wir für den K r i e g s f a l l vorbereitet; man darf die Leistungsfähigkeit der türkischen Armee nicht geringschätzen. Wir haben ferner von England eine offizielle Garantie gegen jede äußere Gefahr erhalten." Truppenvcrschiebungen. Köln, 23. November. Gegen die bulgarische Grenze sind, wie die„Köln. Ztg." aus Saloniki meldet, türkische Truppen vor- geschoben und von Monastir nach Uesküb 37 Wagen mit Kriegs- matertal abgesandt worden._ Ocltermcb. Neue Exzesse in Prag. Wien, 28. November. Bei der Auffahrt der Studenten wurden heute acht deutsche Couleurstudenten von tschechischen Stu- deuten überfallen und mißhandelt. Die deutschen Studenten mußten in das Gebäude der Unionbank flüchten, deren Tore ge- schlössen wurden. Die tschechische Menge belagerte das Gebäude so. lange, bis einige hundert Mann Gendarmerie die Eingeschlosse. ncn befreiten. Außerdem fanden Kundgebungen vor dem beut- scheu Hause am Graben statt. Schiivel2. Die Bundesversammlnng. Bern, 27. November,(©ig. Ber.) Die Bundesversammlung ist auf den 7. Dezember nach Bern zur Wintersession einberufen und harrt ihrer ein Geschäftsvcrzeichnis von 43 Vorlagen zur Erledi- gung. Es seien davon erwähnt die Wahlaktenprüfung, die Wahl des Bundesrats und des Bundesgerichts, die Verschlechterung des Strafgesetzes, die Revision des Obligationenrechts, Kranken- und Unfallversicherung, Arbeitsnachweis und Arbcitslosenfürsorge. Die Alters- und Invalidenversicherung. Zürich, 27. November.(Eig. Ber.) Eine Vorlage betreffend die Alters- und Invalidenversicherung hat die S t. G a l l e r K a n- tonSregierung dem Großen Rate zugehen lassen. Die Vor- läge bestimmt die BersicherungSPflicht für alle Schweizer Bürger und ledigen Schweizerinnen im Kanton St. Gallen, die im Alter von 18 bis 45 Jahren stehen und ein Einkommen von nicht über 3000 Frank bezw. Vermögen von nicht über 20 000 Frank haben. Alle jene, die älter als 45 Jahre sind oder ein Einkommen von über 3000 Frank bezw. Vermögen von über 20 000 Frank besitzen, können der Versicherung freiwillig beitreten, desgleichen die Frauen von Schweizern im Alter von 20 bis 45 Jahren, ferner Dienstboten und Angestellte und endlich auch Ausländer, die seit 10 Jahren im Kanton St. Gallen wohnen. Die Vorlag« enthält verschiedene eng- herzige Bestimmungen, die der Verbesserung bedürfen, andererseits ist sie ein beachtenswerter Anfang zur Verstaatlichung des Ver» sichcrungswcsens überhaupt. In finanzieller Beziehung ist ein jährlicher Staatsbeitrag von 200 000 Frank seitens deS KcmtonS vorgesehen. Sngland. Ein Schlag gegen die Arbeiterpartei. Aus London wird telegraphiert: Der Appella» tionsgerichtshof fällte heute ein Urteil dahingehend, daß die Verwendung von Mitteln der Trade- U n i o n s, diesen eine Vertretung im Unterhause zu verschaffen, ungesetzlich sei. Die letzte Instanz in dieser Frage ist das O b e r h a n s. Das Urteil bedeutet einen vernichtenden Schlag gegen die Grundlagen, auf denen die Existenz der englischen Ar- beiterpartei gegenwärtig beruht. Man weiß, daß die Wahl- kosten in England außerordentlich hoch sind und daß die Ab- geordneten keine Diäten empfangen. Diese Kosten haben bisher die Gewerkschaften getragen. Jetzt wird dies für ungesetzlich erklärt, und daß das urreaktionäre, arbeitcrfeind- liche Oberhaus das vom Klassenhaß diktierte Urteil auf- heben wird, ist wenig wahrscheinlich. Daß das Urteil die Arbeiterpartei nur stärken wird. ist nichtsdestoweniger sicher. Wie der Ta�f-Vale-Entscheid, der die Gewerkschaften für die Streikschäden haftpflichtig machen wollte, der englischen Arbeiterklasse die Notwendig- keit der politischen Selbständigkeit besser als jahrelange Agitation bewiesen hat, so wird mich dieser Versuch, der Ar- beiterklasse die Verwendung der von ihr aufgebrachten Gelder zu beschränken, nur die Wirkung haben, die politische Organi- sation des englischen Proletariats zu stärken und ihren weiteren Ausbau zu beschleunigen. Das Oberhans gegen die Regierung. Das Oberhaus hat, wie zu erwarten war, die Schauk- konzcssionSvorlage mit 272 gegen 06 Stimmen abgelehnt. Die Ablehnung, die auf Betreiben des Führers der konservativen Opposition, Balfour, erfolgt ist, bedeutet eine Kriegserklärung an die liberale Regierung und die Majorität des Unterhauses. Die Konservativen wollen die Regierung zur Auflösung des Unterhauses und zur Befragung deS Landes zwingen. Es ivird sich zeigen, ob die liberale Regierung sich noch stark genug fühlt, dm Kampf gege:: die Ucbergrifie der Lords aufzunehmen.— perlien. Der Bnrgerkrieg- Urmia, 28. November. Der Präsident des ehemaligen End« schumens in Salmar namens Badschi Pischnamas, oer Ende Oktober im Bezirk von Karadag 200 Beivaffnete gesammelt und sich mit Aufständischen aus Dilman und Anhängern Sattar-Khans' vereinigt hatte, hat die gegen ihn entsandten Kurden in dir Flucht geschlagen und Dil man nach längerer Belagerung eingenommen. Ebenso hat er sich in den Besitz von Kochne Schehr gesetzt. Er erhält fortgesetzt Verstärkungen aus Täleis und aus verschiedenen anderen Bezirken. Die Abteilung der persischen Kosakenbrigade, die drei Monate zum Schutz der Straße gegen die Nurden in Urmia stand, ist auf Weisung von Teheran nach Tabris abmarschiert, um an der Belagerung der Stadt teilzunehmen. Teheran, 27. November. Die Truppen, die kürzlich gegen die Bevölkerung des Talisch- Distriktes, im Westen des Kaspijchen Meeres, ausgeschickt wurden, sind mit schweren Verlusten zurückgeschlagen worden und verübten auf ihrem Rückzuge Blünderungen. Der bedeutende Stamm der Schahvendi stellte sich auf die Seite der Talisch- Bevölkerung und eröffnete Sattar- Khan, dem Führer, der Revolutionäre, daß er ihm Unterstützung senden werde. China. Die Verfassung. Petersburg, 27. November. Hier traf der Wortlaut bes chinesischen Verfassungsentwurfes ein. Der erste Teil behandelt die Vorrechte des Monarchen. Die Monarchie ist für ewige Zeiten der gegenwärtigen Dynastie gesichert. Der Monarch bestätigt die Gesetze und hat die Gesebesini tiative. Ohne Genehmigung des Monarchen ist kein Gesetz gültig. Der Monarch eröffnet, schließt das Parlament und löst es auf. Nach der Auflösung des Parlaments sind sofort Neuwahlen auszuschreiben. Der Monarch setzt die Beamtengehälter fest und besetzt die Beamtenstellen. Die Beamten sind nur Gehilfen des Monarchen. Ein Einmischung des Parlaments in Verwaltungsangelegenheiten ist unzulässig. Das Parlament hat auf militärische Dinge feinen Einfluß. Der Kaiser erklärt Krieg und Frieden und bertritt das Reich nach außen ohne Befragung des Parlaments. Er erläßt Verordnungen und fann im äußersten Notfalle die Freiheit der Bevölkerung beschränken. Ferner besikt er das Begnadigungsrecht und die Oberaufsicht über die Rechtspflege, wobei er an die bestehenden Geseke gebunden ist. Der Kaiser bestimmt die Höhe der Zivilliste. Das zweite Kapitel behandelt die Rechte der Bevölkerừng. Die Freiheit des Wortes, der Presse, Versammlungen und Vereine ist innerhalb der gesetzlichen Grenzen garantiert. Bestrafungen sind nur gemäß den Gefeßen zulässig. Die Unantastbarkeit des Eigentums und der Wohnung darf nicht ohne Grund verlegt werden. Deutfches Reich. Rahard auf Reisen. Berlin, den 21. November 1908. Im Anschluß an unser Rundschreiben No. 214 vom 16. November In einer Arbeitgeberversammlung, die vorgestern in Potsdam 1908 teilen wir Ihnen mit, daß die nachstehend genannten Schiffsstattgefunden hat, in welcher der bekannte Scharfmacher vom Arbeit- zimmerer der Firma Malzer Docks( Inhaberin: Paula Schröder) bei geberverband der Holzindustrie, Rahard- Berlin, das Referat hielt, Oranienburg sich dem Streit der Schiffszimmerer in der Oranienburger Gegend angeschlossen haben. gelangte folgende Resolution zur Annahme: ( Folgen die Namen von zehn Schiffszimmerern.) Wir bitten, diese sowie alle von genannter Firma kommenden Arbeiter bis auf weiteres nicht einzustellen. " Die in einer öffentlichen, dazu berufenen Versammlung zahlreich vereinigten Arbeitgeber der Stadt Potsdam richten an die föniglichen Hof- und Staatsbehörden in hiesiger Stadt die ergebene Bitte: 1. sie wollen bei Vergebung von Arbeiten aller Art stets in erster Linie die Arbeitgeber Potsdams berücksich= Berlin, den 21. November 1908. tigen, 2. fie möchten nicht, wie es in augenfälliger Weise hier Rundschreiben No. 217 pro 1908. gelegentlich geschehen ist, unter ausdrücklicher und Die Arbeiterbewegung im Aachener Gießereigewerbe ist als offenkundiger Außerachtlassung des schwierigen beendet anzusehen. Es erledigt sich somit unser Rundschreiben Kampfes gegen die sozialdemokratischen Ge= werkschaften und der zum Schuße gegen dieselben begrün- No. 204 vom 26. Oftober 1908. deten Arbeitgeberverbände ihre Arbeiter an solche Arbeitgeber vergeben, welche in diesem Kampfe das Interesse ihres Standes und ihres Arbeitgeberverbandes außer acht lassen, ja denselben geradezu unter Bruch ihres gegen denselben eingegangenen Ver= hältnisses entgegengehandelt haben." Die erste Forderung soll offenbar nur eine Art verkappter Sympathiekundgebung für den in der letzten Stadtverordnetenbersammlung so arg bloßgestellten Tischlermeister Pauli sein. Die zweite Forderung besagt in dürren Worten nichts anderes, als daß die Behörden bei der Vergebung von Arbeiten politischen Terrorismus üben sollen. Das Reichsverbandsgefchrei Kampf gegen die Sozialdemo tratie" soll auch Leitmotiv bei städtischen Submissionen werden. Der Terrorismus treibt immer tollere Blüten! Buchdruder und" Post"-Prozeß. Berlin, den 23. November 1907. Rundschreiben No. 218 pro 1908. Bei der Firma Marswerke, A.-G., Nürnberg Doos befinden sich die in der Anlage verzeichneten Arbeiter wegen Lohndifferenzen feit dem 19. November cr. nachmittags im Streit. Wir bitten, diese sowie alle von genannter Firma kommenden Arbeiter bis auf weiteres nicht einzustellen. Diesem Rundschreiben liegt als Anlage bei: eine Liste der bei der Firma Marswerte, A.-G., Nürnberg. Doos, streitenden 164 Arbeiter. Husland. Eisenbahnerstreit. Die Humanité" teilt mit, daß zirka 3000 Arbeiter des Pariser Métropolitain in den Ausstand treten. bruder erhäuser ihr Vertrauen aussprachen, noch die folDer Korrespondent" zählt zu den Orten, in welchen die Buchgenden hinaus 3, cheti a me., Berden- Kettwig- Mintard, Göppin Letzte Nachrichten und Depefchen. Trier, Remscheid, Höchst a. gen, Mülheim a. Rh., Berg.- Gladbach, Baden- Baden, Kaftowik, Röthen, Hildesheim, Reichenbach i. V., Zabrze, Gottesberg, Fulda, Ahrweiler, Hanau, Emmerich, Barmen, Menden- Hemer, Glogau, Eisenach, Marburg, Stralsund, Köslin, Wiesbaden, Quedlinburg, Der dritte Teil betrifft das Parlament. Das Parlament Bromberg, Wolfenbüttel, Grünberg i. Schl., Oelde i. W., Freudenhat nur beratende Macht, feine gesetzgeberische Gewalt. Es ſtadt( Württ.), Bochum, Worms, Freiberg( Sachsen) und Karlsdarf den Reichsetat nur nach Beratung mit der Regierung ab- ruhe, Außerdem nahm eine Gauvorsteherkonferenz, der eine Kündiändern.. Es zerfällt in zwei Kammern, über deren Wahl das vierte Kapitel spricht. Des Wahlrechtes verlustig erflärt gung Reghäusers borlag, bei einer Stimmenthaltung folgende werden Leute mit schlechtem Betragen, eigennützige und gewalt- Resolution an: tätige Menschen, Bankerotteure, solche, die ihre Schulden nicht bezahlen, sowie Opinmraucher, Analphabeten und Leute zweifelhafter Abstammung. Die Stimmenabgabe ist geheim. Die genauere Ausarbeitung des Verfassungsentwurfs bleibt der Zukunft überlassen. Ferner wurde ein kaiserlicher Grlaß über die Uebergangsbestimmungen bis zur Einführung der Verfassung veröffentlicht, aus dem hervorgeht, daß 1910 die Mitglieder des konstituierenden Parlaments einberufen werden sollen, 1911 eine allgemeine Volkszählung stattfinden soll, 1913 das erste Reichsbudget versuchsweise aufgestellt wird; 1914 ist die erste örtliche Selbstverwaltung durchzuführen, 1915 wird die Zivilliste aufgestellt und 1916 sollen die Wahlen zum Oberhaus und Unterhaus ausgeschrieben werden. Bis zu diesem Zeitpunkte sollen 5 Prog. aller Chinesen lesen und fbreiten können, mithin wahlberechtigt sein. Gewerkschaftliches. Streiks und Aussperrungen in Deutschlands in den ersten drei Onartalen 1908. Trotz der wiederholt mich von uns gerigten Mängel der amtlichen deutschen Streifstatistik bilden die vom Kaiserlichen Statischen Amt allvierteljährlich veröffentlichten Ziffern doch gewisse Anhaltepunkte zur Beurteilung der wirtschaftlichen Lage, besonders wenn man sie in Vergleich zu denen ja unter den gleichen Fehlerquellen entstandenen Ziffern früherer Jahre bringt. Nachstehende Tabellen zeigen Umfang und Ergebnis der Lohnkämpfe und Aussperrungen in den ersten drei Duartalen 1906 und 1907. Streits In den ersten drei Quartalen beendete Streifs Betroffene Betriebe Direkt streikende Arbeiter, Gezwungen Feiernde. Die Streifenden hatten Erfolg vollen teilweifen. feinen. Aussperrungen In den ersten drei Quartalen beendete Aussperrungen 1907 1906 1 641 10 179 140 719 7412 1052 4316 55 621 7.028 329 154 643 352 669 546 192 Betroffene Betriebe 4 678 Ausgesperrte Arbeiter Gezwungen Feiernde 67 312 1 535 160 1 642 41 436 283 Die Aussperrungen hatten Erfolg bollen. teilweisen. feinen 85 102 89 50 18 8 Die Zahlen zeigen ein großes Abflauen der Streikbewegung und der Aussperrungen. Beide Teile, Unternehmer und Arbeiter, sind offenbar kampfesmüde. Sehr zu Ungunsten der Arbeiter hat sich jedoch der Erfolg der Kämpfe verschoben. Während im letzten Jahre noch etwa der fünfte Teil der Streits mit vollem Erfolg endete, war es in diesem Jahr nur noch der siebente, und während 1906 nur rund 40 Proz. aller Streifs verloren gingen, war dies 1907 bei über 50 Proz. der Fall. Auf der andern Seite sind die Aussperrungen erfolgreicher geworden. Im Vorjahre endeten von 192 Aussperrungen noch 18 erfolglos, in diesem Jahre von 160 nur. noch 8, während 102 einen vollen, 50 einen feilweisen Erfolg aufwiesen. Berlin und Umgegend. Achtung, Sattler aller Branchen! Bei den Militäreffettenfirmen Fr. Cobau, Dresdener Str. 83, Fr. Hartmann, Lindenstr. 3 und Friedrichstr. 225, sowie bei Aug. Loh Söhne, Wilhelmstr. 22, haben sämtliche Militärsattler die Arbeit eingestellt. Genannte Firmen weigern sich, den Arbeitern für die von ihnen übernommenen preußischen Staatsarbeiten die gleichen Atfordlöhne zu zahlen, die in der Spandauer Artilleriewerkstelle für dieselben Ausrüstungsstücke den dortigen Arbeitern gezahlt werden. Außerdem verlangen diese Firmen noch, daß die Arbeiter die zur Anfertigung nötigen Zutaten, wie Nähfaden und Wachs, selbst zu stellen haben. Wir ersuchen alle Kollegen, diese Betriebe aufs strengste zu meiden. Die Ortsverwaltung Berlin der Verbandes der Sattler. Ein amerikanisches Radbod. New York, 28. November.( W. T. B.)[ Auf deutschatlantischem Kabel.]) In Marianna( Pennsylvanien) sind, wie von dort gemeldet wird, 250 Bergleute infolge einer Grubenexplosion im Bergwerk eingeschlossen. Pittsburg,( Pennsylvannien), 28. November.( W. T. B.) Man fürchtet, daß die in der Kohlengrube in Marianna eingeschlossenen Bergleute erstickt sind, da die Grube, die der Pittsburgh Buffalo Kohlenbergwerks- Gesellschaft gehört, infolge der Explosion in Brand geraten ist. Der Konferenz der Gauvorsteher ist vom Verbandsvorstande davon Kenntnis gegeben worden, daß Kollege Rerhäuser infolge der jüngsten bekannten Vorkommnisse seine Kündigung eingereicht habe. Die Konferenz kann einen Grund zu dieser Kündigung in den fraglichen Vorkommnissen nicht erblicken, da diese teineswegs geeignet erscheinen, die Achtung und das Vertrauen der Pittsburg, 28. November.( W. T. B.) Die Explosion in Mitglieder des Verbandes zu ihrem Redakteur zu erschüttern, der Kohlengrube in Marianna war außerordentlich heftig. und sie kann daher die Kündigung nicht akzeptieren." Rerhäuser zog nach diesem leicht vorauszusehenden Resul. Beiden Schachten entsteigen dicke Rauchwolken. Man betat der Aussprache seine Kündigung mit schwerem Herzen" zurüd. fürchtet, daß sämtliche in der Mine eingeschlossenen Bergleute, Die Gauvorsteherkonferenz äußerte übrigens nach dem Storre- deren Zahl jetzt auf 275 geschätzt wird, entweder durch die Exspondent" den Wunsch," im Interesse des großen Ganzen Ver- plosion in Stücke gerissen oder erstickt und verbrannt sind. Es gangenes begraben sein zu lassen." ist unmöglich, in die Mine einzudringen, vor der sich herzzerreißende Szenen abspielen. Infolge der Explosion wurde das Ventilatorenhaus zum Teil zerstört. Ein Förderkorb, mit dem zwei Bergleute zur Arbeit fuhren, wurde in einer Tiefe von 300 Fuß samt seinen Infassen in Stücke gerissen. Schwarze Listen! Der Gesamtverband Deutscher Metall. industrieller( Sih Berlin) versandte wieder an seine Mitglieder eine ganze Reihe schwarzer Listen. Sie folgen hier: Berlin, 9. November 1908. Rundschreiben Nr. 200 pro 1908. In Izehoe sind die nachstehend aufgeführten Hafenarbeiter in den Ausstand getreten. ( Namen von 24 Arbeitern. Eine agrarische Skandalaffäre. Friedberg, 28. November.( B. H.) Otto Hirschel wurde unter dem gestrigen Tage vom Vorstand der landwirtschaftlichen Wir bitten, diese sowie alle aus Jbehoe kommenden Hafen- Genossenschaft für Oberheffen seines Postens als Direktor enta arbeiter bis auf weiteres nicht einzustellen. Berlin, 9. November 1908. Rundschreiben Nr. 210 pro 1908. Bei der Firma Wilhelm Fredenhagen in Offenbach am Main find nachstehende Former und Tagelöhner in den Ausstand ge( Name und Geburtstage von 8 Arbeitern.) Wir bitten, diese sowie alle von genannter Firma kommenden Arbeiter bis auf weiteres nicht einzustellen. treten. hoben. Wie bestimmt verlautet, soll der Grund dieser Maßnahme in Handlungen Hirschels zu suchen sein, die im Widerspruch mit den Interessen der Genossenschaft stehen. Ueber internationale Politik darf nicht geredet werden! Petersburg, 28. November.( W. T. B.) Vor Schluß der heuti gen Sizung der Reichsduma brachten die Sozialdemokraten eine Interpellation ein, in der der Kriegsminister aufgefordert wird, sich über die Tätigkeit des Obersten Ljachow in Persien zu äußern, und beantragten Dringlichkeit der Interpellation. ProBerlin, 14. November 1908. towski( S03.) begründete die Interpellation und wies darauf Rundschreiben Nr. 211 pro 1908. Bezugnehmend auf unser Rundschreiben Nr. 196 vom hin, daß die Handlungen Ljachows Persien gegen die russischen 5. Oftober 1908 machen wir hierdurch darauf aufmerksam, daß Bürger feindlich stimmten und daher den internationalen Bea der Ausstand beim Strebelwerk G. m. b. H. in Mannheim, an ziehungen Rußlands Gefahr drohe. Der Redner, der mehrere welchem etwa 700 Arbeiter beteiligt sind, noch an- Male vom Präsidenten unterbrochen und daran erinnert wurde, dauert und bitten dringend, alle von dort kommenden Arbeiter daß die internationale Politik außerhalb der Kompetenz der Reichsa bis auf weiteres nicht einzustellen und etwa ver- duma liege, nannte unter anderem Ljachow einen Pseudoobersten, sehentlich eingestellte sofort wieder zu zu entwas auf den Länken der Rechten andauernden Lärm hervorrief. Tassen. Berlin, 14. November 1908. Rundschreiben Nr. 212 pro 1908. Die Lohndifferenzen der Zimmergesellen in Neustadt in Holstein haben durch die Besetzung der frei gewordenen Stellen mit anderweitigen Arbeitsfräften ihre Erledigung gefunden; es erledigt sich dadurch unser Rundschreiben Nr. 155 bom 6. Juli dieses Jahres. Berlin, 16. November 1908. Rundschreiben Nr. 213 pro 1908. Der Präsident forderte den Redner auf, sein Wort zurückzunehmen, was dieser auch tat, aber erklärte, er habe sagen wollen, Ljachow sei ein Pseudodiplomat. Während der Rede Protowskis herrschte im Hause ununterbrochen Lärm. Markow( äußerste Rechte) erflärte, wenn nicht in den Abgeordneten der russischen Duma das Herz von Juden oder Persern schlage, sei die Annahme einer der artigen Interpellation schmachvoll für einen treuen Diener des russischen Kaisers. Die Duma lehnte die Dringlichkeit ab und überwies die Interpellation nach der Geschäftsordnung der Kommission. Demiffion des bulgarischen Ministeriums. Bei der Firma Werkzeugmaschinenfabrit und Gifengießerei Otto Froriep in Rheydt ist unter den Sofia, 28. November.( Meldung des Wiener N. K. Telegr. Formern eine Bewegung ausgebrochen, die eine Stillegung des ganzen Betriebes zur Folge haben wird. Wir Korresp.- Bureaus.) An zuständiger Stelle wird versichert, Ministerübermitteln Ihnen in der Anlage eine Liste der in Betracht kom- präsident Malinow habe heute die Demission des Kabinetts einmenden Arbeiter und bitten Sie diese sowie alle von der ge- gereicht. Fürst Ferdinand habe noch keine Entscheidung getroffen. nannten Firma kommenden Arbeiter bis auf weiteres nicht ein- an nimmt an, das Kabinett werde vorläufig die Geschäfte weiterführen. zustellen. ( Folgt Liste mit Namen von 237 Arbeitern.) Berlin, 16, November 1908. Rundschreiben Nr. 214 pro 1908. -OW Bei den auf beifolgender Rifte verzeichneten Firmen, Mitgliedern des Vereins der Iusfchiffswerften Deutschlands ist ein Streit ausgebrochen. Wir bitten deshalb, die in der Anlage aufgeführten sowie alle von den genannten Firmen kommenden Arbeiter bis auf weiteres nicht einzustellen. In der Anlage sind nachstehende Firmen aufgeführt: Schiffsbaumeister B. Liebner, Glasy, ätte bei Oranienburg, mit 8 Arbertern, K. Süste, Glashütte bei Oranienburg, mit 2 Arbeitern, A. Schreiber, Glashütte bei Oranienburg, mit 7 Arbeitern, Ad. Brauer, Sachsenhausen bei Oranienburg, mit 6 Arbeitern, W. Schäfter, Sachsenhausen bei Oranienburg, mit Arbeitern, K. Füting, Oranienburg, mit 5 Arbeitern. In den Bericht über die Mißstände bei Buhke u. Ko. hat sich leider ein unangenehmer Druckfehler eingeschlichen. Es sollte nicht heißen, daß die Arbeiterinnen sich vor der Direktion", sondern daß sie sich vor der Direttrice" entkleiden mußten. Daß die Direktion nicht gemeint war, zeigt übrigens auch der darauf folgende Saß über die nachträgliche Aeußerung des Direktors Novat: Verbandes markiert. ..es sei wohl nicht genau genug nachgesehen worden." Die Liste über sämtliche Arbeiter, Schiffszimmerer, ist alphabetisch geführt; einer wird ganz besonders als Vorsitzender des Das Auge des Gesetzes wacht. München, 28. November.( B. H.) Das Amtsgericht München I hat auf Antrag der Staatsanwaltschaft die Beschlagnahme der deutschen Uebersetzung des bekannten Romans Sjanin" von Arkibaschew verfügt. " Betrügerischer Notar. Darmstadt, 28. November.( B. H.) Die Straftammer verurteilte den Rechtsanwalt und Notar Rudolf Link aus Dieburg wegen Berbrechens im Amte und wegen Urkundenfälschung zu vier Jahren Gefängnis, wovon sechs Wochen auf die Untersuchungshaft angerechnet werden, und drei Jahren Ehrverlust. Annahme des französischen Gesamtbudgets. Paris, 28. November.( W. T. B.) Die Deputiertenkammer be endete heute die Beratung des Finanzgesetzes und nahm mit 477 gegen 52 Stimmen das Budget im ganzen an. Darauf vertagte sich die Kammer auf Montag, den 7. Dezember, um dann die Beratung über die Abschaffung der Todesstrafe fortzufezen. Hierzu 7 Beilagen, Berantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inferatenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlaa: Vorwärts Buchdr. u. Verlaasanftalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 280. 25. Jahrgang. Reichstag. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sonntag, 29. November 1908. toftet. Dabei gibt es jetzt Fälle, wo Schweigen Silber ist und Möglichkeit hätten, Zwangsbeiträge zu den Arbeiterorganisationen Reden Gold bedeutet für andere Beute.( Heiterkeit.) In der einzuführen, aber leider sind wir noch nicht so weit. Jedenfalls Heeresverwaltung herrscht eine ungeheure Materialverschwendung, haben die Arbeiter alle Ursache, diese Steuern mit Freuden zu 171. Sigung vom Sonnabend, den 28. November, sonst wären die großen Unterschleife in Stiel nicht möglich gewesen. bezahlen; denn von diesen Steuern haben sie Nutzen, dagegen von bormittags 11 Uhr. Am Bundesratstische: v. Sydow. Die erste Beratung der Reichsfinanzreform und der Steuervorlagen wird fortgesetzt. Abg. Erzberger( 3.): Morgen vor einem Jahre rühmte der Herr Reichskanzler die Festigkeit des Blocks, und am 4. Dezember erhielt er die Vertrauensroten der Blockparteien. Ich weiß nicht, ob er an diesem 4. Dezember das Manöver des Vorjahres zu wiederholen Luft hätte. Damals meinte man, das kaudinische Joch des Zentrums sei beseitigt, heute will man mit dem Zentrum wieder anbandeln. Nach der Kreuzzeitung" soll das Zentrum für die Konservativen eine Art Reservetruppe bilden, die auf einen Wink aus dem Busch kommt, um gegen die Linke zu marschieren. Das Zentrum müßte geradezu polizeiwidrig dumm sein, wenn es auf diesen Leim ginge.( Lebhafte Zustimmung im Zentrum.) Was der preußische Finanzminister über die Gewerkschaftsbeiträge der Arbeiter gesagt hat, richtet sich auch gegen die christlichen Gewerkschaften. Jeder seiner Aufgabe sich bewußt bleibende Arbeiter weiß heute, daß er in seine Gewerkschaft einzutreten und für sie Beiträge zu leisten hat. Ein Minister, der solche urreaktio= nären, vormärzlichen Ansichten äußert wie der preußische Finanzminister fann nicht als Vertrauensmann des Voltes aufgefaßt werden. Mit solchen Ausführungen stärkt man nur die Sozialdemokratie; eine derartige Sozialistentöterei hätte man höchstens noch vom Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie erwartet.( Sehr richtig! im Zentrum.) Freuen sollte man sich viel mehr, daß die Arbeiterschaft sich in ruhigen Zeiten einen Kriegsschatz anschafft, wie ihn das Reich im Juliusturm besitzt. Zur Abhilfe wird die Verwaltung verlangen: mehr Aufsichts- den Steuern, die man ihnen hier auferlegen will, nur Arbeitslosig beamte!( Heiterfeit und Sehr richtig!) Der größte politische Fehler feit und andere wirtschaftliche Nachteile.( Sehr wahr! bei den Soz.) war es, daß man das englische Angebot über eine Verständigung Daß die Arbeiter den Versuch machen, die Folgen des Zollwuchers über die Flottenrüstung rundweg abgelehnt hat. Dann dürfen möglichst auf die Unternehmer abzuwälzen, ist doch nur natürlich. wir uns nicht über das wundern, was heute in England vor sich Wenn ihnen das nicht wenigstens zum Teil gelänge, wären sie in geht. Auch in der Kolonialverwaltung wird nicht gespart; in ihrer ganzen Lebenshaltung derart beeinträchtigt, daß die VerKiautschou, das uns jährlich 8 Millionen kostet, wird unverant- elendung der Maffen gewaltig fortgeschritten wäre. Im übrigen wortlich gewirtschaftet. Ich führe nur an, daß ein Bau, der 48 000 fostet den Arbeitern diese Abwälzung immer erst große Kämpfe. Mark gekostet hat, nicht weniger als 28 000 M. für die Bauleitung Daher haben sie alle Ursache, sich dagegen zu wehren, daß man sie erfordert hat!( Sört, hört!) Für die Schußtruppe in Südwest zwingt, durch neue Belastung sich erst wieder durch neue Kämpfe Afrika, die nichts mehr zu schüßen hat, werden wieder im Etat auf der alten Lebenshaltung zu erhalten, statt daß sie ihre Lebenss 16 Millionen Mark verlangt! Eine Wirkung des Erlasses zur haltung erhöhen können.( Sehr richtig! bei den Soz.) Sparsamkeit, die der Reichskanzler an die Ressorts gerichtet haben Der Herr Finanzminister verlas eine Anzahl Zitate von soll, ist nirgends zu erblicken. Ich habe den Erlaß nicht gesehen, Engels und Kautsky und suchte den Eindruck zu erivecken, als ob wahrscheinlich ist er nur für die Blockparteien gedruckt worden. diese Parteigenossen einen anderen Standpunkt vertreten hätten ( Abg. Südekum, Soz.: Aus Sparsamkeitsrücksichten! Große Heiter- als die Fraktion. Die Aeußerung von Engels stammt aus dem teit.) Wenn beim Etat wirklich auf Sparsamkeit gesehen wird und Jahre 1872 und hatte den Zweck, zu beweisen, daß mit direkten der Reichstag durch Wahrung seines Budgetrechtes darauf dringt, Steuern allein die soziale Frage nicht gelöst werden kann.( Sehr so wird das dem deutschen Volfe zum Segen gereichen.( Lebhaftes wahr! bei den, Soz.) 1891 hat derselbe Genosse Engels bei der Bravo im Zentrum.) Schaffung des Entwurfs unseres jetzt bestehenden Programms die Abg. Emmel( Soz.): Forderung diretter progressiver Steuern ausdrüdlich gestellt und die Abschaffung der indirekten Steuern gefordert. Es ist seltsam, daß der Finanzminister glaubt, mit dem Engels von 1872 den Engels von 1891 berichtigen zu können. Er hat eben Engels gar nicht gelesen, sondern nur Zitate aus den Sozialistischen Monats heften" genommen, ohne nachzusehen, in welchem Sinne diese Aeußerungen gemacht sind.( Sehr richtig! bei den Soz.) Das zeigt feine Zitierkunst, die darin besteht, sich einzelne Schnikel von irgendeinem Geheimrat zusammentragen zu lassen.