N» WS. Hdsnnemtntz-StSwqvnse«» UlonNkmenIS. PreiS Dräraitnerondo» Bittleljäijrl 3�0 Mi, monatt tio Mi. wöScnllich 28 Pig. frei ins Haus. Pinzeine Nununer 6 Pfg. EonniagS« «summet mil Äullrierier Sonntagä» Beilage.Die Neue Welt' 10 Pia Soft» Wonnernent: 1,10 Mark vro Monat. Emgeiragen in die Poll-ZeitungS- VreiSiiüe. Unter Kreuzband für Deulichland und Oeilerreich. Ungarn 2 Matt, für daS übrige«uSian» 3 Marl vro Monat. PoftabonnementS nehmen an: Belgien. DSnemari, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, «umänien. Schweden und die Schwei». CHMlt»SN» UEtf IISBtML 25* Jahrg. Verlinev Volksbwkt. 2entralorgan cter fozialäemokrati scken Partei VeuttcKlanÄs. vle InIerNoni-Sedoftk veirligt für die sechSgelpaltene Kolons- »eile oder deren Raum 50 Pfg.. für dolitilche und gewerllchaftliche BereinZ- und Ver'ammlungS-Slnzeigen 30 Big. „kleine Anreisen", das erste licit' xedrucktei Wort 20 Pfg., jcdeS weitere Wort 10 Pfg. Stcllengeiuche und Schlaf- stcllen-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchiiaben zählen für zwei Worte. Jnlerate für die nächste Nummer rnüfsen bis S Udr nachmittags in der Erpedition ebgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. »elegranun. Adresse: „SsrialöcmcKrät Ririlo". Rcdahtlon: SQQ. 68, Lindenstrassc 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. | Mittwoch, den 9. Dezember 1908._ j Sxpedition: SQQ. 68, Lindenatraaee 69. Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1981. Pfarrergeljältcr und IPfarr- pfründe». Die preußische Negierung hält es bekanntlich für not- ' wendig, die G e h ä l t e c d e r G e i st l i ch e n a u f b c s s e r n zu helfen, und auch die bürgerlichen Parteien haben bereits in erster Lesung ihrer Zustimmung zu den Besoldungsaufbessc- rungen, die dein Staate 12 � Millionen Mark kosten sollen, Ausdruck gegeben. Nur der Redner der sozialdemokratischen Partei hat sich gegen diese er- neuten Zuwendungen an die Kirche, durch die der Zuschuß aus direkten preußischen Staatsmitteln auf mindestens 35 Millionen jährlich gebracht würde, mit aller Entschiedenheit ausgesprochen. Er hat die Forderung abge- lehnt, weil die sozialdemokratische Partei den Standpunkt vertritt, daß Kirche und Staat völlig getrennte Organe sein müssen, daß deshalb alle Aufwendungen für kirchliche Zwecke aus den p r i v a t e n Mitteln der der kirchlichen Organi- sation angehörenden Mitglieder aufzubringen sind. Er zweifelte aber außerdem die Notwendigkeit eines weiteren staatlichen Jahreszuschusscs von 121/2 Millionen an. Selbst wenn man die Aufbesserung der Gehälter der schlechter ge- stellten Geistlichen für notwendig halte, so seien die dazu erforderlichen Mittel einfach dadurch auszubringen, daß man den überreichlich besoldeten Geistlichen von ihrem Ueberflusse nch m e, um davon den schlechter cnt- lohnten Amtskollegen zuzulegen. Die Negierung möge doch gefälligst einmal dem Landtag das statistische Material über die Besoldungsverhältnisfe der Geistlichen unterbreiten, aus dem sich— selbst vom Standpunkte der bürgerlichen Par- teien aus— die U eb er f l ü s sig kei t eines erhöhten Staatszufchusses ergeben werde. Da die Regierung offenbar nicht daran denkt, dieser Ausforderung zu willfahren, wollen w i r durch einige Stich- proben beweisen, welcher gröblichen Verschleuderung von Staatsmitteln sich das preußische Abgeordnetenhaus schuldig machen würde, wenn es tatsächlich die 12� Millionenforde- rung bewilligte. Die evangelischen Geistlichen in Preußen erhalten gegenwärtig ein Mindestgehalt von 1800 bis 4800 M., außerdem freicWohnung und Gemüsegarten oder eine M i e ts e n t s ch ä d i g u n g. die nicht zu knapp bemessen ist. in Berlin und anderen Großstädten beispielsweise 1500 M. beträgt. Nach zehnjähriger Dienstzeit erhöht sich bereits heute für die Geistlichen der niedrig- st e n Gehaltsklasse das Gehalt um zwei Zulagen von je 600 M., beträgt dann also 3000 M. bar, wozu freie Wohnung und Garten oder die obenerwähnte Mietsentschädigung tritt. Für Großstädte beträgt danach das Einkommen der am s ch l e ch t e st e n gestellten Geistlichen nach zehn Jahren be- reits mindestens 4500 M., nach 25 Jahren mindestens 16300 M. Wir sagten winde st ens, denn Berlin und manche anderen Großstädte Preußens haben einen viel höheren Besoldungstarif. Hier beginnen schon heute die Geistlichen durchweg bereits mit einem Einkommen ein- schließlich des Wohnungsgeldzuschusses von 4000 bis 4500 M., um ein Endgehalt von 8500 und 9000 M. zu erreichen 1 Wenn man bedenkt, daß die Hälfte des preußischen Volkes ein Einkommen von weniger als 900 M. besitzt, daß selbst die bestgestellten qualifizierten Arbeiter mit dem dritten Teil eines Geistlichengehaltes auskommen müssen, und wenn man weiter bedenkt, daß hundert- tausend preußischen Beamten auch von der Budgetkommission kein höheres Gehalt als 1100 bis 1800 M. und ein Wohnungsgeldzuschuß von 150 bis 480 M. bewilligt worden ist. so könnte man schon angesichts dieser Zahlen sehr wohl zu der Auffassung gelangen, daß die Auf- bcsserung der Löhne der Staatsarbeiter und der Gehälter der Unterbeamten eine viel dring- kichere Ausgabe des Staates wäre als die Erhöhung der Ge- hälter der Geistlichen I Aber auch wenn man glaubt, daß die Geistlichen zu schlecht bezahlt werden, müßte man den 12V!j Millionen- Zuschuß ablehnen aus dem einfachen Grunde, weil es der Kirche selbst sehr wohl möglich wäre, die Ge- haltsaufbesscrung aus eigenen Mitteln zu bestreiten, tvenn sie nur die Gehälter nach oben beschneiden wollte. Ist es doch überhaupt eine unglaubliche Zumutung an den Staat, der Kirche Zuschüsse für die Besoldungsaufbesserung ihrer (Geistliche» zu bewilligen, während eine feste Begrenzung der Höchstgehälter der Geistlichen überhaupt nicht besteht! Die Kirche will die Steuergroschen des Volkes in An- spruch nehmen, bloß um den groben Unfug der Pfründenwirtschaft munter weiter bestehen zulassen! Welch üppige Gehälter vielen Geistlichen befahlt werden, denen Zufall oder Begönnerung zu einer reich dotierten Stellung verhalf, mögen vorläufig ein paar Zahlen aus Berlin und der Provinz Brandenburg beweisen. Es bezogen Berliner Geistliche folgende Gehälter: 17 150 M., 16 800 M., 12 974 M., 11830 M.. 10 788 M., 10 500 M., 10 000 M. z s e ch s Geistliche zwischen 9000 und 10 000 M. usw. Jusgesaint bezogen 136 Berliner Geistliche mehr als 5000 M.. das Durchschnittskinkommen dieser Geistlichen bclicf sich auf 7000 M. Aber auch in der Provinz Brandenburg gibt es Gehälter von 13170 M.. 11242 M., 10 696 M., 10 851 M.'. von zahlreichen Gehältern zwischen 9000— 10 000 M., 8000 bis 9000 M. und 7000— 8000 M. gar nicht zu reden! Und solche Einkommen werden vielfach in kleinen Städten, ja selbst Dörfern bezahlt! Würden die Gehälter dieser zirka 300 Geistlichen sämtlich auf 6000 M. im Maximum gestellt, so könnten hier bereits ein paar hunderttausend Mark gespart werden! Und wie es in der Provinz Brandenburg ist. so ist es in manchen anderen Provinzen, z. B. in der Provinz Schleswig- Holstein, in der Provinz Pommern, in der Provinz Sachsen usw. Im ganzen könnten Millionen gespart werden, ein Betrag, der völlig ausreichen würde, um etwa das Anfangsgehalt der Geistlichen init dem niedrigsten baren Grundgehalt von 1800 aus 2400 Mark zu erhöhen. Die von allen bürgerlichen Parteien ge- billigte Erhöhung des baren Minimal-End- ge halteö auf 6000 M. erscheint freilich um so weniger nötig, als die L e h r e r nach der Regierungsvorlage— nach 31 Jahren Dienstzeit!— in allen Orten mit weniger als 25 000 Einwohnern nur 3150 M. Höchstgehalt erreichen sollen und auch in den größten Städten ein Höchstgehalt von nicht mehr als 3900 M. erreichen dürfen. Auch bei dem heutigen Höchstgehalt von 4800 M. würden sich die Geist- lichen aller Orte mit weniger als 25 000 Einwohnern noch um 1650 M. an barem Gelbe besser stehen als die Lehrer, deren Tätigkeit eine viel anstrengendere ist. Auch in den großen Stäoten wäre das Mehreinkommen der Geistlichen gegenüber den Lehrern mindestens ebenso hoch. Denn da in Berlin das nach 31 Dienstjahren erreichte Höchstgehalt für Lehrer 3900 M. betragen soll und der Wohnungsgcldzuschuß 750 M. beträgt, datz Gesamteinkommen also 4650 M., so würde das Gesamteinkommen des Geistlichen bei 4800 M. Gehalt nebst 1500 M. Dienstwohnungsentschädigung 6300 M. betragen, also um 1650 M. mehr. Wie wir aber bereits an anderer Stelle ausführten, zahlen ja Berlin, Frank- furt a. M., Kiel, Altona, Breslau usw. ohne den Micts- zulchuß bereits Miniinal-E n d gehälter von 6000, 7000, ja 7500 M.l Angesichts dieser Tatsachen sollte man meinen, daß selbst die bürgerlichen Parteien, die ja n i ch t den Standpunkt der Trennung von Staat und Kirche einnehmen, das ungeheuer- liche Ansinnen ablehnen müßten, der Kirche einen weiteren StaatSzuschuß von 12>/<. Millionen Mark zu leisten, um ein Normal-Höchsteinkommen der Geistlichen von 7500 M. zu schaffen, ein Einkommen, das dasjenige der Mehrzahl der Lehrer um mehr als das Doppelte übertreffen würde, während es obendrein noch zahlreiche Pfarrstellen selbst in den kleinsten Nestern gibt, deren Ein- kominen sich auf 8000, 9000, 10 000 M. und mehr beläuft! Die üppigen Pfründenstellen sind ja freilich eine lockende Prämie für die besondere Gesinnungstüchtigkeit der Geist- lichen im reaktionären und kapitalistischen Sinne! Sie sind ein Anreiz, sich durch besonderes Wohlverhalten gegenüber den herrschenden und besitzenden Klassen auch einmal die An- wartschaft aus solch eine Stelle zu erwerben. Deshalb möchte man die Einkünfte dieser fetten Stellen auch nicht beschneiden! Wie denn überhaupt der Bewilligungseifer der Vertreter der besitzenden Klassen gerade gegenüber den Geistlichen dem Wunsche entspringt, sich diese Stützen des herrschenden K lassen staates möglichst wohlgesinnt zu erhalten! Charakteristisch dafür ist auch die unlängst erfolgte Gebalts- erhöhung der mecklenburgischen Geistlichen durch die obotritischen Junker, obgleich gerade auch in Mecklenburg Pfarrgehälter von 8000—10 000 M. keineswegs Selten- heilen sind! Die Mehrheit des V 0 l k e s hat sich mit einem Ein- kommen von weniger als 1000 M. zu begnügen! Die Mehr- zahl der Staatsbeamten soll sich mit einem Gesamt- einkoinmen von 1500—2000 M. einrichten..Aber die Herren Geistlichen sollen mit einem mittleren Einkommen von 4000 bis 5000 M. nicht auskommen können! Und wenn die Gehälter der schlechter gestellten Geistlichen aufgebessert werden fallen, will man nicht etwa die fetten Pfründen der Aristokratie der Geistlichen beschneiden— nein, der Staat soll zu den mehr als 22 Millionen, die er schon jetzt der Kirche zahlt, abermals 12Vfe Millionen jährlich herausrücken! Dafür soll dann freilich die Kirche den Klastenstaat um so eifriger' gegen die„Begehrlichkeit" der Hungerleider fchirmen helfen!_ Das viettelmilllarckengekcheiili für die einzelftaaten. ZllS das Deutsche Reich gegründet wurde, waren seine Tin- nahmen aus den Betriebsüberschüssen aus Post und Telegraphie und den Zöllen und Steuern keine derartigen, daß es damit Höne aus- kommen können. Wie der Norddeutsche Bund auf Zuschüsse der Einzel st aaten angewiesen war. so auch das neugegründete Deutsche Reich. Während der Jahre 1872 bis-1879 betrugen diese Zuschüsse, die sogenannten Matrikularbeiträge. zwischen 51 und 82 Millionen Mark jährlich. Im Jahre 1879 begann dann Bismarck seinen systematischen Ausbau der indirekten Besteuerung. Das Zentrum setzte damals die fogenamite„Frankensteinsche Klausel" durch, wonach ein bestimmter Teil der Zölle und Steuern des Reichs den Einzel- stallten überwiesen wurde. Was das Reich dann noch brauche, solle ihm jährlich vom Reichstag bewilligt werden, und zwar unter Fort- b e st a n d der Z u f ch u ß p f l i ch t der Bundesstaaten in Gestalt der Matrikularbeiträge. Das System der Uebcrweisungen bestimmier indirekter Reich-- steuern an die Einzelstaaten gestaltete sich. bald zu einem guten Geschäft für diese. Während in den Jahren 1880 bis 1882 die Matrikularbeiträge rapid sanken, von st Millionen auf IVb Million, traten 1883—1892 an die Stelle der Zuschüsse der Bundesstaaten an daS Reich infolge des UeberweisungSsystemS um- gekehrt bedeutende Zuschüsse des Reichs an die Bundes- st a a t e n. die biö zu 6(5, 70, 77 und 139 Millionen im Jahre betrugen! Nach zweijähriger Unterbrechung überstiegen dann aber- mal§ während der vier Jahre 1894—1897 die Ucberwcisungcn die Matrikularbeiträge um 12—17 Millionen jährlich. Erst dann be- gönnen wieder die mageren Jahre für die Einzelstaaten, die sich jetzt infolge der kolosial wachsenden Ausgaben für Heer und Marine trotz der riesenhaften Ueberweisungen von 5—600 Millionen wieder zu Zuschüssen bequemen mußten. Jetzt fand man auf einmal daS System des nutzlosen Hinüber- und Herüberschreibens der Beträge überflüssig und reduzierte die lieber- Weisungssteuern 1903 von 556 auf ISO Millionen. Aber die Aus- gaben für die famose W e l t p 0 l i t i k wuchsen weiter, und die Matrikularbeiträge erreichten schließlich trotz der 150 Millionen neuer Steuern der„Finanzreform" von 1906 die enomie Höhe von 122 Millionen. Und die Einzelstaaten, die im Jahre 1889 den Reichs- Zuschuß von gar 139 Millionen ruhig eingesäckelt hatten, blieben jetzt seit 1906 zirka 242 Millionen Matrikularbeiträge schuldig! Solange ihnen da? UeberweifungSsystein Borteile brachte, öffneten sie ihre Taschen: jetzt, wo sie auch einmal anständige Zuschüsse leisten sollen, wollen sie ihren Gläubiger, da- Reich, um seine Forderungen prellen! Verrechnen wir"feit 1879 alle Uebcrweisungen und Matrikularbeiträge, so ergibt sich, daß die Einzelstaaten bisher nicht nur keinen einzigen Pfennig Matrikularbeiträge geleistet, sondern im Gegenteil noch 50 Millionen eingesäckelt haben! Und jetzt wollen sie cmc weitere Viertelmilliarde durch Uebernahme ihrer „gestundeten" Matrikularbeiträge auf das Reich geschenkt haben! Und der ReichSschotzsekretär S y d 0 w will nicht nur das Viertelmilliardengeschcnk gewähren, sondern er will auch durch eine Fixierung der künftigen Matrikularbeiträge auf ein kärgliches Minimum späteren Drückebergereien der Einzelstaaten Borschub leisten I Die Volksvertreter des Reiches haben alle Ursache, dem dreiste» ErprrssungSversuch in der schärfsten Weise entgegenzutreten! lüelchspumptvirtsthast. Die„Köln. Volksztg." stellt melancholische Betrachtungen über unsere verrottete Reichsfinanzwirtschaft an. Obgleich man als eines der wichtigsten Ziele der Zieichsfinanzrefornr das Aufhören der Pump Wirtschaft bezeichnet habe, gehe diese Pumpwirtschast doch auch jetzt munter weiter. Der Reichs haushaltsetat für 1909 und die Finanz- gesetzc würden uns voraussichtlich eine neue feste An- leihe von 625 Millionen und die Ermächtigung zur Ausgabe von kurzfrisrigen Schatzanweisungen in der Höhe von nicht weniger als 600 Millionen bringen! Wenn auch schon jetzt die Ermächtigung zur Ausgabe von Reichsfchatzanweisungen in Höhe von 475 Millionen bestehe, komme immerhin eine Erhöhung von 125 Millionen in Betracht. Die feste Anleihe von 625 Millionen setze sich aus folgenden Posten zusammen: aus 203 Millionen für die im Etat für 1909 zur Deckung aus Anleihen vorgesehenen Ausgaben, insbesondere Flottenausgaben, aus 27 Millionen Kolonialanleihen, zusammen rund 230 Millionen nach dem Etat für 1909. Hierzu werde eine An- leihe von 190 Millionen zur Durchführung des B r a n n t- Weinmonopols und eine weitere von 242 Millionen kommen, um die ungedeckten„gestundeten" Ma- trtkularbeiträge von 1906, 1907 und 1903 zu decken. Die Erhöhung der schwebenden Schuld, d. h. die Ausgabe weiterer 125 Millionen Schatzanweisungen werde durch daS weitere Defizit im Etat notwendig werden. Und mit der Tilgung dieser„schwebenden" Schuld werde es bis zu einer wirklichen Ordnung unserer verfahrenen Finanzwirtfchaft noch gute Wege haben. DaS ultramontane Blatt fährt dann fort: „Welche lächerlich kleine Rolle spielt gegen diese Schuldenvermehrung von 6g2l/g Millionen, die für Schuldentilgung pro 1909 in den Etat eingesetzte Summe- von 25 sig Millionen Mark! Die angegebenen Beträge sind diejenigen, deren das Reich effektiv in bar zum Begleich der angegebenen Ausgaben be- darf, je nachdem aber 4 Prozent, 3stz Prozent oder 3 Prozent Anleihe ausgegeben wird, also je nackdem die Anleihe zu Pari oder unter Pari begeben werden inuß. erhöht sich der Bedarf noch. Würde das Geld mit 4 Prozent Anleihe beschafft, so könnte die Anleihe heute vielleicht zum Parikurse begeben lvcrdcn, bei einer 3V»proz. Anleihe müßten jedoch etwa 700 Millionen, bei einer 3prozentigen sogar 770— 800 Mill. Mark Nominal- betrag der neuen Anleihe ausgegeben werden, um der Reichs- kaffe das erforderliche Bargeld zu schaffe». Wenn man bisher nur vou„Schuldentilgung" und nicht von einer neuen großen Anleihe, der größte», welche das Deutsche Reich jemals seit seinem Bestehen aufgenommen hat, hörte, so liegt die-Z daran, daß die Einzelheiten der neuen Finanzreform noch wenig bekannt sind und dasi auch der Mommsensche Vorschlag bisher nur im eigenen Kreise bekannt geworden ist. Die feste N e i ch s s ch u l d würde nach Begebung dieser neuesten Anleihe auf rund 5 000<100 09t! Mark steigen!" Dia„Köln. Volksztg." hat doppelte Ursache zu diesen Jeremiaden I Ist es doch das Zentrum in erster Linie gewesen— vor und n a ch der Blockära!— das durch seine unsinnige Bewilligung aller Forderungen für Militarismus, Marinismus und Kolouialpolitik diese uferlose Punipivirtschaft heraufbeschworen hat I Denn daran, das; sich seit 1892 die Ausgaben für diese weltpolitischen Zwecke verdoppelt haben, von noch nicht 800 Millionen auf annähernd 1600 Millionen im Jahre 1909 angewachsen sind, ist die Schuld des Zentrums! Die Heulerei über die Finanzzerrüttung und die Pump- Wirtschaft nützt nichts, das Zentrum hätte der tollen Per- fchwendungsivirt schaftentgegentreten müssen I DaS wird es aber nicht einmal in der Zukunft tun! Wir werden den Zeutrumsbewilligem aber jedesmal die Zentrums- klage über die Pumpwirtschaft entgegenhalten! Politische deberliebt. Berlin, den 8. Dezember 1908. Die Freifinnigen und der Fall Schiicking. Die freisinnige Fraktionsgemeinschaft ist sich, wie die„Liberal. Korr." mitteilt, in ihrer Rücksichtnahme auf die schwächliche Kon- stitution des Blocks darin einig, dah eine Interpellation über den Fall Schücking zurzeit unangebracht sei und deshalb aufgeschoben werden müsse. Als Grund für diesen weisen Verzicht gibt die frei- sinnige Fraklionsgemeinschaft an, daß das Disziplinarverfahren noch nicht abgeschlossen sei. Als die Affäre Schücking seinerzeit an die Oeffentlichkeit kam, da war auch bei den freisinnigen Abgeordneten die Entrüstung groß und flammend. Und man wollte nur den Zusammentritt der Parlamente abwarten, um Herrn v. Moltke und den Reichs- kanzler zu„stellen". Als eS so weit war, besann man sich aus seine ,.BIock"-Pflichten und erklärte, erst einmal den Spruch des Bezirks- ausschusscS abwarten zu wollen. Jetzt vertröstet man sich und die liberale Wählerschaft bis zum völligen Abschluß deS Verfahrens. Wenn dieser beendet ist, wird man wahrscheinlich entdecken, daß nun eine Interpellation keinen Zweck mehr habe.— Diamanten-Schwindel. Das„Berk. Tagebl." meldete gestern, daß in Deutsch-Südwest- asrika eine neue Diamantenfundstätte entdeckt worden wäre, die ungemein reiche Erträge verspreche. Wie jetzt gemeldet wird, ist diese Nachricht wieder einnial völlig aus der Luft gegriffen gewesen. Was bis jetzt in Wüst-West an Dianianten gefunden worden ist, hat nicht einmal ausgereicht, um Wilhelm II. ein Präsent zu machen, daS einen höheren als Kuriositätswert besäße I Es sind eben D e r n b u r g- Diamanten I Rußland und die Brüsseler Zuckerkonvention. Wie die„Kölnische Zeitung" berichtet, will die russische Regierung bei den in diesen Tagen stattfindenden Be- ratungen der ständigen Zuckerkommission in Brüssel anregen, das russische Ausfuhrkomingent für den Fall, daß der Zucker- preis auf dem englischen Markt eine gewisse Grenze über- schreitet, zu erhöhen. Bei dem Widerstande, den in Deutsch- land schon die Festsetzung des Kontingents in der gegen- tväxtigen Höhe gefunden hat, und bei dem hohen Interesse unserer Industrie und Landwirtschaft an der Erhaltung des deutschen Absatzes in England, läßt sich wohl mit Bestimmt- heit erwarten, daß die russischen Wünsche auf Erhöhung des Ausfuhrkontingents keine Gegenliebe finden werden. Irgend eine triftige Veranlassung, den erst vor wenigen Monaten ge- schlossencn Brüsseler Vertrag jetzt schon wieder abzuändern, liegt nicht vor.—_ Noch ein Kaiser-Interview. Der Kaiser hat vor einiger Zeit eine Rede in daZ Grammophon gehalten. Wie die„Berliner Volkszeitung" mitteilt, ist der amcri- tänischen Firma aufgegeben worden, daß diese Platten vor dem Tode deS Kaisers nicht in den Verkehr gebracht werden dürfen. � Durch die Indiskretionen der letzten Zeit gewitzigt, sollen nunmehr die Platten von der amerikanischen Firma zurückverlangt worden sein, damit jede Verbreitung der Grammophonrede verhindert wird. Reichsverbands-Reinfall. Jüngst ging ein Zirkular mit Beitrittserklärungen zum Reichs- lügenverband auch an einen Dr. X in der Provinz Sachsen. Dieser legte das Zirkular bei Seite. Darauf folgte eine Mahnung mit der Bitte, doch für Unterschriften sorgen zu wollen. Nun sandte Dr. X. das Zirkular mit folgender Randbemerkung zurück..Ich habe meine Patienten nicht zum Bertritt bewegen könne n."