|tr. 289. Hb« nnnnfntS'Btdtnaunsen: WbomiemmtS. Preis rrSnumeronSo» VierteljäbrI. 3,30 Mk,. monall. 1.10 Ml. wöchentlich 28 Big. frei WS HauS. Einzelne Siunnner K Pfg, KonniagZ- nmnmer mil illustrierter SonniagS- BeUagc.Die Neue Welt' 10 Pfg, Post- «bonnemenl: 1,10 Marl vro Monat. Eingetragen w die Post. geitungS- PreiSIiite. Umer Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl vro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien. Dänemark Holland, Italien. Luxemburg, Portugal, Kumänien, Kchwedcn und die Schweis «»«III San« üb er noitMt- S3. Zahrg« Devlrnev Volksblstk. die InsttNonz-Lkdill»» beträgt für die fechZgespallene Nolonel- lellc oder deren Raum SO Pfg„ für volitilche und gewerlschasMch« Vereins- und BerlammlitiigS.Anzeigen SO Pfg, „Uteine Hnreizen", das erste(feil- gedrucktes Wort 20 Psg,. jedes weitere Wort 10 Psg, Eiellengcluche und Echlas- pcllen-Anzeigen daS crlte Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort S Psg. Worte über lö Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Rümmer müssen hiZ Silbe nachmittags in der Expedition »vgcgeben werden. Die Sxvcditioit ist liS 7 Uhr abendö geöffnet, »elegramm- Adresse: »Sniih!«inol!r« Berlin". Zentralorgan der rozialdemoftrati leben parte» Deutfcblande. Redaktion: SCd. 68, Lindenstraesc 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Donnerstag, den 10. Dezember 1008. Ji exp'ämon- s«l. 68, undenameae 69. ____ �_|_»erniprecher: Amt IV, Nr. 1984. Arbeitslosigkeit. i. Jedesmal, wenn durch den Hereinbruch einer Wirtschaft-, lichen Krise die Arbeitslosigkeit die Arbeiter massciihaft ins Elend stürzt, drängt sich die Frage auf, wie dieses Nebel zu bekämpfen sei. Zwar weiß jeder Arbeiter, daß die Krisen eine notwendige Folge des kapitalistischen Wirtschaftssystems sind und nicht verschwinden können, so lange die Produktion für den Profit und nicht für den Bedarf stattfindet. Man könnte aber erwarten, daß die herrschenden Klaffen, wenn sie auch nicht im stände sind, die Krisen zu verhindern, doch alles tun werden, um wenigstens die üblen Folgen der periodischen Arbeitslosigkeit einzuschränken. Wer aber die Welt nicht mit den Angen eines Vertrauens- seligen Philisters ansieht, dem die Regierung ein höheres Wesen ist, sondern mit sozialökonomisch geschärftem Blick die Gesellschaft durchschaut, wird sich diesem Wahn nicht hingeben; denn was von der Seite des Arbeiters betrachtet, als Arbeits- losigkcit erscheint, das bedeutet vom Standpunkte des Bourgeois gesehen, überflüssiges Angebot billiger Arbeitskräfte. Und ein solches Angebot kann die herrschendeKlasse unmöglich als Uebel bewachten. Im Gegenteil, es ist ihr die Grundlage aller gesellschaftlichen Ordnung. Wie wäre auch wohl der Kapitalismus ohne billige Arbeitskrast möglick? Und wie kann die Arbeits- kraft billig sein, wenn sie nicht überflüssig ist, wenn nicht für jede offene Stelle sofort überreichlich Ersatz vorhanden wäre? Man denke sich den Fall, daß es keine Reservearmee von Arbeitslosen gebe, daß sich kein Arbeiter anböte, wenn die Kapitalisten Arbeiter aufriefen. Sofort würden die Arbeiter diese Gelegenheit benutzen, um ihre elende Lage zu verbessern. Keine Streikbrecher ständcü mehr den Kapitalisten zu Diensten und dieser Mangel würde sie bald zum Nachgeben zwingen. Die Reservearmee der Arbeitslosen verhindert das Steigen der Löhne; das Bleigewicht ihres Elends zieht das ganze Proletariat mit herunter und verhindert es am wirtschaftlichen Aufstieg. Es ist deshalb unmöglich, daß die Bourgeoisie die Arbeits- losigkeit als gesellschaftliches Uebel ansieht. Ihre Vertreter können zwar nicht öffentlich sagen: Wir betrachien die Arbeits- losigkeit als eine Wohltat für die Gesellschaft. Ein solcher Zynismus würde eine zu große Empörung wecken. Aber sie fühlen sich doch nicht veranlaßt, energisch gegen sie einzuschreiten. Diesem Gefühle entspricht es, wenn die Vertreter der herrschenden Klasse bei Interpellationen über die Arbeitslosen- frage nichts Besseres zu tun wissen, als die Wirklichkeit abzu- leugnen, indem sie erklären. daß es„bei uns" immerhin nicht so schlimm sei, wie anderswo, daß die Krise schon wieder zurückgehe und das Uebel bald vorüber sein werde. Damit kann die herrschende Klasse sich jedoch nicht ganz bescheiden. Wenn die Arbeitslosigkeit zu einem Massenelend anwächst, wenn die Arbeitslosen sich nicht verkriechen, sondern in dem Bewußtsein, daß sie Opfer des herrschenden Systems sind, laut fordernd demonstrieren, dann kommt auch einem Teil der Bourgeoisie das Bewußtsein, daß doch etwas gc- schchen muß, um die schlimmsten Auswüchse des kapitalistischen Systems aus der Welt zu schaffen. Das Elend der Arbeiter- klaffe läßt sie sonst ziemlich gleichgültig; aber es soll nicht allzu aufdringlich ihre selbstzufriedene Ruhe, ihr ästhetisches Empfinden verletzen. Es müssen also ihre Sozialreformcr, ihre Professoren und Politiker, sich mit der Frage der Arbeits- losigkcit beschäftigen und eine Lösung suchen. Es werden lange Berichte und gelehrte Abhandlungen geschrieben. Doch das einzig Praktische, was dabei bisher herausgekommen ist, das einzige, was als ernsthafter Vorschlag gelten kann, ist das G e n t e r S y st e m. Das Genter System stützt sich auf das, was die Proletarier sich selbst als Aushilfsinittel gegen die Arbeitslosigkeit geschaffen haben. Sie haben kein Geld, sich selbst während der Zeiten der Arbeitslosigkeit zu unterhalten, denn allen von ihnen geschaffenen Wert, der über ihren unmittelbaren Bedarf hinausgeht, haben die Kapitalisten als„Mehrwert" eingesteckt. Sie verfügen auch nicht über die Staatsgewalt, um durch Gesetze, wie die Ein- führung eines kürzeren Arbeitstages oder einer Rcichsarbeits- losenversicherung die schlimmsten Folgen der Krise zu lindern. Sie wissen, daß es unter dem Kapitalismus überhaupt aus- sichtslos ist, das Nebel zu beseitigen, und daß es lediglich daraus ankommt, sich durch zeitweilige Mittel gerade durch- zuschlagen, um zu verhindern, daß sie dauernd ins Elend der- sinken. Sie haben deshalb ihre Organisationen dazu benutzt, eine gegenseitige Versicherung einzuführen. Aus den Beiträgen, die die Gewerkschaften in Zeiten der Prosperität er- hoben, werden den arbeitslosen Mitgliedern kleine Unter- stützungcn gewährt. Aber so gering auch meist diese Unter- stützungen sind, stellen sie infolge des Umsanges des Massen- elends doch schon eine überstarke Veiastung der Gewerkschafts- lassen dar. Hier tritt nun das Genter System ein. Durch städttsche Zuschüsse werden die Gewerkschaften in den Stand gesetzt, ihre Unterstützungen zu erhöhen. Wir begrüßen es lebhaft, daß dieses Mittel, etwas zur Linderung des ElendL zu tun. jetzt auch nach Deutschland übergreift, und cL wäre zu wünschen. daß es überall. in allen Städten, zur Durchführung gelänge. Aber wir können nicht unihin, zugleich einige Schlüsse aus der Tatsache zu ziehen. daß das beste, was die Bourgeoisie zu tun weiß, nur in einem Anschluß an das besteht, was das Proletariat auf- gebaut hat. Das will sagen, daß die herrschende Klasse keine eigene, selbständige Idee zur Lösung dieser Frage hat und in der geistigen Gefolgschaft der Arbeiterklasse hintcrhertrottet. Und dabei tritt sie nicht als herrschende Klasse, als Leiterin der Gesellschaft auf, die als solche einem gesellschaftlichen Uebel entgegentritt, sondern bloß als besitzende Klaffe, die von ihrem Reichium den hungernden Armen etwas mitgibt. Sie ist nicht einmal fähig, selbst diese Spenden derartig zu verteilen, daß sie wirklich ihren Zweck erfüllen. Damit die Spenden wirklich zu denen gelangen, die sie brauchen, mußte sie warten, bis die Gewerkschaften ihre Arbeitslosenunter- srützung organisiert hatten. So zeigt sich, in dem. was die herrschende Klasse nicht tut und in dem, was sie tut, in gleichem Maße ihr politischer Bankerott. Ratlos steht sie diesem Problem gegenüber. Woher nimmt diese Klasse aber dann überhaupt noch das sittliche Recht, die Gesellschaft regieren zu wollen? Woher ninmit sie dann das Recht, die bürgerliche Gesellschafts- ordnung gewaltsam aufrecht zu erhalten, wenn sie unfähig ist, zur Steuerung ihrer schwersten, unerttäglichsten Folgen auch nur einen einzigen Gedanken zu fassen? Sie hat die Stirn, dem Proletariat die Fähigkeit zur politischen Herrschaft abzu- sprechen, während sie selbst in dieser Frage, soweit sie etwas tut, nur nachbeten und unterstützen kann, was das Proletariat selbständig geschaffen hat. Und doch handelt es sich hier immer nur um zeitweilige Aushilfe. Läßt sich aber nichts tun, um das Uebel der Arbeits- losigkcit an der Wurzel zu fassen? Lassen sich keine Reformen finden, die eine allmähliche, völlige Beseitigung dieser Geißel des Proletariats anbahnen? Diese Frage verdient näher be- handelt zu werden._ Die Vlertelniilliarde liiatrikularbeitrage. In der Wciterberatung des Absatzes 1 dcö Z 6 des Finanz- gesetzes in der Finanzkommission des Reichstages konstatierte am Mittwoch zunächst der Abgeordnete Müller- Fulda(Z.) aus den betreffenden Kommissionsberichtcn,«daß seinerzeit, als die Stundung der Matrikularbeiträge beschlossen wurde, von einem Erlaß dieser gestundeten Beiträge nicht die Rede gewesen sei. Die Zahlungsverpflichtung stehe also fest. Der freifinnige Abgeordnete Müller- Mciningcn, dem das „Gewimmer der Einzclstaaten unverständlich" ist, erklärt sich gegen Mommsens Vorschlag, die gestundeten Matrikularbeiträge auf eine Reichsanlcihc zu übernehmen, diE von den Einzelstaaten verzinst und amortisiert werden soll, und spricht den Wunsch aus, die Regierung möge während der WeihnachtSfericn ihre Vorlagen umarbeiten, vor allem eine Vermögenssteuer in Angriff nehmen. Der Schatzsckrctär H y d o w lehnt dies ab, da er nach dem Ergebnis der ersten Lesung der Vorlagen im Plenum nicht klar werde, wie er die Umarbeitung beginnen solle.(Heiterkeit.)— Graf Schwerin(f.) meinte, fraglich sei nur die Lcistungs- fähigkeit der Einzelstaaten.„Wo nichts ist. hat auch der 5eaiser das Recht verloren." Ter Redner erklärt sich für den Antrag Paasch e, der folgendermaßen umgeändert wurde: Die Kommission wolle beschließen: (Eventualantrag für den Fall der Ablehnung des§ ö der Regierungsverlage): die aus den Rechnungsjahren tvoö bis 1903 herrührenden un- gedeckten Matrikularbeiträge in Sähe von LS 404 00? Mari 41230 000 Mark 75 IIS 000 Mark zusammen 144 753 000 Mark scheiden aus der Bedarfsbcrechnung aus und sind durch eine mit 3 vom Hundert unter Hinzurechnung der ersparten Zinsen zu tilgende SicichSanleihe zu decken. Ter obigen Summe treten die Fehlbeträge aus den Rechnungsjahren 1907 und 1908 hinzu. Verzinsung und Tilgung fällt den Bundesstaaten zur Last und ist von ihnen nach Verhältnis der Matrikularbeiträge auf- zubringen." Abgeordneter Singer kritisiert den Widerspruch, den der Antrag zu dem Kapitel Schuldentilgung darstellt. Schulden- tilgung könne man doch dadurch nicht herbeiführen, daß man neue, größere Schulden macht. Die heutige Diskussion rechtfertige die Opposition, die seinerzeit gegen die Bestimmung über die Stundung der Matrikularbeiträge erhoben worden sei. An einen Erlaß habe niemand gedacht. Ten Bundesstaaten sei damals empfohlen worden, gegen die ununterbrochene Steigerung der Kosten für den Militarismus im Bundesrat zu stimmen.„Es ist keine Kunst, im Bundesrat dafür zu stimmen und dann nicht zu zahlen. Warum wehren sich die Einzelstaaten gegen die direkten Reichsftcucrn, wenn sie willig die Eingriffe in ihre Matrikular- bcitragszahlung dulden?" Singer lehnte MommscnS Vorschlag als den allcrunglücklichstcn ab und polemisierte gegen Müller- Mciningcn; die Einzelstaaten möchten sehen, wie sie die Suppe auScssen, die sie sich eingerührt haben. Günstigsten Falles sei den Einzclstaaten Ratenzahlung und weitere Stundung zu gewähren. 8 ö des FinanzgesctzeS müsse abgelehnt. an dem Prinzip der Deckung des Defizits durch die Matrikular- beitrüge dürfe nicht gerüttelt werden. Die Abgeordneten Müller- Mciningcn. M o m m s e n und Dr. Wicmer bringen solgcndc Resolution ein: „Die Kommission wolle beschließen: die verbündeten Rc° gicrungen zu ersuchen, in Erwägung darüber einzutreten, wie eine andcrweite. der Leistungsfähigkeit der Einzelstaaten entsprechende Verteilung der Matrikular» m lagen durchgeführt werden kann, und baldtunlichst geeignete Unterlagen der Kommission für die weitere Beratung des Gesetzentwurfes betresserid Aenderunge» im Finanzwesen zu unterbreiten." Abgeordneter Wicmer vertritt diese Resolution, erklärt sich aber gegen eine Anleihe für die gestundeten Matrikularbeiträge. Ebenso warnt der Abgeordnete Speck(Z.) vor einer Anleihe. Auch der Abgeordnete Mommscn warnt, durch eine Anleihe die gestundeten Beiträge zu decken. Es wäre der Finanzreform höchst ungünstig, wenn jetzt inL Land hinausginge: Die Kommission hat eine neue Anleihe beschlossen. Man solle die Beschluß- fassung verschieben.(Widerspruch.) Dem Schatzsckrctär Sydow ist eine Anleihe nicht sympathisch, aber der Weg sei nicht vollkommen ungangbar. Die Resolution Wiemcr uikd Genossen lehnt der Schatz.sckretär im Namen der verbündeten Regierungen ab. Tic Regierung halte die beantragte Regelung der Matrikularbeiträge für unlösbar. Jlus der Wohlhabenheit einzelner Staaten könne noch nicht auf die Leistungsfähigkeit der Bevölkerung geschlossen werden. Die verbündeten Regierungen hätten die Aenderung ab- gelehnt, da auch verfassungsmäßige Bedenken vorlägen. Auch Staatsrcchtslehrer Professor Laband habe«derartige Bedenken ge- äußert. Die Abgeordneten G a m p und Erzberger bedauern die schroffe Ablehnung dcö Schatzsekrctärs. Gamp meinte, die Einzel- floaten sollten hier als Prcllbock benutzt werden. Die Regierung werde, wenn sie wolle, schon einen Ausweg finden. Redner wendet sich gegen eine Anleihe, da mehrere Bundesstaaten die fälligen Matrikularbeiträge bereits zur Zahlung in Reserve gestellt haben. Auch der Altgeordncte Arendt erklärt sich gegen eine An- leihe. Nach weiterer unwesentlicher Debatte, in der der Schatzsekretär an seiner ablehnenden Erklärung festhält, während mehrere Redner betonen, daß die Regierung früher den entgegengesetzten Stand- Punkt eingenommen habe, erfolgt Abstimmung.' Der Antrag Paasche-Gras Schwerin wird getrennt un«d findet bis einschließlich der Worte:„scheiden aus der Bedarfs- bcrechnung aus" einstimmig Annahme; der zweite Teil wird zurückgezogen. Wegen des Restes von 97 Millionen soll später Beschluß gefaßt werden. Der Antrag Wicmer und Genossen wird von den An- tragstcllern dahin abgeändert, daß an Stelle der Worte:„in Er- wägung darüber einzutreten", die Worte gesetzt werden:„zur Erörterung der Frage", ferner wird das Wort„und" vor dem Wort: „baldtunlichst" gestrichen. Diese abgeänderte Resolution findet ebenfalls einstimmig Annahme. Die Volksschule in Württemberg. Die württcnibergischcn Landstände ttcten beute Donners» tag'wieder zusammen. Eine bcdeutungsiiolle Tagung sieht bevor. Der Etat muß erledigt, die neue Bauordnung, die die Kommission bereits passiert hat. verabschiedet werden. An Be- deutung überragt aber die Volksschulfrage alle anderen Auf- gaben des Landtags. Anfang Juli dieses Jahres brachte die Regierung die Voltsschulnovelle bei der Kammer ein. Fünf Tage währte die General- debatte. Daun nahm eine Kommission den Entwurf in Be- Handlung. An die vierzig Sitzungen hat diese Kommission gebraucht. um einige Verbesserungen anzubringen. Eine wesentliche Umgestaltung hat der Entwurf nicht er- fahren. Ihm haftet nach wie vor der Fluch der Halbheit und Unentschlosseiiheit an. Die Rücksichtnahme auf die Herrschafts- ansprüche der Kirche hat den Sieg davongetragen über die Forderungen der Zeit an die Schule. Die sozialdemokratischen Abgeordneten haben sich nach Kräften bemüht, die Kommissions- Mehrheit vorwärts zu treiben auf dem Wege des Fortschritts. ES war vergebliche Mühe. Und nun bietet sich daS erbauliche Schau- spjel, daß einerseits die Kirche mit brutaler Offenheit verlangt, daß mich die schwächlichen Konzcssionen an einen freieren Geist aus dem Entwurf getilgt und die Volksschule der Kirche auf Gnade oder Ungnade ausgeliefert werde, während andererseits die über- große Mehrheit der Lehrerschaft energisch fordert, daß dem grau- samen Spiel ein Ende gemacht und der Schule gegeben werde, Iva? ihr gebührt. Zentrum und Konservative schicken sich an. die bängliche Unentschlosscnhcit der Liberalen und der Vollspartei für ihre reaktionären Zwecke gründlich auszunützen. In fortschrittlich gesinnten Kreisen greift hingegen mehr und mehr die Ueberzeugung Platz: Besser gar keine„Reform", als diesen Wechselbalg! Die wichtigsten Bestimmungen der Novelle nach den Beschlüssen der Kommission seien hier kurz wiedergegeben: Der Religionsunterricht bleibt nach wie vor das um- fangreichste Unterrichtsfach. Der Antrag der Sozialdemokratie, den Religions-(besser gesagt Konfessions-stmtcrricht ans dem Lehrplan zu streichen, wurde abgelehnt. Ebenso der Antrag der VolkSPartci, diesen Unterricht vollständig dem Pfarrer zu übertragen. Die im Entwurf vorgesehene sicbenjährigeSchuIpflicht bleibt bestehen. Die Gemeinden können daö achte Schuljahr ein- führen. Der Antrag aus allgemeine achtjährige Schulpflicht wurde abgelehnt. Abgelehnt wurde der Antrag auf Beseitigung des Schulgeldes. Den Gemeinden ist gestattet, von 1 bis 3 M. Schulgeld zu erheben. Kinder unbemittelter Eltern sollen vom Schulgeld befreit sein, ebenso soll für mehrere gleichzeitig schulpflichtige Kinder eine Herabsetzung des Schulgeldes erfolgen und was dergleichen kleine Erleichterimgcn niehr sind, die a?cr nicht berhiudern können, dag dieser»Wohltat" der Mmosen- gcschmact nach wie vor anhaftet. Abgelehnt wnrde ferner der Antrag. im Entwurf die Lernmittelfreiheit aufzunehmen. Auch dazu konnte sich die Äommifsionsmehrhcit nicht aufschwingen. Verbessert wurde die Bestimmung über die H v ch st z a h l e n der Schüler einer Klasse. Nach dem jetzt geltenden Recht mutz bei mehr als Oll Kindern ein zweiter Lehrer angestellt werden. Der Entwurf verminderte die Zahl aus 70, die Kommission setzte die Zahl auf<50 herab. Die sozialdemokratischen Anträge, noch unter diese Zahl herabzugehen, wurden abgelehnt. Der Entwurf be- stimmte ferner, datz bei mehr als 160 Schülern sjctzt: 180) drei und bei je weiteren 80(jetzt: 00) eine weitere Lehrstelle zu errichten sei. Diese Zahlen sind nunmehr ans 60 für eine, 110 für zwei, 70 für je eine weitere Lehrstelle herabgesetzt. Datz auch diese Klassenfrequenz die Kraft des Lehrers übermätzig in Anspruch nimmt und de» Unterrichtserfolg beeinträchtigt, ist klar. Auf eine Klasse der höheren SchulenWürttembergs treffen durchschnittlich 25 K i n d e r I Am Prinzip der Konsessionalität des Schulwesens wird nicht gerüttelt. Alles, wozu man sich hat aufschwingen können, ist enthalten in der Bestimmung, datz, wenn wenigstens 300 Familien- Väter eS verlangen, neben der Konfessionsschule eine simultane Schule errichtet werden kann von der Gemeinde. Man verstehe wohl: Nicht an Stelle der Konfessionsschule tritt die Simultan« schule, sondern daneben ist sie zulässig, aber nur in größeren Städten. Statt Vereinfachung des Schulwesens nene Zersplitterung und Verteuerung. Weiter wird den MindcrheitSkonfessionen gnädigst erlaubt, datz ihre Kinder die Mittel- und Hilfsschulen der Mehrheitskonfessionen benutzen dürfen, falls für die MiuderheitZkonfession solche Anstalten in der Gemeinde nicht vorhanden sind. Drei— selbstverständlich konfessionelle--- AnffichtSinstanzen für die Schule sollen geschaffen werden. Die untere Instanz bildet der OrtSschulrat; er hat die Aufsicht über das dienstliche und außer- dienstliche Verhalten der Lehrer usw., aber keine eigene Disziplinar- befugniS. In AnstandSfällen hat er dem Bezirksschulausseher An- zeige zu erstatten. Die technische Schulaufsicht steht allein dem BezirkSschulaufscher zu. Vorsitzender des Ortsschulrats ist der Gemeindevorsteher, Mitvorsitzender ein Geistlicher der be- treffenden Konfession. Lehrer und Lehrerinnen wie Vertreter der Bürgerschaft vervollständigen diese Körperschaft. Auch Frauen können in den Ortsschulrat gewählt werden. Weiter soll daS Ober- l e h r e r- und Rektorenshstem eingeführt werden. Die BezirkSschulaufsicht soll nicht mehr dem Geistlichen zustehen, sondern ein st a a t l i ch e s Hauptamt werden. 40 Be- zirke mit 130 bis 140 Lehrstellen sind vorgesehen. Der Bezirks- schulaufseher hat die Aussicht über den inneren Betrieb der Schule, insbesondere die Dienstaufsicht über die Lehrer auszuüben. Der Gesamtvorstand de-Z Volksschullehrervereins Württembergs wendet sich mit besonderer Schärfe dagegen, datz eine höhere pädagogische Bil- dung von diesen Bezirksschulaufsehern verlangt wird. Die Forderung eines zweijährigen UniversttätsstudiumS wird allerdings zur Folge haben, daß Thcologcir und Philologen die Aufsichtsstellen an sich reißen, ältere tüchtige Lehrer aber ausgeschlossen sein werden. Der R e l i g io n s u nt erri ch t soll übrigens nach wie vor durch den Geistlichen beaufsichtigt werden, während die Lehrer mit Entschiedenheit verlangen, daß auch dieser Unterricht dem staatlichen Schulaufseher unterstellt werde. Die Lehrer berufen sich mit Recht darauf, datz das alte wnrttembergische Gesetz von 1836 die kirchliche Beaufsichtigung nicht kennt. Sehr leicht macht es sich die Regierung mit der Gestaltung der dritten Instanz, der'O b e r s ch u l b e h ö r d e. Für die katholische Volksschnle bleibt einfach der katholische Äirchenrat die oberste Be- Hörde, für die evangelische Volksschule soll ein eigener, vom Kon- s i st o r i u m losgelöster„evangelischer Oberschulrat" gebildet werden. Die Kommission will hingegen einen Ober- schulrat mit zwei Abteilungen, einer evangelischen und einer katholischen, bilden. WaS so ziemlich dasselbe ist. Alles in allem: auch der durch die Kommission umgearbeitete Entwurf genügt in keiner Beziehung den Anforderungen, die an ein modernes Schulgesetz zu stellen sind. Das Gesetz in der jetzt vor- liegenden Gestalt ist vielmehr, falls es Gültigkeit erlangen sollte, ein schweres Hemmnis auf dem Wegs zu einer wirklichen Schnlreform. poUtifebe GcbcrRcbt Berlin, den 9, Dezember 1908. Arbeiterinnenschutz und die Handhabung des Vereins- gcsetzes. - Aus dem Reichstag. 9. Dezember. Die dritte Lesung der Novelle zur Gewerbeordnung rief einen Sturm- lauf der Vertreter des Unternehmerinteresses gegen die Be- schlüsse der zweiten Lesung zugunsten der Frauen hervor. Seitens der Herren M a n z(freisinnig) und S t r e s e m a n n (nationalliberal) waren einige V e r sch l e ch t e r u n g s- antrage eingebracht, die leider bei der Mehrheit des HauseS Erfolg gehabt haben. Vor allem kam es den Verschlechterungseiferern darauf cn, die AuSnah me Möglichkeiten fürVerlänge- rung der Arbeitszeit möglichst zu erweitern. Gleich in der Generaldiskussion trat das zutage. Genosse Stadt- Hagen bemühte sich vergeblich, die Unstichhaltigkeit der für die Ausnahmeerweiterung vorgebrachten Gründe nach- zuweisen. Leider erhielte«: die Blockpatrioten auch vom Zentrum SukkurS. Von dem Grade des Verständnisses der Blockpolitiker kann man sich aus den Acußerungen des f r e i- sinnigen Herrn M a n z ein Bild machen, der nämlich als Ergebnis seiner tiefgründigen sozialpolitischen For- jchungen verkündete: „Ein freier Sonnabend nachmittag ist ja ganz schön, aber unsere deutschen Arbeiter«visse n mit i'hm gar nichts anzufangen! Die Arbeiterfrauen würden uns heftige Vor- würfe wegen deS freien SonnabendnachmittagS machen. D i e deutschen Arbeiter müssen erst ganz anders werden, dann kann man an den freien Sonn- abendnach mittag denke n!" Tiefer geht's doch nun nicht mehr gut hinab mit dem Blockliberalismus auf der Rutschbahn der Arbeiterfeindlich- keit. Sie stecken schon bis über den Hals drin im Scharfmacher- sumpf. Was half es, daß Genosse Molkenbuhr diesen Manzschen Unsinn widerlegte! Ein sozialdeinokratischer Antrag, die Arbeitszeit am Sonnabend für Frauen auf 7 Stunden zu kürzen, wurde abgelehnt. Was braucht auch die Arbeiterfrau einen freien Sonnabendnachmittag I Gegen den sozialdemokratischen Antrag stimmte auch das Zentrum und die Wirtschaftliche Vereinigung, obgleich diese selbst einen gleichen Antrag in der zweiten Lesung eingebracht hatte. Angenommen wurde dagegen der Antrag Manz- Stresemann, die Uebcrarbcitszeit bis auf 59 Tage mit istSgesamt 190 Stunden im Jahre zu erweitern, doch mit der Maßgabe, daß die durchschnittliche Gesamtarbeitszeit das Normalmaß nicht überschreiten darf. So war das Gesetz leider bis über die Ergebnisse der zweiten Lesung hinaus noch verschlechtert worden. Da es aber auch in der verkümmerten Fassung noch einige Vorteile gegen- über dem heutigen Zustanw bringt, nahm auch die Sozialdemokratie mit den übrigen Par- teien es in der Endabstimmung an. In der nunmehr fortgesetsten Etatsdebatte ergriff Plötz- lich mit großer Feierlichkeit Herr v. Beth mann- Holl- w e g das Wort, un« sich und die Regierung wegen der Hand- habung des Vereinsgesetzes zu rechtfertigen. Hauptsächlich kain es ihm offenbar darauf an, den Eindruck der von L e d e b o u r im„Vorwärts" gegen ihn gerichteten Aus- sührungcn nach Möglichkeit zu entkräften. Er führte dagegen die offiziöse Erklärung der„Norddeutschen Allge- meinen Zeitung" und des freisinnigen Abgeordneten W i e m e r ins Feld. Triunnphierend meinte er, damit sei f e st g e st e l l t. daß er selbst«nd die Regierung ohne Schuld und Fehle seien. Natürlich rubelte der Block erleichtert auf. Diese schwachhirnigen Politiker merkten nämlich gar nicht, daß der biedennännische Herr Staatssekretär den K e r n d e r gegen ihn gerichteten Angriffe nicht im allergeringsten entkräftet hat. Es ist aber schon dafür Sorge getragen, daß nunmehr von unserer Seite noch «m Laufe dieser Debatte die Antwort erfolgt, und sollte auch diesmal wieder durch Debatteschluß die mündliche Abrechnung vereitelt werden, nun, dann werden Herr v. Bethmann- H o l l w e g und seine Mitschuldigen sie schwarz ans weiß zu lesen bekommen. Ter Jubel des Blocks war verfrüht. Tie Pfiffigkeit der„Kölnischen Zeitung". Aus London wird uns geschrieben: Geradezu ein Muster» beispicl dafür, wie die grotze kapitalistische Preffe auf die Unwisien- heit deS deutschen Publikum? in weltpolitischen Fragen spekuliert, ist der Kommentar der.Kölnischen Zeitung" über die deutsch- japanischen Beziehungen. DaS Blatt sagt, angesichts des Abschlusses deS amerikanisch-japanischen Abkommens wurde von einigen deutschen Parlamentariern angeregt, ein ähnliches Abkommen zwischen Deutschland und Japan zu treffen. Ein solches Abtommen sei indes nicht nötig, da eS bereits seit Oktober 1900 existiere. Deutschland sei also daS Muster gewesen, dem die Vereinigten Staaten von Amerika jetzt folgten. So die„Köln. Ztg.". WaS ist aber der wahre Sachverhalt? Am 16. Oktober 1000 schloffen England und Deutschland einen Vertrag ab, die Unabhängigkeit und den Gebietsbestand Chinas zu gewährleisten. Dieser Vertrag wurde den übrigen Mächten unter- breitet und zum Anschluh an denselben eingeladen. Japan folgte dieser Einladung. Aber wer hat diesen Vertrag so ausgelegt, daß der Gebietsbestand des chinesischen Reiches nicht gewährleistet wurde? Keine andere Regierung als Deutschland und zwar durch den Mund deS Fürsten B ü l o w I Es war ja diese Auslegung, die daS Vertraue» Englands in die deutsche Vertragstreue erschütterte. Und eS war diese Auslegung, die England veranlatzte, sich nach einem anderen Verbündeten umznsehen und dieser Verbündete war Japan, das— ungleich Deutschland— auch die Mandschurei zum Gebiete des chinesischen Reiches rechnete. Diese Tatsachen sind außerhalb Deutschlands so bekannt, datz man über den Mut der„Kölnischen" wirklich staunen mutz, Deutsch- land als Pionier der Gewährleistung deS Status quo im fernen Osten hinstellen zu wollen. Soweit unser englischer Korrespondent, der als er diese Zeilen schrieb, noch nicht wußte, datz Fürst Bülow die offiziöse Darstellung dem deutschen Reichstag als eigenste Weisheit verzapfen werde.— Eine Sinekure. Dem Finanzminlstcr Freiherrn von R h e i n b a b e n ist eine Domherrenstelle ain Domstift zu Merseburg verliehen worden. Es handelt sich dabei um eine Sinekure, denn für die Benutzung eines Stiftshauses und für die etwa 3999 M., die Freiherr v. Rheinbaben aus dieser Stelle bezieht, hat er absolut nichK zu leisten. Wenn es ihm ernst ist mit der ge- predigten Sparsanikeit, dann müßte er zunächst einmal dahin wirken, daß derartige Sinekuren beseitigt werden. Bischof Bcnzler verurteilt. Bischof Bcnzler von Metz ist ain Sonnabend vom Schöffen- gericht zu Diedenhofcn wegen Beleidigung des katholischen Pfarrers Thilmont zu 20 Mark Strafe oder zwei Tagen Gefängnis ver- urteilt«vordeu. Pfarrer Thilmont hat vor Jahren mit Unterstützung deS ver- storbenen Bischofs Fleck und des GencralvikarS Wagner sowie des Rentners Muscat eine Gesellschaft gebildet, die eine Erziehungs- anstatt für verwahrloste Kinder grmrdete. Zu diesem Zwecke kaufte Thilmont teils auf seinen Namen, teils auf den Namen der Gesell- schafter Grundstücke in Ober-Ginninyen. Tie Grundstücke gingen im Laufe der Zeit sämtlich auf Thilmont über, der aus milden Gaben der� ganzen Diözese und, wie er behauptete, aus eigenen und Mitteln seiner Familie sein Unternehmen ins Leben rief und vrgjrötzerte. Nach dem Amtsantritt des Bischofs Benzler forderte dieser von Thilmont auf Grund deS bischöflichen AufsichtsrechtS Rechnungslegung über die ganze Zeit seit Gründung der Anstalt. Ueber die Eigentumsverhältnisse an der Anstalt sowie über die Rechnungslegung entstand em Streit, der sowohl vor den bürger- lichen Gerichten wie nach kanonischem Recht ausgefochten wurde. Auf Entscheidung der Heiligen Kongregation in Rom wurde die Sache schließlich einem Schiedsgericht borgelegt, dessen Vorsitzender Bischof Korum von Trier war. Als Thilmont sich gewissen Matznahmen dieses Schiedsgerichts nicht fügte, veröffentlichte Bischof Benzler in der„Revue Ecclcssiastique" die Geschichte seines Streites mit Thilmont und erklärte diesenfürsuspendiert. Der Artikel in der Revue, in welchem die Suspension mitgeteilt wurde, enthielt mehrfache Beleidigungen, insbesondere wurde Thil- inont vorgeworsen, datz er sich bei der Voräußerung des Gutes in Lber-Ginningen etwa 118 000 Mar! angeeignet habe. Ferner wurden ihm mehrfache Unterschlagungen sowie Ungehorsam gegen die kirchliche Autorität vorgeworfen. Thilmont reichte wegen dieses Artikels die Beleidigungsklage ein, die sich gegen den Bischof Benzler und den Pfarrer Dr. Heymes richtete. In der Verhandlung ergab sich die Grundlosigkeit der von Bischof Benzler gegen Thilmont erhobenen Beschuldigungen, so daß die obenerwähnte Verurteilung Bcnzlers zu 20 Mark Geldstrafe— ein ä u tz e r st milde? Urteil— erfolgte. Eine eigentümliche Rolle spielte im Prozeß der Kardinal Vonutelli, der Legat des Papstes zu allen möglichen Kongressen der letzten Zeit. Nach Aussage Thilmonts hat VanutellI ihm vor einiger Zeit gesagt, Benzlor habe in dieser Sache weder klug noch vorsichtig gehandelt; man«verde ihn von Rom aus einen Tadel zukommen lassen. Um zu beweisen, daß Vanutclli sich tatsächlich so geäußert habe, hatte Thilmont bereits vor der Hauptvcrhandlung die lom, missarische Vernehmung Vanutellis über seine Aeußerungen be« anträgt. Der Antrag war aber abgewies en footiift. In der Verhandlung legte nun der Vertreter des nicht persönlich erschienenen Bischofs. Rechtsanwalt Foröt, ein Schreiben Vanutellis vor, in dem dieser die Behauptungen Thilmonts Ver- leum düngen nennt. Aber Thilmont brachte nun seinerseits die Bescheinigung des einzige» Zeugen jener Unterredung mit Vanutelli, eines römischen Advolaten, bei, in der dieser bezeugt, daß sich der Kardinal tatsächlich in der angegebenen Weise über Benzler geäußert hat, und zivar erklärt dieser römische Advokat, seine Bekundung jederzeit beschwören zu können. Ter edle Kardinal Vanutclli scheint demnach ein doppeltes Spiel getrieben und die Gelegenheit benutzt zu haben, den Pfarrer gegen den Bischof zu Hetzen. Tnnzregulativ und Vereinsgesetz! In Sachsen ist alles möglich. Schlimmer, als die sozial- demokratischen Abgeordneten im Reichstage vorausgesagt haben, gehen die sächsischen Verwaltungsbehörden mit dem Vereinsgesei; um— wenn es sich um die organisierte Arbeiterschaft handelt. Besonders die Amtshauptlcute leisten im Auslegen Bedeutendes. Sie pfeifen— so scbeint es— auf des Ministers v. Hohenthals Au- Weisung, die Nadclstichpolitik zu unterlassen. Ein nettes Pröbchen sächsischer Auslegungskunst liefeirt wieder die Chemnitzer� Amts- hauptmannschaft. In einem Vorort von Chemnitz, in Stolzen- dors, hatte der humanistische Volksbildungsverein einen offen t- lichen Vortrag angesagt. Der Referent sollte über Freiligraths Leben und Dichtungen sprechen. Ter Einberufer meldete bedauc?