( Seiterkeit und sehr gut! bei den Soz.) Aehnlich verhält es sich mit den Zitaten von Engels und Kautsky aus dem Jahre 1894. Wenn sie sagten, daß der fapitalistische Staat unmöglich nur mit direkten Steuern austomme, so taten sie es deshalb, um zu konstatieren, daß der kapitalistische Staat eine gerechte Verteilung der Steuerlaften nicht zulassen will. Die Ausführungen sind gemacht, um zu zeigen, daß mit der Einführung direkter Steuern die soziale Frage nicht zu lösen ist, und um die Arbeiter auf das Endziel der Sozialdemofratie hinzuweisen. . Der Finanzminister meinte, die Arbeiter hätten ja alle Urfache, auch zu den Bedürfnissen des Reiches ihren Obolus zu entrichten. Hätten die Arbeiter ein größeres Intereſſe daran, das Reich in seiner jetzigen Form aufrechtzuerhalten, so würde man das mit Recht von ihnen verlangen können. Aber was bietet denn der gegenwärtige Staat den Arbeitern? Für die Arbeiter find Die Rede des Herrn Finanzministers von vorgestern ist wohl von dem Gesichtspunkte aus zu verstehen, daß er als Kandidat für den Kanzlerposten in Betracht kommt und sich in empfehlende Erinnerung bringen wollte. Wenn der Finanzminister sagt, die Sozialdemokratie wolle den Arbeitern ihr Vaterland verekeln, so hätte er diese Worte lieber an die Rechte des Hauses richten sollen, deren ganze gefeßgeberische Tätigkeit darauf hinausläuft, die Lebensbedingungen der Arbeiter zu verschlechtern und ihre politiFür das Finanzelend versuchte man hier das Zentrum berant- schen Rechte zu vermindern.( Sehr wahr! bei den Soz.) Weiter wortlich zu machen, aber sehr mit Unrecht. Die Statistik in der behauptete Herr v. Rheinbaben, die Löhne der EisenbahnbediensteZunahme der Reichsschulden zeigt, daß sie gerade in jenen Jahren ten er sagte wohlweislich nicht: der Arbeiter seien um sehr stark war, in welchen das Zentrum zu den großen Ausgaben 33 Proz. gestiegen und betragen im Durchschnitt 3,18 M. Im feine Zustimmung nicht gegeben hat. Deshalb wurde es ja auch vorigen Jahre erklärte aber der preußische Eisenbahnminister, daß als internationale Partei bezeichnet. Gerade die heutige Mehrheit die Löhne der Arbeiter bei den Reichseisenbahnen nicht erhöht hat die großen Ausgaben bewilligt, ohne daß Dedung vorhanden werden können, weil sonst die Löhne der preußischen Eisenbahnwar, und hat die Schuldenwirtschaft verschuldet.( Sehr richtig! arbeiter auch erhöht werden müßten.( hört, hört!) Dabei bewegen im Zentrum.) Auf die Steuervorlagen im einzelnen will ich sich die Löhne der Reichseisenbahnarbeiter zwischen 2 und 3 M.; nicht eingehen. Erklären muß ich aber, daß auch die Bewilligung nur ganz wenige Arbeiter beziehen einige Pfennige mehr als 3 M. ton 500 Millionen Mark neuer Steuern in die Finanzen nicht Der Herr Finanzminister hat dann behauptet, der wirtschaftOrdnung bringen wird, ohne daß eine Aenderung des Syſtems ein- liche Aufschwung der Arbeiterklasse werde bewiesen durch die Ertritt. Aber nicht in konftitutionellen Garantien besteht die Aende- höhung der Gewerkschaftsbeiträge. Eigentlich sollte man von ihm rung des Syſtems, nein, der Reichstag hat heute schon die Macht, erwarten, daß er die amtlichen Berichte der preußischen Gewerbefür Ordnung der Reichsfinanzen zu sorgen, denn er hat das inspektoren kennt. Aus diesen Berichten geht hervor, daß dort, wo Budgetrecht. Ohne Wahrung des Budgetrechtes haben alle die Löhne gestiegen sind, auch die Preise für alle Lebensbedürfnisse fonftitutionellen Garantien keinen Wert. Solange es freilich Par- der Arbeiter sich so erhöht haben, daß von einer Verbesserung der die Einzelstaaten Unterdrüdungsorgane der kapitalistischen teien gibt, welche die Handhabung des Budgetrechtes als antinatio- Lebensverhältnisse feine Rede ist. Ebenso bestätigt der württemGesellschaft. nales Berbrechen ausgeben, ist die Hoffnung darauf nur gering. bergische Bericht, daß die günstige Wirkung des guten Geschäfts-( Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wir brauchen bloß zu Der Reichskanzler stellte sich hier hin und predigte Sparsamkeit. Ueber Sparsamkeit im Reich finden wir in seiner Rede nichts, er ganges auf die Lebenshaltung der Arbeiter durch die andauernde erinnern an die Taten der Polizei, wenn die Arbeiter ihre wirtspricht nur vom Sparen des einzelnen; dabei hat Fürst Bülow die Lohnerhöhungen nicht gleichen Schritt hielten.( Sört! hört! wollen. Ich erinnere nur an die Vorgänge bei den WahlrechtsSteigerung der Lebensmittelpreise beeinträchtigt wurde, womit schaftlichen Verhältnisse verbessern oder politische Rechte erringen neben den Gehältern für die Beamten Repräsentationsgelder ein- bei den Soz.) Dasselbe wird aus Bayern berichtet. Auch sollte demonstrationen, und da sollen die Arbeiter ihren Obolus entgeführt! Ein neuer Geiſt ſoll einziehen in die Finanzverwaltung, der Herr Finanzminister doch wissen, daß die Arbeiter auf die Ge- richten für diesen Staat, der nur den Zweck hat, die Ausbeutungsfagt der Reichskanzler, und heraus kommt schließlich, daß bei den werkschaften angewiesen sind, um in guten Zeiten ihre Lebenslage freiheit aufrechtzuerhalten?( Lebhaftes Sehr richtig! bei den Vergebungen von Lieferungen ettvas wirtschaftlicher verfahren au erhöhen und in Zeiten der Krise eine Verschlechterung ihrer Sozialdemokraten.) Es kann gar keine Frage sein, daß die Arwerden soll. Dabei hat sich Fürst Bülow im Jahre 1906 hierher Lage zurückzuweisen.( Sehr richtig! bei den Goz.) Herr v. Rhein- beiter nicht gewillt sein können, für diesen Staat irgendwelche werden soll. Dabei hat sich Fürst Bülow im Jahre 1906 hierher gestellt und gesagt:" Sie können doch nicht verlangen, daß ich die baben schien sich besonders darüber aufzuregen, daß die Gewerk- Lasten auf sich zu nehmen. Was haben sie denn für ein Interesse Verträge der Firma Tippelskirch nachprüfe!"( Sehr gut!) Besser schaften 13 Millionen Mark für Streitunterstützung ausgegeben an den großen Posten, von denen die Schuldenwirtschaft herrührt? gefiel mir der Reichsschapsekretär, welcher von der Rüdkehr zur haben. Von diesen sind aber 7 Millionen an solche Arbeiter ge- Haben sie etwa ein Interesse daran, daß Heer und Marine in der altpreußischen Sparsamteit sprach. Damit ist eingestanden, daß zahlt worden, die von den Unternehmern ausgesperrt wurden bisherigen Weise fortbesteht? Saben sie ein Interesse an der Kolobisher nicht geſpart ist. Dabei fagt uns der Kriegs- obrt! hört!, bei ben Co3 ,, un erre 6 Millione per amourdes nialpolitit? Daben fie em Intereſſe paran, daß die Golbaten mit minister in der Budgetkommission, er drehe jeden Pfennig dreimal in der Hand um, ehe er ihn ausgebe. Lieber wäre es uns, et streiks. Die Gewerkschaftstassen sind sozusagen drehte jeden Tausendmarkschein oder wenigstens jede halbe Million dreimal um, bevor er sie ausgibt. Der Reichskanzler verspricht Sparsamkeit, wenn wir die leeren Kassen füllen. An diese Sparsamteit glaube ich nicht. Wenn der Herr Schaßsekretär die Ausgaben verweigert, wird es bald heißen: Lieber Sydow, bestellen Sie Sen Möbelwagen!( Sehr richtig! und Heiterkeit.) In unserm Etat hat eine Verschwendung Plaz gegriffen, die anfängt beim Etat des Reichskanzlers und aufhört bei der Ost- Afrikaexpedition. Ich möchte wohl wissen, was unsere Regierung im Umherziehen Kleines Feuilleton. Sparkassen für die Arbeiter. Ich erinnere an die Arbeitslosenunterstüßung, die Kranten-, die Reiseunterstützung, den Rechtsschutz der Gewerkschaften und an die Lohnerhöhungen, die durch sie erzielt worden sind. Der Finanzminister sprach von Zwangsbeiträgen der Partei und der Gewerkschaften. Ich weiß nicht, warum er sich so dagegen wehrt; bei den Handwerkern sind doch in der Tat Zwangsinnungen mit Zwangsbeiträgen eingeführt. Warum sollen also die Arbeiter nicht das felbe haben? Ich würde gar nichts dagegen haben, wenn wir die den besten Waffen ausgerüstet werden, um auf Vater und Mutter zu schießen?( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Zur Begründung der Finanzreform hat der Finanzminister gar nichts gesagt. Sonst hätte er doch auf die Ausgaben des Reiches eingehen und angeben müssen, wie sie zu reformieren sind. Eine Reichsfinanzreform kann doch nicht lediglich in den neuen Steuern bestehen. Die Ursache der finanziellen Misere des Reiches ist in den Ausgaben für Militarismus und Marinismus zu suchen, die immer größer werden, und gerade hier will die Regierung die Ausgaben nicht beschränken. Auf diesem Gebiete wird gar keine Reform vorgeschlagen, während doch gerade hier die vom Fürsten 679 Einmal aber fönnte es doch die Komische Oper auch mit voltsa tümlichen Vorstellungen versuchen. Natürlich ohne Zazal Humor und Satire. Nobelpreise. Herr Bülow bekommt den Preis der Physit, für sich selbst, als Sprechautomate: Ein Stichwort hinein und im Augenblic bomiert er zwei Dugend Zitate. Der medizinische Preis wird halbiert. Die Hälfte, Sydow, gewinnste als einer, der tapfer drauflos furiert durch seine Blutegelfünste. Herr Holle bekommt vom Preise den Neft, das spornt ihn zu neuen Kämpfen: er müht fich furchtlos, die Bildungspest mit allen Mitteln zu dämpfen. Die Grammophonplatten und die russische Zenfur. Bisher ihren durcheinandergehenden Rhythmen und Klangfarben recht waren Grammophonplatten in Rußland zensurfrei. Sie genossen hübsche und reichhaltige Wirkungen herausbringt. Die alten Regies in vollem Sinne die Vergünstigungen der Freiheit des Wortes". fünfte der Komischen Oper kommen in der Hauptsache nur dem Dinosaurierfunde in Deutsch- Ostafrika. Während bisher die Unlängst aber geschah es, daß in Moskau ein Polizeipristaw eine ersten Akte zugute. Später gilt es mehr Spiel und Gesang im meisten Funde von Dinosauriern( Rieseneidechsen) in Amerika ge- Restauration betrat und dabei den Tert eines Revolutionsliedes strengeren Einne des Wortes zu bringen. Darin war die Trägerin macht wurden, ist nun in Deutsch- Ostafrika ein neuer Fundort zu hören bekam: das Lied tönte ihm aus dem Schalltrichter eines der Titelrolle, Eva v. d. Osten aus Dresden, trefflich genug. dieser interessanten Fossilien entdeckt worden, der an Reichhaltigkeit Grammophons entgegen. Auf eine Anfrage des Bristams( Bolizei- Daß wir aus den übrigen guten Leistungen nichts erwähnen, möge kaum den Berühmten amerikanischen Lokalitäten nachsteht. Pro- hauptmann), von wo er die Platte habe, erklärte der Gastwirt, nicht als Unterschätzung gedeutet werden. fessor E. Fraas, dem wir die Erschließung dieses für die Paläs daß er sie von einem Agenten gekauft habe. Der Fall wurde der ontologie so wichtigen Gebietes verdanten, erstattet in der" Um- brigkeit berichtet, und es wurde sofort eine eingehende Unterschau" Bericht über die Funde. Er hatte gerade eine Reise am ſuchung eingeleitet; die Untersuchung ergab, daß die„ staatsVittoria Njanza beendet, als er im Bezirke Lindi unbestimmte gefährliche" Grammophonplatte amerikanisches Fabrikat war. Bald Gerüchte hörte, daß sich an dem Berge Tendaguru ungewöhnlich darauf entdeckte man auch in Petersburg und in Warschau Brivat. große versteinerte Knochen fänden. Fraas organisierte eine Kara- niederlagen von Platten mit revolutionären Texten, sowohl Liedern wvane von sechzig Trägern, und nun ging es auf schmalen Neger- wie Reden; diese Platten waren ebenfalls amerikanischen Urpfaden durch endlosen Buschwald, bis nach fünftägigem Marsche sprungs. Die Oberpreßverwaltung, der die Angelegenheit unterder Berg aufstieg, ein einsamer sogenannter Inselberg, d. H., der breitet wurde, hat sich, wie ein Petersburger Blatt berichtet, dahin Reit einer früheren Gebirgskette. Da lagen nun", erzählt Fraas, entschieden, daß Grammophonplatten, die oft in Taufenden von ausgewittert und ausgewaschen in dem vermürbten Sandsteine Gremplaren verbreitet werden, den Druckerzeugnissen gleich die gewaltigen Ueberreste, Fußknochen von mehr als einem Meter austellen feien, und als solche der Benfur unterliegen. Dieser Länge, Fingerglieder, Klauen und Wirbel und erzählten in be- Auffassung soll sich auch der Ministerpräsident Stolypin ange= redter Sprache von der ausgestorbenen Urwelt. Im Geiste sah ich schlossen haben. Daraufhin ist die Frage einer Vermehrung der in sumpfiger Niederung, die fich zur jüngeren Kreidezeit nahe Bahl der Zensurinspektoren aufgeworfen worden, da der bisherige der damaligen Küfte an Stelle der jebigen Urwaldgegend aus- Bersonaletat der Benjur angeblich für diesen neuen Zweig der breitete, in dem Wasser der Lagunen träge die gewaltiger Leiber Kontrolle nicht ausreichen würde. So müssen in Väterchens Lande der Riesensaurier liegen und ihre Nahrung in den fetten Pflanzen alle Dinge den staatlich angestellten Parasiten und Gaunern zum und Wurzeln des üppigen Küstenstriches suchen." An verbesten dienen. Stellen wurde schiedenen eine Mufik. wurde nachgegraben und große Anzahl trefflich erhaltener Knochen berpadt; doch wird es Das Schauspiel 3 aza"( sprich Safá) ist eines ber bekannten einer zweiten in der Ausrüstung begriffenen Expedition Schauspieler- und Bühnendramen, wie sie eben als Stompanies vorbehalten sein, alle die wissenschaftlichen Schäße zu heben, arbeit zweier Tertverfertiger zustandekommen. Die Bretteldiva, die dort im Urwald begraben liegen. Die gefundenen Ueberreste deren Name das Stück trägt, hat neben guten Freunden und Liebstammen aus den Formationen der jüngeren Kreidezeit und ge- habern auch einen Geliebten, dem sie verführerisch entgegenkommt. hören zu einer Gruppe von Dinosauriern, die sich am besten mit Da gibt es natürlich Tuscheleien und Verrätereien genug. Zaza den amerikanischen Riesen Diplodocus und Morosaurus vergleichen reist dorthin, wo er eine Rivalin haben soll. Sie findet seine lassen. Da diese in Amerika und Europa in älteren Schichten ge- Gattin und sein liebliches Töchterlein; unter dessen Klavierspiel funden werden, ist anzunehmen, daß sie sich in Afrika viel längere fintt sie schmerzüberwältigt nieder. Schließlich reißt er sich nach Zeit erhalten haben. Fraas bezeichnet diese oftafrikanischen Dino- einem typischen vierten Akte von ihr los. saurier wegen ihrer gewaltigen Größenverhältnisse als Giganto- Der italienische Komponist R. Beoncavallo hat seinerfaurus. Es waren gewaltige Tiere von sechzehn und mehr zeit( 1892) mit seinem Bajazzi" einen berechtigten, allgemeinen Meter Länge mit kleinem, schwach bezahntem Schädel, der auf Beifall errungen. Seither ist ihm nichts mehr recht geglückt, am Vorträge. Im Institut für Meereskunde, einem langen, aber kräftigen Hals saß. Der plumpe, massige wenigsten begreiflicherweise die kaiserliche Bestellung:„ Der Roland Georgenstraße 34/36, spricht Montag, den 30. November, Kustos Körper lief in einen langen, dicken Schwanz aus, dessen Wirbel- von Berlin". Auch sein große(?) Oper" Baza" von 1908 bedeutet Baschin über:" Die chemischen Eigenschaften des Meerwassers" förper am vorderen Schwanzteile noch einen Durchmesser von feinen Fortschritt. Am Freitag hörten wir sie in der„ Komischen( mit Lichtbildern); Dienstag, den 1. Dezember, Dr. Vogel über: 28 Zentimeter aufweisen. Getragen wurde der Körper von Oper". So widerlich oder vielmehr langweilig der Text in seiner" Die Seehandelswege des deutschen Mittelalters"; Freitag, den träftigen, gegen 2 Meter hohen Beinen, deren hinteres Paar in Fünftelei und in seiner breiten Ausspinnung ist, so konnten wir 4. Dezember, Dr. Wenke über„ Der Tierreichtum des Meeres und einem riesenhaften Becken eingefügt war. Der gewaltige, der Musik doch noch freundliche Seiten abgewinnen. Vor allem seine Ursachen, an Beispielen erläutert"( mit Lichtbildern). Eins 1,40 Meter messende Oberschenkel hatte ein Gewicht von 150 kilo- muß man nicht mehr von Unechtem sprechen und merkt deutlich laßkarten sind von 12 bis 2 Uhr mittags und an den Vortragsgramm. Der vollständig erhaltene Hinterfuß endigte mit fünf daß dem Komponisten die Sache unbestellt, aus dem eigenen abenden von 6 1hr an für 25 Pf. in der Geschäftsstelle des Instituts Zehen, von denen die beiden ersten große Krallen trugen, mit Innern kam. Sogar zu sehr: denn er arbeitet eben mit seinem erhältlich.( Oeffentliche Anstalten, die populäre Vorträge halten denen die pflanzenfreffenden Tiere Wurzeln ausgruben, während eigenen„ Bajazzi"-Material. Nun zeigt namentlich der als Milieu- lassen, sollten füglich auf Eintrittspreise verzichten.) die folgenden mehr oder minder verkümmert sind. Die bisher nach schilderung interessante erste Akt, daß, Leoncavallo hier zu Hause Ein neues Drama von Otto Ernst wird im Des Europa gebrachten Steletteile, wie Wirbel, Beckenknochen und Füße sind im königlichen Naturalienkabinett von Stuttgart aufgeftelt. Vom Dichterpreis friegen alle ein Stüd, die sich im Blocke betät'gen. Zum Lohn ereilt sie dieses Geschick für die vielen guten Komödien. Allein der Preis für Chemie ist noch frei: man will erst darüber verhandeln, welcher Minister am tüchtigsten sei, das Schwarz in Weiß zu verwandeln. Notizen. Franz. ist; das Treiben hinter der Bühne eines Variétés ergibt ganz zember im Stuttgarter Hoftheater aufgeführt werden. Es ist ein hübsche Späße des Fagottes und dergleichen mehr.. Ferner bringt fatirischer Schwant:" Tartuff der Patriot", in dem der heuchlerische das Stück viele gleichzeitige Gegenfäße, so daß da die Musit mit Patriotismus in seinen verschiedenen Spielarten verspottet wird. Bulow empfohlene Sparsamkeit geübt werden könnte. Sparsam- keit an den SsnfumartiJeln würde nur zur Produkt ionLeinschran- kung führen und dadurcb die Krise und Arbeitslosigkeit noch ver- schärfen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Für Kultur- ausgaben hat das Deutsche Reich kein Geld, sondern nur für Militärausgaben. Datz auch die neu zu bewilligenden Ein- nahmen hauptsächlich für das Militär verwendet werden sollen, darin liegt geradezu eine Gefahr für das deutsche Volk. Die ewigen Hecrcsvcrjtärkungen werden fortwährend mit dem Hinweis auf die französische Rcvancheidee verteidigt. Soweit diese Revaucheidee überhaupt noch existiert, lasch sich ihr durch vcrstän- dige Lösung der elsatz-lothringischen Frage der Boden entziehen, (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Statt Elsaß-Lothringcn als unterworfene Provinz zu behandeln, soll man dem Lande Selbständigkeit gewähren. Das würde auch versöhnlich auf die Franzosen wirken.(Aha! uno Hchterkeit rechts.) Eine solche �Selb» jtändigleit lägt sich sehr wohl im Rahmen des Reiches gewähren. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Staatsform des neuen Bundesstaates Elsah-Lothringen müßte republikanisch sein.(Lachen rechts.) Wir haben doch schon Republiken im Deutschen Reiche: die Hansastädte.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Die clsaß-lothringische Bevölkerung und nicht etwa die dortige Sozialdemokratie zieht die republikanische Form sicher einer Hohcnzollernschen Lccunäo genitur(Nebenlinie) vor.(Leb- hafte Zustimmung bei den Sczialdemokraten.) Eine solche Lösung der Frage würde Elsaß-Lothringen viel vorteilhafter sein als der ja übrigens gar nicht in Betracht kommende� Rückfall an Frank- reich. Die wirtschaftlichen Beziehungen verweisen Elsaß-Lothringen an Teutschland. Da allseitig betont worden ist, daß wir Frieden und Freundschaft mit England halten wollen, und da Rußland völlig kriegsuntüchtig ist, kann bei einer einigermaßen verständigen Führung der auswärtigen Politik von einer Kriegsgefahr keine Rede sein, und eine Beschränkung der militärischen Ausgaben er- scheint somit durchaus als möglich. Die andere Seite der Finanzlage ist die Verteilung der Steuer». Eine gesunde Finanz- und Sozialpolitik erfordert, daß die Hauptlasten an der Erhaltung des Staates den Besitzenden auferlegt werden, die am meisten an der Erhaltung des Staates interessiert sind.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der von der Denkschrift als Autorität herangezogene� Herr Stein- mann-Bucher hat die jährliche Vermögenszunahme in Deutschland auf 14 Milliarden berechnet. Wenn also— was wir bestreiten— wirklich 500 Millionen neuer Steuern nötig sind, so lassen sich diese ahne Säiwierigkeit durch Besteuerung der jährlichen Vermögens- zunähme mit 8% Proz., also wahrlich keiner unmäßigen Besteue- rung(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten) aufbringen. Aber von einer solchen Besteuerung des Besitzes wollen die herrschenden Klassen nichts wissen. Lieber besteuern sie die Genußmittel des kleinen Mannes, ein Getränk wie das Bier» und benutzen das Branntweinmonopol, um neue Liebesgaben herauszuschlagen. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Leute gerade, die etwas nachlassen, jammern über die Nachlaßsteuer als eine„urt- ethische Steuer"; durch indirekte Steuern das Volk zur Unter- ernährung zu verurteilen, oas erscheint ihnen aber nicht als un- moralisch.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) In Anlehnung an Adolf Wagner hat der Reichskanzler hier eine schöne Rede über Steuerfilzigkeit gehalten. Der Reichs- kanzler hätte seine Rede an die R ech t e richten sollen, dort floriert die Steuerdrückebergerei.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ein kurzes Wort über die Matrikularbefträge. Wir wenden uns gegen die Bindung der Matrikularbeiträge und den Erlaß der gestundeten Matrikularbeiträge, tocil diese Beiträge das einzige Mittel darstellen, die Bundesstaaten und ihre Vertreter im Bundes- rat zur Mitwirkung an einer sparsamen Reichspolitik zu erziehen. Die Frage der verfassungsmäßigen Garantien gegen das prrsSa- liche SIcgiment steht in engster Beziehung zu der Finanz frage. Wenn Herr Erz berger in einer energischen Wahrnehmung des Budgctrechts des Reichstages bereits genügende Garantien sieht, so hat er durch seinen Hinweis auf die verschiedenen Reichstagsauflösungen. namentlich die letzte, sich selbst widerlegt. Es muß dafür gesorgt werden, daß in Konfliktsfällen der Reichskanzler und nicht der Reichstag zu gehen hat.(Sehr richtig! Bei den Sozialdemokraten.) Demokratische Einrichtungen im Reiche sind die einzige Garantie gegen den Absolutismus und gegen eine volksfeindliche Finanzwirtschaft. Dem heutigen System bewilligen wir keinen Mann und keinen Groschen!(Lebhafter Beifall bei den Sozial. demokraten.) Abg. Preist(Elf.) wendet sich gegen die Benachteiligung Elsaß Lothruigens durch die Brausteuer. Abg. Dr. Arendt(Rp.):'Durch die Rede deS Herrn Emmel ist die Debatte auf ein tiefes Niveau herabgedrückt worden.(Lachen bei den Sozialdemokraten. Zuruf: Sie sollen es wohl wieder hoch heben? Heilerkeit.) Die bisherigen Debatten erinnern leider mehr an den Reichstag von 1903 als an den von 1907. Wieder hat man versucht, bei nationalen Forderungen Fraktionsforderungen durch- zusetzen. Aller ich hoffe, oaß die Linke sich die Folgen einer Politik vergegenwärtigt, welche die Grundlage der Verständigung in Frage steht. Den Ausführungen des Grafen Schwerin muß ich mich durchaus anschließen; sie enthielten keine Drohung, sondern nur die wohlwollende Mahnung«nes Freundes.(Große Heiterkeit links.) Ich verstehe übrigens nicht, was die Freisinnigen, die doch nur eine kleine Minderheit sind, von einem konstitutionellen System erwarten! Wir alle sind einig darüber— natürlich mit Ausschluß der Sozialdemokraten— daß die großen Genußmiftcl der Massen stark herangezogen werden müssen. Ebenso sind wir einig, daß auch der Besitz stark herangezogen werden muß. lieber die Art der Heranziehung der Genußmittel und des Besitzes gehen unsere Meinungen noch auseinander. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, und ich hoffe, wir werden diesen Weg in der Kommission finden.(Bravo! rechts.) Ter Redner geht dann auf die Nachlaßsteucr ein, die er ver wirft. Weiter polemisiert er gegen die Ausführungen der Ab. geordneten Emmel und Südekum: Die Wohnungspreise in Frank. reich sind stärker gestiegen als in Deutschland, wenn Südekum auch das Gegenteil behauptet. Die Zivilliste der deutschen Fürsten bc- trägt nach Südekum die Zinsen von einer Milliarde Mark. Nun, die GewerkschaftSbeiträge sino die Zinsen von 2 Milliarden Mark. Herr Emmel nennt die Gewerkschaften eine Sparkasse der Arbeiter. Da mutz man doch daran erinnern, daß ihre VerwaltungßauS- gaben 41 Proz. der aa"Skn Ausgaben betragen. Das ist eine etwas teure Sparkasse.(Sehr richtig! rechts.) Gefreut habe ich mich, wie Herr Südekum von seinem Freunde Calwer sprach, den seine Parteifreunde uns schenken wollen. Man kann bei der Inquisition der sozialdemokratischen Partei nicht wissen, ob nicht auch Herr Südekum uns noch einmal geschenkt wird.(Heftcrkeit.) Der Redner wendet sich dann noch einmal an die Freisinnigen und bittet sie mitzuarbeiten an der Finanzreform: sie sei notwendig für die EntWickelung des deutschen Vaterlandes.(Bravo! rechts.) Abg. Hilpert(baher. Bauernbund) verlangt, daß vor allem die Besitzenden zur Durchführung der Finanzreform herangezogen werden, will jedoch auch indirekte Steuern zulassen, freilich nicht in der von den verbündeten Regierungen vorgeschlagenen Form. Der Redner kritisiert dann die einzelnen vorgeschlagenen Steuer- Projekte, bleibt auf der Tribüne aber unverständlich. Damit schließt die Diskussion. Es folgen persönliche Bemerkungen. Abg. Dr. Müller-Meiningen(frs. Vp.): Mit Herrn Erzberger werde ich mich wegen seiner Aeußerungen über Eugen Richter/bei anderer Gelegenheit auseinandersetzen. Abg. Erzberger(Z.): Ich erwarte diese Auseinandersetzung mit Ruhe, bitte Herrn Müller-Meiningen aber, mick dabei nicht anzudichten.(Gr. Heiterkeit.) Abg. Dr. Müller-Meiningen(frs. Vp.): Eine so prosaische Persönlichkeit wie Herr Erzberger kann auch mich nicht zu einem dichterischen Erguß begeistern.(Heiterkeit.) Abg. Dr. Südekum(Soz.): Herr Arendt hat meine Bemerkung über den Preis der Wohnungen in Frankreich damit zu widerlegen gesucht, daß er sagte, im„Vorwärts" habe gestanden, in Paris seien die Wohnungspreise im letzten Jahrhundert erheblich ge- stiegen.(Heiterkeit.) Ich weiß nicht, inwiefern er dag für beweis- kräftig hält, da ich mich nicht auf Paris, sondern auf Frankreich werden" einer Kom- bezogen habe. Die Vorlagen zur Reichsfinanzreform Mission von 28 Mitgliedern überwiesen. Die Tagesordnung ist erschöpft. i Nächste Sitzung: Montag 1 Uhr.(2. Beratung der Gelverbe- ordnungsnovelle.) Schluß 4 Uhr._ Huö der Partei» Gemeindewahlcn. Mülheim a. Rh., 28. November. (Privatdepesche des„Vorwärts".) Bei der Stadtratswahl, die heute endete, erhielten die sozial- demokratischen Kandidaten 2241—2257, die des Zentrums 2681—2694, die der Liberalen 751—786 Stimmen. Es findet also Stichwahl zwischen Sozialdemokratie und Zentrum statt. Im Jahre 1906 erhielten die Sozialdemokraten 940, das Zentrum 1881, die Liberalen 751 Stimmen. » In Aplerbeck bei Dortmund erzielte die Sozialdemokratie einen glänzenden Wahlsieg. Ihre beiden Kandidaten siegten mit 332 Stimmen über die vereinigten bürgerlichen Parteien, die eS nur auf 260 Stimmen brachten. Ebenso erfolgreich war. die Partei im nahen Berghofen, wo unsere Genossen 183 Stimmen auf- brachten, das Zentrum 81 und die Nationalliberalen nur 23 Stimmen. In Oerlinghausen(Lippe-Detmold) siegten bei'den Gc- memdeausschußwahlen der dritten Klasse die sozialdemokratischen Kandidaten mit 161 und 156 Stimmen gegen 109 und 87 Stimnien der Bürgerlichen. In Roth a. S.(Bayern) wurden zwei Sozialdemokraten und ein sozialdemokratischer Ersatzmann gewählt. In Pasing(Bayern) wurden zwei Sozialdemokraten gewählt In Kamenz(Sachsen) zieht der erste Sozialdemokrat ins Stadtverordnetenkollegium ein. Bei den Gemeindewahlen in der Stadt Gößnitz(Sachsen- Altenburg) und in Kauerndorf— einer Vorortgemeinde in Altenburg— hat der Reichsverband neue Niederlagen erlitten. In beiden Orten leitete der Reichsverein, der mit dem Reichsverband identisch ist. die bürgerlichen Wahlen.— In Gößnitz eroberte die Partei ein Mandat mit 128 gegen 112 Stimmen. Ebenso fiel der Partei das Mandat für.den Ersatzmann mit 134 gegen 118 Stimmen zu.— In Kauerndorf, wo die Partei ein Mandat inne hatte, erhielt unser Kandidat 182 Stimmen gegen 90 des Reichsverbaiides. Die Partei eroberte hier gleichzeitig die beiden zur Wahl stehenden Mandate der Ersatzmänner mit 167 Stimmen. Damit fällt der Partei ein weiteres Mandat zu, das bisher die Reichsverbändler inne hatten. In beiden Orten hatte der Reichsvtrband sicher auf den Sieg gerechnet. In Pirna wurden zum ersten Male drei Sozialdemokraten in die Stadtverordnetenversammlung gewählt. Die sozialdemo- krattsche Stimmenzahl stteg von 142 im Jahre 1906 auf 553 In Ronsdorf(Rheinland) siegte die sozialdemokratische Liste in der dritten Klasse. In S ch w a r t a u bei Lübeck unterlag die Sozialdemokratie und verlor ihre Sitze in der Gemeindevertretung. In Mllhlhausen i. Thür, erzielten die sozialdemokratischen Kandidaten 614—640 Stimmen gegen 1069—1035 der Bürgerlichen Mandate haben unsere Genossen also diesmal nicht erboert, doch ist ihre Stimmenzahl gegen die vorige Wahl erheblich gestiegen. Soziales» Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten. Die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechts krankheiten hat kürzlich eine dankenswerte Einrichtung getroffen, welche breiten Schichten der Provinzbevölkerung wissenschaftliche Aufklärung über die Gefahren der Geschlechtskrankheiten in ein- dringlicher Weise zu vermitteln bestimmt ist. Auch bisher haben wohl die Krantenkaffenverbände und größeren Krankenkassen ab und zu für ihre Mitglieder Vorträge aufklärenden und belehrenden Inhalts veranstaltet. Jetzt aber, ausgehend von der Erfahrungs tatsache, daß das Bild, da? Anschauungsmaterial eine eminent wertvolle Unterstützung deS gesprochenen Wortes bildet, versendet die Gesellschaft an die Krankenkassen leihweise für mehrere Tage ihre Sammlung von Vkoulagen, Bildertafeln, statistischen Tabellen zum Zwecke der Ausstellung und der Abhaltung von Demonstrations Vorträgen an Hand der ausgestellten Sammlung. Die Abhaltung der Demonstrationsvorträge haben bisher durch Bermittelung der ärztlichen Bezirksvereine gewöhnlich ortseingesessene Aerzte über nommen. Zur Gntwickelung der Fideikommisse(einschließlich der HauSgüter) in Preußen. a) Vermehrung des gebundenen Besitze«: Im Jahre 1890 bestanden 89 Fideikommisse(je über 5000 Hektar Fläche)— 1,3 Mill. Hektar, 343(je unter 500 Hektar) 77 009 Hektar. Im Jahre 1903 betrug die ganze im Fideikommiß befindliche Fläche bereits über 2197111 Hektar. Davon 0,6 Proz. unter 200 Hektar, 3,3 Proz. bis zu 500 Hektar. 