Nr. 299. Abonnements- Bedingungen: abonnements. Breis pränumerando, Bierteljährl. 8,30 m, monatl, 1,10 wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Big. Bost Abonnement: 1,10 Mar! pro Monat Eingetragen in die Bost- Zeitungs Breisliste. Unter Areuzband für Deutichland und Desterreich. Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Erideint taglio außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 25. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 50 Bfg., fülr bolitische und gewerffchaftliche Bereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Borte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition ebgegeben werden. Die Expedition is bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. tr. 1983. Dienstag, den 22. Dezember 1908. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. r. 1984. Das neue preußische Lehrer- gericht oft differieren werden, wodurch die so sehr erwünschte Lahm legen! Besoldungsgesetz. " begreifen, daß die Anschauungen über die besonderen Ver- teilung durch Kreise und Bezirksausschuß wird die Selbst. hältnisse zwischen Lehrerschaft, Gemeinde und Oberverwaltungs- verwaltung der Gemeinde bollständig Es wird sich in der Praris Ruhe" gestört wird. erweisen, welche schweren Fehler man durch diese Einrichtung Die Amts zulage ist ebenso wie die Ortszulage pensions- begangen hat. Die überaus flugen Herren Nationalliberalen fähig( in der ersten Lesung war die Pensionsfähigkeit ab- und die berufenen" Verteidiger der Selbstverwaltung haben Das Gesetz betreffend das Dienſteinkommen der Lehrer Neftor ist verschwunden) von Schulen mit sechs oder mehr denken, welches Machtmittel diesen Instanzen jetzt zur VerDas Gesetz betreffend das Diensteinkommen der Lehrer gelehnt worden), sie wird gezahlt an alle Leiter( der Titel sich nicht schlecht hineinlegen lassen. Es ist gar nicht auszuund Lehrerinnen vom 3. März 1897 ist von allen Seiten, und muß mindestens 700 M. fügung steht. Der Ministerialdirektor Schwarzkopff auch von der Regierung, in Grund und Boden berurteilt aufsteigenden Klassen jährlich betragen. Andere Leiter an Volksschulen wußte, woran er war! Nachdem die Geheimkonferenz ihre worden. Und doch ist das Gesetz erst 11 Jahre alt, und doch mit drei oder mehr Lehrkräften erhalten mindestens Beschlüsse gefaßt hatte, war seine Beteiligung an den Verhaben an ihm fast dieselben Leute mitgewirkt, die es jetzt 200 Mart jährlich. Wo in Volksschulen mit Ge- handlungen ganz matt; er hatte seine Wünsche ja durch verurteilen und nunmehr das neue geschaffen haben. Ist nun nehmigung der das neue wirklich besser? Gibt es eine Gewähr, daß die Klassen dauernd errichtet wurden, können den für diese Klassen Aufsichtsbehörde gehobene gesetzt. Das Gesetz erhält rückwirkende Kraft, d. h. die sämtlichen von der Regierung und den Vertretern der bürgerlichen vollbeschäftigten Lehrern pensionsfähige Amtszulagen gewährt Gemeinden müssen die für 1908 bereits erhaltenen Parteien so dringend gewünschte Ruhe" eintreten wird? Wir zweifeln daran, enthält doch das neue Gesetz Be- werden. Desgleichen bei solchen Einrichtungen für nicht festen Staatsbeiträge wieder zurückzahlen. normalbegabte Kinder. stimmungen, die eine ewige Quelle von Unruhe und Streit verschiedenartigkeit und Entwickelung außerhalb des gewöhn- derangiert, sie müssen Hier ist der Versuch gemacht, der Dadurch wird das Finanzwesen vieler Gemeinden vollständig um Unterstützungen Das von der Kommission einstimmig angenommene lichen Schulziels Rechnung zu tragen, immerhin wird sich in betteln, während sie vorher ein Recht hatten zu fordern! Ein Zustand, der ein bezeichnendes Licht auf neue Gesetz stellt ein Stompromiß zwischen der Regierung der Praris zeigen, daß die Bestimmung nicht ausreicht. Den Lehrern und Lehrerinnen, die früher im Privat- die Gesetzesmacherei in Preußen wirft. Glaubt der Staat und den Parteien dar, wird also sicher Gesetz werden. Es schuldienst beschäftigt waren, in dem das Biel nicht höher als auf die Entwicklung des Schulwesens einen solchen Einfluß ordnet die Bezüge der Lehrpersonen in folgender Weise: das der Volksschule war, kann die dort geleistete Dienstzeit ausüben zu müssen, so ist es richtiger, wir kommen zur I. Das Grundgehalt beträgt für Lehrer 1400 m., für bis zu höchstens 15 Jahren angerechnet werden. Die Be- völligen Staatsschule, dann muß er auch sämtliche Kosten, schäftigung vor dem 21. Lebensjahre wird nicht gerechnet. auch die sächlichen, übernehmen, und davor scheint er sich zu II. Die Alterszulage erfolgt für Lehrer in neun Steige- Bei Bemessung des Ruhegeldes wird der volle Wert der scheuen. rungen im Gesamtbetrage von 1900 M., für Lehrerinnen Dienstwohnung oder die volle Mietsentschädigung in An- War das Gesetz vom 3. März 1897 ein Fehlgriff, für den im Gesamtbetrage von 1250 M. rechnung gebracht. Es muß hierbei für Lehrer mindestens niemand mehr die Verantwortung übernehmen will, so wird der Betrag der den mittleren Beamten, für Lehrerinnen das Gesetz vom Jahre 1908 trop mancher Fortschritte und mindestens der Betrag, der den Reichsbeamten der Tarif- anerkennenswerter Verbesserungen sich als ein ebenso schwerer klasse IV zur Pensionierung angerechnet wird, in Anrechnung Fehler erweisen. weil durch dasselbe die Junker und der tommen. Junkerstaat ein neues Machtmittel gegen die Selbstverwaltung erhalten haben! darstellen. Lehrerinnen 1200 M. III. Gewährt wird freie Dienstwohnung oder entsprechende Mietsentschädigung. Eine energische Beseitigung der niederen Küster dienste scheiterte an dem Widerspruch der Regierung, die das Interesse der Kirche mit Nachdruck vertrat. Für sie stand es ohne weiteres fest, daß die Ablösung seitens des Staates erfolgen müsse. Schließlich wurde eine Resolution angenommen, in der die Regierung aufgefordert wird, die allmähliche Ablösung der niederen Küsterdienste in die Wege Stellt diese Beschlußfassung in ihrer Verbesserung auch Von Stufe zu Stufe. IV. Gewährt werden Ortszulage und Amtszulage. Das Grundgehalt weist eine beträchtliche Steigerung gegen das alte Gesetz auf, und zwar bei Lehrern und Lehrerinnen um je 500 Mart. Diese Steigerung fommit namentlich den Landlehrern zugute und ist ihnen auch von Herzen zu gönnen. Die Altersd nstzulage betrug für Lehrer nach dem alten Gesetz als Mindeſtsatz 900 Mart in neun Steigerungen a 100 Mart, Daß an dem Wahlrechtsraub in Rigdorf der Freisinn d nach der neuen Ordnung beträgt sie in ebenfalls neun SteigeSchuld trägt, das dürfte selbst die Regierung in der Zimmerstraße rungen 1900 Mart, also 1000 Mark mehr, so daß die Barnicht mehr zu bestreiten wagen, nachdem festgestellt ist, daß fünf bezüge für jeden Lehrer 3300 Mart betragen, die wie zu leiten. organisierte Mitglieder der freisinnigen Volkspartei für das die feither in 31 Dienstjahren zu erreichen sind. Im ganzen also Arbeiterklasse entrechtende Ortsstatut gestimmt haben! Diese fünf erhalten die Lehrer fünftig 1500 M. mehr. Gegenüber der eine wesentliche Verbesserung für die zurzeit vorhandenen Stadtverordneten hätten nicht einmal nötig gehabt, dagegen zu Regierungsvorlage ist das Grundgehalt für die Lehrer um 86000 Lehrer und 18000 Lehrerinnen dar, so stimmen, sie hätten sich nur der Stimme zu enthalten 50 M., die Alterszulage um 100 M. erhöht worden. sind doch nicht alle berechtigten Wünsche erfüllt worden. brauchen, und das Ortsstatut wäre gefallen; denn dann hätten den Für die Lehrerinnen sah die Vorlage ein Grundgehalt Die Konservativen und Freikonservativen glaubten die 18 Sozialdemokraten nur 35 Bürgerliche gegenübergestanden, die von 1050 m. und für die Alterszulage einen Betrag von zur Besoldungsreform erforderlichen Mittel durch Einrichtung 38weidrittelmehrheit wäre also nicht erreicht worden! 1350 M. vor. Die Kommission änderte diese Säge dahin ab, von Besoldungskassen beschaffen สิน fönnen, die für Der Verrat des Freisinns fällt um so schwerer ins Gewicht, daß als Anfangsgehalt 1200 m., also 150 M. mehr, als jede Provinz eingerichtet werden sollten. Zurzeit leistet als fein Geringerer als Eugen Richter sich bereits im Jahre Alterszulage 1250 M., also 100 m. weniger, festgesetzt wurden. der Staat an die einzelnen Schulverbände insgesamt 1899 gegen die Möglichkeit des Erlasses von Ortsstatuten zur Ver Die Kommission ging dabei von der Auffassung aus, daß die 106 Millionen Mart Beihilfe, dazu kommen die im neuen schlechterung des Wahlrechts gewandt hat. Es war bei der ersten Lehrerin im Anfang ihrer Dienstzeit höhere Aufwendung habe, Gesetz vorgesehenen 34 Millionen, so daß nunmehr im ganzen Beratung des nicht verabschiedeten Redeschen Entwurfs am 9. Juni mit der Länge der Dienstzeit aber für die unverheiratete 140 Millionen zur Verfügung stehen. Die Bezüge aus diesem 1899. Als Fraktionsredner der freisinnigen Volkspartei trat Eugen Lehrerin eine erhebliche Steigerung nicht eintrete. Das Fonds sollen den einzelnen Gemeinden entzogen und je nach Richter auf, der u. a. auch die Frage der Zulassung von ortsbare Gesamtdiensteinkommen der Lehrerinnen steigt also der Leistungsunfähigkeit den Provinzialbesoldungskassen über- statutarischen Bestimmungen streifte, mit denen er sich nur unter um 1030 m.; gegenüber der Regierungsvorlage nur um wiefen werden. Wenn also die Provinz Brandenburg mit dem Vorbehalt einverstanden erklärte, daß man Ortsstatute 50 M. Hierzu kommen die Mietsentschädigungen, die gegen Berlin etwa 40 Millionen zur Besoldung der gesamten Lehrer- zuläßt zur Erweiterung des Wahlrechts, nicht wärtig z. B. in Berlin für Lehrer 750 M., für Lehrerinnen schaft der Provinz aufbringen muß, aber mit Rücksicht auf die aber zur Berengerung desselben. Denn wenn das letztere 550 m. betragen und die nach den Beschlüssen der Kommission Erträgnisse der Einkommen- und Ergänzungssteuer nur geschieht, so ist zu befürchten, daß dann ein Wahlsystem herausfür Lehrer in der Ortsklasse A 810 M., B 650 M., C 540 m., 38 Millionen aufbringt, fo erhält die Provinz fünf Prozent kommt, noch schlechter als das gegenwärtige, das noch weiter zurüdD 450 M.; für Lehrerinnen in Ortstlasse A 540 M., ihres Gesamtbedarfs aus dem Regierungsfonds. bleibt hinter demjenigen von 1891. Denn über den Erlaß eines B 480 M., C 400 M., D 320 M. mindestens betragen Die Provinz Ostpreußen, die auch 40 Millionen auf- Ortsstatuts würde doch immer nur die gegenwärtige Vertretung müssen. Für die Klasse E, der die meisten Ortschaften bringen müßte, aber nur etwa 15 Broz., also sechs Millionen zu befinden haben, und niemand sägt gerne den Aft ab, angehören, sind verschiedene Stufen, je nach den örtlichen Mark aufbringt, würde aus dem Fonds nicht weniger als auf dem er sitt." Verhältnissen, zulässig; für die oberste Stufe in dieser legten 34 Millionen erhalten.( Diese Zahlen sind nur als Beispiel Diese Befürchtungen, denen Eugen Richter 1899 Ausdruc Selasse muß die Mietsentschädigung für Lehrer mindestens willkürlich angenommen.) Diese Methode hat etwas Be- verliehen hat, sind, noch nicht zehn Jahre später zur Wahrheit 330 M., für Lehrerinnen mindestens 250 M. betragen. Einst stechendes, wenn nur die Veranlagung zur Einkommen und geworden! Ja, die Freisinnsepigonen von Rigdorf sind sogar noch weilig angestellte Lehrer und Lehrerinnen sowie Lehrer, die Ergänzungssteuer eine Unterlage böte und wenn eine Sicher- darüber hinausgegangen, fie haben nicht den Ast abgesägt, auf dem noch nicht 4 Jahre im öffentlichen Schuldienst gestanden heit vorhanden wäre, daß leistungsfähige Elemente fie figen, sondern, sondern auf dem sie gesessen hatten, von dem haben, erhalten ein Fünftel des Grundgehalts weniger. nicht trotzdem Unterstüßung erhalten! Was man sie aber durch den Ansturm der Sozialdemokratie bereits hinabDie Ortszulage darf nur von solchen Schulverbänden beabsichtigt, berriet ein freifonservativer Redner, der meinte, geschleudert waren! bezw. Gemeinden bezahlt werden, die am 1. Januar 1909 in daß in Fällen, wo die Zuschüsse nicht zur Lehrerbesoldung ge- Es ist nicht das erste Mal, daß der Freifinn seine Hand zu Form von Grundgehalt und Alterszulage ein braucht würden, die Mittel zur Besserstellung der einer so niederträchtigen Machenschaft bietet. Bald nach InkraftEndgehalt von 2800 M. bezahlen. Hierbei ist ausdrücklich Bürgermeister Verwendung finden könnten! treten des Gesetzes vom 30. Juni 1900, im Oktober 1901, unterdie Anrechnung von sogenannten Teuerungszulagen ber- Die Gehaltstassen sind gefallen, ebenso die in der ersten breitete der Magistrat von Halle der Stadtverordnetenversamm boten, auch dann, wenn, wie es in vielen Fällen geschah, Lesung für das ganze Land beschlossenen Alterszulagefassen lung ein ähnliches Ortsstatut, wie es jetzt in Nixdorf in Kraft die Gemeinden von der Regierung, und zwar nnter Hinweis( für die Provinzen bestehen solche). Die Regierung machte treten soll. Mit einer einzigen Ausnahme stimmten die freiauf die kommende neue Gehaltsordnung, verhindert Verfassungsbedenken geltend und erklärte, daß, falls eine diefer finnigen Volksparteiler zusammen mit den Nationalliberalen für wurden, eine Neuregelung ihrer Lehrerbesoldungsordnungen Kassen in zweiter Lesung beschlossen werden solle, für sie das die Verschlechterung! Aber damals schämte sich die offizielle vorzunehmen, sie also ihre Lehrkräfte durch Zahlung einer ganze Gesetz unannehmbar sei. E3 war ein wenig Parteileitung noch ihrer Anhänger in Halle, die freisinnige Leuerungszulage entschädigen mußten. Diese Bestimmung Komödie dabei, als auf Antrag der Freikonservativen der Zeitung" fuchte sie von sich abzuschütteln und es so wird zu vielen Streitigkeiten und Beschwerden Veranlassung Finanzminister herbeigeholt wurde, um die sicherlich schon in hinzustellen, als ob die Freisinnigen dem Ortsstatut nicht zugeben! der geheimen Sizung abgegebene Erklärung nochmals zu gestimmt hätten. Wenn dieser Ableugnungsversuch auch mit den Durch die Drtszulage darf das bisherige Endgehalt für wiederholen. Die Regierung stellte dabei noch die Bedingung, tatsächlichen Vorgängen nicht in Einklang zu bringen war, so war die Lehrerſtelle um höchstens 900 m., jedoch nicht über 4200 m., daß in teinem Stadium der Verhandlungen er doch immerhin verständlich, er entsprang dem Gefühl, daß die das Gehalt der Lehrerinstelle um höchstens 500 M. und auf diese Kassen zurückgegriffen werden Freisinnigen von Halle den Freisinn furchtbar kompromittiert nicht über 2900 m. hinaus gesteigert werden. Das ist die dürfe. Eine nette Behandlung, die man aber anscheinend hatten. Auch als in Kiel und anderen Städten Schleswigs, two zwar Eingriff in die Selbstverwaltung der Ge- An Stelle der wieder abgelehnten Alterszulagekassen hat kein Dreiflassenwahlsystem besteht, das Wahlrecht aber an einen meinden darstellt, denn in allen Fällen, wo die Gemeinden man für die Regierung einen Dispositionsfonds ge- Bensus geknüpft ist, der Freisinnsklüngel dazu überging, durch mit Rücksicht auf die Entwickelung der Verhältnisse Verände schaffen, der in folgender Weise zustande kommt. Allen eine Erhöhung des Zensus den Arbeitern thr rungen beschließen, bedürfen diese Beschlüsse der Genehmi- Schulverbänden mit über 7 Schulstellen werden die Wahlrecht zu nehmen, besaß die Freisinnsleitung noch sogung der Aufsichtsbehörde, gegen deren Entscheid festen Staatsbeiträge entzogen. Den mit weniger als sieben viel Sdjamgefühl, um jede Gemeinschaft mit den Wahlrechtsräubern Beschwerde beim Provinzialrat, in Berlin beim Oberverwal- Schulstellen bleiben sie erhalten. Unterstüßungen aus dem zu bestreiten. Was freilich die Tatsache nicht aus der Welt fungsgericht eingereicht werden kann. Die Genehmigung ist Fonds der Regierung erhalten bedürftige Gemeinden nach schafft, daß zum Beispiel in Gimshorn drei Mitglieder der zu versagen, wenn und soweit eine Erhöhung nicht durch die Anhörung des Kreisausschusses durch Beschluß des Bezirks- freisinnigen Bolfspartei, hervorragende Unterzeichner volksparteibesonderen Verhältnisse des Schulverbandes ausschusses. Dieser Fonds wird in der Hand der licher Wahlaufrufe, den Ausschlag für den Wahlrechtsraub gegeboten ist. Es gehört keine besondere Weisheit dazu, zu Regierung eine Fuchtel werden, und seine Ber- lgeben haben, und daß in Kiel der freisinnige Stadtverordnete Bremse, die, abgesehen von allem anderen, einen schweren gewöhnt ist! Nieps, den Sie„Freisinnige Zeitung" als Musterknaben auf- marschieren ließ, allerdings gegen die Erhöhung des Zensus ge- stimmt hat, aber nicht aus prinzipiellen Gründen, sondern nur, weil die Gefahr, daß die Sazialdeinokraten das Stadtverordneten- köllegium erobern, noch nicht so groß sei, wenn nur jeder Bürger seine Schuldigkeit tue.„Wenn aber diese Zeit gekommen," so fügte er wörtlich hinzu,„dann werde auch ich keinen Augenblick zögern, von einem Rechte Gebrauch zu machen, welches uns die Städteordnung an die Hand gibt." Das entscheidende ist nicht, daß es es immer und überall so- genannte Freisinnige gegeben hat, die das Programm ihrer Partei mit Füßen traten, sondern vielmehr, daß die offiziellen Blatter des Freisinns, die früher derartige Attentate auf das Wahlrecht stets verurteilt haben, heute kein Wort der Entrüstung über das Vorgehen der Rixdorfer finden, sondern sogar durch ihre An- griffe auf die Obstruktion dar Sozialdemokraten, die sich nicht geduldig zur Schlachtbank führen lassen wollten, sich zu Mit- schuldigen an dem Schurkenstreich machen! „Keine Klassenwahl� keine öffentliche(Ab- st i m m u n g l" So heißt es im Eisenacher Programm der Frei- sinnigen Volkspartei. Allerdings, was gilt dem heutigen Blockfrei- sinn ein Programm?„Was nützt aber auch eine noch so schöne Fahne für sich allein? Ob Erfolg zu erzielen ist, das hängt doch in erster Reihe ab von der Tapferkeit, Festigkeit, Beständigkeit, mit der das Programm in den politischen Kamps hineingetragen und verteidigt wird." Dies stolze Wort, mit dem auf dem zweiten Parteitag der freisinnigen Volkspartei 1894 ihr Programm be» gründet wurde, legt der Rixdorfer Freisinn in seiner Weise auS. Auch er fragt sich, was eine noch so schöne Fahne für sich allein nutzt, aber er beantwortet die Frage dahin, daß die längst entweihte Freisinnsfahne überhaupt nichts mehr nutzen kann und daß man Tapferkeit, Festigkeit und Beständigkeit nicht in der Ver- teidigung seiner Grundsätze, sondern einzig und allein nur noch in der Bekämpfung der Arbeiterklasie an den Tag zu legen braucht! Eine würdige Feier des Jubliäums der Städteordnungl 1893 wollte Freiherr v. S t e i n den Bürgern eine tätige Einwirkung auf die Verwaltung des Gemeinwesens beilegen und dadurch Gcmeinsinn erregen und erhalten. Hundert Jahre später ent- rechtet die Bourgeoisie die Arbeiterklasse, deren Vertreter den Gemeinsinn in der ausgeprägtesten Form stets betätigt haben. Fürwahr, tiefer konnte der Freisinn nicht sinken! >» Herr v. Gerlach schreibt über den Rixdorfer Wahlrecktsraub in der„Welt am Montag": „Die bösartigste Form der Reaktion verkörpert jene dritte Klosie von Reaktionären, die Liberalimus vor- spiegeln und Reaktion praktizieren. Die heuchlerischen Reaktionäre sind die wirklich verächtlichen. Sie reden von Frei- heit. Sie donnern gegen die Reaktion. Sie führen die Gerechtig- keit im Munde. Sie verfluchen die agrarische Ausbeutung. Sie schwärmen für die Gleichheit aller Staatsbürger. Sic empören sich über die Tyrannei der Mächtigen. Aber all das geschieht nur da, wo sie nicht selbst die Macht haben. Wo sie zu hoffnungsloser Minderheit verdammt sind, da figurieren sie als Helden freimütiger Opposition. Wo sie aber selber herrschen, da verstehen sie sich auf das Gewerbe der niederträchtig st en Re« aktion so gut, daß jeder oft elbische Junker vor Neid erblassen mutz.... Entweder man hat Prinzipien oder man hat keine. Hat man keine, so ist man jedenfalls nicht liberal. Tun die Liberalen ihre Pflicht, sind sie genügend eifrig und ge- nügend sozial, so können sie auch bei gleichem Wahlrecht die Mehr- heit erringen. Eine politische Infamie aber ohne gleichen ist es, nicht nur für das gleiche Wahlrecht nicht ein- zutreten, sondern das bestehende ungleiche Wahlrecht aus Rot- koller noch zu verschlechtern.... Aus Haß gegen die Arbeiter und aus Furcht vor ihnen hat man Bestimmungen geschaffen, wie sie kein Krautjunker schlimmer hätte gestalten können. Und jetzt, als„Krönung des Gebäudes", das Spektakelstück vor den Taren Berlins!... Und der Gipfel der Schande ist, daß die Berliner block- freisinnige Presie kein Wort des Tadels über die Rixdorfer Vor» gänge findet. Stillschweigend heißen„Tante Voß" und„Freisinnige Zeitung" den Gewalt- akt gut. Sie wisien ganz genau, daß ihr Parteiprogramm die Beseitigung der Klassenwahl fordert. Aber sie schweigen, wenn ihre Parteigenossen in schnöder Mißachtung dieses Programms mit den Rechten nicht bloß der Arbeiter, sondern auch breiter Schichten des Mittelstandes Schindluder treiben. Statt zu fordern, daß die schuldigen Freisinnigen cum inkamia aus der freisinnigen Organisation exkludiert werden, stärken sie ihnen das Rückgrat durch alberne Bemerkungen über die„Obstruktion" und die„Demonstrationen" der Rixdorfer Ar- beiter. Ja das könnte den Herren Wohl passen, wenn die Sozialdemokraten, die man so niederträchtigbehandelt, in Hundedcmut alles über sich ergehen ließen. Aber Gott sei dankl sind unsere Arbeiter denn doch nicht zu der Unterwürfigkeit von Blockfreisinnigen herabgesunken, die auf Bülowsche Fußtritte mit Liebesertlärungen reagieren. Niederträchtig l Anders kann man den Rixdorfer Coup nicht nennen. Schon sind 27 Sozialdemokraten gewählt. Die Zweidrittelmehrheit, die zur Verschlechterung des Wahlrechts nötig ist, ist damit gebrochen. Aber die neugewählten Stadt- verordneten treten erst am 1. Januar 1999 ihr Amt an. Des- halb wird noch kurz vor Toresschluß ein Gewalt streich verübt. Ohne Beschaffung statistischen Materials. ohne K om m iss i o nS b e ra t u n g, ohne sachliche Debatte, wie der Dieb in der Nacht, bricht man in die Rechte der Massen ein, denen Rixdorf alles, was eS ist. verdankt." CidOTlismu; und Sozialismus. Bor mehreren Wochen hat Herr Theodor Barth in Kopenhagen einige Vorträge über Liberalismus und Sozialdemo- kratie gehalten, in denen er die Ansicht vertrat, daß der sozia- listische Revisionismus in der deutschen Sozialdemokratie mehr und mehr an Boden gewinne, während andererseits der Marxismus eines seiner Dogmen nach dem andern fallen sehe. So entwickele sich, meinte Dr. Barth, die Sozialdemokratie zwar langsam, aber, wie