N-.L83. RboaBflnentS'BtdInjtinsea: (Oomif meüä• Preis CcAmmtnonss> »erlenaw. 3,50 TOI, numall. L10 TO!, wöchmtlich 28 PIg, frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. EonntagS. nmnmer mit illustrierler Sonntags- Beilage»Die Neue Welt' 10 Big, Po bis 7 Uhr abends geöffnet, lelegramm, Adresse: „ZHlaliltiDsüsat Eirlso". S.«Tiws89' 69'| D-iiuerstag, den 8. Dezember 1908. Expedition t SM. 68» Lindenstraeoc 69* Aernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. Der Derfaffungshatnpf. Wie haben sich für den Reichstag der Hottentottcnwahlen die Zeiten geändert I Als er zusamiiieiltrat, da glaubten die bürgerlichen Parteien, in nationaler Begeisterung die Sozial- dcmotratie über den Hausen gerannt zu haben, und eine Aera neuer nationaler Herrlichkeit wurde uns angekündigl. Heute mußte es derselbe Reichstag schweigend hinnehmen, als Le d e b 0 u r in der bedeutenden Rede, in der er die Anträge unserer Fraktion vertrat, den Zusammenbruch des herrschen den Systems in der inneren und auswärtigen Politik ver kündete. Sie durften nicht protestieren: denn daß der Reichstag diese Debatte führen mußte, ist ja nur eine der Folgen des Zusammenbruchs. Den bürgerlichen Parteien ist es schwer gefallen, in diese Verhandlungen einzutreten. Sie hätten am liebsten an dem Bestehenden nicht gerührt und die Dinge weiter gehen lassen wie bisher. Aber es ging eben nicht weiter. Die mäch- tige Bewegung, die das deutsche Volk ergriffen hat, der an- schwellende Ruf nach dem Recht der Selbstbestimmung und Selbstregierung rang auch den störrischen Fraktionen den schweren Entschluß ab, sich endlich einmal statt mit neuen Lasten mit neuen Rechten für das Volk zu befassen. So ist die Verhandlung selbst bereits ein erster Erfolg der Volks bewegung und von der Stärke und Ausdauer, die dieser Be� wegung innewohnt, wird auch das schließliche Resultat ab> hängen. Was diesem Reichstag fehlt, ist vor allem der W i II e zur Macht.. Diese Abgeordneten müssen erst durch ihre Wähler gezwungen werden, sich ihr Recht zu erkämpfen. Der Wille, der in dem deutschen Volke lebendig geworden ist, nicht länger mehr Spielball des bureaukratischen Absolutismus zu sein, muß seiner Vertretung durch eine unermüdliche Ein- Wirkung von außen erst aufgezwungen werden. Diese De- hatten sind nichts anderes als ein Anfang; das Ende hängt von der politischen Energie des deutschen Volkes selbst ab. Konnten die bürgerlichen Parteien der Ausrollung des Verfassungsproblems nicht mehr ausweichen, so konnte auch die Regierung nicht mehr mit dem alten Hochmut der Volksvertretung begegnen. Die Ankündigung, daß sie das alte Spiel wiederholen wolle, gegen das Initiativ- recht der Abgeordneten durch ihren Auszug aus dem Reichstag zu demonstrieren, konnte sie diesmal nicht auszuführen wagen. Das Ansehen der Regierung ist zu sehr erschüttert, die Notwendigkeit von der Macht- erweiterung der parlamentarischen Rechte allzusehr Gemeingut der breiten Massen geworden, als daß eine solche ' Provokation rätlich gewesen wäre. Aber freilich: die deutsche Regierung ist in allzuhohem Maße das Organ der preußischen Junker, als daß sie in ossener und ehrlicher Weise dem Reichs- tag Rede und Antwort gestanden hätte. Der agrarische Reichskanzler suchte sich durch ein faules Kompromiß aus der Affäre zu ziehen. Er erschien nicht selbst, schickte aber als seinen Stellvertreter Herrn von Bethmann-Hollweg. Der Herr Staatssekretär erklärte, daß die Regierung keine Stellung zu den Anträgen nehmen könne, denn der Bundesrat habe über diese Fragen noch nicht beraten. Die Regierung wolle aber — zuhören, um dadurch zu bezeugen, welchen Wert sie den Ansichten des Reichstages beilege. Die Regierung ver- weigert also jede„positive Arbeit" und setzt den Bemühungen auf Erringung neuer Volksrechte ihre tückische Obstruk- t i 0 n entgegen. Trotzdem sie wissen mußte, daß die über- wiegende Mehrheit des Reichstages der Verfassungsfrage brennendes Interesse entgegenbringt, hat sie es nicht für nötig gehalten, den Bundesrat zu der Frage Stellung nehmen zu lassen. Sie wartet das Ergebnis der Reichstagsdebatten ab, in der Hoffnung, daß es den Feinden der parlamentarischen Machterweitrung im Reichstag selbst schon gelingen werde, jedes Resultat zu verhindern. Die Verhandlungen des heutigen Tages gewähren keine Gewißheit, daß diese Hoffnung vereitelt wird. Dr. Müller» M e i n i n g e n, als Vertreter der liberalen Fraktionsgemein- schalt und Dr. Spahn sprachen sich wenigstens mit Eni- schiedenheit für die Festlegung der Ministerverantwortlichkeit aus. Der liberale Redner erkannte auch die Dringlichkeit der Aenderung der Geschäftsordnung an. Aber beide ließen jede Kampsesstimmung, jeden Schwung der Begeisterung völlig vermissen. Man hörte juristische Argumentationen, aber es fehlte alle politische Leidenschaft. Das aber ist ein um so bedenklicheres Zeichen, als die schweren Hindernisse, die es zu überwinden gilt, wenn das Ziel erreicht werden soll, nur genommen werden können, wenn in den Massen des Volkes entschlossene Kampfeslust entzündet wird. Von solcher Erkenntnis aber waren die bürgerlichen Vertreter der Ver- sassungsanträge weit entfernt. So war es dem sozialdemokratischen Redner borbehalten, diese Debatte, die der Verwirklichung der alten Forderung des Bürgertums nach Ministerverantwort- lichkeit und parlamentarischer Regierung gilt, auf jenes Niveau zu heben, das der Bedeutung des Gegenstandes würdig war. Seine Rede gestaltete sich zu einer prinzipiellen Ab- rcchnung mit dem absolutistischen Regierungssystem. Mit schneidender Ironie schob er die offiziösen Befürchtungen bei- scite, daß der hehren Person Wilhelms II. bei den heutigen Debatten Schaden zugefügt werden sollte. Nicht um die i Meinungen und Taten Wilhelms II. könne es sich heute I handeln, sondern um das weit umfassendere System des zpcheinkon st itutio nellen bureaukratischen ,Rcgierungssystems, von dem das persönliche Regiment nur eine wenn auch notwendige und unvermeidliche Beglcit crschcinung ist. Und dann entrollte er in großen Zügen ein Bild des deutschenVerfassungsclends. Die Ver- achtung, die die Regierung dem Reichstag entgegenbringt, konnte nicht deutlicher bezeugt werden, als dadurch, daß Fürst Bülow es nicht einmal für nötig hielt, die Volksvertretung über das Resultat der Unterhaltung mit dem Monarchen zu unterrichten. Freilich, was hätte er auch sagen können? Ist doch durch die Erklärung des Kaisers nicht das geringste geändert worden, ist doch alles beim alten geblieben. Das vollständige Fiasko unserer Inlands- und Auslandspolitik ist offenbar. Aber die Träger des Systems, das solche Früchte getragen hat, wollen von keiner Aenderung wissen. Deshalb muß jetzt der Reichstag Wandel schaffen und sich endlich das Recht auf parlamentarische Regierung erobern. Mit treffender Satire fertigte Ledcbour die Einwände gegen parlamentarische Minister durch die Schilderung der heutigen Ministerfabrikation ab. Da wird ein Husarengcneral Postminister, wahrscheinlich, weil man einen so vorzüglichen Skatspieler auf jeden Fall unterbringen mußte. Er wird dann Landwirtschaftsminister und verschwindet schließlich, weil man den zu arg Kompromittierten absolut nicht mehr halten kann. Bülow wird Staatssekretär und Reichskanzler, weil ein kaiserlicher Favorit ihm günstig ist, ohne daß der Reichstag irgend etwas von seinem politischen Charakter und von seinen politischen Fähigkeiten weiß. Und als Bülows Stellung erschüttert ist, da werden in der Oeffent- lichkeit Leute genannt, deren Nennung allein einen Skandal bedeutet. In einem eindrucksvollen Appell richtete Ledebour die Frage an die bürgerlichen Parteien, ob es denn so weitergehen könne, ob sie denn sich nicht die Kraft und die Kennt- niste zutrauen, die Regierung selbst zu führen. Sodann zeigte unser Redner den bürgerlichen Parteien, wie sie es machen müssen, und worauf es ankommt. Nicht bitten dürfen sie, sondern sie müssen die M a ch t gebrauchen, die ihnen die Finanznot der Regierung in die Hand gibt. Sie müssen dem Reichstag Bewegungsfreiheit erkämpfen, indem sie das Jnterpellationsrecht nach dem sozialdemokratischen Vorschlag ausgestalten und sie müssen verhüten, daß das Ministerverantwortlichkeitsgesctz ein toter Buchstabe wird, in dem sie die entscheidende Forderung des sozialdemokratischen Antrages annehmen, daß der Reichskanzler auf Verlangen der Majorität des Reichstages entlassen werden müsse! In einer bedeutungsvollen Auseinandersetzung mit dem Schein- argument, daß durch die Ausgestaltung der Verfassung der föderative Charakter des Reiches Schaden nähme, wies Lede- bour nach, wie sehr die Bundesverfassung eine bloße Fiktion ist. In Wirklichkeit ist heute der Bundesrat nur eine Dekoration für die Regierungsfllhrung durch die preußische Bureaukratie, ein Anhängsel des preußischen Ministeriums. Beweise nicht das Elektrizitätsgesetz, das die baye- rischen Interessen aufs schwerste schädigt, daß der Bundesrat gegen die preußischen Diktate völlig ohnmächtig ist? Ein solcher Gesetzesentwurs wäre unmöglich gewesen, wenn wir ein parlamentarisches Regierungssystem hätten. Beim Reichs- tage ist jetzt die Macht und so muß er endlich dafür sorgen, daß in deutschen Landen des Volkes Wille das höchste Gesetz ist. Ledebours Rede— und das ist das Bezeichnende— war der Höhepunkt in dieser Debatte um die b ü r g e r l i ch e For- dcrung der parlamentarischen Regierung. Dem Eindruck seiner Ausführungen konnte sich auch dieses müde und zag- hafte Haus nicht entziehen. Im Anfang hatte die Rechte versucht, durch allerlei höhnische Mätzchen unseren Redner zu stören. Wenn es sich um Volksrechte handelt, machen die Junker ihre Stallwitze. Aber die Ueberlegenheit Ledebours brachte sie bald zum Schweigen und unter steigender Span- nung konnte Ledebour. nur noch einmal gestört durch den Vizepräsidenten Paaschs, der sich eine blamable Abfuhr holte, seine glänzende Rede zu Ende führen. Um so stärker aber war der Kontrast, den die Ausführungen der folgenden Redner brachten: Der Vertreter der Polen schloß sich in einer kurzen Erklärung dem Freiheitsstreben des deutschen Volkes an. Dann aber kam in dem Nationalliberalen Dr. I u n ck der falsche Freund und in dem Reichsparteiler v. D i r k s e n der offene Gegner zu Wort. Dr. Junck sprach sich zwar wenigstens für Erweite- rung des JnterpellationsrechteS aus, aber er versagte voll- ständig in der Verfastungsfrage. Er lehnte es ausdrücklich ab, die Finanzreform zur Durchsetzung der Verfassungscrwci- terung zu gebrauchen, will also noch vor dem Kampf die Massen an den Gegner ausliefern. Aber geradezu als Skandal muß man es bezeichnen, daß ein Volksvertreter sich gegen die selbstverständliche Forderung wehrt, daß der Reichskanzler auf Verlangen des Reichstages zu entlassen ist. Heißt das doch nichts anderes, als das Recht des Monarchen anerkennen, gegen den Willen des Reichstages zu regieren. Und so etwas nennt sich noch liberal.� Im übrigen verlor sich die langweilige und lederne Rede in einer ganz albernen Kritik der sozialdemokratischen Anträge, wobei ihm dann der Herr v. Dirksen sekundierte, der überhaupt gegen jede irgend- wie bedeutsame Machterweiterung des Reichstages Stellung nahm und sich vor einem parlamentarischen Regierungssystem bekreuzigte. Damit endete der erste Tag der Verfassungsdebatte. Er war ein parlamentarischer Erfolg für die Sozialdemokratie. Daß aus dem parlamentarischen Erfolg auch ein Zuwachs an wirklicher Macht werde, dafür muß das deutsche Volk, muß vor allem die deutsche Arbeiter- klasse selbst sorgen. Aber der Sieg ist des Kampfes wert und die Stimmung der deutschen Arbeiter bietet uns Gewähr, daß dieser Kampf mit aller Energie geführt werden wird. Sie fliuiichten der Steuerreform in(Preußen. Obwohl die verstärkte Budgetkommission des Ab�eo'r?- netenhauses der Beratung der Steuervorlagcn erst eine einzige Sitzung gewidmet hat,, läßt sich doch heute schon sagen, daß die V 0 r s ch l ä g c d c r R e g i e r u n g r e ch t w e n i g A u s- ficht aus Annahme haben. Bekanntlich hat die Regie- rung neben einer Aenderung des Einkommen- und des Er- gänzungssteuergcsetzes den Erlaß eines besonderen Gesell- schastssteuergesetzcs beantragt. Die Frei- konservativen beantragen im Gegensatz dazu rundweg die Streichung der diese Steuern betreffenden Bestimmungen des sogenannten Mantelgesetzcs, sie wollen lediglich vorüber- gehend, bis eine innerhalb zweier Jahre einzubringende Vor- läge über eine endgültige Neuordnung der Finanzen die ge- setzliche Regelung erfahren hat,- Zuschläge zur Einkommen- und Ergänzungssteucr bewilligen. Der-Vorsitzende der Kom- Mission beabsichtigt nnn, unmittelbar nach Schluß der General- debatte über diesen Antrag abstimmen zu lassen und im Falle seiner Annahme von einer weiteren Beratung der Regierungs- vorläge Abstand zu nehmen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der freikonservative Antraß eine Mehrheit findet, so daß die Kommission der Müh» überhoben wird, klipp und klar Stellung zü einer Erhöhung der direkten Steuern zu nehmen. Die Entscheidung wird möglicherweise bereits am Donners- tag fallen. Unbedingt auf feiten der Regierung stehen nur die Kon- servativen, die Vertreter aller anderen bürgerlichen Parteien haben gegen neue Steuern schwere Bedenken vorgebracht. Die Freikonservativen verlangen, wie aus ihrem Antrag hervor- geht, eine organische Regelung der preußischen Finanzen innerhalb zweier Jahre, bis dahin sollen alle Zensiten, auch d i e m i t e i n c m E i n k 0 m m e n voiiiiurllOI M., einen Steucrzuschlag von mindestens 10 Prozent zahlen. Die Nationalliberalcn wollen die Zuschläge erst bei Einkommen von mehr als 3'0 0 0 M. eintreten lassen. die Zuschläge nur für die Jahre 1309 und 1910 bewilligen und von einer später vorzunehmenden endgültigen Regelung der Finanzen nichts wissen. Ihr Redner warnte- vor einer Ueberspannung des. direkten.�Steuer» s y st c m s und riet zu einer Verlangsamung d« Schulden- tilgung. Die Freisinnigen- stehen cur dem Stand- Punkt, daß zur Ergänzungssteuer überhaupt keine Zuschläge erhoben werden sollen, zur Einkommenstiuer erst bei Ein- kommen von mehr als 9000 M., daß diese Zuschläge nur für ein Jahr bewilligt und daß km übrigen das System der Quotisierung eingeführt wird, d. h. die Höhe der Einkommen- steuer soll sich nach den jeweiligen Smatsbedarf richten und durch den Etat soll jährlich festgestellt werden, wieviel Monats- raten der veranlagten Einkommsnstmier für das veranlagte Etatsjahr zur Erhebung koinniett�Dttse drei Parteien wer- den in der einen oder anderen Forn für den frcikonservativen Antrag stimmen: den Ausschlag wird das Zentrum geben, dessen Stellung aus der Rede seines Vertreters nicht ganz klar hervorging. Die Gcsellschaftssteuer wird Äff Annahme kaum zu rechnen haben. Zwar sind nur Netionalliberale und Frei- sinnige prinzipiell dagegen, aber mich Zentrum und Frei- konservative wollen aus taktischen Erwägungen heraus den Entwurf ablehnen, weil sie diese Steuer dem Reich vorbehalten wissen wollen, Wird der Entwurf abgelehnt, so ist der gegen die Arbeiterkonsumvereine geplante Schlag ab- gewehrt, aber nicht etwa auS Liebe, zu diesen Gebilden, son- dern mit Rücksicht auf die k-apitalistischen Assoziationen, mit denen die Regierung sie auf eine Stufe gestellt hat. Im großen ganzen scheint die Mehrheit der Kommission vor einer Erhöhung der Steuern einmal ans der bekannten Steucrschcu der Besitzenden und sodann wegen der Unklarheit der Steuerverhältnisse im Reich zurückzuschrecken. Jedenfalls wird die Abstimmung von weittragender politischer Be° d e u t u n g sein, zumal da der Finanzminister ausdrücklich erklärt hat, es liege ein Beschluß des Staats- Ministeriums vor, daß die Frage der Be- amtenbesoldungen mit der Lösung der Deckungsfrage st ehtundsällt. ver ßeichihmishaltzetzt für IM. Der von der„Nordd. Allg. Ztg." veröffentlichte NcichshauS- Haltsetat für 1809 wird von der ganz- und halbosfiziösen Presse als ein Beweis dafür angesehen, daß die Regierung ernstlich ge- willt ist zukünftig größere Sparsamkeit walten zy lassen und ihre Ausgaben möglichst einzuschränken. In Wirklichkeit beiveist die Aufstellung der Etatsposten nur, dast das Reichsschatzamt sich nicht minder auf die Bilanzverschleierung versteht, wie die Direktionen und AufsichtSräte mancher Aktiengesellschaften. Wie diese not- wendige Ausgaben zurückstellen oder sie nicht mehr im laufenden Jahre in Anrechnung bringen, sondern sie erst im folgenden Jahre in ihren Büchern erscheinen lassen, so hat auch das Reichs- schatzamt alle dringlichen und beabsichtigten Ausgaben vorläufig zurückgestellt. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Ist erst die jetzige Finanzkalamität des Reiches überwunden, d. h. hat erst der Reichstag die geforderten neuen Steuereinnahmen bewilligt, so werden neben den verschiedenen Nachforderungen auch sofort die jetzt zurückgestellten?lusgaben wieder im Etatsentwurf er- scheinen. Der vorgelegte Etat ist demnach nichts als ein Ver- legenheitSprodukt, in welchem erstens ohne genügende Berücksichtigung der zurzeit herrschenden Wirtschaftskrise die Einnahmen teilweise zu hoch angesetzt sind, während man anderer- seits an verschiedenen Ausgabepostcn gestrichen hat, waS sich irgend streichen liest. Auf diese Weise hat man rechnungsmästig ein künstliches Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben hergestellt, das in Wirklichkeit nicht besteht, indem man sich damit tröstete, dast ja nach der Sanierung der Reichsfinanzen das Ver- säumte nachgeholt und all das, was jetzt gestrichen ist, in den nächsten Etat eingestellt und nachgefordert werden könnte. Ein solches Verfahren„Spare n" zu nennen, ist ebenso verkehrt, als die Praxis eines Hausbesitzers Sparen zu nennen, der alle nötigen Reparaturen seines Hauses unterläßt und bis auf spätere Zeiten verschiebt. � Trotz aller solcher„Sparsamkeit" schließt der Etat für 1009 in Einnahme und Ausgabe mit 2 865 409 018 Mark ab; er ist also um ungefähr 80l4 Millionen Mark höher als im vorigen Jahre, und selbst dieses Resultat wäre nicht erzielt, wenn nicht bei den außerordentlichen Ausgaben dermaßen gestrichen worden wäre, daß sie um 30'ch Millionen hinter dem vorjährigen Ansatz zurück- bleiben, denn die ordentlichen Ausgaben stellen sich um un- gefähr III Millionen Mark höher als im Etat 1908. Verglichen mit den Ziffern des Etats für 1908 ergeben sich für die einzelnen Posten folgende Beträge: Die fortdauernden Ausgabe» betrage» 2 232 525 038 M.(4-«0 016 344 M.). Sie verteilen sich wie folgt: Etat für 1909 Reichstag- Reichskanzler und Reichskanzlei.. Auswärtiges Amt....... Reichöamt des Innern...... Verwalinng des ReichShcereS,.. ReichSmilitärgericht....... Verwaltung der kaiserl. Marine.. ReichSjustizverwaltung...... Reichsschatzamt........ Reichskolonialamt....... Reichseiseilbahnamt....... ReichSschuld......... Rechnungshof......... Allgrmriner PensionSfondS.... ReichSinvalidenfondS...... Reichspost- u. Telegraphenverwaltung Reichsdruckerei........ Reichseifenbahnverwaltung.... Die ' einmaligen Ausgaben de« ordentlichen Etats bewogen«97 844 235 M. 45 061 888 M); sie setzen sich wie folgt zusammen: Etat für 1909 �....-......■—••- an. Auswärtiges Amt � 1009 960 Reichsamt des Innern..... 1988 400 Reichspost- und Telegraphen- Ver- waltung.......... 16 889 907 Reichsdruckerei........ 87 084 Verwaltung des ReichSheereS... 93 704 832 AckSOmililärgericht....... 850 000 Berwalnnig der kaiserlichen Marine 157 437 851 Reichs»! N'4vcrwaltung..... 22 500 ReichStchatzamt........ 24 541 673 Reichskolamalaiut....... 20 729 134 ReichSschuld......... Neichseisenbakstlverwaltung.... 3015070 Expedition nach Ostasten..... 1170 491 Fehlbetrag sür 1907...... 13 842 652 Beihilfen für 1907....... 28 151 001 Gestnnoete Matrikularbeiwäge.,, 28 403 680 Mehr oder weniger als im Vorjahr M. + 824 010 — 4 035 600 + 694419 — 28 531 098 — 150 000 + 28 400 308 — 12 500 + 22 459 173 — 13176 338 — 505 000 — 8 817 800 -1- 1170 491 4- 13 842 652 -r 23 151 001 — 28 403 680 Die EwmchMN kf ordentlichen Etat» fsestehen ans folgenden«imunen: Etat für 1909 M. 1 203 277 980 97120 Solle. Steuern und Bibsthrm, bfindungen...,... Reichs-Post, und Telegrabhei Verwaltung 672 447 600 Reichsdruckeroi........ 11 022 600 Reichseifenbahnverwaltung.... 123 291 000 Bankwesen.......... 34 669 000 Verschiedene VerwaliungSeinnahmen. 64 546 088 Reichsinvalidenfonds...... 35 242007 AuSgleichungSbeträge...... 29 583 195 Matrikularbeiträge....... 426 889 153 Gestundete Matrikularbeiträge für 1906. �. 23 403 680 Mehr oder weniger als im Borjahr M. — 54 653 790 — 3 700 + 28 300 600 -f 992 700 - 3241000 4- 21350 930 1610 636 9 668 447 80 861 081 t Die � V.' + 23403 680 vetragmt ® J 5 C : iniihfiti ' ftl Ausgaben des außerordentlichen Etats Etat für 1909 Reichsamt des Inn rn �» I i» Verwaltung des ReichSheereS.., Verwaltung der kaiserlichen Marine ReichSkolonialamt Reichspost- und Telegraphen-Ber- waltung......... ReichSeisenbahnverwaltung.... Die Einnahme» des außerordentlichen Etats sind wie folgt angesetzt» ivt. 14 000 000 41 716 200 109 924 045 3 600 000 45 000 000 20 799 500 Mehr oder weniger als im Vorjahre an. — 10000000 — 14 908 100 4- 28 788 895 — 12400000 — 15000000 4- 1063000 Mehr oder weniger als im Vorjahre M. 40000 547127 t 677 469 42 014 45 525 619 500 1 162 360 25 337 249 203 180 215 85 272 9 747 1589 148 590 + + 4- 1 162 360 4- 25 337 249 — 57 773 897 Au? der Verwendung des Fonds für M. ' für Kleinwohnungeii..... 257 000 Für FcstungSgriiiidstücks.... 3818413 Aus Anlaß der Expedition nach Ost- asten.......... Rückerstattiingen auf die ans dem ReichssestungsbaufondS geleisteten Vorschüsse......... Von dem Schutzgebiete Togo... Von der Verwaltung der Reichs- eisenbahnen........ Von der Reichs- Post- und Tele- graphenverwaltung..... Zur Verminderung der ReichSschuld Aus der Anleihe....... Für das Rechnungsjahr 1909 übersteigen die Matrikularbeiträge die zu ihrer Deckung dienenden Ueberweisungen um den Bewag von 231 710 003 M. Abzüglich von 40 Pf. auf den Kops der Bevölkerung. d. i. von 24 256 511 M., ist die Erhebung des Mehrbetrages von noch 207454392 ff?„ nach§8 des Gesetzes vom 3. Juni 1906, aus- Zusetzen. üflrtichaft! kjerr Staatsiehrctär, filirtfchaft! Die sozialdemokratische Fraktion des Reichstages hat tn ihrer Sitzung vom Mittwoch de- schlössen, folgende Interpellation einzubringen: Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß das Reichs- verein Sgesetz, insbesondere besten§ 12(Sprachen- paragraph) von Verwaltungsbehörden vielfach in einer Art und Weise gehandhabt wird, die sich weder mit dem Wortlaut des Gesetzes noch mit den Erklärungen der Vertreter der verbündeten Regierungen vereinbaren läßt? Welche Maßregeln gedenkt der Herr Reichskanzler zu ergreifen, um gegen diese Uebelstände Abhilfe zu schaffen? Das Material für die Anklage gegen den Staatssekretär des Innern, das; er nicht das geringste tut, um die An- Wendung des NereinSgesetzeS in Preußen mit seinen Ver- sprechungen im Reichstage in Einklang zu bringen, mehrt sich in den letzten Tagen geradezu im Galopptempo. So wird unS aus Dortmund gemeldet, daß am letzten Sonntag in der Zahlstellenvers am mlurig des Berg- arbeiterverbandes in Altenbögge(Kreis Hamm) zwei Gendarmen erschienen, um die Versammlung zu über- wachen. Als sich die Gendarmen trotz Aufforderung nicht entfernten, schloß der Bezirksleiter Hoffeld die Versammlung. Wenige Stunden später sollte im gleichen Orte die Filialversammlung des sozialdemokratischen Vereins stattfinden. Auch in dieser Versammlung erschienen die Gendarmen. Sie verlangten die Anweisung eines Platzes, und als ihnen dieser verweigert wurde, lösten sie die Versammlung auf. Sie erklärten, Anweisung vom Amte Pelkum zu haben, die Versammlung zu über- wachen. Mitgliederversammlungend es sozial- demokratischen Vereins würden als vfsent- liche angesehen. Im ersten Falle liegen zwei Vergehen der Polizei bor. Sie durfte die Versammlung schon deshalb nicht überwachen. weil sie die Veranstaltung einer Gewerkschaft war; sie durste sie außerdem nicht überwachen, weil sie eine Vereins- Versammlung war. Für den zweiten Fall trifft dieser letztere Grund ebenfalls zu. Die Maßregeln der Polizei Von Altenbögge sind ein Glied in der Kette der Bestrebungen, die Versammlungen sozialdemokratischer Vereine überhaupt f ü r öffentliche Versammlungen zu erklären. Als Handhabe dient das famose Reichsgerichtserkenntnts, das bereits in der Begründung des Vereinsgesetz- entlvurfs angeführt wurde, wonach Versammlungen solcher Vereine,„die nach der räumlichen Ausdehnung deS Ge- biets, das sie umfassen, wie nach der Zahl ihrer Mitglieder so groß sind, deren Organisation eine so lose, bei denen der Erwerb und der Verlust der Mitgliedschaft an so geringe Voraussetzungen gebunden und so wechselnd ist, daß von ihnen nicht gesagt werden kann, ihre Mitglieder bilden einen in sich ge- schlossenen bestimmt abgegrenzten Kreis von innerlich unter sich verbundenen Personen", öffentliche Versammlungen sind. Als in den Verhandlungen des Reichstags die Gefährlichkeit dieser Auslegung aufgedeckt wurde und ihre Anführung in der Begründung als Anweisung an die Behörden gekennzeichnet wurde, sich diese Auslegung zunutze zu machen, protestierte Herr v. Bethmann-Hollweg dagegen, daß man den verbündeten Regierungen solche schwarzen Absichten unter- stelle. Jetzt stellt sich immer mehr heraus, daß auch d a S Versprechen des Staatssekretärs, das in dieser Zurückweisung jener Befürchtungen lag, von der Regierung Preußens nicht beachtet wird I In einer ganzen Reihe von Städten und Orten hat die Polizei bereits die Versammlung«» der sozialdemokratischen Vereine für öffentliche Versaminlunaen er- klärt, stets unter Berufung auf das oben zitierte Reichs- gerichtserkenntniS! Daß gegen bürgerliche politische Vereine so vorgegangen»vorden sei. darüber verlautet natürlich nichts!