_ Dr. X., Tierarzt. Die selige Johanna! Seit langem wird mit größter Gründlichkeit in der Kongregation der Riten in Rom beraten, ob die Jungfrau von Orleans heilig. oder nur selig zu sprechen ist. Zwischen der Heilig- und der Selig- sprechung ist nämlich ein bedeutsamer Unterschied. Für die letztere genügt der Nachweis von zwei Wundern, während für die erftere vier Wunder erforderlich sind. Außerdem erfolgt eine Heilig- sprechung auf Grund der Unfchlbarleit des Papstes, was bei der Seligsprechung nicht der Fall ist. Endlich scheint man sich jedoch in Rom auf die Seligsprechung geeinigt zu haben. Wie gemeldet wird, wird der wiederhergestellte Papst am 13. d. M. einer feierlichen Sitzung der Kongregation der Riten beiwohnen, in der das päpstliche Dekret verlesen werden wird, mit welchem die Seligsprechung der Jungfrau von Orleans vcr- kündet werden soll. Die Seligsprechung selbst wird im nächsten Frühjahr im Sankt Peter stattfinden, und wie versichert wird, soll bei dieser Gelegenheit Jeanne dÄrc als Schutzpatronin Frankreichs proklamiert werden._ Die Aussichten auf Einführung von Schiffahrtsabgaben sollen nach den„Münchener Neuesten Nachrichten" sehr ungünstig sein. Es sei zweifelhast, ob eine solche Borlage im Bundesrate eine Mehrheit findet. Selbst aber die? vorausgesetzt, feien dann diplomatische Verhandlungen mit den AuLIandSstaaten notwendig, namentlich mit Oesterreich, die wenig oder gar keinen Erfolg ver- sprächen. Angesichts all dieser Schwierigkeiten sei die Einbringinig einer solchen Vorlage höchst zweifelhaft geworden. Keine Arbeiterkontrolle in sächsischen Bergwerken. Dresden, 7. Dezember. Das veraltete sächsische Berggesetz, daS feine Rückständig- ketten besonders gegen die Arbeiter richtete, ist einer Aenderung unterzogen worden. Heute hat die Zweite Kammer des sächsische» Landtages, nachdeni schon daS„LberhauS" seinen Segen dazu gegeben hatte, die Novelle in einer Schlußberatung erledigt. Viel ist geändert, aber für die Arbeiter wenig gebessert worden, obwohl die Bergarbeiterorganisation alle Hebel in Bewegung gesetzt hat, für die Grubensklaven etwas heraus- zuschlagen. In der Deputation der Zweiten Kammer hat sich be- sonders der Genosse Gold st ein bemüht, Besserungen durchzusetzen. bis seine plötzliche und schwere Erkrankung seinem Wirken ein Ziel setzte. DaS sächsische Dreiflassenparlament nahm die unzulänglichen Beschlüsse der Gesetzgebungsdeputation als fertige Arbeit hin; nie- mand bemühte sich mehr, die bessernde Hand anzulegen, obwohl mehr als genug Anlaß dazu vorhanden gewesen wäre. Nur über die Grubenkontrollc durch Arbeiter entspann sich eine längere Debatte, in der gelegentlich auch der A ch t st u n d e n- tag mit erwähnt wurde, den man den sächsischen Bergarbeitern ebenfalls versagt; obwohl behauptet wurde, daß fast allenthalben in sächsischen Gruben„nur" alht Stunden gearbeitet würde, hat man den Achtstundentag nicht gesetzlich festgelegt. Und zwar, wie der nationalliberale Abg. Langhammer bemerkte, weil dadurch ein schlechtes Beispiel für die Industrie gegeben worden wäre. Auch nicht übel, ober echt nationalliberal. Im ersten Schrecken über die Radbod-Katastrophe hatte sich die Gesetzgebungsdeputation nochmals mit der Gruben- kontrolle beschäftigt. Eine au? nationalliberalen Mitgliedern be- stehende Minderheit hatte einen Antrag eingebracht, der für die Gruben Arbeiterkontrolleure und ihre Wahl durch die Belegschaft forderte, während die konservative Mehrheit sich nur dazu aufzuschwingen vermochte, die Regierung zu ersuchen, fest- zustellen, ob die Bergwerksbesitzer freiwillig unter Mitwirkung der Arbeiter eine Bekämpfung der Unfallgefahr durchführen wollen. Die Liberalen verlraten übrigens ihren Antrag nur sehr lau; ihre Reden waren auf den Ton gestimmt:„man lasse den Arbeitern den Willen, wenn'S auch nichts nützt, so schadet'S auch nichts, und wir haben unser Gewissen beruhigt." Darin wurden sie auch von einem Konservativen, dem Abg. Nudelt, unterstützt, der Gemeinde- vorstand in einem großen Bergarbeiterdorf deS Plauenschen Grundes ist. Die übrigen Herren von der konservativen Mehrheit be- schränkten sich darauf, ihre Abneigung gegen Grubenkontrolleure durch Zwischenrufe auszudrücken und dagegen zu stimmen. Die Regierung hatte sich schon in der Deputation gegen Arbeiterkontrolleure gesträubt, in Plenum wehrte sich der F i n a n z m i n i st e r Dr. R ü g e r mit Händen und Füßen. Besonders verhaßt war ihm die Wahl der Kontrolleure durch die Belegschaft. Mit der ganzen Geschichte würden nur die Geschäfte der Sozialdemokratie besorgt, die die Wadlcn zur Agitation ausntzen und ihre Agitatoren als Grnbenkontrolleure den Grubenherren inS Nest setzen würden. Der Staat solle sie womöglich bezahlen oder gar als Beamte anerkennen. Nein, lieber verzichte er auf das ganze Gesetz, ehe er die Sozialdemokratie hineinreden lasse, die dem Staate nie etwas nützen werde, die nur Unfrieden stifte usw. Im übrigen erklärte der Minister noch, daß er n i ch t für ein R e i ch S b e r g e s e tz sei und sein Standpunkt auch von allen übrigen Bundes st aaten vertreten werde. Aehnliche Lamentos ließ auch der G eh eimra t Dr. Wa h l, der Chef des Bergwesens, steigen. Die Beihilfe der Bergarbeiter bei Bekämpfung der Unfallgefahr ist ihm wohl willkommen, aber als Kontrolleure kann man sie nicht anstellen. Soweit sich die Gruben- besitzer dazu herbeilassen, alte Bergarbeiter zur Kontrolle z» be- nutzen, ist's ihm recht, er will eventuell auch durch eine Verordnung nachhelfen, aber dabei soll unter allen Umständen der„freie Arbeitsvertrag", das heißt, das Recht des Unter- nehmerS die Arbeiterkontrolleure auf die Straße zu setzen, wenn sie unbequem werden, erhalten bleiben. Umsonst wurde von der linken Seite, auf der leider noch immer Genosse Goldstem fehlt, darauf hingewiesen, daß die Bergarbeiter die Grubenkontrolle eventuell selbst bezahlen wollen, daß sie eventuell bereit sind, nur die Arbeiter mitwählen zu lassen, die zehn Jahre in der Grube sind, daß die Bergleute nur zu den von ihnen selbst gewählten Vertretern Vertrauen haben könnten— die konservative Mehrheit trat dem von arbeiterfeind- licher Verschrobenheit erfüllten Finanzminisier bei, der nicht umsonst den roten Lappen geschwungen hatte, und stimmte alle Anträge auf Schaffung von Grubentontrol- teuren aus dem Arbeiter st ande nieder. Mit 30 gegen 24 Stimmen fielen sie unter den Tisch. Nicht einmal das Entsetzen über die 340 Leichen in Nadbod hat das sozialpolitische Gewissen der Mehrheit im sächsischen Dreiklasienparlament soweit schärfen können, daß sie den sächsischen Bergarbeitern daZ gewähren, was ihre Leidensgenossen in Belgien, Frankreich und anderLwo längst haben.—_ Wie angehende„Stellvertreter" fich amüsieren. Vor einigen Wochen wurde ein vor-mehr als ztvei Jahren vom 15. tzusarenregiment in Wandsbeck desertierter Rekrut B. er- griffen, der über recht merkwürdige Dinge aussagte, die sich in diesem Truppenteil in der Zeit vom Herbst IVOS bis April 1908 abgespielt haben. In einer Ottobernacht 1905„revidierten" mehrere Gefreite die Stuben, ließen sich von den Rekruten die Stiefel zeigen, ob sie auch gut geputzt seien, kommandierten„Riiff uff die Spinde!" und hieben mit Rohrstöcken auf die Rekruten ein, so daß von den so Behandelten etwa 15 an der Zahl mehrere dicke Striemen am Körper auswiesen. Einer der Peiniger wurde nach— drei Jahren in der Person des inzwischen zum Unteroffizier avanzierten Herrn Tiedemann ermittelt. Wie weiter auf Grund der Aussagen des Deserteurs B. ermittelt wurde, hat damals der Wacht- meister Roberg die Meldungen durch Ohrfeigen unterdrückt, wobei er bemerkte:„Gemeldet wird nicht." Gegen den zur Reserve entlassenen Wachtmeister ist ebenfalls eine Untersuchung eingeleitet worden. Durch den Deserteur B. sind auch noch andere Dinge ins Rollen gekommen. So hat ein damaliger Gefreiter Kummerfeldt, der als Swbengefreiter, Stallwacht- habender usw. fungierte, seine Untergebenen ganz furchtbar mit allen möglichen Gegenständen— Reit- und Klopfpeitschen, Degenknopf usw.— mißhandelt,„weil die anderen eS auch taten", wie er entschuldigend sagte. Dieser„Kasernenzauber" be- schästigte am Sonnabend das Kriegsgericht der 18. Division lAltona). Die Sache gegen Kummerfeldt wurde zwecks weiterer Zcugenladung fsie liegt schwerer, als die Anklage annahm) aus- gesetzt, dagegen wurde gegen den Unteroffizier Tiedemann. verhan- delt. Da dessen Gedächtnis total versagte, schilderten die Zeugen recht eingehend den„Kasernenzauber". Ter Anklage zufolge soll gemeinschaftliche Mißhandlung in Frage kommen, aber das Eharakteristikum der Genicinschaftlichkeit vermochte nicht fest- gestellt zu werden, und da ein Strafantrag wegen einfacher Körperverletzung nicht vorliegt, erfolgte die Freisprechung des Stellvertreters, der damals keine Vorgesetztenqualitiät besaß. Es soll aber noch auf dem Disziplinarwege gegen ihn vorgegangen werden. Das Gericht rügte in scharfer Weise das„Bimsen" und „Einweihen" der Rekruten seitens der alten Leute, sowie den nacht- lichcn„Kaserncnzauber", wie ihn der Verteidiger des Angeklagten, ein Leutnant, zu nennen beliebte. Soldaten als Transportarbeiter. Die VersuÄSabteilinig der VcrkehrStruppen wird künftig Heeres- automobile auch an Private verleihen, damit diese Gelegenheit haben, sich über den Nutzen und die Wirtschaftlichkeit deS Lastkrnft- wagenbetriebeS ein eigenes Urteil zu bilden. Die Bedienung der verliehenen Lastwagen erfolgt durch Soldaten, die von den VerlehrS» tnchpen abkommandiert werden. Der Entleiher de? Kraftwagens hat die gesamten Kosten zu tragen, u. a. muß er die Äommandozulagen bezahlen, und zwar für den Unteroffizier 1.50 M. täglich, für den Wagenführer 1 M., für den Begleitmann 70 Pf. Transporte inner- halb der Städte sind ausgeschlossen. Erleiden die Soldaten bei diesem Dienste einen Unfall, so trägt die Heeresverwaltung die dadurch entstehenden Kosten. Die Verleihung soll nur auf kürzere Zeit erfolgen. Es wäre entschieden besser, wenn die Firmen, die solche Kraft- wagen bemitzen wollen, sich diese von den Automobilfabriken leihen würden, denn schließlich sind die Hecresautomobile doch nicht dazu da, um in den Dienst privater Unternehmer gestellt zu werden. Noch weniger aber sollten Soldaten dazu verwendet werden, den Transportarbeitern Konkurrenz zu machen.— Kein Recht, zu zweifeln!..« Die„Fränkische Tagespost" in Nürnberg" antwortet auf unseren Artikel„Zerstörte Legende" zum Fall Hoffmann-KaiserSlautern nach demselben Rezept wie die„Münchener Post". Sie hat in unserem Artikel nur den Vorwurf gefunden, daß sie die Maßregelung des Fortbildungs schullehrers Hoffmann nichi energisch genug bekämpft habe; von unserem Verlangen, daß sich die bayerische Parteipresse über die dem Volks schullehrer Hoffmann angedrohte Maßregelung äußern müsse, nimmt sie keine Notiz. Sic hält vor ihren Lesern die Fiktion aufrecht, als gebe es nur den Fall des Fortbildungs schullehrers Hoffmann, und geht darin gar so weit, daß sie zum Schluß schreibt: „Genosse Hoffmann ist. bisher nur durch die Verfügung einer unteren Verwaltungsbehörde gemaßregelt worden. Die eingelegte Beschwerde beim«ultusininisterium ist noch nicht erledigt. Das Gesamtministerium hat noch nicht gesprochen. Bis das geschehen. haben wir kein Recht, daran zu zweifeln, daß die bayerische Regierung ihr feierlich gegebenes Wort, daß alle Staatsbürger in unserem Staate als gleichberechtigt behandelt werden, brechen wird." So schreibt man in Nürnberg, während die bayerische Regierung ihr feierlich gegebenes Wort, alle Staatsbürger als gleichberechtig i zu behandeln, durch die Drohung, den V o I köschullehrer Hoff- mann zu maßregeln, wenn er eine sozialdemokratische Kandidatur annehme, läng st gebrochen hat! Wir glauben daS in unserem Artikel vom Sonnabend so deutlick) ausgesprochen zu haben, daß niemand über den Sinn unseres „Scheltens" sum mit der„Fränkischen Tagespost' zu reden) im Zweifel sein konnte. Aber die bayerische Parteipreffe, die sonst außerordentlich feinfühlig ist, tut, als sei sie für alle Fragen, die sich aus die dem Volks schullehrer Hoffmann von der Regierung an- gedrohte Maßregelung beziehen, auf beiden Ohren schwerhörig I Wie lange soll dies unwürdige Versteckspiel noch dauern? Wie lange soll die Parteigenossenschast Bayerns noch im lln- klaren gehalten werden in einer Sache, die sie ganz besonders nahe angeht! Wie lange soll sie noch in dem falschen Glauben gehalten werden, die staatsbürgerliche Gleichberechtigung der Sozialdemo- kratie in Bayern sei von der Regierung nicht angetastet worden und man habe an dem Regierungswort, das die Gleichbcrcchtiguna verhieß, kein Recht zu zweifeln...? Eine erlassene Erbschaftssteuer. Man schreibt uns au« Karlsruhe: Das hiesige Zentrumsblatt teilt mit, daß daS Finanzministerium als Berufungsinstanz beschloß, dem k a t h o- lischen Arbeiterverein Freiburg i. B. aus Grund seiner bei der Steuerdirektion eingereichten Beschwerde gegen die Heranziehung zur Erbschaftssteuer stattzugeben: Der Beschluß der Großy. Steuerdirektion vom 4. November, der die Steuerpflicht deS genannten Vereins ausgesprochen hat, wird aufgeboben. Aus der Hinterlaslenschaft des Reichstagsabgeordneten Marbe in Freiburg fielen jenem ZentrumS-Arbeiterverein als Erbe 5 Aktien des kathol. VereinshauseS im Nominalbeträge von 1000 M.. im Steuer- wert von 750 M. zu. Gegen die reichsgcsetzliche Heranziehung zur Erbschaftssteuer wehrte skh der katholische Arbeiterverein mit der Bc- Gründung, daß er als ein die religiöS-sittliche, soziale Hebung des Arbeiters und die Veredelung des geselligen Lebens bezweckender Verein eine gesetzliche Befreiung zu beanspruchen habe. DaS Finanzministerium erkennt im Gegensatz zur Steuer- direktion die absolute Reinheit der sittlich-religiöien Ziele an, die hauptsächlich„auf Leute vom gewöhnlichen Volk" eine alte, treue Leibgarde aus dem Schlosse mit Ge° walt verjagt haben, wobei einige der Getreuen niedergeschossen wurden. Ja. er mußte„wohlwollend" zusehen, wie dle revolutio- nären Truppen mit Musik vors Schloß zogen und ihnen den aller» höchsten Dank„für die geleisteten Dienste" aussprechen. Der Partei des„Fortschritts und der Einigkeit" gehört also die nächste Zukunft in der Türkei. Sie wird zweifellos daS ent- scheidende Wort im Parlament führen. Ihr werden sich auch die Jungtürken fügen müssen, wie schon viele von den linksstehenden Jungtürken auch zu den Wahlen als Vertreter des„Fortschritts" gegangen sind. Was stellt nun diese siegreiche Partei dar? Sie ist vor allem eine bürgerliche Partei. In Interessen der weiten bürgerlichen Kreise ist sie konstitutionell, diesen Interessen ist sie bereit, wie schon ihre Vergangenheit zeigt, den Nationalismus und den Monarchismus zu opfern. Sie behält vorläufig beides, aber nur um den Sieg der Bourgeoisie sicherer zu stellen. Sie ist national, liberal und monarchistisch aus denselben Gründen, aus denen es seiner Zeit die deutsche Fortschrittspartei war. Auch muß sie. wie seinerzeit die deutsche Fortschrittspartei, gegen die Land- aristokratie kämpfen, die wahrscheinlich im Parlamente in den rechtsstehenden jetzigen Jungtürkcn ihre Vertretung finden wird. Die Lage ist aber für die türkischen Fortschrittler viel günstiger, als sie es für die deutschen Fortfchrittlcr war: In der Türkei gibt cö keine mächtige Landaristokratie wie das deutsche Junkertum. Nach der Lage der Dinge hat die türkische Fortschrittspartei alle Vorbedingungen zu einer demokratischen EntWickelung. Allerdings nur dann, wenn sie ausschließlich den Kampf nach rechts führt und sich nicht weder in politischer noch in sozialer Hinsicht zu einem Kampf nach links hinreißen läßt. Leider gibt daS Verhalten der Fortschrittöpresse während der russischen Revo- lution von 1905 und wahrend der letzten Streikbewegung in der Türkei zu Befürchtungen solcher Art nur allzujchr Veranlassung. Die Verhandlungen. K-nstantinopel, 8. Dezember.„Jkdam" erfahrt aus authen» tischer Quelle, daß die Verhandlungen zwischen der Pforte und Oesterreich-llngarn demnächst beginnen werden. Em der Partei. Gemeindewahlcu. Einen-glänzenden Erfolg erzielten die Genossen von Bayreuth. Nach einem beispiellos erbitterten Wahlkampse fand am Monlag die Wahl statt. Drei Listen waren eingereicht. Liberale, Mittelsländler und Sozialdemokraten kämpften um die frei- gewordenen Mandate. Am Vorabend der Wahl öffnete die bürger- liche Preste torweit die Schleusen ihrer Verleumdungen gegen unsere Partei, selbst das tausendmal abgetane Offenbach mußte wieder alö warnendes„Mene tekcl gegen sozialdemokratische Mißwirtschast" herhallen. Nicht weniger denn sechs verschiedene Flugschriften wurden »och am Sonntag unter die Wähler geworfen. DaS Ergebnis war ein glänzender und kaum erhoffter Ersolg für die Sozialdemokratie. Ihre Stimmen stiegen gegen die letzte Wahl vor 3 Jahren um 230 Proz. Sie eroberten zum erstenmal aus eigener Kraft vier Sitze. Die Liberalen erhielten 5, die Mittelstäudler 3 Mandate. In Schwarzburg-Rudolstadt wurden noch in einigen Orten erfreuliche Erfolge erzielt. In Gräfinau siegle die sozial- demokratische Liste mit großer Majorität. Drei Genossen wurden gewählt. Im Gemeinderat sitzen jetzt fünf Sozialdemokraten und ein bürgerlicher Vertreter. In den ländlichen Orten Seehausen. Göllingen. Esper st edt und Udcrsleben drang die sozialdemokratisch- Liste mit großer Mehrheit durch. In Farnroda(Sachsen-Weimar) wurde ein zweiter Sitz von uns erobert. Bei den Stadtverordnetenwahlen der zweiten Abteilung zu Essen wurden in dem Borort Essen-West 578 sozialdemokratische Stimmen abgegeben, 335 mehr als im Jahre 1906. Im östlichen Westfalen hatte die Sozialdemokratie schöne Erfolge in der dritten Wählerllasie zu verzeichnen. In Heepen im Wahlkreise Bielefeld-Wiedeubrück wurde ein Genosse mit 117 Stimmen gegen zwei Gegner, die 17 und 22 Stimmen erhielten, gewählt.— In Herford entfielen auf die fünf sozial- demokratischen Kandidaten 1050 bis 1080 Stimmen. Vier Bürgerliche wurden mit 1114—1121 Stimmen gewählt, für das fünfte Mandat waren zwei Mischmasch-Kandidaten aufgestellt, die jeder 570 Stimmen erhielten. Dadurch gelangte ein Ge- nosse in aussichtsreiche Stichwahl. Gegen die letzte Wahl gewann die Sozialdemokratie 419 Stimmen, die Bürgerlichen ver- loren 163 Stimmen.— In Enger wurde der erste Sozialdemokrat mit 116 gegen 75 konservative und 84 christliche Stimmen gewählt. — In Vlotho wurden zwei Genossen gewählt.— In Spenge (bekannt durch die.Schlacht bei Spenge" des Pastors Jskraut) wurde der sozialdemokratische Kandidat mit 75 gegen 30 christliche, 36 konservative und 6 nationallibcrale Stimmen gewählt.— Im Wahlkreise Minden- Lübbecke siegte in Rehme der sozial- demokratische Kandidat mit 97 Stimmen. In Lübbecke kam einer in die Stichwahl. Die beiden sozialdemolralischen Kandidaten erhielten 81 und 76 Stimmen, drei Gegner 119, 77 und 42 Stimmen. Mehrere Siege sind in Sachsen zu verzeichnen. In Frankenberg haben unsere Parteigenossen bei den Stadt- verordnetenwahlen vier Mandate erobert. Der Stimmen- zuwachS beträgt 90 Proz. Die ersten Sozialdemokraten ziehen in daS Stadtparlament ein.— In Gablenz bei Crimmitschau sind die sozialdemokratischen Kandidaten in der Klasse der Hausbesitzer und der Unansässtgen gewählt worden.— In W e r t h a u dagegen siegten die Kandidaten des rcichStrcuen Vereins. Die sozialdemokratische Stimmenzahl hat sich gegen die Vorwahl verdoppelt. Sie stieg von 122 bis 159 auf 257 bis 313.— In Neustadt wurde die sozial- demokratische Liste ganz gewählt, die ersten vier Sozialdemo- kraten ziehen in die Gemeindevertretung ein.— In Jahnsdorf gewann die Snzialdemokratie zwei neue Mandate..— In Meerane behauptete sie ihren Besitzstand, in Simbach ebenfalls, in G erö- d o r f wurden vier GeAoficn gewählt, von" denen. Tgwei iien. ckn- ziehen.— In BoigtSberg wurden vier Sozialdemokraten in den Gemeinderal gewählt.— In Haßlau bei Zwickau siegte die sozial- demokratische Liste in der Klasse der Hausbesitzer und Unansässigen. — In Fiieder-Planitz unterlag die Partei in der Klasse der HauS- besitzer, während sie in der Klaffe der Unansässtgen ihre zwei Sitze behauptete._ Ein sozialdemokratisches Organ als Amtsblatt. Der Gemeinderat von Voigtsberg bei O e l S n i tz i. V. hat beschlossen, daS„Sächsische Volksblatt"-Zwickau neben einem bürger- lichen Blatte als Publilationsorgan für die Gemeinde zu benutzen. Ardeltcr-Samaritcr-Bund. Der Genoffe Oskar Schaumburg, Elberfeld, Klüserstraße 25, er» sucht alle Arbeiter-Sanitätö-Kolonnei,. ihm zwecks Gründung eines Arbeiter-Samariter-BundeS baldigst ihre Adressen zugehen zu lassen. Gleichzeitig ersucht er die Parteiblättcr um Abdruck seiner Bitte. polizeiliches, Serichltlehes u!w. Freispruch. Von dem Landgericht zu Chemnitz wurden die beiden Redakteure Max Müller und Ludwig Bartels sowie zwei Glasschleifer, die wegen Beleidigung eineS Glashüttenbesitzers unter Anklage standen, freigesprochen.— I» der ersten Instanz hatte Müller 100 M. Geldstrafe zuerteilt bekommen, die anderen drei Ware» freigesprochen worden. Müller hatte gegen seine Bestrafung und der Fabrikant gegen die Freisprechung Berufung eingelegt. Der Sachverhalt ist folgender: Am 15. Dezember 1907 entstanden in dem Betriebe deö Fabrikanten Differenzen, da die Arbeiter die neunstündige Arbeitszeit einführen wollten. Der Unternehmer er- klärte sich damit einverstanden, mit der Einschränkung, daß die Ar- bester— falls eS einmal notwendig sei— länger arbeiteten. Später hat er dieses Versprechen nicht gehalten und zwei Arbeiter, die sich bei den Differenzen im Jnteresie ihrer Kollegen betätigt halten, gc- maßregelt. Die.Volksstiinme" hatte dieses Vorgeben Wieder- gegeben und Kritik an den Zuständen im Betriebe geübt. Seieverksckaftlicke�. Eine neue Tcharfmacher-Gründung. „Streikentschädigungsgcsellschaft für die deutsche Zucker- waren- und Schokoladeitiudustrie" nennt sich diese iteuestc Organisation, die bereits der„Gesellschaft des Vereins deutscher Arbeitgeberverbäude zur Entschädigung bei Arbeits- einstellungen in Berlin" angeschlossen ist. Das Domizil der Gründung ist Braunschweig. Aus dem langen Rundschreiben, das mehrere Spalten füllt und an alle Zuckerwaren- und Schoko- ladenfabrikanten Deutschlands gerichtet ist, sind folgende Stellen bemerkenswert. Das Schreiben beginnt: Sehr geehrter Herr l Noch bis vor wenigen Jahren hat die deutsche Industrie einet Versicherung gegen die Swädcn, die ihr bei S'.reikS zugefügt werden, ablehnend gegenübergestanden, doch nach de» schwere» Streik? der letzten Jahre ist eine vollständige Acuderung in den An- schauungen eingetreten. DaS ist' am deutlichsten daraus zu ersehen, daß bereits eine ganze Anzahl von in» dustriellen Verbänden EntschädignugSgesellschaften gebildet haben........ Die Notwendigkeit für die Bildung solcher Entschädigungsgesellschaften liegt in der fortivährcnden Be- drohung und Beunruhigung der Industrie durch Streiks, die hauptsächlich von den Arbeiter-Gewerischastcn angeregt und ge- leitet werden. Diese Gewerkschaften verfügen bekanntlich über stellt darWer hinaus fest, dast Beuermann seinerzeit mit dem Inhalt jener PorstandSveröffentlickning nicht einverstanden toar. Wir möchten nicht die unschuldige Ursache dazu sein, dast nun etwa die noch fehlenden fünf Berliner Beisitzer mit ähnlichen Er- rlärungen kommen und wollen deswegen nur noch einmal darauf hinweisen, daß lediglich die Abwehr gegen die Rex- h ä u s e r s ch e Behauptung, lv i r s e i e n„i n d i e s c r S a ch e so redselig" gewesen, uns zu dem Hinweis aus uns bekannte, aber von uns nicht erwähnte Vorgänge im Verbandsvorstand ver- anlaßte, die in Berlin die Spatzen von den Dächern pfiffen. Wir würden ebenfalls bedauern, ivenn die Abwehr gegen Rex- Häuser ein gespanntes Verhältnis zwischen Buchdruckerverband und Parteipresse herbeiführen sollte. Wir glauben aber nicht daran. Die Tatsache, daß sich der Verbandsvorstand direkt an uns lvcndct, und nicht die Abwehr Herrn Rexhäuser überläßt, ist uns ein Beweis vom Gegenteil. Und im übrigen sind wir uns auch der Zustimmung eines gewaltigen Teiles der organisierten Buchdrucker sicher. Rex Häuser ist doch nicht der Verband! In einem Anfall von Wahrheits! liebe ist ihm selbst ja dieses Zugeständnis entschlüpft! Streik in der Metallindustrie. Wegen Reduzierung der Akkord- und Stundenlöhne legten sämtliche Arbeiter der Firma I a c o b i u. Äo. in Brandenburg die Arbeit nieder. Der bestehende Tarifvertrag war am 1. November abgelaufen, die Firma lehnte es ab, dm Vertrag auf ein Jahr zu verlängern._ Zur angedrohten Aussperrung im Mannheim-Lud- wigshafen- Frankenthaler Industriegebiet, bei der 20 000 Metallarbeiter in Frage kommen, nahm am Sonntag eine im Saalbau zu Mannheim abgehaltene Versammlung Stel- lung, die so stark besucht war, daß sie gesperrt werden mußte. Der Referent, Arbeitersekrctär Böttger, übte scharfe Kritik an der Kampfeswcise des Mctallindustriellenverbandcs und gab Bei- spiele, wie der Arbeitsnachweis zur Unterdrückung der Arbeiter- bewegung benutzt werde. In der Diskussion wurde erklärt, daß es so nicht weitergehen könne;. die Mannheiiner Arbeiterschaft müsse sich mit den Streikenden solidarisch erklären, da- mit diese siegreich aus dem Kampfe hervorgingen. Auch die Idee des General st reiks wurde erörtert. Schließlich wurde eine Resolution angenommen, welche gegen den Arbeitsnachweis, gegen Dr. Möbius wegen seines bekannten Zirkulars, die Frauen und Töchter der streikenden Metallarbeiter aus den Fabriken zu entlassen— und gegen die Androhung der Aussperrung in scharfen Ausdrücken Protest einlegt._ Erfolgreiche Lohnbewegung. Die im Metallarbeiterverband organisierten Arbeiter des Elektrizitätswerkes in Stratzburg erreichten nach VerHand- lungcn mit der Direktion eine Lohnerhöhung von ö Proz. ab 1. Januar 1910. Die Forderung von 10 Proz. erklärte die Direktion — gegenüber den sonstigen, in der Metallindustrie gezahlten Löhnen — für zu hoch. Die Ueberstunden sollen künftig mit 25 Proz., die Nacht- und Fciertagsarbeit mit 50 Proz. vergütet werden. Eine Verkürzung der Schichlzcit, die bisher 10 Stunden währte, wurde nicht erreicht. Die Direktion will ferner am 1. Januar 1909 mit einem Fonds von 300 000 M. eine Pensionskasie für Arbeiter ein- richten, für die die Beiträge vom Werk selbst getragen werden. An der Ausgestaltung der Kasse und der Statuten soll der Arbeiter- ausschuß mitwirken. Im Betriebe können Vcrbandsbeiträge einkassiert und Zeitungen verteilt werden. Die Organisation wurde anerkannt. Der Direktor Löwe erklärte:"Jeder Arbeiter, der sich in den heutigen Verhältnissen nicht seiner Organisation anschließt, ist ein erbarm- l i ch e r F e i g l i n g." Die Arbeiter nahmen in einer Versammlung die Zugestand- nisse des Werkes einstimmig an. Die Abschlietzung eines Vertrages hängt aber noch davon ab. wie die Verhandlungen zwischen Stadt und Werk wegen Ankauf des Werkes oder Abschluß emcS neuen Vertrages ausfallen werden._ Ein neuer christlicher Eiscnbahnerverband. Die christlichen Gewerkschasten zählen sich eine Anzahl von Organisationen zu. die aus Angestellten der Post und der Eisenbahn in verschiedenen Bundesstaate» bestehen. Darunter ist auch der Verband deutscher Eisenbahnhandwerker und -Arbeiter tTitz Trier), da angeblich 40000 Mitglieder chhlt. Gewerkschaftliche Bedeutung haben diese Verbände nicht. sie stehen auch außerhalb des Geiaimverbandes der christlichen Geweclichasten, da ihnen behördlicherseits nicht gestattet wird, sich Organisationen anzuschließen, die sich der Waffe des Streiks be- dienen. Mit dieser Begriindung hat wenigstens der Führer des Trierer Verbandes. Sattler Peter M o l z, den Anschluß seines Ver- bandes an den Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften ab- gelehnt. Wie«S in dem letzte» Bericht des Generalsekretariats der christlichen Gewerkschaften heißt, ist jedoch unter den Mitgliedern eine starke Sttöniung zugunsten des Anschluffes vorhanden. Die Anschlußfrage, heißt es dort weiter, ist für den Verband deutscher Eisenbabnhandwerker und-Arbeiter in der Haupt- sacke zu einem Kamps zwischen christlichen Gewerk- schasten und katholischenFachabteilungen geworden. Der Vorsitzende des Verbandes befindet sich in führender Stellung des katholischen Arbeitervereins Trier, wo neben Berlin die Haupt- inatadore der katholischen Fachabteilungcn sitzen. Diese suchen mit allem Nackdruck den Anschluß zu hintertreiben und finden in Molz den geeigneten Strohmann zur Durchsetzung ihrer Ziele. Zum Schluß wird versichert, daß die Anschlußfrage innerhalb des Verbandes deutscher Eisenbahnhaudwerker nicht mehr zur Ruhe kommen werde, ie sei von Personen auf die Dauer nickt mehr aufzuhalten. Es scheint nun aber doch, daß die Bemühungen der führenden Leute in den christlichen Gewerkschaften, den Trierer Verband zum Anschluß zu bewegen, gescheitert sind. Denn es wird jetzt die Bil- dung eines Zentralverbandes deutscher Eisenbahn- Handwerker und- Arbeiter mit dem Sitz in Elberfeld gemeldet, der sich dem Gesamtverbande christlicher Gewerkschasten angeschlosien hat. Der Verband ist zustande gekommen unter hervor- ragender Mitwirkung des Eisenbahnschlossers Bayer, der auch Mit- glied der Zentrumskraktion im preußischen Landtage ist. Zentral- Vorsitzender der christlichsoziale Herr Höser in Elberfeld. Die Macher des neuen Verbandes rechnen damit, daß zahlreiche Mitglieder und OrtSvereine des Trierer Verbandes übertreten. Ueberhaupt. so heiß» eS im Slöckerschen.Reich", hat der Verband eine große Zukunft, da eS in den staatlichen Eisenbahnwerkstätten in Preußen 200 000 Eisenbahnhandwerkern und-Arbeiter gibt." Nach den bisherigen Erfahrungen haben die Christlichsozialen, die hinter dem neuen Untenichmen stecken, nicht allzuviel Kredit in der deutschen Arbeiterschaft, und man ist berechtigt, hinter ihre über- pannten Hoffnungen ein großes Fragezeichen zu machen. HueUna. Für die Arbeitslosen in Dänemark. Im dänischen Folkething brachte der sozialdemokratische Ab- geordnete Martin Olsen, der Vorsitzende des Verbandes der Gewerkschaften, am Freitag einen Gesetzentwurf über außerordentliche Hilfe für die Arbeitslosen ein. Es wird darin verlangt, daß die Gemeinderäte in Stadt und Land ermächtigt werden, in diesem Budgetjahr den anerkannten Arbeits- losenkaffen und.Hilfskassen Zuschüffe zu gewähren, die über das Bekanntlich hatten unsere Genossen in der vorigen EesfioN denselben Vorschlag zu einem Notgesetz eingebracht, der dann, aller« dings in verschlechterter Form, angenommen wurde. Bei Be« gründung der neuen Vorlage erklärte Folkethingsmann M. Olsen, daß, solange die bestehende, ganz wahnsinnige ProduktionSordnung beibehalten werde, die Sozialdemokraten noch recht oft mit derartigen Anträgen kommen würden. Ucbrigens hat die Arbeitslosigkeit sich im Laufe dieses Jahres noch verschlimmert. Die Mitte November veranstalteten statistischen Erhebungen des Verbandes der dänischen Gewerkschaften haben er- geben, daß in 02 Städten von 91273 Mitgliedern der Gewerk« schasten 12 874 arbeitslos sind. Zwei Drittel der Arbeitslosen wohnen in Kopenhagen. Von den Kopcnhagener Arbeitslosen sind 4700 schon über drei Monate ohne Arbeit. Aus eigenen Mitteln haben die dänischen Gewerkschasten in diesem Jahre schon 745 257 Kronen für Arbeitslosenunterstützung ausgegeben. Am allerschlimmstcn ist es im Baugewerbe Kopenhagens mit der Ar« beitslosigkeit bestellt; hier waren von den Mitgliedern der Bau- berufsorganisationen am 15. November schon 13 Proz. arbeitslos. Die Staatsanerkennung und damit die Berechtigung zu den regelmäßigen Staats- und Gemeindezuschüssen hatten bis Oktober 1908 bereits 40 Arbcitsloseniässen mit 76 064 Mitgliedern erreicht. Diese Kasten erhalten demnach auf Grund des Staatszuschusscs ein Drittel, und soweit die Gemeinden noch ihr Sechstel zuschießen, die Hälfte der Ausgaben aus öffentlichen Mitteln ersetzt und können dementsprechend mehr für Unterstützung ihrer Arbeitslosen aufwenden. enorme KapitaNen, die ihnen als Mittel dienen, um den Kampf mit den Industriellen auszunehmen.... Auch der deutschen Zuckerwaren- und Schokoladenindustrie find schon infolge der minierenden Arbeit zielbewußter Agitatoren in den letzten Jahren harte Kämpfe aufgegrängt, die manchen Fabri- kanten schwer geschädigt haben. Hiergegen mußte unbedingt ein Gegengewicht geschaffen werden und ist nunmehr auch geschaffen durch die auf Veranlassung der„Bereinigung deutscher Zuckerwareu- und Sckokoladenfabrikanten" erfolgte Gründung einer Streik- entschädigungsgesellichaft für die deutsche Zuckerwaren- und Scko- kolademiidiistrie", die der in Berlin domizilierten„Gesellschaft des Vereins Deutscher Arbeitgeberverbände zur Entschädigung bei Arbeitseinstellungen" als RückversicherungSgesellschaft an- geschlossen ist. Die Gesellschaft bezweckt Arbeitseinsiellungen in den Be- trieben ihrer Mitglieder möglichst zu verhindern und die Wirt- sckaftlichen Folgen von unvermeidlichen Arbeitseinstellungen zu mildern, indem sie einen Teil des materiellen Ausfalls, der den Mitgliedern durch diese Streiks erwächst, gegen Zahlung eines bestimmten jährlichen Beitrags entschädigen will.... Für jeden durch Arbeitsein st ellung aus- fallenden Arbeitstag kann von» Aufsichtsrate eine Entschädigung bis zur Höhe von 25 Prozent des durchschnittlichen Tagelohns des streikenden oder ausgesperrten Arbeiterpersonals be willigt werden; eS ist dieses natürlich vorerst davon ab- hängig, ob genügend verfügbate Mittel vorhanden, und deshalb nicht eher möglich, als bis größere Fonds angesammelt sind. D a nun d i e R ü ckv e rs i ch e r u n g Sgesellsch'aft\.2XU Prozent des täglichen Durchschnittsverdienstes des Per- sonals garantiert, so läuft dieses praktisch darauf hinaus, daß tatsächlich 50 Proz. der Entschädigung, also die Hälfte, auf sie entfällt.... Wir erlauben unS deshalb, hiermit ergebenst bei Ihnen anzufragen, ob Sie geneigt sind, die Mitgliedschaft dieser Gesellschaft, der bereits eine größere Anzahl Zuckerwaren- und Schokoladefabrikanten bei getreten sind, zu erwerben; bejahendenfalls bitten wir beiliegende Postkarte ausgefüllt uns zuzusenden, und werden wir Ihnen als- dann sofort unsere Satzungen zur gefälligen Kenntnisnahme über- Mitteln.... Je mehr den Arbeitnehmchmern bekannt wird. daß die Arbeitgeber gegen die Gefahren des Streiks geschützt sind, desto schwerer werden sie sich entschließen, leichtfertige Streiks ins Werk zusetzen, und damit ist der Zweck derVersrche- rung, auch als Borbeugungsmittel zu dienen, am besten erreicht. In Hoffnung. Sie recht bald als unser Mitglied begrüßen zu lönnen, zeichnet Hochachtungsvoll StteikentschädigmigSgeiellschaft für die deutsche Zuckerwaren- und Sckokoladeniitdusttie. LouiS Hirsch. Vorsitzender. R. Baumgarten, Geschäftsführer. Wir halten die Schlußfolgerung des Scharfmacher- schrcibens für falsch. Je mehr den Arbeitern bekannt wird, daß ihre Ausbeuter sich zusammengeschlossen haben, desto mehr wird auch ihnen die Notwendigkeit der Organisation ein- leuchten I Berlin und llmgegenck. Stukkateure! Als Streikbrecheragent sucht der Maurer & R i ew e, N. 58, Kopenhagener Straße 43, Seitenflügel IV, für die Firma Schm eiser, Leipzig, Arbeitswillige. Wir warnen davor, auf dieses im Arbeitsmarkt der„Morgenpost" enthaltene Inserat hineinzufallen. Die Ortsverwalttmg Berlin des Zentralverbandes der Stukkateure. Vom Arbeiterausfchui) der Firma Orenstein u. Koppel vom Werk Drewitz wird uns zu unserem Bricht in der Nr. 280 des „Vorwärts" vom Sonntag, den 0. Dezember, mitgeteilt, daß die Direktion Wert darauf legt, festzustellen, daß nicht allen im Betrieb beschäftigten Akkordarbeitcrn der Abzug von 0 Proz. gemacht ist, sondern nur dem Teil der Akkordarbciter Abzüge gemacht wurden, die bisher im Schichtwechsel gearbeitet haben. In unserem Bericht ist nicht behauptet worden, daßdallen im Akkord beschäftigten Arbeitern 0 Proz. Abzug gemacht sind. Es steht ausdrücklich darin, daß man gerade denjenigen Arbeitern, denen die Arbeitszeit durch Aenderung des Schichtwechsels verkürzt wurde, noch obendrein 0 Proz. Abzüge gemacht hat. Es wird dann weiter ausdrücklich gesagt, daß von dem Abzug zirka 130 Mann betroffen werden. Wir dürfen wohl annehmen, daß die Direktion genau so gut wie wir weiß und wie es unsere Leser wissen, daß im Werk Drewitz mehr als 130 Arbeiter beschä ftigt sind. VeutfcKes Reich. Vom Vorstand des Verbandes der Deutschen Buchdrucker werden uns die nachfolgenden beiden Schriftstücke zugesandt: Zur Richtigstellung! Die Polemik des„Vorwärts" gegen den„Korrespondent"- Redakteur Nexhäuser läßt die Vermutung offen, daß über die Matznahmen und Publikationen des Verbandsvorstandcs in Sachen der Auseinandersetzungen des„Korrespondent" mtt der Parteipresse über den Prozeß Fischer kontra„Post" Meinungs- vcrschiedeiu-eiten zwischen den geschäftsführenden Vorstandsmit- gliedern und den Beisitzern beständen. Demgegenüber erklärt der Unterzeichnete, daß alle in der Angelegenheit unternommenen Schritte die volle Billigung des GesamtvorftandeS gefunden. Ebenso stellt der Unterzeichnete fest, daß ein definitiver Termin für die Verlegung des„Korrespondent" nach Berlin noch nicht festgelegt ist und daß bei Besprechung dieses Punktes die Person des Redakteurs Rerhäuser überhaupt nicht in Frage kam, sondern lediglich technische� Gründe. Berlin, den 8. Dezember 1908. Ter Vorstand des Verbandes der Deutschen Buchdrucker. » Erklärung. In einer Versammlung des Berliner Korrektoren-VereinS habe ich auf Anfrage des Kollegen Fülle mitgeteilt, daß ich von dem Wortlaut der Erklärung des Verbandsvorstandes vor der Publikation keine Kenntnis gehabt, sondern mir lediglich die Mit- teilung zugegangen sei, daß eine Erklärung in Sachen des„Korre- spondent" veröffentlicht werde, dabei bemerkend, daß ich mit dem Inhalt der Veröffentlichung nicht einverstanden sei. Nachträglich habe ich mich davon überzeugt, daß in der Streitsache Rexhäuser kontra Parteipresse die bekannte Erklärung des Äerbandsvor- standcs gerade in dieser Form und zum damaligen Zeitpunkte publiziert werden mußte, sodaß ich nicht anstehe, nunmehr die fragliche Publikation zu vertreten. Ich bedaure außerordentlich, daß eine im kollegialen Kreise meinerseits abgegebene Erklärung von einem Berufsgenossen be- nutzt wurde, durch die Form ihrer Veröffentlichung das ohnehin bestehende gespannte Verhältnis zwischen dem Buchdruckerverbande und der Parteipresse zu verschärfen. Berlin, den 8. Dezember 1908. Alwin Beuermann, Mitglied des Verbands-VorftandeS. . Was die Erklärung des Verbandsvorstandes betrifft, so kann uns diese auch heute noch nicht von der in der Sonntagnummer geäußerten Ansicht abbringen,„daß Vcrbandsvorstand und Gauvor- steherkonferenz das Richtige in der von Rexhauser geschaffenen Situation trafen, wenn sie oie Uebersiedelung der„Korresponoent"- Redaktion nach Möglichkeit hinausschoben." »» S Die Erklärung des Beisitzers Beuermann bestätigt nicht Nur, was wir über das Justandctommcn der SolidaritätScrklärung des Verbandsvorstaildes mit Rexhauser gesagt haben, sondern 'Vcratitw. Redakteur: Hans Webers Berlin. Inseratenteil vercmtw.z Th, Glocke, Berlin, Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr.u-verlagsantzaU Paul Singer äc Co., Berlin LW. HierzuLBrilaorn«.«ntcrbaltunesbu gesetzlich festgelegte Maximum hinausgehen. Der Zuschuß soll auch Zen anerkannten ArbeitSlosenlassen gewährt werden, die noch nicht, wie es sonst Vorschrift ifx 12 Monate bestehen. Die Hälfte deS außerordentlichen Zuschusses soll den Gemeinden bis zur Summe von 50 Oere pro Einwohner aus der Staatskasse ersetzt werden. Selbstverständlich soll jegliche Einbuße an den Bürgerrechten der unterstützten Notleidenden ausgeschlossen sein, wie dies ja auch in � den dauernd geltenden Gesetzen über die ordentlichen Staats- und Gcmcindczuschüsse zu den Arbeitslosem gelegt ist. Utzte l�acbrichten und Oepeleken. Tie Lage Amerikas. Washington, 8. Dezember. Präsident Roosevelt hat dem Kon- greß eine Botschaft zugehen lassen, in der es heißt: Die Finanz- läge des Landes ist zurzeit ausgezeichnet, und die Finanzpolitik der Regierung hat in den letzten sieben Jahren die befriedigendsien�Er- gebniffe gezeitigt. In dem Zeitraum vom 1. Juli 1901 bis 30. Sep- tembcr 1908 haben die ordentlichen Einnahmen einen Uebcrschuß ergeben über die ordentlichen Ausgaben in den vier Jahren 1902, 1903, 1900 und 1907; ein Defizit weisen sie auf in den Jahren 1904, 1905, 1908 und in einem Teil des Finanzjahres 1909. Im ganzen hat sich in diesen sieben Jahren und drei Monaten ein Ueberschuß von fast 100 Millionen Dollars ergeben, ferner eine Verringerung der verzinslichen Schuld um 90 Millionen— und zwar trotz der außerordentlichen Ausgaben für den Panamakanal — und endlich eine Ersparnis von fast 9 Millionen an den jähr- lichen Zinsen. Ferner sind während dieses Zeitraumes keine neuen Steuer» eingeführt worden, keine der bestehenden Steuern ist erhöht, im Gegenteil, einige Steuern sind abgeschafft worden. Was die an dem zwischenstaatlichen Geschäftsverkehr beteiligten großen Gesellschaften, besonders die Eisenbahnen, anlangt, kann ich nur wiederholen, was ich immer und imincr wieder in meinen Botschaften an den Kongreß gesagt habe. Ich glaube, daß eS schlimmer als töricht ist, den Versuch zu machen, alle Kom- binationen zu verhindern, wie es durch das Shermansche AutiMM» Gesetz geschieht, weil ein solches Gesetz nur unvollständig und un- gleichmäßig zur Anwendung gelangen und weil die Anwendung eines solchen Gesetzes fast ebenso viel Härte wie Gutes schaffen kann. An Stelle eines unklugen Bestrebens, alle Kombinationen zu verhindern, sollte nach meiner Ansicht ein Gesetz geschaffen werden, das ausdrücklich alle Kombinationen gestattet, die im öffentlichen Interesse liegen, das aber zu gleicher Zeit irgendeiner Stelle der Regierung volle Macht gibt, die Kombinationen zu ton- trolliercn und zu beauffichtigcn. Bezüglich der Lohnarbeiter bin ich der Ansicht, daß alle, mögen sie körperliche Arbeit oder Kopfarbeit verrichten, mögen sie für den Markt produzieren oder für die produzierten Artikel einen Markt suchen, einen weit gröfieren Anteil als jetzt an den Reichtiimern haben sollten, die sie schaffen, und tu den Stand gesetzt werden sollten, ihren Anteil in den Geräten und Werkzeugen anzulegen, mit denen alle Arbeit ausgesiihrt wird. Ferner muß Kinderarbeit verboten, Frauenarbeit vermindert und die Arbeitszeit aller Hand- werter herabgesetzt werden. Verwässcrung des Aktienkapitals sollte verhindert und vom Börscnspicl in Aktien soviel als möglich abg» schreckt werden; auf große Vermögen sollte eine progressive Erb- sch-ftssteuer gelegt werden; gewerblicher Unterricht sollte gefördert werden. So weit möglich, sollte die Steuerlast des kleinen Mannes erleichtert werden. Wirtschaftlickkeit. schwere Arbeit, geschäftliche Energie sollten mit Preisen belohnt werden. Wenn das alles mir ein flüchtiger Umriß der Reformen ist. für die wir arbeiten sollten. so gibt eS doch eine Materie, mit der der Kongreß sich in dieser Session beschäftigen sollte: die Fiirsorge für Lohnarbeiter nämlich, die unter unserem jetzigen Jndustrieshstem ums Leben kommen, ver- krüppelt oder infolge der regelmäßigen Vorkommnisse bei einer be» stimmten Tätigkeit arbeitsunfähig werden. Der Mehrheit der Lohn- arbciter müssen ihre Rechte durch die einzelnen Staaten gewähr- leistet werden, die Nationalrcgierung aber sollte in gründlichster und weitreichender Weise gesengeberische Maßregeln treffen nicht nur für alle Angestellten der Nntionalregierung, sondern auch für alle Personen, die im zwischenstaatlichen Handel beschäftigt sink Ich erneuere meinen in einer früheren Botschaft gemachten Vorschlag', allen von der Regierung beschäftigten Lohnarbeitern während des Sommers einen Urlaub zu gewähren, ebenso wiederhole ich meinen Vorschlag, daß das Prinzip des Achtstundentages so schnell und so weit als tunlich auf alle Arbeiten ausgedehnt wird, die von der Regierung ausgeführt werden.— Die Botschaft bespricht weiter die Rechtspflege und die Richterfrage in den Vereinigten Staaten und berührt dann die Frage der Erhaltung der Wälder, die das erste und wichtigste Element für die Bewahrung der natürlichen HilfS- quellen des Landes seien. Die auswärtige Politik der Vereinigten Staaten basiert auf der Theorie, daß das Recht genau ebenso in den Beziehungen zwischen den Völkern herrschen muß, wie zwischen einzelnen Personen, und in unseren Handlungen haben wir in den letzten zehn Jahren unsere Redlichkeit durch unsere Taten bewiesen. Wir hoben uns gegenüber den anderen Nationen so verhalten und verhalten uns ihnen gegenüber so, wie im privaten Leben ein ehrenhafter Mensch sich seinen Mitmenschen gegenüber verhalten würde. Die Botschaft bespricht dann noch in ausführlicher Weise die Stellung Amerikas zu den Kolonien und die Ausgestaltung von Heer und Marine._ Der Fall Germinet vor der Kammer. Paris, 8. Dezember.(W. T. B.) Die Deputicrtenkammcr nahm mit 355 gegen 142 Stimmen die vom Ministerpräsidenten ge« nehmigte Tagesordnung des Deputierten Grosdidier an, in der der Regierung daS Vertrauen ausgesprochen wird, in der Ueber- zeugung, daß sie die Tatkraft besitze, die Marinere formen zu gutem Ende zu führen. Die Gefahren des BergdauS. Esse» a. d. Ruhr, 8. Dezember. fB. H.) Auf Zeche Karl Friedrich bei Blankenstein wurden durch eine zu früh erfolgte Explosion eines SprengschusseS zwei Arbciter tödlich verletzt. Gegen den Schund. Stuttgart, 8. Dezember.(B. H.) Das Ministerium de» Kirchen» und Schulwesens hat die Polizeibehörden angewiesen, gegen die Verbreitung der sogenannten Dctrttivgeschichtcn unter den Schülern im Rahmen des bestehenden Reckts mit de» strengsten Maßregeln vorzugchcu sowie die kinematographischen Vorführungen, deren Einfluß auf die Schuljugend nicht weniger bedenklich sei, einer und den Hilfskasscn fest- j scharfen Uebcrwachung zu unterziehen und die Borfiihrilng und * Darstellung von Szenen demoralisierenden Inhalts zu verhindern. i,.m».wtW i. Ktilllgt iltg Jormartö" Krlilltr Polblilalt. Lilie loMMche«iriie in Lnglanck.! ES wird uns geschrieben: Die Ausführungen, die Ihr Londoner Korrespondent unter dem obigen Titel in Nr. 274 des„Vorwärts" über die Meinungs- Verschiedenheiten unter den englischen Genossen veröffentlicht hat. veranlassen mich, als Mitglied oer Sozialdemokratischen Partei (S. D. P.), früher Sozial Democratic Federation(S. D. F.) genannt, zu einer Erwiderung. Es scheint mir. dag der Kor- rcspondent die Bedeutung des jetzigen Protestes nicht richtig ersaht und gewürdigt hat. Zunächst möchte ich hervorheben, worin die Hauptbedeutung der jetzigen Opposition gegen die Haltung der parlamentarischen Labour Party(Arbeiter-Partei) liegt, nämlich in nichts Ge- ringerem als der Tatsache, daß sie der Enttäuschung der Mit- glieder der Partei selbst über die Haltung ihrer eigenen Ab- geordneten entspringt. Ginge die Opposition in der Hauptsache von der S. D. P. aus, so hätte ste nur einen Bruchteil ihrer jetzigen Wichtigkeit. Es ist ja bekannt, daß die S. D. P. in ständiger Gegnerschaft zur Politik der Arbeiter-Partei steht. Dag meine Behauptung zutrifft. geht nicht nur aus dem hervor, was der Korrespondent des„Vor- wärts" schreibt. Es wird auch bestätigt in einem Artikel der „Soz. Monatsh/(25. Heft 1958 S. 1449), der Mac Donald zum Verfasser hat. der vielleicht mehr wie jeder andere Führer die Politik der Arbeiter-Partei beeinflußt hat. In diesem Artikel heißt es. daß die S. D. P.„in gewissen kleinen Zirkeln der Un- abhängigen Arbeiterpartei" Unterstützung gefunden hat. Unter diesen„kleinen Zirkeln" ist wohlgemerkt die Ortsgruppe der ge- » nannten Partei in der großen Fabrik- und Industriestadt New- castle-on-Tyne zu verstehen, einem der wichtigsten Mittelpunkte der englischen Industrie. Aber wenn Mac Donald soviel zugibt, wenn er bestätigen muß.„die Politik der(a. D. P. scheint im Augenblick erfolgreich zu sein", dann ist es klar, daß die Erbitte- rung gegen die parlamentarische Politik in den eigenen Reihen, daß die Enttäuschung ihrer eigenen Gefolgschaft nicht mehr zu leugnen ist. Wer die englische sozialistische Presse,„Labour Leader",„Clarion",„The New Age" und das schottische sozialistische Organ„Forward" liest, die alle rnchr oder weniger der Un- abhängigen Arbeiterpartei nahestehen, der„Labour Leader" ist das Zentralorgan, der muß den Eindruck gewinnen, daß die Un- zufriedenheit in sehr weiten Kreisen der Partei verbreitet ist. Die Ueberzeugung davon drängt sich ihm auf, trotz, ja, sogar infolge der Versuche des„Labour Leader", die Situation schön zu färben, die Risse zu verkleistern, die Bedeutung der Opposition herab- zusetzen usw. TKe lady doth protest too rnuch rnethinks.