- licherweise die Versammlung beim Gemeindcvorstandc an, obgleich die Anmeldung nur bei politischen Versamnilungen notwendig ist. Kurz vor Beginn des Vortrages wurde nun der Einberufcr zum Gemeindevorstand bestellt und ihm„eröffnet", daß die Amtshaupt- Mannschaft die Versammlung verbiete, und zwar auf Grund des Tanzvegulativs. Der>Verein kehrte sich aber daran nicht, die Ver- sammlung«vurde abgehalten. Nachdem der Referent kurze Zeit gesprochen hatte, kam der Gemeindevorstand und hiicker ihm der Gendarm, die Flinte auf der Schulter, so geräuschvoll in den Saal, daß der Referent sie auffordern mußte, weniger laut zu gehen. Der Gemeindevorsteher erklärte dem Vorsitzenden, datz er sich straf- bar mache, wenn er die verbotene Versamimluirg abhalten lasse. Dann ging er wieder hinaus. Die Versaimmlung tagte nach dieser Störung weiter.— Man kann begierig darauf sein, ob wirklich das Strafmandat folgen. wird. Das wäre noch schöner, wenn das deutsche Reichs- Vereinsgesetz durch das Tanzregulativ irgendeiner Vc«> waltungsbehörde wegeskamotieirt werden könnte- Grammophon-Reden. In der gestrigen Nummer haben wir nach der„Berliner Volks- zeitmig" mitgeteilt, datz der Kaiser vor einiger Zeit auf Veranlassung einer amerikanischen Unternehmung eine Rede in ein Grammophon gesprochen habe, daß indes die Platte, die vor dem Tode des Kaisers nicht verbreitet werden sollte, von der amerikanischen Gesellschaft zurückgefordert worden sei. Auch in Deutschland scheinen sich jetzt Grammophongcsellschaftcu darauf verlegen zu wollen, Reden bekannter Persönlichkeiten zu ver- breiten. Genosse Bebel wurde kürzlich von dem Vertreter einer Grammophongesellschaft besucht, die ihm dreitausend Mark für eine Rede bot. Von jeder Platte, die die Gesellschaft verkaufen würde. sollte Genosse Bebel autzerdem fünf Pfennig erhalten. Der Herr Vertreter glaubte ihm in Aussicht stellen zu können, datz die Gesell- schaff binnen kurzem zehntausend Mark abzuliefern haben werde. Genosse Bebel hat indes das Augebot abgelehnt, da ihm diese Art Popularität nicht sympathisch ist. Mandatsschacher im Zentrum. In einer Versammlung in St. Johann hat der Zentrum?- abgeordnete Bayer eine niedliche Enthüllung in bewundernswerter Offenherzigkeit an die Oeffentlichkeit gebracht. Er teilte mit, daß man einige Zeit vor der vorigen Landtags Wahl an den Vorsitzenden der rheinischen Zentrumspartei. Hern, Tri m bor». herangetreten ist, damit ein Vertreter der Eisenbahner in den preußischen Landtag hineinkomme. Herr Trimborn habe den Gesuchsteller, Busch(Oppum), den Borsitzenden einer Filiale des Eisenbahnhandwerkerverbandes, an Herrn Stegerwald, den Generalsekretär der chsri st lichen Gewerkschaften verwiesen. Stegerwald habe nun versprochen, datz der Vor- sitzende deS Verbandes deutscher Eisenbahnhandwerker und»Arbeiter, Peter Motz in Trier. ein Landtags in andat vom Zentrum bekomme, wenn der Eisenbahnhandwerker- verband(der annähernd 50 000 Mitglieder zählte) sich den ch r i st l i ch e n Gewerkschaften anschließen würde. Als die Leitung des Verbandes dies zusagte, wurde Herrn Mol; das LandtagSmandat zugesichert. Später wurde Motz. der im Grunde ein enragierter Auhäuger der katho-» ischen Fachabteilungsbewegung ist, wankelmütig,'. und da? Mandat sollte der Eisenbahnschlosser Bayer(Dort- mund) erhalten. Nun wandte sich Motz an Herrn Trimborn in Köln, und dieser hat, wie Bayer nach dem Berichte der zcntrüm- lichen„Saarpost" weiter ausgeplaudert hat. Herrn Motz geantwortet: Z u n ä ch st müsse er für denAnschlutz seineSVer- bandeö an die christlichenGewerkschaftensorgeiv Molz sattelte wieder um und war wieder ein Freund der christ- lichen Gewerkschaften. Die Führer der letzteren aber trauten dem Wankelmütigen jetzt nicht mehr, und so bekam er das Mandat nicht. Inzwischen ist man sogar dazu übergegangen, einen Gegenverband zu gründen, durch den der Molzsche Verband zum Anschluß an die ZentrumSgewerlschasten gezwungen werden soll. Die Enthüllungen deS Abg. Bayer machen eS den christlichen Gewerkschaften für alle Zeiten unmöglich, noch einmal zu behaupten, sie seien parteipolitisch neutral. ES hat deS Nachiveiscs, datz sie Zentmmsgeiverlschaften sind, zwar incht mehr bedurft; aber so offeir, wie jetzt durch diesen ordinären Mandatsschacher ist ihre Abhängigkeit vom Zentrum noch nicht doluincntiert worden.—_ Ter fyall Rödel scheint sich in Baden zu einer Staatsaktion zu gestalten, schon scheiden sich die Parteien und ihre Pretzorgane und das Feldgeschrer lautet: H i e Rödel, hie Obcrschulrat. Ter schon mitgc- teilte Erlaß dieser höchsten badischen Schulbehörde hat unter dchi Lehrern arge Verstimmung hervorgerufen. In einer Zuschrift an die unparteiische„Badische Presse" beschwört ein na t i o n a I- liberaler Lehrer die badische Regierung,„das Vorgehen des Oberschulrates zu rektifizieren und da? Geschehene rückgängig zu machen." Daran denkt natürlich die Regierung nicht, und sie kann sich dabei stützen auf den Nation allibcralen Partcijührcr Dr. O b k i r ch e r, der am verflossenen Sonntag in einer Ver- sammlung in Lahr das Vorgehen des OberschulrateS gegen den Hauptlehrer Rödel in allen Punkten billigte. Er sprach zivac nur, wie er ausdrücklich erklärte, für seine Person, aber daS v f f i. zielle Organ der badischen Nationalliebcralen, die„Lande«» zeituug" sekundiert Obkircher begeistert und fügt hinzu: in Lahr sprach ein Mann von Charakter I Endlich einer! Diese Scrvilität gegenüber gewissen Rcgierungswünschcn dürfte der nationallibcralen Partei teuer zu stehen kommen. Baden steht vor den Landtagswahlen, die die Entscheidung bringen sollen, ob das Zentrum in der Kammer die Mehrheit erhält. Nun sinv aber die badischen Lehrer zu neun Zehntel Mitglieder der liberalen Partei; sie erwarteten, daß ihnen daZ Zentralorgan, die..Badische Landcszeitung" in ihrem nicht- leichten Kampfe gegen die Regie- rung beistehen würde. Statt dessen erhalten sie Fugtritte' Und der Führer dieser Partei sagt sich öffentlich von ihnen los. Das hat unter den Lehrern Empörung hervorgerufen, und unter dem Ein- druck dieser Stimmung erklären sie jetzt: Es fällt uns gar nicht ein, für die nationalliberale Partei bei der nächsten Landtagswahl zu werben! Was aber ist die nationalliberale Partei, besonders auf dem Lande, ohne die Agitation der Lehrer?— So sieht sich die einstmals tonangebende Partei Badens auch noch der letzten Siütze beraubt. Der Fall Rödel kann ihr zum Verhängnis werden. Das weiß auch die Zentrumspreffc. Höhnisch spottet sie: Jetzt habt ihr den Fall Acyhl in Baden. Damals schrieb die liberale Presse: das kann nur unter einer Zentruinsherrschaft passieren. Der Vergleich, den jetzt die Zentrumsprcsse zieht, ist allerdings sehr naheliegend._ Landtagswahl in Lippe. In der dritten Wählcrklasse wurden abgegeben: 2673 konser- bative bezw. parteilose,(MW liberale Vereinigung. 1346 christlich- soziale und 3712 sozialdemokratische Stimmen. Letzteren stehen also 10 338 bürgerliche Stimmen gegenüber. 1M8 wurden 14 156 und 1U04 nur Ö425 Stimmen überhaupt abgegeben= 60 Proz. Steigerung. 1904 erhielten die Sozialdemokraten 2560 und die Bürgerlichen 6785 Stimmen. Unsere Stimmcnzahl hat sich dem- noch um 1152 � 46 Proz. und die der bürgerlichen Parteien um 3553— 34,5 Proz. vermehrt. Im 2. Kreise stehen 867 sozialdemo- kratischcn Stimmen 599 liberale und 340 konservative, im 7. Kreise 822 sozialdemokratischen Stimmen 1164 liberale und 607 partet- lose gegenüber._ Der Reichstag wird am Freitag bis zum 12. Januar 1909 in die Ferien gehen. Es besteht die Absicht, dieFinanzkominission bereits ein paar Tage bor dem 12. Januar zusammentreten zu lasten._ Zwei Lügenkalender. Zurzeit werden bor allem in kleinen Orten zwei Kalender verteilt, von denen der eine, der sich.Sozialer V 0 l k s k a l e n- der auf das Jahr 1909" nennt, aus der S t ö ck e r schen Verlags- anstatt in Berlin, Johanniterstr. 6, stammt, wogegen der andere, einfach„Volkskalender für das Jahr 1909" betitelt, bei L. S ch i r m c r in Glatz gedruckt und vom Reichsverband gegen die Sozialdemokratie herausgegeben ist. Der Inhalt strotzt derart von Verleumdungen gegen die Arbeiterbewegung, daß eine cingehende Widerlegung ein Buch füllen würde. Wir wollen zur Kennzeichnung dieser Art Sozialistentötung nur ganz wenige Beispiele anführen. Dem Reichsverbandskalcndcr haben es vor allem die Arbeiter- organisationen angetan. Unter der Stichmarkc„Was nimmt die Sozialdemokratie dem Arbeiter ab?" wird dem Arbeiter borge- schwatzt, daß er für die vielen Beiträge, die ihm„abgepreßt" werden, nichts erhalre, als ein Schock giftiger Hetzreden und ein kleines Duyend falscher Prophezeiungen! Die gewaltige Zunahme der Arbeiterorganisationen zeigt, wie fruchtlos der Versuch der Verleumder ist, den Arbeitern vor den (Äelvcrkschaften graulich zu machen. Selbst bürgerliche Sozial- Politiker haben den Kulturbestrebungen der Arbeiterorganisationen reiche Anerkennung zollen müssen. Erst vor kurzem hat ein evan- geksscher Geistlicher, G. Traub in TorKnund, m seinem Buche „Ethik und Kapitalismus"(Heilbronn 1909, E. Salzer) im Hinblick auf die Untcrstützungseinrichtungen der Gewerkschaften gesagt: „Wenn sie weiter nichts getan hätten als dies, so müßte der Soziolethiker ihnen Dank wissen. Denn damit haben sie sich an das schwierige Problem herangewagt, vor dessen Kompliziertheit dem Staat noch graut. Die Erhaltung der Arbeitslosen bedeutet eine Kulturtat." Für wie unglaublich dumm der Reichsverbandskalendcr seine Leser hält, möge.die Tatsache zeigen, daß der dem Unrecht der Dreiklassenwahl zum Trotz von der Sozialdemokratie errungene Wa h l s i e g bei den preußischen L a n d t a g s w a h l e n, der allen Gegnern verblüffend gekommen ist, hier in eine schmähliche Niederlage umgclogen wird, da— man höre!— die Sozialdemokraten von 443 Sitzen ganze 7 erobert haben! Ebenso kühn wie der Reichsverbandskalendcr spekuliert der Kalender der Stöcker schen Gesellschaft auf den Unverstand der Massen. Um die Verlogenheit dieser durch besondere Frömmig- keit hervorragenden Kampfgarde zu kennzeichnen, geben wir eine sozialdemokratische Mordgcschichte aus dem Ka- lender wieder. Im Köpcnicker Forst, so erzählt der Kalender, sei am 10. Mai 1908 ein junger Bahnarbciter von einem Radfahrer„rn un- glaublich feiger und roher Weise erschossen" worden. Die beiden Zeugen oes Vorfalles hätten der Polizei angegeben, daß der Radler das Abzeichen des sozialdemokratischen Ardciter-RadfahrerbundeS getragen und seine Stulle in einer Nummer des„Vorwärts" aufbewahrt habe. Der Vorsitzende des RadfochrerbundeS habe der Polizei feine Unterstützung zugesagt. Der„Vorwärts" habe jedoch alle diese für die Entdeckung des Mörders wichtigen Tatsachen unterschlagen. An.dieser frommen Srliaucrgeschichte ist so ziemlich alles ge- fälscht. Der„Vorwärts" hat in Nr. III vom 13. Mai 1908 die Mitteilung über das Abzeichen und daö Stullenpapier gebracht. Dann aber ist als Hauptsache hervorzuben, daß von einem Morde bei der ganzen traurigen Angelegenheit überhaupt nicht die Rede sein kann. Der hier als Mörder verleumdete Radfahrer, ein Tischler namens Eugen DeS ka, hat sich im Gefühl seiner Schuld- losigkeit am 12. Mai 1908 freiwillig der Polizei gestellt und ist am 9. September 1908 in der vor der zweiten Ferienstrafkammer deö Landgerichts II Berlin geführten Verhandlung freigc- sprachen worden, weil sich hier die schon längst bekannt ge- wescne Tatsache bestätigte, daß der Angeklagte mit seiner Frau von dem Erschossenen, einem Bahnarbeiter, und dessen Begleitern im rollen Ucbermut. angefallen worden waren. In der Not- wehr gegen diesen NoheitSakt geschah eS dann, daß«it, Schuß aus dem Revolver des Angeklagten losging und unglücklicherweise den Bahnarbeiter traf. Alle diese Tatsachen sind selbstverständlich auch den frommen Verfassern des VolkskalenderS bekannt gewesen, da sämtliche Berliner Zeitungen sie ausführlich mitgcteitt hatten. Daß dennoch die Wahrheit in ihr Gegenteil verkehrt wird, kenn. zeichnet die Gewissenlosigkeit und Verlogenheit jener frommen Gesellschaft, die sich gleich den Reichsverbändlern. dem Wahne hingibt, mit schmutzigen Mitteln den Siegeslauf der Sozialdemokratie aufhalten zu können. Die Balkankrise. Die Boykottfrage. Oesterreich hat einen neuen Mißerfolg zu verzeichnen. Wie da» Organ des jungtürkischen Komitees,„Schurai-ummet". meldet. hatte der österreichiich-ungarische Botschafter Markgraf Pallavicini gestern mit dem Großwefir eine Besprechung über Mittel und Wege, wie ein vorläufiges Einvernehmen über Bosnien zu erzielen sei. Der Botschafter habe erklärt, Oesterreich-Ungarn wünsche in, Einvernehmen mit der Türkei an der Konferenz teilzunehmen und ein fait accooapli festzustellen. Um dieses zu erreichen, muß die Pforte vor allem Mittel finden, um den Boykott, soweit es von ihr abhänge, einzustellen, sonst sei eS unmöglich, zu einem Ergebnis zu gelangen. Der Großwesir habe geantwortet, der Boykott stehe mit den Regierungsgeschäften in keinem Zsu s a mm en hange, wcim aber ein solcher Zusammenhang doch bestehen sollte, würde er Abhilfe schaffen. Es sei jedoch der Regierung unmöglich, den VolkSwillen zu bcejnfluffen. Da» Blatt meint, wenn Oesterreich-Ungarn zu einem Einvernehmen mit der Pforte kommen volle, müsse eS die Boykottfrage beiseite lassen und bor. allem.eine Grundlage für«ine Ber- ständtgung schaffen. Ein Hervortreten guter Absichten während der Verhandlungen werde auf den Boykott von Einfluß sein. Da« heißt, die Türkei lehnt eS ab, den Boykott zu mildern. bevor Oesterreich weitere Zugeständnisse gen, acht hat. Es ist auch nicht einzusehen, wie Oesterreich, das sich selbst in die Nesseln gesetzt hat, seinen Standpunkt, erst nach Beendigung de-Z Boykotts zu verhandeln, wird aufrechterhalten können. In seiner jetzigen Lage wird eS sich schließlich doch zu Zugeständnissen bequemen müssen, um nicht zu der Duimnheit der Annexion den Wahnwitz eines Krieges hinzuzufügen.---_ Oeftcmicb. Eine Ministerredc. Wien, 0. Dezember. Abgeordnetenhaus. In fort- gesetzter Beratung des Budgetprovisoriums sprach Ministerpräsident B i c n e r t h unter anhaltendem Lärm und fortdauerndem Pfeifen der Tschechischradikalen seine Genugtuung dar- über aus, daß das Haus mit einer Raschhcit, die gewiß die von einzelnen Seiten geäußerten Zweifel an seiner Leistungsfähigkeit glänzend widerlegte, in die Verhandlung des Budgetprovisoriums eingetreten ist. Der Ministerpräsident besprach zunächst die V e r- hängung des Stand rechts über Prag und betonte, daß die Regierung nur nach gewissenhafter Prüfung der Sachlage zu diesem gesetzlichen Abwehrmittel erst dann gegriffen habe, als der staat- liche Notstand offenkundig geworden war und in der Bewegung so- gar ausgesprochen staatöfeindliche Tendenzen schärfer zutage traten. Die Berhängung des Standrechtes richte sich weder gegen eine Nationalität noch gegen eine Partei, die volle Schärfe der Maß- regel richte sich vielmehr gegen jene zügellosen Elemente, die. ein Feind aller sind, auch gegen jene, welche die nationale Verblendung und Leidenschaft in offenkundiger Absicht entfachten, um gerade im gegenwärtigen ernsten Augenblicke(Zwischenrufe) die AktionSkraft Oesterreichs durch eine Anzettelung innerer Wirren zu schwächen. Aber ein Staat, der in den schwersten Stürmen, die Europa heim- gesucht, sich kraftvoll zu behaupten gewußt hat, ein Staat von Oesterreichs politischer, militärischer und wirtschaftlicher Stärke wird weder vor Straßenexzessen gesetzloser Elemente abdanken noch vor der Wühlarbeit gewisser S t 0 a t S f e i n d e, die vor ganz Europa die Ohnmacht unserer öffentlichen Gewalt affichiercn möchten.(Lebhafter Beifall. Anhaltende Zwischenrufe.) Deshalb bitte ich das Haus, die Absichten der Regierung, die gesetzmäßige Ordnung überall wiederherzustellen, zu würdigen.(Beifall. Zwischenrufe.) Mit der gleichen gewissenhaften Prüfung der Ver- Hältnisse wie bei Verhängung des Ausnahmezustandes wird die Re- gicrung auch bei der Aufhebung desselben vorgehen, und wenn die in Prag herrschende Ruhe anhält und damit die Gewähr für eine nachhaltige Besserung der Zustände gegeben ist, gewiß nicht säumen, diese ihrer Natur nach nicht für die Dauer bestimmte Ver- fügung aufzuheben.(Beifall.— Abgeordneter FreSl wird wegen ununterbrochener Zwischenrufe wiederholt zur Ordnung gerufen.) Der Ministerpräsident erklärte hierauf in einer Polemik gegen den Abg. Dr. Adler, der mit großer Beflissenheit die parlamcnta- rische Gesinnung der Regierung bestritten habe, mit größter Ent- schiedenheit: Ich will das Parlament, ich ßlaube an das Parka- inent, und waS in meinen Kräften steht, wird geschehen, um den Parlamentarismus erstarken zu machen.(Beifall.) Mir liegt das Schicksal des Parlaments im� gleichen Maße am Herzen wie Ihnen. Tarüm habe ich auch die größte Genugtuung empfunden über die Probe der Besonnenheit und Mäßigung, die das Haus am Tage nach der Verkündigung des StandrcchtS ab- gelegt hat. Der Bemerkung Dr. Adlers, daß man der studic- renden Jugend nickt die politische Führung überlassen dürfe,. stimme ich bereitwillig bei und glaube auch, es sei höchste Zeit, daß die akademischen Bürger wieder zu Studenten werden.(Leb- Haft« Beifall.)■... Gegen den PluralitätSschwindel. Budapest, 0. Dezember. Der Klub der Nationalitäten beschloß eine einheitliche Aktion gegen die WahlrechtSvorlagc der Regierung im ganzen Laude einzuleiten. ScKweiL. Sozialpolitik und Reaktion. Basel, 7. Dezember.(Eig. Ber.) In unserm Kanton wird das Beamtengeseh revidiert und in mancher Beziehung verbessert. Dabei ist es aber auch nicht ohne eine Verschlechterung abgegangen, indem den im Dienste der öffentlichen Verwaltung stehenden Arbeitern und Angestellten daö Strcikrecht eskamotiert wurde. Der bezügliche§ 11 lautet:„Legt eine Mehrzahl von Beamten, Angestellten und Ar- beitern auf Verabredung und ohne Aufkündigung oder bor Ablauf der Aufkündigungsfrist die Arbeit nieder, so hat disziplinarische Ahndung einzutreten. Die Fchlbarcn haften überdies solidarisch für den allfällig entstehenden Schaden." Unsere Genossen im Großen Rat bekämpften mit aller Ent- schiedenheit diese Entrechtung 7>er Staatsarbeiter usw., aber leider ohue Erfolg. Diese Entrechtung wird auch keineswegs abgeschwächt durch den von katholischer Seite veranlaßten Beschluß, dem§ 11 die Bestimmung anzufügen, daß die Beurteilung der strittigen Punkte durch ein Schiedsgericht erfolgen soll. Der Raub des Streik» rechts bleibt als Tatsache bestehen und die StaatSarbeiter können den dreisten Raub ibres Streikrechts durch die bürgerlichen Par- teicn nur mit ihrem Anschluß cm die Sozialdemokratie beantworten. So gilt in der schtveizerischen Sozialpolitik die Echternach« Springprozessson als Vorbild: 3 Schritte vorwärts und 3 wieder zurück! Der Triumph deö Scharfrichter». Paris, 8. Dezember.(Eig. Ber.) Die Kammer hat heute mit 331 gegen 211 Stimmen die Aufrechterhaltung der Todesstrafe beschlossen. Dies Ergebnis war zu erwarten nach dem Umfall der kleinbürgerlichen Radikalen, die vor der von den Monarchisten und Klerikalen entfesselten De- magogie feige die Segel strichen. Die Regierung, im chesoiid«en ihr Sprecher B r i a n d. hatten woljl ihre Gegnerschaft gegen die Guilloline aufrechterhalten, ohne indes für diese pri»- zipielle Forderung der klassischen Demokratie ihre Existenz durch die Aufwerfung der Vertrauensfrage auf« Spiel zu setzen. Bon einigen bürgerlichen Ideologen unterstützt, haben die Sozialisten bis zuletzt den Kampf-fortgesetzt und wenigstens Zeit zu gewinnen ver- sucht. Die Freunde der Guillotine hatten eS indes eilig.... Der heutige Beschluß ändert an dem bisherigen Zustand in- sofern nichts, als das Begnadigungsrecht des Präsiderrten 1mm« fortbesteht, also, wenn F a l l i o r e S fest bleibt, unter seiner Präsi- dentschaft auch weiter kein Kopf fallen wird. Die Kommissio» ha« aber in dem Artikel I des Entwurfes neben der Todesstrafe auch die lebenslängliche Zellenbaft aufgenommen, die als eine Verschärfung der lebenslänglichen ZivangSarbeit dienen wird- Die Rehabilitierung des Scharfrichters ist die bedeutendste gesetzgeberische Tat der Aera Elemcnceau. An ihr haben die Nationalisten. Klerikalen und Antiseniiten mit dem hitzigsten Helden der DreysuS-Kampagne zusammengewirkt, mit Herrn Labori, dem Verteidiger deS Kapitäns und mit Herrn Gast, dem Schwager des Kriegsministers Picquart. Wenn einst die Gesellschaft durch die Allianz von„Säbel und Weihwedel" gerettet werden sollte, so hat der berühmte Feldzng für»Wahrheit und Gerechtigkeit" nur. die Wirkung gehabt. daß an die Stelle des verbannten Weihwedcls die. Guillotine gekommen ist. Die Kriegsgerichte bestehen noch wie in den Zeiten der Mercier und Boisdesfre. Ab« dafür bat man»um Ausgleich zwischen der! .Militär- und der Zivilhumanität da» soziale Amt de» Scharfrichter» feierlich bestätigt. Englanck. Eine Konferenz über Arbeitslosigkeit. ' London, 7. Dezember.(Eig. Ber.) In der Guildhall fand mn Freitag und Sonnabend eine Konferenz statt, an der u. a. die Ge- Nossen Hyndmann, Hardie und Thorne teilnahmen und die sich mit der Ergicisung von Maßregeln gegen Arbeitslosigkeit beschäftigte. Auch zahlreiche bürgerliche Sozialreformcr waren als Verlreter an- wesend. Die Debatten schlössen mit der Annahm» einer Resolution, die folgende Forderungen enthält: 1. Die unverzügliche Aiinahme eines Gesetzes, die jedem männ» lichen und weihlicheu Bürger entweder das Recht auf lohnende Ve« schäftigung oder auf einen gesunden Lebensunterhalt gewährleistet. 2. Tie Errichtung eines Arbeitsininisteriums. 3. Das Arbeilsministerium ist berechtigt, ein staatliches Netz von Arbeitsnachweisen und Registraturen zu errichten; Pläne für Arbeiten festzulegen und in Zeiten des GeschäflsniedcrgangcS sofort durchzu- führen; Verbot der Kinderarbeit und Regulierung der-jugendlichen Arbeit; gewerbliche Ausbildung der jugendlichen Arbeiter; den gelegentlich beschäftigten Arbeitern ist größere Aufmerlsamkeit zuzu- wenden. 4. Der Amortisationsfonds der Staatsschulden ist zur Aufsorstung der brachliegenden Ländercien zu verwenden. 5. Achtsuindentag für alle Arbeiter; Verbot ber Ueberstunden. 6. Schärfere Besteuerung der Bodenwcrte. 7. Errichtung von Ackcrbauschulen und VersuchSsarmen, wo alle, die sich der Landwirtschaft widmen wollen, Ausbildung und Beratung finden können.— �. Das parlamentarische Arbeitsprogramm.- London, 9. Dezember. Unterhaus. Premierminister A»- q u i t h machte in der heutigen Sitzung Mitteilungen über die von dem Hause während des Restes der laufenden Session noch zu er- ledigenden Geschäfte. Er sagte hierbei bezüglich der Schank- ko n z e ss i 0 n S v 0 r la ge, sie sei einem Schicksal, begegnet, wie es viele andere nützliche Maßnahmen betroffen habe. Vieles könne über diese Frage gesagt werden, aber er wolle das auf eine ge» eignetere Gelegenheit verschieben. Die Regierung beabsichtige, im Laufe dieser Seiiwn noch nichrere Maßnahmen durchzubringen, darunter die Vorlage betreffend den achtstündigen Ar b e i t e- tag für die Bergardeiter sowie die Borlage betreffend den Londoner Hafen. Unter den Vorlagen, die in dieser Session nicht zur Erledigung kommen sollen, sei die Vorlage betreffend Abänderung des gegenwärtigen Systems für Landcrwerb in Irland. Der Premierminister bezeichnete als möglichen Termin für die Vertagung den 13. Dezember. Rußland. Die Herrschaft de» Galgens. Wieder kommt eine Schreckensnachricht aus Petersburg. Am Dienstag sind in Rußland siebenunddreißig Todesurteile gefällt und siebzehn Hinrich- tun gen vollzogen worden— eine Orgie des Mordes an einem einzigen Tage! Das sind dje Mittel, nutz denen sich das verfaulte Regime des blutigen Zaren mühsam an der Herrschaft erhält. Und wie anders als mit dep Mitteln brutalster Gewalt soll sich diese Burcaukratic behaupten, von deren Wirken jeder Tag einen schlimmeren Skändal enthüllt. In Petersburg wütetz. die C h 0 l e r a, weil ein völlig unfähiges Stadtregimeni nicht'die primitivsten hygienischen Fordeumg«!.zu ersüllen versteht!' Aver Der'Galgen des Zaren tpetteisert mit der Cholera uud trägt den Sieg davon. In Moskau enthüllt sich soeben das Wirken der Polizei als eine 5lette von..Erpressung und Bestechung, die unter dein Kommando des. Stadthauptmanns in den Spielklubs und den Bordellen verübt wurden. Den Bckämpfern der Kor- ruption aber antworten die Todesurteile der Kriegsgerichte. Moralisch verfault, politisch verlumpt, ist die Regierung des Zaren auch finanziell bankrott. Aber die Herrenduma, diese feige Helfershelferin des blutigen Despoten, hat der Regierung soeben eine Riesenanleihe von 450 Millionen Rubel bewilligt, und die Bourgeoisie Europas wird sich beeilen, der Diktatur der Infamie den der Arbeiter- klaffe abgenommenen Prosit zur Verfügung zu stellen, damit die zusammengebrocheii.e Wehrmacht. Rußlands, diese stete Bc- droherin des europäischen Friedens, möglichst rasch wieder hergestellt werde. Das republikanische Frankreich, das kon- stitutionelle England, das demokratische Italien sind ja heute die Bundesgenossen des Massenmörders der Freiheit. Aber die neue Anleihe bedeutet ein neues Geschäft und die Siche- rung der alten. Und vor dieser Erwägung verstummt die demokratische Phrase der Bourgeoisie in allen Sprachen. I�ai'oKKo. Verschwendete Millionen. Paris, V. Dezember. Die Budgetkommission ber Kammer stimmte gestern den sämtlichen von der Regierung verlangten NachtragSkrcditen für die marokkanische Expedition in Höhe von 25 118 000 Franks zu. Rechnet man jetzt die Ausgaben von 1907 hinzu, so beträgt die Gesamtausgabe Frankreichs für Marokko 41 Millionen Franks. parlamentarisches. Au» der ReichStagSfraktion. Als Redner kür den Etat de» ReichSamtS des Innern wurden bestimmt' die Genossen Hoch und Zubeil. In die S t e u e r k 0 m m i s s i 0 n wurden delegiert: zur Tabak st euer:, Kaden, Bühle und Molkenbuhr; zur Wein st euer: Lehmann, David und Binder; zur Bier» st e u e r: Zubeil und Südekum; zur I n s e r a t e n st e u e r: Hengs- dach, Dietz und Geck; zur Branntweinsteuer: Südekum und Stücklen; zur GaS- und Elektrizitätssteuer: Biühne, Bühle und Severing; zur Nachlaßsteuer: Enunel und Ulrich. Au« d« Wcingcsctzkommissien. Die Konunission beriet am Mittwoch den wichtigen§ 6 der Vorlage. Die Tendenz der Be- stimmungen geht dabin, daß geographische Bezeichnungen de« WeincS mir für seine Herlmift verwendet werden dürfen. Gestattet bleibt jedoch, in allhergebrachter Weise die Namen einzelner Gemarkungen und WeinbergSlagen zu benutzen, um gleichartige oder gleich- wertige Erzeugnisse anderer Gemarkungen des betreffenden Wein- baugebieteS zu bezrichuen.— Der dritte Absatz deS Paragraphen hanvclt von dem Verschnitt aus den Erzeiigiiisscil verschiedener Herkunft. Es ist verboten. in der Beuenmmg des Ver« ichiilttS den Namen eines WciiibergsbesitzerS anzugeben oder ailzudeuten: Die Angabe einer WeinbergSlage kann erfolgen, wenn inindestenS zwei Drittel de» Verschnitts aus der betreffenden Lag« stammt. Dieses Verbot trifft nicht den Verschnitt durch Veruiischung von Trauben gleichen Wertes aus benachbarten Gemarkungen.(Die durch den Druck h e rv 0 rg e h 0 b en en Stellen sind vo» derKom- Mission neu eingefügt worden.) Zur Begründung ivnrde geltend gemacht, daß mil der Verwendung von Wein durch bekaniite Lage- namen eiu ungeheuerer Unfug getrieben werde. Bei d« Gesamt- abstimmung ivurde der Paragraph mit 20 gegen 3 Stimmen angenommen, nachdem einige Abschloächuugs- und VerschärfungSauträge abgelehnt worden waren. Hus der parreu Parteiliteratur. Di« neueste GewerbeordnungSnooclle erscheiut im Berlage von g. H. Dietz Nachs. in Stuttgart als Nachtrag zum Arb«tterrecht zum Preise von 30 Pf. Gemeindewahlen. München, 9. Dezember. sPribatdepesche de?