— Wird Herr v. Bethmann-Hollweg die Stirn haben, auch diese Praxis der preußischen Polizei als in Einklang»nit seinen Versprechungen zu erklären? UebrigenS ist die Anwendung jener gekünstelten Reichs» aerichtSentscheidung auf die Versamnilungen sozialdemokratischer Vereine auch sachlich durchaus ungerechtfertigt. Das hat dieser Tage daS Schöffengericht.Hannover sehr gut ailsgeführt, als es den Genossen Rcuhold von der Anklage frei- sprach, daß er eine anmeldepflichtige Versammlung (eine Versammlung des Sozialdemokratischen Vereins Hannover) nicht angemeldet habe. ES führte in der Begründung seines Spruchs zutreffend aus, eine Ver- sammlung von Mitgliedern eines politi» s chjc n Vereins, zu der eben nur Mitglieder Zutritt hätten, sei keine öffentliche Versammlung. Die Mitglieder eines politischen Vereins seien auch„ein ab- geschlossener Kreis innerlich mit einander verbundener Personen" durch daS Be» kenntnis auf ein bestimmtes Programmund Statut usw. Was Herr v. Bethmann-Hollweg der preußischen Re- gierung zur gefälligen Beachtung zu übermitteln»licht säume»» 'ollte, wenn er sich von der Anklage reinwaschen will, daß er Mit- chuldiger an der hier gekennzeichneter!, seinen Versprechungen ns Gesicht schlagenden Praktiken der pretlßischen Polizei ist. ver sZchiiiche Aahstechtzjammer. Dresden, 2. Dezember. Zu der schon telegraphisch gemeldeten Annahme der erste» sieben Paragraphen der Eventualvorlage ist noch ergänzend zu bemerken: Die Konservativen wußten, daß sie für ihr Z w e i k l a s s e n Iv a h l- sy st em mit dem Bier st immenrecht für diePrivile- gierten keine Zweidrittelmehrheit zustande bringe!» würden. Deshalb ging ihr Bestreben darauf hin, alle Be- stimmilngen anö der Eventualvorlage zu ent- fernen, die eineVersassungSänderung bedingten. So wurde das Eventualmachwerk noch mehr ver- s ch I e ch i e r t. Bor allem mußten sie die Klausel bc- seitigen, wonach die Kammer aus 96 Abgeordneten bestehen sollte; sie drückten mit Leichtigkeit einen An- trag durch, wonach die 96 Abgeordneten gestrichen wurden, was soviel heißt, daß eS bei den j e tz i g e n 82 Abgeordneten und gleichzeitig auch bei der jetzigen WahllreiS- einteilung verbleibt, die noch rückständiger und schlechter ist wie das Heinkiche Machwerk. Anstatt 7 bezw. 8 werden nun Dresden und Leipzig nur 5 Kreise und Chemnitz statt 4 nur 2 Wahlkreise haben, während Zwickau wie bis- her nur einen Wahlkreis bildet. ES bleibt zur Wahlkreiseinteilung die Bestimmung der Verfassung vnverqndert bestehen, wonach in 45 ländliche und 37 städlische Wahlkreise eingeteilt wird. AlS die konservative Absicht, die Evennialvorlage ohne Der- fastungsänderungen und ohne neue Wahlkreiseinteilung durch- zudrücken, deutlich zutage trat, bemächtigte sich der National- liberalen eine große Erregung. Bogel, Hettner, Lang- h a m m e r und Z ö p f e l ergriffen nacheinander daS Wort. Einer redete aufgeregter wie der andere, jeder Satz war ein Ausfall gegen die Konservativen, jede Rede eine Kriegserklärung nach derrechtenSeite, wo die nationalliberale Austegung teils »nit lautem Hohnlachen, teils mit Lärm und heftigen Zurufen be- antioortet wurden. Die Schärfe der Situation erreichte den höchsten Grad, als der de» Konservativen jetzt besonder» verhaßte Abg. L a n g h a m m c r an die Regierung, besonders aber an de» Gehet in rat Heink, die rechte Hand Hohenthals, die Frage richtete, ob eö wahr fei. daß der Geschäfte- führer deS Bundes der Landwirte, der Ab- geordnete Schmidt als Mitarbeiter bei der Auf- ftellung der Wahlkreiseinteilung von der Re» gierung zugezogen worden sei? Der Geheimrat Hein? wand sich erbarmungswürdig. Minister HohenthalS gerötete» Gesicht wurde dunkelrot, aber die Mitwirkung der Bündler konnte nicht ge- leugnet werden. Heink mußte die Mitarbeit de» Land- bundsdirektorS Schmidt zugeben, was großen Lärm auf den nationalliberalen Bänken auslöste. DaS Geständnis wurde zur Sensation des Tages. Unter großer Erregung wurden spitze Reden zwischen Kon- servativen und Nationalliberalen ausgetauscht. Auffällig war noch eine Anfrage deS Abgeordneten Langhammer, ob cS wahr sei, daß die Regierung ursprünglich nur drei Stimmen für die Privilegierten gefordert habe, und auf welche Mitarbeit eS zurückzuführen sei, daß die Regierung schließlich vier Stimmen gefordert habe. Graf Hohenthal halte»mr ausweichende Redens- arten. Dieser Punkt dürfte wohl noch eine Rolle bei den späteren Verhandlungen spielen. Geschähe es nicht, so nur deshalb. weil auch den Nationalliberalen vier Stimmen lieber sind als „nur" drei. Sonst sei aus den Verhandlungen über den Envenwalvorschlag nur noch erwähnt, daß Hohenthal durch Verlesen eines langen Schriftstücks die Eventualvorlage in ein möglichst günstiges Licht zu setzen suchte, wobei er auch einige billige Worte für die Arbeiter und Dienstboten fand. Zwischenrufe von den Tribünen belehrten ihn aber, daß die Arbeiter für seine schönen Worte danken, daß sie Rechte fordern, die ihnen Hohenthal nach wie vor versagt. *»• Dresden, 2. Dezember. (Privattelegramm des„Vorwärts".) Heute wurden die Verhandlungen zu Ende geführt. Tie Eventualvorlage der Regierung wurde nach sehr heftigen Debatten zwischen Konservativen und National- liberalen»nit 40 gegen 37 Stimmen, also nur m i t 3 Stimmen Mehrheit angenommen. Die Mehrheit wäre überhaupt nicht vorhanden geivesen. wenn nicht drei Plätze der Linken durch 5krankheit oder Tod unbesetzt gewesen wären. Es gelangte noch«in Antrag der Konservativen mit derselben Mehrheit zur Annahme, wonach von 1910 ab in den fünf Großstädten des Landes, Dresden, Leipzig. Chemnitz. Ztvickau und Plauen die Verhältniswahl eingeführt werden soll. Dadurch umgingen die Konservativen die Verfassungsänderung, wozu eine Zweidrittel- Mehrheit nötig wäre, die sie nicht haben. Ein weiterer Beschluß der konservativen Mehrheit fordert die Regierung auf, dem nächsten Landtage eine Vorlage zur Neu- regelung der großstädtischen Wahlkreise zu unterbreiten, und zwar dergestalt, daß auf die Einführung der Verhältniswahl Rücksicht zu nehmen ist. AuS diesem Beschluß geht hervor, daß die Konservativen im nächsten Landtag auf eine Zweidrittelmehrheit infolge des neuen Wahlunrechts rechnen, auf Grund der sie dann eine Wahlkreisänderung durchführen wollen. Schließlich gelangte noch«in konservativer Antrag zur Annahinc, »vonach für die Wähler zweiter Klasse, die nur eine Stimme haben sollen, eine Altersklasse gebildet werden soll, mit der Maß- gäbe, daß alle über 50 Jahre alten Wähler dieser Klasse eine Zuschlagstimme auf Grund des Alters erhalten sollem politische(Übersicht. Berlin, den 2. Dezember 1908. Der Mauu für alles. Der preußische königliche Landrat ist auf dem Gebiet der Ver- waltung und Politik das. Ivos im sogenannte» einfachen bürger- lichen Haushalt das„Mädchen für alles" ist. In seiner Person konzentriert sich nicht nur die Vcrtvaltung seines Kreises, sondern auch dessen politisches, religiöses, sittliches, wirtschaftliches und künstlerisches Leben. Ein richtiger Landrat kann, weiß und sorg: für alles. Er führt nicht nur mit weiser Umsicht die Vcrtvaltung seines Amtsbezirks, sondern er organisiert auch mit strategischein Geschick die konservativ«» Wahlsiege, vertritt mit Sachkenntnis die Wünsche der ländlichen Großgrundbesitzer, achtet auf Kirchenbesuch und Moral der„KreiSeingescjsencn". arrangiert KaisergeburtStags- feiern und WohltätigkeitSfeste, Pferde, und tzunde-Wettrenncn. schlichtet Rangstreitigkeiten, unterstützt»nit väterlichem Wohlwollen die Bestrebungen zur Hebung der Pferde- und Rindviehzucht usw. Selbst das geistige und künstlerische Leben seines Kreises findet an ihm einen sachverständigen Förderer,»vie er denn auch, fall» er seiu« Aufgabe richtig erfaßt, sogar dafür sorgt, daß seine„Kreis- eingesessenen" regelmäßig zur Erivciterung ihrer Bildung Theater- Vorstellungen bejuchm. An der Spitze des„Gnejenrr Kreisblatt»" bom 22. November erläßt z. B. der Gnesener konigl. Landrat in großer, fetter Schrift folgende Bekanntmachung: Ich nehme Veranlassung, die Krciseingcscssenen hiermit auf die im G a w e l l s ch e n Etablissement zurzeit stattfindenden Vorstellungen des Posenschen Provinzialtheatcrs hinzuweisen. Leider hat dieses Unternehmen, das sich des besonderen Wohl- wollens Seiner Exzellenz des Herrn Oberpräsidenten erfreut, bei seiner diesjährigen Spielzeit durchaus nicht die erwünschte Unterstützung seitens des Publikums durch regen Besuch erfahren, so daß zu befürchten steht, daß eine Wiederholung dcS Gastspiels in Zukunft nicht wird stattfinden können. In Anbetracht der anerkannt guten Leistungen deS Theaters dürfte es im Interesse dcS Publikums liegen, das Theater während der kommenden letzten Woche feines Gastspiels noch recht häufig zu besuchen. Der Landrat- ES gibt doch noch gewissenhafte Beamte. Der königlich-litcrarische Hofbcrichtl Wir teilten kürzlich mit. daß S. M. eine große Umwälzung zu wünschen geruhten: Die Hof- berichte sollen in Zukunft die königlich-kaiserlichen Nichtigkeiten nicht mehr breittreten, sondern sich auf das Wesentliche be? schränken. Der Oeffentlichkeit soll z. B. vorenthalten werden, wieviel Böcke irgendein kaiserlicher Prinz geschossen, wieviel Flaschen „Schampui" er bewältigt hat und dergleichen mehr. Um nun ganz sicher zu gehen, daß die Geschichte auch klappt. wird der Hofbertcht vor der Veröffentlichung von jetzt ab, so wird glaublvürdig mitgeteilt, dem Königlichen Literarischen Bureau des Staatömini st eriums(für preußische An» gclegenheiten) und dem Pressedezernat des AuSwär- tigen Amts(für Airgelegenheiten des Reiches) vorgelegt Werdenil Gestern abend brachte die bürgerliche Presse einen Bericht über die Immatrikulation deS Prinzen August Wilhelm, des vier- semestrigen Schnelldoktors an der Berliner Universität. Es ist— wie früher— genau mitgeteilt, wie der Kaiferfohn bei dem feier- lichen Akte„sich räusperte und wie er spuckte". Also sind die beiden neuen Kontrollinstanzen noch nicht in Tätigkeit getreten, oder aber sie hielten jene Mitteilungen für eminent wichtig und ließen sie deshalb passieren... Eine bescheidene Anfrage: Ist auch Sorge getragen, daß die königlichen Hofberichtsliteraten lesen, was ihnen vorgelegt wird. dgß sie nicht etwa in Bernhard Bülows Spuren wandeln?»»» Liman als Leibjournalist des Blocks. Eine Korrespondenz meldete dieser Tage, daß ein Berliner Verlag eine geitschrift herausgeben wolle, die den erhabenen Zwecken des Blocks dienen, auch den Namen.Der Block" führen und aus- gerechnet den unsäglichen Rechts- und Linksschreiber Liman zum Chefredakteur haben solle. Sinn ist i» der Tat in dem betreffenden Verlage eine„Zeitschrift für nationale Politik" erschienen, die zwar den Namen.DaS Deutsche Poll" führt, auch den famosen Forik nicht als Chefredalteur nennt, aber offenbar mit dem an- gekündigten literarischen Unternehmen identisch ist. Ehren-Liman figurier: wenigstens unter den Mitarbeitern, von denen neben dem Dr. Arendt, Dr. Karl Peters, dem Jannschauer O l d e n b u r g, dem Freiherrn V. Z e d l i tz. dem heiligen Paasch«, dem Reichsver- bandS-Liebertlund anderer Größen der Scharfmachersippe auch die .freisinnigen" Herren Eickhoff. Heckscher, Müller- M e i n i n g e n und— natürlich I— M u g d a n genannt werden I Eine nette Gesellschaft, die sich da unter dem RedaktionSszepter deS Ltman zusammengefunden hat! -- Die Kosten des ostasiatischen Expeditionskorps werden nach der Neueiiiteiliing nunmehr zum Teil von der Marine- Verwaltung, zum Teil auf den außerordentlichen Etat übernommen, und zwar beträgt die beim Marine-Etat angeforderte Summe für das ostasiatische Detachement 2 147 488 M. Die im außerordentlichen Etat angeforderte Summe für die Verwaltung de? Detachement» beläust sich auf 1170 401 M. Zusammen also kostet die ostasiatische Expedition im Jahre lOOll 3318 Ö79 M. Wenn man bedenkt, daß im vergangenen Jahre von allen Parteien des Reichstags die Zurückziehung des DetachementS ge- fordert wurde, könnte man vermuten, daß nunmehr in dieser Neuformation ein Entgegenkommen jenen Wünschen gegenüber zu erblicken wäre, man täuscht sich aber; die Forderung für dieses Jahr beträgt 263677 Mark mehr als im ver- gangenen Jahre!_ Vom Wahlrechtskampf in Sachsen. Dienstag abend fanden in ganz Sachsen DemonstrationS- Versammlungen statt, die sich mit dem sich gegenwärtig wieder im Landtage abspielenden Skandal der Wahlrechtsverstümmelung be- faßten. In Dresden fanden sechs überfüllte Verfamm- l u n g e» statt, die zum Teil polizeilich abgesperrt wurden. Ein ungeheures Polizeiaufgebot hatte alle Zugänge zum Schloß und auch die Brücken besetzt. In der Neustadt zogen zirka 700 bis 600 Personen unter Hochrufen auf das allgemeine Wahlrecht durch die Straßen. An den Brücken wurden sie von der Schutz- Mannschaft zurückgedrängt, doch verlief glücklicherweise alles ohne Zwischenfall. Die bürgerliche Presse bringt alarmierende Nachrichten über den Ausfall der Demonstrationen, doch entbehren sie jeder Grundlage. Das Polizeiaufgebot erwies sich als völlig überflüssig und war höchstens geeignet. Zusammenstöße herbeizuführen. Sehnlich wie in Dresden verliefen die DemonstrationS- Versammlungen überall: Durchgehend sehr starke Beteiligung, aber ruhiger Verlauf. Gerichtsentscheidungen zum Bereinsgesetz. Der RegierungSprSsident zu Oppeln hatte im vorigen Jahre an die ihm nachgeordneten Polizeibehörden eine Anweisung ergehen lassen, wonach vom Veranstalter solcher Versammlungen, in denen öffenlliche Angelegenheiten erörtert oder beraten würden, die Entfernung von Ausländern zu verlangen sei. Als nun der Neckitsanwalt RatajSki«ine Sitzung des polnischen WahklomiteeS für Ratibor anmeldete, erhielt er eine polizeiliche Ber- fügung, daß die Teilnahme von Ausländern als unzulässig angesehen und untersagt werde. Die Sitzung selbst, an der acht Komiteemitglieder, zwei Zuhörer und zwei Polizeibeamte teilnahmen, fand unbeanstandet stall. RatajSki beschwerte sich wegen der Verfügung. Die Au- ordnung, daß Ausländer nicht zuzulassen seien, entbehre jeder gesetzlichen Grundlage. Regierungspräsident und O b e r p r ä s i d e n t wiesen die Beschwerde zurück. Der Oberpräsident führte auS: Allerdings zähle das Vereinsgesetz(waS auch auf daS Reichsvereinsgesetz zutrifft) die Teilnahme von Ausländern nicht unter den Gründen zur Auf- lösung einer Versammlung auf. ES sei aber klar, daß den Ausländern nicht die Rechte der Inländer zustehen. Zwecks Vermeidung der härteren Maßnahme der Ausweisung werde man daS Recht haben, die Teilnahme von Ausländern an solchen Versammlungen zu verhindem, wo sie sich lästig»lachten. Hier komme in Betracht, daß es notorisch sei, daß die groß- Polnische Bewegung an Stärke zugenommen habe. Mit der öffent- lichen Sicherheu, Ruhe und Ordnung sei unvereinbar die Teilnahme von Ausländern an politischen und an solchen Versammlungen, die der Verbrüderung der Angehörigen deS ehemaligen polnischen Staates dienten.— Das O b e r v e r w altuugsgericht erkannte indessen am 27. November aus die Klage N.s, daß der Bescheid des Oberpräsidenten aufzuheben und die polizeiliche Verfügung außer Kraft zu setzen� sei. Die Gründe wurden nicht verkündet. »* V ersammlungenunk erfreie m Himmeldurfen in einen Saal verlegt lv erden, so hat das BreS. lauer Oberlandesgericht jetzt in einem konkreten Falle endgültig entschieden. Es handelte sich um eine Landtagswähler- Versammlung, die für den Abend des 20. Mai nach dem Garten eines BreSlaucr Etablissements einberufen worden war. Infolge Regenwetters wurde die Versammlung auf Vorschlag des überwachenden Kommissars nach dem Saale verlegt. Später erachtete die Polizei dies als eine Hebertretung d e S Vereinsgesetzes. Das Schöffengericht sprach den Ein- berufer jedoch frei, indem es annahm, die Versammlung im Saale sei dieselbe gewesen, wie die für den Garten genehmigte, da sie auf demselben Grundstück stattgefunden habe und die Besucher wie daS behandelte Thema ebenfalls die gleichen gewesen seien. Auf die Berufung des Staatsanwalts erkannte die Straf- kammer, es habe sich nicht um die gleiche Versammlung ge- handelt. Freisprechung habe aber trotzdem zu erfolgen, da die Ver- sammlung eine Versammlung der Wahlberechtigten ge- Wesen sei und diesen Charakter auch durch die Anwesenheit von Frauen und dadurch, daß die Hauptrednerin eine Frau, Genossin Zictz, gewesen sei, nicht eingebüßt ha b e. Das Oberlandeögericht hatte sich nunmehr mit der Revision der StaatSanwalischaft zu beschäftigen, die den Stand- Punkt vertrat, daß Frauen an Versammlungen der Wahlberechtigten nicht teilnehmen dürften, obne daß die Versammlung diesen Charakter verliere. Die Revision wurde verworfen, wobei sich das Gericht de in Urteil deS Schöffengerichts anschloß. Da eS sich demnach aber um die gleiche Versammlung gehandelt habe, die für den Garten genehmigt tvar, ließ das Gericht leider die Frage ungeprüft, ob die Versammlung trotz Anwesenheit der Frauen als Wählcrver» sammlung anzusehen war, so daß sich für Breslau noch weitere Prozesse notwendig machen werden, um das Vereinsrecht der Ar- beiter vor den DemolierungSgclüsten der Polizei zu schützen. Die Noblesse der Aktionäre von Radbod. Der Führer der christlichen Bergarbeiter, Effert. Mitglied ber Siebcnerkommission. hat in einer Versammlung in Hannover über die zunehmende Unzuftiedenheit der Ruhrbergleute gesprochen. Bei dieser Gelegenheit betonte er. daß die Zeche Radbod zwar 60 000 M. für die Hinterbliebenen gespendet hat, aber bei ber Zahlung deS letzten Lohne? an die Hinterbliebenen der noch in der Tiefe ruhenden Bergleute die Strafgelder im Betrage von etwa 400 M. abgezogen hat. Das habe eine ungeheure Erregung unter der Arbeiterschaft hervorgerufen.—___ Zur bayerischen Steuerreform. Nachdem bereits die meisten deutschen Staaten ihre direkten Steuern reformiert haben und vom Ertragssteuershstem zur all- gemeinen Einkommensteuer übergegangen sind, denkt man auch in Bayern ernstlich an die Revision der direktm StaatSsteuern. In Bayern werden erhoben: Grund» und Haussteuer, Geiverbcsteuer, Einkommensteuer. Kapitalrenteissteuer, nebenher Wandergewerbcsteuer und Waren- hauSsteuer. Steuern, die zu großen Härten führen, ohne besonders ergiebig zu sein. Die letzte Stenerreform im Jahre 1800 war ein Flickwerk. Zu der Zeit hatten die Liberalen mit den Bündlern und Sozialdemokraten die Mehrheit in der bayerischen Abgeordneten- kammer. Unsere Parteigenossen) drängten auf eine gründliche Steuerreform, wofür aber weder die Liberale» noch daS Zentrum zu haben waren. So ließen die bürgerlickxn Parteien die günstige Zeit für eine Stenerrcforni verstreichen. Nun die Verhältnisse un- haltbar geworden sind, muß die Revision erfolgen, in der Zeit einer schweren, wirtschaftlichen Krise, die natürlich einer Steuerreform sehr ungünstig ist. Aber gründliche Arbeit wird auch jetzt nicht ge- wacht. Die Regierung hat zehn Gesetzentwürfe vorgelegt. Sie. betreffen die Besteuerung von Einkommen, Gewerbe, Kapital- renten, Grund- und Hausbesitz, Gemeindesteuern, WarenhauSsteuer, Wertzuwachssteuer, BesitzveranderungSabgaben, Hundesteuer und ein Einführungsgesetz. Hauptsteuer ist die Einkommensteuer; Ge- tverbe-, Kapitalrenten-, Grund- und Hundesteuer sollen als Er. gänzungssteuer dienen. Die übrigen Steuern werden den Ge- meinden übcriviesen, und dazu ein Umlagegesetz geschaffen. Also zunächst Beibehaltung der Ertragsstevern als Ergänzung der all- gemeinen Einkommensteuer. Nach einem nicht naher bezeichneten Zeitraum soll Einführung einer Vermögenssteuer als Ergänzung der allgemeinen Einkommensteuer und Ueberweifung der Ertrags- steuern an die Gemeinden stattfinden. Halbe Arbeit. Zur Vor- beratung der umfangreichen Gesetzentwürfe wurde ein besonderer Ausschuß von 30 Mitgliedern gewählt, in dem die sozialdemokra. tische Fraktion mit vier Mitgliedern vertreten ist. Unsere Partei- genossen haben beantragt, als Ergänzung der allgemeinen Einkommensteuer eine Vermögenssteuer mit Pro- g r e s s i o n und Zulassung des Schuldenabzuges, sowie einen Ge- setzentivurf betreffend die Ueberlvcisung der reformierten Ertrags- steuern an die Gemeinden vorzulegen. Der Ausschuß hielt am Dienstag feine erste Sitzung ab. Referent über den Einkommen- steuergesetzentlvurf ist der ZentrumSabgrordnete Dr. Heim, der sich im Prinzip ganz auf den Standpunkt der Regierung stellt, im Einklang mit der Regierung ein UebergangSstadium schaffen, eine Reform im Sinne der Sozialdemokratie aber einer späteren Zeit vorbehalten will. Der bayrische Finanzminister v. P f a f f be« zeichnete den sofortigen Ucbergang vom Crtragsstencrsystenl zur Vermögenssteuer als einen Sprung ins Dunkle, außerdem fehlten die erforderlichen statistischen Unterlagen für die Vermögens- schähungen in Bayer»». Der Korreferent Dr. O u i d d e steht in der Hauptsache auf dem Stanhpunkt des sozialdemokratischen Antrages, verlangt aber die Ueberweifung �er Ertragssteucrn an die Gemeinden bedingungslos, d. h. ohne vorherige Reform. Unseren Antrag begründete Genosse Dr. Heller. Die Verhandlungen dieses Ausschusses dürften wohl Monate in Anspruch nehmen. „Lieber 13 Jahre Zuchthaus, als zum Militär zurück!" Diese für den Militarismus nicht gerade schmeichelhafte Aeuherung tat der Soldat N e u m a n n vom 102. Jnf.-Rgt. (Zittau), als er am IS. August wegen Jahnenflucht, Dieb- stahls und einiger anderer Vergehen verhaftet wurde. Er hatte sich jetzt vor dem Dresdener Kriegsgericht zu verantworten. Am 20. April verließ er seinen Truppenteil, um, wie er selbst angab, sich dauernd seiner Dienstpflicht zu entziehen. Er wanderte nach Görlitz zu. In einem nahegelegenen Dorfe stahl er Zivilkleidung und legte sie, nachdem er alle fiskalischen Dienst- gegenstände preisgegeben hatte, an. Um nun recht schnell fortzu- kommen, stahl er ein Fahrrad und fuhr damit nach Böhmen. Hier nahm er Arbeit als Knecht an. Als er aber merkte, daß man auf seiner Spur ivar, lief er. nur mit Hose bekleidet, davon. Das Fahrrad und die übrigen Gegenstände ließ er im Stich. Bald darauf entwendete er wieder einen Anzug und wanderte, immer unter falschem Namen, weiter. Am IS. August wurde er erkannt und festgenommen. Vor Gericht gab er an, er sei deshalb weg- gelaufen, weil man ihn ungerecht im Verdacht hatte, dem Ter« gsanten Förster Geld gestohlen zu haben, und weil er von diesem verschiedentlich schikaniert worden sei. Der Dienst sei ihm ungeheuer erschwert worden, weil man fort- gesetzt etwas an ihm auszusetzen hatte. Das Urteil lautete auf 1 Jahr 6 Monate Zuchthans und 2 Wochen Haft. Außerdem er- kannte daS Gericht auf Versetzung in die 2. Klasse des Soldaten- standeS. Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von g Jahren und Ausstoßung aus dem Heer«. Blutige Kämpfe i» Kamerun. In Kamerun. demMtPerimentierfeld für koloniale'KriegS- führung, ist eS nach einer Meldung der ,, N o r d d. All g. Z t g." wieder einmal zu blutigen Zusammenstößen zwischen Eingeborenen und unserer Kvlonialmippe gekommen. DaS offiziöse Organ meldet: „Von dem deutschfreundlichen Osterhäuptling zu Batnri gegen AuSwanderungSbestrebungen noch französi- scherst) Seite zu Hilfe gerufen, war Leutnant Reuter in den ersten Septe in vertagen dorthin aufgebrochen.... Auf dem Rückmarsch zum Kadei wurde Nenter in der Nähe dieses Flusses bei dem Ort B e l i s o l e Plötzlich heftig angegriffen. Zwar gelang es dem energischen Führer, diesen Angriff zurückzuweisen, aber nicht nur seine schwache Abteilung erlitt bedeutende Verluste(von 13 Soldaten 3 tot, 3 schwer. 7 leicht verwundet), sondern auch Reuter selbst wurde durch einen Schutz in die linke Seite schwer verwundet. Der mit einer stärkeren Abteilung alsbald an Ort und Stelle geeilte Leiter der Dumestation, Oberleutnant Schipper, der die Ordnung st?) in jenem Gebiete schnell wiederherstellte, hielt die Uebcrführung des Verwundeten zur Küste unter Leitung des Stationsarztes für nötig. Auf diesem Marsche ist dann Leutnant Reuter, anscheinend infolge deS Blutverlustes, seiner Verwundung erlegen." Wir möchten wissen, mit welchem Rechte Leutnant Reuter die Eingeborenen an der Auswanderung hindern wollte! Daß die Leute nach französischem Gebiete aus- zuwandern suchten, läßt übrigens auf keineswegs günstige Verhältnisse in dem deutschen Gebiete schließen! Ob die „Ordnung", die Oberleutnant Schipper angeblich geschaffen haben will(wie viel Eingeborene mögen dabei wohl um- gekommen sein?). nicht gerade die Ursache neuer Notwehrakte sein wird, ist mehr als fraglich!— Das Misstrauen der Ovambo. Bekanntlich ist Hauptmann Franke als unerbetener Berater der Ovambohäuptlinge nach dem Ovambolande geschickt worden. Franke soll die Häuptlinge an die deutsche Oberherrs cha ft, deren vertragsmäßige Feststellung ihm bei mehreren Oberhaupt- lingen gelungen sein soll, gewöhnen und zunächst für Lieferung von Arbeitern an Stelle der ausgerotteten Hereros sorgen l Wie das„Deutsche Kolonialblatt" meldet, ist Franke bis jetzt feine Aufgabe sehr schwer gefallen. Die meisten Häuptlinge seien von größtem Mißtrauen beseelt gewesen und hätten zum Teil die umfassendsten kriegerischen Vorbereitungen getroffen gehabt. Nur dem Zureden der Missionen sei eS zuzuschreiben ge- wesen, baß schließlich eine Verständigung zustande gekommen sei. Wir wollen nur hoffen, daß das Mißtrauen der Ovambohäupt- linge nicht allzu begründet war!— Oeftemieb. DaS Standrecht über Prag? Am Mittwoch mittag IL Uhr ist über Prag und über die Ge« richtsbczirke Karolinenthal. Emicho w, Königliche Weinberge. N.u«!c kund Ziziikow dstS Titandrecht verhängt worden. In der amtlichen Bekanntmachung heißt eS: „DieS wird mit dem Befeltf kundgemacht, daß sich jedermann von allen aufrührerischen Zusammenrottungen, allen Aufreizun- gen hierzu und aller eTilnahme daran zu enthalten und den zur Unterdrückung dieser Ansammlungen ergehenden Anordnun- gen sich zu fügen hat, während jeder, der sich nach der gegen- wältigen Kundmachuna desselben Verbrechens schuldig macht, standrechtlich gerichtet und mit dem Tode bestraft wird." Trotz dieser drakonischen Maßregel ist es indes um 12'/d Uhr in dem Prager Vprort Königliche Weinberge wieder zu einem heftigen Z üf am man stoß zwischen Polizeibeamten und Ex- zedenten gekommen, bei dem vielePersonenverletzt wur- den. Nach einer zweiten Meldung find die Exzedenten tschechische Studenten gewesen und wäre eS im Riegerpark zu einer förmlichen Schlacht gekommen. Eine vielsagende Wiener Meldung lautet: Der Wiener Scharfrichter ist wegen Perhängung deS StändrechtiT über Plag nach dort abgereist. Ucber die Ausschreitungen vom DienStag meldet die Wiener„Neue Freie Presse": Starke Dragonerabteilungen säuberten nicht ohne Mühe den Graben. Gleichzeitig geriet die Polizei mit tschechischen Studenten, die einen Manifestationszug veranstaltet hatten, bei dem Bauplatz des neuen UniversitätSgebäudeS in ein heftiges Handgemenge. Nur mit großer Mühe vermochte sie die Oberhand zu behalten. Die tschechischen Studenten holten auf ihrem Zuge jede schwarzgelbe Fahne, deren sie ansichtig wurden, herunter, traten sie mit Füßen und zerrissen sie. Zahlreich waren die Ucberfälle auf Deutsche; auch der deutsche Abgeordnete Wolf wurde angegriffen mit mit Steinen beworfen. Der deutsche Dozent Kafka wurde am Hinterkopf schwer verletzt. Bei einer Dragoner-Attacke riß die Menge da» Straßenpflaster auf, empfing die Dragoner mit einem Steinhagel, fiel den Pferden in die Zügel und suchte die Reiter von den Pferden zu reißen. Die Dragoner zogen die Säbel und hieben drein. Auch auL den Fenstern der Häuser wurden Steine geworfen. ES war der helle Aufruhr und die offene Revolte. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Die nationalistischen Exzesse und ihre Folgen bedrohen jetzt auch die Funktion des Reichsparlaments. Eine Wiener Meldung behauptet, daß die tschechisch-radikalen Abgeordneten beabsichtigen, die Tätigkeit deS Reichstages lahm- zulegen. Man glaube deshalb allgemein, daß schon am Donnerstag daö Abgeordnetenhaus vertagt werde. Auch spreche man im Parlament vom Rücktritt des deutschen und des tschechischen L a n d S m a n n m i n i st e r S. DaS Wiener k. k. Telegr.-5korrsp.-Bureau weiß indes zu melden, daß in einer Beratung, an der unter dem Vorsitz dcS Ministerpräsidenten die Vorstände der deutsch-freiheitlichen Parteien, der christlich-sozialen Partei und des NarodniklubS, ferner hervorragende Abgeordnete dieser Parteien sowie die Minister Abrahamowitsch, Zacek und Schreiner und der Präsident des Abgeordnetenhauses teilnahmen. Herr v. B i e n e r t die Ver- hängung des Standrechts über Prag mitteilte und die Parteien, be- sonders die tschechischen, zur Mäßigung auffordete. Nach drei- stündigen Beratungen hätten sich die deutschen und die tschechischen Abgeordneten dahin geeinigt, an ihre Volksgenossen in Prag einen Appell zu richten, in dem sie ihre Landsleute angesichts der akute n GefahrfürdenParlamentaris- mus. die sich beim Fortbestehen der heutigen Zustände in Prag daraus ergeben würde, daß die Regierung genötigt wäre, außer- gewöhnliche Mittel zur Herstellung der Ruhe anzuwenden, zur Ruhe mahnen. * Eine letzte Meldung aus Prag von Mittwoch abend sagt: Um 7 Uhr abends promenierte auf dem Graben eine große Menschenmenge. Hier sowie in den Straßen herrschte vollständige Ruhe. Antidhnastische Demonstrationen. Brünn, I. Dezember. Während der JubiläumS-Jllnmination kam es zu lärmenden Kundgebungen der Tschechen, die Hetzlieder und die serbische Volkshymne sangen und die Polizei mit Steinen bombardierten. LS tschechische Exzedenten wurden verhaftet. Unglücksfälle beim Kaiserjubiläum. Wien, I. Dezember. Währeird der Illumination cnt- stand dadurch, daß ein Zug halbwüchsiger Burschen die Gcbordnuna Surchbrach, nächstem Man'a Tbekesra-Denkma! e!n fllrchtbateZ Gedränge, wobei mehrere Personen zu Fall kamen. Acht Per- i'siicn wurden ins Krankenhaus gebracht; zwei Personen, darunter oer nicderösterreichische Landtagsabgeordnete H ö l z l. starben in der Rettungsstation. Die Toten weisen keine äußerlichen Per- lchungen auf; sie scheinen einem Herzschlage infolge der Aufregung erlegen zu sein. Wie», 2. Dezember. Wie nunmehr festgestellt ist, sind während und nach der gestrigen Illumination im ganzen vier Personen an Herzsckstag gestorben, eine von diesen hatte außerdem Ver- letzungen erlitten. In 104 Fällen wurden Rippenbrüche festgestellt, von denen zwei schwererer Natur sind. Zwei Personen wurden ins Krankenhaus gebracht. Italien. Die auswärtige Politik. Rom. 2. Dezember. In der heutigen Sitzung der Kammer dilligte G a l l i die U n a b h ä n g i g k e i t s e r k l ä r u n g B u l- gariens, betonte, daß die Gefahr eines Vorstotzes Oesterreich- Ungarns nach Saloniki ausgeschaltet sei, und empfahl die An- nexion Kretas durch Griechenland zu b e g ü n st i g e n. Die von Oesterrcich-Ungarn für die Annexion von Bosnien und der' Herze- gowina angebotenen Konipensationen seien wertlos. Es sei Pflicht Italiens, in dem D r e i b u n d e zu verbleiben, bis der Vertrag abgelaufen sei. Später könne man denselben unter neuen Bedingungen erneuern oder sich Ruß- land, Frankreich und England nähern. Einstweilen müsse man dafür sorgen, die Grenze und die Armee zu stärken, damit Italien Herr seines Geschickes sei. S o n n i n o erklärte, daß die von Oesterreich-Ungarn gegebenen Kompensationen für die Annexion vom italienischen Standpunkt aus betrachtet nur scheinbare seien. Die von Tittoni in seiner Rede in Carate versuchte Abschwächung der Bedeutung der Annexion sei ein schwerer Irrtum gewesen. Snglancl. Die Arbeiterabgeordneten über das Urteil des Appellhofes. London. 29. November.(Eig. Ber.) Das Urteil des AppcllhofeS, daß Gewerkschaften nicht berechtigt sind, ihre Mitglieder mit Steuern zum Zwecke parlamen tarischer Vertretung zu belegen, hat allgemein überrascht. Eine derartige Besteuerung bestand bereits seit 30 Jahren in englischen Gewerkschaften, und die Richter erster Instanz haben stets in diesem Sinne geurteilt. Im Appellhofe sitzt aber gegenwärtig der Richter Farwell, der vor 8 Jahren das Taff-Vale-Urteil abgegeben hat. Dieser Richter ist durch und durch gewerkschaftsfeindlich. Von wirklicher Gefahr ist indes dieses Urteil nicht, denn eS untersagt nur Zwangsbcsteuerungen; freiwillige Beiträge sind gestattet. Und die Gewerkschafter, die gegen die Arbeiter- Partei sind, befinden sich in verschwindender Minderheit. Nach Ansicht A. H e n d e r s o n s, des Vorsitzenden der Arbeiter« Partei, wird die Angelegenheit vor die Oberhausrichter gebracht werden. Sollten diese das Urteil bestätigen, dann würde ein be- sonderes Gesetz nötig sein, das die Gewerkschaften berechtigte, für politische Zwecke Beiträge zu erheben. Keir H a r d i e war derselben Ansicht. I. R. Macdonald sagte:„Seit dem Siege der Arbester- Partei im Januar 1996 haben die Angriffe auf sie nicht ausgehört. Man sucht sie durch Meuchelmord zu vernichten. Wer da glaubt, daß das Urteil des Appellhofes ihr wirklich schaden könne, täuscht sich gewaltig. Das Urteil ist nicht mehr wie ein Nadelstich. ES wirb aber dazu dienen, die inneren Feinde der Partei ein für allemal unschädlich zu machen.... Was die Richter betrifft, die das Urteil gefällt haben, so sind es Leute, die vom Arbeiter- leben und von dessen Bedürfnissen nichts verstehen. Sie leben in der Gedankenwelt des Kapitals und sprechen Recht nach ihren Klaffenvorurieilen. Sie sind ohne Zweifel ehrlich, aber ebenso wie die Hände des Anstreichers die Farben annehmen, mit denen sie hantieren, so nimmt der Geist, der Richter den Gedankengang derjenigen Klasse an, in der sie sich bewegen."— Ein Rekurs an die Obcrhausrichter ist bei weitem nicht so aussichtslos wie beim Taff-Vale-Prozeß. Der jetzige Lordkanzler gehört der linksliberalen Richtung an und hat früher daS Taff- Vale-Urteil entschieden bekämpft. Wieder ein Erfolg der Konservativen. London, 2. Dezember. Bei der Nachwahl zum Unter- Hause in Mittel-Essex wurde an Stelle von C. Rasch (Unionist) mit 61S2 Stimmen Pretyman(Union ist) gegen Dence(Liberal) gewählt, der 3687 Stimmen erhielt. Die Majorität E. RaschS, der sein Mandat niedergelegt hatte, betrug 464 Stimmen. Sie ist also jetzt auf 2565 gewachsen. pcrllen. Um die Verfassung. Teheran, 2. Dezember.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Ein abermaliges, durch Maueranschlag bekanntgegebenes Manifest deS Schahs über die Nichtbcrufnng des MedschliS hat dem russischen und dem englischen Gesandten in Teheran der- mlaßt, neuerdings bei der persischen Regierung zu protestieren. Aegypten. Die Verfassungsbewegnng. Kairo, 1. Dezember. Der gesetzgebende Rat hat ein- stimmig beschlossen, die Regierung des Khedive zu ersuchen, ein Gesetz zu entwerfen, das der Nation das Recht verleihe, an der inneren Verwaltung des Landes wirksamen Anteil zu nehmen. Ferner möge die Regierung eine neue Versammlung mit endgültiger gesetzgebender Gewalt schaffen, deren Gesetze nur für die Eingeborenen gelten sollten. Tie direkte und indirekte Besteuerung, die.Kapitulationen, die öffentliche Schuld und die Rechte der Europäer sollen hierdurch nicht berührt werden. miti. Port-au-Prince für die Revolution. New Aork» 2. Dezember.(Auf deutsch-atlantischem Kabel.) Wie aus Port-au-Prince gemeldet wird, empörte sich die Bevölkerung gegen die Regierung und setzte sich ohne Kampf in den Besitz der Stadt. Es wurde eine provisorische Re- gierung ernannt und General Legiitime zum Präsi- deuten erwählt. Damit dürfte Präsident Nord Alexis seine letzte Position betp leren haben._ GewerklckaftUcdea. Gewerkschaftliche Jugendorganisation. Bei Besprechung der Frage, wie die aus der Schule ent- Bassens Jugend organisiert werden soll, wird des öfteren auch die an den Verband der Lithographen, Steindrncker u. verw. Berufe angegliederte Jugendabteilung erwähnt; und da bis heute hierüber verhältnismäßig wenig in der Oefsentlickkeit bekannt ist. halten wir es für angezeigt, etwas über die Ein- richtungen dieser Jugendorganisation zu berichten. Zur Gründung dieser Jugendabteilung wurde der Ber- band der Lithographen, Steindrucker u. verw. Berufe der- anlaßt durch das Vorgehen des Unkerttehinei-Schußberdandes für das Steindruckgewerbc und dem ihm zur Seite stehenden gelben Gehilfenverband„Unterstützungsverein Senefelder". Diese Maßnahmen bestanden darin, daß der Schutzverband Deutscher Steindruckereibesitzer, der unter der Leitung des bekannten liberalen Landtagsabgeordneten Dr. G e r s ch e l- Berlin steht, seine Mitglieder aufforderte, nicht nur die bei ihnen beschäftigten Gehilfen zum Eintritt in diese gelbe Schutztruppe zu veranlassen, sondern auch die Lehrlinge hier- zu zu zwingen. Alles Protestieren seitens der Lehrlinge oder ihrer Eltern nutzte nichts: der Unternchmervcrband half sich damit, daß er einfach die Kosten für die ärztliche Untersuchung und die Beiträge, wöchentlich 25 Pf., selbst bezahlte. Lehrkontrakte enthalten teilweise die Bestimmung, daß der Lehrling vcr- pflichtet ist, auf Kosten seines Prinzipals Mitglied in diesem „Unterstützungsverein" zu werden. Auch wird es dem Lehr- ling zur Pflicht gemacht, Erlaubnis einzuholen, falls er be- absichtigen sollte, irgendeinem Vereine beizutreten. Man wollte sich dadurch eine gefügige Masse sichern, die sofort hilfs- bereit zur Stelle steht, wenn es den Scharfmachern etwa wieder belieben sollte, eine Aussperrung zu inszenieren, wie etwa vor zwei Jahren. Diesem Treiben begegnete nun der Verband der Litho- graphen, Steindrncker u. verw. Berufe damit, daß er am 1. März dieses Jahres die Lehrlingsabteilung gründete. Entsprechend den Verbandseinrichtungen mit seinen Unterstützungszweigen wurde auch diese Jugendabteilung ein- gerichtet und wollen wir aus den statutarischen Bestimmungen folgendes hervorheben: Um jedem Lehrling den Eintritt zu ermöglichen, wurde der Beitrag so niedrig wie möglich be- messen, selbst auf die Gefahr hin, daß die Verbandskasse etwas darauflegen sollte, da sich dies doch als bestes Agitations- mittel erweist. Er beträgt wöchentlich 10 Pf. Von einer ärztlichen Untersuchung beim Eintritt, wie sie im gelben Ver- band festgelegt ist, wird Abstand genommen, ebenso wird auch kein Eintrittsgeld erhoben. Ueber den Zweck besagt das Statut: s) Allen Lehrlingen während ihrer Lehrzeit in der geistigen und körperlichen Ausbildung behilflich zu sein durch fachliche Ausbildungskurse, wissenschaftliche Belehrung in Wort und Schrift, und Pflege der Geselligkeit. b) Die Lehrlinge bei eintretender Krankheit mit einem Kranken- geld zu unterstützen, sowie den Eltern resp. Angehörigen beim eventuellen Ableben des Lehrlings eine Beisteuer zu den Begräbniskosten zu gewähren. c) Arbeitslosen- und Rciseunterftützung sofort nach beendigter Lehrzeit zu zahlen. Um die unter a) genannten Ziele zu erreichen, sind in den meisten Orten Fachschulen eingerichtet worden, die unter Leitung tüchtiger Fachmänner stehen. Es werden Ausflüga unternommen, turnerische und andere Spiele veranstaltet, skizziert und photographiert, Versammlungen mit Vorträgen abgehalten, Museen besichtigt usw. Auch wird eine besondere Jugend�citung herausgegeben, die in leicht verständlicher Weise diesen jungen Leuten zu Herzen spricht.— Die Leitung dieser Jugendabteilung liegt in den Händen der Ortsvor- stände. Durch dieselben werden Kommissionen von Gehilfen und Lehrlingen eingesetzt, so daß diesen jungen Leuten das Mitbestimmungsrecht gesichert ist. Die unter Punkt d) genannten Unterstützungen sind: Gewährung eines Krankengeldes von 5 M. pro Woche nach 13wöchentlicher Mitgliedschaft aus die Dauer von 13 Wochen, und nach 20 wöchentlicher Mitgliedschaft auf die Dauer von 20 Wochen. Das Sterbegeld beträgt nach 13 Wochenbeiträgen 25 M. und nach 20 Wochenbeiträgen 50 M. Punkt e) wird erfüllt durch: Gewährung von Reise- und Arbeitslosenunterstützung nach beendeter Lehrzeit, bis 30 M., wenn der Ausgelernte vorher mindestens 13 Wochenbeiträge entrichtet hat, und von 72 M., wenn er mindestens 20 Wochen- beitrüge in der Lehrlingsabteilung bezahlt hat. Sobald die Lehrzeit beendet ist, hört die Mitgliedschaft in der Lehrlingsabteilung auf und die Verbandsmitgliedschaft beginnt. In diesem Falle werden alle in der Lehrlings- abteilung bezahlten Beitragswochen zusammengerechnet und zur Hälfte als bezahlte Beiträge in allen Kassen des Ber- bandes angerechnet. Wie diese neue Einrichtung von feiten der Lehrlinge, sowie Eltern und Vormünder aufgenommen wurde, ist daraus zu ersehen, daß bis heute von den zirka 4500 vor- handenen Lehrlingen bereits 3200 Mit- glieder dieser Jugendabteilun(; geworden sind. Selbst die meisten, die von ihrem Lehrprinzipal zwangsweise in dem gelben„Unterstiitzungsverein" angemeldet wurden, traten freiwillig der Lehrlingsabteilung des Verbandes bei, so daß dadurch die sauberen Pläne der Unternehmer zu Wasser geworden sind. Angesichts dieser Erfolge wäre nur zu wünschen, daß auch andere Organisationen in dieser Weise vorgehen möchten, denn wer die Jugend hat, der hat die Zukunft. Sei-Un und Omgegend, Lohnbrllckcrei und Maßregelung. Die Firma E. Schütze. Friedenau, Hauffstr. 19, hat den Vcr- such gemacht, den zwischen Unternehmer- und Arbeiterorganisationen vereinbarten Vertragslohn zu drücken. Genannte Firma be- schäftigt Maurer, Zimmerer und Bauhilfsarbeiter. Ihre Arbeiten verteilten sich zur Zeit auf zwei Arbeitsstellen und hatte die Firma bis dato die zu Recht bestehenden Lohn- und Arbeitsverhältnisse auch anerkannt. Durch ein Schreiben mutete sie nun ihren Leuten zu, sich mit 2% Pf. pro Stunde weniger zu- frieden zu geben, doch— Edel sei der Mensch— wer nicht will, könne seine Papiere erhalten. Dieses Vorgehen begründete die Firma mit der beweislosen Behauptung, daß auch andere Firmen unter den Tarifsätzen entlohnen. Die bei der Firma beschäftigten Bauarbeiter legten kurz entschlossen gemeinsam die Arbeit nieder, waS zur Folge hatte, daß die Firma sich anderweitig um Arbeitswillige bemühte. Hiermit hatte sie aber kein Glück und sah sich demzufolge wider ihren Willen gezwungen, den regulären Lohn nach einem achttägigen Streik anzuerkennen. Jetzt hat die Firma den tariflichen Lohn anerkennen müssen; ihre alten Leute aber, die nur ihre moralischen Verpflichtungen als organisierte Arbeiter erfüllt ljaben, hat sie auf der einen Arbeitsstelle nicht wieder eingestellt, sondern als entlassen betrachtet._ Achtung, Lithographen und Steindruckerk Bei der Firma Weißbach u. Giebel drohen ernste Differenzen auszubrechen und wird bis zur Erledigung dieser hiermit über die Anstalt die Sperre verhängt. Die Ortsverwaltung. Achtung, Friseurgehilfen? Für Mitglieder sind wegen Diffc- renzen gesperrt: Kohlte, Carmen-Sylvastraße 7; Müller, Ackcrstraße 141a. Verband der Friseurgehilfen. Zwdgberein Berlin. 1 Achtung, Steinarbeiter! Die Innung kündigte UNS zu« 1. März nächsten Jahres den Tarif. Ueber die Absichten derselben ist noch nichts bekannt. Tic Ortsvcrwaltnng Berlin I des ZcntralvcrbandeS dek Steinarbeitcr Deutschlands. Oeutlebes Reich. Ter Verleumder und seine Hintermänner. Vor einigen Monaten erschienen in der bürgerlichen Presse Nürnbergs dunkle Andeutungen über„Mißwirtschaft in sozial- demokratischen Gewerkschaften". Zu gleicher Zeit lourde angc- kündigt, daß demnächst ein„Eingeweihter" mit wichtigen Elit- hüllungcn hervortreten werde. Bald daraus erschien ein Flugblatt« dessen Verfasser angeblich der Arbeiter Emil T i e t s ch, früher Mitglied des Bauhilssarbeiterverbandes, war. Darin wurde dem damaligen Lokalbcmnten R o t h m u n d, der gerade vor seiner Versetzung nach Augsburg stand, der Vorwurf der Unterschlagung und der Betrügerei zum Schaden des Verbandes gemacht, seinem Nachfolger Wolfram wurde vorgeworfen, er sage nichts, weil er selbst in die Sache verwickelt sei. Nothmuno sei nur des- balb dem Strafrichter entgangen, weil der Vcrbandsvor sitzende B ehrend und der Gauleiter Möckelmann günstig für ibn aussagten. Auch bei Veranstaliunaen der Zablstelle seien Be- trügercien begangen worden. Ten Schluß des Fjugdlatts bildete eine Warnung vor dem Baubilssarbciterverband und ein Loblicb aus den Hirsch-Dunckerschen Gewerkverein, für den auch ein An- mcldesormular angehängt war. Daraus kann mau schon ersehen, wer hinter dem T i« t s ch steckte. Die Kosten des Flugblatts sind auch von den Hirschen bezahlt worden. Wegen des Flugblatts ver- klagt, wurde T. vor einigen Wochen vom Schöffengericht wegen verleumderischer Beleidigung zu vier Monaten Gefängnis ver- urteilt. Hiergegen legte er Berufung ein. Aber vor dem Land- gericht wurde sein Lügengebäude noch drastisckpw enthüllt, als vor dem Schöffengericht. Aus dem Zeugenvcrhör geht hervor, daß R o t h m u n d den T i e t s ch-stets als Freund behandelte und ihm sogar persönliche Wohltaten erwies. Dafür dankte ihm jener da- durch, daß er in raffinierter Weise gegen ihn intrigierte und äußerte, er ruhe nicht eher, als bis R. ruiniert sei. Die Unwahrheih der in Versammlungen und gegenüber dritten Personen erhobenen Vorwürfe wurde in einer Versammlung, in der der Hauptvorstand anwesend war, festgestellt. T i e t s ch wurde aus dem Verband ausgeschlossen. Später meldete er sich zum Wiedereintritt, und Rotbmund war auch bereit, sich in diesem Sinne zu verwenden, aber T. sandte ihm dann eine höhnische Karte, aus der er auf den Wiedereintritt verzichtete. Dann erschienen die Enthüllungen in der bürgerlichen Presse. Die Hirsche witterten Morgenlust; sie nahmen sich lebhaft des Verleumders an und entwarfen mit diesem in einer Wirtschaft den Plan zu der Schmähschrift. Man hoffte damit den Zentralverband zu„zertrümmern". Das Gericht er- klärt«, daß hier ein« matzlose Gehässigkeit im Spiele sei, und suchte vergeblich nach einem Grunde dafür. Vielleicht sei es Brotneid. Die Hirsche werden den Grund wohl wissen. Das Gericht ermäßigte die Strafe auf drei Monat«, ließ aber die Qualifikatton der Beleidigung als einer verleumderischen bestehen. Die Milderung erschien ihm nur deshalb angebracht, weil T i e t f ch von Hintermännern beeinflußt wurde. Wenn diese Hintermänner auch nicht gefaßt werden konnten, so sind sie nun doch deutlich genug gezeichnet._ ArbeitLlosenzählung in Nürnberg. Der Stadtmagistrat Nürnberg hat endlich beschlossen, eine Arbeitslosenzählung vorzunehmen. Sie soll durch städtische Be- dienstete von Haus zu Haus erfolgen, da sich die Zählung durch Aufforderung nicht bewährt habe. Die Stadt wird in 214 Zähl» bezirke«ingeteilt, um die Arbeit an einem Tage erledigen zu können. Als Tag der Zählung wollte man einen Sonntag aus bestimmten Gründen nicht nehmen; es wurde daher der Donners» tag, 19. Dezember, dafür bestimmt. Zu dem Zwecke wurde» 1999 M. bewilligt. Husland. Eine Ncujahrs-Masscnaussperrung in Schweben. Der in der schwedischen Metallindustrie bestehende Tarifvertrag, der zioischen der Werlstättenvereinigung und den Verbänden der Eisen- und Metallarbeiter, der Gießer, der Grob- und Fabrikarbeiter und der Holzarbeiter abgeschlossen ist, läuft am 1. Januar 1999 ab. Er ist von den Unternehmern gekündigt worden, und es ist seitdem wiederholt versucht worden, Verhandlungen über einen neuen Tarifvertrag anzuknüpfen. Dies gelang jedoch nicht, weil die Unternehmer verlangten, daß außer jenen vier Arbeiterver- bänden auch noch die der Transportarbeiter, der Maurer, der Maler und der Klempner in das neue Tarifverhältnis aufgenommen werden sollten. Die Transportarbeiter haben sich dazu bereit er. tlärt, die drei anderen Verbände jedoch nicht, und zwar weil sie teils gar keine, teils nur wenige Mitglieder in den jener Unter» nchmerorganisation angeschlossenen Werkstätten haben, außerdem aber auch an Tarifverträge mit den Arbeitgebern in ihren eigenen Berufen gebunden sind. Die Werkstättenvereinigung beharrt jedoch auf ihrer Forderung und hat nun am Sonnabend beschlossen, daß, da die Zeit bis zum Ablauf des alten Vertrages schon zu lveit vor- geschritten sei, überhaupt nicht mehr verhandelt, sondern der alte Vertrag ohne weiteres auf 5 Jahre verlängert werden soll, jedoch nur unter der Bedingung, daß auch die Maurer, Maler und Klempner sich anschließen, und daß Aussperrungen sowie Streiks, die sich nicht gegen geltende Tarifbcstimmungen richten, unter dem neuen Vertragsverhältnis zulässig sein sollen. Falls die acht Ver- bände samt der Landesorganisation der Gewerkschaften sich nicht bis zum 21. Dezember unterschriftlich auf diese Vorschläge ver- pflichten, sollen vom 1. Januar ab alle organisierten Arbeiter der schwedischen Metallindustrie aus- gesperrt werdet-. Die Werkstattvereinigiing, die letzte der drei großen llnternehmerorganisationcn Schwedens, die in diesem Jahre eine Massenaussperrung beschließt, stellt es als ein besonderes Ent- gegenkommen hin, daß sie oen bei guter Konjunktur abgeschlossenen Tarifvertrag nur auf 5 Jabre verlängern will; ihre Absicht ist aber offenbar, die Wirtschaftskrise auszunutzen, um die Macht der Arbeiterorganisation zu brechen. Letzte JVacbncbtcn und Depefdm Protest gegen die GaS- und Elektrizitätssteuer. München, 2. Dezember.(B. H.) Der Technikerverband hat in einer stark besuchten Versammlung eine scharfe Resolution gegen die Gas- und ElckttizitätSsteuer angenommen, da der Verbund eine schwere Schädigung der Interessen der Techniker darin erblickt. Der Verband richte« an den Reichstag die Bitte, dem Gesetz die Ge« nehmigung zu versagen._ Erdbebe». Neapel, 2. Dezember.(B. H.) Meldungen auS Reggio del Calbri berichten über heftige Erdstöße, die in Mileta verspürt worden sind. Der Bevölkerung beinächtigte sich große Panik. Einzelheiten fehlen noch; man weiß nicht, ob Menschen umgekommen sind. SchiffSuntergang auf hoher See. Kode(Japan). 2. Dezember.(W. T. B.) Einer Llohdmelduteg zufolge ist der Dampfer.Ginsei Moni" auf der Höh« von Weihaiwei untergegangen. ES soll niemand gerettet sein. antw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Jnseratenftil verantw.r Th, Glocke, Berlin. Druck u.Berl?a:Lorwärt»Buchdr,v.Vkrlagsanstall Paul Singer L-Co.,Berli:iLM Htm i.$t\\m des Joniiflrtf Kerlllltt Nüldsdllltt. S-Ntt-WSS'MW.M. llaiien. wenn der Reichstag es fordert". Was dazu zu lagen ist. hat der Abg. Jiinck schon ge'agt. Aber auch ionst ist der Entlvurs eine jnristnche Ungeheuerlichkeit. WaS soll man denn davon denken, daß der Reichskalizler verantivorUich sein soll für alle Handlungen und Uilterlassniige» des Kaisers? Ebenso ist eS ungehenertich für jede» Jnriste». daß der Reichölanzler angeklagt werden soll, wenn der Reichstag ihn für schntd'g hält. verfassungswidrig gehandelt oder sonst das Wohl deS Reiches geschädigt zu baben. Nach diesem Antrage würde der Kaiser zu einer Marionette des RelchskanzlerS werden und der Reichskanzler zu einer Marionelle des Reichstages.(Sehr richtig! rechts.) Der Reichskanzler hat stets bewiesen, daß er von einem strengen Veraniwortlichkeitsgesühl geleitet ist. Ich erinnere an sein Jiidemniiätsgcsilch 1900 nach dem China- seldzug. an seine Erltärnng im vorige» Dezember, er sei bereit. zurückzutreten, wenn die Mehrheit des Blocks nicht hinter ihm stehe und an die Einreichnng seines DeinissionSgesllches in der letzten Zeit. Mehr werden Sie auch von einem Minister uiiler dem Bestehen eines VerautwortlichkeiisgesetzeS nicht erreichen.(Sehr richtig! rechts.) ES handelt sich offenbar bei dieiem Vorgehen um die Er- setziuig einer konstitutionellen Monarchie durch eine p a r l a° m e n t a r i s ch e Monarchie. Ob Sie dabei die Mehrheit des Volkes hinler sich haben, ist mir doch zlveikelhaft.(Sehr richtig l rechts.) Ich erinnere übrigens daran, daß Herr Schräder erst vor kurzem erklärt hat, die Uebertragung der englischen Verhältnisse auf unsere bnndesstaatlichen Vcrhältniffe sei unntögllch, und daß Herr v. Hertling meinte, seine Freunde legten ans neue Para- grophen keinen Wert.(Hört! hörtl rechts.) Wenn Sie auf diesem Standpunkt stehen, warum kommen Sie dann mit solchen Anträgen in einem Moment, wo wir in der inneren Politik die wichtigsten Aufgaben bei der Reichsfinanzreform zu er- süllen haben?(Sehr gut l rechts.) Weiter möchte ich betonen: wenn ein Parlament einen geringen Einfluß hat, so liegt das nicht immer an der Verfassung, sondern auch an dem Parlament. (Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Das Parla- meut hat das Recht der Adresse, eS hat das Recht der Budgetverweigerung. Ich weiß nicht, waö für stärkere Mittel Sie noch haben wollen. Wenn wir ein Ministerveranl- wortlichkeitSgesetz gehabt hätten, wäre Bismarck bei seinem Konfliil mit dem Abgeordnetenhause zu allererst von der Mehrheil für unfähilp zur Bekleidung seines Ainteö erklärt worden.(Sehr gut l recht«.) Ich möchte bezweifeln, daß der jetzige Reichstag immer die Mehiheit der Nation hinler sich gehabt hat. Ich erinnere daran. daß sofort nach den Blockwahlen ein Zank unter den Parteien ausbrach, ich erinnere auch an die letzten Debatten über die Reichsfinanzreform, bei denen die Nation wohl mehr Einigkeit und Opserwilligkeit erwarten konnte.