(Hamlet.) (Mich dünkt, die Dame widerspricht zu viel.)" Gerade die Nervosität, mit der das Zentralorgan des englischen revisionistischen Sozialismus die Sache behandelt," läßt klar hervor- treten, daß es sich nicht bloß um ein Händchen Unzufriedener bandeln kann, daß die Unzufriedenheit mit der Haltung der Parteiparlamentarier vielmehr einen sehr bedrohlichen Charakter angenommen hat. Doch weiter. Bei den Meinungsverschiedenheiten handelt eS sich zweitens keineswegs nur um die Frage, ob wir das Tempo der sozialistischen Bewegung beschleunigen können oder nicht. Die Frage ist eine viel bedeutsamere. Sind die Vertreter der Arbeiter- Partei im Parlament in Wirklichkeit das, was sie sein sollen: un- abhängige Vorkämpfer der Arbeiterklasse, oder sind sie nur ein Schwanz der Liberalen Partei? Mit anderen Worten: hat sich die parlamentarische Politik der Arbeiter-Partei bisher in der Richtung von unzweideutiger, ausgesprochener proletarischer Älassenpolitik bewegt oder ist sie in dieser Beziehung auf dem alten Fleck geblieben, ja womöglich vom Ziel weiter abgekommen und haben in der Folge ihre Vertreter im Parlament nicht von dem früheren Einflüsse als Oppositionspartei eingebüßt? Das ist die Frage. Zwei Umstände sind es besonders, welche in den Reihen der Arbeiterpartei selbst die Enttäuschung über die Politik ihrer Parlamentarier ausgelöst haben. Der erste davon ist die wieder- holte Weigerung des Lorstandes der Arbeiterpartei, bei einer ganzen Anzahl von Ersatzwahlen zum Parlament selbständige Kandidaturen zu unterstützen, welche von den Ortsgruppen kleines feuitteton.- Hundekultus. Max H e S d ö r f f e r schreibt in der Jagdzeitung „Wild und Hund":„Ter Gerechte erbarmt sich seines Viehes", so steht eS irgendwo im Alten Testament geschrieben, und man wird es ganz in der Ovdnung finden, wenn alle diejenigen, die sich als � Gehilfen bei der Arbeit, als Wächter für Haus und Hof. oder auch ' nur aus besonderer Liebhaberei einen Hund Halten, diesen in sachgemäßer Weise füttern und verpflege, u So geschieht es auch all- gemein. Eine unrühmliche Ausnahme machen aber gewisse, in neuerer Zeit leider in starker Zunahme begriffene hysterische Weiber, die sich in überwiegender Zahl der sogenaannten gebildeten Gesell- schaftsklasse zurechnen. In Berlin W. beobachte ich jetzt täglich, wie devariige Vertreterinnen des sogenannten schönen Geschlechtes ihre eigentümlich kostümierten Zwerg- und Affenpinscher zum Gaudium vernünftiger Menschen spazieren führen. Jeder dieser Knirpse ist mit einem hochmodernen Mäntelchen behängt, das nach vorn in einen gewaltigen Stehkragen ausläuft und auf der rechten Brustseite eine Seitentasche zeigt, aus welcher das bei Dandys be- liebte rosarote Taschenlüchelchen hervorschaut. Zur Vervollständi- gung dieser Hundetoilette fehlen nur noch seidene Höschen, Spitzen- frack und die moderne Jndianertasche mit Fransen. Wer weiß. vielleicht kommen wir auch noch so weit, denn einen mit wollenen Hosen bekleideten Fixköter, dessen hintere Körpervcrlängerung in einem gestrickten Futteral steckt, kann man heute schon in Berlin W. umherlaufen sehen. Alles was bisher an übertriebenem, die schürfte Kritik heraus- fordernden Hundekultus geleistet wurde, übertraf aber die Hektar- «nisstellung in der Abteilung für Schoßhunde. Die kleinen Draht- boxen, diese Hundeknirpse, gehörten hier zu den Auönabmeu. An ihre Stelle waren kostbare Glaspaläste und imitierte Miniaturvillen � getreten, im Innern in luxuriösester Weise mit persischen Teppichen, Vorhängen und Möbeln ausgestattet.„Fifi" und„Gipsy" lagen, '.ihren momentanen Launen entsprechend, entweder lang ausgestreckt <,uf der Chaiselongue, oder bis an die Nase zugedeckt in weichen Federbetten, deren Kissen und Decken Seidenbczüge mit reichem Besatz aus Brüsseler Spitzen, aufwiesen. Neben jedem dieser prunk- vollen Hundepalästc saß von früh vis spät auf hartem Rohrstuhl die„Gnädige" zur Bewachung und Betreuung ihres Lieblings, so daß die Rollen vollständig vertauschst schienen. Der Hund wird zum Herrn und der Herr zum Hund. Wer Zeit hat, kann hier beab- achten, wie die kleinen Köter mit Makronen und Schlagsahne ge- füttert werden, wie die Hundemutter nach beendigter Fütterung ein blütenweißes Tafchentuch hervorzieht, ins Wasser taucht, um"dem Knirpschcn die Zähne zu putzen, wie sie es abstaubt, iämmt. ihm Löckchcn dreht, um ihm schließlich nach der Verrichtung eines natür- lichen Bedürfnisses auch noch mit einem Pariser Schtvämmchen das — Pöpöchen abzuwaschen. Aber nicht nur das kann man beobachten, man kann auch sehen, wie gebildete und gesittete Leute derartigem Treiben entrüstet den Rücken kehren, um sich einer anbereii Abteilung der Ausstellung zuzuweiideu. Man sollte es nicht für mög. dringend gewünscht wurden. Diese Weigerung erweckt den Ver- dacht, daß zwischen der Arbeiter-Partei und der Liberalen Partei ein Vertrag oder Pakt bestehe, wonach in Wahlkreisen, wo zwei Abgeordnete zu wählen sind, die beiden Mandate zwischen den genannten Parteien geteilt werden sollten. Daß tatsächlich ein geschriebener Vertrag existiert, mag billig bezweifelt werden; ein solcher wäre überflüssig und sehr gefährlich. Daß jedoch eine un- geschriebene Verständigung zwischen den zwei Parteien erreicht worden ist, das steht meiner Meinung nach ziemlich fest. Dank einer derartigen Verständigung mit den Liberalen soll ungefähr die Hälfte der Abgeordneten der Arbeiter-Partei gewählt worden sein. Wenn das der Fall ist— und ich kann die Tatsachen nicht anders erklären—, wo bleibt dann die Unabhängigkeit der parla- mcntarischen Arbeiterpartei? Existiert im Gegenteil keine solche Verständigung, so ist die Nervosität schlechterdings unbegreiflich, mit der die Mac Donald und die anderen Führer der Arbeiter- Partei die Frage der betreffenden Ersatzwahlen behandelt haben. Der Verdacht und die Mißbilligung der Parteigenossen wurde verstärkt durch das vollständige Versagen der Arbeiterpartei als Oppositionspartei gegenüber der liberalen Negierung. Von ihrem Verhalten in Sachen des Koalitionsrechtes ab- gesehen, wo sie dem Drang der Arbeiterparrei nachgab, hat diese Regierung alle ihre liberalen Prinzipien vollständig preisgegeben, wenn nickst mit dem Mund, so doch in der Praxis. Aber von dieser einzigen Ausnahme abgesehen, hat die Arbeiter-Partei nie eine entschiedene Kampfesstellung zur Regierung eingenommen, um sie zu zwingen, ihre eigenen Versprechungen zu halten. Nicht einmal die Frage der Arbeitslosigkeit hat sie bestimmt, als unbeugsame. konsequente Oppositionspartei aufzutreten. Ob Genotze Grayson mit seinem bekannten Vorstoß taktisch richtig gehandelt hat oder nicht, ob er die Frage zur rechtest Zeit und in der rechten Form aufgerollt hat. darüber brauchen wir nicht zu rechten. Tatsache ist, daß wahrscheinlich die Mehrheit der Sozialisten aller Schattierungen, einschließlich der Fabier, der Meinung ist, daß er in der Sache recht gehabt hat. Während die Arbeitslosigkeit in geradezu erschreckendem Maße um sich gegriffen hatte, vertrödelte das englische Parlament seine ganze Zeit mit Verhandlungen über ein Schankgesetz, das angeblich im Interesse des Kampfes gegen den Alkoholismus liegen sollte, von welchem sich aber höchst- wahrscheinlich niemand viel versprach. Monate wurden mit der Beratung dieser Vorlage vergeudet, und der ehemalige Arbeiter und Genosse John Burns, der jetzige Minister mit einem Jahres- gehalt von 40 000 M., wußte den Arbeitslose» nichts Besseres zu sagen, als sie sollten nicht trinken und ähnliche� Mätzchen. Kein Wunder, daß unserem temperamentvollen Genossen— der allerdings in ziemlich hohem Grade ein Gefühlsmensch ist— der Gaul seines Zornes durchging und über die Geschäftsordnung des Hauses kühn hinwcggaloppierte. Kein Sozialist hat Grayson das übel- genommen. Es ist sicher, daß sein Vorgehen nicht nur das Paria- ment, sondern auch die Regierung gezwungen hat. der Frage der Arbeitslosigkeit ernster näher zu treten. John Burns sogar mußte einige unbeliebte Maßnahmen rückgängig machen. Graysan hatte erreicht, daß die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Arbeitslosen gelenkt wurde. Und wenn Genosse Mac Donald uns versichert, daß Graysons Protest ohne Wirkung war. daß die parlamentarische Arbeiterpartei die Sache bereits in die Wege geleitet hatte, und daß weder sie noch das Parlament durch des Genossen geschästs- ordnungswidrigen Vorstoß beeinflußt worden sind, so macht er dadurch seine eigene Fraktion lächerlich. Welches ist dann der Erfolg dieser ihrer Politik? Die Arbeiter-Partei hat höchstens erreicht, daß die allgemeine Enttäuschung, der Zorn der Massen gegen die liberale Regierung und die Liberale Partei auch auf sie selbst ausgedehnt wird. Wenn die liberale Regierung keine ernsten Reformen im Hinblick auf das Oberhaus wagt, so ist das der Aus- druck ihrer eigenen Feigheit. Um ihre Maßnahmen dem House of Lords annehmbar zu machen, verwässert sie diese derart, daß kein Mensch mehr ein Interesse daran hat. ob sie Gesetz werden oder nicht. Im letzten Grunde ist ihre Furcht vor dem Oberhause nur ein Deckmantel für liberale Heuchelei. Angesichts der Situation hätte die Arbeiterpartei im Parlament einen kraftvollen Protest erheben müssen. Statt dessen wollten einige Mitglieder der Ar- beiter-Partei die Regierung wegen ihres Schankgesetzes unter- stützen, obwohl sie nichts Positives zu antworten vermocht hätten, lvenn man sie nach dem Nutzen dieser Vorlage gefragt haben würde. Was die Haltung der Regierung in Sachen des Koalitionsrechtes betrifft, so war die Tugend nicht außerordentlich groß. Als die Hundekultus der Oefscntlicksteit widerspruchslos vovtzesührt werden darf. Es muß Sache der Schoßhundvereine sein, hier erzieherisch zu wirken, damit nicht fernerhin durch ähnliche Schaustellungen der berechtigte Hundesport geschädigt wird. Spielzeugliixu». Aus London wird berichtet: Die großen eng- lischeu Spielwarenbasare haben ihre Vorbei eitungen für die Weib- nackustage abgeichlolien, und in den weiten Räumen türmen sich die kostbaren Spielzeuge, mit denen die reuden Eltern ihre Kleinen be- schknkeii wallen. In der Spielworenindusirie hat die verflossene Geld- krise jedenfalls leine Spuren zurückgelassen, denn die Kostborleit der Gegenstände ist gegen die früheren Jahre«her gewachsen als gefallen. In diesein Jahre sind es vor allem die Nachbildungen von Tieren, die am meisten begehrt iverden, aber die Dimensioiien sind gegen früher ins Doppelte und Dreifache gestiegen und mancher fragt sich zweifeldn, wie die Kinder diese riesigen Spielzeuge handhaben sollen. Denn hier gewahrt man ein fast lebensgroßes Renntier, auf dem St. Nikolaus mit der Rute thront, dort sieht man Vergrößerungen der in den letzten Jahren so beliebten„Teddy-Bären". daneben Wölfe. Hunde, Ziegen. Lämmer und Ponys, durchweg Kunstwerke des Kürschners und mit einer Sorgfalt gearbeitet, die ihr Echo in den hohen Preisen findet. 100, 150, 200, ja 300 M und mehr werden für diese Wundertiere gefordert und trotzdem versichern die Geschäftsinhaber, daß die Nach- frage von Tag zu Tag wachse und solche Preise keineswegs ver- einzelte Ausnahmen darstellen. Auch im Reiche der Puppen entfallet sich ein Hang zum Luxus und Wohlleben, der dem der faihionablen Modedamen kaum etwaS nachgibt. Die kostbaren Puppen werden meist mit einer vollkommenen Ausstattung verseben, die anmutig in feingcarbcileten kleinen Kommoden urd Schränken geordnet, der Bemiylmg harrt. Hier spiegeln sich die letzten Errungen- schatten der Mode; in matten Farbentönen glühen die kunstvoll gearbeiteten Miniaturtoiletten, zu denen die letzten Modelle von Paquin und Worth daö Vorbild abgegeben haben, in den Hut- schachteln und Hutschränken sind die reizendsten kleinen Toques oder enizückend garnierte elegant geschwungene Lustige Witwenhüte auf- gestapelt»nd in den Wäicheladen duften die lichten Schätze aus zartem Batist, um die kostbare winzige Spitzen sich ranken. Eine wirklich elegante Puppe besitzt ihre Slraßenioiletten, ihre schicken, enganliegenden Tailor-made-Kostüme, ihre lichten Seiden- toiletten für die Soiree, ihre bequemen Hauskleider, ihr Reitgewand und ihre Sportkostüme. Warum verbietet kein Staatsanwalt- solche Ausstellungen— die in Paris nud Berlin natürlich ebenso gut zu finden sind wie in London? Oder wirken sie nicht aufreizender als alle Reden und Schriften, wegen derer von solchen Tatsachen Aufgereizte vor die Gerichts geschleppt werden? Die japanische Zensur. In Europa sind über Japan sehr im- genaue, ja falsche Vorstellungen im Umlauf. Oberflächliche Besucher und in ihre selbstgeschaffeiun Phautasiebilder verliebte Schriftsteller beherrschen das öffentliche Urteil. In Wirklichkeit herrschen in Japan Zustände, die alles andere wie idyllisch sind. Die barbarische Knebelung und Verfolgung der Arbeiterbewegung in Japan hat uns ja auch eine genügende deutliche Vorstellung von dem Lande der Kirschenbiüten, der Ehrysanthemen und der Geishas gegeben, Frage entschieden wurde, war das Ministerium noch jung, und das Parlament stand wie das ganze Land unter dem frischen Ein» druck des Sieges, den die Arbeiter-Partei bei den allgemeinen Wahlen errungen hatte. Der Arbeiterpartei war es damals nicht schwer, als Oppositionspartei aufzutreten, und das ist mit Erfolg geschehen. Seither aber hat ihre Opposition an Kraft verloren. Ihre Politik ist von derjenigen der Ministeriellen kaum zu unter- scheiden. Die Interessen der englischen Arbeiterklasse fordern aber eine Arbeiterpartei, die wirklich im Gegensatz zu den Bourgeoisparteicn steht und nicht von liberaler Gnade abhängig ist. Was die Gründung einer sozialistischen Partei an Stelle der Arbeiterpartei betrifft, so ist diese jüngst in dem Organ der Fabier,„The New Age", angeregt worden".„Justice", das Organ der S. D. P., hat sich sofort gegen die Gründung erklärt. Das hätte, so will mich bedünken, doch dem Korrespondenten des„Vor- wärts" bekannt sein müssen, als er seinen schlveren Vorwurf gegen die sozialdemokratische Partei erhob. Zu dem Kapitel der Vor- würfe möchte ich nebenbei ein Wörtchen sagen. Grayson ist oft seine angeblich mangelnde Solidarität den Mitgliedern der Ar- beiterfraktion im Parlament gegenüber vorgeworfen worden. Die- selben parlamentarischen Vertreter der Arbeiter-Partei haben aber dafür gestimmt; daß Genossen Grayson das Wort abgeschnitten werden sollte, als er die Schmach der Verbrüderung zwischen der englischen Regierung und dem zarischen Henkersrcgiment brand- marken wollte. Ter„Einpeitscher" oder Vertrauensmann der Fraktion hat zwar geleugnet, daß er bei dieser Gelegenheit nach einer Verabredung mit den führenden bürgerlichen Politikern gehandelt hat. Tie Zeugnisse jedoch, die er für seine Behauptung beigebracht hat, sind so vorsichtig gefaßt, daß sie fast das Gegen- teil von dem beweisen, was sie bekräftigen sollen. Es steht den Herren überhaupt sehr schlecht an, wenn sie sich— was oft geschieht— über den Mangel an Disziplin in den eigenen Reihen beklagen. Drei Jahreskongresse der Arbeiter- Partei haben sich nacheinander mit stets steigender, überwältigender Mehrheit gegen das beschränkte Damenwahlrecht und für das all- gemeine Wahlrecht aller Großjährigen ohne Unterschied des Ge- schlechts erklärt. Dieser dreifache und stark unterstrichene Be- schluß. der sich auch mit der Stellungnahme des Trade-UnionL- Kongresses deckt, hat die einflußreichsten Mitglieder der Fraktion nicht zu binden vermocht. Sie haben für das beschränkte Damen- Wahlrecht gestimmt, obgleich sie über seine plutokratischc, arbeiter- feindliche Natur nicht im unklaren sein können. Wie in anderen Ländern, so soll auch in England die Partcidisziplin nur für die gemeinen Soldaten in Reih und Glied gelten, nicht aber sür die Parlamentarier. Zum Schluß eine Frage! Welchen Wert hat eine Einheit der Arbeiterbewegung, die nur um den Preis erkauft werden kann, daß sie sich ängstlich davor hütet, sozialistische Arbeiterbewegung zu sein? Was zur Entscheidung steht, ist nicht, ob die englische Arbeiterbewegung einig sein soll, sondern ob sie endlich damit ernst machen will, sozialistisch zu werden. Die Praxis hat be» wiesen, daß die Unabhängigkeit der Arbeiter-Partei ohne sozia- listische Ziele nur ein Schein ist. I. B. A s k e w. Euq Induftrlc und Rande!* GroßkapitaliSmuS in der Düngerindustrie. Die Versorgung der Landwirtschaft mit stickstoffhaltigem Dünger ist zurzeit in einer entscheidenden Uniwälzung begriffen. Sie erhält ihre weiltragende Bedeutung besonders dadurch, daß mit dem neuen Verfahren der Gewinnung des Stickstoffes aus der Luft verschiedene andere, schon lange bestehende Produktionsverfahren in ihrer Existenz bedroht werden. Die Salpeterproduktion Chiles ist heute auf l 300 000 Tonnen pro Jahr gestiegen, der Geldwert derselben be- irägt etwa 300 Millionen Mark. Inwieweit Deutschland an diesem Produkt und seinen Preisen interessiert ist, lehrt ein Blick auf die Handelsstaiistik. 1906 hatte Deutschland einen Einfuhrüberschuß (Einfuhr weniger Ausfuhr) an Salpeter von 569 300 Tonnen im Werte von 117 Millionen Mark. Diese Zahlen werden wohl im Laufe des nächsten Jahrzehntes eine große Aenderung erfahren, da in Deutsch- land das Verfahren, welches die atmosphärische Luft zum Zwecke der Düngergewinnung ausbeutet und dazu als treibende Kraft die „weiße Kohle" benutzt, sich immer mehr entwickelt. Daß bei dieser Entwicketung der Dinge die Elektrokonzerne eine wichtige Rolle Requisiten, mit denen unsere Fapanschwärmer in ihren luftigen Dar- slellungen auskommen. Das Unterdrückungösystem tritt auch im geistigen Leben zutage. So gut wie in Rußland und Preußen schaltet und waltet in Japan die Zensur. Nicht allein daß man die levte Broschüre deS Grafen T o l st o i über die russische Revolution unierdrückt hat. auch die große japanische Moliüre-Uebersetzung, die Saburo Walasagi in langjähriger Arbeit besorgt hat, ist beschlagnahmt worden, weil„sie Stellen enthält, die geeignet sind, das Niveau der öffentlichen Moral herabzudrücken". Auch die vor kurzem von Jida bewerkstelligte Nebersetzung des Romans„Paris" von Zola ist verboten worden, trotzdem das Werk dem Premierminister Saienji gewidmet ist und obgleich der leitende Staatsmann die Widmung angenommen hat. Das Zensur- amt hat das Werk sllt„aufreizend" erklärt und kurz entschlossen die Bei'clilagnahine aller Exemplare und die Vernichtung der Druckplatten verfügt. Aber die Zensurbehörden gehen in ihrem Eifer noch weiter, und jetzt ist in den höheren Schulen sogar der unschuldsvolle„Vicar von Wakefield" wegen„Jmmoralität" verboten worden, ebenso wie die englische Geschichte Maeaulays, weil der englische Historiker revolutionären Ideen zu nahe stehe. Humor«nd Satire. Bureau« Deutsch.„Bei mir in der Quarta sitzt so'n Lümmel, der gibt sämtliche Hausarbeiten seinem Vater zur Korrekiur."—„Und Sie miisien dann dessen Arbeit mit„gut" zensieren 1—„Im Gegenteil, mit„ungenügend",— der Vater ist LegationSrat." Der Stolz der Familie. Der kleine Oskar fährt niit (einer Mutter in der Elektiischen. Da sagt ein Herr wohlwollend zu ihm:„Junge. Du hast aber ein Paar dicke Beine l", worauf Oskarchen stolz antwortet:„Au— da sollten Sie erst mal die von meiner Mama sehen I" Die Nähr st euer. Mutter zum Säugling:„Gleich wird mein Liebling zu trinken kriegen. Mutti mutz nur noch die dumme Banderole losmachen!"_(„Lustige Blätter.") Notizen. — Goethe-Abend. Im Charlottenburger Schiller« Saal wird Sonntag, den 13. Dezember, abends 8'/2 Ubr, ein' Goethe-Abend veranstaltet. Eintrittsgeld(50 Pf. einschl." Garderobe und Programm) sind. an der Kasse des Schillers-Theaterö zu haben. — Esperantissimo. Wie miS mitgeteilt wird, sind aus dem Esperanto Unschönheiten sowie eine Anzahl sprachtechnischer Mängel vor Jahresfrist von einem internationale» Komitee unter dem Vorsitz deS Prof. W. Ostwald-Leipzig und unter Beteiligung hervorragender Philologen klar gekennzeichnet und diinfi eine wissenschaftlich durch» geführt? Reform"bescitigt worden. Diese Reformen decken sich im ivesentlichen mit früheren Vorschlägen deS Erfinders der Sprache, Dr. Zamenhof(z. B. Abschaffung der Akzente, der Endungen aj, ej. oj, uj, au usw.). Die Pflege der verbefferten Sprache hat sich die in Berlin gegründete„Verciiiigimg.für(?) internationale Hilssspcache" zur Ausgabe gemacht, deren Vorsitzender, Dr. W. Borgius, Groß- Llchterfe'lde-Ost. Lorenzstraße 65", Jnteressenlen gern Auskunft erteilt. spielen wilrden. war von Anfang an zu erwarten. Die Siemens U. HalSke-Gruppe beherrscht rund hundert Millionen, dies ist die Hälfte der in der Kallstichstofjverivertung der ganzen Welt investierten Kapitalien. Die Ausnutzung der Sust nach dem sogenannten Birkelaud-Thde- Verfahren erfolgte WU zuorst in«onvegeu. An der erste» Gründung partizipierte norwegisches, schtvediiches, dänisches, russitches, deutsches fDresdner Bank) imd französisches Kopital. Nachdem dann durch«in Syndikat eine bessere«nsbeuiungsfori» geschaffen worden war. er- höhte mau tWK das Kapital um 18% Millwuen. Die Hälfte davon übernahm die Badische Anilin- und Sodafabrik aus ihr- Rechnung. Da sie mit den Elberteldsr Karbeufabrike» und der Akliengesellickatt für Anilinfabrikation sei» einiger Zeil eine auf fünfzig Jahre laufende Interessengemeinschaft geschlossen hat, so find auch diese beiden Unter« nehmer in den Birkelandkonzern aufgenommen. Die riesigen Kräfte. die er mobil zu machen gedeitkt, demonstriert schon die Wasserkiafr- anlage am SvaelgfoS in Norwegen, die 47 OOY PS darstellt. Dem Syndikat, dem die Konzession zur Slbauuiig einer»50 Ol» PS kräftigen Zentrale am Niagara erteilt worden ist, soll der genannte Konzern auch nicht fernstehen. Da» zweite Berfahren zur Luftstickstoffgewinnung ist durch Patente in den Händen der 1890 gegründeten Cyanidgesellschaft. Heute in Wirklichkeit im den Hände» von SieiaenS u HalSie und der Deutschen Bank. Die Siemens„. Halske-Gruppe ging damals ins Ausland, da zur Herstellung de» SsicksioffeS die weifie Kohle als Kraft gehört. Deutschland'aber zur Jahrhundertwende mit der Aus- beutung seiner Wasserkräfte soeben erst begonnen hatte, gneist wurden i» Italien Gesellschafte» gegrinidet. dann in Oesterreich und Frankreich; auch Norwegen und der Niagarafall blieben nicht ver- schont. Selbstverständlich wurden alle diese Gesellschaften nicht auf eigenes Risiko georiindet und in Betrieb gesetzt, sondern durch selbständige Gesellschaften, von deren Werten die genügende Anzahl in die Portefeuilles der Gründerin und anderer, befreundeter und abhängiger Gesellschaften übergingen. Im.