■tonnnnciui■ PrnS«cdnuaittontis j Uieoeljührt 1.80 Mt, munau. 1,10 Vtl� W0««ulich 28 Ctg, frei in« Hau«. Ginzein» Nummer 8 Ctg SonniagZ. Nummer mü UUitttterter Sonmag«. Beilage.Die Neue Seif 10 Ctg. Ccjl* Adonnemenl! 1,10 Mari pro Monat. Eingerragen in die Casi. ZeitungS- PrciSlilie llnier ftreuzban» für DeuNchlan» mit Oefierrei»■ Ungarn 8 Mari, tiir das übrige vusland 8 Mari pro Monat, vollabonnement» nedmen-m. Seigten. Dänemark ' taNen. Luxemburg. ConugaC , Gchweten und die Schwei». W- W» (Mim(tonn tu« Verliner Volksblcrtk. •k fnI(m«in>CeM)f ItttSgt für die lechSgelpaliene ltoIOittl» »eile oder deren Baum 50 Pfg., für »oNMch« und gewerllchafiliche Verein«- «Nd VerfammlungS- Anzeigen SO Pfg. .Kleine Hnzeigen". da« erste(fett- »edrucktef So« 20 Pfg. jede» weuere vort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- ftellm-Bnjeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wori 6 Pfg. Worte über tS Buchstaben zählen für zwei Worte. Snferaie für die nächste Nummer müssen »iS S Uhr nachmittags in der Expedition »dgegeben werden. Die Erpedttton ist »IS 7 Uhr abend« geöffnet, Telegramm- Ndrelfe: �»«»i!ütlll»Iie»l StMl". Zentrzlorqzn der fozialdcmohrati feben Partei Dcutfchlandd. fUdahtions 8d. 68, Lindcnstrassc 69* Jernivrecher: Amt IT. Ott. I9H3. Sxptdition t 8 Cd. 68, Lindenotraee« 69. Kernsprecher: Amt IT. Skr. 1984. Der PruffteiD des freilinns. Für die Rixd orfer Freisinosschmach hat die offizielle Freisinnspresse. haben„Freis. Ztg." und„Voss. Ztg." noch immer kein Wort des Tadels, nicht eine Silbe der zahmsten Kritik gefunden. Während bei dem ebenso gelagerten freisinnigen Wahlrechtsraub in H a l l e der offizielle Freisinn die freisinnigen Wahlräuber noch von den Rockschößen abzu- schütteln suchte, schweigt er sich mit beredter Hartnäckigkeit über die vor den Toren Berlins verübte politische Niedertracht seiner eingeschriebenen Mitglieder aus. Er ist in der kurzen Zeit der Blockpolitik so völlig auf den Hund gekommen, daß er nicht einmal mehr liberalen Anstand zu heucheln wagt, aus Furcht, bei den konservativen Bundesgenossen dadurch Anstoß zu erregen! Nur jene Handvoll Freisinniger, die sich vom Freisinn ge- trennt hat. weil sie die schamlosen Wahlrechtsverrätereien und die schmachvollen Erniedrigungen der freisinnigen Blockliebcs- dienste nicht mehr mitzuniachen vermochten, haben sich dem Proteststurm gegen die Nindorfer Schmach mit erfreulicher Entschiedenheit angeschlossen. So hielt die Demokratische Vereinigung am Montagabend in Rixdorf eine Versammlung ab. in der man mit dem offiziellen Freisinn nicht minder Fraktur redete, als in der sozialdemokratischen Protest- Versammlung am Sonntag. Dr. Brettscheid führte als Referent u. a. aus: .Daß sich unter den WahlrechtSverschlechterern auch fünf Frei- sinnige befanden, kann bei der gegenwärtigen Haltung der frei- sinnigen Volkspartei keinen Anlaß zur Entrüstung mehr bieten. Man muß diese Tatsache als etwas Selbstverständliches konstatieren; es ist nichts Besonderes mehr, daß sich die gegen« Wärligen.Freisinnigen" an jeder reaktionären Maßregel beteiligen. Wenn der Zimmerstraßenfreisinn aber versuchen sollte, den Streich der Rixdorser Freisinnigen als eine lokale Angelegen- heil hinzustellen, so mutz ihm entgegengehalten werden, daß die Angelegenheit ihren lokalen Charakter in dem Augenblick verloren hat. wo die Organe deS offiziellen Freisinns kein Wort der Mißbilligung über das Ver- halten dieser.Freisinnigen" gefunden haben. Man kann diese Freisinnigen nicht mehr als politische Gegner achten. Wer immer das Wort.liberal" im Munde führt, um dahinter seine reaktionäre Gesinnung zu verde igen. der ist der Verachtung wert.» Glaubt denn irgend jemand noch, daß dieser Freisinn ernstlich das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht in Preußen will? lVielstimmigeS.Nein!") Der freisinnige.WahlrechteauSschuß" hat ja wieder ein Rundschreiben erlassen, durch das neue Mittel gesammelt werden sollen. In diesem Rundschreiben ist mit keinem Wort mehr von der Forderung deS NeichStagSwahl- rechts die Rede, sondern cS wird nur die Notwendigkeit einer U m g e st a l t u n g des jetzigen preußischen Wahlrechts betont. Einem solchen Aufrus könnten sich auch die National- liberalen und Frcikonservativen. ja sogar Fürst Bülow anschließen, die ja auch eine Umgestaltung deS preußischen Wahlrechts wollen, allerdings in ihrem Sinne. Die Rixdorser.Freisinnigen" haben ja auch das kommunale Wahlrecht„umgestaliet". Es muß da- gegen protestiert werden, daß Leute, die von Liberalismus und Demokratie keinen Funken mehr verspüren, diesen Schild vor ihre reaktionären Taten halten, wie die sogenannten Freisinnigen. Wir aber haben die Ueberzeugung, daß eS in Deutschland und Preußen so lange nicht anders werden kann, als bis die Schichten des Mittelstandes den Kampf mit der Arbeiterschaft Seite an Seite führen um einen wirklich demokratischen freien Bolksstaat, einen Kamps der Freiheit gegen die Knechtung!" Nach Breitscheid sprach Dr. Theodor Barth: „Wenn der Rixdorser Magistrat nur einigermaßen sein eigenes Interesse kennt, so wird er diesen Wahlrechtsraub nicht mitmachen. Wenn er wirklich kommunale Politik treiben will, so darf er sich nicht als Vertreter eines kleinen Klüngels ausspielen. Ein Magistrat, der noch etwa» aus seine Reputation hält, kann diesen Beschluß nicht ratifizieren. Der Akt der Etadtvcrordnelenmehrheit ist nicht bloß brutal, sondern auch dumm Wenn es irgendein Mittel gab. um der Sozialdemokratie Vorschub zu teisten, so war eS dieser Coup Wohnte ich in Rixdorf. würde ich mir sagen, bei solchen Vorlommnissen. die sich als arge Versündigungen gegen die liberalen Prinzipien erweisen, mußt du selb st Sozial- d e m 0 k r a t w e r d e n. Der Komps gegen Ungerechtigkeit ist ein speziftich demokratischer, nicht sozialdemokratischer. Wir find cS un« deshalb selbst schuldig, einen dicken Strich zu machen zwischen uns und solchen Auchsreisinnigen. Der Standpunkt, daß e« sich bei den Rixdorser Vorgängen lediglich um eine l 0 l a l e Angelegenheit handele, ist irrig. Vielmehr haben diese Vor- gänge eine große politische Bedeutung. da sich an ihnen Leute beteiligt haben, die angeblich da? allge- meine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht mit erkämpfen wollen. Hier liegt ein Fall von Felonie vor. Die freisinnige B 0 l i« p a r« e i. die diese freisinnigen Stadtverordneten nicht schleunigst von sich abschüttelte, sondern die Sache einfach billigte, hat sich mitschuldig gemacht. Wie soll man jetzt auch nur im enlserntesten noch an die Versicherung dieser Partei_ glauben, daß ihnen die llebertrogung des RcichstagSwahlrechtes auf Preußen am Herzen liege? Solche lomödienhaste Versicherungen werden künftig nicht einmal mehr von konservativen Blockbrüdern für ernst genommen werden. In jenen Reihen wird man küiislig mit Recht sagen: Nachdem ihr euch in Rixdorf als reaktionäre Truppe aufgespielt habt, bestreiten wir eitel) auch die Befugnis, im Land- tage mit Wahlrechtsanträgen zu kommen." 'Auch der der Barthschm Richtung angehörende Berliner Stadtverordnete Dr. Nathan hielt eS für angeniesjen. wenigstens schriftlich über die neueste Freisinnsschmach seine Meinung in ungeschminkten Worten zu sagen: „Mein GesuiidheitSzustand macht es mir leider unmöglich, der Protestversammlung gegen die Verschlechterung des Wahlrechts in Rixdorf beizuwohnen. Wie bedauere ich, daß eS mir versagt ist, mich in der Versammlung selbst einem P r 0 t e st anzuschließen gegen eine Beihilfe Freisinniger, das plutokratisch- reaktionäre Wahlrecht in der Kommune noch plutokratischer und noch reaktionärer zu ge st alten, als es schon bisher gewesen ist. Solch eine Beihilfe charakterisiert sich als ein Akt feiger Schwäche, die daran verzweifelnd, die eigene politische Position im freien Kamps der Meinungen anstecht erhalten zu können, sich der Macht- mittel der Reaktion bedient, um der Bevölkerung die Be° tätigung ihrer kommunalpoli tischen Ueberzeugungen unmöglich zu machen.„Freisinnige", die mit solchen Mitteln die Sozialdemo- kratie glauben bekämpfen zu dürfen, geben damit im Prinzip auch das Reichstagswahlrecht preis, und wie sie daher die Anerkennung der Reaktionäre, so verdienen sie gleichfalls die schroffste Zu- rück Weisung aller derer, in deren freisinnigen Programm ein Paragraph über die Zweckmäßigkeit der Knebelung anders Gesinnter noch nicht aufgenommen ist. Ich lege Wert darauf, zu den Freisinnigen dieser letz irren Art mit unrevidiertem. altem Programm gerechnet zu werden." So weit, so gut. Daß die Breitscheid, Barth und Nathan eS mit ihrer Kritik ehrlich meinen, daß ihre Entrüstung innerstem Abscheu über den erbärmlichen Priuzipienvcrrat des Freisinns entspringt, daran ist nicht der mindeste Zweifel. Und es wäre nur aufs innigste zu wünschen, daß dieser neueste und eklatanteste Beweis für die bodenlose Korruption unseres offiziellen deutschen Freisinns recht zahlreichen Mit- läufern dieser verkommenen Sorte vom Freisinn die Augen öffnete und sie sich um das von Dr. Barth aufgepflanzte Banner einer ehrlichen bürgerlichen Demokratie scharen ließe. Denn daß die Sozialdemokratie mit einem wirklich demo- kratischen Freisinn ein gutes Stück Weges gemeinsam zurück- legen könnte, darüber hat es innerhalb der sozialdemo- kratischen Partei stets nur eine Meinung gegeben. E s fragt sich nur, ob der den, akratische Ge- danke im liberalen Bürgertum noch so viele Anhänger zählt, um zur Bildung einer, sei es auch nur kleinen Partei aus- z u r e i ch e n I Warten>vir es ab! Wenn aber der Schöneberger freisinnige Stadtverordnete Starke nicht nur für seine Person, sondern auch im Namen des freisinnigen Abgeordneten für Rirdorf-Schöneberg, deS Herrn Justizr'at N e i n b a ch c r. die Erklärung abgab, daß sie entschieden vom Rixdorser Freisinn abrückten und jede Mitverantwortlichkeit für diesen schamlosen Streich ablehnten, so bedauern wir. so leicht die Absolution nicht gewähren zu können. Das fühlten die Herren von der Demo- kratischen Vereinigung selbst. Oberlehrer O e st r e i ch erklärte mit der gebotenen Portion Skepsis, mit einer solchen Erklärung sei nichts getan. Der Vorredner möge im freisinnigen Wahl- verein den Antrag stellen, daß die 5 Freisinnigen aus- geschlossen werden, und er möge Herrn Ncinbacher auf- fordern, im Landtage dieEinführug des Reichstags- Wahlrechts für die Kommunen zu beantragen. Dazu fei Herr Reinbacher auf Grund deS Kommunal- Programms der liberalen Fraktion in Schöneberg, der er an- gehört, verpflichtet. In der Tat: Herr Justizrat Neinbachcr wird erst die Beweise seiner deinokralischcn Gesinnung liefern müssen. Geschieht das nicht, so wird der Verdacht nicht zu unterdrücken sein. daß Herr Neinbacher. der ja nur mit winziger Mehrheit in den Landtag geivählt worden ist. lediglich durch die Besorgnis zu seiner Er- klärung veranlaßt worden ist, das nächste Mal durch die kleinbürgerlichen Entrechteten Rixdorfs. deren Stimmen er zur Wiederwahl so dringend bedarf, aus dem Landtag hinan Sgewählt zu werden I Herr Rein- bacher wird also vollwichtige Proben seiner demokra- fischen Gesinnung ablegen müssen und nicht etwa nur den freisinnigen Outsider spielen dürfen, sondern den e r n st- l t ch st e n Kampf gegen die blocklibcrale Korruptton führen müssen! In ihrer Berliner Nachtausgabe endlich bequemt sich die„Freis. Ztg.", schüchtern zu bemerken:„Wir stehen nicht an(1 1), zu erklären, daß eine derartige Verschlechterung deS Wahlrechts nicht den Aufsassungen der Frei- sinnigen Volkspartei entspricht...." Hat daS lange gedauert I Aber dieser so späten und so g e- quälten Ecklärnng folgt sofort eine Schimpferei auf den angeblichen T e r r 0 r i s m u s der Rixdorser Sozialdemokratie. der den skandalösen Gewaltstreich„exklären" soll l Statt rück- haltloser Bcrartrilung also noch die widerlichste Beschönigung der freisinnigen Niedertracht! Man kann es angesichts dieser nichtswürdigen Prinzipien- lojigkcit einem Scharsmacherblatte vom Schlage der„Post" nicht verdenken, wenn eS dem Freisinn folgenden Hohnerguß widmet: .Man wird eS aber in linksliberalen Kreisen nach dem Rixdorfe, Vorgänge den Gegnern der Einführung des Reichswahlrechts In Preußen sowie der R e- gierung nicht mehr verargen tonnen, wenn sie sich bei ibrem Widerstreben gegen die darauf abzielenden links- liberalen Anträge gleichfalls von der Absicht leiten lassen, aus - jeden Fall ein Ueberwieaen der Sozialdemo« lratie lm preußischen Ab g e 0 rdnetenh a use zu oerhüten. DaS wäre für Preußen so gut ein Unglück, wie für Rixdorf, und die Kosten einer solchen soziaidemokraiischen Mehrheit würden die preußischen Steuerzahler so gut trogen müssen, wie in dem analogen Fall die Rixdorser. Jnsosem hat das anerkennenswerte entschlossene Vorgehen der Rix« dorfer Stadtverordnetenversammlung auch eine allgemein politische Bedeutung." Wahrhaftig, der Blockfreisinn ist es wert, von den Scharfmachern und Reichsverbändlern als seinesgleichen betrachtet zu»Verden l Der Blockfreisinn ist gerichtet..Für den Freisinn s e l b st aber wird der Rixdorser Fall noch einmal, zum aller- letzten Male, zu einem P r ü f st e i n werden! Wenn die bürgerliche Demokratie jetzt nicht ihre Existenz- Möglichkeit erweist, können nur bemitleidenswerte Phantasten noch auf sie hoffen und harren! ver Lchulkampf in Aürttemderg. Aus Stuttgart wird uns geschrieben: Vor Beginn der Beratung der Volksschulnovclle versicherte die Volkspartei mit dröhnenden Worten, im Kampf für die Ve- freiung der Volksschule von der kirchlichen Zwangs- Herrschaft werde sie, die starke und prinzipienfeste Volkspartei, die Führung übernehmen. Sie hat diese angemaßte Rolle seltsam genug aufgefaßt. In den Kommissionsberatungen wichen die volksparteilichen Mitglieder einer prinzipiellen Stellung- nähme mit mehr Eifer als Geschick auS. Großmütig überließen sie es den Sozialdemokraten, Anträge grundsätzlicher Natur zu stellen. Die Unterstützung der Anträge unserer Genossen durch die Volkspartei war so lau als möglich; in der Regel warteten die Herren mit AbschwüchungSantrügen auf, wenn nicht gar Volks- parteiliche Kommissionsmitglieder brav halfen, die sozialdemo- kratischen Anträge zu Fall zu bringen. Man war geneigt, die wunderliche„Mitarbeit" der Volks- parteilichen KommissionSmitglieder an der Modernisierung der Volksschule als böse Entgleisungen dieser Politiker hinzunehmen, fehlte der Volkspartei in der Kommission doch all und jede Führung. Kam es doch vor, daß die volkspartcilichcn Mitglieder gegeneinander stimmten. Im Plenum— so hoffte man— werde die Volks- Partei ihre Aufgabe etwas ernster auffassen. Man hat sich gründ- lich getäuscht! Liberalen Spektakel machen die Volksparteiler mitsamt den Deutschpartcilcrn zwar genug. Immer und immer wieder wird deklamiert:„Wir wollen die StaatLschule, keine Kirchenschule!" Das Ende vom Lied ist aber regelmäßig, daß die Kirche bekommt, was sie verlangt. Kirchliche Schul» Politik mit liberalen Schaumschlägereien, daS ist es, was die Herren treiben. Unsere Fraktion hatte den Antrag gestellt, den R e l i g i 0 n S- (bester gesagt: KonfessionS-) Unterricht aus der Volksschule zu entfernen und ihn der Familie und der Kirche zu überweisen. Ganze zwei Volksparteilcr stimmten mit unseren Ge- nassen. Der Eventualantrag unserer Fraktion, dann wenigstens dem Religionsunterricht in der Volksschule die zentrale, alle anderen Fächer erdrückende Stellung zu nehmen, wird mit(3S gegen 19 Stimmen abgelehnt. Ganze fünf Volksparteilcr fanden den Mut, wenigstens für diesen Antrag zu stimmen! Ein sechster wagte weder dafür noch dagegen zu stimnicn! Die anderen alle mitsamt den National- liberalen schlugen sich zum Zentrum und zum Bauern- bund! Doch weiter! Unsere Fraktion stellt den Antrag; dem Artikel 1 folgenden Absatz anzufügen: „Zum Besuch des Religionsunterrichts kann ein Kmd gegen den Willen des Vaters oder sonstiger Erziehungsberechtigter nicht angehalten werden." Zur Begründung dieses Antrages verweist Genoste Hetz- mann darauf, daß bei Beratung des„Toleranzantrages" im Reichstag lm Fahre 1906 das Zentrum durch den Mund des Abg. Bachem erklärt habe, daß das Zentrum damit einverstanden sei, daß vom Rellglonsunlerricht auch die Kinder solcher Eltern befreit werden können, die zwar noch einer Religionsgopreinschast angehören, die aber den in der Schule erteilten Religionsunter. richt als nicht mit ihrer persönlichen Ueberzeu- gung überein st immend betrachten. Daß Herr Gröber, der Führer des Zentrums, seinen Parteifreund Bachem schnöde verleugnete, kann nicht wundernehmen. Aber be- zeichnend für die volksparteilich-libcrale Schulpolitik ist, daß alle Liberalen und die volksparteiliche Fraktion bis auf zwei Mann mit Zentrum und Bauernbund zusammen den sozialdemokratischen Antrag niederstimmten. Soweit wie der Liberalismus des Reichs- tagSzentrumS, reicht der der schwäbischen„Demokraten" und„Libe- ralen" nicht. Er reichte just noch aus, einem Antrag des Jen- trumspfarrers S P ä t h- Biberach zur Annahme zu verhelfen, der den Distidentcnerlaß deS Ministers ins Gesetz aufnimmt. Dieser Erlaß bestimmt, daß Kinder von Distidentcn zum ReligionS- Unterricht nicht angehalten werden dürfen. DaS ist geltendes Recht in Württemberg. Man muß dem Zentrum dankbar sein, daß es die„Demokratie" und den„Liberalismus" der Blockbrüder nicht auf die ernsthafte Probe stellte, ob sich mit deren Hilfe nicht eine Verschlechterung des jetzigen RechtSzustandes herbei» führen ließe. Wer weiß, wie die Probe ausgefallen wäre, «8 ist natürlily, das; die„Demokratie" nach solchen Exzessen kirchlicher Gesinnungstüchtigkeit mal wieder das dringende Be- dürfniS fühlt, liberalen Spektakel zu machen. Den hat sie denn auch gemacht. ES handelte sich um die Beschäftigung von Ordensschwestern im Schulbetrieb. Nach Angabe des Ministers sind in 27 Gemeinden 32 Ordensschwestern, die ihre staatliche Prüfung bestanden haben, als Lehrerinnen tätig, und zwar in obligatorischen Unterrichtsfächern. Eine größere Anzahl Ordens- und Laienschwestern ist als Handarbeitslehrerinnen tätig. Durch das Gesetz soll der Handarbeitsunterricht, der bisher fakul- tativ war. obligatorisch gemacht tverden. Das veranlasste unsere Genossen, darauf zu dringen, dah Ordensschwestern, die ihren kirchlichen Oberen zu unbedingtem Gehorsam verpflichtet sind, nicht in weiterem Umfang mit der Unterrichtscrteilung in obligatorischen Unterrichtsfächern betraut werden. Unser Redner Gen. Hilden- brand bezog sich dabei auf einen Ministerialerlaß aus dem Jahre 1875, der verbietet, Ordensschwestern für den öffentlichen Schul- dienst neu anzustellen. Die Forderung der Sozialdemokratie war die Konsequenz unserer Forderung der reinen Staatsschule. Die Demokraten, die vorher der Kirche Augeständnisse gemacht hatten, glaubten nunmehr aber den Augen- blick für gekommen, fortschrittlich zu donnern. Die Folge war eine Blamage über die andere. Haussmann bringt eine Resolution ein» in der das Ministerium ersucht wird, die von Hildenbrand erwähnte Ministerialverfügung über die Erteilung des öffentlichen Unterrichts in Ansehung der Ordensschwestern auch künftighin zur Durchführung zu bringen. Kaum hat er diese Resolution publiziert, so zieht er sie auch schon wieder zurück und bringt eine zweite ein, in der„schrittweise Beseitigung des öffentlichen Unterrichts durch Angehörige von Orden und Kongregationen" verlangt wird. Der volksparteiliche Abgeordnete L i e f ch i n g hat keine Ahnung, um was der Streit sich dreht. Er behauptet, die Resolution Haußmann sei falsch verstanden. Es handle sich nur um die Aufnahme von Lehrerinnen in den Staatsdienst, die keine Prüfung gemacht hätten. Hohnlachend antwortet Gröber, dah nach den Er- klärungen des Ministers die betreffenden Schwestern ihre Prüfung gemacht hätten. Nachdem das klargestellt fei, möge die Bolkspartei ihre Resolution gefälligst zurückziehen. Hauhmann korrigiert seinen unwissenden Fraktionsgenossen, nicht um die Prüfung handle es sich, sondern darum, daß Personen, die der Kirche zu unbe- dingtem Gehorsam verpflichtet sind, nicht zugleich dem Staate Gehorsam leisten können. Wieder springt Gröber auf. Mit schneidender Ironie führt er dem Demokraten zu Gemüte, daß seine Partei, die demokratische, ja beantragt habe, den Reli- gionSunterricht in der Schule nur durch Geist- iiche erteilen zu lassenl Der Geistliche st ehe doch er st recht unter einer doppelten Disziplinar- gewalt, der der Kirche und des Staates. Hauß- mann erklärt darauf, er müsse sich die Sache noch einmal über» legen. Man möge die Debatte vertagen. Das geschieht gegen den Widerspruch des Zentrums. Andern Tags bringt Hauhmann die dritte Resolution ein. Die„schrittweise Beseitigung des öffent- lichen Unterrichts durch Angehörige von Orden und Kongregationen" läßt er im OrkuS verschwinden. Er verlangt nur noch,„daß auch die Einführung der Volksschulnovelle keine Steigerung des Einflusses der Orden und Kongregationen auf das öffentliche Volks- schulwesen im Gefolge habe." Er begründet diese seine dritte Resolution zu demselben Gegenstand mit der weinerlichen Er- klärung, man mache in diesem Gesetz d.em Zentrum überhaupt zuviel Konzessionen! Er hätte hinzu. fügen können:„Und gibt dem Zentrum überreichlich Gelegenheit, unsere Blamagen zu Kulturkampfpauken auszunützen." Die Reso- lution Hauhmann wurde schliesslich angenommen. Auch die Sozialdemokratie stimmte dafür. Nachgerade wird es Pflicht der Sozialdemokratie, dem Treiben der liberalen Blockbrüder ein Ende zu machen. Daß mit der Volkspartei und der Deutschen Partei ein grundsätzlicher Fortschritt nicht zu erreichen ist, das haben die bisherigen Abstimmungen bewiesen! Die Kulturkampfkomödien der Blockbrüder mitzumachen, mutz die Sozialdemokratie a b- lehnen. Für unsere prinzipiellen Forderungen auf dem Ge- biete der Schule hat auch der Gegner Verständnis. Ihre klare konsequente Vertretung nützt uns. Der Wortspektakel der Demokraten nützt nur dem Gegner. Einen scharfen Trennungsstrich zwischen diesen..Halbechten" und der Sozialdemo. kratie zu ziehen, wird zur Pflicht der Selbstachtung und S elbfterhaltungl � � Stuttgart, 22, Dezember.(Privatdepesche des „Vorwärts".) Sowohl die Einführung des obligatorischen Schuljahres wie die Aufhebung des Schulgeldes und die Ein- sührung der Lehrmittelfreiheit wurden von der Kammer ab- gelehnt. Für das achte Schuljahr stimmten die Sozialdemo- traten und die Volkspartei, insgesamt 33 Stimmen. Zentrum, Liberale und konservative Bauernbündler, zusammen 30 Stimmen, brachten den Antrag zu Fall. In der heutigen Sitzung wurde der sozialdemokratische Antrag betreffs Auf- Hebung des Schulgeldes gegen die Stimmen der Sozial- demokraten, denen sich fünf VolkSpartetler anschlössen, ab- gelehnt. Für die Lehrmittelfreiheit an den Volksschulen stimmten nur unsere Genossen und drei VolkSpartetler. Politische CUberftcbt Berlin, den 22. Dezember 1908. Der deutsch-schweizerische Mehlzollkonflikt. Der Mehlzollkonflikt zwischen Deutschland und der Schweiz, über den wir wiederholt berichtet haben, kam, wie telegraphisch aus Bern berichtet wird, dort heute im Nationalrat zur Verhandlung. Aus Nnlatz einer Interpellation betreffend den Stand des Mehl- zollkonflikts antwortete Bundesratsmitglied Dr. Deucher im Namen des Bundesrats mit einer ausführlichen Erklärung, in der die bisherigen Verhandlungen geschildert werden. Redner führte aus: Der Bundesrat ist bereit, die Streitfrage dem im Handels- vertrag mit Deutschland vorgesehenen Schiedsgericht zu unter- breiten. ES haben sich jedoch über die Formulierung der Streit- frage Meinungsverschiedenheiten ergeben. Der Bundesrai ver- langte, datz das Schiedsgericht darüber entscheide, ob Deutschland «ine Exportprämie gewähren solle; Deutschland wollte dagegen dar- über entscheiden lassen, ob die Schweiz zur Erhebung eines Aus- gleichszolles befugt fei. Der Bundesrat hat zugestanden, datz in zweiter Linie auch diese letzte Frage dem Schiedsgericht unter- breitet werde. Hierauf steht die deutsche Antwort noch aus, weil inzwischen Verhandlungen zwischen den deutschen und schweizc- rischen Müllern über eine Ermätzigung der Mehleinfuhr geführt worden sind. Leider sind diese Verhandlungen erfolglos geblieben. Der Bundesrat hat deshalb, um eine Verständigung herbei- zuführen, bei der deutschen Regierung angefragt, ob und unter welchen Bedingungen sie bereit wäre, den Mehlzoll freizugeben. Die deutsch« Regierung antwortete, sie wolle den Vorschlag eben- falls in Erwägung ziehen. Eine nähere Erklärung steht noch aus, der Bundesrat erwartet aber eine baldige Antwort. Für ein Ge- treidemonopol liegen bereits ausgearbeitete Entwürfe vor, die bald weiteren Kreisen zur Beratung unterbreitet werden sollen. Der Bundesrat hat dazu noch nicht Stellung genommen; er wird der Mehlfrage auch ferner volle Aufmerksamkeit widmen und hofft auf Unterstützung durch die Bundesversammlung, wenn es nötig werden sollte, zur Rettung einer Industrie, deren Erhaltung für die Brot- Versorgung und damit für die Unabhängigkeit deS Landes unentbehrlich ist, autonome Matznahmen zu ergreifen. Der Interpellant erklärte sich durch diese Ausführungen für befriedigt.—_ Das neue Bündlerorgan im Westen, da? dem Bund der Landwirte die Wege in Rheinland-Westfalen ebnen soll, versendet soeben seine Probenummer, ein redaktionell sehr dürftig ausgestattetes Druckerzeugnis. Die erste Seite des „West deutschen Tageblattes" ziert eine Abounements- einladung mit dem Programm des Blattes, daS vom 1. Januar ab täglich erscheint. Der erste Satz lautet: «Das.Westdeutsche Tageblatt" steht auf paritätisch-christlichem Standpunkte. Es wird nach dem Beispiel desKaisers s!> und deS Herrn Kardinal-Erzbischofs Dr. Fischers!) daS betonen, was die beiden grossen christlichen Bekenntnisse eint, damit sie— unter treuer Festhalrung deS eigenen Bekenntnisses— sich die Hand reichen im Kampfe gegen die Sozialdemokratie, zum Schutze von Thron und Altar." In den weiteren Ausführungen des Programm» bekennt sich das Blatt nicht nur als Agrarier-, fondem auch als Mittelstands- und HauSbefitzerorgan. Es verspricht u. a., das Streikrecht der ländlichen Arbeiter und Dien st boten„mit allem Nachdruck"„zu bekämpfen". Mit gleicher Eni- s ch i e d e n h e i t werde eS die Uebertragung des Reichs- tags- Wahlrecht» auf den preußischen Landtag bekämpfe». DaS interessanteste ist, daß die z e n t r u m S agrarische„Rhein. VollSstimme" erklärt, dies Programm fei„nach demKonzept der»Rheinischen Volks stimme" aufgestellt", und somit müsse man die Frage, ob die Gründung deS»Westdeutschen Tage- blatteS" nötig war, verneinen.