7,9 Proz. bis zu 1000 Hektar, 88,02 Proz. über 1000 Hektar. Die Flächenausdehnung betrug im Jahre 1900(1119 Fidei kommisse) 2 181000 Hektar. 1904 2 234 000 Hektar. 1905 2 360 000 Hektar. Im Vergleich zum Gesamtareal deS Staates 6.4 Proz.(in Bayern waren 1906 von 100 Hektar Areal 2,3 Hektar fideikommissansch gebunden). 84 Fideikommisse umfaßten allein 717 993 Hektar(durch- schnittlich 20 000 Hektar). Ostpreußen<7 östliche Provinzen) zählte l48 Privat- b e s i tz e r mit über 5000 Hektar(65 sind Fideikominißbesitzer), 44 Private mit über 10000 Hektar(darunter 24 Fideikommiß- besitzer). Die Provinz Schlesien enthält mehr als ein Viertel der preußischen Fideikommißfläche(14,59 Proz. der ganzen schlesischen Provinz war 1903 gebundene Fläche, mehr als 8 Proz. über den Landesdurchschnitt gegenüber zum Beispiel Hannover und Rhein- land 2 bezw. 2,69 Proz. Soweit der Fideikommißbesitz in einzelnen Kreisen besonders stark ist, stehen an der Spitze: Wernigerode mit 56,74 Proz., Pleß 41.8 Proz; in 33 preußischen Kreisen nimmt der Fideikommiß mehr als 20 Proz. der Gesamtfläche ein. Vergl. Reibnitz. Fol. 17 ff.) b) Einzelproben(nach Professor Conrad 1908. Grundriß der polittschen Oelonomie. Seite 91): Für st Pleß besitzt in 78 Gütern 60 850 Hektar(83,5 Prozent Fideikommiß). Fürst H e n ck e l l v. Donners marck-Neudeck 34 Güter— 25 189 Hektar(nur Fideikommiß). Prinz Hohen- lohe-Jngelfingen 23 Güter— 28 751 Hektar(lauter Fidei- kommis). Herzog von Ratibor 54 Güter--- 33 090 Hektar (lauter Fideikommiß). c) Der adelige und der bürgerliche Besitz: Im Jahre 1895 zählte Preußen 1015 Fideikommisse und HauSgüter mit 939 Eigentümer»; davon 23 Inhaber mir 201077 Hektaren aus Regentenhäusern, 41 mit 326814 aus dem Standes- a d e l, 20 mit 229 761 aus sonstigen Für st e n geschlechtern, 210 mit 733 866 Hektaren aus gräflichen Familien, 525 mit 589 013 Hektaren vom sonstigen Adel und 90 mit 37821 Hektaren aus bürgerlichen Familien. ä) Der befor stete Fideikommiß: Während in den übrigen Bundesstaaten mehr als die Hälfte des gebundenen Besitzes Wald enthält, bleibt Preußen etwas unter 50 Proz. Die erwähnten 6,1 Proz. Fideikomrnißflächen tragen zu 3,5 Proz. Wald. Bayern bei 2,3 Proz. eine Waldfläche von 1.3 Proz. In 6 Provinzen und 12 Regierungsbezirken ist mehr als die Hälfte des preußischen Fideikommisses mit Wald bepflanzt. Unter der Durchschnittsbewaldung des Staates, 23,72 Proz., bleibt nur die Provinz Schleswig-Holstein(13,53) und drei Regienmgs- bezirke(Stettin, Stralsund, Aurich). Einzelbeispiele: Kreise Adelnau (85,97 Proz.), Wernigerode(3l.99>, Pleß(79.70), Fideikommiß- waldfläche. Die größte Fideikommißwaldfläche hat der Kreis Pleß. e) Die EntWickelung der Waldnutzung: In Preußen waren von der Fideikommißfläche Wald 1396 46,1, 1897 46,1, 1898 46,1, 1899 45,9, 1900 45,8, 1901 45,8, 1902 46,0, 1903 46,1, 1901 46,3, 1905 46,4 Proz. In Bayern tvaren 1896 von 163 914 lm Fideikommißfläche bewaldet 92171 1898 1900 1902 1904 1906 164 353 ha 167 710 ha 169 126 ha 171 047 ha 174 747 ha 92 533 93 288 94 316 95 152 95 925 AuS der Provinz Posen. Preußen„germanisiert" auf seine Weise die unglückliche Provinz Posen, verwendet alljährlich Millionen von Mark ganz zwecklos, um„Bildung und Wohlstand" zu verbreiten. Und das Resultat? Der soeben erschienene Bericht der Landesversicherungsanstalt „Posen" für das Jahr 1907 beleuchtet die sozialen Verhälmisse der armen Bevölkerung dieses Bezirkes und bringi uns wider Willen ein Bild des Elends. Wir haben schon bei Besprechung des Bericht- der Landesversichenindsanstalt„Pommern" unlängst auf die große Arbeilerflucht dortselbst hingewiesen. Der Umtausch der OuittungL- karten bewies, daß 34 000 Arbeiter nach Pommern auswanderten, dagegen doppelt mehr, 71000 das Land verlassen haben. Der Bericht der„Pomniern" hatte keinen erklärenden Text für diese Zahlen. Erfreulicherweise verfährt der Bericht der Anstalt„Posen" anders und erläutert, wenn auch in Notwehr, ihre Zahlen, die sich „sehen lassen können" 1 1 Hier ist das Elend, die Landflucht noch weit größer als in Pommern I Nach der Aufstellung des Berichts wurden fremde Jnvalidenkarten an die betreffenden Versicherungsanstalten im Jahre 1907 ins- gesamt 35 764(gegen 23 1 12 im Jahre 1906) übersandt, dagegen 101886 eigene Karten(102 213:1906) dagegen eingetauscht. Die Auswanderung ist also dreimal stärker als die Einwanderung. Wieder sind es die Industrie bezw. die Großstädte, die den Strom der„Sackisengänger", wie sie der Bericht selbst bezeichnet, aufnimmt. Dafür einige Zahlen: ES sind Karten übersandt an die eingegangen von der VersicherungSanstallt Verlin.... Brandenburg., Rheinprovinz.. Westfalen... Königr. Sachsen. Hansastädle.. 17 323 Stück 28 2öZ 10 362. 9 631 2 127 2386„ 1 328 Stück 5 175„ 733.. 1287.. 711» 311„ Diese Zahlen reden l Da die Zahl der Invalidenrenten in„Posen" ständig anwächst, so bereiste die berühmre Kommission von Verlin die Provinz um die Ursachen dieser Belastung zu„ergründen". Wäre der lumpige Reichszusckmß von 50 M. zur Jahresrente nicht vorgeschrieben, da- „schöne Geld" in Berlin nicht für„andere Zwecke nötiger" zu brauchen, so hätten wohl die hohen Herrschaften nicht die 21 Stab:- und Landkreise extta besucht. Interessant ist es auch, daß zur Reich:- kommiision sich auch der„Freund" der Ortskrankenkasseu. der Gc- Heime Oberregierungsrat Dr. Hoffinann gesellte, ovschon dieser hohe Herr dem Handelsministerium zugeteilt ist! Man hieit fürchterliche Musterung I Es wurden von diesen„Sachverständigen" laut Bericht 215 Rentenakten nachgeprüft und hiervon— 221 beanstandet. Die Arztgutachten ieien„mangelhaft" ausgefüllt,„es fehle in der Regel die Angabe der Körpergröße und des Körper gewichtes; die Alterserscheinungen seien oft in ihrer Wirkung auf die Leistungsfähigkeit überschätzt worden usw. Allen Respekt vor diesen„Feststellungen"! Danach drängt sich hier die Frage auf: wie groß und wie schwer darf ein Invalide überhaupt wohl sein, um seine 12,50 M. pro Monat Rente einsacken zu dürfen? Das müßte„amtlich" festgelegt iverden, damit die unteren Organe der Verwaltung sich danach richten können! Die Rentendrücker schlugen noch vor. daß ein V e r t r e t e r des V o r st a n d e s der Veisicherungs- an statt an den Sitzungen der unteren Verwaltungs- Behörde teilnehmen müsse! Außer dem Assessor des Landrales noch eine zweite Ueberwachung! Ferner sei eine„Verstärkung der Kontrolle der Rentenempfänger" dringend not- wendig I Alles— wegen 50 M. Reichszuschuß und 12,50 M. Rente pro Monat I Die angegriffene Versicherungsanstalt verteidigt sich nun wie folgt:„Die Schwierigkeiten bei der Feststellung der für die Beurteilung der Reiitenanträge erheblich tatsächlichen Verhältnisse seien im Bezirk der Provinz Posen größer als anderwäns, daß dies z, Teile in der geringen Bildung der Gemein.«Vorsteher, die häufig auch der deutschen Sprache nicht genügend kundig sind, seinen Grund habe."„Das Interesse, das die.Gemeinde als Armenunter- stützunASbehörde an der Reittengewährung habe, stelle sich einer unparteiischen Aufklärung der Talsachen hinsichllich der Leistungsfähigkeit deS Renteubewerbers häufig hemmend entgegen!" Mehr Bildung ist natürlich auch den Bürgermeistern in anderen Bezirken dringend zu wünschen und gehen die Pläne der .Germanisalio»" in Erfüllung, dann werden die Bürgermeister alle reines— Preußendeutsch schnarren! Aber eine weitere ver- schlechterung des Gesetzes würde eS bedeuten, wenn man den Vor- schlagen der Verstcherungsanstalr folgen würde, die Renten- Vorbereitung in„unparteiische Hände" zu legen, weil die Gemeinden so interessiert sind. Besser gefällt uns schon die Schilderung der sozialen Berhältnisse diese« Bezirkes. Eö heißt darüber:„Die Zahl der Renten im Bezirk ist aus die u n g ü n st i g e Alterögruppierung der Versicherten zurückzuführen, die ich aus der ständigen Abwanderung der jungen Gräfte nach dem Westen ergeben." Als Hauptgrund wurde erner„die allgemeine ungünstige wirtschaftliche Lage", schlechte Ernten, der Rückgang derJndustrie und die dadurch verursachten schlechten Arbeitsgelegenheiten besonders in den östlichen ärmeren Provinzen, in dem„ver- tärkten Drängen nach Renten' angegeben l Der Grund 'ür die hohe VerhältniSzahl liege auch„in der Sachsen- gängerei": Die Sachsengänger kehrten dann später, krank ge- worden, in ihre Heimat zurück um Rentenaiittäge zu stellen. Schließlich versichert der Bericht, daß auch der Borstand seine Schuldigkeit" getan habe, denn eS wurden im Berichtsjahre von den beantragten Renten nur 65 Prozent bewilligt und 42 Pro'z. abgelehnt, während andere Anstalten durchschnittlich 76 Proz. bewilligen. Weshalb also die Klagen? Arme Invaliden in Posen! Man gönnt ihnen nicht einmal diese Hungerrente) Gerichts- Zeitung. meister Solneß. Freitag: Ein Bollsfeind.( Anfang 7, Uhr.) Sonnabend In der Diskussion wies Bork darauf hin, daß im ganzen fich und Sonntag: Baumeister Solneß. Montag: Der Biberpelz 139 Prinzipale an der Abstimmung beteiligt hätten. Für den Berliner Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der Traum ein obligatorischen Schluß um 2 Uhr würden also die 73, die dafür zu Leben. Abends und Montag: Herodes und Mariamme. Dienstag: Der habe seien, noch nicht genügen, da eine Zweidrittelmehrheit dafür nötig sei.- Nach Hinweisen auf die Organisation schloß die Versammlung. Beilchenfresser. Mittwoch: Herodes und Mariamne. Donnerstag und Freitag: Der Veilchenfresser. Sonnabend bis Montag: Herodes und Neues Theater. Sonntag: Baccarat. Montag: Wahrheit. Dienstag bis Montag: Israel. Mariamne. Sozialdemokratischer Zentralwahlverein für den Neichstagswahlkreis Aruswalde- Friedeberg( Ortsverein Berlin). Heute nachmittags 4%, Uhr bei Thimm, Tilsiterstraße 79: Mitgliederversammlung. Vermischtes. Kleines Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: 2X2= 5. Abends: In der Pariser Mordaffäre Steinheil liegen heute wichtige Moral. Montag, den 30. November bis Montag, den 6. Dezember: Moral. Komische Oper. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Hoffmanns Er- Meldungen nicht vor. Gleichwohl bringt die Sensationspresse zählungen. Abends: Zaza. Montag: Belleas und Melisande. Dienstag und Mittwoch: Baza. Donnerstag: Tiefland. Freitag: Zaza. Sonn- spaltenlange Nachrichten, in denen selbst vor dem Alkoven nicht halt abend: Belleas und Melisande. Sonntag: Baza. Montag: Die verkaufte gemacht wird. Wie in der Hauaffäre so zeigt sich auch in der Braut. Affäre Steinheil ein Teil der bürgerlichen Bresse auf einen unglaub Residenz- Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Haben Sie nichts zu verzollen? Abends: Kümmere dich um Amelie Montag, den 30. No- lichen Tiefstand. Allen voran marschieren die auf Sensationsgeschichten besonders geeichten" Blätter„ Lokal- Anzeiger"," Morgenbember bis Montag, den 6. Dezember: Kümmere dich um Amelie. Hebbel Theater. Sonntag: Der Liebhaber. Montag: Hohes Spiel. post"," B. 3. am Mittag". Was selbst dem Untersuchungsrichter der Dienstag: Erde. Mittwoch: Hohes Spiel. Donnerstag: Der Liebhaber. Frau Steinheil unbekannt ist, wird in jenen Blättern von phantasie Freitag bis Sonntag: Hohes Spiel. Montag: Unbestimmt. vollen Reporterfeelen niedergelegt. Trianon Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Seine erste Frau. Abends: Die Liebe wacht. Montag, den 30. November bis Montag, den 6. Dezember: Die Liebe wacht. Wiesenthal schwenkt den schwarzen Lappen. Dieser Tage wurde vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte ein Beleidigungsprozeß verhandelt, den die Mitglieder des Freien Verbandes der Metallarbeiter Deutschlands" Schröder und Wiesner gegen Karl Wiesenthal angestrengt hatten. Zwischen verschiedenen Gruppen des Vereins, dessen Mitglieder Neues Schauspielhaus. Sonntag: Faust I. Teil. Montag: Weh leider noch nicht sämtlich dem allein von der Sozialdemokratie dem, der lügt. Dienstag: Julius Cäsar. Mittwoch: Faust I. Teil.( Anfang als berechtigt anerkannten Deutschen Metallarbeiterverband bei- 7%, Uhr.) Donnerstag: Weh' dem, der lügt. Freitag: Julius Cajar. getreten sind, schwebt bekanntlich ein Prozeß wegen Auszahlung Sonnabend: Faust I. Teil.( Anfang 72 Uhr.) Sonntag und Montag: einer Summe hinterlegten Geldes. Aus Anlaß dieses Prozesses Beh' dem, der lügt. hatte Wiesenthal unter der Ueberschrift:„ Lügen haben kurze Beine" in bezug auf die Kläger unter anderem behauptet, sie hätten wider besseres Wissen ihre Stollegen getäuscht, ihre Machinationen wegen der strittigen Summe glichen den Handlungen eines Erbschleichers und dergleichen. Deshalb hatten Kläger die Beleidigungsklage erhoben. In der Verhandlung machte der Vorsitzende einen Vergleichsvorschlag. Die Kläger lehnten ihn mit der Erklärung ab, daß die Person des Beklagten ihnen keine Garantien für eine ehr liche Durchführung eines Vergleichs biete. Wiesenthal und sein Rechtsbeistand vermochten einen Beweis für ihre Behauptungen nicht anzutreten. Ein nochmals vom Vorsitzenden unternommener Vergleichsvorschlag scheiterte daran, daß Wiesenthal es ablehnte, den Vergleich auf seine Kosten im Vorwärts" zu veröffentlichen, da diese Publikation eine Demütigung für ihn bedeute; zu einer Publitation in einem anderen Tagesorgan, z. B. Morgenpost", Die " Volts- Zeitung" und dergleichen, erklärte er sich bereit. Kläger lehnten das ab und verlangten die Bestrafung Wiesenthals. In seiner Verteidigungsrede schwenkte Wiesenthal nun schwarzen Lappen: er habe wegen Betätigung seiner anarchistischen Ueberzeugung, führte er aus, Strafen erlitten. Dieser politischen Anschauung huldige er aber nicht mehr, wohl aber die Kläger. Das Urteil lautete auf 30 M. Geldstrafe. Der Hinweis des Beklagten auf die angebliche politische Ansicht des Gegners in der Absicht, das Urteil dadurch zu beeinflussen, zeugt von einem großen Tiefstand seiner Weltanschauung. Kläger sind übrigens nicht Anarchisten, sondern Mitglieder der sozialdemokratischen Partei. Ob sie in Konsequenz des Nürnberger Parteitagsbeschlusses ihren Anschluß an den Deutschen Metallarbeiterverband schon vollzogen haben, entzieht sich unserer Kenntnis. " Schadenersatzanspruch aus einem Automobilunfall. den Als ein Chauffeur einer Automobilgesellschaft eines Sonntags einen trunkenen Grunewaldbesucher nach Berlin bringen sollte, fuhr er auf einen auf der Chaussee liegenden Sandhaufen und fodann noch gegen einen Baum. Infolge dieser Fehlfahrt war der Automobilgast aus dem Fahrzeug geschleudert und verletzt worden. Er hatte nun auf Grund des Transportvertrages Ersazansprüche gegen die Automobilgesellschaft erhoben. Mit denen ist er auch in allen Instanzen durchgedrungen. Neues Operetten Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der Opernball. Abends: Die Dollarprinzessin. Montag, den 30. November bis Montag, den 6. Dezember: Die Dollarprinzessin. Lustspielhaus. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die blaue Maus. Abends: Madame Flirt. Montag und Dienstag: Madame Flirt. Mittwoch: Die blaue Maus. Donnerstag: Madame Flirt. Freitag: Die blaue Maus. Sonnabend: Madame Flirt. Sonntag und Montag: Die blaue Maus. Theater des Westens. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die luftige Witwe. Abends: Der fidele Bauer. Montag, den 30. November bis " Die Betriebsstörungen im Hannoverschen Elektrizitätswert, die, wie eine Meldung aus Hannover befagt, auch diesmal durch das Schmelzen der neu hergestellten Sicherungen zwischen Affumulatoren und der Schaltanlage veranlaßt fein sollten, fonnten bis gestern vorWie das Elektrizitätsmittag um 10 Uhr nicht behoben werden. werk mitteilt, ist es noch nicht abzusehen, wann die Störung befeitigt sein wird. Das Hannoversche Tageblatt" war wegen des Mangels an elektrischer Kraft nicht in der Lage zu erscheinen. Nacktkultur in einer frommen Stadt. Im schlesischen Rom, in Reiße, hatte dieser Tage jemand eine Brieftasche gefunden, in der sich mehrere Photographien unbekleideter junger Mädchen unter 16 Jahren befanden. Die photographierten Mädchen gehörten durchLeutnant. Abends: Der Familientag. Montag: Vater und Sohn. weg sogenanten besseren Familien an, die ständig in Gesellschaft von Dienstag: Der schwarze Savalier. Mittwoch: Vater und Sohn. Donnerstag: Offizieren, Fähnrichen und höheren Beamten Tennis spielten. Der Familientag. Freitag: Der Richter von Zalamea. Sonnabend und Eigentümer der Brieftasche hat sich bis heute noch nicht gemeldet Sonntag: Bater und Sohn. Montag: Die Zwillingsschwester. und die fromme bürgerliche Breffe Neißes hat versucht, den Vorfall Schiller Theater Charlottenburg. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Göz von Berlichingen. Abends: Der schwarze Kavalier. Montag: Der ganz totzufchweigen. Erst als die Breslauer Volkswacht" in einer schwarze Kavalier. Dienstag: Die Zwillingsschwester. Mittwoch: Der furzen Notiz über den seltsamen Fund berichtete, tam Leben in die schwarze Kavalier. Donnerstag: Die Braut von Messina. Freitag: Die guten Bürger von Neiße. Jezt haben in der Sache schon zahlreiche willingsschwester. Sonnabend: Der schwarze Kavalter. Sonntag: Die polizeiliche Vernehmungen und Verhaftungen stattgefunden. Jungfrau von Orleans. Montag: Die Braut von Messina. Montag, den 6. Dezember: Der fidele Bauer. Schiller Theater 0. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der rote Friedrich Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Madame Sans Gêne. Abends: Seine Hoheit. Montag: Srmingard. Dienstag: Seine Hoheit. Mittwoch: Jrmingard. Donners tag: Anteros. Freitag: Jrmingard. Sonnabend: Im weißen Rößl. Sonntag: Madame Sans Gêne. Montag: Irningard. Der Absturz eines Güterzuges. Wie aus Billingen im Schwarzwald Der Lokomotivgemeldet wird, fuhr Freitag abend dort ein Güterzug über das Signal hinaus und stürzte die Böschung hinunter. führer und der Zugmeister wurden getötet. Der Materialschaden ist nicht bedeutend. Thalia Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Doktor Klapper storch. Abends: Künstlerblut. Montag, den 30. November bis Montag, witterungsübersicht vom 28. November 1908. morgens 8 Ihr den 6. Dezember: Künstlerblut. Vila Benkendorf. Stationen Swinembe. Hamburg Berlin stand mm Barometer Windrichtung Windstärke 768 769 SSD 770 Still Franti.a. M. 771 Still München Wien 774 SD Wetter Temp. n. T. 5°. 4° R. Stationen Barometer Wind richtung Windstärke Better 2 Nebel 6 Haparanda 761 N 4 Betersburg 759 SW 6 Scilly 2 bedeckt 15° 4°. Temp. n.. -5 2 Nebel bedeckt 1 Schnee- 1 1759 ड 5 bedeckt 11 Nebel 1 Aberdeen 2 heiter -3 Baris 754 SSD 769 G 3 bedeckt 10 2 Nebel 773 WNW 1 moltenl Das Landgericht Berlin hatte zwar erst auf Abweisung der Luisen Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Ausgewiesen. Klage erkannt, weil die Beklagte kein Verschulden treffe. Der Kraftwagen sei in Ordnung gewesen und den Chauffeur selbst Abends: Die Ehre. Montag: Stolz der Stadt. Dienstag: Villa Benten treffe bei der Fahrt kein Verschulden, denn der Sandhaufen sei dorf. Mittwoch: Die Ehre. Donnerstag: Der Sonnenhof. Freitag: Die Montag: auf der dunklen Chaussee nicht zu sehen gewesen. Auf die Be- bre. Sonnabend: Villa Benkendorf. Sonntag: Die Ehre. rufung des Klägers erkannte aber das Kammergericht zu Berlin Berliner Operetten- Theater SW. Sonntag, nachmittags 31, Uhr: den Klageanspruch dem Grunde nach für gerechtfertigt an. Das Der Pfarrer von Kirchfeld. Abends: Havana. Montag, den 30. November Kammergericht legt dar, daß die Beklagte die Verpflichtung über- bis Mantag, den 6. Dezember: Havana. Gastspiel- Theater. Täglich: Demimonde. nommen hatte, den Kläger nach Berlin zu befördern. Demnach sei Bürgerliches Schauspielhaus. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der fie anläßlich des eingegangenen Transportvertrages für den Abends: Ausgewiesen. Montag: Deborah. Schaden haftbar, den der Kläger durch ihr fahrlässiges Handeln Glödner von Notre- Dame. Mittwoch und Donnerstag: Auserlitten habe. Hierbei tomme in Betracht, daß sie auf Grund Dienstag: Minna von Barnhelm. gewiesen. Freitag: Ein Rabenvater. Sonnabend: Kunstabend. Sonntag: des Transportvertrages nicht nur thr eigenes Verschulden, sondern Der Glödner von Notre- Dame. Montag: Ausgewiesen. Bernhard Rose- Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die Jungauch das ihrer Angestellten zu vertreten habe. Die Beklagte beMontag und streitet zwar, daß der mit der Führung der Automobildroschke frau von Orleans. Abends: Wohltäter der Menschheit. bertraute Chauffeur die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Dienstag: Wohltäter der Menschheit. Ab Mittwoch: Die Entgleisten. Folies Caprice. Täglich: Die Brautschau. Die lästige Bitme. acht gelassen habe. Die Fahrlässigkeit des Chauffeurs erhelle Casino Theater. Sonntag, nachmittags 4 Uhr: Die fibele Stifte. Dr. Schünemanningen mich, meine Restauration, jedoch schon daraus, daß er auf 5-6 Meter Entfernung das AutoWenn die Be- Jeden Abend: Die Dianabäder. mobil nicht habe zum Stehen bringen können. Gebr. Herrnfeld Theater. Allabendlich: Die beiden Bindelbands. leuchtung der Chauffee so schlecht gewesen sei, daß er den Sand- Vorher: Internationaler Künstlerteil. haufen in dieser Entfernung nicht habe erkennen tönnen, so hätte er langsamer fahren müssen, da er damit rechnen mußte, daß plötzlich ein Hindernis ihm entgegentreten fönne. Daraus aber, daß er auf 5-6 Meter die Schnelligkeit des Automobils nicht mehr bis zu einem ungefährlichen Tempo ermäßigen konnte, ergebe fich seine Fahrlässigkeit und das die Haftung der Beklagten begründende Verschulden. Die gegen dieses Urteil von der Beklagten eingelegte Revision wurde dieser Tage vom Reichsgericht zurüdgewiesen. tadellos. Metropol Theater. Allabendlich: Donnermetter Wintergarten. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Spezialitäten. Aabendlich: Spezialitäten. Apollo Theater. Sonntag und Montag: Eine luftige Spreewaldfahrt. Ab Dienstag: Mizi Gizi und Siegwart Gentes. Passage Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Spezialitäten. A. abendlich 8 Uhr: Spezialitäten. Wetterprognose für Sonntag, den 29. November 1908. Vielfach nebelig, zuerst ziemlich better und trocken, nachts etwas fühler am Tage mild bei schwachen füdwestlichen Winden. 45032 Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden, Franenkrankheiten. Friedrichstr. 203, Ecke Schüßenstr. 10-2, 5-7, Sonnt. 10-12 Ubr. Dr. Simmel Spezial- Arzt Walhalla Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Carl Haverland- Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Spezialitäten. für Haut- und Harnleiden. Allabendlich: Spezialitäten. Ropp. Balaft- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Reichshallen Theater. Allabendlich: Stettiner Sänger. Gustav Behrens Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Parodie- Theater. Täglich: Die Bauberflöte. 2X3= 7. Berlin fteht Urania Theater. Taubenstraße 48/49. Sonntag: Jerusalem. Montag: Gine Nilfahrt bis zum zweiten Katarakt. Dienstag: Jerusalem. Mitt woch: Wissenschaftlicher Verein. Prof. Dr. Ed. Buchner: Das Problem der Donnerstag: Jerusalem. Freitag: Ueber den Brenner nach Gärung. Benedig. 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Auch billigte man jet dem Angeklagten zu, daß er als Redakteur seiner Berufsorganisation berechtigte Interessen ber= treten habe. Immerhin aber müsse doch Berurteilung wegen Der Kampf um die Sonntagsruhe im Photographiegewerbe und formaler Beleidigung erfolgen, und siehe da: dieselben Richter tamen zu derselben Verurteilung wie in der ersten Verhandlung! Es blieb bei den 100 M. und den üblichen Nebenstrafen. Man be- Hildenbrand in einer öffentlichen Photographenversammlung, richtigte sich nur insofern, als man diesmal nicht nach dem§ 186, die am Donnerstag in Wendts Festsälen, Münzstraße 17, stattfand. sondern§ 185 des Strafgesetzbuches verurteilte. Auch drückte man Er schilderte die Kämpfe um die Sonntagsruhe in anderen Gedem Verurteilten die Kosten der Revisionsinstanz auf. Die werben und zeigte, wie sich dort nach Erreichung des Zieles die formale Beleidigung wurde darin erblickt, daß Schmit das Vor- ganze Haltlosigkeit der vorherigen Einwürfe der Prinzipale herausgehen des Bichler, der bei Androhung der Entlassung den Austritt stellte. Es seien dieselben faulen Einwände, die man heute auch feiner" Arbeiter aus dem Töpferberband berlangt hatte, gana bon manchen Prinzipalen im Photographiegewerbe höre, wo man zutreffend als einen brutalen Gewaltschlag" und ungefeßlich" in bezug auf die Sonntagsarbeit noch am rückständigsten sei. Die bezeichnet hatte. Selbstverständlich wurde gegen dieses Urteil Frage der Beschränkung der Sonntagsarbeit sei auch hier längst wiederum Revision eingelegt. Wie wir nunmehr erfahren, hat spruchreif. Dafür spreche schon die Stellungnahme der Prinzipale das Reichsgericht am 20. November diese Revision als unbegründet zu der von der Gehilfenorganisation veranstalteten Umfrage. Schon verworfen. Es bleibt also bei den 100 m. Leider konnte der be- 73 Berliner Prinzipale hätten wenigstens für einen Sonntags- und leidigte Fabrikant Bichler in Crinik von dieser endgültigen Ent- schluß um 2 Uhr bortiert, worunter 16 feien, die sich sogar für scheidung des Reichsgerichts nicht mehr Notiz nehmen; zwölf Tage den 12 Uhr- Schluß ausgesprochen hätten. 31 Brinzipale möchten vor der Entscheidung des hohen Reichsgerichts hat man ihn zu allerdings unbeschränkt Sonntags weiterarbeiten. 8 bezw. 4 feien Grabe getragen. Aber immerhin hat den Breßsünder nun doch die für den Schluß um 4 oder um 5 Uhr. Jedenfalls sei es ein Erfolg, irdische Vergeltung erreicht! daß einschließlich der 16 für den 12 Uhr- Schluß eingenommenen, 73 Prinzipale da seien, die gern um 2 Uhr schließen würden. Dies durchzudrücken, wäre deshalb sehr leicht möglich, wenn sich Wochen- Spielplan der Berliner Cheater. eine größere Bahl von Gehilfen dahinter stellten und energisch Königl. Opernhaus. Sonntag: Der fliegende Holländer. Montag: dafür einträten. Aber die Photographengehilfen schädigten nicht Cavalleria rusticana. Bajazzi. Dienstag: Salome.( Anfang 8 Uhr.) nur sich selbst, wenn sie in der Frage der Sonntagsruhe länger unMittwoch: Versiegelt. La Habanera. Donnerstag: Lohengrin.( Anfang 7 Ubr.) Freitag: Sinfoniekonzert der königl. Kapelle. Sonnabend: Ber- tätig blieben, sondern sie bildeten dadurch auch ein Hindernis der fiegelt. La Habanera. Sonntag: Mignon. Montag: Rienzi.( Anfang weiteren Verkürzung der Arbeitszeit in anderen Berufen. Die Organisation der Photographen, der Verband der Steindrucker, Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Der G'wiffenswurm. Mon- Lithographen usw., sei auf dem richtigen Wege, wenn er an die tag: Iphigenie auf Tauris. Dienstag: Die Rabensteinerin. Mittwoch: Spike aller Forderungen die der Beschränkung beziehungsweise der Kaiser Heinrich VI. Donnerstag: Auf Strajurlaub. Freitag: Die Belt, Beseitigung der Sonntagsarbeit stelle. Auch anderer Forderungen in der man sich langweilt. Sonnabend: Die Rabensteinerin. Sonntag: müsse man gedenten. In fast allen Porträtbetrieben würden die Kaiser Heinrich VI. Montag: Die Journalisten. Neues fönigl. Opern- Theater. Sonntag, nachmittags 2 Uhr: Ueberstunden überhaupt nicht bezahlt. Das gebe es in feinem GeBring Friedrich von Homburg. Abends: Der Postillon von Lonjumeau. werbe in Deutschland. Für die besondere Bezahlung der Ueber( Anfang 7 Uhr.) Sonntag, den 6. Dezember: Johann von Paris.( An- arbeit müsse eingetreten werden. Ja, sie müsse, wie auch in anderen Berufen, noch höher bezahlt werden, wie die gewöhnliche Arbeitszeit. fang 8 Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag: Revolution in Krähwinfel. Montag: Das sei auch ein Mittel, die Prinzipale zu veranlassen, die Uebers König Lear. Dienstag bis Montag: Revolution in Krähwinkel. stunden einzuschränken und mehr Gehilfen einzustellen und dadurch Deutsches Theater.( Stammerspiele). Sonntag: Der Arzt das Angebot von billigen Arbeitskräften herabzudrücken. Auch das am Scheidewege. Montag: Clavigo. Dienstag bis Freitag: Der Arzt sei eine Frage der Sicherung der eigenen Gristenz. Die Grundam Scheidewege. Sonnabend und Sonntag: Niemand weiß es. Montag: Tage einer besseren Bezahlung sei die Beschränkung und Regelung Unter lebhaftem Beifall schloß Redner seinen Leffing- Theater. Sonntagnachmittag 8 Uhr: Die Weber. Abends: der Arbeitszeit. Baumeister Solnej. Montag: Michael Stramer. Dienstag: Baumeister Vortrag mit einem anfeuernden Appell, der Organisation recht Solnes. Mittwoch: Der Raub der Sabinerinnen. Donnerstag: Bau- viel Mitglieder zuzuführen. 