übrigen" war Siemens und Hakke dann tnnner damit zufrieden, den Auftrag für de» Bau der Kraflanlngeit zu erhallen. In Deutschland hat sich in der in Frage kommenden Industrie eine entscheidende Wendling vollzogen. Die auf Giund eines eigenen SiecsahrenS produzierende Gesellschaft für Stickstoffdünger Westeregeln m b. H. bei Ttahfurt, deren Gründung sich im Anschlnh an eines der größten Kaliberawerke De»l>schlandS vollzog, ist in Liquidation getreten, um in die jünger« Schwestergrsellschast in Knapsack am Rhein auszugehen. Ii» Jnli ist dann eine Bereu, igung der Siemens u. Halske-Gruppe und der Westeregeln-Gruppe perfekt geivorde», und zwar durch die Gründung einer BerkaufSvereinigung für Stickst offdiinger. Dieser Riesenlonzern mit einer Eigenproduktion von 110 000 Tonnen lieferl den Dünger an die halbe Welt. Die Gründung des vierten Werke» für Slicksloffdüngerproduktion in Bayern teilte der„BorwärtS" schon mit, eS ist auch eine Gründung der Siemen» u. Halske-Gruppe. Dividenden verteilende Aktiengesellschaften. Die amtliche.Stalistische Korrespondenz" bringt jetzt eine Zu- »rnnme,»stell», ig über die Dividenden verteilenden Aktiengesellichasten in Preußen im Jahre lSOS. Bon allen Gesellschaften haben nur 3.2 Proz. mit 1 Proz. de« eingezahlten Aktienkapitals ohne Gewinn und Verlust abqeichlossen; mit Verlust schloffen ab 14, S Proz. der Gesellschaften, die über nur 5,5 Proz. des GesamtaktienlapitalS verfügten. Tatsächlich verteilten für lv06(1905) 1901(1808) Aktien. gesellschaften, d. i. 72,7(70,8) Proz, der erwähnten Gesellschaften mit Dividendeitverteilung vorsehendem Statut überhaupt bezw. 88,4 (86,7) Proz. der letzteren, soweit sie mit Reiiigrwinn abschloffen, Dividende. Diese Gesellschaften verfügten über ein eingezahltes Aktienkapital von 7136,64(6600,99) Mill. M.. d. i. 89,4(87,9) Proz. des gesamten der satzungSinäßig Dividendenverteilung zuloffenden Aktiengeiell'chasten. Ihr dividendenberechiigte« Kapital betrug 6988,45 (6 453,82) Millionen Mark«» 97.0(97,8) Proz. ihre» eingezahlte» Gesamltapitals. davon das tatsächlich dividendenbeziehende 6935,76 (6404.11) Millionen Mark oder 99,2(99,2) Pro». Von dem ins- gefann lmhandenrn dividendenberechligten Aktienkapital machte daS- jenige der Gesellschaften, welche t906(1006) Dividende zahlten. 89,3 <87,9), deren wirklich am Dividendenbezuge beteiligte» Kapital 88.7 (87,2) Prozentteile aus. Die 1 901<1 808) Gesellschaften, welche für 1906<1905, Dividende Verteilt haben, erzielten für dieieS Geschäftsjahr einen bilanzmäßigen Reingewinn von S»9,V7(800,35) Millionen Mark»» IZ.4(12,1) Proz. ihres eingezahlten Aktienkapitals. Von diesem Reingewinne wurden «7Z.S7(575.85) Millionen Mark, also 70.2(71,9) Pro»., an die Aktionäre als Dividende verteilt. Im ganzen betrug also die ver- zinstmg des dividendeubeziehenden Akrienkapitals 9,7 Proz. gegen 9,0 Proz. im Vorjahre; insbesondere bezifferte sich die Dividenden- summe auf 8,6. 1905 auf 7,8 Proz, deS dividendeuberechtigten Kapitals überhaupt bezw. auf 9,6, 1905 auf 8,9 Proz. desjenigen der Vttisngesellschaften. welche tatsächlich Dividende zahlten. Soziales. ., Bogelfrei. Ein starkes sächsisches Polizeistückchen hat sich in voriger Woche in Zwickau zugetragen. Gehen da zwei zugereiste Schlosser, Mtl. glieder des Deutschen MetallarbeitcrverbandcS, am Montag, den SO. November, Arbeit suchend durch die Straßen, als auf einmal der Schulmann Michel auf sie zugelaufen kommt und sie in der bekannten Polizeiart veranlaßt, in einen Hausflur einzu- treten. Dort wirft er ihnen vor, daß sie gebettelt hätten. Im Bewußtsein ihrer völligen Unschuld verwahrten sich die beiden dagegen und da sagte er zu ihnen, sie sollten doch keine langen Umschweife machen und sollten gestehen, daß sie ge- bettelt hätten. Wieder bestreiten beide dies energisch. Darauf fordert er sie auf, mit nach der Wache zu gehen. Dort wird ihnen ohne alles weitere 1 Tag Haft zudiktiertl Sie geben sich damit nicht zufrieden, verlangen gerichtliche Entscheidung, weil sie völlig unschuldig sind. Run werden sie nach dem AintSgerichtSgefängniS Zwickau gebracht. Dort läßt man sie bis zum Sonnabend sitzen. Am Sonn- abend früh werden beide aus der Haft vorgeführt. Es wird ihnen eine Frau gegenübergestellt, bei der sie gebettelt haben sollen. Die Frau erklärt sofort, daß die beiden nicht bei ihr gebettelt hätten. Die Betreffenden, um die e» sich handele, seien viel älter gewesen. Darauf tritt am Sonnabend nachmittag der Gerichts- diener mit folgenden Worten in die Zelle:.Ihr habt aber Schwein gehabt, Ihr seid freigesprochen", und da- mit sollten die beiden Arbeiter entlassen sein. Hierauf erklärte der eine, daß er eine Bescheinigung verlange, worauf ihm ein Schriftstück nachstehenden Inhaltes angefertigt und aus- gehändigt wurde: A. A. II 465/08. Zwickau, am 5, Dez. 1008, Herrn Schlossergehtlfen........... geb. 14. April 1883 in............ wird auf Ansuchen bestätigt, daß derselbe bisher unbestraft, heute vom königl. Amtsgericht nach Aufhebung eines Haftbefehls entlassen worden ist, da der in der polizeilichen Strafverfügung vom 20. Nov. 1903 ausgesprochene verdacht des Betteln» sich nicht bestätigt hat. Königl. NmtZanwaltschaft Zwickau Gcrichtsstempel. ttcter. Sckr. Aus dem Schriftstück ist ersichtlich, daß man es hier mit völlig unschuldigen und auch unbescholtenen Menschen zu tun hat. Auch das ganze Aeußere der Leute zeigte selbst dem Ungeübtesten auf den ersten Blick, daß man es hier nicht etwa mit Bummlern oder Landstreichern zu tun hat, sondern daß es sich um ehrliche Arbeiter handelte, die durch die gegenwärtige Misere von Arbeitslosigkeit be- troffen waren. Da wirst sich die Frage auf: Sind denn solche arme und ehrliche Leute vogclfrei? Kann man sich ihnen gegen- über alle» gestatten? Mußte, durste man sie eine Woche lang ihrer Freiheit berauben? DaS. was man am Sonnabend getan hat. nämlich, daß man sie der in Frage kommenden Frau gegenüber- stellte, das konnte die kluge Polizei bereits am Montag getan haben. Dann» wäre der ganze Zwischenfall im Verlaufe von zehn Minuten geregelt gewesen. Die Unschuld der Betreffenden hätte sich sofort ergeben. Ja, wissen denn die gutbezahlten Herren, die an der Festhaltung dieser Aermsten schuld sind, nicht. was sie damit den Leuten zugefügt haben? Nicht allein, daß man sie eine Woche lang ihrer Freiheit beraubte, hat man sie noch ander» weitig geschädigt, indem jetzt kurz vor Weihnachten mit jedem Tag, mit dem nian weiter in den Winter hineinkommt, sich die Aussicht auf Beschäftigung vermindert. Man hat den Leuten damit eine Woche lang daS Umschauen nach Arbeit unmöglich gemacht, und als man sie dann au» dem Gefängnis entläßt, hat man sie nicht etwa für die unschuldig erlittene Untersuchungshaft entschädigt, ja man hat sich nicht eil mal über diesen an ihnen begangenen Mißgriff entschuldigt. So etwas hat man ja gewöhnlichen Leuten gegenüber nicht nötig. Wie charakteristisch für unsere Zustände, für die Rechtlosigkeit der Arbeiter ist der Ausspruch des Gerichtsdieners I Man muß leider dem Gerichts- diener beistimmen: Schwein haben die Leute gehabt, daß man sie nicht ein viertel oder ein halbes Jahr unschuldig gefangen ge- halten hat, daß sie»schon" nach einer Woche in die sächsische Frei- heit zurückkehren durften. Und so etwa» nennt sich Rechtsstaat. DaS ist Gleichheit vor dem Gesetz! Man vergleiche mit dem geschilderten Vorgehen die zarte Rück- sichtnahme vor dem Haftbeschluß in der Eulenburgasfäre. Freilich waren die zu Unrecht verhafteten und bestrasten Arbeiter leine Eulenburger, sondern»nur" Arbeiter. Hoffentlich gelingt es den Arbeitern mit Hilfe ihrer Gewerk- schaft, eine Schadenersatzklage gegen die schuldigen Beamten an- zustrengen. Die Gewerkschaft könnte vielleicht so als Erzieherin von Beamten zur Beobachtung größerer Vorsicht und peinlicher Ge. wissenhaftigkeit gegenüber Arbeitern recht erhebliches zur Abwehr ähnlicher Fälle leichten Umspringen« mit der Freiheit von Arbeitern leisten. Die geschilderten Fäll« sind ja leider nicht vereinzelte, son- dern typische Fälle. Sudmissionsbedingungen. Die baugewerkschasllichen Arbeiter Hamburgs haben in verfolg einer am 17. November in Haniburg abgehaltenen Versammlung, dem Senat und der Bürgerschaft eine Petition zugehen lasten, in der sie um Einfügung folgender Bestimmungen in die SubmissionS- bedingungen des Hamburger Staats ersuchen: »Die Uebernehmer von Arbeiten und Lieferungen find ver- pflichtet, die sich aus dem Arbeitsverhältnis ergebenden Ansprüche ihrer Handwerker und Arbeiter, sowie die Gesetze und Ver- orduungen zum Schutze der Arbeiter rechtzeitig und unverkürzt zu erfüllen. Sofern zwischen den veresnigungen der Unternehmer und Arbeiter Tarisgemeinschasten bestehen, ist die Zuschlags- erteilung von der Anerkennung des Tarifvertrages abhäugia. Personen, von denen bekannt ist. daß sie dies« Pflichten bös- willig oder grobfabrläffig versäumen oder die sich weigern, die AuS- Übung dieser Pflichten zu übernehmen und schriftlich anzuerkennen. sind ohne weiteres von der ZuschlagSerteilung ausgeschlossen. Ausgeschlossen sind ferner solche Personen, von denen bekannt, daß ln ihren Betrieben die ortS- und gewerbsübliche Arbeits« zeit überschritten und der in dem betreffenden Gewerbe übliche Mindest lohn nicht gezahlt wird, oder welche Geaenstände. deren Herstellung in Werlstätten möglich ist, in Heimarbeit vergeben. Der Uebernehmer der Arbeit ist verpflichtet, der Behörde au verlangen jederzeit über die mit seinen Handwerkern und Arbeitern geschlossenen Verträge und deren Erfüllung unter Vorlegung der Lohnlisten und sonstigen Unterlagen Aufschluß zu geben. Kommt der Uebernehnier seinen Verpflichtungen nicht oder nicht pünktlich nach, so hat die Behörde die von ihm geschuldeten Beträge für seine Rechnung unmittelbar an die Berechtigten zu zahlen. Zu dem Zweck hat der Uebernehmer eine der Zahl der zu beschäftigenden Handwerker und Arbeiter entsprechende Kaution zu hinterlegen, so- lange nicht sein Guihaben diese Sicherheit unnötig macht. Die Weitervcrgcbung von Arbeiten und Lieferungen an wischenunternehmer ist nur mit Genebinigling der die rbeit beaufsichtigenden Behörde gestattet. Die Bestinniiungen über die Lohn- und Arbeitsbedingungen gelten auch für die Zwischen« Unternehmer. Bei allen Arbeiten, soweit sie ihrer Eigenart wegen nicht au«- wärts hergestellt werden müsien. sind bei vorhandenem Angebot in Ilster Linie einheimische Arbeiter zu beschäftigen." In der der Petition vorausgegangenen Persammliing war auS- geführt, daß die SubinissionSbedingungen deö Hamburger Staats die Bestimniling nicht kennen, daß jeder Ucbernehiner ftaailicher oder städtischer Arbeiten verpflichtet ist, die ortsüblichen bezw. »wischen Arbeiter- und Unternehmer-Organi- lationen vereinbarten Arbeitsbedingungen zu respektieren. Die Folge davon sei, daß die an Hamburger StaatS- arbeiien beschäftigten Arbeiter nicht den geringsten behörd- 1 i ch C n Schutz gegen Lohn drückerei, gegen Lohnverluste und gegen allgemeine Verschlechterungen der Arbeits- bedingungen erfahren. Es werden SlaalSarbeiten sogar zu Preisen vergeben, die es von vornherein ailSichtießen, daß die Unter« nehmer die ortsüblichen Löhne zahlen können und wollen. Dieser Zustand habe einerseits dahin geführt, daß sich die Hamburger Arbeiter gerade an Staatsbaulen bäufig gegen die Herabdrucknng ihrer Lebenshaltung wehren müssen, andererseits haben eS aber die Unlernehiner solcher Bauten(Eibtimncl, Stadtbahn) durchgesetzt, daß an diesen Arbeiten in im in er steigendem Maß« auswärtige und ausländische Arbeiter in erheblicher Zahl beschäftigt werden. Hieran« erwächst aber der einheimischen Bevölkerung, insonderheit der bauaewerblicheii Arbeiterschaft,«in schwerer Schaden, der sich bei der seit längerer Zeit herrschenden und noch immer zunehmenden Arbeit»- losigkeit außerordentlich stark fühlbar macht. Hoffentlich gelingt eS, endlich den Mißständen de» SubmissionS- wesen», die keinegSwegS nur in der Pfrffcrsackrepublik anzutreffen sind, ein Ende zu bereiten.__ Nicht invalid, nicht krank, nur halb verhungert! Ein« Jammergestalt, nur Haut und Knochen, so stand der Fabrikarbeiter H. aus einem erzgebirgischen Ort vor dem Ehemnltzer Schiedsgericht für Arbeitervcrsicheruiig, um seine Berusinig gegen den renieverlageiiden Bescheid der Landesversicherungsanstalt zu vertreten. Mit der Begründung, daß der Reuteansprecher nur um die Hälfte erwerbsunfähig sei. war sein Rentenanspruch zurückgewiesen worden. Rur Pfennige sind eS, die der Mann mit seiner Klöppelei täglich vei dient; infolge seine? körperlichen gnstandeS, dem gnstande beinahe völliger Eiitkrätinng, kann er Ickuvere Arbeit gar nicht, leichte Arbeit nur in beichränklein Maye verrichte». Der Vertrauensarzt des Schiedsgericht« erklärte auf Giimd seiner U»ters»chu»g gutachtlich, daß der Mann nicht seiner Leiden wegen, sondern wegen hochgradiger Unterernährung invalid im Simie des Gesetzes sei. daß aber Aussicht auf Besserung vorhanden sei, schon da»», wenn er in günstige Lcbeusverhältnisic kommt, das heißt, ivenn er sich richtig satt essen kann, denn ist er halb verhungert! Nun sollte man doch meinen, daß dem Manne geholfen werden könnte, und zwar auf Gruud der Sozialgesetze, also ohne Armenuntcrstützung. Weit gefehlt I Dt« Gesetze stehen dem selbst entgegen! Krank im Sinne des Kranken- verstcherungSgesetze» ist er nicht, kann infolgedessen Kranken« Unterstützung nicht erhalten; invalid mit Aussicht aus Besserung ist er noch dem ärztlichen Gulachten, er könnte also vorübergehende Invalidenrente erhalten. Dafür ist aber wiederum Boibedingung, daß er vorher 26 Wachen hintereinander erwerbSimfähig krank war. Da daS nicht der Fall, wurde nach dem Buchstaben des Gesetzes sein Anspruch zurückgewiesen, Freilich könnte die Vcrsickierungsaustalt auch nach dem Gesetz eingreisen, ist aber hierzu nicht verpflichtet. Dieier Fall illustriert das hohe Lied von unserer Sozialgesetz- gebung in furchtbar grellen Faiben und daneben die Erwerbs- verhältuisse im Erzgebirge. Klus der frauenbewegung. Ultramontline Schwindeleien. Das Organ des Verbandes süddeutscher katholischer Ar- beiterinnenvereine,„Die Arbeiter! n", erdreistet sich, in einem längeren Artikel„Sozialdemokratischer Arbeiterinnenschutz" (Nr. 49) der Partei, die seit ihrem Bestehen das treibende Element in der Sozialrcfoi m gewesen ist,.sozialpolitische Rück- st ä n d i g k e i t" vorzuwerfen. Diese Rückständigkeit zu„beweisen", gelingt dem frommen Blättchcn natürlich nur durch eine voll- ständige Entstellung und Verdrehung der Tatsachen, aus die c» sich beruft. So hat die Sozialdemokratie— um auf den ersten dieser»Bc« weise" einzugehen— bei der KommissionSberalung der großen Gc- werbeordimngsnovelle einen ZentrumSautrag b e l ä m p s r, der dahinging, die Arbeitszeit für verheiratete Arbeiterinnen auf S Stunden festzusetzen. Diese Tatsache soll nun das sozialpolitische Verständnis des Zentrums gegenüber der angebliche» Rückständig- kcit der Sozialdemokratie ins hellste Licht setzen. Umgekehrt wird ein Schuh daraus! Die Sozialdemokraten wollten ihre Hand nicht dazu bieten, daß durch eine solche gesetzliche Festlegung die ver- heirateten Frauen aus der Fabrik hinaus- und dafür in das Elend hineingedrängt würden, da jeder Unternehmer natürlich die eine Stunde länger arbeitenden unverheirateten Arbeiterinnen vorzieht. Die katholische Zeitung verschweigt aber auch ihren Lese- rinnen geflissenllich, daß die Sozialdcinokraten mit ihren Forde- rungen über die deS Zentrums hinausgegangen waren, als sie den Neunstundcntag für alle Arbeiterinnen als Uebergang zum Achtstundentag beantragt hatten. Eine solche tatsächliche Fest- stellung hätte dem Vorwurf der sozialpolitischen Rückständigkeit so- fort jede Beweiskraft genommen. Statt dessen versucht daS Zen- trumSblatt die Sozialdcinokraten auch der Inkonsequenz zu rihen. weil sie in bezuy auf den Sechs stundentag der ver- eirateten Arbeiterin an Vorabenden von Sonn- und Festtagen das oben geäußerte Bedenken nicht gellen lassen wollten. Hier hatten die Sozialdemolratcn dem diesbezüglichen Zentrums- anlrag zur Annahme verholfen, weil sie erwarten durften, daß auch die unverheirateten Arbritcrinnen allmählich der Vorteile der verkürzten Arbeitszeit an den genannten Tagen teilhast werden würden. Inkonsequent hat sich in dieser Frage nicht die Sozial. dcmokratie gezeigt, sondern das Zentrum, das in der Plcnar- beratung des Reichstags das in der Kommission Beschlossene durch den Zusatzantrag wieder illusorisch machte:„Die Beschäftigung bis zu 8 Stunden ist gestattet, soweit betriebstechnisch dadurch die Weiterarbcit anderer Arbeiter bedingt ist." Ebenso inkonsequent benahm sich das Zentrum in derselben Sitzung des Reichstags, als «S einen früher von ihm gestellten und von der Sozialdemokratie aufgenommenen Antrag, die Mitgabe von Arbeit nach Hause zu verbieten, nicht unterstützte. So macht das Zentrum den Gegnern des ArbeiterinncnschutzeS Konzession über Konzcssion, und zwar nicht seit heute und gestern, sondern gewohnheitsmäßig seit jeher. Gerade daS Zentrum ist immer— ganz im Einklang mit seinem sonstigen reaktionären Charakter— ein Hort der sozialpolitischen Rückständigkeit gewesen. Ihm ist es in erster Linie zu danke», wenn alle Bemühungen der Sozialdemokratie um das Zustande- kommen eines NormalarbeitStageS bisher gescheitert sind; stets hat daS Zentrum die besten sozialpolitischen Absichten durchkreuzt. Bc- sondcrS in Arbeitcriiinenschutzfragcn war seine Haltung entweder zwiespältig oder direkt feindlich, zum mindesten aber unverständig. Vor zehn Jahren war es, als das Zentrum ein Verbot der Bc- schästigung verheirateter Arbeiterinnen in Fabriken forderte, ob- wohl es wissen mußte, daß e» ein ganzes Heer von Frauen damit der schrankenlosen Ausbeutung in der Hausindustrie überliefern würde. Als die Sozialdemokratie im Jahre 1900 bei der Beratung der berüchtigten Lex Heinze den Schutz der Arbeiterin gegen geschlecht- liche Ausbeutung im sogenannten, zunächst auch vom Zentrum ge- forderten„Arbeitgeberparagraphen" verlangte, war das Zentrum widerstandslos bereit, ihn fallen zu lassen, als es sab, daß die Regierung und die Konservativen nicht dafür zu haben waren. Das Zentrum hat so viele Rücksichten zu nehmen auf die Regierung, die Großindustrie, das Handwerk und die Bauern, daß eS, ohne diese rückschrittlichen Elemente nicht vor den Kopf zu stoßen, zu einer klaren und entschiedenen Arbcitcrschutzpolitik gar nicht kommen kann. Wenn daS katholische Arbeiterinnenorgan dann aber die poli- tische Unerfahrenheit seiner Leserinnen mißbraucht, um die Sozial- dcmokratie der sozialpolitischen Rückständigkeit zu bezichtigen, so müßte man darüber erstaunt sein, wie ein so frommes Blatt so verteufelt schwindeln kann, wenn man nicht wüßte, daß die schwarzen Demagogen ohne systematischen VolkSbctrug überhaupt nicht existieren können. Irreführung und Beschwindelung der Massen, daS ist das Fundament der ultramontanen Herrschaft. Verschmelzung deS schwedischen Frauen-FachvrrbandeS mit dem Schnciderverband. Der Frauen-Fachverband Schwedens hielt vor einigen Tagen in Stockholm seinen zweiten Verbandstag ab. ES wurde ein An- trag de» Vorstandes auf Verschmelzung mit dem Schwe- dischen Schneidereiarbeitcrverdand angenommen. Die Veranlassung zu diesem Beschluß war. daß der Schneiderei- arbeitervcrband dazu übergegangen ist, auch die Mäntel- und Danienklcidernäherinncn zu organisieren. Gerade diesen Branchen gehören die meisten Mitglieder des Frauen-Fachverbandes an, und eS war vorauszusehen, daß die Näherinnen sich in Zukunft lieber dem stärkeren und leistungsfähigeren Schneiderverband anschließen würden. Dieser Verband ist mit der Verschmelzung einverstanden, auch hat die LandcSorganisation der Gewerkschaften ihre Zustim- mung gegeben. Der Kongreß empfiehlt dem Schnciderverband, für die in Aussicht genommene Anstellung einer weiblichen Arbeite- kraft zur Agitation unter den Arbeiterinnen die bisherige Vor- sitzende des Frauen-FachverbandeS, Fräulein Eigne Svens- s o n, zu wählen. Das Verbandsorgan„Morgonbris" soll der politischen Frauenorganisation, dem Arbeitsausschuß des sozialdcmo- iratischcn Frauenkockgresses, überwiesen werden, mit der Bcdin- gung, daß in dem Organ auch fernerhin die gewerkschaftliche Ägi- tation nach Möglichkeit berücksichtigt wird. ES wurde dann noch über die Stellung der Lohnarbeitcrinnen zu den sozialdcmokra- tischen Frauenklubs beraten und beschlossen, dahin zu wirken, daß für die gewerkschaftlich organisierten Arbeiterinnen in den poli- tischen Frauenorganisationen ein geringerer Beitrag festgesetzt und kein Eintrittsgeld erhoben wird. Der Kongreß hielt die politische Frauenorganisation für ebenso notwendig wie die gewerk- chaftliche. meinte aber, daß es mancher Lohnarbciterin allzu chwer werde, in beiden Organisationen den vollen Beitrag zu zahlen._, Gerichts-Zeitung Die anonymen Briefe des Herrn Pastor». Vom Landgericht Braunschweig ist am 21. August der Pastor Albin Lang wegen Beleidigung in zehn Fällen und versuchter Nötigung zu einem Jahre sechs Monaten Ve- fSngni» verurteM worden. Er ist 187S zum ersten Male als Pfarrer in Sliddeutscklond in Stellimg gewesen. Er geriet ober in Differenzen mit dem Schultheißen und mußte die Stellung aufgeben. Damals wurde festgeflellt, daß es ihin an dem für fein Amt er- forderlichen Takt und der nötigen Besomienheit fehle. Er blieb einige Jahre stellenlos. Dann wurde er l88l in einem braunschweigifche» Torfe angestellt. Sein Vorleben wurde erst bekannt, als er später höhere PeiisionSaniprüche geltend machte und aus seine frühere amtliche Tätigkeit hinwies. Mit dem Lehrer B. in D., einem Orte, der zu feiner Parochie gehört, kam er in Feindschaft, und die Auf- regung wurde so groß, daß die Einwohner von D. sich in zwei Parteien schieden. Eine Anzahl derselben erhielten nun eine größere Zahl anonymer Briefe zugesandt, welche wegen ihreö Inhaltes Bc- unruhigung hervorriefen. Wer sie geschrieben hat, ließ sich nicht mit Sicherheit feststellen, dagegen ist erwiesen, daß weitere zehn Briefe vom Angeklagten ausgegangen sind. Der In- halt ist durchweg beleidigend und sollte zur Verhetzung dienen. Den Empfängern wurde u. a. die Leistung eines Meineides zugetraut. An zwei Dienstmädchen, die nacheinander bei ihm in Stellung waren, hat der Angeklagte ebenfalls anonyme Briefe unflätigen Inhaltes, deren Form an den Sanheerdenton „Rcichstmier" lebhaft erinnert, gesandt. Durch beigelegte Geld- scheine suchte er sie zu allerlei Klatschereien zu veranlassen. Aus die Einzelheiten in de» Briefen einzugehen, verbietet sich wegen de» un- züchtigen Charakters derselben. Der Angeklagte war zur Beob« achtung seine« Geisteszustandes sechs Wochen in einer Irrenanstalt. Er konnte in den ersten fünf Wochen nicht beobachtet werden, weil er an der Gesängnispshchose litt. Da» Gutachten bezieht sich deshalb nur auf die letzte Woche. DaS Gericht hat angenommen, daß der Angeklagte an geistiger Anomalie leide und degeneriert sei, aber doch die freie WillenSbestimmung besitze.— Die Revision deS Angeklagten chemängelte u. a. da» psychiatrische Gutachten, insbesondere deshalb. weil e« sich nicht auf V Wochen, sondern nur aus eine beziehe.— Der Reichsanwalt hielt das Urteil für unbedenklich. Wenn dem Angeklagten das Gutachte» nicht genügte, so hätte er in der Haupt- Verhandlung beantragen müssen, daß er nochmals ans seinen Geistes» zustand untersucht werde. DaS Reichsgericht erkannte am Montag auf Verwerfung der Revision. RcichSrccht bricht Landesrecht. Der ß 10, gisier 8 deS braunfchweigischen Pollzei- strafgesetzbucheS bedroh« mit Geldstrafe bis>50 M. oder Haft den- jenigen, der vor öffentlichen Behörden oder Beamten u n e i d l i ch die Unwahrheit vorbringt oder wissentlich die Wahrheil unterdrückt. Aus Grund dieser Bestimmung hatten sich am B. Juni der frühere Vahnarbeiter Karl H o t o p p und am 26. Juni der Arbeiter Friedrich Huke vor dem Landgericht Braunschweig zu veroiilworlen. In beiden Fällen erkannte jedoch da» Gericht aus Freisprechung,«eil«S sich der seit Jahrzehnten tn der Literatur mit Recht vertretenen Ansicht anschloß, daß die LandeSgesetzgebung sich zu unrecht mit dieser Materie befaßt habe, da die Materie der Bestrafung falscher Aussagen durch daS Reichsgericht geregelt ist.— Die Revision d c S Staatsanwalts kam am Montag vor dem Reichsgericht zur Verhandlung. Der Reichsanwalt erklärte sie für unbegründet. Da» Reichsstrafgesetzbuch habe die gesamte Materie der unwahren Angaben vor Gericht sMeinetd usw.) erledigt, die Landesgesetzgebung könne deshalb sich nicht mehr damit befasien. Die Tendenz deS Reichsgesetzes gehe dahin, daß nur eidliche un- wahre Aussagen bestraft werden sollen. Schon in früheren Jahren haben Obergerichte diese Ansicht ausgesprochen.