die bisherigen Erfahrungen bewiesen, mit innerer notwendiger JsAmsequenz zu einer sozialistischen Reformpartei. Zugleich nähme auch der alte manchesterliche Liberalismus in steigendem Maße sozialreformerische Anschauungen in sich auf. Beide Parteien näherten sich, so daß ein politisches Zusammenwirken der Sozial- demokratie mit dem Liberalismus unausbleiblich sei:„In abseh. barer Zeit werden die entscheidenden politischen Kämpfe der Gegen- wart in einer Schlachtordnung geführt werden müssen, bei der auf der«inen Seite die„union des cloches et des tambours" (Klerikalismus und Militarismus), verstärkt durch die kapita- listischen Feudalherren, aufmarschiert, während auf der anderen Seite eine liberal-sozialistische Fortschrittspartei ihr gegenüber- tritt, die sich auf die Millionenheere lder Arbeiterschaft stützt." Diese Vorträge, die Herr Barth jetzt in einer Broschüre er- scheinen läßt, geben der„Franks. Ztg." zu folgenden Bemerkungen Anlaß: „Wir dürfen wohl sagen, daß wir zu den ersten gehörten, die einer Annäherung des Liberalismus an die Sozialdemoiratie das Wort redeten. Wenn wir das heute nicht so tun wie früher, So sind wir uns aber nicht untreu geworden. Wir sind nur der lnsicht, daß man auch in der Politik, wie in jedem Geschäfte, ein gewisses Maß von Würde nicht vermissen lassen dürfe. Wir habe jahrelang einem freundschaftlichen Verhältnisse, wir meinen natürlich Sur einem parteipolitisch freundschaftlichen Verhältnisse, zwischen Sozialdemokratie und Liberalismus unsere Feder ge- widmet. Daß die Haltung bei der Sozialdemokratie zunächst wenig Anklang fand, hat uns nicht irre gemacht. Wir wissen, daß neue politische Kombinationen nur langsam werden, und wir mußte» uns auch sagen, daß man bei einer Partei, deren gesellsdiaftliche Kultur im allgenieinen noch sehr jungen Datums ist, nicht jede Aeußerung auf die Goldwage des guten Tones legen dürfe. Wir haben das auch immer wieder den anderen gesagt. Aber alles hat seine Grenze. Wenn man sieht, daß die Entwickelung, die ein gutes Verhältnis zwischen Liberalismus und Sozialdemokratie herbeiführen könnte, unterbrochen wird— man denke nur an den Dresdener sozialdemokratischen Partei- tag—, wenn immer wieder der Gedanke der Annäherung ab- gelehnt wird, wenn der Spott über diesen Gedanken nicht weicht und vielmehr die Grobheit noch dazukommt, dann, so meinen wir. muß man schon die Demut zu seinen Charaktereigenschaften zählen, oder nicht sehen, was da ist, um nicht sdsiießlich zu einer gewissen Zurückhaltung. zu gelangen. Der Gedanke, daß die Sozialdemokratie sich allmählich ändere, ist geläufig. Sie tut es nur allzu allmählich. Immerhin darf man wohl annehmen, daß sie an irgend- einem Punkte einmal mit dem Liberalismus zusammentreffen werde, und Politiker werden diese Möglichkeit oder, wenn man will, Wahrscheinlichkeit nicht aus dem Auge verlieren. Aber'das muh doch nun einfach ab-' gewartet werden. Der Sozialdemokratie nachzulaufen, ist nicht nur ein ungeeignetes Mittel, dieses Zusammentreffen zu fördern, sondern auch geradezu unwürdig." , Auch wir sind der Ansicht, daß, wenn auch die Hoffnung, die Sozialdemokratie könne einstmals mit dem Liberalismus„zu- sammentreffen" und sich mit ihm zu einer Partei vereinigen, eitel ist, doch in manchen Fällen ein gemeinsamer Kampf gegen„Kleri- kalismus und Militarismus" stattfinden könnte. Wenn diese Ge- meinsamkeit heute fehlt, so ist das aber nicht die Schuld der Sozial- demokratie. sondern der eigenartigen Entwickelung des Liberalis- mus in Deutschland, der alle seine einstigen Ideale preisgegeben hat und sich heute im Block, um gewissen zahlungsfähigen a u ch-i liberalen Elementen wirtschaftliche Vorteile zu verschaffen, zum willfährigen Handlanger des AgrarkonservatiSmus hergibt. Ferner ist es die Schuld der Gesinnungslosigkeit einer Presse, darunter auch der..Franks. Ztg.", die, um sich die zahlungsfähige Gunst gewisser Börsen- und Handelsschichten zu erhalten, in allen die Arbeiter- klasse betreffenden politischen Lebensfragen zu den weitgehendsten Zugeständnissen an die reaktionären Wünsche bereit ist. und die. um gute Nachrichten zu erhalten, ihre Vertreter in der Wilhelm- straße in Berlin antichambrieren läßt und willig offiziöse Schlepperdienste leistet. Wie heruntergekommen dieser Liberalismus schon ist, das zeigt aufs neue die Rixdorfer Wahlentrechtung. Habendort doch sämtliche freisinnige Stadtverordnete dafür g e st i m m t, den 356 Stimmberechtigten der ersten Wählerklasse ein noch größeres Uebergewicht als bisher gegenüber den 31 999 Wählern der dritten Klasse zu verschaffen, indem sie alle Wähler, die nicht mindestens das Anderthalbfache des durchschnitlichen Steuerbetrages bezahlen, in die dritte Klasse abschoben. Und was noch kennzeichnender ist für die widerliche Verkommenheit des Liberalismus: in der ganzen liberalen Presse haben sich nur zwei oder drei Blätter gefunden, die gegen diese schmähliche Verleugnung liberaler Prinzipien protestierten. Die anderen haben sie einfach mit einigen spöttischen Bemerkungen über die sogen. Obstruktion der sozialdemokratischen Rixdorfer Stadtverordneten registriert oder gar zu dem Akt echt freisinniger Gesinnungsbetätigung jubelnd Beifall geklatscht. Und zu diesen jämmerlichen Blättern der letzt- erwähnten Gattung gehört auch die ehrsame entschieden liberale„Frankfurter Zeitung". Daß die Sozialdemokratie sich mit diesen politisch verwesenden Elementen einstiger Fortschrittsherrlichkeit koalieren und ihnen zu Liebe auf ihre prinzipiellen Forderungen verzichten soll, das kann nur jemand verlangen, der entweder ein Phantast ist oder der bereits selbst politisch so korrumpiert ist, daß er die steigende Korruption des Freisinns nicht mehr sieht. Der Freisinn muß noch weiter verwesen, ehe an eine wirklich liberale Parteibildung in Deutschland zu denken ist. Er muß erst auS dem jetzigen Block herausgeworfen und, vor daS Nichts gestellt, von einer konservativ- klerikalen Koalition völlig niedergestampft werden, bevor im Libe- ralismus selbst eine Wendung zum Bessern«inzutreten vermag. Unter denen, die heute den Mugdan, Fischbeck, Kopsch folgen und in diesen die Vertreter ihrer politischen Ideale erblicken, ist jede Regeneration ausgeschlossen. Sie sind der inneren Verwesung verfallen, und jede Partei, die sich mit ihnen verbindet, wird tödlich infiziert._ Oer lilittelsmauD Im Bergbau. Der industrielle Großbetrieb hat überall die gleiche Organisa- tionsform erhalten. Zwischen dem Arbeiter und dem Kapitalisten steht der Beamte als Werkmeister, Betriebsleiter oder Kaufmann. Ueberall wird die gleiche undankbare Pufferstellung geschaffen, der Angestellte wird als Antreiber und Ausbeuter auf den Arbeiter losgehetzt und ist doch selbst nur ein Lohnarbeiter, über den der Unternehmer die Hungerpcitschc schlvingt, wenn der„geistige Mit- arveiter" sich anschickt, renitent zu werden. Die Stellung des An- gestellten, die Auffassung, die er von seiner Tätigkeit hat, ist da- her nicht ohne Einfluß auf die Stellung des Arbeiters zum Betrieb. Drängen sich zwischen Kapital und Arbeit einer Industrie Be- amtengruppen, die sich als Büttel im Dienste des Unternehmers gebrauchen lassen, dann werden die Gegensätze im Betrieb noch mehr verschärft, wie sie ohnedies schon vorhanden sind. Ganz besonders klar ausgeprägt haben sich diese Verhältnisse im Bergbau. Die große Erbitterung, die nun schon seit Jahren in der Bergarbeiterbevölkcrung vorhanden ist, wird täglich genährt durch Handlungen der Grubenbeamten, zu denen die Betriebs- leitung den Auftrag und die Behörde die Genehmigung gibt. Geradezu raffiniert ist der Verwaltungskörper hier organisiert. Der unterste Beamte ist der Steiger, oer unmittelbar mit dem Bergmann zu arbeiten hat. Dann folgt eine Reihe von Instanzen und Vorgesetzten, bis zu den obersten Leitern des Bergwerks. Jeder Oberbeamte sucht sich gefügig seinem nächsten Vorgesetzten unterzuordnen, der Steiger als der unterste Angestellte ist dann der Sündenbock, der alles ausführen und verantworten muß. Mög» lichst viel Kohle soll gefördert und möglichst an Produktionskosten gespart werden, jede Unregelmäßigkeit in der Betriebsleitung wird jedoch dann aus den Steiger abgewälzt. Im Reichstag haben anläßlich der Radboddebatte selbst bürger- liche Redner diese unhaltbare Zwischenstellung de? Steigers ein- gehend erörtert. Die gegenwärtige Situation hat aber doch eine neue Erscheinung gezeitigt, nämlich einen Protest der Angestellten selbst gegen die bestehenden ProduktionSmethoden. Im Austrage seiner Gewerkschaft, des Deutschen Steigerverbansdes, hat G. Werner eine Broschüre über Unfälle und Erkrankungen im Ruhrbergbau veröffentlicht. Der Verfasser schildert an der Hand von Zahlen und Tatsachen, welche Opfer hier der Kapitalismus an Leben nnd Gesundheit der Arbeiter fordert, Die Fortschritte der Technik haben Einrichtungen und Hilfs- mittel geschaffen, um die Arbeiter nach Möglichkeit gegen die ver- scknedenstcn Gefabren zu schützen. Aber diese Hilfsmittel kosten Geld. So wiederholt sich denn immer dasselbe Spiel, der Steiger interpelliert seine Vorgesetzten, ihm die nötige Zahl von Reparatur- Hauer zur Ausführung der Sicherungsarbeiten zu bewilligen, oder er macht auf Mängel in den bestehenden Sicherheitseinrichtungen aufmerksam. Seine Mitteilungen werden schroff zurückgewiesen. alle Beschwerden unterdrückt. Nur wenn ein Unglücksfall vorliegt, wird nach dem Schuldigen gesucht und in den meisten Fällen dann der Steiger zur Verantwortung herangezogen. Die Bergbehörde als Aufsichtsinstanz steht oiesen Zuständen teilnahmloS, oft sogar mit drückend gegenüber. Die Feststellungen, die Werner in seiner Broschüre macht, sind den Grubenmagnaten natürlich sehr unangenehm; sie versuchen daher, diese Sckrift zu dementieren. Am wirksamsten ist die Methode, den Steigerverbano von den eigenen Berufskollegen be- kämpfen zu lassen. Die Arbeitgeber haben daher ihren Einfluß bei dem„Verband technischer Grubenbeamtenvereine im Oberberg- amtsbeziri Dortmund", einer echten Harmonievereinigung, auf- gewendet und eine Protcstlundgebung agieren lassen. In einer Versammlung, die kürzlich in Bochum stattfand, erklärte man sich als einzig in Frage kommenoe Vertretung der technischen Gruben- beamlen und wandte sich„mit Entrüstung" gegen die von Werner aufgestellte Behauptung/ daß das Radbodungiück ein Produkt aus Nachlässigkeiten der Verwaltung. Unterlassung von Beamten und loahrscheinlich auch von Arbeitern sei. Die Versammlung sprach ikre Ansicht dahin aus, Daß weder ein NeichSbcrggosetz, noch die Einführung von Arlieiterkontrolleuren geeignet sei, die Gefahren des Bergbaues zu verhindern, ja auch nur einen einzigen Unglücks- fall zu vermeiden. Die Einführung von Arbeiterkontrolleuren würde im Gegenteil die infolge der sozialdemokratischen Agitation heute so schwer aufrecht zu haltende Disziplin noch weiter unter- graben und dadurch die Gefahren des Bergbaues noch erhöhen. Politisch bedeute die Einführung von Arbeiterkontrolleuren eist- nicht zu gering anzuschlagende Stärkung der Sozialdemokratie, denn es werde kaum zu vermeiden sein, daß dadurch gutbezahlte sozialdemokratische Agitatorenstellen geschaffen werden, und der Sozialdemokratie eine Gelegenheit zur Agitation geschaffen würde, wie sie sich nicht besser wünschen könne. Diese Erklärung zeigt den bornierten Standesdünkel und beschränkten Rotkoller, wie er in den Kachverbänden durch den Einfluß der Unternehmer in den letzten Jahren gezüchtet wurde. Aber das alte Rezept scheint doch nicht mehr überall zu wirken, die Tatsache, daß allen Unter- drückungSmatzregeln der Grubenmagnaten zum Trotz sich in Rhein- land-Westfalen eine neue Steigergewerkschaft entwickeln konnte, gibt den Beweis, daß es auch dort zu kriseln beginnt Alle Zeichen sprechen dafür, daß nicht nur ein gewaltiges und erbittertes Ringen zwischen Bergarbeitern und Grubenbesitzern sich ankündigt, sondern daß auch der industrielle Mittelsmann mit hineingezogen wird. Die Organisation der Arbeit, wie sie der kapitalistische Betrieb erfordert, zwingt auch hier den Angestellten, nicht im Arbeiter seinen Feind zu sehen, sondern im Unternehmer, den er aus eigenem Selbsterhaltungstrieb gemeinsam mit dem Arbeiter zu bekämpfen hat._ politifchc Clcbcylicbt. Berlin, den 21. Dezember 1908. Ein bedeutsamer Kommunalwahlsieg. Nach fünftägiger heißer Stichwahlschlacht haben unsere Partei- genossen in Mülheim am Rhein dem Zentrum drei Stadt- verordnetensitze der dritten Abteilung abgenommen.(Wir haben das Resultat in der SonntagSnummer schon telegraphisch gemeldet.) Bei der Hauptwahl hatten erhallen: Zentrum 2675, Sozialdemo- kratte 2249, Liberale 789 Stimmen. Bei der Stichwahl erhielten die sozialdemokratischen Kandidaten durchschnittlich 3299, das gentruni 3178 Stimmen. Der Sieg ist nicht ganz aus eigener Kraft errungen, denn etwa 399 Wähler, die im ersten Wahlgang liberal stimmten, wählten bei der Stichwahl sozialdemokrattsch, nachdem die liberale Parteileitung die Parole ausgegeben hatte: Keine Stimme dem Zentrum! und nachdem der jungliberale Verein aufgefordert batte, für die Sozial- demokratie zu stimmen. Was die Zentrumsblätter vom„blau- roten Bündnis" fabeln, ist finnlos, denn es haben keinerlei Abmachungen irgendwelcher Art stattgefunden. Der ehrlichere Teil der Liberalen hat ohne jede Bemühung von unserer Seite für uns gestimmt. Genau so war eS im benachbarten Kalk, über das ähnliches behauptet wird. Bei der Mülheimer Stichwahl haben 82 Proz. der Wahl- berechtigten gestimmt; eine bei einer Kommunalwahl dritter Klasse ungewohnt hohe Beteiligung. Bei der Hauptwahl slimnilen nur 75 Proz. Bisher hatte daS Zentrum stets im ersten Wahlgang gesiegt. Das ist überhaupt der erste tatsächliche poli- tische Wahlerfolg im katholischen Teile der R h e i n p r o v i n z. Die drei Mülheimer Genossen sind die ersten sozialdemokratischen Stadtverordneten in den vier katholischen Regierungsbezirken des RheinlandeS(Köln, Aachen, Koblenz und Trier). Wenn auch die Mülheimer Sitze nicht ganz ohne liberale Stimmen gewonnen werden konnten, so hat sich doch gezeigt, daß das Zentrum in einer durch und durch katho- lischen Stadt nicht mehr von vornherein des Sieges sicher ist. Unsere Stimmen hatten sich schon bei der Hauptwahl gegenüber der Wahl vor zwei Jahren um fast 149 Prozent vermehrt; bei der Stichwahl stiegen sie. wenn man die 399 liberalen Summen abzieht, um weitere 759, während daS Zentrum m i t liberalen Stimmen nur 599 Stimmen zunahm.-» Freisinnige Dicbstaktik. Mit eiserner Stirn hat die„Freisinnige Zeitung' bisher ihren Lesern die Tasache unterschlagen, daß unter den Rixdorfer Wahlrechtsräubern Freisinnige sind; ebenso hat sie kein Wort der Kritik, geschlveigc denn des Protestes gegen die infame Entrechtung der Rixdorfer Proletarier gefunden. Um so gcschioätziger ist sie über sozialdemokratische Angelegen- Heiten.� In ihrer Dienstagsnummer bringt sie einen Leitartikel: „Die österreichische Sozialdeinolratie", worin sie unsere öfter- reichischen Genossen in törichter Weise gegen die deutsche Sozial- demokratie auszuspielen sucht. Der Artikel lohnte keinerlei Be- achtung, wenn nicht zum Schlüsse in gar zu unverschämter Weift die Worte unseres Genossen Dr. Adler gegen die Obstruktion der Tichechisch-Radikalen als Verurteilung der Obstruktion ausgebeutet würden, die die deutsche Sozialdemolratie 1992 gegen den Wucher- tarif geübt hat. Es gehört das Fälschungstalent eines ReichSverbändlerS dazu — woran es der„Freisinnigen Zeitung" allerdings nie gemangelt hat—, um die damalige Obstruktion der deutschen Sozialdemokraten und die jetzige der Tschechisch-Radikalen als gleichwertig zu fttzen. Beim Wuchertarif Hcrndelie es sich um ern Lebensinteresse dcw überwiegenden Mehrheit des deutschen Volkes, vor allem des Proletariats und der Kleinbürger, die Obstruktim, der Tschechisil?- Radikalen entsprang chauvinistischen Ouerelen, geboren aus lachet- lich kleinlichen Anlässen, um derentwillen die Gesetzgebungs- Maschinerie eines großen Reiches lahmgelegt werden sollte, in«mein Augenblicke, wo die ArbeiteralterSversicherung eingebracht ist! Von der Verurteilung jeglicher Obstruktion sind unsere öfter- reichischen Genossen ebensoweit entfernt, wie die deutschen Frei- sinnigeu von demokratischer Gesinnung. Denn die österreichische Sozialdemokratie müßte ihre eigene Vergangenheit verurteilen, müßte ihre mutige Tat verleugnen, durch die sie einst den Sturz Badenis erzwang, Das aveS ist der„Freisinnigen Zeitung" natürlich sehr gut bekannt. Ebenso die Tatsache, daß die österreichische Dozialdcmo- kratie die Obstruktion der deutschen Genossen von 1S02 allzeit leb- Haft anerkannt hat. Indes, ihre Leser wissend tvahrscbeinlich nicht mehr und also braucht sich daS gewissenhafte Fraktionsorgan in der Verdrehung der Dinge keinen Zwang aufzuerlegen. Ob keiner der freisinnigen Abgeordneten das Schweigen seines Parteiorgans zur Nixdorfer Wahlrcchtssck'aiidc als— wir wollen nicht sagen als Schmach, aber doch als sehr ungeschickt empfindet? Ob keiner sich sagt, daß dieser plumpe Diebesknisf die Aufmerksam- keit vom Dreck am eigenen stecken durch tölpelhafte Dreckwürfe auf den Gegner abzulenken, die Verlegenheit nur vergrößern mutz, wenn die Herren im Parlament vor aller Oeffentlichkeit auf die Tat ihrer Parteigenossen und die untätige Haltung des Fraktions- organs angenagelt werden?_ Abermals gemahregelt! Dem Sprecher der Prinzendelegation auf Radbod, P i l g r i m, und fünf seiner Kameraden, die auf Zeche Daakermulde(Radboder Gebiet) Arbeit bekommen hatten, Nmrde zum nächstzulässigen Kündigungstermin wieder gekündigt. Pilgrim war inzwischen auf persönliche Vorstellung bei der untersuchenden Bergbehörde als Zeuge vernommen worden, da er, wie viele andere Zeugen, noch keine Vor- ladung erhalten hatte. Er hat mit seinen Kameraden im Bochunier Revier nirgends Arbeit bekommen. Man wollte ihn auf Zeche Daakermulde nicht haben, weil man „Stänker" und„Aufwiegler" nicht gebrauchen könne.— Ein interessanter Marineprozeh wird in der nächsten Zeit in Berlin zur Verhandlung kommen. Der Staatssekretär V. T i r p i tz hat Strafantrag gestellt gegen den jkapilän z. S, a. D. B e r g e r und den Herausgeoer des„Blaubuck" Dr. Jlgenstein wegen Beleidigung. Der Kapitän Berger behauptet, daß das Marinekabinett Beschwerden unterdrückt habe, die er an den Kaiser gerichtet halte. Diesen Vorfall und noch andere Borkommnisse in der Marine hat er in einem Artikel, den das„Blau- buch" veröffentlichte, geschildert. Der Zweck, den er damit befolgte, war der, ein strafrechtliches Einschreiten gegen sich selbst herbeizuführen— Die maßgebenden Instanzen haben lange gezögert, ehe sie sich zu einem Vorgehen entschlossen. Der Prozeß verspricht ein interessantes Schlaglicht auf die Tätigkeit des Marmekabinetts zu werfen._ Unterschleife bei der kaiserlichen Werst. Seit Jahresfrist sind eine ganz hübsche Anzahl von Unter- schlagungen aufgedeckt worden, die in staatlichen Betrieben vor- gekommen sind. Der Untersuchungsrichter in Kiel hat dieser Tage mitgeleilt, daß sich die bei der dortigen Werft entdeckten Unter- schlagungen auf über eine Million Mark belaufen. Angesichts dessen drängt sich denn doch die Frage auf, ob die in solchen Staatsbetriebe» so massenhaft vorhandenen Beamten auch ihre Schuldigkeit annähernd erfüllen. Der Staatssekretär des ReichSmarineamtS, v. T i r p i tz, hat mehr als einmal verkündet, daß in den deutschen Marine- betrieben eine mu st erhafte Ordnung herrsche.