7 Uhr.) Der Arzt am Scheidewege. L. Gongula, Meister. Eduard Becher, Grünauer Str. 1. barlottenburg Ob F.Kunstmann Walls! r: 1 Moderne Uhren u.Goldwaren Masseure u. Heilgehilfen ( staatlich geprüft) für sämfl. Drts- und Hilfskrankenkassen Berlin u. Umgegend. Th. Wolter u. Fran, NW.( Moabit), Dftostraße 8. 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Die Ortsschulaufsicht immer einer Lösung harrenden elementaren Lebensfragen der russiamtlich anzustellenden Kreisschulinspektoren über- herrenduma Rücksicht zu nehmen. Zu diesen noch ungelösten Fragen Die Volksschule ist wie anderwärts, so auch im angeb- tragen. Die Ortsschulaufsicht übte bisher der erste Orts- gehört auch die Agrarfrage, die jetzt trotz des Widerstandes lich liberalen Oldenburg das Aschenbrödel. Während der geistliche als Lokalschulinspektor aus. Zwar nicht als solcher, der Majorität auf die Tagesordnung gekommen ist, weil die AbStaat alljährlich erhebliche Mittel für die sogenannten aber als Mitglied des Vorstandes wird er nach wie vor die geordneten aus dem Bauernstande, die sonst verschiedenen Parteien höheren Schulen auswirft, mangelt es der Volksschule am Dienstausicht über Schule und Lehrer aus angehören, andernfalls mit Abfall und Zusammenschluß zu einer nötigsten. Die Klassen sind überfüllt, der Lehrermangel üben. Damit ist der Einfluß der Kirche genügend gewahrt. selbständigen Bauernpartei drohten, deren Zustandekommen der bechronisch. Die Gesetzgebung im Volksschulwesen entstammt Während aber der Geistliche dem Schulvorstande als zweites stehenden Majorität ein jähes Ende bereitet hätte. So tam es, den Zeiten der finstersten Reaktion: Das gegenwärtige Mitglied angehören muß, ist dies beim Kreisschulinspektor daß die Duma endlich die Verhandlungen über den Ukas vom Schulgesetz datiert vom 3. April 1855. Die Konfessionalität nicht der Fall. Hier begnügt sich der Entwurf zu sagen, daß 9. November begonnen hat. ist nach dem staatsgrundgesetzlich festgelegten Grundsaße auf Anordnung des Staatsministeriums der Kreisschulstreng durchgeführt. Und die Gescheitelten und Geschorenen inspektor zur Teilnahme an den Vorstandssigungen geladen in Verbindung mit ultramontan- agrarischen einflußreichen und ihm das Wort erteilt werden muß. Er hat also bestenAm 1. Januar 1907 sollen die Zahlungen der Bauern für das Kreisen wachen mit Argusaugen darüber, daß der kirchliche falls nur beratende Stimme. Und doch wäre es eigentlich ihnen bei der Befreiung von der Leibeigenschaft zugemessene Land Einfluß eher verstärkt als vermindert wird. ,, Dem Volfe eine Selbstverständlichkeit gewesen, wollte man wirklich eingestellt werden. Von diesem Termin an hören die auf Grund muß die Religion erhalten bleiben", ist der Leitsatz. 3war einem seit Jahren von dem fortschrittlichen Teile der Lehrer- der noch auf diesen Ländern lastenden Schulden bestehenden Einist seit Jahren an dieser veralteten Schulgesetzgebung herum- schaft geforderten Wunsche entsprechen, dem Kreisschul- schränkungen auf und die Bauern erhalten das Recht, aus der geflickt worden, zu einer durchgreifenden Reform im Inter- inspektor an Stelle des Geistlichen Siz und Stimme im Gemeinde auszuscheiden, wobei die Inhaber der Bauernesse der Hebung der Volksschule hat man sich aber nie ver- Schulvorstand zu geben. Dieser fortschrittliche Teil der höfe zu Privatbefizern ihres Anteils am Gemeindegrundbesitze standen. Die Zustände sind jetzt einfach unhaltbare ge- Lehrerschaft wollte nicht nur die Fachaufsicht, sondern überwerden. Jedes Gemeindeglied ist mithin berechtigt, den ihm zukommenden Anteil des fommunalen Landbesizes zu worden, und so sah sich die Regierung gezwungen, einem haupt die gänzliche Beseitigung der als unwürdig jeder beliebigen Zeit als sein persönliches Eigentum für sich Antrage des legten Landtages stattzugeben und dem Land- empfundenen Dienstaufsicht durch den Geistlichen. Die zu beanspruchen. tage, der am 3. November zusammentrat, den Entwurf Lehrerschaft hat jetzt lediglich ein Aufsichtsorgan mehr und eines neuen Schulgesetzes vorzulegen. fann sich dafür bei den Wortführern des Freisinns bedanken, einen der wesentlichsten Punkte im Agrarprogramm der Regierung, Die im Utas vom 9. November enthaltene Maßnahme bildet Der liberale Abgeordnete Tangen hatte im Vorjahre zu denen freilich auch ein großer Teil der Lehrerschaft ge- dessen Grundprinzip, wie aus der vorjährigen Stolypinschen Deklasieben Leitsäge eingebracht, die die Unterlage bilden sollten hört. Einen kleinen Fortschritt bringt der Entwurf, indem ration erhellt, in der Anerkennung der Unantastbarkeit alles für eine Reformierung der Volksschule. Er forderte die er die Errichtung von Silfsschulen für schwach- Brivateigentums besteht, sowie in dessen Konsequenzen: Organisierung der politischen Gemeinden als begabte und förperlich zurückgebliebene förperlich zurückgebliebene " An der revolutionen Bewegung der Jahre 1905 und 1906 waren die Bauern meist nicht vereinzelt beteiligt, sondern traten geschlossen als mir", d. h. als Dorfgemeinde auf. Der„ Mir" war ein mächtiger Gegner und mußte um jeden Preis unschädlich gemacht werden. Durch Repressalien war dieses Ziel nicht erreichbar. Es blieb also nichts übrig, als nach dem erprobten Rezept: Teile uud herrsche! den Mir in zwei feindliche Lager zu spalten und in dieser Weise fraftlos zu machen. Der Ufas vom 9. November 1906 war der wichtigste Anlaß zu einer solchen Spaltung innerhalb der Bauernschaft. Bei der Teilung des Gemeindelandes zwischen den Ausscheidenden und Zurückbleibenden konnten Reibungen und Mighelligkeiten nicht ausbleiben. follte gleichzeitig die Entstehung einer starken Klasse kleiner BauernDas neue Gesetz hofbefizer anbahnen, wie sie in allen Ländern existiert und sich zumeist als sicherste Stütze der politischen und sozialen Reaktion bewährt hat. Schulverbände, während bisher sogenannte Schulkinder vorsieht; selbstredend sollen auch diese zum Ueber- Schaffung eines besißenden Kleinbauernstandes, Ausachten neben den politischen Gemeinden als Schulverbände fluß konfessionell gegliedert sein. Desgleichen läßt der Entscheidungsrecht aus der Gemeinde und Hebung der Agrikultur." eristierten. Mit der Schule als Gemeindeanstalt sollte auch wurf eine Erweiterung der Volksschule zu, aber Von der Regierung mit allen Mitteln künstlich und gewaltsam aufdie Verwaltung auf die Gemeinde übergehen mit dem nur unter der Voraussetzung, daß kein fremd= rechterhalten und in ihrem historischen Zersetzungsprozesse behindert, Bürgermeister resp. Gemeindevorsteher als Vorsiẞenden. Für sprachiger Unterricht erteilt wird. Weiter bestellt diente die russische Gemeinde bisher als finanzielle und jeden Schulverband sollte ein Schulvorstand gebildet werden, der Entwurf zwar für jede Klasse einen Lehrer, behält sich politische Stüße des Absolutismus. Die Fürsprecher des letzteren aber nicht etwa ohne Rücksicht auf die Konfession, so weit aber Abweichungen bei sechs- und mehrklassigen Schulen vor. waren zugleich die eifrigsten Verteidiger der bäuerischen Gemeindekonnte sich der entschiedene Liberalismus" nicht aufraffen, Der sicherlich sehr mäßigen Forderung der Herabsetzung der ordnung. Noch unlängst, im Jahre 1904, erklärte die Regierung die sondern für jede Konfession ein besonderer Schulvorstand. Schülerzahl auf höchstens 60 in den Klassen glaubt die Ste- Gemeinde für unantastbar. Wie erklärt sichs nun, daß dieselbe Die örtliche Beaufsichtigung, die bisher der Ortsgeistliche gierung mit Rücksicht auf die Finanzen nicht entsprechen zu Regierung plötzlich ein Gesetz erläßt, das den freien Austritt aus ausübt, sollte der Schulvorstand kollegialisch ausüben, bis fönnen. Der Entwurf sieht als Höchstzahl 70 Schüler vor. der Gemeinde begünstigt? auf die Fach aufsicht, die von der Ortsschulaufsicht ge- Wenn man bedenkt, daß die Schülerzahl erfahrungsgemäß trennt und hauptamtlich angestellten Kreisschul- sich stets an der Grenze des Höchstzulässigen bewegt, so kann inspektoren übertragen werden ſollte. Ferner man mit Sicherheit erwarten, daß auch in Zukunft die einwünschten die Leitfäße für die Gemeinden die Befugnis, die zelnen Schulklassen überfüllt sein werden. Auch bei Volksschulen durch Errichtung von Parallelklassen nach oben 70 Kindern ist es dem Lehrer eine Unmöglichkeit, das Wissen zum Anschluß an die höheren Schulen auszubauen, und die individuell zu vermitteln. Die bisherige Höchstgrenze beEinschränkung der Schülerzahl in einer Klasse auf höchstens trägt 80, stand aber vielfach nur auf dem Papier; die Schul60 Kinder. Das war im wesentlichen das liberale Schul- statistiken verzeichneten sehr häufig 90 und mehr, in einigen programm. Nichts war darin enthalten von der alten Fällen über 100 Schüler pro Klasse. Wenn daher der Ent liberalen Forderung der Trennung der Schule von der wurf eine Verminderung um 10 Schüler vorsieht, so befaat Kirche. Das war einmal. Die Zeiten der Grundsäße find das blutwenig. Erwähnenswert ist schließlich noch die Zu ja bekanntlich beim Liberalismus längst vorbei. Der Olden- sammenseßung des Schulvorstandes, dem zwei bis vier von burger Liberalismus überließ es denn auch den Sozial- der Gemeindevertretung zu wählende Gemeindebürger als demokraten, die liberale Forderung der Trennung der Schule Vertreter der Eltern angehören. von der Kirche zu vertreten. Selbstverständlich stimmten die Das sind die wesentlichsten Bestimmungen des Schul,, entschiedenen" Liberalen prompt die Sozialdemokraten gesetzes einer angeblich liberalen Regierung. Die Liberalen nieder. Ja, fie brachten noch besonders zum Ausdruck, daß werden dieser Reform in Gänsefüßchen als einer liberalen sie weder an eine Minderung noch viel weniger an eine Be- Großtat zujubeln. Der einzige Vorteil des neuen Gefeß- hältnisse in den verschiedenen Gegenden des gewaltigen Neiches Dhne auf die äußerst mannigfaltigen landwirtschaftlichen Ver feitigung des kirchlichen Einflusses auf die Schule und des entwurfes besteht dabei darin, daß er die Schulgesetzgebung irgend welche Rücksicht zu nehmen, handhabt das Ministerium den fonfeffionellen Charakters der Volksschule denken, und im einheitlich regelt und aufräumt mit all den alten, sich Utas in der gewohnten bureaukratischen Weise. Es zerstört die GeGegenteil dringend wünschen, daß auch in der Zukunft die oft widersprechenden Verordnungen auf diesem Gebiete. meinde dort, wo sie noch lebensfähig und für eine rationelle Wirtnotwendige Verbindung zwischen Schule und Kirche gewahrt Die Versuche, die von sozialdemokratischer Seite im Landtage fchaft unentbehrlich ist, und erreicht damit statt der beabsichtigten bleibe". gemacht worden sind, um eine wirkliche Reform in der Rich- Hebung einen völligen Niedergang der ohnehin stark untergrabenen Die Regierung hat denn auch den neuen Entivurf tung der konfessionslosen Einheitsschule durchzusetzen, werden bäuerischen Landwirtschaft. völlig auf diesen Ton gestimmt. Das heißt, sie hat zwar nicht angesichts der verstärkten agrarischen Färbung des neuin allen Teilen den Leitfäßen, die sich die Mehrheit des gewählten Landtages für die nächste Zukunft fruchtlos letzten Landtages zu eigen machte, entsprochen; vielmehr ist bleiben. Die Volksschule in Oldenburg bleibt die Magd der Entwurf ein Kompromiß zwischen den liberal- ultra- der Kirche, und das ist mit ein Verdienst der Blockliberalen, montan- agrarischen Parteien und der Regierung. Nichts ist die nichts gelernt und alles vergessen haben. in dem Entwurf enthalten von einer durchgreifenden großzügigen Reform, die geeignet wäre, die Volfsschule aus ihrer Aschenbrödelstellung emporzuheben zum Fundament wahrhafter Volksbildung! Zur Beseitigung des konfessionellen Charakters der Schule wäre eine Aenderung des Staatspartei und Sozialdemokraten, sind entschiedene Gegner des Utas. Alle oppositionellen Fraktionen der Duma, Kadetten, ArbeitsDie zur Vorberatung desselben eingesetzte Dumakommission hat sich dagegen mit der Reform völlig einverstanden erklärt, denn ,, diefer Utas soll", wie der Berichterstatter der Kommission in der gestrigen Sitzung erklärte, die Schöpfung eines persönlichen Landbefizes fördern; persönlicher Landbesig sei zweifellos die notwendige Vorbedingung für jede Hebung der Kultur im weitesten Sinne des Wortes; lettere aber sei der einzige Schlüssel zur Lösung der ganzen Das Kabinett Stolypin zweifelt auch nicht daran, daß die dritte Reichsduma seine Agrarpolitik billigen wird. In ciner früheren Dumarede äußerte sich Stolypin wie folgt: Wenn die Regierung hier für die von ihr geplanten Agrarmaßnahmen eintritt, so rechnet sie zwar mit der Möglichkeit etwaiger Verbesserungsanträge, ist aber der festen Hoffnung, bei der gefeggebenden Körpergrundgefeges notwendig. Einen dementsprechenden Antrag Agrarvorlage und dritte Reichsduma. Agrarfrage". " der Sozialdemokraten hat der Landtag fast einmütig abgelehnt. Das Staatsgrundgesez gilt den liberalen Aus Petersburg wird uns geschrieben: In freundlichem EinEunuchen als ein Pflänzchen Rühr- mich- nicht- an, das sie mit vernehmen mit dem Ministerium Stolypin hat die dritte Reichsduma fast heiliger Scheu betrachten. So ist auch der neue Entwurf ihre erste Session ausschließlich kleineren Gesezesvorlagen und Budgetauf der Grundlage der Konfessionalität aufgebaut. Die verhandlungen gewidmet. Aus Furcht, ihren engherzigen antiRegierung hält daran fest, daß die Mitwirkung kirchlicher nationalen lassencharakter aller Welt zu offenbaren und so vielleicht Organe bei der Schulverwaltung eine Notwendigkeit auch in die Abgeordneten der Bauernschaft zum Uebertritt ins Lager der schaft Anklang und Zustimmung zu finden." der Zukunft ist". Demzufolge müssen die Geistlichen auch Opposition zu veranlassen, brachte die Dumamajorität beharrlich Die großgrundbesitzende Majorität der dritten Reichsduma, eine äußerlich angemessene und fachlich wichtige Stellung im teine Fragen auf die Tagesordnung, die irgend eine der großen deren Interessen, die. Agrarpolitik der Regierung versicht, wird Schulvorstande haben". Dagegen sieht der Entwurf die Reformen streiften. Die heillen" Stardinalfragen können warten, gewiß diesen Erwartungen ihres Schutzpatrons in allen Stücken Uebertragung der Schulverwaltung auf die meinten die Vertreter des Kapitals und Großgrundbefizes, nachkommen. Mary Montag, den 30. November, beginnt unser Weihnachts- Ausverkauf 12 gr. Schaufenster veranschaulichen die enorme Preisermässigung unseres 12000 Piècen grossen Lagers. Elegante Tuch- Kostüme, Kostüme mit langen Paletots aus modernen englischen Stoffen. Elegante Frauenmäntel aus Seidenplüsch, Astrachan, Eskimo und Tuch. 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November. 12.( I.) bendabteilung: abends 8 Uhr im Neuen Schau spielhause: Weh' dem, der lügt. Neue Freie Volksbühne. Nachmittags 2 Uhr im Deutschen Theater: Was ihr wollt; in den Stammerspielen: Medea. Nachmittags 8 Uhr im Neuen OperettenTheater: Der Opernball; im Neuen Theater: Jahrmarkt in Bulsnik; im Schiller- Theater O.: Der rote Leutnant; im Berliner Theater: Der Traum ein Leben; im Hebbel Theater: Cyprienne und Die Stärkere; im FriedrichWilhelmstädtisch. Schauspielhaus: Madame Sans- Gêne; Schiller- Theater Charlottenburg; Göz von Berlichingen. P im Berliner Theater. 8 Uhr: Der Traum ein Leben. 8 Uhr: Herodes und Marianne. Neues Theater. Zum 75. Male: Baccarat. Anfang 8 Uhr. Montag: Wahrheit. Dienstag zum 1. Male: Israel. ( Anfang 8 Uhr.) Kleines Theater. Anfang 8 Uhr. Moral. Hebbel- Theater Königgräßer Str. 57/58. Anf. 8 Uhr. Der Liebhaber. Nenes Operetten- Theater, Schiffbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Nachm. 3. Uhr: Der Opernball. 8 Uhr: Die Dollarprinzessin. 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Schauspiel in 5 Aufzügen p. Johann Wolfgang v. Goethe. Sonntag, abends 8 U br: Der schwarze Kavaller, Ein deutsches Spiel in 3 Alten von Heinrich Lillenfein. Montag, abends 8 Der schwarze Kavalier. Dienstag, abends 8 Uhr: Die Zwillingsschwester. Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. Heute, Sonntag, den 29. November, abends 71% Uhr: KUNST ABEND arrangiert von Margarete Walkotte unter gefl. Mitwirkung von Herrn Leo Gollanin, Konzertsänger; Frau Amalie Birnbaum, ViolinVirtuosin, Herr Fritz Lachmann, Rezitator; am Flügel: Herr Bernhard Nitsche. Nach der Vorstellung: Tanz. Eintritt im Vorverkauf bei Herrn Horseh, Zigarrenhandlung, Gewerkschaftshaus 50 Pf. A.d. Abendkasse 60 Pf. Zirkus Schumann. be: Heute Sonntag, den 29. November, nachmittag 3 Uhr u. abends 7, Uhr: Nachmittags: Ein Kind frei. XIV. Saison. Zirkus Busch Sonntag, den 29. November: Restaurant ewerkschaftsGewer haus. Engelufer 15. 2 Gala- Vorstellungen 2 Menu 75 Pf. Nachm. 4 und abds. 7%, Uhr. 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Volksheim", Spandau, Havelstr. 20. Jeden Sonntag im renovierten, elektrisch erleuchteten Saal: Anfang 4 Uhr. Garberobe 10 B. Großer Ball bei gut beſettem f. Drchester. An Bereinen für mehrere Tage 2 Säle und 1 Vereinszimmer zu vergeben. Telephon No. 849.[ 49582*] F. Böhle und Frau. Schwarzer Friedrichsberg Stadtbahnstation Inh.: Gebr. Arnhold. Adler Frankfurter Chaussee 5 ( früher 120). Fernsprecher Frankfurter Allee. Jeden Sonntag: Friedrichsberg No8 Große Tanz- Reunion. Saal bis 500 Perf. faffend, prachtvolle Bühne mit 28 Verwandl., ist in diesem und nächstem Jahre noch an mehreren Sonnabenden an Vereine und Gesellschaffen zu bergeben. Fritz Wilke, Brunnenstr. 188, am Rosenthal. Zor. Amt 3, 4835. Heute Sonntag: Schotensuppe. Hecht grün oder: Grünkohl mit Schnitzel. Rehfeule oder: frischen Schweineschinken. Kompott oder Salat. XReichhaltige Abendkarte. X Wochentäglich: Großer bürgerlicher Mittagstisch Couv. 60 Pt. 2 franz. Billards. 2 Kegelbahnen Neu eingeführt: Weißbier- Ausschank. 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Heute Sonntag 5 Uhr: Gr. Konzert, Theaters und Spezialitäten- Borstellung. Gustav BehrensTheater. Goltzstr. 9. Madame Colley Ashton genannt Babstraße 58. Direttion: Wil Der weibliche Houdini Sonntag, den 29. November 1908, nachmittags 3 Uhr: Muttersegen oder: Die Perle von Savoyen. Schauspiel mit Gefang in 5 Aften von W. Friedrich. Abends 7 Uhr: Der Trompeter v. Säckingen. mit Romantisches Schauspiel Gelang in 3 Alien von Emil Hildebrand und Julius Keller, Mufit von Brenner. Montag, den 30. November 1908, abends 8 Uhr: Die wilde Kate. Boffe mit Gefang in 4 Aften von 2. Mannstädt und Weller. Musik von G. Steffens. Palast- Theater Burgstraße 24, 2 Minuten vom Bahnhof Börse. Heute 18 Uhr: Letzter Sonntag des November- Spielplans. 1. a.: Istvan Béliks Sturz aus der VI. Etage! Rämbler Comp., JongleurTruppe! Les 8 Loraines, mufit. TanzAft! Die Frau mit den drei Männern! Burleste von Schmidt Samfins und 10 Attraktionen 1. Ranges. Preise d. Pl.: 2.-, 1,50, 1-, 75, 50 Bf. 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Dezember 1908, Konzen des Etablissement Ballschmieder", ::: Badstraße 15a/ 16: Kunstabend::: Heitere Kunst in Wort und Ton Rezitation: unter Mitwirkung des Berliner Elite- Orchesters. Dirigent Fritz Blume. Eduard v. Winterstein( Deutsches Theater). Gesang: Opern- und Konzertsängerin Margarete Blume. Violin- Virtuosin: Bianka Becker- Samolewska. Am Flügel: Musikdirektor Fritz Blume. Nachdem im großen Saale Tanz. Herren zahlen 50 Pf. nach. Die Saaltüren bleiben während der Vorträge geschlossen. Rauchen während der Aufführungen nicht gestattet. Getränke werden nur in den Pausen serviert. Anfang präzise 9 Uhr. 237/ 7* Prachtsäle des Nordens Müllerstr. 142. Heute: Gr. Ball. Heute Sonntag 7 Uhr: Große Wohltätigkeits- Vorstellung zum Besten der Weihnachts. Bescherung armer Kinder des Bezirks Norden. 29816 Buss' Ball- Salon, Suh. Fr. Tauer, Gr. Frankfurterstr. 85. Beute: Großer Ball, Entree fret. Empfehle meine Säle für Vereinss festlichkeiten. 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Haus von der Andreasstraße. Rex und Frau. Kronprinzenstr. 3. Sozialdemokratisch. Wahlverein des 6. Berl. Reichstagswahlkreises. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zin Nachricht, daß unser Genoffe, der Drechsler Hermann Klösser am 26. November gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 29. November, nach mittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Johannis- Kirchhofes in Blößensee aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 231/9 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 6. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Tobes- Anzeige. Am 27. November verstarb unser Mitglied, der Arbeiter am Paul Höllein Danziger Str. 21. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Montag, den 30. November, nachmittags 32 Uhr, von der Leichenhalle des Gethsemane- Kirchhofes in Nieder- Schönhausen- Nordend aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 231/10 Der Vorstand. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Den Mitgliedern zur Nachricht, baß unser treues Mitglied, der Mülkutscher Paul Höllein am 26. November im Alter von 29 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Anbenken! Die Beerdigung findet morgen Montag, den 30. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Gethsemane- Kirchhofes, Nordend bei Nieder- Schönhausen, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung II. Am 26. November verschied nach furzem Krantenlager unser treues Mitglied, der Tapezierer Karl Börner. Ehre seinem Andenken! Gesangverein, Concordia'. Die Beerdigung findet am Montag, den 30. Movember, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes aus statt. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme anläßlich des Todes und bei der Beerdigung meiner unver geßlichen Frau Wilhelmine Silberschmidt sage ich den Genossen des Wahlfreises Wanzleben, der Generalfom mission, den Lehrern und Schülern der Partei und Gewerkschaftsschule, dem Bauvorstand, den Vorständen der Zweigvereine des Zentralverbandes der Maurer sowie allen Freunden, Genossen und Genossinnen und den Verwandten hiermit herz 52372 lichten Dant. Hermann Silberschmidt und Kinder. Danksagung. Für die innige Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich dem Metallarbeiter- Berband wie Kollegen und Freunden meinen herzlichsten Dant. 52352 Frau Martha Brunzlow. Billigste Bezugsquelle gedieg. Trauergarderobe Westmanns Trauer- Magazin Berlin W., Mohrenstr. 37a NO., Gr. Frankf. Str. 115. Genaue Beachtung meiner Firma u. Hausnummer geboten! 57/19 JB Am 23. November perstarb plöblich infolge Herzschlags unser Sollege, der Maschinenseger Albert Lauer im 32. Lebensjahre. 52362 Es werden ihm allezeit ein ehrendes Andenken bewahren Die Kollegen der Hofbuchdruckerel Wilhelm Greve. Die Beerdigung findet Montag, nachmittags 2 Uhr, von der Leichen halle des Rigdorfer Gemeinde. friedhofes, Mariendorfer Weg, aus statt. Brandenburgischer Maschinensetzer- Verein Sitz Berlin. Am 23. November verschied plöglich an Herzschlag unser liebes Mitglied, Stollege' Albert Lauer aus Stallupönen( Ostpreußen) im jast vollendeten 33. Lebensjahre. Wir werden ihm stets ein ehrenbes Andenken bewahren. Beerdigung fiehe oben. Der Vorstand. Todes- Anzeige. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten hierdurch die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Bater und Bruder, der Schriftfezer Ernst Heinrich Max Kramer am 25. November nach langem, schwerem Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet heute, Sonntag, nachmittags 1 Uhr, von der Halle des neuen Luisen- Kirchhofes, Westend, am Fürstenbrunner Weg aus statt. 29845 Die trauernden Hinterbliebenen. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Stollege, der Tischler Karl Cylinsky am 25. November gestorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 29. November, nachmittags 2, Uhr, von der Leichenhalle des Sebastian Kirchhofes in Reinidendorf, Humboldtstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Ole Ortsverwaltung. 94/8 * J. Baer Badstr.26, Prinz- Allee Ecke Herren- und KnabenModen, Berufskleidung, Eleg. Joppen u. Paletots Großes Lager in- und ausländischer Stoffe zur Anfertigung nach Maß. Allerbilligste, streng feste Preise. Reparaturen und Aenderungen werden angenommen. Pelz- Stolas Muffen sowie alle fonftigen Pelzwaren empfiehlt nach be endeter EngrosSaison Einzelverkauf zu außergewöhnl. bill. Preis. R. Michaelis, Kürschnermstr., Gr. Frankfurterstraße 89, I u. II, Filiale: Neanderstr. 38( Laden). Möbel Schulz Reichenberger Str. 5, Gediegene Arbeit. Aeußerst billige Preise. Auch 45012* Ratenzahlung. Kronleuchter- Fabrik. 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In trefflicher Weise verstand er es, die zahlreich Erschienenen durch flare und fachliche Ausführungen zu fesseln. An Hand unwiderlegbaren Materials und auf Grund reicher Erfahrungen im Reichsparlament wies er nach, daß es absolut nicht zutrifft, daß der deutsche Arbeiter, weil er die meisten sozialpolitischen Gesetze hat, besonders gut gestellt sei. Gerade im Handelsgewerbe werde es vicler und schwerer Kämpfe bedürfen, bis sich das Unternehmertum und Regierung gezwungen sehen, Reformen einzuführen. Die Hauptschuld an den verrotteten Zuständen treffe den Stehkragenproletarier, den Handlungsgehilfen. Bei den letzten Wahlen haben fie den Blockparteien Handlangerdienste geleistet. Man hat ihnen auch damals Versprechungen gemacht; die regierenden Herren denken jedoch gar nicht daran, ihr Versprechen einzulösen. Nach Gutachten mehrerer Handelskammern solle die Sonntagsarbeit nach Schluß des Gottesdienstes verlegt werden. Im selben Sinne habe sich auch Minister v. Bethmann- Hollweg vor reichs= freuen Arbeitern ausgelassen. All diese Auslassungen beweisen nur, daß man weniger bestrebt ist, Reformen zum Schuße der Arbeiter einzuführen, als vielmehr den Arbeitern die Religion zu erhalten. Es wird lediglich der modern gewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft vorbehalten bleiben, Hand in Hand mit der sozialdemokratischen Partei das Werk der sozialpolitischen Gesetzgebung Stür auch im Handelsgewerbe zur Durchführung zu bringen. mischer Beifall lohnte den Redner für seine padenden AusführunIn der Diskussion wurde von mehreren Rednern speziell gen. bas neue Passage- Kaufhaus einer beißenden Kritik unterzogen. Ein Herr Klintowsti, vormals Hausdiener im Geschäft Heinrich Jordan beliebt es, mit besonderer preußischer Unteroffizierschneidigkeit den Herrn im Hause" Standpunkt herauszukehren. Der Deutsche Transportarbeiterverband hatte es unternommen, die wie üblich aus aller Welt zusammen engagierten Hausdiener zu organisieren, um im Betriebe Lohnverbesserungen durchführen zu können. Wurden doch Anfangslöhne von 20 07. - auch an Verheiratete gezahlt. Herr Kl. hatte jedoch nichts hatten, am anderen Tage aufs Pflaster zu werfen. Nachher hat man sich doch dazu verstanden, Lohnaufbesserungen vorzunehmen, so daß jetzt diejenigen, die früher 20 m. erhielten 24 M., und die früher 25 M. bekamen, 25-27 M. pro Woche erhalten. Ebenso wurden die in der Kantine vorhandenen Mißstände beseitigt. Auf die vielen aus den Reihen der Berliner Arbeiterschaft an die Ortsverwaltung I gerichteten Anfragen erklärt der Vorfihende, daß die Firma A. Jandorf u. Co. trop mehrmaliger schriftlicher Erinnerung keinen einzigen Kollegen vom Arbeitsnachweis des Verbandes bezogen hat, sondern vielmehr alles daran feht, die entgegen den tariflichen Abmachungen wild Eingestellten der gelben Jandorf- Vereinigung zuzuführen. Der ehemalige Hausdiener Schüler, jetzt Inspektor, soll sich dabei ganz besonders hervortun. Nachdem noch auf die bevorstehende Gewerbegerichtswahl hingewiesen und zu starker Beteiligung aufgefordert wurde," gelangte folgende Resolution zur einstimmigen Annahme: Die zahlreich besuchte Versammlung der Handelshilfsarbeiter Berlins erklärt sich mit den Ausführungen des Abgeordneten Noste einverstanden. Sie ist der Ansicht, daß die heute noch bestehende Sonntagsarbeit im Handelsgewerbe in Rücksicht auf den bisherigen Entwickelungsgang weder im Interesse der Handelshilfsarbeiter, noch im Interesse der Unternehmer liegt. Die Versprechungen der Regierung, daß die diesbezüglichen Bestimmungen nur ein Uebergangsstadium sein sollen, haben sich bisher nicht erfüllt. Die Gemeindebehörden, denen das Recht zusteht, die Sonntagsarbeit zu verbieten ober wenigstens einzuschränken, haben im Laufe der Zeit nicht den Beweis erbracht, auch nur den bescheidensten sozialpolitischen Forderungen gevecht zu werden. Auch entspricht der zurzeit fertiggestellte Entwurf, betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung bezüglich der Sonntagsruhe, nicht den berechtigten Wünschen der Handelshilfsarbeiter, die stets in weit höherem Maße zur Sonntagsarbeit herangezogen werden, als die sonstigen Angestellten. Sie fordern deshalb die vollständige Sonntagsruhe, damit auch sie wenigstens an einem Tage in der Woche sich ihrer Familie, und vor allen Dingen der Ruhe und Erholung widmen können. Der Durchführung dieser Forderung steht nichts mehr int Wege, da der Beweis hierfür durch die Einführung der vollständigen Sonntagsruhe in den verschiedensten Städten Deutsch= lands erbracht ist. Wenn heute in Berlin und anderen Städten die vollständige Sonntagsruhe noch nicht eingeführt ist, so dürfte dies auf die Furcht vor die Konkurrenz der Kaufmannschaft untereinander zurückzuführen sein. Deshalb erachten die Versammelten es für unbedingt notwendig, daß die vollständige Sonntagsruhe vers mittelst reichsgesetzlicher Bestimmungen durch die gesetzgebenden Körperschaften eingeführt wird. In Rücksicht auf den in den meisten Großstädten zurzeit bereits eingeführten Achtuhr- Ladenschluß erachtet die Versamm lung der hier in Frage kommenden Angestellten es im Interesse des Detailhandels für unbedingt erforderlich, daß in den Engrosgeschäften der Siebenuhr- Schluß, und zwar auf gesetzlichem Wege eingeführt und die Lohnzahlung am Freitag vorgenommen wird. Der Siebenuhr- Schluß ist im Interesse des Einkaufs für bas kaufmännische Personal notwendig und ohne Schaden der Unternehmer durchführbar, wenn die Arbeitsteiluna dement sprechend geregelt wird. Eingegangene Druckfchriften. Auf Die Rahl. Roman von H. Bahr. Geh. 4 M., geb. 5 M. der Schankel. Novellen von G. Hirschfeld. Geb. 4 M., geb. 5 M. Das Städtchen. Novellen von Schalom Asch. Geh. 3 M., geb. 4 M. Berlag S. Fischer, Berlin, Bülowstr. 