„Vorwärts".) In Ansbach, Kronach und K u l m b a ch wurde bei den Gemeindewahlen je ein Sozialdemokrat gewählt. In Aschersleben winden am 7. Dezember bei den Stadt- verordneten- Stichwahlen von der Sozialdemokratie sechs Mandate erobert. Bei der Hauptwahl hatten die sozialdemo- kratischen Kandidaten 694, die der bürgerlichen Gruppen insgesamt M8 Stimmen erhalten. In der Stichwahl siegte die Sozialdemo- kratte mit 803 Stimmen über die Bürgerlichen, die 802 erhielten. Die Sozialdemolratie hat jetzt sieben Mandate inne. Der zweite Bczirkspartcitag für oen AgitationSbezirk Kassel fand am Sonntag in Kassel statt. Es waren aus sechs Reichstags- Wahlkreisen etwa 50 Delegierte anwesend. Den Parteivorstand ver- trat Genosse Pfannkuch, Berlin, den Landesvorstand in Arank- furt der Genosse Rudolph. Ter vom Agitationskomitee erstattete Geschäftsbericht lässt erkennen, dast die sozialdemokratische Bewegung in den Hochburgen des Antisemitismus langsam aber sicher vor- wärlsschreitet. Am 30. Juni waren vorhanden in Rinleln-Hof- geismar-Wolshagen 354, in Kossel-Melsnngcn 2665, in Efchwege- Wiyenhausen- Schmalkalden 417, in Fritzlar- Homberg- Ziegen- Hain 59, in Hersfeld-Hünfcld-Notenburg 31 und in Waldeck- Pyrmont 42 organisierte Genossen. Insgesamt betrug die Zahl der Parteimitglieder im Bezirk 3585 gegen 2512 am 1. Oktober 1906. Inzwischen dürfte die Zahl auf 4000 gestiegen sein. Die anhaltende Krise hat die weitere Ausdehnung der Organi- sation unrer den zahlreichen Bauarbeitern sehr erschwert, dazu kommt in den rein ländlichen Gegenden ein unerhörter Terrorismus der Gegner, der sich vor allem in Lokalabtteibungen äussert. Die Auf- läge des„Volksblatts" stieg in der Berichtszeit um etwa 2000 auf 9500. Das Wochenblatt„Der Wegweiser" wird nach und nach durch das„Volksblatt" abgelöst. Ein wie ausserordentlich grosses Aeld von der Partei noch zu beackern ist, beweist die Tatsache, dass im Bezirk erst mit 123 Orten durch Presse oder Organisation Ver- bindungen bestehen, während mehr als tausend Orte in den sechs Kreisen vorhanden sind. Die Abrechnung für die Berichtszeit balanziert mit etwa 6500 M. und schliesst mit einem Kassenbestand oon 1025.58 M. ab. Reichstagswahlen, Landtagswahlen und Ge- meindewahlen haben einen befriedigenden Fortschritt gezeigt. Gemeindevertreter hat die Partei im Bezirk 52. polizeiliches, Verächtliches ulw. Strafkonto der Presse. Zu 150 Mark Geldstrafe wurde Genosse O st k a m p von der Essener„Arbeiterzeitung" oerurteilt, weil er christliche Gewerkschaftler beleidigt haben sollte. Er hatte das Schreiben des christlichen Gewerkschaflskartells. das im Interesse deö Gutenbergbundes in marktschreierischster Weise gegen den Buchdruckerverband Stellung genommen hat, in kräftigen Worten gekennzeichnet. Die hohe Bewertung der formalen Beleidigung ver- anlaßt den Genossen Ostkamp, Berufung einzulegen. Jugendbewegung. Was alles Politik ist. DaS in unserer Nummer 237 mitgeteilte Gerichtsurteil gegen zehn frühere und jetzige Vorstandsmitglieder der Jugend- organisation in Breslau wird als Produkt engherziger bureau- kralischer Auslegung des Vereuisgesetzes erwiesen durch das Polizei- liche Beweismaterial, das ihm zugrunde liegt. Die Polizei hatte zwei Versammlimgen herangezogen. DaS eine Mal handelte es sich um eine gesellige Zusammenkunft am Busstage borigen Jahres, in der Schillersche Gedichte rezitiert werden sollten. Die Polizei hatte davon Kenntnis bekommen und verboten, die Nezilationen vorzunehmen, da dies ein am Busstage verbotenes„Vergnügen" sei! Daraus hielt der Leiter einen Vortrag über die Gewerkschaftsbewegung, wobei er einleitend auch die der Revolution von 1848 vorangehenden Hungersnöte berührte. Im zweiten Falle handelte es sich um ein Reseral über den Jugendschuy. tolgerichligerweise war aus Grund solchen Materials seinerzeit daS chösfengericht zu einer Freisprechung gekommen. Trotzdem die vernommenen Polizeikomnnssare selbst zugeben mussten, dass die Organi- sation„in der Hauptsache unpolitischen Bildungsbestrebungen" nach- gehe, erklärte indes die Bcrufungsslrafkanimer, die Sünder hätte» sich gegen den Jugendlicheiiparagraphen des Reichsvereinsgesetzes vergangen und erhöhte sogar die in den ursprünglichen Strafbesehlen auf zwei und vier Mark angesetzten Strafen aus drei und sechs Mark. Soziales. Die Unfallgefahren in der Feinmechanik. Der Bericht der Berufsgenosscuschaft der Feinmechanik pro 1907 bringt uns sehr interessante Ziffern über die Unfallgefahr der Feinmechanik. Der Katasterbestand stellte sich Ende 1907 auf 5802 Betriebe mit durchschnittlich 222 786 versicherte Arbeiter(gegen 206 530 Ver- sicherte im Jahre 1906). Auf einen versichertcnJSetrieb entfallen durchschnittlich 38 Arbeiter. Von den 10 �Sektionen der Berufsgcnossenschaft ist Sektivn 1 Ostpreußen mit Brandenburg usw. die stärkste, denn sie zahlt allein 1163 Betriebe mit 82 422 versicherte Arbeiter. Die versicherten 1667 elektrotechnischen Betriebe beschäftigen allein 92 254 Arbeiter. Auch ein Zeichen, wie stark die elektro- technische Industrie in den letzten Jahren geworden ist. In den 366 vorhandenen Fabriken für Nähmaschinen und Fahrräder usw. werden auch über 34 000 Arbeiter beschäftigte. Im Berichtsjahre wurden insgesamt 10 336 Unfälle gemeldet (gegen 9679 im Vorjahre). Davon„erledigten" sich laut Bericht 1. ohne weitere Folgen vor Ablauf der ersten 13 Wochen 7636 Fälle; 2. es wurden abgelehnt 520 Fälle; ersatzpflichtig wurden mit Unfällen aus früheren Jahren zusammen 1468 Fälle, wovon 1363 auf männliche und 105 aus weibliche Personen entfallen. Die Folgen der entschädigten Fälle waren nach dem Bericht Todesfälle: 64, Invalidität: 1181, vorübergehend« ErwerbSunfähiglcit: 223 Falle._ Die entschädigten Unfälle ereigneten sich an Motoren und Transmissionen 32, an Arbeitsmaschinen usw. 583, an Fahrstühlen, Aufzügen usw. 49. an Dampfkesseln usw. 7, durch feuergefährliche Stoffe, Sprengstoffe usw. 42, durch Zusammenbruch 124, Fall von Leitern, Treppen 236, Leim Auf- und Abladen 193, durch Fuhr- Werk 28, im Eisenbahnbetrieb 9, Schisfahrt 2, durch Tiere 3, durch Handwerkszeuge 117, sonstige Ursachen 133 Fälle. Von den 64 ge- töteten Verunglückten waren 31 Familienväter, die 31 Witwen und 53 Kinder hinterlassen haben. Die Art der Verletzungen waren: Verletzungen von Kopf und Gesicht 182 Fälle, von Armen und Händen 827 Fälle, von Beinen und Füßen 201 Fälle, von mehreren Körperteilen zugleich 254 Fälle, erstickt sind 2. ertrunken 2 Ver- sichert« Das ist das Risiko der Arbeit. Es gibt noch viele Menschen, welche die Feinmechanik als den ungefährlichsten und bestgelohn- testen Beruf halten. Obige Unfallziffern werden wohl daS Gegen- teil beweisen. �_ Und die Löhtt« ber Versicherten? Der Durchschnittsberdienst eines Versicherten betrug im Jahre 1907: 1311 M. Der höckiste Lohn wird im Bezirk der Sektion 1 Norddeutschland bezahlt, der niedrigste in Sektion 2 Schlesien-Posen mit 939 M. Die Aufsichtsbeamten der Berufsgenossenschaft erklären die „unverhofften" Betriebsrevisionen, von denen bekanntlich noch viele Versichertc träumen, wie folgt:„Da die Besichtigung grundsätzlich vorher angekündigt werden, so nehmen die Betriebsuntcrnehmer oder Betriebsleiter grösstenteils persönlich an der Besichtigung teil." Kein Wunder, daß dann alles in„bester Ordnung war". Erwähnt wird auch, daß die Unternehmer den getroffenen Anordnungen „Wohlwollen" entgegenbrachten, niemals den Zuttitt verweigerten. Kein Wunder, loenn man auch so höflich vorher einen Besuch an- zeigt, grundsätzlich keine unverhofften Revisionen vornimmt. Ob die staatlichen Aufsichtsbeamtcn, die der Bericht wiederholt er- wähnt, auch zu dieser Praxis kommen werden? Verlangt wird von diesen, daß sie der Berufsgcnossenschaft mehr entgegenkommen, die Betriebsunternehmcr auch mehr auf die Erfüllung der Unfall- Verhütungsvorschriften hinweisen sollten, da sie doch von der Er- richtung neuer Betriebe früher Kenntnis erhalten als die Berufs- genossenschast. Gelobt wird die Gewerbeinspektion Gotha, die auch eine Vor- schrift beantragt habe, welche das Hantieren mit scharfen Patronen in Werkstatträumcn verbietet. Auch die Unternehmer werden sehr gelobt, weil ihr„Interesse an der Unfallverhütung wächst". Vor- läusig ist aber diese Pflanze noch sehr niedrig. Sie kann sehr gut noch wachsen... Von den Versicherten heißt es aber, daß deren An- teilnähme— geringer sei, weil sie„von den meisten Unfällen Kenntnis nicht erhalten". Der Satz ist unklar. Werden Unfälle unterdrückt? Die Unternehmer kleinerer Betriebe„wollen die Notwendigkeit von Schutzvorrichtungen nicht anerkennen". Eine beigefügte Tabelle über das Ergebnis der Besichtigung der Betriebe ist unklar. In Sektion 1 waren von 338 besichtigten Betrieben nur 85 in ordnungsmäßigem Zustande, in Sektion 5 von 197 nur 10. Im Bericht heißt es ferner:„Die vorschriftsmäßige Aushängung der Plakate und die Bekanntgabe der Unfallverhütungsvorschristen ließ vorwiegend in kleineren Betrieben viel zu wünschen übrig. In einem Falle hatte sogar ein Bctricbsunternchmer von der Existenz der Nnfallverhütungsvorschristen überhaupt keine Kenntnis."... Beklagt wird ferner, daß Treppen und Zugänge in den Werlstätten nicht in Ordnung waren, die Arbeitsräume durch Aufstellung neuer Maschinen sehr beengt seien. GewerklcbaMickeg. Heldentum der Hirsche. Die Chronik der Hirsch-Dunckerschen Verleumdungen gegen die freien Gewerlschaften ist wieder um ein neues Kapitel bereichert worden. Der Textilarbeitervcreinssekretär Müller aus Sprcm- berg hatte in einer öffentlichen Versammlung zum Beweise, daß die freien Gewerkschaften mit unlauteren Mitteln kämpften, bc- hauptet, der Kolporteur Menzel in Sagan habe einem Mitgliedc der Hirsche das Mitgliedsbuch weggenommen. Vor Gericht zitiert, mußte Müller noch vor dem Urteil um Entschuldigung bitten, da er von seinem Gewährsmanne„falsch unterrichtet" worden sei. Der Sachverhalt war nämlich folgender: Das Mitglied Elsner der H.-D. aus Schönthal hat nach seiner eigenen Aussage sein Buch einem Mitglieds des Terftlarbeiterverbandes behufs Ueberschreibung in den freien Verband übergeben. Der noble Herr Müller zieht sich nun, statt ehrlich seinen Irrtum zu bekennen, darauf zurück, nicht Menzel sei der Buchdieb gewesen, sondern ein anderer. Gegen den wolle er nun selber gerichtlich vorgehen. Herr Müller wird nur kein Glück haben. Berlin unck Qm gegen ck„ Chauvinistische Hetze. An den Berliner Anschlagssäulen prangte gestern ein großes rotes Plakat mit folgender Aufschrift: „Deutsche Männer und Frauen! Die groben?lusschrcitungcn des tschechischen Pöbels in Prag gegen unsere Volksgenossen zwingen uns, in einer großen Kund- gebung den bedrängten deutschen Brüdern unsere Teilnahme auszusprechen, um sie zum Ausharren im schweren Kampfe zu ermutigen. Oskar Thomas spricht am Donnerstag, den 10. De- zember, im großen Saal von Keller, Koppenstr. 29, über das Thema:„Deutsches Volkstum im Kampf mit tschechischem Pöbel." Eintritt 29 Pf. Der Reinertrag des Abends wird unver- kürzt an den Kampffonds der Deutschen in Oester- reich abgeführt. Zahlreiches Erscheinen erbittet Deutschnationaler Handlungsgehilfenverband(Bezirk Berlin)." So sucht der deutschnationale(antisemitische) Handlungs- gehilfcnverband, der von sich behauptet, unpolitisch zu sein, die be- klagenswcrten Ereignisse in Prag agitatorisch auszunutzen. Das ist seine—„Standcsinteressenvcrtretung" der Handlungsgehilfen. Wie hat die nationale Horde getobt, als die deutsche Sozialdemo- kratie Gelder für die Opfer des russischen Befreiungskampfes sam- melte! Und hier bestimmt der Dcutschnationale Handlungsgehilfen- verband, eine Berufsorganisation, den Reinertrag einer Bersamm- lung für den..Kampffonds der Deutschen in Oester- r e i ch". Ter Deutschnationale Handlungsgehilfenverband bleibt übrigens mit dieser neuesten Leistung nur seiner altbewährten Taktik treu: er sucht die proletarisicrten Handlungsgehilfen durch Hurrapatriotismus und chauvinistische Hetze von der Vertretung ihrer wirklichen Interessen, vom Klassenkampf abzuhalten! Wie lange noch wollen die deutschen Handlungsgehilfen diesem reaktionären Antisemitenbund nachlaufen? Die Sperre deö Zirkus Schumann für Musiker lenkt die Aufmerksamkeit auf die Verhältnisse des dort angestellten Küustlerpersonals überhaupt. Vor uns liegt der Kontrakt eines der gekündigten Musiker, der eine Monatsgage von 120 M. vorsieht. Um die ganze Erbärmlichkeit dieser Entlohnung zu ermessen, muß man sich vorstellen, daß es sich dabei um keine Vergütung für ein paar Stunden Tätigkeit am Abend handelt, sondern daß die Tätig- keit mit den Proben und Extravorstcllungen eine volle TagcS- arbeitsleistung umfaßt. Es ist den Mitgliedern des Zirkus im § 6 des Vertrages auch jeder Extraverdicnst am Spielorte der Dr- rektion untersagt. Für die 120 M. muß sich außerdem der Musiker oder sonstige Angestellte verpflichten, der Gesellschaft in alle Länder Europas zu Wasser und zu Lande zu folgen." Bedeutet eine solche Honorierung nun schon für den Ortsansässigen nicht viel, so ist sie blutwenig für den, der sich ortsfremd in Weltstädten wie Berlin, Wien usw. aufhalten mutz. Für diese geringe Gage muß der Künstler sich auch noch ver« pflichten, alle Kostüme, welche notwendig sind, um m den Vor» stellungen vor dem Publikum zu erscheinen, sauber und ele« gant selb st zu stellen und zu unterhalten! Für die- jenigen Tage außerdem, an welchen Vorstellungen nicht stattfinden oder das Mitglied zufolge polizeilichen Verbots die vertragliche Nummer nicht darstellen darf, fällt ein entsprechender Teil der Gage aus! Ebenso an den Tagen, wo das Mitglied wegen Krankheit fehlt. Geradezu toll ist die Bestimmung des Absatz e) im Z 2. Sie lautet wörtlich: „Die Direktion hat das Recht, den Namen des Kontrahenten zu jeder Zeit zu Benefiz-Vor sie Hungen zu benutzen, ohne daß das Mitglied einen Anspruch auf ein Extrahonorar hat, es sei denn eine besondere Abmachung vorbehalten." Das Publikum ivird also mit dem Namen seiner Lieblinge in den Zirkus gelockt und weiß nicht, daß es sich nicht um ein« Aenefizbor'tcllung für den in Frage lommenieft Artisten, sondern um eine solche für die— Direktion handelt. Das erinnert aller» dings stark an die Gepflogenheiten der Wandertruppen, wo die Art'sten gezwungen werden, beim Publikum„ein Trinkgeld für die Künstler" einzusammeln, das ihnen hinter den Kulissen von dem ihre Sanimlertätigkeit eifrig überwachenden Direktor abgenommen wird. Eines Weltetablissemcnts sollten aber solche Maximen un- würdig sein. Haarsträubend sind auch zum Teil die Gründe, welche die Direktion zur sofortigen Entlassung berechtigen sollen. So der eine, wenn das Mitglied zu irgendeinem anderen Mitglieds dcv Gesellschaft in intime Beziehungen tritt. Diese klösterliche Bc- stimmung verbietet also den jungen Leuten geradezu, stch im Zirkus ihren Partner oder die Partnerin zu dem Bund fürs Leben zil suchen. Dabei sind bei den Engagcmcntsbedingungen Artisten und Musiker vielfach darauf angewiesen» ihre Lebenshaltung dadurch aufzubessern, daß sie Ehen eingehen, bei denen beide Teile im gemeinsamen Engagement an einem Etablissement zum Unterhalt der Familie beitragen können. Daß solchen Ehen, ebenso wie im bürgerlichen Leben ein Brautstand vorausgeht, ist ivohl selbstver- ständlich. Auch daß sich Paare, die sich zueinander hingezogen fühlten, wieder trennen. Aber das sind doch Privatsachen der Be» toiligten, meint man. Im Zirkus Schumann nicht! Was den Vertrag nach unserer Meinung gesetzlich ungültig macht, sind die Kündigungsbcdingungen. Die Direktion hat nach diesen das Recht, den Kontrakt jederzeit durch 14tägige Kündigung wieder aufzulösen. Dagegen heißt cS im§ 5: Vom Mityliede kann dieser Kontrakt während der Vertragsdauer aus keinerlei Anlaß aufgehoben werden.— Nach dem Gesetz muß natürlich die Äündi- gungsfrist eine gleichmäßige sein. Ebenso ist es Unsinn, wenn es im Vertrage heiyt: 14 Tage vor Ablauf des Kontraktes steht der Direktion das Recht der Prolongation aus weitere 12 Monate unter denselben Bedingungen zu. Niemand ist verpflichtet, unter den- selben oder anderen Bedingungen zu bleiben, wenn ihm das Recht der Prolongation nicht ebenso zusteht wie der Direktion. Wie man siebt, müssen die Künstler dieses WeltetablissementS eine Art vertraglicher Sklaverei eingehen, die nur dadurch ge- mildert ist, daß die Härten des Vertrages bis zur Ungesetzlichkeit gesteigert sind und de swegen keine zwingende Bedeutung haben: Aber charakteristisch nicht nur für den Zirkus Schumann, sonvern für die Verhältnisse in allen diesen Etablissements bleibt der Vertrag. Ob sich für die gekündigten Musiker schon Ersatz gefunden hat und zu diesen Bedingungen finden lassen wird, wissen wir nicht. Jedenfalls ist der Zirkus Söbumann für anständige Musiker nach Wie vor als gesperrt zu betrachten. Deutsches Reich. Zum Gcheimerlas? des Verbandes Bayerischer Metallindustrie?«« ivird von, Bunde der technisch- industriellen Beam» tcn mitgeteilt: „Als der Verband Bayerischer Metallindustrieller in seiner Sitzung vom 15. Juni l. I. beschloß, in eine erneute Prüfung der Tendenzen der Privatbeamtenvercine einzutreten, über die er durch seinen Beschluß vom 21. Mai l. I. die Sperre verhängt hatte» schrieb die„Deutsche Jndustriebeamten-Zeitung", das Organ des Bundes der tcchnisch-industtiellcn Beamten in der Nr. 14 vom 3. Juli l. I., daß der Beschluß vom 15. Juni nichts anderes zur Folge haben lverde als eine Sichtung der durch den Beschluß vom 2l. Mai l. I. unterschiedslos vcrfchmtcn Organisationen. Diese Vermutung wird durch die Entscheidung bestätigt, die�der Verband Bayerischer Metallindustriellcr in seiner Sitzung vom 27. November 1908 getroffen hat. In diesem Beschlüsse wird zwar die am 21. Mai d. I. verhängte Aussperrungsmaßregel zurückgezogen. Die Begründung aber, die der Verband Bayerischer Metallindustriellcr diesem Beschlüsse nachfolgen läßt, rechtfertigt die Auffassung, daß der Bund der technisch-industriellen Beamten im Gegensätze zu den übrigen Privatbeamtenvcrbändcn als eine Organisation betrachtet > ocrden müsse, der gegenüber die am'21. Mai d. I. ausgesprochene Warnung am Platze gewesen sei. Diese Warnung kann im gegenwärtigen Augenblicke mir dahin verstanden werde», daß dem Bunde der technisch-industriellen Beamten gegenüber nach wie vor Maßnahmen berechtigt sind, wie sie vor dllcm von der" Maschinenfabrik Augsburg gegen die Mit- glieder des Bundes getroffen worden sind. Die Aufhebung des Beschlussesvom21. Maii st demnach, sowcitder Bund der technisch-industriellen Beamten in Frage kommt, rein äußerlicher Natur. In der Sache wird durch sie nichts geändert. Wie wenig der Verband Bayerischer Metallindustriellcr trotz angeblicher erneuter Prüfung der Ten» dcnzen des Bundes diesem gerecht geworden ist, geht aus folgendem hervor." In der Begründung des Beschlusses vom 27. November l. I. ist gesagt, daß der Bund der technisch-industriellen Beamten mit Sozialdemokraten durchsetzt sei. Dagegen verwahrt sich der Bund. Diese Beschuldigung sei aus dem im August d. I. abgebaltcnen 2. außerordentlichen Bundestage der teckmisch-industriellen Beamten allseitig als ein Vorwurf von unerhöhrtcr Frivolität bezeichnet worden.> „Allerdings," heißt es in der Zuschrift des Bundes weiter,„ist der Bund der technisch-industriellen Beamten eine Gewerkschaft, d. h. eine auf reiner Arbeitergrundlage aufgebaute Organisation. Aber diese Organisationsform kann doch um so weniger beanstandet werden, als sich ja auch die Arbeitgeber, wie z. B. der Verband Baycrisckier Metallindustriellcr, nach sozialen Gesichtspiinkten zu» sainmenschlictzen. Das Dasein von Arbcitgeberverbänden beweist überdies zur Geniige, daß tatsächlich soziale Jntercssengegensätzs zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern bestehen. Man kann daher billigerweise dem Bunde der technisch-industriellen Beamten keinen Vorwurf daraus machen, wenn auch er bei seinem organi» satorischcn Aufbau dieser Tatsache Rechnung trägt." letzte JVacImcbten und Depeftben. Material für Herrn v. Bethmann-Hollwcg. Straßburg i. E., 9. Dezember.(B. H.) In Mülhausen wollte die Polizei eine Versammlung des Deutschen Transportarbeiter» Verbandes überwachen lassen, in der nach der„Fr. Pr." die Erhebungen im Iransportgcwerbe und die Vorschläge des Beirats für Arbciterstatistik erörtert werden sollten. Als der Vorsitzende sich weigerte, dem überwachenden Beamten einen angemessenen Platz anzuweisen, wurde die Versammlung aufgelöst. Ein gefährlicher Schlafbursche. Karlsruhe, 9, Dezember.(B. H.) In der verflossenen Nacht, gegen 2 Uhr, kam, laut Polizeibericht, ein GeschiiftSreisender unverhofft von der Tour zurück und fand seine Frau im Zimmer eines bei ihm logierenden Studenten. Der Reisende forderte den Liebhaber auf, seine Wohnung zu verlassen; derselbe leistete aber der Aufforderung keine Folge»nd wollte den Mann erschießen, wenn er nicht gehe. Daraufhin holte der Reisende die Polizei. 2fls er mit dieser zurückkam, hatte sich der Student durch einen Schutz in den Kopf lcbcnsgefählich verletzl; er verstarb bald darauf im städtischen Kranlenhause._ Gefährliche Lektüre. Prag, 9. Dezember.(B. H) In dem tschechischen LandstäMchen Schlau wurden gestern abend allen Aboimrntrn des deutschen„Prager Tagblatt" die Fenster eingeschlagen. Das Blatt, das auch von tschechischen Kansleuten wegen seines Handelsteils gehalten wird, ist von den Tschechen boykottiert. 'Lerantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Zh. Glocke, Berlin. Druck u.Vcrlog: BorwärtSBuchdr.u.Verlagsanstalt Paul Singer L:Co.. Berlin 5VV. Hierzu 3 Beilagen u.Unitrbaltuuastst itm 251.5.,.., i. Ktilllge des Jormürls" Jerliner llolblilalt. • l•"* Stre Cvi»-» ♦. 'Auch bringt die neue Ausgabe nicht schon früber im Druck erschienen wäre,«der— und darin l egt meines Erachtens der Sauptwert der Publikation— sie bringt vieles sehr wichtige, lvas das große Publikum bisher kaum kannte. Bor allem die Gedichte. Wer, selbst unter den zünftigen Arn 26. September 1906 war die Vorlage bereits fertig, und es wäre möglich gewesen, noch in demselben Jahre den Reichstag damit zu beschäftigen. Die verbündeten Regierungen haben aber damit gewartet bis zum Dezember 1997!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Gegen die Vorlage selbst wendet sich auch nur ein ganz kleiner Teil von Jiidustriellen, nämlich die- jenigen, die noch der rückständigen Ansicht sind, daß die Arbeiter nur dazu da sind, ihre Arbeitskraft voll den Arbeitgebern zur Verfügung zu stellen ohne Rücksicht auf die Schädigung ihrer Gesimdbeit und Sittlichkeit und der Gesundheit ihrer Nachkommen- schuft. Es wäre bedauerlich, wenn der Reichstag auf solche Ein- wände auch nur das geringste geben würde.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Herr Gamp hat betont. eS sei notwendig, zu erfahren, wie sich England Und Belgien zur Konvention stellen. Demgegenüber stelle ich fest, daß auch, wenn olle Beschlüsse angenommen werden, wir bezüglich des Arbeiterlchntzes noch weit hinter dem zurückbleiben, was in England feit 1843 besteht.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Damals ist dort der Zehnstundentag auch für junge Leute bis zum 18. Lebensjahre eingeführt worden, während man es hier abgelehnt hat, über 16 Jahre hiilauSzugehen. WaS hier bei den Beratungen herausgekommen ist, ist nur eine ungenügende Abschlagszahlung, eS bleibt sogar weit zurück hinter dem. was vielfach durch die gewerkschaftlichen Kämpfe bereits erreicht worden ist. Die Industrie kann durch erhöhten Arbeiterschutz nicht geschädigt werden, sie hat nur Nutzen davon. Wem das noch nicht die Erfahrung gezeigt hat, der ist so voreinaenommen, daß er überhaupt nicht zu überzeugen ist. Die Herren Gamp und Hennig scheinen von der irrigen Ansicht auszugeben, als ob daö, was in der Berner Konvention beschlossen ist, als Höchstmaß deS Arbeiter- schiitzes angesehen wurde. Im Gegenteil wurde in Bern hervor- gehoben, daß die Beschlüsse das Mindestmaß des Arbeiterschulics wären für alle Staaten, die überhaupt noch als Knlturstoaten an- erkannt werden sollen. Wir sind ja«och im Arbeiterschutz hinter Japan und Rußland zurück. In Rußland ist vor listiger als zehn Fahren bereits eine Höchstarbeitszeit für männliche Arbeiter ein- geführt worden. Will Herr Gamp etwa verlangen, daß die Staaten, die weiter im Arbeiterschutz sind als wir, nun wieder zurückgehen? Das würden jene Staaten im wohl- verstandenen Interesse ihrer eigenen Industrie nicht tun.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Sehr bedauerlich ist, daß entgegen unserem Antrage der Geltungsbereich der Frage ungejähr auf das beschränkt ist, was die Berner Konvention als Minimum verlangte, nämlich auf die Be- triebe, die mindestens mehr als zehn Arbeiter beschäftigen. ES liegt auch gar kein Grund vor. mit dem als notwendig erkannten Schutz für Arbeiterinnen aufzuhören bei Betrieben mit weniger als zehn Arbeiterinnen. Eine Reihe von Staaten haben ja heule schon ohne Rücksicht auf die Zahl der Arbeiterinnen den Arbeiterschutz eingeführt; Dänemark, Italien, Belgien haben z. B. die Grenze bei 5 Arbeiterinnen, gezogen I Bei uns geht der Fortschritt deS Arbeiterschutzes so außerordentlich langsam vor sich, daß die Herren. die immer von nationaler Ehre sprechen, sich schämen sollten, daß wir so tief stehen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Behauptung, daß Arbeiterinnen gegen den Schutz find, stimmt nur insofern, als Sie uns Papiere vorzeigen können, auf denen Namen von Arbeiterinnen stehen, aber nicht insofern, als eS irgend eine Arbeiterin gibt, die gegen diese Schutzbestimmung ist. Genau dasselbe Manöver, das jetzt einige Industrielle beliebt haben, ist, wenn auch nicht ganz so rücksichtslos, in den Jahren 1831, 1844 und 1847 bereits in England vorgenommen worden. Auch damals kamen Massenpetitionen von Arbeiterinnen gegen den geplanten Arbeiter- schütz. In den Berichten der Gewerbeinspeltoren von damals wird aber festgestellt, daß auf Befragen sich keine einzige Arbeiterin da- gegen erklärt habe, sondern sie hätten sich sämtlich für einen noch weitergehenden Schutz ausgesprochen I In Dresden ist den Arbeiterinnen eine Pesition vorgelegt worden mit der Bemerkung, es handle sich um eine Pesition gegen die Tabaksteuer!(Lachen bei den Nationalliberalen. Sehr richsig! bei den Sozialdemokraten.) Literaten, darf sich einen Kenner der Hartlebcnschen Lyrik nennen? Und doch geben die Verse in ihrer Gesamtheit das klarste und feinste Bild vom Wesen und Werden des Dichters. Ihr Studium ist der zuverlässigste und überaus genußreiche Weg zum Verständnis einer trotz allen schlimmen Fehlern und tragischen Verirrungen im höchsten Sinne loahrhaften, schwer und ehrlich ringenden, unge- wohnlich reichen und tiefen Natur. Der erste Band der ausgewähl- ten Werke enthält Hartlebcns Gedichte in chronologischer Anord- nung, leider mit Ausschluß der Halkyonierverse, von denen wenig- stens ein Teil nicht hätte fehlen dürfen. Der ztveite Band bringt die sieben Prosaerzählungen„Die Serenyi",„Die Geschichte vom abgerissenen Knopf",„Wie der Kleine zum Teufel wurde".„Vom gastfreien Pastor",„Der Einhornapotheker",„Der römische Maler" und„Der bunte Vogel", der dritte die fünf Dramen„Angele", „Hanna Jagert",„Die Erziehung zur Ehe",„Die sittliche Forde- rung" und..Rosenmontag. Der Herausgeber Franz Ferdinand Heitmueller, der einer der intimsten Freunde HartlebenS war und einer seiner objektivsten Beurteiler ist, bietet in dieser klugen und pietätvollen Auswahl alles, was für das Wesen und die Entwicke- lung deS Dichters charakteristisch, alles, was— abgesehen vom „Rosenmontag"— echter Otto Erich ist. Daß man sich nicht hat entschließen tonnen, auch die Hartlebenschcn Essays und Kritiken den poetischen Werken anzufügen, ist sehr bedauerlich. Ein Teil dieser kleinen Gckegeuheitsaroeiten— namentlich die 1891 im ,.V o r>v ä r t s" c r z ch i e n c n e n Theaterkritiken, dto Artikel über Arno Holz, Hermann Conradi, die„echte" Literatur, Friedrich Hebbel und Elise Lensing, das idealistische Trauerspiel u. a.— gehört zu dem geistreichsten, witzigsten und in der Form vollendetsten, was Hartleben geschrieben hat. Die Aufsätze sind in Tagesblättern und schwer zugänglichen literarischen Zeitschriften (dem fast verschollenen ersten Jahrgange der„Freien Bühne", den Hartschen„Berliner Monatsheften" usw.) verstreut, bisher nie ge- sammelt erschienen und daher nur sehr wenigen bekannt. Sie hätten einen kleinen Band gefüllt und wären eine sehr wertvolle und interessante Ergänzung der dichterischen Werke gewesen.— Die äußere Ausstattung der vorliegenden drei Bände ist solide und geschmackvoll: vorzügliches Papier, schöner und deutlicher Druck, veriichm-prunkloscr Einband mit einfarbig hellgrünem Deckel und Rücken und schwefelgelbem Schnitt. Im Hinblick auf diese Aus- stattung ericheint der Preis des Werkes(ungebunden 8 M., gebunden 10 M.) nicht zu hoch, für die große Mehrzahl des Arbeiter- Publikums dürfte er allerdings leider unerschwinglich sein. _ J. L. Notizen. -- K u n st a u ß st e l l u ii g e n. Im Berliner Kupferstich- k a b i N e t t ist eine Ansstellung von Miniaturen und Bück- Malereien ans hem 11. bis 16. Jabrbunderl ausgestellt. Die wundervolle Feinheit der Zeichnung und Malerei, die dicker Technik eigen ist, tritt besonders in einigen niederländischen Gebetbüchern zu- tage.— � Fn der Akademie der K ii n st e wurde eine Ausstellung ch i n e s i f ch c r G c m ä l d e eröffnet. — FmFricdrich-WilhclmstädtischcnSchauspiel- hause cvlebte am Dienstag„Madame B o n i v a r d". der alte Schlager der Scbwankiirma B i f s o n u. Mars, eine fröhliche Auf- erstehung. Die Tollheiten und abenteuerlicheii Verwechselungen des in, flottesten Tempo heruntergespielten Stückes, die gehäufle Situationskomik erzeugten eine ausgelassene Stimmung in dem sehr dankbaren Publikum. Das Thema von der fürchterlichen Schioiegermutier ist ja mehr als abgedroschen� aber die da finden Sie Zigarettenindustrie Bitte, lesen Sie die Petitionen durch. in der Tat den Zwischensatz, daß die__ die schon so durch die Steuer erheblich benachteiligt werde, geschützt werden müsse. Eine von weit über 1999 Arbeiterinnen besuchte öffentliche Versammlung hat am letzten Freitag in Dresden gegen diese Art der Hetze, die von Industriellen gegen den Arbeiterinnen- schütz betrieben worden ist, Stellung genommen. Dort haben eine ganze Reihe von Arbeiteriimen erklärt, daß sie von dem Inhalt der Pesition, zu deren Unterschrift sie genötigt seien, keine Kenntnis gehabt haben!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Unter den Unterschriften finden sich auch Namen_ von ausländischen Arbeiterinnen, denen man ansteht, wie schwer es ihnen geworden ist. auch nur ihren Namen zu schreiben. Solche Arbeiterinnen sind gar nickt in der Lage, auch nur in drei Stunden eine so umfangreicke Petition durchzulesen. Glauben Sie wirklich, daß in jener Zigarettenfabrik jeder Arbeiterin Zeit gelasien ist. die lange Petition zu lesen? Nein, die letzte Seite der Pesition ist den Arbeiterinnen vorgelegt worden, und der Wcrlmcislcr hat erklärt, es handle sich um einen Protest gegen die Erhöhung der Tabaksteuer. Die Hetze gegen die Vorlage war organisiert durch den bekannten Artikel in der„Post", dessen geistige Väter offenbar die Herren Gamp, Henning und Günther sind. Bedauerlich ist es auch, daß der Schutz der Heimarbeiterinnei» abgelehnt worden ist durch Ablehnung unseres Antrages, die Worte„Betriebe, in denen" zu ersetzen durch„Betriebe, für die". Die jetzige Fassung wird zweifellos zu einer Umgehung des Gesetzes führen. Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn jemand Betriebe mit unter 19 Arbeiterinnen in verschiedenen Stellen in einer Straße hat. so ist jedenfalls selbstverständlich, daß die Arbeiterinnen zusammengezählt werden.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Was ist denn nun eigentlich erreicht worden? DaS Verbot der Nachtarbeit für Arbeiterinnen und jugeii bliche Arbeiter von 8 Uhr abends bis 6 Uhr morgens. Ein kleiner Fortschritt, über den kaum zu reden ist. Ferner ist für Arbeiterinnen und lugendliche Arbeiter unter 16 Jabren eine un- unterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden(anstatt früher neun Stunden) vor- gesehen. Auf dem Papier ist das zweifellos ein Fortschritt, in Wahrheit aber ist es bereits für die meisten Fabriken durch die gewcrlschafilichen Organisationen durchgeführt. Ich hoffe, daß dieser Erfolg der gewerkschaftlichen Bemühungen der Arbeiter und Arbeiterinnen nun auck die Arbeiterinnen, die heule noch den Geiverksckaften fernstehei,, davon überzeugen wird, daß es eine Pflicht der Selbsterhaltung für sie ist, der Or- ganisation beizutreten. Der Arbeiter als einzelner ist absolut schrankenlos der Willkür des Arbeitgebers ausgeliefert, erst dadurch, daß Arbeiter sich mit anderen z u s a m m e n t u n, erlangt die höchste Ware, die wir haben, die von Ihnen am höchsten gehalten werden sollte, die Ware Arbeitskraft, den Schutz, den sonst jede Ware haben kann. Erst dadurch, daß sie zusammentreten und sich organisieren, können die Arbeiter ihren Forderungen Nachdruck geben und der Ware Arbeitskraft denjenigen Prcio verschaffen, welchen jede andere Ware durch Angebot und Nach- frage erhält. Die Arbeiter müssen sich also organisieren.(Zurui bei den Nasionalliberalen: Hoffentlich nicht!> Dieser Zuruf zeigt, daß Sie die Ware Arbeitskraft für minderwertig erachten, daß Ihnen an derselben weniger liegt als an irgendein paar Lumpen und an einem Sack Kaffee.