r. 286. bonnements- Bedingungen: brements. Breis pranumerando Bie eljährl. 8,30 R., monatl. 1.10 M wochentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Belt" 10 Bfg. Post. Ebonnement: 1,10 Mart bro Monat Eingetragen in die Bolt Beitungs. Breisliste. Unter Areuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 25. Jahrg. Die Infertions Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder beren Raum 60 Bfg., für bolitische und gewerffchaftliche Bereins und Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett gedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Big. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Bort 10 Bfg. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inferate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Arbeiterinnenschutz. Sonntag, den 6. Dezember 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. als zehn Personen beschäftigt werden. In der zweiten Lesung Reichstagsbeschluß sind in folgenden Fällen Ausnahmen hat der Reichstag diese Einschränkungen ge- von den Schutzvorschriften möglich): strichen und dadurch die Ausdehnung der Schutz= 1. Wegen außergewöhnlicher Säufung vorschriften auch auf die Hausindustrie der Arbeit können im ganzen 40 Ausnahmetage beJm Reichstage steht die dritte Lefung des Teiles der ermöglicht. willigt werden. Jedoch muß der Arbeitsschluß um 9 Uhr Gewerbeordnungsnovelle bevor, der aus Anlaß der Berner Die Schutzvorschriften der Novelle finden keine Anwen- abends erfolgen und darf die Arbeitszeit 12 Stunden nicht Ronvention vom 26. September 1907 ben Reichstag dung auf Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter in Apotheken, überschreiten. Auch muß eine ununterbrochene Ruhezeit von beschäftigte. Die Berner Uebereinkunft verbietet die gewerb ferner auf diejenigen Arbeiter in Handelsgeschäften, welche wenigstens zehn Stunden gewährt werden. Das bestehende liche Nachtarbeit für alle Arbeiterinnen in gewerblichen nicht in einem zu dem Handelsgeschäft gehörigen Betrieb mit Gefeß ließ gleichfalls 40 Ausnahmetage zu und setzte als BeBetrieben, in denen mehr als zehn Arbeiter beschäftigt der Herstellung oder Bearbeitung von Waren beschäftigt sind, dingung nur fest, daß die Arbeit nur bis 10 Uhr abends stattwerden. Die Nachtruhe soll 11 Stunden betragen. In sowie auf die Angestellten in Heilanstalten und Ge- finde und die tägliche Arbeitszeit 13 Stunden nicht überdiesen soll der Zeitraum zwischen 10 Uhr abends und 5 Uhr nesungsheimen, Musikaufführungen, Sch a u- schreiten dürfe. Das bestehende Gesetz ließ mehr als morgens einbegriffen sein. Das Berner Abkommen gestattet stellungen, theatralischen Vorstellungen oder 40 Ausnahmetage durch die höhere Verwaltungsbehörde zu, die Außerkraftsehung des Verbots der Nachtarbeit so n stigen Rustbarkeiten sowie auf das Verfalls die Arbeitszeit in den Betrieben so geregelt würde, daß für die Fälle einer Arbeitsunterbrechung durch höhere Gewalt fehrsgewerbe. Auf Gärtnereien, das Gaft und ihre tägliche Dauer im Durchschnitt der Betriebstage des und für die Verarbeitung von Rohstoffen oder in Verarbeitung Sch anfwirtschaftsgewerbe fowie auf die Ber- Jahres die regelmäßige gesetzliche Arbeitszeit nicht überbefindlichen Stoffen, die einer sehr schnellen Veränderung fehrsgewerbe sollen jedoch nach dem Reichstagsbeschluß schreitet. Das ist jetzt gestrichen. unterliegen, falls sonst die Stoffe unvermeidlichem Ver- die Bestimmungen über Arbeitsordnung Anwendung 2. Wenn Naturereignisse oder Unglüds. derben ausgesetzt wären. Außerdem soll die Dauer der finden. Die Schußvorschriften für Jugendliche endlich sollen fälle den regelmäßigen Betrieb einer An. elfstündigen ununterbrochenen Nachtruhe an sechzig Tagen auf Bäckereien und solche Konditoreien, in welchen I age unterbrochen haben, so können nach dem beim Jahre bis auf zehn Stunden in den dem Einflusse der neben den Konditorwaren auch Bäderwaren hergestellt werden, stehenden Gesetz auf die Dauer von vier Wochen durch die Jahreszeit unterworfenen Geschäften sowie bei dem Vor- unmittelbar bei der Herstellung von Waren beschäftigt sind, höhere Verwaltungsbehörde auf längere Zeit durch den Reichshandensein außerordentlicher Umstände herabgesetzt werden keine Anwendung finden, es sei denn, daß diese Betriebe unter fanzler eine Ausnahme zugelassen werden. Hieran ist durch regelmäßiger Tag- und Nachtschicht arbeiten. Die Schutzvor- den Reichstagsbeschluß nichts geändert. Die Gewerbeordnungsnovelle bezweckt, die Bestimmungen schriften für Arbeiterinnen finden auch auf Bädereien und unferer Gewerbeordnung mit diesen Vereinbarungen in Konditoreien Anwendung. lebereinstimmung zu bringen und ferner für dieselben Die wenigen Schutzvorschriften, welche die GewerbeordBetriebe, in denen die elfstündige Ruhezeit einzuführen mungsnovelle neu enthält, find folgende: tönnen. 4 3. Die Vorlage verlangte eine Ausnahme von der Höchst arbeitszeit von zehn Stunden allgemein durch den Reichstanzler zuzulassen, wenn besondere Verhält nisie es erwünscht erscheinen lassen". Es sollte. dann die Dauer der Beschäftigung 11 Stunden täglich und 4. Der Bundesrat ist nach dem bestehenden Gesetz Fationszweige zuzulassen, in denen regelmäßig zu gewissen Zeiten des Jahres ein bermehrtes Arbeitsbedürfnis eintritt, falls die tägliche Arbeitszeit 13, die an Sonnabenden 10 Stunden nicht überschreitet. Die Vorlage wollte diese Ausnahmetage auf 60 firieren. Der Reichstag hat die Zahl der Ausnahmetage auf 40 herabgefeßt und die Bedingung an die Ausnahmen geknüpft, daß die tägliche Arbeitszeit 12 Stunden, an Sonnabenden 8 Stunden nicht überschreitet und die ununterbrochene Ruhezeit mindestens 10 Stunden betragen soll. ist, als Höchst arbeitszeit zehn Stunden für 1. Das Verbot der Nachtarbeit für jugendliche Arbeiter Arbeiterinnen festzusetzen. Ueber die Verhandlungen in und für Arbeiterinnen, das bislang den Zeitraum von 8% Uhr 60 Stunden in der Woche nicht überschreiten dürfen. Diese, der Kommission und im Plenum des Reichstages haben wir abends bis 5% Uhr morgens umfaßte, ist auf die Zeit von Vorschrift, welche an Stelle der Zehnstundenzeit die Elfftundenausführlich berichtet, indessen empfiehlt es sich, bei der 8 bis 6 Uhr erstreckt. Die Vorlage enthielt diese Abände- zeit zur Regel gemacht hätte, ist vom Reichstag beseitigt. Schwierigkeit, die Materie zu übersehen, das Ergebnis dieser rung nicht. Beratung unter Hervorhebung des bestehenden Zustandes 2. Der Berner Konvention entsprechend, schreibt die Vor- ermächtigt, Ausnahmetage ohne Begrenzung für Fabri und der Vorschläge der Regierungsvorlage zu refapitulieren. Lage und der Reichstagsbeschluß für Arbeiterinnen und jugendDie Gewerbeordnung enthält im vierten Abschnitt ihres liche Arbeiter unter 16 Jahren eine ununterbrochene fiebenten Titels Borschriften über die Rechtsverhält- Ruhezeit von mindestens elf Stunden vor. nisse der Fabritarbeiter. In den§§ 134, 134a 3. Der Schluß der Arbeitszeit am Sonn bis 134h ist vorgeschrieben, daß in Fabriken, in denen in der abend sowie an Vorabenden der Festtage, der zurzeit um Regel mindestens 20 Arbeiter beschäftigt werden, die 52 Uhr zu erfolgen hat, soll fünftig um 5 Uhr erfolgen. Ausbedingung einer Lohnverwirkung über den Betrag des Surchschnittlichen Wochenlohnes hinaus verboten ist, ferner Borschriften über eine obligatorische Arbeitsordnung und endlich, welche Organe als ständige Arbeiterausschüsse zu gelten haben. Die Beschlüsse des Reichstages haben, der Regierungs. vorlage entsprechend, den Begriff einer Fabrik, über den außerordentliche Streitigkeiten bestanden, aus der Gewerbeordnung beseitigt. Die vorgedachten Bestimmungen sollen fortan für alle Betriebe gelten, in denen in der Regel imindestens 20 Arbeiter beschäftigt werden. Die Vorschriften über die Beschäftigung von Kindern, jugendlichen Arbeitern und von Arbeiterinnen in a briken jollen fortan für alle Betriebe gelten, in denen min destens zehn Personen beschäftigt sind. Durch diese sich an die Berner Sonvention anschließende Ausdrudsweise ist der Rechtsprechung, die sogar teilweise Betriebe mit 100 Personen nicht als Fabriken angesehen wissen wollte, ein Riegel vorgeschoben. Leider ist der weitergehende Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, die Mindestzahl auf fünf Berjonen herabzusetzen und die Schutzvorschriften auf alle Betriebe zu erstrecken, für die eine bestimmte Zahl von Personen regelmäßig beschäftigt wird, abgelehnt worden. 4. Die heute bestehende Höchst arbeitszeit der Arbeiterinnen in Fabriken ist für die Zeit vom 1. Ja nuar 1910 ab auf zehn Stunden für alle Betriebe herabgefeßt, in denen mindestens 10 Arbeiter beschäftigt werden. 5. Für Gewerbezweige endlich, in denen die Verrichtung der Nachtarbeit zur Verhütung des Verberbens von Rohstoffen oder Rohstoffen oder des Miß. lingens von Arbeitserzeugnissen dringend erforderlich erscheint, wollte die Vorlage den Bundesrat ermächtigen, Ausnahmen allgemein zu treffen. Der Reichstag hat diese Ausnahmebefugnis an die Bedingung geknüpft, daß die ununterbrochene Ruhezeit an höchstens 60 Tagen im Kalenderjahre bis auf 812 Stunden täglich herabgesetzt werden darf. 5. Der Reichstag hat ferner die Arbeitszeit für die Sonnabende und Vorabende der Festtage, die heute und nach dem Vorschlag der Regierung zehn Stunden beträgt, entgegen dem Vorschlag der Regierung, die an diesem Zustand fest halten wollte, auf acht Stunden herabgesezt. Mit knapper Mehrheit ist der weitere Vorschlag der Kommission, die Höchst arbeitszeit für den Sonnabend für Arbeiterinnen, die ein Hauswefen zu besorgen haben, auf sechs Stunden herabzusetzen, gefallen. Es ist die Aussicht nicht ausgeschlossen, daß in der dritten Lesung ein Vermittelungsantrag, der für alle Arbeiterinnen die Arbeitszeit am Sonnabend auf sieben Festgestellt wurde durch eine ausdrüdliche Erklärung der Stunden herabgesetzt, zur Annahme gelangt: in der zweiten Bundesratsvertreter, daß die Ausnahmetage nicht etwa daLesung unterlag der Antrag gegen eine große Minderheit. durch gehäuft werden können, daß neben einer Ausnahme, 6. Nach dem bestehenden Gesetze dürfen Arbeiterinnen die der Bundesrat zugelassen hat, noch wegen außergewöhnwährend vier Wochen nach ihrer Niederkunft licher Häufung der Arbeit oder aus einem anderen Grunde überhaupt nicht und während der folgenden zwei Wochen Ausnahmen bewilligt werden. nur beschäftigt werden, wenn das Zeugnis eines appro- Die vorstehende Uebersicht zeigt, wie außerordentlich bierten Arztes dies für zulässig erklärt. Die Vorlage wollte wenig die neue Gewerbeordnungnovelle auch in ihrer jetzt es hierbei belaffen. Der Reichstagsbeschluß hat die Schonzeit vorliegenden Gestalt bietet. Trotzdem wird, wie wir wiederauf acht Wochen, von denen wenigstens sechs nach der Nieder- holt dargelegt haben, von einer Reihe ebenso einsichtsloser wie kunft liegen müssen, erstreckt. habgieriger Industrieller gegen dies bißchen Arbeiterschus, das noch nicht einmal an das heranreicht, das Arbeiterinnen in einigen Betrieben nach hartem gelverkschaftlichem Kampf errungen haben, Sturm gelaufen und den Untergang der Industrie prophezeit, weil für die Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeiter in Deutschland vom 1. Januar 1910 ab das zum Teil Geltung haben soll, was für die englischen Arbeiter mit dem 1. Mai 1848, also vor 60 Jahren, Gefeßeskraft erhielt. Ohne Rücksicht auf die Anzahl der Arbeiter, also auch, wenn die Zahl der Arbeiter weniger als zehn beträgt, sollen die Schutzvorschriften über die Beschäftigung von Kindern, jugendlichen Arbeitern und von Arbeite- 7. Ueber die Vorlage hinausgehend hat der Reichstag rinnen Anwendung finden: auf alle Werkstätten, in welchen bestimmte gesundheitsschädliche Beschäftigung von Durch elementare raft bewegte Triebwerke Arbeiterinnen untersagt, nämlich im Bergbau, in nicht bloß vorübergehend zur Verwendung kommen. dem die Beschäftigung unter Tage schon heute verboten ist, von der Beschäftigung über Tage: die Beschäftigung bei der Förderung mit Ausnahme der Aufbereitung( Separation, Wäsche), bei dem Transport und der Verladung, ferner in Stokereien und endlich die Beschäftigung zum Transport von Materialien bei Bauten aller Art. Ferner auf Hüttenwerke, Rimmerpläge und andere Bauhöfe, auf Werften, auf Werkstätten der Tabakindustrie. Die erkstätten der Tabakindustrie sind durch die Vorlage und den Reichstagsbeschluß den Vorschriften des bestehenden Gesetzes zugefügt. Rheinbabens Steuerpläne gefcheitert. Auf Biegeleien und über Tage betriebene 8. Um einer Umgehung des Höchstarbeitstages von zehn Brüche und Gruben fanden nach dem bestehenden Gesetz Stunden entgegenzutreten, war ein striktes Verbot der Mitdie Schutzvorschriften Anwendung, wenn diese Betriebe nicht gabe von Arbeit nach Hause beantragt. Im Plenum Die preußische Regierung hat eine empfindliche Niederlage bloß vorübergehend oder in geringerem Umfange betrieben stimmte jedoch auch das Bentrum, das in der Kommission erlitten. Die Budgetkommission des Dreiklassenparlaments hat ihr werden. Der Reichstag hat, der Borlane entsprechend den diesen Antrag selbst gestellt hatte, dagegen. Das abgefchwächte die Mittel verweigert, um die sie so dringend gebeten hatte. Oba zuungunsten der Arbeiter angewendeten dehnbaren Begriff Verbot der Mitgabe von Arbeit nach Hause, das vom Reichs- wohl die Besoldungsaufbesserungen der Beamten, Lehrer und Geist. durch die Bestimmung ersetzt, daß die Schußbestimmungen An- tag gebilligt wurde, geht dahin:" Arbeiterinnen und jugendlichen 126 Millionen erfordern, war die Regierung so bescheiden, wendung zu finden haben, wenn in diesen Betrieben in der lichen Arbeitern darf für die Tage, an welchen sie in dem sich mit 55 Millionen zu begnügen, aber selbst hieran hat die KomRegel wenigstens fünf Arbeiter beschäftigt Betriebe die gesetzlich zulässige Arbeitszeit hindurch be- mission noch erhebliche Abstriche gemacht, es sind im ganzen nuz werden. schäftigt waren, Arbeit zur Verrichtung außerhalb des Be- etwa 30 bis 35 Millionen bewilligt, und noch dazu nicht einmal Das Gefet gibt ferner dem Bundesrat die Ertriebes vom Arbeitgeber überhaupt nicht übertragen oder dauernd, sondern nur für die Jahre 1909 und 1910. Für daz mächtigung, die Schutzvorschriften für Arbeiterinnen und für Rechnung Dritter überwiesen werden. Für die Tage, laufende Jahr gibt es keinen roten Seller. jugendliche Arbeiter auf Werkstätten auszudehnen, in an welchen die Arbeiterinnen oder jugendlichen Arbeiter in Selten ist die Steuerscheu der Besitzenden so deutlich denen in der Regel weniger als zehn Arbeiter dem Betriebe kürzere Zeit beschäftigt waren, ist diese Ueber- in die Erscheinung getreten. Hätte es sich um indirekte, das Volk beschäftigt werden. Der Reichstag hat diese Ermächtigung tragung oder Ueberweisung nur in dem Umfange zuläffig, belastende Steuern gehandelt, die sogenannte Volksvertretung hätte auch auf Bauten mit weniger als zehn Arbeitern erstrect. in welchem Durchschnittsarbeiter ihrer Art die Arbeit vor- mit Freuden alles bis auf den letzten Pfennig bewilligt, aber da Nach dem bestehenden Gesetz fonnte der Bundesrat aber die aussichtlich in dem Betriebe während des Restes der gefet die Herren selbst Opferwilligkeit an den Tag legen sollen, da vers Ausdehnung nicht auf solche Werkstätten anordnen, in welchen lich zulässigen Arbeitszeit würden herstellen können, und für sagen sie plötzlich. Ja, man scheut sogar nicht vor Pressionsmitteln der Arbeitgeber ausschließlich zu seiner Familie ge- Sonn- und Festtage überhaupt nicht." gegenüber der Regierung zurüd. Erklärte doch ein Mitglied des hörige Perfonen beschäftigt. Die Vorlage hielt diese 9. Die große Durchlöcherung der Schuh- Bentrums in der Kommission, seine Freunde würden, falls ein von Einschränkung aufrecht und dehnte sie auf alle Betriebe aus, vorschriften, die die heutige Gewerbeordnung zuläßt, und ihnen eingebrachter Antrag auf eine anderweitige Einschätzung der auf die nach dem Vorstehenden die Schutzvorschriften An- die durch die Vorlage noch vermehrt worden wäre, ist durch die ländlichen Grundstücke abgelehnt würde, gegen die Zuschläge zur wendung finden, auch wenn in ihnen in der Regel weniger Beschlüsse des Reichstages etwas gemindert. Nach dem Grgänzungssteuer stimmen. Nun, der Antrag des Zentrums ist ab. gelehnt, die Ergänzungssteuerzuschläge sind trotzdem in Höhe von 25 Proz. für die.nächsten beiden Jahre genehmigt worden.. Wahrhaft bemitleidenswert war die Lage der RegierungZ- Vertreter bei der Beratung des Gefells chaftS st euer- gesetzes. das bekanntlich neben den großkapitalistischen Aktien- gesellschaftcn auch die A r b e i t e r k o n s u mV e r e i ne mit einer Sondersteuer belegen will. AuZ welchen Gründen die Konsum- vereine besteuert werden sollten, hatte die Regierung bisher nicht verraten. Jetzt ist das Geheimnis heraus. Auf Anfrage des B«r- treters der Sozialdemokratie erklärte der Generalstcuerdirektor. daß zwar die Konsumvereine im allgemeinen keine kapitalistischen Vereinigungen im Sinne von Aktiengesellschaften sind, daß man sie aber aus Gründen praktischer Natur in daZ Gesetz hineinbeziehen wolle; denn sonst hätte man drei Arten von Steuern, einmal die VesellschaftSstcuer für Aktiengesellschaften, zweitens die Steuer für Gesellschaftcn mit beschränkter Haftung und dritten» noch die KonsumbcreinSsteuer. Also aus reiner Bequemlichkeit schafftmaneinAuSnahmegesctzgegendieKonsum- vereine, ein Gesetz, das die Arbeiterklasse wiederum erheblich belastet. Die wahren Gründe allerdings liegen tiefer, es ist der Haß der MittelstandSretter gegen fortschrittliche Gebilde, der die Regierung zu ihrem Vorgehen veranlaßt hat. ES war ein erbauliches Schauspiel, zu beobachten, wie sich eine Fraktion nach der anderen gegen da? GesellschaftSsteuergeseh auS- sprach. Tie Nationalliberalen bekämpften als'Vertreter des Groß- käpitalS das dem Gesetz zugrunde liegende Prinzip, die Freikonser- dativen hielten eS für verfehlt, vor Regelung der ReichSfinanzen ein solches Gesetz in Preußen überhaupt nur zu beraten. Auch daS Zentrum und die Freisinnigen sprachen sich dagegen auS. Nur die Konservativen bekannten sich als Anhänger des Entwurfs. Der Vertreter der Sozialdemokratie legte das Hauptgewicht auf die Be- seitigung der die Konsumvereine treffenden Bestimmungen, sein Antrag, die Konsumvereine auS dem Gesetz herauszulassen, wurde denn auch mit 15 gegen 13 Stimmen angenommen. Nachdem diese gefährliche Bestimmung beseitigt war. lag für den Sozialdemokraten kein Grund mehr vor, den Entwurf, mit dessen Tendenz sich die Fraktion einverstanden erklärt hatte, prinzipiell zu bekämpfen, und so erlebten wir dann das sonderbare Schauspiel, daß der Sozial- demokrat mit den Konservativen für den Grundgedanken de? Ge- fetzcS stimmte, während die Hüter des Großkapitals dagegen stimmten. Die Mehrheit reichte allerdings nicht aus, die R e- gierungsvorlage wurde in allen ihren Teilen Abgelehnt. Die preußische Regierung erntet damit selbst. waS sie gesät hat. DaS erstemal, wo sie es mit einigermaßen gerechten Steuer- gesetzen versuchte, läßt die von ihr verhätschelte bürgerliche Mehr- heit sie im Stich. Die Bourgeoisie will wohl herrschen, aber das Steuerzahlen überläßt sie anderen. Das Kleinere Hebel. Ein treffendes Wort fand in der EtatSdeVatte Genosse S ch e i d c m a n n für die gcgcitwärtige Situation des Reichs- kanzlers. Er nannte seine Ministerschaft die Regierung des kleineren UebelS. Werde er doch nur deshalb vom Reichstag geduldet, weil die Mehrheit fürchte, an seiner Stelle einen 5kata° strophenkanzlerZ auftauchen zusehen. Wr diese zaghaften Leute ist daS aber ein solches Schreckbild, daß sie eS vorziehen, sich lieber einen Kanzler noch länger gefallen zu lassen, van dessen Inkonsequenz sie innerlich überzeugt sind. Welch hohen Grad der Mißachtung. sich diese Regierung bereits zugezogen hat, trat deutlich hervor in der Aufnahme, die die einleitende Ctatsrede des ReichSschatzsekretars Eydow fand. Sonst ist das ein großer Tag und ein großes Ereignis. Ein volles HauS pflegt mit Aufmerk- famkeit den Darlegungen des Leiters der Reichsfinanzen zu lguschen, wenn er inmitten einer Garnitur von BundesratSver- tretern und an der Seite des Reichskanzlers die Finanzlage erörtert. Der äußere Apparat des großen Tages war auf feiten des Bundesrats auch aufgeboten. Der Kanzler, der seit den Kaiserdebatten sich nicht hatte sehen lassen, der selbst den Lerfassungsdebatten fergeblieben war. erschien, wenn auch er- heblich nach Beginn der Sitzung. Der Marine-, der Kriegs-, der Kolonialminister glänzten neben ihm. selbst die Justiz war durch Herrn Nieberding vertreten. Die kleinen Bundesräte drängten sich im Hintergrund. Aber im Hause war eS leer und gähnend verzogen sich nach einiger Zeit die meisten Zu- Hörer, die Herr Sydow ansang? noch gehabt hatte. Die ewige Silbcrrede des Dr. Arendt hätte kaum mindere Teilnahme erwecken können. Trübselig genug ließ sich auch das Klagelied Sydows über die Finanzlage an. Mit einem Defizit von 112� Millionen Mark schließt das Vorjahr ab infolge deS Zurückbleibens der Einnahmen hinter dent Voranschlag. Aber vom Sparen ist deshalb in den Anschlägen für 1909/1l) nur in unwesentlichen Dingen die Rede. Kaltblütig, als sei es daS selbstverständlichste Ding von der Welt, erklärte Herr Sydow, für die Flotte müsse auch im kommenden Jahr mehr ausgegeben werdest. Dieser neugebackenen Finanzkapazität ist es offenbar nicht eingefallen, daß man, um die notwendigen Ersparnisse vorzunehmen, auch das Flottengesetz ändern könne. Sparen an der Flotte, daran denken diese Sparphilosophen des kleineren Uebcls nicht. Sparen sollen nur die Steuerzahler— für die Flotte. Der Zentrumsredner, der nach Herrn Sydow zum Wort kam, der bayerische Zollrat Speck, packte gleich den Schatz- sekretär an diesem schwachen Punkte an. indem er betonte, der Schiffsbau lasse sich sehr wohl verlangsamen, auch aus tech- nischen Gründen, er müsse aber verlangsamt werden angesichts der Finanznot. Das gab Herrn Bassermann den Anlaß, um seiner- seits eine große Flottenrede zu halten, um den nationallibe- ralen Patriotismus und nationalliberalen Bewilligungseifer — auf Kosten des Volkes natürlich— im hellsten Lichte er» strahlen zu lassen. Die unendliche Langsamkeit seiner halb ab- lesenden Vortragsweise erweckte auch kein Interesse für seine Erörterungen über die auswärtige Politik, die sich anhörten wie offiziöse Verteidigungsversuche aus der„Nordd. Allg. Ztg.", hin und wieder durchsetzt mit schwachen Ansätzen zu einer be- scheidenen Kritik. Zum Schluß suchte er dann die übliche Hurrastimmung zu erwecken, indem er wegen der Prügeleien zwisck>en Tschechen und Deutschen in Prag die nationale Lärm- trommel rührte. Brachte diese Leuchte des Liberalismus es doch fertig, sich zu beklagen, daß die österreichische Regierung das Standrecht in Prag nicht früher verhängt habe. Der Reichskanzler und der mittlerweile wieder an Stelle ßes fremden Herrn auS Bukarest erschienene Herr v. Schön fühlten denn auch jetzt noch keinen Anlaß, daS Wort zu ergreifen, da der freiwillige Beschwichtigungshofrat Bassermann sie mehr gedeckt als angegriffen hatte. Offenbar wollte Bülow nicht vor leerem Hause sprechen. So mußte Genosse Schei bemann mit der Regierung HeS kleineren UebelS auf Grund ihrer gesamten Leistungen ab- rechnen. Nachdem er die Notwendigkeit wirklicher Ersparnisse am Militär-, Marine- und Flottenbndget nachgewiesen hatte, unterzog er die auswärtige Politik in Oesterreich, in Marokko, im Orient einer scharfen Kritik, die offenbar den Herren vom Auswärtigen Amt recht peinlich war. Kann sie doch nicht ein- mal abstreiten, daß überall die paiizerfäusrigen Tapsereien unserer Diplomatie zu Blamagen geführt haben. Ein bedauerlicher Zwischenfall ereignete sich, während Scheidemann sprach. Einer der Offiziere am Bundesrats- tisch, ein Adjutant des Kriegsministers wurde plötzlich von einem epileptischen Anfall betroffen. Da sich glücklicherweise bald herausstellte, daß eine schlimmere Wendung nicht zu be- fürchten stand, setzte Scheideumnn nack, einigen tcilnohmvollen Worten über den Unglücksfall seine Rede fort. Er kürzte sie jedoch nunmehr erheblich ab, da auf ihn selbst wie auf daS HauS dieser peinliche Zwischenfall naturgemäß nicht ohne Wirkung blieb. In seinem Schlußwort nahm sich unser Redner allerhand Vorkommnisse im sozialen und politischen Leben Deutschlands vor, wobei er die Behandlung, die dem Fürsten Eulenburg einerseits und dem Liebknecht andererseits durch die Justizbehörde zuteil geworden ist. wirksam kontrastierte. Die Zitierung eines Urteils, das Larnhagen v. Ense über König Friedrich Wilhelm IV. gefällt hatte, brachte die Kon- scrvativen mächtig in Aufregung. Sie stürinten drei Mann hoch zum Präsidenten Graf Stolberg hinauf und redeten so lange auf ihn ein, bis er nach dem Schluß von Scheidemanns Rede zunächst die anstößige Stelle mit guter Betonung recht wirksam verlas und dann an die Verlesung einen Ordnungsruf anknüpfte, den Scheidemann für Varnhagen v. Ense in Emp- fang nahm. Das kleinere Uebel hatte sich in corpore anläßlich des Un- gliicksfalles des Obersten entfernt, sodaß Scheidemann ohne Antwort blieb. Hoffentlich findet der Reichskanzler am Mon- tag Zeit dazu._ politifcbe Qebcrlicbt Berlin, den 5. Dezember 1908 Dritte Lesung der Gewerbeordnungsnovelle. Der Seniorenlonvent beschloß in seiner gestrigen Sitzung mit großer Mehrheit, die dritte Lesung der GewerbeordnungSnovelle in der kommenden Woche Mittwoch oder Donnerstag— zur Er- ledigung zu dringen. Das schamlose, von unseren Genossen in der GewerbeordnnngS- Novellen« Kommission bereits gegeißelle Unterfangen Dresdener Zigarettenfabriken, Arbeiterinnen zur Unterschrift einer Petition gegen daS Verbot der Mitgabe von Arbeit nach Haufe und gegen eine Verkürzung der Arbeitszeit am Sonnabend zu veranlaßen, hat in Sachsen großen Umfang erreicht. Leider hatte sich eine Anzahl Arbeiterinneu zur Unterschrift für dieses Machiverk bestimmen lassen. Er hatte angenommen, eS handle sich um Protest gegen Steuern. Eine am Freitag in Dresden stattgefundene Arbeiterversammln ng nahm gegen diesen Unternehmertrick einstimmig folgende Resolution an: Die Versammelten protestieren mit aller Entschiedenheit gegen die von den Unternehmern in der Zigarettenindustrie in Szene gesetzt« Petitionsmachs- gegen die in der Novelle zur Gewerbe- ordnung vorgesehene Ausdehnung des Schutzes der weiblichen Arbeitskrast. Die Versammelten bedauern, daß sich ein großer Teil der Arbeiterinnen bereitgestmden hat, dieses Machwerk zu unter- schreiben und so dem soziai rückständigen Unternehmertum Vorspann- dienste leistet. Sie erklären eine solche Petition durchaus nicht den Interessen der Arbeiterinnen entsprechend und sind vielmehr der Meinung, daß die beabsichtigte Ausdehnung des Arbeite- rtnnenschutzes durchaus notwendig ist. Die Versammlung erwartet daher von: Reichstage, daß er dieser von Unternehmern veranlaßten Petition die der- diente Würdigung zuteil werden läßt."— Landwirtschaft und Elektrizitätssteuer. Zur Durchführung einer möglichst intensiven Bewirtschaftung deS BodenS hat die Landwirtschast während der letzten Jahrzehnte in steigendem Umfange Maschinen in Gebrauch genommen. Als Triebkraft nimmt der elektrische Strom immer mehr zu, nachdem eS der Technik gelungen ist, durch Ueberlandzentralen die elektrische Energie auf einen großen UnikreiS verteilen und so den ent- legendsten Gütern ein leicht anzupassendes Antriebsmittel liefern zu können. Es ist daher begreiflich, wenn sich auch manche landwirtschaftlichen Interessenvertretungen energisch gegen die neue Steuer wehren. Der bayerische Landwirtschaftsrat hat beispielsweise seine Stellungnahme mit folgenden Worten ge- kennzeichnet:»Die Ausnutzung der Elektrizität ist in Bayern für einen rationellen und lohnenden Betrieb der Landwirtschaft und für die Entstehung und Entwickelung neuer oder bereits bestehender landwirtschaftlicher Nebenbetriebe zur Lebensfrage geworden, weil notwendig, um den Konkurrenzkampf mit anderen Ländern bestehen zu können." In ähnlicher Weise hat die LandwirtschastSkammer für die Pro- vinz SchleSwig-Holstein sich in einer Eingabe an den Reichskanzler ausgesprochen:»Eine Besteuerung der Elektrizität würde die große Mehrzahl derjenigen Landwirte der Provinz, die sich der Elektrizität bedienen, empfindlich belasten, da die Benutzung deS elektrischen StromS auf dem Lande in Anbetracht der notorisch geringen Ver- zinsung deS in der Landwirtschaft angelegten Kapitals nicht zu Luxus- zwecken geschieht, sondern im Interesse der durchaus notwendige� rationelleren Ausgestaltung des Betriebes. Die Steuer würde dirett hemmend wirken auf die weitere Ausdehnung deS eleklrischen Be- triebes in der Landwirtschaft und die letztere dadurch eines HilfS- mittels berauben, das in seiner vielseitigen Anwendbarkeit je länger desto mehr auch in der Laudwirtschast unentbehrlich geworden ist."— Vom Wettrüsten. DaS Depeschenbureau Herold meldet: In einer Besprechung der heutigen ersten Lesung des Etats kommt die» F r k f. Z t g." auf die Abrüstungsvorschläge, die im letzten Sommer von englischer Seite gemacht worden sein sollen, und die vom Abgeordneten Spahn in der ReichSiagSsitzung vom 21. November erwähnt wurden, zurück und bemerlt:»Nach zuverlässigen Informationen hat die B e r- öffentlichung cheS Kaiserinterviews in England jede Neigung zu einem Flottenablomnien mit Deutschland vollkommen beseitigt. Auch die offiziellen Kreise Großbritanniens sind fest entschlossen, mit dem Wettrüsten fortzufahren." Diese Bemerkung des.demokratischen" OrganS beweist, welchen Schaden das persönliche Regiment Deutschland zugefügt hat! Es beweist zugleich, wie unbedingt notwendig eS wäre. in Deutsch. land ein parlamentarisches Regiment durchzusetzen l Gerade solch energische Bekundung des Volkswillens und der Volksmacht könnte England» Befürchtungen trotz alles Mißtrauens zerstreuen I Und träte� zugleich die deutsche Volksvertretung ernsthaft für eine Verständigung mit England in der Frage des FlottenrüstenS ein, so würde England sicherlich nicht so töricht sein, die gebotene Hand zurück- zuweise»! Aber dem deutschen Bürgertum fehlt eS eben am guten Willen, dem persönlichen Regiment und den weltpolitischen Treibereien entschieden entgegenzutreten!— Tabakernte und Tabaksteuer. DaS 4. VierteljahrShcft zur Statistik des Deutschen Reiches, Jahrgang 1Sl)3, enthalt u. a, eine Staiistik der Tabakernte und -beileucrung im deutschen Zollgebiete für da? Erntejahr 1907 <1. Juli 1907 bis 30, Juni 1908j und einen vorläufigen Nachweis über den Tabakanbau im Jahre 1903. Mit Tabak bebaut und abgeerntet wurden im Jahre 1907 15 405 Hektar gegen 14 634 H.-ktar im Vorjahre(1905: 14 111 Hektar, 1904: 15 883 Hektar), Die Ernte an trockenen dachreiieu Blättern betrug 23 839 Tonnen(1906: 32 075 Tonnen, 1905: 3t 360 Tonnen. 1904: 34 331 Tonnen). Von 1 Hektar der an- gebauten Fläche wurden durchschnittlich 13,7 Doppelzentner Tabak gewonnen»<1906: 21.8 Doppelzentner, 1905: 22,6 Doppelzentner, 1904: 21,7 Doppelzentner). Der mittlere Preis für einen Doppel- zentner dachreiieu Tabaks berechnet sich, einschließlich der Tabak- steuer im Geiaintdnrchschuitt aus 93.7 M.(1906: 94,3 M., 1905: 86,4 M,, 1904: 77,5 M.),— Die Tabakerute de» JahrcZ 1907 war i» ihrem Blälterertrag also wesentlich geringer, als die vorher- gehende. Einige Landcsteile halten der Menge nach eine schlechte Ernte, zum Teil eine Mißernte, Die Beschaffenheit deS Tabaks war im allgemeinen eine be- friedigende, doch kam sie der von 1906 nicht gleich. Wegen der Kleinheit des Blattes war der Tabak vorwiegend wenig geeignet zur Herstellung von Zigarren, Trotzdem erreichten die Verkcüifspreiie im Gesanildurchschuilt fast die gleiche Höhe wie 1906,— Die Tabak- steuer hat im Ernlejahr 1907 einen Erlrag von 11,7 Millionen Mark, der Zoll vom Tabak 68.2 Millionen Mark ergeben.~ Der Wahlrechtskampf des sächsischen Proletariats. Leipzig, 5. Dezember. (Privatdepesche deS.Vorwärts".) Eine außerordentliche Landesversammlung der sächsischen Sozialdemokratie findet am Montag, den 14. Dezember, in Dresden statt. Der einzige VerhandlungS- gegenständ ist die WahlrechtSsrage. Referent ist Genosse Dr, Grad- natzer,_ Landtagsersatzwahl. Nach der amtliche» Meldung wählten bei der Ersatzwahl zum preußischen Abgeordnete»Hause im Wahlkreise Gum- binnen(Pillkalle») 2 von 302 Wahlmännern 238 den Gutsbesitzer Ewald H o f e r(k.) zu Schmilgen, 57 den Rittergutsbesitzer Schmalz (k.) zu Küssen._• Nur immer langsam voran geht in Sachsen-Weimar die Justiz in manchen Fragen, für die äuS naheliegenden Gründen die Leffentlichkeit ein große» Interesse hat. Vor länger denn einem Jahre erschien eine Broschüre unter dem Titel: Blatt 11 der Nachlaßakten. AuS dem Staate des Orden» der Wachsamkeit. Der Verfasser Dr. Wernsdorf in Jena hat auf 42 Seiten eine ganze Serie der ungeheuerlichsten Beschuldigungen gegen Staats- minister» Staatsräte. Richter und Rechtsanwälte veröffentlicht. Anschuldigungen so ungeheuerlicher Art, daß. wenn nur der zehnte Teil davon wahr ist, mit Rechl von einer Korruption im Lande gesprochen werden kann. Die Broschüre wurde schleunigst verboten. Trotzdem sind davon so viel Exemplare verbreitet worden, daß der Inhalt in weitesten Kreisen bekannt geworden ist. Der Ver- fast er wurde in Ulttersuchungshvst genommen. Bald wurde er aber wieder entlassen, weil er angab, die Broschüre nur deshalb ge- schrieben zw haben, um durch eine gegen ihr« gerichtete Anklace in die Lage zu kommen, den Wahrheitsbeweis für feine Angaben antreten zu können. Er lehnte die gesamten Richter deS Landes als befangen ab. DaS Reichsgericht trat dem entgegen. Endlich, nach monatelanger Ruhe, sollte am 25. November die Ver- Handlung stattfinden. Doch, waS bereits gerüchtweise kolportiert wurde, eS lrat ein: die Verhandlung, die doch wahrlich so rasch wie möglich im Interesse des Ansehens der weimarischen Justiz hätte stattfinden sollen, wurde wieder vertagt. Ganz ähnlich verhält eS sich mit dem Prozeß gegen den Staatsbeamten Schönheit, der seit Jahr und Tag in dem Verdacht steht, eine aktive Nolle in den Fällen gespielt zu haben, wo eS sich um die gestohlenen Goetheakren und wertvolle Gemälde handelte. Ein Antiquar wurde wegen Hehlerei z» zwei Jahren Zuchthaus verurteilt; er hat diese Strafe bereits verbüßt. Der oder die Diebe sind aber noch nicht gesaßt, bezw. noch nicht zur Aburteilung gekommen, vor zwei Jahren erklärte der Herr Staat»- minister auf eine Anftage im Landtage feierlich, daß nach seiner An- ficht kein Beamter in Frage kommen könne. Seit Jahr und Tag ist nun aber trotzdem der Beanite Schönheit wegen des Verdachtes der Mittäterschaft von seinem Amte dispensiert. Er bezieht seine Pension und— eine für den 5. Dezember angesetzte Verhandlung in dieser Sache ist ebenfalls vertagt. Die Justiz in Sachien-Weimar kann auch sehr rasch arbeiten. DaS hat sie bei politischen Anlässen schon deS öfteren bewiesen. Und als jetzt in unserem Jenaer Partciblatt eine Darstellung der Bc- Häuptlingen in der WernSdorsschen Broschüre veröffentlicht wurde, da ließ flugS die weimarische Staatsanwaltschaft eine Haussuchung nach dem Manuskript tun. Zu alledem fehlt nun nur noch, daß-- wie bereits gerüchtweise verlautet— die betreffenden Berhandlungen, wenn sie einmal wirklich stattfinden, dies unter dem Ausschluß der Oeffentlichkeit geschieht. Wenn schon das Hinausschieben dieser Verhandlungen auf die lange Bank nicht dazu beitrage» kann, das vertrauen zur Justiz im Goetheländchen besonders zu heben, so würde daS noch in er- höhtem Maße der Fall sein, wenn daS weitere Verfahren unter dem Ausschluß der Ocffcntlichkeit zum Abschluß gebracht würde. Im Staate des Ordens der Wachsamkeit ist dies aber wohl möglich.— Eiu schwarzer Fuchs im Fangeisen. AuS Baden schreibt man UNS:. Das Schöffeugericht O b e r k i r ch verhandelte am Freitag In der Privatklage des dortigen Kaplans Sa ur gegen den ver- antwortlichen Redakteur Winter unseres Offenburger Partei- organS.Volksblatt' wegen Beleidigung durch die Presse. Der Kläger ist der geistige Inspirator des Ober- kircher ZentrumSblaiteS, R e n ch t a l z e i t u n g welches in der Verlästerung der Sozialdemokratie sich würdig auf die Seite der reichsverbändlerisiben VerleuiildmiaSliga stellen darf. Prozesse vor dem Oberkircher Gericht konnten bisher unserer Partei nicht zu ihrem Rechte verhelfen; deshalb findet man auch eine Er- klärung für das Bestreben deS Oberkircher Kaplan», für seine Klage mittels deS wandelbaren GerichlSstaiideS der Presse die Verhandlung nicht vor dem Offenburger Gericht, sondern in Obcrkirchcn vor sich gehen zu lassen. Doch der Trick half nichts. Der vom „VolkSblatl" der anonymen Brie fschreiHerei beschuldigte katholische Geistliche fiel mit seiner Klage selbst vvr dem Gerichtshof seiner Parochie gründlich herein. Der sozialdemokratische Redakteur, wurde nur wegen formeller Wendungen in den Artikeln zu einer Geldstrafe von 3V M. und zu'/j der Kosten verurteilt, in der Gegenklage erhielt Kaplan S a u r eine Geldstrafe von 50 M. und den Rest von*/» der Kosten. Es ist zweifellos festgestellt, daß der Geistliche einen von Unanständigkeiten und Ehrverletzungen gegen da».Volksblatt" und einzelne Obcrkirchener Parteigenossen strotzenden Brief anonymer Art verfertigte und an den beklagten Redakieur sandte. Arveitcr siyd darin ehrloser Handlungen bc- schuldigt' infolgedessen wird dieser Prozeß, ein ernsthasteS Nach- spiel haben, wenn der Geistliche nicht zu einer außergerichtliche!, Genugtuung bereit ist. Als charakteristisch für die Moral dieses Kaplans muß erwähnt werden, daß er.»m den Redakteur Winter, zu täuschen und den verdacht der Verfasserschaft des annoymen Schmähbriese»«bzulenken. zwei Proben seiner angeblichen Hand« sSrift in deutschen und lateinischen Zeichen einsandte. Ob er diese selbst anfertigte oder von anderen schreiben liest, bleibt dahin- gestellt.-_ Ein bescheidener Wunsch. Dte Mühlen deS deutschen Reichstags mahlen zwar langsam. leider aber nicht sicher. Wenn aber jemals Gefahr im Verzuge war, so gewist bei einer Verzögerung in der Schaffung der l o n st i t u- tionellen Garantien. Die Konservativen setzen ihren Kampf gegen jede Machterweiterung des Reichstags unermüdlich fort, und eS ist kein Zweifel, dast dem Freisinn die Angst vor der Gefährdung deS Blocks austerordentlich nahe geht. Es ist deshalb von Wichtig- teit, dast keine Zeit vertrödelt wird und mit aller Energie mutz von der Geschäftsordnungskommission und dem Reichstag selbst rasche Arbeit gefordert werden. Nun hat die Kommission zwei ganz selbständige Materien zu bearbeiten, die zwar in einem ge- wissen politischen, nicht aber in einem legislativen Zusammenhang stehen. Danach mutz sich aber auch die GeschäfiSbehandlung richten. Die Anträge zur Schaffung eines wirksamen JnterpellationSrechteS sind gcsetzeStechnisch austerordentlich einfacher Natur. Sie können, wenn die Mitglieder nur wollen, von der Kommission sofort in Angriff genommen und in kürzester Frist zur Vorlage für das Plenum fertiggestellt werde». ES liegt nicht der geringste Grund vor, diese Anträge nicht z u e r st in Angriff zu nehmen und sie vor den Verfassungsanträgen zu erledigen. Auch im Plenum können sie in kurzer Zeit und jeden- falls noch vor Weib nachten erledigt werden, selbst wenn die Herren Abgeordneten ein oder zwei Tage später ihre Ferien ge- niesten sollten Wenn also die„D. TageSztg.' bereits verkündet, cS sei nicht zu erwarten, dost das Plenum sehr bald mit der Sache befastt werde, so mutz festgestellt werden, dast es nur der böse Wille der bürgerlichen Kommissionsmitglieder sein würde, der die konservativen Hoffnungen erfüllen würde. Wir denken, dast die Erkämpfung gröberer Bewegungsfreiheit und der Möglichkeit der Kontrolle für ein Parlament inimerhin eine so wichtige Sache ist, dast selbst einige Tage der kostbaren Ferienzeit daran gewendet werde» könnten. Merkwürdigerweise haben eS nicht nur die konservativen Blätter, bei denen der Wunsch der Vater des Gedankens ist, mit ihren pesstniistischen Prophezeiungen so eilig; die.Zentrumspresse sekundiert ihnen darin sehr eifrig. So schreibt die.Köln. VolkSztg.": »AuS dem Dunkel der Kommission werden die Anträge wohl nicht mehr anS Tageslicht kommen— wenigstens so lange der Block be- steht und den Freisinn kirre macht". Nachdem schon Herr Spahn nur mit gröstter Lauheit die VerfasiungSanträge vertreten, die Ge- schäftsordnungSanträge aber fast ganz ignoriert hat, muh eS doppelt auffallen, dast auch die Presse deS Zentrums den Eindruck zu er- wecken sucht, als ob die Beratungen der Kommission völlig ergebnislos verlaufen mühten. ES ist gewist richtig, dast für ein Scheitern der Aktion der Freisinn einen grasten Teil der Verantwortung tragen mühte. Nicht geringer aber ist die Verantwortung de» Zentrum». Der Kampf für die Machtvermchrung der Volksvertretung ist aber eine zu ernste Sache, als tpst sie nur zu einer politischen Intrige dienen dürfte. WcmÄdaS Zentrum nichts anderes im Schilde führt, als die Ver- faffungS- und Geschäftsordnungsanträge als Mittel zu benützen, um den Freisinn aus dem Block hinauSzumanövieren, dann aber im Bunde mit den Konservativen die ganze Aktion vereitelte, so wird eS der Verantwortung sicher nicht entgehen. ES steht aber beim Freisinn, durch rasches und energisches Vorgehen da» Zentrum vor eine Entscheidung zu stellen, der eS nicht ausweichen kann.' Der Freisinn must sich unserer Forderung anschtiesten und mitwirken, dast die Frage de» JnterpellanonSrechtS noch vor dem Fest vor das Plenum gelangt. Das ist, wie sogar die»D. TageS- zeitung" gesteht, ein.recht bescheidener Wunsch" Aber er kann sofort und muh deshalb sofort erfüllt werden.