9». 285* RMmKmentt'Bedifttfnsn: ■ionnftnntl»• �rrti K&numrtonb* t »erlerjäfttl 8,30 M!. monott. 1.10 KL, WSchenlIich 28 Pfg, frei in« Hau«. «injeine Rummer 6 Pfg EonmagS- Nummer Mil MuOrierler SowUnqS- B erläge.Die Reu? Well' 10 Ptg, Soft. «bonnemenl! 1,10 Marl vr» Monat, «ingenagen m die Post. geituna«. Preisliste. Unter«reuzband iSr Deuifchland und Oefierreich. Ungarn 2 Marl, fit, da« ilbrige kuslan» S Marl vro Monat Poslabonnemem« nehmen IN: Belgien. DänemarL Holland, Italien. Luxemburg. Bonugai, Rumänien. Schweden und die Schweig» CMrta, OtM iiltt 25* Jak�s* Verllnev Volksblelkk. M Tnlirtlins-GeMlBf lehSgl für die fechsgefhaltene llolonS» geile oder deren Raum 00 Pfg.. für holittlche und gewerlichaflliche Vereins- und BerfammlungS-Anzeigen SO Vfg, „Rlelne Snreigen", da« erste(fett- gedrucklei Wort 20 Bfg„ jedes weiiere Wort 10 Vfg. Siellengefuche und Schlaf« ftellen-Änzsigen das etile Wort 10 Big,, jede« weiiere Wort ö Pfg, Worte über lk Buchstaben zählen für zwei Sorte. Inleraie für die nächste Nuiiiincr müif eir bis S Uhrnachmiitags In der Sibedittoir »bgcgebcn werden. Die Sxveduiou ijt bi« 7 Uhr abend? geöffnet. Delegramm-Adrefle: »SogigllltMdKlgt Kill!»". �entralorgan cler soziaiäemokratifcken Parte» Deutfcblands. Rcdahtloni KW. 68, Undcnetraase 69. Ketnfvreeber! Zimt IV Str.»BitZ. � Souuabend, den 5. Dezember 1908* j Expedition t 8W. 68, Lindcnatraesc 69. Sernfprecher: Amt IV. Nr. U» 0er llrill. Während Wilhelm II. in Donaueschingen war, wurde der folgende Erlaß an die Marine herausgegeben: «Seine Majestät der Kaiser haben befohlen, daß das Hurra- rufen innerhalb des einzelnen Schiffes absolut gleichmäßig unter Hochnehmen der Mützen zu erfolgen habe. Beim Para- dieren und Hurrarufen ist daher nach folgendem Befehl zu ver- fahren: Es sind Posten mit Wintslaggen auf beiden Brücken- nocken, auf der Hütte, am Bug, am Heck und an sonst geeigneten Stellen des Schiffes aufzustellen. Auf das Kommando:«Drei Hurras für.. werden die Flaggen hochgenonimen. Gleich- zeitig verläßt die rechte Hand der paradierenden Leute das Geländer und geht an den Mützenrand. Aus das erste Kommando„Hurra" gehen die Winkftaggen nieder, das Hurra wird wiederholt, während die Mützen durch Strecken des rechten A rmeS unter einem Winkel von etwa 4ö Grad kurz hochgenommen und. sobald daS Hurra ver« klungen ist, unter Krümmung des Armes kurz vor d i e M i t t e deS Oberkörpers genommen werden. Gleichzeitig gehen die Winkflaggen wieder hoch. Beim zweiten und dritten Hurra wird entsprechend verfahren; nur werden die Mützen nach dem dritten Hurra nicht wieder vor die Mitte des Oberkörpers ge» nommen, sondern kurz aufgesetzt, worauf die rechte Hand wieder auf ihren Platz am Geländer geht. Bei der bevorstehenden Anwesenheit Seiner Majestät des Kaisers gur Nckrutenvcreidigung ist bereits nach diesen Bestimmungen zu verfahren. I. V. v. Holtzendorff." Diese Order beweist, daß die aktive Dienstzeit in der Marine erheblich gekürzt werden könnte, ohne daß die kriegs- mäßige Ausbildung der Mannschaften im geringsten leiden würde. Wenn folche Nebensächlichkeiten wie das Hurrarufen zum Gegenstand des Drills gemacht und so umständlich geregelt werden, so muß wirklich sehr viel überflüssige Zeit vorhanden sein. Jeder Kenner der Feinheiten des deutschen Drills weiß, welch große Arbeit der kaiserliche Erlaß verursachen wird. Sehen wir uns ihn einmal mit den Augen eines richtigen Drillmcisters an. Werden die Wintslaggen hochgenommen, so hat die rechte Hand der Hurrarufer das Geländer zu verlassen und den Mützenrand zu ergreifen. Schon hier öffnen sich den Drillern herrliche Aussichten. Was können sie schimpfen, wettern und fluchen, wenn die Hand nicht an den Mützenrand„hinauf- pfeift" wie ein„geölter Blitz". Und bis alles schön klappt, bis es so aussieht, als ob alle Hurrarufer von rückwärts an einem einzigen Strick gezogen würden I Werden die Wink- flaggen gesenkt, so wird die Mütze„kurz"— also mit der Geschwindigkeit eines dreifach geölten Blitzes— in die Höhe gehoben und dabei einmal Hurra gerufen. Die Mützen haben dabei einen Winkel von etwa 45 Grad zu bilden. Mit wem sie das tun sollen, sagt der Erlaß nicht. Wahrscheinlich ist eine gedachte horizontale Ebene gemeint. Der Umstand, daß ein Winkel von etwa 45 Grad vorgeschrieben ist, wird„schacf- sinnigen" Vorgesetzten den Anlaß zu allerlei Tadel geben. Ist das Hurra verklungen, so sind die Mützen„kurz" vor die Mitte des Leibes zu nehmen. Dem Drillmeister von echtem Schrot und 5torn zeigen sich hier herrliche Perspektiven. Er wird verlangen, daß die Mützen sich in einer Linie be° finden, oder, uni militärisch zu reden,„ausgerichtet" sind. Nach dem letzten Hurra sind die Mützen„k u r z" aufzu- setzen und dann nimmt die rechte Hand ihren früheren Platz auf deni Geländer ein. Selbstverständlich muß auch diese Be- wcgung sehr rasch geschehen.... Uns ist natürlich nicht bekannt, in wie viele Tempos diese Hurraruferei zum Eindrillen zerlegt wird. Da wir aber für derlei Sachen auf Grund einer längeren Erfahrung ein fernes Gefühl haben, so sprechen wir die Vermutung aus. daß es wahrscheinlich sechs Tempos sein werden. Nun überlege man, wie viele Verlockungen zu Mißhand- lungen und Beschimpfungen jähzornigen Vorgesetzten dieses Hurrarufen allein bietet. Setzt z, B. ein Matrose seine Mütze nicht rasch genug auf, was ihm, ivenn er eine alte Matrosen- mütze, deren Bund nicht mehr steif ist, trägt, sehr leicht passieren kann, so erhält er nach Umständen Püffe, Rippenstöße oder 5iosenamen aus dem Tierreich. Der Erlaß stellt übrigens einen drastischm Beweis dafür bor, wie sehr die höchste Stelle im Reiche den Drill liebt. Der Drill gehört eben auch zu den Erscheinungen, die das Auge er- freuen und daher Menschen, die für Aeußerlichkciten empfang» lich sind, sehr gefallen. Dazu kommt in Preußen die Tradition. Man kann die„Kerls" Friedrich Wilhelms I. und Friedrichs II., die so schöne Parademärsche machten und auf das Klipp-Klapp beinahe wunderbar dressiert waren, nicht vergessen. Daß die Lineartaktik den Drill brauchte, während er jetzt, wo der Soldat zur Selbständigkeit erzogen werden muß, ein geistiges und moralisches Gift vorstellt, wird leider nicht eingesehen. Der Drill hat aber nicht nur die Eigenschaft, daß er die Mannschaften verdummt und ihr Selbstvertrauen herabsetzt, soirdern er kostet dem Volk auch enorme Summen, weil er die Durchführung der Maßregel, mit der allein große Summen am Militäretat erspart werden könnten, erschwert. Diese Maßregel besteht in der Herabsetzung der Präsenz stärke. Und damit die im'Kriegsfalle zur Ver- fiigung stehende Wehrkraft darunter nicht leidet, verkürze man zugleich die Präsenzzeit. Aber das erlaubt die Rücksicht auf den dreimal heiligen Dritt nicht! Wir wollen den Lesern des„Vorwärts" beweisen, daß das Reich an den Ausgaben für das Heer mindestens 300 Millionen im Jahre ersparen könnte, wenn dazu die „maßgebenden Kreise" und die bürgerlichen Parteien die Hand bieten würden. Da die Ersparnis auch unter der Bei- beHaltung des stehenden Heeres zu erzielen wäre, also die Einführung der Volkswehr, welche das adelige und nichtadclige Spießbürgertum für gleichbedeutend mit dem Untergang des Reiches hält, ni ch t in Betracht zu kommen brauchte, könnten die Hmschaften wohl zustimmen. Die Präsenzstärke des deutschen Heeres deträgt momentan 591 099 Mann. Die Offiziere. Aerzte, Beamten und Unter- offiziere sind dabei nicht mitgerechnet. Zählt man sie hinzu, so ergibt sich die summe von 619 996 Mann. Die Kosten des Heeres betragen pro 1998 854 Millionen. Würde die Präsenz- stärke auf 399 999 Mann herabgesetzt, so wäre eine Ersparnis von mindestens 399 Millionen zu erwarten. Und würde zu- gleich die PräsenzzSit für alle Waffengattungen auf e i n Jahr verringert, so hätte die deuische Wehrmacht zu Lande in 19 Jahren auch ohne Mobilisierung des Landsturmes gegen jetzt einen Zuwachs von 1 399 999 Mann zu verzeichnen. Diesen Satz werden wir hiermit beweisen. Ist die aktive Dienstzeit für alle Waffengattungen auf ein Jahr und die Präsenzstärke auf 399 999 Mann festgesetzt, so zählt ein Jahrgang 399 999 Mann. Die deutsche aktive Armee, die Reserve und die beiden Landwehren bestehen zu- samnien aus 19 Jahrgängen. Diese Kategorien würden, wenn unsere Vorschläge Gehör fänden, mobilisiert eine Armee von 5 799 999 Mann bilden. Die Abgänge durch Tod, Krankheit, Auswanderung und Desertion sind nicht mitgerechnet, weil sie für unsere Untersuchung belanglos sind. Nun zur ungefähren Kriegsstärke der j e tz i g e n deutschen Armee, abzüglich des Landsturmes. Da für die nichtberittenen Waffen die, zweijährige, für die berittenen die dreijährige Präsenzzeit vorgeschrieben ist, so zählt der Jahrgang jetzt etwa 235 999 Mann. Nun war aber die Präsenzstärke früher nicht so hoch wie in der Gegenwart und daher nehmen wir einen Jahrgang durchschnittlich mit 239 999 Mann an. In der Wirklichkeit dürfte diese Zahl nicht erreicht werden, aber wir wollen den Vorwurf, daß wir die jetzige Kriegsstärke der deutschen Armee absichtlich zu gering berechnen, vermeiden. Mobilisiert das Reich 19 Jahrgänge, so steht eine Kriegsmacht von 4 379 999 Mann bereit. Das sind um rund 1 399 999 Mann weniger, als sich mit der Einführung der einjährigen aktiven Dienstzeit und der Herabsetzung der Präsenzstärke auf 399999 Mann in 19 Jahren erreichen ließe. Wollte man mit dem jetzigen System in 19 Jahren durch die Mobili- sierung von 19 Jahrgängen ein Heer von 5 790 999 Streitern erzielen, so müßte die Präsenzstärke sofort derart erhöht werden, daß der nunmehr zirka 235 999 Mann zählende Jahrgang auf 399 999 Mann anschwellen würde. Es müßte also die Präscnzzahl sogleich um ungefähr 199 999 Maim vermehrt werden. Daß eine einjährige aktive Dienstzeit zur Ausbil- dung kricgstüchtiger Soldaten genügen würde, kann ange- sichts der Manöver nicht geleugnet werden. An ihnen be- teiligen die Mannschaften des e r st c n Jahrganges sich gerade so gut wie ihre älteren Kameraden. Die Kavalleristen des ersten Jahrganges reiten die verwegensten Attacken und ge- fährliche Patrouillengänge mit, womit bewiesen ist. daß ein Jahr auch zur Ausbildung kriegstüchtiger Kavalleristen voll- kommen hinreicht. Die Gegner der einjährigen Präsenzzeit nieinen ferner, die Schießausbildung der Infanterie würde durch eine„so kurze" Dienstzeit leiden. Man verschone die In- santerie mit den ewigen Drillereien und es wird sehr viel Zeit für die Schießausbildung übrig bleiben. Damit sind wir wieder bei unserem eigentlichen Thema, dem Drill, angelangt. Er ist daran schuld, daß eine ver- nünftige Verkürzung der Präsenzzeit und eine die� Steuerzahler um Hunderte von Millionen entlastende Verringerung der Präsenzstärke nicht eingeführt wird. Wie hoch er in Ehren steht, zeigt der eingangs zitierte Erlaß. Die von der Reichsleitung geplante Millioncnschröpfung des Volkes würde eine ausgezeichnete Gelegenheit für eine Agitation zugunsten der Herabsetzung der Präsenzstärke und der Präsenzzeit bieten. Der Verstand- und zeitmordende Drill könnte dabei ebenfalls aufs Korn genommen werden. Zerstörte Cegende. Uebet die Matzregelung des sozialdemokratischen Landtags- abgeordneten Hoffmann« Kaiserslautern durch die Regierung der Pfalz haben wir berichtet. Sonderbar ist die Haltung, die unsere bayerische Parteipresse dazu einnimmt. Sowohl die, München» Post' wie die„Fränlische Tagespost' zu Nürnberg fanden zu der Meldung nur die kühle Bemerkung, datz die StaatSregierung selbst sich in der Angelegenheit werde äutzern müssen. Von einem energischen Protest war keine Rede, obgleich die«Fränkische Tages- post" nicht umhin konnte zu erklären, es sei anzunehnten. datz die Matzregelung«mit der sozialdemokratischen Parteizugehörigkeit unseres Genossen begründet ist'. Die„Pfälzische Post' verwies gar die Behandlung der Angelegenheit auf«die gegebene Zeit'. Aus der«Münchener Post" vom Donnerstag ersahen wir, datz die Regierung der Pfalz„in ihrem Vüttclbriefe nicht einmal die Angabe von Gründe» für ihre brutale Matzregelung für nötig er- achtet hat". Daher ist die«Münchener Post" auf die Antwort des KulMsministerS gespannt. Diese Spannung der„Münchener Post" ist uns nicht versländ- lich. Denn unser Münchener Parteiblatt weitz doch, wie Herr v. Wehner über die Frage denkt, ob ein sozial- demokratischer Abgeordneter als Lehrer amtieren darf. Als vor der Wahl von Kaiserslautern die Amts- niederlegung des Genosten Hosfmann erfolgte, hat der „Vorwärts" festgestellt, datz diese„freiwillige" Amtsniederlegung die Folge einer Erklärung des bayerischen Ministerpräsidenten war, wonach ein sozialdeniokratischcr Abgeordneter als Lehrer nicht amtieren dürfe! Wenn Herr v. Wehncr, der bayerische Kultusminister, wirklich entgegen der Entscheidung der Pfälzer Regierung dem Genossen Hofftnann die Tätigkeit als Fort- bildungs schullehrer weiter gestatten würde, waS indes durchaus unwahrscheinlich ist, so würde dadurch nichts an der Tatsach« geändert, datz die bayerische Regierung der Sozialdemokratie die st aatöb ärgerliche Gleichberechtigung verweigerte, in- dem sie den Satz aufstellte, datz ein sozialdemokratischer Abgeord- neter nicht Volks schullehrer sein dürfe I Deswegen, weil Genosse Hoffmann in diesem Falle der drohenden Matzregelung durch „freiwillige" Amtsniederlegung auswich, wird doch die Verletzung der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung durch die Regierung Bayerns nicht aus der Welt geschafft! Der Wille zur Matzregelung Hoffinanns war vorhanden und wäre in die Tat umgesetzt worden, wenn Genosse Hofftnann der Drohung standgehalten hätte— und dieser Wille zur Tat ist in diesem Falle so gut wie die Tat, wie die Matzregelung selber! Tie Matzregelung deS FortbildungS schullehrerS Hoffmann ist demnach nur eine Beigabe zu der viel wichtigeren angedrohten Matzrcgeltmg des Volks schullehrers Hoffmann. Sie ist der KnS- flutz eines Systems, das im Geltungsbereich des bayerischen Kultus- miuisters, auf dem wichtigen Gebiete der Jugenderziehung die staatsbürgerliche Gleichberechtigung der Sozial- demokratie verneint! Man kann nicht gerade sagen, datz die bayerische Parteipreste sich ob der Matzregelung des FortbildungS schullehrerS Hoff- mann aufgeregt oder dem Fall auch nur grötzere Beachtung geschenkt hätte. Aber sie hat ihn doch rcgislricrt. Da hätte sie unseres Er- achtens den wichtigeren Fall Hofftnann, die dem Volks« schullehrer angedrohte Matzregelung zu erwähnen nicht ver» g e s s e n sollen I Wobei dann freilich die Legende von der vollen staatSbürger- lichen Gleichberechtigung der Sozialdemokratie in Bayern, die auf dem Nürnberger Parteitag als bedeutsamstes Argument für die Budgetbewilligung ausgemitzt wurde, in tausend Scherben geht!_ Sie Steuerreform der preußischen Gesetzgeber. Die Budgetkommission des Abgeordnetenhauses hat sich in ihrer Mehrheit auf den Standpunkt gestellt' daß zurzeit von einer organischen Regelung des Einkommen- und ErgänznngS- steucrgesctzes abzusehen und lediglich einige Reformen vorzunehmen seien, die an dem Wesen der Gesetze nichts ändern. Aus diesem Grunde, der in Wirklichkeit nur ein Vorwand ist, lclinte die Mehrheit der Kommission zunächst den sozialdemv- kratischen Antrag auf Ausdehnung der Steuerfreiheit auf Ein- kommen bis zu ILM M. ab; nur L Mitglieder, der Pole und der Sozialdemokrat, stimmten dafür! Zwar sprachen sich auch die Vertreter des Zentrums, der Freisinnigen und der National« liberalen in der Theorie für den Antrag ays, aber sie ließet« es bei diesen platonischen Liebeserklärungen bewenden, da es angeblich zurzeit nicht möglich ist, auf Steuern zu verzichten. Die Herren bedachten dabei nicht, daß ja daZ sozialdemokratische Mitglied der Kommission als Ersatz für den Ausfall eine Ver» doppelung der Vermögenssteuer vorgeschlagen hattet- Die von der Regierung geforderten Steuern wurden, obwohl sie an und für sich nicht besonders hoch sind, doch nur in be. schränktem Umfange bewilligt. Kein Wunder! Handelt eS sich doch um direkte Steuern, die die Wohlhabenden zahlen sollen! Zwar lehnte die Kommission gegen die freisinnigen und sozialdemokratischen Stimmen die Ouotisierung, d. h. die jährliche Feststellung des SieuerbedarfS ab, aber anderer» seits wurden die Zuschläge zu den StaatSstcuern nicht dauernd, sondern nur auf z w e i I a h r e, für die Jahre 1009 und 1910, bewilligt. Während nach der Regierungsvorlage erst auf Eiiikommen von mehr als 7009 M. ein Steuerzuschlag ge- legt werden sollte, werden nach dem Vcschlusi der Kommission bereits bei Einkommen von 3991 bis 9900 M. S Proz. Zuschlag erhoben, bei Einkommen von 9999 bis 14 909 M. 19 Proz., bei Einkommen von 14 599 M. bis 29 599 M. 15 Proz., bei Ein- kommen von 29 590 bis 49 099 M. 29 Proz. und darüber hinaus 25 Proz. In der vorausgegangenen Debatte kam es zu sehr interessanten staatsrechtlichen Auseinandersetzungen über die Frage, ob das Ab- geordnctcnhaus auf Grund der Verfassung überhaupt berechtigt sei. Steuern auf Zeit zu bewilligen, mit anderen Worten, ob es ein Einnahmcbewilligungsrecht nach Art des englischen Parlaments habe. Während die Vertreter der Regierung dem Hause dies Recht bestritten, stellten sich sogar die naiionalliberalen und freikonservativen Redner auf den entgegengesetzten Stand- Punkt. Tatsächlich hat die Kommission durch ihren Beschluß, die Steuern nur für Zwei Jahre zu bewilligen, in der Praxis ein Einnahmebewilligungsrech-t für sich in An- spruch genommen! Besentlich criveltert Kurde daS sogenannte Kinder- Privileg, d. h. die Ermäßigung in der Steuer in Fällen, wo Zensiten für zwei und mehr Kinder zu sorgen haben. Ter Re- «ierungsvcrtretcr erklärte, daß die Regierung diesem Prinzip wohlwallend gegenüberstehe, daß sie aber ihre Vorschläge nur unter der Voraussetzung gemacht habe, daß die Kommission die Steuer- gesetze definitiv neu regelt. Nachdem aber die Kommission die neuen Steuern nur für zwei Jahre bewilligt habe, liege vom Standpunkt der Regierung aus kein Anlaß vor, jetzt irgendeiner Aenderung des das Kinderprivileg behandelnden Z 19 des Gesetzes zuzustimmen. Von weittragender Bedeutung ist der auf Antrag des sozialdemokratischen Mitgliedes einstimmig von der Kam- Mission gefaßte Beschluß, daß bei Berechnung der Steuern zu Wahlzweckcn die Ermäßigung auf Grund des§ 19 außer Betracht bleibt. Ein Zensit, der entsprechend seinem Einkommen 9 M. Steuern zu zahlen hätte, aber weil er mehrere Kinder hat, auf 6 M. herabgesetzt wird, bekommt hiernach bei der Aufstellung der Wählerlisten 9 M. angerechnet. Einstweilen gilt der Beschluß nur für die Wahlen auf Grund des Dreiklassenwahlsystems sowohl zum Landtag als zu den Ge° meindevertreterwahlen; hoffentlich gelingt es in der zweiten Lesung, ihn auch auf die Z e n s u s Wahlen zu übertragen. Gegen die Stimmen des Zentrums, der Freisinnigen, des Sozialdemokraten und des Polen lehnte die Kommission den An- trag auf Streichung der gegen die Arbeiter gerichteten Bestim- mungen des z 23 des Einkommensteuergesetzes ab. Charakteristisch war hierbei das Verhalten des Zentrums; die Herren brachten wörtlich denselben Antrag ein, den das sozial- denwkratische Mitglied bereits vor fünf Tagen gestellt hatte. Und nicht nur das, sie stimmten gegen den sozialdemo- kratischen, aber für den Zentrumsantrag, obwohl beide identisch sind! Um einem Sozialdemokraten nicht den Ruhm zu lassen, im Interesse der Arbeiter Anträge zu stellen, setzt sich das Zentrum lieber der Lächerlichkeit aus; wir tzönnrn ihm dies kindische Vergnügen! politiscbe Gcbcrficbt. Berlin, den 4. Dezember 1908. Arbeiterinnenschntz. Beendigung der zweiten Lesung. Aus dem Reichstage, 4. Dezember. Daß die zweite Lesung der Novelle zur Gewerbeordnung heute über- Haupt zu Ende gebracht werden konnte, war nur- dem Um- stände zuzuschreiben, daß das HauS gestern dem Wunsche seines Präsidenten zuwider die Vorlage für heute auf die Tages- ordnung gesetzt hatte. Offenbar sind, wie auch in der gestrigen Gcschäftsordnungsdebatte angedeutet wurde, einflußreiche industrielle Kreise am Werk gewesen, um die Erledigung der Vorlage noch vor Torschluß zu hintertreiben. Es handelte sich zunächst um die Befugnisse des Bundesrats, allerhand Ausnahmebestimmungen von den Vorschriften zum Schutz der Frauen und Kinder zu erlassen. Alle sozialdemo- kratischen Anträge, diese Bundesratsbefugnifse einzuschränken, wurden trotz der Bemühungen der Genossen Schmidt, Molkenbuhr und Stadthagen, das Haus dafür zu gewinnen, mit großer Mehrheit abgelehnt. Auch diesmal lag ferner ein Antrag Stresemann vor, in zwei Ausnahmefällen den Arbeiterinnen die ein Haus- Wesen zu besorgen haben, die Vergünstigung einer gekürzten Arbeitszeit am Sonnabend zu entziehen. Da bei der Ab- stimMung die Parteien sich ungefähr die Wage hielten, ereignete es sich, daß das eine Mal der Antrag ab- gelehnt, das andere Mal angenommen wurde, so daß nichts übrig bleibt, als nunmehr in dritter Lesung nach der einen oder anderen Seite Abhilfe zu schaffen. Ein sozialdemokratischer Versuch, die Gärtnereien, das Ga st wirtsgewerbe sowie die Verkehrsgcwerbe gleichfalls den Schutzbestimmungen für Frauen und Kinder zu unterwerfen, scheiterte ebenfalls an dem Widerstande der Mehrheit. Dagegen gelang es unserer Partei, die 1891 vergeblich bekämpfte Ausnahme im Absatz u des§ 154 zu Fall zu bringen. Dieser Absatz ermöglicht es den Arbeitgebern, ihre Familienmitglieder in Werkstätten zu beschäftigen, ohne daß die Schutzbestimmungen auf sie Anwendung finden würden. Mit starker Mehrheit wurde dieses Vorrecht der Familien- auSbeutung in der Hausindustrie gestrichen. Morgen beginnt die Etatsdebatte. Markthandel mit Schlachtvieh. Zu dem Gesetzentwurf betr. die Preisfeststellung beim Markthandel mit Schlachtvieh hat die sozialdemokratische Fraktion deS Reichstages einen Antrag eingebracht, der dahin geht, zu dem K 1 deS Entwurfs, welcher lautet:„Die LandeSzentraloehörden sind befugt, für Schlachtviehmärkte zum Zwecke der Feststellung von Preis und Gewicht der Tiere Vorschriften zu erlassen und Einrichtungen anzuordnen" als' Absatz 2 einzuschalten:„Werden Vorschriften über die Feststellung der Preise erlassen, so müssen sie sich auf daS Lebend- und Schlachtgewicht erstrecken"._ Tie Nationalliberalen und die Tabaksteuer. Nach der Meldung nationalliberaler und konservativer Blätter ist das Schicksal der Tabaksteuer in den Parteifraktionen bereits entschieden. Beide Parteien wollen für Erhöhung der Tabaksteuer in Anlehnung an die bestehende Steuergesetzgebung, unter„Ab- lehnung der Banderole" eintreten. Die Meldung, daß sich die nationalliberale Fraktion für eine Tabakzollerhöhung entschieden habe, klingt um so befremdlicher, als die Nationalliberalen 1996 allein fünf Redner gegen die Zoll- erhöhung ins Feld schickten, die Abgeordneten Bassermann, Büsing, Patzig, Lichtenberger und Held. Als„langjähriger Fachmann" schilderte am 12. Januar 1996 der Abgeordnete Lichtenberger die schlimmen Wirkungen der Zoll- «rhöhung von 1879 auf die Industrie und vor allem auch auf den Tabakbau in Deutschland und erklärte zum Schluß:„Meine Herren, wir können also der borgeschlagenen Erhöhung der Steuer und des EingangSzolleS auf Rohtabak nicht zustimmen. Wir dürfen diesen Weg nicht beschreiten, der uns wiederum zu einem großen fiskalischen Eingriff in die wirtschaftlichen Verhältnisse führen würde, und den ich sozialpolitisch nur als gänzlich verkehrt und unzeitgemäß bezeichnen kann." Von den übrigen Rednern wollen wir nur die Ausführungen deS Abgeordneten Büsing wiedergeben, der am 9. Januar 1999 daö Folgende ausführte:«Anders, meine Herren, steht es mit der höheren Besteuerung des Tabaks. Ich gebe zu, daß der Tabak «in sehr geeignetes Steuerobjekt ist, aus dem andere Staaten ganz gewaltige Summen ziehen, teils in Form sehr hoher Zölle, teils m Form des Tabakmonopols. Aber mein« Freunde und ich sind der Ansicht, daß für Deutschland der richtige Augenblick für eine eingreifende Besteuerung des Tabaks verpaßt ist, und daß sich dieses Versäumnis setzt nicht wieder eiuZolen läßt.