Nr. 603. Abonnements- Bedingungen: Bonnements Breis pränumerands? Bierteljabrl. 8,80 R, monati. 1,10 ML möchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg Sonntags. nummer mit Muftrierter Sonntags Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. BostAbonnement: 1,10 Marf pro Monat. Eingetragen in die Bost- Zeitungs Breisliste. Unter Areusband Deutichland und Desterreich. Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mar? pro Monat Bostabonnements nehmen ant: Belgien, Dänemark, Holland, Italten, Luzemburg, Bortugal, Bumänien, Schroeben und die Schweis trieciet tiglie außer Besizes Vorwärts Berliner Dollisblatt. 25. Jahrg. Die Infertions Gebühr Beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder beren Raum 60 fg., für politische und gewerffchaftliche Vereins. und Berfammlungs- Anzeigen 30 Bfg. Kleine Anzeigen", bas erfte( fettgebrudte) Bort 20 Bfg., jebes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und SchlafKellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jebes weitere Bort 6 Bfg. Worte über 15 Buchstaben sablen für zwei Borte. Snferate für die nächste Nummer müffen Bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Ervedition i Bis 7 Uhr abends geöffnet. Zelegramum adreffe: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Berufbrecher: Amt IV. Nr. 1983. Steuerscheu der Besitzenden. Dienstag, den 29. Dezember 1908. ( noch nicht so genau übersehen lasse, daß man jetzt schon dauernd höhere Einkommensteuern bewilligen könne und zweitens, daß man durch eine dauernde Erhöhung der Ergänzungssteuer eine Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. r. 1984. Die friedlichen Absichten.. eid- Bermögensſteuer gefährde. So beſtechend dieſe Argumente auf den ersten Blick auch sein mögen, so sind es in Wirklichswolsti eine mit Spannung erwartete Rede über die In der russischen Duma hat der Minister des Innern keit doch nur Scheingründe, hinter denen sich die Die besitzenden Klassen in Preußen sind auf eine harte Steuerfchen der Besigenden verbirgt. Gewiß ist auswärtige Politik Rußlands, insbesondere die Probe gestellt. Die Regierung braucht Mittel, um die Be- das finanzielle Verhältnis Preußens zum Reich heute so un- Baltan politit, gehalten. In Desterreich befürchtete foldungsreform durchzuführen, und sie macht den Versuch, geklärt wie nur dentbar, aber wer garantiert uns denn, daß man, daß die Rede aggressive Töne gegen Desterreich andiese Mittel auf dem Wege der direkten Befteuerung zu er- es über ein oder zwei Jahre übersichtlicher ist? Selbst wenn schlagen werde, daß Iswolsti, um der chauvinistischen Stimlangen. Das wollen sich die herrschenden Kreise nicht gefallen die Reichsfinanzreform zustande kommt, ist an eine wirkliche mung der reaktionären Mehrheit der Duma Zugeständnisse laffen, mit Händen und Füßen sträuben sie sich gegen ein Assanierung der Reichsfinanzen nicht zu denken, es sei denn, zu machen, die Autonomie Bosniens und der Herzegowina Anziehen der Steuerschraube, und anscheinend scheuen sie sogar daß der Pumpwirtschaft im Reich ein Ende gemacht fordern werde. Indes hat der Minister sich in seiner Rede vor einem Konflift mit der Regierung nicht zurück. und an Ausgaben für Heer, Marine und Stolonien nichtssagende, inhaltsleere Säße aneinandergereiht, die die solcher gefährlichen Forderung enthalten. Er hat ziemlic Dabei hat der preußische Finanzminister in seinen An- gespart wird. Darauf aber ist in Darauf aber ist in der Aera der forderungen an die Besitzenden eine Bescheidenheit an den Tag Blodpolitit weniger zu hoffen als je. Und was Situation nicht verschlimmern können. Der russische Bär ist gelegt, wie wir sie von ihm, wenn es sich darum handelt, den Hinweis auf die Reichsvermögenssteuer betrifft, zurzeit friedliebend aus Schwäche. Er fann bei der allgeden Arbeitern neue Lasten aufzuerlegen, nicht gewöhnt fo ist es ja bekannt, welchen Widerstand gerade die meinen Berrüttung des Landes keinen Strieg wagen, So find. Obgleich die Erhöhung der Beamten, Lehrer- und Konservativen, gegen deren Willen im Reich feine Gefeße zu erklärte denn Iswolski, daß er einen Protest gegen die AnGeistlichen- Gehälter jährlich 126 Millionen erfordert, begnügt stande kommen, diesem Projekt entgegensegen. Charakteristisch nerionen Desterreichs nicht erheben könnte, weil es ein großer fich Frhr. von Rheinbaben damit, aus der Einkommen für die Steuerscheu der Besitzenden ist vor allem ihre Haltung politischer Fehler wäre, dergleichen zu tun, wenn man nicht die steuer, der Ergänzungssteuer und einer neu einzuführenden der Gesellschaftssteuer gegenüber. Erklärten die Herren doch Absicht habe, ihn, wenn nötig, mit den Waffen zu unterstützen. Gesellschaftssteuer 55 Millionen herauszuschlagen, die übrige rund heraus, die tapitalfräftigen Attiengesellschaften würden, Was Rußland zu tun bleibt, ist, Entschädigungen für sich, die Summe soll hauptsächlich aus den Eisenbahnen herausfalls sie zu einer besonderen Steuer herangezogen werden Balkanstaaten und die Türkei zu fordern. Für Serbien, gewirtschaftet werden. sollten, einfach aus Preußen auswandern! So- Montenegro und Bulgarien hatte die Nede einige freundliche Um die Forderung der Regierung und das Verhalten der bald es ans Zahlen geht, hört in gewissen Kreisen Worte. Bemerkenswert ist die folgende Stelle, die auf die Landtagsmajorität richtig würdigen zu fönnen, ist es not ber Patriotismus auf, da enthüllen die Herren, bie Schaffung eines Bundes der kleinen Balkanstaaten hinzuwendig, einen kurzen Ueberblid über die Staatseinnahmen sich sonst gar nicht genug in hurrapatriotischen Phrasen er zielen scheint:... ... Bulgarien sei verständigt, daß Rußlands überhaupt zu geben. Der Nettovoranschlag der Staats- gehen und gegen die ,, baterlandslose" Sozialdemokratie wettern fernere Saltung nicht von Bulgariens Handlungsweise in einnahmen und Ausgaben für das laufende Etatsjahr können, plöglich ihr wahres Gesicht. der Vergangenheit, sondern in der Zukunft abhänge, das balanciert mit 672,3 Millionen Mart. Etwa die Von einem anderen Standpunkt aus freilich ist der Be- heißt, inwieweit Bulgarien mit den übrigen Balkanstaaten Hälfte der Reineinnahmen liefern die Betriebs- schluß der Kommiffion zu begrüßen. Bebeutet er doch nichts solidarisch bleibe. Bulgarien, Serbien und verwaltungen, die Eisenbahnen allein abzüglich der mehr und nichts weniger als die Statuterung des Montenegro müßten durchdrungen sein von dem BewußtBensionen für Beamte, der Witwen- und Baisengelder für parlamentarischen Einnahmebewilligungs Einigkeit untereinander. Rußlands Biel bestehe fein der Notwendigkeit moralischer und politischer Hinterbliebene von Beamten, des Anteils an dem Fonds zu rechtes. eines Rechtes, das die Regierung dem Landtag darin, diese Staaten zusammenzuschließen und mit der Dienſteinkommensverbesserungen und der nicht unbeträcht bestreitet, das er aber zweifellos ebenso gut besigt, wie das Türkei durch den gemeinsamen Gedanken an den Schutz lichen Ausgaben zur Berzinsung der noch nicht getilgten englische Parlament. Welche Fronie des Schicksals! Das 6744 Millionen Mart betragenden 228 Millionen. Dagegen belaufen sich die Reineinnahmen rung feiner Rechte widersetzt hat, besinnt sich plötzlich in seiner Abkommen und die Befestigung der Allianz mit Frankreich Eisenbahnschulden preußische Dreiflaffenparlament, das sich bisher jeder Erweite- ihrer nationalen und ökonomischen Selbständigkeit zu einigen." Besonders werden in der Rede noch das englisch- russische aus den direkten Steuern nur auf 269, aus den Zöllen und Herzensangst, die Besigenden könnten zu hoch besteuert werden, erwähnt sowie die Annäherung an Italien. Als Nachsatz fehlt indirekten Steuern auf 69,9 Millionen Mart. Wir lassen hier darauf, daß es verfassungsmäßig die Macht hat, die billige Versicherung nicht, daß diese Beziehungen keinerlei absichtlich die Frage bei Seite, ob es selbst vom Stand nicht nur Ausgaben, sondern auch Einnahmen nach Spike gegen Deutschland haben. punkt der Anhänger eines nach der Steuerleistung be- Belieben zu bewilligen oder abzulehnen! Schade messenen Wahlrechts begründet ist. in einem Staate, nur, daß es bei würdigeren Anlässen von diesem Recht keinen einem Staate, nur, daß es bei würdigeren Anlässen von diesem Recht feinen bemerkenswerte Debatte. Dem Redner der Sozialdemo Der inhaltslosen Rede folgte eine zum größten Teil wenig der bei insgesamt 672,3 Millionen Reineinnahmen Gebrauch macht! nur 269 aus direkten Steuern zieht, die Steuerleistung zum fraten, dem Genoffen Bokrowski, der die tüdische auswärtige Die einfache Lösung der Frage scheint uns in der Ein Politik des Zarismus, die zuzeiten in ausgiebigster Weise mit Maßstabe eines politischen Rechtes zu machen. Für unsere führung des Systems der Quotisierung zu liegen, d. 5. Rockspiteln und Bestechungen gearbeitet hat und der es nieBetrachtung genügt die Konstatierung der Tatsache, daß die in der alljährlichen Feststellung der Monatsraten, die von der mals darauf angekommen ist, slawische Bölker, deren Anwalt Steuereinnahmen der direkten Steuern auf 269 Millionen veranlagten Einkommensteuer für das betreffende Etatsjahr veranschlagt sind, und zwar aller direkten Steuern zusammen- zur Erhebung kommen. Einen dahinzielenden Antrag hat die sie zu fein vorgibt, den eigensüchtigen Zielen der HerrschenBudgetfommission abgelehnt; sie hat damit befundet, daß Rechten das Wort entzogen, weil eine Stelle seiner Rede für den Rußlands zu opfern, wurde schließlich unter Geheul der Die hauptsächlichsten direkten Steuern find die Ein- ihr an einem wirklichen Einnahmebewilligungsrecht gar nichts eine Gotteslästerung ausgegeben wurde, die in Wirklichkeit fommen- und die Ergänzungssteuer. Erstere ist zu zahlen bei gelegen ist. Einkommen von mehr als 900 M., lettere bei Vermögen von Charakteristisch ist es auch, daß die Kommission in ihrer nicht als eine Stäubung der russischen Diplomatie war. Er genommen. mehr als 6000 m. Die Tarife sind für beide progreffib ge- überwiegenden Mehrheit von hatte gesagt: Im Jahre 1895 ist das armenische Blutbad einer Erhöhung des staltet, aber so, daß die Einkommensteuer im Höchstfalle steuerfreien Gristenzminimums nichts wissen Gelegenheit 3000 Armenier, die sich in eine Kirche gereitet von der russischen Regierung inszeniert worden; als bei diefer 4 Proz. des Einkommens, die Ergänzungssteuer höchstens wollte. Nur ein einziges Mitglied außer dem Antrag batten, von den Türfen niedergemegelt werden sollten, riefen ½ pro Mille ausmacht. Ein Millionär zahlt also, wenn er ſteller stimmte für den sozialdemokratischen Antrag, fie Christus an, dieser aber fanvieg, offenbar von den rusmur eine Million Vermögen besigt, die horrende Summe von die Einkommen bis zu 1200 m. von der Steuer fischen Diplomaten gewarnt." ganzen 500 M. als Ergänzungssteuer, und diese Steuer darf frei zu lassen! Auch die Anregung auf Beseitigung der noch nicht einmal mit fommunalen Zuschlägen belegt werden, die Arbeiter gegenüber den anderen Bevölkerungsflaffen schwer den Beschlusses beendet: Die Debatte wurde schließlich durch die Annahme folgen. die Gemeinden dürfen lediglich zur Einkommensteuer belastenden schifanösen Bestimmungen des§ 23 des EinZuschläge erheben. tommensteuergesetzes fiel glatt zu Boden. Wozu auch ErDie Absicht der Regierung war nun auf eine Erhöhung leichterungen für die Arbeiterflasse! Die Vertreter der bürgerder beiden Steuertarife gerichtet, und zwar sollten sämtliche lichen Parteien haben genug zu tun, wenn sie für ihre Vermögen etwa um den vierten Zeil höher be- laffengenossen sorgen! steuert werden als heute, während die Einkommen nur bon Noch läßt sich das schließliche Schidsal der Steuervorlagen mehr als 7000 M. ab höher zur Steuer herangezogen der Regierung nicht übersehen. Einstweilen handelt es sich werden sollten. Die Vermögenssteuer würde nach dem Ste- nur um Kommissionsbeschlüsse erster Lesung. Mitte Januar gierungsvorschlage 0,66 pro Mille betragen, der einfache wird die Kommission zu nochmaliger Beratung zusammen. Das türkische Parlament an den Sultan. Millionär hätte also 660 M. zu zahlen; der neue Einkommen- treten, um endgültig Stellung zu nehmen. Für die Regierung Nach Anhörung der Rebe des Ministers und mit dem Ausdrucke warmen Mitgefühla Mitgefühls für die bie ver. wandten Slawenbölter und Staaten sowie in der feften Hoffnung, die Regierung werde alle Anstrengungen machen zur Wahrung ihrer gerechten Interessen mit allen friedlichen Mitteln, geht die Duma aur Tagesordnung über." Steuerentwurf fah bei 7000 bis 7500 m. eine Steigerung find die bisher gefaßten Beschlüffe schlechterdings unannehmbar. Die türkische Deputiertentammer hat am Montag die Adresse um 4 M., bei 11 500 M. eine solche um 40 M., also Mehr als einmal hat der Finanzminister in der Kommission an den Sultan beschlossen. Am 28. Dezember wurde ihr Entwurf im großen ganzen eine recht mäßige Steigerung bor. erflärt, daß die Regierung es nicht verantworten fönne, so verteilt. Daneben hatte die Regierung noch eine besondere Gesellschafts- erhebliche Mehraufwendungen zu machen, wenn ihr die von Am Montag wurde die breffe nach einer furzen GeschäftsSteuer auf Aftiengesellschaften, Stommanditgesellschaften auf ihr geforderten Deckungsmittel nicht dauernd bewilligt würden. ordnungsdebatte ohne Debatte ohne Debatte angenommen. Die tele Attien, Berggewerkschaften und-Konsumgenossenschaften Geschehe das nicht, dann müßten die Besoldungsvorlagen graphischen Meldungen teilen über die Abstimmung selbst nichts mit. eingebracht, die sie den Mittelstandspolitikern zuliebe unter fallen. Es läßt sich also nicht erkennen, ob sich eine Oppofition gegen die einer taum glaublichen Verkennung des Wesens dieser Gebilde Wird die Mehrheit des Dreifiaffenparlaments es darauf Adresse bemerkbar machte. mit den fapitalistischen Assoziationen in einen Zopf warf. antommen laffen? Wird sie einen Ronflift mit der Regierung Die Adresse ist bemerkenswert toegen der unverblümin Sprache, Was hat die Budgetfommission des Abgeordnetenhauses, heraufbeschwören? Wird sie die Beamten, um deren die die Bertreter des türkischen Boltes darin gegen den Sultan der die Vorlagen überwiesen wurden, aus den Vorschlägen Stimmen bei den Wahlen sie buhlt, dadurch von sich anschlagen. Die Adreffe beschäftigt sich zunächst mit der Auflöfung der Regierung gemacht? Zunächst hat sie es abgelehnt, abstoßen, daß die Besoldungsaufbefferung an ihrer Steuer- des erften türkischen Barlaments und wendet sich dann in scharfer Sprache bereits für das laufende Jahr Zuschläge zur Einkommensteuer scheu scheitert? Warten wir es ab! Wir Sozialdemo- gegen die damaligen Ratgeber des Sultans. Wenn sich der zu bewilligen. Ebenso hat sie das Gesellschaftssteuergeset traten werden uns nicht den Kopf darüber zerbrechen, ob Sultan in der Vergangenheit nicht von den trügerischen rundweg verworfen, und endlich hat sie von einer Reform die preußische Regierung, diese reaktionärste aller Einflüsterungen unzuverläffiger Berfonen bätte des Einkommen und Ergänzungssteuergesetzes Abstand ge- Regierungen, die lediglich die Sachwalterin der berüden laffen, so würde man in der Türkei in den letzten nommen und lediglich auf zwei Jahre, für die Jahre 1909 besigenden Klassen ist, die von ihr für geboten er- breißig Jahren an vielen Stellen des Reiches blühende Dafen und 1910 Zuschläge bewilligt, und zwar zur Ergänzungssteuer achteten Mittel bewilligt bekommt oder nicht. Als Stieftinder an Stelle von Ruinen, Fortschritt an Stelle des Ver cinen Zuschlag von durchweg 25 Broz, zur Einkommensteuer der Gesetzgebung haben wir auch nicht das geringste Intereffe falls haben erstehen erstehen fehen, bann würben der Nation, Buschläge von 5 bis 25 Proz. Diese Buschläge sollen bereits an der Aufrechterhaltung des heutigen Regierungssystems. Die einige wenige Individuen unter bem bei Einfommen von mehr als 3000 m. beginnen, sie betragen Für uns hat die ganze Angelegenheit nur psychologisches huge des Despotismus für eigennügige bei 3000 bis 9500 M. 5 Proz., von 9500 bis 14 500 9. Interesse. Mag Herr von Rheinbaben sehen, wie er mit der 10 Broz, von 14 500 bis 20 500 02. 15 Broz, bon 20 500 jogenannten preußischen Voltsvertretung fertig wird! bis 40 500 M. 20 Proz. und darüber hinaus 25 Broz. Zur Begründung wurde in der Sommission geltend ge macht einmal, daß fich das finanzielle Berhältnis aum Reichel 8wede ausbeuteten, nicht so biele Bunden ge= fchlagen worden sein. Zur äußeren Politit übergehend, bemerkt der Entwurf, daß die ganze Nation den Schmerz des Sultans über bie Unabhängigteitser! lärung Bulgariens und bie annettierung Bosniens und der Serzegowina teile und fährt fort: Die Kammer wird einer Politik der internationalen Freundschaft folgen. Die Nation, die im Jnlande die friedliche Umwälzung durch- geführt hat, wird der Welt zeigen, daß sie auch dem Auslände gegenüber unentwegt die Friedenspolitik verfolgen wird. Wir hoffen, daß dadurch das Land sich zu der Stellung hinauf- arbeiten wird, die es im Konzert der Großmächte verdient, daß eS den Schutz des Völkerrechts genießen und die Liebe und die Achtung aller verdienen wird, daß die erwähnten politischen Fragen bald zu einem guten Ende geführt werden dank dem freundlichen Veistand der Großmächte, die unserer friedlichen Absichten ebenso wie unseres Eifers und unserer Loyalität sicher sind. Als nächste Aufgabe der Kammer nennt der Entwurf die Regelung d e S Finanzwesens. Die Kammer werde dafür Sorge tragen, daß es nicht erlaubt sei. auch nur einen Pfennig aus der Staatskasse oder auch nur einen roten Para auS der Tasche der Steuerzahler im Widers pruch mit dem Budgetgesetz auszugeben. Trotz der unglaublichen Verschwendung, die Jahre hindurch getrieben sei, wofür die Geschichte der Finanzen kein Beispiel fände, werde die Kammer eS versuchen, die Bilanz her- zustellen und dadurch eine Erhöhung des Kredites herbeizuführen. An weiteren Aufgaben nennt die Adresse die Sorge für die öffent- liche Sicherheit, für Schulbauten, die Vermehrung der Verkehrsmittel, die Entwickelung von Handel. Industrie und Landwirtschaft, ferner die Neuorgani- s i e r u n g und Vermehrung des Heeres und der Flotte. wie es die geographische Lage des Landes verlange, um die Jntcr- essen des Vaterlandes wie der konstitutionellen Regierung, die unter dem Schutze des Heeres und der Flotte stehe, zu verteidigen. Die Adresse schließt: Wir freuen uns. Euerer Majestät unsere Gefühle des Stolzes und der Dankbarkeit kundgeben zu können darüber, daß der Wille des Volkes der- artig fest ist, daß keine Macht der Erde ihn erschüttern kann. Darüber, daß wir bei der Eröffnung der Kammer, jenes Abbilde» der Volkssouveränität, Euere Majestät haben vor Augen sehen können und zum Zeichen dafür, daß alle Schranken zwischen Herrscher und Volk auf immer gefallen find, fließt unser Herz über einzig und allein von der Liebe zum Vaterlande und zu unserem Volke beseelt. Alle unsere Wünsche gehen darauf hinaus, für das Land und für die Nation nützliche Arbeit zu leisten. Wir lassen unS führen von dem Morgenrot der Gleichheit und Ewigkeit und unser Ziel ist Recht und Ge- rechtigkeit.________ 20 stfindlgcr Slraßcnitampf in(Man. Von einem hartnäckigen Kampf zwischen Polizei und Ver- brechern in Moskau berichtet die russische Telcgraphenagenwr. Welcher Art diese Verbrecher sind, sagt sie nicht. Sie meldet trocken: In der Nacht vom 2S. zum 26. fand auf der Insel Lossino bei Moskau ein heftiger Kampf zwischen Polizisten und Verbrechern statt. Letzlere hatten sich in einem zwei- stockigen Hause verbarrikadiert. AuS sich die Polizei dem Hause näherte, wurde sie mit S a l v e n f e u e r empfangen. Aus Moskau herbeigerufene Verstärkungen umzingelten d a S Haus und unterhielten ein Gcwehrfeuer, bis die Schüsse aus dem Hause aushörlen. Daraus suchte der Chef der Sicher- heitö Polizei mit Begleitung über den Boden in das Haus einzudringen. Er wurde jedoch wiederum mit Salve nfeuer empfangen und zum Rückzüge gezwungen. Um 1 Uhr nach- mitlagS drang die Polizei in das HauS ein, fand dort aber nur einen Manu mit durchschossener Schläfe tot vor. Der Besitzer des Hauses ist verhaftet worden. Mehrere Polizeibeamte, darunter der Chef der Sicherheitspolizei, sind schwer verwundet. Ein Beamler ist seinen Verletzungen erlegen. Offenbar handelt eS sich hier nicht um gemeine Verbrecher. Mit denen kämpft die Moskauer Polizei nicht, mit denen macht sie Geschäfte. Die Fassung des Telegranims ist auf Vertuschung des Umstaudes berechnet, daß trotz der Stolypin- scheu Schreckensherrschaft Rußland noch nicht„beruhigt" ist. Debhalb wird in der Meldung das Wort Revolutionäre sorg- faltig vermieden. In Wirklichkeit handelt es sich um einen Kampf mit Terroristen, der 20 Stunden andauerte und den schließlich Artillerie entscheiden mußte. Darstellungen, die englische Blätter von der Affäre geben, lauten: Auf der Insel Lossino in Moskau fand in der Nacht zum 26. Dezember zwischen Revolutionären und Polizei und Militär eine blutige Straßenschlacht statt, deren Mittelpunkt eine Villa war. die der Polizei schon seit langein als das Haupt- quartier der Terroristen bekannt war. Eine Ab- teilung Polizisten umzingelte plötzlich die Villa und forderte die Insassen auf, sich zu ergeben. Anstatt diesem Verlangen nach- zukommen, feuerten die Revolutionäre aus die Polizisten, von denen bei der ersten Salve mehrere auf der Stelle blieben. Nun cutspan» sich ein hartnäckiger Kampf. Die Polizei versuchte, die Villa mit Gewalt zu nehmen, sie wurde aber immer wieder von den Revolutionären zurückgeschlagen. Schließlich wurden Truppen herbeigeholt, aber auch sie hatten keinen Ersolg. Der Kampf dauerte mit Unterbrechungen zwanzig Stunden. d i 6 Artillerie eingriff und die Villa zu bom- barbieren begann, die innerhalb kurzer Zeit dem Boden gleichgemacht wurde. Von den Verteidigern der Villa, die unter der Führung eines gewissen BaronS Corte gestanden haben sollen, blieb nicht ein einziger Mann am Leben. Die englischen Blätter behaupten, daß alle Anzeichen dafür sprechen, ähnliche Zusammenstöße zwischen Terroristen und Militär würden sich in nächster Zeit wiederholen. Es bedarf indes näherer Anhaltspunkte, um beurteilen zu können, ob der Vorfall mehr als örtliche Bedeutung hat, mehr als ein vereinzeltes Ereignis bleiben wird. politische Qcbcrftcht Berlin, den 28. Dezember 1908. Ein Anschlag gegen die Freizügigkeit. Der Wirkliche Geheime OberregierungSrat Hugo von Kn-ebel-Döberitz hat in der„Zeitschrift für Politik" einen Aufsatz erscheinen lassen, in dem er eine Aufhebung der Freizügigkeit empfiehlt. Die„Deutsche Tageszeitung" nennt diesen Aufsatz„sehr beachtenS- wert" und gibt, nachdem sie die Grnndzügc der Vorschläge wiedergegeben hat, der Forderung Ausdruck, daß die bis- hmgen„Auswüchse der Freizügigkeit" unbedingt beschnitten werden müßten. Der dem Vorschlage des Herrn von Knebel- Döberitz zugrunde liegende Gedanke sei gut und be° achtenswert. Was schlägt nun dieser Herr eigentlich vor? Er ver- langt nichts Geringeres, als daß den jugendlichen Land- «rbeitern gesetzlich verboten werden solle, vor dem ll8. Jahre, eventuell vor Erreichung der Mündigkeit, in, die ßlrotzstädts zu verziehen. Unter Großstädten versteht er > Städte, die mehr als etwa 30 990 Einwohner zählen. Dies Verbot der Freizügigkeit müsse namentlich für die Gegenden mit vorherrschendem Großgrundbesitz, d. h. einem Besitze von iiber 199 Hektar, durchgeführt werden. Natürlich soll sich nach dem Vorschlage das Verbot nicht auf sämtliche junge Leute erstrecken, sondern nur auf die Kinder ländlicher, nicht angesessener Tagelöhner und solcher Kleinbauern, die wegen des ge- ringen Umfanges ihres Besitztums Lohnarbeit suchen müssen. Der Vorschlag des Wirklichen Geheimen Oberregierungs- rats läuft also auf nichts anderes hinaus, als dem Aus- beuterinteresse des Großgrundbesitzes eine neue Form der Hörigkeit für die Kinder des Landproletariats einzuführen. Ein Vorschlag, der durch seine Unverfrorenheit ge- radezu verblüfft, aber gerade deshalb in dem Organe unserer brot- und fleischwuchernden Landwirte den lebhaftesten Beifall findet. Man sieht, daß die liberale Aera der Blockpolitik das Junkertum nur noch dreister gemacht hat!— Byzantinische Rhetorik. Die Konservativen benutzen den Sturm gegen das per- sönliche Regiment, um sich nach oben als unentwegt königs- treue, in Ehrfurcht und Demut vor dem Thron„ersterbende" Kämpen des� Gottesgnadentums zu empsehleu. Ein neues Beispiel dafür wird aus Glatz gemeldet. Prinz Friedrich Wilhelm von Pmtßen hat während der letzten sieben Monate beim Landratsamte in Glatz gearbeitet, um den Verwaltungs- dienst kennen zu lernen. Bei seinem Abschied fand dieser Tage im Hotel Kaiserhof in Glatz ein Festmahl statt, während dessen Verlauf Landrat v. Steinmann, indem er dem Prinzen„für die zahlreichen Beweise huldvoller Gnade dem Kreise gegen- über" dankte, etwa folgendes ausführte: „Hoch schlugen schon unsere Herzen im Frühling, als die Kunde kam, daß Euere Königliche Hoheit dem Kreise Glatz die Ehre erweisen wollten, sich hier über die landrätlicheu Geschäfte zu informieren. Freilich blieb ein banges Gefühl der Sorge nicht ganz aus, ob Euere Königliche Hoheit hier mich das finden würden, was erwartet wurde. Zwar wußten wir, daß Euere Königliche Hoheit, angezogen von den großen Angelegenheiten des Staates, sich mit Eifer dem Verwaltungsdienst widmeten. Euerer Königliche Hoheit hohe Persönlichkeit aber war uns noch fremd, und wir kannten noch nicht Euerer Königlichen Hoheit be- glückende, li ebevollc Freude am Detail! Euere Königliche Hoheit kamen— und eroberten aller Herzen im Sturm, aber fest und unerschütterlich! Schon nach wenigen Tagen hörten wir freudig aufmerkend aus Euerer Königlichen Hoheit Munde das Wort:„Ich bin stolz darauf, dem Könige und dem Baterlande in Schlesien dienen zu können." Und wie haben Euere Königliche Hoheit das Fürstenwort ein- gelöst! Im ernste st en, Pflichtgetreuesten und cnt- sagenden Sinne wie ein schlichter Beamter, vorbildlich für uns, haben Euere Königliche Hoheit„Dienst" gc- ton. Konnte es da ausbleiben, daß bei solch idealer Auffassung Ihrer Aufgaben der Erfolg Euerer Königlichen Hoheit Tätigkeit in der Grasschaft weit über das Ziel einer insorma- torischen Beschäftigung hinausgewachsen ist? So lange die Grafschaft preußisch ist, hat stets in ihr ein ganz besonderes Gefühl patriotischen Sinnes und hingebender Königs- treue geherrscht. Schon der große König hat di-S erfahren und cjne Reihe von Grafschaftcr Dorfschaften durch das ehrenvolle Prädikat„besonders, treu" zum immerwährenden Gedächtnis auS- gezeichnet.