(Lebhaste Rufe links: Gewiß, mehr Ovferwilligkeit!) Wenn wir zu einer einigen Mehrheit komnien, wird da« Parlament auch mehr Macht haben. Ein einmütiger Reichstag ist eine Macht, der kein Kaiser und kein Kanzler wider- stehen kann.(Lebhafter Beifall rechts.) Hieraus vertagt das Haus die Weiterberatung aus Donnerstag 1 Uhr. Schluß 6'/, Uhr._ parlamcntarirchca* AuS der RelchSlagSfraktlou. Als Redner zu dem ArbeitSkammergesetzeiltwurf wurden in der gestrigen Fraktionssitzung die Genoffen Legten und Bömel- bürg bestimmt. Di« an anderer Stelle von uns in» Wortlaut mit- geteilte Interpellation über die Mißhandlung des BereinSgeseyeS soll Genosse Brey begründen. Als Redner für die Debatte wurde Genoffe Ledebour gewählt._ Steuerkommission des Reichstages. Die heutige Sitzung der Steuerkommission beschäftigte sich mit der geschäftlichen Regelung der Behandlung der einzelnen Steucrvorlagen. Die Viehrheit ivar geneigt, zunächst die Bedarfs- frage in Angriff zu nehmen, also das D c f i z i t festzustellen. Die hierzu nötigen Unterlagen aus dem Reichsschatzamt können der Kommission jedoch vor Freitag nicht zugänglich gemacht werden. Deshalb kam man überein, in den Sitzungen mit der Beratung aber Schuldentilgung<8 2) und über die g e st u n d e t e n Matrikularbeiträge(Z6) zu beginnen und kann zur Be- ratung der weiteren Teile des Gesetzes über Aentzerungen im Finanzwesen überzugehen. Nächste Sitzung Donnerstag vormittags. Der Kommission gehören die Genossen Geyer, Singer und Stadthagen an. AuS der Autvmobilkommission. Die Kommission zur Vorberatung deS AutomobikgesetzeS ver- warf gestern die von der Regierungsvorlage empfohlene Abschwächung der Hastpflicht der Automobile gegenüber Eisenbahnen und ersetzte die beiden ersten Sätze der Regierungsvorlage mit acht gegen sieben Stimmen durch einen Antrag Bitter(Z.). der das Hastpflichtprinzip. das für Eisenbahnen gilt, auf Antomobile ausdehnt. Nur wurde an Stelle des Begriffs.höhere Gewalt", bei deren Borliegen nach dem Haftpflichtgesetz die Ersatzpflicht ausgeschlossen ist, der etwas weiter gehende Begriff:„unabwendbare äußere Ereig- ni sse" eingestellt. Die Beratung über 8 2 wurde begonnen und soll am Freitag fortgesetzt werden. Aus der Weingesetzkommission. Die am Dienstag eingesetzte Subkommission zur Einteilung der Weinbaubezirke hat mit erstaunlicher Schnelligkeit gearbeitet, deim ihre Vorschläge lagen tags daraus bereits gedruckt vor. Was sie vorschlug, wurde jedoch von vielen Kommissionsmitgliedcrn als unpraktisch angegriffen. Nach ihrem gegen nur eine Stimme gemachten Vorschlag sollen die Weinbaugebiete in folgender Weise gebildet werden: 1. Elsaß, Baden, Württemberg mit dem b a h e- rischen Boden sie«gebiet. 2. Franken mit dem Taubertale, die bayerische Rheinpsalz, Hessen, Nahe. preußischer Regierungsbezirk Wiesbaden und linkes Rheinufer vom Ausfluß der Na h e bis Koblenz. 3. Mosel, Saar und die sonstigen Teile der Rheinprovinz. 4. L o t h r i n- gen. b. Die östlichen deutschen Weinbaugebiete als Einzelgebiete. Diese Einteilung wurde von keiner Seils als mustergültig an- erkannt, weil hier Weinlagen miteinander verbunden sind, die keine innere Verwandtschaft besitzen. Die Bildung von Weinbanbezirken geschieht zu dem Zwecke, die Zuckerung besser beaufsichtigen und kontrollieren zu können. Denn Absatz 3 des§ 3 bestimmt, daß die Zuckerung nur innerhalb desjenigen Weinbaugebietes vorgenommen werden darf, aus tvelchcm die Trauben stammen. Es wurde in der Debatte darauf hingewiesen, daß die Großhändler von dieser Bestimmung nicht getroffen iverden würden, weil sie in jedem für sie in Frage kommenden Wcinbaugebiet, wenn sie das für vorteilhaft halten, eine Wcinkcllerei errichten können! Anders bei den Kleinen, die im Einkauf der Trauben und des Moste? ganz unnötigerweise beschränkt werden. Bei der Abstimmung wurde der Antrag mit 17 gegen fünf Stimiiien angenommen. Verschiedene Mitglieder erklärten, daß sie sich vorbehalten, bei der zweiten Lesung erneut Vorschläge zu machen. Ein Antrag Manz, die östlichen deutschen Weinbaugebiete als ein einziges Weinbaugebict gelten zu lassen, wurde gegen vier Stimucen abgelehnt._ Drucksachen. Aus dem Reichstag. ReichShauShaltS-Etat für 1999» S Bände i» Einzelheiten. Haushalts- Etat für die Schutzgebiete auf das Rechnungsjahr l900. Die FrauemiOftfmnz in veMhtohmen. Die proletcirffche Fraitenbewegniig ist unverkennbar im Aufstieg begriffen. DaS bekundet nicht nur die lebhafte vielseitige Ägitalion, sondern auch die Loslösung so vieler für die Propaganda werlvoller Kräfte. Damit soll nicht gesagt sein, daß ein Gefühl der Zufriedenheit Platz greise» soll. Das tömite nur hindernd für die weitere Arbeit sei». Aber die Geuilgtmmg darf man wohl einpsinden. daß nicht vergeblich gearbeitet wird. Die Genngtuuiig, daß der lozialdenrokratische Gedanke selbst bei den so schiver zu ecobernden Frauen immer tiefere Wurzel» faßt. Und was Agitation unter den Frauen heißt, kann wohl nur der beurteilen, der sich selbst der Mühe unterzogen hat, aus dieiem AgitationSgebiete tätig zu sein. Wieviele Vorurteile müssen da erst ausgemerzt, wieviele Bedenken überwunden werden! Wie oft bält man selbst inne und fragt sich immer wieder, ob'S nicht Sisyphusarbeit ist, die man vollbringt. Wie sträflich aber gerade Mulloiigkeit wäre, zeige» die Fortschritte, die dennoch gemacht werden. Auch in Oesterreich geht es vorwärts. Anfeuernd und aufpeitschend hat tatsächlich die Frauenreichslonferenz, die zu Ostern in Wien ftatisand, gewirkt. Daß am 22 November in Bodenbach eine Franenkonferenz für Denlschböhmen tagen lonnte, ist das Verdienst der Rcichskonferenz. Und diese Boden- bacher Frauenlonserenz hat alle auf sie gesetzten Hoffnungen erfüllt. Die Beschickung war eine außerordentlich gute. 54 Delegierte waren aus zahlreichen Orten gekommen. Aber waS nicht weniger wicdtig ist, auch die Parteikorporalionen Deurschböhmens haben der Konserenz Sympathie und Interesse ent- gegengebracht. Die Reichs- und Landesverlretung, die Zentrale der Gewerkschaften, die Bezirks- und Kreisvertretungen und einige deulschböhmische sozialdemokratische Abgeordnete waren anwesend. Das Erfreulichste aber war, zu sehen und zu hören, daß eine große Zahl Genossinnen geschult und intelligent genug ist. um selbst in wirksamer Weise das Wort ergreifen zu löunen. Dle Baumeisterinncn sind da. eS handelt sich nur darum, das Material in guter, zweck- entsprechender Weise zu verwerten. Ein Grundzug der österreichischen Arbeiterdeivegnilg war es immer, die Not- wendigkeit der gewerkjchafilichen Organisationen in den Vorder-- grund zu stellen und nie den Gedanken auskommen zu lassen, als ob die Zugehörigkeit zur politischen Organisation die Äbseiilierung von der Gewerkschaft entschuldigen könnte. Dasselbe zeigt sich bei den Frauen. Die Nesolutton, die zur Organisation ge- saßt wurde, setzt die Gewerkschastsorganisation an die erste Stelle. ES heißt: Die am 22. November lSOS tagende erste Konferenz der deutschböhinischen Genossinne» beschließt, sich für die gewerkichaft- liche und politische Organisierung der Frauen auf das eiftigste zu betätigen. Die Konferenz hält es für eine der wichtigsten Ausgaben, dafür zu wirke», daß alle industriell und gewerblich arbeitenden Frauen und Mädchen den für ihre Branche bestehenden gewerk- schastlichcn Organisationen beitreten und cS ist Pflicht jeder Ge- nosstn, unter den Arbeiterinnen in diesem Sinne zu agitieren. Für alle Frauen und Mädchen der arbeitenden Klaffen sollen überall, wo dies möglich ist und wo noch keine sozialdemokratische Fraiieilorganisation besteht, freie polltische Fraucnorganisationen gegründet werden, gemäß den Beschlüssen der dritten sozialdemo- kcatischen Frauenkonferenz in Wie» im April 1903. Die politischen Frauenorganisationen sollen mir im Ein« vernehmen mit den Orgonisalionen. die sich im betreffenden Orte befinden, gegründet iverden und sollen die Genossinnen trachten, daß ihnen in allen Ausschüssen ein Vertretungsrecht eingeräumt wird im Interesse der Einheitlichkeit der Partes Die Genossinnen habe» außer ihrer Tätigkeit für die Auf- klärung und Organisierung der Frauen, alle Aktionen der Partei- «nd Gewerkschaftsorganisalionen mit allem Nachdruck zu unter- stützen. Als Beitragsleistung wurden 30 Heller pro Monat festgesetzt einschließlich de« Bezuges der„Arbeiteniinen-Zeitung". Gewerkschaftlich organisierte Arbeiterinnen könne» mit 10 Heller Monatsbeitrag Mitglieder der politischen Frauenorganisatlonen werden. Hier wird unterschieden zwischen Arbeilerinnen. die von ihrer Gewerlschaft die.Arbeilcrimien-Zeilung" anstelle des Fach« blatteS erhalten und solchen, die sie nicht erhalten. Diese zahlen samt der„Arbeiterimlen-Zeitimg" 20 Heller pro Monat. ES ist also den verschiedenen Verhältnissen entsprechend mit drei Beitrags- raten zu rechnen. Es soll eben sehr vielen Frauen der Beilritt ermöglicht werden und auch die„Arbeiierimien-Zeitung" soll möglichst Verbreitung finden. Um eine einheitliche Organisation zu schaffen und um die Agitation planmäßig zu vollführen, wurde ei» Agitalionskomitee gewählt, in den, jene Orte vertreten sind, wo schon bisher am erfolgreichsten für die Organisation der Frauen gearbeitet wurde und wo geschulte, erfahrene Genossinnen vorhanden sind. Dieses Komitee hat im Eiiivernehmen mit der LandeSvertretung in Teplitz und mit dem Frauen-Reichskoinitce in Wien� zu arbeiten. Die Landesvertretung -hat durch ihren Vertreter erklärt, daß sie das Komitee nicht nur „moralisch" sondern auch materiell unterstützen wird. Bon den ivciteren Verhandlungen heben wir noch eine Resolution hervor, die sich gegen dieBerschleppnng der böhmischen LandtagSwahlreforrn wendet und die erklärt, nur eine solche Wahlreform als eine befriedigende anzusehen, die das allgemeine, gleiche und direkte, aktive und passive Wahlrecht für Männer und Frauen zur Grundlage hat. Bekaimllich habe» nach der bisherigen böhmischen LnndeSwahlordnung alle Frauen, die niindestenS 3 Kronen Steuer zahlen, das aktive und passive Wahlrecht. Den Gelüsten, die Wahlreform zum böhmischen Landtag mit der B e s e i t r g u n g deS beschränkten FrauenwahlrectitS zu beginnen, muß beizeiten entgegengetreten und ausgesprochen iverden, daß das Wahlrecht auf alle Männer und Frauen auszudehnen ist. So hat die Konferenz mannigfache Anregungen gegeben, und sie wird dazu beitragen, die Srbciteriuneilbcwcgung ein Stück nach vor- wärtS zu briugeu._______ Sozialea* Wcindcrarmr. Die Lobredner unserer bürgerlichen Gesellschaft und des herrschenden Produktionssystems„beschäftigen" sich natürlich anch mit den Echaitenseiten desselben. Sie diskutieren z. B. die Arbeits- losigkeit, je nach' ihrem BerstäudniS, und hoffen mit schönen oder bösen Woitcn diese Frage„gelöst" zu haben..Mutige" gehen auch noch an schwerere Fragen heran, denn das Rede» i>l ja ruilerhaltend. So befaßte sich z. B. die 23. JahreSversannnlung deS Vereins für Armelipflege und Wohltätigkeit mit der Frage:„Die BeHand» lung«rwerbsbeschränkter und erwerbsunfähiger Wanderarmer." MagistratssyiidikuS Dr. Luppe-Franksurt a. M. als Referent meinte, daß die Ziffern der Wandernden schwanken, je nach der niehr oder mindcr günstigen Lage des ArbeilsinarkteL sich richten. Schlimmer sind natürlich diejenigen Wanderer daran. ,ole wegen eines angevorenen körperlichen ober geistigen Defektes keine regelmäßige Arbeit finden, und solche, die infolge de-Z Manderns und feiner Gefahren oder aus anderen Gründen sich körperliche oder sittliche Defekte zugezogen haben." Deshalb mehr WanderarbeilLstätten! Da aber bekanntlich, wie auch die Kasieler Mucker erst unlängst jammerten, diese Man- derer die errichteten Wanderarbeitsstätten fliehen, in loeitem Bogen um Kassel wandern, um ja der gepriesenen Fürsorge nicht teilhaftig zu werden, so müssen Zwangsmittel angewendet werden I! Daß bei solchen Diskussionen die Pfaffen nie fehlen, die bekanntlich anderen Leuten daS Arbeiten gern empfehlen, ist klär. Sie sind natürlich für scharfe Zwangsmittel gegen die Faulenzer und brachten «S fertig, daß die Versammlung folgende Leitsätze annahin: I. Die Grundlage der Fürsorge für die erwerbsbeschränkten und erwerbsunfähigen Wanderarmen bildet eine geregelte und all- gemein durchgeführte Wanderfürsorge mittelst Wanderarbeitsslätten uild zeitgemäß umgestalteter Asyle für Obdachlose. II. Als Ergänzung der Fürsorge ist die Gewährung von Zwangsmitteln gegen solche Wanderarmen erforderlich, die eine geregelte Fürsorge ablehnen, insbesondere der zwangsweisen armcupolizeilichen Einweisung und Festhaltung in einer geeigneten Anstalt. III. Wanderarnie, die wegen erheblicher geistiger oder körperlicher Mängel der Anstaltspflege bedürfen, sind von den Armenverbändcn in geeigneten Anstalten unterzubringen. IV. Für die der Änstaltspflege nicht bedürftigen Erwerbs- beschränkten sind durch Staat und Gemeinden und zu ihrer Er- gänzung durch die freie Liebcstätigkeit Einrichtungen zu schaffen. die wie Arbeiterkolonnen, Brockensammlungcn, Schreibstuben, Ar- beitcrkolonien usw. die Möglichkeit von Beschäftigung gewähren, sowie Einrichtungen, die in planmäßiger Weise Arbeil vermitteln. Wanderarbeitsslätten unter Leitung der Mucker ist also jetzt das Allheilmittel, und„liberale" Redner treten warm dafür ein l Wer nicht willig einntritt, dem hilft der— Gendarm„liebevoll" schon nach, wenn die„erforderlichen Zwangsmittel" mal alle zur Anwendung kommen können. Die Aermsten müssen für ihre Gebrechen nochmals gestraft werden, selbst wenn sie, wie der Referent selbst zugibt—„geistig defekt" sindl Der Gendarm kann dies ja gut unterscheiden, auch ob wegen„erheblicher geistiger Mängel" besondere Änstaltspflege nötig ist! Bon dem preußitchen Ausnahmegesetz gegen ländliche Arbeiter. Der russische Landarbeiter Sikora wurde am 7. Oktober d. I. auS seiner Arbeit aus der Domäne Groß-Ammenslebeno habe der Landrat. durch die Verordnung des Regierungspräsidenten nicht zuständig gemacht werden löunen. Jene Verfügungen müßten darum wegen Unzuständigkeit deS Laud- ratö aufgehoben werden._ Der adlige Angestellte und der bürgerliche Prinzipal. Sonderrechte für den Adelsstand glaubte ein adliger HandlungS- gehilfc auch in seinem Verhältnis zum Chef, wie die am Dienslag stattgehabte Verhandlung vor dem Berliner Kaufmanns- g e r i ch l ergab, für sich in Anspruch nehmen zu dürfen. Vor der vierten Kammer erhob der Reilende Freiherr v. Keller gegen die Berlin-Lichtsnberger Melasiefabrik, Inhaber I. Joseph einen Anspruch auf Restgehalt. Er war aus folgenden Gründen seines Postens sofort enthoben worden: Während v. Ä. auf der Reise war, kam eö wegen der Provision zu schriftlichen Auseinandersetzungen. Der Kläger verlangte eine Provisionszahlung. die ihm nach seiner Ansicht noch zustand, worauf ihm der Chef schrieb, er möchte derartige„Provisionsanzapfungen" unter- lassen. Darauf antwortete v. K. mit folgenden Worten:„Ich verbitte mir derartige Dreistigkeiten, solche G e in e i n- heite n sagen Sie sich unter Ihresgleichen!" Der Beklagte glaubt, auf Grund dieser Beleidigungen die Bc- rechtigung zur sofortigen Entlastung zu haben, v. K. dagegen ist der Ansicht, daß, wenn in seinem Schreiben überhaupt eine Be- leidigung zu finden sei, diese zum mindesten durch das Verhallen des Beklagten kompensiert worden wäre. Der beklagte Prinzipal machte de» entgegenkommenden Vorschlag, dem Kläger Vergleichs- weise 82 Mark zu zahlen, sofern dieser die Beleidigung zurücknimmt, v. K. wollte aber eine Zurücknahme seiner Worte mit 100 Mark bewertet wissen, wodurch der Vergleich scheiterte. DaS Kaufmannsgericht hielt die E n t l a s s u n g des Klägers für gerechtfertigt. Wenn auch letzterer durch den Brief des Beklagten in eine gereizte Stimmung versetzt worden sein mag, so durfte er als gebildeter Mann sich doch nimmermehr so weit ver- gessen, an seinen Prinzipal einen Brief so gröblich beleidigenden Charakters zu richten. Seine Klage ans Zahlung des Restgehaltes war daher a b z u w e i s e n._ Gerichts-Zeitung. Und immer»och Bolksschnllehrrr! Der 30 Jahre alte Volksschullehrer E d. Andre aus Sierckrade, der in seiner neunjährigen Lehrtätigkeit bereits die vierte Stelle bekleidet, mehrfach mit feiner vorgesetzten Schulbehörde und dem Strafrichter wegen Ueberschreitung des. Züchtigungsrechts in Konflikt gekommen und neben kleineren Strafen dieserhalb auch schon mit 100 M. vorbestraft ist, hatte sich kürzlich abermals wegen gefähr- l icher Körperverletzung im Amte vor der Straf- kammer in Duisburg zu verantworten. Trotz aller Ver» Warnungen und den Lorstrafen hatte dieser Jugendbildner — dem noch dazu die jüngste Klasse anvertraut ist— abermals den Stock in einer solchen Weise in Anwendung gebracht. daß ein kleines, schwächliches, körperlich zurückgebliebenes Kind. das außerdem noch an einem Gehörfehler leidet, die Spuren dieser ErziehmigSmethode nicht nur sehr deutlich auf dem Rücken und an den Händen trug, sondern auch am Kopf and hinter den Ohren. Wie arg die Prügel gewesen sein muffen, läßt sich ungefähr daran ermessen, daß der behandelnde Arzt zunächst eine dauernde Schädigung der Gesundheit des Kindes befürchtete, doch hat sich glücklicherweise diese Befürchtung nicht bestätigt. Auch der zuständige Kreisschulinspektor stellle dem Angeklagten kein gutes Zeugnis aus. bezeichnete ihn vielmehr als denjenigen Lehrer seines Bezirks, der ihm die meisten Schwierigkeiten bereite. Selbst der Gerichts- Vorsitzende gab dem Angeklagten den Rat, sich doch lieber einer anderen Tätigkeit zuzuwenden, wenn er sich nicht beherrschen könne. Danach hätte man erwarten sollen, der Angeklagte würde einen Denkzettel erhalten haben, der ihm die weitere„Erziehung" der Jugend verleidet. Doch es kam anders. Schon der Herr Staatsanwalt ließ Milde walten, indem er nicht vorsätzliche, sondern nur fahr- lässige Körperverletzung annahm und dcnrcntsprechend keine Gefängnisstrafe sondern nur Geldstrafe, allerdings in.Höhe von 300 M. beantragte. Dock das Gericht, dessen Lorsitzender kurz vorher dem Angeklagten einen Berufswechsel angeraten hatte, ging noch erheblich unter das beantragte Strafmaß hinunter, indem es nur ans— 75 M. erkannte.— Ob ein Lehrer an einer höheren Schule unter denselben Umständen auch wohl so glinipflich davon gekommen wäre? Das schlimmste aber ist, daß der Mann noch weiter als„Erzieher" auf die Botksschüler losgelassen werden kann. Im Prozeß Riedel wurde gestern das Ablehnungsgesuch des Angeklagirn für un- begründet erklärt und die Verhandlung selbst unter Ausschluß der Oeffcntlichkeit fortgesetzt. Vermischtes. Das Amtsgeheimnis. In Ludwig Thomas neuer Komödie„Moral" ist eine sehr er« götzliche Szene, in der eine Wohltäterin der besseren Kreise, eine moderne Stadtheilige, d. h. eine Kokotte, von der Polizeibehörde gedrängt wird, Namen fzn nennen. Sie verspottet die Obrigkeit aber nicht schlecht, indem sie sich auf ihre Schweigepflicht beruft und sich keck mit der Polizei vergleicht, die ja auch dazu sei, die Tugend zu schützen, d. h. zu verhüllen und zu vertuschen. An diese Komödienszene erinnert lebhaft ein Borgang, der sich bei dem Ver- hör der nach der bürgerliche» Presse zweifellos wichligsten und interessantesten Person der Gegenwart. der Madame S t e i n h e i l in Paris, abspielte. Madame ist in und neben ihrer Ehe auch eine Kokotte großen Stils insofern sie nur zu Präsidenten und Millionären, kurzum Leuten von Welt(auch der König von Kon, botscha Ivird in dem bunten Gefolge ihrer Anhänger genannt, Beziehungen unterhielt. Und der Untersuchungsrichter Audrs wird zudringlich und will Namen wissen, ganz wie in Thomas Komödie. Andre: Hat die Abneigung gegen Ihren Mann Sie nicht bestimmt, anderweitige Bezichungen anzuknüpfen Z Frau S t e i n h e i l: Ich leugne es nicht, ich habe Gesiebte besessen. Andre: Sagen Sie nur die Namen Ihrer Geliebten. Frau Steinheil fährt erregt von ihrem Sessel aus und ruft: Sie. Herr Richter, Sie. ein galanter Mann, Sie fragen mich nach den Namen meiner Geliebten?! Dann etwas ruhiger: Sie wissen ja die Namen einzelner beresis. Die anderen zu nennen, habe ich keinen Anlaß. Das wäre ja eine Berletzung der professio- nellen Amtsgeheimnisse. Der Richter verbittet sich diesen Scherz und fordert fie auf, die Namen zu nennen. Frau Steinheil: Das wäre ein Verrat. lV�rdei i�Änclorl kauft isparf 1 Geld! AJANDORF&O Spittelmarkt Belle Alliancestrasse Grosse Frankfurterstrasse Brunnenstrasse Kottbuser Damm Sonntag den 6. Dezbr, geöffnet von 12—2 Ufr. Lebensmittel Donnerstag Freitag Sonnabend Soweit Vorrai Pa. Holst Cervelatwurst m l.is Pa. Holst Salamiwurst ktunäl.is Pa.Teeschlackwurst pfundl.20 Thür.Landbratwurst Ptodl.io M ettWU rst(Braunschweieer Art) Pfund Q 5 Pt Leberwurst ff............. Phmd 1. oo Landleberwurst........ Pfund 90pt Zwiebelieberwurst.ptund 43� Rotwurst I................... ptund SOpl Rotwurst II................... ptund 48« Schinkenspeck......... Pfund 1.00 Nuss-Schinken......... Pfund 1. 15 Kasseler Rippespeer Pa. Gänse................. 60« 1 Grosse Suppenhühner Schweizer Käse.............................. � 7 0 Tilsiter Käse................... �65 Pfund 7 4 Pf. 1.75,1.95 Kaffee Mischung I 11 III IV 80,95, l.io, 1.30 Dsütsolier Kakao m. HaiiOtiailSciiokolade pf. Pfund 88 pf Deutscher Kognak n. 1.00, 1.50 Rum CVerschci«)......... Flasche 1.00, 1.50 Sortiments-Liköre ca.>/, uter, n. 68 Pf. Halb u. Halb................ nasche 95 Pf. Berliner Getreide-Kümmel nasche 95pf. "t Dose Vi Dose Stangenspargel Pnma 78,1.45 Stangenspargel I 73, l.as Stangenspargel III 60, l.io Bruchspargel prima.... 58, l.os Bruchspargel o.Köpfe 38, 65pf. Abschnittspargel 29,43». Schoten feine junge.... 33,55pf. Brecf)- und Scbneidebofynen.............. V.S0S- 28 v. ...................... Pfund W WPf- v* Dose Vi Dose Schoten junge.......... 28, 45 pt Gem. Gemüse....'"Dose 43 pt Pfefferlinge......... v,Dose 45pt Getrocknete Frücf}le. Pflaumen mit Stein..... Pfund ISpl Pflaumenohne Stein.... Pfund 3 6 Pf. Prünellen, Aprikosen.... Pfund 60pf. Töfsl-Äopfel. 5 Pfund 45 Pt PJafel-Aepfel 5 � 70pl Wall-Nüsse... Pfund 28� Hasßl-Nüsse,.a.n�und40pt Ananas......... pf«mi 65 pt ApfBlSfn6n... Dutzend 35pf Zitronen...... Dutzend 30 Pf. Unsere Spezial-Preisliste über Lebensmittel ist erschienen. Zusendung auf Wunsch portofrei. Leranttvortricher Redakteur: Hans Weber. Berlin. Für dcnJnscratcmeilverantw.: Th. Glocke, Berlin. Drucku. Perlag: Porwärtc-Ppchdruckerci u. PerlagSanstalt Paul Singer L: Co., Perlin SV.'. 8r.283. W.M-M. Z. DtilkP des LgUlillg" Kttlim WlligdlM s-Wtt-w.z s-MttlM vr. Loni'sckfs vortrage. In dein Vortragszyklus über die Geschichte der fran- Musischen Revolution hielt Genosse Dr. Conrady am Montag in den Germania-Sälen vor einer zahlreichen und un- verminderten Zuhörerschar den vierten Vortrag. Ter Redner be- gann mit einem Rückblick auf den Verlauf der Revolution seit 178g und wies auf die grossen Umwandlungen hin, die bis zum Ende des Jahres 1791 vor sich gegarigen loaren. Durch die Be- wegung auf dem Lande war die Abschaffung Oes Feudalabsolutismus in der Praxis viel weiter vorgeschritten als in der Theorie. Das Steuerwesen war umgewandelt, die Kirchengüter waren ein- gezogen und mit Hilfe der Assignaten verkaust worden. Zölle und Steuerschranken, Zünfte und andere Beschränkungen waren aus dem Wege geräumt und das Bürgertum hatte sich überall eine freie Bahn für seine Entwicklung verschafft und den Grundsatz befolgt: Freiheit für den Besitz, Ordnung, die Unterordnung für die Massen. Tie neue gesetzgebenoe Versammlung, aus den Wahlen hervor- gegangen, trat am 39. Oktober 1791 zusammen und zeigte eine Umwälzung in den Parteiverhältnissen, die immer mehr aus die Einführung der Republik hindrängten. Redner schilderte die ein- zelnen Parteien, als wichtigste die Girondisten und die Linke, die aus Republikanern bestand, auch Jakobiner genannt. Sie gewann ihre Stärke durch die Klubs der Jakobiner und Cordeliers. Die gesetzgebenoe Versammlung beschäftigte sich sofort mit der Frage der Junker, die im Auslande sich gegen Frankreich verschworen, und mit der Frage der Priester, die den Eid auf die Verfassung nicht leisteten und gegen die Revolution agitierten. Den Junkern wurde aufgegeben, zurückzukehren, wenn ihre Güter nicht eingezogen werden sollten. Die lästigen Priester sollten ihre Gehälter verlieren und abgeschoben werden. Diese Beschlüsse führten zu Konflikten mit dem Hof; der König war durchaus dagegen. Unterdessen stieg die Gefahr eines Angriffs auf Frankreich vom Auslande her.� Man fürchtete in Europa, daß die französische Revolution gefährliche Wirkungen in den übrigen Monarchien auslösen könnte. Bürger liche Historiker stellen die Lage so dar, als sei Frankreich der An- grerfer gewesen, aber den Fürsten war der Zeitpunkt des Angriffs nur zu ungünstig, über ein Vorgehen gegen Frankreich war man sich einig, und die Franzosen wollten nicht länger zusehen, wie die Junker im Auslande gegen ihr Vaterlano hetzten. Die Be- Ziehungen zwischen Wien und Paris verschärften sich. Ludwig hatte jetzt ein Ministerium aus den Reihen der Girondisten, das„Sans culotten'-Mimsterium mit Dumouriez an der Spitze. Am 29. April 1792 wurde der Krieg erklärt. Der König hoffte von diesem Kriege mit Oesterreich und Preußen auf eine Niederlage Frankreichs und er konspirierte mit den Feinden. Die Nachricht von Niederlagen der Franzosen rief ungeheure Aufregung hervor. Man schrie: „Verrat!" Man wußte, daß die Landesverräter am Hofe saßen und einen Staatsstreich vorbereiteten. Das Ministerium Dumou- riez war entlassen und ein neues aus den Feuillants(ihr Haupt war Lafayette) gebikoet worden. Die Junker hatten grosse Pläne, sie wollten das alte Frankreich von 1789 wieder herstellen und ein furchtbares Strafgericht halten, sobald sie mit der Hilfe der feind lichen Armeen die Macht in Händen hätten. Der Hof und die reaktionären Zeitungen ließen keinen Zweifel an ihrer Gesinnung, und selbst die Gemäßigten sollten kein Mitleid finden, so hieß es, der alte Absolutismus sollte wieder aufgerichtet werden.