--- Opfer des Kapitalismus. Sm 30. November ist das Urteil des Landgerichts RegenSburg im grosten LandfriedenSbruchprozeh gefällt worden, der daS gerichtliche Nachspiel eines grasten Lohnkampfe» auf der Maxhütte bei Burglengenfeld wari der im Winter ISO? geführt wurde. Der Spruch des Gerichts war ein drakonisches Urteil. Wir haben es am 1. Dezember von einem Wolfffchcn Telegramm mitgeteilt. Dieses Telegramm war indes, wie sich jetzt heraus- stellt, falsch, cS meldet weit mildere Strafen, als wirklich ver» hängt wurden. Nach der Depesche sind 46 Arbeiter zu Gefängnis. strafen von drei Wochen bis zu drei Monaten verurteilt und 18 Angeklagte freigesprochen worden. In Wirklichkeit sind ein Angeklagter zu zehn Monaten, vier zu je sieben Monaten, drei zu je 6 Monaten, zwei zu je b Monaten, einer z« 4 Monaten und 14 Tagen, sechs zu je 4 Monaten, einer zu 3 Monaten IS Tagen, 16 zu je 8 Monaten, einer zu zwei Monaten, fünf zu je 6 Wochen, einer zu drei Wochen und einer zu einer Woche Gefängnis verurteilt worden. Das Gericht ist also bei vielen Angeklagten erheblich über daS Mindestmast von drei Monaten Gefängnis hinaus- gegangen. Die Richter haben das Vergehen gegen die Jnter- effen der Unternehmer und die Sicherheit der Arbeitswilligen hart geahndet. Dabei haben die Arbeiter monatelang eine brutale Aussperrung ruhig getragen— erst«ine Häufung rück- sichtSlosefter Provokationen hat schliestlich am 12. und 13. Dezember ISO? unter 600 Ausgesperrten einige zu Verzweiflungsausbrüchen gebracht, wobei zu berücksichtigen ist, dast die gcwerkschaft- liche Organisation in der schwarzen Obcrpfalz noch sehr jung ist. Die Richter haben nicht berücksichtigt, dast die Leute ungeheuer erregt waren einmal schon deswegen, weil sie wegen einiger Pfennige Lohnerhöhung brutal ausgesperrt wurden aus dem Werk, dem sie im letzten Jahre vier Millionen Gewinn erarbeitet haben bei 12 Stunden langer harter Arbeit und 2,20 und 2,40 Mar! Tage- loh nl Ferner dadurch, daß man den Christlichen nach dem Streik» bruch und den übrigen Arbeitswilligen mehr zulegte, als die Aus« gesperrten gefordert hatten I Man hat ferner die Erbitterung der Arbeiter nicht oder doch ungenügend berücksichtigt, die daS Werk selbst ungeheuer steigerte, indem eS durch Gendarmen das Gerücht verbreiten liest, anderentags kämen so viele fremde Streikbrecher, dast die Ausgesperrten überhaupt auf Wiedereinstcllung nicht mehr rechnen könnten. Dieses Gerücht brachte die Ausgesperrten natur« gemäß alle vor das Werk, weil sie die Hunderte fremder Streik- brccher aufklären und fernhalten mußten. Die Streikbrechermassen kamen zwar nicht an, aber die zum Werk ziehenden einheimischen Streikbrecher haben dann die Ausschreitungen durch ihr Verhalten direkt provoziert. Die wahren Schuldigen an den Ausschreitungen und an dem Elend, daS der Gerichtsspruch nach sich zieht, sind die Besitzer der Maxhütte. Der Deutsche Metallarbeiterverband. Bezirk Nordbayern, der Gauvorstand der sozialdemokratischen Partei NordbayernS und die Parteipresse Bayerns haben im Anschluß an daS Urteil folgenden Aufruf an die Männer und Frauen der Arbeit erlassen:„Ihr kennt den Verlauf und das Ende des großen Lohnkampfes auf der Maxhütte bei Burlengenfeld. Es war die erste, gewaltige Reaunq des brutal geknechteten Proletariats der finsteren Oberpfaiz— ein Verzweiflungsakt noch ungcfchulter Kampfgenossen. Der Streik — der eine neue Zeit für die Maxhüttcnarbeiter zu künden schien —, daS heiße Blut der Oberpfälzer, die schamlosen Verrätcreien der„Christlichen" verursachten Ausschreitungen. Gestern fällte daZ Landgericht RegenSburg sein drakonisches Urteil über die Opfer brutaler Unternehmerwillkür. Die ganze ungeheuerliche Schärfe des Gesetzes trifft die unerfahrenen, rechts- unwissenden Proletarier, die als erste gewagt haben» dem ober- pfälzischen AuSbeutertum entgegenzutreten. Erschütternd ist das LoZ dieser Männer und Frauen. Mehr als ein Jahr arbeitslos, must der Mann, der Ernährer, jetzt das Gefängnis bezichen. Hilflos, im tiefsten Elend bleiben Weib und Kind und oft die alten Eltern zurück. Jetzt, wo bald die Weihnachtsglocken klingen, hat der Kapitalismus ein weites Gebiet in ein Bild voll erschütternden Jammers gewandelt. Männer und Frauen der Arbeit! Hier müßt Ihr einspringen! Hier müßt Ihr helfen! Unterstützt unsere Pioniere in schwarzer Gegend! Zeigt, dast die Solidarität der Ar- beiterklasse kein leerer Wahn ist!* Lehrerknebelung in Baden. Der„Volksstimme" ist ein neuer, vom 1. Dezember datier- ter Erlaß des Großherzoglichen Oberschul- r a t s in die Hände gefallen, der im Gefolge des gegen den Hauptlehrer Rödel- Mannheim ins Werk gesetzten Maß- rcgelungsverfahrcns einen weiteren, diesmal noch skanda- loseren Schritt auf dem Wege zur vollständigen Knebelung der badischen Volksschullehrerschaft bedeutet. Das Dokument der Schande des„musterstaatlichen" Liberalismus hat diesen Wortlaut: DaS Verhalten de» Hauptlehrcrs Rödel in Mannheim betreffend. „Nach Zeitungsnachrichten ist in Neckarelz>von einer Lehrerversammlung ein Protest gegen da» von der Oberschulbehörde gegen Hauptlehrer Rödel erlassene Disziplinar- erkenntnis beschlossen worden. Dieser Protest soll nun den Lehrern deSganzenLand eS zugehen mit der Aufforderung, sich diesem Protest anzuschließen. Es ist anzunehmen, daß die freien Konferenzen der Volksschullehrer in Anspruch genommen werden sollen. Wir be- auftragen daher die Kreisschulvisitaturen, sofort die Vor- sitzenden der freien Konferenzen zu sich zu rufen, und ihnen mitzuteilen, dast die Lehrer durch die Be- teiligung an d,eser Protestbewegung sich einem Disziplinarverfahren aussetzen. Wir sehen ferner genauem Bericht entgegen über alles, was in dieser Sache im vereich der Kreisschulvisitaturen vor sich geht. Die vorgerufenen Vorsitzenden haben Anspruch auf die ge» ordnete Reisevergütung." Dieser neue, verschärfte Anschlag auf daS Recht der freien Meinungsäußerung der Lehrer hat natürlich gewaltiges Auf- sehen erregt. Die Verblendung, die in der Auffassung zum Ausdruck kommt, es werde durch die Unterdrückung der offenen Protestkundgebungen der Lehrer gelingen, der un» geheuren Entrüstung Herr zu werden, die sich infolge der Maß'- regelung Rödels derselben bemächtigte, wird nur übertroffen durch die Skrupellosigkeit, mit der die oberste Schulbehörde jetzt den Geist der Aufpasserei und Angeberei in die Reihen der unzufriedenen Lehrerschaft trägt.— Das bedrohte Zentrum. Die Oberpfalz entwickelt sich mit Riesenschritten zu einem bayerischen Rheinland-Westfalen. Fast täglich werden neu« Industrieanlagen gegründet. S t i n n e S und Konsorten rufen kolossale Unternehmungen ins Leben. Für den Groß- kapitalistcn sind in der Obcrpfalz alle Vorbedingungen erfüllt: Die Bevölkerung ist anspruchslos und kulturell tiefftchend; sie läßt sich daher mitgeringenLöhnen abspeisen und ist nicht von der„Manie" befallen, kurze Arbeitszeit zu ver- langen. DaS Gelände ist durchweg schlechtes, steiniges Ackerland, daher der Grund und Boden billig. Die Wasser- laufe bieten billige Betriebskraft. Das Innere der Erde enthält reiche Schätze an Erz und Kohle, Ton und Porzellanerde. Ein privilegiertes Parlament geborener Gesetzgeber, die Kammer der Reich Sräte, ermöglicht auf ab- sehbare Zeit dieschrankenloseAuSbeutungderBoden- fchätze. Als Besitzer der Aktien und AufsichtSräte der Industrie- gefellschaften haben die hohen Gesetzgeber daS gröstt Interesse, dast die Schätze des Boden» ihre» teuren Vaterlandes nicht zum Allgemeingut erklärt werden. Bisher war dieses zukünftige bayerische Rheinland-Westfalen politisch vollständig unter der Herrschaft deS Zentrums. Mit der immer weiteren Ausdehnung der Industrie in diesem Teil Bayerns faßte aber arich die Sozialdemokratie und mit ihr die modjerne Arbeiterbewegung Fuß� EjS gibt nun keinen größeren Jndustrieort mehr, in welchem»die Roten" nicht bereits starke Positionen besitzen. Jetzt erkennt daS Zentrum die ihm drohende Gefahr! Man ist zur Ueberzeugung gekommen, dast der einzelne Ortspfarrer in Gemeinschaft mit dem Kaplan der hereinbrechenden „roten Flut" nicht mehr gewachsen ist. ES must daS Zurück. drängen der Sozialdemokratie planmäßig in die Hand genommen werden. Nachdem sich diese Woche bereits eine oberpfälzisch« Kleriker- konferenz von einem christlichen Sekretär über die S i t u a t i o n in der Oberpfalz aufklären ließ, so! sich am 14. De- zcmber in RegenSburg ein Zentrumspart Hi tag für die Ober Pfalz mit der Frage befassen. Die Schaffung einer neuen festgefügten Organisation, die stärkere Heran- ziehung der katholischen Männer- und Arbeitervereine zu den ÄgitationSkassen und die Anstellung eines oder mehrerer besoldeterAgitatoren, speziell für die Oberpfalz, steht auf der Tagesordnung. Zur bayerischen Steuerreform. Der Antrag unserer Parteigenossen, die Z i v i l l i st e und die Mitglieder dcS königlichen HauseS zur Einkommensteuer heranzuziehen, wurde mit allen gegen die Stimmen der Antragsteller und des BauernbündlcrS Eisen berger ab- gelehnt. Interessant war die Haltung deS„Demokraten" Dr. Ouidde, des bekannten Verfassers der Broschüre„Caligula", der sich auf den Regierungsstandpunkt stellte. wonach unter der Regentschaft die Verfassung nicht geändert werden kann. Dr. Ouidde ging sogar noch weiter wie die Re- gierung, er möchte auS„SchicklichkcitSrückstchten" eine Aende- rung der Verfassung nicht herbeiführen, an der der König, um dessen persönliches Recht eS sich in diesem Falle handelt, nicht mit- wirken könne. Genosse Dr. Haller. der unseren Antrag begründete. versäumte nicht. Dr. Ouidde festzunageln. Der Regierungsvorlage entsprechend werden die Gesellschaften mit beschränkter Haftung, die jetzt nur Gewerbesteuern bezahlen, zur Einkommensteuer herangezogen werden.— Ein Antrag unserer Genossen, die auf Grund der Gewerbeordming organisierten Gewcrk- f(basten steuerfrei zu lassen, wird seine definitive Entscheidung in der nächsten Sitzung finden.—* Die Balkankrise. Die Boykottbewcgling. Frankfurt». M.» 6. Dezember. Die„Frankfurter Zeitung� meldet auS Konstantinopel: DaS Boykotlkomitee droht mit Ausdehnung des Boykotts auf deutsche Waren, falls öfter- reichisch-ungartsche Fabrikate unter anderer Flagge über Bremen oder Hamburg gehen sollten, um dann auf deutschen SchiffSlinien nach Konstautüiopel zu gelangen. Die italienisch-russische Entente. Wien, 6. Dezember. Wie die„N. Fr. Pr." erfährt, glaubt man in informierten Kreisen, dast die ru ssisch- ita li e n is ch e Entente zu dem Zwecke abgeschlossen wurde, Oesterreich an weiteren: Forlschreiten auf dem Balkan zu hindern. Oesterreick. Ein Protest der Prager Professoren. Prag, S. Dezember. Der Akademische Senat der Prager Deutschen Universität hat.an das Kultus- und Unterrichts- Ministerium einen Bericht gesandt, in welchem er nach eingehender Schilderung der Vorgänge in Prag seit dem 13. Oktober zu folgen- dem Schlüsse gelangt: Der Akademische Senat sieht sich genötigt, die Verantwortung für eiiic gedeihliche Leitung der Angelegen» heilen der Universität abzulehnen und hält sich für verpflichtet, gegen diese Vorgänge in der nachdrücklichsten Weise Protest zu er» heben. Die Mitglieder des Akademischen Senats haben daher in der Sitzung vom 3. Dezember 1S03 beschlossen, ihre Stellen im Akademischen Senat niederzulegen. Die Angst vor dem Massenstreik. Budapest, 5. Dezember. Handelsminister Kossuth hat an die Direktion der ungarischen Staatsbahn eine Verordnung gerichtet, in der darauf hingewiesen wird, daß die Ungar- ländische sozialdemokratische Partei die Staatsbahn« angestellten zur Teilnahme an einem Massenstreik, auf- fordert Mit Rücksicht darauf, daß die sozialdemokratische Partei die Disziplin, zu lockern bestrebt ist, erklärt d�r Minister, daß die Staatsbahnangestcllten keiner Organisation und auch nicht der sozialdemokratischen Partei bei Strafe sofortiger Entlassung angehören dürfen.-- Bngland. Die Gewerkschaften und die politischen Ausgaben. L o n d o n. 3. Dezember. Die Arbeiterfraktion und die gewerkschaftlichen Abge- ordneten hielten gestern eine gemeinschaftliche Sitzung ab, um über die folgen des Urteils des Appcllhofes zu beraten. Es wurde folgende Resolution angenommen: „Sollte da? Urteil des Appellhofes vom Oberhause bestätigt werden, s» wäre die Lage deS Trade-UnioniSmuS unerträg- lich. Die beiden Sektionen der Arbeiterbewegung beschließen deshalb, die nötigen Matzregeln zu ergreifen, den Gewerkschaften die Freiheit wiederzugeben, ihre Handlungen so ein- zurichten, wie sie sie zum Schutze ihrer wirtschaftlichen Jnter- essen für nötig halten." Die zu ergreifenden Maßregeln sind: ein Rekurs an die Oberhausrichter und im Falle deS Mißerfolges die E i.n» bringung einer Gew er kfcha'fts Novelle im Parlament.•.._.; Die politische Lage. London, 3. Dezember.(Eig. Ber.) DaS politische Parteileben Englands bietet gegenwärtig ein wenig erfreuliches Bild. Es ist. als ob all« liberalen, fortschrittlichen und sozialistischen Qrzanisa- tionen in einer Umwälzung begriffen wären..Ta' ist die liberale Regierung, die mit einer starken Mehrheit im Unterhause nichts Ersprießliches tun kann. Die ganze Arbeit der Herbsttagung scheint fruchtlos werden zu wollen. Die Schankkonzessionsvorlage, die etwa 82 000 Schankwirtschaften in den nächsten 14 Jahren beseitigt hätte, wurde von den im Oberhause sitzenden Brauereiinteressentcn abgelehnt. Die neue Schulvorlage ist im gegenwärtigen Augenblicke dem Scheitern nahe, und Wie cS den Vorlagen betreffend Acht- stundentag für Bergleute und den Ausbau der irischen Landakte vom Jahre 1903 ergchen wird, kann noch nicht gesagt werden. Die liberale Regierung hätte wohl gegenüber dem Oberhause mutiger auftreten können.— ja, das Oberhaus wäre weniger frech, wenn die parlamentarischen Nachwahlen keine derartige Massenflucht der Wähler von der liberalen Partei zeigten. Es ist diese antiliberale Strömung, die das wirkliche Problem der gegenwärtigen kapita- istischen Politik Englands bildet. Es ist diese Strömung, die die liberale Regierung aus ihrer Position verdrängt. Und wohin führt diese Strömung? Zum Schutzzoll, zur Reaktion, zur Vorbereitung dcS kommenden Krieges. Zug um Zug tritt die neue Politik in die Erscheinung. Die Imperialisten haben ihr Wirk getan. Gleichzeitig schreitet die Gärung in der sozialistischen Bewegung vorwärts. In der Jndependent Labour Party ist die Unzufrieden- heit groß. Die Sozialisten der Fabian Society sind jetzt daran, ihre rein theoretische und' beratende Tätigkeit aufzugeben und an der Gründung einer rein sozialistischen Partei sich zu beteiligen. Bernard Shaw ist auf Agitation gegangen, und in seinen Reden verurteilt er alle bisherigen politischen Parteien. Seine Bersamm? lungen werden überall zahlreich besucht. ES läßt sich indes noch nichts sagen, was auS dieser politischen Gärung herauskommen wird. Nur zwei Parteien stehen in diesem Wirbel der Ding« fest- verankert da: die der Konservativen und die der Arbeiter.— Angst vor Neuwahlen. London, 6. Dezember. Der Junior-Lord im Schatzamt, I. A. P e a s e, einer der Hauptführer der liberalen Partei, er- klärte in einer Rede in Saffron-Walden, daß für die Regierung kein Grund vorliege, an die Wähler zu appellieren, OrKei. DaS bisherige Wahlergebnis. Konstantinopel, 6. Dezember. Bisher sind 220 Deputierte gewählt worden. Davon sind ISO Mohammedaner, 33 Christen und 2 Israeliten. perNen. Eine Versammlung der Revolutionäre. TSbriS, 4. Dezember. Heute wurde ein Meeting abgehalten, an dem ungefähr 3900 Armenier und Muselmänner sowie Sattar Khan und Burgir Khan teilnahmen. Die muselmani- schcn Redner wiesen auf die von den grusinischenj und armenischen Organisationen geleistete Hilfe hin und forderten dazu auf. auf der Absetzung des Schahs zu bestehen. Ein armenischer Redner hob das bisher Erreichte und die gemeinsamen Siege über die Reaktionäre hervor und trat dafür ein, dast sich beide Na- tionen zum Kampf gegen den gemeinsamen Feind vereinigen sollten. gmerifu. Ein Abkommen mit China. London, o. Dezember. Wie die„Morning Post" au? Washing- ton meldet, ist es fraglos, dast der chinesische Sondergesandte Tang. Schao-Vi den Auftrag hat. ein engeres Uebcreinllommen zwischen China und den vereinigten Staaten herbei, zuführen. Es werde kein förmliches Bündnis erlvarlct, sondern ein Abkommen, welches das kürzlich zwischen Japan und Nordamerika abgeschlossene ergänzen soll. Gewerkschaftliches. Das Lamm. " Zurzeit sind die Forderungen an einen Teil Fleischermeister Im Verlauf der weiteren Diskussion tam der Untville der Ar im Osten Berlins gestellt und erfolgen daselbst die persönlichen beiter mit aller Deutlichkeit zum Ausdruck. Die allgemeine Stim. Rücksprachen. mung ging dahin, unter den obwaltenden Umständen von einer Die Berliner Gewerkschaftskommission hat dem Zentral- weiteren Attion abzusehen. Da die Firma nicht geneigt sei, auf verband in dieser Tarifbewegung weitgehendste Unterstützung dem Wege der Verhandlungen die Abzüge zurückzunehmen, blicbe zugesichert. Die gestellten Forderungen sind folgende gewiß nur noch das äußerste Mittel, die Arbeitseinstellung, übrig. Mit minimale: Rücksicht auf die allgemeine Arbeitslosigkeit ist ein Erfolg sehr des Zentralverbandes der Fleischer, Berlin C. 54, Dragoner möge noch einmal bei der Direktion wegen Aufrechterhaltung der 1. Bei Bedarf von Gesellen sind dieselben vom Arbeitsnachweis zweifelhaft, uno beschlossen die Versammelten, der Arbeiterausschuß Straße 15, Telephon Amt 3, Nr. 2049 zu beziehen. bestehenden Löhne für die Lohnarbeiter vorstellig werden. Ob es dem Arbeiterausschuß gelingen wird, die Firma davon zu über. zeugen, daß durch die Einbuße am Verdienst infolge der verkürzten Arbeitszeit die Lebenslage der Arbeiterschaft um ein Bedeutendes herabgesezt wird, ohne noch extra einen Abzug von 6 Proz. zu machen, bleibt abzuwarten. Unfere 28 Beilen umfassende Notiz in der letzten Mittwoch mummer beantwortet Herr Reghäuser im Sonnabend- ,, Korrespondent" mit einer Schimpftanonade von beinahe 400 Druckzeilen. Ueber so fplendide Raumverhältnisse verfügt der Vorwärts" freilich nicht, die Wichtigkeit der Sache erfordert auch gar nicht diesen Aufwand von Druckerschwärze. 2. Die Kündigung und Entlassung findet an Wochentagen, Da es mit dem" Totschweigen" der Resolution der Gau- mit Ausnahme von Freitag und Sonnabend, statt. Der vorsteherkonferenz durch den Vorwärts", die Reghäuser uns zum Kündigungstag ist beim Antritt der Stelle zu vereinbaren. Vorwurf gemacht, nichts ist, moniert jetzt der leitende torre- 3. Die tägliche Arbeitszeit beträgt 12 Stunden. Muß entspondent"-Redakteur, daß wir die am 26. November im Korre- sprechend den geschäftlichen Erfordernissen über 12 Stunden fpondent" veröffentlichte Resolution erst am 29. November brachten. gearbeitet werden, so wird die erste halbe Stunde nicht bezahlt, Wir wollen Herrn Reghäuser anvertrauen, daß es außer den Wer die weitere Zeit wird mit 40 Pf. pro Stunde entschädigt. trauensvoten für den Korrespondent"-Redakteur auch noch einige andere wichtige Dinge aus der Arbeiterbewegung zu berichten gibt, die mitunter leider sogar noch länger zurüdgestellt werden müssen. Arbeitszeitverkürzung und Lohnreduzierungen bei der Firma Herr Rerhäuser gerät in eine, gerade ihn sehr schön fleidende Orenstein u. Koppel. fittliche Entrüstung darüber, daß uns ein Vertrauensmann" über a " " 1. Schicht von 6 Uhr morgens bis 1 Uhr mittags. 2. Schicht von 1 Uhr mittags bis 8 Uhr abends. Der bisher für die Wechselschicht gezahlte Zuschlag von 6 Proz. fällt fort. Sollte die Arbeiterschaft mit dieser Maßnahme nicht einverstanden sein, so sehen wir uns veranlaßt, den Schicht wechsel gänzlich einzustellen und die überzähligen Arbeiter zu entlassen. Röhren. immer wieder über die Vertrauensmänner" des Vorwärts" ent- Arbeiter nicht noch extra entschädigt werden könnten. rüstet, so sei ihm in aller Ruhe und Kürze gesagt, daß er der Allerlegte ist, der sich über„ Vertrauensmänner" entrüsten darf. Der Prozeß Fischer fontra" Post" hat ja gezeigt, daß der erste beste Deder" Reghäuser nur auf einer Postkarte anzuulten oder anzuschwindeln braucht, und der„ Korrespondent"-Redakteur schwört auf folche vertrauenswerten Leute. Damit waren die Verhandlungen mit der Werksdirektion gescheitert. Der Ausschuß wünschte nurmehr in derselben Frage mit der Generaldirektion in Berlin in Verhandlungen zu treten. Die nachgesuchte Verhandlung fand am Montag, den 30. November, in Berlin statt. Herr Kommerzienrat Orenstein erklärte ebenfalls, daß die 6 Proz. Abzug unter allen Umständen bestehen bleiben müssen. Gine Aenderung in der Stellung der Direttion sei nicht möglich. Der Verdienst der Arbeiter sei ein solcher, daß die Arbeiter den Abzug tragen fönnten. Die Firma sei gezwungen, diese Maßnahmen durchzuführen, um fonkurrenzfähig zu bleiben. Der Bericht des Arbeiterausschusses über die stattgehabten Berhandlungen wurde durch Zwischenrufe unterbrochen, in welchen die Arbeiter ihren Unmut über das ihnen gegebene Weihnachts geschenk der Firma zum Ausoruck brachten. Alles in allem fann gesagt werden, daß bei der Firma Orens stein u. Stoppel noch vieles verbesserungsbedürftig ist und går feine Beranlassung vorliegt, die Lohn- und Arbeitsbedingungen noch zu verschlechtern. Deutfches Reich. Zur Milderung der Arbeitslosigkeit beschloß die Stadtverordnetenversammlung zu Brandenburg a. H., den Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, welcher eine Reihe von Maßnahmen enthält, die von der bürgerlichen Mehrheit als zuweitgehend" bezeichnet wurden, dem Magistrat zur Grwägung zu überweisen; insbesondere aber den Magiftrat zu ermächtigen, falls es erforderlich erscheint, fofort Mittel für Notstands arbeiten und erweiterte Schulkinderspeisung bereitzustellen. Ein Streifurteil. Details aus den Sigungen des Verbandsvorstandes unterrichtet In einer in Nowawes abgehaltenen Betriebsversammlung und logischer Weise auch über die Details aus jener Konferenz". aller bei der Firma Orenstein u. Koppel beschäftigten Arbeiter Woher Herr Reghäuser das weiß, ist sein Geheimnis; im Vorwärts" nahmen diese Stellung zu den von der Firma getroffenen Maßnahmen. Nach dem Bericht des Arbeiterausschusses erschien am hat davon, nichts gestanden. Wir haben lediglich auf die Nerhäuſerſche 7. November dieses Jahres ein Anschlag im Werk Drewitz folgenden Behauptung hin, daß wir in dieser( feiner) Sache so redselig" Inhalts: 7. gewesen, festgestellt, daß wir weber über uns bekannt gewordene Infolge Unrentabilität der Wechselschicht sehen wir uns Details beim Zustandekommen der Solidaritätserklärung des Verbandsveranlaßt, dieselbe einzuschränken, und zwar in der Weise, daß borstandes noch über die Tatsache ein Wort verloren haben, daß die von Montag, den 9. dieses Monats ab eine Siebenstundenschicht von der Buchdrudergeneralversammlung in Köln im Mai 1908 be- eingeführt wird. schlossene Sitzverlegung des Korrespondent" nach Berlin zunächſt" Der Streit auf Saar und Mosel beendet. auf den 1. April 1910 vertagt worden ist. Die letztere Tatsache St. Johann a. d. Saar, 5. Dezember.( Privattelegramm bestreitet Herr Rerhäuser mit feinem Worte. Sein gequältes Gerede des Vorwärts".) Bürgermeister Colsen vermittelte gestern über die Gründe zu dieser auffälligen Maßnahme ändert nichts eine Verhandlung zwischen der Direktion, Hausmann und daran, daß Verbandsvorstand und Gauvorsteherkonferenz das Richtige Effert als Vertreter der Organisationen, auf deren Grundlage in der von Reghäuser geschaffenen Situation trafen, wenn sie die Uebersiedelung der Korrespondent" Redaktion nach Möglichkeit Die von dieser Maßnahme betroffenen Arbeiter, so berichtete heute die Belegschaft einstimmig die Aufnahme der Arbeit hinausschoben. Ueber die Details beim Zustandekommen der Arbeiterausschuß, nahmen in einer Versammlung zu dem An- beschloß. Maßregelungen finden nicht statt, ebenso keine Ab der Solidaritätserklärung des Verbandsvorstandes fragt Rerhäuser schlag Stellung und erklärten fich mit der Einschränkung der Aram besten bei diesem selbst an. Schon Mitte November wurde in beitszeit einverstanden, jedoch konnten die Arbeiter nicht einsehen, züge wegen Kontraktbruch. einer Berliner Spartenversammlung die Angelegenheit behandelt und minderten Berdienst zur Folge hat, auch noch 6 Broz. abgezogen daß neben der fürzeren Arbeitszeit, die sowieso schon einen verdort scharf gerügt, daß Beisiger des Zentralvorstandes zur Fest werden sollen. Der Arbeiterausschuß; wurde beauftragt, den Bea stellung des Wortlautes der Erklärung und Diskussion darüber nicht schluß der Versammlung der Direktion zu unterbreiten und zu ver- In der dreitägigen Verhandlung vor dem Schwurgericht zu zugezogen wurden.( Der Vorstand besteht aus vier befoldeten Mit- suchen, den angedrohten Abzug von 6 Proz. wieder rückgängig zu Gera gegen sieben Gießereiarbeiter aus Beulenroda wegen Landgliedern und sechs von der Berliner Mitgliedschaft gewählten Bei- machen. fizern.) Wir haben die Veröffentlichung dieser Tatsachen unterlassen, Die Verhandlungen mit der Direktion des Werks in Drewis friedensbruch ergaben sich sehr widersprechende Beugenaussagen. tveil wir fie als eine interne Verbandsfache betrachteten, die unter hatten keinen Erfolg, die Direktion blieb auf ihrem Standpunkt be- Von völlig einwandfreien Zeugen wurde beschworen, daß erst nach den Mitgliedern selbst ausgemacht werden müsse. Hätte und Herr stehen. Herr Direktor Röhren erklärte, die 6 Prog. find infolge den Schüssen des Küla Sohn des Unternehmers die Ein Postbeamter, der die Schüffe Reghäuser nicht provoziert, so wäre auch die kurze Andeutung unter- Drängens der Arbeit im vorigen Jahre bei Einführung der Wechsel- Schlägerei begann. unter- schicht gegeben worden. Heute träfe der Grund zu dieser Werblieben. Wenn Herr Rerhäuſer aber bei dieser Gelegenheit sich günstigung nicht mehr au. Es liege Arbeitsmangel vor, wofür die hörte, hat gesagt:" Der Hund, der geschossen hat, muß totgeschlagen werben." Stüla selbst und die Arbeitswilligen erklärten, die Schüsse feien erst in der Notwehr abgegeben worden. In mehrstündigen Reden wiesen die Verteidiger Landsberg und Degenkolb nach, daß von einem Landfriedensbruch gar keine Rede sein könne. Es handele sich um eine Schlägerei, wie sie oft bortäme. Die Ana geklagten feien erst durch die Schüsse des Küla provoziert worden. Auch die Verlegungen der Streifbrecher seien nur geringfügig gewesen. Hätte die Staatsanwaltschaft nicht fälschlich Landfriedens. bruch angenommen, dann wäre die Sache vors Schöffen gericht gekommen und mit 6 oder 9 M. Geldstrafe gefühnt worden. Der Staatsantvalt erklärte, daß die An geklagten in vollem Umfange schuldig feien. Die gemein. schaftliche Mißhandlung sei identisch mit Mord. Der Lezirksleiter 3ernide vom Metallarbeiterverband friti- versuch. Eindringlich warnte der Staatsanwalt die Geschwore fierte den von der Firma eingenommenen Standpunkt und wies darauf hin, daß es von wenig sozialem Verständnis zeugt, wenn nen, die von der Verteidigung gestellte Frage der gemeinsamen die Firma neben einer Einschränkung der Arbeitszeit noch eine Körperverlegung zu bejahen, weil dann sämtliche Angeklagte Kürzung der Akkorde vornimmt. In der gegenwärtigen Zeit, in mangels eines Strafanirages freigesprochen werden müßten. Ob. der die Lebensmittelpreise, Mieten usto. gana gewaltig in die Höhe gleich die Verteidiger nochmals die Darstellung des Staatsanwalts getrieben sind, ist es eine rigorose Maßnahme, mit Löhnreduzie grausam serpflückten, bejahten die Geschworenen doch die Schuldrungen vorzugehen. Die feine Drohung, die aus dem Anschlag herauszulejen ist, wenn die Arbeiter mit dem Vorschlag ber Diret frage nach Landfriedensbruch, porauf zwei Angeklagte zu tion nicht einverstanden seien, sehe sich die Firma gezwungen, die je 1 Jahr, einer zu 9 Monaten, zwei zu 7 und einer zu 6 Monaten überzähligen Arbeiter zu entlassen, lasse ganz deutlich erkennen, Gefängnis verurteilt wurden. Ein Angeklagter wurde frei mit welchen Mitteln die Direktion ihre Absichten durchzudrücken gesprochen. beliebt. Entweder, ihr arbeitet zu den angebotenen Abzügen oder ein Teil von euch fliegt auf die Straße. Bei der gegenwärtigen Bon den mehr als acht Monaten Untersuchungshaft wurden Arbeitslosigkeit erscheint das Verhalten der Firma um so eigen einem Verurteilten 7, dreien je 6 und zweien je 4 Monate an tümlicher, weil bisher bei den Arbeitern die Meinung vorhanden gerechnet. Das Urteil erregt das größte Aufsehen. war, daß die Firma Orenstein u. Koppel zu denjenigen Firmen gezählt werden könne, die ein gewisses Berständnis für die soziale Lage ihrer Arbeiter habe. Durch diese neueste Maßnahme wird das joziale Verständnis der Firma grell beleuchtet. Wenn die Direktion mit dem Hinweis auf die angeblich hohen Verdienste, die erzielt In der Geschäftsstelle des Tertilarbeiterverbandes zu Neugers. feien, den Abzug zu begründen versucht, dann darf auch nicht verdorf( Sachfen) wurde auf Beschluß des Landgerichtes in Baußen geffen werden, darauf hinzuweisen, daß bei guter Geschäftszeit die Haussuchung abgehalten und eine große Anzahl gedruckter Lohn Noch an einer anderen Stelle hat er recht, am Schlusse seines Arbeitskraft bis zum äußersten ausgenutzt worden ist. Die Ar- tarife der Neugersdorfer Textilindustriellen beschlagnahmt. Die Artikels, wo er uns als den Wolf hinstellt, der ihn, das beiter wurden getrieben. Die Meister konnten nicht oft genug Beschlagnahme erfolgte auf Antrag der Unternehmer, die behaupteten, Lamm(!) Reghäuser verspeisen möchte.„ Bloß die Ver. wiederholen:" Nur die Maschinen heraus, Ihr könnt verdienen, durch die Drucklegung und Verbreitung der Lohntarife würden der speisungsszene," sagt er da, stößt auf Hindernisse." In der Tat. was Ihr wollt. Wir müssen liefern, sonst muß die Firma Kon Konkurrenz Fabrikgeheinmiffe(!) verraten. Das Verfahren stüzt Der bloße Gedanke an so etwas verursacht uns physisches Un- bentionalstrafe bezahlen." Nachdem die Arbeiter die Wünsche ihrer sich auf das Gesetz über den unlauteren Wettbewerb. Vorgesetzten, so weit es ihnen möglich war, erfüllt haben und nun behagen. Wir können uns Appetitlicheres vorstellen als Herrn die Arbeit nicht mehr so drängt, da wird ihnen unter Hinweis auf Reghäuserl den durch die Anspannung aller Kräfte erzielten Verdienst bedeutet, der Abzug ist gerechtfertigt, euer Verdienst war ja in der guten Beit hoch genug. Nun, die Arbeiter werden sich diese Stellung der Die organisierte Arbeiterschaft Bayerns hat für die Opfer des Firma zu merken haben. Aber nicht genug damit, daß den im Regensburger Landfriedensbruchprozesses eine Sammlung eingeAfford beschäftigten Arbeitern die 6 Proz. in Abzug gebracht werden, sollen auch die im Stundenlohn beschäftigten Arbeiter leitet, um die Familien der 42 Verurteilten und die Opfer der neben der Verkürzung der Arbeitszeit den Abzug über sich ergehen Aussperrung der Maghütte vor der größten Not zu bewahren lassen. Selbst an die im festen Wochenlohn stehenden Arbeiter ist man herangegangen und hat den Lohn kürzen wollen. Ganz un verständlich und rücksichtslos ist es, den Arbeitern, die in dem flotten Geſchäftsgang unter Umständen 14, 15 und 16 Stunden Letzte Nachrichten und Depefchen. Herr Rexhäuser beschwert sich über unsere Festnagelung feines Artikels Sozialdemokratische Salunken" und mimt auch hier das Lämmchen weiß wie Schnee". Gerade über diesen Punkt hätte Neghäuser am besten getan, zu schweigen, denn er ist ein Musterbeispiel für seine Kampfesweise gegenüber Sozialdemokraten. In cinem Artikel, betitelt Moralischer Meuchelmord" bom 5. November d. J., wettert Reghäuser auch gegen die Leipziger Boltszeitung" und gibt ihr den Rat, sich weniger um ihn als um jene sozialdemokratischen Halunken zu kümmern, die sogar in parteigenössischen Ehrenstellen sich befinden, welchen Elementen aber die Leipziger Boltszeitung" fein paar frümmt, weil sie Fleisch von ihrem Fleische sind". Wenn diese Worte einen Sinn haben sollen, doch gewiß den, daß unser Leipziger Bruderblatt ihm bekannte und nahestehende sozialdemokratische Halunken" decke. Von der„ Leipziger Volkszeitung" gestellt, erklärt jetzt Rerhäuser, er habe bei seinem„ Salunken"-Artikel nur einen Fall im Auge gehabt, wo ein Genoffe einen anderen als" Salunke" bezeichnet habe. Sollten nicht auch unter Buchdruckern schon Worte gefallen sein, die man lieber später nicht erwähnt? Was würde Herr Reghäuser fagen, wenn man diese in solcher Weise ausbeutet? An einer Stelle aber gefällt uns Herr Reghäuser, an der nämlich, wo er sagt: Schließlich sind die Redakteure des" Vorwärts" und der Leipziger Boltszeitung" so wenig die Sozialdemokratie wie ich der Buchdruckerverband bin." Bisher hat Herr erhäuser sich immer als den angegriffenen Verband ausgegeben. Wir wollen uns aber fein Zugeständnis für die Zukunft merken. Berlin und Umgegend. Achtung, Töpfer! Folgende Firmen sind hiermit wegen Tarifbruch gesperrt: Robert Dahlte, Golzstr. 10, die Bauten Bring Sandjerystraße, Rigdorf, und Richard Siebert, Nixdorf, Emier ftrahe, Bau Schudomasicaße, Rigdorf. Gleichzeitig weisen wir noch mals darauf hin, daß bei den Firmen Adameit u. Kreiß und Biechodi Wilde" arbeiten und die Kollegen somit diese Firmen ebenfalls zu meiden haben. Die Verbandsleitung. Tarifbewegung im Fleischergewerbe. Der Lohntarif als Fabrikgeheimnis. Die Solidarität der Arbeiter. arbeiten mußten, die, wenn es notwendig erschien, Sonntags und an den Feiertagen an die Arbeit mußten, ohne eine besondere BeZum Frauenftimmrecht in England. zahlung dafür zu erhalten, jebt, wo eine Stunde täglich weniger London, 5. Dezember.( W. T. B.) Bei einer heute in der gearbeitet wird, anzubieten, sich Abzüge gefallen zu lassen. Mit Die organisierten Fleischergesellen Berlins stehen in einer dem sozialen Verständnis der Firma ist es nicht weit her, das Alberthalle abgehaltenen Versammlung des liberalen Frauenbundes Tarifbewegung. Da die Fleischerinnung sich noch niemals in Ver- haben die Arbeiter mit dieser Aktion deutlich zu spüren bekommen. hielt Schatzkanzler Lloyd George eine zu Beginn von den Anhängerinnen handlungen mit der Gesellenorganisation einließ, ja diese sogar Der Agitationsbeamte des Gewerkvereins der Maschinenbauer des Frauenstimmrechts häufig unterbrochene Rede, in der er versprach, ohne Antwort ließ, der Gesellenausschuß aber in seiner unsterb- und Metallarbeiter, Jordan, ergänzte die Ausführungen zer- daß in die Wahlreformvorlage der Regierung eine das Frauenlichen Meistertreue" sich weigert, die Interessen der organisierten ni de 3 mit dem Hinweis darauf, daß die Abzüge keineswegs da- stimmrecht betreffende Bestimmung aufgenommen werden solle. Gefellen bei der Innung zu vertreten, hat die Organisation be- mit begründet werden können, die Firma müsse der Konkurrenz Wenn das Oberhaus diese Bestimmung ablehne, so werde das einen schloffen, die Forderungen den Meistern und zwar bezirksweise wegen die 6 Proz. Abzug machen. Nach eingezogenen Erkundi- der Programmpunkte der Regierung bei einem etwaigen Appell an direkt zuzustellen und diese binnen acht Tagen um Antwort gungen betrage der Abzug rund 250 M. in 14 Tagen. Betroffen das Land bilden. Die Auflösung des Parlaments liege nicht so weit zu ersuchen. Wo keine Antwort eingeht, werden Vertreter des werden davon rund 130 Arbeiter. Für den einzelnen Arbeiter ist im Felde, als manche Leute dächten. Zentralverbandes persönlich vorstellig. der Ausfall von 1-2 M. wöchentlich schon immerhin eine recht M. Erdbeben. Während hierbei ein Teil Fleischermeister den Beauftragten empfindliche Lücke in seinem Haushaltsetat. Dagegen könne diese des Zentralverbandes anständig entgegengekommen ist und wenn geringe Summe für die Firma gar nicht in Betracht kommen. auch erst nach längeren Auseinandersetzungen- die Forderungen Es ist undentbar, daß bei einem Ausfall von 6250 m. jährlich, den Meffina, 5. Dezember.( W. T. B.) Jn Galati di Tor. anerkannt, kann das von dem anderen Teile gerade nicht gesagt die Firma durch den Abzug gewinne, die Konkurrenzfähigkeit der torici famen gestern und heute starke Erdstöße vor, durch die werden. Recht kurz und barsch, in keineswegs begründeter Weise, selben in Frage gestellt werden kann. Diese Summe stelle faum die Kirche und eine Anzahl Hänser beschädigt wurden. um den Herr- im- Hause- Standpunkt" zu wahren und die Gesellen die Hälfte der Tantieme eines Aufsichtsratsmitgliedes der Firma, unbegrenzt arbeiten zu lassen, solange es eben ihnen gefällt, die dieselben pro Jahr erhalten, dar. Diese 6250 M. können in erfolgt die Erklärung: Das unterschreibe ich nicht. Ich dem Etat der Firma gar keine Rolle spielen und steht demnach fest, will Herr im Hause bleiben". Aehnlich lauten andere daß die Firma jcht die Zeit für gekommen hält, um die Löhne herabzusehen. Antworten. Berantw. Redakt.: Carl Wermuth, Berlin- Nigdorf. Inferate verantw.: Zb. Glode, Berlin. Drud u.Verlag: Borwärts Buchdr. u. Berlaasanftalt Baul Singer& Co., Berlin SW Hierzu 7 Beilagen. lt. 286. 23. Jahrgang. 1. KcilM des.Hmsrls" Knlmr NslksdlsT 5onillllg. 6. Deplbtt 1908. Reichstag. t? 7. EitzungvomSonnabend, den S. Dezember» vormittags 11 Uhr. Am Bundesratstisch: Sydow. v. Tirpitz, Dernburg. Dr. Nieberding, v. Schoen, v. Bethmann-Hollweg, v. Einem. Auf der Tagesordnung steht die erflte Beratung des Etats Tn Verbindung mit dem Besoldungsgesetz und einem Nach- tragsetat für 1908 zur Vorbereitung der Einrichtung des oft asiatischen Marinedetachements.(118 600 M.) Reichsschatzsekretär Sydow: Zunächst einige Worte über den Abschluß des Etats für 1997 und den vermutlichen Abschluß des laufenden Jahres. Das Jahr 1907 schließt mit einem Defizit von 13 800 000 M. Das erscheint um so bedeutsamer, als nicht unerhebliche Mehreinnahmen vor- banden waren, z. B. aus den Zöllen allein 44 Millionen Mark. Aber die Fahrkartensteuer ist um 12 Millionen, die Erbschaftssteuer um 9 Millionen, die Erträge für die Witwen- und Waiscnversiche- rung um bVa Millionen hinter dem Voranschlag zurückgeblieben. Das laufende Jahr wird voraussichtlich mit einem Defizit von 112-4 Millionen Mark über das errechnete Defizit hinaus schließen. Ter Hauptgrund dafür ist das Zurückbleiben der Ein- nahmen hinter den Voranschlägen. Diese Mindereinnahmen be- tragen 134 Millionen Mark: allein bei den Zöllen 87� Millionen Mark, bei der Erbschaftssteuer 12 Millionen, bei der Post- und Tclegraphenvcrwaltung 8�, bei der Reichseisenbahnverwaltung Vi Millionen Mark. Ich komme jetzt zum Etat für RS«». Die Aufgabe, einen Etat aufzustellen, ist in diesem Jahre schwieriger gewesen als früher, zumal da die Ausgaben für die Marine in- folge des Flottengesetzes sich erheblich steigern muhten. Etwas er- leichtert wurde uns die Aufgabe durch den Erlaß des Herrn Reichs. kanzlers an die Ressorts, der möglichste Sparsamkeit empfiehlt. Die Wirkung dieses Erlasses kann sich selbstverständlich nicht von einem Etat auf den anderen bemerkbar machen. Jedenfalls sind in Ver- folg dieses Erlasses in diesem Etat neue Stellen überhaupt nicht auf- genommen worden, soweit nicht ein Rotstand vorlag. Zweitens sind neue, mit Ausgaben verbundene Unternehmungen in diesem Etat nicht gebracht, und drittens ist bei Neubauten jede erste Rate beanstandet worden, soweit nicht ein Notstand aus der Verzögerung hervorgehen würde oder ganz besondere Gründe vorliegen. Das ostasiatische Besatzungsdetachement ist aus der Anleihe in den Ordentlichen Etat hinübergewandert und dem Marineetat, durch Anglrederung an die Besatzung von Kiautschou, zugeteilt. Dadurch werden, wenn auch nicht gleich, etwa 459 090 M. erspart werden. Das Gesamtergebnis ist, daß der Etat-für 1909 gegen den Voranschlag für 1998 eine Verschlechterung von 89,8 Millionen auf- weist. Dabei kommen aber eine Reihe von Posten in Betracht, die sich vollständig der Einwirkung der Finanzverwaltung oder des Reichstags entziehen: Die erhöhte Quote für Schuldentilgung, Teuerungszulagen und Defizit von 1997.— Die Mindereinnahmen betragen 41�- Millionen. Gerade diese Mindereinnahmen drücken schwer auf den Etat. Andererseits ist es ja bekannt, daß die Marineverwaltung durch das Flottengesetz zu großen Mehrausgaben im Jahre 1999 gegenüber dem Jahre 1998 genötigt ist. Der Redner geht nun zu den einzelnen Etats über. Der Hceresetat weist diesmal ein etwas erfreulicheres Bild auf. An den ein- maligen Ausgaben sind 28 Millionen Mark gespart. Freilich sagt man: Ja, aber an den dauernden Ausgaben ist nicht gespart. Aber auch die einmaligen Ausgaben sind dauernde, nur daß die einzelnen Posten variieren. Jedenfalls ist es gelungen, zum ersten Male seit zehn Jahren den Etat der Heeresverwaltung niedriger zu gestalten als im Vorjahre. Für den Marineetat ist das aller- dings nicht der Fall.