90. Gedichte, Erzählungen, Dramen. Von C. Dietrich. 220 Seiten. Verlag H. Hugendubel in München. Der Berliner Vertrag von 1878. Bon Dr. Mahmud Labid Bei. 50 Bf. Berlag H. Walther, Berlin W. 30. Die Wanderarmenfürsorge in Deutschland. Bon J. Wehdmann. 85 f.- Volfsvereinsverlag in M.- Gladbach. Zur Schulbanksache. Offener Brief von W. Rettig. 16 Geiten. Verlag P. J. Müller in Charlottenburg. Judividualität und Sozialismus. Bon Prof. A. A. Issaieff. Uebersekt von K. Kuhls. 89 Seiten. Verlag H. Walther, Berlin W. 30. 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Referent: Genoffe versammlung ber grohjährigen Reichstagsabgeordneter Wolfgang Heine. 2. Freie Diskussion. Bu zahlreichem Besuch ladet ein Tagesordnung: Wahl von 2 Bors standsmitgliedern und 1 Erfahoor standsmitglied pro 1909/10. III. Abends 8 Uhr: General Kaffenmitglieder. Tagesordnung: Wahl von 254 Ver 213/18 tretern pro 1909/10. IV. Abends 8, thr: General versammlung der Vertreter der Tagesordnung: Wahl von 4 Borftandsmitgliedern und 2 Ersetzvor standsmitgliedern pro 1909/10 und Wahl von 1 Erfazvorstandsmitglied pro 1908/09. Der Einberufer. Aug. Pohl, Raunhnstr. 30. Raffenmbro 1907/08. Sozialdemokratischer Wahlverein des VI. Berliner Reichstags- Wahlkreises. V. Abends 9 Uhr: General: versammlung der Vertreter der Arbeitgeber und Kaffenmitglieder pro 1907/08. Tagesordnung: 1. Wahl von 3 Mits gliedern zur Vorprüfung der Jahresrechnung pro 1908. 2. Statuten änderungen. 3. Verschiedene Kaffens 280/4 Der Vorstand. Dienstag, den 1. Dezember, abends 8 Uhr, in Ballschmieders Etablissement, angelegenheiten. Badstraße Nr. 16: 110 Referent: Eduard Bernstein. Gäste willkommen. ( 56/9) Der Vorstand. Drei große öffentliche Vorträge. Referent: Genosse Adolf Stern ( früher evangel. Beiftlicher in Heidelberg). Dienstag, den 1. Dezember, abends 8, Uhr, Brauerel Patzenhofer, Turmstr. 26. Donnerstag, den 3. Dezember, abends 8, Uhr, in Kellers Festsälen, Koppenstr. 29. Freitag, den 4. Dezember, abends 8, Uhr, Brauerei Groterjahn, Schönhauser Allee 130. Themata: 1. Das Rätsel der Welt. 2. Der Kampf um die Wahrheit. Freie Aussprache. 3. Das Wesen des Christentums. Bur Dedung der Unkosten wird ein Eintritt von 15 Pfennig erhoben. Die Geistlichkeit der Genossen zahlen mit Legitimation nne 10 Pfennig. nächstliegenden Gemeinden ist zu diesen Versammlungen schriftlich eingeladen. Der Einberufer: Gesellschaft für volkstümliche Vorträge. 28306 Deutscher Holzarbeiter- Verband. Verwaltung Berlin. Mittwoch, den 2. Dezember, abends 8 Uhr: Vertrauensmänner- Versammlungen Außerordentliche Generalversammlung. Orts- Krankenkasse in den Bezirken und Branchen. Zages Ordnung: 237/ 6* 1. Beschlußfassung über die Umänderung der Ausführungsbestimmungen. 2. Wahl der Vertreterinnen der Frauen. 3. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Emmel. Mülhausen über Finanz- und Verfassungskrisen. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Heraus aus der Landeskirche! 19 Vortrag vom Landtagsabg. Adolf Hoffmann am Montag, den 30. November 1908, abends 8 Uhr, in den Prachtsälen Nordwest( Moabiter Gesellschaftshaus), Wiclefstraße 24. Nach dem Vortrag: Diskussion. Die Geistlichen der betr. Staatskirchen sind eingeladen. Zur Deckung der Unkosten 10 Pf. Entree. Der Einberufer. A. Harn dt, Rüdersdorfer Str. 48. Zentralverband der Maurer Deutschlands Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- u. Zementbranche. Montag, den 30. November, abends 8 Uhr, in den Neuen Arminhallen", Kommandantenftr. 58/59, großer Saal: Weber und verwandten Gewerbe. Bilderrahmenmacher. Sonntag, den 6. Dezember 1908, Montag, den 30. Nov., abends 6 Uhr( gleich nach Feierabend): vormittags 10 Uhr, in Schmidts Lotal, großer Saal, Fruchtstr. 36a(„ Freischüß"): Große Versammlung sämtlicher Arbeitgeber fowie der großzjährigen Mitglieder der obigen Raffe Tages- Ordnung 10%, Uhr vorm.: Wahl von 44 Delegierten der Arbeitgeber für das Jahr 1909. Die Arbeitgeber legitimieren fich durch Nennung der Firma. Tages- Ordnung 11, Uhr vorm.: 1. Wahl von 104 Delegierten der Raffenmitglieder für das Jahr 1909. 2. Berschiedenes. Wahlberechtigt und wählbar find fämtliche großjährigen Staffenmit glieder, 21 Sabre alt und im Besit der bürgerlichen Ehrenrechte(§ 48 Abs. 2 des Statuts). Das Quittungsbuch ist als Legitimation von den Raffenmitgliedgen am Eingang bes Saales vorzuzeigen. Das Wahllofal wird um 12 Uhr geschlossen, da um diese Beit der Wahlatt beginnt. 29216 Berlin, den 29. Rovember 1908. Der Vorstand. Karl Reißmann, Borsitzender. Achtung! Paul Liepelt, Schriftführer. Bet Der organisierten Arbeiterschaft und allen Freunden zur Kenntnis, daß ich Am Friedrichshain 6, Eingang Lippehner Straße, eine General- Versammlung. Verkaufsstelle der TabakarbeiterTages Ordnung: 1. Berichterstattung über das Ergebnis der Tarifverhandlungen vor dem Einigungsamt des Gewerbegerichts und unsere Stellungnahme hierzu. 2. Diskussion. 3. Berschiedenes Zahlreichen Besuch erwartet Mitgliedsbuch legitimiert. Der Sektionsvorstand. * Werte Kollegen! Am Sonntag, den 29. November, findet die Gewerbegerichtswahl statt. Wir fordern jeden Kollegen auf, fich beizeiten mit einer Wahllegitimation zu versehen und am Sonntag nur für Liste Nummer I der freien Gewerkschaften, auf welcher die Kandidaten unseres Verbandes mit aufgeführt sind, zu stimmen. Kein Kollege darf am Sonntag fehlen, jeder muß sein Wahlrecht ausüben! Der Sektionsvorstand. J. A.: Otto Haese. 140/7 Zentralverband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Mittwoch, den 2. Dezember 1908, abends 5%, Uhr, in den ,, Arminhallen", Kommandantenstraße 58/59( großer Saal): Außerordentliche Mitglieder- Versammlung. Zages Drdnung: 1. Abstimmung über die Verlegung des Bureaus nach dem Gewerkschaftshause. 2. Bereinsangelegenheiten. 8. Berschiedenes. Es ist Pflicht eines jeden Mitgliedes, in der Versammlung zu erscheinen und ersuchen wir, die weiteste Agitation dafür zu betreiben. Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Zutritt. Der Vorstand. J. A.: E. Schulze. 185/ 11* Liebe Freundin! Kannst Du dort auch das Bellchen- Selfenpulver ,, Goldperle" haben? Frage doch ' mal nach und kaufe Dir ein Paket, Du wirst entzückt sein über die reizenden Geschenke, die jedem Paket beiliegen. Bersäume das nicht und achte auf den Namen Goldperle", damit Du das richtige bekommst. Herzlichen Gruz Deine Anna. Genossenschaft Hamburg eröffnet habe. Die Zigarren somie der Rauch, Kau- und Schnupftabat sind aus bester Qualität. Ebenso führe alle Zigaretten der befannten Marten. Beim Einkauf von 100 Stüd 10 Broz. Rabatt. Gastwirte und Schantwirte erhalten Fabrit: preife. Um zahlreichen Besuch bittet Adolf Bordach. Fernsprecher Amt VII, 431. Konfektion direkt aus der Fabrik ist viel billiger Kein Laden. Damen- Paletots Capes Kostüme Mädchen- Paletots Abend- Mäntel Kostümröcke Pelz- Stolas Robert Baumgarten Hausvogtel- Platz 11, I schrägüber Untergrund Bahnhof, Gegen dies Inserat Rabattver gütung. Auch Sonntags geöffnet! Branchen- Verfammlung im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 7. Zages Drdnung: 1. Vortrag des Kollegen Dahlke über: Die Nechte bea Arbeiters nach dem Krankenversicherungsgeseh. 2. Distusfion. 8. Branchenangelegenheiten. Einsetzer. Mittwoch, den 2. Dezbr., abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 7: Branchen- Verfammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag über Gewerbegerichtsbarkeit. 2. Branchenangelegenheiten. Bekanntmachung. Aus Konkurs, Lombard und Liquidationslägern Berliner Weinhandlungen sowie sonstige Stäufe haben wir ein großes Weinlager erworben, wovon wir noch ca. 50 000 Flaschen Wein volle Kognak und Liföre, nur gute Qualitäten, zum Berlauf bringen. Wir leisten für tadellose Beschaffenheit unserer Waren Garantie und nehmen alles etwa Nichtgefallende zurüd. Bir offerieren: Rotwein: Medoc St. Estèphe. St. Emilion Medoc 1904 Artisans Blayor. Champagner: 8230 Dessertweine: 70 Bf. Portwein, garantiert rein 80 31. Sherry Samos 75 80 Medizinal- Ungarmein 90 90 80 Rheinwein: " Bechtheimer Forster • 70 Bj. 80 in Deutschland auf Flaschen gefüllt. Raisersett mit Steuer 1,50 M. 1,75 Lorraine B.E. Plusquin mit Steuer 2,35 Geisenheimer schöne Blume 85 Moselwein: Kognak: Erdener, borzüglich. 65 Pf. 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Man mag über die Bülowsche Kapuzinade von der Tugend und dem Segen des Sparens denken wie man will, jedenfalls darf man verlangen, dah des Reiches Kanzler in der Lage ist. den Nachweis einer allgemeinen Steigerung der Lebenshaltung zu erbringen. Wenn man nicht annehmen will, daß schon früher alle Einwohner des Deutschen Reiches sich voll und satt gegessen haben und eine Konsumsteigerung nicht mehr möglich war, dann findet Bülows An- nähme von der allgemeinen Hebung des Wohlstandes durch dre Reichsstatistik keine Bestätigung. Wäre es wahr, daß das ganze Volk in seinen einzelnen Gliedern bemerkenswert reicher geworden ist, dann müßte das in erhöhten Verbrauchsziffern für die not- wendigsten Leoeis- und einfachsten Genutzmittel in Erscheinung treten. Hätte der Reichskanzler zunächst die Laterne der Statistik benutzt, würde ihm vielleicht ein anderes Licht aufgegangen sein; er würde nicht lauter vollgegessene und vollgetrunkene Proletarier- bäuche gesehen haben, denen man ganz gut etwas Fett abzapfen kann, um dadurch den mageren Reichsbeutel zu füllen. Wahr ist, daß in den letzten Jahren in Deutschland die industrielle Entwicke- lung und die Vermögenshäufung in wenigen Händen kolossal ge- wachsen ist. Unbestreitbar hat die Zahl der Millionäre zugenommen und wahr ist auch, daß sich Millionäre zu Milliardären hinauf- gespart haben. Unleugbar hat in dieser Zeit der Kapitalgewinn sseinen Nutznießern gewaltige Reichtümer in den Schoß geworfen, den Grundstücksspekulanten, den Wertzuwachsschluckern und Lebens- niittelwucherern enorme Gewinne hereingebracht. Sie all« er- freuen sich einer Besitzmehrung. Und die breite Masse des Volkes? Sie hat mehr Güter produziert! Auf allen Gebieten des gewerb- lichen Lebens ist eine Produktionssteigerung zu konstatieren, das heißt, der einzelne hat mehr produziert. Das ist aber auch für viele Arbeiter die ganze Anteilnahme an dem gepriesenen Segen. Die wirklichen Produzenten hatten die Mühe; die Nichtarbeiter heimsten zu einem erheblichen Teile die Ernte ein. Gewiß, einzelne Arbeiterkateaorien konnten in bescheidenem Matze ihre Lebensführung verbessern, aber andererseits gibt es auch Gruppen, für die mit dem glänzenden industriellen Aufstieg eine Verschlechterung der Lebenshaltung parallel lief. Das be- weist die Verbrauchsstatistik. Werfen wir zunächst einen Blick auf die Konsumziffern der wichtigsten Lebensmittel. Nach den amt- lichen Berechnungen im Statistischen Jahrbuch für daS Deutsche Reich ergeben sich die nachfolgend zusammengestellten Verbrauchs- quantitäten pro Kopf der Bevölkerung: Brotgetteide Die Verbrauchsziffern, soweit Brotgetreide in Betracht kommt, sprechen durchaus nicht für einen allgemeinen Ausstieg. Berück- sichtigt man, daß von einem Jahr zum andern Bestände übernommen werden, die, je nach dem Ernteausfall und anderen Faktoren, bald größer, bald kleiner sind, so daß die statistischen Ergebnisse mit dem ivirklichen Konsum sich nicht ganz decken, der Durchschnitt daher für mehrere Jahre ermittelt werden muß. so kommt man zu dem Resultat: eine Steigerung des Brotkonsums ist nicht eingetreten! Es darf aber doch wohl als gewiß gelten, daß, wenn größere Be- Völkerungskreise, die bisher nicht in der Lage waren, sich ordentlich satt essen zu können, oder aber in der Hauptsache nur mit Kartoffeln sich nährten, in bessere Erwerbsverhältnisse gelangen, sie dann das Mehreinkommen dazu benutzen, ihren Brotkonsum zu steigern. Daß sie ihre erhöhten Einnahmen nicht für allerhand Nichtigkeiten aus- geben, dafür sorgt schon der knurrende Magen. Und daß sie nicht verbraucht wurden, um in erhöhtem Maße dem Alkohol zu fröhnen, das wird sich noch zeigen. Und Rittergüter hat auch noch kein Pro- letarier von seinen Ersparnissen gekauft. Wenn aber der Brot- konsum keine Steigerung erfuhr, andererseits als unbesttitten gelten kann, daß einzelne Arbeitergruppen ihr Lohnniveau über die Verteuerung der Lebenshaltung hinaus heben konnten, so kommt man im günsttgsten Falle zu dem Schluß, daß im Durchschnitt keine Verschlechterung eingetreten ist. Daß jedoch für einen Teil der Be- völkerung die Verhaltnisse dazu drängten, in erhöhtem Maße zu minderwertiger Nahrung überzugehen, das muß aus dem gcsteiger- ten Verbrauch der Kortoffel geschlossen werden. Um dem Einwand, der vermehrte Kartoffelverbrauch habe vielleicht der Alkoholbereitung gedient, zu begegnen, sei hier gleich vorweg bemerkt, daß das nicht der Fall ist. Stellt man den Kartoffelverbrauch der Brennereien mit der gesamten verfiigbaren Kartoffelmenge in Vergleich, dann ergibt sich folgendes Bild: -Verfügbare Verbrauch der Menge Brennereien in 1000 Tonnen 1897/1898...... 27 584 2261 1898/1899...... 30 635 2586 1899/1900...... 32 253 2502 1900/1901...... 34 100 2790 1901/1902...... 41 959 3088 1902/1903...... 37 002 2367 1903 1904...... 36 210 2631 1904/1905...... 30 076 2481 1905/1906...... 41 681 3132 1906/1907...... 36 524 2632 Von einem Mehrverbrauch der Brennereien kann kaum die Rede sein; sodann steht der Verbrauch für die Alkoholbereitung aber auch zur Verfügungsmenge in einem Verhältnis, daß eine Steigerung des Verbrauchs der Brennereien um einige hundert« tausend Tonnen von unwesentlicher Bedeutung ist. Die Annahme, daß ein Teil des Volkes in erhöhtem Maße zur Kartoffelnahrung hat Zufjucht nehmen müssen, findet andererseits Unterstützung in der Zunahme des Salzverbrauches. Eine schöne Illustration zu dem Bülow-Gesang vom wachsenden Wohlstand des deutschen Volkes und seiner luxuriösen Lebensweise. Wie sieht eZ nun mit der Steigerung des Konsums von Genußmitteln aus? Rechnet man den Zucker noch zu diesen, dann hat man in der folgenden Zusammenstellung wenigstens einen Artikel, bei dem eine Konsumsteigerung zu konstatieren ist. Pro Kops der Bevölkerung ergeben sich nämlich folgende Verbrauchs- Für Branntwein und Zucker beginnen die vorstehenden Ziffer- reihen mit dem Jahre 1897/93, und es verstehen sich die Zahlen für Branntwein nach Abzug des für gewerbliche Zwecke steuerfrei verabfolgte Quantums Alkohol. Die Steigerung des Zuckcrkonsums seit 1903 ist eine Folge der gegen den Willen der Zuckerbarone zu- stände gekommenen Brüsseler Konvention, die eine Ermäßigung der Zuckcrsteuer notwendig machte. Bei den anderen Gcnußmitteln ist ein Konsnmrückgang zu konstatieren, der z. B. bei Bier sogar recht erheblich ist. Sind das Beweise für die Zunahme der Prasserei und des Wohllebens in der breiten Masse des Volkes? Man könnte eher vom Gegenteil reden. Es muß bei Würdigung dieser Konsumstatistik berücksichtigt werden, daß sie das Resultat einer beispiellos günstigen Wirtschaft- lichen Entwickelungsperiode ist. Nun aber gehen die Arbeiter einer weniger günstigen Periode entgegen. Die neuen Handelsverträge haben die Lage auf dem heimischen Arbcitsmarkt verschlechtert, andererseits die traurige Gewißheit der dauernden Hochhaltung aller Lebensmittelpreise geschaffen. Und da predigt man der arbeitenden Bevölkerung Buße, mahnt zur Umkehr von dein sündigen Wege der Schlemmerei, fordert auf zur Sparsamkeit, da- mit aus der Arbeiterschaft Taschen neue Millionen Liebesgaben den Junkern und Kriegsmaterialliefcrantcn gespendet werden können. Das sind dls Wege neudeutscher Wirtschafts- und Steuer- Politik._ D. Huö Induftne und ftandeL Menschenfreundlich. Man könnte fast auf die Vermutung kommen, das Böhmische BrauhauS sei bestrebt, den Appettt auf sein Gebräu zu vergällen. Oder glaubt die Verwaltung vielleicht, durch Bekundung unsozialen Geistes die Vorliebe für Böhmisches Brauhaus- Erzeugnis zu steigern? Im Jahresbericht der Gesellschaft liest man nämlich folgendes: „Wie wir unsere baulichen und maschinellen Anlagen einer gründlichen Llufbesserung unterworfen haben, so haben wir auch unseren inneren und äußeren Betrieb durch Anstellung junger, arbeitsfteudiger Kräfte reorganisiert.' Die Verwaltung macht es summarisch; sie disponiert über die manuellen und motorischen Arbeitskräfte von einem Gesichtspunkt aus. WaS nicht mehr als vollwertig betrachtet wird, gilt als Schrott. Für die Ationäre mag die Mitteilung ja ganz angenehm klingen, wie aber, wenn die Menschen sich sagen würden: wenn Menschen wie Maschinen bewertet werden, dann soll die Gesellschaft mit ihrem Gebräu ihre Maschinen schmieren, uns ist es zu bitter? Stahlwerksverband. Die Hauptversammlung des Stahlwerksverbandes hat beschlossen, den Verkauf von Halbzeug für daS 1. Quartal 1909 zu den bis- herigen Preisen und Bedingungen fteizugeben. In. Formeisen wurde der Verkauf für das erste Halbjahr 1909 zu einem um 5 M. ermäßigten Preise freigegeben. Außerdem kann den Abnehmern ein Minimalquantum von 200000 Tonnen Formeisen zu einem um weitere 5 M. billigeren Preise für den Winterbczug angeboten werden. Der vom Verband gegebene Situationsberscht läßt erkennen, daß von einer Besserung nodi nichts zu verspüren ist. Und der Stahl- verband trägt wahrlich nicht dazu bei, eine Besserung herbeizuführen. Die oben mitgeteilten Beschlüsse lassen vielmehr darauf sckiließen, daß er an der Politik, die Preise ftir das Rohmaterial der Weiter- Verarbeitung hochzuhalten, unbeirrt und stetig festhalten will. Uebermenschen. In dem neuesten Jahrgange des AdreßbruchS der Direktoren und SussichtöratSmitglieder von Aktiengesellschaften. daS von Arends u. Matzner herausgegeben ist, sind, wie die»Konservative Korresp." schreibt, nicht weniger als rund 12 000 Ausfichtsräte und Direktoren verzeichnet. Fast der vierte Teil der AussichtsratSstellen. nämlich 2918, sind ober in den Händen von nur 197 Personen. Man kann sich denken, welche Plagen diese Aufhäufung von AufstchtsratS- Mandaten in einer Hand den opferwilligen Inhabern verursachen müssen. Die Mandatsverteilung kann man aus folgender Liste ersehen: . 20 Mandate . 19 . 18.. . 17„ .. 16„ . 13„ . 14.. . IS.. . 12„ . 11.. . 10 2913 Mandate Die größte Zahl der AufsichtSratsmandate hat Herr Karl Fürsten- berg auf seine Person vereinigt, nämlich 44; seine Teilnahme allein an den AufsichtsralSsitzungen mutz ein sehr schwieriges Geschäft sein. Der nächste mit 42 Mandaten.Belastete' ist Herr Louis Hagen- Köln und nach diesem kommt mit.nur" 35 Mandaten Herr Eugen Gutmann, Direktor der Dresdner Bank. Da sieht man. daß es noch Uebermenschen gibt, Arbeitsriesen, die den Herrgott beschämen könnten. DaS Erstaunen und die Verwunderung würde zweisellos noch ganz erheblich gesteigert werden, wenn einer der Herren einmal wahrheitS- getteu schilderte, durch welche Leistungen sie ihre Tantiemen— verdienen. Die Herren werden sagen: Das ist unbeschreiblich!— Zuckerhandel und Zuckersteuerermäßigung. Die Ermäßigung der Zuckersteuer von 14 aus 10 M. pro 100 Kilogramm soll nach dem Gesetz vom 19 Februar 1903 am 1. April 1909 sund nach der neuerlich dem Reichstage vorgelegten allgemeinen Steuerreform am 1. April 1910) in Kraft tteten, nach dem ersteren Gesetz unter der Voraussetzung, daß bis dahin Gesetze zustande kommen, die eine Erhöhung der eigenen Einnahmen des Reiches um mindestens 35 Millionen Mark jährlich bewirken. Wenn solche Gesetze erst nach dem 1. April 1909 in Kraft treten, so soll die Herabsetzung der Zuckersteuer gleichzeitig mit dem Jnkraft- treten jener Gesetze erfolgen. Durch diese Verquickung des Termins der Zuckersteuerermätzigung mit dem Zustandekommen der Reichsfinanzreform, ist eine erhebliche Unsicherheit in den Handel mit Z, Icker hineingetragen Ivorden. Der vor dem Jnkrafttteten der Er- niäßigung versteuerte Zucker wird dem Händler sowie auch dem Verbraucher, beziehungsweise Weiterverarbeiter um 4 M. pro 100 Kilogramm teurer zu stehen kommen, als solche Ware,, die nach jenem Zeitpunkte erst in den freien Verkehr gesetzt und der neuen Steuer unterworfen wird. Auf eine darüber ergangene Beschwerde entschied die Handelskammer Berlin dahin, daß nach Lage der Verhältnisse auf gesetzgeberischem Wege eine Abhilfe gegen diese Schwierigkeiten nicht geschaffen werden könne, insbesondere könne man auch nicht für einen Aufschub der auS allgemeinen Gründen doch erwünschten Steuerermäßigung eintreten.(Inzwischen hat freilich der Steuerreformentwurf die Ermäßigung der Zucker- sieuer um ein Jahr verschoben.) Es bleibe dem Handel und der zuckerverbrauchendcn Industrie als Schutz vor Schaden nur die vor- sichtige Disposition in der Anschaffung von Vorräten unter sorg- fältiger Erwägung der Aussichten der Reichsfinanzreform übrig. Englische Genosienschaftsprodiiktio« im Jahre 1S07. Die Erzeugung von Waren durch die englischen Genossenschaften hat auch im Jahre 1907 erhebliche Forlschritte gemacht. Den Ver- öffentlichunaen der.Labour-Gazette" zufolge stellten die verschiedenen hier in Frage kommenden Genossenschaftsarten(mit Ausnahme der landwirtschastiichen, die nicht zu dieser Statistik berichten) Waren her im Werte von: 1906 1907 Zu- oder M. M. Abnahme Großeinkaufsgenossenschaften 143 003 660 162 059 600 Z- 1 3.3 Proz. Konsumvereine..... 136 026 380 165 438 760-j-21.6# Kornmühleugenossenschaften 19 300 360 19 094 660—10,7„ Produltivgenossenschasten. 38 262 920 41 342 720+ 7,4„ zusammen 337 193 320 387 935 740-j- 15,0 Proz. Also die gewaltige Summe von nahezu 400 Millionen Mark betrug bereits der Wert der genossenschaftlichen Erzeugnisse. Mit Ausnahme der Mühlengenosscnschaften haben alle Arten Fort- schritte gemacht, am bedeutendsten die Konsumvereine, deren große Steigerung zum Teil freilich durch eine lebhaftere Berichterstattung erklärt wird. Was die Art der produzierten Waren anbelangt, so entfallen etwa Zweidrittel der Gesanitsunime, nämlich für 267 667 lt>7 M. auf die Nahrungsmittel- und Tabakerzeugung. Ihr folgt ofe Bekleidungsindustrie mit 63 171 020 M., Seifen- und Lichterfabrikation mit 15 453 380 M., Textilindustrie mit 14 951040 M.. das Baugewerbe, Steinbrüche und Möbelfabrikation mit 14 722 020 M., Druckerei mit 7 102 660 M. und andere Industrien mit 4 878 480 M. In diesen Genossenschaftsbetrieben wurde im Jahre 1907 ein Arbeiterheer von 47 537 Köpfen gegen 45 363 im Vorjahre beschäftigt. Es entfielen davon auf die Produktiv- und Mühlen- genosienschasten(die hier zusammengefaßt sind) 8774, auf die Pro- duklivbetriebe der Konsumvereine 21 436 und die der Großeinkaufs- gesellschaften 17 327 Arbeiter. Von diesen Angestellten waren 26 558 oder 56 Proz. Männer, 13 433 oder 28 Proz. Frauen und der Rest von 7546 oder 16 Proz. junge Leute unter 18 Jahren. Der ge- samte zur Auszahlung gelangende Lohn betrug 52 650 180 Mark. Außerdem gewährten noch 160 Genossenschaften ihren produktiven Arbeitern 714 740 M. Gewinnbeteiligung gleich 4,9 Proz. der an sie gezahlten Löhne oder 51 M. pro Kopf. Ein Viertel der von den Konsumvereinen abgesetzten Waren ist in genossenschastlichen Betrieben hergestellt. Während der Umsatz der Konsumvereine in den letzten zehn Jahren um 69,4 Proz. ge- stiegen ist, hat sich der Wert der genossenschaftlich produzierten Waren um 123,3 Proz. gehoben.__ Hud der frauenbenegung. Frauenrechtc und Sozialdemokratie. Die Sozialdemokratie fordert: Allgemeines, gleiches, direktes Wahl- und Stimmrecht mit geheimer Stimmabgabe für alle über 20 Jahre alten Reichsangehörigen ohne Unterschied des Geschlechts und zwar für alle Wahlen und Abstimmungen. Schon während der französischen Revolution tauchte die Forde- rung auf Frauenrechte auf und mit Feuereifer kämpfte Olynipe de Gonge« für das Recht der Frau. Der Proklamation auf Menschen- rechte setzte sie die Forderung der Frauenrechte unter folgender Be- gründung entgegen: .Die Frau ist frei geboren und gesetzlich dem Manne gleich.... DaS Prinzip aller Souveränität ruht wesentlich in der Nation, welche nur die Vereinigung von Frau und Mann ist. Freiheit und Ge- rechtigkeit bestehen darin, jedem alles zukommen zu lassen, was ihm gebührt.... Das Gesetz muß für alle gleich sein. Da alle mann- lichen und weiblichen Bürger gleich sind vor dem Auge des Gesetzes, müssen ihnen in gleicher Weise alle Würden, Aemter und öffentlichen Einrichtungen zugänglich sein nach ihrer Fähigkeit und ohne eine andere Unterscheidung als die ihrer Tugenden und Talente.... Die Frau hat ein Recht, das Schafott zu besteigen, sie sollte in gleicher Weise das Recht haben, die Tribüne zu besteigen." DaS Stimmrecht der Frau wurde bereits 1789 mit Nachdruck gefordert und das, was man 1789 für notwendig erachtete, ist heute unentbehrlich geworden für den Klassenkampf des auswärtsstrebenden Proletariats. Wohl wissen wir. daß die Verleihung des Frauen- stimmrechts uns zunächst selbst Wunden schlagen kann, denn daß die geknechteten Frauenmassen das Stimmrecht sofott in ihrem eigenen und ihrer Klasse Interesse zu gebrauchen verstehen, ist fraglich. Doch diese Bedenken kann die Sozialdemokratie nicht hindern, grundsätzlich für das Frauenwahlrecht zu kämpfen, sie kanndiepolitischeGleichbe'.echti- gung der Frau auf die Dauer nicht entbehren. Wenn die unterdrückten Volksmasien, Männer und Frauen, gemeinsamen Einfluß auf die Gesetzgebung erlangt haben, kann der Klassenkampf wirksamer ge- führt werden. Schon die Propaganda für das Frauenwahlrecht ist geeignet, die geistig trägen Frouenmassen aufzupeitschen und Sehnsucht nach Befreiung aus geistiger und ökonomischer Knecht- schaft zu wecken. Dadurch werden der Sozialdemokratie Kräfte zugeftihrt, die-mit Begeisterung und Idealismus die Schlachten um eine andere, bessere Weltordnung, in der die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beseitigt ist, schlagen helfen. Je mehr die Agitation für das Frauenwahlrecht gefördert und dieses selbst als greifbares Ziel den Frauen vor Augen geführt wird, je mehr wird die Proletarierin davon über» zeugt, daß sie nur in den Reihen der Sozialdemokratie ihre Rechte erobern kann, daß nur die Sozialdemokratie die StaatSbürgerrschte der Frauen anerkennt und von der Regierung fordert. Und wenn die Frauen dies erkannt haben und sie vollzählig mit im Felde stehen, dann wird wahre Freiheit bald die Welt beseelen. Herbei, Frauen! Hinein in die Reihen der Sozialdemokratie! Und laßt den Ruf ertönen: Her mit dem Frauenwahlrecht l DaS Franenstimmrccht in Victoria. In Victoria, das mit Queensland zu den ältesten englischen Kolonien in Australien gehört, besaßen die Frauen bisher das aktive Wahlrecht für die Kommunalwahlen. An den Wahlen zum Bundes- Parlament der sechs australischen Kolonien(außer Neuseeland) konnten sie sich sogar aktiv und passiv beteiligen, nicht aber an den Wahlen zum StaatSparlament. Schon 1873 wurde die erste Frauenstimmrechtsbill im Parlamente eingebracht und abgelehnt. Ein 1884 gegründeter Frauenstimmrechtsverein entfaltete nun eine rege Agitation und sorgte dafür, daß im Unterhaus in jedem Jahre ein Antrag auf Gewährung des Frauenstimmrechts zur Debatte stand, immer wachsende Zustimmung und schließlich einstimmige Annahme fand. Ebenso regelmäßig aber wurde er vöm Oberhaus, daS nicht aus allgemeinen Wahlen hervorgeht, abgelehnt. Die Unverschämtheit dieses Verfahrens— schreibt„The Woman Workcr"— stand in der Verfassungsgeschichte geradezu einzig da. Nie- mals hat eine Volkskammer in irgend einem Lande unter gleichviel welchen Umständen die Schmach ruhig hingenommen, daß eine ein- stinimig beschlossene Maßnahme so oft von„anderer Stelle" ver- warfen wurde. Die Macht der öffentlichen Meinung hat sich aber schließlich doch so nachdrücklich bekundet, daß das Oberhaus nachgab und kürzlich eine Bill durchgehen ließ, die den Frauen künftig gestattet, sich an den Staatswahlen zu beteiligen. »Versammlungen— Veranstaltungen. Berein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Dienstag, den I.Dezember, 8l/a Uhr, im Neuen Klubhause, Kommandanten- straße 72: Vortrag:„Die Vorläufer des modernen Sozialismus und die Frauen". Referent: Eduard Bernstein. Rixdorf. Frauen Rixdorfs! Dienstag, den 1. Dezember, 8�3 Uhr, bei Thiel, Bergstr. 