Nr. 63. •rfitemt täglich außer a�ontag». Sret« pränumerando: SJiertcI. jährlich 3,30 Marl, monatlich l,jo Ml, wöchentlich 2S Psg frei in'S HauZ. Einzelne Nummer s Pfg. Sonntags- Nummer mit Muflr. Sonntags-Beilage„Neue Welt" 10 Pfg. Post-Adonneme»t: 3.30 Ml.pro Quartal. Unter ftreuz- band: Deutschland u. Oeiierreich- Ungarn 3 Ml., für das übrige Ausland 3 Ml.pr.Monat. Singe::. in der Poft-ZeitungS- Preisliste für l«»3 unter Nr.«ros. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. 10. Jahrg. ifnseriionI-Sedühr delrlgt für die fünfgespaltene Pettlzeil« oder deren Raum«0 Psg., für«eretn»-»nd verfammlungs- Anzeigen so Pfg Inserate für die nächste Nummer müssen bis« Uhr Nachmittag« in der Expedition abgegeben werden. Tie«xvedition ist an Wochen- tagen bi« 1 Udr Abend«, an Sonn- und Festlagen bis» Uhr Bor- mittag« geöffnet. IMtifprech-Zinfchl«! Amt I,»r. SIS«. NedaKtio»: LV.lg. Aeuth-Straße 2. Mittwoch, de» 13. Mär* 1893« j ßrpedition: SW. 19, Aeuth-Straße 3. Gewerbegerichte und„Hnmanitatsfanotismus". Wer die Geschichte und die praktische Wirksamkeit der gewerblichen Schiedsgerichte in Deutschland kennt, und beide datiren ja Jahrzehnte zurück, der kann von dem Vorstoß des agrarischen Abgeordneten von Minnigerode und des kapitalistisch» feudalen Bergwerksdirektors Dr. Ritter in den Sitzungen des preußischen Abgeordnetenhauses vom 4. und 6. d. M. nur mit Goethe im Faust sagen:„Das Un- zulängliche, hier wird's Ereigniß; das Unbeschreibliche, hier ist es aethan;" und dann mit einer kleinen Abänderung: „Das Ewig-Volksfeindliche zieht sie hinan." Eine solche Summe von Unwissenheit und sozialpolitischem Dilettantis- mus ist selten in so wenigen Stunden offenbart worden, wie von den genannten Herren bei ihren Reden gegen die Berggewerbegcrichte. Deshalb ist eine sachliche Diskussion und Auseinandersetzung bei dem Standpunkt der Herren überhaupt kaum möglich. Wo jede Voraussetzung für die allergeringste Sachkenntniß fehlt, da kann eine ernst- hafte Debatte nicht anknüpfen. Jeder Referendar würde unsere? Erachtens in seinem ersten Staatsexamen durchfallen, wenn er den blühenden Unsinn äußerte, den Herr von Minnigerode über die Ge- werbegerichte verzapfte.„Das ordentliche Gericht ist etwas total anderes, wie ein natürlicher oder unnatürlicher Weise auS den verschiedenen Jnter- esienten zusammengesetztes Gewcrbegericht. Ja, vielen paßt der ordentliche Richter nicht mehr, daS gebe ich recht, aber eine wirklich rein sachliche Entscheidung durch die ordentlichen Gerichte würde ich vorziehen." Das ist so eines der großen Worte, welche Herr v. Minnigcrode gelassen aussprach. Er hat die Entivickelung von der Recht- sprechung durch gelehrte Richter zu den Laiengerichten(übrigens einer„urteutschen" Einrichtung, Herr v. Minnigerode!) „total" verschlafen. Er weiß nichts daß die Berggewerbe- Gerichte nur ein weiteres kleines Glied in der geschlossenen Kette der Entwickelung dieser Laiengerichte sind, die keine konservative Macht der Erde mehr aushalten kann; ein Glied aus der Reihe der gewerblichen Schiedsgerichte, deren Zusammensetzung bestimmt ist nicht durch einen willkür- tichen„Humanitäts- Fanatismus", sondern durch die technische Entwickelung der modernen Gewerbe, und die so wie in Deutschland, naturgemäß entstanden sind in Frankreich, in der Schweiz, in Belgien, in den meisten Staaten rings um uns herum. Herr v. Minnigerode und Dr. Ritter sind ohne jede blasie Ahnung von dem un- geheuren Fortschritt, der durch die Schiedsgerichte mit Laien- richtern, seien sie nun gewerbliche oder nicht gewerbliche, gemacht worden ist; dieselben stehen nicht im Gegensatz zum„ordentlichen Richter", sondern sie sind eine V e r- volltommnung des„ordentlichen" Gerichtsversahrens, desjenigen, bei welchem dem Rechtsgefühl des Volkes Stechnung getragen wird im Gegensatz zu den IseuMeton. »ia«ms ectöotin,) (30 Die Kanstlchn eines Nihilisten. Von S. Stepniak. Autorisirte Uebersetzung. Frei inS Deutsche übertragen von Bertha Braun. Trotz des dichten Regens, welcher alles in einen dichten Schleier hüllte, konnte man sie sich ans dem Fahrwege nähern sehen. Zwei Gendarmen gingen voran und zwei folgten. Die drei Gefangenen befanden sich in der Mitte. Bald konnten sie sich gegenseitig deutlich sehen. Von den Dreien sah Boris allein gesund und kräftig auS. Er ging in der Mitte und fein langer kastanicn- brauner Bart flog im Winde. Aus seinem Gesichte leuchtete die Freude über das unerwartete Zusammentreffen, ohne daß ein Schatten des Acrgers über dessen Bedeutung seine Züge getrübt hätte. Lewschin und Klein waren ent- weder vor Erregung oder weil sie sich nicht wohl befanden, sehr blaß. Ten Anschein vollständiger Gleichgiltigkeit beibehaltend, näherten sich die Freunde einander. Je mehr sie sich näherten, desto dringender wurde das Gebot, jedes Zeichen gegenseitigen Erkennens zn unterdrücken. Doch auch ohne hinzusehen, sahen und fühlten sie die gegenseitige Nähe. " Sina verlangsamte ihre Schritte. Sie näherten sich so tanosam als möglich, doch verminderte sich die Entfernung zwischen den beiden Gruvpen änßersi schnell. Nm das hohe Patrimonial- Gerichten der Feudalzeit, die sich die konservativen Herren wohl zurückwünschen. Und die Billigkeit und Schnelligkeit dieser sachverständigen Volksgerichte würde den Herren freilich ein Dorn mehr im Auge sein, wenn sie etivas Ordent- liches von ihr wüßten. Uebrigens haben in dieser Beziehung auch die anderen Redner des Abgeordnetenhauses, den preußischen Handelsminister eingeschlossen, einige nähere Sachkenntniß vermissen lassen. Das Frankfurter Gewerbe- gericht ist des Oefteren zitirt worden, aber seinem neuesten Geschäftsbericht etwas Konkretes zu entnehmen, ist keinem der Redner eingefallen und doch hätte Herr von Minnige- rode mit seinen„ordentlichen" Gerichten so glänzend ab- geführt werden können. Während das„ordentliche" Frank- furter Amtsgericht, um im Jargon des konservativen Barons zu reden, 1891/92 in 6319 Terminen nur 1917 Vergleiche zu Stande brachte, schloß das Frankfurter Gewerbcgericht in demselben Zeitraum aus 1862 Ter- minen 917 Vergleiche, schaffte also in mehr als der Hälfte aller Verhandlungen die Streitigkeiten durch Ausgleich aus der Welt, das„ordentliche" Amtsgericht aber nur bei einem dritten Theil seiner Sachen. Bei dem„ordentlichen" Amts- gericht käme für die meisten Sachen, welche das Frankfurter Gewerbegericht verhandelte, eine Gebühr von 2,40 M. ein- mal, eventuell sogar dreimal in Ansatz; beim Gewerbe- gericht wurden beinahe zwei Drittel aller Sachen»nit 20 bis 30 Pfennig Kosten erledigt. Derselbe Bruchtheil aller Streitigkeiten wurde in 4 Tagen erledigt, beim Amtsgericht dauert ein gleicher Prozeß mindestens IVa Monate. Und wenn endlich das würdige Paar Minnigerode-Ritter oder Ritter- Minnigerode von einer„Provokation" der Arbeiter zu Streitigkeiten durch die Gewerbe- gerichte sprach, so ertheilt ihnen der Frankfurter Bericht ebenfalls bündige Antwort. Einmal kommt die„Provokation" gerade umgekehrt meist vom Unter- nehmer, der namentlich im Baugeschäst alle Arbeitsverträge so oberflächlich abschließt, daß sie eine Quelle von Streitig- keiten werden müssen. Sodann aber hat der Unter- nehmer freilich kein großes pekuniäres Interesse, einen Ar- beiter zu verklagen: für 10 fortgelaufene bekommt er 100 andere. Für den Arbeiter dagegen und seine Familie ist die Einhaltung des Arbeitsvertrages Lebensfrage, das Ge- wcrbegericht erlaubt ihm, seine Existenz nicht unrechtmäßig verschlechtern zu lassen, und deshalb sind Minnigerode und Ritter und Ritter und Minnigerode gegen die Gewerbe- gerichte aufgetreten. Und dann noch eins. Die Herren haben trotzdem gewagt, sich heuchlerisch mit der falschen Maske als Freunde des Arbeiterschutzes zu schmücken. Nun wohl— die Gewerbegerichte sind die eigentlichen Vollzugs- behvrden des Arbeiterschutzes, weit mehr, als die machtlosen Fabrikinspektoren. Der beste dieser Beamten, der badische, hat dies in seinem neuesten Bericht zum Ausdruck gebracht und daraus geschlossen,„daß im Interesse der Arbeiter Gewerbegerichte... überall Bedürfniß sind, wenn auch die Arbeitgeber das Vorhandensein eines solchen Bedürfnisses Glück und die tiefe Qual des gegenseitigen Wiedersehen? zu verlängern, trat Sina unter das Portal eines Hauses, als ob sie Schutz vor dem Regen suche. Hier fiel ihr ein sehr schlauer Gedanke ein, welchen sie auch sofort ausführte. Den Schirm über sich ausspannend, blickte sie Boris an und begann mit der Miene einer Dame, welche weiß, daß sie erwartet wird, jedoch nicht läuten will, an der Thüre zu klopfen. Andrej war ein wenig überrascht, sie an eine fremde Thüre klopfen zu sehen, errieth jedoch sofort, daß etwas dahinter stecken müsse. In der That telegraphirte Sina ihrem Gatten in der Zeichensprache der Gefangenen, bei welcher jeder Buchstabe durch eine kleine Anzahl verschieden- artig modulirter Schläge dargestellt wird, eine Botschaft hin. Sowohl Sina als Boris hatten mehrere Jahre ihrer Jugend im Gcfängniß zugebracht und konnten diese Sprache ebensogut mit dem Auge als mit dem Ohre lesen. Die Worte, welche sie Boris mittheilte, waren:„Er- zwinge noch ein Verhör." Die Schläge, welche diese Worte bezeichneten, folgten so schnell hintereinander, daß sie fertig war, bevor die Ge- fangenen vorüberkamen. Ein leichtes, kaum merkliches Nicken von Boris Seite sagte ihr, daß er sie verstanden habe und so handeln werde. In diesem Augenblicke öffnete sich die Thür, und eine Hausmagd fragte nach ihrem Begehr. Sina erkundigte sich, ob der Oberst Iwan Petrowitsch Krutikoiv— der erste beste Name, der ihr einfiel,— zu Hause wäre. Als ihr gesagt wurde, daß dies das Hans von Protopop Sacharow sei und kein Oberst Krutikow am Orte bekannt wäre, entschuldigte sie sich wegen ihres Irr- thnms und ging fort. verneinen." Also herunter mit der MaSke der Sympathie für den„eigentlichen" Arbeiterschutz, ihr Herren Minnigerode und Ritter; versucht nicht. Eure Unkenntniß und Euer Uebelwollen auch noch durch dieses Mittelchen zu verhüllen. In der That hat Herr von Minnigerode durch seine Parole:„Gegen den Humanitätsfanatismus" die Kennzeich- nung des Vorstoßes gegeben. Alle Liebe für die„ordentlichen" Gerichte, die übrigens bei den Soldatenmißhandlungen ja auch plötzlich verschwindet, ist eitel Heuchelei. Die Herren fürchten daraus, daß die Gewerbegerichte auf bisher zurück- gebliebene Arbeiterklaffen, wie die Bergleute, angeioendct werden und daß der Fortschritt der geheimen direkten Wahl auch diesen Leuten bekannt wird, das Eindringen der Auf- klärung in das flache Land, schließlich auch in die Reihen der Landarbeiter, aus deren Kreisen sich ja die Bergleute vielfach rekrutiren.„Herren" wollen sie sein und bleiben, ivi« der von Minnigerode richtig sagte, und bei der Heraus- kehrung dieser Herrschsucht setzen sie sich mit junkerlicher Nonchalance über alles positive Wiffen und Geschehen hinweg. Auch die Regierung tritt diesem Gebahren durchaus nicht mit der nöthigen Energie entgegen. Die Antworten des Handelsministers waren rein formeller Natur und erschöpften sich in dem Nachweise, daß die Konservativen früher der Einführung von Gewerbegerichten zugestimmt hätten. Als wenn ein echter Konservativer dadurch irgend- wie genirt würde! Die Regierung hätte bereits früher viel energischer gegen einzelne Ortsbehörden einschreiten müssen, die im Elitverstäudniß mit den Unternehmern die Er- richtung von Gewerbegerichten auf die lange Bank ge- schoben haben. Im Amte Herne(Westfalen) hat der Handelsminister sogar kürzlich der Auflösung eines Gewerbe- gerichtS zugestimmt, von dem der Amtsvorsteher den „Blättern für soziale Praxis" schreibt, daß es„nicht selten in fast frivoler Weise von den Arbeitern in Anspruch ge- nonlinen ivurde." Die Sozialdemokratie ifl auch hier wie- der die einzige konsequente Vertreterin eines Kulturfort- schrittes; und weil sie im abgelebten preußischen Abgeordnetenhause fehlte, waren die Verhandlungen über die Gewerbegerichte dort öde und kraftlos. Es wird noch bester kommen, wenn die Berg-Gewerbegerichte erst funktioniren. Vorläufig haben sie ja sogar die west- sälischcn Zechenvertreter mit unter Dach bringen helfen.— Die Saarvrnckener Kergarbeiter- Netitwn. Telegraphisch war bereits gemeldet worden, daß die Berg- leute von der Saar durch eine an Reichstag uiid Lanotag eingereichte Petition eine Untersuch ungs« k o n> Mission" fordern, bestehend aus dem Oberbergrath von Velsen, dem Landrath zu Saarbrücken, den abgelegten Bergleuten Peter Schills- Altenkessel und Jakob T h o m e- Altenwald. Der Kommission soll die in der Eingabe dargelegten Die Gefangenen befanden sich schon in einiger Ent- fernung. Sina und Andrej kehrten in bester Stimmung in ihre Wohnung zurück. Sie waren jetzt sicher, daß der Aufschub keine üble Folge nach sich ziehen würde.— Kapitel V. Der Kampf. Am selben Abend tauschten Sina und Boris Briefe aus. Sina klärte die Gefangenen über die Ursache und die Dauer der Verzögerung auf. Boris benachrichtigte seine Freunde, daß er ihrem Winke gemäß gehandelt hätte: ein neues Verhör wäre sicherlich bei der nächsten Sitzung der Untersuchungskommission zu erwarten. Dies müßte auf Sonnabend fallen, da vorher keine Sitzung tage. 9lm Freitag ging die Angelegenheit, welche den Auf- schilb verursachte, in St. Petersburg vor sich, und Andrej und Wassilij wünschten sich Glück, Sina's Rath befolgt zu haben. Nichtsdestoweniger glaubten sie beim Abschied sie vor einer neuen derartigen Verzögerung warnen zu müffen. „Wenn Sie heute Abend ein ähnliches Telegramm wie gestern haben, bringen Sie es uns nicht. Wir werden aus keinen Fall von unserem Vorhaben abstehen, fodaß es nur zwecklos unsere Gemüthsruhe stören würde." „Darüber seid ohne Sorgen," antwortete Sina,„solche Dinge passiren nicht jeden zweiten Tag." Sie saßen wieder— zum letzten Mal— aus derselben Bank, wo Andrej vor drei Wochen das Fehlschlagen des alten Fluchtplanes erfahren hatte, und sie den Grund zu einem neuen gelegt. Im Stillen dachten sie wohl daran, äußerten jedoch nichts. Darüber war nichts mehr zu sagen; alles war fest- "esetzt und nichts konnte geändert werden. Sie hatten für Uebckstinde prüfen; ersucht wird um die Wiederanstellung der 24öS abgelegten Bergleute, meist Familienväter mit 4 bis 8 Kindern. Die Petition, die in„Schlägel und Eisen", dem Bildstocker Arbeiterblatt, veröffentlicht ist, ent- nehmen wir Folgendes:„Schon vor zwei Jahren sollten die Gcwerbegerichte hier eingeführt werden, bis heute sind noch keine da. Es wäre mancher Fall aufgeklärt worden, der heute mit zur Erbitterung der Bergleute beiträgt. Die Bergleute an der Saar glauben nun, die Arbeitsordnung sei einseitig gehalten, und die Gewerbegerichle hätten für sie jetzt keinen Werth mehr (was mit zum Streik beitrug). Nachdem nun die neue Berg- arbeiter-Ordnung fertig gestellt war, sollte dieselbe den Gruben- Ausschüssen vorgelegt werden. Dieses ist geschehen, aber dieselbe wnrde nur wenige Tage vor der Brrathung den Ausschüffen ein- gehändigt, so daß es denselbeu nicht möglich war. die Tragweile zu überschauen, um den Bergleuten(ihren Wählern) dieselbe aus- einander zu setzen. Man lese nachstehende Schriftstücke: S ch i s s w e i l« r, LS. Januar 189S. Unterzeichnete Bergleute und Ausschuß-Mitglieder bezeugen hiermit, daß wir von der Kgl. Berginspektion Reden die Arbeits- ordnung bekommen haben. Zwei Tage nachher waren wir zur Bernthung derselben auf die Inspektion bestellt. Hier stellten wir den Antrag, dieselbe auf 14 Tage zu vertagen, damit ivir uns über dieselbe informiren könnten. Dieses wurde uns jedoch vom Vorsitzenden verweigert. Die Ausschuß-Mitglieder der Inspektion Reden. (folgen Unterschriften.) Auf Inspektion 7. wurde den Grubenausschuß. Mitgliedern die Arbeitsordnung am 10. November vorgelegt, und am IS. No- vember wurden dieselben zur Berathung auf die Inspektion bestellt. Die Ausschuß-Mitglieder stellten den Antrag um einen Ausstand von 14 Tagen. Der Bergrath als Vorsitzender gab dieseZ zu. In dieser Zeit hatten sich die Ausschüsse einen Abänderungs» Entwurf ausgearbeitet und der Inspektion zur Prüfung«ingereicht. Hierauf wurde ihnen erwidert, daß kein Jota geändert wird. man solle nur streiken bis Mai und den Winter hindurch Schnee lecken, dann kommen sie wieder von selbst. Die AuSschuß-Mitglieder der Inspektion 7. (folgen Unterschriften.) Und desgleichen geschah auf allen Jnfpektionen deS Eaar- reviers. Daß die Beamten den Streik gefördert haben, dafür bringt die Petition folgende Belege: Grube Reden, Inspektion 6. In der Abtheilung des Steigers Alschbach hat der p. Alsch- dach cm LS. Dezember bekannt gemacht, daß von der Tonne Köhlen 30 Pf. weniger bezahlt werde. (Folgen Unterschriften der Bergleute.) Desgleichen in der Abtbeilung des Steigers Nau: pro Meter um l M., Kohlen pro Tonne um 30 Pf. reduzirt. (Folgen Unterschriften.) Desgleichen in der Abtheilung des Sreigers Lardy: DaS Meter um 1 M., Kohlen pro Tonne um 40 Pf. (Folgen Unterschriften.) Desgleichen in der Ablheilung des Steigers Hoos: Aon der Tonne Kohlen 40 Pf. Also an demselben Tage, an welchem auf einze lnen Gruben bereits ge str ei kt w u r d e. hat man ganz ungentrt auf den Gruben, wo noch gearbeitet wurde, das Gedinge reduzirt und dadurch die Bergleute gereizt, daß sie am anderen Tage vollzählig in den Streik ein- traten. Dasselbe geschah auf Grube Gerhard. Es wird ferner nachgewiesen, daß die Bergarbeiter an der Ausübung des Koalttionsrechts verhindert wurden.