(Sehr richtigl)' Meine Herren, beim Tabak handelt cs sich um drei Jnteressentengruppen: um den inländischen Tabakbau, der geschützt werden will, um die süddeutsche Zigarrenindustrie, die den inländischen Tabak verarbeitet, und um die große nord- deutsche Zigarrcnindustrie, die ausländischen Tabak verarbeitet. Diese drei Betriebe haben sich mühsam aufgebaut und entwickelt auf der Tabaksteuergesetzgebung vom Jahre 1879. Jede Erhöhung des Zolls und jede Erhöhung der Jnlandsteuer bringt eine Ver- schiebung der gegenseitigen Konkurrenz mit sich. Es ist nicht mög- lich, die Erhöhung der Jnlandsteuer und die Erhöhung des Aus- landszolls so gegeneinander abzuwägen, daß der gegenwärtige Wettbewerb zwischen diesen drei Faktoren dadurch nicht gestört oder beeinträchtigt wird. Es handelt sich dabei im wesentlichen um die billige Zigarre des Massengebrauchs. Wie Sie es auch ein- richten, wie Sie auch den Zoll auf ausländischen Rohtabak gegen- über einer Erhöhung der Jnlandsteuer erhöhen, immer ergibt sich eine Verschiebung der gegenseitigen Konkurrenzverhältnisse um so mehr, als dabei nicht nur Steuer und Zoll in Frage kommen, sondern auch noch Manche andere Momente, wie z. B. der Unter- schied zwischen der Höhe der Löhne in Norddeutschland und Süd- deutschland. Also, es ist nicht möglich, ohne sehr berechtigte Jnter- essen zu schädigen, an der gegenwärtigen Besteuerung des Roh- tabaks etwas zu ändern. Wie Ihnen bekannt, kommen in der Tabakindustrie ganz gewaltige Arbeitermengen in Frage. Es werden wohl über 299 999 Arbeiter sein, die in der deutschen Tabak- industrie beschäftigt sind. Sobald Sie die Bedingungen des Weit- bewerbcS auch nur im geringsten ändern, leidet nicht nur die eine Industrie, sondern esleiden die sämtlichen in der Industrie beschäftigten Arbeiter, die unter Umständen brotlos werden können. Darauf müssen wir Rücksicht nehmen, und deshalb komme ich zu dem Resultat, daß wir an der gegenwärtigen Besteuerung deS Rohtabais nichts ändern können." Wie angesichts dieser Stellungnahme gegen jede Zollerhöhung im Jahre 1999 sich jetzt— nach zwei Jahren— die National- liberalen für eine Zollerhöhung erklärt haben sollen, erscheint für den einfachen Menschenverstand ganz unbegreiflich. Christlicher„Gewerkschaftsglaube". Das Verbandsblatt der christlichen Holzarbeiter bringt in seiner letzten Nummer einen Artikel mit Ratschlägen über die beste Art der Agitation. Darin heißt es: „Von den konfessionellen Vereinen(Arbeiter- und Gesellenvereinen) erhofft man mancherorts viel, ohne jedoch den gewünschten Erfolgzu sehen. Da agitiert man nur zu oft nach Leibeskräften in diesen Vereinen und muß zu guter Letzt einsehen, daß� alles vergebliche Mühe war. Anstatt Freunde, Mitkämpfer zu gewinnen, wird manchmal das Gegenteil erreicht. Man darf da nicht unterschätzen, daß man cs hier durchweg niit sehr konservativen Ele- mcnten zu tun hat, dieau Zeigen er Ueberzeugung uichtzuopferwilligenGewerkschafternwerden. Diesen Leuten ist nur beizukommen, wenn ihnen von a u t o r i- tativer Seite ins Gewissen geredet wird. Dem- gemäß sollte sich auch die Gewinnung von Mitgliedern in den konfessionellen Vereinen in anderer Weise vollziehen, als sonst üblich. Durch vieles Reden in den Vereinsversammlungen über die Gewerkschaftsbewegung erhält man wohl recht viele BravoS, aber recht toenig überzeugte Anhänger. Da muß eben der G e» werkschaftsglaube durch Tradition und Autor i- t ä t b e g r ü n d e t werden." Me konfessionellen Arbeiter- und Gesellenvereine auf katholischer Seite unterstehen der Leitung durch G e i st l i ch e. Ihnen ist es daher zuzuschreiben, weim die Mitglieder der katholischeii Arbeiter- und Gesellenvereine geistig so weit zurück sind, daß ihnen jedes Verständnis für die Notwendig- keit der Gewerkschaftsbewegung abgeht. Von„a u t o r i t a- t i v e r Seite" soll ihnen jetzt, so verlangt es das christliche Holzarbeiterblatt, ins Gewissen geredet werden, d. h. der G e i st l i ch e soll die Vereinsmitglieder in die christlichen Ge- werkschaften h i n e i n k o m m a n d i e r e n, sie sollen zum ..Gewerkschaftsglauben durch Tradition und Autorität" bekehrt werden. Nicht Vernunftgründe, nicht Solidarität und Klassenbewußtsein sollen die agitatorischen Hilfsinittel der christlichen Gewerkschaften sein, sondern geist- sicher Zwang und Autoritätsfurcht. Eine nette„Arbeiter- bewegung", die sich mit solchen Mitteln halten muß! Staatsbürgerliche Erziehung der Jugend. Der„Kölnischen Bolkszeitung" wird aus ihrem Leserlreise ge- schrieben: „An einer höheren Lehranstalt in Köln bemüht man sich mit anerkennenswertem Eifer, den Schülern das Hurra- rufen zwecks Verwertung bei Empfängen hoch- gestellter Persönlichkeiten beizubringen. Daß diese Lektionen, die während der anderen Unterrichts- st u n d e n stattfinden, in ziemlich starker Weise stören, scheint man nicht zu wissen oder nicht wissen zu wollen. Wenigstens fanden in den letzten Jahren zwei derartige Kurse statt, die jedesmal eine etwa zweistündige Gesamtprobe mit Auf- marsch, Hurrarufen usw. in durchaus zweckentsprechender Weise krönte." WaS ist auch wichtiger zur späteren Betätigung der Staats- bürger als Hurraschreien? Jedenfalls läßt sich mit dieser Fähigkeit bessere Karriere machen als mit Wissen und Charakter. Der mecklenburgische Landtag ist seit einiger Zeit wieder beieinander. Aus dem Schweriner Theater, wo er im Sommer die bekannte Verfassungskomödie auf- führte, ist er nach Malchin, einem echten Obotritenstädtchen, über- gesiedelt. Hier hat er insofern reformatorisch gewirkt, als der Bürgermeister von Malchin einige Tage vor dem Zusammentreten der„Stände" seinen ehrsamen Bürgern„die bestehenden Vor. schriften wegen Freihaltung der Straßen von Wagen, Schutt, Dunghaufe u usw. ganz besonders in Erinnerung" brachte und anordnete, daß„während des Landtages die Straßen so oft es irgend nötig ist, zu fegen sind, und daß das Dung- und Schuttfahrcn während der Dauer des Landtages t u n l i ch st zu unterlassen ist." An dem Bürgermeister von Malchin liegt cs also nicht, wenn der berühmte mecklenburgische Landtag auch in seinem alten Tagungsorte Malchin in keinen besseren Geruch gekommen ist; die Beseitigung der Dunghaufen aus den Straßen Malchin? hat den Modergeruch aus dem Landhause nicht entfernt. Deshalb inter- essierte die bisherige Tätigkeit des Landtages das europäische Deutschland nicht. Jetzt hat der Landtag allerdings einen Beschluß gefaßt, durch den er sich den Dank verschiedener Mecklenburger erworben hat, die dem Landtage nicht angehören. Das ist eine Sache, die bei dem mecklenburgischen Landtage immerhin erwähnenswert er- 'cheint. Zwar: eine Petition der ritterschaftlichen Lehrer don Mecklenburg-Strelitz vom 5. August d. I., die man schon nach Schwerin gerichtet hatte, liegt noch bei dem anderen, und manche mecklenburgische Schule ist noch ohne Lehrer. Aber die Land- tagSherren haben den Herren„Seelsorgern" des mecklenburgischen Volkes eine stattliche Zulage gewährt! Man verabschiedete eine Vorlage, die als M i ni mu m für die G ehält«? der P astoeen 3 6 99 M. festsetzt,— außer Benutzung der Pastorenhäuser und der schönen Pfarrgärten! Die Regierung und die Ritterschaft hatten allerdings für die„Seelsorger" ein Lohnminimum von 4999 M. verlangt. Man einigte sich aber auf 3699 M., um das Zustande- kommen der Vorlage nicht zu gefährden. Und so haben die Landboten erreicht, daß trot? aller Not und aller Arbeitslosigkeit cs Weihnachten auch in Mecklenburg Leute geben wird, die aus voller Ueberzeugung sagen können: Und den Mensche» einen Wohlgefallen! Wenn es in der Kirche der Schulmeister nicht sagen kann, so muß es doch wenigstens der Pastor können! Zur bayerischen Steuerreform. Nach einer dreitägigen Debatte im Steuerausschuß wurde der sozialdemokratische Antrag: Einführung einer progressiven Ver- mögenssteuer als Ergänzung zum Einkommensteuergesetz und Uebcrweisung der reformierten Ertragssteuern an die Gemeinden mit 29 gegen 8 Stimmen abgelehnt. Gegen den Antrag unserer Parteigenossen stimmten das Zentrum sowie die Bündler und Konservativen geschlossen. Die im Block vereinten Liberalen und Demokraten änderten im Laufe der Diskussion ihre Stellung und schlössen sich dem sozialdemokratisöben Antrag in allen Teilen an; auch ihr Antrag ist mit dem sozialdemokratischen Antrag gefallen. In einem weiteren Antrag verlangen unsere Parteigenossen bedingte Steuerfreiheit für die Konsumvereine, die nach der Rc- gierungSvorlage Einkommensteuer und Gewerbesteuer zu zahlen» haben, und Gleichstellung dieser Konsumvereine mit den landwirt- schaftlichcn Genossenschaften, die in Bayern zum größten Teil steuerfrei sind. Der Antrag der Sozialdemokraten lautet: „Von der Einkommensteuer sind befreit: Konsumvereine, welche nicht die Erzielung eines Gewinnes anstreben und den über eine angemessen« Verzinsung der Mitgliederanteile hinaus- gehenden Gewinn(abgesehen von den statutengemäßen Rück- lagen: Reservefonds, Stiftungsfonds, Betriebsfonds, Auszahlung einer Erübrigung von 5 Proz. auf den Warenumsatz ihrer Mit- glieder) zu gemeinnützigen Zwecken— wie Kleinwohnungsbauten und wirtschaftliche Hebung der werbenden Stände— statutengemäß verwenden." Ferner wurde von unseren Parteigenossen beantragt, daS Einkommen von Frauen bis zu einem Betrage von 1299 M. steuerfrei zu belassen. Zu den Tarifsätzen für die übrigen Steuerpflichtigen toird ein besonderer Antrag vorbereitet.—- Liberaler Sauherdenton. Der in Nordhalben(Bayern) erscheinende liberale„Grenz- böte", das Leiborgan des Pfarrers Grandinger, war dieser Tage im Meiningcr Landtag vom Abg. Samhammcr(sreis.) mit in die Debatte gezogen worden, weil cs gegen unser Saalfelder Partei- organ geschrieben hatte, dieses sei der Kotz k übel und Spuck- n a p f der Roten in Saalfeld. Der„Grenzboten"-Redakteiir Bremaucr hörte durch ein Parteiorgan von dieser Landtagsdebatte und glaubte, Samhammer sei Sozialdemokrat, weshalb er tzieseut anbot, im Redaktionslokal zu erscheinen, wo man ihn kräftig empfangen werde. Auf eine Berichtigung Samhammers leistet sich nun dieses liberale Organ in seiner neuesten Nummer folgenden Erguß gegen unsere Genossen:„Wir verbeugen uns hiermit tief vor Herrn Samhammer und bitten um Entschuldigung. So dieses nun geschehen, wollen wir Zylinder und Handschuhe weglegen, um einen Besenstiel in die Hand zu nehmen: es gilt, den roten Lügenbruder(gemeint ist unser Parteiorgan) vorzufasscn. Ein solcher Zeitungsschreiber gehört in Grund und Boden hineingeschlagen, dermaßen, daß die rote Bürste heraus- guckt. Diese Zuchtlügner von sozialdemokratischen Zeilenschindern, diese rote journalistische Strauchdiebesbande, diese nichtsnutzige Frcvlerbrut, dieses ruchlose Gezücht, diese ticfverwünfchten Bestien, Gauner, Ränkeschmiede und Galgenstricke nähren sich ja meist von Lügen." Mehr Liebenswürdigkeiten kann man von einem liberalen Organ woh> nicht verlangen._ Im Meininger Landtag wurde am Mittwoch ein sozialdemokratischer Antrag beraten, der zur Sicherung des WoHlgeHeininisseS— auch bei den Landtags- wählen— die Einführung der Kuvertwahl forderte. Tie bürgerliche Majorität deS Landtages vom Freisinnigen bis zum Agrarier lehnte diese eigentlich selbstverständliche Forderung ab und überließ eS den sozialdemokratischen Abgeordneten allein, für eine bessere Sicherung des WahlgeheiinnisseS einznireten, was gerade bei den LandlagSwahlen in Sachsen-Meiningen bitter noitiit.— Der Landtag behandelte dann mit demselben negativen Resultat die Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion über das Gruben- unglück in Dietlas._ Ein Kampf um die Volksschule in Württemberg. Die Volköschulkommission der Zweiten Kammer hat am 3. Dezember ihre Arbeiten beendet. 35 Sitzungen hat sie gebraucht. um einen äußer st minimalen Fortschritt gegenüber dem Regierungsentwurf zu erzielen. Und das wenige Gute, das sie geschaffen hat, steht auf sehr schwachen Füßen. Die über die Regierungsvorlage hinausgehenden Beschlüsse betreffs Zulassung der Similltanschule(unter sehr erschwerenden Umständen) usiv. wurden mit sehr knapper Majorität gesaßt, so daß noch nicht feststeht, welches ihr Sckücksal im Plenum des Landtages sein wird.' Wir werden da» Gesetz in der jetzt vorliegenden Gestalt in den nächsten Tagen würdigen.— Der Landtag ist auf den 19. Dezember einberufen worden. Bis Weihnachten soll die Volksschulnovelle unter Dach und Fach sein. Tic Rechnung wird aber wohl nicht stimmen. Nach der Erledigung der Schulnovclle kommt der Etat an die Reihe.—_ Ein Freisinusmann. Die echt freisinnig« Arbeiterfrcundlichkeit, die so manchem Unternehmer im Reden eigen ist, war cs. die au» den AuS- führungen deS„freisinnigen" Abgeordneten Ernst Carstens sprach, als der Vertreter für den 6. Schleswig-Holsteinischen Wahl- kreis am 13. November im Reichstag gelegentlich der Beratung der Interpellationen betreffs Ergreifung von Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit und die Folgen der Krise redete. Die ganze innere Abneigung dieses freisinnigen Abgeordneten gegen die Ar- bester und namentlich gegen die organisierten Arbeiter kam darin zum Ausdruck, daß Carstens behauptete,„seine" Arbeiter würden gezwungen, den über 33 M. in der Woche hinaus- gehenden Lohnbetrag in die Streikkasse abzuführen. Damit wollte Herr Carstens, obwohl er es in Abrede stellte, offenbar eventuelle Lohndrückereicn der Unternehmer in schlechten Zeiten rechtfertigen. Und wie sehr der„freisinnige" Redner seinen Unternchmerkollegcn ans dem Herzen gesprochen hatte, bewies die lebhafte Zustimmung bei den Nationalliberalen! In Elmshorn, wo Herr Carstens mit seinem Bruder eine Steingutfabrik besitzt, möckte der Herr Abgeordnete immer außer- halb der Diskussionen bleiben, die aus Anlaß von Differenzen der Arbeiter mit der Firma C. und E. Carstens entstehen. Für alle diese Dinge zeichnet der erste Firmeninhabcr verantwortlich, weil cs den Herren unangenehm ist, die„freisinnigen" politischen Reden deS Herrn Abgeordneten mit den weniger freisinnig ge- färbten Matznahmen in der Fabrik verglichen zu sehen. Um nun aber zu seinem Rechte zu kommen, benutzt der Herr Abgeordnete die ReichStagStribüne, um seine Fabrikantenerfahrungen zum besten zu geben. Aber diese Erfahrungen sind sehr mangelhaft. So in erster Linie inbezug auf die Behauptung über die er- oungene Füllung der Streikkasse. Liest man die Ausführungen s Herrn Carstens, so glaubt man, cs handelte sich bei diesen Beträgen um namhafte Summen, die an sich einen Lohnabzug rechtfertigten. Dem ist jedoch nicht so. Einmal ist der Beschluß, nach dem der über 23 M. hinausgehende Betrag de? Wochenlohnes in die Streikkasse zu zahlen ist, ein von den beteiligten Arbeitern durchaus freiwillig gefaßter. Dann soll er sich in seiner Wir- kung nicht gegen die hohen Löhne oder gegen den Fleiß der einzel- nen Arbeiter an sich richten, sondern durch ihn sollte dem unHeim- lich um sich greifenden lieber st undcnunwesen in dem Be- triebe der Gebr. Carstens entgegen gewirkt werden. So hoch sind die Löhne und Akkordsätze in den Carstcnsschen Fabriken nicht, daß die Arbeiter bei normaler Arbeitszeit 33 M. und mehr verdienen. Nur wenige, sehr wenige Arbeiter— und das sind die besser bezahlten Dreher— kommen auf diesen Verdienst. Uns liegt ein Lohnauszug von 30 Drehern vor. Die angegebenen 326 Wochcnverdienste liegen in der Zeit vom 1. August bis zum 1. November dieses Jahres. Sie zeigen die den Arbeitern wirk- lich ausbezahlten Beträge. Von diesen 326 Wochenvcrdiensten sind es aber nur 26, die über 33 M. aufweisen. Von 30 Arbeitern sind nur 9 an diesen 33 M.-Verdiensten beteiligt. Aber es ist ausdrück- lich zu bemerken, daß es sich dabei in erster Linie um Nrberstunden — in manchen Wochen bis zu 10— handelt. Herr Ernst Car- stens aber plädiert auf der Reichs tagstribüne für den 9 Stundentag! Um jedoch die ganz« Windigkeit des Carstensschcn Arguments zu zeigen, sei bcnierkt, daß seit dem Besteben dieses Beschlusses 80 — achtzig Pfennige— in den Streikfonds gezahlt wurden!! Das wird aber die Firma Carstens durchaus nicht abhalten, trotzdem Lohnrcduzierungcn vorzunehmen. So kriselt es schon seit geraumer Zeit in dem Betriebe des„freisinnigen" Abgeord- ncten und just einen Tag später, als Herr Carstens im Reichstag seiner„Abneigung" gegen Lohnkürzungen in Krisenzeiten Ausdruck verlieh, wendeten sich„seine" Arbeiter in einer Versammlung ein- stimmig gegen eine neue, ihnen wiederum zugemutete Lohn- kürzung! Und mehr oder minder offen wird jetzt den Arbeitern in dem CarstenSschen Betriebe bekanntgegeben, daß es nach Neujahr ruhig zum„Krachen" kommen könnte. Bis dahin kann ja der Abgeordnete Carstens den letzten Rest seiner so äußerst arbeiterfreundlichen Ausführungen im Reichstag vergessen haben!_ Ausbau des Weserhafens in Holzminden. Die Braunschweiger Qandesversammlung nahm in ihrer heutigen Sitzung mit 24 gegen 23 Stimmen die Gesetzesvorlage an, betreffend Bewilligung von 200 000 höchstens 225 000 M. aus Staatsmitteln zum Ausbau des WeserhafenS in Holzminden. Stadt und Kreis Holzminden haben zu den auf 325 000 M. geschätzten Kosten 125 000 M. beizutragen. Wie Rekruten„aufgemuntert" werden. Vor dem Kriegsgericht der 17. Diviston fHamburg) hatte sich am Donnerstag der Sergeant Schröder vom Regiment„Hamburg" wegen Mißhandlung eines Untergebenen zu verantworten, während der Leutnant Schässer von demselben Regiment der Ver- letzung seiner Aufsichtspflicht angeklagt war. Am 12. Fe- bruar 1903 mußten vier Abteilungen Rekruten auf dem Boden des ehemaligen BeUeidungSamtes in Hamburg Griffe „kloppen". Als der Leutnant Sch. auf den Boden kam, sah er. wie ein Rekrut um den Schornstein lief und dann zusammenbrach. Der Rekrut ivurde zu Bett gebracht, kam vierzehn Tage später ins Lazarett und ist im August als vollständig dienstunfähig entlassen worden, nachdem er mehrere Monate im Lazarett behandelt worden war. Er bezieht jetzt eine Invalidenrente von 15 M. monattlich. Wegen des Dauerlaufes um den Schornstein und waS damit zusammenhängt, ist die Anklage gegen die Genannten erfolgt. Der an- geklagte Sergeant behauptet, der Rekrut sei ein sehr schlapper Soldat gewesen, über dessen schlechte Gewehrgriffe er so erregt war, daß er ihn um den Schornstein habe laufen lassen, um ihn so aufzumuntern. Wie erörtert wurde, hat der„schlappe" Soldat 25 mal um den Schornstein laufen müssen, dann wurde er von dem Sergeanten gefragt, ob er nicht schneller laufen könne. was der Soldat bejahte, da er befürchtete, daß eine Verneinung als Gehorsamsverweigerung aufgefaßt werden würde. Der Soldat lief also weiter um den Schornstein, bis er zusammenbrach. Der als Zeuge vernommene Invalide sagte aus, er sei vor seiner Dienstzeit völlig gesund gewesen. jetzt sei er lungenleidend und könne seinen Beruf als Bäcker nicht mehr ausüben. Der Ser- geant erklärte, für einen gesunden Menschen sei das Laufen um den Schornstein keine anstrengende Beschäftigung. Wie weiter erörtert wurde, ist der Leutnant in dem Augenblick hinzugekommen, als der Soldat zusammenbrach, so daß ihm kein Verschulden nachgewiesen werden konnte. Der Offizier ivurde freigesprochen, der Sergeant z�u ganzen fünf Tagen Mittelarre st verurteilt. Ein Opfer militärischer„Disziplin" wurde in Mülheim a. d. Ruhr ein älterer, verheirateter Vize- feldwebel des dort garnisonierenden 139. Jnfaiiterie-RegimentS. Gelegentlich der kürzlich erfolgten Vereidigung der Rekruten war der betreffende Feldwebel mit einigen Einjährigen in ein Restaurant eingelcbrt und hatte diesen gestattet, während des Aufenthaltes in dem Restaurant das Seitengewehr abzuschnallen,� wie das auch sonst wohl üblich ist beim Verkehr in besseren Restaurants. In der Wirtschaft befand sich nun zur selben Zeit auch ein blutjunger Fähnrich, und diesem scheint nun wohl das zeitweilige Ablegen der Waffe als ein grobes Vergehen gegen den heiligen Militarismus vorgeschwebt zu haben, denn er gab als „Dienstältester" den„Befehl", sofort wieder umzu- schnallen! DaS mußte den Feldwebel natürlich sehr peinlich berühren und widersetzte er sich daher dem„Befehle" des jungen Herrn Fähnrichs, indem er den Einjährigen� gegenüber betonte, daß sie aus ihn und nicht auf den Fähnrich zu hören hätten. Nach der einen Mitteilung soll es sich um einen Portepeesähnrich ge- handelt baden, nach anderer Mitteilung um einen sogenannten „Degensähnrich". Im ersteren Falle würde der Feldwebel, im letzteren der Fähnrich sogenannter„Dienstältester" gewesen sein und demnach zu„befehlen" gehabt haben. Da dem„Vize" dies kleine Renkonter sieben Tage Arrest eingebracht und. was noch schlimmer für ihn ist, auch eine vorläufige SuSpendierung vom Dienste zur Folge gehabt hat, so scheint es doch wohl ein Fähnrich„mit Degen" gewesen>zu sein, der die vermeintlich gefährdete Disziplin rettete. Die Balkankrise. Oesterrcichische Rüstungen. Budapest, 4. Dezember. Die Truppensendungen nach Bosnien erfolgen seit gestern in größtem Maßstäbe. Von hier gehen unausgesetzt Militärzüge nach Bosnien ab. Mit den bereits in Bosnien eingetroffenen und den 30 000 Mann, die sich unterwegs befinden, wird er dortige Stand auf nahezu 129 000 Mann geschätzt. Die Regierung dementiert entschieden die Ge- rüchte über eine Mobilisierung, sowie über die angeblich bevor- siehende Vertagung des Parlaments. Die Truppenscndungcn gelten ausschließlich der Verstärkung der bosnischen Grenzstationen. Die türkischen Truppen. Köln, 4. Dezember. Wie der„Köln. Zeitung" aus Saloniki gemeldet wird, sind bis gestern im Bereiche des dritten Armee- korps 72 000 RedifS einberufen worden. Die von Konstan- tinopel angewiesenen Gelder sollen für die Verpflegung der Truppen nicht ausreichen und die Armeelieferanten mit Einstellung derLieferungen drohen, falls nicht sofort weitere Zahlungen erfolgen._ Ocrtemicb. Wieder ein ObstruktionSversuch vereitelt. Wien, 4. Dezember. Abgeordnetenhaus. Zu Be- ginn der heutigen Sitzung protestierten die Tschechisch. Radikalen öurch andauernden Lärm und ohrenbetäuben- des Pfeifen gegen die Verfügung des Präsidenten, die tvori- liche Verlesung der Interpellationen am Sitzungsschlusse vor- zunehmen. Als darauf der Abgeordnete Sillinger zum Budget- Provisorium das Wort ergriff, erneute sich der Lärm. Infolge- dessen erklärte der Präsident unter dem lebhaften Beifall des Hauses, der Schutz der Immunität des Hauses erstrecke sich nur auf Worte: wer die Verhandlungen durch Pfeifen störe, begehe das Verbrechen der öffentlichen Ge- walttätigkeit. Nach dieser Erklärung trat allmählich R u h e ein._ Ein Verfassungsantrag. Die sozialdemokratische Fraktion brachte im Abgeordnetenhaus einen Antrag ein, durch den der Artikel V der Verfassung dahin abgeändert werden soll, daß die Eni- scheidung über Krieg und Frieden künftig der Volksvertretung überlassen bleiben soll. Die nationalistischen Wirre». Wien, 4. Dezember. In Prag herrscht Ruhe und man hofft, daß das S t a n d r e ch t in einigen Tagen aufgehoben werden wird. Dagegen dauern in der Provinz die nationalistischen De- monstrationen sowohl von deutscher als von tschechischer Seite fort. Auch in Wien, wo man sonst von nationalen Erregungen ziemlich frei bleibt, kam eS gestern zu einer Demonstration gegen den be- rüchtigten Abg. Klofai, dem Urheber der Prager Exzesse. Er wurde gezwungen, den Wiener Rathhauskcller unter Hefligen Schmäh- und Drohrufcn zu verlassen. Im übrigen aber scheint die nationalistische Hetze, nachdem der Obstrultionsveriuch im Parla- ment abgeschlagen wurde, im Abflauen begriffen zu sein. frankreick. Radikale Reaktionäre. Paris. 2. Dezember.(Etg. Ber.) Die sozialistischen Anwälte der„republikanischen Disziplin" haben am Sonntag eine gründliche Belehrung erhalten. Nicht durch „Doktrinäre" des KlaffeukampfeS, sondern durch die von ihnen so sehr geschätzten radikalen Bourgeois. An diesem Tage hatte der Pariser Gemeinderat 30 Delegierte für die Senatorenwahl zu wählen. Nach der offiziellen Statistik hat der Gemeindcrat eine linksrepublikanische Mehrheit, und eS war demnach zu erwarten, daß die von den drei republikanischen Gruppen— Radikalen. Unabhängigen und gceinigten Sozialisten— aufgestellte g e- m e i n s a m e L i st e. die jeder Gruppe eine ihrer Stärke ent- sprechende Zahl von Mandaten zudachte, durchdringen würde. ES kam aber anders. Einige„Radikale" strichen nämlich die Sozialisten— und nicht nur die Unifizierten, sondern auch die „Unabhängigen"— und schrieben statt ihrer reaktionäre Kandidaten auf ihren Zettel. So kam eS, daß im ganzen 15 Kon- scrvative, 12 Radikale. 2 Unabhängige und 1 Sozialist gewählt wurden. Unter den Gewählten befinden sich die Präsidenten mehrer großer Unternehmervereinigungen, denen allerdings manche Radikale ihre Wahl zu danken haben. DaS Ergebnis rief natürlich unter denjenigen, die dem Pakt treugeblieben waren, Empörung hervor und die nächste Folge war, daß zwei Pseudoradikale ihren Austritt aus dem radikalen GemcinderatSverband erklärten, mit der unvermeidlichen Berufung aus den Sintipatriotismus, den Generalstreik usw. Eine Sitzung des Verbandes, die auf Verlangen der Anhänger der Blockpolitik gestern abgehalten wurde, endete mit einem Beschluß, der den Verband für a u f g e l ö st erklärt und eine Neukonstituierung fordert, auf einer Basis, die reaktionäre Seitensprünge ausschließen soll. Der Beschluß wurde aber nur mit neun Stimmen gegen acht Enthaltungen gefaßt. Man kann also sagen, daß die Hälfte der GemeinderatSradikalen zu den reaktionären Scharfmachern übergelaufen ist. DaS kleinbürger» liche Paris frondiert nicht mehr wie ehedem gegen die kapitalistischen Regierungen. Die revolutionären Traditionen haben abgekauft und unter dem Feldzeichen des ScharsinachertumS sammeln sich mon- anarchische Feudalherren und Lakaien, manchesterliberale Fabrikanten und freidenkerische Krämer. Italien. Die auswärtige Politik. ' Die Debatte über die auSloärtige Politik erreichte Wen Höhepunkt in einer Rede des ehemaligen Ministers FortiS, in der die Mißstimmung dcS italienischen Volkes über den Drei- b u n d und besonders über Oe st erreich. Ungarn zu starkem Ausdruck kam. Fortis erklärte sich zwar als Anhänger des Drei- bunds, aber die Anhänglichkeit an diesen werde dem italienischen Volke von Tag zu Tag erschwert. ES sei einfach ein u n- haltbarer Zu st and, daß Oesterreich fortfahre, Truppen an der italienischen Grenze anzuhäufen und so Italien vor Augen zu führen, daß ihm von keiner anderen Macht Krieg drohe als von der verbündeten. Dies müsse entweder sofort auf- hören oder jeder der Alliierten muffe seine eigenen Wege gehen. Dies« Drohung mit dem Austritt aus dem Dreibund ent- fesselte in der Kammer eine stürmisch« langandaucrnde Ovation. Fortis wurde beglückwünscht, umarmt und geküßt, Ministerpräsident Giolitti uüd der Marineminister drückten ihm gratulierend die Hand. Die Stellung des Ministers des Auswärtigen T i t t o n i schien erschüttert, doch ist sein Verbleiben im Amte nach VerHand. lungen mit Giolitti und Fortis für die nächste Zeit gesichert, um so mehr da die Kammer in ihrer heutigen Sitzung der Regierung mit 297 gegen 140 Stimmen die Billigung der äußeren Politik aussprach. Daß der Dreibund aus diesen Debatten nichts weniger als gekräftigt hervorgeht, ist klar, und ebenso, daß seine Erschütterung in den jetzigen kritischen Zeiten keine Vermehrung der Friedens- sichcrheit bedeutet. Mit Recht warnt aber der sozialdemokratische „Slvanti" vor einem Bruch mit Oesterreich, dem die V o r b e r e i- tung zum Kriege folgen müßte und wendet sich mit scharfen Worten gegen die Tollheit, den Frieden zu gefährden, Englanck. Das UnterrichtSgcsctz gescheitert? London, 4. Dezember. Im Unterhause kündigte Premier- minister A s q u i t h an, die Regierung werde die Unterrichts- gesetzvorlage am Montag zurückziehen. DaS Oberhaus. London, 3. Dezember. Die Kommission des Oberhauses, die zur Beratung über eine Reform des Oberhauses eingesetzt worden war, empfiehlt in ihrem Bericht, daß der Besitz der Peers- würde nicht länger zu einem Sitz im Oberhause berechtigen solle. Die Kommission schlägt vor, daß die erblichen PeerS in Zukunft zweihundert PeerS wählen sollen, die sie für die Dauer einer ParlamentStaguna vertreten. Ohne Wahl sollen zu einem Sitz im Oberhause berechtigt sein diejenigen PeerS, die die höchsten Slemter in der Heimat innegehabt haben oder Gouverneure der führenden Kolonien gewesen sind, ferner PeerS. die zehn Jahre dem Unterhause angehört oder den Rang eincS Vizeadmirals resp. Generalleutnants erreicht haben, solange sie aktiv waren. Endlich wird die Schaffung von PeerS auf Lebenszeit ohne Wahl bis zur Zahl von vierzig empfohlen. D«« Kolonien solle» st» Oberhaust offiziell vertreten sein. Raitj. Tie Revolution. Nett) Zork, 4. Dezember. Aus Port-au-Princc wird gemeldet: Während die Stadt jetzt verhältnismäßig ruhig ist, haben die Mitglieder des diplomatischen Korps doch in der über- einstimmenden Auffassung, daß man sich nicht auf die Maßnahmen eines Sichcrhcitskomitees verlassen könne, den augenblicklichen Machthaber» gemeinsam mitgeteilt, daß im Falle des Wieder- beginns der Unruhen die Kriegsschiffe Truppen landen würden. General Simon war gestern noch 12 Kilometer von Port-au-Prince entfernt, sein Eintreffen in der Stadt wird heute erwartet. Einhundertfünfzig Plünderer, Männer und Frauen, wurden verhaftet. Ein großer Teil der Beute konnte ihnen wieder abgenommen werden. Soziales. Rekorbziffern bei der Wohlfahrtsfirnla Krupp. Die Firma Krupp kann nicht darüber klagen, daß ihr nicht genügend bereitwillige Federn zur Verfügung stehen. Kaum ein Werk wird ob der Humanität seiner Leitung so gelobt, wie die Essener Kanonenfabrik. Vor allem sind eS die Ziffern aus den Abschlüssen der Pensionskassen, mit denen man gern Staat macht. Auch die„hohen Löhne" benutzen eifrige Federn mit Vorliebe als Reklametitel für die WohlfahrtSfirma. Aber in seltener Harmonie schweigen sich alle die Publikationen, auch die offiziellen, von der Firma direkt ausgehenden, über eine Rekordziffer bei Krupp aus. Wir meinen die Zahlen über— Erkrankungen der Mitglieder der Kruppschen Kasse. Die amtliche Statistik verzeichnet nach den Re- sultaten sämtlicher Krankenkassen im Deutschen Reich für das Jahr 1906 auf je 100 Mitglieder 3 8 Erkrankungsfälle und 748 Krankentage; bei sämtlichen Betriebs-(Fabriks-) Krankenkassen be- trägt die Zahl der Erkrankungen pro 100 Mitglieder 4 5, die Zahl der Krankentage 812; dagegen paradiert die Kruppsche Krankenkasse für 1907.mit folgenden Ziffern pro 100 Mitglieder: Erkrankungsfälle.. 65,18 Krankentage.... 1179. Damit ist sogar die hohe Krankenziffer, die der Bergbau auf- weist, übertroffen. Die KnappschaftSkassen schließen für 1905 ab mit 60 Erkrankungsfällen und zirka 920 Krankentagen. Prämien für Kassenbetrllger. Der Bauunternehmer Adolf Reime in Nowawes beschäftigte mehrere Arbeiter, denen er regelmäßig der Slntcil für die Kranken- kassenbeiträge abzog, aber nicht an die Ortskrankenkasse abführte. Die Kasse wurde klagbar. Eine Pfändung blieb erfolglos. Es wurde nun Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet, die das Verfahren vor der Strafkammer einleitete. Nach seinen eigenen Angaben überließ der Angeklagte das Geschäft der Frau, die je- doch die Beitragsleistung an die Kasse verabsäumte. DaS Gericht hielt für erwiesen, daß die Abzüge vom Lohn gemacht wurden, konnte sich aber von einer bewusftei, strafrechtlichen Verfehlung des Angeklagten nicht überzeugen und sprach ihn frei. Ein wenig schlechter schnitt der Fuhrgeschästsinhaber Johann Müller aus Nowawes ab, der wegen desselben Vergel>enS angeklagt lvar. Müller hatte seinen Angestellten Beträge in Höhe von 200 M. für die Krankenkasse in Abzug vom Lohn gebracht, aber nicht ab- geführt. Ter Angeklagte war geständig, entschuldigte aber sein Vor- gehen durch feine Notlage. Er war manchmal mcyt imstande, den Lohn zu bezahlen. Die Strafkammer verurteilte M. zu 50 Mark Geldstrafe wegen Vergehen gegen das Krankenversicherungsgesetz. Solange die Rechtsprechung,„gelehrten" Richtern überlassen bleibt, werden die Freisprechungen oder milde Bestrafungen von Unternehmern nicht aufhören, die die Krankcnkaffenbeitrcige in der geschilderten Weise unterschlagen. Erfüllung der Wartezeit der Altersrentner. Altersrentenanwärter, welche im Laufe des Jahre« 1909 ihr 70. Lebensjahr vollenden, haben an Beitragswochen nachzuweisen, wenn sie nach Eintritt in die Versilberung beschäftigt waren: a) als Arbeiter, Gehilsen, Gesellen, Dienstboten, HandlungZ- gehilfen, Bctriebsbeamte....