(Große Unruhe bei den Nasionalliberalen und rechts. Zurufe von den Nasionalliberalen Glocke des Präsidenten.) Herr Oiann. es ist geradezu kulturwidrig, wenn man erklärt, eS sei zu hoffen, daß die Arbeiter sich nicht zu einer Orgauisasion zusammenschließen zur Erringuiig besserer Arbeitsbedingungen. Einen so tiefen Standpunkt hat die national- liberale Partei im Jahre 1869 nicht eingenommen. Sie aber. Herr Osann, haben gezeigt, auf welchem Standpunkt Ihre Partei jetzt an- gekommen ist. Ich danke Ihnen für das Zugeständnis. komischen Seiten. die ihm hier abgewonnen werden, scheinen ihrer Wirkung inimer noch sicher zu sein. Die Darstellung hatte aber auch alle Register der Komik mit Geschick gezogen und alle Schwankminen springel, lassen. Geradezu famoö war die Madame Bonivard der Frau Werner- Wagner, der Herr L e t t i n g e r einen sehr gelungenen Komponisten Duval zur Seite stellte. Auch die übrigen Rollen kamen trefflich zur Geltung. —©in S chattenspiel- Theater soll demnächst in Berlin begründet werden. In Paris ist man von den Schatten- spielen, die als einzelne Nummer in einem Variötä genossen, sehr insime Wirkungen hoben kann, in besonderen Tbeatern längst wieder abgekommen. Offenbar ist aber Berlin jetzt reif dafür. Wie wird die nächste Gründung heißen? Bezeichnungen wie„Berliner Kasperletheater" oder das„Nationale Kasperletheater" sind— daraus seien betriebsame Gründer aufmerksam gemacht— längst zum Musterschutz angemeldet und außerdem jenseits aller Konkurrenz, da sie grasis spielen. — Wie in Preußen dynastische Geschichte ge- in a ch t wird. Der Preußennialer Anton v. Werner erzählt in einer Zeitungszuschrift, wie und warum seine Entwürfe für die Aus- schmückung des ReichstagssaaleS keine Gnade fanden. Er hatte die Protlamierung der nendeutschen Herrlichkeit in Versailles <18. Januar 1871) darstellen sollen. Da bei dieser Gelegenheit nicht bloß sämtliche Stiefel, sondern auch Köpfe getreu porträtiert werden sollten, so war Bismarck sozusagen ans dem Bilde nnverincidlich. Der häusliche Eireit, der zwischen Wilhelm II. und de», HauSmeicr Bismarck ausbrach, machte indes Werners Projekte miß- siebig. Und so blieb der Reichstag vor ihnen verschont. A. v. Werner hatte als weitere würdige Themata für die Ausschmückung des ReichStagSsaaleS die Grundstein- und Schlußsteinlegung zum ReichStagSgebäude vorgesehen gehabt. Alle diese schöne Loyalität aber ging den Weg unausgeführter Projekte, wesl Bismarck 1871 auch dabei gewesen sein wollte. So'n Handlanger I— UebrigenS scheinen Janks Bilder, die jetzt den Reichs- tag schmücken, auch nicht berufen zu sein, dauernd dem Rede» Parlament anzugehören. Politische und sogar künstlerische Gründe werden gegen sie ins Feld geführt. Für den preußischen Monarchisten haben sie zudem einen Kardinalfehler: die Hohenzollern kommen nur auf einem Bilde vor. — Ein Pariser Thcaterskandal. Bei der ersten öffentlichen Aufführung von Mirbeaus neuem Stück„L'e Foyer", das hier nach der Generalprobe besprochen wurde, ist in der Comedie franoaise nun doch»och ein Theatcrskandal ausgebrochen. Einige junge Lenle, die sich für Royalisten halten und gern eine Rolle spielen möchten, führten einen Heidenspektakel auf— weil so geheiligte Wesen wie ein konservativer Senator und ein Geistlicher im Stücke ciwas derb nlitgenomlueu werden. Man warf die Hans« Würste schließlich hinaus und brachte sie auf die Polizei. Die ge- wünschte Reklamc haben die profefsioilellen Radaumacher aber doch für sich gemacht. >— Ein veueÄ Mittel zur Erkenn iiNg der Tubcvkulo, c auch in den allerersten Stadien teilte Dr. Mar- in o r e t der Pariser Akademie der Medizin mit. Geringe Quan» titäten von Blut oder Urin genügen, um in einer Reagcuzröhre das Vorhandensein von Tubcrkciuazillen nachzulveisen. Diese verändern nämlich das Blutserum, das auch in den Urin übertritt. Dasselbe Prinzip läßt sich auch aus andere Infektionskrankheiten anwenden. — Da schon eine ganze Steihe von Mitteln für die Frühdiagnose der Tuberkulose vorhanden sind, wird das neue kaum große Bedeutung gewinnen. Eine»»eitere kleine Verbesserung der Vorlage ist die Herab-- ietzung der Arbeitszeit am Sonnabend um eine ssalbe Stunde. Sie schließt am Sonnabend um 3 Übe statt w i e bisher um S'/a U h r. Und da kommt nun einer der Herren von der Rechten und klagt über den Ruin der Industrie I Ich verstehe einen solchen Standpunkt nicht von denen. die innner für die Sonntagsruhe eintreten wollen, und nameiulich nicht von denen, welche einen Schutz der Handelsaugestellten wünschen. (Sehr richtig! b. d. So?.) Wenn man für die Festsetzung einer Höchst- arbeitSzeit aus gesundheitlichen und sittlichen Gründen ist, so muß man unter allen Umständen einen Riegel vorschieben, damit das Gesetz � nicht umgangen und damit nicht länger als zehn Stunden gearbeitet wird. Die Herren, die ein Zetermordio darüber an- gestimmt haben, daß der§ l37a in das Gesetz hineingekommen ist (Verbot der Mitgabe von Arbeit nach Hause), haben damit zu er- kennen gegeben, daß sie Bestimmungen wünschen, die der Umgehung deö Gesetzes Tür und Tor öffnen. Uns genügt der Paragraph nicht. Wir bedauern, daß das Zentrum seinen in der Kommission gestellten Antrag, den eS in der zweiten Lesung wieder zurückzog, nicht wiederholt hat. Sie meinen, Sie würden die Arbeiterinnen damit schädigen. Die Arbeiterinnen würden Ihnen jedenfalls dank- bar sein, wenn jeder Umgehung des Gesetzes ein Riegel vorgeschoben wäre. WaS hat denn das Gesetz für Bestimmungen für die Arbeite- rinnen? ES bringt vom 1. Januar 1910 ab eine Höchst- arbeitSzeit von 10 Stunden statt 11 Stunden. Wir haben wiederholt auseinandergesetzt, daß das nur eine ungenügende Abschlagszahlung ist, weil heute schon nach schweren wirtschaftlichen Kämpfen über zwei Drittel der in Fabriken beschäftigten Arbeite- rinnen eine Arbeitszeit von 10 Stunden errungen haben, 20 Proz. sogar schon eine iolche von 9 Stunden. Da wäre eS wohl nötig gewesen, den Arbeitstag von 9 Stunden einzuführen und ihn später auf 8 Stunden herabzusetzen.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) DaS wäre auch durchführbar. Eine Reihe von Staaten haben bereits viel weitergehende Aestimmungen, als wir jetzt einführen wollen. Im Mai 1818 hat England nicht nur für Arbeiterinnen, fonderik auch für jugendliche Arbeiter bis zu achtzehn Jahren(die wir nur bis zu sechzehn Jahren schützen den zehnstündigen Arbeitstag eingeführt. Eine weitere Verbesserung ist die H e r a u f s e tz u n g der Schonzeit für Arbeiterinnen, die einer Nieder- kunft entgegensehen oder sie gehabt haben, von sechs auf acht Wochen. Uns erscheint das nicht geiiügend nach zwei Richtungen hin. Mindestens zwölf Wochen müßte der Schutz betragen, und wir bedauern, daß eine solche Bestimmung nicht an- genonimen ist. ebenso wie wir bedauern, daß nicht bestimmt ist. daß der Arbeiterin in diesem Falle ihre Stelle offengehalten und während der Schonzeit ihr Entgelt bezahlt werden muß. Eilte weitere Verbesserung liegt in der B e st i m nt u n g, daß Arbeiterinnen nicht rn Kokereien und nicht zum Transport von Materialien bei Bauten ver« wendet werden dürfen. Diese Arten von Beschäftigungen sind den Arbeiterinnen aus gesundheitlichen Rücksichten verboten. Der Zehnstundentag ist am Sonnabend auf den Acht- stundentag beschränkt. Hier wird eine Aenderung notwendig sein. Das Zentrum hatte in der Kommisston beantragt, für solche Arbeiterinnen, die ein Hauswesen zu besorgen haben, ihn auf höchstens sechs Stunden zu beschränken. Diesem Antrag haben wir damals zugestimmt. weil wir hofften. daß dann allmählich für alle Arbeiterinnen am Sonnabend die Arbeitszeit auf fechtz Stunden herabgesetzt würde. Zu unserem Be- dauern ist aber dieser Antrag tn der zweiten Lesung gefallen. Da- gegen ist bei§ 139a eine Bestimmung aufgenommen, daß für solche Arbeiterinnen, die ein Hauswesen zu besorgen haben, die wöchent- licht Arbeitszeit in der zugelassenen Ausnohmezeit 53 statt 58 Stunden betrage. Da aber damals der Vorschlag, die Arbeits- zeit am Sonnabend allgentein von acht Stunden auf sieben Stunden hecbzusetzen, nur gegen eine sehr starke Minderheit abgelehnt ist. beantragen wir. im§ 137 7 Stunden festzusetzen und im§ 139a die Höchstarbeitszeit für alle Arbeiterinnen auf 57 Stunden fest- zusetzen, und ich hoffe, daß wenigstens diese kleine Verbesserung noch angenommen wird. Sollte aber gar der Antrag Stresemann und Manz angenommen werden, daß die AuSnahmezeit von 40 auf 60 Tage erhöht wird, so würde bei der Abwägung der Vorteile und Nachteile deS Entwurfes das Urteil dabin abgegeben werden müssen, daß die Vorlage dann beinahe gar nichts an Verbesserungen enthält. Schon die AuSnahmezeit von 40 Tagen geht weit über das Bedürfnis hinaus und eröffnet viele Perspektiven zur Umgehung deS Gesetzes. Aus den Berichten der Gewerbeinspektoren ergibt fich, daß die AuS. »ahmetage bei längerer Arbeitszeit meist noch nicht die Zahl 20 erreichen und nur in einigen wenigen Industrien auf etwas über 30 hinaufgehen; Sie haben in der zweiten Lesung die Zahl 40 angenommen; und wenn nun gar noch darüber hinaus 50 eingesetzt werden sollte, so würde das eine ganz er- hebliche Verschlechterung der Vorlage bedeuten. Wir haben die einzelnen Bestandteile der Vorlage auf die Vor- teile und Verbesserungen hin geprüft, welche sie bringt. Die Vor- teile sind außerordentlich miniinal. Es ist besonders zu bedauern. daß dieser kleine Abschnitt der Gewerbeordnung herauSgenoinme» ist aus dem Rahmen der Kommission, wo versucht werden sollte, ein einheitliches Arbeiterrecht zu schaffen. WaS hier geboten wird, ist be» weitem nicht so weitgehend. alS die Arbeiter»ach dem heutigen Stande der Produktion und nach den», was sie selbst bereits errungen haben, erwarten könnten. Wir haben den Achistuudentag beantragt und für eine UebergangSzeit den Neunstundentag. Da wir aber leider gesehen haben, daß daS soziale Empfinden beim Block so außerordentlich niedrig ist. daß sie keinen unserer Anträge angenommen haben, so haben wir uns für die dritte Leiung ent- schieden, nur den einen Antrag aus Herabsetzung der Arbeitszeit am Sonnabend einzubringen, von dem wir hoffen, daß auch die Block- Mehrheit für ihn stimmt. Aber dringend möchte ich Sie bitte», jeder Verschlechterung entgegenzutreten. Denn sonst würden Sie mit der einen Hand wieder nehmen, waS endlich nach monatelangen Kämpscn errungen ist.(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemakraten.) Abg. Erzberger(Z.): In der jetzigen Situation nützt derjenige dem Arbeiterstande am meisten, der am wenigsten redet. Ich will daher kurz sein. Frhr. v. Gamp hat uns vorgeworfen, wir hätte» die Vorlage überstürzt; fie bringt den Zehnstundeutag für Arbeite- rinnen, dieser ist aber schon seit 12 Jahren versprochen worden. Herr Gamp beklagt sich, die Interessenten seien nicht gehört worden; als ob Herr Stresemann und Herr Schmidt-Altenburg die Interessen der Industriellen nicht mit größter Redegewandtheit in der Kommission vertreten hätten! Wollen Sie übrigens, Herr v. Gamp, auch bei Steuergesetzen zwischen der zweiten und dritten Lesung erst alle Interessenten hören?(Sehr gut! und Heiterleit im Zentrum.) Diese Vorwäude find nur S ch ei ng e fe ch t e. die verdecken sollen, daß man nicht voran will in der Sozialpolitik.— Die Beschlüsse der zweiten Lesung befriedigen uns nicht sämtlich, aber wir sind be- scheiden und hätten gewünscht, daß auch die anderen Parteien so be- scheiden gewesen wären.(Heiterkeit.) Abg. Stresemann(natl.): Die Vorwürfe des Abg. Stadthagen. daß in Dresden in einer Zigarettenfabrik die Arbeiterinnen getäuscht worden find, indem ihnen vorgeredet wurde, es handle st-b um eine Petition gegen die geplante Tabolsteuer. müssen zurückgewiesen werden. Herr Stadlhagen soll sagen, in welcher Fabrik das Seschehen ist. Ebenso weise ich de» Borwurf zurück, Inspirator eines Artikels der„Post" gewesen zu sein. Damit schließt die Generaldiskusfion. Die ersten Paragraphen bis§ 186 werden debatteloS angenommen. 8 137 enthält die Bestimmungen über das Verbot der Nachtarbeit und den Zehnstundeniag der Arbeiterinnen, der an den Vorabenden der Sonn- und Festtage auf den Achtstundentag herabgesetzt ist. Hierzu beantragen die Abgg. Albrecht u. Gen.(Soz.), daß die Beschäftigung der Arbeiterinnen an den Borabenden der Sonn- und Festtage sieben Stunden nicht überschreiten darf.< Wg. Man;(srs. Vp.) wendet sich gegen den Antrag Mbrecht. Man soll nickt Personen mit Schntzbestiaimuugen beglücken, die deren nicht bedürfen. Auch mutz mau gebührende Rücksicht auf die Konkurrenzsähigkeit der deutschen Industrie nehmen. Ein freier Soimabendnachuiiltag ist ja ganz schön, aber unsere deutschen Arbeiter wissen mit ihm gar nichts anzufangen!(Stürmische Heiler- keit bei den Sozialdemolraten.) Die Arbeiterfrauen würden uns heftige Vorwürfe wegen des freien SonnabeiiduachmittagS macken. (Erneutes stürmisches Lachen bei den Sozialdemokraten.) Dir deutsche» Arbeiter müssen erst ganz anders werden, dann kann man an den freien Sonnabendnachmittag dritten!(Beifall beim Block.) Abg. Molkenbuhr(Soz.): ES handelt sich hier um den Siebenstundentag an den Sonn- obenden. Herr Mauz meint, seine Einführung würde die Export- fähigkeit unserer Industrie erheblich schädigen. Ich vermag nichi eiitzusehen. in welcher Weise. Wir würden damit nur eine halbe Stunde hinter dem zurückbleiben, was England bereits tS48 ei»- geführt hat, und ich meine doch, daß unsere Industrie heute auf einem höheren Standpunkte steht als die englische im Jahre l848. Heute haben England und Amerika höchstens einen sechssllllidigen Arbeitstag an den Sonnabenden, und zwar nicht nur für Frauen, sondern für alle Arbeiter. Da müßte Herr Manz ja eigentlich sagen: seht doch, wie England und Amerika dadurch wirtschaftlich beruutergegangeli sind.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Das kann er aber nicht sagen, denn England und Amerika sind ja uniere stärksten Konkurremcn. Der siebeilslüiidige Arbeitstag würde unsere Industrie nicht schädigen, sondern stärken— beruht ja auch die Stärke der englischen Industrie gerade aus dem englischen Arbeiterschutz. Nun sagte Herr Manz, unsere Arbeiter würden gar nicht wissen, waS sie mit einem freien Sonnabeiiduachniiltag anfangen sollen. Alö ob die deulschen Arbeiter so rückständig uiid unbeholfen sind! Ich schätze die deutschen Arbeiter höher ein. Ich habe lange genug unter ihnen gelebt, bin selbst Arbeiter gewesen und weiß, dag sie sehr wohl ihren freien Sounabendnachmittag anzuwenden verstehen. Es wäre sehr gut. wenn Sie die Vergnügungen vom Sonntag auf den Soiiuabend verlegen köimten, damit sie am Montag frisch zur Arbeit koinmen. Weiter sagt Herr Manz, man sollte die kürzere Arbeitszeit nicht jetzt in der Zeit der Krike einführen. Das Gesetz soll aber erst am 1. Januar 1910 in Kraft treten. Dann wird die Krise wohl vorbei sein und die absteigende Kurve wohl wieder nach oben gehen. Aber selbst wenn wir auch dann eine niedergehende Konjunktur und eine große Zahl Arbeitsloser hätten, würden mehr Arbeiter be- schäftigt werden können, und wir können die Zeit der Krise aus- »ritzen, um die Leistungsfähigkeit der Arbeiter zu erhöhe», daß sie auch in den Zeiten der Prosperität durch Steigerung der Jntensiiät der Arbeit den Ansprüchen genügen. Man sagt doch sonst immer, Deutschland sei kühn und besitze Mut, aber aus dem Gebiete des Arbeiterschutzes zeigt sich daö Gegeuteil von Kühnheit und Mut. (Bravo I bei den Sozialdemotratem) § 137a handelt von dem Verbot der Mitgabe von Arbeit nach Hause an Arbeiterinnen und Jugendliche für die Tage, an denen sie im Betriebe die gesetzlich znlässige Arbeitszeit beschäftigt waren. Abg. Günther(frs. Vp.): Herr Stadthagen hat die beweislose Verdächtigung ausgesprochen, daß Arbeitgeber ihre Arbeiter ohne Rücksicht aus die Gefahren für Gesundheit und Sittlichkeit ausbeuten. Auch seine übrige» Ausführungen waren zum Teil schrankenlose Ueber- treibungen. Zu den Paragraphen, zu welchen die Interessenten uickit rechtzeitig haben Stellung nehmen können, gehört zum Beispiel der § 137a. Diese Bestimmungen werden vielfach gar nicht durchiiihrbar sein. Die Ueberarbeiten werden einfach von anderen Angehörigen der Familie abgeholt werden. Ganz unklar ist der Begriff „Durchschnittsarbeiter" in diesem Paragraphen. Die Petition der Arbeiterinnen ist zweifellos aus freiem Antrieb der Arbeiteliimen hervorgegangen.(Bravo! bei den Freisinnigen.) Abg. Hanisch(wirtsch. Vg.) wendet sich ebenfalls gegen den Paragraphen; seine Ablehnung liege vor allem un Interesse der Arbeiterinnen. Abg. Stresemann(natl.): Wer die sächsische Industrie und ihre Verbindung mit der Heimindustrie kennt, wird sich nicht wundern. daß es bei diesem Paragraphen heißt: Sachsen vor die Front! (Heiterkeit.) Alle bürgerlichen sSchsiscveii Abgeordneten sind fich in der Ablehnung dieses Paragraphen einig. Meine Freunde wollten einen Verbesserungsantrag in der dritten Lesung bringen, wir haben uns aber überzeugt, daß wir die Mehrheit dafür nicht finden würden. Wir werden daher für den Paragraphen stimmen, weil wir mit seinem Prinzip, den Zehustundeutag nicht zu gefährden, einverstanden sind. Die Praxis wird erweisen, ob die Fassung deS Paragraphen später geändert werden mutz. Abg. Wagner(t.) schließt fich als Sachse den Borrednern an. Abg. Molkenbuhr(Soz.): Entschuldigen Sie schon, wenn ich mich in den Konzern der Sachsen dränge.(Heiterkeit.) Ich bin zwar kein geborener Sachse.. aber doch in Sachsen gewählt. Freilich werde ich eine andere Melodie singen wie die Vorredner. Diese sind empört darüber, daß nun ein- mal der Versuch gemacht werden soll, mit dem Arbeiterschutz in die Heimindustrie hiniiberzugreifen. Man spricht von Eingriffe» in das Heiligtum deS FamitieuIebenS und dergleichen mehr. Herr Günther meinte, die Arbeit, welche nach Haufe mitgegeben werde, sei meist weder gesundheitsschädtich. noch erfordere ihre Betvältigung eine große Körperkrast. Gewiß, das Nähen mit der Nadel allein ist auch nicht gesundheitsschädlich und erfordert keine große Körperkrast. trotzdem ober kann auch solche Arbeil bis zu einer Austrengung ge- trieben werden, daß der Mensch tatsächlich darunter zusammenbricht. Daß die Hausarbeit schädlich wirk! und daß dabei große Mitzstäiide vorkommen, haben außer den Sozialdemokraten auch andere Leute behauptet, von denen Herr Günther nicht sagen wird, daß sie von der Sache nichts verstehen. Ich habe hier ein Gutachten, in dem es heißt: „Weit schlimmer sind in bezug auf die Gesundheit diejenigen Kinder daran, welche im Hause, an einzelstehenden Stickmaschiuen. überhaupt da, wo der Begriff„Fabrik" nicht zutreffend ist, arbeiten. Hier fehlt jegliche Kontrolle, und so streng da» Gesetz bezüglich der Fabrikarbeit der Kinder ist, so wenig sind die in den beregten Etablissements arbeitenden Kinder geschützt. Diese müssen in der Regel bis spät in die Nacht, nicht selten ganze Nächte hindurch. so auch Sonntags, arbeiten, und die ionst auf sechs Stunden be- stimmte Arbeitszeit beläust sich hier nicht selten auf daö Doppelte und mehr." Weiter heißt eS: „Unter dieie Bestimmungen fallen nach dem Gesetzentwurf die- jenigen Werkstätten, in welchen der Arbeitgeber ausschließlich zu seiner Familie gehörige Personen beschäftigt, nicht, sondern eine Be- schränkuiia der Kinderarbeit wird nur in denjenigen Werkstätten der Heimindustrie in Aussicht gestellt, in welchen nicht zur Familie gc- hörige Kinder beschäftigt werden. Nach der Ansicht hervorragender Vertreter der Stickereilndustrie wird aber hiermit der Kern der Sache nicht getroffen, da die Beschäftigung fremder Kinder in der Hausindustrie wohl nur die Ausvahme. diejenige der eigenen Kinder aber die Regel bildet. Ein wirksamer Schutz der Kinderarbeit wird daher nur dann stattfinden, wenn eine gesetzliche Beschränkung der Kinderarbeit in allen hauS- industriellen Betrieben ohne Rnckstcht aus die Beschästigung der eigenen oder der fremden Kinder stattfindet. Die Kamnier kann daher auch jetzt nur wiederholen, daß sie alö die nächste und dringendste Auigab« der Gesetzgebung ansieht, den den Kinder» in betreff der Fabntarbeit gewährten Schutz möglichst sicher zu stelle» und»hu zugleich auf die hauSiudustriellen Betriebe, ohne Rückiichl auf den Umfang derselben und ohne Unterscheidung der eigenen oder stemden Kinder auszudehnen." Dies ist ein Gutachten der Handelskammer von Plauen vom Jahre 1890.(Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Herr Günther wird sicher nicht behaupten wollen, daß in der Handelskammer von Plauen Leute sitze», die die Berhältniffe von Plauen nicht kennen. Gewiß ist in dieser Eingabe nur von Kindern die Rede, aber eS wird doch dort betont, daß die Arbeit ganze Nächte hindurch fortgesetzt wird und daher gesundheitsschädlich ist. Nun sagt Herr Stresemann, die Bestimmungen werden umgangen werden, es werden andere die Arbeit abholen. Aber der Unteruehincr wird schon wissen, wer die Arbeit macht, und die Geivorbeinspektorcu werden das auch herallsbekommen können.(Sehr richtig! bei dar Sozialdeiiiokrateii.) Wenn eS heute so dargestallt wird, als werde diese Gesetzgebung ganz vom grünen Tisch gemacht, so ist das lediglich eine Maske, um die wirklichen Absichten zu verbergen. (Sevr richtig! bei den«-Sozialdemokraten.) Das Gegeuteil beweist die Eingabe der Haitdelskammer von Plauen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Günthcr-Sachsen(frs. Vp.): Es ist Uebertreibung. wenn von„grausigen Zuständen" gesprochen wird. Heimarbeit innerhalb vernünftiger Grenzen gefährdet weder Leben noch Gesundheit. Hiermit schließt die Diskussion. 8 137a wird angenommen, ebenso Z 138. § l33a gestaltet der unteren Verwaltungsbehörde, wegen außer- gewöhnlicher Häufung der Arbeit an im ganzen 40 Tagen im Kalenderjahre eine längere Beschäftigung der Ardeileriunen aus die Dauer von zwei Wochen zuzulassen. Die höhere Verwaltungs- behörde soll auch eine länger als zwei Wochen dauernde Erlaubnis zur längeren Beschäftigung der Arbeiterinnen erteilen köimen. Hierzu beantragen die Abgg. Manz(sis. Vp.) und Strese- mann(natl.). der höheren Verwaltungsbehörde auch die Befugnis zu erteilen, die Gesamtzahl der AuSnahmetage für die längere Beschäftigung der Arbeiterinnen auf sünszig statt vierzig im Kalender- jähre festzusetzen, wenn die Arbeitszeit dabei nur so geregelt wird, daß die tägliche Dauer im Durchschnitt der Betriebstage deS Jahres die regelmäßige gesetzliche Arbeitszeit nicht überschreitet. Abg. Giinther-Dachsen(frs. Vp.. mit Unruhe empfangen) bc- gründet diesen Autrag. der das Mindestmaß an Rücksichtnahme auf die Saisoniiidustrie enthalte. Abg. Hoch(Soz.): In der Kommission und in der zweiten Lesung ist schon alles widerlegt worden, was von den Besürwortern der Vermehrung der AuSnahmetage ins Feld geführt wurde. Trotzdem kommt man in dritter Lesung wieder mit einem Verschlechlerungsantrage, der die mit 40 schon zu hoch bemessene Zahl der AuSnahmetage aus 50 erhöht. Die Antragsteller sprechen natürlich wieder von den Lebensinieresieit und der Konlurrenzfähigkeit der Saisoiundustrie. In der Tat kann die Industrie sehr wohl mit weit weniger Ueberarbeit auskommen, als hier von den Abgg. Günther und anderen behauptet wird. ES ist doch bezeichnend, und auch die badische Gewerbeinspektion hat darauf hingewiesen, daß. wenn die Arbeiter Zuschläge für Ueberstunden durchsetze», sofort das Jnteresie der Arbeitgeber an der Ueberarbeit erlahmt.(Hvrt l hört! bei den Sozialdemokraten.) Herr Erzberger hat uns verkündet, daß das Zentrum in schroffem Widerspruch zu seinen in der Kommission und bei der zweiten Lesung im Plemmi aiigenominenen Standpunkt für den VerschlechterungSautrag Maiiz-Streseniann und damit für die Vermehrung der Ausnahme- tage stimmen wird. ES ist ja bekannt, daß das Zentrum, wen» es sich um Arbeiterinteressen handelt, häufig in dritter Leiung unifällt. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Herr Erzberger begründe" den Umsall seiner Partei mit der Besorgnis, daß ionst das Gesetz scheitern könnte. DaS heißt doch geradezu eine Prämie auf Ver- schlechterungsanträge setzen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- kraten.) In Zukunft bedarf es also nur der Drohung mit der Ablehnung, um Verschlechterungsanträge durchzudrücken. Herr Erzberger meinte, daß es ja den Arbeiterinnen freistehe, durch gcwerkichaflliche Organisation die tatsächliche gab! der AuSnahmetage zu beschränken. Herr Erzberger vergißt dabei, daß es sich hier um die elendest entlohnten und Widerstands- unfähigsten Arbeiterschichten handelt. Wir unt'ererseits halten 30 AuSnahmetage für genügend, sind aber bereit, Enigegenkonimen zu be- weisen und für die in zweiter Lesung angenommeiie Bemessung auf 40 zu stimmen. Wir bitten dringend um Ablehnung der vorgeschlagenen Verschlechterungen deS Gesetzes.(Lebhafter Beifall bei den Sozial- demokraten.) Abg. Erzberger(Z.): Der Antrag Manz-Stresemann erhöht zwar die Zahl der Arbeitstage, bringt aber eine Verkürzung der jährlichen Arbeitszeit um 60 Stunden. Und gegen diese Verkürzung stimmen die Sozialdemokraten.(Lautes Lachen bei den Sozial- demokraten. Abg. Stadthagen: Ich bitte ums Wort!) Wir werden, da weitergehende Schutzbestinimungen keine Aussicht auf Amiahme haben, für den Antrag Manz-Stresemann stimmen. Abg. Stadthagen(Soz.)(mit Ohorufen von der Rechten und den Nattonalliberalen empfange»): Herr Erzberger will uns hier einreden, daß die Vermehrung der AuSnadinetage eine Verkürzung der wirklichen Arbeits- zeit im Jahre bedeutet, well in dem Antrag Stresemann der Zusatz enthalten ist. die tägliche Dauer der Dauer im Durchichuitt der Betriebs tage des JahreS dürfe die gesetzliche Arbeitszeit nicht überichreiten. In Wirklichkeit bewegen sich die Aus- nahmetage nur um 30 herum. Herr Erzberger will jetzt sogar nicht nur 40, sondern 50 bewillige» und glaubt, daß das durch den genannten Zusatz korrigiert wird. In dem Znsatz steht aber nicht, daß dieselben Arbeiterinnen, welche an den Ueberarbeitstagen zwölf Stunden arbeiten müssen. an den übrigen Arbeitstagen nur insgesamt zehn Stunden zu arbeiten haben. Der Rechenfehler liegt eben darin, daß die Jugeitd- lichen nur sechs Stunden zu arbeiten habe» in einer Fabrik, aber sechs Stunden kömien fie dann in einer andereu Fabrik beschäftigt werden. Waö nützt ihnen dann der Schutz der Gesundheit? Und ebenso ist eS hier, wenn ich sage, die Arbeiterin darf an fünfzig Tagen stärker ausgebeutet werden. Das nützt ihr doch gar nichts, wenn nun an anderen Tagen andere Arbeiterinnen dafür weniger arbeiten. Ja, wem, dieselbe Arbeiterin das ganze Jahr hindurch in demselben Betriebe wäre, io würde die Änfsiellung des Herrn Erzberger richtig sei». Da da» aber nicht der Fall ist, enthält der Antrag Stresemann eine ganz erhebliche Verschlechterung. Nach dem Antrage kann eine Arbeiterin an 50 Tagen in einem Bewiebe t2 Stunden täglich beschäftigt werden. und dann könnte sie theorensch sogar noch wieder 50 Tage im Jahr in einem anderen Betriebe t2 Stunden beschäsiigt werden, so daß theoretisch sogar an 100 Tagen eine zwölfstündige Beschäftigung möglich wäre. Aber ich will gar nicht soweit gehen, eS genügt mir, daß gar keine Garantie dafür gegeben ist, daß dieselbe Arbeiterin, welche an den Ausnahmetagen die Ueberarbeiiszeit hat, an den audcren Tagen geringere ÄrbeitSzell hat.(Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Diskussion. Der Antrag Stresemann-Manz wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenonimen und daraus der gesmutc§ 138». § 130a erteilt dem Bundesrat die Befugnis, für Anlagen, die mit linumerbrocheiiem Feuer beirieben werden oder durch die Art des Betriebes aus regetmäßige Tag» und Nachtarbeit angewiesen sind, Ausnahmen von einer Reihe von Schutzbestimmungen zuzulassen. doch soll in diesen Fällen der wöchentliche Arbeitstag für Arbeiterinnen 58 Stunden, für Arbeiterinnen,-die ein Hauswesen zu besorgen haben, 56 Stunden nicht übersteigen. Die Abgg. M a n z(frs. Vp.) und Stresemann(natl.) bc- antragen, dieie letztere Ausnahme zu streichen. Weiter gestattet der§ 139a dein Bundesrat, für Saikonbekrlebe an höchstens 40 Tagen im Jahre für Arbeitenimen einen zwölf- slündigeu Arbeitstag zuzulasien. Hierzu beantragen die Abgg. Manz(frs. Vp.) und Strese- m a» i»(natl.), die Zahl der AuSnahmetage aus 50 zu erhöhen, weu» die tägliche dauernde Arbeil im Durchschnitt der Belriebslagc deS JahreS die gesetzliche ArbeitSzeit nicht überschreitet. Beide Amräge der Abgg. Menz(frs. Vp.) und Strese- mann(natl.) werden gegen die Stimmen der Sozialdemokraten a n g c n o m m e»; darauf wird tz 139a angenommen. Artikel 5 bestimmt, daß die neuen Leiiimmmigen am 1. Januar 1010 in Kraft treten, nur das Verbot der Frauenarbeit bei der Aufbereitung in Beraiverksbetrieben und zum Transport von Materialien bei Bauten soll erst am 1. Januar 1912 in Kraft treten. Wg. Henning(t) begründet einen Antrag, auch das Verbot der Frauenarbeit in Äolereien erst am 1. Januar 1S12 m Kraft treten zu laiien. Abg. Gothem(frs. Vg.) wünscht eine Kodifizierung der gesamten Gewerbeordniina, da fie jetzt ganz unübersichtlich ist. Abg. Stadthagen(Soz.)(Er wird von der Rechten und den Nationalliberolen mit grotzer Unruhe, und da er zunächst wartet, bis die Unruhe sich etwas gelegt hat, mit den Rufen: Lauterl bc- grükt): Es liegt gar kein Anlasz vor, das Verbot der Frauenarbeit in Kokereien bis über den 1. Januar tSIv hinauszuschieben. Der Reichstag ist schon sehr weit gegangen, das; er bei Bauten und beim Bergbau eine so weite Frist für das Jnkraft- treten des Verbotes gegeben hat. Wenn ich Herrn Henning recht verstanden habe— eS war schwer. weil die Herren in seiner Umgebung sehr laut waren— so scheint er an- zunehmen, es sollten Vorbereitungen getroffen werden, damit an Stelle der Frauen ausländische Arbeiter beschäftigt werden. Das wäre natürlich nur ein Grund mehr, da§ Verbot der Frauenarbeit s ch l e u n i g st in Kraft treten zu laffcn. Daß dadurch ein Anreiz zur Heranziehung ausländischer Arbeiter gegeben werden sollte, davon kann gar keine Rede fem. Ich bitte Sie, den Antrag Henning abzulehnen. Damit schlieft die Diskussion. Der Antrag Henning wird gegen die Stimmen der Sozial- demokraten angenommen. Artikel S wird angenommen, darauf in der Gesamt- abstimmung der ganze Gesetzentwurf. ES folgt die Fortsetzung der ersten Beratung des EtatS. Staatssekretär v. Bethmann-Hollwcg: Herr Baffermann hat an mich die Aufforderung gerichtet, ich möge mich baldmöglichst über die Stellung des Reichsamts des Innern zur Handhabung des ReichsvereiusgesetzeS äiikem. Ich komme dieser ' Aufforderung hiermit nach. Natürlich muß ich darauf verzichten, Spezialfälle oder-fragen zu behandeln, dazu wird bei der Beratung der Interpellationen Gelegenheit sein. Nur eine Ausnahme darf ich machen, rücksichtlich der Angriffe, welche gegen mich wegen der Handhabung des Sprachcuparagraphcn gegenüber polnischen Gewerkschaften erhoben worden sind. Herr Ledebour hat die Angriffe, die er gegen mich gerichtet hat, in einer Veröffentlichung im„Vorwärts" unter Namensnennung zu begründen gesucht und hat mir dadurch Ver- anlassung gegeben, meinerseits das Material in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" zusammenzustellen. Hierdurch und durch die Erklärung, die Herr Abg. Wremer vorgestern abgegeben hat, deren präzise Feststellung ich mir mit Tank anerkennen kann(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten), sind die Hergänge und ist der Tatbestand festgestellt und ist gleichzeitig klargelegt. daß keine der Parteien, welche das Gesetz angenommen haben, sich in einer Täuschung über die Tragweite ihrer Entschließungen bcfuudc» hat.(Hort! Hort I bei den Sozialdemokraten.) Ich meinerseits habe von Anbeginn der Reichstagsverhandlungen meine gnmdsätzliche Stellung zu der Sprachensrage scharf gekennzeichnet, und wenn es auch erst nach Ueberwindung großer MeinungS- Verschiedenheiten möglich gewesen ist. eine Mehrheit für den jetzigen tz 12 zusammenzubringen, so ist doch niemand im Zweifel darüber gewesen, welche äußerste Grenze in dieser nationalen Frage die ver- bündeten Regierungen festzuhalten entschloffen wären.(Sehr richtig I rechts.)— Was nun die allgemeine Stellung des Reichsamts des Innern zur Handhabung des Vereinsgesetzes angeht, so habe ich folgendes zu bemerken: Es war von vornherein vorauszusehen, daß die Auöfiihrung de« Gesetzes mit großer Auf. merksamkeit verfolgt werden würde. Die Leidenschaftlichkeit, mit der hier im Hause nicht nur über den Sprachenparagraphen, sondern über jede einzelne Bestimmung des Gesetzes debattiert worden ist, konnte mit der Verabschiedung deS Gesetzes nicht ihr Ende erreichen. Als charakteristisch möchte ich Ihnen mitteilen, daß schon Ende Mai, also zu einer Zeit, wo das Gesetz noch keine 14 Tage in Kraft war. bei mir eine Beschiverde über das Verhalten einer unteren VerwaliungS- behörde einging, und zwar nicht in Sprachenangelegenheiten. sondern es handelte sich um eine Wahlversammlung. Dabei war der im Gesetz vorgeschriebene Jnslanzenzug noch garnicht einmal betreten. geschweige das Ergebnis einer Beschwerde abgewartet, und ich kann feststellen, daß wenige Tage darauf in diesem Jnstanzenznge diele Beschwerde und zwar ganz auf Wunsch des Beschwerdeführers erledigt worden rst.(Hörtl hörtl rechtö.) Die Reichsregierung ist deshalb von Anfang an bestrebt gewesen, gerade diesem Gesetze eine AuSiührung zu sichern, welche dem Sinn entsprach, in dem das Gesetz erlaffen worden ist. Wir sind unZ hier im Plenum und in der Kommission alle darüber einig gewesen, daß es gerade beim Vereinsgesetz weniger auf den Wortlaut als auf die An ankomme, in der es gehandhabt werden würde.(Sehr richtig!) Ich habe deshalb hier und ü, der Kommission wiederholt ausgesprochen, daß das Gesetz nicht in einem kleinlichen und vexaiorischen Sinne ansgcsühri werden sollte, und ich habe diese Erklärung nickt nur für meine Person, sondern im Nameu der Gr- samthcit der vcrlmiidct-n Rcgicriiiigen abgegeben.