— Wie die Ereignisse der letzten Zeit beweisen, scheint aber doch sehr viel faul zu sein im Staate Dänemark._ Gegen die badische Regierung erheben unsere dortigen Parteiorgane neuerdings die Anschuldigung, daß von ihr die sozialdemokratische Partei ungerechtfertigt zur Seite geschoben werde. Das Ministerium schuf den von dem Landtag geforderten WasserwirtschaftSrat, in welchen Vertreter der verschiedenen volkswirtschaftlichen Interessentenkreise, sowie Abgeordnete der beiden Kanunern berufen worden sind. Einzig die Arbeiterschaft ist darin nicht vertreten, der sozialdemokra- tischen Partei erwies die Regierung nicht die Berücksichtigung, die den Herren vom Zentrum und liberalen Block durch die Berufung ihrer Führer zuteil geworden ist. Die Umgehung der Arbeiterschaft in dieser Spezialität einer Kanimer, welche sich hauptsächlich mit der Verwertung der Wasserkräfte � für Industrie und Verkehr zu befassen hat, ist skandalös I Das Verhalten des Ministeriums gerade in dieser Angelegenheit muß die Nichtigkeit der Auffassung bestätigen, daß man der badischen Regierung mit einem platonischen Miß- trauensvotum nicht imponieren kann; ein Protest muß in der Verweigerung des Etats ausgedrückt sein, wenn er stechen und hauen soll. Die Mannheimer.Volksstimme" erhebt neuerdings den Vorwurf einer„verwerflichsten politischen Unmoral" wegen der fortgesetzten Versuche der Lehrerknebelung durch den Ober schulrat. Letzterer ließ den Vorsitzenden der Neckar- elzer Lehrerlonferenz und einige seiner AmlSkollegen d i e n st- polizeilich vernehmen, um den Verfasser oder Ver- anlasser der VertrauenSresolut ton zugunsten deS ge- maßregelten Rödel zu ermitteln. Die Inquisition war e r« f o l g l o S, da sich keiner der Lehrer bereit fand, zum Der- räter eines Kollegen zu werden. Die.Volksstimme" zieht eine Paralelle dieser disziplinären Untersuchung mit dem Schutze, den im siaatsanwaltlichen Strafverfahren diejenigen genießen, welche als Täter in Frage kommen; sie sind berechtigt, das Zeugnis ab- zulehnen. Und ein Lehrer ergänzt in der liberalen Presse diesen Vergleich mit dem Hinweise darauf, daß bei der letzten Landtags- Wahl ein bekannter katholischer Geistlicher in der Jen- trumsflugschrift..Waldmichel" die Regierung und den Großherzog in„beispiellos dastehender Weise" beleidigte, ohne disziplinarisch oder richterlich belästigt zu werden. Und noch etwas! Die öffentlichen Beschwerden mehren sich auS den Kreisen des unteren Beamtentums darüber, daß der neue G e- Haltstarif schwere Enttäuschungen hervorgerufen hat, nament- lich bei den Angestellten der Eisenbahnverwaltung. Im„Volks- freund" führen Beteiligte den Nachweis, daß die Beschlüsse der Kammerverhandlungcn von der Staatsverwaltung nicht beachtet werden und viele Ungerechtigkeiten bei den Anstellungsverhältnissen unterlaufen. So geht das Jahr nicht zur Neige, ohne in steigendem Maße durch die letzte Phase der politischen Entwickelung darauf hinzu- weisen, wie verkehrt die Auffassung unserer badischen Partei. genossen war. die ihnen eine entgegenkommendere Taktik gegenüber der Regierung angebracht erscheinen ließ. Die Beratung der BoltsschulnovcUe im württem- bergischen Landtag ist nun glücklich so weit gediehen, daß der Artikel 1 deS Gesetzes fertig ist. Der sozialdemokratische Antrag. Gesetzes- und Bürgerkunde für fakultative Lehrfächer zu erklären, wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und dreier Volks- parteiler abgelehnt. Der volksparteiliche Abgeordnete Lehrer Lochst er meinte, die Gesetzes, und Bürgerkunde fei für die Volksschule ein zu schweres Fach. Im gleichen Sinne sprachen sich der konservative Baucrnbündler S ch r e m p f und der Zentrums- mann R e m b o l d- Aalen aus. Auch der Zentrumsabgeordnete Weber Pflichtete dem bolksparteilichen Redner bei. Die Er- richtung von Hilfsschulen für Schwachbegabte wurde ferner den Gemeinden ermöglicht. Der Kultusminister teilte mit. daß ein Gesetzentwurf betreffend die Regelung der Schul» arztfrage ausgearbeitet sei. � Die Zweite Kammer lehnte am Montag bei der Beratung der Volksschulnovelle den Antrag der Volkspartei auf o b l i g a- torische Einführung des achten Schuljahres mit bg gegen L3 Stimmen der Volkspartei und Sozialdemokraten ab. Dagegen wurde dem Antrag der Kommission auf fakultative Ein- führung de» achten Schuljahres zugestimmt. Die blamierten Sozialistenveruichter von Gotha. Gotha, 21. Dezember. (Privatdepesche des„Vorwärts".) Bei der heutigen Nachwahl im 8. LandtngSwahlbezirke des Herzogtums Gotha wurde mit 21 gegen 20 Wahlinännerstimmen abermals Genosse Bock zum Landtagsabgeordneten gewählt. Die Nachwahl war bekanntlich notwendig geworden, weil die bürgerliche Mehrheit deS Golhaer Landtages unter rücksichtsloser Umsloßmig der früher beobachteten Grundsätze der Wahlprüfung das Mandat deS Genossen Bock für ungültig erklärt hatte. Nun hat den Bürgerlichen diese Gewalthandlung, die sie aut die schlimmste Weise bloßstellte, nicht einmal den Ertrag eingebracht, den sie davon erhofften. Der gehaßte Gegner, den sie auS dem Landtage drängen wollten, kehrt in das Landesparlament zurück und ihnen bleibt nur die Einbuße an Ansehen, die ihre Tat notwendig im Gefolge haben mußte._ Gärung auf Samoa. DaS„W. T. B." meldet: Aucklaiid, 21. Dezember. Nach hier eingegangenen Nachrichten versuchen einige Häuptlinge in Samoa Unruhe zu stiften, weil sie durch die Auslösung deS ehemaligen samoanischen Parlaments an Macht und Würde verloren zu haben glauben und die Auschauimg verfechten. Deutschland sei nur ihr Pro- t e k t o r und nichts weiter. Wenn das samoanische Parlament wieder zusammentritt, wünschen sie, die samoanische Flagge zu hissen, und es ist wahrscheinlich, daß sie an England und Amerika appellieren werden, damit diese Länder entscheiden, ob ihre Handlungsweise gerechtfertigt sei oder nicht. Gewalttätigkeiten werden nicht befürchtet, doch werden die Häuptlinge den deutschen Behörden wahrscheinlich passive R e s i st e n z entgegensetzen. Derartige Intrigen einzelner samoanischer Häuptlinge sind, wie unS an amtlicher Stelle mitgeteilt wird, wiederholt vor» gekommen. Das Gouvernement hat jedoch schädliche, für die Ruhe auf Samoa bedenkliche Wirkungen solcher Intrigen stets ohne Schwierigkeit abgewendet. Besonders glücklich scheinen sich danach die Samoaner unter der deutschen Herrschaft nicht zu fühlen. Ob sich die Unzufriedenheit auf die Häuptlinge beschränkt, erscheint zweifelhaft, da man ja durch Import chinesischer Kults die Löhne der eingeborenen Arbeiter gehörig zu drücken verstanden hat!— Zusammenstöße in Südwestafrika. Die letzten Nachrichten aus Südwestafrika lassen erkennen, daß es mit der vollständigen Ruhe, die dort drüben angeblich herrscht. nicht weit her sein kann. Bei Nomansdrist wurden bewaffnete Ein- geborene gesehen, die sofort von einer Kompagnie verfolgt wurden. Einer der Eingeborenen wurde erschoffen. Milte November kam es im Zarisgebirge zu einem Zusammenstoß mit Buschleuten; dabei wurden einige der Buschleute erschossen und eine Anzahl Kinder ge- fangen genommen. Offenbar haben die Hottentotten eine Art Bandenkrieg organisiert. Wenn man bedenkt, daß gerade in den Kolonien da? Ver- tuschungssystcm überaus sorgfältig gepflegt wird, dann geht man wohl kaum fehl in der Annahme, daß dort auf lange Zeit hinaus die Kämpfe noch kein Ende nehmen werden. Ein ehemaliger Hottentottenkrieger z« sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Der Gefangenenaufseher Reichel stand am Sonnabend wegen Verbrechen nach ß 174 des Strafgesetzbuches unter Anklage vor der Strafkammer des Landgerichts in Weimar. Er hat sich i n sechs- zehn Fällen an gefangenen Frauen vergriffen. Beanttagt wurden hierfür fünf Jahre Zuchthaus. Der Verteidiger trat aber in Anbetracht der Tatsache, daß Reichel in Afrika als Soldat gedient habe, für mildernde Umstände ein. Das Gericht schloß sich dem an und— es blieb der ehemalige Hottentotten- krieger vom Zuchthaus besteit, dafür wurde er aber zu sechs Jahren Gefängnis und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt. Militärjustiz. Wegen Fahnenflucht im zweiten Rückfalle wurde von dem Kriegsgericht der 16. Division der Musketier Meurer vom 20. In- fanierieregiment in Trier zu fünf Jahren neun Monaten Zuchthaus verurteilt. Der Verurteilte, der Keffelflicker und Korb- macher ist und ein sehr bewegtes Leben hinter sich hat, gab als Grund für seine drei Desertionen an, er sei beim Militär schlecht behandelt worden. Es waren sechs Jahre Zuchthaus beanttagt. Der Unglückliche erkannte das Urteil sofort an.— Oeftcmicb. Vertagung. DaS österreichische Abgeordnetenhaus ist am Sonnabend in die Ferien gegangen, nachdem es der Regierung noch die Er- mächtigung zur Fortführung der handelspolitischen Verhandlungen und zur Verlängerung des Handelsvertrages mit Serbien gegeben hatte. Die Agrarier hatten dem Gesetz den schärfsten Wtt«rstand entgegengesetzt, blieben aber schließlich in der Minorität. Dann wurde noch auf Anttag der Sozialdemokraten die RegierungS. vorläge über die Sozialversicherung einem eigenen Aus- schuh von 62 Mitgliedern zugewiesen. DaS wichtigste Ergebnis des Sessionsabschnittes besteht darin, daß das Haus des gleichen Wahlrechts vor allem dank der muttgen und energischen Initiative der sozialdemokratischen Fraktion seine Lebenskraft glänzend bewiesen hat und seine Arbeitsfähigkeit in Situationen bewährt hat, in denen das alte Kurienparlament längst vor dem AbsoluttSmuS des§ 14 kapituliert hätte.— frankmeb. Ein bed/utungsvoller Wahlsieg. Paris, 21. Dezember.(Privatdcpesche des„Vorwärts".) Sonntag fanden in Villefranche und Charolles zwei Stichwahlen statt, in denen die Genossen C a b r o t und Dmarrouge gegen zwei Regierungsradikale standen. Beide wurden gewählt und unsere französischen Genossen gewinnen damit zwei neue Sitze in der Kommune. Der Erfolg ist um so bedeutungsvoller, da er deutlich zeigt, daß die offizielle Scharfmacherei der Clemencisten gegen unsere Partei bei den Wählern schmählich zusammen- gebrochen ist. Die Wahl in Charolles, wo Cabrot gegen den Sohn des früheren Ministers S a r r i e n gewählt wurde, bedeutet zugleich einen Protest gegen die bei den Radikalen immer mehr um sich greifende Klüngelwirtschaft. Der Erfolg unserer französischen Genossen ist um so freudiger zu begrüßen, als er deutlich beweist, daß die Partei, seitdem sie eine ein- heitliche und energische Klassenpolitik betreibt, trotz aller Hetze der verräterischen Radikalen und trotz der unverständigen Nörgelei der„unabhängigen Sozialisten", immer neues Feld erobert. Italien. Die richtige Antwort. Wir haben in der SonntagZnummer daS reaktionäre Verhalten der Kamnicrmehrheit bei der Debatte über die Maßregelung des Postsekretärs Campanozzi geschildert. Die Wähler haben den Abgeordneten jetzt, wie unS ein Privattelegramm auS Rom meldet, die nötige Zurechtweisung angedeihen lassen. Genosse Campanozzi wurde in Biandrate mit 3041 gegen 2736 Sttnimen, die auf den Kandidaten der Regierung fielen, geivählt. Das ist die richtige Art. einer Regierung die Lust zu Maßregelungen aus- zutreiben._ Die Neuwahlen. Rom. 21, Dezember. Ministerpräsident Giolitti erklärte, daß die W a h l e n im Frühjahr, wahrscheinlich am 9. Mai, statt- finden werden. Die jetzige Kammer würde bis Ende März tagen. Spanien. Fortschritte der Republikaner. Madrid, 21. Dezember. In Valencia siegten die re» publikanischen Kandidaten Azzati und Eervcra, der erste mit 9000, der zweite mit 7600 Stimmen gegen den ministe- riellen Kandidaten, der 6600, und den Karlisten, welcher 6000 Stimmen erhielt. Zahlreiche Häuser der Stadt wurden il l u m t» niert. Mit den Wahlen in Barcelona treten nunmehr 6 neue republikanische Abgeordnete in die Kammer ein. Portugal. Die Ministerkrise. Lissabon, 21. Dezember. Die politische Lage ist äußerst verwickelt. Die Führer der drei monarchistischen Gruppen haben sich dahin verständigt, eine Auflösung des Parlamentes zu ver- hüten. Der Führer der Regeneradores Vilhena hat versprochen, jedes Kabinett zu unterstützen, wie es auch zusammengesetzt sein möge. Weiter sind die Parteiführer damit einverstanden, daß das Parlament dringend die Reform der Verfassung der Polizei beraten müsse. Es ist möglich, daß der frühere francoistische Minister Bas- concellos in das Kabinett eintrirt. England. Das Achtstundengesetz für Bergleute. London, 19. Dezember. Das Oberhaus hat eine wichtige Verschlechterung der Achlstundenvorlage durchgesetzt. Es hat die- jenigen Bestimmungen ausgemerzt, die vom Jahre 1914 den Acht- stundentag einschließlich der Einfahrt festsetzten. DaS Unterhaus nahm diese Verschlechterung auf Anraten der Bergleute an, so daß die Vorlage nunmehr als Gesetz betrachtet werden kann. D er Maximalarbeitstag für Bergleute ist also acht Stunden ausschließlich Ein- und Ausfahrt. Die Bergleute sind der Ansicht, daß es sich nicht lohne, schon jetzt den Kamps zu beginnen, um die Arbeitszeit vom Jahre 1914 an festzulegen. Kommt Zeit, kommt Rat. Eine Erklärung Keir HardieS. London, 19. Dezember.(Eig. Ber.) Im„Labour Leader" vom 18. d. MtS. schreibt Keir Hardts: .. Auf meinen AgitattonStouren finlde ich fortgesetzt, daß An- strengungen gemacht werden, besonders durch NichtMitglieder der Unabhängiger Arbeiterpartei, Uneinigkeit und Verdächtigung unter den Mitgliedern der Unabhängigen Arbeiterpartei und der Arbeiterpartei hervorzurufen. Eine der beliebtesten Methoden dieser Jnttiganten ist es, Andeutungen darüber zu machen, daß irgendein Einverständnis, ein Abkommen oder eine Allianz zwischen der Arbeiterpartei und den Liberalen bestehe. Mit allem Nach- druck, der mir nur zu Gebote steht, erkläre ich diese Behauptung oder diese Insinuation für eine absolute Unwahrheit... So- lange ich noch schreiben oder sprechen kann, würde ich mit meinen Anklagen gegen diejenigen nicht geizen, die eine derartige re- aktionäre Politik einführen wollten."—» Reformen für Indien. London, 19. Dezember.(Eig. Ber.) Lord Morley, der Staatssekretär für Jüdien, hat am 17. d. Mts. in einer Rede im Oberhause die für Indien bestimmten Reformen dargelegt. Vom Standpunkte der indischen Reform- bewegung enthalten die Darlegungen Morleys wenig Erbau- lich es. Sie verdienen indes nichtsdestoweniger unsere Be- achtung, da sie den ersten Schritt zur Heranziehung der Hindu zur Verwaltung ihres Landes bedeuten. Sehen wir, worin diese Reformen bestehen. 1. Die oberste Behörde Indiens ist der von der englischen Regierung er- nannte Vizekönig ober Statthalter. Ihm zur Seite steht der aus. führende Rat oder daS Kabinett, das sich anS sechs der höchsten Be- amten(Minister) und dem Generalkommandierenden zusammen» setzt. Bis jetzt war noch kein Hindu Mitglied des Kabinetts. Nun- mehr soll bei der nächsten Vakanz ein Hindu ins Kabinet eintreten. 2. Dem Kabinett zur Seite steht ein gesetzgebender Rat. Er zählt 24 Mitglieder, wovon 14 Beamte sind. Von den Nichtbeamtcn waren nur 4 Hindu. Von den 24 Mitgliedern waren 19 ernannt, 6 gewählt. Jetzt soll der gesetzgebende Rat aus 64 Mitgliedern be- stehen, wovon 23 gewählt werden sollen. Die Zahl der Hindu soll von 4 auf 26 erhöht werden. Früher fanden dort keine ernsten Debatten über die Gesetzentwürfe und den Etat statt. Jetzt sollen die parlamentarischen Formen mehr beachtet werden: die Mit- glieder dürfen Resoluttonen einbringen, die Etatsposten festsetzen, namentliche Abstimmungen provozieren usw. Die Wähler sind: die Gebildeten, die Grundherren, die Mohammedaner, die Kaufleute und die Gewerbetteibenden. Dies gilt von der Zentralbehörde. Nun kommen Reformen für' die Provinzverwal» tungen. Die gesetzgebenden Kammern der Provinzen sollen aus je 62 Mitgliedern bestehen, davon 28 gewählten. Die Nichtbeamten und Hindu sollen da die Mehrheiten bilden. Die Provinzen haben noch keine Kabinette. Diese sollen aber nach und nach eingeführt werden. Wäre diese Reform vor mehreren Jahren eingeführt worden. so würden sie vielleicht die gemäßigten Reformer befriedigt haben. Jetzt kommen sie ohne Zweifel zu spät. Es werden noch viel radi- kalere Maßnahmen nötig werden, um Indien zu beruhigen. Die Thronrede. London» 21. Dezember. Die Thronrede, mit der der König das Parlament geschlossen hat, besagt: Die Beziehungen zu den aus- wärtigen Mächten seien andauernd freundschaftlich. Im abgelaufenen Jahre sind, heißt es weiter, mit fremden Regierungen verschiedene Uebcreinkommen geschlossen worden, welche durch Beseitigung von Streitpunkten der Befestigung de» Friedens dienen, darunter das Abkommen über die Aufrecht- erhaltung des territorialen Status quo in den Grenzgebieten der Nordsee. Neuerdings haben sich gewisse Ereignisse vollzogen, die darauf berechnet sind, die durch den Berliner Vertrag auf dem Balkan gettoffene Regelung zu stören, aber es ist mit Recht zu hoffen, daß durch weise und versöhnliche Ver- Handlungen eine friedliche Beilegung unter Zu. stimmung der Vertragsmächte erreicht wird. Orkei. Der künftige Präsident. Konstantinopel, 21. Dezember. Die Wahl des Führers der ungtürken Achmed Riza Bch zum Präsidenten de« arlaments gilt als sicher. Die Verhandlungen mit Desterreich. Konstantinopel, 21. Dezember. Der gestrige Ministerrat hat über die Vorschläge Oesterreich- Ungarns bezüglich einer Verständigung über Bosnien und die Herzegowina beraten. Wie die" Jeni Gazetta" meldet, ist beschlossen worden, daß beider feits Delegierte für die Verhandlungen ernannt werden sollen. Der Boykott. Konstantinopel, 21. Dezember. Die Boykottbewegung gegen die aus Desterreich- Ungarn kommenden Waren nimmt, namentlich in Balona, an Schärfe zu. Die dortigen Lokalbehörden haben gegenüber der von dem Bhokottsyndikat aufgehetzten Bevölkerung die Autorität verloren. Da die Führer der Bewegung die Menge zu bewegen suchen, die Ausschiffung der nächsten Post zu verhin dern und die für die Konsulatbeamten ankommenden Postsendungen zu öffnen, werden 3usammenstöße befürchtet. Die öfter reich- ungarische Botschaft hat heute neuerdings bei der Pforte Schritte wegen dieser Boykottbewegung unternommen, Aus der Partei. Parteiliteratur. Jm Verlag von J. H. W. Diez Nachf. in Stuttgart erscheint und gelangt in wenigen Tagen zur Ausgabe: Die Novelle zur Gewerbeordnung vom Dezember 1908. Von Arthur Stadt hagen. Preis 20 Bf. Deutsches Reich. Von unseren Genossen wurden die Angriffe zurückgewiefen und die reaktionäre Haltung des Magistrats zur Arbeitslosigkeit kritisiert. Ihre Ausführungen wurden durch fortwährende Schlußrufe der bürgerlichen Stadtverordneten unterbrochen. In einer Boltsversammlung, die sich mit der Angelegenheit befaßte, wurde das Verhalten der Stadtverwaltung scharf verurteilt. Holzarbeiter- Aussperrung. bisher völlig berfagt. In seiner Fahrlässigkeit wurde er leider, wenn auch absichtslos, unterstüßt durch die erstaunliche Gleichgültig. Der Magistrat in Görlig und die Arbeitslosigkeit. feit des großen Publikums, das sich mit einer Art von Fatalismus Das Geiverkschaftskartell in Görlih hatte an den Magistrat darin ergab, wenn alljährlich Tausende und Abertausende von eine Eingabe gerichtet, worin es um eine Beihilfe zur Vornahme Frauen in der Blüte ihrer Jahre vom Kindbettfieber dahingerafft einer Arbeitslosenzählung bat. Der Magistrat lehnte das Gesuch wurden oder an schleichenden Frauenkrankheiten dahinſiechten. in fchroffer Form ohne jede Begründung ab, während bisher Diese Gleichgültigkeit erklärt sich zum großen Teil aus dem Mangel jedem bürgerlichen Sportverein und Schachklub Tausende von Mark an hygienischen Kenntnissen in weiten Kreisen unserer Bevölkerung. zu seinen Veranstaltungen bewilligt wurden. Einige kinderreiche Man weiß vielfach nicht, daß Krankheit und Tod als Folge eines Arbeitslose, die zwei Jahre und länger im Orte wohnen, werden natürlichen Vorganges, der die Geburt doch ist, fast völlig aus mit Kanalisationsarbeiten und bei Herrichtung von Wegen be- geschaltet werden können, wenn Staat und Gesellschaft ihre Pflicht schäftigt. Zwei sozialdemokratische Stadtverordnete suchten diese tun und dafür sorgen, daß jeder Frau, die ein neues Leben zur Arbeitsplätze auf und erfuhren von den Arbeitern, daß sie nur Welt bringt, der volle von der Wissenschaft gebotene Schutz für 22 Pf. pro Stunde erhalten und daß die Arbeit durch das Armen- Leben und Gesundheit gesichert wird. Für die Beſizenden ist diese bureau angewiesen wird. Bemerkt sei, daß der ortsübliche Frage längst gelöst; sie können ihre Frauen von Spezialärzten ent Stundenlohn für diese Arbeiten 30-32 Pf. beträgt. In der Stadt- binden und von geschulten Wärterinnen sachgemäß pflegen lassen berordnetenversammlung wurden die beiden sozialdemokratischen und haben also kein Interesse daran, wie es um die Geburtshilfe Stadtverordneten heftig angegriffen, weil sie ohne Genehmigung der großen Masse bestellt ist. Qualitative und quantitative Unzu des Magistrats(!) die Arbeiter aufgesucht hatten, sie hätten damit länglichkeit kennzeichnen darin sind sich alle Sachverständigen. ihre Kompetenz als Stadtverordnete überschritten. Ihr Vorgehen einig heute das, was der Staat an Mutterschuh für die Frauen sei eine Beeinflussung der Arbeiter, die sich der Magistrat nicht ge- der Minderbemittelten leistet. Die Sozialdemokratie ist die einzige fallen lassen könne; es müsse Ruhe und Ordnung auf den Arbeits- von allen Parteien gewesen, die volles Verständnis für die Notlage plätzen herrschen. Den Stundenlohn von 22 Pf. bezeichnete Ober- der Mütter des Volkes zeigte, indem sie in ihrem Programm die bürgermeister Snah als angemessen. Unentgeltlichkeit der Geburtshilfe im Rahmen des verstaatlichten Gesundheitswesens forderte. Nicht einmal die bürgerliche Frauenbewegung hatte sich dieses verwahrlosten Ges bietes der Volkshygiene angenommen. Erst die letzten Jahre, speziell das Jahr 1908, brachten einige Kundgebungen von bürgerlicher Seite zur Hebammenfrage. Diese hat Carolina Goyte unter dem Titel: Staatlicher Mutterschuh für die Gebärende" in der Sammlung:„ Kultur und Fortschritt" zus sammengestellt. Den Anfang machen in der Broschüre die Ausführungen des freisinnigen Abgeordneten Münsterberg im Abgeordnetenhause, der in der Session 1906/07 auf die entfeßliche materielle Notlage der Hebammen hinwies. In Preußen hatten 1903 von 20 000 Hebammen ein Jahreseinkommen einschließlich der Naturalbezüge: ein Viertel unter 200 M., über ein Viertel nur 200-400. Diese materielle Not zwingt die Hebammen zu Nebenbeschäftigungen, die mit der peinlichen Reinlichkeit, die ihr Beruf erfordert, in schreiendstem Widerspruch stehen. Der von Aus dem Mannheimer Industriegebiet. Am vergangenen Sonn- vielen Aerzten und Hygienikern erhobenen Forderung einer Reform abend fand im Rathausiaal zu Mannheim eine Versammlung des unzulänglichen ebammenunterricht 3 vermochte der der Vertrauensleute der Streifenden und der gekündigten Arbeiter Freisinnsmann nicht zuzustimmen im Hinblick auf die großen statt. Die Einladung dazu war vom Oberbürgermeister Martin Kosten. Der Kultusminister berhieß hierauf die Vorlegung eines ergangen, der auch den Vorsiz führte. In einer längeren Ansprache Hebammengesetzes für die Session von 1908. Um die Verschleppung Jm Bürgerausschuß in Im a. D. war die Sozialdemokratie versuchte der Oberbürgermeister den etwa 120 Köpfe zählenden Ver- dieser wichtigen Frage zu verhüten, nahm sich endlich die radikalste bisher noch nicht vertreten. Unsere Genossen haben der Bevölkerung trauenslenten klarzumachen, daß die Annahme der von den Strebel- Gruppe der bürgerlichen Frauenbewegung, der" Bund für Mutterdie kleine Weihnachtsfreude gemacht und zwei Sozialdemo- werfen gemachten Vorschläge im Interesse der Arbeiter liege, denn schutz", der Hebammenfrage an, indem er eine außerordentliche traten hineingewählt. Unsere Genossen in arthaufen a.. es erscheine ausgeschlossen, daß die Werke nachgeben würden. Komme öffentliche Tagung einberief, an der bedeutende Aerzte, Aerztinnen, meinten: Je mehr, desto besser! und wählten vier Genoifen aber die angedrohte Aussperrung, so würde die Gemeinde ungeheuer Abgeordnete Sozialpolitiker, eine große Zahl von Hebammen und geschädigt werden. Steuerverluste und schwere Schädigung des von interessierten Laien teilnahmen. Der Vorwärts" hat seinerzeit in den Bürgerausschuß. In Münster a. N. wurden zwei Sozial- der Arbeiterschaft abhängigen Mittelstandes sei dann nicht zu ver- seine Leser und Leserinnen über diese Verhandlungen unterrichtet, demokraten gewählt, in Truchtelfingen 2, in Bissingen 1, meiden. Mehrere Arbeiter, die hierauf das Wort nahmen, jagten, die mit außerordentlicher Mäßigung geführt wurden und in einer Dürrmenz- Mühlader 2, Kemnat 3, Altenstadt 2, daß für die Folgen die Industriellen verantwortlich zu machen seien. Reihe sehr bescheidener Forderungen zur Anbahnung einer Reform der Geburtshilfe gipfelten. Die Gohtesche Broschüre bringt einen Unterreichenbach 2, Baihingen 2, Böblingen 2, Die Stimmung ist allgemein für Fortsetzung des Streils. ausführlichen Bericht über diese interessante Kundgebung. Daran Mössingen 2, in Halen 1. Und noch immer will der Segen schließt sich eine furze Darstellung des fläglichen Ausgangs, den kein Ende nehmen. Da haben unsere Genossen den bürgerlichen Parteien eine schöne Weihnachtsbescherung bereitet. die von dem Kultusminister so pomphaft angekündigte Hebammenreform im preußischen Abgeordnetenhause nahm, wo man kurzer hand über die Anregungen der Mutterschuh- Versammlung zur Tagesordnung überging, ja sogar ein fertig ausgearbeitetes Hebammengesez zurüdzog, um sich mit einigen ungemein dürftigen Verbesserungen im Verwaltungswege zu begnügen. Unter allges meiner Heiterkeit verzichtete das außerordentlich schwach besetzte Abgeordnetenhaus am 23. März 1908 auf eine Kommissionsberatung der Materie. Das war" so schließt die Broschüre der Ernst, die Gründlichkeit, die fachliche Hingebung, mit welcher das preußische Männerparlament den Schutz der mit dem Tode ringenden Frau erörterte." Aus Bremen wird gemeldet: Als Folge der feit längerer In der vorliegenden Broschüre findet der Leser die Bestimmungen Beit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern schwebenden Tarifder Berner Uebereinkunft, den Schutz gewerblicher Arbeiterinnen streitigkeiten im Tischlergewerbe erfolgte gestern abend von den im betreffend, ferner die Novelle zur Gewerbeordnung nebst Einführung Arbeitgeberschutzverbande vereinigten Tischlermeistern die Ausund Anmerkungen, sowie den Text der Novelle in einer Gegenüber- sperrung aller Tischlergesellen, soweit diese dem Deutschen Holzstellung der alten mit der neuen Fassung, wie sie vom Reichstag arbeiterverbande angehören. Von dieser Maßregel sollen annähernd tausend Tischlergesellen betroffen werden. am 9. Dezember beschlossen worden ist. Diese Ausgabe ist für alle Interessenten unentbehrlich und für die Befizer des„ Arbeiterrechts" wird sie eine willkommene Ergänzung bilden. Gemeindewahlen in Württemberg. Polizeiliches, Gerichtliches ulw. Straffonto. Gegen in der modernen Arbeiterbewegung tätige Genossen wurden von deutschen Gerichten an Strafen erkannt im 2680 M. Geldstrafe. Monat: Juli:... 