~ b) als Hausgewerbetreibende der Tabakfabrikation....... o) als Hausgewerbetreibende der Textilindustrie mit BersicherungS- Pflicht vom Jahre 1894.... ä) als Hansgewerbetreibende der Textilindustrie mit BersicherungS- Pflicht vom Jahre 1890.... o) als Lehrer, Lehrerinnen, Erzieher, Gesellschafterinnen, sonstige Anae» stellte, deren dienstliche Beschäfti» gung ihren Hauptberuf bildet und dergleichen......... 720—760 BeitragSwochen, 680—720 574— 614 530-560 360-400 Die überseeische Auswanderung über Hauibnrg und Breme». Insoweit die überseeische Auswanderung über Hamburg und Bremen erfolgt, läßt sie noch immer kein Zeichen von Belebung erkennen. Jene über Hamburg betrug in den ersten zehn Monaten laufenden JahreS 63 230 gegen 166 366 in der gleichen Periode 1907. Für Bremen betragen die gleichen Ziffern 53 311 gegen 204 770. Speziell die Oltoberziffern der Auswanderung über Hamburg be- liefen sich auf 9326 im lausenden Jahre gegen 15 980 im Jahre 1907. Dabei war die� Septemberauswanderung über Hamburg im laufenden Jahre 9717 Personen noch etwas großer als im Oktober. Ueber Bremen wanderten im Oktober lautenden JabreS 9169 Personen aus gegen 24 351 im Oktober 1907. Freilich belief sich die Zahl der Auswanderer über Bremen im September 1903 nur auf 7228, wies also im Okiober eine gewisse Steigerung gegen den Vormonat auf. Wenn sich auch die über Hamburg und Bremen Auswandernden noch inimer größtenteils nach den Vereinigten Staaten wenden, so hat doch in den letzten Monaten gerade die Anöwauderung nach Südamerika, und zwar insbesondere »acb Argentinien zugenommen. Ju den ersten zehn Monaten laufenden Jahres betrug die Auswanderung über Hamburg nur drei Achtel jener des Jahres 1907 in der gleichen Periode, während die Auswanderung über Bremen gleichzeitig gar nur auf ein Viertel herabsank._ SewerklckaftttcRes- Altpreußifche Sparsamkeit in den Gewerkschaften. „Wer weniger verdient, aber spart, ist nützlicher für die Nation, als der, der viel verdient und viel verbraucht." So Bülow unter anderem in seiner Rede bei der ersten Beratung der NcicbSfinanz- reform. Treffender als mit durch Wiedergabe dieses Satzes kann das Verständnis der Regierung und ihres höchsten Beamten für die Lage der arbeitenden Klassen überhaupt nicht charakterisiert werden. ES vervollständigt nur das Bild, wenn das Jammern deS Ministers über die riesigen„indirekten Steuern", die die Ar- bciter in Gestalt von GewerkschaftSbeiträgen zahlen, noch mit hin» zugefügt, wird. Gewiß haben unsere Gewerkschaften hohe Ein- nahmen, aber was wird mit den wenigen Millionen geleistet! Zu» mal jetzt, wo eS die Regierung für notwendig hält, den Slrbcitcrn in einer Zeit wirtschaftlichen Daniederliegens Hunderte von Millionen neuer Steuern aufzubütoen, lohnt cö sich, diesen ver» gleich zu ziehen- «e/uSSn�&�A907 5a!te?K. 6ict61 3enttöIberB5ti&e mit rund, handelt, ist Bereits in der Mitgliederversmnmlung vsr Ii Tagen' ver Tcrgmeister sei 20 Meter tief abgestürzt, ein- Höhe, wo jeder Z 800 Ovo Mitgliedern eine Einnahme vor. SS Millionen. Hiervon(siehe Nr. 273 des„Vorwärts") �ausgeführt worden. Die Debatte sich einen Knax holen kann. Wenn der Kreisdirektor sich auf das zahlten sie an Arbeitslosenunterstützung allein Millionen. Für Maßregelungen mutzte eine Million ausgegeben werden. An Krankenunterstützung und Sterbegeldern wurden 4 400 000 M. aus- gegeben. Und für Streiks mutzten nicht weniger als 13 Millionen Mark ausgegeben werden! Unsere Gegner benutzen jetzt immer als Nachweis für die Höhe der Einnahmen der Gewerkschaften die Jahresleistung des Verbandes der Lithographen und Steindrucker, der mit rund 62 M. an der Spitze aller deutschen Gewerkschaften steht. Gerade die gegenwärtige Zeit der großen Arbeitslosigkeit, der Fülle von Krankheit und Elend zeigt recht deutlich, warum die Arbeiter diese Beiträge geleistet haben. So zahlte der Verband an Arbeitslosen- und Reiscunterstützung in den ersten zwei Quartalen 1007 b6SY0 Mark, in derselben Zeit dieses Jahres dagegen 04 760 M.l Für Maßregelung und Streiks wurden in denselben Zeiträumen 13 400 und 17 000 M. gezahlt. Die Krankenunterstützung erreichte die Summe von 153 000 M. gegen 128 000 M. in dem ersten halben Jahre 1007. Die Arbeiter müssen sparen, um in wirtschaftlich war sehr rege und gründlich. Im allgemeinen trat die Meinung Protokoll beruft, das die mitbefahrcnden Arbeitswilligen abgegeben hervor, daß eine über das ganze Reich geltende Tarifgcmeinschaft haben, so halten wir ihm entgegen, daß in diesem Protokoll aus- an sich durchaus nicht zu verwerfen sti, zumal die EntWickelung drücklich steht, daß es stark nach Brandgasen gerochen hätte. notwendig zu diesem Ziel führe. Jedoch wurde auch eingewandt. Warum nahm man die zwei streikenden Wettermänner zur Besah. daß bei Einführung eines Rcichstarifs, selbst wenn dadurch wirk- rung der Grube nicht mit? Der Kreisdirektor müßte doch wissen. lich auch in kleinsten Orten die Lohn- und Arbeitsbedingungen daß das Zeugnis von Arbeitswilligen für Streikende nicht maßgebend geregelt würden, für die Gehilfenschaft in den Großstädten jeden-! sein kann, und daß er sich bei den Streikenden kompromittiert, falls kein besonderer Vorteil herauskommen werde, da ja die Unter- wenn er sich auf Arbeitswillige stützt. Dazu hat der Arbeitswillige nchmer gerade durch den Reichstarif lokale Lohnbewegungen un- und Ausschußmitglied Bruno die Möglichkeit zugegeben, daß«ine möglich machen wollten. Fast alle Redner sprachen sich ganz ent- Stickgasbetäubung den Absturz herbeigeführt haben kann. Die schieden gegen die Mindestleistungsklausel aus und ebenso gegen Belegschaft sprach durch einstimmige Annahme folgender Resolution die Akkordarbeit. Hier in Berlin sei die Antreiberei schon so dem verunglückten Bergmeister ihr Beileid aus: stark, daß die Arbeitsleistung, die die Unternehmer forderten, über Haupt nicht mehr gesteigert werden könne. Auch wurde ange führt, daß es namentlich in Berlin bei der Verschiedenheit in der Qualität der verlangten Arbeit gar nicht möglich sei, bestimmte Leistungsnormen aufzustellen. Ein solcher Versuch müsse schon aus rein technischen Gründen scheitern. Diese Ansicht hat übrigens schlechten Zeiten sich nicht nur schützen zu können, sondern auch um auch ein Hamburger Malermeister auf dem Verbandstag der Ar tn fnTrfiPn Qpitprt npriif+pf au fotn Mt» fiQr>rfrF»T£>r!hf(>vittinÄ-'__________„• i.rr.�«rv___ Lf-r.t-i...... r. n- 1 gerade in solchen Zeiten gerüstet zu sein, die Verschlechterungs versuche der Unternehmer abzuwehren. Was tut die Regierung in solchen Zeiten? Sie gibt sich die größte Mühe, die Lage der Arbeiter zu verschlechtern. So würde die Annahme der Tabakbestcuerung für die Zigarrenarbeiter und beitgeber in Hannover mit aller Deutlichkeit ausgesprochen. Ebenso scharf verurteilte man die Akkordarbeit, die ja, abgesehen von einer besonderen Bestimmung, schon in der Leistungsklausel mit ihrem zehnprozentigen Abzug bei Minderleistung, ihrem„ange- messenen" Zuschlag bei Mehrleistung vorgesehen ist. Man meinte, das lithographische Gclvcrbe ein' schwerer Schlag sein. Heute daß die Akkordarbeit auch' dazu suhren werde.'daß die Unter werden allein in den Betrieben, die sich mit der Herstellung von nehmer noch schlechteres Arbeitsmaterial liefern würden als jetzt. Tabakvackungen usw. beschäftigen, zirka 2500— 3000 Lithographen und Steindruckcr beschäftigt, mit allen Nebenberufen sind es 12 bis 1b 000. Bei einer neuen Steuer wird man zuerst an den Packungen sparen, schon jetzt finden sich Ansätze dazu. So werden die Arbeiten nicht mehr in 6 und 8 Farben hergestellt, sondern nur noch in 3 Farben, dies würde, allgemein durchgeführt, eine Ver- ringcrung der Zahl der Beschäftigten um 50 Proz. bedeuten! Da- zu kommt noch die Plakatstcuer. Mit der Herstellung von Pla- taten sind Tausende von Lithographen und Steindruckern beschäftigt. Bei Gesetzwerdung der Vorlage würde z. B. ein Plakat in der Größe von 50-H00 in einer Stadt mit mehr als 100000 Ein- wohnern 15 Pf. kosten. Dies bedeutet bei einer Auflag« von 1000 Stück eine Steuer von 150 M. Bei lithographierten Plakaten wärcit dies 30 Proz. Beim gewöhnlichen Typensatzplakat aber 2 bis 500 Proz. Die Steuer übertrifft also die gesamten Herstellunas- kosten um das Mehrfache!!! Was den Arbeitern dann wartet, sagte kürzlich das Unternehmerorgan des Berufs:..Das notwendiger- weise enlstehende Ueberangebot würde und müßte eine erhebliche Lohnreduktion im Gefolge haben." So hilft die deutsche Regierung da sie ja dann den größeren Zeitaufwand, den die Verarbeitung solchen Materials erfordert, nicht selbst zu tragen hätten. Auch befürchtet man, daß damit zugleich die Verwendung des so außer- ordentlich giftigen Bleiweißes noch mehr als bisher um sich greifen würde. Daß in dem Normaltarif die Zuschläge für Ueberzcit-, Nacht- und Sonntagsarbeit niedriger bemessen sind, als im Ber- liner Tarif, wurde ebenfalls als eine unannehmbare Ver- schlechterung bezeichnet. Jacobeit, der in der vorigen Ver- sammlung das Referat gehalten hatte und nun als letzter Dis- kussionsrcdner das Wort erhielt, meinte, daß die Leistungsklausel nicht so gefährlich sei, daß vielmehr, wenn die im Leipziger Tarif aufgestellten Leistungsnormen in Berlin zur Geltung kämen, hier nicht mehr solche Schundlöhne gezahlt werden könnten, wie das jetzt der Fall sei. Er erwähnte urner anderem, daß eine bestimmte Arbeit, die hier in Berlin für 1,20 M. hergestellt wird, nach der Leipziger Leistungsnorm auf 2.50 M. zu stehen komme. Auch müsse man bedenken, daß ein Reichstarif der Kollegcnschaft ganz Deutschlands zugute kommen solle, und im übrigen sei der Normal- tarif ja nicht etwa? Feststehendes; er enthalte vielmehr die For dem Arbeiter„weniger verdienen" und meint vielleicht, daß es nach dcrungcn der Arbeitgeber, die sie wahrscheinlich auch hier in Berlin Bülow dann auch nicht am Sparen fehlen wird.''......'—..._ Berlin und Umgegend. Zur tariflosen Zeit in der Gipsbranche. Der Berliner Beton-Vereint, die ins Krankenbett gelegt, und dann wurde der verletzte Bergmeister im Krankenwagen nach Saargemünd ge- bracht." Sind die Angaben der streikenden Bergleute richtig— und sie wollen sie beschwören—, dann mag jeder darüber sich selbst sein Urteil bilden, wie weit ein Mann klettern und gehen kann, der sich aus einer Tragbahre fortbringen läxt, und-er den Ärankemvagen benutzt, anstatt in der Kutsche zu fahren. Uebrigens wird erzählt, gewerkschaftliche Kämpfe und Arbeiterstatistlk in Skandinavien. Eine skandinavische Arbeiterkonferenz, auf der die gewerk« schaftlichen und politischen Landeszentralen von Schweden, Nor- wegen, Dänemark uno Finnland vertreten waren, sand am Sonn» tag und INontag in Göteborg statt. Die wichtigste Angelegenheit, die zur Beratung stand, war das Zusammenarbeiten zwischen den Gewerkschaftszcntralcn. Aus dem, was über die allgemeine Lage berichtet wurde, ging klar hervor, daß in allen vier Ländern namentlich seitens der Großinoustrie mit größter Rücksichtslosigkeit gegen die Arbeiterorganisationen vorgegangen wird, und daß die skandinavischen Unternehmerorganisationen sich gegenseitig eifrigst unterstützen, wenn es gilt, die Arbeiterklasse zu bekämpfen. Sie arbeiten dabei offenbar nach einem bestimmien gemeinsamen Plan, mit dem Ziel, die Tätigkeit zur Vervcsscrnng der wirtschaftlichen Lage der Ardeiter, wie sie die Gewerkschaften bisher ausübten, zu hindern und unmöglich zu rnadeen. Besonders ist es die monopoli- sierte und zentralisierte Großindustrie, die durch Ver- an staltung von Massenaussperrungen einen Vernichtungskampf führt, der sich nicht nur gegen die Arbeiterschaft, sondern auch gegen die kapital schwachen kleineren Arbeitgeber rich. t e t. Dies wird auch ausgesprochen in einer von der Konferenz einstimmig angenommenen Resolution, die ferner besagt, daß jenen Umständen entsprechend ein um so festeres Zusammenarbeiten zwischen den GewerksckmftSzentralcn der vier Länder notwendig ist, und die hierfür besirmmte Regeln enthält, wie die, daß alle Rundschreiben und wichtigen Mitteilungen von der einen Landes- zentrale den übrigen zugesandt werden, und daß bei allen Kon- gressen. Konferenzen und Beratungen einer Landesorganisation die oer anderen Länder vertreten sein sollen. Die Konferenz beriet ferner über Verbesserung und weitere Ausdehnung der?l r b c i t e r st a t i st i k. Der skandinavische Ar- beitcrkongreß, der im vorigen Jahre in Kristiania tagte, hatte den Landessetrctariaten anheimgegeben, über die Errichtung ekkes ge- meinsamen skandinavischen Bureaus für?lrbeiterstatistik zu be- raten. Die Verwirklichung dieses Plans hielt die Konserenz jedoch noch nickt fiir möglich. Beschlossen wurde, daß vorläufig in jedem Lande ein besonderer Ausschuß für Statistik eingesetzt weroen soll. Die statistischen Erhebungen über die Lohn- und Ilrbeitsderhält- nisse sollen so viel wie möglich nach einheitlichen Regeln vor- genommen werden. Um die statistischen Arbeiten so fruchtbringend wie möglich zu machen, sollen sie sowohl in den Berichten der Landesorganisationen. wie in den internationalen Berichten ver- öffentlicht werden. Schließlich empfiehlt die Konferenz die Er- richtung von Archiven der?lrbeiterbewcgung in den- jenigen Ländern, wo solche noch nicht bestehen, sowie, daß alles offizielle, gewerkschaftliche, politische und genossenschaftliche statt- stische Material zwischen den vier Ländern ausgewechselt werde. und daß die Archive zu Sammelstätten sowohl für die Statistik wie für alle die Arbeiterbewegung betreffende Literatur gemacht werden. Letzte JVacbricbtcn und Dspelcden. Wie Menschen erzogen werde«. Straßburg, 4. Dezember.(B. H.) Die hiesige„Freie Presse" hat von zwei Zöglingen der Mädchenbesscrungsonstalt tu Rcuhafen bei Straßburg, die vor einiger Zeit einen vergeblichen Fluchtversuch machten, Mitteilungen über angeblich unwürdige und Unmensch. liche Behandlung erhalten, der sie fortgesetzt ausgesetzt worden seien. Wegen kleinerer Vergehen gegen die Anstaltsordnung gab«s Prügelstrafen. Ein Mädchen berichtet, daß e« 25 Hiebe mit dem Bärrohr auf das nackte Gesäß erhalten habe. Neben harten Strafen würden die Mädchen noch mit Ausdrücken gemeinster Art beschimpft. Diese Behandlung wurde angewcndet gegenüber den 20 Mädchen einer besonderen Abteilung, die auch über Ernährung und Be» köstigung Klage führte«. .__ wird... Um was cs sich____ Vcrantw. Redakteur: Haus Weder» Berlin. Inseratenteil verantw�tzMiäe�Berlin�Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr, u. Berlagsgnstglt�Paul Singer& Co,, Berlin S.W, Hierzu 4 Beilagen«.Unterhaltung� St.28S. 25.?llhrga»z. 1 Keilllge des LWiirls" Ktrliner Nolksbllltt. 5-Mk«».s Keickstag. 176. Sitzung vom Freitag, den t. Dezemver, nachmittags 2 Uhr. Jim Bundesratstische: von Beth mann-Hollweg. Die zweite Beratung der Novelle zur Gewerbeordnung wird f o r t g« s e tz § 139 steht Ausnahmen von den Beschränkungen der Arbeitszeit auf die Dauer von vier Wochen durch die höheren VerwaUungS- behörden, auf längere Zeit durch den Reichskanzler vor, wenn Natur- ereigniste oder Unglücksfälle den regelmäßigen Betrieb einer Anlage unterbrochen haben. In dringenden Fällen solcher Art und zur Ver- hütung von Unglücksfällen kann die untere Verwaltungsbehörde auf höchstens 14 Tage solche Ausnahmen gestatten. ' Die Abgg. Wibrecht(Soz.) und Genossen beantragen, daß diese Ausnahmen nicht zugelassen werden in bezug auf die Vor- schriften über die Beschäftigung von Kindern unter vierzehn Jahren sowie der Jugendlichen bis sechzehn Jahren, in bezug auf die Be- schäftiaung der jugendlichen Arbeiter und in bezug auf die Mindest- ruhe für Arbeiterinnen. Abg. Schmidt(Soz.): Unser Antrag bezweckt, wichtige Arbeiterschutzbestimmungen auch für den Fall, daß Naturereignisse od?r Unglückssällc den regelmäßigen Betrieb unterbrochen haben, aufrecht zu erhallen. In derartigen Fällen werden in der Regel gar nicht erhöhte Ansprüche an den Arbeiter gestellt werden, vielmehr wird es sich in der Regel um Arbeitseinschränkungen handeln. Auch wollen wir. wenn durch die genannten Hindernisse die regelmäßige Fortsetzung des Betriebes beeinträchtigt wird, auch die Schuybeslimmungen für die Frauen aufrechterhalten wisten. Zur lleberwindung der Hindernisse, die einen Betrieb lahmlegen könnten, bleiben dann tmmer noch die männlichen Arbeiter dem Unternehmer vorbehalten. Dagegen glauben wir nicht. daß ein Bedürfnis dazu vorliegt, das Verbot der Nachtarbeit für Frauen in diesem Falle aufzuheben. Auch wenn die Natur des Betriebes oder Rücksichten auf die Arbeiter in einzelnen Anlagen es erwünscht erscheine» lassen, daß die Arbeitszeit eine andere Regelung erfährt, als es in den bestehenden Bestimmungen des Gesetzentwurfes vorgesehen ist, wollen wir gleichfalls die Schutzbestimmungen für Arbeiterinnen ausrecht erhalten wissen. Wir glauben serner nicht, daß es heilsam ist. der höheren Verwaltungsbehörde die weit- gehende Befugnis zu geben, die Sonnlagsarbeit zuzulassen und die Arbeiterschutzbestiinmungen auf dem Verordnungswege so weit ein- zuschränken. Ich möchte Sie bitten, an dem Schutz, der den jugend- iichen Arbeitern und Kindern zuteil werden soll, nicht zu rütteln. (Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Diskussion.§ 139 wird unter Ablehnung der sozialdemokratischen Anträge in der Fassung der Kommission angenommen. § 139a ermächtigt den Bundesrat, für Anlagen, die mit ununter- brochenem Feuer betrieben werden oder sonst durch die Axt der Be- triebe aus regelmäßige Tag- und Nachtarbeit angewiesen sind, AuS- nahmen von den beschränkenden Bestimmungen zuzulassen. Für Gewerbe- zweige, die zu gewissen Zeiten des Jahres ein vermehrtes ArbeilSbedürfnis haben, sollen die Ausnahmen auf höchstens 49 Tage im Kalenderjahre beschränkt werden, wobei die tägliche Arbeitszeil an Sonnabenden auf höchstens 12 Stunden festgesetzt wird. Für Gewerbezweige, die der Nachtarbeit zur Verhütung des Verderbens von Rohstoffen be- dürfen, darf die ununterbrochene Ruhezeit an höchstens 60 Tagen im Kalenderjahre auf S'/z Stunden täglich herabgesetzt werden. Die Dauer der wöchentlichen Arbeitszeit soll für Kinder auf 36 Stunden, für junge Leute auf 60, für Arbeiterinnen auf 58 und für solche, die ein Hauswesen zu besorgen haben, auf 56 Stunden höchstens festgesetzt werden dürfen. Die getroffenen Bestimmungen sind dem Reichstage bei seinein nächsten Zusammentritt zur Kenntnis- nähme vorzulegen. Abgg. A l b r e ch t(Soz.) und Genossen beantragen, die Schutz- hestimmungen für Kinder und junge Leute aufrecht zu erhalten, außerdem die Zahl der Ausnahmctage auf 30 festzusetzen und ebenso die Nachtbarbeil nur an 30 Tagen zu gestatten. Die Abgg. Dr. Stresemann(natl.) und Ablaß(frs. Vs beantragen, die Zahl der Ausnahmetage auf 60 zu erhöhen und die Ausnahmebestimmungen für Arbeiterinnen, die ein Hauswesen haben, zu streichen. kleines feuilleton. Schießen ohne Pulver. Ein ungenannter Erfinder hat nach der Zeitschrift„Practical Sngineer' ein Schnellseuergeschütz ersonnen, das zu seiner Betätigung weder des Pulvers noch eines anderen Sprengstoffes bedarf. Der Urheber dieser Neuheit hat sich die in der Praxis häufig gemachte Erfahrung von der ungeheueren Kraft eines springende» Treibriemens zu nutze gemacht. Bteigeschosse toerden in ein großes Rad-gefüllt, das mit hoher Geschwindigkeit um«eine Achse gedreht wird. Beim Antrieb durch einen Motor von 50 Pferdestärken würden nach Angabe des Erfinders die Geschosse mit ungeheurer Geschwindigkeit aufeinanderfolgen. so daß nicht weniger als 50000 Schüsse in einer Minute abgegeben werde» tonnten. Trotz dieser unvorstellbaren Geschwindigkeit wird die Mög- lichteit vollkommener Treffsicherheit in Anspruch genommen. Wenn auf diesem Wege wirklich praktisch etwas zu erreichen ist, würden— sollte man meinen— vor einer Batterie solcher Geschütze wohl alle Kriegsgelüste zur Ruhe kommen. Wahrscheinlich aber würde der Wahnsinn des Wettrüstens auf der höheren Stufenleiter mit gleichem Eifer fortgesetzt werden. Wie denn die epochemachende Bezwingung der Lust, die wir miterleben, bisher nur zur höheren Ehre Molochs ausgenutzt wird. Man versteht es. daß Romanschriftsteller, die die erneuernde und schließlich den kapitalistischen Greueln ein Ende bereitende Kraft des Sozialismus nicht in Rechnung stellen, in ihren Zukunftsutopien ein Ende mit Schrecken malen. So schildert der Engländer Wells in seinem.Luftkrieg' den gänzlichen Zusammenbruch der heutigen Zivilisation, die durch die zur höwsten Vollkommenheit gesteigerte Kriegs wchnik herbeigeführt wird. Die Menichheit kehrt dann zu einer Barbarei zurück, die dank der alles zerstörenden Wirtungen der in den Dienst des Krieges gestellten menschlichen Talente sie um Jahrtausende zurückwirst. Sauimlenvahnfiim. Die Verrücktheit unserer Gesellschaftsordnung zeigt sich in wirklich aufreizender Deutlichkeit in den. Hinauswerfen von Riesensummen für Dinge, die weiter durch absolut nichts mevk- würdig sind als durch ihre Rarität. Da hat dieser Tage in Paris eine Versteigerung von Briefmarken stattgefunden, bei der besonders deutsche Marken auS der Zeil vor der ReichSgrüudung zum Verkauf kamen. Für zwei sächsische Halbgroschen-Marken von t851 wurden '/)01 Fr. gezahlt. Der hohe Preis rührt daher, daß diese Marken irrtümlich in Blau gedruckt sind, sonst würden sie nur 12 Fr. kosten. 1905 wurde aber auch für jene Rarität erst 1800 Fr. gezahlt. Natürlich sind eS nicht die paar Postmuseen,'deren Nachfrage die Kurse der Markenbörse» so hinauftreibt. sondern die Sammelwut von Leuten, die mit ihrem von anderen erarbeiteten Reichtum nichts anzufangen wissen. Uebrigens ist die unter dein Scheine der Kunstbegeisterung betriebene Bildersammlcrei oft auch nicht anders zu beurteilen. Irgendeine ist nicht viel zu sagen. Die eui- leitende Ouvertüre zu Figaros Hochzeit wurde in reichlich schnellem Tempo genommen. Das daraus folgende Klavierkonzert in �.-ckur von Mozart wußte Herr Helberger durch seinen etwas nüchternen Vortrag nicht gerade interessanter zu gestalten. Sebr klangschön und exakt wurde vom Orchester uoch eine Mozartsche Sinfonie, von Schubert die hübsche Ballettmusik aus„Rosamunde' und die Herr- liche unvollendete Sinfonie in ft> moU gespielt; die Sängerin trug mit kleiner, sympathischer Stimme fünf Schubertsche Lieder vor und wurde von dem beifallsfreudigen Publikum mehrfach hervorgerufen. — r. Humor uud Satire. Die große Debatte. — Labor!(Anhänger der Todesstrafe): Das Leben, meine Herreit, ist nichts; die Ehre alles I Wenn wir für die Beibehaltung der Todesstrafe eintreten, so geschieht es nicht in der nichtigen Ab- ficht, den Mördern das Leben zu nehmen. Nein, meine Herren, vielmehr: lim ihnen die Ehre zu nehmen. Wenn Dreyfus erschossen tväre, würde er nichtsdestoweniger unschuldig bleiben. Was sage ich, meine Herren? Er wäre um so unschuldiger! Jawohl, meine Herren... — Jean Dupuy: Der Mörder, meine Hcrrelt. ist lvie der liebe Gott: wenn er nicht existierte, müßte mau ihn erfinden. Wie Weiter erhält der Bundesrat die Befugnis, eine Anzahl von Schutzbestimmungen, auch auf Werkstätten, in denen weniger als 10 Arbeiicr beschäftigt werden auszudehnen. Auf Werkstätten, in denen der Arbeitgeber ausschließlich zu seiner Familie gehörige Personen beschäftigt, soll sich diese Befugnis des Bundesrats nicht erstrecken. Die Bestimmungen des Bundesrats sind dem Reichstage zur Kenntnisnahme vorzulegen. Abg. Schmidt- Altenburg und Genossen(Rpt.) beantragen, statt dessen die Gültigkeit der Verordnungen des Bundesrats von der Zustimmung des Reichstages abhängig zu machen. Abg. A l b r e ch t und Genossen(Soz.) beantragen, die Aus- nahmen für das Gast- und Schankwirtsgewerbe sowie für das Aerkehrsgewerbe, desgleichen die Ausnahmen für die Gärtnereien zu streichen. Ebenso sollen die Angestellten bei Musikauf- führnngen, Schaustellungen, theatralischen Vorstellungen und sonstigen Lustbarkeiten der Gewerbeordnung unterstellt werden. Weiter sollen die Verordnungen des Bundesrats vor den sogenannten Fainilienvctriebcn nicht Halt machen. Mit zur Debatte gestellt wird die von der Kommission bc- schlossene Resolution auf Vorlegung von Gesetzentwürfen zur Regelung der Arbeitsverhältnisse in den Gärtnereien, ber bei Musikaufführungen, Schaustellungen, theatralischen Unter- nehmungen oder sonstigen Lustbarkeiten tätigen Personen und der in öffentlichen und privaten Krankenhäusern, Heilstätten und Genesungsheimen beschäftigten Personen. Abg. Pfeiffer(Z.): Auf die Gärwereien halten wir den Zehn- stundentag für Arbeiterinnen nicht anwendbar. Die Verhältnisse in den Gärtnereien in großen Städten sind ganz andere als in den landwirtschaftlichen Betrieben. Dagegen verlangen wir von der Regierung die Vorlegung eines Gesetzentwurfs, welcher die Verhältnisse in den Gärtnereien regelt. Ebenso müssen die Ver- Hältnisse der bei Musik- und Thcateraufführungen beschäftigten Personen einheitlich geregelt werden, wie es die Resolution der Kommission verlangt. Man kann doch nicht verlangen, daß abends 0 Uhr die beim Theater beschäftigten Frauen nach Hauscjjeschickt werden.(Sehr richtig!) Die Regelung der sozialen und Standes- Verhältnisse der Theaterangestelltcn ist eine dringende Notwendig- keit.(Bravo! im Zentrum.) Abg. Trimbor»(Z.): Dem Antrage Schmidt-Altenburg werden meine Freunde nicht zustimmen. Er geht dahin, daß bc- stimmte Bundcsratsverordnungen durch den Reichstag aufgehoben werden können. Dieser Antrag bedeutet eine Erweiterung der parlamentarischen Macht(Heiterkeit), und als ich den Antrag unter dem Eindruck der gestrigen Verhandlungen las, sagte ich mir: Es geschehen Zeichen und Wunder, der Geist Heines und Naumanns ist über die Herren von der Reichspartei herabgekommcn!(Große Heiterkeit im Zentrum und links. Rufe rechts: Ach! Ach!) Dafür müßten ja eigentlich die Sozialdemokraten stimmen, denn sie sind für Erweiterung der parlamentarischen Macht. Aber sie werden eS nicht tun, und auch wir nicht; denn wenn der Reichstag das Recht hat, die Verordnungen des Bundesrats außer Kraft zu setzen, entfesseln wir einen Sturm gegen die Schutzbestimmungen seitens der Kreise, die sich davon benachteiligt glauben. Auch wird der Bundesrat sich schwerer zu Verordnungen entschließen, wenn sie der Bestätigung durch den Reichstag bedürfen. Dadurch würde die Stetigkeit der Sozialpolitik leiden. Der sozialdemokratische Antrag bezweckt, daß die Schutzbestim- mungen vor der Familie nicht Halt machen. Dieses Prinzip haben wir im Kinderschutzgesetz von 1896 bereits anerkannt, und in der Tat muß diese Barriere auch fallen. Abg. Behrens(wirtsch. Vgg.): Die Resolution bringt für die Gärtner eine gewisse Klärung; es wäre daher nicht praktisch, die Gärtnereien, wie es der Antrag Albrecht will, zu streichen und für sie ein besonderes Reichsgesctz zu schaffen. Abg. Irl(Z.): Es gibt eine ganze Anzahl von Handwerks- betrieben, die nach den Bestimmungen des§ 154 ohne weiteres als Fabrikbetriebe angesehen werden könnten. Hier zeigt sich beut- lich, daß das Gesetz zu sehr vom grünen Tisch gemacht ist; man hätte die Handwerkskammern mehr zu Rate ziehen sollen. Abg. Frhr. v. Gamp(Rpt.): Nachdem wir in diesem Gesetze den Begriff„Fabrik" festgelegt haben, und zwar dahin, daß inin- destens 10 Arbeiter beschäftigt sein müssen, dürfen wir nicht zu- lassen, daß der Begriff durch einfache Verordnung des Bundes- rats wieder aufgehoben und anders definiert wird. Deshalb liegt gerade der Antrag Schmidt-Altenburg im Interesse des Handwerls. Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg: Ich bitte Sie gleichfalls, den Antrag Schmidt-Altenburg abzulehnen. Der Gegenstand eignet sollten unsere verbreitetsten, von wahrhaft gesundem Geist geleiteten Zeitungen, die so ängstlich um die Moral bemüht sind, noch die Leser fesseln, wenn sie ihnen nicht haarklein die großen Taten der Messerhelden berichteten und in ihren von den Spitzen der Literatur verfaßten hochinteressanten RomanfeuilletonS nicht täglich den Suff, den Raub, die Brandstiftung und den Mord verherrlichen könnten... („I-'�ssistts au beurre",) Notizen. — Musikchronik. Im Sonntagskonzert des Schiller« theaterS in Charlottenburg wird das Streichquartett in B-Dur von Brahms und das Streichquintett in C-Dur von Mozart neben Gesangsvorträgen geboten. — Die Schönheit der Polizei. Der für Donnerstag angesetzte Schöilheitsabend brachte eine eigenartige Ueberraschung. Schutzleute tanzten ehernen Schrittes preußische Staatsmoral auf der Bühne vor und verhinderten jede unzeitgemäße Enthüllung. Man mußte das Publikum, da eS fiir die Pickelhaubenkultur doch nicht genügendes Interesse hatte, init der Vertröstung auf die nächste Woche entlassen. Bis dahin hofft die Polizei alle Nacktheit gründlich beseitigt zu haben mit Hilfe des§ 3La der Gewerbeordnung. Die Schönheitsabende_ sollen unter Polizeikontrolle gestellt werden, wie die ihrem diskretionären Ermessen überlieferten Tingeltangel. Sie werden konzessioniert und wir werden dann wenigstens wissen, wie- viel Prozent Nacktheit— abgesehen natürlich von den Hofbällcn— die Polizeiästhetiler für tmanstößig und dem Staatswohl zuträglich hallen. Das kann eine interessante Statistik geben. — ES wird weiter restauriert. Es gibt in Deutsch« land auffälligerweise immer noch einige Ruinen, alte Kirchen und Burgen, die nicht restauriert sind. Das muß jeden Staatsbürger, der Sinn für Zucht, Ordnung lind Reglement hat, empören. Dieser schmählichen Außerachtlaffung echt deutschen, loyalen, aller anarchistischen Willkür abholden Empfindens wird erfreulicherweise von Tag zu Tag mehr entgegenwirkt. Und es muß zu unserem Ruhm gesagt werden, daß dem von oben gegebenen Beispiele tatkräftig nachgeelfert wird. Wie wir heute melden könne», hat nunmehr auch der Herzog von Koburg sich entschlossen, die alte Beste K o b u r g allen Anforde- rungen der Neuzeit entsprechend zu einer modernen Wohnung umbauen zu lassen. Der in dieser Branche bewährte Architekt Bodo Ebhard tvurde bereits zu Rate gezogen. — DaSSolo-Theater. Zu einem neuen Aufführungsstil gelangte dank der ungarischen Polizei die rumänische Schauspielerin B a r> e s k u. Sie hatte die Erlaubnis, in einigen rumänischen Ortschaften Ungarns Vorstellungen in rumänischer Sprache zu geben. Sie wollte in Kronstadt mit GrillparzerS„Mcdea" beginnen. Da kam die Polizei auf eine Idee, die auch der preußischen Polizei Ehre machen würde: sie gestattete Frau Barsesku das Auftreteu, aber nicht ihrer Truppe. So mußte sie denn das ganze Drama allein ausführen und sämtliche Rollen selber spielen. Das konnte man ihr nicht verbieten. sich«Ben nicht zur Erledigung durch Gesetz, sondern mutz i m V e r- ordnungSwege geregelt werden. Dos ist ja im Gesetz selbst ausgesprochen, also sollte man nickt bintenberum versuchen, ihn doch wieder gesetzlich zu regeln. Abg. Tchmidt-Berlin(Soz.): Wir werden nicht für den Antrag Schmidt-Menburg stimmen, wir sehen in ihm keine Erweiterung der Rechte des Reichstages. Gibt man dem Bundesrat einmal dos Recht zum Erlatz von Ver- Ordnungen, so kann man nachher nicht die Zustimmung des Reichs- tages fordern, denn sonst könnte leicht die ganze Tätigkeit des Bundesrats, auf diesem Gebiete lahmgelegt werden. Ter Reichstag kann ja nicht einzelne Bestimmungen einer Verordnung abändern, sondern nur die Verordnung im ganzen ablehnen oder abändern. Bei der Ablehnung würde dann der Bundesrat vielleicht mit einer neuen Verordnung kommen, die wiederum nur im ganzen anzu» nehmen oder abzulehnen ist und vielleicht wieder wegen einiger Bestimmungen abgelehnt wird, und so fort. Wenn man überhaupt glaubt, die Rechte des Reichstages erweitern zu müssen, so müßte man die Aerordnungsbefugnis des Bundesrats aufheben und die ganze Materie auf dem Wege der Gesetzgebung ordnen.— Der Abg. Irl klagte darüberi daß die Handwerkskammern sich nicht genügend hätten äußern können. Das Gesetz ist aber bereits im Dezember lö07 dem Reichstage unterbreitet worden, und eine ganze Reihe von Petitionen beweisen, daß die Handels- und Handwerks- kammern sich eingehend damit beschäftigt haben. Der Abg. Pfeiffer hat auf die Frage der Vertragsregelung der Schauspieler hingewiesen. Er meinte, das ginge nickt in der Gewerbeordnung, sondern könne nur durch besonderes Gesetz geschehen. Aber die Vertragsverhältnisse der Schauspieler ordnen sich sehr leicht in die Gewerbeordnung ein. Schon im Jahre lSW Hab« ich darauf hin» gewiesen, zu welchen mißlichen Verhältnissen der gegenwärtige Zustand für die Schauspieler führt. Viele Theaterdirektoren en- gagieren bei Beginn des SpieljahreS eine ganze Anzahl von Leuten weit über daS Bedürfnis der Direktion hinaus, um sich innerhalb des Probemonats geeignete Kräfte auszuwählen. Die nach dem Probemonat Gekündigten sind.dann zu einer Zeit stellungslos, wo die Theaterdireftorcn ihre Verträge schon überall abgeschlossen haben, so daß sie eine neue Stellung nicht erlangen können. Schon 1893 habe ich verlangt, daß wir das VertragSver- hältnis der Schauspieler in der Gewerbeordnung regeln. Es handelt sich hier um eine große Anzahl von Leuten, deren Ein- kommensverhältnis keineswegs über daö des qualifizierten Ar- bciters hinausgeht, bielmehr oft unter demselben steht. Deshalb habe ich auch wenig Hoffnung, daß diese Verhältnisse durch ein bc» sonderes Gesetz zur Zufriedenheit der Schauspieler geregelt werden, wie ich überhaupt Bedenken dagegen habe, den Arbeitsvertrag durch viele kleine Gesetze zu regeln. Durch eine einheitliche Regelung würde unsere Gesetzgebung nur an Klarheit gewinnen. Das Rechtsverhältnis der Gärtner ist hier im Reichstag schon des öfteren dargelegt worden. Auch die 5tommission hat anerkannt, daß das RechlvverhältniZ der in Gärtnereien Angestellten tatsächlich sehr unsicher ist: sie begnügt sich aber mit einer durchaus ungenügenden Resolution. Wir dagegen verlangen auch hier eine einheitliche Regelung des Vertragsverhältnisses. Heute unterliegen eine Reihe von Gärtnern der G«- werbeordnung, andere der Äesindeordnung, w-ieder andere dem Bürgerlichen Gesetzbuch, noch andere dem Handelsgesehbuch, und zwischen den einzelnen Kategorien ist die Judikatur durchaus un» tlar, so daß der Beschäftigte nie weiß, an welche RechtSstelle er sich bei Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhältnis zu wenden hat. Weshalb hier die Gelegenheit, die Gärtner mit in die Gewerbe- Ordnung mit einzubeziehen, nicht benutzt werden soll, ist nicht ein- zusehen. Aber wir meinen auch weiter, daß die Arbeiterschutz» Vorschriften den Gärtnern zustatten kommen sollen, zumal da ia der Bundesrat gewisse Ausnahmen durch Verordnungen festsetzen kann. Das einzige Bedenken könnte man bei oer Bestimmung über den Beginn der Arbeitszeit haben, hier kann jedoch die Sache durch eine Verordnung geregelt werden. Uebrigens sind bereits durch eine Reihe von Tarifen entsprechende Schutzbestimmungen im Gärtnergewcrbe borgesehen, ein Beweis, daß die Gärtnereien sich sehr wcyl darauf einrichten können. Ferner beantragen wir, daß für das Gastwirts- und Verkehrsgewerbe diejenigen Paragraphen nicht angezogen werden, welch««S zulassen, die Kinder von den Schutzbestimmungen auszunehmen. ES ist nicht einzusehen, warum in diesen beiden Gewerbszweigen eine sechsstündige Arbeit für Kinder und für Jugendliche bis zu 13 Jahren nicht genügen soll, wofern man die Kinderarbeit hier nicht überhaupt verbieten wollte.— Die Bestimmung, daß der Bundesrat Ausnahmen gestatten kann für sogenannt« Familien- betriebe, so daß diese nicht unter die Arbeiterschutzbestimmungen fallen, beantragen wir zu streichen. Auch die sogenannten Familienbetriebe brauchen dieselben Schutzbestimmungen; sie stehen sonst günstiger als andere Betriebe und werden geradezu zur un- lauteren Konkurrenz angespornt.— Herrn Irl bestreite ich, daß ge- rade für das Handwerk ein Bedürfnis vorliegt, Kinder von 13 bis 14 Jahren länger als 3 Stunden hindurch zu beschäftigen. Wenn in Bauern Kinder mit 13 Jahren aus der Schule entlassen werden und Schwierigkeiten haben, als Lehrlinge aufgenommen zu werden, wenn sie nicht 13 Stunden hindurch beschäftigt werden dürfen, so sollte lieber in Bayern und in den übrigen Bundes- staaten, wo es noch nicht der Fall ist, das schulpflichtige Alter auf 14 Jahre erhöht werden.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten und Freisinnigen.) Herr Irl sollte sich doch selbst sagen, daß ein Junge von 13 Jahren noch nicht so entwickelt ist, daß er 13 Stunden täglich ohne Gefährdung seiner Gesundheit arbeiten kann. Bleibt diese Bestimmung stehen, so könnte der Bundesrat auch für eine Reihe von Werkstätten, wo nur Platzarbeiter vorhanden sind, wie in der Kleineisenindustrie, Ausnahmen von den Schutzbestimmungen auf dem Verordnungswcge gestatten, die wir keineswegs für not- wendig hatten. Unsere Anträge haben vor allem eine Sicherung der j u g e n d- l i ch e n Arbeiter zum Zweck, und ich bitte Sie, ihnen Ihre Zu- stimmung zu geben, damit wir auf dem Gebiete deS Arbeiter- schutzes vorwärts kommen. Abg. Cuno(freis. Vp.): Auch ich erkläre mich aus den von dem Vorredner angeführte» Gründen gegen den Antrag Schmidt- Altenburg. Ebenso erkenne ich an, daß es«ine unangenehme Lücke ist, wenn die Schulpflicht vor dem 14. Jahre aufhört und die Kinder nur in gewissen Gewerben nicht angenommen werden, weil sie nicht über 6 Stunden beschäftigt werden dürfen. Hier soll aber die Schulgesetzgebung eingreifen und sich der Gewerbeordnung an- schließen, d. h. die Schulpflicht soll ausgedehnt werden. Auch bezüglich der Gärtner halte ich eine gesetzliche Regelung für not, wendig. Sehr dringend ist sie auch für die Verhältnisse der Schau- spieler. Wenn man irgendwo von einem Sklaventum sprechen kann, so ist eS hier der Fall.(Zustimmung links.). Abg. Trimbvrn(Z.) wendet sich noch einmal gegen den Antrag Schmidt-Altenburg. Ich zweifle daran, ob Herr Gamp und seine Freunde, wenn sie hier Erfolg haben, von der Neigung ergriffen werden möchten, auf anderen Gebieten ähnliches durchzusetzen: denn es gibt da einige Bundesratsverordnungen, welche den Herren äußerst unangenehm sind. Abg. Molkenbuhr(Soz.): Die Befürchtung, daß der Bundesrat im Arbeiterschutz zu Weit getjen werde, gehört der Vergangenheit an und ist heute wirklich nicht berechtigt. Aus diesem Gedanken heraus ist unser Antrag ge- stellt, der für die in Gaftwirtsbetrieben beschäftigten Kinder, Jugendliche und Arbeiterinnen einen erhöhten Schutz verlangt. Stach der BundeSratsverordnung vom April IVOS haben die in Gast- und Schankwirtschaftsbetrieben Beschäftigten«ine achtstündige Ruhezeit, nur alle 2—3 Wochen können sie einmal ordentlich ausschlafen. Wie lange die Arbeitszeit sein darf, darüber sagt die BundeSratsverordnung nichts. Daß dieser Schutz nicht genügt, hat aihch das Reichsgesundheitsamt seinerzeit anerkannt/ indem c3 erklärte, daß diese Schutzbestimmungen ausreichten, um kräftigen Personen die nötige Ruk« zu gewähren, damit ihre Gesundheit nicht geschädigt wird. Für Jugendliche und Arbeiterinnen genügt der Schutz also nicht. Der Schutz der Bundesratsveroronung dezieht sich überhaupt nur auf Kellner und Kellnerinnen�, Köche und Mam- sells, nicht aber auf alle übrigen im Gastwirtsbetriebe beschäftigten Personen. Unter diesen nicht geschiititen Personen befinden sich 125 003 weibliche und annähernd 23 300 Jugendliche! Wir wollen nun, daß in den Betrieben, wo wenigstens 13 Personen beschäftigt sind, den weiblichen und Jugendlichen die elfstündig« Mindestruhe gewährt wird. Wir sind nicht so weit gegangen, ein Verbot der Nachtarbeit im Gastwirtsgewerbe zu verlangen. Zwar würde der von uns beantragte Schutz auf kaum 2 Proz. der Betriebe des GastlvirtsgewerbeS Anwendung finden, aber immerhin würden da- mit 73 333 Personen geschützt werden. Wenn man eingewendet hat, dieser Schutz sei im GastwirtSgewerbe nicht möglich, weit manch- mal morgens 2 Uhr der letzte Zug ankommt und um 3 Uhr der erste wieder abfährt, so daß die Hausdiener und Aufivartefrauen nur in der Zwischenzeit Ruhe haben könnten, so stehen wir auf dem Standpunkt, daß gerade mit Rücksicht auf solche Mißstände die Gesetzgebung eingreifen muß. Die Arbeit muh eben in solchen Betrieben so eingeteilt werden, daß dieselben Personen, die um 2 Uhr arbeiten, nicht auch um 6 Uhr wieder antreten müssen. In Betrieben mit mehr als 13 Beschäftigten wird eine andere Ein- tcilung auch durchaus möglich sein. ES liegt also kein Grund bor, die Gastlvirtschafien von oem Schutz auszuschließen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Debatte. In der Abstimmung wird der Antrag Akbrecht(Soz.) be- treffend die Gärtnereien, das Gastwirts- und Verkehrsgewerbe, abgelehnt, der Antrag Albrecht betreffend die Hausindustrie, für den auch das Zentrum und einige Freisinnige stimmen, durch Auszählung mit 143 gegen 133 Stimmen angenommen. Der Antrag Schmidt-Altenburg(Rpt.) wird abgelehnt. Im übrigen bleibt es bei den Kommissionsbeschlüssen. Weiter beantragen die Abgeordneten A l b r e ch t(Soz.) und Genossen einen neuen Artikel, wonach Arbeiterinnen für die Zeit, in der sie als Wöchnerinnen nicht beschäftigt iverden dürfen, ein Krankengeld in Höhe der Hälfte des ortsüblichen Tagelohns gewöhn- llcher Arbeiter und Arbeiterinnen zu gewähren ist. Abg. Etadthagen(Soz.): Unser Antrag ist eine Konsequenz deS mit großer Mehrheit gefaßten Beschlusses, wonach der Wöchnerin neu schütz von 3 auf 8 Wochen auszudehnen ist. Wir wollen, daß nun für diese Zeit auch Krankengeld gezahlt wird. Den innigen Zusammenhang zwischen Wöchnerinnenscknch und Krankengeld in der Zeit wo der Wöchnerinnenschntz besteht, wird niemand bestreiten. In der Kom- Mission hat die Regierung erklären lassen, daß sie ebenfalls der An- ficht sei, daß das Krankenversicherungsgesetz mit dem nun er- weiterten Wöchnerinnenschutz in Einklang zu bringen sei, und hat eine Revision des KrankenversicherungSgesetzeS in Aussicht gestellt. Wann aber diese Novelle zum Krankenversicherungsgesetz in Kraft tritt, wissen wir nicht. Jedenfalls tritt sie noch nickt am 1. Januar 1939, also nicht zusammen mit dem vorliegenden Gesetz, in Kraft. Dann würde aber eine Lücke entsteben, und diese Lücke zn schließen bezweckt unser Antrag. Ich bitte Sie dringend, im Interesse deS Schutze? der Wöchnerinnen, schon jetzt diese Acnderung vorzu- nehmen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg:-Dieser Antrag gehört doch wohl nicht in die Gewerbeordnungsnovelle. Es ist aber meine Absicht, bei der bevorstehenden Revision des KrankenversicherungS- gesetzeS dem Beschluß, den hier die GewerbeordnungSnovclle-Kom- Mission vorschlägt. Rechnung zu tragen.(Bravo!) Der Antrag Albrecht lvird hierauf abgelehnt und der Rest der Vorlage ohne Debatte angenommen. Ebenso die vorher erwäbnten Resolutionen der Kommission. Tmnit ist die Tagesordnung erledigt. Nächste Sitzung: Sonnabend 11 Uhr(erst« Lesung de? Etats und des BeamtenbesoldungSgesetze?.). Schluß 5 Uhr._ Schweizerischer(ozialdernollratiicher Parteitag. Am 28. und 29. November tagte in Ölten der Parteitag der Schweizer Sozialdemokratie. Er beschloß zunächst nach besür- wortenden Referaten des Genossen Suter-Aargau und Dr.Klöti- Zürich, sowie nach einer Diskusston, die sich zumeist in zustimmendem Sinne hielt, mit 162 gegen nur 1 Stimme die Unterstützung der Initiative für die Proportionalwahl des Ratio- n a l r a t e S. Auch diejenigen Genossen, die aus taktische» Gründen für die Verschiebung der Initiative waren, erklärten, sich auf alle Fälle einem Mehrheitsbeschlüsse fügen und später an der Agitation mitwirken zu wollen. Sodann wurde nach einem Referat de? Genossen Berndt, Se- kretär des Zugpersonalvereins, und zustimmender Debatte ein Protest beschlossen gegen die Praxis der SlaatSeisenbahnverwaltung. den Eisenbahnern das passive Wahlrecht zu verkürzen. Bon besonderem Interesse war dabei die Feststellung, daß die private, einer internationalen Aktiengesellschaft gehörende Gotthard« bahn ihren Angestellten volle Freiheit in der Annahme von Mandaten für die Behörden gewähre. In der Sitzung de« zweiten TageS wurde nach einem Referat deS Genossen Greulich eine Aenderung der Partei- st a t u t e n beschlossen. Vier wesentliche Neuerungen seien erwähnt: Förderung des Genossenschaftswesens durch die Partei.Berbindlichleit aller Parteitagsbeschlüsse für die Organisationen, die Parteipresse und Parteivertreter in der Bundesversammlung. die Wahl von fünf Mitgliedern deS GrültizentratkomiteeS tn die Geschästsleilung der Partei, die auS elf Mitgliedern besteht; Festsetzung deS ParteibeitrogeS je auf ein Jahr durch den Parteitag und zwar vorläufig mit 23 CtS. pro Mitglied. Der„Grütlianer" wurde als Zentralorgan der Partei bestätigt. Die fünf- zehn in der Schweiz erscheinenden soziatdemotratlscheu Blätter wurden als offizielle Parleiblätter anerkannt. Auf Antrag des Genossen S i g g- Gens fand in Sachen der Auslieferung Wassilieffs folgende Resolution ein« stimmige Annahme: „Der Parteitag protestiert gegen dieJnterpretation. welche die russiiche Regierung dem bnndeSgericht- l i ch e n Urteil beireffend Auslieferung Wassilieffs gegeben bat und stellt an den Bundesrat das Ersuchen, er möge von der russischen Regierung die Respektierung deS beim AuSlieferungSbeqehren gegebenen Wortes verlangen, daß Wassilieff nicht vor ein« u S» nahmegericht, sondern vor das ordentliche Schwur- g e r i ch t gestellt werde, wie eS allein dem Geiste und auck dem Wortlaut des bundesgerichtlichen Urteils entspricht. Der Parteitag wünscht, daß die Vertreter der sozialdemokratischen Partei im Nationalrat vermehrte Garantien für die vufrechterhaktung deS Asylrechts in der Schweiz verlangen.' Eine größere Debatte knüpfte sich an da? Referat des Genossen Seidel über das st a a t l i ch e G e t re i d e m o n o p o l. Genosse Seidel schlug eine Resolution vor. worin sich der Parteitag, wie diejenigen von Solothurn>892 und Zürich 1897. für das staatliche Getreideinonopol erklärt, weil das staatliche Getreidemonopol das einzige Mittel sei, um daö P r i v a t m o n o p o l einer Handvoll unverantivortlicher Getreidehändler abzuschaffen, die zum Teil nicht einmal in der Schweiz wohnen; um der kapitalistischen Privat- Wirtschaft ein AuSbeutungZfeld von jährlich 163 Millionen Frank zu entziehen; um den Müllerringen das Handwerk zu legen, um der Schweiz ihre Müllerei zu erhalten, uud um daS Schweizer Volk vor der Abhängigkeit und Tributpflichtigkeit der ausländischen Müllerei zu Bewahren. Es sei ferner ein guter Weg, um leicht zur Verfiaat- lichnng der Müllerei und zum maschinellen Großbetrieb der Gemeinde- und Genosselischaftsbäckereien mit menschenwürdigen ArbeitSziiständett zu gelangen, und das das einzige Mittel, um das Land in Friedens- und in Kriegszeilen mit genügenden Getreide- Vorräten zu versorgen, um dem Volke ebenso billiges Brot zu be- schaffen wie der Pnuatgetreidehairdel, und um bei vernünftigem Betrieb in der Zukunft sogar noch einen Ueberichuß zu erzielen, der zu Sozialwerken verwendet werden kann.— Damit es aber seine Zwecke recht erfülle, müsse eS vor allen Dingen der großen Masse der armen Konsumenten und weder fiskalischen Zwecken noch den Privatinteressen der kapitalistischen Müllerei oder der Großbauern- schaft dienen, müsse eS die Versorgung deS Volkes mit gutem. billigem Brote im Frieden und im Kriege sicherstellen, und zwar durch genügende Vorräte, wofür in allen LandeSteUen Vorratshäuser zu errichten seien, müsse eine eigene technische und demokratische Verwaltungsorganisation geschaffen werden, die von der politischen LandeSverwaltiuig unabhängig sei, und dürfe ein etwaiger Gewinn nur zur Sicherung und zum Ausbau der Monvpolzwecke selbst und zu Sozialwerteu(Alters- und Invalidenversicherung. Förderung des GenosseiislbaslSivesens) verwendet werden. Hauptsächlich aus politischen Gründe». aber auch im Hinblick auf die mit dem Monopol verbundenen Spekulationen der Müller und Agrarier bekämpfte Professor G a s s e r- Winterihur die so- fortigc definitive Stellungnahme. Er beantragte, zu warten, bis die Projekte deS Bundesrates vorliegen. Einverstanden erklärte er sich mit den Forderungen Seidel« mit Ausnahme deS Satze?, wonach die Ueberschüsie deS Monopols zu Sozialwerteu verwendet werden sollen. Genosse Z ü g g l i- Basel vom Verband der schweizerischen Konsum- vereine wandte sich ebenfalls gegen das Monopol, namentlich im Hinblick auf die Spekulationen der Müller und Agrarier. Nach dem Bauernsekretär Dr. Baur sollten die Getreidepreise in der Schweiz um 63 Proz. erhöbt werden. Die Zwecke deS Monopols, wie Seidel es will, könne» die Konsumgenossenschaften als PreiSregulaloren zum größten Teil erreichen. Auch gegen die Siibventionierung der Genossenschaften mit dein Monopolgewinn wandte er sich, denn die Hauptsache sei die Beschaffung billigen BroieS. In ähnlichem Sinne, aber unter grundsätzliche� Hochhaltung des staatlichen Getreidemonopols, sprach sich Genosse L a.n g- Zürich auS, und er stellte folgenden VermittetungSantrag: „Wie daö sozialdemokratische Programm im allgemeinen für die Ersetzung der kapitalistischen Profilivirtschaft durch eine sozia- listische BedarsSdecknngSivirtschast kämpft, so anerkennt eS im be- sonderen die Notwendigkeit und Möglichkeit, die Broiversorgung der kapitalistischen Spekulation zu entziehen. Als Mittel hierzu können denen die Einführung de« staatlichen Getreidemonopols und des geiiossenschastlichen Großeinkaufs des MehleS in Verbindung mit ge- noffenschaftlichen Mühlen und Bäckereien. Die sozialdemokratische Partei erklärt jetzt schon, daß sie einem staatlichen Getreidemonopol nur dann ihre Zustimmung geben kann, wenn ihr derjenige Anteil an der eid- genössischen Gesetzgebung und Verwaltung gesichert ist, welcher der Stärke der Arbeiter schaft und ihrer wirtschaftlichen Bedeutung entspricht... Der dritte Absatz deckt sich mit den in der Resolution Seidel aufgestellten Forderungen, die als Vorbedingung für die Zustimmung der Sozialdemokratie aufgestellt werden. Nur der PassnS von der Verwendung des Monopolgewinns für Sozialwerke fehlt; eS foil der Gewinn nur zur Sicherung und zum Ausbau der Monopolzwccko selbst verwendet werden. Nachdem noch Walter- Wintertbnr sich im Sinne der Resolution Lang geäußert und auch Seidel sich damit einverstanden erklärt hatte, wurde der Antrag Lang mit Begeisterung ein- st i m m i g angenommen. Nach einer Sympathiebezeugung für die ausgesperrten Schneider wurde der Partettag mit einem begeistersen dreifachen Hoch ge- schlössen. Hiid der Partei» Gemeindewuhlcn. In Anhalt wurden in mehreren Orten zum Teil erfreuliche Erfolge erzielt. In Kothen wurde der erste Sozialdemokrat ins Dtadtverordnetenkollegium gewählt.— In Nienburg wurden fünf Sozialdemokraten gewählt. Ihre Stimmenzahl hat sich seit der Vorwahl mehr als verdoppelt, während die Bürgerlichen rund 63 Stimmen verloren.— In Alten wurden die beiden sozial- demokratischen Kandidaten gewählt, die 149 Stimmen gegen 84 Stimmen der Bürgerlichen erhielten.— In I o n i tz wurde in der 8. Klaffe der Sozialdemokrat mit 83 Stimmen gewählt. Die Gegner hatten keinen Gegenkandidaten aufgestellt. In M i e S b a ch(Bayern) wurde der erste Sozialdemokrat gewählt. Bei der DürgerauSschußwahl in Eßlingen haben die Sozialdemokraten vier Mandate erobert. Bisher war die Sozialdemokratie nicht vertreten. Ihre Kandidaten erhielten eine ziemlich hohe Stimmenzahl gegenüber den bürgerlichen Kandi- baten, von denen fünf gewählt wurden. In Nellingen bei Eßlingen ist die fozialdemokra- tische Liste glatt durchgegangen. Fünf Sozialdemo- kraten wurden gewählt. BürgerauSschnßwahlrn in Württemberg. Im Dezember jedes zweiten JahreS finden in Württemberg die BürgerauSschußwahlen statt, und zwar ist die Hälfte deS Kollegiums neu zu wählen. Dieses Jahr gelangt bei dieser Wahl zum erstenmal daS Verhältniswahl- system zur Anwendung, daS bei der vorjährigen GemeinderatSwahl sich gut bewährt hat. Leider ist der Proporz mir für Gemeinden mit über 13333 Einwohnern geschaffen. Kleinere Gemeinden müssen fich nach wie vor mit der M a j o r i t S t S w a h l behelfen. Die ersten Wahltage haben unseren Genossen gleich einige Er- folge gebracht. In Eßlingen, wo die Sozialdemokratie im Bürgerausschuß bisher noch gar nicht vertreten war, eroberten wir von den 9 Mandaten 4, obgleich sämtliche bürgerliche» Parteien und Gruppen ihre Wahlvorschläge miteinander verbunden hatten. In der „zweiten Residenz' Ludwigsburg, einer Militär- und Rentner- stadt, zieht der erste Sozialdemokrat in den Bürgerausschuß ein. Im rabenschwarzen Ravensburg holten sich unsere Genossen gleich- falls ein Mandat. ES fängt gut an. . Hiid Industrie und Kandel. Eierhandel. Seit den letzten Jahrzehnten ist das unscheinbare Ei ein WelthandelSartikel geworden, der dem mit Millionen gerechnet wird. Deutschland steht mit seine» Einfuhrziffern jetzt an der Spitze aller Eier einführenden Länder. Vor wenige» Jahren war eS noch England. Unsere Einfuhr ist seit 1933 von 2341 Millionen Stück auf 2453 Millionen Stück im Jahre 1937 gestiegen. Dazu kommt noch die inländische Produktion, die auf zncka 1330 Millionen Stück geschätzt wird. DeuischlandS Import kommt aus allen Eier expor- lierenden Staaten Europas, dann auch aus Kleinasie» und Aegypten. Die Hanpi», engen kommen a»S Rußland»nd Galizien. Zeniral- sammelpuiikt für Dentichlaiid ist Berlin. 1937 sind in der RnchS- baupistadt 332 274 933 verzehrt worden, dies bedeutet für deu Tag im Durchschnitt 1 732 233 Stück. Die Verdienste sind gerade im Eierhandel ganz horrende. Das Produkt kommt miS Ländern vorwiegeiid niederer Kullursmfe. wo daö Geld noch größere Kauflust hat. und wird in Ländern höherer Kultur verbraucht. Und hier sind die Preise nnvergleichlich höher als in den Ausfuhrländern. Brotpreise. Rafi den Ermittelungen dcS Statistischen Amts der Stadt Berlin stellen sich die letzt ermittelten Durchschnittspreise für Weizen» brot aus 52,79 Ps. und für Roggenbrot aus 30,05 Pf. pro ein jtilograinm. Die Preise beziehen sich auf Erhebungen im Oktober und November und liegen ihnen die Brotentnahmen aus vierzig Bäckereien zugrunde. Der Preis für Weizenbrot ist berechnet nach dem Gewicht der entnommenen Schrippen. Im Vergleich mit der vorletzten Erhebung und mit früheren Preisernritteluugen ergeben sich folgende Resultate: Ermitteluna Weizenbrot Roggenbrot vrrmmeiung in � pr0 1 Oktober-November 1903. 52,79 30,05 September-Oktober 1908, 52,46 30,61 Oktober 1907..... 53,13 32,85 Oktober 1905..... 43.22 24.98 Oktober 1904..... 41,35 23,47 Oktober 1903..... 41.63 23,68 Oktober 1902..... 41,77 24,47 Oktober 1901..... 41,44 24,23 Nach den letzten Preisermittelungen ist der RoggcnbrotpreiS etwas gefallen, dagegen ist Weizenbrot wieder teurer geworden. Stellt man die Oktoberpreise des Jahres 1901 mit den letzten Ermittelungen dieses Jahres in Vergleich, dann gewinnt man für daS wichtigste Nahrungsmittel folgendes Bild: 1901 1903 Steigerung in 1903 pro Kilogr. in Pf, absolut Prozent Welzenbrot.... 41,44 52,79 11.35 27,38 Roggenbrot.... 