Dr. 304. ItannementS'BeAiwnsni: tttünncmerus■ HrriA ptänumfranftöi BieiiPljöbtl 030 SO., monoe l.jn Mk, teimpntUd» ia Li» kci in# Haus. Ellbein» Jimnmpr 6 k!g SonmagS- minimet mtl iflufmeviet öonnmqS' BeUaqe.Slr Sieue Seit'>0 Big. Po!t- KfconnrairiN! LIO Marl pro SBonat CmgetTOjen in dir Kall. ZpinmgS- DreiPUkr twier ttrcujband'6t Dkunck'.a«» und DpliPtteid) Unoatn Z ilaii fflt da# ädrige«usland 8 Slatl Pro Monar Bolladonnemrnrs Neimen an. Belgien Dänemark, fallend ZllaNen Luremduig Bonuga� Kümlunen. KSwesen und Dir edmei� CMfloi agil»«Bf» fiicatm. 23. Jahrg. Verlinev OolKsblakl. Zentrahrgan der rozialdemohratirchcn parte» Deutfcblands. Sit liittrttens'Gtböhf fetefis« für Me lechSgelPallene flolanfl« »eile ober beten Raum GO Big., füt VolitilÄe tmb gemerllctiafillche SereinS- unb SetlammlungS-Slnjeigen SO Big. „Rlcine anzeigen". ,ba# ctle(fett« gebrückte! Wort 20 Big. lebe# tcntcre Kort 10 Big. Llellcngeluche und Schlaf- ftellen.Ln, eigen baS etile Sott 10 Big.» jede# iveuere Wart 6 Big. Sorte über lö Buchilaben zählen für zwei Sorte. gnierate füt bic nächste Nummer muffen di# S Mir nachmittag# in Der Erveizilion «tgegeben werben. Die Ervedition iV bis 7 Übt abend# geöffnet. tele etamm• itbreife: ■SMialiifgickni Btnii". fUdahtlon: 8 AI. 68, Lindcnstraasc 69. fternfprcrijrt: Amt IV. Nr. I9M3. iittleres Beamtentum und Sozialderaoltratic. Man schreibt unS: In seinem bekannten Buche„Die Reaktion in der inneren Verwaltung Preußens" schildert uns der Husumcr Bürger- Meister Dr. Lothar Schücking die Ignoranz der höheren Ver- waltungsbeainten in der sozialistischen Literatur: Marx und das Kommunistische Manifest kenne man nicht einmal dem Namen nach, Lassalle wecke keine andere Erinnerung wach, als au seine Duellastäre. Diese traurige Tatsache ist unS ja schon längst bekannt. Aus dieser Univissenheit resultiert die maiigelnde Erkenntnis von der historischen Notwendigkeit der sozialen Bewegung. Hier haben wir die Er- klärung für jenen Schreck, den die Herren beim Worte tillassenlanips empfinden, der für sie Mord und Totschlag bedeutet. Und niag ihnen auch Universitätsvrofessor Werner Eombart predigen:„Jede sozialdemokratische Wahl, aber auch jede vom proletarischen Geilte erfüllte Genossenschaft, jeder echte Gewerkverein ist eine Form des Klassenkampfes. Just wie jede agrarische Bewegung zur Hochhaltung des Kornpreises. jeder Antrag eines Handwerkerkongresses. den Befähigungs- Nachweis einzuführen, jede Petition einer Handelskammer, die Börsengcsetzgebung zu refot mieren, Klassenkampf, dreimal Klassenkampf ist." Man sorgt dafür. daß unseren öfselttlichen Funktionären nicht zum Be- wußtsein kommen kann, daß sie nichts anderes sind, als die Werkzeuge des Klassenstaates. Das ver- nichtende Urteil Sckückings über die Unwissenheit der höheren preußischen Verwaltungsbeamten in beziig auf die Mission der Arbeiterbewegung gilt mit verschwindenden Ausnahmen, wenn auch nicht im gleichen Maße, für alle akademisch gebildeten Beamten in Deutichland. Einzelne höhere Beamte freilich haben sich den allzu offeuknndigcn soziale» Tatsache» nicht völlig derichließen können, und es mag den maßgebenden Stellen nicht übel in den Ohren geklungen haben, als z. B. ein Reichs gcrichtsrat in scharfen Worten das Vorhandensein einer aus geprägten Klassenjustiz feststellte. Doch das sind Ausnahmen. Zur Erklärung für die Rückständigkeit der höheren Be amten mag nicht unerwähnt bleiben, daß der bürgerlich demokratische Rechtsanwalt Dr. Haas- Karlsruhe anläßlich eines speziellen Falles— ein badlscher Landgerichtsrat halle sich lobend über die sozialdemokratische Presse geäußert— der Ueberzeuguug Ausdruck gab, daß nur ein verschwindend Heiner Teil der Richter regelmäßig eine größere Tageszeitung von Bedeutung lese. WaS für die Richter in dieser Hinsicht gilt, gilt auch für die ihnen gleichstehenden Funktionäre. Wenden wir uns den mittleren Staatsbeamten zu Wir sind bemüht, das große Heer der mittleren und unteren Staatsbeamten für die Idee der Arbeiterbeivegung zu ge- Winnen. Zu jeder Zeit ist auch unsere Partei für die Wirtschaft liche und rechtliche Besserstellung dieser Beaniten eingetreten Bei den U n t e r beamten haben wir zahlreiche Anhänger. Das Verständnis für unsere Forderungen erklärt sich bei ihnen schon durch ihre proletarische Abstammung und Lebenshaltung. Anders bei den mittleren Beaniten. Als Kerntruppe dieser Beamtenkategorie, und nur von dieser soll hier die Rede sein. haben wir jenes Veamtenheer zu bezeichnen, deren Angehörige nach einer sechs- bis achtklassigen Mittelschulbildung(Einjährige Freiwilligen-Berechtigung bis Reife zur Prima) in den Staats dienst eintreten und nach ihrer in 10 bis 12 Jahren erfolgenden etatsmäßigen Anstellung, ein Einkommen von zirka 2000 M. bis zum Höchstgehalt von zirka 4500 M. be- ziehen. Das mittlere, subalterne Beamtentum ist die jüngste Gruppe unserer Staatsbeamten und in seinem jetzigen Zustande eine Erscheinung der neueren Zeit. Seine Eutivickelung ist in manchen Ressorts noch nicht abgeschlossen. Ein kurzer historischer Rückblick zeigt uns den Werdegang des mittleren Beamtentums. Obere und untere Staatsbeamte, also nicht lediglich persönliche Diener des Landesherrn, existieren schon seit Jahr- Hunderten. Der den Amtmannsstecken schwingende Gewalthaber. Berwaltungs- und Justizbeamter zugleich, der die Bauern anbrüllt, sie prügelt und bei schmaler Atzung ein- türmen läßt, ist der historische Vorläufer unseres höheren Beamtentums. Ebenso alt ist der militärische Schnauzbart. der in jungen Jahren den Werberwein trinkt. Handgeld nimmt. in dem von seinem geliebten Laudcsherrn wegen einer Maitresse in Szene gesetzten Feldzug ein Bein verliert und dann als Schlagwärter, Kerkermeister, Stocktüecht usw. sein reich- bewcgtesLeben beschließt. Er ist der Vorläufer des Untcrbeamten, des zivilvcrsorgungsberechtigten Militäranwärters. Diese beiden Beamtenklassen sind schon in den vormärzlichen deutschen Despotien voll entwickelt. Die„Federfuchser" kommen als be- sonderer Beamtenstand kaum in Frage, sie zählen entweder zu den wirklichen Staatsdienern oder gehören zur Kategorie der gemeinen Schreidknechte. Die Beförderung der letzteren zu Oberbeaniten ist möglich. Durch die Verwandlung in sogenannte konstitutionelle Monarchien werden die einzelnen Staaten vor neue Aufgaben gestellt, eine kompliziertere und ur.ifassendere Gesetzgebung setzt ein. die Revolutionierung des Verkehrs durch Erbauung von Eisenbahnen, die Umgestaltung des Postwescns sowie die Trennung der Justiz von der Verwaltung bedingen die Schaffung einer neuen Beamten- gruppe, deren Lausbahn sich m bestimmten Grenzen bewegt und von welcher est, Befähigungsnachweis gefordert wird.l Die„Einigung" Deutschlands, der ungeahnte Aufschwung der Industrie, der Technik, des Handels, der gesamten Volks- Wirtschaft überhaupt, die Organisation der Reichsbehörden, die Justiz- und sozialpolitische Gesetzgebung machen ein Heer neuer Beamten notwendig, und die Klasse der mittleren Beamten wird für den ganzen Staatsbetrieb von großer Be- deutung. Zwischen die höheren Beamten, bei denen eine wissenschaftliche Vorbildung vorausgesetzt wird. und die Unterbeamlen drängt sich ein neues Element, der Subalternbcamtenstand. der eine geschäftliche Vorbildung nachzuweisen hat. Die Einteilung der Gesamtbeamtenschaft in obere, mit akademischer Bildung, mittlere, mit Mittelschul- bildung und untere, mit Volksschulbildung ausgestatteten Beamten ist bereits derart durchgeführt und reglementiert, daß ein Ausrücken von der einen zur anderen Klasse, von Ausnahmen zugunsten der Militäranwärter abgesehen, völlig ausgeschlossen ist. Zu Beginn der ziemlich langen Entwickeluugßperiode, die der mittlere Beamtenstand durchgemacht hat, rekrutierte sich diese Kategorie größtenteils, wie die untere Beamtenschuft heute noch, aus Elementen rein proletarischer Herkunft. Die m der Zwischenzeit bedeutend erhöhten?lnforderungen allw Art(wie zum Beispiel die mehrjährige unentgelt- liche Dienstleistung während der Vorbcreitungszeit) und die erhebliche materielle Besserstellung hat hieritt eine Aenderung bewirkt, hauptsächlich zum Vorteil der kleinbürgerlichen Schichten. Während nun einerseits der höhere Beamte sich häufig von Berufs wegen mit sozialen Problemen zu befassen hat und hierdurch Gelegenheit erhält, die Schäden der heutigen Wirtschaftsordnung etivas eingehender kennen zu lernen und andererseits der untere Beamte sich kaum über das Niveau des geivöhnlichen Lohnarbeiters erhebt— beide also ge- nügende Veranlassung haben, den Befreiungskampf des Proletariats nicht als gleichgültige Chose zu behandeln--- ist bei dem größten Teil der mittleren Beamten schon seit Jahren eine große Verständnislosigkeit für uuiere Bewegung zu konstatieren. So bedauerlich diese Tat- fache, ist, da eS sich um Hunderttausende von Personen handelt, so erklärlich ist sie für den Kenner der Verhältnisse. Wie schon betont, ist die Zusammensetzung des mittleren Beamtenkörpers eine andere geworden. Es hat eine Ver- schiebung aus Kosten der unteren Klassen stattgefunden, wie auch bei dem großen Andränge zum höheren Staatsdienste nur noch der Wohlhabende Berücksichtigung finden kann. Dann aber ist nichts natürlicher, als daß dem dem Wirt- schafilichen Kampfe völlig fernstehenden mittleren Beamten — im Gegensatz zu dem im Erwerbsleben tätigen Arbeiter, Werkmeister, Techniker. Betriebsbeamten, Handlungs- gehilfen usw.— die Bildung eines eigenen Urteils erschwert ist, wenn er sich nicht von Berufswegen mit die Oeffeutlichkeit berührenden Fragen zu beschästigen hat. Gerade die Tätigkeit der mittleren Beamten jedoch ist, mit geringen Ausnahmen, nicht geeignet, die Einsicht in unsere wirtschaftlichen, sozialen und politischen Verhältnisse zu fördern. Hierzu kommen die dienstlichen Verhältnisse, namentlich die große Abhängigkeit der mittleren Beamten, die in Fleisch und Blut übergegangene„Disziplin", die es als geradezu ver- brecherisch erjckeinen läßt, sich überhaupt mit sozialistischer Literatur zu beschäftigen. Die vielgerühmtc Beamtendisziplin hat im Stibalterubeamtentum Formen angenommen, die dem PersönlichkeitSgedanken ins Gesicht schlagen. So z. B. schreibt die„Monatsschrift für deutsche Beamte" in einem mit„Gehör sam--- Unterwürfigkeit" betitelten Aufsätze: „Mehr noch als in der Form des AuordnenS wird hinsichtlich des Matzes der verlangten Unterordnung ge- fehlt. Die Schuld hieran tragen weniger die Vorgesetzten als die Untergebenen, die die Subordination aus selbstsüchtigen Zwecken vielfach bis zur entwürdigenden Devotion treiben. Da- durch wird bei den Vorgesetzten eine Gewöhnung erzielt. die schlietzl-ch zu einer Verwechselung von Subordination und Devotion führt. Jeden anständigen Mann wird ein knechtischer und aufdringlich liebedienerischer Untergebener absiotzen, aber das geschmeidige. biegsame schon m den äutzeren Formen die Unterordnung betonende Wesen eines Unter- gebencn umschmeichelt angenehm die Sinne auch des vornehm denkenden Mannes, leicht und willig läßt er sich durch die Form übet die Qualität täuschen und zieht den geschmeidigen linier- S ebenen dem zwar Tüchtigeren, aber nicht über ein gleiches Matz itterwürfigkeit verfügenden Untergebenen vor. Welche Mätzchen, die gar nichts mit der Sache zu tun haben, kann man im Verkehr zwischen Borgesetzten und Untergebenen beobachten. Da ficht man, wie der Untergebene, wenn er einen höheren Vorgesetzten in den vureauräumen, auf breiter Treppe oder breitem Hausflur begegnet, wo reichlich zwei Menschen neben- einander Platz haben, sich unterwürfig an die Wand drückt und diese mit dem Aermel sireisend an dem Vorgesetzten vorbei- schleicht. Man wird sagen. da5 sei outriert, dies und ähnliches feien die Ausnahme, aber man braucht nur für diele Dinge den Blick zu schärfen und man wird manches bei allen Beamten- kategorien sehen. WaS einem unwürdig erscheint. Damit wäre schon viel gewonnen. Heute erweckt der, welcher fich willig und würdig unterordnet, dem ab« alle Unterwürfigteusmätzchen „wider die Natur' find, bei vielen noch leicht den Eindruck der Unbotmätzigkeil". In dieser Atmosphäre kann sich keine freiheitliche Gesinnung entwickeln, sie wird im Keime erstickt. Ferner ist zu bedenken. daß das Studium des wisscuschastlichen Sozialismus ernstes Streben voraussetzt und andere Anforderungen stellt als die Lektüre des amtlichen Kreisblattes. Jeder Mensch ist das Produkt seines MilieuS. Dieser Satz gilt auch für die mittleren Staatsbeamten. 