— Ein erfreuliches Gesicht zeigt der Etat des Kolonialamts, weil die Zuschüsse zu den Schutzgebieten um 13VH Millionen Mark zurückgegangen sind. In Süd-Afrika ist eine Verminderung der Besatzung um 1499 Mann vorgesehen. Der Etat des Neichsschatzamts zeigt gegenüber dem Vorjahr eine Mehrausgabe von über 22 Mil- lionen Mark, bor allem wegen der beschlossenen Ausprägung neuer Silbermünzen, die zur Verstärkung der Betriebsmittel des Reiches benutzt werden sollen. Auch der außerordentliche Etat ist günstiger als im Vorjahre, indem 293 statt 209 Millionen auf Anleihe zu nehmen sind. Höchst unerfreulich ist aber, daß nicht weniger als 099 Millionen Mark ausgegeben werden müssen. Die Matrikularbeiträge sind auf 420 Millionen Mark angeschwollen. Wenn diese Summe auch erst in drei Jahren oder später auf die Einzelstaaten abgewälzt werden soll, so ist doch die Frage aufzuwerfen, wie diese Quote bezahlt werden soll.— Ich wende mich nun zu dem Besoldungsgesetz Die Regierung wünscht damit die berechtigten Wünsche der Beamten zu erfüllen, soweit es die Finanzlage des Reiches ge- stattet. Vor zwei Jahren sind nur einige Kategorien von Beamten bessergestellt worden, die allgemeine Regelung mutzte wegen der ungünstigen Finanzlage verschoben loerden. Bei der jetzt vor- genommenen Regelung kommen allerdings die höheren Beamten schlecht weg; höhere Beamte sind nur in Ausnahmefällen auf. gebessert, die unteren und mittleren um Beträge bis zu 299 M. Im ganzen entfallen auf die unteren Beamten 52'/h Proz., mehr als die Hälfte der ganzen Summe, auf die mittleren 43� Proz., auf die höheren nur 4 Proz. Beabsichtigt ist ferner vor allem eine Erhöhung der Mannschaftslöhnc bei Heer und Marine. Auch für die Besoldungen ist diesmal die Form des Gesetzes gewählt worden. Im übrigen ist alles, was bisher der Verwaltung vor- behalten war, ihr auch weiter vorbehalten worden. Bei den Wohnungsgeldzuschüssen konnten die ganzen Teuerungsverhältnissc im einzelnen unmöglich berücksichtigt werden. Es sind lediglich die von den Beamten gezahlten Mieten zugrunde gelegt worden. Bei den Tarifen ist von einer Differenzierung verheirateter und unverheirateter Beamten abgesehen worden. Man mühte dann logischcrweise den verheirateten Beamten auch höhere Gehälter zahlen. Ich glaube nicht, daß ein Anreiz zum Heiraten in dieser Differenzierung liegen würde. Für die Beamten, die sonst nicht heiraten wollten, dürfte die Prämie als Risikoprämie zu gering sein.(Große Heiterkeit.) Im ganzen beträgt die Summe für Er». höhung der Gehälter und Wohnungsgeldzuschüsse 47 Millionen, mit Zuwendungen für Diätare und Pensionen 81 Millionen, die sich bis 1913 auf 199 Millionen steigern werden. Nicht eingerechnet sind dabei die Mehrleistungen für Erhöhung der Löhnungen der Mannschaften.— Nach alledem wird man nicht sagen können, daß das Reich in der Fürsorge für seine Beamten knauserig gewesen ist. Freilich weiß ich, daß die Beamten nicht zufrieden sind, ja, es ist das Wort gefallen: Lieber nichts als das! Die Regierung kann aber nur so weit Verbesserungen der Besoldungen zustimmen, als die Mittel zur Deckung vom Reichstag bewilligt werden. Man kommt schließlich auf das Problem, ob man den Beamten auf Kosten der übrigen Bevölkerung mehr bewilligen will und welche Gruppe größere Berücksichtigung verdient. Viele Zuschriften betonen, man möge Maß halten in den Beamtenbesoldungen, denn gerade die rückläufige Konjunktur beweise, �wieviel besser es die Beamten da- durch haben, daß sie von den Schwankungen der Konjunktur un° abhängig sind. Schließlich bemerke ich: Der Etat für 1999 ist aufgestellt, als ob es keine Finanzreform und keine Beamtenbesoldungsvorlage gäbe. Kommen beide Vorlagen zur Verabschiedung, so wird es nachher ein leichtes sein, durch einen Nachtragsetat nur formeller Natur die beiden Vorlagen in den Etat einzuarbeiten.(Bravo!) Abg. Speck(Z.): Der Etatsabschlutz für 1999 hat meine Freunde etwas ent- täuscht. Wir hatten erwartet, daß die schönen Worte von Spar- samkeit zu größeren Abstrichen geführt hätten.(Sehr richtig! im Zentrum.) Vor allem müssen wir verlangen, daß ein Etat auch richtig ist. Der vorliegende Etat aber erscheint k ü n st l i ch in seinen Ausgaben herabgcdrückt. Zum Beispiel die Minderausgabe für Naturalverpflcgung beim Militäretat erscheint um so weniger wahrscheinlich, als im Marincetat derselbe Posten erhöht worden ist!(Hört! hört!) Die Folgen solcher anscheinen- der Ersparnisse werden nachher große Etatsüberschreitungen sein. (Sehr richtig!) Ich hätte Ersparnisse gewünscht bei der Vergebung von Lieferungen. Aber auch jetzt ist wieder bei der Vergebung z. B. von Maschinengewehren nur eine Firma berücksichtigt worden! (Hört! hört!) Der Marineetat weist auf der ganzen Linie ein Mehr auf, das auf der Durchführung des Flottengesetzes beruht. Es würde sich vielleicht empfehlen, mit dem Flottenbau etwas langsamer vor- zugchen.(Lebhaftes Sehr richtig!) Es ist bedauerlich, daß unsere Regierung kein Entgegenkommen gezeigt hat, als von anderer Seite eine Einschränkung der Flottenrüstungen nahegelegt wurde.(Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten und im Zentrum.) Auch aus technischen Gründen sollte man nicht sofort immer viele Schiffe nach dem neuesten Typ bauen, sondern einen Typ erst sehr vor- sichtig ausprobieren, wie es bei den Unterseebooten geschehen ist, wie es auch England beim Treadnought-Typ getan hat. Eine solche Verlangsamung im Schiffsbau würde auch einen sehr günstigen Eindruck auf das Ausland machen. Der Etat der Kolonialverwaltung ist ja günstig, indem er einen Minderbedarf von 25 Millionen aufweist. Mit besonderer Gc- nugtuung begrüßen wir die Verminderung der Schutztruppe auf 2599 Mann.— Sie werden das begreiflich finden.(Lebhafte Zu- stimmung im Zentrum.) Wir halten aber eine w c it e r e Herab- setzung dieser Schutztruppe für möglich. Für sehr bedenklich halte ich die Vereinigung des ostasiatischen Detachements mit der Ver- waltung von Kiautschou: dadurch bereitet man das Detachcment als eine dauernde Einrichtung vor, das Detachemcnt wird einfach zu einer Verstärkung der Besatzung von Kiautschou werden.— Während alle anderen Staaten ihre Besatzungen in Ostasien rcdu- zieren oder ganz zurückziehen, halten wir eine Besatzung von 799 Mann aufrecht. Bei kriegerischen Verwickelungen können diese, 799 Mann gar nichts nützen, ihre Zurückziehung würde angesichts der jüngsten Vorgänge unsere Situation erheblich erleichtern. (Sehr richtig! im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) Unsere großen Betriebsverwaltungen decken nicht einmal ihre Ausgaben. Wenn man die einmaligen und außerordentlichen Aus- gaben zu den Ausgaben rechnet,— und sie kehren ja alle Jahre wieder— so schließt auch die Post- und Telegraphenverwaltung mit einem Defizit ab! Die Postverwaltung sollte unter solchen Umständen an eine Erhöhung der Einnahmen denken; es könnte eine Reform der Telcphongebühr vorgenommen werden nach dem Prinzip von Leistung und Gegenleistung; man muß doch zugeben, daß das Telephon wesentlich den Städten, nicht dem flachen Lande zugute kommt, da» in gleicher Weise zu den Kosten beiträgt. Die Reichseiscnbahnverwaltung schließt zwar mit einem Plus von 9,7 Millionen Mark ab. aber die Erhöhungen der Beamten- besoldungen sind dabei noch nicht berücksichtigt. Durch die Unheil- volle Wirkung der Ringbildung sind Scknenen im Auslande billiger zu kaufen, als im Jnlande; deshalb sollte auch die Reichseisen- bahnvcrwaltung ihren Schienenbedarf in Belgien decken. Die Verzinsung der Reichsschulden erfordert einen Mehrbedarf von 10 Millionen Mark. Dabei beträgt unser Anlcihcbcdürfnis im künftigen Frühiahr 001 Millionen Mark. In dem Augenblick, in welchem wir von verstärkter Schuldentilgung sprechen, wollen wir auf dem Anleihemarkt mit einer Forderung erscheinen, die alles Frühere übertrifft! Den Zweck der Ausführungen des Schatzsckretärs über den Fonds zur Witwen- und Waisenversichcrung habe ich nicht recht verstanden. Meine Freunde werden darauf bestehen, daß dieser Fonds seinem Zwecke nicht entfremdet wird.(Zustimmung im Zentrum.) Die Ursache des Mißerfolges der Fahrkartensteuer erblicke ich nicht in dieser Steuer selbst, sondern in der Tarifreform, welche die dritte Klasse so verbilligt hat, daß eine starke Abwanderung dorthin eingetreten ist. (Der Reichskanzler Fürst Bülow betritt den Saal.) Auch bei der Tanticmcsteuer ist ein Rückgang eingetreten. Das be- leuchtet in eigentümlicher Weise die neuliche Bemerkung des Äb- geordneten Schräder, daß die besitzenden Klassen sehr gern Steuern zahlen.(Große Heiterkeit.) Aitf Einzelheiten der Besoldungsvorlage gehe ich nicht ein. das wird in der Kommission geschehen. Eine Aufbesserung der Gehälter der unteren und mittleren Beamten erscheint uns notwendig; bei den oberen Beamten ist uns das zweifelhaft. Keinesfalls werden wir im Gesamtbetrage über hundert Millionen Mark hinausgehen. Noch eine Bemerkung zu der Rechnung für 1997. Sie zeigt, wie sorgfältig in unserem Auswärtigen Amt gerechnet wird: Im Kapitel 5 ist dort eine Minderausgabe von einem Pfennig verzeichnet!(Heiterkeit.) Dieser Pfennig wird noch erhebliche Debatten hervorrufen; denn wenn der Beamte, der ihn zu wenig bekommen hat, ihn nun nachfordert, so mutz er in der Rechnung wieder erscheinen, und zwar als außerctatsmäßige Aus- gäbe.(Große Heiterkeit.) Wäre man nur bei der Kolonialverwal- tung mit solcher Genauigkeit vorgegangen, so hätte man bessere Resultate erzielt.(Heiterkeit und Sehr gut!) Unter den außer- ctatsmätzigen Ausgaben erscheinen 275 999 M. als Entschädigung für die bei der Beschießung von Casablanca geschädigten Reichs- angehörigen. Mit Befriedigung haben wir vernommen, daß diese Streitfrage auf dem Wege dcö Schiedsgerichts geregelt werden soll und ich glaube als Sprachrohr des ganzen deutschen Volkes zu sprechen, wenn ich sage, die ganze Marokkoaffäre möge auf dem Wege des Schiedsgerichts in einer das Ansehen des Reiches nicht schädigenden Weise erledigt werden.(Lebhaftes Bravo!) Mit großer Befriedigung haben wir auch gesehen, daß das Reich endlich an die Seite unseres Bundesgenossen, unseres treuen Verbündeten von Algeciras getreten ist.(Bravo! im Zentrum und bei den Nationalliberalen.) Die Etatsüberschreitungen und die außeretatsmäßigen Ausgaben sind in den letzten Jahren sehr groß geworden; sie betragen 1995 28 Millionen, 1997 bereits 51� Millionen. Das beweist die Unzulänglichkeit des Bewilligungsrechts des Reichstags.(Sehr richtig!) Bewilligen wir solche Etatsüber- schrcitungcn nicht, so werden sie einfach in den Uebersichten fort- geführt, bis sich ein Reichstag findet, der sie billigt. Verantwortlich dafür ist der Reichskanzler, seine Verantwortlichkeit muß daher fester umschrieben und unser Budgctrecht gesichert werden. Wir halten es für angebracht, diesmal den ganzen Etat an die Budget- kommission zu verweisen. Möge eS der Kommission gelingen, die Sparsamkeit zu betätigen, von der man so viel gesprochen hat. (Bravo! im Zentrum.) Abg. Bassermann(natl.): Gegen den Antrag, den ganzen Etat an die Kommission zu verweisen, haben wir Bedenken.— Was den Etat anlangt, so erkennen wir an. daß das Bestreben zur Sparsamkeit in ihm zutage; tritt. Die Einnahmen aus den Zöllen sollten vorsichtig kalkuliert j werden, damit nachher nicht Enttäuschungen eintreten.(Sehr richtig!) Zum Reichsvereinsgesetz liegen zwei Interpellationen vor. Ich will darauf nicht eingehen, darüber kann aber kein Zweifel sein, daß in der Ausführung dieses Gesetzes große Miß- griffe, ja Gesetzesverletzungen vorgekommen sind.(Hörtk hört! links.) Wir erwarten, daß bald die Auffassung des Reichs- amts des Innern in dieser Frage klargelegt und dadurch Be- ruhigung geschaffen wird.— Erfreulich ist die Einführung des Zehnpfennigtarifs für den Briefverkehr nach Amerika. Die gleiche �rinäßigung sollte auch für die uns benachbarten Staaten ein- geführt werden.(Sehr richtig! links.) Im Militäretat wünschen wir in der Berücksichtigung der technischen Fortschritte keinen Rück- gang. Der Dienstbarmachung der Luftschiffahrt für militäriscbe Zwecke wird erfreulicherweise Aufmerksamkeit geschenkt. Vielleicht kann auch hier, wie bei den Automobilen, die Privakindustrie durch Subventionen herangezogen werden. In der Frage der zweijährigen Dienstzeit bei den berittenen Waffengattungen stehen wir auf dem Standpunkte der Militärverwaltung.(Hört! hört! links.) Ein Jahr lang müssen die Leute reiten lernen, im zweiten lernen sie ihre übrigen Aufgaben und im dritten Jahre werden sie gebraucht, um die jungen Rcmonten cinzureiten. Freiwillige würden sich für diesen Zweck nicht genügend finden und auch zu teuer werden. Zu großen Ersparnissen beim Militär, zu Reduktionen der Truppenstärke ist der gegenwärtige Moment sicher am ungeeignetsten.(Sehr richtig! rechts.) Wir können im Gegenteil froh sein, daß unser Heer auf die Stärke und in den Stand gebracht worden ist, die es jetzt besitzt.(Bravo! rechts.) Bei der Besetzung der BczirkskommandoS sollte bei der Auswahl der Personen sehr vorsichtig vorgegangen werden, da immer wieder Klagen laut werden über die Behandlung von Reservisten usw.— Ich komine zum Marincetat. Die deutsche Flotte wird ja immer in Zusammenhang gebracht mit der englischen. Uebcr die Gc- sinnungcn des deutschen Volkes gegenüber England kann nach den letzten Debatten kein Zweifel sein. Bei der Anregung, die der Ritter des Schwarzen Adlcrordcns in England(Heiterkeit), Lord Roberts, letzthin im Oberhause vorgebracht hat, ist ein großes Mißtrauen gegenüber Deutschland zutage getreten— der Gedanke einer Invasion ist natürlich nichts als Phantasie. Die Ansammlung so großer Truppenmassen wäre in London in zwei Tagen bekannt und ihre Einschiffung nach England, zu der soviel Schiffe ge» hörten wie wir gar nicht haben, wäre angesichts der Stärke der englischen Flotte größter Leichtsinn. Der englische Kriegsminister hat ja ebenfalls eine solche Invasion als Phantasie, als Illusion bezeichnet. Wie stark die Engländer ihre Flotte, ihre Armee gc» stalten wollen, ist ihre Sache, darin mischen wir uns nicht, die Zahlen aber, die im englischen Oberhause über die deutschen großen Schiffe gegeben worden sind, sind unrichtig. Die englische Flotte ist der unsrigcn ganz kolossal überlegen. Einer Festlegung des gegenseitigen Flottcnbcstandes glauben wir widerraten zu müssen. Das würde für uns eine Kapitulation vor England bedeuten, cS wäre dasselbe, als wenn ein ausgewachsener Mann dem Knaben das weitere Wachsen verbietet. Auch nimmt ja England keinen Anstoß an der viel stärkeren Vermehrung der amerikanischen Flotte. Wir können immer nur betonen, daß unser Flottenbau lediglich friedliche Zwecke verfolgt.— Herr Speck hat sich auf den Admiral Galster dafür berufen, daß der Bau der Flotte verlangsamt werden könne. Wir stehen demgegenüber auf dem Boden des Flottcngesetzes, wie wir andererseits auch den Anregungen des Flottenvereins auf Beschleunigung unseres Flottenbaus nicht zustimmen. Wir erwarten, daß nur unter genauer Beob» achtung aller Erfahrungen im russisch-japanischen Kriege an den Bau der großen Typs gegangen wird. Jedes Schwanken dem Auslande gegenüber sollten wir aber vermeiden, das kann unser Ansehen nur schädigen.(Sehr richtig! rechts.) Noch ein Wort über das Abkommen zwischen Japan und Amerika. Unser Aus- wärtigcs Amt hat den Abschluß dieses Vertrages mit Freuden begrüßt. Die Garantie der offenen Tür und Integrität Chinas ist ja auch gewiß in unserem Interesse nur zu begrüßen. Wie ist dieser japanisch-amerikanische Vertrag aber eigentlich zustande gekommen? Das mächtige Aufgebot der amerikanischen Flotte hat den Japanern imponiert. Wir sehen, wie hier die Vermehrung der maritimen Machtmittel für den Frieden gewirkt, eine starke Flotte sich als Friedensinstrument bewährt hat.(Hört! hört! rechts und bei den Nationalliberalen.) Was den Kolonialetat betrifft, so wissen wir von Herrn Dernburg, daß Deutsch-Südwcstafrika Diamantenfelder von ungc» ahnter Ausdehnung enthält.(Lebhaftes Hört! hört! rechts und bei den Nationalliberalen.) Bei allen unseren Kolonien, mit einziger Ausnahme von Kiautschou, ist ein erfreulicher Rückgang der Aus». gaben zu verzeichnen.— Redner bittet die Regierung, dem Schul.' Wesen in den Kolonien, besonders in Ostafrika, erhöhte Auf, merksamkeit zuzuwenden und verlangt Auskunft über die jüngsten Kämpfe in Kamerun.— Bei der Auswahl der Arbeiterkommissare soll gewiß billige Rücksicht auf die eingeborene Bevölkerung, aber auch auf die weißen Kolonisten genommen werden, die in Ostafrika nicht durchweg von Vertrauen gegenüber dem Gouvernement erfüllt sind. In den letzten Tagen hat man viel von Sparsamkeit geredet. Man hat gesagt, unsere schlechte Finanzlage sei durch maßlose Ver- schwendung auf allen Gebieten herbeigeführt. Das ist eine starke Uebertreibung. Die Ausgaben für unser Heer und unsere Flotts waren notwendig, und wir würden diese Ausgaben genau so bewilligen, wenn sie heute gefordert würden. Beim Sparen muß vor allem das Beispiel wirken, und da muß man sagen, daß für das viele Festefeicrn jetzt nicht Zeit ist. Es erweckt auch ein falsches Bild: Dieses Jubeln auf den Straßen entspricht vielfach nicht der wirklichen Meinung des Volkes.(Sehr wahr!) Ein schwerer Verlust für das Auswärtige Amt war das Aug« scheiden des Herrn v. Holstein, der durch seine Sachkenntnis sehr nützlich war. Der Unterstaatssekretär ist nicht geeignet zur dauern- den Vertretung des Staatssekretärs. Aber vielleicht sollte man einen Direktor im Auswärtigen Amt schaffen als den ruhigen Pol in der Erscheinungen Flucht.(Heiterkeit.) Die periodische Einberufung des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten könnte zu einer zuweilen unangenehmen Kontrollierung des Reichs- kanzlers führen; bei den Vorgängen der letzten Zeit hat sie aber zur R ü ck e n st ä r k u ng t>es Reichskanzlers gedient.— Erspar- nisse können gemacht werden durch Zurückziehung der Gesandt- schaften, die von deneinzelnen Bundesstaaten sogar im Ausland unterhalten werden, was leicht zu einer Hemmung für die auswärtige Politik führen kann.(Zuruf rechts: Das geht den Reichstag nicht an!) Wir haben hier doch über die Matrikular- beitrüge zu bestimmen.(Lebhafte Zustimmung bei den National- liberalen.) Unsere Diplomatie leidet an einer zu starken Uebcr- schätzung der juristischen Vorbildung. Auch sorgen andere Staaten besser für Verwendung jugendlicher Kräfte, während bei uns durch Examina usw. viel überschüssige Kraft verbraucht wird.(Sehr richtig!) Redner wendet sich der Marokkofrage zu, erwähnt das neueste französische Gelbbuch und das Vertrauensvotum für Pichon. Das war begreiflich bei dem Sieg der französischen Diplomatie in der Easablancafrage. Wir freuen uns über die zähe Vertretung der deutschen Interessen durch die Regierung, die durchaus keinen aggressiven Charakter trug. Das hat sogar der„Vorwärts" an- erkannt.(Hört! hört!)— In bezug auf die Beurteilung der Casablanca-Afsäre schließt sich Redner wesentlich den Ausführungen des Abg. Speck an. Deutschland hat nachgegeben, weil aus dem Bericht des sranzösischm Polizeikommissars hervorging, daß der Tatbestand ein bestrittener war. Der Vorschlag, die Angelegenheit dem Schiedsgericht zu unterbreiten, ist von Deutschland ausgegangen. In der Tat ist diese Affäre ein geradezu typisches Objekt für die Tätigkeit des internationalen Schiedsgerichts..(Sehr richtig!� Zu feit schwersten Besorgnisseit feku gerafe in fen letzten S'öfien die orientalischen Wirren geführt, man hat sogar von einer Gefährdung des Weltfriedens gesprochen. Wir haben es stets ge- ibilltgt, daß die deutsche Politik darauf ausging, die Integrität der Türkei aufrechtzuerhalten. Niemals konnte es allerdings die Auf- gäbe Deutschlands sein, das absolutistische Regiment in der Türkei aufrechtzuerhalten. Wenn der Sultan in rascher Entschlossenheit und klarer Erkenntnis die Hand bietet zur Einführung der Kon- stitution in der Türkei, so kann das von jedem Deutschen nur auf- richtig begrüßt werden. Zuzugeben ist, daß Deutschland durch die neuen Verhältnisse schwer geschädigt worden ist, wenn wir auch zweifellos nicht alle Sympathien verloren haben. Jedenfalls scheint unsere Sympathie dem neuen Regime nicht so schnell bekannt- gegeben zu sein, wie seitens Englands und Frankreichs. Der deutsche kLotschafter weitle in den lritischen Tagen fern bvn Konstanti- Nvpel.(Hört! hört!) ES mag sein, daß er, wie mancher andere, von den Umwälzungen überrascht worden ist, obwohl das eigentlich nicht recht bcgreislich ist.(Sehr wahr!) Die Vorbereitung solcher Umwälzung kann nicht ganz geheim geschehen, um so weniger, als ja 700 türkische, in Europa gebildete Offiziere über die Türkei der- teilt waren. Noch erstaunter war man in Deutschland, daß der Botschafter nicht sofort auf seinen Posten zurückkehrte. Es sind auch andere schwerwiegende F'agen hinzugetreten: die Unabhängig- keitserklärung Bulgariens und die Annexion Bosniens und der Herzegowina. Auch hier war Deutschland nicht orientiert. Dabei konnte jeder Reisende in Bosnien sehen, was dort beabsichtigt wurde. Angesichts der Erregung über diese Borgänge in der Türkei muß man doch fragen, ob nicht eine vorherige Verständigung mit der Türkei möglich gewesen wäre, zumal doch die mazedonische Frage dadurch zum Verschwinden gebracht ist. Eine Konferenz kann sehr wohl zur Erhaltung des Friedens beitragen, aber sie kann ihn auch ebensowohl gefährden. Wir wollen hoffen und wünschen, daß der Weltfrieden erhalten bleibt und daß die unverantwortlichen Kriegshetzer ihr Ziel nicht erreichen. Hierin gehen Frankreichs und Deutschlands Interessen Hand in Hand. Herr Speck hat auch von unserem Verhältnis zu Oesterreich ge sprechen. Der Friede kann nur aufrechterhalten werden, wenn wir Schulter an Schulter mit Oesterreich stehen, zumal in einer Zeit, in der es den Anschein hatte, als sollte ein Kesseltreiben gegen Oesterreich eröffnet werden. Wie notwendig der Dreibund als Friedensmstrument ist, zeigt auch der Umstand deutlich, daß die jüngsten Debatten in der italienischen Kammer mit einem Ver- trauensvotum für den Minister Tittoni schloffen. Wie groß aber auch unsere Freundschaft für Oesterreich ist, so haben uns mit tiefem Bedauern die Exzesse in Prag erfüllen müssen.(Lebhafte Zustimmung.) Leider hat eS sehr lange gedauert, bis die Polizei energisch eingriff, so daß es zur Verhängung des Standrcchts kam. Wenn wir Oesterreich in schweren Stunden unterstützen, müssen wir auch verlangen, daß unseren Angehörigen, wo eS auch sein möge, genügender Schutz gewährt werde. Wir hoffen und wünschen, daß es das Auswärtige Amt in dieser Beziehung an der nötigen Energie nicht hat fehlen lassen. Die internationale Lage erfordert ein außergewöhnliches Maß von Geschicklichkeit unserer Diplomatie. Es vollzieht sich eine Neugruppierung der Mächte. Wemr England sich mit Rußland� verständigt, so ist das angesichts der wachsenden Erregung in Indien verständlich. England trägt mit seinen Bund- nissen ein System der Unruhe in die Welt(Ähr richtig!), zumal wenn der Eindruck erweckt wird, daß es darauf abgesehen ist, Deutschland zu isolieren und wirtschaftlich zu schädigen.(Sehr ricktig l bei den Nationalliberalen.) Wirtschaftliche Gesichtspunkte sind es auch, die Italien näher an Rußlanb führen, ebenso wie wirtschaftliche Fragen das Anlehnungsbedürsnis Frankreichs an Rußland erklären. In Amerika und Japan erheben sich neue junge Riesen, und selbst in China und Persien künden sich die Geburis- wehen einer neuen Zeit an. Eine solche Lage erfordert e r st e Kräfte in unserer Diplomatie, die ein hohes Gefühl der Ver- antwortlichtcit besitzen. DaS deutsche Volk hat alle Veranlassung, seine volle Aufmerksamkeit auch der auswärtigen Lage zuzuwenden. Mit seltener Einmütigkeit hat seine Vertretung, das deutsche Parlament, in den letzten Tagen die innere Politik besprochen. Diese Einmütigkeit der Nation bietet uns auch d-ie Gewähr, daß das deutsche Volt in jeder Lage, die von außen droht, einig sein und ihr in vollem Umfange gewachsen sein wird.(Lebhaftes Bravo! bei den Nationalliberalen.) Abg. Scheibemann(Soz.): Der Herr Reichskanzler hat vor wenigen Wochen hier eine schöne Rede über die Sparsamkeit gehalten. Wir kennen aber auch ans früherer Zeit einen Ausspruch von ihm, welcher lautete: Ich bin kein Konsequenzenmacher. Dieser Ausspruch ist jedenfalls der richtigere gewesen(Heiterkeit), denn wäre der Reichskanzler ein Konsequenzenmacher, so hätte er uns diesen Etat nicht vor- legen können, der sich darstellt als eine keineswegs lustige Parodie auf seine Sparsämteitsrede.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- traten.) Herr Erzberger hat bor einigen Tagen schon betont, daß die vorhandenen Abstriche niemand täuschen können, da dort, wo Abstriche gemacht worden sind, in absehbarer Zeit Nachforde- rungen erhoben werden müssen. Die Ausgaben für Heer, Warine, Kolonien, Schuldentilgung, ReichsinvalidenfondS, allgemeine Pensionsfonds betrugen 18S3 noch 790 Millionen, während sie heute aus 1578 Millionen gestiegen sind.(Hört? hört! bei den Sozialdemokraten.) Unzweifel. hast sind eine Quelle unseres Finanzelends die ungeheuerlichen An- forderungen des Heeres, der Marine und des Kolonialetats.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Eine Position deS Etats können auch meine Freunde mit großer Genugtuung begrüßen, nämlich die Erhöhung deS Soldes der Soldaten. Wir wollen bei dieser Gelegenheit nur die Hoffnung und den Wunsch aussprechen, daß unsere Soldaten niemals in die Lage kommen, daß an sie der Befehl ergehen kann, von fem hier so oft gesprochen worden ist: von dem Schießen auf Vater und Mutter. Ich hoffe im Gegen- teil, daß derjenige, der sich jemals unterstehen sollte, ciken solchen Befehl zu erteilen, innerhalb weniger Stunden in die Zwangsjacke gesteckt werden würde.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ein Wort über die Besoldungsvorlage. Hier ist die Sparsamkeit leider an verkehrter Stelle ge- übt worden, nämlich bei den unteren und mittleren, also den schlechtest gestellten Beamten. Was diese Leute jcht petitionieren, ist vollauf berechtigt, namentlich mit Rücksicht auf die Ver- sprechungen, die ihnen bei den letzten Wahlen gemacht sind. Mit dieser Sparsamkeit steht schlecht im Einklang die Nachricht, daß eine große Summe verausgabt sein soll, um ein Interview des deutschen Kaisers in einer amerikanischen Zeitung zu unterdrücken. Ich weiß nicht, aus welchem Fonds die Summe bezahlt wird. Viel- leicht hat irgendein Privatmann sie aus seiner Schatulle bezahlt. Traurig wäre es jedenfalls, wenn wir jährlich Hunderttausende von Mark ausgeben müßten, um alle möglichen Redereien nicht an die Oeffentlichkeit kommen zu lassen.(Sehr gut! bei den Sozial- demokraten.) Ist es denn wirklich so schlimm, Dinge veröffentlichen zu lassen, die aus dem Munde des deutschen Kaisers kommen? Es scheint ja fast, als wenn es Leute gäbe, die sich schämen. daS bekannt werden zu lassen, was da gesprochen sein soll.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) In den Etateinnahmen vermisse ich einen Posten. Da beziehe ich mich auf die Aeußerungen des Staatssekretärs Dernburg, die schon Herr Bassermann erwähnt: daß in Südwestafrika außerordent- lich reiche Diamantfelder aefunden seien: viel reichere, als jemand ahnen könne! Herr Staatssekretär, wo sind denn Ihre Diamanten?(Große Heiterkeit.) Es wäre doch wünschenswert, daß Sie möglichst bald damit er- scheinen würfen, das könnte unseren Finanzen erheblich aufhelfen. Dann könnten auch die Versprechungen in Erfüllung gehen, die man den Hanauer Diamantarbeitcrn gemacht hat. In dieser Beziehung wird bei uns furchtbar rasch gearbeitet: In den Zeitungen erscheint die Notiz, daß der Staatssekretär Diamanten aus Afrika Mitbringt, sofort ergeht die Verfügung, daß sie nur in Hanau ge-' schliffen Kerdeki dürfen. Bisher haben die Hanauer Diamant arbeiter aber vergeblich auf die Diamanten gewartet.(Heiterkeit.) Es ist alles da, die maschinellen Einrichtungen� die geschickten Ar- bester. Bitte, Herr Dernburg, genieren Sie sich nicht, mit Ihren Diamanten heauszurückcn.(Große Heiterkeit und Beifall bei den Sozialdemokraten.) Einnahmen und Ausgaben der Etats sind von den Rednern der bürgerlichen Parteien sehr eingehend besprochen worden. Ich mochte aber vor allem eine dritte Frage aufwerfen, die ebenso wichtig ist: Wem sollen wir diesen Riesenetat von annähernd 3 Milliarden Mark bewilligen?(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Können wir der Regierung des Fürsten Bülow noch irgendwelches Vertrauen schenken, nach dem, was wir in den acht Jahren seiner Kanzler. schaft erlebt haben? Vor wenigen Tagen habe ich in einem fran zosischen Blatte ein Bild gesehen, eine Photographie ans Potsdam, auf der zwei Herren abgebildet waren mit der Unterschrift:„Wie können Sie verlangen, daß ich Ihnen Vertrauen schenke, wenn Sie mir Vertrauen schenken?" Der Mann, an den diese Worte gerichtet waren, war Fürst Bülow, den anderen zu erraten, dürfte nicht schwer sein.(Hesterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Einer Regierung, die uns derartige Blamagen eingebrockt hat wie die Regierung des Fürsten Bülow, kann man einen derartigen Etat nicht bewilligen, wenn man sich nicht mitverantwortlich machen will für alles, was sie ge- tan hat, für alles, was man ihr noch zutrauen muß.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Ich komme zu dem Worte„Sparsamkeit". Die beste Sparsam keit ist eine gute auswärtige Politik.(Sehr wahr! links.) Damit können auch kleinere, weniger leistungsfähige Staaten eine außer- ordentliche Rolle im Völkerionzert spielen, damit auch auf dem Weltmarkt eine günstige Position erringen. Eine schlechte aus- wärtig« Politik wird das selbst mit großen Mitteln nicht fertig bringen, wird ungeheure Opfer an Gut und Blut erfordern, ohne dem Staate irgendwie zu nützen, ihn im Gegenteil durch die schlechte Politik in die größte Verlegenheit bringen. Von allen Seiten ist in fen letzten Wochen mit seltener Einmütigkeit anerkannt worden, daß unsere auswärtige Politik geradezu zusammengebrochen ist. Da ist es mir unbegreiflich, wie Kollege Bassermann, der im Eingang seiner Rede einige kritische Töne anschlug, sie ausklingen lassen konnte in eine Verherrlichung des offiziellen Deutschlands. Dazu lag in dieser Situation keine Veranlassung vor.(Sehr wahrl) Herrn Bassermann muß man als nationalliberalen Parteiführer sehr vieles zugute halten, aber wenn man ihm vieles in den letzten Wochen zugute geschrieben hat. weil auch er manches mitgemacht hat, so hat er heute seine Lage wiederum um ebensoviel verschlechtert.(Sehr wahr! links.) � Unter dem Eindruck, daß unsere aus- wärti�e Politik außerordentlich schlecht gewesen ist, ist in letzter Zeit in den nationalistischen Kreisen die absonderliche Idee auf- getaucht, unsere Position durch einen oder mehrere Kriege zu verbessern.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Auf dem alldeutschen Verbandstage ist gesagt worden: Was nicht in den Kopf geht, geht in die Beine. Wir sollen also sozusagen eine Politik der Beine treiben.(Große Heiterkeit.) Ich danke schön für eine solche Politik. Diejenigen, die mit dem Kriegs- gedanken spielen, sollten sich vor allen Dingen des Wortes er Innern, daß zumeist die Heerführer nicht besser sind als die Diplo maten, die in derselben Zeit am Werke sind. Das sollte denen, die unausgesetzt mit kriegerischen Gelüsten arbeiten, zu denken geben. Wie kann bei all diesen Dingen, fei all unseren Erlebnissen, die offenkundig zutage liegen, daS Ausland vor der deutschen Diplomatie irgendwelchen Respekt haben? Eine Diplomatie, die bald an das Schwert appelliert, bald von„Pulver trocken halten" stricht, muß ja den Anschein erwecken, daß sie ohne weiteres bereit ei, Hunderttausende aus die Schlachtbank zu führen, und das muß dann zu dem führen, was Bassermann als eine neue Gruppierung der Machte bezeichnete, wobei er nur vergaß, daß Teutschland dabei vollkommen allein auf dem Jsolierschemel sitzen wird. Wie ein eiserner Ring wird sich ja das Auslano um uns legen müssen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wie kann man nach alledem, was wir erlebt haben, Vertrauen zur deutschen Diplomatie haben? Ich will nur Weniges erwähnen. Was ist aus dem berühmten Ehinakuchen gelvorden, was aus unserem Platz an der Sonne? Aus dem Nagel, an den unsere Rüstung gehängt werden sollte? Ge- blieben ist uns von unserer ganzen ostasiatischen Politik nur das schöne Wort: Kotau I Und wie haben sich die Dinge in China letzt gestaltet? Der Kaiser ist gestorben, die Kaiserin-Witwe, eine Tante des Kaisers, gleichfalls.(Zuruf recht: Sehr richtig! Große Heiterkeit.) Aber nun kommt die Hauptsache. Auf dem Throne, wahrscheinlich aus einem kleinen Schemelchen, sitzt jetzt ein drei- jähriges Kind, und der wirkliche Regent dieses volksreichsten Landes der Welt ist auf Jahrzehnte hinaus der Prinz, den man lächerlicher. weise gezwungen hat, nach Deutschland als Sühneprinz zu reisen. Mit welchen Gefühlen muß dieser Mann, in dessen Hände jetzt eine so große Gewalt gegeben ist, nach Deutschland blicken, wo man ihm zugemutet hat. sich in unglaublicher Weise zu demütigen!(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Diese ganze Chinapolitik war eine Kette von Lächerlichkeiten. Ich erinnere an die Hunnenrede, an das Knackfußbild mit seiner Unterschrist, an die ganze Wälder- see-Operette, an das Schauspiel, wie dieser Weltmarschall schon die Lorbeeren des Siegers erntete, ehe er nur den Fuß auf das Schiff gesetzt hatte, und das geht so weiter bis zur Kaifertuterviewdcbatte. Die sehen, dasselbe in der ganzen deutschen Politik, soweit Ost- ästen in Betracht kam.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Und jetzt sehen wir das englisch-japanische Abkommen und das amerikanisch-japanische Abkommen. Die Integrität Chinas ist voll- kommen sichergestellt, und wir sind vollkommen ausgeschaltet.(Sehr richtig! fei den Sozialdemokraten.) Wie im fernen Orient, so ist eS auch im nahen. Die so viel- fach betonte Freundschaft zu allen Sultanen der Welt ist voll» kommen nutzlos geworden. Die Alldeutschen haben über Oester- reich und die Türkei hinaus von einem deutschen Einfluß bis an den persischen Golf geträumt. Diese Idee ist kläglich gescheitert schon durch das Bagdadunternehmen und durch das russisch-türkische Einvernehmen. Die türkische Revolution hat unseren Einflutz vollkommen ausgeschaltet.(Zustimmung fei den Sozialdemo- kraten.) Wie eigenartig wirkte eS, daß gerade in dem Moment, wo das alte Regime in ver Türkei zusammenbrach, wo der Sultan nicht etwa, wie Herr Bassermann tagte, sich entschloß, eine Ver. fassung zu gebe», sondern wo man ihn dazu zwang,(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten) daß gerade in fem Moment der Schwarze Adlerorden eintraf, so daß Feri Pascha sich ihn ycrade noch an- stecken konnte und dann verschwand.(Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Es ist dieselbe Geschichte, wie mit dem Orden für fen General Stößel, dieselbe Geschichte wie mit GoluchcwSki, Abdul Alis. Herr Bassermann erwähnte schon, daß Deutschland so merk- würdig langsam über die Vorgänge in der Türkei unterrichtet wurde. Als die Verfassung in Konstantinopel der- kündet wurde, flaggten die Schiffe aller Nationen. Aber türkische Freude war nicht deutsche Freude! Die deutschen Schiffe flaggten zunächst nicht. AIS dann Herr Bassermann die Frage auswarf, wie es möglich war. nichts von den Vorgängen zu merken, wo so viele intelligente junge Türken in Europa sich auf- hielten, da rief ich dazwischen:„Das sind die Schnorrer und Ber- schwörer I" Ja, mein Herr Reichskanzler!(Heiterkeit.) Sie werden sich dabei wohl gesagt haben:„So ganz unrecht hat er nicht!"(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Kann es fem Reichskanzler denn gleichgiltig sein, wenn er sieht, wie in einem Staate, der in der Ilmbildung begriffen ist. dieselben Leute am Ruder sind, die sich mit Mandelstamm und Silberfarb als „Schnorrer und Verschwörer" herumgetrieben haben? Ja, mein Fürst Bülow, diese Schnorrer und Verschwörer, die sich jahrelang in England und Frankreich aufgehalten haben, die haben in den Jahren, die sie dort in England und Frankreich lebten, auch die ganze Rückständigkeit Deutschlands kennen gelernt.(Lebhafte Zu- stiminung Cef den Sozialdemokraten.) Wir dürfen überzeug! fern, daß die Jungtürken, die jetzt am Ruder sind, diese ehemaligen „Schnorrer und Verschwörer", nicht mit Begeisterung für die deutschen Interessen eintreten, sondern viel eher Frankreich und England berücksichtigen werden. Solange der Sultan Abdul Hamid der Schlächter Armeniens war, solange er der Höchstkomman» dierende über das größte Spitzelhecr der ganzen Welt gewesen ist— wer sich dafür interessiert, mag die sehr interessanten Artikel im„März" nachlesen—, war die Türkei bezw. der Sultan der beste Freund der Herren hier in Berlin. Jetzt, Ivo ein modernes Regiment am Ruder ist, ist es mit der Freundschaft aus. Wie steht es heute mit unserer Einflußsphäre am persischen Golf? Unsere Einflußsphäre hört heute in Bodenbach auf.(Sehr wahrt bei den Sozialdemokraten.) Die Okkupierung Bosniens und der Herzegowina durch Oesterreich bedeutet eine offenkundige Bei- letzung, eine Zerreißung des Berliner Vertrages.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) War cS nicht möglich, daß die deutsche Regierung versuchte, diese Nichtachtung des Vertrages�u der- hüten?— Ich möchte weiter anfragen, ob es richtig ist, daß Kaiser Wilhelm an fen Kaiser von Oesterreich geschrieben oder, was wahrscheinlicher ist, telegraphiert hat, daß er bereit sei, ihm deutsche Truppen zur Verfügunq zu stellen!(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Wir wissen, wie fei den zugespitzten Ver- hältnissen zwischen Oesterreich und der Türkei Tag ifür Tag Truppen an die Grenze befördert werden, so daß wir immer noch mit der Möglichkeit einer furchtbaren Explosion, von der man nicht weiß, wie weit sie geht, rechnen mutz. In dieser Situation, wo die Türkei einen für Oesterreich geradezu vernichtend wirkerden Boykott inszeniert hat, wird von unserem„Erbfeind" Frankreich versucht, zwischen der Türkei und Oesterreich zu vermitteln, trotz- fem früher gefaßt worden ist; keine Entscheidung darf in der Welt fallen, ohne daß wir dabei die Finger im Spiele Hafen.(Sehr gut! bei fen Sozialdemokraten.) Das Ergebnis dieser sogenannten Orientpolitik ist für uns ein neues Schlafmittel, das sicherer wirkt, als Trional und Verona! oder das hier im Opernhause auf- geführte Ballett„Sardanapal".(Heiterkeit. Rufe rechts: Kakau!) Bei der Besprechung der Marokkofrage ist Herr Bassermann an einigen Kernfragen vorbeigegangen, trotz- fem er betonte, er hätte das französische Weißbuch gelesen. Aus dieser Kenntnis heraus hätte er eigentlich mehr sagen müssen, als er gesagt hat. Ich will das nachholen. Natürlich rede ich nicht über die famose Tangerfahrt und auch nicht über Algeciras. Wohl aber darüber, wie wandelhaft unsere auswärtige Politik gearbeitet hat. Die lebhafte Freundschaft für den rechtmäßigen Sultan Abdul Asis haben wir endgültig aufgegeben und Hafen unsere Freund- schaft seinem vefellischen, aber siegreichen Bruder Mulai Hafid zugewandt. Damals wurde der offiziösen Presse zugemutet, von einem Tage zum anderen ihre Begeisterung von dem einen auf den anderen Sultan zu übertragen. Das Tanger-Versvrechen war da- mit meines ErachtenS gebrochen.(Sehr wahrl bei fen Sozial- demokraten.) Während Frankreich im Kriege lag, kam von Mulai Hafid eine Sondergesandtschaft nach Europa, die vergeblich an die Botschaften oder auswärtigen Aemter in Paris, Madrid, Rom und London angeklopft hat, die aber hier in Berlin im Auswärtigen Amt empfangen worden ist, allerdings, wie eS in der Zeitung hieß, inoffiziell. Charakteristisch dafür ist, daß nachher von der Pariser Botschaft festgestellt worden ist. daß diese Sondergesandt- schaft aus niederen Angestellten bestanden haben soll, d. h. Diplo- maten dritten oder vierten Ranges, Handlanger können wir sagen.(Heiterkeit bei fen Sozialdemokraten.) Abgesehen von diesem merkwürdigen Verhalten, daß, während Frankreich mit Marokko im Kriege lag, Deutschland diese Gesandtschaft empfing, ist noch folgendes Moment charakteristisch: Am 17. Juli 1998 bc- richtete Baron Bertheim, französischer Geschäftsträger in Berlin, an seine Regierung über ein Gespräch mit dem deutschen Staats- sekretär v. Schön. Dieser habe ihm gesagt:„Angesichts der reißen- den Fortschritte, die die Sache Mulai Hafids zurzeit macht, ist die dadurch geschaffene Lage, soweit sie die eventuelle Anerkennung des letzteren betrifft, für uns fast ebenso heikel, wie für Sie." Der französische Botschafter ferichtct weiter:„Ich dankte Herrn v. Säün für diese so freundschaftlich abgegebene Versicherung." Am 29. August fragte der deutsche Geschäststräger in Paris im Mini- sterium an und erfuhr, daß zwischen Frankreich und Spanien Vor- Handlungen im Gange wären, und demgemäß Vorschläge wegen der Anerkennung Mulay Hafids zu machen. Jetzt hieß es natürlich für die deutsche Diplomatie: Nun aber eilig zuvorkommen! Am 1. September reiste der deutsche Konsul nach Fez an den Hof dcS noch nicht anerkannten Mulai Hafid, und am selben 1. September teilte die Berliner Regierung den Signatarmächen von Algeciras mit, die kaiserliche Regierung glaube, angesichts der neuen Lage in Marokko darauf hinweisen zu sollen, daß«ine rasche Anerkennung des Mulay Hafid im Interesse der endlichen Beruhigung der marokkanischen Verhältnisse liege.