Nr. 290. Abonnements- Bedingungen: bonnements Brets pränumerando, Bierteljabrl 8.80 RI, monati 1.10 m möchentlich 28 Big. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. nummer mit ultrierter Sonntags Beilage Die Neue Welt" 10 Big. Boft Abonnement: 1,10 Mark bro Monat, Eingetragen in die Boit ZeitungsBreisliste. Unter Kreuzband fitx Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien. Luxemburg Bortugal, Humänien. Schweden und die Schweis Cridelal täglich außer Montags Vorwärts Berliner Volksblaff. 25. Jahrs. Die Infertions- Gebühr Geträgt für die fechsgeibaltene ftolonel geile oder deren Naum 50 Bfg., für politische und gewerffchaftliche Vereins. und Berlammlungs- Anzeigen 80 Bfg. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Bort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf Stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg, jebes meitere Bort 5 Big. Borte über 15 Buchstaben gählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nuinmer müssen bis 5 llbe nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition is Sis 7 lbr abends geöffnet. Zelegramm Adreffe: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Arbeitslosigkeit. II.( Schluß.) Freitag, den 11. Dezember 1908. Solange die Bourgeoisie herrscht, muß deshalb das Elend bestehen bleiben. Die Arbeitslosenfrage darf nicht gelöst werden! Es ist deshalb klar, weshalb von der Bourgeoisie nichts Wesentliches gegen die Arbeitslosigkeit unternommen wird. Auch der Beschluß des Ministers Burns erscheint jetzt als Alle Vorschläge, die zur dauernden Aufhebung der Ar- bloße Hochhaltung der Grundlagen der bürgerlichen Gefellbeitslosigkeit gemacht worden sind, beruhen auf dem Wider- schaft. Dennoch ist es nicht zufällig, daß derartige Versuche spruch, daß im kapitalistischen Wirtschaftssystem das Elend mit Landkolonien wiederholt in England auftauchten, eine Folge des Ueberflusses ist. Es widerspricht der während man in Deutschland nichts davon hörte. Das erklärt klaren Vernunft, daß Hunger und Elend troß unserer ge- sich aus dem verschiedenen Charakter des englischen und des waltig gestiegenen Produktivkraft unvermeidlich sein sollen; deutschen Kapitalismus. ist es doch eine Tatsache, daß durch die großartige Entwidelung der Technik, durch die Ergiebigkeit der gesellschaftlichen Arbeit, ein Mensch mit Leichtigkeit mehr produzieren kann, als er für seinen Lebensunterhalt braucht. Deshalb liegt die Lösung darin, dem Arbeitslosen produktive Arbeit zu verschaffen. Man gebe den Arbeitslosen die Gelegenheit, sich felbst mit technisch zeitgemäßen Produktionsmitteln den Rebensbedarf zu produzieren; sie werden dann nichts kosten und sich selbst unterhalten. Ein Versuch dieser Art ist kürzlich wieder in England gemacht worden. Durch ein von einem reichen Philantropen zu diesem Zwecke zur Verfügung gestelltes Stapital wurde das Arbeitslosenfomitee in den Stand gesetzt, ein großes Grundstück zu kaufen und zu einer Arbeitsfolonie, Hollesley Bay, einzurichten. Arbeitslose aus der Stadt wurden dorthin verpflanzt und hauptsächlich mit landwirtschaftlicher Arbeit beschäftigt. Sie bildeten eine Arbeitsgemeinschaft, in der Landarbeit und Industrie selbstverständlich nur auf fleinem Fuß einander ergänzten, so daß fast alles für den eigenen Bedarf Nötige selbst produziert wurde. Die hoffnungslosen Schiffbrüchigen der Gesellschaft fanden wieder Zuversicht und Arbeitsfreude. Auch finanziell hatte die Kolonie gute Erfolge. Es wurde deshalb beabsichtigt, diese Leute dauernd festzuhalten und sie in der Nähe anzusiedeln, wenn sie von neuen Arbeitslosen abgelöst werden sollten. Aber der Minister John Burns verweigerte dazu die Geldmittel. Das Gesetz gestatte, erklärte er, nur Geldaufwendungen zu zeitweiliger, nicht zu dauernder Abhilfe. Damit war das Los der Kolonie besiegelt. Als die Bewohner erfuhren, daß sie nach ein paar Monaten wieder in das großstädtische Elend zurückgestoßen werden sollten, verloren sie ihr Interesse und ihre Energie. Was durch diese Kolonie wie durch Versuche ähnlicher Art bewiesen wird, ist die Tatsache, daß technisch und finanziell eine solche Lösung der Arbeitslosenfrage möglich ist. Die bürgerlichen Politiker, die die Unmöglichkeit der Ausrottung der Arbeitslosigkeit behaupten, werden dadurch widerlegt. Nuran gutem Willen fehlt es! Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. kräftigere Töne angeschlagen, die sich noch steigerten, als er, einer Anspielung Haußmanns auf die Wirksamkeit des Geheimrats v. Holstein begegnend, die Versicherung herausschmetterte: In einem mir unterstellten Ressort dulde ich keine Nebenund Unterströmungen!" Als ob er sie überhaupt kontrollieren fönnte bei einer Regierung, die ihr Handwerk im Umherziehen betreibt. Es ist doch noch unvergessen, daß ein früherer Minister des Auswärtigen, und nicht der schlechteste, als einziges Mittel gegen solche Umtriebe die Flucht an die Deffentlichkeit antreten mußte! " Herr Dem Kanzler auf dem Fuße folgte Herr v. Schoen. Man hatte ihm offenbar den Rat gegeben, daß er am wirf England ist heute ein Land mit nur noch geringer Ent- samsten den trüben Eindruck der jüngsten Leistungen des Auswickelung. Es findet sich dort ein starker Bodenjak hilfloser wärtigen Amtes durch Schneidigkeit des Auftretens und ausgiebige Eristenzen, die selbst bei günstiger Konjunktur von der In- Verwendung seiner Stimmittel verwischen könnte. dustrie nicht aufgesogen werden. Andererseits lebt dort eine v. Schoen ist sonst ein freundlicher Kleiner Herr mit sanften reiche Kapitalisten- und Grundbefizerklasse, die ihre von den Manieren und höflichen Manschetten. Die Ueberraschung Vätern ererbten oder aus den Kolonien stammenden Reich- war deshalb nicht gering, als er durch Forschigkeit seinen getümer als Sentiers verzehren. Zwischen solchen Schichten ehrten Vorredner noch zu übertönen fuchte. Als ob der Geiſt tobt nicht der Klassenkampf. Zwischen Nentiers und Ali- des Herrn v. Oldenburg in ihn hineingefahren sei, in solchem mentierten bestehen nur Gefühle hochmütiger Wohltätigkeit Wachtmeisterton schnarrte Herr v. Schoen das Haus an. Die und mit stillem Haß gemischter Ehrfurcht. Da trägt die Feststellung des Genossen Scheidemann, daß das Auswärtige Sozialreform, so schäbig sie auch in ihren Resultaten sein mag, Amt wegen des Zwischenfalles von Casablanca ganz uneinen philantropischen Charakter. Das ist ein günstiger berechtigterweise eine Entschuldigung von der französischen Boden für philantropische, halbutopische Versuche zur Lösung Regierung verlangt habe, glaubte er damit entkräften zu der Arbeiterfrage. tönnen, daß er sagte, nicht eine Entschuldigung sei verlangt Ganz anders liegen die Verhältnisse in Deutschland. worden, sondern ein Ausdruck des Bedauerns"! Doch den Sier befindet sich die Produktion in starker Entwickelung; hier Haupterfolg des Abends erzielte Herr v. Schoen mit einer Beist die Arbeitslosigkeit fein chronisches, sondern ein plöblich merkung über den neuen amerikanischen Botschafter. Haußmann hereinbrechendes Uebel. Die Masse der Arbeitslosen wird hatte gegenüber der bekannten Reichtumsqualifikation, die für durch einen neuen Aufschwung fast völlig wieder aufgesogen. Hill verlangt wurde, betont, er sei hier allgemein freundschaftHier tobt ein heftiger Klassenkampf; hier steht die Kapita- lichen Gefühlen begegnet." Jawohl," erwiderte Herr listenklasse mit brutalem Klassenhaß dem Proletariat gegen- v. Schoen, diese Gefühle teilen wir alle, und ich füge hinzu: über, dessen Widerstand sie in ihrer Jagd nach Gold zu überwinden hat. Hier herrschen deshalb auch bei den Stapitalisten feine philantropischen Gefühle. Vorschläge der Arbeiter, die die Not zu lindern instande wären, werden mit Sohn als unmöglich", undiskutabel" abgewiesen. Die Arbeiter werden lediglich als Widerspenstige angesehen. In einer solchen Atmosphäre kann von gutgemeinten Versuchen zur Aufhebung der Arbeitslosigkeit keine Rede sein. Hier kann auch keiner auf die Idee verfallen, Probleme einer sich in raschem Tempo entwickelnden Produktionsweise durch Herstellung veralteter, utopischer Gebilde lösen zu wollen. Alles weist vorwärts. Nur eine einzige Lösung der Arbeitslosenfrage ist möglich, auf die die feindliche Haltung der herrschenden Klassen die Arbeiter gebieterisch hinweist: die Eroberung der politischen Gewalt! Das ist der einzige Ausweg aus dem heutigen KrisenAber eine solche Lösung der Arbeitslosenfrage liegt nicht elend. Eine andere dauernde Lösung gibt es nicht. Eine in der Richtung der wirtschaftlichen Entwickelung. Sie führt andere versuchen auch die herrschenden Klassen dem Prolezum bäuerlichen und industriellen Kleinbetrieb zurück und tariat nicht einmal vorzugaukeln. Ihre herausfordernde scheidet kleine Einheiten aus dem wirtschaftlichen Weltganzen Bolitik zeigt offenkundig dem Proletariat, daß ihnen der aus. Ein Schritt vorwärts in der Richtung der wirtschaftlichen Wille fehlt, etwas zu tun. Die Arbeiter werden daraus Entwidelung würde erheischen, daß die Arbeitslosen mitten die Lehre ziehen. Ihre Not fegt alle Illusionen und Hirnin der Weltproduktion mit der entwickeltsten gespinste aus ihren Köpfen und treibt sie, den Kampf um die Technik ihre Stellung fänden. Ist das unmöglich? politische Herrschaft noch energischer und rücksichtsloser als bisher zu führen! Oft wird behauptet, daß eine solche grundsätzliche Lösung der Frage der Arbeitslosigkeit im Kapitalismus unmöglich und undurchführbar ist. Mit Recht. Aber wo liegt das Hindernis? Ist vielleicht unter der kapitalistischen Produktion eine solche Maßnahme technisch undurchführbar? Nein, nur unter der Herrschaft der Bour. Hoch und niedrig. Aus dem Reichstag( 10. Dezember). och und niedrig!" Das och" hatte der Leiter des Auswärtigen Amts mit solcher Lungenkraft in den Saal hineingeschrien, daß, wie erzählt wird, draußen im Foyer aus einem der Schlummersessel ein guter Patriot erschreckt in die Höhe fuhr, den Arm vorschriftsmäßig in einem Winkel von 45 Grad von sich reckte und begeistert in das Hoch einstimmte. Nicht ganz klar ist es, wen Herr v. Schoen mit dem ,, Hoch" gemeint hat und wen mit dem„ Niedrig". Aber bei all den Mißerfolgen der letzten Zeit mag es ihm zum Trost gereichen, daß nach einmütigem Urteil alle Personen, die in unserer auswärtigen Politit die Finger haben, auf dem Gebiete der unfreiwilligen Stomit jede Konkurrenz schlagen, alle hoch und niedrig. Komödianten. Das preußische Dreiklassenparlament ist am Donnerstag nach mehrwöchentlicher Bause wieder zusammengetreten, um sich über das Problem der Arbeitslosigkeit und ihre Bekämpfung zu unterhalten. Daß aus den Verhandlungen etwas Bernünftiges herausfommen würde, war von vornherein nicht anzunehmen, aber einen solchen Tiefstand der Debatte, ein so offenes Eingeständnis, daß die gesehgebenden Körperschaften Preußens dieser wichtigen Frage gleichgültig, wenn nicht gar feindlich gegenüberstehen, hätten wir doch nicht erwartet. Eine Komödie war es, die sich im Abeordnetenhause abspielte, eine Komödie, die bei jedem Unbefangenen den Eindruc erwecken mußte, daß die gesättigten Eristenzen sich über die ArbeitsMs der losen luftig machen. geoisie ist solche Lösung undurchführbar, volksparteiliche Abgeordnete Haußmann in Weiterspinnung Schon der erste Redner, Abg. Trimborn, der namens weil die Bourgeoisie sie nicht will! Und zwar der Etatsdebatte heute in die auswärtige Politik hineingeriet, des Zentrums an die Regierung die Anfrage richtete, durch welche nicht zufällig oder aus bösem Willen nicht will, sondern weil hatte man den Eindruck, daß die Maitigkeit und Müdigkeit Maßnahmen sie zur Linderung der Arbeitslosigkeit mitzuwirken gees unmöglich ist, daß sie die Grundbedingungen ihres eigenen des Blockkanzlers auch auf den schwäbischen Blockdemokraten denkt, die an zahlreichen Orten der Monarchie auf gewerblichem Daseins untergräbt. Das heißt, weil die Bourgeoisie nichts einen lähmenden Einfluß ausgeübt hat- so stockend und Gebiete in erheblichem Umfange in die Erscheinung tritt und anderes sein kann, als was sie ist: eine vom Elend der holprig würgte er die einzelnen Worte und Säße sich weiter auszudehnen droht, schon dieser erste Redner bewies, Arbeiterschaft, von der dieser geraubten durch den Zaun seiner Zähne hindurch. Einige ganz daß es ihm weniger auf einen praktischen Versuch, die Folgen der Beute lebende klasse. Das Hindernis verschwindet treffende kritische Bemerkungen machte er zu Einzelvorgängen Arbeitslosigkeit zu lindern, als vielmehr auf theoretische Aussofort mit der politischen Herrschaft der Bourgeoisie. So im Getriebe unserer auswärtigen Politit, aber es gebrach einandersetzungen über diese Frage ankommt. Schade nur, daß bald das Proletariat die Herrschaft erobert seinen Ausführungen an der Darlegung der Grundgedanken, die hungrigen Arbeiter davon nicht satt werden. Als einer der hat, wird die Frage lösbar. die seiner Ansicht nach für die auswärtige Politif Deutsch- Führer derjenigen Partei, die bei der Geburt des Wuchertarifs a Und die Frage der Arbeitslosigkeit wird die erste sein, lands hätten bestimmend sein müssen. Warm wurde Herr Sebeammendienste geleistet hat, sang Herr Trimborn ein langes die die siegreiche Arbeiterschaft zu lösen genötigt ist. Denn Haußmann aber, als er zum Schluß eine obeshymne Loblied auf die Wirtschaftspolitik des Reiches, wobei er es nicht das nächste Ziel ihrer Tätigkeit nach dem Siege wird die Auf- auf Herrn v. Bethmann Hollweg anstimmte, unterließ, den Genossen Talwer als Kronzeugen dafür zu hebung des Glends, die Beseitigung der Armut sein. Neben der sich durch sein Verhalten beim Vereinsgefek das Ver zitieren, daß ohne die Schutzzollpolitik die Arbeitslosigkeit einen den vielen anderen radikalen Sozialreformen wird sie in trauen des Reichstags erworben habe.... Zu einer solchen weit größeren Umfang angenommen hätte. Den Beweis für erster Linie die Grundursache ihrer Armut, die Referbearmee Versicherung hatte Herr Haußmann überhaupt fein Recht. Er diese Behauptung blieb Trimborn allerdings ebenso schuldig wie der Arbeitslosen beseitigen müssen. Sie wird den Arbeits- fonnte sich höchstens zum Mundstück für das Vertrauen Calwer. Im übrigen lief seine ganze Rede auf eine Befürwortung losen Arbeitsgelegenheit geben, indem sie sie zur Teilnahme des Biods machen. Dieses Vertrauen genießen sie natür- der Veranstaltung von periodischen Arbeitslosenzählungen über an der gesellschaftlichen Produktion heranzieht. lich alle, alle die ehrenwerten Männer der Regierung. Es das ganze Land hin aus. Das war alles, was der große Sozial Diese Lösung der Arbeitslosenfrage bedeutet zugleich eine stimmte denn auch ganz harmonisch mit dieser haußmännischen politiker" des Zentrums in 1% Stunden zu sagen wußte! Umwälzung der Produktionsweise. Die Kapitalisten, die Vertrauenserklärung die des Antisemiten Zimmermann zu- Noch dürftiger war die Rede des Freisinnigen Bachnide, ihren Mehrwert verschwinden sehen, geben ihre Geschäfte auf. sammen. der einen Antrag auf Inangriffnahme der bereits genehmigten Die Organe der Arbeiterklasse: Staat, Gemeinde, Gewerk- Haußmanns Kritik war das Stichwort für den Reich 8- öffentlichen Arbeiten und auf Zurüdsehung der ausländischen Arschaft, Genossenschaft, treten an ihre Stelle und nehmen die kanzler, der seinerseits nunmehr die früheren Aphorismen beiter hinter den inländischen begründete. Allerdings forderte er Broduktion in die Hand. Die Produktion wird immer mehr um einige neue vermehrte. Der Abrüstungsidee steht er nicht den Ausbau der Arbeitslosenversicherung, aber in welcher Weise gesellschaftlicher Betrieb. grundsäglich, wohl aber aus praktischen" Gründen ablehnend das geschehen solle, darüber äußerte er sich nicht. Höchstens konnte Man sieht, woher die Ohnmacht der kapitalistischen Ge- gegenüber. Deutschland hat nämlich Feinde ringsum", bloß man aus seinem Vorwurf gegen die Gewerkschaften, daß sie sellschaft der Arbeitslosenfrage gegenüber stammt. Die feiner geographischen Lage wegen natürlich, beileibe nicht politischen Charakter befizen, feine Abneigung gegen die SubHauptsorge der Bourgeoisie bei all ihren Maßnahmen liegt wegen seiner fahrigen Großmannssucht. Ein Wink für die ventionierung gewerkschaftlichen Arbeitslosenversicherung darin, daß das Elend nicht verschwindet, das die Arbeiter Steuertvilligkeit des Blocks war der Hinweis, daß unser Schiffs- heraushören. awingt, sich von den Kapitalisten ausbeuten zu lassen. Aufbau nur das zur Verteidigung der Küste notwendige Maß Speziell für die unter der Strifis leidenden kleinen Handwerker hebung des Arbeitslosenelends ist under innehalte. Offenbar um den müden Eindrud seiner früheren legte sich der konservative Innungsmeister Rahardt ins Zeug. einbar mit der kapitalistischen Ausbeutung. Rede wettzumachen, hatte Bülow schon bei diesen Ausführungen der eine möglichst beschleunigte Vergebung der im laufenden Stat der Lotgesehenen Arbeike», insbesondere im Baugewerbe, und ein Rücksichtnahme auf die Verhältnisse der kleinen Gewerbetreibenden bei Aufstellung deö nächstjährigen Etats verlangte. Nachdem die Zentrumsinterpcllation und die beiden Anträge der Freisinnigen nnd det Konservativen begründet waren, ergriffen � die Vertreter der Regierung das Wort. Beide Ressortminister/ fa wohl der Handelsminister Delbrück als der Minister der offent. liehen Arbeiten Breitenbach, waren nicht imstande, positive Vorschläge zu machen, sie trösten sich damit, datz die Krisis in England noch schlimmer ist als bei uns, datz sie»allem Anschein nach" bald vorübergehen werde, und datz in grossen Teilen Preutzens, namentlich auf dem Lande, noch Arbeitsgelegenheit genug vorhanden sei..... Dem Sprecher der sozialdemokratischen Fraktion, dem Genossen Borgmann, blieb es vorbehalten, mit bestimmten Plänen her- vorzutreten. Es mutz festgenagelt werden, datz gerade der Ver- treter derjenigen Partei, die angeblich nur kritisiert, die»alles heruntcrreitzt", der einzige gewesen ist, der ein detailliertes Pra gramm zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit entwickelte. Obwohl B o r g m a n n in seinen einleitenden Untersuchungen mit allem Nachdruck den sozialdemokratischen Standpunkt betonte, datz die Ursachen der Krisen in der kapitalistischen Wirtschaftsordnung liegen, und datz demzufolge das Problem der Arbeitslosigkeit inner- balb der kapitalistischen Wirtschaftsordnung nicht gelöst werden kann, namentlich nicht in einem Staate, an dessen Spitze Männer wie Delbrück und Breitenbach stehen, wies er doch einen Weg, auf dem es möglich ist, den hungernden Arbeitern zu helfen: Der Staat habe die Pflicht, autzergewöhnliche Arbeit zu schaffen und er sei dazu sehr wohl in der Lage. So brauche er z. B. nur die notleidenden Gemeinden zu unterstützen, damit sie ordentliche Schulhäuser Kauen können, er brauche nur die dringend not- wendigen Reparaturen an dem Wagenpark der Eisenbahnverwal- tung vornehmen, die Wagen mal gründlich reinigen zu lassen und dergleichen. Wenn die Regierung dazu keine Mittel habe, so möge sie eS nur mit der Einführung einer Notstandssteuer ver- suchen, d. h. Zuschläge zur Einkommensteuer erheben und diese Zuschläge zu einem Fonds ansammeln, durch den der Not gesteuert toerden könne. Datz die Besitzenden sehr wohl in der Lage sind, eine solche„Belastung" zu ertragen, das wies er schlagend an einigen unanfechtbaren Beispielen von dem in gewissen Kreisen betriebenen Luxus nach. Mit der zu Herzen gehenden Warnung. man möge es nicht erst dahin kommen lassen, datz der Notschrei des hungernden Volkes den herrschenden Klassen in die Ohren schalle, schlotz er seine groh angelegte Rede. Leider liegt die Vermutung nahe, datz Borgman» tauben Ohren gepredigt hat. Nach einigen kurzen Bemerkungen des Mini- stcrS Breitenbach nämlich erhielt nur noch ein Redner aus dem Hause, der Konservative Malle Witz, das Wort zu törichten Ausfällen gegen die Sozialdemokratie, die er für alles, selbst für die Arbeitslosigkeit, verantwortlich machte und der er eindringlichst Besserung empfahl. Tann wurde, obwohl grosse Parteien noch nicht gesprochen hatten, kurzerhand die Debatte bis nach Neu- jähr vertagt! Die nächste Sitzung soll erst am 12. Januar stattfickden. Aber auch dann wird die Arbeitslosendebatte noch nicht fortgesetzt, sondern zunächst der Etat eingebracht. Ob in dieser Session die Arbeitslosenfrage überhaupt noch auf die Tagcsord- nung kommt, ist noch keineswegs sicher. Wozu auch? Die Fünf- zehnmarkmänner des DreiklassenparlamcntS haben sich volle 5 Stunden damit beschäftigt, und diese ungewohnte Arbeit hat sie so ermüdet, datz sie 41h Wochen von den Strapazen ausruhen müssen, Eine ekelhafte Komödie! Kamarilla. Die„Köln. Ztg.". Büloivs Leibblatt, veröffentlicht unter dein Titel„Reaktion?" an der Spitze des Blattes folgende Notiz: Wir lesen in der„Neuen Gesellschaftl. Korrespondenz": Ein angesehener Deutscher im Auslande hatte vor kaum zwei Wochen einem befreundeten Diplomaten voll freudiger Erregung ge- schildert, einen wie grossen Eindruck das politische Erwachen des deutschen Volkes, das von nun an seine Schicksale selbst bestimmen wolle, überall hervorgerufen habe. In der Antwort des Diplomaten ist der Satz zu lesen:„Mahnen Sie, keine voreilige Freude zu zeigen, die Reaktionäre arbeiten mit aller Kraft und mit allen Mitteln!" Das ist die Signatur der Stunde. In der Tat sind Bestrebungen im Gange, um den Kaiser von der Nützlichkeit des bisher geübten persönlichen Regiments und davon zu überzeugen, datz er. der Kaiser selbst, keinerlei Schuld an der Erregnng des Volkes trug. Vielmehr wird den hervorragenden politischen Fähigkeiten des Monarchen ein hohes Lied gesungen, und man versucht, den Schein zu erwecken, als seien durch die Er- klärung des„ReiebSanzeigerS" vom 17. November Macht und Recht des Monarchen beschränkt worden. Datz dies gewissenlose Lügen sind, braucht nur noch wenigen auseinandergesetzt zu werden. Der 17. November 1S08 hat der Nation einiges, was ihr vom Selbst- bestimmungsrecht genommen war, wiedergebracht und hat in erster Linie die Krone, erst in zweiter das Land vor drohenden schweren Zeiten bewahrt. Die Handlungsweise des Kaisers, die ja völlig selbstIndig erfolgte, war ein Alt der Besonnenheit und der Klug- heit. Die Hetzer, die jetzt die Reaktion„mit allen Kräften und mit allen Mitteln" betreiben, gehören zu jener gewissenlosen Sorte von Männern, die fürchten, der Ernst des Herrscherberufs könnte von Zukunft ab sie und ihr inhaltloses aber glänzendes Leben. wie verdient, in den Hintergrund schieben und ihre Rolle verkleinern. Kaiser Wilhelm dürfte, besonders nach den jüngsten Erfahrungen, sich hüten, den Reaktionären, die niemals ihre Zeit, nur ihre eigensten Interessen verstehen, sein Ohr zu leihen. Das wäre der Bankerott der Krone. Diese Veröffentlichung erinnert in Form und Inhalt an jene anderen, die wir vor der E u! e n b u r g- K a m p a g n e so häufig zu lesen bekamen. Sie bestätigt, daß nach dem Sturz der einen Kamarilla sich bereits eine neue gebildet hat, die der Existenz Bülows gefährlich zu werden beginnt. Der siegreiche Hausmeicr kann seines Sieges nicht froh werden. Eben glaubte er in Eulen- bürg seinen gefährlichsten Gegner mit Hilfe Horbens und des Kronprinzen zur Strecke gebracht zu haben, eben war es ihm gelungen, das persönliche Regiment, soweit es ihm die eigenen Kreise störte, zu bändigen, da sieht er sich von neuem vor die gleiche Aufgabe gestellt. Vergebens hat er seine stärksten Mittel angewandt, indem er soweit ging, als ein Minister des bureankratischen Absolutismus eben gehen konnte. Er hat im Reichstag auf die hageldichten Angriffe gegen S. M. geschwiegen, bei den Debatten über die Ministerverantwort- lichkeit durch Herrn v. Bethnrann-Hollweg eine wenn auch zu nichts verbindende, so doch verbindliche Erklärung abgeben lassen. Bülotv benutzte eben den Reichstag als ein Werk- zeug der I n t r i g e in dem Kampf deS Hausmeiertums gegen das Kaisertum. Er rechnete mit Sicherheit darauf, daß sich der Reichstag zu seinem Instrument würde gebrauchen lassen, und diese Rechnung hat ihn nicht betrogen. Aber die Gefahr, die ihn bedroht, ist dauernd. Persönliches Regiment und Kamarilla sind ein» ander ergänzendeJnstitutionen, und so geht der Kampf weiter, und diese Veröffentlichung der„Köln. Ztg." ist der Schutz, der gegen das persönliche Regiment von sorgenden Freunden des Kanzlers abgefeuert wird. Auch mutz die Gefahr groß sein, denn sonst würde das national- liberal-offiziöse Blatt kaum so starke Mittel anwenden. Spricht doch die Notiz zum Schlüsse von der Möglichkeit eines Bankrotts der Krone für so leidenschaftliche Monarchisten wirklich alles mögliche. Es ist eine Drohung, die lebhaft an die Umtaufung der letzten Kanzler- in eine K a i s e r k r i s e erinnert. Der Alarmschntz der„Köln. Ztg." ist aber nicht das einzige Mittel, mit dem gearbeitet wird. Kürzlich brachten einige Blätter folgende auffällige Meldung über den Gesund- hcitszustand des Kaisers: „In hiesigen dem kaiserlichen Hause nahestehenden Kreisen kann man sich dem starken Eindruck nicht entziehen, der sich in einer auffäll iaen Depression in der Gemüts- stimm un g des Kaisers äussert. Wie berichtet, bringt der Kaiser auch während deS TageS mehrere Snmden im Bett zu, und zwar ist dies nicht durch körperliches Kranksein bestimmt. Die für da-Z Frühjahr ins Auge gefasste Mittelmeerfahrl wird voraussichtlich nicht stattfinden. Die'Gemütsstimimmg des Kaisers äussert sich auch in einer stärker noch als sonst hervortretenden Religiosität." Die Nachricht wurde natürlich dementiert. Aber das Charakteristische ist, datz sie verbreitet wurde, und Interesse an der Verbreitung können nur Leute haben, die den Gesund heitSzustand des Kaisers so darstellen wollen, datz der Schluß gezogen werden mutz, der Kaiser sei zur Vornahme ein greifender Regierungshandlungen, wie sie etwa die Entlassung des Kanzlers lväre, nicht in der Lage. Aber diese Treibereien haben noch einen anderen Zweck Wenn Bnlow Gefahr läuft, der Ungnade des Kaisers zu er- liegen, dann darf daS Gemüt des Kaisers nicht noch gereizt werden durch„übereilte" oder„taktlose" Reden oder Handlungen der Volksvertreter. Der Reichstag soll eingeschüchtert und verhindert werden, irgend ettvas Ernstliches durchzusetzen. Auf die Freisinnigen vor allem, die für den Blockvater zittern, soll Eindruck gemacht werden. Das Hausmeiertum darf eben nicht nur von oben, es soll auch nicht von unten, durch den Reichstag, beschränkt werden. Und so erscheint daS feige und zage Verhalten der bürgerlichen Parteien, die die VerfassungSaktion auf die lange Bank geschoben haben, in neuer, noch jämmerlicherer Be leuchtung: Sie erscheint diktiert von den persönlichen Interessen Bülows im Kampfe um die Erhaltung einer Macht gegen den Kaiser wie gegen den Reichstag. Die Verfassungsaktion der deutschen Volksvertretung dient nur einer Intrige in dem possenhaften Kampfs der Kamarillen und wird so selbst, wenn es nach den Wünschen des Kanzlers ginge, zu einer elenden Posse. �14' Der Sozialismus auf dem Vormarsch. Paris, 8. Dezember.(Eig. Set.) Bor ein paar Monaten noch war die»Krise des französischen Sozialismus" ein beliebtes literarisches Thema, das man in natio- nalistischen, liberalen, radikalen und regierungSsozialistischen Varia tionen wiederkehren sah. Die geeinigte Partei, dozierte auch die als Exportartikel versendete Professorale Weisheit der Fourniöre, sei in retlungstoser Auflösung verfallen, weil sie fich in eine halS starrige Opposition zu den FortschrittSmännern Clemenceau B r i a n d und B i v i a n i gesetzt habe. In der Tat hatte sich der französische Sozialismus mit schweren Problemen auseinander- zusetzen, nur lagen sie ganz anders als in der Richtung der Erneuerung deS Blocks. Noch ist die Ueberwindung deS ideologischen„AntipatriotiSmuS" und AnliparlamentariSmuS nicht vollendet, aber der Parteitag von Toulouse hat deutlich ge- zeigt, dass die Erkenntnis von der Notwendigkeit aller Organl sations- und AktionSsormen in der Arbeiterschaft vorwärts schreitet. Und nun beweisen auch zwei Wahlen, dass trotz der von Clemenceau patronisierten allgemeinen Hetze gegen die sozialistische Partei, trotz der Verfolgungen und Verleumdungen der letzten Jahre, die sozialistische Wählerschaft in einer geradezu über raschenden Zunahme begriffen ist. Am Sonntag hatten zwei Wahlkreise Ersatzwahlen vorzunehmen. Beide waren radikaler Besitzstand, beide haben eine vorwiegend ländliche Bevölkerung. In C h a r o l l e ö im Departement Saonel et-Loire war der Exminister S a r r i e n das letztemal mit un« geheuerer Mehrheit gewählt worden. Zum Senator gewählt, musste er kürzlich auf das Mandat verzichten, wollte es aber seinem Sohn vererben. Doch der erste Anlauf misslang diesem gründlich, denn die Sozialisten sind ihm dicht aus den Fersen nnd er muß in einer Stichwahl an die Stimmen der Realtionärc appellieren. Die für den Kandidaten der geeinigten Partei abgegebene Stimmenzahl ist von 1837 im Jahre 190S auf 4367 gestiegen, also um mehr als 2S00. Noch grösser ist der Stimmenzuwachs im Wahlkreise V i l l e f r a n ch e im Departenient A v e y r o n: von 1836 ans 4892, also mehr als 3060. Auch hier ist eine engere Wahl nötig. Trotzdem die Reaktionären, die ehedem 4009 Stimmen ausi brachten, diesmal keinen Kandidaten aufgestellt hatten, ist die Zahl der radikalen Stimmen zurückgegangen. Dabei hatte sich der zweite radikale Kandidat, der einst der sozialistischen Partei angehört hat. noch als„Sozialist" präsentiert und unter seinen 3009 Stimmen befinden sich sicher noch genug, die bei fortschreitender Propaganda in den, von der Partei noch wenig bearbeiteten Departement dieser zu- fallen müssen. Begreiflicherweise erregen diese Wahlresultate genug Aufsehen. Der oppositionelle, combistische.Rappel" erblickt darin mit Recht das Fiasko des Clemenceauschen Systems, er irrt aber insofcnt, als er glaubt, dass der Krach des Radikalismus durch Wiederherstellung der Blockpolitik noch vermieden werden könne. Die nationalistische „Liberig" sieht in den Fortschritten des Sozialismus den Einfluß der Lehrer, die bei den Bauern an die Stelle der Pfarrer getreten_ seien. Die denunziatorischen Absichten sind klar. Neigung,' auf sie einzugehen, ist bei der Regie- rnng erwiesenermaßen genug vorhanden. Nur kann sie ihr nicht nachgeben, ohne der klerikalen Reaktion in die Hände zu arbeiten, die jetzt wieder eine grosse Zuversicht an den Tag legt. Der bürgerliche Radikalismus hätte unter, der Führung geschickter und gewiflenhafter Politiker die bäuerliche Demokratie zur Durch- setznng bedeutender politischer und sozialer Reformen führen können. Ehrgeizlinge und Streber haben ihn schnell korrumpiert und zur bloßen Schutztruppe bürgerlicher Profitinteressen gemacht. So sinkt er immer tiefer, während der vorwärtsschreitende Sozialismus die Kraft der von ihm verratenen, enttäuschten Massen zum Angriff gegen das ganze System der kapitalistischen Ausbeutung organisiert. poUtifebe CUberficbt Berlin, den 10. Dezember 1908. Minister und Kalenderkolporteur. w eigenartige Behandlung, die das dem Reichskanzler an* dem Zivilkabinett des Kaisers zugegangene Manuskript der„Daily Telcgraph"-Veröffentlichung im Auswärtigen Amt erfahren hat, erregte bei manchen naiven Leuten, die die Vielgcschäftigkcit unserer Ministerien nicht kennen, bedenkliches Kopfschüttcln. Jin Grunde genommen ist es aber gar kein Wunder, wenn so ein Minister die wichtigsten Angelegenheiten seines Ressorts übersieht und selbst Schriftstücke aus dem kaiserlichen Zivilkabinett ungelescn weitergibt, denn jeder der Herren Minister hat eine Reihe wichtiger Nebenbeschäftigungen, die seinen hohen Geist in Anspruch nehmen. So befaßt sich z. B. der Minister der öffentlichen Arbeiten, Herr Breitenbach, neuerdings im Nebenamt mit der Prüfung von Küchenrezepten für den einfachen Haushalt und mit der Buch- kolportage. Wie die„Verl. Morgen-Ztg." berichtet, hat er in Er- mangelung anderer Beschäftigung folgende Verfügung erlassen: Der Minister der öffentlichen Arbeiten. Berlin W. 66, den 14. November 1998. Von Fräulein I.... B.......... in D......... S........ siratze Nr... ist ein Wirtschafiskalender für die Deutsche Frau herausgegeben worden, der neben einer praktischen Anleitung für die Küche eines einfachen bescheidenen Haushalts wertvolle Ratschläge für die verschiedensten Seiten der häuslichen Wirtschaft, für Körper- und Wohnungspflege, für Erziehung usw. enthält. In Rücksicht auf den guten Inhalt und den auf die Förderung des Gemeinwohls gerichteten Zweck des Buches Ew. pp. gebe ich anheim, die Beamten und Arbeiter der all- dem, der gemeinen Bauverwaltung auf den Kalender aufmerksam zu machen. Derselbe dürfte auch bei Woihnachtsbescherungen eine geeignete Gabe bilden. Der Wirtschaftskalender ist von der Herausgeberin selbst zu beziehen und kostet bei grösseren Bezügen 1 M., sonst 1,25 M. In Vertretung gez. v. E o c l S. An die Herren Obcrpräsidenten in Danzig. Breslau, Magde- bürg, Hannover, Koblenz und Münster i. W. sStrombau- bezw. Kanalverwaltung), tbie Herren Regierungspräsidenten(bei Potsdam auch Verwaltung der Märkischen Wasserstrahcn). den Herrn Polizeipräsidenten in Berlin, den Herrn Präsidenten der hiesigen Königlichen Ministerial-, Militär- und Bau-Kommission, die Königlichen Kanalbaudirektionen in Hannover und Essen und das Königliche Hauptbauamt in Potsdam. Wie man sieht, leistet Herr Breitenbach schon recht Betracht- liches in der Duchhändlcrreklamc. Wenn er seine Uebungen fort- setzt, hat er die beste Aussicht, nach seiner Entlassung aus dem Staatsdienst bei Herrn August Scherl Unterkunft zu finden. Postpatriotismus. Wie die„Deutsche Postztg." mitteilt, soll sich die Ober» Postdirektion in Kiel einen unbefugten Eingriff in die staatsbürgerlichen Rechte der Beamten haben zuschulden kommen lassen, indem sie nach dem ungünstigen Ausfall der Stadi- verordnetenwahlen sämtliche Postbeamte amtlich darüber der- nehmen lieh, ob sie von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht haben. Eine grosse Anzahl von Beamten soll die geforderte Auskunft über die Ausübung ihres Wahlrechts verweigert haben. Die Oberpostdirektton in Kiel scheint unzulänglich beschäftigt zu sein, dass sie sich mit Angelegenheiten befaßt,'die sie absolut nichts angehen. Die Regierung fordert trotz der finanziellen Not- läge des Reiches für die höheren Beamtenkatcgorien überreichliche Zulagen. Nach den Mitteilungen, die über die Leistungen mancher höheren Bcamtenschichten in die Oeffentlichkeit dringen,»oäre es viel besser, wenn ihnen etwas mehr Arbeit zugewiesen würde damit sie nicht aus Langeweile darauf verfallen, sich in die Privat- angelegenheiten ihrer sogenannten„Untergebenen" zu mischen. Die Blätter unter einer Schellenkappe. Ueber eine Blätterverschmelzung, von der schon wiederholt die Rebe war, berichtet der„Reichsbote": Der„Deutsche Verlag", der die Berliner Neuesten Nachrichten", die„S t a a t s bürget- Zeitung" und das„Reich" herausgab, und dessen Geschäfte seit dem Verkaufe der„Berliner Allgemeinen Zeitung" an eine süd- deutsche Verlagsanstalt und seit dem Ausscheiden der beiden Hauptaktionäre Krupp und Henckel-DonnerSmarck nichc gerade günstig zu nennen waren, wird sich mit dem Verlage der Deutschen Zeitung"(Friedrich Lange u. Teilhaber) ver- einigen und als Verlagsanstalt Friedrich Lange u. Co. weiter- geführt werden. Der bisherige Chefredakteur der„Deutschen Zeitung", Dr. Friedrich Lange, wird, wie nunmehr fesistehr, die Chefredaktion sämtlicher vier Blätter über- nehmen. Der Druck erfolgt in der Buchdruckerei Büxenstei». Unter die Schellenkappe deS alldeutsch- antisemitisch- scharf- macherischen Dr. Lange mag sich in der Tat das vierblätterige Zeitungskleeblatt einstweilen am besten zu retten versuchen. Dcr redaktionellen Verschmelzung wird sicherlich auch in nicht allzuferncr Zeit infolge des chronischen Dalles eine technische Verschmelzung folgen._ Tie Freisinnigen und die Tabaksteuer. Die Entscheidung darüber, ob durch eine Mehrbelastung des Tabals Zehntausende von Tabakarbeitern brotlos gemacht werden sollen, liegt in erster Linie in Händen des„Freisinns". Er wird deshalb auch die Hauptverantwortung gegenüber den Tabakarbeitcrn zu tragen haben. Leider vermissen wir noch inraner eine klare, be- timmte Stellungnahme seitens der„freisinnigen FrakticmSgemein- chaft". Allerlei Anzeichen deuten darauf hin, datz der„Freisinn" m seiner Haltung äussorst schwankend geworden ist. Erklärte doch schon Herr v. P a ye r bei der ersten Lesung, dass nach seiner Meinung„eine andere Form der Bestcue- rung" wohl möglich sei. Noch bedenklicher ist die Haltung der„Freisinnigen Zeitung" zu der in Aussicht genommenen„anderen Form der Besteuerung". Am 3. Dezember brachte die„Norddeutsche Allg. Zeitung" einei'. ehr optimistischen Artikel über die Aussichten der von der Regie- rung vorgeschlagenen Finanzreform. In diesem Artikel wird be- tont, dass, mit Ausnahme der Polen und Sozialdemokraten, beide Seiten des Hauses ihre Bereitwilligkeit erklärten,„die Massen- genussmittcl, Branntwein, Bier, Tabak, unter Umständen auch Wein, zur Besteuerung heranzuziehen", dass also„grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten in der Kommission nicht mehr zu über- brücken" seien. Auch das Zentrum werde sich in die„selbstverständ- liche Notwendigkeit versetzt sehen, den obenbezeichneten Konsum- teuern zuzustimmen". Die„Freisinnige Zeitung" macht ihren Lesern noch am gleichen Tage Mitteilung von dem Inhalt des Artikels dcr„N. A. Ztg.", läßt aber sonderbarerweise den von uns oben angeführten Haupt- ächlichsten Teil fort. Aus diesem Schweigen mutz ge» schlössen werden, dass die„Bereitwilligkeit" des .