6xp"°Mcycr. Wie manche? andere Partei- blatt, war auch die„Mecklenburger Volkszeit ung" von Bernhard Meyer in Leipzig wegen„Feierabend"- Beleidigung ver- klagt worden. Am 3. August 1996 ging dem Genossen Kühn die Anklageschrift zu. Einige Tage daraus mußte K. eine zweimonat- licbc Gefängnisstrafe antreten; er schrieb deshalb dem Gericht. eS möchte den Termin, der am 25. August 1996 stattfinden sollte, aus spätere Zeit verlegen. Zugleich teilte er dem Gericht mit. daß er Herrn Meyer gar nicht„beleidigt" habe, da die Kritik an MeyerS„Feierabend"- Bersicherimg durchaus iocblich und zutreffend gewesen sei; den Beweis dafür würde er erbringen und er bitte das Gericht, inzwischen die gegen alle gute Sitte verstoßenden Meherschen Versicherung s- bedingungen sowie mehrere bereits erledigte Privatklageaklen in Sachen Meyer von anderen Gerichten einzufordern. Das Rostocker Gericht vertagte denn auch den Termin und bemiihle sich ver- geblich, die Versieberungsbedingungen bei B. Meyer in Leipzig und bei zwei anderen Stellen die Prozeßakten zu erhalten. Die Sache ist jetzt zur Verjährung gekon,men. da mehr als sechs Monate hingegangen sind. daß das Gericht etwa? mit der Meherschen'Privatklage anfangen konnte; denn Herr Meyer ließ nicht das gering st e von sich hören! War ihm die Sache zu faul geworden, nachdem ihn da« Gericht aufgefordert batte, die berühmte» Bersicherungsbediiig, ingen einzu- rcidicn?•— Die„Feierabe»!)"-Adonlie»ten können der sozialdemo- kratiscken Presse immerhin dankbar sein, daß Klarheit über diese Art„Versicheriingssürsorgc" geschaffen ist, deren Treiben da» Licht der Oeffenllichkeit zu scheuen hat. Soziales» Bon der Westdeutschen Binnenschiffahrt. Der Bericht dieser Berussgenossenschaft erwähnt alö wichtigstes Ereignis des abgelnuiene» GesaiäitSjahreS: den Abschluß eines Ver- trogeS zwischen Deuischland und den Niederlanden über Unfallversicherung. Der am 1. Januar l90S in Kraft getretene Vertrag bestimmt, daß Betriebe, die ihren Sitz in den Niederlanden haben, deren Aetrieböläiigkcit jedoch nach'Deutswland übergreift und umgekehrt, Mitglied der zuständigen Berufsgenosseiischafl werden müssen. DaS ist geiviß ein Fortschritt, aus den man aber bei dem KurS tn Deutschland mehr als zwei Jahrzehnte warten mußte. Weitere Verhandlungen finden jetzt auch mit Belgien und Ungarn statt. Klagen wurden auch über mangelhafte Betriebs- einrichtnngen dcs Winterhafens in Ludwigs Hafen geführt. Die Lohnbücher sind nunmehr an alle Betriebe aus- gegeben. Der Bericht bemerkt jedoch;„ES ist nicht zu verkennen, daß man in den Kreilen der kleinen Wetriebslliiteriiehiuer der sorgsamen und regelmäßigen Führung der Lohnbücher sehr ab- geneigt i st." Und die„Großen" machen dasselbe I Die Zahl der versicherten Betriebe ist von 3527 aus 8633 gestiegen, die Zahl der Vollarbeiter von 17 726 aus 18 951. Der DurchichnittSIohn eines Vollarbeiters betrug im Jahre 1996: 1983 M.. im Jahre 1997: 1161 M. Unfälle wurden tll? gemeldet, gegen 1131 im Vorjahre. Entschädigt wurden 276 Unfälle, darunter allein: 69 Todesfälle. Der Bericht führt ein nament- licheS Verzeichnis der Verletzten, die Art der Beschäftigimg, Tag und Ort deS Unfalls, Art der Verletzung, sowie Ursache deS Unfalls. Den„Genossenichafilern" wird dieie Aufstellung zur„genauen Durchsicht empfohlen". DaS wird aber keiner iu» I Der technische Auisichtsbeamte der Berlissgenosleuichost hatte 633 Betriebe, reip. Schiffe besichtigt und dabei 2 87 Mängel vor- gesunden. Der Beamte klagt, daß es die Unternehmer ost an der nötigen Vorsicht fehlen lassen._ „Rentcrciscnde!", Vom Kampf um die Rente, den die im Dienste de» Kapitals Verunglückten, die das Augenlicht oder Gliedmahe» i» Werkstatt oder Fabrik verloren haben oder ionst durch Unfall Geschädigte, oder die Hinlerbliebeuen durch Unfall Getöteter führen müssen, haben höchstens die Leser von Arbeiterzeitungen Kenntnis. ES mangelt durchaus nickt an Fällen, die den tatsächlichen Kamps um die Rente illustrieren. Die bürgerliche Presse befaßt sich nicht mit der Wiedergabe von solchen, die HniidlniigSweise der BeruiS« genossenschaften kennzeichnenden Berichten über Schiedsgerichts- Verhandlungen. Sie bringt mir die großen Ziffern, die von der AiiSzahliing der Renten in einem oder in zehn Jabrcn oder sei» Einführung der verschiedenen VcisichcrungSzweige erzählen, um den Anschein zu erwecken, als wenn viel oder gar zu viel in bezug aus soziale Fürsorge f ü r d i e A r b e i t e r g e t a n würde. Jedenfalls ist dieie Ausfasiung in weiten Kreisen vertreten. In der Straffache gegen den Redakteur Johann Hermann Adoli Weber aus Berlin, zurzeit im Slrafgefäiignisse in Tegel in Gtrafhaft, geboren am 3. Juni 1874 zu Berlin. Diifident. wegen Beleidigung, hat die 4. Straikammer des köuigl. Landgerichts 1 in Bertin am 23. Juni lSt)S für Recht erkannt: Der Angeklagte wird wegen öffentlicher Beleidigung zu einer Gefängnisstrafe von einem Monat und in die Kosten des Verfahrens verurteilt. Dem Bürgermeister von Hamborn wird die Befugnis zuge- sprachen, die Verurteilung des Angeklagten wegen öffentlicher Be- lcidigung des Bürgermeisters und der übrigen Polizeibeamren der Gemeinde Hamborn durch einmalige Einrnckung der Urteilsformel in den„Vorwärts" und in die„DuiSburg-Ruhrorter Zeitung" binnen vier Wocken noch Zustellung deS rechtskräsligen Urteils auf Kosten des Angeklagten öffentlich bekanntzumachen. Die Balkankrise. Eine österreichische Note. Die österreichische Negierung hat am 23. Dezember den Mächten estlc Note mit Beilagen übermittelt, die den Schriftwechsel zwischen Oesterreich und Rußland über die Äonferenzfrage enthalten. Es geht daraus hervor, daß die zwischen den Kabinetten von Wien und Petersburg über das Balkankonferenzprogramm geführten Verhandlungen vor kurzem zu einem vorläufigen Abschluß ge- langt sind. Der russische Minister des Aeußercn I S w o l s k i hat dem Standpunkte Oesterrcich-UngarnS zugestimmt, daß dem Zu- sammentritt der Ltonserenz Verhandlungen zwischen den Mächten voranzugehen hätten, durch die dt« Tätigkeit der Konferenz nach allgemeiner Ucbereinstimmung präzisiert wird. In Verfolg deS Schriftwechsels hat die ruistsche Regierung schließlich eingewilligt, in den vorher bekämpften österreichisch-unga- rischen Vorschlag den Gedankenaustausch unter den Mächten auch auf das Wesen der Programmpunkte auszudehnen und auf diese Weise zu Formeln zu gelangen, die die Diskussion der Konferenz in genau umschriebenen Grenzen halten. Oesterreich will dadurch erreichen, daß auf der Konferenz die Annexion Bosniens nicht mehr in Frage gestellt werden kam». Italien. Notlage iu Apulieu. Rom, 26. Dezember.(Eig. Ber.) Genosse Trematore teilt im„Avanti" mit. daß die durch die Arbeitslosigkeit unter den, Land- Volke verursachte Notlage in Apulien zu den allerschwersten Befürch« tunge» Anlaß gäbe. Die Partei« und GewerkschaftSorganisation müsse jede Verantwortung für die weiteren Er- eignisse ablehnen: der Hunger hat die Arbeitslosen zum äußerste» gebracht, so daß die Organisation kaum noch irgend etwas über die Verzweifelnden vermöchte. Von Seiten der Regierung sei alles geschehen, um die sofortige Inangriffnahme großer öffentlicher Arbeiten zu ermöglichen, aber die Subiniisionsunternehmer begönnen trotzdem die Arbeiten noch nicht, weil sie im Winter bei schlechtem Wetter und schlechten Wegen teurer sind als im Frühjahre. Um Verzweiflungsausbrüche von unermeßlicher Tragweite zu verhüten. müsse die Regierimg nicht neues Militär nach Apulien senden, sondern ausreichende Gelduuterstützungen. In der Folge müsse man nach Mitteln suchen, um die Unternehmer zum Beginn der Arbeiten zu zwingen. Schweiz. Ter Schlusi der Bundesversammlung. Bern, 26. Dezember.(Eigener Bericht.) Die VundeSver. sammlung ist»ach vierzehntägiger Sessionödauer wieder in die Ferien gegangen, um am 15. März zur Frühjahrssession zusammen- zukommen. Die Hauptgeschäfte der letzten Sessionswoche Ivaren das Bundesbudget pro 1999 und der Mehlkonflikt mit Deutschlano. Das Bundcsbudgct ficht bei 149 Millionen Franke» Ein. nahmen und 154,4 Millionen Franken Ausgaben ein Defizit von VL3 Millionen vor. Bon den Ausaaben entfallen 49.19 Millionen BBIe schwer es aber mitunter— und diese FSlle sind durchaus nicht selten— ist. dah Uiiiollverletzte oder Hinteibltebene von durch Unfall umS Leben Gelommenen zu ihrem Rechte gelangen, wird treffend durch folgende zwei f�älle illustriert, die vor dem Schiedsgericht für Arbeiterverficherung in Chemnitz spielten. 1. Beim Leilerbeden hatte sich ein Maurer im Mai und Juli tt)07 innere Verletzungen zugezogen Diese äußerten sich durch Blutspucken und bedingten in der Folgezeit völlige Erwerbsunfähige keil des Verletzten. Die Baugewelisbernfsgenossenfchaft weigerte sich. Rente zu gewähren. Sie bestritt, daß Unfallsfolgen vorlagen und wurde darin unlerstützr durch von ihr beigezogene ärztliche Gutachten, in denen der Rentcansprecher als Hyiterikcr, S i m u- laut und Rentereisender(!> bezeichnet wurde. Zum Schaden an seiner Gesundheit ivurde also von den ärztlichen Sachverständigen auch nochHohn und Belcidi- gung gefügt. Durch ein vom Schiedsgericht eingeholtes Gut- achten wurde dem Unfallverletzten Ende l9ü3 sein Recht. Die BerufSgenossen'chast wurde verurteilt, dem Renleanfprechsr von der 14. Woche an die V o l l r e n t e, und vom 1. Februar 1L08 an noch bis 14. März eine Iv prozentige Teilrente zu ge- währen. 2 Gegen dieselbe Berufsgenossenschasl Nagte die Witwe eine? Arbeiters, der an Blutvergifiung grslorben war, die er sich durch Reißen an einem verrosiele» Nagel bei der Arbeit zugezogen harte. Hier wurde von der B> rufSgeiio>se»schafl der Unfall überhaupt und der Zusamineuhang mit dem Tod beslriiten und abgelehnt. Sterbe- geld und Hinterbliebenenrente zu bezahlen Äui Grund eines vom Schiedsgeiicht beigezogenen Obergutachlens wurde schließlich auch hier die Berufsgenossenschaft verurteilt, die sich in beiden Fällen das Materia! zur Äbiveisung der erhobene» Rentenansprüche hatte so viel kosten laijen._ Ein gemütlicher Arbeitgeber. Der Klempnermeister Karl Schäker, Lützow- stra ße 84. ersucht uns um Feststellung, daß er mit dem Beklagten, dessen Verhalten unser Geioerbegerichtsbencht in Nr. 802 schildert, nicht rdentisch ist. Wir kommen diesem berechtigten Wunsche gern nach._ Gcwcrkrcbaftllcbce. Ein Jubiläum des Holzarbeiter-VerbandeS. Die letzte Nummer der„Holzarbeiter-Zeitung' erschien«IS Festnummer. Am 27. Dezember waren es nämlich 2b Jahre, daß der Deutsche Tischler-Verband gegründet wurde, der im Jahre 1893 in den Deutschen Holzarbeitervcrband aufging. Die Gründung des Deutschen TischlcrverbandeS fällt in die erste Hälfte der Geltungsdauer oeS Sozialistengesetzes. DcS im Jahre 1878 eingeführte Sozialistengesetz hatte nicht nur die poli» tischen Organisationen der Arbeiter, sondern auch die Gcwcrk- schastcn himveggesegt. Zu den Opfern des Ausnahmegesetzes ge- hörte mich die Organisation der Tischler, der Tischlerbuno. Es war ein gewisses Wagnis, als der Tischlcrkongreß in Mainz zu Weihnachten 1883 die Gründung einer Zentralorganisation beschloß. Die Anregung zur Schaffung der Organisation ging von Stuttgart aus. Die dortigen Möbel fabrikanten hatten im Sommer des Jahres 1883 ihre Arbeiter ausgesperrt. Dieser Geivaltakt übte eine von den Herren nicht erwartete Wirkung aus. Das Solidari- tätsgefühl der Kollegenschaft in den verschiedensten Teilen des Reiches wurde mächtig angeregt; die veranstalteten Sammlungen zur Unterstützung der Ausgesperrten lieferten ein so reiches Er- gebnis, daß es den Ausgesperrten möglich wurde, als Sieger aus dem Kampfe hervorzugehen. Das brutale Vorgehen der Stutt- garter Unternehmer hatte aber noch weitere Folgen. Man sagte sich, daß in die gleiche Lage wie die Stuttgarter Schreiner sehr leicht auch die Kollegen in anderen Orten geraten können; welcher