(Hört! hört! fei fen Sozialdemo- kraten.) Also, die Regierung hatte in dem kurzen Zeitraum von 8 Wochen vollständig vergessen, waS sie zuvor der französischen Re- gierung versprochen yatte!(Hört! hört! fei den Sozialdemokraten.) Und da verlangt man von uns und von dem Ausland, dieser Re- gierung mit Vertrauen entgegenzukommen. Herr Bassermann hat auch die Casablanca-Affäre kurz gestreift und sich über das Schiedsgericht gefreut. Diese Freude teilen wir, aber die Einsetzung feS Schiedsgerichts stellt einen un- zweifelhaften Triumph Frankreichs und eine neue Blamage des deutschen auswärtigen Amts dar.(Lachen rechts.) Lachen Sic nicht zu früh, meine Herren! Wie kam z. B. die deutsche Regierung dazu, noch im November dieses Jahres von der französischen Nc- gierung eine Entsckuldigung zu verlangen, nachdem damals schon der Bericht des Polizeikommissars Dorday vorgelegen hat? Es gibt nur eine Erklärung dafür, daß man nämlich diesen Bericht im Auswärtigen Amt niemals gelesen hat.(Hört! hört! fei den So- zialdemokraten.) Wie waren denn die Dinge? Schon am 25. Sep- tcmber behaupteten die französischen Zeitungen, daß eine deutsche Organisation bestehe, die praktischen Antimilitarismus in der fran- zösischen Fremdenlegion treibe. Die Regierung des Fürsten Bülow leugnete das selbstverständlich, aber diesmal war eö mit dem Leugnen eine verflucht heikle Geschichte. Kaum war das Dementi erschienen, da veröffentlichte ein in Köln bestehender Verein gegen die Fremdenlegion mit großem Stolz, daß die Desertionsgeschichte sein Werk sei.(Hört! hört bei den Sozialdemokraten.) Die französische Regierung hatte also vollkommen recht. Aus fem Be- richt geht hervor, daß ein gewisser Sievers, ein Emissär dieses Vereins, in Casablanca eine Agentur zur Verleitung zur Fahnen- flucht begründet hatte. Dieser Sievers verleitete sechs Legionäre. unter ihnen einen französischen Staatsbürger(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten), einen Russen, einen Schweizer, einen Oester- reicher und zwei Deutsche zur Fluch:. Der Konsulatssekretär fe- suchte die Flüchtlinge in ihrem Versteck und soll sie sogar mit Geld und Zivilkleidern versefen haben!(Hört! hört!) Das sind denn doch Dinge, die wirklich zu wichtig sind, als daß sie Herr Basser- mann so einseitig darstellen sollte oder, WaS für Teutschland noch beschämender ist, die Rechte deS Reichstages sie hier belacht.(Leb. hafte Zustimmung fei den Sozialdemokraten.) Wenn wir darüber lachen wollten, man könnte es verstehen. Aber wir lachen nicht darüber, wir schämen uns über diese Blamage der deutschen Reichs- regierung!(Stürmische Zustimmung fei fen Sozialdemokraten.) Hören Sie doch, was ein Blatt von so unentwegt loyaler und nationaler Gesinnung, wie die„Tägliche Rundschau", im Hinblick aus die Casablanca-Affäre schreibt:„Wir s ind gegen Bla» magen in der auswärtigen Politik ja nun nach- gerade abgebrüht.(Lebhaftes Hört! hört! links.)... So wundern wir uns nicht über diese neueste Un- geheuerlichkeit in der Führung der auswärtigen Politik."(Hört! hört!) Bitte, merken Sie sich daS, Herr Staatssekretär v. Schön!(Sehr gut! fei den Sozialdemokraten.) Wir müssen auf Notwehr denken, Notwehr nicht gegen die französische Marokkopolitik, sondern gegen die UnfähihkeiteN unserer eigenen Dip- lomatie!" sErneuteS lebhaftes Hört! hört! Rufe.) Der Artikel schließt mit den Worten:„Wahrhaftig, die französische Politik ist uns weniger feindlich und gefährlich als unsere eigene. Ein Ende! Ein Ende!" Wenn die nationalen Kreise zu solchen Verzweiflungsrufen kommen draußen im Lande, wo man weniger Rücksicht nimmt, als die Herren leider glauben hier nehmen zu müssen, dann darf ich wohl das Fazit der Kanzlerjahre des Fürsten Bülow, das Ergebnis unserer Weltpolitik dahin ziehen: AuS Ostasie«— heraus! Aus dem nahen Orient-- herauS! Aus Marokko— heraus! sSchüchterne Rufe rechts: Heraus?) Nun frage ich mich: Wir haben Milliarden ausgegeben für unsere Flotte, ungeheure Summen ausgegeben für unser Heer, das größte Heer der Welt. Hätten wir all die Blamagen, die wir zu verzeichnen haben, da nicht billiger haben können, als wir sie bezahlt haben?(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Unser offizielles Ver- hältnis ju Frankreich hat sich fortwährend verschlechtert, aber mit umso größerer Genugtuung stelle ich fest, daß sie Verhältnisse der Völker untereinander außerordentlich freundlich und herzlich sind. Sehr drastisch und angenehm ist das vor wenigen Wochen in Erscheinung getreten, als das furchtbare Unglück auf Zeche „Radbod" geschehen war. Da hat das ganze französische Volk herzlichen Anteil genommen an unserem Mißgeschick, genau den- selben Anteil, wie damals die deutschen Bergleute, die nach Courrieres zur Hilfe eilten. Und wie ausgezeichnet benahmen sich die tapferen französischen Proletarier, die den Waffcnrock tragen, in Peking, als das furchtbare Unglück in unserer Gesandt- schaft passierte, als die Munitionskammer explodierte und das Haus in Flammen stand! Da drangen die französischen Soldaten « als erste in daS brennende HauS, setzten Leben und Gesundheit aufs Spiel, um zu retten, was zu retten war. Es ist ein einfacher Akt der Dankbarkeit, wenn wir heute fteudig aussprechen, wie sehr sie durch diese Heldentat Freundschaft und Menschenliebe bekundet haben.(Lebhafter Beifall.) Das wäre ein sehr schönes Bild für die Versöhnung der Völker, wie die deutschen Arlieiter den französischen und die französischen den deutschen zu Hilfe kamen. Abg. Ledebvur ruft: Ein schönes Bild anstelle der französischen Fahne da oben!(Lebhafte Zustimmung links, Unruhe rcchrS.). Unser Verhältnis zu Amerika hat sich verschlechtert durch die Tower-Hill-Affiire. Das ungeschickte Eingreifen von Berlin aus gegen den Botschafter, den Amerika uns schicken wollte, konnte drüben keinen guten Eindruck machen. In England haben die Briefe an Lord Tweesdmouth außerordentlich verstimmend gewirkt, wie später im verschärften Maße die Veröffentlichungen des„Dailv Telegraph". Als der englische Minister Lloyd-George den Versuch machte, mit Deutschland zu einer Verständigung über den Flotten- bau zu kommen, was wir, wie ich im Gegensatz zum Abgeordneten Bassermann glaube, mit Freuden hätten unterstützen können, ist ihm durch die Straßburger Rede des Kaiser? eine strikte Absage erteilt worden. Und dann wundert sich Herr Basscrmann, daß im Londoner Oberhause Lord Roberts die Errichtung eine? stehenden HecreS verlangt? Sind denn derartige Aussprüche für den eng- lischen Politiker nicht ebenso klar verständlich wie für jeden, der die deutsche Politik verfolgt hat?(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Ich bedaure ja, daß England aus solche Gedanken gekommen ist(Zuruf rechts: Na also!), aber ist es denn nicht ganz erklärlich?(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Herr Bassermann hat geklagt über die unberechtigten Rüstungen des Auslandes und so getan, als ob wir Deutschen die reinen Waisen knaben wären. Gibt cS denn aber nicht Hunderte von Alldeutschen, und sind nicht außerhalb dieses Hauses von nationalliberalen Abgeordneten— ich will nicht indiskret sein und nicht gegen einen geschätzten Abgeordneten der bürgerlichen Parteien ausfällig werden— Reden zur Förderung des FlottenbaueS mit Hinblick auf England gehalten werden?(Sehr wahr! bei den Sozial- dcnwkraten.) Deshalb ist die Entrüstung über das Ausland nicht angebracht. Was von deutschen sogenannten Politikern geschehen konnte, um das Ausland zu verletzen, ist geschehen.(Sehr wahr! b. d. Soz.) ES ist ja erfreulich, daß sich die Stimmen auch aus bürgerlichen Kreisen mehren, daß es so nicht weitergehen kann. Zu diesen Kritikern gehört auch ein alter deutscher Diplomat, der Legatwnsrat a. D. vom Rath, der zur fteikonservativen Partei gehört.(Abg. Erzberger ruft: Zur nationalliberalen!) Das ist ja ziemlich dasselb,.!(Oho! bei den Nationalliberalen.) Sie haben keinen Anlaß, nein zu rufen, nachdem Sie sogar die ZeitungSkoalition zwischen der„Nationalzeitung" und der „Post" haben.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Das ist gehupft wie gesprungen.(Heiterkeit und Beifall bei den Sozial- demokraten.) Herr vom Rath veröffentlichte einen Artikel zur Flottenfrag«: Der Forderung vermehrten Flottenbaus liegt der Leitsatz zugrunde, der eine unbewußte Selbsttäuschung ist, daß jedes Schiff ni e h r eine Vermehrung der Macht des Deutschen Reiches bedeute. Wenn jedes Schiff mehr ein Anlaß ist, daß England, um von Frankreich nicht zu reden, zwei baut, wie steht es dann um die Vermehrung der deutschen Macht? DaS ist doch ein einfaches Rechenexempel. Aber der überwiegende Teil der öffentlichen Meinung ist dank der einseitigen Beeinflussung auf diesen wunder- baren Leitsatz eingeschworen, und wer heute der Massensuggestion gegenüber immun ist und seiner von der Tagcsmeinung abweichen- den Ueberzeugung Ausdruck gibt, wird entweder totgeschwiegen oder als schlechter Patriot denunziert und gegen ihn der sihwcre Vorwurf geschleudert, er besorge die Geschäfte der Gegner Deutschlands. S o schreibt Herr vom Rath, ein Mann, dessen nationale Gesinnung Sie wohl nicht bezweifeln werden; man hat sogar gesagt, daß er in einem besonders engen Verhältnis zu dem Vorsitzenden des ReichsverbandcS zur Bekämpfung der Sozialdemokratie. Herrn von Liebert, stehe. Ihre eigenen Freunde müssen sich also schon, wenn sie eine abweichende Meinung über den Flottenbau zum Ausdruck bringen, dagegen verwahren, nicht antinational gescholten zu werden. Jedes neue Schiff, das Deutschland auf Stapel legt, jede deutsche Schiffstaufrede mehrt die Macht und den Einfluß Englands, nicht Deutschlands.(Lebhafte Zustimmung b. d. Soz.) Auch von Holland wird uns bekannt, daß es ein Abkommen mit England plant. Auch das ist charakteristisch. Das Stamm- land der Buren zieht es vor, in ein engeres Verhältnis mit England zu treten, nicht mit Deutschland, dessen Kaiser sich allerdings gerühmt hat, den Kriegsplan gegen die Buren aus- gearbeitet zu haben.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Genau so wie die Stimmung der Holländer ist auch die der Buren zu Deutschland. DaS ist besonders interessant, wenn man sich an die Tage erinnert, in denen die Burengenerale hier herumgeführt und mit LiebenSwülrdigkciten überschüttet wurden. Die„Deutsche Tageszeitung" erzählt, daß ein sehr maßvoller und vorsichtiger Beurteiler der Verhältnisse sagt:„Geben wir unS keiner Täuschung hin. wir sind den aftikanischen Schwarzen das verhaßteste Volk der Welt", und daß er auf die Hinzufügung:„Nicht nur bei den Schwarzen, sondern auch bei den anderen Nationen verständnisvoll mit dem Kopfe nickte. Als der Minister M�cryman zu einer mit Buren besetzten Galerie hinauftief:„Oder wollt Ihr vielleicht unter der Herrschaft des deutschen Kaisers leben?", da wurde dies auf der ganzen Galerie mit stürmischer Entrüstung abgelehnt. Auch Rußland ist in ein engeres Verhältnis zu England' ge- treten. Das fit um so merkwürdiger, als wir uns jahrelang be- müht haben, Mußland FreundsckmstSdicnste zu erweisen, die aller- dingS im wesentlichen Polizeidienste waren. Sehr interessant ist eS. daß der englische Premierminister Asquith erklärte, die preußische Polizei leiste der russischen Dienste, wie sie die englische niemals leiste.(Hört! hört! b. d. Soz.) Herr Bassermann hat auch den Dreibund angeführt und die Debatte in der italienischen Kammer, deren Ausgang die Not- wcndigkcit des Dreibundes bewies. Er hätte nur auch die Acutze- rung Giolittis anführen sollen, der erklärt hat, daß Italien nach Ablauf des Dreibundvertrages Annäherung an Rußland, Frcork- reich und England suchen müsse.(Hört! hört! bei den Sozialdemo- traten.) Oesterreich ist sozusagen der letzte Mohikaner unserer Bundesgenossen. Wie lang« kann da? aber dauern? Man darf doch nicht vergessen, daß die Mehrzahl der österreichischen Debölke- rung aus S la ven besteht, und wie behandelt man die Slaven bei uns!(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Polen in Preußen hat man unter Ausnahmegesetze der schlimmsten Art gestellt. Man hat ihnen den Gebrauch der Rkuttcrsprache verboten. Ueberhaupt l>at man eine Politik gegen sie betrieben, die ein Mann wie der Gras Häseler im preußiichen Herrenliaus bezeichnet hat als eine Politik„wider die Verfassung und wider das Gc- wissen".(Hört! hört bei den Sozialdemokraten.) Wenn die preußische Regierung die slavischen Völker in Preußen so behandelt. ivenn die ausländischen Arbeiter in Deutschland so behandelt, wenn durch die Bestimmung vom 1. Februar d. I. die ausländischen Arbeiter geradezu unter eine Kontrollsklaverei gestellt werden. wenn zur Ausweisung gegriffen wird entgegen den Handels- und Bündnisverträgen, und wenn man dann hört, s o wie Herr Basser- mann uns erzählte, wie die Deutschen in Böhmen behandelt werden. so sag« ich: das ist ein sehr einseitiges Bild. Herr Bassermann hätte auch schildern müssen, wie die Angehörigen des Auslandes in Preußen und Deutschland behandelt werden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Gerade durch die Behandlung der ungari- scheu Arbeiter in Preußen ist die Erbitterung in Oesterreich-Ungarn ganz außerordentlich gestiegen. An eine weitere Folge hat die deutsche Regierung wohl noch gar nicht gedacht. Durch das allgemeine Wahlrecht in Oesterreich ixiben die«lavcn und die Sozialdemokraten dort einen ungeheueren Einfluß bekommen, und beide üben einen Einfluß auch auf die aus- wärtige Politik aus. Glaubt die deutsche Regierung, daß sie darau nicht Rücksicht zu nehmen hat?(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kraten.) Ich will damit mit einigen Worten auf die Exzesse in Prag zu sprechen kommen. Wir Sozialdemokraten sind darin mit Ihnen einig, daß wir diese Vorkommnisse ganz außerordentlich bedauern. Mein Parteigenosse Adler sagte in Wien: Wir Sozialdemokraten sind alle darin einig, sowohl Deutsche wie Tschechen, Slaven,(Slowenen, daß wir die Exzesse in Prag verurteilen. Aber ebenso einig sind wir darin, daß wir die Exzesse in Deutsch-Böhmen oerurteilen. Mit Rache macht man keine Politik; keine Nation hat noch ihr Recht mit Rache durchgesetzt. Die Ursache jener nationa- listischcn Aeaßcrungen liegt doch darin, daß man das Volk shfte- malisch in Unwissenheit hielt, daß man es politijch nicht aufklärte, so daß eS vor lauter Bäumen den Wald nicht sieht. Wäre eS nicht auch angebracht gewescm, daß die deutsche Reichsregierung, als sie vernahm, in welch provokatorischer Weise Studentendeputationcn nach Prag geschickt wurden, um dort ihren Kommilitonen Beistand zu leisten, dieses verhinderte?(Unruhe bei den Nationalliberalen, l Stellen Sie sich doch einmal vor, es kämen an der Universität hier irgend welche Streitigkeiten mit polnischen Studenten vor und die Polen aus Warschau wollten Deputationen hierherschicken, um ihren Kommilitonen zu helfen. Würde das nicht ganz außerordentlich provokatorisch wirken?(Lebhaftes Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Es sind auch nicht nur Ausschreitungen gegen die Deutschen begangen, sondern auch die deutschen Studenten in Wien haben in der brutalsten Weise ausländische Studenten be. schimpft und mißhandelt. Ich lege hier einen Artikel auf den Tisch des Hauses nieder, in welchem Sie Berichte finden, daß arme Studenten, die in der dlensn acockemica(akademischer Mittags tisch), wo sie— nicht ganz umsonst>— beköstigt werden, von deutsch- nationalen Studenten in der gemeinsten Weise herausgeschlagen worden find, und als sie riefen;„Wir haben Hunger! Laßt uns doch wnigstenS essen!" rief man ihnen in der gemeinsten Weise zu „Geht nach Serbien! Aushungern muß man Euch!' (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wir bedauern die Exzesse in Prag ganz außerordentlich, aber wir haben keinen Anlaß zur Freude, wenn am Tage des KEjährigen RegierungsjubiläumS der Scharfrichter geholt werden muß. Es ist außerordentlich blamabel. wenn das im 20. Jahrhundert noch vorkommen kann. (Am Bundesratstische erleidet Oberstleutnant V. d. Goltz plötzlich einen epileptischen Anfall. Er wird aus dem Saale ge- Abg. Scheidemann(fortfahrend): Ich würde selbstverständlich sofort abbrechen, wenn ich glaubte, daß es sich um einen ernsteren Anfall handelt. ES wird mir aber gesagt, daß eS sich vermutlich nur um einen ganz leichten Anfall handelt. c, m. Noch alledem, namentlich auch im Hinblick auf die Vorkomm nisse in Wien, bei dem etwas vorzeitigen Jubiläum, wo man aichot, deutsche Regimenter hinzuschicken, ein Angebot, das man allerdings dankend ablehnte, st zweifellos der Wunsch berechtigt, oaß etwa» weniger Phantasterei, etwas weniger Ballettmusik, etwas mehr Sinn für praktische ReichSpollt» und reale Wirklichkeit tu unserer Politik herrscht. (ES tritt nochmals eine Pause ein, in der nach dem Abgeord neten Mugdan gerufen wird. Gleichzeitig ertönen Rufe auS dem Hause: D i e S i tz u n g a u S s e tz« n l) ' Präsioent Graf Stolberg: Ich höre, daß eS sich nur um einen vorübergehenden Anfall handelt und daß vereits Besserung ein» getreten ist. Ich bitte den Redner fortzufahren. Abg. Scheidemann(fortfahrend): Man gewinnt den Eindruck. als ob man eine Wiederholung der Aera Mantcnffel hat. Ich will nur wenige Aussprüche von Varnhagen v. Ense zitieren. Am 15. Februar 1845 schrieb er:„Preußen steht ,n Europa ganz isoliert, und ebenso isoliert ist unsere Regierung in Preußen und der König in der Regierung." Am S. September 1851 schrieb er:„Selten mag ein Fürst so allgemein mißachtet, verlacht und verhöhnt gewesen sein. Vornehm und gering sieht ihn als Possenreißer an(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozial» demokraten). der zwar gefährlich genug ist, an dem man aber doch seine Lustbarkeit hat." Ich breche damit von der auswärtigen Politik ab und wende mich zu den Vorgcingen der inneren Politik In der inneren Politik erleben wir dieselben Ungeheuerlich ketten wie in der auswärtigen.(Sehr rickstig! bei den Sozialdemo- kraten.) Als vor 2 Jahren der Regierung daS Wasser bis an den Hals stand— ich erinnere nur an die Kolonialskandale—, da erfand Fürst Bülow den Block und gewann die Freisinnigen für denselben. Bescheidener als jene Stellensucher, die mehr auf gute Behandlung als auf hohen Lohn sehen(Heiterkeit), rahmen die Freisinnigen zu dem kärglichen Lohn— dem Börsengesetz z. B.— noch eine unter aller Kanone schlechet Behandlung mit in den Kauf.(Heiterkeit. Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ueber den Fall Schücking will ich hier nicht sprechen. ES gibt noch andere, eigentlich viel charakteristischere Fälle. Da wird ein fresinniger Lehrer gemaßregelt, weil er in einem Arbeiterverein über Säug» lingssterblicbkeit geredet hat.(Heiterkeit und Hört! hört!) Der Lehrer Hansen wird gemaßregelt wegen freisinniger Agitation, ein) anderer Lehrer wegen ungenügenden Patriotismus in einer Kriegervereinsrede, ein dritter, weil et dieser Rede Teifall ge- klatscht hat! Ein freisinniger Lehrer in Kassel, der volksparteilicher Neickistagskandidat in Eschwege-Schmalkalocn war. wird gemäß- regelt, weil er erklärt hat, er wolle in der Stichwahl nicht für den Sozialdemokraten und könne nicht für den Antisemiten stimmen (Hört! hört! links), und ein anderer Lehrer, gleichfalls in Kassel, wird in Geldstrafe genommen, weil er als Vorsitzender einer Ver- sammlung Theodor Barth nicht inS Wort gefallen sei, älS dieser das eventuelle Eintreten von Freisinnigen für Sozialdemokraten bei Stichwahlen empfahl.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Gegen BlocEblätter wie die„Frankfurter Zeitung wird mit dem Zeugniszwangsverfahren vorgegangen, und in unerhört skandalöser Weise werden gefangene Redakteure mit Netzflechten und Körbe- flechten beschäftigt.(Hört! hört! links.) Ueber Die Eulenburg-Affäre beabsichtige ich mich nicht naher auszulassen. Aber welcher Unter» schied in der Behandlung Eulenburg» und Liebknechts--- mein Freund Liebknecht möge mir verzeihen, daß ich ihn ln einem Atem mit jenem„Edelsten und Besten" nenne!(Stürmisch« Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten.) In einem Automobil fährt Fürst Eulenburg nach seinem Schlosse! Ich habe nichts gegen weit- gehende Rücksichtnahme auf Kranke; dann möge sie aber nicht bloß auf Eulenburger genommen werden!(Lebhafter Beifall links.) Ich erinnere an die Ausdrücke, in denen der Fürst Dohna- Schlobittcn von dem Fürsten Eulcnbnrg gesprochen hat, den er „verlogen" und„Kerl" nennt.(Hört! hört!) Und das war das Haupt der Kamarilla! Die Existenz der Kamarilla wurde schon 14 Tage nach dem Regierungsantritt Wilhelms II. bestritten, und die? Dementi ist der ganzen Regierung Wilhelms II. treu geblieben— was aber bekanntlich die Existenz einer Kamarilla nicht gehindert hat.(Sehr gut!) Der Fürst Eulenburg, der nach allgemeiner Auffassung ins Zuchthaus gehörte, fährt in einem Automobil nach Liebenberg. Als aber Liebknecht, den eine höhere Instanz, das Volk, mit der Vertretung seiner Interessen betraut hatte, um Urlaub bittet, da wird ihm daS abgeschlagen und diese Verweigerung„dem" Liebknecht eröffnet!(Stürmisches Hört! hört? bei den Sozialdemokraten.) So behandelt man Eulenburger, und so behandelt man Ehrenmänner!(Lebhafte wiederholte Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten.) Im Zusammenhang mit der Eulenburgaffäre ist wieder der Landgerichtsdirektor Schmidt genannt worden. Herr Schmidt soll pensioniert worden sein, weil er Harden freigesprochen hat. DaS ist schlimm genug, aber schlimmer noch ist die neue Version, daß seine Entsetzung darauf zurückzuführen sei, daß er die angebliche Verletzung der Ehre einer Gcneralstochter nicht drakonisch genug geahndet habe.(Lebhaftes Hört! hört!) Ich stelle das fest als einen Beitrag zu dem Lügenkapitel von der sogenannten Unab- hängigkeit unserer deutschen Richter.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) In der Aera der Blockpolitik haben auch die uncr- hörten Polizeispiizeleien immer mehr zugenommen. Eine ganze Anzahl solcher Leute sind in den letzten Jahren entlarvt worden, die sich unter falschem Namen und unter falscher Berufsangabe in sozialdemokratische Vereine eingeschlichen hatten, um dort hcrumzuspitzeln. Erst vor wenigen Tagen wurde ein gewisser William Springer entlarvt, der sogar 70 M. geopfert hatte, um einen Sozialdemokraten zu veranlassen, zum Nürnberger Parteitag zu gehen. Ich habe schon vorhin betont, daß die preußische Polizei Ruß- land gegenüber Sebcrgendienste leistet und will dafür noch einen besonders krassen Fall vortragen, der Ihnen nicht bekannt sein wird. Ein Deutscher, namens Biedermann, wollte, wie das viel- fach üblich sein soll, mit einem gefälschten Patz über die russisch- deutsche Grenze, um in Warschau Geschäfte zu machen. ES handelt sich dabei nicht etwa um einen Sozialdemokraten, sondern um einen echten, gutbürgerlich nationalen Mann. Die Polizei an der russi- scheu Grenze hält den Mann fest und sagt ihm folgendes: Sie haben einen falschen Paß, eS ist nämlich ein preußischer Polizist hinter Ihnen hergereist und hat uns das denunziert. Aber wir geben nichts darauf, reisen Sie ruhig nach Warschau mit dem falschen Paß.— Was sagen Sie dazu, daß die preußische Polizei es für ihre Aufgabe ansieht, hinter preußischen Staatsangehörigen her- zulaufen und sie der russischen Polizei zu denunzieren?(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Vor ein paar Jahren war es anders. Da hat die Berliner Polizei von einem russischen Staats- angehörigen, der hier lebte, verlangt, er solle nach lliußland und dort Spwnage treiben, und diesem russtschen Staatsangehörigen hat die preußische Polizei einen gefälschten Paß ausgehändigt, worin sie ihn. der Jude ist. noch schnell zum Christen machte. (Hört! hört! b. d. Soz.) Eine Behörde, die mit derartigen Mitteln arbeitet, verdient ebensowenig Vertrauen, wie die ganze Aera Bülow.(Sehr wahr! b. d. Soz.). Von den sozialpolitischen Fragen will ich heute nicht sprechen. Ich will nur feststellen, daß in der Aera des Herrn v. Bethmann» Hollweg wieder Tendenzen die Oberhand gewinnen, von denen wir alle wünschen müßten, daß sie endlich überwunden wären. Wir Kaden gesehen, wie der Zentralverband deutscher Industrieller das Eintreten des Herrn v. Bethmann-Hollweg als Nachfolger des Grafen Posadowsky mit[ M reuden begrüßt hat, daß er mit Genug- tuung festgestellt hat. daß die Fühlung zwischen ihm und dem Reichs- amt des Innern wieder hergestellt sei.(Hört! hört! b. d. Soz.) Ich will nur fragen, wie es mit der so oft angekündigten Reform der Krankenversicherung steht. Hat die Regierung, ebenso wie der Scharfmacher Menck-Altona, erkannt, daß alle die Behauptungen, die Sozialdemokraten mißbrauchten die Krankenkassen zu politischen Zwecken, unwahr sind? Ich möchte wünschen, daß das Reichsamt des Innern einen stenographischen Bericht übey die Verhandlungen herausgibt, die vor wenigen Wochen stattgefunden haben, damit man sehen kann, wie die ganze Geschichte laufen soll. Der uns jetzt vorgelegte Entwurf über die Arbeitskammern entspricht lange nicht einmal dem, waZ in den Jebruarerlassen angekündigt worden ist. sondern bleibt weit dahinter zurück.— Was unter der Aera des Herrn v. Bethmann-Hollweg in bezug auf das Vereins- und Versammlungsrecht geleistet worden ist, brauche ich heute nicht zu erörtern, weil wir eine Interpellation darüber eingebracht haben, die hoffentlich recht bald zur Verhand- lung kommt. Nur hinweisen möchte ich noch auf die zunehmende Brutalität, die sich in Untcrnehmcrkreisen gegenüber den Arbeiter- Organisationen geltend macht. Seit Jahren haben die Unternehmer nickst so wie in der letzten Zeit gegenüber den Arbeitern den Herrn im Haus« herausgekehrt. Die Zahl der Maßregelungen ist außerordentlich gestiegen, die schwarzen Listen werden in kaum glaublicher Weise gehandhabt, und was besonders charakteristisch ist, man fängt auch an, deck sogenannten neuen Mittelstand zu drangsalieren. Was in Augsburg vorgekommen ist, beweist, daß das, was unsere großen Theoretiker vorher gesagt haben, völlig zutrifft: daß der Kapitalismus nicht nur die Lohnarbeiter, sondern auch die Gebildeten, die Wissenschaftler und Techniker degradiert. Die Notwendigkeit der Organisation haben diese Herren jetzt ein- gesehen, und wir wünschen ihnen den besten Erfolg. Wir haben nur den Wunsch, daß sie ebenso rasch auch ihre Rolle im modernen Produktwnkprozeß erkennen und sehen mögen, daß sie, wie die Arbeiter, nur Lohnsklaven und ebensowenig wie die Arbeiter an dem Fortbestand der kapitalistischen Gesellschaft interessiert 'ind.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Eins muß ich noch erwähnen: die Art und Weise, wie Fürst Bülow die Wahlrcchtsfrage behandelt hat. Seinerzeit hat er erklärt, daS allgemeine, gleiche, ichcime Wahlrecht vertrage sich nicht mit dem StaatSwohl. Nichts- »estowenigcr hat später in der Thronrede der König von Preußen gesagt: Es ist mein Wille, die auf Grundlage der Verfassung er- lassencn Vorschriften über daS Wahlrecht organisch weitcrzn- lilden in einer Weise, die der wirtschaftlichen Entwickclung, der Ausbreitung der Bildung und der Erstarkung des staatlichen Ver- antlvortlichkeitSgcfühls, entspricht. Diese Thronrede mit der„Er- tarkung des staatlichen VercmtwortlichkcitsgefühlS" hat Fürst Bülow dem König von Preußen allerdings einige Wochen früher übergeben, als er das Kaiscr-Jntcrvicw nicht las.(Heiterkeit.) Die Thronrede nennt die Wah.'rechtSfrage eine der wichtigsten Aufgaben der Gegenwart. Damit ist doch alles gerechtfertigt, was von unserer Seite schon seit langem gesagt worden ist. Zweifellos ind wir Sozialdemokraten, was das staatliche Verantwortlichkeits- lefühl anlangt, viel früher aufgestanden, als die Regierung des Reiches und Preußens.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn die Regierung sich vorher hätte mit uns einigen wollen. wenn sie ftüher erkannt hätte, wie notwendig und dringlich die Wahlreform ist, hätten sich die Arbeiter die Straßendcmonstrationen paren können, die sie nur gemacht haben, um das der Regierung auch auf der Straße wuchtig zum Ausdruck zu bringen.(Schi- wahr! bei den Sozialdemokraten.) Aber wie versteht nun Fürst Bülow diese Wichtigkeit und Dringlichkeit, von der die Thronrede sprach? Am S. Oktober erklärte die„Nordd. Allgem. Ztg.". daß die statistischen Erhebungen Ende 1909 abgeschlossen sein würde» in Millionen Mark 549,8 203,4 155,9 785,6 154,7 568.2 270,1 167,4 846,5 59,7 141,9 66,9 Prozent 16,3 12,7 B. Nachher erschien das der Regierung noch zu schnell, und eine zweite| Preise für Erzeugnisse ertönten, dann muß man auf stark reduzierte Konkurse. Nach vorläufigen Mitteilungen des Kaiserlichen Notiz schob die Fertigstellung der Vorarbeiten noch weiter hinaus. Gewinne gefaßt sein. Nun veröffentlicht die Presse der Industriellen Statistischen Amtes wurden während des dritten Vierteljahres 1908 Eine dringende Frage, die wenige Wochen zu ihrer Lösung ge- im Ruhrrevier eine Zusammenstellung über die letzten Ergebnisse im Deutschen Reiche 2515 neue Konkurse gemeldet, gegen 2205 im brauchte, wird von der preußischen Staatsregierung mit jahre von 16 Gesellschaften, die meist den Kreis der gemischten Betriebe dritten Vierteljahre 1907. Es wurden 560 Anträge auf Konkurslangen statistischen Vorarbeiten behandelt. Auch hier geht eröffnung wegen Massenmangels abgewiesen und 1955 Konkurss verfahren eröffnet. Beendet wurden im dritten Vierteljabr 1908: nicht wieder Preußen in Deutschland und Deutschland in der Welt angehören. Die summarischen Zahlen find folgende: Aktien Fundierte Rüd Anlage- Roh- Abschreis Diviboran, sondern es gleicht mehr dem verzopften China, wo jüngst cine Verfügung anordnete, daß bis zum Jahre 1916 alle Chinesen, kapital Schulden lagen Werte gewinn bungen dende in die lesen und schreiben könnten, das Wahlrecht erhalten sollten. ( Große Heiterfeit.) Ich möchte Ihnen den guten Rat geben, den Arbeitern gegenüber, die sich ihrer staatlichen Verantwortlichkeit sehr wohl bewußt sind, nicht in der Weise weiterzuarbeiten wie bisher, sondern ihnen endlich gleiche Rechte in Staat und Gemeinde zu geben. An die Blockparteien aber möchte ich die Frage richten, ob sie wirklich dem Fürsten Bülow diesen ungeheuren Etat mit gutem Gewissen bewilligen können.( Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Haben Sie wirklich Vertrauen zu der Regierung, über die Sie vor wenigen Wochen zu Gericht gesessen und den Stab gebrochen haben in einer Weise, wie das kurz vorher niemand für möglich gehalten hätte? Wie ist es denn überhaupt möglich, daß Fürst Bülow hier noch als Reichskanzler figen konnte, daß er noch im Amte ist? Wie er so dajaß, war er die Verförperung des„ kleineren llebels".( Große Heiterkeit.) Er hat es ja selbst neulich hier gesagt:" Sorgen Sie dafür, daß nicht aus dem Unglüd cine katastrophe wird." Fürst Bülow ist der Unglüdskanzler, und Sie fürchten den Kanzler der Katastrophe. ( Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Fürst Bülow sollte einmal die Probe machen, nicht ob man ihm den Etat bewilligt, sondern indem er das Volk fragt, indem er jetzt den Reichstag auflöst! Ich behaupte nicht zuviel, wenn ich sage, daß die jebige Zusammensetzung des deutschen Reichstages den Ansichten, die man im Volte hat, in feiner Weise mehr entspricht.( Lebhafte Bu- hönir ftimmung bei den Sozialdemokraten.) 1907( im dritten Vierteljahr 1907: 1839) Konkursverfahren, und zwar durch Schlußverteilung 1319, durch Zwangsvergleich 437, infolge allgemeiner Einwilligung 29 und wegen Massenmangels 122. 1906/07 Warenhaus A. Wertheim. Zwischen den Inhabern des Waren 1907/08 Demnach haben die Rohgewinne um 8,3 Prozent abgenommen; hauses A. Wertheim sind vor einiger Zeit Streitigkeiten ausgebrochen. die zu einer Kündigung des Gesellschaftsverhält die Abschreibungen sind um 12,1 Prozent höber bemessen worden. nisses geführt haben. Wie das I." nun erfährt, Trog des Rückganges der Durchschnittsdividende um 3,6 Prozent ist ist die Eintragung der Liquidation in das Handelsregister sie mit 12,7 Prozent immer noch sehr hoch. Und man bekommt ein noch nicht erfolgt, da gegen den betreffenden Antrag beim noch ganz anderes Bild, wenn die Zusammenstellung etwas einwand- hiesigen Amtsgericht ein Einspruch rechtlicher Natur erhoben ist. freier gemacht wird als nach der Grundlage der vorstehenden Re- Immerhin sind bereits auf Veranlassung des Gerichtes vom Weltestenfultate. Darin sind zunächst zwei Gesellschaften eingeschlossen, deren follegium drei Liquidatoren vorgeschlagen worden, nämlich die Herren Geschäftsjahr mit dem 1. Januar schließt, und dabei befindet sich Kommerzienrat Stedel, Stadtrat Dr. Weigert und Kaufmann Wiaaß. die Gelsenkirchener Bergwerksgesellschaft, für welche sich wegen der Db tatsächlich eine Liquidation erfolgt oder eine Umwandlung in Fusion mit dem Schalter Gruben- und Hüttenverein und dem eine andere Geſellſchaftsform, steht bis jetzt noch nicht feſt. Aachener Hüttenverein Vergleichszahlen schwer feststellen lassen. Sodann ist zu berücksichtigen, daß der Hauptausfall des Rohgewinnes auf drei Werke entfällt. Es sind das: Burbacher Hütte, AumetzEine Zusammenstellung der ErFriede und Rombacher Hütte. gebnisse der übrigen 11 Werke bringt dieses Bild: Dividende Rohgewinne Abschreibungen Union 0 Hösch. Rh. Stahlwerke Hasper Stahlw. v. d. 8ypen Königs- u. Laurah. Deutsch- Luremb. Maximilianhütte • in 1000 Mark in Prozent 1906/7 1907/8 1906/7 1907/8 1906/7 1907/8 26410 26355 9601 12092 17 11 4809 20 20 1327 162/3 15 552 4 6043 6095 4737 4588 1187 2757 2784 15 13 18 14. 15 11 850 12 71 806 16 12 10 10 2002 Deshalb wünsche ich Gutehoffnungshütte. 10774 11313 4700 dringend, daß die Regierung des Fürsten Bülow den Reichstag Bochumer Verein. auflöst, damit er draußen die unzweideutige Antwort bekommt, ob er noch das Vertrauen des Voltes hat. Ich kann ihm die Versicherung geben, daß wir auf diesen Wahlkampf gerüstet sind. Wir würden uns freuen, wenn er wieder mit der roten Mappe da oben erscheint.( Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Präsident Graf Stolberg: Bei der im Hause herrschenden Unruhe sind nicht alle Ausführungen des Herrn Vorrebners verstanden worden. Ich ersehe nun aus dem stenographischen Bericht, daß der Redner folgendes gesagt hat:" Bei einem Ueberblick über die Aera Bülow gewinnt man den Eindrud, als wenn es sich um die Wiederholung der Aera Manteuffel handelt. Das kommt einem so recht zum Bewußtsein, wenn man die Aufzeichnungen des Schriftstellers Varnhagen von Ense liest." Nun führt der Redner einige Zitate an. In einem derselben wird der König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen als Poffenreißer bezeichnet. Ich rufe den Herrn Redner deswegen nachträglich zur Ordnung.( Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten. Buruf: Sie müssen Barnhagen von Ense zur Ordnung rufen!) Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Montag 8028 7185 2339 2562 7157 6060 2406 2608 1882 1321 953 3300 2727 806 8878 8691 4701 4701 16 7542 7569 5044 5056 10 4669 4039 1138 1592 25 89415 85943 35632 87187 Bei diesen 11 Gesellschaften ist demnach der Rohgewinn nur um 3 Millionen Mart zurückgegangen. Anderfeits sind die Abfchreibungen um 1/2 Millionen Mark höher bemessen worden. Uhr. Schluß 5 Uhr. Aus Industrie und Handel. Finanzielle Ergebnisse in der Groß- Eisenindustrie. Naturgemäß muß sich die wirtschaftliche Abschwächung auch in den finanziellen Ergebnissen der großen Gesellschaften bemerkbar machen. Aber obwohl man annehmen darf, daß die Abschlüsse auf fehr vorsichtigen Berechnungen beruhen, speziell auch die Lagerbestände an Erzeugnissen und Produkten start unter dem Marktpreis eingestellt worden sind, müssen die Resultate als faum ertvartet günstig überraschen. Wenn man an die Klagen denkt, die aus den Kreisen der Großindustriellen über enorm gestiegene Selbstkosten und sinkende Schaltet man auch noch die drei Werke: Hasper Eisen und Stahlwerk, Marimilianhütte und Vereinigte Stahlwerke v. d. Bypen, die ebenfalls, wie die Burbacher Hütte und das Rombacher Wert, feine eigene Kohlenförderung haben, deren Ergebnis daher start durch die hohen Kohlenpreise beeinträchtigt worden ist, von der Berechnung aus, dann schmilzt der Rüdgang des Rohgewinnes für die übrigen acht Werke, die ein Aktienkapital von 303 Millionen Mark investiert haben, auf 18 Millionen Mark zufammen. Eingegangene Druckfchriften. Der Monismus. Zeitschrift für einheitliche Weltanschauung und Kulturpolitit, herausgegeben vom Deutschen Moniſtenbund. Zährlich 12 Hefte. Jahrespreis 2,40 M. Verlag des Deutschen Monistenbundes, Berlin W. 57. Städtebauliche Vorträge aus dem Seminar für Städtebau. Heraus. gegeben von J. Brix u. F. Genzmer. Heft 8. Verlag: W. Ernst u. Sohn, Berlin W. 9. Weltgeschichte. Lieferung 28-31. Herausgegeben von Profeffor Dr. J. v. Pflugt- Harttung. 80 Lieferungen a 60 Pf. Verlag: Ulstein u. Co., Berlin SW. 68. Koloniale Zeitschrift Nr. 25. Herausgeber Oberleutnant a. D. F. Kolbe. Einzelnummer 20 Bf. Verlag: Berlin W. 30. Dislokationskarte des f. u. f. österr.- ung. Heeres, der Landwehren und der Gendarmerieforps im Jahre 1908. 3 Sr. Verlag: G. Freytag u. Berndt, Bien VII, Schottenfeldgasse 62. Biologische Streifzüge von Dr. C. Thefing. Brosch. 6 M., geb. 7 M. Verlag: J. F. Schreiber in Eglingen u. München. Deutschtum und Franzosentum in Elsaß- Lothringen. Von Doktor H. Ruland. 127 Seiten. Stranzburger Druckerei, Filiale in Colmar. Sparrstraße 13 schöne Zweisimmer Dr. Schünemann Wohnung, Balton, per sofort oder später billig. Nur Herren- Moden 266/12 reell fertig und Maß. Modern u. schid. Alles auf Roßbaar in eigener Berfitatt gearbeitet 1 Mark wöchentliche Teilzahlung SchneiderUnd das ist das Ergebnis des Krisenjahres 1907/08. Bei der von den Werken beachteten Finanzpolitik darf auch, wenn sich die Verhältnisse nicht noch wesentlich ungünstiger gestalten, für das laufende Geschäftsjahr mit einem ähnlich günstigen Resultat gerechnet werden. Tausende Arbeiter aber werden von der Geißel der Arbeitslosigkeit mißhandelt und alle Konsumenten feufzen unter und den schmerzenden Wirkungen verteuerter Lebenhaltung. Die Kosten der Krise trägt das arbeitende Volt. Das Großkapital leidet nicht Not, und die Agrarier schwelgen im Genuß fünstlich hinaufgetriebener Brotpreise. Segen der göttlichen Weltordnung! bon L. Gongula, Meister. Frack Brunnenstr. 16, I. an 45032 Svezial- Arzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrichstr. 203, Ecke Schüßenstr. 10-2, 5-7, Sonnt. 10-12 Ubr. Die Harnleiden Ibre Gefahren, Verhütung und Beseitigung von Dr. med. 