— DaS ReichSgericht verwars in beiden Fällen die Revision deS Staatsanwalts und er- Tlörte damit die fragliche Bestimmung für ungültig. Eine Steuerhinterziehung, die auf eine sehr originelle Weise zur Kenntnis der Behörde gelang« war, führte gestern den Berginvaliden und Naturheil- kundigen Karl Wiese aus Bmsigwalde vor die dritte Straf- kaminer des Landgericht« III.— Der Angeklagte war früber in Britz wohnhaft und hier zu einem Einkoninieiistenersatze von jährlich 12 M. veranlagt worden. Er reklamierte bei der Steuerbehörde und führte an. daß er als Berginvalide nur eine Vierteljahres- Pension von 120 M. beziehe nnd mir sehr wcnig selbst verdienen könne. Tatsääüich wurde auch von der Steuer- bebörde der jährliche Sieuerbetrag deö Angeklagten auf 6 Mark ermäßigt. W>ese hätte vielleicht nie einen höheren Betrag zahlen müssen, wenn nicht folgendes eingetreten wäre. Seine Ehe- frau packte eines schönen Tages ihre sieben Sachen und verließ ihren Mann, da dieser, wie sie behauptete, eS niit der ehelichen Treue angeblich nicht sehr genau genonimen haben sollte. Bei dieser Ge- legenheit nahm sie auch einen Depotschein von der Rixdorfer Bank und ei» Sparkassenbuch des Kreises Teltow in einer Geiamtböhe von 38 000 Mark mit. Der Angektagw, der hauptsächlich hierüber nicht sonderlich erbaut war. reichte gegen seine Ebefra» Klage auf Herauszahlung von 16500 Mark ein. Hiervon erhielt die Steuerbehörde Wind und zog den Angeklagien nachträglich wcge» der hinterzogenen Steuer- betrage berau. Do Wiese sim weigerte, die ihm auferlegte Strafe von 400 M. zu zahlen, wurde die Sache der Staal«a»>vallschaft übergeben, die das Verfuhren wegen Sleuerbinterziehung ein- leitete. Vor der Strafkammer machte der Angeklagte ein noch fiblechteres Geschäft. Denn er wurde zu einer Geldstrafe von 680 Mark verurteilt und muß auch noch die entstandenen Gerichts- kosten tragen._ Ein schwerer Lauunfall, der ein blühendes Menscheuleben zum Opfer gefordert hatte, lag einer Anklage wegen fahrlässiger Tötung zu grnnde, welche gestern den Bauarbeiter Hermann Urban vor die S. Strafkammer des Landgerichts III führte. Der Angeklagte war ans dem Neubau Pichelsdorfer Straße 4 in Spandau beschäftigt geiveien. Ans diesem befand sich im vierten Stockwerk ein» Lanfbrücke, welche zum Transport von Baumaterialien mittels Karre» nach eine», anderen Teile des BaneS benutzt wurde. Trotz der auSdrück- liwen Bestimmung, daß stet« nur eine Karre die Brücke passiere» durfte. Versuchte der Angeklagte am 8. Mai dieses Jahres mitten auf der schnialen Brücke an einer anderen Karre vorbei- zukommen. Dies gelang ihm nicht und das schivere Gefährt stürzte in eine» Schacht, auf dessen Grunde im Erdgeschoß der Arbeiter Wilhelm S a r o arbeitete. Dieser wurde von der herabstürzenden Karre fast zerlchmettert und war sofort tot. Die Straf- k a m m e r erkannte auf eine Gefängnis strafe von sechs ivk o n a t e n. Ob nicht in anderer Weife eine GleiSeinrichiung zu ermöglichen war. die ein so gefährliches Karre», etwa durch Anlegung einer breiteren Brücke oder von zwei Brücken verhindert hätte, wurde in der Verhaiidlung leider nicht erörtert. Die Schrecken des RiickfaNparographcn. Der Verbrecher wird bestraft, damit er sich bessere. Vesiert er sich nicht, verfällt er dem Bösen wieder, dann war die Strafe noch nicht wirksam genug und deshalb muß er immer schwerer bestiasi werden. DaS ist der ganze WciSheitSinhalt unseres Strafgesetz- bucheS. Nach diesem Verfahren wird der Unglückliche immer mehr in daS Elend des Verbrechens herabgedrlickl. in immer heftigere Feindschaft zur Gesellschaft gedrängt und dafür dann noch mit immer iurchtboreren Strafen belegt. Diese Strafen zeichnen sich aber dann ganz besonders dadurch au», daß sie in einem unüberbrückbaren Gegen'atz zu den oft lächerlich geringen Vergehen stehen. Dafür einige Beispiele: Vom Landgericht Duisburg wurde am 20. Juli ein Maschinist R. zu vier Monaten Gefängnis verurteilt, weil er angeb- lich einen Korb voll A b f a l l h o l z auf einem Bau gestohlen habe. Erbehanptctenoch. daß er dazu berechtigt gewesen sei. daSHolzweg- zunehmen, da er es von einem dort�befchältiglen Nnternehmer geschenkt erhalten habe. Dieser Unternehmer war aber nicht einmal vernommen worden. Selbst der Reichsanwalt Dr. Nagel meinte in der-Revisions- Verhandlung, daß man bei einer Strafe von 4 Monaten Gesängnis eine besser« Begründung hätte erwarten können. Da« Urteil wurde dann auch aufgehoben, weil der eine Zeuge nicht geladen worden war. Besonders grausam erscheinen so hohe Strafen, wenn nicht einmal ein direkter Nachweis für die Schuld des beircffenden Angeklagten geführt werden kann, wenn man sich mit einem JiidizuubeweiS behilst. Da hatte daS Landgericht Düsseldorf am 10. Oktober den Schlosser A. zu einem Jahre Zuchthaus verurteilt, weil er angeblich drei Billardbälle gestohlen haben sollte. Man hatte ihn erwischt, wie er die Bälle verkaufen wollte. Trotz aller Bemühungen war eS nicht gelungen, den ausfindig zu machen, dem die Bälle gestohlen waren. Dennoch erhielt A. die unerhörte Strafe, denn wegen seiner vielen Vorstrafen müßte er gestohlen haben. Der Tischler K. ist am 20. Angnst vom Landgericht Verden zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt worden, weil er bei einem Schuhmacher acht Paar Schuhe gestohlen haben sollte. Der Indizienbeweis wurde hier indes vom Reichsanwali Diey als höchst mangelhast bezeichnet. DaS Urteil wurde hier vom Reichsgericht ausgehoben, weil man dem Angeklagten trotz seines Antrages nicht einmal einen Verteidiger gestellt habe. Wenn die erzieherischen Erfolge dies« Strafen so hoch find, wie diese entsetzlichen Urteile selbst schädlich, dann gebührte der deutschen Justiz ein Ehrenpreis für pädagogische Leistungen. Ftir den Iiilmtt der Jniernte »tbrrnlmm» die gtedntiion dem 'Publikum gegniiiber keinerlei Nerankwortnng. €bcater. Mittwoch, Q. Dezember. Anfang Vi, Uhr. Königliches Opernhaus. Marie, die Tcchler de» Regiments.— . Verstegelt. Königliches Ichaufpiriha«». Zopf und Schwert. Teutiches. Rcootutlon tn Kräh- winket. Nachnilttag« 4 Uhr: Opernauffüh. rung: Der Apotheker. Der be- trogen« Kadi. Kan>nierlpt«le. Der Arzt am Ecktldewege. Ausana g Ubr. Neues Schouspirldans. Faust. t. Tell. Nachmittags S Uhr: Schneewittchen. ki, ifang 8 Uhr. Leffing. Gelvenster. Zirrlin«. Herodes und Markamne. Konitiche Oper. Zaza. Hebbel. Frau Warren» Gewerbe. Steurs. JSracl. Kleines. Moral. lRefibenz. Kümmere dich um Rmelie. Schiller»».»nllnei- 4,deui,r.) DaS Opferlamm. Sch im«liartottenburg. Der Familtentag. Friedrich- S-.rjlhelnistijb». Schau- ipielfians. AIS Ich wiederkam. Westen. Der fidele Bauer. NachniittagS 4 Ubr: Domröschen. Tkaltn. ikünstle�blut. Nachmittags 4 Uhr: Hänsel und Sretcl. Luisen. Die Ehre. Bernbar» Ro'e Di« Entglkisten. Nachmittags 3 Uhr: Wilhelm Dell. Withelm-theater. Di« Schöpfung. vn«>t>!rld»>is. Di« blaue Man«. Trianon. Die Liebe wacht. Neue« Operetten. Die Dollar- Prinzessin. Nachmiliags S>,, Uhr: Den König drückt der Schuh. Berliner Operetten-Tbrater SW. Havana. Ansang Sst. Uhr. Nachmittags S1/, Uhr: Wilbelm Teil. Gastspiel> Tliraicr. Demimonde. Biirgerl. Schauspielhaus. Die Herren Eöbne. Anfang 8'/, Uhr. Gebrüder Herrnfeld. Die beiden vindelbands. Vorher: Intern. Künsller-Tett Ap oi.i. Mizt®ljl Siegwart Genie«. NachnriltagS g>/, Uhr: Frau Holle. tvtet oout. Dorrnerwett«— tadel- los. Winkergarte». EpczlaMäiea. L»oagr. Spezialstälen Kasino. Di« Dtanabäd«. Spezia- »täten. Nrichsiiatle«. Stettin« Sing«. Walbasia. Zbezialitäien. Julies vaprice. Die Brautschan. Die lästige Witwe. Gniinp Behrens. Der Obersteig«. Spezialitäten. (kart Haverlanb. Spezialitäten. llrai ia. Tanornilr-iike IN. Abend» 8 Uhr: An den Seen Ober- itallens. Skeriima»'«, Knvalibmstr S7i«a Neues thealer. Anfang 8 Uhr. Israel. Morgen und folgende Tage: _ gSrael. Kleines Thealer. Anfang 8 Uhr. Moral. BDrgerliches Schauspielhaus Kallanien-Allee 7—9. Die Herren Söhne. Schwant iii 4 Alt. o. Waith« u. Stein. Anfang 8'/, Uhr. Donnerstag: vor Glöckntr von Notre-Oame. Freitag»um erstenmal: VI« liNIn von Toletft. Schiller O. lWallner-Tbeater.) Mittwoch abendSDUhr: vi** Oprnrlanim. Schwant in 3 Auszügen von OSkar Dalthcr und Leo Stein. Donnerstag, abends» Ubr: Vvi- Graf von Charolals. Freilag. adeiios» Ubr: Der Graf von Gharoial«. Theater. Schiller-Theater Charloltenburg, Mittwoch, abend» 8 Uhr: Der ran»li>entatr. Lustspiel tn 3 Akten V.Gustav Kadelburg. Donnerstag. adendSSUHr: Vater nnd Sohn. Freitag, abend« 8 Uhr: Vater und Sohn. Zirkus Schumann. Heute Mittwoch, den 9. Dezember, abends prUziee VI, Ubr: MF" Grande Kolrtüe e<)iie»tre— Elite- I'rojtrmmn. Ti Dir. Alhert Sehiimann mit seinen neuesten t)rij?inal-9cbul- und Freiheitsdressuren. Femer: Die großartigen neuen Spezialitäten. Um 9'/t Uhr: IMF llllt{;cwohntein Epfolere das größte und glänzendste Pracht-Manegeschaustock der Seeräuber und Mädchenhändler, ra. ROO mtwlrkende. U. a.: IMS Indische•ch tvarzo Kamele, wclBcr Elefant nnd andere exotische Tiere. 5r Caolo, Grand- Hotel- Festsäle Am Alexanderplatz.— B. Jehmllch. j jeden Sonntag and Dienatag:(2l6lb+| Hamburger Sänger. Anfang Sonntags 6'/, Uhr, wochentags S Uhr._ Vorzngsltarten haben wochentags Gültigkeit. S wwwwwwwwwwwwwwwwww»-« w vrt.w-.vr Urania. W jiBenschaftlichee Theater. Taubenstrabe 48/49. Abends 8 Uhr: An den Seen Oheritaliens. Qastspiel- Theater Küpenickor Straße 68. 8'/, Uhr: Gastspiel Hedwig Lange. Demiiuonde. SerNner Theater. Heute 8 Ubr: Ilcrodcs nnd sMarlnrnne. Morgen; Herodea and Mariamne. Lu&tspielhaua. Abends 8 Ubr:> Madame Flirt. Nenca Opurctten-Thcater. Schisibauerdamm 25,». b. Luisenstr. U'/t Uhr: Den KSnig drückt der Schuh. Abend« 8 Uhr: Die DollurpriueesBln. ßrUffearten der Rcdahtion. 9b inrillikchi Svrcchtlnnbe Anbei Linden ftraste vir. 8,»Vetter Bai. dritter tSinaang, vier Treppe«, DV ss a l> r i«» h I"BM winvenläetich adcaS» von V!, bis t»>/, Hin iiat«. tveöNiie« 7 Uhr Si'iinabeiibs bepinm die Tviechiluiidc um)S lllir. Aeber ilniraa« ist ein *i»rh'irtd( und eine.labt als Vtertzeiche» deiziitiiaen. Vriiitiche stuiwvrt wir»«Ich, erieil,. Bis zur Beaultvvrtilug im Briest asten töuue» 14 Tage vergeben, vüliae llrage« iraae man m der Lvrea,ii,i«be vor. E. 20. l. Für HantzluiigSgebilsen und Wel tmeister besteht, falls keine andere KündigungSslist vereinbart ist, die sechswöchige KündigniigszcU zum Ablauf de« KiileiidervlerteliahiS. ES m:m nllo die kttliidigiing, die mit Adlaul de« 3l Dezember wirken soll, spätestens am lS. November dem vandiiingSgehllfen usw. gegenüber ausgesprochen, bei schrisistcher Kündigung ihm übergeben werden 2. Emc Klage auf Aushebung des Lehi Vertrages würde in dem von Ihnen gclchildetten Fall Aussicht guf E>1elg daben.— (etiarlottenburg VS. Lehnen Sie Zahlung ab und laßen Sic«S auf eine ttlage ankommen.— F. R. lO0. 1 Frütiere Stelle. Eine Hypothek bat Priorität vor der anderen hetsit: Sie geht der anderen vor, würde also in der Subhastaiion eher als die andere berücksichtigt werde». 2. Etwa 20 S)l. 3. Die Veit läge sind verichiedeiiartig. Die BernfSgenossenschasi muß Auskiiiift erleilen. H. S. IVO. Die Klage köulien Sie anstelle», freilich ist sie mit Getdkosten verknüpft.— A. D. IVO. Nein. — N. R- Dt-!• Ja. 8. und 3. Den GcrtchtSarz« Levvmaun halten wir lür undcsungen. Die Kosten sind aber zienckich erheblich. 4. Bei Groß» Oo riß.—'jtoxhagon Zt. Au« der Frage ging nicht hervor, daß e» sich um eine nicht in Berlin gelegene Kasse handelt. Den Antrag müßten Sie nunmehr beim Magistrat in Lichtenberg tlelleu und event. gegen dessen Be- scheid Bermsung beim Amtsgericht einlegen.— D.£>0. Wen» lm Familien- flanimbuch der Braut oder ttousirnialion-scheln bescheinigt ist. so genügt daS. — F. K. Ja.— F. Bö. R. Soweit crüchllich. steht Ihnen Peusions- bercchtlgunz zu.— IVOl. Ja: iniiertialb der Verjähnmg.srtst.— tit. H. IOi. t. Aach zutieffender Ansicht»ein. L. Ja. 3. Ja. 4. Das abzugssähig ist, haben wir im März und April In mehreren Artikeln dar» gelegt. Die Aussührimgen werden wir zu gelegener Zeit wiederholen.— Klara 100. 1. Ja. 2. An wen Sie walten. Warnen möchten wir vor sogenannten Jntasiobiireaus und vor Winkeltonsntenten. 3. Das hängt von Ihrer Be>eiubaruiig ab. 4. Nein 5. Jukassobureau«. 6. Die Sperre hat weitere dsülligkeit. Sic müßten aus Herausgabe des Sparkassenbuches klagen oder sich mit der Sparkasse in« Estivnmehmen tetzen.— P. G. 31. Dem Kinde siebt kein Erbrecht, sondern nur«in Recht auf Alimente bis zum volleudeten IS. Lebensjahre zu. Einen Anspruch gegenüber der Bebörde hat eS nicht DaS GeHall ist bis zum Schluß de« Quartals zu zahlen. — 91. St. Oft. 1. Sie mlißten beim Bezirtstoiiimaiido um Auslandspaß aus zwei Jahre cintommen Eine Rückkehr sür solche, die sich der Militär- Pflicht entzogen haben, zieht nach der herilchende» Rechtsprechung Aach- diene» nach«ich. Wer amerikanischer Bürger geworden ist, kann nach dem sogenannten Bankooertrag vorübergehend besiichSivesse nach Deutschland kommen. 2. Wegen Steuern ist Lodnpsändung zulässig. OstenbarungSeid ist wegen Steiieisordcning ebenso zulässig wie wegen anderer Forderungen. — W. H.«2, Die von Ihnen angegebenen Umstände berechtigen Sie nur aus Beseitigung der Mißstände u»d aus Swobeiiclah zu klagen, nicht aber zum eiiiseittgen Rückt ritt vom MietSvertrage. Brechen Sie den Per- trag vor Ablaus d« Zeit, so hat der Wirt das Recht, Schadenersatz zu per- langen._ WttternnaSüberkidit vom 8. Dezember 1008, morgens 8 INir. etattMun Ii Ifi P Setter B* t" t? Wi Havaranda 740 ST! Petersburg 7ö-t WSW Seillh nderdee» Pari» 761 WSW 747 SSW 769 SSW t 2 bedeckt 2 bedeckt ö bedeckt 4 bedeckt 2 Nebel -1 2 10 19 Hi iromemdt i 765 SO Hauiburg i765<5© Pcrlii; 1766 Still {rnnfi.a M 768 SD München 1770 SO Dien>771 Still Wetterprognose für Mittwoch, den S. Dezember 1908. Mild, jedoch vorwiegend trübe mtl Regeusällen und lebhasten südwest- lichen Winden. Berliner Wetterburego. WasierftandS-Nachrichten V« Lanbetanflal« sür Newäsierklmde, mitgeteill vom Wasserstand Memei, Tllfil P r» g« l, Jnft«bttrg Weich sei. Tborn Oder. Ratidor , kroifen , Frantiurt Warthe, Lckrimm , LandSb«g Netze, Vordamm Elb«, Leiwicritz , Dresden , Barbe , Magdeburg 1-p bedenket«uchS.— ihall. * GrundeiStrctbcn.—•) SIStrelben. ■iMionminieiiniiiiHiii�——— — 1 Umerneael.—•> EiSstand.— —•) Gründels.— 1 TrundeiSgang. Theater ßes Westens. Allabendlich 8 Uhr: Dor iidelo Bauer. MIttw.. Sonnab. 4 Uhr: Dornröschen. Friedrlch-Wilhelmstädllsches Schauspielhaus. Mittwoch, 0. Dezember, Ans. 8 Uhr: Als ich wiederknm. Donnerstag: Madame Bonivard. Freitag: Madame Bonivard. Hebbet-Ttieater Königqrätzer Elr. 57/58. Ans. 8 Uhr. Frau Warrens Gewerbe. DonnerStag wegen Generalprobe zu Tdummeiuniicn geschlossen. Freitag z. l- Male: Tbummelumfen. Sonnabend und Sonnlag: Thum- meluinsen. t-lllsen-Ihöglör. AbendS 8 Uhr: IMe l�hre. Donnerstag: Der Sonnwendhos. Freitag: Geschlossen. Sonnabend nachm. 4 Uhr Kinder- Vorstellung: Lügenmäutchen und Wadrdcitöniündchez». Abends 8 Uhr: Die Ehre. Sonniag nachm. 3 Ubr: Die Ehre. Abends Premiere: Kinder des Kä« pitän Gran«. Der Sonnwendhos. izelsopolfhesler » vhr f-szöe!!! TUgllch 8 Ehr Revue in 10 Bildern v. Jnl. Fround. Musik von Paul Lincke. Kcgis Direktor Scbulti. Sonntag, 13. Dezember, nachm. 3 Uhr: DurcblauclitRadiesciieD. XIV. Saition t Ziekus Busch. Mittwoch, den 9. Dezember, abends Prä».?>/, Uhr: llala-Voretellung. Um ca. 9 Uhr: Zizi Bamboula! Das vtelumstritten» Naturwunder ans PariS. .lohn lliffgino, Neu I Iiian-Tru|>pe. Fern«: Frl. Maria Mobuke, Schick- veiterln. Gtgcrtclown Ali. Daniel», d« urkomische Herr Ernst Schu- mann, Meisterdrcssurea. Um 9'/« ea.: Große Orlgin.-Ausst.-Paiitomlmc de« ZirkuS Busch in ö Bildern. Residenz-Tlieater. — Direktion: Riehard Alexander. Täglich abends 8 Uhr: „KOinmere Dich um Amelts". Schwank in drei Akten svier Bilden:) von Georges Fendeau. Morgen u. solzende Tage: Kümmere Dich um Anteile. Sonn mg. 13. Dez., nachm. 8 Uhr: Ganz der Papa._ MiMPftSttTHMT j cht. Frankkurier Str. 132. Abend« 8 Uhr: iil JJIjilippinf lörlfri. Romanlisch,» Schauspiel In 5 Akten von Aedwlh. TV Wochentagepreist. Nachm. 3 Uhr Schüleroorftelluiig: Vkllhelm 7e«>. Qafe Meyer Dresdener1''"Str. 1281lt29. Kaffee I0u.16, Bler.f.cllit.bnnf. 19 Ps. ea. 60 Zeitungen; 2 Billards Std.SllPs. Zahlstelle der Freien VolksbUhoa/ Rixdorfer Theater Bcrgslrabe 117. Mttwoch, den 9. Dezember 1908 s 5. Gaftlpiel des Neuen Berliner Operettcn-Eniembles: Die Doljarpmttsß«. Operette in drei Aken von Leo Fall. _ Ansang 8 Uhr._ Xleine Preise I Nachm. S'/i Uhr: Fran Holle. Märchen. Weihnachlsloinödte. Dazu: 0!e lustigen Lchcrnsteinteger. Parlett 1 Ti., res" PI. 50, Enlree 30 Pf. Abends 8 Uhr: Eine luftige Spreewaldfahrt von i'. Zllui Vi?.!— Kjfcxw. Gentes Urolhers Schenk und die Ubrioen Dezember- Attraktionen. ynTKömiti! SenoritaFlorido, span. Tänzerin. Camille-Trio, kom. Reok- turaer Kara, M eiste rjongl. Mlle. Jonia mit iliren dress. Baren. Kaufmanns 13 lad; Geb Equ Dr Angelos lebend. PorzelL dys cyclo troupe. 3 Gebr. Wille, Hand- u. Kopf-Equilibrist. Dorothy Kenton, amer. Banjo- Virtuosin. Paul Conchas, Armee-Herkoles. Madelaine de Noch, französ. Sängerin. Der Biograph.:n n::n •ENTREL MI RESERV. PLATZ M3S • einschliessl Garderobe u Programm! WO»,S»»»0»O«S0OO0000O»00 0»OS»0 0» W.Koacks Theater Dlrettiui, Roh. Dill. Lrniiiieiiltr. 16. Frl«loliii oder: Der Gang»ach dem Eitenhammer. Ansang 8 Uhr Entree Stt Bs. DoiuierStag. 10. Dez.: Benefiz: Karl Reich. Ein Dag vor Weih. nachten, ivrrspreche» Hin». Herd. Sonnabend. 12. Dez.:«t. Extra. Vorstellung: Zum erstenmal: Die (Schale der Liebe. Tolles Caprice Linienstr. 132, an der Friedrichstratze. Die lSstixe V�it�ve. vis vrautscksu. Freitag, den 11. Dezember ISDB: Premier©. Casino-Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. 8 Uhr: Corradiui usw. usw berühmte Lsrgöre-iluai'iell. flr/j Uhr: Jubelnder Lachersolg I „Die Dianabäder44. Sonntag 4 Uhr: Die fidele Rlfte. Vä alhaila Varize-Theater | Wembergsweg 19j20, Rosenth. Tor. I Anfang 8 Uhr: DaS neue groftartige Atzmbtr-Spnialitättn- Programm. Im Tunnel Regimentskapellen ta Thcai erbeiucher Hab. freien Eintritt. ItttaigststH- Kasino. Holzmarklstr. 72. Gänzlich neues Programm!!!! F'»'«nr, d>«i>ui,skl. hos Sandros, Gebr. Weil, E, Charton, Grete Reimann, Mstr. Rex, Mstr. Giron. Leute von heute. SetL Lebensbild mit Gesang in 1 Akt. MiIl!0.,Sonnab., Sonnt., n.d.B.: Tanz. 16. Dezemb. beg d. WeihnachtSvorslllg. s' assage-Tiieater. Sieden Abend t 8 Uhr: | Bozena s Bradsky und das großartige Dezember-Frogramni. Fassage-Panopükuii). Cime Extra-Entree! I Lebend! Das Lebeud I\ Bärenweib. Neapolitanische Briganten 1 Panophon-Vorträge; Alexander Girardi, Otto Keuttt-r. Caruso oto. Alles ahne Extra-Entree! Eintritt r.v Pf. Ätuder. Soldaten äö Pf. GebrOder Herrnield- Anfang Thfiotop Vorverk. 8 Uhr. lUCalCl. 11.2 Uhr. 67 Kongmandantenstr. 57. Ein Erfolg, wie ihn die Herrnfeld- Bühne bisher nie erreicht! Die beiden Bindelbands. Vorher: VoUständig neuer KünstlerarTell s Lona Heggi.— Mirzl v. Wenzl. Original- Lindström■ Terzett. Les Rhyants.— 5 Hardinfs. Qa 1 8 last-Theater Burgslrasze 24, 2 Minuten vom Bahnhos Börse, Taglich 8 Uhr: Idrs» einzig dastehend« Dezember- Spielplan! U. a.: Dolortta, die schöne Spanierin. Aotvau Btlik», Sturz aus der isdisten Etage. Dlösson and Lsmgi, v°ittgeure, l.a böilö Florentine, ieben&t Werther* L-eiden, Burleske von Schmidl-HawkinS. mid I« Attraktiouen. Familleiikarien, wochentags halbe Preise, überall gratis I Ke» inerEis- Palast Ständige Eisbahn Bis 1 Uhr nachts geöffnet. Bis S1,. Uhr: Populärer Tag. Eintritt 50 n. 30 Rk. ttachm. u ahonds Auttroten der engagierten Eiskunstläufer und-läuferinnen. Heiclisliallen•Theater Stettiner Sänger. Zum Schluh neu: Der Kompaame-Ball WUttärtiche .»ra yumoreöke eonMeysel. /SIS aii,a"8 taswÄ toochentaaS V�, 8 Übt. Somti. 711 Sanssouci, Ä'V Direktion Wilhelm Reimer. Sltontag, Donnerstag, Sonntag: Hoffmanns und Tanzkränzche» Einakter, Ensembloszenen. Aktuelle Porträge in Wort und Lied usw. Beg. SoniU. 5, wochent. 8 U. (SU8t» Behrens- Theater. Der Obersteiger oder: Bergmanns Freud und Leid. Charakterbild aus der Neuzelt. Friede!, Obersteiger: Dir. G.BehrenS. Mr. Henry; Das Wunder der Hunde Dressur. Außerdem das BIHe> Dezember- Programm. Ansang 8';. Uhr. Sonntags 6 Uhr. Verband der Ilaler, Sacklererp Anstreicher Melchtorstraße 28. Tiliale Serliti. USW. Fernsprecher Ami IV Nr. 4787. iirlt Deutschlands.(Zahlstelle Berlin.) Sezlr ksv er Sammlungen: ponnfwtflg, 10. Pfjrmbrr, adrnds 8 Zihr, im Vtivtrkschaftshßust, Engrinftl 15: l�itglieclei'versammlung. Tagesordnung: I. Wahl der Delegierten zur lSeneralversammlung in Köln. 2. Stalutenberatung. 3. Verbandsangeiegetlheiten. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt!'*« Kollegen, die länger als vier Wochen schuldig sind, also die 45. Woche nicht bezahlt haben. und denen die Beiträge nicht gestundet find, haben zu dieser Versammlung keinen Zutritt. 130/18«__ Die Ortsverlvaltung. An die arbtitrnde Krvöldkrllllg. Donsende von Kindern erhalten kein warmes Mittagessen, weil die Mutter aufter dem Haufe arbeitet, oder weil die Haupt- mahlzrit erft abends gekocht wird, wen» der Pater von der Arbeit kommt. Die Kinder erhallen mittags meist K aftre und Prot U'w. Eillk l'olßjr Ernährung ist für dirAnder grsuudhrltsschäd- illi). Wir verabreichen in unseren Ztinder-Polkskiichen für Kinder im Alter von 2— K Jahren ein Mittagessen für 5 Pf., sowie für schulpflichtige Kinder ei» Mittagessen für 10 Pf.; auch kann das Essen nach Hause ge- holt werde». Die Anstalten befinden sich: Freiligrathstr. 7, Bredow- strafte:tZ, Anlaustr. 35,(Uriin- thaler Sir. K7, Swinemünder Strafte SS, Sencselderftr. 3, MulaSftr. 35. Wilheim-Sto ze- Strafte 10. Gubener Srr. 13. Forster Str. 51» Waftmann- strafte H. Gleimstr. 13, Turiuer Strafte 3. Hndnerstr. 5, Straiauer Plan K/7, Groftgörscheustr. S3. Marken a 5 Pf. und 40 Pf. sind in den mit Plakaten ver- ieheueu PerkaufsftcUen zu haben. welche auch in den Kinder-Bolks- tücheu zu erfahren find. 48VSL« ?. g. Die Küchen find, auher an Sonn, und Feiertagen, von U'/, Uhr vormittags bis S Uhr nach. mittags geöffnet. Der Vorstand des Vereins für Kinder- Volksküchen. Hermann Abraham, Vorfitzender. 8llMemgkTM!tLT Wn für den 1. Berliner Reiebstagswalilkreis Todes-Anzeige. Den Genossen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Arbeiter Franz Götze Georgenkirchstr. 63 [ verstorben ist. 208/13 Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am | Mittwoch, den 9. Dezember, nach. 1 mittags 2!/j Uhr, von der Leichen- t balle des Zentral- Friedhofes, j griedrichsselde, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Ter Porünnd. KezirK I. 2. 3. 4. 5. 6. », » 51/0 »> Am DonnerStag. de» 10. Dezember, beim Kollegen Schwarü, Tegeler Slr. 55 Am Freitag, den ll. Dezember, beim Kollegen Krämer, Hussitenstr. 40. Am Freitag, de» ll. Dezember, beim Kollegen Anton Boeker. Weberstr. 17. Am Freitag, den ll. Dezember, beim Kollegen Zieh, Warichauer Sir. 61. Am Toiincrstag. de» 10. Dezember, beim Kollegen Aug. Bercht, Ritterstr 75. Am Freitag, den ll. Dezember, beim Kollegen Gensch, Dresdener Str. 107,>08. Die Ortsverlvaltung. Gegründet 1864 In. Pelzwaren- Neue KSnlgstr 21 II (Ordonnanzhaas) Hein l.aden! • Speclal-GeachkK IBr Uhren 1 neue Uhr-Jeder I» 75 Pfr VjBP 1 neue libr Sapjcl, 15 Pi». 