3 Monate 1 Woche Gefängnis, 6 Monate 8 Wochen 15 Tage Gef. August:: September: 1 Monat 1 Woche Gefängnis Dttober: 6 Jahre 8 Monate Gefängnis November: 13 J. 5 Mon. 2 Wochen 1 Tag Gef. 2350 Hallenser Justiz. .. 830 " " 709 " " 2231 " " " " Q " Ausland. Ein neuer Reichstarif für das Buchdruckgewerbe Schwedens. Durch die Verhandlungen im Buchdruckgewerbe Schwedens ist ein neuer Tarifvertrag zustande gekommen, der sich über das ganze Land erstreckt und auf fünf Jahre abgeschlossen wurde. Er regelt die Lohn- und Arbeitsverhältnisse sowohl für die Gehilfenschaft wie für die Hilfsarbeiter, Arbeiterinnen und Lehrlinge. Die verschiedenen Städte und Orte sind in sechs Lohntlassen eingeteilt. Gegenüber dem alten Reichstarif, der mit dem 31. Dezember abläuft, bietet der neue Lohnerhöhungen von durchschnittlich 10 Broz, jedoch so verteilt, daß die bisher schon bestbezahlten Arbeitskräfte nur geringe Zulagen erhalten, während die Löhne der schlechtest bezahlten Gruppen um bis zu 25 Proz. verbessert werden. Daß trob der furchtbaren Wirtschaftskrise solche Verbesserungen erzielt werden konnten, ist vor allem dem Umstand zu verdanken, daß die Arbeiterschaft des Buchdruckgewerbes so start organisiert ist, daß unorganisierte Arbeitskräfte nur noch vereinzelt vorkommen. Daraus erklärt es sich auch, daß die Prinzipale lieber etwas mehr bewilligten und durch die Einigung auf das Darlehen von 2 Millionen Kronen verzichteten, das ihnen mehrere Banken für den Fall eines Lohnkampfes im Zeitungs- und Buchdruckgewerbe zur Berfügung gestellt hatten. Berfügung gestellt hatten. Genosse Thiele soll als verantwortlicher Redakteur des„ Boltsblatt" in Halle den„ Generalsekretär" Michaelis vom Reichs( wahrheits) verband beleidigt haben. Herr Michaelis flagte, bligte aber beim Schöffengericht ab. Erst die Berufungsinstanz, die StrafDie amerikanischen Marmorarbeiter haben im Staate Colorado fammer, hatte ein Einsehen: fie verurteilte am Sonnabend den Genossen Thiele zu 600( fechshundert!) Mark. Während das einen beachtenswerten Erfolg im Kampfe mit dem Unternehmertum Iläger sei nicht berechtigt, wegen einer nicht ihm, sondern seinem Dollar Schadenersatz verklagt, weil sie sich durch die Kampfesweise Schöffengericht verständigerweise angenommen hatte, der Privat- erftritten. Die Unternehmer hatten die Gewerkschaften auf 50 000 Arbeitgeber( dem Reichsverband) zugefügten Beleidigung zu klagen, des Arbeiterbundes, der„ American Federation of Labor", scher glaubte die Straffammer nicht nur die Ehre des Michaelis durch geschädigt fühlten. Die Arbeiter aber ließen sich nicht einschüchtern, bie horrende Geldstrafe reparieren, sondern dem Genossen Thiele sondern verharrten im Streit. Jeßt, nach einigen Monaten hartsogar den Schuß des§ 193( Wahrnehmung berechtigter Interessen) nädigen Kampfes, haben die Unternehmer Frieden gemacht. Die versagen zu müssen, obwohl Thiele u. a. darlegte, daß der Reichs- Friedensbedingungen find den Arbeitern sehr günstig. Der Prozeß berband ihm im legten Reichstagswahlkampf die gemeine Lüge an- wird zurüdgezogen, in den Werkstätten werden organisierte Argehängt hatte, er fei wegen eines Sittlichkeitsverbrechens mit zwei beiter angestellt, die achtstündige Arbeitszeit wird eingeführt und Jahren Zuchthaus bestraft! Tut nichts der Sozialdemokrat wird der Minimallohn soll pro Tag 3 Dollar( 12,50 M.) betragen. Die bestraft. Forderungen der Arbeiter sind damit erfüllt worden. Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. Als keine Freunde des Bundes wollen jetzt die meisten der Geschäftsleute gelten, die wir dieser Tage als Inserenten des gelben Organs aufzählten. Herr Ostar Wollberg( Brunnenstr. 61) erklärt uns, ferner. hin nicht mehr im" Bund" inserieren zu wollen. Er war bei Aufgabe seines Inserates über den Zweck des Blattes ununterrichtet. Die Firma R. u. S. Moses( Reinidendorfer Straße 10) schreibt uns: Unter Bezugnahme auf den von Ihnen gebrachten Artikel über die Inserenten im Bund" teilen wir Ihnen hierdurch höfl. mit, daß wir bei Aufgabe der betr. Annoncen nichts von einer gelben Gewerkschaft wußten und uns gesagt wurde, daß das Blatt von der großen Masse der Arbeiter resp. den Frauen gelesen werde. Wir werden nunmehr im„ Bund" nicht mehr inserieren und bitten höfl. um Aufnahme dieser Berichtigung im Vorwärts." Der Inhaber der Firma Frizz Mehner( KinderwagenMehner) schreibt uns: Das dänische Höchste Gericht als Schuhengel der Ausbeutung und Schmuskonkurrenz. den Arup. Der dänische Schneiderverband führte seit vielen Jahren einen Kampf gegen den Großhändler und Schneidermeister W. Schilder in Kopenhagen, der Uniformjaden für die Staatsbahnangestellten weit unter den im Tarifvertrag festgesetzten Löhnen anfertigen ließ und damit nicht nur die Arbeiterschaft des Berufes schädigte, sondern auch durch seine Schmußkonkurrenz die zur tarifmäßigen Bezahlung verpflichteten Jnnungsmeister. Er selbst gehört der Innung nicht an. Sein Berhalten führte natürlich dazu, daß in Der Arbeiterpresse wiederholt davor gewarnt wurde, bei Schilder in Arbeit zu treten. Im Jahre 1890 aber gelang es ihm, gegen " Socialdemokratens"-Redaktion ein amtliches Verbot solcher Warnungen und Sperrcnotizen zu erwirken, das nachträglich auch gerichtlich bestätigt wurde. Als dann im Jahre 1906 von neuem über Schilders Geschäft die Sperre verhängt werden mußte, veröffentlichte der Schneiderverband die betreffenden Artikel im " Socialdemokraten" mit Namensunterschrift des VerbandsvorsißenGleichwohl berklagte Schilder den Chefredakteur Wijublad und hatte damals auch den Erfolg, daß dieser für sieben Fälle zu je 3000 Kronen, also im ganzen zu 21 000 kronen Schadenersatz verurteilt wurde, was um so merkwürdiger war, als in einigen Artifeln Schilders Name überhaupt nicht genannt war, " Ich habe erst kürzlich und zum ersten Male einige Inserate sondern vor Arbeitsannahme bei den Schneidermeistern C. Petersen in der Bundeszeitung aufgegeben, und zwar durch einen Vertreter, und D. Nielsen gewarnt wurde, allerdings mit der Hinzufügung, welcher häufig auch für andere Zeitungen Aufträge bekommen hat, daß diese Arbeit übernommen hätten von jemand, dessen Name und versichere ich Sie, daß ich das Blatt nur einmal beim Offerieren gesehen habe. Die 3wede und Ziele, die dieses Blatt Die Zwede und Ziele, die dieses Blatt nicht genannt werden dürfe. Gegen jene Urteile des Kriminalgerichts wurde Berufung einverfolgt, find mir absolut unbekannt und kann man eine diesbezüg: gelegt, und das Höchste Gericht hat nun endlich in der vorigen Woche liche Orientierung bei der großen Masse der Zeitungen wohl nicht seine Entscheidung getroffen. Es hat die Verurteilung selbst beſtätigt, verlangen. Unter allen Umständen lag es mir ganz fern, durch jedoch den Schadenersatz auf im ganzen 3000 Kronen herabgesezt. Aufgabe eines Inserates in dieser Zeitung Ihrer großen Partei Ein so großes Vermögen wie er dachte, konnte Schilder also doch einen Schaden zuzufügen." nicht herauspressen. Die Verurteilung selbst steht jedoch im Widerspruch zu einer Entscheidung, die das Höchste Gericht im Jahre 1892 getroffen hat. Sie betraf einen ebenso liegenden Fall, besagte aber, daß bei mit Namensunterschrift versehenen Artikeln das Verbot nur dann maßgebend sei, wenn es sich gegen den Verfasser richte, die Klage also abgewiesen werden müsse. Herr J. Baer, Herren- und Knabenmoden( Badftr. 26) schreibt uns furz und bündig: " Nachdem ich über die Zeitschrift" Der Bund" aufgeklärt worden bin, inseriere ich fortan darin nicht mehr." Achtung, Töpfer! Von seiten des Lokalvereins ist die Firma August Schröer, Spandau, Pichelsdorfer Straße, einer Diffe renz wegen gesperrt. In Betracht kommen die Bauten Spandau, Streitstraße und Körnerstraße. Die dort arbeitenden Verbandsmitglieder haben ebenfalls die Arbeit mit niedergelegt, und haben somit auch unsere Mitglieder die Firma zu meiden. Die Verbandsleitung. Berantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Aus der Frauenbewegung. Staatlicher Mutterschutz für die Gebärende. -Verfammlungen. Der Verband der Maler, Lackierer und Anstreicher hält vom 1. bis 6. März nächsten Jahres in Köln seinen Verbandstag ab. Die Filiale Berlin beschäftigte sich in ihren letzten beiden Mitgliederversammlungen mit Anträgen an den Verbandstag auf Aenderung der Statuten. Die letzte Bersammlung fand am Donnerstagabend in den Arminhallen statt. Als Delegierte zum aase, loh. Sehmisch und Wendel. In bezug auf Verbandstag wurden gewählt: Bernt, Elsner, Link und In Stichwahl stehen noch: Fleischer, Genz, die Beitragsleistung beantragt die Filiale Berlin auf Anregung der Ortsverwaltung: 1. Der wöchentliche Beitrag für männliche Mitglieder darf nicht unter 50 Pf. betragen, wovon 40 Pf. an die Hauptkasse abzuführen sind. 2. Mitglieder, welche arbeitslos sind und sich den Kontroll vorschriften unterwerfen, haben teinen Beitrag zu zahlen, er halten vielmehr für je 6 Arbeitstage eine Arbeitslosenmarke, die jedoch erst dann in das Mitgliedsbuch geklebt wird, wenn die ordentlichen Beiträge bis zum Eintritt der Arbeitslosigkeit entrichtet sind. Die Arbeitslosenmarke wird für die Woche geHlebt, in welche der 6. Tag der Arbeitslosigkeit fällt. Jede Arbeitslosenmarte wird als entrichteter Beitrag gerechnet. 3. Die Lokalverwaltungen sind verpflichtet, für eine ges nügende Kontrolle der Arbeitslosen Sorge zu tragen. Die Kontrolleinrichtungen unterliegen der Aufsicht des Verbandsborstandes." In der letzten Versammlung wurde zuerst der Antrag beraten, daß alle Beamten der Organisation sich alle zwei Jahre einer Neuwahl zu unterziehen haben. Die Versammlung entschied sich mit großer Mehrheit dafür. Die Ortsverwaltung machte den Vorschlag, daß der§ 17 der Statuten, der vom Ausschuß handelt, eine Einschaling erfahre, die dahin lautet, daß die Entscheidungen des Ausschusses Rechtskraft haben und den Mitgliedern das Recht Stimmrecht der Berufung an die nächste Generalversammlung zusteht. Gegen eine Stimme wurde dieser Antrag angenommen. sollten auf den Generalversammlungen nur die gewählten Des legierten haben; die Angestellten haben nur beratende Stimme. Diesem Antrage wurde ebenfalls zugestimmt. Zu den Bestimmungen über Unterstützung bei Maßregelungen wird beantragt, einzuschalten: Als Maßregelung ist besonders zu betrachten: 1. Wenn ein Arbeiter wegen der Zugehörigkeit zur Organis fation entlassen wird. 2. Wenn ein Arbeiter wegen Eintretens für Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse entlassen wird. 3. Wenn ein Arbeiter wegen Tätigkeit bei der Ueberwachungskommission, im Tarifamt oder beim Werkstattausschusse entlassen wird. 4. Wenn ein Arbeiter wegen Erhebung einer Forderung zur stritten Einhaltung der Vertragsbedingungen sowie der Bestimmungen des Bundesrates zur Verhütuna der Bleierkrankungen entlassen wird." Der Antrag wurde angenommen Letzte Nachrichten und Depefchen. Verstorbener Reichstagsabgeordneter. Mainz, 21. Dezember.( W. T. B.) Wie der„ Mainzer Angetger" meldet, ist der Reichstagsabgeordnete für den Wahlfreis Auf dem so überaus wichtigen Gebiete der Fürsorge für unsere Bingen- Alzey, Landwirt Keller( bci feiner Fraktion), Gebärenden durch eine ausreichende Geburtshilfe hat der Staat in Steinbodenheim heute vormittag gestorben. Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlaasanftalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltunasbl 8t. 299. 25. ZahrMS. I Ktil»se des Jormirtf Diellstilg. 22. Dezember 1908. lilanenproteft gegen das IRixdorfer Aahlrechtsattentat. Die Dolksmassen, die durch das kommunale Dreiklassenwahl- recht zu Wählern minderen Rechtes degradiert und von den bürger- lichen Stadtverordneten Rixdorfs noch zu einer besonderen Ent- rechtung verurteilt worden sind, haben am Sonntag ihr Urteil über die Verschlechterung des Wahlrechts gesprochen. Eine dichtgedrängte, nach Tausenden zählende Volksmenge war dem Ruf zur Protest- Versammlung gefolgt. Der Saal der„Neuen Welt" samt den Galerien war bis-in den äußersten Winkel besetzt. Zorn und Er bitterung gegen die Wahlrcchtsattentäter lohte auf allen Gesichtern und machte sich hier und da in kräftigen Worten Luft. Ehe die Versammlung begann, wurden einige Polizeibeamte in Zivil, die sich unter die Versammlungsbesucher gemischt hatten, hinausgewiesen Ein allgemeiner Sturm des Unwillens begleitete die Eindringlinge. Der erste Referent war Gen. P a u l H i r s ch. Er kennzeichnete die Heuchelei der Bourgeoisie, die, jedes Gemeinsinns bar, nur die Vertretung ihrer egoistischen Interessen im Auge hat. Ein Tag der Schmach und Schande sei der 17. Dezember für die Vertreter des Rixdorfer Bürgertums. Das kürzlich erst eingeweihte neue Rathaus sei durch das Attentat auf das Wahlrecht beschmutzt und besudelt wordent Der Schimpf, den die Rixdorfer Bourgeoisie durch diese Handlungsweise auf sich geladen habe, könne nie wieder abge- waschen werden. In der bürgerlichen Presse würden jetzt unsere Stadtverordneten angegriffen, weil sie sich dem Wahlrcchtsraub in so energischer Weise widersetzt haben. Wir sagen demgegenüber, unsere Parteigenossen im Rixdorfer Stadtparlament würden ihre Pflicht verletzt haben, wenn sie anders gehandelt hätten, als sie gehandelt haben.(Allgemeiner Beifall.) Nicht unsere Genossen, sondern Herr Rahmig und seine Genossen hätten dem Parlamen tarismuS einen schweren Schlag versetzt. Die Rixdorfer Bour- geoisie habe gezeigt, daß sie noch schlimmer sei als die preußischen Junker. Diese wollen eine Verbesserung des bestehenden Wahl- rechts verhindern, aber die Rixdorfer Bourgeoisie habe eine Ver- schlechterung des ohnehin schon schlechten Wahlrechts beschlossen (Entrüstete Pfui-Rufe.) In der bürgerlichen Presse heiße es, wir seien durch die Annahme des Antrags Rahmig besiegt. Man möge sich diese Versammlung ansehen. So sehen keine Besiegten aus (Lebhafte Zustimmung.) Die Herren Rahmig und Genossen hätten wahrlich keine Ursache, auf ihren angeblichen Sieg stolz zu sein.— Das Skandalöseste an dem Wahlrechtsraub sei, daß an demselben sich eine Anzahl von bürgerlichen Stadtverordneten beteiligt haben, die das Vertrauen der Wähler gar nicht mehr besitzen, denn sie seien ja bei den letzten Wahlen nicht wiedergewählt worden. Trotzdem hätten dies« sich nicht geschämt, einem Antrage zur Annahme zu verhelfen, der erst zur Ausführung kommt, wenn sie der Stadt verordnetenversammlung nicht mehr angehören. Auch in anderen Orten, so in Kiel, in Halle, in Steglitz, sei das städtische Wahlrecht verschlechtert worden. Das Verhalten der Rixdorfer Bourgeoisie übertreffe aber diese Fälle noch, denn sie sei zur Verschlechterung des Wahlrechts geschritten, nachdem sie bei der Wahl eine Nieder läge erlitten hatte.— Es frage sich, was sollen wir nun tun? Der von der Stadtverordnetenversammlung angenommene Antrag bedürfe noch der Zustimmung durch den Magistrat und den Bezirks- ausschuß. Daß der Bezirksausschutz dem Antrage zustimmen werde sei zweifellos. Auch der Magistrat werde wahrscheinlich zu- stimmen, denn man dürfe wohl annehmen, daß die bürgerlichen Stadtverordneten, die ja über ihr Vorgehen in geheimen Kon- ventikeln beraten haben, sich der Zustimmung der Mehrheit des Magistrats versichert haben. Trotzdem aber mutz der Magistrat jetzt von unserer Seite aufgefordert werden, den Antrag abzulehnen. Tut der Magistrat das nicht, dann könne er nicht erwarten, daß die Entrechteten auch nur eine Spur von Vertrauen zu ihm haben oder daß die sozialdemokratische Fraktion, die ja in der neuen Versamlung 27 Stadtverordnete habe, dem Magistrat auch nur einen Pfennig bcwilligan werde.— Durch den Gewaltstreich der Rahmig und Konsorten würden auch den zurückgebliebensten kleines feuilleron. Das„Haus der Zukunft". Zu wiederholten Malen hat Edison bereits die Welt mit der Ankündigung überrascht, daß er sich mit der Herstellung von Wohnhäusern durch Gutzformcn beschäftige und daß er in dieser einfachen und praktischen Erfindung die„Lösung des Wohnungsproblems für die Zukunft" erblicke. Erst in den letzten Tagen kam die Meldung, daß eine Firma bereits an die Ausführung des Planes gegangen sei. Von diesem„Haus der Zu- kunft" erzählt F. Baumgarten in„lieber Land und Meer". Edison will ein zweistöckiges Einfamilienhaus in einem Tage und für den bescheidenen Preis von 4000 M. aus Beton gießen. Die hohlen Formen, die aus Gußeisen bestehen und innen vernickelt sind, werden nach dem Bauplatz transportiert, dort mit Schrauben und Bolzen aneinandergefügt und dann erst aufgerichtet. In die Hohl- räume wird nun die Masse, die aus einem Teile Zement und ans je drei Teilen Sand und verkleinertem Stein besteht, mit Hilfe hydraulischer Maschinen von oben hineingepumpt, bis die Formen gefüllt sind. Inbegriffen in Form und Guß sind Treppen, Kamine, Badewanne, Waschtische, Aufwaschtische für die Küche usw., so daß hier tatsächlich ein Haus„ohne Naht" geschaffen wird. Nach zirka acht Tagen können die Formen entfernt und nach weiteren acht Tagen, in denen die Masse eisenhart geworden ist, kann das Haus bezogen werden. Der Preis könnte noch geringer sein als 4000 M., wenn die Formen für das Modell nicht 12ö000 M. kosteten und für den Bauherrn die Gefahr vorläge, daß ein bestimmtes Modell nicht genügend viele Abnehmer findet. Wenn man bisher Beton nur beim Bau von Fabrikgebäuden, Arbciterwohnungen, Brücken usw. verwendet hat, so ist dies aus dem Vorurteil zu er- klären, daß mit diesem Material keine architektonischen Effekte u erzielen und daß Betonhäuser feucht, dumpf und kalt wären. Zun haben aber zwei deutsch-amerikanische Architekten und ein deutsch-amerikanischer Bauherr durch einen praktischen Versuch er- wiesen, das� dieses Vorurteil falsch ist. Ein Brauereibesitzer bat auf einer Farm, die er an einem schönen Seeufer in Wisconsin besitzt, auch sein eigenes, elegantes dreistöckiges Wohnhaus, die Wohnungen der Verwalter und des Personals aus Beton erbauen lassen. Die Bauten sollten vor allem auch durch ihr wohlgefälliges Aeußere die Allgemeinheit zur Nachahmung bestimmen. Schon die Abbildungen lassen erkennen, daß den Architikten diese Auf- gäbe glänzend gelungen ist.(?) Außer Stahl und Eisen ist dabei kein anderes Material als Beton bei den gesamten Baulichkeiten verivendet worden. Drei Vorzüge werden diesen Betonbauten bc- sonders nachgerühmt. Erstens sind sie feuersicher, so daß eine Wer- sicherung fast überflüssig wird; dazu sind sie wasserdicht und frei ieglichern Ungeziefer. Außerdem sind sie wohl das Dauer- hafteftk» was geschaffen werden kann, und bedürfen daher nur ge> Zt' Wählern die Augen geöffnet werden. Es seien ja nicht nur Ar- beiter, sondern auch viele Angehörige des Mittelstandes, die durch den Antrag Rahmig als der zweiten in die dritte Wählerklasse hinabgestotzen werden. Unter stürmischem Beifall schloß Genosse Hirsch seine Rede mit der Aufforderung, nunmehr mit verdoppelter Kraft zu agitieren gegen das Dreiklassenwahlrecht in Staat und Gemeinde. Tausende und Abertausende neuer Anhänger würden wir durch diese Agitation gewinnen. Der zweite Referent war Genosse Dr. Silber st ein, Mit- glied der Rixdorfer Stadtverordnetenversammlung. Er schilderte die wesentlichsten Momente aus dem Wahlrechtskampf im Rixdorfer Rathause und führte u. a. aus: Während sich bei anderen Ange- lcgenheiten oft kleinere oder größere Gruppen von der bürgerlichen Mehrheit abgesplittert und mit uns gestimmt haben, trat die Mehr- heit diesmal geschlossen gegen uns auf. Ein Beweis dafür, daß das gesamte Bürgertum nur eine reaktionäre Masse ist, wenn es gilt, die Arbeiterklasse in ihren Rechten zu beeinträchtigen. Es waren nicht nur Konservative, welche sich an dem Attentat auf das Wahl- recht beteiligten, sondern auch fünf Stadtverordnete, welche Mit- glieder des liberalen Wahlvereins sind, gingen Arm in Arm mit dem Reaktionären, als es sich darum handelte, von den 4000 Wählern der zweiten Abteilung 2000 davon in die dritte Abteilung zu be- fördern. Diese fünf liberalen Bereinsmitglieder sind die Stadt- verordneten Emmelut, Glasemann, Rosenow, Winzent und Siegel- kow.— Einer dieser„liberalen Männer", der Herr Glasemann, ist Besitzer des„Rixdorfer Tageblatt", welches leider noch in sehr vielen Arbeiterfamilien zu finden ist. Wenn man sieht, wie diese Feinde des Wahlrechts gearbeitet haben, dann muß dafür gesorgt wer- den, daß ihr Blatt aus den Arbeiterkreisen ver- schwindet. Das„Rixdorfer Tageblatt" bringt sonst jeden Antrag, der den Stadtverordneten vorgelegt wird, und wenn er noch so unbedeutend ist, im Wortlaut und mit der Begründung, die ihm beigegeben ist. Ten äußerst wichtigen Wahlrechtsantrag aber hat das„Rixdorfer Tageblatt" mit keiner Silbe erwähnt. Ich habe das in der Stadtverordnetensitzung vom 17. Dezember angenagelt, und darauf antwortet das Blatt, es habe deshalb von dem Antrag Rahmig nicht Notiz genommen, weil ihm keine Begründung beigegeben war, und ohne Begründung sei der Antrag für die Leser nicht verständlich gewesen. So gering schätzt die Redaktion des„Rixdorfer Tageblatt" daS Verständnis ihrer Leser ein, und das mangelnde Verständnis der Leser gibt der Redaktion einen Vorwand zur Verheimlichung eines hochwichtigen Antrages, der in aller Stille vorbereitet worden ist, damit das schändliche Werk der Wnhlrcchtsverschlechterung um so sicherer gc- lingen konnte.