„Freisinns", auch den Tabak höher zu besteuern, �feststeht, Nun gibt cS im Reichstage, außer der Sozialdemokratie, keine Partei, welche sich bisher mit so großer grundsätzlicher Entschieden- heit gegen jode Mehrbelastung des Tabaks gewandt hat, wie der Freisinn. Mit Unkenntnis der Verhältnisse in der Tabakindustrie oder der schlimmen Folgen einar Mehrbelastung kann sich der Frei- sinn nicht entschuldigen. Um dies noch einmal vor Eintritt in die Verhandlungen der Kommission über die Tabakbesteucrung vor aller Welt zu konsta- tieren, lassen wir einige Auszüge aus den Reden freisinniger Ab- geordneter aus den Jahren IWö/Oö folgen: Die grundsätzliche Stellungnahme des Freisinns zu den in- direkten Steuern überhaupt und besonders zur Tabaksteuer erklärte in der zehnten Sitzung am Dienstag, 12. Dezember 1905 Abg. Schräder:„Jeder Kopf in der Familie zahlt indirekte Steuern, nicht etwa einmal, sondern vier- bis fünfmal wird die Steuer gezahlt. Das weiß ja jeder, welche große Menge indirekter Steuern der Bevölkerung auferlegt ist, und da vergessen Sie nicht — und das soll die hohe Regierung auch nicht vergessen—, es sind nicht bloß die Arbeiter, die davon betroffen werden, sondern das reicht viel weiter hinauf, besondors in unseren Beamtenklassen. -Die unteren Beamtenklassen stehen um kein Haar besser, sondern schlechter als die Arbeiter in solchen Zeiten; denn es ist ihnen nicht wie den Arbeitern möglich, durch vermehrte Arbeit mehr zu ver- dienen, sie bekommen ihr Gehalt wie bisher, und wir wissen ja auch in diesem hohen Hause, wie schwer es ist. die Gehälter durch- weg zu erhöhen. ES handelt sich da um solche Summen, daß wir uns immer sehr besinnen müssen, ehe wir zu durchgreifenden Ge- Haftserhöhungen kommen." Dr. P achnicke sagte(18. Sitzung, Mittwoch, den 10. Juni 1V06):„Jede weitere Erhöhung des Tabakzolles bedeutet eine weitere Begünstigung der süddeutschen Staaten auf Kosten der nord- deutschen. Der Fabrikant müßte deutsches Kraut verwenden, wenn ein höherer Zoll erhoben wird, und er könnte dies am vorteil- haftesten nur da tun, wo der meiste von ihm bevorzugte Tabak wächst, nämlich in Süddeutschland. Das aber würde bedeuten, daß von Westfalen, Hannover, vom Eichsfelde her eine Verschiebung der Tabatfabrikation stattfindet nach dem Süden, und daß in diesen Gegenden sehr viel Schaden angerichtet würde. Außerdom machen wir für unsere Seite noch besonders geltend: Tie Erhöhung der Steuer verteuert das Produkt, die Verteu- rung zieht eine Verbirauchsverminderung nach sich und diese wieder einen Rückgang der Pro- d u k t i o n. Meine Herren, es handelt sich nun aber um etwa 200 000 Arbeiter, dazu kommen deren Familien, dazu kommen noch die Arbeitskräfte, die in den Hilfsgewerben beschäftigt sind. Hier- von würden Tausende außer Lohn und Brot gesetzt, wenn die Pro- duktionSberminderung eintritt. Nun gibt die Negierung selber zu, daß die Arbeiter der Tabakindustrie meist viel zu schwächlich sind, um in eine andere Industrie übergehen zu können. Abgesehen von der Beschäftigungslosigkeit. die aus der einen Seite eintreten wüirde, ivürde für die- jcnigen. welche beschäftigt bleiben, ein Rück- gang der Löhne in Betracht kommen, und dieser Rückgang würde besonders darum so empfind- lich sein, weil die meisten Tabakarbeiter ohne- dies bereits schlecht gestellt sind(Sehr richtig! links), wenigstens nicht so gut gestellt sind tvie viele andere Arbeiter- kategorien. Gerade in den 5- und 6-Pfennig-Zigarren ist der Ver- brauch überaus empfindlich. Die Herstellung der 5-Pfennig- Zigarren bildet das Fundament der Tabakfabrikation; die 5- und 0-Pfennig.Zigarren zusammengerechnet machen ungefähr 90 Proz. des gesamten Konsums aus. Eine Verteuerung müßte sich also in bedenklicher Weise fühlbar mackzen." Zum Schluß gibt Dr. Pachnicke noch seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß die Regierung keine Tabakfabrikat- {teuer und keine Wert st euer vorgeschlagen habe. Von der«Freisinnigen Vereinigung" sprach zum Schluß der ersten Lesung am 13. Januar 1906 noch der Abgeordnete G o t h e i n, der nur deshalb auf die Tabaksteuer nicht mehr ein- zugehen für nötig erklärt, weil diese doch schon ein»vollendet Toter" sei. Die Redner der„Freisinnigen Volkspartei' äußerten sich wie folgt: Dr. M ü l l e r- S a g a n(8. Sitzung, Sonnabend, den 9. De. zember 1905):„Sie sehen ja an der Tabakindustrie, was einem wirtschaftlich schon ungünstig dastehenden Gewerbe von Reichs wegen zugemutet werden kann. Die Zigarrenindnstric Norddeutschlands hat jetzt schon unter der Konkurrenz Süddcutschlands schwer zu leiden. Mir ist gesagt worden, daß in Süddeutschland das Mille Zigarren für 10 Mark geliefert werden kann, welches in Nord- deutschland für 23 bis 24 Mark nicht herzustellen ist. Wenn nun noch ein erhöhter Zoll auf das ausländische Rohmaterial gelegt würde, so würden namentlich die kleineren Fabrikanten Norddeutschlands zugrunde gehen, so würden Tausende und Abertau- sende von Arbeitern der Zigarrenindustrie brot- los werden, das gilt insbesondere von den ärmsten Gegenden im deutschen Vaterlande, vom Eichsfeld, wo die Arbeiter sich schon aus der Weborci geflüchtet haben in die Zigarrenindustrie, und nun wieder— diesmal von Reichs wegen— aus ihren Erwerb herausgedrängt werden sollen. Meine Herren, übersehen Sie doch nicht, daß gerade in der Zigarrenindustrie vielfach schwäch- liche, kränkliche Arbeiter beschäftigt sind, die in einer anderen Industrie gar keine Verwendung mehr finden können; vergessen Sie auch nicht, daß die Hunderttausende von Arbeitern, brotlos geworden in der Zigarrenindustrie, üborflüchtcn müssen in andere Gewerbe und twrt als Lohndrücker wirken werden, nicht in die L rndwirtschaft, denn dazu sind sie zum größten Teil körperlich unta stich. Das ist ein Misere, eine wirkliche Misere, vor der ich Sie l: Augen nicht zu verschließen bitte." ( beurteilten vor kaum drei Jahren die Freisinnigen die Taba steuerung. Welche Stellung werden sie jetzt, nachdem sie inziDi)., n zur„Regierungspartei" geworden sind, einnehmen? Allem Anschein nach verwerfen sie nur die Bauderolesteuer, sind aber bereit, die Tabaksteuer künftig zu erhöhen. Höher als das Arbciterinteresse steht dem Freisinn das Wohlwollen ihrer konscr- vativen Blockgefährten. Der„Eckstein" der Finanzreform. Die„Berliner Politischen Nachrichten' schreiben: «Wir können iviederholt versichern, daß die verbündeten Re- gierungcn nach tvie vor die Erbschafts- und Nach- l a ß st e u e r als einen integrierenden Bestandteil des dem Reichstage vorgelegten Steuerreform Werkes betrachten. Mitteilungen, welche dahin gehen, daß im Reichs- schatzamt Vorarbeiten gemacht ivürden, um einen Ersatz für die vorgenannte Steuer zu finden, sind unzutreffend. Im Gegenteil hält man, wie wir versichern können, an maßgebender Stelle daran, der Reichstag werde der Ueberzeugung sich nicht ver- schließen, daß gerade diese Steuer einen Eckstein bildet, der, ohne das gesamte Reformwerk zu gefährden, nicht heraus- gebrochen werden darf."_ Ein Ordnungskämpe. Einer der wütendsten Gegner der Sozialdemokratie ist der Volksschullehrer und Vorstandsmitglied des Verbandes zur Be- kämpfung der Sozialdemokratie in Hamburg, Herr Karsten Brandt, der wiederholt unsere Partei als schlimme Seuche, als kultur- und mittelstandsfciiidlich bezeichnet und ihr sonst noch allerlei angedichtet hat, fühlte sich durch einen im„Hamb. Echo" erschienenen Bericht über eine Versammlung deS Wandsbecker Parteivereiiis be- leidlgt, in der Genosse b. RoSbitzki die merkwürdige Mittelstands-' fteundlichkei» dieses glimmen Kämpen beleuchtete. Er warf dem Brandt vor. der allerungeeignclste Verfechter mittelständlerischer Interessen zu sein, weil er viele Geschäftsleute, Handwerker usw. dnrch seine Pump- geschichten in schwere llngclegenheiten gebracht habe,„wie er über- Haupt Gott und alle Welt anpumpe". R. war um so mehr zu seinen in der Abwehr erhobenen Angriffen berechtigt, als seine von ihm zu Agitationszwecken bei den Kommunalwahlen verfaßte Broschüre von Brandl in einer Versammlung deS genannten Verbandes als Be- weis für die angebliche Mittelstandsfeindlichkeit unserer Partei an- geführt wurde. Außerdem fühlte Brandt sich durch eine weitere. seine Mittelstandsfreundlichkeit durch einen drastischen Ausdruck charakterisierende Notiz deS„Echo" in seiner Ehre schwer gekränkt, weshalb er gegen die Genossen RoSbitzki, Petersson und WaberSky vom„Echo" eine Privatklage wegen Beleidigung anstrengte. DaS Wandsbecker Schöffengericht erachtete den von den An- geklagten angetretenen Wahrheitsbeweis als in allen Teilen ge- lungen, verurteilte aber jeden zu einer Geldstrafe von 50 M., weil sie über das Ziel hinausgegangen seien. Auf die von beiden Seiten eingelegte Berufung hob das Land- gericht Altona das Urteil auf und verurteilte die Genoffen RoSbitzki und Petersson zu je 300 M. Geldstrafe und Wabersky zu drei Monaten Gefängnis, indem eS annahm, daß sie in Brandt nur den politischen Gegner hätten treffen wollen. Die Angeklagten legten gegen das Aufsehen erregende Urteil Revision beim OberlandeSgericht in Kiel ein, das eS in allen Punkten für rechtsirrtümlich erklärte, denn den Angeklagten hätte auch der Schutz des ß 193(Wahrnehmung berechtigter Interessen) zu- gebilligt werden müssen. Nicht die Angeklagten, sondern der Privat- beklagte sei der Angreifer gewesen. Das Urteil wurde auf- gehoben und die Sache an die Borinstanz zurückverwiesen. Am Mittwoch und Donnerstag gelangte die Angelegenheit zum vierten Male zur Verhandlung, zu der nicht weniger als 50 Zeugen geladen waren, von denen mehrere bekundeten, einen von Karsten Brandt in den„Hamburger Nachrichten" veröffentlichten Artikel als eine Denunziation gegen die fortschrittliche Richtung der Hamburger Lehrerschaft aufgefaßt zu haben. Auch ftir die Behauptungen über die»praktisch betätigte Mittelstandsfreundlichkeit" des Privalklägers wurde der Wahrheitsbeweis in vollem Umfange erbracht. '.' Hamburg, 10. Dezember. (Privatdepesche des„Vorwärts".) DaS Urteil lautete: Der Wahrheitsbeweis für die Be- hauptung, Brandt pumpe Gott und alle Welt un- verschämt an. sei voll erbracht, weshalb von der Aullage, Brandt durch diese Behauptung beleidigt zu haben, alle Ange- klagten freigesprochen werden mußten. Dagegen wurden die Genossen v. RoSbitzki und Petersson wegen der Behauptung, der bewußte Artikel Brandts enthalte eine Denunziation der Lehrerschaft Hamburg«, zu je 60 Mark Geldstrafe verurteilt. Genosse Wabersky ist ganz freigesprochen worden. Eine zerstörte Legende. Der ungarische Minister des Innern, Graf Andrassy. hat zur Begründung des Pluralitätsschwindels sich auch auf das Zeugnis des Fürsten B ü l o w und des englischen Minister- Präsidenten A s q u i t h berufen, die erklärt hätten, das Plural- Wahlrecht sei das einzige System, welches den Anforderungen der Zivilisation entspräche. Die sächsischen Reaktionäre haben sich bei Begründung ihrer Schandreform auf diese angeblichen Aussprüche berufen. Auf Veranlassung sächsischer und ungarischer Genossen hat nun Genosse Keir Hardie Herrn Asquith gefragt, ob er wirklich die ihm zugeschriebene Aeußerung getan habe und darauf folgende Antwort von Asquith erhalten: „Kein Wort i st wahr an der Erzählung, daß ich dem Grafen Andrassy(oder irgendeiner anderen Person) gegenüber jemals die Ansicht geäußert hätte,„daß das Pluralvotum die einzige Wahlrechtsmethode sei, welche den Anforderungen der Zivilisation entspreche". Es steht Ihnen frei, von diesem Briefe jeden Ihnen beliebigen Gebrauch zu machen. Es muß offenbar irgendein Mißverständnis stattgefunden haben." Damit ist eine Legende gründlich zerstört, mit der die ungarischen und sächsischen Reaktionäre ihre Attentate auf das Volksrecht rechtfertigen wollten. Es wäre aber nicht uninteressant, zu erfahren, ob Fürst B ü l o w eine ähnliche Erklärung abgeben könnte oder ob er sich wirklich zu einem freiwilligen Helfershelfer der Wahlrechtsfcinde in Ungarn gemacht hat. Die Ztvistigkeiten in der polnischen Fraktion sind noch nicht behoben. Der„Dziennik Berlinski" verlangt, daß in der Fraktioy ein Arbeiter Sitz und Stimme bekomme. Der„Wiarus Polski" weist darauf hin, daß die im Weste» Deutschlands arbeitenden Polen jedes Vertrauen zum polnischen Adel verloren haben. Das polnische Arbeitervolk habe keine Lust, noch länger als Dekoration zu diene», und habe genug Männer unter sich, die in der Lage sind, die Interessen der polnischen Bevölkerung im Parlament zu vertreten. Die Agrarier im Oldenburger Landtag. Verschiedene Blätter berichteten dieser Tage, daß die Agrarier im neugewählten Oldenburger Landtage den Antrag stellen würden, das vom vorigen Landtage beschlossene allgemeine, gleiche, direkte Wahlrecht durch das Pluralwahlrccht einzuschränken und zwar derart. daß jedem Grund- und Hausbesitzer eine Stimme mehr gewährt werde, als den anderen Wählern. Tatsächlich haben sich die Agrarier damit nicht begnügt, sondern zur Aufrechterhaltung ihrer Herrschast folgende Anträge gestellt: 1. demjenigen, der mindestens drei Jahre Be- sitzer oder Nießbraucher eineS'GrundstückeS mit darauf befindlichem Wohngebäude ist, soll eine zlveite Stimme zufallen; kommen mehrere Besitzer oder Nicßbraucher in Frage. dann soll dem Aeltesten davon das ver in ehrte Wahlrecht zufallen; 2. den, jenigen, der seit mehr als zehn Jahren in Oldenburg wohnt, soll eine dritte Slimme zufallen. Ein von anderer agrarischer Seite gestellter Antrag geht dahin: demjenigen eine zweite S'timme zu geben. der entweder seit dreiJahreu Besitzer oder Nießbraucher eines Grund st ückes mit darauf best i, bliche in Wohngebäude ist oder mit mindestens 1800 Mark zur staatlichen Ein- k o m m e il st e n e r angesetzt ist. Diese Anträge bestätigen die von den Sozialdemokraten ge- legcntlich der Wahlrechtsdebatte im vorigen Landlage und gelegent« lich der Debatten über die Haltung der sozialdemokratischen Abgeordneten bei der Verlängerung der Legislaturperiode aus- gesprochenen Beslirchtungen. Der Ausfall der Wahl hat dann noch den Vorstoß gegen daS allgemeine Wahlrecht begünstigt. Der Vor- stoß ist um so brutaler, als SS Proz. der gesamten oldeuburgischen Steuerzahler unter 1800 M. Einkommen haben. VorlZuflg verhält sich die Regierung diesen Anträgen gegen« über ablehnend; auch haben die Anträge im Ausschüsse nur«ine Minderheit gesunden. Wandlungen sind aber nach alten Erfahrungen leider nicht ausgeschlossen. Eine Reihe von Protesiversammlungen, die sofort einberufen werden, sollen der arbeitenden Bevölkerung Gelegenheit geben Stellung zu dem geplanten Wahlrechtsraub zu nehmen. Liebknechts Hnftenlafsiing. Die Geschäftsordnungskommission des Abgeordnetenhauses ist am Donnerstagabend endlich zur Beratmig des sozialdemokratischen Antrags auf Haftentlassung deS Abg. Liebknecht zusammengetreten. Ueberwiesen ist ihr der Antrag bereits am 27. Oktober, also vor mehr als 0 Wochen I Zu dem sozialdemo- kratischen Antrag brachte Abg. T r a e g e r(Frs. Vp.) in der Kom- Mission folgende Resolution ein: Die königliche Staatsregierung zu ersuchen, mit tunlichster Beschleuiligung zur Ergäiizuiig bezw. Abänderung der Verfassung (Art. 3l) einen Gesetzentwurf dahin vorzulegen, daß kein Mitglied der Kammer ohne deren Genehmigung während der SitzungS- Periode zum Zwecke der Strafvollstreckuiig verhaftet werden darf, sowie daß auch jede Strafhaft eines Mitgliedes für die Dauer der Sitzungsperiode aufgehoben werden muß, wenn die betreffende Kammer es verlangt. Zu einer Abstinimung ist eS bei Schluß der Redaktion noch nicht gekommen, doch besteht nach dem Verlauf der Debatte kein Zweifel, daß der sozialdemokratische Antrag auf Haftentlassung Lieblnechts abgelehnt wird._ Aus dem Württemberger Landtag. Die Volkspartei hat zwei Interpellationen eingebracht. Die erste lautet: Welches sind die Gründe, die die Staalsregierung veranlaßt haben, im Vundesrat der leilweiscn Besteuerung des WeinS durch daS Reich ihre Zustiiimulng zu geben; die zweite: ob bezw. aus welchen Gründe» die Stnatsregieruiig der GaS« und EleklrizitätS« steuer im Reiche ihr« Zustimmung gegeben hat. Das Ende vom Ltede. Der Eulenburg-Prozeß ist zu Ende. Fürst Eulenburg wird nicht mehr vor Gericht erscheinen. Die gerichtsärztliche UntersuchullgS« kommission. die zur llutersiichung des Füllten Euleuburg nach Licbenberg entsandl wurde, hat nunmehr der Siaatsaiiwaltschoft ein schriftliches Gutachteii übermitlelt, aus dem hervorgeht, daß die Kommission eine Wiederherstelluiig des Fürsten nach inem'chlichem Ermessen bezweifelt. Sie hält eS daher für ausgeschlossen, daß Fürst Euleuburg in Anbetracht seines hohen Alters jemals wieder verhandlungsfähig sein wird. Um aber den gesetzlichen Vorschriften zu genügen, wird die Staatsanwaltschaft den Fürsten dauemd in Zwischenräumen von vier bis sechs Monaten von einer gerichtSärzt- lichen Kommission untersuchen lassen.— Die Balkankrise. Tie österreichische Antwort. Die Antwort der österreichischen Regierung auf die letzte russische Note betreffend die Konferenz ist in Petersburg ein« getroffen und heute nachmittag dem Minister des Aeußcrn, JSwolski, übergeben worden, lieber ihren Inhalt verlautet, daß Oesterreich dem Standpunkt Rußlands entgegenkomme. Es bestehe nicht mehr auf seiner Weigerung, dle Annexion Bosniens von der Konferenz diskutieren zu lassen, aber es wünsche Garantien, daß die Annexion schließlich anerkannt werde. Zugleich wird berichtet, daß auch gegenüber der Türkei mildere Saiten auf- gezogen werden sollen. Die Abreise deS Botschafters Pallavacini aus Konstantinopel solle unterbleiben und trotz der Fortdauer deS Boykotts die Verhandlungen mit der Türkei begonnen werden.— Ausdehnung des Boykotts. Rom, 10. Dezember. Auch in Italien macht sich eine Boykottbewegung gegen österreichische Waren und Erzeugnisse bemerkbar, namentlich in Apulicn und Kalabrien. In diesen Provinzen werden insbesondere die Ankäufe von Holz, welches bisher aus Oesterreich bezogen wurde, nunmehr in der Türkei vorgenommen.—_ Schweiz. Das Asylrecht. Unser Luzerner Parteiblatt„Der Demokrat' berichtet: In Luzern wurde in einem Hotel am Sonnabend, den 28. No- veinber, ein tagSzuvor zugereister deutscher Militälflüchtting arretiert. Der Maiiii koniile sich als Deserteur ausweisen tind mußte deshalb»ach einem kurzen Verhör wieder entlassen werden. Bei seiner Enthafiling teilte ihm ein Geheimpolizist mit. daß jeder Iveiterc Aufenthalt auf Luzerner Boden Verbote» sei; wenn sich der Flllchlling morgen, also am Sonnlag, noch in Luzern aufhalte. werde er ausgeschafft. Zweifellos war schon diese Drohung an und für sich ungesetzlich. Demi einmal wurde sie nur so nebenbei von dem Detekliv gemacht und zudem koimte sich der Deserteur über genügende Subsistenzmiiiel ausweisen. Der Mann kehrte sich deshalb nicht an die Aeußerungen des Geheimpolizisten und hoffte in kurzer Zeit in Luzern Arbeit zu finden. Aber schon am Montag früh er» schien der Detektiv wieder und der Flüchtling wurde neuerdings verhaftet. Er wurde in ein stinkendes, ungeheiztes Lokal eingesteckt und kam am Dienstag auf den Schub. Der Man» war nalürtich wehrlos, und iveil er die Möglichkeit, sich gegen die AuSichaffung zu wehre», nicht hatte, verlangle er, daß man ihn wenigstens nicht an die deutsche Grenze transportiere. ES half aber alles Bitten nichts. Noch am selben Tage wurde er bei Schaffhauseii über die Grenze geschoben. Hier gelang es ihm durch einen Zufall, seinen Häscher» zu entrinnen, und io war es dann möglich, daß der Mann von dem schnöden Nechtsbruch der Luzerner Polizei Mit» t e i l u n g machen konnte.— So hängt daS schweizerische Asykrccht nicht nur von der einen Stimnie deS Präsidentei» des schlvcizerischci, BuildeSgerichtS, sondern auch von der Willkür jedes erstbeste» Polizisten ab. Im R a t i o n a l r a t. der ain 7. Dezember in Bern zur Winter« session zusammengetreten, ist von der sozialdeniokratischen Fraktion mit Unterstützliiig von bürgerlichen Parteien der B u n d e r a t in Sachen deS Schicksals Wassilieffs interpelliert worden. Nach der Erklärung der russischen Negierung an den reklamierenden schweizerischen Gesandten Odier in Petersburg sei daS zur Aburteilung Wassilieffs ausersehene LandeSgericht daS „ordentliche Gericht"._ Der prensnsche Polizeispitzel. Der vor einiger Zeit in Zürich entlarvte und hierauf von der Polizei verhaftete preußische Polizeispitzel GrwinSki Walter ist nun aus der Schweiz ausgewiesen worden. Englancl. Die Vcrhandlnngcn DernburgS. London, 10. Dezember.(Unterhaus.) In der heutigen Sitzung bildeten die angeblichen Verhandlungen»regen der Ab- tretung der W a l f i f ch 5 a y tat Gegenstand einer Anfrage. Roxi Lonsdale fragte, ob svifchen Staatssekretär Dernburg und den Drittel mehr als ihnen zugedacht war. Das vollständigewerber gemeldet hatten und 97 Stellen befeht wurden. Nach diesen Premierministern der Kapkolonie und Transvaals Mitteilungen Versagen der christlich nationalen Arbeiterver- Bahlen müßte man allerdings auf eine günstige Lage des Arbeitsausgetauscht worden seien. In Beantwortung dieser Anfrage führte treter ist um so bemerkenswerter, als es sich hier um einen marktes schließen können. Die Sache hat aber einen bedeutenden der Parlaments- Unterstaatssekretär des Kolonialamts Seely die Verbandsvorsitzenden und um einen Reichstagstandi. Saken. Simon wies nach, daß diese Zahlen durchaus unbrauchbar fürzlich erfolgte Erklärung des Premierministers der Kapkolonie an, daß diese Kolonie nicht die geringste Absicht hätte, die Walfisch- daten handelt. bah oder ihre Verwaltung aufzugeben und daß die Kapkolonie in dieser Angelegenheit mit den übrigen füdafrikanischen Regierungen zusammengehe. Rußland. Gegen die offene Tür. Petersburg, 9. Dezember. Die Reichsduma verhandelte in ihrer heutigen Sigung über eine vom Handelsminister eingebrachte Gefetesvorlage betreffend Schließung der Freihäfen im Amur. und Transbaikalgebiete. Die Anhänger der Vorlage beantragten eine möglichst baldige Schließung, damit der friedlichen Eroberung durch Ausländer ein Ende gemacht werde. Die Gegner wiesen darauf hin, daß eine solche Eroberung nicht zu befürchten sei, auch nicht von seiten Japans. Handelsminister Schipom führte aus, die Verbindung des fernen Ostens mit dem Zentrum Rußlands durch Eisenbahnen und die nach den Kriegszeiten eingetretene Ruhe machten die Aufhebung der Freihäfen zeitgemäß und durchaus notwendig für die Wieder belebung des russischen Handels und der russischen Industrie. Die Vorlage wurde angenommen. Amerika. Der Staatshaushalt. Washington, 9. Dezember. Der vom Schazamtssekretär veröffentlichte Jahresbericht gibt den Ueberschuß der Aus gaben über die Einnahmen im Fistaljahre 1908 auf 58 070 201 Dollars an. Der am Jahresbeginn zur Verfügung stehende Sassenbestand belief sich auf 272 061 445 Dollars. Die berzinsliche Schuld betrug am 30. Juni 1908 897 503 990 Dollars gegenüber 934 902 760 Dollars am 30. Juni 1907. Die Zolleinnahmen sind um 46 Millionen, die sonstigen Einnahmen um 17 955 646 Dollars geringer als im Vorjahre. Der Bericht schäßt das mehr der Ausgaben gegenüber den Einnahmen im Jahre 1909/10 auf 143 046 796 Dollars. Wenn das Defizit eine ähnliche Höhe erreichen sollte, so müßte der Kongreß durch neue Steuern Abhilfe zu treffen suchen. Der Moloch. Washington, 10. Dezember.( Auf deutsch- atlantischem Stabel.) Der Jahresbericht des Kriegssetretärs berechnet den Voranschlag für das neue Fiskaljahr auf 189 755 000 Dollars, das sind 52 Millionen mehr als im laufenden Jahre. Der Bericht empfiehlt die Schaffung einer Miliaarmee von 350 000 Mann. Die Zollrevision. Washington, 9. Dezember. Das Mitglied des Kongresses Fowler brachte eine Vorlage eine, wonach eine ständige, aus 7 Mitgliedern des Hauses bestehende Tariftommission geschaffen werden soll. Nach der Vorlage soll der Kongreß Marimal- und Minimalzölle festseßen und die Kommission soll innerhalb dieser Grenzen die Bölle auf alle Einfuhrartikel bestimmen, sowie alle auf den Handel bezüglichen Fragen untersuchen, das betreffende Material sammeln und Gegenseitig teitsverträge ausarbeiten. Gewerkschaftliches. Christliche Impotenz. Deutfches Reich. Eine gelbe Boykotttlage abgewiesen. Seit der großen Aussperrung vor einigen Jahren und der Verschmelzung mit dem Senefelder Bund, hat der Verband der Lithographen und Steindruder fortgesetzt gegen die infolge dieser Vorgänge vom Unternehmertum fleißig geschützten Gelben zu fämpfen. Bei der jüngsten Boykottflage war es nicht der von den Brinzipalen sorglich geschütte Senefelderverein, dessen jezige Mitglieder zum größten Teil jene„ Kollegen" waren, die die Verschmelzung der Gewerkschaft mit der Unterstützungskaffe bekämpft hatten, und dabei bis zum Reichsgericht gingen, sondern die Berliner Freie Vereinigung, ein Häufchen meist wegen Beitragsresten oder sonstigen Mighelligkeiten aus dem Verbande ausgeschlossener Steindrucker, die sich Lorbeeren holen wollte. Ein Mitglied dieser Organisation von Edlen, der Restaurateur und frühere Steinbruder Sixtus Hermann erhielt in seinem Sofa durch die bei ihm verkehrenden Steindrucker einen Arbeitsnachweis eingerichtet". Eine Steinbruderversammlung des Verbandes in Berlin nahm 1905 dazu Stellung. Es wurde beschlossen, diesen ,, Arbeitsnachweis" zu sperren, Nichtbeachtung dieses Beschlusses durch Ausschluß zu ahnden, und weiterhin allen Kollegen zu empfehlen, das Lokal des Hermann zu meiden. und falsch sind, da im Arbeitsnachweis die um Beschäftigung nach suchenden Arbeiter nur dann eingetragen werden, wenn sie dies ausdrücklich verlangen oder wenn eine Stelle besetzt wird. Es wurde eine Probe gemacht, indem der Metallarbeiterverband 97 und der Holzarbeiterverband 30 Arbeitslose nach dem Arbeitsnach. weis dirigierten mit der Weisung, sich genau so zu verhalten wie andere Arbeitslose. Nur wenigen wurde der Auftrag gegeben, ihre Eintragung zu verlangen. Von diesen 127 Mann wurden nur 5 eingetragen, die übrigen nicht, sie werden also auch gar nicht gezählt. Unter solchen Umständen kann man freilich eine günstige Frequenzziffer, die die Ableugnung des Notstandes ermöglicht, zustande bringen. Wenn man bedenkt, daß die Zahlen der Arbeitsnachweise auch in die amtlichen Statistiken übergehen und bei der Beurteilung des Arbeitsmarktes verwendet werden, so ist ein selches Geschäftsgebaren als geradezu gemeingefährlich zu be trachten. Die bürgerlichen Stadtväter gerieten über diese Enthüllungen in arge Verlegenheit. Es wurde einstimmig beschlossen, den Magistrat zu bitten, die Sache zu untersuchen und die Ums gestaltung des Arbeitsnachweises kommissionell zu beraten. Der Arbeitsnachweis übt diese Pragis schon seit 13 Jahren aus, aber um dahinter zu kommen, mußten sich die Sozialdemokraten erst mühsam den Eintritt ins Rathaus erkämpfen. Gin bilfiger Jndifferenter. In Rimpar bei Würzburg machte am 26. April der Maurer Schömig seinem Arbeitskollegen Löhr in einer Wirtschaft Vorstellungen deshalb, weil er nicht der Organis fation beitrete. Darüber geriet Löhr so in Wut, daß er aufsprang, Sch. um den Leib mit beiden Armen pacte und ihm die Nasenspite nebst dem rechten Nasenflügel wegbiß. Für diese Tat erhielt Löhr 6 Monate Gefängnis. Husland. Aussperrung der Zuderbädergehilfen in Budapest. Im August 1908 verklagte der schon genannte Hermann den Verband auf Schadenersatz, vorläufig auf 3600 M., und Unterlassung. Um ganz sicher zu gehen, verklagte er 1. den Gesamtverband, 2. drei Hauptvorstandsmitglieder des Verbandes, und 3. den Bevollmächtigten der Berliner Steindruder. Noch vor Beginn der Verhandlung nahm der Rechtsanwalt Berbig die Klage zu 1 und 2 zurück. Bu 3 wurden die schönsten Argumente vorgebracht. So das Geschichtchen vom armen andersdenkenden Gastwirt, der durch die Sozialdemokratie bankrott gemacht werden soll, u. a. m. Die Gewerbeforporation der Zuckerbäder beschäftigte sich in Herr Berbig versuchte sogar diesen Unterschied in der politischen Anschauung zwischen sich und dem Vertreter des Ver- ihrer vorgestrigen Konferenz mit dem Streit der Gehilfen. Nach bandes zu betonen, es wurde ihm aber sehr deutlich abgewinkt. mehrstündigen Verhandlungen gelangte eine Resolution zur Ans Auch die plötzlich vorgebrachten neuen Beweise, daß der Boykott nahme, laut welcher jene Firmen, deren Gehilfen den von den Ar noch in der allerlegten Zeit ausgeübt worden sei, nüßte nichts, jetzt beitgebern aufgestellten neuen Lohntarif nicht anerkennen wollen, mußte man hören, daß dies eine unzulässige juristische Verschica berpflichtet sind, die Gehilfen sofort auszusperren. Den fleinen Verschic- Meistern wird es zur Pflicht gemacht, in den größeren Betrieben bung der Anflage sei. Die Klage wurde abgewiesen. Aus dem Urteil find die folgenden Stellen von Wichtigkeit: Richtig ist, daß der Gewerbebetrieb zu den im§ 823 B.- G.- B geschützten Rechten gehört. Es ist aber nicht jede Handlung widerrechtlich, die in das Recht eines anderen eingreift. Wider. rechtlich ist an sich insbesondere nicht der Boh. tott( siehe Reichsgerichtsentscheidungen). Er ist kein unerlaubtes Kampfmittel, und wird dies auch nicht dadurch, daß durch die Presse oder durch Druckschriften die Unterstützung weiterer Kreise angerufen wird. So liegt der Fall hier. Es wird den Kollegen empfohlen, den Verkehr im Lofale des Gegners zu vermeiden, um dem Boykott Nachdruck zu verleihen. Diese Handlungsweise ist nicht widerrechtlich. Eine Klage auf Unterlassung des schädigenden Handelns beruht auf den gleichen Voraussehungen." Aus diesen Gründen wurde die Klage abgewiesen. auszuhelfen. Falls die Gehilfen die Bedingungen nicht annehmen, erfolgt die allgemeine Aussperrung der Gehilfen. Demgegenüber beschloß eine Gehilfenbersammlung, feine Ginzelverträge, sondern nur einen Kollektivvertrag abschließen zu wollen. Mithin wird die Aussperrung perfett. Beendigt wurde die Generalaussperrung der Schneider in der Schweiz unter Vermittelung des Bezirksrichters Stettbacher und des Gerichtsschreibers Dr. Zivingli in Zürich auf folgender Grundlage: 1. Es ist sofort die Ausarbeitung eines gemeinsamen Schweizerischen Generaltarifes, gültig in verschiedenen Abstufungen für die einzelnen Plätze in der Schweiz, von beiden Zentralfomitees an die Hand zu nehmen. Die zurzeit bestehen. den Tarife bleiben allerorts bis nach Ablauf gemäß ihren Be stimmungen in Kraft. Den christlichsozialen Fachverbänden ist Gelegenheit ges boten, zu diesen Verhandlungen Vertreter abzuordnen. Die Komitees haben dafür besorgt zu sein, daß ein solcher Tarif bis Ende Januar 1909 fertiggestellt ist. 2. Die über Davos verhängte Sperre wird aufgehoben. Dieser Beschluß ist in den Fachzeitungen des In- und Aus landes sofort bekanntzugeben. 3. Sämtliche von den schweizerischen Schneidermeistern era laffenen Kündigungen merden auf allen Pläßen zurüdgezogen. Andererseits nehmen sämtliche Arbeiter die Arbeit auf allen Bläßen sofort wieder auf. 4. Maßregelungen gegen Streikende sowohl als gegen Arbeitswillige dürfen in feiner Weise und von keiner Seite statt. finden. Die Streiferlisten werden sofort aufgehoben. Zur Erreichung dieser Vereinbarungen war wirklich die Aus. sperrung nicht notwendig. drei Straßenräubern in Bern, die abends 9 Uhr mitten in der Bom Streifbrecher zum Straßenräuber. Unter den verhafteten Stadt einen Mann vom Lande überfallen und beraubt hatten, be findet sich auch der Streifbrecher G.