— Elend und LuxuS. Die Arbeitslosigkeit hat seit mehr als einem Jahr ihren Einzug gehalten. Die Zeiten des industriellen Aufschwunges sind nach dem Gesetz der kapitalistischen Wirtschast der Krise gewichen, und Hunderttausende von Arbeitern wissen nicht, wie sie zum bevorstehenden Fest für sich und die Ihrigen Brot schaffen sollen. Doch in den Kreisen der„oberen Zehntausend" verspürt man keinerlei Einschränkungen. Sie amüsieren sich und verschwenden für Launen des Augenblicks Riesensummen. von denen zahlreiche Arbeiterfamilien jahrelang zehren könnten. Berlin wird immer mehr zur Stadt des ausgesuchten Luxus. Selbst den Fremden fällt das auf. Nicht selten findet man heute in englischen und französischen Blättern funkelnde Schilderungen des Treibens der reichen Berliner Gesellschaft. So wird z. B. der Londoner„Daily Mail" von ihrem Berliner Korrespondenten geschrieben: „Als Lord und Lady Randolph Churchill im Jahre 1888 Berlin besuchten, fanden sie das Leben am preussischen Hose ausserordentlich bescheiden und einfach. Der Gegensatz mag ihnen, die von dem Glanz und Prunk des Winterpalastes in St. Peters- bürg kamen, besonders stark erschienen sein. Heute würden sie finden, daß der Hof Wilhelms II. und oie Berliner Gesellschaft sich seit zwanzig Jahren von Grund auf geändert haben. Seit dem Tode Wilhelms I. ist Deutschland plutokratisch geworden. Es zählt heute die Millionäre nach Dutzenden, währenv es damals ihrer nur vereinzelte besah. Die moderne Gesellschaft Deutsch- lands, in der sich die geadelten Führer der Finanz, und Jndu- striewelt mit den blaublütigstcn Junkern mischen, fyit die Traditionen„altpreutzischer Einfachheit" verlassen und an ihre Stelle den LuxuS gesetzt. Jede neue Saison, deren Modepracht und FesteSglanz alle Vorgängerinnen übertrifft, spiegelt den Geist dieses„reichen Ncu-Dcutschlaird" wieder. Luxushotels, mit marmorgetäfelten Speisesälen und Kve-o'eloclc-tes-Palmenhöfen nach Pariser und Londoner Geschmack, sind von einer extravagant gekleideten Menge gefüllt, die das Bier ihrer Väter verachten und dem Champagner Frankreichs aufs freigebigste huldigen. Die Prinzessinnen promenieren Unter den Linden nicht länger in baumwollenen Handschuhen, wie cS nach dem Bericht eines alten Berliner Diplomaten früher der Fall war. Eins der bc- merkenswertesten Anzeichen von Deutschlands gesellschaftlicher Umwandlung ist die auffällige Verbesserung der weiblichen Klct- dung. Die Berliner Gesellschaftsdame von 1308 ist erstaunlich reich equipiert. Sie entfaltet am Hof und in der Oper einen Hauch verfeinerten Reichtums, wie man ihn vielleicht sonst nur im Buckingham-Palace oder auf New DorkS berühmter„ltiamona horse show" findet." Es ist der den Arbeitern abgezwackte Mehrwert, der auf diese Art konsumiert wird._ Der Eutzen der geistlichen Schulanfsicht. In welcher Weise daS SchulaufsickitSamt zu kirchlichen Gen- darmendienstcn benutzt wird, zeigt das folgende Schreiben, das ein als Lokalschulinspektor fungierender katholischer Pfarrer an einen Lehrer gerichtet hat: Von der k. Lokalschulinspektion Ensfeld an den Herrn Lehrer Betz. Betreff: Schule Ensfeld. Soweit mir bekannt ist, teilt der Herr Lehrer Betz unter die Schulkinder„Das H e i d e n k i n d" aus und unterstützt damit die gute Sache. Dagegen liest der Herr Lehrer meines Wissens die„AugSb. Abendztg.", ein ausgesprochen kirchenfeind- liches Blatt, und trägt damit bei zur Verbreitung der schlechten Presse. Da zwischen beiden Dingen ein Ausgleich unmöglich ist und eine derartige Doppelseitigkeit nur dazu führt, den Charakter des LehrerS zu verderben und den christlichen Geist der Schule in schwerer Weise zu schädigen, so wird der Herr Lehrer gebeten, sich über die schwebenden Fragen der Zeit anderswo zu orientieren als in einer kirchcnfeindlichen und der katholischen Bevölkerung ärgernisgebenden Zeitung. Der Herr Lehrer wird ferner gebeten, den Unterzeichnern innerhalb der nächsten Tage wissen zu lassen, wie er sich zur Sache stellt, damit ein unnötiger Konflikt vermieden wird. Ensfeld, B. Dezember 1308. Die k. Lokalschulinspektion EnSfeld. Mohart. Der fromme Pfarrer hat zweifellos sein Amt als Lokakschul- inspektor gemihbraucht; aber im klerikalen Bayern wird man ihm deswegen schwerlich ein Haar krümmen.-» Nochmals Müller Meiningen und der Sprachen- Paragraph. Der Abgeordnete für Meiningen hat neuerdings die„Frank- furter Zeitung" ersucht, sestzustellcn, daß die freisinnigen Mitglieder der Vereinsgesetzkommission die freisinnige Fraktion genau und loyal unterrichtet haben lüber die Stellung der Regierung zur An- Wendung des Sprachenparagraphcn auf die Gewerkschaften), sodass von einer Täuschung der Fraktion keine Rede sein kann, ferner mitzuteilen, daß Herr Müllcr-Vdeiningen in seinem Kommentar den Ausdruck„ganze Gewerkvereinsbcwcgung" durch Einfügen des Wortes„deutsche" berichtigt hat. Der Freisinn beteuert aber, daß er wissentlich der Au». nahmebehandlung der polnischen Gewerkschaften zustimmt. DaS hat er aber bei der Beratung SeS Vereinsgesetzes der Oeffentlichkdit fein verschwiegen. So muh denn auch die„Frankfurter Zeitung" bedauern, daß danach versäumt worden ist, die Aufklärung weiter zu erstrecken. Tatsache sei doch, daß ziemlich allgemein die Auf- fassung bestand, auch die polnische Gewcrkvereinsbewegung sei aus dem Sprachenparagraphen ausgenommen. Herr Holle. Die„Frankfurter Zeitung" nimmt gegen den Kultusminister olle Stellung. Sie polemisiert gegen die Blätter, die eine nahe eilung des Kultusministeriums in Aussicht gestellt haben, und meint, daß an eine Trennung von Kultus und Unterricht zurzeir nicht zu denken sei. Kultusminister Holle wird in folgender Weise verhöhnt:«Richtig ist es, er hat versagt; er ist sachlich seines großen Ressorts noch nicht Herr geworden, aber mehr als seine Vorgänger abhängig gc- blieben von den erfahrenen und zum Teil sehr tüchtigen Direktoren, die die einzelnen Abteilungen leiten. Althoff hat nach der Ernennung deS Herrn Holle gesagt:„Er ist fleißig, sehr intelligent, und wenn er so fortfährt und einige Jahre Minister bleibt, wird er schon n.o ch manches lernen."_ Zur Angelegenheit Hoffmam» schreibt die„München er Post": „Die„AugSburger Postzeitung" behandelt deS langen und breiten den Fall Hoffmann, ohne auf den Kernpunkt der derzeitigen Situation einzugehen. Die Frage, ob Genosse Hoffmann Volksschuldienst leisten darf oder nicht, ist völlig ausgeschieden, nachdem Hosfmann selbst auf sein Amt als Voltsschullehrer verzichtet hat. Daß wir diesen Verzicht für einen grossen Fehler halten, soll nebenbei bemerkt sein. Für jetzt handelt eS sich darum, kann Hoffmann Fort- bildungSschulunterricht in der Handelslehre erteilen oder wird ihm das unterlagt, weil er Sozialdemokrat ist. Darüber hat das Kultusministerium, hat die Regierung zu entscheiden. Und eS scheint, daß ihr die Entscheidung sehr schwer wird. Oder ist daS Kultusministerium bereits in den Weihnacht!-- schlaf versunken?" Die„Münchener Post' erklärt also den Verzicht deS Genossen Hoffmann auf sein Amt als Volksschullehrcr für einen grossen Fehler. Es wird gut tun, sich das zu merken. Die Ansicht unseres Münchener Parteiorgans, datz wegen dieses Rücktritts HoffmannS die Frage, ob er Volks- schuldien st leisten dürfe oder nickt, völlig ausgeschieden sei, können wir nicht teilen. Und zwar de! halb nicht, weil vor diesein Rücktritt schon den Beteiligten bekannt war, dah Genosse Hoffmann aus seinem Amt gematzregelt werde. wenn er für die Sozialdemokratie, kandidiere. Die Androhung der Matzregelung ist hier ebenso schlimm wie die Matzregelung selber, denn sie bekundet, daß die bayerische Regierung der Sozialdemokratie die staatsbürgerliche Gleichberechtigung nicht zuerkennt. Auf diese unsere Behauptung sind unsere bayerischen Parteiblätter immer noch nicht emgegangen. Nach wie vo» verschweigen sie ihren Lesern diese Tatsache l-- Zum Fall Rödel erläßt der Geschäftsführende Ausschuß des Deutschen Lehrervereins folgende Erklärung: „Der GeschäftSführendc Ausschuß deS Deutschen Lehrcrvereinö hat mit tiefem Bedauern von der durch den Großherzoglicheu Ober- schulrat erfolgten Maßregelung deS Oberlehrers M. Rödel in Mannheim Kenntnis genommen. Der Ausschuß, dessen Mitglieder die Diskussionsrede de» Herrn Rödel selbst gehört haben, kann das Urteil des Grossherzoglichen Oberschulrats, daß Herr Rödel da» heimatliche Schulwesen„dem Spott und der Mißachtung der au» ganz Deutschland und auch aus dem Auslande besuchten Lehrer- Versammlung" ausgesetzt habe, nicht als zutreffend anerkennen. Ihm ist die Beurteilung des badischen Schulwesens durch Herrn Rödel als eine auf genauer Kenntnis der Tatsachen beruhende fachmännische Erörterung erschienen. Er kann auch den Vorwurf, tzass Herr Rödel„alles, was zugunsten der heimischen Schulzustände hätte lauten und den Beifall der Versammlung finden können. geflissentlich unterdrückt" habe, nicht als berechtigt ansehen; die Diskussion einer pädagogischen Einzelfrage in einer von Tausenden von Lehrern besuchte» Versammlung erfordert Beschränkung aus die unbedingt und zunächst zur Sache gehörigen Verhältnisse. Die Deutsche Lehrcrversammlung ist nach Ansicht deS Ge- schäftsführenden Ausschusses die geeignetste Stelle, die Vorzüge und Mängel der Volksschule in den einzelnen-deutschen Staaten zur Sprache zu bringen. Es dürfte deswegen aus der Darlegung tat- sächlicher Rückständigkeiten des heimatlichen Schulwesens an dieser Stelle keinem deutschen Volksschullehrer ein Vorwurf gemaltu werden. Die Deutsche Lehrcrversammlung würde ihre Aufgabr verkennen und nicht erfüllen, wenn sie nicht die kenntnisreichsten Mitglieder des Deutschen LehrervereinS, wie cS im Falle Rödc' geschehen ist, dazu anregen würde. Ter Geschäftsführende Ausschuß deS Deutschen LehrervereinS bedauert deswegen, daß die Schulbchorde eines Staates, der in der Pflege und Entwickelung der Volksschule in anderer Beziehung in anerkennenswerter Weise vorangegangen ist, zur Massregelung eines freimütigen Redners sich hat entschließen können. Durch ähnliche Maßnabmen würde die öffentliche Erörterung von Er- ziehungs- und Dildungsfragen in grossen Versammlungen über- Haupt in Frage gestellt werden." Zuckersteuer und Tabaksteuer. „Also Reichstag werde hart gegenüber allen versuchen, die Zuckersteuerherabsetzung zur Vertagung zu bringen", ruft die agrarische„Deutsche Tageszeitung" in ihrer Nummer 689 vom 16. Dezember 1308. Jede Erhöhung der Steuer bedeutet Rückgang, jede Ermäßigung Steigerung des Konsums, argumentiert völlig richtig da« Agrarier- blatt. Nur gegenüber der Tabakindustrie soll daS nicht gelten; der Tabak soll so hoch als möglich besteuert werden, weil— der Tabak kein NahrungS-, sondern ein Genußmittel ist. Merkwürdig, baß die „Deutsche Tageszeitung' aus dieser Tat'ache nicht den so einfachen Schluß zieht, daß gerade deshalb, weil der Tabak ein Genußmittcl ist, er von den Konsumenten um so leichter entbehrt werden kann und jede durch die Steuer bewirkte Preiserhöliung für Zigarren, namentlich jetzt in der Zeit der Krisis, wo über 400 000 Arbeiter in Deutschland arbeitslos sind, zu einem enormen Konsumrückgang führen muß, so daß zu den vielen Arbeitslosen in der Industrie noch die durch die Zoll- oder Steuerrrhöhung brotlos gemachten Tabakarbeiter hinzukommen.—_____ Klassenjustiz. Während deS letzten FliesenlegerauSstandeS in Rheinkand-Wcsi- falen war cS zwischen einem Unternehmer und Streikenden in Düsseldorf zu Prügeleien gekommen. Zwei Arbeitswillig« kamen dem Unternehmer zu Hilfe und schössen acht scharf« Schüsse auf die Streikenden ab. wobei ein ganz unbeteiligter Fliesenleger einen Schuß durch den Arm erhielt. Du gegen den Unternehmer wegen Mißhandlung und gegen die Arbeitswilligen wegen der Schießerei erstattete Anzeige endete mit der Verurteilung der Arbeiter wegen Hausfriedensbruchs zu je einer Woche Gefängnis. Die Revolverhelden wurden nur wegen unerlaubten Waffen- tragen» in eine Polizeistrafe von 8 M. genommen. Der völlig unverschuldete Angeschossene erstattete nochmals eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Aach zwei Monat«» hat«r daraus folgenden Bescheid erhalten i Der Erste Staatsanwalt. Auf die Anzeige Vom 11. Oktober 1003. Ach habe das Verfahren eingestellt. Nach dem Ergebnisse der Ermittelungen in dem Strafverfahren gegen Sie und Genossen wegen Hausfriedensbruch u. a.. insbesondere auch nach den Fest« stellungen des Schöffengerichts vom 1. September 1903 steht nicht genügend fest, wer Sie geschossen hat; auch ist anzunehmen, dafc der Täler in Notwehr gehandelt hat.(Unterschrift unleserlich.> So der Bescheid— obgleich der Mann völlig freigesprochen worden war und die schiebenden Arbeitswilligen sich ihrer Tat ge- rühmt und vor Gericht zugegeben, datz sie nicht in Notwehr ge- handelt haben.—_ Deutscher Ttaatsbahnwagenverband. Die„Korrespondenz Hoffmann" meldet: Die bayerische Re- gierung genehmigte das in Frankfurt vereinbarte Uebereinkommen über die Bildung eines deutschen StaatsbahnwagenverbandeS und erklärte damit den Beitritt der bayerischen Staatseisenbahnver- waltung einschließlich der pfälzischen Bahnen zum deutsche» Staats- bahnwagenverband._ Die Balkankrife. Ein bulgarischer Protest. Sofia, 22. Dezember. Die bulgarische Regierung übersandte heute den Vertretern der Grobmächte eine Verbalnote. in der sie sich unter Hinweis auf die bisherige korrekte Hallung und die VerstandigungSversuche Bulgariens über die unfreundliche Sprache der türkischen Thronrede gegen Bulgarien be« schwert. Die Note fußt aus dem ersten unrichtig übersetzten Wortlaut der Thronrede. Durch die erfolgte Veröffentlichung des authentischen Textes der Thronrede wird die Beschwerde teilweise gegenstandslos._ 8chwdz. Sozialistische Erfolge. Zürich. 21. Dezember.(Eig. Ber.) In Biel, einer 2S 00V Einwohner zählenden Uhrenarbeiterstadt haben gestern zum ersten- mal nach dem Proporz die Gemeindewahlen stattgefunden. wobei unsere Partei schöne Erfolge errang. Unser Genosse Li e i m a n n wurde ohne Gegenkandidat als Stadtpräsident wieder- gewählt. Im Kleinen Stadtrat eroberten wir drei neue Sitze und im Groben Stadtrat mit 28 Mandaten deren 8. Die Freisinnigen verloren 11 Sitze und haben deren noch 29, die Katholiken 8. ES hat also keine Partei in der SOgliedrigen Behörde die Mehrheit. aber bald wird sie die Sozialdemokratie haben.~ franhreicb. Unser Wahlsieg. Paris, 22. Dezember. Die Blätter beschäftigen sich fort- dauernd mit dem von den geeinigten Sozialisten bei den am Sonntag vorgenommenen Kammerersatz» Mahlen errungenen Erfolge. I a u r ö s schreibt in der „Humanitv": Die vorgestrigen Wahlergebnisse haben in der politischen und parlamentarischen Welt großen Eindruck hervorgerufen. Nach einstimmiger Anschauung ist dies der schwer st e Schlag, den das Ministerium seit langem er- litten hat, und die ernsteste Warnung, die der am Ruder befindlichen radikalen Partei erteilt wurde.— Für den Frieden. Bei der Beratung der Artillerievorlage ergriff JaureS das Wort, um im Namen des Proletariats gegen die unsinnigen Rüstungen zu protestieren, die alle Völker Europas dem Untergange entgegenführten. Redner wünschte, ohne von Frankreich die Abrüstung zu fordern, was das Land fremden Erobcrungsgelüsten preisgeben würde, daß Frankreich allen Völ- kern ein internationales Uebereinkommen vor- schlüge; er werde bei der Besprechung der Kredite für Maroklo auf diese Frage zurückkommen._ Das Wettrüsten. Pari», 22. Dezember. Die Kammer nahm heute den Re- gicrungsvorschlag betr. Vermehrung der Artillerie mit 473 gegen 7ö Stimmen an. Kabinettches Clemenceau hatte erklärt, wenn der Gesetzentwurf der Regierung nicht ange- nomine» oder wenn der Vertagungsantrag des Abg. Meessimi an- genommen würde, so würde die Regierung zurücktreten. Kriegs- minister Picquart begründete in längerer Ansprache die Notwendigkeit, den Regierungsantrag anzunehmen. Außer den Gründen, die er angeben könne, beständen noch solche, die er nicht näher bezeichnete. Italien. Die Dreibundpolitik. In der ruhigeren Atmosphäre des Senats suchte gestern T i t t o n i seine auswärtige Politik zu verteidigen. Von seinen Be- merkniige» verdient folgende Stelle hervorgehoben zu werden, in der sich der Minister mit dem Dreibund beschäftigte. Er hob hervor, wie nützlich das Einvernehmen mit England für Italien in der ersten Phase der Balkanpolitik gewesen sei, wie in der zweiten Phase das Einvernehmen mit Rußland. Das besage keineswegs, daß die italienische Regierung ihr Vorgehen gegen die österreichisch- ungarische Politik gerichtet habe; sie wolle lediglich die italienischen Interessen im Orient gegen jeden, wer es auch sei, sicher stellen.„In dieser Beziehung", fuhr der Minister fort,»gibt e» nichts. was mit dem Dreibund m Widerspruch steht, dem wir treu sind und bleiben. Diese Politik dient dazu, zu beweisen, daß Italien, treu seinen Bündniffen, dennoch seine Handlungsfreiheit bei der Wahrung semer nationalen Interessen mit der größten Unabhängigkeit und Würde zur Geltung bringen kann." Auch diese Ausführungen beweisen, daß die italienische auswärtige Politik auf das Zusammengehen mit England und Rußland gerade deshalb solchen Wert legt, um gegen den Dreibundsgenossen Oesterreich desto energischer austreten zu können. Cnglancl. Gegen daS Oberhaus. London, 21. Dezember. Der Kanzler der Schatzkammer Lloyd-George sagte in einer Rede in Liverpool über die Ver- werfung liberaler Maßregeln durch die LordS, Lord LandSdowne hätte sich eine Herrschaft angemaßt, die seit den Tagen Karls I. nicht beansprucht worden wäre. Die Not des Landes mache es zu einer gebieterischen Notwendigkeit, daß der Streit mit den LordS zur Entscheidung gebracht werde. Lloyd-George verteidigte dann eingehend daS F r e i h a n d e l S s y st c m und sagte, anstatt das Brot der Armen zu besteuern, wollten die Liberalen ohne Be- lästigung der Industrie Steuern erheben. Sie möchten etwas tun. um daS Land in die Gewalt des Volkes zu bringen. Die Hilfsquellen des Landes wären durch das alte Feudalsystem zu- gefroren; er sehne sich nach dem Frühling, wenn es taue und das Volk die Erbschaft antrete. RiflUanck. Ein VolkSschulgrsetz in der ReichSbuma.. Petersburg, IS. Dezember 190S.(Eig. Der.) Der neue Gesetz- «ntwurf der Volksbildungskommission über den allgemeinen elementaren Volksunterricht wird in nächster Zeit in der Reichs- duma zur Verhandlung kommen. Daß gerade in Rußland die Ein- führung der allgemeinen Volksbildung die sehr wesentliche Vor- bcdingung einer normalen kulturellen EntWickelung ist, bedarf wohl kaum deS Beweises. Aus den Ergebnissen der letzten Volks- Zählung(1897) ist ersichtlich, daß bei unS auf 1900 Menschen 789 Analphabeten kommen, also nur 211 zu lesen und schreiben ver- stehe», während z. B. in Belgien 998, in Teutschland 980, in Frankreich 979 diese Kunst beherrschen. Besonders groß ist die Zahl der Analphabeten unter den Frauen Rußlands: von 1000 Männern sind 707, von 1000 Frauen 869 Analphabeten. Selbst unter den Vertretern des hohen Adels, der gewöhnlich die Pcivi- legten seines Standes mit dem stolzen Hinweis auf seine Bildung und kulturelle Ueberlegenheit verteidigt, sind von 1000 Menschen 289 Analphabeten: von 1000 Bauern sind 31S Analphabeten. Ter am zahlreichsten vertretene Stand, von dessen Wohlstand das Wirt- schaftliche Gedeihen Rußlands abhängt, ist also zugleich der unge- bildetjte. In welchem Maße ist nun die neue Gesetzesvorlage geeignet, dieser schreienden VolkSnot abzuhelfen? Dem Projekte zufolge sollen auf eine Schule im Maximum 3 Werst Flächenraum und auf einen Schullehrer nicht mehr als 50 Lernende kommen. Die normale Untcrrichtsdauer in den Volksschulen soll 4 Jahre be- tragen. Ter Unterricht und die Versorgung der Schüler mit Büchern und Lehrmitteln ist unentgeltlich. Die Zahl der Schul- tage soll nicht weniger als 180 im Jahr betragen. Als Hauptzwecke des Elementarunterrichts bezeichnet das Projekt: religiös-sittliche Erziehung, EntWickelung des HeimatS- gcfühls, geistige Ausbildung und körperliche Entwickelung der Kinder. In den Schulen soll gelehrt werden: 1. Religion und kirchlich-slawische Grammatik; 2. russische Sprache; 3. Arithmetik; 4. Gesang; 5. Kalligraphie; 6. Körperübungen. Außerdem sollen den Schülern durch Klassenvorträge elementare Kenntnisse aus der Geschichte und Geographie Rußlands, der Natur- und Gescllschafts- künde beigebracht werden. In den Schulen für Nichtrussen ist die russische Sprache obligatorisch; alle anderen Lehrfächer dürfen in der Muttersprache unterrichtet werden. Wie die Sachen in Rußland jetzt liegen, ruht der Volks- Unterricht in den Händen von neun verschiedenen Ressorts. Das Projekt fordert die Konzentration dieser Staatsobliegenheit im Reffort der Volksaufklärung, während die lokale Verwaltung der Volksschulen den örtlichen Selbstverwaltungsorganen überlassen bleibt. Für die Realisation der„allgemeinen Volksbildung" wird ein Termin von 20 Jahren(!) anberaumt. Die gesamten Kosten dieser Reform sind auf 1361 Millionen Rubel veranschlagt, und zwar sind 470 Millionen aus lokalen Mitteln, 391 Millionen aus dem Staatsschatz zu entnehmen. Von all den schönen Bestimmungen wird�—» fürchten wir—- nur eine eingehalten werden: Die Verschleppung der für das russische Volk dringensten Reform auf 20 Jahre. Zur Durch- führung einer wirklichen Reform mangelt eS der herrschenden Vureaukratie sowohl an Fähigkeit als an gutem Willem Und zudem ist Rußland bankerott und, wenn es Anleihen erhält, muß es diese verwenden zur Bezahlung seiner Zinsen und zur Wieder- hcrstellung seiner Militärmacht. Für Kulturzwecks hat dieses Regime kein Geld. perNen. Die Lage in Teheran. Teheran, 21. Dezember. Da es den Nationalisten nicht gelungen ist, auf ihr Bittgesuch um Wiederherstellung der Ver- fassung eine Antwort vom Schah zu erlangen, nehmen sie nunmehr in den fremden Gesandtschaften Zuflucht. In der tür- kischen Gesandtschaft sind über 300 Nationalisten versammelt. Amerika. Die politische Korruption. Krankfurt a. 22. Dezember. Nach einer Meldung der „Franks. Ztg." aus New U o r k sind in Pittsburg 7 Stadt- verordnete und 2 Bankiers wegen einer BestechungS- angelegenheit verhaftet worden. Venezuela. Castro erledigt? Port of Spain, 21. Dezember. Vizepräsident Gomez von Venezuela hat ein neues Ministerium gebildet, indem er den Minister deS Aeußern Paul und alle seitherigen Minister absetzte und an ihren Platz neue Männer stellte, welche verschiedene Parteien vertreten. Geheime Meldungen aus Caracas, wo strengste Zensur geHand- habt wird, besagen, daß in ganz Venezuela Gärung herrsche, seit Castro abgereist sei; die KrisiS sei vor wenigen Tagen eingetreten, als Gomez genötigt wurde, daS Kabinett zu entfernen, dessen Mitglieder zu Castro in engen Beziehungen standen. ES ist nicht unwahrscheinlich, datz Gomez selbst versuchen wird, sich der Präsidentenwürde zu bemächtigen. Beilegung des Konflikts mit Holland? Aus New 9 o r I wird vom 22. Dezember gekabelt: Aus Willemstad wird gemeldet, daß die neue venezolanische Re- gierung das Dekret widerrufen hat. das die Umladung bestimmter Güter nach venezolanischen Häfen in Willemstad verbietet. Die Aufhebung dieser Maßregel kommt nach der in Willemstad Herr- schenken Auffassung praktisch auf«ine Beilegung des hol» ländisch-vene zolanischen Streite» hinaus und man folgert daraus, daß die Herrschaft Castros in Vene- zuelg beendet ist._ Huö der parte!» Aus der delgkschen Sozialdemokratie. Brüssel, 20, Dezember.(Eig. Ber.) Der außerordentliche Kon- greß, der die Taktik der belgischen Partei zur Kolonialpolitik zu regeln haben wird, wird am 27. Dezember, anschließend an die Verhandlungen deS zu Weihnachten statifindenden Gewerks chaftS- kongresses, tagen. Diesem Kongreß ging Donnerstag«ine Beratung der Brüsseler Föderation voraus. Der von 200 Mitgliedern besuchten Versammlung lag«ine Tagesordnung Vandervelde vor. die im wesentlichen die Verwerfung der kapitalistischen Kolonisation ausspricht und die Einigkeit aller Depu» tierten in dem Punkte feststellt, gegen das Kongo» budget zu stimmen und allen militärischenAuSgaben entgegenzutreten, die die Regierung gegebenenfalls verlangen würde, Doch bestimmt die Tagesordnung gleichzeitig und nicht ganz ohne Widerspruch, datz den sozialistiichen Mandataren die Pflicht obliegt, sich für die Kolonialfrage zu.interessieren", die Miß- brauche aufzuzeigen und für Abhilfe zu sorgen, wie über- Haupt über die Rechte der Eingeborenen zu wachen, jedoch den bürgerlichen Parteien die Verantwortung über die Folgen der Annexion zu überlassen. Diese Resolution, die die Streitfrage in der Kolonialpoliiik teils zu mildern, teils zu um- gehen sucht, wurde in ausführlicher Rede von Vandervelde vertreten, der neben der sozusagen„akademischen Uneinigkeit" in bezug auf die VnnexionSfrage. die praktische Einigkeit feststellt. die darin besteht, das Kongobudget zu verwerfen und gegen eventuell« militärische Laste» anzukämpfen. Die Hauptfrage sieht Bänder« Velde gegenwärtig darin, ob die Arbeiterpartei für die Reformen für die Neger einzutreten habe. Er glaubt nicht, daß dies zum Schaden der belgi schen Arbeiter geschehen müßte, die neben den für sie notwendigen Reformen auch die Kraft auf- bringen würden, daß den Negern ihr Recht würde. Es sei unmöz- lich, daß die Arbeiterpartei das Los der„Schwarzen" gleich- gültig lasse. Genosse Volkaert bekämpft in Konsequenz seiner strikten Gegnerschaft gegen alle Kolonialpolitik Vanderveldes Nnffassung be- ziiglich einer kostspieligen Reformiätigkeit, da diese nur auf Kosten der einheimischen Arbeiter geschähe. Unterstützt wird Vanderveldes Tagesordnung, der sich auch Destr�e und De Broucköre angeschlossen hatten, u. a. von H u y s m a n S, der die„Aandervelde-Frage" als erledigt be- trachtet, indem Genosse Vandervelde heute nur im Geiste der Kongrcßbeschlüsse für die Jntervenierung zugunsten der Neger ae- sprochen babe. Die Vanderveldesche Resolution wird zum Schluß mit allen gegen vier Stimmen und 14 Stimmenthaltungen angenommen. Die Frage der Vertretung im Kolonialrat wird dem Generalrat zugewiesen.—_ Die Seine-Föderation über den Toulouser Kongreß. Paris, 21. Dezember.