— Der Stadtverordnete Abraham, auch ein Libe- raler, sagte im Privatgespräch zu mir: Wenn wir uns dem Wahl- rechtsantrage gegenüber ruhig verhalten, dann würde die Mehr- heit für unseren Antrag auf Unterstützung der Arbeitslosen stimnren.(Pfui-Rufe.) Das ist kennzeichnend für die Gesinnung, die in bürgerlichen Kreisen herrscht. Man mutet uns zu, daß wir für 10000 Mark Arbeitslosenunterstützung das Wahlrecht verschachern. Wenn nur zwei oder drei Liberale gegen den Antrag Rahmig gestimmt hätten, dann wäre die Zweidrittelmehrheit nicht vorhanden und der Antrag abgelehnt gewesen. Es stimmten aber fünf organisierte Freisinnige für den Antrag, also können wir mit Recht sagen: Der Freisinn ist schuld, daß das Wahlrecht verschlechtert worden ist.— Angeblich soll der Antrag darauf zurückzuführen sein, daß wir die Wähler der zweiten Abteilung durch Terrorismus gezwungen haben, sozialdemokratisch zu stimmen. Natürlich ist von uns kein Terrorismus ausgeübt worden. Aber wenn dem so wäre, dann würde doch die Einführung des geheimen Wahlrechts der beste Schutz gegen jeden Tcrrorismus sein. Statt dessen stoßen die Vertreter des Bürgertums einige Tausend Wähler der zweiten Abteilung in die ganz von uns be- herrschte dritte Abteilung und geben die armen Wähler dadurch dem angeblichen Tcrrorismus der Sozialdemokraten völlig preis. — Wenn der Magistrat, was anzunehmen ist, dem Antrage Rahmig zustinimt, dann werden wir in Zukunft alle seine Vorlagen ab- lehnen, bis er alles daran setzt, um den durch den Antrag Rahmig geschaffenen Zustand wieder zu beseitigen.— Die Ausführungen des Genossen Silberstein wurden ebenfalls mit stürmischem Beifall aufgenommen. ringer Reparaturen. Schließlich sind sie auch bedeutend billiger als die in der üblichen Art errichteten Gebäude, Theater. Neue Freie VolkSbü hne(Schiller-Theater 0.):»Ein Volksfeind", von Henrik Ibsen. Dies Drama von der geistigen Rückständigkeit der„kompakten Majorität' wird, solange sie auf Erden herrscht, nichts von seiner Bedeutung verlieren. Der Dichter hätte sich sein Problem sehr wohl leichter stellen und es im Hinschauen auf eine aufwärtsstcigende allgemeine Entwicklung der Masse hoffnungsfroh beantworten können. Er läßt sich jedoch auf kein haltloses Prophezeien ein, sondern übt an den bestehenden Zuständen eine schneidende Kritik, ohne viel danach zu fragen, daß unter besonderen Umständen— wir brauchen ja bloß an eine revolutionäre Volksbewegung zu denken— auch gerade der Freiheitsdrang der Massen eine heilsame Umwandlung zum Besseren herbeiführen kann. Ver- mögen wir auch seinen Lehrsatz von der Stärke des Alleinstehenden vom demokratischen Standpunkte aus nicht zu unterschreiben— so ist es doch eine apodiktische Wahrheit vom Standpunkte der Volks- schichte aus, die Ibsen in seinem Schauspiel uns vor Augen stellt. Ob Doktor Stockmann gegen den„Unverstand der Massen" vergeblich ankämpfen wird, ist im Grunde gleichgültig. Hauptsache bleibt: er nimmt mit ihr den Kampf auf, und hierin liegt das befreiende Moment für das Drama wie für den Glauben des Dichters an den Sieg aller Lich'lstreiter.— Die Aufführung zeigte von gutem Streben nach Energie und Geschlossenheit, obivohl sie nicht ganz erreicht wurde. Im letzten Akte machte sich eine schleppende Ermüdung bc- merkbar, was schließlich nicht wunder nehmen kann, da die Vorstellling erst um ll'/a Uhr beendet wurde. Als Doktor Stockmann bot Paul B i l d t namentlich vom dritten Akte an eine resolute Leistung; nur überschrie er sich zuweilen mehr, als wünschens- wert erscheinen mochte. Unter den übrigen Darstellern sind Harry F ö r st e r(Bürgermeister Stockmann), Max K i r s ch n e r(Nils Morse) und Emil Werana(Buchdruckereibesitzer Aslaksen) lobend zu nennen. o. k. Thalia-Theater:„Mein Leopold" von Adolf L'Arronge. Wir haben es an dieser Stelle schon des öfteren beklagt, daß Girardi für sein Gastspiel in Berlin keine rechten Stücke mehr findet, daß er die für den Tag geschriebene Wiener Ware spielen muß und daß eö kein Repertoire mehr gibt, in dem seine echte, herzenswarme Kunst den rechten Wirkungskreis findet. Ist es nicht in der Tat betrübend, daß dieser treffliche Künstler, der wie kein zweiter geschaffen scheint, um echte Menschlichkeit in Leid und Lust volkstümlich darzustellen, mit seinem Reichtum die Hauben- stocke und Puppengestelle der Fabrikanten auszustaffieren ge- zwungen ist? Am Sonnabend wurde ein neuer Ausweg probiert: L'Arronges Berliner Volksstück.Mein Leopold"(von 1873) war neu einstudiert und Girardi spielte den Schuhmachermeister Weigelt. Das gab eis« In der Diskussion nahm zuerst Dr. Breitscheid daS Wort. Er erklärte sich mit dem, was die Referenten gesagt hatten, vollkommen einverstanden und übte unter lebhaftem Beifall der Versammlung scharfe Kritik an dem jammervollen Verhalten des Blockfreisinns. Nicht Bedauern, nicht Mitleid, sondern nur Ver- achtung könne man empfinden vor solchen Leuten, die das Wort liberal im Munde führen, um damit ihre reaktionären Taten zu verschleiern. Die allerdings nur kleine Gruppe der demokratischen Vereinigung werde den Kamps der Sozialdemokratie gegen die verrottete Bourgeoisie unterstützen. Der folgende Redner, Genosse Eduard Bernstein, ent- fesselte wiederholte Beifallsstürme durch i'eine äußerst scharfe und entschiedene Verurteilung des Vorgehens der Rixdorfer Stadt- vcrordnetenmehrheit im besonderen und der Feigheit und Erbarm- lichkeit des Bürgertums im allgemeinen. Rückhaltlos billigte der Redner das Auftreten unserer Parteigenossen im Rixdorfer Stadt- Parlament. Wenn sie noch viel weiter gegangen wären in der Ab- wehr des Wahlrcchtsattentats, so würde das jeder, der noch eine Spur von Rechtsgefiihl hat, gebilligt haben. Wenn die Massen der Arbeiter, denen das Wahlrecht verschlechtert werden soll, noch weiter in das Rathaus eingedrungen wären, so würden sie im Recht ge- Wesen sein. Ein Volk braucht lange Zeit, um ein Recht zu er- kämpfen, das man ihm vorenthält. Aber kein Volk darf sich ein Recht, das es besitzt, ruhig und geduldig nehmen lassen.(Stür- mische Zustimmung.) Alles muß versucht werden, um die Ver- schlechterung des Wahlrechts wieder aus der Welt zu schaffen. Wenn wir auch zunächst an das Rechtsgefühl der maßgebenden Faktoren appellieren, so müssen wir doch gleichzeitig bekunden, daß wir nicht ablassen werden, aufs neue zu demonstrieren, und daß wir es nicht bei papierenen Protesten bewenden lassen. Genosse B ö s k e regte an, es solle an der Hand der Wähler- listen festgestellt werden, ob die Wahlrcchtsverschlechterer wirklich im Austrage der Wähler der zweiten Abteilung handelten, wie Stadtverordneter Beermann behauptet hatte.— Genosse W u tz k i bezog sich auf eine Behauptung der bürgerlichen Presse, welche bc- sagt, daß erst das Auftreten der Sozialdemokraten in der Stadt- verordnetenversammlung das geschlossene Zusammenhalten der bürgerlichen Stadtverordneten bewirkt habe. Diese Behauptung sei unzutreffend, denn aus einer Acußerung, die der Stadtverordnete Beermann dem Redner gegenüber machte, gehe hervor, daß Kon- servative und Liberale ein Herz und eine Seele seien und daß die geschlossene Mehrheit schon vor der Diskussion des Antrages vor» handen war.— Ferner sprachen noch die Genossen Heinrichs und Kloth. Auch diese Redner wandten sich unter allgemeinem Beifall gegen die Wahlrcchtsräuber und billigten das Verhalten unserer Genossen im Kampfe gegen dieselben. Die Versammlung beschloß, die Einwohner Rixdorfs durch ein Flugblatt über diese Angelegenheit aufzuklären. Die nachstehonde Resolution wurde einstimmig angenommen: „Die heutige Versammlung spricht ihre Entrüstung auS über die brutale, allen Rcchtsbegriffen ins Gesicht schlagende Handlungsweise der bürgerlichen Mehrheit in der Rixdorfer . Stadtverordnetenversammlung in der Sitzung vom 17.Dezbr. 19ii8. Nicht zufrieden damit, durch ein verwerfliches Klassengesetz weit über ihre tatsächliche Anhängerschaft in der Bevölkerung im Stadtparlament vertreten zu sein, hat diese Mehrheit am Vor» abend des Verfalls eines Teiles ihrer Mandat ihr« bereits von der Wählerschaft beseitigte Zweidrittelmehrheit dazu benutzt, den Klassencharakter dieses Wahlrechtes noch zu verschlimmern, damit die Stimme der werktätigen Bevölkerung nicht einmal mehr in der bisherigen beschränkten Weise in der Verwaltung Rixdorfs zum Ausdruck kommt. Die heutige Versammlung protestiert auf das Entschiedenste gegen diesen Gewaltakt. Sie ruft alle diejenigen, die noch einen Funken von Rechtsgefühl sich bewahrt haben, auf, sich diesem Protest anzuschließen. Sie ersucht die sozraldemo- kratische Stadtverordnetenfraktion, keinen Schritt unversucht zu lassen, die Aufhebung dieser Wahlentrech- tung zu erwirken. Sie erwartet bon den zuständigen Instanzen, daß sie einer derartigen- Auslegung des Gesetzes ihre Zustimmung versagen und wiederholt die Forderung des gleichen, aU» gemeinen, direkten und geheimen Wahlrechts in Reich, Staat und Gemeinde, ftir die unermüdlich zu kämpfen die heutige Versammlung entschlossen ist. G r o g e r. E d. B e r n st e i n." etwas seltsame Mischung. Das moraltriefende, sentimentale, mit groben Mitteln arbeitende„Volksstück" mag in das Berlin nach der Gründerzeit hineingepaßt haben, als es aktuell war, gewissen vom Krache aus verschiedenen Himmeln gestürzten Schichten des Bürgertums rührselig zu kommen. Aber heute ist diese Dunstschicht kleinbürgerlicher Anfänge längst verweht und es gibt weder„Volk" noch Bürgertum, dem diese Predigten etwas zu sagen hätten. Es bliebe dann das Verlangen nach sanften Rührungen, die man aus eigenem nicht mehr zu beftiedigen vermag und nun bei anderen auskosten will. So hält ja der„gebildete" städtische Bourgeois die Landbewolmer und die unteren Klassen schlechthin immer noch für geeignete Träger von allerlei Gemütsanwandlungen, für die er sich selber aufs schönste bedanken würde. Und so mag L'Arronges Volksstück vielleicht bei den Verehrern der guten alten Zeit und sonstigen Gennitsmenschen immer noch Anklang finden. Für tins andere blieb aber nur die Darstellung: Girardi und seine Gefährten. Girardi bemühte sich nicht erst lange, einen Berliner Ton zu treffen, der ihm nicht liegt. Er übersetzce den Protzen und Verschwender, den Berliner Haustyrannen, das Opfer seiner Liebe zum ungeratenen Sohne ins Wienerische. Das gab freilich manche Brüche. Aber zum Schluß hin hatten wir doch den reinen Genuß— an Girardi, als er den armen, einsamen Alten so echt und zu Herzen gehend verkörperte. Man vergaß L'Arronge und sein Volksstück und sah nur Girardi in Wehmut' und sanfter Freude. Recht wacker standen ihm Th. Stolzenberg als waschechter Werkführer Starke, Marianne Thomas(als Klara), Walter Formes(als Leopold) zur Seite. und auch in den kleineren Rollen war Lokalkolorit gut gewahrt. Helene B a l l o t erfreute als Stadtrichterstochter durch Gesang und Spiel.— r. Humor und Satire. GanzwiebeiunS. Ihr guten Bürger röchelt ZorneS-Chöre: „Wie quält man doch die armen Legionäre!'— Nur sachte, schlagt Euch vor den eig'ncn Bauch: Wir können's auch I .Da wird gespuckt, getreten und geschunden, gepciischt und halbzerfetzt gleich tollen Hunden.'— Ihr Bürger, schlagt Euch vor den eia'nen Bauch: Wir können's auch I »Befiehlt wer: ,Friß den eig'nen Dreck hinunter I'— der Sklave tut's und sagt:.Befehl, Herr Unter' Nichts Neues, schlagt Euch doch vor Euren Bauch: Wir können» anchl »Wagt er», dem Schinder an den Hals zu fahren, so büßt er da» mit langen Kerkerjahren."— So schlagt Euch endlich doch vor Euren Bauch: Wir können's auch l grauA Mit einem begeisterten Hoch auf das allgeme-ine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht wurde die Versammlung geschlossen.— Der Gesang der Strophe aus der Arbeitermarseillai�e:.Das freie Wahlrecht ist das Zeichen, in dem wir siegen" brauste in machtvollen Tönen durch den Saal. »*• Polizeibewachung und Polizeiattacke. Als ob man befürchtete, daß den Wahlrechtsräubern die glück- lich heimgebrachte Deute wieder entrissen werden könnte, hatte die Polizeibehörde von Rixdorf alle Mann aufgeboten, vielleicht sogar noch Hilfe von Berlin erhalten, um die Hasemheide wie die ganze Arbeiterstadt Ripdorf wie ein Zlufruhrgebiet zu überwachen, und von den Schießständen am Jahndenkmal spähte der dort aus Posten stehende Soldat fortwährend aus die Straße hinaus, als od jederzeit der Anmarsch eines feindlichen Heeres zu erwarten sei. Doch es geschah selbstverständlich nichts dergleichen. Ruhig kamen, teils in Gruppen, teils juich in langen zwanglosen Zügen, die Ar- bertertruppen anmarschiert. Die vielen Polizeispitzel, die überall herumspionierten, wurden leicht erkannt, und wer sie nicht kannte, wurde von den Genossen darüber aufgeklärt, welch Gewerbe dieser oder jener, der sich unauffällig ins Publikum zu mischen suchte, be» trieb. Die größte Mass« der uniformierten Beamten war vorläufig in verschiedenen Gebäuden und Höfen untergebracht. Lebbafter wurde eS, als die Versammlung aus war und die Massen sich größtenteils die Berliner Straße hinaufbewegten. Eine übermäßig zahlreiche Menge von Polizeibeamten begleitete den Zug. Es sah aus, als hätte man auf jedes Dutzend Proletarier einen Schutzmann für nötig erachtet. Mit größter Strenge wurde darüber gewacht, daß nicht etwa die Empörung über den Wahl- rechtsraub irgendwie stürmischen Ausdruck finden sollte. Der preußische Staatsbürger, wenn er Proletarier ist, soll das bitterste Unrecht schweigend ertragen. Die stärkste Polizeimacht war jedoch am Rathaus aufgestellt, und hier schien man auch am eifrigsten um die Ruh« des„guten" Bürgers besorgt. Als ob das massive Steingebäude unter den Verwünschungen der WahlrechtSräuber zusammenstürzen könnte, wie ehemals die Mauern Jerichos unter den Trompeten- stößen der Juden, wurde jeder laute Ausruf unterdrückt. Ms die Massen größtenteils am Rathaus vorüber sk) waren, sah man plötzlich, wie ein Polizeileutnant seine Getreuen zusammenrief, eine Truppe von etwa dl) Mann formierte, die dann eilenden Schrittes die Straße hinaufmarschierte. Selbstverständ- lich kämm große Menschenmassen, darunter auch Meie Kinder, hinterher, um zu sehen, welch kriegerische Taten vollbracht oder welche Verbreckierbande abgefaßt werden sollte. Schließlich bog die Truppe in die Prinz-Handjerh-Straße ein, eilte die Slraße hinauf, Massen von Menschen natürlich hinterdrein, llngefähr tn der Mitte des StrahenzugeS, jenseits der evangelischen Kirche, machte die Truppe plötzlich kehrt, stürmte wieder zurück und trieb mit barschen Worten, mit Stößen und Püffen die Menge vor sich her. Frauen und Kinder wurden dabei durchaus nicht geschont. DaS rief bei der Menge eine furchtbare Entrüstung hervor, die sich tn allerlei Verwünschun» gen kundgab. Die Veranlassung dieser Attacke war, daß vordem etwa 100 Menschen oder noch»oeniger die Prinz-Handjery-Stra�! hinaufgo» gangen waren, vielleicht, um den dort in Nr. IS wohnenden Stadtverordneten Rahmig, als dem tapferen Fürsprecher des Wahl» rcchtSraubes, eine Ovation zu bringen. Diese Menschm wurden von der von unten anrückenden Polizeimacht die Straße hinaufge- drängt, konnten aber nicht weiter, weil vom anderen Ende andere Polizeimassen mit Püffen und Faustschlägen gegen sie vorging. Man hatte also ein wahres Kesseltreiben veranstaltet. Da niemand an einen Widerstand dachte, so konnten die Bedrängten sich nur durch Fliehen in die Höfe und Häuser bis in die obersten Stockwerke vor den Volizeipüffen retten. Kinder wurden aufs Pflaster gestoßen, Erwachsene mißhandelt. Ein Grünkram- Händler war in Filzpantoffeln im Hause neben seinem Keller ein Glas�Bier trinken gegangen, und wollte nun zurück nach seinem Geschäft. Er wurde aber, wie er selbst erzählte, von nicht weniger als 10 Schutzleuten daran gehindert und gestoßen und geschlagen. Als diese endlich eingesehen hatten, daß man ihn doch nicht von seinem Geschäft abhalten konnte, wollten sie ihm nicht gestatten, bei seinen vor dem Keller stehenden Weihnachtsbäumen zu bleiben. Der Mann ließ sich jedoch auch nicht verblüffen, und schließlich mußt« die Polizei auch darin nachgeben. Noch bis in d,e späten Abendstunden war das Haus des# Rahmig polizeilich bewacht. Die Prinz-Handjerh-Straße war bis nach Eintritt der Dunkelheit von einer außerordentlich starken Polizeimannschaft bewacht. Em Induftne und ftandel Männer mit guter Verbindung. Die großkapitalistischen ZwillmgSbrüder, Industrie und Finanz- tnstitut, haben von jeher auf gute Verbindung mit der Regierung gehalten. Denn die Wege der Regierung find oft verschlungen und unerforschlich für den Uneingeweihten, manchmal auch durch be- sonders fähige Beamte versperrt. Nichts liegt näher, als Kenner des Systems, störende Fähigkeiten aus die eigene Seite zu holen. Jetzt ist'S die Kommerz» und Diskontobank, die sich den ersten Staatskommissar der Berliner Börse weggeholt hat. Kürzlich hat st« sich für ihren AufsichtSrat den.langen Möller*, den früheren Handelsminister, gesichert. Diese Bank ist nicht die einzige, die sich mit.guten Ver- bindungen" versehen hat. Nachstehend bringen wir eine kleine AuS- Wahl ähnlicher Fälle. Es holte sich in den letzten Jahren die vanl des Berliner Kassenvereins: Reg.-Rat«. Hoppenstedt, Darmstädter Bant: Geh. Oberfinanzrat M. v. Klitzing, Deutsche Bank: Wir». Geh. LegattonSrat Pr. Helssretch und Reg.» Rat Dr. Schönseid, DiSkonto-Gesellschaft: Geh. SeehandlnngSrat Schoeller, Dresdner Bank: Geh. Oberfinanzrat W. Mneller, Nationalbank für Deutschland: Geh. RegienrngSrat R. Mitling. Schaafshansenscher Bankverein: Landrat W. Langen, RrgierungSrat S. Samuel, LandeSbankrat C. Wiegand. Berliner Hypothekenbank: Geh. Staatsrat I. Budde. Preußische Zentralbodentredttanstalt: Geh. Regierungsrat v. Klitzing. RegierungSrat Dr. Schwartz, Regierungsassessor Lübbecke, RegiermigSassessor Dr. Lindemann. DaS find nur einige Fälle, die sich noch butzendfach vermehren lassen, zumal wenn die Staatsbeamten noch mit hinzu gezählt werden, die in großen industriellen und Verkehrsunternehmungen, wie Krupp. Große Berliner Straßenbahn usw. sitzen. Im Gegensatz zu der großen Anzahl derartiger Fälle find Engagements aus der Privatindustrie zum Staatsdienst sehr selten. PeterS als Gründer. DaS allemeueste ist, daß PeterS unter die Gründer gegangen ist. Die deutsche Ophir-Gesellschaft m. b. H. ist zurzeit in Bildung begriffen. Sie will in Portugiesisch-Ostafrika belegene Goldminen betreiben. Peters war cß, der bei einer Afrikareise daS sagenhafte Goldland der Bibel wiedergefunden zu hoben meinte. Der wissen- fchaftliche Wert dieser Entdeckung wurde seinerzeit arg zerzaust. Nil der Höhe de« wirtschaftlichen Werte« ist man noch nicht ganz im Klaren gewesen. Der Gründungsborgang kann dazu aber um einiges nachhelfen. Die Objekte sollen jetzt noch im Besitze beS vorwiegend englischen Mudza-Syndikats sein. Da man nun jetzt von großartiger Rentabilität, Betriebsüberschüssen von 4 Millwnen Mark spricht, so erschemt die kaufmännische Leistungsfähigkeit der Führer des eng- tischen Unternehmens in einem besonders glänzenden Licht. Die gesamten Objekte— von denen die„Frankfurter Zeitung* meldet, daß sie schon in Betrieb gewesen sind, der sich aber nicht rentabel genug erwiesen habe— zu denen mehrere Minen- und Wasser- rechte gehören, sollen in bar mit 1,20 Millionen Mark an das Syndikat bezahlt werden. DaS daS Gesamtkapital 1,65 Millionen Markt beträgt, so bleiben 450000 Mark als Betriebskapital. Au der einen Seite glänzende Träume, auf der anderen bare Zahlung; daS Geschäft ist wirklich gut._ Siemens«. Halske A.-G. in Berlin. Die Gesellschaft erzielte im Geschäftsjahr 1907/03 einen Be- triebsgewinn von 11 077 765 M. gegen 10 9/4 825 M. im Borjahre. Die Abschreibungen sind auf 472 390 M. bemessen, im Vorjahre 1 379 409 M. Es ergibt sich ein Reingewinn von 9 688 284 M. <8717 368 M. für 1906/07). Wie im Vorjahre werden 11 Prozent Dividende ausgeschüttet. Der AufsichtSrat erhält als Gewinnanteil 246 960 M.. auf neue Rechnung werden vorgetragen 1063 212 M.. im Vorjahre 1 025 160 M. In der Bilanz figurieren unter den Aktiven Grundstücke mit 4 219 516 M., angefangene und fertige Fabrikate mit 8 318 862 M.. Die dauernden Beteiligungen stellen sich auf rund 63 Mill. Mark gegen 63,3 Mill. Mark im Vorjahre. Debitoren, einschließlich Ge- winn von den SiemenS-Schuckerl-Werken G. m. b. H., figurieren mit 29 506 464 M.