— Dadurch, daß Eure Königliche Hoheit als Mitglied unseres erhabenen Königshauses fo lange in der Grafschaft ge- weilt, an den Interessen aller ihrer Bewohner in Stadt und Land, in Schloß und Hütte, mit solch unbegrenztem Wohlwollen und klarem Verständnis Anteil genommen haben, ist diese be- sondere Treue zu König und Vaterland hier gefördert und vertieft wie nie zuvor!" Man kann sich nicht wundem., wenn junge Prinzen, die alle naselang in solchen an den römischen Jmperatorcnkultus des versinkenden Römerreichs erinnernde Reden gefeiert werden, schließlich zu der Auffassung kommen, sie seien über die Masse des Volkes weit hinausragende halbgottähnliche Wesen, und wenn sie in solcher naiven Sclbsttiberschätzung den Maßstab für die Beurteilung der realen politischen Verhält- nisse verlieren. Die Schuld trifft weniger die„Königlichen" und„Kaiserlichen" Hoheiten, als die„allzeit getreuesten" Diener des Staates, die es aus gewissen Gründen für an- gebracht halten, nach oben zu beweisen, daß sie es in bezng auf Devotion mit den Rhetoren des zäsaristischen Roms aufzu- nehmen vermögen. �_ Das Arbeitspensum des Reichstages nach Neujahr. Wie sich nach Neujahr die Tätigkeit des Reichstage? gestalten wird, läßt sich noch nicht übersehen, denn sie hängt ganz und gar von dem Fortschreiten der Kommissionsarbeiten ab. Mit AuS- nähme des Arbeitskammergesetzes, das vom Plenum noch nicht be- raten ist. und zweier kleiner Gesetze, die an Kommissionen nicht überwiesen worden sind, befinden sich alle Regierungsvorlagen, die dem Reichstage vorgelegt worden sind, in den Kommissionen. Der Etat, die Besoldungsgesetze und die Steucrgesetze sind von den Kommissionen noch nicht in Angriff genommen worden, die meisten anderen Gesetze befinden sich noch mitten in der Kommissionsvor- beratung. Abgesehen von den Initiativanträgen, von denen erst sehr wenige beraten sind, und den Interpellationen, über die Hand- habung des Vereinsgesetzes lassen sich die ReichStagSdispositionen nach Neujahr erst bestimmen, soweit sich die Arbeiten der einzelnen Kommissionen übersehen lassen. In der ersten Woche nach den Ferien werden ArbeitStammergesetz und die genannten Juter- pellationen daS Plenum beschäftigen. Inzwischen dürften einige Etatsteile von der Budgetkommistion fertig beraten sein, um dem Plenum überwiesen werden zu können. Personenwechsel im Auswärtigen Amt. Zum Nachfolger deS Geheimrats Klehinet. der aus feinem Amte scheiden mußte, weil er so unvorsichtig war. daS bekannte Kaiser- Interview zu lesen, anstatt eS nach dem Vorbild des Reichskanzlers ungelefen an einen ihm untergeordneten Beamten weiterzugeben. ist der Botschaftsrat Wilhelm v. Stumm ouLersehen. Herr v. Stumm ist ein Neffe des früheren Führers der freilonservativcn Partei, des „Königs Stumm".—___ Spät kommt Ihr!... Dis„Franksiirter Zeitung" hat jetzt endlich etwa» entschiedenere Töne der Berurteilung der Rixdorfcr IreisinnSschmach gefunden. Sie schreibt: „Die Wahlrechtsverschlechterung in Rixdorf hat in allen entschieden liberalen Kreisen berechtigte Ent- r ü st u n g hervorgerufen und die füns angeblich freisinnigen Stadt- verordneten, die hierbei mitgetan hoben, können in keiner Weise noch diese Parteibezeichnung beanspruchen. Wo eS sich um eine so grundsätzliche Frage wie das Wahlrecht handelt, darf eS einen derartigen A bfall nicht geben. Ob eine sozialdemokratische Mehrheit drohte oder nicht, ist dabei ganz gleichgültig, ein Wahlrecht darf nicht zugunsten oder zum Nachteil einer Partei ausgestaltet werden. Die „Post" glaubt den Beschluß damit akzeptabler zu machen, daß sie an Präzedenzfälle in anderen Städten erinnert, wo Zensus- erhöhungen zur Verhinderung einer zu starken sozialdemokratischen Vertretung borgekommen leien. Genau so gut könnten dte Wahl- rechtSverschlechterungen in Sachsen, Hamburg, Lübeck als Beweis herangezogen werden. Ein Unrecht wird aber durch seine Wiederholung doch nicht geringer. Auch der Hinweis auf soziaidemokratischen TerronsmuS kann nicht eine Vermiiideruitg der Volksrechte rechtfertigen. Gleiches Rechr muh die Losung bleiben, im Staats- wie im Gemeinde- lebe», und eS läßt sich nicht entschuldigen, daß man einen Tui der Staatsbürger in seinen Rechten verkürzt." Es hat lange gedauert, bis die„Franks. Ztg." sich auf ihre Zugehörigkeit zu den„entschieden liberalen Kreisen" besonne» hat, in denen die Wahlrechtsverschlechterung in Rixdorf„berechtigte Ent- rüstung" hervorgerufen haben sollen. UnS ist von dieser Ent- rüstung bis jetzt nichts bekannt geworden. Denn nicht nur die Auslassungen der„Voss. Ztg.", der„Frcis. Ztg." und ähnlicher Blätter deS entschiedenen Liberalismus, sondern auch die der „Franks. Ztg." selbst atmete nichts weniger als solche Entrüstung! Es war bis jetzt der kleinen Gruppe der„Demo- kratischen Vereinigung" vorbehalten, ihrer Entrüstung vernehmlichen Ausdruck zu geben. Wenn übrigens die„Franks. Ztg." forderte„Gleiches Recht muß die Losung bleiben, im Staat wie im Gemeindeleben". so wird sie nach dieser Forderung in allen„entschieden liberaler." Kreisen des Blockfreisinns vergebens suchen! Demi die Forderung des gleichen Wahlrechts für die G e m e i n d e it befindet sich nicht nur nicht im Programm der Freisinnigeu Volkspartei, sondern ist sogar von den einflußreichsten Organen und Politikern dieser Partei mehr als einmal mit aller Ent- schiedenheit zurückgewiesen worden! Die ganze Aus- lassung der„Franks. Ztg." ist also nichts als eine ungeschickte Ve:- legeicheitSauSrede I—_ Der„Fall Schucking" gebiert immer possierlichere Zwischenfälle. Bekanntlich ist Herr Scdücking von seinem Posten zurückgetreten. Doch der Herr Regierungspräsident von Schleswig ist nicht damit einverstanden, daß der Frevler gegen den heiligen Geist der Landratsbüreaukrati� sich so leicvten Kaufs den Rächerarmen des Staates entzieht. Er macht die Erteilung seiner Genehmigung zur Amtsniederlegung von der Bedingung abhängig, daß der Bürgermeister Schückmg seine Berufung gegen da« Urteil im Disziplinarverfahren zurückzieht. DaS Verlangen ist durchaus ungesetzlich und hat Schücking Be- schwecde hiergegen beim Minister erhoben. Offizielle Statistik. Das„Berliner Tageblatt" schreibt: „In unserer Besprechung der bom Reichsschatzamt heran?- gegebenen Denkschrift über die Entwickelung der ReichSsiaanzen hatten wir bekanntlich«ine ganze Reihe bedenklicher Irrtümer nachzuweisen vermocht. Au einer totelle ist jedoch in der Donnere- tag-Abcudnummer unS selbst ein Druckfehler untergelaufen. Bei der Ausstellung der von uns ermittelten richtigen Zahlen beziehen sich die für die Jahre 18L6 bis 1589 angegebenen Ziffern nur auf die drei Jahre von 1886 bis 1888 einschließlich. Natürlich ändert das nichts an der Tatsache, daß in der Denkschrift beispielsweise für den Abschnitt 1872 bis 187b die Durchschnrttseinnahmen um rund 799 Millionen, für das Jahrfünft 1876 bis 1886 um rund 179 Millionen und für das Jahrfünft 1881 bis 188S noch um rund 59 Millionen zu hoch, für das hier in Betracht kommende Jähr- fünft 1886 bis 1899 aber um rund eine Milliarde zu niedrig berechnet sind.— Auch in Jntcressententreiseu beginnt man jetzt übrigens das Denkschriftenmaterial zur Reichsfinanz- reforrn uachzuprüsen. So lesen wir in einer Westdeutschen Fachzeitschrift:'-*. „Deutschlands Fleischverbrauch erscheint im dritten Teile des DenkschriftenbandeS in einem so falschen Lichte, daß, auch im Interesse der deutschen Landwirtschaft,«in Widerspruch uti- abweisbar ist. Das Reichsschatzamt ist dort hinsichtlich des Ver- braucheS von Fleisch in Deutschland zu ganz falschem Ergebnis gelangt. Man darf zum Beispiel nicht zu den in Deutschland erfolgten Schlachningcn auch noch die Einfuhr lebenden Viehs hinzurechnen weil diese Einfuhr, solveit sie in den Berbraucn von Fleisch überging, doch schon m den Zahlen der geschlachteten Tiere enthalten ist." Das ist richtig! Nun sagt ferner die Denkschrift auf Seite 77 auf Grund der Feststellungen von 1994, die der Deutsch? Land- wirtscktaftsrat 1996 vorgenommen, daß auf den Kopf der mittleren Bevölkerung des Jahres 1994 mit 59,7 Millionen Einwohnern, demnach im Durchschnitt 48 Kilo, zuzüglich der Einfuhr au lebendem Vieh aber sowie au Mehreinfuhr von Fleisch, Fleischproduktwn der«inheimischeu Geflügelzucht und Mehrcinfuhr an Geflügel, zu- sammeu noch>1,1 Kilo pro Kopf der Bevölkerung entfallen! ein- schließlich deS Konsums au Wild würde der Fleischkonsum etwa 55 Kilo pro Kops der Bevölkerung erreichen. Danach ist der Kön- sunt an Wild auf etwa 2.9 Kilo pro Kopf geschätzt. Eine gewattige Ziffer! Der Gesamtkonsum an Wildbret würde also 173 Millionen Kilo sein und dem an Kalbfleisch, der auf rund 3 Kilo pro Kopf mit 182,6 berechnet ist, ziemlich nahe kommen. Auch diese Zahl scheint uns nicht einwandfrei." Hungersnot im Ovambolande. Im Ovambolande ist nach einer Meldung auS Südwestafrika eine Hungersnot ausgebrochen. Der stellvertretende Gouverneur hat sich genötigt gesehen. Lebensmittel nach dem Norden de» Schutz- gebiete« zu senden. Im östlichen Teil des Ovambolandes soll die Hungersnot besonders schlimm aufgetreten sein. Der Missionar Glad habe allein an 1969 Hungernde Rationen abgeben müssen, wobei nur die fast bis zum Skelett Abgemagerten eine kleine Portion erhalten konnten. Von der Miision' sei «in Gesuch eingereicht worden, das Gouvernement möge einigen Farmern und Händlern den Zutritt zu dem Ovambo- lande gestatten, zumal doch viele Eingeborene in der Lage seien, durch Verkauf von Vieh für Lebensmittel ihren Unterhalt decken zu können. Eine Anzahl Farmer und Händler sei auch bereit, eine solche Handelsreise anzutreten. Die„Deutsche Tageszeitung" hält eS für möglich, daß die starke Anwerbung von Ovomboarbeitern für die Otaviminen eine mangelhafte Feldbestellung im Ovambolande und deshalb Hungersnot zur Folge gehabt habe. Diese Erklärung erscheint uns auch weit plausibler al« die, daß die„Raubwirischaft" des verstorbenen OvambohänPtlingS Nechale die Hungersnot Hervorgenifen habe. Sicher ist, daß die Ovambo in der Hauptsache vom Ertrag der Feldfrüchte leben und deshalb durch einen geringeren Ertrag ihrer Feldwirtschaft in Not geraten sind. DaS Vieh der Ovambo reicht offenbar nicht aus, um der Hungersnot zu steuern. Zumal ja die Ovambo, wie alle füd- westafrikanischen EiiiLeborenen. das Vieh der Milchwirtschaft wegen halten und nur im äußersten Notfälle schlachten. Ob aber der an- geblich von den Missionen vorgeschlagene Weg, den Etugeboreneu gegen ihr Vieh Lebensmittel zu verkaufen, der richtige ist, ist wehr als zweifelhaft! Bei der Schwierigkeit des Transportes würden die Mengen der Lebensmittel sicher nur recht bescheidene sein und den OvamboS nur zu Wucherpreisen verkaust werden. Die Bereitwilligkeit der Händler und Fanncr läßt ja gc- rade auf die Hoffnung dieser Leute schließen, nun auch bei den Ovambo ähnlich wucherische Geschäfte machen g n können, wie seinerzeit bei den Herero! DaS Gouhenw- ment sollte deshalb lieber die nötige Menge von Lebensmitteln den Eingeborenen unentgeltlich zur Verfügung stellen, yat e» doch das gttffete Sa te reffe daran, nach der AuSrotlung der Herero wenigstens die Ovamboftämme zu erhalten! Gestattet es eine AuS- Plünderung der Ovambo durch Händler und Farmer, so toäre die Gefahr nur zu grob, daß eö zu Konflilten mit den Eingeborenen und in absehbarer Zeit zu einem neuen grotzen Kriege kommt I Freilicb gibt eö fa bei uns Kolonialpolitiler genug, die gerade einen solchen Krieg von Herzen herbeisehnen, um den Ovambo ihr Land abzunehmen und diese Stämme ebenso zu versklaven wie die Reste der Herero I—_ Deutsche Rechnungsbeamte in den Kolonien. Durch das überaus mangelhafte Rechnungswesen in den Kolonien ist siw der Rechnungshof des Deutschen Reiches dahin schlüssig ge- worden, eigene Kommissare nach Ostnfrika, Slldwestafrika und Kamerun zu entsenden, um dortselbst das Rechnungswesen an Ort und Stelle zu prüfen. Um aber der jetzt üblichen Sparsamkeit Rechnung zu tragen, ist vorläufig die Entsendung der Kommissare nur in kleinerem Umfange geplant.— Reichs-Tparpolitik. Die Regierung will sparen, und, wie boit vornherein zu er- Warten war, fängt sie bei den im Staatsdienste stehenden Arbeiten» an. Jahr für Jahr werden, um die Weihnachtsgeschäfte bei der fiZost zu bewältigen, eine grobe Zahl Aushilfskräfte eingestellt. In diesem Jahre hat man in Braunschlveig allein 30 ÄuShiifskräfle weniger eingestellt, als in den früheren Jahren. Um trotzdem das Ardeitspensum zu bewältigen, hat man einen der sonst für daS ganze Jahr üblichen Postbesicllgäiige in den Wcihnachtswochen ein- fach abgeschafft und die Postboren gezwungen, die vermehrten Postsendungen in den reduzierten Bestellungen mit zu besorgen. Dre Postbeamten werden dadurch natürlich weit mehr angestrengt und auch für die Geschäftsleute erwachsen erhebliche Nachteile aus dieser Praxis— aber die Post hat gespart.— Eine„arbeiterfreundliche" klerikale Stadtverwaltung. In Kleve, einer Domäne des Zentrums, macht die Stadt- Verwaltung den städtischen Arbeitern„Weihnachtsgeschenke" in Gestalt von Lohnabzügen. Die Löhne der im Gas- und Wasserwerk an- gestellten Arbeiter schienen den Stadtvätern zu hoch. Sie nahmen deshalb eine Reduktion vor, bei mehreren Angestellten bis zu 3 M. wöchentlich. Einem Arbeiter, der schon über 28 Jahre in städtischen Diensten steht, war von der Stadtverordnetenversammlung für treue Pflichterfüllung eine Zulage von 60 M. jährlich bewilligt worden, dafür wurde ihm der Lohn um 60 M. pro Jahr gekürzt.— Militärischer Exzeß. Während der Weihnachtstage ereignete sich in Hamburg ein blutiger Exzeb, der für einen Soldaten vom Regiment„Hamburg" ein ernstes Nachspiel finden wird. Ein Unteroffizier verlanate von einem in Feiertagsstimmung befindlichen Musketier gegruht zu werden.(!) Dieser zog sein Seitengewehr und stieb damit nach dem Vorgesetzten, so dah dieser eine Verletzung am Unterleib erlitt, dann warf der Täter seinen Säbel weg und lief davon. Kurz darauf ge- riet er in Haft.—_ frankrctcb. Ein ungefährliches Attentat. Der Präsident der Republik, Herr Falli'öreS, ist am Freitag beim Morgenspaziergang von einem Manne ins Gesicht geschlagen, am Bart gerauft und zu Boden geworfen worden. Ernsthafte Verletzungen hat er nicht erlitten; der Attentäter wollte — nur demonstrieren. Als man ihn festnahm, schrie er. da er wohl fürchtete, die empörte Volksseele könne sich in einer gehörigen Tracht Prügel entladen, vorsichtigerweisc:„Ich habe keine Waffen bei mir; es war eine Demonstration!" Der sonderbare Held ist ein stellungsloser Kellner namens Jean Mathis, Angehöriger einer gelben Streikbrecherorganisation und des nationalistischen Vereins„Liguc des la Patrie Franeaise". Außer den Mitgliedskarten dieser Vereine fand man bei ihm eine Medaille mit dem Bilde deS Generals Mercier, des nationalistischen Helden aus der DreyfuSzeit, und Marten mit dem Bilde des Herzogs von Orleans, des Thronprätendcnten der Royalisten. Auch in Frankreich dienen demnach die gelben Streikbrecherorganisa- tionen wie in Deutschland zugleich den wirtschaftlichen Interessen der Unternehmer wie den politischen der Reaktion. Bei einer polizeilichen Durchsuchung von Mathis' Logis wurden ganze Stöße von reaktionären Zeitungen und monarchistischen Broschüren vorgefunden, wie sie in letzter Zeit besonders durch die„Action Franeaise" verbreitet werden. Mathis rühmte sich bei seiner Vernehmung seiner befreienden Tat, die ihm Pflicht und Gewissen geboten hätten. Er sei schon lange zu einer Demonstration entschlossen gewesen, da er nicht dulden konnte, daß der Präsident der Bundesgenosse und Schützer der Staatsfeinde sei und den Freimaurern als Werkzeug diente. Ernsthafte Bedeutung kommt dem Vorfall nicht zu. Die Re- gierung soll trotzdem geneigt sein, ihn zum Ausgangspunkt eines Vorgehens gegen die reaktionären Parteien zu machen. So hat die Polizei bereits Siegel an das Bureau des Leiters der gelben Vereine legen lassen. Herr Biätry, Mitglied der Kammer, hat sie indes ruhig wieder entfernt, und als die Behörde sie aufs neue anlegen ließ, hat er seine Absicht zu erkennen gegeben, sie aber- mals abzureißen. , Jan res erklärt in der„Humanite". daß die Regierung. Clemenccaus erst durch ihre Verfolgung der klassenbewußten Arbeiterbewegung das freche Auftreten der Reaktionäre und Gelben möglich gemacht und ermutigt habe. Wenn sie jetzt diese Bewegung gewaltsam unterdrücken wolle, so fehle eö ihr dazu an der nötigen Autorität. Belgien. Der außerordentliche sozialistische Parteitag über die Kolonialfrage. Der außerordentliche Parteitag der Sozialisten, der am 28. De- gember tagte, nahm einen Komprom ißvorschlag deS Parteivorstandes an, wonach das Kolonialbudget abzulehnen ist, dagegen die Mit- arbeit an Reformen in den Kolomen gestattet ist. Lander» velde.erllärte sich mit dieser Lösung einverstanden.— Italien. Nach dem Sieg von Biatidrate. Rom, 22. Dezember. Die Mehrheit der Vorsitzenden der Wahlsektionen von Biandrate hat nach der Proklamation d:r Parteikandidatur Campanozzi, des gcmaßregelten Postbeamten, das folgende Telegramm an Giolitti gesandt: ,„Die Mehrheit der Vorsitzenden der Wahlsektionen sendet nach der Proklamierung Campanozzis Euex Exzellenz herzlichen Dank in der Hoffnung, daß bei den bevorstehenden allgemeinen Wahlen das ganze Italien zum Triumph der Demokratie das Beispiel von Biandrate nachahmen möge." Man hat nicht davon gehört, daß Giolitti geantwortet hätte. Sozialistische Niederlage in San Nemo. Rom, 22. Dezember. Die seit S Jahren in Händen der Sozialisten befindliche Stadt» Verwaltung von San Nemo, die in diesem Früiffahe von der Zentralbehörde aufgelöst worden ist, ist bei den Wahlen am letzten Sonntag in die Hände der Konservativen übergegangen. Die kon- servativc Liste bat mit einer Majorität von 600 Stimmen gesiegt. Unsere Partei hat somit eine G-meindeverivaltung verloren, die zu ihren ersten Eroberungen gehörte. Dieser Verlust ist auf die beständigen und unerhörten Pressionen der Zentralbehörde zurück- zuführen, die in Ligurien überhaupt eine unglaubliche Höhe er- reichen. Verschiedene lokale Ereignisse, für die unsere Partei keine Schuld trägt, haben der Regierung ihre Verrichtung sarbeit cr- leichtert. Venezuela. Castro völlig abgesägt. Aus Caracas wird vom 27. Dezember gemeldet: Die Präsidentschaft von(i) o m e z ist im ganzen Lande anerkannt worden,� Die Revolution bat ohne Blutvergießen geendet. Sogar General Celestino Castro, Bruder des früheren Präsidenten und Chef des Departements Tachira, hat Das Kommando über die Truppen abgegeben und alle Waffen mit Munition, über 6000 Gewehre und drei Millionen Patronen auSge- liefert. Dies ist als entscheidend dafür anzusehen, daß der frühere Präsident Castro nicht mehr als Machtsaktor gelten kann. Die Presse ist frei.— parUrnieutarifckes. Der preußische Staatshaushaltsplan für 1009 wird am 12. Ja- nuar bei dem Abgeordneienhause eingehen. Er ist jedoch nicht vom Bureau des Abgeordnetenhauses, sondern, wie alle preußische» ParlameniSsache». von der Preußischen B erlag S a nsta lt Berlin S1V 68. Ritterstraße 60, im ganzen und in den einzelnen Teil-cn zu beziehen.______ Hus der Partei. Um was handelt es sich im Fall Hoffmanu? Die„Schwäbische VolkSzcitung" zu Augsburg schreibt: „In einer Polemik gegen die„Augsburger Postzeitung", das führende ZentrumÄblätt Bayerns, schreibt unser Wünchener Bruderorgan, die„Post", u. a. folgendes: „Die Frage, ob Genosse Hoffmann Volksschuldienst leisten darf oder nicht, ist völlig ausgeschieden, nachdem Hoffmann selbst auf sein Amt als Volksschullehrer verzichtet hat.... Für jetzt handelt cS sich darum, kann tzoffmann Fort- bildungöschulunterricht in der Handelslehre erteilen oder wird ihm das untersagt, loci! er Sozialdemokrat ist"... So ganz einfach ist nun nach unserem Dafürhalten die An- gelegenheit deoffmann, von welcher die„Münchener Post" spricht, denn doch nicht gelagert, denn die Erörterung der Frage, warum Genosse Hosfmann nicht mehr VolkSschullehrer ist, bildet einen integrierenden Bestandteil im„Fall Höffmann"! Als wir sofort nach der verblüffenden Niederlegnng seines VolkSschullehreramteS in die Erörterung der Frage eintraten: warum hat Hofsinann fein Amt niedergelegt und lver hat ihn dazu gezwungen?— da war es die„Münch euer Post" mit, welche mit aufgehobenem Finger davor warnte, den Fall zu erörtern. sintemalen solche Erörterung der Wahlbewegung immensen Schaden zufügen könnte. Wir verkniffen uns damals die Frage:„Nur die Erörterung— die Amtsniederlegung selber nicht?", weil dann noch die„Münchener Post" ausdrücklich konstatierte, daß diese Amtsniederlegung mit dem kurz zuvor bekannt getvordenen Ausspruch des Unterrichtsmini st crs. daß kein Sozialdemokrat ein Amt bekleiden dürfe, rein gar nichts zu tun habe, sondern lediglich auf private und persönliche Verhältnisse zurückzuführen tvärc, und daß die fraglichen Väotive von den in Betracht kommenden Instanzen beraten und Hoffmanns Handlungsweise einstimmig gutgeheißen wurde. Nach der Wahl werde sofort die getvünschte Aufklärung er- folgen. Auch unser pfälzisches und das Nürnberger Parteiorgan sprachen sich in gleichem Sinne aus. Gegenüber so viel Beschwichtigungen konnten wir nicht gut etwas anderes tun, als vor der Hand schweigen. Nach der Wahl kam nun die Amtsenthebung Hoffmanns von seinem Posten als Fortbildungsschullehrer. Nehmen wir einen Augenblick an, das nmre nicht geschehen. Wäre dann der Fall Hoffmann auch schon erledigt? Wir würden eS geradezu für eine Beleidigung aller in Betracht kommenden Parteiinstanzen Bayerns halten, wenn wir das auch nur einen Augenblick an» nehmen könnten! � Nein, ncinl Noch vor dem Minister haben das Wort der Genosse Höffmann selber und jene Partei i n st a n z e n, welche mit seiner freiwilligen Amtsniederlegung sich befaßten! Ebenso auch jene bayerischen Partei o r g a n e, welche sich vor der Wahl mit ihrer ganzen Autorität für die Verschiebung der Dis- kusswn bis nach der Wahl ins Zeug legten! Jetzt steht der ganze Fall Hoffmann zur Diskussion und nicht nur daL letzte Bruchteilchcn davon! Und zwar möglichst ohne„wenn" und„aber"! Damit ist die Sache izicht abgetan, daß jetzt, eingeschachtelt zwischen die oben zitierten beiden Sätze unser Münchener Brudcrblatt treuherzig meint: „Daß w i r diesen Verzicht für einen großen Fehler hakten. soll nebenbei bemerkt sein." Mit Verlaub: von Ivo und seit wann loeiß denn unser Bruder- blatt in München, d a ß cS sich dabei mit einem Male um einen Fehler handelt? Noch dazu um einen großen! Wollen wir nicht lieber erst Hoffmann selber und die beteiligten Instanzen hören, die vor der Wahl ebensowenig etwas von großen Fehlern zu berichten wußten, wie die..Münchener Post"? Und wenn seither erst die..Münchener Post" anders informiert wurde, warum hat man dann die„Schwäbische Volks- zeitung" nicht informiert? � � Ist ma» geneigt, dieses offenbare Versehen nachzuholen? Bei anderer Behandlung dieses Falles durch die Partei wäre höchstwahrscheinlich auch schon die Regierung aus ihrer Schweigsamkeit aufzurütteln gewesenl So aber ist cS ein undankbares Geschäft, nach einer Seite zu lästern und nach der anderen zu beschönigenl" .... So schreibt ein bayerisches Partciblatt. Wir sind gespannt darauf, ob es endlich die Antwort erhalten wird, die der„Vor- wärts" bislang auf wiederholtes Fragen nicht erhalten konnte. Gemeindewahlen In Essen wurde am Mittwoch, wie wir schon telegraphisch kurz meldeten, der erste Sozial dem okrat�wuf Grund deS StichlvahlabkommenS mit den Liberalen in das Stadtverordneten» kollegium gewählt. Das Zentrum erlitt eine völlige Niederlage, auch die drei gegen ZcntrumSkandidaten zur Stichwahl stehenden liberalen Kandidaten wurden gewählt. Der sozialdemokratische Kandidat, Genosse Ho Hage, erhielt 1970. der ZentrumSkanoidat. der ihm gegenüberstand, 1645 Stimmen. Die liberalen Kandidaten siegten je mit rund drei, hundert Stimmen Mehrheit über die Zentrumskandidaten. Bon der Parteipresse. In Augsburg ist ein Spar der» ein„Schwäbische V o l rS z e i t u n a" gegründet worden, dem die Aufgabe zufällt, Mittel zur Errichtung und zum Betriep einer Partei d ruckerei zu beschaffen. Die sozialdemo- kratischen Vereine von Augsburg und Lechhausen und der Gework- schaftSverein Augsburg haben sich zur Leistung ansehnlicher JahrcS- beitrage verpflichtet, so dah die Verwirklichung des Projektes nur noch eine Frage der Zeit ist. Vom gleichen Recht.. Bei den letzten Gemeinderatswahlen im Herzogtum Sachsen- Alten bürg fiel in der Landgemeinde Löbschütz bei Kahla, einem in der Hauptsache von Arbeitern bewohnten Orte, die Majorität im Gemeinderat der Sozialdemokratie zu. Diese Majorität wählte den Fahrradhändler Schulze zum Gemeindevor- st a n d. Nach preußisch-sächsischem Muster wurde dem Gewählten die Bestätigung durch den Landvat versagt. Die Berufung gegen diese Entscheidung, die dieser Tage vom Ministerium in Altenburg erledigt wurde, hatte dasselbe Ergebnis. Das Ministerium trar dem Bescheide des Landrates bei mit der Begründung: „Zur Befähigung für dieses Amt gehörte» nicht nur ge- schäftliche Gewandheit und unbescholtene Lebensführung, wie sie dein Gewählten zur Seite stehen, sondern auch das Vertvauen der GemeindeaufsichtSbchörden, daß der Gewählte als Orts- behörde und als öffentliches Organ der Landesverwaltung nicht allein für das Interesse der Gemeinde, sondern auch für die Erhaltung der bestehenden Staats- und Ge- sellschaftSordnung jederzeit mit Rat und Tat einstehen iverde. Dieses unerläßliche Vertrauen fehle dem Fahrradhändlcr Schulze, weil er sich als Anhänger der Bestrebungen betätigt hat, die die Beseitigung der bestehenden Staats- und Gesell- fchaftsordnung zum"Endziel haben." Da die Majorität de» Gemeinderates in Löbschütz eine sozial- demokratische ist, wird das Spiel von neuem losgehen: Der Um- stürzlcr wird wieder gewählt und wieder nicht bestätigt. Was nachher kommt, muß abgewartet werden. polizeiliches, Omchtlidiea uft». Ein Reinsalt der KönigSderger Polizei. Dem Genossen Krüger war im Juli d. I. ein polizeiliches Strafmandat zugegangen. weil eine von Krüger veranstaltete Versammlung jugendlicher Arbeiter partout politisch gelvesen sein soll. Vom Schöffengericht wurde Krüger freigesprochen; die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein, und die Strafkammer bestätigte am Mildvoch das freisprechende Urteil des Schöffengerichts, obwohl der Staatsanwalt sich alle erdenkliche Mühe gab, zu beweisen, daß es strafbar sei, ivenn ein Versammlungsleiter zulasse, daß in einer nicht angemeldeten Versammlung der Referent(Genosse Haast) Forderungen vertrete, wie das Strafmündigkeitsalter von 12 aus 16 Jahre hinaufzusetzen, JugendgerichtShöst einzuführen und der- gleichen!