151— 152: Oeffentliche Versammlung. Vortragende: Genossin Luise Zietz- Hamburg:»Das Proletariat im Kampfe um seine Rechte". Leseabende. Lankwitz. Mittwoch, den 2. Dezember, 8 Uhr, bei Ebel, Marien« selber Straße 9: Bortrag des Genossen Kurt Heinig:»Bebels Frau". Grünfelds Weihnachts- Wäsche Nr. 3059 Damen- Wachthemd. Baums. Stuhl- Creas( Hemdenluch) mit Hohlsaum Fältchen and breiter Stickerei Dtz. 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Wilmersdorf- Halensee: Zölle, Sigmaringenftr. 5. Lichtenberg, Friedrichsfelde, Wilhelmsberg: Dtto Rummelsburg, Boxhagen: A. Rosenkranz, Alt- Boghagen 56. Grünau: Franz Klein, Bahnhofstr. 6 III. Bohnsdorf und Falkenberg: 6. Pfeifer, Bohnsdorf, GeSeitel, Stronprinzenstraße 4, I. nossenschaftshaus. Rixdorf: M. Heinrich, Nedarstraße 2, im Laden. Schmargendorf: Gustav Staminsky, Cunostraße 2. Schöneberg: Wilhelm Bäumler, Martin Lutherstr. 51, im Laden. Tempelhof: M. Müller, Berlinerstr. 41/42. Ober- Schöneweide: Julius Grunow, Edisonstr. 10, I. Nieder- Schöneweide: Bonatowsky, Hasselwerderstr. 8. Johannisthal: Bielide, Kaiser- Wilhelm- Blag 4. Adlershof: Erich Steuer, Hadenbergstr. 5, II. Königs- Wusterhausen: Friedrich Baumann, Amtsgarten 3. Köpenick: Friedrich Woid, Stiegerstr. 6, Laden. Friedrichshagen: Otto Schröder, Friedrichstr. 60, Stfl. II. Friedenau- Steglitz- Südende: S. Bernsee, Schloßftr. 119, Hof I, in Stegliz. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. 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Es ist Pflicht eines leben Genossen, sich an der Wahl zu beteiligen. Auch die auswärts wohnenden, aber in Berlin arbeitenden Genossen haben das Recht und die Pflicht, ihr Wahlrecht in Berlin in dem Bezirk, in welchem sie arbeiten, auszuüben. Die Kiste Ur. I Ljste der freien Gewerkschaften, ist die einzig richtige Liste, die jeder Partei- und Gewerkschaftsgenosse zu wählen hat. Um jede Wahlmogelci zu verhindem, werden die Stimmzettelverteiler der Liste I eine rote Schleife mit einer I versehen als Abzeichen tragen. Sehe sich jeder seinen Stimmzettel, den er abgibt, genau an. lublläuiD des Berliner fliylvcreins für Obdachloie. Eine großstädtische Einrichtung höchster Menschenliebe, von jedem gekannt und von vielen noch immer verkannt, blickt am 30. November 1908 aus ein vierzigjähriges Bestehen zurück— das Asyl des Asylvereins für Obdachlose. Wer die schmucke, nach allen Regeln der modernen Hygiene eingerichtete großartige Anlage des Vereins in der Wiesenstratze als Gast oder als Obdachloser aufsucht, ahnt nicht, welche enorme Mühe es gekostet hat, das segensreiche Institut, das übrigens mit dem städtischen Asyl in der Fröbelstraße nicht das geringste gemein hat, auf die heutige Höhe zu bringen. Tiefes von echten Menschenfreunden ins Leben gerufene und von Jahr zu Jahr verbesserte Asyl des Asylvereins hat eine äußerst bewegte Geschichte, die wir heute hier nur mit kurzen Strichen zeichnen können. Wie ein Märchen hört es sich an, daß vor vier Jahrzehnten, als Berlin doch auch schon eine recht ansehnliche Residenzstadt und die Not in ihr übergroß war, für die Obdach- losen nur die denkbar mangelhaftesten Einrichtungen bestanden. Nur zwei elende Zufluchtsstätten gab es, das Polizeigewahrsam am Molkenmarkt und das Arbeitshaus am Alexanderplatz. Wie die zusammengepferchten Unglücklichen hier im greulichsten Schmutz ohne Bettstellen nächtigten und wie sie von der Polizei- gelvalt behandelt wurden, spottet jeder Beschreibung. Man kann sich einen kleinen Begriff davon machen, wenn man sich vergegen- wärtigt, daß ja noch heute, nach vierzig Jahren, in dem weit mehr von der Polizei als von der Stadt regierten Asyl in der Fröbel- straße die Zustände nichts weniger als ideal sind. Als im Jahre 1868 die Wohnungsnot in Berlin eine kolossale Ausdehnung erfuhr, so daß die genannten beiden einzigen Zufluchtsstätten täglich Huirderte abweisen mußten und in ausrangierten Eisenbahnwagen auf freiem Felde ganze Familien nächtigten, erkannte die Oeffent- lichkeit die hohe Pflicht, helfend einzugreifen, wo Staat und Stadt versagten oder doch nur absolut Unzulängliches leisteten. Das lediglich aus Privatleuten gebildete Hilfskomitee unter dem Vorsitz des Rentiers Gustav Thölde, der noch heute als Neunundachtzig- jähriger an der Spitze des Vereins steht, arbeitete so eifrig, daß bereits am 3. Januar 1869 in der Neuen Wilhelmstraße an der Weidendammer Brücke das erste provisorische Asyl für weibliche Ob- dachlose in den Räumen der dortigen alten Ärtilleriekaierne eröffnet werden konnte. Nur 60 Bettstellen, im Vergleich zu den Schlaf- bänken am Molkenmark förmlich ein„Luxus", wies die Einrich- tung auf. aber alles Ivar peinlich sauber, gut ventiliert und an- hcimelnd. Selbstverständlich waren von vornherein auch Vor- kchrungen getroffen, daß die Obdachlosen, die am Molkenmarkt hungern mußten, hier gesättigt wurden und sich durch Bäder reinigen und erfrischen durften. So sympathisch die Bürgerschaft die neue Einrichtung begrüßte, fand sich am ersten Abend merk- würdigcrweise nur eine einzige Obdachlose ein. Aber Ende Januar haben schon 394 Frauen und Mädchen dort genächtigt, im April sogar 887, und nun stieg die Frequenz so rasend, daß der Verein nach Maßgabe seiner beschränkten Mittel auf immer neue Ertveitc- rangen und Verbesserungen bedacht sein mußte. Von höchstem Werte zeigte es sich, daß vom ersten Tage an neben den Angestellten auch Vereinsmitglieder persönlich die Aufsicht führten. Noch heute werden täglich Vereinsmitglieder zu diesem Zwecke eingeladen, um mit eigenen Augen nach dem Rechten zu sehen. Im Jahre 1869 besuchten das Asyl 12 788 Personen, darunter 2370 Kinder. Schon im folgenden Jahre stieg der Besuch auf 20 939 Personen, was die Aufftellung von weiteren 60 Betten zur Folge hatte. Eine große Wohltätigkeitsveranstaltung im selben Jahre brachte so reiche Ein- nähme, daß das Grundstück Ärenadierstratze 46. durchgehend nach der Füselierstratze 6, angekauft und hier das erste eigene Asylhaus für weibliche Obdachlose errichtet werden konnte. In das bisherige Asyl in der Neuen Wilhelmstraße zogen von nun an nur die obdach- losen Männer ein. Berlin stand damals gerade in der ersten EntWickelung zur Weltstadt. Sein schneller Aufschwung lockte ungczäblte Taufende an, die hier das Geld auf dem Straßenpflaster zu finden hofften und bald nicht wußten, wo sie ihr Haupt betten sollten. So mußte der Verein immer erneut auf dem Sprung sein, um gegenüber dem Ansturm der Armut nicht zu erlabmen und lveitere Unter- kunftsräume zu schaffen. Zum Glück flössen, nachdem die Bürger- schaft erkannt hatte, daß hier vorzügliche Arbeit geleistet werde. die Gaben reichlich. Im Jahre 1873 wurde das Grundstück Büsching- straße 44 erworben und auf demselben ein Asyl für 300 Personen errichtet. Von nun an beginnt die Sturm- und Drangperiode des Vereins. Es fanden sich Nörgler und Kritiker, die in der An- sammlung der Obdachlosen auf der Straße eine starke Belästigung sahen. Das war für die Polizei der vielleicht nicht ganz un- erwünschte Anlaß, in die Privatsache auch ihre Nase hineinzustecken. Der bei der Gründung mit hinzugezogene Polizeipräsident v. Wurmb hatte daS feste Versprechen gegeben, daß die Asyle von der Polizei nicht betreten werden sollten, aber das Privilegium stand nicht auf dem Aktenpapier. Wiederholt haben in den folgenden Jahren die jeweiligen Polizeipräsidenten versucht, sich Zutritt zu den Asyl. räumen und zu den Obdachlosen zu verschaffen, aber umsonst. Der Lorstand blieb fest und energisch. Er erklärte jedesmal rund heraus: Sobald sich in unseren Räumen ungebeten der Schutz- mannshelm blicken läßt, schließen wir die Asyle und lassen die Polizei für die Hunderttausende von Obdachlosen sorgen! Das war so deutlich, daß die Polizei einlenkte und die Freistatt nicht weiter störte,.rcilich wohl kaum aus menschenfreundlicher Regung, son- dern aus Besorgnis vor Kosten und Mehrarbeit. Nächst der Polizei bereiteten die Anwohner der Büschingstrahe große Sorgen. Die Vereinsarbeit geriet erst wieder in ein ruhigeres Fahrwasser, als im Jahre 1895 ein dem Magistrat gehöriges unbebautes Grundstück in der Wiesenstraße erworben wurde. Hier wurde zunächst ein mächtiges Asylhaus mit 14 Schlafsälen zu je 50 Bettstellen erbaut und schließlich auf dieses Grundstück die gesamte Tätigkeit des Vereins konzentriert. Ohne einen peinlichen Zwischenfall mit der t Regierung, wie das bei uns in Preußen so üblich ist, ging es nicht ab. Der Minister des Innern wollte sogar anfangs den Asylbau verbieten, zog aber schließlich das Verbot zurück, nachdem er vom Vorstand in Audienz über die wahren Absichten und Ein- richtungen des Vereins aufgeklärt worden war. Die vorläufig letzte bauliche Aufgabe trat an den Verein heran, als mit der beschlossenen Niederlegung des Scheunenviertels auch die Tage des bisher noch in der Füsilierstraße verbliebenen Frauenashls gezählt waren. Es traf sich überaus günstig, daß das Hinterland in der Wiesenstraße, das ebenfalls dem Berliner Magistrat gehörte, für diesen Zweck hinzuerworben werden konnte. Am 24. März 1907 fand unter großartiger Beteiligung die Einweihung des neuen Frauenasyls, das von der Kolberger Straße aus zugänglich ist, statt. Vielleicht der höchste Wert dieses Musterinstituts liegt in den Worten, die sein Begründer, der greise Herr Thölde, so gern ge- braucht:„Wir wollen unsere Besucher, die mit Schlamin und Schmutz bedeckt zu uns kommen, zur Reinlichkeit erziehen! Unge- kannt und ungenannt sollen die Besucher bei uns eintreten und ebenso von uns gehen. Nicht in Büchern soll das Elend eingetragen werden. Niemand wird gefragt: Woher kommst Du, wohin gehst Du?" Dieser Grundsatz ist nächst dem Charakter als wirkliche Freistatt, in der der dreihaarige Polizeigeist nichts zu sagen hat, sicher das Bestechendste der gesamten Einrichtung. Im Verhältnis zu den Elementen, die in solchem Hause tagtäglich verkehren, ist die hygienische Fürsorge über alles Lob erhaben. Weit steht dahinter das städtische Asyl des Herrn Fischbeck zurück, das in der Wiesen- straße unendlich viel lernen könnte, wenn seine Leiter nicht ihr eigenes kleines Licht bis in den Himmel leuchten lassen wollten. Und das alles schafft der Asylvercin mit freiwilligen Spenden! Man kann nur aufrichtig wünschen, daß diese Spenden noch weit reichlicher als bisher fließen, damit der Besitzstand des Vereins und sein hohes Ziel für alle Zeiten gesichert bleibt. Zu den Gewerbegerichlswahlen. Die Gewerbcgerichtswahlen, die am heutigen Tage von vormittags Ist Uhr bis nachmittags 3 Uhr für die Arbeit- nehmer stattfinden, müssen alle Arbeiter und Parteigenossen veranlassen, ihr Wahlrecht auszuüben durch Abgabe ihrer Stimme ans Liste I. Die Liste I enthält die Namen von Vertretern der freien Gewerkschaften. Nur Männer, die vom Wesen des Pro- duktionsprozesses eine moderne Auffassung haben, sind am ehesten und besten in der�Lage, in den gewerblichen Streitig- keitcn zwischen Arbeiter und Arbeitgeber Recht sprechen zu können. Und solche Leute stehen auf Liste I. Kein verständiger Arbeiter kann Leuten seine Stimme geben, die immer den Mantel nach dem Winde tragen, Per- sonen wählen, die bestrebt sind, sich auf alle mögliche Weise bei den Arbeitgebern lieb Kind zu machen. Arbeitgeber ver- treten ihre Interessen selber, da ist es nicht noch besonders nötig, daß Arbeiter Leute wählen, die gegen ihr eigenes Interesse handeln. Und solche Personen stehen in der Haupt- fache auf den gegnerischen Listen. Die Arbeiter und Parteigenossen müssen heute aber auch vollzählig zur Wahl gehen, wollen sie nicht dazu bei- tragen, daß die gegnerischen Listen eine Vertretung durch- setzen, die ihrer Bedeutung gar nicht entspricht. Je mehr Stimmen heute auf die Liste I abgegeben werden, desto geringer wird die Aussicht der gegnerischen Listen auf eine unverhältnismäßig große Zahl von Beisitzern. Bleibe deshalb kein Arbeiter heute zu Hause! Uebe jeder sein Wahlrecht aus, indem er nur wählt. Liste I Wahlberechtigt sind auch die Arbeiter, die auswärts wohnen, aber äm hiesigen Orte arbeiten. Die Wahlberechti- gung ist auch nicht abhängig davon, ob Arbeiter bereits in ihrem Wohnort zum Gelverbegericht gewählt haben oder noch wählen, weil es sich um zwei verschiedene Gerichte handelt. Nichtwahlberechtigt sind die Mitglieder der Innungen und die bei Jnnungsmeistern beschäftigten Ar- bester, soweit für diese Jnnungsschiedsgcrichte errichtet sind. Große Anstrengungen machen diesmal die Hirsch- Dunckerschen Gewerkvercme, um eine möglichst große Zahl von Beisitzern zu erhalten. Sie haben in den letzten Wochen eine äußerst rührige Propaganda entfaltet, sowohl durch Flugblätter wie durch Versammlungen. Die Herrschasten sind recht großsprecherisch und hoffen auf große Erfolge; sie geben vor, daß durch Eintreten ihrer Vertreter erst sozialpolitisches Verständnis in das Gewerbegcricht gebracht werde. Diese politischen Kinder, die gar keine Ahnung davon haben, daß die ganze winzige sozialpolitische Gesetzgebung erst durch fortgesetztes Drängen der Sozialdemokratie geschaffen worden ist, gegen das Prinzip des Freisinns, ja nicht in das Ver- hältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer oder in die „heiligsten Rechte der Familie" usw. einzugreifen! Es wird sich ja heute zeigen, tvas und wer hinter den großen Worten steckt. Ein aufgeklärter Arbeiter wählt nur Liste I. Partei-?Zngelegenkeiten. Zweiter Wahlkreis. Heute, Sonntag, 29. November, im Saale von Rabe, Fichtcstr. 29: Gemütliches Beisammensein und Tanz. Anfang 5 Uhr. Um 6 Uhr: Vortrag des Arbeitersekretärs Genossen Giebel. Eintritt frei. Tanz 20 Pf. Um zahlreiches Er- scheinen ersuchen Die AbteilnngSfiihrer. Dritter Wahlkreis. Am Dienstag, den 1. Dezember, findet im großen Saale des Gewerkschastshauses, Engelnfer 15, eine öffentliche Versammlung statt. Genosse Wolfgang Heine spricht über „den Kampf um die Rechte des Reichstages". Anfang 8>/z Uhr. Sechster Wahlkreis. Am Dienstag, den 1. Dezember, findet in Ballschmieders Etablissement, Badstr. 16, eine außerordentliche Generalversammlung statt. Da in dieser Versammlung die Beschluß- fassung über die Umänderung der Aussührungsbestimmungen und die Wahl der Vertreterinnen der Frauen vorgenommen wird, ist allseitiges Erscheinen, besonders der Genossinnen, notwendig. _ Der Vorstand. Ihren ersten Kunstabend veranstalten am komntendcn Sonnabend die Genossen des Gesund« brunnens in dem Ballschmiederschen Lokale in der Badstraße. Dem Wunsche zahlreicher Mitglieder des Wahlvereins des Gesundbrunnens nach Befriedigung des Kunstbedürfnisses folgend, hat sich das zu diesem Zwecke eingesetzte Komitee bemüht, durch Gewinnung eines guten Orchesters, einer leistungsfähigen Konzertsängerin und eines ausgezeichneten Rezitators, wozu noch Klaviertuosen kommen, am Sonnabend, den 5. Dezember, einen wirklichen Genuß versprechenden Abend vorzubereiten. An den Genoffen liegt es nun, dafür zu sorgen, daß der Besuch ein solcher wird, daß wenigstens die nicht geringen Kosten gedeckt werden durch Verbreitung der nur 50 Pf. betragenden Billetts. Das Konzert beginnt pünktlich Vs9 Uhr. Charlottenburg. Am Mttwoch,' 2. Dezember, abends Vz9 Uhr, findet im Volkshause, Rosinenstr. 3, eine Frauen-Ver- sammlung der weiblichen Mitglieder deS Wahlvereins statt. Außer einem Vortrag wird es sich um sehr wichtige O r g a n i- sationsfragen für unsere weiblichen Mitglieder bandeln, so daß jede Genossin aufS dringendste gebeten wird, in dieser Versammlung zu erscheinen. Der Vorstand des WahlvereinS. Groß-Lichterfelde. Die ordentliche Mitgliederversammlung deS sozialdemokratischen WahlvereinS findet am Montag, 30. November,' abends 8 Uhr. im„Kaiserhof" statt. Tagesordnung: Vortrag des Genossen K a l i s k i über:„Der läute und der stille Absolutismus." Diskussion. Vercinsangelegenheiten. Der Vorstand. Pankow. Am kommenden Dienstag finden in den Abteilungen die regelniäßigen Mitgliederversammlungen statt. Rummclsburg. Am Dienstag, den 1. Dezember, abends 8 Uhr, spricht in einer öffentlichen Versammlung im Saale der Witwe Weigel der Genosse Paul G öh r e, Pastor a. D., über das Thema: „Kirche und Arbeiter". Die Frauen werden besonders zum Besuch dieser Versammlung aufgefordert. Auch sind die Geistlichen der Gemeinde Rummelsburg zu dieser Versammlung schriftlich eingeladen. Der Eiuberufer. Karlshorst. Dienstag, den t. Dezember, abends 8>/z Uhr, Wahlvereinsversammlung bei Fr. Bartels, Restaurant zum Fürsten- bad. Tagesordnung: Vortrag über:„Die Jnteresienpolttil der Grundbesitzer in der Gemeinde Friedrichsselde-Karlshorst." Beschlußfassung über die„VorwärtS"»Speditioil. Der Vorstand. Mahlsdorf sOstbahn). Am Mittwoch, den 2. Dezember, abendc s'/s Uhr, findet in sämtlichen Bezirken ein Extra-Zahlabend statt. Reinickendorf-West. Dienstag, den 1. Dezember, abends 8 Uhr, findet die Mitgliederversammlung des Wahlvereins in den Eichborn- Sälen. Eichbornstr. 60 statt. Tagesordnung: 1. Bericht der Gemeindevertreter. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Verschiedenes Die Parteitagsprotokolle werden ausgegeben. Der Vorstand. Nowawes. Heute, Sonntag, vormittag von 9 bis 12 Uhl werden die Beiträge des Wahlvereins in folgenden Lokalen ein- kassiert: 1. Bezirk: Otto Hiewke, Wallstr. 55; 2. Bezirk: Karl Gruhl Priesterstr. 69; 3. Bezirk: Ludwig Richter, Großbeerenstr. 59. Auch werden neue Mitglieder aufgenommen. Der Vorstand. Mittwoch, den 2. Dezember, abends 8>/z Uhr, findet im Schmidtschen Lokal, Wilhelmstr. 41—43, eine Volksversammlung für Männer und Frauen statt, Genosse Adolf Stern, ehemaliger evangelischer Geistlicher, hält einen Vortrag über:„Was ist Wahr» heit?" Der Einberufer. Wilhelmsruh- Niederschönhausen- West. Dienstag, den 1. De» zember, abends 8 Uhr, im Lokal von Barth, Biktoriastr. 7: Mit gliedcrversammluiig. 1. Vortrag des Stadtverordneten Genossen P a g e l s- Rixdors. 2. Diskussion. 3. VereinSangelege» hcitcn. _ Der Vorstand. Berliner J�acbricbtern lieber die Heimstätten der Stadt Berlin hat das Heimstättenkuratorium den Verwaltungsbericht für 1907/08 erstattet. Das Berichtsjahr fällt dadurch auf, daß in ihm den Heimstätten für Lungenkranke, sowohl denjenigen für die Männer als auch denen für die Frauen, eine Verminderung der Frequenz besckicdcn gewesen ist. Infolgedessen hat in diesen Heimstätten auch die Wartezeit der Aufnahmesuchenden sich meist ermäßigt. Dagegen hat von den Heimstätten für Ge- nesenöe diejenige für Frauen eine Vermehrung der Frequenz und die für Männer wenigstens keine Verminderung der Durchschnittsbelegung gehabt. In diesen Heimstätten hat denn auch die Wartezeit, die den Aufnahmesuchenden zugemutet werden mußte, vielfach noch eine Verlängerung erfahren. Im Jahre 1907/08(bczw. in 1906/07) haben die Heimstätten Gütergotz und Buch zusammen 1788(1804) lungenkranke Männer verpflegt und 83 262(87 819) Berpftegungstagy ge- leistet. Länger als 14 Tage warteten diesmal nur 19 Proz., im vorhergehenden Jahre noch 22 Proz, aller Neuaufgenommenen. Die Höchstzahl von Aufnahmesuchenden, die sich auf der Vor- Meldungsliste angesammelt hatten, war diesmal 71, im vorher- gehenden Jahr noch 83. In den Heimstätten Blankenfelde und Malchow wurden zusammen 1383(1478) lungenkranke Frauen verpflegt und 59 441(63 980) Verpflegungstage gc- leistet. Hier wurde eine Wartezeit von mehr als 14 Tagen bei 63 Proz., im Vorjahr bei 79 Proz. der Aufgenommenen nötig. Die Höchstzahl der Vorgemeldeten ist gleichfalls beträchtlich herunter- gegangen, sie betrug 197, im vorhergehenden Jahr 261. Dennoch lagen noch immer die Verhältnisse in den Heim- statten für lungenkranke Frauen ungünstig genug, sehr viel ungünstiger als in den Heim- stätten für lungenkranke Männer. Zur Verfügung standen für Frauen 182 Betten, für Männer 248 Betten; diese Zahlen erklären den bedeutenden Unterschied der Wartezeit. Aus den Heimstätten für Genesende ist zu melden, daß in 1997/98(bezw. 1996/97) verpflegt wurden in Heinersdorf 996(925) genesende Männer mit 25 923(24 817) Vcrpflegungs- tagen, in Blankenburg 753(793) genesende Frauen mit 23 916(21932) Verpflegungstagen. Die Wartezeit dauerte über 14 Tage in Hcinersdorf bei 62 Proz.(39 Proz.), in Blankenburg bei 63 Proz.(49 Prvz.) der Aufgenommenen, und die Höchstzahl der Wartenden war in Heinersdorf 91(77), in Blankenburg 83 (198). Für die genesenden Frauen ist, das sei hier vorausgreifend bemerkt, im Herbst 1993 durch Eröffnung der neuen Heimstätte Upstall-Blankenburg mehr Platz beschafft worden, für die genesenden Männer ist noch immer Heinersdorf die einzige Heimstätte. Gefordert muß werden, daß man die Vermehrung der Heimstätten nicht schon jetzt zum Still st and kommen lasse. Noch ist in den Sommermonaten das Miß- Verhältnis zwischen der Zahl der vorhandenen Betten und der auf- nahmesuchenden Personen sehr groß, und eine viel zu langp Warte- zeit muß der Aufnahme noch vorangehen. Andererseits kann aber nicht oft genug betont werden, daß auch in den Winter- monaten die Heimstättenkur durchaus erfolg» reich ist. Die Abneigung gegen winterlichen Aufenthalt in einer Heimstätte ist gänzlich unberechtigt. Wer ihn im Winter nötig hat, sollte damit nicht erst bis zur wärmeren Jahreszeit warten. Daß die Aufnahmen sich möglichst gleichmäßig über das Jahr ver- teilen, liegt im Interesse der Heimstätteninsassen selber. Erfreulicher als sonst ist diesmal in dem Bericht der Abschnitt über die Freistellen zur Aufnahme solcher Personen, für die keine Kasse usw. die Kosten zahlt. In Betracht kommt der all- jährlich durch den' Etat bewilligte Freistellenfonds, 12 999 M. im letzten Jahre, ferner die Zinsen der Arons-Stiftung, der Schlösser- Stiftung, der Stiftung auS Mitteln der SchloßfreiheitS-Lotterie. Die Nestewirtschaft war im letzten Jahre, dank den immer wiederholten Mahnungen, weniger schlimm als sonst. ES ist ein unerträglicher Zustand, daß verfügbare Mittel unverbraucht inS nächste Jahr hinübergenommen und gleichzeitig Freistellen- gcsuche abgelehnt werden. Der Bericht über 1997/98 ist übrigens eine Art Jubclbericht. Er hebt hervor,. daß seit Eröffnung der ersten Heim- stätten zwanzig Jahre verflossen seien, und bemüht sich zu zeigen, wie wir s seitdem so herrlich weit gebracht. An die Spitze stellt er den Satz aus her Damaligen Vorlage des Magi. strats, daß es der Kommune Berlin wohl anstehe, auch mit der- artigen Veranstaltungen nicht auf die private Wohltätigkeit zu warten. Ja, das war damals! In neuester Zeit aber haben wir im Rathause auS dem Munde des Oberbürgermeisters das abweisende Wort hören müssen, die Kominune sei eigentlich gar nicht 'vcM�chjet�HLjmW(.P,M Unterhalten. Der Arbeitszwang im Obdach der Stadt Berlin. Einem Vor- trag über das Obdach,, den.der O berin s p e kto r dieser Anstalt, Herr Jäkel, in einem freisinnigen BszickSvcrein gehalten hatte, entnähmen wir die Mitteilung, daß dort gegen die Obdachlosen, be- sonders gegen die jüngeren, jetzt Arbeitszwang ein- geführt werde. Stadtrat Fischbcck, der Oberstkommandierende des Obdachs, läßt daraufhin durch die Presse verbreiten, die Ver- waltung habe einen Versuch mit der Beschäftigung solcher Per- sonen gemacht, die sich dazu eignen und das Obdach öfter besuchen, aber gezwungen werde niemand. Nein,„gezwungen" wird niemand, wenigstens nicht durch Anwendung körperlicher Ge- walt. Ein Druck auf die Obdachlosen wird aber ausgeübt durch ein anderes Mittel, über das der Herr Oberinspektor in seinem Vortrag mit vergnügtem Schmunzeln berichtete. Er erklärte wört- lich:„Wir sind dabei, in gewissem Umfang einen Arbeitszwang einzuführen!" Und dann erzählte er, die Verwaltung habe zu diesem Zweck durch die Brcnnmaterialiendeputatton Holz anfahren lassen, da hole er sich nun besonders die jungen Burschen heran« nnd nötige sie. zu sägen und zu hacken.»Wer ablehnt, wird sofort dem Nichter vorgeführt", fügte er hinzu. Dem Richter wird selbst. verständlich Mitteilung davon gemacht, hier habe er einen Menschen vor sich, der so arbeitsscheu sei, daß er nicht mal im Obdach Holz sägen und hacken wolle. Und der Richter erfüllt dann um so pflichteifriger den stillen Wunsch des Gummiknüppelmanne« Fisch- beck und schickt den ihm ausgelieferten Obdachlosen für eine mög- lichst lange Zeit inS Arbeitshaus. Warum läßt derselbe Fischbeck durch die ihm dienende Presse erklären, daß niemand gezwungen werde? Fürchtet er Konsequenzen, wenn öffentlich bekannt wird, daß er— ausgerechnet c r— sich für Anwendung von Zwangs- Mitteln gegen Arbeitsunlustige begeistert? Kein Platz im Krankenhaus! In der Stadtverordnetenversammlung wurde am letzten Donnerstag darüber verhandelt, ob es möglich und nötig sei. in den Krankenhäusern der Stadt besondere Klassen für bessersituierte Kranke zu schaffen. Die Freunde diese? Gedankens behaupteten dreist, an Platz dazu fehle es ja nun nicht mehr, da jetzt in unseren Krankenhäusern eine mehr als hinreichende Zahl Betten zur Verfügung stehe. Daß diese Behauptung durchaus unzutreffend ist, wurde vom Genossen Wehl dargetan an � der offiziellen Statistik der Abweisungen Aufnahmesuchender. Noch immer muß eine sehr große Zahl Kranker lediglich deshalb ab, gewiesen werden, weil für sie im Augenblick kein Platz zu beschaffen ist. Um die Zahl der Abweisungen nicht zu groß erscheinen zu lassen, werden in der Abweisungsstatistik diejenigen Kranken beson- ders aufgeführt, die nach Meinung der Krankenhausärzte eine Aufnahme nicht dringend nötig haben bezw. sich nicht dazu eignen. Wie das aber so geschwind festgestellt werden kann, ob ein Kranker der Behandlung in einem Krankenhaus bedarf oder nicht, darüber wird sich schon mancher den Kopf zerbrochen haben. Leute, die es durchgemacht haben, wissen ein Lied davon zu singen. Gerade jetzt werden uns wieder von einem Vater, der sein verunglücktes Kind dem Kinderkrankenhaus der Stadt(Reinickendorfer Straße) zuführen wollte, die Erfahrungen mitgeteilt, die er dabei hat machen müssen. Nebenbei bemerkt: eS versteht sich von selber, daß die Anhänger des Plane» besonderer Klassen für Bemittelte auch vor dem Kinderkrankenhaus nicht Halt machen werden. Auch hier wird man den Wohlhabenden für ihre Kinder eine Extraklasse herrichten wollen, und behaupten wird man auch hier, an Platz dazu fehle es nicht. Das Kind, um das es sich handelt, ein Mädchen von 1?L Jahren, war aus dem Bett gestürzt und hatte einen Oberschenkelbruch er- litten. Die Schwere des Unfalls wurde von den Eltern erst am anderen Tage erkannt. Nachdem der nun zu Rate gezogene Arzt einen Notverband angelegt hatte, brachten die Eltern das Kind nach dem Kinderkrankenhaus. Dort mußten sie zunächst eine er- hebliche Zeit beim Portier warten, obwohl sie sofort angegeben hatten, daß der Fall dringend sei. Schließlich kam ein Arzt und forderte die Mutter auf, das Kind auszupacken. Ein Tisch, auf den sie es hierbei hätte legen können, war in dem engen Raum nicht vorhanden. Der Arzt untersuchte dann das Kind. Als er damit fertig war, erklärte er, zwar seien noch Betten frei, aber — so verstanden ihn die Eltern— in dem fraglichen Saal seien bisher masernkranke Kinder unter- gebracht gewesen, man müsse daher erst des- infizieren. Noch vor der Untersuchung hatte er gefragt, ob die Kleine schon die Masern gehabt habe, und die Mutter hatte das verneint. Natürlich verbot es sich nun, das Kind da hineinzulegen, und so mußten die Eltern es wieder einpacken und ein anderes Krankenhaus aufsuchen. Sie fuhren zur Charite und dort wurde Aufnahme gewährt. Der Zeitverlust, der durch die Untersuchung im Kinderkrankenhaus sowie durch die Verhandlungen mit dem Arzt entstanden war, wird von den Eltern auf-K Stunde geschätzt. Wir begreifen nicht, warum der Arzt das Kind über- Haupt er st untersuchte, wenn er in: voraus wußte, daß er wegen der Gefahr der Uebertragung von Masern es gar nicht aufnehmen konnte. In den Krankenhäusern unserer Stadt müssen allerdings die Aerzte all- mählich dazu gelangen, sich bei solchen überflüssigen Unter- suchungen nicht viel zu denken. Die ihnen gegebene Anweisung nötigt sie, darauflos zu untersuchen und dann leider oft zu er» klären, für diesen Kranken sei kein Platz da. Dem Kranken bringt eine solche Untersuchung nur unnütze Quälerei, auch wird gewiß oft durch die entstehende Verzögerung sein Befinden ver- schlimmert, und schließlich werden nicht selten den Angehörigen er- hebliche Mehrausgaben für eine erneute Droschkenfahrt auf- genötigt. Dafür kann aber dann wenigstens in der AbwcisungS- statistik mitgeteilt werden, soundso viele Kranke seien nur deshalb abgewiesen worden, weil sie sich zur Krankenhausbehandlung nicht eigneten oder eine solche für sie noch nicht nötig war. Es ist übrigens möglich, daß in dem oben geschilderten Fall daS verunglückte Kind, sofern hier daS Gesuch um Aufnahme über- Haupt gebucht wurde, in der Abweisungsstatistik nicht denjenigen Kranken zugerechnet wird, die wegen Platzmangel abgewiesen werden mußten, sondern denjenigen, die„sich nicht eigneten". Platz hatte man ja noch, und daS Kind wäre gewiß aufgenommen worden, wenn eS für eines der verfügbaren Betten„sich geeignet" hätte. Der Fehler war nur der, daß es statt einer Masern. erkrankung, mit der eS so schön hineingepaßt hätte, einen Ober- schenkelbruch mitbrachte. „WeihnachtSbitten". In zahlreichen bürgerlichen