— im Vorjahre 21 182 684 M. Bei einem Aktien- kapital von 54>/, Mill. Mark betragen die Reserven 11,8 Mill Mark. Ferner betragen: Anleiheschulden rund 27 Mill. Mark. Hypotheken- schulden 1 135 000 M., Spar- und Depositeneinlagen 8 Mill. Mark und Kreditoren 14'/, Mill. Mark— im Borjahre 8'/z Mill. Mark—. Die SiemenS-Schuckert-Werke G. m. b. H. in Berlin haben pro 1907/08: 10 Proz., die österreichischen Siemens-Schuckert-Werke für daS Geschäftsjahr 1907: 4 Proz., die russischen Elektrotechnischen Werke Siemens u. Holste in Petersburg 4 Proz. und die Siemens Brothers u. Co. in London ebenfalls 4 Proz. Dividende verteilt. Freche Patrioteu. Zu den schon gemeldeten Gerüchten, daß die deutsche Marine« Verwaltung größere Posten englischer Kohle zu kaufen beabsichtigt. weil daS Kohlensyndikat wohl zu.anständige* Preise fordert, wagen jetzt die zweifelsohne inspierierten„Hamburger Nachrichten* folgenden patriotischen— Wink zu veröffentlichen:»Auch ist bei der Marine- Verwaltung wohl der Umstand verkannt worden, daß die deutsche Marine für den Kriegsfall auf Lieferung deutscher Kohle ange- wiesen(!) ist, so daß also Kontrakte in heimischer Kohle unum- gängig sagte aber tatsächlich, nach Ansührung der Ausdehnung der Arbeitslosigkeit bei den Bildhauern, folgendes: „Die neue Art, den Stein nach gegebener Zcichmmg frei, ohne Modell, zu bearbeiten, war früher ebenfalls in Deutschland üblich. ES ist deshalb nicht nötig, während der großen Arbeitslosigkeit zu diesem Zweck Leute aus dem Ausland zu holen: denn unter den Berliner Bildhauern siud genügend tüchtige Kräfte vorhanden, die dasselbe leisten, man muß ihnen aber erst einmal die Möglichkeit einer solchen Betätigung geben. Es liegt weiter aber noch die Ge- fahr vor, daß eine geschnitzte Decke, ähnlich der im königlichen Schloß, sür das neue Stadlhaus ebenfalls in Italien gemacht werden soll von demselben Professor Nager, der jetzt die figürlichen Arbeiten in Stein ausführt. Und dies müsse verhütet werden." Ueber das letztere konnte der Oberbürgermeister noch keine Aus- kunft geben. Ich lege Werl darauf, daß diese Ausführungen auch bekannt werden. DaS Märkische Museum ist zum freien Eintritt für daS Publikum täglich von 10—3 Uhr mit Ausnahme der Sonnabende geöffnet. Zur Orientierung kann ein gedruckter„Führer" für 10 Pf. verlangt werden. Außer an den Sonnabenden ist daS Museum an folgenden sieben Festtagen geschlossen: erster Weihnachtstag, Neujahr, Kar- freitag, erster Ostertag, Himmelfahrt, erster Psingsttag, Bußtag. Am zweiten Weihnachtstag ist das Museum geöffnet, obgleich er aus einen Sonnabend fällt, dagegen wird an den Vortagen der dre' hohen Feiertage und am Silvester schon um 1 Uhr geschlossen. Soldaten als Austräger bei der Post. Kürzlich ging durch die bürgerliche Presse die Nachricht, daß vor der Heranziehung von Soldaten zum Pakeibestelldienst in Rücksicht auf die große Zahl der Arbeitslosen Abstand genommen werde. Diese Nachricht stellt sich aber als falsch heraus. Die Post hat auch in diesem Jahre wie in früheren Soldaten zu diesem Dienst heran- gezogen und damit manchem Familienvater die Hoffnung, einige Tage bei der Post aushilfsweise beschäftigt zu werden, zu schänden gemacht. Ein Grund zu dieser Maßnahme der Post ist nicht er- sichtlich. Bekanntlich verlangt die Post von dem zu Weihnachten einzustellenden Hilfspersonal Führungszeugnisse. Demnach ist das Hilfspersonal doch auch so zuverlässig, wie das bezüglich der Soldaten der Fall ist. Wir mißgönnen gewiß auch einem Soldaten nicht die Extraeinnahme, die er durch Verwendung im Bestelldienst erzielt. müssen aber doch verlangen, daß Soldaten, die aus allgemeinen Mitteln erhalten werden, freien Arbeitern keine Konkurrenz machen. Sendungen nach England. Mit Bezug auf die in unserer Zeitung vom 16. d. M. unter der Ueberschrifr„Postpakete nach England" gebrachten Notiz werden wir von der amtlichen Ver- tretung der königl. belgischen Postdampferlinie O st ende- Dover gebeten, unsere Leser darauf aufmerksam zu machen, daß die Routenvorschrift für Pakctsendungen nach England den Versendern vollkommen frei st cht. daher auch die Route über Ostende- Dover vorgeschrieben werden kann. Zu dem Wiener Raubmord wird mitgeteilt, daß Kriminal- kommissar Nasse nach Berlin zurückgekehrt ist. Die Ermittelungen in Wien haben den Verdacht bestärkt, daß Henkel schon bei seiner Ab- reise von Berlin den Plan gefaßt hatte, irgend etwas auszuführen, um Geld zu bekommen. Zunächst inag er wohl an ein Unternehmen in Serbin gedacht haben. In Wien wohnte er erst unter seinem richtigen Namen. Im„Bayerischen Hof" dagegen nannte er sich Hans Krüger. Zufällig heißt dort der Pförtner ebenso. Aber das brachte ihn nicht aus der Fassung, als der Mann es ihm sagte. Der Laden Frankfurters ist so klein, der Ladentisch so schmal, daß der Mörder seinem Opfer die Waffe dicht an den Kopf hielt, als der Mann sich bückte, um die Kette an der Uhr zu befestigen. Die Kugel drang an der rechten Schläfe schräg durch bis in die linke Schulter. Neben dem Laden, der vom Hotel des Mörders nicht fünf Minuten entfernt ist. liegt ein Neubau, an dem noch gearbeitet wird. Bemerkenswert ist, daß Henkel nach der Tat ein Rostbeaf nicht essen konnte, als er es durchschnitt und Blut herauslaufen sah. Er ließ es schaudernd stehen und ging weg. Die geraubte Kasse hatte er im Hotel unter seinen Waschtisch gestellt. In Berlin ist sie immer noch nicht wieder zum Vorschein gekommen. Bei der Ausgabe falscher Einmarkstücke wurde gestern ein wohnungsloser Kellner Fritz Schneider ertappt und festgenommen. Die Allgemeine Berliner Omnibus-Aktien-Gesellschast wird in nächster Zeil ihre Krafwmnibuslinie 4 Hallesches Tor— Chausseestraße (Ecke Liesenstraße) durch die Müllerstraße bis zur Ecke der Schul- straße mit einem Teil der Wagen verlängern, so daß dann drei Linien durch die Friedrichstraße bestehen, und zwar: 4„Hallesches Tor— Chausseestraßc(Ecke Liesenstraßc)", 4a.„Hallesches Tor— Wed- ding(Netlelbeckplatz)", 4b„Hallesches Tor— Müllerstraße(Ecke Schul- strage)". Der Zellnloidbrand in der HandeSstätte Belle-Alliance. Die kürzlich in den engen Räumen dieser Haudelsstätte zwischen Friedrichstraße und Lindenstratze erfolgte Zelluloid-Explosion ist verhältnismäßig günstig abgelaufen, indem dabei Menschen nicht zu Schaden gekommen sind, sondern nur der betreffende Arbeits- saal ausgebrannt ist. Immer sind solche Explosionen und Brände nicht so günstig verlaufen. Seit das zuerst 1869 von Hyatt in Newark hergestellte Zelluloid fabrikmäßig erzeugt wird, sind eine große Anzahl schwerer und leichterer Explosionen und Brände in- folge der Entzündung von Zelluloid in den betreffenden Fabriken vorgekommen, bei denen sehr viele Mensche» ihr Leben einbüßen mußten. Wir erinnern nur an den großen Brand einer Zelluloid- fabrik bei Straßburg im Elsaß im Jahre 1906, durch den eines Montags früh 31 gesunde jugendliche Arbeiterinnen, die kurz vorher frisch zur Arbeit angetreten waren, während einiger Minuten durch die bei dem Brande sich entwickeliwen giftigen Gase getötet wurden, indem in der Nähe eines Ofens lagernde Zelluloidabfälle durch irgendeinen Umstand in Brand geraten waren. Dann an den am 6. Juni dieses Jahres(1908) statt- gefundene Brand der Zelluloidwarenfabrik der Gebrüder Sasse in Ottakring bei Wien, bei dem 13 männliche und 6 weibliche Per- sonen in ähnlicher Weise ums Leben kamen. Diese Gefährlichkeit des Zelluloid hat zu einer großen Reihe Sicherhcitsmaßregeln geführt zur Verhütung von Unfällen bei seiner Herstellung, Verarbeitung und Aufbeivahrnng und bei der Benutzung der aus ihm hergestellten Zclluloidwaren; aber sie ge- nügen immer noch nicht, um diese gefährlichen Explosionen sicher zu verhüten. Sie sind auch mehrfach geändert und ergänzt worden, da man erst allmählich die chemischen und physikalischen Eigen- schaften dieses Fabrikates und die näheren Umstände, unter denen sie sich entzünden können, genauer kennen lernt. So wurde 1903 der Brand eines ganzen Fabrikgebäudes in Berlin durch die un- vorsichtige Behandlung von Zclluloidabfällcn verursacht, die im ersten Stockwerke dort in einer Menge von zirka 509 Kilogramm ohne Wissen der Behörde gelagert und sortiert wurden und sich durch irgendeinen Umstand entzündet hatten. Die langen Stich- flammen, die dabei aus den Fenstern des ersten Stockwerkes her- ausschlugen, übertrugen das Feuer auf die übrigen Betriebe des Gebäudes, dabei auch auf eine Zclluloidwarcufabrik im dritten Stockwerk und sehten die dort in Arbeit befindlichen Materialien in Brand. Dabei erstickte ein Arbeiter, während zwei Arbeiterinnen schwer verbrannt wurden, da sie, im Begriff sich zu retten, die Türklinke abbrachen und in der Todesangst übersahen, daß die Ausgangstür trotzdem leicht zu öffnen war. Nun wurden auch die Geschäfte dieser Händler mit Zelluloidabfällen in strengere Kon- trolle genommen und für sie spezielle Bestimmungen erlassen. Trotzdem kamen in Berlin noch einige solche Brände vor. In dem- selben Jahre fand auch in dem Keller eines Fabrikgebäudes in Leipzig ein Brand von Zclluloidabfällen statt, bei dem acht Per- sonen ums Leben kamen, von denen sich sechs in einem an der Treppe befindlichen Kontor aufgehalten hatten, ohne daß von diesen das Fenster geöffnet worden war. Man vermutete deshalb, daß diese Personen durch Vergiftung von bei dem Brande entstandene» giftigen Gasen gestorben seien, die durch Ocffnungen aus dem Keller hierhin gelaugt waren. I» der Tat ergaben Versuche, die Professor Dr. Kockcl darauf anstellte, daß die bei Verbrenunug von Zelluloid entstehenden Gase Blausäure enthalten, und zwar 5 Gramm Zclluloidwollc beim Verbrennen eine solche Menge Blau- äure entwickele, nämlich 5 Zentigramm, die zur Tötung eines Menschen genügt. Außerdem enthalten diese Gase noch Kohlen- oxydgas. das ebenfalls giftig ist; aber an den Todeserscheinungen und dem Scktionsbcfunde der Verstorbenen und der Versuchstiere konnte konstatiert werden, daß der Tod durch die schneller wirkende Blausäure herbeigeführt war. Infolgedessen wurden in Leipzig und in Berlin im Jahre 1906 cm die Anlagen zur Herstellung von Zelluloid noch weitergehende Anforderungen zur Eichöhung der Feuersichcrhcit und zum Schutze der Arbeiter und Nachbarn ge- tellt, deren Durchführung aber— wie der Bericht der Gewerbe- aufsichtsbeamten bemerkt vielfach Widerstand bei den GJetoerBc Unternehmern findet. Wenn aber irgendwo, so sollten doch hier, wo so leicht wie in einer Kohlengrube ein großes Unglück geschehen kann, etwaige Widerstände der Ge- Werbeunternehmer unter allen Umständen aufs schnellste beseitigt tvexden. Auch bei dein Brand am letzten Dienstag in der Handelsftätte Belle-Allianec hätte durch den Umstand, daß der vorhandene Not» ausgang nicht schnell genug geöffnet werden konnte, ein großes Unglück geschehen können, wenn nicht alle Personen sich schnell genug durch den Hauptausgang hätten entfernen können. Wenn irgendlvo, so zeigt sich hier, daß die zum Schutz von Menschenleben getroffenen Vorkehrungen stets im besten Zustande, gleichwie bei der Feuerwehr, gehalten werden müssen. Auch dürften die engen Räume der Handelsstätte Belle.Alliance und die ganze dortige Gegend zur Fabrikation mit einem so gefährlichen Stoffe nicht geeignet sein. Sie sollten überhaupt nicht mehr in der Nähe be- wohnter Gebäude oder in Grundstücken geduldet werden, die gleich- zeitig andersartigen Gewerben dienen. Der Oberinspektor der Fabriken in England hat unlängst ein- gehende Spezialvorschriften zur Sicherung der in Betrieben dieser Art beschäftigten Personen sowie der betreffenden Etablissements selbst erlassen. Sie beziehen sich sowohl auf die fabrikmäßige Her» stellung des Zelluloids wie auf die Verarbeitung und Aufbewahrung der hergestellten Produkte. In ersterer Hinsicht werden auch für die schnelle Entfernung der dabei entstehenden schädlichen Dämpfe von Salpeter» und Schwefelsäure wirksame Anordnungen getroffen, ebenso für die Verarbeitung des fertigen Zelluloids. Es darf in größeren Mengen nur in feuersicheren Behältern und nicht in der Nähe belvohnter Gebäude aufbewahrt werden. Auch kleinere Mengen müssen in metallenen oder sonst feuersicheren Behältern aufbewahrt werden. Das Sägen und Bohren desselben darf nur unter genügender Kühlung durch kaltes Wasser erfolgen. Mit offenem Lichte darf in diesen Räumen nicht verkehrt werden, auch müssen stets reichliche Mengen Wasser und nasser Sand in diesen Räumen bereit gehalten werden. Die oben erwähnte Zelluloidwarenfabrik in der Nähe von Straßburg im Elsaß gehörte einer englischen Firma, die es aber vorzog, sie nicht in England, sondern im Elsaß zu errichten, weil die Bestimmungen für die Errichtung und den Betrieb solcher Fabriken in England viel rigoroser sind als in Deutschland. Möchten die unsrigen doch bald auch die nötigen Verschärfungen erhalten, ehe ein größeres Unglück passiert! Ein Berliner Schwindler in der Provinz. Der von Berlin auS wegen zahlreicher Betrügereien verfolgte. 62 Jahre alte Kauf- mann, Händler und Schankwirt Otto Loevy hat, nachdem ihm der Boden in Berlin zu heiß geworden ist, feine Tätigkeit in die Pro» dinz verlegt, wo er in derselben Weife wie in Berlin auftritt. Er pflegt Gefchäfte verschiedener Branchen zu besuchen, wo nur eine weibliche Person tätig ist. Er hat sich als Schankwirt meistens unter dem Namen Wendland oder Märiens vorgestellt, eine größere Bestellung aufgegeben, die er von seinem Kutscher abholen lassen wollte. Im Laufe des Gespräches fällt ihm plötzlich ein. daß er sich verausgabt habe, er erbittet und erhält ein Darlehen von 8 M. und gibt dafür einen übrigens falsch ausgestellten Wechsel in Höhe von 175 M. auf den Namen Julius Levi, den sein Kutscher mit Bezahlung deS gesamten Betrages zurückbringen soll. Selbst- verständlich ist alle? Schwindel. Loevh, der sehr vertrauenerweckend auftritt, ist klein und trägt einen kurzen, weißen Schnurrbart. Da er immer viel jünger geschildert wird als er tatsächlich ist, trägt er wahrscheinlich eine dunkel gefärbte Perücke und gefärbten Bart. Er ist bis jetzt in Leipzig, Görlitz und Sagau bemerkt worden und arbeitet jedenfalls auch an anderen Plätzen. Der Bluff des Reklameschwindlers. Die unter Aufwand großer Mittel in Szene gesetzte Schwindelreklame des PseudoVerlegers Peter Ganter hat zwar einen Tag lang ganz Deutschland in Auftegung versetzt—- denn es steht fest, daß die„blauen Briefe" Ganters in allen großen deutschen Städten verteilt worden sind—, der Trick hat aber, wie gemeldet, mit einem schmählichen Fiasko seines Ur- Hebers geendet. Der Verein der Buchhändler in Leipzig hatte sich an die Staatsanwaltschaft München gewendet mit der Bitte, sofort gegen den Schwindel einzuschreiten. Der Verein erhielt daraus folgende telegraphische Antwort: Gegen den Kaufmann Peter Ganter hier ist wegen der Art der Anpreisung des von ihm herausgegebenen Romans ein Strafverfahren wegen Betruges eingeleitet. Der Staatsanwalt München I. � Ganter hatte von München auS die Briefe zu Tausenden in Pakete verpackt an die Hauptpostämter der einzelnen Städte mit der Weisung gesandt, sie am Sonnabendmorgen auszutragen. Er mußte daher die Briefe statt mit dem OrtSporto mit zehn Pfennig frankieren, da er sich sonst auch wegen Portohinterziehung strafbar gemacht hätte. Wie auch aus den Provinzblättern hervorgeht, ist der Reklame- schwindel überall sofort als solcher erkannt woroen. Das beste Geschäft dabei scheint die Post gemacht zu haben, da die Briese in vielen Zehntausenden in die Welt gingen. Der Unter» nehmer glaubte, wenn die Geschichte klappte, innerhalb einiger Tage '/a bis 74 Millionen verdienen zu können. Wer ist der Tote? Am 20. Dezember ist in der Potsdamer Forst im Jagen 60 ein etwa 50 Jahre alter, dem Arbeiterstande angehörender unbekannter Mann erhängt aufgefunden worden. Er ist zirka 1,65 Meter groß, hat dunkles, volles Haar, defekte Zähne, graumelierten Schnurrbart. Bekleidet war er mit dunklem Jackettanzug, dunkelblauem Winterüberzieher, schwarzen Schnür- stiefeln, grauwollenen Strümpfen, weißem Hemd, gez. f. fein zweiter Buchstabe, anscheinend Zuname, ist entfernt und scheint ein G. gewesen zu sein), grauem Trikothemd und braunem, weichem Filzhut. Anscheinend liegt Selbstmord vor. Personen, die über die Persönlichkeit des Unbekannten irgendwelche Angaben machen können, werden gebeten, ihre Wahrnehmungen t>er Kriminalpolizei oder einem Polizeirevier mündlich oder schriftlich zu den Akten 6308 IV 80. 03. mitzuteilen. Vorort- JSachncbtcm Klixdorf. Die zum 1. und 2. Weihnachtsfeiertage vom hiesigen BildungS- auSschuß veranstalteten Festlichkeiten sollen auch dem minder- bemittelten Arbeiter Gelegenheit geben, mit seiner Familie einige Stunden der Unterhaltung und Zerstreuung zu suchen. Der Ein- trittspreis für sämtliche Veranstaltungen ist auf das niedrigste festgesetzt. Am 1. Weihnachtsfeiertage, nackmittags 4 Uhr, findet im großen Saale von Fritz Hoppe, Hcrmaunstr. 40. für unsere Jugend eine Grirn ms- Märchenerzählung, geleitet von Frl. Maria HolgerS, statt. U. a. kommen zur Vorlesung: „Der Froschkönig und der eiserne Heinrich",„Brüderchen und Schwester- chen",„Vom klugen Schneiderlcin",„Schueeweißchen und Rosenrot", „Der Eisenofen".„Rumpelstilzchen" und zum Schluß„Neckmärchen". Die Eröffnung findet nachmittags 3 Uhr statt. Das Eintrittsgeld bettägt pro Person, ob Kind oder für Erwachsene. 10 Pf.— Abends präzise 8 Uhr findet in demselben Lokale ein„Volkslieder- abend", bestehend aus Instrumental» und Bokalkonzert, statt. Als Mitwirkende sind hierzu gewonnen: Frau Johanna Plockroß-Pohli, Liedersängerin, der Gesangverein„Rix- dorfer Männerchor" sM. d. A.- S.- B.) und das„Neue Tonküustler« Orchester" lmter Leitung seines Dirigenten Franz H o l l f e l d e r. Das Eintrittsgeld beträgt inklusive Programm pro Person 30 Pf.— Am zweiten W e i h n a ch t s f ei e r t a g, nachmittags L'/z Uhr, findet im Rixdorfer Theater f.Bllrgersäle"). Bergstr. 147, die fünfte Theatervorstellung mit der Ausführung „Ein idealer Gatte", Lustspiel in 4 Akten, statt. Die Billetts, a 65 Pf. inklusive Garderobe und Theaterzettel, sind, wie für alle übrigen Veranstaltungen, in allen Zahlstellen soivie bei unseren Bezirks- und Zahlstellenführern, ebensalls in der Spedition, Neckar- straße 2(Laden), zu erhalten. Wir ersuchen, die Veranstaltungen recht rege zu unterstützen und bitten um zahlreichen Besuch. Der Ausschutz. l Am Sonntag ist in der Prinz-Handjerhstraße einem Paffanten durch die Verfolgung der Polizei der Hut abhanden gekommen. Der ehrliche Finder wird ersucht, denselben in der Spedition, Neckarstr. 2, abzugeben. Schöneberg. Heraus aus der Landeskirche! war das Thema, welches der Landtagsabgeordnete Genosse Adolf Hoffmann in der Slbloßbrauerei vor einer sehr zahlreich erschienenen Zuhörerschaft behandelte. Die Ausführungen des Redners, in denen er nachwies, daß die Forderung:„Trennung von Staat und Kirche" zugleich eine Kuliurforderung ist und den Staat— wie dies bereits in anderen Ländern der Fall— vor ungeheuren Ausgaben für die Kirche be- wahre, fanden großen Beifall. In der Diskussion meldete sich ein Herr Thieme zum Wort; er stellte stcki als Geistlicher vor. fügte jedoch hinzu, daß er kein preußischer Geistlicher sei. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen schilderte er dann sein Wirken als Nacktmissionar in Berlin. Er widersprach dem Genossen Hvffmann nicht, sondern wollte nur betont wissen, daß eS auch Geistliche gibt, die für wirtschaftliche Besserstellung der Arbeiter eintreten; er müsse jedoch sagen, daß er es für seine erste Auf- gäbe halte, für das Seelenheil, das nicht nur der Arme. I andern auch der Reiche brauche, einzutreten und zu wirken. Der zweite Diskusstonsredner, ein Herr Döbel, wollte den Nachweis führen, daß sich Religion und Wissenschaft sehr wohl vertragen. Wer es nicht glaube, der solle sich mir ein Exemplar der alten Bibel an- schaffen, denn die jetzige sei gefälscht. Dem Genossen Hoffmann fiel es nicht schwer, die sonderbaren Ausführungen der Diskussionsredner auf ihren realen Wert zurückzuführen. Wenn vom ersten Redner gesagt wurde, daß man in erster Linie um das Seelenheil der Menschen besorgt sein müsse, so sei dies ganz falsch. Man solle das Volk wirtschaftlich so stellen, daß es nicht in Not und Elend gerate und verkümmere; auch die Erziehung müsse sich in anderen Bahnen bewegen. Da aber der Staat und die Kirche nichts davon wissen wollen, müsse es Aufgabe des arbeitenden Volkes sein, selbst dafür einzutreten und dafür zu sorgen, daß es den gebührenden Ein- sluß auf Staat und Gesellschaft gewinnt, um au« eigener Kraft zu erringen, was zur Weiterentwickelung und zur Hebung des Volkes sowie zur wissenschaftlichen Erkenntnis und Kultur dient. Darum, so schloß Redner, heraus auS der Landeskirche! Hinein in die poli- tischen und gewerkschaftlichen Organisationen, dann wird es auch vorwärts gehen I Mit einem begeisterten Hoch auf die Sozial« demokratie schloß der Vorsitzende die imposant verlaufene Ber- sammlung. Die Jugendsthriftenausstellung findet nunmehr nur noch in der „Vorwärts"-Spedltion, Martin-Luther-Str. 51, statt. Die Auswahl ist dort eine noch größere, da vielfach neue Bücher und Werke be- schafft wurden. Die Spedition ist bis 3 Uhr abends geöffnet, daher jedem Gelegenheit gegeben, seinen Bedarf an sozialistischer Literatur dort zu decken. Eine Weihnachtsfeier veranstaltet der Arbeiter- Turnverein am ersten Feiertag in der Schloßbrauerei. Da der Uebersckuß zu gemein« nützigen Zwecken verwendet wird, rechnet genannter Berein aus eine rege Beteiligung seitens der Arbeiterschaft. Für gute reichhalttae Unterhaltung ist gesorgt. Eintritt 30 Pf. Ansang 6 Uhr. Lichtenberg. Ueber die Vergebung der Arbeite» am ElektrizitStswerk und die den Unternehmern zugebilligten Preise wird die heute DienStag. nachmittags 5 Uhr, im Rathause stattfindende Stadtverordnelen- Versammlung vom Magistrat Auskunft fordern. Auch die Bürger» lichen fragen durch eine Interpellation beim Magistrat nach den Dingen. Panik bei einem Brande. Große Aufregung herrschte bei ewem Brande, der in der SonntagSnacht in dem Eckhause Wilhelmstr. 13 und Sophienstraße zu Lichtenberg zum Ausbruch kam. Seit Anfang Oktober betreibt dort der Kaufmann Dennert eine Apotheke. Die Wohnung liegt im ersten Stock. Bald nach Mitternacht wurden plötzlich im Hause Feuerrufe laut. Wie sich herausstellte, brannte es auf dem Korridor der Dennerffchen Wohnung. Noch ehe die Mieter der oberen Stockwerke das Freie gewinnen konnten, war das Treppenhaus vollständig verqualmt. Den geängstigten Per- sonen war jeder Ausweg abgeschnitten. Ueberall wurden Hilferufe hörbar. Auch die Dennertsche Familie schwebte in Lebensgefahr. Die zehnjährige Tochter sprang in ihrer Angst aus einem Fenster der Badestube auf die Straße hinab. Glücklicherweise erlitt sie nur eine Fußverstauchung. Ein Mieter im zweiten Stock ließ seinen 11 jährigen Sohn an einer Leine vom Balkon aus die Straße hinabgleiten. Als die Lichtenberger Feuerwehr eintraf, war die Situation äußerst gefährlich. Oberführer Groß ließ sofort über Leitern hinweg Löschmannschaften in die einzelnen Wohnungen vor- dringen, um die gefährdeten Leute zu beruhigen und von übereilten Schritten zurückzuhalten. Gleichzeittg wurde das Feuer mit zwei Schlauchleitungen bekämpft und dem erstickenden Qualm Abzug ver- schafft. Innerhalb einer halben Stunde war dann jede Gefahr be- seitigt. Wie das Feuer eigentlich entstanden ist, konnte mit Sicher- heit noch nicht festgestellt werden. Eine Verschmelzung der Gewerkschaftsunterkommissionen Lichten- berg und Rummelsburg vom 1. Januar 1000 ab wurde in der letzten Sitzung der Lichtenberger im Beisein der Rummelsburger Nnterkommission einstimmig beschlossen. Begründet wurde dieser Schritt außer sonstigen Zweckmäßigkeitsgründen durch die zeographische und wirtschaftliche Lage beider Orte. Bom Berliner Ausschuß, vertreten durch den Genossen Ritter, wurden Bedenken gegen eine Verschmelzung nicht geäußert. Genosse Liebermann gab en Bericht au» der Berliner Sitzung, welche sich mit dem Resultat der Arbeitslosenzählung und Maßnahmen zilgimsten der Arbeitslosen befaßte. In der Diskussion war allgemein die Meinung verlrelen. daß das Resultat der Zählung kein zutreffendes sei. Bei der nächsten Zählung muffe das Hauslistensystem angewendet werden Auch müsse durch Abhalten von Versammlungen und Verteilen von Flug- blättern auf den Wert derartiger Zählungen hingewiesen werden. Nicht vertreten war der Ort WilhelmSberg. Rummelsburg. Eine Notstaiidsdebatte gab es in der letzten Sitzung der Ge- meindevertretung. Auf Grund der Feststellung der Arbeitslosenzählung bom 17. November dieses Jahres, die für Rummelsburg 600 Arbeitslose ergeben halte, interpellierten unsere Vertreter die Gemeindevertretung dahin dieselbe wolle schleunigst geeignete Maßnahmen treffen, um der gegenwärtig herrschenden Arbeitslosig- keit enigegenzuwirken, wie die durch die Arbeilslosigkeit bedingte besondere Notlage zu mildern. In der hierzu eingesetzten Sonder- kommission waren von unseren Vertretern nachstehende Vorschläge eingebracht worden: 1. Alle schwebenden Gemeindearbeiten sowie alle sonstigen, wenn auch im späteren Jntereffe der Gemeinde liegenden Arbeiten sind schleunigst in Angriff zu nehmen mch in eigener Regie auSzu- führen. 