Vorteil, wenn eine engere Verbindung unter den Fachvereinen, die jetzt für den augenblicklichen Zweck erst geschaffen werden mußte, dann bereits vorhanden war. Diesem, in weiteren Kreisen vor- handenen Wunsch nach Schaffung einer Zeniralorganisation der Tischler gab der damalige Vorsitzende des Stuttgarter Schreiner. fachvereins Karl Kloß den richtigen Ausdruck. Er beries aus den 8. Oktober 1883 eine Konferenz von Vertrauensmännern der Tischler nach Frankfurt a. M. Hier kam man überein. einen deutschen Tischlerkongreß abzuhalten, der am 27. Dezember 1883 in Mainz zusammentrat. Der Kongreß beschloß,«ine Zentral- Organisation zu schaffen, welche unter dem Namen„Zentralverband der Vereine der Tischler(Schreiner) und verwandten VerusZ- genossen Deutschlands" sofort ins Leben trat. Zum besoldeten Vor- sitzenden der Organisation mit einem Monatsgehalt von 120 M. wurde Kloß gewählt. Am Schluß deS ersten Geschäftsjahres gehörten der Organi- saiion 52 Vereine mit 4152 Mitgliedern an. In den folgenden Jahren hatte der Verband mit mancherlei Sckwierigkeiten zu kämpfen die seinen Fortschritt hemmten. Eine Besserung trat erst ein, alz im Jahre 1886 auf dem Verbandstag zu Gotha eine straffere Zentralisation geschaffen wurde; auS dem Verband von Vereinen wurde der„Deutsche Tischlerverband". Am Schluß des Jahres 1887 zählte der Verband bereits 86 Zahlstellen mit 6613 Mitgliedern und in den folgenden Jahren war eine ständige Zu- nähme sowohl der Zahlstellen als auch der Mitglieder zu ver- zeichnen. Ende 1889 war der Verband aus 16 436 Mitglieder in 127 Zahlstellen angewachsen. Als der Verbandstag in Hannover am 36. Dezember 1896 zu- sammentrat. war kurz zuvor das Sozialistengesetz aufgehoben worden. Es herrschte ein reges gewerkschaftliches Leben und die Organisationsfrage!! wurden lebhaft diskutiert. Aus dem Ver- bandStag und dem ihm voraufgegangenen Tischlcrkongreß wurde der Zusammenschluß der verschiedenen Verbände in der Holz- Industrie angeregt und der Vorstand beaustragt, die hierzu crforder- licken Borbereitungen zu treffen. Eine Folge dieser Verhandlungen war die Einberufung des Holzarbciterkongreffes. der am 3. April 1893 in Kassel zusammentrat und die Gründung des Deutschen Holzarbeiterverbandes beschloß. Tie neue Organisation nahm am 1. Juli 1892 ihre Tätigkeit mit 22 745 Mitgliedern auf, darunter 19 460, die ihr der Tischlerverband zu- geführt hatte. Was für eine glückliche EntWickelung der Holzarbeiterverband seither genommen hat, ist der Arbeiterschaft bekannt,___ Berlin und Umgegend, Mißstände in der Berliner Konfeltion. Wohl noch nie Haft? die Berliner Herrenkonfektion so schlecht zu tun als in diesem Jahre. Diese Umstände hatten nun manchem Unternehmer Veranlassung gegeben, den ungünstigen Geschäfts- gang in der Weise auszunutzen, daß der Konsument sowohl als der Arbeiter hierbei der leiotragende Teil sind. Es ist eine ausfallende Erscheinung, daß in den großen Kon- fektionShäusern. die für bedeutend« Firmen am hiesigen Platze ardeilen, fast gai keine Arbeiten mehr in der Preislage der besseren Serien hergestellt werden Zwei große Koiifclttonsfirmen. eine am Moltenmarkt, welche mit einem ganz exklusiven Hause am Werder- sehen Markt uno eine bedeutende Firma in der Wallstraße, welche mit einem vornehmen Hause in der Breite Straße in Verbindung stehen, haben in der letzten Zeit wiederholt die Arbeiter in dieser Hinsicht in Verwunderung versetzt. In diesen Häusern machte sich Verantw. Redakteur: Hans Weber, Berlw, Inseratenteil perantw.; der angeblich seh? geringe Absatz in besseren Preislagen in bs« sonders scharfer Weise bemerkbar. An und für sich würoen die Ar- bester sich nock? einreden lassen, daß der Umsatz in besseren Artikeln erheblich nachgelassen hat, wenn nicht in den billigeren Serien ganz besondere Ausorderungen an die Arbeiter gestellt würden. So n achte man die Beobachtung, caß mit dem angeblichen Sinken des Umsatzes in den Mieren Preislagen für die billigeren Serien be- sondere Arbeiten verlangt wurden, tvelche man früher in diesen Serien nicht verlangte. Diese Tatsache, in Ver- llindung mit den Berichten des„Confeciionair", daß die Umsätze in 0er besseren Konsektion zufriedenstellend, seien, Wöhrend die billige Konfektion durchweg geringe Absätze erziele, bestätigt die Ansicht, daß der Prositausfall durch die Verschiebung der besseren Sachen in niedrigere Serien wieder herein geholt werden soll. Vielfach befinden sich die Konsumenten in dem Glauben, wenn sie einen Anzug für 86—166 M. kaufen, daß sie dafür natürlich einen Maßanzug erhalten. Das ist aber nur insoweit richtig, als dem Kunden möglichst feierlich Maß genommen wird, während die Anfertigung nicht, wie der Kunde glaubt, vom Maßschneider, sondern in einem der großen Konfeklionshäuser erfolgt. Dabei entstehen Unterschiede in den Löhnen für die Arbeiter in Höhe von 16— 26 M. bei einem Anzug oder Paletot. Aber selbst bei diesen Arbeiten, bei denen schon so erbeblich an Löhnen gespart wird, erfolgen in der Konfekrion nock) Verschiebungen in billigere Serien. In solchen Fällen stellt sich daö Lohnvcrhältnis bei einem Sakkoanzug folgender- maßen: Sacra Weste Hoi« Maßschneider... 15.56 M. 4.56 M. 5 M. Konseltioiisschneider 6 56—7. 1.75. 2» Differenz 8 50— 9 M. 2,75 M. 8 M. Zusammen 14,25—14,75 M. Nun entstehen aber noch weitere Differenzen, wenn besondere Nebenarbeiten verlangt tverden. gewöhnlich in Höhe von 2,55 R.. zu 14,75 M. ergibt 17,30 M. Um diesen Praktiken zu steuern, hat der Verband der Schneider seit Jahren die Jorvcrnug nach Betricbswcrkstätten und Zeillöhnen erhoben Bei einigen Firmen sind auch diese Forderungen zur Einführung gelangt, womit erwiesen ist. daß deren Durchführung durchaus möglich ist. Andere Firmen sträuben sich dagegen oder versuchen, diese Bedingungen zu umgehen. Die Firma Ph. Fabisch hatte vereinbart, mit Eröffnung der Werkstätte keine„billigen" Sachen mehr außer dem Hause anfertigen zu lassen. Der Verband der Schneider konnte aber feststellen, daß bei Ph. Fabisch der Lobn- tarif in sebr vielen Fällen keine Anwendung findet. Die Uebel- stände, welche Stücklohn und namentlich die Hausindustrie in der Konfektion zur Folge haben, sind ja allgemein bekannt Es bleibt zu wünschen, daß der Perband der Schneider bei Bekämpfung dieser Mißstände reckt erfolgreich sein möchte. Ocotfches Reich. Die im Deutschen Holzarbeitcrverband organisterten Korkarbeiter hatten, einer Einladung des VerdandsvorstandeS folgend, ihre Ver, treter zu einer Beratung über die speziellen Angelegenheiten ihrer Branche nach Berlin entsandt. Vertreten waren die Orte: Biete- feld. Braunschweig, Areslau. Delmenhorst, Frankfurt a. M., Ham- bürg, Hannover. Magdeburg und Raschau.... Aus der Schilderung der Delegierten mag als Monders bemerkenswert hervorgehaben werden, daß in der Korkiniustrie ge. waltige Veränderungen infolge der allgemeinen und speziellen tcch- niscken und maschinellen Entwickelung zu oerzeichnen sind, wodurch naturlich auch die Lage der in diesem wenig bekannten Industrie- zweig beschäftigten Arbeiter stark beeinflußt worden ist. Während früher die Handarbeit vorherrschend war, ist diese jetzt nach ver- hältnismäßig kurzer Zeit zum großen Teil durch dir Moschrne ver- drängt worden. Die moderne Maschinentechnik ist sogar soweit vorgeschritten, daß sie die den Korkarbeitern in ihrem Kampfe zur Verbesserung ihrer Lage so sehr drückende Heimarbeit zu verdrängen droht. Das; unter biefen Umständen, wo selbst die billigen und willigen Heimarbeiter bei übermäßig langer Arbeitszeit� den Unter- nehmern nicht mehr genügen, die in den Fabriten beschäftigten Ar- Heiter einen äußerst schweren Stand haben, ist einleuchtend. Die Delegierten sprachen sich einmütig dahin aus, daß eS trotz dieser ungünstigen Verhälinisse gelingen werde, die Lage der Kork- arbeitet mit Hilfe der Organisation zu verbessern. Beschlossen wurde, um die speziellen Verhältnisse der Branche im Holzarbeiterverband besser berücksichtigen und die Agitation systematisch betreiben zu können, eine Zentralkommission der Kort- arbeitet, tvelche ihren Sitz in Hamburg haben soll, zu gründen. Dieser Kommission soll es auch obliegen, einen ZentralarbeitSnach- weis der Korkarbeiter zu unterhalten. Seitens des Verbandsvorstandeö konnte die Tatsache konstatiert lverden, daß seit dem Uebertritt des früheren KArkarbeiterverbandeS zum Holzarbeiterverband sich die Zahl der organisierten Kork- arbeitet vervierfacht habe und somit die Gewähr gegeben sei, daß cS den Korkarbeitern bei eifriger Agitation auch gelingen werde, dem Verband immer mehr Mitglieder zuzuführen und damit die sichere Grundlage zur Verbesserung der traurigen Lage der Kork- arbviter zu schaffen; welche Ansicht übrigens auch bestätigt wird durch die von den Korkarbeitcrn errungenen Verbesserungen in den Orten, wo ein Eingreisen seitens der Organisation bisher schon möglich gewesen ist._ Die Former der Finita Erselius in Luckenwalde sind wegen Abzüge von 25—56 Proz. im Streik getreten. In der„Ber- liner Morgenpost" werden Former gesucht. Die sich meldenden Former werden vom Arbeitsnachweis der Gelben in der Chaussee- straße nach Luckenwalde für die Firma Erselius vermittelt. ES wird allerdings dabei verschwiegen, daß Differenzen vorliegen. Von dem gelben Vermittler wird, wie uns von einem nach hier ver- mittelten Former mitgeteilt wird, ein Preisverzeichnis vorgelegt, nach welchem die Former bei Erselius entlohnt werden sollen. Die Preise sind erheblich höher, alS die im Ausstand befindlichen Former bekommen sollten. So sollen nach der den Gelben Übermittelten Akkordliste bei einzelnen Arbeiten 2 M. pro 166 Kilo mehr gezahlt werden, als die Former bisher erhalten haben. Bei den übrigen Arbeiten sind die den Formern gemachten Abzüge von 25—56 Proz. nicht verzeichnet. Es ist unverständlich, daß Herr Erselius bei der Verhandlung erklärte, die Abzüge nicht zurücknehmen zu können, und jetzt den Gelben noch höhere Preise anbietet, alt seine alten Former bekommen haben. Das Ganze kann nur als ein Manöver betrachtet werden, und ersuchen wir die Kollegen, den Zuzug von Luckenwalde fernzuhalten und nicht auf die Leimruten der Gelben zu gehen._ Die Beendigung des Streiks im Stredelwerk. Mannheim, 26. Dezember.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Die Arbeiter nehmen die Arbeit wieder auf zu den Bedingungen. wie sie die Fabrik stellte. Es haben sich bis jetzt über hundert von ihnen zum Arbeitsantritt gemeldet. Die Krise in München. München, 26. Dezember.