(Eig. Ber.) Gestern hielt die sozialistische Seine-Föderation einen Kongreß ab, der hauptsachlich mit der Diskussion über den Kon- greß von Toulouse und über die Haftung der Parteitags- delegierten der Föderation ausgefüllt wurde. Das Referat über den Parteitag erstattete Gen. Vaillant, der darlegte, daß die Re- solution von Toulouse nach den vorangegangenen Reibungen die Einigkeit in der Partei auf eine sichere Grundlage gestellt habe, da der Einigungspakt durch die einstimmige Interpretation zu seinem vollen taktischen und politischen Wert gekommen sei. Ueber das Verhältnis der Vertreter der Mehrheit zu den, in der Presse hauptsächlich von der„Guerre Sociale" repräsentierten Partei- Mitglieder sagte er:„Auch wir gaben zu, daß zur Partei nur Sozialisten Zulaß finden können. Wir fügten hinzu, daß alle auf dem Kongreß vertretenen Schattierungen durch ihre Redner sich formell als Sozialisten erklärt hätten und daß wir in keinem Fall zu einer gemeinsamen Reso- lution unsere Zustimmung geben könnten, die auch nur d u r 6) di�e Wiederholung einer auf die Anarchisten be» züglichen Wendung eines internationalen Kon. gresses den Anschein erlangen könnte, den sozialistischen Charakter gewisser Kongreßmitglieder und ihrer En Isen der anzuzweifeln und sie von vornherein der Möglichkeit einer Ausschließung auszusetzen." Trotz dieses Entgegenkommens, das sich ja neulich in der großen Versammlung im Tivoli-Vauxhall bei der Redigicrung der dem Toulouser Beschluß entsprechenden Resolution wiederholt hat. fanden sich die Herveisten bemüßigt, den Protest gegen diesen Be- schluß, den sie in Toulouse verabsäumt haben, nachträglich an- zubringen und zwar in der ganz widersinnigen Weise, daß sie von dem Föderationskongreh, aus dem sie nur eine Minderheit reprä- sentierten, verlangten, er solle die ParteitagSdelegiertcn dieser Minderheit ivegcn schlechter MandatSauSübung tadeln. Genosse Renaudel beantragte Uebergang zur Tagesordnung und dieser wurde, allerdings nach einer überlangen Debatte, angenommen.— Der Kongreß nahm weiter mit Zweidrittelmehrheit Resolutionen an, worin er die Wahl deS Genossen Marius Andre in die VcrwaltungSkommission der Partei sowie die gegen Heppenheim«, Brousse und Breton bewährte Milde bedauerte. Sozialdemokratische Landtagbkandtdaturen in Baden. Man schreibt uns aus Baden: Bei der wegen der Wiedcraufstellung deS Genossen Gustav Lehmann als Landtagskandidatcn für den I.Mannheimer Bezirk vorgenommenen Stichwahl unterlag er gegenüber dem Ge» Nossen Geis mit 113 gegen 227 Stimmen. Damit ist eine Prophc- zeiung, die gleich nach dem Nürnberger Parteitag gemacht wurde. in Erfüllung gegangen. Unter der Stichmarke:„Wer nicht pariert, fliegt", bringt der „Bad. Beob."(führendes Zentrumsorgan) eine satirische Betrach- tung über das„Gefecht hinter den Kulissen", welches angeblich gegen die drei Gegner der Budgetbcwilligung geführt worden ist. Unsere beiden großen Parteiblätter sind bis jetzt dieser gegnerischen Stichelei nicht entgegengetreten._ Personalien. Als Redakteur der„Oberfränkischen Volkszeitung" zu Hof, die in letzter Zeit vom Partei- sckretär Genossen Rauh vertretungsweise redigiert wurde, ist Genosse Blumentritt, zurzeit Redakteur des Organs der freien Turnerschaft in Leipzig, gewählt worden. Genosse Vlumcntritt, der den letzten Kurs der Parteischule absolviert hat, wird sein Amt antreten, sobald für seinen Posten in Leipzig ein Ersatz ge- funden ist. Tins Induftne und DandeL Die reinen Walzwerke genarrt. Die Konferenz der Regierungsvertreter mit Interessenten ber Halbzeug verarbeitenden Industrie und de? Stahlwerksverbandes hat nur einen Nachmittag gedauert. Wenige Stunden genügten, um den Stahlverbändlern den Beweis zu erbringen, daß ihre Preispolitik der Regierung— Segen hat. Die„Köln. BolkSztg." berichtet über die Verhandlungen:„AuS den Verhandlungen sickerte bisher durch, daß sie von beiden Parteien zeitweilig mit großer Schärfe geführt wurden und vorwiegend der Lage deS FeinblechgewerbeS galten, und zwar ganz besonders den abseits von Hauptmittelpunkten deS Großgewerbes gelegenen Werken an der Sieg und an ber Lenne. Die Erörterungen erstreckten sich, nach dem, was«vir bis jetzt in Erfahrung zu bringen vermockten. auch auf die Preispolitik des StahlwerksverbandeS im Inland« und AuS- lande, demgemäß also auch aus den für die„reinen" Walz« werke wichtigsten Punkt, nämlich auf die Preise, welche für die von den abhängigen Werken hergestellten Erzeugnisse erzirlbar sind, und aus die durch die Preispolitik des StahlwerksverbandeS verursachte Schwäckung der reinen Werke. „Ueber die Mittel, wie nun den„reinen" Walzwerken bei ihrer traurigen Loge zu helfen wäre, ist jedoch, wie wir hören, lieberem- stimm ung leider nicht zu erziele» gewesen. DaS SchlußergcbniS der ganzen Verhandlungen scheint uns demnach zu sein, daß die ganze Beratung wirklichen Vorteil für die„reinen" Walzwerke wiederum nicht gezeitigt hat. Demnach dürften sie sich denn auch gezwungen sehen, ihren schon von vornherein gehegten Plan, den Reichstag mit ihrer Angelegenheit zu befassen, nunmehr auch mit Nachdruck durch zuführen."____ Kündigungen und Lohnreduktione«. Auf den Zechen häufen sich jetzt die Kündigungen. Am Montag wurden z. B. auf Zeche Blumental 60 Arbeiter gekündigt. Auf den Stinnefchen Schächten ist eine Lohnreduklion von 10 Proz. vorgenommen. Gleichzeitig erfolgten Kündigungen. Einnahmen der Eisenbahnen. Auf benpreußisch-hessischenEisenbahnen wurden im November 1908 vereinnahmt: AuS dem Personenverkehr 86 468 000 M.(�- 1288 000). au, dem Güterverkehr 107 430 000 M. <— 7 668 006) und auS sonstigen Quellen 9S94 000 M.(— 804 000). Insgesamt betrug im November 1903 die Einnahme 163 492 000 M. l— 7 279 000), daS ist 4,53 Proz. weniger als in der gleichen Zeit des Vorjahres.■ Seit Beginn de? NechnungSjobre? vetpugen die Einnahmen aus dem Personenverkehr 398 450 OOÖ Ti,(•+• 14 894 000). mf mm•tttnertc�i M2 tKDOOD 9t(—»» 151(*») an* m» sonstigen Quellen 78 862 0C0 M., insgesamt 1314 492 QUO M. 19 681 000)._ Abnahme der Handweberei in Schlesien. Nach dem Jahresberiidte der Schweidnitzer Handelskammer, um- fassend die Kreise Reichenbach, Schweidiiitz-Sladt, Land, Striegau und Waldenburg für das Jahr 1907 hat die Zahl der Handweber im Handelskaminerbezirke seit der letzten Aufnahme sFebruar ISOö) wiederum eine erhebliche Verminderung erfahren, und zwar von 3120 aus 2527 Köpfe, das sind 19 Proz. Der verhältniöinätzig stärkste Rückgang machte sich diesmal im Kreise Waldenburg be- merkbar, wo er im Jahresdurchschnitt 8,18 Proz. ausmachie. Fabrik- Handwerker, d. h. solche, die in Werkstätten arbeiten, in welchen lO und mehr Handweber beschäftigt sind, von denen die letzte Statistik keinen aufivies, erschienen diesmal in der Zahl von 9. Die Zahl der Meister und selbständigen Weber hat diesmal stärker ab- genommen als die Zahl der Gehilfe», indem die Abnahme bei den letzteren während der Jahre 1905—1907 lS.S Proz., also im Durch- schnitt 5,5 Proz. betrug, während die Abnahme bei den Meistern 19.9 Proz. bezw. im Durchschnitt 0.6 Proz. ausmachte sbei der Zählung 1905: 8,54 Proz. bei den Gehilfen. 8 Proz. bei den Meistern). Die Zahl der nur mir Weberei sich beschäftigenden Per- sonen ist wiederum stärker ziirü kgegangcn als die Zahl der auch mit anderen Erwerbsarbeiten beschäsliglen Weber, nämlich um 21,5 Proz gegen 7,8 Proz.. d. h. im Jahresdurchschnitt von 7.1 Proz.<1905: 8,0 Proz. gegen 5,9 Proz.). Was das Alter anlangt, so machten 50« bis 00 jährige Personen etwa 60 Proz.. die 00- bis 70 jährigen über 50 Proz. und die 80 jährigen noch über 8 Proz. de» Gesamt- zahlen auS. Dies scheint wohl auf ein rasches Absterben dieser rück- ständigen Betriebsweise hinzudeuten. DernburgS Diamanten., Staatssekretär Dernburg hat in Slldwestafrika Diamanten an- geblich aufgelesen. Das Reichskolonialamt hat dem Gouverneur telegraphisch die notwendigen Paragraphen mitgeteilt. Jedes Karat Diamant lostet 10 M Ausfuhrzoll, ein Schürfschein 1000 M. pro Jahr, jeder Diamant ist in ein Buch einzutragen, kostet 1 M. pro Stein. Also die idealsten und echt deutschesten Notwendigkeiten sind sämtlich vorhanden, nur die Diamanten wollen nicht recht kommen. Dernburgs Geologe„hofft" täglich 5000 Karat fördern zu können. Dazu schreibt das ,B. T.". datz die Beres Mine, die heute den Löwenanteil der Weltprodnktion besitzt, aus 720 Kilogramm Material Vz Karat Diamanten geioinnt. Um 5000 Karat zu erhalten müffen alio pro Tag 11 Millionen Kilogramm Material gefördert werden. Dernburg spricht von einem Durchschnittspreis von 33 sk pro Karat. Die beste Mine der Welt, die„Premier", erreicht einen Erlös von nur 13 sk 0 d l l Dernburg hat mit seiner Diamanten- geschichte die von der Dattelkiste noch weit in den Schatten gestellt._ ©cwcrkfcbaftlicbee* Grubensichcrheit— Grubenkontrolle. Acht Mann an Stickgasen betäubt aus 8eni Schacht V(Me rlenbach) der Grube Saar und Mosel herausgeschafft, das ist der Abschluß- akt jeuer bekannten Erklärung, daß keinerlei Betriebs- gefahren bestanden hätten, noch bestünden. Am 5. Dezember wurde bekanntlich der Streik aus genanntem Schacht ab- gebrochen, nachdem durch ein offizielles Protokoll seitens des kaiserlichen Bergmeisters v. Braunmühl und des Bergassessors Goebel, der Direktion und vier Streikbrecher unterschriftlich erklärt wurde, daß keine Lebensgefahr mehr in der Grube bestünde, noch bestanden habe, und da den Bergleuten jede Möglichkeit genommen war, ihrerseits die Grube zu befahren, um durch Urteil praktischer und ehrlicher Bergleute dieses zu bestätigen oder das Gegenteil zu beweisen, mußten sie anfahren. Dazu kam ncch, daß der Kreisdirektor v. Woellwarth, die beiden Herren Bürgermeister von Spittel und Merlenbach für die Richtigkeit der Angaben über die bergmeisterliche Gruben- kontrolle sich verbürgten, der offizielle Apparat geschlossen gegen die Bergleute rapportierte, und jetzt erhalten wir die Mitteilung. daßamIL. DezemberachtMann durch Stickgase betäubt aus der Grube geschleppt wurden! Bei dem Unfall, der dem Obersteiger H o m- b e r g am 28. November zustieß, wie bei demjenigen des Berg- Meisters v. Braunmühl bestritt man offiziell, daß Stickgas- betäubung die Ursache gewesen sei. Hier hört das Abstreiten aber auf und von neuem ist die Unzulänglichkeit unserer Grubenkontrolle trefflich bewiesen. Den Verteidigern der heutigen Gnibenkontrolle scheint der Unglücksschacht Meilen- bach zum Verhängnis zu werden: denn an den Schlag auf Schlag sich wiederholenden Ereignissen zerschellen alle berg- meisterlichen und landrätlichen Erklärungen. Weiter wird noch von einem früheren Wettermann R. mitgeteilt, daß die Wettermänner oder Vorfahrer, deren Auf- gäbe es ist. den Grubenbau zwei Stunden vor der Anfahrt der Belegschaft zu befahren, um den Wetterstand noch vor der Anfahrt den Revier- oder Abteilungssteigern zu melden. gleichzeitig aber auch den Befund in ein Wetterbuch einzu- tragen, wie in der Grube aus Warnungstafeln durch be- stimmte Kreidezeichen anzugeben, ob die Strecke wettersrei ist oder nicht, daß diese Eintragungen mit Vorsicht aufzunehmen seien. Diesen Wettermännern oder Vorfahrern steht nur die Wetterlampe zur Prüfung des Wetterstandes zur Verfügung, weshalb ihre Angaben auf Urteil beruhen, aber dennoch durchweg richtig und zuverlässig sind. Doch weil die Vor- fahrer nur ein Urteil, kein Resultat, abgeben können, ist ihnen auch nur gestattet, ihr Urteil mit Bleistift ins Wetterbuch einzutragen, während der Steiger, nachdem er das Revier befahren hat. die endgültige Eintragung nach seinem Urteil oder Befunde mit Tinte macht, wobei nicht selten das Urteil des Vorsohrerß eine wesent- liche Korrektur erfährt! Da die Bergbehörde sich aber auf dieses, von der Verwaltung geführte Welterbuch verläßt, ihre Urteile gerade auf dicseS Wetterbuch stützt, muß verlangt werden, daß die Wettermänner oder Vorfabrer ein besonderes Wetterbuch führen, in das niemand außer ihnen das Recht haben darf. Eintragungen zu machen oder noch Korrekturen vorzunehmen. Stimmt das Wctterbuch der Vorfahrer dann nachher mit dem der Verwaltung nicht überein. dann soll die Bergbehörde nach- prüfen, wer recht hat. Nach Reeden hat man sich offiziell, selbst der Handelsminister, hinter die Vorfahrer versteckt, die angeblich gemeldet hätten, daß alles wetterfrei gewesen wäre. Ti� Vorfahrer sind tot. können nicht mehr widersprechen, aber auch hier wurde von Bergleuten behauptet, die Vorfahrer hätten tatsächlich das Vorhandensein der Wetter gemeldet, und zwar schon niedrere Tage vorher. Es wird Aufgabe unserer Parlamentsvertreter sein, auf diesen Punkt ganz besonderen Wert zu legen. Denn ver- kriecht sich die Bergbehörde und Grubenverwalwng hinter die Vorfahrer, sollen diese damit eine so schwere Verantwor- tung auf sich nehmen, mutz ihnen das Recht eingeräumt werden, ihr Urteil selbständig und unverändert in einem besonderen Fahrbuch niederzulegen.__ Lerantw. Redakteur: Hau» Weber, Berliu. Inseratenteil verantw.: Sera« an* Omgcgvn*. Nachklänge zur Berliae» Rodrlegcrbeweguns. In der Morgenausgab« der Berliner..V o 1 1 sz e i t u n g" vom 22. d. M. ist unter der Ueberschrift:..Nachllänge zur Rohr- legerbewegung" eine Berichtigung der Arbeitgeber veröffentlicht, welche in Wirklichkeit keine Berichtigung ist, sondern ein Beweis der Richtigkeit des Berichts von der Rohrlegerversainm- lung, wie solcher im„Vorwärts" am Dienstag, den 15. d. M.. zu lesen war. Nur auf einiges wollen wir an dieser Stell- erwidern. Es heißt: Die weitaus größte Mehrheit der Berliner Rohrleger und Helfer, etwa 2300 Mann, seien zufrieden mit dem Vertrag und seien nicht Mitglieder der drei Verbände sgemeint sind der Deutsche Metallarbeiicrverband, der Kupferschmiedcverband und der Schmiedeverband), sondern die weitaus größte Mehrheit habe den Tarisvcrlrag geschlossen. Demgegenüber wollen wir nur darauf hinweisen, daß bei der Wahl für die Gewerbegerichtsbeisitzer die„tariftrcue Arbeitnehmer- orgonisation" 529 Stimmen erhalten hat. Das ist doch noch lange kein Beweis, daß die Mehrheit der Berliner Rohrleger und Helfer mit dem Tarif zufrieden ist. Wenn weiter behauptet wird, es handelt sich um eine wenig bedeutungsvolle Frage, ob die paar hundert Mitglieder der drei Verbände durch ihre Verbandslcitung den Tarif anerkennen oder nicht, so wollen wir uns nur die eine Frage erlauben: Warum haben die Arbeitgeber denn in dem Schreiben vom 3. Okiober be- hauptet, daß ein außertarifliches Arbeitsverhältnis unserer Mit- glieder nicht angängig ist? Und warum Hut man denn die Sitzung am 3. d. M. mit den Herren aus der Ackerstraße gleich abgebrochen, hat dieselben fortgeschickt, um mit uns über die..wenig bedeutungs- volle Frage" zu verhandeln, und zwar 1% Stunde lang? Ja, warum haben die Herren Arbeitgeber am 8. Dezeniber sich solche Mühe gegeben, um uns als Vertreter von den»paar hundert Mit- gliedern" zu überzeugen, wie gut es wäre, wenn wir den„sich gut bewährten Tarif" anerkennen würden? Warum denn überhaupt erst die Einladung, wenn den Arbeitgebern die Sache so„wenig bedeutungsvoll" erschien? Sonderbar, daß für die Arbeitgeber diese Angelegenheit erst jetzt so bedeutungslos geworden ist, wo wir es abgelehnt haben, den Tarif anzuerkennen. Wenn dann in der Berichtigung behauptet wird, daß es nicht richtig ist, daß wir aufgefordert wurden, die Abänderungsvorschläge schriftlich einzureichen, so sei hier folgendes gesagt: Der Vertreter der Arbeitgeber, welcher neben Herrn Vetter saß, hatte den Vor- schlag gemacht, daß die Arbeitnehmer ihre Vorschläge schriftlich ein- reichen sollen. Und von uns wurde darauf gesagt, wir wären dazu bereit, wenn die Herren die Vollmacht haben, uns zu erklären, daß Aussicht vorhanden ist, uns Konzessionen zu machen. Als dies ver- neint wurde, da stimmte der Obmann der Arbeitgeber unserer Meinung zu und gab uns mit unserer Meinung recht. Aber das eine wollen wir den Herren der Berichtigung auch nicht vorenthalten. AIS wir sagten, daß während des Streiks wir Herrn Vetter Vorschläge betreffs Abänderung des Tarifs gemacht haben, da bemerkte Herr Obermeister Grün: Davon ist uns nichts bekannt. Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, als ob der Obmann der Arbeitgeber seinen Kommissionskollegen von dieser Sache nichts mitgeteilt hatte. Im übrigen bestätigen wir, daß der Bericht im„Vorwärts" Nr. 293 durchaus richtig ist und den Tatsachen entspricht. Jedoch verstehen wir, daß die Leitung des ArbeitgeberverbandeS den „Wiesenthalern" eine Gefälligkeit erweist; denn eine Hand wäscht die andere. Zum Schluß noch eine Bemerkung. Wenn in der Berichtigung von einer planlosen Irreführung von Hunderten von Existenzen die Rede ist, dann wollen wir nur auf das Vertrauensvotum hinweisen, was uns die Versammlung unserer Mitglieder von der Rohrlegcrbranche am 12. d. M. ausstellte. Diese Kundgebung ist uns lieber und werwoller als eine An- erkennung der Herren Arbeitgeber über eine etwaige verständige Haltung, wenn wir ihren Wünschen gefügig wären, wie eS andere Leute getan haben. Deutscher Metallarbeiterverband. I. A.: Otto Handle. Verband der Kupferschmiede. I. A.: Arthur Schinle. Zentralverband der Schmiede. I. A.: A. Schlinsky. Lehrlingsknebelung. Von der Handwerkskammer Berlin werden in nächster Zeit „neue" Vorschriften zur Regelung des LehrlingNoesens erlassen. In denselben fehlt auch nicht eine jener veralteten gesetzlichen Be- stimmungen, wo der Lehrling der„väterlichen Zucht" des Lehr- Herrn unterworfen ist und er dann nach altem Brauch und Sitten erzogen werden kann. Neu ist in dem Entwurf Absatz 5— 6 des § 10 mit folgendem Wortlaut: „Den Lehrlingen unter 10 Jahren ist der Besuch von Schank- und anderen öffentlichen Lokalen nur in Begleitung erwachsener Angehöriger oder des Lehrherrn gestattet. Der Lehrherr, kann im Lchroertrag vereinbaren, daß der Lehrling ohne feine Genehmigung weder Vereinen beitreten noch Versammlungen besuchen darf." Mit diesen Sätzen ist dem Wehklagen der Handwerksmeister und sonstigen JnnungSgrößen von feiten der Handwerkskammer Rechnung getragen worden, um die ihnen sehr unbequeme Jugend- organisation vernichten zu können. Eine weitere Bestimmung auS grauer Urzeit bildet der Z 15: „Rechtswidriges Verlassen der Lehre. Verläßt der Lehrling ohne Zustimmung des Lehrherrn die Lehre, so kann der Lehrherr entweder nach§ 12 Absatz 1 Ziffer 3 den Lehrling entlasten(wegen Entschädigungsforderung vergb 8 10) oder die polizeiliche Rückführung deS Lehrlings beantragen. Dieser Antrag ist nur zulässig, wenn ein ordnungsmäßiger. schriftlicher Lehrvertrag abgeschloffen ist und wenn er binnen einer Woche nach dem Verlaffen der Lehre erfolgt. Die Polizei- behörde kann den Lehrling entweder zwangsweise zurückführen oder ihn durch Androhung von Geldstrafe bis zu 50 M. oder Haft bis zu fünf Tagen zur Fortsetzung der Lehre veranlassen." Zu der Vollversammlung, wo diese„neuen" Vorschriften be- schloffen wurden, war auch der GesellenauSschuß geladen; alS er jedoch in der Versammlung Platz nahm, kamen die Herren in arge Verlegenheit. Es stand etwas zur Debatte, wovon die Gesellen nichts erfahren sollten. Der Redner wurde von dem Vorsitzenden unterbrochen und der GesellenauSschuß ersucht, so lange draußen u warten, bis die Lehrlingsfrage zür Beratung steht. Der Ge. ellcnauSschuh glaubte, dieser ösfentlichen Versammlung mit Recht als Zuhörer angehören zu dürfen und blieb. Sofort machten die Herren aus Antrag eines Obermeisters auS der bisher öffent. liehen Versammlung eine geheime Sitzung. Auch die Vertreter der Presse mußten den Saal vcrlaffen. Der GesellenauSschuß hat gegen diese Maßnahme Protest erhoben. Bei der Beratung selbst wollten die Herren Zeit gewinnen und einer von ihnen empfahl, die im Druck vorliegenden Vor- schriften en bloc anzunehmen. Dem wurde widersprochen; nur dadurch war dem GesellenauSschuß noch Gelegenheit gegeben, gegen die zum Teil der Gesindeordnung ähnlichen Vorschriften Stellung zu nehmen. Alle Versuche, einige besonders harte Bestimmungen zu mildern, wie auch die Streichung der im§ 10 Absatz 5—0 vor- gesehenen Bestimmungen blieben erfolglos. Haben diese Sätze auch keinen besonderen Wert, weil sie praktisch nicht durchführbar sind, so öffnen sie der Schikane Tür und Tor. Der Jugend» bewegung aber werben sie kaum schaden können. OeueM,» Reich. Die Krise«19 AIrderuagSmittel fit die gelben Gewerkschaften. Vielfach hat eS sich gezeigt, daß während der gegenwärtigen Krise die Gelben zuerst aus den Betrieben entlassen wurden. ES liegt dies ganz in der Natur der Sache. Zumeist sind es Arbeiter mit nur geringen Fähigkeiten., die sich den gelben Vereinen an- schließen, um sich so die Gunst der Unternehmer zu ergattern, und Zh. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. BerlagSanstall� diese unfähigen Arbeiter stoßen kcke klmerneymer tu Fetten de* Arbeitsmangels aber zuerst ab. ohne auf deren„gute, Gesinnung" einen Wert zu legen. Den reichsverbändlerischen Führern ist die? bereits aufgefallen und so wendet sich der sogenannte„Förderungs» auSschuß der vaterländischen Arbeitervereine" soeben mit folgendem Ausruf an die Arbeitgcberverbände: „Wir stehen im Zeichen niedergehender Konjunktur. Arbeitcrentlassungen sind allerorten an der Tagesordnung. Selten dürfte eine Gelegenheit so günstig gewesen sein, den Standpunkt der deutschen Arbeitgeberschaft ihren Arbeitern gegenüber zun. Aus. druck zu bringen. Wäre es. um den bis jetzt noch überall stief- mütterlich bcl>ind«lten vaterländisch gesinnten Arbeitern einen Beweis des Wohlwollens und der Unterstützung zu gewähren. nicht außerordentlich empfehlenswert, bei diesen Entlassungen Rücksicht auf die eben erwähnte Kategorie von Arbeitern zu nehmen und dafür zu sorgen, daß sie, wo irgend angängig, nicht entlassen, sondern deni bisherigen Betriebe erhalten bleiben? Eine solche Maßregel würde das Selbstgcsühl der vaterländisch gesinnten Arbeiterschaft kräftigen, der Zulauf zu unseren Ot» ganisationcn würde sich vermehren und der Sozialdemolratie eventuell ein nicht unbedeutender Abbruch dadurch zuteil werden. Wir gestatten uns, die vcrehrliche Organisation der deutschen Arbeitgeberschaft auf diesen Standpunkt aufmerksam zu machen und wir versprechen uns von einer derartigen Maßregel keines« wegs unwesentliche Erfolge. Etwas muß geschehen. Die vaterländisch gesinnte Arbeiter« scbast mutz wijscn, daß sie Unterstützung findet. Sie. die in erster Linie um ein besseres Einvernehmen zwischen� Arbeit- gebern und Arbeitnehmern bemüht ist, ist doch zunächst be- rechtigt, auch Schutz von feiten ihrer Brotherren zu verlangen. Geschieht dies nicht und werden sie nicht uiiterstutzt, so wird ihr Interesse erlahmen nnd sie werden alsdann den aussichtslosen Kampf gegen den TerroriZmus der Sozialdemokratie aufgeben. Aus all diesen Gründen glauben wir nicht versäumen zu dürfen, Ihnen die von uns dargelegten Feststellungen zur Er- wägung anheimzustellen, und wir sind gern bereit, eventuelle Fragen Ihrerseits über die dort bestehenden vaterländischen und reichstreuen Vereine sonne über deren Mitglieder, soweit uns deren Namen zugänglich sind, zu beantworten. In der Hofsnung. Sie im Einverständnis mit unserem Von- schlage zu wissen, verbleiben wir mit vorzüglicher Hochackitung der Förderungsausschuß. gez. v. Loebell." Viel nützen wird daS allerdings nicht, denn abgesehen von «inigen besonders enragierten Scharfmachern wollen die Unter» nehmer für den gezahlten Lohn nur möglichst viel und gute Arbeit. Die gute Gesinnung allein bringt keinen Profit. Deutscher Bergarbeitertag. Mitte Januar wird von sämtlichen Bergarbeiterorga- nisationen ein allgemeiner Bergarbeitertag einberufen, auf dem zu den Vorgängen im Bergbau Stellung genommen werden soll- Letzte JVacbricbtcn und Depefeben« Abgesägt! New Dork. 22. Dezember.(W. T. B.) Auf deutsch-atlantischem Kabel. Der„Associated Preß" wird aus Caracas vom 21. De- zember gemeldet: Der Sturz Castros wurde am Sonnabend voll- endet, nachdem ein Komplott gegen das Leben des Vizepräsidenten Gomez vereitelt worden war. Zwischen Castro in Berlin nnd seinen hiesigen Agenten sind seit den Kundgebungen gegen den Präsidenten am 13. und 14. Dezember geheime chiffrierte Kabel- telegramme gewechselt worden. Ein bedeutender Rechtsanwalt er- hob beim hiesigen Bundesgericht gegen Castro die Beschuldigung, an dem Attentatsversuch mitschuldig zu sein, und er schlägt vor, den Präsidenten in den Anklagrzustand zu vcrsevca. New Dork, 22. Dezember.(W. T. B.) Die„Associated Preß" meldet aus Caracas: Die Bank von Venezuela hat durch Kabel- telegramme an die mit ihr in Geschäftsverbindung stehenden Banken den dem Präsidenten Castro bei seiner Abreise nach Europa eingeräumten unbeschränkten Kredit gesperrt. London, 22. Dezember.(W. T. B.) Dem Reuterschcn Bureau wird unterm 13. Dezember aus Caracas gemeldet: Der Wechsel im Ministerium wurde nicht eher bekannt gegeben, als bis in der Hauptstadt aus dem Innern des Landes 1500 dem Vizepräsidenten Gomez ergebene Truppen eingetroffen waren. Es herrscht hier zur- zeit überall lebhafte militärische Bewegung. ES werden Truppen ausgehoben und unter Aufbietung großer Eile bewaffnet, da man glaubt, daß eS im Landesinnern noch Anhänger Castros gibt, di« für ihn kämpfen werde». Wer anderen eine Grube gräbt><, München. 22. Dezember.(W. T. B.) Den„Münchener Neuesten Nachrichten" zufolge hat die Strafkammer des Land- gerichts München die von dem Absender der bekannten anonyme» Rrklamebriefe Ganter eingelegte Haftbefchwerde abgewieseg, Eisenbahnunglück. Metz. 22. Dezember.(W. T. B.) Amtliche Meldung. Heut« nachmittag 4 Uhr 21 Minuten stieß bei Le Sablon-West der Per- sonenzug 1074, von Noveant kommend, auf eine von Metz-Haupt» dahichof falsch abgelassene Maschine. Hierbei wurden ei« Lokomotiv- fllhrer schwer, drei Reisendr ziemlich schwer, 15 Personen leicht ver- leyt Die Verletzten wurden sofort durch zwei Bahnärzte ver» banden. Schwerverletzt ist der Lokomotivführer Karl Grub aus La Sablon, ziemlich schwer verletzt sind Frau Eisch, Kaufmann Isidor Levy-Metz und Pfarrer Winter-Diedcnhofen. Schmiergelder. Mey. 22. Dezember.(B. H.) Die Strafkammer als Be- rufungsinstanz bestätigte das seinerzeit gefällte Urteil deS Schöfsengerichts, durch das Amtsgecichtsrat Schmitz von der An- schuldigung. den Ingenieur Mansch beleidig« zu haben, frei- gesprochen wurde. Schmitz hatte Mausch, der damals im Dienste der Stadt Diedenhofcn stand, Bestechlichkeit vorgeworfen. Die Strafkammer erachtete den Wahrheitsbeweis für erbracht, daß Mausch sich etwa 10 bis 12 000 M. Schmiergelder habe zahlen lassen. Die kleinen Diebe hängt man,,. Paris, 22. Dezember.