„So sind die Vertrauensmänner vom Rechtsfchutzverein aufgefordert worden, sie sollen ihre Mandate niederlegen oder man würde ihnen die Arbeit kündigen und soweit die Vertrauensmänner. welche durch den Streik schon außer Arbeit sind, ihre Mandate nicht ablegen, sagt man denselben, daß sie nie wieder auf den fiskalischen Gruben angelegt werden. Aus Grube Altenwald sind sämmtliche Bergarbeiter, welche dem Nechtsschutzverein angehören und„Schlägel und Elsen" lesen, aufaeschrieben worden. Man geht sogar soweit, daß man den Vorstandsmitgliedern der Kon- fumvereine sagt, sie müßten ihre Aemter niederlegen. Der Herr Minister hat alS Oberpräftdent den Delegirten ISSS gesagt, daß die Bergbehörde kein Recht dazu hätte, die Bergleute zu beim- flussen, daß dieselben auS dem Nechtsschutzverein austreten. Trotz- dem wird es seitdem von den Beamten gethan."„Nach dem Streik", heißt eS in der Petition,„treibt man es ruhig »oeiter wie vor dem Streik und noch schlimmer. Nach der neuen Bergarbeiter- Ordnung soll der Bergmann für den Schaden, der durch seine Schuld entsteht, haften. In Grube Sulzbach sind nun ein Theil der Arbeiten während dem Streik zu Bruch gegangen. Wie man hört, soll der Obersteiger zu den Arbeitern gesagt haben, daß diese Arbeiten umsonst wieder her- zustellen seien, also bereits 14 Tage umsonst arbeiten. Es war, als die Bergl-ilte in den Streit getreten sind, weder die Arbeits- ordnung noch das neue Berggesetz in Kraft, trotzdem hat man die Arbeite» danach behandelt. So wurde auf Grube Kreuz- alles, soweit eS in ihren Kräften stand, gesorgt, und alle Vorsichtsmaßregeln getroffen, welche die umsichligste Erwägung eingeben konnte. Von nun ab lag der Lauf der Dinge nicht mehr in ihrer Gewalt. Der Ausgang hing von hundert Zufälligkeiten ab, welchen sie bereit sein mußten, kühn und unerschrocken entgegen zu treten, die sie aber weder bestimmen, noch voraussehen tonnten. Sina blickte aus die Uhr. „Ich muß nach Hause gehen," sagte sie, sich erhebend. „Adieu," sprach Andrej, ihr eilig beide Hände, die sie ihm entgegenstreckte, schüttelnd. Sie verabschiedeten sich in ihrer üblichen erufachen Weise, wie sie es jeden Tag zu thun psiegten. Sre konnten von jemand bewacht werden und vermieden instinktiv alles Ungewöhnliche in ihrem Be- tragen, aus Furcht, Argwohn zu erregen. Morgen stand zu viel auf dem Spiele, als daß sie auch nur die leiseste Vorsicht hatten unterlassen dürfen. Am nächsten Morgen saß Wassilij von neun Uhr ab in Kutscherklcidung vor dem WirthSthore und bewachte erregt die Straßenecke. Um halb zehn Uhr bog Watajko's Wagen um die Ecke und fuhr ohne anzuhalten am Wirthshause vorbei. In der Hand hielt er ein weißes Taschentuch— das Signal. Er schwenkte es sogar leicht in der Luft, um seinem Auftrage Nachdruck zu geben. Ties war ganz überflüssig; aber Walajko war erregt und zu jung, um der übertriebenen Nüchternheit, wie sie ein alter Verschwörer in solchem Falle beibehalten hätte, Werth beizulegen. Wassilij eilte hinauf, um Andrej zu benachrichtigen, traf ihn aber schon aus der Treppe. Er hatte vom Fenster aus das Signal gesehen und stieg jetzt, für das große Werk vollkommen ausgerüstet, mit ernster Miene in den Hof hinab. Sein Pferd war bereits gesattelt und fraß vor der Krippe. Et schob ihm das Gebiß in's Maul und befestigte den Sattelgurt. Wassilij hatte inzwischen den Wagen vor das Thor gebracht und fuhr, den Bock besteigend, schnell davon. Mit einem Satz sprang Andrej in den Sattel und folgte dicht hinter dem Wagen. (Fortsetzung folgt.) gräben den Arbeitern für Kontraktbruch eine Strafe von 8 M. abgezogen. In der Regel wird dem Bergmann die Strafe erst dann in Abzug gebracht, von dem Lohn in dem Monat, in welchem die Strafe verwirkt ist, nicht wie hier geschehen, im vor- aus." WaS wird der Minister der Sozialreform von oben, Herr von Berlepsch, was werden die Parlamenismehrheiten zu diesem schlichten Gesuche der Berge. better sagen? Was wird ge- fchehen? Welche Frage! Wir leben im Zeitalter der„Autorität", wir leben in der Periode des Knappentrutzes. Unter- drückung, Maßregelung, Fürsorge für die Grubenbarone, die nicht erschreckt werden dürfen durch vergleichsweise bessere Zustände in den Staatsgruben. Ordre pariren, das ist die Losung. pollftWje UeberNcktk. Berlin, denZ14. März. Ans dem Reichstage. Vor Eintritt in die Tages- ordnung versuchte Herr Ahlwardt heute den Eindruck zu verwischen, den die Erklärungen vom Bundesrathstisch aus gegen seine letzten Judenflinten-Angaben gemacht haben. Der Rektor aller Deutschen stellte in Aussicht, gelegentlich der dritten Lesung des Etats auf die Sache zurück zu kommen. Der Abgeordnete Hermes, begleitete diese An- kündigung mit dem Zwischenruf:„Das wird ein weit- erschütterndes Ereignitz!" was stürmische Heiterkeit her- vorrief. Der Etat über Zölle k. gab diversen Rednern Anlaß ihre kleinen Schmerzen vorzubringen. Ein Antrag Scipio- Goldschmidt, „eine Behörde oder Stelle zu bezeichnen oder einzusetzen, welche aus Verlangen Auskunft zu geben hat über die Zolltarifsätze, zu welchen bestimmte Waaren oder Gegenstände im deutschen Zollgebiete zugelassen werden" wurde gegen die Stimmen der Rechten und einen Theil des Zentrums angenommen.— Die lang angekündigte Währungsdebatte beim Etat des Reichs-Schatzamles eröffnete der Abgeordnete Melbach. Derselbe ist Vertreter des Wahl- kreiseS Freiburg in Sachsen und Bergrath bei den dortigen Silbergruben, deren Betrieb seit Jahren nur mehr durch Staatszuschüsse aufrecht erhalten werden kann. Nach Mer- dach, dessen Rede Bam bergrr später damit treffend charakterisirte, daß er in seiner beißenden Weise meinte, er wolle Herrn Melbach die Freude an feiner Rede durch keine Kritik ver- derben, ergriff Gras Miroach das Wort. Zur Kennzeichnung der Bestrebungen der Doppelwährungsmänner seien zwei Aeußernngen dieses Herrn angeführt. Derselbe plädirte für die Wiederzulaffung des Silbers, weil damit eine Erleichterung der auf dem Grundbesitz lastenden Schuldenlast bis zu 25 pCt. verknüpft sein würde und weil anderseits dieser Preis- steigerung des landwirthschaftlichen Besitzes und der Pro- dickte gegenüber die Arbeitslöhne nur langsam nachfolgen würden. Mit der ganzen, nur den Junkern eigenen Unverschämtheit, verlangte dieser Herr also eine ergiebige Prellerei der Gläubiger und«ine gesteigerte Ausbeutung der Arbeiter. Die Behauptung, daß die Juden vor allem die Repräsentanten des beiveglichen Besitzes seien und daß es ihm deshalb kein Zufall erscheine, daß der Ab- geordnete Bamberger der Vorkämpfer der Goldwährung sei, trilg dem ostpreußischei, Ochsengrafen eine Abfertigung durch Bamberger ein, wie wir sie eleganter und vernichten- der sobald nicht gehört haben. Daß auch Kardorff und Dr. Frege bei der Gelegenheit ihr Sprüchlein aussagten, versteht sich am Rande. Was sie sagten, wissen wir nicht, ist auch gleichgiltig. Eine Ansicht, welche die Mehrzahl der Volksvertreter checkte, die mir uns den Saal verließen, als Herr Frege seine widerlich schnarrenden Töne anschlug.— Die Wahlprüsungs- Kommission bean- tragt, die Wahl des Abgeordneten Freiherrn v. Stumm- H a l b e r g im sechsten Wahlkreise des Rcgierungs- bczirks Trier für g i l t i g zu erklären. Dies ge- schieht trotzdem Wahlfälschungen eidlich festgestellt wurden und amtliche Wahlbeeinflussung nach- gewiesen worden ist. Die Wahl Stumm's, des Königs von Neunkirchen, wenn irgend eine, ist ein A n g st p r o d u k t. Despot Stumm befiehlt, die Hörigen gehorchen.— Das Abgeordnetenhaus hat heute in zweiter Be- rathung das Wahlgesetz angenommen und wird Donnerstag dasselbe in dritter Lesung thun.— Der deutsch-russische Handelsvertrag. In der „Freisinnigen Zeitung' liest man:„Der deutsch- russische Handelsvertrag gilt in parlamentarischen Kreisen als gescheitert, und zwar infolge der Haltung, welche das preußische Staatsmini st eriiim im Gegensatz zu dem Reichskanzler eingenommen hat. In Nebereinstimmung mit Herrn Miquel hat der Handelsminister v. Berlepsch ein ellenlanges Register von Gegenforderungen an Rußland aufgestellt, wie es die heißblütigsten Agrarier länger nicht hätten wünschen können, um ihren Zweck zu erreichen. Graf Caprivi aber hat dem preußischen StaatSministerium nachgegeben." Bestätigt sich diese Nachricht, so zeigte sich wieder einmal, daß die ostelbischen Junker Herren im Staate sind, und daß die Radauversammlungen" auf Tivoli die Gründung der Raubrilter-Gewerkschaft, die Husarenritte der konservackven Heckenreiter im Reichstag und Landtag die Regierung in die Flucht geschlagen haben. Die breite Masse der Bevölkerung heischt den Vertrag, der ihr den russischen Roggen, auf den sie angewiesen ist, zu demselben Zollsatz, wie das österreichische Brotkorn liefern sollte, die Volksernährung bedarf der russischen Zu- fuhr. Thut nichts, die Gewinnsucht des Großgrundoesitzes trägt den Sieg davon über die Forderungen des gemeinen Nutzens. Preußisch- Deutschland ist eine Domäne der Schlot- und Krautjunker, die Proletarier die Hofgänger, die ihnen frohnen, und die Regierung ist die Organisation der Junker- schast. So enthüllt sich das soziale Königthum als eine Luftspiegelung auch für den Kurzsichtigsten. Herr v. Ber- lepsch, der Minister für Sozialpolitik, trägt nicht nur die Treue im Herzen zu Grubenrittern und Hüttenbesitzern, auch die Granden der Uckermark können sich dieses Schildknappen freuen, der mii sichtbarem Stolz und stolzer Sichtbarkeit ihr Wappen trägt.— Die Militärvorlage in der— Kochschule, das ist, schreibt die/„Frankfurter Zeitung", doch vielleicht bisher noch nicht dagewesen, trotz 1387. Wie die nationalliberale „Badische Landeszeitung" berichtet, hielt kürzlich in Gochs- heim der unter der Leitung von Frl. Federle stehende Kochkursus das übliche Schlußeffen unter außerordentlich zahlreicher Betheiligung von auswärts und hier ab. Na- türlich wurde dieses Mühl nach allen Regeln der Kochkunst durch trefflich« Reden gewürzt. Salz und Pfeffer lieferte der Herr Oberamtmann Dr. G r o o s von Bretten. Cr „verbreitete sich", wie das genannte nationalliberale Organ mittheilt, in seiner Ansprache über die M i l i t ä r v o r- lag«,„die Unterstützung derselben warm empfehlend, wo- mit er allerseits Anklang fand. Er schloß mit einem be- geistert aufgenommenen Hoch aus Kaiser und Reich." Die ),Kochkursistinnen von Gochsheim" sind also für die Militär- vorläge; hoffentlich versäumt die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" nicht, sie ihrem Album patriotischer Zeitgenossen neben dem„65jährigen Katholiken" und dem„gedienten Wachtmeister" einzureihen, damit die Nachwelt wisse, daß die Löffelheldinnen von Gochsheim keine Schuld trifft. wenn der Militärverwaltung die Suppe diesmal versalzen wird.— Den patriotische« Hampelmännern, die jetzt in allen Ecken Deutschlands, wo sie vorhanden sind, Winkelver- sammlungen für die Militärvorlage abhalten, machen wir folgenden Vorschlag zur Güte: sie sollen in ihren Kon- ventikeln eine Subskriptionsliste auflegen, in welcher jeder der Herren—„schwer" sind sie ja alle— sich solidarisch mit seinen Genossen zur Zahlung der Kosten der Militär- vorläge oerpflichtet. Und da es vermuthlich auch an Mann- schaften fehlen wird, so wäre noch zu empfehlen, daß die betreffenden Herren fkh auch je zur Lieferung einer ent- sprechenden Zahl von Rekruten— etwa aus Kamerun und Umgegend— verpflichteten. Die Zeit wird ja ohnehin bald kommen, wo die Menschen bei uns so„helle" sind, daß nur noch aus dem dunklen Welttheile Soldaten zu bekommen sein werden.— Das geheime Verfahren deS Militär- Strafprozesses findet in der„Kreuz-Zeitung" eine glühende Ver- theidigerin. Da die Brutalität eine geschichtliche Einrichtung der ostelbischen Kamaschenritter ist, bleibt das Junkerblatt nur der Tradition, die ja nach konservativer Auffassung von hohem Werthe ist. auch in diesem Betracht getreu. Man liest in der„Kreuz-Zeitung":„Wenn schon im b ü r g e r- l i ch e n Gerichtsverfahren die Oeffentlichkeit, welche dem im Zuschauerraum anwesenden prosessionirten Verbrecher- personal für seine Fortbildung reiches Material gewährt, einen sehr fragwürdigen Werth hat, so muß ein öffentliches Äiilitär-Gerichtsverfahren um so bedenklicher erscheinen. Die Justitia(Göttin der Gerechtigkeit) trägt sinnbildlich schon bei den ältesten Völkern eine Binde über den Augen. Die Oeffentlichkelt reißt sie ihr ab; sie stellt die r i ch t e r- liche Entscheidung unter den Druck der sogenannten öffentlichen Meinung; sie gefährdet die Achtung vor dem Borge- setzten; sie ermuntert den Untergebenen zur Auflehnung und lähmt die Energie des Borgesetzten, welcher vor boshaften oder leicht- fertigen Entstellungen und ehrverletzenden Insulten durch zügellose Plaidoyers der öffentlichen Sitzungen nicht aus- reichend zu schützen ist!" Für die Rechtspflege im Junker- stile sind der Slock, der Lattenarrest und der Galgen im abgekürzten Verfahren das begehrenswerthe Ziel. Wie nun, wenn die„E d e l st e n und B e st e n" einmal vor ein Kriegsgericht kämen, das in ihrem Sinne gebildet wäre?— Die Agrarier in Dresden. In Dresden hat am 12. März der Agrarier- Klüngel ein erbauliches Kon- ventikel abgehalten, allwo schutzzöllnerisch-militaristisch- antisemitische Pauken gehalten worden sind, daß die Helden von Tivoli ihre Freude daran haben dürsten. Junker Manteuffel und Gras Mirbach- Sorquitten schlugen die Lärmtrommel für Brolverrheuerung, für Doppel- Währung und sonstige Polksausplünderung, der v. Plötz redete eine Rede über die Judenfrage, das helle Licht der sächsischen Konservativen, Naseweis Mahnert, des würdigen Schwiegervaters, Wechselprotestantcn und Hof- ratlis" Ackermann würdiger Schwiegersohn, gab seine Weisheit zum Besten, kurz, es war ein Tag der Blech- schmiede und Raubritter, wie geschassen, den Sachsen zu zeigen, weß sie sich von diesen Herren zu versehen haben. Sie sind jetzt sehr wagelustig und großmäulig, nnd ließen es an kecken Drohungen gegen die Regierung nicht fehlen. Früher ritten die Köckeritze, Lüderitze, Jtzen- plitze, die Bredow und andere Stegreifritter, die„vor den Hohenzollern in der Mark faßen" auf den Hinterhalt, um einem unbequemen Mark- grasen Raison beizubringen, oder sie schrieben ihr: „Jochimken, Jochimken hüte Di, wenn wir Dich sahen, dangen wir Di" an die Kammerthür im Kurfürstenschlosse, heute— agitiren sie auf Tivoli. Ihren Zweck erreichen sie aber.in 19. Jahrhundert so gut wie vor dreihundert Jahren.— Herr Schlesier, der Dilflter Postdirektor, wirkt nicht bloS als Agitator für die Militärvorlage und kolportirt packetweise offiziöse Druckschriften, er wirkt auch auf anderem Gebiete als Vorkämpfer für Loyalität und Stephanstreue. In der„Zeitschrift des Verbandes deutscher Post- und Telegraphen-Assistenten" vom 1. November 1892 liest man: „Durch die Unvorffchtigkeit eines Vertrauensmannes ist ein Exemplar des Rundschreibens(eineS Zirkulars des Post» assisten-Berbandes dehuss Erhöhung des Vereinsvermögens) nebst Liste in die Hände eines Vorgesetzten gelangt(es war im Zuschreibebuch für Nachnahmesendungen liegen gelassen worden), der diese Privatsache zur dienstlichen machte und weiter meldete. Von dem Rundschreiben sind dann Ab- schrifien genommen und mit Bericht der höheren Instanz über- uiittell worden, von wo das Aktenstück richtig nach Berlin wanderte. Zwei Postgehilfen, die stch mit je 20 Pf. eingetragen ballen, zogen aus vorherige„Ermahnung" ihren Beitrag zurück. De? Hauplmtssethäter aber wurde unter Einwendungen, daß nun ein Wechsel und dann ein großer Krach kommen würde, auf das Gefährliche seines Thuns aufmerksam gemacht und ihm angerathen, schleunigst da? sinkende Schiff zu verlassen, was alleZ gottlob auf den unerschrockenen Verbandsbruder nicht überzeuge, � wirken wollte. Natürlich blieb die Versetzung auS dienstlichen Gründen nicht aus, sie kam bereils nach sechs Tagen. Und wo hat sich das zugetragen, wird jeder fragen? Wir brauchen kein Ge- heimniß daraus zu machen, der Ort ist Tilsit, der Direktor Heist Schlesier, der Kaisirer Weiß, der Verbändler ist unser Freund Preuß(angestellt), die neue BeschäftignngZ. stalion des letzteren iii Sensburg.