( deffen Namen die Breffe feltfamerweise nicht im Wortlaut mitteilt), der 1905 und 1907 in Bern den Streitbrecher machte. Ein feines" nüßliches Element des Staates! Wieber eine Lüge der bürgerlichen Preffe geplant. Dieser Tage machte eine Notiz die Runde durch die Presse, bie behauptete, daß der Brauer Ludwig aus Dortmund den Brauer Kühn in Gotha erschossen hat, weil dieser seinen Eintritt in den Verband verhindert und so beschäftigungslos gemacht habe. Die gesamte Ordnungspresse, allen voran das Leipziger Limanorgan und so weiter, heulte über den Terrorismus der freien Gewerkschaften. Uns wird heute aus Dortmund, dem Heimats und letzten Beschäftigungsorte des Ludwig geschrieben, daß dieser schon im Einen prächtigen Erfolg zugunsten der Arbeitslosen hatte Jahre 1900 in den Verband eingetreten fei. Er habe dann in diefer Tage das Gewertschaftsfartell der freien Ge- Sagen, Eisenach und Weimar gearbeitet und fei überall als unberträglicher Mensch bezeichnet worden. In Gotha ist er seinerzeit werkschaften in Duisburg zu verzeichnen. Vor etwa acht freiwillig aus dem Verband ausgetreten, weil er auf eine Meisters Tagen machte eine Notiz die Runde durch die Arbeiterpresse, stelle spekuliert hatte. Als dieser Plan fehlschlug, wollte er sich welche besagte, daß die Duisburger Stadtverwaltung den mit wieder aufnehmen lassen, was die Gothaer Brauer allerdings abNotstandsarbeiten beschäftigten Arbeitslosen nur einen Lohn lehnten. Er arbeitete dann in der Brauerei Bergmann in Rahm von 2,20 M. für Verheiratete und 1,80 m. für Un- bei Dortmund. Dort trat er wieder dem Verbande bei und zahlte verheiratete zahle, obwohl der ortsübliche Tagelohn seine Beiträge nach. Von Drangfalierungen durch die organisierten für Erwachsene dort 3,25 M. beträgt. Das Kartell Brauer kann schon darum keine Rede sein, weil Ludwig im letzten der freien Gewerkschaften richtete darauf einen Dring Sommer als Vertreter der Arbeiter den Tarif mit abschloß. Er lichkeitsantrag an die Stadtverwaltung, der forderte, ging dann wieder nach Gotha, wo er die Tat ausführte, die jetzt daß berichtet wird, und die jedenfalls nur als Racheaft bezeichnet werden man den berheirateten Arbeitslosen mindestens den ortsüblichen Tagelohn und den Unverheirateten mindestens einmal Steine gegen die freien Gewerkschaften schleudern wollte. fann. Jedenfalls ist es klar, daß die bürgerliche Presse nur wieder 2,80 M. gewähren möge. Gleichzeitig berief das Kartell eine Wie Figura zeigt, hat sie gewaltig geflunkert. Arbeitslosenversammlung ein, die sich der Forderung des Kartells anschloß. Das Stadtverordnetenkollegium beschäftigte sich darauf mit der Sache und bewilligte auf Befürwortung des Oberbürgermeisters zunächst eine Erhöhung des Lohnes auf 2,80 M. Man ließ aber durchblicken, Die Direktion der Steingutfabrik- Aft.- Ges. Colditz i. Sachsen führt baß man event. auch wohl für 3,25 M. zu haben sei, doch solle seit Monaten einen systematischen Kampf zur Vernichtung der Ar- wählte den Sozialdemokraten Pernerstorfer, den Deutschen Stein sich die sogenannte„ Soziale Stommission" die man in jener beiterorganisation. Der mit Hilfe von gelben Gewerkschaften gewender, den Slovenen Pogacnit und den Tschechen Zazborka au Betterede fast in jeder Stadtverwaltung als Blizableiter für führte Stampf hatte bisher keinen Erfolg und scheiterte am solidari- wender, den Globenen Pogacnik und den Tschechen Zazvorka zu figliche Angelegenheiten eingerichtet hat erst mit der Sache schen Handeln der Arbeiter. Nun hat die Direktion zu einem Vizepräsidenten. befassen und eventuell Vorschläge machen. Oder raffinierten Hauptschlag ausgeholt. Sämtliche wollen Ste noch einen anderen Antrag organisierte Arbeiter haben die Kündigung erhalten und hat es der stellen, Herr Wieber?" Mit diesen aufmunternden chriftliche Direktor Zehe derart eingerichtet, daß die Leute am Worten wandte sich der Oberbürgermeister dann noch an den Vorabend des Weihnachtsfestes den Betrieb Stadtverordneten Wieber, den Vorsitzenden des christlichen verlassen müssen. Darunter befinden sich Arbeiter, die 20 Stadtverordneten Wieber, den Vorsitzenden des christlichen und mehr Jahre ihre Kraft und Gesundheit der Firma geopfert Metallarbeiterverbandes, der als Zentrumsmann in Gemein haben; ferner auch Leute, welche die Direktion erst in letzter Beit schaft mit dem„ nationalen" Former Jung die Interessen unter allerlei Versprechungen nach Coldik gelodt hat, um mit ihrer der Arbeiter im Duisburger Stadtparlament ,, ber- Hilfe die Organisation zu vernichten. tritt". " -O 17 Zum Weihnachts- Heiligabend ausgesperrt. Der Unternehmerterrorismus treibt immer tollere Blüten. Ein Arbeiterausschuß, wie er nicht sein soll. 393 Arbeitslose mit 637 Kindern gibt es in Basel, Letzte Nachrichten und Depefchen. Bizepräsident Pernerstorfer. Wien, 10. Dezember.( W. T. B.) Das Abgeordnetenhaus Zur Nachahmung empfohlen. Borbeaug, 10. Dezember.( W. T. B.) Gleich nachdem die Guadeloupe" in Bauillac eingetroffen war, ift dem Prä. fidenten Castro von behördlicher Seite mitgeteilt worden, bab er sich jeder Berbindung mit der Presse zu enthalten habe, Wertzuwachssteuer in Braunschweig. Braunschweig, 10. Dezember.( W. T. B.) Die Stadtberordneten. versammlung beicbloß in beutiger Sizung die Einführung der Wertzuwachssteuer, soweit der Wertzuwachs 5 Broz. übersteigt. Ferner wurde die Einführung der Gemeindeveränderungssteuer mit 2 Broz. beschlossen. Berhütung schlagender Better. Paris, 10. Dezember.( B. H.) Professor Grenrut, welcher ,, Nein, ich bin mit dem Vor. Die Organisation der Porzellanarbeiter hat über die Fabrik schlage einverstanden" erwiderte der Vorsitzende die Sperre berhängt und werden die Arbeiter dieses Berufs drin des christlichen Metallarbeiterverbandes, während der gend ersucht, Solidarität zu üben, da der von der Direktion in so ,, nationale" Reichstagskandidat der Kommerzienräte der Kommerzienräte und brutaler Weise aufgezwungene Kampf mit aller Energie ausgeFabrikanten, Herr Former Jung, sich in sehr beredter fochten werden wird. Weise ganz ausschwieg. Anstatt die gebotene Gelegenheit zu benutzen wenn schon aus eigener Initiative nichts von diesen Arbeitervertretern" zu erivarten ist und den ihnen auf den Präsentierteller gebrachten Antrag zugunsten der land bekannt dafür, daß er nicht ein sozialpolitisches Institut, sonDer Nürnberger städtische Arbeitsnachweis ist in ganz DeutschArbeitslosen einfach aufzunehmen, erklärt sich der Verbands- dern eine Waffe des Unternehmertums gegen die Arbeiterschaft ist. von seiner Studienreise nach dem belgischen Kohlenrevier zurüc borsigende einer christlichen Gewerkschaft mit den von ihm Bornehmlich bei Lohnbewegungen entfaltet er stets eine eifrige gekehrt ist, erklärte vor dem Pathologischen Kongreß, sein Studium, felbft als zu niedrig befundenen Löhnen einverstanden! Nach Tätigkeit, um die Unternehmer mit Streifbrechern zu versorgen. Der schlagenden Wetter sei so weit gediehen, daß in Zukunft bie bem dann unser Duisburger Parteiblatt das flägliche Verhalten Die am 1. Dezember in das Rathaus eingezogenen 10 Sozialdemo- Gefahr schlagender Wetter in Gruben so gut wie befeitigt gelten der christlich- nationalen, Arbeitervertreter" gebührend festgenagelt traten haben schon bei ihrem ersten Auftreten mehrfach die sozial- fönnte. und nochmals einen energischen Appell an das dortige Stadt- politische Rückständigkeit der Stadtverwaltung aufs Korn geberordnetenkollegium richtete, hat man nunmehr in einer am nommen. In der zweiten Sibung am Dienstag kam der ArbeitsMontag abgehaltenen Sigung dem Antrage des Gewerkschafts- nachweis an die Reihe. Die sozialdemokratische Fraktion stellte Messina, 10. Dezember.( W. Z. B.) In Monte Albans fartells stattgegeben und 3,25 M., den ortsüblichen Tagelohn, den Antrag, den Magistrat zu ersuchen, eine gemeinsame Kombi Glicano wurde heute eine sehr starke wellenförmige Erb bewilligt. In einzelnen Fällen soll es der Stadtverwaltung Den Antrag begründete Genosse Simon, der eine geradezu un mehrere andere Erdstöße folgten. Eine Anzahl öffentlicher und mission einzusehen, die den Arbeitsnachweis umzugestalten habe. erschütterung von drei Sefunden Dauer verspürt, auf die noch auch gestattet sein, darüber hinauszugehen. Für Un geheuerliche Bragis des Arbeitsnachweises enthüllte. In der Frage privater Gebäude, die Kirchen und das Bürgermeisteramt wurden berhe ratete, denen man zuerst nur 1,80 m. be der Arbeitslosenfürsorge wurde schon wiederholt im Rathause der willigen wollte, hat man 2,20 bis 2,80 M. festgesetzt. Arbeitsnachweis als geweis bafür ins Feld geführt, daß von einem hver beschädigt. Unter der Bevölkerung rief das Erdbeben eine Also statt 2,20 m. erhalten die Arbeitslosen durch außerordentlichen Notstand keine Rede sein könne. Es wurde z. B. das Eingreifen des Kartells jekt 3,25 M. bezw. bis 2,80 m., darauf verwiesen, daß beim Arbeitsnachweis an einem bestimmten wo es vorher nur 1,80 M. geben sollte. Das ist rund ein Tage 114 offene Stellen angemeldet waren, während sich 115 Be Verantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. UnterhaltunasbL Banik hervor. Erdbeben. Br. 290. 25. Jahrgang 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. feitos. Tezember 1908. Reichstag. 180. Sigung bom Donnerstag, den 10. Dezember, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstische: v. Bülow, Sydow, Kraette, Dernburg. Auf der Tagesordnung steht die Freitag, 11. treten des Staatssekretärs v. Bethmann- Hollweg. Auch nach Verschiedene Redner haben darauf aufmerksam gemacht, daß der Bewilligung des Gesetzes bleibt er in der Auslegung unser Botschafter in Konstantinopel zur Zeit des Umschwunges nicht auf loyal( Zustimmung bei den Freifinnigen); der Gebrauch der seinem Posten war, und haben vermutet, daß Frhr. v. Marschall sich, polnischen Sprache in Gewerkschaftsversammlungen soll verboten habe von den Ereignissen überraschen lassen. Anzeichen einer mög werden, sagte er, wenn die Gewerkschaft nur Kulisse für national- lichen Ueberraschung hatte er längst bemerkt und berichtet. Wie schnel polnische Bestrebungen ist. Aber dann darf man nicht den Gebrauch sich die stille Bewegung in eine offene verwandelte und welcher. der polnischen Sprache überhaupt in Gewerkschaftsversammlungen Erfolg sie haben würde, entzog sich jeder Berechnung. Als die verbieten, wie es der Regierungsvräsident in Arnsberg getan hat.. Wendung eintrat, wurde von der sofortigen Rückkehr des BotMißtrauen ist eine parlamentarische Tugend. Mit diesem Mißtrauen schafters abgesehen, um nicht der Verdächtigung Raum zu geben, als wollen wir den Etat betrachten und behandeln und so dafür sorgen. Handle es sich um die Rettung des alten Regimes. Uebrigens überdaß das Defizit fich auf einer verständigen Höhe bewegt.( Bravo! brachte er an dem historischen ersten Selamlik nach der Wiederbei den Freisinnigen.) einführung der Verfassung Reichskanzler Fürst v. Bülow: zur See Weiter ist im Laufe der Debatte gesagt worden, unsere auswärtige Lage Staatssekretär des Auswärtigen v. Schoen: dem Sultan die besten und herzlichsten Glückwünsche des Kaifers zur Wendung der Dinge, in der Hoffnung, daß die Neuerung der Türkei zum Segen gereichen würde! verjüngte Türkei Ausdruck gegeben. Auch ist es unrichtig, daß die Deutschland hat also als erste Macht ihrer Sympathie für die deutschen Schiffe im Hafen an dem türkischen Freudentage nich geflaggt hätten. Herr Haußmann hat dem Botschafter der Vereinigten Staater sprochen, die wir alle teilen, ich füge hinzu,( mit erhöhter Stimme; freundliche Worte gewidmet und mit Wärme von den Gefühlen ge hoch und niedrig.( Große Heiterkeit.) Noch einige Worte über das schwierige Thema des auswärtigen Dienstes. Daß die Zuführung frischen Blutes für die Diplomatie erwünscht ist, ist ganz meine Meinung.( Große Heiterfeit im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) Jm Geschäftsbetrieb des Auswärtigen Amtes ist gewiß manches verbesserungsfähig. Es fint daran fetzen werde, praktische Neuerungen einzuführen und, wenn Reformen in Arbeit. Seien Sie überzeugt, daß ich alle Kräfte meine Sträfte reichen, auch durchzuführen.( Bravo! beim Block.) " GehaltsFortsetzung der Beratung des Etats. Abg. Haußmann( südd. Bp.): Der Grundsatz Gut oder schlecht, mein Land hat recht" ist außerordentlich bedentlich; glücklicherweise befolgt man ihn auch in Frankreich nicht und ebensowenig wollen wir ihn befolgen. In der Beurteilung des amerikanisch- japanischen Herr Haußmann hat ebenso wie andere Vorrebner Abkommens folge ich der Ansicht des Reichskanzlers: unsere die Frage der internationalen Einschränkungen der Rüftungen Interessen fönnen darunter nicht leiden. Die Vorgänge in China müssen wir mit großer Aufmerksamkeit verfolgen, dort bereitet sich berührt. Ich stelle fest, daß ein solcher Vorschlag nicht an uns Der Uebergang zu einem modernen Staatswesen vor. Besondere Freude empfinden wir darüber, daß Herr Hill als Bertreter der herangetreten ist. Darüber hinaus will ich sagen, daß wir eine internationale Beschränkung der Rüstungen stets für eine wünschensBereinigten Staaten hierhergekommen ist; das deutsche Volk ist nicht der Meinung, daß Aber wir haben Zweifel an der werte Sache gehalten haben. nur Millionäre Vertreter einer großen Nation fein fönnen.( Bustimmung.) Daß die Angelegenheit in einer so heiflen Frage, durch welche die Gegensäge statt gemildert Durchführbarkeit und an der Opportunität ergebnislofer Diskussionen bon Casablanca in den Hafen eines Schiedsgerichts eingelaufen ist, leicht verschärft werden könnten. Dazu kommt, daß wir in der Mitte ist erfreulich. Aber ein ungesunder Zustand ist es, daß ernste Kon- von Europa auf dem strategisch ungünstigsten Blaze von allen fünf flifte überhaupt wegen einiger Deferteure entstehen konnten. Marofto Weltteilen siehen. at für Deutschland noch weniger Bedeutung als die Balkanhalbinsel. Wir wüssen uns nach verschiedenen Seiten berWir wünschen überhaupt einen Schiedsgerichtsvertrag teidigen können. mit Frankreich, wie wir ihn mit England haben. Im Zufammenhange mit Marotto sagte der Reichstanzler: Keine Prestigepolitit!" Dem stimmen wir zu und fügen hinzu: Auch keine laffe zu wünschen übrig. Gewiß, die Situation in Europa ist gegenSchifanepolitit!" Herr v. Holstein soll die Berichte unserer wärtig feine besonders behagliche; aber unsere 2age würde in dem auswärtigen Geschäftsträger nach eigenem Ermessen geändert, die ge- Augenblic eine wirklich schlechte und der Friede ernstlich bedroht änderten Berichte an die Geschäftsträger zurückgesandt haben, damit sie werden, indem wir unsere Rüstungen unter den durch die Lage er- Abg. Zimmermann( Antis.) beklagt, daß Deutschland nicht früh sie von neuem einsenden, und diese geänderten Berichte sind dann an forderlichen Stand vermindern würden. Unsere Rüstungen zur See, genug von der Annegion Bosniens Wind bekommen habe, und daß höhere Stellen weitergegeben worden. Frankreich ist mit Delcaffé die durch das Gesetz bestimmt sind, bezwecken den Schuß unseres man so stürmisch um die Freundschaft Englands werbe, freut sich fertig geworden und so sollten wir auch mit Herrn v. Holstein fertig Handels und unserer Küste; doch unser Landheer und unsere allen mit Haußmann über Bethmanns Loyalität bei der Handhabung des sein, der die Rolle eines fleinen Delcassé gespielt hat. anderen Ländern vorauseilende Sozialpolitik nehmen unsere Kräfte Vereinsgefeges, wünscht eine möglichst geräuschlose auswärtige Der Türkei fönnen wir aus Klugheit und Gerechtigkeit mur start in Anspruch, so daß wir mit unserem Schiffsbau über das für Politik, hält die Lage auf dem Balfan für kritisch, Italiens Haltung wünschen, daß fie nicht geschwächt wird; die Jungtürken haben die Verteidigung Notwendige nicht hinausgehen können. für zweideutig und Bülow für den Nechtsnachfolger der alten Bythia allerdings mehr Sympathie mit parlamentarischen Ländern als mit Herr Haußmann hat weiter einen langjährigen Beamten des von Delphi, der wie diese vieldeutige Drafelsprüche zum uns, da fie unsere Verfaffung für einen Scheinkonstitutionalismus Auswärtigen Amtes genannt, einen Mann von hervorragender besten gebe; er bezeichnet die Bedrängnis des Deutschtums in halten mit einem starken Stüd rückständigen Despotismus. Natürlich politischer Befähigung und selbständigem Charakter. Ich weise die Desterreich als schwere Gefahr für das deutsch österreichische müssen wir alles unterlassen, was unserem Bundesgenossen Dester- gegen Herrn v. Holstein gerichteten Angriffe zurück.( Bravo! rechts.) Bündnis und regt unter Berufung auf den italienischen ceich Verlegenheiten bereiten fönnte. In Prag, wo durch den Weiter hat Herr Haußmann von Einflüssen gesprochen, die sich in Minister Tittoni an, die österreichisch- ungarische Regierung freundslawischen Fanatismus die persönliche Sicherheit aufgehoben war, der Marokko- Frage bemerkbar gemacht hätten. In einem mir unter- nachbarlichst auf gewiffe Tatsachen" aufmerksam zu machen. Das haben die Tschechen den Beweis der Ueberlegenheit ihrer Kultur stellten Ressort dulde ich keine Neben- und Unterströmungen. End- Standrecht in Brag ist mehr wegen der Dynastie als wegen der nicht geliefert.( Buſtimmung.) Der Reichskanzler sagte, über die lich hat Herr Haußmann an dem Vorgehen Desterreich- Ungarns in Deutschen verhängt worden. Die Deutschen sollten sich so solidarisch Absicht der Annerion haben wir vorher von Desterreich nichts verschiedenen Bunften Kritik geübt. Ich halte es nicht für richtig, fühlen wie die slawen, wenn auch ein Einschlagen der tschechischen erfahren, und dafür ist er Desterreich dankbar. Aber wenn ein in die gegenwärtigen Schwierigkeiten Desterreichs durch eine unfrucht Schädel nicht zu empfehlen ist. Die deutschen Arbeitgeber sollten Berlin geschloffener und garantierter Vertrag gesprengt wird, ist mir bare Stritik zu erhöhen. Wir dienen Desterreich und nicht so viele Tschechen beschäftigen. dieser neueste Ton der Frende über das Nichteingeweihtsein doch der Sache des Friedens, wenn wir feinen Zweifel Tschechen In Nigdorf haben die eine eigene Kirche, und sie behaupten, etwas zu leicht.( Zustimmung bei den Freifinnigen.) Der Reichs- lassen über die unerschütterlichkeit unseres die Gründer von Rigdorf und Friedrichshagen zu sein. fangler fagte einmal, man solle sich über eine Extratour eines Ver- Bündnisses und über den Ernst, mit dem wir Man sollte überhaupt nicht so viele ausländische Arbeiter ins bündeten nicht aufregen. Aber Italien tanzt Extratouren fortissimo. unfere Bundespflicht betrachten.( Lebhafter Beifall Land ziehen, namentlich nicht zu Zeiten der Arbeitslosigkeit. Die Der Dreibund hat durch die Freundschaften, die feine Mitglieder ge- rechts und in der Mitte.) ausländischen Arbeiter neigen zu Schlägereien. Die Landwirtfchloffen, einen anderen Inhalt erhalten, er ist ausgehöhlt worden. Wo alle Staaten sich anders orientieren, hat Deutschland, fchaft allerdings kann die ausländischen Arbeiter nicht entbehren. oas in Vereinzelung Redner wendet sich sodann der BeamtenEinige Bemerkungen zu Einzelfragen der auswärtigen Bolitit. vorlage zu um fein anderes Wort zu gebrauchen und beklagt die Härten und Ungerechtigkeiten geblieben ist, allen Grund, sich auch anders zu orientieren. England leber Maroffo ist Ihnen im Frühjahr eine Sammlung von Aften- derselben. Der gewerbetreibende und handeltreibende Mittelfommt bei der gegenwärtigen Spannung für eine Anbiederung ftüden vorgelegt worden. Eine Fortsetzung dieses Weißbuchs werden stand gönnt den Beamten bon nicht in Betracht. Freilich ist nicht jede Gelegenheit ausgenugt worden, Sie nach den Weihnachtsferien erhalten. Ueber den Zwischenfall mit aufbesserung, beschwert sich aber über die vielfach behördlich Herzen die vo England versucht hat, sich uns zu nähern. In der Balkanfrage den Deserteuren von Casablanca wird es nur wenig enthalten, denn begünstigten Beamtenkonsumbereine usw. Mit solchen Dingen find Berührungspunkte zwischen uns und Frankreich vorhanden; die eine Sache, die vor dem Richter ist, muß der Erörterung entrüdt begibt sich die Beamtenschaft auf die schiefe Ebene und macht die innere Spannung zwischen Deutschland und Frankreich ist weit sein. Ich bemerke deshalb dazu nur, daß die Annahme des Abg. Handwerker und Kaufleute allen Aufbesserungen der Beamten abgeringer als früher. Um so mehr sind gerade die Maroffovorgänge Scheidemann, wir hätten nach Kenntnis des französischen Berichtes geneigt. Wenn man den Frauen zuviele Berufe erschließt, dann zu bedauern, weil sie die natürliche Annäherung zwischen uns und unser Verlangen der vorherigen Entschuldigung Frankreichs aufrecht- nimmt die Ehelosigkeit zu und die Geburtenziffer ab. Man sollte Frankreich stören.( Sehr richtig! bei den Freifinnigen.) erhalten, irrtümlich ist. Von einer Entschuldigung ist überhaupt die Verheirateten durch Steuererleichterungen, erhöhten WohnungsHerr Baffermann meinte, das wirtschaftliche Emporkommen niemals die Rede gewesen, sondern nur von dem Ausdruck des geldzufchuß usw. begünstigen. Die Schutzolpolitik ist gut. Die Deutschlands sei der Grund für die Mißgunst anderer Länder. Das Bedauerns.( Heiterfeit.) preußischen Prinzessinnen vermehren die Unzufriedenheit, indem sie, ist nur teilweise richtig. Schuld ist auch unsere auswärtige Politif, Vielfach ist der Wunsch geäußert worden, wir sollten nnfere ihre Kleider in Paris bestellen.( Beifall bei den Antisemiten.) die etwas Lärmendes, Renommistisches hat. Dazu kommt, daß wir Truppen aus China zurückziehen. Die Regierung teilt diesen Wunsch Abg. Dr. Dröscher( f.) begrüßt die Beamtenvorlage sympathisch. nur einen Scheinkonstitutionalismus besitzen. Ein Mann, der in der Hoffnung, daß China für die Aufrechterhaltung der Ruhe Alle Erwartungen sind aber nicht so erfüllt worden, wie wir feinen Hausschlüssel hat, wird von den Männern, mit denen forgen fann und sorgen wird. Nachdem aber der Thronwechsel in es gewünscht haben. In weiten Beamtenfreifen hat Verbitterung er verkehrt, weniger geachtet, um so weniger, wenn China eingetreten ist, würde jede Truppenbewegung im gegenwärtigen plaggegriffen. Wir billigen, daß man die Besoldungssäge im großer, starter Mann ift. S0 werden auch wir Zeitpunkt Beunruhigung bei der chinesischen Bevölkerung hervorrufen. Reiche mit den in Preußen geltenden in Einklang bringt. weniger geachtet, weil wir den Hausschlüssel des Volfes im Parla- Deshalb hat auch die japanische Regierung die bereits beschlossene Redner verbreitet sich sehr ausführlich über die Einzelheiten der nente auch nicht haben. Der Reichstanzler fagte, er wolle Politit Zurückziehung ihrer Truppen aufgeschoben. Jedenfalls beabsichtigt die Beamtenvorlage. Unter anderem schlägt er bor, den Wohnungsmachen in Uebereinstimmung mit diesem Hause. Hoffentlich ist das faiserliche Regierung, eine erhebliche Werminderung, wenn nicht geldzuschuß nach dem Amts statt nach dem Wohnort zu diffe Grundsatz und nicht nur Wendung. Wie sehr ein Minister gefräftigt gänzliche Zurüdziehung der Truppen so schnell wie möglich in die renzieren. Auch tabelt er die übertriebene Häufigkeit und Kostwird durch das Vertrauen des Parlaments, zeigte gestern das Auf- Wege zu leiten. spieligkeit der Dienstreifen. Den Angriffen des Abg. v. Gamp plateau, das etwa 15 000 Fuß über dem Meeresspiegel liegt, einbrang. Von hier wandte er sich nach Westen und es gelang ihm, das tiefe Tal von Bailit zu erreichen, das schließlich zum JurunKasch führt. In den steilen Felshängen am Flusse stieß man auf ausgedehnte Goldgruben, die offenbar schon seit ältester Zeit ausgebeutet wurden und die bisher von keinem Europäer besucht worden waren. Die Eingeborenen taten alles, dem Forscher den fremden Blicken zu behüten. Ueber schwierige 17 000 und 18 000 meg durch dieses Tal zu verheimlichen, um ihre Goldlager ver Fuß hohe Pässe orang der Gelehrte mit seinem Begleiter von Bailik aus in das große vereiste Peden ein, in dem der östlichste strengung vermochten die Reitesel die Schwierigkeiten des Hochund größte Arm des Flusses entspringt. Nur mit größter Angebirges zu überwinden, aber eine Reihe wichtiger geographischer und geologischer Aufnahmen entschädigten vollauf für die Strapazen. Außerordentlich interessant ist die Feststellung, daß die cisumschlossene Zone in verhältnismäßig junger Zeit sich wesentlich berkleinert hat, denn sie gibt einen Hinweis über die Zuſammenschrumpfung, die das vom Jurun- Kasch mit Wasser gespeiste Gebiet im Laufe der Jahrhunderte erfahren hat. Nady genauer Unterfuchung und Aufnahme des Quellandes wandte die Expedition sich nach Often zu dem höher gelegenen Atsai- tschin- Plateau. Durch das oberste Tal des Keriaflusses orang man in die Gletscherregion cin, aus der der Strom entspringt, und mühsam arbeitete man sich vorwärts durch die von heftigen Schneestürmen verwüsteten Täler und damit begann die Erforschung der westlich davon liegenden und Klüfte. Die Wasserscheide des Keriaflusses wurde überwunden, Gebiete, die bis heute noch unbekannt geblieben waren und die ebene verzeichnet sind. Es zeigte sich bald, daß das Land in Wirkauf den Karten unter dem Namen„ Weiße 2 üst e" als Hochlichkeit einen ganz anderen Charakter aufweist. Schneebedeckte Gebirgsausläufer durchqueren das Gebiet, durchbrochen von breiten Eine Forschungsreise durch Zentralafien. Die große Fortiefen Tälern, die von Flüssen berieselt sind. Aber nur selten erDie Temperatur der Sonne und der Figsterne. Prof. Scheiner schungsreise durch die fast unbekannten Gebiete des mittleren reichen diese Wasserläufe die Seen, die sich am Fuße der Verge vom astrophysikalischen Observatorium in Potsdam legte im Mün- Asiens, die der englische Forscher Dr. M. A. Stein unternommen ausdehnen; meist enden sie in angeschwemmten Geröllbächen, die chener Verein für Naturkunde fürzlich den neuesten Stand der Un- hat und die zu der Auffindung einer großen Anzahl wertvoller oberhalb der Niederungen liegen, die die Seen und Flüsse mittersuchungen über die Temperatur der Sonne dar und teilte gleich weilen ihren Abschluß gefunden; der Forscher ist in Leh' in Kaschmir alle Kennzeichen alter Strombetten; sie laufen von Often nach mittelasiatischer Altertümer geführt hat, hat einst- einander verbinden. Diese tieferliegenden Niederungen tragen zeitig neue Beobachtungen über die Temperatur der Fixsterne mit. Einem Berichte der„ Köln. Ztg." über den auch für weitere Kreise eingetroffen und gibt von dort aus den Bericht über die leßten Westen und erleichterten bas Bordringen der Expedition. Nach interessanten Vortrag entnehmen wir: Um Fehlerquellen auszu- Reisemonate, der im„ Geographical Journal" soeben veröffentlicht einwöchigem Marsche stieß man auf einen großen Salafee. Jir fcheiden, war an die Lösung dieser Fragen nicht bloß im Obser- wird. Am 1. August, nachdem die umfangreichen Altertümersamm weiteren Verlaufe der Reise gelang es, die alten Gebirgspässe vatorium bei Potsdam, sondern auch auf den Höhen des Gorner- lungen in einer großen Karawane nach Indien abgesandt waren, wieder aufzufinden, die in früheren Zeiten den Verkehr zwischen grats in der Schweiz gearbeitet. Noch vor einigen Jahrzehnten Khotan und Ladakh vermittelten. Am 18. September erreichte man fchivankten die Schätzungen der Sonnentemperatur zwischen 2000 nach Ueberquerung der Kwen Lun- Berge das östlichste Seitental und 10 Millionen Grad, aber gegenwärtig ist es gelungen, die Un. des Karatasch. Bei den Messungen in den Schneebergen in Höhen ficherheit, die über die Temperatur der Sonnenoberfläche herrscht, von 20 000 Fuß erfroren Dr. Stein die Füße, und in einer improbi. auf ein paar hundert Grad zu Beschränken. Die Sonnenstrahlen fierten Tragbahre brachte man den Gelehrten in neuntägigem werden beim Durchgang durch unsere Atmosphäre von Sauerstoff schwierigem Marsch über den Karakorumpaß nach Lch, wo man ihm und Stickstoff nur ganz wenig absorbiert, schr start dagegen von jest ärztliche Pflege angedeihen läßt. Kleines feuilleton. er der Kohlensäure, vom Wasserdampf und in ihren ultravioletten Be standteilen auch von dem in den höheren Luftschichten wahrschein lich in großer Menge vorhandenen Ozon. Während die Absorption im Laboratorium höchstens bis zur Temperatur von 1850 Grad Die Nobelpreise für 1908 sind am Donnerstag in Stod.studiert werden kann, mußte für Temperaturen von über 6000 holm endgültig verteilt worden, und zwar erhielten für Chemie Grad, wie sie bei der Sonnenstrahlung in Betracht kommen, zur Professor E. Rutherford in Manchester, für Physik Profeffor genauen Berechnung erst eine mathematische Formel gefunden D. Lippmann in Paris, für Medizin Prof. E. Metschnikoff oder aus der Nähe des Zenits kommen, eine größere oder geringere werden. Die Sonnenstrahlen haben, je nachdem sie vom Horizont in Paris und Professor Paul Ehrlich in Frankfurt a. M., für Literatur Professor St. Guden in Jena den Preis. Der Nobel- Wegstrecke durch die Atmosphäre zurückzulegen. Aus diesen BeFriedenspreis, der in Christiania verliehen wird, fiel obachtungen ergibt sich eine Sturbe, deren Verlängerung der oberen dem Dänen Frederik Baier und dem Schweden K. P. Arnold- Grenze unserer Atmosphäre entspricht, wo die Absorption der son zu Sonnenstrahlen erst beginnt. Alle diese Untersuchungen ergaben schließlich als Endresultat eine effektive Sonnentemperatur von Im großen ganzen find die wissenschaftlichen und literarischen 6200 Grad Celsius. Dieses Ergebnis ist nach Prof. Scheiners AnPreise an die Kandidaten gefallen, die schon vor einiger Zeit genannt sicht soweit sicher, und alle Fehlerquellen sind dabei soweit ausgewurden. Nur ist der Physikpreis nicht dem Berliner Prof. Pland, schaltet, daß höchstens noch ein Irrtum von 200 bis 300 Grad nach ſondern dem Pariser Lippmann zuteil geworden, der besonders unten oder oben möglich ist. Da die Sonne selbst auch eine abdurch seine Verdienste um die Weiterentwickelung der Farbenphoto- forbierende Atmosphäre besitzt, ist die Mitte der Sonne heller als die schwedische Dichterin Selma Lagerlöf noch der englische Shriker ihr Rand, und man kann aus den Unterschieden die mittlere Tem Swinburne, sondern der Jenaer Philosophieprofessor& u den, der beratur der Sonnenphotosphäre auf 7065 Grad Celsius berechnen. iveniger als Forscher und eigenwüchsiger Philosoph denn als Diese Zahl fann vielleicht um 100 Grad höher fein. Diese Ermitte. sympathischer Lehrer und Verfasser eines populären philosophischen ingen beziehen sich auf die strahlende Oberfläche der Sonne; wie Einführungswertes( Die Lebensanschauungen der großen Denker) hoch die Temperatur in den inneren Schichten und vollends gegen hervorgetreten ist. Im übrigen ist ja die Verteilung der Nobel- den Mittelpunkt hin ist, entzieht sich jeder Schäßung. Alle ir preise für Wissenschaft und Leben völlig bedeutungslos. Einige sterne, deren Spektra demjenigen unserer Sonne gleichen, haben inehr oder weniger alte Herren in guter Position ziehen das große verschiedene Temperaturen. Die roten Sterne glühen bloß mit nach den neuesten Untersuchungen bloß um wenige hundert Grad 206 in einer Gratislotterie. Das ist alles. Müßig ist auch die Frage, ob es nicht würdigere und den Ideen Nobels beffer ent- 3000 bis 3300 Grad Celsius, also in Temperaturen, wie sie mittels prechende Kandidaten gibt. Das große Kapital, das der Ideologe werden fönnen. Die weißen Sterne vom Siriustypus haben das des elektrischen Flammenbogens auch künstlich auf der Erde erzeugt Nobel in edler Abficht fruchtbringend anlegen wollte, offenbart in den Händen der schwedischen Akademie und unter dem Zwange der gegen etwa 11 000 Grad Celsius oder vielleicht noch mehr. Stiftungsfagungen, daß es zu nichts nuge ist. begann Dr. Stein mit der Ausführung des Planes, der den Abschluß seiner Forschungen sein sollte: mit der Expedition nach den Quellen des Khotanflusses, des Jurun- Kasch. Frühere Reisen hatten gezeigt, daß die den tiefeingeschnittenen Klüften der Gletscherberge entspringenden Quellen vom Westen her unzugänglich waren. Von Shotan aus, wandte sich Dr. Stein zu den unwegsamen Klüften von Polu, durch die er nach dem nördlichsten Hoch auf die ReichZpostberwaltung schließt sich Redner nicht an. So lieSenSluürdige Postbeamten wie die deutschen gibt eö in der Welt nicht wieder. Unsere Postbeamten machen es nicht, wie es anderswo die Postbeamten machen: sie streiken nicht I sBravo I rechts.) Dafür haben wir auch eine Sozialpolitik im Postbetriebe, die einfach großartig ist.(Bravo! rechts.) Abg. Bcck-Heidelberg jnatl.): Nach einer so eingehenden und erschöpfenden Rede wie der vorhergehenden(Heiterkeit und ironische Zustimmung im ganzen Hause) ist eS schwer, noch etwas über die Beamtenvorlaac zu sagen.(Sehr richtig!) Leider kommt die Bor- läge in einer sehr ungünstigen Zeit, da wir einem gesteigerten Be- darf an neuen Steuern gegenüberstehen. Deshalb müssen wir uns bei den GehaltSsteigerungcn der Beamten auf das notwendigste beschränken DaS werden die Beamten mich selbst einsehen. In der Vereinfachung und Zusammenlegung der Beamtenklasien darf man nicht zu weit gehen und sich nicht schematisch an Preußen anschließen. Sehr genau werden namentlich auch die Bestimmungen über den Wohnungsgeldzuschuß zu prüfen sein. Bei dem Vereinsgesetz waren wir uns der Tragweite des Sprachenparagraphen bewußt. Wir hoffen, daß die Erlasse über die Ausführung des Vereinsgesetzes nicht blos in den Akten bleiben. Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung. Persönlich bemerkt der Abg. Hanstmann(frs. Vp.): Herr Basser- mann hatte ausgeführt, daß dem Reichskanzleramt der Geist des Herrn v. Holstein fehle. Das habe ich nicht gelten lassen. Wenn der Reichskanzler mich deshalb angreist, werde ich mich in Zilkimst hüten, sein Amt gegen den Vorwurf des Geistesmangels in Schutz zu nehmen.