2. Ten bereits längere Zeit Arbeitslosen ist eine Barunter- stützuug zu gewähren. 3. Allen bedürftigen Schulkindern ist ein warmes Mittagbrot unentgeltlich zu verabfolgen. 4. Die Gemeinde wolle sich im Prinzip für die Einführung einer kommunalen Arbeitslosenversicherung erklären und. um eine einheitliche Organisation zu schaffen, sich mit Groß-Berlin in Verbindung zu setzen. Diese Anträge lagen nun dem Plenum zur Beschlußfassung vor. Tie an den Kommissionsbericht anschließ-nde Debatte gestaltete sich zeitweise recht lebhaft und bewegte sich auch von bürger- licher Seite teilweise in zustimmenden Ausführungen. Besonders für Schaffung von Arbeitsgelegenheiten traten einige bürgerliche Vertreter ein. Eine allgemeine Abweisung erhielt von bürger- liched Seite nur die beantragte Barunterstützung. Als Grund« hiergegen mußten hauptsächlich herhalten, daß eine Barunterstützung gesetzlich nur auf dem Wege der Armenunterstützung zulässig sei. Auch würde eine Barsumme von nur mehreren tausend Mark— mehr könne nach der finanziellen Lage der Gemeinde nicht gegeben werden—, verteilt auf die vielen bedürftigen Arbeitslosen, eine viel zu geringe Unterstützung ausmachen. Herr Schösse Lange vertrat hierbei noch den Standpunkt, daß es nicht angängig sei, aus Steuern, die von derAllgemernheit aufgebracht werden, solche Unterstützungen einzelnen Personen zu gewähren. Dieser angebliche prinzipielle Standpunkt des Herrn Lange wird bei späteren anderen Bewilligungen für unsere Vertreter noch gute Verwertung finden können. Nachdem unsere Vertreter die allgemeinen Einwände der ein» zclnen bürgerlichen Vertreter beantwortet und die Haltlosigkeit derselben dargelegt hatten, erläuterte Genosse Müller in großen Zügen die bereits m Straßburg eingeführte kommunale Arbeits» losenunterstützung nach dem Genier System. Es wurde hierauf beschlossen: Der Gemeindevor» stand hat sämtliche in Aussicht stehenden Arbeiten, nicht nur Erd» arbeiten, schleunigst in eigener Regie zur Aussührung zu bringen. Vorerst soll in Angriff genommen werden die Regulierung der Marktviertelstraßen wie der Fischerstratz« und die Legung einer Kanalleitung in der Lückstraße. Die Barunterstützung wurde gegen die Stimmen unserer Genossen abgelehnt. Zur unentgeltlichen Speisung bedürftiger Schulkinder mit warmem Mittagbrot wurde ein Betrag von 3000 M. einstimmig bewilligt. Die Speisung soll vorläufig dem Verein Frauenhilfe, welcher bereits mit einem Ge- meindezuschuß von 1000 M. warmes Frühstück an bedürftige Schultinder verabfolgt, übertragen werden. Zum Punkt kommunal« Arbeitslosenversicherung erklärte sich die Gemeindevertretung im Prinzip für die Einführung einer kommunalen Arbeitslosenunterstützung. Der Gemeindevorstand wurde beauftragt, in dieser Frage mit Berlin in Verbindung zu treten. Auch ist die Gemeindevertretung auf Anregung der Kom- misston einmütig damit einverstanden, daß die ArbettSlosenzählung, welche am 15. Februar nächsten Jahres erfolgen soll, nicht wie die Zählung am 17. November d. I. in Zähllokalen, sondern von Haus zu Haus vorgenommen wird. In der nun folgenden nicht- öffentlichen Sitzung wurde das Gehalt für den Tiefbauleiter Hirsch auf 5000 M., steigend bis zu 7000 M., festgesetzt. Dem Bei- geordneten Köhler wurde eine Gehaltserhöhung von 700 M. be- willigt. Diese Erhöhung wurde damit begründet, daß der Bei- geordnet« Köhler als zeitweiser Vorgesetzter des TiefdauleiterS auch ein entsprechend höheres Einkommen haben muß Köpenick. Der„Männerchor Köpenick", der auch bei Arbeiterfestlichkeiten bisher immer milgewirtt hat, veranstaltet am 1. Weihnachtsfeiertag im Stadtlhenter sein 1. Konzert. Mitwirkende sind die Herren Chormeister P, Schaerffenberg, Blobel(Dirigent des Arbeiter-Sängerbundes Berlins und Umgegend), Konzertmeister Kosta und Oslath. Der Eintrittspreis beträgt inkl. Tanz nur 50 Pf. Anfang 6 Uhr. Friedrichshagen. In der letzten Gemeindevertreterfitzung stand eine Beitrags. ordnung betreffend die Heranziehung der Grundbesitzer zu den StratzenpflasterungSkostcn gemäß§ 9 deS Kommunalabgabengesetzes zur Beschlußfassung. Der Gemeindevorsteher wies darauf hin. daß laut Gemeindebeschluß die Kastanienallee gepflastert werden solle. die Adjazenten dieser Straße aber gegen die Kvstenheranziehung einen Prozeß angestrengt hätten. Da nun da» Oborverwaltungs- gericht in seinen Entscheidungen wiederholt ausgesprochen, daß den Gemeinden zu empfehlen sei, Ortsswtute zu erlassen, nach welchen die Adjazenten zu den Kosten herangezogen werden können, sei der Vertretung zu empfehlen, dem vorliegenden Entwurf einer Bei- tragSordnung zuzustimmen. Nach demselben sind die Adjazenten verpflichtet, sowohl zu den PflasterungSkosten wie auch zu Um- Pflasterungen mit besserem Materiol bis zu 75 Prozent beizutragen. Um aber Härten zu vermeiden, beschließt in jedem Einzelsall die Vertretung über die Höhe der Kosten. Nach längerer Debatte wurde dem Entwurf zugestimmt.>— Von dem geplanten Umbau des Wirt- schaftSgebäudeS auf dem Rathausgrundstück wurde nach Bericht- erstattung der eingesetzten Kommission der hohen Kosten wegen und im Hinblick aus eine vielleicht später notwendig werdende Erweiterung deS Rathauses Abstand genommen.— Ein DringlichkeitSantrag des Haus- und Grundbesitzervereins, beim Landtage die Erhöhung deS Ortes in die Servistlasse B zu befürworten, wurde dem Gemeinde- vorstand und der Etatskommission zur Vorberatung und Bericht- erswttung überwiesen.— Der in der letzten Sitzung angenommene Mietsvertrag mit dem Arzt Dr. Schueler zur Unterbringung der Volksbibliothek wurde wieder aufgehoben, da die betreffenden Räume sich nachträglich als unzureichend erwiesen. Es wurde be- schloffen, eine Neuausschrcibung nach geeigneten Räumen vorzu- nehmen.— Außerhalb bn Tagesordnung drückte der Vertreter Sonnenburg(Soz.) sein« Verwunderung darüber aus. daß der Bericht des Schularztes pro 1907/03 noch immer nicht der Vertre- tung zur Beratung und Beschlußfassung vorgelegt sei. Der Bericht ist so umfangreich und behandeU so äußerst wichtige Fragen, u. a. die Gesundheitsverhältnisse der Kinder, die Art der Krankheiten, die Zahl der ständig unter schulärztlicher Kontrolle gestandenen Kinder, die alljährlich wiederkehrende Forderung des Schularztes — auch von den sozialdemokratischen Vertretern stets als dringend erachtete Forderung— nach Errichtung einer Hilfs- klasse für schwachbegab te und geistig zurück- gebliebene Kinder, so daß es eine ernste Pflicht der Ver- tretung sein muß. zu dem Schularztbericht Stellung zu nehmen. Auch haben die Gemeindcmitglieder in ihrer übergroßen Mehrheit ein großes Interesse an der Tätigkeit des Schularztes und an der Veröffentlichung seines Berichtes. Der Gemeindevorsteher erklärte. daß er den Bericht auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung setzen werde. Gleichzeitig teilte er mit, daß auf Anregung der Schul- aufsichtsbehörde der Errichtung einer Hilfsklasse näher getreten wird. Die Kosten für die Unterhaltung derselben werden zirka 3300 M. pro Jahr betragen. Rahnsdorf. Ein schwerer Unfall trug fich gestern nacht auf dem htefigen Bahnhof zu. Bei der Abfahrt des letzten von Berlin kommenden Zuges nach Erlner glitt der Türschließer Peile aus Rahnsdorf aus, blieb zwischen zwei Wage» hängen und wurde den ganzen Bahn- steig entlang geschleift. Infolge der schlechten Beleuchtung sah der Zugführer nichts von dem Unfall. Erst im letzten Augenblick sahen Beamte auf dem Bahnsteig an dem Zug einen Arm emporragen und ließen die Notbremse ziehen, sonst wäre der Verunglückte auch auf die Strecke hinausgeichleist worden. Petke erlitt am Kops so schwere Verletzungen, daß er sofort nach der Heilanstalt in Wilhelms- Hägen gebracht werden mußte. Ueber die mangelhafte Beleuchmng des Bahnhofes Rahnsdorf— auch eine Sparsamkeit am falschen Ort— klagen die Beamten seit Jahren. Seit achl Tagen hat die Eisenbahnverwaltung Gelegenheit, den Bahnhof an das neue Gaswerk Rahnsdorf anzuschließen, dessen Leitung an setner Tür vorbeigeht. Adlershof. In der letzten Sitzung ber Gcmeindevertreter wurde die An« stellung eines Gymnasialoberlehrers und einer Lehrerin für die höhere Schule beschlossen.— In der Sitzung vom 25. Mai 1907 war zum wiederholten Male durch unsere Gemeindevertreter zu den Bedingungen zur Vergebung der Arbeiten ein Antrag eingebracht worden und einer besonderen Kommission überwiesen, nach welchem die Einhaltung von vereinbarten Lohn« und ArbeitStarifen und die Anrufung eines durch die Gemeindevertretung einzusetzenden Schiedsgerichts" den bewerbenden Unternehmern zur Bedingung gemacht werden sollte. Zum 14. Dezember 1908, also nach vollen 18 ivkonaten, war endlich die Kommission zur Beratung eingeladen worden; es wurde beschlossen, der Gemeindevertretung folgende Punkte zur prinzipiellen Beschlußfassung zu empfehlen: 1. Die zwischen den Ar- beitgebern und Arbeitnehmern vereinbarten Lohn« und Arbeitstarife find einzuhalten. 2. An dlejeniaen Arbeiterlategorien. für welche der- zrtiae Tarife nickt bestehen, ist mindestens der ortsübliche Tagelohn zu zablen. 3. Betreffs der Kontrolle ist die Gemeinde berechtigt. die Lohnlisten einzusehen. 4. Vor Vergebung der Arbeiten ist durch die Gemeindevertretung eine besondere Kommission zu wählen, welche später event. als Schiedsgericht in Funktion tritt. Die Zahl der Kommissionsmitglieder muß eine ungerade sein. Bei Elörterung dieses Punktes wurde innerhalb der Kommissionsberatung die Ein- führung der seitens des Baugewerksvcrbandes geforderten Streik- klausel gefordert. Die Aufnahme wurde aber abgelehnt und dafür beschlossen: Ruft eine Partei das Schiedsgericht an, so ist die andere Partei verpflichtet, auf Borladung ebenfalls vor dem Schieds- geeichte zu erscheinen. Tut sie dieses nicht, so ent- scheidet das Schiedsgericht nach bestem Ermessen nach dem ihm vorgelegten Material. Der Unternehmer, welcher aus Vorladung des Schiedsgerichts nicht erscheint, hat alle Folgen, die sich aus dem Vertrage ergeben. zu tragen. Sollte ein vom Schiedsgericht ge- fällter Schiedsspruch durch die Arbeitnehmer nicht anerkannt werden. so verlängern sich die Lieferfristen um die Dauer des event. Streiks resp. Aussperrung. Der Unternehmer ist verpflichtet, nichtreichs- angehörige Arbeiter überhaupt nicht zu bes-bäsligen. dagegen wird gewünscht, daß er nach Möglichkeit ortsansässige Arbeiter verwendet. Nachdem der Gemeindevertreter Rösecke die Einfügung der reinen Streikklausel nochmals gefordert hatte, wurden die obigen Beschlüsse der Kommission auch von der Gemeindevertretung mit der Ergänzung angenommen, daß bei Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhältnis die Anrufung des Schiedsgericht« innerhalb 24 Stunden nach dem Ausbruch derselben und da« Schiedsgericht wiederum inner- halb derselben Zeit nach der Anrufung zusammentreten muß. Mit dieser Beschlußfassung ist für die Gemeinde wenigstens ein kleiner Fortschritt auf dem Gebiete der Regelung des Arbeitsverhältnisses bei Gemeindearbeiten gemacht. Die Baukommission wurde verstärkt durch den Gemeindeverlreter Herrn Lindenberg und Herrn Ingenieur Wagner. Waldstr. 13. Zur Deckung des SchulhauSanbaues wurden 2Ö5 000 M. beantragt, welche von der Kur- und Neumärlischen Liitterschaftlichen Darlehnökasse als Anleihe gegen 4 Proz. Zinsen und 1 Proz. Amortisation aufgenonrmen werden sollte. Die Auf- nähme, welche zum Kurswerte zu erfolgen hat, würde der Gemeinde zirka b07ö M. Kursverlust bringen; unser Genosse Hildebrandt beantragte deshalb die Vertagung. Der Gemeindevorsteher wurde beaustragt, sich auch nach anderen und günstigeren Anleihegebern umzusehen. Ebenso wurde die Erteilung deS Baukonsenses an die Firma Treitel u. Lenin vertagt.— Um der bestehenden Arbeitslosigkeit nach Möglichkeit entgegenzutreten. wurde die Aufhöhung deS Glienicker WegeS beschlossen. Zwecks weiterer Straßenregulierungen sind die Unterhandlungen mit den Anliegern noch nicht zu Ende geführt. Für einzelne Positionen des Etats mußten insgesamt 8Ü21.73 M. nachbewilligt werden.— Nach- dem nunmehr baS Ortsstatut über die Anschließung der Grundstücke an die Regenentwässerungsanlagen in Kraft getreten ist. wird die Gebühr aus 1 Ps. pro Quadratmeter Niederschlagsfläche festgesetzt.— Eine ISseitige Foliodruckschrist wurde der Gemeindevertretung vom Gemeindevorsteher als Programm für die fernere Ausgestaltung deS Ortes vorgelegt. nach welchem�_ in folgender Reihenfolge «en deS die Straßen OrteS umgepflaftert oder neu reguliert werden sollen: 1. Hackenbergstraße, 2. Genossenschaftsstraße, 3. Bismarckstraße. 4.' Kaiser-Wilhelm-Straße, S. Friedenstraße, 6. Verlängerte Moltkestraße, 7. Glienicker Weg, 8. Verlängerte Feld- Herrnstraße, 9. Sedanstraße, 19. Metzer Straße, 11. Verlängerte Anidtslraße, 12. Verlängerte Handjerystraße. 13. Verlängerte Kaiser- Friedrich-Straße, 14. Verlängerte Oppenstraße) 15. Radickestraße, 16. Verlängerte Waldstraße. Die aufzuwendenden Mittel betragen 2 067 309 M. Davon entfallen aus die Anlieger 1700 905 M. Außerdem müssen durch Anleihe aufgebracht werden 291 790 M. für die notwendige Regenrohrleitung, 42 760 Mark für die Wasserrohre. Für außergewöhnliche Kosten sind 42100 M. und für die Kanalisterung 43 985 M. vorgesehen. Es würden deimiach auf die Gemeinde entfallen 32 509 M. für StraßcnpflasterungSbeitrag. 291 790 M. für die Regenrohre und 42 100 M. für unvorhergesehene Kosten, in welche eventuelle Ent- eignungen einbegriffen find. Insgesamt hätte also die Gemeinde 366 399 M. zu tragen. DaS ganze Projekt würde demnach 2 067 300 M. kosten. Als Bauzeit sind drei bis vier Jahre vorgesehen.— Während von allen Seiten wohl die Ausstellung des ProgranimS mit Freuden begrüßt wurde, warnten doch die Gemeindeverlreter Lutze, Dr. Franke und der Schöffe Bach vor der Ausführung desselben. Letzterer mit dem Hinweise, daß dadurch die Eigentümer von ihrer Scholle der- trieben würden. Rückhaltlos anerkennend sprachen sich nur Dr. Saling und von unseren Vertretern Genosse Hildebrandt für das Programm aus. Besonders letzterer wies nach, daß dasselbe ausgeführt werden muß und auch angeführt werden kann. Zur Deckung der Kosten empfehle er eine schärfere Heranziehung der Bodenspekulanten durch die Erhöhung der Grundwertsteuer für unbebaute Grundstücke und die Einführung der WeNzuwachSsteuer. Schließlich wurde da« Programm einer Kommifsion überwiesen, in welche die Herren Dr. Franke. Dr. Saling. Hildebrandt und Kruse gewählt wurden. Nach 1 Uhr nachts fand endlich die Sitzung ihr Ende. Tpandau. Mit der LrbeitSruhe an den drei zweiten Feiertagen befaßte sich eine am 17. Dezember tagende Versammlung der Friseuraehilfen. Nach Anhörung des Referenten. Kollegen Schmidt-Berlin, sprachen sich alle Diskussionsredner dahingehend aus, daß es wohl möglich sei, die Arbeilsruhe resp. den Geschäftsschluß herbeizuführen. Eine Resolution, die den Vorstand beauftragt, die erforderlichen Schritte für die Herbeiführung der Feiertagsruhe in die Wege zu leiten, fand Annahme. BotSdam. Stadtverordnetenflyung. Die Frage der Aufhebung des Steuer- Privilegs der Beamten führte zu einer Debatte, in welcher Ober- bürgermeister Bosberg betonte, daß die Stadt nach dem jetzigen Stande der Dinge alle Hoffnungen aufgeben müsse, im Jahre 19 10 den Ausfall der Schlachlsteuer von zirka 400 000 Mark durch die Steuern der Beamten zu decken.— Zum unbesoldeten Stadtrat wurde im dritten Wahlgange der SanilätSrat Stadtv. Dr. Masw« mit 26 gegen 24 Stimmen gewählt.— Den größten Teil der ________ führte_ in Besitz, ungesunden Spekulationen müsie die Spitze abgebrochen werden. ES sei jetzt ein Stehenbleiben, wenn nicht Zurückgehen der Grundwerte zu verzeichnen, was auf die Rückständigkeit und den Mangel an Selbstvertrauen früherer Verwaltungen zurückzuführen sei. Dazu gehöre vor allem ein weiter Blick und nicht die Kirch. turmspolitik. wie sie die Bezirksvereine/� Millionen Mark sollen durch eine Anleihe gedeckt werden.— Nachdem im Jahre 1906 probeweise für drei Schulen je ei» Schularzt angestellt ist. wird beschlossen. in Zukunft für die übrigen sechs Gemeindeschulen ebenfalls solche anzustellen, da die gemachten Erfahrungen sehr günstig sind. Gehalt pro Arzt jährlich 400 M.-- Die Vorlage zum Bau eines Direktorial- gebnudeS beim Realglzmnasium wurde wiederum zurückgezogen. Nach den Verhandlungen ist es nicht ausgeschlossen, daß die Anstalt verstaatlicht wird, was aber den Bau einer Doppelanstalt bedingen würde.— In der nichtöffentlichen Sitzung beschäfttgte man sich noch mit der Bewilligung von Weihnachtsgratifikationen. Einen tragischen Abschluß fand am Sonnabendnachmittag ei» von größeren Knaben am Werderschen Weg betriebenes Spiel. An der dort im Bau befindlichen Bahnstrecke hatten sich dieselben eine größere Erdhöhle gebaut. Als nun der 12 jährige Schröder in dieselbe hineinkroch und ihre Haltbarkeit probieren wollte, stürzte dicfclbe zusammen und begrub ihn unter sich. Obwohl man sofort mit Unterstützung der in der Nähe beschäftigten Arbeiter den Un- glücklichen zu befreien suchte. gelang es jedoch nur den Leichnam zutage zu fördern._ 6erlcht9- Zeitung. Schutz gegen die Polizei in Halle. Dieser Tage fand vor der Hallenser Strafkammer eine Ge- richtsverhandlung statt, die ein bezeichnendes Licht auf die Schutz. losigkeit ruhiger Bürger gegen rohe Polizeibrutalitäten und auf die Wertlosigkeit polizeilicher„Feststellungen" wirft. Angeklagt waren die jugendlichen Arbeiter Zschommer und Blotzfeld wegen Ruhestörung, Gesangcnenbcfreiung, Widerstandes und Körperverletzung. Der Sachverhalt ist: Zschommer war eines Abends heimgekommen und fand die Haustür verschlossen. Er be- sah keinen Hausschlüssel. Er pochte deshalb gegen die Haustür, um seine Mutter zu wecken. Als dies der Polizist Buschinsky bemerkte,— schritt er ein und forderte Zschommer trotz Bekanntgabe seines RamenS auf, mit zur Wache zu kommen. Zschommer, der nichts verbrochen und keinen Anlaß hatte, mit auf die Wache zu gehen, wurde darauf von seinem Freunde Bloßfeld aufgefordert. mit in dessen Wohnung zu kommen und dort zu schlafen. Nunmehr wollte der Polizist alle beide mitnehmen. Die jungen Leute sträub. ten sich natürlich. Darauf versetzte der Polizist dem Zschommer zwei Säbelhiebe über den Kopf, so daß der Geschlagene zu Boden sank. Bloßfeld bis den Polizisten in den Finger, um frei zu kommen. In der ersten Verhandlung gegen die jungen Leute vor dem Schöffengericht beteuerte der Polizist unter dem Eide, in recht- mäßiger Ausübung seines Amtes gehandelt zu haben. Das Schöffengericht sprach die jungen Leute frei. Es stellte fest, daß die Sistierung widerrechtlich erfolgt ist und daß der Polizist nicht in rechtmäßiger Ausübung seines Amtes gehandelt hat. Beantragte nunmehr die Polizeibehörde, gegen den Schutzmann das gerichtliche Verfahren wegen Amtsmißbrauchs und roher Mißhandlung einzu» leiten 2 Keineswegs. Sie ersuchte vielmehr die Staatsanwalt- schaft um Einlegung der Berufung. Gleichzeitig stand im Hallenser Amtsblatt folgende Notiz: „Wie wir hören, hat die Polizeiverwaltung die Staats- anwaltschaft ersucht, gegen das freisprechende Urteil des Schöffen- aerichts Berufung einzulegen, weil die vorgesetzte Behörde deS Beamten davon überzeugt ist, daß erneute Feststellungen vor der Strafkammer einen Tatbestand ergeben werden, welcher zur Ver- urteilung der Angeklagten führen mutz." Diese durch das Amtsblatt versuchte Beeinflussung der Richter dahin, daß sie Unschuldige verurteilen, hatte den gehosften Erfolg nicht. Die Strafkammer kam zu demselben Ergebnis wie seinerzeit das Schöffengericht. Es sprach die jungen, völlig schuldlosen Leute frei, weil der Polizist die Sistierung widerrechtlich vorgenommen und sich nicht in rechtmäßiger Ausübung seines Amtes befunden hat. Wäre auch«in Stück aus dem TollhauS gewesen, wenn die jungen Leute deshalb verurteilt worden wären, weil der eine keinen Hausschlüssel hatte und der andere ihn einlud, bei ihm zu über- nachten.„Guter Glaube" bei den schweren gegen Freiheit, lichkeit besitzt.„Guter Glaube" bei den schweren gegen Freiheit, Gesundheit und Leben gerichteten Handlungen dem Schutzmann zu- billigen, heißt bei ihm einen weit über das polizeiliche Matz hinaus- gehenden Defekt an Verständnis für seine Handlungen feststellen. Solche Feststellung wäre aber doch wohl nur möglich, wenn d,e Geistesgaben des Polizisten besonders geringe oder wenn seine In» struktion eine auffallend ungenügende ist. In beiden Fällen trifft der Polizeibehörde die Schuld, den Betreffenden als Beamtem trotz seiner Minderwertigkeit im Dienst belassen oder ihn so völlig mangelhaft instruiert zu haben. Das Verhalten der Hallenser Polizeibehörde wirft auch auf die in einer Sittlichkeitssache von ihr ausgesendete sog. Bericht!- gung(vergleiche die letzte Sonntagsnummer) auf Grund„Polizei- licker Feststellung" ein besonderes Licht. Einer„polizellichen Fest- stellung", daß die Strafkammer falsch geurteilt habe, sehen wir entgegen. Wie in jenem Falle, in dem einer Prostituierten durch die Polizeikontrolle nach ihrer Angabe ehrliche Arbeit unmöglich gemacht wurde, ist für uns und wohl jedem Urteilsfähigen das öffentlich vor Gericht Festgestellte eher der Wahrheit entsprechend als das„polizeilick Festgestellte". Wird der Polizist BufchinSky nunmehr unter Anklage gestellt werden? In einem R-chtSstaat wäre das selbstverständlich. Aber die bürgerlichen OrdnungSbrei-Parteien wollen ja nicht, baß Preußen ew Rechtsstaat werde. Schönwalder Dorfklatsch war die indirekte Veranlassung zu einem Strafprozeß, mit dem sich cstern die 1. Strafkammer d-'s Landgerichts III zu beschäftigen atte. Wegen Urkundenfälschung, verleumderischer Beleidigung und wissentlich falscher Anschuldigung war der 67jährige Kolonist und Landwirt Friedrich Böttcher aus Schönwalde angeklagt.