(Privatdepesche deS„Vorwärts".) Die heute in München vorgenommene Arbeitsloscnzählung ergab folgendes Resultat: Insgesamt wurden 3662 Arbeitslose fest- gestellt, darunter 696 weibliche. Verheiratet waren unter diesen Arbeitslosen 3639 mit zusammen 6712 Kindern, ledig waren 4373 und organisierl waren insgesamt 5383. Die Zählung erfolgte in 26 Lokalen. Der Münchencr Magistrat hatte zu diesem Zweck die Schulsälc zur Verfügung gestellt. Da jeder Arbeitslose eine Legiti- mation der Polizeibehörde beibringen mußte, bleibt die Zahl der festgestellten jedenfalls weit hinter den tatsächlich vorhandenen Ar- beitSlosen zurück. Die städtischen Kollegieii werden nicht umhin können, in der nächsten Sitzung, die am Donnerstag stattfindet, energische Maßregeln zur Abhilje der Aröeitswsigteit zu treffen. DH.Glpcke.Berlin, Druck». Verlog: Vorwärts Buckdr, u,Bkrlag»gnstM Dir Bewegung der Mduchenrr Braneniardettre. Gestern fanden in München vor dem Gewcrbegericht die Pev« Handlungen der Bcmierciarbciter mit den Arbeitgtbcrn statt. Am Anfang stellte der Syndikus der Arbeitgeber, Rechtsanwalt Meyer, Mi Antrag, die Verlzandlungeu unter Ausschluß der Oeftent'ichke.t mit Einschluß der Presse stattfinden zu lassen. Die Arbeiter stimmten diesem Antrag unter Protest zu. weil die Arbeitgeber erklärt hatten, daß die Verhandlungen nicht fortgesetzt werden könnten, sobald die Arbeiter diesem Antrag nicht zustimmten, da sie an einen Beschluß sämtlicher Arbeitgeber gebunden seien. Die Verhandlungen sind noch im Gange. vie erdbebcnSafastrojche in Süd-ftalien. Noch immer läßt sich die ganze Größe des entsetzlichen Un. glucks, daß in Italien tausenve Menschenleben vernimm har. in ihren Einzelheiten nicht übersehen. Fortdauernd lauten aus den verschiedensten Städten des sonnigen Südens Nachrichten ein, die weitere Verheerungen melden. Mit jeder neuen Depesche ver- größert sich die Zahl der bei der Erdbebenkatastrophe um? Leben Gekommenen. Von den nachträglich eingelaufenen Meldungen (s. auch den Artikel in der 2. Beilage) geben wir noch die folgenden: Rom, 29. Dezember. Der Abgeordnete Defel ice sandte aus Messina an den Ministerpräsidenten Giolitti eine Depesche folgenden Inhalts- Messma ist vollständig zerstört, die Opfer zählen nach Zelmlansrnden. Tie Feuersdrunft vollendet daS Werl der Zcr» stölung. Defelice schließt mit der Bitte um Hilfe bei diesem namenlosen Unglück. Catania, 29. Dezember. Wie ein auS Messina hiqr ein. gctroffenei verwundeter Soldat erzählt, sah man in Messma nach der Katastrophe überall in den Straßen kaum beneidete, schrecklich verstümmelte Leichen liegen, überall hörte man TtöHueu und Hilferufe. Catania, 29. Dezember. Hier trafen noch weitere Züge mit Flüchtlingen und Verwundeten ein, die fast von allem entblößt und durch die Katastrophe vollkommen außer Fassung gebracht sind. Sie wiederholen immer die wenigen Worte: Messiuo ist zerstört. Es wird bestätigt, daß das Rathaus, die Kathedrale, die Kasernen eingestürzt sind. In der Kaserne der Zollwachen blieben von 266 Mann nur 41 unverletzt. Am Bahnhos wurde ein Appell abgehalten, bei dem sich von 286 Angestellten nur acht zur Stelle meldeten. Nachrichten aus der Provinz bestätigen, daß das Erdbeben alle Ortschaften verwüstet habe. In R i p o st o wurden 1? Personen getötet; in A l i stürzten mehrere Hänser ein» wobei zahlreiche Personen getötet oder verwundet wurden. Palermo, 29. Dezember. Reisende, welche die Meerenge durch» fahren haben, berichten von schrecklichen Szenen. Die Katastrophe spotte jeder Beschreibung. Reggio, Sau Giovanni. Scilla, Cannitello und andere Ortschaften seien nur noch Trümmerhaufen. Eine große Anzahl von Leichen befinde sich unter den Trümmern. Das Gerücht vom Tode des früheren Unterstaatösekretärs Fulci ent- behrt der Begründung. Der englische Dampfer Ebro ist hier eingetroffen und hatte 16 Verwundete an Bord, unter denen sich der englische Konsul in Mcssina, Gaswn, befindet, dessen Frau tot ist, während seine Tochter unverletzt blieb. Der Konsul gibt er- schreckende Schilderungen von der Katastrophe. Latanzaro, 29. Dezember. Hier eingelrosfene Fküchtlinye mi9 Reggio teilen mit, daß der untere Teil der Stadt verschwunden ist, die Kirchen, die Kaserne, das Gebäude der Polizeipräfcttnr sind eingestürzt. Von Reggio aus sieht man dir Ruinen Messina» in Flammen stehen. (latanzaro, 29. Dezember. Wie verlautet, liegl der Präjekt von Reggio tot-imter den Trümmern. Wie ein Reisender er» zählt, ist die Hälfte der Stadt Bagnara zerstört. In Palmi find etwa 266 Personen umgelommcu. Rom, 29. Dezember. Der Bürgermeister der Gemeinde S e mi n a r a(Reggio di Calabria) hat der Regierung tele- graphiert. da st der Ort vollständig zerstört ist und aus den Trümmern schon hundert Leichen geborgen wurden. Palermo, 26. Dezember. Hier eingegangenen Nachrichten zu- folge haben durch das Erdbeben die Meerenge v»n Messina und die Küste Berändrrungen erlitten. Die Hilfsaktion. Palermo. 29. Dezember. Die hiesigen Acrzie haben ein Hilfs» lomitee gebildet und werden ein HospitalschiffanSrüsten. um den Opfern in Messina Hilfe zu bringen. Eine Abteilung deS Roten Kreuzes ist nach Mcssina abgegangen. Der Chef deS General- stabeS der Division von Messina hat telegraphisch in Catania an» gefragt, ob Catania in der Lage sei. die Bevölke. rnng von Messina aufzunehmen» da die» voll- ständig zerstört sei. Paris. 29. Dezember. Die französische Regierung wird zwei Panzerschiffe und drei Torpedojäger nach Messina entsenden. Malta, 29. Dezember. Die englischen Kriegsschiffe Exmouth, Euryalus. Minerva und Sutleh sind zur Hilseleistuag nach Messina in See gegangen. Rom, 29. Dezember. Der König hat für die Opfer deS Erb- bebens 266 666 Lire gespendet. Die Festlichkeiten, die am Hofe aus Anlaß des Jahreswechsels in Aussicht genommen waren, sind abgesagt worden._ Letzte Nacbricbtcn und Vepekden. Beigelegter Konflikt. Frankfurt o. M.» 29. Dezember.(Privatdepesche deS„Bor- wärtS".) Zwischen den deutschen Versicherungsgesellschaften und der Vertretung der deutschen Acrzte ist Frieden geschlossen worden. ES ist ein Vertrag vereinbart, der bis 1918 Gllltigteit haben soll und eine Erhöhung der ärztlichen Honorarsätze vorsieht. Verteuerte veberfahrt. Berlin, LS. Dezember.(SS. T. 93.) Die Hamburg-Amerika» Linie-Hamburg, der Norddeutsche Lloyd-Bremen, die Holland- Amerika-Linie-Rotterdam und die Red-Star-Linc-Antwerpen haben die ZwischendeckSratea nach Nordamerika um durchschnittlich 36 M. erhöht._ Die Kälte. Karlsruhe, 26. Dezember.(B. H.) Am 2. WeihnachtSfciertage fand man zwischen Eggerten und Scheideck bei Wolldach im Ober» land den 19jährigrn Fritz Grestiin erfroren auf. Kiel. 29. Dezember.(B. H.) Infolge des starken Frostes ist der Kaiier-Wilhelm-Kaual mit einer so starten Eisdecke überzogen, daß der Verkehr auf den meisten Strecken eingestellt werden mußte. London, 29. Dezember.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Die strenge Kälte halt in ganz Großbritannien an. In London fällt seit dem frühen Morgen ununterbrochen Schnee AuS allen Teilen deS Landes laufen Nachrichten ein, daß Eilcubahnzllge im Schnee stecken geblieben find. Der Zug. der gestern abend von Aberdeen nach London abgehen sollte, konnte der Schneeverwehungen wegen nicht abgelassen werden. Eine Reihe anderer Städte in Schottland sind ebenso vom Verkehr abgeschnitten. Eine ganze An- zahl von Personen find erfroren.______ Paul Singer Li Co� Berlin LW. Hierzu? Beilagen u.fl nterhaltvngM fr 304 25. ZahrMß. t Mp te.lutmärtp" Knlim PelteMult Mittlsch. 30. DtZtMr lOOS. vZ! Zllgenckheim.I'roblw. Veranlaßt durch die Beschlüsse des Gewerkschaftskongresses und deS Parteitages, beschäftigt sich jetzt fast jede gewerkschaftliche Or- ganisatisn mit ihrem jugendlichen Nachwuchs. Piehrere Zentral- verbände verfügen schon jetzt über selbständige Jugendsektionen, dte eünge tausend Mitglieder zählen. Zufolge der Gründung der Jugendsektionen macht sich aber auch das Bedürfnis von Jugendheimen für die organisierte Jugeno bemerkbar. Das trifft besonders für die Städte mit starken Or- ganisationen zu. Die Jugendhcimirage wird deshalb in kurzer Zeit in unseren Kreisen zur Tagessrage werden. Allzu große Schwierigkeiten wird ihre Lösung den gewerk- schastllchen Leitungen nicht bereiten, denn es feh�uins in dieser Beziehung nicht an guten Vorbildern. Heime fürWe Jugend bestehen ja schon seit Jahren, allerdings sind sie von bürgerlichen Vereine zu ganz bestimmten Zwecken gegründet worden. Berlin könnte mit der mustergültigen Einrichtung von Heimen für unsere organisierte weibliche und männliche Jugend den An- fang machen. Die Borbedingungen sind in Berlin vorhanden und der Zeitpunkt zur Ausführung dieses Planes ist jetzt sehr günstig. Denn nach dei» Bericht der Berliner Gewerkschaftskommission waren ihr im Jahre 1907 77 Gewerkschaften und Verwaltungen mit 218 398 männlichen und 16 982 weiblichen Mitgliedern an. geschlossen. Davon waren jugendliche Mitglieder unter 18 Jahren zirka 4996 weibliche und zirka 3999 männliche(einschließlich des Lehrlingsvereins mit etwa 2999 männlichen Jugendlichen). lieber die Bedürfnissrage braucht in Berlin ab-ni gar nicht erst gesprochen zu werden. Und die Errichtung der Heime wäre hier ohne besonders große Opfer möglich. ES brauchen sich die Berliner Gewerkschaftsvorstände nur zu der längst notwendigen Reform ihres Bibliothekwesens aufzu- schwingen, indem sie ihre zerstreuten Gewerkschaftsbibliotheken unter ein« Verwaltung bringen, sie zentralisieren. Mustergültige Beispiele dafür liefern uns ja schon verschiedene Provmzstädte, wo zentralisierte Gewerkschastskartellbibliotheken bestehen. Ten Berliner Verhältnissen entsprechend müßten wir für die nördlichen, nordwestlichen, südlichen und östlichen Stadtteile, ebenso im Zentrum je eine größere Bibliothek besitzen. Dte Biblio- thekräume könnten dann bei einer Größe von 150—290 Quadratmetern(das entspricht einer Besucherzahl von 399 bis 590) gleichzcitig als Jugend h ei me und Lesesäle eingerichtet werden. Tie einzelnen Gewerkschaften Berlins besitzen jetzt zirka 15 Bibliotheken mit insgesamt 33000 Bänden. Diese 15 Biblio- 1 Hefen liegen, mit Ausnahme von einigen kleineren und der großen Metallarbciterbibliothek(19599 Bändei in i�en verschiedenen Etagen des zwar sehr großen, aber ungünstig gelegenen Gewerkschafts- I-auseS. Die Zahl der Bände schwankt bei den 15 Gcwerkschafts- bibliotheken zwischen 399 und 19 999, dementsprechend ist auch die Miete für die betreffenden Räumlichkeiten verschieden hoch. Für alle Gewcrkschaftsbibliothekcn beträgt die monatliche Miete insgesamt zirka 559—899 M.— A ch t A n g e st e l l t e haben mit der Bearbeitung der Bibliotheken zu tun; in einigen kleineren Bibliotheken werden außerdem an bestimmten TageS- und Abendstunden die Funktionen des Bibliothekars im Ehrenamt nebenher erledigt. Brechen wir nun mit diesem Zustand und gründen wir unter Heranziehung der Wahltreisorganisationen vorläuftg 5 Stadtteilbibliotheken, die gleichzeitig als Jugendheime dienen, so würde die monatliche Miete für jeden dieser Räume, Zm Vergleich zu den bestehenden BibliothekSverhälwissen ver- größern sich die Unkosten durch diese Reformierung für die ein- zelnen Gewerkschaften nicht bedeutend, da zwar in der ersten Zeit bohe Anschaffungskosten zu tragen sind, aber andererseits nur fünf Angestellte, anstatt 8 wie jetzt, nötig sind. Sehen loir von den unvermeidlichen Extraunkosten ab, so haben wir aver auch folgende bedeutende Vorteile, die der gesamten Ar- l>.'iterbe>vegung zugute kommen, zu verzeichnen. 1. Besitzen wir Versammlungsräume ohne Trinkzioaug für die gewerkschaftlich or- ganisierte Jugend. 2. Lesesäle, die wochentags von allen jüngeren und älteren Arbeitern benutzt Iverden können. 3. Stadtteil- bibliotheken, die von allen Gewerkschafts- und Parteiangehörigen in Anspruch genommen werden dürfen. 4. Findet eine Verbilligung und Vereinfachung der Büchereinkäufe statt. Nebenbei können den Lesern Anleitungen zum verständnisvollen richtigen Lesen und Raterteilung bei Anschaffung von Büchern gegeben werden. kleines f cuillcton. Der Hofbericht, erzählt Günther von Bi-lrogge im Türmer. isi auf eine Anregung des seinerzeit viel genannten ehemaligen >?ofschauspielers Louis Schneider zurückzuführen, der bei König die„Untertanen" Stunde für Stunde aufs genaueste verfolgen konnten, was der Herrscher und die anderen Mitglieder seines Hauses sprachen und unternahmen. Erst nach den politisch stürmi- scheu Tagen im letzten November ist die Bewertung des Hofberichts eine andere geworden. Man hatte mit ihm des Guten zuviel getan; und nun ging man daran, ihn einzuschränken. Die Redseligkeit der Hosberichterstatter über den Besuch des Kaisers bei seinem Freunoe, dem Fürsten von Fürstenberg, in Donaueschingen hatten den Herren oben die Augen geöffnet. Vielleicht wird sich dieser und jener den Kopf darüber zer- brechen, wie es denn den in der Scherlpresse Angestellten gelingen kann, genaue Kenntnis von den intimsten Vorgängen zu erhalten, wie z. B. von oem überaus peinlichen von Eckartsau aus geführten telephonischen Gespräch. Nun, charakteristisch sind in dieser Hinsicht Begebenheiten die vor etlichen Jahren festges�-llt worden sind. Es war um die Zeit des Welsenkultus, also um jene Zeit, in der nur etwas zu gelte» schien, wer im Jahre 1866 bei Langensalza gegen Preußen im Feuer gestanden hat. Eines Morgens brachte der „Berliner Lo ko l o nzeig e r" einen Artikel„Der Kaiser in Hannover". In der Abendausgabe vom Tage zuvor war die Ab- sicht des Monarchen, sich nach Hannover zu begeben, mit keiner Silbe erwähnt worden. Es wäre auch schlechterdings nicht möglich gewesen. Denn zu der Stunde, in der das Abendblatt bereits pe- druck« wurde, hatte sich Wilhelm II. überhaupt erst zu der Reise entschlossen. Außerdem wtte er die alten Hannoversckten Offiziere, die er an jenem Abend zur Pflege ihrer Traditionen vereinigt wähnte, durch sein Erscheinen unter, ihnen überraschen wollen und für alle Vorbereitungen hierzu die größte Heimlichkeit anbefohlen. Dies alles crzöblte die Morgenausgabe ocs„Berliner Lokal- anzeigerö". Außerdem aber noch vieles andere; so. daß der Kaiser sich bei den alten Offizieren nicht lange aufgehalten habe, weil ihrer gar zu wenige gewesen seien, vielmehr alsbald nach.dem Offizierkasino der Königsulanen gefahren sei, wo er heitere Stunden zugebracht und dann und wann Telegramme abgeschickt und er- balten habe. Auch den Inhalt dieser Telegramme erfuhr cer Leser der Morgenausgabe. Die Schilderung des Aufenthaltes in Hau- nover hatte bei der Kürze der Zeit von dort nach Berlin nur tele- graphiert werden können. Da der Artikel aber auch über die Hin- fahrt sehr genaue Angaben brachte, so gab cS nur oie eine Lösung, daß in den kaiserlichen Sonverzug»ach Hannover auch der Reporter Ferner werden sich auch die Bibliothekare in kurzer Zeit in ihrem Spezialberus so ausbilden, daß sie dann in pädagogischer Beziehung, besonders bei den Anfängern, gutes leisten können. Und der Hauptzweck einer Arbeiterbibliothek soll doch der sein, dem Leser das Bücherentleihcn bequem und die Auswahl der Bücher durch veriönliche Ratschläge des Bibliothekars leicht zu machen. Rudolf Waclawiak, Schlestschestr. 