(Heiterkeit.) Nächste Sitzung: sfreitag 11 Uhr. Fortsetzung der Etatsberatung. Schluß 6V3 Uhr. flußerordentlicher Parteitag der Sozialdemokratie singarns. Budapest, 8. Dezember. Am v. Dezember fand im großen Saale des neuen Stadthauses in Budapest ein außerordentlicher Parteitag der ungarischen Sozialdemokraten aller Zungen statt. Seine Ausgabe war die Be- ratuna der Maßregeln, die die Arbeiterschaft Ungarns gegenüber dem Plan der Regierung, anstatt des freien Wahlrechts ein plu- raleS, öffentliches und indirektes Wahlsystem zu geben, zu ergreifen hat. Den in der Geschichte des ungarländischen Proletariates unvergeßlichen historischen Tagen vom Ib. September 1006 und 16. Oktober 1667 reiht sich dieser außerordentliche Partei. tag als würdige Fortsetzung des gewaltigen Uampfes um oas all- gemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht an. Der Parteitag machte den Eindruck eines GenerallriegSrateS vor der Schlacht. ES herrschte eine kampfbcrette. opfermutige Stimmung, deren überwältigende Größe alle etwaigen taktischen Einwände von vorn- herein verstummen machte. Ueber die Verhandlungen ist kurz folgendes zu berichten: Nach der Eröffnung begrüßte, mit brausenden Hock,- und Eljenrufen empfangen, Genosse Ellenbogen namens der österreichischen Sozialdemokratie den Parteitag. In ihrem Kampfe um das un- verfälschte Volkörccht— so führte' er u. a. aus— haben Sic an Ihrer Seite die Sympathien des gesamten Proletariates, welches regsten Anteil nimmt an den Vorgängen und der Entivickelung in Ihrem Lande. Doch das österreichische Proletariat ist außerdem direkt interessiert an den Vorgängen, welche die Entwickeluag Ungarns zur Demokratisierung verhindern und leidet gleich Ihnen unter diesen Verhältnissen. Wir wissen ganz genau, was diese letzte eigentümliche Schwenkung der Krone verursacht hat und wo- durch sie veranlaßt wurde, von ihrem gegebenen Versprechen zurück- zutreten. Noch vor kurzem hat der Träger der Krone sich gegen eine der vielen Deputationen, welche ihn in letzter Zeit belästigten, geäußert, daß er nicht wankend geworden sei in der Ueberzeugung von dem segenbringenden Werte des allgemeinen Wahlrechts. Wenn es trotzdem gelungen ist, dem Träger der Krone das Pluralwahl. recht abzuringen, so ist dies nur auf die vor kurzem erfolgte Annexion Bosniens und der Herzegowina zurück. zuführen. Wir beklagen die Annexion nicht nur aus politischen Gründen, denn sie hat die Gefahr einer Störung des europäischen Friedens hervorgerufen, tvas allein schon ein Verbrechen bedeutet, sie hat die kapitalistischen Staaten, die wie die Geier einander die Beute wegzureißen trachten, aufgescheucht und den Wetterwinkel Europas, den Balkan, zu einer Stätte internationaler Berwicke. lungen unter den Großmächten gemacht. Sie hat sogar Staaten. mit denen wir in einem jahrzehntelangen Friedensbünvnis standen. gegen uns aufgebracht und veranlaßt, neue uns feindselige Bünd- nisse und Ententen zu suchen. Sie hat endlich die österreichische und ungarische Industrie enorm geschädigt, und die erste Wirkung dieser segensreichen Annexionspolitik ist die B r 0 t l 0 S m a ch u n g taufender Arbeiter. Aber noch weit bedeutungsvoller für unS ist die Tatsache, daß das allgemeine Wahlrecht verraten und die politische Eutwickelung Ungarns zur Demokratie auf Jahre hinaus aufgehalten und lange verschoben wurde. So ist's. Mag also der politische und wirtschaftliche Gegensatz zwischen Oesterreich und Ungarn in tausend Tatsachen begründet sein, mögen wir auch den Haß Ungarns gegen die politische Leitung Oesterreichs be- greifen, wir österreichischen Sozialdemokraten sind gleichwohl an der EntWickelung Ungarns zur Demokratie in unserem eigenem Interesse beteiligt, und daher beklagen wir eS schmerzlich, daß das Pluralwahlrecht von der Krone erpreßt, beziehungsweise gegen die Annexion verschachert wurde. Und da sehen wir nun die eigen- tümliche Tatsache, daß hüben und drüben dieselben feudalen Kreise am Werke sind, die freiheitliche Entwickelung zu stören. Wenn Sie wissen wolle», wer in erster Linie die Prager Exzesse verursacht hat. so lesen Sie das Organ des feudalen böhmischen GroßgrundbestHes, dort finden Sie die ärgsten Hetzartikel. Der armselige Klofac, der zu schieben glaubt, ist auch'nichts anderes als ein Werkzeug der Feudalen. Und wer genauer zu sehen weiß, weiß auch, daß hinter diesen Kreisen ein anderes Element wirkt, eine Persönlich- keit, die mit der langen Dauer des gegenwärtigen Regimes nicht zufrieden ist. ein Element, das nicht erwarten kann, daran zu kommen.(Zustimmung.) Es ist den'elbe Faktor, der wie seiner. zeit bei Chlophi, so auch jetzt bei der Annexion seine Hand im Spiele hat. Ich weiß, mit welchen Empfindungen man in Ungarn diesem zukünfiigrn Regime entgegensieht. Ich wpitz, toelcke Ge- fahren davon für das Land von den ehrlichen ungarischen Patrio- ten, von denen, die wirklich die Größe, den Stolz und die sonnige Entwickelung ihres ungarischen Vaterlandes wollen, befürchtet Werden. Aber Sie sehen, wessen Interessen durch die Pluralstät gefördert werden, wie ungarfeindlich sie schon in ihrem Entstehen ist. Run, diese feudalen Kreise in Oesterreich, mit ihrem per- st eckten Drahtzieher im Hintergrunde, können sich mit dem Gedanken eines Volkshauses in Oesterreich noch immer nicht abfinden, und all ihr Sinnen-und Trachten ist darauf ge- richtet, das Parlament des allgemeinen Wahlrechtes zu diskredi- tieren und zu kompromittieren; daher die wütende Hetze zwischen Deutschen und Tschechen, daher das angestrengte Bemühen, die Obstruktion künstlich zu züchten. Das Parlament trat zusammen und nach der Stimmung in die die Nationen hineingehetzt waren. hätte man erwarten können, daß es am ersten Tage wie eine Bombe explodieren werde Und siehe da, die Obstruktion versuchte sich kaum zu regen, da griff sofort oas Volkshaus mit entschlossener Hand ein und erwürgte die Obstruktion mit eisernem Griff. (Stürmischer Beifall.) DaS Parlament arbeitet und arbeitet, trotz Graf Thun, trotz Windischgrätz, trotz Kossuth und Andrassh. trotz ——— anderer Elemente.(Brausender Beifall.) Feinde intra «nuros et extra, und trotzdem hat das Parlament des allgemeinen Wahlrechtes das Feld behauptet. Es ist gesund, und wir hoffen, dgß dies die lctztm Anschläge gegen Mls lind, die Wö den PolkA» feinden unternommen ivevoett. Darum sage ich Ihnen: Benützen Sie dieses österreichische Beispiel, um sich zu sagen, daß auch Sie sich durch die momentane Macht der feudalen Herrschaft nicht ein- schüchtern lassen dürfen. Es ist nunmehr an Ihnen, die einstige glorreiche politische Geschichte Ungarns fortzuführen und seine Entwickelung zur unverfälschten Demokratie zu vollbringen. Lassen Sie sich von dieser hi st arischen Pflicht durch nichts ab- bringen, noch abschrecken. Das Proletariat Westeuropas sieht auf Sie, die Sie hier im äußersten europässchen Wirke! die einzige Kulturpartei sind, und die Sie hier, wo alles sinnlich ist, wo alleS nur glühende Sinnlichkeit ist. den schaffenden Verstand, und hier, wo alles träge ist, die schaffende Kraft, die fruchtbringende Arbeit repräsentieren. Wir hoffen und wünschen, daß Sie die echt p r 0 l e- tarische Tatkraft enttvickeln werden, die notwendig ist, um auch diesen sumpfigen Boden zu befruchten, und daß Sie von der revolutionären Geschlossenheit gerragen sind, alles daran zu setzen, daß auch in Ungarn schließlich die Sonne der proletarischen Freiheit aufgeht.(Langanhaltender, stürmischer Beifall.) Beschickt war der Parteitag, wie die Mandatsprüfungs- kommisston berichtete, ans der Hauptstadt von 162 Organisationen mit 171 Delegierten und aus 161 Städten und Gemeinden der Provinz von 1S1 Organisationen durch 172 Delegierte. Außerdem waren die Vertreter der deutschsprachigen, slowakischen, rumänischen und serbischen Landcskomitees anwesend. Insgesamt betrug die Zahl der Teilnehmer 366. Der Parteitag nahm von der unge- wohnlich hohen Zahl der Delegierten mit großer Befriedigung Kenntnis. Vor der Tagesordnung nahm sodann Gen. T a r c a! das Wort, um das Vorgehen der Regierung in den Balkanwirren uno die Annexion Bosniens in scharfer Weise zu verurteilen. Er unterbreitete dem Kongreß eine Resolution, die dagegen pro. testiert, daß eine abenteuerliche und gewissenlose äußere Politik mit der unzeitgemäßen und unmotivierten Annexion Bos- niens und der Herzegowina die Gefahr eines europäischen Krieges heraufbeschwört, nur damit die Machinationen gegen das freie Wahlrecht gelingen sollen. Ungarns Arbeiterschaft antwortet auf die Kriegsvorbercitungen und die Mobilisierungen damii, daß es mit verzehnfachter Kraft an der Erstarkung der Partei arbeitet, um der historischen Aufgabe gerecht zu werden. Der Parteitag macht es der Parteileitung zur Pflicht. Protest versa mm» langen gegen die 51riegsvorbereitungen einzu. berufen und die breiten Schichten des Volkes aufzuklären über die ungeheure Gefahr, in welche die Gewissenlosigkeit der Regierung das Land stürzt. Unter stürmischen Protcstrufen gegen die Regierung wurde diese Resolution ein st im m ig angenommen. Eine zweite Resolution wendete sich gegen den Erlaß KossuthS, der den Eisenbahnangestellten verbietet, der sozialdemo- kratischen Partei anzugehören und an einem eventuellen Massen- streik teilzunehmen. Die Resolution verwahrt sich energisch gegen den Raub der politischen Freiheiten und erklärt sich mit den Eisen- vahnarbeitern in ihrem weiteren Kampfe solidarisch.— Als der Präsident über diese Resolution abstimmen lassen wollte, verbot der anwesende Polizei Hauptmann die Ab- sfi m m u n g. Kaum nahmen das die Delegierten und die Zuhörer aus den überfüllten Galerien wahr, als ein Sturm des Unwillens losbrach. Die Delegierten erhoben sich wie ein Mann von den Plätzen und protestierten erregt gegen diesen Mißbrauch der Amtsgewalt. Die Aufregung war so groß und alle Teilnehmer so empört, daß einen Augenblick die Fortsetzung des Parteitages in Frage stand. Alle Teilnehmer hielten ihre Legitimationen hoch und stimmten der Resolution zu, noch bevor der Präsident die Abstimmung vor- nehmen konnte, so daß ihm nur die Konstatierung der einstimmigen Annahme der Resolution übrig blieb. Nun konnte Gen. Dr. Siegmund K u n f i, der Redakteur der wissenschaftlichen Zeitschrift der ungarischen Sozialdemokratie, „Sozialismus", aus den einzigen Punkt der Tagesordnung. „Stellungnahme der Partei gegen den Plural- wahlrechtsentwurf" eingehen und sein Referat halten, das von stürmischen Beifallskundgebungen der Delegierten des öfteren unterbrochen wurde. Es wurde beschlossen, die Rede in allen Sprachen des Landes als Massenflugschrist zu veröffentlichen. Die nachfolgend« Resolution wurde ohne Debatte als der Ausdruck des einmütigen Willens der Sozialdemokratie einstimmig angenommen: „Der am 6. Dezember tagende außerordentliche Parteitag der sozialdemokratischen Partei Ungarns stellt namenS sämtlicher unter- drückten Volksklassen fest, daß sämtliche Faktoren, welche die Ver- pflichwng zur Schaffung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts übernahmen, wortbrüchig wurden, als sie an Stelle des versprochenen Gesetze?«in anderes vorlegten bezw. zu einem Wahlgesetz ihre Zustimmung gaben, das weder das allgemein« noch das geheime Wahlrecht gibt, und das die heutige Rechtlosigkeit des Volkes in allem aufrecht erhält, das mit dem niederträchtigsten Raffinement und Hohn dem Volke scheinbar Rechte gibt, deren Wem durch die Pluralität und die öffentliche Abstimmung zunichte ge- macht wird. Der Parteitag stellt fest, daß dieser beschämende, das Volk seiner Rechte beraubende und erniedrigende Gesehentwurf, der nicht nur in seinen Grundprinzipien, sondern auch in seinen Details nur dem Rechtsraub dient, nur infolge der vollständigen persönlichen und politischen Ehrlosigkeit der maßgebenden Faktoren möglich wurde. Indem der Parteitag den vielfachen Wortbruch, den Betrug und den schnöden Verrat am Volke, dem das Zustandekommen deS WahlrechtsentwurfeS der Regierung zu verdanken ist, brandmarkt, erklärt der Parteitag das neue Gesetz für noch schlechter und schäd- licher als das bisherige und macht es deshalb zur Pflicht deS ziel- bewußten Proletariats, gegen diesen Entwurf den weitgehendsten, mit den schärfsten Waffen auszufechtenden Kampf zu führen. Dem- entsprechend erklärt der Parteitag, daß eS die Pflicht deS organi- sierten Proletariats Ungarns ist. zur Verhinderung dessen, daß der Gesetzentwurf in seiner heutigen Form Gesetzeskraft erlangt, im Laufe der Verhandlungen des Parlaments im günstigen Moment oder vom politischen Standpunkt auch sonst geeigneten Moment den politischen Massenstreik zu verwirklichen. Um dies auszuführen, wird es der Parteileitung zur Pflicht gemacht, die Massen unge- säumt durch Agitation für diesen Kampf vorzubereiten, serner samt- liche Borbedingungen dieses Kampfes zu schaffen, sämtliche Modali- täten und Details der Ausführung festzustellen. Zugleich wird die Parteileitung bevollmächtigt, den Zeitpunkt des Beginnes des Massenstreiks festzusetzen. Schließlich macht der Parteitag es jedem zielbewußten Proletarier zur strengen Pflicht, im Interesse deS Kampferfolges und der Ehre unserer Partei mit der Einsehung aller Kräfte und Fähigkeiten im Dienste, der Sache opferbereit und ohne Zögern der Partei beizustehen und durch unverzügliches Be. folgen der Weisungen die Sache des Volksrechtes siegreich zu ge- stalten."_ Das Hammergericht gegen Wahlagitation Am Montag fällte das Kammergericht ein Urteil, daS im Widerspruch mit dem s 43 Abs. 3 der Gewerbeordnung steht, der im Jahre 1883 zum Schutz gegen polizeiliche Be- einträchtigung der Wahlagitation vom Reichstag beschlossen und als Gesetz publiziert ist. Zur Verteilung von Stimmzetteln und Druckschriften zu Wahlzwecken bei der Wahl zu gesetzgebenden Körperschaften ist nach§ 43 Abs. 3 der Gewerbeordnung eine polizeiliche Er- laubnis nicht erforderlich. soweitessichumdieZeit handelt, die zwischen der amtlichen Bekannt- machung des Wahltages und der Beendigung desWahlaktesliegt. Dasselbe gilt auch bezüglich der nichtgewerbsmäßigen Verteilung von Stimmzetteln und Druckschriften zu Wahlzwecken. Innerhalb dieser Zeit hatte H i e in k e in der Berliner Brunnenstraße zwischen Veteranen- und Lothringer Straße Wahlzettel zur Landtagswah! öffentlich verteilt. Ein Schutzmann forderte ihn auf, es dort nicht zu tun. H. befolgte die Auf- forderung nicht. Er wurde angeklagt und demnächst vom Landgericht zu einer Geld st rase verurteilt. Es wurde ihni zweierlei vorgeworfen. Erstens die Nichtbeachtung einer zur Erhaltung der Sicherheit und Ordnung des Ver- kehrs auf der öffentlichen Straße ergangenen polizeilichen Anordnung. Hauptsächlich aber sollte er übertreten haben die Polizeiverordnung vom 12. November 1904, be- treffend die Beschränkungen in der Ausübung des Straßen Handels usw. in Berlin. Diese be- stimmt im 8 1:„Auf öffentlichen Straßen unterliegt die Ausübung des Straßenhandels sowie das Verteilen von Reklamezetteln, Geschäftseinpsehlungen, Bekanntmachungen. Aufrufen, Drucksachen und Photographien im Interesse der Ordnung, Sicherheit und Leichtigkeit des öffentlichen Verkehrs den nachstehenden Beschränkungen." Es wird dann weiter bestimmt, daß auf den in einer Anlage A angegebenen Straßenziigen und Plätzen das Zcttelverteilen usw. im all- gemeinen überhaupt nicht statthast sei. Dazu gehört die hier in Betracht kommende Straßcnstrecke. Ziffer 2 gibt folgende Ausnahmebestimmung:„Auf den in Anlage A näher bezeichneten öffentlichen Straßenzügen und Plätzen ist nur gestattet der Straßenhandel mit natürlichen Blumen und das Feilbieten, Verkaufen oder Verteilen von Zeitungen, periodischen Druckschriften und Extrablättern."— Das Landgericht erachtete die Verordnung für rechtsgültig und war der Meinung, daß die Verordnung, die neben Reklamezetteln im 8 1 auch das Verteilen von Bekannt- machungen und Drucksachen nenne, aus den fraglichen Straßenzügen und Plätzen im allgemeinen das Verteilen von jeder Art Drucksache verbieten wolle. Abgesehen natürlich von den ausdrücklich zugelassenen Ausnahmen. Zu diesen Ausnahmen gehörten Wahlzettel nicht. 8 43 Abs. 3 und 4 der Gelverbeordnung stände dem Verbot nicht entgegen. Das Kamm er geeicht verwarf die hiergegen ge- richtete Revision des Angeklagten: Die im Interesse der Sicherheit, Ordnung und Leichtigkeit des öffent- lichen Verkehrs erlassene Polizeiverordnung sei rechtsgültig und auch richtig angewendet. Daß deswegen, weil Wahlen seien, die für jedermann erlassenen Polizeivor- schriften für Wahlzettelverteiler nicht gelten sollten, sei nirgends im Gesetz �bestimmt. So das Urteil. Zweifellos hat 8 �3 Abs. 3 und 4 der Gewerbeordnung nach Sinn und Zweck der Bestimmung das Verteilen von Wahlschriften und Wahlzetteln der polizeilichen Reglementiererei entziehen wollen. Wohin diese führt, zeigen gerade das Urteil und die angewandte Polizeiverord- nung. Nach der Ausnahmebestimmung der Verordnung durften auf jener Straßenstrecke Zeitungen, perio- dische Druckschristen und Extrablätter feil- geboten, verkauft oder verteilt werden, während nach dem Urteil Wa h l z e t t e l dort nicht verteilt werden durften. Wie läßt sich die Behauptung rechtfertigen, daß die Ver- teilung von Wahlflugblättern kitzn Verkehr mehr störe als die Verteilung von Extrablättern. Und sind Wahlslugblätter nicht Extrablätter? Erregten schon die in den Jahren 1888 und 1891 von den Oberlandesgerichten Dresden und München ergangenen Urteile lebhafte Bedenken, weil sie den 8 43 Abs L für unanwendbar erklärten, wenn für einzelne Straßenzügc der Verkauf von Druckschristen jeder Art verboten war. so lst das obenmitgeteilte Urteil mit dem ß 43 Abs. 8 der Gewerbe- ordnung vollends unvereinbar.§ 43 Abs. 3 der Gewerbeordnung erleichtert die Verbreitung von Wahlflua- blättern gegenüber anderen Druckschristen. Die Polizei- Verordnung und das Kammergericht wandeln die Erleichte- rung in eine Erschwerung, ja in ein Verbot um. DaS ist ein klarer Verstoß gegen 8 43 Abs. 3 der Gewerbeordnung. Reichsrecht geht vor Landes- und Polizeirecht. eine Haitiole Dnitiage aus§ 153 der Gewerbeordnung brach am Donnerstag in einer Verhandlung des SchäffengerichlZ Berlin-Mitte(Abteilung 136) zusammen. Angeklagt waren Cohen, der Berliner Vorsitzende des Deutschen MetallarbeiterverbandeK, sowie die Klempner Kalesen und Isfeld. Eine im Sinne des Z 153 der Gewerbeordnung unzulässige Einwirkung zum Eintritt in den Metallarbeiterverband soll nach der Anklage von den Angeklagten auf den Klempner Paasch ausgeübt worden sein. Der durch die Beweisaufnahme festgestellte Tatbestand ist in der Hauptsache folgender: Paasch arbeitete im Jahre 1967 in der Werkstatt des Klempnermeisters Stein. Der Angeklagte Kalesen war Vertrauensmann der Werkstatt. Er forderte Paasch auf, dein Metallarbeiterverbande beizutreten. Paasch lehnte das aber mit großer Entschiedenheit ab. Er arbeitete darauf noch einige Wochen bei Stein, stand aber zu den übrigen Arbeitern in einem so un- kollegialen Verhältnis, daß es zwischen ihm und einem seiner Mit- arbeiter zu einer Schlägerei kam. Aus diesem Grunde erklärten die Klempner ihrem Arbeitgeber, sie könnten mit dem unverträg- lichen Paasch nicht zusammenarbeiten und wollten deshalb auf- hören. Stein ersuchte die Arbeiter, von dieser Absicht Abstand zu nehmen und entließ den Paasch. Im Februar 1967 fing Paasch bei einer anderen Klcmpnerfirma an zu arbeiten. Hier war der Angeklagte Isfeld Vertrauensmann. Auch hier wurde Paasch nach einigen Wochen entlassen, nachdem die übrigen vier Arbeiter erklärt hatten, sie wollten aufhören, denn sie könnten mit Paasch wegen seines unkollegialen Verhaltens nicht zusammenarbeiten. Anfang Mar 1967 kam Paasch wieder zur Firma Stein. Hier waren die Bauklempner mehrere Tage ausgesperrt, weil sie den 1. Mai durch Arbeitsruhe gefeiert hatten. Während der Aussper- rung wurde Paasch eingestellt. Als nun die übrigen Arbeiter wieder anfangen sollten, weigerten sie sich, mit Paasch zusammen- zuarbeiten. Nach den Bestimmungen des für die Bauklempner be- stehenden Tarifvertrages mußte dieser Konflikt durch die Schlich- tungskvmmisston behandelt werden. Die beiden Obleute der Schlich- tungskommission, Klempnermeistcr Kunitz als Arbeitgeber und Cohen als Vertreter der Arbeiter verhandelten mit Herrn Stein. ES kam eine Vereinbarung zustande. Danach sollte Paasch noch vier Wochen im Steinschen Geschäft beschäftigt werden, jedoch aus einem Bau allein, so daß er mit den übrigen Arbeitern nicht zu- sammenkam. Die Arbeiter erklärten sich mit diesem Abkommen einverstanden. Als die vier Wochen um waren, wandte sich Stein an Cohen mit dem Ersuchen, er möge gestatten, daß Paasch noch so lange bei ihm arbeiten könne, bis der Bau, auf dem er gerade bc- schäftigt war. fertig sei. Gleichzeitig wandten sich auch die Stein- schen Arbeiter an Cohen mit dem Verlangen, Stein solle sich cm das Abkommen halten. Cohen ersuchte die Arbeiter, sich mit dem neuen Vorschlage Steins einverstanden zu erklären und nichts ein- zuwenden gegen die Weiterbeschäftigung Paaschs bis zur Voll- endung des Baues. Die Arbeiter ließen sich dazu bewegen.— Der Bau wurde fertig, aber Paasch wurde immer noch nicht entlassen. Er sollte nun in der Werkstatt mit den anderen Gesellen zusammen- arbeiten. Das war ein offenbares Zuwiderhandeln gegen die Ab- machung mit dem Obmann der Schlichtungskommission und gegen das Versprechen des Herrn Stein. Auf Ersuchen der Arbeiter wandte sich Cohen an Stein, konnte aber nicht mit ihm verhandeln, weil Stein verreist war. Darauf schrieb Cohen an die Firma Stein: Er müsse ebenfalls verreisen. Wenn jetzt aus Anlaß der Fort- beschäftigung Paaschs in der Werkstatt Differenzen ausbrechen sollten, so könne er nicht vermittelnd eingreisen und müsse deshalb jede Verantwortung für einen etwaigen Konflikt und dessen Folgen ablehnen. Hierauf hat Paasch auf eine Vorstellung des Geschäfts- führers der Firma Stein selbst die Arbeit niedergelegt. Aus diesem Tatbestand konstruierte die Anklage gegen die An- geklagten Cohen und Kalcsen ein Vergehen gegen§ 153 der Gewerbeordnung! Durch den eben genannten Brief, den Cohen an Stein richtete. ist die Anklage in Fluß gekommen. Wie dieser Brief aus den Händen des Herrn Stein in die Hände der Polizei und Staats- anwaltschaft gekommen ist, ließ sich nicht feststellen. Herr Stein, der sich nach Abschluß der Schlichtungsverhandlungen für die gütliche Regelung der Differenz bei Cohen bedankte, hat Cohen keine Aus- kunft darüber gegeben, wie der Brief an die Behörden gelangt ist. Eine hierauf bezügliche Frage, die Cohen vor Gericht an einen Zeugen stellte, ließ der Vorsitzende nicht zu, weil sie nicht zur Sache gehöre. Während das Strafverfahren gegen Cohen eingeleitet wurde ging Paasch auch noch mit einer Zivilklage gegen Lohen vor. Paasch behauptete, er sei auf Betreiben Cohens aus der Arbeit gebracht und forderte deshalb Schadenersatz. Das Landgericht I hat die Klage Paaschs abgewiesen, weil es für festgestellt hielt, daß Cohen nur seine Pflicht als Obmann der Schlichtungskommission erfüllt und aus die Entlassung Paaschs nicht eingewirkt habe, Paasch viel- mehr aus eigenem Entschluß die Arbeit bei Stein aufgegeben habe. Nachdem in der Verhandlung vor dem Schäfsengericht der vor- flehend angegebene Tatbestand festgestellt war, erklärte der Amts anwalt, daß er die Anklage nicht in vollem Umfange aufrecht erhalten könne. Er beantragte die Freisprechung des Angeklagten Lohen, da gegen denselben nichts erwiesen sei. Bon den beiden Fällen, die dem Angeklagten Kalesen zur Last gelegt waren, schied der Amtsanwalt ebenfalls einen aus. denn es war nicht erwiesen daß Kalesen beim Aufhören Paaschs nach Nichterfüllung des Ab kommcns mitgewirkt hat. Dagegen meinte der Amtsanwalt, daß Kalesen im ersten Falle die Entlassung Paaschs durch Stein und Isfeld die Entlassung Paaschs von der Firma Bolte u. Wegner der- anlaßt haben und daß in diesen beiden Handlungen Vergehen gegen Z 1S3 lägen. Gegen Kalesen und Isfeld beantragte der Amts anwalt je einen Monat Gefängnis. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Heinemann. führte u. a. aus, daß die Freisprechung Cohens selbstverständlich ist, daß aber für die vom Amtsanwalt beantragte Verurteilung der beiden an- deren Angeklagten sowohl die rechtlichen wie die tatsächlichen Vor- aussctzungen fehlen. Wenn die Angeklagten ihrem Arbeitgeber er- klärten, sie wollten aufhören, so sei das ihr gutes Recht, aber keine Drohung. Selbst wenn es so wäre, wie der Amtsanwalt irrtümlich annehme, daß die Drohung mit der Arbeitsniederlegung erfolgt wäre, weil Paasch nicht organisiert war. so würde das kein Verstoß gegen§ 153 sein. Die Voraussetzung zur Anwendung des§ 153 sei. daß man jemand durch Zwangsmittel zum Beitritt zu einer Vereinigung zur Erlangung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen bewegt. Aber wenn man mit jemand deshalb nicht zusammen- arbeiten will, weil er keiner Organisation angehört, so könne der § 153 nicht angewendet werden. Das Gericht erkannte aus Yrtisvrechung aller drei Angeklagten, weil die Voraussetzungen des§ 158 für ihre Handlungen nicht zu treffen._______ Soziales« Kampf der Schauspieler gegen Gklavenketten. Die gestrigen Verhandlungen der Genossenschaft deutscher Bnhnenangehöriger durchzog«ine Art naturwüchsiger Instinkt, der die Schauspieler und Schauspielerinnen darauf verwies, daß nur geschlossenes Zusammenstehen gegen die Direktoren die soziale Not. läge des Schauspiclerstandes heben und ein Reichstheatergesetz zeitigen könne. Lebhafte Sturmszenen spielten sich in der Sitzung ab und führten zum vollen Sieg der Opposition gegen die Ver- schlechterung der zum Himmel schreienden Mißstände im Theater- wcscn. Vor der Beratung des Bühnenvertragcs selbst ergriffen mehrere Delegierte das Wort.— Tomascheck-Berlin wies auf die geradezu unglaublichen Zustände in hygienischer Beziehung hin, die an manchen Theatern herrschen. Die Garderobenverhältnisse feien meist ganz ungenügend. Die Polizei, die, wenn es sich um Arbeiter handelt, sofort eingreife» muß, falls nicht ein bestimmtes Maß von Luft oder Licht da ist, kümmere sich um die Verhältnisse an den Theatern überhaupt nicht. In dieser Beziehung müsse eine Aenderung in der Gesetzgebung eintreten.— Rickclt-Bcrlin brachte einen Notschrei sämtlicher Solisten und Choristen des Deutschen Theaters in Riga zur Sprache. Dort mache Direktor Dr. Dahlberg von seinen Machtbefugnissen den unbeschränktesten Gebrauch. Er vergewaltige das gesamte Personal. DaL Elend des Schauspieler standes sei zwar ein chronisches, aber dieser Fall sei aktuell. Die Versammlung werde sich den Dank weiter Kreis« erwerben, wenn sie sich dieser Mitglieder annehme. Die Versammlung beschloß, die Beschwerde nach der Beratung des Bühnenvertrags zu prüfen. Sodann wurde in die Aeratung der Bohiitnvertragsregelu selbst eingetreten. Die von der Opposition ausgearbeitete Kritik vertritt folgenden Standpunkt:„Die zwischen dem Bühnenverein und der Bühnen- Genossenschaft vereinbarten Vertragsregeln bieten die große Ge- fahr, daß dieselben, falls in absehbarer Zeit an die Schaffung eines Rrichstheatergesetzes gegangen werden sollte, wie es gerade jetzt in Oesterreich der Fall ist, als zwischen beiden maßgebenden Körperschaften vereinbarter Normalvcrtrag und als das beim Theater aiierkannte allgemeine Gewohnheitsrecht gelten würden. Die überwältigende Majorität in der Versammlung der Berliner Genossenschaftler hat prinzipiell aus diesem Gesichtspunkt die An» nähme der Vertragsvorlago für unmöglich erklärt." Hermann Nissen-Berlin führt aus: Dieser Vertragsenüvurf tst ein Kind der Liebe, den Heißhunger und Armut erzeugten. Der Water ist der Bühnenverein, die Mutter ist die Genossenschaft. Es ist als Krüppel zur Welt gekommen in heißen KommifstonS- umarniungen, es hat zu viele Gliedmaßen. ES ist ei» würdiger Halbbruder der Disziplinarordnung, die glücklich wieder beseitigt ist und von der.Hofrat Burckhardt einst sagte, sie sei kein Theater- BeIei> sosdexy est, Jinanzgesetz. Mg» kgMte nämlich gut den in I ihr vorgesehenen Strafgeldern den Schauspielern die Gage wieder abnehmen. Die Vorlage nimmt den Schauspielern alle Rechte, dagegen beschneidet sie nicht die Rechte der Direktoren.(Lebhafter Beifall.) Sind wir denn wirklich so inferiore Menschen, daß wir uns derartige Vorschriften gefallen lassen müßten?(Stürmischer Beifall. Rufe: Niemals!) Allerdings in Deutschland herrscht ja die Liebe für das Reglement. Wenn Se. Exzellenz kommt, der Herr Intendant, �ind kontrolliert ein Theater, dann müssen alle stramm stehen.(Heiterkeit.)'Dieser Geist steckt auch in dem neuen Bertrag. Es besteht die große Gefahr, daß, wenn dieser Bertrag angenommen wird, wir kein Rcichstheatergesctz bekommen.(Leb- haste Zustimmung.) Es ist noch gar nicht so lange her, daß der Reichstag sich mit dieser Frage beschäftigt hat.(Das war 1893. als Genosse Schmidt- Berlin einige Mißstände im Theatcrver- tragswesen besprach. D. Red.) Damals sagte der nationalliberalc Abgeordnete und Hoftheaterintcndant Bürklin, daß seines Wissens es keine Mißstände im Theater gäbe(stürmische Heiterkeit.), ja, daß seine Mitglieder ihm dankbar dafür seien, das; er Tag und Nacht nichts anderes tue, als oaran zu denken, wie er seine Mit- glieder beglücken könnte.(Stürmische Heiterkeit.) Nach dieser Rede rutschte die Vorlage in den Papierkorb. Was wird geschehen, wenn eine neue Borlage an den Reichstag kommt? Dann würden wir. falls dieser Vertrag angenommen wird, das Schauspiel erleben, daß irgendein nationalliberaler oder konservative« Abgeordneter erklärt, wir brauchen kein Neichsgesetz, es besteht ja ein Gesetz zwischen Bühnenvercin und Genossenschast. Dieser Vertrag muß ausgearbeitet sein von einem Menschen, der vom Theatcrwesen keine Ahnung hat. Wir haben ja einen Syndikus, der aber von der Psyche des Theaterlebens nichts versteht, dagegen auf dem Ge- biete des Sccrechts eine Autorität fein(oll.(Stürmische Heiter- keit.) Das ist die größte Gefahr, die sich mit der Annahme dieser Vorlage verbindet. Ich will gar nicht auf Einzelheiten eingehen, auf die harten Maßregeln bezüglich der Konventionalstrafe. Ein Schauspieler soll auch nach Bezahlung der Konventionalstrafe noch drei Jahre brotlos sein(stürmisches Hörtt hörtl), ivenn-r die Konventionalstrafe nicht bezahlt gar 5 Jahre(erneutes stürmisches Hört! hört!) und für andere Fälle sind noch härtere Bestimmungen in dem Vertrag enthalten. Ich kann nicht glauben, daß die Ge- nossenschaft unter einen solchen Vertrag Brief und Siegel setzen wird.(Stürmische Zurufe: Niemals! Niemals!) Bisher war es unser höchstes Gut, den wirtschaftlich Schwachen zu helfen. Nack; dem Vertrag soll es den kleineren Schauspielern verboten sein, Gastspiele auf Engagement zu unternehmen.(Stürmisches Hört! hört!) Wenn ich von allen diesen Vorschriften absehe, so gefällt mir an dem Entwurf vor allem nicht sein ethischer Gehalt. Mir gefällt nicht der Unterschied zwischen ehelicher und unehelicher Schwangerschaft. Ist'denn die Frauenbewegung an den Kam missionsmitgliedern spurlos vorübergegangen? Gibt es heutzutage kein Selbstbestimmungsrecht der Frau,, daß sie mit ihrer Mensch lichkeit machen kann, was sie will.(Beifall.) Wissen davon die Kommissionsmitglieder nichts? Mein Standpunkt ist der, daß die Genossenschaft niemals teilhaben durfte an der Veröffentlichung eines solchen Vertrages.(Großer Beifall.) Die Genossenschaft durfte niemals den Kontraktbruchsparagraphen sanktionieren, sie durste den kleinen Schauspielern nicht das Recht nehmen, Gass- spiele auf Engagement abzuhalten, sie durfte nicht ein Gewohm heitsrecht akzeptieren, das uns auf absehbare Zeit den Verlust eines ReichStheatcrgcsehes bringt, sie durfte nicht einen Vertrag annehmen, der UNS zu inferioren Menschen stempelt, denen erst die einfachsten Begriffe von Pflicht und Anstand eingeimpft werden müssen, ein Vertrag, der uns daö Selbstbestimmungsrecht nimmt und uns bis in unsere Wohnung und intimsten Familienvcrhälb nifle verfolgt. In Sparta wurden die Knaber., die nicht gesund zur Welt kamen, auf dem Gebirge ausgesetzt. Seien wir Spav taner! Dieses untaugliche Geschöpf, dessen Mutter leider unsere Genossenschaft geworden ist. gehört ins Gebirge.(Stürmtscher Bei fall.) Ich bitte Sie nach meiner besten Ueberzeugung, lehnen Sie diese Vorlag« rundweg ab.(Stürmischer, minutenlanger Beifall, der sich zu begeisterten Kundgebungen.für den Redner verdichtet. Die überfüllten Galerien brechen immer wieder in tosenden Bei- fall aus.). Nachdem Präsident Dr. Pohl minutenlang mit der Glocke geklingelt hat. wiederholte er seinen Appell an die Galerien, sich nicht an den Verhandlungen zu beteiligen, da er sonst von seinem Haus. recht Gebrauch machen würde. Sodann will Dr. Pohl das Wort zu einer Rede gegen Nissen nehmen. Er beginnt feine Rede mit den Worten:.Ich habe gegen die Kandidatur Ihres zukünftigen Herrn Präsidenten... Pardon!... In diesem Moment erhebt sich die gesamte Opposition von ihren Sitzen und bricht in laute Pfuirufe aus. Sie ruft übereinstimmend:»Abzug Pohl!" Auch Hermann Nissen hat sich erhoben und sagt Dr. Pohl ins Gesicht. daß seine Bemerkung eine Ungehörigkeit war. Der Lärm nimmt zu, auch die andere Partei gibt ihrer Mißbilligung über die Be- merkung Dr. Pohls lebhafte» Ausdruck. Der Lärm steigert sich. Auch die Galerien beteiligen sich an den Zurufen, bis schließlich die Zurufe sich in den allgemeinen Ruf:..Barnah! Barnay!" um- wandeln. Hostat Barnay lehnt aber entschieden ab. worauf der Lärm erneut ausbricht und man nach Nissen ruft. Auch Nissen lehnt mit einer Bewegung ab. Dr. Pohl bleibt ruhig auf dem Präsidentenstuhl sitzen und überläßt es seinem Vorstandskollegen Pategg, durch ununterbrochenes Läuten mit der Glocke Ruhe zu schaffen. Es dauert lange, bis das gelingt. Der alte Borstand legt sein Amt nieder. Darauf verliest Max Pategg folgende Erklärung:.Die Haltung der Delegierten- Versammlung vom 10. Dezember 1008 hat uns die Ueberzeugung gebracht, daß die Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger auf Bahnen gedrängt werden soll, die zu betreten wir für unheilvoll halten. Deshalb erklären die Unterzeichneten, daß sie ihre genossen- schaftlichcn Aemter niederlegen und auch keine Wiederwahl an- nehmen. Dr. Max Pohl, Max Pategg. Albert Patry, Emil Reupke, Dr. Barnay." Tie Vorstandsmitglieder verlassen darauf demonstrativ den Saal. Die Opposition bricht in minutenlangen Beifall aus. Man ruft: „Gott fei dank, nun sind wir sie los!" Unter stürmischem Beifall gibt im Namen der Penflousanstalt deren Direktor Köhler die Erklärung ab, daß das Ziel der PensionS- anstalt, das sie von jeher im Auge gehabt habe, ebenfalls der Ge- danke fei: Wir gehören zu Ihnen, Ihre Haltung ist unsere Hal- tung!(Erneuter stürmischer Beifall.) Nach einer längeren Pause wird zur Wahl dc-Z neuen Präsidiums geschritten. Zum Präsidenten wird mit großer Mehrheit Hermann Rissen gewählt. Er nimmt unter stürmischen Beifalls» kundgebungen die Wahl dankend an. Vizepräsident wird ebenfalls mit großer Majorität Emanuel Reicher. In den ZentralauSschuß werden gewählt: MylinS(Hamburg), Kirch(Frankfurt a. M.). Putlitz(Dresden), Plate»(Blomberg) und Paul(Berlin). Es gelangt dann ein Telegramm an den Reichskanzler zur Absendung. in dem die baldige Vorlegung eines Reichstheatcr- gescheo erbeten wird. Aach lebhafter Debatte über den Bühnenvertrag. um dessen Inkraftsetzung mit dM.SspfeNhex IM dcx Zentralausschuß ex, sucht hatte, wird der Antrag deS ZentrakauSfchusseS einstimmig abgelehnt. Damit ist der Bühnenvertrag gefallen. TaS Ab- stimmungsergebnis wird mit jubelndem minutenlangen Beifall und Hochrufen ausgenommen. Zum Schluß fordert nun Dr. Pasche(Bremen) auf, nunmehr energisch in den Kampf einzutreten.— Der Antrag Kienschers auf Absendung einer Petition an den Reichstag wird einstimmig angenommen. Das Präsidum des Bühnenvcreins soll ersucht werden, sich diesem Vorgehen anzuschließen.— Sodann gibt noch ein Vertreter des Verbandes deutscher Chorsänger die Erklärung ab, daß auch sein Verband hinter den Bestrebungen der Bühnen- genossenschaft auf Schaffung eines Reichstheatergesetzes stehe. Heute gehen die Verhandlungen zu Ende. Eine Rittergutsidylle. Von dem Rittergute Großzössen bei Borna wird dem»Leipziger Tageblatt" geschrieben: AIS der auf dem hiesigen Rittergute bedienstete Knecht Mätzold am Sonntag früh erwachte, bemerkte er in seinem Schlasraum ein eigenartiges Geräusch. Noch ehe er über die Ilrsachc nachdenken konnte, lag er schon unten, einen Stock tiefer, im Schweinestall. Er war mit samt seinen» Bette durch die Decke gebrochen. Außer einer Verletzung am linken Ohr und linken Auge hat der Mann keinen nenncnslvcrten Schaden davongetragen. Schlechter aber ist der„Durchfall" den Schweinen bekommen, denn zwei haben auf der Stelle, tvahrscheinlich durch Erstickung, den Tod gefunden, und das dritte mußte geschlachtet werden. Der Verletzte wurde dem Stadtkrankenhause in Borna übergeben. Das muß ja eine feine Arbcitsrvilla gewesen sei»! Hoffentlich hatte der RlttergutSbesitzer wenigstens die—— Scktveine versichert!