24,23 80,05 5,82 24,02 Zwar haben die Preise deS JahreS 1907, die bei Weizenbrot um fast 29 Proz., bei Roggenbrot um rund 40 Proz. über daS Niveau des JahreS 1904 hinausgewachsen waren, sich nicht behaupten können, trotzdem hat der Brotkonsument heute noch Brotpreise zu be- zahlen, die speziell das Budget des Arbeiters in ganz ungewöhn- licher Weise belasten. Die Belastung ist bei den jetzigen Erwerbs- Verhältnissen so empfindlich, daß in mancher Familie die billigere Kartoffel an die Stelle der Broternährung tritt. Aber der arme Teufel entgeht nicht der Strafe für das Verbrechen des ArmseinZ. Macht er schon aus der Not eine Tugend, nimmt er Zuflucht zur billigeren Kartoffelnahrung, betrügt er auf solche Weise seinen Magen, dann entgeht er doch nicht gesteigerter Tribulpflicht: die Kartoffeln find nämlich auch wieder teurer geworden I Hier der Beweis: Nach der- selben Quelle, die wir für die Untersuchung der Veränderung der Brotpreise benutzten, kosteten gute geiunde Speisekartoffeln im Oktober 1901 per 1200 Kilogramm 33 M,; im Jahre 1902 war der Preis nur 1 M. höher; im Oktober d. I. kostete daS gleiche Quantum jedoch 48 M. Die Junker preisen den Segen der 50 resp, 55 M,-Brotgetreidezölle; die Arbeiter verspüren den Segen in Verschlechterung der Arbeitsverhältniffe und peinigender Lebens- mittelleuerung._ Luxemburgisches Roheisensyndikat. Nach mehreren vergeblichen Versuchen kann nun, nachdem die Gelsenkirchener Bergwerko-Gesellschast und die Deulsch-Luxemburgische BergioerkS- und Hülten-Akliengesellichafl ihren Beilritt erklärt haben, die Verlängerung des Luxemburger RoheisensyndikatS um drei Jahre als gesichert gelten. Es finden noch die Verhandlungen mit den Häudlergruppen statt, bei denen aber Differenzen kaum zu er- warten sind._ Kautschuk wird teurer. In einer am 3. Dezember in Berlin ab- gehalleneu Versammlung der leitenden deutschen Kautschukwaren- Fabriken wurde beschlossen, einen Preisaufschlag von 10 Proz. ab 1. Januar eintreten zu laffen. Sollte die Preiesleigerung am Roh- kautswnkmarkt Fortschritte machen, sollen die Verkausdpreise sür Kautschulwaren später auch noch weiter gesteigert werden. SmcKts- Leitung. Angebliche vuterschlagungen im Luckauer ZnchthauS bildeten am Dienstag den Gegenstand einer Verhandlung vor dem Luckauer Schöffengericht. Es war wegen Beamtenbeleidigung die Frau des Gefangenaufsehers Gottlob geb. Haubt aus Luckau angeklagt. Am 13. Januar 1908 erhielt der Direktor des Luckauer Luchthauses Gundermann einen anonymen Brief, der durch AuS- schnitte auS Zeitungen zusammengeklebt war. Er enthielt schwere Vorwürfe gegen den Obcraufseher Senkbeil. Ferner erhielt am 1. Februar 1908 der Regierungspräsident zu Frankfurt eine Ein- gäbe von der Angeklagten, in welcher im Interesse der Beamten» schaff des Luckauer Zuchthauses um Untersuchung der gegen den Oberaufseher Scnkbeil verlautbar gewordenen Gerüchte gebeten wurde. Seit langer Zeit sei es unicr der Beamtenschaft TageS- acspräch, daß der Lbcraufscher sich pflichtwidrige Dinge zuschulden kommen ließ. So sollte er sich in der Anstalt ein Küchenspind haben machen lassen, ohne daß seine vorgesetzte Behörde davon etwas gewußt hat. Weiter sollte er sich widerrechtlich Militärtuch angeeignet haben, um für seine Frau und Kinder Mäntel und Unierritcke anfertigen zu lasten. Fertige Militärhosen, welche in der Anstalt angefertigt waren, sollten von ihm mit 2 Flaschen Bier dezahlt worden sein. Ihm sei auch ein in der Anstalt borge- kommener Gelddiebstahl aus der Kaste der Anstalt zur Last gelegt. Auch solle er sich Mißhandlungen zuschulden kommen lasten. Durch diese Eingabe soll die Anxellagte Gottlob Beamtenbeleidigung begangen haben. Die Angeklagt« bestritt, mit der anonymen Eingabe irgend etwaö zu tun zu haben. Die Eingabe an den Oberpräsidenten habe sie im Jntereste der Beamten und speziell ihres Mannes geschrieben, nachdem sie mit einer Beschwerde bei Gundermann als Direktor der Anstalt von demselben abgewiesen war. Von der Eingabe habe ihr Mann nichts gewußt. Die erhobenen Anschuldi- gungen seien allgemeines Gespräch unter der Beamtenschaft ge- Wesen. In der umfangreichen Beweisaufnahme wurden gegen 20 Zeugen vernommen. Direktor Gundermann: Die hier in Frage stehenden Vorkommnisse sollen vor seiner Anstellung ge- schehcn sei». Durch eine Untersuchung infolge der Eingabe sei, festgestellt, daß sie nur auf Klatsch beruhen. Er habe das Gefühl, als wenn die Gerüchte nur in die Welt gesetzt worden sind, um den Obcraufseher, welcher ein strenger aber sehr tüchtiger Beamter sei, auS Lohn und Brot zu bringen. Er sei der Ansicht, daß der Mann der Angeklagten die treibende Kraft sei, weil er wegen Be- leidigung des ObcraufseherS disziplinarisch mff 25 M. Geldstrafe bestrast worden ist. Zeuge Schneidermeister Rohde: Der frühere Aufseher Strauß hat mitgeteilt, daß der Oberaufseher sowie andere Beamten Tuch unterschlagen haben, für welches er(Strauß) hastbar sei. Ebenso seien 18 Litewken aus dem Lager verschwunden. Zeuge Seifert: Der Aufseher Strauß ist zu mir in die Wohnung gekommen und hat um ein Darlehen von 30 M. gebeten. Als ich fragte, wozu er denn das Geld brauche, habe Strauß erklärt; daß in seinem Lager Tuch fehle, welches der Blau«(Obcraufseher Senkbeil) und der Aufseher Beer erhalten haben. Auch der Aufseher Christcr habe zugcschniHeneS Tuch bekommen. Weiter soll der Gefangene Bosse für den Blauen ein Hackebeil und ein Wiegemesser angefertigt haben., Zeuge Gärtner Mesert: Ihm habe der Aufseher Ehlert gesagt, daß der Blaue sich habe Bretter vom Holze der Anstalt geben lassen um sich ein Küchenspind anfertigen zu lasten. Obcraufseher Scukbeil legt eine Rechnung vor, nach welcher er das Holz bei einem Zimmermeistcr gekauft habe. Die Angeklagte spricht die Vcr» mutung aus, daß diese Rechnung vielleicht erst nachträglich ausge- stellt ist. Aufseher Ehlert bestrettet die Nichtigkeit der Aussage deZ Zeugen Mesert; dieser hält seine eidliche Aussage aufrecht. Zeuge Aufseher Wallmann: Der Aufseher Ehlert hat mir mitgeteilt, daß der Blaue(Oberaufseher) sich habe Holz geben lasten, um davon ein Küchenspind in der Anstalt herstellen zu lassen. Als er(Zeuge) einmal Wache hatte, ist der Gefangeue Bosse gekommen und hatte eine ganze Schürze voll Aepfcl, welche er von dem Oberaufseher Senkbeil erhalten hatte. Als Zeuge den Bosse nicht passieren lassen wollte, habe letzterer zu ihm gesagt:„Ach, sind Sie man nicht so, der Oberaufseher ist auch nicht so, er hat mir letztens 2 Rollen Priem(Kautabak) gegeben, weil ich ihm ein Hackebeil und Wiege- messer angefertigt habe." Obcraufseher Senkbeil gibt den Fall mit den Aepfcln zu, bestreitet aber das letztere. Eine Frage des Verteidigers, Rechtsanwalts Räuscher, ob dem Zeugen bekannt ist, daß der Direktor Gundermann sich irgend- welche Arbeiten ini Zuchthause hat anfertigen lassen, läßt der Vor- sitzende als unzulässig mit der Begründung nicht zu, es sei nicht Sache des Gerichtes, die ganzen Anstaltsverhältnisse hier aufzu- rollen. Zeuge ZLallmann: Auf eine Meldung an den Werk- meister Lüdtke hat derselbe geäußert:„Mir drücken die Mauern hier, wenn ich von dem(Senkbeil) etwas höre, wenn das einmal zum Klappen kommt, dann stinkt es gehörig." Zeuge Tischler Pfeifer(früher Insasse des Zuchthauses): Ich habe gesehen, daß das Küchenspind ein neues gewesen ist; ob ein Arbeitszettel vor- gelegen hat, weiß ich nicht. Für den Oberaufseher habe ich einen neuen Küchenstuhl angefertigt, ohne einen Arbcitszettel gehabt zu haben. Der Ehemann der Angeklagten bekundet, daß er an der Eingabe seiner Frau ganz unbeteiligt ist. Im weiteren bestätigt er die von den anderen Zeugen gemachten Aussagen, soweit sie als Gerüchte in der Anstalt unter den Beamten und Gefangenen der- lautbar waren. Oberaufseher Scnkbeil bestreitet, daß er sich irgendeine Ver- fehlung habe zuschulden kommen lasten. Mit den Arbeiten, die er für sich in der Anstalt hat anfertigen lassen, liege eS folgendermaßen. Den Beamten ist erlaubt, gegen Bezahlung des Arbeits- lohnes Reparaturen anfertigen zu lassen. Zu allen Arbeiten habe er sich einen ordnungsgemäßen Arbeitsschein ausstellen lasten. Ter Amtsanwalt beantragt Freisprechung wegen der anonymen Eingabe, da nicht erwiesen sei, daß dieselbe von der Angeklagten herstamme, hingegen wegen der zweiten Eingabe 4 Wochen Ge- fänßniS. Ter Verteidiger der Angeklagten plädiert auf Frei- sprechung. In eingehenden juristischen Ausführungen legt er dar, daß der Angeklagten unter allen Umständen der Schutz des Z 193 (Wahrung berechtigter Interessen) zur Seite stehe. Das Gericht schloß sich den Ausführungen des Verteidigers an und erkannte auf Freisprechung. Die Kosten wurden der Staatskasse zur Last gelegt._ Die außerordentliche Gefährlichkeit der Niveaukreuzungen bewies wieder einmal eine Verhandlung, welche gestern die 4. Straf- kammer des Landgerichts III beschäftigte. Wegen fahrlässiger Ge- sährdung eines Eisenbahntransportes mußte sich der Kraftdroschken- führer Friedrich Lück vor dem Strafrichter verantworten.— Am 31. Juli d. I., abends gegen �HIO Uhr, gerieten die Fahrgäste des vom Stettiner Bahnhof nach Oranienburg abgelassenen Borortzuges Nr. 179 in eine schwere Gefahr, die nur durch die Geistesgegenwart eines Bahnbeamten abgewendet wurde.— Kurz vor dem Bahnhof Reinickendorf-Rosenthal befindet sich im Zuge der Kopenhagener Straße ein Bahnübergang, welcher schon häufig zum Schauplatz aufregender und gefährlicher Szenen geworden Ivar. Die Kopen- Hagener Straße vermittelt den gesamten Verkehr zwischen Reinicken- dorf-Rosenthal und den noch nördlicher liegeirden Vororten und Berlin, so daß hier ein sehr starker Fuhrwerksverkehr zu allen Tagesstunden stattfindet. Trotz aller Petitionen der betreffende» Gemeinden befindet sich dort immer noch ein Niveauübergang.— Am Abend des 31. Juli hatte der Angeklagte Lück in seiner Auto- mobildroschke einen Fahrgast nach Rosenthal gefahren. Auf der Rückfahrt mußte er den geiährlichen Bahnübergang wieder passieren. Nach seiner Angabe habe plötzlich die Brems« versagt, sodaßer den Wagen nicht rechtzeitig habe zum Stehen bringen können. DaS Auto zer- trümmerte die Schranke und blieb mitten auf den Schienen stehen. In diesem Augenblick brauste der Oranienburger Vorortzug heran, der durch die auf den Schienen liegende Schranke unbedingt ent gleist wäre, wenn nicht der Lokomotivführer Arndt im letzten Augen- blick Gegendampf gegeben und die Notbremse angezogen hätte. Nachdem sich der Angeklagte von dem ersten Schrecken erholt hatte, wandte er sein Fahrzeug schnell um und versuchte durch schleunige Flucht sich der Feststellung zu entziehen. Der Weichensteller Stengel hatte jedoch die Nummer der Kraftdroschke erkannt, so daß der An- geklagte zur Verantwortung gezogen werden konnte.— Bor Gericht bestritt Lück, sich einer Fahrlässigkeit schuldig gemacht zu haben und behauptete, daß gerade in dem kritischen Moment leine Bremse versagt habe. Der Staatsanwalt hielt eine Fahrlässigkeit schon darin für erwiesen, daß der Angeklagte nicht schon in größerer Ent» sernung vor der Schranke seine Fahrgeschwindigkeit so ermäßigt habe, daß er seinen Wagen unter allen Umständen hätte zum Stehen bringen müssen. Mit Rücksicht auf die sehr erhebliche Gefährdung beantragte der Staatsanwalt eine Gefängnisstrafe von einem Monat. RcchtSamvalt Dr. Gutfeld wies darauf hin. daß so lange derartige gefährliche Niveauübergänge bestehen, ähnliche Unfälle nicht zu vermeiden sind. Dem Angeklagten köime man nur zum Vorwurf machen, daß er sich auf das ordnungsmäßige Funktionieren seine» Bremse allzu sehr verlassen habe. Bei der ganzen Sachlage und der bisherigen Unbescholtenheit des Angeklagten erscheine eine Geld- strafe als ausreichende Sühne. Das Gericht hielt eine Fahrlässigkeit für vorliegend, und erkannte auf eine Geldstrafe von 300 Mark.. Im Prozeß Riedel geht die Beweisaufnahme außerordentlich langsam vonstatlen und dürfte noch«ine ganze Reihe von Sitzungen ausfüllen. Es steht der §all der Else Kaminsky zur Verhandlung. Wegen deS Ausschlusses er Leffentlichkeit ist eme objektive Berichterstattung unmöglich. Historisch seien über den Fall Kaminsky folgende Moment« fest- gehalten: Gelegentlich eines Verfahrens wegen Sittlichkeitsverbrechen gegen den Tischlermeister H., lvclchcs im Jarniar 1907 eingeleitet wurde und mit der Verurteilung des H. endete, war auch ein solches Verbrechen gegenüber der jetzt erst löjährigen Else Kaminski fest- gestellt worden. In dieser Strafsache hatten zwei Mädchen bei ihrer polizeilichen Vernehmung angedeutet, die Else Kaminski habe ihnen erzählt, sie kenne einen Doktor in der Leipziger Straße, der es ebenso wie der Tischlermeister A. mache. Sie hat dann am 9. Fe- bruar 1907 zu polizeilichem Protokoll gegeben, daß sie mehrere Male bei dem Angeklagten Riedel gewesen sei und dieser mit ihr un- züchtige Dinge vorgenommen habe. Als dann der Angeklagte vo, dem Kriminalkommissar Hoppe verantwortlich vernommen wurde, bestritt er auf das nachdrücklichste, mit der K. irgend welche unzüch- tigen Handlungen vorgenommen zu haben. Bei der nochmaligen Vernehmung vor dem Kommissar beteuerte sie nach dringender Er- Mahnung zur Wahrheit, daß alles, was sie gesagt habe, richtig sei. In dem SauptvcrhandlungStermin am 20. Ztovcmbcr 1907, bestritt der Angeklagte wieder alle Beschuldigungen der Else K., die diese nun plötzlich auch als unwahr in Abrede stellte. Infolgedessen wurde die Verhandlung damals vertagt und die Kriminalpolizei beauftragt, über das Tun und Treiben des Angeklagten weitere Ermittelungen anzustellen. Die Wohnung des Angeklagten wurde durch den Krimi- nalschutzmann Stierstädtcr beobachtet, und durch diese Beobachtungen wurde der Verdacht des Verbrechens wider die Sittlichkeit in dem Maße bestärkt, daß der Angeklagte verhaftet wurde. In der vom 10. bis 16. Juni v. I. stattgefundenen Hanptvcrhandlung wurde außer in mehreren anderen Fällen insbesondere auch im Falle Ka- minski jegliche Schuld bestritten; auch Else K. bebauptete ausS neue, daß ihre Beschuldigungen nickst wahr seien und sie auf der Polizei nur deshalb gelogen habe, well der protokollierende Schutzmann ihr Backpfeifen angeboten und ihr gedroht habe, sie in den Keller zu sperren. DaS« Gericht hat damals diese Angabe als durch die Bc- iveisaufnahme widerlegt erachtet angenommen, daß Else Kaminski ihre polizeiliche Aussage ohne die geringste Becinflussung durch einen Polizeibeamten abgegeben habe, und ihre gerichtliche Aussage unlvahr sei. Ferner hatte da» Gericht angenommen, daß für die Wahrheit der polizeilichen Aussage die verschiedensten Momente sprechen, zumal diese zu dem Biloe, welches der bisherige Lebens- wandel des Angeklagten darbiete, vollständig passen.— In der jetzigen erneuten Verhandlung kommt es nun wieder ausschließlich darauf au, Klarheit darüber zu gewinnen, ob Else Kaminski vor der Polizei oder aber vor Gericht die Wahrheit gesagt habe. Versammlungen. Dir Kampf um die Rechte des Reichstages. lieber dies Thema sprach Genosse Wolfgang Heine am Dienstag in einer öffentlichen Versammlung, welche die Genossen des dritten Wahlkreises nach dem Gcwerkschaftshause ein- berufen hatten. Die Versammlung war stark besucht.— Nach ein- leitenden Betrachtungen über das Wesen des persönlichen Regt- ments und die Stellung der Parteien zu demselben besprach Ge- nosse Heine die Anträge, welche die sozialdemokratische Fraktion zur Herbeiführung einer parlamentarischen Regierung gestellt hat. Im wesentlichen vertrat der Redner etwa den Standpunkt: Daß wir entschiedene Gegner des persönlichen Regiments sind, ist selbst- verstänolich. Es kann sich nur fragen: Wie stellen wir uns zu den Mitteln, welche zur Beseitigung des persönlichen Regiments vorgeschlagen werden? Unserer Ueberzeugung nach sind wir Repu- blikaner, wir halten die Republik für die bessere Staatssorm wie die Monarchie. Aber man kann das, wag man für das Bessere, für das Rationelle hält, nicht schlechthin ourchführen. Wir müssen unS damit bescheiden, daß wir in einem monarchischen Staats- wesen leben» welches wir nicht von heute auf morgen in eine Republik umwandeln können. Also müssen wir einstweilen an der Monarchie, wie sie heute ist. Verbesserungen borzunehmen suchen. So wie sie ist, können wir sie nicht lassen. An Stelle dcS pcrsön- lichen. Regiments, welches ja nicht vom Ronarchen, sondern von seiner Umgebung ausgeübt wird, muß die Herrschaft des Parla- mentS treten. Der Erringung parlamentarischer Rechte, welche dem Reichstage einen maßgebenden Einfluß auf die Regierung sichern, dienen unsere Llnträgc. Diese fordern nur. was durchzuführen möglich ist: Entlassung deS Kanzlers auf Verlangen deS Reichs- tageS und Entscheidung des letzteren über Krieg und Frieden, so- wie die volle Verantwortung des Kanzlers dem Reichstage gegen- über. Es erscheint nicht zweifelhaft, daß diese Anträge nicht an- genommen werden. Vielleicht finden sie nicht mal im Reichstage eine Mehrheit, der Bundesrat aber lehnt sie ganz gewiß ab. Mehr als auf diese Anträge, welche eine Aenoerung der Verfassung fordern, ist deshalb Wert zu legen auf die Anträge, welche auf Ab- ändcrung der Geschäftsordnung des Reichstages gxrichtet sind. Sie erstrecken sich auf die Behandlung der Interpellationen Und fordern, daß auch Beschlüsse anläßlich der Beratungen von Interpellationen gefaßt werden können.— lieber diese Anträge hat der Reichstag allein zu entscheiden. Die Situation zur Erringung Parlament»- rischcr Rechte ist äußerst günstig.— Es hat doch den Anschein, daß wir am Anfang einer großen politischen EntWickelung stehen. Solche Debatten wie bei der Interpellation über das Kaiserinterview haben wir im Reichstage noch nicht gehabt. Wiederholt sich der Anlaß dazu, dann wiederholen sich auch die Debatten, und dann kann der Kanzler nicht mehr so vor den Reichstag hintreten, wie er es bei diesen Debatten, tat. Tann wird die Opposition stür- mischer werden. Mit solchen Kämpfen, wie diese es sind, haben die politischen Umwälzungen zu allen Zeiten begonnen. ES scheint. daß wir einer guten Zukunft entgegengehen. Die Ausführungen Heines fanden lebhaften Beifall.---- Ar der Diskussion beteiligten sich mit kurzen Aeußerungen die Ge- noffen Krille, He ilmann und B o 1 d t. Der Sozialdemokratische Wahlverein dcS 6. Berliner Reichs- tagSwalflkrcises hielt am Dienstag in Ballschmie'oers großem Saal eine außerordentliche Generalversammlung ab. die auch von de» Genossinnen sehr zahlreich besucht war. Sie hatte bor allem den Zweck, über die Umänderung der Ausführung S- bcstimmungen zu beschließen, die durch den Anschluß der Ge- nossinnen an die politische Organisation notwendig geworden ist. Wie der Borsitzende F r e i t h a l e r ausführte, sollte den Genos- sinnen, ihrem eigenen Wunsch entsprechend, so schnell wie möglich Gelegenheit gegeben werden, unter den neuen Verhältnissen, die das Reichsvereinsgesetz möglich gemacht hat, ihre Agitation in vollem Umfange zu entfalten, und darum wollte man mit der Umänderung der AuSführungSbestimmungen, die ja nicht daS Statut selbst sind, sondern nur die praktische Arbeit regeln, nicht bis zur ordentlichen Generalversammlung warten. Es ivaren zi) der gedruckten Vorlage noch verschiedene Abänderungsanträge ge- stellt, die der Vorsitzende verlas, wobei er gleichzeitig Mannt galt. welche Stellung der Vorstand und die Kreiskonferenz dazu ein» genommen hatten. Zwei Anträge waren jedoch so spät«in- gegangen, daß es jenen beiden Körperschaften unmöglich war, sich damit zu beschäftigen. Die wichtigste der vorgeschlagenen Ein- schaltungen zu den Ausführungöbestimmungen war die, daß im § 5 dem Satz:„Die Generalversammlung wählt außerdem für jede Abteilung einen. Abteilungsführer und Abteiluiogskassierer" die Worte:„sowie eine Vertreterin der Frauen" an. gefügt werden sollten. Dies war auch der Vorschlag der Genos- sinnen. Andererseits lag ein Antrag dcS Bezirkes 582b vor, wonach in§ 3 die Worte:„Unter den 8 Beisitzern muß sich eine Genossin befinden", eingeschaltet werden sollten. Da jedoch die Funktionäre der Abteilungen mit ganz den gleichen Rechten wie die Beisitzer und die übrigen Mitglieder des Vorstandes an allen Sitzungen teilnehmen, hatte auch die Kreiskonferenz dem Vorschlage der Ge- nossinnen, der ihnen eine stärkere Vertretung als der andere Air» trag einräumt, den Vorzug gegeben, zumal ja im übrigen bei irgendwelchen Wahlen innerhalb dcS Vereins kein Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Mitgliedern gemacht wird. Ferner wird nach oen neuen AuSsührungsbestimmungen der Kreis in 12, statt bisher in 11 Abteilungen eingeteilt, und zwar auf Antrag der 10. Abteilung, die sich in einem Bcgcn von Moabit bis an Pankow und Schönholz erstreckte und auch infolge außer- ordentlich starken Mitgliederzuwachses so groß wurde, daß eine Teilung sich notwendig machte. Die Kreiskonferenz hatte außer- oem einem Abänderungsvorschlage zugestimmt, wonach tn§ 14 eingefügt wird, daß Bücher von Mitgliedern, die aus einem andere,, Kreise zuziehen, vorerst dem Vereinsbureau vorzulegen sind. Auf einen von der Abteilung 5822 gestellten Antrag, tn§ 16 zu bc- stimmen, daß unter den 7 Mitgliedern der Kommission, die sich mit Ausschluhanträgen zu befassen hat, eine Genossin sein mutz, hatten die Genossinnen selbst keinen besonderen Wert gelegt. Einige andere Anträge hatten nicht die Zustimmung der Kreiskonferenz gesunden, bezogen sich teils auch nur auf redaktionell« Aende- rungen der Vorlage. Uebcr die Behandlung der verschiedenen An- träge entspann sich eine längere GeschäftsordnungSdebatte, die du- mit endete, daß auf Anlrag des Genossen Fischer beschlossen wurde, über die von den meisten Bezirken scheu gutgeheißene Vor- läge en bloc abzustimmen. Die Vorlage selbst wurde dann den Vorschlägen der KreiSkowferenz cittsprcchend gegen nur wenige Stimmen angenommen. Der zweite Punkt der Tagesordnung war die Wahl der Vcr- treterinncn der Frauen. Sic sollte nur eine provisorische, bis zur ordentlichen Generalversammlung geltende sein. Da jedoch gegen die vorliegende Vorschlagsliste der Einwand erhoben wurde, daß sie von den Genossinnen selbst nicht in genügender Form vorberaten wäre, auch für eine der Abteilungen statt einer drei Genossinnen vorgeschlagen worden waren, beschloß die Versammlung, die Wahl gu vertagen. Hierauf hielt der Reichstagsabgeordnete Emme! auö Mül» hausen einen lehrreichen und interessanten Vortrag über Finanz. und V e r s a s s u n g L k r i s e n. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Daran anschließend forderte der Vorsitzende zu eifrigster Täligkeit für die Partei auf und gab ferner bekannt, daß die Ge- nossinnen am 15. Dezember bei Wille in der Brunnenstraße ein« Versammlung veranstalten, in der Fvau Zietz über den Kampf der Frauen um ihre Staatsbürgcrrcchte sprechen wird, AJANDORF&D Sprttelmarkt 5el!e>Alliancestrasse Grosse Frankfurterstrasse Brunnenstrasse Kottbuser Damm Wir geben unseren Kunden schon jetzt Gelegenheit zum besonders billigen Weihnachts-Einkauf und verabfolgen trotz billigster Preise bei Einkäufen noch die Doppelte Anzahl Rabattmarkei) Von dieser Vergänslizang sind nur wenige Artikel ausgeschlossen. Sonntag den 6. Dezember von t2-2 Utjr geöffnet. irMSß Heyn& Qoldschmidt Wssr Ecke-PappeKAllec No. 2. M M � � A Ä WA. A � Ecke i,appe,.Aiiee No. 2. Baumschmnck. unsere Spielwaren-Ausstellung v�Nttne,. DsumIiMe. 23. Ziehung 5. KI. 219. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung rom«. Deermber IMS. ronDlttan. KOT die Uewlnne Uber MO Hark sind den betieflendeo Nummern in KJaminero beigefügt (Ohne Gewähr.)(Nachdruck rerbolen.) Ii? 97 851 fj 949 1008 tS3 507 54[3000!«06 IS 881 207, 110 78 88[500J 844 48 70 94 593«85 1300J 810[500 1 04 972[500) 33,4 497 4 Ml 81« 23 517»45[lOOOj 789 045 53DS 652 904 6118 423 57 825 83 948 7394 408 631 729 SON 10=»Ii 15 4« 80 82 724 9413 511[1000] 856 941 10073 164 840 664[5001 87[1000J 713 927 11124 1500) 492 844.12 1 2155 241 13249 570 816 96 921 83 82°? 14153 63 226 632 998 1 5195 330 564 704 805 34 35 16074 477 573 04 786 912[30001 72[ 3000] 17054[3000] 160 81[SOOo] 242[1000] 414[1000] 505 71 944«7 69 18264 82 479 503 619[1000] 810 1 9235[3000] 308 88 988 20025«5 202 34« 95 581 780 831[10 OOOJ 48 920 2 lOS» 106 844 SO 544 55[8000] 892 951 22110 61 287 302 40" 22 70 910 41«8[1000] 23176 334 450 729 833 919 24068 168 393 96 574 963 2 5022 98 112 324 45 473 «47 711 913 2 6024 193 203 63[3000] 825 60 659 899 2 7268 627 925 99 2 8097 103 94 319 480 878 886 938 73 29188 310 465 554 601[500] 75 90 714 38[500] 000 30'ii7 259[1000] 884 658 710 14 60[600] 31142 IlOOÜj 88 518[500] 94» 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Ziehung 5. Kl. 219. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung rom 4. Detereber 190«. nachmittag». Kor die Gewinne über 240 Uark Bind den betreSeaden Nummern U> Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verbalem.) 285 529 50 609 7«s«49[1000] 69 958 1 005 121 Ii«5 IIS[500]«5 552 9,7]500] 2006 157 455 567[3600] 68 697 758 3062 181 402 Ml 4094 274 486 732 902 11(500] 73 950 5007 70 204 83 44 388 459[1000] 694 783 98[500] 6347 649 769 813 900 2 7030 263 386 5,9 73» 916 8053 ,93 324 548 332 35 64[ 500] 933 9067 139 34« 457 511[500] 60 82«10 707 15[500] 860 10077 186[1000] 530 52»1« 30«8 11092 131 233 «71 495[560] 563 664 785 84« 92» 13000] 1208« 412 43 13028 71 509[500] 11 28 45«44 47 783 657[1000]»28 [500] 14017 48 63 139 216 308 640 821[8000] 1510» 21 268 305[ 560] 46 671 102[1060] 43 1 6211 37 433 555 603 803[lOOOj 72 929 1 7011 816 8«[30 000] 41 65 457 99 700 34[500] 373 183« 658 57 638 3» 19046 127 495 505 661 70 8,3 907[3000] 9 2 0 098 174 82 574 97 639 8« 871 988 2 1 343 402[1000] 742 8,4 2 2123 283 352 461 694 663 82 815 928 2 3064 97 205 479 774 92 2 424« 412 75 987 25089 109 508 91 627 65»4« 2605« 51 459 522»24 2 7 240 99 3,2 439 757 853 61 98 28156 708 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Unter den letzteren waren 13 Chauffeure und 17 Insassen. Zur Begründung des Entwurfs wird auf die grosse Zahl der Verletzten und Getöteten hingewiesen. Man beachtet aber gar nicht, dass in anderen Zweigen des Verkehrswesens und besonders in der Industrie viel grössere Unfallzahlen zu verzeichnen sind. So sind in demselben Jahre, auf das sich die angeführte Statistik bezieht, allein in Preuhcn 48 Personen durch den Verkehr mit Fahrrädern und 2629 Personen durch Ucberfahren mit Pferdefuhrwerken gc- tötet worden. Im Polizeibezirk Berlin sind allein 197 Personen auf die letztgenannte Art getötet, also 82 Personen mehr als im ganzen Reiche in demselben Jahre durch Automobile getötet wurden.— Von den 36 922 Automobilen der Reichsstatistik dienten 13 771 dem Vergnügen und dem Sport. Wie viele von den Un- fällen auf diese Automobile kommen, ist in der Statistik nicht angeführt. Man darf aber mit Recht annehmen, dass die Sport- und Vergnügungsfahrzeuge die m e i st e n Unfälle verursacht haben, denn die Sportleute, die ihre Wagen selbst fahren, ohne viel davon zu verstehen, sind bekanntlich die schnellsten und leichtsinnigsten Fahrer. Die Geschäftswagen und Droschken mit ihrer geringen Zahl von Pferdekräften sind nicht gefährlich, wohl aber die Sport- und Luxusivagen mit 89, 199 und mehr Pferdekräften» Solche Fuhrwerke können gar nicht langsam fahren. Wenn eine be- stimmte Fahrgeschwindigkeit nicht überschritten werden soll, dann müssten für die Herstelluno von Automobilen Vorschriften erlassen werden, dahingehend de'b Wagen von so grosser Kraft und Ge- schwindigke»' jr».vicht in den Verkehr kommen. Wenn behauptet wird tri-er Automobilverkehr so gefahrbringend sei, dann soll nicht vergessen, dass nach der Statistik der Berufsgenossen- fchaften im Jahre 1996 in Preußen 8979 Arbeiter in der Industrie getötet wurden, während durch Automobilunfälle im ganzen Reiche nur IIS Personen getötet wurden. Man sieht also, dass der Betrieb mancher Industriezweige viel gefährlicher ist als der Automobil- betrieb, und dass der Erlaß von Schutzbcstimmungen für die Industriearbeiter viel notwendiger ist, als die Belastung des Auto- mobilwesens mit allerlei Polizeivorschriften, die schliesslich den Wagenführer am schwersten treffen.— In der Festsetzung der zulässigen Geschwindigkeit geht die Polizei oft auf ein erstaunlich geringes Mass herab. In einigen Städten sind 16, 19. ja 6 Kilo- meter pro Stunde festgesetzt. 