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Preis gebunden Der Verlag gibt dem Buche folgendes Geleitwort: 1 Mart. Mit dem Erstarken der Arbeiterbewegung hat namentlich ein Gebiet der proletarischen Emanzipationsbestrebungen an Bedeutung gewonnen: die Bildung und Erziehung des proletarischen Nach wuchses. Ein Beweis der Kulturkraft unserer Bewegung mag es sein, daß sich die organisierte Arbeiterschaft seit Jahren müht, eine Kinderliteratur zu schaffen, die in den Rahmen der sozialistischen Weltanschauung hineinpaßt. Und ein Beweis der Kulturkraft der Are beiterflaffe auch mag es sein, daß jezt einer aus der Arbeiterschaft kommt, der dem Nachwuchs seiner Klasse die sozialistische Ideen und Gefühlswelt dichterisch nahe bringt. : Sonntag, 6. Dezember 1908. übernommen. Branting wird jedoch auch fernerhin als ständiger dankung der Gewerbegerichte" und begann mit den Worten: Wie Mitarbeiter für das Zentralorgan tätig sein. " Der Unternehmerprofit muß geschont werden. Der oberpfälzische Gewerbeinspektor hat den lebensgefährlichen Abbau einer Kaolingrube wiederholt beanstandet. Die Unternehmer aber pfiffen auf die Anordnung des Beamten und ließen es beim alten. Schließlich wurden zwei Werkmeister mit je 30 M. Geldstrafe belegt. In der Gerichtsverhandlung in Amberg wurde vom Vertreter der Anklage konstatiert, daß das königliche Bezirks amt wegen seiner lässigen Haltung den rücksichtslosen Unternehmern gegenüber von oben herab einen Rüffel bekommen und daß sich das königliche Bezirksamt demgegenüber mit den Worten entschuldigt hat, es habe geglaubt, die Unternehmer etwas schonend behandeln zu müssen trotzdem innerhalb kurzer Zeit infolge dieser Schonung" acht Arbeiterleben vernichtet worden find! man dem Gesetz ein Schnippchen schlagen kann, das zeigt in wenig Polizeiliches, Gerichtliches ufw. vorbildlicher Weise der Rechtsbeistand der Dortmunder Union"." Weiter war die Rede von den üblen Rechtskniffen des ProzeßDie Preffe vor der Revisionsinstanz. Weil er die preußischen vertreters der„ Union". Daß das Landgericht die Urteile des Polizisten und Gerichte beleidigt haben sollte, war der verantwort Gewerbegerichts, die zugunsten der Arbeiter lauteten, aufhebe, liche Redakteur der" Görliger Volkszeitung". Genosse Hermann nannte das Blatt einen für unsere Justiz nicht gerade erhebenden leißner zu drei Monaten Gefängnis berurteilt 3uftand". Wegen des Artikels dieses Blattes war keine Klage erwarden, nachdem ein früheres Urteil vom Reichsgericht tassiert hoben worden. worden war. Es handelte sich um einen Artikel Uniformierte Bestien". Fleißner traf aber an der Veröffentlichung feine um ihre Arbeiter erworben. Der Redakteur der Arbeiterzeitung" Durch ihre Klage hat sich die Union" ungewollt ein Verdienst Schuld, da er in der Redaktion der Görlizer Volkszeitung" ist zwar mit 30 m. bestraft worden, aber gerichtet ist dei Wohlan dem fraglichen Tage durch den Genossen Riem vertreten worden fahrterei der Union" und auch unsere Justiz, die solch famoset war und der Artikel überhaupt nur durch ein Versehen des Metteurs Klagepraktiken, die die Rechtlosmachung der Arbeiter bezwecken, abgedrudt wurde. Trotz all dieser Feststellungen fam das Gericht zu zuläßt. einer Berurteilung wegen Beleidigung. Fleißner habe fahrläffig ges handelt, weil er damit rechnen mußte, daß bei der Eile im Zeitungsbetrieb ein solches Versehen vorkommen fonnte. Auf die Revision Fleißners hat nun das Reichsgericht das Urteil wieder auf gehoben. Das Landgericht sei sich nicht klar gewesen, daß es nur eine Fahrlässigkeit nach§ 21 des Preßgesetzes festgestellt habe. Da könnte es auch nicht ohne weiteres in der Urteilsformel den Beleidigungsparagraphen durch den§ 21 des Preßgefezes ersezen, da anMan verstehe uns nicht falsch die unter dem Titel„ Naudes zunehmen sei, daß die hohe Strafe auf diesen Irrtum zurückzuführen Luftreise und andere Wunderlichkeiten" heraus- sei. Das Landgericht Görliz muß sich nun zum dritten Male mit gegebenen Abenteuer und Geschichten von Robert der Sache beschäftigen. Grözich wollen dem jugendlichen Kopf nicht etwa die Grundsätze der Sozialdemokratie einpaufen; denn das hieße einen Boden politisch beadern wollen, der für eine politische Beaderung weder reif sein kann, noch foll. Aber das Buch will humorbolle Antworten geben auf all' die naiven Fragen, die unsere Kampflaute Zeit stellt. allein zu allgemeinen, ewigen Tugenden, wie Tapferkeit, Mut, Fleiß, Wahrheitsliebe will das Buch erziehen, es will auch leuchtend machen all die Gefühlswerte und Ideale, die in der modernen Arbeiterklasse lebendig find. will Freiheitsliebe, Gerechtigkeitsfinn, Abscheu gegen Faulheit, Hochmut, gegen Faulheit, Hochmut, Unters brückung weden, es will zur Arbeitstüchtigkeit und Silfs bereitschaft erziehen; es will das Entsittlichende und Entwürdigende des Müßigganges aufzeigen; es will für die fozialen Gegenfäße unserer Tage Tage lebendige, der jungen Phantasie unaufdringlich eingehende Erklärungen geben und die proletarische Tugend Solidarität aufleuchten lassen; es will die Arbeit als die erhaltende Kraft der Menschheitskultur in den Vordergrund des kindlichen Interesses rüden und will von der Poesie der Arbeit fingen furz: das Buch will dazu beitragen, den proletarischen Nachwuchs lebenstüchtig und zukunftsfroh zu machen. Robert Größsch wendet sich mit obigen sozialen Geschichten nicht an eine bestimmte Altersklaffe vom 8. Jahre an aufwärts dürften Knaben und Mädchen und jeder, der sich jung und lachluftig fühlt, das Buch nicht ohne heiter gestimmte Befriedigung aus der Hand legen. das Arbeiterkind Gemeindewahlen. Nicht Einen schönen Erfolg erzielten unsere Genossen bei der Gemeinderatswahl in holgen im Kreise Hörde. Sie vertreten beide Mandate in der dritten Abteilung; in der zweiten Abteilung erhielten wir 16 Stimmen, die Gegner 21, Allzu sicher ist den Bürgerlichen also auch die zweite Abteilung nicht mehr. In Bayern erzielte die Sozialdemokratie in mehreren Orten Erfolge. Es wurden in Selb awei, in Gefrees ebenfalls awei, in Aschaffenburg ein, in Kempten ebenfalls ein Genosse gewähl Personalien. Zum leitenden politischen Redakteur der Tribüne" zu Erfurt ist an Stelle des ausscheidenden zur Zeitung des Boltsblatt für Halle" berufenen Genoffen Hennig der Genosse Ernst Däumig, bisher Redakteur am Voltsblatt" zu Halle, ge= wählt worden. Der Wechsel geht am kommenden 1. Januar bor sich. Der Parteitag der schwedischen Sozialdemokratie, der im Juni dieses Jahres stattfand, wählte den langjährigen leitenden Redakteur des Sentralorgans Social demokraten" Sjalmar Branting zum Parteivorsitzenden. Gemäß diesem Parteitagsbeschluß hat Genosse Branting nun am 1. Dezember feine Redakteurstellung, die er, mit Ausnahme weniger Jahre, feit 1886 bekleidete, verlassen und die Genossen C. N. Carleson und Gerhard Magnusson haben die Leitung der Redaktion Kleines feuilleton. Soziales. Die Wohlfahrtsplage der Dortmunder Union". Aehnlich wie die Firma Krupp in Essen hat auch die Dortmunder Union" im Laufe des letzten Jahres wegen ihrer Wohlfahrts"-Stassen viel von sich reden gemacht. Zu diesen Kassen müssen die Arbeiter ihre Beiträge zahlen, fie verlieren aber jeden Anspruch an die Raffen, sobald sie die Entlassung nehmen oder entlassen werden. Es find hierüber äußerst rigorose Fälle an die Deffentlichkeit gedrungen, die gesamte Presse hat sich schließlich damit beschäftigen müssen, der Ruhm" der Wohlfahrterei dieser Werte berblaßte immer mehr. Im Laufe der letzten Jahre sind denn auch wiederholt entlassene Arbeiter dazu übergegangen, ihre gezahlten Kassenbeiträge auf dem Wege der Klage zurückzufordern. Die Gewerbegerichte, auch das in Dortmund, erkannten regelmäßig zugunsten der Arbeiter auf Rückzahlung der Beiträge. Nachdem in Dortmund einige solcher Urteile ergangen waren, hatte die Verwaltung der Dortmunder Union" einen Trid ersonnen, die Sache an das Landgericht zu bringen. Wenn die Arbeiter nämlich ihre Klagen einreichten, stellte die Union" sofort Gegenklage ohne sie zu begründen, was fie auch nicht konnte, weil ja gar feine Forderung ihrerseits bestand. Infolge ihrer Forderung von mehr als 100. war es ihr aber möglich, Berufung gegen das Urteil des Gewerbegerichts einlegen zu können, und das Landgericht Dortmund erkannte dann regel: mäßig auf Abweisung der Klage der Arbeiter. Die Urteile des Gewerbegerichts, woran Arbeiter und sonst Leute aus dem prak tischen Leben mitwirkten, standen denen des Landgerichts, die von Berufsrichtern gefällt wurden, fraß gegenüber. " Zuständigkeit des Gewerbegerichts für Hilfsarbeiter von Journalisten. Die Der Journalist F. betätigt sich als freier Schriftsteller. Er liefert aber auch oft an viele Zeitungen Berichte über Kongresse, Gerichtsverhandlungen und Versammlungen. Er bestritt die Zuständigkeit des Gewerbegerichts gegenüber einer Klage bes Journalisten R., der mangels einer Stellung aushilfsweise für F. als Telephonstenograph und Maschinenschreiber tätig sein wollte und 18 M. berlangte, weil er nicht beschäftigt wurde. Kammer 8 des Berliner Gewerbegerichts erflärte sich gestern mit Recht für zuständig. Sie führte aus: Allerdings sei Beklagter Journalist. Die Kammer erachtete jedoch den Betrieb, der die Herausgabe jener vervielfältigten Berichte über Gerichtsverhandlungen oder Stongreffe umfasse, für einen gewerblichen. Da in diesem Betriebe der Kläger tätig sein sollte, so sei das Gewerbe gericht zuständig. In der Sache selbst wurden dem Kläger 6 M. für einen Tag zugesprochen. Versammlungen. Die Sektion der Buyer hielt am Mittwoch eine außerordentliche Generalversammlung ab. In der Hauptfache handelte es sich um die Beschlußfassung betreffs Verlegung des Bureaus von der Sophienstraße nach dem Gewerkschaftshaus. Obgleich einige Redner scharf gegen die Verlegung opponierten, beschloß die Versammlung gegen 20 Stimmen, nach dem Gewerkschaftshause umzuziehen, vorIn einem sehr scharfen Artikel brandmarkte die Dortmunder aussichtlich am 1. Januar. Ferner stimmte die Versammlung einem Arbeiterzeitung" das von der" Union" beliebte Verfahren, die Vorschlage von seiten des Vorstandes zu, in Zukunft die Versammbem allgemeinen Rechtsempfinden entsprechenden Urteile des Gelungen nicht an einem bestimmten Tage, sondern nach Bedarf abzu werbegerichts um die Ede zu bringen. Die Arbeiterzeitung" halten, da es vorkomme, daß an dem festgefeßten Versammlungsnannte die Wohlfahrtseinrichtungen der Union" bollenbeten tage fein wichtiger Stoff vorliege, während in den nachfolgenden Humbug, den Trid, eine völlig unbegründete Klage gegen die Tagen oft Ereignisse eintreten, die eine Versammlung notwendig Arbeiter zu erheben, bezeichnete fie eine ganz erhebliche Unanständig- machten. Die Quartalsversammlungen bleiben von diesem Be reit, das ganze Verfahren der„ Union" brutal und ftrupellos. schluß unberührt. Unter Punkt Berschiedenes wurden noch einige Wegen dieses Artikels stellte die Verwaltung der Union" interne Berufsangelegenheiten erörtert. Strafantrag und die Dortmunder Staatsanwaltschaft hielt es wirklich für geboten, gegen den verantwortlichen Redakteur der Arbeiterzeitung". Genossen Nottebohm, die öffentliche Anklage zu erheben. Am Freitag wurde der Prozeß berhandelt. Lorbeeren hat die Union" bei diesem Prozeß allerdings nicht geerntet. Das Gericht erklärte, das Vorgehen der Union" gegen ihre Arbeiter sei mit dem, was man vornehm nenne, nicht in Ginklang zu bringen. Die Kritik der Arbeiterzeitung" sei, soweit fie sich gegen die unbegründeten Widerklagen der Union" richte, berechtigt. Allerdings habe sie über das Ziel hinausgeschoffen, doch fei eine Strafe von 30 M. wegen formaler Beleidigung eine hinreichende Sühne. In der Verhandlung wurde auch ein Artikel der Sozialen Bragis" zur Verlesung gebracht, der sich ebenfalls mit den Praktiken der Union" befaßte. Der Artikel trug die Spizmarke„ Die Abbon Eingegangene Druckfchriften. Die neue Generation. Heft 11. Herausgegeben von Dr. Helene Stöcker. Drgan des Bundes für Mutterschutz. Berlag: Defterheld u. Co., Berlin W. 15. Kultur und Fortschritt. Nr. 191. Die hygienischen Mindest. anforderungen an die Beschaffenheit von Arbeiterwohnungen. Bon Freiheitliche Beamtenpolitik. Von A. Dr. A. Fischer. Heft 192. Zwei Musterarbeitgeber. Von B. und 2. alfenberg. Heft 199. Der gemeinnützige Wohnungsbau. Von B. Statscher. Heft 200. v. Kaldstein. Heft 201. Strafe und Strafaufichub. Von Ph. Stauff. eft 203/04. Stillftuben. Von Klara Lingen- Ernst. Heft 205/06. Die Bevölkerungsfrage in weiblicher Beurteilung. Von Gräf. Giseler v. Streitberg. Heft 207/09. Der Karlsruher Arbeiterdiskussions. flub. Don Dr. A. Fischer. Einzelheft 25 Pfennig. Verlag: F. Dietrich, Gautsch bei Leipzig. Am ( Jugend".) damm eröffnet. Die Ausstellung ist den zeichnenden Künsten wörtliche rhetorische Talent der Hohenzollern in ganz besonders gewidmet und enthält gegen anderthalb tausend Bleistift, Kreide, reichem Maße geerbt hat! Feder und Tufchzeichnungen, Pastelle, Aquarelle, Radierungen, Holz Die Eide des Schahs. Dreimal hat der Schah die ichnitte, Lithographien usw. Daneben, über die einzelne Sale Verfassung beschworen, aber gehalten hat er sie nicht. Trotzdem Menschenfresser von heute. Die Menschenfresser sind keines- verstreut, etwa 120 plastische Arbeiten, meist im kleinen Format. ist er nicht gesonnen, das Schwören an den Nagel zu hängen und wegs bloße Märchenfiguren oder ausgestorbenen Boltsstämmen an- Fast den fünften Teil des Raumes füllt eine 275 Nummern die Schwurfinger in den Schoß zu legen. Nein, er will fröhlich gehörig. Wer sich auf den Lloyddampfer setzt und unseren umfassende Kollektion von Werken Franz Kruegers, des be- weiterschwören und zwar in folgender Reihenfolge: Am Sonnabend Kolonialbesibungen in der Süosee einen Besuch abstattet, fannten Berliner Bildnismalers aus der Biedermeierzeit. Von den schwört er: Ich halte fie. Am Sonntag: Ich halte sie nicht. Am fann, wie die neuesten Forschungen lehren, diese Gourmands bei Säulen der Sezession sind der verstorbene Leistitow fowie Montag: Von Herzen. Am Dienstag: Mit Schmerzen. ihrer Tätigkeit beobachten. Parkinson, der durch dreißig Liebermann, Slevogt, Ludwig v. Hofmann, Drlit Mittwoch: Ein flein wenig. Am Donnerstag: Oder gar nicht. Lord Kitschener. Nachdem Tschudi Direktor der jährigen Aufenthalt da unten zum ersten Kenner von Land und und Leopold b. aldreuth recht gut, Bischoff Culm und Leuten wurde, weiß davon zu erzählen. In der Regel sind es die Corinth miserabel vertreten. Der Buch- und Zeitschriften- Nationalgalerie in Berlin bleibt, will Anton b. Werner nach Eng Leichen der im Krieg Erschlagenen, die von der Gegenpartei ver- illustration bat man diesmal mehr Platz als gewöhnlich eingeräumt. land auswandern, wo noch die malerischsten Uniformen getragen speist werden; aber der geschäßte Braten wird nicht nur im offenen an der Spize marschieren die Künstler des" Simplicissimus": werden. König Eduard wird ihn in den Peerstand erheben und vor allem ihm den Titel Lord Kitschener verleihen. Rampf erbeutet, sondern viel mehr noch durch hinterliftige lleber. Gulbranifon, Resnicet, Thoeny und fälle. Alles, was getötet wurde, schleppt man fort: Männer, Rudolf Wilke( †), neben denen sich die Berliner Ernst Notizen. Weiber und Kinder, Alt wie Jung. Manchmal werden Züge nach Stern, Feininger, Bille und Finetti nicht recht beweit entfernten Distrikten unternommen, um Menschenfleisch zu haupten fönnen. Bon Eduard Munch sehen wir etwa Einmal und nicht wieder. Der schmähliche Reinfall, erlangen; dann vereinigen fich mehrere Sippen zum gemeinschaft zwei Dußend graphische Arbeiten, Hans Baluichet ben die tgl. Oper mit ihrer jüngsten Novität 2a habanera" lichen Raubzug. Der Ueberfall geschieht meist in der Nacht, und einen aus zehn Delfreidezeichnungen bestehenden Zyklus Die von Laparra erlitt, scheint doch nicht ohne Einfluß geblieben zu die Räuber schwärzen sich überdies den Körper mit Farbe, um sich Eisenbahner. Der jüngere Nachwuchs folgt fast ausschließlich der sein. Dieses Justitut, das die preußischen Untertanen mit ihrem unfenntlich zu machen. Auf Kanoes gleitet die gespenstige Schar modernen stilifierenden Richtung und scheint vom naturalistischen Gelde zu unterhalten haben, ohne hineinreden zu dürfen, wird wohl beim. Dort ist Jubel unter den harrenden Weibern, die sofort mit Impreffionismus nichts mehr wiften zu wollen. Die Holzschnitt noch länger eine Domäne des Kunstabiolutismus und unfähiger der Zubereitung beginnen. Die Leichen werden zuerst am Strande technik wird befonders bevorzugt. Auf diesem Gebiete find Leitung bleiben. Aber es ist immerhin ein Fortschritt, daß das mit Sand abgerieben und gewaschen. Dann stellt man sie einige von neuen Namen Alfred Ehlers, Franz Nitsche, Sausschlüffelkonzert die Absetzung der einstimmig abgelehnten Oper Stunden aus, während die hölzernen Trommeln bis weit ins Erich Büttner und Gustav Bechler in erster Linie zu erzwungen hat." Habanera" steht nicht mehr auf dem Repertoire. Innere schallen und die Nachbarn herbeirufen, den Triumph des nennen. Nicht gering ist die Zahl der unberufenen Nachtreter, Entsetzlich aber wahr: das Opernhaus wird konstitutionell. Stammes nebst einigen Leckerbissen mitzugenießen. die in Munchs und Beardsleys Spuren zu wandeln versuchen. Hinter den Kulissen. Die merkwürdige Schaufel Auf der Insel Lihir( bei Neu- Medlenburg) ist noch heute fol- Gin ähnliches Bild zeigt die plastische Abteilung, in der eben politik, die das Polizeipräsidium und der Minister des Innern gegen gendes grausames Verfahren üblich: Hat der Häuptling ein Ges falls die modernste Richtung vorherrscht und der ägyptifierende bie Veranstaltung der Schönheitsabende beobachtet haben, lüft nach Menschenfleisch, so beruft er seinen ganzen Stamm ein- Stil des Parisers Maillol von zahlreichen jüngeren Künstlern dürfte eine Erklärung finden durch einen Wink von oben. Der schließlich der friegsgefangenen Slaben zur Versammlung. Auf nachgeahmt wird. Als stark und eigenartig erscheinen hier Sittlichkeitsapostel Pfarrer Weber hatte bereits auf der letzten ein Zeichen stürzen sich die Eingeweihten auf einen der Sklaven, vor allem die Gips, Tons und Holzplastiken des herben Tagung seines Klubs in Hagen gegen die verfluchte Nacktheit gestoßen ihm hinter dem Schlüsselbein ein Loch in den Körper und und großzügigen Ernst Barlach und feinen Stein wettert und dabei berraten, er habe dem Kabinett der awängen glühende Steinchen hinem. Das Opfer wantt unter gräß- gußarbeiten von J. Mendes da Costa( Amsterdam). Alles Kaiferin die Bitte unterbreitet, folchen Veranstaltungen die lichen Qualen umher, bis es berendet. Auf den St. John- Inseln in allem gehört die neue Ausstellung, auf die wir demnächst in Genehmigung versagen zu helfen. Die beiden legten Schönheits. hat man noch vor kurzem die Sklaven in den dortigen heißen ausführlicher Besprechung zurückkommen, zu den wertvolleren und Abende wurden nun von dem Berliner Polizeipräsidium genehmigt, Quellen gebrüht. Und die Gründe für den Genuß von Menschen. intereffanteren Veranstaltungen der Berliner Sezession. von dem Minister verboten, dann wieder erlaubt und schließlich fleisch, mit dem griechischen Namen" Anthropophagie" genannt? nach§ 33a der Gewerbeordnung endgültig verboten, trotzdem der Die Gelehrten sind sich darüber nicht einig. Diese Sitte findet sich felbe Abend schon in demselben Raum stattgefunden hatte. Die noch heutigentages an anderen Orten der Groe. Von besonderer - Sofbericht. Neulich hat auch der jüngste Sprößling Postverbindung zwischen Pfarrer Weber und dem Kabinett der Roheit dieser Völker ist teine Niede, eher läßt sich manchmal das des Hohenzollernhauses zu einer politischen Kundgebung das Wort Raiierin scheint danach immerhin eine mangelhafte zu sein. Wie Gegenteil nachweisen. Neben dem Mangel an Fleisch, der den Fleischgenuß zu einer besonderen Delikatesse macht, scheint haupt- ergriffen und seine erste Rede gehalten. Als nämlich Bring Louis wär's mit einem telephonischen Anschluß! Oder hapert es sonstwo Ferdinand, das jüngste Söhnchen des Kronprinzen, in Potsdam an der Leitung? sächlich die Vorstellung mitzuwirken, daß man sich mit dem Körper eben im Kinderwagen spazieren gefahren wurde, äußerte S. K. auch die Seele des Feindes, seine Kraft und seinen Mut mit ein- Hoheit in demselben Augenblid, da der sozialdemokratische Reichs berleibt. NOG Runft. tagsabgeordnete Wühlhuber vorüberging, laut und deutlich: Be- be!"- Eine scharfe Absage an die vaterlandslosen Gesellen Die 16. Ausstellung der Berliner Gegeffion der Sozialdemokratie, tura awar, aber schlagend und in dieser wurde Sonnabend mittags im Sezeffionsgebäude am Kurfürften- I prägnanten Kürze ein Beweis, daß der kleine Prinz das sprich Humor und Satire. die J. S. - Vorträge. In der deutschen Gesellschaft für Mechanit und Optit, Abteilung Berlin, spricht am 8. Des zember, abends 8%, 1hr, im Physikalischen Institut der Universität, Reichstags- Ufer 7/8, Herr Rühlmann über: Das Telephon und seine Entwicklung bis zum Berliner 8.- B.- System.( Mit Lichtbildern.) Gäfte find willkommen. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 3. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Drechsler Johannes Zimmer ( Bezirk 250) wohnhaft Brizerstr. 4 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Sonntag, den 6. Dezember, nachmittags 4 Uhr, von der Reichenhalle des neuen Michael Friedhofes, Mariendorfer Weg, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 213/19 Der Vorstand. für den Sozialdemokrat. Wahlverein 4. Berliner Reichstagswahlkreis. Görlizer Biertel Bezirk Nr. 166. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Arbeiter Wilhelm Robert, Mariannenstraße 8, gestorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Montag, den 7. Dezember, nach mittags 2, Uhr, von der Leichenballe des Französischen Kirchhofes in Bankow, Bollantstraße 43, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 228/4 Der Vorstand. Allen Berwandten und Be. tannten die traurige Nachricht, daß unfer lieber Sohn, der Leder arbeiter 520 Wilhelm Robert am 4. Dezember gestorben ist. Die Beerdigung findet heute, Sonntag, den 6. Dezember, nach mittags 3 Uhr, auf dem Fran zösischen Stirchhof, Prinzenallee, statt. Die trauernden Hinterbliebenen. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Todes- Anzeigen.. Den Mitgliedern zur Nachricht, baß am 4. Dezember unser langjähriger Stollege, der Bader Ernst Wurche verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet hente, Sonntag, den 6. d. Mts, nach mittags 3, Uhr, von der Leichenhalle des Jerusalemer Kirchhofes, Rigdorf, Hermannstraße 84-90, qus statt. 58/3 Um zahlreiche Beteiligung wird erfucht. Am 4. b. m. verstarb unser langjähriges Mitglied, der Fräse tutfcher Paul Jendrzeick. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen, Montag, den 7. b. M., nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jakobi- Kirchhofes, Nixdorf, Hermannstr. 99/105, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung wird erfucht. Am 4. b. M. berstarb unser Mitglied, der Arbeiter Wilhelm Robert. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen, Montag, den 7. d. M., nachm. 22 Uhr, von der Leichenhalle bes Französischen Kirchhofes, Pantow, Wollantstr. 43, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung wird erfucht. Am 2. d. M. berstarb unser Mitglied, der A. E.- G.- Arbeiter Karl Griese. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Sonntag, den 6. d. M., nachm. 3 Uhr, von der Halle des Heilands Kirchhofes, Plögensee, aus statt. D Am 4. d. M. berstarb unser langjähriges Mitglied, der Müa futscher August Stengert. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 8. 5. M., nachm. 4 Uhr, von der Halle des neuen Satobi Kirchhofes, Hermann. ( traße 99/105, aus statt. Die Ortsverwaltung Berlin II. Allen Verwandten und Freun den die traurige Mitteilung, daß meine liebe Frau, unfere gute Mutter Veronika Friedrich geb. Seefeldt nach kurzem Leiden verstorben ist. Um stilles Beileib bitten Heinrich Friedrich nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Dienstagnachmittag 3 Uhr auf dem Emmaus- Stirchhof statt. Sozialdemokratischer Wahlverein des Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die herrlichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner 6. Berl. Reichstags- Wahlkreises. lieben Frau fpreche ich hiermit allen Todes- Anzeige. Am 2. Dezember verstarb unser Mitglied, der Former Reinhold Grellmann, Turiner Straße 7. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 6. d. M., vor: mittags 11, Uhr, vom Trauer hause aus nach dem Nazareths Kirchhof in Neinidendorf West statt. 9 Um rege Beteiligung ersucht 231/14 Der Vorstand. Sozialdemokratisch. Wahlverein des 6. Berl. Reichstagswahlkreises. Todes- Anzeige. Am 3. Dezember verstarb unser Mitglied, der Gastwirt George Schröder. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 7. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle der Friedens Gemeinde, Nordend aus statt. 0 Um rege Beteiligung ersucht 231/15 Der Vorstand. Todes.Anzeige. Am Donnerstag, den 3. d. M., abends 8 Uhr, verschied nach langem, fowerem Leiden mein inniggeliebter Mann, der frühere Gastwirt George Schröder im 44. Rebensjahre. Die Beerdigung findet Montag, den 7. Dezember cr., nachmittags 3 Uhr, bon der Leichenhalle der Friedensgemeinde in Nordend aus statt. Um stilles Beileid bittet Elisabeth Schröder geb. Blänckner. Sozialdemokrat. Wahlverein Adlershof. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Gastwirt Louis Wudecke verstorben ist ihm od 5 Chre seinem Audenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 6. Dezember, nach mittags 3, Uhr, von der Leichen halle des hiesigen Kirchhofes aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 203/13 Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht. baß unser Stollege, der Tischler Hermann Raschke am 3. Dezember gestorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, nachmittags 1, Uhr, von der Halle des Rigdorfer Ge meinde- Friedhofs, Mariendorfer Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 94/19 Die Ortsverwaltung. Freitag, den 4. Dezember, ver starb nach langem Leiden an der Proletariertranfheit mein lieber Mann, unfer guter Bruder, Schwager und Dntel Ernst Wurche ( Dieffenbachstr. 30). Um ftille Teilnahme bitten Die Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet heute, nachmittags 1,4 Uhr, auf dem Jerufalemer Stirchhofe, Rigdorf, Hermannstraße, ftatt. Zentralverband deutscher Brauerei- Arbeiter. Berlin Sektion II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege und Mitglied Franz Schiaffranek ( Brauerei Königstadt) am 5. b. M. berstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 8. Dezember, nach mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle bes Friedhofes der fatholischen Gemeinde in Hohen- Schönhausen, Berliner Straße, aus statt. Bahlreiche Beteiligung erwartet 44/8 Die Ortsverwaltung. Empfehle den Genossen mein Sarg- Magazin Fruchtstr. 39, Gde Gr. Frankfurter, Th. Schütz Nachf. Otto Löwenstein. Verwandten, Freunden und Bekannten Jowie der 40a. Schulfommission meinen herzlichsten Dank aus. Herm. Schneider, Buzer, nebst Sohn, Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines geliebten Mannes sage ich allen Ver wandten, Freunden und Bekannten 53502 meinen berzlichen Dant, Frau Luise Feldbinder. Danksagung. Für die zahlreiche Teilnaome und die reichen Kransspenden sage ich hiermit allen Beteiligten bet der Be erdigung meiner lieben Frau meinen herzlichsten Dant. Gustav Bunn nebst Kindern, Reichenberger Straße 95.. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen KranzSpenden beim Hinscheiden meines lieben Mannes, Baters und Schwiegervaters, Herrn 51b Wilhelm Lorenz fagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, sowie den Bereinen unseren herzlichen Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Billigste Bezugsquelle gedieg. Trauergarderobe Westmanns Trauer- Magazin Berlin W., Mohrenstr. 37a NO., Gr. Frankf. Str. 115. Genaue Beachtung meiner Firma u. 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Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sonntag, 6. Dezember 1908. Literarische Rundschau. In dem worwort zu seiner 1859 erschienenen ritit der politischen Oekonomie", in dem Karl Marg die Grundzüge seiner materialistischen Geschichtsauffassung darlegt, spricht er den Gedanken aus, daß auch die religiösen Anschauungen durch die Produktionsweise des materiellen Lebens" bedingt werden, einen Gedanken, den Friedrich Engels in seiner Streitschrift gegen Eugen Dühring später in die Worte faßte: Alle Religion ist nichts anderes als die phantastische wider fpiegelung, in den Köpfen der Menschen, der jenigen Mächte, die ihr alltägliches Dasein beherrschen, eine Widerspiegelung, in der die irdischen Mächte die Form von überirdischen annehmen. Karl Kautsky: Der Ursprung des Christentums. Eines In dieser Aufsuchung der kausalen Zusammenhänge zwischen Der Verfall des Römerreiche in den ersten Jahrhunderten historische Untersuchung. Verlag von J. H. W. der allgemeinen Wirtschaftsgestaltung und den im Urchristentum unserer Zeit griff nicht nur viel tiefer in alle überlieferten LebensDie Nachfolger, Stuttgart. XVI und 508 Seiten Ottav. zur Geltung gelangenden religiös- ethischen Vorstellungen ist verhältnisse ein, sondern erstredte sich auch über eine weit längere, Preis broschiert 5 M., gebunden 5,75 M. Kautsky weit über alle seine Vorgänger hinausgegangen, und in eine mehrhundertjährige Zeitperiode. Es gibt deshalb auch, wie dieser Untersuchung, also in den sozialgeschichtlichen Partien, liegt schon Gibbon erkannte, in der Geschichte der geistigen Epidemien auch im wesentlichen der Wert seines Buches. teine Epoche, die so tiefe Spuren des Zusammenbruches aufweist, Im gewissen Sinne spricht sich dieser Charakter des als die Zeit des Verfalls der alten römischen Weltherrschaft. Ale Kautskyschen Buches schon darin aus, daß von seinen 508 Seiten überlieferten Denkweisen gerieten ins Wanten. Der Gemeinfinn die kritische Erörterung der heidnischen und christlichen Quellen verfiel. Ein selbstsüchtiger Individualismus gewann die Ober und des Streites der Theologen um das Jesusbild nur 25 Seiten hand. Neben lagen epituräischen Anschauungen beherrschte ein umfaßt, dagegen die Schilderung der sozialen Zustände der heuchlerischer, gefünftelter Etoizismus das philosophische Denken. römischen Kaiserzeit 157 Seiten sowie die Schilderung der jüdischen Berachtung des Lebens und Selbstmord wurden geradezu zur ModeWirtschafts- und Geistesentwidelung 138 Seiten beansprucht, und fache. Und neben der Lebensüberdrüssigkeit tritt wieder eine innere daß ferner auch in der Darstellung der Anfänge des Christentums Feigheit, eine fast epidemicartige Todesfurcht und ein Unsterblich die Betrachtung der sozialen Lebensverhältnisse in ihrer Wirkung keitssehnen hervor, eine eigenartige Unselbständigkeit und Hilflosigkeit, auf die politisch- ethischen Auffassungen der urchristlichen Ge- ein Anheimfallen an die widerspruchsvollsten Stimmungen: an die meinden bei weitem überwiegt. Rautstys Ursprung des Regungen des Mitleids, der Wohltätigkeit wie der Vergewaltigung Die neuere Religionsgeschichtsforschung gibt diese Abhängig- Christentums" ist demnach vor allem ein sozialgeschichtliches und der Mordlust. Dort Blasiertheit, Lebensüberdruß, Sensationskeit der religiösen Anschauungen von der Wirtschaft größtenteils Werk. Manche seiner geschichtlichen Ausführungen, besonders in sucht, hier Todessehnen, Astese und hysterische Ertase. zu, wenn sie auch in ihrer Ausdrudsweise an die Stelle des Wortes feiner Schilderung der jüdischen Entwickelung, find in ihrer Art Aus den Berichten der Historiker, der Philosophen und KirchenProduktionsweise" das Wort„ Lebensweise" segt; aber meist fleine Meisterstüde kausaler Geschichtserklärung. Mit scharfen väter jener Zeit bringt Kautsky eine lange Reihe von Beispielen soll diese Abhängigkeit der religiösen Vorstellungen vom Wirtschafts- Strichen weiß die materiellen Lebensbedingungen des für diese innere Selbstauflösung der damaligen römischen Gesellleben nur für jene unteren Stufen der Religionsentwidelung gelten, Judentums im Wandel der Zeiten zu zeichnen und den sich schaft bei und zeigt, wie bereits alle jene Sitmmungen, alle jene auf denen der Mensch in seinem Fühlen und Denten noch un- aus diesen Bedingungen ergebenden Gedankenelementen nachzu- Gedankenkonzeptionen vorhanden sind, die später in den Schriften mittelbar unter dem Einfluß der ihn umgebenden Naturgewalten spüren, so daß man aus den scharfumrissenen Stizzen vielfach des Neuen Testaments ihren Niederschag gefunden haben. steht, d. h. noch nicht zum spekulativen Denken erwacht ist. Je einen besseren Begriff vom jüdischen Staats- und Geistesleben Vielleicht besser noch als die Schilderung des Selbstzersetzungsmehr er im Laufe seines geistigen Werdeprozesses die Fähigkeit der erhält, als durch das Studium so mancher didleibigen Geschichten prozesses des cäfaristischen Roms ist dem Verfasser die Darstellung Spekulation erlangt, desto mehr, so wird behauptet, befreit er sich Israels, in denen die Tatsachen des realen Lebens in einem der jüdischen Volfsentwickelung gelungen, da er hier mehr noch von diesem Einfluß, und wie die Philosophie, schlägt auch die dicken Rebel religiös- spekulativer Mystik oder eines philosemitischen als im ersten Teil seiner Schrift sich die Aufgabe gestellt hat, religiöse Anschauung eine selbständige Richtung ein, entsprechend Naffen- und Voltsgenietultus erstiden. die ethischen Anschauungen des jüdischen Boltes aus dessen wirtschaft den in ihr vorhandenen selbsttätigen psychologischen Antrieben. lichen Entwickelungsgang zu erklären. 11 Demnach wird meist nur für die unteren Stufen der Religions= entwickelung der enge Zusammenhang der religiösen Gedankenwelt mit den Lebensverhältnissen anerkannt da sich nun einmal die Abhängigkeit der Götter- und Schöpfungsvorstellungen wie der religiösen Ethik jener Stufen von der wirtschaftlichen Betätigung des Menschen nicht leugnen und sich bei den Jäger- und Hirten-, wie bei den derbauvölkern der alten Flußkulturen bis ins einzelne nachweisen läßt, wie ihre religiöse Ideenwelt genau ihre wirtschaftlichen Lebensformen und ihre Gliederung in Totemberbänden unb Familiengemeinschaften widerspiegelt. # Kautsky holt bei diesen Darlegungen ziemlich weit aus. Er schildert die semitischen Völkerwanderungen, das Eindringen der Israeliten in das Land der Kanaaniter. Als Hirtenvolt, als BeduinenNomaden waren die Hebräer ins Land gekommen; auch in dem eroberten Palästina blieben sie noch lange Zeit Hirten, obgleich sie feßhaft wurden. Nach und nach nahmen sie jedoch von den Kanaanitern, mit denen sie sich vielfach vermischten, die Bodenkultur an, den Anbau von Getreide, Wein, die Aufzucht von Oel- und Feigenbäumen usw. Begünstigt durch die geographische Lage Palästinas, das von wichtigen Karawanenstraßen durchzogen wurde, gewann neben der Viehzucht und dem Landbau der schon vorher von den hebräischen Stämmen betriebene Handel an fortschreitender Bedeutung, während Handwerk und Kunst im Vergleich zur Entwidelung anderer semitischer Völker zurückblieben. Nachdem Kautsky untersucht hat, was die heidnischen und christlichen Quellenschriften über die Persönlichkeit Jesu, des angeblichen Stifters der christlichen Religion, wissen, und zu dem Ergebnis gelangt ist, daß die historische Existenz Jesu sich mit einiger Sicherheit aus keiner dieser Schriften ergibt, schildert er, wie die römische Gesellschaft der Kaiserzeit entstand. Er legt dar, wie die Grundlage der Produktionsweise jener Länder, aus denen sich das Römerreich aufbaute, zunächst die bäuerliche Landwirtschaft und daneben, in geringerem Maße, Handwerk und Warenhandel Für die höheren Formen der religiösen Vorstellungswelt, für bildeten, wie sich der Großgrundbesitz entwickelte, zur Befriedigung die sogenannten bergeistigten" Religionen soll dagegen jene der Nachfrage des erweiterten Haushalts nach häuslichen ArbeitsAbhängigkeit der religiösen Anschauungen von den materiellen Kräften die Haussflaberei entstand, der darauf die Sklaverei in der Lebensbedingungen nicht gelten, vornehmlich natürlich Warenproduktion folgte. Der Kleinbetrieb trat gegen die Sklavennicht vom Christentum. Und doch hat gerade in bezug auf wirtschaft zurüd, die Großbetricbe nahmen zu, besonders der große Die dieser Stufe entsprechenden Gottesvorstellungen der Israes das Christentum eine mehr als hundertjährige Forschung erwiesen, Grundbesitz dehnte sich mehr und mehr aus. Latifundien ent- liten schildert Kautsky als eine Art Fetischismus, oder, wie es in der daß zu Lebzeiten feines angeblichen Begründers keine einzige der standen. Der Bauer wurde enteignet, sein Kleinbetrieb durch die Ausdrucksweise der heutigen Ethnologie heißt, als Naturanimismus, neutestamentlichen Schriften entstanden ist, und daß, was heute Plantagenwirtschaft ersetzt. Notwendig führte diese Entwickelung aus dem er später unter dem Einfluß des babylonischen Priesterals urchriftliche Lehre gilt, nichts anderes ist als ein Niederschlag zur Zersehung des bäuerlichen Lebens. Je mehr sich die Ueber- monotheismus sofort den jüdischen Monotheismus hervorgehen läßt. des Geistes bestimmter hebräischer und ägyptischer, vornehmlich schüsse steigerten, die sich durch die Latifundienausdehnung und die Wäre das richtig, dann würde tatsächlich die jüdische Religionsentaber griechisch- römischer Bevölkerungsschichten, so daß Bruno Vermehrung der Sklavenmassen in den Händen weniger ber- widelung andere Bahnen eingeschlagen haben, als bei anderen Bauer es schon vor vierzig Jahren in seiner 1878 erschienenen einigten, desto mehr wurde das Genießen, die Verschwendung Völkern, während Kautsky selbst gegenüber den philosemitischen Schrift Christus und die Cäsaren" zu unternehmen ver- dieser Ueberschüsse die vornehmste gesellschaftliche Funktion der Historikern, die sich bemühen, überall einen besonderen Spezialmochte, die Existenz des angeblichen Stifters der christlichen Religion herrschenden Klasse, desto mehr entbrannte der Wetteifer, einander genius des„ auserwählten Voltes" zu entdecken, hervorhebt, daß bis glattweg zu verneinen und den Ursprung des Christentums aus an Glanz, leppigkeit, Nichtstun zu überbieten. Doch der Jagd zum Eril die jüdische Entwickelung dieselben bezw. ähnliche Züge dem römischen Griechentum herzuleiten, indem er bis ins einzelne nach Genüssen folgte der Kazenjammer, der Etel vor jedem Genuß, aufweist, wie die anderer Kleinasiatischer Völker. Tatsächlich war nachwies, wie die urchristlichen Vorstellungen ihre parallelen Züge oft völliger Lebensüberdruß, das Empfinden, daß alles irdische auch bei den Hebräern, genau wie bei anderen Völkerschaften gleicher haben in den Lebensauffassungen des versinkenden Römerreiches. Trachten eitel sei: Verzweiflung, Todessehnsucht, aber auch die Entwidelungsstufe, schon lange vor dem Eril der früheren Animis Und seitdem hat, so sehr auch die meisten der Kirchenhistoriker Sehnsucht nach einem neuen, höheren Leben. Und neben dieser mus größtenteils durch den Geschlechts- und Ahnentultus verdrängt, und Bibelforscher, nicht nur die Behschlag, sondern auch die Harnack übersättigten, herrschenden Klasse erstand eine riesige Sflaven- auf den wir in den altjüdischen Schriften an den verschiedensten und Pfleiderer, sich bemühten, aus der versinkenden Welt des schar, ein Heer verrohter menschlicher Lasttiere, und ein ver- Stellen stoßen. Wie anderswo, finden wir auch bei den Jeraeliten Glaubens zu retten, was sich retten ließ, und sogenannte historische tommenes, arbeitscheues Lumpenproletariat. das Geschlecht, die Mischpacha, als Sakralgenossenschaft, die BeBelege für die Erzählungen der Evangelien zu finden, immer Doch die Stlavenarbeit führte in eine Sadgasse. Mit der schwörung der Ob" genannten Ahnengeister, die Berehrung der deutlicher gezeigt, daß die christliche Lehre nicht als eine bestimmte Verkümmerung des Bauernstandes verlor Rom auch sein Soldaten- Ahnengrabstätten und eine ganze Reihe dem Ahnenkult angehörende aus der Eigenart jüdischen Geistes geborene ethische Dogmatit material. Der städtische Lumpenproletarier und der fingerfertige, Gebräuche, wie z. B. verschiedene Blutritualien und Trauerges der religiösen Jdeenwelt des Römertums entgegentrat, sondern verweichlichte Handwerker boten dafür keinen Ersatz. Der römische bräuche, ferner auch die Stellung der Stlaben unter den Schutz der daß sie selbst nichts als ein Produkt der damaligen griechisch Staat sah sich immer mehr genötigt, die Zahl der dienstpflichtigen Familiengötter( Exodus 21, 2). Ueberdies wird durch verschiedene römischen Geistesverfassung ist. Ein Produkt, das je nach Milissoldaten durch angeworbene Freiwillige, durch barbarische Stellen im Jesaja, Jeremia und in den Büchern Samuelis der den besonderen Verhältnissen der einzelnen Gebietsteile des Söldner aus den unterworfenen Provinzen, schließlich sogar durch Totenkult direkt bezeugt. So verbietet z. B. Jesaja( 8, 19), daß die römischen Weltreiches jahrhundertelang in allen möglichen Lokal- Anwerbung von Ausländern zu ergänzen. Und mit der Ein Lebenden die Toten um Rat fragen lassen, im ersten Buch Samuelis, färbungen schillerte, bis später unter dem Einfluß der neuent- schränkung der Neueroberung fremder Gebiete und der Beschränkung Rapitel 28, zitiert die Totenbeschwörerin von Endor vor Saul den stehenden Hierarchie und ihrer Machtkonzentrationsbestrebungen der Verteidigung fremden Besites gegen die angreifenden Bar Geist des gestorbenen Samuel, und Jeremia schildert( 31,15), wie unter Ausscheidung der sogenannten gnostischen Richtungen eine barenhorden hörte auch die Zufuhr billiger Sklaven auf. Die der Geist der Ahnenmutter Ephraims über den Untergang der Zusammenfassung zu dogmatischer Einheitlichkeit stattfand. Und Latifundienwirtschaft rentierte sich nicht mehr. An die Stelle des Nachkommen flagt. bereits in diesen ersten Jahrhunderten der werdenden Kirche wird Großbetriebes trat vielfach wieder der Kleinbetrieb: die Zerdas kaiserliche Rom dermaßen zum geistigen Mittelpunkt der neuen ftüdelung der Latifundien in kleine Grundstücke und ihre VerLehre, daß der Bremer Pastor Kalthoff in seiner Schrift über die pachtung an Kolonnen. Entstehung des Christentums" die christliche Lehre in Rom entstehen läßt und annimmt, erst von dort aus sei der Schauplatz der evangelischen Geschichte nach Palästina verlegt worden. " Mit diesem Ahnenkultus steht der Jahwedienst keineswegs in Widerspruch. Im Gegenteil, wo ein ausgeprägter Ahnenfultus herrscht, finden wir meist neben diesem die Verehrung eines Be In scharfen Umrissen zeichnet Kautsky diesen Entwickelungs- schüßers der Gesamtheit der zu einem Volt vereinigten Gegang, indem er zugleich energisch den Historifern entgegentritt, die, schlechterverbände, die Verehrung eines National- oder Volksgetäuscht durch einzelne Aehnlichkeiten, in dem damaligen und dem gottes, der hin und wieder auch als allgemeiner Weltgott, als Aber bei dieser Ableitung der Elemente der chriftlichen An- heutigen kapitalistischen Entwidelungsprozeß etwas Gleichartiges Herr des Himmels und der Erde", gedacht wird. So verehrten schauungen aus dem griechisch- römischen Geistesleben sind selbst schen und aus dem Verlauf der sozialen Stämpfe in Rom allerlei die Altperuaner 3. B. neben ihren Geschlechtergottheiten, den jene Forscher stehen geblieben, die die historische Gristenz Jesu Rückschlüsse auf den wahrscheinlichen Ausgang des heutigen Huacas, einen Schöpfergott( Huiracocha) in den Gestalten des bestreiten und in der christlichen Lehre lediglich ein Gedanken- Rampfes zwischen Stapitalisten und Proletariat ziehen. Bachacamac( Weltbeseelers), Pacharurac( Weltregenten) und produkt der proletarischen Schichten des verfallenden Römerreiches Dem wirtschaftlichen Entwidelungsprozeß entsprach die Gestal- Pachayachachic( Weltunterweisers), der nach ihrer Ansicht nicht sehen. Wohl find sie sich bewußt, daß dieses