(Bravo! bei den Liberalen, hört! hört l bei den Sozialdemokraten.) Ich habe deshalb unmittelbar nach Verabschiedung des Gesetzes unter dem 24. April ein Rundschreiben an die verbündeten Regierungen gerichtet, in dem ich die Gesamtheit derjenigen Erklärungen, welche vom Bundesrats» tisch aus abgegeben worden waren, mitgeteilt und aus die wichtigsten speziell aufmerksam gemacht habe. Es heißt darin z B.: „Zunächst muß der bereits in der Begründung in den Vorder- rund" gestellte GesichlSpuult näher beleuchtet werden, daß die ver- ündeten Regierungen mit der Borlage des Entwurfes die Be- feitigung aller dehnbaren Bestimmungen und aller nicht durchaus gebotenen Beschränkungen deS Vereins- und Versammlungsrechts erstrebt haben»nd willens sind, demnächst allen Versuchen einer kleinlichen Auslegung oder Anwendung der Bestimmungen entgegen- zutreten.(Bravo I links.) In den weiteren Ausführungen wird besonders hingewiesen auf die Bestimmungen über die Behandlung der Ausländer, Ueber- schreiiuiig der AmtSbefugniffe. die Erfordernisse der öffentlich«, Bekanntmachung und die Behandlung der Gewcrkvereinsveriamm- lungen. Die Verbündeten Regierungen haben sich dann nicht be- gniigt, diejenigen AuSsührungLverordmiilgen, welche nach dem Wort» laut deö Gesetzes unbedingt notwendig waren, zu erlassen, sondern haben darüber hinaus ihre Behörden instruiert über die Art und Weise, wie sie daS Gesetz anzuwenden hätten. Dieie Jnstrultione» sind zum großen Teile veröfscutlicht worden und Gegenstand der Besprechung in der Preffe gewesen. Die Herren werden auS diesen Besprechungen eriehen haben, daß man in Süddeutschland durchaus zufrieden ist.(Hörtl hörtl bei den Sozialdemokraten.) Ich erinnere Sie daran, mit welcher Leidenschaitlichleit gerade aus der Ntitt« des hohen Hauses heraus die Befürchtung aus- gesprochen wurde, daß das gute süddeutsche Recht nach' dem Erlaß des ReichSvereinSgeseye« verschlechtert werde, indem die so ver- lästerte sächsische und preußische Praxis auf Südderck-oland über- ginge. Diese Prophezeiung hat sich also nicht bewahrheitet. Und nun will ich von Sachsen und Preuße» sprechen. Für Sachsen bat das sächsische Ministerium seine In- smikiion unter dem 24. Mai erlassen. DaS Ministerium deS Innern spricht darin die Erwartung aus. daß die mit dem Vollzug des Gesetzes betrauten Organe, dem liberalen Zuge des Gesetzes folgend. «Z in der Prari» einsprechend anwenden und sich von jeder Schikane oder Nndelstichpolitil fernhallen werden.(Hörtl hörtl bei den Sonaldcmotralen.) Als obersler Grundsatz sei festzuhalten, daß NM»irch einzelne Polizei- oder Berwaltuiigsmaßregeln eine Be° schränkang deS Vereins- und VersammlniigSrcchts herbelgestihrt werde. MWlsprechcnd der Tendenz des Gesetzes und besonders nach den »orfchW«, seines§1 gerade in Zukunft vermieden werden sollten. Weiurhin werden die einzelnen Bestimmungen erläutert, und an sehr vieiep Stellen wird auf die Erklärungen, die hier vom Bundesrats- tische gcgeBcn worden find, ausdrücklich Bezug genommen, fie werden zum Teil sogar im Wortlaut mitgeteilt. Preußen hat am 13. Mai d. J. eine Instruktion erlaffen, in der für jeden Paragraphen des Gesetzes der frühere preußische Zustand dargestellt wird und die Veränderung, die dieser Zustand durch das neue Gesetz erfahren hat. Es werden bei jeder einzelnen Be- stimmung die Beamten darauf hingewiesen, daß die Prapis, an die sie sich gewöhnt hatten, nicht mehr zulässig sei. Die Juslruktion ist sehr umfangreich, da ja gerade für Preußen das Reichsgesetz in großem Umfange ganz neueSRecht geschaffen hat. Es heißt in dieser Instruktion: „Das ReichövereinSgesetz bezweckt neben der Schaffimg ein- heitlicher Bestimmungen für das ganze RcichSgebiei vor allem die Befreiung der ReichSangchörigen bezüglich ihres Vereins- und Versammlungsrechtes von allen umiöligcn Beschränkungen. In diesem Sinne muß das Gesetz auch ausgeführt werden.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Es sollen deshalb auch, soweit das Gesetz für behördliches Eingreifen gegenüber Vereinen und Versammlungen Raum läßt, solche doch niemals in kleinlicher, un- nötig rügender Weiie erfolgen, sondern nur dann, wem, eS zum Schutze eines erheblichen SlaatsiiitercsseS nötig ist und nur in dem zur Erreichung dieses Zweckes gebotenen Umfang. Auch auf Umwegen darz das Lcreins- und Versamnilungseccht durch die Behörde» nicht beeinträchtigt werden. Gerade in dieser Beziehung sind lebhafte Klagen über mißbräuchliche Anwendung erhoben worden, daß zum Beispiel Personen wegen ihrer Zugehöngkeit zu Vereinen behufs Teilnehme an Versammlungen in ihrem Erwerbsleben geschadigt morden find, daß Gastwirte durch Ent- ziehung gewerblicher Borteile bestraft wurden, weil sie ihre Bersammliingssale bestimmte» Parteien zugänglich machten. Ich erwarte(sagre der preußische Minister deS Innern), daß begründete Beschwerden dieser Art in Zukunft vermieden werden." Ich habe Sie vielleicht mit der Verlesung dieser Sache ermüdet. (Lebhaste Zurufe links: Nein! nein!) Wenn dies nicht der Fall ist, dann bin ich Jbnen dankbar. Ich hielt es für meine Pflicht, Ihnen dokumentarisch zu zeigen, wie die ReichSregicrung und wie die BM'deSregierungen von Anfang an bestrebt gewesen sind, gerade diesem Gesey eine völlig einwandSfreie Durchführung zu sichern. (Beifall links.) Ich komme nun zu der Handhabung deS Gesetzes. ES sind Mißgriffe, eS sind Fehlgriffe vorgekommen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokrateil.) Wundern Sie sich doch darüber nicht, daß bei der Handhabung eines solchen Gesetzes Fehlgriffe vor- kommen. Mir wäre es am liebsten gewesen, wenn kein einziger vorgekommen wäre. Glauben Sie denn aber, daß es für die unteren Poftzeibeamten, um die eS sich handelt, wirtlich so leicht gewesen ist, in den knappen zehn Tagen, die zwischen der Veröffent- lichung deS Gesetzes und feinem Inkrafttreten liegen, sich so in die neue Rechtslage hinciiizusiuden, daß sie vor jedem Fehlgriff sicher waren?(Lebhaftes Sehr richtig l rechts.) Glauben Sie, daß das diesen Organen möglich war, Ivo es sich doch für manche Staaten, namentlich für Preußen, um einen ganz neuen RechtSzustaud handelte, wo gebrochen ist mit den wichlufften Grundsätzen deS alten Vereinsrechts? Da sollten die Herren doch nickt glauben, daß ein solches Gesetz gleich ganz tadclfrci durch- geführt werden könnte. Aber Sie haben ja selbst durch weit- gehende Rechtsmittel dafür gesorgt, daß ein jeder sein Recht finden kann. Im übrigen muß ich bemerken— ich muß mich allerdings im Hinblick auf die eingebrachten Jittcrpcllationen vorsichtig ausdrücken: ick habe den Eindruck, daß die Beschwerden doch stark übertrieben' sind. Eine Beschwerde hat die Runde durch den ganzen deutschen Blätterwald gemacht, und da ist der Eindruck hervorgerufen, als ob eS ebensoviel Beschwerden waren, wie es Zeitungen waren.(Heiterkeit.) Beim ReichSamt des Innern sind im ganzen vier Beschwerden cingegangen.(Hört! hört! rechts.) In keinem Fall war der im Gesetz vorgeschriebene Jnstanzenzug beschritten(Hört! hört!), sondern man hat sich, sofort an das Reich um Hilfe gewandt. Ich habe deshalb drei Be- ichwerden an die zuständigen Landesregierungen abgegeben. Die Landesregierungen haben in zwei Fällen die Beschwerde als begründet erachtet und Remedur geschaffen, im dritten Falle ist Abivcisung erfolgt, weil die Beschwerde»ach dem klaren Wort- laut deS Gesetzes unbegründet war. In keinem einzigen Falle ist bei mir eine Vorstellung dahin erhoben worden, daß eine Bundes- regierimg entweder selvst eine gesctz- oder siniiwidrige Handhabung deS Gesetzes vorgenommen oder auch»ur geduldet hätte. Und gerade daS wäre doch der typische Fall gewesen, in dem man die Hilfe deS Reiches hätte auruseu sollen. Ich habe mich aber nicht damit begnügt, die aktenmätzigen Beschwerden zu erledigen, sondern ich habe auch alle Erörterungen der Preffe sorgfälligst verfolgt und bin allen Fragen von allgemeinem Interesse nachgegangen. Ich habe mich mit den Bundesregierungen in Verbindung geletzt und in all diesen Fällen und habe gefunden, daß die BundeSregierungeii. ivelche mich auf oaS nachdrücklichste unterstützten, sckon überall ihrerseits proprio motu(aus eigenem Antrieb) die Preßnachrichten aufgegriffen und dort, wo daS Gesetz entgegen den Jiistruktionen ouSgesührt wurde, Remedur geschaffen hatten. Man soll sich aber von dieser Art der Tätigkeit des Reichskanzlers keine falsche Vorstellung machen. Ick kenne ver- Ichiedene Preßorgane, welche eine stehende Rubrik fllr Vereins- und VeriamniluiigSbeschwerden unter dem Titel„Unter dem liberalen Vereinsrecht" eingerichtet habe» und dabei meine Person in mehr oder minder geschmackvoller Weise etwa so apostrophieren:„Herr Staatssekretär, was sagenSie dazu? Wenn ich in einer Zeitung lese, daß der Gendarm X. unberechtigt in' eine Versammlung gegangen ist. daß eine Vctsanimlung ohne gesctz- liche Unterlage aufgelöst worden ist. daß die Versaminlung cineö Vereins wider das Gesetz als eine öffentliche angesehen worden sei, soll ich mich da hinsetzen und gleich an die BundeSregicrung schreiben: „Ich lese in der uiid der Zeitung, eS gehl bei dir ungesetzlick zu, ob die Tarstellung der Zeitung richtig ist. weiß ich nicht, aber ich fordere dich auf, sorge sofort für Ordnung und be- richte I" Wenn ich daS täte, da»» würden sich die BuiidcSregieruiigeii einen solchen Schriftwechsel auf das energischste verbitlen.(Sehr richtig! rechts.) Und mit vollem Recht! Das würde einen Eingriff in den verfassungsmäßigen Grundsatz bedeuten, daß Rcichsgeictze von den Landesregierungen ausgeführt werden. Es würde das einevevonmiuduiig der Eiiizelstaaten sein, welche mit dem föderativen Charakter des Reichs in keiner Weise mehr zu vereilibaren ist.(Sehr richtig! rechts.) Nur wenn der Fall eintreten sollte, von dem ich vorhin sprach, daß eine Bundesregierung selbst ein ReichSgeietz ausführt in einer Form, von der die ReichSregicrung glaubt, daß sie sich i» Wideripruch seyi mit Wortlaut oder Sinn des Gesetzes, nur dann würde der Reicks- tanzler sich mit der BuiideSregienliig ins Benchmen zu setzen haben und für die Abschaffung dieser Mißstände sorgen. Dann wollen Sie noch eins berücksichtigen: Ueber die meisten, fast über alle nach dem VereinSgeictz strittigen Fragen haben die ordentlichen QJerichte oder die BerwaltungSgerichle zu ent- scheiden. Der ReickSiag selber bat betannltich die Zuständigkeit der Gerichte gegenüber dem Entwurf noch wesentlich erweitert. In allen diesen Fällen hat aber weder die Landesregierung noch der Reichskanzler das Recht einzligreifen. In allen diesen Fällen enlscheiden die Gerichte in voller Sonveränilät. Was die Bundesregierungen in dieser Beziehung tim konnten, das haben sie bei der Verhandlung dieses Gesetzes in diesem hohen Hause getan. indem hier von der BundeSralSbank— man hat sich ja darüber aus- gehalten, aber mit llnrocht— eine große Reihe von Et llärimgeii abgegeben lvocoen ist über de» Sinn, in de», uack Aiisickt der verbündele» Negieniiige» die einzelnen Beslcmniuitgen auszulegen wären. Damit sind diese «»sichren der verbündeten R-gierungen zu einer aiiihcutiicke» Keuuinis derjenigen Gerichte gekommen, welche nach dem Wortlaut deS GeicyeS die zweifelhaften Fragen zu entscheiden haben. In diesem Sinne wird unter anderem gegenwärtig vom preußischen ObervertvallungSgericht die Frage der Ocffentlichleit der Bersanun- lungen entschieden werden. In ähnlicher Weise wird auch entschieden lverden über die Frage der Gcwcrkvcrcinsveriammlimg. die ja auch strittig geworden ist. Ich will hierzu noch emen kurzen PaffuS ans der preußischen Instruktion vorlesen: „Die Frage, ob bei gewerkschaftlichen und Streikversammlimgen die Bestimmungen des ß 6 Absatz 3 oder des§ b deS ReickS- berciiisgesctzeS Anwendung fiiiden, wird sich hiernach in den ein» zelncn Fällen und nach besonderen Uulstäiiden entscheiden lassen. ES ist dabei mit Vorsicht zu verfahren und jede lnizulässige oder uimötige polizeiliche Eiiiiilischung in die Kämpse zwischen Arbeit- gebern und Arbeitnehmern auf dem Gebiete des Vereins- und VeriammlutigSwelenS zu unterlassen."(Hört! hört! recktS.) Ich habe Ihnen so in möglichster Kürze dargelegt, welche Stellung ReichSregicrung und die Zentralbehörden der Bundes- staalen zu der Handhabuiig des VereinsgesctzeS cingeuommen haben. Ich habe Jtmen dabei atlseinandergesetzt. daß ich alle mir entgegen- gebrachten Fälle verfolgt habe, daß ich darüber hinaus auch alles dasjenige. was in der Presse moniert wurde und zu grundsätzlichen Zweifeln Anlaß gab, verfolgt habe. Ich entnehme nun aus den beiden ein- gebrackien Interpellationen, daß noch eine ganze Menge Material vorhanden sein muß über Fehlgriffe, über ungesetzliche Handhabung des VereinSrccktS. Wenn heule dieie Jnterpellaliotien auf der TagcS- ordnung stünden, in denen der Reickslanzler gefragt wird, ob es ihm bekannt sei, daß daS Vereinsgesetz gegen seinen Wortlaut und gegen seinen Sinn gehandhabt wird und waS er dagegen tun wolle, würde ich Ihnen sagen müffeii: Nein, meine Herren, der- artige Fälle find mir nicht bekannt.(Gelächter bei den Sozial- demokraten.) Zu meinem Bedauern können nach der Geschäftslage des HanscS die Interpellationen nickt mehr vor Weihnachten verhandelt werden, Sie verfolgen doch aber mit den Interpellationen ausschließlich den Zweck, eine ungesetzliche Handhabniig des VereinSgesctzeS möglichst bald zu beseitigen. Ich bitte Sie deshalb, mich über das Material Ihrer Interpellationen in Kenntnis zu setzen, in denen nach Ihrer Meiiumg in ungesetzlicher Weise verfahren worden ist.(Lebhafter Beifall beim Block.) Tun Sie das nicht. so wird die Besprechung der Interpellationen nach Weihnachten verlaufen, wie sie heute verlaufen lvürde: ich könnte auch dann nur sagen, daß Fälle, in denen ungesetzlich vorgegangen worden ist und dem Reichskanzler die Möglichkeit des EmickrcitcnS gegeben wäre, mir nicht bekannt find; dann würden die Interpellanten eine große Anzahl von Einzelfällen vorbringen, und ich wäre gar nicht in der Lage, daraus zu antworten, weil ich mich nicht eingehend hätte informieren föureii. Damit würden wir also die ganze Zeit verlieren, die zwischen heute und der Jnterpellations- dcbatte nach Weihnachten liegt.(Lebhaftes Sehr gut! beim Block.) Während, wenn die Abgeordnelen mir heute ihr Material zur Verfügung stellen, ich Ihnen die Versichernng gebe, daß ich jeden einzelnen Fall nachgehen und ih» aufs sorgfälligste prüfen werde, und dann wird »ach Weihnachten die Besprechung der Interpellation sich zu einer wirklich fruchtbaren gestalten. Dann kann ich Ihnen AuSkuilft geben, und wir können uns darüber unterhalten, wie daS Geietz tatiächlich gehandhabt wird und wie eS gehandhabt werden m ü ß t e. Ich wiederhole meine Bitte: informieren Sie mich heute. Ich habe mindestens das gleiche Jutereffe wie Sie. daß daS Gesetz einwandfrei nach seinem Wortlaut gehandhabt wird.(Stürmischer. mehrfach wiederholter Beifall beim Block.) Staatssekretär im Rcichspostamt Krätke wendet sich gegen die Vorwürfe, die von mehreren Seiten, besonders vom Abg. Frhrn. v. Gamp, gegen die Postverwaliung wegen mangelnder Sparsamkeit erhoben worden seien. Die Vermehrung des Personals ist auf die Erfüllung der sozialpolitischen Forderungeii dieses hohen Hauies zilrückzuführeii. Die Vergleiche zwischen Post und Eisenbahn, die Abg. v. Gamp zog, find nicht zutreffend. Die größeren llcberschllsse der englischen Postverwalrung erklären sich zum Teil ans der andersartigen Etatisierung. sodaim aus den geringen Ausgaben für Pensionen, Witwen- und Waiseiiunterstützungen usw. UebrigenS hat doch gerade Frhr. v. Gamp vor der Ueberschätzling der Statistik und der aus ihr gezogenen Folgerungen gewarnt.(Sehr gut! links.) Schon Talleyrand hat gesagt: eö gibt drei Lügen, die gemeine, die Not- und die statistische Lüge.(Heiterkeit.) Abg. Schräder(fts. Vg.).(Die ersten Sätze des Redners bleiben unverständlich.) Die Instruktion über die Handhabung des Vereins- gesetzeö. von der der Staatssekretär sprach, ist ja sehr dankenswert. Aber ist sie auch in die Hände aller Beamten gelangt? Und wird sie überall befolgt? Auö einer schlechten Praxis, wie die preußische eö war, gelangt man nicht auf einmal heraus.(Sehr wahr! links.) Hoffentlich füdrt die Beratung der Interpellation zu einem gedeihlichen Resultat.(Reickskanzler Fürst Bülow erscheint im Saale.) In beziig aus die auswärtige Politik erscheint Vorsicht und Zurückhatrung in der parlamentarischen Erörterung ge- boten.— Redner geht aus die Balkanwicren ein, scheint unter Bc- touuug der Notwendigkeit deS Feslhaltens am Bündnis mit Oester- reich-Ungarn den Zeitpunkt der Annexion Bosniens als ungeeignet zu bezeichnen und wünscht der Türkei, daß sie unter konstitutionellem Regime zu den politischen Freiheiten gelangen möge, die wir hier in Deutschland besitzen oder auch nicht besitzen.(Heiterkeit.) ES sei aber nicht zu leugiien. daß die Sympathien der Jungtürken wesentlick den Westmäckten zuneigen. ES sei zu hoffen, daß die türkisch-österrcichiscken und die bulgarisch-türkischen Unstimmigkeiteil gütlich beigelegt werden und daß das Spiel mit dem Feuer, daS die Serben und Montenegriner treiben. ein bloßes Spiel bleiben werde, und die Großmächte diesen wilden Leute» das Hand- wert legen. Redner wendet sich zu den Proger Exzeffen, die alles, was bisher in Oesterreich— wo man doch an vieles gewöhnt sei— vorgekommen sei, in Schatten stellen. Die Exzesse scheinen ja jetzt ein Ende erreicht zu haben. Die Versliinmung Iveiter italienischer Kreise gegen Oesterreich werde hoffentlich nicht zur Erschülterang des DreibiiiideS führen, und der Dreibund werde voraussichtlich noch lange Zeit die Hauptgarantie des europäischen Friedens bleiben. — Die Schtvierigkeiten der auswärtigen Politik erfordern, daß unsere Diplomaten zugleich Staatsmänner sind. Sie müssen die inneren Verhältnisse der Länder keimen, bei denen sie allreditiert sind. Der häufige Wechsel ist schädlich, ebenso die enge Begrenzung der Kreise, auS denen die Diplomaten genommen werden. DaS diplomatische Personal bedarf dringend der Aussrischung.(Zustimmung links.) Redner, bei seiner leisen Stimme vielfach unverständlich, wendet sich dem Etat zu, von dem er ebenso wenig erbau» zu sein scheint, wie die voraufgegaugeueii Etarsredner. Wenn die Funde in Süd- westofrita, von dencii Herr Dernburg sprach, sich bewahrheiten, so tollte der Koloiiialstaatßsekretär um so weniger sich wegen der Wallfischbar mit England verfeinden, eingedenk des schönen BerseSi „Du hast Diamanten und Perlen Hast alles, ivaö Menschenbcgehr, Du hast ja die schönsten Augen, Mein Liebchen, was willst du noch mehr!' (Große Heiterkeit.) Die weiteren Ausführungen des Redners bleiben völlig un» verständlich. Staatssekretär deS KolonialamteS Dernburg: Die Behauptung der englischen Preffe. daß ich dem Premier- minister der Knpkolonie Merynian und dem Premierminister von Tranovaal, Boiha, ein Anerbieten wegen Abtretung der Wallfischbai an Delitichtand gegen Konzessioiiserteituiigeu gemuchr haben ioll, ist von Anfang bis zu Eiiüe erfunden.(Hört I hört l) Ebenso- wenig habe ich mich in dem Orte Robertson zur Zeit der dortigen Verstviunlnng des Öfiifam-ibuiidcS aufgehalten.(Hört I hört!) Die gaiize Mitteilung ist»ichlS als ein dreister Versuch, zwischen England und Deutschland Zwietracht zu säen.(Lebhaste Zustininunig.) Ich stelle das fest sowohl zur Steuer der Wahrheit als aus Loyalilät gegenüber den Behörden Brilisch-Südafrikgs, die mich iir der UebenS- würdigsten Weise aufgenommen haben.(Lebhafter Beifall.) Hierauf vertagt das Haus die Weitcrvcratung auf Donnerstag 1 Uhr. XriiL mvc A. WERTHEIM Die Preisliste über Lebensmittel und Zigarren wird auf Wunsch zugesandt. KONSERVEN, FLEISCHWAREN Stangen-Spargel«t« Stangen-Spargel II Riesen-Bruchspargel Bruch-Spargel«»..<«* Kaiser-Schoten Junge Schoten«m, ,->» Junge Schoten II Junge Schoten IV Schoten u. Karotten Karotten I>/, v«.» 68 Karotten>» streifen Gem.Gemüse I-/.v--« 95 pf.. Spinat Pfefferlinge Rote Rüben Kohlrabi Vi Dann 1.60 Mit. V, Dose 1.20 Mk. Vi Dose 1.35 Mk. V, Do«« 1.25 Mk. Vi Dose 1.25 Mk. V, Dos« 90 Pf. Vi Dose 55 Pf. Vi Don« 38 Pt Vi Dono 60 Pf. II V. Doso 48 Pf. Vi dos« 28 Pf. III«/i dos« 48 pf. Vi Dos« 36 Pf. Vi Doso 42 Pf. Vi Dose 33 Pf. Vi"Dose 24 Pf. Echte Znaimer Gurken Senfgurken Zuckergurken Kürbis GIss 75 Pf. GIs« 65 Pf. Gins 75 Pf. GIss 65 Pf. PFEFFERKUCHEN Nürnberger und Thorner Lebkuchen, Liegnitzer Bomben, AachenerPrinten, Rhein. Fruchtkuchen, Speculatius, Baseler Leckerli, Schokoladen- und Makronenkuchen, Pflastersteine etc. Präsentkörbe in jeder Preislage. Saure Kirschen•h" 95, v. dos« 53 pf. Saure Kirschen 65, v. dos. 38 pf. Mirabellen v. dos« 63, v. Dos« 33 pf. Reineclauden v. Do«, 35 tu Erdbeeren v. dos« 85 pf. Aprikosen v. dos. 1.20 Mk. Melangefrüchte I v,dos. I.iopt Melangefrüchte v, do.« 90 pf. Stachelbeeren v. do». 65 pf. Preissei beeren v, Do«. 65 pf., v, dos« 1.25 Mt Apfelmus dL 60 pf. � 1.10, �2.85 Mk. Gemischte Marmelade 1.25 Mk. ft"' 2.25, Ei2",Ko. 5.25 Mk. Rheinisches Kraut dos.> Phnd 45 pi Zervelat U.Salamiwurst lnR,ndÄ l.io Plockwurst Pfund l.io, Teewurst 1.20 SchlaCkWUrSt In Fettdarm Thüringer Mettwurst Gänsebrust Mausschinken �hwrr3Pfund Schinkenspeck Knochenschinken p?, 10-18 Pfund 1.20 Pfund 1.10 Pfund 1.45 Pfund 1.15 Pfund 1 Mk, Pfund schwer Pfund 1.10 Qnhi« LciaK* Präger Art, zum Kochen und Backen, 1. OUmrmtJH ca. 6—10 Pfund schwer Pfund I.1U Rotw u rst pfd. 45,65, Zwiebelwurst 45pf. Eanclleberwurst Pfund 90 p*. Feine Leberwurst Pfund 95 Casseler Kammstücke Pfund 70 pf. Casseler Rippespeer Pfund 75 Pf. WILD U. GEFLÜGEL Starke Hasen— hÄ"du,,s3.i5 Junge Gänse 62 pf. Enten 2.25, 2.50, Puten pomd 80 pf. Brüsseler Poularden wd. 1. so mk. Fasanen-Hähne 2.45, 2.75 Mk. Fasanen-Hennen 1.95 mk. FRÜCHTE Apfelsinen Dtzd. 30, 45 pf. Zitronen 20, 50«. Mandarinen or. Kiste 26 Stück yU Pf. AlmeriaTrauben Pfund 35 Pf. Datteln Karton 43 Pf. Feigen wstchen 33 Pf. Ananas Äpfel e Trauben- Rosinen pfd. 55 pf. Schalenmandeln Pfund 75 Pf. Walnüsse pfund 25, 35, 40 pf. Haselnüsse 33 pf. Paranüsse 50 pf. Pfund 68 Pf. Pfund 45, 75 Pf. KONSERVEN Ostsee-Bratheringe Do» 42 w. Bismarck-Heringe do» 42 w. Heringe in Aspic d«» 35 n Delikatess-Heringe do» 52, 83 n. Neunaugen D«« 90 pf. Aal in Gelee d»» 75?t. Russ. Sardinen dm« 25 pj Anchovis do« 25 pr. Hummern Do» 2.io Lachs-Koteletts Do» 1 m� l.so Geräucherte Sprotten w o«, do.« 60 n Appetit Sild do» 35 pf. Sardinen ln 0el 50, hoch 80 pr. Vi Don« 1.35, Vi Dona 2,60 Französische Sardinen Marke Arsene Saupiquet V, Don» 70 Pf-, V. Don« 1.20, Vi Don« 1.85 Mtqnertaz Filet V. Do» 85 Pt Sardinen 1 25, Ä*'" 1.40 KOLONIALWAREN Budapester Mehl«««fei» pf«* Kaiser-Auszug-Mehl ,->--1-« Pfand Weizenmehl 000 pfund Weizenmehl 00 pf-»- Süsse Mandeln pfmd 1 Mt 1 Bittere Mandeln Pfand 1 Mk. 1 Rosinen"and Sultaninen pKnd 48, Korinthen ff-"- Citronat pf°-d Selbsttätiges Backmehl pf°.d Backpulver Pnk« v, pf-nd Backpulver ki-i««« s--i«i Gem. Backobst pfu°d 30, 45, Italienische Prünellen Pfand Italienische Birnen Pfand 48, Kaliforn. Aprikosen Pfand 60, 26 pt 22 pr. 18 pf. 1 6 pi .20 Mk. .20 Mk. 55 Pt 65 pf. 32 pf. 75 pf. 32 pt 45 pf. 8 Pf. 60 p». 55 pt 58 pt 75 pi MARZIPAN Speisemarzipan, Lübecker Torten, Königsberger Herzen, Kartoffeln, Teegebäck etc. Baumbehang Caku, Fondants u. Schokoladt. MOSELWEIN Obermoseler pi»-,» 60 pf. 1906" Pündericher„75 pf. 1904" Wormeldinger.. 90 p». 1906" Ernster Mark>> 1 Mk. 1905" Trabener„ I.20 1906" U�rziger.. 1.30 1905" Ayler>. 1.45 1906" Piesporter.. 1.80 . Vsedslum: Bürgermelsle? Rum Erben 1906" Graacher Himmelreich pnd-iz»„ 2 Mt. RHEINWEIN 1906" Dienheimer pi»-d« 75 p». 1902" Lorcher.. 95 pt 1904" Laubenheimer. 1 Mk. 1906" Oppenh. Schloss.. 1.10 1906" Rüdesheimer„ 1.20 1906" Binger Rochusberg 1.40 1904"Nierst. Heiligenbaum 1.70 1904" Binger Mittelpfad„ 2 Mk. Wachstum: Stadtrat Ohler 1902" Rüdesh. Hinterhaus 2.40 Wachstum: Trslbsrf v. Zwierleln. Bordeauxwein 1904" Chät.Larsche v°n°«-d 80 pt 1905er Chat- Blaye Moncon»eii n. 90 pt 1905" Chat. d'Arche udon n. 1 Mk. 1904" Domaine de Bouqueyran, Medoc al.15 1905" Chat. Mouton d'Armailhacq(«ndviniPnnuhoal.20 1904" Chat. La Tour de Möns graoJ»In CMi.f.ui) FL 1 ,30 1900er Crü Corneillan N. 1.40 1904" Chat, du Tertre � V" 1.50 SCHAUMWEIN in Dentsehlsnd auf Flaschen gefallt. Mignon-Champagner kX"l 1.90 Mignon-Champagner 2.40 Burgeff& Co.: Grün und Immergrün. Chr. Adt. Kupferberg& Co.; Kupfer. Chr. Adt Kupferberg& Co.: Gold. Deinhardt& Co.: Cabinet. Henkell&Co.: T rocken u. SehrT rocken. J. Fromm G.m.b.H.: See u. dem! sec. Assmannshäuser Mousseux(rot). 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Die Redaktion der VerbandSzeitung„Deutsche Bühnengenossen- schaft" wurde scharf angegriffen, weil sie Gegner der Bühnen- Vertragsregeln nicht zu Worte kommen liest Der Redakteur Kruse erklärte in Würdigung der gegen seine Tätigkeit gelichteten Angriffe. dast er die Redaktion niederlege. Schauspieler N i cf e l t begründete dann einen Antrag, einen nationalökonomisch geschulten Redakteur anzustellen, den der Vizepräsident nur als Aufsichtsbehörde zu kontrollieren habe. Wir wollen keinen Sub- alternbcamten. sondern eine schöpferische Persönlichkeit, die uns eigene Ideen zuführen kann. sLebhafter Beifall.) Nach ausgedehnter Debatte gelangte dieser Antrag in Form einer Resolution zur A n- nähme gegen eine Stimme. Hieraus wurde in die Beratung der neuen Bühnen- Vertragsbestimmungen eingetreten. Es lag hierzu eine von der Opposition ausgearbeitete ausführliche Kritik vor. Präsident ' Dr. Pohl begründete in kurzen Worten den Entwurk. Der Zentral- ausschuh hat sich nicht aus den Standpunkt gestellt, als ob der Ent- Wurf in allen seinen Einzelheiten unanfechtbar sei. Er hat sich viel- niehr der Ansicht zugeneigt, dah der Entwurf eine Basis abgibt, um weiter an der Besserung des Loses der Bühnenangchörigen arbeiten zu können. Für diese Arbeit soll eine Permanenz- k o m m i s s i o n eingesetzt werden, die sowohl aus Mitgliedern des Bühnenvereins wie der Genossenschaft zusamnicngesetzr ist. In der sehr lebhaften Debatte beantragte L a n d a- Breslau, den Vertrag ohne Debatte enbloc abzulehnen. tStürmischer minutenlanger Beifall.) Der Vertrag ist sehr zu- treffend mit dem Wort„ZuchthaiiSvorlage* bezeichnet worden. Wir wollen die Vorschläge der Opposition nicht erst besprechen, denn eS ist mir unsahbar, wie ein Schauspieler auch nur einen Moment sich mit dem Gedanken befreunden kann, so etwas könnte angenomnien werden. sStürmischer Beifall.) Ich bin an den ärgsten Schmieren gewesen, ich habe gehungert, ich habe an den Theatern in Aibling und Holzkirchen gespielt(Heiterkeit); aber da waren die Be- dingungen bessere.(Heiterkeit und Beifall.) Sie wissen ja gar nicht, was ein armer Teufel, der draußen der Kunst zuliebe hungert, leiden muh. Ich wollte, ich wüßte es auch nicht. Ich sehe in der glatten Ablehnung des Vertrages den einzig möglichen AuSweg. Wenn wir nicht wollen, daß der Schauspielerstand weiter im Dreck bleibt, dann nehmen Sie meinen Antrag an.(Stürmischer niimitenlanger Beifall bei de» Zuhörern.) Mehrere Redner betonten, daß man doch den Versuch einer Besserung des Entwurfs machen solle. Die Abstirnnrung über den Antrag Larda führte zu dessen Ablehnung mit 71 gegen Stimmen. In der heute stattfindenden Einzelberahmg des BnhnenvertragS- entwurfs wird sich zeigen, ob in der Tat eine Mehrheit unter den Schauspielern sich finden wird, die Vorschlägen zustimmt, welche die rechtliche und soziale Stellung der Schauspieler aufs tiefst? zu senke» geeignet sind. Die Notwendigkeit der Schauspieler, sich, losgelöst vom Direktorenvcrband, zur Wahrnehmung ihrer Interessen zusammenzuschließen, muß durch daS in den BühnenvertragSregeln siegende Ansinnen gestärkt werden, gegen sich. selbst Ketten zu schmieden, die die Schauspieler zu willenlosen, abhängigen Sklaven der Direktion machen. Die BühnenvertragSregeln stellen die Unikebr eines Tarift.lragS dar: was immer zuungunsten der Schauspieler an einigen Thealern als Unsitte sich herausgebildet hat, soll nun allgemeines Ausnahmerecht der Schauspieler werden. Entlastung infolge Angeberei einer rachsüchtigen Mitangestellten. Häufig sprechen Prinzipale die sofortige Entlassung eines Ange- stellten auf Grund von Angebereien aus, die ihm von einem dem betreffenden Gehilfen nicht wohlgesinnten„Kollegen" hintcrbracht werden. Daß solche Mitteilungen mit großer Vorsicht aufzunehmen sind, zeigte sich gestern gelegentlich einer vor der zweiten Kammer des Berliner KaufinannsgerichtS stattgehabten Verhandlung. Die Kcrrespondentin C. war von dem Fuhrunternehmer Hermann L. sofort entlasten worden, nachdem dem Arbeitgeber von einer An- gestellten K. hinterbracht worden war, daß zene eine auf sexuellem Gebiete liegende, höchst chrverletzcnde Bemerkung über den Chef gemacht haben soll. Die Klägerin verlangte ihr Restachalt und bestritt entschieden, die betreffende Aeutzerung getan zu haben. der Verhandlung stellte sich bei der Vernehmung der K. als Zeugin heraus, daß diese die Worte schon zwei Monate früber von der Klägerin gehört haben will. Auf die Frage des Borsiuendcn, warum sie denn dem Chef erst nach so lauger Zeit Mitteilung von dem Vorfall machte, und was sie überhaupt schließlich veranlaßte, über die Sache zu sprechen, erwiderte die Zeugin, Frl. E. hätte sie immer zurückgesetzt, sie wollte es schon immer dem Chef melden, es habe sich aber nie die richtige Gelegenheit geboten. Bei dem nun folgenden Kreuzverhör verwickelt sich die Zeugin betreffs der Zeitangaben in Widerspruche. Das KaufmcmnSgcricht verurteilte die Firma zur Zahlung des Rcstgchaltes von 140 M. Hätte die Klägerin die inkriminierte Aeutzerung getan, so wäre der Prinzipal ohne Zweifel zur Ent- lassung berechtigt gewesen. Nach der Beweisaufnahme kann die Aeußerung aber nicht als erwiesen angesehen werden. Das Gericht hat der Zeugin K. nicht genügenden Glauben beigemessen, weil sie erst zwei Monade später dem Chef.Kenntnis von der angeblichen Aeutzerung gegeben hat, wcchl Rachgcfuhl sie zu der Mitteilung ver- anlaßt und sie sich außerdem in einem Punkte widersprochen habe. Die Zunahme der Unfälle in der chemischen Industrie und ihre Ursachen. Veranlaßt durch die absolute und relative Zunahme der Un- fäll« in den gewerblichen Betrieben hatte das Rcichsversichcrungs- amt die Vorstände der Berufsgenosscnschaften ersucht, ihm die Er- sahrungen und Beobachtungen mitzuteilen, die sie über die Ur- fachen dieser Vermehrung der Unfälle gemacht hätten. Der Vor- stand der Berufsgenossenschaften der chemischen Industrie hat darauf geantwortet, daß in der chemischen Industrie die Zahl der an- gemeldeten Unfälle jetzt schon deshalb größer sei als früher, weil die Arbeiter auf Anraten der Arbcitersekrctariate jetzt auch vielfach kleinere Unfälle melden, die früher ungemeldet geblieben seien. In neuen Fabriken werde viel ungeschultes Personal eingestellt. Die Rcchtsspruchpraxis sei jetzt wohlwollender als früher, da Un- fälle, die meist keine oder eine nur vorübergehende� Einbuße an Lohn bedingen, und die nur durch Simulation vergrößert werden, mit einer Rente von 10 bis 20 Proz. entschädigt würden. D,c- Polizeibehörden sendeten jetzt ihre sämtlichen Unfalluntersuchungs- Protokolle den Berufsgeuosscnschafteu ein, was früher nicht geschah. Rur in den Betrieben einzelner Sektionen, heißt es in der Ant- wort, dürire vielleicht ein gewisser Teil der Unfälle darauf zurück- zuführen sein, daß fremdsprachliche Arbeiter infolge Mangelhafter� Kenntnis der deutschen Sprache die gegebenen Anordnungen miß- verstehen und ihnen daher nicht nachkommen. Ter letztere Satz ist ein verschleiertes Zugeständnis dafür, daß die Einstellung fremdsprachlicher Arbeiter und dadurch die Zahl der Unfälle sich vermehrt hat. Daß heute die Arbcitersekretariate dafür sorgen, daß die Arbeiter bei Unfällen nicht mehr so oft wie früher wegen mangelnder recbtzeitiger Meldung ihrer Unfallrente verlustig gehen, mag wohl richtig sein und ist nur erfreulich. Aber