— Um diese Pläne auszuführen, mußte man freilich erst mit dem neuen Frankreich fertig werden und das war nicht mehr möglich. Der Revolution waren immer mehr Anhänger erwachsen durch neu- bewilligte Freiheiten. Für das Landvolk waren alle Fcudalrcchte ohne Entschädigung(wenn nicht besondere Umstände vorlagen) gc- fallen. Die Neuerungen hatten Wurzel gefaßt und fanden zahl- reiche Verteidiger. Am 29. Juni 1792 fand eine Massendemonstra- tion, die aber resultatlos verlief, gegen die reaktionären Gewalten statt. Das Pariser Volk erhielt Zuzug aus Marseille und anderen Städten und am 19. Augrist wurde Abrechnung mit dem Absolu- tismus gehalten, die Tuilerien wurden erstürmt. Es war ein blutiger Kampf, bei dem 1299 Mann aus dem Volke fielen. Der König war mit seiner Familie zur Nationalversammlung geflohen. Das Volk siegte. Stimmen erhoben sich schon vorher, den König abzusetzen, aber jetzt verlangte man, ihm den Prozeß zu machen.— Ter Siational-Konvent wurde einberufen, der aus einem all- gemeinen, gleichen, aber indirektem Wahlrecht hervorging. Die Rechte waren hier die Girondisten, die Linke wurde von den Jako- binern— der Bergvartei— gebildet, mit Danwn, Marat und Robespierre an der Spitze. Am 29. September 1792 versammelte sich der Konvent in den Tuilerien. am selben Tage, als die Kano- kleines feuilleron. Pegasus im Joche. ES ist bekannt, daß Balzac seine ge- wältigen Schilderungen der französischen Gesellschaft deS Juliköuig- tums unter der Peitsche drängender Gläubiger, in verzehrender Hast und Ueberarbeit aufs Papier iverfen mußte. Dieser gehetzte Prole« tarier der Feder kam schließlich zu einer mechanischen Auffassung künstlerischen Schaffens, die zartbeiaiteten, an den„Kuß der Muse" glaubenden Seelen wohl profan erscheinen mag. Balzac hat sich in einer späteren Zeit auf dem Theater versucht, ohne Glück indes, denn von seinen Meisterwerken wurde das eine„Vauirin" verboten, „Mercadel" zehn Jahre lang von allen Pariser Direktionen zurück- gewiesen, während ein drittes Theaterstück im Odeon platt durchfiel, ein viertes an einer kleineren Bühne unbemerkt vorüberglitt. Gegen das Ende seines Lebens ober wollte Balzac die dramatische Arbeit mit aller Energie wieder aufnehmen, in der ausgesprochenen Absicht, mehr und rascher Geld zu verdienen, als dies mit Er- Zählungen möglich war. Einige Monate vor seinem Tode schrieb er an seinen Freund Laurent-Jean:„Ich werde im kommenden Früh- jähr in Paris sein mit dem festen und notwendigen Entschluß, als Mitglied der Gesellschaft der dramatischen Autoren zu arbeiten. Denn in den langen Tagen meiner Kur habe ich ein kleines theatralisches Kalifornien zum Ausbeuten gesunden... Denke daran, daß eine Szene täglich 36ö Szenen im Jahr macht, was zehn Stücken gleichkommt. Fallen fünf davon durch, haben drei nur halben Erfolg, bleiben immer noch zwei, die ein hübsche? Resultat gäben. Wohlan. Mut! Nur gesund muß ich werden, damit ich mich kühn aus der dramatischen Galeere mit guten Stoffen einschiffe." Balzac konnte diesen Plan nicht mehr verwirklichen. Denn bald war er an dem Ufer gelandet, wo man keine Galeeren mehr zu besteigen braucht. Nur die resignierte Gehirnbuchhaltung'deS Dichters ist geblieben, dfx natürlich beamtete Literaturprofessoren nicht verhindern wird, über den sozialistischen„Zwangsstaat" zu räsonnieren, der alle Menschen ohne Verständnis für die dem Künstler notwendige Freiheit zu Arbeitsmaschinen machen wolle. Theater. Neues Theater:.Israel*. Drama von Henry Bernstein, deutsche Bearbeitung von Lothar. Der Pariser Autor, den die Mitglieder der Freien Volksbühne aus seiner besten Arbeit:„Die Kralle" kennen, beweist im Mittelakt des neuen Dramas, daß er sich auf die Kunst szenischer Spannung noch immer virtuos versteht. Die Erregung, in die er das für solch« Mittel sonst gar nicht sonderlich empfängliche Premierenpublikum versetzte. emlud sich in einem Sturm spontanen Beifalls, wie ihn Schmiedens Theater wohl kaum noch erlebt hat. Aber freilich, mit diesem elegant ausgeführten Feuerwerk war die Kraft erschöpft. Die Fehler, die schon in dem Ansatz stecken und darin gipfeln, daß um der Sensation des Mittelaktes willen die Figur des grotesk anti- semitischen Aristokraten Thibaut. die zur Satire reizt, eine tragische Pointierung erhält, komnien am Schlüsse nade von Valmy den Feinden Frankreichs eine entscheidende Niederlage brachte.— Der Redner schilderte, wie Frankreich sich aufgerafft hatte, um den Angriffen vom Ausland zu begegnen. Der Ruf:„Das Vaterland in Gefahr!" brachte die Masten in Be- wegung und sie warfen sich den Verbünoeten entgegen, drangen ins Rheinland, in Belgien, in Sardinien ein und entwickelten eine Mackt, vor der der Feind zurückweichen mußte. Vorher aber wollten die Revolutionäre im Rücken keine Verräter haben. Diese wurden umgebracht durch die„Septcmbermorde", denen viele Reaktionäre zum Opfer sielen, die aber in ihrer Furchtbarkeit von den Histo- rtkern auch vielfach übertrieben wurden. Am 21. September 1792 tourde die Repuhlik erklärt. Am 21. Januar 1793 fiel Ludwig XVI. unter der Gouillotine, und im Oktober folgte ihm Marie Antoinctte. — Der Berg und die Gironde standen sich im neuen Konvent gegen- über. Die Gironde trat ein für die BourgcoiSrepublik mit allen Freiheiten für den Besitz. Sic wollte eine neue Aristokratie von Besitzesgnaden begründen. Die Jakobiner waren eine kleinbürger- liche Partei, aber gegen die Kapitalisten gerichtet; sie mußten dafür eintreten, daß das Volk Brot habe, wollten sie in der Macht bleiben. — Wie sich die Kämpfe zwischen diesen Parteien entwickelten, wollte der Redner im nächsten Vortrage schildern, Em der Partei. Gemeindewalilen. Bei der Gemeindewahl in Deusen bei Dortmund errang die Sozialdemokratie in der 3. Abteilung noch einen Sieg. In H o m b r u ch bei Dortmund, wo ein außerordentlich harter Kamps ausgefochten wurde, unterlag sie leider. Nationalliberale, Zentrum, Christlichsoziale standen ihr geschlossen gegenüber. Die katholische Geistlichkeit beteiligte sich fieberhaft an der Agitation und auch die Polizei warb für die bürgerlichen Kandidaten. Die Arbeiter eines Walzwerkes kamen geschloffen anmarschiert und stimmten, da ein Betriebsführer des Werkes im Wahlvorstand saß, einmütig für die bürgerlichen Kandidaten. Die Bergarbeiter ließen sich nicht beeinfluffen, sondern stimmten fast einmütig für die Kandidaten der Sozialdemokratie. Diese erhielten 531. die vereinigten Gegner 644 Stimmen. In Erlange» errang die Sozialdemokratie bei einer Wahlbeteiligung von 88 Proz. vier Mandate. In Reh au(Bayern) wurden zwei Sozialdemokraten gewählt. Die Gemeinderatswahlen in Schwarzburg-Rudolstadt brachten der Sozialdemokratie einige Erfolge. In Rudolstadt zieht Genosse Landtagsabg. Hartmann als erster Sozial- d e m o k r a t in den Stadtrat ein. In Volkstedt siegten die drei sozialdemokratischen Kandidaten und in Könitz wurde ein Genosse mit großer Majorität gewählt. Bei der Ersatzwahl in Frankenhausen wurde ein Genosse ge- wählt, so daß von den zehn Stadtratsitzen nunmehr sieben in unserem Besitz sind. In Möckers(Sachsen-Meiningen) behauptete die Sozial- demokratie die bisherigen Mandate und gewann noch eines dazu. Im sächsischen Vogtlande erzielte die Sozialdemokratie bei den Gemeindewahlen in vielen Orten große Erfolge und Siege. Jn Oelsnitz wurden, trotzdem der bürgerliche Misch- masch zusammenging, zwei Genossen gewählt. In I a u s a wurde ebenfalls der sozialdemokratische Kandidat gewählt. Damit haben die Genossen dort die Majorität im Gemeinderat erlangt. Im Fürstentum Lübeck siegten bei den Gemeinde» Wahlen unsere Genossen in zahlreichen Orten. So in Stöckels- dorf, Rensefeld, Eutin- Land, Gnissau und Ost- R a t e k a u. Die sozialdemokratische Stimmenzahl hat allent» halben— trotz der zur Ausübung des Wahlrechts vorgeschriebenen dreijährigen Anwesenheitsdauer in der Gemeinde— beträchtlich zugenommen. Die Wähler sind in der Hauptsache ländliche Ar beiter. In der Landgemeinde Eutin wurden sämtliche sozialdemokratischen Kandidaten gewählt, näm- lich drei Bauernvögte. ein Mühlenbesitzer, ein Hufner, ein Gast- Wirt und als Ergänzungsmitglied des Gemeinderats ein Maurer. in einer Häufung geradezu provozierend unwahrhaftiger Spiegel sechtereien zum Ausdruck. Ja die Art. wie der Verfasser das herzogliche Bürschchen, sozusagen als Opfer seiner Ueberzeugnngen, sich eine Kugel in den Schädel jagen läßt, hat etwas von dem Bei- geschmack snobistisch untertäniger Aristolratenbewunderung, ein Zug, der Bernstein sonst doch völlig fern liegt. Da? Thema, den Gegensatz zwischen alteingesessenem franzö sischem Geburtsadel und jüdischer Fiiianzmacht, hat er schon früher in einem gleichfalls mit sehr unmöglichen Voraussetzungen arbei- tenden, aber immerhin näher an das Typische rührenden Theater- stück im„Simson" behandelt. Eine blaublütige Sippe, die, unfähig zu jeder Arbeit, standcsmüßig ihr ererbtes Gut verpraßt, hängt sich an einen Juden, der. im Erlverben skrupellos tvie sie im Genießen, ouS eigener Kraft sich den Weg zu den Millionen gebahnt hat. Die Herrschaften zehren von seiner Spekulation und rächen sich mit dünkelhafter Verachtung, bis der wild gewordene, in seiner Gatten- ehre gekränkte Plebejer sein eigenes Werk in Trümmer stürzt, um den adligen Nebenbuhler mit zu vernichten. Hier steht der Jude, bei aller Theatralik doch eindrucksvoll individualisiert, im Angel- punkt des Stückes, während sein Millionenkollege Justin Gutlieb in dem neuen Jsraeldroma ein völlig schaitenhafteS, interesseloses Episodendasein führt. Seine Funktion erschöpft sich wesentlich darin, daß er vor zwanzig Jahren eine Liebschaft mit der sonst engelreinen Herzogin von Croucy hatte und so ganz im Stillen Erzeuger eines Prinzleins wurde, das sich dann zu einem fanatischen Judenhasser entwickelt und als solcher ausgerechnet seinen eigenen Vater zum Duell zwingt. Eine Situation wie geschaffen für die ironisierende Persiflage einer Shawschen Komödie. Wie hätte der den Alten überlegen mit dem grünen Bengel spielen lassen I Bernstein aber unterdrückt um seiner großen Szene willen jede Regung deö Spottes. Der dumme Junge wird zu einer Feuerseele, die antisemitische Borniertheit zu einer„Ueberzeugung", die auf allen Trompeten deS Pathos bläst. Man spricht von diesem jungen Menschen, der vor einer Gesellschaft feudaler Klubttottel Justin Gutlieb ersucht, sich in den geweihten Hallen nie mehr zu zeigen, wie von einem Halbgenie. Im zweiten Akte gibt es wie gesagt, die Trümpfe. Die engelreine Herzogin beschwört Gutlieb, pon dem wahnsinnigen Duell zurückzutreten. Umsonst. Seine „Ehre" erlaubt eS nicht. Der junge Herzog ist noch hartnäckiger, er will den Tod des Gegners. Endlich, von den angstvollen Bitten seiner Mutter gedrängt, verspricht er gnädig, sich schon mit einer kleinen Verwundung zufrieden zu geben. Da. schon an der Türe kehrt er nochmals um. Ein Argwohn hat ihn gefaßt. Woher die Leidenschast in ihrem Flehen? Wie lernte sie den Fremden kennen? Und in langem, leidenschaftlichem Ringen der Seelen entteißt er ihr das niederschmetternde Geständnis. Im letzten Akt erscheint e» dem Herrn als Gebot der KavalierSehre, auf ein Leben, zu dem ein An- gehöriger des auSerwählten Volkes ihm vcrhalf, endgültig zu ver- zichten. Ein paar Wendungen GutliebS in dem Gespräche mit dem Sohne, z. B. der Glanz und Ehrgeiz, die sich bei ihm antisemitisch äußerten, möchten selbst semitisches Erbteil sein, bildeten die einzigen Die Sozialdemokratie Lettlands. Aus Riga wird uns geschrieben: Vor kurzem fand der 3. Kongreß der Sozialdemo« kratie Lettlands statt. Ueber die jetzige politische Situation ins Klare zu kommen und Mittel und Wege ausfindig zu machen, wie trotz der drückenden Reaktion die eingenommenen Positionen zu verteidigen und trotz aller Opfer und Verfolgungen den auf- genommenen Kampf toeiterzuführcii— das war die Aufgabe dieses Kongresses. Es ist ein vorgeschobener Posten der russischen Revolution, auf dem die lettische Sozialdemokratie kämpft. Nirgends im russischen Reich wütet die Konterrevolution so grausam(schon drei Jahre hindurch arbeiten unaufhörlich die blutigen Kriegsgerichte), nirgends ist die Zahl der gefallenen Opfer so groß, wie im Lande der baltischen Junker. Um ein Bild davon zu geben, unter welchen Verlusten die Sozialdemokratie hier zu wirken hat, wollen wir nur erwähnen, daß allein im verflossenen Jahre die Partei an 1999 organisierte Genossen durch Einkerkerung und Verbannung verloren hat. Fünf Geheimdruckercien fielen im Laufe deS Jahres in die Hände der Polizei, mehrere Komitees der Partei wurden verhaftet— doch die Wirksamkeit der Organisation wurde dadurch keineswegs unterbrochsn! Neue Geheimdruckercien wurden er- richtet, das Organ der Partei„Zihna" erschien weiter, an Stelle der ausgeschiedenen Genossen traten neue Kräfte und der Kampf wurde auf der ganzen Linie weiter geführt. Die Sozialdemokratie Lettlands hat ihren Einfluß in Stadt und Land nicht eingebüßt und trotz der furchtbaren Lücken in ihren Reihen zählt sie noch immer über 6999 fest organisierte Mitglieder, wobei für die aus- ländischcn Genossen noch zu bemerken wäre, daß für die Zu- gehöngkcit zu einer sozialdemokratischen Organisation bei uns Zuchthaus oder Sibirien droht. Wie intensiv die Tätigkeit der Partei auch unter der jetzigen Reaktion gewesen ist, das ersehen wir daraus, daß innerhalb eines Jahres zirka 899 999 Exemplare verschiedener Flugblätter bei uns im Lande verbreitet worden sind. Der Kongreß beschäftigte sich eingehend mit der Lage der Organisation, wobei die vorhandenen Schäden und Mängel rück- sichtslos aufgedeckt wurden. Uebrigens konnte man das erfreuliche Faktum konstatieren, daß die in den letzten Jahren eingerissenen anarchistischen und blanquistischcn Tendenzen jetzt gänzlich überwunden sind und daß die Partei sich wieder voll und ganz auf den Boden des organisierten Massen- k a m p f e s gestellt hat. Es war die Frage, welchen Standpunkt die Partei den verschiedenen gewerkschaftlichen, ge- nossenschaftlichen und kulturellen Organisationen und Vereinen gegenüber einzunehmen hat. Der Kongreß beschloß mit aller Energie die Gründung der gewerkschaftlichen VerHände zu fördern trotz der Verfolgungen und administrativer Hindernisse und auch die entstehenden korporativen Genossenschaften und Bildungsvereine nach Möglichkeit für sozialdemokratische Ziele aus- zunutzen. Doch diese legalen Arbeiterorganisationen dürfen nicht die illegale politische Tätigkeit absorbieren und die Führung im wirtschaftlichen und politischen Kampfe der Arbeiterschaft fällt nach wie vor der sozialdemokratischen Parteiorganisation zu. Auf der Tagesordnung des Kongresses stand auch die Frage über die Beteiligung der Sozialdemokratie an den k o m m u n a l e n Wahlen. Es sei bemerkt, daß auf dem flachen Lande schon an mehreren Orten unsere Genossen in den Gemeindeausschüssen sitzen und dort die Interessen des landlosen Proletariats vertreten. Es kömmt aber jetzt darauf an, selbst bei dem bestehenden elenden Wahlsystem auch in die Stadtkommunen einzudringen und.hie proletarischen Massen zum Kampfe für eine demokratische kommu- nale Selbstverwaltung in Bewegung zu setzen. Diese Frage rief lebhafte Debatten hervor. Man einigte sich, daß die Teilnahme an den kommunalen Wahlen unbedingt notwendig ist, aber die An- sichten gingen auseinander, ob die Sozialdemokratie bei den Wahlen eventuell auch einen Kompromiß mit den bürgerlichen Demokraten schließen kann oder nur vollkommen selbständig vor- gehen darf. In der Agrarfrage sprach sich der Kongreß gegen ein spezielles Agrarprogramm aus. In den Ostsceprovinzcn, wo in der Landwirtschaft schon der kapitalistische Großbetrieb mit inten- siver Agrikultur, mit Maschinen und Lohnarbeit vorherrschend ist, wo wir ein nach Hunderttauscndcn zählendes landloses Proletariat haben, hat die Sozialdemokratie sich nur auf diese proletarischen Schichten der Landbevölkerung zu stützen. Dazu braucht sie kein besonderes Agrarprogramm und mutz nur die allgemeinen poli- tischen Forderungen Oer Partei auch den Verhältnissen des flachen Landes anpassen. Und gerade unsere demokratischen Forderungen (vor allem die Aufhebung der feudalen Privilegien) und unser spärlichen Lichtblicke dieses Aufzuges. Die beiden Hauptrollen der Mutter und des Herzogs wurde» durch Maria Reisenhofer und Heinrich S ch r o t h auSgezeiämet verkörpert, ihr Spiel hatte an den großen Erfolg deS zweiten Aktes wesentlichen Anteil. dt. Notizen. — Kun st abend e. Die Dichter- und Tondichter-Abende bcZ Schiller-Theaters bringen am kommenden Sonntag im Ber- linischen Ralhause einen Heine- Abend(Beginn 3 Uhr), im Schiller-Saal Charlottenburg einen Richard Wagner-Abend(Beginn 8'/z Uhr). — Die bedrohte Nacktkultur. Der SchönheitZabend hat Montag doch stattgefunden. Die Polizeinote des„Verl. Tagebl.', der folgend wir das Verbot gemeldet hatten, zeugte zwar von schönem Eifer, hatte aber vergessen, daß der Minister des Innern unter Um- ständen mehr Einsicht haben kann. Und der hatte den Abend ge- stattet. Wie eS aber in Zukunft mit den Schönheitsabenden gehalten werden soll, darüber weiy man„nix Gewisses" nicht. — Die Zensur in Hamburg. Die Hamburger Polizei hat ihre Solidarität mit den Zensur- und sonstigen UnterdrückungS- gelüsten gewisser anderer Bundesstaaten bekundet, indem sie die weitere Aufführung von Adolf Pauls Komödie„Die Teufels- k ü ch e" im Thalia-Theater verbot. Einfach verbot I In Berlin wurde das Stück 1996 anstandslos aufgeführt, ohne daß— wie an- geblich in Hamburg— die Religion oder die Kirche in ihrem Dasein bedroht wurden. — S u d e r m a n n hat für seinen neuen Roman»DaShohe Lied" ein Honorar von 69999 M. bekommen. — Eiit neues lenkbares Luftschiff starren Systems ist von dem Professor an der D a n z i g e r Technischen Hochschule Schütte entworfen worden. Der Tragkörper soll bei einem Durch- messer von 16 Meter 199 Meter lang werden und im Unterschied zu Zeppelins Schiffen, bei denen Aluminium verwendet ist, ein Gerippe aus Holz erhalten. Ein einziger 1S9 pferdiger Gasmotor soll eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 79—89 Kilometer in der Stunde ermöglichen. Außer der Bemannung und dem Betriebsmaterial kann das neue Luftschiff, und d a S scheint seine Hauptempfehlung zu sein, 2999 Kilo Spreng st off mit sich führen. Da Herr Schütte über gute Beziehungen und kapitalkräftige Hintermänner verfügt, wird im nächsten Sommer mit dem Bau deS neuen MordinstrumentS, das charakteristischerweise sogleich als solches deklariert wird, be« gönnen werden. — Eine neu« Methode zur Darstellung der Edel« gase. Der ftanzöstsche Chemiker George Claude hat kürzlich der Pariser Akademie der Wissenschaften ein neues Verfahren vorgelegt. nach dem sich die seltenen Elemente Helium und Neon in einfacher Weise aus der Luft abscheiden lassen. Die wissenschaftliche Bedeutung dieser Arbeit liegt darin, daß sie die Schätzung Sir William RamsahS über die Mengen der genannten Gase in der Erdatmosphäre von 1 bis 2 in 199 999 Teilen bestätigt hat. Kampf gegen die Gewaltherrschaft de? baltischen Adels sichern tmS auch die politischen Sympathien der kleinbäuerlichen Elemente.— Angenommen wurde eine Resolution gegen die Parzellierung der G r u n d st ü ck c, womit die Krone und die Groggrundbcsihcr jetzt die landlosen Arbeiter zu ködern und an die Scholle zu fesseln planen, um so die revolutionäre Solidarität des Landpcoletariats zu durchbrechen. Die Wahlen des Zentralkomitees gingen ohne Stimmen- zcrsplitterung vor sich. Es ist dies ein Zeichen, dnst die persönlichen Zwistigkeiten und taktischen Differenzen, die bei uns niemals in einen selbstvcrnichtendcn Fraktionskricg ausarteten, jetzt gänzlich verschwunden sind. Und so kann man wohl sagen, daß die lettische Sozialdemokratie die schlimmsten Zeiten hinter sich hat: vor allem hat sie ihre innere Krisis überwunden und steht wieder geeint Und gefestigt ihren Feinden gegenüber. Von allen Seiten wird aber in unserer Organisation der Wunsch laut, daß auch die russische Sozialdemokratie sich von ihrer Apathie aufraffen und an die Reorganisierung der Pari des proletarischen bereiten artei treten sollte, um eine neue Acra SelbstbefreiungSkamvfcs in Rußland vorzu- Ens Induftm und ftandd. Politische und fromme Banken. Unter vorstehender Ueberschrift schreibt die.Rhein.-Wests. Ztg." über den Bankkrach in Bonn u. a.: Bon Partei und Kirche wegen wurde daS Berlrauen zur Bonner Bank für Handel und Gewerbe genährt. Die war treu katholisch, also gut, und an ihrer Spitze standen die Führer der städtischen ZcntrumSpartei, also war sie solide. Darum ivurdcn alle recht Gläubigen gern Gläubiger.ihrer" Bank, und trotzdem die rheinischen Grohbanken in der reichen Rentnerstadt Filialen gründeten, fehlte es der kleinen Bank nicht an Mitteln und Kundschaft. Bei S Millionen Mark Aktien- kapital schleppte man ihr über Millionen Mark Depositen, darunter 1'/, Millionen Mark in Einzelkonten unter lS00 Mark, das heitzt Spargroschen kleiner Leute, z». Der Charakter als katholische und ZentrumSbank war das Aushänge fchild, wirksamer als jede Reklame und persönliche Tüchtigkeit und Fähigkeit der leitenden Männer. Man hatte blindcS Vertrauen, kümmerte sich nicht darum, wa» die Bank mit dem Gelde machte. sonst hätte» bei dem immerhin räumlich kleinen Geschäftsgebiet der Bank halbwegS Eingeweihte es merken müssen, daß die Bank den Betrag ihres ganzen Aktienkapitals einein einzigen Schuldner qz liehen hotte. Die Frömmigkeit hat sich immer noch als gutes Aushängeschild für geschäftliche Zwecke bewährt. Die Gläubiger der Bonner Bank werden nicht die letzten sein, die mit ihrer froinmen Spekulation bei Frommen hereinfallen._ Rückgang de? SchweineauftriedeS. Seit kurzem macht sich auf dem Viehmarkte ein Nachkassen im Austrieb bemerkbar: Schweine werden erheblich weniger an den Markt gebracht als im vergangenen Jahre. ES wurden nämlich an vier Stichtagen im Monat November auf 20 der wichtigsten deutschen Ltehmärkle zusammen nur Ll0 853 Schweine aufgetrieben gegen 241 109 in der entsprechenden Zeit 1907. Der Auftrieb war also um lü'/a Proz. geringer als 1907. An diesem starken Rückgang ist in erster Linie Berlin beteiligt; hier wurden allein 13 774 Stück. oder LI Proz. weniger an den Markt gebracht. Der Austrieb von Schweinen: betrug nämlich 1907 00761 Stück, im laufenden Jahre aber nur 46 987. An den meisten anderen wichtigen Märkten war dt.r Auftrieb ebenfalls geringer als im Vorjahr; äußerst stark ist er auch in Nürnberg zurückgegangen, Ivo er an den BergleichStagcn im November des laufenden Jahres nur 12111 Schweine an den Markt gebracht wurden gegen IS 04b im vorigen Jahr oder rund 20 Proz. weniger. Auch in Dresden war die Abnahme erheblich' der Auftrieb sank von 10 359 auf 8341 In Chemnitz wurden in diesem Jahre 7530, im vorigen 9280 Stück aufgetrieben. Hamburg und Dortmund, wo ein sehr groszcr Markt in Schweinen besteht, weisen ebenfalls eine Abnahme des Auftriebs geacnüber dem Borjahr auf. In München, wo nächst Berlin der größte Schweineauftrieb stattfindet, hat das Angebot ebenfalls ab- genommen; es belief stch auf nur 25 638 Stllck gegen 26 485 Stllck im November 1907. In Köln ging der Auftrieb von 15 301 auf 13 080, also um 18 Proz., zurück. In Essen und Düsseldorf endlich ist die gleiche Bewegung des Auftriebs zu beobachten. In den rheinische» Städte» hat im Durchschnitt der Austrieb verhältnismäßig viel scharfer abgenommen als im übrigen Deutschland. Aufträge für de» Stahlverband. Nach Meldung des W. T. B. ist aus Tientsin, dem Sitze des Generaldirektors der Tientstn-Pukow-Eiienbahn die Nachricht ein« getrosten, daß bei der ausgeschriebenen Submission für den Oberbau der nördliche», sogenannten deutschen Strecke der Bahn der deutsche Stahliverksverband den Zuschlag auf ein Quantum von zirka 75 000 Tonnen Schienen und Klemeisenzeug erhalten hat. Ebenso erhielten die Bereinigten AuaSburg-Nürnverger Maschinenfabriken de» Zuschlag für die große Brücke über den Hoangho. Die Frachten für diese Materialien sind dem Vernehmen nach der deutschen Schiff« fahrt gesichert worden._ AnS Amerika. New Pork, 20. November. Von der kapitalistischen Presse werden seit der Präsidentenwahl Nachrichten veröffentlicht über Aufschwung der der Produition.»dventng Post"— die ihre Leser hauptsächlich in Finanzkrciscn hat— sind nun flnS mehreren der größeren Städte Korrespondenzen zugegangen, die jene Nachrichten als pure Erfindungen hinstellen. In der„Financial Section" des Blattes vom 14. d. M. heißt es miö Chicago:.ES Iverden von gewissen interessierten Blättern krampfhafle Anstrengungen gemacht, um die Geschäftslage aufzubauschen, indem sie ganze Spalten„ProsperitätS"-Nachrichten bringen. welche meistens unwahr, im übrigen übertrieben sind."— Gin Korrespondent auö Pittsburg schreibt, daß derartige Nachrichten mit„großer Vorsicht" aufzunehmen seien. Infolge von solchen Schwindelnachrichten auö PittSburg seien schon viele Arbeiter nach dort geströmt, die schtoerlich auch nur zum Teil irgendwelche Ve- schäftigung finden würden. Die Stadtbehördc habe für 120000 Dollar Bons ausgegeben, um eine Anzahl einheimischer Arbeitsloser den Winter über in den Parks beschäftigen zu köimen. Der Schreiber bemerkt ferner, daß sehr wahrscheinlich ab 1. Januar die Löhne in den Eisen» und Stahlwerken um fünf bis 15 Proz. rcduzierl werden dürften.— Der Philadelphiaer Kor- respondent des Blatte? ist der Meinung, daß die Besserung der wirt- scdastlichcn Verhältnisse ein sehr langsamer Prozeß sein und sich möglicherweise über die nächsten achtzehn Monate erstrecken werde. Auch er befürchtet, daß eine allgemeine Reduktion der Löhne szirka zehn Prozent) zu erwarten sei. Ein Beamter dir Balduin Lokomotivwerlc, m denen gegenlvärtig nur ein Viertel de? regulären ArbeiterbcstaudeS tätig ist, habe erklärt, daß eS unter den günstigsten Umständen l'/z Jahre dauern werde, che die volle Mannschaft ein- gestellt werden könne. SS sei lächerlich, anzunehmen, daß sofort der alte Stand der Produktion eintreten werde.—- Auch der Kor« respondent in Providence, Rhode-Jsland. stellt eine Lohnreduktion in der Baumwollstoff-Jndustrie in Aussicht, und zwar in Höhe von 8 Prozent. Da seit Frühjahr vorigen JahrcS schon eine Lohnkürzung von zusammen 18 Prozent stattgefunden hat. so würden die Arbeiter einen Einkommenverlust von 26 Prozent gegenüber dem Stande vor Jahresfrist erleiden. Und dies bei einer in demselben Zeitraum statigefundenen erheblichen Er- höhung der Preise fast aller Lebensbedürfnisse, besonders aber der NahrungSmitiel.