_______ Huö Inäuttrie und Handel Staatsbahnaufträge. Der Stahlwerksverband hat sich, wie der„Franks. Ztg." ve- richtet wird, an die Eisenbahnverwaltung mit dem Ersuchen gewandt. die nach üblicher Weise erst in den ersten Monaten de? Kalender- jahres vergebenen Rcstmengen der Aufträge in Eisenbahnmatcrial für das Betriebsjahr 1908/00 schon jetzt zu erteilen. Die Eisen- bahnverwaltung soll zugesagt haben, dem Ersuchen zu entsprechen. Im allgemeinen wird darüber geklagt, daß die diesjährigen Auf« träge weit hinter denen des Vorjahres zurückbleiben. ES ist aber selbstverständlich, daß der Fiskus nicht zu den enorm hohen Preisen der laufenden Abschlüsse zugunsten der Industriellen Material auf Lager bestellen kann. Die vom GtahlwerkSverband erlangten Preise erweisen sich jetzt vielleicht sogar als ein relativer Schaden für die Werke. Dürsten diese jetzt, entsprechend der Marktlage, zu billige» Preisen anbieten, könnte die Eisenbahnverwaltung es rechtfertigen, wenigstens teilweise über den augenblicklichen Bedarf hinaus Aus- räge zu erteilen.___ Eine sonderbare SubmifsionSgeschichte. Vor kurzem wurden die Resultate einer Ausschreibung für die neue Umformcranlage auf dem Hauptbahnhos zu Frankfurt a. M. bekannt. Wegen ihrer Eigentümlichkeit forderten sie direkt z» be- sonderen Kombinationen heraus. ES beteiligten sich an der Sub- Mission fünf Firmen und zwar zu folgende» Preisen: 1. Siemens- Schuckertwerke ItöOOOM; 3. Allgeincine Elektriziläts-Gesellschaft 08 000 M.; 3. Brown Bovert u. Co., A.-G. Mannheim, 124 000 M.; 4. Elektrizitäts-A,-G, vorm, Lahmeyer».Co,, Frankfurt, 139 000 M.: 5. Ernst Heinrich Geist. Elektr.-A.-G,. Köln Zollftock, 115 000 M. Da daS Bestehen eines Geheimkartells bekannt ist, war die An- nähme' nur zu berechtigt, daß die Offerten unter 1, 3 und 4 nur Deckofferten waren, die dafür Sorge zu tragen hatten, daß der Auf« trag der A. E,-G,—- nach bisheriger Annahme— zufalle. Die unter 6 genannte Firma gehört dem Kartell nicht an. Wer noch nicht merkte, daß dies keine gewöhnliche Submission war, wurde sehr bald durch die eifrige Dementierung der großen Elektro- firmen aus dieses besondere Geschäft aufinertsam gemacht. Die„Berliner Börsen-Zeitung" meldete„offiziell", daß der ausgesprochene Verdacht»hinfällig sei", da ja zwei der beteiligten Firmen dem Elektrokartell gar nicht angehört hätten, und überdies dasselbe gegenwärtig weder öffentlich noch heimlich bestehe. Die Angelegenheit verschwand aber trotzdem nicht von der TageS- ordnung. Wußte man doch zu genau, was solch eilige Dementis zu bedeuten haben. Der Geheimkartellvertrag enthält übrigens eine Bestimmung. die bei einer Ouotisierung des Jahresumsatzes es allen Firmen der Bereinigung deutscher ElektrizitätS» firmen freistellt, sich mit anzuschließen. Warum sollte eine wiche Etmaung nicht Tatsache geworden sein, ohne daß die Oeffentlichkeit davon erfuhr? Des weiteren ist ja auch nicht un- bekannt, daß die Biown Bovert A,-G, zum weiteren Konzern der A. E,-G. gehört. Zur weiteren Beruhigung kam noch ein Dementi im»Berliner Börscn-Courier". Er teilte nochmals, offiziell mit. daß das Geheimkartell nicht mehr besteht. Daran wurde die Bemerkung geknüpft, die niedrige Offerte der A. E.-G. lasse sich sehr leicht daraus erklären, daß bei dem Unter- nehmen gegenwärtig das Bestreben vorhanden'sei, sich größere Arbeitsobjekte selbst zu unlohuenden Preisen zu sichern". Bei der A. E.-G. scheint man diese Bemerkung unangenehm empfunden zu haben; e» ist ja erst kürzlich in der Generalversammlung von dem nahezu gleich großen Auftragsbestand wie im Borjahr geredet worden. In der Morgenausgabe desselben BlattcS erschien nun die folgende Notiz:»Die gestern gebrachte Erklärung ist uns ungenau übermittelt worden. Berichtigend wird uns mitgeteilt, daß daS Kartell selb st noch besteht, aber für die Frankfurter Submission nicht in Tätigkeit getreten ist." Hier scheint die Zeitung nicht richtig sunktiomert zu haben. Auf jede» Fall ist es Pflicht der Kvntrollinstanzen der Frankfurter Sub- Mission, die Offerten nochmals genau zu prüfen. Im übrigen sollte dies Vorkommnis eine Warnimg für alle Kommunen und Staats- behörden sein, die sich mit Elektrisierungen beschäftigen, damit nicht aus den Taschen der Allgemeinheit die Zeche solcher Submissionen gezahlt werden muß._ Ei» bemerkenswerter Zusammenschluß der Walzdrahtverbraucher. Ungefähr 50 Firmen haben sich unter der Bezeichnung: Vereinigung zur Wahrung der Juteresien der Walzdrahtverbraucher zusammen- geschlossen. Die Drahtziehereien und Stiflfabriken sollen in die Preisvereinigung mit einbezogen werden. Die Festsetzung der Preise soll sich beziehe» auf ThomaL-Flnßeisendraht, blank bis zu 0.5 Milll- meter. desgleichen auf verzinkte und verzinnte Drähte; ferner auf Stangendraht und gezogene» Eisen, 10 Millimeter und dünner, ans Springfederdraht. Sprmgfedenr, Schlauscn und Klammern, aus Stacheldraht und Drahtstifte. Der Grundpreis soll bei gezogenen Drähten 1.50 M. die 100 Kilogramm über dem WalzdrahlpreiS fest- gelegt werden: dabei erfolgt eine nicht»»wesentliche Stelgerung de, Teberpreise. Bei Drahtstiften soll der Grundpreis unter Bei- behallung der jetzigen UebcrpreiSlisto 3 M. über dem Walzdraht- greise stehen.___ Amerikanische Baumwollernte. Nach dem amtlichen Bericht der Abteiluug für landwirtschaftliche Produkte in Washington wird die diesjährige Baumwollernte auf zirka 13 Millionen Ballen a 500 Pfd. geschätzt, Im Vergleich mit den Borjahren ergeben sich diese Zahlen(in 1000 Ballen): 1003 1004 1005 1900 1007 1003 0851 13 433 10 575 12 540 11073 12 020 Demnach überragt die letzte Srntemengo die der vorauf» .angenen drei Jahre, bleibt aber hinter oern bisher höchsten raebnis des Lahres 1004 um rund l/a Millionen Ballen zurück. A. JANDORF& Co Spittelmarkt Belle Alliancestrasse Grosse Frankfurterstrasse Brunnenstrasse Wir geben unseren Kunden schon jetzt Gelegenheit zum besonders billigen Weihnachts- Einkauf und verabfolgen trotz billigster Preise bei Einkäufen noch die Doppelte Anzahl Kottbuser Damm Rabattmarken Von dieser Vergünstigung sind nur wenige Artikel ausgeschlossen. Unsere Spielwaren- Ausstellung ist eröffnet! Zum Sonntag den 13. Dezember von 12-8 Uhr geöffnet. 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Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Br. 290. 25. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. tag. 11. Dezember 1908. Abgeordnetenbaus. Freitag, lichen Depression die Folgen der wirtschaftlichen Krisis zu mildern. markte zu steuern. Es kommen dabei vor allem Erdarbeiten in Die Einschränkung der Gefängnisarbeit ist gerade in solchen Zeiten Betracht, deren Verrichtung gerade im Winter durch Industries dringend notwendig. Die Verwendung von Soldaten in Gegenden, arbeiter und Handwerker, wie die Erfahrung lehrt, unmöglich ist. 11. Gigung. Donnerstag, den 10. Dezember 1908, wo es viele Arbeitslose gibt, follte unterbleiben. Die Eisenbahn. Ich habe den Eindruck, daß die Arbeiter, die man bei sogenannten bormittags 11 Uhr. Am Ministertische: Dr. Delbrüd, Breitenbach. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Interpellation Trimborn( 3.) betreffend die Linderung der Arbeitslosigkeit. Sie lautet: Hier verwaltung foll in diesem Jahre mit ihren Bestellungen in auf- Notitandsarbeiten beschäftigt, eigentlich nicht die notleidenden Arfallender Weise zurückgehalten haben. Ich hoffe in dieser Richtung beiter sind, fondern Gelegenheitsarbeiter, die überhaupt nur vorübers auf eine Aufklärung seitens des Herrn Ministers. Den Ausgehend arbeiten und sich nun in diese Arbeiten hineindrängen, weil führungen des Herrn Abg. Trimborn in bezug auf die Beschäftigung fie aus den besser bezahlten Arbeiten in der Industrie verausländischer Arbeiter können wir nur zustimmen, aber gerade drängt sind. Auch Arbeiterkolonien und Wanderarbeitsstätten fönnen die Rechte und das Zentrum haben in diesem Hause darauf gedrungen, nur für einen ganz beschränkten Kreis von Arbeitern in Betracht daß bei Kanalarbeiten so wenig wie möglich einheimische Arbeiter fommen, dem verheirateten seßhaften Industriearbeiter sind sie eigentDurch welche Maßnahmen gedenkt die tgl. Staatsregierung eingestellt werden mögen, damit der Landwirtschaft feine Arbeiter lich gar nicht anzubieten. Es bleibt also nur die Frage, inwieweit zur Linderung der Arbeitslosigkeit mitzuwirken, welche an zahl entzogen werden.( Hört! hört! links.) Für sehr wichtig halten auch die Staatsregierung und die Kommunen in der Lage find, ihrerseits reichen Orten der Monarchie auf gewerblichem Gebiete in erbeb- wir die Förderung der Arbeitsnachweise. Auf diesem Gebiete sollte einen Einfluß auf den Arbeitsmarkt zu gewinnen dadurch, daß fie tichem Umfange in die Erscheinung tritt und sich weiter auszus nicht geipart werden. Die staatliche Arbeitslosenversicherung hat so- der Industrie, dem Handwerk ein höheres Maß von Aufträgen dehnen droht." lange feine Aussicht auf Verwirklichung, wie das Verhältnis zwischen zuführen als unter normalen Verhältnissen. Auf Antrag des Abg. b. Heydebrand( f.) werden damit Gewerkschaften und Sozialdemokratie statt lockerer immer fester wird. Völlig frei sind wir nur bei den Bauten auf Anleihen. berbunden die folgenden auf der Tagesordnung stehenden Anträge: Diese Entwickelung können wir mir aufs tiefste bedauern.( Sehr ist von meinem Ressort alles geschehen, was möglich war, um die Antrag Aronsohn und Genossen( frs. Vp.): richtig links.) Dringend notwendig ist zur Gesundung unserer Ver- Neuanlagen, die aus Anleihen gebaut werden, so forciert zu beDie fönigl. Staatsregierung möge in Anbetracht der gegen- bältnisse eine gründliche Aenderung unserer Wirtschaftspolitik. Der treiben, wie es nur möglich ist. Daran sind wir schon deshalb interwärtigen Lage des Arbeitsmarktes mit timlichster Beschleunigung Wechsel von Hochkonjunktur und wirtschaftlicher Depression wird auch effiert, weil wir in der Zeit der weichenden Konjunktur die Ausführung diejenigen öffentlichen Arbeiten in Angriff nehmen und ausführen, in einer follektivistischen Gesellschaftsordnung, wie sie die Sozial billiger bekommen. Auch die anderen Ressorts sind entsprechend vorfür welche Staatsmittel bereitgestellt sind, ferner die einzelnen demokratie erstrebt, nicht ausbleiben, zumal bei einem mitten in gegangen. Alle für dieses Jahr verfügbaren etatsmäßigen Mittel follen io Berwaltungszweige anweisen, daß nicht inländische zur Verfügung die Weltwirtschaft hineingestellten Staat. Aber es fann auch rasch wie möglich verausgabt werden. Eine gewisse Freibeit stehende Arbeitskräfte hinter ausländische zurückgesezi werden." innerhalb des heutigen Staates viel geschehen, um die Folgen der haben wir auch bei Arbeiten, deren erste Nate bereits bewilligt ist. Ob Antrag a hardt( f.): Krifen zu mildern. Die Anträge bitte ich nicht erst in eine Kom- auch bei anderen Bauten die Vergebung schon jetzt möglich ist, mission zu verweisen, sondern sie sofort im Plenum zur Ver- scheint mir recht sehr zweifelhaft. Ich weiß nicht, ob das hohe abschiedung zu bringen. Dadurch wird das preußische Abgeordneten Haus damit einverstanden sein wird, wenn wir Bauten in Angriff baus zu erkennen geben, daß es schleunige Linderung der Scot wünscht. nehmen, deren Bewilligung noch gar nicht feststeht. ( Bravo! links.) • Auf eine Beschäftigung der Gefangenen tönnen wir nicht verzichten, wenn wir nicht der Strafvollstreckung das Ziel der Besse rung grundsäglich nehmen wollen. Soweit möglich, wird hierbei den Wünschen aus den Kreisen der Gewerbetreibenden entgegengekommen. In erster Linie arbeiten die Gefängnisse für sich selbst, und zwar soweit dies hohe Haus es bewilligt hat. Herrn Trimborn lann ich nur zustimmen, daß die Fürsorge der großen Städte für die Arbeitslosen zum Teil mustergültig ist. Ich hoffe, Herr Trimborn hat aus meinen Ausführungen entnommen, daß auch die fönigliche Staatsregierung zur Befämpfung der Arbeitslosigkeit alles getan hat, was in ihren Kräften stand.( Bravo!) Minister der öffentlichen Arbeiten Breitenbach: Die Bautätigkeit der Eisenbahnverwaltung ist in diesem Jahre Die fönigliche Staatsregierung möge den Schwierigkeiten gegenüber, welche für einige Erwerbsflaffen, insbesondere in den Großstädten, durch die gegenwärtige wirtschaftliche Lage entstanden find, belfend eingreifen: 1. durch möglichst beschleunigte Vergebung der im laufenden Etat vorgesebenen Arbeiten, insbesondere im Abg. Rahardt(.) begründet den Antrag der Konservativen: Baugewerbe, 2. durch Rücksichtnahme auf diese Berhältnisse bei Durch die gegenwärtige Krisis sind nicht nur die Arbeiter getroffen, Aufstellung des nächstjährigen Etats." sondern ganz besonders auch große Kreise des Handwerks und der Handelsminister Dr. Delbrück erklärt sich bereit, die Inter- leinen Kaufleute und Gewerbetreibenden. Eine große Schuld an pellation heute zu beantworten. der Krisis tragen auch die großen Arbeiterkämpfe der letzten Jahre. Zur Begründung der Interpellation des Zentrums erhält Die Regelung der Arbeitsnachweisfrage ist besonders erschwert durch bas Wort: den unerhörten Terrorismus der sozialdemokratischen Arbeiter gegen Abg. Trimborn( 3.): Wieder haben wir eine große Arbeits- über den Andersorganisierten.( hört! hört! rechts.) Wir sprechen hier Tofigkeit in Deutschland zu verzeichnen als Folge der wirtschaftlichen über Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit, und unser Arbeitsnachweis Krisis, die ihren Ausgang in Amerika genommen hat Immerhin steht der Tischler in Berlin ist nicht in der Lage, Aushilfsstellen gegen Deutsc land in bezug auf die Arbeitslosigkeit noch günstiger da als Eng- einen Wochenlohn von 30 M. zu besezen.( Hört bört! rechts.) land, Frankreich und Belgien. Die Ursache dafür liegt jedenfalls darin, Eine Arbeitslosenversicherung ohne Einschränkung der Freizügigkeit daß Deutschland Gott sei Dant noch fein ausichließlicher Industries ist nudenkbar, denn es müßte jeder Arbeitslose dann gezwungen sein, staat ist, sondern daß wir noch eine starke Landwirtschaft haben, die auch Arbeit nach auswärts anzunehmen.( Sehr richtig! rechts.) besonders groß. Es werden 338 Millionen verbaut werden. Das die Hauptstüße des inländischen Marktes ist.( Bravo! redits.) In Während der Herr Eisenbahnminister dem Tischlergewerbe auf ist genau das Doppelte von dem, was wir 1904 gebraucht haben. diefem Sinne hat sich auch der Genosse Calwer geäußert. meine Vorstellung hin in dankenswerter Weise entgegengekommen Darin sind nicht einbegriffen die Summen für Beschaffung von ( Heiterfeit.)- Redner verlieft eine dabingehende Aeußerung Calwers. ist, hat uns der Herr Minister des Innern auf die Gefängnisarbeit Betriebsmitteln. Im nächsten Jahre stehen uns große Kredite zur Aus diesem Grunde fann man auch die Arbeitslosigkeit nicht zu verwiesen und sich dabei auf einen Beschluß des Abgeordneten- Verfügung zum Bau des Rhein- Hannover Kanals und des einem Angriff auf die Wirtschaftspolitik der legten Jahre benußen. hauses berufen. Ich kann mir nicht denken, daß ein solcher Bes Großschiffahrtsweges Berlin- Stettin. Eine gleichmäßigere Ber( Sehr richtig! im Zentrum.) Im Reichstag ist schon mit Recht feft- fchluß vorliegt. Die Korbmacherei ist schon ruiniert durch teilung der Bauausführung auf die verschiedenen Jahre wäre gestellt worden, daß nicht in allen Orten und allen Gewerben die die Gefängnisarbeit. Wollen Sie nun auch noch der Tischlerei das gewiß wünschenswert, aber wir stoßen uns dabei immer Arbeitslosigkeit gleichmäßig start ist. Besonders schlecht liegen die selbe Schicksal bereiten? Für uns tommt zur Bekämpfung der Arbeits- wieder an den Tatsachen. Wir konnten seinerzeit unmöglich die unVerhältnisse in der Textilindustrie, im Baugewerbe, in der Kleiders lofigfeit nicht eine Arbeitslofenversicherung in Betracht, sondern allein geheure Verkehrsentwidelung in der letzten Hochkonjunktur vorauss und Wäschebranche. Wesentlich hat zur Linderung der Folgen der die beschleunigte Vergebung von öffentlichen Arbeiten. Zu diesem fehen und mußten andererseits dem gesteigerten Bedürfnis sofort wirtschaftlichen Krisis auch beigetragen das Bestehen von Tarif- Bwede follten fofort 100 Millionen Mark zur Verfügung gestellt nachkommen. Ausländische Arbeiter werden in einer Minderzahl, berträgen.( Sehr richtig! im Zentrum.) Während die schlesische werden. Dadurch würden 62 000 Arbeiter auf ein ganzes Jahr be- namentlich bei Kanalbauten, aus den schon angeführten Gründen Textilindustrie über Arbeitslosigkeit flagt, ist in der schlesischen schäftigt werden können. Angesichts der Tatsache, daß wir 185 Millionen stets beschäftigt werden müssen, in Zeiten der Krisis wird diese Bergwerksindustrie und in der Landwirtschaft großer Mangel an Mark für die Beamten ausgeben wollen, ist diese Forderung wohl Bahl jedenfalls auf das Geringstmaß beschränkt werden.( Bravo) Arbeitern vorhanden.( Hört! hört! rechts.) Die Arbeitslofen berechtigt.( Bravo! rechts.) zählungen, die in verschiedenen Städten vorgenommen werden, lassen, fo mangelhaft sie sind, doch erkennen, daß die Arbeitslosigkeit noch nicht in der Abnahme begriffen ist. So hat die Zählung in Berlin zirka 40 000 Arbeitslose Handelsminister Dr. Delbrück: oder von Amerika besonders abhängig sind. Abg. Borgmann( Soz.): 4 Der Herr Eisenbahnminister hat zwar erklärt, daß einheimische Arbeiter nicht in der Lage wären, die schweren Arbeiten beim Kanalbau zu machen, hat aber in demselben Moment erklärt, feine Verfügung beim Bau des Großschiffahrtsweges sei erfolgt, um der Landwirtschaft und der Industrie der beteiligten Gegend keine Arbeiter aut entziehen. Das ist ein offenbarer Widerspruch. Daß die jetzige Krisis eine Weltkrisis Herr Trimborn hat in danfenswerter Objektivität die Dinge nicht nur mit den Augen des Volksvertreters, sondern auch mit den Augen des Ministers gesehen!( Seiterkeit.) Er hat flargelegt, daß die ergeben. In Mitleidenschaft gezogen von den Folgen der Arbeits- Arbeitslosigkeit und ihre Folgen ein Problem bieten, das uns heute losigkeit werden auch die mittleren und fleineren Gewerbetreibenden. nicht zum ersten und legten Male beschäftigt, und nicht nur uns, Das Borgunwefen nimmt immer mehr überhand. Ein schwacher fondern alle Stulturstaaten der Welt. Sie ist auch nicht eine Trost ist das Bestehen der staatlichen Arbeiterversicherungen. Ohne Begleiterscheinung einer bestimmten Wirtschaftspolitik; denn Großdieje würden wir in diefen Tagen ein ähnliches Maffenelend haben, britannien müht sich mit den Folgen wirtschaftlicher Krisis ebenso darstellt, ist zweifellos. Sie ist auch ganz natürlich, denn sie beruht wie es in den englischen Großstädten zu verzeichnen ist.( Sehr sehr ab wie wir. Die Einwirkung der amerikanischen Strifis betraf auf unserer fapitalistischen Wirtschaftsordnung, und der Kapitalismus richtig im Zentrum.) Die Gerechtigkeit verlangt, an dieser Stelle in erster Linie unseren Geldmarkt. Dadurch wurde eine Rücklauf ist international. Sobald in einer Industrie eine Ueberspannung rühmend hervorzuheben, wie segensreich in der Bekämpfung der bewegung für unfer gefantes Erwerbsleben, für die Arbeiter und vorhanden ist, fommt es zur Explosion, durch welche der ganze Arbeitslosigkeit den gesamten Wittelstand herbeigeführt. Also in erster Linie wirtschaftsförper erschüttert wird. Der leidende Teil sind dann die Gewerkschaften handelt es sich um eine Finanzkrisis, erst in zweiter Linie immer die arbeitenden Klassen. Unter der heutigen Wirtschaftsum eine Industriekrisis. Daraus wirken. Im Jahre 1907 haben die Hirich- Dunckerschen, die christlichen ergeben sich die sehr ordnung fann also das Problem der Arbeitslosigkeit nicht gelöst und( 1) die freien Gewerkschaften sieben Millionen für die Unterstügung verschiedenen Einwirkungen der Krisis auf unseren Markt. Die werden, dazu bedarf es erst einer Umgestaltung der Wirtschaftsder Arbeitslosen ausgegeben( 1). Auch eine Reihe von Städten haben sich beim Baugewerbe eine Besserung geltend, wie die Geschäfte richtig! bei den Soz.) Ein äußerer Grund der jezigen Krise ift Geldtrifis fann heute jedenfalls als überwunden gelten, ebenso macht ordnung im Sinne unserer Weltanschauung.( Lachen rechts; Gehr energische Maßnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ergriffen, vielfach find Notstandsarbeiten von ihnen in Angriff genommen. Es kommt der Pfandbriefbanken beweisen. Am schwersten haben natürlich zu natürlich der Zusammenbruch in Amerika. Man hat gesagt, es fei leiden gehabt die von amerikanischen Verhältnissen besonders ab- bei uns die Arbeitslosigkeit nicht so groß, wie in den anderen aber vor, daß sich die Arbeitslojen trog der großen Not weigern, die Arbeit anzunehmen; 3. B. baben sich viele Arbeitslose aus hängigen Industrien, wie die Textilinduſtrie, die Porzellanindustrie Ländern. Das ist für die Arbeitslosen ein sehr schlechter Trost. Berlin geweigert, Arbeit in der Provinz anzunehmen.( hört! hört! und der Schiffbau. Ueberhaupt feinen Mangel an Arbeit, sondern( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Uebrigens ist im Reichsrechts.) Freilich ist es psychologisch zu begreifen, wenn ein Arbeiter wirtschaft, vor allem in den Forsten, die infolge des Nonnenfraßes Hollweg bereits nachgewiesen worden, daß seine Zahlen über die Mangel an Arbeitern haben wir in der ostdeutschen Land- tage von Herrn Gothein dem Herrn Staatssekretär b. Bethmanns fich nicht so leicht entschließt, die Stadt zu verlassen, in der er feit über sehr viel Arbeit verfügen, für die fein entsprechendes Arbeiter Arbeitslosigkeit in England falsch sind.( hört! hört! bei den Jahren beschäftigt ist, oder wenn es einem Uhrmacher, einem angebot vorhanden ist.( Hört! hört! rechts.) Im Bergbau ist im Sozialdemokraten.) Diamantenschleifer schwer wird, nun auf offener Straße Steine zu Ruhr- und Saargebiet die Zahl der unbeschäftigten Arbeiter gering, Hopfen. Aber nicht nur Gewerkschaften und Gemeinden, im schlesischen Bergbau ist fein Arbeitsmangel vorhanden. Herr Dr. Hahn hat im Reichstage behauptet, daß, wenn die sondern auch der Staat muß eintreten gegenüber den Eute Verhältnisse in Amerika und England so schlecht wären, das an der bestehenden Rotständen, und den Staat zu diesem Eintreten sprechend zurückgegangen ist die Beschäftigung in der schweren Eisen- Wirtschaftspolitik läge. Er hat dabei ganz übersehen, daß beide Länder zu drängen, ist der Zived unserer Interpellation. In England ist ein betroffen die Lieferanten derjenigen Industrien, die vom Geldmarkt Land des Hochschutzzolls, England ein Land des Freihandels.( Hört! zu drängen, ist der Zwed unserer Interpellation. In England ist ein industrie. Von der Maschinenindustrie sind naturgemäß am schwersten eine ganz verschiedene Wirtschaftspolitit haben. Amerika iſt ein Borgehen des Staates gegen die Arbeitslosigkeit in großem Buge zu verzeichnen. Auch bei uns muß dafür gesorgt werden, daß hört! bei den Sozialdemokraten.) In Amerika sind die Verhältnisse möglichst viel Arbeit von Staats wegen geschaffen wird. Wir haben im allgemeinen und im einzelnen befämpfen fann. So lange man uns aber scheint die Hoffnung nicht berechtigt, daß bald eine Ich wende mich nun zu der Frage, wie man die Arbeitslosigkeit nach Erledigung der Präsidentenwahl bereits besser geworden, bei im Reichstag schon gehört, daß eine Erhöhung der Bautätigkeit der die Ursachen der Krise nicht aus der Welt schaffen kann, handelt es Besserung der Verhältnisse erfolgt. preußischen Bahnen durch Erlag angeordnet worden ist. Hoffentlich sich immer nur um die Frage: Was kann geschehen, um die Folgen Bukunft mit großer Arbeitslosigkeit Wir müssen auch in der bringt auch der nächste Etat reichliche Mittel, die es ermöglichen, der Krisis zu mildern? Theoretisch ist der Schluß gewiß absolut bustrien rechnen. in verschiedenen In Arbeitsgelegenheit zu schaffen. Vielleicht könnten durch ein Rotgefes forrett: Wir müssen zu einer Im Rheinland hat zum Beispiel die die Posten für die öffentlichen Bauten, die im diesjährigen Etat forrekt: Wir müssen zu einer Zahl der offenen Stellen zugenommen, ebenso in vielen borgesehen sind, schon jetzt gefordert werden, damit die Arbeit sofort anderen Gebieten. Leider befißen wir feine rechte Uebersicht über in Angriff genommen werden kann. fommen. Die Schwierigkeiten sind bereits erwähnt. Jedenfalls wäre den Stand der Dinge, es fehlt an einer ausreichenden Statistik. ste nur im Wege der Heichsgesetzgebung zu lösen. Die preußische Ne- Daher haben die Gewerkschaften versucht, die Gemeindeverwaltungen gierung steht in dieser Frage auf demselben Standpunkt, wie ihn zu veranlaffen, folche Statistiken aufzunehmen. Das Verfahren, namentlich bei Tiefbauten. Die Berechtigung der Heranziehung aus der Herr Staatsminister des Innern vor turzer Zeit im Reichstage das hier in Berlin gewählt worden ist, ist unzweifelhaft ganze Bahl Arbeitsländischer Arbeiter scheint nur da gegeben, wo die einheimischen dargelegt hat. Eine weitere Möglichkeit liegt in einer verständigen mangelhaft. Offenbar haben sich eine Die Gewerkschaften hatten eine HausArbeiter für die betreffenden Arbeiten nicht geeignet sind. In Regelung des Arbeitsnachweiswesens, defien zentralisierung zu lofer nicht gemeldet. allen übrigen Fällen ist es in Anbetracht der herrschenden Arbeits- unterſtüßen wir stets bemüht gewesen sind. In dieser Richtung wird zählung vorgeschlagen. Aber auch dadurch würde man zu einem losigkeit ein unerträglicher Gedante, daß ausländische Arbeiter fortgefahren werden. Aber auf diese Weise wird die eigentliche Quelle richtigen Resultat nicht gekommen sein, weil Taufende von Arbeitern, bei Staatsarbeiten beschäftigt werden. des Uebels, die Arbeitslosigkeit, nicht aus der Welt geschafft. Durch die in Berlin arbeiten, nicht in Berlin wohnen, wie ja auch der Bu Unrecht wird in diefen Zeiten der Arbeitslosigkeit vielfach bei staatlichen Arbeiten Arbeitsnachweise schafft man feine Arbeit, und es ist auch außerordentlich Nückgang der Bevölkerungszunahme in Berlin beweist. auch ausländisches Material verwendet, wo deutsches beffer am schwer, für die feiernden Arbeiter bestimmter Induſtriezweige eine Die Arbeitslosenunterstützung der freien Gewerkschaften. Blaze wäre. Gott sei dan! stehen wir den Erscheinungen der Arbeit zu verschaffen, die sie überhaupt verrichten tönnen. Herr Trimborn hat darauf schon hingewiesen. Die Heranziehung aus36 freie Gewerkschaften in Berlin haben Arbeitslosenunterstützung Strise nicht mehr so hilflos gegenüber wie früher in gleicher Lage. ländischer Arbeiter ist nicht geschehen, um den Lohn zu drücken, eingeführt; sie haben im Jahre 1907 1401 123 m. dafür ausDie ostdeutsche Land- gegeben. In diesem Jahre wird die Summe, weit über zwei den Arbeitsmarkt im Reichsarbeitsblatt" und die Disposition über sondern sie entspringt der bitteren Not. Millionen hinausgehen.( hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Notstandsarbeiten sind viel besser geworden. Aber noch erfaßt unsere wirtschaft wäre gewiß ſehr froh, wenn sie ihre einheimischen alle freien Gewerkschaften haben 1906 allein für ArbeitslofenArbeiter halten könnte.( Sehr richtig! rechts.) Aber das unterstützung gezahlt: 2 653 396., unterstützung gezahlt: 2 653 396 M., im Jahre 1907 aber Ausdehnung der Statistik nach einheitlichen staatlichen Formularen gelingt ihr nicht. Wir brauchen ausländische Arbeiter für folche 6527 000 m.( hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) twäre eine wichtige Erfenntnisquelle. Die Pflege und Zen Arbeiten, die die inländischen Arbeiter nicht mehr verrichten Gewerkschaften auf diesem Gebiete tralisation des Arbeitsnachweises fäme dem ganzen Freilich darf die Beschäftigung ausländischer ausländischer gehen die sie auch bei der Stranfen- und Invalidenunterstügung dem zugute. Die Löfung des großen Problems der Arbeitslosen Arbeiter nicht dazu führen, daß bei mangelnder Arbeitsgelegenheit bersicherung steht noch in weiter Ferne. Ginstweilen bleibt auch den den einheimischen Arbeitern die Arbeitsgelegenheit genommen wird. Staate vorangegangen sind. Mit der Zeit wird zweifellos auch der Städten kaum mehr als die Veranstaltung von Notstandsarbeiten. Der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten hat in dieser Nichtung Staat dazu kommen müssen, dem Problem der ArbeitslosenVor allem aber müffen wir uns eingehender mit dem Problem der beim Bau des großen Schiffahrtsweges Berlin- Stettin auch die ges Berliner Angelegenheit eingehen: Durch die Berliner Presse ist versicherung näher zu treten. Ich muß hierbei auf eine spezielle Arbeitslosigkeit befassen. In ganz Süddeutschland find große um- eigneten Schritte unternommen. Im übrigen werden in feinem un eine Notiz gegangen, die darauf hinwies, daß auf städtischen fassende Erhebungen angeordnet; wir follten diesem Beispiel folgen. mittelbar fistalifchem Betriebe ausländische Arbeiter beschäftigt, in der eine Notiz gegangen, die darauf hinwies, daß auf städtischen Deutschland sollte auch auf dem Gebiete der Arbeitslosenfürsorge Bergverwaltung gar feine, bei den Eisenbahnen nur ganz gelegent- Diefelgütern viele Früchte burch Frost zugrunde gegangen Deutschland follte auch auf dem Gebiete der Arbeitslosenfürsorge lich. Arbeiterentlastungen find in feinem fiskalischen Betriebe bor waren, die lieber die Unterstüßung des Magistrats in Anspruch wären, während 127 Berlin viele Arbeitslofe borhanden feine foziale Pflicht hmm.( Beifall.) Abg. Dr. Pachnicke( frs. Wg.) begründet hierauf den Antrag gekommen, ebensowenig wie Lohnreduktionen. nehmen, stalt auf den Nieselgütern in Arbeit zu treten. Die Aronsohn: Solange wir nicht eine staatliche Arbeitslosenversicherung „ Deutsche Tageszeitung", die diese Notiz brachte, scheint sehr wenig haben, ist es Aufgabe des Staates und der Kommunen, durch eine landwirtschaftliche Kenntnisse zu befizen.( Seiterkeit rechts.) werden wissen, baß der Stältefall im Ottober ein ganz außer aewöhnlicher gewesen ist und die ganz natürliche Wirkung gehabt Lebhafte Klagen sind laut geworden über die Massenbeschäftigung ausländischer Arbeiter Statisti laum die Hälfte der gelernten ständigen Arbeiter. Die Lande wollen. Was die Arbeitslosenversicherung Notstandsarbeit richtige Arbeitspolitik Zurückhaltung von Aufträgen in der Zeit anlangt, so sind wir zu dem Ergebnis gekommen, daß ste ein höchft der Hochkonjunktur und Säufung derselben in der Zeit der wirtschaft unzureichendes Mittel ist, um einer wirklichen Not auf dem Arbeits, CD voran, tvie Sie hat, das; nicht nur in Berlin, sondern auch an anderen Orten sehr viele Früchte erfroren sind, zumal da wir kurz vorher eine für diese Zeit selten trockene Periode gehabt hatten, wo durch der Boden sehr hart geworden war, In jener Notiz wurde auch betont, daß seitens der Verwaltung der Sticselgiiter alles geschehen sei. um Arbeiter aus Berlin heranzuziehen, Ich stelle fest, dah diese Behauptung nicht wahr ist, und protestiere gegen diese schwere Beleidigung der Berliner Arbeitslosen. lSehr gut I bei den Sozialdemolraien,) Der große Berliner ArbeitSiiachweis ist von der betreffenden Verwaltung überhaupt nichtersucht worden Arbeiter dort hinauszuschickenl(Hörtl hört! bei, den Sozialdemokraten, Auf den Arbeitsnachweis der Berliner Landwirtschaftskammer, au den in der Notiz hingewiesen wird, werden die Berliner Arbeiter kaum gehen, dafür ist eben der großstädtische Arbeitsnachweis da. lZumf rechts.) Der Herr Minister hat vorhin sehr klar und vernünftig auseinandergesetzt(Lachen rechts), weshalb es nicht möglich ist, gelernte Arbeiter für solche landwirtschafilichen Arbeiten heranzuziehen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Tat fache ist eben so offensichtlich, daß sie selbst einem preußischen Minister klar einleuchten mußte.(Heiterkeit rechts.) Die„Soziale Praxis" weist in ihrer letzten Nummer nach, daß die Arbeitslosigkeit dadurch erheblich gesteigert wird, daß in vielen Betriebe» Feierschichten eingelegt werden. Die GutehoffnungShütte hat 4000 Ardeiter ent lassen, der Stahlwerksverband hat für den letzten Winter eine Pro duktionseinschräukung bis zu 60 Proz. in Aussicht genommen. Auch in der elektrischen Industrie sind viele Arbeitereutlassungen vor gekommen. Diese Zahlen riechen nach Hungersnot. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten) Wir können also nicht anerkennen, daß die Verhältnisse bei unS günstiger liegen als in anderen Ländern, sondern sie werden sich»och verschlechtern. Erschwert werden die Verhältnisse noch dadurch. daß in den politischen Kämpfen der Völker untereinander der Wirt schaftliche Boykott neuerdings eine erhebliche Rolle zu spielen beginnt. Ich erinnere an die Boykottierung Oesterreichs durch die Türkei und Serbien. Woran e» uns vor allem fehlt, ist ein geordneter Arbeitsnachweis und eine periodische, in ganz bestimmten Intervallen erfolgende Zähluitg der Arbeitslosen im ganz�ii Lande. Ist dieS durchgeführt, so ist auch eine ArbeitSlosenunterslützung durch den Staat möglich. Jetzt aber handelt es sich im wesentlichen darum, den hungernden Arbeiter- massen, die ohne ihr Verschulden arbeitslos geworden sind, zu helfen. Die Ausführungen des Herrn Rahardt in dieser Richtung waren mir durchaus lyiiipathisch. Aber er wird selbst genierkt haben, daß er bei der Regierung sehr wenig Gegenliebe gefunden hat. Man sollte z. B. die große Jahl von Gemcinden unterstützen, die neue Schnlbauten dringend nötig haben.(Sehr richtig! bei den Soz.) Geben Sie diesen Gemeinden unverzinsliche Darlehen für diesen Zweck, so werden Sie tauiende von Händen in Bewegung setzen und auch dem kleinen Handwerkerstande helfen.— Das rollende Material bei den Nebenlinien der Eisenbahnen ist vielfach ganz ungenügend. Hier könnten bei Reparaturen ebenfalls viele Tausende von Arbeitern Beschäftigung finden. Die Vorarbeiten zum Großschiffahrtswege sollten sofort in Arbeit gegeben werden, z. B. die elektrischen Drähte. Vielfach sind die Löhne der Arbeiter bei der Eisenbahn herabgesetzt worden. Auch in den Saargruben soll d'er Verdienst der Bergarbetier heruntergegangen sein. ES ist ganz unverständlich, wie angesichts der Erhöhung der Beamtengehälter und bei der Erhöhung der in- direkten Steuern eine Staatsregierung ein solches Vorgehen wagen kann, Um die Mittel zu den von uns vorgeschlagenen Maßnahmen aufzubringen, schlagen wir eine NotstandSsteuer vor: einen Zuschlag zur Einkvnnnen- und ErgänznngSsteuer, be- ginnend bei 5000 bis 6000 M. Einkommen mit Prozent des SleuerbetragS und steigend bis zu 10 Prozent des Steuerbetragcs bei den höchsten Einkommen.(Lachen rechts.) Die besitzenden Klassen könnten eine solche Steuer sehr wohl aufbringen, sie spüre» von der Not der Arbeitslosigkeit recht wenig. In Berlin W sind DinerS zu 50 M. das Kuvert nichts Ungewöhnliches(Lachen rechts) und dazu kommen noch die teueren Weine und Zigarren. Eine ganze Reihe von Leuten aus dem besitzenden Bürgertum würde eine NotstandSsteuer sicher ganz gern zahlen, und diejenigen, die eS nicht gern tun, müßten eigentlich doppelt zahlen.