(B. H.)„Jntransigeant" veröffentlicht bezüglich der Steinheilaffäre einen Artikel, worin der Vizepräsident der Kammer Etienne als diejenige Persönlichkeit bezeichnet wird, welche am Vorabend des Dramas eine längere heftige Auseinander- setzung mit dem Maler Sleinheil und seiner Schwiegrrmutter Japy gehabt hatte. Auch„Libre Parole" macht ähnliche Anspielungen, desgleichen der Korrespondent der Londoner„Daily News". Diese Blätter versichern, daß an zuständiger Stelle der Schlüssel des Rätsels längst bekannt sei und daß die beteiligten Persönlichkeiten wegen ihrer hohen Stellungen, die sie einnehmen, bisher noch nicht verhört worden sind.___________ Paul Singer& Co„ Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen o. Unterhaltunatth moo. 25. i#5«» 1. ifjinjje dts Jorrols" Kerlim Nölksblllti.«.zz �mwms. Zw Cage der Kleinbauern und ländlichen Arbeiter. L Wie bereits im Vorjahrs erwähnt, hält es sehr schwer, die Be- richte der von den Landräten usw. venvalteten landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften zu erhalten. Warten muh man schon bis zum Dezember d. I., um den Bericht für das Jahr lSV7 fordern zu dürfen. Die Herren haben keine Zeit, die kümmerlichen Zahlen zusammenzustellen, die man dann als„Berichte" herausgibt. Wer die armen Verletzten Monate, ja Jahre auf ihre karge Rente warten Iaht, bringt es auch fertig, alle zwei Jahre nur einen„Bericht" über die Tätigkeit der Bernfsgenossenschaft herauszugeben. Deshalb waren auch im Jahre 1608 sehr viele Berichte wieder nicht zu erhalten, verschiedene waren„bereits vergriffen". Die Ver- waltung der Berufsgenois enschasten ist eben jammervoll, die Versicherten selbst ja rechtlos, ohne Einfluß. Dem Reichsversicherungsamt scheint jeder irgendwie zu- sammengestoppelte Wisch als„Bericht" recht zu sein. Nun zu den vorliegenden 31 Berichten selbst! Selten ist die Z a h l der versicherten Arbeiter erwähnt. Die Berufsgenossen- schaflen haben jedenfalls gar keine Statistik. Ebenso„schätzt" man die Zahl der verficherten Betriebe nur ab. Bald heißt es:„Nach der Berufsstatijtik von 1895 beträgt die Zahl der Betriebe zirka" oder man hat die Zahl überhaupt nicht angegeben. Wann werden das Reichsversicherungsamt und die Landesversicherungsämter endlich bestimmte Vorschriften erlassen? Wie wichtig wäre auch eine genaue Unfallstatistik der Landwirtschaft. Wir entnehmen den Berichten zunächst folgende Zahlen: Landwirtschaftliche Beruftgenossenschast 1. Posen...... 2. Ostpreußen.... 3. Rudolstadt.... •L Schleswig-Holstein. 5. Weimar..... 0. Oldenburg.... 7. Königreich Sachsen. 8. Reuß j. L..... 9. Haniburg.... 10. Großherzogt. Hessen 11. Baden..... 12. Obersranken... 13. Mittelfranken... l-L Niederbayern... 15. Pfalz...... 16. Schwaben u. Neuburg 17. JagstkreiS Württemb. 18. Unter-Elsaß... 19. Westfalen.... 20. Oberbayern.... 21. Untersranken... 22. Hessen-Rassau... 23. Weslpreußen... 24. Rheinland.... 25. Ober-Elsaß.... 26. Mecklendurg-Strelitz 27. Lothringen.... 23. Provinz Sachsen.. 29. Württemberg Donau- kreis Ulm.... 30. Meiningen,... 31. Brandenburg Betriebe 1906 1907 131864 133282 126250j 126894 nicht angegeb. 78496 1907 Unfälle 1908 Unfälle ge- I entschä- ge- entschä- eldetcl digte meldete digte 37720 35620 179303 10234 4298 42642 35579 177843 10209 4404 nicht angegeb. [265440 70936 72351 92000 84086 266250 70936 72351 76042 76042 92000 84085 nicht angegeb. 91948) 89410 245098 248873 83950 88481 88023 88481 236148,235370 — 1 998 nicht angegeb. 83087i 60885 73911 75 IS 100000 100000 — 1242588 4792 10527 239 5216 1154 993 6750 292 171 2712 6500 1325 2585 2829 2115 2358 1440 2148 4458 3187 3117s 5903 4747 9729 970 512 1070 6679 2017 3209 113 1747 431 343 2956 67 35 1550 3405 1061 1420 2049 1277 1440 995 1408 2573 1755 1521 2950 2017 3544 569 105 495 2253 5244 11222 221 5422 1167 1111 6241 317 176 2333 6194 1314 2289 2708 1986 2841 1327 2081 4460 4152 3295 5956 4907 10449 926 526 1057 ? 1991 3883 106 1697 448 340 2684 68 43 1410 3491 965 1365 2062 955 1418 866 1440 2616 1829 2857 8066 1772 636 105 593 ? beoölkerung Rechnung und erscheint in zwei Sprachen. Daß man das„erlaubt"? Die„Polengefahr" muß größer sein, denn der Be- richt„Posen" erscheint im„reinsten Deutsch"! Sehr groß ist der Rückgang der Betriebe im„Ober» Elsaß"! Der Bericht erwähnt: „Was den Aussall einer Betriebsfläche von 11 659,7 4 He krar(Differenz der alten und der ueuen Verzeichnisse) be- trifft und worüber die Gemeinden einzeln um Auskunft ersucht worden sind, muß gesagt werden, daß aus dem bereits im vor- stehenden Absatz erwähnten Grunde in den alten Verzeichnissen nicht unerhebliche Doppelveranlagungen bestanden und daß seit der Reuaufstellung der Verzeichnisse im Jahre 1902 große Flächen für Befestigungen. Exerzierplätze. Kasernenbauten, Bergwerk-, Fabrik-, Eisenbahn- und Bahnhofanlagen, für die Errichtung der Irrenanstalt in Rufach, durch die Ueberweisung landwirtschaftlicher Betriebe an gewerb» liche Berufsgenosienschasten aus den Verzeichnissen auszuscheiden waren." Moloch Militarismus braucht immer neue Befestigung. Exerzier» Plätze und Kasernen und verdrängt den Bauer von seiner Scholle. Den Rest fertigt die Industrie ab. Trotzdem wird den Bauern„geholfen". Aufschlüsse über die Größe der Betriebe gibt u. a. die Berufs- genossenschaft„Baden": „Durch daS badische Gesetz vom 31. Juli 1902 werden Betriebe,„zu deren Bewirtschaftung im Jahresdurchschnitt nicht mehr als 1200 Arbeitstage männlicher Arbeiter erforderlich sind, in sechs Klassen eingeteilt, und zwar sind dies Betriebe, zu deren Bewirtschaftung im Jahre durchschnittlich isos Klasse I 75 Tage erforderlich sind.. 93 412 vi 989 „ II 75— 150„„„.. 46 124 46 467 „ III 150— 300„„„.. 49 626 49 850 „ IV 300— 600„„„.. 41 464 41 362 „ V 600— 900„„„.. 19 981 20046 , VI 900-1200„„„.. 9 524 9 611 Außerdem sind noch.......... 6 120 6 115 im ganzen Betriebe 266 250 265 440 Auch in Hessen-Nassau haben die m e i st e n Klein» bauern keinen Vorteil von den Wucherzüllen. Der Bericht führt die Größe der Betriebe wie folgt auf: 1. 149 372 Betriebe bis zu 2.50 Hektar mit 125 674,92 Hekt-v Flächengröße. 2. 62 802 Betriebe von 2,50 bis 10 Hektar mit 302 752,34 Hektar Flächengröße. s. 12 369 Betriebe von 10 bis 25 Hektar mit 182 878,47 Hektar Flächengröße. 4. 2222 Betriebe von über 25 Hektar' mit 114 342,08 Hektar Flächengrötze. Im Bericht der Bernfsgenossenschaft llnter-Elsaß finden wir nachstehende Tabelle: „Unter diesen 89 410 Betrieben find 83924, deren Unter» nehmer mit ihren Ehefrauen nach den vom Borstande aufgestellten Normen zur Erzielimg eines Brutto» Jahreseinkommens von 2000 M. der obligatorischen Selbstversicherung gemäß § 43 des GenoflenschaftsstatutS unterworfen sind." ES gibt also sehr viel arme Bauern im Unter-Elsatz! 1160 472 nicht angegeb., 1777 1064 1707 nicht angegeb.' 789 480i 766j nicht angegeb. 8069 2825| 81671 8138 In den Berichten ist manchmal auch die Zahl der versicherten Nebenbetriebe angegeben, doch herrscht auch hier keine Einheitlichkeit. Die Berichte, welche keine Angaben über die Zahl der versicherten Betriebe gemacht haben, führen aber desto wichtiger die Zahl der „Eingänge" nach dem Tagebuch aufl Der Bericht der Berufs» genossenichast„Lothringen" trägt der französisch sprechenden Land- Lnibenmilllonäre über dem Kochtopfe der Arbeiterfrau. In NuZbeuterkreisen hat die„Begehrlichkeit der Arbeiter" und der unnütz weggeworfene„Arbeitergroschen" von jeher eine große Rolle gespielt. Um wieviel leichter und rascher könnten sich nicht die Millionen in den Geldschränken der Kapitalisten zusammen- ballen, wenn die Arbeiter weniger begehrlich wären, und wie herrlich könnte der Klasienstaa» gedeihen, wenn die Arbeiter all ihre„Groschen" in Form von Steuern willig auf den„Altar des Vaterlandes" nieder» legen wollten, anstatt sie für Streikzwecke anzusammeln. Aber ein Beispiel von solch zynischer Unternehmersrechheit, wie wir eS nachstehend unseren Lesern an der Hand von Aktenstücken zu übermitteln vermögen, ist bisher noch nicht offenbar geworden. Vor Jahresfrist ist dem„Verein für sie bergbaulichen Interessen Niederschlesiens", der Organisation der Waldenburger Gruben» Magnaten, von christlicher Sefte eine Denkschrift über die Kosten der Lebenshaltung von Arbeiterfamilien überreicht worden. Wir über- lassen eS der Beurteilung unserer Leser, ob es die richtige Art ist. Arbeiterinteresien zu vertreten, wenn man daS Mitleid stahlharter Kapitalistenherzen dadurch zu rühren versucht, daß man vor ihnen daS Arbeiterelend ziffernmäßig enthüllt. Uns interessiert hier nur. welche Behandlung diese Denkschrift gefunden hat, und daS fei durch nachstehende Aktenstücke dargetan, die ein günstiger Wind der Breslauer„Volkswacht" auf den Tisch geweht hat. Verein für die bergbaulichen Interessen Waldenburg i. Schl., dm 7. Mai 1908. Niederschlesiens. An den Fürstlich Pleßfchen Generalbevollmächtigten Herm Regierungsrat a. D. K.e i n d o r f f Ho-bwohlgeborm Schloß Waldenburg. Vertraulich! Zit der unterm 21. Januar in Abschrist übersandten und in der außerordentlichen Vorstandssitzung vom 13. v. M. von neuem (Aachdrua verboten.) Mllenlekaft und Skepsis. Wie ein roter Faden durchzieht die Skepsis die Geschichte der epochemachenden Erfindungen und Entdeckungen. Nicht nur die Laienwelt begegnet diesen anfangs mit Ungläubigkeit und Miß- trauen, auch die Gclehrienwelt zeigt gegen neue Probleme und Theorien fast stets ein völlig ablehnendes Verhalten, das sich oft bis zur gehässigen Feindseligkeit steigert. Auf den ersten Blick scheint besoirders die Stellungnahme der Wissenschaft verwunderlich. Gehen wir aber deren Wesen auf den Grund, betrachten wir die Motive ihrer Handlungsweise näher, so wird diese uns verständ- I icher. Denn Wissenschaft ist Ordnen, Rubrizieren, Wissenschaft ist das Bestreben, all- Taseinsformen und Erscheinungen unter Gesetze zu stellen, diese möglichst auszugestalten und daS Ganze in ein fertiges System zu bringen. Selten stimmt nun eine neue, über- raschende Tatsac� mit den gekannten Naturgesetzen überein. ja oft widerspricht sie allem bisher Gewußtem und Gelehrtem und stürzt so ein mühsam ausgedocktes und ausgebautes System über den Haufen. Daher der Widerstand der Wissenschaft, der einerseits einem berechtigten Egoismus entspringt, andererseits dem Be- streben seine Entstehung verdankt, daö Neue erst dann anzuerkennen, trenn dessen Existenz genügend gesichert ist.„Würde dieses nicht geschehen." sagt Professor Simony(Ueber das Prinzip der Er- Haltung der Energie),„so wäre das Licht der Erkenntnis wohl kein ruhig strahlendes; es würde dann eher einer lodernden, im Windhauch hin- und herbetvegtcn Fackel zu vergleichen sein, zwar weithin leuchtend, aber unfähig, irgend ein Objekt der Erkenntnis in voller Schärfe und Klarheit hervortreten zu lassen. Auch ist der harte Kamps umS Dasein, der jeder großen Idee in ihre» ersten Eni- wicklnngsphasen zu teil wird, das mächtigste Förderungsmittel für diese selbst, zumal äußerer Widerstand— wenigstens für traftvolle Naturen— das wirksamst« Motiv bildet, alle ihre Fäyigkeiteu zur weiteren Ausbildung und möglichst klaren, überzeugende» Dar- stellung des neuen Gedankens einzusetzen." Trotz alledem beschleicht uns ein eigentümliches Gefühl, wenn wir die Chronik der Erfindungen und Entdeckungen durchblättern. Denn nur allzu ojt ist sie ein Dokument menschlichen Unverstandes, der Mißgunst und der Niedertracht. Die Gelehrtenwelt beschränkte sich nur selten auf ruhiges Abwarten und Abwägen bei neuen Er- scheinnngeii. sie widersetzte sich deren Anerkennung fast immer mit allen ihr zu Gebote stehende» Mitteln, das große Publikum nach sich ziehend. Mag Professor Simony mit seinem letzten Satze, tvaS „kraftvolle Naturen" anbelangt, recht haben, auf die schwächeren aber— und die bilden einen großen Prozentsatz unter den Psad- sindern der Menschheit— wirkt ei» derartiges Verhalten der Mit- ivelt niederschmetternd. Eine der wichtigsten Entdeckungen des 17. Jahrhunderts war die des Blutkreislaufs. Wie jedoch mit Bestimmtheit nachgewiesen wurde, war diese Entdeckung schon ein Jahrhundert früher von F r a P a o I o gemacht worden, der sin aber aus Furcht vor der Jnqui- siiiou verioMiegsn und der Bibliothek von Evan Marco im Manu- ikript übergeben HWe, Als da»» Kar»ey die Niederschrift der Bibliothek entnahm und damit hervortrat, hatte«r zwar nicht mehr die Inquisition zu fürchten, wohl aber hatte er sämtliche Gelehrte zeitlebens zu feinen erbitterten Feinden. Sie machten ihm feine Praxis abspenstig, brachten ihn in den Ruf eines Narren und ver- gällten ihm sein ganzes Leben. Als Benjamin Franklin Versuche mit dem von ihm er» fundenen Blitzableiter anstellen wollte, nahm er, da er die Gelehrten wohl kannte, stets ein Kind mit, um auf dieses den Verdacht der Spielerei ablenken zu können. Nachdem er die Erfindung genügend gesichert glaubte, wollte er sie 1752 vor der Londoner Akademie er- örtern. Sein Vortrag wurde jedoch mit allgemeinem Gelächter begrüßt und überhaupt nicht in das Protokoll ausgenommen. G a l v a n i, der 1780 die elektrischen Ströme entdeckte, erging es nicht besser. Er wurde von seinen Kollegen vor aller Welt als „Tanzmeister der Frösche" verächtlich gemacht. „Was kann wohl handgreiflich lächerlicher und alberner sein als das Versprechen, eine Lokomotive für die Geschwindigkeit der Postkutsche zu konstruieren? Ebenso gut könnte man glauben, daß Einwohner von Woolwich sich auf einer Congreveschen Rakete ab- feuern ließen, als daß sie sich einer solchen Maschine anvertrauen würden."'«o schrieb seinerzeit die bedeutendste englische Zeitschrift, die„Edinburg Rewiew". als Stephenfon die Be- hauptung aufstellte, eine Lokomotive von 4 Pfeilen Geschwindigkeit bauen zu können. Dieselbe Zeitschrift verlangte auch, daß Thomas Gray in die Zwangsjacke gesteckt werden solle, weil er der Ansicht Stephensons beigetreten war. Ein jjaar Jahrzehnte vorher wollte F u l t o n die Dampfkraft für die Schiffahrt nutzbar machen. Er unterbreitete Napoleon l. seinen Plan, der ihn der Pariser Akademie zur Begutachtung über- gab. Diese wies mathematisch nach, daß die Ausführung der Idee außer dem Bereiche der Möglichkeit liege und nannte Fulton einen Visionär. Zu spät bereute Ltapoleon, daß er nickt seiner eigenen Eingebung gefolgt war und als ihm auf ssiner Deportation nach St. Helena der erste englische Dampfer zn Gesichts kam, meinte er ivehmütig: Als ich Fulton aus meinem Kabinette entließ, verschenkte ich mein« Krone. Eine bahnbrechende Entdeckung auf dem Gebiete der Medizin machte Mitte des vorigen Jahrhunderts der französische Forscher T i s so t. Er fand, daß der Star nur eine Trübung der Linse, also operationsfähig sei. Die Akademie behandelte ihn aber, als er ihr das Ergebnis feiner Forschungen unterbreiten wollte, mit«uncr- härter Grobheit". Ein wenig glimpflicher verfuhr man mit Arago, als diese? die Diskussion über den elektrischen Telegraphen er- öffnen wollte: denn er wurde von seinen Kollegen nur verspottet. Den weltberühmten Entdecker der Wärmetheorie, Julius Robert Mayer, steckte die dankbare Mitwelt ins Irrenhaus, und noch gar nicht lange ist es her, daß eine unserer ersten, wissen- schaftlichen Zeitschriften die Abhandlung von Philipp Reis. in der dcr� Erfinder des Telephons die Frucht seines Scharssinns der wissenschaftlichen Welt vorlegen wollte, zurückwies mir den, Bemerken» daß für einen solchen Humbug kein Raum vorhanden sei. Und als er feine Erfindung in der Physikalischen Gesellschaft zu Franifurt a. M. vorsührtc, erklärte der Professor der Physit und spätere Präsident der Internationalen ElettrizitätSansstellung, Poggendor f. sie für eine bedeutungslose Spie leres. zur Sprache gekommenen Denkschrift übersenden wir Euer Hoch» wohlgeboren ergebenst in der Anlage daS uns von der Fürstlichen Bergwerksdirektion in Aussicht gestellte Material, ivelches zur Be» nrteilnng der Zuverlässigkeit der Angaben über die Kosten des Lebensunterhalts einer mehrköpfigen Familie geeignet erscheint, zur gefälligen Kenntnis. Auf Wunsch des Herrn Berg- wertdirektorS Balzer bitten wir noch besonders u m vertrauliche Behandlung des Materials. Hochachtungsvoll Der Vorstand Grunenberg Hammer Vorfitzender. Eeschäftsführer. Fürstlich Pleß'sche Bergwerksdirektio«. Anlage. Schloß Waldenburg, den 2v. April 1908. An den Verein für die bergbaulichen Interessen RiederschlestenS Waldenburg. Unter Bezugnahme auf die Ausführungen des Unterzeichneten in der letzten Sitzung beehren wir uns, zu dem Rundschreiben vom 21. Januar d. I.— Nr. 1418/07— beifolgend ergebenst eine Zusammenstellung zu übersenden, in welcher die Angaben der katholischen Arbeitervereine über die Kosten des Lebensunterhalts für 1 Familie von 4 Personen, 1„»3 0 1„8 vergleichend gegenübergestellt find, mit den tvirUichen Ausgaben einer Bergmannöfamilie von neun Köpfen. Die Zahlen der neunköpfigen Familie sind dem Wirtschaftsbuch des Hauers Josef Leppelt von den Fürstensteiner Gruben ent» nommen. Leppclt führt über seine Ausgaben genau Buch, feine Angaben können daher als unbedingt zuverlässig angesehen werden. Außer- dem find sie von einem ganzen Jahre zusammengestellt und es ist daraus der Wochendurchschnitt gezogen worden. Derartige Erfahrungen mußten die Erfinder und Entdecker aller Jahrhunderte machen. Man könnte darüber staunen, daß die Menschheit, speziell die Wissenschast, durch den sich immer wieder» holenden Vorgang nicht gelvitzigt wurden und die allzu spontanen Ausbrüche ihrer Skepsis nicht in etwas dämpften. Vielleicht wurzelt diese Skepsis unausrottbar tief in der menschlichen Natur. Oder wurden wir so oft durch angebliche Tatsachen getäuscht, die sich im weiteren Verlaufe als Nieten herausstellten? Vielleicht soll auch das immer wiederkehrende Einlenkenmüssen für uns eine verstärkte Mahnung sein, daß wir weder„das Buch der Natur zu Ende ge- lesen", noch den Berg der Erkenntnis erklommen haben, wie wir uns von Zeit zn Zeit schmeicheln möchten. O. W. Notizen. Der verramschte«reuzgang. Unsere Museen sind darüber aus, aus der ganzen Welt ihre Schätze zn sammeln. Sie schonen dabei weder Feind noch Freund. Und wenn sie die Mittel dazu hätten, würden sie den Kölner Dom nach Amerika und die Stanzen Raffaelö nach Berlin schleppen. Ausland und Inland sind gleichmäßig geplündert. Wer daö Geld hat, bestimmt heutzutage den Aufenthaltsort der Kunstwerke. Selbst Gesetze, wie Italien sie gemacht, schützen nicht dagegen. In Deutschland hat dieses System jetzt zu einem kleinen ergötzlichen Partikularlrieg zwischen Preußen und Bayern geführt. In Würz bürg, der schönen Mainstadt, die reich an alter Kunst ist, war ein Warenhaus Eigentümerin eines alten, kunst- und bau- geschichtlich interessanten Kreuzgangs geworden. Das tote Kapital mußte versilbert werden, und da der bayerische Staat nicht genug zahlen wollte, wurde der ganze Kreuzgang an die findige Berliner MuseumSverwaltung, die über die lleinlichcn Skrupel bundesstaatlicher Treue erhaben ist, meistbielend verramscht. Darob großes Geschrei in Würzburg. Den bayerischen Ministern wird gehörig eingeheizt, die große diplomatische Maschine, die Bayern und Preußen an ihren Höfen unterhalten, wird in Gang gebracht. Und siehe da: sie geht wirklich, aber nach einigen Monaten weiß man immer noch nicht, ab Bayern auf diplomatischem Wege wieder zu seinem Kreuz» gange gelangen wird. Svllte es wirklich der Fall sein, so wird das nur der außerordentlichen Zuvorkommenheit Preußens zu danken fein. Bayern wird dann um so fester an» Reich hängen, und die Würzburger müßten billigerweise Preußen ein kleines Denkmal »veihcn. Die dafür zu bestimrnende Inschrift aber müßte auf dem Wege eines allgemeindeulschen Wettbewerbes beschafft werden, an dem wir uns auch zu beteiligen gedenken. — Gletscherhöhlen in Grönland. Die dänische Polarexpedition Mylius Erichsen, die der Erforschung des nordöstlichen Grönland gewidmet war und die so tragisch mit dem Tod« des Führers und zweier seiner Begleiter endete, hat auch riesige Höhlen unter Gletschern entdeckt, die, wie„La Nature" berichtet, sich über zwei Kilometer weit hinziehen und eine Höhe von zwanzig Meter erreichen. �Sie werden durch den Ausfluß van Bächen ge- bildet, die sich während der warmen Jahreszeit ihr Bett unter das Eis graben. Die seltsamen Naturgebilde fesseln nicht nur den Forscher, sie bieten auch dem künstlerisch empfindenden Beobachter durch ihre grotesken Formen und durch märchenhafte Farbenspiele eine» zauderhaften Anblick. «to v«rs!«ich dtt Yahlen zeigt mm auf den ersten Blick, datz dl« Angaben der katholischen Arbeitervereine zum größten Teile viel zu hoch gegriffen sind und den talsächlichen Verbältnissen nicht ent- sprechen können. Wenn sie Anspruch auf Richtigkeit baben sollen, so würde das gleichbedeutend sein mit der Auffassung, daß jeder Arbeiter, der für den Unterhalt einer sechsköpsigen Familie zu sorgen hat. einen JahreSverdiensi von tS2V.M M. erreichen müßie, während der Familienvater von nur vier»köpfen nur 081,70 M. zu verdienen brauchte. Aber auch noch andere Widersprüche weisen die Zahlen der katholischen Arbeitervereine auf, von denen die auffälligsten hier folgen. Es verbrauchen zum Beispiel: Brot und Backwaren..... Mehl, Graupe, Gries, Grütze, Reis Gemüse und Obst...... Sonstige Nahrungsmittel.... Kleidung, Wäsche und Schuhe.. 1 Familie n» 0Ö5 SN. 3,15 0,90 O.BO 0,60 e a. OSQ oa SN. 4,50 1,60 1,10 1,00 0,851 2,50 O ö» 43 77 83 60 194 88 Der anteilige Mehrverbrauch dürste aber höchstens betragen Proz. 25 25 25 25 25 25 Insgesamt.. 18,88 j 26,00 Dem angenommenen höchsten Mehrverbrauch von 25 Proz. liegt der aleiche Verbrauch sür jeden Kopf der Familie zugrunde. In Wirklichkeit kann aber der Mehrverbrauch für die fünfte Person nicht gleichteilig bewertet werden, weil es sich hier nur um um ein Kind handelt, dcffen Levensuntsrhalt nicht so teuer sein kann, als der der erlvachsenen Personen, die in der Kopfzahl der Familie von vier Köpfen enthalten sind. Lcppelt verbraucht für seine neunköpfige Familie 23,20 M. pro Woche, dabei weist sein Wirtschaftsplan eine erheblich größere Anzahl von Positionen auf, als der der katholischen Arbeiter- vereine. Aus diesen Ausführungen ergibt sich, daß eö ebensowenig möglich ist, bestimmte Mindestsätze für die Bestreitung des Lebens- Unterhaltes der Arbeiter aufzustellen, als für den Arbeitsverdienst. Die Faktoren sind vielmehr individuell; sie werden sich stets richten nach den Verhältnissen beziehungsweise Leistungen deS ein- zelnen und der Lebensunterhalt im besonderen nach dem Arbeits- verdienst und der Kinderzahl. Hochachtungsvoll Fürstlich Plessische VergwerkSdivektioa gez. Balz er. t- Angaben der katholischen Arbeitervereine Bezeichnung der Gegenstände Brot und Backwaren.... Mehl. Graupen, Gries. Grütze und Reis........ Butter. Margarine. Schmalz und Fett......... Milch. Eier und Käse.... Fleisck, Wurst, Speck.... Kartoffeln........ Gemüse, Obst....... Kaffee, Tee, Kakao, Schokolade. Salz. Gewürz....... Zucker. Sirup, Honig.... Sonstige Nahrungsmittel... Kleidung. Wäsche, Schuhe... Miete, Steuern...... Heizung ohne Kohlen, nur Holz Beleuchtung........ Bier und Branntwein.... Zigarren und Tabak.... Zeitungen und Bücher.... Heringe und sonstige Fische.. Essen im WirtShause.... Werkzeug, Zutaten zur Arbeit. Vergnügen........ Kranken- u. Invalidenversicherung Schulgeld und Schulbedars.. Privatverficherung..... Abzahlen von Schulden... BereinSbeiträge...... Möbel, Geschirr...... Arzt und Apotheke..... Sonstige tägliche Ausgaben.. Summa pro Woche Summa pro Jahr Eine FamiNe mit 4 Pers.! 5 Pers. M.! M. 6 Pers. M. Hauer Joseph Leppelt 14. bAt. 9 Person, M. 3.15 0,90 3.08 1,20 2.50 0,70 0.60 0.65 0,15 0.55 0,60 0.85 2,80 0.15 0.30 0.30 0.20 0.20 4.50 1,60 4,00 1,20 3,20 0,80 1,10 1,00 0,20 0,65 1,00 2,50 3,00 0,20 0,85 0,80 0,20 0,20 18,88 26,00 29,85 081,76' 1352,001 1526,20 8,89 1,12 3,95 1,47 1,97 0,50 0,52 0,41 0,14 0,62 0,02 1,53 1,69 0,06 0,22 0,44 0,28 0,22 0,27 0,02 0,14 0,02 0,89 0,06 0,60 1,80 0,17 0,19 0.27 0.23 28,20 1206,40 Diese Aufstellung enthält dann folgende Randbemerkung: .Räch dem Leppeltschcn Verbrauch von 23.20 M. für 9 Köpfe würden für 1 Familie von 6 Köpfen nur 15,48 M. pro Woche verbraucht werden! �_ Die Ausgaben für eine sechskopyge Famckie wurden sich nur dadurch etwas verschieben bczw. höher stellen, als die zwei er- tvachfenen Personen, welche der Familie vorstehen und deren Verbrauch höher einzuschätzen ist als der der Kinder, sich auf nur 6 Köpfe verteilen." Später hat die Angelegenheit dann den Bergbaulichen Verein w mehreren geheimen Sitzungen beschäftigt. Ein Protokoll hier- über sagt folgendes: Zu Punkt 4 de? Tagesordnung— erneute Stellungnahme tu der den Herren Vorstandsmitgliedern unterm 21. Januar 1903, G.-N. 1413 07— übersandten Denkschrift der Gewerkschaft der Bergarbeiter im Verbände tathol ischcr Arbeiter- vereine und zu dem dazu gelieferten unterm 7. Mai 1908— G.