— Die KönigSderger Polizeijustiz hat diesen Rcinfall redlich verdient. Vom Strafkonto der Presse. Am 24. d. M. hatte sich Genosse Brom m e von der Dort» munder„Arbeiterzeitung" in seiner Eigenschaft als früherer� Vcr- antwortlichcr unseres Altenburger Parteiblattes vor dem Schöffen- gerickst Altenburg wegen angeblicher Beleidigung des Bürger- nicisterS FriiHig-Kahla zu verantworten. Durch einen Bericht über die Landgerichtsverhmidlung, in der am 26. Mai d. I. Genosse Dikreiter zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt chrurde. hatte Aronnnc das Mißfallen des Kahlaer Bürgermeisters erregt, der in öffentlicher Stadtverordnetenversammlung den Bericht als u n. wahr bezeichnest. Genosse Bromme hielt in einer an den Gc- meinderatssitzungSbericht geknüpften Bemerkung dem Bürgermeister Dr. Frinzig Gedächtnisschwäche vor, denn der Bürgermeister habe unter den energischen Vorhalten DikreiterS das zugeben müssen, was er anfänglich best ritt. Dadurch soll Bromme den Bürgermeister beleidigt und in der öffentlichen Meinung herabgewürdigt haben. Rechtsanwalt Mchnert- Alstnburg konstatierte, daß der Bürgermeister auch unseren Ge- nossen beleidigt habe, und daß der Schutz des 8 193 nirgends so an- gebracht sei. wie im vorliegenden Falle. Trotzdem wurde aus. 30 M. Geldstrafe, eventuell 3 Tage Gefängnis, erkannt. L0 Mark Geldstrafe wurden dem Genossen Weißmann, Re» dakteur unseres Karlsruher Parteiblatstö(„Volksfreund"), zw- diktiert. Er soll den Fabrikanten Horn aus Fahrnau und dessen Obermeister Blank beleidigt haben. Herr Horn gehört zu den Ka- pitalisten, die mit aller Gewalt„Herr im Hause sein ivollen und eS trefflich verstehen, durch die bekannte Wohnungspolitik(Arbeiter- msttskasernen im Anschluß an das Werk) die Arbeiterschaft doppelt zu versklaven. Herr Horn— in Finna Eingeistn u. Horn— ist zwar, als religiöser Mann und ständiger Kirchenbesucher, ein „Menschcnfreuno". aber seine Zen-ftumsanhängerschaft hindert ihn nicht, die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter dermaßen zu ver- abscheuen, daß er nicht einmal die„christliche" Organisation in seinem Betriebe dulden will! Dem Unternehmer wurde in der Verhandlung nachgewiesen, daß er ungesetzliche Lohnabzüge zu machen beliebt, daß er einem Arbeiter Prügel androhte, daß er eine Arbeiterin entließ, weil ihr Mann Sozialdemokrat ist, usw. Solche Feststellungen sind mit 20 M. Geldstrafe wegen formeller Beleidigung schließlich nicht zu teuer erkaufst Hus Industrie und Handel Rückblick und Ausblick. Der bereits vorliegende erste Teil des Jahresberichtes der Ber» liner Handelskammer gibt, gestützt auf eine Menge von Angaben aus den einzelnen Industrien, ein Bild von der EntWickelung des JahreS 1908. Die Geiamlteiidenz wird also gekennzeichnet: .. Die gewerbliche Tätigkeit, die in den Vorjahren siberau» rege gewesen war, erfuhr im Jahre 1908 auf nahezu allen Ge- bieten eine Abschwächung. Mag der Grad der Abschwächung bei de» verschiedenen Gc- werben verschieden gewesen sein und mag auch zugegeben werden, daß dieser Grad sich bei einzelnen Geschäftszweigen nur in einen» Stillstande oder in der Verlangsammig des bis- herigen Fortschrittes-- letzteres trifft beispielsweise für die elektrische Industrie zu— ausdrückte, unberührt von dem Einflüsse der sinkenden Konjunktur«st kaum ein einziges der großen Gebiete des gewerblichen Lebens geblieben. Wir lassen bei diesem Urteil. daS auf Grund umfangreicher Erhebungen gefällt ist, keineswegs die Ertvägung außer Beaacht, daß»ach einer Zeit außerordentlichen Aufschwunges. wie ihn die Vorjahre 1906 bis 1907 gebracht hatten, ein Abstieg der geschäftlichen Tätigkeit regelmäßig für die betroffenen Kreise die Versuchung birgt, die durch den Umschwung geschaffene Lage allzu pessimistisch einzu- schätzen. Auch bei Berücksichtigung dieses psychologischen Moments muß die Feststellung, daß da« Wirttchaftsjahr 1908 eine Periode ber gewerblichen Depression war. aufrechterhalten bleiben." I» dem Abschnitt„Ausblick" liest man u. a.: „Bei der Bewertung der Aussichten, die sich für das kommende Wirtschaftsjahr eröffne». pflegt man zwei Faktoren. von denen eine Besserung der wirtschaftlichen Lage erwartet wird, in'den Vordergrund zu stellen: die Hebung deS Exports und die Er- leichterung des GeldmarkieS. Wie hoch nun auch die allgemeine volkswirtschasiliche Bedeutung, welche diesen beiden Faktoren zu- kommt, emziischätzen ist. muß doch für die nächste Zukunft ihr Einfluß mit Vorsicht bewertet werden. Die Zahl der Anzeichen, welche die Tendenz der künftigen Entwicfelung nach der einen oder andere,» Richtung hm mit Zuversicht verminen lassen, ist nicht erheblich. Die gewerbliche Depression erstreckt ihre Wirkung auf fast alle Länder der Welt. DaS Bemerkeuriverte aber ist, daß fie am fühl- barsten in denjenigen drei Staaten ist. die als die wittschastlich energliften anzufehen find: in England, den Bereinigten Staaten von Amerika und Deutschland. Diese Tatsache läßt die Erwartung gerechtfertigt erscheinen, daß die drei Länder auch am ehesten wieder die Kraft befizen werden, die wirtschaftliche Stodung zu überwinden." Neues Noheisensyndikat. Wie die S. 8tg." meldet, hat die Firma Röchling u. Co. ihre Bereitwilligkeit erklärt, dem lothringischTugemburgischen Roheisensyndikat beizutreten. Die Erneuerung des Synditats soll nach Neujahr in Luxemburg erfolgen. Rohlenförderung. Trotz der Ungunst des Wirtschaftsmarktes ist die diesjährige Steinkohlenförderung auch im November über die im Parallelmonat 1907 hinausgewachsen, sie betrug 12196320 Tonnen, gegen 12 096 120 Tonnen im Vorjahre. Die Braunkohlenförderung ergab 5 848 645 Tonnen( 5 746 863). Dagegen hat die Kotsproduktion Iviederum abgenommen; fie betrug im November 1908 1749 911 Tommen( 1 885 931). An Prestohlen aus Steinkohlen wurden 323 616 Tonnen( 313 441) und aus Braunfohlen 1 178 215 Tonnen ( 1 116 527) hergestellt. In den abgelaufenen elf Monaten des Jahres 1908 wurden an Steinkohlen 136 729 987 Tonnen( i. V. 131393 100) und an Braunkohlen 60934 889 Tonnen( i. W. 58 853293) gefördert, fowie an Stofs 19 587 382 Tonnen( i. 23. 20 025 165) proSuziert. Die Herstellung von Breßfohlen aus Steinfohlen betrug 3712 482 Tonnen( 3 213 251) und aus Braunkohlen 13 101 439 Zonnen ( 11 830 479). Getreideausfuhr. Die Ausfuhr von Roggen belief sich von Jamuar bis zum 10. Dezember auf 5 448 456 Doppelzentner gegen 2 253 608 Doppelzentner in der entsprechenden Zeit des Vorjahres. Nicht viel geringer war die Steigerung, die die Ausfuhr von Weizen erfahren hat. Es wurden in der Zeit vom 1. Januar bis 10. Dezember im laufenden Jahre 2 802 531 Doppelzentner ausgeführt gegen 1 280 128 Doppelzentner im Vorjahre. Die Zunahme beläuft sich demnach auf 1 522 403 Doppelzentner oder gleichfalls wie bei Roggen auf mehr als 100 Prozent. Eine sehr erhebliche Steigerung hat weiter die Ausfuhr von Hafer erfahren, die sich in der erwähnten Zeit auf 5 009 133 Doppelzentner stellte, während fie 1907 nur 3453 612 Doppelzentner betragen hatte. Das Mehr macht 1555 521 Doppel zentner oder 45 Prozent aus. Im Gegensatz zur Getreideausfuhr ift die Einfuhr von Getreide im laufenden Jahre start zurück gegangen; besonders Roggen wurde in bedeutend geringeren Mengen importiert. Von Anfang Januar bis zum 10. Dezember sind in diesem Jahre nur 3 988 394 Doppelzentner eingeführt worden gegen 7 025 842 im Vorjahre. Der Rüdgang macht 76 Prozent aus. auch seitens der Sozialdemokratie anerkannt. In geschäfts lassene Heizer M. sind mit ihren Ausführungen gehört und ent lichen Dingen gibt es kein rotes oder gelbes Gold, sondern schlechthin Gold. Bei der außerordentlichen Aufregung, die die Vorwärts" Artikel in der Berliner gelben Arbeiterschaft hervorgerufen haben, wird es als Ehrenfache betrachtet, daß die bisher im Bund" inferierenden Firmen nun erst recht im Bund" weiter inserieren. Geschieht das nicht, so könnte es vorkommen, daß die gelbe Arbeiterschaft die betreffenden Firmen meiden würde, selbst dann, wenn wir abwiegeln wollten. Der Bund" ist allerdings auf das Inseratengeschäft nicht an gewiesen, weil er eine so bedeutende Abonnentenzahl befißt, daß er sich glänzend dabei rentiert. Da wir nun aber einmal das Inserotengeschäft angefangen haben, und zwar auf Drängen von dritter Seite, so ist es jetzt Ehrensache, daß wir infolge der Borwärts"-Artikel nicht das Feld räumen. Wir werden die in unseren Vereinen organisierte Arbeiter. schaft nunmehr auffordern, gerade diejenigen Firmen besonders zu bevorzugen, die im Bund" Anzeigen aufgeben. Hochachtungsvoll Reformverlag„ Der Bund".. gez. M. Lebius." Wie unsere Leser wissen, forderte unserer Artikel„ Schlechte Geschäftsleute" die Arbeiterschaft nicht zum Boykott, sondern dazu auf, die in Frage kommenden Inserenten über die Qualität des " Bund" aufzuklären. Dies ist geschehen und die Folge war, daß diese Geschäftsleute auf weitere Insertion in dem gelben Organ verzichteten. Herr Lebius, als Güter der Rechte der sozialdemokratischen Arbeiterschaft, ist übrigens eine so komische Figur, daß diefe herzlich darüber lachen wird. Das kann dem Herrn aber gesagt sein, daß sich die Berliner Arbeiterschaft zu allerlegt von ihm in ihr Recht zu boykottieren dreinreden lassen wird. Aber wie gesagt, es handelt sich hier ja um keinen Boykott, sondern lediglich um eine Aufklärung der von Herrn Rebius für fein Unternehmen eingefangenen Geschäftsleute. Dagegen droht Herr Lebius ganz ungeniert mit einem Bohkott der„ gelben Arbeiterschaft". Ach, der kleine Gernegroß! Wer sind denn die gelben Arbeiter"? Eine vom Zufall bald zu ſammengewirbelte, bald auseinandergerissene Masse ohne felbständige Organisation, ohne Zusammengehörigkeitsgefühl, ohne jede Einheitlichkeit. Es ist ja auch nicht wahr, daß der„ Bund" das Organ der gelben Bewegung ist. So etwas tann diese sich gar nicht leisten. Der Bund" ist eine Privatgründung des Herrn Lebius, die dieser mit Unternehmerhilfe aufrechterhält. Wenn beispielsweise Herr Lebius darauf verweist, daß der Verlust der Inserate höchstens ein Eingehen det Beilage zur Folge haben dürfte, so ver. Die industrielle Konzentration in Belgien. schweigt er dabei, daß diese von den Scharfmachern im Hamburger Die im Jahre 1907 in Belgien vorgenommene Berufszählung Safen bezahlt wird, denen aber die Lebius sche Hilfe nicht wert( Aufnahme von Gewerben und Industrie) lieferte bei einem Ver- voll genug für ihr Geld dünkt, und daß dies die dritte Seite" ist. gleich mit der vor zehn Jahren stattgefundenen ähnlichen Aufnahme die Entlastung ihres Portemonnaies durch Inserate verlangte. Man höchst bemerkenswerte Daten hinsichtlich der in diesem Lande vor kann begreifen, daß die Unternehmer sich den" Bund" nicht allzuviel fich gebenden industriellen Konzentration. Die ganz fleinen gewerblichen Betriebe von 1-4 Arbeitern sind nur mehr in der Bahl von foften lassen wollen. Gristieren neben ihm doch noch eine ganze troß der feit- Reihe" gelber" Organe. Allein in Berlin haben wir noch ein 211 700 vorhanden gegen 215 400 im Jahre 1897 herigen bedeutenden Bevölkerungsvermehrung. Die fleineren Fabriten Organ für die Straßenbahner, für die Bäder, dem allgemeinen mit 5-49 Arbeitern hatten in 13 000 Betrieben eine Arbeiterzahl Bedürfnis" dient noch die Deutsche Treue". Kurz, die Lebiussche bon 162 000 ftatt 172 700 Arbeitern in 13 800 Betrieben vor Herrlichkeit ist zwar keine bescheidene, aber eine recht beschränkte. 50-499 zehn Jahren. Die Betriebe mit Arbeitern weisen Die lehte Nummer des Bund" enthält noch eine Reihe von ebenfalls eine Abnahme auf: 1465 Betriebe gegen 2000 Geschäftsinseraten, von denen wir leider nicht wissen, wieweit sie im Jahre 1897, und die Arbeiterzahl sant von 295 000 auf 250 000. mit Wissen und Willen der angeblch inserierenden Geschäftsleute Dagegen hob sich die Industrie größten Stils mit Betrieben von ie in das Blatt hineingekommen sind. über 500 Arbeiter in ungemein bedeutendem Ausmaße. Jhr ges hörten 184 Betriebe an gegen 138 im Jahre 1897, und die Arbeiter 3abl betrug 160 000 gegen 100 000 bor zehn Jahren, so daß diese eigentliche Großindustrie gegenwärtig ungefähr 24 Broz, also nabezu ein Viertel der in Belgien überhaupt tätigen gewerblich- industriellen Arbeiterschaft, beschäftigt. So schreibt uns die Firma R. u. S. Moses, Reinidendorfer Straße 10: Soeben erhalten wir die neueste Nummer des Bund", batiert vom 27. Dezember 1908, und finden darin ein Inserat von uns, das wir nicht aufgegeben haben. Auf unsere telephonische Anfrage wird uns die Auskunft, daß das Inserat als Füllinserat aufgenommen sei. Wir bitten höflichst, diese Richtigstellung im Vorwärts" au bringen und zeichnen R. S. Moses." Ein Antrag auf Berstaatlichung des Eisenhandels. Um der toucherischen Preispolitik des Eifenfartells ein Ende zu machen, bat der sozialdemokratische Verband des österreichischen Abgeordnetenhauses einen Antrag eingebracht, dem wir u. a. folgendes entnehmen: Nicht umsonst einmal wollen also die Geschäftsleute ihre Inse,, Ohne sich darüber zu tauschen, daß die Kartellwirtschaft eine unvermeidliche Wirkung des Sondereigentums an den fonzentrierten rate im Organ des Herrn Lebius sehen, nachdem sie minen, mit Arbeitsmitteln ist und erst mit ihm verschwinden wird, balten es die wem fie es zu tun haben. Antragsteller doch für eine Aufgabe des Staates, heute schon wenigitens die gefährlichsten Folgen der Kartellwirtschaft zu bekämpfen und die Bergesellschaftlichung der von den Kartellen beherrschten Arbeitsmittel vorzubereiten. Hinter der hohen Bollmaner geborgen, verteuert das Eisenkartell der gesamten inländischen Produktion eines der wichtigsten Broduktionsmittel. Dadurch wird die Kaufkraft des inländischen Marktes geschwächt und die Ausdehnung unserer Ausfuhr erschwert. Die stosten aller öffentlichen Unternehmungen und Arbeiten werden durch die hohen Eisenpreise zum Nachteil der Steuerzahler erhöht. Das Eisenfartell erschwert die Gründung neuer Betriebe, indem es ihnen das Eisen nur unter besonders ungünstigen Bedingungen liefert, es hemmt dadurch die Ausdehnung unserer Industrie und hält den Kartellen feiner Abnehmer unbequeme Konkurrenz vom Leibe. Nicht nur im Interesse der Volkswirtschaft, sondern auch im Interesse der Staatsfinanzen muß die unbeschränkte Macht des Eisenfartells gebrochen werden. Als ein wichtiges Mittel zu diesem Zwede erscheint den Antrag stellern die Monopolisierung des Großhandels mit Eisen durch den Staat. Das staatliche Eisenhandelsbureau wird den Großhandel mit Eisen technisch ebenso gut besorgen fönnen wie das Verkaufsbureau des Kartells." Banktrach in Amerika. Angeblich hat das Mitglied der New Porter Fondsbörse H. W. Poor Konkurs angemeldet. Seine Verbindlichkeiten werden auf 5 Millionen Dollar geschäßt. Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. Herr Lebius jat ben Inserenten des Bund" folgendes Schriftstüd zugehen lassen: " In der letzten Sonnabend- und Sonntagsnummer des„ Bor. wärts" ist der Versuch gemacht worden, auf die im Bund" inferierenden Firmen einzuwirken, damit sie ihre Inseratenaufträge unjerem Blatte wieder entziehen. " Brauereiarbeiterverband. Die Urabstimmung über die Verschmelzung der beiden hiesigen Sektionen zu einer Ortsverwaltung bat folgendes Resultat ergeben: Abgegeben sind 301 Stimmen. Mit" ja" haben 2480 Mitglieder gestimmt, mit" nein" 487, ungültig waren 46 Stimmen. Die Verschmelzungsfrage ist hiermit erledigt und besteht vom 1. Januar 1909 ab für Berlin nur eine Ortsverwaltung. Die Geschäfte werden von den beiden zurzeit bestehenden Vorständen provisorisch bis zu der im Januar 1909 stattfindenden Generalversammlung weitergeführt. Die Ortsverwaltungen Berlin I und II. Deutfches Reich. Die Maschinisten und Heizer im Leipziger Boltshaus. Vor einigen Tagen ging eine Notiz durch die bürgerliche Breffe, wonach die Leipziger Volkshausverwaltung einen Heizer unberechtigterweise entlassen habe. Besonders die Zentrums preffe am Niederrhein konnte sich nicht genug tun in fittlicher Entrüftung über den Unterschied zwischen Theorie und Bragis" bei den Sozialdemokraten. Das Leipziger Gewerkschaftstartell veröffentlicht nun folgende Darstellung der Sache: sprechend befragt worden. Eine Maßregelung konnte um deswillen nicht in Frage kommen, weil alle Vorbedingungen, die eine solche rechtfertigen könnten, fehlen. Selbst von dem entlassenen Heizes M. wurde erklärt, daß zur Erledigung der Arbeiten, soweit fit sich auf Beleuchtung und Heizung erstrecken, zwei Mann auss reichend seien, ein Maschinist und ein Heizer. Diese sind vor handen. Würde der Forderung auf Wiedereinstellung Folge ge leistet, dann müßte der jetzt beschäftigte Heizer entlassen werden. Daß nicht dieser, sondern eben M. entlassen worden ist, geschah aus rein geschäftstechnischen Gründen. Bezüglich der Beschäfti gungsdauer im Voltshausbetrieb lagen die Verhältnisse für beide fast gleichartig. Die in dem schon angezogenen Flugblatt gegen die Voltshausverwaltung erhobenen Beschuldigungen find durch die Beweisaufnahme zum größten Teil als widerlegt, zum Teil wegen mangelnder Beweisführung als gegenstandslos zu betrachten. Es war mithin, wie geschehen, zu erkennen. Leipzig, 17. Dezember 1908. Otto Mylau. Karl Schrörs. Otto Doberenz. Albert Loewenstein. Moritz Börner. Ob die oben erwähnten Blätter jetzt Anstand genug besiken werden, diese Darstellung des Gewerkschaftsfartells ihren Lefern mitzuteilen? Der Streit in den Strebelwerken. Die streifenden Arbeiter haben am Tage vor Weihnachten eine Versammlung abgehalten und einstimmig eine Resolution angenommen, worin sie gegen die Absicht des Vorstandes protestieren, den Streit aus eigener Macht. Grund des Statuts den Streit aufzuheben. Das Statut bestimane vollkommenheit zu beenden. Sie bestreiten ihm das Recht, auf allerdings, daß der Vorstand die Genehmigung zu einem Streit erteilen müsse, aber daraus fönne nicht gefolgert werden, daß er die einmal erteilte Genehmigung jederzeit wieder zurüdnehmen könne. Das sei um so weniger der Fall, als das Statut vorschreibe, daß für die Fortsetzung des Streits eine Mehrheit von zwei Drittel der Streifenden vorhanden sein müsse, eine Bestimmung, die sinnlos sei, wenn der Vorstand allein über die Köpfe der Streitenden hinweg darüber zu bestimmen habe. Die Arbeiter erbliden eine Bestätigung ihrer Auffassung darin, daß der Vorstand die Streitenden auch über die Aufhebung des Streits abstimmen ließ und somit die Entscheidung in ihre Hände legte. Als aller dings die Entscheidung nicht nach seinem Wunsche ausfiel, sondern die Wiederaufnahme der Arbeit mit der fast an Einstimmigkeit grenzenden Mehrheit von 476 gegen 43 Stimmen abgelehnt wurde, erklärte der Vorstand diesen Beschluß für null und nichtig und diktierte seinerseits die Aufhebung des Streifs. Die Arbeiter erklären, daß, wenn der Vorstand wirklich glaubte, ein ftatutenmäßiges Recht zur Aufhebung des Streits zu haben, cr bann überhaupt nicht erst eine Abstimmung hätte verlangen dürfen, weil er durch Aufhebung des Resultats die Arbeiter auch von seinem Standpunkt aus ganz unnötigerweise brüstiert hätte. Die Streifenden find erbittert, weil ihnen niche anderes übrig bleibt, als zu Bedingungen zur Arbeit zurüdzukehren, gegen welche sie im gehnwöchentlichen Kampf einmütig zusammengestanden hätten, fo wohl Angehörige der freien Gewerkschaften, wie der christlichen und Hirsch- Dunderschen Gewerkschaften. Die Streifflausel im Baugewerbe. Der Arbeitgeberverband für das Baugewerbe und die ver wandten Betriebe der Saargegend erläßt an feine Mitglieder ein Rundschreiben, in dem 3 heißt: Im Frühjahr 1909 läuft u. a. der Vertrag mit den Maurer. organisationen ab, so daß noch im Laufe des Winters neue Ver Handlungen bevorstehen. Dieserhalb sowie auch im Interesse der Allgemeinheit machen wir nochmals auf die Streiftlaufel auf mertjam, wie solche durch Beschluß der vorjährigen Hauptver sammlung festgelegt ist. Die Streitklausel hat folgenden Wort laut: Eine Arbeitsniederlegung oder Aussperrung der Arbeit. nehmer in einem für die Erfüllung des übernommenen Wert vertrages unmittelbar oder mittelbar erforderlichen Betriebe bewirkt die Verlängerung aller Friften beam. Hinausschiebung aller Termine um die Dauer der Arbeitsniederlegung oder Aussperrung." In dem Rundschreiben wird weiter ausgeführt: „ Die Streitklausel ist eines der wichtigsten Mittel, die Posis tionen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer in den Lohns tämpfen gleichzustellen; ohne diese Klausel ist der Arbeitgeber, bei dem oft ganz gewaltige Geldwerte und häufig genug seine ganze Eristenz auf dem Spiele stehen, den Arbeitern geradezu ausgeliefert und vollkommen in die Hände derer gegeben, die nur zu fordern wiffen, aber nichts zu verlieren haben, zudem aber noch von dem parteipolitischen Interesse geleitet werden, ein Möglichstes für den Untergang der wirtschaftlich selbständigen Eristenzen zu tun. Ganz besonders werde es zunächst darauf ankommen, daß die Klausel möglichst überall bei den privaten Auftraggebern zur Anwendung tomme, dann würden die Behörden schon nachfolgen." Die Unternehmer im Baugewerbe, die zur Rechtfertigung ihres Borgehens das alte Geschwäß wiederholen, daß es den Arbeitern bei ihren Lohnkämpfen um die Zugrunderichtung selbständiger Existenzen zu tun sei, begreifen sonach sehr gut, welche Bedeutung die Streitklausel im Lohntampfe hat. Um so mehr wird die organi fierte Arbeiterschaft darauf zu halten haben, daß diese Streifflausel in feinem Arbeitsvertrag mit öffentlichen Anstalten, an denen das ganze Bolt interessiert ist, Eingang findet. Letzte Nachrichten und Depefchen. Das Erdbeben in Italien. Ju Sachen des Maschinisten und Heizer gegen die Verwaltung des Volkshauses Leipzig ist die in der Kartellversammlung vom 3. Dezember 1908 unter Zustimmung der Wertreter der Maschinisten Rom, 28. Dezember. Das Erdbeben hat, wie im Minifterium und Heizer gewählte Kommission, die durch Beiordnung eines Mit- des Innern eingegangene Nachrichten bejagen, in Messina gliedes der Parteileitung erweitert wurde, einstimmig zu folgendem Resultat gekommen: Die Entlassung des Heizers M. fann als eine Maßregelung nicht betrachtet werden. Die Entlassung ist nicht unter Verlegung irgendwelcher Rüdsichten, wie sie in einem von Arbeitern geleiteten Institut zwischen Berwaltung und Angestellten gelten sollen, erfolgt. Da durch die Veröffentlichung eines von den Maschiniften und Seizern lediglich für die Kartellbelegierten bestimmten Birkulars in einem bürgerlichen Blatte die Angelegenheit zu einer öffentlichen geworden, möge nachstehendes zur Erläuterung dienen. schweren Schaden angerichtet. Militär ist zur Silfeleistung dorthin abgegangen. Der Tunnel bei Rometta auf der Strede Messina. Balermo ist gesperrt, das Bahnhofsgebäude in Rometta zerstört. Aus der Probing Reggio di Calabria find beunruhigende Meldungen eingelaufen. In Catania sind drei Kinder in den infolge des Bebens hochgehenden Meereswogen ertrunken. Bier fleine Schiffe find untergegangen, mehrere Barten verschollen. Nachrichten aus verschiedenen Provinzen melden schwere Verlufte So wurden in Maletto awei Kirchen start be allerorts. fchädigt, 55 Häuser zerstört und befchädigt; in Belpasso stürzten zwei Häuser ein, andere wurden beschädigt; in San Giovanni Durch Anschluß des Voltshauses an das städtische Elektrizitäts- bei Giarre sind zehn Häufer eingestürzt, ein Einwohner wurde Bezüglich dieser Vorwärts"-Artikel ist vor allem hervor wer! wurden die zur Lichterzeugung benußten 2 Gasmotoren außer getötet, ein weiterer verlegt. In Riposto stürzte das Dach der zuheben, daß keinerlei Beschlüsse irgendeiner sozialdemokratischen Betrieb gefeßt. Wegen der dadurch verminderten Arbeitsmöglich- Kathedrale ein, andere Kirchen und das Rathaus drohen einzu. Organisation vorliegen, die etwa zum Boykott auffordern. Die feit wurde einem Maschinisten und einem Heizer gekündigt. Diese stürzen; die Meereswellen, die eine Höhe von zehn Meter ere Vorwärts"-Artifal find lediglich ein Privatvergnügen des Bor- Kündigungen waren für die Organisation der Maschinisten und reichten, dringen in die Häufer ein, man spricht von vier Toten wärts"-Redakteurs( folgt Name) und werden deshalb teine Bes Heizer Beranlassung, 1. die Weiterbeschäftigung des Maschinisten, und mhreren Berlebten. Zahlreiche Gemeindeverwaltungen melden achtung finden. Die sozialdemokratisch organisierten Arbeiter bis derselbe eine andere Stellung gefunden, und 2. die Wiedereine den Zusammenbruch von Häusern. Rom, 28. Dezember.( W. T. 28.) Giornale d' Italia melbet: wachen viel zu sehr über ihren Rechten, als daß sie sich in ihr stellung des Heizers zu fordern. Die erfte Forderung ist im Necht, zu boyfottieren, von irgendeiner Privatperson breinreden Laufe der Verhandlung von den Organisationsvertretern fallen Nach einem vom Kommandanten des Torpedoboots Spica" an den laffen. Herr Redakteur( folgt Name) tann von sich aus teinen gelassen worden, die zweite aufrecht erhalten worden. She fich die Marineminister abgesandten Telegramm ist die Stadt Meffina zum Kommission mit der Sache beschäftigte, haben Verhandlungen mit Daß der Vorwärts" uns mit folchen Mitteln bekämpft, be- dem Aufsichtsrat des Voltshauses und weiter solche in einer Ge- Teil zerstört; mehrere hundert Häuser sind eingestürzt. In Palmi weist, daß er uns als Machtfaktor fürchtet. Das beweist anderer- sellschaftsversammlung ftattgefunden, wo den Maschinisten und forderte das Erdbeben mehrere hundert Opfer, die Stadt felbft er feits den Geschäftsinhabern, daß wir auch ein in Betracht Seizern ausreichend Gelegenheit zur Begründung ihrer Forderungen litt schwere Beschädigungen. Tommender wirtschaftlicher Machifaktor sind und daß unsere Inse gegeben worden ist, ohne daß fie mit ihren Ausführungen von der rate mindestens dieselbe Wirkung haben, wie die des Vorwärts". Berechtigung des Vorgebrachten zu überzeugen imftande waren. Der von der Firma Baer Sohn im Borwärts" veröffentlichte Die ersten Sibungen der Kommission haben, um eine ausreichende Erwiderungsartitel, worin ausgeführt wird, daß die inserierenden Klärung herbeiguführen, unter Buziehung eines Vertreters der Firmen lediglich ihres geschäftlichen Vorteiles wegen inserieren Boltshausverwaltung, eines Vertreters des Aufsichtsrates und Kavel.) In Virginia City( Montana) wurde eine Reihe und nicht, um irgendein Blatt politisch oder gewertschaftlich au atveier, Bertreter der Maschinisten und Heizer stattgefunden. Die heftiger Erdstöße verspürt; die elektrische Lichtanlage tourde betrieb unterstüßen, nimmt den allein richtigen Standpunt! ein und wird zurzeit noch beschäftigten Maschinisten und Heizer sowie der ent- unfähig gemacht; zahlreiche Gebäude wurden beschädigt. Berantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil berantw.: Th. Glode, Berlin, Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungs Boykott kommandieren. 19 Erdbeben in Amerika. New Hort, 28. Dezember.( W. T. B. auf deutsch- atlantischem ».m i Irildne Ilts JormSrts" licrlinft liolteliliilt. N.«-»--.?».?-!««»»«M. Hlomentbilder aus der Berliner Arbeiter bewegung Im Zahre 1908. ©egen Ende des Vorjahres standen im Vordergrmrdc des Inierestes die Eimgnngsverhandlungen Zwischen den gewerkschaft- ichaftlichen Zentralverbänden nnd den Lolalorganisationen, sowie die Bewegung für die Erringung eines demokratischen Landtagswahl- rechts in Preußen. Beide Angelegenheiten nahmen auch zu An- fang des Jahres!90S die erste Stelle ein. TaS erste Ereignis des neuen JahreS war jedoch eine Trauerkundc. Januar. 