1 neue» U-r-MaS»>0 1% > n-uer Uhr-Rin«, rO P!«. > neuer Udr-Zeiiier 19 Pig ' neu" Gbr-Sitiüfsti 5 Pfg Nene Uhren L«rditer itu«w. ,enau reguliert E.möhi3 14 Beuthstrasse 14 neb.CafäA8cliiiii;er,a.SpittelnoarUt BilHge Rohtabake.* Nax Jacoby, Strelitzerstr. 62. wie alljährlich nach beendeter En�ros-Saison. Pelz-Stolas Muffen zu fabelhaft billigen Preisen. Sonntags geöffnet. "»""B(TT tcppsecken gröftfe Answabl, sehr prcisivcrl, direkt In d. 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Auch England nahm die Gelegenheit wahr, um gegen einen unbequemen Konkurrenten den Krieg zu führen, denn der Krieg mit England tvar ein Konkurrenzkampf zweier Handelsmächte. Dazu kam der Aufstand in der Vendee, wo der Feudalismus zum Teil noch unberührt geblieben war, wo sich die Bauern für ihre Herren schlugen und in der Revolution ihren gefährlichsten Feind erblickten. Mit furchtbarer Erbitterung wurde in der Vendee gekämpft. Man machte keine Gefangenen, man tötete ohne Gnade die Menschen, mm, verbrannte ihre Wohnstätten und verwüstete das Land. Wohl lOOtKXi Menschen mußten in der Vendee ihr Leben lasseir. Für die Republikaner war die herrschende Lage ein Kampf auf Leben und Tod. Draußen drohte das koalierte Europa und mußte niedergeworfen werden. Im Innern erhob sich der Feind und vermehrte die Gefahr aufs furchtbarste. Jetzt mußten alle Kräfte angespannt werden, alle Rücksichten mutzten aufhören. Hier liegen die Wurzeln der Schreckensherrschaft, die Ströme von . Blut vergoß,. hier ist die Ursache der Diktatur, der die Aufgabe zu- fiel, die Feinde der Republik zu vernichten und dem Drängen des Volkes nach Besserung seiner Lage gerecht zu werden. Diese Politik versuchten die Jakobiner im Nationalkonvent gegen den heftigen Widerstand der Girondisten durchzusetzen. Bittere Kämpfe wurden geführt. Tie Girondisten versuchten Robespierre, Danton und Marat zu stürzen. Aber sie hatten keinen Erfolg. Die Volksmassen standen auf feiten der Jakobiner. Tumulte entstanden in Paris; billige Lebensmittel verlangte das Volk. Die Patrioten, wie sich die Anhänger der Revolution nannten, drangen in die Läden und setzten die Preise fest. Marat gab selbst in seiner Zeitung den Rat, daß man einen Bäckermeister, der das Brot ver» teucrt, vor seiner Ladentüre zum warnenden Exempel aufhängen sollte. Marat wurde angeklagt, aber vom llicvolutionstribunal freigesprochen. Die Gironde verlor an Einfluß. Vom Kriegsschau- platz kam die Kunde, daß General Dumouriez.der zur Gironde zählte, zum Verräter geworden sei. Die äußere Lage wurde be- drohlich, ein energisches und einheitliches Hmideln war nottvendig; der Konvent tat aber nichts Ersprießliches' mehr, denn die Kämpfe zwischen Gironde und dem Berg verhinderten es. Die Bcraparte, hatte aber tatkräftige Leute und die Gironde unterlag schließlich. Die Pariser Kommune griff ein. Am 31. Mai 17ö3 drgngen die Pariser gegen den Konvent vor. um„die neue Aristokratie" des Bürgertums, die Gironde, zu stürzen. Am 2. Juni begann ein neuer Angriff der Pariser Arbeiter und etwa 100 Girondisten mußten ihre Plätze im Nationalkonvent räumen, über 22 wurden mit Anklagen bedroht. Jetzt hatte die Linke freies Spiel, die so- genannte Ebene, die Mittelpartei, ging mit dem Berg und ein starkes, einheitliches Handeln war möglich geworden. Freilich war die Bewegung der Girondisten mit der gewaltsamen Entfernung ihrer Vertreter aus dem Konvent nicht erstickt. Die Partei erhob sich im Lande; besonders in drei Städten, in Lyon, Diiarseille und Toulon brachen gefährliche Unruhen aus. Diese Aufstände wurden vom Konvent niedergeworfen, allerdings, wie in Lyon, unter furcht- baren Dlutopfern. Die Sieger hausten entsetzlich in den einge- nommcnen Städten, sie ließen das Blut ihrer Feinde in Strömen fließen. Ein Menschenleben galt gering zu jenen Zeiten. Die Republikaner sahen sich umgeben von unbarmherzigen Feinden und kannten ebensowenig Barmherzigkeit.— Der Pariser Konvent ent- wickelte eine außerordentliche Tatkraft. Im Juni 1733 wurde eine demokratische Verfassung gegeben, die ein Veto des Volkes vorsah, aber im allgemeinen auf bürgerlichem Boden stand. Man erkannte das Recht auf Arbeit und das Recht auf Eigentum an. Man hatte bereits Maximalpreise für Getreide und dehnte das Maximum aus andere Waren und auf Rohstoffe aus. Durch Requisition gegen die Landwirte wollte man die Waren auf die Märkte schaffen. Alle Maßnahmen richteten sich auf Regelung des Handels, die Produktion zu organisieren, daran dachte man nicht. Man erließ ein„Gesetz gegen die Verdächtigen". Der Wohlfahrtsausschuß bekam furcht- bare Arbeit. Massenhafte Verhaftungen und Hinrichtungen fanden statt. Großartig war Frankreichs Erhebung gegen die äußeren Feinde. 1 200 000 Mann, ein ungeheures Heer, standen unter den Waffen und siezten mit ihrer neuen Taktik der losen Formation gegen die steifen Söldnerheere der Feinde. Ea rnot stand an der Spitze der Armee als der„Organifator des Sieges". Auch in der Bendee neigte sich schließlich der Vorteil auf die Seite des Konvents. In diesem aber begann innerhalb der mächtigen Bergpartei sich ein Umschwung zu vollziehen. Robespierre, der..Unbestechliche" genannt, sah die Korruption ihr Haupt erheben. Die Hebertisten und die Dvntonisten siele» unter der Gouillotine im Frühzahr 1704. In den letzten Monaten der Schreckensherrschaft wurden ungeheuer viele Menschen hingerichtet und oft aus nichtigen Ursachen. Man gab Robespierre die Schuld, obgleich dieser oft nichts davon wußte. Robespierre hatte mächtige Feinde. Alle, die sich auf Kosten des Volkes bereichert hatten, die voll Habgier ihre Stellung und ihren Einfluß im Konvent auszunutzen suchten, fürchteten ihn und arbeiteten an seinem Sturze. Am 0. Thermtdor. den 27. Juli 1704, wurden Robespierre und seine Anhänger verhaftet. Als Robespierre abgeführt wurde, rief er:„Die Republik ist ver- loren; die Räuber siegen I" In der Pariser Kommune wollte man Robespierre zu Hilfe kommen und gegen den Konvent marschieren, aber es war zu spät. Robespierre siel am 2«. Juli 1794 unter der Guillotine. Nach ihm kam die raubgierige Bourgeoisie, die lange daraus gewartet hatte, obenauf. Die Räuber hatten gesiegt. Die Bourgcoispolitik setzte ein. Man holte die 73 auSgcstoßcnen Girondisten wieder in den Konvent und wer von den übrigen, die unter Anklage standen, noch lebte, konnte ebenfalls wieder Mitglied werden. Die Sansculotten aus den Pariser Vor- städten erhoben sich im Frühjahr 1705. aber sie wurden geschlagen. Der Jakobinerklub war aufgelöst worden. Der Bourgoisrepublik von Geldsacksgnaden sollten jetzt die Wege geebnet werden. Partei- Angelegenheiten. Stegkitz. AuS Anlaß der wichtigen Tagesordnung ersuchen wir die Parteigenossen, den heutigen Zahlabend möglichst pünktlich 3 Uhr zu besuchen. Desgleichen weisen wir aus die Schloßstr. 102 eröffnete Jugendschriften-Ausstellung, geöffnet von 3—0 Uhr, hin. Der Votstand. Lankwitz. Am Donnerstag, den 10. Dezember, abends 3 llhr, findet bei Ebel, Marienfelder Straße 0, eine öffentliche Versamm- lung statt, in der Genossin Zietz aus Hamburg über das Thema:„Was sagen unsere Frauen zu der heutigen Politik?" sprechen wird. Der Lorstand. Nieder-Schöneweide. Heute Mittwochabend findet in sämtlichen Bezirken in den bekannten Lokalen der Zahlabend statt. Der Vorstand. Adlershof. Heute Mittwochabend S'/z Uhr findet bei Kauk, BiZmarckstr. 10, die Mitgliederversammlung des WahlvereinS statt. l Auf der Tagesordnung steht ein Referat des Genossen Hoffmann- lNowaweS über:„Das persönliche Regiment". Beiträge werden im Versammlungslokal entgegengenoinmen. Der Vorstand. Fredersdorf- Pctcrshagcn. Donnerstagabend 8'/z Uhr Zahlabend bei Max Girke, Fredersdorf. Lerlmer Nachrichten. BureaukratiSmuS und Freifprifung. Wohl kaum eine Angelegenheit hat der städtischen Schuldeputation zu so vielen Verfügungen Veranlassung gegeben wie die Freispeisuiig anner Schulkinder. Zu den schon bestehenden Verfügungen ist am 18. November eine neue gekomnien, die sich durch Umfang und Gründlichkeit ganz besonders auszeichnet. Sie ist jetzt in den Berliner Volksschulen bekannt gegeben worden. Der Inhalt dieser Verfügung ist für den sozialpolitischen Geist des Berliner Magistrats so kennzeichnend, daß wir eS für angebracht halten, denselben zu veröffentlichen. Die Verfügung hat folgenden Wortlaut: Berlin, den 13. November 1903. der Speisung bedürftiger Schulkinder Städtische Schuldeputation. J.-Nr. 3715 Sch. I 08. . Für die Fortsetzung während des Winterhalbjahres 1008/09 werden folgende Bestimmungen getroffen: Die Herren Rektoren haben bereits diejenigen Kinder ausgewählt, deren Freispeisung nötig ericheint, und versehe» jedes wochenläglich mit der eriorderlichcn Speisemarke. DieS ist vorläufig fortzusetzen. Wir ersuchen aber nochmals, sorgfältig nachzuprüfen, ob für die ausgewählten Kinder die Freispeisuiig wirkbch notwendig ist. Die Herren Rektoren wollen sich dabei vergegenwärtigen, daß durch eine zu nachsichtige Gewährung dieser Wohltat die Begehrlichkeit weiter Kreise geweckt, das Verautwortlichkritsgesühl der Eltern zer- stört und die Grundlage eines gesunde« Familienlebens unter- graben wird. Die von de» Herren Rektoren mft Hilfe der Klassenlehrer aus- gewählten Kinder erhallen, soweit dies in diesem Halbjahre noch nicht geschehen ist, in einem verschlossenen Briefumschlag das anliegende Formular 1 mit dem Auftrage, es vom Hausdaltmigsvorstand ausfüllen zu lassen und baldigst zur Schule zurückzubringen. Zu diesem Zwecke ist ein Briefumschlag dem Formular beizufügen. Für diel jeiiige» Kinder, die das ausgefüllte und unterschriebene Formular zurückgebracht haben, sind durch den Klassenlehrer die Nummern bis 3 des Fragebogens auszufüllen. Die mit der Unterschrift des Rektors versehenen Fragebogen werden daraus seitens der Schule drn Arwcnkommissionrn der Bezirke, in denen die Kinder wohnen, zur weiteren Veraiilossimg übermittelt. Besuchen mehrere Kinder derselben Familie dieselbe Schule und ist für sie Freispeisung in Aussicht genommen, so sind die bezüglichen Fragebogen verbunden der Armeiikommission zn übersenden. Kinder, deren Eltem die Unterschrist der Erklärung verioeigern oder nicht vollziehen, find von der weiteren Speisung auszuschließen, es sei denn, daß die Speisung nach dem Urteil der Schule dringend notwendig ist. Für solche Kinder, die. ohne daß die Ettern die Erklärung unterschrieben haben, von der Schule zur weiteren Speiiung zugelassen werden. sind, wenn die Armeillominiision die Freispeiiung gleichfalls beiürl wortet, die Anträge an die Magistratskominissionen für die Schub speisuna durch das Bureau der Deputanon zur Prüfung, ob etwa grobe Vernachlässigung der elterlichen Pflichten vorliegt und zur Ergreifung weiterer fürsorgcrischcr Maßnahmen einzureichen. Wird von der Annenkomimssion auf den zurückgesandten Frage- bogen die Freispeisuiig besürwortet, so ist sie für die von der Arinenkomniiision vorgeschlagenen Zeit als genehmigt anzusehen und in der bisherigen Weise fortzusetzen. Ueber die den einzelne» Kindern täglich verabreichten Speisemarken ist Buch zu führen. Wird von der Armciikoninlission beicheinigt, daß Freispeisiing nicht notivendig ist und schließen sich Rektor und Klassenlehrer auf Grund der von der ArmeiiloMmission mitgeteilten Tanachen diesem Gutachten an. so ist die Freispeisuiig einzustellen und der Magistrats kommission für Schulspeisiiiig durch das Bureau der Schuldeputalion unter Eiiiseiidung des Fragebogens und Angabe der Zahl der Tage, an denen die Freispeisuiig slattgeftinden hat, Bericht zu er- stalten. Stimmen Rellor und Klassenlehrer mit dem Gutachten der Armenkommisfion nicht überein, so sendet der Rektor mit For mular 3 den Fragebogen an die Magisiratslomiiiission für die Schulspeisung durch baS Bureau der Schuldeputation zur Ent- schcidung ein. BiS zur Entscheidung ist die Freispeisung svrtzusetzen. Ueber diejenige» Fragebogen, die vierzehn Tage nach der Ueber- sendung an die Arinenkoiiiniissionen von diesen nicht erledigt sind, bitten wir Anzeigen nach dem beigefügten Formular 4 durch das Bureau der Schuldeputation der Armeiikommissiou einzusenden. Wird auch daraufhin innerhalb 10 Tagen der Fragebogen nicht an die Schule zurückgesandt, so ist mit demselben Formular eine zweite Anzeige zu erstatten. 14 Tage vor Ablauf der festgesetzten Dauer der Freispeisung reichen die Rekloren die Fragebogen von neuem der zuständigen Armenkommisston ein i vergleiche Vordruck auf Seite 3 des Fragebogens). Befürwortet die Armenkommiisson die Fortsetzung der Freispeisung und ist die Schule derselben Meinung, so dauert die Freispcisung ohne weiteres bis zu dem von der Annenkommiision vorgeschlagenen Termine, der aber über den Schluß des Semesters nicht hinausgehen darf. Sind Annenkommission und Schule bezüglich der Fortsetzung nicht der- selben Meinung, so wird unter Benutzung von Formular 3. wie oben angegeben, verfahren, die Freispeisuiig aber bis zur Entscheidung fortgesetzt. War die Dauer der Freiipeisung von der Aniienkommission nicht bis zum Schluß des Halbjahres befürwortet, so muß der tragebogen vor Ablauf der vorgeschlagenen Speisezeit zum Gutachten der die etwaige Forlsetzung nochmals an die Armenkomniission zurückgehen svergl. Vordruck auf S. 3 des Fragebogens). Endlich Hai bei Abschluß der Freispeisung am Ende oder im Laufe des Semesters der Rektor dies aus dem Fragebogen zu bescheinigen. unter Angabe der Zahl der Tage, an denen die Freispeisung er- folgt ist. Ueber die gespeisten Kinder ist in jeder Schul« eine Liste nach dem anliegenden Formular zu führen. gez. Hirsekorn. Soweit der Wortlaut der Verfügung. Sie sieht für die Rege- lung der Freispeisung nicht weniger atS fünf, sage und schreibe„fünf" verschiedene Formulare vor. Der ganze Apparat, der durch sie in Szene gesetzt wird, ist so umständlich, daß Rektoren und Lehrer die Lust verlieren können, überhaupt noch einen Schüler vorzuschlagen. Die Erllärung, die von den Eltern zu unterzeichnen ist. dürste vollends noch die wenigen abhalten, die ttotzdem zur Freispeisung vorgeschlagen werden. Formular 1 lautet nämlich: Nack Meldung des Herrn Rektors erhält Ihr Kind kein warmes Mittagessen. Mr sind bereit, zu veranlassen, daß Ihrem Kinde wochenläglich eine Mirtagsmahlzeit von der KindcrvoUsküche ver- abrcicht wird, es bleibt aber vorbehalten, die für die Speisung thrcS Kindes entstandenen Kosten von Ihnen einzuziehen, wen» ch bei unseren Ermittelungen herausstellt, daß Sie in der Lage find, diese Summe zu erstatten. Wir ersuchen Sic, durch llnter» schrift der nachstehenden Erklärung zu bekunden, daß Sie mit der Speisung Ihres Kindes unter der angegebenen Bedingung ein- verstanden sind, und mitzuteilen, bis zu welchem Zeitjiunkt Sie die Speisung beantragen. Berlin........... Städtische Schuldeputation. Erklärung. Ich bin mit der Speisung meines KindeS unter der oben an- geführten Bedingung einverstanden und beantrage, meinem Kinde bis zum.......... warmes Mittagessen zu verabreichen. Berlin........... Man hat das Gefühl. alS sei der ganze Apparat absichtlich so umständlich gestaltet worden, um den Armen die Freispeisung griind- sich zu versalzen. Die ganze Verfügung der Schuldeputation atmet nicht den Geist de? Schulrats, sondern den des Vorsitzenden der Armendireklion, Herrn Münsterberg. Wer die„tiefgründigen" Auslassungen dieses „Anwalts der Armen" in der Berliner Stadlverordnetenversannnlnng gehört hat, weiß, von wem die in der Verfügung enthaltenen Sätze herrühren, in denen es heißt, man dürfe nicht„durch eine zu nach- sichtige Gewährung dieser Wohltat die Begehrlichkeit weiter Kreise wecken, das Verantwortlichkeilsgefühl der Ettern nicht zerstören und die Grundlage eines gesunden Familienlebens nicht untergraben". Nichts konnte mehr die ganze Frage der Schulspeisung in weiten Kreisen in Mißkredit bringe», als diese Art der Handhabung. Und das ist unserer festen Ueberzeugung nach der Zweck der Uebung. Man möchte nach außen den Anschein erwecken, etwas getan zu haben, trifft aber Maßnahmen, durch die die Freispeisung so gut wie bc- sciligt wird._ AuS der Tätigkeit eines Kirchenvaters. Der„Kirchlich-liberale Bote" der Gemeinden Paul Gerhardt. Elias und Gethsemane erzählt in seiner Novembernummer unter der Ueber- schrift:„Ein Kirchenältester, wie er nicht sein soll", folgende erbau- liche Geschichte aus der Paul Gerhardt- Gemeinde(Schönhauser Viertel, außerhalb der Ringbahn): „In unserer Gemeinde geht das Genlcht, ein Kirchenältester habe sich an Frauen sittlich vergangen. Selbstverständlich rief dieses Gerücht große Erregung hervor, um so mehr als bestimmte Einzelheiten erzählt wurden und vom Kirchenrat nichts geschah, diesem Gerücht cnigegenzulreten. Wie wir nun erfahren, beruht dasselbe leider ans Wahrheit. Der Sachverhalt ist folgender: Der betreffende Kirchenälleste trat bei einer Frau, die von der Kirche Unterstützung erbeten halte, als Oberkirchenrat auf zind wußte die Frau seinem Willen gefügig zu machen. Wie die Frau ausiagt, hätte sie sich nicht vergessen, wenn sie nicht gesiirchtet hätte, sie bekäme von der Kirche nichts, wenn sie ihm nicht zu Willen gewesen wäre. Bei einer anderen Frau versuchte er dasselbe Manöver, holte sich aber eine derbe Zurechtweisung, so daß er die Frau dringend bat, sie möchte doch nichts davon erzählen. Nun wird ja niemand aus diesem Vorfall dem positiven Wahlausschuß, der seinerzeit die Kandidaten ausstellte, einen Vorwurf machen wollen. Denn„Der Mensch stehet, was vor Angen ist", und ivir würden uns mit der ganzen schmußigen Geschichte gar nicht befassen, wenn der Genicindckirchenrat dieieS räudige Schas sofort aus seinem Kreise entfernt hätte. Merk- wiirdigerweise wurde der Mann sogar von einigen Herren in Schutz genommen. Sie bemühten sich mit einem Eifer, der einem Detektiv alle Ehre geinacht hätte. Material gegen die beiden Frauen zu sammeln, um diese als unglaubwürdig liiiizustellen. Auch will es uns scheinen, als wenn auch der Herr Vorsitzende des Genieiudc kirchcnrals in diesem Falle das Ansehen der Gemeinde nicht mit der nötige» Energie gewahrt hatte. Um so mehr müsien wir es anerleimen, daß ein anderer Herr aus dem Gememdckirchenrate die Angelegenheit mit erfreulicher Eulschiedenheit in die Hand nahm. Leider hatte er wenig Erfolg. Trotzdem er unzweideutige Beweise von der Schuld des Aelleslen beibractite. wurde er aufs heftigste angefeindet. Der Bock aber blieb Gärtner. Er nahm sogar an der Wahl des 3. Geistlichen teil, der zufällig mit einer Stimme Majuritäl gewählt wurde, er unterzeichnete auch die Ur- künde mit, die in den Grundstein der Kirche eingelötet wurde. Da sich der Herr nicht anders helfen kolime. reichte er eine Be- schwerde an daö Koiisistorium ein, welche sie an den Vorstand der Kreissynode weitergab, und da liegt die Sache jetzt noch. Der Bock aber bleibt Gärtner. Angesichts dieser Tatsache protestieren wir auf da? ent- schiedensle dagegen, daß die Gemeinde sich einen solche» Mann als Kirchenältesten ge'allen lassen mutz, dessen Verhalten der guten Sitte Hohn spncht. Ferner protestieren wir dagegen, daß ein Mann angefeindet wird, der das Ansehen des Kirchenrats und der Gemeinde energisch in Schutz nimmt." ES ist schade, daß der„Kirchlich-liberale Bote" nicht den Namen deS sittsamen Kirchenvaters nennt, damit er öffentlich an den Pranger gestellt werden kann. Das verdient ein Mann, der sich an armen hilfesuchenden Frauen in dieser unverschämten Weise vergeht. Die Jagd nach Arbeitsstelle» ist in der jetzigen Zeit der Arbeitslosigkeit besonders arg. Kaum ist der Arbeitsmarkt ausgegeben, beginnt auch schon ein Wettrennen nach etwaigen offenen Stellen, und seien sie auch noch so miserabel. Am Montag befand sich in der Ausgabe des Arbeitsmarktes deS .Lotalanzeiger' ein Inserat, nach welchem Sktcnhefter gesucht wurden. Meldungen Linlstr. 19 bei Baurat Giebel voi» 10—12 Uhr. Um diese Zeit fanden sich fast gleichzeitig 4V Stellenlose ein. Auf die bescheidene Frage nach den Bedingungen erklärte der Baurat, daß die regelmäßige Arbeitszeit von 8 bis 4 Uhr dauere, daß aber bei stärkerem Geschäftsgänge bis 6 Uhr gearbeitet werden müsse. Die Gesellschaft, für die das Engagement geschieht, ist die Allgemeine Deutsche Kleinbahn-Aktiengesellschaft; sie hat für die an- gegebene Arbeitszeit den horrenden Lohn von 30 Mark pro Monat ausgeworfen. Dabei verlangt sie noch Vorlegung von Führungs- Zeugnissen. ES ist unerhört, in welcher Weise sich Arbeitgeber die herrschende Arbeitslosigkeit zunutze machen. Im gewöhnlichen Leben macht sich ein Mensch, der die Notlage seiner Mitmenschen ausnutzt in seinem persönlichen Interesse, des Wuchers schuldig. Sollte das nicht auch aus vorliegenden Fall zutreffen? Eine schwere nächtliche Bluttat im UntersuchnngögcfäuglliS ver- setzte in der vergangenen Nacht gegen 11 Uhr die dort beschäftigten Beamten in große Aufregung. Der Gefangenaufseher Bastard hatte aus dem Hofe, in dem sich das Lazarett befindet, aestern nacht Dienst. Als B. gegen l/zl l Uhr die in einem Gange vefindliche Wächter- konttolluhr aufsuchen wollte, sprang plötzlich ans einer dunklen Nische ein Mann mit gezücktem Messer auf ihn zn. Ehe B. zur Besinnung kam. hatte ihm der Sträfling drei tiefe Stiche in den Kopf bei- gebracht, welche das Gehirn bloßlegten. Der Schwerverletzte hatte noch die Kraft, seinen Säbel zu ziehen und sich den Burschen vom Lewe zu halten, dann brach er blutüberströmt und beflnmmgSloS zu- sammen. Als er nach einiger Zeit aus der Betäubung erwachte, schleppte er sich mühsam zu dem nächsten Telephon, um nach der Zentrale den Alarmruf zu geben. Bastard konnte aber nur noch die Kurbel drehen, dann sank er wiederum zusammen. Jni letzten Moment gab er noch aus seiner Browningpistole zwei Alarmschüsse ab. Diese Schüsse wurden zwar von dem übrigen Nufseherpersonal gehört, das aber machtlos war. In dem Untersuchungsgefängnis ist von dem Direktor nach Einziehung der Militärposten die Einrichtung getroffen worden, daß in jedem der Höfe nur ein bewaffneter Aufseher Wache hält. Die Schlüssel zu den einzelnen eisernen Verbindungstüren sind den Aufsehern ab- genommen worden, während die Militärposten früher mit den Schlüsseln versehen waren und einen Rundgang durch säurtliche Höfe machen konnten. Durch diese neue Einrichtung war eS den übrigen Aufsehern unmöglich, ihrem schwerverletzten und bedrängten Kollegen sofortige Hilfe zu bringen. Schließlich kletterte der Aufseher Geilste über die fünf Meter hohe Mauer. Kaum hatre er den Gang betreten, als der Messerheld auf ihn losstürzte. Es kam zu einem heftigen Kanipfe. Als es dein Aus- seher nicht gelang, dem gefährlichen Burschen das Messer zu entreißen, zog er in der Notwehr seine Browningpistole und schoß den Gefangenen nieder. Die Kugel traf diesen in den Unterleib Erst jetzt erschienen die übrigen Aufseher, nachdem von der Zemrale die Schlüssel geholt waren. Der schwerverletzte Aufseher wurde in hoffnungslosein Zustande einem Krankenhausc zugeführt. Der von dem Aufseher niedergeschossene Häftling ist ein gewisser Rubin. der wegen verschiedener Vergehen und Verbrechen in Hast sitzt. Er war in einer Werkstatt im Gefängnis beschäftigt gewesen und hatte es verstanden das zur Bluttat benutzte Messer zurückzubehalten. Der ebenfalls Schwerverletzte wurde noch in der Nacht mit einer Droschke nach der Cdaritö geschafft, wo er, dem Vernehmen nach, inzwischen verstorben sein soll. Um