Blättern, besonders in solchen, die mit der Kirche Fühlung haben, erscheinen jetzt fast täglich ungemein gefühlvolle Weihn-achtsbitten der Geist- lichkeit. Die Herren erinnern sich plötzlich, daß in ihrer Gemeinde viele arme Leute vorhanden sind, und betteln um Gaben an Na- turalien, Kleidungsstücken und vor allem Geld, um den Acrmsten der Armen eine kleine Wcihnachtsfreude bereiten zu können. Man wollte sich diese Betätigung weihnachtlicher Nächstenliebe selbst auf dem nickit mehr ungewöhnlichen Wege einigermaßen gefallen lassen, wenn nicht an die Teilnahme armer Gcmeindemitglteder an der W-ihnachtSbescheerung eine unscheinbare, aber bedeutsame Be- dingung geknüpft wäre. Nicht die wirkliche Not nämlich ist der Gradmesser, ob und wie geholfen werden soll, sondern fast einzig die kirchliche Richtung der Bedürftigen. Viele Hundertc von Bei- spielen könnten angeführt Iverdcn, in denen arme Gemeindemit- glieder von Geistlichen, an die sie sich um Hilfe wandten, zurück- gewiesen wurden mit der offenen oder versteckten Begründung, daß die Kirche für alle diejenigen nichts übrig habe, welche den sonn- täglichen Kirchgang verabsäumen. Nicht allzu selten wird auch noch ausdrücklich auf die politische Richtung des Familienober- Hauptes hämisch hingewiesen. Wer dagegen hübsch zu heucheln ver- steht und in die Kirche geht, um sich auszuschlafen, kann damit rechnen, daß er weiteste pekuniäre Berücksichtigung findet. Genau so wird jju Weihnachten sortiert. Das ist um so schärfer zu rügen, alS die Geistlichen bei der Bescheerung gar nicht über Kirchengelder zu verfügen haben, vielmehr über die Spenden der Oeffentlichkeit, die nach dem selbstverständlichen, wenn auch unausgesprochenen Willen der Geber ohne den geringsten Unterfchicd der politischen oder kirchlichen Betätigung lediglich nach dem Umfange der Not verteilt werden sollen. Eine recht eigenartige Weihnachtsbitte auS Anlaß eines Spezialfalles erläßt der Magistrat von Nixdorf. In einem Zeitungsinserat bittet er um Ueberlassung eines alten Kranken- fahrstuhles für einen 19jährigen armen Menschen, der infolge englischer Krankheit nicht mehr imstande ist, sich ohne fremde Hilf« fortzubewegen. Sollte der Magistrat bezw. die Rixdorfer Annen- Verwaltung nicht verpflichtet sein, hier aus eigenen Mitteln helfend einzugreifen? In solchen zwingenden Fällen braucht man sich doch nicht erst an die Tasche der Oeffentlichkeit zu wenden. Das LluSwllrfeln von Gegenständen, wie eS in Restaurants und auf VcrgnügungSplätzen geübt wird, ist— wie wir vor kurzem mitteilten— vom ObcrverwaltungSgericht als öffentliche Aus- spielung erachtet worden, wozu nach Z 286 des Strafgesetzbuches eine obrigkeitliche Genehmigung erforderlich ist. In einem Straf- Prozeß gegen Schlesiger hat sich letzt das Kammcrgericht dieser Auffassung ausdrücklich angeschlossen und ausgesprochen, daß der 8 1 der Gewerbeordnung dem nicht entgegenstehe. Im Klub 1999. Im Laufe der Untersuchung gegen den der- hafteten Urkundenfälscher und Defraudanten Fritz Kluge von der Aktiengesellschaft Arthur Koppel stellt sich immer mehr heraus, daß Kluge ein Opfer seiner Spielleidcnschaft geworden ist. Es steht jetzt fest, daß Kluge seit der Zeit, als er sich an den hohen Hasard- spielen im„Klub 1998" beteiligte, riesige Summen gewann und noch mehr verlor, und so immer tiefer und tiefer in Schulden geriet. Der„Klub 1998" ist eine Gründung dcS in der Berliner Lebe- Welt bekannten Herrn Mollheim, der auch den verflossenen„Klub 1999" und die Charlottenburger Ressource ins Leben rief, und der auch die Seele des„Klubs Beroltna" ist, der noch vor kurzem viel von sich reden machte. Fritz Kluge war nickit Mitglied des Klubs, er kam stets als „Gast". Kluge konnte oft seinen Verlust nicht zahlen, und dann half ihm der„Direktor", der die Kasse verlvaltete, aus. Kluge hat oft mit 3999 bis 19 999 M. die Bant„gelegt". Die letzte Nacht vor seiner Verhaftung bracht« Kluge noch in dem Klub zu, er pokerte bis Montag früh 7 Uhr; am Mittag desselben Tages war sein Schicksal besiegelt-- er wurde verhaftet. In letzter Zeit hat Kluge mehrmals nicht unerhebliche Beträge gewonnen uns lieh seinen Spielkameraden Geld zum Weiterspielcn. Große Vermögens- objekte sind im„Klub 1998" verloren gegangen; ein Kaufmann verlor 26 000 M» ein anderer 49 999 M., ein Rcchtsanlvalt 15 999 Mark usw. Durch Kurzschluß schwer z» Schaben gekommen ist gestern vormittag gegen 9 Uhr der im Betriebe der Signalfabrik der A. E. G. in der Sickingenstraße beschäftigte Waler Hübner. Mit verbranntem Gesicht, abgesengtem Bart und Kopfhaar wurde der /besinnungslose Mann nach der Unfallstation gebracht. H. war mit dem Reinigen und Streichen des Schaltbrettes beschäftigt; an- scheinend hat der Meister Truschinsky nach einer uns gewordenen Mitteilung nicht für genügende Isolierung gesorgt, obwohl bei 559 Volt Spannung Gefahr drohte. Der Parscvalbatton hat gestern die letzte noch ausstehende Ab- nahmebedmgung erfüllt, indem er eine Fahrt zur genauen Be- stimmung der Eigengeschwindigkeit ausgeführt hat. Es ist zu diesem Zweck zweimal eine Strecke von 10 Kilomewr hin- und zurückgefahren worden, das eine Mal mit einer gewöhnlichen Tourenzahl von etwa 990 Touren, das andere Mal mit erhöhler Tourenzahl. Die genauen Ergebnisse in bezag auf die Eigeugeschwüidigkcit werden noch berechnet werden. Arbeiter-BildungSschule Berlin. Heute, Sonntag, den 29. No. vember, findet im Berliner Schullokal, Grenadierstraße 37, die zweite geschlossene Mitgliederversammlung statt. Ein Vortrag über:„Die kapitalistische KonzentrationS- theorie" wird dieselbe einleiten und sich die übliche Disiussion daran anschließen. Es ist zu crivqrtcn, daß auch diese Veranstal- tung wie die frühere dasselbe lebhafte Jutercssc der Mitglieder erwecken wird. Der Zutritt ist nur gegen Vorzeigung des Mit- gliedsbuches gestattet. Außerdem sei nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß heute vormittag 19 Uhr der Unterricht im Gewerk- s ch a f t S w e f c n, der wegen des Bußtages ausfallen mußte, nach. geholt werden wird. Unterrichtsthcma:„Die gegnerischen Gewerk- schaften". Dem Berliner Aquarium hat seine Tochtcranstalt Rovigno eine ganze Anzahl schöner und absonderlicher wie seltener und wertvoller Fische eingesandt, von denen namentlich die jugend- lichcn Formen die mit ihnen besetzten Becken zu besonders an» ziehenden gestalten. Die eine, vom Mittelmeer über die euro- päischcn Küstengebiete des Atlantischen Ozeans bis nach Bergen hinauf sich verbreitende Art aus der einige hundert Spezies um- fassenden und zu den schönsten und im Naturhaushalt wichtigsten Familien zählenden Gruppe der Lippfische zeichnet sich dadurch aus, daß sie ii'cht nur nach den Altersstufen, sndern auch nach dem Wohnbezirk, Aufenthalt und den Einzeltieren die buntesten Farbcnabändcrungcn zeigt. Ist auch im allgemeinen der Grund- ton ein Azur- oder Grünblau, so tritt doch ein prächtiges Goldgrün, Gelb, Orange- und Kirschrot und Braun hinzu, und sie alle gehen in köstlichen Schattierungen ineinander über, während nur ein schwarzer Fleck hinter dem Auge-beständig bleibt. Dieselbe Familie steuerte noch mehrere der farbenprächtigsten Fische zur Bevölke- rung der Seewasscrbehälter bei, so den gleichfalls nach dem Ver- breitungSbczirk in der Färbung außerordentlich wechselnden, im Norden mehr sattbraun, im Süden mehr blaugrün getönten Fleckenlippfisch und den in Blau und Rot gekleideten, je nach dem Geschlecht aber in Grundierung und Zeichnung verschiedenen Streifenlippsisch. In der letzten Tapezicrer-Berfammlnng am Donnerstag abend ist bei Wendt, Beuthstraße ein Schirm stehen geblieben. Abzugeben auf dem Verbandsbureau Engelufev 15. Zeugengesuch. Am Freitag, den 29. November, abends zwischen 5 und 6 Uhr wurde am Moritzplatz durch einen Anhängewagen der Linie 28 die Ehefrau des Heizers Drcws-Nirdorf, Warthestr. 48, überfahren. Die Verunglückte ist zwei Stunden später gestorben. Es werden etwaige Augenzengen deS Vorganges dringend gebeten. dem Ehemann doch freundlichst ihre Adressen zugehe» zu lassen. In der OrtSkrnnkenkasse für das Schlächtergewerbc findet heute von 3—7 Uhr die Wahl von 179 Vertretern für die Slrbeitnehmcr statt. Von der Innung wird mit Hilfe der„Gelben" und der übrigen„meistergetreuen" Gesellenvercine diesmal versucht, die organisierten Gesellen ans der Vertretung der Kasse heraus- zudrängen. Da es ihnen nicht möglich ist, gegen die Kassenvcr- ivaltuna der oraauisierten Gesellen etwaö einzuwenden, so der- suchen sie im geheimen die Gesellen zu bearbeiten, gegen die Liste des Zentralverbändes zu stimmen. Wir richten daher an alle Genossen, die mit Fleischergesellen zusammen kommen, die dringende Bitte, diese auf die Wahl auf- merksam zu machen. Die Wahl findet in Feuersteins Festsälen, Zllte Jakobstr. 75, statt.. Wahlberechtigt ist jedes Kassenmitglied, welches das 21. Lebensjahr überschritten hat. Feucrwchrbcricht. Wegen eines großen, auf vorsätzliche Brand- stiftung zurückzuführenden Dachstuhlbrandes wurde in der letzten Nacht die Berliner Feuerwehr von verschiedenen Seiten nach der Mainzcrstr. 15 in Friedrichsberg gerufen. Der Dachstuhl stand in großer Ausdehnung in Flammen. Die Fricdrichsbergcr und Ruuimelsbnrger Feuerwehr waren zur Stelle und gaben mit fünf Schlauchleitungen Wasser. Den vereinten Anstrengungen gelang es, den Brand auf den Dachstuhl, der schon mehrere Male nieder- gebrannt ist, zu beschränken. Von dem Täter fehlt jede Spur. Der Schaden ist ganz bedeutend, da auch die unteren Stockwerke durch Wasser gelitten haben. Gestern früh um 4 Uhr brannte eine Re- mise in der Mcher Straße 29. Der 29. Zug hatte in der 5kleincn Kurstraße zu tun, wo vor dem Hause 13/14 ein Benztndreirad in Brand geraten war. In der Ackerstraße 79 mußte ein Schaldeckcn» und Balkcnbrand gelöscht werden. Ferner liefen noch Alarme aus der Rittcrstr. 74, Kesselstr. 86, Alcxandcrstr. 9 und anderen Stellen ein. Arbeiter- Samariter- Kolonne. Montag, abends 9 Uhr: t. Ab« teilung, Dresdener Straße 45, Vortrag über: Verbrennungen. Er- frierungen. Hitzschlag. Blitzschlag. Beschädigungen durch Elekrizität. Daran anschließend: praktische Üebungen. Neue Teilnehmer können jederzeit eintreten. Am Donnerstag derselbe Vortrag in der 8. und 4. Abteilung. Torort- J�admebtem Charlottenburg. Eine Erregung ma�jt sich gegenwärtig unter den Arbeitern der hiesigen Gasanstalten bemerkbar. Wie uns auS den Kreisen der Arbeiter mitgeteilt wird, hat die Direktion vor kurzer Zeit eine Verfügung erlassen, in welcher den Arbeitern das Betreten der MannschaftSräume während der Arbeitszeit verboten ist, Diese Maßnahme wird namentlich von den Arbeitern bitter empfunden, die bei ihrer Beschäftigung Wind und Wetter aus« gesetzt und daher oft genötigt sind, ihre Kleider zu wechseln. Auch wird darüber Klage geführt, daß die MannschaftSräume nicht genügend geheizt sind. Hierunter babcn namentlich die Arbeiter zu leiden, die an den Feuerungen beschäftigt sind. Diesen Arbeitern sind die Räume, wenn sie erhitzt hineingehen, oft nicht warm genug. Eine Beschwerde deS Arbeiterausschusses hatte keinen Erfolg. Der Betriebsleiter Herr Dr. Funk erklärte einfach, die Räume feien nachgemessen und für warm genug befunden worden. Die aleiche Klage führen die Fcuerleute dcö RctortenhauscS II. Auch pe be. haupten, daß der Dampf für die Heizung in ihrem Aufenthalts- räum nach Mitternacht vollständig abgesperrt würde. Von den Arbeitern der Gasanstalt II lvird mitgeteilt, daß die zum Auf- wärinen der mitgebrachten Speisen und Getränke aufgestellten Speisespinden nie ivarm genug sind, um die Speisen zu wärmen. Eine Klage scheint uns, wenn sie zutreffend ist. in Anbetracht der gegenwärtig herrschenden Arbeitslosigkeit, besonder» von Bcdcu- tung. ES wird behauptet, daß auf der Gasanstalt II überhaupt zu wenig Arbeiter beschäftigt sind, um die vorhandene Arbeit zu bewältigen. Die Gasmeister erklären, hiergegen nichts tun zu können, da über Einstellung von Arbeitskräften nur Herr Dr. Funk zu verfügen babe. Wenn diese Behauptungen in vollem Umfange zutreffen, so wäre eS freilich an der Zeit, daß sich die Verwaltung einmal näher damit beschäftigte. Es wäre einer Stadt- Verwaltung nicht würdig, wenn in städtischen Betrieben Arbeiter« mangel vorhanden wäre, dieweil Tausende Arbeitslose hungern. Eine Jugendschriften- Ausstellung bon ausgewählten Werfen 1Sens glaubte seine Haltung damit begründen zu müssen, daß I nehmer ein erheblichen Teil weniger Arbeit zu leisten, und es foar der hervorragendsten Schriftsteller wird in diesem Jahre auch ihm die Vorstandsmitglieder der Arbeitnehmer der hiesigen ihm deshalb von der Stadt eine entsprechende andere Arbeit überseitens der organisierten Arbeiterschaft im Boltshause, Krankenkasse als Sozialdemokraten bekannt seien und vor Jahren tragen, die noch nicht ausgeschrieben war. Nun hat sich die hiesige Rosinenstr. 3, veranstaltet werden. Als Dauer der Ausstellung einen bekannten Agitator der Sozialdemokratie zum Beamten ge- Fortifitation aber mit dem Beschluß der Versammlung, das Glacis ist die Zeit vom 6. Dezember bis zum 13. Dezembet macht hätten, allerdings durch Beschluß der Generalversammlung. nicht einzuebnen, nicht einverstanden erklärt und berlangt un in Aussicht genommen worden. Andere seiner Kollegen hätten ihm erklärt, daß wenn sie an feiner bedingt die Ginebnung auf dem Terrain, welches dem Fiskus ge Diese Einrichtung wird sicherlich auch bei der Charlottenburger Stelle gewesen wären, ebenso gehandelt hätten. Der Arbeitgeber hört. Infolgedessen haben die Entfestigungsdeputation und der Arbeiterschaft auf allseitige Zustimmung stoßen; denn es wird Wöller, auch Vorstandsmitglied, wies diese Behauptung, die Magistrat beschlossen, das ganze Glacis einzuebnen, und beantragte damit den Arbeitereltern, die ihren Kindern mit einem guten fich nur auf seine Person beziehen könne, ganz entschieden zurück; Aufhebung des früher von der Versammlung gefaßten Beschlusses. Buch eine Weihnachtsfreude bereiten wollen, die Anschaffung eines er hätte für die Selbstverwaltung und gegen jene Beschuldigungen Nunmehr soll der Unternehmer Makowka diese Arbeit, die er verwirklich gediegenen und preiswerten Buches ungemein erleichtert. gestimmt. Ebenso erklärte der Schornsteinfeger Gate. er sei traglich zu machen verpflichtet ist, ausführen. Für die bereits Die in der Ausstellung auch zum Verkauf ausgestellten Bücher sind gut konservativ, aber niemals sei ihm bekannt geworden, daß Politik geleistete und noch zu leistende Mehrarbeit, die der Magistrat dem dem Jugendschriftenverzeichnis entnommen, das in jedem Jahr, im Vorstande betrieben würde, einmütig hätten Arbeitgeber und Unternehmer Makowka freihändig für den Preis von 38 Pf. pro furz vor Weihnachten, von dem Bildungsausschuß der Partei Arbeitnehmer gearbeitet. Die Arbeitnehmer trud ow, Spittel Quadratmeter übertragen will, sollen dem Unternehmer extra herausgegeben wird. Es sind alle Arten Jugendschriften darin und Be lau stellten fest, daß Herr Sens das Vertrauen derjenigen, 10 500 M. gezahlt werden. Der Referent der Vorlage, der Stadtborgesehen, von den schönen Bilder- und Reimbüchern für kleinere die ihn auf den Kongreß delegiert, auf das gröblichste gemißbraucht verordnete und Maurermeister Hülfe bed, teilte der BersammKinder bis zu den ernsten und heiteren Schriften für die reifere und fich damit unmöglich gemacht habe. Auch vom Verwaltungs- lung aber mit, daß Matowka ihm persönlich erklärt habe, die Mehre Jugend. direktor Dannefeldt wurde hervorgehoben, daß, wer die Selbst- arbeit könne er für den Preis von 38 Pf. pro Quadratmeter nicht Wir möchten daher allen Arbeitereltern empfehlen, bei dem verwaltung verachte, das bißchen Freiheit der Bürger mit Füßen machen. Diese Erklärung stieß dann nun aber doch den sonst so Einkauf von Büchern diese Ausstellung in erster Linie zu berück- trete. Bei der Abstimmung, die nunmehr erfolgte, berurteilten geduldigen Stadtvätern zu sehr vor den Kopf. Es wurde nament fichtigen. Zu einem bescheidenen Preise wird man dort alle Bücher, ein Teil der Arbeitgeber, sowie die gesamten Arbeitnehmer das lich seitens des Stadtverordneten Tischlermeister Grunow ganz welche für die Arbeiterjugend in erster Linie in Frage kommen, Verhalten des Arbeitgebers Sens. Trotz dieser Verurteilung von energischer Protest dagegen erhoben, daß dem Stadtverordneten in gediegener Ausstattung vorfinden. Leiden Seiten bleibt S. weiterhin Vorstandsmitglied der Kranken- Makowka die Mehrarbeit für einen höheren Preis übertragen wird, taffe. und so sehr sich auch der Oberbürgermeister Stölze, der StadtUnfern Genossen ist Herr Sens keine unbekannte Persön- baurat und einige Stadtväter abmühten, eine Lanze für Makowka lichkeit. Bei den letzten Stadtverordnetenwahlen hat er im Lager au brechen, die Versammlung stimmte wohl der Aufhebung des des Reichsverbandes bereits eine gerade nicht ruhmreiche Rolle früheren Beschluffes zu, lehnte aber die Vergebung der Mehrarbeit gespielt. an Makowka ab. Der Magistrat wird sich ja nun zunächst bemühen, Jugendschriftenausstellung. Wie in den atvei borhergehenden den Stadtverordneten Makowka zu bewegen, die Mehrarbeit zu Jahren, so veranstaltet auch dieses Jahr der Vorstand des Wahl- dem alten Preise zu machen. Gelingt ihm dies nicht, dann wird bereins im Lofale des Herrn Groffer( früher Obst), Meininger wohl oder übel diese Arbeit neu ausgeschrieben werden, falls die Straße 8, eine Jugendschriftenausstellung. Versammlung nicht umfällt und ihrem Kollegen Makowka doch Der Vorstand verfolgt damit den 3wved, eine gute vom Bils noch die Arbeit zu einem höheren Preise zuschanzt. Der wird bungsausschuß der sozialdemokratischen Partei Deutschlands aus voraussichtlich dann nichts Eiligeres zu tun haben, als die nötige gewählte Jugendliteratur in den Familien der Arbeiterschaft Ein- Anzahl ausländischer Arbeiter und Frauen heranzuziehen, die ihm gang zu verschaffen und den Eltern bei der Auswahl passender die Arbeit für einen Spottpreis machen, und die hiesigen ArbeitsWeihnachtsgeschente für ihre Kinder hilfreich zur Seite zu stehen. lofen können dann zusehen, wie die Arbeiten, die für sie als Es gelangen Bücher in jeder Preislage und für Kinder jeden Motstandsarbeiten angeführt wurden, von Pollacken, Russen und Alters zur Ausstellung. Die Ausstellung kann besichtigt werden am Polen fertiggemacht wird. Der Herr Unternehmer wird aber, Sonntag, den 6., 13. und 20. Dezember, nachmittags von 4 bis wenn die Arbeit fertig ist, sicher mit seinem Verdienst zufrieden 8 Uhr, außerdem am Sonnabend, den 19. Dezember, abends von sein. Unsere Genossen werden ja, so viel in ihren Kräften steht, 7-10 Uhr, im Tunnel des obengenannten Lotals. Es wird er- versuchen, dem Herrn das Spiel zu verderben. Ob's ihnen gelingt, wartet, daß die Arbeiterschaft diesem Unternehmen das weit- muß abgewartet werden. Die beiden legten Vorlagen betreffend gehendste Interesse entgegenbringt. Bewilligung von 500 M. für Reisen zur Besichtigung von Gasbehältermaterial und die Gradlegung der Neuendorfer Straße Lichtenberg. zwischen der Neuen Brücke und der Garnisonkirche wurden glatt abgelehnt. Rixdorf. Notstandsarbeiten und Bewilligung einer Beihilfe für die Hinterbliebenen der Berunglückten auf der Zeche Radbod find die Berhandlungsgegenstände, die auf der Tagesordnung einer am 1. De zember, nachmittags 5 Uhr, im Sigungssaale des alten Rathauses stattfindenden außerordentlichen Stadtverordnetenversammlung zur Beratung stehen. Steglių. Briefkaften der Redaktion. Aschenbrödel Volksschule. Mit rührender Fürsorge ist unfere Gemeindeverwaltung seit Jahren um das höhere Schulwefen bemüht. Unter Aufwendung ungeheurer Geldmittel werden herrliche Schulpaläste gebaut, die aufs schönste und praktischste eingerichtet und ausgestattet sind, denen die neuesten und besten Lehrmittel und Instrumente zur Verfügung stehen. Dem Umbau des Gymnasiums folgte der Neubau der Oberrealschule, diesem der Umbau der höheren Mädchenschule und schon ist der Rohbau des Realgymnasiums in der Arndtstraße fast vollendet. Mit der Zahl der Schüler steigt felbft redend der Zuschuß der Gemeinde zu den Schullaften, die für den Kopf der höheren Schüler fast das Dreifache deffen betragen, was die Gemeinde für die Volksschüler aufwendet. Lange bevor ein Bedürfnis für neue Klaffenräume vorhanden ist, werden die Umbauten vorgenommen, furz, es ist stets ausreichend dafür gesorgt, Ein heller Feuerschein rötete in der gestrigen Nacht den daß die Kinder zahlungsfähiger Eltern standesgemäß unter Himmel. Die Ursache war ein umfangreicher Dachstuhlbrand in richtet werden fönnen. Anders bei der Volksschule. Da der Mainzer Straße 15. Das Feuer wurde erst spät bemerkt, so lägt die Gemeindeverwaltung den weit ausschauenden Blick daß bei Ankunft der hiesigen Feuerwehr fast der gesamte Dachy vermiffen. Trotzdem das Gebäude der Gemeindeschule I in stuhl an der Borhagener Chauffee schon in Flammen stand. Auf Die juristische Evrechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, gweiter der Schloßstraße schon seit Jahren auch nicht den minimalsten den Feuerschein hin rückte auch die Rummelsburger Feuerwehr wochentäglich abends von 7 bis 9%, or statt. Geöffnet? Uhr Sof, dritter Eingang, vier Treppen, Fahrstuhl Forderungen mehr entsprach, die man heutzutage an ein Schulhaus und ein Löschzug der Berliner Wehr aus. Oberführer Groß von Sonnabende beginnt die Svrechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ift ein stellt, ja trotzdem es direkt baufällig war, wurde es zum Leidwesen der Lichtenberger Feuerwehr übernahm die Leitung der Ab- Buchstabe und eine Zahl als Dierkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort der Lehrer und Schüler weiter benutzt. Kein Reubau wurde in löschungsarbeiten. Mit insgesamt fünf Schlauchleitungen wurde wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Brieffaften können 14 Tage Angriff genommen, sondern man sperrte die Kinder der Aermeren in gegen bas verheerende Element vorgegangen. Der Berliner Lösch- vergehen. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Baraden, die in hygienischer Beziehung fast alles zu wünschen zug trat nicht in Tätigkeit, da bei seinem Eintreffen das Feuer. B. Ein Kanarienzüchter ist vielleicht im Besitz eines solchen Mittels. Bernhard Lange. Gold nicht, Silber unter bestimmten Einflüssen. übrig laffen. Die große Zahl der Erkältungsfrankheiten im Winter schon eingedämmt war. Bon dem Dachstuhl konnte nur wenig. m. 41. Lokaler Richtung. N. P. 100 und N. H. Wollen Sie sind der beste Beweis dafür. Als man sich endlich doch zu einem gerettet werden. Das Feuer ist zweifellos von berbrecherischer sich an Simanowski, Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, wenden. 0. Neubau aufraffte, scheint auch hier wieder nur mit dem augenblick and angelegt worden, da derselbe Dachstuhl in diesem Jahre n. 1000. Nur einmal, vor oder auch nach der Vernehmung. lichen Bedürfnis gerechnet worden zu sein. Nach den Herbstferien schon zweimal gebrannt hat, und zwar am 9. Januar und am E. 2. 100. Vorsitzender Mar Hennig, Wiesenstr. 6. Walter Kosch. bezog z. B. die Mädchenschule das neue Schulhaus in der Ring 14. Februar. Legen Sie beides der Königlichen Münze vor. M. H. 100. Nein. straße; aber nicht alle Klassen fanden dort ihren Plaz, denn no ch Genosse". Bentralverband der Handlungsgehilfen, Berlin, Neue heute ist eine Mädchentlasse in einer Barade unterKönigstr. 36 I... 83. Die Ihnen erteilte Auskunft trifft zu; Sie gebracht. Nach Aussage der Kinder ist zwar noch ein Klassen- Die Arbeiterschaft Grünaus hatte sich am legten Dienstag in tönnten aber um Niederschlagung der Steuer unter Schilderung des SachO. 2. 58. Der 1500. zimmer vorhanden, aber dort hat sich das Baubureau häus einer öffentlichen Versammlung im" Jägerhaus" zahlreich ver- verhalts bei der Gemeinde einkommen. Jahresverdienst übersteigende Teil ist pfändbar. 8. S. 77. lich niedergelassen und scheint teine Lust zum Ausziehen zu haben. fammelt, um gegen die Steuerforderungen der hiesigen evangelischen 1500 m. nicht übersteigende Lohn ist nur wegen Alimente und Steuern Ist das wirklich an dem, dann muß man doch fragen, was hat das Kirchengemeinde Stellung zu nehmen. Genosse Kurt Heinig hielt pfändbar. D. 6. 1005. Ohne Einsicht in die Ladung und das etwa Baubureau noch in dem Schulhaus zu suchen, das schon seit Monaten den einleitenden Vortrag, in dem er auf die nach dem Stande der ergangene Urteil nicht zu beantworten. 2. 50. Erheben Sie Widerbezogen ist. Es ist doch unerhört, die fleinen Mädchen in die falte heutigen Wissenschaft ganz unmöglichen Legenden der christlichen spruch und gablen Sie dann. Wenn der Prozeß weiter geht ,. Sch. 101. 1. Ja. Barade zu sperren, wo sie Husten und Schnupfen nicht loswerden, Kirche hinwies und hierauf zeigte, wie fich die einst für die Armen werden Sie voraussichtlich verurteilt werden.und das Klassenzimmer für 8ivede zu verwenden, die mit dem eintretende Kirche immermehr zu einem Werkzeug der befizenden 2. Nein: Sie tönnten nur den Weg gütlicher Einigung versuchen. A. 2. 28. 1. Nein; Sie müssen den Brief unterschreiben. 2. Ja. Schulbetrieb nichts gemein haben. Es zeigt sich aber außerdem auch Klassen und der jeweiligen Regierung entwickelt. Mit der Aufhier wieder, daß das Schulhaus von vornherein zu klein ist, da es forderung, daß jeder, der auf dem Boden der modernen Welt- 3. Ja; derartige Gesellschaften haben unseres Wissens durchweg gleiche oder ähnliche Bedingungen. P. 2. 1. Nach der herrschenden Ansicht ja. nur die gerade bestehenden lassen zu fassen vermag. Man merkt anschauung stehende Arbeiter nunmehr auch die letzten Konsequenzen 2. Wegen feit nicht länger als drei Jahren rückständiger Steuern ist Lohn hier absolut nichts von einer ähnlichen Fürsorge wie bei den höheren ziehen möge und dieser Kirche den Rücken zuwende, fchloß der Referent arrest ohne Rücksicht auf die Höhe des Lohnes zulässig. 3. Nein.-. A. 3. Schulen, es sei denn die Sorge der Gemeindeverwaltung dafür, daß feinen, von der Versammlung mit Beifall aufgenommenen Vortrag. Verjährung liegt nicht vor. Sie könnten lediglich auf Stundung nachsuchen. auch in Zukunft die Baraden nicht leerstehen. Hierauf verlas Genosse Steinid einen Brief des Herrn Pfarrers, Türke 865. 1. Sie müssen die Bescheinigung Ihrer Landesbehörde Warum wir dies im Vorwärts" fritifieren? Erstens erwarten worin derselbe versucht flarzulegen, daß die unteren Steuerstufen belbringen, daß der Heirat nach dortigen Gesezen nichts im Wege steht. wir, daß die Gemeindeverwaltung auf dem schleunigsten Wege das von der Kirchensteuer nicht betroffen würden. Genosse Migner durch Wenden Sie sich an Ihren Botschafter oder an Ihr Konfulat. 2. An das Amtsgericht. 15. Aug. 1. Nein. Ehehbruch ist nur strafbar, wenn Baubureau aus dem Klassenzimmer entfernt und dort die Mädchen- ging nunmehr die beim Bau der Kirche vorgekommenen Vertlaffe unterbringt. Zweitens, falls dies nicht bald geschieht, daß teuerungen, durch welche sich die Kosten des Baues um 40 000 wegen desselben die Ehe geschieden ist. 2. Ja; etwa 100 M. 3. Zunächst beantragen Sie beim Amtsgericht Sühnetermin. Nach fruchtlosem Ausfall die Vertreter der dritten Abteilung in der Gemeindevertretung( unter höher stellten als im Voranschlag, und stellte an die Gemeinde- desselben erwirten Sie beim Landgericht das Armenrecht zweds The denen sich leider fein Genosse befiudet) Gelegenheit haben, den vertretung, in der die Arbeiterschaft leider nicht vertreten ist, die scheidung... 222. 1. Ja. 2. Eine Beschwerde wäre aussichtslos; Gemeindevorstand in öffentlicher Sizung zur Rechenschaft zu ziehen, Forderung, nachdem schon 87 000. aus Gemeindemitteln in den wegen Alimente für die Ehefrau und für eheliche Stinder ist der gesamte und drittens, damit unsere Parteigenossen sowie überhaupt alle Nachen der Kirche geworfen sind, nunmehr feinen Pfennig mehr zu Lohn pfändbar. Wähler der britten Klasse daraus ersehen, wie wichtig auch bewilligen. Eine diesbezügliche Resolution fand einstimmige Andie Gemeindewahlen sind und wie dringend notwendig nahme. die Wahl von Sozialdemokraten in die Gemeinde- Formulare zum Austritt aus der Landeskirche sind beim Gebertretungist. noffe Bluhme, Vittoriastr. 2, zu haben, dort wird auch die nähere Auskunft erteilt. Steglitz- Friedenau. " Das Grubenunglück auf Rabbob und unsere Sozialgefey gebung" lautete das Thema, worüber der Reichstagsabgeordnete Gen. Sachse im Rheinschloß" bor einer start besuchten Versamm lung sprach zu Ehren der so elend ums Leben gekommenen Bergarbeiter erhoben sich zu Anfang der Versammlung die Anwesenden von den Pläzen. Eine einzige Anflage gegen die Bergbehörde, die profitsüchtigen Bergherren und ihre Trabanten bildete ber airka zweistündige Vortrag, welchem die Versammlung ein lebhaftes Intereffe entgegenbrachte. Laute Entrüstung bemächtigte sich der Versammlung, als der Redner anführte, mit welch banalen Nebensarten man der vorsichtigen Mahnung der Steiger entgegen trat und wie eilfertig man, um den Profit zu retten, den Schacht bermauerte. Hier vor diesem Forum war es dem Gen. Sachse möglich, seine Rede fortaufeßen, was man ihm im Reichstag verwehrte. Dem berufensten Vertreter der Bergarbeiter war es ein leichtes, gegenüber den planmäßigen Ableugnungsversuchen zu beweisen, auf weffen Seite einzig und allein die Schuld an diesem grauen. haften Unglück liegt und daß man ein Vertrauen zur Bergbehörbe auf gewissenhafte Untersuchung nach soviel nicht geahndeten Unglücksfällen nicht haben kann. Grünan. Spandau. 