0m 1, wurde der Genosse Schilling in Reinickendorf, der schon in der Zeit des Sozialistengesetzes in der Parteibctvegung des Kreises Niederbarnim tätig war. durch einen plötzlichen Tod aus den Reihen seiner Freunde gerissen. Am b. verlor der Textilarbeiterverband durch den Tod seinen longjährigen Kassierer Georg Treue, der auch bis zum Ausbruch seiner Krankheit der Gemeindevertretung in. Lichtenberg als sozialdemokratisches Mitglied angehörte. Am 5. beschloß der Verein der Zimmerer Berlins, die Einigung mit dem Verbände abzulehnen. Am ö. stimmte eine Konferenz der Freien Bereinigung der Bauarbeiter den unter Mitwirkung des Parteivorstandcs zustande- gekommenen �inigungsbedingungen zu. Am 0. fand eine Anzahl von Versammlungen statt, welche daS allgemeine» gleiche, direkte, geheime Wahlrecht zum preuhi- scheu Landtage forderten. Nach Schluß der Versammlungen kam es in verschiedenen Stadtgegenden zu spontanen Straßen- kuudgebongen. Am 10., als im preußischen Abgeordneteichause die Wahlrechts- frage aus der Tagesordnung stand, hatte sich eine vieltausendtöpfige Menge vor dem Portal des Abgeordnetenhauses eingefunden, um für«in freies Wahlrecht zu demonstriereu. Am 12., einem Sonntage, wurden wieder große Volks- Versammlungen zugunsten der Wahlrcchtsbewegung abgehalten. Die Arbeiterschaft Berlins veranstaltete eine machtvolle Straßen- oemoustration. Zum Schrecken aller Philister ertönte die Forde- rung des freien Wahlrechts in den Hauptstraßen Berlins. An verschiedenen Stellen hieb die Polizei auf die friedlichen Demonstranten ein. Schutzmannssäbel schlugen blutende Wunden. Eine Anzahl Demonstranten wurde arretiert und später an- geklagt. Am 13. hielten die Tabakarbeiter eine Protestversammlung gegen die drohende Erhöhung der Tabaksteuer ab. Am Sonntag, den 19., verbreiteten die Parteigenossen ein Flugblatt zugunsten der WahlrechtSbewegnng. Am 21. wurden acht Arbeitslosenversammlungen in Berlin abgehalten. Sie forderten von Staat und Gemeinde Mittel zur Linderung der Arbeitslosigkeit.— Am Nachmittag desselben veranstalteten Schutzleute unter Führung des Polizeihauptmanns Schmidt eine Attacke auf eine« Trupp Arbeitsloser am Schiff- vauerdamm. Auch bei dieser Gelegenheit kam cS zu Blut. vergießen durch Polizeihiebe. Schuhleute drangen mit Gewalt in das HaoS deö Metallarbeiterverbandes in der Chacitestraßc ein, um ewige Arbeiter, die sich vor den Waffen der Polizei ge- flüchtet hatten, herauszuholen und festzunehmen. Am 21. wurde Genosse Weber als verantwortlicher Redakteur deS.vorwärts" wegen Beleidigung des Oberbürgermeisters von Kattowitz von der Strafkammer zu sechs Wochen Gefängnis der- urteitt. Pom 22.— 23. hielt die Freie Bereinigung deutscher Gewerk- schafte»(Lokalisten) ihren Kongreß bei Böker in der Webcrstraße ab. Der Hauptpunkt der Tagesordnung war die Frage der Einigung mit den Zentralverbäuden. Nachdem die Mehrheit der Delegierten die Einigung abgelehnt hatte, erklärten die EinigungS- sreuilde ihren Austritt aus der Freien Vereinigung und cnt- schieden sich für den Anschluß an die Zentralverbände. Am 27. legte eine Ardeitergruppe der Deutschen Munitions- und Waffensabrik wegen Lohnkürzung die Arbeit nieder. Einige Tage später verfügte die Direktion die Aussperrung aller Arbeiter. Am 28. hielten die Wahlvereinc der sechs Berliner Reichstags- Wahlkreise Generalversammlungen ab, in denen die Funktionäre ihre Tätigkeitsberichte erstatteten. Am 20. fanden in Rixdorf zwei Versammlungen der Arbeits- losen statt. Am 39. verhandelte die Derlinee Stadtverorduetcuversamm- lung einen Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, betreffend Maßnahmen zur Linderung der Arbeitslosigkeit. Der Antrag wuvdc einer gemischten Deputation Überwieserl. II Februar. Am 1. berichtete der„Vorwärts" die Entlarvung beS Spitzels Wilhelm Traber» der sich unter dem falschen Namen Wilhelm Gräfling zuerst im Wahlvercin des sechsten Kreises, dann in Pankow und schließlich im dritten Berliner Wahlkreise ein- geschlichen hatte, um die Parteigenossen zu bespitzeln. Am 2..hielten die Genossen des Wahlkreises Niederbarnim eine Generalversammlung ab, welche hauptsächlich die Berichte der Funktionäre entgegennahm. Am 9. beschäftigte sich die Generalversammlung des Wahl- kreises Teltow-Becskow mit derselben Tagesordnung. An demselben Tage wurde die Wahl der Arbcitnehmerbeisitzer am Berliner Kaufmannsgericht vollzogen. Am 12. siegten bei der GewcrbcgerichtSwahl in Lichtenberg die von den freien Gewerkschaften aufgestellten Kandidaten. Am 14. wurde der Lohnkampf in der Deutschen Waffen- und Munitionsfabrik beendet. Arn 18. erhoben eine Anzahl großer Versammlungen Protest gegen den Entwurf des RcichsvereinsgefetzeS. Am 23. und 24. hielt der Deutsche Holzarbeiterverband einen Gautag ab. März. Am 3. erfolgte die erste gerichtliche Verhandlung gegen einen Teilnehmer an den Wahlrcchtsdemonstrationen. Während der Strafbefehl auf 14 Tage Gefängnis lautete, setzte das Schöffen- gericht die Strafe auf 23 M. herab. Die Straftat bestand darin, daß der Angeklagte gerufen hatte:«Die Polizei hat uns gar nichts zu sagen." Am 3. gab es wieder zwei gerichtliche Verurteilungen wegen groben Unfugs aus Anlaß der Wahtrechtsdemonstrationen. 2lm 8. hielt der Verband der sozialdemokratischen Wahl- vereine Groß-Berltns seine Generalversammlung ab, wo der Vor- stand den Jahresbericht erstattete. An demselben Tage fand eine Gaukonferenz beS Textilarbeiter- verbandcs statt. Am 11., 12. und 13. ergingen wieder mehrere Urteile des Schöffengerichts gegen Teilnehmer an den Wahldemonstrationen, die wegen groben Unfugs angeklagt waren. Am 14. standen zwei verantwortliche Redakteure deS„Bor- wärtS", die Genossen Wermuth und Weber vor Gericht unter der Anklage, einen Amtsrichter beleidigt zu haben. Wermuth wurde zu drei Monaten, Weber zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Am 18. nachmittags fand wieder eine Anzahl von DemonstrationSversamnilungeil zugunsten eines freien Wahlrechts zum preußischen Landtage statt. Die Grabstätten der März- kämpfcr am Friedrichshain wurden von großen Volksmassen be- sucht. Bei dieser Gelegenheit kam es wieder zu polizeilichen Attacken» Dreinhauen der Schutzleute und vielen Verhaftungen. Im Laufe des Monats verhängten die Maurer, Zimmerer und Bauarbeiter verschiedene Sperren über Unternehmer, welche mit Lohnherabsetzungen gegen die Arbeiter vorgegangen waren. April. Am 1. verurteilte das Gericht einen Arbeiter zu einer Geld- strafe von 39 M. aus Anlaß des über das Warenhaus Jandorf im November 1997 stattgehabten Boykotts. Am 7. standen sieben Arbeiter vor Gericht, die, auS einer Arbeitsloseiwersammlung kommend, am Schiffbauerdamm von der Polizei attackiert worden waren. Zwei Angeklagte wurden wegen Aufruhrs zu je sechs Monaten, einer wegen Bedrohung zu zwei Monaten, zwei wegen Beleidigung zu je einem Monat med einer wegen Uebertrctung der Straßenpolizeivorschriftcn zu drei Tagen Gefängnis verurteilt. Am 0. begannen die Berhaublungen der Maurer und Bau- arbeiter mit den Unternehmern über den Abschluß eines neuen Tarifvertrages. Am 19. erfolgte die Grsindung cineö sozialdemokratischen WahtvcreinS der Frauen Berlins und der Umgegend. Vom 14. bis 16. spielte sich vor Gericht der große Aufruhr- Prozeß ab, den man einer Anzahl von Teilnehmern an den am 12. Januar stattgefuiidenen Wahlrechtcdemenstrationen gemacht Ijatte. Es wurden verurteilt: Paschte und Wermuth wegen Auf ruhrs zu je sechs Monaten Gefängnis, Krause wegen Widerstandes zu drei Monaten. Oden wegen Widerstandes und Beleidi gung zu vier Monaten Gefängnis, Binder wegen groben Unfugs zu 39 M., Gartheitz wegen Widerstandes zu drei Monaten, Neu- gebauer desgleichen zu zwei Monaten. Tbube wegen Widerstandes und Beleidigung zu zwei Monaten, Reichelt und Jockel wegen Widerstandes zu einem Monat, desgleichen Mehrlein wegen Be- leidigung, Eduard Ludwig wegen Widerstandes und Beleidigung zu sechs Wochen Gefängnis, Kreutzberg wegen Widerstandes zu 199 Dt., Vogel wegen Aufforderung zu strafbaren Handlungen zu kleines feuilleton. Neujahrswünsche in alten Zelten. Wenn in den nächsten Tagen die Wünsche für„ein glückliches neues Jahr" hin und her fliegen oder das kürzere und derbere„Prosit Neujahr!" er- schallt, wer denkt dann wohl daran, daß er da einer Sitte folgt, die sich durck) Jahrhunderte zurückverfolgen läßt bis in die ältesten Zeiten menschlicher Kulturgeschichte! Nachdem man einmal zu einer geordneten Zeitrechnung gekommen war, stellte sich sehr bald auch d:e Darbringung guter Wünsche zum Beginn des neuen Jahres ein. Und bereits bei den alten Acgyptern erfolgte, wie Dr. Hans Berger in einer Plauderei in„Ueber Land und Meer" ausführt, eine in ihrem Wert zweifelhafte Weiterbildung, indem Geschenke an die Stelle des wirklich gefühlten und gedachten Wunsches traten. In der Zeit des Königs Ämeichotev ll. 11461— 1434 vor Christi) hat sich dieser Standpunkt längst eingebürgert, und ein hoher Beamter hält die Geschenke, die er dem Könige als Neu- jahrogruß überbracht hat, für so loichtig, daß er sie auf seiner Grabinschrift aufzählen läßt:„Wagen aus Silber und Gold, Statuen aus Ebenholz und Elfenbein. Halstragen auS allerhand Edelsteinen, Waffen. Werke aller Künstler." In den ägyptischen Gräbern sind zahlreiche leere, blauglasierte Fläschchen gefunden worden, die einstmals ohne Zweifel wohlriechende ätherische Oele zum Gebrauche für die Toten im Jenseits enthielten, und auf einem Teil von ihnen liest man Hieroglyphen, durch die diese Fläschchen als Reujahrssendungen gekennzeichnet werden. Eine besondere Rolle spielt dann der NeuiahrSwunsch bei den aber- aläubischen Römern, bei denen als Beigaben zunächst nur Symbole des Wachstums, der Fruchtbarkeit, der Mehrung deS Einkommens und vor allem der Lorbeerzweig hinzugefügt werden. Aber all- mählich gesellten sich auch eßbare Früchte und andere Delikatessen dem symbolischen Gruße bei. Bc: den Reichen kommt die Sitte auf, die Glnckwunschgaben in wertvollen Nachbildungen aus Edel- metall zu schenken, die ärmeren überziehen die Früchte wenigstens mit glänzendem Blattgold. In späteren Zeiten entwickelt sich die llnsitte, sich durch kostbare NeujahrSgefchenkc den Höhcrgestellten und insbesondere dem Staatsoberhaupt angenehm- zu machen. In den ersten Zeiten des Kaisertums war die Gelegenheit zu Neu- jahrsgeschenken auch umgekehrt dem Kaiser Augustus erwünscht. indem er sich für die Huldigungen eifriger Anhänger dankbar er- !vics und ihnen das Vierfache an Wert zurückgab. Die römische Sitte des Glückwunsches und Geschenkes zu Neujahr ist dann in !>as Mittelalter mit fnmibergegaiigcu. Aber nach längerem sein und feiern kann, hat sich auch im Mittelalter erhalten. Teils geschah dies in einem formelhaften Wunsche«ein gut selig neues Jahr!" oder„ein gottselig Jahrl" oder auch„ein glückselig neues Jahr!" Vielfach trat aber auch an dessen Stelle bei den reim- lustigen Deutschen die poetische Begrüßung. Besonders in dem geselligen fünfzehnten Jahrhundert sind Neujahrswünsche solcher Art sehr beliebt gewesen, und sie haben schon damals zu einer künstlerischen Industrie für vornehme Kreise geführt. Theater. Lefsing-Thcater:„Bretzenburg", Schwank von Skowronnek und Wilde. DaS Lesflng-Theater, das vor ein paar Jahren zur Silvesterzeit sein Publikum mit einem so prickelnd übermütigen, leider nur allzubald vom Repertoire abgesetzten Werkchen, wie dem Mongröschen Einakter„Der Arzt seiner Ehre" bewirtete, hat mit seinem diesjährigen WeihnacktS- und Silvester- scbwank eine Niete gezogen. Ein Teil der Zuschauer gab nach dem Fallen des Vorhanges seiner Entläirschung durch Zischen Ausdruck. ES sollte ja wohl eine Satire auf die heuchlerische Prüderie, Borniertheit und geheime Korruption einer Kleinstädtersippe sein. Aber die Exemplare, an denen die Exekution vollzogen wurde. waren derart zugerichtet und auch deS letzten FüutchenS gemeinen Menschenverstandes beraubt, daß die Persiflage in sich selbst zu- sammeufiel. Schließlich sind auch wohl die kleinen Städte keine Irrenanstalten. Die Verzerrungen verbinden sich zudem mit völligem Mangel an ErfiildungSkraft. Von einigen wenigen Partien des ersten und deS dritte» Aktes abgesehen, sieht man überall die Nähte, mit denen in flüchtizer Arbeit Flick an Flick geheftet ist. Die ehremoerte Braut des Bürgermeisters, Tochter eines früheren Ministerialdirektors und zurzeit Kassiererin in einem Berliner Warenhause, steigt auf dem Bahnhof— das ist der Clou deS Sckwanks— zur hellen Schadenfreude aller Bretzeuburger mit einem Baby in den Armen aus. Säemand will glauben, daß daS Kleine einer Mitreisendsn. die ausstieg nnd die Abfahrtszeit ver- paßte, angehört. Der Schreihals wird sofort als in die Ehe mit- gebrachtes Angebinde eintaxiert. Allgemeines Ah und Oh begrüßt sie. Ein ganz amüsanter Aktschluß, für den man aber als Revanche im nächsten Aufzug die unglaublichsten Verhandlungen eines Familienrates im Bürgermeisterhause über sich ergehen lassen muß. Jeder sucht an Trollelhaftigkeit den anderen noch zu überbieten; bis zuguterletzt die Reisegefähnin des Fräuleins hereinstürzt und sehr energisch das Familienoberhaupt als Vater des verlorenen BiibchenS reklamiert. Den Schluß bildet die Vertuschung dieses neuen Skandals unter der geistigen Leitung des streberischen, hochvatriotischen BahnhofSkellnerS, der seine imellektuelle Uebcrlegenhcit auch durch die Kunst bezeugt, mit der er als Verlobter der Büfetimauifell ihre zahlungsfähigen früheren Liebhaber schröpft. Es ist das der noch an: ehesten ge- limg-ne Typ' des Stückes. Unter patriotischen Hurrarufen des 39 M., Bechmann wegen groben Unfugs zu 39 M., Kohl wegen Beleidigung zu einem Monat Gefängnis. Die Angeklagten Prirbe und Otto Ludwig wurden freigesprochen. Am 18. hielten der Zentralverband der Bureauangestellten sowie der Verband der Krankenkassenbeamten Generalversamm- langen ab. deren Resultat die Verschmelzung der beiden Organisationen war. Am 24. setzte die Agitation für die preußischen LandtagSwahle« ein durch die Verbreitung eines Flugblattes, welches die Wähler zur Einsicht der Wählerlisten auffordert. Am 26. teilte der„Vorwärts" mit, daß der Polizeipräsident von Berlin die Gründung des Franen-Wahlvereins für unzulässig erklärt hat. Gegen Ende des Monats waren die Verhandlungen über den Abschluß eines neuen Tarifvertrages für das Baugewerbe beendet und hinsichtlich einiger streitiger Punkte hatten die Unparteiischen einen Schiedsspruch gefällt. Zu dem so zustande gekommenen Vertragsentwurf nahm am 23. eine Generalversammlung des Maurerverbandes Stellung. Am 29. erfolgte die Abstimmung der Mitglieder, welche die Annahme des Vertrages ergab. Die Verhandlungen über den Abschluß eines Tarifvertrages für das Malergewerbe fanden vom 28. bis 39 statt. Am 39. gab der„Vorwärts" bekannt, daß ein Allgemeiner sozialdemokratischer Wahlverein für Berlin und Umgegend ge- grüildet ist, der neben Männern auch Frauen aufnimmt. Hier- durch mar den sozialdemokratischen Frauen wieder eine politische Organisation geschaffen, nachdem der Polizeipräsident den Frauen- Wahlverein für unzulässig erklärt hatte.— Ter Monat Mai. setzte auch in diesem Jahre mit einer imposanten und würdigen Maifeier der Berliner Arbeiterschaft ein. Am 3. wurde auf dem Zentralfriedhof das von den Partei- genossen gestiftete Denkmal für Jgnaz Auer feierlich enthüllt. An demselben Tage stimmte der Zimmererverband dem neuen Tarifvertrage zu. Am 7. erklärten sich die Maler bereit zur Annahme beS Schiedsspruches, der hinsichtlich ihres Tarifvertrages von un- parteiischer Seite gefällt worden war. Am 11. und 12. fand im Germaniasaal der Krankenkassen- kongrest statt. Am 12. wurde der Metallarbeiter Blumenthal vom Gericht zu einer Strafe von 39 M. verurteilt. Er soll die Polizei dadurch beleidigt haben, daß er das Verhalten der Schutzleute, die nach ihrem Eindringen in das Haus des Metallarbeiterverbandes aus wehrlose Leute einschlugen, als unerhört und unverschämt be- zeichnete. Am 17. stellte die Generalversammlung dcS Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereinc von Groß-Berlin die Kandidaten für die Landtagswahl auf.— Die Wahlagitation wurde in der Folgezeit in großem Umfange betrieben. Am 24. fand zu diesem Zweck die massenhafte Verbreitung von Flugblättern statt. Am 26. wurden Massenversammlungen abgehalten, welch? der Wahlagitation dienten. Am 31. verbreiteten die Parteigenossen wieder die Massen- auflag? eines Wahlflugblattcs.— Der Monat Zum. brachte unS die Früchte unserer energischen Wahlagitation. Am 2.. dem Vorabend der Urtvahlen, hielten wir nochmals eine große Zahl von Agitatiousversammlungcn ab. Am Abend des 3. Juni, nach beendeter Urwahk, konnten wir mit berechtigter Genugtuung einen über Erwarten glänzenden Sieg der Berliner Parteigenossen feststellen. Die Pfingstwoche, mit dem 7. beginnend, sah in Berlin mehrere Arbeiterkougresse: die Bcrbandstage der Porzellanarbeiter. der Pliotographen, der Formsiecher uisi) des Arbeiter-Radfahrer- Bundes. Am 13., 16. und 17. veranstaltete der Metallarbeitervcrband Konferenzen der Graveure und Ziseleure, der Gold- und Silber- arbeiter und der Rohrleger, welche sämtlich zu taktischen Fragen in ihren Berufen Stellung nahmen. Die am 16. erfolgte Wahl der Abgeordneten zum preußische» Landtage vollendete den durch die Urwahl errungenen Sieg. Die Sozialdemokraten Berlins sandten die Genossen Karl Liebknecht, Ströbel, Borgmann, Hirsch und Heimann in das Dreiklassen- Parlament, denen durch die am 23. erfolgte Stichwahl im 12. Bezirk noch der Genosse Adolf Hoffmann zugesellt wurde. Am 16. erlitt die Partei einen Verlust durch den Tod des Genossen Christian Bohn, der lange Zeit im ersten Wahlkreise hervorragend tätig war. Kriegervereine» reist daS in allen seinen Ehren wieder hergestellte Fannlicnoberhaupt, der reiche Bäckermeister nach Berlin, um dort sein Abgeordnetenmandat wieder zum Wohl deS Vaterlandes und der Sittlichkeit auszuüben. Kellner und Mamsell wurden von Karl Forest und Paula Eberty mit sehr viel mimlerer Laune ge- spielt. dt, Musik. FrangoiS Auguste Gevaört(sprich: Gewart) ist am 24. Dezember zu Brüssel gestorben, über 89 Jahre alt. Nicht in dem Sinne, daß jedem dahingegangenen Komponisten und Musik- gelehrten ein Nachruf gewidmet werden müßte, erwähnen wir dies. Vielmehr ivar der Belgier Gevaört in der Tat ein außerordentlich verdienstreicher Praktiker und Theoretiker der Musik, unberühmtcr als so viele Oftgenannte, über deren Tagesbcdeuwng er weit emporragte. Sei» ciaenartigsteS Verdienst sind wohl seine wissen- schastlichen VeweiSversuche einer viel allmählicheren Entwickelung der alten Kirchenmusik, alS mit ihrer gewöhnlichen Zuschrcibung an Papst Gregor d. Gr.(nm 699) vorher angenoimncn war. Einer- seit» schufen an dem„gregorianischen Gesang" bereits frühere Päpste seit etwa dem vierten Jahrhundert und nachträglich noch spätere. Andererseits sucht Gevaört in dem altgricchischen Hymuengesang die Hauvlquelle für den kirchlichen(lvozu andere noch einen Einfluß des jüdischen RitualgesangeS hinzufügen). In zweiter Linie steht seine Bedeutung als Direktor des (staatlichen) Konservatoriums zu Brüssel, eines der tüchtigsten über- Haupt, das feit 1813 besteht und seit 1871 von Gevaört bis un- mittelbar jetzt geleitet wurde. Namentlich traten hier feine Be- mühungen hervor, durch weitgreifende historische Konzerte für viel- scitige Musikpflegc und Musikbilduna zu sorgen.(Wir sprechen von Brüssel, nicht von Berlin.) Daran schließen sich seine Verdienste um die»nufiltheorettsche Literatur, gipfelnd in seiner JnstrumentationL- lehre, die hochangesehen ,st t'M von Hugo Ricmamr ins Deutsche übersetzt wurde. Auch Reuausgaben älterer Kompositionen mrd ähnliche BeröffentKchunaen sind ihm zu danken. Schließlich nimmt Gevaört wenigstens im romanischen Ländericci? eine hervorragende Stellung als Komponist ein. Geboren 1628 nnd mit 13 Jahren bereits als Organist tätig. begaim er bald die Kompositlon von Kantaten, Opern usw., tvirlic lange in Paris und war seit l367 Musikdirellor der dortigen Großen Oper. Eine lOpern-) Ausführung von ihm ans deutschem Boden scheint nur ein- mal stattgefunden zu haben, und zwar 1861 in Baden-Badeu. Die Brüsseler werden cS wohl nicht leicht haben, auch unr ihren KonservatoriumSdirektor cinigerinaßen würdig zu ersetzen. Wahr- scheinlich aber wird es ihnen doch noch eher gelingen, als sich uns die Hoffnung erfüllen wird, die„Königl. Akademische Hochschule für Musik" zu Berlin aus ihrem jahrzchntclengen Stillstände heraus- kommen oder gar zu ihrer Leitung einen an Gevaört heranreichenden Mann(im dem es keiiiesvegs fchsi) berufen zu sehen. Am 19. turde ein Flugblatt verbreitet, welches sich in erfter lichen Arbeitstraft zu befeßen. Diese Bewegung spiegeln die Mit- Ibirekten und geheimen Wahlrecht für alle Männer und Frauen er 2inte an diejenigen wandte, die bei der Landtagswahl foziala gliederbewegungen der an der reichsstatistischen Berichterstattung an- hoben werden. Dies alles werden unfere Vertreterinnen auf dem Stongre Demokratisch gestimmt hatten, unserer Parteiorganisation aber fagen. Im Kampfe für unsere Forderungen haben wir nur einen noch nicht angehörten. Diese Personen wurden darauf am Sonn gefchloffenen Stranfenfaffen, die zirfa ein Fünftel fämtlicher gesetztreuen Bundesgenoffen ben Arbeiter. Hand in Hand mit tag, den 21., von unseren Parteigenoffen persönlich aufgesucht, um lichen Strankenkassen Deutschlands umfaffen. Was zunächst die Zu ibm werden wir vorwärts gehen zum Hehren Ziel der Proletarier fie zum Eintritt in die Wahlvereine und zum Besen des" Bor- nahme der weiblichen Arbeitskräfte anlangt, so gibt darüber ein aller Länder und Nationen, und werden zusammen mit ihm uns tvärts" aufzufordern.. Vergleich des Mitgliederbestandes vom 1. November 1908 mit dem ein neues Leben gründen, wo es feine Ausbeuter und Ausvom 1. Rovember dieses Jahres Aufschluß. Hier die Zahlen: gebeutete, feine Not, fein Elend gibt. Nur dann wird die Arbeiterin ihre vollen Menschen- und Bürgerrechte erringen!" Am 23. berhängte die Straffammer über den Genossen Weber eine Gefängnisstrafe von einem Monat, weil er als verantwortlicher Rebatteur des Vorwärts" schuldig befunden wurde, die Polizei in Hamborn beleidigt zu haben. Am 29. nahmen die Koffermacher nach einem faft ztvei Monate währenden Streif, der mit einer tariflichen Bereinbarung endete, die Arbeit wieder auf. Juli. Am 1. nahmen die Arbeiter und Arbeiterinnen der Wäschebranche Stellung zu der von den Unternehmern vorgenommenen Kündigung der Tarife. Die Bortefeuiller stimmten dem Tarif zu, den ihre Vertretung mit der Vertretung der Arbeitgeber vereinbart hatte. Am 2. wurden einige Streitpunkte über ben Tarif ber Maler burch bas Kollegium der Unparteiischen erledigt. Am 5. wurde die Lohnbewegung der Rohrleger eingeleitet durch eine Wersammlung des Deutschen Metallarbeiterverbandes, welche Stellung nahm zu der bon ben Unternehmern eingereichten Stündigung des Tarifes. Am 9. starb Genoffe Karl Mühl, ein altes Mitglieb des dritten Wahlkreises. Eisendreher Westland tourde tegen Beleidigung eines Streit brechers zu fünf Tagen Gefängnis berurteilt. Am 12. beschloffen die Speditionsarbeiter die Kündigung bes Tarife. Sie forderten Erhöhung der Löhne und Verkürzung der Arbeitszeit. Am 16. verurteilte das Schöffengericht den Genossen Abend. roth, weil er auf dem Friedhof der Märzgefallenen ein Hoch auf das freie Wahlrecht ausgebracht hatte, zu einer Geldstrafe von 60. Am 17, beranftalteten die Parteigenossen Berlins brei große Volksversammlungen, welche Stellung nahmen gegen Striegs hehereien und für den Bölferfrieben bemonstrierten. Am 26. beschäftigte sich eine Versammlung der Berliner Jagenborganisation mit den die Jugendbewegung betreffenden Beschlüssen des Gewerkschaftstongresses und sprach sich für die Gr haltung der selbständigen Jugendorganisation aus, turben. Außerdem nahmen auch viele Gewerkschaftsversammlungen im Laufe des Monats Stellung zu den Beschlüssen des Gewerk schaftstongresses, die in allen wesentlichen Buntten gebilligt Am 30, entschieb das Schöffengericht, daß der öffentliche Aus. hang der Abstimmungsergebnisse ber Urwahlen sum preußischen Landtag grober Unfug fei. Bei Schantwirte, welche solche Listen in ihren Fenstern angebracht hatten, wurden berurteilt. Am 31, wurde der Maschinenarbeiter Mens wegen Beleidigung eines Streifbrechers zu einer Woche Gefängnis verurteilt. August. Am 1. verurteilte das Gericht einige Speditionsarbeiter, die fich an einem Streitbrecher vergriffen hatten. Mitfahrer Kreowski, Rofe erhielten je einen Monat, Jachwiz und Hase je zwei Wochen Gefängnis. Am 8. feierte der Zimmererverband das Fest seines 25jährigen Bestehens. Am 9. hielt der Wahlkreis Niederbarnim eine Generalgegennahm. berfammlung ab, welche den Tätigkeitsbericht des Vorstandes entAm 11. stand der Genbarm Jube vor dem Kriegsgericht. Er hatte den mit anderen Parteigenossen aus einer Bersammlung tommenden Genossen Herrmann aus Hohen- Neuendorf erschossen. Der Gendarm wurde freigesprochen. Am 15. fand wieber eine Generalversammlung des Kreifes Nieberbarnim ftatt, welche zum bevorstehenden Parteitag Stellung nahm. Am 16. beschäftigte sich eine Generalversammlung des Kreifes Am 18. fanden die Generalversammlungen der sechs Berliner Wahlkreise statt, welche Stellung zum Parteitage nahmen. Teltow- Beeskow mit dem bevorstehenden Parteitag. Am 29, wurde die Generalversammlung des Berbanbes ber Wahlbereine Groß- Berlins abgehalten. Sie nahm den Vorstands. bericht entgegen und beschäftigte sich mit der Frauenorganisation und der Frage der Budgetbewilligung. Am 25. nahm eine Bersammlung der sozialdemokratischen Frauen Stellung zur Frauentonferenz und zum Parteitag. Am 30. fand die Parteikonferens für bie Broving Branden burg statt. Durch Schaffung eines Einheitsstatuts gab fie der Barteiorganisation ein festes Gefüge. An demselben Tage beschloß eine große vom Deutschen Metall arbeiterverband sowie den Berbänden der Schmiebe und Stupfer. fchmiede einberufene Bersammlung der Rohrleger ben Streif, ben die Wiesenthalsche Organisation nicht mitmachte. Am 31. beendeten die Speditionsarbeiter ihre Lohnbewegung, inbem fie einer Bereinbarung mit den Unternehmern auftimmten. Soziales. 3am mobernen Sllavenhandel. Beim Gelinbevermieten unterlassene Einholung von Erfundis gungen über bie Dienstberechtigten wurde der Gefindevermieterin Görlich in Zabrze vorgeworfen. Die Straffammer in Gleiwis berurteilte fie deswegen zu einer höheren Geldstrafe auf Grund des§ 38 der Gewerbeordnung in Verbindung mit den zur Ausführung dieses Baragraphen erlassenen Ministerialvorschriften vom 5. Dra 1907. Frau Görlich hat Geschäftsverbindung mit einer Gesindevermieterin in Berlin. Sie vermittelte biefer mehrere Mäbchen, bit fie wieder aufs Lanb weitervermietete. Die Strafs fammer führte aur Begründung ihres Urteils aus: Die Angeflagte habe gewußt, bay bie pou in Berlin die Mäbchen gleich weiter bermieten würbe. Diejenigen, benen die Mädchen von Berlin aus augeführt wurden, seien die Dienstberechtigten im Sinne der Wis nisterialvorschriften. Die Angetlagte hätte felbst sich vergewilfern müssen, in welche Stellung die Mädchen kamen, und ob diese für sie geeignet waren. Sie hätte damit rechnen müffen, daß die mittellos nach Berlin tommenben Mäbchen eventuell jebe Stellung annahmen. Gine geringe Geldstrafe fei bei biefer Art modernen Gilapenhandele für nicht angebracht erachtet worden. Wenn es bet einer Gelbftrafe geblieben fei, bann deshalb, peil es den Mädchen hier tatsächlich gut ging. Das stammergericht verwerf bie te vifion der Angeklagten mit der Begründung, bic Berurteilung fei burchaus gerechtfertigt, weil die Angeklagte nicht die nötigen Gr. Funbigungen eingezogen habe. Aus der Frauenbewegung. Gewerbliche Frauenarbeit. 