2-1. Die britische iirbeiterpsrtei and der Sozialismus. London, 16. Dezember. Die folgenden Zeilen sollen nicht nur eine Antwort aus AskewS Artikel(„Vorwärts", 9. Dezember) sein, sondern sie sollen auch eine kurze Darstellung der Tätigkeit und des Wesens der britischen Atbeiterpartei geben. Denn sowohl aus Askcws Ausführungen wie aus den oft geäußerten Ansichten von Vertretern der internationalen sozialistischen Bewegung gehl hervor, daß die britische Arbeiterpartei vielfach mit Mißverständnisien und Vorurteilen z» kämpfen hat. Zergliedern wir ruhig und sachlich die Anklagen, die Askew gegen die britische Arbeiterpartei erhebt. Die Anllagen lassen sich aus folgende Behauptungen zurnckfübren: 1. Die Arbeirerporiei ist nicht selbständig; sie hat ein Ein- Verständnis mit den Liberalen. Die Hälfte der Arbeitersraklion ist auf Grund eines Kompromisses mit der liberalen Partei gewählt worden. 2. Durch ihre schwächliche Haltung, durch ihre tatsächliche An- gliederung an die liberale Fraktion im Unlerhauie hat die Arbeiter- Partei es erreicht, daß die allgenieine Enttänichnng und der Zorn der Masten gegen die liberale Regierung und gegen die liberale Partei auch auf sie ausgedehnt wurden. 3. Die Arbeiterpartei hat als Oppositionspartei gegenüber der liberalen' Regierung vollständig versagt. DaS sind im wesentlichen die Behauptungen AskewS. Tat- sächliche Beweise für diese Anklagen Hai Askew nicht erbringen können. Er hat nur aus Symptome hingewiesen, aus denen er auf die völlige Verseuchung der Arbeiterpm lei geschlossen hat. Diese Beweisführung genügt mir nicht. Ich kann mit tatsächlichen Be- weisen für das Gegenieil dienen. Ehe ich aus diese Beweise eingehe, möchte ich mir eine kurze persönliche Bemerkung gestalten. Askew hat auch gegen mich zwei Anklagen erhoben. Ich werde sie im Laufe dieses Artikels be- aiiiworlen. Zwischen uns beiden besteht ein tiefer MeinungSunter- schied: er glaubt an Worte, ich nur an Talen. Nun zur Sache. Untersuchen wir die erste Behauptung. Die Arbeiterpartei be- steht— abgesehen von Grayion, der hier nicht in Betracht kommt— aus 89 Mitgliedern. Davon wurden gegen konservalive und liberale Kandidaten folgende Arbeiterabgeordnete gewählt: Barnes, Bowerman, Curran, Hardie, Jolvett, Snowden, Taylor. Bei der Wahl dieser sieben Arbeitervertreter halten die Liberalen ihre eigenen Kandidaten, so daß ein Kompromis zwischen Arbeitern und Liberalen ausgeschlossen war; nur im Wahlkreise Bowermans waren die Liberalen geteilt. Dann wurden folgende fünf Sozialisten gewählt, die sich prinzipiell nur an die Arbeiter wandten: ClyneS, O'Grady, Roberts, Thortie. Macpherson. Wir haben also bereits zwölf unabhängige Arbeiterabgeordnete. Weiter wurden folgende zwölf Arbeiterabgeordnele in Wahlkreisen gewählt.wo die Liberalen abiolul keine Aussicht aus Erfolg hatten, alio keine Macht bildeten und deshalb nicht bündnisfähig waren tCrooks.Duncan. Glover, Henderion, Hodge, Jenkins, Kelley, Richards, Seddon, Schackleton, Wolsh, Wilson. In den meisten dieser Wahlkreise galten die Konservativen für so stark, daß die Liberalen bei den vorletzten Hauptwahlen keine Kau- didaten mehr ausstellten. Die Liberalen bildeten da eine quautitö nezZiZssblo: sie zählten einfach nicht. Von den 39 Mit- gliedern der Arbciterfraltion haben wir also bereits vicriindzwanzig, die mit proletarischen Sliminen gewählt wurden. Bleiben noch 6 Arbeiterabgeordnete. Diese standen in Wahlkreisen mit zwei 5kan- didaturen, d' h. wo jeder dieser Wahlkreise zwei Abgeordnete wählt und wo jeder Wähler zwei Stimmen hat. Hier können wohl Kölln- sionen vorgekommen sein, womit nicht gesagt sein soll, daß sie wirk- lich vorgekommen sind. ES wurden da gewählt: Hudson(in Neivcastle), Macdonald(in Leicester), Parker(in Halifax), W o r d l e(in Stockporl), W i l k i e(in Dundee), Sommerbell (in Sunderland) Fünf von diesen Mandalen gehörten früher den Kon- servativen. so daß die Liberalen, wenn sie die Arbenerkandidaten unter» stützten— und es waren fast lauter liberale Arbeiter, die das taten— des Scherlblattes Eingang gesunden hatte, was wiederum für äußerst kurze Fäden zwischen der ollernächsten Umgebung des Mon. archen und der Redaktion des„Berliner Lokalanzeigers" sprach. Zweifellos wird diese auch in Eckartsau und in Donaucschingen ein Angestellter des„Berliner Lokalblattes" aufrecht erhalten haben. Und wie er in Hannover die tclegraphische Korrespondenz deS Kaisers lesen durste, so war es ihm wahrscheinlich in Eckartsau vergönnt gewesen, als„Mäuschen" das nach dem Belvederepalais in Wien geführte telephonische Gespräch mitanzuhören. Nachdem nun aber der Hofbericht des„Berliner Lokalanzeiger" wesentlich dazu beigetragen hatte, Dynastie und„Untertanen" in sehr bedenklicher Weise einander zu entfremden, blieb nur übrig, ihn erheblich einzuschränken und so die im Grunde von vornherein sehr verdächtige und morsche Stütze des Thrones beiseite zu schieben. Und nicht unwahrscheinlich, daß das Haupt der Scherlpresse jetzt dort, wo es noch unlängst mit Ehrungen und Auszeichnungen über- schüttet woroen war. mit Louis Schneider, dem verstorbenen Lektor Friedrich Wilhelms lV., dessen Spuren es gar zu tief ausgetreten hat..für einen schlechten Patrioten gilt Es fragt sich nur. wie lange. Die öffentlichen Warmbadeanstalten in Deutschland. Von Professor Silbergleit, dem Direktor des Statistischen Amtes der Stadt Berlin, ist eine Erhebung über den gegenwärtigen Stand des öffentlichen BadewesenS in Deutschland veranstaltet worden. Dem- nach waren 1995 im Deutschen Reich bei 69 641 278 Einwohnern 284? öffentliche Warmbadeanstalten mit 232 Schwimmbassins. 13 996 Wannen und 11 111 Brausen vorhanden. Für den Reichs- durchschnitt ergibt sich demnach, daß eine öffentliche Warmbabe- anstalt auf 21 999 Personen entfällt. Warmbadeanstalten gibt es am häufigsten in Sachsen, wo schon aus 10 000 Menschen eine solche Anstalt entfällt; relativ zahlreich sind die Anstallen auch in Württemberg und Baden, am seltensten dagegen in Preußen und Etsaß-Lothringen. Die aus eine Badewanne im Reichsdurchschnitt entfallende Bevölkerungsmenge beträgt 3299, in Bremen 1199 Per- sonen, in Posen dagegen 8599 Personen. Hierbei muß für eine richtige Beurteilung dem Umstände Rechnung getragen werden, daß in den Jndustriegegcnden Fabrikbäder nicht nur den Arbeitcrti, sondern auch den Angehörigen vielfach(?) zur Verfügung stehen, und daß manche Sclmlbäder auch von Erwachsenen benutzt werden. Als Ursache des Fehlens von Warmbädern wird an 57 Orten deS Reiches Wassermangel, an 208 Orten mangelndes Interesse, an 35 Orten Mangel an Rentabilität, an 81 Orten Armut der Be- � völkcrung angegeben. Diele Statistik, die doch die Fabrik- und sogar die Schulbäder berücksichtigt, zeigt, wie entsetzlich weit wir im Lande der heiligen Sozialpolitik noch von der Befriedigung elementarster hygienische, Anforderungen entfernt sind. 299 Millionen für eine Weltreise. Wenn die 16 amerikanischen Schlachtschiffe im nächsten Frühjahr von ihrer Wcltumschiffting keine Gegenleistung von der Arbeitersraklion erivarten dursten. Nur in Dundee traten die Liberalen ein sicheres Mandat an den Arbeiterkandidaten ab. Die Umerstützung, die die Liberalen in diesen sechs Wahlkreisen den Arbeilerkandidaten angedeihen ließen, galt dem Freihandel, besten Auirechterhaltung sie von der Ärbeiterfraktion eher erwarten durften, als von den Konservativen. Ein wirkliches Einverständnis zwischen der liberalen und der Arbeiter- Partei fand offenbar nur in Dnudee statt. Aus dem eine» Arbeiterabgeordneten von Dundee, der auf Grund eines Kompromisses mit den Liberalen gewählt wurde, macht Askew fiinfzeljil! So sieht seine Behauptung auS, die ich unter Punkt 1 zusammenfaßte. Nun fragt es sich, ivarum hat der Parteivorsiand im Laufe dieses Jahres in keine parlamentariicde Nachwahlen eintreten wollen? Warum zeigte er eine solcbe„Nervosität"? Darauf ist die Antwort sehr einfach: Nach seinen Informationen und Erfahrungen waren die Nachwahlen für die Arbeiterpartei aussichtslos. Wahlen sind in England kostspielig; und Wahlniederlagen wirken entmutigend. Die Arbeiterpartei beteiligte sich im Jahre 1997 und im Frühjahr 1993 an sechs Nachwahlen, aber nur eine einzige(in Farrow) tvar— infolge einer starken und für englische Verhältnisse ungewöhnlichen Stiimnenzersplitterung— erfolgreich; in Jarrow hat der irische Kandidat über 2009 Stimmen dem Liberalen abgenommen und deshalb dem Ärbeiterkandidaten Curran zum Siege verholten. Diejenigen Kritiker, die auf dem Standpunkte ASkews stehen, könnten mir vielleicht entgegenhalten: Dieser Umichwuug beweise doch die Richtigkeit der Behauptung ASkews, daß die schwächliche Haltung der Arbeilerfraltion die Massen mit Entrüstung und Zorn gegen die Ardeirerparlei erfülle und deshalb gegen sie einnehme. Ich wünschte. diese Anslegimg wäre richtig. Leider ist sie eS nicht. Wäre die Arbeiterpartei den Mafien nicht energisch und nicht fortgeschritten genug, so müßten sie doch sozialdemokratisch stimmen und den Kandidaten der sozialdemokratischen Partei zum Siege verhelfen. Was ist aber in diesem Punkte die Sprache de: Tatsachen? Diese meist leider nach einer ganz anderen Richtung. Die sozialdemokratiiche Partei teilt den Standpunkt AskewS und beteiligte sich deshalb im Laufe dieses JahreS an drei parlamen- tarischen Nachwahlen in Manchester, Haggerston, Neivcastle. Und wie baben die angeblich entrüsteten und zornerfüllten Masjen gestimmt? Haben sie ihre Stimmen den sozialrevolntionären Kandidaten ge« geben? Keine Spur. Konservativ und schutzzöllnerisch haben sie ge- stimmt. Die Behauptung ASkewS. die ich um?r Punkt 2 zusammen- faßte, wird also durch die sozialdemokratischen Wahlergebnisse widerlegt. Im Grunde genommen sind nur einige sozialistische Persönlich« keilen und Grüppwen entrüstet. Der Sieg der Arbeiterpartei im Januar 1996 hat eine ganze Anzahl von sozialistischen Jntellekmellen in die Bewegung gebracht oder sie mit neuen Hoffnungen belebt. Diese Sozialisten sind noch halbe Utopisten oder„reine" Sozialisten, die von der Rolle der Arbeiterklasie als gesellschaftsbildende Klasse keine Ahnung haben. Sie glauben, es seien die Soziallsten, die die Gesellschaft umwälzen. Sie seien berufen, den Sozialismus herzustellen. Run ist in der Arbeiterpartei lein Raun, für dirie Intellektuellen da. Sie hat keine sozialistische Presse, in der diese Welterlöier ihre Talente glänzen lasten könnten. Sie ist eine politisch-gewerkichaflliche Partei, wo die Führung den Gewerkschafts- beamien zufällt. Den Intellektuellen und den Pseudo-Marxisten er» scheint die Arbeiterpartei abstoßend prosaisch. Sie wollen Feuerwerke sehen, wo nur Gasflammen brennen. Sie wollen dramatlsche Szenen aus der parlamenlarischen Tribüne erleben, wo nur sachliche Fragen gestellt, kurze