— Bald nach diesen Be- gebenheiten haben hohe Vorgesetztersgenoffenschast) das Er- gebniß einer im schiedsgerichtltchen Verfahren veranlagten Beweisaufnahme vor der Urtheilsfällung mit? Besteht in dieser Beziehung ein Bedürfniß zu weiteren über den Rahmen des an die Berufsgenoffenschaften gerichteten Rundschreibens vom Ib. Juni 1S87 hinausgehenden Maß- nahmen? Ist. Besprechung der mit dem sogenannten Ein- zugsverfahren gemachten Erfahrungen. 11. Durchführung der Bei trag s l eistung bei Versicherten, die gleichzeitig in einem dauernden Arbeitsverhältniß zu mehreren Arbeitgebern stehen.— Der Hamburger Geldsackklüngel, der dem Auer- hahnschützen, Reimschmied und Postgewaltigen Stephan ein Pflaster auf die brennende Wunde gelegt hat, wird in dem Pindterblatte gebührend anerkannt. Die„Norddeutsche" druckt die famose Adresse ab. Unterzeichnet haben die denk- würdige Urkunde u. a. die„Norddeutsche Bank", die«Ham- burg-Amerikanische Packetfahrt-Aktieugcscllschaft", die„Ham- burg-Südamerikanische Dampsschisfsahrts-Gesellschaft", die „Afrikanische Dampfschjfffahrts-Altiengesellschafl Woermanu- Linie", die„Deutsche Oft-Afrika-Linie", die„Vereinsbank". Welcher Post-Unterbeamte wird gegen solche Notabeln zu mucksen wagen?— Freiheit in Elsaß-Lothringen. Mülhausens Krersverwaltung hat eine neue Entdeckung gemacht. Wiederholt haben im Kreise Mülhausen Volksversamm- lungen stattgesunden mit der Tagesordnung:„Die wirth- schaftlichen Forderungen der Sozialdemokratie". Diese Ver- sammtungen wurden stets als nichtpolitisch betrachtet und begnügte man sich damit, gemäß Artikel 1 des Gesetzes vom 6./10. Juni 1868 diese Versammlungen in der vor- geschriebenen peinlichen Form anzumelden, womit die Ver- waltungsbehörde sich dadurch einverstanden erklärte, daß sie die in dem Artikel 2 des genannten Gesetzes für nicht- politische Versammlungen vorgeschriebene Empfangs- bestättgung der Anmeldung ertheilte und die Versammlung abhalten ließ. Jetzt soll das plötzlich anders werden. Aus die in gehöriger Form und Frist erstattete Anzeige einer Versammlung in RiediSheim mit obigem Thema ging den Einberufern folgendes Schreiben zu: Mülhausen, den Ist. Mär, 1893. Die am S. d. Mts. hier eingegangene Anzeige einer für den 13. d. Mls. beabsichliglen Volksversammlung einspricht nicht der Vorschrift des Artikel I Absay 2 des Gesetzes vom 8. Juni 1888, weil ausiveislich der vorgelegten Tagesordnung die wirlhschastlichen Forderungen der Sozialdemokratie, also einer politischen Partei, besprochen werden sollen und sonach die Behandlung eines politischen Gegenstandes in der Ver- sammlung beabsichtigt wird. Ich bin daher nicht in der Lage, eine EmpfangSbescheini- gnng zu erlheilen und stelle ergedenst anHeim, den Mitunter- zeichnern der Eingabe gefälligst hiervon Kenntniß geben zu wollen. Der Äreisdirektor, Sommer. Also weil der n i ch t p o l i t i s ch e(wirthschaftliche) Theil des Programms einer politischen Partei besprochen werden soll, bemerkt die„E l s a ß-L o t hri n g isch e Volks-Zeitung", wird eine politische Besprechnna beabsichtigt! Möchte man da nicht aus der Haut fahren? Das ist eine neue Logik, für welche wir die hiesige Kreisdirektion im Hinblick auf ihre bisherige Haltung nicht verantwortlich machen möchten. Es dürfte hier einer der bekannten„W i u k e von oben" vorliegen. In der That wäre es auch nicht schmeichelhaft für die Mülhauser Kreisdirektion, wollte man annehmen, daß sie zwei Jahre brauchte, um zu der oben dotumentirten Erkenntniß zu gelangen, der Erkenntniß nämlich, daß das Thema:„Die iv i r t h s ch a f t l i ch e n Forderungen der Sozialdemo- kratie", ein p o l i t i s ch e S ist!— Die Behandlung politischer Gefangener. In der letzten Nummer des„S o z i a l p o l i t i s ch e n Z e n t r a l- Mattes" veröffentlicht Georg Ledcbour einen sehr lescnswerthen Artikel über die Mißstände des preußischen Gefängnißwesens, wie sie in erster Reihe den Vertretern der Opposition, vor allen also der Sozialdemokratie auf das empfindlichste bemerklich werden. � Ledebour faßt seine Forderungen wie folgt zusammen:„Für politische Ge- fangene läßt sich ohne besondere Schwierigkeit ein Anspruch aus folgende Rechte gesetzlich festsetzen: 1. E i n z e l h a f t; 2. eigene Kleidung; 3. Selbstbeschäftiaung; 4. Selbstbeköstigung und S. ausreichende Bewegung in freier Luft. Lassen sich nicht in allen Gefängnissen Deutschlands Einrichtungen treffen, welche die Durchführung solcher Bestimmungen ermöglichen. so kann man in einzelnen Gefängnissen Sondereinrichtungen für die Ausnahme politischer Gefangener reservirt halten. So lange die Slaatsraison in Deutschland die Versolgung und Einkerkerung von Menschen wegen unbequemer gegen die bestehende Staatsordnung gerichteter MeinungS- äußerungen verlangt, soll sie wenigstens der Menschlichkeit das Zugeständniß machen, ihre Opfer nicht außer der Frei- heit auch noch der Gesundheit zu berauben. So viel ist doch mindestens ein Staat, der aus den Namen eines Kultur- staates Anspruch erhebt, sich selbst und seinen Angehörigen schuldig." Die I«, H-inze wird schon dafür sorgen, daß „gemeingefährliche" Frevler, und„gemeingefährlich" ist jede einschneidende Kritik der bürgerlichen Gesellschaft, bei Wasser und Brot sich auf dem Lattenroste wundliegen.— Eine Gewerbekrankheit der Befitzenden. ES giebt keinen Nothstand, Herr von Bötticher hat Recht, wir hatten Unrecht, wenn wirdas Gegentheil behaupteten. Und in Sack und Asche wollen wir Buße thun. Aber eine neue soziale Krankheit tritt drohend auf, bedenklicher als das Massenelend, gefährlicher als die Hungertrankheiten, ein Leiden, gegen das der Hungertyphus des schlesischen Webers eine spaßhafte Grille, die Schleiferlunge eine Alfanzerei, die Schwindsucht der Bäcker eine Klemigkeit ist. Höret, was in der fünfzehnten öffentlichen Versammlung der Balneologischen Gesellschaft, die kürzlich im Hörsaal des pharmakologischen Instituts der Berliner Uni- versität getagt, Prosesior Dr. Fürbringer mitgetheilt hat. Er schtlderte ein neues nervöses Magenleiden, die Magenschwäche.„Sie charakterisirt sich," heißt eS in dem uns vorliegenden Bericht,„dadurch, daß die Kranken trotz des Bestehens des besten Appetits und bei Fehlens von sonstigen Zeichen einer Verdauungsstörung stelS kurz« oder längere Zeit nach dem Esten Schmerzen in der Piagengegend empfinden. Namentlich Zucker und süße S p e i se, fetteund me h l ha lti g e Speisen, ferner Kaffee werden nicht vertragen, dagegen vorzüglich Fleisch und Eier, Wasser und Suppen. Die Ursache dieser Ueberempfindlichkeit der Magenschleimhaut scheint in einer sogenannten Idiosynkrasie, d. h. individueller Ab- neigung gegen gewiss« Dinge zu liegen. Die Krankheit kommt fast nur in besseren Kreisen vor. Die BeHand- lung besteht in der Vermeidung von Diätsehlern und Kräftigung des Magens durch etnen Klima- Wechsel, Aussetzung der gewohnten Thätigteit. Darreichung von Rhabarber, Pepsin u. dergl., Bäder- kuren in Tarasp, Kissingen, Wiesbaden. Ost hilft die psychische Einwirkung des ArzteS. Das beste schmerzstillende Mittel ist das Wasser." Die Arbeiter, deren Lebenshaltung dank dem furchtbaren Drucke der Heu- tigen Wirthschaftsweise durchaus kulturwidrig ist, werden von dieser Gewerbekrankheit der Bourgeoisie, die aus der Ueberfülle der Ernährung entspringt, mit Interesse hören und in Erkenntniß solch schwerer Heimsuchung der„besseren Kreise" mit größerer Geduld sich in ihr eigenes Laos finden und beim sanften Genuß der Kartoffelknolle und des Pferdefleisches zum heiligen Rock der Spar-Agnes um so inbrünstiger beten.— Schweiz. Die schweizerische Delegirtenverfammlung für Bodenbesitz-Resorm ernannte Bern zum Vor- ort und beschloß die Herausgabe eines FachorganS. C u r t i- Zürich erhielt den Auftrag, im Nationalrath über die Monopolisirung der Wasserkräfte ein Bundesgesetz an- Oen. Professor K o z a t- Basel, der als weiland erstädter Handelskammer-Sekretär den Sozialistentödter gespielt und deshalb beim schweizer Arbeitersekretariat Schiffbruch gelitten hat, forderte eine Erhebung über die Bodenverschuldung, namentlich der Kleinbauern.— In Spanien scheint die Wahlbewegung der Anfang einer allgemeinen Volksbewegung gewesen zu sein. Aus allen Theilen deS Landes meldet der sonst so schweigsame Telegraph Unruhen und drohende Kundgebungen. Und zwar sind es nicht blos die Republikaner, welche gegen die Regierung demonstriren, sondern auch die Karlisten(Legi- tinliften). Ob diese Demonstrationen sich zu einem förm- lichcn Ausstand verdichten, bleibt abzuwarten. Die sozia- listischen Arbeiter sind bei diesen Kundgebungen nicht be- thciligt— sie stehen im Gegentheil. wie aus dem neulichen Brief unseres spanischen Korrespondenten ersichtlich, mit den (Bourgeois-) Republikanern ans gespanntem Fuß.— Das franzöfische Minifierium hat wieder ein Ver- trauensvotum nöthtg gehabt und erhalten. Herr Bourgeois, der Ex-Justizministcr, bleibt aber ein gestürzter Minister. Er ist nämlich durch eine Frau gestürzt worden— und in Frankreich sinv die Frauen allmächtig. Die Sache ging so zu: Die Frau des verurtheilten Panama-Direktors Cotlu hat als Zeugin int Panamaprozeß ausgesagt, daß ihr im Dezember vorigen Jahres durch den Chef der politischen Polizei, einen gewissen Soinoury, die Niederschlagung des Prozesses gegen ihren Mann versprochen worden sei, wenn sie einen konservativen Abgeordneten als Bestochenen an- geben würde. Herr Soinoury leugnet alles, Herr Bourgeois erklärt, von der ganzen Sache nichts zu wissen, allein daS Publikum glanbt der Frau Cottu, und Bourgeois ist Justiz- minister gewesen.— Kaum war Vorstehendes geschrieben, so bringt der Tele- araph eine neue Ueberraschung in diesem an Ueberraschungen so reichen Panama-Schmutztrauerspiel: es sind Aussagen gemacht worden, welche die Erzählung der Frau Cottu als ein verabredetes Märchen und als die Frucht einer politi- schen Jntrigue hinstellen. Wir hallen mit unserem Urtheil zurück.— Zu erwähnen ist noch, daß der Hauptanstister des Skandals, Herr ConstanZ, vom Gericht als Zeuge ge- laden worden ist, aber nicht erscheinen will.— Der schwedische BolksreichStag. Aus Stock- Holm meldet unlerm 13. März Wolff's Telegraphisches Bureau: Der Volksreichstag, welchen die Liberalen und Sozialisten zu Gunsten der Einführung des allgemeinen Stimmrechts organisirten, ist heute zu der ersten Sitzung zusammengetreten. An derselben nahmen 123 Dete- girte theil, darunter 29 Sozialisten. Bei der Wahl des Bureaus siegte die nicht sozialistische Kandidatenliste mit einer Mehrheit von 4 Stimmen.— Herr Gladstone ist krank, und er hat die zweite Lesung seiner Homerulebill nach Ostern verschieben müssen. Die Opposition hat damit erreicht, waS sie wollte, und daS Ministermm hat eine Schlacht verloren. Ob Gladftone'Z Krankheit ernsthast ist, weiß man noch nicht— wenn man etliche achtzig Jahre alt ist, giebt's keine unbedenklichen -"■_.."''elhaft die chlosienen Krankheiten mehr. Sehr krank ist aber unzweis ministerielle Majorität, die sich dem Ansturm der ges Opposition nicht gewachsen zeigt, und die überdies so»n- ficht« Kantonisten enthält, daß bei den letzten Kraftproben im Unterhaus anläßlich der Tagesordnung verschiedene Mit- glieder gegen die Regierung stimmten, während andere durch AbwcsenheL glänzten. Das sind schlechte Aussichten für di« Gladstone'sche Homerule.— !- Zeitung" geben die Parteigenossen e Reuß ältere Linie vom 1. April ab ein Protestversammlungen gegen die Militärvorlage find weiter abgehalten worden in Lorsch(Referent Reichstags- Abgeordneter Jöst- Mainz). Groß-Zimmern(Referent Reichstaas- Abgeordneter U tri ch- Ossenbach), Cuxhaven (Res. Retchstags-Abgeordneter M e tz g e�r- Hamburg). Reichstag«- Kandidatur.' In einer gut besuchten Volks- Versammlung in Bredow, in welcher Genosse Alwin fl ö r st e n aus Berlin über die Zukunstsstaats-Debatte im Reichs- tage referirt hatte, wurde dieser sür die nächste Reichstagswahl im Kreise Randow-Greifen Hägen einstimmig wieder als Kandidat aufgestellt. «u« Tilsit schreibt man'uns: Di« hiesigen Trabanten Eugen Richter'? hatten im November vorigen Jahres, als gerade der freisinnige Reise-Apoftel Dr. Fränkel aus Weimar in unserer Gegend weilte, den Entschluß gefaßt, einen großen„streng- liberalen" Verein für die Provinzen Ost- und Westpreußen zu gründen. Es wurden an bekannte Gleichgesinnte in dep verschiedenen Orten Zirkulare versandt, worin ihnen der Zweck der Gründung bekannt gemacht war. Selbstverständlich mußten darin neben der immer frecher ihr Haupt erhebenden Reaktion die bösen Sozialdemokraten herhalten, die mit ihren Irrlehren nur Un- zufriedenheit in die Bevölkerung trügen. Mit dem Zirkular er- hielten die Empfänger zugleich einen BerpsiichtungSschein. nach welchem sie gehalten waren, je am 1. Januar der ö Jahre 1883—1897 einen Beitrag entweder an den hiesigen freisinnigen Wahlvereins-Bornand oder an einen Gutsbesitzer in Sprindt bei Jnsterburg einzuzahlen. Als Mindestbeitrag waren 10 M pro Jahr in Aussicht genommen. Der Reise-Apostei Dr. Fränke! sollte als Vereinssekretär angestellt werden und die Provinzen als Agitator bereisen. 80 Versammlungen waren pro Jahr in Anschlag gebracht, in denen der Herr Vereinssekretär öffentlich auftreten sollte. Da aber bis jetzt über den Erfolg des Zirkulars kein Sterbenswörtchen verlautet, kann man wohl annehmen, daß sehr wenige der angehauchten Parteigenossen auf den Leim gegangen find. Der Vorsitzende der Generalkommission, C. Legten aus Hamburg, weilte am 21. und 22. vorigen Monats hier, um in einer öffentlichen Ar- beiterversammlung einen Vortrag über die gegenwärtige gewerk- schaftliche Arbeiterbewegung zu halten. Obwohl nun mit der Besitzerin des Restaurants Julienhof schon einige Tage vorher die Hergabe des Saales vereinbart worden war, zog diese am Abend vor dem Versammlungstage ihre Zusage zurück. Warum? Weil sie vom Militär leben muß!! Ein anderes Lokal war trotz eifriger Bemühungen nicht aufzutreiben und das eine Lokal, das uns zur Verfügung stand, wurde von der wohllöblichen Polizei als ungeeignet bezeichnet und so durfte die Versammlung auch dort nicht stattfinden. »» Sozialdemokratische presse. Unter dem Titel: „Reußische Volks-Zeitung" im Reichstags-Wahlkrcise Reuß ältere i wöchentlich dreimal erscheinendes Blatt heraus, das in Zwickau gedruckt wird. ,» Todtenliste der Partei.'In E i ch w a l d(Oesterreich) ist am 17. Februar der Genosse Vodermajer gestorben; in Bcdenbach der Genosse K a r l A r l t; in H a l l e a. S. der Schuhmacher Karl Eberl; in Bonn der Genosse I o h. S t e i n h a n« r. m« Polizeiliches, Gerichtliche»»e. — In Magdeburg ist der Genosse Wilhelm Weidner, der seinerzeit während der Verhandlung gegen Mathies im Gerichlssaal verhaftet wurde, am Sonnabend ohne weiteres auf freien Fuß gesetzt worden. — In den Lokalitäten der Genoffenschafts- Buchdrucker«! in Hall« a. S suchte die Polizei erfolglos nach Exemplaren des von G. Westerburg verlegten Flugblatts„An die Bevölkerung des Saalkreises", daS in 20000 Exemplaren vertheill worden war. — Daß die Polizei die Maul- und Klauenseuche des Rind- viehS als Grund benutzt, um eine mißliebige Versammlung ver- bieten zu können, wird selbst unterm„alten Kurse" nicht oft vor- gekommen sein. Am 12. März sollte in Heitgraben bei Uetersen Reichstags- Abgeordneter Molkenbuhr über die Militärvorlage und die neue Landgemeinde-Ordnung sprechen; der Amtsvorsteher Piening in Langelohe verbot jedoch die Versammlung mittels eines Schreibens, das hier buchstäblich wiedergegeben sei:„Aus die anzeige vom 4. März d. I. betreffend eine öffentliche Ver- sammlung bei den Herrn Gnstimrth W. Hoffmann in Heidgraben und nach den Bekanntmachungen für Heidgrabe» Esingen und Ahrenlohe ist zu erwägen ob die für Esingen und Ahrenlohe er- lassene verbot vom S. März d. I. Abs. ö wonach größere Versammlungen verboten sind, für die anliegende» Dörser in Betracht kommen, es ist daß Lokal des Hoffmann aber sq nahe an den Verseuchten Gehöften, daß es als selbstverständlich zu betrachten ist das eine Übertragung der Seuche sehr nahe liegt, es wird auf Gnmd dieser annähme daher die erwähnte Versammlung verboten." Es verbietet sich natürlich, aus elnen preußischen Amts- Vorsteher eine Satire zu schreiben, aber in diesem Falle fällt das wirklich außergewöhnlich schwer. — Das Reichsgericht hat am 13. März die Revision zweier Redakteure der„Magdeburger N o l k s st i m m e", welche wegen Beleidigung des Ersten Staatsanwalts Maizier am 2. Dezember 1892 zu 200 M. bezw. einem Monat Gesängniß verurtheilt waren, verworfen. Ebenso verwarf in derselben Sitzung das Reichsgericht die Revision des Redakteurs des „Bolksvlatts für Halle", der vom dortigen Landgericht am 12. Januar zu einem Monat Gesängniß wegen Beleidigung der Mannschaften des Füsilier-iliegiments in der Kaserne an der Keitstraße verurtheilt worden war. — Wegen Beleidigung des Fabrikdirektors Konrad Hämig in Pfersee war der Redakteur der Augsburger„Bolkszeitung", Genosse Karl Bieder, zu20M. Geldstrafe und Tragung sämmtlicher Kosten verurtheilt worden. Er legte dagegen Be- rusung ein. Borm Landgericht kam zwischen beiden Parteien ein Vergleich zu stände, inhalts beffen Breder die Erklärung abgiebt, daß er Herrn Hämig nicht habe beleidigen wollen, während letzterer den Strasantrag zurückzog und sich zur Tragung der ihnl selbst erwachsenen Kosten verpflichtete. Anvererjeits trägt auch Breder die ihm erwachsenen Kosten selbst. — Der Redakteur der„Frank. Tagespost", Genoffe Martin Segi tz in Nürnberg, der wegen Beleidigung eines Gendarmen angeklagt war, wurde vom Schwurgericht freigesprochen. Für den Inhalt der Inserate über nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. M i t t w o d). den 15. März. Npernhan». Mignon. Kchanspielhans. Vafantafena. Dentlchev Theater. Der Talisman. berliner Theater. Julius Cäsar. LesKng-Theater. Heimath. UlaUnrr- Theater. Die Rosa- Dominos. KrolTs Theater. Der Barbier von Sevilla. Kestden?» Theater. Die beiden Champignol. KiKtoria-Theater. Die Reise um die Welt in achtzig Tagen. Nene, Theater. Durch die Jntem danz. Die Lore. Friedrich-ZvilhelmKadt. Theater. Die Fledermaus. Adolph EruK-TH-ater. Berlin wie eS weint und lacht. Thomas- Theater. Ihr Korporal. National- Theater. Des Meeres und der Liebe Wellen, oder: Hero und Leander. Aleranderplatz-Theater. Die Kon sektioneuse. Apollo- Theater. Spezialitäten. Vorstellung. Theater der fteichshalle«. Spezia» litäten-Vorstellung. Kankmann's U aristo. Spezialitäten Vorstellung. Vebrnder Dichter s Uariiti. Spezialitäten-Vorstellung. Minter- Garten. Spezialitäten-Vov stellung.