1906 1908 In 1908 Zunahme absolut In 1908 Zunahme in 0 Mitglieder weibliche 1 848 798 männliche 8 275 890 8 280 485 1 511 741 4545 162 943 0,14 12,08 Prozent Eine intereffante Tabelle, die teranschaulicht, in welchem Grade während des Jahres 1908 männliche Sträfte abgestoßen, weibliche angezogen worden sind, ist die folgende, dem Reid) sarbeitsblatt entnommene, in ber Bergleiche mit dem jeweiligen Mitgliederbestande der Parallelzeit des Vorjahres gezogen sind, und zwar unter Berücksichtigung des Bevölkerungszuwachses. Danach ergeben fich folgende Zunahmen(+-) bezw. Abnahmen(-) des Bestandes an versicherten Berfonen: am 1. Februar 17 1. März • " 1. April 1. Diai. 9 " P 1. Juni " 1. Juli. " 1. Auguft " 1. September 1. Ditober " 1. November. カ 1. Dezember. männliche weibliche O 24 382 28 103 31850 86 118 53 903 20 807 101 450 7977 94 568 17 825 102 870 122 483 188 726 140 786 154 451 158 442 • HITH 8 087 221 4 997 15 189 20 289 11 477 Für die männlichen Arbeiter toaren demnach während des ganzen Jabres die Verhältnisse am Arbeitsmarkt durchaus ungünstig, für die weibliche Arbeitskraft dagegen stand er im Zeichen der Hoch fonjunktur. Nicht zum Segen der Gesamtheit! Durch die gekennzeichnete Verschiebung in bem Verhältnis zwischen beffer entlohnter männlicher und schlecht bezahlter weiblicher Arbeitskraft, ist der produktiv schaffenden Mafie ein enormer Betrag an Lohn entgangen. Um diesen Betrag hat sich auch die Konfunikraft der Gesamtheit berminbert, was nicht nur vom sozialen Standpunkte zu bebauern ift. Man darf aus der erwähnten Tatsache aber nicht zu falichen Maßnahmen und Bestrebungen fich verleiten laffen, tole z. B. die teutonischen Hurraschreier im sog. deutsch nationalen Handlungsgehilfenverband. Diefe Leutchen verlangen nämlich Ausschaltung ber weiblichen Arbeitstraft, bamit biefe nicht mehr als Stonfurrentin gegen den Herrn der Schöpfung ausgespielt werden fann. Was sich die fapitalistische Entwidelung um die Forderung radaustarker Ideologen und Ganswürfte fümmert, zeigt die vorstehende Tabelle. Will man bie Sache beim rechten Ende aufaffen- dann als Lohnfrage! Das weitere Eindringen der weiblichen Arbeitskraft in die gewerb lichen Berufe tann nicht verhindert werden, und wer auf dem Boden der Anerkennung der Gleichberechtigung steht, darf auch der Frauen aus Konkurrenzgründen teinen Beruf fünstlich versperren wollen. Aber das gemeininteresse er heiicht, fich gegen den Mißbrauch der weiblichen Arbeitstraft als Lohnbrüderin zu wehren. Der Abwehrkampf muß geführt werden burch nachdrückliche Vertretung des Grundlages, daß nicht das Gefchlecht bestimmend fein darf für die Lohnhöhe, sondern lediglich die Leistung als Entlohnungsmaßstab gelten muß. Gleicher Lohn für gleiche Leistung! Das soll die Lofung sein, die nicht nur theoretisch au vertreten ist, der auch in der Pragis, mit Einfegung aller zu langt das Allgemeinintereffe! Und diefes deckt sich mit dem Intereſſe Gebote stehenden Mittel Nachdrud gegeben werden muß. Das ber ber über den allgemeinen Ausbeutungsgrad hinausgehend vom Kapital rüdjichtslos ausgenugten weiblichen Arbeitskraft. Frauenkongres in Rußland. Bersammlungen Veranstaltungen. Mahlsdorf a. b. Oftbahn. Dienstag, 29. Dezember, bei Miller, Berliner Chauffee 21: Vortrag. Genoffin Sanni Sarden. Tegel. Mittwoch, ben 30. Dezember, 8 Uhr, bei Halfes, Brumow straße 28. Briefkaften der Redaktion. Die invifilme bredhiftunde Ander Binbentake e. 3, velter britter Eingang. bier Treppen. Gabritabl wochentäglich abende bon 7 bis 9 lbr statt. Geofinet be Buchfabe und eine Baht als Wiertzeichen beizufügen, Brietliche Antwort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Brieffaften fönnen 14 2age bergehen. Cilige Fragen trage man in der Sprechstunde voz, Bot. Bonnabend beginnt die vrechftunde am G libr. Jeder Anirage ift ein W. W., Waifen: $. 30. Das kann die Stirche halten, wie sie will. M. t. 1. traße. Die Klage würde voraussichtlich abgewiefen werden. Sie hätten die an sich mit 20 Bros. richtig berechnete Stirchensteuer, fofern diefelbe nur für die Belt bis zum 31. Dezember 1908 verlangt wird, zu zahlen. Für eine fernere Zeit hatten Sie Kirchensteuer nicht zu zahlen. G. 10. Ein Anspruch auf Burüdzahlung steht Ihnen nicht zu. Grpressung 10. Die Sache würde wahrscheinlich mit einer Geldstrafe enbigen. Geben Sie uns Mitteilung, sobald Termin anberaumt ist. 21.. 1000. Infolge des von Ihnen angeführten Baffus im Statut steht 8. 2. 1. Sie können bem Betreffenden ein Einspruch nicht zu. bei dem Amtsgericht Beschwerbe einlegen. Aus Ihrer Darlegung ist nicht ersichtlich, wofür eventuell der Stoftenbetrag erhoben ift. 2. Mein. 6. R. 33. Die Altersrente pirb felt bem 1. Januar 1900 in folgender Weile berechnet: Zu dem festen Reichszuschus von 50 W. wird ein von ber Berficherungsanstalt aufzubringender Betrag zugerechnet, der in der Lohnflaffe I 60, in der Wohnflaffe II 00, in der Bohutlaffe III 120, in der Lohnflafje IV 150, in der Bohnflaffe V 180. beträgt. Sind mur in einer Lohutlaffe Beiträge entrichtet, so beträgt danach bie Altersrente 110, 140, 170, 200, 230. at aber ein Rentenbewerber in verschiedenen Lohnflaffen gelebt, so wird der Durchschnitt ber ben 60, 90, 120, 150, 180 22. entsprechenben eltersrente gewährt Sind also 264 Marten III. laffe, 354 Marten IV. Stuffe und 66 Marten V. Alaffe gelebt, so beträgt ber Durchschnitt 254 X 120+354 X 150+ 66 X 180, b. t. allo a 50 3. Reichszufchuß und 141 M. Durchschnittsbetrag= 191 M. P. 3. 7. Ja. 95 250: 674141. Die Altersvente beträgt alfo in diesem Falle 50 2. .. 100. Der Mietsstempel für Mietsverträge im Betrage von 300 bis 500 m. beträgt 50 P., für solche im Betrage von 500 bis 1000 10. Der Stempel wird für das Stalenderfahr er 19., bis 1500 2. 1,50 2. boben, also für die Zeit vom 1. Januar bis 1. Januar. Fällt ein Bertrag in die Zeit vom Oftober bis Oftober, so würde danach zunächst für die Belt vom Oftober bis Banuar und dann für bie Zeit von Januar bis Streit 50. 1. Ja. 2. Netz. Ottober der Stempel zu gablen fein, 3. Der Berichte hätte bie Aussage ablehnen fönnen, nachträglich ist nichts ber Strantentaffe gegenüber verpflichtet. Wag 3551. Sie würden bie 84 machen. Der Berlegende ist nach dem Gefeße zum Erfaß der Stoffen Starte umzutauschen haben. Um Ihre Berficherungspflicht aufrecht zu er balten, ift es erforderlich, baß Sie für je groei abre mindestens 20 Marlen fleben. Welche Höhe Sie leben vollen, steht in Ihrem Belieben. G. B. Gerzfelde. Der Vorfall tann als Unfall seitens der Berlegten oder ihres Bormundes bei der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft augemelbet werden. Leider wird aber nach der Darstellung des Sachverhalts, te te thn geben, taum ein dem Mädchen günſtiger Befchelb erzielt werben Pönnen. 3. W. 84. Der Erbichein wird vom Gericht ausgeftelt. Die öhe der Roften richtet fich nach bem Objett. handelt es sich um die Jablung einer Unfallvente ober der Beiträge, die von der verstorbenen Wutter für ble Invalibenrente gezahlt finb, fo erfolgt ble Ausstellung fosten 108. G. 2. 23. 4. Riegt fein vechtsfräftiges Ertenntnis zu Ihren Un gunsten vor, it also ein alimentenanspruch noch nicht rechtsträftig ab ertannt, so tounen Sie denselben noch jet im Wege der Silage geltend machen. Amtlicher Marktbericht der städtischen Marktballen Direktion über ben Großhandel in den Sentral- Markthallen, Watilage: leila: Bufuht start, Geschäft fchleppend, Breite unverändert. Sild: Sufuhr ge nügend, Geschäft lebhaft, Breife gut. Geflügel: Sujur genügenb, Geschäft lebhaft, Preise befriedigend. ifche: Bufuhr knapp, Geschäft etwas lebhafter, Breife wenig befriedigend. Butter und staje: Geschäft ruhig, Breile unverändert Gemüse, D6 und Süb. rate: Bulut genügend, Geschäft leblos, Breise fast unverändert. Em 10.( 23.) Dezember ist in Petersburg der erste„ alfruffifce Frauentongreß aufammengetreten, an dem überwiegend Frauen ber fogenannten befferen Gefeßfchaft und der freien Berufe beteiligt find, Das Sentralbureau der Betersburger Gewerkschaften hat biele Witterungsübersicht vom 28. Dezember 1908, morgens 8 br. Gelegenheit benugt, um in einem Aufruf die Petersburger Arbeiterinnen auf den Unterschied zwischen den Bestrebungen der bürgerlichen Frauenrechtlerinnen und der Proletarierinnen hinzuweisen. Wir geben im folgenden die markantesten Stellen des Aufrufs wieder: Stationen Berlin Barometer urus quo richtung Winb 765 OND Better 4 wollig B bebedt 3 bededt Somembe 766 DSD 1 helter amburg 764 D tranfi.a M 758 N Münden en 758 D Sentp. R. G. 5° C= 4° R. Stationen Barometer flanb mm Bind richtung Binbitarte -14 Dabaranda 779 92 10 Betersburg 771 DMD -10 Scilly 755D 763 SSD 7 Aberdeen 4 bedeckt 8 Baris 81 761 DSD 2 bebedt Em 10.( 25.) Desember tagte bei uns in Petersburg der erfte ruffliche Frauentongreß. Aus allen Eden und Enden RußLands werden ba grauen zusammenkommen: Aerztinnen, Lehre rinnen, Schriftstellerinnen, um zu erzählen, wie bie Frauen ber schiebener Stände leben, pas fie anstreben, wie fie arbeiten, was fie zu erbulben haben infolge ihrer Slechtlofigkeit gegenüber den Männern. Und jebe von ihnen wird von ihren Angelegenheiten, ihren Gorgen sprechen, teine wird aber fagen lönnen, was wir, die Arbeiterinnen, denen das Schidial alle Freuben verlagt. Sroft und ziemlich scharfen nordöstlichen Winden. deren Leben eine ewige Qual ist, wissen. Niemand von ihnen weiß, wie hoffnungslos finster das Leben der Arbeiterin ist. Nach einer in großen Zügen entworfenen Schilderung des elenden, forgenboden und freudenarmen Lebens der Arbeiterin in der Fabrit und zu Haufe, fährt der Aufruf fort: 2 Aber niemand wird an diefed unfer Schidial denken, von ihm reben oder gar es ändern, wenn wir selbst widerspruchslos uns ihm beugen. Genoffinnen, Arbeiterinnen! Wir sind schwach und hilflos, aber unfere Straft liegt in uns! Geht euch ringsum!.. Neben uns, an unferer Seite arbeitet auch der Genoffe, der Arbeiter. Sein Schidial ist bem unseren gleich. Doch hat er längst den einzigen Weg zu einer befieren Bulunft gefunden ben Weg des organi fierien Stampfes ber Arbeit gegen bas kapital. Arbeiterinnen! Auch uns steht lein auberer Weg offen, Die Jutereffen ber Frauen und Männer find ja gleich. Deshalb werden wir nur im ge meinsamen Kampf and in anb mit ben beitern, nur indem wir in die Arbeiterorgani fationen, in die Gemertidaften eintreten. unfer Recht finden, uns ein beiieres Bos er. tämpfen." ... Weiter lägt ber Aufruf an die Arbeiterinnen die Aufforderung ergehen, fich au Besprechungen ihrer Lage und zur Wahl von Ver treterinnen zum Stongreß zu verfammeln. Aber nicht um au wehllagen wollen wir sie hinfchiden. Unfere Biele, unfere Wege find von denen der Mehrheit des Kon greffes verfchieben. Sie, biefe Frauen, finb Schwestern, Töchter, Frauen unferer Ausbeuter, leben vielleicht felbft von unserer Arbeit. Laut sollen dort unsere Vertreterinnen berfinden, daß die Arbeiterin erwacht, baß fie den Weg des Stampfes für ihre Förderungen be treten hat. Sie forbert: 1. Gefeßlichen Arbeiteridhus, 2. Achtstündigen Arbeitstag. 3. Hohen Arbeitslogn. 4. Strantene, Juvaliditäts, Alters, Unfall- und Arbeitslofen berficherung 5. Schwangerichaftsversicherung und Mutterschuh. Gine Charakteristische Erscheinung bei der jegigen Strife ist die Starke Zunahme der weiblichen Arbeitsfräfte in ben gewerblichen Bes trieben. Der Hunger nach billigem Menschenfleisch, ben die fapitalistische Profitfucht auslöst, läßt den männlichen Arbeiter bergebens Umsgau nach Beschäftigung halten, während gleichzeitig Hausfrauen, Mütter und junge Mäbchen in Jabriken und anderen gewerblichen Die Erreichung aller biefer Forderungen, helft es weiter, fei Anlagen vermehrt Gingang finden. Ja, es werden männliche bet ben gegenwärtigen politischen Zuständen unmöglich, es müfe beiter entlassen, um beren Stellen mit bes fchlechter entlohnten weib- baher vor allem die Forderung nach dem allgemeinen, gleichen, 6. Gleichheit von Drännern und Frauen in allen bürgerlichen und Familienrechten. Better 11 Temp. n.. 2 bebedt 14. 1 bebedt -20 4 Hegen 4 bedeckt 757 993 bebedt Wetterprognofe für Dienstag, den 29. Dezember 1908. Bielfach heiter, aber veränderlich mit leichten Schneefällen, ftrengem Berliner Betterbureau. 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Neues Operetten- Theater, Schiffbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Abends 8 Uhr: Die Dollarprinzessin. Operette in 3 Aften von Leo Fall. Gastspiel- Theater Köpenicker Straße 68. 8, Uhr: Gastspiel Frl. Hedwig Lange: Schiller- Theater. O.( Wallner- Theater.) Dienstag, abenbe 8 Ubr: Der Graf von Charolais. Brauerspiel in 5 Aften von Nichard Beer- Hofmann. Mittwoch, abends 8 11 br: Der Herr Ministerialdirektor. Donnerstag, abend 38 Ubr: Zum 1. Male: Charleys Tante. 0 Schiller Theater Charlottenburg. Dienstag, abends 8 Uhr: Der Familientag. Luftspiel in 3 Aften v.Gustav stabelburg. Wittwoch, abends 8 Ubiz Der Familientag. Donnerstag, abends81t: Zum 1. Male: Komtesse Guckerl. Zirkus Schumann. Heute Dienstag, den 29. Dezember, abends präzise 7%, Uhr: Erste große außerordentliche Gala- Vorstellung des größten und glänzendsten anläßlich der 50. Pracht- Manegen- Schaustücks XIV. Saison! Zirkus Busch. Reichshallen- Theater Dienstag, den 29. Dezember, abends präz. 7% Uhr: Gala- Vorstellung. umb Das Moto- Baby! CO.: Um 9% Uhr: ! Barbarossa! Große Drig. Ausstatt. Pantomime b. Zirfus Butch) in 6 Bildern. Ferner: Inas- Truppe u. Balaprogr. Freitag, den 1. Januar 1909: 2 Gr. außerordentliche Gala- Vorstellungen. 4 u. 7, 161: Jn beiden Borstel.: Barbarossa. Drahtlose Telegraphie. Golo, der Seeräuber u. Mädchenhändler. W. Noacks Theater DERNHARD ROSE THEATED Sr. Frantiurter Str. 132 bends 8 Uhr: Die Entgleiften. 15 Bochentagspreise. Mittwoch: Die Geher- Wally. Rixdorfer Theater Bergstraße 147. greitag( Neujahrstag), b 1. Januar: Der Weg zum Herzen. Lustspiel in 4 Atten v. A. L'Arronge. Anfang 7%, Uhr. Metropol- Theater Täglich S Uhr Donnerwetter- tadellos. Revue in 10 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Paul Lincke. Regie Direktor Schultz. Freitag, den 1. u. Sonntag, 3. Januar, nachmittags 3 Uhr: Durchlaucht Radieschen. apollo Theater Letzte Aufführung: Folies Caprice. Servus Peina. Eine luftige Spreewaldfahrt Lustige Ehemann. Gunav Behrens. Der Obersteiger. Spezialitäten. Carl Saverland. Epezialitäten. Parodie. 2x3 7. Die Zauberflöte. Anfang 8, Uhr. Hrania. Taubenstraße 48/49. Nachmittags 4 Uhr: Ueber den Brenner nach Benedig Abends 8 Uhr: Der Montblanc. Sternwarte, validenm. 57,62, Neues Theater. Anjang 8 Uhr. Israel. Mititpoch: Israel. Donnerstag Anfang 7 Uhr: Brael. Elizi Gizi Musit von Paul Lincke. Lehte Woche! Sigw. Gentes Brothers Schenk umb die Dezember- Attraktionen. Morgen Premiere: Onfel Rafimir. Letzte Vorstellungen! OTTO REUTTER Kleines Theater. de auserlesenen Kunstkrafte. Anfang 8 Uhr. Moral. Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Der tapfere Soldat. Mittwoch nachm. 4 Uhr eine Breffe: Dornröschen. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Dienstag, 29. Dez., Anfang 8 Uhr: Husarenfieber. Wattwoch: Madame Bonivard. Donnerstag: Madame Bonivard. Freitag nachm. 3 Uge: Madame Sans- Gene. Berliner Theater. Heute 8 Uhr; Herodes und Mariamne. Morgen: Herodes and Mariammo. Residenz- Theater. Direftion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Kümmere Dich um Amelie." Echwan! in brei Atten( uler Bildern) Don Georges Bebbean. Freitag, 1. Jan., nahm. 3 Uhr: Ganz der Papa. Sonntag, 8. Ban., nachm. 3 thr Saben Sie nichts zu versollen? Lustspielhaus. Abende 8 Ubr: Die glücklichste Zeit. Hebbel- Theater Königgräger Str. 57/58. n. 8 Uhr. Thummelumsen. Luisen- Theater. Abends 8 Uhr: Die Kinder des Kapitän Grant. Mittwoch: Die Kuder des Kapitän Grant. Donnerstag: Große Ellbefterfeier, Theater, Stonzert, Sall. Ginheit licher Preis 75 31. Freitag nadm. 3 Uhr: Der Sonnen menbhof. bends: Die Kinder des Stopilan Grant Anfang 8 Uhr. Entree 1 M. Reserv. Platz 2 M. einschließl. Garderobe u. Progr. Passage- Theater. Abends 8 Uhr: Bozena Bradsky und das großartige Dezember- Programm. Passage- Panoptikum. Volkstage! Jeder Erwachsene ein Kind frei! Jedes Kind erhält ein Geschenk! Geschenke im Werte von über 1000 Mark. Darunter Einzel20 Mark. geschenke von Ein Stündchen im Himmelreich. Die singenden Engelsköpfchen. Lebend: Das Bärenwelb. Heute alle 5 Akte, die märchenhaft schöne Schluß- Apotheose and Streffion Rob. Dill. Grumente. 16. zum 1. Male: Sämtliche neuen Einlagen. Vorher: Riesen- Galaprogrammu. Paet, sagt ein jeder Zuschauer. Ein wirkliches Naturwunder. der vierbeinige Kunst- Radfahrer... Unglaubliche Leistungen", Schloß Greifenstein ober: Der Sammetschuh. Anfang 8% Uhr. Entree 30 Bf. Freitag, 1. Januar: Gewonnene Herzen. WINTERGARTEN Donnerstag, den 31. Dezember 1908 Silvester- Vorstellung und Feier Anfang 8 Uhr. Das Riesenprogramm mit Otto Reutter u. d. 10 Sternen am DezemberHimmel. Gastspiel des Neuen OperettenTheaters( Direktion Viktor Palfi). II. Akt der Operette Die Dollarprinzessin. Musik von Leo Fall. Militär- Konzert ausgeführt von der Kapelle des Kais- Alexand.Garde- Grenadier- Regts. No. 1 anter persönlicher Leitung des Stabshoboist Neumann. Der Vorverkauf ündet statt: an der Theaterkasse vormittags 9%, Uhr den ganzen Tag, in den Warenhäusern A. Wertheim, Leipziger Str. 132, Rosenthaler Str. 29, Oranienstr. 52 und deren Billettverkaufs- Filialen: Kantstraße 3, Schicklerstr. 4, BlücherRathenower Str. 3, platz 4 u. Schöneberg, Hauptstr. 1 u. Invalidendank, Unter den Linden 24. ILL Grand- Hotel- Festsäle Am Alexanderplatz. B. Jehmlich. Jeden Sonntag und Dienstag:[ 2161b+ Hamburger Sänger. Anfang Sonntags 6% Uhr, wochentags 8 Uhr. Vorzugskarten haben wochentags Gültigkeit. Gebrüder HerrnfeldVorverk. Theater. Ververk. 11.2 Uhr. 11-2 Uhr. 57 Kommandantenstr. 57. Die beiden Bindelbands. Vorher: Künstler- Teil. Donnerstag, den 31. Dezember: Gr. Silvester- Feier von 8 Uhr abds. bis 4 Uhr früh Riesen- Lachprogramm alleroriginellster Art. Zum 00. Male: Die belden Bindelbands. Vorher: 9 Spezialitäten. Punkt 12 Uhr: Anbruch einer neuen Zeit Stadt- Theater Moabit. Größter und vornehmster Theater. faal Moabits. Alt- Moabit 48.( Tel. II 2492.) Donnerstag, den 31. Dezember: Der Veilchenfresser Luftfptel in 4 Aften von G. b. Moser. Anj. d. Borst. 8, Staffenöffnung 7 Uhr. Stonzert 7, Uhr. 3m Theater- Restaurant täglich bon 4 Uhr nachm. an Konzert und bce Riese Langhoff. Donnerstag, ben 61. Dezember: Große Silvesterfeier. Theater Vorstellung 100 und Ball. Enf. der Vorft. 8 Uhr, Stonzert 7 Uhr. Im Theater- Restaurant der Niefe Langhoff. unter Fanfaren- Jubelklängen Walhallav. Trompeterkorps des GardeKür,-Regiments. Gr. Volkssänger- Soirée nach alter Wiener Art arrang. von Anton und Donat Herrnfeld, Palast- Theater Alles ohne Extra- Entree! Der Gustav BehrensTheater. Goltzstr. 9. Im Wein liegt Wahrheit Boffe mit Gefang und Weihnachtsfrende Rebensbilb mit Gesang, Außerdem die übrigen erft klaffigen Spezialitäten. njang 8% 11. Sonntags 6 Uhr. Burgstraße 24, 2 Minuten vom Bahnhof Börse. Heute 8 Nhr: RiesenDezember Spielplan! 14 Attraktionen I. Rgs. 14. Werthers Leiden, Burleske. ariete Theater Weinbergswog 19/20, Rosenth. Tor. Nur noch wenige Tage das ganze Dezember- Programm. Donnerstag, den 31. Dezember: Silvester= Feler Spezialitäten. Ball, 4 Orchester, Geschenke. Ueberraschungen etc. Gesamteintrittspreis 1 M. Billetts bereits heute erhältl. Bürgerliches Schauspielhaus Raftanien Ullee 7-9. Jin Abonnement. Der Glöckner von Notre- Dame. Drama in 6 Ufien v. Birch- Pfeiffer. Anjang 8 Uhr. Mittwoch: Minna von Barnhelm. Be Eis- Palast Ständige Eisbahn. Bis 1 Uhr nachts Familienfarten Wochent. balbe Preise geöffnet. Großes Konzert. Abends überall gratis. Folies Caprice. Durchschlagender Erfolg! Ein lediger Ehemann. Anfang 8, Uhr. 9 und 10%, Uhr Auftreten erster Eiskunstläufer und-läuferinnen. Wir treffen ung Wo? In der Hino! Flugstellungshalle am Zoo 19.Dez 08-3 Jan 08 Stettiner Sänger. Zum Schluß: Der Kompagnie- Ball Militär. Sumoreske pon Meyfel. Anf. 8 Uhr. Am 31. Dezember: Gr. Silvester- lkSoiree Tanzkränzchen mit A. B. Koch Kohlen- Groß- Handlung gegründet 1893. Haubt Kontor Berlin 0. 17, Fruchtstraße 75. Fernspr. Amt 7 9r. 8040 u. 3096. I. 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Verkaufsstelle für Abonnements- Marken der Grossen Berliner Strassenbahn und der Allgemeinen Berliner Omnibus- Aktien- Gesellschaft Berantwortlicher Sebaftenr: Gans Weber, Berlin, Für dennferatenfeil verantw.: Th. Glede, Berlin, Drudu. Berlag: BorwartsBuchdruderei u. Verlagenitalt Baul Singer& Co., Berlin SW. gr. 303. 25. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Dienstag, 29. Dezember 1908. Partei- Angelegenheiten. 4. Berichiedenes. und in die Besitzlosen. Die ersteren wollen den Zwed ihrer Ungelernte Arbeiter mit 9133, die Gruppe Sonstige Gewerbe ,, Steise nach einem Luftkurort" tatsächlich geheim halten. Sie mit 134 Schülern. Es wird angenommen, daß hiermit noch verschwinden daher geräuschlos in einer der beregten An- nicht der Beharrungszustand erreicht sein, 2. Wahlkreis. Freitag, den 1. Januar( Neujahrstag) stalten und gehen aus ihr nach mehreren Wochen in solcher sondern in den nächsten Jahren noch eine weitere Zunahme findet im Lotal von Rabe, Fichteftr. 29, abends 6 Uhr pünktlich, Verfassung hervor, als ob sie eine Marienbader Kur gemacht der Schülerzahl eintreten wird. Schon aus der Bevölkerungsein gemütlicher Abend mit anschließendem Tanz statt. Ansprache des hätten. Nichts ist ihnen zu teuer, um ihren Zweck erfüllt zu vermehrung dürfte sich regelmäßig cin Plus an FortGenossen Mar Grunwald; ferner Rezitationen, Borträge usw. fehen. Da sie auch für diese stillverschwiegene Periode den bildungsschülern ergeben, außerdem aber muß auch die Eintritt frei. Tanz 20 Pf. Die Genossen werden gebeten, gewohnten Komfort nicht missen wollen, kann man es den immer genauere Kontrolle der An- und Abmeldungen zumit ihren Familien recht zahlreich zu erscheinen. Der Vorstand. liebenswürdigen Helferinnen mit der bekannten großen nächst noch eine Steigerung des Zuganges bringen. AndererDritter Wahlkreis. Am Donnerstag, den 31, Dezember, ver- Tasche keineswegs verdenken, wenn sie sich für ihre diskrete feits fehlt es freilich auch nicht an Ursachen, die gelegentlich anstaltet der Wahlverein für feine Mitglieder eine Silvester Hilfe entsprechend bezahlen lassen. Es trifft ja teine Armen. ein Zurückbleiben des Schülerzuwachses bewirken können. feier. Diefelbe findet im großen Saale des Gewertschafts- Leider feßen aber viele Inhaberinnen solcher im Verborgenen Dazu gehört der Rückgang der gewerblichen Kon hauses, Engelufer 15 statt. Anfang 9 Uhr. Eintritt inkl. Gardes blühenden Institute auch den Besitzlosen recht fühlbare iunktur, dessen Einfluß auch bei den Pflichtfortbildungsrobe 20 Bf. Lanz 30 Pf. Die Genossen wereen ersucht, recht zahl Schröpfföpfe. schulen bereits bemerkbar geworden ist. Die Mehrung der reich mit ihren Angehörigen zu erscheinen. Der Vorstand. In gewissen Tageszeitungen stößt man täglich auf Schüler ist schon im letzten Winter nicht so groß gewesen, Eichwalde, Zeuthen, Miersdorf. Heute abend 8½ Uhr findet in Dutzende von Inferaten, welche in vorkommenden Fällen ver- wie es erwartet worden war. Zeuthen bei Lindemann die Generalversammlung des Wahlvereins schwiegene Hilfe und liebevolle Aufnahme unter tulantesten Ueber die Unterrichtserfolge der Pflicht statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes fowie fämtlicher Bedingungen empfehlen. Sie sind ebensowohl auf die Be- fortbildungsschule spricht sich der Bericht nicht ungünstig Funktionäre. 2. Neuwahl des gesamten Vorstandes und der sitzenden als auf die Besiklofen gemünzt. Das arme Mädel aus. In den Lehrlingsklassen waren," so heißt es da,„ die Funktionäre. 3. Wahl der Delegierten zur Kreisgeneralversammlung. aus dem Bolke, dem die Liebe einen Streich gespielt hat, ist in Leistungen der Schüler und die Unterrichtserfolge schon ganz Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht aller mit Tausenden von Fällen in peinlichster Sorge, wo sie in ihrer befriedigend. Mit der Erfenntnis, daß ihnen in der Pflichtglieder zu erscheinen. Der Vorstand. schweren Stunde das Haupt betten soll. Angehörige, die sich fortbildungsschule wirklich etwas geboten wird, was für die Schöneberg. Heute, Dienstag, abends 8 1hr, findet die Ber- feiner borurteilsfrei und liebevoll annehmen, hat es nicht berufliche Ausbildung und das spätere Fortkommen nüßlich ist, Schöneberg. Heute, Dienstag, abends 8 Uhr, findet die Ver- oder vielleicht doch nicht am Wohnorte. Nach Hause darf es wächst das Interesse der Schüler und schwindet fammlung des Wahlvereins in den„ Reuen Rathausiälen, Meininger nicht, da man dort mit Fingern auf es zeigen und ihr das die Abneigung der Arbeitgeber." Nur aus den Straße 8 statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Vortrag: Das " Proletariat im Stadtparlament und der Rir fernere Leben auf Jahre hinaus zur Qual machen würde. Selaffen der ungelernten Arbeiter ist zu melden, daß die Erdorfer Wahlrechtsraub." Ref.: Stadtv. Genosse Ernst In der Schlafstelle ist erst recht kein Plaz für die Aermste folge noch nicht ausreichend find. Hier werden die UnterrichtsDbst. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Um die Ber- und ihre Bein. Es bleiben also nur zwei Wege übrig, wenn erfolge," sagt der Bericht, nachteilig beeinflußt, ja oft in Frage fammlung möglichst imposant zu gestalten, wollen alle Mitglieder fie nicht in äußerster Verzweiflung zum Mittel des Selbst gestellt durch fortwährenden Wechsel in den Klassen. Der häufige rechtzeitig und zahlreich erscheinen. Der Borstand. mordes greift, wenn sie nicht das große Glück hat, in das von Stellungswechsel, zeitweilige Arbeitslosigkeit und dergleichen Rigdorf. Am Donnerstag, den 31. b. M., bleibt die Bibliother uns fürzlich geschilderte vorzügliche Wöchnerinnenheim des machen fortgesette Um- und Ausschulungen, auch im Laufe des des Wahlvereins geschlossen. Professor Dr. Neumann in der Blumenstraße Aufnahme zu Semesters, erforderlich." finden. Entweder sie wendet sich an die Armendirektion oder Neben den Pflichtfortbildungsschulen bestehen noch die fie vergibt sich unter allen Bedingungen der spekulativen Heb- älteren Wahlfortbildungsschulen für Jungamme. Der Weg über die Armendirektion ist ungemein linge, aber ihre Schülerzahl hat seit Eröffnung der Pflichi: dornenreich. Nach mancherlei harten Redensarten, die auf fortbildungsschule und entsprechend dem Fortschritt ihres Aufden gesegneten Zustand in hämischer Weise anspielen, wird banes abgenommen, so daß bereits einige dieser Schulent sie dem städtischen Familienobdach überwiesen. Denn selbst geschlossen worden sind. Jm inter 1907/08 bestanden nur verständlich kann sie die letzten Wochen vor der Entbindung noch 10 Wahlfortbildungsschulen mit 8689 Schülern, während nirgends in Lohn und Arbeit bleiben. Man hat sie hinaus drei Jahre vorher, im Winter 1904/05, die damals 13 Wahlgegrault, fie rücksichtslos ihrem Schicksal überlassen, wie es fortbildungsschulen von 12 517 Schülern besucht wurden. besonders häufig mit Dienstmädchen geschieht. Im Familien- Bei den Fortbildungsschulen für Mädchen obdach ist man weniger skrupulös. Hier gibts für solche liegen die Dinge anders. Die Pflichtfortbildungsschule gibt Mädchen massenhaft Arbeit, damit sie das Gnadenbrot, das es hier noch nicht, daher wird den Wahlfortbildungsschulen mit 70 Pf. pro Tag berechnet wird, auch verdiene. Sogar noch feine Konkurrenz gemacht. Die neun Schulen, die von zum Waschen werden sie fast bis zuletzt verwendet, was auch der Stadt unterhalten werden, hatten im letzten Winter für die Frauenklinik in der Artilleriestraße zutrifft. Erst 4803 Schülerinnen. Hierzu fommen noch 3 Schulen, die von wenn die schwere Stunde unmittelbar bevorsteht oder wo- Vereinen usw. geleitet, aber von der Stadt mit Mitteln möglich schon während der unverkennbaren Anzeichen hiervon unterstützt werden. Sie wurden im letzten Winter von erfolgt die Ueberführung nach der Charité. 