— In der hiesigen„Tribüne" war u. a. angegeben. daß alle Etablissements zu Plainfield N. j). im vollen Betrieb seien. Darauf antwortete ein dortiger Arbeiter, daß dieS nicht in einem einzigen Betriebe der Fall sei; im Gegenteil werde durchweg mit halber Mannschaft und nur 40 statt 54 Stunden wöchentlich ge- arbeitet.— Die Chicago„Daily NewS", die ebenfalls„Prosperitätö"« Notizen gebracht hatte, erhielt eine Anfrage aus Burnside. wie eS zu erklären sei, daß die JllinoiS-Zentrak-Eisenbahn-Compagnie> gleich nach der Wahl in ihren dortigen Werkjtätteu zirka 700 Arbeiter entlassen habe.__ Gerickrs-Teltung. Der Reichskanzler vom Reichsgericht vcrnrteilk. Am Dienstag verurteilte das Reichsgericht die Empfehlung: „zu arbeiten, zu lernen und zu sparen" als Aufforderung zu Ge- walttätigkeiten. Diesen Gipfel juristischer Deutelei erklomm frei lich die königlich preußische und kaiserlich deutsche Rechtsprechung nicht bei Beurteilung der bekannten Mahnung des Reichskanzlers zu sparen, sondern äuS Anlaß einer ähnlichen Empfehlung, die ein polnischer Schriftsteller sich gestattet hatte. Der Sachverhalt ist folgender: Vom Landgericht Gncsen ist am 22. Juni der Schriftsteller Josef ChociSzewSki wegen Aufreizung verschiedener BevölkerungSklasscn zu Gewalttätigkeiten gegeneinander zu 200 M. Geldstrafe ver- urteilt worden. Er ist Verfasser dcS Gesellschaftsspieles„Lech einer Schrift, die in 6. Auflage erschienen ist. Die 4. Auflage war schon Gegenstand eines Strafurtcilö; die 6. Auflage ist ebenso wie jene eingezogen und soll unbrauchbar gemacht werden. Bei dem Spiele wird gewürfelt, und eS spielen Jahreszahlen aus der pol nifchen Geschichte dabei eine Rolle. Das Spiel ist nach Ansicht des Gerichts imstande, die Spieler so stark aufzuregen, daß es sie„bei Gelegenheit" zu GcwaltauSbrüchen gegen die Deutschen treiben könnte! Die Umschrift an dem Mittelbilde sagt direkt:„Die Wiederherstellung des polnischen Reiches ist nicht auf friedliche Weise, sondern nur mit Gewalt möglich." In dem Spiele gibt eS sogar— fürchterlich— Strafen für den Mangel an Ausdauer und Aufopferung. Die Devise: „Arbeite, lerne und spare!" führt das Landgericht auö, ist nicht rein sittlich gemeint, sondern als Mittel zur Wiederherstellung des polnischen Reiches. Der An geklagte habe gewußt, daß nur die aufreizende Tendenz den Absatz der Schrift sichere. In seiner Revision sagte der Angeklagte: Das Urteil fetzt den bisherigen Bestrafungen der Polen nach 8 130 die Krone auf. Tie bloße Aufführung von historischen Tatsachen könne unmöglich als Aufreizung strafbar sein. Die Justiz dürfe sich nicht zur Dienerin der Politik machen.— Das Reichsgericht erkannte aber auf Verwerfung der Revision, da das Urteil keinen Rechtsirrtum erkennen lasse. Nach diesem Urteil müßte also der Staatsbürger, falls er nicht Gefahr laufen will, wegen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten bestraft zu werden, den umgekehrten Grundsatz als den vom Gericht für aufreizend erachteten befolgen, also nicht nach Ausdauer, Stetigkeit und Aufopferung streben, sondern faulenzen, dumm bleiben und verschwenden müssen. Hoffentlich überläßt daS deutsche Volk trotz dieser Judikatur die Pfleg« der Faulheit, Dummheit und Verschwendung den von t>er nationalen Phrase Verblendeten und betätigt die Tugenden der Ausdauer, Aufopferung, Arbeitsam kcit und der Wißbegier trotz der 5 gelehrten Richter in Gncsen und der 7 noch gelehrteren dcö ReichSgerichtS. Eine Rücksichtslosigkeit des Gerichts gegen die Parteien nannte daS Reichsgericht das im folgenden geschilderte Verfahren. Vom Landgerichte Essen a. Ruhr sind am 5. August der Bergmann Rudolf Schamp und dessen Ehefrau im Wiederaufnahmeverfahren wegen Körperverletzung zu derselben Strafe wie früher—je drei Monate Gefängnis— verurteilt worden. Bei Schluß der Beweis- aufnähme beantragten die Angeklagten noch die Vernehmung eines weiteren Zeugen, der erst herbeigeschafft werden mußte. Das Gericht entsprach dem Antrage und verhandelte unterdes eine andere Sache. Nach Beratung derselben beriet da» Gericht auch da» Urteil gegen die Ebelcnte Schamp, indem es davon ausging, daß der neue Zeiiae doch keinen Einfluß auf die Entscheidung ausüben werde. Bei Wiedereröffnung der Vcrbandlung gegen die Eheleute Schamp stellte cS sich heraus, daß der Zeuge nicht aufzufinden war. Ter Verteidiger erhielt nun das Wort zu seinem Plaidoyer, und sofort, nachdem er geendet, nun das Wort zu seinem Plädoyer, und ratung verkündet.— Hierüber beschwerte sich der Angeklagte in seiner Sievision. Der RcichSanwalt bemerkte dazu: Schon Sfter sind solche Fälle wie der vorliegende gerügt worden, aber noch nie» malö konnte ein Beweis für ein solches Verfahren erbracht werden. Hier ist es durch die beteiligten Richter bestätigt worden. Das eingeschlagene Verfahren stellt eine Rücksichtslosigkeit dar gegenüber den Prozcßbcteiligten, gegen welche der oberste Gc. richtshof ganz energisch auftreten muß.-- DaS Reichsgericht hob am Dienstag das Urteil auf und verwies die Sache an das Land. gericht zurück. Zu gr-sicS Pflichtgefühl hat den Lokomotivführer Hermann Mackensen aus Dirschau mit dem Gesetz in Konflikt gebracht. Er ist am 23. Juli vom Land. gericht Braunsbrrn wegen fahrlässiger Körperverletzung und Ge» fäbrdung eines Eisenbahntransportes zu 100 M. Geldstrafe ver- urteilt worden. Nach überstandcner Krankheit übernahm er die Führung eines Güterzuges während eines Schneegestöbers. Unter- ivcgZ übersah er mehrmals Signale, worauf ihn sein Heizer auf- merksam machte. Schließlich fuhr er in Ludwigsort auf«inen anderen Zug auf, wobei zwei Personen verletzt wurden. Infolge von Ermattung war er gerade vorher in einen Halbschlaf ver- fallen. DaS Gericht hat die Fahrlässigkeit darin erblickt, daß er nicht, nachdem ihn der Heizer auf seine Unaufmerksamkeit hinge. wiesen, sich auf der nächsten Station alS krank gemeldet und feinen Posten abgegeben hat.— In seiner Revision suchte er nachzu» weisen, daß er sich seiner Dicnstunsäbigkeit nicht bewußt war. Das RcichSgcricht erkannte aber am DieuStag auf Verwerfung deö Rechtsmittels._ Zum„Terr»ri«muS".ProztIj vor dem Jugendgericht in Spandau. In unseren Verhandlungsbericht hat sich ein Druckfehler eingeschlichen. Der AnltSamoalt beantragte gegen die„Terroristin"«ine Gefängnis« strafe nicht von„zwei Jahren", sondern von einer Woche. VeiTarnrnlungen. Die Maschinisten und Heizer hielten am Sonntag zwei Protestversammlungcn ab. Die eine fand vormittag» in Ober- schönewcide, die andere nachmittags in Berlin statt. Für beide Versammlungen war eine gleichlautende Tagesordnung aufgestellt. In erster Linie galt es, P r o t c st zu erheben gegen die ge. plante Elektrizitärssteuer. lieber diesen Punkt rcfc» rierte der zweite Vorsitzende dcS Zcntralvcrbandcs der Maschinisten und Heizer, P i k a r d. Er kennzeichnete die Volks- und kulturfeindliche Steuerpolitik der Regierung und bezeichnete die GaS« und ElcktrizitätSsteuer insbesondere als ein Hindernis de» technischen und industriellen Fortschritts, denn diese Steuer werde wie jede andere indirekte Steuer zunächst die Folge haben, daß der Verbrauch der besteuerten Artikel eingeschränkt werde, ferner werde sich daö Bestreben nach Vcrbilligung der Produktion bemerkbar machen, um dadurch den durch die Steuer verursachten Preis- aufschlag. auszugleichen. In beiden Fällen feien es schließlich die Arbeiter, die den Schaden zu tragen haben, einesteils, indem die Arbeitsgelegenheit beschränkt wird, anderenteils, indem eine Lohn» kürzung eintreten würbe. Au» diesen Gründen haben die Maschi- nisten und Heizer, da sie in den hier in Frage kommenden In- dustriezwcigcn zahlreich beschäftigt sind, begründete Ursach«, gegen die Besteuerung von GaS und Elektrizität zu protestieren. Ein« stimmig wurde folgende lllesolution angenommen: Die vom Zentralverbande der Maschinisten und Heizer so» wie Berufsgenosten Deutschlands einberufene öffentliche Ver- fammlung des in den Elektrizitätswerken und sonstigen Betrieben beschäftigten Maschinen- und Kesselhauspersonals erhebt entschieden Protest gegen die Einführung einer ElektrizitätS« und Gassteucr. Die Versammlung erklärt diese Steuer als eine Verkehrs- feindliche, das gesamte Erwerbsleben, insbesondere den Beruf der Maschiniftcil und Heizer schwer schädigende Maßnahme der Regierung. Tie Versammlung protestiert dcS ferneren gegen jede andere indirekte Besteuerung der Lebensbedürfnisse des minder- bemittelten, arbeitenden Volkes. Die Anwesenden beauftragen die Vertreter der Arbeiter- schast, im deutschen Reichstage diese arbeiterfeindlichen Maß- nahmen der Regierung zu Fall zu bringen. Im zweiten Punkt der Tagesordnung wurde die Kessel- explosiv» in der Elektrizitätszentrale in der Luifenstraße sowie die Betriebsverhältnisse in den Zentralen der D. E.-W. besprochen. Ter Verbandsvorsitzende K i r s ch n i ck zog einen Vergleich zwischen der furchtbaren Gruben- katastrophe in Radbod und der Kesselexplosion in der Luisenstraße. Wenn auch die verhängnisvollen Folgen ber Kcsselexplosion klein erscheinen im Hinblick auf da» entsetzliche Unglück in Radbod, so seien doch die Ursachen hier sowohl wie dort darauf zurückzuführen, daß die Vorsichtsmaßregeln, welche für die Sicherheit des De- triebes und das Leben der Arbeiter unbedingt notwendig sind, in leichtfertigster Weise außer acht gelassen worden. Aber nicht nur das, sondern es werden auch Maßnahmen getroffen, die gegen die bestehenden Vorschriften verstoßen. So sei die Belastung der Sicherheitsventile, um einen stärkeren Dampfdruck zu erzeugen, als der Kessel vorschriftsmäßig haben darf, eine ganz allgemein ver- breitete Gewohnheit, die nicht nur in den B. E.-W., sondern in den meisten mit Dampf arbeitenden Betrieben geübt werde. Wenn ein Austichtsbcamter kommt, so werde dessen Erscheinen schon von der Portierloge aus signalisiert, und wenn der Beamte das Kesselhaus betritt, ftndet er alles in Ordnung, denn man hat in- zwischen die Belastung weggeräumt. Die neue Sparfeucrung sei insofern gefährlich, als die dabei entstehende Stichflamme die Kessclrohre leicht zum Aufreißen bringt. Auf diese Weise seien in den letzten 14 Tagen in der Zentrale in der Luifenstraße an 0 Kesseln 22 Rohre geplatzt oder aufgerissen. Nach dem Unfall sei in der genannten Zentrale ein Kessel, dessen Sicherheitsventil nicht in Ordnung war, auf Anordnung des AufsichtSbcamtcn außer Bc- trieb gesetzt worden. Sobald sich der Aufsichtsbeamte entfernt hatte, sei der Kessel aber wieder in Betrieb genommen worden.— In der Zentrale der B. E.-W. an der Obersprec habe im vorigen Jahre der RcvisionSbcamte gefunden, daß ein Kettenrostglicd am Sicherheitsventil eines Dampfkessels befestigt war. um das Ventil zu belasten. Eine Anzeige fei anscheinend nicht erfolgt, wenigstens habe man nichts davon gehört.— Wie allgemein die Ucberlastung der Sicherheitsventile angewandt werde, zeige folgender Fall: Ver- anlaßt durch einen auch vom„Vorwärts" übernommenen Hinweis im Fachblatt des Maschinisten- und HcizerverbandcS wurden ein- mal an einem Tage und an einer bestimmten Stelle der Spree die Dampfschiffe kontrolliert. Bei dieser Gelegenheit wurden 35 Dampfschiffe abgefaßt, deren Kessel um mehrere Atmosphären überlastet waren.— Weiter führte der Redner aus. daß neuerdings zur Herstellung der Kessclbleche Flußeifen verwandt wird. Die Herstellung sei billiger als früher, wo man Walzeisen für diesen Zweck verwandte, aber sie habe eine Gefahr, denn das Flußeisen werde durch die titze viel leichter deformiert wie das Walzcisen.— Die jetzige rt der Kesselrevisionen biete keine Gewähr für die Sicherheit dcS Betriebes. Man könne doch nicht erwarten, daß eine Revision ihren Zweck erfülle, die ausgeübt werde durch die Beamten der Kessel- revisionsvercine, also durch Angestellte der Dampfkesselbcsitzcr. Tie Revision müsse ausgeübt werden durch unabhängige Beamte unter Mitwirkung geeigneter Arbeiter. Die Tiskusstonsrcdner bestätigten und ergänzten die Aus- sührunncn dcö Referenten. Unter anderem wurde bestätigt, daß die Belastung der Sicherheitsventile in der Zentrale an der Ober- fpree allgemein üblich fei. In Zeiten, wo viel Kraft gebraucht werde, erhalte der Heizer durch seinen Vorgesetzten die Weisung: „Pack drauf, pack drauf, die Hauptsache ist, daß wir Dampf haben."— Weiter wurde bemerkt, oaß auch an der Obcrsprce kürzlich ein Rohr geplatzt sei. was dieselben Folgen hätte haben können, wie der Unfall in ver Luisenstraße. Am 24. d. M. seien an der Oberspree 17 Kessel mit über 17 000 Kilowatt belastet worden. Als einmal ein Kessel außer Betrieb gefetzt worden war. um gereinigt zu iverden, hatte man es mit der Wiederaufnahme des Betriebes so eilig, daß man den Kessel bereits anheizte, als sich zwei Arbeiter noch im hinteren Teile desselben mit Reini- gnngsarbctten beschäftigten.— Alle Redner waren darin einig, daß eine reichsgcsetzlichc Regelung der Kesselrebision und Kontrolle, sowie eine strenge Durchführung derselben notwendig sei, wenn man nicht erwarten solle, daß die durch mangelhafte Kontrolle er- leichterte, im Interesse des Kapitalprofits ausgeübte frevelhafte Leichtfertigkeit im Betriebe cincS Tages furchtbare Unglücksfälle zur Folge haben werde. Einstimmig wurde folgende Resolution angenommen: In Anbetracht dessen, daß die Dampfkesselgesetze in Deutsch» land nicht einheitliche sind, erklärt die Versammlung, der Zcn- tralverband der Maschinisten und Heizer möge dahin wirken. dqtz eine einheitliche Dampfkcsselgesctzgebung für das Deutsche Reich eingeführt wird. Zweitens fordern wir die Einführung von staatlich ange- stellten Kessclprüfcrn mit Anglitderung an die Fabrik- und Gc- wcrbeinfpcktion unter Assistenz von geeigneten Personen au» dem Beruf der Maschinisten und Heizer. Drittens fordern die hier Versammelten eine Anzeigepflicht der Unternehmer oder deren Stellvertreter an die zustäildigc Gewerbe- oder Fabrikinspektion, wenn in einem Dampfbetriebe Dampfkessel oder Teile desselben ausgeglüht, deformiert sind oder sonstige Zerstörungen erlitten haben, gleichgültig, ob der Betrieb des Kessel» dadurch eine Unterbrechung erlitten hat oder nicht._ Die Mrtallformrr hielten am Montag in GraumaimS Saal eine Brambeiiversaminlung ob. Der Branchcnleitrr Engel erstattete den Jahresbericht über die Tätigkeit der BgitaitouSkoinmifston. Er sagte unter anderem, die wirischaftliche Krise machte sich für die Mctallformer in diesem Jahre in noch höherem Maße fühlbar wie im Vorjahre. Die Folge davon war, daß die Arbeiwkräfte in den Betrieben stärker wechselten wie je zuvor. Die Arbeiten der AgitationSkoimnission sind aber durch den schlechten Geschäfts- 'ang keineswegs vermindert worden, sondern die Tätigkeit der ommission war ausgedehnter wie im vorigen Jahre. Abgehalten wurden 308 Werkstattvermminlungen, 10 VertrauenSmäniierkonferenzen, 9 Versammlungen. 23 Sitzungen der Kommission, 10 Schiedsgerichts- sitzungen. Der Besuch der Versammlungen. Konferenzen usw. war ein guter. Wegen der wirtschaftlichen Krise konnte vu>n größeren Angristvbewcgungen keine Rede sein. Es wurden nur zwei Anarists- bewcgungen und zwar mit Erkolg geführt. Im übrige» mußte sich die Branche vorauf beschränken. Verschlechterungen der Lohn- und Arbeits- bedingungen abznwebren, was auch in zahlreichen Fällen geschehen ist.— Eine Feststellung über die Zahl der Beschäftigten und der Organisierten, die sich jedoch nur auf einen Teil der Branchen- angchörigen erstreckt, ergab, daß in 03 Betrieben 1081 Former und BcrufSgenossen beschäftigt sind, davon sind 901 organi- sicrt<702 im Deutsche» Metallarbeiter-Verbande, der Rest in anderen Organisationen). Die Beschäftigten verteilen sich auf die einzelnen Kategorien: 412 Former(348 im Verb.), 100 Bcstoßer<145 im Verb.). IIS Kernmacher<63 im Verb.), 20 Kernmackerinnen<4 im Verb.), 78 Schmelzer(47 im Verb.), 211 Hilfsarbeiter(39 im Verb), 48 Lagerarbeiter und Schlosser <15 im Verb.). An der Tätigkeit der Agitationskommission hatte niemand etwas auszusetzen.— Es folgte die Neuwahl der Kommission. Sic wurde um zwei Mitglieder verstärkt und besteht au» folgenden Kollegen: Engel(Branchenleiter). Körsten, Schwavedal, Reinhardt, Reuschel, Jäckel, Firk, JSmar, Sprenz, Stein. Brfcfbaften der Redaktion. feto fntlftilifK enKiftlhmbt flnbtt Sivd-nftratz» Vit. 8, zweiter ffiaf, dritter Eiugaug, vier Treppen. WM- Fahrstuhl-H» tvochentaglich avendS von?>/, btS ÖVj lidr statt. isteiistne«? llhr TonnabendS beginn» die Sprechstunde»m S Uhr. Jeder Anfrage ist ei» Buchstabe und eine Zahl als wiertzeiche» b«i,nfngen. Briefliche Slntwort wird nicht erteil». BiS zur Beantworinng im Briefkasten kennen Tag« vergehen. Eilige Fragen»rag» nian in der Svrechstunde vor. G» L. 13. Friedrich Dilhelin- Anstalt für Arbeitsame. RaihauZ Zimmer 21, ist verbunden mit der Biedersec-Gtistung. Eine andere Stelle können wir Ihnen nicht angeben.— R.763 SOS Seit« iszt Ii tlberdeeu Barts Iwolkenl—10 2 wolkig 2 bedeckt 763 WNW l bedeckt >7730 > 1 Nebel —2 9 4 -3 Wetterprognose für Donnerstag, den S. Dezemvcr 1908. Ein wenig kubier, veränderlich, vorwiegend trübe mit geringen Nieder» schlägen und ziemlich Irischen nordwestlichen Winden. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen-DireNion aber den Großhandel in den Zentral-MarNhallen. Marktlage: Fletsch» Zufuhr schwach, Geschäst still, Preis« unverändert. Wild: Zufuhr ge» nügend, Geschält etwas lebhaster, Preise behauptet. G e s I ü g e I: Zufuhr in Gänsen reichlich, sonst genügend, Geschäft gairz still, Preis« nachgehend. Fische: Zufuhr genügend, Geschäst sehr schleppend, Preise gedrückt. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise imverändert. Gemüse, Otft und Süds r üchte: Zufuhr genügend, Geschäft anhaltend still, Preise mehrfach verändert. WasserstandS-VlaArtchteu der LandeSaiiilalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Netterbureau. Wasserstand M« m» l. Tilsit Pregel, Jnsterburg Weichsel, Thom Oder, Ratibor , Krossen , Frankfurt Warthe, Schrtmm , Landsberg Netze, Bordamm Elbe, Leitmerttz , Dresden . Bardo , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlltz Havel, Spandau»st , Rathenow>1 Spree, Spremberg') , Becstow Weser, Münden , Minden Rhein, MariariUlMZau . Kaub , Köln Neckar, Heilbrom» Rain, Wertheim Mosel. Trier am l. 12. om 88 60 24 74 66 —74 —6 322 125 137 48 124 67 seit 30.11. om') —10 +* 0 0 4-1 —»jj 4-1 -20 — 8 -15 —3 —1 -13 st+ bedeute« Wuchs.— Fall.— st Unterpegel.— st EiSstzand.— st Eisgang.— st schwaches StStreweN. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Beranttvortung. Ckeater. Donnerstag, 3. Ansang 7'/, Dezemder. Uhr. KöntgllcheS Opernhaus. Lohengrin. (Ansang 7 Uhr.) «SniglicheS Schauspielhan». Aus Strafurlaub. Deutsches. Die Krähwinkel. Revolution in Kammer spiele. Der Arzt am Scheidewege. Ansang L Uhr. Ansang 3 Uhr. Lesfing. Baumeister Solneß. Reue» Schauspielhaus. Weh' dem, der lügt. Komische Oper. Tiefland. Brrltnrr. Der Veilchensressrr. Rene». JSrael. KletneS. Moral. Residenz. Kümmer» dich um Amelie. Hebbel. Der Liebhaber. Schiller O.> wallner« Theater.) Der Familienlag. Sch« Ii e tkharlottenburg. Die Braut von Mcsstna. Friedrich. Wilhelmftädt. Schau- ipielhau«. AntcroS. Westen. Der fidele Bauer. Thalia. Rünsilerblut. Luisen. Der Sonnwenbbos. Bernhard Roi«. Die Entgleisten. Wilhelm-Theater. Di« Schopsung. LiiiiipieipniiS. Madame Flirt. Trinnon. Die Liebe wacht. Nene» Operetten. Die Dollar» Prinzessin. Berliner Operettrn-Theate» 8«. Havana. Ansang S'/i Uhr. Gastipiel, Theater. Dcmimonde. Ansang 8'lt Uhr. Bürgert. Schauspielhau». AuS» gewiesen. Ansang 3'/, Uhr, Gebrüder Herrnfeid. Die beiden Bindelband«. Vorher: Jntern. Künstler-Teii. AP»»». Ein« lustige Spreeivald- sahrt. Soezialitälen. Mrteopol. Donnerwetter— tubt!» tos. Wintergarten. Spezialitäten. Daiiage. Spczialitälen. Kasino. Die Dianabäder. Spezia. lttäten. ReichSvallen. Steliwer Sänger. Walhalla. Svezialiiäien. Folieö-Gapriee. Die Brautschau. Dt« lästige Witwe. Gustav Behreu». Echte Spree« athencr. Spezialitäten. Garl Haverland. Spezialitäten. Urania. Tauventirahr«is/SV. Abend« 8 Uhr: genisalem. Höisai 8 Uhr: Pros. Dr. B.Donath: Die physikalischen Grundlagen der «lekU-ischen Leuchttechnik. Tternwae,?. Jiwalldenm.«7/62. Vissvnsakaktzliokes Istrsstor. Isnbonatrall« 48/43. �benä, 3 Mir: Zonusslom. Hörsaal 8 Mir: Prot. Di. B. Donath: Dio physiksUschen Grundlagen der elektr. Leuoht- teohnik. Hebbel-Theater KöniggrStzer Str. 57/58. Ans. 8 Uhr. Der Liebhaber. dleoe» Oiivi'cttvn.Tlic»««»', Schissbauerdamm 25, a. d. Luisen str. Abends 8 Uhr: VI« voltai-prln»«»»!»». Operette in 3 Akten von Leo Fall. �.ustspiolkaus. Abend» 8 Uhr: Atadame Flirt. Residenz-Theater. — Direktion: Richard Alexander.— Täglich abend? 8 Uhr: „Kümmere Dich um Amelie." Schwank in drei Akten(vier Bildern) _ von Georges Feydeau._ Luisen-Theater. Premiere: Der Sonnwendhof. Ansang 8 Uhr. Freitag! Die Gbre. Sonnabend. 4 Uhr: Kinder»Vor» stellung: Lügenmitulcheu«ud SahrheitSniiindchen. Abends: Villa Klenkendorf. Sonntag nachm.: Stolz der Stadt. Abends und Montag: Die Ehre. MlssUI Gr. Frantturter Str. lS2. 8 Uhr. WochentagSprelse. vi« vntzrl«lat«i». Berliner Vollsslllck in vier Alten von Brentano und Gisbert. Morgen u. folg. Tage: Die Entgleislen 0.(Wallner-Theater.) Donnerstag, abendSSUHri Der Famllientncr. Lustspiel in 3 Akten».Gustav Kadelburg. Freitag, abend» 8 Uhr: vor Itl«?l»t«r von Zalame«. Sonnabend, abend» SUHr: \'ntrr nnd Sohn. Schiller»Theater Charlottenburg. Donnerstag. sbendSSUHk: Die Brant von Desaina. Ein Trauerspiel mit Chöre» von Friedrich Schiller. Freitag, adeiid«»Uhr: vle Zwllllnsnclmeeter. Sonnabend, abend»»Übt Der ochwarae Kavalier. Zirkus Sehamann. Heute Donnerstag, den S. Desember, abends präzise 7'/, Übt: Elite-Abend— Oala-Progranim. U.a. die berrorraeendnten OrlKinal-Hchiil- n. Freltaelto- dressnren dos Dlrektorn Alb. Schumann and die groll- artigen neuen Spezialitäten. Um 9'/, Uhr der größte Erfolg der Saison der Seeräuber und «Olo, Mädchenhändler. 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Ttorgen n folg. Tage: Oemimonde. Somit. S'/, Ü.; Die Welle von Lowoed. Rixdorfer Theater Bergstraße 147. Sonntag, den 6. Dezember 1908, abend«?'/, Uhr: r Lufssptel in 4 Akten vonE.v.Wolzogen. vssinc-lfkvsiSN Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. 8 Uhr: Qorradlni usw. usw. berSfiergöre-QuarteU. pst, Uhr: Jubelnder Lachersolg I „vle viariabacler''. Sonnlag 4 Uhr: Die fidele Kiste. W.Koacks Theater Dtretlio» Rod. Olli Brunn, nur. ie. Angeklagt! Schausp. n. d. bekannt. Mörgenp.-Rom. Ansang 8 Ubr. Enirr» 90 Pf. Abonnenten bedeutend« Ermäßigung! Sonnabend! ExtravorsL: Fridolin oder der Gang nach d. Eisenhammer. Sonntag, 6. Dezember: Kachmittags- Yorstellnng. Anfang 3 Uhr. Ermäßigte Preise! für Erwaohseno Kinder 9": Die neuen lllttrakttonen mit mwÄ«izi. Prolongiert! Siegwart Qentes. Vorher 8 Uhr: Gin« lustige Spree» waldfahrt. Musik von Ksul Llncke. Gebrüder Herrnfeid- Anfang Thoofon Voreerk. Rühr. lUCflier. n-z Uhr. 57 Konua andante na tr. 07. HttrnMsgrößtttErfslg Diebeiden Bindelbands. 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Grand-Tiotel- Festsäfe""| Am Alexanderplatz.—— B. Jehmllch. j Jeden Sonntag und Dienstag:(2161b+ Hamburger Sänger. Anfang Sonntags 6'/. Uhr, wochentags 8 Uhr. Vorzugskarten haben wochentags Gültigkeit.� Bekanntmachung der Orts- Krankenkasse M Friedenau. Am 10. Dezember dieses JahreZ, abends 6»/, Uhr, findet im Neslaurant„Rhemschlosi", Rheinstr. KV, eine anLcrordentllehe KenersI-VerLAmmlullg der Kasse statt, zu der die Herren Delegierte» Hierdurch eingeladen werden. Tages-Ordnung: Erledigung des Pnnfles 4 der Tages-Ordnung der General-Ver- samnilung vom 25. November d. I. �Statutenänderung). 280/13 Friedenau, den 30. November 1908. H. Heider, Hildebrandt, Versitzend er. SchrijtsüHrer. m este! Damentuche, schwarz und farbig. 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Dezember, abends«'/, Uhr. im GewerkschaftShimse, Engelufer 15: Vortrag des Genossen Georg Davidsohn über: Alkoholhesteuerung und Abstinenz Freie Diskussion!— Kein Trtnkzwang S Zahlreichen Besuch erwartet 293/9 Der Borsiand. I. Ll.: Faul(.enzner. Karlshorst, Roedelstr. 6. Singer Nähmaschinen. Einfache Ha»dl>nbn»g! 44592* Grosse Haltbarkeit! Höhe Arbeitsleistung! «sUausstellung rifanH Dfiv Weltaussloltung Paris 1900: VjrclIIU r ITA st. Louis 1904, Unentgeltlicher Unterricht, anch in moderner Kunststiderei. Elektromoiore für Nnbuiaschinenbetrieb. Singer Lo.Mkmaschinen /Zct.Ges. Berlin W., Leipzigerstr. 92. Filialen in allen Stadtteilen. Heute M 8 Uhr! kannte noch niemand melnehepabgresetzthllllgen PreTie« Ich empfehle einen Posten getragener Monats? arde- roden, in feinsten Werkstätten gearöeilet. von Herrschaften, Kavalieren, Reisenden nurWochen gebrauchte Monats-AnzQge 8, 10, 14, 18 Mk. Monats- Paletots 6, 8, 12, 16 Mk. Atonats- Hosen.. 2.50-5.00 Mk. 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Ohne Mitgliedsbuch w kann niemand wählen! im Die Stimmzettel werden am Eingang zu den Wahllokalen verteilt. Wahlleiter ist der Kollege BtlO Handke, Eharitöstr. 3. 125/13_ Ple Qrtsverwaltnng. Zentralverband der Lederarbeiter. ■ Filiale 1 Berlin.— Widerrufung! Die zu heute abend 8 Uhr angesetzte Versammlung»*,(<1,4 abgehalten kann besonderer Umstände halber heute abend werden, die- £"ä" Sonnabend, de» 5. d. M., SSSS, und auch in demselben Lokale, bei Schmidt, Prinzen-Allee 33, statt. 144/20_ Borsland. I. SX.: Franz Runge. e. G. m. b., Die Aaszahlong der RUckvergtttuag hon 5 Prozent findet in allen Verkaufsstellen in der VertausSzelt statt. Dir bitten die Mitglieder möglichst Dienstags bis DonuerStagS dazu zu wählen.— Di- Jg. Verkaufsstelle, Hussitenstr. 53, wurde am 1. Dezember eröffnet. Die 40. Verkaufsstelle, Friedelstr. 15, in Rlxdorf, wird am Freitag, den 4. Dezember, eröffnet werden.— Hausanleilscheine a 100 M. und 20 M. können auch von Nicht- Mitgliedern m den BertausSstellen der Genossenschaft gezeichnet werden. Zivki öjskntlichk Nrrswnmlnngkn am Donnerstag, den S. Dezember, abends 8 Uhr, bei F.cldler, Rcuterstr. 26. Ecke Kailer-Friedrich-Jtrabe Mtd bei Rstrlh, Kottbuserdamm 79(Passage). 