Geiftesleben mit den tung des römischen Staatswesens. Kautsky schildert den Fort- nur die Welt geschaffen hatte und leitete, sondern auch in grauer politischen Zuständen Roms, mit seiner Sittenberderbnis und schritt des Warenhandels, die Gegensätze zwischen Patriziern und Urzeit die Ahnengottheiten geformt und beseelt hatte. Und wie feinem Stulturverfall, mit dem Aufstieg des militärischen Impera- Plebejern, die römische Staatsorganisation, die Käuflichkeit des selbst lange nach der Rückkehr aus dem Eril die Jsrealiten ihren torentums zusammenhängt; aber genauer zu untersuchen, wie die römischen Lumpenproletariats und den Aufstieg des Cäsarentums Jahre immer noch als ihren besonderen Nationalgott betrachteten, Gedankenelemente des griechisch- römischen Geisteslebens mit den und unternimmt dann in einem dritten Kapitel, aus den Zer- so statteten auch einzelne peruanische Stämme ihren Weltgott Gesellschaftszuständen des Römerreiches zusammenhängen und wie sehungserscheinungen des römischen Wirtschafts- und Staatslebens mit allerlei Stammesattributen aus und legten ihm besondere Bedieie Zustände wiederum durch die wirtschaftliche Entwidelung der das Denten und Empfinden der römischen Kaiser nennungen bei. Der Stamm der Chancas nannte 3. B. seinen Boaufgegangenen Zeiten bedingt waren: dazu find weder Bauer 3eit" abzuleiten. Schöpfergott Huiracocha Chanca; der Stamm der Huarochiris nech Kalthoff gelangt, obgleich legierer die geschichtlichen ErscheiEine jede Zeit andauernden Berfalls überlieferter Wirtschafts- nannte ihn Huiracocha Coniraya usw. nungen als Massenwirkungen aufgefaßt wissen will. Was sie und Lebensformen zieht erfahrungsgemäß auch eine Erschütterung Indes handelt es sich bei diesen und anderen Einwänden, die daran hinderte, war ihre ideologische Geschichtsauffassung, die das der Dentformen, der alten Ideale und des inneren geistigen Gleich ich gegen Kautskys Darstellung zu machen habe auch den Einfluß eigentliche Agens der Geschichte in der Ideenentwickelung fieht, gewichts nach sich. An die Stelle des Vertrauens auf die eigene der babylonischen Religionsphilosophie auf den jüdischen Monofeien es nun Individual- oder Massenideen. geistige Kraft tritt ein unsicheres Suchen und Tasten, eine Sich- theismus überschätzt meiner Ansicht nach Kautsky- nur um nebenHier seht Karl Kautskys neue Schrift über den Ur- selbstauslieferung der einzelnen an plöbliche Eindrücke und Stim- fächliche Teile seiner neuen Schrift. Der Hauptwert seiner Schilde sprung des Christentums" ein, indem er vom Standpunkt mungen, Kritiflosigkeit gegenüber den Erzeugnissen der eigenen rung des Judentums vor und nach dem Eril liegt in seinen wirtder materialistischen Geschichtsauffassung aus systematisch die wirt- Phantasie, d. h. eine gewisse mystisch- naive Wundergläubigkeit. schaftsgeschichtlichen Ausführungen. Hier auf seinem eigentlichen schaftliche Entwidelung Roms und Palästinas sowie den Zu- Wo wir Perioden des wirtschaftlichen Verfalls in der Geschichte be- Spezialgebiet zeigt sich Kautsky nicht nur als gründlicher Wirtsammenhang ihrer ethischen und religiösen Gedankenwelt mit gegnen, da sehen wir auch die Disposition zur Wundergläubigkeit. fchaftshistoriker, sondern auch als scharfsinniger Völkerpsychologe. Dieser Entwickelung untersucht und dann zeigt, wie die christliche So brachte der Verfall der urwüchsigen Städteherrlichkeit und Hochinteressant sind besonders seine Ausführungen über die EntLehre die dem proletarischen Charakter ihrer Anhängerschaft ent- des feudalen Rittertums den Wahnsinn der Herenprozesse; unter widelung des Handels in den vorderasiatischen Ländern und dessen sprechenden Gedankenelemente aus jenen jüdischen und römischen der wirtschaftlichen Depression der zweiten Hälfte des 18. Jahr Rüdwirkung auf die Denfweise. Während in den griechischen See Geistesströmungen übernimmt und sie entsprechend ihrem Propastädten die Entwickelung des wissenschaftlichen Denkens, der Philogationsbedürfnis modelt und verändert, so daß die Frage, wessophie, der Aristokratie zufiel, wurde sie unter den Wirtschaftshalb das Christentum zur herrschenden Religion des Weltrömerverhältnissen der semitischen Staaten zu einer Aufgabe der Priester. reiches zu werden vermochte, sich einfach daraus beantwortet, daß schaft. Damit erhielt ihr Denken eine einseitige Beziehung auf den es bas religiöse Jdeenprodukt dieser Welt ist. Religionskultus und förderte zudem die ohnehin schon bedeutende hunderts blühte das Unwesen der Rosenkreuzer und Geisterseher, der Cagliostros und Saint- Germains; und die heutige Zeit der tapitalistischen Abwirtschaftung hat allerlei spiritistische und offultistische Systeme, den Schwindel der Geisterbeschwörungen und des Geſundbetens wieder in voller Glorie entstehen lassen. Macht des PriestertumS. Zugleich stieg mit der Ausdehnung der Handelstätigkeit der Juden und der Niederlassung jüdischer Handels- iolonien in anderen Ländern auch der Zusammenschluß der jüdischen Kolonisten gegenüber den sie umgebenden mächtigen„Fremd- lingen". DaS nationale Empfinden, das Nationalbewußtsein schärfte sich und übertrug sich aus den Handelsschichten auf die breite bäuerliche Volksmassc: eine EntWickelung, die durch die mannigfachen Kämpfe der Hebräer mit den umwohnenden Völkern Wesentlich begünstigt wurde. Mit dem Handel stieg auch der Reichtumsunterschied. Zudem ruinierte der Kriegsdienst den Bauern und machte ihn abhängig vom geldbesitzenden Nachbarn, der ihm nun als Wucherer entgegentrat, in dessen Belieben es stand, ihn von seinem Gütchen zu vertreiben oder dort zu belassen, aber als Schul dsklaven. Es entstanden jene Klassengegensähe und Klassenkämpfe, von denen die Verkündungen der Propheten zeugen. Wie später in Rom, schien auch in Israel die Bauernschaft zum Niedergang verurteilt, als im Jahre 722 v. Chr. die Assyrer vorläufig dem nordisraelitischen Staat ein Ende machten, die Hauptstadt Samaria eroberten, die Blüte der Bevölkerung hinwegführten und dafür Bevölkerungsteile aus babylonischen Städten ansiedelten. Nur Jerusalem mit seinem Landbczirk, Judäa, blieb übrig vom Volke Israel. Doch bSö wird auch diese Stadt von den Baby- loniern unter Nebukadnczar erobert und der wehrfähigste Volksteil in die Gefangenschaft weggeführt. Der Einfluß des babylonischen Exils auf das jüdische Geistes- leben, vor allem auf die jüdischen Religionsanschauungen, die Rück- kehr der Juden nach Judäa im Jahre 537 v. Chr., das Wiederauf- blühen des Handels, die Zerstreuung der Juden als Händler außer- halb ihrer Heimat, die Entstehung der Priestermacht in Jerusalem werden von Kautsky näher geschildert und darauf die religiösen und politischen Anschauungen der hauptsächlichsten jüdischen Sekten der Sadduzäer, der Pharisäer, Zeloten und Essener untersucht. » Aus der Vermählung des jüdischen mit dem griechisch. römischen Geiste entstand die christliche Lehr«, und zwar erscheint, wenn man die Vermischung beider im schlietzlichen Resultat be- trachtet, der griechisch-römische Geist gewissermaßen als der männ- liche aktive Faktor, der jüdische Geist hingegen als das weibliche passive Element. Es hat deshalb eine gewisse Berechtigung, wenn Bauer und Kalthoff die eigentliche Bildungsstätte deS Christentums im cäsaristischen Rom erblicken. Doch gehen sie zu weit, wenn sie den judäischen Ursprung des Christentums ganz verneinen und die historische Existenz Jesu bestreiten. Im Gegensatz zu Bauer und Kalthoff vertritt Kautsky die Ansicht, daß tatsächlich JesuS(wenn auch ein anderer Jesus, als jener der späteren christlichen Legende) existiert hat und, wie die Apostelgeschichte behauptet, die erste christliche Gemeinde in Jerusalem entstanden ist. In zwei Abschnitten über das„Rebellentum Jesu" und die„P a s s i o n s g e s ch i ch t e Christi" analysiert KautSkh die Erzählungen der Evangelien über das Auftreten Jesu und zeigt, wie unter der Tüpche der späteren offiziellen Darstellung eine ältere Berichtsfassung steckt, in der Jesus als ein gegen die Römer- und Priesterherrschast eifernder politischer Revolutionär erscheint. Hätte, meint KautSky mit Recht, die christliche Gemeinde sich auS freier Phantasie ihr JesuSbild gestaltet, dann könnte dieses Bild nicht so viel innere Widersprüche enthalten, wie es in den Evangelien hat. Die Tatsache, daß unter dem offiziellen Bild deS Heilands, der allein wegen seiner unendlichen Güte und Liebe gekreuzigt wird, deutlich das Bild eines galiläischen, das Volk aufhetzenden Revolutionärs erkennbar ist, spricht dafür, daß JesuS in der Gestalt dieses gekreuzigten Rebellen tatsächlich existiert hat; waren doch damals Straßenkämpfe mit nachfolgenden Hin- richtungen der Rädelsführer etwas Häufiges in Jerusalem. Den Grund der Uebertünchung des älteren Berichts findet Kautsky darin, daß vom zweiten Jahrhundert an immer mehr in den urchristlichen Gemeinden der rebellische Sinn durch den leiden- den Gehorsam, die mit chiliastischen Hoffnungen gepaarte Re- signation ersetzt wird. Nach der Zerstörung Jerusalems, so führt Kautsky auS, änderte sich die Situation. Der letzte Rest demokra- tischer Opposition, der sich noch im römischen Reich behauptet hatte. wurde vernichtet. Zudem hörten zu dieser Zeit die Bürgerkriege auf. Die politische Umwälzung, ehedem das Natürliche, wurde zum Unnatürlichen. Die Unterwerfung unter die kaiserliche Mttcht, der duldende Gehorsam, erschien nun nicht bloß als ein Gebot der Klugheit für die Feigen, sondern wurzelte sich auch immer mehr ein als eine sittliche Verpflichtung. Diese Stimmung wirkte auf die christlichen Gemeinden zurück. Sie konnten den Messias der Rebellion nicht mehr gebrauchen. Ihr sittliches Empfinden bäumte sich dagegen auf. Da sie sich aber gewöhnt hatten, in Jesus den Inbegriff aller Tugenden zu sehen, vollzog sich die Wandlung nicht derart, daß sie den rebellischen Jesus fallen ließen sind ihn durch ein andere? Idealbild ersetzten, sondern indem sie den rebellischen in den leidenden Messias verwandelten, der nicht wegen Aufruhrs, sondern wegen seiner Gottesauffassung gekreuzigt wurde. Zweifellos hat auch dieser Stimmungswandel dazu beigetragen, daß das jüdische Rebellentum Jesu mehr und mehr aus den über- lieferten Berichten verschwand, ebenso wie der Haß, der vielfach in den griechischen und römischen Handelsstädten zwischen den proletarischen Kleinhandwerkern und den reichen jüdischen Händlern bestand und sich in gelegentlichen lokalen Judenverfolgungen Luft machte; aber das Hauptmotiv der Uebertünchung des jüdischen RebellentumS Jesu liegt trotzdem meines Erachtens auf einem anderen Gebiet: in dem Widerspruch, der zwischen der Auffassung der Gestalt Jesu als eines jüdischen Nationalmcssias und der Auf- fassung Jesu alS des allgemeinen Welterlösers besteht, der wieder- kommen wird, um alle Leidenden deS WcltrömerreicheS zu erlösen. Die nichtjüdifchen Gläubigen, die in Jesu den allgemeinen gött- lichen Erretter aus den trostlosen Zuständen des versinkenden Römerreiches sahen, konnten keinen jüdischen Nationalrebellen als ihren Erlöser brauchen, dessen Streben sich nach der Ueberlieferung allein darauf gerichtet hatte, einen winzigen, nebensächlichen Teil dieses RömerreichcS zu befreien. Es machte deshalb auch nicht nur die offizielle christliche Kirche aus dem jüdischen Rebcllenführer einen internationalen Erlöser, sondern auch die häretischen bczw. gnostischen Richtungen des zweiten und dritten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung, und zwar ganz besonders die proletarisch-kommunistischen Richtungen. Als inter- essantes Beispiel dafür können die Marcioniten gelten, die schon gegen Ende deS zweiten Jahrhunderts so zahlreiche Anhänger in Italien, Griechenland und den Gegenden des Schwarzen MeereS hatten, daß Tertullian gegen sie im Jahre 257 eine besondere Schmähschrift richtete. Die Marcioniten betrachteten Christus keineswegs als den dem Judentum verheißenen Nationalmessias; Christus hat nach ihrer Lehre vielmehr den politischen Bestrebungen deS JudäismuS ganz fern gestanden. Die Versuche, ihn als den 'Erfülle! deS jüdischen Gesetzes und der jüdischen National- Hoffnungen hinzustellen, seien Fälschungen. Ja die Marcioniten gingen so weit, daß sie lehrten, unter dem von Christus offenbarton Gott sei gar nicht Jahwe, der Hebräergott, zu verstehen, sondern ein diesem übergeordneter, gerechterer Allgott: eine Ansicht, die wir in ähnlicher Form auch bei der gnostischen Sekte der Kainiten wiederfinden. Gerade die nichtjüdischen, auf die Aufrichtung eines allgemeinen, neuen„Gottesreiches" hoffenden proletarisch-aSketischen Elemente mußten einen Messias ablehnen, der als ein jüdischer, nur um die politische Befreiung seiner Nation kämpfender Rebell erschien. Und die christlichen Gemeinden(die offiziell anerkannten, wie die söge« nannten häretischen) umfaßten anfangs fast ausschließlich proletarische Elemente, wie Kautsky in einem besonderen Kapitel über die urchristliche Gemeinde treffend nachweist. AuS den verschiedenen neutestamentlichen Schriften zeigt er, wie dieser proletarische Charakter fast überall zum Ausdruck kommt und wie teilweise der rücksichtsloseste Klassenhaß gepredigt wird; und dann wendet er sich in längerer Polemik gegen jene theologische Behauptung, daß ursprünglich die Bestrebungen der Nazarener nicht auf wirtschaftliche Umwälzungen gerichtet gewesen wären und erst später durch die griechische Philosophie kommunistische Tendenzen in das Christentum hineingeschmuggelt worden seien. Lange vermochte der energische, aber vage, nicht auf Gemein- samkeit der Produltions-, sondern lediglich der Genußmittel be« ruhende KonimunismuS sich allerdings nicht zu behaupten. Ursprung- lich war wohl die christliche Gemeinde vorwiegend eine Kampf- organisation; aber je länger die Gemeinde dauerte, desto deutlickier zeigte eS sich, daß auf die Erfüllung der Prophezeiung, die Zeitgenossen Jesu würden selbst noch die Aufrichtung deS neuen GotteöreicheS erleben, nicht mehr zu rechnen sei. DaS Zutrauen schwand; das Reich Gottes wurde immer mehr in den sogenannten Himmel verlegt, die Auferstehung des Leibes in die Unsterblichkeit der Seele verwandelt. Und in demselben Maße, in dem der retzolu« tionäre Enthusiasmus abnahm, verfiel auch- der praktische Komniu» nisnmS. Die Sklaverei wurde als berechtigt anerkannt, die Güter- gemeinschaft auf gemeinsame Mahlzeiten und auf die Unterstützung der Notleidenden beschränkt. Dazu kamen die Streitigkeiten zwischen Aposteln, Propheten und Lehrern, die Herausbildung einer einflutz- reichen Gemeindebureaukratie mit Bischöfen an der Spitze. Immer mehr wurde die christliche Kirche zu einer Herrschasts- und Aus- breitungsorganisation und damit zur erbittertsten Feindin des Kommunismus, aus dem sie hervorgegangen war. • Wie die obigen kurzen Inhaltsangaben zeigen, geht KautSky weit über seine Vorgänger auf dem Gebiet der Erforschung der urchristlichen Glaubensbildung hinaus. Haben diese sich meist damit begnügt, daß sie die im Aufbau der urchristlichen Glaubenslehre der- wendeten religiösen Anschauungen und Mythen als Elemente der griechisch-römischen und der jüdisch- ägyptischen(alexandrinischen) Gedankenwelt nachwiesen, so wirft Kantsky die Frage auf, wie und wodurch denn diese Gedankcnelemente im Römer- und Judentum entstanden seien und gelangt auf diese Weise zu einer Analyse der voraufgegangenen Wirtschaftsentwickelung und ihrer Rückwirkung auf daS römische und jüdische Geistesleben. Der Erfolg ist die' Aufdeckung einer Reihe hochinteressanter kausaler Zu- sammenhänge. die deutlich zeigen, daß auch die religiöse Welt des Urchristentums nichts anderes ist, als eine„Wider- spiegelung derjenigen äußeren Mäwte", die zu Beginn unserer Zeitrechnung daS„alltägliche Dasein" der jüdischen und römischen Proletariermassen beherrschten. S o ist das neue BuchKautskys zugleich in gewissem Sinne eine Probe auf die Richtigkeit der materialistischen Geschichtsauffassung. HeinrichCunow. Billigste Bezugsquelle für Cigarren -- 100 Stück- 3 Pfennig-Zigarren 2,30 2,36 2,40 M. 4., 2,60 2,80 3,-. 5,„ 3,40 3,60 3,80. 6„„ 4,20 4,60 4,80. 8„ 6,40 5,60 5,80. 10„, 6,50 7,- 7,50. Um jeden von der Preiswürdigkeit der Fabilkate zu überzeugen, stehen Mullcrkisten von 100 Stück in 10 verschiedenen Sorten von je 10 Stück nach beliebiger Wahl zu Diensten. Itorl Streubel, Dresdcn»A.. • Wettiner Straße 13/43. Der neueste illustrierte Prciskurant wiid jedem a. Wunsch gratis zugesandt. 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Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sonntag, 6. Dezember 1908. Der Vertragskampf der Schauspieler. tode verurteilt werden kann, zeigt der Umstand, daß schon derjenige Schauspieler als bertragsbrüchig angesehen wird, der einmal zu fpät zur Arbeit fommt. Die Redner fanden scharfe Worte des Proteftes sowohl gegen den Vertragsentwurf als auch gegen das Verhalten des Präsidiums der Genossenschaft. Große Entrüstung rief die Mitteilung hervor, Es erscheint also durchaus selbstverständlich, daß die Schau- daß die Beitung der Genossenschaft einen kritischen Artikel über Eine Bewegung, die manche Aehnlichkeit mit einem gewerk. Spieler, soweit sie nicht völlig blind find für ihre eigenen Lebens- den Vertragsentwurf abgelehnt hat mit der Begründung, in dem Eine Bewegung, die manche Aehnlichkeit mit einem gewerk interessen, dieses Monstrum eines Vertrages zurückweisen. Das offiziellen Blatte der Genossenschaft dürfe der Entwurf nicht kri schaftlichen Tariftampf hat, schlägt zurzeit starte Wellen in der ist auch bereits in einer Reihe von Bersammlungen örtlicher Mita tifiert werden.- Obgleich verschiedene Redner betonten, daß die deutschen Bühnenwelt. Die Ursache der Bewegung, man darf wohl gliedschaften der Genossenschaft geschehen. Die Protestler haben Bühnenangehörigen bestrebt find, in einem harmonischen Berhältnis fagen das Kampfobjekt, ist ein Vertragsentwurf, der die grund- einen Arbeitsausschuß eingefekt, der die nötigen Maßnahmen zur mit den Direktoren zu leben, richteten sie doch die schärffte Kritik legenden Bedingungen für das Arbeitsverhältnis der Schauspieler Bekämpfung des Vertragsentwurfs zu treffen hat. gegen den Entwurf, von dem gesagt wurde, daß er den Schauspielern und Schauspielerinnen Deutschlands regelt. Dieser Entwurf ist das Ergebnis jahrelanger Beratungen einer Kommission, die zuSoweit ist die Aehnlichkeit mit einer gewerkschaftlichen Altion labenfeffeln anlege. Wer uns diesen Vertrag aufzwingt hieß ſammengesett ist aus Vertretern des Deutschen Bühnenvereins vorhanden: Auf der einen Seite ein raffiniertes, rücksichtsloses es mit Bezug auf das Präsidium, der begeht einen Treubruch ( der Organisation der Theaterunternehmer) und Vertretern der Unternehmertum, welches seine wirtschaftliche Macht und seine ge- gegen uns und verkauft uns um einen Judaslohn. Ein Vertreter Genossenschaft deutscher Bühnenangestellter( der Schauspieler- schäftliche Geriebenheit ausnutzt, um den Angestellten vertragliche der deutsch- österreichischen Schauspieler stellte in Aussicht, daß jeder, organisation). Der Vertragsentwurf soll dem in nächster Zeit statt- deffeln anzulegen, und auf der anderen Seite die Arbeitnehmer, der als Delegierter für den Vertrag stimmt, in Wien boykottiert wird. Ferner trat man ein für eine Reform der Genossenschaft findenden Delegiertentage der Genossenschaft zur Beschlußfassung welche sich gegen die Anlegung der Fefsel wehren: Eine verhältnisvorgelegt werden. Unter den Mitgliedern der Genossenschaft ist mäßig fleine Zahl gut gestellter Künstler und neben ihnen die und für gesetzliche Regelung der rechtlichen Verhältnisse der Bühnenangehörigen. eine lebhafte Protestbewegung gegen die Annahme des Entwurfs erschreckend große Zahl des Bühnenproletariats, der armen HungerDie Versammlung erklärte den Arbeitsausschuß der Protestler im Gange. Mit Recht sagen die Proteftler, daß die Schauspieler leider männlichen und weiblichen Geschlechts an den vielen kleinen der Willkür der Theaterdirektoren preisgegeben sind, wenn dieser Bühnen, die für Monatsgagen von 100, 50, ja 30 M. zur Unter- in Permanenz und beauftragte ihn, die rechtlichen Ansprüche der Bühnenangehörigen zu schützen. Vertrag angenommen werden sollte. Eine unerträgliche Fessel haltung eines hochgeehrten Publikums und zur Füllung der Taschen für die Bühnenangestellten bedeutet dieser Vertrag. Die Unter- thres Direktors beitragen. nehmer haben es verstanden, sich in dem Vertrage ein Instrument zu schaffen, durch dessen Gebrauch die Eristenz der Schauspieler vollständig in die Hände der Direktoren gegeben ist. Zwar soll der Entwurf einzelne geringfügige Verbesserungen des bisherigen Verhältnisses enthalten, aber dieselben werden als völlig belanglos Bezeichnet im Hinblick darauf, daß der Vertrag als Ganzes eine schwere Schädigung der materiellen und rechtlichen Lage des Bühnenpersonals bedeutet. Nicht nur hat der Direktor auf Grund eines solchen Vertrages jederzeit die Möglichkeit, einen engagierten Schauspieler ohne viel llmstände auf die Straße zu sehen, sondern es kann dem Hinausgeworfenen auch die Erlangung einer neuen Stellung auf Jahre hinaus unmöglich gemacht werden. Vertragsbrüchige Schauspieler und Schauspielerinnen werden von den Mitgliedern des Bühnenvereins fünf Jahr lang von jedem Engagement ausgeschlossen. Da haben wir also im Bühnenbetriebe das System der schwarzen Listen in der trasfesten Form. Und wie leicht jemand durch die schwarze Liste zum Hunger-| vertreten. Nun aber zeigt sich in der Bewegung der Bühnenangehörigen ein Umstand, der im gewerkschaftlichen Leben kein Gegenstüd hat: Auf der Seite der Unternehmer steht die Leitung der Arbeitnehmerorganisation! Die Präsidenten der Genossenschaft, die Herren May Pohl und Mag Pate gg bezeichnen die Protestbewegung ihrer Kollegen als eine den Frieden zwischen Direktoren und Schauspielern störende Heberei", als wüste Agitation" usw. Das Präsidium der Genossenschaft verlangt, daß der bevorstehende Delegiertentag den Vertragsentwurf en bloc annimmt. Gegen diese Zumutung protestierte eine Versammlung von Bühnenkünstlern beider Geschlechter. Die Versammlung war vom Arbeitsausschuß der Protestler einberufen. Sie fand in der Nacht rom Freitag zum Sonnabend im Mozartsaal statt, der vollständig gefüllt war. Zutritt hatten sowohl Mitglieder wie Nichtmitglieder der Genossenschaft. Beide Geschlechter waren annähernd gleich stark Eine einstimmig angenommene Resolution ersucht die Deles gierten zum Genossenschaftstag, den Vertragsentwurf abzulehnen und Mittel zu beraten, welche geeignet sind, der rechtlosen Stellung der Schauspieler und Schauspielerinnen ein Ende zu machen. Ein Mißtrauensvotum gegen das Präsidium der Genossenschaft wurde beantragt, aber nach furzer Debatte zurüdgezogen, weil dies eine Angelegenheit des Genossenschaftstages sei. Die Versammlung machte den Eindruck einer wirkungsvollen Protestbewegung. Durch stürmische Beifallssalven gaben die Teilnehmer zu erkennen, daß sie mit den Rednern einig sind in der Berurteilung der unwürdigen Bestimmungen des Vertragsentwurfs sowie im Protest gegen das Verhalten des Genossenschaftspräsidiums. Hoffentlich hält die ungeheuchelte Entrüstung in den leicht bes meglichen Gemütern des Schauspielerberufes lange genug vor, um nicht nur die Fesseln des Vertragsentwurfs zu brechen, sondern auch eine für die Dauer begründete Solidarität wachzurufen. Es gilt für die Schauspieler, ihre Organisation so auszubauen, daß fie für alle Zeit ein wirksames Gegengewicht gegen die Praktiken eines ausbeuterischen Unternehmertums bildet. Brunnenstr. 198 am Rosenthaler Tor Saison- Neuheit! Reinwollene Diagonale u. 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Abteilung, nachmittags 3 Uhr im Lessing- Theater: Die berfuntene Blode. Montag, den 7. Dezember. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Jerusalem. Montag 8 Uhr: Schiller- Theater. O.( Wallner- Theater.) Sonntag, nach m. 3 Ubr: Der rote Leutnant. Schauspiel in 3 Aften b. Ed. Goldbed und H. Kienzl. Sonntag, abends 8 1br: Vater und Sohn. $ Schiller Theater Charlottenburg. Sonntag, nad m. 3 br: Die Braut von Messina. Ein Trauerspiel mit Chören von Friedrich Schiller. Sonntag, abenos 8 br: Die Jungfrau v. Orleans. Kairo und die Pyramiden. Stomödie in 3 Aften von Gustav Romantische Tragödie in einem BorBerliner Aquarium Unter den Linden 68a Eingang Schadow- Straße No.14. Heute Sonntag Eintrittspreis 50 Pf. Reichhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Seetieren, Reptilien etc. 19/20 18.( II.) abendabteilung: Gastspiel- Theater abends 8 Uhr im Neuen Schau spielhause: Weh' dem, der lügt. Mene Freie Wolfsbühne. 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Vorher: Vollständig neuer Künstler- Teil: Lona Heggi. Mirzl v. Wenzl. Original Lindström- Terzett. Les Rhyants. 5 Hardinis. Esmann. Montag, abends 8 Ubr: Die Zwillingsschwester. Dienstag, abends 8 Uhr: Die Zwillingsschwester. 108/114. spiel und 5 Aften v. Friedr. Schiller. Montag, abends 8 u br: Die Braut von Messina. Dienstag, abends 8 Uhr: Der schwarze Kavalier. Hasenheide Neue Welt. Hasenheide Neuer Oratorien- Chor, Alexander Weinbaum. Elias" 108/114. Dirigent: Montag, den 14. Dezember, abends 8 Uhr zum Besten der Hinterbliebenen der Verunglückten von Radbod: Oratorium in zwei Teilen von 99 Felix Mendelssohn- Bartholdy. Mitwirkende: Elias: Kammersänger Alexander Heinemann, Klara Senius- Erler, Paula Weinbaum, kgl. Domsänger Georg 66/19 Funk, Blüthner- Orchester. Eintritt inkl. Programm u. Textbuch 70 Pf. Garderobe 10 Pf. Abendkasse 1. M. 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Größter und vornehmster Theater faal Moabits. Sonntag, den 6. Dezember: Tie Logenbrüder. Lustspiel in 4 Aften von E. v. Wolzogen. Schwant in drei Alten von G. Laufs. Brunnen- Theater Sonnabend nahm.& Uhrigen Casino- Theater Babftraße 58. Direktion: Willy Voigt mäulchen und Wahrheitsmündchen. Abends 8 Uhr: Die Ehre. Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. 8 Uhr: Corradini usw. usw. Sonntag, den 6. Dezember 1908, nachmittags 8 Uhr: DERNHARD ROSE THEATER De Bergère- Quartett. Der Trompeter v. Säckingen. Gr. Frankfurter Str. 132: Abends 8 Uhr: Die Eutaleiften. Berliner Bollsstud in vier Aften von Brentano und Gisbert. Sonntagspreise. Nachmittags 3 Uhr halbe Preise: Das bemooste Haupt. berühmte 9, Uhr: Jubelnder Lacherfolg! Romantisches Schauspiel Die Dianabäder". mit Bejang in 3 aften von Emil Sonntag 4 Uhr: Die fidele Rifte. Hildebrand und Julius Keller. Musit von Brenner. Abends 7 Uhr: Walhalla Sie wilde State Konzert 6 XIV. Saison. Zirkus Busch Sonntag, den 6. Dezember: BF Große 2 Gala- Vorstellungen 2 Nachm. 4 und abds. 7%, Uhr. Um 4 Uhr zahlen Kinder unter 10 Jahren auf allen Sigplägen halbe Preise.( Galerie volle Breise.) In beiden Vorstellungen: Barbarossa Große Orig. Ausstatt.- Pantomime des Zirkus Busch in 6 Bildern. In beiden Vorstellungen: Restaurant ewerkschaftsG₂ haus. Engelufer 15. Menu 75 Pf. Heute Sonntag: Legierte Kalbfleischsuppe. Lachs in Butter oder: Notkohl mit Schnitel Gefüllte Selbsbrust oder: Ninderschmorbraten. Kompott oder Salat. X Reichhaltige Abendkarte. X Bochentäglich: Großer bürgerlicher Zizi Bambula Mittagstisch Cour. 60 Pr. das vielumstrittene Naturwunder in Paris. In beiden Vorstellungen: Inas Truppe! In beiden Vorstellungen: Vorführen und Reiten der best dress. Schul, Freiheitsund Springpferde. In beiden Vorstellungen: Auftreten sämtlicher Clowns mit den neuesten Bizen und Späßen. W. Noacks Theater Direction: Rob. Dill. Brimmenitr. 16. Fridolin soder: Der Gang nach dem Eisenhammer. 2 franz. 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Reichshallen- Theater Steffiner Sänger. Zum Schluß neu: Der Kompagnie- Ball Militärische Humoreste Don Meysel. Anfang wochentags 8 Uhr, Sonnt. 7U Puhlmanns Theater ( früh. Fröbel, Jnb.: 1. Leschkowski). Schönhauser Allee 148. Heute: Große Extravorstellung. Mr. Lahovary, der Unfeffelbare. Sanssouci, Straße 6. Die Jeffeiung unter Baffer. Dazu bie Direktion Wilhelm Reimer. Heute Sonntag: Neues Programm. Tanzfenfationellen Spezialitäten. Nach der Vorstellung: Großer Ball. Schneidige Ballmufit. Gr. Elite- Soiree Kränzch. Königstadt- Kasino. bon Hoffmanns Hordd. Sängern Bum ersten Male: Wiedergefunden von Franz Fanther. U. a.: Im Eispalast.( Duett.) Das neueste v. Berlin.( Potp.) Beg. Sonnt. 5, wochent. 81. Morg. Montag: Hoffmanns Nordd. Sänger. Tanz. Alhambra Wallner Theaterstraße 15. Jeden Sonntag: Großer Ball Großes Drchefter. Anfang Sonntags 5 Uhr. A. Zameitat. Holzmarktstr. 72. Gänzlich neues Brogramm!!!! Franz Sobanski. Les Mandros, Gebr. Weiß, E. Charton, Grete Reimann, Mstr. 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Birch- Pfeiffer. Nachm. 3 Uhr: Kleine Preise. Jeder Besucher ein Kind frei und abends 8 Uhr: In beiden Vorstellungen das W. Mannstadt und Weller. Mufil von G. Steffens. oder: Bergmanns Freud und Leid. Charakterbild aus der Neuzeit. Friedel, Obersteiger: Dir. G. Behrens. Mr. Henry: Das Wunder der Hunde- Dressur. Außerdem bas Berliner Eis- Palast Ständige Eisbahn. Bis 1 Uhr nachts geöffnet. Auftreten erster Eiskunst5, Uhr: Eliteabend. Eintritt 2 M. Mittwoch u. Freitag bis 5%, Uhr: Elite- Dezember- Programm. Populäre Tage. Eintritt 50 u. 30 Pt. Anfang 8% Uhr. Sonntags 6 Uhr. neue Programm. läufer u. Läuferinnen. Montag ab Im Tunnel Regimentstapellen 2c. Theaterbefucher hab. freien Eintritt. Prachtsäle des Nordens Müllerstr. 142( Pharus- Säle). Sonntag, den 6. Dezember 1908: Große Gala Vorstellung ber Spree- Athener. Chauffeeftr. 110. Carl Richter. Jeden Sonntag: Paul Mantheys lustige Sänger ( ehem. D. Steidls Hamb. Sänger) ( tets neues Programm. Anfang 6%, Uhr Eintritt 50 B1. mit anschließendem Familienkränzchen Von 5 Uhr ab im weißen Saale Großer Ball. Jeben Mittwoch: Paul Mantheys lustige Sänger und Frei- Tanz. Borzugstarten gelten. ( ftaatl.gepr.) Entree 40 Masseure u. Heilgehifen für famtide Anfang 7 Uhr.. Nach der Borst.: Familien- Tanz. Jm Abonnement 30 Bf. Krantentassen Berlins und Umgegend, Wolter u. Frau( Moabit), Ottostr. 3. Wollen Sie Ihre Gesundheit erhalten? Dann trinken Sie die weltberühmte Rohr's Magen- Kräuter- Essenz pro Fl 1,50 m., von 3 Fl. an in Deutschland portofrei Profpett gratis. Poftlarte genügt. Chr. Rohr. Blankenese. 283/15 Sozialdemokratischer Wahlverein D für den 1. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Heute, Sonntag, den 6. Dezember, abends 6 Uhr, in der rebensquelle", Kommandantenstraße 20: Deffentliche Versammlung. Lages Drdnung: Vortrag des Genoffen Emil Kloth über: Welches Interesse haben die Frauen an den neuen Steuervorlagen? Diskussion. Nachdem: Gefelliges Beisammensein. Eintritt mit Garderobe 20 Pfennig. Tanz frei. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 208/12 Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Verwaltung Berlin. Montag, den 7. Dezember 1908, abends 8, 1hr, bei Kluge, Langeftr. 53, Ede Fruchtstraße: Versammlung der in den Spiegelrahmen- Werkstellen beschäft. Kollegen. Jeder Kollege hat zu erscheinen. 94/15 Die Kommission. Verband der Portefeuiller Dienstag, den 8. Dezember cr., abends pünktlich 8%, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 8: Außerordentliche Mitglieder- Versammlung Tages- Ordnung: 1. Die Erwerbslosigkeit in unserem Beruf und die Vorschläge des Verbandsvorstandes und Ausschusses betreffs Einführung der erhöhten Erwerbslosen- Unterſtügung. 2. Das Endresultat der Tartsbewegung. bandsangelegenheiten und Verschiedenes. BerDiese hochwichtige Tagesordnung erfordert das Erscheinen aller Mitglieder 109/16 Die Ortsverwaltung. Konfumverein Friedenau u. Umgegend. Montag, den 14. Dezember 1908, abends 8 Uhr, im ,, Rheinschloß": General Versammlung. Zages Ordnung: 1. Geschäftsbericht des Borstandes. 2. Bericht des Aufsichtsrats. 3. Defchlußfassung über die Bilanz, Verteilung des Neingewinnes, Entlastung des Borstandes. 4. Ersazwahl zum Vorstand. 5. Mitteilungen über den An schluß an die Berliner Konsumgenossenschaft. 6. Verschiedenes. 7. Anträge der Mitglieder. Der Aufsichtsrat. J. A.: H. Gülde. [ 128/14] Deutsche Kranken- Unterstützungskasse ( E. H.) zu Cassel. An unsere Mitglieder! Weil in der Geschäftsführung der hiesigen örtlichen Berwaltungsstelle fo sehr viele Unregelmäßigkeiten und Unordnungen vorgekommen sind, hat unsere Aufsichtsbehörde, die königl. Polizeidirettion Taffel verfügt, die Ger schäftsführung der Verwaltungsstelle Berlin einem anderen Herren zi übertragen. 856 Wie schon durch Birkular mitgeteilt, wurden darum unsere hiesigen Geschäftsräume nach Kaiserstr. 25 a, 1. Etage verlegt und ist Herr B. Guilleaume mit der Führung der Geschäfte beauftragt worden. Wir bitten Sie nun, unserem neuen Geschäftsführer volles Vertrauen entgegenzubringen und sich durch Hekereien früherer Angestellter nicht beirren zu laffen. Herr C. Peter hier darf keinerlei Geschäfte mehr für uns abschließen und daher auch keine Monatsbeiträge in Empfang nehmen. Es steht jedem Mitglied frei, in die Driginalverfügung der Königlichen Polizeidirektion in unserem hiesigen Bureau Einblick zu nehmen. Geschäftsstunden sind vormittags von 9-12, und nachmittags von 3-6 Uhr. Strantengeld wird nur Sonnabends vormittags von 9-12 ausbezahlt. Deutsche Kranken- Unterstützungskasse( E. H.) zu Cassel. Der Vorstand. J. A.: M. Bussien. 麵 ◆ Großer Frühstück-, Mittag- und Abendtisch. Mittag mit Bier 60 Pf., abends à la carte in reicher Ausw. zu fol. Preisen. Gr. Fremdenlogis a Bett 40 ẞf. 2 Vereinszimmer( 20 u. 60 Berf.) Teleph. Amt IV 2366. Ritterstraße F.Strammr. 123. Sophien- Sale Sophienstraße 17/18 ( Querstr. d. 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Dezember, 5 Uhr nachm., in den Unions- Sälen, Greifswalder Straße 222: Lichtbilder- Vortrag des Herrn Professor Archenhold: Werden und Vergehen im Weltenraum. Hieran schließend: Geselliges Beisammensein und Tanz. Doppelbilletts für 2 Personen zum Preise von 80 Pf.( 40 Pf. für jede Person) in den Partei- Speditionen von Zucht, Immanuelkirchstr. 12 und Hahnisch, Auguststr. 50 sowie bei allen Bezirks- und Abteilungsführern des Kreises. Wir erwarten die Beteiligung aller Mitglieder. Gäste erwünscht. Saal I: Lustig Blut und Uebermut. 221/ 15* Der Vorstand. Sonnabend, d. 16. Januar 1909 abends 8 Uhr: Großes heiteres und humoristisches Saal II: Rixdorf. Zentral- Kranken- und Sterbekasse der Zimmerer. Dienstag, den 8. Dezember abends 8 Uhr, bei Gellert, Steinmetstr. 93: Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 2. Quartal. 2. Kassenangelegenheiten. 259/9 Der Vorstand. Direkt anschließend an den Bahnhof Seegefeld Ab Station Jungfernheide 20 Pfennig- Tour. R. v.10 M. an Verkaufskontor am Bahnhof Nieschalke& Nitsche Berlin, Neue Königftr. 16. Das Kind in Wort Brennmaterialien und Bild. Winter- Fest 8. der Freireligiösen Gemeinde Berlin ( arrangiert von A. Hoffmann u. Berthold Schröder) in den Gesamträumen der Prachtsäle ,, Alt- Berlin" Blumenstraße 10( neben dem Residenz- Theater). Instrumental- und VokalKonzert. Fünftes Stiftungsfest des Kinderchors. In jedem Saale ein anderes Programm. Sämtliche Nummern dargestellt von Kindern der Gemeinde. Nach der Vorstellung in beiden Ball bis zur völligen Erschöpfung. großen Sälen Näheres die späteren Anzeigen und Programme! Einlaßkarten a 40 Pt. für Erwachsene, 20 Pf. für Kinder, sind in den bekannten Billettstellen und beim Rendanten Herrn Adolf Harndt, Rüdersdorfer Str. 48 IV, gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte zu haben. Die Eintrittskarten sind gültig zu allen Sälen. 62/9 Es wird nur eine bestimmte Zahl von Einlaßkarten ausgegeben. Das Festkomitee. 28 Saal VI: Alt- Berlin. Saal III: Souper a la Hagenbeck unter Mitwirkung d. gesamt. Publikums. Saal IV u. V: Tanzkränzchen für Erwachsene und Kinder. Saal VII: 82 02 av DR Buntes Allerlei. Weihnachts- Ausstellung Max Busse Brunnenstr. 175 ander Invalidenstraße Auch in diesem Jahre wieder eine hübsche Zugabe bei Einkauf von Mark 20.- an. Reichhaltigste Auswahl von Brillanten, Uhren, Gold- u. Silberwaren Reizende Geschenke in echt Silber von in allen Preislagen 50 Pf. an 14 kar. gold. Herrenvon M. 10 an an an Brillantringe Taschenuhren von M. 3 Regulateure Panzerketten p. Gr. M. 2.- Freischwinger von M. 10 von M. 14 an Armbänder, Ringe, Schmucks, Tafelgeräte, Bestecks Größte Auswahl Nur gute, moderne Ware Billigste Preise. Großer Konkursmassen- Verkauf! Aus der Konkursmasse der Kraftfahrzeuggesellschaft Elastik"( Inhaber Erich Reiser u. Frau, Charlottenburg) habe ich das gesamte Warenlager erworben und bringe dasselbe, solange Vorrat reicht, in meinem Hauptgeschäft Weinmeisterstr. 14. 