(Heiterkeit.) Der AufsichtSrat einer Akliengesellschaft hat vor kurzem ein Essen ver- ansiallet. ich habe hier daS Menu,(Große Heiterkeit rechts.) Es lautet: Kaviar im Eisblock dazu Schildkrötensuppe in Tassen Austern auf Hohenzollernart Kleine KalbSstllckchen m. grünem Spargel Forellen, blau Gänseleberstllcken Schnepfen Frische Champignon» Kirscheis Verschiedene»-- Käse— Obst Mocca St. Peray monsseux Szamorodni Dr. Szabo Gyula 1897er Ohligsberger, Wachstum Puricelli Hohe Riesling- Braune Kuppe, Duhart ISOOer Forster. Anslcie 1904er Wittinger. Fuder 14 1864er Chüteau Milon Paullinc 1883er SlüdeSheimer, Nottland« Cabinct Heidsieck Monopole 184öer Tokayer Azu 1834er Cognac, Grande Cham« pagne. wird von der Rechten mit all» (Die Verlesung des Menu» dauernder Heilerkeit begleitet.) Die betreffenden Herren wollten bei der Aufsichtsratssitzung jedenfalls aus ihr gewohntes Mittagsmahl nicht verzichten.(Erneute große Heiterkeit rechts.) Im Soiinner gehen diese Leute in die Bäder, im Winter nach der Riviera, nach Kairo, nach Korfu.(Un- ruhe rechts; Rufe: Arbeitslosigkeit!) Wenn die herrschenden Klassen für diese Ziveckc Gelder ausbringen können, so sollten sie auch tiefer in die Tasche greifen, um die Notlage des arbeilenden Volkes zu lindern.(Bravo! bei den Sozialdem.) Lassen Sie diese Mahnung nicht angehört vorübergehen, lassen Sie es nicht erst dazu komme», daß der Notschrei deS hungernden Volkes Ihnen in die Obren gelll.(Unruhe rechts.) Sorgen Sie rechtzeitig für die Beseitigung des NolüandeS, dann haben Sie Ihre Pfllcht als Volksvertreter getan. lLebhafter Beifall bei den Sozialdemolratcn.) Eisenbahnminister Breitcnbach bestreitet, daß in einem Betriebe der Eisenbahnverwalmng die Löhne herabgesetzt worden seien, höchstens könnten infolge technischer Neuerungen die Akkordlöhne in gewissen Fällen um ein paar Pfennige heruntergesetzt sein, wie sie anderen Fällen auch erhöht wurden.— Der Sperrerlaß beim Bau des Großschiffahrtsweges sei nur zeitweise erfolgt mit Rücksicht aus einen Notstand der Industrie und der Landwiltschaft der be- treffenden Gegend. Handelsminister Dr. Delbrück bezeichnet die Behauptimg deS Abg. Borgmann, daß das Einkommen der Arbeiter im Saarrevier heruntergegangen iei, nacb seinen Informationen als unrichtig. Abg. Malkcwiv(k.): Millionen von landwirtkchastlichen Werten haben in diesem Herbst in der Erde gelassen werden müssen, weil es der Landwiriichaft an Arbeitern gefehlt hat.(Hört! hört! rechts.) Wir halten eS auch für die vornehmste Aufgabe deS, Staates, bestehende Not zu lindern, auch dort, wo die Betroffenen eine gewisse Mit- schuld haben.(Bravo I rechts.)— Redner wünscht möglichste Einschränkung der Gefängnisarbeit und dankt der Negierung für ihre Maßnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Die Hauptschuld an de» Zuständen trägt die Sozialdemokratie, die durch ihre Ver- hctzimg in ihren Versammlungen und Kalendern de» Arbeitern die Landarbeit verekelt. Es ist nicht so nötig, daß die Berhältnisse sich ändern, als daß die S o z i a l d e m o k r a t i e sich ändert.(Ledhaster Beifall rechts.) Hierauf vertagt sich da? Haus. Präsident v. Kröchcr schlägt vor. die nächste Sitzung abzuhalten am Dienstag, den 12. Januar 1909 mit der Tagesordnung: Entgegennahme des Etats, Fortsetzung der heutigen Beratung, Interpellation R o e r e n über die Schönheitsabende. Ein Antrag R o e r e n, die Interpellation Roeren morgen zu verhandeln, und ein Antrag Borgmann, die heutige Beratung am Sonnabend fortzusetzen, werden abgelehnt, eS bleibt beim Vorschlage dSS Präsidenten. Schluß i'k Uhr._ parlamcntanfcbce. Die Gewerbeordnungsnovelle. Die Kommission zur Beratung der Gewerbenovclle setzte am Donnerstag die Beratung bei Z 120i fort. In diesem Paragraphen wird bestimmt. daß Arbeiter, die gegen Bundesratsvorschriften verstoßen, bestraft werden können. Unsere Parteigenossen beantragten die Streichung dieser Vor- schristen oder aber eine geringe Strafe vorzusehen, und klarzu- stellen, daß nur Vorschriften zum Schutz von Leben und Gesundheit gemeint sind. Die Vorlage will die Uebertretungen mit einer Strafe bis zu 300 M. belegen. Der RegierungSvertrete« hält die Aufrechterhalt-ung der Vorschrift für notwendig, da eine Reihe von Schutzvorschriftcn nur von den Arbeitern, nicht aber von den Unternehmern beachtet werden können. Die Unternehmer haben, um Differenzen mit den Arbeitern zu vermeiden, die Ankündigung von Strafvorschriften in der Fabrikordnung abgelehnt. Da sich die Arbeiter vielfach indolent' gegen Schutzvorschriften verhalten, bleibt somit kein anderer Weg übrig, als gleich in die BundcSratSverordnungen Strafverfügungcn aufzunehmen. Stadthagen, Molkenbuhr und Schmidt machen geltend, daß auch die wichtigsten Vorschriften zum Schutze der Ar- beiter nur wirken, wenn sie von den Unternehmern aufrechterhalten werden. Eine Strafe bis zu 800 M. kann dazu führen, daß einem Arbeiter, der bei Uebertretung der Polizeivorschriften verunglückt. nach ß 6 des GewerbcunfallversicherungsgesetzeS die Rente ver- weigert werden kann. DaS wäre dieselbe außerordentliche Härte, die heute schon bei Uebertretung der Bergpolizeiordnung gegen die Bergarbeiter in Anwendung kommt. Die Arbeiter allgemein unter solche ungünstige Rechtsstellung in der Unfallversicherung zu bringen, das muß verhütet werden. Die Gewöhnung an die Ge- fahr sei eine so starke, daß eine Strafvorschrift unbillig sei. So- weit eö sich um Schutz gegen Unfälle handle, könne ja heute schon nach§ 112 U.-V.-G. Bestrafung mit Geldstrafe bis 6 M. eintreten Soweit Verhütung von Krankheiten in Betracht käme, hätte man den Krankenkassenvorständen ein Verordnungsrecht einräumen sollen. Nicht die Strafbestimmung, sondern die Aufklärung durch die Gewerkschaften und die Presse würde erzieherisch wirken. Unsere Genossen beantragten sodann, daß bei Erlaß von Polizeiverordnungen zum Schutze der Arbeiter die Bestimmung ge- strichen wird, daß vor Erlaß solcher Verordnungen die Berufs- genossenschaftcn gutachtlich gehört werden. Es soll damit ver- hindert werden, daß solche Verordnung, wie geschehen, als ungültig erklärt würde, weil die Zustimmung der Berufsgenossenschaften nicht eingeholt wurde. Vom Zentrum wird beantragt, daß die Polizeiverordnungen nur mit Zustimmung des GcwerbeinspektorS erlassen werden dürfen. Die Strafe für Uebertretungen dieser Verordnungen soll für Arbeiter im Höcksstfalle 6 M. betragen. Gegen die auch vom Zentrum beantragte Aushängung der Schutzvorschriften in Fabrikbetrieben in der Muttersprache der betreffenden Arbeiter wendet sich Abg. Bahn(natl.): Man solle die Industrie nicht noch weiter belasten als eS jetzt schon geschieht! Manz(freis. Vp.) tritt für die Beibehaltung der Straf- Vorschriften gegen Arbeiter ein. Man müssv nicht nur den Unter- nehmer, sondern auch den Arbeiter zur Jnnehalwng der Schutzvor- 'chriften anhalten. Pauli(k.) stellt sich ans den Boden der Nc- gierungsvorlage; er will Strafen gegen die Arbeiter eingeführt haben und ist auch gegen eine Herabsetzung der Strafen auf 6 M. In fremdländischer Sprache brauchen die Verordnungen nicht er- lassen zu werden, denn sehr viele ausländische Arbeiter könnten ganz gut deutsche Verordnungen lesen! Bei der A b st i m m u n g wird der Anregung unserer Partei» genossen entsprochen, di« Stcafvotschrift nur dann zuzulassen, wenn ie z u m Schutze von Leben u n d G e s u n d h e i t der Ar- beiter dient. Auch die Herabsetzung der Strafe auf 6 M. als Maxi mum wird gutgeheißen. Der Vorschlag, daß vor Erlaß solcher Polizciverordnungen nicht nur die BerufSgeiwssenschafien, die für die Gewerbe in Betracht kommen, sondern auch der Gewerbe- inspektor gehört werden soll, und der Antrag, daß die Polizeiverord- nungen auf Grund des§ 120- im Betriebe auch ip der Sprache remdländischer Arbeiter ausgehängt werden müssen, fanden gleich- alls Zustimmung.., Die Kommission vertagte sich bis zum Wiederbeginn der Plenarsitzungen' des Reichstages im nächsten Jahre. Finanzrefovmkommission des NeichötagS. Die Kommission ver- handelt gestern über die Feststellung deS Bedarfs an neuen Steuern rcsp. des Defizits. Vom Reichsschatzamt waren der Kommission Unterlagen zugegangen über die Ausgaben und Einnahmen deS Reiches, die jedoch keinen speziellen Einblick in die Abschlüsse ge- Matteten, lieber diese Unterlagen entspann sich eine allgemeine Debatte, in der der Regierung von einigen Seiten opponiert wurde. Abgeordneter Erzbe>rger(Zentrum) kritisierte die Aufstellung de- Etats für Marine und Reichsheer. D i c Anschläge hier- für s eien zu hoch nnd zu uns icher. Er hält die jährliche Einstellung von 42 Millionen Mark für die kommende Witwen» und Waisenversorgung für eine künstliche Erhöhung des Bedarfs; die Aufstellungen und Anforderungen der einzelnen Ressorts seien ungeheuer groß und zu hoch. Abstriche würden erfolgen müssen. UilterstaatSjekretär T we l c und Direktor deS Reichs- schatzamts Kühn bestreiten dies. Herr Twele sagte, die Schätzungen seien vorsichtiger Art. die Aufstellungen mit aller Umsicht erfolgt; eS sei zu verhüten, daß wieder Fehlbeträge ent» stehen, wenn man zu einer guten Finanzreform kommen wolle. Direktor Kühn wieS auf den Rückgang der Erträge auS den Zöllen hin, der infolge der wirtschaftlichen Depression eingetreten sei. Ferner sei eine Mindereinnahme bei der Zucker-, der Sbenipel- und der Erbschaftssteuer zu verzeichnen. An der allgemeinen Debatte, die sich weiter in diesem Rahmen bewegte, beteiligten sich mehrere Abgeordnete sowie Vertreter des .''ieiciiSscvatzamtes; aber es stellte sich dabci heraus, daß diese allgemeinc» Betrachtungen zu keinem praktischen Resultat führen. Daher wurde in einer Geschäftsordnungsdebatte über die weitere Behaiidluiig der Angelegenheit festgestellt, daß spezielle Unterlagen von der Regierung gefordert werden müssen. Ab- geordneter Erzbcrger wünscht eingehendes Material über die EinzeletatS, besonders über Heer, Kolonien und Flotte. Der Schatzsekretär erklärt sich dazu bereit; auch für Post, Tele- g r a p h e n und R e i ch s e i s e n b a h n e n soll dergleichen Material gegeben werden. Außerdem wnnstht er. daß S p e z i a l w ü n s ch e dem Schatzamt mitgjeteilt werden; die EinzelrrssorlS Würden von den Kommissaren mündlich klargelegt werden.,.. Der Abgeordnete b. Gamp spricht sich gegen mündlick>e � Information aus, das Material müsse gedruckt zur Einsicht'in die Hände der Abgeordneten kommen. Tie Kommission entscheidet in diesem Sinne. Nächste Sitzung: 12. Januar 1909. Wahlprllfunßskommissio«. Die Wahl des Abg. K ö l l e von der Wirtsch. Vereinigung wurde für gültig erklärt. Im Wahlprotest war als äusschlag- gebender Punkt die Behauptung aufgestellt, daß auf Verfügung des Hildesheimer �Regierungspräsidenten s ä m tlichc in den Heil- stätten befindlichen Pfleglinge von der Auf- nähme in die Wählerliste ausgeschlossen- wurden! Beschwerden beim Landrat, beim Regierungspräsidenten, beim Mi- nister des Innern waren erfolglos. Der Punkt selbst wurde als erheblich erklärt, weil 560 Wahlberechtigte ausgeschlossen waren, die Stichwahl also unter Umständen— da der Nationalliberale nur mit 523 Stimmen hinter Kölle zurückgeblieben war— zwischen dem Sozialdemokraten und dem Nationallibero len hätte stattfinden müssen. Nun entdeckten aber plötzlich die Juristen in der Kommission, daß bei dem Protest wegen Nichtaufnahme in die Wählerliste der Gemeindevorsteher übergangen worden sei. DaS ist ein Verstoß gegen das Wahlreglement. In der Abstimmung wurde daher erst mit 7 gegen 7, dann mit 8 gegen 6 Stimmen der wichtige Protestpunkt als unsubstantiiert an- gesehen und die Wahl für gültig erklärt. Die Wahl des Abg. S p i n d l e r(Z.) wurde beanstandet. Es wurden Beweiserhebungen beschlossen über amtliche Wahl- beeinflussung und mangelhafte Jsolierräumc. Es folgte die Beratung der Wahl des Abg. Rieseberg (Wirtsch. Vgg.), der in der Stichwahl mit 9695 gegen Silberschmidt (Soz.), 9004 Stimmen, siegte. Es wird behauptet, daß die Unter- nehmer skandalöse Wahlbeeinsluffungen getrieben haben. Die Prü- fung der Wahl ist noch nicht ganz erledigt. Au» der Wemgesetzkommisston. Die Kommission erledigte in ihrer DonnerStagSsitzung die Paragraphen 17, 18 und 19, welche von der Kontrolle handeln: „Wer Trauben zur Weinbereitung gewerbsmäßig in den Verkehr bringt, ist verpflichtet, Bücher zu führen, aus denen hervorgeht, welche Mengen er eventuell selbcir gebaut, welche er hinzugekauft. was er an andere abgegeben, welche Menge an Zucker und anderen Stoffen er bezogen und ob er diese Stoffe zum Zuckern oder zur Herstellung von Haustrunk verwendet hat." Ein sozialdemokratischer Antrag, der bezweckte, daß aucki die Geistlichen und Lehrer, die in weibautreibenden Gegenden häufig ein Stück Rebgelände als T icnsteinkmnmen erhalten, und den gecrnteten Wein wieder ver- kaufen, mit unter die Kontrolle zu stellen, wurde abgelehnt, nachdem der Rcgierungsvertretcr, Gcheinirat v. Stein, erklärt hatte, daß er das für selbstverständlich halte.... Ein schlesischcr Vertreter wünschte, daß der freie Ausschank durch den Weinbauer selber von der Kontrolle freibleiben solle. Ihm wurde allseitig erwidert, daß es auch unter den Winzern Weinschmierer gäbe, welche die ihnen eingeräumte Vergünstigung zum Schaden des Publikums ausnützen würden. § 18 besagt, daß, wenn in einem Räume, der zur Herstellung von Wein. dient, oder in dem Wein gelagert ist. auch andere Ge- dränkc lagern(auch Wein, der als Haustrunk hergestellt), müssen die Gefäße mit einer deutlichen Bezeichnung des Inhalts versehen sein. Nach§ 19 ist die Beobachtung der Vorschriften durch die mit der Handhabung der Nahrungsmittelpolizei betrauten Behörden und Sachverständigen zu übrwachen. Für daS ganze Reich sind die am Weinbau wesentlich beteiligten Gegenden, und für Orte oder Bezirke, in denen Wcinhandel in erheblichem Maße stattfindet, Sachverständige im Hauptberuf zu ernennen. Damit soll dem Unfug gesteuert werden, daß in Preußen die Kontrolle lax ge- handhabt wird und daß die Weinhandlungen in den Großstädten gar nicht kontrolliert werden._ Drucksachen. AuS dem Reichstag.(Nr. 1052.) Nachweisung der Geschäfts» und Nechnungsergebnisse der auf Grund deS Invaliden- Versicherungsgesetzes errichteten Versicherungsanstalten und der vom Bundesrate zugelassenen Kasscncinrichtungcn. fiir das Jahr 1907(nebst Vorbemerkungen). Hus der parteü Parteiliteratur. Im Berlage von Panl Singer. Stuttgart, erschien soeben» Zweites Gencralregister des Inhalts der Jahrgänge lVOZ bis 190 7 der„Neuen Zeit", bestehend in einem Autoren- Verzeichnis und einem Sachregister nebst S tich wort- a n z e i g e r sowie einem alphabetischen Verzeichnis der Rezensionen, bearbeitet von Emanuel W u r m. Ermeindewahlrn. In Aue(Erzgebirge) wurde die sozialdemokratische Liste ge- wählt. ES handelt sich um eine Komproinißliste, ans welcher sich zwei Sozialdemokraten befinden. Insgesamt sitzen nun vier Sozial- demokraten im Sladtverordnetenkollegium. Von weiteren Wahlen im Erzgebirge ist folgende? zu melden: In Eiben st o ck wurden zwei Sozialdemokraten, in M ü l s e n» St. NiklaS zwei Sozialdemokraten, in Weiß dach ein, in Wernsdorf ebenfalls ein und in Oberlungwitz zwei Sozial- demokraten geioählt, davon einer neu. Vom Fortschritt der Presse. 27 240 Marl haben die Genossen zu G ö r l i tz bis jetzt für die Druckerei gesaininelt. die sie zur Herstellung ihres Parteiorgans, der G ö r l i tz e r ,V o l k S jt i in>» e", errichten wollen._ Bon der spanischen Sozialdemokratie. Dieler Tage konnte die sozialistische Arbeiterschaft Madrids ihr eigenes Heim, das Volksha uö. eröffnen. DaS Gebäude. ehenials der Palast einer alten Aristokratenfainilie, winde von der Arbeiiergenossenichafl für 300000 Pesetas erstanden. Die gewerkschaftlichen und politischen Organisationen steuerten nach Maßgabe ihrer Kräfte dazu bei. Es gingen rund 450 000 Pesetas ein, doch »iiisien noch ungefähr 30 000 PeietaS gedeckt werden. Das Volks« hauS beherbergt 108 Organisationen mit 28 000 Mitgliedern. Im unteren Stock befindet sich ein gut eiiigerichleteS Restaurant, im oberen Stockwerk sind Bureaus; ferner sind eine Anzahl Konserenz» ziinmer und Säle vorhanden, die bis zu 600 Perionen fassen. Im Garten ist ein Theater eingerichtet, das 4000 Personen faßt. Anläßlich der Eröffnung wirft unser spanisches Bruderorgan „El Socialista" eine» Rückblick auf die bisherige Tätigkeit und die Erfolge der Partei in Spanien. Es sind keine großen, gewaltigen Zahlen, aber wenn man die besonderen politischen und Wirtschaft- liche» rückständigen Verbällnisse Spaniens bedenkt, so wird nian den Stolz und die Gemigtiilmg der spanischen Genossen vollkomine» be- greisen und sich mit ihnen freuen über die immerhin recht respektablen Erfolge ihrer Arbeit. In keinem Lande übt der Kleri- kaliSmiiS einen größeren Einfliiß a»f die ungebildete Masse au» als in Spanien; aus der anderen Seite erschivert die destrulrive Tätig- feit der Anarchisten die Arbeit. Dazu die ganze wirtschaftliche Rück- sländigkeit des Landes, die geringen Löhne und die Bedürfnislosigkeit der Bevölkerung. Wenn eS den Sozialisten trotzdem im Lause der Jahre gelang, allein in Madrid zirka 20000 Arbeiter gewersschaft» Literarische lich zu organtieren, to zeugt das von ihrem Eifer. Die wirtschaftPolizeiliches, Gerichtliches ufw. Methode der Prophezeiung. Bon K. Kautsky. Stautskys Logit. Eine liche Einsicht der Arbeiterschaft hat durch die Aufklärungsarbeit der Dem Bollsfreund", unferem aus Bontott und Sperren. Bon Nudolf Wissell( Lübeck). abermalige Burüdiveifung von Ed. Bernstein. Schadenersazansprüche Das lagende Kreisblättel. Sozialisten fich in erfreulicher Weise entwidelt; ihre Stellungnahme Braunschweiger Parteiorgan, hat das Wolfenbütteler Streisblatt Sundichau: H. Blenge, Die Finanzen der Großmächte. Bon M. N. gegen den Alkohol, gegen die Stiergefechte, ihr Eintreten für die einen eigenartigen Doppelprozeß angehängt: Durch einige Artife! Beitschriftenschau. Trennung von Schule und Kirche, für die Sonntagsruhe, die des Volksfreund" fühlte sich nicht nur der nationalliberale" Die Neue Zeit erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch. Bestrebungen auf Verkürzung der Arbeitszeit und Erhöhung der Streisblattredakteur, sondern auch zum Erstaunen des vorfizenden handlungen. Bostanstalten und Stolporteure zum Preise von 3,25 m. pro Löhne das alles find kulturelle Fortschritte, die das ganze Bolts: Oberamtsrichters fogar der Verleger des Blattes beleidigt. Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal leben zu heben vermögen. Bor 40 Jahren existierten in Madrid und beide verklagten unsere Genoffen Wefemeier und Nichard Wagner, die abonniert werden. Das einzelne Heft foitet 25 Pf. vier Organisationen, 1900 schon 60, und heute über 100. Der Probenummern ftehen jederzeit zur Berfügung. Socialista" hat also allen Grund, sich der geleisteten Arbeit und der Erfolge zu freuen. Sozialistisches aus Griechenland. Dem Streisblatt" wurden hahnes büchene bewußte unwahrheiten, die es der Sozialdemokratie nachs mit Gegenflagen antworteten. Von der Gleichheit", Beitschrift für die Intereffen der Arbeiterinnen gefagt hatte, sowie die Tatsache bewiesen, daß seine Medaktion( Stuttgart, Berlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. 5 des 19. Jahr обие materielle Unterlagen, auf bloße persönliche Ueber Stamps! Bon Luise Biek. ganges zugegangen. Sie hat folgenden Inhalt: Auf zur Arbeit, auf zum Die Reichsfinanz Reform". I. Bon H. B Athen, 5. Dezember. Hier erschien im vergangenen Monat die in die Welt fegt. Gegen dies und anderes dergleichen konnten schuß in der Stommission des Reichstages. II. Bon gh. zeugung" bin die tollsten Dinge gegen die Sozialdemokratie Epilog zu dem deutschen Epilog zu dem deutschen Courrières. Bon G. G. Der ArbeiterinnenDienstbotenzahl erste sozialistische Zeitung der Hauptstadt, die" Bukunft", die Herren vom Streisblatt nur formale Beleidigungen ins Feld und Dienstbotenlöhne. Bon ad. br. Zur Lage der weiblichen und die borläufig als Wochenschrift herausgegeben wird. Das erste Blatt führen. Schließlich kam ein Vergleich mit dem Genoffen Befemeier jugendlichen Arbeitskräfte in Baden. II. Bon Th. H. Herenglauben Griechenlands mit sozialistischer Tendenz ist der seit sechs zustande, Genosse Wagner dagegen soll das Vergnügen, das Kreis- und Hegenprozesse. Eine tulturhistorische Studie von Anna Blos.( FortMonaten in Volos erscheinende Arbeiter", der unter anderem blatt formal beleidigt zu haben, mit 50 M. büßen. Seine Wider- egung.) Ein aufgezwungener Waffengang. Aus der Bewegung: Bon der Agitation. Bon den Organisationen. Bon der sozialistischen auch das kommunistische Manifest in griechischer Ueberfegung ver- tlage wurde abgewiejen. Jugendbewegung in Nürnberg. Politische Rundschau. Von H. B. öffentlicht hat. Die„ Zukunft" bekennt sich ebenfalls zum Margismus, Gewerkschaftliche Rundschau. Der Zusammenschluß des Sattler- und Als Borläufer beider Blätter fann die Athener literarische WochenBortefeuillerverbandes. Arbeiter, Arbeiterfrauen, schüßt das Stoalitions. schrift„ Numa" gelten, die im vergangenen Winter als erstes Notizenteil: Dienstbotenfrage. Frauenftimmrecht.- Kellnerinnengriechisches Blatt sozialistischen Erörterungen ihre Spalten zur Vers Für unsere Mütter und Hausfrauen: Jugend und Freude. fügung stellte, ohne jedoch selbst für eine bestimmte Richtung einBon Cafar Flaifchlen. Bon Dr. Bopik.- Schülermißhandlungen. Bon G. Edstein. Feuilleton: Die Haut als Organ des menschlichen Stoffwechsels. autreten. Empor. Bon Ernst Preczang. Der Hoisel- Loisel. Von Ludwig Anzengruber.( Schluß.) " Die Zukunft" hat es sich zur Aufgabe gestellt, bie sozialistischen Jdeen dem griechischen Broletariat augänglich zu machen, das noch feine Vertretung im Parlament besigt. In Griechenland gibt es nur persönliche" Barteien ohne irgendwelche festen Grundfäße und Ziele. Mit ihren fleinlichen Zänkereien führen diese Parteien das Land immer mehr dem Ruin entgegen. Die Bukunft" gedenkt sich .daher nicht nur auf theoretische Erörterungen zu beschränken, sondern sobald es ihr die Umstände erlauben, auch praktisch für die Idee des Sozialismus zu wirken und durch Gründung einer sozialistischen Partei den jezigen unhaltbaren Zuständen ein Ende zu machen. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Freitag, 11. Dezember. Anfang 7, Uhr. Königliches Opernhaus. Sar danapal.( Anfang 8 Uhr.) Königliches Schauspielhaus. Auf Strafurlaub. Deutsches. Revolution in Sträh wintel. Rammerspiele. Der Arzt am Scheidewege. Anfang 8 Uhr. Hebbel. Thummelumsen. Anfang 8 Uhr. Leffing. Der Raub der Sabinerinnen. Berliner. Herodes und Mariamne. Neues Schauspielhaus. Geschlossen. Komische Oper. Zaza. Neues. Jsrael. Kleines. Moral. Residenz. Kümmere dich um Amelie. Schiller 0. allner Loeutel.) • Der Graf von Charolais. Schiller Charlottenburg. Bater und Sohn. Friedrich Wilhelmstädt. Schan # spielhans. Madame Bonivard. Weften. Der fidele Bauer. Thalia. Künstler blut. Luisen. Geschlossen. Bernhard Moie. Die Entgleisten. Wilhelm Theater. Die Schöpfung. Luitpieldaus. Die blaue Maus. Trianon. Die Liebe wacht. Neaes Overetten. Die Dollar prinzessin. Berliner Operetten Theater SW. Havana. Anfang 8 Uhr. Gastspiel Theater. Baza. Bürgerl. Schauspielhaus. Die Jüdin Anfang 81 Uhr. bon Toledo. Gebrüder Herrnfeld. Die beiden Bindelbands. Borher: Intern. Künstler- Teil Apollo. Mizi Gizi. Siegwart Gentes. Metropol. Donnerwetter los. tadel Wintergarten. Spezialitäten. Banage. Spezialitäten Kasino. Die Dianabäder. Spesta. litäten. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Jerusalem. Kleines Theater. Anfang 8 Uhr. Moral. Gastspiel- Theater Köpenicker Straße 68. 8%, Uhr: Gastspiel Hedwig Lange. Zaza. Sonntag 3: Die Weise aus Lowood. Hebbel- Theater Königgräßer Str. 57/58. Anf. 7%, Uhr Zum 1. Male: Thummelumsen. Jugendbewegung. Ein Lefezimmer für jugendliche Proletarier ist in Görlis eröffnet worden. Es befindet sich im hinteren Bimmer eines Restaurants und ist allabendlich geöffnet. Die Benugung ist selbst verständlich unentgeltlich. Eingegangene Druckschriften. Bon der Neuen Belt"( Stuttgart, Paul Singer) tft foeben das 11. eft des 27. Jahrgangs erschienen. Es hat folgenden Inhalt: Ein neues Dlmüß? Bilh. Dittmann( Frankfurt a. M.). Bur Reform der StrafprozeßZur Neugestaltung unserer Parteiorganisation. Von ordnung. Von Hugo Heinemann.( Fortsetzung.) Wo stehen wir? Ein Wort zur Berständigung von Mag Maurenbrecher. Die statistische Schiller- Theater. O.( Wallner- Theater.) Freitag, abends 8 U br: Der Graf von Charolais. Trauerspiel in 5 Aften von Richard Beer- Hofmann. Sonnabend, abends 8 Uhr: Vater und Sohn. Sonntag, am. 3 ubt: Der rote Leutnant. Sonntag, abends 8 Ubr: Die Zwillingsschwester. Schiller Theater Charlottenburg. Freitag, abends 8 Ubr: Vater und Sohn. Komödie in 3 Aflen von Gustav Esmann. Sonnabend. abends 8 Ubr: Die Braut von Messina. Sonntag. nadm. 3 Ubr: Götz von Berlichingen. Sonntag abends subc: Heimat. Zirkus Schumann. Heute Freitag, den 11. Dezember, abends präzise 7%, Uhr: Vorwiegend humoristisches Programm. Sämtliche Clowns und Auguste mit ihren neuesten urkomischen Entrees. Die großartigen Dezember- Spezialitäten und um 9, Uhr die aus den alten indischen Sagen bekannte Pracht bei weitem übertreffende Pantomime der Seeräuber und Golo, Madchenhandler, U. a.: Der glänzende Jagdzug des Maharadscha. Sonntag: 2 Galavorstellungen. In beiden Vorst.: Riesenprogramm. Nachm. I Kind frei. Residenz- Theater. Zirkus Busch. WINTER ARTEN Direttion: Richard Alexander. Täglich abends 8 Uhr: Kümmere Dich um Amelie". Schwank in drei Aften( vier Bildern) bon Georges Feydeau. Morgen u. folgende Tage: Kümmere Dich um Amelie. Sonntag, 13 Dez., nachm. 3 Uhr: Ganz der Papa. Neues Operetten- Theater. Schiffbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Abends 8 Uhr: Die Dollarprinzessin. Operette in 3 Alien von Leo Fall. Luisen- Theater. Abends 8 Uhr: Wegen Borbereitung geschlossen. Sonnabend nahm. 4 Uhr Kinder borstellung: Lügenmäulchen und Wahrheitsmündchen. Abends 8 Uhr: Die Ehre. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Chre. Abends Premiere: Die Kinder des Reichsballen. Stettiner Sånger. Kapitän Grant. Walhalla. Svezialitäten. Folies Caprice. Die lästige Bitwe. Freitag, den 11. Dezember, abends präz. 72 Uhr: Um Zizi Bamboula! Das vielumstrittene Natur: wunder aus Paris. John Higgins. Champion im Hoch- u. Weitsprung. Reu! Inas- Truppe. Reu! Fräul Martha Mohnle, Schulreiterin. Gigerlclown Uli. Daniels, der Urkomische. Herr Ernst Schu mann, Meisterdresſuren. Four ceaug und Manetti, Reitlünstler. Um 9%, ca.: Barbarossa!! Walhalla WINTERGARTEN OoRtting Senorita Florido, span. Tänzerin. Camille- Trio, kom. Reckturner. Kara, Meisterjongl. Mile. Jonia mit ihren dress. Bären. Kaufmanns 12 ladys cycle troupe. 3 Gebr. Wille, Hand- u. Kopf- Equilibrist. Dr. Angelos lebend. Porzell. Dorothy Kenton, amer. BanjoVirtuosin. Paul Conchas, Armee- Herkules. Madelaine de Noce, französ. Sängerin. Der Biograph. 6.30 200 SSP 669 ENTREE M.1 RESERV. PLATZ M23 recht. elend. Für unsere Stinder: Herbstlied. Von Friedrich v. Sallet.( Gedicht.) Bas die Uhrengeister erzählen. Bon B. D. Es war einmal ein König. Die Stopluabel. Wiäichen von Andersen. Aus Goethes Faust".( Gedicht.) Durch den Herbstwald. Bon Brand. Das frante Käßchen. Bon Gustav Falle.( Gedicht.) " Die Gleichheit erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 f., durch die Poft bezogen beträgt der Abonnementspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 f., unter Streuzband 85 Pf. Jahresabonnemen 2,60 M. Gegründet 1894 einschliessl. Garderobe. Programm Varieté- Theater Weinbergsweg 19/20, Rosenth. Tor. Anfang 8 Uhr: Das neue großartige Montag: Die Kinder des Kapitän : The Maher be a Dejember Sprinitate: Die Brautschau. Grant. Gustav Behrens. Der Obersteiger. Spezialitäten. Carl Saverland. Spezialitäten. Parodie. Die Bauberflöte. 2X2= 7. Berlin 8 Uhr. ſteht Stopp. Anfang Urania. Taubenstraße 48/19. Abends 8 Uhr: Jerusalem. Sternwarte, Invalident. 67/62. DERNHARD ROSE THEATED Br. Frankfurter Str. 132. Abends 8 Uhr: Die Entgleisten. Bochentagspreise. Programm. Jm Tunnel Regimentstapellen 2c. Theaterbeucher hab. freien Eintritt. Bürgerliches Schauspielhaus Rastanien- Allee 7-9. Zum erstenmal: a WeihnachtsAusverkauf Teppiche Saal- Teppiche Plüsch 90, 68, 50M. Salon- Teppiche Smyrna- Velvet 65, 45, Axminster 50, 35, 39M. Speisezimmer- Teppiche 25M. Herrenzimmer- Teppiche 15M. sehr haltbar 30, 20, Echte Perser Teppiche 1850 Diwangrösse 33, 22, u. Tapestry, 20, 15.75, Farben 19.75, 11.50, 750 Sofa- Teppiche, Velours Erker- Teppiche, schöne 450 Bett- Teppiche 5, 3.15, 255 Portieren Velvet- Garnitur, reich mit Applikation 18, 15.75, 12.75, Tizian- Plüsch- Portieren gestickt, 2 Schals u. 1050 I Lambrequin 17.25, 13.50, 9M. Franzosen- Tuch, reich m. Wien Posam, komp. 21M. Dekor. 40, 33, 30, Walk- Tuch, schöne Dess. m. Stickerei, 2 Schals und 1 Lambrequin 9.50, 8, 6.50, 585 Ausserdem grosse Posten zurückgesetzter Steppdecken, Gardinen, Diwandecken sowie vorjährige Muster in Stores, Tischdecken, Läuferstoffen; einzelne prima Felle, wollene Schlaf- und Reisedecken jetzt vor Weihnachten zu wirklich fabelhaft biiligen Preisen. 10 Teppich- Haus B. Hurwitz vis- a- vis dem Rotes Schloß, An der Stechbahn 1-2, National- Denkmal, Parterre und I. Etage. ea. 430 qm grosser Teppichsaal. Feste Preise POLLO Stadt- Theater Moabit. Metropol- Theater pollo Theater Abends 8 Uhr: 48. Größter und vornehmster Theaterfaal Moabits. Sonntag, den 13. Dezember: Täglich 8 Uhr Donnerwetter- tadellos! Revue in 10 Bildern v. Jul. Freund. Eine luftige Spreefahrt. Der lustige Witwer. Musik von Paul Lincke. Regie Mufit von Paul Lincke. 9,85 Mizi Gizi Schwank in 3 Atten von Fischer und Jarno. Die Jüdin von Toledo. 1our: Brothers Schenk Anf. d. Borst. 7, Kaffenöffnung 6 Uhr. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Frau Trauerspiel in 5 Aften v. Grillparzer. Holle. Neues Theater. Rixdorfer Theater Anfang 8 Uhr. Israel. Morgen und folgende Tage: Jsrael. Bergstraße 147. Sonntag, den 13. Dezember 1908: 6. und legtes Gastspiel des Neuen Berliner Operetten- Eulembles: Ermäßigte Preise. Die Dollarprinzessin. Berliner Theater. Operette in breitten von Leo Fall. Heute 8 Uhr: Herodes and Mariamne. Morgen: Herodes und Mariamne. Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Der fidele Bauer. Mittw., Sonnab. 4 Uhr: Dornröschen. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Frettag, 11. Dezember, Anf. 8 Uhr: Madame Bonivard. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Aschen Brödel. Abends 8 Uhr: Madame Bonivard. Sonntag nachm. 3 Uhr: Kriem hilds Rache. Anfang 7 Uhr. Passage- Theater. Jeden Abend 8 Uhr: Bozena Bradsky und das großartige Dezember- Programm. Anfang 8, Ubr. 10, Siegw. Gentes Sonntag 3 Uhr: Der Glöckner von u. bie übrigen Dezember- Attraktionen. Notre- Dame. Abends: Ausgewiesen. I Sonnabend 3%, Uhr: Fran Solle. Konzert 6 Uhr. Nach der Borstellung: Ball. Direktor Schultz. Sonntag, 13. Dezember, nachm. 3 Uhr: Durchlaucht Radieschen. W. Noacks Theater Montag, den 14. Dezember: Soiree Direttion: Rob. Dill. Brimenitr. 16. der Lustigen Sänger. Soiree vor Weihnachten. Sozialdemokratischer Verein im 5. Berliner Wahlkreise. Sonntag, den 13. Dezember, 5%, Uhr nachm., in den Unions- Sälen, Greifswalder Straße 222: Lichtbilder- Vortrag des Herrn Professor Archenhold: Werden und Vergehen im Weltenraum. Hieran schließend: Geselliges Beisammensein und Tanz. Doppelbilletts für 2 Personen zum Preise von 80 Pr.( 40 Pr. für Jede Person) in den Partei- Speditionen von Zucht, Immanuelkirchstr. 12 und Hahnisch, Auguststr. 50 sowie bei allen Bezirks- und Abtellungsführern des Kreises. Wir erwarten die Beteiligung aller Mitglieder. Gäste erwünscht. Garderobe frei. 221/ 15* Der Vorstand. Leste Ein Tag vor Weihnachten. Charaktergemälde a. d. Bürgerleben. Anfang 8 Uhr Entree 30 Bf. Sonnabend: Große Extra Vor stellung: Die Schule der Liebe. Weihnachts- Boltsstüd mit Gesang. Königstadt- Kasino. Holzmarfiltr. 72. Gänzlich neues Programm!!!! Franz Sobanskl. Les Mandros, Gebr. Weiß, E. Charton, Grete Reimann, Mstr. Rex, Mstr. Giron. Leute von heute. Berl. Lebensbild mit Bejang in 1 Art. Mittw., Sonnab., Sonnt., n.d.B.: Tanz. 16. Dezemb. beg. d. Weihnachtsvorstilg. Passage- Panoptikum. Lebend! Ohne Exira- Eutree! Lebend! Das Bärenweib. Neapolitanische Briganten Panophon- Vorträge: Alexander Girardi, Otto Reutter, Caruso eto. Alles ohne Extra- Entree! Eintritt 50 Pf. Rinder, Soldaten 25 Pf. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Die blaue Mans. Brunnen- Theater Gebrüder Badstraße 58. Direftton: Willi Voigt. Freitag, den 11. Dezember 1908: Herrnfeld- Kabale und Liebe. Vorverk. Anfang Theater. 11-2 Uhr. 8 Uhr. 57 Kommandantenstr. 57. Trauerspiel in 5 Alten von Friedrich v. Schiller. Ein Erfolg, wie ihn Casino- Theater die Herrnfeld- Bühne bisher nie erreicht! Die beiden Bindelbands. Vorher: Vollständig neuer Künstler- Teil: Lona Heggi.- Mirzl v. Wenzl. Original Lindström- Terzett. Les Rhyants. 5 Hardinis. Kottbuser Sanssouci, Straße 6. Direttion Wilhelm Reimer. Montag, Donnerstag. Sonntag: Hoffmanns Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. 8 Ubr: Corradini usw. usw Das weltberühmte Bergère- Quartett. 9 Uhr: Jubelnder Lacherfolg! ,, Die Dianabäder". Sonntag 4 Uhr: Die fidele Kiste. Geffentliche politische Versammlungen. Sonntag, den 13. Dezember, abends 6 Uhr: Geffentl. politische Versammlung bei Bernhard Raabe, Rolberger Straße 23. Zagesordnung: ,, Sollen die Armen noch mehr Stenern zahlen?" Referent: Genoffe 11. Müller( Parteivorstand). Bu zahlreichem Besuch ladet ein Nach Der Einberufer. 3. A.: E. Ernst, Wöhlertstr. 9. Folies Caprice ad ber Bersammlung: Gemütl. Beisammensein mit Tanz. Linienftr. 132, an der Friedrichstraße. Heute Premiere Servus Pschesina! Bunter Teil. Ein lediger Ehemann. Anjung 8 Uhr. Horideutsch. Sänger Palast- Theater und Tanzkränzchen. Einakter, Ensembleszenen. Altuelle Vorträge in Bort und Lied usw. Beg. Sonnt. 5, wochent. 8 U. Reichshallen- Theater Burgstraße 24, 2 Minuten vom Bahnhof Börse. Täglich 8 Uhr: Der einzig dastehende Dezember- Spielplan! 11. a.: Dolorita, die schöne Spanierin. Jstvan Béliks, Sturz aus der sechsten Etage. Clerson and Georgi, Boltigeure. Zentralverband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. Freitag, den 11. Dezember 1908, abends 8 Uhr, im Lokale ,, Sanssouci", Kottbuser Straße 6: Außerordentliche Generalversammlung. Zages Drdnung: Stettiner Sänger. La belle Florentine, lebende Silber. richterstattung über die neuen Verhandlungen mit den Unternehmern. Zum Schluß neu: Der Kompagnie- Ball Militärische Humoreste bon Meysel. Anfang wochentags 8 Uhr, Sonni. 711. Gustav Werthers Leiden, Burleske von Schmidt- Hawkins, und 10 Attraktionen. Familienlaiten, wochentags halbe Breise, überall gratis! 