Reden— zuweilen ungrammatische— gehalten werden. Daraus die Enttäuschung und die Entrüstung gegen den ,,l-vbourii>m"(da? Arbeitecparteiwesen) und stellen dem prosaischen LabouriSm den poetischen Sozialismus entgegen. Indem die Enlrüstelen und Enttäuschten sich mit einander unterbauen, reden sie sich in die Meinung hinein, die Massen seien enttäuscht und ent- rüstet. In ihrer Subjektivität sehen sie die Wiiklichkeit nicht. Welche Elemente find eS. die die Arbeiterpartei auSmawen. Es sind ungefähr 1599 009 gewerkschaftlich organisierte Arbeiter, die in ihrer übergroßen Mehrbeit noch vor wenigen Jahren entweder liberal oder konservativ stimmten. Ist es nach menschlichen Erfahrungen möglich, eine derartige Masse in wenigen Jahren zu Sozialisten zu maclien? Ist eS denn nicht ein gewalliger Fortschritt, wenn diele Masten stch in eine besondere Partei der Arbeilerklaste organisieren und Abgeordnete ins Unterhaus wählen. die aus den OpposinonS- bänken Play nehmen und die bürgerlichen Parteien zwingen, mit ihnen als mit einer politischen Macht zu rechnen? Was �die poli- tiichsn und sozialwirtschaftlichen Gesinnungen der Massen der Ar- beilerparlei sind, läßt sich zahlenmäßig nicht angeben. Aber die Ur- abstiinmungen der Bergleute über die Frage des Anschlusses an die Arbeiterpartei gestatten einen Einblick in die Zusammen- wieder nach Amerika zurückkehren, werden die Kosten dieses Ans- flugeS sich insgesamt auf 299 Wlliouen belausen. Allein die Kohlenrechnungen für die lömonatige Fahrt der Flotte belaufen sich auf 119 Millionen; dazu treten noch 79 Millionen für die In- standhaltung der Schlachtschiffe und 29 Millionen für die Begleit- fahrzeuge. Amerikanische Fachmänner schätzen die JahrcSkosten für die Instandhaltung eines einzigen großen Schlachtschiffes auf über 3 Millionen, ein mittleres Schlachtschiff verschlingt im Jahre ettva 2% Millionen, ein großer Panzerkreuzer 2 859 999 und ein lleinercr Panzerkreuzer rund 2 Millionen Mark. Trotz der gewaltigen Kosten versichern die amerikanischen Marineoffiziere, daß mit den 299 Millionen die gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse sehr billig erkauft seien. Denn wenn die amerikanische Flotte in den heimatlichen Häfen wieder vor Anker geht, werde sie die vollkom- menste Flotte der Welt sein und ihre Offiziere würden über einen Schatz von Erfahrungen gebieten, wie sie die Llmerikaner vorher m/ besessen hätten. DaS mag stimmen: so teuer ist dem amerikanischen Volke eine Erfahrung noch nie zu stehen gekommen, besonders keine, deren Hauptbedeutung darin bestehen wird, daß sie noch größere Aufwen? düngen siir die Flotte veranlaßt. Humor und Satire. Glückliches Berlin! Berlin ist in die Reihe der Welt- städte getreten; seine Mauern sind geweiht. Paris ist gestürzt, Berlin steht aufrecht da. Denn Er ist da, der Herrscher des mächtigsten Reiches unter der Sonne. Cipriano Castro der Große. Als Sein Fuß zum erstenmal Berliner Erde betrat, hatte sich ein Ver« trcter Scherls aus dem Bahnhos eingefunden. Er berichtet darüber: „Als der Präsident aus seinem Salonwagen stieg, berührte er mit seinem rechten Fuß zuerst den Bahnsteig: der linke folgte nach. Meinen ehrerbietigen Gruß erwiderte er nach venezolanischer Landessitie, indem er seinen Hut fester aufsetzte und dabei ausspie. Wie leutselig und herablassend der Herr Präsident ist, beweist der Umstand, daß sein Speichel sich in nichts von demjenigen eines gewöhnlichen Untertan unterschied. Von den vier Knöpfen seines UeberzieherZ waren drei zugeknöpft. In der rechten Hand hielt er einen Stock, mit der linken holte er ein Taschentuch aus der Tasche. Gerade in dem Augenblick, in dem er vom Bahnsteig in die Treppe einbog schneuzte sich der Herr Präsiden) ganz nach europäischer Art. Meine tiefe Verbeugung erwiderte er huldvollst, aber Venezola- nisch, indem er die Sohle seines linken Fußes in eine kräftige stoß- weise Berührung mit meinem Magen brachte; das ersetzt in Venezuela unseren Händedruck. Ich küßte ehrerbietig seinen linken Fuß, nur den linken; den rechten betrachtete ich mit auffallender Kühle, denn ich weiß, was ich meinem Vaterlandc gegen einen Mann schuldig bin, der noch vor einigen Jahren das Deutschte Reich brüskierte, Stolz will ich den Berliner!".(»Juseud"t, Setzung und CrttteitSetung der Arbeiterdetveglmg. Van etwa einer halben Milliou. Hergleuw stimmte LIS WO für de» Niischliiß, tL8 OM gegen den Uiiiwlich:' vor Me« Jahre» war daü Resultat: 101000 gegen, 0t! 000 für den Anichlutz, Der Gedanke der prolewrisebe» «etbitäudigleit«WÄi WMtlitte, aper Pip kidxrale Mld konjefugtiue Atnderhei» ist noch ganz erheblich. Die Aufgabe des Parteivor- ftanbeS ist atj» vor altem, die Partei zu konsolidieren und alles gu vermeid«» was die Minderheit entmutigen und zum Abfall bringen könnte. Derartige Masse» kann man von der Richtigkeit des Prinzips der rkrhsirerparwi nur durch legislative örfolge und Wahl- siege üverzeugem Und diese Lr-olae zu erzielen und diele Giege zu erringe>. ist das Bemühen dos Parteiporstundss uud her Ärbeitsrsraktion. Und hier komme ich zur Erbringung von Beweisen, die NsketvL Vehaupiuugen tunter Pu:«> 8s widerlegen werden. Seil den Wahlen im Januar ILO» hat die eirbsitsrfrakiion diirmgesegl: f. Gelyerk- schaftsgesetz!" Ans>veiu>»g der Hastpflicht her istitsrnehmer: Ans- -Zehuung des OZeketzeS auf rast olle Ärbsitsrkategorien. Ladengehilfen und Dieustinädttieu eingefchlosien. fv dast jetzt etwa»ine Millisn mehr Arbeiter um« dg» Gsfetz falle»; ll. Klterspsnftonen; 4. Bewilligung von Staatsmiitsln für Arbeitslose; S. Maximal- arbeitötag'für' Bergleute; Kiew Aoriage muh noch dg-Z Oberbaus trafsieren. Die Arbeiterpartei bat Gefetzeutivlirfe eingebracht: f. über Miiährung der Gchuikinidsr in Schottland auf öffentliche Kosten! 3. Ltnsteituug von Arbeitern um das Wiegen und Messen der in' den Fabriiey hergebe llten Waren zu deaufsiauigsn und die Arbeiter bei Entlohn!, ug vor Urbsrvortoiluns zu schützen; 8. Errichtung von Lohn- cinueru in den Heimindustrien; 4. das Recht auf Arbeit oder Beseitigung der Arbeitstosigleit. Es ist selbstredend unmöglich, alle Per- desserunge» an utgeveit, bis die Ärbsiterfraktion bei KomiuisfionS- beratusgen in die verschiedenen Gesetze zligmmen der Arbeiler gebracht hat. Die Arbe.tsrsrqtlio» bat lalstjchlich keine Gelegenheit vorübergehen lassen, ohne für. die Futeressen des Proletariats ein- zutreten. Zum Beispiel: Der Bau von Eisenbahnlinien in irgend einem Teile de? Bereinigten kkönigreicheS bedarf der Zusrintnurilfl des Parlaments. So oft ein derartiger Initiativantrag(Private Eill) vorlag, setzte die Arbeiterstaltion durch. dasj die Bahnverwaltniig sich verpflichten muhte, die poliiischen Rechte der Bahnaugestellien zu wahren. Man mühte Bogen füllen, um die Einzelheit»', über dieses Eingreifen der Brbeitersraltion auf- zählen zu können. Wo die Interessen der Arbeiter mit denen der liberalen Partei kollidieren, stimmt die Arbeiterfraktion stets gegen die Regierung. So hat die Arbeiterfraktion bei der Beratung über die Arbert-Zlofenvorlage(ßij-bfc of Work Bill) gegen die Regierung gestimmt. Die Arbeilerfratlion hat gegen den Antrag der Reg'.erung. Lord Crsntsr ei» Geschenk von 00 000 Pfd. Sterl. zu machen, gestimmt. Sie hat bei der Adrehderalmig im Frühjahr>008 ein RihiraueiuSvotum gegen die Regierung beaulragt und darüber abstimmen lassen, wobei die liberale Älehrheit auf 40 Stimmen stel. Als Kenner des englischen Parlamentarismus wird ASkeio verstehen, dah ein derartiges MihilauenSvotum nur von einer Oppositionspartei komwf n kann. Die scharfen Proteste der Arbestervertreter im Parlament gegen die Königs reife rmch Reval find noch in aller Erinnerung. Die russischen Genossen haben ihnen auch den Dani dafür ans- gefpeschen. SSkews Behauptung, die Llrbeitervertretcr hätten dabei mitgeholsen, dah Gratzson das�Worl abgeschnitten wurde,..a!S er die Schmach der Verbrüderung zwischen der englische» Regierung und dem zarischen Henkersregimept brandniarten wollte", bernht au» eine Eiubildmtg ÄrayivuS. Wir ist die Bersicherung der ganzen Arbeiterfraktion. bah Grayson kein Unrecht geschehen sei. wertvoller als die Behauptung GrayionS. Wo soll das nur hin, wenn man eine ganze Arbeitersralnon ans Grund der Behauptung eines einzelne» des Treubruches gegen das Proletariat der Welt zeihen wollte I Es ist für mich kein Zweifel, dah die Arbeiterfraktion gegenüber der russischen Politik der liberalen Regierung ihre Pflicht und Schuldig- feit getan hat. Und so hat sie auch betreffend Indien und Natal getan. HorCie, Q Gradh. Racdonald haben sich der Hindu und der Zulu mit aller Wärme angenommen und der liberalen Regierung manche tmanaenehme Viertelstunde bereitet. Der Lewr mögt nun die Symptome und Schlüsse Askews mit meinen Tatsachen vergleichen und dann selber urteile», ob die Arbeiterfraktion aus„Feiglingen und Verrätern" besteht, wie Grayson das ausdrücklich und Askew etwas verblümt behauptete. oder aus tüchtigen, llugen. und gewissenhaften Männern besteht, wie ich nachgewieien habe. Zum Schllist sagt ASkew:„Was zur Entscheidung steht, ist nicht, od die englische Arbeiterbewegung einig sein soll, sondern ob sie endlich damit ernst machen will, sozialistisch zu werden". Diese Fragestellung zeigt mir, dast Askelv noch nickt soweit ist, über den Stand der internationalen sozialisti- kchen Ardsuerbewegung ein umfassendes und weitsichtiges Urteil ab- gebe» zu können. Mir erscheint die Einheit der Arbeiterklasse als die wichtigste Bedingung des Sieges des Sozialismus. Und wenn ich nur die Wahl hatte zwischen einer kleinen und tüchtige» sozialisti- scheu Partei und einer grasten nichtsozialistischen, aber politisch und ökonomisch selbständigen Urbeiterklasse, so würde ich mich ohne Zaudern für die letzlere entscheiden. WaS ist das wirkliche Hindernis der deutschen Sozialdemokratie? Ist es die preustisch-dculsche Verfassung? Sind et die Innler 3 Ist es der Marxismus, wie die Revisionisten sagen, oder der Revisionismus, wie die Marxisten sagen 3 Nein, nichts von alledem. Es ist die gcrklüstung der deutschen Arbeiter- klaffe: es find die Zentrumsarbelt«, die liberalen Arbeiter, die oelben Arbeiter. die indifferenten Arbeiter. die das wahre Hindernis der deutschet! Sozialdemokratie bilden. Bildeten sie eine einzige moderne Arbeiterannec. so würden wir alle anderen Hindernisse im Nu überwinden. Wir würden den Wirbel- wind reiten und den Sturm beherrschen. Ebenso ist es in Frankreich. Italien usw. Warum sollen wir nicht a:tS diesen Zuständen lernen und erst die Arbeit« einheitlich zllsammeufoffen. ehe wir sie für Auf- faffungen gewinnen, die ihrer Vernunft noch fern liegen 3 Setzen wir den Fall, die britische Arbeitersraltion befolgt den Rat LlSlewS und erklärt sich für den Sozialismus san« wbraso. Nach dem oben gesagten kann cS keinem Zweifel unterliegen, daß die Arbeiterpartei in verschiedene politische Elemente auscinanderfallcn würde. LLir würden wohl eine kleine und tüchtige sozialdemokratische Partei haben, aber auch liberale Arbeiter, kon- scrvative Arbeiter, schutzzöllnerische Arbeiter, katholisch- irische Arbeiter usw. Die bürgerlichen Parteien tvürden diese an sich ketten und Arbeiter gegen Arbeiter ausspielen. Ein greif- borcS, aus der neuesten parlamentarische» Geschichte Englands gewonnenes Beispiel wird meine Ansicht klar beleuchten: Im Jahre 1801 brachten die ParlamcniSvertreter des Verbandes eine AStstundcnvorlage ein. Da erhoben sich die Bergleute von Dnrham und Norlhuniberland und sagten, sie wollten keine staat- licheu Eingriffe in ihren Beruf. DaS Schicksal der Vorlage war somit besiegelt. Die Kapitalisten waren froh, dast liberale Bergleute ihnen die Gelegenheit«sparten, als Arbeiterfeinde zu erscheinen. Sie sagten: Ihr Bergleute seid ja unter Euch noch nicht über die Zweckmästigkeit einer solcher Mastnabme einig; wir können sie also nicht unterstützen. Seitdem haben sich die Bergleute geeinigt, und als in den letzten Wochen dlc Achistundenvorlage in: llnterhause beraten tvurde, da sagten D u r h a m und N o r t h u m b e r- land nichts mehr, sondern stimmten mit.Ja" und die Bor- läge ging durch. Nun einige Worte über die AnNagen Askewtz gegen mich persönlich. Er meint, ich faffc die Lage nicht richtig aui und ich teilte den Lesen, de?