-N. 577 mitgeteiltem Materiale— erinnerte der Vorsitzende an die in Rede stehende Denkschrift sowie an die Erörterungen, die sich bereits in einer früheren VorstandLfitzung daran geknüpft batten. Er erinnerte weiter an das hierzu von, Herrn Berg- lvcrkSdirettor Balzer in Ausficht gestellte und den Heren Bor- standsmitgliedern inzwischen zugegangene geeignete Ver- gleichsmaterial. Einige Angaben einerseits aus den der Denkschrift beigefügten Zusammenstellungen über die Kosten der Lebenshaltung und andererseits aus der von Herrn Balzer ein- gesandten gleichen Zusammenstellung hob er besonders hervor und sprach sich dahin auS, daß den erstgenannten Zusammen- stellungen. ganz abgesehen von ihrer vielfach übertrre- benen Höhe der Kosten schon aus dem Grunde kein allzu hoher Wert beizumessen wäre, weil die Ausgaben für Ernährung und Bekleidung je nach der individuellen Veranlagung deö Menschen und nach der Art der Wirtschaftsführung der HauS- stau verschieden hoch wäre. Die Versammlung stimmte dem Vorsitzenden darin zu, hielt den Zeitpunkt für ein näheres Eingehen auf die Angelegenheit sür nicht geeignet und nahm daS eingegangene Material zur Kenntnis. Für Direktor Dakzcr nimmt es sich besonders gut aus, solche Kalkulationen anzustellen. Der Herr wird allgemein als Millionär eingeschätzt, den abgerackerten Arbeitern aber rechnet er die Zwei- Pfennigstücke ngch..Erst kürzlich wieder erhielt er eine Extra- remuneration von 6000 M. neben seinem auskömmlichen Gehalt. weil die Gruben kolossale Ueberschüsso abwarfen, und ähnliche Summen hat er wiederholt erhalten. Im Bergbaulichen Verein erhob übrigens nicht ein einziger der Erubenherren Bedenken gegen eine solche Berechnung der Lcbcnsnotwendigkeiten der Arbeiter- familien! In Josef Leppelt haben die Herren vielmehr endlich das Muster eines braven Arbeiters gefunden und seinen Namen werden sie dereinst wohl in vergoldeten Lettern in Granit ein- meißeln lassen. Josef Leppelt wäre ganz sicher auch als„schlichter Mann aus der Werkstatt" der berufenste Nrbcitervertreter und würde dem deutschen Reichstage zur besonderen Zierde gereichen. Da sollen nur die bösen Sozis kommen und über den Brotwucher fetern! Joses Leppelt braucht für seine neunköpfige Familie hier- ür pro Woche nur 3,89 M. Dabei ist Brot auch bei ihm das Haupt- Nahrungsmittel. Wenn andere Arbeiter behaupten, der Lohn reiche nicht einmal mehr auf genügend Brot, man könne sich höchstens noch an Kartoffeln satt essen, dann beweist Josef Leppelt, daß das nicht wahr ist, denn nur sür 50 Pf. Kartoffeln werden in einer neun- köpsigen Familie gebraucht, noch nicht 1 Pfennig für den Kops am Tage. Und von einer Fleischnot kann schon gar keine Rede sein, denn Josef Leppelt beweist schwarz auf weiß, daß eine neunköpfige Familie pro Woche nur 1,97 M. auf Fleisch, Wurst und Speck auszugeben braucht, also für 3 Pfennige täglich pro Kopf, Frühstück, Mittag und Abend zusammengerechnet. Noch weniger Berechtigung habe das sozialdemokratische Geschrei über die teuren Mietspreise und das Wohnungselend der Arbeiter. Josef Leppelt fühlt sich mir seiner neunköpfigen Familie glücklich in einer Wohnung, die etwa sechs Mark pro Monat an Miete kostet. Und wie musterbaft versteht er nicht auch sonst zu wirb schaften. Das Beispiel lehrt, daß man pro Woche nur 6 Pf. auf Holz braucht, und wer damit nicht auskommt, für den wächst gratis welches im Busche. Josef Leppelt aber kommt damit aus. Für 22 Pf.„beleuchtet" er auch eine ganze Woche lang die Wohnung, in der er alle Wochen zweimal seinen„Feierabend" liest. Wem zu Hause so das Glück blüht, fühlt auch keine Sehnsucht nacki dem Wirtshause. Auf Bier und Branntwein gibt Josef Leppelt all- wöchentlich 44 Pf. aus, daneben noch durchschnittlich 2 Pf. pro Woche auf Essen im Gasthause. Das läßt sich ungefähr so erklären. daß er sich alle zwei Monate einmal im Gasthause ein Stück Brot mit Käse kaust. Wie jeder brave Mensch bezahlt Josef Leppelt auch seine Schulden. Er hat davon in einem Jahre nicht weniger als 67,60 M. abgestoßen. Das aber frappiert unS: Wo kommen denn bei Josef Leppelt die Schulden her? Hat etwa in früheren Jahren seine Rechnung weniger gut gestimmt als in diesem einen Jahre, wo er für seine„Brotgeber" Buch führte? Und, weist seine Rechnung auch diesmal etwa nur aus, was für bares Geld gekaust wurde? Jedenfalls läßt seine Rechnung in dieser Hinsicht noch manche Frage offen. Nicbt weniger frappieren uns auch die fünf Pfennige, die Josef Leppelt bei sieben Kindern pro Woche an..Schulgeld und Schulbedars" aufzuwenden hatte. Die sozialdemokratische Forderung nach unentgeltlicher Lieferung der Lernmittel ist bisher doch nur für diejenigen Arbeiterkinder erfüllt, deren Eltern sich im größten Elend befinden. Bon sieben Kindern gehen doch aber mindestens zwei bereits in die Schule und dann ist es mit 1,04 M. pro Jahr an Schulbüchern usw. nicht getan. Die Familie befindet sich demnach also wohl zweifellos in so gedrückten Verhältnissen, daß den Kindern Schulbücher unentgeltlich geliefert werden müssen. Um so größer aber erscheint die UnverstorenHeit derjenigen, die die Verhältnisse dieser unglücklichen Familie zum Matzstab nehmen möchten für die Gestaltung der Arbeitcrvcrhält- nisse überhaupt. Morgen wird von allen Kanzeln wieder daö„Friede auf Erden" ertönen. Unsere Leser aber werden auS vorstehender Per- öffentlichung dessen, was im tiefsten Herzen des kapitalistischen Ausbeutertums schlummert, nur wieder die Lehre ziehen können: „Krieg jener Gesellschaft!" Die devorstehenden Feiertage werden reichlich Anlaß bieten. Aufklärung in Arbcikerköpfen zu verbreiten. Benutzen wir dabei die Waffen, die uns die Grubenmillionäre un- freiwillig geliefert haben._ Sozialed« Zur Beachtung für Rückwanderer nach dem Oft«». Die Agrarier Ostpreußens lassen jetzt überall im Westen Deutschlands die LLerbetrommel rühren, um ehemalige Landarbeiter. die infolge Darniederliegens der Industrie dort arbeitslos geworden sind, nach ihrer ostpreußischen Heimat zu locken. Anregungen auf den jüngst staltgefundencn Generalbersammlungen deö„Bundes der Landwirte" und des„Landwirtschaftlichen ZentralvercinS" fclgend, erläßt die Landwirtschaftskammer folgenden Aufruf in den von den Landwirten gelesenen Blättern: Bei der gegenwärtigen, aber wohl nur vorübergehenden Ar- beitSlosigkcit in den Großstädten und Jndustriebezirken des Westens soll der Versuch gemacht werden, frühere landwirtschaft- liche Arbeiterfamilien der Landwirtschaft auf dauernde Verträge wieder zuzuführen. Verhandlungen mit den zuständigen Stellen find diesseits eingeleitet worden. Da das Angebot sich täglich steigert, bitten wir. uns offene Stellen für Deputanten usw. unter Angabe der Lohnbedingungen mitteilen zu wollen. Arbeitsamt der Landwirtschaftskammer für die Provinz Ostpreußen. Im Interesse der Landwirtschaft und der kulturellen Entwickc- hing der östlichen Provinzen wäre es erfreulich, wenn es gelingen würde, die jetzt auf den meisten Gütern leerstehenden Jnsthäuser mit heimischen Landarbeitern zu bevölkern, bevor dort wieder aus- ländische Saisonarbeiter ihren Einzug halten. Im Interesse der durch die Rücksichtslosigkeit und Brutalität der Junker von ihrer heimatlichen Scholle vertriebenen Landarbeiter ist es aber geboten, diese eindringlich zur Borsicht gegenüber den Lockungen der oft- preußischen Großgrundbesitzer zu malmen. Denn es hat sich ins- besondere in Ostpreußen in dem Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitern auf dem Lande trotz des zeitwcifen Arbeitermangels nicht das geringste geändert. Schlechte Wohnungen, niedrige Löhne, minderwertiges Deputat und schlechte Behandlung sind nach wie vor auf den meisten Gütern vorherrschend. Freilich, leine Rege! ohne Ausnahme. Es gibt auch vereinzelte Güter in einigen Land- kreisen, wo man an die Einführung einer menschlichen Behandlung der Landarbeiter zu denken beginnt. Es ist dringend notwendig, daß diejenigen Arbeiter, die beab- sichtigen, wieder nach Ostpreußen aufs Land zurückzukehren, auf daS genaueste Erkundigungen über die neuen Arbeitsstellen ein- ziehen, bevor sie sich womöglich durch Vertrag aufs neue ins Elend begeben. Durch eigene Kenntnis und durch eine große Anzahl dauernd unterhaltener Verbindungen sehr vieler ostpreußischer Güter ist daS Parteisekretariat für Ostpreußen in Königsberg in der Lage, über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse, insbesondere über die Bc- Handlung der Arbeiter auf den einzelnen Arbeitsstellen AuSlunft zu geben. Vor Annahme einer Landarbriterstelle in Ostpreußen schreibe man also erst an den Parteisekretär Hermann Lindr-Königs- brrg, Border-Noßgartrn 50. Di« Parteiblätter werden um Abdruck dieser Zeilea gebeten. Bergleichsvorschläge auf dem Gewerbegericht. Die Näherin Frl. Klara F. klagte gegen Frau Eohn, Inhaberin einer Arbeitsstube für Näherinnen auf Zahlung von 6 M. rückständigen Lohn und eine Entschädigung in Höhe von 24 Mk. für 14 Tage wegen unberechtigter Entlassung, insgesamt also 30 M. Die Bekkagte hatte am 2. Dezember in einer Tageszeitung nach Näherinnen inseriert. Auf das Inserat meldeten sich eine ganze Anzahl solcher Arbeiterinnen, von denen einige eingestellt wurden. Unter diesen auch die Klägerin. Nachdem Klägerin nach ihrer letzten Arbeitsstelle und dem auf dieser erhaltenen Lohn, der 12 M. wöchentlich betrug, befragt worden, sagte Beklagte:„Es ist gut, Ei« können morgen früh anfangen." Am Abend des ersten TageS (3. Dezember) sagte Beklagte zur Klägerin, daß ihr r2 M. Lohn zuviel sei und sie soviel nicht geben könne, worauf Klägerin zur Antwort gab, datz ihre letzte Arbeitgeberin mit ihren Arbeiten zufrieden war und einen Lohn von 12 M. für angemessen hielt. Taraus sagte Beklagte:„Gut, wir wollen es nochmal versuchen, kommen Sie morgen wieder." Am Sonnabend, den 5. Dezember wurde Klägerin entlassen. Der Vorsitzende machte nun einen Bergleichsvorschlag auf— 10 M., wobei er wohl annahm, daß ein probeweiscs Arbeitsver- hältnis bestanden habe. Denn, meinte er zur Klägerin, cr fordere damit 4 M. mehr von der Beklagten, als ihr zustehe. Klägerin war weit davon entfernt, in diesem Vergleichsvorschlage etwas für sie Günstiges zu erblicken und lehnte ihn, trotz der eindringlichen Vorstellungen dcS Vorsitzenden, beharrlich ab. Dr. Leo schien seine Aufgabe darin zu erblicken, seinen Vor» schlag unter allen Umständen zur Annahme zu bringen; aber die Ausführung dieser nichts woniger alS empfehlenswerten Absicht bcbagte den Arbeittiehmerbeisitzern nicht. Sie richteten an die Klägerin einige Fragen und äußerten daraufhin ihre Bedenken gegen die vom Vorsitzenden bekundete Auffassung. Die Folge war. daß sich das Gericht zur Beratung zurückzog. Bei Wiedereintritt in die Verhandlungen mutzten die Parteien nochmals den Sach- verhalt, besonders den Hergang beim Engagement berichten, dabei stellte sich klar heraus, daß weder über Kündigungsfrist noch über ein etwaiges prodeweiseö Arbeitsverhältnis gesprochen war. Darauf zog sich das Gericht abermals zur Beratung zurück. Dann wurde den Parteien vorgeschlagen, sich darauf zu einigen, daß Klägerin neben dem rückständige» Lohn die Hälfte der geforderten Entschädi- gungösumme, insgesamt also 18 M. erhalten soll. Auch das lehnte die Klägerin ab. DaS Gericht, das sich inzwischen zum drittenmal zur Beratung zurückgezogen hatte, schlug nun einen Vergleich auf 20 M. vor. Diesen Vorschlag akzeptierten beide Parteien. Dieser Fall zeigt aber,' ww zuweilen Vergleichsvorschläge vom Vorsitzenden der Gewerberichter zu bewerten sind. Die ganze Art der Verhandlung über diesen Rechtsstreit ließ erkennen, daß es dein Vorsitzenden mindestens sehr schwer gefallen sein muß, seinen Irr» tum zu erkennen. Darum auch das mehr als eifrige Bemühen, den Vergleich herbeizuführen und einen Urteilsspruch zu vermeiden. Alles, von dem sich Herr Dr. Leo Wirkung versprach, wurde an- gewendet. So wurde auch der Klägerin wiederholt gesagt, daß sie ein junges Ding sei und bedauerlicherweise nur allzusehr unter dem Einfluß ihres Vaters stände. Auch den Arbeitnebmerbeisitzern gegenüber ließ eS Herr Dr. Leo an Höslichkeii feblen. Als die Klägerin den Vergleiä.bi.orschlag aus 18 M. mit dem Bemerken ablehnte, daß ja die Arbeiter auch den Arbeitgebern für den gesamten aus dem Kontraktbruch erwachsenen Schaden ersatzpflichtig seien und sich Dr. Leo daraufhin anschickte. die Klägerin dahin zu belehren, daß dies nicht zutreffend sei und die Arbeitgeber nur höchstens für eine Woche den durchschnittlichen Tagelohn als Schadenersatz verlangen dürfen, erlaubte sich einer der Beisitzer ihm gegenüber eine andere', zutreffende Ansicht zu bekunden. Da wars der Herr sehr erregt Federhalter und Bücher auf den Tisch und verwies den unliebsamen Störcr auf den§ 124b der Gewerbeordnung. Ob nicht nach diesem Borfall die Zweifel berechtigt sein mögen, daß der Rat diesen Paragraphen genau kennt? § 1245 gestattet leider, daß auch für den Fall, wo! e i n Schaden entstanden ist, Anspruch auf Schadenersatz erhoben werden kann. verwehrt aber keineswegs, statt der AuLnahmcklage aus ß 124d den wirklichen Schaden einzuklagen. Das eifrige Bestreben. Klägern, die in vollem Recht find, zu einein ungünstigen Vergleich zu raten, ist ein Armutszeugiiis für den Richter. Was würde er von einem Arzt halten, der bei Zweifel, ob Lungen- oder Halsleiden vorliegt, zu einem Vergleich auf Magenleiden raten würde? Wie daö Gewerbegericht soziale Gcgeasätzr ausgleicht. Die Schürzennäherinnen B. und W. waren als Hcimarbcite« rinnen bei Frau Prenzlow, die wieder für eine größere Firma ar- betten läßt, beschäftigt. Frau P. behauptet, durch die beiden Ar- beiterinncn ganz empfindlich geschädigt zu sein, indem diese ein: beträchtliche Anzahl Schürzen, wovon sie einen größeren Posten in Arbeit hatten, zerschnitten geliefert haben. Sie nimmt an, daß daö die Kinder der Beklagten getan haben, und klagt deshalb auf Schadenersatz. Die Beklagten bestreiten, daß die Schürzen bei ihnen zerschnitte» worden sind und behaupten, die Schürzen in brauch- barem Zustande geliefert zu haben. Doch sei der Stoff manchmal zerrissen gewesen. Das bestreitet wiederum die Klägerin. Eine der Beklagten legte zwei Schürzen, die gerrissen sind, vor, während die Klägerin drei von den zerschnittenen mitgebracht hat. Tie Arbeit- gcbcrbcisitzer nahmen dieselben zur Begutachtung entgegen und verlangten sofortige Beratung. Bei Wiederaufnahme der Verhandlung erklärt der Vorsil,endc, MagistratSrat Dr. Leo, daß das Gericht beschlossen habe, die Sache zu vertagen. Die Klägerin solle erst bei der Staatsanwaltschaft Strafantrag stellen denn es sei durch sachverständiges Gutachten der Beisitzer„festgestellt", daß die Schürzen mutwillig und gewaltsam zerschnitten und zerrissen worden sind. Es gelte auch als vollständig ausgeschlossen, daß der Schaden von Kindeshand angerichtet worden ist. Innerhalb vier- zehn Tagen soll die Klägerin dem Gcwerbegericht vom Bescheide der Staatsanwaltschaft Mitteilung machen, von deren Entscheid sei die Anberaumung eines weiteren Termins abhängig. Dieser Beschlutz des Gcwerbegcrichts muß außerordentlich be- fremden. Klägerin will sich bereits an die Kriminalpolizei gewandt haben. Diese soll aber die Verfolgung der Sache abgelehnt haben, weil die vorhandenen Beweismittel als nicht ausreichend befunden wurden. Wie soll sachverständiges Gutachten der Beisitzer des Gc- Werbegerichts„feststellen" können, daß mutwilliges Zerreißen und nicht durch Kinder vorgenommenes Zerreißen vorliege? Gewerbe- gerichtsbeisitzer. die das können, sollten ihre Kenntnisse vielleicht auch mal bei Körperverletzungen auf kriminalistischem Gebiete pro- bieren. Sie würden dann wohl bald zu der Erkenntnis von der Unmöglichkeit der gedachten Art Feststellung kommen. Uebrigens gehört eine eventuelle Schadenersatzklage wegen vermeintlicher vor- sätzlicher Sachbeschädigung nicht vor daö Gcwerbegericht, sondern vor das Amtsgericht. Hus der f rauenbewegiing* Versammlungen— Veranstaltungen. Bertin für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Weihnachtsfeier Montag, den 28. Dezember, nachmittags 5 Uhr, im Neuen Klubhaus, Kommandantcnstraße 72. Wttternnqöüberssck,» von, 22. Dezember 1908,«argen«« IIb». Stationen " E E« || 4 1 if Swineniv» 775® framiurg 1775£0 reclir>775 NO Fronfl.a M. 7730 München Wien >7720 773 NNW Stationen es« ~Ei i 5 sc If c 2"w E Detter Ü* si* 1.11 ü' Wo ScmacanOa 759 N eierSburg 766 S Scilly 766 STD .'werveen Barlö 764SLW 771 NO ! 2 bald bd. 4 bedeckt S dedeckt 3 bedeckt 1 bedeckt I -1 8 10 10 3 Wetterprognose für Mittwoch, den 23. Dezember 1008. Langsam ausllarcnd, trocken bei mäßigen südöillichcn Winden, elwaS Die Klage kam am Montag vor der Kammer l deL GewerdegcrichtS I kZsterc: Nacht und wenig veränderter Tagcsteurperatur. .unter Vorsitz des RagistratSratS Dr. Leo zur Verhandlung,* e ctlintt Qellerborea» Für den Inhalt der Inserate »tbernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. rbeater. Mittwoch. 23 Dezemder. Ansang VI, Uhr. Königliches Opernhaus. Lohen- grin. Ans. 7 Uhr. Köuigl. Schauspielhaus. Zopf und Schwert. Deutsches. Revolution in Kräh- Winkel. Nachmittag» 3'/« Uhr: Treulieb und Wunderhold. Kammerspiele. Der Arzt am Scheidewege.(Aus. 7 Uhr.) Ansang 8 Uhr. Komische Over. Zaza. Lessing. Michael Kramer. Hebbel. Tbummclumlen. Berliner. Herodes und Mariamne. Neues Schauspielhaus. RabagaS. Nachmittag» 3 Uhr: Schueewiltchcn. Neues. Israel. Kleines. Moral. Residenz. Kmumere dich um Amelie. Schiller«». �Wallner- Ldealer.) Vater und Sohn. Schi»er Charlottenburg. Der schwarze Kavalier. Friedrich. Äiilhelmstädt. Husarenfieber. Nachmittag» 4 Uhr: Der gestleselte Kater. Westen. Der tapse« Soldat. Nachmittag» 4 Uhr: Dornröschen. Thalia. Mein Leopold. Nachmittag» 4 Uhr: Max und March. Luisen. Der Rattensänger von Hameln. Bernhard Rose. Geschlossen. Wilhelm-Theatrr. Die Schöpfung. L><>>>t>ieih»»S, Geschlossen. Trianon. Der Satyr. Neues Operetten. Die Dollar« Prinzessin. Nachmittag» S'l, Uhr: Dm König drückt der Schuh. Berliner Operrtten-Theater SW, Havana. Ansang 8'/. Uhr. Nachmittags 3>lt Uhr: Zriny. Gastspiel- Theater. Drahtlose Tel-graphie. Ansang 8'/, Uhr. Bürgerl. Schauspielhaus. Abend» geschlossen. Nachmittag» 4 Uhr: Aschenbrödel. Gebrüder Herrnfeld. Die beiden Bindelbands. Np.'U». Tffzi Gizi. Siegwart Genie». Nachmittags 3'/, Uhr: Frau Holle. Metrooot. Donnerwetter— tadel- los. Wintergarten. Spezialitäten. BnUagr. Spezialitäten. Kasino. Die Dianabäder. Epezia- litätcn. Rrichsvallen. Stettiner Sänger. Walhalla. Svezialitäien FolieS Caprice. Scrvu» Pschestna. Lustige Ehemann. Gustav Behrens. Der Obersteiger. Spezialitäten. Carl Havertand. Spezialitäten. Parodie. 2X3=7- Die Zauberflöte. Ansang 8'], Uhr. Urania. Tunoeustrafte 4K/4V. Abend» 8 Uhr: An dm Seen Obertlalim». Stern»»arre. InvalidmtK. 6V92. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: An den Seen Oberitaliens. Heues Theater. Ansang 8 Uhr. Israel. Freitag und solgende Tage: Israel. Kleines Theater. Ansang 8 Uhr. Moral. Thealer des Westens. Nachm. 4 Uhr 6. tl. Preise; Do«röschen. Abends VI, Uhr zum erstenmal: Oer tapfere Woldat. Friedrich-Wühelmstädtisches Schauspielhaus. Mittwoch. 23 Dez.. nachm. 4 Uhr: Der gestiefelte Kater. Abends 8 Uhr zum erstenmal: Hufarenfteber. Donnerstag: Geschlossen. Freitag nachm. 3 Uhr: Wilhelw Teil. Serlinev Theater. Heute 8 Uhr: Herodes and nariamne. Morgen: Gesciüossen. Hebbel-Theater Kötiiggrätzer Str. 57/58. Ans. 8 Uhr Tbummelumsen. Residenz-Diealer. — Direltion: Richard Alexander.— Abends 8 Uhr: „KQmmere Dich um Amelie." Donnerstag, 24. Dez.: Geschlossen. An den drei Feiertagen: Kümmere Dich um Amelie. Am l. Feiertag 3 Uhr: Habe« Sie nicht» zu verzollen? Am 2. Feiertag 3 Uhr: Der Schlaf- Wagenkontrolleur. Am 3. Feiertag 3 Uhr: Ganz der Papa. CfcLtepiel- Theater Köpeniokor Straße 68. 8'/, Uhr: Zum erstenmal: Drahüose Telegraphie. Kenea Operetten-Theater, Schifsbauerdamm 25, a. d. Luisenftr. B'l, Uhr: Den König drückt der Schuh. Abends 8 Uhr: Ple Pollarprinaeaaln. Lusispielhaus. iSSF" Heute"WB wegen Vozbercitung zur Novität g e»oli I ohk en.__ EKNHÜPRflSflltlE Gr. grankluncr Str. 132 Mittwoch undDoniieiStag Geschloffen 82. 1| n Freitag(1. Feiertag) nachm. 3 Uhr: Der Glöckner von Notre-Dame. AbmdS L Uhr: Die Geyer-Wany. tuissn-Ihealsi. AbmdS 8 Uhr: Der Katttufingerv. Hameln. Donnerstag: Gcschlossm. Freitag nachm. 3 Uhr: Die Ehre. AbendS: Die Kinder de» Kapitän Grant. Sonnabend nachm. 3 Uhr: Flachs» mann als Erzieher. Abend»: Die Kinder de» Kapitän Grant. Sonntag nachm. 3 Uhr: DleRäuber. AbendS: Die Kinder de» Kapitän Grant. Montag: Die Kinder de» Kapitän Grant. Melropol-Theater Täglich 8 Ohr DoonerweUer-tadellos. Revue in lOBildern v. Jnl. Freund. Musik von Paul Linoke. Regie Direktor Schultz. 2.(1.3. Weihnachtsfeiertag. nachm 3Uhr; Durchlauclit Radieschen MsG/lim „Der lachende Politiker" Z and zehn Sterne am• Pezcniher- Himmel• des Wintergarten. BW Anfang 8 Uhr. TBS 3 Entree 1 M. Reeerv. Platz 21*. Z einschl. Garderobe u.Progr. J - An allen 3 Weihnachtstagen S Nacbmitlags-Vorstellung S ru ermäßigten Preisen. Z Billotts für die Weihnachts- 3 tage und* Sllvestervorstellnng£ sind ab heute schon z. hafa.• ••••••••■•••••••••••••••••••••• Schiller O.(Walluer-Theater.) Mittwoch, abend» 8 Uhr: � Vater nnd 8oha. Komödie in 3 Alien von Gustav Esmann. Donnerstag: Oesehlossen, Freitag nachm. 3 U H r: Pa» 8t>ktu»g«ke»t. Freitag, abend s 8 Uhr: Per rote Oentnant. Theater. Schiller»Theater Charloltenbarg. Mittwoch, abend» 8 Uhr: Per«chwarze Kavalier. Ein deutsches Spiel in 3 Alten von Heinrich Liliensein. Donnerstag: OeschloMen, Freitag nachm. 3 Uhr: Per schwarze Kavalier. Freitag, abenc» 8Udc: Ple Braut von Hesaino. Brauerei Friedrieiisiiaio. Am Konigstor. Größter Konzerttaal Berlins. Ock.: Ernst Lieblng. Am I., 2. n. 3. Weihnachts-Feiertage: voan�-Ä- Matinee-Konzerte wn Johann Strauß- wien Entr. 50 Pf. mit seiner vollständigen Kapelle. Entr. ISO Pf. Nachmittags von'/» 5 Uhr ab: Unltaro Ahanrla GroUe Militär- PrUliliclie Weihnachten! ntiilciB Kvvklllo, Konzerte. Auftr. erst. BUhnenkr Leb. Photogr. 2elektr. Riesen-Weihnachtsbäume Zirkus Sehnmann. Heute mttwoeh, LS. d. ISts., abends prüz. 7'/, l'hr: Pas anerkannte Scnsations- Programm und um 8 Uhr; Veagsd-ii der größte vierbeinige llyclclo- KUnstler 99■- 9 ist tatsächlich ein Wunder der Katar. O'/.U.: Oolo, der Seeräuber u. Mädchenhändler. Grüßten Pracht-Hanegen-SchanstUck. Anhfnnn f Freitag, den 26., Sonnabend, den 26., und Sonntag, den KUIUUliy i 27. Dezember, an allen drei Weihnachts-Feiertagen: Je zwei Vorstellungen. Nachmittags ein Kind unter 10 Jahren frei. 1 Grand■ Hotel- Festsäle Am Alezandcrplatz.—— B. Jehmlteh.| Jeden Sonntag und Dienstag:[2161b,f Hamburger Sänger. Anfang Sonntags 6'/.. Vorzugskarten haben Uhr, wochentags 8 Uhr. j wochentags Gültigkeit. I W.�Toacks Theater Dlrekliuin Rob. Olli. SruiinenUr. 16. Heute: Geschlossen. An allen drei Feiertagen die erfolg- reiche WeihnachtS-Novität: Die Schule der Liebe. 1. Feiertag Ansang 8 Uhr. 2. tt 3. Feiertag: 7 Uhr. Gr. Festball. Bürgerliches Schauspielhaus Kastanien-Allee 7—9. Aschenbrödel. Märchenspicl mit Gesang und Tanz von Will und Baiimbach. Reue Dekoration.— Balletleinlagea. Ansang 4 Uhr. MmdS: Keine Borstellung. C|a last-Theater Burgstrafie 24, 2 Minulcn vom Babuhos Börse. Honte 7PU| geschlossen. Ab Freitag, den 33. Dezember (1. Feierlag): Oas Riesen-Fest- Programm. Kloine Preise! Nachm. 31/, Uhr: Frau Ifolle. WeihnachtS-Märchen in 6 Bild. Dazu: Die lustige» Schornsteinfeger. 8 Uhr, nur noch wenige Aussnbrunzen: Eine lustige SPreelvr.lvfahrt. Musik von Paul Linoke H!«l Gissl— Sigw. Gentes; und d. grolle Weshnaohls-Programm! An allen Feiertagen nachm. 3fi, Uhr: Faiiiilieu-BorfteUung. Berliner Eis-Falasl" Ständige Eisbahn Bis 1 Uhr nachts geöffnet. Grelles Konzert Abends 9 und 10'/, Uhr Auftreten erster Eiskunstläufer und-läuferinnen. 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Sanssouci, Kottbuser ■j Siralla 6. Direltion Wilhelm Reimer. Wegen Vorbereitungen zas Weihnachtsfest geschlossen. An allen drei Feiertagen: Gr. Extra- Fcslvorstellun- gen. Hochakt. Programm. Elite- Soireen von jr Tanzkränzche». Freitag, 25. Dez.(1. Weihnacht». Feiertag): Gr. Weihn.-Fest-Sojree. Casöno-Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Das glänzende Dezember- Programm, Jubelnder Lacherfolg! „Die Dianabäder". Freitag, 25., 4 Uhr: Reezengasse 3a. Sonnabend, 26., 4 Uhr: Hotel Kllngebusch. Sonntag, 27., 4 Uhr: Die iidele Kiste. •ffcfCmvinT , Wo? jlnfe*! i rjrelluivtfrhalle amZo Gustaf Behrens- Theater, Im Mein liegt Wahrheit Poste mit Gesang und Weihnachtssrende Lebensbild mit Gesang. Außerdem die übrigen erst- blasßgen Spezialitäten Ansang 81/« Uhr. Sonntag» 6 Uhr. Komplsii, Einnöib� Herren»Dam«' ■Confection alhaila- Yariefe-Theater Weinbergsweg 19/20, Rosentta. Tor. Anfang 8 Uhr: Die grostartige» Dezenibtr-ApeMlitäten Im Tunnel Reglmciilskapelleii it. 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Abänderung zum Statut, betreffend anderweitige Festsetzung des durch- schnittlichen Tagelohnes und der Kaffenbeiträge, ist durch den Herrn Oberpräsidenten bestätigt und seitens deS Bezirksausschusses mit der Mast- gab« genehmigt, dast die Beiträge der 4. und 5. Klasse aus 36 Ps. festgesetzt werden. Die 13. Abänderung zum Statut tritt mit Montag, den SS. Dezember d. I., in Krast. 277b Berlin, 21. Dezember 1308. M. Stuhlmano, H. Knoche, Vorsitzender�_ Schristsührer. gl| Gegründet 1864[gl Pelzwaren Nene Königs tr. 2111 (Ordonnanzhans) Kein linden! wie alljährlich nach beendeter Engros- Saison. Pelz-Stolas Muffen eti fabelhaft billigen Preisen. Sonntags geöffnet. �1*1 Repar. sauber u. billig, fgi* Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut* und Harnleiden. Prinzenslr.��Xirtz. 10— 2.5—7. Sonntaffo 10— 12.2—4 Tabakpfeifen (Wetch'el), Shag- und Jagdpfeifeu. Meerschaum> Zigarren- und Zigarettenipinen. Karl Sebubert. 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Seutscherjvolzarbeiter- Verband Verwaltung Berlin« Das Verbandsbureau wird am Donnerstag, den 24. Dezember(Heiligabend). sowie am Donnerstag, den 31. Dezember(Silvester), um 1 Uhr mittags geschlossen. Die Zahlstellen sind am Donnerstag, den 24. Dezember, von 5 bis 7 Uhr geöffnet. Die Kollegen, die der Feiertage wegen aussetzen müssen, können die Beiträge abgestempelt bekommen, wenn dies durch den Werkstattvertrauensmann im Bureau sofoU gemeldet wird. Die entlassenen Kollegen müssen sich unverzüglich im Arbeitsnachweis melden. ssjs Weihnachts sVergnügen Sonntag, den 27. Dezember(3. Welbnacbts-Feierfag). In den Gesaaträomen vos Freyers FestsSlen, Koppenstr. 29: Große, saal: Konzert des Heu8D Berliner Konzert-Orehesters(virig:»«a. netz). der S&nger- und Theater-Gesellschaft StfZSlSWiCZ und KiilSmStOQföptli Konzertsaal: OrOßCS Klnas YergnUgungskomltee. Pa. Schlack= und Salamiwurst«Pfd. I.- Räucherkeulen mit und ohne Knochen. Pa. Spt o kganslOänse-Kollhrust) f f.Gännesebnialx a Pfd. 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Beermann, Fabrikbesitzer, Naumburger Str. 42. Brhnke, Bildhauer, Glasowstr. ll. Beiß, Molkereibefitzer, Steinmetzstr. 81. Collbera, Kaufmann, Kottbuser Damm 74. E m m e l u t h, Tischlermeister, Kaiser-Friedrich-Str. 217. Gerike, Reiltier, Kaiser-Friedrich-Str. 76, Glasemann, Buchdruckereibesitzer, Bergstr. 33/W. GnidowSky, Rentier, Steinmetzstr. 4. Gröpler, Gastivirt. Bergstr. 147. Henuig, Landivirt. Richardplatz 24. Hildrbrandt, Rentier. Berliner Str. H)5. Just, Apotheker, Mariendorfer Weg 64. Koye, Rechnungsrat. Hohenzollernplatz 1. Krop, Rentier. Bergstr. 185. Dr. Maasl, Oberlehrer, Münchener Str. 63. Emil Müller, Maurermeister, Bergstr. 