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Dr. Stöcker ist also nichts weiter wenn er sich wieder erhoben hatte, schlugen die Strolche aufs als eine Jdeologin, wenn sie glaubt, die bürgerliche Gesellschaft, neue mit Fäusten, Borchardt auch mit einem Stock auf ihn ein. könnte die Befreiung der Frau und die Forderungen der neuen Frau Bastian hörte ihres Mannes jammernde Stimme in ihrer Ethik verwirklichen, ohne ihren Bestand zu gefährden. Sie ist eine Wohnung, sie konnte ihm aber nicht zu Hilfe kommen, da das Haus utopistin, wenn sie glaubt, in den bürgerlichen Kreisen, an die sie verschlossen war. So schrie sie, unterstüßt von ihren Kindern, sich ausschließlich wendet, das Verständnis und die Einsicht zur zum Fenster hinaus laut um Hilfe. Durch das Geschrei wurden die Mithilfe an so fundamentalen Umwälzungen zu finden, wie sie Strolche verjagt. Bastian taumelte auf die Haustür zu, fiel dann die Emanzipation der Frau begleiten müssen. aber nieder und war nach einigen Minuten eine Leiche. Nach dem Der bürgerliche Radikalismus dieser Art übersieht, daß man Gutachten des Medizinalrats Dr. Störmer und des Dr. med. Leers nicht durch ideologische und utopistische Gedankengänge, sondern nur ist der Tod auf die Verlegungen durch die zahlreichen Schläge durch die Revolutionierung der Massen, die Umwandlung der Pro- und das wiederholte Hingeworfenwerden zurückzuführen, es läßt duktionsform durch den bis zum glorreichen Ende geführten Klassen- sich jedoch nicht mit Bestimmtheit feststellen, welchem dieser Gra kampf eine neue Welt erobern und gestalten kann. eignisse die Hauptschuld hieran zuzuschreiben ist. .. An die Genoffinnen! In einer bis zum Abend währenden Beweisaufnahme wurde die Beteiligung der einzelnen Angeklagten an den RoheitsDas Gericht verurteilte Baul aften erörtert und festgestellt. Weidt zu zwei Jahren Gefängnis, Richardt Weidt zu einem Jahr einem Monat Gefängnis, Borchardt zu drei Jahren Gefängnis, Marek zu drei Monaten, Hinge zu drei Monaten, Winkler zu neun Monaten Gefängnis. Schwarz wurde freigesprochen, Verfammlungen. Der Zentralverband der Zimmerer Durch Vermittelung einer hiesigen Genossin werden im Gewerkschaftshaus, Engelufer, Sonneberger Spielwaren zum Selbstkostenpreise abgegeben. Puppen, Tiere, Atrappen und andere Spielwaren sind in großer Auswahl und prächtigster Ausführung zu einem sehr billigen Preise zu haben. Und doch erzielen auf diese Weise unsere Sonneberger Genoffen und Genofsinnen, die in der elend entlohnten Heimindustrie die Spielwaren herstellen, einen höheren Verdienst, als wenn sie die Ware an die Zwischenhändler abgeben. Unsere Genossinnen können also, wenn sie die Eins fäufe für ihre Lieblinge im Gewerkschaftshaus machen, gleichzeitig mit dazu beitragen; den Sonneberger Arbeitsbrüdern und Schwestern hielt am wittwoch vier außerordentliche Mitgliederversammlungen und den kleinen, die die Spielwaren mit herstellen müssen, ab. Sie dienten nicht der Erörterung und Erledigung geschäftlicher eine Weihnachtsfreude zu machen. Es wird sicher nur dieses Hins und organisatorischer Angelegenheiten, sondern lediglich der Propaweises bedürfen, um die Genoffinnen zu veranlassen, ihre Einkäufe ganda, vor allem waren sie bestimmt, den Mitgliedern mancherlei im Gewerkschaftshause zu besorgen. Der Gedanke, daß sie damit, Anregungen zur Förderung und Vermehrung ihres Wissens und ohne materielle Opfer, für den Weihnachtsabend manch Kinderauge ihrer politischen wie gewerkschaftlichen Bildung zu geben. Demaufleuchten, manch Kinderherz höher schlagen machen, wird ihnen gemäß waren auch die Vortragsthemen so gewählt, daß sie sich nicht reichlicher Lohn sein für den etwa zu machenden Weg. unmittelbar mit der Erörterung von Tagesfragen befaßten, sondern mehr in das große Gebiet des allgemeinen Wissens eingriffen. Weibliche Arbeitskraft in Fabriken. Go lautete das Thema des dritten und letzten Vortrages, den Dr. Helene Stöder am 27. November im dichtgefüllten Saal der Gesellschaft der Freunde hielt. Von ihren Ausführungen fei folgendes hier wiedergegeben: Alle Emanzipation bleibt Stüdwerk, wenn die Befreiung der Frau als Mutter von der Knechtschaft der Gefeße, die sie in unbewußter Grausamkeit zum Kindergebärapparat stempele, nicht erreicht wird. Nicht nur in ihrem eigenen Interesse, auch um der Zukunft der Menschen, um der Nachkommenden willen muß die Frau frei sein, die Mutterschaft gewollt, im Bewußtsein ihrer vollen Verantwortung auf sich zu nehmen oder aber zu verweigern. Bei allen Völkern aller Erdteile suchte und sucht die Frau sich gegen die Sklaverei der unfreiwilligen Mutterschaft zu wahren. In New York sollen jährlich ettva 80 000 Abtreibungen vorkommen. In England meldeten sich auf das Inserat eines Erpressers, der ein Abortivmittel anpries, nicht weniger als 12 000 Frauen. In der Türkei, too auf unehelicher Geburt Todesstrafe steht, wird ungeheuer viel abgetrieben. In Deutschland wurden im letzten Jahre wegen Vergehens gegen den Abtreibungsparagraphen 361 Personen zu 138 Jahren Zuchthaus und 139 Jahren Gefängnis verurteilt. Und doch sind solche Zahlen nach Lage der Dinge beinahe wertlos. Sie zeigen nur die größere oder geringere Geschicklichkeit, mit der die Abtreibung berheimlicht wird. Der Abtreibungsparagraph ist geradezu ein Ausnahmegesez gegen die Aermsten der Armen. Er wird der Ausdruck der furchtbarsten Leibeigenschaft und Entwürdigung, der Mißachtung der elementarsten Rechte der Persönlichkeit, wenn er die Frau zwingt, der Frucht einer an ihr verübten Gewalttat das Leben zu geben. Durch soziale Mißstände gehen weit mehr Leben zugrunde, als bei Aufhebung der§§ 218 und 219 an der Geburt gehindert werden würden. Zu solchen Mißständen gehört die Schädigung und Vernichtung des feimenden Lebens durch die Beschäftigung von Frauen in der Tabakindustrie, Das vierte Vierteljahrsheft zur Statistik des Deutschen Reichs bei der Verarbeitung von Blei, in den Spiegelbelegen usw. Von enthält u. a. eine Zusammenstellung über die im Jahre 1907 beden lebend zur Welt gebrachten Kindern der Bleiarbeiterinnen sterben 45 Proz., von denen der Glasschleiferinnen 55 Proz., bon schäftigten jugendlichen Fabrikarbeiter und die Fabritarbeiterinnen. denen der Spiegelbelegerinnen 65 Proz. im ersten Lebensjahre. In 89 211 Fabriken wurden 449 236 jugendliche Arbeiter unter Soziale Mißstände tragen die Hauptschuld, wenn seit 1816-1876 16 Jahren beschäftigt, darunter befanden sich 13 054 Kinder unter 300 000 Frauen an Kindbettfieber gestorben sind, mehr als in dem- 14 Jahren, und zwar 7295 Knaben und 5759 Mädchen. Bon den felben Zeitraum Männer im Striege fielen oder an den Folgen jungen Lenten zwischen 14 und 16 Jahren waren 285 335 männlichen ihrer Verwundungen starben. Dazu kommen auf jeden Todesfall und 150 847 weiblichen Geschlechts. Im Vergleich zum Vorjahre bei der Entbindung 15-20 Fälle von Frauenleiden als Folgen der hat sich die Zahl der jugendlichen Arbeiter um 24 735 erhöht; von bei der Geburt mangelnden Fürsorge, für die derselbe Staat ver- der Zunahme entfallen 1067 auf männliche und 1140 auf weibliche antwortlich zu machen ist. Wird die Unterbrechung der Schwanger- Kinder sowie 17 006 auf männliche und 5522 auf weibliche jugendfchaft, wie es heute fast allgemein üblich ist, heimlich und ber- liche Arbeiter zwischen 14 und 16 Jahren. Die Zahl der Fabriken, brecherisch vorgenommen, so geht sie in einer großen Zahl der in welchen diese Arbeiter beschäftigt wurden, zeigt eine Zunahme von Fälle tödlich aus, umgekehrt würde sie nach Aufhebung der Straf- 5250. In 85 143 Fabriken wurden 1 145 535 Arbeiterinnen gezählt, bestimmungen unter Leitung fachverständiger Aerzte einen ver- bon welchen 449 436 16-21 Jahre, 696 099 mehr als 21 Jahre alt schwindend geringen Prozentsab an Opfern fordern. Aufklärung waren. Gegen das Vorjahr ist die Zahl der Fabriken, die erwachsene über die schweren gesundheitlichen Schädigungen, welche die meisten Arbeiterinnen beschäftigen, um 4623, die Zahl der beschäftigten Abtreibungspraftifen nach sich ziehen, würde wohl abschredend Arbeiterinnen um 49 636= 4,53 Proz. gestiegen. wirken. Der richtige Weg aber zur Bekämpfung der Abtreibung wäre ihre Verhütung durch die Regulierung der Geburten, durch Verbreitung der Kenntnis, wie Liebe und Fortpflanzung getrennt werden können. Diese Kenntnis müßte auch all den franken Frauen zugute kommen, deren Leben durch eine Schwangerschaft gefährdet würde, die fürchten müßten, schwächliche oder erblich belastete Kinder zu gebären und die bei Strafe des Gesezes feinen künstlichen Abortus herbeiführen dürfen. Die Regulierung der Geburten würde eine Verminderung der Säuglingssterblichkeit und im Zusammenhang damit eine Hebung der Treptow- Baumschulenweg. Dienstag, den 8. Dezember, abends werden kann. Boltsgesundheit, eine Verbesserung und Veredelung der Raffe herbeiführen, die der Staat u. a. zu fördern hätte durch Einrichtung einer Mutterschaftsversicherung sowie durch Kinderrenten. Bürgerlicher Radikalismus" mit dieser kurzen Kennzeichnung schloß unser Bericht über den ersten Vortrag bon Dr. Helene Stöder( Nr. 271 des Vorwärts") und dieses Urteil tann nun, nachdem der Zyklus abgeschlossen ist, auf alle Zeile desselben angewandt werden. Versammlungen Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse- Jugendabteilung. Heute, abends 6 1hr, im Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15: Bortrag über: Moderne Lyrit". Referent: S. Kazenstein. Gäste willkommen. Leseabende. 8 Uhr, im Restaurant Vogt, Kiefholzstraße 85. Gerichts- Zeitung. Bestialische Roheiten, denen ein Menschenleben zum Opfer gefallen ist, lagen der Anflage zugrunde, die gestern sieben junge Burschen bar die zweite Straffammer des Landgerichts I unter Vorsiz des Landgerichtsdirektors Westermann führte. Die Anklage richtete sich gegen: 1. den 23jährigen Hausdiener Paul Weidt, 2. dessen Bruder, den 18jährigen Arbeiter Nichard Weibt, 3. den 17jährigen Hausdicner Bruno Borchardt, 4. den 22jährigen Arbeiter Bruno Marek, 5. den 21jährigen Möbelpolier Walter Hinge, 6. den 19jährigen Arbeiter Robert Winkler und 7. den 23jährigen Droschkenkutscher Otto Schwarz. Sie wurden der Körperverlegung mittels Meffers, des gemeinschaftlichen Hausfriedensbruches unter Mitführung von Waffen, ferner Paul und Richard Weidt sowie der Angeklagte Borchardt der Beteiligung an einer Schlägerei, bei welcher ein Mensch zu Tode gekommen, Richard Weidt außerdem der Unterschlagung, Borchardt, Marek und Hinte der Hehlerei beschuldigt. Kulturzustände am Anfang des 20. Jahrhunderts" lautete das Thema, welches Rösch- Dresden in der Versammlung behandelte, die in Graeß' Festfälen, Frankfurter Straße 30, tagte. Insbesondere besprach der Referent das Bildungswesen. Er zeigte, in wie unzulänglicher Weise der heutige Staat für Verbreitung von Volksbildung sorgt und stellte demgegenüber den Bildungsdrang der Massen, der mit Eifer und Erfolg von den Organisationen der Arbeiter befriedigt wird. " In noch engerem Zusammenhang mit der Arbeiterbewegung stand der Vortrag, den Kemmer- München im Ewinemünder Gesellschaftshause hielt. Vom Stlaventum zum forporativen Arbeitsvertrag" war sein Thema. Er gab eine gedrängte Uebersicht über die Kämpfe und den Entwidelungsgang der Arbeiterorgani fationen und zeigte, wie die Gewerkschaften durch jahrelange Kämpfe um die Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen die Macht errungen haben, um bei der Festsetzung der Lohntarife ein entfcheidendes Wort mitzureden haben, ohne daß es deswegen erst zum Stampfe fomme. Eine Exkursion in das Gebiet der Verbandsgeschichte war der Vortrag, den Schmidt- Breslau den Besuchern von Muhs Festfaal in der Manteuffelstraße über das Thema hielt:" Der Entwidelungsgang unseres Verbandes und die Kampfesweise unserer Gegner." Hier wurde besonders die Taktik der Unternehmerverbände besprochen, sowie ihre vielfachen Versuche, die Organisationen der Arbeiter zu vernichten oder doch zur Bedeutungslosigkeit herabzudrücken, Versuche, die den Erfolg hatten, die Arbeiter nur um so fester aneinander zu ketten und ihre Organisation derart zu stärken, daß sie durch keine Anschläge arbeiterfeindlicher Elemente erschüttert Jm Lokal Königshof" in der Bülowstraße sprach Janzen Tüsseldorf über" Sozialpolitik und Arbeiterschaft". Der Referent zeigte an der Hand eines reichhaltigen Tatsachen- und Zahlenmaterials, daß die Sozialpolitik der Regierung nur ein fümmerliches Stück- und Flickwerk ist und weit mehr als diese Sozialpolitik die Einrichtungen ins Gewicht fallen, welche die Gewerkschaften getroffen haben, um ihre Mitglieder in Fällen von Krankheit und Arbeitslosigkeit zu unterstüßen und ihre Lohn- und Arbeitsbeding ungen zu verbessern. Wenn nicht alle Versammlungen so gut besucht waren, wie es mit Rücksicht auf ihren Zweck und angesichts dessen, was geboten wurde, zu wünschen war, so mag das daran liegen, daß die allge mein ungünstige geschäftliche Konjunktur für die Zimmerer zu dieser Jahreszeit noch besonders ungünstig ist, weshalb mancher Arbeitslose sich gescheut haben mag, einige Groschen gelegentlich eines Berfammlungsbesuchs auszugeben. Daß die Erschienenen lebhaftes Interesse an dem in den Vorträgen gebotenen Stoff nahmen, zeigten die regen Debatten, die in einigen Bersammlungen geführt wurden. Bersammlungen: Frete Jugendorganisation Berlin. Heute Sonntag Abteilung I. Nachmittags 2, Uhr, bei Ziek, Brunnenstr. 101. Abteilung II. Nachmittags 3, Uhr, bei Lehmann, Schönhauser Alee 18 Vortrag des Herrn Zimmermann. Abteilung III. Nachmittags 3 11hr, bei Eyfer, Dunderstr. 88. Abteilung IV. Nachmittags 3 Uhr, bei Senkel, Gubener Str. 18. Abteilung VI. Nachmittags 3 Uhr, bei Grumbach, Schönleinstr. 6. Abteilung X. Nachmittags 3 Uhr, bei Wils, Schulstraße, Ecke Chriftiania. straße: Bortrag des Herrn Schmidt:" Englische und deutsche Wohlfahrts. Abteilung XI. Nachmittags 3 Uhr, bei Greulich, Utrechtstr. 9. Abteilung XIII. Nachmittags 2% Uhr( pünktlich), bei Obiglo, Schwedter Straße 23( Borderzimmer): Bortrag. Nachher: Gemütliches Beisammensein. Dr. Stöder sprach als bürgerliche Frau zu bürgerlichen Zuhörern, denen die Rücksichtslosigkeit, mit der sie fressende Schäden auf feruellem Gebiete, die Verwerflichkeit der Herrschaft des Geldes bloßlegte und die Notwendigkeit ihrer Bekämpfung betonte, gewig ungeheuer radikal erschien. Die Vortragende hatte Mary und Engels insoweit mit Nußen gelesen, als sie den Zusammenhang der feruellen Probleme mit den jeweiligen wirtschaftlichen Berhältnissen in ihrem zweiten Vortrage( vgl. Nr. 275 des Borwärts") zutreffend zum Ausdruck brachte. Die Wirkung ihrer Ausführungen dürfte indes kaum eine andere sein, als die der Stimme des Predigers in der Wüste. So wenig wie Dr. Stöder den Gedanken der ökonomischen Befreiung der Frau von den Banden des Kapitalismus fonfequent zu Ende dachte, so wenig werden ihre Zuhörer es tun, die damit überdies sehr bald am Ende Es standen zwei Vorfälle zur Anklage. Am 24. Juli kam es ihres bürgerlichen Latein ankommen würden. Ein ernstlicher vor dem Lokal des Gastwirtes Gaschinski in der Gollnowstraße Rampf gegen das Kapital läßt sich nicht führen, ohne daß an den zu einer Schlägerei. Als der Tischler Donner das Lokal verlies, Grundfesten der bürgerlichen Gesellschaft gerüttelt wird, und die wurde er von einem Teil der Angeklagten belästigt, so daß er in Frage der Befreiung der Frau wie die Frage des Kindes laffen das Lokal zurüdlief. Einer seiner Verfolger ohrfeigte ihn im fich nicht lösen außerhalb der sozialen Frage, von der jene nur Lokal ohne weiteres, und als er sich wehrte, schlug ein anderer auf Teile sind. In dieser Geschlossenheit des Gedankens liegt die ihn ein. Dem Wirte gelang es, die Erzedenten nach der FliederStärke und Unüberwindlichkeit des Sozialismus. Demgegenüber straße hin hinausgudrängen. Die Angreifer brangen aber wieder hat alles, was innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft von bürger- durch die Tür in der Gollnowstraße ein und der erste von ihnen licher Seite zur Heilung der gesellschaftlichen Uebel versucht wird, versuchte, Herrn Gaschinski mit einem Messer zu stechen. Dieser nur den Wert von Palliativmitteln. Die Mutterschaftsversicherung, schlug aber dem frechen Patron mit einem Anüttel über den Kopf die Kinderrente, die Geburtenregulierung sind auch nur solche und es gelang ihm, die Rotte hinauszudrängen, die Tür zu verBalliativmittel, wie wir wiederholt bei ähnlichen Gelegenheiten schließen und die Jalousie herabzulassen. Die Angreifer hoben hervorgehoben haben, und selbst an ihre Anwendung ist so lange die lettere aber wieder hoch und stachen mit Messern hindurch. nicht zu denken, als der Staat es als seine vornehmste Aufgabe be- Giner faßte eine Türgardine und riß sie herunter. Der Droschtens trachtet, das Privateigentum an Produktionsmitteln zu schüßen futscher Schwarz nahm die Angeklagten in seine Droschte auf und und die Entwidelung des Kapitalismus zu fördern. Wie wenig fuhr sie aur Georgenkirchstraße. Nachdem sie dort in einem Schant der heutige Staat gerade wirklichen Kulturaufgaben gewachsen lokal einige Gläser Bier verzehrt hatten, fuhren fie zur Gollnowist, mag ein Beispiel erhellen. Im Jahre 1899 erschien Bolas be- straße zurüd. Hier hatte sich inzwischen eine Menschenmenge an rühmter Roman" Fruchtbarkeit", in dem der Dichter flammenden gesammelt, die sie verfolgte, als sie zur Landsberger Straße Protest erhob gegen die korrumpierte Gesellschaft, welche unge- fuhren. An der Gecke der Landsberger und Waßmannstraße zählte Menschenleben aus Bequemlichkeit und Genußsucht im stiegen alle aus und stachen nun ohne weiteres mit Messern auf Keim vernichtete und einen Massenmord gesunder lebensfähiger die Menge ein. Ein Mann erhielt einen Stich in den Oberarm, Kinder mit Hilfe von Findelhäusern und Engelmacherinnen or ein anderer einen Stich in die Schulter. Jeder, der ihnen ent- 80 Pf. einrichtungen". Abteilung Charlottenburg. Nachmittags 2%, Uhr, im Voltshaus, Rosinenstr. 3: Bersammlung aller Charlotterburger Mitglieder. Bortrag. Abteilung Lichtenberg- Friedrichsfelde. Nachmittags 2, Uhr, bei Münche berg, Brinzen- Allee 6: Bourag des Kollegen F. Maſchte über:„ Die soziale Not der arbeitenden Jugend und die christlichen Jünglingsvereine". Gegner find eingeladen. Abteilung Rigdorf. Nachmittags 3 Uhr, bei Hoppe, Hermannstr. 49. Abteilung Rummelsburg. Nachmittags 3 Uhr, bei Sezepfand, GoetheAbteilung Schöneberg. Nachmittags 3 Uhr, bei Sanders, Elsholzftr. 15. straße 9. Eingegangene Druckfchriften. Der phyfiologische Weg zur Lösung der Frauenfrage. Von E. Hahn. Wie Menschen lieben können! Bon H. Hildebrand. 2 M.Gebichte von ganisierte. Er verlangte staatliche Anerkennung der Mutterschaft gegenkam, wurde angerempelt und mit Messern bedroht. So ging Alte franzöfifche Poefte von E. Repsold. 1 M. St. Hohlbaum. 1 M. Lisa Laak. Dramatisches Stüd von Friedrich -Gentlelumpen. in jeder Gestalt und eine wahrhaft großartig gedachte Fürsorge es die Elisabethstraße herunter. An der Weberstraße stürzte sich M. G. Gerth. 1 2. Gustav Wasa. Trauerspiel von F. Walden. für alle Schwangeren und Mütter. Der Eindruck seines Werkes der Angeklagte Borchardt ohne jede Veranlassung auf den Tischler 2 M. Vera Hagen. Aus dem Tagebuch einer Dreißigjährigen. Bon war ein außerordentlicher. Man faßte den Entschluß, wenigstens Nauk und stach ihn zweimal mit dem Messer in den rechten Ober- Gräfin A. Baudiffint. 2,50. Die Ehebrecherin. Bon B. Albrecht. einen fleinen Schritt auf dem von Bola gewiesenen Wege zu tun. arm und in den Unterleib. Der Angeklagte Schwarz hielt fich 1,50 m. Germanenglanbe. Gedicht von F. Kern. 2 M. Abschied, Die französische Regierung beschloß, daß jede Familie mit min- während dieser Heldentaten" der Angeklagten mit seiner Droschke Gnade. Zwei Einafter von G. K. Riccabona. 1 M. Ueber ein Jahr. Von F. Keiner. destens sieben Kindern Anspruch darauf haben sollte, für eins immer in ihrer Nähe auf und nahm sie auf, wenn sie sich allzu- Stizzen von G. Tieger. 3 M. 1 9. Briefe aus dem Irrenhause. 2 M. Die Heimatlofen. dieser Kinder von Staats wegen freien Unterricht in der Mittel- Fehr bedrängt fühlten. Der zweite Borfall, der einen sehr Bon N. Scherer. 2 M. Doktor Narr. Roman von Th. Trimmel. schule nebst vollständiger Verpflegung zu erhalten. Nun stellte es traurigen Ausgang gehabt hat, spielte sich in der Nacht zum M. Christian De Wet. Ein Bauerndrama von K. Schalt. 2 M. fich nach einer Pariser Mitteilung der Wiener medizinischen 30. August ab. Der Schlosser Karl Bastian hatte in angetrunkenem Die Blume des Todes. Bon Th. Schenkel. 2 M. Sonnige Preffe" heraus, daß in dem angeblich so tinderarmen Frankreich Zustande in der Krautstraße den ihm begegnenden Paul Weidt Blumen. Gedichte von H. Zernieden. 3 M. Modernes Verlagsbureau doch noch 250 000 Familien mit sieben und mehr Kindern vor- leicht mit seinem Aermel gestreift. Daraus entspann sich ein C. Wigand in Leipzig. handen waren. Die Verpflichtung, einer Viertel Million Kindern fleiner Wortwechsel. Paul Weidt lief darauf zum Strausberger Schulfreiheiten und ganze Verpflegung gewähren zu sollen, erschien Play, wo er seinen Bruder und die Angeklagten Borchardt, Marek aber den Vertretern der hohen Staatsinteressen doch als eine zu und Hinze traf. Mit ihnen verfolgte er mun den Bastian, der in große Last, und so wurde der Beschluß schleunigft wieder zurück- die Blumenstraße eingebogen war und auf seine dort belegene gezogen. Dabei ist Frankreich ein reiches Land, das Bülow erst Wohnung zuging. In dem Augenblick, als er die Haustür aufbor kurzem den" Bantier Europas" nannte. schließen wollte, drang die Horde auf ihn ein. Paul Weibt gab Bei uns in Deutschland scheitern bekanntlich schon sehr be- ihm einen kräftigen Schlag ins Genic, warf ihn zu Boden und fcheidene Forderungen auf sozialem Gebiete- z. B. die einer aus- nun hieben die anderen auf ihn ein. Er versuchte, fich loszumachen, reichenden Geburtshilfe für alle Mütter des Boltes- weil der wurde aber immer wieder von Paul Weidt zu Boden geschleudert Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen Direktion über Marktlage: Fleisch: den Großhandel in den Bentral- Marktballen. Zufuhr schwach, Geschäft still, Preise unverändert. Wild: Zufuhr genügend, Beschäft etwas lebhafter, Breise fast unverändert. Beflügel: Zufuhr in Hühnern knapp, Geschäft nicht lebhaft genug, Preise behauptet. Fische: Zufuhr genügend, Geschäft etwas belebter, Preise gedrückt, Karpfen schwer verkäuflich. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Breise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr genügend, Geschäft etwas lebhafter, Breije wenig verändert. Spezial- Geschäft für Damenkleider- Stoffe. Gr. Frankfurter Str. 126 Eckhaus Koppenstraße. S.Weissenberg Weihnachtsroben in elegantem Karton| mit Modebild. Gr. Frankfurter Str. 126 Eckhaus Koppenstraße. Für den Weihnachtsverkauf besonders billigen Preisen zum Verkauf gestellt. habe ich große Posten Kleiderstoffe zu Unten angegebene Qualitäten sind ein kleiner Auszug von den reichsortierten Posten. Reinwollene Elsasser Cheviots in allen modernen Farben, auch schwarz, 6 Meter ca. 90 cm breit, Robe. 6 Meter ca. 110, 1) 9 • Reinwollene Chevrons elegante Kammgarngewebe, farbig und schwarz, Haustuche kariert, gestreift and gerippt, Mk. 4.50 6 Meter 110 cm breit, Robe....... Mk. 9.00 6 Meter doppeltbreit, Robe. Mk. 6.60 Reinwollene Serge feingeköpertes Gewebe, farbig und schwarz, 6 Meter ca. 90 cm breit, Robe...... 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( Nachdruck verboten.) 269 363 90 496 552 624 1025 595 693 743 2083[ 300] 201[ 500] 51 311 17 539 719 99 3161 286 333 652 700 812 59 913 90 4055 211 537 623 57[ 500] 5013 24 442[ 500] 549 606 38[ 500] 58[ 1000] 787 869 71 6343 459 678 7015 187 556 8200 81 874 9100 92 409 63 605 10003 54 390 11213 395 435 629[ 1000] 12453 548 846 947 13211 74 510 704 841 951 14074 108 75[ 500] 261[ 3000] 72 97 717 22 15061[ 3000] 411 86 602 37 761 16367 88 489 782 859 957 17020 33[ 1000] 44 247 884 449 907 85 18286 366 436 860 19177 467 936 m. halbsd. Futteral, Glanz- Taffet mit Futteral.. 3.75 Glanz- Taffet Griff Gemshorn.: 5.00 Surah 8.50 mit Futteral, mit grossem, gebogenem Griff m. seid. Futteral, m. Ganzseide sehr elegantem driti 12.00 Griff Luxusschirme mitten in D. 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Ziehung 5. Kl. 219. Kgl. Preuss, Lotterie. Ziehung vom 5. Dezember 1908, nachmittags. Nur die Gewinne über 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. ( Ohne Gewähr.) ( Nachdruck verboten.) 467 692 758 803 1049 144 465 898 2035 269 333 428 766[ 3000] 970 3583 726 29 55 76 992 4046 179 247 887 489 523 88 617 820 5248 98 476 554 6086[ 500] 163[ 500] 401 9 [ 3000] 28 679 896 960 7130 607 800 18 939 98 8054 266 316 72 644 797 855 89 9219 464 774 820 29 64 79 10170 312 436 800 968 11038 41 191 228 418 645 81 95 12033 59 138 252 331 97 482 90 735 891 930 51 13150 59 285[ 500] 311 707 14144 240[ 3000] 95 315 20 480 81 535 67 15198 230 85 311 696 16204 51 66 [ 1000] 375 537[ 500] 54 758 913 17052 74 93[ 500] 167 69[ 300] 248 355 513[ 3000] 612 23 862[ 3000] 949 18071 765 19005 303 473[ 3000] 770[ 500] 854[ 500] 20142 508 629 783 960 21086 234 313 36 407 852 79[ 500] 971 22000 31 140 97 383 708 17 836 978 23055 171 235 321 66 641 92 711[ 500] 24228 408 39 554 75 620 24[ 3000] 25020 28 137 578 615 44 993 26007 136( 1000] 55 345[ 1000] 62 525[ 500] 27 52 600[ 1000] 799 987[ 1000] 27030 232 56 327 483 744 28368[ 1000] 518 686 780 874 29277 835 85 663 721 986 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94 232445 660 846 973 233009 476 922 53 80 99[ 500] 234027 616[ 1000] 75 788 853 87 235221 832 93 484 669 763 956 236098 129 410 36[ 1000] 55 578 91 647 68 759 68 965 237069 299 384 563 647 732 238016[ 500] 62 138 65[ 3000] 92 223 465 543 72 625 791 823 74[ 1000] 239081 235[ 3000] 327 691 758 995 240000 169 517[ 3000] 88 639 82 875 931[ 500] 241038 [ 5000] 72 224 863 242095 246 592 655 705 39 813 940 243409 18 60 628 61 705 55 826 921 59 69 244006 181 493 570 667[ 500] 735 817[ 3000] 23 53 245279 310[ 500] 788 97 246085 240 67 631 837 68 934 247100 378 409 31[ 500] 36 698 735 956 86 248018 64 317 402 560 249158 247 250159 401 538[ 3000] 657 915 49 251243 429 719 252294 351 54[ 3000] 550 636 39 752 802 253220 82 341 490[ 500] 671 782[ 1000] 254068 170 72[ 500] 234 324[ 500] 466 524 84 695 748 814[ 3000] 978 255036 660 782 256487 502 44 942 257184 95 254[ 500] 81 391 499 542 770 855 939 85 258303 545[ 500] 57 649[ 500] 710 980 259044 94 197[ 500] 418 65 551 713[ 1000] 260110 34 87 341 92 662 735 77 999 261086 88 435 89 573 618[ 3000] 89[ 1000] 914 49[ 10001 262063 257 553[ 500] 722 263530 264030 124[ 1000] 254 376 134 513 714 31 807 901 265070 79 164 78 293 418 540[ 1000] 679 95[ 500] 863 266639 776 92 267135 290[ 500] 605 85[ 500] 881 268062 204 356 852 907 269127 256 80 552 79 709 270834 836 42 271020 95 163[ 500] 458 878 79 95 272419 622[ 3000] 60 725 273306 458 677 745 82[ 500] 887 943 274053 202 67 408 686 736 99 972 94 275117 326[ 3000] 515 16 646 990 276032 306 616 86 746 277 165 306 409 665 747 278110 86 264 498 576 870 279068 506 688[ 500] 99 280018[ 500] 319 417 44 704 45 281142 318 37 561 720 845 981 282044[ 1000] 139 215 47 389 452 99 665 82 283210 335 719 814 29 91 284124 434 583 92 285692 811[ 1000] 286128 814 29[ 1000] 467 87 718[ 500] 47 887 363 287117 413 681 733 920 Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 286. 25. Jahrgang. 6. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Partei- Angelegenbeiten. Nigdorf. Die Funktionäre des Wahlvereins werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Funktionärfißung des letzten Vortragsabends wegen erst am Dienstag, den 8. Dezember, stattfindet. Zu der heute, den 6. Dezember, nachmittags 4 Uhr, stattfinden den Urania Vorstellung leber den Mont- Blanc" find noch Billetts à 65 Pf. inkl. Garderobe in den Lokalen von Hoppe, Sermannstraße 49, von Thiel, Bergstraße 152, und bis kurz vor der Vorstellung an der Kasse der Urania erhältlich. Steglib. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß heute, Sonntag, bormittag 10 Uhr im Reſtaurant Schell hase eine 3usammenkunft zivecs Erläuterung der darauf folgenden Besichtigung der Jugendschriften- Ausstellung stattfindet. Wir bitten um rege Beteiligung. Die Funktionäre der Partei und der Gewerkschaften find hierzu verpflichtet. Sonntag, 6. Dezember 1908. nämlich überwiegend Frauen, die sich zu Diebstählen im Affekt| Gifenbahnunfall zugetragen, bei dem zwei Arbeiter verlegt berleiten lassen, während die stibizenden Männer mit seltenen wurden. Seit einigen Tagen sind dort mehrere Arbeiterkolonnen Ausnahmen der hochehrenwerten Bunft angehören. Was für mit dem Wegschaffen von Schienen beschäftigt. Als gestern vormittag Frauen sind es? Reineswegs in der Mehrzahl solche aus den eine dieser Stolonnen eine etwa 12 Dieter lange Schiene forttragen unteren Streifen. Das ist notorisch festgestellt. Es stehlen viel- wollte, nahte ein Fernzug aus Posen. Trotzdem die Leute außer mehr in den Warenhäusern, abgesehen natürlich von den ge- das hintere Ende der langen Schiene. Mehrere Arbeiter wurden halb des Fahrgleises gingen, stieß ein Wagen des Zuges doch gegen werbsmäßigen Dieben, vorwiegend solche Elemente, die es gar durch den Anprall zu Boden geschleudert, und auch die Schiene entnicht nötig haben, aber dem„ inneren Drange", wie es so hübsch glitt den übrigen Leuten. Der Bug wurde sofort zum Stehen ges heißt, nicht widerstehen können. Wird eine über den glitzern- bracht. Wie fich herausstellte, hatten zwei Arbeiter Verlegungen den Land gestolperte Arbeiterfrau abgefaßt, so ist es selbst- davongetragen. Sie wurden von Sanitätsbeamten, die zufällig ſich verständlich gemeiner Diebstahl, was bei der vornehmeren im Zuge befanden, verbunden. Bei einem der Werunglückten erGattung nur als„ kleptomanische Verirrung" gilt. Die eine wiesen sich die Verlegungen als so schwer, daß er nach dem Krankenbekommt einen derben Fußtritt, die andere einen moralischen hause am Friedrichshain geschafft wurde. Klaps. Das ist nun mal so üblich im Klassenstaate. Lichtenberg. Die Führung durch das Museum für Naturkunde findet heute nicht statt. Die nächste Führung wird noch bekannt gegeben. Adlershof. Den Parteigenoffen zur Nachricht, daß der nächste Adlershof. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß der nächste Zahlabend ausfällt und hierfür am Mittwoch, den 9. d. M., abends 8% Uhr, bei Saul, Bismardstraße 16, eine Mitglieder: bersammlung stattfindet. Beiträge werden im Versammlungslokal ma u ft! entgegengenommen. Gäste haben Zutritt. Karlshorst. Heute morgen findet eine äußerst wichtige FlugProtest gegen die Gesellschaftssteuer! Furchtbare Anklagen gegen die heutigen Zustände enthalten die Im Gedränge der Weihnachtszeit nehmen die Warenhaus- durch die Presse gehenden Nachrichten, nach denen Menschen, die diebstähle so beängstigenden Umfang an, daß hier ein beson- arbeiten wollen, aber infolge Arbeitsmangel dies nicht können, derer krimineller Apparat mit zahlreichen Ueberwachungs- ihrer Not und ihrem Elend in der Verzweiflung ein gewaltsames beamten eingerichtet wird. Trotzdem wird noch massenhaft Ende bereiten. Heute liegen folgende Nachrichten vor: gelangfingert. Und der Eingeweihte hört aus dem Munde Eine schredliche Ueberraschung wurde gestern den der flinken, scharfäugenden Verkäuferinnen alle Augenblicke Kindern des 58 Jahre alten Arbeiters Adolf Knorr, Bankstr. 66, den von Tisch zu Tisch weitergegebenen Warnungsruf:" D. 2. zuteil. Als sie die Küche betreten wollten, vermochten sie anfangs M.", der in der Warenhaussprache heißt: Das Luder nicht die Tür zu öffnen. Der Vater hatte sich an der Innenseite an einer Schnur erhängt. Die Kinder schnitten den Lebensmüden sofort ab und riefen einen Arzt herbei, der die Ueberführung des K. nach dem Krankenhaus Moabit veranlaßte. Aus Nahrungsblattverbreitung statt. Beginn pünktlich vormittags 8 Uhr. Süd- Am kommenden Dienstag, den 8. Dezember 1908, abends forgen hatte sich K. zu der Tat verleiten lassen. Wegen Arbeitsfeite trifft sich bei Fr. Bartels( Fürstenbad); Nordfeite bei 8 Uhr, finden für Berlin und Charlottenburg 7 öffentliche lofigkeit erschossen hat sich gestern der Tischler Gustav Schulze aus Sabrowski, Treskow- Allee Ede Krausestraße. Der Vorstand. Versammlungen statt, in denen gegen die von der preußischen der Roeldestr. 138. Sch. war infolge eines hartnädigen Beinleidens Eichwalde, Zeuthen, Miersdorf. Den Mitgliedern zur Nachricht, Regierung geplante Gesellschaftssteuer Protest erhoben arbeitslos geworden. Da er keine Aussicht hatte, wieder Bedaß die für Dienstag geplante außerordentliche General werden soll. Diese geplante Steuer ist ein weiterer Schritt der schäftigung zu bekommen, jagte er sich in der Verzweiflung eine bersammlung besonderer Umstände halber nicht stattfindet. preußischen Regierung und ihrer reaktionären Helfershelfer Revolverkugel in die Schläfe. Der Tod trat auf der Stelle ein. Es findet wie immer am Mittwoch der Zahlabend statt. gegen die vom staatserhaltenden Mittelstande" sehr gehaßten Das ist nun die sogenannte göttliche Weltordnung"! Die Steuer ist Ertner. Am Mittwoch, den 9. Dezember, findet eine Mit. Konsumgenossenschaften der Arbeiterklasse. Ein folgenschwerer Zusammenstoß zwischen einem Automobil gliederversammlung statt. Tagesordnung: Vortrag über: Kirche geeignet, den Genossenschaften das Leben noch mehr als bisher omnibus und einem Straßenbahnzug fand gestern nachmittag in der und Staat." Bericht der Zeitungskommiffion und Wahl eines pro- zu erschweren und die Spargroschen der Aermsten der Turmstraße statt. Der aus der Richtung der Waldstraße kommende visorischen Spediteurs. Aufnahme neuer Mitglieder. Vereins- Armen geseglich zu tonfiszieren. Partei- Autobus Nr. 1376 der Linie Moabit- Rigdorf rannte gegen den aus angelegenheiten. Jedes in der Versammlung erscheinende Mitglied genossen! Frauen und Männer! Erscheint entgegenkommender Richtung kommenden Straßenbahnzug der Einsatz. erhält die Broschüre Persönliches Regiment" gratis. daher zahlreich in den Versammlungen! linie 12 E. Der Schaffner des Autobus wurde von der Hinterplatt formherunter geschleudert und er blieb besinnungslos auf dem ( Näheres siehe im heutigen Inseratenteil.) Fahrdamm liegen. Man brachte ihn sofort nach dem nahen Die Propagandakommission zur Förderung des Genossenschafts- Strantenhause Moabit, to schwere Verlegungen bei ihm festgestellt wesens in Berlin und Umgegend. wurden. Ein Fahrgast, der im Autobus saß, erlitt durch umherfliegende Glassplitter erhebliche Schnittwunden an der Lippe und an der Stirn. Ein zweiter Fahrgast fam mit Quetschwunden davon. Der Autobus wurde start beschädigt und bei dem Motorivagen wurde die Borderplattform zertrümmert. Als der Autobus später nach dem Depot geschafft wurde, stieß er an der Rathenower Straße nochmals mit einer Droschte zusammen. Diesmal tamen jedoch Personen nicht zu Schaden. Der Vorstand. Franz.- Buchholz. Am Mittwoch, den 9. Dezember, abends 8% Uhr, bei tähne, Berliner Straße 39, Wahlvereinsversamm. lung. Tagesordnung: Reorganisationsantrag des Vorstandes. Mitteilungen. Verschiedenes. Berliner Nachrichten. " D. L. M." " Aus der Grundstücks- und Wohnungsstatistik Berlins finden wir in dem neuesten Jahresbericht der Steuerberwaltung unserer Stadt, der das Jahr 1907/08 behandelt, wieder die übliche Zusammenstellung der Hauptzahlen. Bis Ende 1907 stieg die Zahl aller benutten Grundstücke auf 28360. Es befanden sich im Besize von Behörden, Stiftungen usw. 1604 dieser Grundstücke, und hiervon wieder 754 im Besize der Stadt. An der Drei geheimnisvolle Buchstaben, im modernen Großstadt- Gesamtzahl der benutten Grundstücke waren die bebauten mit leben ein paar Tausend Eingeweihten wohlbekannt, aber der 27 808, die unbebauten mit 552 beteiligt. Hierbei find den ungroßen Menge ein böhmisches Dorf. Eine Warnung, vorsichtig bebauten Grundstücken auch diejenigen zugerechnet worden, die als von Mund zu Mund geflüstert, ohne daß der, auf den fie ge- Lager, Holz, Kohlenpläge usw. benutzt wurden und gewöhnlich mit Schuppen, Kontorgebäuden usw. versehen waren. Von Ende weltstädtischen Warenhausbetriebes ists, geboren aus dem vermehrt, im besonderen die bebauten um 480, während gleichzeitig münzt ist, das geringste merkt. Eine originelle Erfindung des 1906 bis Ende 1907 haben die benutten Grundstücke sich um 419 3wange der Selbsthilfe, zum Schuge gegen gewerbsmäßige die unbebauten sich um 61 vermindert haben. Der gesamte Langfinger und gegen Sumpfpflanzen, vom Schlage der edlen Jahresnugungswert aller benutten Grundstücke stellte sich Fürstin Wrede. Solche kleinen, aber trefflich wirkenden im letzten Jahre auf nabezu 453 Millionen Mart, das Finessen waren nötig, weil sich die Warenhausdiebe immer find wieder annähernd 18 Millionen Mart mehr als im vorlegten mehr zu einer Spezialzunft ausgebildet haben. Viele Hun- Jahre. Der Jahresdurchschnittsertrag pro Grundstück war dies. derte von Personen sind daran beteiligt, und der Wert dessen, mal 15 971 M., genau 400 M. mehr als im vorlegten Jahre. In was bloß in den Berliner Warenhäusern zusammengestohlen dem Jahrzehnt bon 1898 bis 1907 stieg in Berlin die Zahl der be. wird, geht alljährlich in die Hunderttausende. Man kann mußten Grundstüde von 24 970 auf 28 360, ihr gesamter Jahres wird, geht alljährlich in die Hunderttausende. Man kann nußungswert von 323 Millionen Mart auf 453 Millionen Mart, annehmen, daß sicher mindestens ebensoviel gestohlen wird der Durchschnittsertrag pro Grundstüd von 12 934 M. auf 15 971 bon denjenigen, auf die das Wort paßt, daß Gelegenheit Mart. Die Wohnungen( einschl. Geschäfts-, Arbeits-, Lager, Diebe macht, als von den mit allen Hilfsmitteln ihrer vorzüg- Diensträume) vermehrten sich bis Ende 1907 auf 625655, das lichen Technik arbeitenden Zunftgenossen. Weit gefährlicher find nur 15 984 mehr als Ende 1906. Der durchschnittliche find natürlich die gewerbsmäßigen Diebe, weil sie sich nicht Mietwert einer Wohnung usw. berechnet sich diesmal auf damit begnügen, irgend einen geringwertigen Gegenstand 724 Mart, wieder noch um 3 M. mehr als im Vorjahre. In im günstigen Augenblid mitgehen zu lassen, sondern weil sie dem Jahrzehnt 1898 bis 1907 stieg die Zahl aller Wohnungen usw. planmäßig handeln, die wertvollsten Stüde aufs Korn nehmen bon 503 240 auf 625 655. Da in demselben Jahrzehnt der gesamte planmäßig handeln, die wertvollsten Stücke aufs torn nehmen Jahresnuhungswert, wie schon angegeben, von 323 Millionen Mart und sich die Diebestaschen bis zum Rande vollstopfen. Solche auf 453 Millionen Mark gesteigert wurde, so erhöhte sich der Diebestaschen sind kein Produkt der Einbildung. Sie eri- durchschnittliche Mietswert pro Wohnung von 642 M. auf 724. stieren in Wirklichkeit, und es ist charakteristisch dafür, daß jede An der Hinaufschraubung der Mieten, die zu diesem männliche oder weibliche Person, die das Warenhaus mit einem Ergebnis führten, sind vornehmlich die Jahre 1899, 1900, 1901 beweiten Mantel, einem sogenannten„ Dallesmantel" oder teiligt, die Jahre fühlbarster Wohnungsknappheit. ,, Abendmantel" betritt, es sich heute gefallen lassen muß, Mißtrauen zu erregen und peinlichster Beobachtung ausgesetzt zu Otto Klinger. Ein Opfer feines Berufes ist gestern der Dreher Felsch, der in der A. E.-G. in der Brunnen ftraße beschäftigt war, geworden. Es war 8/6 Uhr, 15 Minuten vor Beendigung der Nachtschicht, als Felsch in das Getriebe der Unglüd wirkte auf die Arbeitskollegen fo erschütternd, daß sie kaum Drehbank geriet, und zwar so unglücklich, daß dem Aermsten der Stopf fast vollständig vom Rumpfe gerissen wurde. Das schrecklicha in der Lage waren, ihre Arbeit fortzusetzen. Polizeiliche Grenzstreitigkeiten. In Berlin wurde früher viel darüber geflagt, daß nicht selten Polizeibeamte, die zum Schuß bedrängter Bersonen herbeigerufen werden sollten, achselzudend die Hilfe verweigerten, weil sie un zuständig seien. Wenn man den erstbesten über die Straße gehenden Schuhmann um Beistand bat oder nach der vermeintlich nächsten Polizeiwache lief, um dort einen Schußmann mobil zu machen, so fonnte es einem passieren, daß man belehrt wurde: Ja, das ist hier nicht unser Revier." Solche Broben polizeilichen Respekts vor den Rechten der Kollegen aus dem anderen Revier waren in neuerer Zeit nicht mehr zu unserer/ Kenntnis gelangt, so daß wir meinten, die bezüglichen Dienst vorschriften seien verständigerweise geändert worden. Jetzt wird uns aber ein Vorkommnis mitgeteilt, das uns bermuten läßt, ganz habe man den alten lieben Zopf leider doch noch nicht abgeschnitten. Auf dem Viehhof der Stadt Berlin ist eine be. sondere Polizeiwa che eingerichtet, deren Beamte dort die Obrigkeit" vorstellen. Ob das Beamtenpersonal dieser Polizeiwache auch außerhalb der Grenzmauern des Vichhofes zuständig ist, das wird vielleicht mancher bezweifeln wollen. Dagegen wird gewiß jeder es für selbstverständlich halten, daß zum mindesten die öffentliche Straße, die vom Fordenbedplay quer über Viehhof" führt, aum Machtbereich der auf dem Viehhof tom den Viehhof hinweg nach der Ringbahnstation mandierenden Polizeibeamten gehört. Diese Straße bildet hier den einzigen Zugang zur Bahnstation und darf von jedermann ohne weiteres betreten werden, nicht nur am Tage, sondern auch in der Nachtzeit, solange der Eisenbahnverkehr dauert. Sie gilt aber mit als Viehhofsgebiet und ist daher gegen den Fordenbeckplatz durch eine Gittertür abgegrenzt. Auf dieser Straße nun wurde kürzlich an einem Morgen um 47 Uhr ein Tischler K., der vom Bahnhof kam und nach der Stadt hinein wollte, von rechten Grund irgendwem ohne mit einem Knüppel attadiert.. rief vergeblich nach einem Schuhmann und lief dann auf den Rat des Pförtners zu der auf dem Viehhof eingerichteten Polizeimache, weil er mit Hilfe eines Beamten wenigstens die Persönlichkeit des Schlägers feststellen wollte. Hier aber wurde ihm geantwortet, er müsse die außerhalb des Viehhofs in der Bellestraße untergebrachte Polizeiwache aufsuchen, denn diese sei zuständig für die über den Viehhof führende Straße. sein. Man hat derartige Warenhausdiebe abgefaßt, als sie Wieber ist einer der alten Garde zur Ruhe gegangen, der sein schon ein ganzes Lager von Wertgegenständen unter dem ganzes Leben im Dienste der Arbeiterbewegung tätig war. In Schutze des Mantels in die Diebestasche hinein esfamotiert feiner frühesten Jugend trat Otto linger in die Reihen der hatten. Freilich sind durch diesen unvorsichtigen weitläufigen tämpfenden Arbeiter ein; Ende der sechziger Jahre war er bereits Zustand auch vielfach recht unliebfame Mißgriffe entstanden. Schriftführer im Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein. Seitdem Andere Langfinger wieder, die absichtlich schlank wie eine hat er stets in den vordersten Reihen gestanden. Namentlich in der Zanne erscheinen, um jedes Mißtrauen zu vermeiden, stehlen schweren Zeit des Sozialistengesetzes hat er mit einem Gifer geimmer nur einen einzigen Gegenstand und entfernen sich dann arbeitet wie selten einer. nach der Straße, um nach mehreren Stunden zu einem zweiten Auch in der Gewerkschaftsbewegung hat er fleißig und ausRaubzug wiederzukommen. Mit bewundernswerter Frechheit dauernd gearbeitet. Er gehörte zu den Gründern der Gewert schlagen sie den gestohlenen Gegenstand in mitgebrachtes schaftsorganisationen der Tischler, die in der Zeit des Sozialisten Papier ein und tragen ihn vor den Augen der Angestellten gesezes bestanden haben. Viele Jahre war er Bertrauensmann zum Hause hinaus. Besonders beliebt ist auch der Trid, der Berliner Tischler. Später bekleidete er im Deutschen Holz leichte Waren vom Ladentisch herunterzustoßen, sie mit den arbeiterverbande das Amt des zweiten Bevollmächtigten. Füßen weiterzuschieben und an ungefährlicher Stelle aufzufchweres Lungenleiden zwang ihn, von diesem Bosten zurückzutreten. heben. Selbstverständlich gehört dazu eine nicht geringe Er war dann im Bureau ale Bibliothekar tätig. Am Mittwoch. Uebung. Mit allen diesen gewerbsmäßigen Dieben macht nachmittag ist Otto Klinger im Alter von 58 Jahren seinem Leiden man im Warenhause nicht viel Umstände. Sind sie als solche erlegen. Seine Beerdigung erfolgt am Montag, den 7. Dezember, von dem dort fast stets stationierten Kriminalbeamten oder nachmittags 2% Uhr, auf dem Zentralfriedhof in Friedrichsfelde. Man möchte das kaum für möglich halten und cher einen durch telephonische Rückfrage bei der Polizei erkannt, so tritt Irrtum des Beamten annehmen. Sollte die von ihm gegebene Die Berliner Genossen wie seine Berufskollegen werden ihm Auskunft richtig sein, so ist dringend zu wünschen, daß das Polizeider vorschriftsmäßige Polizeiapparat in Aftion. Eine ganz ftets ein treues Andenken bewahren. präsidium auch an dieser Stelle schleunigst allen Grenzstreitig andere Methode hat man sich in den letzten Jahren gegenüber keiten durch zweckentsprechende Instruktion ein Ende macht. Das den Gelegenheitsstehlern angewöhnt. Es ist erfreulich, daß Selbstmordverfuch ist kein Unglücksfall. Nach§ 360 Nr. 10 des muß gefordert werden zum Schuße aller, die den Weg von oder heute moralisch defekte Menschen, die vielleicht das erste Mal, Strafgesetzbuches wird u. a. bestraft, wer bei Unglüdsfällen von zu der Ringbahnstation Bichhof" bei Tage oder bei Nacht gehen verführt von der Gunst des Augenblics, einen Fehltritt be- Bertretern der Polizeibehörde zur Hilfe aufgefordert, keine Folge müssen. Wir könnten uns den Fall denken, daß auf der über den gehen, nicht gleich fürs ganze Leben unglücklich gemacht und leistet, obgleich er der Aufforderung ohne erhebliche eigene Gefahr Viehhof führenden Straße auch mal ein Schuhmann genügen konnte. Eine Frau, die in selbstmörderischer Absicht in angegriffen werde. Da würde es dann das nehmen wir gezeichnet" werden. Mit Kennerblick haben die besonderen ben Kanal gesprungen war, wurde herausgeholt und durch Be- als selbstverständlich an- auch ihm nichts nuben, etwa feine Ueberwachungsbeamten der Warenhäuser nach wenigen Milebungsversuche eines Schußmanns wieder ins Leben zurüdgerufen. Kollegen bom Vichhof zur Mitwirkung bei der Festnahme des nuten heraus, ob der Dieb gewerbsmäßig oder etwa bloß in Der Droschkentutscher G. weigerte sich, der Aufforderung des Attentäters herbeizurufen. Vielmehr müßten diese erst die Wache Affekt- Psychose" gehandelt hat. In beiden Fällen merkt das Schuhmanns zu folgen und die Lebensmüde nach einem Kranten in der Bellestraße alarmieren, und von dort aus würde ein SchutzPublikum von dem ganzen Vorgang nur selten etwas. Die hause zu fahren. G. wurde angeklagt. Das Kammergericht stuhl gebeten, und von hier gehts direkt in das Erdgeschoß mordversuch fein Unglüdsfall im Sinne des zitierten Strafgese nicht inzwischen ein Opfer der polizeilichen Grenzverdächtige Person wird mit energischer Höflichkeit zum Fahr- als Revisionsinstans stellte sich auf den Standpunkt, daß ein Selbst. mannsaufgebot gegen den Viehhof vorzurüden haben, um den Strafgeset- attadierten Beamten bei der Giftierung zu unterstützen, falls er paragraphen sei, und billigte, daß dieser Paragraph im zweiten nach einem besonderen Zimmer, in dem die Leibesvifitation Rechtsgange vom Berliner Landgericht nicht gegen G. angewendet treitigkeiten geworden und tot geschlagen sein sollte. vorgenommen wird. Gewöhnlich läßt man den Abgefaßten, wurde. Für berechtigt erklärte es dagegen die Verurteilung G.'s 8u solchem Ausgang wird das Polizeipräsidium es nicht kommen der noch nichts weiter auf dem Kerbholz hat, wieder laufen, wegen Hebertretung bes§ 83 der Berliner Droschfenordnung, wo- laſſen dürfen. nachdem er den Diebstahl in einem schriftlichen Protokoll zu- nach auf Aufforderung eines Beamten bei Erfaz des eintretenden Weihnachts- Hilfspersonal ist vom 1. Dezember ab in den bergegeben hat. Diese schriftliche Festnagelung des Vorfalls, die Schadens hilflose Personen befördert werden müssen, auch wenn schiedenen Warenhäusern in recht umfänglichem Maße eingestellt allerdings nicht alle Warenhäuser eingeführt haben, hängt dann sie durch ihre Kleidung den Wagen beschmutzen könnten. worden. So hat das Warenhaus Wertheim allein 500 Verkäufe wie ein Damoklesschwert über dem Haupte der schönen Sün- Eisenbahnunfall. In der elften Vormittagsstunde hat sich gestern rinnen aushilfsweise engagiert. Was die Klagen anbetrifft, die derin und ist eine heilsame Lehre für die Zukunft. Es sind zwischen dem Schlesischen Bahnhofe und Warschauer Brüde ein wir dieser Tage aus den Kreisen des Hilfspersonals über die Mariendorf- Südende. Der Vorstand. Preise für das Mittagessen und über die der Garderobenverhält| diefem Gewerbe gezeitigt. Es fei geradezu unverständlich, daß der vorhanden sein und bitten wir um recht regen Besuch seitens aller, nisse veröffentlichten, so wird uns hierzu von anderer Seite mit Beirat für Arbeiterstatistik zu Vorschlägen für das Gewerbe tommt, die ein Interesse daran haben, ihren Kindern nicht das erste beste geteilt, daß die Firma darauf hielte, gutes Essen zu liefern und die von jedem Kenner der Verhältnisse als vollständig ungenügend Buch in die Hand zu stecken und dadurch eventuell Herz und Gemüt daß der Preis keineswegs ein unangemessener sei, zumal niemand bezeichnet werden müssen. In der Diskussion wandten sich sämtliche ihrer Lieblinge zu berrohen. Auch für den Besuch seitens der uns berpflichtet sei, im Geschäft das Mittagessen einzunehmen. Die Redner gegen die Vorschläge des Beirats. Folgende Resolution heute noch Fernstehenden bitten wir eifrig zu agitieren. Firma liefere das Essen zu den Selbstkosten. Was die Garderoben- wurde angenommen: verhältnisse betreffe, so feien für alle angestellten Verkäuferinnen Die Kutscher und Arbeiter aus den Fuhrbetrieben Charlottenverschließbare Schränke vorhanden. Natürlich ginge es nicht an, burgs nehmen mit Entrüstung Kenntnis von dem Gutachten des Beidiese Schränke wegen einer berhältnismäßig kurzen Aushilfezeit rate für Arbeiterstatistik und weisen die zur gefeßlichen Regelung Den Parteigenossen zur Kenntnis, daß unsere Jugends ins Ungemessene zu vermehren. Für Aufbewahrung der Garderobe der Arbeitszeit gemachten Vorschläge als unannehmbar zurück, da sie schriften Ausstellung vom Sonntag, den 13. bis zum des Aushilfspersonals sei aber unter entsprechender Aufsicht Sorge nicht geeignet sind, eine Clenderung in den bisherigen Arbeits- Freitag, den 18. Dezember, im Lokale des Genossen Georg Löwen getragen. verhältnissen herbeizuführen. hagen, Chauffeeſtr. 