„Vorwärts" nicht mit, dast die„Justice", das Organ der sozialdemokratischen Partei, sich gegen die Gründung einer sozialistitchen Partei an Stelle der Arbeiterpartei erklärte „DaS hätte, so will mich bediinken. doch dem Korrespoiidcnteit de»„Vorwärts" bekannt sein müssen, als cr seinen schweren Borwurf gegen die sozialdemokratische Partei erhob." Der erste Vorwurf erledigt sich durch meinen ganzen Artikel; die Leftr mögen darüber urteilen, wer die Lag? richtig ans- seiht: Askew oder ich. Was den anderen Vorwurf betrifft, so habe t gestiegen ich im„Vorwärts" wohl nicht die Ansicki der„Justice", wohl aber Ziffern: doch die des„Sozialdemohat" angegeben, die sich mit der der „Justice" deckt und vom selben Verfasser Henübrt. Allein auch wenn der Vorwurf Askews tanächlich berechtig, wäre, so wäre da- durch nichts gewonnen. Denn schon die separate Existenz der <5. D. P. beweist, dast die„Justice" eine sozialistische Parlei a» Stelle der Arbeiterpartei setzen will. Ich glaube nicht an Worte. sonder» an Steilen._ M, Beer. Sozialce. Entziehung der Approlnitiou als Arzt. Wenn einen, Arzt die bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt sind. so kann ihm nach§ btz der Gewerbeordnung die Approbation für die Dauer des Ehrverlustes entzogen werden. Nur Entziehung der Approbation für fünf Jahre klagte die Polizeiverwaltung zu Düsseldorf gegen den praktischen Arzt Dr. W e i s b r o d t, der wegen Er- prssitingsversiichS in einer Ehevermiitelungösache zu 1 Jahr Gefängnis und o Jahren Ehrverlust verurteilt worden war. Dr. Weisbrodi hatte sich nämlich auch glS Ehevetmitller versucht. Er las im Caiö in Düffsldors eine Anzeige des„Berliner Tageblatts", wonach ei» Amtsrichter in Bialla eine vermögende Frau suchte. Er erfuhr die Adresse des Amtsrichters Hcidenrot und setzte sich mit ihn, in Verbin- düng. Er empfahl ihm eine Tochter eines für wohlhabend gellende» Beamten in Frankfurt a. M. Einen Auftrag der Familie, die Tochter zu verheiraten, hatte er»iÄt. Weisbrodt ermitlelte die «omniersriiche in der Schweiz, wo sich die Familie auihielt und sandte H. dorthin. Es kam auch zur Verlobung und Heirat. Dr. W. harte sich vorher einen bestimmten Betrag von der Mitgift als Ver- mitlelungsgebühr zusagen lassen, falls die Ehe zustande ksnune. Der Amtsrichter stellte ibm einen Revers über 0000 M. a u S. Räch der Hochzeit zahlte ihm H. auch die 6000 M. persönlich aus. Weisbrodt erklärte sich zufrieden. Dem Verlaugen. Briefe und eine Photographie herauszugeben, willfahrte er nickt; er be- hauptete, er sei im Umzug begriffen und sei infolgedessen zu der Herausgabe nickt imstande. Später verlangte er vom Amtsrichter H. noch mindestens 6000 M., indem er geltend machte, er bälte von vornherein 10 000 M. haben wollen. H. lebme eine Nachzahlung ab und betome, er habe vorläufig nur eine kleinere Aussteuer und lLOOO M. zu ihrer Ergänzung erholten. Es folgt« ein weiterer Brieswechsel. Weisbrodt drohte mit dem Einklagen seiner Forderung und vorwies darauf, dost dann auch der vorgesetzte Landgerichtspräsident von der Angelegenheit Kenntnis erhalten würde. Justizrat Wagenkamp, dem H. nun seine Jntereffen anvertraute, er- staltete schlicstlich gegen Weisbrodt Anzeige wegen Erpreffungs- veriuchS. Dis Hauptverhandlung wurde angesetzt und der Amtsrichter dazu geladen. H. kam auch nach Düffel- borf. ES packte ihn aber die Verzweiflung bei dem Ee- danken, dast in der Verhandlung seine intimsten Ver- hältnisie klargelegt werden würden. Er suchte den Tod und fand ihn unter den Rädern eines EisenbahnzugeS der Linie Düffel- dors-GerreSheim.— Die Verhandlung gegen Dr. Weisbrodt endete damit, dast er tv c g e n E r p r e s s u» g S v e r s u ch S zu einem Jahre Gefängnis und sünj Jahren Ehrverlust verurteilt wurde. Zur Siechtfertlguug der Klage aus Entziehung der Approbation und deS Arzttitels für die Dauer des Ehrverlustes wurden die geschilderten Vorgänge, sowie auch frühere Bcslrasungen Dr. WeisbrodtS herangezogen. So ist er wegen B«» trugeS zu drei Monaten GesängniS verurteilt worden. Er hatte sich durch eine Person vertreten lassen, die noch nicht praktischer Arzt war. sondern erst das Physikum bestanden halte. Nach der Situation musttc aber daö Publikum annehmen, es sei ein Epezialarzt. Dann hatte ihn der Ehrengerichtshof bei der Aerzte- lamm« der Rheinprovinz zu 1000 M. Geldstrafe verurteilt, die die höchste Disziplinvorinstanz in verlin aus SOO M. herabsetzte. Es wurde ihm eine des AerztesiandeS unwürdige marktschreierische Reklame vorgeworfen. DaS OberverwaltungSgericht erkannte nach dem Klageantrage auf die Entziehung der Approbation für die Dauer des Ehrverlustes. Nach den Feststellungen in der Strafsache wegen ErpressungSverstichS habe Dr. Weisbrodt ohne Zweifel eine Gesinnung, die es im äffent- lichen Jnteresie unbedingt geboten erscheinen lasse, von dem Mittel, das daS Gesetz biete, Gebrauch zu machen. Zudem habe sich Be- llagter auch sonst nicht einwandfrei gesührt.— Die Entziehung der Approbation für die Dauer des Ehrverlustes hat für die gleiche Zeit die Entziehung des Arzttitels zur Folge. Abschluß des Arbeitsvertrages. Der Kohlenschipper Et. wurde von der Hedwigshütte mit der Entladung von Kohlenkähnen beschäftigt. Als an, 20. November wieder die Entladung eines Kahnes beendigt war. soll aus Befragen der Inspektor Hildebrand das Eintreffen enieü weiteren Kahnes für den 28. bezw 30. November in AuSsickt gestellt haben, bei dessen Entladung St. wieder behilflich sein sollte. Der Kläger hat dieser- hold seine Papiere nicht gefordert, sondern daS Eintreffen des Kahnes abgewartet. Er bat sich auch alsdann taisäcklick an der Arbeitsstelle eingesunden, konnte aber die Arbeit nicht ausnehmen. weil der Vorarbeiter Erdmann bereite seinen Bruder an Stelle Sl.S zur Hilfe herangezogen hatte. St. klagte nun vor dem Gewerbegericht auf Entschädigung für die bis zum Eintreffen des Kahnes verstrichene Zeit. Die Beklagte liest durch ihren Vertreter einwende», dast der Kläger unt« Lusschlust der Kündigungsfrist bcsckästigt war und seme Papiere nicht widerrechtlich eliioehalten worden seien, diese würden vielmehr zur Verfügung des Klägers gehalten. Auch habe für die Zeit vom 20. bis 30. Novenwer ein Arbeitöverhäliiiis nicht bestanden. Deshalb fühle sich die Beklagte nicht für verpflichtet, den Kläger für diese Zeit zu entichädtgen. Der als Zeuge ver» nommene Inspektor will nur gänzlich unverbindliche Zusicherungen gemacht haben. Die Kammer 7 des Ge- w e r b e g e r i ch t s. vor der am Montag unter Vorsitz des MagistratüratS Dr. Gcrth die Sache zur Ver- Handlung kam, nahm aber mit Recht den Standpunkt ein, dast die Ziisichernngeu eine gewisse Verbindlichkeit gehabt haben müssen, denn sonst würde der Kläger seine Papiere zu forden, nicht unterlassen haben, sie wären auch von dem Inspektor auSgebändigt worden, mein, auch die Arbeitskraft des Klägers nicht reflektiert worden wäre. Die Beklagte wurde deshalb für den Schaden, bestehend im Ver- dienstauSfall. der dem Kläger ans der Nichterfülluilg der getroffenen Verabredung erwachsen sei. entschädigmigspflichiig. Doch hielt das Gewerbegericht die geforderte Entschädigung vo» 6 M. pro Tag für zu hoch. Es verurteilte die Beklagte, dem Kläger für die tu Frage stehende Zeit den ortsüblichen Tagelohn zu zahlen. Eue Induftm und Xiandel. Die Anteile im CtahlwerkSverbaud. Nach den neuen Festietzungen stellt sich die Summe der Be- teillgungeu im Stahlwerksverband auf V 203 498 Tonnen in Produkten A, gegen 6 054 084 Tonnen um 1. Mai 1907. In Halbzeug ist die Beteiligung von 1 348 7ß5 Tonnen aus 1 399 755 Tonnca für Eisenbahn-Oberbaumateria!«geben sich folgende 1. Mai 1907 2 38] 765 Tonnen, Dezember 1003 3 418 927 Tonnen; und in Formeisen ist die Beteiligung von 2 323 564 Tonnen aus 2 334316 Tolinx!, erhöht ivorden. T*» gröstte Beteiligung hat die Finna Krupp mit folgeudßst Quoten Vvn der Gesamtbeteiligung: Halbzeug 14,280 Prozent. Eiseubahu- Qberbaiimalerisl 10,4176 Prozent, Formessen 3,1374 Prozent, Produkte A zusammen 8,4924 Prozent. Mit 6.9380 Prozent der Gesamtbeseiliguiig in Produkten A sösat tzann der Phönix, pessep SluleilL in Formeiie» 4.6S1S, in Wspibäbn-Ober- banmaierial 8,8839 und st, Halbzeug 7.4235 Proz. ausmachen. An dritter Stelle steht die Gewerkschaft Deutscher Kaiser mit folgenden Prozentzisfer»; Halbzeug 1.3742, Eisenbahn-Lberbaumaterial?.�139, Fpriueise» 6,5593 und Produkte A zusammen 5,7226 Proz. Dvput folgen mit Pen, gröstten Anteil in Produkten A die Rombacker Hüttenwerke, denen 5,6173 Proz. zngeteili sind. Die Quote dieses Werkes i» Halbzeug macht 12.55,1 Proz. aus; von der Eisenbahn- Oberbamuaterial- Gesamtmenge beherrscht es aber nur 2,78tS Proz., iowie 4.4236 Ms>z. deß FowreisenguantumS. DaS Lothringer Hüttenwerk Auu�-Friede hat sich mit dielen Anteilen beschndetr müssciri Halbzeug 11,4441 Proz,. Eisenbahn-Qberbaumatenal 2.1785 Proz., Formeiien 3 7545 Proz., Produkte A zusammen 4,8751 Pro,. Die geiiamire» sünj Uuteruehuieu beherrschen demnach einen erheblichen Teil der Gesaintbeteiligung für die angeschloffeiien 29 Werke. Der Anteil beträgt in Prozent: Halbzeug Obkrbaüma"rial Sonneifen Produkte A 47,08 31,76 22,56 31,64 Ei» Sechstel der Werke beherrscht demnach fast die Halste des gesamren Anteils an Halbzeug, annähernd ein Drittel des Eisenbahn- Oberbaumaterials, nahe an ei» Viertel der Formeisenerzeugmig und zirka ein Drittel der Gesaintbeteiligung in Produkten A, Einschränkung der Ziegelproduktion. Wegen enonner Bestände, teilweise noch aus dem Jahre 1907, beschlost' der Dortmunder Verkaussverein für Ziegeleifabntate. die nächsijährige VinschränklMg aus 75 Prozent festzusetzen. Für 1903 war die EinschrKutung au? nur 60 Prozent bemessen. Die Düsseldorfer Spargesellschaft, die hauptsächlich kleinen katho- lischeu Leute» als Sparstelle diente, ist insolvent. Die Depositen und Spareinlage» belrageu annähernd 2.5 Millionen Mark, während die Aktiven, zirka 2>/� Millionen Mark in Hypotheken, gröstlenteils zloeüer Ordnung und daher vielfach gefährdet, angelegt sind. E- wird eine austergerichtlicke Liquidation beabsichtigt. Im Falle des Konkurses würden kaum 25 Proz. herauslcmiiiie». Die Krise und da» Sparen. Nach der prenstiscken Sparkassen» statistik ergaben die Neneinlagen im Jahre 1906 2264,00 Millioneil. Mark, die Rückzahlungen aber nur 2021.16 Millionen Mark. Im Jahre 1007 sind die Neneinlagen zwar aus 2347.10 Millionen ge- stiege», aber die Rückzahlungen übertrafen diele Steigerung, ludern sie 2279.97 Millionen Mark ergeben. Der Ueberschnst der Neu- e iiilagen über die Rückzahlmigen ist also erheblich— von 243,83 auf 67,13 Millionen Mark zurückgegangen. Iii den fünf Jahren von 1001 bis 1005 hat der Ueberschnst der Neueiiilagen üb« die Nüclzahlungeu reaelmästig über 300 Millioncu Mark betragen. Die Verkaufsstelle der Konvention der Zündholziudnstrielleu soll aufgelöst werden. Die nächste austerordenilicke Gesellschafter- Versammlung soll Liquidatore» für die Verkaufssielle wählen und bestimme«, dast vom 1. Mai 1900 ab seder Gesellschafter wieder für sich verkaust. Seit dem 4'/�ährigen Bestehen der Konvention ist die Prodliklion der Oiilsider vo» 20 Proz. auf 40 Proz. der gesamten Fabrikation von Zündhölzern in Deutschland gestiegen, Schutz der nationalen Arbeit. Durch die Hochhaltung der Rohmaterialpreise in Verbindung mit billigen Au�landveikäufen habe» sowohl der Stahiverband als auch das Rheiuisck-Westsätlscke Kohlensyndikai der heimischen Weiter- Verarbeitung die Koukurrenzfähigkeit aus dem Austelimarkt ganz cr- heblich erschwert und damit die Erwerbsgelegeuheit in Deutschland verschlechtert. Um die hohen Jnlansspreise in Krisenzeiten in Geltung lossen zu können, sorgt man durch forzierte Ausfuhr für Erleichterung des iiiläudischeu Marktes. So ist zum Beispiel die Aussuhr von Rohluppen, Rohschienen. Sioh- blocken, Bommen, vorgewalzten Blöcken, Platiuelt. Knüppel- und Tiegelstahl in Blöcken, die in den ersten eis Monaten 1907 rund 200 000 Tonnen betrug, in der Parallelzeit des laufenden Jahres auf 427 178 Tonnen gestiegen. Die