113. Dr. Müller, pr. Arzt. Kaiser-Friedrich-Str. 247/48. Niemetz, Eigentümer, Bergstr. 135. Niyschke, Rentier, Bergstr. 15. Noster, Rentier, Hennannstr. 156. Ocrtel, Zimmernieister, Schöneioeider Str. 2. Otto, Steinsetzmeister, Richardstr.>11. Rahmig, Fabrikant, Prinz-Handjery-Str. 16. Ron, Poslsckretär, Weichselstr. 15. Rochlitz, Kaufmann, Kaiser-Friedrich-Str. 261. R o s e« o w, Vorschullehrer, Jnnstr. 32. Seltmann, Schlächtermeister, Steinmetzstr. 48. Sern», Eigentümer, Bergstr. 144. S i c g e l t o w, Kaufmann, Hasenhelde 93. Stolle, Kaufmann, Steinmetzstr. 23. B i r e u t. Apotheker, Bergstr. 135. Wagner, Kaufmann, Köpenicker Landstr. 53. Wanzlik, Landwirt. Richardplatz 9. f erulkow, Bicrverleger, Prinz-Handjery-Straße 32. »«fall, Lehrer omor., Kirchgasse 2. Partei-?Znge!egenkeiten. RIxdorf. vm 24. Dezember bleibt die Bibliothek des Wahlvereins geschlossen. Die Bibliothektommission. Groß- Lichterfelde. Auf Vorschlag der Zahlabende findet die Generalversammlung des sozialdemokratischen Wahlverems a m Sonntag, den 27. Dezember, nachmittags 2 Uhr. in Möhrendorfs Gesellschastshaus. B ä k e st r. 22, statt. TngeSordnung: 1. Bericht des Vorstandes und der Funktionäre. Diskussion. 2. Neuwahl deS Gesamtvorstandes und der Funktionäre. S. BereinSangelegenheiten.— Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Saumschnlenweg. Am ersten Weihnachtsfeiertage veranstaltet der Wahlverein in Speers Festsälen eine Weihnachts- bescherung. Eintrittskarten sind bei den Bezirksfllhrern zu haben. Im Interesse der Sache und einer würdigen Veranstaltung erwarten wir von allen Genossinnen und Genossen, daß sie erscheinen. Der Vorstand. Eichwalde. Am zweiten WeihnachtSseiertage veranstaltet der Wahlverein im Lokale des Genossen Witte eine Weihnachts- fei er. Die Genossen werden gebeten, sich zahlreich mit ihren Fa- Milien hieran zu beteiligen. Anfang abends 6 Uhr. Einlatzkarten sind bei allen Gruppenführern sowie beim Genossen Witte zu haben. __ Die Bezirksleitung. Berliner JVacbncbten. Gemütliche Zustände scheinen in der Klinik für Unfall« verletzte zu herrscheli, die mit der Unfallstation am Mariannen user verbunden ist. Von den BerufSgenosien- schaften, die hinter den Unfallstationen stehen, werden Unfallverletzte. Männer und auch Frauen, der Klinik zu weiterer Behandlung über- wiesen. Leiter dieser Klinik sind die Aerzte Dr. Slabel und Dr. Josef. Assistent ist Dr. Henze. Die Klinik nimmt im Hause Mariaimenufer 2 zwei Stockwerke des OuergcbäudeS ein; Magen find uns zugegangen über die Zustände im unteren Stock- werk. Wie i'ast alle solche privaten Anstalten, benutzt die Klinik eine gewöhnliche Wohnung, die notdürftig als.Heilanstalt hergerichiei worden ist. Ihre Räume sind angeordnet zu beiden Seilen eines Korridors. auf dem man knapp die Hand vor Augen sehen. laiin. wenn alle Türen geschlossen sind. Kranken- zimmer für Männer wie für Frauen finden sich i n einem und demselben Stockwerk. Von der Leitung wird streng daraus geachtet, daß nicht etwa zwischen der Männer ableikung und der Frauenobteilung ein allzu sreundschastliches Hinüber und Herüber sich entwickelt. Nur aus neutralem Gebiet ist eure Annäherung der beiden Parteien gestattet. Zum neutralen Gebiet gehören der Korridor, das Klosett und der Baderaum. Den Korridor mutz natürlich jeder betreten, der in der Klinik weilt und nicht bettlägerig ist. Klosetts sind in diesem Stockwerk zwei vorhanden, aber da» eine gilt den Patienten als reserviert für Aerzte und sonstiges Personal, sodatz für die Patienten beiderlei Geschlechts nur das andere Klosett zu abwechselnder Benutzung übrig bleibt. Dieses befindet sich in einem so slandckösen Zustande, datz wir annehmen müsien, die Klinik sei von den zur Aufsicht verpflichteten Personen(zu denen wohl auch die Herren vom Kuratorium der Unfallstationen gehören) seit langer Zeit nicht mehr mit gebührender Gründlichkeit revidiert worden.. Das Holz der das Becken überdeckenden Brille ist an mehreren Stellen geplatzt und zeigt klafiende Spalten, so daß die das Klosett benutzenden Personen sich der Gefahr einer Verletzung aus- setzen. Von manchen wird eZ als ungehörig empfunden. datz Männern und Frauen nur dieses eine und gemeinsame Klosett überlassen bleibt. Nun sind wir zwar keine Freunde von Prüderie, aber wenn «av sich die ganze Lokalität mit ihren engen, winkligen Gängen an» I sieht, dann kann man es scklietzlich doch verstehen, datz da in dem Kamps um das Klosett die Frauen nicht gern in Wettbewerb mit (Männern treten wollen. Die Benutzung des ersten Klosetts, wie gesagt, gilt den Patienten als ein Reservatrecht des Personals. Dieses erste Klosett wird aber den Patienlen, wenigstens den weib- lickien, wieder aus einem anderen Grunde zu einem Stein des Anstotzes. Es befindet sich nämlich in einem und dem- selben Raum mit der einzigen Badelvanne, die für Männer und Frauen in dieieni Slockwerl zur Verfügung steht. Die Badewanne ist umgeben von einer Bretterwand, die nicht bis zur Decke emporreichl. sonder» nur etwas über Mannst höhe hat. Den Zugang zur Badewanne bildet eine in der Bretter- wand befindliche melerb>eite Lücke, die nicht durch eine feste Tür, sondern nur durch eine sehr mangelhast schließende Gardine verdeckt werden kann. Wenn jemand vom Personal das Klosett zu derselben Zeit benutzen mutz, wo jemand von den Kranken badet, so wird das für deu Badenden, denken tmr, nicht sehr erquicklich sein. Wenn eine Frau badet und ein Arzt zu der- selben Zeit das Klosett benutzen will, so darf er es nicht als peinlich empfinden, datz er an der bewutzten, mangelhaft schliehenden Gardine vorbeigehen mutz. Als peiubch wird das in der Tai kaum ein Arzl empfinden. Aerzte sind ja durch ihren Berus gewöhn« und verpflichtet, nicht prüde zu sein. Wir sind's gleichfalls nicht, wie schon gesogt, aber auch hier wieder können wir es sehr wohl verstehen, datz eine Frau oder ein Mädchen selbst vom Arzl sich im Bad nicht begucken lassen will. Nun soll es vorgekommen sein, datz der Assistent Dr. Henze, als er just zu derselben Zeit, wo die Badelvanne mit einer Patientin besetzt war, ein Bedürfnis verspürte, an der Bretterivand vorbeigehend. den Kopf durch die Gardine steckte. Wahrscheinlich wollte er nur seilte vermeintliche Arztespsiichi erfüllen und sich vergewissern, ob bei dem Bad alles ordnungsgcmätz zuging. Aber da drinnen in dem Baderaum wurde in diesem Augenblick das Erscheinen deS Arztes als sehr überflüssig empfunden. Demselben Dr. Henze wird übrigens nachgesagt, datz er in der Klinik auch sonst mi! den Patientinnen manchmal sehr eigenartig umspringe— in einer Weise, die der einen und der anderen doch ein bitzchen zu ungezwungen dünkt. Wir sind überzeugt, datz diese Hann- lose Seele von Arzt gar nicht ahnt, wie seine gemütliche Art sich zu geben aus andere wirkt. Vielleicht hatten die Herren vom Kura- torium e« für ratsam, um all diese Dinge stch mal zu kümmern. WeihnachtSpostamtn. Der Wcihnachtspaketverkehr stellt be- sondere Anforderungen nicht nur an das Personal der Post, son- dern beansprucht auch autzergewöhnlick große Räume. Der Mittelpunkt dieses Verkehrs in Berlin. daS Paketpostamt im der Oranienburger Strohe verfügt glücklicherweise über einen ausreichenden Platz, um auch diesen Massenverkehr bewältigen zu können. An anderen Stellen müssen aber alljährlich besondere Mahnahmen ge- troffen werden. So wird für den Paketverkehr nach Süddeutsch- lanid der alte Dresdener Bahnhof als Packraum eingerichtet. Auch aus dem Schlesischen Bahnhos muhten für den ungeheuren Verkehr mit dem Osten bisher besondere Hallen errichtet werden. In diesem Jahre kann ein groher Teil des dortigen Neubaus für den Paket- verkehr schon benutzt werden. Es kann in den neuen Räumen nicht nur der ganze Eingang, sondern auch der ganze schlesische Kurs abgefertigt werden. Der Neubau wird autzerdem auch in Steglitz vorläufig für den Weihnachtspaketverkehr in Anspruch genommen, so daß man dort nicht mehr aus die Turnhalle, wie in früheren Jahren, angewiesen ist. Das neue Steglitzer Postamt wird dann wieder der Bauleitung übergeben, um im Laufe des Monats Ja- nuar endgültig eröffnet zu werden. Die juristische Sprechstunde am Donnerstagabend (Heiligabend) fällt aus. Auffallende Zunahm? der unbestellbaren Postsendungen. Eine ungewöhnliche Zunahme der unbestellbaren Postsendungen ist im letzten Jahre beobachtet worden. Im Reichspostgebiet sind im Jahre 1907 nahezu 2 Millionen Sendungen endgültig unbestellbar geblieben, genau t 978 250 Sendungen. Im Jahre 1906 waren es dagegen nur> 66t 000 Sendungen. Die Zunahme beträgt also nahezu 16 Million oder ein Drittel der im Jahre vorher unan- dringlich gebliebenen Sendungen. Da der Verkehr natürlich nicht in demselben Mahe gewachsen ist, so hat sich auch das Verhältnis der unbestellbaren Sendungen zu dem gesamten Verkehr wesent- lich verschlechtert. Auf t Million Postsendungen kamen im Jahre «905 340 unbestellbare Sendungen, im Jahre 1006 Nur wenig mehr, nämlich 347 Sendungen, während deren Zahl im Jahre 1907 auf 398 Sendungen plötzlich angestiegen ist. Die Verschlechterung macht sich hauptsächlich bei den Postkarten bemerklich. Auf eine Million kamen in den drei letzten Jahren 855, 88t und 1099 uebestellbare Sendungen. ES ist dieS wohl eine Folge der Zunahme der An- sichtSkarten. Abgp auch bei den Briefen zeigt sich eine wesentliche Verschlechterung. Während in den beiden Vorjahren auf 1 Million Briefe 159 und 158 unbestellbar waren, blieben es im letzten Jahre deren 187. Nur die Drucksachen haben sich etwas gebessert. Deren Verhältnis ist von 73 auf 63 zurückgegangen. Man sieht, wie be- rechtigt die Mahnungen der Post sind, die Adresse deutlich und genau zu machen, aus Postkarten sie zuerst zu schreiben, und stets den Absender anzugeben._ Ein SchutzmannSkampf gegen eine schwangere Frau» über den vor mehreren Monaten im„Vorwärts" berichtet worden war. wurde am Montag vor dem Amtsgericht Berlin- Mitte(135. Abteilung) erörtert. In jenem Kampf, der am 2 7. Juli, morgens nach 6 Uhr, in der Nähe des Rosen- thaler ToreS begann und auf der Polizeiwache am Weinbergsweg sein Ende fand, sollte die Frau einem Schutz- mann Bigalski einen Schlag ins Gesicht gegeben haben. Auch sollte sie den Versuch gemacht haben, ihren Mann aus den Händen der Schutzleute Bigalski und Höhnke, die ihn gefesielt hatten und ihn so zur Wache führten, zu befreien. Zur Sistierung des ManneS, eine® Heizers K.. waren die beiden Schutzleute geschritten, weil ein Bäckerbote Winnig. dem er seinen Stock in die Kniekehl« ge- stoßen hatte, die Feststellung beS Namens forderte. K. sollte dann gegen die Sistierung sich gewehrt und den Schutzmann Höhnke an- gegriffen haben. Nun stand das Ehepaar auf der Anklagebank: der Heizer K. wegen Wider st andö und tätlichen An- griff? gegen einen Schutzmann sowie wegen vor- sätzlicher Mißhandlung des Bäckerboten, Frau K. wegen Beleidigung eines Schutzmannes, wegen v e r» suchter Gefangenenbefreiung sowie wegen Nicht- befolgung des Schutzmannsbefehls weiterzugehen. Die Angeklagten, die ohne Verteidiger erschienen waren, stellten noch vor ihrer Vernehmung den Antrag, die Verhandlung zu vertagen. Sie würden zu ihrer Entlastung Zeugen bringen, im besonderen werde der Professor Bumm aus der F r a u e n- klinik der Charite bekunden, datz Frau K., die sich damals im siebenten Monat der Schwangerschaft be- fand, mißhandelt worden sei. Der Vorsitzende verständigte sich über diesen Antrag mit den Schössen durch eine kurze Be- merkung und sprach dann die Ablehnung aus. weil zur Auchellung des Sachverhalts nichts weiter nötig fei. In ihrer Vernehmung gaben die Angeklagten an, Frau K. sei von dem Bäckerboten be- lästigt worden, da habe K. ihm seinen Stock in die Kniekehle- ge- stoßen. Nachher sei K. von Schutzleuten angehalten und sogleich sehr kräftig gepackt worden. Dadurch sei er in große Erregung geraten, doch habe er keinen Widerstand geleistet. Frau K. habe ge- beten, ihren Mann nicht zur Wache zu führen, da er sehr erregbar sei. Man habe sie aber gar nicht zu Worte kommen lassen. Als der Mann nicht freigegeben wurde, habe sie erklärt, dann gehe sie mit ihm zur Wache. Von einem der Schutzleute sei sie weggestoßen worden, so daß sie hinfiel. Sie gehe infolge einer früher über- standenen Hüftgelenkentzündung lahm und habe damals auch unter dem Schwangcrschaftszustand gelitten, der übrigens auch ihre Er- regbarkeit gesteigert habe. Um sie von ihrem Manne zu trennen, sei sogar der Säbel gezogen worden. Dabei könne doch kein Ehemann ruhig bleiben, sagte K. Frau K. habe sich immer wieder an ihm festgehalten, und so sei sie schließ- kich mit zur Wache am Weinbergsweg geschleift worden. Der Vor- sitzende fügte hinzu, sogar die Treppe zum Wachlokal habe sie„mit h i n a u f g e s ch l e i f t"(er selber gebrauchte dieses Wort) werden müsien. In welchem Zustand sie nachher von der Wache wieder herunterkam, das ersah man aus der Beschaffen- heit der damals von ihr getragenen Kleidung, die zum Teil in Fetzen dem Gericht als Beweisstück von Frau K. vorgelegt wurde. Frau K. ist eine ganz kleine, schwächliche Frau. Sie hob das hervor und sagte, da werde sie doch nicht den Versuch machen wollen, ihren Mann aus den Händen zweier kräftiger Schutzleute zu befreien. Die Beweiserhebung beschränkte sich auf Vernehmung deS Bäckerboten und der beiden Schutzleute. Der Laufbursche Winnig will die Frau„nur angeguckt" haben, darum habe K. ihn mit dem Stock gegen die Wade geschlagen, doch kräftig sei der Schlag nicht gewesen. Bei der Sistierung habe der erste Schutz- mann„gleich von Anfang an den Säbel gezogen", erst nach Hinzu- tritt des zweiten habe er ihn eingesteckt. Schutzmann Höhnke ist derjenige, der„gleich von Anfang an den Säbel zog". Er bekundete, K. habe Widerstand geleistet, Frau K. habe den Mann befreien wollen, sie habe ihn förmlich umklammert, auch K. habe sie festgehalten, dabei habe K. selber ihr den Mantel zerrissen. Ebenso sagte Schutzmann Bigalski aus. Wo und wie sogar ein Stiefel der Frau K. im Oberleder einen klaffenden Riß bekam, darüber sagten beide nichts. Bigalski versicherte, er habe die Frau K..nur zurückgedrückt", da habe sie ihn ins Gesicht geschlagen. Auch er hat bei diesem Kampf den S ä b e l g e z o g e n. Er bekundete, das habe er tun müssen, als K. nach ihr gegriffen und sie festgehalten habe; er habe mit dem Säbel dem Mann „eins über die Hand geben wollen, damit er die Frau losließe", doch sei eS zu diesem Aeußersten nicht ge- kommen. Dieser Zeuge sagte, e r habe nicht gesehen, daß Frau K. schwanger war. Sie war's, wie gesagt, schon im siebenten Monat — aber der Schutzmann sah das nicht. Auch hatte K. sofort auf den Zustand aufmerksam gemacht— aber der Schutzmann hörte das nicht. Wie der ganz Kamps auf den Zustand der Frau K. gewirkt hatte, das hätte der obenerwähnte Professor Bumm bekunden können, dem sie danach hatte zugeführt werden müssen. Beide Angeklagten baten erneut, ihn als Zeugen zu laden, aber wieder hielt das Gericht das für überflüssig. Der Staatsanwalt beantragte das Schuldig in vollem Umfange und forderte Gefängnisstrafen für beide Angeklagte. Das Urteil lautete: gegen K. für den Widerstand und die„ge- fährliche Körperverletzung" eine Gefängnis st rafe von drei Wochen und 3 Tagen, gegen Frau K. für die Schutzmannsbeleidigung und die N i ch t b e f o l g u n g eine Geld st rafe von30 M. u n d 1 0 M. Von der Anklage der versuchten Gefangenenbefreiung wurde Frau K. freigesprochen, weil sie hierzu doch wohl zu schwächlich ge. Wesen sei. So handeln Ehristenl Aus Anlaß unserer neuesten Mittei- lungcn über den„Verein für die Armen", der in seinen Häusern: A ck e r st r. 139—142. Bernau erStraße III— 114o. ü l l e r st r. 53— 53a, T ü r k e n st r. I— 5, kleine Wohnungen an unbemittelte Leute vermietet, sind einige Zuschriften an uns gelangt. Der Verein hatte— das wollen wir hier noch einmal in Erinnerung bringen— einen seiner Mieter, den Arbeiter S.. auf Grund einer Bestimmung des Mietsvertrages wegen bloßer Unpünkt- lichkeit der Mictezahlung durch Gerichtsurteil exmittieren lassen, obwohl inzwischen die Miete mit nur zwölftägiger Verspätung und noch vor Abhaltung des Terminsbezahlt worden war. Bon demselben Mieter forderte der Verein auf Grund einer anderen Bestimmung des Mietsvertrages nach vollzogener Ex» missionnochdieMietesürdieZeitbiszum Ablauf des Vertrages ein. obwohl der exmittierte Mieter die Wohnung gar nicht mehr benutzen durfte und bereits anderswo eine andere Wohnung bezahlen mußte. Dieser Verein wird von frommenChristen geleitet, deshalb wird es in feinen Häusern gern gesehen, daß auch die Mieter fromme Christen sind oder sich wenigstens so geben. Die an uns gelangten Zuschriften drücken Ent- rüstung darüber aus, daß ein„Verein für die Armen" so gegen einen Mieter vorgehen konnte. Zu denen, die sich ent- rüsten, gehört eine Gruppe von Personen, die erst kürzlich für eine von dem Verein veranstaltete Kollekte ihr Scherflein hergaben und nun zweifeln, ob sie recht daran getan haben. Eine andere Zu- schrift. anscheinend von einem gläubigen Christen herrührend, spricht von einer„tiefen Beschämung". Einem hiesigen Blatt entnehmen wir übrigens noch eine Mit- tcilung. die gleichfalls kennzeichnend für den„Verein der Armen" ist. Eine Frau, die ihn um tlnterstützung gebeten hatte (er gibt nur selten eine), bekam als Antwort eine bedruckte Post- karte:„Berlin, Datum des Poststempels. Ihr Ilnterstützungsgesuch haben wir zu unserem Bedauern nicht berücksichtigen können, da keine Mittel mehr vorhanden sind. Der Vorstand des Vereins für die Armen." Die Frau fühlt sich bloßgestellt durch diese Manier, ein Unter st ühungsgcsnch durch Postkarte zu beantworten. Aon den Christen des„Vereins für die Armen" wird vielleicht mancher denken:„Wenn es weiter nichts ist?!" Es ist richtig, da werden noch ganz andere Sachen gemacht. Man der- gleiche hierzu den erwähnten Fall des Arbeiters S.. der wegen ver- päteter Mietezahlung an die frische Luft gesetzt und hinterher noch mit Einforderung von Miete für die gar nicht mehr von ihm bc- nutzte Wohnung drangsaliert wurde. So handeln Christen! Ein neuer Mord. Im äußersten Nordosten der Stadt, in der Gegend des städtischen Asyls für Obdachlose, ist in letzter Nacht ein Mord verübt worden. Darauf läßt ein Leichenfund schließen, der gestern früh auf dem reten Lande an der Ecke der Prenzlauer Allee und der Raumerstraße gemacht wurde. Ein Arbeiter fand dort eine tote Frauensperson auf. Sie ist nach den bisherigen Feststellungen keines liatürkichen Todes gestorben. Ter Fundort ist ein Laubengelände, das jetzt zur Bebauung sreigemacht wird. Augenblicklich wird noch allerhand Zeug dort abgelade». So warf ein Arbester gestern früh Stroh dort 51«. Hierbei sab et in einer Vertiefung in der Nabe der Gemeindeschule, die dort gebaut wird, nicht weit von der Mauer der Turnhalle entfernt, eine weibliche Leiche liegen. Da ihr Blut vor Nase und Mund stand, so benachrichtigte er schleunigst die Revierpolizei und diese die Kriminalpolizei. Nach dem Vorsteher des 98. Reviers erschien alsbald auch der Chef der Kriminalpolizei OberregierungSrat Hoppe mit einem Stab feiner Beamten am Fundort, den er gleich absperren liest, um die näheren Feststellungen zu machen. Die Leiche lag mir gespreizten Beinen auf dem Rücken. Im Rachen fand man ein Tuch, das anscheinend scharf hinein- fiestosten worden ist. Zwischen dem Kopf und der linken Schulter land eine leere Schnapsflaschc. Die linke Kopfseite der Toten war blau angelaufen, das linke Auge anscheinend blau geschlagen. Um den Hals lag ein Tuch. Die Frauensperson, wohl eine jener Unglücklichen, die sich in der Umgebung des Asyls Viel aufhalten, ist anscheinend vergewaltigt und dann erwürgt worden. Zur Feststellung der Persönlichkeit liest der Chef der Kriminalpolizei sofort alle Leute aus jenen Kreisen heranholen, die in Kaffeeschänken, Wirtschaften und im Freien aufzutreiben waren. Die Frau ist etwa 35 bis 40 Jahre alt und hat dunkelblondes, etwas gewelltes Haar. Sie trug ein schwarzes Jackett mit zwei Knopf- reihen, einen modefarbenen kleinkarierten Rock, darunter einen grau- braun gestreiften Unterrock und schwere schwarze Schnürstiefel, wie sie wohl in Anstalten ausgegeben werden. Die Knöpfe tragen einen Blumenkranz Das Tuch, das um den Hals lag, ist ein Taschentuch mit dem Zeichen A. B. Weiter wirb gemeldet: Die Tote ist eine am IS. Januar t3SS geborene Arbeiterin Johanna Pagel auS Wardcr in OstfrieS- land. Sie war bis zum 31. Oktober d. I. im Krankeuhanse zu Josten, arbeitete dann in Jachzenbrück im Kreise Zossen und kam am IS. d. M. nach Berlin. Hier war sie nachweislich schon am Mittwoch voriger Woche im Asyl. Bor einige» Tagen erhielt sie dort eine Verwarnung, weil bekannt geworden war. dast sie sich mit Männern umhertrieb. Ihren Tod hat sie wahrscheinlich nach einem Streit um wenige Groschen gefunden. Rechts und links von der linken Hand, die etwas vom Körper weggestreckt lag, fand man zwei Fünfpfennigstücke. Zwei Finger der linken und der Daumen der rechten Hand sind mit Blut besudelt. DaS um den Hals geschlungene Tuch gehört wahrscheinlich der Toten. Die Tat kann erst gestern gegen Morgen verübt worden sein. Denn atS die Leiche um 7 Uhr gefunden wurde, war noch nickt alle Wärme aus ihr entwiche». Gegen 10 Uhr kamen Beamte des Er- kennungSdiensieS, um die Leiche und ihre Umgebung zu photogravhieren. Nach Beendigung der photographischen Ausnahmen untersuchte Gerichts- arzt Dr. Strauch die Leiche genauer. Sie war auch jetzt an einzelnen Stellen noch warm, der GerichtSarzt stellte fest, dast der Tod durch Ersticken eingetreten sein must. DaS Tuch, das sich im Rachen fand, war zu einem Knebel scharf zusammengedreht und mit großer Gewalt in die Rachenhöble hinemgestosten worden. Hier zeigten sich Verletzungen, die von den Fingernägeln des Täters her- rühren, so mächtig hat dieser mit dem Knebel zugestasten. Die Zunge war ganz»ach hinten zurückgestosten. Wahrscheinlich hat sich auch der Täter an den Zähnen der Ermordeten die Hand verletzt, mindestens die obere Handfläche. DaS Tuch, das er zum Knebel benutzte, ist ein rotes, gemustertes baumwollenes Taschentuch, wie man sie aus dem Lande gebraucht, mit schwarzen und gelben Streifen. Die Kriminalpolizei hat für sachdienliche Mitteilungen zur Er- Mittelung des TäterS eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt. Einstweilen fehlt eö noch an jedem Anhalt. Tie Polizeihunde„Schnauzer", ein Airedale-Terrier. und„Prinz", ein deutscher Schäferhund, fanden die erste Spur. In einem Zeit- abstand von einer halben Stunde an die Leiche geführt, folgten sie unabhängig von einander derselben Fährte. Beide gingen über das Feld an der Mauer der Gemeindeschule entlang nach der Raumerstraste und dicht um das Schulgebäude heruni nach der Senefelderftraste bi« an das erste Eckhaus aus der rechten Seite, in dem sich eine Gastwirtschaft befindet. Hier ist gestern abend ein unbekannter Mann gewesen, der jetzt gesucht wird. Ob er für die Tat in Betracht kommt, ist aber noch sehr die Frage. Augenblicklich wird versucht, alle Gäste zu ermitteln, die ihn gesehen haben. Verdächtigt wurde bereits ein Kohlenhändler, der aber sei» Alibi bald nachweisen konnte, Ein Schutzmann hatte ihn nach Ver« lassen eines Schanklokals um 12 Uhr nach der Wache gebracht, aus der er sich zur Zeit der Tat noch befand. Die Leiche ivurde im Laufe des Vormittags von einem ver- treter du Staatsanwaltschaft und einer Gerichtskommission be- � Weiter wird uns mitgeteilt, dast auch ein dritter Polizeihund nachträglich noch dieselbe Spur verfolgt hat, der die beiden anderen schon nachgegangen waren. Er bliebe vor dem Ladenlisch in der Schankwirischaft von Nickel in der Senefelderstraste stehen. Möglick, dast der Mörder nach VerÜbung der Tat zu Nickel gegangen ist. um einen Schnaps zu trinken. Kurz nachdem er geöffnet hatte, besuchten Nickel schon mehrere Männer. Nach diesen wird jetzt geforscht. Alle ?Zersonen. die bisher herangeholt und zur Rede gestellt wurden. omme» nicht in Betracht. Für die Oeffenllichkeit und die Mitwirkung de? Publikums zur Ernrilteinng des Mörders ist besonder? zu beachten: 1. Die Er- mordete war erst seit dem 15. d. Ml«, in Berlin. 2. Sie bat hier ständig verkehrt mit einer gewissen Anna Beyer, die im Asyl be- kannt ist. Mit dieser hat sie auch stets im Atyl genächtigt, nur in der letzten Nacht waren beide nicht da. Anna Beyer, die bisher nicht zu ermitteln war, wird ersucht, sich sofort zu melden. 3. Der Täter ist vielleicht ein pervers veranlagter Mensch. ES kann aber auch ein Mann sein, der eS auf die wenigen Groschen abgesehen hatte, die die Ermordete nach ihren Arbeitsverhältnissen noch be- sitzen mustte. sei eS auch nur. um sie in ScknapS anzulegen. 