128/12 TageS-Ordnung: Die Bestrebungen der Konsumgenossenschasten für die Arbeiter. Referenten: Arbeltersekretär Karl Giebel und E, Mücke. Um zahlreichen Besuch der Versammlungen bittet Der Flnhernfer. Zwei große öffentliclie Vorträge. Referent: Genosse Adolf Stern (srilher evangel Geistlicher w Heidelberg). Donnerstag, den S. Dezember, abends S'l, Uhr, In Kellers Festsälen(Inhaber Freyer), Koppenstr. SO. Freitag, den 4. Dezember, abends S1/, 1/tar, im großen saale der Rranerel Greterjabn, Scb»nbanser Allee ISO. Freie Aussprache. Themata: 1. Der Kampf um die Wahrheit. 2. DaS Wesen deS Christentums. Zur Deckung der Unkosten wird ein Einttiitsgeld oon 18 Pf. erhoben. (Genossen, die sich legitimieren, zahlen nur 10 Ps.) Die Gcisllichkclt der nöchstliegenden Gemeinden sind zu diesen Verlammlungen schristtlch eht» geladen. Für volle Redefreiheit wird weltgehendst garantiert 22b Der Vorstand der Gesellschaft für volkstümliche Bortröge. Eouaideingkrat. Mlfrä für den UeriiBerReiciistaiSfiiliftreis.l Stralauer Viertel. Bezirl Nr. 354. Den Mtgliedern zur Nachricht, f daß unser Genosse, der Tischler Bskar Bartikowsky, Romintener Straße 4, gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet amj Sonnabend, den 5. Dezember, nachmütags l1/, Uhr, von der l Leichenhalle des Zenüal-Friedhoscs> in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 223/1 Der Verstand, f Beutscder Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Tischler Oskar kartlkowski am 1. Dezember gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, 5. Dezember, nach- mittags l'/i Uhr, von der Halle deS Zentral-Friedhoses in Fried- richsseide aus statt. Um reg« Beteiligung ersucht 94/13 Die Drtseerwallung. Verband der Fabrikarbeiter.| Verwaltung GroO-Berlio. Bezirk Spanda». Am 1. Dezember ig mtser! Mitglied Ferdinand Kleidon verstorben. Ehre feinet» Audenkea 1 Di« Beerdigung findet am I Freitag, den 4. d. MIS., nachmittags 2 Uhr, von der Halle! des FlledhoscS i» den Kisseln I aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet j Die Ort»ver«aitn»g. Zentrai-yertas!! flsr Maurer i Deotseblasds. Zweigverein Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Uid>vijj Nelsow am 30. November gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am DonnerSIog, den 3. Dezember, nachmittags 3 Uhr, vom Kranken- Hause„Paul Gerhardt- Slist', Müllcrstraßc 56/58, aus nach dem Fiiedhos der Nazarclhgcmcwde tu der Berliuerstraße in Reinickendors statt.>40/8 Der ZweigvereinSvorttand. Beerdlgungsverelv Berliner limmerleute. Am 1. Dezember starb im Atter von 73 Jahren an Altersschwäche unser Mitglied, der Zimmerer Karl(ireinke. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Freitag, den 4. Dezember, nach- mittags 2,/4 Uhr, vom Trauerhause Georgenkirchstr. 5 euS statt. Um rege Beteiligung ersucht 21b Der Bvrftnnd. Den lieben Kollegen und Vor- gesetzten für herzliche Beweise und unvergeßliche Worte am Grabe unseres so früh dahingerafften Bruders und Onlels Albert Daner sagen liesempsunöencn Dank. 192/3 Die trauernden Augehörige». MMmt der 211 Bekanntmachung. Am Montag, den 14. Tezrin- der 1008. abcndS 9 Uhr, findet b». „Prälaten"- Wappensaale, Dnckscn- straße, Stadlbahnbogen 110, die Wahl der 10 Delegierte» der Kranlenkaffen-Mitglieder statt. Nach der Wahl der Delegierte» um 10 Uhr abcndS findet die Orden!!. General-Versafnmlung der Delegierten statt. TageS-Ordnung: I. Wahl des KrankentaffenoorstanbeZ it.§ 37 u. 38 des Krankentassen- stalutS. 2. Wahl der RechnungSprüfungS- Kommission. g. Konstituierung deS Krankenkassen- Vorstandes. Wahlberechtigt find alle dlefenleen, welche das 25. LebenSsahr erreicht, sich im Besitz der bürgerlichen Ehren- rechte befinden und bei einem JnnungSmitglicde beschäftigt sind. Der Borsta»), I. A.: ti. Pritsch, Vorsitzender. � Cjsconöcwriötö» mtxdtmci im». Weber. Berlin. Sur dLttLnstratenteUöerayttl'» Ä-M»«!«. Berlin. Druck �Periaa: LorfvartsBuchdruckerej z. Berjagsanstalt laui Singer& gp„ Berlin SW, üt. 283. 3. Dtüllßt k0 Jormirtö" Jftlinct Pollislilutt?«««»«-,. 3. iM. parte!- Angelegenheiten. Schifferagitation. . Die„Fackel"» und Kalenderverbreitung unter den Schiffern findet am Sonntag, den 6. Dezember, statt. Die Genossen wollen sich an den bekannten Stellen ein- finden. Die der 7. Abteilung des sechsten Kreises bei Achilles. Wiclefftr. 24._ Steglitz. Die Bibliothek deZ Wahlvereins ist heute abend vor der Gewerkschaftsversammlung zur Ausgabe von Büchern von 8 bis 8zh Uhr geöffnet. Es lind eine neuer Bücher angeschafft worden. Der Bibliothekar. Berliner Nachrichten. Die Arbeit als Prinzip der Erziehung. In der Jahresversammlung der Die st erweg. Stiftung stand„Die Erziehung durch die Arbeit in den Münchener Volks- und Fortbildungsschulen" zur Verhandlung. Eine reiche Sanim- lung von Schülerzeichnungen, Vorlagen und Modellen war aus- gelegt. Der Referent, Herr Lehrer O. Schmidt, begann mit einer Charakteristik der L e r n s ch u l e n von heute. Ihr hervor- stechendstes Kennzeichen, so führte er aus, sind mit Stoff meist über- ladene Lehrpläne. Der Kern der Lcrnschule liegt in dem Lehrer, , der unter dem Zwange überfüllter Lehrpläne und unter dem Zwange der hinter diesen stehenden Autoritäten arbeitet, nicht in dem Kinde. Sicher wird auch in der Lernschule das Wissen gewissermatzen erarbeitet, eine individuelle Betätigung ist m ö g l i ch. Wird aber diese Betätigung die Regel, die Arbeit zum Erziehungs- Prinzip, so wird damit auch das Selbstfinden zum Prinzip erhoben. Auf der ganzen Linie tritt produktives Schaffen an die Stelle des passiven Lernens. Für das Unsolide der pädagogischen Resultate der modernen Lernschule zeugt der Umstand, daß die Wisscnsschätze des Vierzehn- jährigen im Leben so leicht verloren gehen. Weil sich in München an die siebenjährige Werktagsfchule noch eine zwei- bis dreijährige Sonntagsschule schliestt, so hatte man reichlich Gelegenheit, die Probe aufs Exempel zu machen. Nach drei Jahren war in der Regel nichts mehr da. Dieses geradezu vernichtende Erkenntnis bahnte dem Münchener Stadtschulrat Kerschen st einer die Wege für seine Reformen. Gerade der Arbeitsuntcrricht ist nach dessen Worten das einfachste und natürlichste Mittel, die Stoffülle aus der Schule zu verbannen. Auch dem Laien ist bekannt, wie das Gelernte erst dann zur dauernd betoegendcn Kraft wird, wenn es mit dem Erfahrungs- Ivisscn in engstem Zusammenhange steht. Erst dann kann es zu einer Komponente des Handelns werden. Das durch eigene Arbeit in der Schule Gelernte ist nun n i ch tS als Erfahrung. Und diese Erfahrung hat ihren Weg nicht erst durch den Kops des Lehrers genommen; unmittelbar aus den Händen der Statur nimmt sie das Kind entgegen. An die Stelle einer suggestiv wirkenden Persönlich- keit tritt die Kausalität der Natur. Zu dieser Erfahrung kommt in erhöhtem Matze die Freude am Gelingen, Triebkraft für weitere Erfolgs, die Gewalt in jeder Form aus der Erziehung verbannen hilft. Schüler, die in der Lernschule jahrelang als„dürres Holz" galten, zeigten in der Werkstätte, im Laboratorium der Schule Kräfte, die man vorher nicht geahnt. Unsere Schulen führen das Kind zu Abstraktionen, che Reife und Bedürfnis der jungen Psyche solches überhaupt erfordern� Anschauung und Erfahrung durch Eelbstfinden uud Erarbeiten ist die Signatur der Arbeitsschule. Die Schulausflüge sind in München in den Lchrplan organisch eingegliedert und werden in der Praxis als Unterrichtsmittel auch rechtlich anerkannt, was bekannt- lieh nicht überall der Fall ist. Der Anschauungsunterricht wird nicht an Bildern erteilt. Die Dinge in Garten und Feld, Haus, Küche und Werkstatt stehen in natura zur Verfügung, ebenso «in Modell eines Neubaues mit vollständigem Gerüst. Baugerüste, Schippen, Leitern usw. werden zum Teil unter Anleitung der Lehrer selbst gefertigt. Die Ergebnisse der Schulausflüge werden im Sandkasten nachgebildet, der schon in den Mittelklassen eine wichtige Rolle spielt. Flutztäler, Gebirge, Reliefkarten entstehen in diesem Sandkasten oder werden in Ton nachgebildet und vermitteln ein vorzügliches Kartenverstänldnis. Lebendes AnschauungS- Material bieten jeder Scimle Aquarien, Terrarien, ein Wasserbecken mit einigen Fischen. Käfige mit Exemplaren aus der Tierwelt, sowie der Schulgarten, der überdies auch die Schulküche versorgt. Ein Zcntral�Schulgarten, Museen, Sammlungen für VolkSschul- zwecke tun ein übriges. Sehr viel Raum ist dem Zeichnen zuge- standen; cS ist nicht Fach, sondern dienender Unterricht. Kein räch ohne Zeichnenl Erst mit dem fünften Schuljahr wird ystematischer Zeichenunterricht erteilt. Auf der Oberstufe tritt der Werkunterricht, der Arbeitsunterricht, im engeren Sinne, auf; bei den Mädchen theoretischer und praktischer HauShaltungS- Unterricht. Für den Unterricht in Physik und Chemie werden die Oberklassen geteilt. Die Versuche werden unter Anleitung von den Schülern selbst ausgeführt; Mesien und Wägen stehen im Vordergründe. Das erfordert geWitz Zeit, bei manchem Stoff- abschnitt sechsmal soviel wie in der Lernschule. Es werden auch nicht„Wissensfchätze" aufgespeichert, sondern Kräfte geübt. Nicht sollen Resultate erzielt werden, die geprüft werden können, sondern Urteilskrast. Nicht fremde Einsicht wird vermittelt, sondern eigene. Versuche und sonstige Aufgaben werden gruppenweise auSgegeführt. was der Weckung des sozialen Sinnes dient; der Ehrgeiz des ein- zelnen tritt zurück. Selbstzucht, Verständnis und Geschick werden in gemeinsamer Arbeit am besten geschult. Und als nicht zu unterschätzender Erfolg blüht diesem Prinzip: Wertschätzung der Arbeit. Der Plan des Werkunterrichts ist nicht endgültig; aber dem Prinzip gehört die Zukunft. Nur durch den Versuch werden die Wege gebahnt zu dem wichtigen Ziele: Selbstfinden und Schaffen des Kindes zum Zwecke der Schul» erziehung zu machen. Soweit sich das Thema auf das Fortbildungsschulwesen bezieht, wurde eS von Herrn Direktor F e ch n e r behandelt. Ein besonderer Vorzug des blühenden Münchener Fortbildungsschulwescns sind die Lehrwerkstätten, die bekanntlich in Berlin fehlen. Die Berufs- arbeit steht im Mittelpunkt des FortbildungsunterrichtS. Lehrlinge und Meister sind von den Erfolgen erfreut; eS ist gelungen, harten Widerstand so ziemlich zu beseitigen. Unter 6000 Fort- bildungsschülern befinden sich 600 Freiwilligel Ein sonst nirgends beobachtetes Symptom. Die Schule gegen das Elternhaus! Wenn Eltern auf die Lehrer ihrer Kinder schelten, wehklagt die Lehrerschaft, dah hierdurch die Autorität der Schule geschädigt wird. Wo sicsts machen lätzt, werden die scheltenden Eltern-vor Gericht geschleppt, damit der sich beleidigt fühlende Lehrer seine Genugtuung erhalte. Wenn aber Lehrer die Eltern ihrer Zöglinge verunglimpfen, soll dann das Elternhaus das ruhig hinnehmen? Oft genug haben wir über solche von Lehrern oder Lehrerinnen begangenen Ungehörigkeiten zu berichten gehabt, die wir der Lehrer- schaft zur Beachtung empfehlen mutzten. Heute müssen wir zu diesem Thema einen neuen Beitrag liefern, der uns aus der 91. Mädchen-Gemeindeschule(Gneisenaustratze) bekannt geworden ist. Unsere Auflage richtet sich gegen die Lehrerin der I K l a s s e V dl, ein Fräulein Krebs. Bei einer ihrer Schüle- rinnen, der zehnjährigen G., die kränklich ist, hatte sich zu all ihren Gebresten auch noch ein Blasenleiden gesellt. Infolgedessen stellte sich bei ihr öfter das Bedürfnis ein. während des Unterrichtes aus- zutreten. Die Mutter hatte von vornherein durch einen dem Kinde mitgegebenen Zettel die Lehrerin hiervon in Kenntnis ge- setzt und eine bezügliche Bitte hinzugefügt. Frl. Krebs aber ant- wartete der Kleinen, austreten könne sie in jeder Pause. Oft mel- dete sich im Unterricht die Schülerin, weil sie nicht bis zur Pause warten konnte. Doch Frl. Krebs merkte wohl nichts, und es ge. schah dann das Unvermeidliche: die G. machte sich natz. Schlietzlich wurde es der Mutter zu arg, datz das Kind immer wieder natz nach Hause kam. Sie ging zum Herrn Rektor Felzin und bat ihn. dem Fräulein die erforderliche Anweisung zu geben. Der Rektor forderte Beschaffung eines ärztlichen Attestes, doch machte er noch an demselben Vormittag dem Fräulein Mitteilung. Nach Schluß der Pause kam dann Frl. Krebs in die Klasse, trat vor die G. hin und fragte sie, ob sie sich natz gemacht habe. Als das bejaht wurde, fragte die Lehrerin weiter, warum dieMutterzum Rektor gegangen sei. Das Kind blieb die Antwort schukoig. Sie sollten sich beide schämen, eiferte da die Lehrerin, und sie fügte hinzu, zu ihr hätte die Mufter kommen müssen, nicht aber zu einem anständigen Mann gehen dürfen. Nicht nur von dem Kinde selber, sondern auch von anderen Schülerinnen der Klasse ist die vorwurfsvolle Mahnung, beide sollten sich schämen, so auf- gefaßt worden, datz hiermit außer der kleinen G. auch ihre Mutter gemeint sei. Wer sonst noch damit gemeint sein könnte, wäre ja anders auch gar nicht zu verstehen. Ist eS nicht ein starkes Stück, datz eine Lehrerin vor versammelter Klasse zu einem Kinde über die Mutter dieses Kindes eine solche Aeutzerung tun zu dürfen glaubt? Die Mutter empfindet das als eine Dreistig- keit. Die Schuldeputation würde vermutlich anderer Ansicht sein und die Mutter abweisen, wenn diese sich mit einer Beschwerde dorthin wenden wollte. Dagegen sind wir überzeugt, datz eine Be- leidigungsklag« gegen die Lehrerin mit einer Verurteilung dieser Dame enden müßte. Warum eigentlich die Mutter„sich schämen" soll, ist nicht so ohne weiteres klar. Die Aeutzerung, sie hätte nicht zu einem„anständigen Mann" gehen dürfen, lätzt darauf schließen, datz das Fräulein eS als„unanständig" empfindet, wenn eine Mutter einem Schulrekwr erzählt, ihr Kind habe sich natz gemacht. Soll man solches Uedermatz von Prüderie für mög- lich haften? Die Schülerin G. ist der Meinung, sie habe von Fräulein Krebs, als diese ihr wegen der von der Mutter erstatteten Mel- dung Vorwürfe machte, auch eine Ohrfeige bekommen. Der Herr Rektor häft das für nicht recht glaubhast; gegenüber der Mutter hat er, als diese bei einem nochmaligen Besuch die vermeinte Ohrfeige erwähnte, starke Zweifel geäußert. Erwiesen ist zum min- besten das, datz Frl. Krebs die G. bei einer früheren Gelegenheit geschlagen hat. und zwar aus geringem Anlaß. Sie hat auch der Mutter, die sich bei ihr hierüber beschwerte, schroff geantwortet, das lasse sie sich von keinem verbieten, bei nächster Gelegenheit werde sie wieder prügeln. Dem Fräulein ist wohl nicht bekannt, datz in einem von der Schuldeputation verfaßten Merkblatt für prügelnde Lehrer und Lehrerinnen gemahnt wird:„Nach dem Urteil namhafter Pädagogen Unterbleiben in Mädchenschulen körperliche Strafen am besten vollständig." Gegenüber der Schülerin G. müßten sie um so eher unterbleiben, da die Kleine, wie schon gesagt, kränklich ist. ES scheint auch, datz der Schularzt sie in dauernde Ueber- wachung genommen und durch einen sogenannten UeberwachungS- schein sie dem Lehrerkollegium zu besonderer Schonung empfoh- len hat. Die Lehrerschaft beklagt sich darüber, datz im Elternhause die Achtung vor der Schule untergraben werde. Wir finden, datz nur zu oft Lehrer und Lehrerinnen selber durch unbe- sonneuen Gebrauch ihres leidigen Prügelrechts oder gar durch dreiste Schmähung gegen das Elternhaus die Achtung vor der Schule bei den Eltern wie bei den Kindern unter. graben. Jeder wahre Freund der Schule mutz wünschen, datz gegen solche die Schule schädigenden Uebergriffe unnachsichtlich vorgegangen werde._ Mobilmachung gegen den KirchcnauStritt! DaS unerhörte Vorgehen des Herrn v. Kröcher und der reaktionären Mehrheit der preutzischen Duma in Verbindung mit der Praxis der Kirchengemeinden, alles was laufen und krauchen kann, ob zu Recht oder zu Unrecht, zur Zahlung von Kirchen. steuern zu veranlagen, hat einen Sturm auf die Amtsgerichte zwecks Austritts aus der Kirche entfesselt, wie er noch nicht dagewesen sein dürfte. Die Anmeldungen liefen so massenhaft ein, datz sie Wohl von den Gerichten nicht bewältigt werden konnten, denn sonst ist eS unerklärlich, datz Leute, die am 1. resp. 2. November ihren Austritt den Gerichten anzeigten, bis heute noch keine Terminsvorladung erhalten haben, und den- jenigen, die sich deswegen beschwerten, vom Gericht eine Anfrage zuging, wann sie die AuStrittSanmeldung zur Post gegeben hätten. Die Betreffenden tun gut, noch am heutigen Tage mit einer Be- schwerde zugleich ihren Antrag zu wiederholen, damit sie noch am 31. Dezember ihren Austritt vollziehen können und so ein Jahr Kirchensteuern sparen. ES werden jetzt krampfhafte Anstrengungen gemacht, um die Massen bei der Kirche zu halten; man verschmäht sogar nicht, zu dem„sozialdemokratischen Mittel" zu greifen und die Massen mittels Flugblätter zu bearbeiten, wie dies der Kirchenrat und die Gemeindevertretung der Taborgemeinde im Südosten tut. Wir fürchten nur, datz eher das Gegenteil dadurch erreicht und mancher an das erinnert wird, was er bisher ver- gessen hat. Dah man die Flugblätter durch Konfirmandenkinder verbreiten lätzt, macht jedenfalls die Sache nicht schmackhafter. Was man alles versucht, um die„Seelen" zu retten, zeigt folgendes Schriftstück, das einem Arbeiter, welcher seinen Austritt angemeldet batte. zuging: Herrn........... Hiermit fordere ich Sie amtlich auf, mir auf der bei- liegenden Karte mitzuteilen, zu welcher Religionsgemeinschaft Sie nach Ihrem Austritt aus der evangelischen Kirche übertreten wollen. Berlin. 28. 11. 08. Dr. Hollmann. lStempel der Trinitatiskirche Charlottenburg.) Ich bin mehrfach bei Ihnen gewesen, habe Sie aber nie angetroffen. Natürlich hat Herr Pfarrer Dr. Hollmann ebensowenig danach zu fragen, als der Empfänger des Schriftstückes nötig hat, darauf zu antworten. Wir betonen nochmals, datz man weder die Pflicht hat. den Pfarrer zu empfangen oder gar zu ihm zu gehen, noch ihm über- Haupt Auskunft zu geben, ebensowenig als wie das Gericht ein Recht hat, nach den Gründen des Austritts zu fragen. Der- artige Fragen weise man einfach als unberechtigt zurück. Eine Reihe religiöser Heitzsporne wollen sogar eine Ver» längerung der Frist, in welcher nach dem AuS- tritt noch die Kirchensteuer bezahlt werden mutz, sowie eine Erhöhung der Kosten herbeiführen, um den Besitzlosen den Austritt noch mehr als bis jetzt zu erschweren. Es mutz schlimm um eine Sache bestellt sein, die sich mit solchen Mitteln die Anhänger erhalten will. Bon der Lokomotive geköpft. Einen entsetzlichen Tod fand gestern abend ein Lebensmüder auf der Liebenwalder Kleinbahn. Nicht weit von der Station Schildow entfernt warf sich der Un- bekannte vor einen heranbrausenden Zug auf die Schienen. Der Lokomotivführer, der das Hindernis auf dem Gleis zu spät be- merkte, zog zwar sofort die Bremse an, doch konnte er nicht mehr verhindern, datz die Räder der Maschine über den Selbstmörder hinweggingen. Der Kopf wurde dem Unglücklichen vollständig vom Rumpf getrennt. Papiere, die über die Person deS Lebensmüden Aufschlutz geben könnten, wurden bei der Leiche nicht aufgesunden. Anscheinend handelt es sich um einen Handwerker. Stadtverordneter Mugdan. Am gestrigen Mittwoch fand in der zweiten Abteilung deS fünf. ten Kommnnalwahlbezirks die vom Magistrat zu Unrecht angesetzte Stichwahl zwischen Dr. Mugdan und dem deutschfortschrittlichen Professor Dr. Richert statt. In diesem Wahlgange erhielt Dr. Mug- dan 642 Stimmen, während auf Prof Dr. Richert 637 Stimmen entfielen. Bekanntlich wurden am 11. November auf Dr. Richert 474, auf Dr. Mugdan 472 Stimmen abgegeben, während 2 Stimmen auf den Volksschullehrer Heidenreich fielen, die aber hätten für ungültig erklärt werden müssen, wodurch Dr. Richert gewählt ge- wesen wäre. Der Magistrat lietz sich in seiner Mehrheit aber nicht zu einer Ungültigkeitserklärung der beiden Stimmen für den wählbaren Lehrer bestimmen und ordnete Stichwahl an. DaS jetzige Resultat ist erzielt worden durch Eintreten aller reaktionären Elemente für Mugdan; war er doch Fleisch von ihrem Fleisch, Bein von ihrem Bein. Noch gestern morgen legte sich die scharfmacherische„Post" mit aller Verve für Mugdan ins Zeug, sie schrieb: „Die Notwendigkeit einer Stichwahl zwischen dem Reichs- tagsabgeordneten Sanitätsrat Dr. Mugdan und seinem sozial- liberalen Gegner ist, wie es scheint, hauptsächlich dadurch ver- anlaßt worden, datz eine größere Anzahl von Wählern bei der- ersten Wahl sich nicht beteiligt hat, insbesondere soll dies mit einer größeren Zahl von höheren Beamten des Reichs und Preußens der Fall gewesen sein. Man wird mit Bestimmtheit erwarten dürfen, datz bei der heutigen Stichwahl kein Wähler staatserhal- tender Richtung bei der Wahl fehlt, denn diese hat eine über das kommunale Gebiet hinausgehende politische Bedeutung. Die mit den Sozialdemokraten liebäugelnden Demokraten suchen unter Anwendung der verwerflichsten Mittel einer vor nichts zurück- schreckenden Agitation Dr. Mugdan dafür zu strafen, daß er einer der entschieden st en Gegner der Sozialdemo- kratie ist und sie überall mit großem Mut und Entschlossenheit bekämpft. Es ist daher geradezu Ehrensache für alle auf dem Boden unserer Staatsordnung stehenden Wähler, heute Dr. Mugdan in diesem Kampfe zum Siege zu verhelfen." Also nur weil sich Mugdan als Sozialistentöter einen sehr fragwürdigen Ruhm erworben hat, nur deshalb und ausschließlich aus diesem Grunde traten die Scharfmacher, Antisemiten und Kon- servativen für ihren Schützling in die Schranken. Wie es heißt, haben die Mugdanesen am gestrigen Tage noch zu einem besonderen Trick gegriffen. Sie hatten es verstanden, die Nackwicht zu ver- breiten, daß nicht, wie bei der Hauptwahl in zwei Lokalen, sondern diesmal nur in einem einzigen Wahllokal, im Restaurant„Fürst Bülow" in der Potsdamerstratze, gewählt werde. Viele Anhänger von Professor Dr. Paul Richert ließen sich hierdurch düpieren, sie wurden dann in Automobilen nach dem richtigen Lokal gebracht. Vorläufig dürften die Mugdanesen ihres Sieges nicht so bald froh werden, da auf Grund der ungesetzlich angesetzten Stichwahl weitere Schritte zur Anfechtung deS gestrigen Ergebnisses unternommen werden dürften._ Aufsehen erregte am Dienstag abend ein Schutzmannsaufgebot, das vor einem Gartenlokale in der Prenzlauer Allee' posttert war. Man wutzte zunächst nicht, was der Grund hierzu fei. Eine Demon. strationSversammlung fand nicht statt, datz gegen die roten Gesellen hätte eingeschritten werden können, auch der Lokalbesitzer selbst stand nicht in dem Rufe der Staatsgefährlichkeit, denn vor dem Lokale flatterte die schwarz-weitz-rote Fahne. Was war also los, was ging vor? Bald erfuhr man'S. Der Besitzer hatte nämlich in seinem Lokale zwei Löwen, die er von einem Dompteur als Pfand einbehalten hatte. Die Löwen sollten nun mit Hilfe eines Gerichtsvollziehers und des eigentlichen Löwenbesitzers abgeholt werden. Da sich der Lokalbesitzer weigerte, dieselben herauszu- geben, weil der Schuldner ihm gegenüber seinen Verpflichtungen noch nicht im vollen Matze nachgekommen war, wurde die Polizei zur Hilfe gerufen. Es interessiert, was die Polizei eigentlich wollte. Sollte sie die Herausgabe der Löwen erzwingen und dem Gerichts- Vollzieher helfen oder war sie zum Schutze des Publikums alar- miert? Hatte sie bange, der Lokalbesitzer würde die Löwen nur in Freiheit herausgeben, anstatt in Gefangenschaft, und sollte die Polizei in diesem Falle sich auf eine Löwenjagd gefaßt machen? Die Praktiken der Easselcr Krankenunterstützungskasse haben wir wiederholt in unserm Blatte kennzeichnen müssen. Vor allem waren wir genötigt, gegen den Direktor der hiesigen VerwaltungS- stelle, einem Herrn Peter, Stellung zu nehmen. Herr Peter hat uns daraufhin mit verschiedenen Briefen regaliert, die wir in unserem Blatte gern abgedruckt hätten, das aber nicht konnten, in Rücksicht auf das Strafgesetzbuch. Anderenteils lietz der Inhalt der Briefe auf die geistige Verfassung des Herrn Peters kaum einen Zweifel noch aufkommen. Auch das hiesige Polizeipräsidium bat sich wiederholt mit der Tätigkeit dieses eigenartigen Direktors befassen müssen, und nun hat auch der Polizeipräsident in Cassel eingegriffen. Er hat dem dortigen Direktor folgendes Schreiben zugehen lassen: Der Königliche Polizeipräsident. Cassel, den 19. November 1308. Buchnummer III. 14 024/08. Die verschiedenen im Jahre 1903 durch das Kgl. Polizei» Präsidium in Berlin veranlatzten Revisionen der dortigen ort- lichen Verwaltungsstelle der Deutschen Krankenunterstützungskasse lassen erkennen, daß diese Verwaltungsstelle nicht ordnungs- mätzig geleitet wird. Eine Abschrift des jüngsten Revisions- Protokolls vom 8. Oktober d. Js. liegt bei. Aus demselben geht auch hervor, datz der frühere Geschäftsführer, der Generalagent Peter, seine Tätigkeit für die Verwaltungsstelle noch nicht auf- gegeben hat. Es ist Ihnen bereits durch Schreiben vom 12. Oktober 1907— l 3253/07— eröffnet worden, datz der Generalagent Peter keine Gewähr für die ordnungsmätzige Leitung der Ver- - waltungsstelle bietet. Die Ihrerseits vorgenommene Bestellung eines anderen Geschäftsführers hat ebensowenig vermocht, den Einfluß PeterS auf die Geschäftsführung auszuschalten, wie Ihr. an Peter gerichtetes und diesem durch Vermittlung des Königl. Polizei-Präsidiums Berlin am 22. August d. Js. zu- gestelltes Schreiben vom 8. desselben Monats, in welchem Sie Herrn Peter ausdrücklich jede Tätigkeit für die Berliner Ver- waltungsstelle untersagen. Nach dem Revisionsergebnis kann auch der derzeitige Geschäftsführer Neugebauer, welcher offenbar unter dem Einflüsse Peters handelt, nicht als geeignet angesehen werden, die Geschäfte der Verwaltungsstelle weiterzuführen. Der gegenwärtige Zustand darf von Aufsichts wegen nicht länger geduldet werden. ES ergeht daher an Sie hiermit die Aufforderung, binnen 3 T a gen, von Zustellung dieser Verfügung an gerechnet, zu veranlassen, daß die Leitung der Berliner örtlichen Perwaltungs- stelle einem anderen Geschäftsführer übertragen wird, und' zwar mutz diese Neuregelung so getroffen werden, daß ein direkter oder ein indirekter weiterer Einfluß Peters und des gegen- wältigen Geschäftsführers Neugebauer ausgeschlossen wird. � Sollten Sie dieser Anordnung nicht binnen der gesetzten Frist nachkommen, so werde ich in Erwägung ziehen, ob nicht durch amtliche Bekanntmachung in den Zeitungen vor dem Beitritt zur Kasse zu warnen ist. „ � I. V.: Saack. An die Deutsche Krankenunterstützungskasse(E. z. H. des Herrn Direktors Bussien Hier, Lessingstr. 