6 Kilometer legt ein mäßiger Fuss- gänger zurück, 16 Kilometer leistet noch ein alter Droschkengaul. Welchen Vorteil bietet denn noch ein modernes Verkehrsmittel, wenn es in solchem Tempo fahren soll. Eine Geschwindigkeit von 26 bis 39 Kilometer bietet keine Gefahr, sie sollte deshalb überall zugelassen werden. Auf freien Landstrassen könnte die Geschwindig- keit noch etwas grösser sein. Ausser diesen allgemeinen Gesichtspunkten wurden noch folgende besondere Einwendungen gegen den Entwurf erhoben: Es ist eine grosse Gefahr fiir den Beruf der Chauffeure, daß der Wagenführer für den bei Unfällen verursackiten Schaden haftbar gemacht werden soll, denn nicht immer, vielleicht sogar in den seltensten Fällen, ist dem Chauffeur die Schuld an dem Unfall beizumessen. Nur die Wagen der neuesten und besten Konstruktion sind so beschaffen, daß sie der Führer jederzeit in der Gewalt hat. ES sind aber sehr viele Wagen älteren Svstems im'Verkehr, deren Kon- struktion so mangelhaft ist, daß sie oft versagt und eine sichere Führung deshalb ausgeschlossen ist. Die polizeiliche Kontrolle und Abnahme der Wagen bietet keine Gewähr für deren Betriebssicher- lheit. So wurde beispielsweise durch die Berliner Polizei ein Geschäftsautomobil der Firma Wertheim abgenommen, welches gar keinen Rückwärtsbetrieb hatte. Erst bei einem Unfall, der durch diesen Mangel verursacht wurde, stellte sich das heraus. Ferner ist zu bedenken, daß die Wagenführer oft durch überlange Arbeitszeit derart abgespannt und ermüdet sind, daß man von ihnen die Ausmerksanikeit. welche der Verkehr erfordert, nicht erwarten kann. Wej« besser alö durch Strafen und Haftpflicht würde der Automobilverkehr gesichert werden, wenn für den Ber- kehr nur solche Wagen, die technisch einwandfrei sind, zugelassen werden und wenn für die Arbeitszeit der Kraftwagensührcr eine Höchstgrenze durch Gesetz festgelegt wird. Die Haftpflicht, welche der Entwurf den Aukomobilbesitzern auferlegt, würde die kleinen Besitzer einer einzigen Kraftdroschke besonders schwer treffen, im übrigen aber auch eine Schädigung für die Chauffeure bedeuten, die natürlich von ihren Arbeitgebern in jedem Falle verantwortlich gemacht würden. Als unter allen Umständen unannehmbar wurde der§ 16 des Entwurf bezeichnet. Derselbe bestimmt: „Liegen Tatsachen vor, welche die Annahme rechtfertigen, dass eine Person zum Führen von Kraftsahrzeugen ungeeignet ist, so kann ihr die Fahrerlaubnis dauernd oder für bestimmte Zeit durch die zuständige Verwaltungsbehörde entzogen werden." Wenn diese Bestimmung Gesetz wird— so wurde ausgeführt — dann sind die Kraftwagenführer mit ihrer ganzen Ejristenz der Willkür der Polizei preisgegeben. Welche„Tatsachen" für die Polizei b-k-'mmend sind, um jemanden als ungeeignet zur Führung eines Automobils erscheinen zu lassen, das hat man schon öfter bei Streiks und Aussperrungen gesehen. Streikenden und aus- gesperrten Autoführern, die wegen Beleidigungen von Arbeits- willigen vor Gericht gestellt und verurteilt wurden, ist der Fahr- schein gleich darauf entzogen worden. Es wird deshalb gefordert, daß nicht die Polizei das Recht haben soll, den Fahrschein zu ent- ziehen, sondern daß dicS nur durch ein Gerichtsverfahren ge- jjchchen darf. Nach§ 18 de? Entwurfs wird bestraft: „wer ein Kraftfahrzeug führt, ohne sich dabei durch einen Führerschein über die ihm erteilte Erlaubnis ausweisen zu können." Dieser Passus läßt die Deutung zu, daß der Führer bestraft wird, wenn er zufällig seinen Fahrschein nicht bei sich hat. Um ttpse Auslegung zu verhindern� vmsste klar Ausgedrückt werdrisi daß nur der Führer mit Strafe belegt wird, der überhaupt keinen Fahrschein hat. Im ganzen genommen bringt der Entwurf, wenn er Gesetz werden sollte, die Kraftwagenführer in eine so schwierige Lage, ihre Etzistenz ist derart gefährdet, daß die alten, geübten und zuver- lässigen Chauffeur« den Beruf größtenteils verlassen werden. Junge, ungeübte Kräfte, Leute, die bald hier, bald dort arbeiten, würden als Chauffeure tätig sein und die Sicherheit des Betriebes im höchsten Masse gefährden. Mit Rücksicht darauf, dass in den von Unternehmern eingerichteten Chauffeurschulen die Fahrer meist oberflächlich und ungenügend ausgebildet werden, wird gefordert, dass durch die städtischen Behörden paritätisch geleitete Fach- und Fahrschulen eingerichtet werden, welche nicht nur Chauffeure aus- bilden, sondern auch die fachgemäße und sachverständige Kontrolle hinsichtlich der Verkehrssicherheit im Automobilwesen zu führen hat. Die Beratungen endeten mit der Annahme der folgenden Re- solution: Die erste Konferenz der Berufsautomobilführer Deutsch- lands protestiert mit aller Entschiedenheit gegen den dem Reichs- tage vorliegenden Gesetzentiourf über den Berkehr mit Kraft- fahrzeugen in seiner gegenwärtigen Fassung. Es ist durch nichts bewiesen, auch nicht durch die Reichs- statitik über die schädigenden Ereignisse beim Verkehr mit Kraft- fahrzeugen, daß der Automobilbetrieb verkehrsgefährdender ist als die durch tierische Kraft bewegten Fuhrwerke. Ein Ausnahmegesetz wie das vorliegende, gerichtet gegen eine einzelne Art des Verkehrs, ist daher weder notwendig noch berechtigt. Die Konferenz verlangt dagegen die Ausschaltung jeder Polizeiwillkür gegen die Vcrkehrsarbeiter durch Schaffung eines einheitlichen, den Verkehr für das ganze Reich regelnden Gesetzes. Ferner verlangt die Konferenz als erste Voraussetzung der Verantwortlichmachung der Verkehrsarbeiter für ihre Berufs- tätigkcit eine gesetzliche Regelung der Arbeitszeit auf ein Maxi- mum von höchstens 8 Stunden täglich und einen gänzlich freien Tag von 36 Stunden in jeder Woche. Schaffung staatlicher oder städtischer Fahrschulen unter paritätischer Leitung. Zulassung nur solcher Fahrer, die den Nachweis zu führen imstande sind, daß sie die Prüfung in solchen Fachschulen erfolgreich bestanden baben. Die Entziehung der Fahrscheine darf nur durch Gerichts- beschluss erfolgen. Gesetzliche Festlegung einer Höchstgeschwindigkeit für Auto- mobile in Städten und Verkehrszentren von 39 Kilometer pro Stunde. Auf freier Landstrasse kann die Geschwindigkeit ent- sprechend erhöht werden. Behördliche Anordnung, daß an jedem Autowagen ein zu- berlässig funktionierender für den Fahrer stets kontrollierbarer Eescbwindigkeitsmesser anzubringen ist. Bildung von Zwangsgenossenschasten zwecks sicherer Ent- schädigung von Verletzten. Unbedingte Ausschaltung aller technisch nicht auf der Höhe vollkommener Betriebssicherheit stehender Aütofahrzeuge aus dem öffentlichen Verkehr. Die Konferenz fordert ferner die Einsetzung von Verkehrs- inspektoren analog den Einrichtungen der Gewerbeinspektion. Diesen Organen sind Assistenten aus den Reihen der Arbeit- nehmer des Berufs als Hilfskräfte beizugeben. Die Konferenz erwartet von dem hohen Reichstag, dass er diese Wünsche der im Beruf tätigen Autoführer berücksichtigt und dadurch wirklich die weitreichende Verkehrssicherheit schafft, die bei dem gegenwärtigen Stande der Technik und Berkehrsent- Wickelung zu schaffen möglich ist. Der zweite Punkt der Tagesordnung betraf OrganisationS- fragen. Hierzu wurde folgende Resolution angenommen: Die Konferenz erklärt: Als Berufsorganisation kommt für die Chauffeure nur der Deutsche Transportarbeiterverband in Frage. An diesen haben sich die Automobilführer anzuschließen. Jede Zersplitterung der Organisation in Klubs und Lokal- vereinchen, als die Interessen jedes einzelnen Kollegen und der Gesamtheit schädigend, ist absolut zu verwerfen. Die deutschen Berufsaulomobilfiihrer werden daher seitens der Konferenz auf- gefordert, ihre ganze Kraft dafür einzusetzen, daß die Chauffeure aller Branchen ausnahmslos dem Deutschen Transportarbeiter- verbände als Mitglieder beitreten. Schlechte fluzlichlen für die Cexlil- arbeiter. Da keine große Industrie so sehr wie die Textilindustrie direkt für den Massenkonsum arbeitet, macht sich hier auch am ehesten die Verschlechterung deS Lohneinkommens der breiten Volksmasse geltend durch Betriebseinschränkungen, und hält hier auch in der Regel die Geschäftsslaue am längsten an. Bevor sich die in den anderen Gcwcrbsgruppen beschäftigten Arbeitermassen von den während einer Krise erlittenen wirtschaftlichen Schäden erholt haben, was unter Umständen jahrelang dauern kann, wird die Massennachfroge nach Produkten der Textil- und Bekleidungs- Industrie nicht die Höhe erreichen, die notwendig ist, um dem riefen- hast gesteigerten Angebot auch nur annähernd zu entsprechen. Deswegen erleben die Textilarbeiter, an sich schon anormal schlecht bezahlt, weit mehr flaue Geschäftsjahre, wie die andern großindu- striellcn Arbeiter. Nach den Gewerbeinspektionsberichtcn sind 1997 in Deutschland 867 667 textilindustrielle Arbeiter und Arbeite- rinnen gezählt worden. Es kommen also(mit Angehörigen) mehrere Millionen Menschen in Betracht, die unmittelbar als Lohn- empsänger an der EntWickelung der Geschäftslage dieser Industrie interessiert sind. Leider kann ihnen keine Hoffnung auf baldige Belebung des Geschäfts gemacht werden. Wohl berichtet der„Konfektionär", in Unternchmerkreisen wolle man seit September eine„lebhaftere" Nachfrage bei„ein wenig gebesserten Preisen" bemerkt haben, aber von den Hauptmärkten für Baumwolle im In- und Auslande heißt es, sie lägen„sehr still". Gehofft wird auch dort auf eine Herab- setzung der Kohlenpreise, da ihre jetzige Höhe erst recht die Fabri- kation unrentabel mache. Auch die„Deutsche Jndustriezeitung". das Organ des Zentralverbandes deutscher Industrieller, weiss von einer gewissen„Belebung" des Baumwollmarktes und der Textil- fabrikation zu berichten, fügt aber hinzu, gleichivohl dürfte es„noch eine geraume Zeit dauern, bevor die Periode der ÄetriebScin- schränkungen überwunden wird," Jedenfalls solange, bis sich die Einkommensverhältnisse der grossen Ärbeitcrmassen gebessert haben; einstweilen erfolgen noch Lohnreduzicrungen Zudem treten nun noch die Aussichten auf eine mindere Baumwollencrnte in Indien und die Bestrebungen der amerikanischen Baumwollfarmer, nach dem Muster der industriellen Syndikate den wichtigsten Rohstoff der Textil- industrie künstlich zu verteuern! Hauptproduktionsgebietc für Baumwolle sind Amerika, Indien und Aegypten. Wie die vom Internationalen Verband der Baumwollspinner- und Weber- Vereinigungen am 31. August 1993 aufgenommene, jetzt vom deutschen Rcichsamt des Innern publizierte Statistik ergibt, waren zu der Zeit 92 846 836 Spindeln, wovon auf Grossbritannien allein 33 299 294, aus die Vereinigten Staaten von Nordamerika 27 Mil- lionen, aus Deutschlano 8663 236 entfielen, mit dem Spinnen von amerikanischer, ostindischer und verschiedener Baumwolle beschäf- tigt, bezw. standen dafür bereit. Der Verbrauch der Werke betrug vom 1. September 1997 bis 81. August 1998 rund 16,12 Millionen Ballen. Für die Verarbeitung ägyptischer Baumwolle wurden über 18 Millionen Spindeln gezählt, wovon 13,3 Millionen auf Gross- iiüamah IJ SSüL sui DeutOM. SlSßfip auf m Quamtm Staaten kommen. An Vorrat waren in Händen der Spinner am 31. August dieses Jahres 7 674 139 Ballen amerikanischer, indischer und verschiedener Baumwolle, ferner 163 915 Ballen ägyptischer. Rechnet man das Jahr zu 399 Arbeitstagen und nimmt man vollen. regelmässigen Betrieb an, dann besaß Deutschland am Tage ber Spindelzählung noch für 66,9 Tag« Baumwollenvorrat(indischen und amerikanischen), Grotzbritannien nur noch für 29,6, Nord- amerika für 39,1, Holland für 72,6, Frankreich für 69,6, Oesterreich für 89,6, Italien für 74,9. An freilich weit weniger für den Weltmarkt in Frage kommender ägyptischer Baumwolle waren die Vorräte verhältnismässig höher, z. B. in Deutschland für 64. für Grossbritannien 66.2. Oesterreich 189,7, Frankreich 74,5. Soweit also oie schon in den Händen der Verarbeiter befindlichen Roh- stofflliengen in Betracht kommen, gestatteten sie den Hauptländern nur kurze Zeit die Aufrechterhalwng des vollen Betriebes. Natürlich sind noch grössere Vorräte in erster und zweiter Hand, im Besitz der Produzenten und der Großhänoler. Aber nun enthält das zweite Memorandum über die gesamt« indische Baumwollernte die Mitteilung, dass in oiescm vornehmsten asiatischen Baumwollenproduktionsgebiete einerseits zu reichliche Regeusäll« den Anpflanzurgen geschadet hätten, anderer- scits, d. h. in anderen Distrikten, zu wenig Regenfälle stattgefunden haben.„Ziemlich gut bis gut" wird wahrscheinlich oie Ernte nur ausfallen. Ausserdem ist die Anbaufläche bedeutend verringert worden. Sie belief sich 1996/97 noch auf 19 732 999 Acres, 1998/99 nur noch auf 17 313 999. Eine Verminderung der Baumwoll- preise durch reichlichere indische Ernte ist also nicht zu erwarten. In Amerika aber, dem wichtigsten Pröouktionsgebiete für Baumwolle, haben sich die Baumwollpslanzer in der„Farmers Union"(Bund der Landwirte) eigens organisiert, um hohe Mindest- preise für die Baumwolle zu erzielen. Im Jahre 1994/96, da? ein« Riesenernte bracht«, stand der Baumwollenpreis pro Pfund nahezu auf 6�: Cents. Infolge der hierauf geschlossenen Farmerorganisa- turnen stieg in den nächsten Jahren der Preis auf 8,98, 11,97, 19,68. 11,42 Cents durchschnittlich mit Höchstpreisen von 12,12 bis 13,62 Cents, Bei diesen Preisen machten die Farmer ein sehr gutes Geschäft, aber die Parole lautet: es müssen 15 Cents Mindest- preis erzielt werden! Um oiescn tatsächlichen Wucherpreis den Konsumenten abzupressen, hat die im September stattgefundene Jahresversammlung der amerikanischen Agrarier auf Antrag der Abteilung Texas, nach geheimer Vorberatung in einer Kommission, beschlossen, für alle Mitglieder unbedingt verbindliche Mindestpreise — über deren Höhe noch nichts verlautet!— festzusetzen. Ferner wurde eine zwolfglieorige Kommission eingesetzt, die den Baum- wollenverkaus aus den angeblich 299 Lagerhäusern des Bundes direkt an die Spinner vermitteln soll. Jeder Farmer soll vor- pflichtet werden, sein Produkt nur an die Lagerhäuser des Bunoes zu liefern. Das wäre also ein strafforganisiertes Berkaufssyndikat der Baumwollenfarmer. Wenn nun auch der direkte Verkcmf an die Spinner für diese den Fortfall des eventuellen Zwischenhändlerprofits bedeutet, so hat doch die Erfahrung gelehrt, daß derartige Syndikate, zumal im smarten Nordamerika, recht bald den fortgefallenen Zwischen- händlergewinn durch mehr als auSgleicheudc Preissteigerungen wettmachen. Dass das Ziel der Farmer der Mindestpreis von 16 Cents pro Pfund Bauinlvolle ist, daraus haben die Wort- führer kein Hehl gemacht; und sie werden unbekümmert um die Konsumenten diesem Ziele energisch zustreben. Ein Mindestpreis von 15 Cents für amerikanische Baumwolle würde aber für die indernationale Baumwollindustrie eine so ausserordentliche Verteuerung des Rohstoffs bedeuten, daß die Wirt- schaftlichen Folgen gar nicht abzusehen sind. Natürlich wäre die Mindestpreisfestsetzung für indische, ägyptische usw. Baumwolle nur eine Frage der Zeit, wenn die amerikanischen Farmerorganisationen die Bahn für die Wucherpreise freigemacht hätten Nach alter Er- fahrung mutz befürchtet werden, daß zum Ausgleich für die künst- lich verteuerten Rohstoffe und Halbfabrikate den Textilarbei- t e r n von ihren„Brotherren"' der Brotkorb noch höher gehängt wird, wie er heute schon hängt. Ihnen bleibt nichts aiideres übrig, als sich eine gewerkschaftliche Organisation zu schaffen, die geeignet ist, jedes Attentat auf die Lebensansprüche der Textilarbeiterschaft abzuschlagen. Hiiö der frauenbewegung. Fraueninteresseu im Reichstage. Die Interpellation der Sozialdemokraten im Reichstage, die Arbeitslosenfürsorge betreffend, ist eines jener parlamentarischen Vorkommnisse, die in eminenter Weise das Interesse der Frauen beanspruchen. Erklärlich genug. Unter der Arbeitslosigkeit leiden die Proletarierinne» am schwersten. Ganz gleich, ob sie als Er- werbstätige oder als Hausfrau und Mutier in Frage kommen. Bei den herrschenden Teuerungspreiscn für Nahrungsmittel, Kleidung uiü> Schuhwerk— eine Folge unserer widersinnigen Zoll- und Steuerpolitik— muß die haushaltende Arbeiterfrau sich selbst in Zeiten eines normalen GeschäftSgai ges und einer ununtcr- brochencn Arbeitsgelegenheit ihres Mannes, einer äußersten Spar- scnnkeit, einer peinlich genauen Berechnung und Einteilung des Einkommens befleißigen, Sie mutz ein wahres Finanzgenie der Familie sein, ohne immer es zu erreichen, daß sie Einnahmen, und. notwendige Ausgaben miteinander in Einklang zu bringen ver-, möchte.; Wie aber sieht es aus in Zeiten allgemeiner, großer Arbeits. losigkeit? Da ist der Hunger ungebetener Gast; die Sorg« hockt auf der Schwelle; die Not grinst aus allen Ecken. Und während der Mann arbeitsuchend draußen umherirrt, hat die Frau daheim nicht nur mit dem eigenen Hunger zu kämpfen, sondern der An- blick ihrer hungernden Kinder, die vergeblich um Brot flehen, zer- reißt ihr noch das Herz.: Aufgepeitscht von der Not wird sie hinausgetricbm in dl« Erwerbsarbeit. Und— da sie billiger arbeitet als ein Mann—. erhält sie Beschäftigung. Mutter- und Hausfrauenpflichten hinten- ansetzend, wird sie dann zu einem Hungcrlohne schanzen, zu einem Lohne, der kaum das trockene Brot, geschweige denn Fleisch und andere Bedarfsartikel erstehen läßt. Die Frau, zu einem Hungerlohne arbeitend, unter der doppelten Arbeitslast der Brotfron und Hausarbeit fast zusammenbrechend, der Mann arbeitslos, aufs Strassenpflaster gesetzt, so will es unsere „herrliche, göttliche Weltordnung". Doch der wirtschaftliche Niedergang hat auch jene Industrie, zweige erfaßt, in denen vorwiegend oder doch zu einem hohen Prozentsatze Arbeiterinnen beschäftigt werden. Tausende von ihnen sind gleichfalls arbeitslos geworben. Finden sie in ihrer Branche keine Beschäftigung, so versuchen sie zunächst, in einer anderen Branche unterzukommen; ist auch das vergeblich, dann tritt nur zu oft die Versuchung an sie heran, die sie auf oie Bahn des Ver- brechens oder der Schande drängt. Statistiken beweisen, daß zu Zeiten der Teuerung wie zu Zeiten der Arbeitslosigkeit die Eigcntumkbcrgehen und die Zahl der Prostituierten gewattig zunehmen. Ebenso bringen die Zeiten der Arbeitslosigkeit eine starke Zunahme der Sterblichkeit im all- gemeinen sowie der Kindersterblichkeit im besonderen. Die Not, der Mangel an kräftiger Nahrung und Pfleg« werden zum Würg- engel für unsere kleinen Lieblinge. Und angesichts dieser Notlag« lehnte dt« Regierung eS ab, der Forderung einer Arbeitslosenversicherung durch das Reich auch nur näherzutreten! Der konservative Abgeordnete Dr. Hahn beschimpfte die Arbeitslosen sogar, indem er die Arbeitslosenversicherung eine Prämie auf die Faulheit nannte. Den Gemeinden, denen die Regierung im gleichen Atem„Spar, fernM" eMiM. jowje dw stjelgsiÄmäbte» Gewxrk, s ch a f t e n überläßt man die Fürsorge für die Arbeitslosen« für die Opfer der kapitalistischen Wirtschaftsordnung. Diese Tatsache paukt den lohnarbeitenden Massen, den Männern und Frauen, erneut die Erkenntnis ein, daß alle Mass- nahmen in ihrem Interesse auch durch sie selbst erkämpft werden müssen. Nicht einmal zu einer Linderung der furchtbaren Not weiter Bevölkerungskreise konnte sich die Negierung sowie die Majorität des Reichstags entschließen. Wollen wir also in der Gegenwart nur die dringendsten Reformen durchsetzen, so legt die Erkenntnis dieser Tatsache uns die Pflicht auf, unablässig an der Stärkung unserer Macht zu arbeiten, unablässig am Ausbau unserer gemein- famen Äampfesorganisationen tätig zu sein. Und dieses Pflichtgebot gilt für alle um so mehr, wenn wir uns mit einer Linderung der durch Arbeitslosigkeit hervor- gerufenen Not nimmer begnügen wollen, vielmehr den Wunsch und den Willen baben, der Not Ursache selbst, die Arbeitslosigkeit, zu tzese.tigen. Verschwinden lvird die Arbeitslosigkeit mit all ihren grausen Beglcit- und Folgeerscheinungen erst, wenn der Kapitalismus mit seiner planlosen Produktion und mit setner Ausbeutung mensch- licher Arbeitskraft überwunden ist. Den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit führen heißt also: Den Kampf führen gegen den Kapitalismus! Zu diesem Kampfe aber brauchen wir die Kräfte aller Ausgebeuteten, der Männer wie der Frauen. Die Behandlung der Arbeitsloscninterpellation im Reichstage muß deshalb für die Gesamtarbeiterschaft, vor allem aber für die Arbeiterfrauen. daS Signal sein zu einer lebhafteren Beteiligung an der Arbeiterbewegung. Geschieht daS, so werden ungewollt die reaktionären Mächte zu einer vorwärtstreibenden Kraft für unseren Befreiungskampf. Versammlungen— Veranstaltungen. Tegel. Die Besichtigung dcS Museums für Völkerkunde findet am Sonntag nicht statt. Vrih-Buckow. Sonntag, nachmittags 5 Uhr, bei Klein. Buckower Chausseestr. 12. Vortrag von Frau M. Thiel:.Warum or« ganisicren sich die Frauen?" Witternnqsiiberiich» vom 4. Dezember morgen« 8 Uhr. ais «i* ri ii 6 0 Wetterprognose für Sonnabend, den S. Dezember 1908. Trocken, zeitweise nebelig, sonst ziemlich heiter, nachts Frost,«N Miltag milde bei schwachen südwestlichen Winden. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Zhcatcr. Sonnabend, 6. Dezember. Ansang 7'/, Uhr. KönsgltcheS Opernhaus. Berstegelt. La Habanera. Königliche« Schauspielhaus. Die Rabensteinerm. Reue« kgl. Operntheater« Ge- schlössen. Deutsche«. Revolution in Kräh» Winkel. RachmiliadS 31/, Uhr: Treulieb und Wunderhold. Kammerspiele. Niemand weiß cS. Ansang S Uhr. Rene« Schauspielhaus. Faust. I. Teil. Rachmittags 2 Uhr: Schneewittchen. Ansang 8 Mr. Lesstng. Baumeister Sokneh. Komische Oper. PelleaS und Me- lilande. Berliner. HerodeS und Mariamne. Neues. Israel. Kleine«. Moral. Rrstdenz. Kümmere dich um Amelie. Hebbel. Hohes Spiel. Schiller«».>W»aner» Thealer.) Vater und Sohn. Sch»er Charlottenburg. Der schwarze Kavalier. Friedrich> Wilhelmstädt. Schau- spielbau«. Im weihen Rößl. Nachmittag« 4 Uhr: Max und Moritz. Westen. Der stdele Boner. Nachmittags 4 Uhr: Domröschen. Tbalia. Rünstlerblut. Nachmittag« 4 Uhr: Max und Moritz. Luisen. Villa Benkendors. Nachmittag« 4 Uhr: Lllgenmäulchen und Wahrheitsmündchcn. Bernhard Note. Die Entgleisten. Nachmittag« 4 Uhr: Hänsel und Gretel. Wilhelm-Dheater. Die Schöpfung. vuii't'ielhn»«. Madame Flirt. Trtanon. Di« Liebe wacht. Neues Operette«. Die Dollar. prinzcisin. Nachmitlag« 3 Uhr: Den König drückt der Schuh. Berliner Operetten-Dheatrr SN. Havana. Ansang 8'/, Uhr. Nachmittags 4 Uhr: GoldhSrchenS Himmelfahrt. Gastipiel- Theater. Demtmonde. Ansang 8'/, Uhr. Bürgerl. Schauspielhaus. Kunst» abend. Ansang 8'/, Uhr. Gebrüder Herrufeld. Die beiden Bindelb onds. Vorher: Jntem. Künstler-Tell AP»>>. Ein« lustige Sprrewald« sahrt. Spezialitäten. Metronol. Donnerwetter— tadellos. Wintergarten. Spezialitäten. Paiiage. Spezlalllälen. Kasino. Die Dlanabäder. Spezia» »täten. Rcichsdallen. Stettiner Sänger. Walhalla. Svezlalttäien Folie«. Capriee. Die Brautschan. Die lästige Wllwe. Gustav Bohre»«. Der Obersteiger. Spezialitäten. Carl Havrrland. Spezialitäten. Urania. Ta»>>e»ür»str«»«49. Nachmittags 4 Uhr: Eine NUsahrt bis zum zweiten Katarakt. Abends 8 Uhr: Am Golf von Neapel. Abends 8 Mr im Hörsaal: Dr. Wilh. Berndt: Vom sozialen Leben der Tiere. Steri»v»r»r. Invalldenllr. 57/62. Heues Theater. Ansang 8 Uhr. Israel. Morgen und folgende Tage» Israel. Kleines Theater. Ansang 8 Uhr. Moral. Tbeater des Vestens. Allabendlich 8 Uhr: Der fldole Bancr. Mittw. Sonnab. 4 Uhr: lZoeneöeohea. Luisen-Theater. Nachmittags 4 Uhr: Graste Kiiider-Vorstellnng. Lügenmäulchen, Wahrheits- mündchcn. Abends 8 Uhr: Villa Etenkemlork. Sonntag nachm.: Stolz der Stadt. Abends; Die Ehre. Montag: Die Ehr»- SsrUner 7ksater. Ilsnto 8 Ubr: Herodcs nnd Bariamne. Morgen: Herodes und Mariamne. Friedrich-Wilhelmstadtisches Schauspielhaus. Sonnabend, 5. Dez., nachm. 4 Uhr: Max und Moritz. Abends 8 Uhr: Im weiszen Rötzl. Sonntag 3 Uhr: Kriemhilds Rache. Abends 8 Uhr: Madame SanS-Gsne. siieue» Opercttcn-Thonter. Schistbaucrdamm 25, a. b. Lulsenftr. S'l, Uhr: Den König drQckt der Schuh. Abend» 8 Uhr: Die Pollarprlngeusln. Hebbel-Theater Königgrätzer Str. 67/58. Ans. 8 Uhr. Sonnabend, den 5. Dezember>303: Hohes �plel. Sonntag: Hohe« Spiel._ Residenz-Theater. — Direktion: Richard Alexander.— Täglich abend« 8 Uhr: „Kümmere Dich um Amelie". Schwank in drei Akten(vier BUdem) von Neorges Fehdeau. Morgen u. folgende Tage: Klimmaea Dich um Amelie. Sonnlag, 6. Dez., nachm. 8 Uhr: Ganz der Papa. Sonniag. 13. Dez., nachm. 3 Uhr: Ganz der Papa._ Lustspieihaus* Abend« 8 Ubr: /VLaäame Fürt. Gastspiel-Theater Köpenioker Straße 68. 8?/, Ulir: Gastspiel Hedwig Lange. Henitiiiomle. Morgen: Oemlmonde. Sonnt. 3'/, U,: Die Werfie von Lowood. »MimOSlTIt»! Ar. Frantlnrier Str. lZL. Abend« 8 Uhr: Die EtttitlristkU. Berliner Volksslück in vier Akten von Brentano und Gisbert. DSF" AochentagSprelse.-Ddg Nachmittag« 4 Uhr: Hänsel und Gretel. lustige Tpreewald- sahrt. Musik von Raul Lincka. Eine 8 Uhr: "ch« 9": Die TensationS-Attrattlonen mit HtsR imlzl und Liegwart Qentes. Sonntag nachm. 3'/. Uhr i Familien-Vorelellung. Kleine Prelee. Helropol-Theater Täglich 8 Uhr Ooimller-tailelliis! Revu ein 10 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Paul Lincke. Regie Direktor Schultz. Sonntag, 6 Dezember, nachm. 3 Uhr: Durchlaucht Radieschen. Schüler O.(Wallner-Theater.) Sonnabend, abend« 8Uhr: 'Vater and 8«hn. Komödie w 8 Atten von Gustav ESmann. Sonntag, nachm. 3 Ubr: Der rote licntaant. Sonntag, abend« 8 Uhr: Vater und Sohn. Montag, a b e» b s 8 Übe: Die illlng»i»chvre»ter. Vltootor. Schiller-Theater Charlottenburg. Sonnabend, abend« 8Ubr: Der schwarze Kavalier. Ein deutsches Spiel in 3 Akten von Heinrich Liliensein. Sonniag,»ach in. 3 Übt: Die Braut von SIcssina. Sonntag, aoend«« Ubr: Die Jungfrau v. Orleans. W anlag, abend« 8 Ubr: Die Braut von Zlesslna. DrilUZ LeliumMN. Reute Sonnadend, den 5. Dezember, abends präzise 7'/, Dbr: X. Grande Solrde Hlgh-lilfe.— Spezialvorstellung des Zirkus Schumann. Die großartigen Dezember-Spezialitäten u. um S1/« Uhr: _ Die Sensation des Tages: WM" liök Seeräuber und piT Mädchenhändler, Größtes und prächtigstes Manegenschaustück: nie gesehene glänzende Effekte und die mit märohenhafter Pracht inszenierte Schluß-Apotheose. Sonntag in beiden Vorstellungen: Eieaen- Progromm. Nachmittags 1 Kind frei. Am Alexanderplatz.—— B. 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De-| zember unser lieber Mitarbeiter und langjähriger Kollege, der Tischler 94/17 Otto Klinger im 58. Lebensjahre. Sein kameradschaftliches Vorhalten und seine treue i Pflichterfüllung sichern ihm ein dauerndes Andenken. Die ÜDgeslelllei! des DeutsebeD RoIzartieiier-ferWes, Ortaverrvaltnna: Berlin. Am 1. Dezember starb nach langer schwerer Kraiikbeit mein lieber Mann, unser guter Vater und Schwiegervater, der Gastwirt frießM Bartbolain. Um stille Teilnahme bitten i.Äbs Die Hinterbliebenen. FriedrichSselde, Prinzeuallee 59. Die Beerdigung findet am ! Sonntag, den 6. Dezember, um >2 Uhr vom Trauerhaule aus statt. Am Donnerstag, den 3. De. zember, früh 6 Uhr, verstarb nach längerem Leiden mein gutei Mann, unser lieber Sohn. Bruder, Schwager und Onkel, der Steinmetz Auxust Zachow im 44. Lebensjahre. 34b Die Beerdigung findet Sonntag, nachm 3 Uhr, von der Leichenhalle der Andreas° Gemeinde in Wil« Helmsberg aus statt. Im Namen der Hinterbliebenen Miona Zachow geb. Gloger. Am 3. Dezenider. abends 11 Uhr, verstarb plötzlich an Herzschlag mein lieber Mann, der Drechsler Mannes Zimmer. DirS zeigt iiefbetrübt an Kinns Zimmer geb. Diedrlch, Britzer Straße 4. Beerdigung: Sonntag nach- iniltagS 4 Uhr, von der Leiche». halle des Michael- KirchhoseS, Marlendorser Weg, auS. 42b Am Dienstag verstarb plStzlich unser lieber Onkel und Schwager, der Metalldiehek Paul Erichson. Die Beerdigung findet am Sonn- tag, nachmittags 3 Uhr. von bei Leichenhalle de« Sankt Simeon«. Kiichhosr» aus statt. 3Sb Die trauernden Klnterhllebsnon Familie Wendlandt, Ehristburgerstr. 6. yepbafid der freien Gast- lind Scbankwirte Deutseblasiii Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz die Ehefrau unseres Kollegen, Eirnrrm Pannecke (Manteuflelstraße 47) Bezirk IV verstorben ist. Ehre ihrem Bndenken 1 Die Beerdigung finde» heute. Sennabend, den 5. Dezember, nachniiitag» 4 Uhr, von der Leichenhalle des EmmauS-Kirch- Hose« in Britz auS statt. Um rege Beteillgung ersucht 51/5 Di» Ortsverwaliung. Am 2. Dezember verstarb nach kurzer schwerer Krankheit meine liebe Frau, unsere gut« Mutler, Schwester und Tante Anna Klante geb. Johl. Um stille Teilnahme bittet Dertrauerndo Gatte nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 6. Dezeniber, nach- mittags l'/, Uhr, von der Leichen- Halle de« NuminelSburger Fried« Hose», Lückstraße. aus statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und vielen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau sage ich allen Beteiligten meinen herzlichste« Dank._„ 505 W. Polt€. Deutscher | Transportarbeiter- Verband, i Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 2. Dezember unser Kollege, ff der Kellerarbeiter Heinrich Scbwahn an Nierenentzündung gestorben ist. f Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am s Sonnabend, den 5. Dezember, i nachmittags 3 Uhr, von der I Leichenhalle des städtischen Fried- Hofes, Müller- und Seestratzen-. Ecke, aus statt. 58/2 Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltunp Berlin It. Hiermit die traurige Nachricht. I dag unser lieber Sohn, der Tischler z PeinHoid Jung nach langen Leiden sanft ent« jchlasen ist. Die Beerdigung findet am Sonnlag, den 6. Dezemdetz, nachm. 