1. Die Aussperrung in der Givsbranche durch den Berliner Betonberein" und Be2. Distusfion. 3. Berschiedenes. 140/10 Mitgliedsbuch refp. Streit- und Legitimationstarte legitimiert. Ohne diefe kein Zutritt. Das Erscheinen aller Kollegen der Gips- und Zementbranche ist der wichtigen Tagesordnung Der Sektionsvorstand. wegen bringend erforderlich. Sozialdemokrat. Wahlverein für den 4. Berliner Reichstagswahlkreis. Stralauer Viertel. Bezirk 338 II. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unter Genosse, der Tischler Gustav Bell ( Am Ostbahnhof 15) geftorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 11. Dezember, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause aus nach dem Andreas- Kirchhof in Wilhelmsberg statt. Um rege Beteiligung ersucht 223/7 Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht daß unser Kollege, der Tischler Gustav Bell am 8. Dezember gestorben f Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, nachmittags 3 Uhr, bom Trauerhause aus, Am Ditbahnboj 15, nach dem Andreas- Kirch hof in Wilhelmsberg statt. Um rege Beteiligung erlucht Die Ortsverwaltung. 95/3 Nachruf. Am Freitag, den 4. Dezember, ift nach furzem Leiden unser treues Mitglied Herr Paul Jendrzeick vom Zode aus unseren Reihen abgerufen worden. Wir werden dem braven Verfechter unseres deals ein dauerndes Gedenten wahren. Rigdori, den 10. Dezember 1908 Rixdorfer Baugenossenschaft ,, Ideal", e. G. m. b. H. W. König. Adolf Heller. Willy Kind. Deutscher Holzarbeiter- Verhand. Deutscher Metallarbeiter- Verband. A Heute Freitag, abends 81, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engeluser 15: Arbeitenachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Behrens- Sitzung der Ortsverwaltung. Theater. Goltzstr. 9. Der Obersteiger oder: Bergmanns Freud und Leid. Charakterbild aus der Neuzeit. Friedel, Obersteiger: Dir. G. Behrens. Mr. Henry: Das Wunder der Hunde- Dressur. Außerdem das Elite- Dezember- Programm. Anjang 8 Uhr. Sonntags 6 Uhr. Berliner Eis- Palast Ständige Eisbahn Bis 1 Uhr nachts geöffnet. Großes Konzert. Abends Auftreten erster Eiskunstläufer und läuferinnen. Morgen bis 52 Uhr: Populärer Tag. Eintritt 50 u. 30 Pf. Sorgenlose Stunden bereitet meine Probekiste Sie enthält in vorzüglichster Güte: 1 Fl. Kognak V. 99 99 Malaga J. Rum V. u. kostet franko_gegen Nachnahme 6 M. 75. Max Sulzberger, Wiesbaden. Gegr. 1890. Hüte 77b* in allen Preislagen. an der R.Weidner, Hutmacher, Dresdenerst.100, Prinzenstr. Reeller billiger Monatsgarder oben und wie sind meine im Preise zurückgesetzten HerrenAnzüge Paletots, sonstiger Maßpreis 40-60, jetzt 15-36 Mark. Adolf Raitzig, Grüner Weg 90, Ecke Andreasplatz. Christliches Geschäft Grand- Hotel- Festsåle Am Alexanderplatz. 8. Jehmlich. Jeden Sonntag und Dienstag:[ 2161b+ Hamburger Sänger. 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Dezember, vormittags 10 Uhr: Versammlung aller in den Schleifereien und Galvanischen Anstalten Für die innige Teilnahme und vielen Kranzspenden bei der Beerdi gung meines unvergeßlichen, lieben Mannes und guten Baters fagen wir allen Verwandten, Freunden und und Bekannten, insbesondere den bem Gefangverein Rote Rofe", ben Genossen des sechsten Wahlkreises, Kollegen der Firma Drenstein u. Koppel, dem Metallarbetter- Berbande, Bahlstelle Nowawes, unseren herzlich ften Dant. 1175 Emma Dreher geb. Eichler. Walter Dreher. ArbeiterRadfahrerBund „ Freiheit". Sonnabend, den 12. Dezember: Außerordentliche Kreis- Generalversammlung des 1. Kreises in den Fortuna- Sälen", Straus berger Straße 8. Tagesordnung: Beschlußfaffung über die strafrechtliche Berfolgung des im 3. Bezirk unseres Kreises gegen uns verbreiteten Flug blattes. Jedes Mitglied muß anwesend sein. Bundes- Mitgliedsbuch oder Abzeichen beschäftigten Kollegen und Kolleginnen bilgicbabu am len ten im Englischen Garten, Alexanderstr. 27c. Sages Drbnung: 1. Bortrag des Genossen A. Störmer über: Der Kampf um Menschenrechte. 2. Diskussion. 3. Erfahwahl zur Kommission für die Galvaniseure. 4. Verbandsangelegenheiten. Sonntag, den 13. Dezember, abends 5 Uhr: 9/3 Legitimiert. Die Kreisleitung. Aufruf! Herr Schmidt, welcher im Jahre 1900 bei dem Taschenschirmfabrikanten Bezirks- Versammlung Hugo Haegermann im Lokal ,, Neichenberger Hof", Reichenberger Str. 147. Tages Drbnung: 1. Bortrag des Kollegen A. Wuschid über: Kirche und Arbeiter. bewegung. 2. Distusfion. Die Ortsverwaltung. 8ahlreichen Besuch erwartet Nach der Versammlung gemütliches Beisammensein und Tanz. Garderobe iuflusive Tanz 25 Bf. Sonntag, den 13. Dezember, vormittags 10 Uhr: Versammlung aller im Deutschen Metallarbeiter- Verband, Ausnahme- Preise upferschmiede- Verband und SchmiedePerband organisierten Rohrleger und neu eingetroffener Modelle. Seidenplüsch- Paletots und-Jacketts in größter Auswahl von 20-67 M. ( Wert bis 150 M.) Straßen- Kostüme für 21-52 M. ( Wert das Doppelte.) Besondere Gelegenheit: Eleganteste Abendmäntel und Capes in allen Farben von 12-38 M. 1 Boften elegante Winterpaletots. 1 Boften eleg. Röcke, tadellos fizend, fowie Jacken enorm billig. das Allerneueste, von 10-26 M. Damenkonfektion Seydelstr. 2 1 Treppe, am Spittelmarkt. Helfer Berlins und Umgegend in Kellers Neue Philharmonie, Köpenicker Str. 96/97. Zages Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Brückner. 2. Diskussion. 3. Bericht über die Verhandlungen mit den Arbeitgebern. Mit Rücksicht auf die Wichtigkeit der Tagesordnung ersuchen wir bie tollegen zahlreich und pünktlich in dieser Bersammlung zu erscheinen. Da es für jeden einzelnen notwendig ist, zu wissen welche Stellungnahme wegen der Tarifangelegenheit die Arbeitgeber uns gegenüber einnehmen, ist es um so mehr Pflicht jedes Kollegen, für einen guten Bersammlungsbesuch zu agitieren. Mitgliedsbuch legitimiert! Dentseher Metallarbeiter- Verband. Ortsverw. Berlin. Verband der Kupferschmiede. Filiale Bertin. Zentral- Verband der Schmiede. Zahlstelle Berlin. Berlin, Alte Jalobftraße 108, Werkführer war, wird gebeten, sich in wichtiger Angelegenheit zu melden. Max Cochins, Alexandrinenstraße 35. barlottenburg F.Kunstmann Wallstr.1 Moderne Uhren u.Goldwaren Enorm billig einzig!!! ist unser Angebot für Herren jeden Standes!!! Päglich Sonntag verkaufen ans feinsten Maßstoten vornehmst gefertigte HerrenAnzüge Paletots deren sonstiger Maßpreis 40-70 M. ist. Jetzt 18-88 M., Gehrockanzüge jetzt 21-40 M. Herren Hosen jetzt 7-12 M. Deutsches Versandhaus, Jagerstr. 63. 1 Treppe. Firma Hausnummer achten. Berantwortlicher Rebatteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Tb. Glode, Berlin. Drudu. Berlag: Vorwärts Buchdruderei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Br. 290. 25. Jahrgang. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Freitag, 1. Dezember 1908. Partei- Angelegenheiten. den bekannten Stellen prompt erledigt werden muß. Der Vorstand. Wilmersdorf- Halenfee. Heute, Freitag, abends 8 Uhr, findet von allen Bezirkslokalen eine Flugblattverbreitung statt. Alt- Glienicke. Sonnabend, den 12. Dezember, abends 8 Uhr, findet im Lokale Troppens, Rudower Straße 58, eine Mitgliederversammlung des Wablvereins statt. Tagesordnung: 1. Bortrag über das Erfurter Programm. Referent: Genosse Karl Rühle. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Vereins angelegenheiten und Verschiedenes. Der Vorstand. Neuenhagen und Umgegend. Für Neuenhagen findet im Lokal von Wünsche am Sonnabend, den 12. d. M., abends 8 Uhr, ein Bahlabend statt, welcher sich mit der bevorstehenden Erjazwahl eines Gemeindevertreters befassen wird. Am Sonntag, den 13. d. M., früh 8 Uhr: Flugblattberbreitung im ganzen Bezirk. Ausgabe des Materials. bei den Bezirksführern, für Fredersdorf- Petershagen im Lokal von May Girke. Maulaff'? Hungerlöhne...? Aber hast recht, mein Die Warnungstafeln im Grunewald, die vielfach wegen ihrer Jüngchen, schnall dir den Hosenbund enger! Nächstens Unsichtbarkeit der Amtstasse des Amtsbezirks Grunewald- Forst gibt's Rieselsteine... statt Brot. Seht zu, ihr Rangen, daß schon eine beträchtliche Summe von Strafgeldern, die das Erholung Bur Lokallifte. In Adlershof steht uns das Lokal Kaiser- ihr nicht verhungert seid, bis ich wiederkomme. Ein Jahr ist suchende Publikum hat zahlen müssen, eingebracht haben, sind seit Wilhelm Garten", Kaiser- Wilhelm- Str. 29, Jnh. 2o ether, lang... und ein Viergroschenbrot ist heute verdammt längerer Zeit Gegenstand lebhafter Grörterung gewesen. Von zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung. furz!" einem Juristen wird dem Berl. Tagebl." zu diefer Angelegenheit Wieder lachte er, schrill und gellend, der Weihnachts- Grunewald vom 31. Juli 1906 ist das Betreten des Ererzierplates Die Lokalfommission. gefchrieben: Nach der Polizeiverordnung des Amtsvorstehers bon Schöneberg. Am Montag, den 14. d. M., abends 8 Uhr, findet mann, indes die Kinder der Armut nach allen Seiten im Grunewald, ferner das Reiten, Karren, Viehtreiben, die Bein der„ Schloßbrauerei", Hauptstr. 112, eine Wolksversammlung statt. mit ihrem Weihnachtsfram auseinanderstoben. Langsam schädigung der Plazoberfläche dur Graben von Löchern, die VerDer Landtagsabgeordnete Genosse Adolf Hoffmann spricht über schlenderte er mit seinem Bündel durch die hellerleuchteten unreinigung, das Abladen von Gegenständen usw. berboten. das Thema: eraus aus der Landeskirche". Ferner Großstadtstraßen, besah sich in den Schaufenstern den un- Eine solche Polizeiberordnung ist nach den weifen wir auf die Flugblattverteilung hin, die am Sonntag von geheuren Lurus, der in seinem Herzen keinen Widerklang fand.ulässig, da die Polizei zum Erlaß von Verordnungen gemäßz Gntsheidungen der obersten Gerichtshöfe un. Oder doch.. er flang wieder, aber im nüchternen Ver- 6 des Gefeßes vom 11. März 1850 nur insoweit befugt ist, als dte stande. Da lagen ungezählte Hunderttausende aufgespeichert betreffende Materie nicht durch Reichs- oder Landesgesetzgebung be in glänzender, gleißender toter Ware. Da werden in diesen reits erschöpfend geregelt ist. Bezüglich der in der obigen Polizet. Weihnachtstagen wieder Hunderttausende verschwendet und verordnung erwähnten Punkte hat aber sowohl die Reichsgesetzbergeudet, um die Launen des Reichtums zu befriedigen. Und gebung( vergleiche Strafgesetzbuch§ 368 3iffer 9) wie die Landesdas Volk schreit nach Arbeit, nach Brot... Dort vor den gefeßgebung( vergleiche§§ 9, 10, 26, 28 3iffer 3 des preußischen prachtstrogenden Auslagen stehen die beiden Kinder des Arbeiters Feld- und Forstpolizeigesetes) bereits eingehende Bestimmungen und starren mit brennendem Antlig auf all den Glanz, der getroffen, so daß für eine Regelung der Materie durch Polizeiihnen so nahe und doch so unerreichbar ist. Klein- Gretel demnach unzulässig und rechtsungültig. Aehnliche, das Tempel verordnungen kein Raum bleibt. Derartige Verordnungen sind möchte bloß mal eine einzige halbe Stunde lang die große Hofer Feld betreffende Polizeiverordnungen find demgemäß auch Puppe haben, die soviel Geld fostet, wie ihr lieber Vater in bereits durch Entscheidungen Berliner Gerichte für ungültig ereiner ganzen Woche nicht verdient. Und dem Hans, ihrem klärt worden. Allen Personen, die seitens des Amtsvorstehers neuen Bruder, wünscht sie für einen ganzen Abend die große von Grunewald Strafverfügungen auf Grund der PolizeiverordHolzburg mit den vielen Soldaten. Aber der gibt sich einen nung vom 31. Juli 1906 erhalten haben, kann demnach nur geraten Ruck und schüttelt energisch den Kopf.„ Nee, Frete, laß man, werben, im Wege gerichtlicher Entscheiduna die Gültigkeit dieser det macht mir jetzt doch keene Freude mehr, wenn id daran Berordnung anzufechten. denke, wie Vater und Mutter sich schinden und schuften Nieder- Schönhausen. Sonntag, den 13. Dezember, früh 8 Uhr, müssen und wie wir et doch zu nischt bringen. Weeßte noch, Um bie Schulaufsicht, findet von den Bezirkslokalen aus eine Flugblattverbreitung ftatt.wie wir vorigte Woche mal eenen janzen Dag nischt zu Stadtschulrat Dr. Fischer zur Kenntnis der Mitglieder, daß seiner In der gestrigen Sißung der städtischen Schulbeputation brachte Des weiteren wird darauf hingewiesen, daß die im Jugend- effen hatten? Na siehste, und Vater hatte doch Arbeit. Aber zeit bei den Verhandlungen über die Gestaltung der staatlichen Schulschriftenverzeichnis aufgeführten Bücher sämtlich durch den Borsitzenden, Genossen E. Hellrich, Waldowstr. 28b, bestellt jelangt hat's zum Sonnabend doch nich. Was nußen mir aufsicht in Berlin zwischen den Kommissaren des Unterrichtswerden können und für schnellste Lieferung Sorge getragen die Burg und die Soldaten, wenn wir hungern und nischt ministers und des Magistrats von Berlin, von letterem der Wunsch ist. Die Parteigenossen werden ersucht, regen Gebrauch von dieser zu essen haben! Und wat mukt mir det Marzipan und der ausgesprochen sei, daß die staatliche Schulaufsicht der Schuldepu Neueinrichtung zu machen. Der Wahlvereinsvorstand. Pfefferkuchen hinter de Flasscheibe? Det is bloß wat for die tation in Berlin, und wenn dies nicht anginge, dem dortigen StadtWannsee. Sonnabend, den 12. d. M., findet die Mitgliederδα Und drohend ballt sich die fleine Faust. Nee, bei den Verhandlungen von den Vertretern des Kultusministers schulrat für das Volksschulwesen übertragen werde. Beides wäre versammlung des Wahlvereins bei Philipp, Königstr. 40, abends Fretel, laß man, mir is' ne jroße Schmalzstulle in de Hand als nicht zulässig bezeichnet. Jetzt stelle sich heraus, daß in Elbing, 8 Uhr, statt. Gäste willkommen. Der Vorstand. ville lieber." Frankfurt a. M. die staatliche Schulaufsicht durch die Schuldepu Schilbow- Blankenfelde( Bezirk Nieder- Schönhausen). Am Sonntag, Hihihi... lacht es hinter den beiden, daß sie erschreckt tation und in Breslau durch den Stadtschulrat ausgeübt werde. den 18. Dezember 1908, nachmittags 3 Uhr, findet in Mönchsmühle zusammenfahren. Sacht legen sich die rungligen Hände des Weshalb eine Einrichtung in Berlin nicht möglich sein solle, die in im Lokale des Herrn Knappe" Zur historischen Mönchsmühle" die Weihnachtsmannes auf die schmalen Schultern der Kinder, anderen Städten möglich und ausführbar sei, sei ganz unverständ Wahlvereinsversammlung statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des fanft zieht er sie mit sich fort aus dem Gewühl, weit fort aus lich. Ein Zeichen von Wohlwollen der Regierung Berlin gegenüber Genossen Otto Vesper- Schönhausen:" Die politische Lage in Deutsch dem verführerischen Glanz. Und dann zeigt er ihnen seinen tönne in den Tatsachen nicht erblickt werden.- Und da gibt es noch land". 2. Disfuffion. 8. Verschiedenes. Treffpunkt der Schönhauser Rucksack, läßt sie tief, tief hineingreifen, bis die kleinen Hände nichts Leute, die von Selbstverwaltung reden. Genossen Punkt 2, Uhr bei Bratvogel, Nordend. Der Vorstand. mehr aufnehmen fönnen. Spielsachen hatte er nicht drin, der Mit den Berliner Gewerbegerichtswahlen beschäftigte sich dieser Bezirk Waidmannsluft. Sonntag, den 13. Dezember, vorm. Weihnachtsmann der Armut, nur Brot, köstliches Brot.... Tage eine Versammlung des Allgemeinen Deutschen Metallarbeiter19 Uhr: Flugblattverbreitung. Treffpunkt in Borsigwalde bei Wenn die beiden Kinder am Weihnachtsmorgen erwachen, verbandes, in der Wiesenthal referierte. Er suchte darzulegen, daß A. Reuter, in Wittenau bei A. Schulze, in Waidmannsluft im sehen sie vor sich vielleicht doch ihren duftigen Weihnachts- es noch ein Erfolg sei, wenn die Wiesenthaler einen Beifißer erSchweizerhause, in Hermsdorf im Forsthause und in Glienicke bei baum. Auch ein paar Spielsachen liegen wohl darunter, die halten hätten, weil zahlreiche Mitglieder in Innungsbetrieben beH. Schulz, Hauptstraße. der Weihnachtsmann in letter Stunde gebracht hat. Aber schäftigt seien, die nicht dem Gewerbegericht unterständen und somit übrig. Da drüben, wo sie fast mühelos auf den Höhen des für alle die Hunderttausende der Armut hat er diesmal nichts auch nicht wahlberechtigt seien. Wiesenthal verstieg sich neben dem Lebens wandeln, wiffen sie nicht, was sie mit ihrem Ueber fluß und in ihrem Uebermut anfangen sollen. Und hier im Reiche der Armut müssen selbst noch am Feste der Liebe" Tausende von Kindern und Erwachsenen das Notwendigste entbehren.... Außerordentliche Generalversammlung. Auf der Tagesordnung steht Sonntag nachm. 14 Uhr im Schweizerhause in Waidmannsluft: u. a.: Neueinteilung des Bezirks". Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Rönigs- Wusterhausen und Umgegend. Die Genoffen werden auf die am Sonntag, den 18. Dezember, nachmittags 3 Uhr, im Lokal des Herrn Ballmüller( Lindenhof) in Nieder- Lehme stattfindende Wahlvereinsversammlung aufmerksam gemacht. Die Tagesordnung und der Referent werden in der Versammlung bekanntgegeben. Der Vorstand. Berliner Nachrichten. " Baterland und Religion bedroht! verbandes und dem Terrorismus auch zu einer Denunziation, indem er behauptete, es hätten Tausende von freien Gewerkschaftlern gewählt, die gar nicht wahlberechtigt seien. An diese unverschämte Denunziation fnüpfte er die Forderung, daß in Zukunft auch zu den Wahlen der Arbeitnehmer zum Gewerbegericht Wähler. listen aufgestellt werden müßten, eine Forderung, die in der Dis fussion auch von Hirsch- Dunkerschen unterstützt wurde. In einer Resolution wird das sogar vom Magiftrat gefordert und eine So jammert die„ Bost" steinerweichend in einem Aufruf, der Berlin beauftragt. Das war ganz unnötig, denn die Aufstellung Kommission zur Vertretung der Forderung beim Magistrat von auf die fürchterliche Gefahr hinweist, die dem deutschen Vaterlande bon Wählerlisten für die Arbeitnehmerwahlen zum Gewerbegericht droht, nämlich durch die freie Jugendorganisation. Der frisch hat schon der Führer der Hirsch- Dunterschen, der Stadtverordnete fröhliche Aufschwung, den die freie Jugendbewegung in den legten Carl Goldschmidt, in der Stadtverordnetenversammlung bereits Jahren genommen hat, hat allen Stützen des Baterlandes vom vertreten, vorläufig allerdings mit negativem Erfolg. Unsere Der Weihnachtsmann der Armut. Schlage der Bostmänner" einen heillosen Shred in die teutichen" Barteigenossen müffen eine solche Forderung bekämpfen, weil ste Ein wunderlicher Heiliger ist er geworden, oder richtiger Knochen gejagt. Ein Sammelhaus" für die Jugend foll nun er eine Einschränkung des Wahlrechts der Arbeiter bedeutet. Werden -die modernen Menschen mit ihren hochgeschraubten An- richtet werden und ein prächtig geeignetes" Grundstück ist Wählerlisten aufgestellt, so sind nur wählbar diejenigen, die zur sprüchen haben ihn dazu gemacht. Längst sind die Zeiten schon gefunden unter günstigen Bedingungen", es fehlen zum Beit der Aufstellung hier arbeiten oder hier wohnen. Diese vorüber, als der Weihnachtsmarkt, die Freude des unteren Laufend könnten die„ Entscheidung herbeiführen. Einige lumpige Liſten müſſen natürlich eine ganze Zeit vor dem Wahltermin aufVolksstandes und die Hoffnung so manchen fleinen Geschäfts- Vaterland, du bist verloren, wenn die fehlenden tausend Mark fichtigen, die nach der Aufstellung hier in Arbeit treten oder Wohgestellt werden und können naturgemäß nicht die Arbeiter berückmannes, durch das Machtwort eines Erdengroßen aus dem nicht zusammenkommen! Berliner Leben hinweggefegt wurde. Man hat den ge Wie fläglich wirkt doch dieser Jammerschrei bei einem Blatte diese Bahl durchaus keine geringe. Und alle diese Leute werden nung nehmen. Bei der Fluktuation unter den Arbeitern ist aber bieterischen Federstrich noch nicht vergessen. Noch lange trägt wie die Bost", das für seine goldstroßenden Hintermänner sich von der Wahl ausgeschlossen, wenn die Goldschmidt- Wiesenthalsche es das Volk im Herzen nach, daß ihm selbst zu Weihnachten, fchon längst des letzten Restes von Ansehen, Wahrheit und Ehre Forderung auf Aufstellung von Wählerlisten für die Arbeitnehmerzum sogenannten Feste der Liebe", eine der unschuldigsten entblößt hat. Bielleicht wendet sich die" Post" einmal vertrauens- wahlen erfüllt würde. Die Leute spotten ihrer selbst und wissen Freuden geraubt wurde. Jm felben Augenblic nahm noch 70 Mart aus dem Korruptionsfonds der politischen Polizei, die voll an den Vorstand der freien Jugendorganisation, dort harren nicht wie. auch der Weihnachtsmann ein anderes Gesicht an. der gesinnungsverwandte William Springer zu beliebiger Ver- Eine kleine Paschawirtschaft eigener Art führte der Kutscher Er packte feine Dreierschäfchen und haarigen Männer, wendung hinterlassen hat, der Abholung. Hugo Jaed, der in der Eylauer Straße in Schlafstelle wohnte. seine Knarren und Waldteufel ganz zu unterst in den tiefen Jaed unterhielt ein Verhältnis mit einer Martha Kleinte aus der " Unternehmen ans Licht und die Pafchawirtschaft in der Müllerstraße die Kleinte gestern festgenommen wurde. Jezt kam das ganze die Kleinte gestern festgenommen wurde. Jest tam das ganze Unternehmen ans Licht und die Pafchawirtschaft in der Müllerstraße die Kriminalpolizei noch allerhand waren, die Jaed noch nicht hatte wurde aufgehoben. In der Behausung der Mädchen beschlagnahmte verkaufen tönnen, Belze, Handschuhe, Zöpfe und dergleichen mehr. Die ganze Gesellschaft wurde nach Moabit gebracht. Sack und machte eine Faust nach den Stätten des Lurus, wo Für 15 000 Mark Fahrkarten unterschlagen hat der 22 Jahre Wüllerstraße. Weil er von deren Liebe allein nicht leben konnte, die echte Weihnachtsfreude ein Schemen ist und nur noch be- alte Buchhalter Paul Bühlsdorf, der im Bureau der Hamburg- sie aber doch auch nur für sich befizen wollte, so zwang er ste, für urteilt wird nach dem Kostenpunft. Aber übers Jahr war Amerika- Linie, Unter den Linden, der Kartenverkaufsabteilung vor- ihn zu stehlen. So bildete sich das Mädchen zur Spezialiſtin in der prächtige alte Sterl doch wieder auf dem Posten. In- stand. Eine plöglich vorgenommene Revision ergab, daß der Buch- Schaukastendiebstahl aus. Es gelang ihr aber trotzdem nicht, so viel grimmig schlich er ein paar Mal um die jahrzehntelange balter für 15 000 Wart Fahrtarten an sich gebracht und die Unter- heranzuschaffen, als ihr Liebhaber brauchte. Deshalb nahm sich Stätte feiner Wirksamkeit herum, warf den gefüllten Weih. fchlagung durch falsche Buchungen verdeckt hatte. Die Kriminal- aed nach und nach noch drei„ Vräute" dazu, u. a. auch eine nachtssack so heftig über die gebeugte Schulter, daß die Puppen Polizei stellte sofort Nachforschungen an. Bühlsdorf wurde verhaftet, Martha St. aus Spandau, die ihren Eltern entlaufen war und auf bestreitet aber den großen Umfang der Unterschlagungen. Die Bureden der Kleinte auch wieder zu ihm zurückkehrte, nachdem sie auf der Schloßbrücke den sonst so lieben alten Herrn ganz Fahrkarten find noch nicht gefunden. Bühlsdorf hatte ohne Zweifel einmal von ihrem Vater aufgegriffen und nach Spandau zurüd erstaunt musterten, und redete sich ungestüm die Leber frei. die Absicht, sie mit Hilfe eines Bekannten in Amerita abzusetzen. gebracht worden war. Jaeck schickte nun alle bier Bräute" " Machen Sie, daß Sie weiterfommen", fuhr ihn ba ein Er hatte sich schon am 9. b. Mts. nach Hamburg abgemeldet und auf den Schaukastendiebstahl aus, ging felbst hinter ihnen behelmter Mann des Schutzes an, hier wird nicht mehr ge- mit Totschläger, Browningpistole und 400 Batronen für eine große her, um sie zu überwachen, und lebte einen guten Tag, bis handelt. Hier hat zu Weihnachten das Bolf nichts mehr zu Amerifareise ausgerüstet. Die Unterschlagungen wurden ihm leicht, suchen." Der Weihnachtsmann lachte, so schrill und gellend, weil er die Filialen bes Bureaus mit Fahrtarten zu versehen hatte. daß es vom Schloßplaz bis zum Lustgarten scholl. Ver- Diefen schrieb er an, was hier fehlte. Die Revision tam ihm ängstigt folgte ihm eine ganze Schar von Jungen und augenscheinlich nur etwas zu früh. Um sich unkenntlich zu machen, Mädels. Dutzende waren es schon und bald wurden es hatte sich Zühlsdorf bereits einen Spitzbart wachsen laffen. Hunderte, viele Hunderte im fadenscheinigen, dünnen Kleide Zum Generalstaatsanwalt ist der Oberstaatsanwalt Dr. und im bloßen Kopf, Kinder des Volkes und der Armut, die Isenbiel ernannt worden. Herr Isenbiel wird damit NachHundert Mark Belohnung schreibt der Polizeipräsident in sehnsüchtig nach dem Weihnachtsmann die Hand ausstreckten. folger des verstorbenen Dr. Wachler. folgender Sache aus: Am Sonntag, den 6. d. M., abends 9 Uhr, Nicht mal besitzen wollten sie, was in dem großen Sack wurde der 58 Jahre alte Arbeiter August Schlenker mit mehreren Die Ueberfüllung von Hochbahuzügen. Der Bolizeipräsident gibt Stichwunden in den Anlagen auf einer Bank hinter der Aufnur handeln damit, um von dem Erlös Brot zu bekannt: Trogdem in neuerer Zeit auf der elektrischen Hoch- und erstehungskirche in der Friedenstraße 17 aufgefunden. Infolge des kaufen, Brot, das so süß schmeckt und für den Armen doch so Untergrundbahn die Zahl der Wagen und Büge entsprechend ver- durch die Wunden erlittenen Blutverlustes ist Schlenker bald darauf teuer ist. mehrt worden ist, fommt doch noch häufig eine Ueberfüllung der verstorben. Personen, welche Bekundungen darüber machen können, Dreierschäfchen? Waldteufel?" knurrte der Weihnachts- Wagen vor. Es ist dies im wesentlichen darauf zurückzuführen, daß wie Schlenker zu den Verletzungen gekommen ist, insbesondere auch mann.„ Nein, meine Kinderchens, damit ist's aus, seit man bei gelegentlicher Verspätung eines Buges, die gerade in den verfehre ob und mit wem Schlenker vorher etwa in eine Schlägerei veriidelt euch den Weihnachtsmarkt und nun auch das bißchen Straßen- reichsten Stunden nicht immer zu vermeiden ist, sich eine verhältnis- war, werden gebeten, ihre Wahrnehmungen umgehend mündlich oder handel genommen hat. Und Knarren? Die kauft euch auch die den ersten einlaufenden Zug überfüllen, während der nächste dann zum Attenzeichen 6777. IV/ 27 08. zu machen. Für sachdienliche mäßig große Anzahl von Fahrgästen auf den Haltestellen ansammelt, schriftlich bei der Kriminalpolizei oder auf einem Polizeirebier bloß einer ab, der mal ausnahmsweise noch ein Herz im Leibe meistens in fürzester Frist folgende Bug häufig fast teer bleibt. Mitteilungen ist eine Belohnung bis zu 100 M. ausgesetzt. hat Aber seht mal hier die bunten, glizernden Dinger aus Glas Diefe Erfahrungen geben mir Beranlassung, an das Publikum die war, und aus Blech! Und all die schönen Sächelchen, die laufen Mahnung zu richten, von der Benutzung bereits gefüllter Wagen im wird von anderer Seite mitgeteilt, daß der von dem Aufseher Zu dem versuchten Ausbruch aus dem Untersuchungsgefängnis fönnen und springen. Das zieht noch, das bringt noch was Interesse der öffentlichen Ordnung und der eigenen Bequemlichkeit Genste durch einen Pistolenschuß kampfunfähig gemachte Gefangene ein, wenn's auch bloß ein paar Nickel sind. Wo die gemacht Abstand zu nehmen und das Herannaben des nächsten Zuges in Ruhe willi Rubin im Krankenhause gestorben sei. Das trifft nicht au. find? Nafemeis du! Im Gefängnis sind sie gemacht. Hihihi... abzuwarten. Die Angestellten der Hochbahngesellschaft haben strenge Rubin ist zwar sehr schwer verwundet, lebt aber noch. Wenn es im Gefängnis. Ist' ne billige, feine Firma, sage ich euch. Und Weifung erhalten, die Ueberfüllung der Wagen durch entsprechende gelingt, eine befürchtete Bauchfellentzündung zu verhindern, so wird das da... hahaha. dran. Wißt noch gar nicht, wie glücklich ihr seid, ihr kleines Eigenschaft von Polizeibeamten haben und daß nach den bestehenden da klebt der Schweiß eurer Eltern Sarauf aufmertfam, daß die Angestellten der Hochbahngesellschaft die er boranssichtlich durchkommen. Bad. Eure Eltern haben daran verdient und nun verdient Bestimmungen den Anordnungen dieser Beamten unbedingt Folge au des Selbstmörderfriedhofes an einem aus Galizien stammenden Ein Naubanfall wurde gestern mittag gegen 1½ Uhr unweit ihr noch einmal an demselben Plunder. Was sagst du, teisten ist. 22jährigen Arbeiter verübt. Demselben wurden von zwei jungen zu Dabei mache ich Burschen die gesamte Barschaft von 70 M., Uhr und Kette, soim'e die Papiere geraubt, nachdem sie ihn durch Messerstiche in Kops, Brust und Arme kampfunfähig gemacht hatten. Zwei Passauten, welche vom Friedhof dem Tatort zuschritten, war es nicht mehr möglich der Täter habhaft zu werden; sie brachten den Ueberfallenen blutüberströmt nach der Försterei am Teufelssec. Die beiden Burschen hatten den Arbeiter unter dem Vorgeben, ihm beim Bau der Döberitzer Heerstraße Arbeit zu verschaffen, nach dort der- schleppt. Das Gerücht von einem Totschlag war gestern abend und heute morgen im Osten der Stadt verbreitet. Zugrunde lag ihm. der plötzliche Tod einer 42 Jahre allen Elise Klinkmüller, die bei einer Handelsfrau in der Fruchtstratze starb. Dieses Mädchen, angeblich die Tochter eines Kaufmanns aus Kottbus, stand unter Aufsicht der Sittenpolizei. Als sie gestern sich vorübergehend in der genannten Wohnung aufhielt, starb sie plötzlich, während sie auf einem Stuhle fast. Ein Arzt gab sein Gutachten dahin ab, daß wahrscheinlich Eindringen von Blutgcrinfel in die Blutbahn den Tod herbeigeführt habe. Das Gerinsel scheine von Schlägen herzurübren. Der Arzt stellte am rechten Arm starke Verletzungen wie von Glasscherben fest. Außerdem war das rechte Auge blutunterlaufen. Die Leiche wurde zur Obduktion beschlagnahmt. Vor vierzehn Tagen erhielt die jetzt Verstorbene in der Stralauer Straße von ihrem Geliebten schwere Prügel. Nach diesem Manne wird jetzt gesucht. Eine brennende Feucrsäule. Ein Brandunglück, da? allgemein zur Warnung dienen sollte, hat sich gestern nachmittag aus dem Wedding zugetragen. Die in der Martin-Opitz-Str. 4 wohnhafte Ehefrau Mathilde I. hatte auf dem Gasherd Wasser kochen wollen und nachdem sie das Gas angezündet hatte, stellte sie sich mit dem Nucken gegen den Herd. Sie merkte nicht, qaß die Gasflammen bis an ihre Schürze heranreichten. Diese fing Feuer und erst als Frau I. einen stechenden Schmerz im Rücken verspürte, gewahrte sie zu ihrem Entsetzen, daß sie lichterloh brannte. Schreiend stürzte die Hilflose aus der Wohnung aus den Korridor hinaus, wo hinzu- eilende Nachbarn die Flammen durch Ueberwerfen von Tüchern er- stickten. Frau I. hatte am ganzen Körper bereits so schwere Brand- Wunden erlitten, daß sie in bedenklichem Zustande nach dem Virchow- Krankenhause gebracht werden mußte. Bon besonderem Mißgeschick verfolgt wird der Schiffseigner Dreßler aus Oranienburg, der dieser Tage infolge einer Schiffs- kollision Frau. Kind und sein gesamtes Besitztum verlor. Schon vor sieben Jahren halte D. das Unglück, daß seine erste Frau, als sie mit ihrem einjährigen Kinde aus dem Arm von der Zille über das Laufbrett nach dem Ufer ging, ausglitt, in das Wasser stürzte und ertrank. Ebenso fand auch das Kind den Tod. Vor zwei Jahren heiratete der Schiffer zum zweiten Male. Er lagerte mit seinem Fahrzeug bei Stettin, wo seine Zille von einem Dampfer angerannt wurde. Die Seitenwand wurde zertrümmert, so daß eS fast augenblicklich sank. Hierbei fand Frau Dreßler und daS jüngste vier Monate alte Kind den Tod, während D. und seine älteste neunjährige Tochter gerettet wurden. Mit dem Fahrzeuge war auch daS ganze Besitztum des unglücklichen ManneS in den Fluten verschwunden. Ein tödlicher Unglücksfall hat sich gestern nachmittag an der Ecke der Schweden- und Koloniestraße zugetragen. Der Straßenbahn- schaffner Christian Waitschat, Hansastraße l4 wohnhaft, wollte gegen �5 Uhr an der genannten Stelle einen Kollegen ablöien und ging über den Fahrdamm nach dem haltenden Straßenbahnwagen hinüber. Aus dem schlüpfrigen Pflaster glitt W. jedoch aus. stürzte zu Boden und schlug mit dem Hinlerkopf auf die Bordschwelle des Bürgersteiges. Ein sofort hinzugerufener, in der Nähe wohnender Arzt konnte nur noch den infolge der schweren Verletzung jedenfalls fast augenblicklich eingetretenen Tod des W. feststellen. Ueber eine gefährliche Schießerei berichtet uns ein Leser: Am 0. d. M., gegen s Uhr abends, fuhr ich mit der Straßenbahn (Städtische Linie Viehhof— VirchowkrankenhauS). Als sich der Zug zwischen dem ArnSwalderplatz und der Greifswalderstraße befand, fiel ein Schuß von der Straßenseite her. Die Kugel durchschlug daS Fenster, ging mir durch�die Zeitung(„Vorwärts") und blieb dann in dem Fenstervorhang stecken, woraus ich sie entnahm und dem Schaffner übergab.— Die Sache ist glücklicherweise ohne erheblichen Schaden abgegangen, es hätte aber auch schlimmer kommen können. Leider konnte der niederträchtige Bursche, der geschossen hatte, nicht ermittelt werden. Ihre gesamten Ersparnisse verloren hat am Mttwochnachmittag zwiscken b Uhr auf dem Wege von Schönhauser Allee 104 bis nach Nr. 133 eine Arbeiterfrau, die der Vorsicht wegen ihr Spar- geld beim Ausgehen zu sich steckte. Das Geld— etwas über 100 M.—, das für die jetzt kommende schlechte Zeit zurückgelegt war, befand sich in einem weißen verknoteten Taschentuch. Die Ver- liererin glaubt das Verlorene wiederzuerhalten, wenn ein ehrlicher Mensch der Finder ist, und bittet um Abgabe an Pertzel, Schönhauser Allee 104, IV. Aufgang I. Fcucrwchrbericht. Wegen eine? Kellerbrandes wurde die Feuer- wehr nach der Brunuenstr. 95 alarmiert, Holzwolle und anderes brannten dort. Gleichzeitig hatte die Wehr in der Gartenstr. 7 zu tun, wo Kleider und Möbel usw. in einem Baderaum brannten. Der 3. Zug mußte in der Bernauerstr. 79 einen Brand löschen, der durch die Entflammung von Zelluloid in einem Fabrikraum ausgekommen war. Betten, Kleider, Gardinen und anderes wurden in der Gericht- straße 82 ein Raub der Flammen. Ferner wurden auS der Bach- straße 10 und von anderen Stellen Gardinenbrände gemeldet. Vorort- JHacbncbtem Nixdorf. Stadtverordueten-Stichwahl im Westbezirk. Am heutigen Freitag findet in der Zeit von 12 Uhr mittags bis 7 Uhr abends in der Vereinsbrauerei, Hermannstr. 214—219, die Stichwahl der 2. Wählerabteilung des Westbezirks statt. Der Bezirk umfaßt folgende Straßen: Berliner Straße. Biebrich Straße, Boddinplatz, Boddinstraße, Erlanger Straße, Falkstr. 4—23, Fontanestraße, Hasenhaide, Hermannstr. 1—62 und 211—268, Jägerslraße, Jsarstraße, KarlSgartenstraße, Lessingstr. 17—28, Lichtenrader Str. 1—11 und 60—62, Mahlower Straße, Mainzer Straße, Müuchener Straße, Neckarstratze, Prinz-Handjery-Str. 36—53, Reuterstr. 1—17 und 73—93, Schillerpromenade 1—6 und 37—42, Sclchower Straße,'Wauzlickstraße, Weisestr. 1—16 und 62—66, Wißmannstraße, Ziethenstr. 19—66. Die Kandidaten der Sozialdemokratie sind: Otto Franke, Priuz-Handjery-Straße 68; Fritz Hoppe, Hermann- straße 49, und Paul Fischer, KarlSgartenstr. 16. Bei der Hauptwahl fehlten unseren Genossen nur 26 Stimmen an der absoluten Majorität. Inzwischen haben sich die bürgerlichen Parteien geeinigt, um die Mandate an sich zu reißen. Soll den Kandidaten der Sozialdemokratie zum Siege verholfen werden, so bedars es der größten Anstrengung unserer Genossen. Es wird daher erwartet, daß sich die Parteigenossen in gewohnter Weise möglichst zahlreich zur Wahlarbeit einfinden. DaS Wahl- bureau der sozialdemokratischen Partei befindet sich bei Hoppe, Hermannstr. 