4. Nach dem Gutachten und den Bekundungen eines Zohnsachverstüiidigen. den die Kriminalpolizei zugezogen hat. hat die Ermordete im Oberkiefer nur noch den rechte» Eckzahn und den linken kleineren Schneidezahn. Beide sind grost, ausgeprägt und scharf, besonders scharf der an- gestockte Schneidezahn. Der rechte Eckzahn im Untmieser ist lose und steht vor. Hiernach ist eS sehr wahrscheinlich, dast sich der Täter beim Hineinstopfen des Tuches in die Rachenböhle verletzt hat, und zwar vielleicht am Rmg-, Mittel- oder Zeigefinger. Die Ver- letzungen können Quetsch-, Rist- oder Bißwunden sein, sie können sich an der rechten oder linken Hand bestnden, da der Täter vielleicht ein Linkshänder ist. Der Zustand der Kleidung lägt auch aus einen Kampf schlichen, denn von dem modefarbenen Unterrock ist ein Hake» mit einem Stück Zeug abgerissen. Ob eine Vergewaltigung der Ermordeten stattgefunden hat. steht, entgegen der ersten Annahme. noch nicht fest._ Schulkinder im Theater. Für Geinemdeschulkinder läßt alljähr- kich die Schulverwaltung der Stadt im Schillertheater eine Reihe von Schülervorstellungen veranstalten. Zutritt haben Kinder der ersten Klassen und zwar unentgeltlich; die Kosten werden aus einer Stiftung bezahlt. Ueber diese amtlichen Veranstaltungen hinaus tun manche Lehrer noch ein UebrigeS, indem sie ihre Zöglinge auch mal in ein anderes Theater führen, etwa zum Besuch einer billigen Nachmittagsvorstellung. Dabei saht ein Lehrer wohl auch iu das eigene Portemonnaie und legt zu den Billettkosten etwas zu. damit das Vergnügen sich für die Kinder nicht zu teuer stellt. Wird jemand eS für möglich halten, dast in einem Theater versucht werden könnte, an diesen tlassenwcise antretenden Schulkindern be- züglich der Garderobeaufbewahrung und de« GetränkeverbrauchS ebenso zu verdienen, wie an jedem anderen Theaterbesucher? Im Berliner Theater ist das kürzlich vorgekommen. Bon der 221. Knaben-Genietndeschule lPappelalleej waren Schüler der ersten Klasie auf Veranlassung ihres Lehrers gemeinsam zu einer Nachmittagsvorstellung dieses Theater« gegangen. Sie hatten Galeriestehplätze, wofür jeder an den Lehrer 10 Pf. hatte zahlen müssen. Im Theater wurden sie zunächst auf gefordert. ihre Garderobe abzugeben, nicht nur die etwa mit- ? gebrachten Mäntel, sondern auch die Mützen. Wer dieser Auf- orderung nicht nachkommen wollte, wurde in dringenderem Tone gemahnt. Jungen, die hierzu erklärten, sie könnten die Garderobe nicht abgeben, da sie kein Geld bei sich hätten, bekamen die Antwort. sie würden schau Geld bei sich haben. Verschiedene Jungen mustlen tvohl oder übel sich dazu entschiiesten. die Garderobe abzugeben und für die Ausbewahrung den geforderten Betrag zu be- zahlen. Nicht vielen gelang es. sich der GeldauZgabe dadurch zu entziehen, dast sie die Mütze unter der Jacke ver- bargen. Wir verstehen nicht, was eS dem übrigen Publikum oder dem Theater schaden. soll, wenn auf der Galerie ein halbes Schock Schuljungen ihre Mütze in der Hand oder den Mantel auf dem Arm halten. Später kam für diese jugendlichen Theaterbesucher noch eine andere Ueberraschung. Da eS in dem Theater sehr Heist war. so stellte sich bald Durst bei ihnen ein. Einigen wurde sogar übel und einer mustte ohnmächtig hinausgeschafft werden. Draußen gab eS Bier. Selters und andere Gelränke, ousterdem auch simples Wasser ouS der Leitung. Die Jungen meinten, dieses Getränk fei umsonst zu haben, aber pro GlaS wurden 10 Pfennige ge- n o m m e n. Als ein Junge 5 Pfennige bot, wurde ihm geantwortet. das koste l0 Pfennige und er mustte sie zahlen. Nun kann man eS dem Pächter des Ausschankes gewist nicht verdenken. dast er verdienen will. Auch simples Wasser wird er nicht umsonst geben wollen, weil er ja dann von seinen anderen Getränken weniger loS würde. Aber, daß man in einer billigen Nachmittags- Vorstellung Galeriebesuchern, und noch dazu Schulkindern, für ein GlaS Wasser 10 Pfennig abnimmt, ist eigentlich doch ein starkes Stück. Das leuchtete übrigens auch der Garderobiere ein, derselben, die vorher eö ganz in der Ordnung gefunden hatte, dast diese Kinder so dringend zur Ablieferung der Garderobe ermahnt wurden. Sie ging zu dem Inhaber des Ausschankes, machte ihm Vorhaltungen darüber, dast er ihnen 10 Pfennig für das Glas Wasser abnehme, und setzte durch, dost den Kindern von nun an das Wasser umsonst gegeben wurde. Der Lehrer, der die Jungen zum Besuch des Theaters angeregt und ihnen die Billetts besorgt hatte, war gleichfalls im Thealer. Er wußte aber von all diesen Vorgängen nichts, iveil er nicht bei seinenZöglingen auf der Galerie stand, sondern unten im Parkett fast. Bon der„Sparsamkeit" bei der kgl. preußischen Eisenbahnver- waltung, oder wofür die kgl. preußische Eiienbahuverwaltung nicht zu sorgen braucht. UnS wird geschrieben:„Bekanntlich führt die Wannseebahn zu einem großen Teile durch bebaute OrlSteile; zwischen Schlachtensee und Nikolassee laufen entlang der Bahn zwei Strastenlinien, an denen außer zahlreiche» Häusern auch die Schule liegt. Auf derselben Strecke nun werden schon seit einiger Zeit, wie sehr häufig im Jahre. Gleisarbeiten ausgeführt, Reparaturen an dem Bahnkörper, Anlage neuer Gleise usw. Jeder Unternehmer ist bekanntlich bei Arbeiten im Freien verpflichtet, für seine Arbeiter Aborte aufzustellen. Das braucht die kgl. preußische Eisenbahn- Verwaltung anscheinend nicht; oder sind derartige transportable Ein- richtungen ihr noch unbekannt? Die Arbeiter müffcnaufden Schienen oder nach Ueberklettcrn des die Gleise einfriedigenden Zaun« direkt an der Straße oder auf einem der zwischen den Häusern liegenden Bau- stellen ihre Bedürfnisse verrichten.(Aehnliches kann man an andern Vorortstrecken ebenfalls beobachten I) Nach der nächsten Bahnstation sind eS 5—10 Minuten, und dahin würde eine königlich preußische Eisenbahnverwaltung das Austreten natürlich nickt gestallen; waS bleibt also den Arbeitern anderes übrig? Ja. wenn die Eisenbahner organisiert wären l Dast solche Zustände ein Skandal sind, ist klar. Man bedenke, fast gegenüber der Schule, direkt am Schulweg vieler Kinder I Und die den Berliner Ausflügler» sicher besonders willkommene Verunreini- gung des Waldes I Ob der Staatsanwalt gegen die kgl. preußische Eisenbahndirektion wegen Er- regung öffentlichen AergernisseS einschreiten würde?" AuS Not in den Tod. Montag abend wurde der 38 Jahre alte Kutscher und Arbeiter August D. in seiner Wohnung in der Straße 60o erhängt aufgefunden. Der von der Ehefrau herbeigerufene Arzt konnte nur noch den bereits eingetretenen Tod feststellen, nachdem angestellte Wiederbelebungsversuche erfolglos geblieben waren. Motiv zum Selbstmord: N a h r u n g S s o r g e n. Die Leiche ist dem Schauhause zugesührt worden. In der Markthalle abgestürzt. Ein schwerer Unglücksfall hat sich gestern nachmittag in der Markthalle am Weddingplay zu- getragen. Die 4ö Jahre alte Händlerin Förster, die einen Gemüse- stand in der Halle besitzt, wollte nach dem Eiskeller hinuntergehen und frisches Gemüse herausholen. Infolge eine» verhängnisvollen Fehltrittes glitt sie ab und stürzte kopfüber die hohe Treppe hinab. In besinnungslosem Zustande wurde die Verunglückte in das Krankenhaus Moabit eingeliefert. Sie hat schwere innere Ver- letzungen erlitten und wird wohl kaum mit dem Leben davonkommen. In den Besitz der Firma Greifenhagen sind die Häuser Brunnen- straste 13 und Veteranenstr. 1/2 übergegangen. Im wissenschaftlichen Theater der Urania gelangt am Freitag fersten Feierlag) der neue mit zahlreichen farbigen Bildern aus- gestattete Vortrag„Jerusalem, ein Charakterbild der jetzigen Tradt und Umgebung" zur Darstellung. Am Sonnabend lzweiien Feiertag) wird der Vortrag„Eine Nilsahrt bis zum zweiten Katarakt" und am Sonntag der Vortrag„Ueber de» Brenner nach Venedig" wiederholt. Außerdem sinden am zweiten Feiertag und am Sonn- tag Nackmittogsoorstellmigen zu kleinen Preisen statt und zwar am Sonnabend„Ueber den Brenner nach Venedig" und am Sonntag der Vortrag.Eine Nilfahrt bis zum zweite» Katarakt". Feuerwehrnachrichten. Wegen eines Kellerbrande» wurde die Feuerwehr nach der Schönhauser Allee 125 alarmiert. Lumpen, Brennmaterialien und anderes brannten dort. Der 17. Zug hatte in der Alexandrinenstr. 57 zu tun, wo in einem Glaslager Packstroh usw. in Brand geraten war. Ferner wurden Samariter nach der Straste Alt-Moabit 57 gerufen. Als sie dort mit einem Sanerstoff- apparat ankamen, war die Frau schon verstorben. Außerdem wurden noch Brände aus der Landsberger Straste 83. aus der Reinickendorfer Straste 8 und von anderen Stellen gemeldet. Vorort- JSacb richten. Eharkottenburg. In der lebten Sitzung der hiesigen GcwerkschaftSksmmission gab Genosse Stahlberg einen Bericht über die Verhandlungen deS Fünften Deutschen ArbeitSnachwciSlongrcsfeS in Leipzig. Der De- richterstaiter ist in seiner Eigenschaft als Mitglied der Deputation für den hiesigen städtischen Arbeitsnachweis vom Magistrat zu dem Kongcest delegiert worden. An den Bericht schloß sich eine DiS- kussion an, an welcher sich die Genossen Gebert, Flemming und AhrenS sehr lebhaft betciligicn. Es wurde in derselben hauptsäck»- lich die hier in Charlottcnburg herrschende Arbeitslosigkeit und da- Verhalten des Herrn Dr. Jastrow in der letzten Stadtverordneten- Versammlung gegenüber derselben eingehend erörtert. Desgleichen wurden auch noch die miserablen Zustände auf dem platten Lande, welche die Landslucht berurjacben,„'iner gebührenden Kritik unter- zogen. Sodann beschäftigte sich die Kommission mit dem Konflikt, der zurzeit zwischen dem Zentralverband der Handlungsgehilfen und der Direktion der VerstcherungSgesellsdwst„Viktoria" besteht. Der Vertreter de" Verband«?, Genosse Paget, gab den Sachverhalt zur Kenntnis. Allseitig mar man der Meinung, daß die Sympathie der bei dieser Gesellschaft versicherten Arbeiter allerorts den um ihr Koalitionsrecht kämpfenden Angestellten gehört; inf.lgrdessen drohe «uch die ilbschliestung von neuen Versicherungen zu versiegen. Die Direktion der„Viktoria" werde sich wohl oder übel wieder zu Ver- Handlungen bereit erklären müsse«. Nach der Erledigung einiger interner Angelegenheiten erfolgte der Schluß der Sitzung, i« welcher di« Delegierten der Bäcker. Fleischer, Metallarbeiter, Putzer und Steinsetzer unentschuldigt fehlten« Nixdorf. Zurückgewiesener Ausschluß. In der„Leipziger Polkszettung� lesen wir:„Wie wir seinerzeit berichteten, hatte der Rixdorfer Wahlvcrcin gegen 4 Buchdrucker, die als Delegierte der Kölner Ver- bandIgeneralversammlung beiwohnten, nach Schluß derselben aber nicht sofort zwecks Stimmabgabe bei der am 3. Juni stattgesundencn preußischen Landtagswahl nach Hause gefahren waren, da« Aus- schlußverfahren aus der Partei anhängig gemacht. In dem am ToiWerstag abgehaltenen Schiedsgerichtsversahren wurde der be- antcagte Ausschluß zurückverwiesen und auch in Anbetracht der be« sonderen Sachlage des Falles von der Erteilung einer Rüge Abstand genommen". Wie'wir hören, war der Vorstand beS Rixdorfer WahlveveinS nicht in der Lage, das Ergebnis des Schiedsgerichtsverfahren? uns zur Veröffentlichung mitzuteilen, da er offiziell von demselben noch keine Kenntnis hatte. EtwaS weniger Zugeknöpftheit ist den Krankenhaus« ä r z t e n zu empfehlen, die bei dem Ableben eines Patienten von den Hinterbliebenen nach der Todesursache gefragt werden. Manche dieser Herren halten es nicht für nölig. aus derartige Fragen ausführlich zu amivorten. Sie speisen die Hiiilerbliebenen mit einigen kurz hüigeworsellei» Worten ab— und binierher wundern sie sich, dast M i st t r a u e n rege wird. Nicht selten hat man in solchen Fällen zu uns den Verdacht geänstert. daß da wohl irgend etwas nicht in Ordnung sei. So wird uns jetzt wieder mitgeteilt, daß die Hiitterbliebcnen eines Kutschers Stengert au? Rixdorf. der in Berlin im Bethanien-KrankenhauS verstorben warj über die Todesursache im unklaren gelassen worden seien. Stengert, der zuletzt bei der Abfuhrfirma Sckeller arbeitete, hatte sich' eine Er- kältung geholt, die der Kassenarzt Dr. Nagel für unerheblich hielt. Der Zustand verschlimmerte sich, aber Herr Dr. Nagel, der in der Nacht gerufen wurde, gab die Antwort, er sei kaum erst nach Hause gekommen und müsse nun etwas schlafen, man möge sich ohne ihn beHelsen, die Sache sei ja auch nicht schlimm. Der Arzt Dr. Burck- Hardt, der dann herbeigeholt wurde, nahm Lungenentzündung an und riet zu baldigster Ueberführuug in eni Krankenhaus. Zwei Tage darauf starb Stengert im Bethaiiien-Kranken- HauS. Als Frau Stengert dort eintraf, um den Kranken zu besuchen, wurde ihr vom Arzt kurz mitgeteilt, ihr Mann habe einen Tobsuchtsanfall gehabt, so dast man ihn binden und ihm zur Beruhigung Morphium geben mustte, und er sei dann früh um 7 Uhr gestorben. Ist der Mann nun an Lungelieiitzündung zugrunde gegangen? Oder hat der TobsnchtS- anfa'll seinem Leben' ein vorzeitiges Ende bereitet? Die Wilwe zieht aus der Wortkargheit deö ArzteS den Schlust. ihr Mann lönne auch den Wirkungen einer zu reichlichen Dosis Morphium erlegen fein. Sie neigt sogar zu der Ansicht, der Mann sei noch gar nicht früh um 7 Uhr, sondern wohl erst gegen Abend desselben TagcS gestorben. Sie und ihre bereits erwachsenen Kinder glauben bemerkt zu haben, dast noch am Spätnachmittag die Leiche, obwohl sie schon in der kalten Halle lag, so warm gewesen sei, wie der Körper eines Lebenden. Nach dieser Wahrnehinuna bat Frau St. den Arzt, die Todesursache eventuell durch Leichenöffnung festzustellen, diese Bitte wurde aber nicht erfüllt. Wir ballen die Befürchtungen der Witwe und ihrer Angehörigen für uiibegrüiidet. ES erschien uns jedoch nötig, einmal durch eine öffentliche Er- örterung solcher Vorkommnisie zu zeigen, wie die von Zeit zu Zeit immer wieder allftalicheiiden Gerüchte über Tod durch Fahrlässigkeit oder auch über vermeintlichen Scheintod entstehen. Die Aerzte könnten mancher MisttraucnSregung vorbeiigen, wenn sie weniger zugeknöpft wären»md nicht inimer gleich meinten, dast sie»keine Zeit haben, sich mit solchen Leuten lange aufzuhalten". Schönedcrg. Stadtverordnetenversammlung. Zu Beginn der letzten Sitzung gab eS wieber einmal eine „Haberland-Debatte". Diesmal war eS ein Berliner Wochenblättchen, das schwere Vorwürfe gegen ein Mitglied deS Magistiais erhob, daS vor kurzem noch der liberalen Stadt- verordnetenfraklion angehörte. Die liberale Fraktion hatte eine Anfrage an den Magistrat gerichtet, was er daraufhin zu tun ge- denke. Der Magistratsvertreter erklärte, daß bereits das Straf« verfahren gegen das betreffende Blänchen eingeleitet sei. Sodann kam ein DringlichkeilSontrag der sozialdemokratischen Fraktion zur Beratung, worin der Magistrat ersucht wird: 1. um der vorhandenen Arbeitslosigkeit wirksam ent« gegenzutreten, der Stadtverordnetenversmnmlung bis zur ersten Sitzung im neuen Jahre eine Vorlage zu uittei breiten, die den Erweiterungsbau des Krankenhauses zur Aus- führung gelange» läßt; 2. mitzuteilen, wie weit die Arbeiten der kommunalen Arbeitslosenversicherung gediehe» sind; 3. darüber Milteilung zu machen, wie hoch sich der Betrag für den vom sogenannten Mühlenberg abgefahrenen und vom Unternehmer verkaufte» Kies und Sand beläuft. Nack einer kurzen Begründung des Antrages durch den Stadtv. Bäu m l er fSoz.) erklärt der Oberbürgermeister, dast sich der Magistrat bereits milden in dem Antrage erwähnten Angelegenheiten beschäftigt hat und der Stadtverordnetenversammlung zur nächsten Sitzung die eiltsprechenden Vorlagen zugehen lassen wird. Der Aulrag wird darauf einsiinimig angenonimen, ebenso ein weiterer Antrag der„Iii, ab» hängigen Vereinig, mg", worin der Magistrat ersucht wird, die bereits geiiehmigteii Kanalisationsarbeilen in der Grunewald- und Grostgörschenstraste als NolstandSarbeiten zu betrachten und sofort ausführen zu lassen. Der Regulierung der Hauptstraße von der Eise- nacker Straß« bis zur Mühlenstraße wird nach den Vorschlägen de« AusichusleS zilgestiinmt und hierfür der Betrag von 868 000 M. bewilligt. Angenommen wird ferner die MngistratSvorlage, wonach die Abhoiiliig der Steuern. Gebühren und Schulgelder mit Beginn des nächsten EtaiSiahrcS in Wegfall lomme» soll. Nach den Berechiningen deS Magistrats wird dadurch«in Betrag von 40 000 M.' gespart. Auch heute zahlen nur noch kaum 40 Proz. der Slenerzahler a» den Sleuerertzeber ihre fälligen Steuern. Zur Mietung weiterer 80 Räume in Privalhäuiern zu Bureauzwecke» wird dem Magistrat die erforderliche Genehmigung erteilt. Nach einer Vorlage des Magistrats soll den städtischen Arbetlern, die mindestens ein Jahr bei der Sladl in Beschäsligung waren, ein einmaliger Zuschuß von 30 Mark gewährt werden. Diejenigen Ar- beiter der Stadt, deren Beschäfiigiingsdalier geringer als ein Jahr ist, erhatten einen prozentualen Teil des ZiischnsseS nach der Zahl der Wochen feit ihrem Eintritt. Die städnichen Arvciteriniien erhallen mit derselbe» Maßgabe einen einmaligen Zuschuß von 2') Mark. Die zu diesem Zweck erforderliche Summe wird aus 11000 Mark geschätzt. Stadtv. Bäumler lSoz.) hält die Sätze für zu niedrig. Die sozialdemokratische Fraktion werde aber trotzdem für die Magistrats- vorläge stimmen, damit die Beträge noch vor Weihnachten zur AuS» zahlimg kommen. Jedenfalls fei eS diirchauS notwendig, den Arbeiten, diesen Zuschuß zu gewähren, da bereit? vor einem Jadre von den Arbeitern der Autrag aus Lohnerhöhung gestellt, bis heute aber noch nicht erledigt worden ist. Nach einer weiteren kurzen Debatte wird die Vorlage angenommen. Zur Einrichtung ei»«? neuen MagistratS-SitzungSsaaleS werden die nötige» Mittel bewilligt. Ei» Antrag, wonach der Magistrat ersucht wird, bei Neu- bezw. ErwriterungSbauten von Schulen für die giikunft einen Raum vor- zusehen, der als Krankenzimmer dient und dem Schularzt als Dienstrailm anzuweisen ist, wird einstimmig angenommen. Ebens» soll auch bei älteren Schnlgebäuden ein solcher Raum eingerichtet werden. Der Anstellung eines besonderen Standesbeamte« wird zu» gestimmt. Eine Petition der Schöneberger Lehrerinnen, wegen Bese»tigung der in dem LehrerbesoldungSgesetz für die Lehrerinnen enthaltenen ©arten und Nngerechtigkeiten Bei Bern preußischen Mgeordnetenhause vorstellig zu werden, wird dem Magistrat überwiesen. Der von der Stadtverordnetenversammtung beschlossenen Auf- lösung der unteren Klassen der M i t t e l i ch u l e hat der Magistrat zugesiimmt, er empfiehlt daher, alljährlich eine Klasse aufzuheben. Die von der Stadtverordnetenversammlung vor einiger Zeit beschlossene Einrichtung einer eigenen Buchdruckerei soll auf Antrag des Magistrats bis zur Fertigstellung des neuen Rathauses vertagt werden. Die Versammlung wählte zum unbesoldeten Stadtrat den Land- gerichtsrat a. D. B e r w i e n an Stelle des verstorbenen Stadtrats Hehl. Eichwalde. Unter großem Aufwand winde in der vergangenen Woche die neuerbaute evangelische Kirche eingeweiht. Manchem, dem sonst die Kirche mit all ihrem Drum und Dran vollkommen gleichgültig läßt. hatte dank dem mächtigen Tanitam die Neugierde auf die Beine ge- bracht. Hervorgehoben zu werden verdient, daß der hiesige Pfarrer in seiner Rede den Austritt von 23 Eichwolder Einwohnern ans der Landeskirche erwähnte. Die bezügliche Redewendung ließ darauf schließe», als ob an dieser Tatsache, die für unseren Ort geradezu einen Massenaustritt bedeutet, eine von außen künstlich hinein- getragene Agitation schuld sei. Wir wollen den.Brüdern in Christo" verraten, daß sie selbst, nächst den drohenden Steuern, ein gerüttelt Maß Schuld hieran haben. Die Garantie für Aufbringung der Zinsen in Höhe von SO OOV M. für die Baukosten hat die Gemeinde übeniommen. Für die„würdige Ausschmückung" der Straßen. Aufstellung von Fahnenmasten. All- bringung von Girlanden usw. hat sich unsere Gemeindevertretung ebenfalls keineswegs knauserig gezeigt. Wir wollen hoffen, daß sie denselben Standpunkt einnimmt, wenn wieder einmal die Straßen- „beleuchtung" oder die Regulierung und Pflasterung von Straßen debattiert wird. Solange die hiesige Arbeiterschaft ohne jeden Ein- flliß in der Gemeindevertretung blelbt, solange bleiben ihre Jnter- essen unberücksichtigt. Für die Arbeiterschaft die innerlich mit der Kirche längst fertig ist und die nicht gewillt ist. sich neue Steuern aufbürden zu lassen. empfiehlt es sich, umgehend ihren Austritt aus der Landeskirche zu bewerkstelligen. Kirchenaustrittsformulare sowie jede Auskunft erteilt bereit« willigst Genosse Wilhelm Kimmritz» Eichwalde, Wörther Straße 2. Wilmersdorf. Ein schwerer Bauunfall ereignete sich gestern früh auf dem Grundstück Nassauische Straße 83, wo Ausschachtungen zu Funda- »lentierungSztvccken vorgenommen werden. Man war bereits dabei, die Fundamente zu mauern, als gestern, kurz nach Beginn der Arbeit, die Erdmasien nachgaben und den Maurer Uebrig ver- schütteten. Die Feuerwehr grub den Verunglückten auZ; dann wurde klebrig mit dem Kranleu-Automobil nach dem Groß-Lichtev felder KreiSkrankcnhause gebracht. Der Verunglückte, der außer einem Schädelbruch schwere innere Verletzungen davongetragen hat, liegt hoffnungslos darnieder. Adlershof./ Die Delegiertenwahl zur Ortskrankenkasse findet am 30. Dezember statt. Es werden daher die jetzt noch amricreuden Delegierten sämt- lich ersucht, zu einer am Sonntag, den 27. d. M., vormittags 9'/- Uhr bei Kaul, Bismarckstr. IS, stattfindenden Besprechung zu erscheinen. DaS GewerkschaflSkartell. Französisch-Buchholz. Einem längst empfundeuen Bedürfnis hat die Gemeindevertretung in ihrer letzten Sitzung Rechnung gelragen. Der sozialdemokratische Wohlvercin hatte den Antrag gestellt, des Nachts in allen Straßen de» Ortes Nichtlaternen brennen zu lasten. Die Gemeindevertretung konnte diesem Wunsche um so mehr nachkommen, als die Kosten für die Beleuchtung während der vier Wintermonate nur 40u M. betragen. Des weiteren lag der Kossenbericht pro 1907 zur Beratung vor; derselbe weist eine Einnahme von lOl 732,37 M. und eine Ausgabe von 90 420,69 M. auf. Unter den Ausgaben befinden sich u. a. folgende Posten: Schule 26 7ll.l4 M.. Wegebau und Straßen- beleuwtung 26 390.16 M., für Besoldung und sonstige Dienstbeziige 8129,62 M, Provinz, KreiSamt und ItaudeSamt 9180.43 M., Kosten der öffentlichen Armenpflege 6506,44 M. Der Gemeindediener bezieht. wie auS dem Bericht hervorgeht, ein Gehalt von 360 M. Hin bei der Erschließung neuer Steuerquellen ja nicht die Grund- wert» und Werlzuwachsiteuer ins Auge zu faffen, glaubten die Gemeindevertreter Kettliy und Dr. Fischer bereits besonders davor warnen zu müssen. Auch hier spielen �jene Herren die Notleidenden, um sich von den Verpflichtungen der Gemeinde gegenüber möglichst zu drücken. Und die Herren stießen, solange es a» Vertreter» der Arbeiterllaffe fehlt, in der Gemeindevertretung nicht aus den nötigen Widerstand. Bernau. Die Stadtverordnetenversammlung hatte zunächst die Wahl zweier Ratsherren vorzunehmen. Zu diesem Zweck haben vor einigen Wochen bereits drei Vorbesprechungen stattgefunden, in denen der Wunsch laut wurde, jüngere Kräfte in das Magistrats- lollegium zu wählen. Bei der ersten Ratslierrenwatil erhielt der Gasuvirt Hörnickc 14 Stimmen und der Petardenfabrikant Dohr- mann 3 Stimmen, Während zwei Stimmzettel unbeschrieben waren. Der zweite Ratsherr Schultrich wurde einstimmig gewählt. Eine lebhafte Diskussion rief die NäagistratSvorlaae betreffend die Er» bauunz eincL KesfellwunnenS auf dem KrankenhauSgrundftück her» vor. Genoffe Krüger wandte sich gegen die Erbauung eines solchen Brunnens und verlangte den Bau einer Wafferlcitung. Diese An- sicht teilten auch verschiedene Bürgerliche. Der Bürgermeister gab Spandau nicht unternommene Agitation für die Presse. Zu dem ersten Punkt bemerkte Redner, daß die seiner Zeit erfolgte Wahl des Genossen KautSky als Delegierten des Kreises zum Parteitag unter der ausdrücklichen Zusicherung seitens des Genoffen Paris geschehen sei, daß Kautsly auch den Bericht über den Parteitag erstatten werde. Als man dann hinterher erfuhr, daß KautSky aus bestimmten Gründen nicht öffentlich berichten könne, und da überdem schon zu lange Zeit nach dem Parteitag vergangen war, habe die erweiterte Parteileitung am Orte von einer Bcrichternattung abgesehen. Was die Agitation für die Presse betreffe, so habe die Parteileitung eine solche nicht abgelehnt, sondern nur den jetzige» Zeitpunkt nicht für günstig erachtet. Dem Genossen Paris war dann von einem Spandauer Genossen privatim eine Mttteilung da- hin gemacht, daß die hiesige Parteileitung beide Punkte abgelehnt habe. Ein Schreiben des Genoffen Paris im Austrage des Zentral- Vorstandes legte Protest ein gegen die angeblich vom Spandaucr Bor- stand gefaßten Beschlüsse, wodurch sich die hiesige Parleileitung verletzt fühlte und beschloß, gegen den Protest des Zemralvorstandes zu pro- testieren. Die schriftliche Antwort wurde nicht abgeschickt, da Genosse Paris in der Korporesitzung anwesend war. in welcher er sPieser) das von ihm verfaßte Annvortschreiben zur Begutachtung vorlegte. Genosse Pieser gebrauchte bei seinen Ausführungen harte Worte, namentlich gegen den Genossen PariS-Vclten und verwahrte sich mit aller Ent- schiedenheit gegen ihm gemachte Vorwürfe. Hieran schloß sich der Kasienbericht, den der Genosse Schuster erstattete. Derselbe umfaßt % Jahre. Die Mitgliederbeiträge sind erheblich zurückgegangen.—- Die Gesamteumahme beträgt 4906,37 M.. die Gesamtausgabe 4569,87 M., mithin verbleibt ein Bestand vonj 337,00 M. Der Prozeß Seitz hat an 800 M. gekostet; hierzu sind von den Gewerkschaften 325 M. beigesteuert worden. Neu eingetreten sind l55 Mitglieder.— In der Diskussion über den Vorstandsbericht trat Genosse PariS-Velten den Ausführungen PieserS über die Be- richterstattung vom Parteitage und über die Agitation für die Preffe entgegen. Die weitere Diskussion, an der sich die Genossen Schubert. Pieper. Stahl, Scior, WelS-Berlin, Leidner, Scholz beteiligten, nahm zeilweise einen recht stürmischen Charakter an. So sehr sich aber auch die Gemüter erhitzten, zum Schluffe sprach man allgemein die Ansicht aus, daß die Klärung der Sachlage notwendig gewesen sei. Für die Folge müßten derartige unliebsame Zwischenfälle vermieden werden, damit ein gedeihliches Zusammenarbeiten ermöglicht werde. Die nunmehr vorgeuomiiiene Vorstandswahl hatte folgendes Ergebnis: Zum 1. Vorsitzenden wurde Genosse Max Scior ein- stimmig gewählt; 2. Vorsitzenber Genosse Schubert; t. Schristführer Genosse Glomm; 2. Schrislfübrer Genosse Sommer; 1. Kassierer Genosse Köppen; 2. Kassierer Genosse Smilowsli. Zu Revisoren werden gewählt die Genossen Hornig, Grögerchen und Staar. Zu Bezirlsführern wählte die Versammlung die Genossen Block für den 1. Bezirk; Ernst Frömberg für den 3. Bezirk; Grögerchen für den 4. Bezirk; Strucks für den 5. Bezirk; Steinke für den 6. Bezirk; Tbeodor Schmidt für den 7. Bezirk; Kubisch für de» 8. Bezirk; Emil Wilde für den 8a. Bezirk. Die Wahl der Lokalkominission wurde ausgesetzt. Sämtliche übrigen auf der Tagesordnung stehenden Sachen, auch die Agitation für die Preffe, wurden bis zu der demnächst einzuberufende» außcrvrdeitt lichen Generalversanimlung wegen vorgerückter Zeit vertagt. Damit die Referate schon bor dem Kongreß den angemeldeten Teilnehmern gedruckt, und zwar in mehreren Sprachen, zugestellt werden tonnten, mußten die tvkanuskripte einige Monate vorher an den GeneMlsckretär nach Paris geschickt werden. Als ich während der'Versammlung der internationalen Vereinigung für gesetzlichen Arbcitcrschutz in Luzern die Drucksachen erhielt, fehlte mein Referat. Sofortige Nachfrage ergab, daß es nicht in den Besitz des Generalsekretärs gelangt war. Ich fertigte in Ludern eine neue Niederschrift, die ich am 3. Oktober, zugleich mit einer Uebersetzung ins Französische, an die Kongrcßleitung nach Rom schickte. Am 8. Oktober erhielt ich nach Florenz die Empfangs- bestätigung, mit der Mitteilung, daß eine Drucklegung bis zum 12., dem Beginn des Kongresses, nicht möglich sei. Taraufhin ließ ich in Florenz den beiliegender' Auszug in Form von 36 Leitsätzen drucken, von denen am Eröffnungstage 1000 Exemplare an die Kongreßmitglieder verteilt wurden. Auf dem Kongreß habe ich, wie alle Referenten, das Referat nicht wörtlich halten können, sondern nur eine kurze Inhaltsangabe vortragen dürfen. DaS Manuskript zu dem späteren Abdruck in meinem Blatte ivar ein Schreibmaschincndurchschlag des in den Händen der Kongreß- leitung befindlichen Originals. Eine Anzahl Kongreßteilnehmer, darunter ein Mitglied der Zentralkommission der Kränkenkassen Berlins"), haben dies Manuskript noch während des Kongresses in Rom gelesen. Hochachtungsvoll ' Dr. Rudolf Lennhoff. Der Zentrakveriond deutscher Textilarbeiter ersucht tinS zu dem VersaminlnngSl rickit in Rr. 298 um folgende Richtigstellung: ES habül bei kürzerer Arbeitszeit gearbeitet: Stunden Wochen Beber......... 