— In dem friedlichen märkischen Dörfchen Schönwalde waren im Früh» jähr d. I. zwischen den Einwohnern und der dortigen Forstverwa:- tung Differenzen entstanden, weil die Verwaltung angeblich bei der Verteilung des Freiholzes Einwohner, die es gar nicht nötig haben, bevorzugt haben sollte. ES ging im März d. I. bei der kgl. Regie- rung in Potsdam eine geharnischte Beschwerde ein, in der der Fcrstmetster doli H. und die übrigen Forstboamkekt berschiedöM Verfehlungen bezichtigt wurden. Die Untersuchung bestätigte die Angaben der Beschwerden nicht. Der Spieß wurde nun umgekehrt und sehr eifrig nach dem Urheber des Schriftstückes, welches mit verschiedenen Namen von Dorfbewohnern, die tatsächlich gar nicht existierten, unterzeichnet war. geforscht. Der Verdacht lenkte sich schließlich gegen den zetzigen Nngeklagten, der in Schönwalde neben» bei die Rolle eines Konzipienten spielt. Die als Schreibsachver» ständige geladenen Rechnungsrat Altrichter und Dr. Meyer begut» achteten, daß die Handschrift in jener Beschwerde eine gewiss« Aehn» lichkeit mit der des Angeklagten aufweise, daß man aber positive Schlüsse daraus nicht ziehen könne. Der Angeklagte wurde frei« gesprochen._ In der Friedberg-Bohn-Affärr ist nunmehr die Vorunter» _ abgeschlossen worden. Den beiden Angeschuldigten ist gester« ie von der 2. Strafkammer des Landgerichts I verfaßte Anklage» schrift zugegangen. Die Verhandlung wird übrigens nicht, wie bisher angenommen, vor dem Schwurgericht sich abspielen, sonder« wird die Strafkammer des Landgerichts I beschäftigen. Die An» klage, welche einen Band von nicht weniger als 163 Seiten um» faßt, lautet auf Betrug, Nnterschlagung, Urkundenfälschung, Ver» gehen gegen das Gesetz betreffend die Berpflichtuug der Kaufleut« bei Aufbewahrung freinder Wertpapiere und Vergehen gegen da? Gesetz betreffend die Gesellschaften mit beschränkter Haftpflicht. Zu der Verhandlung werden voraussichtlich über 150-Zeugen und mehrere Sachverständige geladen werden. Unwahrer Entschuldigungsgrund? Wie weit die Pflicht eines Zeugen zur Wahrheit gehen muF, hatte der Grünkramhändler Neinhold Neimann auf eine sehr un» angenehme Weise erfahren. Der höchst selten angewendete ß 138 des Strafgesetzbuches führte den bisher völlig unbescholtenen An» geklagten gestern vor den Strafrichter. Der erwähnte Paragraph bedroht jeden Zeugen oder Sachverständigen bezw. Geschworenen oder Schöffen mit Gefängnisstrafe, der. um sein Nichterscheinen vor Gericht zu entschuldigen, eine unwahre Tatsache als Ent- schuldigungSgrund angibt. Ddr Angeklagte war am 2. Juli d. I. vor das Schöffengericht Köpenick als Zeuge vorgeladen. Er fehlte ohne ausreichende Entschuldigung und gab erst am nächsten Tage an, daß die Zeugenvorladung von dem Postboten seiner Ehefrau übergeben wäre und diese vergessen hätte, ihm das Schriftstück zu übermitteln. hervor, persönlich„..___ Anklage wegen Vergehens gegen den Paragraphen 138 St.-G.-B. erhoben wurde. Das Schöffengericht Köpenick verurteilte den An» geklagten zu der niedrigsten gesetzlich zulässigen Strafe von einem Tage Gefängnis. Hiergegen legte R. Berufung ein, die nunmehr die 4. Straffammer des Landgerichts I beschäftigte. Das Gericht kam zu der Freisprechung des Angeklagten, weil es die Möglichkeit eines Irrtum» auf Seiten des Postboten nicht für ausgeschlossen hielt._ Vermischtes. Im Nebel. Westdeutschland Der dichte Nebel, der vorgestern in ganz Nord« tlttd herrschte, hat bei Bremen einen schweren Zug- wird amtlich gemeldet: Der Gleis 3 des Bahnhofes Uhr 45 Minuten nachmittags einfahrende Eilgüter- zug Nr. 601 t fuhr bei starkem Nebel auf den dort haltenden Leer-. zug Nr. 733. Getötet wurde ein Bremser, leicht verletzt ein Lokomotivführer und ein Heizer. Die Hauptgleise wurden nicht gesperrt; der Betrieb ist nicht gestört, der Materialschaden ist be- deutend. Auch in Hamburg herrschte starker Nebel, der mehrere Unglücks- fälle herbeiführte. Auf der Eppendorfer Landstraße stießen, wie von dort berichtet wird, zwei Straßenbahnzüge aneinander, wobei drei Passagiere verletzt wurden; an einer anderen Straßenkreuzung wurden durch eine Zugkollision mehrere Personen leicht ver» wundet._ DaS Glatzer Stadttheater abgebrannt. Wie aus Glatz gemeldet wird, ist das dortige Stadttheater gestern abend 11 Uhr bei vollbesetztem Hause in Brand geraten. Menschenleben sind nicht zu beklagen; alle Theaterbesucher konnten sich retten._ Die Sammlungen für Radbod. Ein Telegramm aus Hamm meldet: Das Zentralhilfskomitee für die Hinterbliebenen der auf der Zeche Radbod Verunglückten hat heute beschlossen, die an» gesammelten Gelder in Höhe von 1 200 699 M. in Form von Zusatz- reuten zur Verteilung zu bringen. Gegenwärtig sind Bersicherungs- techniker damit beschäftigt. Gutachte» zur Feststellung der Höhe der Zusayrenten auszuarbeiten. Voraussichtlich wird jede Witwe eine Zusatzrente von 150 M., jedes Kind 50—75 M. erhalten. Dabei ist die Auftecknung der Renten so gedacht, daß der vorhandene Fonds voraussichtlich erst mit dem Ableben der Witwen erschöpft 'zie Möglichkeit späterer llnglllcksfälle erfolgt durch die Knappschaftsberufs- . J1 VerivaltungSkosten zu ersparen. Paris, 21. Dezember. Zweitausend Studenten veranstalteten heute nachmittag vor den Räumen der medizinischen Fakultät eine Kundgebung gegen die neuen Ausnahmebestimmungen über die Zu» lasjung zum medizinischen Studium. Polizei und Militär drangen ins UniverfltätSgebäude ein und nahmen mehrere Verhaftungen vor. WallerftandS'Rachrtchteu »er LandeSanftalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Fol....... ist. 200 000 M. werden für die Möglichkeit späterer Unglücksfälle aufbewahrt. Die Auszahlung erfolgt durch die KitappschaftSberufS» genossenschaft mit den gesetzlichen Renten zusammen, um besonder« rsp vaflerstand M-mel. Tllslt V r e g e l. Jnfterburg W« t ch f e I. Thorn Oder. Ratibor , Krossen , Fraukmrt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vorbamm Elbe. Leinncrttz , Dresden , Bardo , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlttz Havel, Spandaus , Rathenow') Spree, Svremberg') , BeeSkow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximUianSau , Kaub Köln Neckar, Hcilbronn Main, Wertheim Mosel, Trier am 20.12. CIN 76 53 58 72 75 —57 6 328 120 144 45 121 99 seit 19.12. ein') —4 —2 +5 0 -1 —1 +2 +4 —2 —5 —9 —1 -2 ')+ bedeulel Wuchs,— ffall.—•) Unlervegel.— GrundeiStreiben. Schwaches Eistreibcn.—•) Schwaches Treibeis.—•) Gründet». Die sparsame Hausfrau verwendet für Bouillon und Suppen nur noch SOtllllOII'WtlVf ji% Marke„KrOlie" 1 Würfel genügt für 1 Tasse oder 1 Teller und kostet == Ueberau käuSHch!■ 5 Mg Sparsame Raucher :::: rauchen Fehlfarben der:::: 7 Pf.- Cigarre No. 22 - 10 Stück 50 Pf. J. NEUMANN Zigarren- Fabriken Berlin C. 2 160 Zweiggeschäfte und Depots in 90 deutschen Städten. Das beste Weihnachts- Geschenk: Ein Kistehen ligarren! Es wird Zeit jetzt Ihren Weihnachtsbedarf zu decken in: Uhren Goldwaren Silberwaren U.S.. 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Beschlossen von der Generalversamm lung vom 19. November 1908. Das revidierte Statut vom 30. Nobember 1899 wird in folgenden Bunften abgeändert: § 13 lautet fortan: Für die Bemessung der Höhe des Krankengeldes und der Beiträge werden die Kaffenmitglieder in fieben Klaffen eingeteilt: 1. Klaffe: Mitglieder, deren Arbeitsberdienst für den Arbeitstag 3,75 M. oder mehr beträgt. 2. Klaffe: Mitglieder, deren Arbeitsberdienst für den Arbeitstag 3,25 bis 3,74 M. beträgt. 3. Klaffe: Mitglieder, deren Arbeitsverdienst für den Arbeitstag 2,75 bis 3,24 M. beträgt. 4. Klaffe: Mitglieder, deren Arbeitsverdienst für den Arbeitstag 2,25 bis 2,74 M. beträgt. 5. Klaffe: Mitglieder, deren Arbeitsverdienst für den Arbeitstag 1,75 bis 2,24 M. beträgt. 6. Alaffe: Mitglieder, deren Arbeitsberdienst für den Arbeitstag 1,25 bis 1,74 M. beträgt. 7. Rlaffe: Mitglieder, deren Arbetts. verdienst für den Arbeitstag weniger als 1,25 M. beträgt. Der durchschnittliche Lagelohn ist bis auf weiteres festgefekt: für die 1. Klaffe auf 4,-. 2. 3,50 " . 3. 3, . . 4. 2,50 . 5. 2, 6. 1,50 " 7. 1, Renhold Hanks Größte und beste Bezugsquelle!! Auf Teilzahlung!! Wöchentlich nur 1 Mark! Herren- und Damen Uhren, Freischwinger, Broschen, Ringe, Ketten und alle Arten Goldwaren, echte Menzenhauer Zithern, Konzertzithern, Platten SprechPhonographen, maschinen, Polyphons, Harmonikas, Mandolinen, Geigen etc. Juhre& König, 19 Berlin O., Warschauer Straße 68, I. Etage Berlin N., Reinickendorfer Str. 101, I. Etage Berlin W., Göbenstr. 19, I. Etage. W. Zapel Hut- Fabrik, Skalitzerstr. 131. Größtes Spezial- Geschäft für Seiden- und Filz- Hüte. Das Lager in Schirmen und Mützen. Die Folgen der Influenza 52572* und anderer Krankheiten wird jeder schnell HYGIOPON, das neue, auf elektrischem überwinden, wenn er Wege hergestellte Eisenpräparat gibt. 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Beschwerden der Mitglieder gegen Feststellung der Klaffe werden vop Ser Aufsichtsbehörde entschieden. Bu§ 14. Dem Abfaz 1, Biffer 3 wird hinter „ als Krankengeld" zugefügt: und awar: für Mitglieder der 1. Klasse 2, M. 2. 1,75 n 3. 1,50 " " 4. 1,25 " " " " 5. " " 1, " 6. , 75 " " 7. " -, 50 Bu§ 21. Der erste Asjazz wird wie folgt ge ändert: Als Sterbegeld wird gewährt: a) für Mitglieder der 1. Kl. 120 M. b) 90 " 75 60 2. " 105 3. 4. " " 5. " " " f) 6.50 " " " g) 7. 50 " Die beiden anderen Abfäße bleiber Hut- Arnold unverändert. Grosshandlung für Hio, Mützen und Pelzwaren Dresdenerstr.116Laden) Keim Kaufzwang. 180.000 Pfd.= KUNEROL feinstes CocosSpeisefett täglichen Gesamtversand haben die KUNEROLWERKE in BREMEN Weihnachtsbackwerk mit Kunerol schmeckt wundervoll, hat schönes Aroma und hält sich lange. 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Allgemeine Ortskrankenkaffe für Nigdorf. K. Wagner, Borsitzender. C. Exner, Schriftführer. Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inferatenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdruderei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW Nr. 299. 25. Jahrgang. 3. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt. Dienstag, 22. Dezember 1908, Schumann in Berlin Das Urteil Ehrverlust und Polizeiaufsicht; gegen Demmin drei Jahre sechs Monate Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust; gegen Rollmorgen zwei Jahre 8uchthaus und drei Jahre Ehrverlust; gegen Frau Buchholz ein Jahr neun Monate 3uchthaus und zwei Jahre Ehrverlust; gegen Frau Crull ein Jahr Zuchthaus und zwei Jahre Ehrverlust. Frau Kollmorgen wurde zu vier Monaten, Olga Strafen als verbüßt erachtet. Briefträger Paetow wurde nur wegen Kupce zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt und diese unbefugten Fischfangs für schuldig erachtet und zu 60 Mark Geldstrafe verurteilt. Briefkaften der Expedition. Patienten in Beelitz, Buch usw. Diejenigen unserer Abonnenten, ein. Zu vier verschiedenen Malen des Jahres 1906 und 1907 Der Erste Staatsanwalt Schmidt führte aus, es sei be Ein Schutzmann a. D. und ein Reichs- besab sich der Reichsverbändler in Gemeinschaft mit Bolkmann die zeichnend, daß ein Mann, der mehrere Jahre im Dienſte der Ber Frachtgüter, die auf dem Bahnhof zu Laage liner Polizei gestanden habe, der vorher zehn Jahre Soldat verbändler als Führer einer Räuberbande Lagerten, tam mit des Schußmanns Schwager dahin überein, gewesen sei und sich durchaus einwandfrei ge daß zur Sicherheit und Bequemlichkeit des Verkehrs der heimliche führt habe, eine Räuberbande organisiert und mit dieser die ver Vor dem Schwurgericht in Rostock wurde vom Donnerstag bis und sofortige Transport von Wein, Kaffee, Herrenunterkleidern und wegenſten Raubanfälle unternommen habe. in den späten Abend des Sonnabend hinein eine Strafsache ver- einem Ballen Leinwand vom Bahnhof in ihre Wohnung dringend Handelt, die wegen der Frechheit, mit der die Täter zu Werke gingen erforderlich sei, und handelten dieser Einsicht entsprechend. Der und wegen der Persönlichkeit dreier Angeklagten Interesse erregte. Ordnungssinn trieb unseren Reichsverbändler auch an, dem Erb- lautete, entsprechend dem Wahrspruch der Geschworenen, gegen Der Hauptangeklagte war der frühere Schuhmann Emil Buchholz, pächter Steinfeld zu Kobrow einige Enten, dem Gutspächter zu Buchholz auf elf Jahre 3uchthaus, zehn Jahre Ehrverlust geboren am 27. November 1878. Der 35jährige Angeklagte ist Lebkendorf und dem Forstkandidaten Eberhardt zu Kronstamp für und Polizeiaufsicht; gegen Voltmann dreizehn Jahre im Herbst 1893 bei den Schwedter Dragonern eingetreten, hat ihn brauchbare Wäsche stücke, dem Müller Luth in Laage Roggen, 3uchthaus, zehn Jahre Ehrverlust und Polizeiaufsicht; gegen kapituliert und zehn Jahre beim Regiment gedient. Er ist einigen Imtern Bienenkästen mit Bienen und Honig ud acht Jahre einen Monat Zuchthaus, zehn Jahre Bursche beim Rittmeister v. Schröder gewesen, dem persön- und einem Gastwirt Possehl in Laage Gänse zu entwenden. lichen Adjutanten des Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen, Angeklagt waren insgesamt zehn Personen, darunter ein Briefund hat den Rittmeister vielfach auf Reisen, die dieser mit dem träger, dem aber lediglich unbefugtes Fischen nachgewiesen wurde. Brinzen machte, nach Italien, England, Skandinavien begleitet. Im Volkmann erklärte, er habe anfangs durchaus kein Verlangen Herbst 1903 wurde er entlassen und trat als Schuhmann bei der gehabt, die Bekanntschaft seines Schwagers Buchholz zu machen, da Berliner Polizei ein. Im Jahre 1904 hat er sich mit Martha Volk- er der Meinung war, letzterer fei noch mann, der Tochter des Waldhüters Volkmann in Hanseberg, verHeiratet. Nach seiner Entlassung als Schutzmann hat er eine Gast und tönnte ihn verraten, zumal er auch in Laage und Umgegend wirtschaft in Berlin besessen, diese hat er aber wieder verkauft und eine große Anzahl Einbruchsdiebstähle begangen hatte. Erst als er sich mit dem ihm übrig gebliebenen Vermögen im Jahre 1907 zu hörte, daß fich Buchholz ebenfalls dem Räuberhandwerk widmen seinen Schwiegereltern begeben. Seinen Erwerb suchte er durch ausgedehnte Diebereien und wollte, faßte er zu ihm Vertrauen und freute sich um so mehr seines Organisierung von Räubereien zu gewinnen. Auf der Anklagebant Schwagers, da er annahm, Buchholz werde seine Gr steht er wegen einiger solcher Berufstätigkeiten. Unter anderem hatte fahrungen, die er während der vier Jahre im er sich wegen eines Einbruchsdiebstahls zu verantworten, den er in Dienste der Berliner Polizei gesammelt, vorteil Gemeinschaft mit seinem bereits wegen Diebstahls zu Zuchthaus haft bei Ausübung des Räuberhandwerks berberurteilten Schwager Wilhelm Volkmann und dem zuletzt als Restaurateur in Berlin wohnhaften Adolf Kuck in der Nacht Bezüglich des Raubes im Schloffe 3aptendorf bebom 18. zum 19. Mai zu Zapfendorf unternommen hatte. Sie merkte Buchholz auf Befragen des Vorsitzenden: Voltmann waren in dieser Nacht beim Gutsbefizer v. Buch auf Zapfendorf mit habe den Ruub„ ausbaldowert". Er habe ihm gefagt: Der Schloß Waffen eingedrungen und haben auf den Gutsbefizer v. Buch herr v. Buch habe viel Geld und schlafe in seinem Schlosse ganz allein. einen Raubanfall unternommen, bei dem fie 3000 m. Wertpapiere, Buchholz und Kuck seien alsdann am 14. Mai spät abends nach BaptenUhren usw. erbeuteten. Frau Buchholz und ein gewisser Roll- dorf gekommen, um sich das Schloß anzusehen. In der folgenden Nacht morgen halfen bei diesem nächtlichen Besuch. Dieser Kollmorgen, haben sie unter dem Namen Maler Hans Dämel und Maler Paul der außerdem noch wegen eines Haufens Diebstähle vor dem Schwur- Wunsch aus Berlin in dem Kruge zu Blaaz, etwa 20 Minuten von gericht stand, ist Mitglied des Reichsverbandes gegen die Sozial- Bapkendorf, logiert. Am folgenden Tage haben sie zwei junge Leute demokratie. Er nennt sich Arbeiter. über die Verhältnisse im Schlosse eingehend befragt. Als sie am Von den in der Verhandlung bloßgelegten lohnenden nächtlichen Abend des 18. Mai nach Zaptendorf gingen, hatten sie sich vorher Besuchen des Buchholz seien noch die Visiten erwähnt, die er mit bewaffnet. Buchholz und Kuck sind in das Schloß einseinem Schwager in der Nacht zum 28. Februar und in der Nacht gedrungen, Volkmann blieb mit geladenem Revolver und zum 8. März dem Gutsbesizer von Neumann in Hanseberg abgeschliffenem Dolch vor der Eingangspforte als Bache zurüd. stattete. Dabei erbeuteten sie, abgesehen von wertvollen Sachen, Rollmorgen hatte den Räubern den Weg gezeigt. Hätte Herr über 8000 M. Bargeld. v. Buch Hilfe geschrien, so bemerkten die Räuber, dann hätten Der Reichsverbändler Rollmorgen betätigte seinen Ordnungsfinn fie ihm eins auf den Kopf gegeben, daß er still gewesen wäre. Smmemde 774 SW 1 Nebel abgesehen von der Räuberei in Zapfendorf durch Wegräumung von Kuck habe dem Schloßherrn im übrigen sofort den Mund Berlin 774 Still Geld, Messern und Zigarren, die er bei dem Kaufmann Gollag zugehalten und ihm einen Knebel in den Mund gesteckt, Franti.a M 772 NO in Laage vorfand, als er dessen Verkaufsräume in Gemeinschaft mit daß er nicht mehr schreien konnte. Alsdann haben sie ihn an Händen Volkmann und einem Acerbürgersohn Demmin in der Nacht und Füßen gefesselt und an das Bett angebunden, damit er zum 22. Februar bergangenen Jahres inspizierte. In der Nacht still liegen mußte. Am nächsten Morgen wurde in Laage bei Frau beim Kaufman Crull die Beute geteilt. Buchholz, Kud und Volkmann erhielten 25. Februar dieses Jahres brach aum Dehn in Laage unter Assistenz von Buchholz und Demmin jeder etwa 1100 M. er werten fönnen. die noch während des ganzen nächsten Monats in der heilstätte bleiben, wollen uns wegen der Überweisung von Freiexemplaren sofort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern des neuen Monats von der Post nicht geliefert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden. den Großhandel in den Zentral- Marktballen. Zufuhr sehr start, Geschäft lebhaft, Preise für Hammelfleisch nachgebend, sonst unverändert. Wild: Zufuhr genügend, Geschäft lebhaft, Preise fest. Geflügel: Zuinbr reichlich, Geschäft rege, Preise befriedigend. Fische: Zufuhr in Flußfischen knapp, Geschäft ruhig, Breise wenig vers ändert. Butter und Stäse: Geschäft ruhig, Breise unverändert. Ge müse, Obst und Südfrüchte: Bufuhr genügend, Geschäft lebhaft, Preise wenig verändert. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen Direktion über Marktlage: Fleisch: Witterungsübersicht vom 21. Dezember 1908, morgens S IIhr. Stationen Barometer stand mm WindHamburg 774 SD München Wien richtung Windstärke Wetter 772 Still 7719 2 Nebel Nebel 2 Nebel Nebel 3 bededt Temp. n. C. ot= o999 Stationen Barometer richtung WindWindſtärke -0 Haparanda 756 SB Better 4 bedeckt -3 Betersburg 771 SSW 1 bedeckt 1 Scilly 769 83 3 bedeckt 2 tberdeen 766 SSW 2 moltig 0 Barts 773 GD 2 bedeckt 3 Temp. n. 6. Wetterprognose für Dienstag, den 22. Dezember 1908. schwachen östlichen Winden. Ein wenig fälter, vielfach nebelig, sonst ziemlich beiter und trocken bei Berliner Wetterbureau. Verband sozialdemokratischer Wahlvereine. Am ersten resp. zweiten Weihnachtsfeiertage finden folgende Veranstaltungen statt: 2. Wahlkreis.| 3. Wahlkreis.| 6. Wahlkreis. Freitag, den 25. Dezember 1908 ( 1. Weihnachtsfeiertag): Sonnabend, den 26. Dezember 1908 ( 2. Weibnachtsfeiertag): Winter- Fest Gr. Matinee in den Gesamträumen der Viktoria Brauerei, Lützowstraße 111/112. Mitwirkende: Berliner Sinfonie Orchester( Dirigent: Maximilian Fischer.) Solisten: Frl. Emma Kratje ( Harfe); Hr. Fr. Seidel( Violine); Hr. Fr. Große ( Cello). Nach der Vorstellung: Ball. Herren zahlen 50 Pf. nach. Anfang 6 Uhr. Garderobe 10 Pf. Eintritt 30 PL Sonnabend, den 26. Dezember 1908 ( 2. Weihnachtsfeiertag): im großen Saal von Kellers Neuer Philharmonie, Köpenickerstr. 96/97 Konzert ausgeführt von Zivil- Berufsmusikern, Kapellmeister R. Hascheck, unt. gütiger Mitwirkg. d. Violoncellovirtuosen Hr Karl Struß, der Opern- u. Operettensängerin Fr. Thyra Nordström- Wiese, d. modernen Humoristen Herrn Fr. Lissek und der Gesangs- und Tanz- Duettisten Marietta und Franconi. Anfang präzise 12 Uhr. Billett 30 Pt. 4. Wahlkreis. Sonnabend, den 26. Dezember 1908 ( 2. Weihnachtsfeiertag): Gr. Matinee 2 gr. Matineen im großen Saale von Kliem, Hasenheide 13/15: Mitwirkende: Apollo Sänger Herren: Paul Charton, Karl Sandmann, Arthur Steinke, Hugo Just, Emmo Raschdorf, Hermann Wehling, Hans Berani und Willy Poltano am Klavier: Herr Arthur Steinke. Anfang 12 Uhr. Eintritt 20 Pf. in Kellers Festsälen( Inhaber Freyer), Koppenstr. 29 unt. Mitwirkg. d. Liedersängerin Frl. Marianne Geyer und des Rezitators und Dialekthumoristen Hrn. Otto Wiemer; im Konzerthaus Sanssouci, Kottbuser Straße 6 KONZERT unter Mitwirkung der Gesellschaft ,, Strzelewicz". Anfang präzise 12 Uhr. Billett 30 Pf. Da offene Kasse nicht stattfindet, bitten wir die Mitglieder, sich rechtzeitig mit Billetts zu versehen. Sonnabend, den 26. Dezember ( 2. Weihnachtsfeiertag) Neun Matineen Berliner Prater, Kastanien- Alle 7-9 Brauerei Groterjan, Schönhauser Allee 130 Ballschmieders Etablissement, Badstr. 16 Brunnen- Theater, Badstr. 58 Joseph Frankes Festsäle, Badstr. 9 Germania- Säle, Chausseestr. 110 Prachtsäle Nordwest, Wiclefstr. 24 Patzenhofer Brauerei, Turmstr. 25/26 Gebr. Cranz' Festsäle, Kösliner Straße 8 -O Mitwirkende: Original Harburger Sänger. Gesellschaft Lily Schumann. Berliner Ulk- Trio. Elite- Streichorchester( Direktor: Fritz Blume). Berliner Volkssänger- Gesellschaft Max Schmeltzer, Berliner Volks- Kabarett Rosemann- Rossé. Paul Mantheys Lustige Sänger.- VolkssängerGesellschaft Lewandowsky. Volkssänger- Gesellschaft Hugo Anke. Pfarrsche Künstlerkapelle. Margarete Walkotte. Konzertsängerin Frl. Meyer. Professor Krüger- Nystedt. Konzertmeister B. Nitzsche. Rezitator Willy Mielko. Gesangvereine: Gleichheit. Nordwacht. Vereinte Sangesbrüder Moabit. Liederlust II ( Mitglieder des Arbeiter- Sängerbundes) Zivilberufsmusiker. 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