2914 Schülerinnen besucht. Die Gesamtzahl der Schülerinnen Will das Mädchen sich in dieser Form nicht demütigen, der 12 Mädchen Fortbildungsschulen belief sich demnach so muß es mit der privaten Entbindungsanstalt einen zwar auf 7717. etwas weniger demütigenden, aber in pekuniärer Beziehung Außer diesen allgemeinen Fortbildungsschulen gibt es regelmäßig höchst ungünstigen Vertrag schließen. Die meisten noch einige fleine Spezialanstalten, eine FortbildungsInstitute nehmen solche Mädchen nur dann auf, wenn diese schule für Schiffer mit 24 Schülern, die nur im Winter mindestens 20 m. bar anzahlen und sich behufs Tilgung des unterrichtet wurden, eine So chichule mit 87 Schülerinnen, Restbetrages, der oft sehr gepfeffert ist und der Gegenleistung ferner eine Fortbildungsschule für Schwach. recht wenig entspricht, zu langdauernden Arbeitsverrichtungen befähigte mit 140 Schülern und 78 Schülerinnen. Auch berpflichten. So kommt es vor, daß derartige arme Mädchen die Fortbildungsschule für Taubstumme und die für Blinde noch monatelang nach der Entbindung der liebevollen" Heb- find hier zu erwähnen. amme tributpflichtig bleiben, ihr völlig umsonst Spanndienste leisten müssen. Sie können noch von Glid sagen, wenn es Die Bibliothekfommission. Tegel. Donnerstag, den 31. d. M., findet in slippensteins Geefchlößchen eine Silvesterfeier des Wahlvereins statt. Eintritt frei gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches. Der Vorstand. Bankow. Dienstag, den 29. Dezember, 19 Uhr abends: Generalversammlung bei Großfurt, Berliner Straße 127. Tages ordnung: Unsere Zeitungsspedition". Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Der Borstand. Biesdorf. Heute abend Zahlabend bei Gustav Berlin, Marzahner Straße, abends 29 Uhr. Der Vorstand. Wilmersdorf- Halensee. Heute Dienstag, abends 8 Uhr, findet die Generalversammlung des Wahlvereins im Louisenpart", Wilhelmsaue 112, statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Saffenbericht. 3. Neuwahl des Vorstandes und der Funktionäre, 4. Vereinsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Mit glieder des erweiterten Vorstandes treten um 7% Uhr zu einer Sigung im„ Louisenpark" zusammen. Der Vorstand. Lantwit. Am Mittwoch, den 30. d. Mts., findet die General bersammlung des Wahlvereins statt im Lotale von Ebel, Marienfelder Straße 9, abends 8 Uhr. Tagesordnung: Bericht des Vorstandes und der Funktionäre. Neuwahl des Vorstandes und der Funktionäre. Verschiedenes. Berliner Nachrichten. Nachweihnacht. . Die Zukunft des Aquariums Des Dichters Wort, daß nichts schwerer zu ertragen sei als eine Reihe von festlichen Tagen, hat dem„ bierten Stand" wieder mal nicht imponiert. Für Glücksfinder, die von Fest zu Fest bummeln, bis sie übersättigt und entnervt zusammen- ihnen gelingt, von dort aus Anschluß an eine neue Arbeitsbreajen, mag es zutreffen. Die Arbeitermassen, deren Feststelle zu erhalten. Gewisse moderne Entbindungsinstitute, ist eine sehr unsichere. Es bestand der Plan, das gemeintage ein Ausspannen aus der Knochenmühle bedeuten, fühlen die das Mädchen ohne jede Anzahlung aufnehmen, beuten nüßige Institut an den Zoologischen Garten anzugliedern. fich trotz allen angeborenen Fleißes herzlich wohl dabei. Sie hinterher die Arbeitskraft derart aus, daß die junge Mutter Die Art, in der das geschehen sollte, hat bereits in der Stadtfönnen mal ziemlich ungestört die targ bemessenen Freuden so schnell nicht aus den Schulden herauskommt. Da selbst- berordnetenversammlung zu lebhaften Bedenken Anlaß gestiller Häusli feit auskosten und Betrachtungen austellen, verständlich auch für das Kind gesorgt werden muß, wird ihr geben, die für die fozialdemokratische Fraktion Genosse Stadtwie wunderschön es doch wäre, für immer Frau die mit dem Verstande durchgegangene Liebe, wenn der Bater bagen zum Ausdruck brachte. Jetzt scheint felbst dem Leiter Sorge von der Schwelle สิน bannen. Selbst die nicht zu Zahlungen berangezogen werden kann, auf viele des Aquariums die Berechtigung dieser Bedenken klar gediesmalige lange Festtagsruhe hat dem dem ausgesogenen Monate hinaus zu einer Schraube ohne Ende. Es sind sogar worden zu sein, denn Herr Dr. Hermes hat folgendes Mark des Volkes nichts geschadet. Nur der erhöhte Lohn Fälle bekannt geworden, in denen die Mädchen einen Rebers Schreiben an den Magistrat gerichtet: ausfall ist ein Tropfen Wermut dabei. Die moralische Not unterschreiben mußten, wonach der Arbeitslohn des ersten wendigkeit, dem ständigen treuen Arbeiter die Festtage nicht halben Jahres oder für noch längere Zeit von der Institutsdurch empfindliche Lohneinbuße fühlbar zu machen und ihm inhaberin eingezogen werden soll. Hiernach kann man beden vollen Wochenlohn als minimalen Gewinnanteil zu greifen, mit welchem Gewinn diese Privatinstitute arbeiten. gönnen, vermögen natürlich sehr wenige moderne Arbeitgeber Bieten sich doch selbst katholische Hebammen in katholischen einzusehen. Zeitungen zu solchen Liebesdiensten an. Und man möchte doch nicht annehmen, daß es diese würdigen katholischen Damen, die sonst in fittlichen Dingen so streng und prüde find, mit ihrer liebreichen Hilfe bloß auf angebrannte Pfarrerfathis" abgesehen haben! " Wir beehren uns, dem Magistrat ergebenst mitzuteilen, daß die Verhandlungen der Gesellschaft, welche die Errichtung des Aquariums auf dem Gelände des Zoologischen Gartens am Kure fürstendamm erstrebte, mit dem Akttenverein Zoologischer Garten zu einem negativen Resultat geführt haben. Abgesehen von anderen, von uns für bedenklich gehaltenen Bestimmungen des uns vorgelegten Vertragsentwurfs, verlangte der Aktienverein Zoologischer Garten ein die Selbständigkeit der neuen Aquariums= gesellschaft beschränkendes Kontrollrecht, das Mitbestimmungss recht in bezug auf die Höhe der Eintrittspreise und das Recht, die Geschäftsanteile der neuen Gesellschaft zum Nennwerte innerhalb der 40 jährigen Dauer des Pachtvertrages jederzeit zu erwerben, während er andererseits die Verpflichtung, auf Verlangen der Gesellschaft unter den gleichen Bedingungen solche zu übernehmen, nicht eingehen wollte. In beiden Fällen wäre der Zoologische Garten für 200 000 92. der Betrag des Gesell. schaftsvermögens in den Besitz eines Objekts im Werte von 700 000 M. gelangt, da durch die seitens der Stadt Berlin für 40 Jahre übernommene Verpflichtung eines jährlichen Beitrages bon 25 000 m. die Verzinsung und Amortisation von 500 000 92. gewährleistet war. Mit der Annahme der im Vertragsentwurf enthaltenen Bestimmungen hielten wir die Existenzfähigkeit und die gedeihliche Entwidelung des geplanten Unternehmens für gefährdet. Dasselbe kann daher auf der von uns gedachten Grundlage nicht zustande kommen. Wir fagen den städtischen Behörden aufrichtigen Dank für das uns erwiesene weitherzige Entgegenkommen und bedauern lebhaft, daß es uns trotzdem nicht gelungen ist, eine Anstalt zu erhalten, welche durch die lebendige Anschauung den naturkundlichen Unterricht in unseren Echulen wesentlich fördert, für die Volksbildung von Bedeutung, für die biologische Wissenschaft wertvoll und für Einheimische wie Fremde ein Anziehungspunkt ist." In der Reichshauptstadt hat kein sensationelles Ereignis die Feiertagsruhe gestört. Es ging noch ruhiger zu als in früheren Weihnachtstagen. Unsichtbar lagerte der politische und wirtschaftliche Druck über der Stimmung der Weltstadtbewohner. Auch das Wetter sah am ersten Feiertage wenig weihnachtlich aus. Verschiedentlich sind für unvermögende Mädchen in geErst als über Nacht Weihnachtsschnee fiel und das Großstadtbild fegneten Umständen Heimstätten mit Stiftungscharakter geverschönte, kam mehr Weihnachtsleben in die Straßen. Ge- gründet worden. Daß man auch diesen gegenüber sehr mißschäftig führte man die eben befcheerte Weihnachtsgarnitur trauisch sein muß, beweist ein Fall, den kürzlich die Beit am spazieren und weihte auf den schnell entstandenen künstlichen Montag" zu berichten mußte. In der noch dazu vom„ Bund Eisbahnen, die namentlich am dritten Feiertag ein brillantes für Mutterschut" empfohlenen„ Stiftung Heimstätte", um die Geschäft machten, die neuen Schlittschuhe ein. Der Kinder- es sich hier handelt, soll das Essen unter aller Kritik und die schlitten fam freilich noch nicht zu Ehren. Dazu hatte Frau Behandlung gefängnisartig sein. Sämtliche Briefe der InHolle die Betten nicht tüchtig genug geschüttelt. Die faffen werden der Oberin zur Zensur vorgelegt. Das Gleiche Restaurants waren überfüllt, Zirkusse und Theater ausver gefchieht mit den für die Wöchnerinnen ankommenden Bost kauft, die Kirchen · leer. Zmposanten Besuch wiesen fachen! Der Hauptwert wird aufs Beten gelegt, um aus den die vom Verband sozialdemokratischer Wahlvereine am zweiten Befallenen" fromme Schäfchen zu machen, die durch tägliche Feiertag in dreizehn Riefensälen veranstalteten Matineen auf. Reue und Buße zu erkennen geben, wie fehr sie sich bewußt Bewährte fünstlerische Sträfte gaben ihr Bestes, um wohlver. find, gefehlt zu haben. Wenn diese Schilderung zutrifft, fann diente Beifallsstürme auszulösen. Auch das Winterfest des nur eindringlich davor gewarnt werden, mit dieser sogezweiten Wahlkreises am ersten Feiertag in der Vittoria nannten Heimstätte in Berbindung zu treten. Brauerei erfreute sich regsten Zuspruchs. Die schönsten Weibnachtsfeiern spielten sich aber doch wohl im trauten Heim ab. Vom Fortbildungsschalwesen der Stadt Berlin. Wenn der forgende Familienvater aber merft, daß er Hoffentlich entschließt sich nun die Stadt, das Institut in troz der bescheidensten Ansprüche so abgebrannt ist wie die Fach- und Fortbildungsschulen erstatteten Jahresbericht über Unternehmen anzuschließen. Bu diefem Entschluß hätte man Der Magistrat hat jetzt den von der Deputation für die eigene Verwaltung zu nehmen und an irgend ein ähnliches Lichte am Tannenbaum, freut er sich aufrichtig, daß Weih- bas Schuljahr 1907/08 veröffentlicht. In dem Abschnitt über schon kommen sollen, als unser Redner im Roten Hause dieses nachten alle Jahre bloß einmal gefeiert wird. Entbindungsheime. das Fortbildungsschulwesen nimmt den breitesten Verlangen stellte. Dann wäre wenigstens Beit gewesen, in Raum die Pflichtfortbildungsschule ein, entsprechend der her- aller Ruhe die praktischste Lösung der Angelegenheit zu erborragenden Bedeutung, die sie in furzer Zeit erlangt hat. Aus der Not der Aermsten machen die Gewiffenlosen die Der Pflicht fortbildungsschule brachte das Schul- örtern, ein Weg würde sicher gefunden werden. Tugend des Geldverdienens. Eins der traurigen Kapitel, jahr 1907/08 die Einschulung des dritten Jahrganges und welche von diesem schönen Grundfaz praktischer Nächsten- hiermit den Abschluß ihres Aufbaues. Im Winter- Die Gaserzeugung der städtischen Gaswerke hat im letzten Liebe" erzählen, betrifft die sogenannten Entbindungsheime. halbjahr gehörten dann zur Unterstufe 12 497 Schüller, zur Quartal um 3 Millionen Kubikmeter zugenommen und damit zum Man versteht darunter gemeinhin solche lukrative Privat Mittelstufe 10317, zur Oberstufe 5848, so daß die Gesamtzahl ersten mal 60 Millionen Stubikmeter überschritten. Von diesem institute, welche es jungen Mädchen oder mitunter auch allein der Pflichtfortbildungsschüler fich auf 28 662 belief. Steran waren gewaltigen Quantum wurden im legten Duartal abgegeben: stehenden Frauen ermöglichen sollen, die Folgen ihres Fehl- beteiligt: die Gruppe Baugewerbe mit 8089 Schülern, die 40 Millionen Stubifmeter durch gewöhnliche Gasmesser, 4 Millionen tritte" nach außen hin möglichst zu verbergen. Etwas deut- Gruppe Metallarbeiter mit 6600, die Gruppe Stunstgewerbe Automaten hat im letzten Duartal um 4100 Stild zugenommen, da Rubikmeter durch 36 653 Münzgasmefier( Automaten). Die Zahl der licher und verständlicher bezeichnet man also diese würdigen mit 2904, die Gruppe Bekleidungsgewerbe mit 839, bie Gruppe gegen hat die Zahl der in Berlin im Betriebe befindlichen Gas. Institute als geheime Entbindungsanstalten". Ihre Inter- Nahrungsmittelgewerbe mit 1102, die Gruppe Barbieke und motore weiter abgenommen und beträgt nur noch 573 Stüd gegen effenten teilen fich in zwei große Gruppen, in die Befizenden Friseure mit 445, die Gruppe Kaufleute mit 4416, die Gruppe 2000 Stüd vor 5 Jahren. " NeneS Verzeichnis der Gerichtsbezirke. Die Ausstellung und Führung neuer OrlsitiastZverzeichinsse für die Amtsgerichtsbezirke ist jetzt für ganz Preuste» angeordnet worden. ES sollen daraus die zu den einzelnen Bezirken gehörigen Ortschaften zu jeder Zeit nach dem neuesten Stande ersichtlich sein. Die Grundlage bildet das Gemeindelexikon, das auf Grund der Volkszählung von 1005 und anderer amtlichen Quellen beruht. In dem neuen Verzeichnis werden die Ortschaften kreisweise nach Städten. Landgemeinden und Guts- bezirken getrennt und innerhalb dieser drei Gruppen nach der Buch- stabenfolge geordnet aufgeführt. Wo es nötig ist, bilden eine vierte Gruppe die einzelnen Wohnplätze, deren Hauprgemeinde zu einem anderen Amtsgerichtsbezirke gehört und die im Lexikon durch Be- Zeichnung des zuständigen Amtsgerichts besonders kenntlich gemacht find. Diese Verzeichnisse werden von den Amisgerichten ergänzt und dauernd auf dem laufenden erhalten. Das Statistische Landes- amt ermittelt nach Feststellung des endgültigen Ergebnisses einer Volkszählung auf Grund der von ihm fortgeschriebenen Verzeichnisse die Zahlen der Gerichtseingesessenen für die einzelnen Amtsgerichte. ES teilt die En'wohnerzahlen für die Orte wie Wohnplätze den Gerichten mit. Die bisherigen Ortschaftsverzeichnisse werden nicht weiter fortgeführt. Das Arbeitshaus der Stadt Berlin hat im Jahre 1907/08 (1. April 1907 bis 31. März 1908) eine beträchtliche Frequenz- Verminderung gehabt. Bon Interesse sind hier hauptsächlich die Zahlen für die männlichen Korrigenden-, die weiblichen Korrigenden bilden ja gewöhnlich nur 5 bis 10 Proz. der Insassen des Arbeitshauses. Dem von der Deputation erstatteten Jahresbericht über 1907/08, den jetzt der Magistrat veröffentlicht hat, entnehmen war, daß in der M ä n n e r a b t c i l u n g die Durchschnittsfrequenz nn letztev Jahr nur 13S9 betrug, während sie sich im vorhergehenden Jahre noch auf 1685 gestellt hatte. Dieser Rückgang der BelegungS- ziffer ist zustande gekommen vornehmlich unter dem Einfluß der zahlreichen Entlassungen, die im letzten Jahre erfolgen konnten. Nachdem daö Jahr 1905/06 plötzlich eine bedeutende Zunahme der veberweisungen und demgemäß auch eine Steigerung der Durch- schnittsfrequenz gebracht hatte, mußten in absehbarer Zeit auch die Entlassungen sich ähnlich mehren und aus die Frequenz einen mindernden Einfluß ausüben. ES ist im„Vorwärts" oft genug darauf hingewiesen worden, das jene ganz unvermittelt einsetzende Frequenzsteigerung ei» Er- gebnis der„Reformen" war, die seit Ende 1904 von dem Stadt- rat F i s ch b e ck, dem„richtigen Mann", durchgeführt wurden. Herr Fischbeck hatte sich als Erzieher der Obdachlosen versuchen wollen, darum sorgte er dafür, daß sie in noch größerer Zahl als - bisher vor den Richter geführt und wegen Nichtbeschaffung eines Unterkommens bestraft wurden. Die Folge davon war, daß das Obdach leerer, aber das Arbeitshaus um so voller wurde. In dem Notjahr 1901, das der Arbeiterdevölie- rung Berlins zur Wohnungsnot noch den Beschäftigungsmangel brachte, begann eine Zunahme der Ueberweisungen an das Ar« beitshaus. In 1900/01, 1001/02, 1902/03, 1008/04 wurden 851, 1184. 1524, 1791 Männer neu überwiesen, davon wegen Betteln 032. 853, 964, 4039, wegen Obdachlosigkeit 219. 321. 524. 703. der Rest aus anderen Gründen. Schon in diesen Zahlenreihen ist zu erknnen, daß die Ueberweisungen wegen Obdachlosigkeit, die sich stärker als die Ueberweisungen wegen Betteln mehrten, für die Zunahme der Gesamtzahl der Ueberweisungen am schwersten ins Gewicht fielen. Im Jahre 1904/05 gab CS zum ersten Male wieder einen Ruckgang der UeberweisungSziffer. Ueberwiesen wurden damals nur 1594 Männer, davon 998 wegen Betteln, 534 wegen Ob- dachlosigkeit. Dann aber sahen wir im Jahre 1905/06 eine erneute Zunahme, die angesichts der inzwischen eingetretenen Besserung der Wirtschaftlage sehr überraschen mußte. Es wurden plötzlich wieder 1710 Männer überwiesen, davon nur 815 wegen Betteln, aber 823 wegen Obdachlosigkeit. Von 1904/05 zu 1905/06 hatten so die Ueberweisungen wegen Obdachlosigkeit sich von 531 wieder auf 823 erhöht, während die Ueberweisungen wegen Betteln sich von 998 aus 815 vermindert hatten. Inzwischen hatten eben die„Re- -formen" deS Herrn Fischbeck ihre Früchte getragen: Polizei und Gericht hatten zu tun gekriegt, aus der„Palme" hatten auch et- l-.che hundert Obdachlose mehr als sonst ins Arbeitshaus wandern müssen. In den Jahren 1906/07 und 1907/08 trat dann wieder eine Abschtvächung ein. Die Ueberweisungen verminderten sich auf nur noch 1226 und 1074; davon waren beteiligt Betteln mit 575 und 593 Fällen, Obdachlosigkeit mit- nur noch, 601 und 441 Fällen. Immer wieder ist zu crkeuuen, daß es die Ueberweisungen wegen Obdachlosigkeit sind, deren Mahr oder Weniger den Ausschlag gibt. Die Kosten des Fischbcckschen Experiments haben von der Stadt Berlin bezahlt werden müssen. Sie waren nicht gering; denn selbstverständlich kostet die Verpflegung eines Arbeitshäuslings, der auf ein halbes Jahr, auf ein Jahr, auf zwei Jahre in RummelS- bürg festgehalten wird, sehr viel mehr als die nächtliche Bs- herbergung vieler Hunderte von Obdachlosen. Genützt haben jene ./Reformen" nichts, sie haben wenigstens nicht verhindern können, .haß gegenwärtig die Frequenz des Obdachs wieder eine ganz außerordentlich große ist. Vielleicht werden tuir'S bald erleben, daß neue Gewaltmittel ersonnen und angewendet werden, um die Obdachlosen aus dem Fischbeckschen„Paradies" hmauSzutreibeu. Da wird dann wohl wieder die Frequenz im Ob- dach sinken und im Arbeitshaus steigen. So schaukelt die kom- munalsreisinnige„Sozialpolitik" auf und ab. Verkehrsstörung auf der Hochbahn. Infolge deS plötzlichen Auf« trefenS der starken Kälte traten vorgestern abend und gestern vor- mittag im Betriebe der Hochbahn Verspätungen«in, die dadurch entstandeu, daß an einzelnen Zügen die Auslaßventile der Luftdruck- bremsen vorübergehend einfroren. Zur Beseitigung der Störung mußten mehrere Wagen aus dem Betrieb genommen werden. Die Störung war gegen 10 Uhr vormittags im wesentlichen behoben. Tödlicher Unfall auf der Hochbahn. Ein bedauernswerter Un- glückssall hat sich am Nachmittage deS zweiten Feiertages auf der Hochbahn zugetragen. Unweit deS Gleisdreiecks wurde der 49jährige Blockwärter Otto Seidel au« der Katzbachftr. 3 von einem Hochbahnzuge, der vom Leipziger Platz herkam und dem Bahnhofe„HallescheS Tor" zustrebte, umgestoßen und mit solcher Wucht zu Boden ge- schleudert, daß er sofort eine Leiche war. Der Zugführer brachte seinen Zug auf freier Strecke zun, Stehen und nahm die Leiche des Verunglückten mit nach dem Bahnhofe„HallescheS Tor", von wo aus sie zunächst nach der Unfallstalion am Tempclhofer Ufer und dann nach dem Schauhause geschafft wurde. Seidel, der schon mehrere Jahre bei der Hochbahn bedienstet war, arbeitete im Stellwerk Ep. und hatte die Weichen zu bedienen. Jedenfalls hat er die Ankunft des Zuges nicht bemerkt und ist deshalb den Gleisen zu nahe ge- kommen. Eingebrochen sind am 3. Feiertag in der Gegend von Restaurant Schildyorn �wei junge Leute, die sich auf dem Eise unweit der Landungsbrücke für Dampfer befanden. Der eine tonnte sich noch retten, während der andere bei seinen Versuchen, aufs Eis zu kommen, immer wieder durch daö abbröckelnd« EiS in die Flut zurückfiel und schließlich unterging. Mord- und Selbstmordversuch. Durch sechs Revolverschüsie und laute Hilferufe wurden in der Nacht zum dritten Feiertage die Be- wohn er des Hauses Elfasierstr. 14a aus dem Schlafe geschreckt. Wie sich herausstellte, hatte der 49jKhriae Briefträger Wilhelm Kretsch- mami. dessen Wohnung im Erdgeschoß des Seitenflügels liegt, auf feine 46jährige Ehefrau drei Nevolverschiissc abgefeuert und dann sich selbst drei weitere Kugeln beigebracht. Ein schnell herbeigerufener Arzt legte den Eheleuten die ersten Verbände an und sorgte dann für die lleberführung„ach der Charitö. Die Verletzungen der Frau sind weniger gesährlich. Da Kretschmann schon seit längerer Zeit kränkelte, so nimmt man an. daß er die Tat in einem Anfall von G e i ft e s st ö r u n g begangen hat. Ein Attentat auS Eifersucht wurde in der Nacht zum Smrntag in der Memelerstraße verübt. Der Schraubendreher Airton Lagert ans der Kronprinzenstraße 17 zu Lichtenberg hatte früher ei» LiebeS- Verhältnis mit einer neunzehn Jahre alten, aus Berlin gebürtigen Arbeiterin Emma Griegcr. Im Juni dieses Jahre« löste er'die Beziehungen, und seitdem ließ ihm die Verschmähte keine Ruhe mehr. Am 8. Juli lauerte sie ihm an seiner Arbeitsstelle in RummelSbiirg auf und brachte ihm mit Salzsäure schwere Vcr- leyungen bei..Hierfür erhielt sie wier Wochen Gefängnis, die sie kürzlich verbüßt hatte. Trotzdem beorohte sie ihn mit einem neuen Altentat, das sie gestern ausführte. Sie lauerte ihren Geliebten in dem Augenblicke auf, als er ein Rummelsburger Lokal mit einer anderen Freundin verließ. Heinilich zog sie einen Revolver aus der Tasche, richtete ihn aus den früheren Geliebten und feuerte einen Schuß aus ihn ab. Die Kugel ging aber fehl und richtete keinen Schaden an. Jetzt schoß das Mädchen sich selbst in die Brnst und wurde schwer verletzt als Polizeigefangene nach der Ehaülö gebracht._ Mutter und Tochter vergiftet. In der vergangenen Nacht hat die KanfmannSftau Stürickow. Neue Kantstr. 32 wohnhaft, versucht, sich und ihre beiden Kinder mit Leuchtgas zu vergiften. Sie und ihre Tochter fanden den Tod, der 14jährige Sohn ist von der Feuerwehr wieder in das Leben zurück- gerufen worden. Frau Stürickow unierhielt ein kleines Papiergeschäft. Ihre 21jährige Tochter war Krankenschwester, mußte sich vor einigen Wochen einer schweren Operation unterziehen und hielt sich gegcnivärtig zur Erholung bei der Mutter auf. Gestern abend waren alle drei mit dem Vater, der räumlicher Verhältnisse halber nicht in der kleinen an den Laden anstoßenden Wohnung logieren kann, in Gesellschaft bei Verwandten. Gegen 12 Uhr kamen sie heim. Als gestern morgen die Portier- frau die Haustür öffnen wollte, bemerkte sie beim Vor- beigehen an der Tür der Stürickowschen Wohnung einen scharfen Gasgeruch. Auf wiederholtes Klingeln meldete sich der Sohn, der jedoch, nicht die Kraft hatte, bis zur Tür zu kommen. sondern neben dem Bett der Mutter bewußtlos zusammenbrach. Die Feuerwehr wurde alarmiert, bis sie jedoch eintraf, waren be- herzte Hausbewohner in die Wohnung gedrungen und hatten den Knaben herausgeholt. Die Feuerwehr konnte ihm mit dem Sauer- stoffapparat Hilfe bringen, während bei den beiden Frauen nur der Tod konstatiert werden konnte. Die Toten lagen, nur mit dem Hemd bekleidet, in den Betten. Drei GaShähne und der Gaökoch» apparat'waren geöffnet. Welche Gründe die Frau zu ihrem un- seligen Schritte geführt haben, ist noch nicht festgestellt. Sie zeigte in den letzten Tagen ein verstörtes Wesen; vielleicht sind finanzielle Sorgen das Motiv der Tat gewesen. Die Leichen wurden nach dem Schauhause gebracht; der Knabe fand bei Hausbewohnern Aufnahme, wo er sich langsam erholte._ Der Mord an der Frau Pagel-Kunde hat trotz unausgesetzter eifriger Arbeit der Kriminalpolizei auch in den Feiertagen noch keine Aufklärung gefunden. Der AmtSvorsteher von Grunewald schreibt unS:„Wie kürzlich zu meiner Kenntnis gelangt ist, brachten Sie in Ihrer Morgen- auSgabe vom 11. Dezember d. F. eine aus dem„Berliner Tagebl." -entnommene Notiz über die Warnungstafeln im Grunewald. In dieser Notiz wird geraten, gegen etwaige Strafvcrfügmigen deS „AmlSvorstcherS von Grunewald", die auf Grund der angezogenen Polizeiverordnung erlassen sind, gerichtliche Entscheidung zu bean- tragen. Hierzu wird bemerkt, daß die becreffende Polizeiverordnung für den Polizeibezirk„Gninewald-Forst" und nicht für„Grunewald" erlassen worden ist, mithin sind etwaige Einsprüche gegen erlassene diesbezügliche Elrafversügungen an den Herrn AmtSvor- stehet von Grunewald-Forst, Post ZehleNborf-Wannsee« bahn, und nicht an mich zu richten." DaS Gerücht von einem Morde war gestern mittag in Alt- Berlin verbreitet. In dem kleinen, alten Hause an der Fischerbrücke Nr. 3 soll der 42 Jahre alte Schneider Julius HaeSke seine Geliebte, eine 34 Jahre alte geisteslranke Helene Rzetkowska umS Leben ge« bracht haben. Das Mädchen ist in der Tat unter verdächtigen Um- ständen gestorben und Haeske einstweilen festgenommen worden; ob jedoch ein Mord vorliegt, ist noch zweifelhaft. Die Leiche wurde in der Wohnung gelassen, bis ein Gerichtsarzt und Beamte der Staats- anwaltschaft und deS Gerichts sie besichtigt baden werden. Daß der Tod eine Folge von Mißhandlungen sei. wird schon auf Grund der vorläufigen Leichenbesichligung angenommen. Durch ausströmende Gase getötet. Von einem traurigen Geschick ist die 40 Jahre alte Ehefrau Amalie Stritäkc, Weichselstraße 54, be- troffen worden. Sic hatte in der Küche das Mittagessen bereiten wollen und war dabei von einem Unwohlsein befallen worden. Kurz vorher hatte sie einen der GaShähne geöffnet und noch nicht angezündet. Die Gase strömten jetzt unaufhörlich aus der Leitung heraus und hilflos mußte Frau St. ersticken. Als der Ehemann später heimkehrte, fand er seine Frau zu seinem Schreck leblos in der Küche auf. Er holte sofort einen Arzt herbei, der aber leider nur den Tod bei der Bedauernswerten konstatieren konnte. Sclbstmardversuch wegen verschmähter Liebt. Am Heiligabend suchte sich der L2jähngc Schneider Adolf Bieder auS der Kolberger Straße 21 vor der WohnungStllr setner Geliebten in der Willdenow- straße 25 durch einen Revolverschuß zu töten. Hausbewohner brachten den Lebensmüden nach ber Unfallstation in der Lindower Straße, wo eine schwere Brustverletzung festgestellt wurde. Nach Anlegung eines Notverbandes schaffte man den Selbstmordkandidaten nach dem Rudolf-Birchow-Krankenhause. Wie er aus Betragen an- deutete, bat er den Selbstmordversuch wegen verschmähter Liebe verübt. Nach Anficht der Aerzte besteht keine Lebensgefahr. Eine Schwindlerin hat ein armes Dienstmädchen Anna S. un» seine ganzen Habseligkeiten und Ersparnisse gebracht. Das Mädchen hatte in Neu-Trebbin ein VerhälirnS gehabt und wollte zur Eni- bindung nach Gnesen fahren. Aus dem Bahnhof in Frankfurt a. O. traf sie eine Frau, die ihr zclredete. mit ihr nach Berlin zu kommen. Dort werde sie dafür sorgen, daß sie in der Eharitü Ausnahine finde. Sie brauchen dann gar kein Geld und können auch noch die Reise nach Gnese» sparen. Vertrauensvoll fuhr das Mädchen mit und übergab der hilfsbereiten Frau ihr Geld und Gepäck, damit sie olle« nach Hause schaffe und für sie aufhebe, bis sie die Charits wieder verlassen könne. Boin Bahnhos ging man dann angeblich der Anstalt zu kreuz und quer durch mehrere Straßen, bis plötzlich die Führerin verschwunden war. Um 70 Mark äliner und aller Habe beraubt, stand die Betrogene hilflos da, bis sich die Polizei ihrer annahm und sie nach der Chäritü brachte. Die Schwindlerin ist etwa 40 Jahre alt, hat aschgraue Gesichtsfarbe und dünnes, schwarzes Haar und trug ein schwarzes Kleid, ein kurzes, schwarzes Jackett und einen schwarzen Hut mit roter Blume und schwarzen Federn. Die beschlagnahmten Wcihiiachtöäpfel. Zu dem Bericht hierüber in der Weihnachts»um>ner schreibt inan unö, daß die Beschlagnahine an sich durchaus keine Seltenheit darstellt. ES ist seit Jahrzehnten in der Umgegend Berlins üblich, daß Hausierhändlern, die sich irgend einer Gewerbeübertretung schuldig machen, die Ware als Pfand- objekte für die Beitreibung der zu derhäugenden Geldstrafe ab- genommen und auf den» Aintsbureau asierviert wird. Besonders scharf sind die Gendarmen hinter Drehorgelspieler her. Es ist vorgekommen, daß sich auf manchen AmtSbureauS ein halbes Dutzend und mehr beschlagnahmte Drehorgeln befunden haben, die erst wieder freigegeben wurden, sobald die Strafe'bezahlt war. In diesem Verfahren liegt eine außer- ordentliche Härte. Wie soll der Drehorgelspieler sich das Strafgeld verdienen, wenn ihm sein Handwerkszeug, die Drehorgel, fort- genommen wird? In derselben unerquicklichen Lage befindet sich der arnie Teufe?, auf dessen geringwertige Ware man die Hand legte. Es kommt sogar übereifrigen Beamten gar nicht darauf an, auch noch den Handelslvagen zu beschlagnahmen und damit den Händler in seinem Erwerbe vollständig ladmzulegen. Durch diese Mitteilungen wird die Sache keineswegs besser.