ihre Spareinlagen gekommen find viele Lehrer, die dem Hilfsverein deutscher Lehrer Einlagen anvertraut hatten. Der Verein mußte kürzlich Konkurs anmelden. Die Aktiengesellschaft wurde ISSö mit einem Kapital von 20 000 M. gegründet, um die Spar- einlagert zu verzinsen. Der Geschäftsbetrieb ließ sich günstig an, denn die Bilanzen weisen Bestände von 60 000, 100 000, 300 000 und 495 000 M. aus. Durch Spekulationen und auch durch Unter- schlagungen ist jedoch das Vermögen der Gesellschaft verloren ge- gangen. Schließlich schrumpfte der Barbestand auf— 21 M. 95 Pf. zusammen. Der Verwalter schätzt im günstigsten Falle die Aktiva auf 293 021 M., die Vorrechlssorderungen, Maneichulden und Kosten des Verfahrens auf 19 600 M.. die Forderungen ohne Vorrecht auf 1514 466 M. Den letzteren steht eine Dividende von 13 Proz. in Aussicht. Bon der Dampffähre ins Wasser gesprungen und ertrunken ist daS 19jährige Dienstmädchen Marie Renlsch. das bei dem Direktor St. bedienstet war. Die R. war von ihrer Dienstherrschaft beschuldigt. einige kleine Unregelmäßigkeiten begangen zu haben, doch kamen sie nach ihren Behauptungen bei der Schuldfrage nicht in Bettacht. Aus Gram über das ihr angeblich widerfahrene Unrecht suchte das junge Mädchen den Tod. Es fuhr zu den Ellern nach Strausberg, um sich von ihnen zu verabschieden und stürzte sich dann nachts von der am Straußsee liegenden Dampsfähre in die Fluten und ertrank. In der Jrrenhaussache dcS Kaufmanns Lubecki in Beuthen war auch gegen unseren verantwortlichen Redakteur Georg Davidsohn Anklage erhoben. Wir hatten neben der«Zeit am Montag" rein sachlich über die Angelegenheit referiert; nichtsdestoweniger hatte die Staatsanwaltschaft geglaubt, Beleidigungen gegen Herrn Dr. Alter herauszulesen und Genossen Davidsohn vor den Untersuchungsrichter zitiert. Jetzt ist letzterem von der Staatsanwallschaft mitgeteilt worden, daß das Verfahren gegen ihn eingestellt worden ist. ES hätte gar nicht erst eröffnet werden sollen, da die Absicht einer Beleidigung keineswegs, auch nicht mit der Lupe, in der inkriminierten Notiz zu entdecken war. „Bater Liusencr" ertrunken. Der älteste Fischer in der Umgebung Berlins,.Vater Linsener", hat jetzt den Tod in den Fluten des Seddin- see gefunden. Der alte Mann, der in den achtziger Jahren stand, dürfte vielen Berlinern von ihren Ausflügen her belannt gewesen sein. Man nannte ihn nur noch„Vater Linsen er". Tagtäglich saß er auf seinem Angelkahn und suchte nach Fischen. Jetzt hat er in seinem eigenen Revier den Tod im Wasser gesucht. Andere Fischer fanden seine Leiche am Ufer im Wasser liegen. Nur wenige Meter vom Uferrand entfernt lag sie mit Steinen beschwert am Grund. Da Linsener in den letzten Tagen wiederholt Selbstmordgedanken geäußert hatte, so kann nur angenömmen werden, daß er sich selbst das Leben genommen hat. Linsener hatte die letzten Feldzüge sämtlich mitgemacht. Ein kürzlich erlittener Schlaganfall ist wohl jedenfalls die Ursache für die Tat des Lebensmüden. Folgenschwere Bcnzinexplosion. Schrecklich zugerichtet wurden gestern abend die beiden Maschinenschlosser Karl Schuppe, Buttmann- strahe 13, und Wilhelm Kipp, Rhinomer Straße 24. Die beiden, junge Leute im Alter von 19 und 20 Jahren, tvaren in einer Automobil- reporaturweristätte in der Koloniestraße tätig gewesen. Gestern abend hatten sie ein reparaturbedürftiges Automobil vorgenommen, bei dem auch der Benzinbehältcr nicht in Ordnung war. Sie schafften den Kraftwagen über die Fahrgrnbe und stiegen dann in die Versenkung hinab, um die unteren Teile des Kraftwagens besser untersuchen zu können. Als sie nun mit der Lampe herum- hantierten, entwickelten sich infolge deS ausströmenden Benzin? aus dem Reservoir Dämpfe und plötzlich ertönte eine Detonation. DaS Benzin war zur Explosion gekommen und die Stichflammen trafen die beiden Schlosser, die jetzt in eine furchtbare Situation gerieten. Sie vermochten sich nicht aus ihrer qualvollen Lage zu retten. Zweifellos wären die Aermften vollständig verbrannt, wenn nicht ein Werkmeister, der den.Kitall gehört hatte, hinzugeeilt wäre und die beiden auS der Grube herausgeholt hätte. Er löichle die Flammen an ihnen und rief auS der Nachbarschaft einen Arzt herbei. Sch. und K. halten am Kopf, im Gesicht, an den Armen und an der Brust furchtbare Brandwunden erlitten. In Fetzen hing den Un- glücklichen die Haut herunter. Nach Anlegung von Notverbänden wurden beide nach dem Virchow-Krankenhause gebracht. Opfer der Slrbcitslosigkeit. Der gestrige Polizeibericht meldet: Am Montag früh erhängte sich der 51 Jahre alte Arbeiter Richard B. in seiner Wohnung in der Graudenzer Straße. WiederbelebungS- versuche waren erfolglos. Den Selbstmord beging er auS Lebensüberdruß infolge eines Nervenleidens und Arbeitslosigkeit.— Am Monlagvormittag wurde der 36 Jahre alte Arbeiter Karl M., der bei seiner Schwester in einem Hause der Havelberger Straße wohnt, im Kellereingange de-S OuergebäudeS des genannten HauseS am Wasserleitungsrohr mittels Schnur erhängt aufgefunden. Nachdem ein Arzt den Tod festgestellt hatte, wurde die Leiche dem Schauhause zugeführt. Der Beioeggrnnd zum Selbstmord soll nach Aussagen der Schwester in Arbeitslosigkeit zu suchen sein. Delcgiertenwahl zur OrtSkrankcnkasse der Kauflcute. Bei der am Sonniag, den 6. Dezember, stattgefundcnen Delegiertenwah! der Arbeitnehmer der Ortskrankenkasse für den Gewerbebetrieb der Kauf. leute, Handelsleute und Apolheker wurden für die vereinigte Liste des Deutschen TranSportarbeirer-BerbandeS und des Zentral- 'verbandes der Handlungsgehilfen und-gehilfimren 2483 Stimmen abgegeben. Gegner waren nicht auf dem Plan erschienen. Der Wahlakt für die 372 Arbeitnehmer- Delegierten wurde in zwei Lokalen: DräselS Festsälcn und LebenSquelle vollzogen und nahm einen mustergiltigen Verlauf. Unter den verschiedenen Wähler- gruppen war auch daS weibliche Geschlecht zahlreich beteiligt. Feuerwchrbericht. Gestern früh um 6 Uhr kam in der Lange- straße 42 Fetter aus. Es brannten dort bei Ankunft der-Feuerwehr in einem Furagegeschäft Säcke u. a. Der 1. Zug hatte einen großen Kellerbrnnd in der Neuen Königstr. 11 zu lö'chen. Dort stand der Keller in großer Ausdehnung in Flammen; diese hatten an Korbabfällen so reiche Nahrung gefunden, daß die Feuerwehr mit zwei Schlauchleitungen kräftig Wasser geben mußte, um eine weitere Ausdehnung zu verhüten. Gleichzeitig brannten in einem Keller Rofenthaler Slraße 68 Preßkohlen n. a. In der Annenstr. 5 hatte der 5. Zug zu tun. Dort war in einem Lagerraum Feuer ausgekommen, das an Watten und der Einrichtung schnell Nahrung gefunden hatte. Möbel, Wäsche u. a. wurden in der Namiynstr. 7 ein Raub der Flammen. Ein Schansenswrbrand beschäftigte die Feuer- wehr in der Georgenkirchstr. 64. Am Holsteiner Ufer 6 und in der Steglitzer Straße 63 mußten WohiiungSbrände. die auS Unvorsichtig- keit entstanden sein sollen, gelöscht werden. Außerdem wurden noch mehrere kleinere Brände gemeldet. Vorort- I�admckrten. Stböneberg. Der Fall Haberland in der Stadtverorduetendersammlung. Vor einiger Zeit erschien in einer in der Finanzwelt gelesenen Monatsschrift ein Artikel, betitelt:„Die Haberlmid- Fraktion". In diesem Artikel waren neben allgemeinen Ausführungen über die Bodenpolitik schwere Angriffe gegen Mitglieder der Schöne- berger Stadtverordnetenversammlung gerichtet worden. ES wird gesagt, daß es in Wirklichkeit nur Grundstücks- iutereffen sind, die in Schöneberg eine reinliche Scheidung unter den bürgerlichen Parteien herbeisilbren, die so weit gehen, daß eine Fraktion herige Gruppenwahl auch unter dem Proporz beizubehalten. Im. einer Sitzung der Beisitzer, zu der vier Arbeitgeber und Arbeit-� nehmer zugezogen waren, lehnten jedoch die letzteren die Gruppen-- Wahl entschieden ab, weil sie mit ber Verhältniswahl unvereinbar sei. Die Arbeitgeber waren sich nicht klar und wünschten, erst noch» mit den beteiligten Kreisen Rücksprache zu nehmen.„Diesem Wunsche der Arbeitgeber konnten wir uns nicht verschließe n", sagte Herr Fabarius wörtlich(Die Arbeit«. nehmer zählen demnach für den Herrn Gemeindcschöffen nicht. D. B.), und beantragte deshalb, die Beschlußfassung über diesen Punkt zu vertagen. Erst nachdem der Berichterstatter die Ver- tagung beantragt hatte, teilte er mit, daß auch noch eine Resolution einer öffentlichen GewerksckiaftSversammlung eingegangen sei, in der die Gemeindevertretung ersucht werde, aus Gründen einer besseren Auswahl der Beisitzerkaitdidaten die Gruppenwahl abzulehnen. Die Gemeindevertretung stimmte dem Vertagungsantrage debattelos zu; es läßt sich deshalb nicht be- urteilen, inwieweit die Gründe der Arbeitnehmer gewürdigt wurden. Fest steht nur, daß Schöffe FabariuS über jeden Verdacht erhaben ist, auch auf Gründe der Arbiter etwas zu geben. Für einen un» parteiischen Vorsitzenden eineS Gewerbegerichts eine eigenartige Empfehlung. Ein Antrag, unser Gemeinde, Wahlrecht dadurch etwas zu v e r b e s s e r n, daß an Stelle des anderthalbfachen Steuerdurchschnitics der einfache zugrunde gelegt werde, fand nicht die nötige Zweibrittelmehcheit; Steglitz behält also den„Ruhm", von allen Vororten das reaktionärste Wahlrecht zu haben. AuS der langen Debatte ging nur hervor, daß es den Antragstellern(Mietervcrein) darum zu tun war, in der zweiten. Abteilung Einfluß und damit Mandate zu erringen. Um jeder. Verdacht ausdrücklich von sich abzuweisen, als ob der Mietervcreiw. auch den Arbeitern größere Rechte durch den Antrag zuschanzew. wolle, und um den Hausbesitzern zu beweisen, was für tüchtige. Kerle sie doch eigentlich sind, brüsteten sich die Wortführer Ra dt k"e und Gädke(früher Oberst) damit, daß der Mietervcrein diu Sozialdemokratie aus dem RathauL verdrängt habe. Dabei leistete sich Herr Gädke den famosen Witz, den Hausbesitzern zu drohen, daß sie mit der Ablehnung des Antrages die Steglitzer Bürger veranlassen würden, bei der nächsten Gemeindewahl für die Sozialdemokraten zu stimmen. Die Hausbesitzer lächelten, wohl in dem sicheren Bewußtsein, daß die Kasse des Mietervereins nicht stark genug ist. um die Kosten für die bei solch einer heroischen Tat der Steglitzer„Bürger" verdorbenen Hosen zu bezahlen. Der Mieterveremsversitzende Radtke findet es schrecklich, daß die „gebildeten Bürger" mit einem Einkommen bis zu 7000 Mark in der dritten Klasse wählen sollen, gemeinsam mit dem„durch die Sozial de mokratie vertretenen, ungebildeten Proletariat". Die Hailsbesitzermehrheit und der Gemeinde- vorstand hatten aber kein Mitleid mit dein so furchtbar gebildeten Herrn Rat Radtke; sie ließen ihn und seine LeidenSgeüossen bei den dummen Sozis in der dritten Abteilung Herr S t e i n t h a l er- klärte seelenruhig im Namen der Mehrheit, daß sie gar nicht daran denken, durch eine Wahlre6)tsänderung ihre jetzige komplette Mehr- heit zu zerstören.— Ter Punkt:„Aufstellung von festen Grund- sätzen über die Behandlung der Etatsüberschreitungen und Nach- bewilligungen" Wurde von der Tagesordnung zwar abgesetzt, aber vermutlich doch schon danach verfahren. Bisher verlas der Referent immer die einzelnen Posten und es entspann sich regelmäßig eine Debatte. Diesmal teilte Schöffe Mancke einfach mit. daß für Nach bewillig ungen und Ueberschreitungen 33 000 Mark gefordert würden. Sie wurden ohne Debatte bewilligt. Grundsatz: Für was. kann der Oeffentlichkeit Wurst seinl— Dem Gemeindevorstand liegt das Wohl aller Einwohner am Herzen, des- halb beantragte er Bewilligung von 5000 Mark für N o t st a n d S- arbeiten: Regulierung der Bäke. Weitere 1000 Mark zur Weiterbcschäftigung von Gemeindearbeitern. Wurde natürlich bewilligt I Zteglitz-Friedenau« Die Jugendschriften-AuSstellung, die am Sonntagnachmiitag er- öffnet worden ist, fand gleich am ersten Tage einen erfreulich guten Besuch. ES konnten auch zahlreiche Bestellungen von Buchern ent- oegengenommen werden. Am Montag war der Besitch leider nur gering. Wir machen die Genossen und Genossinnen von Steglitz und Friedenau noch einmal aus die günstige Gelegenheit aufmerksam. in einer übersichtlichen Anordnung die gesamten 184 Jugendschristen des Verzeichnisses des BildungSanSschulseS sehen und prüfen zu können.' Jeder Arbeiter, der in den letzten Tagen vor Weihnachten auch nur einen Groschen für einen werllosen Bücherichmarreu ans- oibt, begeht eine Versündigung an seinen Kindern. Die sämtlichen Bnchereinkänfe für Weihnachten müssen in dieser Woche in der AuS- ftellung(Zchlotzslraße. Ecke Flensburger Straße) besorg» werden. Lichtenberg. Arb eiteren tlasiungen im hiesigen Gaswerk. Aus den Kreisen der städtischen Arbeiter wird uns geschrieben: Erst kürzlich hatten wir Veranlassung, uns mit den Zustäilden im städtischen Gaswerk zu be- schäiligen. Wir kritisierten die teilweise Wiedereinführung der zwölf- stündigen Arbeitszeit, die damit begründet wurde,»daß nicht genügend Leute zur Verfügung seien." Unsere damalige Kritik hatte denn auch den Eriolg. daß die 12 slllndige Schicht beseitigt wurde. Im krassen Gegensatz zu den damaligen Ausführungen über Arbeiter- Mangel steht die am letzten Sonnabend erfolgte Entlassung von 14 Gasarbeitern wegen Arbeitsinangel. Während allerorts die Gemeindeverwaltungen bestrebt stiid. durch Inangriffnahme minder dringender Arbeiten oder durch Nolstandsarbeiren der Arbeitslosigkeit in größerem Umfange zu steuern, erleben wir hier, daß die Ver- Wallung die ArbeitSlostgkeit noch vermehren hilft. � Unter den Entlassenen befinden sich Arbeiter, die über vier Jahre ununterbrochen bei der Verwaltung beschäftigt waren. Als.Weihnachtsgeschenk" für mehrjährige Tätigkeit in Diensten der Stadt wird ihnen die Entlastung zuteil Dabei ist von Arbeitsmangel keine Rede. So könnten z. B. bei dem notwendigen Abriß des«inen Gasbehälters alle entlastenen Arbeiter beschäftigt werden. Eine Sparpolitik ist nach dieser Richtung zurzeit nicht am Platze. Die Zeit der wirtschaftlichen Krise fordert gebieterisch, daß die Städte Sozialpolitik treiben. Eine Weihnachtsfeier für Kinder der Parteigenosten, verbunden mit Märchenvorlesung, findet am Sonntag, den 18. Dezeniber. nach- mittags 2'/, Uhr im Lokal von P. Schwarz. Dorfstraße 25/26 statt. Es werden die Genossen ersucht, ihre Kinder nehmen zu lasten. zahlreich daran teil- Treptow-Baumschulenweg. Zum WeIhnachtSfest sind in der Parteispedition beim Genosten Hornig. Marieutaler Str. 18. vorn 1 Treppe, eine g r o ß e A u S- lo o 6 l von Werken. Schriften. Bildern. Bilderbüchern usw. angeschafft worden Die Arbeiterschaft wird ersucht, bei eventuellen Einkäufen obige Parteispedition zu berücksichtigen. Die Ansicht der Ausstellung steht jedermann frei. Wannfee. Der letzten Genieindevertretersitzung lag u. a. ein Autrag der VerkehrSdepulation vor. zu den bereits bewilligten 3000 M. für den elektrischen OmnibuS noch 300 M. zu bewilligen, da die Einrichtung eines halbstündigen Verkehrs erfolgen soll. Dem Antrage wurde mit der Bedingung zugestimmt, daß die AimSdiener. Gendarmen und der Slraßemneister im Dienst freie Fahrt haben. Mit der Ein- richtung eines Wochenmarktes erklärte sich die Vertretung ein- verstanden. ES soll, sobald die Sache vom Oberpräsidenteu ge- nehmigt ist, über die Platzsrage enlschieden werden. Einem Antrage der freiwilligen Fcuerwehr. ihr die leerstehenden Beamtenwohnungen in der Mädchenschule zur Abhaltung von JustruktiouSstunden zur Ver- fügung zu stellen, stimmte die Vertretung zu. WilhelmSrnh-Rofenthal. Die Gemciildcvcrtrctuug lehnte in ihrer letzten Sitzung die Ab- nähme der Jahresrechmmg ab. weil der Abschluß der Eiiuiahmen und Ausgaben zu uuübeisichllich ist und außerdem EtatSüber- schreituugen vorgekommen find, welche noch nicht bewilligt waren. Der Amrag des SchulvorstandeS, noch zwei neue Lehrer anzustellen, wurde angenommen. Die Einrichtung, kalholischeu ReligiouSunter- richt an 20 Kinder zu erteilen, wurde vorläufig nicht für nölig be- fuuden. Die Turnhalle der ne»erbauten Schute droht iiisolge schlechter Ausführung einzustürzen; der Bau muß jetzt aufs neue ausgeführi werden. Das Guihabe» deS Bauführers ist deshalb einbehalten worden.— Sonderbare Preisunterschiede haben sich bei der Vergebung der Beionarbeiten im Submiisiouswege ergeben. Die Firma Sollwedcl-Berlin forderte pro Onadratmcter 11 Mark, wählend die höchsiforderude Firma 2b Mark verlangte. Den Zu- schlag erhielt die Firma SoOivedel.— Der Roiemhaler Dorfpsuhl sollte zugeschüttet werden: die Gemeindevertretung lehnte dies jedoch ab, weil' er bei starken Regeufällen eine gute Vorflut fei, anderer- feitS aber auch als Ersatz dafür große Regenenlwäfienmgsanlagen geschaffen werden müßten. Eingelaufen war noch eine Petition der Ladeninhaber um Einführung deS Achtnhr-LadenschluffeS. Von 66 erklärten sich bei der Abstimmung 54 dafür. ES wird nun in nächster Zeit eine amtliche Abstimmung hierüber stattfinden. Spandau. Ein Kämpfer für die Sache de? Proletariats ist uns in dem Genoffen Paul Bauer, von Beruf Böttcher, durch den Tod ent- rissen worden. Die Beerdigung findet am heutigen Nachmittag 2 Uhr von der Leichenhalle au« statt. ES werden die Genoffen zu Ebren deS Berstorbenen ersucht, sich zahlreich an der Beerdigung zu beteiligen. Nowawes. Neber daS Thema:„Was ist Wahrheit" referierte Genosse Stern. Berlin in einer zahlreich besuchten Volksversammlung. Die Geist- lichkeit, welche eingeladen war, hatte sich brieflich mit Zeitmangel Abhaltung von Teeabenden entschuldigt. Genosse Stern kennzeichnete dieses Verhalten seiner früheren AmtSbrüder und erklärte, wenn die Geistlichen keine Zeit hätten, zur Arbeiterschaft zu kommen, dürfte diese auch keine Zeit haben, zu ihnen, das beißt zur Kirche, zu gehen. Auf sein eigentliches Thema übergehend, zeigte Redner in interessanter Weise, wie die geistige und kulturelle Entwickelung im Laufe der Jahrhunderte fortgeschritten ist und eine fortwährende Forschung nach Wahrheit stattfindet. An den verschiedenen Religionen erläuterte er, wie dieselben in steter Umbildung begriffen sind, und forderte die Versammelten auf, den Kampf um Wahrheit und Frei- heit energisch aufzunehmen. In der Diskussion, die sich im Sinne des Referats bewegte, forderten verschiedene Redner zum Austritt aus der Landeskirche auf. Votsdam. In der letzten WahlvercinSversammlung erstattete der Vor- sitzende als Obmann deS BildungSauSfchusseS den Bericht über daS abgelaufene Jahr. Redner erwähnte, daß nach Weihnachten ver- fchiedene Vorträge in Aussicht genommen find. Ter jetzt aus Kartell- und Wahlvereinsmitgliedern zu gleichen Teilen bestehende Ausschuß wird in nächster Zeit ein bestimmtes Programm vorlegen. Der Kassierer macht darauf aufmerksam, daß der am Mittwoch, den 16. Dezember, stattfindende Zahlabend möglichst von allen Genossen besucht werden soll, da mit dem 1. Januar 1909 neue Mit- gkieSbüchcr für den Kreis eingeführt werden. Am 2. Weihnachts- fciertag findet im„Viktoriagarten" ein Vergnügen des Wahlvereins statt. Eingehende Besprechung fanden dann noch einige lokale Vor- gänge. Aufgenommen wurden vier Mitglieder. Versammlungen. Die Lederarbeiter hielten am Sonnabend ihre Jahresschluß- versaminluiig ab. Der Kassierer Burkhardt gab die Abrechnung. An Eimiabiiien der Orlsverwaltmig sind zu verzeichnen: Kasten- Vorschuß 1477,48 M. Eintrittsgeld a 25 Pf. 9.25 M., a 50 Pf. 13 351., Beiträge a 25 Pf. 11.75 M.. a 50 Pf. 1386 M.. a 60 Pf. 2332.90 M., macht zusammen 526�.38 M. Die Ausgaben betrugen: Streik- Unterstützung 31 M.. Reiseniilerstützung 35.85 M., OrlSmiterstützung 2391,85 M., Famttiemmterstützung 600 M., UmzugSenlschädigung 83,20 M., AvtstandSunterstützimg 60 M., Sterbegeld 50 M.. Agitation 70,85 M.. Porto 21.03 M., Reiiiunerätion 4Proz. 151,64 M., 6 Proz. für örtliche Ausgaben 227.46 M. An die Hauplkaste gesandt 1500 M., Kastenvorschuß für da« III. Quartal 639.97 M.. ergibt die Summe von 5208.38 M.— Kassenbericht der Lokalkasse: Bestand vom II. Quartal 1908 2117.15 M.. die Einnahme des III Quartals ergab 2600,90 M.. bleibt Bestand mit Eiuuahme: 4718,06 M. Dem steht eine Ausgabe von»949,33 M gegenüber, so daß der Bestand für daS IV. Quartal 2768,72 M. aufweist. Dem Kassierer wird einstimmig Dccharge erteilt. Die Neuwahlen deS Vorstandes ergaben folgendes Resultat: SI u n g e. der seinen bisherigen Posten im Zenlralvorstand freiwillig niederlegt, als 1. Vorsitzender mit überwältigender Majorität wiedergewählt. Der 2. versitzende Weiß behält sein Amt weiter. B u r k h a r d t als Kassierer wiedergewählt, während Menger als Revisor aus der Wahl hervorgeht. In nächster Zeit sollen Vorträge über Kranken-, Unfall- und Jnvaliditätsgesetze ver- anstaltet werden._______ Vcrmifchtcs. folgenschwerer Briickeneiusturz. Nach einer Meldung auS Chemnitz, 8. Dezeniber. ist gestern nach- mittag in der dritten Stunde in Gcünhainichen eine Interims» brücke eingestürzt. Dabei sind zwölf Personen ver» u n g l ü ck t. Eine davon ist tot, acht sind leicht und drei schwer verletzt._ Ein marokkauischtS Idyll. AuS Pari» wird berichtet: Ein Telegramm au» Cosa» b l a n c a meldet: der Franzose Mercier tötete den I t a» liener Rubino, während beide den Pächter Amieux bestehlen wollten. AlS Mercier sich weigerte, Amieux zu ermorden, suchte Rubino auS Furcht, von seinem Genoffen verraten zu werden, diesen durch«inen Revolversckmß zu töten. Die Kugel ging aber fehl, woraus Mercier den Rubino niederschoß. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen-Dlrekston über den Großbandel in den gentral-Marktdallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr reichlich, Geschäft ruhig, Preise unverändert. Wild: Zufuhr genügend, Gelchäst nicht lebhaft genug, Preise wenig verändert G«- slügel: Zufuhr nicht genügend, Gelchäst in Gänsen flau, fönst lebhast, Brciie befriedigend. Fische: Zufuhr mäßig, Gelchäst etwas lebhafter, Preise teilweise etivaS anziehend. Butter und Käse: Geschätl ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südsrächte: Zusuhr g«- nügend, Geschalt schleppend, Preise wenig verändert « 9 Als Oescheiik! Zu Weilinaohten und Neujahr empfehlen wir schön ausgestattete Körbchen mit unseren feinsten unübertroffenen Likörfabrikaten 8. B.: Bfervna rernm, El-Kognafe, Cocktail, Cherpy- Brandy, Choplner, Abtey, Aliaach, Cnrn�ao, Kognak, Pnnscbcxtrakte etc. von 5 bis 20 Mark, —— Ausstattung nicht berechnet.- Zu beriehen direkt oder ans allen Geschäften in Berlin und Vororten, welche unsere Waren führen. N,1S' Hermann Meyer& Co. i.-G. Berlin IV., WattstraBe 11/1«. « ••••••• Spart Zeit, Arbeit. Getd! Das Erzeugt Waschmittel� dauermi der blendend weiße Zukunft! 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Trchanb. Ruheplatzftr. 24. H. Bogel, Lortzingstr. 37. A. Tieh, Jnvalidenstr. 124. Rwrcksrvnt«»: Karl Anders, Salzwedelerstr. 8. BSeckert, Gotzkowstpslr. 29. Stick ss?,» Vvn: H. Werner. Gnetsenaustr. 72, Taehu, Hagelbergerftr. 27. Sttck«?r>: St. Arth, Prinzenftr. 31. Rich. Schmidt, Kottbuser Damm 8. SDckoatvn: Paul Böhm, Lausitzer Platz 14/15. P. Horsch. Engel-User 15. Otiarlattvntsur'a: , Scharnderg, Sesenheunerstr. 2 Is�l�ckrlokadvrgx: O. Tritet. Kronprinzenstr. 4 Rlxckorr: M. Heinrich. Neckarslr. 7. Conrad. Hermannslr. 50. Riiminelndar-w: ZU Rosenkranz, ZUl-Boxhagm 56. S«:I>ttn«?dvi-g!: Wtlh.Bänmlrr. Mariin Lutherstr. 5) ZVeivonnv«: K. ffuhrmann. Sedamtr. 105. JnU Schillert. König.Cdausfee 39» Retnlolcenckort: P. Gursch, Kamekeftr. 12 Trvptosr: 245/2' R. Gramenz, Kiesholzslr. 412 Th. Glocke, Berlin, Krück U.Verlag: Vorjvärts Buchdruckerei u, Verlagsanstalt.Paul Singer& Berlin SW,