2 Uhr, von der Leichenhalle in RummelSburg ans statt. Um stille Teilnahme bitte» DI« lllnlerbllcbenen. Deutscher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Tischler Reinhold Jung am l. Dezember gestorben ist. Ehre seinem Andentcu l Die Beerdigung findet am Sonntag, den 6, Dezember, nach- mittags 2 Uhr, von der Halle des Nummelsburger Gcmeinde-Fried- hose» au» statt. Um reg« Beteiligung ersucht 94/18 vis vrtamwailueg. Bezirk Französisch Bucbbolzl Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Genosse.' der Zemenlierer f Adolf Barendt tn Such, Katser-Friedrich-Str. 60, 1 gestorben ist. Ehre seinem Andenke». Die Beerdigung findet heute, Sonnabend, ven 6. Dezember, nachmittag» 2 Uhr. vom Trauer. hause aus statt. Um rege Betetltglmg ersucht 238/14 Der Borftaud. Donnerstag vormittags 9 Uhr verschied nach langem schweren Leiden in Grünhagen(O.-Pr.) meine liebe Frau, unsere gute Mutter /Harie t�akowiecki gcb Welnert im 28. Lebensjahre. 63202 Dies zeigen tiesbetrübt an Theodor Makowieckl und Kinder. Die Beerdigung findet am Montag in Grünhagen statt. Dt»»kAnpaii&. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die herrlichen Kranz. spenden bei der Beerdigung meiner lieben grau spreche hiermit im Namen der Hinterbliebenen allen Verwandten,'Freunden und Be- kannten sowie dm Herren Sängern meinen herzlichsten Dank au». 45b Max Mzepka. j SlimsIiIeniitoliKiie!' haiiiförlii- für den 12. Eerlinep Reictistags-Wa!irBls,| (113. Wahlbezirk. Todes- Anzeige. Am Donnerstag, den 3. De«! I zember verstarb»ach langem Leiden! unser treues Mitglied, der Maurer[ Ernst Winkler j im Alter von 53 Jahren. Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung findet am j äonntag, den 6. Dezember, nach- 1 j mittag« 3 Uhr, von der Leichen- j j halle dcS Heilig- Kreuz- Kirch- ife«, Mariciidors, au« statt. Um rege Beteiligung ersucht _ Der Borstand. 1 Zentral-Serhand der Maurer! Deutsehiands. Zweigverein Berlin. XahlNtelle«Üd-West. Den Kollegen zur Nachricht, daß 1 j unser Mitglied 140/9 jj Ernst Winkler \ am 3. Dezember verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am j f Sonntag, den 6. Dezember, nach- i mittags 3 Uhr, von der Leichen- ! balle des Heilig-Ki euztirchhos« tn| | Mariendort aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borftaud. Am DienStag, den 2. Dezember, ocrichied nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwieger» und Großvater, der Tischler Otto Klinxer im 58. Lebensjahre. Dies zeigen Iiefbetrübt an vis trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Mon- tag, den 7. Dezember,»ach- nnttagS 21/, Uhr. von der Leichen- Halle dcS Zentral- FrtedhoseS in FriedrichSselde auS statt. SozialdefflofratiscberWalilyereiii für den Frankfurter Vierte!« (Bezirk 329). Den Mitgllcdcn zur Nachricht, daß unser Genosse, der Tischler Otto Klinger (Langestr. 57) verstorben Ist. Ehre feinem Andenken t Di« Beerdigung findet am Montag, den 7. Dezember, nach- mittag« 2'/, Uhr, von der Leichen- Halle deS Zentral- FricdhoseS, FriedrichSselde, an» statt. Um rege Beteiligung ersucht 223/3 vei- VorHtand. SozialdemokratisehJahiverein! des 6. Der!. ReiehstapahHes. Todea-Auzelge. Am 2 Dezember verstarb unser Mitglied, der Arbeiter Heinrich Schwahn Shaussccstr. 79 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 5. Dezember,] nachmittag« 3 Uhr, von der Leichen- Halle de! städtischen Friedhof» in der Müllerstraßr, Ecke Seestraße, i au? statt. Um rege Beteiligung ersucht 231/13 0er Vorstand. Gsutscbat Metallarbeiter-Verband Verwaitungsstelle Berlin. Tode»» Anzrlg/o. Den Kollegen zur Nochricht, baß nnscr Mitglied, der Former Reinhold Hrellrnann am 2. d. M. an Herzlähmung gestorben ist. EI>re seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 0. Dezember, vor- mittags 11'/, Uhr, vom Trauer« Hause, Thurlnerstr. 7, aus nach dem Nazareth-Kirchhos, Rctnickeii- dors West au« statt. Siege Beteiligung erwartet 125/15 Bio Ortsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser auter Vater, Bruder, Schwager und Onkei. der Former Relnboli! Grellmann im Alter von 33 Jahren sanst entschtasen ist. Witwe �.i»n» Grellmann nebst Kindern. Die Beerdigung findet am 5. d. M., mittags 12 Uhr, vom Traucrhause Turiner Straße 7 aus nach dem Razareth- Kirchhofe in Neinickendors° West, Kögelstraße. statt. 44b Herren- u.Ußn-Bßklßidiina tQp den WeiKnachts-Bedarf Empfehle als praktisch� Weihnachtsgeschenke: � Herren-Sacco- Anzüge � m. 12-15-18-21-24-27-30-34-39-44-49-54-59-64 � Herren-Winter- Paletots � i4- 17-20- 38-26- 80-83 M- AZ 88—�3-48-63-68- 63 � Herren- Winter- Joppen � 490 O*— 7*°— e80— 10*®_ ISM— 14S* _ 16«»- 18�-21-23 25-27 � Schlafröcke � R 12-14-17-2O-23-20-8O-88 88 � Jungiings-Paletots u.-Ulster� R 8-10-12-14-17-20-28.26-30-85 Knaben- Anzüge � < O90 8M-4Ä-6«— 6W-61W-7« R*• 8»»— ort- 1 i»-iaj»_i4«r Herren- Winter- Ulster p n 20-83-2e— 30-88- 38 — 48— 48— 53— 58— 63 � H erren-Hosen p _90 s&o—siw_ 4t»— 4»»i— s1**- S»»- 7« »« JL— 8M_e#0_ll»»_i28« 14«- 16» � Fantasie-Westen r 4«-S"-6--7°° 8" 9" � ftingüngz-Laeco-Anzüge� M. 8-10-12-15-18 22 25 80-36 � Knaben-Paletots u.Pyjacks p 550— 034. 7«*. 8«- 07>— 1 1» R t'~ 121«— 14««- 18»— 17«— Ipl 190 Chanssea-Str. 63 D. 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Dezember, nachmittags 3 Ubr: Mitgliederversammlung im Lokale von Wisnewski, Löwesir. 21. Bortrag des Genossen Bergardeiter Blott aus Labrze über:»Das Grubenunglück in Radbod".— Gäste willkommen. FretreliglSs« Gemeinde. Sonnkaa. den S. Dezember, vormittag» 9 llbr, in der Halle der Gemeinde, Pappelalle» l8— 17: Freireligiöse Vorlesung. Boc mittags l> Uhr in der Schule, Kleine Frankfurter Straße 6: Bortrag des Henri Dr. Bruno Wille über das Thema:.Fördert der technische Fortschritt die Hiunanitäl Z"— Herren und Damen jmd als Gäjb sehr willloinmeu._______ VerrnilcKtes. Die Opfer des Bergsturzes. Zu dem bereits in unserer gestrigen Nummer gemeldeten Berg» stürz wird von B e l I u n o mitgeteilt, daß bis 8 Uhr abends 11 Leichen und etwa 20 Verwundete auS den Trüm- mern von Pra geborgen wurden. Der Bergsturz erfolgte um Mitternacht und fast niemand konnte flüchten. Man befürchtet. daß sich noch weitere 20 Personen unter den Trümmern be- finden. Die Feuerwehr, die Behörden und daS Rote Kreuz eilten zur Hilfe herbei._ Selbstmord eines Studenten. Nach einer Meldung aus Hannover hat fich der 25jährige Student der Technischen Hochschule, d. Horfick, der einzige Sohn eines Münchener RegierungSrateS, in der Nacht zum Freitag in seiner Wohnimg in Linden bei Hannover erschossen. Hochgradige Nervosität soll der Beweggrund zur Tat gewesen sein. Stroßenbahnzusamwenstoß. In Dünkirchen fand, wie eine Mel- dung von dort besagt, vorgestern abend ein Zusammenstoß zweier Stlaßenbadiiwagen statt, wobei elf Personen, zum Teck schwer, verletzt wurden. Ein irrsinniger Zugführer. Wie aus Lemberg gemeldet wird, wurde der Führer des von Lemberg nach Strhi abgelassenen Güterzuges während der Fahrt plötzlich irrsinnig. Er warf den Heizer auf den Bahnkörper; der Zug konnte mit großer Mühe auf» gehalten und ein größeres Unglück verhütet werden. Der LokonuZtiv» führer wurde einem Jrrenhause überwiesen. Eingegangene Druck fckriften. technisch- volkswirtichastliche Monographie«. Band M. Die technische Entwickclung der Glasindustrie von R. Großmaun. Brosch. 3.50 M., geb. 4,50 M. Band IV. Die technische Enlwtcketung der Schweselsäurlabrikation. Brosch. 4,50 M., geb. 5,50 M.— Vertag: Dr. W. KUnkbardt in Leipzig. � � �.... Der fehlerhafte Aufvan der Krankenkasscng-ic'ca>.'b!:nz und ihr no.- wendiger Mißcrsolg. Von einem Kassenarzt. 50 Ps. Verlag H. Vallher» Berlin XV. 30._ Der junge GörreS. Ein Zeit« und Lebensbild von Dr. Rhenmm». SO Ps.—«euer Fianksurter Verlag, Franksutt a. M._,_,. Zwei Jahre unter den J»dia»>-ra. Von Dr. Th. Koch-Grünberg. Ll-scrung 2—5. Erscheint in 24 Lieserungen a 75 Pj. Verlag C. Wasmuth, Berlin. Der Fremde. Von Renö Schickele. 310 Selten. Verlag:.Morgen', Berlin W. 9._„ Kutturfragen. Eine Nochenschrist für den deulschen Kausmann. Sest 11. Herausgeber I. Buschmann. Pro Jahr S M. Verlag:@. D. V. Callwey in München.,„ Ehrliche und unehrliche Arbeit. Von einem ehrlichen Arbeiter. 50 Ps. Fufsingers Verlag, Berlin, Sleglitzer Str. 2b. Zur Pinchologic des Militarismus. Bon einem deutschen Sol- baten. 2,50 M. Verlag: O. Wigand, Leipzig. ßrfcfkafteii der Redaktion. Dle suriftlfche Svrechftnnd««tnve, L I«de«s»ra he Sir. S, zweiter Sof. dritter Eiuaang, vier Treppen, Za hrftu h>"MW wocheutäglia,»oeudS von?>/, bis v'/, Udr itatt.«e-hu-t 7 Udr SoauadendS deainai die Tdreitiktiiade»m<4»Hr. Jeder Anfrage tft et« «uwnad» und«»«.tat» al» Viertzeiche» deizutügra. vrletliche«uiwor« wird»Ich, erteilt. Bis zur Beautwormug im Brieskaftcu ton»««»4 Tage vergebe». Eilige Kragen trage man>» der Svrechilunde vor. E.». 65. Zur Trauung ist Beibringung der Militärpapiere lMilUär» paß oder SluSmugerungSschetn» sowie der Geburtsurkunden der Brautleute erforderlich. Ist die Braut minderjährig, so muß fte die polizeilich bc» glaubigte Einwilligung deS Vaters oder, jallS dieier verstorben. deS Vor- mundeö beibringen.— R. M. 99. Unterbleibt die Eheschließung Ver- lobter, so kann jeder Verlobte von dem andern die Herausgabe desjenigen, was er von ihm geschenkt oder zum Zeichen des Vertöbnisses gegeben bat. nach den Borschrislcn über die Herausgabe einer ungerechtfertigten Be- reicherung fordern. Im Zweisct ist anzunehmen, daß die Rücksorderung ausgeschlossen sein soll, wenn daS Verlöbnis durch de« Tod eines der Ber- lobten ausgelöst ist. Da in Ihrem Falle keine Gründe vorliegen, die diesen Zweifel beseitigen, behalten Sie den Verlobungsring. Die eventuelle Klag« auf.Herausgabe verjährt in zwei Jahren, von der Aullösung deS Verlöb- nisies an gerechnet L. L. 83. 1. Sie müßten fich vom Gericht zwei Ausserttgungm deS Urteils geben lassen und daS Urteil dem Gegner zustellen. Stach Recht»- kraft des Urteils(diele tritt ein. wenn innerhalb eui-S Monats nach Zu» stellung Berufung nicht eingelegt ist) müßten Sie dann zweck» Eidesleistung laden. 2. Sie konnten aus Abstellung deö Mißstand«» und aus Schadenersatz liagen.— A. w. 8. Ja.— C. B. 1887. Wenn in dem Klubstatut nicht ausdrücklich steht, daß das säumige Mitglied seine Rechte verliert jo kann eS auf Zahlung des GemwueS klagen, auch wenn eS die letzten Raten nicht gezablt hatte. E. BJ. 6. Sie könnten nur aus Zahlung der geschuldeten Summ« beim Amtsgericht klagen.— 91.®. R. i«0. Der Vermieter ist leider im Recht.— H. G. 86. Sttasbarkelt liegt nicht vor, e» jei denn, daß Leichtsinn, eine Notlage oder Unersahrcnhci! ausgebeutet ist Stempelung ist nicht eftorderlich. Der Bater hastet für die schulden seines Sohnes nicht— D. K. Rixdorf. 1. Ja. 2. Dann könnte Betrug als vor- liegend erachtet werden, g. DaS hängt von der Vereinbarung ab. 4. Danach bemißt fich eventuell die Höhe des Taschengeldes. St. 91. 85. Wann dort Hauptgottesdienst stattfindet, entzieht sich unserer Kenntnis. ES wäre die Zeit durch Nachsragc dort leicht festzustellen. Fällt der Hauptgottesdienst dort aus die Zeit von 10 dt» 12 Uhr,|o wäre ein Einspruch gegen den Strasbeseht wegen Dungabladens in diel« Zeit zwecklos.— Cr. P. 13. l.— t. Ja.— O. H. I. Wen» sperrveibot vor- liegt, so ist erst dessen Aushebung durch das Vormundschaslsgerichl herbei» zusühren.— F. u. B. t. Die Angabe»Roienthal, Kreis Niede>-Barnim' genügt 2. Etwa eine Woche und etwa zwei Mart 3. Später.— 91. M. II? 1. Nur der 1500 M JahreSverdienst übersteigende Lohn ist wegen G«>chlskosten oder ariderer Forderungen(ausgenommen Alimente und direkte steuern) pfändbar. 2. Ist die Pfändung zu Unrecht erfolgt so dal der Arbettgebcr dem Arbeiter den Lohn zu zahlen.— N. R. Ja. Freiichütrr 88. sprechen Sie mit dem Rektor Ihrer Gemetudeschule über die Angelegenheit— E- K. 169. Wir konnten s. Z. eine andere Antwort nicht crtcUen. Sie müssen fich an da» Kuratorium der städtische» Sparkasse wenden.__ itmtllrtjcr Marttbericht der städlsschea Marttballen-DtteMon üb« den Großhandel in den Zentral-Marttdallen Marktlage: Fleisch: Zusubr genügend, Gelchäsl ruhig. Preise unverändert. Witd: Zufuhr etwa» nachlassend, Geschäst ziemlich rege. Preise unverändert Geflügel: Zuiudr in Gänsen über Bedarf, sonst genügend, Geichäst schleppend, Preise belriedigend. Fische: Zufuhr genügend, Geschäst tchleppeud, Presse für Flußfische gedrückt. Butter und Käse: Gcichäsl ruhig, Preise unver- ändert.»•""' e, C f' uirdcit. Geschäft jö Cdft und S ü dsrüchte: Presse fast unverändert Zujuhr genügend Wasserstands. Stachr«ck>»e« der LandeSaiiilall tnr Gewässerkunde, mitgetekst vom S»iliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e l. TUN« P r e g e l. Justerburg Weichsel. Tborn Oder. Ratibor , Krosse» , Frgiikiurt D o r t b e. Libninm , Lauosderg Netze. Pordamm Elbe, Leinneritz , Dresden , Bardo . Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau') . Rathenow') Spree, svre>ub«rg>) » Beeskow Weser. Münden . Minden Rhein, MarimittauSail « Kaub . Köln Neckar, Hellbron» Main, Wcrtheim Mosel. Trier am 3. 12. Otn 82 63 24 74 68 -86 -14 318 117 115 42 115 55 feit 3. 12. orn1) -8 +3 _2 0 +1 —10 ~4 -2 — 3 -11 -1 —4 —7 ')+ bedeutet Wuchs.— Fall.— n Unlerpcaet.—•) Starker Eisgang.—«j EiStretdcn.—') EiSstei. ttr Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Verlin. Hauvlbnreau» Hol I. Amt 3. 1233. CharitSstraBe 3. Hol III. ilml 3, 1987. Sonntag, de»<». Dezember, Vormittags 10 Uhr bis nachm. 1 Uhr, findet die pr Wahl eines Krisihers für die engere Grtsvcrmltllvg in folgenden Lolalen statt: koibergsr Ssioo. Kolberger Str. 23. Brunnen-Thealer, Badstr. 58. Obiylos Feslsäle, Schwedter Stt. 23. BohotovsKi, Bernauer Str. 82. Elyslum, Landsberger Allee 40/41. Sehäde, Kopenhagener Str. 74. Litflns Feslsäle, Memeler Str. 67. Boekers Feslsäle, Weberstr. 17. Cewerkschaflshaus, Engelufer 15(Saal 4). Fröhlicüs Reslauranl, Muskauer Str. 1. Grumhachs Feslsäle, Schönleinstr. 6. Wiemers Reslauranl, Bülowstt. 58. Kronen-Brauerei, Alt-Moabit 47/49. Volkshaus, Charlottruburg, Rosinenstr. 3. Thiel, Kirdorf, Bergstr. 152. Hoppe, Kirdorf, Hermannstr. 49. fleizmann, Stesiitz. Floraftr. 2 a. Bulh, Spandan. Lindenufer 17. Varneeke, Ober'Slhöueuieidk.Wilhelminenhofstr. 18. Tempel, Knmmelsbnrg, Alt-Boxhagen 56. behmann, Köpenick, BaHnHofftr. 34. Roßkopf, Weißellfee. König-Chaussee 38. Halses, Tegel. Brunowftr. 23. Rozyekl, Knnkow, Kreuzftt. 3/4. Müller, Temprlhof, Berliner Straße. Bhne Mllglledshueh kann niemand vählen! Die Stimmzettel werde» am Eingang zu de» Wahllokale»»erteilt. Wahlletter ist der Kollege Otto Uandke, Eharttöftr. 8. Montag, den 7. Dezember, abends 8Vs Uhr: SeÄrks-Verssmmwngen fm die gcslimlk Ntri»li!t»»ggsttlle Krrlili in folgenden Lokalen: Bslen-Uehlenherg: Litsi«, Memeler Str. 67. Vortrag des Kollegen MtücUet.Da» Haben die Arbester»o» der gegenwärtigen RegierungSpolsti» zu erwarten I' Slralau-Rummelsburg: Tempel, Alt-Boxhagen. Ecke Bahnhofstraße. Vortrag des Kollegen Vlioi-oH»:.TarifvertrZge.- Velßenses: Zloschopf» König-Chaussee 38. Vortrag deS lSenosten.Die wirtlchallltch» Krise.' Süden: Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. Vortrag de» Genosse» Uoilnian»:.Der Ausstieg der deutschen Arbeilertlasse.' Rlxdork: Hoppe, Hermannstraße 48/49. Vortrag de» Kollegen llandke:»Di« Recht« und Pflichten der Arbester«l« EtaatSblirger.' Veslen-Sehoneheru: Zühlke, Dennewitzstt« 13. Vortrag deS Genossen Od»t:.Schule und Kirche.' Steglitz: Schellhase, Ahornstraße 15a. Vortrag de» Kollegen Hilpert:.Smanzipalion deZ Proletariats.' Lharlollendurg: UolksHaus, Rosinenstraße 3. Vortrag de» Kollegen Hartinwon:.Arbeitgeberverbände.' Moabit: Srünings Prachtsäle, Wiclefstr. 24. Vortrag de» Genosse» Severlas;»Der ScseSeitlwurs aber die ArbestStammern.' Horden: Kockbrauerei, Chausseestraße 64. Bortrag de» Kollegen Halen i.Der Fluch der Armut.' Horden: Fraukes Frstsäle, Badsttaße 19. Vortrag de» Kollegen Effgert. Horden*. Obiglo, Schwedter Straße 23. Vortrag des Genossen HItter. Köpenick: Joch, Grünauer Straße 7. Vortrag des Kollegen dnlrnknen:»Fortschritt und Aruutt.' Spandau: Kohle, Havelstt. 20. Jahresbericht und Neuwahl der BezirlSlestung. ISSfll AbeudS 0 Uhr: Tegel: Schulers Gichborusäle, Eichbornstraße. Vortrag de» Kollegen WuHcliiek, In allen Versammlunge«: KtrilhtkrjlattvNß von der Gentralverfammlnng. 0doe Kitgliecksbuch hat niewallll Zutritt! Zahlreiche» Besuch erwartet vi« OrtoTerwaltmic. trotz der schon enorm billigen Preise gewähre ich auf alle Weihnachtseinkäufe des reich sortierten Manufaktur- Warenlagers, Konfektion, Putz, Wäsche, Kurzwaren, Aussteuer etc. -> Hin eleganter Kalender gratis!< MQIIerstr, Mflllerstr. I« Kaufitaus Wedding- Zkiitr«>irrb«l!d Maschiilißt»«d Hcher soillik Krrilfsztliliffrii Ntiilslhlsllds .....%'crw»ltunjcsstelle OroB-llerlln.»'■■ Sonntag, den 0. Dezember.»achuttttagS 4 Uhr» Anßklirdtllililhe ßruccnl- ftrrfauiinlnng im GewerkschaftShause. Engelufer 15. Tages- Ordnung: 1. Vortrag deS GewcrllchaftssckretSrS»rttoknor:»Die Unfall- verfichelungSgesehgebuiig'. 2. Wahl deS Gesamtvorstande». 3. Dt« Agitation der GeschSsisleitung Köpenick w Baumschuienweg bezw. Rummelsburg. 4. Verschiedenes. Slscheinen aller Kollegen ist notwendig. 140/4 Der vorstand. I.A.: H. Schwtttau. Deutsclier Holzarbeiter-Verband. Torwoltung Rerltn. Montag, den 7. Dezember, abend« SV, Uhr. bei Kluge. Lange- ftroste SS, Ecke Fruchisteahe: VvESSIHMZuNg der tu den Spiegel-Nahmen-Werkstellen beschäftigten Kollegen. Jeder Kollege hat zu erscheinen. 34/15 Die Kommisston. Voe>oIIKatto„«7 g�g fürWiederverkäiifer! Billigste Engros-Preise t Kl. Mexiko.... 100 Sfc. S.85 M. 8t. 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Die fllr die Dahlperiode IMS/ISOS gewähllcil verstetcr werden hiermit zu der am Eonntag. den IS. De° zemder IVOS, vormittag« 10 Uhr bezw. 10'/, Uhr, in DräielS Fest» I ä l e n, Neue griedrlchstr. SS, statt- findenden Oed entlieben (leneral-Versanitulung ergebcnst eingeladen. 280/17 Um 10 Uhr: Bersammlnng der Vertreter der Arlicitgeber. T a g e S- O> d n u n g i Wahl vonzwel Borstandsmilgliedern sür 1909/1910 an Stelle der anS« scheidenden Herren Ziersch und Rosenow und eiiicS Borstondsmit« gliedes sür 1909 an Stelle des bereits ausgeschiedenen Herrn Israel. Um 10'/, Uhr: Versammlung sämtlicher Vertreter. TagcS-Ordnung: 1, Wahl des Ausschusses zur Prll« fung der Rechnung des lausende» Jahre«. 8. Abänderung des Dienstoertrages und Anstellung bisheriger Hits»- «rbciter aus Grund des abgeänderte» vertrage«. g. Mitteilungen des Vorstandes. Brrsammlnng der Vertreter de» Kasseumitglieder. Tages-Ordnung: Wahl von vier Vorstandsmitglieder» sllr>S09/IS10 an Stell« der au«' scheidenden Herren Raasch, Sauer, Sieben und Gastel. v e r l i n. den 4. Dezember WOS. Der Vorstund. W. Piehl. Vorsitzender. «vorzüglich bewährt bei * Ernst, Frostbenlen 1 1 >(an Händen and Füßen) 9 I Wundlaaiea, ScbwelDfuB, Uornbaat. Hühneraagea (an den Füßen) 1 Beutel für 25 Pf. enthält j 2 Faßbäder od. 4 Handbäder. Zu haben in: Apotheken, Drogen« und Parfümorie- waxen-Handlnngen uaw. General- V artretez: Rob. Engel, S. 42. Q�rr-A�t CLCV5 C&syr- SuAnA /a5/c Damen-Paletots Capes— Kostüme Mädchen-Paletots Abend- Mäntel Kostümröcke Peiz-Stolas Hausvogtei-Platz 11, achi'ägübor Untergrund- Bahnhof. Gegen dies|0j Kabattver- | Inserat" 10 gütung. Auch Sonntags geiiiiaeil Um die Bestände des VW. Pfinsti z Co. Königstrasse 33 B B R L 1 N C. 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Miederschürze 1 Kleider Reformschürze 1 elegante Halb Reformschürze 1 elegante Teeschürze 1 weisse Servierschürze 1 Knaben-Winter-Joppe mit warmem Futter 1 Burschen-Stoff-Hose 1 Maler-Kittel_ 1 Matlnäe aus woDIg. Stoft, alleWeiten 1 Kinderkleid 1 Unterrock aus Alpacca oder Tuch 1 Kinder-Eisiell Garnitur 1 Kostüm-Rock 1 Damen-Jackett inrverec"le4 Stoliarteu 2.45 2.45 2.45 2.45 2.45 2.45 2.45 2.45 2.45 2.45 2.45 2.45 2.45 2.45 2.95 2.95 2.95 2.95 2 95 2.95 t Spitzen- od. Stickerei-Rock 2.95 1 eleg, Oamen-Fassonhemd 2.95 1.. Beinkleid 2.95 1„„ Nachtjacke 2.95 1„ Tee-Schürze 2.95 1„ Molton-Anstand-Rock 2.95 1 Tischtuch 130/1mUS®eu,meo" 2.95 Vi Dtz. Jaquard-Servietten 2.95 1/2 Dtz. Stuben- oder Küchenhandtücher 2.95 4 Paar Damen-Giacä- Handschuhe dÄ«* 2.95 Herren- Leder- Haus- � Kl) h a mit warmem Futter, O Oft OOnUIIC Ledersohl u Absatzfleck w• w 2.95 2.95 2.95 2.95 Damen-Zugstiefel � � eleg. Herren-Stoff hose Knaben-Anzug Schlafdecke kÄ!» Morgenrock in?eine0Ä* DIiica aus Ind. 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Die Genossen und Genossinnen werden gut tun. diese Beilage für den Besuch der Ausstellung auf- zubewahren. » Kurz vor dem Weihnachtsfeste gibt der BildungsauSschutz der sozialdemokratischen Partei Deutschlands wie im vorigen!jer kleiner Erzählungen in Bildern. I, Teil. Verlag von Braun u. Schneider, München. 2,50 MI. 39.—, dasselbe. II. Teil. 2,50 Mk. 40.—. dasselbe. III. Teil. 2,50 Mk. 41.—, Schnurrdiburr oder dir Bienen. Verlag von Braun u. Schneider, München. 3 Mk. Auch diese Busch-Bilderbücher wirken aus Groß und Klein in gleichem Maße erfrischend durch ihren köstlichen Humor. 42. Deutsches Märchenbuch. Mit 36 farbigen und 10 Text- bildern von Willy Planck. Verlag von Gustav Weise, Stutt- gart. 3 Mk. Das Buch enthält neun der bekanntesten deutschen Märchen. Die Vollbilder suchen durch kräftige Zeichnung und leb- hafte Farben zu. wirken. 43. Für unsere Kinder. Weihnachtsbuch der„G le i ch- h e i t". Herausgegeben von Klara Zetkin(Zundel). Stutt- gart 1906. 1 Mk. Es gibt wohl im Augenblick kein ztvettes Buch. das bei so ungewöhnlich billigem Preise so reichhaltigen und mit dem gleichen Takt ausgewählten Lesestoff bietet. Kinder jeden Alters finden etwas, das sie erfreuen Wird, so daß da« Buch in keiner Familie fehlen solrre. Da sind luftige Verslein und sinnige Märchen für die Kleinen, aber auch die heranwachsende Jugend, ja. die Eltern selbst werden mit großem Vergnügen eine Anzahl der Gedichte und der teils unterhaltenden, teils in künstlerischer Form belehrenden oder erhebenden Prosastücke lesen. 44. Eiaenbrodt, Wolrad, AuS dmuschöuen weiten Welt. Liedchen und Verse für unsere Kleinen. Mit Bildern und Buch. schmuck von Hans Volkmann. Verlag R. Voigtländer, Leipzig. OLO Mk. Hübsche und leichtfaßliche Verse mit Naturschilderungen. Anmutig illustriert. 45. Ewers, HanS Heinz, Die verkaufte Großmutter. Illustriert von Paul Horst-Schulze, Leipzig. Verlag von Herm. Seemann Nachf., Berlin. 2,50 Mk. Ein gutes Bilderbuch. das von Kindern gern gelesen wird,' 46. Gr i m m, Brüder, Fünfzig Märchen. 12 Holzschnitte von L. Richter. Verlag von Reclam, Leipzig. 0,80 Mk. 47.—, Kinder- und Hausmttrchen. 13 farbige Bilder von P. Meyerheim. Verlag von Bertelsmann, Gütersloh. Kart. 1 Mk.; geb. 1,50 Mk. 48.—, dasselbe. Mit 8 farbigen Bildern von Heinrich V o g e l e r-Worpswcde, drei Bildnissen und einer Einleitung von H e i n r. Wolgast. Verlag von Hesse, Leipzig. 3 Mit.; kleinere Auswahl 1,20 Mk. 49.—, dasselbe. Eine Auswahl von eimmdfünfzig Märchen. Verlag von Schaffstein, Köln. 2 Mk. Die Bücher enthalten die alten schönen Märchen, in der schlichten, unübertrefflichen Form, die ihnen die Gebrüder Grimm gegeben haben. Alle drei Ausgaben sind warm zu empfehlen. Die Bücher bilden eine unerschöpfliche Quelle der Unterhaltung für die Kinder aller Altersstufen. Die Schaffsteinsche Ausgabe ist nicht illustriert. 50. Grimm, B e chste i n, Hauff, G o d i n, Alte und neue Märchen. Illustriert von W. Planck. Verlag von Gustav Weise, Stuttgart. 3,50 Mk. Eine schöne, aber leider etwas teuere Märchen- sammlung. 51. Jungbrunnen. Kinderlieder. Illustriert von Erich Kuitan. Verlag von Fischer u. Franke, Berlin. 1,25 Mk. Eine reizvoll illustriert« Sammlung anmutiger Kinderlieder. 52.—, Märchen für die deutsche Jugend. Reich illustrierte Auswahl. Verlag von Fischer u. Frank«, Berlin. 2 Mk. Enthält eme Anzahl schöner deutscher Märchen in hübscher Ausstattung. 53. AusKlausGrothsVaerdeGoern, Zwölf Kinder- reime. In Musik gesetzt von I. v. B r o n s a r t. Mit hochdeutschem, plattdeutschem und englischem Text. Zeichnungen von Ludwig Richter. Verlag von Georg Wiegand, Leipzig. 1,50 Mk. Ent- zückende plattdeutsche Verse(nebst hochdeutscher Uebertragung) mit anmutigen Richterschen Illustrationen und stimmungsvoller Musik- bcgleitung. 54. Kreidolf, E., Blumenmärchen. Verlag von Schaffstein, Köln. Kleine Ausgabe. 1,25 Mk. Eines der schönsten und an- mutigsteu Bilderbücher. Die zarten und doch überaus charakteri» stischeii und sprechenden Bilder stellen Personifikationen von Blumen und Szenen aus dem Blumenleben dar. Die Verse sind einfach und dem naiven, kindlichen Gemüt angepaßt. 55.—. Die Wiesenzwcrge. Verlag von Schaffstein. Köln. 1 MS. Ein Märchen mit schönen, farbenreichen Bildern und einfachem, leichtverständlichem Text. 56. L o b s i e n,«L i l h e l m. Selige Zeit. Alte und neue Kinderlieder. Mit Buchschmuck von Mary Freiin K n i g g e. Verlag von Carl Schünemann, Bremen. 1,25 Mk. Eine schön« Zusammen- stellung von alten und neuen Gedichten und Liedern, die dem Ver- ständnis und dem Gefühlsleben der Kinder angepaßt sind. 57. Mäding, Franz, Eine Reise ins Märchenland. Ein Märchen von einem Frühlingssonntag in bunten Reimen. Buch- schmuck von Tusar. Verlag der Münchener Volksbuchhandlung, München. 2 Mk. Kaspar, der alte liebe Schelm und Freund der Kinder, auf Reisen. In flotten kindlichen Versen dargestellt und mit hübschem Buchschmuck ausgestattet. 58. Meggendorfer, L., Der Gänsegeneral und seine Sol- baten; Ter Tanzbär; Herr Privatier Kugelman«. Drei lustige Geschichten. Bunt illustriert. Mit Versen von Franz Bonn. Verlag von Braun u. Schneider, München. 1 Mk. Lustige Ge- schichten in spaßigen Versen und Bildern. 59. Der kleine Nimmersatt. Bilderbuch mit Märchen, Geschichten und lustigen Schwänken. Verlag von Schaffstein, Köln. 1 Mk. Enthält eme Sammlung von reizenden Märchen, frischen Erzählungen und lustige,» Schwänken in Poesie und Prosa und mit prächtigen Bildern. 60. Pähl, Franz, Edison, der Erfinder. St. VoigtländerS Verlag, Leipzig. 1,25 Mk. Eine anregende und interessante Bio» graphie« 61. R e, ch e n b a ch, E., Karnickels Abenteuer. Dem Engli- scheu nacherzählt. Mit 6 farbigen Bildern und 122 Textillustra- tionen. Theo. StröferS Kunstverlag, Nürnberg. 0,60 Mt. Enthält hübsche Einfälle, nett erzählt und reizend illustriert. 62. Reinheimer, Sophie, Bon Sonne, Regen, Schnr« und Wind und anderen guten Freunden. Mit Buchschmuck von Adolf Arnberg. Buchverlag der„Hilfe", Berlin- Schöneberg. 2 m. In frischem, kindlichen Tone geschriebene hübsche Geschichten aus dem Naturleben. Für feinsinnige Kinder besonders geeignet. 63. Scharrelmann. H., Aus Heimat, Kindheit und glück- sicher Zeit. Verlag von Janssen, Hamburg. 1,50 Mk. Lebendig und anregend erzählte Geschichten aus einer alten Stadt. 64. Der deutsche Spielmann. Eine Auswahl aus dem Schatz deutscher Dichtung für Jugend und Volk. Herausgegeben von Ernst Weber. Band 1: Kindheit. Mit Bilden, von beut- scheu Künstlern. Verlag von Callwey u. HauShalter, München. I Mk. Eine ansprechende Samlung von Dichtungen, die sich auf die Kindheit beziehen. 65. Tiermärchen. Ausgewählt vom Hamburger Jugenschristen- Ausschuß. Verlag von Wunderlich, Leipzig. 0,60 Mk. Eine Auswahl von 22 Märchen, die von Tieren handeln, aus verschiedenen Märchenschriftstcllern, wie Andersen, Grimm, Mörike, Seidel und Lichtwark. 66. Verb« ck, O., Allerleirauh. Verlag von Grunow, Leipzig. Bunt illustriert. 2,50 Mk. Reizende Tiergeschichten, in warmem Herzenston ohne Süßlichkeit erzählt. 67. W o l g a st, H e i n r i ch. Alte Fabeln. Verlag der Jugend- blätter, München. Illustriert. 0,35 Mk. Empfehlenswerte Sammlung von teilweise recht lustigen Fabeln. Der Druck ist schön und klar. 68. AnS de» Knaben Wunderhorn. Bilder von Berthold L ö f f l e r. Texte gesichtet von Hans Fraungruber. Verlag von M. Gerlach u. Co., Wien und Leipzig. 1,50 Mt. F. Carl, Stuttgart. 1,50 Mk. Das zierliche Bändeljen enthält eine Anzahl Gedichte aus der bekannten Sammlung Arnim und Brentanos; die Gedicht« wie auch die geschickt gezeichneten Bilder chen werden Kindern viel Vergnügen bereiten. Vom 11.— 14. Jahre« 69. Andersen. Ausgewählte Märchen. Verla» von Wartig. Leipzig. 2 Mk. Eine schöne Sammlung Andersenscher DPrchen, mit einigen farbigen und zahlreichen in den Text gedruckten Ab- bildungen. 