27, stattfindet. Die Ausstellung ist täglich geBu refognoszieren. Am 3. d. M. morgens ist aus dem Tegeler Gefeß werden sollten, sie im verstärkten Maße der unbeschränkten Steglit- Friedenau. Die Versammelten sind der Ansicht, daß wenn diefe Vorschläge öffnet von morgens 10 bis abends 9 Uhr. Gee eine unbekannte männliche Leiche im Alter von 30 bis 35 Jahren, zirka 1,65 Meter groß, Mittelstatur, mit dunkelblondem Ausbeutung durch die Unternehmer ausgeliefert sind. Soll eine wirkliche Regelung der Arbeitszeit erfolgen, so ist Wir verweisen nochmals auf die heute nachmittag um 3 Uhe Schnurrbart, hoher Stirn, blaugrauen Augen und vollständigen diese zwingende Notwendigkeit nur möglich auf der Grundlage der beginnende Ausstellung bon empfehlenswerten Pähnen gelandet worden. Die Leiche ist bekleidet mit einem grauen im Jahre 1904 auf dem Deutschen Transportarbeiterfongres an- 3ugendschriften. Der Besuch ist kostenlos. mhang, grauem Kammgarnjadettanzug, weißem Oberhemde mit Stehkragen und schwarzen Schlips mit roten Punkten, grauen genommenen Resolution. Nur dadurch könnte den berechtigten Botsdam. Unterbeinkleidern, Bugstiefeln und braunwollenen Strümpfen. Wünschen der Arbeiter aus dem Transport und Verkehrsgewerbe Die letzte Stadtverordnetenfihung war, trob dreitvöchentlichen Legitimationspapiere fehlen. In der Nähe des Fundorts der Leiche technung getragen werden. ist eine Monatskarte der Stadtbahn von Station Bellevue bis zum Schlesischen Bahnhof, ausgestellt am 1. b. M. Nr. 8056 auf den Namen Kurt oder Karl Kröber aufgefunden. Mitteilungen nimmt jedes Polizeirevier sowie die Kriminalpolizei Bimmer 331 zu 6165 IV 5708 entgegen. Am 3. Dezember erschien abends 94 Uhr im Jüdischen Krankenhause Auguststr. 14-15 ein etwa 18jähriger Mann mit der Angabe, daß er Lysol getrunken habe. Ein sofortiges Auspumpen des Magens bestätigte diese Angabe. Nach dem Auspumpen verlor der junge Mann die Besinnung und hatte nachher so startes Fieber, daß er irgendwelche Angaben über seine Person beziv. die Ursache zum Selbstmordversuch nicht machen konnte. Er ist dann am 4. Dezember, vormittags 7 Uhr, unerkannt verstorben. Der Verstorbene, welcher gebrochen deutsch sprach, war anscheinend Russe. Er ist zirka 1,65 Meter groß, hat dunkelblondes Haar, blaue Augen und länglich hageres Gesicht. Er trug dunkel farierten Jackettanzug und schwarze Schnürschuhe mit Ladspiben. Irgendwelche Papiere hatte er nicht bei sich. Die Leiche liegt im Leichenfchauhaus. Mitteilungen, welche zur Ermittelung der Persönlich teit bezw. Refognoszierung der Leiche dienen können, werden in jebem Polizeirebier und von der Kriminalpolizei auf Bimmer 246 II des Polizeipräsidiums zu Nr. 5847 IV. 59. 08 entgegen genommen. Aus Variétés. Im Wintergarten tritt Otto Reutter wieder auf. Er bringt einen ganzen Sack voll neuer Schlager mit, von denen die politisch- satirischen Inhalts den Vogel abschießen. Man kann den Humoristen Reutter, der zugleich sein eigener Dichter ist, immer wieder hören und man wird sich immer von seiner Vortragsart angezogen fühlen; er versteht es, den Zuhörer in seinen Bann zu zwingen. Neben Otto Reutter, der uns kein Fremder ist, finden wir im neuen Brogramm des Wintergartens noch mehrere Bekannte von früher, so den Armeeherkules Conchas, die Kaufmannstruppe, die auf dem Gebiete des Sunstradfahrens ganz Borzügliches leistet. Der Tang hat in der spanischen Tänzerin Senorita Florida mit ihrem Partner leistungsfähige Bertreter. Im Passagetheater fonkurrieren um die Palme auf bem Gebiete bes Coupletvortrages Bozena Brasky mit Paul Schneider- Dunker und Willy Brager. Das Bestreben des letteren, feinen Kollegen Otto Reutter im Wintergarten zu mimen, ist noch nicht von rechtem Erfolge gekrönt. Eine fabelhafte Kraftleistung zeigen die Equilibristen Schmettans. Daß zwischen den einzelnen Piecen Obst, Gemüse, Möbel und dergleichen am Vorhang empfohlen werben, ist nicht gerade besonders gefchmadvoll. Ausgezeichnete Darbietungen in seiner Gesamtheit enthält bas Dezember- Programm des Walhalla heaters am Weinbergsweg. Man muß der Direktion nachrühmen, daß sie es sich speziell in den Teßten Monaten ganz besonders angelegen sein läßt, das Publikum gut au unterhalten. Was sollen wir aus dem reichhaltigen Programm herausgreifen? Die Erwähnung einer Künstlerleistung würde ungerechtigkeit gegen die Nicht erwähnung anderer sein. Und so fei nur soviel gesagt, daß die Gymnastik an freistehenden Leitern wie die Produktionen am fliegenden Trapez, die Emersons in ihrer akrobatischen Neuheit: In der Schwimm- Anstalt", Bublinès fomischer Musikal- Att, wie Auch ein Clairaus Tanzszene stürmisch applaudiert wurden. Schulreiter Otto Schumann erschien auf der Bühne und zeigte, daß auch Pferde Walger, Polfa und La Matschiche tabellos tangen fönnen. Arbeiter- Samariter- Kolonne. Montag abend 9 Uhr: 2. Abfeilung, Brunnenstr. 154, und 5. Abteilung, Rigdorf, Bergstraße 151/152. Vortrag über Verbrennungen und Erfrierungen usw. mit nachfolgenden praktischen lebungen. Durch dasselbe. Heute vormittag 11 Uhr Versammlung der diensttuenden Mitglieder im Bathologischen Museum am Alexander- Ufer zur Führung Ant Sonntag, den 13. Dezember, findet im Nebungsfaal der 4. Abteilung, Samariterfir. 11, ein Lichtbildervortrag: Gine Reise durch Italien" statt. Anfang 6 Uhr abends. Vorort- Nachrichten. Charlottenburg. Die Weihnachtsbücherausstellung für die Arbeiterjugend wird heute, am Sonntag, im Boltshaus eröffnet. Eine große Anzahl von Büchern ist ausgestellt. In erster Linie sind die vom Bildungsausschuß ausgewählten Jugend. schriften berüdsichtigt worden. Und dürfte hier, bei der reichen Bahl von guten Büchern, die Auswahl schon schon schwer fallen, so ist die Ausstellung doch noch um eine Menge anderer Bücher, die auch für die Großen Interesse haben, erweitert worden. So find neben den ausgezeichnet ausgestatteten Werken der Klassiker auch die Schriften zu sehen, welche im Vorwärts- Verlage erschienen find. Eine weitere Bereicherung erfuhr die Ausstellung durch eine Anzahl Bilder, die mit geschmackvollen, doch einfachen Ginrahmungen bersehen, sicherlich einen vornehmen, finnigen Schmuck in der Wohnung des Arbeiters bilden. Da sind es in erster Linie die sehr gut hergestellten Abbildungen des hervorragendsten Werkes des belgischen Bildhauers Meunier.„ Das Denkmal der Arbeit", die in verschiedenen vornehmen Ausstattungen durch ihren bescheidenen Breis und durch die Wirkung der Darstellung sicherlich auch auf dieser Ausstellung biele Freunde finden werden. Gin Jedenfalls ist der Besuch der Ausstellung jedem zu empfehlen. Geöffnet ist die Ausstellung heute von 2 bis 8 Uhr nach mittags, an den Wochentagen von 5 bis 10 Uhr abends. Berkauf der ausgestellten Sachen findet am heutigen Tage nicht statt. Dagegen werden Bestellungen entgegen genommen. Die Versammelten beauftragen daher das Bureau, den Vorstand des Deutschen Transportarbeiterverbandes zu ersuchen, diejenigen Schritte zu unternehmen, die notwendig sind, um die Grundfäge der Refolution des Transportarbeiterfongresses durch gefegliche Regelung zur Durchführung zu bringen." Freie Bolfsbühne Charlottenburg. Die nächste Vorstellung bringt die Komödie des Dänen Esmann Vater und Sohn"; fie findet für die 1. Abteilung: Donnerstag, den 10. Dezember, für die 2. Abteilung: Freitag, den 11. Dezember im Schillertheater Charlottenburg statt. Alle Marten müssen spätestens am Tage vor der betreffenden Vorstellung geklebt sein. Schöneberg. 38pischenraums, eine recht furge. Die Eingabe der Potsdamer Aerateschaft, betreffend die Errichtung einer Warmbade anstalt wird dem Magistrat überwiesen, der hoffentlich in kurzer Beit eine Borlage machen wird. Die städtische Sparfaffenverwaltung foll eine Neuregelung erfahren: der Vorstand soll sich in Zukunft aus 3 Magistratsmitgliedern, 4 Stadtverordneten und 2 Bürgerdeputierten susammensetzen. Zur Kontrolle der Straßenlaternen, über deren Beleuchtung in letzter Zeit verschiedentlich geklagt worden ist, werden 300 m. jährlich bewilligt. Ein Antrag, wenig stens pro Tag 1 M. für den Kontrolleur au be willigen, fand keine Unterstüßung. Der Beitritt der Stadt zum Deutschen Verbande für das faufmännische Unterrichtswesen. mit einem Jahresbeitrage von 30 M. wurde beschlossen. Arbeitslosenversammlung. Alle Arbeitslosen seien auf die am stattfindende Versammlung aufmerksam gemacht. Nach einem Vortrag über die Arbeitskrise wird sich die Versammlung hauptsächlich mit der Eingabe des Gewerkschaftskartells an den Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung und deren Beschlußfassung beschäftigen. Das hiesige Arbeiterauskunftsbureau befindet sich seit dem 1. Dezember Bäderstraße 4, part. Die Auskunfterteilung, welche von jetzt ab auch Nichtorganisierten unentgeltlich gewährt wird, erfolgt werftäglich außer Mittwochs von 6-8 Uhr abends, Auskunft wird erteilt in gewerblichen Streitigkeiten, in Unfall- und Invalidenversicherungssachen, bürgerlichem Recht usw. Den Sparfinn auf verschiedene Weise zu weden( verfucht gegen wärtig die hiesige Sparkasse. In einigen Schulen wurden Auto- Dienstag, den 8. d. Mts., vormittags 10% Uhr, im Viktoriagarten maten aufgestellt, die gegen Einwurf eines 10 Pfennigstücks eine Marte herausgeben, in der Kasse in Bahlung genommen und verzinst werden. Auch die Schulspartassen bewähren sich sehr gut, foweit solche vorhanden, denn nicht alle Rektoren haben sich damit einverstanden erklärt. Die Kleinen geben ihren Nickel der Lehrperson, die fich der Aufgabe gewidmet. Der Sparbetrag wird später in ein dem Kinde gehörendes Sparbuch eingetragen und nur auf Wunsch mit Zustimmung der Eltern ausgezahlt. Ebenfalls zur Einführung gelangt ist die Heimsparbüchse. Jeder Sparer erhält gegen Hinterlegung von 3 Mart, die ihm gutgeschrieben werden, eine solche Büchse mit nach Haus; der Schlüssel bleibt in der Sparkasse und wird die Büchse nur dann geöffnet, wenn der Sparer den Betrag in ein ihm gehörendes Sparbuch übertragen läßt. Etwas ganz besonderes leistet sich die Sparkasse jegt, daß jedes neugeborene Kind in Schöneberg ein Sparkassenbuch über eine Reichsmart erhält. Wenn damit nur nicht etwa zu den Mitteln der Frühgeburten gegriffen wird, um möglichst schnell und oft in den Besig der Reichsmart zu kommen. Eine Umfrage, die nächstens stattfindet, foll feststellen, ob die Abholung von Spargeldern aus der Wohnung gewünscht wird. Vermischtes. Bei der Rettung verunglückt. Jm Dachstuhl eines Hauses der Wilhelmstraße in Osterode brach Die Wege zum Sparen find somit geebnet, der Sparfinn ist heute abend Feuer aus. Bei den Löscharbeiten stürzte eine geweckt, nun fehlt nur noch, daß man dem Arbeiter das Geld gibt, hohe Schiebeleiter der Feuerwehr um. Bon vier auf der Leiter stehenden Feuerwehrleuten wurden awei fchwer und das er zum Sparen hinterlegen tann. riftenausstellung Seute, Sonntag, nachmittags 4 Uhr, wird die Jugendawei leichter verlegt. Später tourde in einer Wohnung des brennenden Hauses der Glaser Suppisch tot aufgefunden, der Meininger Straße 8, zum ersten Male eröffnet. Die Besichtigung bei der Abficht, ein angeblich noch in der Wohnung befindliches Kind währt bis 8 Uhr und ist unentgeltlich. zu retten, er stidt war. Bestellungen auf Bücher nimmt das Komitee entgegen. Pflicht eines jeben überzeugten Barteigenoffen ist es, seinen Bedarf nach Möglichkeit im eigenen Geschäft zu deden. im Tunnel von R. Grosser, Der Vorstand. Mord und Selbstmord. Der Landwirt Kart Ranz aus Dübelsheim in Hessen erfchoß im trunkenen Zustande seine Frau und erhängte sich darauf Schiffszufammenstoß. Erfchoffen hat sich der 20 Jahre alte Handlungsgehilfe Wilhelm Böger. Als am Freitagmorgen der bei dem Kaufmann B. in felbft. der Hauptstraße. 105 beschäftigte junge Mann, der auch gleich geifig im Hause schlief, zur gewohnten Zeit nicht im Laden erschien, Infolge dichten Schneegestöbers überrannte gestern abend ging ein anderer Angestellter ihn zu weden. Als dieser das Zimmer betrat, bot fich ihm ein gräglicher Anblid. Mit dem Revolver in auf der Mattlau bei Danzig der Dampfer Forelle" ein Boot bes der einen Hand, in der anderen einen Spiegel, lag Böger mit schwedischen Dampfers Nisse" aus Göteborg. Die drei Infaffen durchschossener Schläfe in seinem Bette. Ein sofort herbeigerufener des Bootes stürzten ins Waffer. Ein Matrose tam dabei ums Leben Arst fonstatierte den Tod und die Leiche wurde von der Polizei beschlagnahmt und nach dem Friedhof in der Marstraße überführt. B. hatte die Absicht sich balbigst au berheiraten. Religionsverschiedenheit soll sich als Hindernis entgegengestellt haben. Nixdorf. 9 Im Kampfe mit Wilden. Barle, an deren Bord sich drei Europäer, sechs Schwarze und der Wie vom Kongo gemeldet wird, wurde am 29. Oftober eine Eigentümer befanden, von Eingeborenen auf dem Rio Geba an gegriffen. Ein Matrose wurde getötet, während ein anderer bei dem Ueberfall ertrant Briefkaften der Redaktion. Die furiftfime Ebrechstunde finder Bindenstraße Nr. 3, svelter Sof, dritter Eingang, vier Treppen, Fahrstuhl wochentäglich abende von 7%, bis 9% Uhr statt. Geöffnet 7 he Bonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ift ein Buchstabe und eine Zahl als Wierfzeichen betzufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Brieffaften können 14 Tage bergehen. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Im Rigdorfer Tageblatt" macht ein Herr Dr. Denice darauf aufmerksam, daß dem Berliner Lotal- Anzeiger" wieder einmal eine arge Ungeschicklichkeit passiert ist. Das Scherl Blatt brachte bor einigen Tagen eine Abbildung, die das neuerbaute Rigdorfer Nathaus darstellen sollte. In Wirklichkeit sah man auf dem Bilde aber das alte Rigdorfer Rathaus. Es ist nicht das erste Mal, daß dem„ Lokal Anzeiger" derartiges nachgewiesen wurde. In seinem Eifer, anderen Blättern in der Gilfertigkeit der Berichterstattung um eine Nasenlänge voraus zu fein, ist es diesem Blatte des öfteren passiert, daß es bildliche Darstellungen brachte, die mit der Wirklichkeit auf sehr gespanntem Fuße standen. Aber was schadet 0.0. M.§ 1568 B. G.-B. enthält den allgemeinen Scheidungsgrund, das? Die Leser des" Lokal- Anzeigers" freuen sich über die Firigkeit der Berichterstattung ihres Leiborgans, ob diese richtig ist, entzieht sich ja meist der Kontrolle der Lefer. Scherls Blatt aber hat den Ruhm, allen bürgerlichen Blättern in der Figigkeit eine Nasenlänge voraus zu sein. Weißensee. nach dem ein Ehegatte auf Scheibung flagen fann, wenn der andere Che gatte durch schwere Verlegung der durch die Ehe begründeten Pflichten oder durch ehrloses und unfittliches Berhalten eine so tiefe Berrüttung des ehelichen Berhältnisses verschuldet hat, daß dem Ehegatten die Fortschung der Che nicht zugemutet werden kann. 23. 100. 1. Die Rechnung fann stimmen: nicht die Zahl der Termine, sondern die Höhe des Streit. objektes und aer Umstand, ob Beweisaufnahme stattgefunden hat, ob verhandelt ist und ob ein Urteil gesprochen ist, ist für die Höhe der Kosten Wir weisen die Parteigenossen und alle Freunde unferer Bor- ausschlaggebend. 2. Die Ehefrau fann vernommen werden, zu entscheiden, wärts"-Spedition auf die Weihnachtsausstellung im Lokale von Nosob ihre Aussage Glauben verdient, ist Sache des Gerichts. Gin Protest gegen 5. S. Leider nein.-H. D. 111. Ja. topf, Königs- Chauffee 38, hin. Dieselbe umfaßt eine reichhaltige die Bernehmung wäre zwedlos. O. 23. 1000. 1. Falls der Körper maffio ist und aus Eisen, Stein Auswahl aller Arten guter Bücher und Jugendschriften sowie präch tige Weihnachtsgeschenke. Besuchszeit am Sonntag, den 7., 18., 20., von 10-10 Uhr; ferner Sonnabend, den 12. und 19., abends von 6-10 Uhr, und am 21., 22., 23. Dezember, abends von 6-10 Uhr, am 24. Dezember von 3-7 Uhr nachmittags. Wir bitten um recht zahlreichen Besuch und bemerken noch, daß der Verkauf nur in den gesetzlich gestatteten Stunden stattfindet. Die Vorwärts"-Spedition. Tegel- Waidmannsluft. Die Genossen und Genossinnen werden nochmals auf die Schriften ausstellung bei staties, Tegel, Berliner traße 92, hingewiesen. Dieselbe dauert von Sonntag, den 6., bis einschließlich 13. Dezember und ist geöffnet Sonntags von 3-8 Uhr nachmittags, wochentags von 7-9 ühr abends. Die die heranwachsende Jugend schädigende Räuberlektüre" findet in den Arbeiterfreisen leider noch großen Abfaz. Die obige Ausstellung soll allen Genossen und Genossinnen zeigen, was fie ihren Kindern zu lesen geben sollen. Möge durch zahlreichen Besuch dieser Ausstellung auch deren Zweck erreicht werden. Gleichzeitig werden sämtliche Klaffifer- Werte ausgestellt sein, welche stets willtommene Weihnachtsgeschenke bilden. Friedrichshagen. ober einer anderen fchweren Maffe besteht, braucht er zur Durchmessung ( Zur Berechnung müßte Form und Bestandteil des Körpers angegeben H. 2. 51. Ein junger Mann fann werden.) 2. Roter Klee- Extraft. nor dem 21. Lebensjahre nur beiraten, wenn er für großjährig erflärt wird. Die Großjährigkeitserklärung erfolgt durch das Amtsgericht und fann er folgen, wenn der junge Mann wenigstens 18 Jahre alt ist. Die Kosten find unbedeutend. Wird die Großjährigkeitserklärung nicht nachgesucht, so darf der Standesbeamte das Aufgebot nicht vornehmen. Eine Einwilligung der Militärbehörde ist nicht erforderlich. M. 2. 18. Benden Sie fich an das Städtische Bureau, Neue Friedrichstr. 10, gweds Aufnahme Ihrer Frau in eine Heilstätte. . R. Die ers wähnte Strafe it fein Grund zur Verweigerung des Scheines. verlangen. 3. 210. Die Baklung fönnen Sie aber erst nach Erscheinen der Liste 6. 59. Nein, für den Fall der Bjänbung fönnte mit Aus ficht auf Erfolg Interventionsflage erhoben werden.. N. 39. Wenn der Strafanttrag innerhalb dreier Monate gestellt war, leider ja. Beraus. fichtlich wird aber nach Lage der Sache lediglich auf Berweis erkannt werden. auf Antrag in solchen Fällen Steuerfreiheit für das erfte Bierteljahr. 2. R. 26. 1. Der Taufschein ist erforderlich. 2. In der Regel erfolgt N. Sch. Wenn die anderen damit einverstanden waren, daß Sie nicht weiterfpielten und Sie darauf die Beiträge nicht gezahlt haben, so können Sie jest Auszahlung eines Gewinnteiles nicht verlangen. J. B. 66. Das eins Der Besuch der Ausstellung ist für jedermann unentgeltlich. behaltene Möbel wird nicht Ihr Eigentum. Durch Berkauf oder dergl. würden Sie sich strafbar machen. Sie können lediglich Ihre Forderung einflagen und In einer öffentlichen Protestversammlung der Kutscher und Ardann Berkauf in die einbehaltene Sache durch einen Gerichtsvollzieher erwirken. Beiter in den Charlottenburger Fuhrbetrieben, die am Donnerstag Der Vorstand des Wahlvereins hat befchloffen, um den Ge Gegenforderung den Lohn zu fürzen. Er muß feine Gegenforderung viel G. 2. 1. Keineswegs, der Arbeitgeber ist nicht berechtigt, wegen einer im großen Saale des Boltshauses stattfand, referierte Genosse Mar Bernhardt über das vom Reichsgesundheitsamt abgegebene Gut noffen Gelegenheit zu geben, ihren Kindern zum Weihnachtsfest eine mehr in einer besonderen lage geltend machen. 394.B. 6.- 3. achten betreffend die gefeßliche Regelung der Arbeitszeit für die gute, ausgewählte Leftüre schenfen zu fönnen, eine Ausstellung der G. 23. 46. 1. Rein. 2. Rein. Der Vater fann zu feinen Lebzeiten mit Der Redner wandte sich in scharfen vom Bildungsausschuß der Partei empfohlenen Jugendschriften feinem Eigentum machen, was er will. 6. S. 69. Die Betreffende Arbeiter im Verkehrsgewerbe. Worten gegen dieses Gutachten und auch gegen den Beschluß des in Lerches Bürgersälen, Friedrichstr. 117, zu veranstalten sollte ihren Lohn schleunigft beim Gewerbegericht einflagen.- B. Die Beirates für Arbeiterstatistit. Die gemachten Vorschläge abgedruckt Die Austellung ist geöffnet am Sonntag, den 18. Dezember und Alimente der geschiedenen Ehefrau gehen vor. Der Alimentenanspruch er im Vorwärts" vom 6. November bedeuten für das Verkehrs- 20. Dezember, mittags von 12 Uhr bis abends 8 Uhr, Sonnabend, lischt erst in 30 Jahren. Ansprüche können geltend gemacht werden, wenn eine Möglichkeit vorlegt. O. 2. 58. Nein, nach dem Wortlaut und getverbe teme Berbesserung, sondern eher eine Verschlechterung der den 19. Dez., von 6-9 Uhr, und wird mit einer Ausstellung von ganzen Arbeitsverhältnisse. Die im Jahre 1902 eingeleiteten Erhebungen Bilderbüchern und billigem künstlerischem Wandschmuck verbunden über die Arbeitsverhältnisse in den gewerblichen Fuhrbetrieben sind fein. Bestellungen werden im Ausstellungsraum oder in der Partei endlich zum Abschluß gelangt. Die Erhebungen haben ein reich spedition( Otto Schröder, Friebrichstr. 60) entgegengenommen. Es haltiges Material über die traurigen und elenden Verhältnisse in werden für jeden Geschmack und für jede Börse paffende Sachen dem Zied des Lohnbeschlagnahmegejeges tann nur der 1500 W. über steigende Jahresverdienft gepfändet werden; es ist unzulässig, ftatt beffen au fagen, ber 125 M. ühefteigenbe Donatslohn fet pfändbar. Es kann nur basjenige mit Beschlag belegt werden, was übrig bleibt, nachdem 1800 22. im Jahre verblent find. Geffentliche politische Versammlungen. Oeffentliche Protest Versammlungen Dienstag, den 8. Dezember, abends 8 Uhr Artushof, Perleberger Straße 26. Ballschmieder, Badstraße 16. Chauffeestraße 110. in folgenden Lokalen: Boeker, Weberstraße 17. Gewerkschaftshaus( großer Saal), Engel- Ufer 15. Charlottenburg, Volkshaus, Rosinenftr. 3. Germania- Prachtsäle( Hohenzollern- Saal) Habels Brauerei, Bergmannstraße 5/7. Tages Ordnung: Die von der preußischen Regierung geplante Gesellschaftsstener, ein Attentat auf die arbeitende Bevölkerung! Diskussion. Referenten: Eugen Brückner. C. Giebel. Landtags- Abgeordneter Hirsch. M. Steinschneider. H. Stühmer. E. Wurm. Adolf Ritter. Frauen und Männer! Ericheint in Massen!!! Protestiert gegen den neuesten Raubzug auf die Taschen der arbeitenden Bevölkerung! 128/ 13* Legen Sie Wert darauf wirklich gut gearbeitete Spielwaren und Puppen preiswert zu kaufen, so empfehle ich Ihnen, Ihren Bedarf bei mir zu decken. Kaufen Sie einen Steinbaukasten? 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Zur Rechtfertigung dieses Rechtsmittels führte sein Verteidiger an, der Angeklagte sei ein außerordentlich beliebter und tüchtiger Beamter, der nicht die Absicht gehabt habe, rechtswidrig zu handeln. Das Reichsgericht verwarf am Freitag die Revision. Solinger Streit. Wochen- Spielplan der Berliner Cheater. Königl. Opernhaus. Sonntag: Mignon. Montag: Rienzi.( Anfang 7 Uhr.) Dienstag: Margarete. Mittwoch: Marie, die Tochter des Regiments. Versiegelt. Donnerstag: Die Meistersinger von Nürnberg. Anfang 7 Uhr.) Freitag: Sardanapal.( Anfang 8 Uhr.) Sonnabend: Tannhäuser. Sonntag: Bajazzi. Versiegelt. Montag: Das Rheingold. Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Kaiser Heinrich VI. Montag: Die Journalisten. Dienstag: Die Rabensteinerin. Mittwoch: Zopf und Schwert. Donnerstag: Maria Stuart.( Anfang 7 Uhr.) Freitag: Auf Strafurlaub. Sonnabend: 8opf und Schwert. Sonntag: Die Welt, in der man sich langweilt. Montag: Kaiser Heinrich VI. Eine Spekulation auf die Leichtgläubigkeit heiratsluftiger Mädchen hatte der Händler Otto Drews unternommen, der sich gestern wieder einmal unter der Anklage des Heiratsschwindels in brei Fällen vor dem Strafrichter verantworten mußte. Der Angeklagte machte schon vor mehreren Jahren einmal von sich reden. Unter dem Verdacht des Mordes an der Prostituierten Luise Günther, die feinerzeit in der Hasenheide gräßlich verstümmelt aufgefunden worden war, wurde der Angeklagte auf Ersuchen der Berliner Staatsanwaltschaft in Südamerika verhaftet und nach Deutschland zurüdtransportiert. Das Verfahren mußte jedoch eingestellt werden und Dreis erhielt für die erlittene UntersuchungsIn der Beleidigungsklage Schlicke und Scherm wider Ern und haft eine Entschädigung ausgezahlt. Drews legte sich dann später Genossen hob gestern das Oberlandesgericht Düsseldorf das Urteil auf den Heiratsschwindel und trat als„ Feuerwehrfeldwebel von der der Elberfelder Strafkammer in vollem Umfang auf. Die StrafHeydt" auf. Im August dieses Jahres wurde er wegen eines der- tammer hatte bekanntlich die Beklagten von der Anklage freiartigen Schwindels zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Während gesprochen, durch Artikel im„ Stahlarbeiter" den Vorsitzenden des das vorige Betrugsverfahren gegen D. noch schwebte, machte er metallarbeiterverbandes und den Redakteur der„ Metallarbeiter. die Bekanntschaft einer Krankenpflegerin H., der er sich als Schiffs- zeitung" beleidigt zu haben. offizier in der Handelsmarine vorstellte. Wiederholt erschien er auch in einer Marineuniform, die er irgendwo in einer Pfandleihe getauft hatte. Der Angeklagte spiegelte der H. vor, er sei ertra aus Südamerika nach Deutschland gekommen, um sich hier eine Frau zu suchen. Er selbst sei sehr vermögend, befinde sich aber augenblicklich in großer Verlegenheit, da die Schiffsgesellschaft, bei der er angestellt sei, vergessen habe, ihm sein Quartalsgehalt zu schicken. Die H. opferte auch im Vertrauen auf die Richtigkeit der Angaben ihres sauberen Herrn Bräutigam ihre Ersparnisse in Höhe von zirka 650 M. Eines Tages war der Angeklagte spurlos verschwunden. Jeßt erft erfuhr die Betörte, daß Drews von ihrer Mutter 500 M. und von ihrem Schwager 1000 m. erhalten hatte. Sie selbst hatte von dem Schwindler ebenfalls ein kleines und sehr lebendiges Andenken erhalten, welches einige Monate später zur Welt kam. Bald darauf lernte Drews eine Frau E. fennen, die mit ihrem Mann in Scheidung lebt. Auch ihr stellte sich der Angeklagte als Schiffsoffizier vor und spiegelte ihr Heiratsabsichten bor. Er erzählte ihr dasselbe Märchen und fand auch bei der Frau vollen Glauben. Die Ledenken der E., daß sie doch noch nicht geschieden sei und nicht heiraten könne, beseitigte D. mit der Ertlärung, daß der ganze Scheidungsprozeß nur einige Stunden dauere, wenn er als Schiffsoffizier fomme und eine Beschleunigung vom Gericht verlange. Die E. glaubte so fest an eine baldige Heirat, daß fie auf Verlangen des Angeklagten ihre gesamte Wohnungseinrichtung berkaufte und ihm den Erlös aushändigte. Drews machte sich mit dem Geld einige vergnügte Tage und verspielte den größten Teil des Geldes. Inzwischen war von einer britten Heiratslustigen, die den ganzen Schwindel des Angeklagten durchschaut hatte, Anzeige erstattet worden. Als auch die G. eine Vorladung vor die Polizei erhielt. war sie noch so von der Wahrheitsliebe ihres Bräutigams überzeugt, daß sie hier trop aller Vorstellungen zugunsten des D. aussagte! Sie ließ sich sogar von cinem angeblichen Better des D. bis nach Antwerpen verschleppen, da ihr dieser erzählte, der Angeklagte warte dort auf sie, da er nicht nach Deutschland zurückkehren könne, weil ihn eine frühere Braut mit Kind" berklagt habe. Vor Gericht stellte Drews dreist jede Straftat in Abrebe. Staatsanwalt Fuchs beantragte mit Rücksicht auf das überaus gemeingefährliche Treiben des Angeklagten, der damit nicht nur erheblichen materiellen, sondern auch großen fittlichen Schaden angerichtet habe, eine Gefängnisstrafe von 3 Jahren. Das Urteil der 4. Straffammer des Landgerichts I lautete auf 2 Jahre Gefängnis und 5 Jahre Ehrverlust unter Freisprechung in einem Betrugsfalle, der zur Festnahme des D. geführt hatte. Schutz vor Schuhleuten. Neues königl. Opern- Theater. Sonntag, nachmittags 2½ Uhr: Minna von Barnhelm. Abends: Johann von Paris.( Anfang 8 Uhr.) Deutsches Theater. Bis auf weiteres täglich: Revolution in Krähwinkel. Deutsches Theater. weiß es. Montag: Der Arzt am Scheidewege. Dienstag: Niemand weiß ( Stammerspiele). Sonntag: Niemand es. Mittwoch: Der Arzt am Scheidewege. Donnerstag: Niemand weiß es. Freitag: Der Arzt am Scheidewege. Sonnabend: Niemand weiß es. Sonntag: Der Arzt am Scheidewege. Montag: Niemand weiß es. Leffing- Theater. Sonntag, nachmittags 3 ühr: Die versunkene Glode. Abends: Baumeister Solnej. Montag: Der Biberpelz. Dienstag: Die Wildente.( Anfang 7, Uhr.) Mittwoch: Gespenster. Donnerstag: Baumeister Solneg. Freitag: Der Raub der Sabinerinnen. Sonnabend: Ein Volksfeind. Sonntag: Baumeister Solneß. Montag: Die verfunkene Glode. geben. Abends und Montag: Herodes und Mariamne. Dienstag: Der Berliner Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der Traum ein Beilchenfresser. Mittwoch bis Montag: Herodes und Mariamne. Neues Theater. Allabendlich: Israel. H Thalia Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die Brunnen Abends: Künstlerblut. Nymphe. Montag bis Freitag: Künstlerblut. Sonnabend bis Montag: Er und seine Schwester. Abends und Montag: Die Ehre. Dienstag: Der Sonnwendhof. MittLuifen Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Stolz der Stadt. woch: Die Ehre Donnerstag: Der Sonnwendhof. Freitag: Geschlossen. Sonnabend: Die Ehre. Sonntag: Die Kinder des Stapitän Grant. Montag: Der Sonnwendhof. Bürgerliches Schauspielhaus. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Ausgewiesen. Abends: Der Glöckner von Notre- Dame. Montag: Ausgewiesen. Dienstag: Ein Rabenvater. Mittwoch: Die Herren Söhne. Donnerstag: Der Glödner von Notre- Dame. Freitag: Die Jüdin von Zoledo. Sonnabend: Unbestimmt. Sonntag und Montag: Ausgewiesen. Berliner Operetten- Theater SW. Sonntag, nachmittags 31, Uhr: Von Stufe zu Stufe. Abends bis auf weiteres täglich: Havana.( Anfang Uhr, Sonntags 8 Uhr.) 8 Gastspiel- Theater. Sonntag, nachmittags 8, Uhr: Die Weiße aus Lowood. Abends: Zaza. Montag: Demimonde. Dienstag: Zaza. Mitt woch und Donnerstag: Demimonde. Freitag: Zaza. Sonnabend und Sonntag: Demimonde. Montag: Unbestimmt. Bernhard Rose- Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Das bemooste Haupt. Abends: Die Entgleisten. Montag: Wilhelm Tell. Dienstag: Das bemoofte Haupt. Mittwoch bis Freitag: Die Entgleisten. Sonnabend: Der Hüttenbesizer. Sonntag: Die Entgleisten. Montag: Unbestimmt. Folies Caprice. Täglich: Die Brautschau. Die lästige Witwe. Casino- Theater. Sonntag, nachmittags Uhr: Die fidele stifte. Jeden Abend: Die Dianabäder. Gebr. Herrnfeld Theater. Mabendlich: Die beiden Bindelbands. Borher: Internationaler Stünfilerteil. Metropol- Theater. Allabendlich: Donnerwetter tadellos. Wintergarten. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Spezialitäten. abendlich: Spezialitäten. Apollo Theater. Sonntag, nachmittags 31, Uhr: Familienvorstellung. Allabendlich: Mizi Gizi und Siegwart Gentes. Baffage Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Spezialitäten. Alabendlich 8 Uhr: Spezialitäten. Walhalla- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Carl Haverland- Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Spezialitäten Allaber dlich: Spezialitäten. Balafi- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Kopp. Reichshallen Theater. Allabendlich: Stettiner Sänger. Gustav Bebrens Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Parodie Theater. Täglich: Die Zauberflöte. 2X3= 7. Berlin steht Kairo und die Pyramiden. Dienstag: Jerufalem. Urania Theater. Taubenstraße 48/49. Sonntag: Jerufalem. Montag: Mittwoch: An den Seen Oberitaliens. Donnerstag und Sonnabend: Oberleutnant Mar Weiß Meine Reiſeerlebnisse auf der innerafrikanischen Expedition. Freitag und Sonntag: Jerusalem. Sternwarte, Invalidenstr. 57-62. Witterungsübersicht vom 5. Dezember 1908, morgens 8 1hr. Stationen Barometer stand mm Wind richtung Swmembe. 771 NN 772 N Neues Schauspielhaus. Sonntag bis Dienstag: Beh' dem, der lügt. Mittwoch: Faust L Teil( Anfang 7%, Uhr.) Donnerstag: Beh' dem, der lügt. Freitag: Julius Casar. Sonnabend und Sonntag: Rabagas. Montag: Beh' dem, der lügt. bis auf weiteres täglich: Moral. Kleines Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: 2X2= 5. Abends Komische Oper. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Tiefland. Abends: Hamburg 771 SD Baza. Montag: Die verkaufte Braut. Dienstag: Ziefland. Mittwoch: Berlin Baza. Donnerstag: Belleas und Melisande. Freitag: Baza. Sonn- Franfi.a M. 771 S abend: Tiefland. Sonntag und Montag: Baza. München 771 NÆ Residenz Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Ganz der Papa. Bien Abends bis auf weiteres täglich: Kümmere dich um Amelie Hebbel Theater. Sonntag: Hohes Spiel. Montag: Der Liebhaber. Dienstag: Erde. Mittwoch: Frau Barrens Gewerbe. Donnerstag: Hohes Spiel. Freitag bis Sonntag: Thummelumsen. Montag: Unbestimmt. Trianon Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Fräulein Josette meine Frau. Abends bis auf weiteres täglich: Die Liebe wacht. Neues Operetten Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der Dpernball. Abends bis auf weiteres: Die Dollarprinzessin. Lustspielhaus. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die blaue Maus. Abends und Montag: Die blaue Maus. Dienstag: Madame Flirt. Mittwoch: Die blaue Maus. Donnerstag: Madame Flirt. Freitag: Die blaue Maus. Sonnabend: Madame Flirt. Sonntag und Montag: Die blaue Maus. Better Il Stationen Better heiter 2 heiter 1 paparanda 770 SHO 2 Regen 2 Nebel 1 Betersburg 763 NNW -2 Scilly -25 2Schnee-7 769 5 764 SS 771 S 3 moltig 10 1 wollig 2 bededt 2 1 Rebel-0 berbeen 2 moltig 2 Baris 772 NN 1 wolfen!|-4 Wetterprognose für Sonntag, den 6. Dezember 1908. Vielfach nebelig, sonst meist heiter und troden, aber falt bei schwachen südöstlichen Winden. Berliner Betterbureau. Wafferstands Machrichten der Landesanstalt für Gemäffertunde, mitgeteilt bom Berliner Wetterbureau. Wegen Körperberlegung im Amte(§ 340) ist am 8. Juli vom Landgericht Köln der Kriminalschuhmann Gustav Dahms zu 3 Monaten 2 Tagen Gefängnis verurteilt worden, außerdem wegen ein facher Körperverlegung zu 20 M. Geldstrafe. Der Bäckermeister S. wohnte am 6. Geptember 1907 einer Schöffengerichtssitzung bei und ermahnte in höflicher Weise den mit der Müße auf dem Kopf eintretenden Angeklagten, der ihm unbekannt war, die Müße abzunehmen. Dies veranlaßte später den Angeklagten, auf der Treppe dem H. einen Stoß zu versehen. Als H. sich darüber beschwerte, gab Dahms ihm einen Stoß mit der Fauft unter das Rinn, stieß ihn die Treppe hinunter und aus dem Hause hinaus. $. bat nun auf der Straße einen uniformierten Schußmann, die Frankfurt Person des Angeklagten festzustellen. Jener lehnte aber ab. Der Schiller Theater Charlottenburg. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Barthe, Schrimm Angeklagte legitimierte sich inzwischen als Kriminalschußmann, Die Braut von Messina. Abends: Die Jungfrau von Orleans. Montag: Landsberg bestritt aber den Vorgang in der Schöffengerichtssitzung. H. ging Die Braut von Messina. Dienstag: Der schwarze Kavalier. Mittwoch: Nee, Bordamm nun ins Polizeibureau, um Dahms anzuzeigen. Der Jnspektor Der Familientag. Donnerstag und Freitag: Vater und Sohn. Sonn- Elbe, Leitmeriz riet ihm davon ab, da es gefährlich für ihn werden könne, Nun abend: Die Braut von Messina. Sonntag: Heimat. Montag: Die mehr meldete sich H. beim Bolizeipräsidenten, mußte aber im Vor- 8willingsschwester. Friedrich Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Sonntag, nach zimmer warten. Der Angeklagte erschien mun hier ebenfalls, nachmittags 3 Uhr: Kriemhilds Rache. Abends: Madame Sans Gêne. bem er erfahren hatte, daß. ihn anzeigen wolle, und sagte:" Sie Montag: Irmingard. Dienstag: Madame Bonivard. Mittwoch: Als ich gehen nicht zum Bolizeipräsidenten!" Dann nahm er ihn fest und wiederkam. Donnerstag bis Montag: Madame Bonivard. Basserstand Theater des Westens. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die lustige Bitme Abends bis auf weiteres: Der fidele Bauer. Memel, Tilfit Schiller Theater 0. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der rote Bregel, Insterburg Leutnant. Abends: Bater und Sohn. Montag und Dienstag: Die Weichsel, Thorn Zwillingsschwester. Mittwoch: Das Opferlamm. Donnerstag und Freitag: Dder, Ratibor Der Graf von Charolais. Sonnabend: Bater und Sohn. Sonntag: Die Zwillingsschwester. Montag: Das Opferlamm. 4 Krossen Dresden Barby Magdeburg am feren 4. 12. 1 Mar Basserstand aale, Grochlik avel, Spandau) Minden am seit 4. 12. 3. 12. cm cm³) cm 350 224 765 82 62 Rathenow³) 28 90 + 74 43 87+2 Spree, Spremberg) 74 Beeskow 68 eser, Münden -86 62 -16 85 42 Rhein, Marimiliansau 318 0 19+9 Kaub 112 57+1 169 Köln 108 -7 +-2 Rear, Heilbronn 40 -2 Main, Wertheim 115 0 72 0 Mosel, Trier 50-5 Unterpegel. Starter Eis. 1)+ bedeutet Wuchs. Fall. gang. Grundeis. 5) Eisfrei.! Weihnachts- Ausverkauf! 120 Teppiche Saalgrösse Salongrösse. Wohnzimmergrösse Sofagrösse 0 0118br0 Gardinen à 90, 65.50 M. Englisch Tüll à 65, 40 u. 30 M. Brüsseler Tüll. à 35, 25 u. 20 M. Spachtel- Tüll à 14, 10 a. 6 M. Erbstüll Steppdecken Excelsior- Cloth Wollatlas- Lasting • à 8, 650 u. 4 M. Relief- Tüll. Seidenart. Lasting doppelseitig à 12.75, 10. 8 M Spachtel- Tüll • . • à 10, 750 a. 5 M. 15. 12 M. 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