__ Adolph Ernst- Theater. Heute, Mittwoch: Berlin, me es mint nnd W. Volksstück mit Gesang in 3 Akten von F. Berg u. D. Kalisch. Musik von A. Konradi. In Szene gesetzt von Adolf Ernst. Anfang 7�/« Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. American-Theater. Novität! Novität! Ugv Dussei (Nulpus) Parodistisch-realistis cher Vorgang in der Dachkammer, frei nach Ibsen und Tolstoi von Oscar Wagner. kKlemm- Ede.. Kartin Bendlx.) Alfred Bender in seinem neuesten Originalvortrag Der VolksWild iu Verlin. vland, der beste Bauchredner. Anhaltender Erfolg. Die Trockenwohner. Passage- Panopticum. Reu! DaS unerklärliche Verschwinden eineS frei in der Luft hängend. Mädchens. Castan's Panoptikum. Große Ausstellung lebensgroßer Wachsfiguren u. Gruppen. Neve Zllchn: Lotosblume. Andere Illusionen. Fantoche-Theater. Castan'» Irrgarten. Schreckenskammer. Kanfmann's Variete Ab Stadtbahnhof Alexanderplalz. Große TpeziMteu-Vorßellllllg. Vollständig mene» Programm. ?om. Solling, Original-August. ?ruppo Lugoston, Akrobaten. Solling Küller, Wasserkünstler. Tbe Katinos, Exentrics. Qescbw. Tacianü, Duettistinnen. Heinr. Bender, Humorist. Hartba Ventura, Kostümsoubretten sowie sämmtl. engag. Spezialitäten.� Antang Vooboutags S vbr. Bntree 50?t. Owcus Renz. (Karlstraße.) Mittwoch, d. 15. März, Abends TV* vbr: Gr. Extra-Vorstellung. " Em Kiinjtlcrseß.— Große Ausstattungs-Pantomime. Nene Ginlagen mit überraschenden Wasser- und Licbteffecten. Ballet von 100 Damen. Glänzender Blnmencorso. Grosses Brillant-Feuerwerk. Außerdem; WM- Hr. James Fillis mit dem Schulpferde Germinal. URB Ellmar, der Strickspringer, vorgef. von Frl. Gceana Renz. Punsch,"schwed. Pony, fem. Origin.-Dress. v. Clown Hisko. Marietta u. Belloni m. ihren dressirlen Kakadus. Die gr. Tremplin- fprünge, ausgef. v. sämmtl. Springern der Gesellschaft ec. 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Unserem SangeSbruder OSkar Kimpfel zu seinem heutigen Wiegenfeste die herzlichste Gratulation. Die Sanges- brüder des Flöter'schen Gesangvereins. Krankel!-\\ü Stnbckjse her Berliner halMener(E.H.6i). Am Sonnabend, den 11. d. M. ver- starb das Mitglied nermunu l.euSevig. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 15. d. M., Nachm. 4 Uhr, von der Halle des Neuen Zwöls-Apostel-Kirch- Hofes aus statt. 1817b Der Vorstand. Hierdurch allen Bekannten u. Kollegen zur Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, der Putzer 1314b Wilhelm Wulf, am 12. d. M. verstorben ist. Die Be- erdigung findet am Donnerstag, Nachm. 3>/s Uhr, v. d. Leichenhalle d. Elisabeth- Kirchhofes(Gesundbrunnen) statt. Die trauernde Wittwe nebst Kindern. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser lieber Vater, der Restaurateur Friedrich Dübel, �orsterstraße 19, nach schwerem Beiden am 12. März im Aller von 57 Jahren sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet am Mitt- woch, d. 15. d.Mts., Nachm. 2 Uhr, vom Krankenhause Bethanien, Bethanien-Ufer, aus statt. 1793b Die trauernden Binlerbliebenen. g Danksagung. Allen Freunden und Bekannten, dem Wahlverein für den 4. Berk. Reichstags- Wahlkreis, dem Verein zur Wahrung der Interessen der Gast» und Schank- wirthe Berlins, sowie den Kollegen des C. B. der Maurer Süd-Ost u. stimmt lichen Stamm- und Vereinsgästen meines Lokals sage ich meinen tiefsten Dank für die rege Theilnahme am Grabe meines Mannes. 3833L Wittwe Boll nebst Kindem. KrlNlktll-ll.BcgrSblllß-Zllsljllh- Küßt her Töpfer und Kerufogenosten>u Kerli». (E. H. Nr. 109.) Kassen- Abende finden jeden 2. Montag im Monat im Vereinslokal von 8—10 Uhr Abends, Alte Schönhaulerstr. 43, statt. Da- selbst werden neue Mitglieder auf- genommen. Nähere Auskunft ertheilt pekl, Vorsitzender, 327/3* Eberswalderstraße 28, Hof 2 Tr. Tvknviele»», Schriftführer, Reinickendorferstraße 2, 2 Tr. Achtnng! Kupferschmiede! Große öffentliche Versammlung der Kupferschmiede Berlins und Umgegend Sonnabend, den 18. März d. I., Abends 9 Uhr, in F e i n d' s Salon, Weinstr. II. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn A. Borchardt: „Der 18. März." 2. Bericht und Neu- wähl des Delegirten zur Streik-Kontroll- kommisfion. 3. Verschiedenes.— Um zahlreiches Erscheinen ersucht 1818b Der Einberufer. Aufforderung. Ich ersuche denjenigen, der am 21. v.M.. den anonymen Brief an mich geschrieben hat. sich doch im Interesse unserer Partei bei mir zu melden. 38378 Wilh. Gieshoit, Boyenstr. 40. Elegant« I EinsegNWs- Anzüge in Jaquet-Fa?on, blau u. schwarz, m nur r* von guten Stoffen M. an. Julius Lindenbanm, S erlin 0., Frankfurt er Itr. 139. Möbel-Magazin R. Schmidt, Ve'teranenstraße 15 auch WIW Thettiatzlung."MU Stets gebrauchte Möbel auf Lager. Auch ist daielbst ein Pianino billig zu ver- kaufen. Kindermöbel, größte Auswahl. G. M. Hartmann, Berlin N., Pankstt. 45. feinste Qualität Merlrieuge, Eiseuwaaren, Kau»-«. 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Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Köster: Die Bedeutung des 18. März. 2. Diskussion. 247/4' Zahlreiches Erscheinen erwünscht___ Die Vertrauensperlo». WMe Volks-TerMillliliig für hen 3. Berliilkr Reilssstllgs-Wllhlkreis am Sonnabend, den 18. März, Abends 8 Uhr, im Saale des Lchveiser-Gartens, am Friedrichshain. 2 og es«Ordnung: 1. Vortrag über das„tolle Jahr" 1843. Referent: Genosse Dr. Pinn. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Maisest-Komitees. 351/1' Die Vrrtrauenoperson: Fr. Krüger, Hirtenstr. 10. Achtung! Maurer! Achtung! Donnerstag, den 16. Mär». Abends 8 Phr» Sebastianstratze 39: Ordentliche Mitglieder- Versammlung des Vereins sur Wahrung der Interessen der Maurer Berlins und Umgegend. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Bericht der Revisoren. 4. Gewerkschaftliches. 380/14 _ Jeder Maurer hat Zutritt.__ Der fforganb. SWS Achtung l Ocffeutliche Acht, mg! VersWiilllllig für Fraue« lllid Aiüllller heute, Mittwoch, Abend» 8 Uhr,___ InHensel's Festsälen, invalidenstrasse Ho. I* Vortrag über: Die Cholera in Hamburg. Referent: Herr Stüve-Hamburg. Entree 10Pf. Zahlreiches Erscheinen erwünscht. NU. Die heutige, sowie die morgen, Donnerstag, Belforterstr. 15, Freitag Thurmstr. 26, und Sonntag Badstr. 53 stattfindenden Versammlungen mit dem gleichen Thema sind ordnungsmäßig angemeldet worden. 1819b Der Einbernfer: M. Gatzmanm_ ! Hlmdlungsgehilsmnen! agw! Große öffentliche Versammlung für die weiblichen Angestellten in den Geschälten Berlins am Mittwoch, den IS. Mär?, Abend» 8�s Uhr, im Saale des Etablissements vaggenkagen am Moritzplatz. Tages-Ordnung: 1. Was müssen die Handlungsgehilfinnen lhun, um den schweren Miß- ständen in ihrem Beruf entgegenzutreten? 2. Vorlegung einer Petition an den Reichstag, betreffs weiterer Ausdehnung der Sonntagsruhe, und der Fragebogen für eine Untersuchung über die wirthschastliche Lage der Handlungs- gehi'lfinnen. 3. Diskussion. 188. 9 Kollegen als Gäste haben Zutritt. Zu zahlreichem Besuch fordert auf Bie Einbepuferin. Verein zur Wahrung der Interessen der Gast- u. Schankwirthe Berlins u. Umgegend. Freitag, den 17. März 1893, Nachm. 5 Uhr, im Lokale des Kollegen W i l k e, Hochstrahe Nr. 33»: iHf"" Versammlung. Tages-Ordnung: 162/9 1. Besprechung über den Flaschenbierhandel der Brauereien. 2. Be- sprechung über die obligatorische Einführung des.Gastwirthsgehilfen". 3. Auf- nähme neuer Mitglieder. 4. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen ist es sehr erwünscht, daß die Kollegen pünktlich und zahlreich erscheinen. Der Vorstand. Achtung! ForBflGrl Achtung! Zur Feier des 30. Stiftungsfestes der Kmken-«O Sterbe-Kch des Lereiils ber Former findet am 26. MSea in den Concopdia-Festsälen, AndreaZstr. 64. ein Qresser Wiener Masken-Ball statt. Die Gesangvereine„LIberld 1" und„Tonblttthe"(Mitgl. d. A.-S.-B.) Haben ihre Mitwirkung zugesagt. Ferner findet eine grotz« Gratio-Uer- loosung statt, wozu ein jeder Besucher beim Betreten deS Lokals sein Loos zieht. Die Musik wird von Berufsmusikern ausgeführt. Alle Freunde und Kollegen sind zu diesem Fest höflichst eingeladen.>54� Killet» sind zu haben bei Alb. Kleves, Wrangelstraße 75; M. Mächer, Weidenweg 6; M. Olsen, Admiralftraße 13; H. Pfennig, Wienerstraße 57a; 0. Grützmacher, Tieckstraße 23a; Schefler, Chorinerstraße 56; W. Thiele, Britzerstraße 35; Leeke, Coldinerstr. 14; Frentz, Gartenstr. 56; Schwiethal, Eifenbahnstr. 5. Der Uorstand. I.A.: Albert Mewes. Arbeiter-Bildnngsschule. Der Unterricht i» der doppelten Buchführung in der Südschule fiudel Mittwoch statt. 1812k Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schröder iu Berlm. Druck und Verlag von Max Tading in Berlin. SW. Beuthstraße 2. Hierin eine Beilage. Beilage zum„Vorwärts" Berlintt Volksblatt. Nr. SS. Mittwoch, de» IS. März 1893. IS. Jahrg. VttvlamenksbcrMjrte. Deutscher Reichstag. 66. Sitzung vom 14. März 1893, 1 Uhr. Am Bundesrathstische: v. Bötticher, v. Maltzahn, v. Marschall, Aschenborn. Vor der Tagesordnung erklärt Abo. Ahlwardt(Antisemit): Ich bin am Sonnabend in meiner Abwesenheit angegriffen worden. Es war gestern und heute keine Gelegenheit, darauf eine Antwort zu ertheilen. Ich iverde daher bei der dritten Berathung des Etats bei einer paffenden Gelegenheit, am besten wohl bei der Berathung des Militär-Etats, eine längere und gründliche Antwort geben. lAbg. Dr. Hermes-Jauer: Das wird ja ein welterschütterndes Ereigniß!(Große Heiterkeit.� Präsident o. Levetzow: Das ist eine ganz ungehörige Zwischenbemerkung, welche ich dem Ab- geordneten Hermes hiermit verweise.) Die Etatberathung wird fortgesetzt. Zur Debatte stehm die Einnahmen des Reichs aus Zöllen. Verbrauchssteuern und Aversen. Zu Titel 1 liegt der Antrag der Abgg. S c i p i o und Goldschmidt vor: Die verbündeten Regierungen zu ersuchen, eine Behörde oder Stelle zu bezeichnen oder einzusetzen, welche auf Verlangen Auskunst zu geben hat über die Zolltarifsätze, zu welchen bestimmte Maaren oder Gegenstände im deutschen Zoll- gebiete zugelaffen werden. Abg. Hug-Konstanz(Z.) bittet die verbündeten Regierungen, auf eine Abänderung des schweizerischen Handelsvertrages in der Richtung zu wirken, daß Bruchtheile eines Kilogramms im Grenz- verkehr nicht wie ein ganzes Kilogramm behandelt werden. Es werde durch die gegenwärtige Handhabung eine erhebliche Er- schwerung des Grenzverkehrs verursacht, deren Beseitigung im beiderseitigen Interesse liege. Ferner befürwortet der Redner eine Berücksichtigung der Klagen der deutschen Ziegelei- besitzer, soweit sie den deutsch-schweizerischen Handelsvertrag be- treffen. Auf eine Anfrage deS Abg. v. Staudy(k.) erklärt Staatssekretär von Maltzahn, daß in nicht zu langer Zeit eine Entscheidung des Bundesrathes darüber ergehen werde, ob dem Inhaber einer Holzschneidemühle an der russischen Grenze, der sich wegen Zollfreiheit der Einfuhr des Rohmaterials aus Rußland petitionirend an den Reichstag gewendet habe, Zoll- freiheit zu gewähren sei. Geheimrath Hnber: Die Bemühungen eines badischen Kom- miffars bei der Schweiz im Sinne der Anregung des Abg. Hug sind bisher erfolglos geblieben. Abg. Hug(Z.): Es ist mir unter der Hand bekannt ge- worden, daß in der Schweiz schon ein Gesetzentwurf ausgearbeitet wird, wonach Gegenstände bis zum Gewicht von>/, Kilogramm im Grenzverkehr zollfrei eingeführt werden dürfen. Ich bitte deshalb die Regierung, in ihren Bemühungen nicht nachzulassen, damit dem berechtigten Interesse der Grenzbewohner Rechnung getragen wird. Abg.'Scipio(utl.): Unser Antrag bezweckt, den Regierungen anheim zu geben, eine fortlaufende Ergänzung des amtlichen ZJaarenverzeichniffeS, wonach sich das Bedurfniß im Publikum sortdauernd geltend macht, zu veranlassen und den Interessenten zugänglich zu machen. Es würden ja auch auf diesem Wege nicht alle Beschwerden des Handelsstandes aus der Welt geschafft, aber zur Zeit sei kein anderes Mittel ausfindig zu machen, welches die Sache auch nur einigermaßen vorwärts bringt, wenn die Regierungen nach wie vor der Zulassung des Rechtsweges in Zollstreitsachen widerstreben. Es würde dadurch in keiner Weise den Bestimmungen der Verfassung oder des Vereinszoll- gesetzes entgegengetreten werden: die Entscheidungen über Be- schwerden bleiben einfach Verwaltungssachen. Alle Parteien des Hauses haben sich früher auf den Antrag der Zulassung des Rechtsweges vereinigt; hoffentlich werden sie auch unserem heutigen Antrage zustimnien. Abg. Goldfchmidt(dfr.): Ich bedaure, daß der Reichs- schatzsekretär sich über unfern Antrag nicht äußert. Die Sache ,st doch immerhin wichtig genug. Frühere Beschlüsse des Hauses sind absolut wirkungslos auf die verbündeten Regierungen ge- blieben. Man erkennt daraus, daß das Reichs-Schatzamt dem wirklichen Leben und Verkehr so fern steht wie irgend möglich, und daß es in Zollsachen im Deutschen Reich kein Recht giebt, daß man der Gnade und Ungnade der Zollbehörde ausgeliefert ist. Die Handhabung des Zolltarif-Gesetzes entspricht den Ab- sichten nicht, von welchen die Gesetzgebung bei seinem Erlaß ge- leitet war. Die Klagen über Zolltarifluriosa find noch immer nicht verstummt, im Gegeutheil kommen immer neue hinzu, und trotz aller einstimmigen Beschlüffe des Reichstages warten die Petenten Jahre laug auf den Bescheid. Den Uebelständen gegen- über ist unser Antrag fast harmlos zu nennen; ehe nicht der Rechtsweg zugelassen ist, haben wir wirksame Abhilfe nicht zu erwarten. Aber hätten wir wenigstens eine Zentralbehörde ge- habt, eine Menge von Streitigkeiten wäre vermieden worden. Wohin der gegenwärtige Zustand führt, können wir am besten an der Angelegenheil studiren, welche Herr von Standy vorhin in Erinnerung gebracht hat. Der Holzhändler Fischer muß in- zwischen den hohen Zoll immer weiter zahlen und hat, wie die Petilwnskommission anerkannt hat, bereits 100 000 M. zu Un- recht bezahlt. Dasselbe haben wir mit der Verzollung von Holz als Faßdauben erlebt. Solche krasse Jrrthümer der Zollbehörden würden selbst durch unfern unschuldigen Antrag unmöglich ge- macht werden. Staatssekretär von Maltzahn: Ich Hab« erst nach den bei- den Antragstellern das Wort nehmen wollen, also einer ein- fachen Pflicht der Höflichkeit genügt.