70. de Vary, A., Botanik. Mit Abbildungen. Verlag von Karl I. Trübner, Straßburg. 0,80 M. Gibt einen Ueberblick über die Haupterscheinungen des Pslaiizenreichs in elementarer, leicht- faßlicher Darstellung. 71. Beecher Ktowe, H abriet, Onkel Toms Hütte oder Negerleben in den Sklavenstaaten von Amerika. Verlag von Otto Spamer, Leipzig. 1,75 M. Trotz des religiösen Einschlags und des etwas süßticben Tones hier und da ist das Buch warm zu empfeylen. da es wegen der beispiellosen Wirkung zur Zeit seines Entstehens zu einem kulturhistorischen Dokument geworden ist. Außerdem bietet es viel Wissenswertes aus der amerikanischen Ge- schichte vor Ausbruch des Sezessionskrieges. 72. Bierbaum, Otto Julius, Zäpfel KernS Abenteuer. Eine deutsche Kasperlegeschichte. Mit 65 Zeichnungen von Ar päd Schmidhammer. Verlag von Schaffstein. Köln. 4 Mk. Eine lustige Kasperlegeschichte, recht im Sinne einer fröhlichen Kinder- Phantasie erfunden. 73. Blochmann, Luft, Wasser, Licht und Wänne. Verlag von Teubner, Leipzig. 1,25 W. In leichtverständlicher Form und unter Berücksichtigung der Erscheinungen des täglichen Lebens werden die Lehren der Chemie behandelt. Zahlreiche Abbildungen erleichtern das Verständnis des Textes. 74, 95 r aü b, Jürgen, vlenbrook. Verlag der Buchhand- lung Vorwärts, Berlin. 1,50 Mk. Brief an jugendliche Leser, nach den zwölf Monaten des Jahres geordnet. In jedem dieser Briefe lernen die Leser ein besonderes Kapitel der Statur kennen. Aber die Art, in der dies geschieht, ist nicht eine ermüdende, langweilig-beleh- rende, sondern das Buch ist mit dem Herzen geschrieben und geh! zu Herzen. Das Buch ist eines der besten Jugendschriften und sollte in keinem Arbeiterheime fehlen. 75. Cooper, Der lehte Mohikan. Bearbeitet von Wilh. S p o h r. Verlag von Schaffstein, Köln. 3 M. 70.—, Ter Pfadfinder. Bearbeitet von Wilh. Spohr. Verlag von Schaffstein. Köln. 3 M. Die Cooperschen Lederstrumpf- geschlchteu können in dieser Ausgabe etwas derb veranlagten, gc- sundcn Kindern ohne Sorge in die Hand gegeben werden. 77. Defoe, Daniel. Robinson Crusoe. Bearbeitet von £). Z i m m e r m a n n. Illustriert. Verlag von O. Spamer. 1 M. Eine gute Bearbeitung der alten vortrefflichen Jugendschrift. 78. Erckman n- Chatria n. Frau Therese. Verlag der Buchhandlung Vorwärts, Berlin. Illustriert. 1,30 M. Eines der anmutigsten Literaturerzeugnisse und für die Jugend auf das wärmste zu empfehlen. Während soviele wertlose Jugendschriften, die von Kricgsgetümmel handeln, die Kindergemüter verrohen, wirkt Erckmann-Chatrians Kriegsgeschichte durch ihren gemütvollen, meuscheufreundlicheii Geist in veredelndem Sinne. 79. Ewald, K., Der Storch und andere Märchen für er- wachsene Kinder. Verlag von Wallfisch, Dresden. 1 M. 80.—, Ausgewählte Märchen. Verlag der Leipziger Buch- druckerci. 1,50 M. Die beiden Ewaldschen Bücher bilden eine be- liebte und dabei wertvolle Lektüre für die Arbeiterjugend. Sic verbinden mit dem Zweck der kurzweiligen Unterhaltung auch den der nie aufdringlichen Belehrung. Dabei treffen sie vorzüglich den Ton, der zum Kindergemüt spricht. In bezug auf die Aus- stattung sind die �Ausgewählten" Märchen vorzuziehen. In der anderen Ausgabe stört die Eigenart des Druckes. 81. Falke, Gustav, und Loewenberg, Jacob, Steht auf, shr lieben Kinderlein. Gedichte aus älterer und neuerer Zeit für Schule und Haus. Verlag von Schaffstein, Köln. 2 M Eine schöne, empfehlenswerte Zusammenstellung von Gedichten in hübscher Ausstattung. 82. Faraday, Michael, Naturgeschichte einer Kerze. Verlag von H. Schultze, Dresden. 2,50 M. Eine lebensvolle Ein führung in das Studium. der Natur. 83. Fehrs, I. H., Ut Jlenbeck. Beer Geschichten. Bilder von Bogclcr-Worbswede. Verlag von Lühr u. Dircks. 0,50 M Plattdeutsche Geschichten voll sinniger Stimmung, einfach und schlicht erzählt. Besonders für Gegenden geeignet, in denen das Plattdeutsch zu Hause ist....... 84. G e i k i e, A., Physikalische Geographie. Mit Abbildungen und einem Anhang von Fragen und Aufgaben. Verlag von Karl I. Trübner, Stratzburg. 0,80 M. Eine populäre Darstellung der physikalischen Geographie durch den englischen Gelehrten Geikic. In leichwerständlicher Weise wird die Gestalt der Erde, der Wechsel von Tag und Stacht, die Erscheinungen von Luft und Wasser und das Innere der Eroe behandelt. 85. G e r st ä ck e r, Fr., Der Schiffszimmermann. Eine Rächt auf dem Walfisch. Verlag von Schaffstein, Köln. 1,30 M. An- regende ynd- anschauliche Schilderungen, ohne daß dabei der kind- licheu Phantasie zuviel zugemutet wird. 80.—, In den Pampas. Erzählungen aus der wilden Welt. Verlag von Schaffstein, Köln. 1,30 M. Eine spannende Erzählung mit glänzenden Landschasts- und Sittenschilderungen. Der frei- heitliche Grundzug wird Proletarierknaben besonders Wohlgefallen. 87. G j e m s- S e l m e r. A go t, Die Doktorfamilie im hohen Norden. Verlag von Ehold u. Co., München. 2 M. Ein reizvolles',' liebenswürdiges Buch, das auch dem erwachsenen Leser eine wahre Erholung bereiten wird. 88. Goett e. A.. Tierkunde. Verlag von Karl J. Trübner, Strasburg. Mit 05 AbIHldungen. 1,00 M- Sucht zu selbständiger. Beobachtung und Beurietkustg- des uns umgebenden Tierlcbens anzuregen. 89. G r o t h. Klaus, Min Modcrfprak. Verlag von- Lipsius u. Tischer, Leipzig. 1 M. Eine gute Auswahl' plattdeutscher Gc-" dichte. Vorzugsweise für Gegenden geeignet, in oenen plattdeutsch gesprochen wird, da Kinder, die das Plattdeutsche nicht verstehen, sich nicht die Mühe machen werden, die unverständlichen Wörter nachzuschlagen. 90. Grötzsch, Robert, Naukes Luftreise und andere Wunderlichkeiten. Geschichten für Arbeiterkinder. Zeichnerische Ausstattung von Robert Langbein. Verlag von Kaden u. Co., Dresden. 1 Mk. Schildert in abwechselungsreicher und lebendiger Form Stoffe aus dem Arboiterlebeu. Tie Sprache ist gut vor- ständlich, die Tarstcllungsweise dem Verständnis größerer Kinder angepaßt. 91. Die vier Haimouskinder iSimrock und Schwab). Verlag von Schafsstein, Köln. 2 Mk. Eine mustergültige Ausgabe der „schoueu und lustigen Historie von den vier Haimonskiiidcrn und ihrem Roß Baiart; was sie für ritterliche Taten zu Zeiten Karls des Großen begangen haben". Gute Lektüre für Kinder mit leb- haftem, frischem Sinn. 92. Hauff, Wilhelm, Ter Schrik von Alcssandria und seine Sklaven. Verlag von Schaffstein, Köln. 1,50 Mk. 98—, Tie Karawane. Märchen. Verlag von Schaffstein. Köln. 1,50 Vtk. 94.—, Das Wirtshaus im Spessart. Verlag von Schaffstein, Köln. 1,50 Mk. 95.—, Zwerg Nase. Verlag Lehrerhausvcrein. Linz. V.85 Mark. 90.—, Das kalte Herz. Verlag Lehrerhausverein, Linz. 0,85 Mark. Die Hauffschen Märchen bilden eine anregende Lektüre für die Jugend... 97. Hebel, I. P., Schahknstlein des Rheinländischen Haus- freundes. Verlag Bibl.'Institut 0,05 Mk.; Hendel 0,85 Mk.; Reclam 0,80 Mk.; Lenzinger 0,90 Mk. Kleine, gemütvolle Erzählungen und ua i i> rw i sse ns cha ft liche Betrachtungen. 98. H o f.f in a n n, E. Th. A.,. Zwei Märchen. Verlag von Schaffstei». Köln. 1,50 Mk. In liebenswürdigem Tone gehaltene Märchen, die ihre Wirkung auf Kindcrgcmüter nicht verfehlen �99' H u x l e Y, T. H., Allgemeine Einführung in die Natnr- Wissens, hasten. Verlag Karl I. Trübncr, Siraßburg. 0,30 Mk. Eine vorzügliche Einführung für Kinder und Erwachsene. 100. I a n s 0 n, Dr.£>., Meeresforschnng und Mecresleben. Verlag von Teubner, Leipzig. 1.25 Mk. Behandelt die Anpassungs- crscheinungen bei Meerestieren, die Temperaturverhältnisse der Ozeane, die Technik des Fischens. Zahlreiche Abbildungen im Text. 101. Kindersaug— Heiinatklang. Tonsatz von Bernhard Scholz. Illustriert von Ernst Lieber mann. Verlag von Jos Scl'olz, Mainz. Band 1—4. je 1 Mk. Eine sehr hübsche Volks- liederauSgabe sowohl im Hinblick auf die Auswahl als auch auf die Illustrationen. Besonders für Familien geeignet, in denen ein Musikinstrument gespielt wird. 102. K r a e p e l i n, K.. Raturstudien. Verlag von Teubner. Leipzig. 1 lMk. 10g.—, Naturstudien im Garten. Verlag von Teubner, Leipzig. 3,60 Mk. In einer leichtsaßlichen, sympathischen Plauder- Methode werden die Kinder in die Naturwissenschaften eingeführt. 104 L i ch t e n b c r g e r, Fr a n z. Allerlei vom Leben der Pflanzen. Verlag von Schafsttein. Köln. 1,50 Mk. Unterredungen eines Lehrers mit seinen„Jungens" über botanische Fragen. Ein vortreffliches Buch für wißbegierige Kinder, aber auch für die Lehrer und die Eltern, die daraus lernen könnet,. wie ste den Kindern zu antworten haben. 105. v. Liliencron, D., Kriegsnovellen. Auswahl für die Jugend. Verlag von Schuster u. Löffler, Berlin. 1 Mk. Eine Auswahl aus der größeren Sammlung der fesselnd geschriebenen Kriegsbilder und Kriegsgeschichten Lisiencrons. Die düstere Tragik des Krieges kommt nicht zu kurz und öder Hurrapatriotismus macht sich nicht breit. ' 106. Lockhtr, A., Astronomie. Mit Abbildungen. Verlag Karl I. Trübner, Straßburg.' 0,80 Mt. Stellt die Lehren der Stern- künde als Wahrheiten, dia mit dem Verssande zu erfassen sind, dar, um dadurch eine Lücke der Volksschule auszufüllen, 107. Marryat, Kapitän, Der fliegende Holländer. Be- arbeitet von W. Spohr. Verlag von Schaffstein, Köln. 3 M. 108. Newtons Forsters Secabeutcuer. Verlag von Schaffstein, Köln. 1,50 M. Gute, spannende Unterhaltungslektüre. 109. M ü r i k,e, Eduard, Das Stuttgarter Hutzelmännlein. Verlag von Schaffstcin, Köln. 1,50 M. Ein feines, humorvolles Märchen, das nach Inhalt, Ausstattung und Preis für die Ar- beiterjugend wohl zu empfehlen ist. 110. de la Motte-Fouqe, Friedr., Undine. Eine Erzählung. Verlag von Schaffstein, Köln. 1,30 M. Das stimmungsvolle Märchen von der schönen Nixe wird den Kindern viele Freude macheu. III. Musäus, Joh. Karl Aua., Volksmärchen der Deutschen. 1. Teil. Verlag von Schaffstcin, Köln. 1,30 Mk.(Ver griffen.) 112.—. dasselbe. 2. Teil. 1,30 M. 113.—, dasselbe. 3. Teil. 1,30 M. Die beliebten Musäus- scheu Volksmärchen in guter Ausgabe und zu verhältnismäßig billigem Preise. 114. Neuere Gedichte. Eine Sammlung zur Ergänzung dcS Lesebuches. Ausgewählt im Auftrage der Elberfelder Jugend schriftenvereinigung von E. Kniepkämp, Fr. Lehmhaus, K. T 0 u p s. Verlag von Schasfstein, Köln. 0,M M. Eine kleine, sorgfältige Auswahl von Gedichten, besonders von Balladen. 115. P r 0 m b e r, G c s ch w., Allerlei Kurzweil, Schnurr- Pfeifereien und Kichererbsen. Ein Spiel- und Beschäftigungsbuch zur Unterhaltung, Belehrung sowie Belustigung für Knaben und Mädchen. Loewes Verlag Ferdinand Carl, Stuttgart. 3 M. Als Zeitvertreib für Kinder, die Lust und Geschick zur Selbstbeschäfti gung haben, wohl geeignet. 110.. R i n k, S i g n e, Kajakmänner. Verlag von A. Janssen, Hamburg. 1 M. Urwüchsig und schmucklos, aber packend und oft erschütternd erzählte Erlebnisse grönländischer Seehundsfänger Erschließen dem Leser eine von der Literatur sonst fast gar nicht berührte Welt. 117. Schab!, G u st a v. Die grossen Heldensagen des deutschen Volkes.� Verlag von Lehmann. 4 M. Die schönen Sagen aus der„Heldenzeit" des deutschen Volkes werden in gutem Deutsch und in lebhafter Darstellung erzählt. Ein gutes Buch für die Jugend. 118.—, Heldenfahrten. Erzählungen aus Deutschlands Vor, zeit. Verlag von Voigtlündcr,, Leipzig. 1 M. Das Buch enthält die. Sagen von Beowulf, König Ortnit, Zwergkönig Laurin, Herzog Ernst von Bayern. Diese vier Sagen sind dem großen und teuren Werke Schalks entnommen, in dem er der Jugend die gesamten deutschen Heldensagen übermittelt. 119. Schwab, Gustav, Die schönsten Sagen dcS klassischen Altertums. Verlag von Bertelsmann, Gütersloh. 3,00 M. Eine fesselnd geschriebene Einführung in die Mythologie der alten Griechen; ist eine beliebte und anregende Lektüre für die Kinder. 120. Sealsfield, Ch., Mit Lasso und Kriegsslinte durch Texas. Verlag von Schaffstein, Köln. 1,80 M. Eine in gutem Stil geschriebene, dabei spannende und freiheitlich belehrende Er zählung. 121. Spohr, Wilbelm, Die schönsten � Märchen aus 1001 Nacht. 1. Band. Verlag von Schaffstein, Äoln. 1,50 M. 122.—.-dasselbe. 2. Band. 1,50 Mk. 123.—, dasselbe. 3. Band. 1,50 Mk. Eine schöne Auswahl aus der orientalischen Märchenpracht, durch die sich den Kindern eine ganz neue Welt auftut. Die Bearbeitung ist gut, sie wird nament- l:ch in der Form der Rede der Originalausgabe nach Möglichkeit gerecht und enthält sich dabei ermüdender Weitschweifigkeit. 124. Stewart, Ba l f 0 u r,. Physik. Mit Abbildungen und Aufgaben. Verlag von Karl I. Eine anschauliche Einführung in das Wesen und die Gesetze der Physik. 125. S t i f t e r, A d a l b e r t, Katzcnsilber. Sonderabdruck aus „Bunte Steine". Verlag des Lehrerhausvereins in Linz. 1,70 Mk. Illustriert. Ein fesselnde Erzählung aus Oesterreichs Gebirgs Welt. 120. S t 0 r m, Th., Pole Poppenspälcr. Verlag von Wester mann. 0,50 Mk. Ein alter Drechslermcister erzählt seinem Lieb linge, einem Knaben der Nachbarschaft, die Geschichte seiner Liebe und Ehe mit dem lieblichen Töchterchcn eines Puppenspielers. Eine vortreffliche, dabei sehr billige Jugcndschrift. 127. Swift, Jonathan. Gullivers Reisen. Verlag von Schaffstein, Köln. 1,50 Mk. Das Buch kommt der Freude der älteren Kinder an fabelhaften Geschehnissen entgegen und regt sie zugleich zu inaiicheii ernsthaften Betrachtungen politischer und ge sellschaftlicher Art an. und zwar durchaus im fortschrittlichen Sinne einem Anhang von Fragen und Jirfibster; Straßburg.' 0,80 Mk. l n e r, E s., Frithjofs-Sage. Aus deur-. Schwedischen Reclam 0,80 Mk.; Bibl. Institut Eine alte Wikingcrsage in schöner 128.£c„ von G. M 0 h n i ck c. Leipzig, 0.50 Mk.; Halle, Hendel 0,00 Mk. dichterischer Form. 129. Tiergeschichten. Verlag von Wunderlich, Leipzig. 0,00 Mk. Die Sammlung enthält Geschichten von Marie v. Ebucr-Eschenbach, Ahrenberg, Widmann, Björnson, Thompson und Kipling, in denen besonders von Tieren die Rede ist� Die geistigen und seelischen Fähigkeiten der Tiere werden mit feinem Verständnis und in lite- rarisch wertvoller Form behandelt. 130. Till Eulenspiegel. Bearbeitet von Paysen-Petersen. Verlag von Locwe. Stuttgart. 1,20 Mk. 131.—. Aus dem niedersächsischen Urtext ausgewählt und neu übersetzt von Hermann Schaffstein. Verlag von Schaffstein, Köln. 1.30 Mk. 132.—. Aus dem niedersächsischen Urtext ausgewählt und neu übersetzt von Hermann S ch a f f st e i n. � Mit 39 Illustrationen bcn I. H. R a m be r g. Verlag von Schaffstcin, Köln. 2,50 Mk. 133.—. Text gesichtet von HansFra neu gruber. Bilder von A. Weisger der. Verlag von Martin Gerlach u. Co., Wien und Leipzig. 1,50 Mk. 134.—. Ein Volksbuch mit Bildcrschmuck von Walter Tie- mann. Verlag von H. Seemann Nachf., Berlin. 2,50 Mk. Der Till Eulenspicgcl ist ein echtes Kinderbuch voller Laune und toller Einfälle; es sollte in keiner Arbeiterbibliothek, aber auch in keinem proletarischen Heim fehlen. Zu empfehlen sind alle verzeichneten Ausgaben. Die teueren haben den Vorzug einer besseren Aus- stattung. 135'. Weber, Emil, Neue Märchen für die Jugend. Aus- gewählt aus den Werken neuerer deutscher Dichter. Verlag von Schaffstein, Köln. 1.50 Mk. Eine Sammlung feiner Märchen aus der Feder zeitgenössischer Autoren(Dehmel, Baumbach, Seidl, Wildenbrüch u a.). 130. W i s s e r, W t l h., Wat Grotmodcr vertellt. Verlag von Frcderichs, Jena. 0,75 Mk. Ostholsteinische Märchen und Erzäh- lungen in plaitdeutsckier Mundart, einfach und sinnig erzählt; einige davon voll köstlichen Stimmungsgehaltes. Für die reifere Jugend. 137. Adler, Emm a, Feierabend. Ein Buch für die Jugend. Volksbuchhandlung(Jgnaz" Brand), Wien. 2 Mk., kart. 1 Mk. Für die reifer« Jugend und für«Erwachsene geeignet. Für die jüngeren Kinder ist der Inhalt teilweise zu ernst und s-bwer. 138. Alexis, Willibald, Tic H» en des Herrn v Bredow. Verlag von Phil. Reclam, Leipzig. 1 Mkl Ein Roman aus dem Leben und Treiben-brs märkischen Adels um die Zeit der Refor- mation. Von kulturhistorischem Werte, aber auch wegen seines kräftigen Humors eine gute Lektüre für die reifere Jugend. 139. Bölsche, Wilhelm, Die Abstammung des Menschen. Jubiläums-Ausgabe. Mit zahlreichen Abbildungen von Willy Planck.' Verlag des Kosmos, Stuttgarts 2 Mk. Eine geistvolle, dabei leicht faßliche Darstellung der wissenschaftlichen Grundlagen des„Darwinismus" unter Berücksichtigung der neueren For- schungen. 140. V r i n ck m a n n. I 0 h n, Kaspar Ohm un ick. Reu heraus- gegeben von Wilhelm Schmidt- Rostock. Bildschmuck von Adolf Jöhnsseu. Verlag von E. Nistcr, Nürnberg. 3 Mk. Ein prächtiger plattdeutscher Roman voll Humor und Eigenart. 14l.. Bürger, G. A., Münchhausens Abenteuer. Verlag von Schaffstein, Köln. 1,30 Mk. Eine schöne Ausgabe der amüsanten Geschichten des spaßigen freiherrlichcn Aufschneiders aus dem 18. Jahrhundert. 142. Cervantes, Ton Quichotc von La Mancha. Verlag von Schaffstein, Köln. 2,50 Mk. Ter berühmte Roman, den jeder kennen sollte, liegt hier in einer. mit literarischem Takte vollzogenen gctürztcn Ausgabe und in ansprechendem Gewände vor. 143. Chamis so, Adalbert von, Peter Schlemihls wunder- same Geschichte. Verlag von Schaffttcin, 5löln. 1,30 Mk. Das Märchen von dem Manne, der dem Teufel seinen Schatten verkauft. Für nachdenkliche Änwer besonders geeignet. 144. C 00 per, James Fenimore, Der rote Freibeuter. Für die reifere Jugend bearbeitet von Wilhelm Spohr. Verlag vom Schaffstein, Köln. 3 Mk. 145.—, Die Prärie. Lcderstrumpfcrzählungen. Für�die reifere Jugend bearbeitet von Wi l h e l m S p 0 h r. Verlag von Schaffstcin, Köln. 3 Mk. Die Indianer- und«Seefahrcrromantik wird frischen Knaben sehr sympathisch sein. 140. D ä u m i g,JS r n st, Moderne Landsknechte. Erzählungen aus dem kolonialen«soldatenlebeu. Verlag d.r Volksbuchhandlung. Halle a. S. 1,25 Mk. Das Buch führt in lebendiger und anschäu« licher Weise in das Kolonialleben ein, ohne dabei heuchlerisch zu vertuschen. Es ist für die reifere arbeitende Jugend eine sehr geeignete Lektüre. 147. Dehmel, Paula, Das grüne Haus. Verlag von Schaffstcin, Köln. 1,50 Mk. Die Erzählungen erinnern an die Ander senschen Märchen und werden wie diese den> Kindern Freude machen; aber das tiefere Verständnis der Geschichten wird erst den reiferen Kindern und den Erwachsenen aufgehen. 148. Deutsch, Leo, Sechzehn Jahre in Sibirien. Erinnc« rungen eines russischen Revolutionärs. Mit 7 Porträts und 0 Jllu« strationen. Verlag von I. H. W. Dietz Nachr., Stuttgart. 8,50 Mk. Das Buch des bekannten russischen Revolutionärs bietet viel Lehr- reiches und Interessantes in einer dem Verständnis der reiferei» arbeitenden Jugend entgegenkommenden Weise. Die Abbildungen bilden eine Abwechselung und zugleich eine Unterstützung des Textes. 149. Deutsche Humoristen. 1. Band. Verlag der Deutsche» Dichter-Gedächtnis-Stiftung, Hantburg-Großborstcl. 1 Mk. Humo» ristische Geschichten von Peter Rofegger, Wilhelm Raabe, Fritz Reuter und Albert Roderich. Gute Unierhaltungslektüre. 150. D 0 d c l, A., Aus Leben und Wissenschaft.(M 0 s e s 0 d e r Darwin?) Verlag von I. H. W. Dietz Nachs., Stuttgart. 1,50 Mk. Für junge Leute eine vortreffliche Einführung in di« moderne Weltanschauung. Die Befreiung des jugendlichen Geistes aus den Bauden der überkommenen Haus- und Schulrcligiosität läßt sich kaum fesselnder und erfolgreicher durchführen, als in diesem Buche geschieht. 151. Droste-Hülshoff, Anette, Die Judenbuche. Verlag von Schaffstein, Köln. 1,30 Mk. Gute kulturhistorische Novelle. 152. E h t h, M a x. Der blinde Passagier. Verlag der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung, Hamburg-Großborstel. 0,50 Mk. Eine lustige Geschichte vom Deck eines Schiffes, das bei bösem Wetter nach England hinüberfährt. 153. F oft er, M., Physiologie. Verlag von Karl I. Trübner, Siraßburg. Mit Abbildungen. 0,80 Mk. Stellt in einfacher Weise einige der wichtigsten und allgemeinsten Tatsachen und Erscheinungen der Lehre von den Lebensvorgängen oder der Physiologie dar. 154. Geikie. A., Geologie. Mit Abbildungen und einem Anhang von Fragen und Ausgaben. Verlag von Karl I. Trübuer. Straßburg. 0,80 Mk. Tie wichtigsten geologischen Bezeichnungen und die Art der Bildung einzelner'Formen werden an passenden Beispielen behandelt. 155. Go ttbe'If. Jeremias. Kurt von Koppigen. Eine Erzählung aus dem dreizehnten Jahrhundert. Für die reifere Jugend herausgegeben von W. Spohr. Verlag von Schaffstcin, Köln. 1,50 Mk. In einer Darstellung, die an den SimplizissimuS erinnert, schildert der Verfasser mit köstlichem Humor das Hunger- und Luder» leben der armen Ritter und junkerlichen Strauchdiebe rm Mittel- alter.> 150. Grillparzer und Stifter, Geschichten aus der Wieuerstadt. Verlag von Schaffstein, Köln. 1,30 Mk. Angenehm« Unierhaltungslektüre. 157. G r i m m c l s h a u s en, SimpliciuS SimplicissimuS. Verlag von Schaffstein, Köln. 2 Mk. Die kulturhistorisch und lite- rarisch bedeutsame und inkeressantc Lebensbeschreibung„eines seit- samcn Vaganten" aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges. Ein für die reifere Jugend sehr empfehlenswertes Buch, das auch jeder Erwachsene kennen sollte. 158. Grotte Witz- Kurt, Sonntage eines grassstädtischen Arbeiters in der Natur. Mit einem Vorwort von Wilhelm Bölsche. Verlag der Buchhandlung Vorwärts, Berlin. 1 Mk. 159.—, Unser Wald. Ein Volksbuch. Illustriert. Verlag der Buchhandlung Vorwärts, Berlin. 3 Mk. Schlichte, stimmungsvolle Naturschilderungcn. Besonders für Kinder, bei denen der Sinn für die Statur schon stärker entwickelt ist, enthalten die Bücher mannigfaltige und wertvolle Anregungen. Beide bilden auch cm, gute Lektüre für die Erwachsenen. 160. Hauff, Wilhelm, Lichtenstein. Eine roinautischa Sage. Verlag von Schaffstein, Köln. 3 Mk. Die beliebte Hauffsche Erzählung mit ihrer fesselnden Schilderung historischer Vorgänge in einer guten, aber leider auch teueren Ausgabe. 101. H'ennigsen, I., Zwölf Erzählungen neuerer deutscher Dichter. Verlag von Spamer, Leipzig. 2,50 Mk. Eine im allgc- meinen woblgelungcne Zusammenstellung von Erzählungen be- rusener deutscher Dichter, wie Hebbel, Fontane. Helene Böhlau, Ilse Frapau. 102.—, Deutsche Briefe. Verlag von Otto Spamer, Leipzig. 4,50 Mk. Briefe und Tagebücher bedeutender Menschen bilde» eine sehr anziehende und lehrreiche Lektüre. 103. Hoffmann, C. T. A., Meister Martin der Küfner und seine Gesellen. Bearbeitet von W. Spohr. Vertag von Schaff- kein, Köln. 1,30 Mk. Eine schlichte, behagliche Erzählung aus dem mittelallerlicheu Handwcrkerleben. 164. Jungbrunnen. Heimaterde. Der Heimat Lob in Liedern. Mit Bildern von Ernst Liebermann. Verlag von Fischer u. Franke, Berlin. 1,50 Mt. Eine schone Sammlung von Dichtungen über die Heimat. 105.—, V 0 ß u» Swinegel oder Tat Brüden geit um. Von John Brinkmann. Illustriert von M» B e r n u t h. Verlag- von Fischer u. Franke, Berlin. 1,50 Mk. Die bekannte Plattdeutsche Erzählung des humorvollen Erzählers mit charaktc- ristischen Illustrationen. 100. K l e i st, Heinrich von, Michael Koblbaas. Nach einer alten Chronik. Mit einem Bildnis Kleists, 7 Vollbildern von E r n st Lieberinann und Einleitung von Dr. Ernst Schultze. Verlag der Deutschen Dichtcr-Gedächtnis-Sliftung, Hamburg-Groß- borstel. 1 Mk, Ein« wertvolle Erzählung für die proletarische Jugend in guter Ausstattung. 107. Kügelgen, Wilhelm von, Jugeitderinncrnngen eine» alten ManncS. Verlag von Phil. Reclam, Leipzig. 1,50 Mk. Eine einsinnige Lebensbeschreibung, die in das vormärzliche Leben ein- ührt. 1v>?. Kurz, Hermann. Schillers Heimatjahre. Ein Roman. Verlag von Max Hesse, Leipzig. 1,80 Mk. Eine fesselnde Erzählung mit vielen historischen Details aus der Jugendzeit Schillers. 109. L e n a u, Nikolaus, Ausgewählte Gedichte. Bilder von ) u g 0 S t e.i n e r. Verlag von Martin Gerlach u. Co., Wien und öipzig. 1,50 Mk. Eine schön ausgestattete Sammlung der Ge» dichte- des sympathischen, schluermütigcn Poeten. 170. Me h r i 11 g, F r a u z, Schiller. Ein Lebensbild für deutsch« Arbeiter. Verlag.der. Leipziger Buchdruckcrei Aktiengesellschaft. 1 Mk. Eine vortreffliche Einführung in Schillers Leben und Schaffen. Sollte in keiner Lausbibliothek fehlen. 171. Morike, Tdvard, NuSgewShlte Gedichte. Verlag von Schaffstein, Köln. 1 Mk. Eine bortreffliche AuÄvahl aus der reichen Fülle Mörikescher Gedichte. Für Kinder geeignet, die Sinn für feine, stimmungsvolle Poesie haben. 172. Parzival. Getreu nach Wolfram von Eschenbach erzählt von Nicolaus Henningsen. Verlag von Schaffstein, Köln. 2 M. Führt unter Schonung des alten Textes in die Parzival- und Lohengrinsage ein. 173. Peters, Karl F., Mineralogie. Mit Abbildungen. Verlag von Karl I. Trübner. Straßburg. 0,80 M. Behandelt in elementarer Weise das Wesen der Mineralogie unter besonderer Berücksichtigung der Enttvickelungsgeschichte der Erde. 174. Preczang, Ernst, Im Strom der Zeit. Gedichte. Verlag I. H. W. Dich Nachf., Stuttgart. Kart. 1,60 M.. geb. 2 M. Eine schöne Sammlung der Dichtungen des sympathischen prole- tarischen Dichters. Für jugendliche Arbeiter sehr geeignet. 175. R o s c o e, H. E., Ehemie. Mit Abbildungen und einem Anhang von Fragen und Aufgaben. Verlag von Karl I. Trübner, Straßburg. 0,80 M. Führt in leicht faßlicher Weise in die Chemie ein, wobei stets die eigene Beobachtung angeregt wird. 176. Schillerbuch. Zur Schillerfeier 1005. Verlag der Deut- schen Dichter- Gedächtnisstiftung, Hamburg- Großborstel. 1 M. Enthält außer einer Lebensbeschreibung des Dichters das Lied von der Glocke, fünfzehn der besten Balladen Schillers und„Wil- Helm Tell". 177. Schiller, Fried r., Balladen. Verlag der Deutschen Dichter-Gedächtnisstiftung, Hamkmrg. 0,60 M. Eine Sammlung der schönsten Balladen Schillers. 178. Schwab, Gustav. Die Schildbürger. Verlag von Schaffstein, Köln. 1 M. Der goldene Humor, mit dem die Weis- heiten und Torheiten der Schildbürger geschildert werden, wird Kinder und Erwachsene in gleichem Maße erfrischen. 179. Scott, W., Jvanhoe. Verlag von Reclam, Leipzig. 1,20 M. Geschichtlicher Roman voll spannender Handlung. 180. Sohnrey, Heinrich, Der Bruderhof. Verlag von G. H. Meyer, Leipzig. 4 M. Das Buch ist interessant und fesselnd geschrieben und nach Inhalt und Form als Unterhaltungs- lektüre für proletarische Kinder wohl zu empfehlen. Die schweren Lasten und Abgaben, unter denen die Bauern, besonders bis zum Anfange des 19. Jahrhunderts, zu leiden hatten, werden dem Leser klar und ungeschminkt vor Augen geführt. 181. Der deutsche Spielmann. Eine Auswahl aus dem deutscher Dichtung für Jugend und Volk. Band II. sW a n d e r e r.) Verlag von Eallwey, München. 1 M. Das Buch enthält eine ge- schmackvolle Auswahl vpn Wanderliedern und Gesängen, die zum Teil von der Schulbank her den Kindern vertraut sind. 182.— dasselbe. Band III.(Wald.) Verlag von Eallwey, München 1903. Illustriert. 1 M. Die Auswahl der Gedichte ist gut; obgleich sich alle nur auf einen Gegenstand, den Wald, be- ziehen, wirkt ihr Lesen nicht einförmig. 183. Votz, Johann Heinrich. Homers Jlias und Odyssee. Max Hesses Verlag, Leipzig. 1,60 M. Die vortreffliche Uebertragung der alten klassischen Epen werden jugendliche Ar- beiter mit Interesse lesen. 184.Wilser, Dr. Ludwig, Menschwerbung. Ein Blatt aus der Schöpfungsgeschichte. Mit 21 Abbildungen und 7 Tafeln. Verlag von Strecker u. Schröder, Stuttgart. 1,80 M. Für fort- geschrittene Jugendliche, die schon einige Kenntnisse der Erd- geschichte und der Entwickelungslehre besitzen, ist dies eine inter» essante und verständlich, geschriebene Entwickelungsgeschichte de? Menschen. :: rauchen Fehlfarben der:::: 7 Pf.sCigapre No. 22 - 10 Stück 50 PI. J. NEUMANN Cigarren-Fabriken.— 150 Zweiggeschäfte und Depots in 90 deutschen Städten, davon in Berlin: Königstraße Ecke Spandauer Straße 56. Brunnenstraße 32, Ecke Anklamer Straße. Chausseestraße 22, Ecke Invalidenstraße. Chausseestraße 43, Ecke SchwartzkopSstraiJe. Dresdener Straße 5, Ecke Adalbertstraße. Priedriohstraße 171, E. Französischestraße. Invalidenstraße 148, Ecke Bergstraße. Jerusalemer Straße 41, Boke Krausenstraße. Kaiser- WilhelrastraUe 19, Ecke Münzstraßo. Landes-Ausstellungs-Park, Pavillon. Zoologischer Garten, Pavillon. Markgrafenstraße 17, Ecke JunkerstraO«. Oramenstraße 30, Ecke Adalbertstraße. 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Berlin. Druck u.«erlag: Vorwärt« Buchdruckerei u.«ertagSanpatt Paul Singer Li Co., Berlin SW«