1 Der C. B. 7. Wenden Sie sich an die Taiferl. Oberpostdirektion. .. 27. Wollen Sie sich an die Buchhandlung Vorwärts wenden. Steffen 02. Ein solches Haus besteht in Kleinbeeren. Sie müßten sich dann an die Waisendeputation des Berliner Magistrats, Alte Jakobstraße, wenden. Als Brivathaus zu gleichem Zweck besteht Marthashof", Schwedter Straße 36/40. 21. 300. Wenn Sie zur Seit der Wahl arbeitslos sind, sind Sie doch wahlberechtigt. G.&. 100. Sie scheinen das Automaten system zu meinen. Ein solches bestand nicht. Die Stadtverordnetenversammlung bewilligte für die auf ber Grube Rabbob verunglüdten Bergleute debattelos bie schon in der Eingegangene Druckfchriften. lebten Festversammlung bereitgestellten 1000 m. Verschiedene Handwerksmeister aus der Versammlung, so u, a. der Maler- Abraham Lincoln. Bon C. Schurz. Aus dem Englischen von Marh meister& erntheil, der Juwelier Neusch und andere haben Nolte. Brosch. 2 M., geb. 2,80 M. Berlag G. Reimer, Berlin, Lühotsden Antrag eingebracht:„ Die Stadtverordnetenversammlung ftraße 107/108. wolle beschließen, eine Stommission zu wählen, die sich mit der Reg: Dr. B. Breitenbach.& M. fährlich. Berlag F. Lehmann in Stuttgart. Neue Weltanschauung. Heft 10 und 11. Monatsschrift bon lung des Submissionswesens befaßt." Diese Herren scheinen es Dr. W. Breitenbach. 4 M. fährlich. Verlag F. Lehmann in Stuttgart. Admiral Karpfanger. Eine Erzählung aus Hamburgs Vorzeit. in der Hauptsache darauf abgesehen zu haben, daß den UnterVon Bizeadmiral R. v. Werner. Blondchen und Blüten, geb. 3 M. nehmern ein größerer Verdienst gesichert wird, denn sonst hätten Sänschens Skifahrt, geb. 3 M. Beide Bücher von Elsa Bestow. Die sie, wie es der Genosse Stadtverordneter Pied vorschlug, das goldene Nabel von G. Lang. 3 M. Wie das Samenforn zu Brot ganze Submissionswesen in die Versenkung verschwinden lassen wird. Von G. Lang. 4 M. Verlag G. W. Dietrich in München. und die Arbeiten in städtische Regie übernommen. Man darf ge- Otto Erich Sartlebens ausgewählte Werke in 3 Bänden. S. Fischer spannt sein, was die gewählte Kommission, in welche auch der Verlag, Berlin, Bülowstr. 90. Die da fommen und gehen! Ein Buch von Menschen. Von Ernst Stadtverordnete Genosse Pieper gewählt wird, für Vorschläge machen wird. Abgelehnt wurde die Neueinstellung eines Technifers Bahu. Gch. 3,50 M., geb. 4,50 M. Deutsche Berlagsanstalt, Stuttgart. I. Klaffe für die Elektrizitätsanftalt. Man vertrat die Ansicht, die Anstellung eines Glektromonteurs sei notwendiger. Die Neua crönung der Gehälter der Architekten, Diplomingenieure, Landmesser usw. wurde an die Kommission zurückverwiesen. Für die Seizungsanlage beim Erweiterungsbau des Krankenhauses ist eine Mehrausgabe von 6700 m. entstanden, welche von der Versammlung nachbewilligt wurde. Zur Erzielung eines praktischen, haltbaren Hierauf wurde einstimmig eine Resolution angenommen, in und billigen(!) Mülltastens soll unter den hiesigen Handder die Versammlung der Ueberzeugung Ausdruck gibt, daß die werksmeistern ein Preisausschreiben veranstaltet werden. Die Schuld an dem grausamen Waffengrab allein durch die Profitgier Bersammlung bewilligt zu diesem Bwede 100 m. Infolge der der Grubenmagnaten herbeigeführt worden ist. Des weiteren wird Zuwendung von 10 000 m. für das Friedrich- Wilhelm- Bittoriaausreichender Arbeiterschutz gefordert, wodurch derartige Stata. Bürgerhospital genehmigt die Versammlung, daß zwei neue Stifts strophen vermieden werden. Zum Schluß geloben die Versammel- stellen eingerichtet werden.- Die Versammlung genehmigt ten, den Kampf gegen das kapitalistische System mit Nachdruck zu debattelos den Abschluß des Vertrages mit der königlichen Regie führen, da mit dem Sturz ber gegenwärtigen Gesellschaft solche rung zu Potsdam, betr. Die Steuerfreiheit des aus der Tegeler Borfälle unmöglich sind. Mit einem begeisterten Hoch auf die Forst eingemeindeten bezw. noch einzugemeindenden forstfiskalischen Sozialdemokratie ging die Werfammlung auseinander. Vor und Geländes. Diese Eingemeindung kostet der Stadt rund 383 000. Memel, Tilfit nach dem Referat brachte der Gesangverein" Butunft"-Steglib- Der Magistrat hatte eine dringliche Vorlage eingebracht, bet Bregel, Sniterburg ein passendes Lied zu Gehör. deren Beratung wieder einmal zur Evidenz erwiesen wurde, baßeichfel, Thorn Dber, Ratibor manche Stadtverordneten es als ganz selbstverständlich ansehen, Schöneberg. daß sie einen möglichst hohen Verdienst von der Stadt herausschinden. Die Stadtverordnetenversammlung hatte nämlich vor einiger Zeit beschlossen, daß die an der Ringchauffee im Glacis stehenden Bäume erhalten bleiben und deshalb das Glacis nicht eingeebnet wird. Der Unternehmer, welcher diese Ginebnung bertraglich zu machen hatte, war der Stadtverordnete Maurermeister Makowka. Er hatte auf die Einebnung der Lose 3-8 mit 140 000. ben Zuschlag erhalten. Es kam der Quadratmeter zu bewegenden Bobens auf 38 f. au ftehen. Dadurch, daß die Ver fammlung befchloß, bas Glacis nicht einguebnen, hatte bez Unter- isgang Die Diskussion bewegte sich im Sinne des Referats. Man gab der Meinung Ausdruck, daß sich von unserer Seite fein Mensch an der bürgerlichen Gelbfammlung beteiligen dürfe, da diese Herren gar nicht dazu berufen sind. Eine Abrechnung hielt die Generalversammlung der hiesigen Ortstrantentasse mit dem Vorstandsmitglied der Arbeitgeber, Herrn Sens. Als sich seinerzeit der Krankenkassenkongreß gegen den perfiden Vorwurf der Reichsverbandsclique, der Krankenkassen fongreß berfolge sozialdemokratische Tendenzen, in einer Protestresolution wandte, stimmte Herr Sens als Delegierter gegen die Resolution. Damit leistete Herr Sens jenen perfiden Anschuldi gungen mit Borschub. Ebenfalls stimmte der Herr gegen die weitere Aufrechterhaltung der Selbstverwaltung. Der Arbeitgeber Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen Direktion über den Großbandel in den Sentral- Marktballen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr schwach, Geschäft sehr still, Preise unverändert. Wild: Zufuhr etwas geringer, Geschäft nicht lebhaft genug, Breife wenig berändert. Geflügel: ujube weit über Bedarf, Geschäft schleppend, Breife nachgebend. Fishe: Zufuhr sehr reichlich, Geschäft sehr schleppend, Preise gedrückt. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Bufuhr genügend, Geschäft wenig befriedigend, Brelse wenig verändert. Wasserstands.Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerfunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Krossen Frantiurt arthe, Schrimm Landsberg eye, Bordamm Ibe, Leitmerig Dresden Barby Magdeburg am Seit 27.11. 26.11. cm cm¹) 95-10 ani feit 27.11. 26. 11. Wasserstand cm cm ¹) -48)+6 92-66 76 61 Saale, Grochlik avel, Spandau) Rathenow³) 55-8 10 9 Spree, Spremberg) 74 0 Beeslow 62 74+4 eser, Münden -66 Minden Raub 84+4 20 29 +6 6 1-4 176+17 5 -61 0 Köln 188+56 -177 +8 Nedar, Heilbronn 60-15 45+-11 Main, Wertheim 60+12 osel, Trier Fau. 2+ bedeutet Buchs, hein, Maximiliansau 344 Unterpegel. 107-24 Eisstand. Passage Kaufhaus Friedrich- Strasse 110-111-112 BERLIN Oranienburgerstr. 54-55-56-56a Vereinigung erstklassiger Spezialgeschäfte. Unsere Spielwaren- Ausstellung ist mit so ungewöhnlich grossem Beifall aufgenommen worden, dass wir uns veranlasst sehen, den grössten Teil der Dekorationen auch noch in dieser Woche zu zeigen Aus der unerreicht groß. 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Mit der Zahl der Ab. hat jekt ihren Verwaltungsbericht für das Rech werden muß, daß jene nur vorübergehende Eindämmung der An- lehnungen von Invalidenrentenanträgen hat natürlich auch die nungsjahr 1907 herausgegeben. Das Jahr 1907 stand bereits trägeflut vornehmlich durch die„ intensivere Bearbeitung und Vor- Zahl der Berufungen sich gemehrt, vom vorletzten zum letzten unker dem Einfluß des wirtschaftlichen Nieder- bereitung der Rentenanträge" bewirkt worden ist. Jahr von 579 auf 751. Zu der Tatsache, daß das Schiedsgericht ganges, der dann im Jahre 1908 noch fühlbarer wurde. Der Hinsichtlich der Erledigung der gestellten Rentenanträge im vorletzten Jahr 136mal, im letzten Jahr 174mal der Berufung Bericht deutet an, daß die Wirkungen auch von der Landes- hat bei den Altersrenten sich feine auffällige Abweichung von dem stattgab, bemerkt der Bericht: bersicherungsanstalt schon gespürt worden seien. Bahlenergebnisse des Vorjahres gezeigt, während dagegen bei den Wünschenswert erscheint die Erzielung einer Einheitlichkeit In solchen Zeiten tritt Icicht eine ungewöhnliche Mehrung der Invalidenrentenanträgen in dieser Hinsicht ein sehr beachtens- in der Leurteilung und Bewertung der Grwerbsfähigkeit der An Rentenanträge ein. Kann auch die Zahl der Altersrenten- werter Umschwung" eingetreten ist. Bon 374 Altersrenten- tragsteller bei den beiderseitigen Vertrauensärzten, wenn sich auch anträge durch die jeweilige Wirtschaftslage kaum beeinflußt wer- anträgen( 344 neu eingegangenen und 30 aus dem Vorjahre nicht verkennen läßt, daß die Zustände der Versicherten bei der den, so wird man es begreiflich finden, daß bei ausgebreitetem übernommenen) wurden 340 erledigt, nämlich 294 bewilligt, 45 zweimaligen Untersuchung eine Aenderung erfahren haben Beschäftigungsmangel die Invalidenanträge fich häufen. In 1907 abgelehnt, 1 anderweit erledigt. 20 Berufungen gegen ablehnende können. Es erschwert aber den Geschäftsgang des Rentenverfahzeigten die Altersrenten anträge feine nennenswerte Bescheide führten dazu, daß das Schiedsgericht in 3 Fällen noch eine rens sehr, wenn von der einen oder der anderen Seite strengere Mehrung; es gingen 344 neue ein, während das Vorjahr 334 neue Rente zuerkannte. Im ganzen wurden also 297 Altersrenten an- oder mildere Auffassungen hinsichtlich des Eintritts der Invaligebracht hatte. Die Invalidenrentenanträge gingen gewiesen, 255 für Männer und 42 für Frauen. Von 6474 In- dität bestehen." 1907 sogar in geringerer Zahl ein als im Vorjahr; diesmal wurden balidenrentenanträgen( 5845 neuen und 629 bor= Der Wunsch, die Versicherungsanstalt vor Ausnutzung durch nur 5845 neue gezählt, um 463 weniger als im Vorjahr, wo die Zahl jährigen) wurden 5650 erledigt, nämlich 4042 durch Bewilligung, allzu begehrliche" Arbeitsinvaliden zu bewahren, führte auch zu der neuen Anträge sich auf 6308 belaufen hatte. Das tann auf den 1467 durch Ablehnung, 141 anderweit. Von 751 Berufungen gegen einer intensiveren Nachkontrolle bon Invaliden. ersten Blick überraschen. Aber eine Betrachtung der einzelnen ablehnende Bescheide hatten 174 Erfolg, sodaß auch hier noch Rente rentnern, woraus sich dann eine bedeutende Mehrung Quartale des Jahres zeigt uns, daß doch auch in 1907 schon eine bewilligt. werden mußte. Dazu kamen 520 Umwandlungen von der Rentenentziehungen ergeben hat. In 1906 waren Aufwärtsbewegung der Zahl der Invalidenventenanträge zu borläufiger Krankenrente in Invalidenrénte und 10 sonstige Fest- 592 Renten entzogen worden, in 1907 aber wurden 1282 Renten merken gewesen ist. schungen von Rente, mithin wurden im ganzen 4746 Invaliden- entzogen. Die Berufungen gegen die Rentenentziehung mehrten Der Bericht hebt hervor, in den lektvergangenen Jahren habe renien( einschließlich vorläufige Krankenrenten) festgesezt. Unter sich noch stärker, von 251 auf 708, wieder noch stärker die Wiederder Eingang neuer Invalidenrentenanträge eine ziem- diesen 4746 Rentnern waren 2860 Männer und 1886 Frauen( da zuerkennungen durch das Schiedsgericht, von 54 auf 181. Werden liche Stetigkeit aufgewiesen und selbst innerhalb der einzelnen von mit Krantenrente 408 Männer und 315 Frauen). die Entziehungen voräufiger Krankenrenten ausgefondert, 257 im Jahre sei von Quartal zu Quartal feine auffällige Schwankung Bei den Invalidenrentenanträgen hat diesmal vorlegten und 268 im letzten Jahr, so haben wir eine Mehrung der beobachtet worden. Dagegen habe in 1907 sich ein von dieser Regel gegenüber dem Vorjahr die Zahl der Bewilligungen Invalidenrentenentziehungen von 335 auf 1014, das ist eine Ver. abweichendes Bild geboten. Im ersten Quartal trat plöblich ein sich stark vermindert( bon 5084 auf 4042, um 1042 Fälle dreifachung. Hier steigert sich dann auch die Zahl der Bc. ganz erheblicher Rückgang ein, das Quartal ergab nur 1059 neue gleich reichlich 20 Proz.), dagegen die Zahl der Ablehnun= rufungen von 150 auf 597, nahezu auf das Vierfache, die der Anträge, gegenüber 1635 neuen Anträgen im ersten Quartal des gen sich start vermehrt( von 1129 auf 1467, um 338 Fälle Wiederzuerkennungen von 36 auf 156, auf das Vier- bis FünfVorjahres. Das zweite und das dritte Quartal aber steuerten gleich 30 Proz.), abgesehen von den Festsetzungen nach Berufung fache. Von der Mehrung der Invalidenrentenentziehungen sind schon wieder 1524 und 1484 neue Anträge bei, gegenüber 1593 usw. Bezüglich der Ablehnungen wurde im Jahre 1907 ein übrigens die Frauen ganz besonders start betroffen und 1496 Anträgen derselben Quartale des Vorjahres, und die Rekord erreicht, der kaum noch zu überbieten ist. worden. Es mehrten sich die Entziehungen bei den Männern von Zahl der im vierten Quartal eingehenden Anträge stellte sich sogar Auf je 100 Erledigungen kamen diesmal 27 Ablehnungen, im Vor- 283 auf 686, bei den Frauen von 52 auf 328, bei ihnen also auf das auf 1778, gegenüber 1584 in demselben Quartal des Vorjahres. jahre nur 18, im Jahre 1900 nur 7. Dagegen war im ganzen Sechs fa che, ferner die Berufungen bei den Männern von 123 Ein Tiefstand, wie der im ersten Quartal bon 1907 Deutschen Reich der Anteil der Ablehnungen an allen Erledi- auf 394, bei den Frauer von 27 auf 203, die Wiederzuerkennungen eingetretene, war seit dem Jahre 1901 noch nicht wieder beobachtet gungen 22 Proz. in 1907, 23 im Vorjahr, 11 in 1900. In Berlin bei den Männern von 30 auf 94, bei den Frauen von 6 auf 62. worden. Der Bericht erklärt ihn zum Teil aus äußeren Um- ist besonders einer der Ablehnungsgründe, die noch bestehende Wir werden auf diesen Verwaltungsbericht der Landesversiche ständen, aus einer Aenderung des Geschäftganges betreffend die Erwerbsfähigkeit", sehr häufig geworden. Im Jahre 1906 rungsanstalt Berlin noch zurückommen müssen. Noch manches aus Vorbereitung der neuen Anträge, doch zeige der ganze Verlauf, tam er erst 643mal vor, im Jahre 1907 aber schon 978mal. Von seinem reichen Inhalt verdient aufmerksamste Beachtung. daß die rückgängige Bewegung, die bereits 1906 in geringem Um den Glücklichen, die aus diesem Grunde noch nicht reif für die fang zu bemerken gewesen sei, noch durch andere Ursachen bedingt Invalidenrente schienen, waren 343 schon über das 60. Jahr hinaus, sein mußte. und von diesen hatten 27 sogar schon das 70. Jahr hinter sich. „ Man wird," so meint der Bericht auf Seite 13, nicht fehl Ueber die Notwendigkeit, das Maß der etwa noch vorhandenen gehen, wenn man sie in der Hauptsache auf die vorjährige Erwerbsfähigkeit möglichst streng zu prüfen, sagt der berhältnismäßig günstige Lage des Arbeits- Bericht: marites zurückführt, da zweifellos viele Versicherte mit berminderter Erwerbsfähigkeit in guten Zeiten, in denen sie noch Gelegenheit zur Verwendung ihrer Arbeitskraft finden, den Rentenantrag hinausschieben, während andererseits bei ungünstigen Arbeitsverhältnissen die Stellung des Antrages bon solchen Versicherten beschleunigt zu werden pflegt. Uebrigens sei vorgreifend bemerkt, daß die Invalidenrentenanträge im Jahre 1908 bereits wieder außerordentlich gestiegen sind, so daß eines der stärksten Rentenjahre bevorzustehen scheint." Was das Jahr 1908 bringen würde, war ja schon aus dem bierten Quartal bon 1907 zu ersehen, das mit 1778 neuen Anträgen in schroffem Gegensatz zum ersten Quartal den bisher höchsten Stand aufwies. An anderer Stelle des Berichtes, auf Seite 34, wird hierzu noch ausgeführt: Gerichts- Zeitung. Was ein Knabe soll voraussehen müssen! Meist handelt es sich bei diesen Rentenanwärtern um Personen, deren Arbeitskräfte durch ihr Alter vermindert sind gericht Gotha der vierzehnjährige Dienstknecht Paul Steube wegen Wegen fahrlässiger Tötung ist am 8. September vom Rand und die infolgedessen einen schweren Kampf mit den jüngeren fahrlässiger Tötung zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt worden. Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkte aufzunehmen haben. Bei Eines Mittags lenkte er den Leiterwagen seines Dienstherrn, wobei den Frauen tritt noch hinzu, worauf wir schon des öfteren hin- er in der Schoßkelle saß. An einem Seitenwege machte die Stute gewiesen haben, daß sie, in den allermeisten Fällen durch un- Miene, in diesen einzubiegen, weil sie wußte, daß sie dort zu glückliche Familienverhältnisse gezwungen, bei reduzierten Arbeitskräften in das Versicherungsverhältnis eintreten, mit der ihrem Fohlen kommen werde. Der Angeklagte veranlagte sie aber, ausgesprochenen Absicht, sobald sie erst die Wartezeit erfüllt auf dem Hauptwege zu bleiben. Beide Pferde gingen in Trab. haben, den Rentenantrag zu stellen. Wenn es nach dem Gesetze In den nächsten Zweigweg aber bogen die Pferde aeren den Willen Personen möglich ist, noch im späteren Lebensalter selbst bei des Angeklagten ein. Dort faß ein zweijähriges Mädchen, welches verminderter Arbeitskraft in die Versicherung unter denselben durch Ueberfahren des Kopfes getötet wurde. Der Angeklagte Bedingungen einzutreten, wie jungen vollkräftigen Leuten, dann hatte das Kind von seinem tiefen Size aus nicht sehen können; er ist es Sache der Versicherungsanstalt, streng darauf zu achten, hatte auch die Pferde nicht zurückreißen können, weil er nicht auf ob bei Geltendmachung der Ansprüche seitens der Versicherten der Erde ging. Wäre er am Kopfe der Pferde gegangen, so hätte auch wirklich der boin Geseh verlangte Grad von Arbeitsun- er das Kind sehen müssen, und er hätte die Pferde im Schritt und fähigkeit vorliegt. Anderenfalls tann die Versicherungsanstalt auf den Hauptweg zurückbringen können. Die Revision des Anvon Versicherten dieser Art derart ausgenutzt werden, daß darunter geklagten bestritt das Vorliegen von Fahrlässigkeit. Boraussehbar ihre ganze finanzielle Grundlage leidet. Noch auf einen Buntt sei fei der Unglücksfall nicht für den Angeklagten gewesen. Nach hierbei aufmerksam gemacht. Gerade bei weiblichen Personen, allgemeiner Anschauung liege teine Fahrlässigkeit darin, daß der welche erst in hohem Alter in die Versicherung eintreten, be- Rutscher in der Schoßkelle fißt, die gerade dazu da sei. trägt oft der verdiente Lohn nicht viel mehr als die jährliche Reichsanwalt war der Ansicht, daß der Begriff der Fahrlässigkeit Rente. Die Rente ist ihnen deshalb natürlich um so erstrebens- berkannt sei. Das Gericht hätte Gründe angeben müssen, weshalb werter. Da aber die Versicherungsanstalten keine Wohltätig der Angeklagte den für ihn bestimmten Sig hätte verlassen müssen. Das Reichsgericht erkannte jedoch am Freitag auf Verwerfung teitsanstalten sind und nicht ihrem guten Herzen folgen, sondern die Absichten des Gesetzgebers auszuführen haben, ergibt sich von der Revision, da die Fahrlässigkeit ausreichend feftaeftellt sei. felbft die strenge, aber gerechte Prüfung der Rentenanträge auch " Die günstige Arbeitslage im ersten Vierteljahr von 1907 und gleichzeitig die intensivere Bearbeitung und Vorbereitung der Renteneingänge durch die untere Verwaltungsbehörde wirkten zusammen, daß im ersten Quartal die neu erhobenen Invalidenanträge auf 1059 zurüdgingen, gegen 1635 in der gleichen Zeit des Vorjahres... Das Berichtsjahr 1907 bietet ein typisches Beispiel für den Zusammenhang der Lage des Arbeitsmarktes mit der Stellung der Rentenanträge. In den ersten drei Vierteljahren des Berichtsjahres, in denen bei der Hochkonjunktur direkter Arbeitermangel herrschte, ließ sich ein ganz erhebliches Sinken der Rentenanträge feststellen, sofort mit dem Sinten der Konjunktur und mit dem Beginn von Arbeitslosigkeit schnellte die Zahl der Anträge ganz erheblich hinauf; der Rentenhunger ist eine Folgeerscheinung von frisenhaften Zeiten, Bom guten Herzen" ist in der Versicherungsgesetzgebung aller und es ist schwer, dem gewöhnlichen Arbeiter klar zu machen, dings nichts zu spüren. Aber die Verfasser dieses Verwaltungsdaß die Invalidenversicherung feine Versicherung gegen Arbeits- berichtes der Landesversicherungsanstalt Berlin scheinen das Belosigkeit sei, und Arbeitslosigkeit und Invalidität zwei ganz dürfnis gehabt zu haben, sich zu rechtfertigen gegen den Verdacht, verschiedene Begriffe find." daß die Absichten des Gefeßgebers", so sehr sie ohneDie Tendenz dieser Ausführungen tritt hier noch deutlicher dies auf 3 urudweisung jeder Begehrlichkeit" hinausals auf Seite 13 hervor. Von Hochkonjunktur"," günstiger laufen, bei der Landesversicherungsanstalt Berlin Arbeitslage",„ direktem Arbeitermangel" fonnte doch schon Anfang womöglich noch überboten werden sollen. " von alten Leuten." Der gerichtlichen Urteils dünft uns mindestens gleich groß wie die des Die Fahrlässigkeit in der getroffenen Feststellung des land. verurteilten Kindes. Nicht minder des Anvertrauen des Gefährtes einem Kinde, das leider als strafmündig angesehen wird. Zum Tode verurteilt. Das Schwurgericht in Hanau verurteilte den Zigeuner Friedrich Ebender, der am 25. August den Gendarmen Schod erschossen hat, gestern wegen Mordes zum Tode. Die Geschworenen beschlossen, eine Petition an den Kaiser zu richten. In kurzer Zeit sollen die vorhandenen Bestände des Kaufhauses für Gelegenheitskäufe vorm. Fr. Pfingst& Co., Königstrasse 33 anderer Unternehmungen wegen radikal und schnell geräumt werden. ::: Jeder Gegenstand ist ohne Unterschied horrend im Preise herabgesetzt::: I Restposten Uebergangspaletots aus Pa. engl. Stoffen, auf guter Seide gefüttert, sonst bis 22,50. 1 Restposten Jacken- Kostüme aus feinsten Tuchen od. engl. Stoffen, allerbeste Ausführung 19.75, 12.85, 7.95, Damen- Schnürstiefel 1185-595 mit und ohne Lackkappe. 425 Restposten elegante Ballkleider 24751675 m.wunderb. Seiden- Stickereien, mod. 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Ziehung 5. Kl. 219. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 28. November 1908, nachmittags. Nur die Gewinne über 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. ( Ohne Gewähr.) ( Nachdruck verboten.) 13[ 3000] 83 152 548 738 885 961[ 1000] 82 1067 98 174 280 447 707[ 1000] 813 62 82 2316 71 409 706 986 3217 [ 500] 320 487 688 839 4147 58 203 601 901 5478 527 759 6483 520 691 726 55[ 500] 7129 219[ 500] 95 354 425 53 707 91 866 8291 469 552 842 9095 218 37 686 702 822 10010 219 553 738[ 8000] 821 922 11174[ 1000] 20 99 437 82 723 803 996 12055 344 422 93 672 13128 499 824 945 14059 93 336 92 586 648 750 98 966 74 83[ 500] 15272 518 43 765 833 47 16163 68 403 99 583 886 973 17091 112 22 634[ 1000] 97 830 52 922 18629[ 1000] 53 [ 1000] 936 86 19071 176 317 72 557 652 68 856 76 20056 213 24 369 445 83 608 13 774 814 22 56 090 21007 186[ 300] 248 757 802 961 89 22036 105 235[ 1000] 57 347 501 628 710 891 23685 803 9 69 24088 450 58 533 665[ 3000] 839 914 45[ 500] 25037 148 327 95[ 500] 472 521[ 1000] 613 743 26069 446 82 735 927[ 500] 27136 249 75 398 736 78 832[ 1000] 67[ 3000] 72 926[ 3000] 28005 288 354,405 667 746 29206 78 348 73 478 837 51 30172 75 235 43 301 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Für den Inferatenteil berantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Vorwärts Buchdruderei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 280. 25. Jahrgang. 7. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Gerichts- Zeitung. Raubzüge durch die Bäckereien Berlins Sonntag, 29. November 1908. in der Strafanstalt Plößensee. Eines Tages äußerte er auf dem gangenen Verdienst in Anspruch. Das Landgericht entsprach den Kirchgange zu zwei anderen Mitgefangenen, daß es sehr gut sei, Anträgen der Klägerin zum größten Teil. Gegen dieses Urteil wenn man einen Schulfreund habe, der in der Anstalt Aufseher hatte der Beklagte Berufung und die Klägerin Anschlußberufung sei. Er habe von dem Gefangenenaufseher Janz schon wiederholt eingelegt. Das Oberlandesgericht München erkannte ebenfalls für Wurst und Schinken zugesteckt erhalten, auch habe dieser für ihn Leistung von Kurkosten und Schmerzensgeld und billigte der behat eine Gesellschaft von neun Bäckergesellen ausgeführt, die alle Briefe besorgt. Diese Aeußerung wurde von den beiden Mit- reits 62jährigen Klägerin noch eine Rente bis zum August 1920 zu. Stadtgegeben Berlins unsicher machten. Aus ihrem Beruf waren gefangenen weiterfolportiert und gab die Veranlassung zu einem Gegen dieses Urteil legte der Beklagte Revision beim Reichsfie mit den lokalen Einrichtungen der Bäckereien vertraut und Gerücht über umfangreiche Durchstechereien in der Strafanstalt. gericht ein. In der Revision wurde besonders ausgeführt, daß das wußten namentlich, wo die Schlafräume der Bäckergesellen lagen. Gegen den beteiligten Beamten wurde eine Untersuchung einge- unerlaubte Betreten der Küche durch die Klägerin vom OberlandesDiese sind während der Nacht unbewohnt, da die Bäckergesellen leitet, die jedoch ergab, daß der Angeklagte die ganze Geschichte von gericht falsch beurteilt worden sei. Das Reichsgericht weist diesen während der Nachtzeit ihre Arbeit in den Backstuben zu verrichten den Durchstechereien erfunden hatte. Die Folge war das jezige Angriff damit zurück, daß es betont, wie das Berufungsgericht haben. Die Kenntnis von dieser Tatsache benutzten die Ange- Strafverfahren gegen Korau. Das Schöffengericht Wedding ver- nicht nur festgestellt habe, daß die Tochter des Beklagten, welcher flagten, um mittels Erbrechens der Türen der Gesellenstuben oder urteilte ihn wegen seiner Flunterei zu einer Zusabstrafe von zehn die Klägerin gerade an der Küchentür begegnete, die Türe offen Einsteigens durch die Fenster den Stuben einen unliebſamen Be- Tagen Gefängnis. Hiergegen legte St. Berufung ein. Vor Gericht gelassen hatte in der Annahme, daß die Klägerin aweds Angebots such abzustatten und die Wertgegenstände, Kleidungsstücke usw., bekundete gestern der Gefangenenaufseher Janz eidlich, daß er nie- ihrer Ware die Küche zu betreten beabsichtige, sondern daß es die sie dort vorfanden, zu stehlen. Die Haupträdelsführer waren mals dem Angeklagten, der zwar aus derselben Stadt stamme, den weiterhin festgestellt habe, daß die Küche der Familie des Bes die Bäckergesellen Jakob Sowodnick und Christian Jend, die zu je er aber sonst nicht kenne, etwas zugesteckt habe. DieBerufung flagten zum gewöhnlichen Aufenthalt diente und daß die Klägerin 2 Jahren 6 Monaten Gefängnis verurteilt wurden. Im übrigen des Angeklagten wurde kostenpflichtig zurückgewiesen. vor dem Unfalltage im Betriebe des Hausierhandels die Küche des wurden verurteilt: die Bäckergesellen Karl Mut zu 2 Jahren, Beklagten schon öfters betreten hatte, ohne jemals auf irgend Richard Neumann zu 1½ Jahren, Otto Clasen, Josef Frenzel, welchen Widerspruch zu stoßen. Auch die weitere Revisionsrüge, Oskar Sacha und Max Jüngling zu je 1 Jahr Gefängnis und Kurt daß die Klägerin die Bösartigkeit des Hundes gekannt habe, hatte feinen Erfolg. Sie wurde unter Hiniveis darauf zurüdgewiesen, Schlegel zu 6 Monaten Gefängnis. daß die Klägerin zu einer Tageszeit erschienen sei, zu welcher auch andere Personen den Beklagten als Bürgermeister in seiner Woh= nung aufzusuchen pflegten, und daß deshalb die Klägerin an nehmen durfte, der Kläger werde gefährliche Tiere bort nicht herumlaufen lassen, ohne vorher die nötigen Sicherheitsmaßregeln getroffen zu haben. Der bissige Bürgermeistershund. Zu dem Bauern und Bürgermeister H. in Altdorf fam schon seit längerer Zeit die Hausiererin Huber, wenn sie auf ihrer Tour Altdorf passierte. Als sie in Ausübung ihres Gewerbes am Angebliche Durchstechereien in der Strafanstalt Blöhenfee 9. März 1905 in Begleitung ihrer Tochter das Haus des H. betrat bildeten den Hintergrund eines Beleidigungsprozesses, den zwei und in die Küche ging, wo man sich gewöhnlich aufzuhalten pflegte, Gefangenenaufseher gegen den Dekorationsmaler Erich Karau an- wurde fie nach einigem Verweilen von einem unter dem Tische liegestrengt hatten. Aus der Strafhaft wurde K. gestern der 3. Straf- genden Hunde angefallen und in die linke Hand gebissen. Sie fammer des Landgerichts III vorgeführt. Der Angeklagte befand nahm infolge dieses Unfalles den H. auf Zahlung von Kurtoften, sich im April d. J. zur Verbüßung einer längeren Freiheitsstrafe| Schmerzensgeld und einer angemessenen Entschädigung für entGoldvaren- Industrie Belocates Königstrasse 46. Bitte genau auf Hausnummer 46 su achten, da häufig Verwoohslungen vorgekommen. In 80 m langer Auslage finden Sie Tausende Schmuck gegenstände mit deutlicher Preisnotierung ausgestellt. Kaufen Sie nur noch fugenlose Trauringe Marke B u. C. 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