2. Wie uns mitgeteilt wird, sind inzwischen die Herren Peter und Neugebauer ihrer Aemter entsetzt forden. Uns wundert nur, daß die Aufsichtsbehörde nicht schon viel früher energisch eingegriffen hat. Das ganze geschäftliche Gebaren gab doch schon längst die Handhabe hierzu. Bei einem Automobilunfall wurde gestern der Chefredakteur vom„Berliner Börsen-Courier", Herr I. Landau, verletzt. Herr Landau begab sich abends von der Redaktion aus in einer Automobil- droschks zur Premiere von Bernsteins„Israel" in das Neue Theater. An der Ecke der Obevwall- und Jägcrftraße fuhr der Chauffeur, dessen Gefährt auf dem schlüpfrigen Asphalt ins Gleiten gekommen war, auf einen' Straßenbahnwagen auf. Herr Landau wurde herausgeschleudert und erlitt neben mehreren Kopfverletzungen durch Glassplitter eine heftig blutende Wunde über dem rechten Auge und leichte Quetschungen an Armen und Beinen. In einer Droschke begab sich der Verletzte zur nächsten Unfallstation, wo ihm die Wunde vernäht und die Beine bandagiert wurden. Die Automobil- droschke wurde bei dem Anprall völlig zertrümmert. Der Chauffeur hatte, wie auf der Unfallstation in der Brüderstraße festgestellt wurde, eine schwere Gehirnerschütterung davongetragen und mußte in besinnungslosem Zustande nach dem Krankenhause am Urban übergeführt werden. Das Apollothcater hat sein Dezemberprogramm aus fast ausschließlich erstklassigen Varietenummern zufamniengestellt. Als . ein Äartetestern erster Größe wird uns M t z i G i z i vorgestellt. Sie hat dch alte Schule landläufiger Soubrettenkunst längst ver- lassen und tritt als Vortragskünstlerin auf. Sie tut das in ihren Originalszencn:„Im Rausch".„Im Reiche der Toaste" und„Im Teesalon der Hapag". Ihre Darbietungen sind fem pointiert, ihre Bewegungen machen einen gewissen vornehmen, nicht gesuchten Ein�rgck, und ihr zuzuhören ist ein ästhetischer Genuß. Auf dem Gebiete der Akrobatik leisten die Brothers Schenk unerreichtes. Dazu kommen die Gusti und Georg Edler mit einer humoristischen stcyrischen Alpenszene, und die graziöse Musikinstrumentalistin Tosca Madri. Besondere Ansprüche an die Lachmuskeln deS Publikums stellt der Humorist Sicgwart Gentes, der mit seiner „fromuien Helene" noch heute das Publikum aufs trefflichste amüsieirt. Ta8 Mitgliedsbuch des Deutschen MctallarbeiterverbandeS Nr. VS3 382 ist am Montag auf dem Wege von der Feurigstraße bis Sedanstraße in Schöneberg verloren gegangen. Ter eventuelle Finder wird um Abgabe an Jacschke, Schönebcrg, Feurigstr. 62, gebMn. Wie stellen sich die sozialdemokratischen Abstinenten zur Alkohol- bestcuerung? Man findet noch vielfach die Meinung vertreten, daß die Abstinenten cigeiitlich ein Interesse daran haben müßten, daß Bier und Branntwein möglichst hoch besteuert würden. Ganz ab- gesehen davon, daß sie— wenn sie Sozialdemokraten sind— prinzipielle Gegner jeder indirekten Steuer sind, so wissen sie außer- dem nur zu genau, daß weder die Bicrstcucr noch das Branntwein- Monopol geeignet sind, den Alkoholkonsum einzuschränken. Um der- artige irrtümliche Auffassungen— wie oben angedeutet— zu widerlegen, findet am Freitagabend Uhr im GelverkschaftShaus eine öfsentliche Versammlung statt, in welcher Genosse Tavidsohn referieren wird über:„Alkoholbestcuerung und Abstinenz". Feuerwchrbericht. In der letzten Nacht kam um 3 Uhr in der' Wilhelmstr. 94/96, Ecke Prinz-Albrecht-Straße. Feuer aus, das auf eine Kammer beschränkt werden konnte. Der 7. Zug hatte in der Stralauer Allee 34 zu tun, wo um Mitternacht das Zwischengebälk in Flammen stand. Heute früh kam in der Wassertorstr. 39 Feuer auf. Dort brannten Hölzer und anderes in einer Tischlerei, und gleichzeitig in der Kesselstr. 7 ein Schornstein. Der 12. Zug wurde nach der Steglitzer Straße 27 gerufen, wo in dem Neubau der Pianofortefabrik von R. Ibach Sohn Kästen mit Schwefel, Fenster- koeuze und Satinbretter brannten. Ter Automobilzug hatte in der Landsberger Allee 62 zu tun. Möbel brannten dort in einer Wohnung. Der 1. Zug mutzte einen kleinen WohnungSbrand in der Landsberger Straße 62 löschen, und der 19. Zug einen Brand, der in einem Geschäftsraum in der Leipziger Straße 39 ausgekommen war. Durch Umfallen einer brennenden Petroleumlampe entstand in einer Wohnung, in der Schreinerstr. 39 ein Brand, der schnell gelöscht werden konnte. In der Chausseestr. 64 war ein Ballon mit Salzsäure geplatzt. Durch Austversen von Sand wurde die Gefahr beseitigt. Außerdem hatte die Wehr noch an einigen Stellen Hilfe zu leisten._ Ihre» ersten Kunstaicnd veranstalten am kommenden Sonnabend die Genossen deS Gesundbrunnens in dem Ballschmiederschcn Lokale in der Badstraße. Dem Wunsche zahlreicher Mitglieder des Wahlvereins des Gesundbrunnens nach Befriedigung des KunstbedürfnisseS folgend, hat sich das zu diesem Zwecke eingesetzte Komitee bemüht, durch Gewinnung eines guten Orchesters, einer leistungsfähigen Konzertsängerin und eines ausgezeichneten Rezitators, wozu noch Violinvirtuosen kommen, am Sonnabend, den 5. Dezember, einen wirklichen Genuß versprechenden Abend vorzubereiten. An den Genossen liegt eSnun, dafür zu sorgen, daß der Besuch ein solcher wird, daß wenigstens die nicht geringen Kosten gedeckt werden durch Verbreitung der nur 69 Pf. betragenden Billetts. Das Konzert beginnt pünktlich 9 Uhr. Kindern kann im Interesse des Gelingens des Abends kein Zutritt gewährt werden. Vorort- ZVacdriebteK. Nixdorf. Stadtverordneten- Lersamulkung. Die Sitzung am Dienstag abend war von nur kurzer Dauer, wenigstens soweit die öffentlichen Verhandlungen in Frage kamen. Der erste Bcratungsgegenstand war ein Antrag deS Magistrats, in welchem ersucht wird, zum Zwecke der Schaffung von Arbeilsgelegenheit für arbeitslose Rixdorfer Ein wohner die Erdarbeiten zur Fortführung des Schiffahrtskanals in An- griff zu nehmen. In der Begründung wird gesagt, daß die Zählung am 17. November 3233 männliche Arbeitslose am Orte nachgewiesen habe und deshalb Maßregeln zur Schaffung von Arbeitsgelegenheit dringend geboten sind. Alle vorliegenden Arbeiten sollen schleunigst zur Ausführung kommen und sind inzwischen die Kanalifierung der Kaiser-Friedrich-Straße sowie einige weitere Straßenbauten begonnen worden Die beteiligten Unternehmer sollen gehalten werden, bei Einstellung von Arbeilern Rixdorfer Eingesessene zu bevorzugen. Die Erdarbeilen zur Fortführung des Schisfahrtskanals werden, soweit sie ohne Wasserhaltungsarbeiten auszuführen sind, von der Stadt in eigener Regie betrieben und die benötigten Lowren, Feld geleise usw. angeschafft. Hierbei werden ausschließlich Rixdorfer Arbeiter angestellt und zwar zunächst solche, die längere Zeit in Rix- dorf wohnen. 399 Mann finden sofort und gleichzeitig Berücksichti- gung, die dann nach einiger Zeit durch andere ersetzt werden sollen, um einer möglichst großen Zahl Arbeitsloser Beschäftigung zu ver- schaffen.— Die Vorlage fand einslünmige Annahme: die Fest- setzuug deS Lohnes und die Einstellung der Arbeiter wurde der Tief- baudeputation überwiesen. Jir einer weiteren Vorlage bittet der Magistrat die Ver- sammlung, zur Unterstützung der Hinterbliebenen der auf der Zeche Radbod verunglückten Bergleute einen Betrag von 1999 M. aus den Mehr- Überschüssen des Rechuungsjahres 1997 zu bewilligen. Ohne Debatte wurde diesem Vorschlage zugestimmt. Damit war die Tagesordnung erschöpft. Vor Schluß der öffentlichen Sitzung warf Stodtverorduetenborsteher Sander unter Bezugnahme auf die am 3. dieses Monats stattfindende Einweihung des neuen Rathausbanes einen kurzen Rück- blick ans die Ereignisse im alten Sitzungssaal, in dem die Versammlung nunmehr das letzte Mal getagt hat. Der Abschluß iin alten Hause konnte— so sagte er— für die Versammlung kein besserer sein, als durch die einmütige Amiahme der von Meuschenliebe getragenen Vorlagen der heuligen Sitzung. Diese Worte sind gewiß wahr; bleibt nur zu hoffen, daß die darin gefeierten Gefühle bei der Mehrheit auch noch ün neuen Domizil vorhalten und dort eine daüernde Stätte finden. In geheimer Sitzung beschloß die Versammlung, dem Antrage der eingesetzten Kommission folgend, zur Ehrung des verstorbenen Oberbürgermeisters Boddin eine Stiftung für hilfsbedürftige alte Rixdorfer Bürger und Bürgerinnen mit einem Kapital von 69 999 M. zu begründen.— Ferner fanden einige GrundstückSaugebote ihre Er- ledigung. Die Geuossenschaftsbewegung Groß-BerliuS ist nach mehrjähriger Stagnation in einer lebhaften Aufwärtsbewegung begriffen. Am deutlichsten prägt sich dies in den Mitgliederzahlen der Konsum- genosseuschaft Berlin und Umgegend aus. Das Geschäftsjahr 1996/7 schloß mit einer Mitgliederzahl von 6799, die sich im folgenden Jahre nahezu verdoppelte,'indem sie auf 19 221 anwuchs. Im Verlauf von weiteren fünf Monaten(bis Ende November 1998) ist die Steigerung in verstärktem Tempo vor sich gegangen, so daß zurzeit die Genossen- schaft über 17 099 Mitglieder zählt. An dieser Entwickelung ist auch Nixdorf in hervorragendem Mäße beteiligt. Erst im vorigen Jahre setzte hier die Agitation ein: das Resultat war, daß iiiner- halb eines Jahres drei Verkaufsstellen sWeifestraße 52, Emfer- straße 33 und Wildenbruchstr. 61/62) eröffnet werden konnten. Gegen- würtig beträgt die Zahl der Genossenschaftsmitglieder in Rixdorf allein über 2999. Am Freitag, den 4. Dezember, gelangt in der Friedelstr. 15(Nähe deS Reuterplatzes) eine weitere Verkaufs- stelle, die 49. der Genossenschaft, zur Eröffnung, für welche bereits annähernd 499 Milglieder gewonnen sind. Um das Verständnis für die genossenschaftliche Organisation auch in weitere Bevolkerungs- kreise zu tragen, finden am heutigen Donnerstag, den 3. Dezember, abends 8>/z Uhr, in den Lokalen von Zeidler, Neulerstr. 26, und Kurth, Kottbuscrdamin 79, zwei öffentliche Versammlungen statt, zu deren Besuch im besonderen die Frauen eingeladen werden. Rixdorf. Zu der am Sonnlag, den 6. Dezember, nachmittags 4 Uhr, stallfindenden Urania- Vorstellung„Ueber den Moni- blanc" sind noch in allen Zahlstellen sowie in der Parteispedition, Neckarstr. 2, Billetts pro' Stück zu 63 Pf. inkl. Garderobe zu er- halten. Wir ersuchen unsere Zahlstellen, die nichtverkauften Billetts unverzüglich bis spätestens am Freitag, den 4. Dezember, in der Partcispedition niederzulegen, da dieselben sonst als verkauft in Anrechnung gebracht werden. Der Ausschuß. Charlottcuburg. Auf der Polizeiwoche zu erhänge» versuchte sich dieser Tage der Schutzmann Sühling vom 13. Revier in Charlottenburg. Er wurde aber rechtzeitig bemerkt, von Kollegen abgescknitten und nach dem Krankenhause Westend überführt. Als Grund soll er dienstliche Diffe- renzen mit seinem Vorgesetzten angegeben haben. Grost-Lichterfelde. Auf der Tagesordnung der Geuieindevertretersitzung am Montag befand sich die Interpellation der Gemeindevertreter Delbrück und Jäger über die neue projektierte Straßenbahn. Die Interpellation hatte eigentlich. nur den Zweck, dem Gemeindevorftand klarzu- machen, daß er künftig in allen die Straßenbahn bezüglichen Fragen die Genehmigung beziehungsweise_ Entscheidung der Gemeindevertretung einzuholen habe. Bei der Verlegung der Gleise von der Stern- durch die Karlstraße ist dies nicht geschehen. Gemeindevertreter Delbrück führte aus, daß die Anlage einer neuen Straßenbahn vom Bahnhof Moltkestraße nach dem neuen Zentralfriedhos an der' Schönower Grenze durch den Kreis geplant und die Trace bereits festgelegt sei. Infolge dieser neuen Straßenbahnlinie werde die Gemeinde noch mehr an den Kreis gekettet als bisher. Durch die Uebernahme der Bahnen von Siemens u. Halske durch den Kreis glaubte man wohl auch eine festere Verbindung mit den betreffenden Vorortgemeinden her- »stellen und den zentrifugalen Kräften auf Loslösung vom kreis entgegenzuwirken. Der bedenklichste Punkt sei, daß Lichterfelde die Rentabilitätsgarantie übernehmen müsse: da erscheine es doch vorteilhafter, wenn die Gemeinde selbst das neue Straßen- bahnprojekt durchführe. Vor allem handle es sich aber um die Frage: Habe die Gemeindevertretung das Recht, mitzusprechen, wenn derartige Projekte erörtert würden oder nicht? Die Gemeinde- Vertretung sei weder bei dem zweigleisigen Ausbau der Straßen- bahn in der Sternstraße noch bei der neuen Führung durch die Karlstraße gefragt worden, obwohl es sich hier um„wesentliche Aenderungen" im Sinne de? Kleinbahngesetzes gehandelt und die Entscheidung der Gemeindevertretung hätte eingeholt werden müssen. Gegen diese Nichtachtung der Rechte der Gemeindevertretung müffe mit aller Schärfe aufgetrelen werden. Der Interpellant macht dann dem Gemeindevorstande zum Vorwurf, daß er die im Interesse der Gemeinde liegenden finanziellen Gesichtspunkte nicht genügend berücksichtigt habe, und schreibt dies dem Umstände zu. daß drei Mitglieder des Gemeinde« Vorstandes der Kreisvertretung und ein � weiteres dem Balhnverwaltungsrat angehören. Derartige Doppelstellungen seien bedenklich. Er wolle jedoch dem Gemeindevorstands mildernde Umstände bewilligen und für die Vergangenheit Indemnität erteilen unter der Voraussetzung, daß seitens deS Gcmcindevorstandes ohne weiteres anerkanm werde, daß er nicht be- fugt gewesen sei, ohne Zustimmung der Gemeindevertretung in der Srraßenbäbnfrage zu hand-ln und daß er künftig bei neuen der- artigen Projekten die Genehmigung der Gemeindevertretung einholen werde. Als der Gemeiudevertreter Jäger im Be- griffe war, die Interpellation noch von anderen GeftchtS« punkten aus zu begründen, wurde er vom Gemeindevorsteher unterbrochen durch die Erklärung, daß der Gemeindevorftand sich einstimmig auf den Boden der Interpellation stelle und in Zukunft die Enlscheiduiig der Gemeindevertretung eingeholt werde. Schöffe Dr. L e n z n e r erklärte, daß es sich bei der neuen Linie lediglich um ein Projekt handle: ein Antrag liege noch nicht vor. Gemeinde- Vertreter Delbrück verkenne völlig die Tätigkeit der Mitglieder des Vorstandes im Bahiiverwaltungsrat und stelle die Dinge auf den Kopf; dem Bahnverwaltungsrat sei es gelungen, iunerhalb zweier Jahre 499 999 M. für Verbesserungen im Straßenbahnverkehr vom Kreis zu erhalten— bei einer privaten Erwerbsgesellschaft wäre dies nie erreicht worden. Man könne sich unmöglich auf den kurzsichtigen Standpunkt stellen und für jeden Meter mehr verlegten Gleises vom Kreis Entschädigungen beanspruchen, um so weniger, als auch das GeschäflZjahr 1997/93 für die Lichierfelder Bahnen mit einem großen Verlust abschloß, so daß weder an irgendwelche Amortisation noch an ausreichende Ueber- Weisungen an den Erneuerungsfonds gedacht werden könne. Damit hatte die Besprechung der Interpellation ihr Ende erreicht. Sachlich und dem Zwecke nach war die Interpellation zweifellos vollauf berechtigt Dagegen erscheinen uns die Bedenken der Jnler- pellanten bezüglich der Uebernahme der Bahnen und deren Betrieb durch den Kreis zum großen Teil ungerechtfertigt. Die Gemeinde kann zufrieden sein, daß sie jetzt mit diesem und nicht mehr mit Siemens u. Halske, einem Privatimternehmen, daS niemals auf die Bedürfnisse der Gemeinde Rücksicht zu nehmen brauchte und auch keine Rücksicht genommen hat, zu rechnen hat. Gewiß ist es richtig, daß in erster Linie die Kommune selbst den Bau von Straßenbahnen übernehmen sollte. Aber bei den mißlichen finanziellen Verhältnissen deS Ortes»nd der wahrscheinlich noch auf Jahre hinaus dauernden Uurentabililät ist ein gemeinsames Zusammenarbeiten mit dem Kreis behufs Ans- dehnung des Straßeiibahnnetzes nicht von der Hand zu weisen, um so weniger, als der Kreis an der Entwickelung der Gemeinde ein sehr großes Interesse hat und schon an» diesem Grunde weit ent« gegenlommender sein kann und muß als ein kapitalistisches Privat« n»ternehmen, für das nur der eigene Profit der maßgebende Faktor ist. Friedrichsfelde. Vor einer imposanten Volksversammlung sprach Genosse Adolf Hoffmann über das Thema:„Staat, Kirche, Schule." In seinen Ausführungen entwarf der Redner ein treffliches Bild von der Wandlung im Verhältnis zwischen Staat und Kirche: wie diese immer mehr Einfluß aus jenen gewann, je mehr die herrschenden Klassen ihrer bedurften, um das Volk in seiner Knechtschaft zu er« halten. Dem Proletariat bleibe nur der Weg der Selbsthilfe, indem es durch massenhaften Austritt aus der Landeskirche deren Einfluß auf die Volksmassen auf ein solches Minimum herabdrückt, daß es der Regierung nicht mehr lohnend erscheint, die in immer höherem Maße geforderten Mittel für die Kirche aufzuwenden. Andererseits müssen die proletarischen Eltern mehr als bisher in proletarischem Sinne dem Einfluß der verpfafften Schule auf ihre Kinder entgegenwirken. Ungeheurer Beifall bezeugte die Uebcreinstimmung der Versammelten mit dem Redner. Zu der Versammlung waren Geistlichkeit und Lehrerschaft schriftlich eingeladen worden. Aber nur einige Lehrer waren der Einladung gefolgt, von denen Bachnick mehrfach in die dem Vortrage folgende Diskussion eingriff. Er bemühte sich, die herrschenden Zustände m den Volksschulen im rosigsten Lichte erscheinen zu lassen, war aber so ungeschickt, dem Genossen Hoffmann die innere Ueberzeugung und Wahrheitstiebc abzusprechen. Natürlich wurde ihm vom Referenten wie von den Genossen Kaßner und Gronwald gehörig heimgeleuchtet. Genosse Schwenk forderte sowohl zum Eintritt in die Partei als auch zum Austritt aus der Landeskirche auf. Erst nach Val Uhr fand die interessante Versammlung ihr Ende. Bernau. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich gestern früh 9 Uhr auf der Chaussee Bernau-Schönow. Das dem Bürgerlichen Brauhaus in Bernau gehörige Fuhrwerk befand sich mit drei Herren auf einer Geschäflstour. Durch einen nicht vorhergesehenen Umstand wurden die Tiere wild und rasten im Galopp die Chaussee entlang. Der Kuffcher, welcher die Gewalt über die Tiere vollständig verloren halte, blieb auf dem Wagen sitzen, während die Insassen, der Direktor deS Bürgerlichen Brauhauses und die beiden anderen Herren versuchten, in voller Fahrt aus dem Wagen zu springen. Zwei von den Insassen gelang dies auch ohne Schaden zu nehmen, während der dritte, der Restaurateur Gustav Labalke aus Bernau, beim Herausspringen stürzte und so unglücklich mit dem Kopfe auf die Chaussee fiel, daß er besinnungslos liegen blieb. Passanten trugen denselben nach einem nahe gelegenen Restaurant, wo ein sofort hinzugerufener Arzt eine schwere Gehirn- erschütterung sowie eine Verschiebung der rechten Kniescheibe feststellte. Der Verletzte wurde mittels Droschke in seine Wohnung gebracht. Die Pferde waren nnt dem Kutscher weiter gerast„nd hatten sich später auf einem Ackerland festgefahren. Der Kutscher kam mit dem bloßen Schrecken davon. Votsdam. Der Potsdamer„Schwauenvater", Fischermeister W. Lechler. ist gestorben. Mit ihm ist eine typische Persönlichkeit dahingegangen, die fast jedem alten Potsdamer bekannt war. Meister Lcchler, der ein Alter von 71 Jahren erreicht hat, war der Schwanenvater, und nicht umsonst gab ihm der Voltsmund diesen„Titel". Lcchler war mit dem Einfangen und der Fütterung der Havelschwäne betraut und mit einer hingebenden Treue entledigte er sich seines oft mühevollen AuftrogeS. Wenn irgend ein invalider Schwan auf den Havelseen wie ein Wrack heruingetricben wurde, dann war es Meister Lechlers Aufgabe, den Patienten ans Schilfgeftade zu bringen, ja es kam vor, daß er noch ärzliche„Hilfe" holen mußte. Das Schwanenvolk war aber auch dankbar gegen seinen Pfleger. Er brauchte nur seinen bekannten Ruf hören lassen, dann kamen die heiligen Tiere der Leda in Scharen herbei und verschlangen die ausgeworfene Nahrung. Viele Schwäne, die sonst scheu jedem auswichen, fraßen dem Schwanen- Vater aus der Hand. Seine eigentliche Domäne war das Havelufer am Lustgarten. Dort lag der offizielle Fntterplatz und dort ver- sammelten sich die hungrige» Tiere. Eingegangene Vruckfckriften. Jahre des GramS. Erinnerungen einer russischen Mutler. Von Frau I. R. Sawenkow, Ueb ersetzt von G. Ende. Brosch, 1 M., geb. 2 M. — Verlag Dr. F. Ledermann, Berlin W. 50. Schützt Such vor Die Infloenza ergreift nur diejenigen, deren Blut resp. Blutkörperchen nicht stark genug sind, um siegreich den Kampf gegen die eindringende Influenza* Bazillen aufzunehmen. Die Wallung des Blutes muS stärker sein, die Herztätigkeit erhöht werden; deshalb trinke man Va Stunde vor jeder Mahlzeit, also vor dem 2ten Frühstück, vor dem Mittag- und Abendessen je Santa Lucia KrafftgRotweSn» Derselbe wirkt beilsam ant den ganzen menschlichen Organismus. teppdechen Spezialhans Emil LeKvre Berlin-Süd q. Seit 1882 nur Oranienstf. 158 S" nirgends Filialen Weihnachts-Offerte! Steppdecken in voller BettgrSBe. in den C2S QIOO il bis �1 Wollatlas iro�ilau'67b5is2r Farben" bis t, bb oliv DauDentieeifeö 2800 12500 Bunte Normal- Sehlaldeelteii 250 350 bis 1800 WollWenfTcTS00 8�28°° HeiseiieelfED Nacb auswärts pr. Nachnahme Ifeilmacliis-EWisle enorm billiger Geschenkartikel kostenlos.. 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Karben schillernde« Papagei auö Glas, im prächtig glitzernden Silberstrahlenriu, sitzend, 15 cm gr,. und I prachtv.Kroneu-Ebrislvaumspitze mitKometenschwcis, 21 cm gr,. außerdem extra»oa, den Sortimente» l u. 2: 1 gr. weiße» Hirsch mit Geweih(kunstvoll au-? Glas geblasen), reiz, Nippcsgegeniland, sowie den Sortimente« ll«»» st klammem beigefügt. (Ohne Gewähr,)(Nachdruck verboten.) 121 86 275 98 S71 91 481 569 1159 68 92 893 667 -«7 921 25 57 2 330 457 791 98 999 3035 372 74[80001 511 607 875 4309[1000] 75 427 96 614 711[600] 864 956 [1000] 71 5289[500] 97 359 677 866 994 986 027 92 896 158[1000] 606 25 650 7696 710 948 8218 20 814 46» 851 924 62[ 3000] 9012 816 84 416 939 10109 34[ 500] 52 Sil 73 93 671 988 11282 860 77 611 794 1 2181 322 32 430 816 90 1 3158 310 425 792 899 1 4117 29 82 321[1000] 699 796 1 5>63 590 825[500] 16077 126 310 11 598[3000] 680 814 974 1 7139[1000] 673 823 83 1 8001 16 43 76 806[3000] 56 940 1 9017 80 74 355 49 65 422 712[1000] 3« 53 846 910 63 20121 238 86[3000] 726 70 87 2 1 026 120 288 448 635 716 78 829 34 63 918 2 2071 96 303 38 510 46 726 40 818 2 3162 83[8000] 186 874 591[500] 801 89 64 24026 310 417 827 64 84 25067 85[500] 230 490 609 738 61 860 79[3000] 26027 91[500] 298 674 629 784 979 2 7029 66 187 236 93 2 8069[1000] 192 266»48 67 184 681 715 816 975 2 9296 896 417 958[8000] 30114 409 41 596 1500) 32043 108 483 816 672 946 3 3 214 482 936[ 3000] 3 4864 454 66 711 12 876 35327[1000] 577, 761 64 822 89 72 982 3 6666 701 809 65 934 62 37066[8000] 194 270 677 634 64 71 936 3 8181 391[1000] 39 322 76 443 508 74 737 40117 772 818 912 4 1 076 113 268 484[1000] 686 795 837 939[3000] 42 231 816 94 403[1000] 41[3000] 668 804 28 70 4 3037 111 14 219 322 89 430 37 670 821 44027 252 868 485 504 14 45190 228 560 714 88 880 903 9 4 6406 59[3000] 563 1500] 615 16 47006[3000] 83 301 70 608[600] 847 63 48098[3000] 241 408 602 19 766 4 9 339 486 95 636 56 897 900 50013 18 62 466 611 674[1000] 807 31 916 5 1027 48 77 370[3000] 64, 69 717 937 86 97[600] 52246 316 437 69? 738 68 972[lOOO] 86 5 3174 607 961 54040 93 301 67 676 710 819 910 94 5 5 364 609 711 966 5 6032 38 133 273 85[1000] 316 27 451 600 842 63 64 966 5 7 228 91 328 470 600 726 833 945 90 5 8039 42 73 221 95 355 80 577 836 757 945 59139 99 469 562 648 791 885 98 999 60042 174 430 67 556 921 61133 806[1000] 472 711 6 2043 67 188 96 2a 478 666 769 983 6 3352 663 839 920 40 6 4062 128 III 63[600] 86[1000] 866 629 862 65111 491 77« 927 6 6075 615 616 726 890 982 6 7 220 339 805[1000] 43 960 6 8044 284[600] 832 404 20 21 >S 662 891[500] 942 69009 194[60»] 372 96 438 66 666 773 897 70122 99 448 95 617 82 846 71107 276 84 300[1000] 411 620 700[3000] 29 7 2060 209 18[600] 78 98 469 73512 686 716 51 86 7 4002 100 19 88« 7 5076 123 213 löOOl 634 708 26 891 7 6 053 276 94 800 69 772 913 7 7306 22[1000] 49 426 3»[3000] 56 526 76 853 751 917 25 80 7 8012 271 819 61 81 684 SI[500] 726 883 79147 241 137 513 680 80082 198 326[600] 484[600] 616 7 7 849 8 1 276 869[500] 80 943 55 73 7 5 8 2125 276 806 488 668[1000] 7.-2) 911 45[600] 83090 114[6C0] 08 374 462 510 887 84037 44 255 358 481[3000] 654 720 847 81 937 8 5175 509 668[600] 87 830 904 8 6035 273 371 467 564 719 27 87036 360 403 51 621 703 893 901 85 8 8458 618[1000] 722 973 8 9034[1000] 152 344 63 82 617 851 940[500] 45 99600 36 208 312 475 608 34 9 1 606 36 876 915 96 9 2 250 433 63 548 647 747[1000] 877 932 46 9 3056 168 217 303 546 781 805 919 98 9 4163 227 29 315 638 78 [1000] 723 66 848 960 9 5414 692 614 9 6047[1000] 97030 219 350 85 94 428 507 14 666 791 866 9 8003 207 22 60[500] 893 915 9 9305 7 100065[500] 67 69 108 69 229 50 343 444 94 768 981 83 1O1031[500] 132 53[5000] 369[500] 437 514 661 E 37 1 0 2 292 423 510 674 858 916 45 1 032.84 302 84 [.iOOO] 473 545 701 104021[40 000] 367 77 93 566[3000] 830 956 1 05259 395 476 667 1 06006 335 494 572 766 73 880 1 0 7 483 678 763 820 933 43[1000] 1O8077 209 82 340 584 725 949 99 1 09008 93 115 463 310 69 646 893 HO045 139[500] 672 604 8[500] 799 884 111190 883 532[3000] 112061 65 133 387 808 39 808 49[500] 113 022 148 515 616[3000] 70 825 114085 115168 321 «8 468 87 538 667 91 739 931 84 116064 230 68 334 569 [500] 76[3000] 98 635 703 68 810 41 67 117093 379 4il 764 880 903 83 118406 953 119060[500] 710 973 12 0312 64 837 64 99 1 2 1 282 542 1 2 2307 82 663 013 1 23013 825 434 577 602[600] 705[3000] 6[500] 72 814 998 1 2 4309 74 923 1 25120 895 739 809 911 [lOOl 126278 504[1000] 17 57 640 754 78 1 27026 435 776 060[1000] 128051 205«27 728 884 59 1 29346[600] 623 735[600] 88 834 954 130162 211 684 541 43 616 711 64 935 1 3 1 211«7 'I»[500] 456 80 617 721 908 40 1 32308 419 23 31[500] 59 670 831[3000] 92 621 133 362 90 413 633 1 34070 89 126 31 96 205 402 19[ 3000] 700 803 1 3 5 495[500] C48 871 136021 121[3000] 238 305[1000] 68 439 1500] 658 76 835 63[1000] 79 94 1 37208 315 650 86 791 884 616 35 51 138106 268 967 1 39-28 635[300«] 73 921 75 140076 240 366 839 933 89 1 4 1 343 447 78 64 878 6(i9( 5001 83 92 732 46 603 83 944 1 42*13[500] 171 "80 504 37 806[1000] 986 1 43160 66 205 29 56 85 865 4"! 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Eichung 5. Kl. 219. Kgl. Preuss. Lotterie. ®e'9'nff. rem 2. Dezember 1908. naehmittas;». Nu: die Gewinne Uber 240 Mark sind den heireffooden Nummern in Klammern bciscHigt. Ohne Genähr.)(Nachdruck verboten.) 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