� ES ist das in der obigen Zuschrift Mitgeteilte mir geeignet,-zu zeigen, daß die Straßenhändler in den Augen ber Polizei vogelfrei zu fem scheinen. Infolge der grimmigen Kälte— die Temperatur war in den Vororten bis auf— 17, in Berlin auf—15 Grad Celsius in der verflossenen Nacht gefallen— ist seit vielen Jahren zum ersten Male wieder die Epree innerhalb der Mauern Berlins in ihrer vollen Ausdehnung mit einer Eisdecke überzogen. Schon am dritten Feiertage wiesen die Spreekanäle eine ziemlich feste Eisschicht aus und auch die cspree zeigte in den Außenstadtteilen starke Eis- ausätze, die sich im Laufe des gestrigen Abends und der verflossenen Nacht zu einer geschlossenen"Decke verdichteten. Zlvar versuchten Dampfer gestern früh, das Eis zu brechen, doch ist dies nur teil- weise gelungen; die Fahrstraßen zwischen Berlin und Spandan konnten nicht freigemacht werden. In den Vororten war die Eis- entwickekung in der letzten Nacht eine ganz gewaltige; aus den Seen»n der Umgebung wuchs die Eisschicht um 1 bis Nb Zoll und erwies sich gestern morgen allenthalben stark genug daß allgemein mit der Eisernte begonnen werden konnte. Die Schiffahrt, die vis zu den Feiertagen noch in beschränktem Maße aufrechterhalten worden war, mußte auf Spree, Havel, Elbe und Oder völlig ein- gestellt werden. Das Aufbrechen der Eisdecke auf der Spree von Köpenick an aufwärts durch Eisbrecher ist durch die Stromvolizei untersagt worden, so daß in wenigen Tagen, falls der Frost en- hält, die Oberspree die schönsten Eisbahnen bieten wird. Wcihnachtsarbcit der Feuerwehr. An den beiden Weihnaräts- feierlagen wurde die Berliner Feuecioehr über zwanzigmal alanniert. In den meisten Fällen Handelle es sich aber nur um ganz geringe Anlässe. WeihiiacfciSbälime brannten mir an zwei Stellen, in der Jahnstr. 19 und in der Lindenstr. 44. Längere Zeit hatte die Wehr am ersten Feiertag früh in der Wolde'nberger Straße 10 zu tun. Bei Ankunft der Löschziige stand dort der Dachstuhl des Quergebäudes in Flammen. Der ganze Befund der Brandstelle deutele aus Brandstiftung hin. Nach der Ablöschung des Feuers stellte sich auch heraus, daß das Dachgebälk und die Bödenverichläge mit Petroleum getränkt waren. Von den Brandstiftern fehtl noch jede Spur.— Ein Motoromnibus brannte nachmittags in der Zossener Straße vor dem Hause Nr. 4 und eine Saaldekoration in der Beuthstr. 20 sJndustriesäle). Ein Auiomobil batte am ersten Festtage in der Kaiser-Wilhelm-Straße Feuer gefangen. Die SÄ ö neberger Feuerwehr hatte während des Feste? auch nur zwei Weihnal'sbaumbrände abzulöschen, und zwar in der Speyerer Str. 10 und in der Gutzkowstr. 10. Der Inhalt eines Schaufensters stand in der Franlcnstr. 16 und eine große Baubude in der Bamberger Straße in Flammen. Im letzteren Falle mußte die Wehr lange Zeit mit zwei Rohren Wasser geben, um die Gefahr zu beseitigen.— Ein böswilliger Alarm erfolgte dann noch nach der Kolonnenstr. 42. Leider ist der Täter unermittelt ent- kommen. Die Charlottenburger und Wilmerödorfer Feuerwehren hatten Weihnachtöbaumbrände überhaupt nichl zu verzeichnen. Ein großer Kellerbrand machte der Berliner Feuerwehr an» gestrigen drillen Feiertage in der Landsberger S t r a ß e 22 viel zu schaffen. Das Feuer wütete in einem Bäckereikeller und hatte Regale,. Koks usw. ersaßt. Brandmeister Sandberg mußte mit zwei Schlauchleitungen fast eine Stunde lang Wasser geben lassen, UM den Brand zu ersticken. Der Keller brannte größtenteils aus. Vorort- 1>fodmcdten. Zum Rixdorfcr Wahlrcchtsraü?. Der von den bürgerlichen Vertretern im Rirdorfer Stadtparlament unter Assistenz von freisinnigen Lolksparteilern durchgedrückte Wahlentrechtungsbeschlutz hat, wie wir schon berichteten, auch Kreise getroffen, die mit unserer Partei ab- sollst nichts zu tun haben. Diese sind naturgemäß von der auch ihnen zuteil gewordeneu Wahlentrechtung keineswegs erbaut und rebellieren nun ihrerseits gleichfalls gegen die Wahlrechtsräuber. Selbst Grundbesitzer finden, daß ihren Interessen durch den betreffenden Beschluß keineswegs gedient ist. Das beweist ein Aufruf, den wir in der letzten Nummer des„Nirdorfer Tageblattes" finden. Der Ausruf besagt: Aufruf! An alle Grundbesitzer Rixdorfs, die mit dem Beschlüsse der Stadt- verordneten vom 17. d. M. nicht einverstanden sind! Werte Mitbürger! Der Magistrat hat in seiner am Mitt- wach stattgehabten Sitzung Stellung genommen über den Wahl- rechtSbcschluß unserer Stadtverordneten vom 17. d. M. und er- kennt an, daß die Frage außerordentlich ernst und schwerwiegend ist und seine endgültige Stellungnahme durch gründliche Er- Hebungen über � die Wirkung der von der Mehrheit beschlossenen Wahlrechtsändcrung abhängig machen will, fordert die Bürgerschaft geradezu heraus, zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Deshalb richte ich an alle diejenigen Grundbesitzer Rixdorfs, und zwar im Auftrage mebrerer Grundbesitzer meiner Gegend, die Bitte, mir umgehend Ihre werten Namen-Adressen zugehen zu lassen, um die von deni Magistrat beabsichtigte Erhebung gründlich zu unterstützen. Mitbürger,»vir dürfen den Kamps für die freie Selbstverwaltung unserer Gemeinde den politischen Parteien nicht allein überlassen, fondern müssen unser Möglichstes- dazu bei» tragen, damit dem Beschlüsse unserer Stadtverordneten, der Rix- dors vor der ganzen zivilisierten Welt blamiert hat, die Zu- stimmung des Magistrats versagt wird. tzldolfSchultzo. Weisestr. 23. Der Appell beweist, daß eS sogar Grundbesitzer in Rix- darf gibt, die in dem Wahlrechtsbeschluß eine schwere Schädi- gung erblicken. Sericbts- Leitung. Drakonische Urteile. Hohe Strafe wegen noch so geringfügiger Eigentums- delikte, niedrige Strafen wegen Vergehen gegen Leben und Gesundheit der Arbeiter und auch wegen Eigentunisvergehen, die von Unternehmern z. B. durch Unterschlagung von Arbeits- lohn und Krankenkassengeldern verhängt werden, das ist das Zeichen deutscher Justiz. Dem im Nr. 302 mitgeteilten Urteil, das wegen 45 Pf. drei Monate verhängte, ftigen wir einige noch krassere Bei- spiele aus jüngster Zeit an: Die Straskammer des Landgerichts in Rostock i. M. verhandelte gegen das Dienstmädchen Z. auS Volkenshagen, weil es ihrer Herrschaft fünfzehn Pfennig ge- stöhlen hatte. Urteilst zw ei Monate ufid einen Tag Gefängnis l Wäre daö Mädchen vorbestraft gewesen,' hätte es sicherlich noch mehr als drei Monate bekommen. Ein Kaufmann K. aus Rostock hatte sich vor dcniselbcn Gericht zu verantworten. Er hatte einem anderen„ein Zehnmarkstück weggenommen". Dafür bekam er die Strafe von 1 Jahr uns 3 Monate» Zuchthaus und Ab» erkennung der Ehrenrechte auf 3 Jahre. In derselben Sitzung wurde dann noch verhandelt gegen den Kaufmann L. aus Eondershausen. der in Ribnitz„sein Nach tquartisr nicht üatte bezahlen können". Urteil: 1 Jahr 6 Monate Zuchthaus! Der Schweizer K. stahl seiner Dienstherrschaft eine Taschenuhr, weil er selbst keine hatte. Er erhielt sieben Monate Gefängnis. Der Arbeiter W. aus Rostock Hatto dem„Verein für soziale Hilfsarbeit" 3 Mark abgeschwindelt. Urteil: 6 Monate Gefängnis! Der Arbeiter R. auS F. hatte der Dienstherrschaft 29.40 M. entwendet. Urteil: 1 Jahr Zuchthaus! Dem gegenüber rufe mar, sich die-Prämien für Kassen öetrüger in. Erinnerung. Nicht in einem, in Dutzenden von Fällen sind Unternehmer, die den von ihnen beschäftigten Arbeitern 5trankenkassengeldbeiträge im Gesamtbetrage von weit über 100 Mark vom Lohn abgezogen, die Beiträge aber an die Kasse nicht abgeführt, also unterschlugen, mit„Strafen" von weit unter 100 Mark belohnt, wenn nicht völlig frei gesprochen._ Die milde Frau Kommerzienrat. Bankdirektor Llommerzienrat Ernst MichelowSki in Pose» besitzt ein Gut Pokrzywno, auf dem sich seine Familie im Sommer ans hält. Auf dem Gute sind als Stütze der Hausfrau ein Fräulein Berta I, und als Gärtner die Eheleute Brandt beschäftigt. Im September bemerkte, wie wir einem Gerichtsbericht der„Posener Zeitung" über eine am 21. d. M. stattgehabte Verhandlung entnehmen, die Frau Kommerzienrat. daß die Brandtschen Kinder genau solche Strümpfe trugen, wie ihre eigenen. ES kam ihr daher die Vermutung, daß die Strümpfe aus ihren Wäschebeständen entwendet sein könnten. Es wurde darauf in Abwesenheit der Berta I. deren Wäschekorb revidiert. Hierbei fanden sich ein Paar lange Strümpfe im Werte von öl) Pf. vor, die als Eigentum einer Tochter der Kommerzienrätin erkannt wurden. Weiter fand man in dem Zimmer der Stütze auf dem Schranke eine fast wertlose GlaSschale und zwei Quirle vor. Wegen dieser Lappalien wurde Strafanzeige gegen Fräulein B. und die Brandtschen Eheleute. Die Staatsanwaltschaft erhob daraus wegen deS PaareS Strümpfe, der Quirle und der Glasschale Anklage wegen Diebstahls gegen die B. und gegen die Gärtner Brandtschen Eheleute wegen-- Hehlerei. Vor dem Schöffengericht bestritt energisch das Fräulein B., sich eines Diebstahls schuldig gemacht zu haben. Die ganze Anklage beruhe auf einem Racheakt. Sie sei Ende September diese» Jahre? grundlos entlassen worden, und toeil sie Zahlung des BehaltS bis 1. April verlangt hat. so sei die DtebstahlSgeschichte ersonnen«oorden, um die Entlastung zu begründen bezw. sich der Verpflichtung zur Zahlung deS Lohnes zu entziehen. Wie die Strümpfe, für die sie keine Ber Wendung gehabt habe und die beinahe wertlos feien, in ihren Koffer gekommen seien, wisse sie nicht. Die beiden Quirle habe sie zum Ausweiten ihrer Handschuhe gebraucht und auS Nachlässigkeit auf dem Schrank liegen lassen. Die Glasschale habe dort schon gestanden, als sie bei der Frau Komnierzienrat in Dienst getreten sei. Die Brandtschen Eheleute bestritten gleicdsallS jede Schuld und legen dar. daß die Strümpfe wohl beim Trocknen der Wäsche vertauscht sein könnten. Dies gab die Frau nominerzienral als möglich zu. Bezüglich dieser Angeklagten er- kannte daS Gericht auf Freisprechung. Dogegen nahm daS Gericht den Diebstahl der bei der Angeklagten Fräulein B. vor- gefundenen Strümpfe als erwiesen an und verurteilte die bisher unbestrafte Angeklagte zu der gesetzlich zulässig niedrigsten Strafe von einemTageGefängniS. Wie wäre es, wenn die Frau Kommerzienrat daS wertlose -'eng— die Strümpfe. Quirle und Glasschale— beim nächsten ÄohltätigkeitSball verkaust und darlegt, datz ihrem milden Nachsuch« drang ein unbescholtenes Mädchen die ungerechte Strafe von einem Tage Gefängnis zu verdanken hat'i Eine Durchstecherei im PlStzcnfeer StrafgefLagniS lag einer '.inklage wegen Bestechung zugrunde, welche gestern vor der ersten Straslammer des Landgerichts III zur Verhandlung kam. An- ..............." 11 Der her»m geringste zuschulden kommen lasten und auch nicht die geringste Disziplinar. strafe erlitten. Eines Tages im April wurde eine unvermutete Revision der Zelle eines Strafgefangenen Max Witte vorgenommen. Zum grötzten Erstauneu des betreffenden Beamten fand sich in dem Bett des Gefangenen eine ricktige Speisekammer. die außer. Wurst und Eiern auch Zigaretten, Tabak und Kognak enthielt. Es wurden sofort Ermittelungen angestellt, welche er- gaben, dasi der Angeklagte Falk dem Gefangenen gegen hohe Be- zablung die Nahrungsmittel verschafft hatte. Von Verwandten deS Witte war an den Angeklagten der Betrag von 15 M. per Bsstanweifung geschickt worden. Falk hatte die Hälfte für sich be- halten und für das übrige die Nahrungsmittel gelauft und dem W. heimlich zugesteckt. Der Angeklagte" wurde sofort vom Nmle suspendiert. Vor Gericht war F. geständig und behauptete nur, aus Mitleid mit dem Gefangenen gehandelt zu haben. Der Staats- eliwalt beantragte 3 Monate Gefängnis, während Rechtsanwalt Naumann eine erhebliche Herabmtnderung der Strafe beantragte, da de.r Angeklagte durch das nun folgende Disziplinarverfahren, welches seine völlige Entlastung zur Folge haben wird, schon genug I. straft sei. DaS Gericht berücksichtigte dies auch und erkannte auf nur drei Tage Gefängnis. Ein Blitzableiterdieb, der in der Uniform eines Telegraphen- l>eamte» mit einer geradezu erstaunlichen Frechheit in Berlin und Un Vororten Diebstähle verübt hatte, wurde gestern der t. Straf- kämm er des Landgerichts II vorgeführt. Wegen wiederholten Tiobftahlö war der Klempner Franz Giefe angeklagt, mit ihm mutzte sich der Dreher und Produktenhändler Otto Schaaf wegen Hehlerei verantworten. Im Juli und August d. I. tauchte in 'Urlin ein Dieb auf, der es auf die wertvollen Kupferkabel der Blitzableiter abgesehen hatte. Mit ziemlicher Frechheit suchte er sich außer einigen Privathäusern hauptsächlich öffentliche Gebäude aus. In sämtlichen Fällen wurden dem Diebe anstandslos die Bodenschlüstel ausgehändigt, da er sehr sicher als angeblicher Telegraphenarbciter auftrat,„um die Leitungen zu revidieren". Eines Tageö erschien der Dieb sogar in dein Postgebäud« in der Hermännstraße in Rixdorf und ließ sich hier die Bodenschlüssel euShändigen, um angeblich die Leitungen zu reparieren. Erst als dicken Kupferseile des Blitzableiters abgeschnitten aufgefunden schloß. Der Festlcitcr Cuinz und der Wirt Bodung.wurden in zweiter Instanz wegen Uebcrtretung' der Oberpräsidialordnung vom 4. Juli 189» zu Geldstrafen verurteilt. Es wurde eine Uebertretung deS§ IS angenommen. Dieser bestimmt unttr Ziffer 2:„In der Karwoche(Palmsonntag cinschliehlich) und an den ersten Tagen der drei großen Feste sind verboten: a) öffentliche Tanglustbarkcitcn und Bälle". Unter Ziffer 4 bestimmt der selbe Paragraph:„An den Vorabenden des Weihnachts- und Pfingstsestes, des Bußtags- und des dem Andenken der Verstorbenen gewidmeten Jahrestages sind öffentliche Tanzlustbar leiten und Wälle verboten. Das Verbot der öffentlichen Lust- barkeiten gilt auch für solche privaten Lustbarkeiten, die geeignet sind, die äußere Heilighaltung der Sonn- und Feiertage zu beeinträchtigen." Die Strafkammer zu Eberswalde ging davon aus daß der zweite Satz der Ziffer 4, die privaten Lustbarkeiten angehend, sich nicht bloß auf den ersten Satz der Ziffer 4, sondern auch auf die vorhergehenden Bestimmungen über össentiichc Lustbarkeiten und damit auch auf die unter Ziffer 2 beziehe, so daß dieses bedingte Verbot privater Lustbarkeiten die privaten Tanz lustbarkeiten an den ersten Tagen der drei großen Feste mit um- fasse. Die private Tanzlustbarkeit, die hier in Frage stehe, sei als eine solche vom ersten Ostertage anzusehen, wenn auch mit dem Tanz erst nach Mitternacht begonnen sei. Sie sei aber auch geeignet gewesen, die äußere Heilighaltung des Feiertags zu beeinträchtigen. Die Tanzmusik sei von einer Kapelle gemacht worden, die aus 14 bis 1ö Mann bestanden habe, und zu den Instrumenten hätten außer Streichinstrumenten auch Pauke und Posaunen gehört. Da das Lokal„Zur Mühle" auf einem Berge liege, so sei eine derartige Musik ans eine größere Entfernung hin laut vernehmbar. Jedenfalls fei sie geeignet gewesen, die Be wohner aller in der Nähe befindlichen Häuier in ihrer inneren Sammlung und Erhebung zu stören und ihr religiöses Gefühl zu verletzen. Die Angeklagten legten Revision ein zu deren Be- gründung ihr Vertreter, Rechtsanwalt Dr. Kurt Rofenfeld, unter anderem geltend machte: Eine Tanzlustbarkeit am ersten Ostertage liege hier überhaupt nicht vor, sondern eine solche am zweiten Festtage. Es wäre ganz irrig, wenn der Vorderrichter annehme daß der erste Feiertag bis in die Morgenstunde» des zweiten dauere Die Verordnung enthalte aber auch im Z 12 kein Verbot privater Tanzlustbarkeitcn für die ersten� Feiertage. Die Bedeutung, die die Strafkammer dem zweiten Satz der Ziffer 4 des Z 12 gebe, widerspreche allen Grundsätzen der Auslegung. Der zweite Sah eines Absatzes könne vielmehr nur auf den vorhergehenden Satz desselben Absatzes bezöge« werden. Schließlich tonne auch eine Tanzlustbarkeit, die um 12?� Uhr nachts ihren Anfang nehme, die Anwohner unmöglich in ihren religiösen Gefühlen verletzen. DaS Kammergericht stellte sich auf den Standpunkt, daß eine Verurteilung wegen Uebertretung des§ 12 der Berordnung nicht erfolgen könne Es verurteilte jedoch im Einverständnis mit dem Oberstaatsanwalt die Angeklagten zu der niedrigsten Strafe von je einer Mark au" Grund des§ 11 der Verordnung des Oberpräsidenten. Die Urteilsbegründung erging dahin: tz 12 käme nicht in Betracht, weil die Tanzlustbarkeit erst nach 12 Uhr Mitternacht begonnen habe. Eine solche Tanzlustbarkeit könne nicht als am Tage vorher abgehalten gelten. Somit könne hier von einer Tanzluftbarteit am ersten Ostertage nicht die Rede sein. Dagegen sei gefehlt gegen die Bestimmung des ß II, letzter Absatz, wonach an Sonntagen und den zweiten Feiertagen der drei großen Feste Tanzlustbarkeiten nicht vor S Uhr nachmittags beginnen dürften. Hier sei nachtS 129L Uhr, also vor 2 Uhr nachmittags, am zweiten Feiertage begonnen worden. Das Verbot komme nach der Verordnung auch für die hier vorliegende reine geschlossene Gesellschaft in Betracht, da sie in einer Gastwirtschaft daS Vergnügen abhielt. .« Mit anderen Worten: allerdings waren die Angeklagten straffrei, wenn sie nicht Arbeiter, sondern Kommerzienratc wären, die große eigene Räume'zur Abhaltung einer geschlossenen Gesellschaft besitzen. Da sie aber als Arbeiter ihre geschloffenen Gesellschaften in einem Äasthaui, abhalten müssen, müssen sie bestraft werden DaS nennt sich Gleichheit vor dem Gesetz und einer mit der Vcr fassung unvereinbaren VcrfrommungSverordnung. Der letzte Sieg bei Jena. Gegen Paragraph 110 des Strafgesetzbuches sollten sieben in Düsseldorf ivohnende Holzarbeiter dadurch verstoßen haben, daß sie anarchistische Schriften vertrieben. Es handelte sich um die Broschüre: Der letzte Sieg bei Jena, in welchem nach Auffassung deS Staatsanwalies zum Ungehorsam gegen die Gesetze ausgefordert wird. Die Sache lam vor der Düsseldorfer Strafkammer zur Verhandlung und stellte der StaaiSanwalt sofort den Antrag, bei verschlossenen Türen zu verhandeln. Diesem Antrage widersprach der Verteidiger der Angeklagten, weil seine Klienten ein großes Interesse daran hätten, vor der Oeffcittlichkeit zu beweisen, daß sie alles eher als Anarchisten wären. DaS Gericht gab dem Antrage des Staatsanwaltes, wegen der„Gefährlichkeit" der Broschüre, statt, und wurde unter vollständigem Ausschluß der Oeffcntlichkeit verhandelt. Die Angeklagten wurden freigesprochen, weil nicht nachgewiesen werden konnte, daß sie den Inhalt der Broschüre kannten die Verteilung an sich sei nicht strafbar. Viel Lärm um nichts Autoraserei. Vor der Strafkammer in Düsseldorf hatte sich der Fabrikbesitzer Ferdinand van der Zypen aus Köln wegen fahrlässiger Tötung zu verantworten, van der Zypen, der schon zweimckl wegen zu schnellen Fahren? bestraft ist, raste eines Sonntags mit seinem Automobil von Düsseldorf nach Aachen. In der Nähe von Neuß wurde ein zehnjähriger Knabe überfahren, der als Leiche unter dem Auto hervorgezogen wurde. Durch Zeugen wurde festgestellt, daß der Angeklagte am Abend vorher schwer gekneipt und wie toll über die Landstraße gefahren habe. Dieses bestritt van der Zypen, doch sagte selbst sein Chauffeur, daß. wenn er gefahren hätte, das Unglück nicht passiert wäre. Der Staatsanwalt wollte ganz energisch gegen die Leute, welche die Straßen unsicher machten, vorgegangen wissen und beantragte ganze vier Monate Gefängnis. Das Gericht verurteilte den Angeklagten sogar nur zu einem Monat Gefängnis. Vermischtes. wurden, erkannte man, daß man einem raffinierten Gaunerstück- cUn zum Opfer gefallen war. Mit gleicher Sicherheit trat auch der Dieb in der Gemeindeschule in der Sophie-Charlottenstraße in < barlottenburg auf. Auch hier gelang es ihm, unbehindert die L iitzableiterkabel zu stehlen. Schließlich gelang eö dem Kriminal- schutzmanv Heuer, den gefährlichen Dieb in der Perlon des An- geklagten Giefe festzunehmen. Das gestohlene Kupfer hatte G. iei dem Mitangetlagten Sckaaf verkauft. Die Beweisaufnahme ergab jedoch, daß Sch. stets ordnungsmäßige Eintragungen gemacht i'.nb angemessene Preise gezahlt hatte. Er wurde deshalb frriga- sprachen. Gegen Giese lautete das Urteil auf 2 Jahre und 6 Mo- Ii alk Gefängnis._ Berfrominungsvcrordnnng und BerelnSvrrgnugen. Dia Benvaltungsstelle EbcrSwaldc des Fabrik- und Land- vrbeiterverbandcS hielt am 1. Ostersciertag im Lokal„Zur Mühle" ein geschlossenes Vergnügen ab, an das sich nach 12Rt Uhr nachts, also am Morgen drS zweiten Feiertages, ein Tänzchen an- Ei» Lustmord in Gieße». Aus Gieße» wird uns berichtet: Die Einwohnerschaft Gießen? ist durch eine am Weihnachtsabend verübte bestialische Tat in große Erregung versetzt worden. Am ersten Feiertage vormittags fand unser Genosse Stadtverordneter Krumm, der mit seiner Tochter einen Spaziergang nach dem Stadtivaldc unternommen hatte, die halbnackte Leiche eines Knaben, an dem augenscheinlich ein viehisches Verbrechen verübt worden war. Krumm machte der Polizei von dem grausigen Funde sofort Mitteilung. Dort war bereits am Tage vorher de" zehnjährige He-nrich Abel, Sohn eines Gemüsehändlers, als vermißt gemeldet worden. Es stellte sich be: der Besichtigung heraus, daß die Leiche die des kleinen Abel war. Die am zweiten Feiertage vorgenommene Obduktion ergab, daß der Tod durch Erwürgen herbeigeführt worden war und Ver- letzungen im Mastdarm bewiesen, daß es sich um ein schweres Sittlichkeitsverbrcchen handelte. Als Täter wurde der bereits drei- mal wegen Stttlichkeitsverbrechen vorbestrafte 47jährige Schuh- wacher Wilhelm Reif aus Niederspah bei Koblenz verhaftet. Ein vierfacher Mord wurde am zweiten Feiertag in Mainz verübt. Dort ermordete der Sohn des früheren Reichs- und LandtagSabgeordneten Rocke seinen Vater und seine drei erwachsenen Schwestern, von denen die eine sich am heiligen Abend verlobt hatte. Der Sohn, der Student der Astronomie ist, scheint die Tat in einem Wahnsinns- anfall vollführt zu haben. Auf Vorhaltungen erklärte er« seinen Vater von seinen Sorgen befreien zu wollen. Er wurde ii genommen. lieber die schreckliche Tat werden folgende Einzelheiten l richtet:„Joseph Nocke war auf einer Ferienreise zum Besuch seines Baters— die' Mutter ist seit einigen Jahren tot— in Mainz eingetroffen. Die Familie war bis 12 Uhr am heiligen Abend versammelt, und der Sohn wohnte der Bescherung bei. Nach 12 Uhr begab sich die ganze Familie zur Ruhe. Der Sohn ging auf sein Zimmer, legte sich einige Zeit zur Ruhe und begab sich später dann in die Küche, wo er das Messer, das sich an der Brot- Maschine befand, abschraubte und an einem Flintenlauf befestigw, den er aus dem Schlafzimmer seines Vaters sich geholt hatte. Hierauf begab er sich mit dieser Waffe und einem geladenen Revolver in das Schlafzimmer seines Vaters, wo er dem dort Schlafenden einen furchtbaren Schlag aus den Kopf beibrachte, der den sofortigen Tod des Vaterö zur Folge hatte. Der 25 jjährigen Schwester hatte er einige furchtbare Schnittwunden im Kopf, von denen jede einzelne tätlich war, beigebracht. Der zweiten Schwester durchschnitt er die Halsschlagader und brachte ihr einen Schuß in die Brust bei. Auch die 1ö Jahre alte Schwester hatte er mit einem Revolverschuß ums Leben gebracht. Die Schwestern lagen so, daß die Arme aus den Betten hingen. Die Bluttat ereignete sich im ersten Stockwerk des Hauses. Im zweiten Stockwerk schliefen die beiden jüngeren Geschwister des Mörders, zwei Knaben im Alter von 19 und 11 Jahren. Sie wurden von dem Mörder ver- schont. Als nun am andern Tage bis 19 Uhr vormittags der Vater und die Schlvestern noch nicht aufgestanden waren, wurde das Dienstmädchen ängstlich. Es klopfte und erhielt leine Antwort. Darauf wandte sich das Mädchen an die nächste Polizeiwache, welche die Wohnung öffnen ließ. Der Mörder, der die Tat sofort ein- gestand, wurde nach seiner Verhaftung ins Provinzialgefängnis geschafft. Es heißt, daß Joseph Racke schwer erblich belastet sei. Ein Bruder und eine Schwester seiner verstorbenen Mutter sollen sich im Jrrenhause befinden, auch er selber soll als Kind schon in einer Irrenanstalt untergebracht gewesen sein. Joseph Racke hat die Tat offenbar in einem WahnsinnSansall begangen; in pekuniären Angelegenheiten, wie anfangs verbreitet wurde, ist der Beweg- grund der Tat nicht zu suchen. Seine Opfer waren fürchterlich zugerichtet. Die Leichen wurden noch in der Nacht nach dem Fried- Hofe gebracht. Eine Gerichtskommission weilte bereits an Ort und Stelle und nahm Feststellungen vor. Nachdem der Mörder die Tat vollbracht hatte, wusch er sich im Hause die blutigen Hände und legte sich inS Bett. Die Aufregung ist in der Bevölkerung von Mainz sehr groß, da der ermordete Nikola Nocke zu den de- kanntesten Persönlichkeiten der Stadt und weit über die Grenzen von Hessen hinaus gehört hat. Er war längere Zeit Vertrctcc von Mainz-Qppenhcim im Reichstage." Frost, Sturm, Erdbeben. Hamburg, 2S. Dezember. Die Elbe fuhrt infolge deS heftigen Frostes starkes Treibeis. Abschleppunacn ab Hamburg mußten daher eingestellt werden. Der Bekehr ruht auf der ganzen Elbestrecke wieder vollständig.