(Heiterkeit links.) Es ist nicht wahr, daß es in Deutschland in Zollsachen kein Recht giebt. Die Zollstreitsachen sind der Kompetenz der ordentlichen Gerichte entzogen, aber es wird in ausreichender Weise und unweigerlich im Verwaltungswege Recht gewährt. Allerdings besteht eine Reihe Meinungsverschiedenheiten über Auslegung des Zoll- tariss und Waarenverzeichnisses zwischen Regierung und Reichs- tag. Ader es steht nirgends geschrieben, daß der Reichstag die authentische Auslegung der Gesetzgebung zu geben hat. Der Bundesrath hat das Recht, bei seiner Ansicht stehen zu bleiben, wenn er sie nach gewissenhafter Prüfung für die richtige ansieht. Diese Prüfung ist seitens der verbündeten Regierungen stets mit aller Sorgfalt vorgenommen worden. Der Wunsch, die Unbequemlichkeiten zu beseitigen, ist auch der unsrige. Das Tarifamt, welches die Antragsteller wollen, würde die Befugniß haben »nässen, den Gesetzen eine authentische Auslegung zu geben. Es würde sich dabei also um eine gewisse Delegation von Souveräni- tätsrechten des Reiches und sogar auch der Einzelstaaten handeln. Hieran könnte aber vielleicht der ganze Gedanke scheitern; jeden- salls liegt in ihm eine Aenderung der Verfassung. Di« verbün- beten Regierungen haben keine Zuständigkeit auf dem Gebiete der Verwaltung des Zollivesens, sondern nur die Einzelregierungen. Ob diese»hre verfassungsmäßigen Rechte aufzugeben gesonnen sind steht dahin. Jedenfalls werden die verbündeten Regierungen. wenn der Antrag zum Beschluß erhoben wird, ihn ernsthajter Prüfung unterwerfen. Abg. Scipio: Unser Antrag bezweckt nicht im mindesten. «n der Verfassung oder an der Kompetenz der Einzelstaaten irgendwie zu rühren. Staatssekretär von Maltzahn: Wenn der von den Antrag- stellern gewünschten Behörde eine neue Waare präsentirt wird, müßte diese Behörde immer erst an den Bundesrath gehen,»im Informationen einzuziehen. Wird inzwischen eine ganz ähnliche, aber nicht völlig gleiche neue Waare präsentirt, so würde die Schwierigkeit, die man beseitigen will, sofort wieder vorhanden sein. Die verbündeten Regierungen greifen ja nur revidirend ein, einen direkten Einfluß auf die Zollverwaltung haben sie nicht. Abg. Vrömel(dfr.): Gewiß ist ein formaler Rechtszustand auch für Zollsätze vorhanden, aber wir klagen ja gerade darüber, daß die formalen Grundlagen keinen materiellen Rechtszustand gewährleisten. Thatsächlich ist also der Ausspruch des Abg. Goldschmidt begründet. Nur die Einsetzung einer mit richter- lichen Funktionen betrauten Staatsbehörde mit öffentlichem Ver- fahren kann wirklich Helsen. Das Fehlen einer solchen Instanz wird den Gewerbetreibenden immer unerträglicher. Das gegen- wärtige Verfahren steht in grellem Widerspruch zu den Rechts- anschauungen, welche z. B. in den Stempelsteuergesetzen unterlegt sind. Darin hat der Staatssekretär Recht, daß»nit dem vorliegenden Antrage sehr wenig geholfen wird. Auskunft, wie sie gewünscht wird, kann man schon jetzt von ver- fchiedenen Stellen erlangen, in Preußen bei den Zollämtern und den Provinzial-Steuerdirektionen. Die Zentralstelle, welche Herr Scipio vorschlägt, soll sich erst beim Bundesrath über jede Frage vergewissern; auf einer solchen Basis läßt sich doch kein Geschäft begründen. Der Bundesrath ist nicht einmal das ganze Jahr hindurch ständig versammelt. Ebenso sind die verfassungsmäßigen und staatsrechtlichen Bedenken, welche vom Bundesrathstische er- hoben worden sind, nicht zu unterschätzen. Kann man sich nicht zu einer durchgreifenden Reform entschließen, so wird es beim Alten bleiben. Es ist nur natürlich, daß die Verwaltungs- behörden, welche bisher die oberste Entscheidung in Händen haben, sie festhalten wollen; aber ein Fortschritt ist nur möglich, wenn sie einen Theil ihrer Befugniß an eine richterliche Instanz abgeben. Der Antrag aus Schaffung einer richterlichen oder Verwaltungsinstanz ist im Juni 1890 angenommen worden. Der Bundesrath hat beschlossen, dem Antrag keine Folge zu geben. Wir wiederholen daher einen solchen aussichtslosen Versuch nicht. Die betheiligten Gewerbetreibenden müssen noch viel eifriger und rücksichtsloser ihre Beschwerden vorbringen und auf Abhilfe dringen, dann wird vielleicht etwas dabei herauskommen. Abg. Sieale(nl.): Der Bundesrath hat die zollfreie Ver- wendung von Petroleumdestillaten für alle gewerblichen Zweige zugelassen, verlangt aber amtlichen Mitverschluß für die be- treffenden Waarenvorräthe. Durch diese strenge Bestiminung wird die Industrie sehr beengt und»vünscht Erleichterung. Geheimrath Heule: Der betreffende Bundesrathsbeschluß ist nicht ergangen zu gunsten der diese Destillate herstellenden Fabriken, fondern der dieselben verwendenden Betriebe. Es geschieht hier also keinem der Betheiligten Unrecht. Abg. Siegle: Das habe ich auch nicht behauptet. That- sächlich aber werden die Benzinsabrikanten benachtheiligt und ich kann nur nochmals bitten, ihnen möglichst entgegen zu kommen. Abg. Brömel: Wenn den Beschwerden der badischen An- wohner der schweizerischen Grenze so eifrig Abhilfe zu bringen versucht worden ist, daß sogar ein eigener badischer Komniissar nach der Schweiz geschickt wurde, so darf man doch im Interesse der Gerechtigkeit das Gleiche auch für die übrigen deutschen Ge- iverbetreibenden verlangen. Im weiteren bedauert Redner, daß dem Reichstage diesmal keine Nachweisungen über die Bor- anschlüge aus den Zolleinnahmen vorgelegt sind, auch nicht ein- mal die vorläufigen Ermittelungen der laufenden Einnahmen bis zum Dezember des Etatsjahres. Die Zolleinnahmen sind auf 341 122 000 M. oder auf 1671 000 M. mehr als im laufenden Jahre veranschlagt. Redner glaubt, daß damit ungefähr das richtige getroffen sein wird. Der Ausfall an Einnahmen infolge der Handelsverträge werden die veranschlagte Höhe nicht erreichen. Schließlich fragt Redner, ob denn die angestellten Ermittelungen endlich zu einer Entscheidung über die Frage wegen des Petroleum- faß-Z olles geführt haben. Staatssekretär v. Maltzahn: Die betreffende Petition wollte theilweise die Beseitigung, theilweise die Ausrechterhaltung des Faßzolls. Die angestellten Erwägungen haben eine geraume Zeit in Anspruch genommen. Nach meiner Prüfung der Angelegen- heit ist jetzt eine Vorlage an die verbündeten Regierungen ge- langt und befindet sich in dem Ausschüsse des Bundesraths, welche beziveckt, den früheren Bundesraths- Beschluß aufzuheben. Die Zahlen über die Einnahmen in den Monaten November, Dezember und Januar sind der Militärkommission mitgetheilt worden. In der Budgetkommission ist das nicht geschehen, weil dieser der Etat der Zölle und Verbrauchssteuern in diesem Jahre nicht vorlag. Auf Anfrage des Abg. Scipio bemerkt Staatssekretär v. Maltzahn, daß eine Vorlage zur Abänderung einiger Pon- tionen des Zolltarifs in Vorbereitung sei, worunter sich auch die Position Baumwollensamen- Oel befindet. Auch bezüglich der gleichmäßigen Zollbehandlungen geschälter und ungeschälter Erbsen sei der Bundesrath in Erwägung eingetreten. Abg. Brömel ist erfreut, daß die Frage deS Petroleumfaß- Zolles sich endlich ihrer Erledigung nähert, und bittet, künftig die Nachweisungen über die Zolleinnahmen wieder der Budget- kommission zuzuweisen. Die Einnahmen auS den Zöllen werden darauf bewilligt. Der Antrag Scipio-Goldschmidt wird nach Probe und Gegen- probe gegen die Stimmen des Zentrums und eines Theiles der Konservativen und der Reichspartei angenommen. Die Einnahmen aus Tabak-, Zucker-, Salz-, Branntwein- und Brausteuer, sowie auS den Aversen, ferner die Einnahmen aus den Stempelabgaben werden ohne jegliche Debatte ge- nehmigt, desgleichen die Einnahmen des Etats des Reichs- schatzamtes. Bei dem Ansgabetitel.Staatssekretär 24 000 MV bemerkt Abg. Morbach(R.-P.): Die Entwerthung des Silbers ist kein« blos agrarische Frage. Wer nach Silberländern exportirt, wird davon sehr nahe berührt. Auch Deutschland ist ein Silber produzirendes Land und hat an der Remonetisirung des Silbers das größte Interesse, in erster Linie aber die Silberbergwerke. Der Sozialdemokrat Kayser war, so lange er Vertreter des Kreises Freiberg war, ein Silberwährungsmann, nachher erst, als er mit dem Wahlkreise nichts mehr zu thun hatte, war er zur Goldwährung übergegangen. Herr Bamberger kennt die Verhältnisse in den Bergbau-Diltrikten überhaupt nicht; sein Urtheil hat also nur sehr bedingte Autorität. Unser Bergbau ist alt, unsere Schächte sind tief. dieProdnktions- kosten also hoch. Anders in Amerika und Australien. Die Zeit, wo»nan auch dort die reichen Erze erschöpft haben und zu ärmeren überzugehen gezwungen sein wird, liegt noch fern. Es steht damit ebenso,»vie mit dem Raths des Abgeordneten Barth an die Landivirthschast, die amerikanische Konkurrenz nicht zu fürchten, da doch der Raubbau in Amerika bald zu Ende sein niüsse. Wenn»vir darauf»varten sollen, ist uns nicht geHolsen. Bis dahin ist der deutsche Bergbau längst todt. Der Bergmann wird brotlos werden, aber er»vird nicht einsehen, daß er einer Naturnothwendigkeit, einer Umwandlung unterliegt, die unver- weidlich war. Wenn auch Herr v. Maltzahn erklärt hat, daß die verbündeten Regierungen den Bestrebungen zur Hebung des Silberpreises syii.pathisch gegenüberstehen, so dankt der bescheidene Bergmann auch für dieses kleine Entgegenkommen. Mögen die Regierungen kein Mittel unversucht lassen, die schweren Schädigungen, welche die Silberentwerthung bringt, dem deutschen Bergmann fernhalten. Es ist das keine agrarische Agitation, sondern der Hilferuf einer dem Untergang entgegenarbeitenden Industrie!(Beifall rechts.) Abg. Graf Mirbach(dk.): Die WährungSftag« steht jetzt derart im Vordergrunde, daß wir sie auch bei dieser Gelegenheit zu berühren verpflichtet sind. Der Reichskanzler hält ihre Lösung ohne England nicht für möglich. Wir sind der Meinung nicht. Der Kern der Währungsfrage ist gar nicht schwer, hat der Reichs- Schatzsekretär mit Recht erklärt, während der Reichskanzler die Frage zu den schwierigsten rechnet. Jedenfalls hat Herr Bain- berger mit seiner Erklärung, der Bimetallismus sei todt, keil» Glück gehabt. Wie wenig er todt ist, zeigen sowohl unsere Ver- Handlungen hier, als auch die Ereignisse im englischen Unter- Hause, wo Gladstone eine Niederlage erlitten hätte, wenn ihn» nicht die Iren zu Hilfe gekommen wären. Auch die Erklärung des Vertreters Englands auf der letzten Münzkonserenz möge»» die Goldwährungsmänner beachten. Selbst die„Freisinnige Zeitung" giebt zu, daß ein Heben der Preise die Wirkung der Doppelwährung sein würde. Endlich beziehe ich mich auf die neulichen Acußerungen des nationalliberalen Abg. Friedberg, der ein Professor und alles andere eher als ein Agrarier ist. Redner verwahrt sich dann gegen die Zusammenstellung der bimetallisti- schen und antisemitischen Agitation, wie sie der Reichskanzler be- liebt habe. Die Juden seien als Vertreter des internahonalen Kapitals zu dessen Vertheidigung berechtigt, aber das Dominireu des internationalen Kapitals sei für die nationale Arbeit schädlich. (Beifall rechts.) Bei den Handelsverträgen habe man nach der Meinung der Regierung rechtzeitig das Angebot machen müssen, um den»virthschaftlichen Ruin zu verhüten. Genau so liege es auf dem Gebiete der Währungs- frage; auch hier sollten die Regierungen ihr Angebot mache». Die Landwirthschaft verlange diesen Standpunkt unbedingt. Zunächst werde beantragt werden, eine Enquete zu ver- anstalten, sodann werde die Regierung vor die Frage gestellt , verde»», wie sie sich eine Lösung der Währungssrage ohne Eng- land denke. Abg. Biisinq(ntl.): Zu einer Aenderung der Währu>»g liegt absolut keine Veranlassung vor. Die Lehren der Bimetallisten sind eine Kette von Widersprüchen. Die Einführung der Gold- Währung in Deutschland hat die Entivcrlhung des Silbers nicht verschuldet. Für jeden Unbefangenen ist es doch selbstverständ- lich, daß es richtiger ist, die Wähnlng auf ein Metall, und z»var auf das kostbarere zu stützen(Lebhafte Rufe rechts: Nein!), als auf zivei, deren Relation sich auf dem Weltmarkt jeden Augen- blick ändern kann. Die üblen Folgen der Doppelwährung aus Anlaß der Ueberproduktion an Silber sind ja in Amerika äugen- scheinlich. Auf die Dauer ist es eben unmöglich, zwei Metalle neben einander zmn Maßstabe aller andern Werths zu machen. Was Herr Gras Mirbach erklärte, ließ die Deutung zu. daß die Doppelwährung einzig im Juteresse des Großgr»lndbesttzers liegt (Widerspruch rechts). Ueber die russische Währung ist Deutschland nicht Herr. Die Schwankungen der russische,» Valuta werden bleiben, gleichviel welche Währung wir haben. Die Schwankungen würden aber erheblich geringer werden, der Rubelkurs erheblich steigen, wenn Herr Graf Mirbach und seine Freunde dem Handelsvertrage mit Rußland znstimmen wollten. Anerkannt»nuß»verden, daß zur Zeit in Deutschland eine starle bimetallistische Strömung vorhanden ist, ein praktischer Versuch auf diesem Felde konnte aber sehr leicht das Unreelle an die Stelle des Soliden setzen; auf keinem Gebiet verbieten sich Experimente so sehr als auf diesem.(Beifall links.) Abg. von Kardorff(Rp.): Mit so allgeineinen Bemerkungen, wie:„es ist sonnenklar, es leuchtet jedem Unbefangenen ein, daß die Goldwährung das einzig richtige ist", können wir absolut nichts anfangen. Auch die Goldwährungsleute in England haben zugegeben, daß durch die Silberentwerthung ein Druck auf die Preise ausgeübt ist. Nach der Aufdeckung der kalifornischen Gold- selber stieg die Goldproduktion um das vierfache llnd der Ge- danke»vurde dainals ernsthaft erwogen Gold zu demonetisiren und Silber zum einzigen Währungsmetall zu machen. Herr Büsing hat ein großes Interesse an der Goldwährung, weil die Banken und die Baukiers«in großes Interesse an ihrer Ausrecht- erhaltung haben. Daß wir unsere Zustimmung z»lr Militär- vorläge von dem Eingehen der Regierung auf die Doppelivährung abhängig machen, wie behauptet wordei» ist, muß ich zurückiveisen. Man behält sich bis zur dritten Lesung bekanntlich alles vor. Abg. Bamberger(dfr.): Sticht mit dem Eintritt der deutschen Goldwährung, sondern erst 1878 hat der Lateinische Münzbilnd die freie Silberprägung eingestellt, das Eine war nicht durch das Andere bedingt. Man zitirt uns die ver- schiedensten Autoritäten für die Silberwährung, Bauern und Professoren; an wen sollen wir glauben? Wir sehen weder Eernuschi noch Herrn Friedberg als Autoritäten an. Wer kann denn hier im Reichstage beurtheilen, was eine oder die andere Autorität werth ist? Graf Mirbach hat angedeutet, ich hätte mich durch meine besondere Qualität als Jude bestimmen lassen, seiner Zeit für die Goldwährung zu stimmen.(Unruhe rechts, Zustimmung links.) Dieses Raisonnement greift auf konfessionelle Fragen über. In solche habe ich selten oder nie eingegriffen. Ob ich ans alte Testainent glaube oder nicht, darüber kann ich mich hier nicht aussprechen. Vielleicht würde sich hier heraus- stellen, daß viele der Christen hier mehr Jude sind als ich, da sie mehr als ich ans alte Testament glauben. Hält Graf Mir- dach einen Volksvertreter für zurechnungsfähig für sein Amt, »venu er seine Zustimmung zu den Akten der Gesetzgebung von solchen niedrigen Motiven abhängig macht? Ich bü, seit fünfundzwanzig Jahren neun Mal geivählt. aber nie als Jude oder als Christ, sondern als Deutscher. Wie soll ich denn gewählt sein als Vertreter der Interessen des Judenthums? Hält er mich für so niedrig, daß ich nicht durch das Studium zu meinen Anschaut»ng«n gekommen wäre? Glaubt er, es giebt in diesen Dingen eine jüdische und eine nichtjüdische Wissenschaft? Ein Herr, der so die Noblesse zu vertreten sich berufen fühlt, sollte einem Kollegen doch nicht Gedanken unterschrieben, die nur als außerordentlich niedrige und geineine erscheinen können. In emem wirklich durchgebildeten Gehirn können solche Vorstellungen nicht entstehen.(Sehr richtig! links.) Wenn mir in dieser Ver- sammlung nach 25 Jahren solche niedrigen, gemeinen Motive untergeschoben werden, so zeigt das, wohin»vir allinälig ge- kommen sind. Warum sind denn spezifisch jüdische Mome>»te zu Tage getreten? Die Inden besitzen den größten Theil des mobilen Kapitals, sagt Herr Graf Mirbach. Ein großes Wort — aber nicht wahr! Es giebt etwa 6 Millionen Juden in der Welt, darunter eine große Menge recht armer u,»d bedürftiger. Das grobe Haus Rothschild ist entschieden bimetallistisch gesinnt. In der Debatte von 1879, als ich»nich über die Sistirung der Silberverkäufe beschwerte, gab Fürst Bismarck zu, daß Herr von Bleichröder Bimetallist sei. Einzelne große Firmen haben allerdings das größte Interesse an der Doppelwährung, weil das Geschäft in Metallen in ihren Händen liegt,(Sehr richtig! links) und das sind meistens jüdische Firmen. Wenn Herr Graf Mirbach mir also mildernde Umstände»ubilligt, weil ich ein Jude bin, so muß ich das entschieden ablehnen. LedeZ Land, daZ jetzt eine Münzreform durchführen will, kann nur zur Goldwährung übergehen. Graf Mirbach weint freilich, der Bimetallismus werde wie ein Phönix aus der Zische erstehen. Man kann sich darin doch auch irren. Die Sistiruna der Sicher- Verkäufe haben die Bimetallisten früher als einen ihrer Erfolge gerühmt, jetzt wollen sie von dieser That nichts mehr wissen. Die Brüsseler Konserenz war keine bimetallistische, sondern eine Zusammenkunft, welche das Problem der Hevung des Silber- Preises lösen wollte. Was jetzt im englischen Unterhause ge- schehen ist. hat mit einem Umschwünge der öffentlichen Meinung in England oder mit einem Siege des Bimetallismus absolut nichts zu schaffen. Die Agrarier sind von Hause aus garnicht Sälbersreunde; sie sind eingespannt worden von den Silberleuten (Widerspruch rechts)— es ist so, man kann sich darüber garnicht täuschen. Die Bewegung ist von Amerika ausgegangen und ist über Frankreich nach Deutschland gedrungen. Die Silberleute haben es hier erst mit der kolonialen Bewegung und dann, als es damit nichts war, mit den Agrariern versucht; sie haben sie geködert und hypnotisirt.