daß die ReckUsspruchpraxis heute bei Unfällen wohlwollender als früher sei, ist, wie hinlänglich erwiesen, durchaus nicht der Fall. Vielmehr verhält es sich damit leider vielfach umgekehrt, indeni das ReichLversicherungsamt neuerdings die Renten seltener gewährt und knapper bemißt wie früher. Ungeschultes, ja auch gänzlich un- geeignetes Personal wird nicht nur in neuen Fabriken viel ein- gestellt, und dadurch die Zahl der Unfälle vermehrt, sondern auch in alten Fabriken, das hätte das Reichsversicherungsamt erfahren,' wenn eL sich auch an Arbeiterorganisationen um Auskunst ge- wendet hätte. Es ist festgestellt, daß auch in der chemischen In- dustrie in Betrieben, in denen eine ärztliche Untersuchung der Arbeiter vor ihrer Einstellung vorgeschrieben ist, in einzelnen Fällen solche Untersuchung nicht erfolgt ist, und dadurch Unfälle und Er- krankungen verursacht worden sind, so in Bleifarbensadrikeu und in Thomasschlackenmühlen. Auch die vermehrte Einstellung Weib- sicher und jugendsicher Arbeiter in der chemischen Industrie hat eine Zunahme der Unfälle und Erkrankungen zur Folge, da diese den Gefahren und Gesundheitsstörungen in höherem Grade aus- gesetzt sind als erwachsene männliche Arbeiter, namentlich— was mehrfach festgestellt wurde— wenn die Arbeitszeit auf über 11 und 12 Stunden ausgedehnt wurde. Selbst 33 Kinder unter 13 Jahren wurden im vorigen Jahre in chemischen Fabriken be- �Äie diese Frauen- und Kinderbeschäftigung nur wegen des geringeren, an diese zu zahlenden Lohnes geschieht, so sträuben sich nicht wenige Unternehmer wegen der zu erwartenden Minder- leistung gegen die Einführung wirklich zweckmäßiger Schutzvor- richtungen, da sie nur den Arbeitern und nicht ihnen selbst Vorteil bringen. So sind in den Toiletteseifenfabriken die Pressen sehr oft Ursache von Fingerverletzunaen der daran beschäftigten Ar- beiterinnen. Man hat sich deshalb seit langem bemüht, diese Pressen so zu konstruieren, daß diese Unfälle vermieden werden, und es ist gelungen, eine Presse zu konstruieren, bei der während des Herabschlagens des Preßstempels die Hände der Arbeiterin an einer anderen Stelle festgehalten toerden, so daß sie nicht unter den Stempel kommen können. So zweckmäßig diese Presse ist, so sträubten sich, wie der Gewerbeaufsichtsbeamte für den Bezirk Aachen mitteilt, Unternehmer gegen die Einführung dieser Presse, weil die Arbeitsleistung an derselben eine verminderte sei. Zu den seit jeher jedes Jahr vorkommenden vielen Unfällen, die veranlaßt werden durch Fehlen oder schlechten Zustand von Treppen, Treppenöfsnungen, Podesten, durch Fehlen von Vor- richtungen zur Verhütung des Ausrutschens oder Ausgleitens von Leitern und Stellagen, von Verkleidungen an Zahn- und konischen Rädern, von Umwehrungen an stehenden Wellen, Transmissionen, Riemenscheiben usw., sind in den letzten Jahren zahlreiche Unfälle infolge ungenügender Isolierung elektrischer Leitungen borge- kommen. Die chemischen Fabriken sind fortwährend damit beschäftigt, neue Präparate und Verbindungen für die verschiedensten Zwecke zu erfinden. Hat sich, ein solches neues Präparat als brauchbar erwiesen, so wird die Fabrikation desselben, nachdem es patentiert ist, sofort begonnen, ohne daß der Unternehmer über die gefähr- lichen Eigenschaften der dabei zur Verwendung kommenden Ar- beitsweisen und Produkt« sich selbst und die dabei beschäftigten Arbeiter vorher genügend informiert hat. Man hat nur den zu erwartenden großen Gewinn im Auge und denkt nicht an die den Arbeitern dabei vielleicht drohenden Gefahren und Schäden. Daß die Gewinne für den Unternehmer dabei zuweilen außerordentlich hoch sind, wurde schon wiederholt hervorgehoben: aber wieviele Arbeiter dabei ihre Gesundheit für immer eingebüßt, davon spricht man nicht. Wir erinnern an die Vorkommnisse bei der Herstellung von Roburit, Bi. und Trinitrophenol, Nitro- und Binitrobenzol, Chlorbinitrovenzol, Anthrazeen, Chlorphosphor usw. Hier sollte die Aufsichtsbehörde größere Garantien zum Schutze der dabei be- schäftigten Arbeiter schaffen. Tins Induftrie und FtandeL Tie Kohlenpreise. Wir haben des öfteren Zusammenstellungen veröffentlicht über die Preise der Kohlen im Groß- und Kleinhandel, wobei wir als Quelle die Zahlen der vom Reichsamt des Innern herausgegebenen „Nachrichten für Handel und Industrie" benutzten. Wir stelllen die Kleinhandelspreise, welche den eigentlichen Kleinberkauf in das HnuS des kleinen ManneS erfassen, zusammen mit den im Großhandel notierten Preisen und stellten die prozentischen Preisschwankungen einander gegenüber. Wir mußten beim Herstellen dieser Uebersichten auS den vielen Zahlen der Quelle diejenigen Kohlensorten heraus- suchen, welche im Groß- und Kleinhandel einander entsprechen. Ander? läßt es sich nicht machen, weil keine bessere» Unterlagen vor- Händen sind. Selbstverständlich ist dieser Weg nicht ohne Gefahr, denn so sorgfältig man auch auswählen mag, immer ist eS möglich, daß man Fehler begeht, weil die Preisnotierungen nicht die Sorten im Groß- und Kleinhandel gleichmäßig benennen. Seit einigen Monaten bringen nun auch die amtlichen Notierungen Gegenüber- stellungen der gleichen Sorten im Groß- und Kleinhandel, aber nur für Dresden, während für die anderen großen Plätze die alten Notierungen bleiben, wobei für manche derselben oft nur die Groß- und für andere nur die Kleinhandelspreise(im Verkaufe bis zu 50 Kilogramm) angegeben sind. Freilich darf man sich nicht verhehlen, daß auch die Dresdener Notierungen noch lange nicht ideal sind. Denn um festzustellen, welche Belastung der Konsumenten durch irgend welche Produkte ein- tritt, müssen die Mengen der einzelnen Preiösorten miterhoben und der gesanite gezahlte Preis berechnet werden. Andere Zahlen geben nur mehr oder weniger mangelhafte Anhaltspunkte. Diese und andere Erwägungen drängen sich einem auf, wenn man sich die Gegenüberstellung der Groß- und Kleinhandelskohlen- preise für den Monat Oklober ansieht. Sie geben ein so schwankendes Bild, daß man nicht weiß, sind nun die Preise ganz allgemein mit dem Vorjahre gestiegen oder sind sie gefallen. Die Großhandels- preise zeigen für viele Sorten und an vielen Plätzen Preisrückgänge, au anderen wieder Steigerungen, die Klein- Handelspreise dagegen meist geringeren Abfall als die Großhandelspreise. Daß dabei ein Nachhinken der Kleinpreise statt- findet, ist natürlich, weil ja die Vorräte der Händler noch immer zu dem alten Preise verkauft werden können, ehe die geänderte Preis- läge deS Großhandels einwlrkt.„Können" sagen wir ausdrücklich! Denn meist pflegt einem PreiSaufstieg im Großhandel ein solcher im Kleinhandel sehr schnell zu folgen; die Händler verkaufen dann ihre billiger gekauften Vorräte schon zu höheren Preisen, während ein Preisnachlassen im Großhandel auf den Kleinhandel erst langsam und zögernd und frühestens erst dann zu folgen pflegt, wenn die Händler ihre zu höheren Preisen gekauften Vorräte an die Kon- snmenten abgestoßen haben. Im ganzen zeigen die Zahlen, die wir zu unseren Zusammen- stellungen benutzen, nüssen, daß die Tendenz der Preise seit zwei Jahren eine sehr stark steigende ist, trotz mancher Rückgänge im letzten Jahre. Nur bei englischen Kohlen zeigt sich an zwei Plätzen eil» geringer Nachlaß, und auch nur im Großhandel, während die Klein- Verkaufspreise ausnahmslos überall sehr stark gestiegen sind, natür- lich viel stärker als die Großhandelspreise. Als Beispiel dafür wollen wir nur die Preisbewegung in Dresden hier anführen. Steinkohlen: Stücklohle Mitlelkohle Würselkohle Nutzkobie Steink.-BiikcttS Bräunt-Briketts Braunkohle, Stückkohle Großhandelspreise in M. pro Tonne Kleinhandelspreise pro 60 kg in M. 1906 I 1907 I 1908 1906 20.41) 19,0') 24,0') 25,0 15,5') >'3.0') 21,0') 27, Oft 25,5') .'18,5') 7,75')")! 10, 5')3) 14,2>16.3 22,2') 1,70 1,85 1,85 21,5') 1,50 1,75 1,80 27,0') 1,85 2.00 2,00 25,5 1,85 2,00') 1,95 18,5») 1,00°) 2,00°) 2,00°) 10,5')") 0,85')°) 1,20')') 1,25')') 1907 1908 Steigerung der Preise in°/„ v, Okt. 1906 aus 1908 Groß- Klein- Hand. Hand. SP 13,2 12.5 2.0 19,4 35.5 12,7 17P 20,0 8,1 5.4 25,0 47.3 UP 16,0 1,05[1,20 11.20 ft Höchstpreise, ft pro 100 Stück.') pro 1000 Stück. Die größten und sestcsten Steigerungen weist übrigens der Preis des Gaskoks auf, der fast überall um 16 bis 30 Proz. inner- halb der letzten beiden Jahre gestiegen ist. Der deutsche HandelStag. In einer am Montag abgehaltenen AuSschnßsitzung wurde über die Steuerprojekte des Rcichöfiuaiizreformators beraten. Mit einer Erhöhung der Erbschaftssteuer und ihrer Ausdehnung auf Kinder und Ehegatten erklärte man sich einverstanden, aber nicht mit der Form der Nachlaßsteuer, da sie keine Rücksicht ans die Zahl der Erben nehme. Die in dem Entwurf vorgesehenen Begünstigungen für land- und forstwirtschaftliche Grundstücke sollen sinngemäß auf das anderen Zwecken dienende unbewegliche Vermögen er- streckt werden. Ferner sprach sich der Ausschuß dafür aus, daß eine Wehrsteuer eingeführt und daS Erbrecht des Staates weiter ausgedehnt werde. Mit der Aushebung der Fahrkarlensteuer und der Herabsetzung des Ortsportos für Postkarten erklärte er sich ein- verstanden. Die Herabsetzung der Zuckersteuer von 14 aus 10 M. will man noch hinausgeschoben wissen. Gegen den Entwurf eines Gesetzes über den Zwischenhandel deS Reiches mit Branntwein wurden Bedenken geltend ge- macht. Grundsätzlich müsse man gegen die Einführung eines Staatsmonopols Stellung nehmen. Außerdem sei zu beanstanden, daß die gegenwärtigen Besitzer von Brcnuereien, insbesondere land- wirtschaftlichen Brennereien, einen ungebührlichen Vorteil erhielten. Eine Vermehrung der Einnahmen aus der Branntweinbesteucrung sei zu erzielen, indem unter Aufhebung der zurzeit innerhalb des Brennereigewerbes bestehenden steuerlichen Begünstigungen die gellende VerbrauchSabgabe in angemessener Weise erhöht werde. In der Frage der TabakverbranchSsteuer entschied der Ausschuß sich gegen die Form der Banderolesteuer, aber für einen weiteren Ans- bau des bisherigen Steuersystems unter Schonung des Rauch-. Kau- und Schnupftabaks._ Steigerung des Exports. Die deutsche Warenausfuhr hat im Oktober eine starke Zunahme erfahren. Seit dem Jahre 1000 ist nur im Oktober 1002 die Ausfuhr noch größer gewesen als in diesem Jahre. Seit Juli d. I. geht der Export Monat für Monat stärker über den des Vorjahres hinaus. Im Oktober allein beträgt die relative Steigerung gegenüber 1907 10 Proz. In erster Linie war die Land- und Forstwirtschaft daran beteiligt, die ihre Ausfuhr um 1.4 Millionen oder um 42 Proz. steigerte. Sodann ist auch die Ausfuhr von Bergbauerzeugnissen sehr in die Höhe gegangen, namentlich von Produkten des Kohlenbergbaues(um 7 Proz.). Ebenso ist der Export chemischer und pbarmazeutischer Fabrikate einschließlich Farben und Farbwarcn beträchtlich, gewachsen und zwar um 13 Proz. Auch die Ausfuhr an Eücn und Eisenwaren stieg um 13 Proz. Bei einigen Warengruppen sind Rückgänge zu verzeichnen, und zwar sind dies hauptsächlich Textilien und Tonivaren. Die Brauereien hatten nicht allein im Inland, sondern auch im Ausland einen bedeutenden Rückgang zu registrieren, und zwar bei Faßbier und Malzextrakt um 10, bei Flaschenbier um ll>/z Proz. Dagegen wies der Zuckerexport im Oktober d. I. nach einen scharfen Einschränkung in den voran- gegangenen Monaten zum erstenmal wieder eine Zunahme auf. Vom Kohlcnmarkt. Der Geschäftsgang am Ruhrkohlenmarkt ge« staltet sich laut„Köln. Zeitung" andauernd ungünstiger. Die Halen- magazine sind derartig überfüllt, daß manche Magazine für Neu- zufuhren nicht mehr aufnahmefähig sind. � Deutsche Roheiseuprodnktion. Nach den Ermittelungen de-Z Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller betrug die Roheisen- erzeugmig in Deutschland und Luxemburg während des Monats November 1008 insgesamt 030 738 Tonnen gegen 041 682 Tonnen im Oklober 1008 und 1 112 226 Tonnen im November 1007. Vom Kalisyndikat. Nach langen Verhandlungen ist der Weiter- bestand des Kalii'qndlkates durch Verständigung mit der Gewerlschaft Deutschland-Justenburg gesichert. Konvention der deutschen Wandplattenfabrike». Die bedeutenderen deutschen Wandplattenfabriken haben sich zu einer Konvention zu- sammengeschlossen, um die Verkausspreise zu erhöhen. Der Verband deutscher Tonrohrfabrikc» gibt durch ein Rund- schreiben bekannt, daß mit dem 1. Januar 1000 ein Preisaufschlag von etwa 10 Proz. auf die Verbandsfabrikate in Kraft treten wird. Der Versand des StahlwerköverbandeS ist auch im November weiter zurückgegangen, namentlich in Formeisen. Auch der Versand in Halbzeug ist niedriger, jedoch hat er in Eisenbahnmatcrial elwaS zugenommen. Der Gesannrückgang beträgt etixa 60000 Tonnen. Englands Außenhandel. Von dem 0 714 701 Pfund betragenden Rückgang der englischen Warenausfuhr im November entfallen auf Kohlen 748 442 Pfund, auf Eisen 067 412 Pfund._ Die Kohlensördernng Großbritanniens im Jahr» 1007 hat nach der- britischen amtlichen Bergbaustaltslik die bisher größte vom Jahre 1000 noch erheblich überlroffen, und zwar mit 272 110 267 Tonne» uni 0,7 Prozent. Der Kohlenverbrauch aber ist im Hinblick auf die günstige wirtschaftliche Lage verhälinismäßig wenig, dagegen die Ausfuhr ähnlich wie vom Jahre 1905 auf 1000 gewallig ge- stiegen. Sie betrug 1904 66,8. 1006 08.2, 1006 78 und 1007 80,6 Millionen Tonnen.— Der Eisenerzbergbau zeigt eine weniger günstigere EntWickelung. 1007 wurden 16 983 300 Tonnen, d. h. l,5 Prozent mehr als 1000, gefördert. Für die Herstellung des ersorderlichen Roheisens mußten noch 8,2 Millionen Tonnen eingeführt werden, davon 6.8 aus Spanien. Die Ausfuhr an Erzen betrug 22000 Tonnen._ Em der f rauenbewegung* Stcigernug der FrauenerwerbSarbeit während der Krise. Widersprüche, die der kapitalistischen Wirtschaftsordnung inne- wohnen, treten zur Zeit der Krise teilweise besonders scharf in Erscheinung. So sehen wir z. B. den Gegensatz grell beleuchtet, der darin besteht, daß das Erzeugnis der Arbeit nicht dem Ar- bettenden gehört, sondern vom Kapitalisten cingeheimst wird, well ihm die Produttionsmittel gehören. Massen des werktätigen Volkes hungern und entbehren, nicht, weil zu wenig Kleidung und sonstige GebrauchSmittel erzeugt sind, sondern weil„zu viel' ver- fertigt und der Warenmarkt überfüllt worden ist, und weil die Ueberfüllung des Warenmarktes für die Arbeiterschaft Arbeits- losigkeit, Verdienstlosigkeit, allgemeine Not bringt. Die Ueber- füllung des Warenmarktes aber entstand nicht etwa, weil kein Be- darf vorhanden war, sondern weil der Massen Konsumfähigkeit nicht Schritt hielt mit der steigenden Erweiterung der Produktion sowie mit der gesteigerten Ergiebigkeit der Arbeit. Für ihren Fleiß und ihre erzwungene Bedürfnislosigkeit während des guten Geschäftsganges wird die Arbeiterschaft mit Hunger zur Zeit der Krise bestraft. Es zeigt sich folgendes Bild: Die Speicher, die Läden, die Warenhäuser überfüllt und draußen viele Tausende Hungernder und Frierender, die dringend der aufgespeicherten Waren benötigen, diese jedoch nicht erhalten können, weil den Hungernden die Mittel zum Kauf fehlen. Welch ein Wahnsinn! Würden dagegen die Produktionsmittel der Gesamtheit ge- hören und in der Folge auch die fertigen Produkte lhr gemein- sames Eigentum sei», so würden erweiterte Produktion, gesteigerte Ergiebigkeit der Arbeit, verbesserte Technik und die Verwertung wisienschastlicher Forschungsergebnisse steigenden Wohlstand der Gesamtheit bedeuten.— Heute jedoch wird, um den Besitzenden steigenden Profit zu sichern, produziert. Erbittert bekämpfen die Unternehmer jede Lohnforderung der Arbeiterschaft und schränken damit selbst die Absatzmöglichkeit der fabrizierten Waren ein. Da die Absatzmöglichkeit im Auslande gleichfalls begrenzt ist, einmal durch die Aufnahmefähigkeit des Märites so tritt mit Naturnotwendigkeit die Ueberfüllung des Warenmarktes ein; der Absatz stockt, Geldknappheit, Gcldteuerung tritt ein, Fallissements, Einschränkung der Produktion, Arbeits- losigkeit folgen. Das ist die Krise! Dann zeigt sich sofort ein neuer Widersinn, bedingt durch die herrschende, auf Prositerzeu- gung basierende Wirtschaftsweise. Auf den überfüllten Arbeits- markt werden neue Arbeitskräfte geworfen, darnit seine Ueber- füllung verstärkend. Vieltausende proletarische Frauen sind es, die zur ErwerbSarbeit aufgepeitscht werden durch die Arbeits- losigkeit ihrer Männer. Frauen, die bisher noch nicht erwerbs- tätig waren, sondern sich ihren Hausfrauen- und Mutterpflichten widmen konnten, erscheinen auf dem Arbeitsmarkt als Konkurrcn» tinnen der Männer. Wir finden diesen Vorgang z. B. in Metall- und HolzbearbeitungLfabrikcn, in der Elektrizitätsindustrie, in der Industrie der Steine und Erden, in Bergwerken, Brikettfabrikcn und andersuw. Tie Notlage der Arbeiterklasse wird dadurch verschlimmert. Leicht begreiflich: Das gesteigerte Angebot von Kräften wirkt schon lossndrückend. dann aber besteht auch weiter die Gefahr, daß das niedrige Lohnniveau der Frau den allgemeinen Lohndruck noch verschärft. Wie stark die Zunahme der FrauenerwerbSarbeit und damit die vermehrte Gefahr des LohndruckcS ist, mögen folgende Zahlen zeigen: Nach dem„ReichSarbeitSblatt" waren bei 20 Proz. der vorhandenen Krankenkassen am 1. Oktober 1907 3 249 993 Männer und 1 269 469 Frauen versicherungspflichtig, gegenüber 3 166 209 Männern und l 299 653 Frauen am 1. Oktober 190». Demnach Hai in der Berichtszeit die Zahl der beschäftigten Männer um'93 786 abgenommen, während die weibliche Arbeitskraft einen Zuwachs von 30 189 erfuhr. Am 1. November ist der Kontrast noch größer. Da waren bei gleichfalls 20 Proz. der Krankenkassen gegen das Vorjahr 107 451 Männer weniger und 3529» Frauen mehr angemeldet. Die angegebenen Zahlen sind eine ernste Mahnung für unS, mit der Aufklärung des weiblichen Proletariats nicht erst dann zu beginnen, wenn es in die ErwerbSarbeit eingetreten ist. sondern jederzeit und überall unter ihnen zu agitieren. WttternnasüberNck,» vom S. iDrzember INN?, morgens 8 Mir. Stationen B* 0 c II 3 e jromrmvt:762 S 760© 764 still Kran kl.- M 763 W München 1 767$D W'en 770D©O dalnburg tzcrltn Detter 3 Dunst 4wolkenl wolkenl 1 Nebel Lwolkig 2 Nebel »R »II i? i-i« i 4 1 3 0 —3 Stationen ÜL c C (B� Ii 3 G s~ Beller Savaranba 742©S 2 wolkig Petersburg 753©528 3Regen ©ctlly 1 755 18 I 4 wolkig ilberoee» 748 SSW 3 heiler BariS 760 S i 2 wolle«! I I> B» »» K? wä Wetterprognose für DovnerStag, den 10. Dezember 1908. Zunächst etwas wärmer, vorwiegend trübe mit geringen Niederschlägen und ziemlich lebhasten westlichen Winden; später wieder langsam aufklarend. Schützt Sneh vir Die Inflaenza ergreift nur diejenigen, deren Blnt resp. Blutkörperchen nicht stark genug sind, um siegreich den Kampf gegen die eindringenden Influenza- Bazillen aufzunehmen. Die Wallung des Blutes muQ stärker sein, die Herztätigkeit erhöht werden; deshalb trinke man'/j Stunde vor jeder Mahlzeit, also vor dem 2ten Frühstück, vor dem Miltagl and Abendessen je Elss Santa Lucia Kraft«Rotwein« Derselbe wirkt heilsam auf den ganzen menschlichen Organlsmu. Zn gartes, rtlnts Gesicht, reslgts, jugendfrisches flussehen, weisse, sammelweiche Maul und blendend schönen Teint zu erhalten, besteht in täglichen Waschungen mit der echten StQcHcnpfcrDsCIlicnmllclisSQife von Bergmann 4 Co., Radebeul, ä Stück 50 Pfg. In alten npotheken. Drogerien u. Parfümerlen. v_ Crprobt und bewährt! 6255L* Sampen u. Brenner Spiritus-Zentrale üuiib. Berlin NW. 7, Friedrichstr. 86, gegenüber dem Central-HoteL Kein KsufiEwune freiwiTw��TowtenlT Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantmortung. Cbearer. DeH' Donnerstag. 10. Dezember. Ansang VI, Uhr. «Snigliches Opernhaus. Die Meistersinger von Nürnberg. Cliarlottenburg. Vater und Sohn. Friedrich-'ivtlhelmstSdt. Schau- ipieihauo. Madame Bonivard. Weste». Der fldele Bauer. Thalia. AtüisUeiblut. Luisen. Der Sonnwendhof. Bernhard Roie. Die Entgleisten. Wilhelm-Theater. Di- Scköplung. piiienielt,»»». Madame Flirt. Trianon. Die Liebe wacht. Neue« Operette». Die Dollar« Prinzessin. Berliner Operetten-Tveater SW. Havana. Ansang 8'/, Uhr. Gastspiel< Theater. Demnnonde. Bürgert. Schauspielhaus. Der Glöckner von Notre-Dame. An- fang 8>/, Uhr. Vel'iüder Herritfeld. DI« beiden Bindelband«. Vorher: Intern. Künsller-Teil. AP'»». Mtzi Gizi. Stegwart Gentes. Met. oool. Donnerwetter»- tadel- tos. Wintergarten. Spezialitäten. Viinogr. Gvezialitälcn Kasino. Die Dianabäder. Spezia- litäten. Reichsiialle». Stettiner Sänger. Walhalla. Svezlaliiälen Folie« Gaprice. Die Brautschau. Die lästige Witwe. Gniiav Behrens. Der Obersteiger. Spezialitäten. Carl Haverland. Spezialitäten. Parodie. Die gauberstäte. <2=7. Berlin sieht Kopp. �Ansang 8-/. Uhr. Urania. T.inbenstraste tüiio. Abends 8 Uhr: Oderleutnant Mar Weift: Meine Reiseerlebntsle aus der Jliiierafrtkaiilschen Expedition. Hörsal: 8 Uhr: Pros. Dr. Donath: Die moderne» elektrischen Lampen. Sterun>or»e, Fnvalideinn. o7>vr. ilieiiies flieuler. Ansang 8 Uhr. Moral. Hebbel-Theater Könlggrätzer Str. 67/58. Ans. 8 Uhr. Heute wegen Generalprobe»u Thummelumst» geschlossen. Heues Tkester. Ansang 8 Uhr. Israel. Morgen und folgende Tagt: Israel. Theater des Vestens. Allabendlich 8 Ubr: Der fldelo Bauer. Mittw., Sonnab. 4 Uhr: voenrösehon. fliöljsilZli-WiüigliiiZtSMetigs 5k!ligU8pigI!!gl!8. Donnerstag, 10. Dezember.Anf. 8 Uhr: i�gäsme Bonivard. Freitag: Madame Boninard. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Aschen- brödel. Abends 8 Uhr: Bonivard. Madame SerUnsr Ehester. Ilsuto 3 Ubr: Herodes und Slavlamne. Morgen: Herodes und Moriamne. Lustspielhaus. AbendS 8 Ubr: Madame Flirt. Neues Öpercttcn-Tlieatcr. ©chtstbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. AbendS S Uhr: Ble Bellarprlnuesslu. Operette in 3 Akten von Leo Fall. Resiilenz-Theater. — Dtrektton: Richard Alexander.— Täglich abends 3 Uhr: 1 1 y „KtHnmere Dich um Amelia". Schwank In drei Alten lvter Bildern) von Georges Fehdeau. Morgen u. folgende Tage: Xllmmere lZIeb um Ameiie. Sonwag. 13 De»., nachm. 3 Uhr: Gau» der Papa. Qastspier- Theater Köpenicker Straße 68. 8'/, Uhr: Gastspiel Hedwig Lange. Demiitioiide. Luisen-Theater. Slbends 8 Uhr: Der Sonttwendhof. Freitag: Geschlossen. Sonnabend»achm. 4 Uhr Kinder. oorstellung: Lügenmäulchen und Wahrbettsniündchen. Abends 8 Uhr: Di« Ebr°. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Ehre. Montag: Der Sonnwendhuf. 6 Ubr: Zum SO. Male: Unter persönl. Leitung d. Komponisten Eine liistigk Sprerfthrt v. Aisted Schmasow. Musik o. P.Linek«. 9," Ulizl Cirlzl lonht: Brothers Schenk io." Siegw. Qenfes «. die Bkrigen Oezember-Atlraktlonen. Schlllep-Theater. O.(Wallner-Theater.) Donnerstag. obendS8Ubr! Der Graf von Charolais. Trauerspiel in 5 Akten von Richard Beer-Hojmänn. Freitag. abendSll Ubr- Der Drarvou Charolais. Sonnabend, abends 3 U h r: VaC r und Sohn. Schiller• Theater Charlottenburg. Donnerstag. abendS8Uhr: Vater und Sohn. Komödie in 3 Akten von Gustav ESmaun. Freitag, abendS 8 Uhr: Vater und Sohu. Sonnabend. abend« 8Nbr: Die Draut vou Desslna. fmcüoUiSbütznc Einige Nenmeldnngen zu den Naehmittags- Abteilungen werden noch in den ZalüsteUen angenommen. ■ XIV. Saison! Zirkus Busch. Donnerstag, den 10. Dezember, abends präz. 7'/, Uhr: Um ea. 9 Uyr: Zizi Bamboula! Das vieluuistrittcne Naturwunder aus Paris. •fohu Hlfcgins. Champion im Hoch. u. Weitsprung. Neu I Inaa-Tmppe. Ren! Herr Burkdardt-Foottit, Schul- reiter. Gigerlclonm Als. Daniels, der Urkomische. Herr Ernst Schu- mann, Meislcrdressurcn. Four- ceaux und Manctti, Reitlünstler. Um 9'/, ca.: TXufkübrunxen: Xaeh mit tags: � Abends: Neues Schauspielhaus: Julius Cäsar.| Weh' dem, der lägt. Nächste Serie: Nachmittag und abends: Kabagas. Komödie in 4 Aufzügen von Vietorion Sardon. Nächste Serie im Hermfeld-Theator: Oer frobekandidat Hrams in 4 Aufzügen von Max Dreyen MliGMM 242/3 Der Vorstand. In Vertr.: Q. W i n k 1 e r. Zirkus Schnmann. * Senorita Floride, snan.Tänze- • rin. Camllle-Trio, kora. Reck- .« tnrner. Kara. Meistorjongl. <5 Mlle. lonla mit ihren dress. • Bären. Kaufmann»- 12 ladya • cycle troupe. 3 Gebr. Wille, '■ Hand- u. Kopf-Equilibrist J Dr. Angelos lebend. Porzell. • Dorothy Kenton, amor. Banjo- 1 • Virtuosin. Paul Conchae, ■ Armee-Herkules. Madelalne J de Noc«, französ. Sängerin. Oer Biograph, m;r. m' 1 CNTREE Ml RKRV. FIAT? M2. • einschhessl Garderobe. Prog >»»»»»»»»»»»».».»»»»»»»»»« Heute Donnerstag, den 10. Dezember, abends präziae 7'/, Uhr: Ja• Progpaniin und die gt~ Dcsembcr-Spcsiailtttten. Si-oBurtlffen Dressuren. HCUia UCU X/ EUtc-Abend— Onln• Pro neuen Dcsenal_. Dir. Albert Schumanns"S™» Um 0'/, Uhr: Ein Sensation. Sehanspiel ersten Ranges. Oolo, der Seeräuber und Mädchenhändler mit seinen wunderbaren unerreichbar dastehenden lieht- u. leehn Effekten Neu© ICililnseii. DebrUder Herrnfeld- f» Tbealer. ÄÄ 67 Kommandantenstr. 67. Ein Erfolg, wie Ihn die Herrnfeld- Bühne bisher nie erreicht! Die beiden Bindelbands. Vorher: Vollständig neuer KünstlersTeü i Lena Heggl.— Mirzl v. Wenzl, Original• Lindström• Terzett. Lei Rhyanit.— B Hardinfs. Melropol-Theater 8 vi Mi TttBHch 8 Uhr Ravu ein 10 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Paul Linoke. Regie Direktor Sobult*. Senntag, 13 Dezember, nachm. 3 Uhr: DurciilauclitRadiescben. g Passage-Panoptikum. Cime Ertrn-Entrce! 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HörsaalSUhrProf. Dr. B. Donath: Die modernen elektrisch. Lampen. m&RPRQttltlMT ®t. Frailklnner Str. 132. WendS 8 Uhr: Air Eutglrijfell. gM- WochentagSpreise.'WW Freilag: Die Entgleisten. Gonnabend nachm. 4 Uhr: Frau Holle. Urfer Theater Bergltratze 147. Sonntag, den 13. Dezember IVOS: 6. und letztes Gastspiel des Neuer Berliner Operetten-Eiiiemblcs: Ermästtgte Preise. Die DoUarprinzesllN. Operette tn drei Akten von Leo Fall. Ansang VI, Uhr. iL alhaila Vstri�te T�pafer Weinbergsweg 19/20. Rosoiuh. Tor. Anfang 8 Uhr t Das neue g r o st a r t i g e i Dtjembkr-SptMlitattn- Programin.! Im Tunnel Regsmenlskapellrn te. I Theaterbesucher Hab. freien Eintritt. I �.7sosoKs7Ksster kmellio» Rod. llill. Srinineuilr>6. Beneki? Kar! l�eich. S Uhr: Ein Tng vor hlflljiiflifjffii 8 Ubr: Bei sprechen hinterm Herd. «»sang 8 Uhr. Eilt,-e 3« Ist. Ball. Sonnabend: Die Schule der Liebe. glisgLslivbgz 8i!bgu8pIsIbZU8 Kastanien. Allee 7—9. bei' Clöcto fon Hotre-Oame. Drama In 5 Akten v. Siiich.Pjeijjtr. Ansang 8'/, Uhr. Freitag zum erstenmal: Die Jüdin von Toledo. Tolies Caprtce öiulfiiftr. 132, an der Friedrichstrasje. vio ISstixo Ole Vrautsekau. freiiag, den I>. Dezember 1303: R�K'SIIllvA'V. Standige Eisbahn. Bis I Uhr nacht« geöfftiot. GroBfs Konzerl Abends Auftreten erster Eiskunstläufer und •läuferlnnan. Morgen ble Est, Uhr: PopulSrer Tag. Eintritt 50 o. 30 Fi * Männer-Gesangverein„Senefelder" (M. d. A.-S.-B.)— Chormeistcr: A. Bock. Sonntas, 13. Dezember, in Kellers WZ' avs rrdxwt 'hlliiamonie", KöpenickorBtr. 97:**.01136*5 Tli» „Neue Phliti Mitwirkende: Anfang 6'/, Uhr. Eintrittskarten: Vorverkauf 30 Pf., an'der Kasse 40 Pf. Kinder unter 6 Jahren haben keinen Zutritt. Herr Nikitiis, Violine: Herr Hulschenreuler, Violoneoll; Herr Bock, Hannonium. Grand-Hotel Am Alexanderplatz. Festsäle B. Jehmlich. 1 Jeden Sonntag und Dienstag:[2161b*| Täglich 8 Uhr: D«? einzig dastehende Dezember- Spielplan! U. o.: Dolorita, die schönt Spanierin. dstvitn Iteliks, Sturz aus der sechsten Etage. Clerson and Georg!, sjoiHgtu«. La belle Florentine, lebende subet. Werthers L,eidcn, Burleske»oii Schmidt-HowkinS, und Iv �Attrnhtlonnn. Famstienkarten, wochentags halbe Preise, Überall gratis l Hamburger Sänger. Anfang Sonntags 6l/i Uhr, wochentags 8 tJhr.| Vorzugskarten nahen wochentags Gültigkeit.| »MMMWMMMMMMW'WMMWWMVMVW'MMMWMH Puljlmann» Theater (früh, ftröbel. Jnh.t 1. I.e,cdko»»kI). Sehvnhnnser AJIee 148. Heute Donnerstag S Ubr: Ddeater und Spezialitaten< Borstellung. Die neue Wirtschafterin. Schwank in 1 Akt. Clown Dolly mit seinem ZiikuS. LcS AIcttaS. Alb. Aurich. Mr. Otti. Duett Reinhard usw. last-iheater Burgstrahe 24, 2 Minuten vom Bahnhos Börse. Sanssouci, ZZTl Direktton Wilhelm Reimer. Heute Donnerstag: MeiieS Programm. Cr.ite-Soiree Ä. von HonmanDSIlonld. Sängern Vroyer Erfolg von Franz FantherS Weihnachtskom. Wiedergefunden! Im Eiepalaet.(DuettJ DaS neueste». Berlin.(PotpJ Beg. Sonnt. 6, wochertt. 8 U. Reichshallen-Theater Stettiner Sänger. 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Dezember, nach. mittags 3'L Uhr. von der Leichen- Halle des Elilabcth-KirivhoscS in der Prinzenallce aus statt. Rege Beteiligung erwartet lrS/t? Die OrUnerwalMmg. Zentral-Kranken- o. Sterbekasse der deutschen Wagenbauer. Berlin, lleatrk IT. Den Mitgliedern zur Nachricht, dafe daS Mitglied Albert Lcbwsnz am 8. Dezember anbei4 Proletarier. krankhcit verstorben ist, Die Beerdigung findet am Freitag, den tl. d, MtS., nach- »littagS 3'/, Ubr, von der Leichen- Halle des Elisabeth- KtrchhoseS, Prinzen-Alle«, aus statt. 263/11 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbelter-yerband Verwaltungsstelle Berlin. Todes» Anselge. Den Kollegen*ur Nachricht, dafe unser Mitglied, der Bauanschläger Richard Brodovskl am 7. d. M. gestorben ist. ffhrt seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Freitag, den 11. Dezember, nach- mittags 3 Ubr, von der Leichen- balle oeS städtischen FriedhoseS in FriedrichSselde aus statt. Rege Beteiligung erwartet 125/18 Bio Ortsverwaltung. (Pllasterer) und Berolsgenossen Di Zentral-Verband der Steinsetzer l und Kernt! entsehlands. Filiale GroO- Berlin. Unierbezirk Otigborf. Den Mitgliedern zur Nachricht, dafe unser Genosse, der Rammcr Max Maiwald am Montag, dm 7. Dezember, verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Freilag. den II Dezember, nachmittags l'/f Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Rirdorser Kirch- HoseS, Mariendorser Weg, ausstatl. Um zahlreiche» Erscheinen ersucht 179/2 Der Borstand. Verband deutscher Gastwjrtsgehllfen (OrtSverwaliung Beiiin). Den Mitgliedern zur Nachricht, dafe unser Kollege Josepti Rother verstorben ist. Ehre seine« Andenken! balle deS Zentral- FriedhoseS in Friedrichsseide au» statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 293/11 Der Vorstand. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meine» lieben Manne«, unser, S sorgsamen BaterS, des Tischlers Herninnn Rasch ke, sagen wir allen lieben verwandten. Freunden und Bekannten, insbesondere dem Personal der Firma Frister u. Rofemanu und dem Deullchen Holzarbeiterverband(Zahlstelle Berlin) unstren ttesgesühliesten Dank Wwe. Marie Raschle geb. Pelz nebst Kindern. Am 7. d, MtS. entichlics nach schwerem Leiden unser Mitinhaber tBrnil Vorpahl im 53. Lebensjahre. Dir werden Ihm ein ehrendes Andenken bewabr«», Möbelfabrik„Einigkeit*. Tie Beerdigung findet Donner»- tag, den 10, d. MIS,, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des EmmauS- Friedhofes, Rixdors, Hermonnstrage, au« statt. Danksagung. Jfir die innige Teilnahme und lreichcn Kranzspenden bei der ve. erdigung meine» lieben Manne» und guten Vater» Rehitich Schwahn sagen wir den Genossen de» sechsten Berliner ReichstagSwahlrcise» sowie den Kollegen de» Deutschen Trans« vortarbeiler-Verdande», insbesondere den Kollegen der Brauerei Engel- Hardt unseren herzlichsten Dank. S8b Witwe Schwahn nebst Kindern. Danksagung. ür die vielen Deweise inniger Teil- nahm« bei der Beerdigung meines lieben Manne» und Vater» sagen wir allen Verwandten, Freunden wie auch Bekannteu, als auch dem Psrifenklud „vergifemeinnichi" und dem Personal der Finna Mir 4 Genest unseren herzlichsten Dank, 106b Witwe Berta Rudolph und Kinder. Di*. Simmel Speziai-Arzt für Haut- and Harnleiden. Prlnzenslr.tl.S,;� 10—2. 8—7. Sonntags 10— 12, 2—4 lll_ l|__(l* beim Brauge Ihres wollen oi6-Bü?,*!rbedar,s für'(ieihnachten Tie! Geld sparen, so verlangen Sie i/nf. Röumung». Katalog Nr. 11.1(mit erstaunlich billigen Preisen) erat. u. vostfrct. Llpsius 4 Tlschor, verlagS-, Sortim. u. Anliq»ar./> uter................. nasche 6 8 pt. Halb u. Halb.................................... nasche 95pf. Berliner Getreide-Kümmel............. nasche 95pt AprikOSen ganze Frucht....