— R c v a l, 27. Dezember. Im finnischen Meerbusen wütet seit drei Tagen ein heftiger Sturm, der das Auslaufen der Dampfer verhindert.— Monteleone. 28. Dezember. Durch ein heftiges Erdbeben ist heute morgen um 5 Uhr 29 Minuten hier in Mileto, Jonadi, Eatccnzaro, San Giorgio und anderen Orten Caladriens großer Schaden angerichtet worden. In Stefanaconi wurden drei Menschen getötet und 13 verletzt, auch in St. Ouofrio wurden cinige Leute verletzt.— Panama, 28. Dezember. Der Fluß Revcntazon und seine Nebenflüsse sind aus den Ufern getreten. Der angerichtete Schaden ist beträchtlich. Auf dem Gebiete von Costarica sind 25 Personen ertrunken._ Erdbeben in Sizilien. Aus Rom wird vom 28. Dezember gemeldet: Das Erdbeben von heute früh ist auch in verschiedenen Orten Siziliens verspürt worden. In Caltanisetta und Mineo riefen die Erdstöße eine große Panik hervor. Die Bevölkerung kampiert zum Teil auf Straßen und Plätzen. Aus Catania, wo das Beben zwanzig Sekunden dauerte, wird eine Bewegung des Meeres gemeldet, die großen Schaden angerichtet hat. In Noto, wo die Erschütterung dreißig Sekunden lang anhielt, versuchten die Strafgefangenen auszubrechen, doch stellte Militär die Ordnung wieder her. Auch aus Lingua- glossa und Santa Scverina werden Erdstöße gemeldet. Einzelheiten darüber fehle» noch. In allen Orten wurden viele Gebäude be- schädigt.— Vom Erdbedengebicte in Ealabrien wird noch gemeldet: In Stefanaconi wurden drei Menschen getötet und sechzig vcr- wundet unter den Trümmern der eingestürzten und beschädigten Gebäude hervorgezogen. In Majerato ist das Militär zur Hilfe- leistung herangezogen. In San Gregorio wurden zwei Menschen getötet. Ministerpräsident Giolitti entsandte zwei Beamte zur Fest- stellung deS durch das Erdbeben angerichteten Schadens und spendete 29 999 Lire zur ersten Hilfeleistung. Wasserftanvs-Nack» richten per LandeSam'talt f'lr(«ewölicrtunde, mitgelellt vom ___ Berliner Wetterburrau. Easserlkcmd M e m e l. Tililt L r e g e l. Jnilerburg Weichsel. Tborn Oder. Rattbor , Krasse» , Franks urt Warthe, Schrimm » LanbSberg eh«, varbamm Elb«. L«itm«ritz . Dresden , Bardo , Magdeburg am seit 27.l2.ISS. 12. cra') 0 0 _ o —4 —2 0 -8 -S -IL am ZSS'i -3«) SB) 75°) 67 77°) 10«) 0«) —82 LS') Wasserstand Saale, Grachlttz Havel, Spandau>) , Natbenats*) Spree, Svremberg') . BccSkow D c s e r, Münden » Minden Rhein, MozimllianSau , Kaub Köln Neckar, Heilbrom, Main, Werlheim Mosel, Trier st 4- dideittet Such».— Fall.— 1 llniervegel,— st Sisstand. ') Gruudeistrciben.— st E!slreibcn in ein Drittel biö zwei Drittel Strom. breil«.—«) Gründels.— st MätzigeS SttindeiS.— st Startes Grundeis. st Schwache» Treibeis. 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Am 25 Dezember verstarb unser Mitglied, der Maler Gustav Schossau Lychenerstr. 21. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, 30. Dezember, nachmttags 2, Uhr, von der Leichenballe des Zentral- Friedhofes in Friedrichsselbe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 282/2 Der Vorstand. Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands. Bahlstelle Groß Berlin. Bezirk Charlottenburg, Nachruf. Den Mitgliedern hiermit zur Rachricht, daß am 21. Dezember unjer Stollege Julius Quade plöglich verstorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Ortsverwaltung. 64/10 Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. Nachruf! Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unserkollege, der Rabigspanner Karl Lindner am 21. Dezember gestorben ist. Ehre seinem Andenten! Die Beerdigung hat am Sonn abend, den 26. Dezember, statt140/17 gefunden. Der Seftionsvorstand. Deutscher Buchbinder- Verband. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Buchbinder Wilhelm Rath am 26. Dezember verstorben ist. Wir werden fein Andenten in Ehren halten! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 30. Dezember, nach mittags 3 Uhr, von der Leichen halle bes Thomas- Kirchhofes Hermannstraße( Nirdorf) aus statt. Bahlreiche Beteiligung erwartet 25/1 Die Ortsverwaltung. Am 25. Dezember starb plotlich und unerwartet unser lieber Bruder, Schwager und Dufel, der Buchhalter Richard Schiffner im 35. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 30. Dezember, nach, mittags 3 Uhr, bom Bethjemane- Kirchhofe, Nieder- Schönhausen- Nordend, aus statt. Gustab Wichmann und Frau im Namen der Hinterbliebenen. Danksagung. 8526 Allen lieben Verwandten, Freunden als auch Belannten, welche meinem unbergeßlichen lieben Mann, dem Schloffer 3405 Karl Mews bie legte Ebre erwiesen haben, be sonders der Firma Bolzani als auch den frühe en lieben Stollegen obiger Fia, fage ich auf diesem Wege für bie herrlichen Stiangipenden meinen herzlichen Dank. Witme Anna Mews. Allen Bekannten und Ber mandten die trainige Nachricht, daß am 27. Dezember unser lieber Sohn und Gruber Karl Burde im Alter von 4 Jahren 9 Monaten gestorben ist. 55972 Dies zeigt mit der Bitte um stille Teilnahme an August Burde( Gastwirt) nebst Familie, Cadiner Str. 17. Die Beerdigung findet am 30. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Jrren hauses Dalldorf aus ftatt. Deutscher Transportarbeiter- Verband. Ortsverwaltung Spandau. Hiermit machen wir unseren Mitgliedern die traurige Mittetlung, daß am Sonnabend, den 26. Dezember 1908, unsere Stol legin Frau 353b Selma Köhne im Alter von 27 Jahren an den Folgen eines Herzschlages plötzlich verschieden ist. Wir werden derselben stets etu ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 29. Dezember, nach mittags 3, Uhr, von der Halle des Spandauer Friedhofes aus ftatt. Die Ortsverwaltung. Allen Berwandten, Freunden und Bekannten die traurige Rach richt, daß am 25. Dezember früb meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwieger und Großmutter Berta Göhrt geb. Deroche im Alter von nahezu 60 Jahren nach turzem Leiden sanft ent schlafen ist. 342b Die trauernden Hinterbliebenen Georg Gührt nebst Kindern Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 29. Dezember, von der Leichenhalle des Französischen Stirchhofes, Bollantstraße, nachmittags 3 1hr, aus statt. Danksagung. sprechen wir hiermit allen Ber wandten, Freunden und Bekannten den innigften Dank aus. Paul Hoffmann nebst Frau und Kindern. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Berlin. Mittwoch, den 30. Dezember, abends 7 Uhr: Versammlung aller Mitglieder der Junungskrankenkasse der Tischler- Juuung zu Berlin im Gewerkschaftshause, Saal 4. Tages Ordnung: 1. Tätigkeitsbericht des Borstandes und der Delegierten. 2. Ausstellung der Delegierten zu der am 8. Januar 1909 ftattfindenden Neuwahl 95/11 Die Ortsverwaltung. Partei- Speditionen: Zentrum 1: Frib 8inte, Mauerstr. 89. Zentrum: Albert a 6 nisch. Auguftstr. 50, Eingang Joachimstraße. 2. Wahlkreis, Beffen: Gustav Schmidt, Stirchbachstr. 14, Hochparterre. Süden und Südwesten: Hermann Berner Gneisenauftr. 72, Laden. 3. Wahlkreis: St. Friz, Brinzenstr. 31, Hol rechts part. 4. Wahlkreis: Diten: Robert Wengels, Rüdersdorferftr. 8, am Küstvinerplay. Wilhelm Mann, Petersburgerplat 4( Laden). 4. Wahlkreis, Südoften: Baul Böhm, Laufigerplay 14/15 ( Laden). 5. Wahlkreis: Qeo 8ucht, Immanuellirchstr. 12( of). 6. Wahlkreis( Moabit und Hansaviertel): Start Anders. Salzwedelerstr. 8, im Laden. Wedding: Karl Weiße, Nazarethkirchstraße 49. Rosenthaler und Oranienburger Vorstadt: Sermann Raichte, Alderstr. 36, Eingang Anflameritrage. Gesundbrunnen: F. Trapp, Stettinerftr. 10. Schönhauser Vorstadt: Rarl Mars, Lychenerftt. 123. Alt- Glienicke: Wilhelm Dürre, Rudowerftr. 83 II. Rum Rum unsch- Extrakte bereitet man sich selbst Originalflaschen mit Rezept von tadelloser Qualität und größter Bekömmlichkeit aus Echten OriginalReichel- Essenzen Nichts ist einfacher, die Ersparnis dagegen enorm! 75 Vf., zur Herstellung von je 2 Liter Punsch- Extrakt. Echter Jamaika- Rum- Extrakt In Originalflaschen a 75 Pf., Ertra- Qualität*** 1.25 M zur Seite ung 2 Ltr. kräftigen Rum von über Otto Reichel, Berlin SO., Eisenbahnstr. 4 Fernsprech- Anschlüsse Amt IV, 4751, 4752. 4753, Niederlagen in den durch meine Schilder kenntlichen Drogerien etc. too nich erhältlich, Versand ab Rabrit. Vorsicht! Lasse sich niemand durch Nachahmungen täuschen. .Die Reichel- Essenzen fecht wate altbewährten mit Marke ..Lichtherz" Orts- Krankenkaffe Pelzwaren!!! der Drechsler und verwandten Gewerbe zu Berlin. Charlottenburg: Gustav Scharnberg, Sefenheimerstraße 1, Ede Montag, den 11. Januar 1909, ( Soetbeitrage, Laden. Wilmersdorf- Balensee: Zölle, Sigmaringenftr. 5. Lichtenberg, Friedrichsfelde, Wilhelmsberg: Seifel, tronbringenstraße 4, I. Dtto Rummelsburg, Boxhagen: 2. Rofentra na. Allt- Borhagen 56. Grünau: Franz Klein, Bahnhofstr. 6 III. Bohnsdorf und Falkenberg: 6. Pfeifer, Bohnsdorf, Ge noffenschaftshaus. Rixdorf: Wi. Heinrich, Nedarstraße 2, im Laden. Schmargendorf: Gustav Samins fy, Cunoftraße 2. Schöneberg: Wilhelm Bäumler, Martin Lutherstr. 51, im Laden. Tempelhof: M. Müller, Berlinerstr. 41/42. Ober- Schöneweide: Julius Grunow, Edisonftr. 10, L Nieder- Schöneweide: Bonatowsky, Haffelwerderstr. 8. Johannisthal: Bielide, Staiser- Wilhelm- Blak 4. Adlershof: Grid Steuer, Hadenbergstr. 5, II. Für die herzliche Teilnahme und Königs- Wusterhausen: Friedrich Baumann, Amtsgarten 3. zahlreichen Stranzipenden bei der penick: Friedrich Woid, Kiezerstr. 6, Laden. Beerdigung unseres lieben Stindes Friedrichshagen: Otto Schröder, Friedrichstr. 60, St.. Charlotte Friedenau- Steglitz- Südende: 5. Berniee, Schloßftr. 119, Hoj I, in Stegli Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. Moor, Düppelstr. 32, und Fr. Schell baie, Ahornitr. 15a. Mariendorf: August 2eip, Chausseestr. 296 of. Baumschulenweg:. Hornig, Marienthalerstr. 13, L. Treptow: Rob. ramena, Kiefholzstraße 412, Laden. Neu- Weißensee: Rurt Fuhrmann. Sedaustr. 105, parterre. Reinickendorf Ost, Wilhelmsrub und Schönholz: B. Gurich. Stameleitr. 12, I. Tegel, Borsigwalde, Hermsdorf und Reinickendorf- West: Baul Rienaft, Borfigwalde, Rauschstraße 10. Pankow- Niederschönhausen: Mühlenftr. 73. Bernan- Röntgental: Heinich Broie, Hohefteinftr. 74, part. Eichwalde, Zeuthen, Miersdorf und Hankels Ablage: Erich 8 immermann, Eichwalde, Raiser- Friedrich- Straße 8. Teltow: Wilhelm Regler, Hobersteinweg 7. Nowawes: Wilhelm Jappe, Briefterstr. 46. Spandau: Stoppen, Jagomstr. 9. Mahlsdorf und Kaulsdorf: hugo Scheibe, Mahlsdorf, Walderfeestr. 14. Danffagung. Allen Berwandten, cunden und Bekannten, die meinem Mann, unferum Vater, dem Gastwirt Jakob Belz die legte Ehre erwiesen buben, fagen wir unseren herzlichsten Dant. 3076 Luise Belz geb. Wunder nebst Kindern, Fruchtstr. 43. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die kostbaren Strang, spenden bei der Beerdigung meines lieben Manues, unferes forgsamen Baters Ferdinand Peltz fagen wir allen Berwandten, Freun ben als auch Betammten, besonders den Kollegen der mechanischen Bert flatt Stabelwert A. E. G. Schöneweide fowie den Genossen des 6. Berliner Reichstagswahlkreises u. den Kollegen des Deutschen Metallarbeiterverbandes 341b wiferen herzlichsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. 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Der Gen Brandenburg des Zentralverbandes der Zimmerer Deutschlands hielt am Sonntag im Berliner Gewerkschaftshause cine Caufonferenz ab, die von 73 Delegierten aus 62 3ahlftellen beschickt war. 10 Zahlstellen, darunter solche in nächster Nähe Berlins, hatten feine Vertreter entsandt, was der Gauleiter Knüpfer sharf rugte. Der Konferenz lag eine Aufstellung vor über Mitgliederbewegung, Lohnhöhe und Arbeitszeit. Danach hatte die mit gliederzahl innerhalb des 1905 gebildeten Gaues ihren höchften Stand, nämlich 7852, im dritten Quartal 1906. Von da an nahm die Mitgliederzahl langsam ab, bis zum vierten Quartal 1907, wo sie 6323 betrug. Das Jahr 1908 weift folgende Mitgliederzahlen auf: 1. Quartal 6443, 2. Quartal 6000, 3. Quartal 6024. Die Lohnhöhe teist seit 1905 eine fortschreitende Tendenz auf. Es betrugen die Stundenlöhne in den Jahren: 1908 1905 80-84 Bf. in 13 Bahlstellen, in 9 Bahlstellen 4477 35-39 40-44 45-50 51-55 56-60 61-65 66-70 71-75 10 9 " 19 " " " 16 12 " " " " " 12 19 " 9 " " 12 " 3 п D " " 6 " 2 " " 7 " " " " " " " 13 4 " 7 n " " 1 " " 72 Zahlstellen 1908 Summa: 64 Bahlstellen Die Arbeitszeit betrug in den Jahren 1905 9 Stunden in 11 gahlstellen, in 15 Bahlstellen 91/2 10 2 51 3 " D 54 " " 13 " Summa: 64 Zoblitellen 72 gaolstellen Im Jahre 1908 ftieg der Stundenlohn um 1 Bf. in 9. um 1% f. in 1, um 2 Bf. in 6, um 3 Pf. in 5, um 5 Pf. in 2 Bahlstellen. Der Lohn ging zurüd um 1 Bf. in 2, um 2 f. in 1, um 2% f. in 1, um 3 Pf. in 1, um 5 f. in 3, um 10 Bf. in 1 Bahlstelle. In 40 Bahlstellen blieb der Rohn underändert, in einer Zahlstelle wurde die Arbeitszeit um%, in einer anderen Zahlstelle um 1 Stunde verlängert. Auf der Tagesordnung der Konferenz stand als einziger Punkt: Die Aufgaben der nächsten Generalversammlung des Verbandes. Der Referent, Verbandsvorsßender Schrader Hamburg, führie unter anderem aus: Die im April nächsten Jahres in Stutt gart stattfindende Generalversammlung hat Aufgaben von weitfragender Bedeutung zu lösen. Es handelt sich zunächst um die Stellung der Mitglieder zum Betonbau. Diese Bauweise hat in den letzten Jahren, namentlich in den Großstädten, sehr erheblich an Berbreitung gewonnen. Die Zimmerer sind am Betonbau in fejern intereffiert, als die Einschalungsarbeiten in Frage kommen. Der Verbandsvorstand hat eine Erhebung veranstaltet, welche sich auf die Zeit vom Juli vorigen Jahres via Juli dieses Jahres erstreckt. Durch diese Erhebung wurden in 147 Orten 408 Betonbauten festgestellt, von denen 177 vollständig, die übrigen nur teil. treise in Beton ausgeführt tourben. Auf den 408 Betonbauten waren beim Einschalen 2719 Zimmerer und 2078 Silfsarbeiter Beschäftigt. Auf 173 Bauten wurde die Einschalung nur von Zimmerern, auf 171 von Zimmerern und Hilfsarbeitern und auf 64 nur von ungelernten Silfsarbeitern ausgeführt. Auf 277 Bauten hatten die beim Ginschalen beschäftigten Zimmerer die ortsübliche Arbeitszeit, auf 64 Bauten war die Arbeitszeit bis 3 Stunden länger, auf 4 Bauten war sie ½ Stunde türger als die ortsübliche. Auf 190 Bauten wurden die ortsüblichen Löhne gezahlt, auf 295 Bauten gab es 1-5 Pf. Stundenlohn mehr, in einzelnen besonderen Fällen wurden 18-22 f. über den ortsüblichen John Bezahlt. Der Betonbau wird in Zukunft eine noch größere Ausdehnung annehmen. Hier hat sich also für die Zimmerer ein neues Arbeitsfeld eröffnet und es ist ihre Pflicht, sich dies Gebiet nicht entreißen zu lassen. Als die Betonbauweise in Düsseldorf eingeführt wurde, forderten die Zimmerer beim Einschalen höhere Löhne, die auch bewilligt wurden. Später wurden wieder Lohnerhöhungen gefordert. Die Unternehmer entzogen fich der Bewilligung dadurch, daß fie zum Einschalen Hilfsarbeiter einstellten. Auf diese Weise ist es dahin gekommen, daß in Düsseldorf die Zimmerer beim Ginschalen im Betonbau ganz ausgeschaltet sind. In anderen Orten haben sich Die Zimmerer ter Einfahalarbeit entzogen, weil dieselbe nicht den Charakter der sonstigen Zimmererarbeiten hat. Dies Verhalten hat sich bitter gerächt. Das Einschalen ist mehr und mehr auf angelernte Arbeiter übergegangen. Der Berbandsborstand ist der Meinung, daß sich die Zimmerer die Arbeitsgebiet nicht entreißen laffen, beziehungsweise, daß fie ca fich wieder aneignen sollen. Natürlich soll dadurch nicht den ungelernten Arbeitern, die beim Ginschalen beschäftigt sind, die Griftenz entzogen werden. Aber es aug verlangt werden, daß den Hilfsarbeitern derselbe Lohn bezahlt wird, den die Zimmerer bekommen. Wenn auch die Arbeit auf Betonbauten einen mäßigen Lohnzuschlag gerechtfertigt erscheinen läßt, so darf die Forderung doch nicht erheblich über den ortsüblichen Lohn hinausgehen, weil sonst die Gefahr vorliegt, daß n den Zimmerern diese Arbeit entzogen wird. Wenn diese Grund- lionen fosten wird. Unserem Charakter als Kampforganisation fäße beachtet werden, so wird es gelingen, den Zimmerern dies müssen wir in erster Linie Rechnung tragen. Es kommt unber Arbeitsgebiet wiederzugewinnen, um so mehr, als die Betonbauten meiblich einmal zu einem großen, entscheidenden Kampf mit den immer komplizierter werden und deshalb die Einschalung nicht Unternehmern, wenn nicht 1910, dann zu einer anderen Zeit. Auf diesen unvermeidlichen Kampf müssen wir uns durch Stärkung ausschließlich von Ungelernten gemacht werden kann. Eine andere wichtige Frage, welche die Generalversammlung unserer Crganisation und unserer finanziellen Mittel vorbereiten. beschäftigen wird, ist die Die Arbeitslosen und Krankenunterstügung. Diskussion Die Arbeitslosenunterstügung besteht im Verbande seit dem Herbst über das Referat zerfiel in drei Abteilungen: 1. Betonbau, 2 Ar 1905. Sie hat sich gut bewährt, ihre früheren Gegner haben sich beitslosen- und Krantenunterstützung, 3. Lohn- und Tarifbewegung. Der größtenteils mit diesem Unterstüßungszweig befreundet. Die Redner, welche sich an der regen Diskussion beteiligten, Generalversammlung werden zahlreiche Anträge auf Verbesserung ftimmten in der Hauptsache mit den Ausführungen des Referenten Die Anträge fordern überein. der Arbeitslosenunterstützung vorliegen. Hinsichtlich des Betonbaues wurde die Frage aufteils eine Herabsetzung der Karenzzeit, teils eine Erhöhung der geworfen, wie sich denn die Zimmerer dieses Arbeitsgebiet wieder Unterstübungsfäße, teils eine Verlängerung der Bezugsdauer. aneignen könnten. Schrader antwortete darauf, das könne Keiner dieser Anträge kann ausgeführt werden, ohne daß die weder die Gaukonferenz noch die Generalversammlung bestimmen, Berbandsbeiträge erhöht werden. Der Redner wies rechnerisch das sei Sache der betreffenden Zahlstellen. Nach Schluß der Disnach, welche Verbesserungen bei einer Erhöhung des Beitrages fussion über den ersten Punkt wurde folgende Resolution ange= um 5 bezw. 10 Pf. pro Woche durchgeführt werden fanten. Nach einem Beschluß der vorigen Generalversammlung hat der Hauptvorstand der nächsten Generalversammlung eine Vorlage über Der Vorstand die Frage der Krantenunterstüßung zu machen. hat deshalb Material in dieser Hinsicht zusammengestellt. Der Redner trug dasselbe vor und zeigte, welche Ausgaben dem Verbande durch die Einführung der Krankenunterstüßung erwachsen würden, die sich natürlich auch nur bei einer Erhöhung der Beiträge durchführen läßt. Ein weiterer sehr wichtiger Tagesordnungspunkt der Generalversammlung ist die haben. Lohn- und Tarifbewegung. Der Redner gab einen Ueberblick über die Tarifverhandlungen, welche im Frühjahr dieses Jahres stattfanden. Den Abschluß der felben bildete der Schiedsspruch der Unparteiischen, wonach Verschlechterungen der Lohn- und Arbeitsbedingungen, welche die Unternehmer beabsichtigten, nicht eintreten dürfen. Andererseits ist aber auch keine Lohnerhöhung auf der ganzen Linie erreicht worden. Die Vertreter des Verbandes stimmten dem Schiedsspruch zu, weil durch die vorherigen örtlichen Verhandlungen die Lohnfrage für 16-17 000 Mitglieder gelöst war und die noch nicht erfüllten Wünsche von 7-8000 Mitgliedern unter den gegebenen Berhält. nissen nicht mehr erfüllt werden konnten. Nachdem der Schiedsspruch angenommen war, machte sich unter den Mitgliedern in verfchiedenen Gegenden Unzufriedenheit bemerkbar. Besonders herrschte Meinungsverschiedenheit darüber, ob in Zukunft wieder sentral, oder ob örtlich verhandelt werden solle und welche Körperschaften des Verbandes an den Verhandlungen teilnehmen sollen. Mit dieser Frage wird sich die Generalversammlung au beschäftigen Die gegenwärtigen Tarife laufen im Frühjahr 1910 ab. Sollte sich die allgemeine wirtschaftliche Lage bis dahin nicht gebeffert oder gar noch verschlechtert haben, fo werden die Unternehmer versuchen, die Verschlechterungen des Tarifs, die sie bet den verfloffenen Tarifverhandlungen nicht durchdrücken konnten, Den Simmerern aufzuzwingen. Namentlich werden sie versuchen, die bei den vorigen Berhandlungen abgewehrte Bestimmung in den Tarif zu bringen, wonach die Lohnfäße des Tarifs nur für tüchtige" Zimmerer gelten sollen. Der württembergische Landesverband der Arbeitgeber ist deshalb aus dem Deutschen Arbeit. geberbund ausgetreten, weil das Wort„ tüchtig" aus dem Tarif gestrichen tourde und die Bestimmungen gegen die Agitation auf dem Bau nicht scharf genug sind. Dann haben die württemberger Unternehmer dem Deutschen Arbeitgeberbund, dem sie gar nicht mehr angehören, mitgeteilt, fie würden auf das Wort füchtig" berzichten, wenn der§ 10 des Mustertarifs gestrichen wird, welcher die Agitation auf der Arbeitsstelle während der Arbeitszeit ver= bietet und bestimmt, daß Arbeitsordnungen dem Tarif nicht wider. sprechen dürfen. Der Arbeitgeberbund ersuchte den Zimmererverband, diefem Wunsche der Württemberger zuzustimmen. Der Verband hat das aber abgelehnt mit dem Bemerten, er wünsche wohl eine andere Fassung des§ 10, die unbedingte Streichung tönne er aber nicht billigen. Die Generalversammlung wird zu entscheiden haben, ob die Tarifverhandlungen für 1910 seitens des Verbandes von derselben Körperschaft geführt werden soll, die das vorige Mal mit den unternehmern verhandelt hat. Der Zentralvorstand, die Gauleiter und der Ausschuß würden ja gern darauf verzichten, aber wenn die Verhandlungen einer anderen Körperschaft übertragen werden, so würden ihr von den Mitgliedern dieselben Vorwürfe gemacht werden, die anläßlich der verflossenen Berhandlungen erhoben worden find. Praktisch ist es, die Zahl der Verhandlungsteil nehmer nicht weiter zu erhöhen. Ueber die Zusammenseßung der Berhandlungsförperschaft unacht der Zentralvorstand eine Vor. schläge. Er überläßt diese den Zahlstellen. Darüber, daß über haupt Berträge abgeschlossen werden, wird feine Meinungsverschiebenheit bestehen. Die Tarife sind ein Mittel gegen Lohn herabsehungen in schlechten Zeiten. noren: " In Erwägung, daß ein großer Teil der Bauten in Beton ausgeführt wird und die Entwickelung im Bauwesen immer mehr die Richtung zum Betonbau einschlägt, und so ein wesentlicher Teil der heute noch üblichen Zimmererarbeit, wie Balfenlagen, Deckenwölbungen in Holz, Zäune usw. fortfällt, erklärt die Gaufonferenz, daß die Einschalarbeit als Zimmerenarbeit zu betrachten ist und daß demgemäß unsere Kameraden dieser Bauweise mehr Aufmerksamkeit schenfen, als es bisher der Fall gewesen ist. Es muß unter allen Umständen versucht werden, diese Arbeit für unseren Beruf zu sichern." In der Diskussion übe. die Tarifbewegung wurde der Wunsch ausgesprochen, den Ablauf der künftigen Verträge nicht auf dasfelbe Datum zu verlegen und nicht von zentraler Stelle aus, Schrader sondern in den einzelnen Orten zu verhandeln. fagte in seinem Schlußwort u. a.: Wenn die Verträge an demselben Datum ablaufen, so könne das nichts schaden, denn es würde sich doch nur um eine Differenz von 14 Tagen zwischen den Ablaufsterminen handeln können. Daß die Verhandlungen in den einzelnen Orten geführt werden, hätten die Zimmerer schon bei den vorigen Verhandlungen lebhaft gewünscht, aber sie hätten bei ben anderen Organisationen nicht die erforderliche Unterstützung ge= funden. Im übrigen konstatierte der Redner, daß in der Diskussion im allgemeinen Einverständnis mit der Tätigkeit der vorigen Werhandlungskörperschaft hervorgetreten sei. Welche Taktik bei den nächsten Verhandlungen eingeschlagen werden soll, das könne jetzt noch nicht festgelegt werden. Der Zentralvorstand hatte eine Resolution zur Unterstüßungsfrage und zur Tarifbewegung vorgelegt. Die Refolution wurde einstimmig angenommen. Sie lautet: Die am 27. Dezember 1908 in Berlin tagenbetonferenz dergim merer des Gaues 5 erklärt, daß der Ausbau der Arbeitslosenunter stüßung wünschenswert und die beantragte Krantenunterstügung nicht von der Hand zu weisen ft. Da aber die augenblicklichen wirtschaftlichen Verhältnisse eine wesentliche Beitragserhöhung. welche ohne Zweifel beide genannte Einrichtungen erfordern würden, nicht zweckmäßig erscheinen läßt, so beschließt die Konferenz, es bezüglich der Unterstüßungseinrichtungen im Verbande vorläufig so zu belassen, wie es bisher war. In Anbetracht aber dessen, daß die Unternehmer alles auf bieten und ganz gewaltige Anstrengungen machen, um ihre Organisation, den Arbeitgeberverband, auszubreiten und zu Stärken zu dem Zwed, die Zimmerer Deutschlands an der Ber befferung ihrer wirtschaftlichen Lage zu hindern, erklären bie sämtlichen anwesenden Delegierten, daß sie anerkennen, daß aud unfererseits alles aufgeboten werden muß, die eigene Organis fation derartig zu stärken, daß den Machtgelüften der Unternehmer eventuell ein energisches Rein" entgegengesetzt werden fann. Die Delegierten versprechen deshalb auch, in ihren Bahlstellen den letzten noch fernftehenden Zimmerer dem Verbande zuzuführen und gleichzeitig eine Beitragserhöhung, zur Führung Der bevorstehenden Stämpfe in unserem Beruf, anzuregen und dafür einzutreten. Gauleiter Knüpfer forderte in seiner Schlußrede zur regen Beteiligung aller Kameraden an der Agitation auf. Nicht nur in den Städten, sondern auch auf dem Lande müsse die Agitation entfaltet werden. Viele Kameraden feien infolge der Krise in fleine Orte verschlagen, wo die Organisation noch nicht Fuß gefaßt hat. Auch in diese Orte müffe der Gedanke der Organisation ge tragen werden. Die Krise gebe uns keinen Grund, den Mut zu verlieren. Wenn auch der Nachweis der Mitgliederzahlen einen Heinen Rüdgang aufweise, so fei das noch kein ungünstiges Beichen, denn der Rückgang der Mitgliederzahl erkläre sich daraus, daß die Arbeitslosigkeit viele Mitglieder zwang, fleine, entlegene Orte aufzusuchen, wo sie zurzeit die Fühlung mit der Organisation verloren haben. Troß der Krise habe die Organisation die InterDie Berbefferung der Arbeitslofen- und die Einführung der effen der Mitglieder mit Erfolg vertreten. In 23 Bahlstellen des tranfenunterstüßung hält der Verbandsvorstand für wünschens. Gaues feien Lohnerhöhungen erfolgt und in 40 Bahlstellen konnte wert, aber die dazu nötige Beitragserhöhung fann er zurzeit nicht der Lohn auf der bisherigen Höhe erhalten werden. Dieser Hinempfehlen. Sollten die Mitglieder aber bereit sein, die Beiträge weis könne bei der Agitation von Nugen sein. Aber nicht nur der au erhöhen, so stehe dem nichts entgegen. Was die Tariffrage Gewerkschaft, sondern auch der Sozialdemokratie müssen sich die betrifft, so muß damit gerechnet werden, daß es im Jahre 1910 zu Stameraden anschließen und für sie agitieven. Wenn wir auf geschweren Kämpfen kommen kann. Wenn wir auch noch nichts Bewerkschaftlichem und politischem Gebiet unsere Schuldigkeit tun, ftimmtes darüber wissen können, weil die geschäftliche Konjunktur fönnen wir getrost der Zukunft entgegengehen. Der Redner hierbei eine große Rolle spielt, so müssen wir doch für den etwaigen schloß die Konferenz mit einem Hoch auf den Zentralverband der Stampf gerüstet sein, der nicht nur Hunderttausende, sondern Mit gimmerer. Unsere Weinstuben werden auch in diesem Jahre are Sylvester von Nachmittag 5 Uhr an geschlossen bleiben. BERLIN W.8 M. Kempinski& Co. Leipzigerstr. 25. Lachen.. 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