(Große Heiterkeit.) Die Einführung eineS um 25 pCt. entwerlheten Metalls wäre gleichbedeutend mit dem freiwilligen Slaatsbankroll! Einer solchen That halte ich selbst die Agrarier um der Ehre und des Rufes Deutschlands willen nicht für fähig!(Beifall links.) Abg. v. Frege(dk.) erhält daraus gegen 8/«6 Uhr das Wort. Er führt aus, daß Rothschild's Btmetallismus nicht gegen, sondern für die Bestrebungen der deutschen Doppelwährungsleute spreche; Rothschild habe immer nur gute Geschäfte gemacht. Wenn nicht bald mit der Goldwährung gebrochen wird, bricht die Katastrophe über Deutschland herein und stürzt seine ganze Landwirthschast in den Abgrund. Werden denn die Herren nie aus der Geschichte lenicn? Sehen Sie nicht, daß die ganze argentinische Krisis eine Folge der Goldwährung ist? Wenn die Silberentwerthung weitergeht, wird die Krise nachtheilig auch auf Deutschland zurückwirken. Herr Bamberger stellt es so dar, als ob die Agrarier hier die Interessen amerikanischer Silber- ininen-Besitzer oertreten, während er sich gleichzeitig dagegen verwahrt, die Interessen des internationalen Kapitals zu ver- treten. Nicht wir tragen die Klagen über die Silberentwerthung in das Land hinein, sondern die Klagen dringen überall immer verstärkter aus dem ganzen Deutschen Reich zu uns! Aus der kleinen agrarischen Bereinigung von friiher ist jetzt der groß- artige Bund der Landwirthe geworden! Damit schließt die Diskussion. Nach persönlichen Bemer- kungen der Abgg. v. Kardorff, Bamberger und Gras Mirbach wird der Titel bewilligt und um tz'/a Uhr die Fortsetzung der Beralhung aus Mittwoch 1 Uhr vertagt. Loltciles. Der Vergleich, der zwischen unserm Kollegen E n d e r s und Herrn Paul Kampffmeyer in Sachen der Privatklage des letzteren vorm Schöffengericht abgeschloffen wurde, bat folgenden Wortlaut:„Die unterzeichnete Redaktion erklärt hiermit, daß sie sich überzeugt hat, daß von seilen des Herrn Paul Kampffmeyer in feiner Broschüre:„von Vollmar und die Sozialdemokratie" eine Fälschung hinsichtlich des Zitats über die Aussage des Abgeordneten Singer nicht vorliegt, damit werden die von feiten des Herrn August Enders, des damaligen veranl- wortlichen Redakteurs des„Vorwärts", sich hieran schließenden Erörterungen, soweit sie Herrn Paul Kampffmeyer persönlich betreffen, hinfällig." Arbeiter-Sanitätslkommission. Zahlreiche Klagen über Nässe in den Wohnungen sind unS wieder zugegangen. R e i ch e n b e r g e r st r. 59, Hof 3 Treppen, läuft buchstäblich das Wasser von den Wänden herunter. Die Nässe ist darauf zurückzuführen, daß der Wirth es Unterlasten hat, den abgefallenen Putz der Giebelwand rechtzeitig zu erneuern. Die Wohnung ist auch sonst ziemlich vernachläsfigt. Der Fußboden ist an mehreren Stellen durchgefault, mit Schwamm durchsetzt und gestaltet allem Ungeziefer den Zutritt. Der Mlether hat bei dem Wirth vergeblich um AbHille gebeten.' Solche Wohnungen sind vielfach auch noch stark bevölkert. Die Wohnung B r e m e r st r. 47, 2. Quergebäude, 3 Treppen, ist feucht und schimmelig, besteht aus 2 Räumen mit 3 Fenstern, ist von 8 Personen(inkl. 2 Schlafburschen) bewohnt und hat 3 Bett«,. Das Haus»st neu, der Miether giebt den Trocken- wohner ab. Feucht und dunkel sind im Hause Lichtenbergerstr. 20 eine Kellerwohnung im Hinterhaus(3 Räume, 3 Fenster, 7 Be- wohuer, darunter 2 Schlafgänger, 5 Betten), eine Kellerwohnung im Seitenflügel(3 Räume, 2 heizbar, 4 Fenster, 4 Bewohner, darunter 2 Schlasgänger, für alle zusammen 2 Betten). Abhslse ist verlangt worden und soll— im Sommer erfolgen. Oranienftraße 2a. Hinterhaus, t Treppe, liegt eine Wohnung über einem Hausflur, in welchem ein Schlächter sein Eis lagert. Die Wohnung ist bei großer Kälte überhaupt nicht warm zu bekommen. Der Wirth ist allen Klagen gegenüber taub. Sebastianstraß» 22», Seitenflügel, Kellerwohnung: feucht, dunkel, vernachlässigt. Wände schimmelig, Fußdoden stellen- weise verfault. Eine zweite Kellerwohnung in demselben Honse, aus welcher zur Zeit der Kontrolle eben der Mielher auszog, ist ebenfalls feucht und dunkel.(Fußboden t,7S Meter unter», Niveau.) Pissoir und Kloset waren unsauber, Müllkasten über- füllt. Kommandant«nfiraß«S7: Seitenflügel, feuchte Keller- wohnung. Alte Jakob st raße 132: Hinterhaus, feuchte Dach- Wohnung; Seitenflügel, 1. Etage feucht, darunter Waschküche und Pferdestall; 2. Etage ebenfalls seucht und kalt, weil direkt unter dem undichten Dache. Die meisten der in Berlin üblichen MiethSkontrakte enthalten die Bestimmung:„Der Mielher ist verpflichtet, die Wohnung gehörig heizen und lüften zu lasten, dainit sie gut konservirt werde." Dieser Paragraph, der wie alle anderen den Wirth zu nichts, den Mielher zu allem verpflichtet, erscheint wie ein Hohn bei Wohnungen, die von Natur so seucht sind, daß alles Lüsten und Heizen nicht ausreicht, um sie trocken zu bekommen. Montag den 20. März findet eine öffentliche Ver- s a m m l u n g der Arbeiter- Sanitätskomniission im Vereins- HauS Eüd-Ost statt. Tages-Ordnung: Die Wohnungs- Enquete in der Eorauerstraße und ihre Er- g e b n i s s e. Zu dieser Versammlung werden insbesondere sämmtliche Miether der Eorauerstraße«in- geladen. In grasten Fabriken fehlt eS noch immer an geeigneten Transportmitteln, wenn es sich darum handelt, verunglückte Arbeiter nach dem Kraukenhause oder nach ihrer Wohnung zu schaffen. So wurde in der vorigen Woche aus der Märkische» Lokomotiven- sabrik in Schlachtensee ein verunglückter Arbeiter aus einem Handwagen(Hundewagen) zu sseiner Familie nach Zehlendorf transportirt. Eine 800 Dollar- Note als Drinkgeld. Dieser Tage reiste eine Dame nach Brasilien vom hiesigen Lehrter Bahnhose ab und überreichte einem Dienstmann, der ihr in bezug aus das Gepäck behilslich gewesen war. zur Belohnung einen Papier- schein, der anscheinend das Bildniß des Präsidenten der Ver- einigten Staaten trug und die Zahl 500 zeigte. Der Dienstmann in dem Glauben, eine Fünshimdert-Dollar-Not« in der Hand zu haben, eilte freudig in ein benachbartes«ausmannsgeschaft, um den ausländischen Schein gegen heimische Münze unizuwechseln. Der Kaufmann, der mit dem Papier gleichfalls nicht recht Be- scheid wußte, gab vorläufig zwanzig Mark. Später stellte sich heraus, daß das Papier über fünfhundert Reis lautete, brasilianischer Herkunst ist und einen Werth von etwa 1 M. hat. An den in den Straften Berlins fahrenden Geschäfts- wagen muß der Name und Wohnort resp. die Wohnung des Geschäftsinhabers angebracht sein. Für Personenfuhrwerk gilt diese Vorschrift nicht; in dem Augenblicke aber, wo jenes, wenn auch nur ausnahmsweise, zum Waarentransport verwendet wird, iällt es gleichfalls unter diese Vorschrift. So entschied in diesen Tagen ern hiesiges Schöffengericht.— Bezüglich der Verhaftung de» WeinhändlerS Haber- mann, welcher der Brandstiftung angeschuldigt ist, erfahren wir: Die Untersuchung scheint eine eigenartige Wendung zu gunsten des Jnhaftirten zu nehmen; zunächst ist fest- gestellt, daß sich in den Kellerräumen des Geschäftes des H. Waaren- vorräthe befinden, welche im Werth den Betrag der Versicherungs- summe noch übersteigen, wodurch also das Motiv der Brandstiftung zusammenfällt. Ferner ist festgestellt, daß ein Schlüssel zu den Kellerräumen schon am Sonnabend vor dem Brande ver- schwunden ist, ebenso ist die Art und Weise, wie die Brand- stiftung hervorgeruseu wurde, eine ganz sonderbare. Es ist näm- lich eine Zündschnur gelegt und diese zu einem kleinen Häufchen Schießpnlver geleitet, welches an einem Faß des besten Ungar- weins auf dem Fußboden aufgeschüttet war. Zwar ist H. am Sonntag Vormittag gesehen worden, wie er sich nach dem Keller hinabbegab— und der Angeschuldigte bestreitet auch diese Thal« fache nicht, er behauptet jedoch, im Lagerraum geschäftlich zu thun gehabt zu haben. Jedenfalls ist es ausgeschloffen, daß er um diese Zeit schon die Zündschnur angezündet hat, da die Lunte unmöglich 13 Stunden hindurch brennen konnte. Wie wir ferner erfahren, dürften die bis jetzt unter Siegel gehaltenen Kellereien heute oder morgen von der Polizei freigegeben werden. Die Bewohner des Hauses, bei welche» H. einen sehr guten Leumund genießt, glauben nicht an die Schuld des Verhafteten, hallen die Brandstistllng vielmehr für den Ausfluß eines Racheaktes, der sich gegen H. richtet. Ein entsetzlicher Unglücksfall ereignete sich am Montag Nachmittag in der Treptower Straße zu Rixdorf. Eine junge Mutter ließ ihren etwa einjährigen Knaben am offenen Fenster der im ersten Stockwerk belegenen Wohnung spielen, wobei das Kind plötzlich ihren Händen entglitt und hinausstürzte. Ein kleines Iltzährig-s Mädchen, das auf der Straße spielte und das Kind herabstürzen sah, wollte es mit seinem Schürzchen auf- sangen, aber das unglückliche Knäbchen fiel neben dem kleinen Mädchen auf den gepflasterten Bürgersteig, wo es mit entsetzlich zerschmetterten Gliedern aufgeboben wurde. Die bedauernswerlhe Mutler versuchte in ihrem Schmerz, sich mit einem Küchenmeffer die Kehle zu durchschneiden, und nur mit vieler Mühle gelang es, ihr das Instrument zu entwinden. Das verunglückte Kmd starb wenige Stunden nach dem Unglücksfall. Mit den Wellen kämpfend wurde heute früh ein Mann in der Spree gegenüber dem Hause Schiffbauerdamm bemerkt und noch lebend herausgezogen. In der Charit-«, wohin man ihn auf polizeiliche Veranlassung gebracht, erkannte man den 47 Jahre alten obdachlosen Korbmacher Ferdinand Arens. Ob er freiwillig in das Wasser gegangen ist oder was sonst vorliegt, hat sich noch nicht feststellen lassen. Die unverehelichte Marie Kosakewitz, die bei ihrem Sturze aus dem Fenster Markgrafenstr. 69 schwere innere Ver- letznngen, jedoch keine Knochenbrüche davongetragen hat, befindet sich noch am Leben, ist aber bis heilte Mitlag noch nicht von der Polizei vernommen worden. Die Dhat d«S Dienstmädchens Katharina WittkowSka in der Kanonierstrabe dürste ein« Warnung sein für die Wüst- linge, welche sich nicht entblöden, ihr« Stellung als„Dienstherr- schaff" gegenüber ihren Dienstmädchen zu mißbrauchen. Die Annahme, daß sie in Nothwehr handelte, als sie mit dem Küchen- beil aus ihren Dienstherrn, den Agenten und Stellenvermittler Rinkel, einschlug, bestätigt sich. Diesem Herrn werden für die Zukunft seine schandbaren Gelüste wohl etwaS vergehen. Drei Menschenleben schwebten bei einem Brande, der heute(Dienstag) jrüh in der dritten Stunde in der Perleberger- straße 23 auskam, in E r st i ck u n g s g e f a h r. Brandstelle ivar ein Materialwaarenladen mit dem anstoßenden Korridor und dem Lagerraum. Der starke Rauch hatte das Treppenhaus so verqualmt, daß eine Frail und zwei Kinder, die lhörichter Weise ihre Wohnung verlassen und dort Schutz gesucht hatten, in ernste Gefahr geriethen. Zum Glück gelang es einigen Beherzten, die Gefährdeten noch vor Eintreffe» der Feuerwehr in Sicherheit zu bringen. Die Feuerwehr stellte zur Beruhigung der Bewohner sofort einen Letlergang her, dessen Benutzung»der nicht nölhig wurde. Zu rekognoSziren. Nach einer Mittheilung de? Ersten Staatsauwalts zu Potsdam ist am 28. Februar, Morgens um 7 Uhr, in Petzow, unterhalb der dortigen Ziegelei, die Leiche eines etwa 50 Jahre alte» Mannes ausgesunden worden, die aus der oberen Fläche der linken Hand zwischen Daumen und Zeige- finger einen blautälowirten Anker und Stern zeigte. Dies laßt vermnthen, daß der Verstorbene entweder Sportsmann oder Schiffer gewesen ist. Der Tobte hatte am Kopfe verschiedene Verlegungen. Näheres war bisher nicht zu ermitteln; die Staats- amvaltschaft zu Potsdam hat daher die Hilfe der hiesigen Polizei in Anspruch genommen. Auffallend ist, daß bei dem Tobten weder Uhr noch Geldtasche gefunden worden ist. Trotz des regnerischen WetterS hat der Ballon Humboldt heute Bormittag kurz nach 1l Uhr seine zweite Auffahrt unter- nommen. Die Fahrt ist wiederum unter Führung des Premier- lieutenants Grop, dem sich Dr. Berson hinzugesellt hat. von statten gegangen. Ein anderer Luslballon, wohl von der Luft- schiffer-Abtheitung, wurde heute Morgen in der Richtung von Schöneberg nach Moabit bemerkt. Er nahm semen Lauf so niedrig, daß die Taue Bäume und Telegraphendrähte berührten. Marktpreise in Berlin am 13. März, nach Ermitte- kungen des Polizeipräsidiums. Weizen per 100 Kg. guter von 15,60—15,10 M.. mittlerer von 15,00—14,60 M.. geringer von 14,50— 14,00 M. Roggen per t00Kg. guter von 13.30— t3.00 M., milllerer von 12,90—12,70 M., geringerer von 12,60—12,40 M. Gerste per 100 Kg. gute von 17,50—16,30 M., mittlere von 16,20— 15,10 M., geringe von 15,00— 18.80 M. Hafer per 100 flg. guter von 16,80—15,20 M.. mittlerer von 15,10—14,60 M, geringer von 14,50— 14,00 M. Stroh, Richt- per tOO Kg. von -- M. Heu p. 100 Kilogramm von-- M. Erbsen, gelbe zum Kochen per 100 Kg. von 40.00—25.00 M. Speisebohnen, weiße per 100 Kg von 50.00—20,00 M. Linsen per 100 Kg. von 80,00 bis 30,00 M. Rartoffeln per 100 Kg. von 6,00— 4,50 M. Rind- fleisch von der Reute per 1 Kg. von 1,80—1.20 M. Bauchsteifch per 1 Kg. von 1,30—0,90 M. Echweinesteisch per 1 Kg. von 1,50— 1,20 M. Kalofleisch per 1 Kg. von 1,60— 0,80 M. Hammel- fleisch per 1 Kg. von 1.50—0,90 M. Butler per 1 Kg. von 2.80 bis 1,80 M. Eier per 60 Stück von 5,00—2,60 M. Fische per 1 Kg.: Karpfen von 2,40—1,20 M. Aale von 3,00—1,20 M. Zander von 2,40—1,20 M. Hechle von 1,30—1,00 M. Barsche von 1.60—0,70 M. Schleie von 2,40—1,00 M. Bleie von 1,40 bis 0,60 M. Krebse per 60 Stück von 10,00—3,00 M. Polizeibericht. Am 13. d. Mts. Morgens sprang ein 16jährig«s Mädchen aus dem Küchenfenster der im dritten Stock eines HauseS in der Markgrasenstraße belegenen Wohnung seiner Tante aus den Hof hinab und erlitt außer mehreren Knochen- brücken anscheinend schwere innere Verletzungen, so daß eS nach der Charilee gebracht werden mußte.— Eine geuiüthskraule Frau brachte sich in ihrer Wohnung, in der Scharnhorststraße, mittels Rasirmessers einen tiefen Schnitt in den Hals bei und verstarb bald daraus.— Auf der Treppe des Hauses Taubenstraße 17 wurde Vormittags ein Kaufmann mit schwerer Verletzung am Kopfe bewußtlos ausgefunden und nach seiner Wohnung gebracht.— Vor dem Hause Pallisadenstr. I siel ein Tischler zur Erde und erlitt einen Bruch des Schlüsselbeins. Er wurde nach dem Krankenhause am Friedrichsham gebracht.— An der Straße 46, hinter dem Grundstücke Vor dem Stralaucr Thor 30, wurde die Leiche eines etwa vier Wochen alten Kindes aufgefunden.— Beim Avbruch des Domes stürzte Nachmittags der Arbeiter Beutner von eiiier Mauer und erlitt einen Bruch des Schlüsselbeins, so daß seine Ueberführung nach der Univer- fltätsklinik erforderlich wurde.— In der Nacht zum 14. d. M. fiel ein obdachloser Korbmacher gegenüber dem Grundstück Schiff- bauerdamm 15 in die Spree, wurde jedoch noch lebend aus dem Waffer gezogen und nach der Charitee gebracht.— Am 14. d. Morgens ivurde ein Arbeiter aus der Kellertreppe des Hauses Falckensteinstr. 41 erhängt vorgefunden.— Am 13. d. M. und in der darauf folgenden'Nacht fanden drei kleine Brände statt. Gerickks-Iottung. Wegen zahlreicher Paletotdiebstähle, deren Schauplatz die Hörsäle der Universität bildeten, stand gestern der Maler Max B o h n i vor der 2. Strafkammer hiesigen Landgerichts I. Diese Diebstähle passirten besonders in den Monaten November und Dezember v. I. Der Angeklagte ist geständig, im Verein mit zwei anderen Kumpanen nach vorher besprochenem Plane die Diebstähle ausgeführt und reiche Beute gemacht zu haben. Mit Rücksicht aus die Gemeingefährlichkeit dieses Treidens verurtheilt ihn der Gerichtshof zu3Jahren Gesängniß. Stationsvorsteher und Weichensteller in einer Person zu sein, kann unter Umständen recht bedenkliche Folgen haben, wie eine Verhandlung wegen Gefährdung eines Eisenbahn- transportes zeigte, welche am Dienstag vor der ersten Straf- kammer am Landgericht II stattfand und sich aegen den Halte- stellenvorsteher Karl August Rothe richtete. Auf der Haltestelle Nudors bei Zossen, welche der Angeklagte zu verwalten hat, kreuzen sich regelmäßig Vormittags kurz nach 9 Uhr zwei Güter- züge, von denen der eine von Berlin, der andere von Elster- werda kommt. Der eine bleibt vor dem Bahnhof liegen, bis der Andere durchgefahren ist Am 6. Oktober entgleiste der letzte Wagen des einen Zuges und richtete nicht unbedeutende Be- schädigungen an. Der für den Unfall verantwortliche Angeklagte sühne den Unfall zwar aus schlechtes Funklioniren der Weiche zurück, ein technischer Sachverstandiger begutachtete aber, daß der a»geklagte, welcher die zu passirende Weiche vom Perron aus zu stellen hatte, die letztere zu früh umgestellt habe. Deshalb wurve der Angeklagte zu drei Tagen Grsängniß ver- urlheilt. Der Kaufmann Richard Comor, welcher gestern wegen eines vor 5 Jahren begangenen Diebstahls vor der II. Straf- kammer hiesigen Landgerichts I stand, hat vor länger als fünf Jahren einem Mädchen, zu welchem er in näheren Beziehungen stand, ein Sparkassenbuch gestohlen und war alsdann unsichtbar geworden. Er hatte sich nach Amerika begeben und sich in der neuen Welt längere Zeit aufgehalten, bis ihn die Sehusacht nach der Heimath wieder über den Ozean trieb. Hätte er diese Reise 13 Tage später angetreten, dann wäre ihm hier kein Ungemach entstanden, denn als er hier verhaftet wurde, ergab sich, daß 13 Tag« später der fünfjährige Aerjährungsiermln eingetreten geweseil wäre. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Ali- geklagten 9 Monate Gefangniß und der Gerichtshof erkannt« aus 6 Monate. Beruntreunnge» im Gesammtbetrage vou ca. 3.1 000 M. fielen dem Kaufmann Max Bärens zur Last, welcher gestern wegen Unterschlagung von der 2. Strafkammer hiesigen Land- gerichtS I stand. Der Angeklagte, welcher Jahre lang Kommis m einem hiesigen umfangreichen Ofengeschäft war. hatte sich durch Fleiß und Tüchtigkeit so ausgezeichnet. daß ihn sein Chef schließlich zu seinem Sozius machte. Der Angeklagte hat das ihm geschenkte Vertrauen schlecht belohnt, denn er rst geständig, fortgesetzte Unterschlagungen begangen zu haben, welch? bis zu der oben genannten Summe angeschwollen sinl. Da der Angeklagte em durchaus nüchteruer und fleißiger Mann war, so schwebte bisher ein gewisses Dunkel darüber, wo das Geld eigentlich geblieben ist. Der Ver- tbeidiger, Rechtsanwalt Dr. L. Fricdmann, gab darüber gestern eine eigenartige Aufüärung. Die Eltern des Angeklagten waren durch Unglück um ihr Vermögen gelommen, und um ihre Leoens- Haltung einigermaßen aus der gewohnten Höhe zu erhalten, war der AiigeUagle, dessen Einkommen man üverhoch schätzte, als Wohtlhaler eingesprungen. Er hat in der bekannren Manier immer «in Loch ausgemacht, um ein anderes znzufchütten, vis schließlich die Unlerschtagungen die Summe von 23 000 M. erreichten.— Der Staatsanwalt beantragte 1 Jahr 6 Monat« Ge- jängiliß, der Verlheldiger empfahl eine wesentliche Er- Mäßigung der Strafe, da der Angetlagle gewissermaßen aus einem edlen Motiv gehandelt habe.— Das UrtheU lautete aus I Jahr G e f ä n g n i p. Sozial» Aebevlltbk. Zur Unsallversichrrniiqs- Praxis hat das Reichs- Versicherungsamt kurzlich folgende wichtige Eni- scheidungen getroffen: Die Ehefrau eines Verlegten hat auch dann, wenn die Ehe erst n a ch d« m U n s a l l geschlossen ist, Anspruch aus Rente gemäß ß 7 Absatz 2 des Unsallverücherungs- Gesetzes.— Die BerufSgenoffenschast ist nickt dereäitigl, in die freie Willensdestiinmung eines Verletzten m der Weise einzn- greifen, daß als Folge seiner Weigerung, eine Operation an sich vornehmen zu lassen, die Ein- stellung oder Minderung einer bis dahin gewährten Rente an- geordnet wird.—„Lohnarbeiter" im Sinne des Z 2 Absatz 2 des Bau-Unfallverstchernngs-GesetzeZ sind auch Lehr- linge, welche nur Kost und Wohnung erhalten; indessen ist eine Ausnahme van» zuzulassen, wenn der Lehrling ein Leyr- gelb zahlt, welches dem Werth von Kost und Wohnung etwa gleichkommt. Geldbeträge, auf deren Bezug der Lehrling keinen Anspruch hat, welche vielmehr den Charakter von Geschenken tragen, können als Lohn rnchl gelten, auch wenn sie in geivtssen Zeiträumen wiederkehrend gegeben werben. Die PariaS der Laudstraste, die von dem dummen, zah- lungsfäh gen Spießbürger mit Vorliebe als„arbeitsscheue Strolche" bezeichnet werden, haben während dieses Winters ganz besonders viel ausstehen müssen. Dem„Nordd. Volksblalt" ging eine Zu- schrift zu, in der einem ihrer Leser aus der Diakonissenanjtalt Bethlehem in Mecklenburg folgende erschütternde Mittheilung ge- macht wird:„... Jetzt ist doch das Weller etwas besser. Es waren in diesem Winter sehr viel Typhuskranke. Bei der großen Kälte war unsere Mäiinerstation überfüllt mit wandernden Ge- sellen. Die armen Menschen haben so sehr unter der Kälte zu leiden gehabt. Einem Schneider sind beide Hände und ein Fuß so erfroren, daß sie haben abgenommen werden müssen. Bei mehreren sind verschiedene Finger oder Zehen abgenommen; etncm mußte« beide Beine amputirt werden. In einer Nacht wurde ein Handwerlsbursche gebracht, der fast ganz erfroren war. Er ist wieder aufgelebt, aber so jämmerlich, daß es Zweifel- baft ist, ob er Slrine un.d Beine behalten kann. Sogar Nase und Ohren hat er verlieren müssen.. Ueber die Beschäftigung vo» Arbeiterinne« vnd jugendlichen Arbeitern in Zeigclrieu ist. wie schon mitgetheilt lvurde, dem Bundesrats ein Entwurf von Bestimmungen zugegangen. Nach der.Vossischen Zeitung" sollen diese Arbeiter nicht mehr zur Gewinnung und zum Transport von Roh- Materialien, sowie zu Arbeiten in den Oefen und zum Befeuern der Oefen. Arbeiterinnen auch nicht mehr zur Handformerei der Ziegelsteine mit Ausnahme der Dachsteine(Dachpfannen) und Bimssandsteine(Schwemmsteine) verwendet werden dürfen. Die tägliche Beschäftigung darf Z2 Stunden, die wöchentliaie K6 Stunden nicht überschreiten; die Arbeitsstunden dürfen nicht vor iVa Uhr morgens beginnen und nicht über 9 Uhr abends hinaus dauern. Es müssen zwei Arbeitspausen gegen Mittag und nachmittags gewährt werden, die nach je längstens vier Stunden Arbeit erntreten, die Dauer der Mittagspause muß viindestens eine Stunde, die der übrigen Pausen mindestens je eine halbe Stunde betragen. Im Uedrigen ist den Ziegelei- besitzern die Verpflichtung auferlegt, an der Arbeitsstätte Tabellen über die Beschäftigungsstunden der jungen Leute und Arbeiterinnen anzubringen. Tie Art der Tabellenführung ist genau vorgezeichnel. Die Bestimmungen treten zum Theil mit den, I. Mai d. F., zum Theil mit dem Tage der Verkündigung in Kraft. Sämmtliche Bestimmungen haben fünfjährige GÜtig» keit. Die Bestimmungen der Gewerbe-Ordnung über die Be- schäftignng von Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern in Fabriken pnd aus solche Ziegeleien, welche nicht blos vorüber- gehend oder in geringem Umfange betrieben werden, ausgedehnt worden. Es sind darüber Erhebungen angestellt worden, die durch zahlreiche Eingaben aus Interessentenkreisen, sowie durch mündliche Verhandlungen mit Gewerbe-Ausflchtsbeamten und An- gehörigen des Ziegeleigewerbes ihre Ergänzung gefunden haben. Unter Berücksichtigung der gewonnenen Unterlagen ist der Ent- wurs entstanden.— Einigermaßen Schutz vor der bisherigen grauenvollen Ueber- bürdung wird dadurch den Arbeilerinnenn und jugend- lichen Arbeitern wohl gewährt. Wie nöthig aber ein solcher Schutz auch den erwachsenen männlichen Arbeitern wäre, dafür ist die Arbeitsordnung des Ziegeleibesitzers Trebert in Quedlinburg ein Beweis, die dem Ardeiter das Familienleben vollständig illusorisch macht.§ 1 dieser.Ordnung" lautet: Die tägliche Arbeiiszeit beginnt vom l. April bis 80. September Morgens 4 Uhr und dauert mit Unterbrechung von 7'/, bis 8 Vormittags, 12 bis 1 Uhr Mittags und 4 bis 4 Uhr 25 Min. Nachmittags bis 8 Uhr Abends. Im Oktober, Februar und März Morgens 3 Uhr und dauert mit Unterbrechung von 8 Uhr bis 3»/. Uhr Vormittags, 12 bis 1 Uhr Mittags und 4 bis 4l/a Nachmittags bis 7 Uhr Abends. Im November, Dezember und Januar Morgens 7 Uhr und dauert mit Unter- brechung von 8V, bis 9 Uhr Vormittags, 12 bis 1 Uhr Mittags bis 5 Uhr Abends. Aenderungen in der Arbeitszeit und den Arbeitspausen werden zwer Wochen vorher durch Anschlag be- kannl gegeben. BuS Lübeck wird uns geschrieben: Die Arbeitslosigkeit hat hier einen Umfang angenommen, wie er noch nicht dagewesen ist. ES fanden mehrfache Ansammlungen auf dem Marktplätze statt; eines Tages begab man sich schon vor das Haus des Polizeisenators. Besonnene Elemente riethen den Arbeitslosen. sich mit den Vertrauenspersonen der sozialdemokratischen Partei ins Einvernehmen zu setzen, um eine Arbeitsloscnversammlung am Freitag-Morgen, den 3. März, abzuhalien. Ohne jegliche weitere öffentliche Bekanntmachung hatten sich nach genauer Zahlung 78« Arbeitslose eingesunden. Im ganzen mögen mindestens lSOO Personen ohne Beschäftigung sein. Der Reichstagsadgeordnete Ty. Schwartz rejerirle. Man beschloß, eine Deputation an den Bürgermeister und an den Wortführer der Bürgerschaft zu senden, und an diesen Stellen um Jnangriff- nahm« der längst bewilligten Slaatsarbeiten zu ersuchen. Die Deputation begab sich an demselben Tage zum Bürgermeister Dr. Kuhlenkamp. Der Herr enipsiiig die Deputalion sehr freund- lich und versprach, die Angelegenheit schon am folgenden Tage dem Senat zu unterbreiten und die Antwort au demselben Tage zu ertheilen. Die Antwort ist denn auch erfolgt und liegt in, Wortlaut schriftlich vor uns. Das ziemlich lange Schriftstück führt aus.»daß ein Arbeitsmangel. durch den weitere Kreise der Bevölkerung in Mitleidenschaft gezogen wären, bei uns zum Glück weder in diesem Winter geherrscht habe, noch jetzt herrsche." Ein Nothstand existirt also für unseren hohen Senat nicht. Gerade so, wie anderswo. Die Mitglieder des hohen Senates bekamen freilich erst kürzlich jeder 3000 M. Gehaltzulage. Der Wortführer der Bürgerschaft, Herr Dr. Fehling, gab keine bessere Antwort. Bin«. März be- richtet« die Deputalion in einer Versammlung der Arbeitslosen über das Ergebniß ihrer Bemühungen. Der Wortlaut der Senalsantwori wurde verlesen und erregte begreisticherweise großes Ersiannen. Nach einer langen, erregten Debatte beschloß man, von weiteren Schritten Abstand zu nehmen, da von Senat und Burgerschast doch keine Hilfe zu erwarten sei. Eine Resolution fand Annahme, die die Antwort des Senats als „inhuman" bezeichnete. Beide Versammlungen verliefen ruhig, polizeilich» Ueberwachung war nicht vorhanden� Zur besonderen Illustration der ÄInlwort des Senates diene die in der zweiten Versammlung vorgenommene Aufnahme. Diese Aufnahme ist keineswegs eine erschöpfende, sie konnte sich nur auf 430 Leute, die ISIS Personen zu ernähren hatten, erstrecken. Diese 430 halten zusammen 5590 Wochen gefeiert, durchschnittlich jeder 18 Wochen. Nicht weniger als«5 von ihnen hallen 20 Wochen und darüber keine Arbeit. Ein 73jähriger Arbeiter ist 2 Jahre ohne Beschäftigung, er bezieht kein« Rente und kein« Unterstützung. Ein anderer, der eine gelähmte Frau hat, feiert 19 Wochen. Hervorzuheben ist noch, daß unter den 430 329 gewöhnliche Ardeiter sind. Gerade unter diesen ist ein großer Arbeits- mangel vorhanden. Einer derselben, dessen Familie 8 Köpfe zählt, hat in 20 Wochen nichts verdient.-- Die Redaktion der „Eisenbahn-Zeilung" hatte die Absicht, bei wohlhabenden„Mit- bürgern" Geld für die Nothleideiiden locker zu machen; sie hat aber nur die Erfahrung gemacht, daß diese den Beutel nicht auf- thun wollen. Der Senat hat ja erklärt, es sei Arbeit genug vorhanden, warum denn noch Geld zur Unlerstützung hergeben? Es muß schon die Cholera vor der Thür stehen, ehe sich der satte Bürger des hungernden Proletariers annimmt. De» Genrral-Anwaltschaftörath ländliche» Genossen- schatten für Dentschland(Verbandsausschuß der Rais seifen- scheu Darlehnskassen- Vereine) hat m seiner Sitzung zu Frank- surt a. M. an stelle des kürzlich auS dem Amte des General- Anwalts genannter Organisation ausgeschiedenen Herrn R. Raiff- eisen-Weißen lh urm, des Sohne« des verstorbenen F. W. Raifs- eisen, den langjährigen Mitarbeiter des letzleren, Herrn Th. Cremer. Direktor der Landw. Zentral-DarichnSkasse für Deutschland zu Neuwied und bisheriger kommissarischer General-Anwall. ein- stimmig gewählt. Herr Cremer leitete schon nach dem Tode RaifseisenS»ine Zeit lang die Geschäjte der Zentralstelle. Vetfammlunaetti Ja einer öffentlichen Versammln«« de» Töpfer, die am 0. d. M. tagte, sprach RrichstagS-Abgeordneter Genosse Molkenbuhr zunächst über die wirthschaftlichen Krisen. Dann wurde über die Verlängerung der Arbeitszeit bei der Firma Burg(Hennigsdors-Berlin) verhandelt. Wie Kollege T h i e m e mittheitte, habe der Vertreter dieser Firma, Herr S t a v f i e I, seinen hier in Berlin beschäftigten Ofensetzern ein Schriftstück zur Unterschrift vorgelegt, wonach sich jeder ver- pflichten soll, unter Preisgabe der 1889 mir so schweren Opfern errungenen achtstündtgen Arbeitszeit, von nun an von'/'-8 bis « Uhr zu arbeilen. Herr S t a p f i e l sei von den Bauherren dazu gedrängt worden, da das Verlassen des Baues seitens der Töpfer um 5 Uhr die übrigen Bauarbeiter sehr leicht reizen könne, ebenfalls Verkürzung der Arbeitszeit zu verlangen. Wer nicht unterschreibe, könne gehen. Die Töpfer hätten sich nun an den Chef und Direktor gewendet, welche jedoch erklärten, Herr Stapfiel habe selbständig darüber zu befinden. Nochmalige Vermittelung lehnte dieser jedoch ab mit dem Bemerken, es bleibe bei seiner Bestimmung. Nun müsse also die Gesammtheit der Töpfer dem Herrn zeigen, daß sie nicht willens sei, sich seinem Spruch unterzuordnen, sowie, daß sie ihre Errungenschaften bis zum Aeußersten hoch halten werde. Nach lebhafter Debatte gab Paar m a n n namens der bei der Firma beschäftigten Kollegen die Erklärung ab, sich dem Beschluß der Versammlung zu fügen. Hieraus gelangte nachstehende Resolution gegen 2 Stimmen zur Annahme:„Die Versammlung erklärt sich mit dem Referenten vollständig einverstauden und ist der Ansicht, daß die wirth- schaftlichen Krisen nur nach der Beseitigung der kapitalistischen Produktionsweise und Herbeiführung der sozialistischen weg bleiben werden. In Angelegenheit der Firma Burg fordert die Versammlung die dort"beschäftigten Kollegen auf. nach Fertig- stellung der angefangenen Arbeiten nur unter der errungenen Arbeits- zeit von>/a3— 5 Uhr weiter bei genannter Firma zu ar- betten und erklären sich die Anwesenden mit ihnen solidarisch."— Hierauf ersolgt die Abrechnung deS Vertrauensmanns, Kollegen T h i e m e, der im Anschluß hieran sein Amt wegen Kränkungen, die ihm widerfuhren, niederlegte Mit dem Bestand vom 10. Januar im Betrage von 20«, 09 M. betrugen seine Ein- nahmen 464,11 M., die Ausgaben 171,30 M., so daß 272,81 M. bei der Revision am 27. Februar sich noch in seinen Händen befanden. Kollege D a u d e r t als Revisor bestätigt diese An- gaben und erfolgte aus seinen Antrag einstimmige Entlastung des Kollegen Thieme. An seine Stelle wurde Kollege Gustav Melzer und als zweiter Revisor an Stelle des Kollegen P a t o s ch Kollege Z e w s k y gewählt. Nach längerer Diskussion gelangte eine weitere Resolution gegen 5 Stimmen zur Annahme: Die öffentliche Versammlung der Töpfer Berlins und Umgegend vom 9. d Mts. erklärt sich mit dem„Verein zur Regelung der gewerblichen Verhältnisse der Töpfer Berlins und Umgegend" solidarisch, sie spricht ihr größtes Mißfallen gegen den Kollegen B a b i e l aus. da derselbe sich nicht bemüßigt gefühlt habe, die von ihm gegen den Verein erhobenen Beschuldigungen zu beweisen, trotzdem er wiederholt dazu aufgefordert wurde. Die Versammlung ersteht daraus, daß diese Beschuldigungen grundlos sind. Des weiteren muß die Versammlung auf grund der von dem genannten Verein gegen B a b i e I erhobenen und be- wiesenen Beschuldigungen demselben das Recht absprechen, in der Arbeiterbewegung irgend welchen Posten bekleiden zu können. Tie Versammlung erwartet von den Vertrauenspersonen des 6. Berliner Reichstags-Wahlkreises, baß dieselben die unsere Be- wegung aufs Aeußerste schädigenden Beschuldigungen, welche sie gegen einzelne in unserem Gewerbe mit Verlrauensklellungen versehene Kollegen erhoben haben, in kürzester Zeit beweisen werden. Sollten sie dazu nicht im stände sein, so würde das Urtheil der Versammlung gegen Babiel auch auf sie Anwendung finden müssen. David und Hagen."