186 122= 3 447 Hilfskräfte........ 35 334 655 Sonstige Arbeiter u. Arbeiterinnen 310 338 8 746 Ohne Arbeit waren: l83 Weber= Lohnausfall.. 255 882 4 738 18 Hilfskräfte----„.. 19 658 364 Insgesamt.. 807 299 14 950 In den Berliner Teppich- und Plüschfabriken wurden im vorigen Jahre t656 Personen beschäftigt in diesen! weniger verdient 103 410 M. 8516„ 103 772„ 113 712„ 4004„ 833 418„ also weniger 1443_ 207 Personen. Vermischtes. Versammlungen. Kc Erklärung ab, daß sich der Magistrat einstimmig für die Er- bauung der Wasserleitung entschieden habe. Zu Beginn des nächsten Jahres solle der Stadtverordnetenversammlung eine dahingehende Vorlog« unterbreitet werden. Di�se Erklärung fand den Beifall der Versammlung. Der Firma Wascher u. Ehricke, welche für die Heizungsanlagen die Summe von 12 092.14 M. gefordert hatte, wurde von der Versammlung der Zuschlag erteilt. Genosse Hclbig ersuchte die Schulkommission um Auskunft über den ihr über- wiesenen Antrag unserer Genossen betreffend die Anstellung eines Schularztes. Der Bürgermeister als Mitglied der Kommission er- ilärte, daß die Schulkommission mit Rücksicht auf die hohen Kosten die Anstellung eines Schularztes abgelehnt hätte; doch sollen vom April nächsten Jahre» ab sämtliche einzuschulendcn Kinder von dem hiesigen Kommunalarzt untersucht werden. Von unseren Genossen, wie auch von Herrn Dr. Wieners, wurde bezweifelt, daß die Kosten für-inen nur nebenamtlich fungierenden Schularzt sich so hoch be- laufen würden, daß sie von der Kommune nicht zu erschwingen wären; auch der Kommunalarzt könnte nicht unentgeltlich tätig fein. Tpandau. Eine gutbesuchte Generalversammlung de? sozialdemokratischen Wahlvereins fand am Mittwoch im Lokal von Gottwald statt. Von Varleisunktionärcn waren anwesend Genosie WelS-Berlin von der AgitalionSlomniitsion sowie der Vorsitzende deS ZentralvorstandeS Genosse PariS-Velten. AuS dem Beritt deS Genossen Pieier »st zu enmehmen, daß in der BerittSzcit 14 Voistand-Zsitzmigen, 14 Korporesitzniigen. 7 kombinierte Sitzungen, 16 Sitzungen mit Frauen. t2 Zohlabende. 9 VereinSversammlungen. 6 öffentlite Aer- fammlungen und außerdem noch einzelne Sitzungen mit den Kreis- und AgirationSfunklionären abgehallen wurden. Der verfammlungs- besuch und die Betetliguiig an Flugblatt- und Kaken derverteilnng ließ oft zu wünschen übrig. Genosse Pies« kam dann auf die beiden Punkte zu sprechen, welche in letzterer Zeit eine Differenz zwischen dem Zemralvorftand und dem örtlichen Borstand hervor- gerufen. ES bettifft die» ersten» die Nichterstattung eines Berichts in Spandau über den letzten Parteitag und zweitens die bisher in Holzarbeiterverband. Die am Mittwoch abgehaltene General- Versammlung beschäftigte sich mit der Frage, wie in Zukunft die Generalversammlungen der Berliner Mitgliedschaft zusammen» gesetzt werden sollen. Es handelt sich in der Hauptsache um die Einführung deö Delcgicrtensystems, da bei der Größe des Verbandes der bisherige Modus, welcher jedem Mitgliede die Teilnahme an der Generalversammlung gestattet, praktisch nicht mehr durchführbar ist, besonders dann nicht, wenn wichtige Angelegen» heilen, die einen großen Andrang veranlassen, aus der TageSord» nung stehen. Diese Angelegenheit hat schon eine vorhergegangene Generalversammlung beschäftigt, es lvurden verschiedene Anträge gestellt, die nun berücksichtigt sind in einer Vorlage, welche die Ortsverwaltung der gegenwärtigen Generalversammlung gemacht hatte. Die Vorlage wurde absatzweise eingehend beraten und mit wenigen unwesentlichen Aendcrungen angenommen. Der grundlegende Paffus der angenommenen und nunmehr geltenden Be- stimmungen lautet: „Die Generalversammlung besteht aus Delegierten und der OrtSvcrwaltung. Die Delegierten werden im Januar in den Bezirks- und Branchenversanimlungen derjenigen Branchen ge» wählt, für die eine eigene Kommission besteht." Bon den sonstigen Bestimmungen sind noch folgende zu nennen: Vierteljährlich einmal findet eine odentliche Generalver» sammlung statt. Die Verwaltung kann außerordentliche General- Versammlungen einberufen. Aus Antrag von 50 Delegierten hat die Verwaltung eine Generalversammlung einzuberufen. Auf je 30 Mitglieder kommt ein Delegierter. Scheidet ein Delegierter im Lauf« des Jahres aus, so tritt bis Jahresfrist derjenige als sein Stellvertreter ein, der auf der Liste des. Bezirks oder der Branche die nächsthöchste Stimmenzahl hat. Wer ohne Entschuldigung in der Generalversammlung fehlt, gilt als ausgeschieden und tritt an seine Stelle ein Stellvertreter. Die Generalversammlung hat die Geschäfts- und Kaffcnberichtc entgegenzunehmen, die engere OrtSvermaltung sowie die Angestellten zu wählen, die Beitrags- sammler zu bestätigen, Kandidaten für die durch Urabstimmung vorzunehmenden Wahlen aufzustellen, die örtlichen Statuten zu ändern, die Unterstützungssätze festzustellen, zu allen Vorgängen im Beruf, welche die Interessen des Verbandes berühren, Stellung zu nehmen und über Lohnbewegungen Beschluß zu faffen. Drei Wochen vor der Generalversammlung ist ihr Stattfinden im „Vorwärts" anzuzeigen, zwei Wochen vor dem Stattfinden sind Anträge zur Generalversammlung einzureichen, und eine Woche vor der Generalversammlung sind die Antröge in den Bezirken und Branchen zu besprechen. Die Antragsteller können zur Be- gründung ihrer Anträge an der Generalversammlung teilnehmen. Bei Lohnbewegungen, die sich auch auf andere Orte erstrecken, nehmen die Vertreter dieser Orte an der Generalversammlung teil. Während einer Lohnbewegung erhält die VertrauenSinänner- Versammlung und die Ortsverwaltung die Vollmacht, alle zur Durchführung des Kampfes notwendigen Maßnahmen zu b«. schließen. Wichtige Angelegenheiten kann die Verivaltung einer Urabstimmung unterwerfen. Ferner können Urabstimmungen stattfinden aus Beschluß der Generalversammlung sowie auf An« trag deS zehnten Teil» der Mitglieder. Narbdem diese Angelegenheit erledigt war, wurde die Wahl eines BurcauhilfSarbciters an Stelle de? verstorbenen Kollegen Klinger vorgenommen. Die Wahl hatte kein endgültiges Ergebnis, es ist eine Stichwahl erforderlich zwischen Werner, Schwarzer und Richter, die in der nächsten Gencraldersammlung vorgenommen werden soll. Ferner beschloß die Versammlung, daß die noch einlaufenden Erträbeiträge von 25 Pf. pro Woche von dieser Woche an in voller Höhe den ausgesteuerten Arbeitslosen zugute kommen sollen. Herr Dr. Lennhoff sendet unS folgende Zuschrift: „In Nr. 294, 8. Beilage des„Vorwärts" wird in einem Bericht über eine Versammlung der Vorstände und VcrwaltungSbeamlen der Krankenkassen Berlins und der Vororte das Referat erwähnt, das ich in Rom auf dem 3. Internationalen Kongreß für Arbeiter. Versicherungen gehalten habe. In dem Bericht heißt es unter anderem: „Das Manuskript heS vortrage? war ihm, wie er behauptete, in Mailand verloren gegangen«der gestohlen worden. Er hat da? Referat, daß er in Rom»ffenbar in etwa»«ndecer Form hielt, nun in der von ihm redigierten..Eazialen Mledizin" veröffentlicht----" Dieser Bericht läßt der Ansicht Raum, als wenn ich nochträglich etwoS«ndere?«�gedruckt hätte,«lS wa» ich dem Kongreß unterbreitet habe. Gestatten Sie mir deshalb eine Schilderung der Tat- sochen. Gasexplosion in GrcifSwald. Nach einer Meldung aus GrcifSwald wurde gestern früh durch eine Gasexplosion ein Teil der dortigen städtischen höheren Töchter- schule zerstört, wobei der Schuldiener sein Leben einbüßte. Dia Ursache der Explosion konnte noch nicht ermittelt werden. Erdstöße, wie eine Meldung aus Greiz besagt, wurden in der dortigen Gegend vorgestern nachmittag abermals mehrere Erdstöße verspürt. Briefharten der Redaktion. Dt»(ntlftUrfte Svrechttiind» find«» Sindenft ratze 91 r. 8,»weit«» Hos. dritter Eingang, vier Treppen,■MT Fahrstuhl-WVltz taolticntäalirfl abend» von«>/, vi» t»>f, Ilde statt. Uteüffnet 7 Ubr Soniinveiids beaini» die Svrechstnndc»m 6 Ilbr. Feder-Uiifrao- ist ei» iiiirtifmve und eine.Hniil alt 01Iert,eiihe» deizniiige».'vrieiiiihe'Nnnoort wird»,>h» erletii. Bis zur Benniioort»»« im'Uriefkaften können 44 Tage berarben. Kiliae Fragen trage ma» in der Eprechnunde vor. Konkurs uO. Ihre 14 tögige Lohnforderung müssen Sie«IS bevorrechtigt beim Amtsgericht zu den Kontursokten anmelden. Ist etwa Konkurs nicht eröffnet, so würden Sie Jdie Forderung beim iÄcwervcgerlcht geltend z» machen hoben.— E. F. 75. ES genügt Taus- oder KonfirinationS- Ichein.— Ii. 9t. 25. Wiewohl Sie eine Ladung nicht erhalten haben, haben Sie Ihren Austritt au» der Landeskirche zu Protokoll de« Gerichts zwischen dem 29. und 42. Tage nach Eingang Ihrer Anmeldung zu er« klälen. Beeilen Sie die Erklärung: wenn Sie nicht noch in diesem Monat dieselbe abgeben, so haben Sic sür ein Jahr länger dir Kirchensteuer zu zahlen.— F. F. 109. 1. Die Pfändung und Eintragung kann sich immer nur aus den dem Schuldner gehörigen ideellen dritten Teil, nicht aber ans die den Miteigentümern zustehenden Teile beziehen. 2. Da« ist zulassig. — M. B. 24. Die Kasse wird mögliche! iveise mit ihrem Anspruch auf Rückzahlung durchdringen. Sie mühte aber zunächst deshalb klagen.— — I. R. 23. Zur Adoption ist ein Ehepaar berechtigt, wenn es keine eigenen ehelichen Kinder bat. Der Adoptionsverlrag muh bei einem Notar oder bei einem Gericht geschloffen werden. Nachdem er geschlossen ist, be- darf der Sldoptionsvertrag zu seiner Gültigkeit der Genehmigung des Vor- miindschastsgerichlö. Der Adoptierende soll mindestens 50 Jahre alt sein, jedoch kann das Gettchl von Sem Alterecrsorderni« dispensieren.— Z- Nein. — V. Z. 7. Stirbt die Ehefrau ohne HInterlaffnng eines Testaments, je geht, fall» nicht Erbtcilnng nach märkischem Recht staitfiudet, die Teilung in der Weise vor sich, dah der Witwer ei» Viertel, da» oder die kinterlassenen Kinder drei Viertel des von der Shesrau hinterlaffenen Nachlasse« erhalten. 2. Mit erreichter Volljährigkeit haben die Kinder Anspruch aus Herausgabe. 3. EiitcrbungSgrllnde gegenüber Kindern sind Nachstellung nach dem Leben, vorsätzliche körperliche Mihhandlung. Verbrechen oder schwere Bergehen gegenüber den Verstorbene», böswillige Berleöung der NaterhaltungSpslicht, Führung eine« ehrlosen und unsittlichen Lebenswandel«. 4. Ein solches Recht steht dem Kinde nicht zu. ES kann nur aus Antrag ihm vom Bor- mundichastSgericht gestattet werden, aus dem Hause zu gehen.— M. X» 12. Sine Rückgängigmachung der Naturalisation geht nicht an; die Dienstpflicht beslehi nach dem bestehenden Gesetz; vorausstchtüch erfolgt aber keine Ein- ziehung.______ Evafferstands-Nncki richten der LandeSanstali für Gewässerkunde, mitgeteilt oo» Berliner Wetlcrbureau. vafferftand M e m e l, Tilsit P r e g e l, Jnilerburg W e i ch i e l. Tborn Oder, Ratibor , Kressen . Frantiurt Warthe, Schrimm , LatidSberg Netze. Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden t Barb» ', Magdeburg st 4 bedeutet Such».— Fal.— st Unleroeael,—•) EiSftaild. st Srundeittreiben.— st Schwaches CUtrciBcn.— st Gründels. _ m m*) HgRC wUtU SUfßu■■; �'• verantwortlicher Rcta?t»1 oohf �roetor Aa«w»ülA«eli elojieUi*b- Hut-Arnold (4r«>s»l4«Rnilaai*ch nach drm F«»fr brrrltM IllifiMt geMtaifi-l I Cirnnue Beachtung meiner Firmst and llauMiuiinnier drivgend geboten! kein Eckhaus, 2. Haus von der Jerusalemer Str. «nd Berlin HO., Cr. Frankfurter Straße 115 1 �dÄeÄ nunmehr geschlossen wird! 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Aeleroejahrer Oeorz Maitghn (Brauerei Pfefiriderg) ! nach langem Leiden an Lungenentzündung verstorben ist. Ehre seine« Andenken 1 Die Beerdigung erfolgt am ! DonnerSIag, 24 Dezember, nach- l mittags'1,3 Uhr, vom Trauer- i Hause Werneuchenerstr. 7/8 aus /»ach dem Georgen- Kirchhose i Landsberger Allee 21— 23. i 44/12 Die Ortsverwairang. Oeutscnef Metallarbeiter-Verband! VerwaltungssteH» Berlin. Tod«»» Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß i unser Mitglied, der Gürtler IBnck Qrandi gestorben ist. Ehr« seine« Andenke»! Die Beerdigung findet heute! Mittwoch, 23. Dezember, nach-' mittags 3'/, Uhr. von der Leichen» balle beS Luisen- KirchhoseS in i Rirborf, Hermaiinsttaße. aus statt, j Rege velelligung erwanei 126/12 Ol» Ort»»»r»»ttuag Allen Kollege» zur Nachricht!! dafi unser Mttstrett», der Be- zieher Leorg Lellüell am Sonnabend, den 19. Dezember, plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 24. d. M.. nach. mittag» 3'/, Uhr. aus dem Neuen Ja.'obidkirchhol in Ztlxdors. Her- mannstratz, statt. 27 tb Die streitenden Klavier arbeiter der Firma KolsN, Rixdors. Wesrrstrahe 207. Allen Freunden und Befannten' ! die ttaurlg« Nachricht, datz unser| | lieber Bater Wilhelm Möller | am 20. d. M. verstorben Ist. Die Beerdigung findet am> 1 24. Dezember, nachmittag» H/.UHr, j ] aus dem Gemein de-Fnedhose in j FriedrichSjeide statt. 55V0L! Otto and Anna Müller, i Verband der Schneider, Schneiderinnen n. Wasche- arbeiter Deutschlands. Tode»- Anzeige. Den Miigiiedern zur Nachricht,! datz Misere Kollegin, die Näherin| Auguste Baude am 19. Dezember im 52. LedenS-! jähre gestorben ist. 252/14 Z Ehre ihrem Andeuten 1 Die Beerdigung findet morgen- DonnerSIag. den 24 Dezember. nochmittagS 3'/, Uhr, von der; Leichenhalle deS FriedhoseS der! iläbitschcn Anstatt m Buch ans statt. Oi» Ortsearwaltung Berlin MI. Danksai;,lng. Für die vielen Kranzipenden mtd Beweise ansllchligster Tettnadme bei der Beerdigung meiner unvergeglichcn Frau, unserer guten Mutter Büitt Berghausen ogen ttrtt den Kolleginnen der Firma Kodibaum. den Kollegen der A E..G., den Sängern low» den AdicrShoser iAenossrn und allen Bekannten und Verwandten unseren herzlichsten Dank. Karl Berghausen _ nebst Kindern._ Für die vielen Beweise aufrichtiger Tettnadme bei de, Beerdigung m'McZ lieben Manne», unsere» guten BaterS, BrudcxS und Oufels, de» NaltwiriZ Fr-anz Oerttel sagen wir allen Berwundlcn, Gästen, den Genossen des Wahlverei.lS Rir. dors sowie den Sängern des Rir- dorfer MönnerchorS unsern verbind- lichen Dan!. Dl« trauernden Hinterbliebene» Nart« Uertt«! aebS Stiaktm sr. M. 25. mm 3. KtiliM des Jormirtf Jfrlinct Mittwoch, 23. Dezemlitr 1908. Sericbts- Leitung. Ueiersxannung drS Begriffs der Fahrläsfigkeit. Vor dein Landgericht Magdeburg batte sich am 13. Oktober die Masieuse Albine verehelichte Nowotny wegen fahrlässiger Tötung zu verantworten. Sie wurde aber nur wegen fahrlässiger Körperverletzung unter Verletzung einer Berufepslicht zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Sie ist Masseuse und hat. wie das Urteil hervorbebt, eine verhältnismäßig gute Borbildung. Sie wurde besonders von unterleibslranten ftrauen in Anspruch ge- nominen. deren sie iiber Hunden behandelt hat. Eines Tages kam ein älteres Fräulein. Marie K.. zu ihr. Sie hatte eine große Ge- schwulst auf der linken Seite des Unterleibes. Frau N. weigerte sich die Behandlung zu übernehmen, da das Leiden zu schwer sei. Der hinzugezogene' Arzt erklärte eine Operation für notwendig. Fräulein K wollte sich aber aus keinen Fall darauf eintasten. Daraus erklärte sich der Arzt D r. M. damit einverstanden, daß Frau N. die Patientin mit Vibrationsinostage behandele. Der Zu- stand wurde anfangs bester, später schlechter. MS Fräulein ft. außer stände war. zu Frau N. zu gehen, entschuldigte sie sich brieflich bei dieser. Frau N. schrieb ihr. sie möge sich lieber in die Klinik aufnehmen lasten. Frl. K. wies aber diese Zumutung mit Entrüstung zurück. Erst längere Feit danach begab sie sich in das Hebammeninstitut. Dort wurde sie operiert und am nächsten Tage starb sie. Ihr Leiden bestand in Eierstockkreb». Die Operation be- stand in de: Herausnahme der Gebännutter. Das Gericht war der Ansicht, daß das Verhalten der Angeklagten einerseits eine Ver- schlimmemng des ZustandeS bewirkt habe, da die K. bei stüherer Vornahme der Operation wahrscheinlich imstande gewesen wäre, diesen Eing, ist bester zu überstehen.— Die Revision der An- geklagten wurde vom Reichsanwalt befürwortet. Er erklärte den Fall für sehr zweifelhast. Unter Umständen köim« sogar an- genommen werden, daß der Arzt, welcher die Behandlung durch die Angeklagte gestattete, fahrlässig gehandelt hat. Fraglich lei. ob in solchen Fällen Mastage angebracht sei. Sehr m Betracht komme, daß die Angeklagte sich in keiner Weise so verhalten habe, wie eS Kurpfuscher zu tun p liegen. Sie habe von Anfang an und wiederholt ärztliche Hilfe empfohlen und nur auf dringenden Wunsch der Patientin die Behandlung über- nommen. Den Begriff der Fahrlässigkeit allzu weit auszudehnen. gehe nicht an.— Das Reichsgericht hob das Urteil a u s und hielt eS für anaemesten, die Sache an das Landgericht Halber st adt zu venveisen. Eigenartig, daß unter den obwaltenden Umständen überhaupt Anklage erhoben ist. noch ausfallender und ohne das bestehende Bor- urteil gegen Nichtärzte uneiklärlich. daß die Anklage sich gegen die Masseuse, nicht gegen den Arzt richtete. De» Hauseigentümer als Paletotmarder. Ein vermögender Paletotmarbe» mußte sich gestern in de» Person deS HouSeigenrümerS Franz Wrobtewski unter der Snkiag« des DtedstahlS vo, dem Schöffengericht Berlin• Mitte verantworten. Seil längerei Zeit wurde in den Lokalitäten von KemptnSki and Mttscher tt Caspar, das Treiben eines Diebe« bemerkt, der ein« be« fonder« Vorliebe für fremde PalelotS, Hüte und Handschuh» an den Tag legte. E» siel insbesondere in dem zweitgenannten Rellauront aus. daß ein sehr gut getleiderer Her» öfter in da» Lokal tum. durch die verschiedene» Räum« ging und darm. ohne etwas verzehrt zu haben, das Restaurant wieder ver- kieß. Jedesmal war mit dem Besuch diese? mysteriösen GasteS auch das Verschwinden eineS Paletots oder Hutes verknüpft. Im Juli dieses Jahres erschien der unbekannte Herr wieder und wurde von dem zufällig an der Tür stehenden Besitzer der Weinstuben be- merkt, der sofort dem Kellner Heydenau den Auftrag gab, den Un- bekannten zu beobachten. Der Kellner bemerkte, wie der Gast in die Tasche des am Kleiderständer hängenden Paletots des Rittmeisters P. faßte, dann seinen Hut mit einem anderen vertauschte und schließlich auS einem anderen Paletot ein Paar Handschuhe entwendete. Bei der Festnahme stellte eS sich heraus, daß der Verhaftete der in guten Vermöge nSverhältnisfen lebende Hausbesitzer Franz Wrobtewski war, der. obwohl.er eS gar nickt nötig hatte", zum Paletotmarder geworden war. Vor Gericht versuchte Rechtsanwalt B o h n für den Angeklagten eine eigentümliche und nur patho- logische Verirrung in dem Geistesleben deS Angeklagten, ähnlich wie bei der Fürstrn Wrede. wahrscheinlich z» machen, die durch eine psychiatrisch« Untersuchung festgestellt werden müsse. Das Gericht nahm zugunsten des Angeklagten an. daß er Hut und Handschuhe unabsichtlich vertauscht habe, erblickte aber in dem Hineinsaffen in die Paletottasche einen versuchten Diebstahl und erkannte wegen dieses Vergehens auf einen Monat Gefängnis. Die vlvtjäge»»»« Grunewald waren eine Anzahl Erpresserbnese unterzeichnet, durch welche mehrere wohlhabende Einwohner von Grunewald und Halensee in große Aufregung versetzt worden waren.— Ende Februar v. F. erhielt der in der Herbertftraße wohnhafte Rentier Sch. einen anonymen Brief zugesandt, der etwa folgenden Inhalt halte:.Sehr geehrter Herr! Wenn Ihnen Ihr Leben lieb ist. so opfern Sie schleunigst einen Teil Ihrer Reichtümer an unsere Gesellschaft der Blutjäger. Wir verlangen von Ihnen die Kleinigkeit(!) von 12(XX) M. und drohen Ihnen an, wenn Sie stch weigern sollten, diese Summe binnen drei Tagen zu zahlen, daß Sie in kurzer Zeit von uns ermordet werden.— Die Blutjäger."— Diese Unlerschrift war mit einem Stempel hergestellt, außerdem befanden sich auf dem Briefbogen mehrer» blutig« Fingerabdrücke. Der Empfänger über- gab den Brief der Kriminalpolizei, die nun Tag und Nacht einen Brieflasten, hinter welchem der Brief mit dem Gelde versteckt werden sollte, scharf observierte. Diese Bemühungen, den ge- fährlichen Erpresser zu faffen, blieben jedoch ohne Erfolg. Aehnliche Briefe, in denen der Verbrecher lv(XX) Mark ver- langte, erhielten auch zwei andere wohlhabende Einwohner von Grunewald. Der Verdacht lenkte stch sich schließlich gegen den .Bäcker" Joseph Dzierzinski, als von einer Dame mrter Drohungen 1000 M. verlangt wurden. Dzierzinski war tn der Bäckerei von Katzsuß in Halensee angestellt und hatte hierdurch die Namen verschiedener vermögender Villenbewohner In Grunewald kennen gelernt.— Au« dem Zuchthaus« zu Strelitz, wo er eine mehr- jähng» Strafe verbüßt, wuroe D. gestern der 3. Strafkammer de« Landgerichts III vorgeführt, um stch wegen Erpresiung zu verartt- warten. Bor Gericht gab D. nur den einen Fall, tn dem e» sich um«in versucht» Erpresiung gegen eine Dame handelte, zu. De» aertchtltche Sawvcrständigr Oberlekretär Drogoli» begutachtete, daß die drei übrige» Briefe keinesfalls von der Hand de» D. herrühren kömnen. E« wurde auch festgestellt, daß stch V. zu der fraglichen Zeit in Schtefien aufgehalten halte. Wegen de« einen ErpressungSversucheS erkannte da» Bericht auf eine Zusatzstraf« von zweiMoaaten guchth»»«. Cingegangene Vruckscdriften. Von der.Neue« Zeit«(Stuttgart. Paul Singer) ist soeben da? 13. Hest des 27. Jahrgangs erschienen. Es hat folgenden Jnbalt i Hamlet ohne Helden.— Abschaffung aller indirekten Steuer». Von HauS , Schiller(Gemeindebevollmächtigter In Fürth).— Die mdirelten Steuern i j» der Gemeinde Von K. Kauisky.—. DaS Fürsorgeerzichungsgefetz In Preußen. Von Friedrich Frank(Frankfurt a. M.)— Der Lese- und DIskuiierllub als Bilduugsmlttel. Von Dr. Hermann Dumler.— Gcwerk- schastliche Lite, aiur. Von Adolf Braun.— Literarische Rundschau: | Dr. Eduard Westermarck, Ursprung und Entwicklung der Moralbegrisse. i Von G. Eckstein. Dr. ESlar Itillich und Artur Gerkc. Kohlenbergwerk. Dr. OSkar Stillich und H. Stendel, Eisenhütte. Bon bt Ulrich. R. van der Borght, Die Entwicklung der RcichSfinanzen. Von II. N.— üJotUcn: Das Bibliothekwesen der Gewerkschasten und der Partei. Von Rudolf Waclawiak(Berlin). Statislffche Erhebungen über die Lage der Arbeiter und Arbeiterinnen in der Kartonnagenindustrie Deutschland«. Von Tb. Heise. Feuilleton der»Neuen Zeit" enthält: Eine Geschichte der -franzosischen Revolution. Bon F. Mehring. Die Entwicklung deS Weltalls. Von Anton Pannekoek.— Büchcrschau: Hermann Hesse, Nachbarn. Fianyois Villon, DeS MctsterS Werke.— Lose Blätter: Ein lleines Heldengedicht. Die.Sleue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen. Postanstaltcn und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post Mir pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft kostet 25 Ps. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. von der..Gleichheit". Zeltschrist für die Jntereflen der Arbeiterinnen (Stuttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. 6 des tl). Jahrganges zugegangen. Sie hat solgenden Inhalt: Ein Weihnachtsgeschenk des Marxismus. Bon K. Korn.— Die Rcichsstnanz-.Resorm'. II. Von EL L.— Der Arbeiterinnenschutz im Plenum des Reichstags. Von gffr.— Hexcnglaubc» und Herenpi ozeffe. Eine kulturhistorische SkizK von Anna BloS.(Schluß.)— Die deutsch-böhmisch« Arbeileriniienbewegunz. Von a. p.— Hoch Schema ß. Von tn. g.— Au» der Bewegung: Von der Agitation.— Jahresbericht des Verein« für grauen und Mädchen der Arbeiterklasse zu Potsdam.— Die Ktuderschutzkommission der Dresdener Genossinnen.— Politische Rundschau. Bon J2. B.— KewerkschastUchc Rundschau.— Christliche Arbeiterinnenv ereine.— Genossenschastliche Rundschau. Von IL F.- Notizentctl: Diciistbotcitfrage.— ArbeitSbedingungei! der Arbeiterinnen.— Verschiedenes.— Frauenbewegung. Für unlere Mütter und Haussrauen: Erster Schnee. Bon Gottsrted Keller.— WeihnachtSgruß. Von L.— Der Glaube an Wunderkuren. Von M H. Baege.— Ein neue« Märchenbuch sür Arbeiterkinder Bon K. D.— Die Mutter als Erzieherin.— Feuilleton: Winter- Sonnenwende. Don E. Preczang.—»Im Strom der Zell".— Der Schuster. Ein Märchen aus Peißen von Moritz Hartmann.— Die Felswand. Von Konrad Ferdinand Meyer. Für unsere Kinder: Friede aus Erden. Bon Konrad Ferd. Meyer.(Gedicht.)— Die gesperrte Weihnachtsvorstellung. Bon Emst Almsloh.— Für« Schwarze Land. Ein Weihnachtslied von Ferdinand Freiliarath.(Gedicht.)— Ferdinand Fretligralh.— O Tannebaum l... Von Brand.— Tanzlied.— Wasserrose und Libelle. Von Karl Ewald.— Vor Weihnachten. Von Friedrich Güll.(Gedicht.) Die.Gletchhett" erschewt alle U Tage einmal. Prei» der Nummer >0 Ps.. durch dt« Post bezogen beträgt der AdonnementSpreiS vietteljährlich oh»« Besiellaeid SS Ps., unter Kreuzband SS Ps. Jahresabonnemeni 2.S0 SR. ««tltcker Marktbericht der städtisch«,«arMaklen-Dtrektion über den Großhandel in den gentral-Marktballen. Marktlage: Fletsch: Zusuhr genügend, Geschäst flott, Preise unverändert. Wild: Zufuhr zum Teil nicht genügend, Geschäft lebhaft, Preise unverändert. G e s l ü g e l: Zufuhr reichlich. Geschäst rege, Preise gut. Fische: Zufuhr in Flußfischen knapp, Geschäft mhig, Preise wenig oerändert. Butter und ftase: Geschäst ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst and Süd» s r ü ch t»: Zusuhr genügend, Geschäft matt, Preffe wenig verändert. todmsH n. Stores oclerUrtn M «dg»»—«w . I fbtwU Best*«»gt.». BrtMvt-ron an. Band«tngvi, II vis Prima Spachtel-Tüll mit Batist-Amloga IS bis Bebt Brbatfill, reich mit Bftndchen, Handarbeit. OTI IS b* O.M. OM nso "m. •an«,- rtn-StoTM. ornrn 9 mod MuaM I bb Bcbla Spachtel• Store«, c U Appllk m Spinnen I Ibis-'M. Point lace-, Stall»- md Laoai-Stora a. Erbaiüfl A Neuheit IS bis"M. Steppdecken. 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