>/> Dose 80 Pf. 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Dezember 1908, abends 7 ühr, im„KUnlsatNütlHclien Kasino", llolzmarktstraße 79 (Ecke Alexanderstraße): 6/20 LldiHllierrorlrag andt" m. Vortm? GemQtllches Beisaranunssin und Tanz. DV Eintritt 30 Pt- Garderobe frei."Wl Droschkenrührer..f®rJE!od. Heute. Donnerstag, den 10. Dezember, abends» Uhr: Seffentticke Tcrrammliing im Lokal von Karl Keller,«öpenicker Strafte S« und S7. TageS. Ordnung: Die Regelung der Arbeitszeit und Sonntagsruhe im Droschkenfuhrbetriebe. Referent: Reichstagsabgeerdneter Molkcnbuhr. Die Ortsverwaltung IV des Deutschen rranSvortarbeiterverbandeö. Ehe Event. Tellzablong Sie Möbel kaufen, besichtigen Sie bitte ohne Kaufzwang Paul Burows Möbelfabrik Lindenstraße 105(Hall. Tor) Großer Räumungs-Ausverkauf wegen Umzuges zu Fabrikpreisen t! Orts- Krankenkasse der Maler* Ä,rrbe Die Wahlen der Delegierten für die Jahre 1909-1910 finden an dem nachstehend bezeichneten Ort und Tag statt: a) für Arbeitgeber: Im Kassenlofal, Spandauer Stratze 5. am Monlag. den 14. Dezember 1308, vormittags von lO1/,— U Uhr.— ES find 89 Bei Ircter zu wählen. b) für Arbeitnehmer: im Kaffenlotal, Spandauer Sirahe 5, am Montag, den 14. Dezember 1908, abends von 8— 9 Uhr.— ES sind 178 Bcrlreler zu wählen. lOTb Der V'oratnnd. Aufruf! Herr Schmidt, welcher im Jahre 1900 bei dem Tafchenschirmfabrikanten Hugo Hs?germAlin Berlin, Alle Jalobstrafie 108, Werksährer war, wird gebeten, sich in wichtiger Angelegenheit zu melden.* Slax Cochlns, �lexandrinenstratze 35. �Hygienische ***»- Bedansaruxei. z\6uü8to.jtaiog X Empfahl, viel. Aerzte u.Proi. erat,"tt H. Dnesr. GonunlwsientahnJc Qorlla NW.. Friedrichs ua«»« 91/93 IIUMtcn, HoiHcrkelt 1 beseitigen wunderbar lelchtj und achnell| die berühmten Husteutropfen von Otto Reichel. Nor echt mit| Marke „Uedlco". N.SOBf.u.tM.I Vor Nachahmungen jeder Art fei jedoch dringend gewarnt. In den meisten Oregerien und bei Otto Reichel, Berlin43. Eisenbahnstr. 4. FMöbel Dessin! C. 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Verlcigsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Nr. 289. 25. Iahrgallg. 3. KcilM ilcs Jotiüitlo" Knlim WsdlM. Dounttstag» 10. Deztiilbtr 1908. Eine Flngblattverbreituny M Kerli«»d Doroete _ findet am Sonntag, den t3. Dezember, von 8 Uhr früh an statt. Partei- Zngelegenkeiten. Bernau. Heute abend Zahlabend in den bekannten Lokalen. Zernsdorf. Sonntag, den 13. Dezember, findet für die Ort- schoflen Zernsdorf, Cablow, Cablower Ziegelei. Dannenreich und Friedrichehof eine Flugblattverbreilung statt. Die Genossen treffen sich um 7»/, Uhr bei Knorr in Zernsdorf zur Einpfangnahme der Flugblätter._ Der Borstand. Berliner JVaebnebteno Wenn die Zeiten schlecht find, so wird das sehr bald auch von der Steuerverwaltung gefühlt. Es hilft unseren Stadtfreisinnigen nichts, den Notstand wegreden zu wollen: Das Ergebnis der Steuereinziehung straft sie Lügen. Je schwerer die Arbeiterbevölkerung unter dem Beschästi- gungSmangel leidet, desto weiter bleibt das Steuerauftommen hinter den ausgeschriebenen Beträgen zurück. Das gilt zum mindesten für die Einkommensteuern, die ja die allgemeinsten Steuern sind und den größten Teil der Bevölkerung erfassen. Hier mehren sich in Zeiten der Arbeitslosigkeit die Fälle, in denen für den Steuererheber nichts zu holen ist und nach erfolgloser Mahnung samt ftuchtlosem Pfändungsversuch die Steuern wegen Unbeitreiblichkeit niedergeschlagen werden müssen. DaS Steuerjahr 1807/03, über das jetzt die Steuer» beputation des Magistrats ihren Verwaltungsbericht erstattet hat, brachte ein noch ungünstigeres Einziehungsergebnis als das vorher- gehende Jahr. Bei der Gemeindeeinkommen st euer mußten von ihrem Sollbctrag wegen Unbeitreiblichkeit 2,16 Proz. und außerdem wegen NichtVerpflichtung 3,46 Proz. niedergeschlagen werden. Hierzu kamen noch 2,41 Proz., die als Rest in das fol- gcnde Jahr hinübergenommen werden mußten. Demnach stellte sich der Betrag, der eingezogen werden konnte, auf nur 91,67 Proz. des Solls. Von der S t a a t s e i n k o m m e n st e u e r, die be- kanntlich durch die Steuerverwaltung der Stadt mit eingezogen wird, mußten wegen Unbeitreiblichkeit 2,67 Proz. und wegen Nicht- Verpflichtung 4,25 Proz. niedergeschlagen und als Rest 1.93 Proz. in das folgende Jahr hinübergenommen werden. Eingezogen wurden also hier nur 91,10 Proz. des Solls. Die Nieder- schlagungen wegen Unbeitreiblichkeit sind schon seit mehreren Jahren im Zunehmen. Sie beliefen sich in den fünf Steuerjahren 1903/04 bis 1907/08 bei der Gemeinde» cinkommensteuer auf 1,42 Proz., 1,51 Proz., 1,73 Proz., 2,06 Proz., 2,46 Proz. des Solls, bei der StaatSeinkommensteuer auf 1,54 Proz., 1,70 Proz., 1.90 Proz., 2,31 Proz., 2,67 Proz. des Solls. Lehrreich ist zu sehen, wie verschieden da? Einziehungs- ergebnis bei den kleineren und bei den größeren Einkommen ist. In den Verwaltungsberichten der Steuer. beputation sind die bezüglichen Zahlen nur für die Staats- cinkommensteuer und nur für die beiden Hauptgruppen der Ein» kommen über oder unter 3000 M. mitgeteilt. Im Steuerjahr 1907/03 wurden vom Sollbetrag der StaatSeinkommensteuer bei den Einkommen über 3000 M. nur 0,47 Proz. wegen Unbeitreib» lichkeit und 2,88 Proz. wegen NichtVerpflichtung niedergeschlagen, und 1,27 Proz. blieben in Rest, so daß hier der eingezogene Betrag sich auf 95,38 Proz. stellte. Dagegen mußten bei den Einkommen unter 3000 M. diesmal 10,29 Proz. wegen Unbeitreiblichkeit und 9,05 Proz. wegen NichtVerpflichtung niedergeschlagen und 4,42 Proz. als Rest in das folgende Jahr hinübergenommen werden. Dem» nach konnten bei den Einkommen unter 3000 M. nur 7 6,2 4 Proz. des ausgeschriebenen Steuersolls, nicht viel mehr als drei viertel, eingezogen werden. Besonders bei diesen kleineren Einkommen sind die Niederschlagungen wegen Unbeitreiblichkeit im Zunehmen. Sie betrugen in den fünf Steuerjahren 1903/04 bis 1907/03 bei den Einkommen über 3000 M. nur 0,32 Proz., 0,27 Proz., 0,25 Proz., 0,26 Proz., 0,47 Proz. des Steuersolls, dagegen bei den Einkommen unter 3000 M. 6,77 Proz., 7,82 Proz.. 7,92 Proz., 9,54 Proz., 10,29 Proz. des Steuersolls. Wegen Unbeitreiblichkeit mußte hier im letzten Jahre mehr als ein Zehntel des Steuersolls niedergeschlagen werden. lieber die Ursachen dieser fortschreitenden Verschlechterung deS Ergebnisses der Steuereinziehung findet sich in dem Ver- waltungSbericht nur eine ganz kurze Bemerkung. Sie lautet:„Die bedeutende Zunahme der unbeitreiblich gewesenen Staats- und Gcmeindeeinkommensteuerbeträge ist zum Teil auf das höhere Steuersoll, zum Teil auf die durch Streiks in den verschiedenen Gewerben verursachte Arbeitslosigkeit zurückzuführen. Nicht ohne Einfluß ist auch die höhere Veranlagung der unteren Steuerklassen infolge der Angabe der von den Großbetrieben gezahlten Arbeits- löhne gewesen." Nun wissen wirS: die Streiks sind es. die den Arbeitern die schlechten Zeiten gebracht haben; hätten die Arbeiter nicht gestreikt, so— gäbe eS jetzt keine Arbeits- losigkeit. Man sieht, daß der bornierte Unternehmer- st a n d p u n k t, von dem aus der Berliner Stadtfreisinn alle die Arbeiterklasse berührenden Fragen ansieht, sich niemals verleugnen kann. Die Bev/lkernngSzahl Berlin» schwankt im Laufe eine» Jahres mehrfach auf und ab. Seit langem nahm sie alljährlich besonders im Oktober sehr stark zu. weil der Herbst regelmäßig einen bedeutenden Ueberschuß der Zuzüge über die Wegzüge brachte. In diesem Jahre aber und zum Teil auch schon im vorigen hat die Verschlechterung der Wirtschaftslage dazu geführt. daß in Berlin die Bevölkerungsbewegung, wie wir bereits mehrfach gezeigt haben, sich ganz ungewöhnlich gestaltete. Infolge beträchtlicher Verminderung derZuzüge und gleich- zeitiger Vermehrung der Wegzüge war in manchen Monaten der Rückgang der Bevölkerungszahl so groß, und andererseits blieb selbst in den Monaten, die sonst zu den günstigen gehören, der Zuwachs so gering, daß schon im Sommer dieses Jahre« die Bevölkerungszahl nur noch wenig über derjenigen aus dem Sommer vorigen Jahre» stand. Daher mußte man dem Ergebnis des Monats Oktober diesmal mit besonderem Interesse entgegensehen. Der diesjährige Ottober hat nun gleichfalls einen nur mäßigen Bevölkerungszuwachs gebracht, weil der Zuzugsüberfchuß eine nur geringe Höhe erreichte. Das Er« gebniS der vom Statistischen Amt der Stadt ausgeführten Be- völkerungsfortschreibung liegt jetzt bis Anfang November vor. Für Anfang Ottober war die Bevölkerungszahl 2 095 056 errechnet worden. der Zuwachs aus Oktober betrug aber diesmal nur 6135, mithin stieg bis Anfang November die BevölkernngSzahl auf 2 101 191. Im vorigen Jahre dagegen hatte der Ottober mit 2094 269 begonnen, der Monat brachte dann einen Zuwachs von damals noch 10 559, Anfang November stellte sich mithin die BevölkerungS- zahl auf 2 104 323. Man sieht, daß im Jahre 1908 zu An- fang November die Bevölkerungszahl Berlins niedriger war als im vorigen Jahre zu dem» elben Zeitpunkt. Aus dem zwölfmonatigen Zeitraum von jSnsang November 1907 bis ebendahin 1903 hat Berlin sich einen Bevölkerungsverlust von 3637 Personen zu buchen gehabt._ WaS geben wir unseren Kinder» zu lesen? Die Frage, was wir unseren Kindern zu lesen geben sollen, tritt jetzt in der Zeit vor Weihnachten wieder an unS Eltern heran. Beantwortet wird sie durch die Ausstellung von I u g e n d s ch r i f t e n, die am Sonntag im Gewerkschaft s- Haus(Engelufcr 15) eröffnet worden ist. Den Eltern, die ihren Kindern ein gutes Buch schenken möchten, können die dort ausge- stellten Jugendschrkften empfohlen werden. Warum diese zu cmp- fehlen sind, und welche Anforderungen an eine gute Jugendschrift gestellt werden müssen, das wurde am Dienstag in einer nach dem Gewerkschaftshaus einberufenen öffentlichen Versammlung in einem Vortrag des Genossen Dr. Ed. David dargelegt. Von einem guten Buch forderte der Vortragende, daß eS sich darstelle als ein Stück Lebenserfahrung eines hervorragenden Menschen. Es müsse den geistigen Horizont deS Lesers erweitern, sein Gefühlsleben läutern, ihm edle StrebenSziele geben. Von diesen Gesichts- punkten aus sind die ausgestellten Bücher auSgewäblt worden. Zu- gründe gelegt wurde die sichtende Vorarbeit deutscher VolkSschul- lehrer, aber hinzugekommen ist die nochmals prüfende, auSson» dernde, ergänzende Tätigkeit des Bildungsausschusses der lozial- demokratischen Partei, dem eine Reihe fachkundiger Genossen und Genossinnen mitarbeitend zur Seite gestanden haben. Die Be- suchcr der Ausstellung finden eine Sammlung einwand» freier Bücher für Kinder jeden Alters, von den Bilderbüchern für die Allerkleinsten bis hinauf zu der Lektüre für die schon aus der Schule entlassene Jugend. Genosse David er- örterte die einzelnen Stufen der Jugcndliterawr, die sich dcnl Be- dürsiliS der verschiedenen Altersklassen anpassen: die Bilderbücher, die Märchen- und Sagenbücher, die Bücher mit wahren Erzählungen, die Schilderungen aus der Völkerkunde, der Naturgeschichte, der Kulturgeschichte usw. usw. Besonders wichtig sei die Lektüre für dasjenige Lebensalter, in dem die Knaben und die Mädchen sich zum Jüngling und zur Jungfrau entwickeln. Diese kritische Zeit bedeute eine Revolution nicht nur für daS körperliche, sondern auch für daS geistige Leben deS Kindes, in ihr beginne bereits die Weltanschauung sich zu bilden. Gerade hier sei eS sehr zu wünschen, daß die Eltern aus der Arbeiterklasse sich den Einfluß auf die Entwicklung ihrer Kinder sichern und die geistige Gemeinschaft mit ihnen bewahren. Auch die Frage der Beschafftmg guten Wandschmuckes für Arbeiterwohnungen wurde vom Vortragenden noch kurz ge« streift. Die Ausstellung bietet eine Reihe Wandbilder, die künst- lerisch wertvoll und dabei verhältnismäßig billig sind. Dem anregenden Vortrag, der mit lebhaftem Beifall aufge- nommen wurde, folgte keine Diskussion, die Versammlung wurde von der Vorsitzenden Genossin Stock geschlossen mit der Mahnung, daß jeder an seinem Teil dazu beitragen möge, der Aus» stcllung von Jugend schriften und Wandschmuck möglich st viele Besucher zuzuführen. Die Ausstellung bleibt(in Saal III) noch geöffnet bis einschließlich nächsten Sonn- tag, täglich von 3 Uhr nachmittags bis 10 Uhr abends. Der Zutritt ist unentgeltlich für jedermann. von einer Fahrt zum Kaiser. Wegen Wider st andSgegen die Staatsgewalt war der Kutscher Hcllmcr unter Annahme mildernder Umstände vom Landgericht I zu einer Geldstrafe ver- urteilt worden. Der Tatbestand war nach Feststellung des Gerichts folgender: Am 29. Januar gc�en 8 Uhr hatte H. den Landwirt- schaftsminister b. Arnim in einer Equipage zum Hofball ge- fahren. Im Wagen befand sich dann noch der Geheime Kanzlei- dicner Zielke, der in der Kommandantur einige Karten des Ministers abzugeben hatte. Als H. vom Schloß nach der Kom- mandantur fahren wollte, waren die Linden gesperrt. Ein Schutz- mann winkte H. und fiel den Pferden in die Zügel, als H. nicht darauf achtete. Der Angeklagte hob die Peitsche und schlug nach dem einen Pferde. Darin wurde der Widerstand gegen die Staatsgewalt gesehen, indem angenommen wurde, daß der Angc- klagte durch den Schlag die Pferde vorwärts treiben wollte.— DaS Kammergericht verwarf die Revision H.S. Ohne Rechts- irrtum sei Widerstand gegen die Staatsgewalt festgestellt. Der Schutzmann habe im Interesse des öffentlichen Verkehrs, also in befugter Ausübung feines Amtes gehandelt. Dem habe der An- geklagte durch Gewalt Widerstand geleistet. Der Schutzmann habe die Pferde angehalten. Dieser behördlichen Gewalt habe Kläger Gewalt entgegengesetzt, indem er daS eine Pferd zum Zwecke de» Antriebs schlug. Gleichgiltig sei. daß sich diese Gewalt zunächst nur aus daS Pferd erstreckte. Entscheidend wäre, daß sie sich auf dem Schutzmann übertragen sollte. Wenn der Schutzmann dies verhinderte, indem er die Pferde so festbielt, daß sie dem Peitschenantrieb nicht folgten, dann ändere das nichts an der Feststellung de» Widerstandes gegen die Staatsgewalt. lieber mangelhaften Signaldienst auf der Hochbahn geht der „Nationalzeitung" eine Beschwerde zu. deren Verfasser folgendes berichtet:„Ich befand mich gestern abend kurz vor 7 Uhr auf dem Bahnhofe Friedrichstraße und wollte nach der Richtung Zoologischer Garten fahren. Auf der Tafel, die die Richtung des zunächst kam- .nenden Zuges anze'gt, stand„Warschauer Brücke". Gewöhnlich ucvt« ich dann überhaupt nicht auf den einfahrenden Zug, sondern pflege zu lesen. In diesem Falle gab ich aber gerade acht: auf dem einfahrenden Zug stand„Wilhelmsplatz". Ich betrachtete nun wieder die Tafel, wo noch immer„Warschauer Brücke" stand, sagte mir dann aber schließlich, auf dem Zuge müsse doch das Ziel der Fahrt richtig angegeben sein, und stieg in den Zug, da kein De« amter in der Nähe war. den ich hätte fragen können. Kurz vor der Abfahrt deS Zuges 6.55 wurde die Tafel„Warschauer Brücke" zurückgezogen, und erst als der Zug sich in Bewegung setzte, erschien die richtige Tafel. Ich irttne nun. so etwas dürfe doch nicht vor- kommen, wenn auch bei einem Bahnhofe, wie dem der Friedrich- straße. kaum ein Unglück dadurch entstehen kann, daß das Bahnhof. personal nicht weih, nach welchem Ziele der au erwartende Zug weiter fährt, so kann doch genau dasselbe sich auf dem Bahnhofe vor eine Kreuzungsstsll« ereignen, z. B. auf dem Bahnhofe Leip. ziger Platz."— Von anderer Seite wird der„Nat.-Ztg." dieselbe Beobachtung, die auf dem Bahnhof Bülowstraße gemacht worden ist, bestätigt.— Auch uns ist dieser Tage ein gleicher Vorgang vom Bahnhof Nollendorfplatz berichtet worden. Strahenbahnbcschwerden. Aus Pankow wird uns ge- schrieben:„Im Eiliempo von 35 Kilometern rast die Elektrische durch die Berliner Straße, jedenfalls mutz hier die Fahrdiffcrenz wieder herausgeholt werden. Die in den Wagen sitzenden Passa- giere, hauptsächlich die in den alten aus dem vorigen Jahrhundert stammenden Anhängern erhalten dabei als Zugabe Freimassagc; es scheint, als ob unter den Wagen Trommelmaschincn angc- bracht sind, die anscheinend zur Stählung der Nerven dienen sollen. Ob der Herr Generaldirektor schon einmal eine Stunde in einem solchen alten Karren gesessen hat? Wehe demjenigen, der vor der Haltestelle aufsteht, um oen Wagen zu verlassen, ein plötzlicher Ruck und es ist um ihn geschehen. Vor einigen Wochen passierte es, daß eine vom Einkauf heimkehrende Frau dadurch aus dem Wagen ge- schleudert wurde, sich glücklicherweise nur das Gesicht verletzte, da- für aber 14 Tage krank war vor Schreck. Ein fünfjähriger Junge verlor seinen rechten Arm und eine arme Plätterin ein Bein. Die gefährlichste Stelle ist die Straßenkreuzung„Binzstraße". Zeit- weise ist die Straße sehr befahren und mehr wie einmal war eS nur der Geistesgegenwart der Wagenführer zu verdanken, daß ein Zusammenstoß nicht erfolgte. Kann sich die„Große" die Konse- quenzen ausdenken bei einem vollbesetzten Wagen? Von Anwoh- nern der Binzstraße ist petitioniert worden, die Haltestelle, die sich auf einem ganz ungeeigneten Play befindet und sehr dunkel liegt, nach der Ecke der Binzstraße zu verlegen, aber diq Petenten sind mit nichtssagenden Ausflüchten abgewiesen worden. Versprochen wurde zwar, an ftaglicher Stelle langsamer zu fahren, dabei ist es aber geblieben, von langsam fahren ist nichts zu merken. Wenn hier nichts zum Schutze der Anwohner geschieht, werden diese be- dauerlichen Unglücksfälle nicht die letzten sein. Einerseits ist es der berüchtigte Binzsee, der jedes Jahr seine Opfer fordert, anderer- seits sind es die vorbeisausendcn elektrisck�en Wagen, die Leben und Gesundheit gefährden. Hoffentlich nimmt sich die Gemeinde- Vertretung diese? Notschreies an und versucht die Angelegenheit dieser vom Unglück verfolgten Straße zu regeln. Zu dem Kampfe im UntersuchungsgefAngniS wird mitgeteilt, daß der Gefangene Buchhalter Rubin immer noch besinnungslos danieder- liegt. Die Schubverletzung im Unterleibe ist sehr schwer. Ob der Verwundete mit dem Leben davonkommen wird, ist sehr zweiselhast. Der durch Messerstiche verwundete Beamte ist der Gefangenenaufseher Franz Basiert aus der Feldzeugmeisterstr. 7. Seine Verletzungen sind nicht so schwer, als man anfangs glaubte. Er konnte deshalb, nachdem er im Krankenhause einen Verband erhalten hatte, uoch in der Nacht seine Woanung aussuchen. Der Leichcnfund an der AuferstehungSkirche ist jetzt vollständig aufgeklärt. Die Obduktion, die gestern nachmittag die GcrichlSärzie Geheimrat Siraßtnann und Dr. Marx vornahmen, bestätigte, daß der Gelegenheitsarbeiter Schlemper, der auf einer Bank tot auf- gesunden wurde, an Verblutung durch Messerstiche gestorben ist. Die mutmaßlichen Täter Klienitz und die Stahlberg wurden nach der Obduktion wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgange nach dem Untersuchungsgefängnis zurückgebracht. Ein schwerer Automobilunfall trug sich gestern nachmittag in der GreifSwalder Straße zu. In der Nähe der Danziger Straße hatten mehrere Schulkinder auf der Promenade gespielt. Der achtjährige Haus Meiners rannte dabei aus den Fahrdanmi und beachtete nicht das Herankommen eines Privataulomobils. Er lief gegen den Kraftlvagen, wurde zu Boden geschleudert und die Hinterräder des Wagens gingen ihm über die Brust hinweg. In besinnungslosem Zustande wurde der Knabe nach dem Krankenhause am Friedrichs- Hain gebracht, wo die Aerzte schwere innere Verletzungen bei ihm konstatierten. Die Firma Nix& Geneft teilt uns zu dem Selbstmord des Monteurs � Rudolf mit, daß sie ihn nicht nach einem vorherige» Krankenlager entlassen habe, sondern sie habe ihn darauf wieder eingestellt und erst später wegen unsoliden Verhaltens nach vor» heriger Verwarnung entlassen. Eine Handtasche mit Inhalt(Portemonnaie mit Geld, Trau» rkng und verschiedenes andere enthaltend) hat am 7. Dezember abends ein Arbeiter in der Lohmühlenstratze gefunden. Er glaubt, daß die Vcrliererin eine Arbeiterfrau ist und möchte ihr wieder zu ihrem Eigentum verhelfen. Er bittet uns um Veröffentlichung, der wir ausnahmsweise nachkommen, da in der bezeichneten Gegend die Orte Berlin, Rixdvrf und Treptow zusammentreffen und die Verliererin nicht recht wissen dürste, an welche zuständige Behörde sie sich zu wenden hat. Die Verliererin hat sich bei SchadcwSki, Lohmühlenstr. 25, zu melden. In einem Anfall von Schwermut a»S einem Fenster der vierten Etage gesprungen ist gestern abend die Witwe T h a m m aus der Aorkstr. 72. A!S Hausbewohner auf den Hof eilten, um Hilfe zu bringen, war eS leider schon zu spät. Der Tod war auf der Stelle eingetreten. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Feuerwehrbericht. Die Berliner und Rixdorfer Feuerwehr wurden am Mittwoch nach der Schinkestraße 20/21 alanniert, wo in einer Blechemballagenfabrit Feuer ausgekommen war. das auf eine Werkstatt beschränkt werden konnte. Der 11. Zug wurde gestern abend nach der Urbanstraße 116 gerufen. Dort war in einem Keller. ein Gäureballon geplatzt. Um die Gefahr zu beseitigen, gab die Wehr mit einem Rohre tüchtig Wasser. In der Pflugstraße 2 brannte auf dem Boden des Hauses HauSrat u. a., und in der Müllerstraße 116/120 auf fteiem Felde eine Laube. Zwei kleine Wobnungsbrände wurden aus der Schönhauser Allee 63 und Bach- strah, 10 gemeldet. Vorort- JVaefmehtem Lichtenberg. � Aus der Stadtverordnetenversammlung. Die vom Magistrat nochgeforderten Mittel zur Deckung der Unkosten für die Auf- stellung der Wähler- und Bürgerltsten sowie der Entwurf einoc Abänderung des OxjSstatutS über die Reisekostenentschädigung der an der städtischen Verwaltung Beteiligten wurden bewilligt. Während bisher beispielsweise für eine Terrainbesichtlgung in Marzahn oder Teilnahme an einer Besprechung in Charlottenbuvg Beträge von 16 und 13 M. bezahlt wurden, dürfen in Zukunft nur solche von 4, 6 und 8 M. erhoben werden, wenn es fich um Orte handelt, die in einer Entferming von 20 Kilometer liegen. Die Beschlußfassung über die Beschaffung eineS Stadtwappens machte der Majorität der Versammlung insofern Schwierigk/iiten, als der Stadtverordnete Lehne Bedenken darüber äußerte, daß die im Wappen zur Dar- stellung kommende Sonne, die in Anlehnung an den Ortsnamen Lichtenberg strahlend über einem' Berge sich erhebt, und nach der Erklärung des Sachverständigen, Stadtrat Hirtschulz, daran er- inner» soll, daß früher die Berliner hofsilungsvoll ihre Blicke nach Lichtenberg richteten, viel zu strahlend und zu hell dargestellt sei. Unter groher Heiterkeit der Tribünenbesucher erklärten sich unsere' orts sind die Gemeinden bestrebt, durch Lobnaufbesscrungen oder r,** c,".«• Sr»£ rtöfi»vÄl£»+e»*» �(ntcriTnnSaiTTrtrtpn rtn 9Irf»pifpr h�r fiprrfrftpnhpn �Tpnpntnrt Genossen bereit, für die Verteilung des gefürchteten Sonnenlichtes wirken zu wollen. Die Regulierung der Friedrichstratze war wieder einmal Gegenstand der Verhandlung. Angenommen wurde der Magistratsantrag, wonach 57 MO Di. aus Gemeindemitteln veraus- lagt werden, um die Friedrichjtratze in dem fraglichen Teil an'oau- fähig herzustellen, und die Zinsen dieses Kapitals endgültig zu- gunsten der fünf Anliegar aus den Taschen der Steuerzahler zu bezahlen. Bezeichnend ist, daß während der Verhandlung drei Gewählte der ersten und zweiten Klasse den Saal verlassen mußten, weil sie es sind, die als Kostgänger der Steuerkasse in Frage kommen. Die Regulierung der Straße selbst kann.erst.«rfolgen, wenn das Enteignungsverfahren gegen die Stadtverordneten Schachtel und Dr. Wolf durchgeführt ist. Die vom Magistrat vor- geschlagene Gründung neuer Lehrarstellen gab den Rednern, der Majorität Veranlassung auszusprechen, daß das von den Rektoren gelieferte Material»nicht einwandsfre," sei. Es müsse bei der Festsetzung von Lehrerstellen für die Volksschule mehr den finanziellen Vorhältnissen der Stadt Rechnung getragen werden. Werden denn die Rektoren nun noch nicht begreifen, daß siebzig Kiirder in einer Klasse der Volksschule eine Lehrkraft nicht ganz zu absorbieren brauchen? Beschlossen wurde, die Vorlage einer Kommission zu überweisen, der auch unsere Genossen Brühl, Düwell vnd Grauer angehören. Eine neue Grundsteuerordnung schlug der Magistrat der Versammlung zur Annahme vor. Das unbebaute Terrain soll nach diesem Vorschlage zu dem doppelten Satze des bebauten Terrains zur Veranlagung kommen. Nach der Vorlage sind von 570 Hektar unbebauten Terrains im Werte von rund 57 Millionen Mark im Besitze der in der Gemeinde wohnenden Per- sonen nur solches im Werte von 9,8 Millionen Mark, während der Nest im Werte von 47l4 Millionen Mark in den Händen Aus- Wärtiger oder Terraingesellschaften ist! Der Magistrat erwartet bei Annahine der Vorlage einen Mehrertrag von etwa 148 000 M. Die Vorlage ging an eine Kommission, der die Genossen Seikel, Grauer und Düwell angehören. Schöneberg. Die Jugeudschriftenausstellung wies bereits am vergangenen Sonntag, dem Eröffnungstage, einen guten Besuch auf. Es drängte sich den Besuchern die lleberzcugung auf, daß nur eine gute Aus- Wahl von Schriften für Kinder sowohl wie auch für Erwachsene zum Verkauf gelangen. Das ist auch der Zweck des Unternehmens. Die Arbeiterschaft und ihre Kinder müssen vor der Schundliteratur bewahrt werben. Es sei deshalb daraus hingewiesen, daß auch am Sonntag, den 18. Dezember, nachmittags von 4 bis 8 Uhr, die Aus- ftcllung geöffnet ist. Bestellungen von Büchern und Schriften, die erst zum Fest abgeholt werden, nimmt jederzeit die Partei- spcdition, Martin-Lutherstraße 51, entgegen, Wir. weisen darauf hin, daß die Besichtigung unentgeltlich ist. Britz. Die verschiedensten Interessen der Gemeindevertreter kamen in ihrer letzten Sitzung zur Geltung anläßlich eines Gesuchs des Vereins zur Förderung des Gartenbaues, für die in der Zeit vom L. bis 19. April nächsten Jahres in Berlin stattfindende intcrnatw- uale Gartenbauausstellung einen Ehrenpreis zu stiften. Begründet wurde dieses Gesuch damit, daß in Britz eine große Anzahl Gärtner seien, die jedenfalls der Ausstellung ein lebhaftes Interesse cnt- gegen brächten. Während nun die Wortführer der'Gärtnerei- besitzer für strikte Ablehnung des Gesuchs plädierten und darauf hinwiesen, daß die Britzer Gärtnereibesitzer auch ohne die Stiftung eines solchen Ehrenpreises nach wie vor existieren werden, traten die Hausbesitzer lebhaft dafür ein. Sie meinten, daß dies eine treffliche Gelegenheit sei, für Britz Reklame zu machen. Herr Grau vertrat eine sonderbare Auffassung insofern, als er diesen Ehren- preis nur bewilligen wollte unter der Bedingung, daß derselbe einem Britzer Gärtnercibesitzer zuerkannt werde. Schließlich wurde mit 6 gegen L. Stimmen, wobei die Stimme des Gemeindcvertreters den Ausschlag gab, beschlossen, dem genannten Verein zu dem an- geführten'Zweck 100 M. zu überweisen. Da die Gemeinde daS Grundstück des Herrn Schönhausen zu Straßenland benötigt, der- selbe es aber abgelehnt hat, dieses Grundstück der Gemeinde frei- willig abzutreten, beschloß die Gemeindevertretung das Zwangs- verfahren gegen ihn einzuleiten. Des weiteren wurde vom Ge- meindevorsteher ein Schreiben des Magistrats zu Rixdorf verlesen, in welchem die Gemeinde Britz ersucht wird, ihrerseits zur Er- Haltung der Königsheide beizutragen. Der Forstfiskus wolle zirka 800 Morgen der Äönigsheide zum Preise von 5000 M. pro Morgen verkaufen. Es sollen aber Schr'ttc getan werden, um den Fiskus zu veranlassen, einen niedrigeren Preis anzusetzen; Rixdorf wolle 220 Morgen der Königsheide erwerben. Der Gemeindevorsteher machte den Vorschlag, 80 Morgen anzukaufen. Britz sei an der Erhaltung der Königsheide interessiert, da der Ort selbst keine Er holungsstätte habe. Die Erhaltung der Königsheidc sei um so notwendiger, als das auf Rixdorfer und Britzer Gebukt noch frct- kiegende Gelände im nächsten Jahrzehnt mehr und mehr der Bebauung erschlossen würde. Die Gemeinden Treptow, Niederschöne- Weide, Johannisthal und Rudow seien an der Erhaltung der Königsheide nicht so interessiert und so werden wohl nur Rixdorf und Britz übrig bleiben, welche die Erhaltung der Königsheide ernsthaft betreiben. Genosse Kitzing trat dafür ein, daß die Königs- Heide im vollen Umfange erhalten bleibe. Auch die bürgerlichen Vertreter waren der Meinung, daß die umliegenden Gemeinden ein Interesse an der Erhaltung der Königsheide hätten, sie müßten daher auch zum Ankauf derselben herangezogen werden. Es wurde einstimmig beschlossen, daß Britz sich mit den in Betracht kommen den Behörden in Verbindung setzen und mit einer angemessenen Fläche an dem Erwerbe beteiligen soll. Zwischen der englischen Gasgesellschaft und der Gemeinde Britz besteht ein Vertrag, welcher unter anderem die Bestimmung enthält, daß die Gemeinde nach Ablauf von zehn zu zehn Jahren das Recht hat, das Gaswerk zu gewissen Bedingungen nach einjähriger Kündigungsfrist zu er- werben. Der jetzige Kaufpreis beträgt 1 150 000 M., würde aber nach Ablauf von weiteren zehn Jahren 2 000 000 M. betragen. Der Gemeindevorsteher empfahl nun der Gemeindevertretung, am 16. Dezember zu kündigen, um die Gesellschaft zu veranlassen, der Gemeinde eine größere Gewinnbeteiligung zu gewähren, sowie einen Einheitspreis zwischen Koch- und Leuchtgas von 13 Pf. her zustellen. Die Gemeindevertretung beschloß jedoch emmütig, daß das Gaswerk am 16. Dezcniber 1909 in den Besitz der Gemeinde überzugehen hat. auch dann, wenn in den nächsten Jahren ein Zu- schuß erforderlich sein sollte. Reinirtendorf. Reinickendorf als Arbeiigeberin. Hierüber wird uns aus den Kreisen der Gcmeindearbciter geschrieben: Die Gemeinde Rei- nickendorf beschäftigt zurzeit zirka 80 Arbeiter mit Regiearbeiten wie Straßcnreinigimg, Park- und Gartenanlagcn und Kanalbau. Wie im Reich' der Kühnemänncr nicht anders zu erwarten, zeichnen sich die Lohn- und Arbeitsverhältnisse dieser Arbeiter durch be- sondere Rückständigkeit aus. Bezeichnete doch der Gemeinde- Vertreter, Fabrikbesitzer und Millionär Herr Kühnemann im ver- gangenen Frühjahr die 35 Psennig-Stundenlöhne als durchaus den Verhältnissen angemessen. Herr Kühnemann hat jedenfalls dadurch, daß er nur mit größeren Zahlen rechnet, das Augenmaß dafür verloren, was eigentlich bei derartigen Löhnen„leben" heißt. Ein Vergleich mit den Löhnen der Gemeindearbeitcr Groh-Berlins ergibt, daß Reinickendorf die niedrigsten Lohnsätze zahlt. Von irgend welchen sozialen oder hygienischen Einrichtungen ist keine Spur vorhanden. Soziale Einrichtungen wie Zahlung der Diffe- renz zwischen Lohn und Krankengeld im Erkrankungsfalle, Alters- und Rcliktenversorgung, Sommerurlaub, Fortzahlung des Lohnes bei geringen Versäumnissen, die in anderen Gemeinden als etwas Selbstverständliches durchgeführt sind, fehlen in Reinickendorf voll- ständig. Andere Gemeinden liefern ihren Arbeitern gegen die Einflüsse und Unbilden der Beschäftigung und Witterung Dienst- und Schutzkleidung. In Reinickendorf müssen die Arbeiter von ihrem geringen Lohne diese erheblichen Ausgaben bestreiten. Aller- Teuerungszulagen cm die Arbeiter der herrschenden Teuerung Rechnung zu tragen. In Reinickendorf hat die Verwaltung an Stelle der Teuerungszulage als Weihnachtsgeschenk einen Lohn- abzug von 10 Proz. verfügt. Sie läßt die Arbeiter 9 Stunden arbeiten und zieht ihnen von ihrem kärglichen Lohn die 10. Stunde ab. Der Abzug beträgt 1,80 Dt. bis 2,40 M. die Woche. Das Wochcncinkommen eines Gemeindearbeiters beträgt demnach im günstigsten Falle 15,50 bis 21 M. In der Weihnachtswochc werden die Arbeiter sogar mit einem Verdienst von 13 und 10 M. rechnen müssen. Und dabei sind die Lebensmittelpreise in Reinickendorf nicht etwa niedrige, sondern teilweise beträchtlich höhere als in Berlin. Bei diesen Zuständen ist es wohl selbstverständlich, daß die Ar- heiter auf Mittel und Wege sinnen, um eine Besserung dieser trau- rigen Zustände herbeizuführen. Sie beschritten den einzig rich- tigen Weg, indem sie sich organisierten. Dies erregte jedoch das Mißfallen der Vorgesetzten. Der Herr Wegemeister Kube fühlte sich veranlaßt, die Arbeiter diescrhalb zur Rede zu stellen und ihnen die Zwecklosigkeit ihres Vorhabens vorzuhalten. Nach seiner Meinung würde ein Verein der Reinickendorfer Gemeindearbeiter, an dessen Spitze vielleicht der Herr Wegemeister steht, zweckmäßiger sein. Die Reinickendorfer Gemeindcarbeiter stehen diesen, echt kühnemännerischen Geist atmenden Werbungen und Mahnungen sehr skeptisch gegenüber. Ja sie sind sogar der Meinung, daß die Beeinträchtigung ihres Koalitionsrechtes durch den mehr oder minder' starken Druck des Herrn Wcgemeisters unzulässig ist und durchaus nicht zu seinen dienstlichen Obliegenheiten gehört. Die Arbeiter werden von dem ihnen gesetzlich gewährleisteten Koalitionsrccht den Gebrauch machen, den s i e für richtig halten. Schöneichc-Fichtenau. Mit der Bvrsiandswahl des neugegründeten WahlvercinS „Schöneiche und Umgegend" beschäftigte sich anr Sonntag eine gut besuchte Versammlung. Nach einem beifällig aufgenommenen Referat des Genossen R ü h l wurde derselbe zum ersten Vorsitzenden und die Genossin Klokow zur zweiten Vorsitzenden gewählt. Nachdem nun noch die Genossen aus Rahnsdorf- Mühle dem neuen Verein beigetreten sind, ist das erste Hundert Mitglieder reichlich überschritten. Bernau. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich gestern früh 8 Uhr bei den Ausschachtungsarbeiten der Feldbahnlinie, welche die Rieselgiiter der Stadt Berlin Buch, Schmetzdorf und Albertshof verbinden soll, in der Nähe des Ricselgutes Schmetzdorf bei Bernau. Der Arbeiter Anton Barkowsky, in der Kolonie Nöutgental wohnhaft, begleitete einen Train Kipp-Loren, welche leer zurückfuhren. Zu diesem Zweck stand er aus einer Lore ohne Kasten auf dem Untergestell: plötzlich sprang die Lore aus den Schienen, wodurch Barkowsky zu Boden stürzte und die nachfolgenden Wagen den Bedauernswerten unter sich begruben. Barkowsky waren durch die schweren Loren beide Füße gebroche. Ein aus Bernau herbeigerufener Arzt ordnete seine sofortige Ucber- führung nach dem Krankenhause an. Als Transportwagen wurde ein Ochsenwagen benutzt. Wir nehmen an, daß in der Eile ein geeigneteres Transportmittel für den Verunglückten nicht vorhanden war, andernfalls müßte man sich energisch gegen diese Art des Transportierens wenden. Borfigwalde-Wittenau. In der lebten Gemcindevertretersibung wurde bekanntgegeben. daß Berlin es ablehnt, die Postortstaxe auf die Vororte Tegel, Rosenthal, Wilhelmsruh, Wittenau und Borsigwalde auszudehnen. Hierauf bewilligte die Gemeindevertretung gegen die Stimme des Herrn E. Borsig die 23 000 M. betragenden Kosten zur Unter- führung der Hernisdorfer Straße. Der Vertrag mit der Eisen- lahndircktion wurde angenommen. Eine rege Diskussion fand bei der Beratung des Statuts, betreffend einen die Landgemeinden Reinickendorf und Wittenau umfassenden Kanalisationsvcrband statt. Die Abänderung des Statuts wurde einer Kommission über- tragen. Die Beschlußfassung für den Erlaß eines Ortsstatuts, be- treffend die unterirdischen Entwässerungsanlagen, sowie eine Bei- irags- und Gebührenordnung wurde vertagt. Von der Errichtung zweier Tiefbautechnikerstcllen für die Kanalisationsbauperiode wurde Abstand genommen. Für den Entwurf zum Rathausu.ubau findet unter sieben Firmen ein Preisbcwerb von 1500 M. statt. Die Bedingungen, unter denen die Gemeinde Wittenau Gas zum Privatgcbrauch abgibt, wurden gegen vier Stimmen angenommen. Einstimmig beschloß noch die Vertretung die Errichtung zweier Lehrerstellen an der Volksschule in Borsigwalde. Sericdts- Leitung. Haftpflicht des Rechtsanwaltes wegen Versäumnis deS Termins. Der Rechtsanwalt Theodor M. in Berlin vertrat ein Fräulein Baumert in einer Bereicherungsklage gegen einen Gläubiger ihres Vaters, welcher ihr als Eigentum anstehende Sachen hatte pfänden und zu seinen Gunsten versteigern lassen. Den ersten Termin in diesem Prozeß versäumte der Anwalt der Klägerin. Es erging VersäumniSurtcil zuungunsten der Klägerin. Gegen dieses wurde Einspruch erhoben und demzufolge ein zweiter Termin angesetzt. Zu diesem Termin gab M. dem Gegcnanwalt Nachricht, daß er pünktlich erscheinen möchte. Der Gegenanwalt war auch da. Da aler M. wieder fehlte, ließ er abermals Versäumnisurteil er- gehen. Dadurch ist die Klage rechtskräftig abgewiesen. Infolge dieser Säumnis ihres Angeklagten hatte die Klägerin jetzt gegen M. auf SchadloShaltung geklagt und auch ein obsiegendes Urteil erstritt«:. Das Landgericht und Kammergcricht Berlin erklärten den M. für haftpflichtig. Die von M. gegen das kammergerichtliche Urteil erhobene Revision wurde vom Reichsgericht zurückgewiesen. Der erkennende dritte Zivilsenat erklärt den Anspruch i>er Klägerin in der Jirtcrventionsklage gegen den Gläubiger ihres Vater für gerechtfertigt, so daß die Klägerin zu ihrem Gelbe gekommen wäre, falls nicht ihr Anwalt zweimal hätte Versäumnisurteil ergehen lassen. Daraus resultiere aber die Verurteilung des jetzt Beklagten. Die Entschuldigungseinwände des beklagten Anwalts weist der erkennende Senat wie folgt zurück:»Der angeblich unter den Berliner Anwälten bestehende Brauch, ein Vcrsäumnisurtril nicht zu erwirken, ohne vorherige Anfrage beim Q�genanwalt, kann keineswegs zu dem Schluß sühren, daß die das zweite Versäumnis- urteil vom 7. November 1900 ermöglick�cnde Versäumnis des Beklagten eine verschuldete nicht gewesen sei. Derartige kollegiale Gewohnheiten haben nicht die Kraft und, wie ohne weiteres an- zunehmen ist, auch nicht die Absicht, die dem Anwalt feiner Partei gegenüber obliegenden Pflichten irgend abzuändern oder ein- zuschränken. Die Pflicht, im Verhandlungstermine zu erscheinen. bezw. gegen den nicht erschienenen Gegner ein Versäumnisurteil zu erwirken, bemißt sich ausschließlich nach den gesetzlichen Betimmungen und nach dem Interesse der Partei. Die sich für Fälle der Versäumung etwa ausbildenden kollegialen Gcschästsgewohn- heften der Anwälte stehen außerhalb der Sphäre des Rechts. Völlig zutreffend also führt der Berufungsrichter aus. daß jener angeb- lich Brauch dem Gegenanloalt keinerlei zwingend« Verpflichtung auferlegt hat, nicht zu kontumazieren, und daß der Beklagte der Klägerin, seiner Mandantin gegenüber auf seine Gefahr handelte, wenn er sich auf jenen Brauch verließe Die von der Revisions- beklagten betonte Tatsache, daß der Gegenanwalt den Beklagben schriftlich ersucht habe, im Termin vom 7. November 1900 pünktlich zu erscheinen, begründet nicht erst, sondern erhöht nur das Ve» schulden des Beklagten�'_ Verbreitung unzüchtiger Schriften? Im Jahre 1906 erschien im Verlage des Buchhändlers Bern- Harb Zack in Treptow bei Berlin ein Werk unter dem Titel:„Sa- aittas Bücher der namenlosen Liebe". Der erste Band dieses Werkes trägt den Titel:„Die namenlose Liebe", ein Bekenntnis, der'zwcite Band ist eine Dichtung mit dem Titel:„Wer sind wir?" — Beide Bücher behandeln die gleichgeschlechtliche Liebe. Das Werk wurde auf Subskriplion, und zwar unter strengstem Ausschluß der Oeffentlichkeit herausgegeben. Jeder Subskribent hatte für jede» der Bücher einen Schein zu unterzeichnen, und jedes der ausge- g ebenen Bücher trug eine Nummer und den Namen des betreffen- den Subskribenten. In den Subsiriptionseinladungen war aus- drücklich darauf hingewiesen, daß es sich um Werke erner ernsten und strengen Kunst handele, und jeder, der irgendwelche Sensation in den Büchern suche, wurde vor dem Ankauf derselben gewarnt. Das Erscheinen weiterer Bücher dieser Art und ihr Vertrieb aus demselben Wege war in Aussicht genommen.— Tie Prozesse Moltke-Harden und Bülow-Brand, sowie die Affären Lynar, Hohenau usw. vcranlatzten den Verfasser der„Sagitta"-Bücher, ein Flugblatt herauszugeben mit dem Titel:„Gehör!— nur einen Augenblick!..-. Ein Schrei von Sagitta."— Diese Flugschrift erschien Anfang dieses Jahres. Der Verleger sandte diese Flug» schrift unter anderem auch an Geistliche. Einer derselben fühlte sich durch die Zusendimg der Schrift beleidigt, er stellte Strafanirag und die Folge war. daß der Verleger Zack in erster Instanz frei- gesprochen, in der Berusungsinstanz aber zu einer Geldstrafe von 50 M. verurteilt wurde. Infolge dieses Beleidigungsprozesscs fand im Geschäftslokal des Verlegers eine Haussuchung statt. Bei dieser Gelegenheit wurden die Flugschrift und auch die beiden erst- genannten„Sagitta'-Bücher mit Beschlag belegt und die weitere Folge war, daß gegen den Verleger Zack«ine Anklage wegen Ver- breitung unzüchtiger Schriften und Beleidigung von Geistlichen erhoben wurde. Eine Verhandlung, die am 14. Oktober stattfand, verfiel der Vertagung. Die erneute Verhandlung der Sache fand am Mittwoch vor der vierten Strafkammer des Landgerichts II statt. Als Zeugen erschienen einige Geistliche aus verschiedener» Gegenden Deutschlands, sowohl solche evangelischer wie solche ka- tholischer Konfession. ES sind die Herren, ivelclie sich als Vertreter kirchlicher und strafrechtlicher Sittlichkeit durch Zusendung der„Sa- gittaschen" Flugschrift beleidigt fühlen. Auch der bekannte christ- lich-soziale Apostel, Lizentiat Mumm, war als Zeuge geladem Herr Mumm ist aber augenblicklich als christlich-sozialer Reichstags- kondidat im Wahlkreise Siegen so stark beschäftigt, daß ihn das Gericht aus diesem Grunde vom Erscheinen entbunden hat.— Als Sachverständige waren die Schriftsteller Dr. Bruno Wille, Hans Land sLandsbergcri, Nordhaüscn und Willy Pastor zur Stelle. Auf Antrag der Staatsanwaltfchait wurde unter Widerspruch der Verteidigung die Oeffentlichkeit auch für die Vertreter der Presse ausgeschlossen. Die Staatsanwaltsckmft vertrat die Auf- fassung, die Schrift sei ein Hohelied auf die Homosexualität, der Angeklagte behauptete, es werde ohne Verletzung des sittlichen Ge- fiihls das Problem der Homosexualität behandelt. Die VerHand- lung dehnte sich bis in die Abendzeit aus. Das Urteil des Gerichts wird voraussichtlich erst heute verkündet werden. Durch einen Selbstmordversuch des Angeklagten Wurde eine Verhandlung vereitelt, welche unter Vorsitz des Land- gerichtsrats Schulz die vierte Strafkammer des Landgerichts II beschäftigen sollte. Der Tischler Amandus Schindler sollte sich wegen verschiedener in Rixdorf und Britz verübter Diebstähle vor dem Strafrickler verantworten. Die Verhandlung stand um 2 Vi Uhr an, der Beginn der Sitzung verzögerte sich aber bis nach sechs Uhr. Während dieser Zeit saß der Angeklagte in einer ctum 2Vi Quadrat» meter großen und nur mit oincr Bank versehenen BorführungZ- zelte und sah seinem Schicksal entgegen. Das stundenlange Hangen und Bangen rief anscheinend bei dem Dcliouenten eine so ver- zweifelte Gemütsstimmung hervor, daß er beschloß, seinem Leven ein Ende zu bereiten. Er knüpfte sich an seinem Halstuch auf. Der Gefangenenaufseher kam einige Minuten später in die Zelle und schnitt den Lebensmüden ab. Die Verhandlung konnte nicht stattfinden, da der Angeklagte völlig verstört war und kein Wort hervorbringen konnte. Das Gericht mußte die Sache vertage» und beschloß, den Angeklagten auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen._ Ein Knecht zu Tode mißhandelt! Eine besonders rohe Tat des Landwirts Rokohl in Freck« leben(Anhalt) fand dieser Tage durch das Schöffengericht»n Sondersleben eine überaus milde Sühne. Wegen Mißhandlung seines Knechtes war der Landwirt Rokohl in Frcckleben angeklagt. Er hatte seinem inzwischen ver- storbcncn Knecht Franz Bomba, als dieser bei der Arbeit infolge Ncberanstrcngung ohnmächtig zu Boden gesunken war, mehrere Fußtritte in die linke Seite und Ohrfeigen versetzt. Ter Angeklagte wurde zu nur zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Ter Vorgang kam seinerzeit dadurch zur öffentlichen Kenntnis, daß die Leiche des Knechtes Bomba auf Anordnung der Staats- anwaltschaft wieder ausgegraben wurde, da vermiitet wurde, der Knecht, der bei dem Landwirt Rotohl in Frcckleben in Diensten stand, sei an den Folgen erlittener Mißhandlungen, di« ihm sein Arbeitergcber zugefügt hatte, gestorben. Für die Vermutung scheint nicht der volle Beweis geführt zu sein; denn sonst hätte die An- klage vor dem Schwurgericht zur Verhandlung kommen müssen. Gleichviel, ob der kausale Zusammenhang zwischen den rohen Miß- Handlungen und dem Tode des infolge Ucberanstrcngung ohic- mächtig Gewordenen zu erweisen ist, schreit der empörende Vorfall geradezu nach schleunigen Schutzvorschristcn zugunsten der stark gequälten Landarbeiter._ Geschlossene Gesellschaft oder öffentliche Tanzlustbarkeit? Der Genosse Pirkard als Vorsitzender des Arbetterradfahrer» Vereins„Vorwärts" in Walsrode sollte die Polizeiverorduung deS Regierungspräsidenten zu Lüneburg vom 4. März 1890 übertreten haben, wonach zur Veranstaftung einer öffentlichen Tanzlustbar» kcit eine polizeiliche Erlaubnis erforderlich ist. Und zwar wurde ein von dem Radkahrvercin veraiistaltetes Fest als öffentliche Tanz- lustbarkeit angesehen. Das Landgericht in Verden verurteilte auch den Angeklagten in zweiter Instanz wegen Veranstaltung einer öffentlichen Tanzlustbarkeit ohne polizeiliche Er- laubnis. Es erachte folgendes für festgestellt: Als abends mit dem Tanz begonnen werden sollte, hätten sich im Lokal außer 27 Mitgliedern und ihren Damen, sowie eingeladenen Gästen noch etwa 50 Personen eingefunden. Auf eine Frage erklärte der anwesende Gendprm, Miwlieder, deren An- gehörige und eingeladene Gäste dürften ain Tanzfest teilnehmen, ohne daß es ein öffentliches werde. Darauf erklärte Pirkard, er werde eine Liste auflegen, in die eingezeichnet werde, wer Mitglied werden wolle. Wer nickt die Mitgliedschaft erwerbe, dürfe nickt teil- nehmen. Der Gendarm erwiderte, er wisse nicht, ob das zulässig sei. 58 Personen ließen sich nun unter Nennung ihres Zunamens als Mitglieder einschreiben. Sie zahlten je eine Mark, wovon 60 Pf. als Vereinseinschreibegeld und 40 Pf. als Vcreinsbeitrag für zwet Monate gelten sollten. Ein Statut wurde den neuen Mitgliedern nickt ausgehändigt. Verschiedene der Aufgenommenen nahmen später an Vercinssitznngen teil. Tie meisten kümmerten sich aber nicht weiter um das Vcreinsleben. Das Tanzvergnügen selbst fand ungehindert statt.- Begründend führte nun das Landgericht in seinem Urteil auS: Unter den obwaltenden Umständen sei anzunehmen, daß es sich hier um nur zum Schein ab» gegebene Mitgliedschaftsertlärungen handele. Sie seien auch vom Angeklagten nur zum Schein entgegen genommen worden, und zwar ohne Hinzuziehung anderer Vorstandsmitglieder. Der Wille der Kontrahenten sei dahin gegangen, die Teilnahme der erschienenen Nichtmitgliedcr am Tanzvergnügen gegen ein einmaliges Entgelt von einer Mark zn ermöglichen. Es sei jeder aufgenommen worden, ohne Rücksicht darauf, ob er Nadfahrer sei oder auch nur den sozialen Zielen des Vereins (Hebung der Solidarität, Aufklärung und Bildung) huldigte. Lediglich der Wunsch, zu tanzen, habe die Leute, die sich neu ein- zeichnen ließen, zusammengeführt. Aus diesen Erwägungen sei das Vergnügen als öffentliche Tanzlustbarkeit anzusehen und der Angeklagte zu verurteilen. Das Kammergericht verwarf die vom Angeklagten gegen dieses Urteil eingelegte Revision und führte aus: Ohne Rechts- irrtum habe die Vorinstanz das Vorliegen einer öffentlichen Tanz- lustbarkcit festgestellt, indem sie davon ausgehe, daß die Leute keineswegs die Absicht gehabt hätten, Mitglieder zu werden, sondern sondern nur die, für einen Abend beizutreten. Versammlungen» Alkoholbestcuerung und Abstinenz. Mit diesem Thema beschäftigte sich eine Versammlung der hiesigen Ortsgruppe des Arbeitcrabstincntenbundes, die am Freitag im Gewerkschaftshause stattfand. Der Referent Genosse Georg Davidsohn sagte einleitend, die sozialdcmo- kratischen Abstinenten befänden sich innerhalb der Partei Gegnern der Abstinenz gegenüber in einer Defensivstellung. Namentlich von solchen Parteigenossen, die am Alkoholverschleitz interessiert sind, werde wieder der alte Trick angewandt, von den Arbeiter- abstinenten zu sagen, daß sie froh sein könnten über die neuen Alkoholstcuervorlagen, daß sie dabei mit der Regierung Arm in Arm gehen und den sozialdemokratischen Grundsatz von der Ver- werflichkeit des indirekten Steuersystems in dieser Hinsicht preis- � geben würden. Diese Behauptung sei jedoch durchaus verkehrt. Die sozialdemokratischen Abstinenten seien in erster Reihe Sozial- demokraten, ihr Bekenntnis zur Sozialdemokratie sei dem zur Abstinenz übergeordnet. Es wäre eine Ungeheuerlichkeit, wenn ein Arbeiterabstinent sich als Freund des indirekten Steuersystems entpuppen würde. Aber auch wenn man sich die speziellen„Schön- heitcn" der Alkoholsteuervorlagen ansähe, erkenne man, daß sie bekämpft werden müßten, selbst wenn angenommen werden könnte, daß Arbeiterabstinenten in dieser Hinsicht nicht Gegner des indirekten Steuersystems seien.— Der Redner gab dann eine Uebcrsicht über die einzelnen Steuervorlagen und ihre voraus- zusehende Wirkung auf den Verbrauch alkoholisckier Getränke. Tie Wcinsteucr soll bekanntlich eine Flaschenstcuer sein, die beim Ver» kauf der ganzen und auch der halben Flasche Weines erhoben wird. Die wohlhabenden Leute, die ihren Wein in Fässern b«- ziehen, bleiben von der Steuer verschont, vorausgesetzt, daß man ihnen nicht nachweisen kann, daß sie ihn auf Flaschen füllen lassen vvu Leuten, die nicht zu ihrer Hausgenossenschaft gehören. Ebenso bleibt der Wein von der Steuer verschont, der direkt vom Faß verschänkt wird. Tie notwendige Folge davon wird sein, daß die in Weingegenden übliche Art des Ausschanks in Gläsern, Pokalen. Karaffen sich auch in Norddcutschland mehr- und mehr einbürgert und damit an die minderbemittelten Leute, denen eine Flasche W-in zu teuer kommt, um so stärker die Versuchung zum Wein- �enuß herantritt, was, da ja die Abstinenten dieses wie jedes andere alkoholische Getränk für verwerflich halten, ihnen keines- wegs als wünschenswert erscheint. Ferner führte der Redner aus. daß auch von der Brausteucrerhöhung keine Minderung des Alkoholgenusses zu erwarten sei, und führte zum Beweise dafür au. daß die nach den jetzigen Verhältnissen weit höhere Besteuerung des Bieres in den außerhalb der Braustcuergemeinschaft stehenden süddeutschen Staaten den Bierkonsum keineswegs eingeschränkt hat. Auch werde die vorgeschlagene Besteuerung des bisher steuerfreien Haustrunks, jenes leichten eigcngebrauten Bieres, wie es unter anderem in Holstein, Mecklenburg, Ostpreußen genossen wird, dazu führen, daß die Leute, statt den Steuerbeamten in ihrem Hause herumschnüffeln zu lassen, lieber in die Kneipen gehen und das Braucrcibier trinken werden. Von der Verteuerung des Brannt- Iveins erwartete der Redner ebensowenig eine Einschränkung des Verbrauchs. Die Kleinhändler würden das verdünnte Getränk mit Chemikalien wie Aetzkalk und dergleichen vermischen, damit das.Kratzgefühl im Halse des Trinkers gesteigert wird und dieser glauot, er habe es mit einer besonders guten Sorte zu tun. Das Branntweinmonopol erklärte der Redner schon aus dem Grunde für verwerflich, weil ein Staatswesen, das sich seiner Würde be- wüßt ist, nicht am Alkoholgeschäft interessiert sein dürfe, und wies auf Grund statistischer Zahlen nach, daß das Branntweinmonopol in Rußland, das sich allerdings auf den Kleinhandel bezieht, eine außerordentlich starke Zunahme deL Branntwcinverbrauchö und damit auch der Körperverletzungen zur Folge gehabt hat, und daß das Branntweinmonopol der Schlveiz, obwohl ein Zehntel seines Ertrages den Kantonen zur Bekämpfung des Alkoholismus über- wiesen wird, den Verbrauch an alkoholischen Getränken im allge- meinen auch nicht vermindert hat. Ferner verurteilte der Redner scharf die ganzen Ungerechtigkeiten des indirekten Steuersystems. namentlich auch die Liebesgaben für die Junker, wie sie in neuer Form in dem Branntweinmonopol vorgesehen sind, und hob hervor, daß das Getue der Reichsregierung, als läge es ihr am Herzen, mit den Alkoholsteuern die Mäßigkeit oder Abstinenz zu sördcrn, nichts als Heuchelei ist. In der Diskussion, d!e dem mit lebhaftem Beifall aufge- nommenen Vortrage folgte, sprachen sich alle Redner und Rednerinnen mit Ausnahme eines einzigen, der meinte, die Absti- nenten hätten keinen Grund, sich über die Alkoholsteuern auszu- regen, im Sinne des Referenten aus. Es wurde der Vorschlag gemacht, der sozialdemokratischen Fraktion anheimzugeben, wenn die Alkoholsteuererhöhungcn trotz aller Proteste beschlossen werden, dafür zu sorgen, daß, wie in der Schweiz, wenigstens ein Teil ihres Ertrages zur Bekämpfung des ?k l k o h o l i s m u s verwandt wird, jedoch unter aus- reichenden Garantien dagegen, daß diese Gelder nicht etwa dazu dienen, irgendwelche sowieso dem Gemeinwesen obliegende Ausgaben zu decken. Die Versammlung beschloß einstimmig, diesen Vorschlag zunächst dem Zentralvorstand des Arbeitcrabstinentenbundcs zu überweisen, der so schnell wie möglich dazu Stellung nehmen soll. Lese- und TiSkutierklub �Wilhelm Liebknecht�. g Uhr bei Eichhorn, Danziger«tr. 93. Gäste willkommen. Heute abend VrnniieKtes. Im Eiscnbahnzuge er iordet. Aus Trier wird vom gestrigen Tage gemeldet: In einem Abteil des heute früh um 6 Uhr 40 Minuten von Koblenz hier ein- getroffenen Personenzuges wurde ein junger Mann erschossen auf- gefunden. Die näheren Umstände deute» auf Mord hin. Der Wagen wurde in Trier ausrangiert. Eine spätere Meldung aus Trier besagt: Der im Eisenbahnzuge Ermordete ist der Trierer VersichcrungS- agem Kurt Regen, dessen Geschästslokal hier in der Jakobstraße liegt. Der Mord wurde in einem Abteil 2. Klaffe begongen. Die Tat muß kurz vor Trier geschehen sein, denn der Körper des Getöteten hatte bei seiner Auffindung noch volle Lebcnswärme. Der mutmaßliche Mörder und der Ermordete hatten den Zug in Koblenz gemeinsam bestiegen. Sie waren beide elegant gekleidet und schienen miteinander be- freundet zu sein. Als der Zug in Trier kaum angehalten hatte. enteilte ihm ein junger Mann, der nach der Beschreibung der Be- gleiter des Ermordeten gewesen ist. und entfernte sich nach der Stadt zu. Der Kopf des Toten weist zwei Schußwunden auf. Der Schußkanal verläuft von hinten nach vorn. Neben der Leiche wurden zwei Patronen aufgefunden. Als mutmaßlicher Mörder des Versicherungsagenten Regen wurde, wie noch gemeldet wird, der in Trier wohnhafte Stadtbautechniker Franz Jakob Maagh verhaftet. Der Ermordete und der Verhaftete waren seit Jahren befreundet. Maagh leugnet die Tat und gibt an. Regen habe durch Selbstmord geendet. Bei der Leiche wurden Uhr und Kette sowie sechs Mark in bar ge- fanden._ Raubanfall im Personenzug. Hierüber wird aus Breslau berichtet: Gestern abend drangen zwei Burschen in ein Abteil zweiter Klasse des Personenzuges Nr. 420 Breslau— hiegnitz ein. Von den beide» Damen, die sich im Innern des Abteils befanden, hatte eine die Geistesgegenwart, die Notleine zu zieben. Die Burschen rissen die Handtaschen der Damen an sich und entkamen. Die sofort auf- genommene Verfolgung verlief erfolglos. Der Ueberfall ist zwischen Breslau und Kleinniochbern unternommen worden. Großfeuer. Nach einer Meldung aus Ecken, förde wurde gestern nacht der große GutShos Eichtal von einer großen FeuerSbrunst heim- gesucht. Das KuhhauS mit 7S Kühen und eine Scheune fielen dem Brande zum Opfer. Der bedrohte Pfarrer. In der Kirche zu St. Affrique (Departement Aveyro») überfiel Pariser Meldung zufolge eine Frau den die Kommunion erteilenden Pfarrer. Sie warf die Hostie zu Boden und bedrqbte den Pfarrer unter Beschimpfungen mit einem Messer. Nur mit Mühe konnte die Frau überwältigt und festgenommen werden. ßnefkaften der Redaktion. Tie(ntlftKAc evrechfninv« Nudel LtudeoNrah» Nr. n, zweiter vos. dritter Eiugaug. vier Treppen, MF~ Sabrftulit TM woAentiialtch abend» von?>/, dt» tt'l. Nur t'tatt.«eoNae» 7 Nlir Eon»« den»» braimti dt« evreivtluude NM a nur. Jeder Antraae ist«IN ttlirfiftabi nnb eine ,gaU> al» Siertzeiivc» bciziiiiige».-SrieTliitie AilNoort wird iiidii erteilt. Bis zur Bcantwortiing im ivriefkaste» kiiimen 14 Tagt »ergeben. Eilige Aragcn rrage mau tu der Ebi-cdiniiiibc vor. 28. M. 24. 1. Ja, falls das Mädchen nachweisen kann, daß die Vereinbarung so, wie geschildert, getroffen ist. 2 Leider ja. 3. In dem Falle würde die Armeudireltion voraussichllich Schritte nicht ergreifen, auch wenn nur mündliche Vereinbarungen vorliegen. 4. Eine Veschcinigung des OnkelS genügt. Die einzelnen Sachen mühten bcseiligt werden. — N. K. 30. Nichten Sic bUic Jbre Zuschrift an Herrn Dr. Simon, Zürich, Osterlichstrajze.— 28.®. 12. 1. Vorsitzender Pctruichke, Boy- bagencr Strasje 17 a. 2. Zu erfragen bei jedem Tischler.— A. X. 10. 1. Wenden Sic sich an die Obcrvostdircktioii Berlin. 2. Mit dem vollendeten 21. Lebensjahre.— Z. B. 19. Das Slonfulot van Argentinien. Die Adresse finden Sie im Adreßbuch.— H. I. 59. HedrS Antiquariat, dessen Adresse Sie im Adreßbuch finden.— E. G.. 3. Abteilung. 1. Nein. 2. In der Wallstrajze an der Waisenbrücke. 3. Im Adreßbuch unier„Sehens- Würdigkeiten".— Z. 30. Ihre vier Fragen tann Ihnen nur ein Arzt bc- antworten.— Jörgenlen 17. 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Steherthal. 1.80 M.— Borschläge für die Ausgestaltung der Jrrensürsorge und für die Organisation der Irrenanstalten. Bon Dr. G. Kolb. 1.20 M.— Ueber die Behandlung der Syphilis. Bon Dr. A. Winkler. 60 Pf.— C. Marhold, Halle a. S. Deutsche Bücherei. Band 93. Bon Stein zu Bismarck. Bon F. Meineckc. Band 94—101..Historische und politische»Aussätze. Bou O. Hintze. Band 102—107. Aus Heimat und Wahilaud. Bon L. Bräutigam. Einzelband geh. 60 Ps.. geb. 1,20 M.— Deutsche Bücherei, Berlin, Kochstr. 73. m Isländer, Buch I. Bon A. Bruns. Brosch. 4 M., geb. 5 M.-- G. D. W. Callwey in München. Staatsbürger-Bibliothek. HcstO. Die Kriegsflotte. 40 Ps.—»Westdeutsche Arbcitcr-Zeilimg", M.-Gladbach. Ter Kampf. SozialdemokraUsche Monatsschrift Oesterreichs. Hest 3. Pro Jahr 6 Kr., Einzelheit 50 Heller.— Wien, Mariahstferstr. 89. Die Mnstkmappe.»Weibnächtsnummer. Rcdalreur F. Lederer. Prima. 50 Ps.— W. Pobach u. Co., Berlin N. 4.■ Gerhart Hauptman». Griechischer Frühling. Geh. 5M.. geb. 6,50 M. — Isolde Weisthand. Ein Roman aus aller Zeit. Bon Emil Lucka.— »Verlag S. Fischer. Berlin. 'Natnrslndicn im Garten. Plaudereien.— Natnrftudien in Wald nnd Feld. SpaziergaiigSplaudercicn. Zwei»Bücher für die Jugend. Von Dr. Karl Kraepclin. Zeichnungen in beiden Büchern von O. Schwindrazheiin. Einzelbuch 3,60 M.— B. G. Teubner in Leipzig. Oesterreichs innere Geschichte von 1848—1907. Von R. Charmatz. SluS Natur und GcisteSwelt. Band 242. Geh. 1 M., geb. 1,25 M.— B. G. Teubner in Leipzig. Wanderwege.»Von Hildegard FreieSleben-Poeschel. Brosch. 2,50 M., geb. 3.50 M.— G. Merseburger in Leipzig. Der Struwwelpeter. Von Dr. H. Hoffmann. 300. Auflage.— Rütte» u. Locning, Frankfurt a. M. Der Meuich und die Erde. Lieferung 61—65. Herausgegeben von H. Kracmcr 120 Lieserungen a 60 Ps.— Bong u. Co., Berlin W. 57. Schassstcins»Volksbücher. Band 66. Bon losen und einsältigen Leuten. Von G. Höllcr. 1,50 M.— Band 67. Mozart aus der Reise nach Prag. Von G. Mörike. 1,30 M.— Band 68. Die schöne Magdalena. 1.30 M.— Band 69. Eine schreckliche Geschichte von Robert dem Tcusel. 1,30 M.— Allerlei vom Leben der Pflanzen.»Von F. Lichtenberger. 1,50 M. — H. u. F. Schaststcin, Köln a. Rh. Du sollst ein Mann sein! Roman von Olga Wohlbrück. 593 Selten. — Grclhlein u. Co., Leipzig. März. Erstes Dezemberhest. Einzelheit 1,20 M.— A. Langen in München. Buch der Jugend. Von H. Bahr. 1 Kr.— H. Heller, Wien und Leipzig. Tie Sünden des BibelgottcS. Von Dr. H. Kramer. 20 Pf.— Selbstverlag, Magdeburg, Lefsingstr. 69. Weltgeschichte. Herausgegeben von Pros. Dr. I. v. Pflugk-Harstmg. Lieferung 32—37. 80 Lieferungen a 60 Ps.— Ullstein u. Co., Berlin SW. 63. Schlagwetter und Kohlenstaub. Von B. Ludwig. Preis 75 Ps.— Brcer u. Thiemann, Hamm(»Westfalen). Amtlicher Marktbericht der städstschen Markthallen-Direktion über den Grohbandel in den Zeutral-Marktballen.»Marktlage: Fleisch: Zufuhr schwach, Geschäft still, Preise unverändert. Wild: Zufuhr genügend, Geschäft ziemlich lebhaft, Preise wenig verändert. Geflügel: Zusutir genügend, Geschält still, Preise schwankend. Fische: Zufuhr iiiähig, Geschäft ruhig. Preise wenig verändert. Butter und Käset Geschäft ruhig.»Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südsrüchl»» Zujuhr reichlich, Geschäsk flau, Preise wenig verändert. WasterttandS-Nalh richten der LandeSaiiital« für Gewälsertunde, mitgeteilt vom Berliner'Vctlerbureau. Dafferfland M- m- l. Tilsit P r c g e I, Jnsterburg Weichsel. Tbom Oder, Ratibor , Strossen , Frankfurt Warthe. Schrimm , LandSbcrg Netze, Bordamn» Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barbv , Magdeburg . seit 8. 12.7. 12. am ern 329,1 -25«) 42°) 73«) 86«) oo») "32 _ o —SO -186 50 66 cra') —24 —11 —20 —7 _ 2 —36 — 1 —3 —8 —3 0 +4 «)+ bedeutet Wuchs.— Fall.—•) Unlerveael.—•) EiSstand.— «) Grundeis.—•) EiSlreiben in zwei Drittel Strombreite. klusnahme-kingebot �„vowartt" Alle Leser des uVorwärts11 erhalten, so lange der Vorrat reicht, Henrik Ibsen (Dramatische Werke) deutsch von Wilhelm Lange, eingeleitet von Thomas Schäfer, in je drei reinleinen eleganten Geschenk-Einbanden gebunden� drei Bände für nur 5 Mark Beste und billigste dreibändige Ausgabe. Während diese Ausgabe«onmt Im Bnchhaiulcl M. 10,— kostet, ist es uns gelungen, durch Abschluß diese Ausgabe in drei reinleinen Geschenkbänden gebunden für nnp M. 5,—«n liefern. Henrik Ibsen, der geniale nordische Dichter, hat sich die Quast des deutschen Publikums und die deutsche Bühne im Sturme erobert, so daß wir mit ßecht behaupten können: Dieser iflnnn ist der nnsrise, and wie die Werke Shakespeares, so gehören auch die Dichtungen eines Ibsen in die Bibliothek Jedes gebildeten Dentschen. Kein anderer Schriftsteller hat uns unsere moderne Zeit mit ihren mannigfachen brennenden Fragen so wie Ibsen tief erfassen und verstehen gelehrt Wir glauben unseren Losern gerade mit dieser Prämie eine echt moderne Gabe zu bieten, die uns den Beifall weitester Kreise sichern wird. Durch sehr große" Auflagen, die von einem großen Teil deutscher Zeitungsverlcger bestellt sind, ist es gelungen, diese Prachtansgabe zn einem Bruchteil des Preises, welches ein derartiges Werk in dem gewöhnlichen Buchhandel kosten Stark verHoinerte Wiedergabe durch Striohzeichnnng würde, und zwar zum PrttinionprclH von nur 5 Mark für drei Bände an die Abonnenten des„Vorwärts" der in aanzleinen mit Hoch- und Goldprägung ge- abzugeben. Wir bitten die verehrlichen Abonnenten um Mißbrauch zu verhindern, den nebenstehen Prämiensobein WflrV« auszuschneiden, auszufüllen und an den Humboldt- Verlag direkt einzusenden. Die Bestollongen werden der gebundenen Werke. p„oihe nach erledigt G. Plechanon- schreibt in der„ÜTenen Zeit««:„Henrik Ibsen ist zweifellos eine der hervorragendsten und sympathischsten Gestalten der gegenwärtigen Weltliteratur. Als Dramatiker kann schwerlich ein bedeutenderer unter allen seinen Zeitgenossen nachgewiesen werden.... Sein Drang nach Ideen, die sittliche Unruhe, das Interesse für Gewissensfragen sind ein ungeheurer Vorzug und machen ihn zu einem der größten Lehrer„der EmpOrung des Menschen- ueistes*"... Diese Propaganda der„Empörung des Menschengeistes" hat etwas Hohes und Anziehendes in das künstoiische Schaffen Ibsens hineingetragen... Die denkenden Kreise dos Proletariats können nicht umhin, den norwegischen Dichter zu lieben als Menschen, der den kleinbürgerlichen Opportunismus auf das tiefste gehaßt, und als ICUmttler, der die Psychologie dieses Opportunismus grell beleuchtet hat.' Für die Leser des „Vorwärts". 03 O CO 52 |? a i l i H 3 ä«o 3* M S" o* 2.= u 2*3 M w tu?»" H B O* si.-« I •t:§** 2L e»c" — S■" f & 3. m Si' » S~ 2 & o. o a B i - 9 o I B-rt et II 2® 9• ?B §? B S a B * V> M Pelzwaren!!! 4iQ Eile zu Weile«in KKV Dresdener Straße Kt« Eckhaus Oranienplatz. Eigene Kürschnerei. EebtSkimksstola von 26.— M. an Ohne Konkurrenz Echt Herz-Stola von 40.— M. an Neueste Moden! 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