— Die Debatte über die „F e n st erfrage" führte(da die Maler und Stuckateure die Töpfer darin im Stiche ließen) zu dem Resultat, jedem Kollegen freie Hand darüber zu lassen, was er mit seinem Arbeitgeber vereinbare. Nachdem noch die Arbeitsverhältnisse der Firma Richtern. Söhn« kritistrt waren, ersolgt» Schluß der Ver- sammlung. Eine öffentliche Bersammknng aller versscherten«»veiter der JnvolidilätS- und Alters-Bersicherungsanstalt Berlin berieth am 13. März über den bei dem Ausschüsse der Anstalt ein- gegangenen Antrag betreffend Bewilligung von 300 000 M. an die Berliner Baugenossenschast für Abzahlungshäuser. Herr Sparfeld reserirle. Nachdem er kurz die hier in Betracht kommenden Bestimmungei, des Gesetzes angeführt halte, erörterte er die Frage, ob die Berliner Baugenosseuschaft, welcher der Vorstand der hiesigen Alters- und Juvaliditätsversicherung jetzt «in Kapital von 300 000 M. leihen will, eine gemeinnützige im Sinne des Gesetzes ist. Er verneinte diese Frage und machte zum Beweise aus die Staruten der Genossenschast aufmerksam. Wer ein Haus bei dieser Genossenschaft erwerben will, der muß einen Geschäftsanlheil von 200 M haben. Bor Uebernahme eines Hauses muß er nachweisen, daß er im stand« ist, die Zinsen für das Kapital, das er schuldig bleibt, zu bezahlen, und serner das Haus in gutem baultchen Zustande erhalten kann. Die zweite Wohnung in vem Hause darf er nur an einen ver- heiratheten Mann vermierheiv Schließlich muß er noch eine Anzahlung leisten. Hiernach ist es kaum möglich, daß ein Arbeiter dnrch diese Baugenossenschaft ein Haus erwirbt. Vom Standpunkte der gegen Aller und Jnvaliditäl Versicherten kann demnach die Berliner Baugenosfenschaft als eine gemerumitzige nicht anerkannt werden. Redner empfiehlt schließlich, den im Ausschüsse sitzenden Arbeilern, welche diese Versammlung veranlaßt haben, die Weisung zu geben, wenn der Berliner Baugenossenschaft das Kapital bewilligt wird, solle auch in Zukunft anderen Bau- genossenschaften das Geld nicht versagt werden. In der Dis- kussiou sprachen die Anwesenden, welche das Wort nahmen, sich gegen die Bewilligung aus. Es wurde hervorgehoben, daß die Arbeiter, welche die Häuser dieser Genossenschast herstellen, äußerst schlecht bezahlt werden, daß ferner die Häuser so gebaut werden, daß im Winter das Wohnen darin gefahrlich ist. Wie anderer- feils der Vorstand der Versicherungsanstalt wirthschastet. ergebe sich daraus, daß der Vorstand in der Klosterftraße ein Haus ge- kauft habe für einen Preis, der 1000 M. pro Quadratrulhe höher sei, als für ein Haus in der Poststraße und für ein anderes in der Nachbarschaft gelegencZ zu zahlen gewesen wäre. Ein Ersatzmann des Ausschusses führte aus der ihm zugestellten Drucksache an. daß vorgeschlagen wird, die Häuser der Baugenossenschaft bis zu zwei Dritteln des BuchweriheS zu beleiben. Da aber, so heißt es in der Drucksache, eine so hohe Beleihung nicht den Anforderungen bezüglich der sogenannten Mündelsicherheit entspricht, so bedarf es nach ß 129 Abs. 2 des Jnvaliditärs- und Allersversicheruiigs- Gesetzes eines Antrages an den hiesigen Kommunalverband auf Gestallung der Beleihung in der vorgeschlagenen Form. Danach ist die Beleihung also nicht einmal ohne weiteres gesetzlich zulässig. Es wurde hieraus solgende, zu Beginn der Diskussion eingebrachte Resolution an- genommen:.In Erwägung, daß die Berliner Baugenossenschaft nicht im stände ist, den Arbeitern einen auskömmlichen Lohn zu sichern, in fernerer Erwägung, daß die Vortheile der Genoffen- schaft wesentlich nnr Kleinbürgern, nicht Arbeitern zu gute kommen, beauftragt die Versammlung die Arbeimvertreter Im Ausschüsse, das Geld für die Baugenossenschast nicht zu de- willigen." Unter Verschiedenem forderte Herr Sparfeld die Ar- beitervertreter im Ausschüsse noch auf, die wichligereu Druck- fachen, welche ihnen zugehen, nicht zu Hause zu verschließen, sondern dem hiesigen Arbeiterblattr zur Verjügung zu stellen. Die Schneider und Schneiderinnen hatten zum Montag vier öffentliche Versammlungen einberufen, in welchen die folgende Tagesordnung zur Diskusston stand:„Die Zustände in der Schneiderei und die Berechtigung der auigestellten Forderungen." Der große Saal bei Merten in der Friedrichstraße war überfüllt. bei Feuerstein in der alten Jakodstraße war selbst die Gallerte bis aus den letzten Platz besetzt, bei Müller in der Johannis- straße mußten die Tisch« entfernt und die Nebenränme zugänglich gemacht werden, ähnlich war der Besuch der Versammlung in der Frankfurterstraße bei Habrecht. Die Referenten, T ä t e r o w. Pfeiffer, Timm und Rogge legten unter wiederholten Beisallsbezeugungen noch einmal die Zustände klar, welche die Schneider gezwungen haben, folgende Forderungen an das Unternehmerthum zu stellen: I. Einen allgemeinen Lohn- aufschlag von 25 Prozent. 2. Aushängung von Lohntarisvn'; 3. Nur zwei Klassen werden für Maaßdestellung als zulässig an- erkannt. 4. Bezahlung der Tagschueider nach Wochenlohn. Der Minimalsatz ist bei zehnstündiger Arbeitszeit 27 M. Sount.igs» arbeit ist unzulässig. 5. Beseitigung des Platzgcldes aus den Werkstellen.«. Anstellung eines Maschinisten in Wertstellen über zehn Mann, welcher vom Geschäft bezahlt wird. Die Masch-inen und Maschinen-Zuthaten sind gleichfalls vom Geschäft zu lie'sern. Der Mmimallohnsatz und die Arbeitszeit ist gleich den Tag- schneidern. 7. Bis 6 Uhr Abends müssen alle Proben, die den nächsten Tag bis 8 Uhr geliefert werden sollen, den Arbeitern ins Haus geschickt sein. 8. Bezahlung der Nacht- und Kuwipan- schasts- Arbeit mit 5 M. Ausschlag. Bezahlung der Extra- arbeiten. Ausführlich wurden diese Forderungen von dem Refe- reuten begründet. Die einmütbige Stimmung, die durch sämmt- liche Kollegen, welche in der Disktissio» sprachen, zum Ausdruck kam, ging dabin, daß, wenn die Unternehmer dies« den Drange der Verhältnisse entsprungene Forderungen nicht bewilligen, die- selben durch das letzte Mittel, durch den Streik, zu erlänwfen seien. Mit enthusiaitischer Zustimmung wurde in allen Ver- sammlungen folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die heutige öffentliche Versammlung erklärt in der Er- kenntniß, daß einer weiteren Degeneration der Schneider und Schneiderinnen mit allen Mitteln entgegengearbeitet werden muß, ihr Einverständuiß mit den in dieser Frage von der Berliner Kollegenschaft gefaßten Beschlüssen. Me Bersammlung verspricht, fest zusammenzustehen, um den aufgestellten Forderungen zum Siege zu verhelfen." Mit dreifachem Hoch aus die Echneiderbewegung schloffen die imposanten Versauimlungen. Die öffentliche Kistenmacher-Bersammsnng, welche am 13. dS. Mts. tagte, verhandelte zunächst über den Streik in der Kistenfabrik von Werner. Wie mitgerheitt wurde, ist die Arbeits- einstellung ersolgt, weil Herr Werner einem Arbeiter, ivelcher seiner Meinung nach ihm mehr verdiente, als die übrigen Ar- beiter, auf Kosten dieser eine Lohnzulage gewährte. Da die wöchentlichen Verdienste(bei einer Arbeitszeit von 7— 7 Uhr) 10—12 M. betrugen, von denen nun noch Abzüge stattfinden sollten in Form von Zuweisung wenigerer Arbeit, so war es dim dortigen Arbeitern nicht möglich, zu eristiren und legten(sie dem- zusolge die ZIrbeit nieder. Wie sich Herr Werner der Kom.mission gegenüber ausgesprochen hat. ist er durchaus nicht abgene'.gt, den Lohutaris zu unterschreiben bezw. zu zahlen, doch verian�l er in diesem Falle entsprechende Arbeitskräfte und weigert sich, die streikenden Arbeiter wieder einzustellen. Bezüglich der Unter- stützungsjrage wurde in Betracht gezogen, daß die Weener'] che Werkstätte schon seit langem gesperrt ist. Die Versammlung erklärte sich nach eingehender Dedatte mit den Sireltenden solidarisch und deaustragie den Verlrauensinann, Sammellisten für die streitenden Arbeitet der Kistensabrik von Werner und Jacody, Michaelskirch-Brücke 1, zu verausgaben. Des wetteren war die Versammlung berufen, Elellung zu nehmen zu dem am 4. April in Kassel stattfindenden Holzarbeiler-Kongreß, welcher die Organisntiousfrage behandeln wird. Die Versammlung be- schloß, den Kongreß zu deschicken und wählte als Delegiiten den Kollegen Merten. Die Berathung der KongreßvorlaKen soll in einer am 19. d. M. sialtsindenden öffenllichen Versa»ninlung vorgenommen werde». Der Vorschlag des Sliagistrats-Assesjors Dr. Freund, betr. die Zenlraliiirung der Arveilsnachweise, bildete einen wetteren Gegenstand der Verhandlungen. Die Versamm- lung nahm dem gegenüber eine durchaus ablehnende Stellung ein. Eine entsprechende Resolution, in welcher die Forderung der Errichtung einer Arbeitsbörse analog derjenigen der Stadt Paris aus Kosten der Stadt gestellt wird, fand Annahme. In de» Branchenversammlung der Schloffer«nd Maschinenbauer vom Verband aller in der Melallinduslrie be- schäfttgten Arbeiter hielt Genosse Roland einen Vortrag über die Frage: Wird das Elend siegen? In der Diskussion brachte ein Anarchist seine Anschauungen aufs Tapet. Dieselben wurden jedoch sowohl vom Referenten, als auch von verschiedenen an- deren Rednern nach Gebühr widerlegt. Alsdann wählte die Versammlung zwei Kollegen in die Fachkommission. Koiialdemokratikchir Aottati»n»»»r»tn für di» Kritst MMenbers. Ach>t>,lnitz. Cargau und Ki-t>«»w-ri>a. Äersammwaa hcul« Abend SX Uhr bei Lehmann, Neue SalnsU. Ii. Borlrag: Der IS. Mär,. gel«- und Z>>»Ui:NrUI»b„Zentrum". Wi.Uwoch, den 1». Mir», Abends» Uhr, bei Sommer, Srunstr. ai, pari,«orlrag des«eitoffen 8. Wölbt. gandim-nnkchnft ver Schieemig-Loisteiner I« Kerlin. 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Ernst, München, hat anläßlich des zehnjährigen Todestages von Karl Marx seine Nummer 6 dem Andenken dieses großen Todlen gewidmet. In Form eines großen Doppelbildes„Das Erwachen einer Welt" giebt er allegorisch die weltgeschichtliche Mission von Karl Marx. Ferner enthüll diese Nummer noch eine Darstellung der Kraft des Proletariats, das Portrait von Marx, sowie eine Szene auS dem Pariser Barrikadenkampf zu Ehren deS lS. März. Literarisch ragen hervor die Gedichte„Karl Marx" von sd.,„das Erwachen einer Welt"(Text zu gleichnamiger Allegorie) von Eduard Fuchs und„Dem Andenken der Kummune" von Ernst Klaar, sowie eine Anzahl bedeulender Aphorismen aus Marx' Werken, gesammelt von E. F. Diese Nummer verdient das Interesse des gesammken denkenden Proletariats und sie wird es finden. Bon der„Gleichheit", Zeitschrift für die Interessen der Ar- beiterinnen(Stuttgart. I. H. W. Diey' Verlag) ist uns so- eben die Nr. 5 des 3. Jahrganges zugegangen. Äns de», Inhalt dieser Nummer Heden wir hervor: Zuknuftsstaatliches.— Die Bewegung unter den Handlungsgehilfiiinen. Von Berthold Heymann.— Wer zerstört die Familie? Von Carl Spöhnmann. — Feuilleton: Am Nordpol. Nach dem Englischen von P. Olliverio. (Fortsetzung.)— Arbeiterinnen-Beweguna.— Kleine Notizen. Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pf., durch die Post bezogen(eingetragen in der ReichSpost-ZeitungSliste für 1893 unter Nr. 2609) b-lrägt der AbonnementSpreis vterteljährlich ohne Bestellgeld öS Pf.; unter ffvfujbanb 85 Pf. JnstrateupreiZ die jweigespaltene Petitzeile ~0 Pf. Bo« der„Neuen Zeit"(Stuttgart. I. H. W. Dietz' Verlag) ist soeben das 24. Heft des 11. Jahrgangs erschienen. 9lu§ dem Inhalt heben wir hervor: Vom rocder de bronze.— Erinnerungen eines Arbeiters an Karl Marx. Zu dessen zehn- jährigem Todestage, 14. März 1893. Von Friedrich Leßner.— Ein Dichternachlaß. Von Karl Henckell.— Zwei Jahreszahlen. Eine Kontroverse über die industrielle Reserve- Armee, a) Eine Zuschrift von Professor Jul. Wolf, b) Erwiderung von Eduard Bernstein.— Gerhart Hauptmanns„Weber". Von Fr. Mehring.— Feuilleton: Aus einem deutschen Hause. Ein Familienbild aus dem neunzehnten Jahrhundet von Ludwig Schiert. Der volköthümliche Kunstverlag von Heinrich Scheu in London, aus dem schon eine Anzahl wohl gelungener Bilder hervorgegangen, beginnt mit den soeben erschienenen"von Saint Simon und Robert Owen die Ausgabe einer neuen Reihe von Porträts. in der nach und nach alle bedeutenden Männer der sozialistischen Bewegung, sowie die Vertreter bahnbrechender Ideen der Gegenwart erscheinen sollen. Eine geschichtliche Reihen- folge ist dabei nicht beabsichtigt. Vorhandene Lücken sollen, so- weit sich ein Bedürfniß dafür geltend macht, später ausgefüllt werden. Die Bilder sind mit kurzen biographischen Erklärungen versehen, haben eine Plattengröße von 24+ 20 Zentimeter, Papiergröße von 42-+- 31 Zentimeter und kosten ze 30 Pf., Porto nicht inbegriffen. Die vortrefflich ausgeführten Bilder sind durch den Verlag de?.Vorwärts" zu beziehen. Eine Vernrtsrszkes. aufgeklärte Stadtverwaltung. In einer Sitzung der Stadtverordneten F r a n k f u r t s a. M. soll sich, wie das ,.Off«mbacher Abendblatt" meldet, kürzlich folgendes Stücklein ab- gespielt haben: Herr Dr. Kirchhcim hat bemerkt, daß in manchen Straften, so in der Hoch-, Jahn- und Westendstraße die Haus- nummer 13 fehle. Er fragt deshalb an, ob das allgemein so gehalten werde, da doch der Magistrat von Aberglauben in dieser Hinsicht gewiß frei sei. Herr Stadtrath Schräder erwiderte: Das sei geschehen in Rücksichtnahme auf Anträge von Haus- eigenthümern, welche wieder auf die Miether Rücksicht nehmen müßten. Der Magistrat habe geglaubt, entgegenkommen zu sollen. Herr May findet es schmählich, daß der Magistrat solchem Aber- glauben nachgebe. Er bedauert, daß unsere Schulen noch nicht im stände waren, diesen mittelalterlichen Aberglauben auszurotten. Herr Leuchs-Mack dagegen meinte: Aberglauben finde man auch in anderen Städten. Tie Sache habe auch etwas für sich. Aus Pommern, einem Paradiese der Krautjunker, wird der „Vossischen Zeitung" geschrieben: Der Rittergutsbesitzer Eugen I. zu Vargow traf eine Arbeiterin beim Gänsehüten auf seinen Stoppelfeldern und züchtigte sie dafür mit der Peitsche. In An- betracht dessen, daß der Herr bereits einmal sich an einer wehr- losen Frauensperson vergriffen hatte, erhielt er 00 M. Geldstrafe oder 20 Tage Gefängniß.— Umgedreht würde die Strafe wahrscheinlich zweckmäßiger gewesen sein. Pfaffculug. In einem Orte Württembergs erklärte der Pfarrer in einer Versammlung:„Die Sozialdemokraten wollen den Bauern ihr Eigenthum nehinen und ihre Häuser anzünden." Eine Anzahl Bauern war wirklich noch so dumm, dieser schuftigen Verleumdung zu glauben. Sie nahmen gegen die anwesenden Sozialdemokraten eine so drohende Haltung an, daß diese das Lokal verließen, um nicht Gegenstand brutaler Mißhandlung zu werden. AnS Bayreuth wird dem„Berliner Tagsblatt" untenn 13. März gemeldet: Gestern, am Geburtstage des Prinzregenlen, kam es in dem benachbarten Pottaschhütte zu Streitigkeiten zwischen dem Militär und den Zivilisten; ein Soldat, Oekouomiehandwerker, erhielt solch schwere Verletzungen, daß er nach kurzer Zeit starb.— In einer Wirthschaft in der Stadt geriethen Chevauxlegcrs mit Zivilisten an einander; letztere mußten flüchten. In Konstantinopel tödtete ein aus der Stadt Helvadji über- gefiedelter Grvßkaufmann Namens Hadji Uglu Hussein aus Eifersucht seine Gattin, seine Schwester, seine Schwägerin, einen Polizeibrigadier und den Beamten Mehemed Tschausch. Der Mörder hat sich später selbst entleibt. Wviok'kÄflen dcv Dedakkion. A. B. 21965. Wenden Sie sich zunächst an den Ber- traucnsmann des 4. Wahlkreises. A. B. Teltowerftraste. 1. Einem unehelichen Kinde muß von Amtswcgen ein Vormund bestellt werden. Ist das unter- lassen, so wenden Sie sich mit dem Antrage auf Bestellung eines Vormundes an das Vormundschaftsgericht. 2. ö Jahre. A. I. 30. Nach der Bestimmung des Lehrvertrage? ist der Lehrherr berechtigt, noch 4l/? Monat Lehrzeit zu beanspruchen, wenn der Lehrling so lange Zeit krank war. F. Gr. Gttr. 1. Eine Anfechtung würde erfolglos sein. 2. Der einschlägig« Paragraph ist folgender:§ 287, I, A. L.-R.: Niemand ist die unter seinem Grund und Boden fort- wuchernden Wurzeln oder die über seine Grenzen herüberhänzen- den Zweige eines fremden Baumes zu dulden verpflichtet. Der Bauer soll also eventuell klagen. Sp. 100. 1. Eine freiwillige Krankenkasse, die ohne Rück- ficht auf den Gesundheitszustand Mitglieder aufnimmt, ist uns nicht bekannt. 2. Mehreren Orts-Krankenkassen kann man nach Inhalt der meisten derartigen Aufnahmebedingungen nicht an- gehören; ein Hinderniß außerhalb der Statuten existirt nicht. T. 80. l. Wenn Sie rechtskräftig abgewiesen sind, so können Sie nicht mehr klagen. 2. Einen bestimmten Anwalt empfehlen wir in der Zettung nicht. Vvieskalken dev GxpedMom Für die Bergarbeiter gingen ferner ein: Tischlerei, Fruchtstr. 05, 4,—. Von der Matinee am 13. Februar in der Konkordia, veranstaltet von der Freien Vereinigung der Zivil- Berufsmusiker Berlins und Umgegend 250,—. Ueberschuß von einer Männer- und Frauenversammlung vom 12. d. Mts., Bad- straße 58, durch Gaßmann 27,35. Von sächsischen Bergarbeitern, II. Rate, dabei von einigen Buchdruckern Freibergs, durch Horn 100,—. Amerikanische Auktion bei Otto Klein am 12. März 9,40. Allgemeiner Arbeitcrinnen-Verein Berlins und Umgegend 10,—. Summa 400,75 M. Bereits quittirt 12 884,35 M., in Summa 13 285,10 M. HMLdiener, Facker and Berufsgenossen. Große öffentliche Versammlung am Donnerstag, den I«. März I8S3, Abends 9 Uhr, bei Boltz(oberer Saal), Alte JakobstraK« 75. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Uudolf Köster über: Die Pariser Komnrune von 1871. Diskussion. 2. Abrechnung und Neuwahl des Ver- traueni.mannes. 3. Abrechnung der Kongreßkommission. 4. Verschiedenes. Ilm zahlreichen Besuch bittet 1313b vis Agitationslcommlsslon der Hansdiener. Soeben erschien Heft 5 von Illidrirte 1 eitgesehiehte für das Volk mit besonderer Berücksichtiguvg der Knllnrentwickelnng. Bon J. G. Vogt(Verfasser von„Welt- und Lebensanschauung für das Volk"). Jvustrirte Prospekte franko und gratis. Bestellungen erbitte per Postkarte. Th. Nachf., Sozialdemokratische Buchhandlung, 1778b Berlin N-, Weinbergsweg ISb. Möbel, Spiegel und Polster-Waaren. Ausstattungen in Mahagoni u. Zlnstbaum; Küchen- möbel empfiehlt; HreisUsten auf Wunsch franco.* Franz Tntzaner,»sfÄ&ss. Klechanische Weberei Telephon 108. Telephon 108. 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Offerten nebst Bedingungen sind unter k. 100 an die Expedition des„Vor- wärts" einzusende». 33412* Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schröder in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin SW., Beuthstraße 2.