49._ Wilmersdorf. AuS der Stadtverordnetenversammlung. In der am Mittwoch abgehaltenen letztcn Sitzung dieses Jahres besann sich die Stadt- V e r o r d n e t e n v e r s a ui in l u n g von Wilmersdorf daraus, daß für Kommunalpolitiker ein BetätigungSgebiet vorhanden ist, welches zu betreten man bis dahin an diesem Vorort eine heilige Scheu trug. Sozialpolitik heißt dies in Wilmersdorf recht unbekannte Land. Unter dem lebhaften Kopfschüttekn mancher Kollegen kam der Stadtverordnete Pulver mit dem Antrag, zur Erinnerung an das Städteordnungsjubiläum 10 000 M. zur Bildung eines Grundstockes für ein Ferienheim zu stiften, in welches arme kranke Kinder aufgenommen werden sollen. Wie arg die Wilmers- dorfcr Unterlassungssünden in dieser Hinsicht sind, erhellt daraus, daß diese reichste Stadt in Berlins Umgebung für Ferienkolonien im letzten Jahre nur 6090 M. ausgesetzt hat. Wilmersdorf mutzte sich in dieser Hinsicht selbst von dem noch nicht so großen Vorort Steglitz beschämen lassen, der 6000 M. für diesen Zweck hergab; von Charlottenburg, das 24 600 M. und Schöneberg, das sogar 35 000 M. spendete, gar nicht zu reden. Aber selbst der bescheidene Antrag Pulver war mehreren Stadtverordneten nicht recht. Der Gegenantrag des Stadtv. B r e s s e r auf Uebergang zur Tages- ordnung wurde vom Stadtv. D r ö s e mit dem Bedeuten unterstützt, daß Wilmersdorf sich den Luxus eines Kinderferien- heims nicht gestatten könne. Wenn nun auch der An- trag auf Uebergang zur Tagesordnung gegen eine nicht unerheb- liche Minderheit abgelehnt und dem Antrag Pulver gemäß be. schlössen wurde, so zeigen die hier mitgeteilten Aeutzerungen doch, wie dringend notwendig es ist, daß ein sozialdemo- kratischer Vertreter in der Stadtverordnetenversammlung ständig auf die unerhörte Vernachlässigung sozialpolitischer Pflichten hinweist. Wir erwarten daher, daß unsere Parteigenossen alle Kraft daran setzen, um bei der am Dienstag, 16. Dezember, vonllbislUhr und von 4 b i s 8 U h r stattfindenden Stich- wähl unserem Parteigenossen Gewerkschaftssekrctär Riedel zum Siege zu verhelfen. Freigiebige! war man in der Sitzung vom Mittwoch in der Fürsorge für das höhere Schul- Wesen. Nachdem die Mittel zu einem Anbau an die Gemeinde- schule II bewilligt waren, nahm man zwei Magistratsvorlagen an, von denen die eine 848 000 M. für den Bau eines zweiten huma- nistischen Gymnasiums und die andere 932 000 M. für den Neubau einer höheren Töchterschule forderte. In sehr unberechtigtem Stolz blähte sich der Wilmersdorfer Lokalpatriotismus auf bei der Beratung einer Magistratsvorlage, wonach die Regierung ersucht werden soll, den jetzigen Namen der Stadt„Deutsch-Wilmersdorf" in„B e r l i n- W i l m e r s d o r f" umzuwandeln. Der Referent in dieser Angelegenheit, Stadtverord- neter Dr. Wolfs, ersuchte um Ablehnung des Magistratsantrages mit der Begründung, daß Wilmersdorf ohne Berlin fertig werden könne und daher auch den zuungunsten der Stadt zu deutenden Berliner Beinamen nicht gebrauche. Der Herr scheint keine Ahnung davon zu haben, daß Wilmersdorf ohne Berlin noch ganz das armselige Kossätendorf von ehedem wäre. Man überwies den Antrag einer Kommission. Die Angelegenheit der Errichtung eines städtischen Elek- trizitätswerkeS wurde gleichfalls einer gemischten Deputa- tion überwiesen. Vor einer Weile war der Plan aufgetaucht, daS Elektrizitätswerk Südwest gemeinsam mit Schönebcrg zu über- nehmen; doch sind die in dieser Sache gepflogenen Verhandlungen gescheitert. Zum Schluß sei noch erwähnt, daß Stadtv. Bresser bei der Erörterung einer Nachforderung für Gartenbauzwccke den Magistrat fragte, ob sich die auch von uns gebrachte Meldung bestätige, daß im September städtische Arbeiter entlassen worden sind. Vom Magistratstisch wurde diese Meldung dementiert mit dem Vermerk, daß die Arbeiterentlassung nicht im September, son- dern— einige Wochen später erfolgt ist. Damit war für die Stadtverordnetenversammlung eine Angelegenheit abgetan, die die Existenz einer Anzahl ehrenhafter Arbeiter betraf. Auch dies kennzeichnet die Wilmersdorfer Kommunalpolitik. Seltsamkeiten vom Gewerbegericht. Ueber die Zustände auf dem Gewerbegericht Wilmersdorf werden in der dortigen Arbeiterschaft verschiedentlich Klagen er- hoben. Wir würden diesen Beschwerden keine große Bedeutung bei- messen, wenn ihnen verschwindende Ausnahmen zugrunde lägen, die überall im Drange der Geschäfte mit unterlaufen; da es aber so aussieht, als ob auf dem Gericht maßgebende Personen eine Art Recht zu haben glauben, Personen aus der Arbeiterklasse unziemlich zu behandeln, so bringen wir einige der Beschwerden hier zur Sprache. Vor allem scheint der Gerichtsschreiber Stadtsekretär Felix im Umgang mit Arbeitern noch einiges lernen zu können. Als eines Tages der Arbeiter B. auf dem Gewcrbegericht erschien, um gegen einen Meister eine Geldforderung einzuklagen, wußte der Ge» richtsschreibcr sehr selbstbewußt den Ausgang der Klage vorhcrzu- sagen. Der Kläger werde abgewiesen werden und eS sei daher zwecklos, die Klage anzustrengen. Den besonderen Widerspruch des Beamten erregte es noch, als der Arbeiter nun gar obendrein seine Versäumniskosten ersetzt haben wollte. So etwas, meinte der Beamte, gebe es im vorliegenden Falle überhaupt nicht. Der Aus- gang dieser allen Warnungen zum Trotz angestrengten Klage war, daß der Arbeiter alles Verlangte zugesprochen erhielt. In einem anderen Falle, der den Maurer A. betraf, wollte der Gerichtsschreiber die Klage überhaupt nicht entgegennehmen, da der Bau des in Wilmersdorf wohnhaften Unternehmers in Schmargendorf liegt. Auch hier konnte der Kläger erst nach ener- gischen Vorhaltungen zu seinem Rechte kommen. Seltsam ist auch folgender Vorgang. In einer wegen unrecht» mäßiger Entlassung vorgebrachten Klage bedeutete der zufällig im Burcauzimmer anwesende Vorsitzende irrtümlich dem in Betracht kommenden Arbeiter, daß er die Klage erst nach Ablauf der Kündi- gungSfrist erheben könne. Als der Kläger aber nicht von seiner Forderung abließ, meinte der Vorsitzende gemütlich, daß er selbst einmal mit dem ihm bekannten Unternehmer, gegen den sich die Klage richtete, Rücksprache nehmen wolle. Die Klage mußte dann schriftlich eingereicht werden. Aber auch in den Verhandlungen bietet sich zuweilen ein merk- würdiges Bild. Das bekannte Streben der Vorsitzenden, möglichst wenig Termine mit Beisitzern abzuhalten, kommt auch in Wilmers- dorf zur Geltung. Von den 340 Fällen, die hier das Gewerbe- gcricht vom 1. Januar bis zu Anfang Dezember 1908 beschäftigten, wurden nicht weniger als 243 im Sühnetcrmin erledigt, und zwar zum Teil unter seltsamen Umständen. In einem Falle fragte der Vorsitzende den klagenden Arbeiter im Sühnetermin, ob er eine Entscheidung wünsche. Der Kläger verstand die Frage dahin, ob er sich einigen wolle, und gab eine bejahende Antwort. Als er dann gleich seinen Irrtum gewahr wurde und das Mißverständnis korri- gieren wollte, blieb der Einspruch unbeachtet; und in wenigen Augenblicken war daS auf Abweisung der Klage lautende Urteil fertig. Ein Hausdiener klagte wegen 26 M. Kaution, die ihm der Prinzipal einbehalten hatte, weil ein Fahrrad, füx das der An- gestellte haften sollte, auf der Straße gestohlen worden war. Der Kläger wollte durch Zeugen beweisen, daß die Kaution nur als Sicherung gegen Betrügereien dienen sollte und daß die Behauptung des Unternehmers, daß er dem Hausdiener eine Sicherhcitskette verabfolgt habe, unzutreffend sei. Als der Kläger sein Anliegen vortrug, glaubte der Vorsitzende ihm sagen zu müssen, daß er für den neuen Termin auch die Zeugengcbühren zu bezahlen habe. Merkwürdig war, daß nach der Behauptung des Klägers auf der Vorladung der Vermerk fehlte, daß es sich im vorliegenden Falle um einen Sühnetermin handle; und die Meinung, daß ein Haupt- termin mit Beisitzern anberaumt war, fand noch in der Zufällig- keit eine Bestärkung, daß fünf Personen am Gerichtstisch sahen. Während Kläger und Beklagter sich über die Zeugen unterhielten, fragte der Vorsitzende den Hausdiener, ob er denn eine Entscheidung wolle. Die in dem Irrtum, daß ein Haupttermin angesetzt sei, ab- gegebene Zustimmung konnte ebenfalls nicht mehr mit Erfolg korri- giert werden. Es wurde auf Abweisung erkannt und damit un- sercs ErachtenS ein sachlich sehr wenig haltbares Urteil gefällt. Die Beteiligten haben diese Beschwerden veröffentlicht, weil sie hoffen, daß Vorkommnisse der hier geschilderten Art durchaus der Astelluna bedürfen. Never Staat und Kommune wird am Sonntag, den IS. De» zeniber, nachmittags 2 Uhr, in einer im Louisenpark, WilhelmSaue 112 stattfindenden Volksversammlung Genosse Landtagsabgeordneter Heinrich Ströbel referieren. In anbetracht der bevorstehenden Stichwahl wird erivartet, daß die werktätige Bevölkerung in der Wer» fammlung erscheint. Die Jiigeiidschriften- Ausstellung befindet sich in der Partei« spedition, Sigmaringenstr. 5 und ist werkräglich sowie an den beiden Sonntagen vor dem Fest bis 3 Uhr abends geöffnet. Die Aus- stellung umfaßt alle die vom BildungsauSschiitz empfohlenen Schriften. Die Eltern usw. werden daher ersucht, die den Kindern usw. zu spenden Bücher Hierselbst einzukaufen. Lichtenberg. Das Verhältnis der Polizei zur Bürgerschaft war am DienZ» tag Gegenstand lebhafter Erörterung in der Stadtverordnetenvcr» scnnmlung. Wer jedoch glaubte, daß sich auch die Vertreter des Bürgertums an den Debatten beteiligen würden, hatte sich einer argen Täuschung hingegeben. Zur Beratung stand folgende Intel- pellation unserer Genossen: „Ist dem Magistrat bekannt, daß zwei uniformierte Schutz. lcute der Polizeidirektion Lichterberg einen Zivilisten mit Er- folg angestiftet haben, einen Gastwirt zur Uebertretung der Polizeistunde zu veranlassen?— Ist dem Magistrat ferner be- kannt, daß Polizeibeamte in Zivil, angeblich im Austrage des Polizeipräsidiums, Bürger der Stadt aufsuchen, um diese zu Angaben über die politische Parteizugehörigkeit anderer Bürger zu veranlassen?— Was gedenkt der Magistrat zu tun, um ine Bürger der Stadt vor gleichen Provokationen und Belästigungen zu schützen?" Den ersten Teil der Interpellation begründete Genosse Grauer, während zum zweiten Teil die Genossen Seikel und Abraham sprachen. Letzlerer, um in seiner Eigenschaft als Hausbesitzer Auskunft darüber zu geben, wie sich die Polizei nach der politischen Betätigung und Parteizugehörigkeit erkundigt habe. Namens des Magistrats erhob sich der erste Bürgermeister und er- klärte: Dem Magistrat seien die Dinge nicht bekannt, daher könne auch eine Stellungnahme hierzu nicht erfolgen; sprachs und setzte sich. Genosse Düwell konstatierte die Tatsache, daß nach Form und Inhalt der Erklärung des Bürgermeisters im Magistrat die Ansicht herrsche, daß das, was dem Magistrat nicht bekannt sei, in Ordnung sein müsse. Genosse Grauer legte dar, wie die Bürger- schaft, bis weit in die Kreise hinein, die von sich sagen, daß sie früher einmal Grundsätze gehabt hätten, über das Polizeisystcm und das Verhalten der einzelnen Organe der Polizei gegen die Bürgerschaft denke. Ter Redner wies auch darauf hin, daß im Interesse des sogenannten SelbstvcrwaltungSrechts der Magistrat die Verpflichtung habe, den zuständigen Instanzen klarzumachen. daß die Polizeibehörden zum Schutze des Publikums, nicht aber daS Publikum der Polizei wegen da sei. Die Sichcrheitszustände wären gewiß besser, die Polizeikosten weit geringere, wenn die Beamten einzig zu diesem Zwecke Verwendung fänocn. Das Verhalten der unteren Organe in der letzten Zeit zwinge zu dem Rufe nach Schutz vor Schutzleuten, die Antwort des Magistrats aber zwinge auch die Bürger zur Selbsthilfe. Alle diese Einwände nutzten nichts, verwundert und erwartungsvoll sah die Majorität nach dem Vorstehertisch.„Es hat sich niemand mehr gemeldet, die Debatte ist geschlossen!"— so verkündete der Führer der„Liberalen" in seiner Eigenschaft als Vorsteher der Versammlung.— Um die Krankenhausbaufrage aus den geheimen Sitzungen endlich in da» Bereich der Ocsfentlichkeit zu bringen, stellten unsere Genossen folgende Anfrage:„Ist der Magistrat geneigt, Auskunft zu geben, ob und welche Grundstücke neuerdings als Krankenhausbauplätze angeboten worden sind, und von wem die Angebote ausgehen?" Vergebliches Bemühen! Der Stadtverordnetenvorsteher war be- reits von der Majorität verständigt, daß diese beschlossen habe, die Sache Wieoer in geheimer Sitzung verhandeln zu wollen, und so geschah eS auch. Unsere Genossen protestierten mit allem Nachdruck gegen diese Nichtachtung der Geschäftsordnung sowie gegen Die Ver. gewaltigung der Minorität. Die Genossen gaben einen Protest zu Protokoll, der die geschäftSvrdnungswidrig zustandegekommene „Geheimsitzung" festnagelt. Das machte aber auf die„geheimen" Bauplatzanbieter keinen Eindruck. Genosse Grauer machte die Majorität darauf aufmerksam, daß am Dienstag, den 15. De» zember, sich zwei Volksversammlungen mit dieser Geheimnis- krämerei beschäftigen werden. Ein weiterer Versuch, die Festsetzung des Gehalts für einen neu«inzustellenden Staotbaumcister auch hinter verschlossenen Türen zu beraien, wurde vereitelt. Stadtver- ordnete! Schachtel erwartet von dem neuen Manne als vornehmste Eigenschaft, daß er auf die Steuerzahler— soll heißen auf die Herren vom Besitz— Rücksicht nehme. Das Gehalt wurde nach langer, teilweise recht erregter Debatte nach der Magistratsvorlage festgesetzt. Das AnfangSgehalt beträgt danach 8000 M.. steigend von drei zu drei Jahren um 600 M. bis zum Höchstgehalt von 10 000 M. Für bedürftige Kriegsteilnehmer verlangt der Magistrat an Stelle der früher vom Kreise gewährten Unterstützung 600 M. Die Vorlage fand Annahme. Angenommen wurde eine Magistrats» Vorlage, die bauliche Veränderungen im Feuerwchrdepot. unter anderen auch einen Untcrkunftsraum für die Straßenreiniger, und in einem Verwaltungsgebäude betreffen. Unsere Genossen zeigten den Bürgerlichen, daß sie in nebensächlichen Dingen wirklich groß � sind— ein Verfahren, das unseren Genoßen die größten Heiter- keitSerfolge einbrachte, die Gegner aber zu ohnmächtigen WutauS- brüchen reizte. Das Amtsblättchcn mutz in den wenigen Spalten, die nicht aus Berlin geliefert werden, als Spucknapf dienen für die Galle, die überläuft. Die Beschämung über die verdien e und reichliche Züchtigung der Majorität durch unsere Genossen läßt daS Blatt zu einigen pöbelhaften Ausfällen auf unsere Genossen kommen, die in der Sprache der Herren von„Besitz und Bildung" sich recht nett ausnehmen. Erkner. In einem Wirsentümpel ertrunken ist der dreizehnjährige Schüler Ernst Fechner. F. hatte sich mit anderen Schulkindern auf einem zugefrorenen Tümpel zwischen Kalkbcrge und Erkner herumgetollt. Plötzlich brach die Eisdecke ein und der Knabe sank unter. Anstatt Hilfe herbeizurufen liefen die anderen Kinoer er- schrockcn davon. F. mußte infolgedessen elend ertrinken. Treptow-Baumschulenweg. Eine Schristcn-AuSftcllung, vor allem Jugendschriften. ist in der Parteispedinon von Hornig, Marientalerstraße 6, vorn eine Treppe veranstaltet. Die Arbeiterschaft wird ersucht, bei eventuellen Ein« käusen obige Parteispedition zu berücksichtigen. Die Ansicht der AuS« stellung steht jedermann frei. Auch der Treptower Lehrerverein hat in diesem Jahre eine Ausstellung von Jugendschriften und. künstlerischen Wandschmuck veranstaltet. Die Ausstellung befindet sich in der Aula der zweiten und dritten Gemeiudeschule im Ortsleil Bauinschuleuweg und ist bis Sonnabend, den 12. Dezember, täglich von 4—9 Uhr geöffnet. Di« Lehrerschaft hofft, daß die Bevölkerung von Banmichulenweg an dieser geineiimützigen Veranstaltung Interesse nehmen werde. Köpenick. In der letzten Stadtverordnetenversammlung wurde zunächst die Wahl des zweiten Bürgermeisters vorgenommen. Die Wahl, welche auf 12 Jahre erfolgte, fiel auf Herrn MagistraiSassessor Prümers, früher in Spandau. DaS AnfangSgehalt beträgt 5000 Mark, steigend dreijährig um 500 M. bis zum Höchstgehalt von 6600 M.— Das Kuratorium der Städtischen Sparkasse sah sich ge» nötigt, um die EntWickelung der Kasse zu fördern, eine Statuten» änderung vorzuschlagen; diese gelangte zur Annahme.— In der Debatte über die neue Grundsteuerordnung, in welcher die Ge» bjührcn für Kanalisation und Wasserentnahme zu gewerbliche» Beden berabgefekt find, fanden die Hausbefizer in Herrn Cuniz einen warmen Verteidiger ihrer„ miserabeln" Lage; viele Hausbefizer müssen bei den heutigen Abgaben noch bares Geld zugeben. Auf Vorschlag wurden die in Betracht kommenden Vorlagen zu nächst dem Statsausschuß überwiesen, welcher durch sechs Mit. glieder verstärkt wurde. Zur Dedung notwendiger kommunaler Bedürfnisse ist eine Anleihe von 165 000 M. aufgenommen worden. Bum Umbau des Armen- und Schulhauses auf Schößes Hof werden 25 000 m. bewilligt; in den Parterreräumen soll die öffents liche Resehalle und die Volksbibliothek untergebracht werden. Für die Hinterbliebenen der Grubentatastrophe von Raobod werden 500 m. bewilligt. Die Lange Brüde, bisher Eigentum des Fistus, wird am 1. Mai 1910 mit einer einmaligen Abfindungs. fumme von 45 000 m. bon der Stadt übernommen. Ein Magis stratsantrag stand zur Verhandlung, welcher die Ermäßigung des Schulgeldes der gymnasialen Nebenklassen vorsah. Um diesen Ausfall zu decken, wurde die Erhöhung des Schulgeldes für Auswärtige borgeschlagen. Von den Genossen Herbst und Woid wurden beide Anträge verworfen, weil bei zunehmender Schülerzahl doch wieder Mehrkosten, durch Anstellung von Lehrkräften, erforderlich sind, andererseits liege in der Erhöhung des Schulgeldes für Auswärtige eine ungeahnte Härte. Der Antrag des Magistrats wurde gegen die Stimmen unserer Genoffen angenommen. Ebenso wurde genehmigt, daß bom nächsten Jahre ab die hiesige gewerbliche Fortbildungsschule, soweit es möglich ist, nach Berufsgruppen eingeteilt wird. Der Zuschuß der Stadt ist auf 5676 m. veranschlagt. Potsdam. die Speisen nach den Schulen gebracht werden. Hier sind befondere Dem Pfarrer ist dieses Schriftftüd zugegangen jedenfalls als Speisesäle vorhanden. Jedes Kind darf soviel essen, wie es fann Mitglied eines Fürsorgevereins entlassener Strafgefangener, sonst und mag. Bis zum Jahre 1905 gab es an vier Tagen der Woche wäre es ganz unverständlich, wie er in den Besitz desselben komment Fleischspeisen und zweimal Grüße oder Mehlspeisen mit Milch. follte. Dann aber hätte er die Pflicht, weniger leichtfertig damit Seitdem haben die Konservativen zwei weitere Grüßtage eingeführt, umzugehen, wie er es im vorliegenden Falle getan hat. Indem so daß die Kinder nur noch zweimal in der Woche Fleisch erhalten. er das ihm zugegangene Schreiben als Umschlag verwendete und Die Konservativen streben aber dahin, daß den Kindern Tag für nach Berlin sandte, hat er sich eine schwere Verfehlung zuschulden Tag nichts weiter als Hafergrüße geboten wird. Damit werden kommen lassen. Weiß er nicht, daß unter Umständen von gewissens die Menschenfreunde" wohl keinen Erfolg haben. Die furchtbare losen Menschen die Kenntnis von solchen Dingen in der schlimmsten Wirtschaftskrise hat es mit sich gebracht, daß man sich nun auch in Weise ausgebeutet und damit schweres Unheil angerichtet Schweden eifrig mit der Frage der Speisung hungernder Volks- werden kann? schulkinder befaßt. In Stocholm ist der Vorschlag gemacht, wohl- Aber das hätte vermieden werden können, wenn Herr Pfarrer fituierte Familien sollten ein oder mehrere hungernde Kinder an Konopadi in Lappienen etwas gewissenhafter gewesen wäre und ihrem Mittagstisch teilnehmen lassen. Unser norwegische Partei ein einfaches Kuvert benüßt hätte. genoffe Jacob Vidnes schildert in Stockholms Socialdemo taten" die in der norwegischen Hauptstadt bestehende Schulspeisung, Eine entsehliche Bluttat turde einer Meldung aus Chemnit die mit der Armenpflege und auch mit privater Wohltätigkeit nichts zufolge am Mittwochnachmittag in Löbau in einem Hause der zu tun hat, sondern als eine Angelegenheit der Schule gilt. Bernstädter Straße berübt. Der 22jährige Mechaniker Bernhard wenn auch die Vertreter und Vertreterinnen der besitzenden Klasse lezte dann die Mutter und stach auch die Großmutter in den Man hat eingesehen, daß hungrige Kinder nicht lernen können. Möller erstach sein neun Monate altes uneheliches Söhnchen, ver. scviel wie irgend möglich die Schulspeisung beschränken möchten, Rüden. Sodann sprang Möller durch das Fenster und entkam. so hat doch die jahrelange Erfahrung dahin geführt, daß niemand, Bis jetzt ist man des Mörders noch nicht habhaft geworden. welcher Barteirichtung er auch angehört, die Abschaffung der Einrichtung verlangt. Schiffsandrang im Breslauer Hafengebiet. Die fönigliche Wasserbauinspektion macht bekannt: Jm Breslauer Hafengebiet und darüber hinaus befinden sich schon so viele Schiffe im Winterstande, daß Liegestellen zur Ueberwinterung dort nicht mehr an. daher gezwungen sein, auf freiem Strom weit unterhalb Breslaus gewiesen werden können. Weiterhin eintreffende Schiffe würden fönnten. Im Auftrage des Oberpräsidenten wird daher vor der Bergfahrt nach Breslau gewarnt. Gesetzliche Freizeit der Dienstboten in der Schweiz. Jm Großen Rat des Kantons Basel wurde fürzlich die Revision des Ruhetagsgefeges beraten. Von besonderem Interesse sind die Bestimmungen zum Schuge der DienstIn einer hier abgehaltenen Arbeitslosenversammlung, in welcher boten und zwar wegen ihrer grundsätzlichen, weniger wegen ihrer au überwintern, wo sie unter Umständen in große Gefahr tommen Gen. Düwell referierte, gelangte folgende Resolution zur eins stimmigen Annahme:„ Die heute im„ Wiktoriagarten" tagende lichen und landwirtschaftlichen Dienstboten sind jede Woche an einem materiellen Bedeutung. Diese Bestimmungen lauten:" Den häusArbeitslosenversammlung hat davon Kenntnis genommen, daß feitens des hiesigen Magistrats 10 000 m. für Notstandsarbeiten Ruhetag zwischen 7 Uhr morgens und 9 Uhr abends wenigstens ausgeworfen worden find. Sie bedauert, daß die Anwartschaft auf fechs Stunden, wovon mindestens vier Stunden ununterbrochen, freidiese Notstandsarbeiten derart eng begrenzt ist, daß nur eine ber- ugeben. Auf Grund einer schriftlichen Vereinbarung, die den Vorschwindende Minderheit in den Genuß derfelben gelangt. Hätte der behalt enthält, daß bei Beendigung des Dienſtverhältnisses nicht ge Magistrat etwas Positives schaffen wollen, so wäre es notwendig geschädigen ist, kann dem Dienstboten höchstens die Hälfte der innernoffene Freizeit dem Dinstboten wie Werftagsarbeit in bar zu entwesen, daß er sich das Genter System zu eigen gemacht hätte." halb einer Beriode von längstens 26 Wochen ihm zukommenden Frei Leider stand die Besucherzahl der Versammlung in feinem Verhältnis zu der hier herrschenden Arbeitslosigkeit. zeiten als ununterbrochene Freizeit eingeräumt werden. Die Bestimmung wurde bekämpft, fand aber schließlich doch AnAus der Frauenbewegung. nahme. Gerichts- Zeitung. Verbreitung unzüchtiger Schriften? Schulspeisung und Frauenwahlrecht in Kristiania. Die norwegische Voltsschullehrerin Elise Heyerdahl, die vor nunmehr sechs Jahren als erstes weibliches Mitglied in Der Prozeß gegen den Buchhändler 3 ad aus Treptow, über die Gemeindevertretung von Kristiania gewählt wurde, hat deffen Beginn wir gestern berichteten, hat mit Einstellung des Verjüngst in schwedischen und dänischen Frauenvereinen Vorträge uber fahrens geendet. Während der Angeklagte und sein Verteidiger ihre Tätigkeit und ihre Erfahrungen als Stadtverordnete gehalten, geltend machten, daß es sich keineswegs um unzüchtige Schriften, die großes Intereffe erregten, vor allem auch in Dänemark, wo die sondern um Werte handle, die in ernster und künstlerischer Weise Frauen im nächsten Jahre zum erstenmal Gelegenheit haben, das das homosexuelle Problem erörtern, beantragte Staatsanwalt Tolki attive wie auch passive Wahlrecht bei den Gemeindewahlen aus- 4 Monate Gefängnis und 300 m. Geldstrafe. Das Gericht, vor dem zuüben. Man mag annehmen, daß die Frauen infolge starter Ent- der Inhalt der Werke zur Verlesung gebracht werden mußte, hielt nidelung des Gefühllebens sich mit besonderem Eifer der sozialen sich der Pflicht überhoben, eine Entscheidung darüber zu treffen, Fürsorge, vor allem der Kinderfürsorge in den Gemeinden widmen ob die Schriften als unzüchtige anzusprechen seien. Denn es hielt merden, jedoch hat die Erfahrung gelehrt, daß bei bürgerlichen die von der Verteidigung erhobenen juristischen Bedenken für durch Bemeindevertreterinnen das Klasseninteresse ungefähr ebenso start schlagend. Der Angeklagte ist, wie wir bereits erwähnten, vor vorherrscht, wie bei den Männern ihrer Klasse, daß ihr Sozial- einiger Beit in Magdeburg auf den Strafantrag eines Geistlichen empfinden sie im allgemeinen nur soweit Reformen geneigt macht, wegen der Versendung der Prospette und der Flugblätter zu 50 W. als diese für die Besitzenden keine höheren Steuern zur Folge Geldstrafe verurteilt worden. Das Gericht war der Meinung, daß, haben. Fräulein Heyerdahl scheint allerdings, wenigstens in einer wie das Magdeburger Urteil ergibt, damals dem Gericht schon be Hinsicht, infolge heftiger Vorwürfe, die ihr von fozialdemokratischer tonnt war, daß der Angeklagte das Flugblatt an eine Anzahl von Seite gemacht wurden, zu besserer Auffassung gekommen zu sein. Jünglingsvereinen, deren Adressen er sich von einer Leipziger " Bei einer Gelegenheit hatte ich die Sozialdemokraten gegen Firma hatte kommen lassen, verschickt hatte. Die Strafverfolgung mich; es war als sie vorschlugen, zu Weihnachten 16 000 fei deshalb bereits dadurch konsumiert, daß das Magdeburger GeKronen für Speisung armer Kinder zu bericht das ganze Vorkommnis, welches auch dieser Anflage zugrunde willigen. Ich stimmte gegen den Vorschlag. Ale sozial- licgt, geprüft habe. Das Gericht erkannte deshalb auf Einstellung demokratischen Stadtverordneten stürmten da auf mich ein und des Verfahrens und legte der Staatstaffe die Kosten auf, riefen, das sei eine hartherzige Tat von mir, einer Frau. gebe das zu. Ich habe gelernt, daß man nicht Gegner Berartiger guter Borschläge fein darf." Fräulein Heyerdahl hat übrigens neuerdings auf ihre Wiedertah als Stadtverordnete verzichtet. Sie ist wohl wie„ Socialdemokraten" meint zu der Einsicht gekommen, daß zwischen den Gefühlen eines Frauenherzens und der Politit der konservativen Partei, der sie angehört, teine Harmonie möglich ist. Ich Vermischtes. Leichtfertigkeit eines Pfarrers. Mit welcher Leichtfertigteit manche Leute mit der Eristenz ihrer Mitmenschen umgehen, zeigt ein Vorkommnis, über das uns ein Leser berichtet. Der betreffende Arbeiter benötigte ztveds Bei dem erwähnten sozialdemokratischen Antrag vom Jahre Austritte aus der Kirche ein Taufzeugnis und wandte sich um 1902 handelte es sich darum, die Schulspeisung auf die Weihnachts- Ausstellung eines solchen an den Pfarrer seiner Heimatgemeinde. zeit auszudehnen. Die Einrichtung selbst besteht schon seit Oktober Nachdem der betreffende Pfarrer- Konopadi ist sein Name und 1897. Damals wurde einstimmig beschlossen, den an Unter- Lappienen heißt die Gemeinde zur Einsendung bon 70 Pf. auf ernährung leidenden Kindern der städtischen Volksschulen an jedem gefordert und diese erhalten hatte, schickte er den berlangten Schein. Schultag während der Zeit vom 15. Oftober bis zum 1. Mai, sowie Um ein Stubert oder ein Stüd reines Papier zu sparen, griff er cußerdem während der Weihnachtsferien auf Kosten der Kommune zu einem sehr bedenklichen Mittel. Er verwendete als umschlag warmes Mittagessen zu verabreichen". Ferner wurde beschlossen, des Taufscheines ein Formular, das auf der einen Seite una daß andere Voltsschulkinder auf Wunsch ihrer Eltern, gegen eine beschrieben war, und auf das er die Adresse des Empfängers schrieb, Bezahlung von 10 Dere pro Tag, an der Speisung teilnehmen das aber auf der Innenseite genaue Mitteilungen über eine aus tönnen. Da die Schulspeisung sich nicht auch auf die eigentliche dem Buchthause entlassene Frau enthielt. Wir lesen da unter Weihnachtszeit erstreckte, biele arme Kinder just in den Tagen, wo anderem: andere es besonders gut haben, Hunger leiden mußten, brachten unsere Genossen den erwähnten Antrag ein, der von den bürgerlichen Stadtverordneten zu Fall gebracht wurde. .... die ergebene Mitteilung, daß die Strafgefangene. aus Kirchspiels nach wegen Verleitung zum Meineide verbüßter 1jähriger Zuchthausstrafe am 24. November Die Schulspeisung foftete der Stadt im ersten Jahre 21 400 dieses Jahres von hier in ihre Heimat entlassen werden wird. Kronen, im nächsten 50 000 kronen und 1901 waren die Soften auf Indem ich dieselbe der gütigen Fürsorge angelegentlichft 159 700 Kronen angewachsen. Inzwischen begannen die Konser empfehle, bitte ich zugleich ergebenst um spätere gefällige Mitteilung vativen über die große Zahl der Kinder, die an der Freispeisung über die Führung und sittliche Haltung der Entlassenen innerhalb teilnahmen, zu flagen. Das Verantwortlichteitsgefühl eines Monats. der Eltern werde zerstört, meinten sie, und brachten es dann Dieselbe ist angewiesen, fich nach ihrer Heimkehr dem Pfarrauch dahin, daß eine Kontrolle über die Bedürftigteit amte persönlich vorzustellen, sollte sie dasselbe unterlassen, so bitte eingeführt wurde. Allerdings an eine so bureaukratische ich dringend, sie aufzusuchen, um ihre jezige Lebenslage tennen Reglementierung, wie in sie in Berlin üblich, denkt man hier nicht. zu lernen und ihr eventuell seelsorgerisch beizustehen resp. auch Gleichwohl ist im Schuljahr 1905/06 1030 Kindern die Freispeisung sonst mit Rat und Tat zu helfen. verweigert worden. Troß der starten Einschränkung ist die Zahl der Zu ihrer Charakteristit führe ich folgendes an:" freispreisenden Kinder doch noch ziemlich groß. Von den 30 063 Und nun folgt eine genaue Angabe der persönlichen Verhält städtischen Volfsschulkindern erhielten im Schuljahr 1907/08 5491 nisse der Entlassenen, daß sie verheiratet ist, mit wem und wieviel Freispeisung. 617 823 Mittagessen wurden unentgeltlich und 77 514 Kinder vorhanden sind. In den oben von uns freigelassenen zum Preise von 10 Dere verteilt. Um die Speisen billig her- Stellen ist der genaue Name und der Wohnort der Entlassenen austellen, hat die Stadt eine eigene große Küche gebaut, bon wol angegeben. Unterzeichnet ist das Schriftstück: Heebel. Genicstarre. Wie aus Verdun berichtet wird, ist in der Kaferne des 40. Artillerie- Regiments ein Mann innerhalb weniger Stunden an Genicstarre gestorben. Vier andere Soldaten wurden unter verdächtigen Krankheitssymptomen ins Krankenhaus gc. bracht. Wahlkreis Kalau Lucan. Sonntag nachmittag 5%, Uhr, beim Genoffer Beihnacht, Grünftr. 21: Außerordentliche Sigung des Vereins. Sozialdemokratlicher Agitationsverein für den Reichstags. Briefkaften der Redaktion. Die furiftifche Sprechstunde Kudet Lindenstraße Nr. 3, swelter Sof, dritter Eingang, vier Treppen, B Fahrstuhl wochentäglich abends von 7 bis 9% lhr statt. Geöffnet 7 the Sonnabende beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Aufrage tft ein Buchstabe und eine Babl als Wertzeichen beizufügen. Briefliche Aurwort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Brieffaften können 14 Tage bergehen. Gilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. E. J. 45. 1. Abschrift der für Sie wertvollen Stüde tönnen Sie ver langen. Der Anwalt muß die Prozeßatten herausgeben, sobald die Ge buhren bezahlt sind. 2. Shr Sohn fönnte als Selbstversicherer Marken leben. 3. Leider nein. Arrest 500. Die Kosten würden etwa 50 M. betragen. Die übrigen Fragen find ohne Darlegung des Sachverhalts ſelbſt und richten Sie im Anschluß daran die Fragen, an deren Beantwortung nicht zu beantworten. Legen Sie den Sie betreffenden Sachverhalt dar 3hnen liegt. R. M. 83. 1. Es hat Gerichte gegeben, die eine Be leibigung in dem von Ihnen erwähnten Tatbestand gefunden haben. Die Mehrzahl würde eine Klage ablehnen. 2. Die Alimente wäven an den Vormund zu zahlen, fönnten auch an die Schwiegereltern gegeben werden. So lange die Braut noch nicht großjährig ist( 21 Jahre), bedarf fie der elterlichen Einwilligung zur Heirat. Rigdorf 1. 1. Ja. 2. Nein. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen Direktion über Bufuhr start, Geschäft schleppend, Preise für Kalb- und Schweinefleisch an den Großhandel in den 8entral- Marftballen. Marktlage: Fleisch: siebend, sonst unverändert. Bild: Zufuhr genügend, Geschäft ziemlich lebhaft, Breife gut. Geflügel: Zufuhr in Gänsen reichlich, sonst napp, Geschäft ruhig, Breise behauptet. Fische: Zufuhr genügend, Geschäft rubig, Preise wenig verändert. Butter und Rase: Geschäft ruhig, Breife unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr mäßig, Geschäft ruhig, Preise gedrückt. Witterungsübersicht vom 10. Dezember 1908, morgens 8 Uhr. Stationen Stomembe 757 SSD Pamburg 754 S Berlin rant.a M. 758 758 S2 W Münden 763 G Bien Wetter Stationen Better Temp. n. T. 15° C.= 4. 3 wolfig 1 Haparanda 747 2 mollig -8 8 bededt 6 Petersburg 760 S 2 Regen 2 2 mollig 1 Scilly 7448 5 bedeckt 11 1 bedeckt 4 Aberdeen 740 5 756 SS 1 moltig 3 3 bebedt 5 3 halb bd.-4 Baris 765 SO 1 bedeďt 3 Wetterprognose für Freitag, den 11. Dezember 1908. Biemlich mild, zeitweise beiter, aber veränderlich mit wiederholentlichen Niederschlägen und sehr lebhaften südwestlichen Winden. Berliner Betterbureau. Wafferftands.Nachrichten ber Landesanstalt für Gewäffertunde, mitgeteilt dom Berliner Wetterbureau. Bafferftand Memel, Tilfit Bregel, Insterburg Beichfel, Thorn Ober, Ratibor Barthe, Schrimm Nee, Bordamm Elbe, Leitmerit am feit 9. 12. 8. 12. Basserstand am 74 62+1 86+2 Saale, Grochlit avel, Spandau) Rathenow³) Spree, Spremberg³) Beeslow Beser, Münden Minden Staub 9. 12. 8. 12 cm cm) cm cm ¹) 820) -9 Strossen Frankfurt Landsberg 34)+28 885) 4 75+2 62 844)-2 22) 84+2 Rhein, Marimiliansau 96 -82 Köln 82 . Dresden Barbn Magdeburg -192) Redar, Heilbronn 30 47 -3 Main, Wertheim 106 66 Mosel, Trier 43 + bedeutet Wuchs. Fall. Unterbegel. Grundeistreiben. schwaches Eistreiben. Eisstand. Eistreiben in zwei Drittel Strombreite. 7) Grundeisgang. Jugendschriften Die in der Sonnabendnummer des„ Vorwärts" vom 5. Dezember a. c. durch den Bildungs- Ausschuß empfohlenen Jugendschriften sind in unserer Sortimentsbuchhandlung, Lindenstr. 69( im Laden) zu haben Expedition des„ Vorwärts" Lindenstr.69 & nod 890 19999 Für das Weihnachtsfest empfehlen wir als geeignete Gefchente folgende Prämien für die Leser des Borwärts": 7. W. Hackländers Werke Neue illustrierte Ausgabe, 2 Bände, 3,50 M. Goethes Werke 2 Bände, illustriert, 3,50 M. Schillers Werke 2 Bände, illustriert, 3,50 M. Heines Werke 2 Bände, illustriert, 3,50 M. Freiligraths liche Werke 3 Bände, gebunden, 3,- M. Grillparzers Werke 2 Bände illustriert, 3,- M. Reuters sämtl. Werke 2 Bände, illustriert, 3,- M. 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