Ausfuhr- zunähme beträgt demnach mehr al» IVO Proz. Aehnlich haben die Kohlenbaroue die nationale Arbeit— gesckützt. Deutschlands Stein kvhleneinfuhr ging von 12>/z Tonnen, für die Zeit Januar bis November 1907. auf 10% Tonnen. für die Vergleichszeit 190s zurück. Dagegen hob sich i» der gleichen Zeit die Ausfuhr von 18 Millionen Tonnen aus 19 Millionen Tonnen. Da die Stqiil- kohlensörderung in der Bergleichsperiode!908 rund 137 Millionen Tonnen betrug, macht die Ausfuhr.14,6 Proz. der Förderung aus. Eue der Frauenbewegung. Ter Lebensinhalt der Tamen. In der amerikonischen Frauenzeitschrift«The Sozialist Women" verossentlicht Josephiue C. Äaneko Bctracksiungen aus dem Leben der„Damen" oer seingekleideten Gesellschaft. Dast die reichen Aniorikanerinns» auS Uebermut, den der Besitz auslöst, und aus lauter Nichtstun die absonderlichsten Einfälle und Ideen auf dem Gebiete des gesellschaftlichen Unfugs und der Mode- torheiten in auSartendster Weise um setzen, davon erzählen sattsam genug UnterhaltungS- und Modezeitschristen aller Herren Länder Tinge, bis zur Grenze des absurd Lächerlichen. Einige Dame», aus denselben Gesellschaftskreisen üben Kritik an dem Leben ihre Mitschwcftaa. Genossin C. Kaneko gibt einige dieser Aussprüche wieder: „Reiche Frauen sind Schweine," sagte Ethel Barrymove neulich in St/ LouiS. Es war dieses eine sehr unelegante Beschuldigung, — zumal gegen Damen, von denen man weiß, daß sie alle Ge- legenheit der Welt zur Kultur und Vcrfeinetung hattin. Eine andere Dame, Mist Mary Jullerton, die kürzlich zu einem großen Vermögen gekommen war,«klärte:„Die Frauen der oberen©cseßschafteklafie sind Lügnerinnen, ich kann sie nicht aus- stehen. Ich wurde niemals, sagt Miß Fullerton, einen Beruf ans gesellschaftlichen Pflichten machon. Ich liebe New?ork nicht: die Menschen, die von ihren Erbschaften leben, sind eine faule, nutzlose Gesellschaft." MrS. W. C. Ery sagt:«Das Leben einer Artistin ist unbestreit- bar besser, als das einer Person ous der oberen GeiellschaftStlassc. ES ist zu absurd, erklärte sie, daß Menschen für nickte weit« Gedanken haben können, als neue Formen für Gesellschaften, eigen- artig« Diners und absonderlich bizarre Ergötzungen für ihre Gäste auszufinden." Mrs. Astor sagte kürzlich von den New Jork« und Newvorler Frauen:„Sie haben Gesellschaften gegeben, die eher in den ZirkuS gehören, als in das Haus einer Dame." Einige Schriftsteller, die die Sitten der ultra Reichen, im Vmehr mit ihnen, studiert haben, unterstellen dieser Gesellschaft in ihren Büchern alle nur denkbaren Unmoralitäten. Vieles ist darin, was für einen mühselig sich plagenden Menschen gar nicht denkbar ist. .w« r-cht WS etnen Äugenblick nachdenken." sagt Josephme C. Aaneko.„Hab�n die ultra Reichen wirklich alle Borteile? Haben sie den höchsten Berteil der Notwendigreit? Haben sie die Not, wendigkeit. etpaS Nützliches hervorzubringen? Rein, das haben"e nicht. Sie sitzen, tvie junge Vogel mrt offenem SÄnavel. während ihnen die Gesellschaft(Menschheit?) alles was sie brauchen, und noch viel mehr außerdem, in ihren Schlund klagen?) gießt. Sie sind vollständig abgestumpft gegen das Gestlhl der Stotwendigkeit persönlicher Bemühung. Sie arbeiten also absolut nicht. Sie entwickeln nicht einmal ihren verstand, ihre Talente. Sie brauchen es nicht. Slller Vsr- ttand bei Welt und alle Talente der Welt stehen zu ihrer Ber- nigrmg. Lille Talente der Welt kriechen auf Händen und Füßen. die Mchen anbetend,— bis sich die Reichen wieder von ihnen ab- ioenoen. um sich zur Abivechselung wieder Pizarren Gesellschaften und Affen-Diners zu widmen. Indem sie so das Fleisch beständig nähren(füttern?), tragen Fk zu ihrem Verfall bei. GS ist nur eine natürliche Folge.— Sie sind Lügner, Trinker, Ehebrecher, Sic leben abnorm, denken ab- norm, Handel,, abnorm. Die Ratur zwingt die Menschen zu handeln. Und wenn sie nickl intelligent handeln können, ja, dann natürlich, werden sie wie Idioten und Verbrecher handeln. Die ultra Reichen sind der äußerste Gegensatz zu den Aermsten. Die Ratur aber verabscheut Erlreme. sie versucht durch Krank- heiten sich ihrer ZU entledigen. Die Natur liebt die glückliche Mitte. Die glückliche Mitte wird die Natur immer vorziehen, immer schützen und immer mehr und mehr zur Vervollkommnung bringen. Sozialismus bedeutet die glückliche Mitte." Josephine C. Kaneko kommt»ach ihren Betrachtungen über die crtremsten Auswüchse, die ein Leben mit überflüssigen Mitteln für die zuviel Besitzenden Phhsisch und psychisch in schädlichster Weile daufig hervordringt, zu folgendem Schluß:.Sozialismus will Harmonie mit der Natur. Und Sozialismus und Natur werden zusammei, gewinnen muffen." „Die Armen brauchen Sozialismus, und ebenso brauchen ihn die Reiche». Jeder braucht Sozialismus."— Die Organisation der Dienstboten macht weitere Fortschritte. In verschiedenen Städten wurden in der jüngsten Zeit Vereine von Hausangestellten gegründet, so in Königsberg, in Kiel und in Braunschiveig. Eine Umfrage, die von der Generalkonimission der Gewerkschaften Teutschlands vorgenommen wurde, hat ergeben. baß t8 Vereine mit b?ll Mitgliedern vorhanden sind. Diese Ver- eine haben i» der Zeit vom t. Januar bis 30. September 1908 Einnahmen im Betrage von W 980 M. erzielt, denen Ausgaben im Betrage von 19 220 M. gegenüberstehen. Gegenwärtig wird die Frage der Gründung eines Zentralverbanbes der Hausangestellten eifrig erwogen. Die Generaltonimission hat eine Konferenz von Vertretern der Hausongestelltenvereine auf Sonntag, den 17. Januar 1309 nach dem.GewerlschastShaus" in Berlin ein- berufe» und folgende Tagesordnung festgesetzt: 1. Gründung eines Zentralverbandes der Hausangestellten. 2. Beratung deö Statuts. 3. Beratung über Herausgabe einer Verbandszeitung. 4. Wahl deS Vorstandes. Die Gewerkschaftskarielle derjenigen Orte, wo Hausangestellten- vereine sich befinden, sind beauftragt, je einen Vertreter oder eine Vertreterin zu der Konferenz zu entsenden; diese haben in der Konferenz aber nur beratende Stimme. Die Einberufung der Konferenz gründet sich auf Beschlüsse des .Hamburger Getverlichaftskongresses sowie der Frauenkonferenz tn Berlin, die im November 1907 jtatisand und sich mit der Frage einer einheitlichen Organisation unter den Hausangestellten de- jchäftigtc. straskonto der englischcu Franenstimmrechtsbewegung. Das letzte große Meeting der Suffragettes in London galt einem Rückblick auf ihre Leistungen im Jahre>908. Dahin gehören oecch die infolge 4hrer läruieuden Agitation über, sie verhängten Beslrafung-n. die den Erfolg hatten. Saß die öffentliche Aufmerk- famkeit nun erst reck! aus die verurteillen Flihrerlnnen und cm) die von ihnen verlrctene Frauenstimmrechlsidee gelenkt wurde. Das Strafkonto der Suffragettes ist ziemlich hoch. ES wurden ver- urteilt: im Januar 0 Frauen zu 3 Wochen Gefängnis, im Februar 60 Frauen;u 4—0 Wochen Gefängnis, im Juni 27 Frauen zu 4—12 Wochen Gefängnis, im Oktober 2? Frauen zu 4— 12 Wochen «NefängniS, im Dezember b Frauen zu verschiedenen Strafen. Die Gesamtzahl der Jlihaftierten betrug 124. Zu bedauern bleibt, daß diese nicht unbeträchtlichen perfön- lichen Opfer nicht für ein großes, der gesamten englischen Frauen- lockt zugute kommendes Ziel eingesetzt werdey. Sembrs- Leitung. Mädchenhandel. Am Montag bestätigte das Reichsgericht das am 23. Oktober gegen den Diamantenhändler und Rentier Malihki wegen Mädchen- Handels vom Landgericht Berlin'I gefällte Urteil. Es nahm in Uebereinstinrmung mit den feiner Zeit auch von uns für zutreffmb erachteten Gründen des LandgeiichtS an, daß im Gegensatz zu den Darlegungen deS Staatsanwalts und des Verteidigers iveder eine Abweichung von dem Grundsatz ne hiz ja iäem(nicht zweimal wegen einer Straftat zu verurteilen), noch eine in Afrika bereits rechtskräftig entschiedene Sache vorliege. Bei der Wichtigkeit des Falles rekapitulieren wir den am, 25. Oktober von uns ausführlich wiedergegebenen Tatbestand. Der Diamantenhändlcr und Rentier Max Makitzkt wurde vom Landgericht I in Berlin wegen Vergehens gegen Z 48 des Reichsauswanderungsgesetz zu einem Iohre Zuchthaus und 300 M. Geldstrafe verurteilt. Er hat die Kassiererin Anna W., welche in einem Nachtcafd tätig war, durch die unwahre Angabe, er wolle sie heiraten, verleitet, mit ihm nach Johannesburg in Südafrika auszuwandern, sie dann aber schließlich geztmmgen sich der Unzucht zu GewerbSzwecken hinzugeben. In Johannesburg ist er nun schon damals zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt worden, weil er die W. durch List und Gewali genötigt hat, sich der GcwerbSunzucht zu widmen. Diese Strafe hat er bis auf einen ihm erlassenen Rest verbüßt. Räch feiner Rückkehr nach Berlin wurde er dann nomals unter Anklage gestellt und wie angegeben verurteilt. Das englische Urteil deS High Court von WitwaterSrand wurde dabei verlesen und fiel durch seine lapidare Kürze auf. Der Einwand des Angeklagten, daß er schon wegen derselben Tat verurteilt sei, fand eingehende Würdigung, aber keine Beachtung, denn hier handelte es sich lediglich um die Verleitung zur Auswanderung. während in Afrika die dort begangenen Handlungen bestraft worden find.— Das Landgericht nahm aber bei der Strafaus», effung auf die afrikanische Strafe Rücksicht.— Die Revisian des Angeklagten wurde als unbegründet vom Reichsgericht, wie eingangs erwähnt, verwarfen. Krebitfchwindler. Wegen wiederholten Betruges, schwerer Urkundenfälschung und Unierschlagung waren der Bauunternehmer Albert Kitschmann. dessen Ehefrau Berta K. und dessen Schwager, der Kellner Arnold Endemann vor der 1. Strafkammer des Landgerichts II angeklagt. Der Angeklagte Kilfchmann, welcher schon wegen Urkundenfälschung zu einem Jahre Gefängnis verurteilt worden ist, war früher Stakermeister, dann Bauunternehmer. Er erlitt damit Schiff- bruch. Er kaufte in Lichtenberg zwei Grundstücke, die bald zur Subhastatioh kamen, so daß cr völlig mittellos dastand. Uin sich Geld zu verschaffen, verübte K. einen Krediischwindel. Er be- stellte bei dem Kaufmann Stahn in Erüncberg zwei Waggons Holz, auf welche er ZHO M. anzahlte und einen Wechsel über 300 2». gab. Der Lieferant war so vorsichtig, nur einen Waggon zu liefern, den K. auch sofort zu einem Schleuderpreise verkaufte. De» zweiten Waggon lieferte Stahn nur unter der Bedingung, daß vorhex der Wechsel eingelöst werde. Um das hierzu erforderliche Geld zu erlangen,»ahm K, zu esiiel» Kautioiisschwindel Zuflucht. Er engagierte eiiien Schreiber Schröder alö Buchhalter und nahm ihm ein Sparkassenbuch über 400 M. als Kaution ab. Noch an demselben Tage ging er zu einem Agenten Meeq, um das Spar- raffe»buch in Geld umzusetzen. Dieser iriar aber vorsichtig und perlangte erst eine beglaubigte Einwilligung der Inhaberin des Buches. Kitschinqlin diktierte kurzerhand seiner Frau eine der- artige Erkläruna. Auch die Schwierigkeit einer amtlichen Be- glaubigung wurde leicht überwunden. Von einer eckten Urkunde, die von dem Steglitzer Bürgermeister Buhrow unterschrieben war, wurde der Namenszug und der Stempel mittels eines hart, gelochten Eis abgedrückt und dann auf die gefälschte Einwilligungs- erklärung gedrückt. Ender,»ann setzte darüber das Wort„Be- glaubigt" und die von Meers verlangte Urkunde war fertig. Kitsch- mann erhielt von M. auch 300 M. Inzwischen hatte die Mutter des Schröder, die Inhaberin des Sparkassenbuches war, Verdacht geschöpft. Sie ließ das Auch sofort sperren, so daß MeeS der eigentlich Betrogene war. In einem anderen Falle hatte Frau K. allein einen Wechsel gefälscht, der dann von dem Ehemann K. pcrwendet worden war. Kitschmann hatte ferner von dem Eigen- tümer Heiinig in Steglitz eine Gastwirtschaft gepachtet. Als er Geld brauchte, wandte cr sich an die Brauerei Gregory, der er vor- spiegelte, daß die gesamte Einrichtung des Lokals sein persönliches Eigentum sei. Er erhielt auch von der Brauerei 400 M. Als cr vald darauf noch 400 M. verlangte, forderte die Brauerei eine Erklärung des Hennig, daß das Inventar tatsächlich Eigentum des Angeklagten sei. Auch dieses Schriftstück wurde von K. in Gemeinschaft mit seinem Schwager Endemann gefälscht. Zu einer Auszahlung des Darlehnß kam es jedoch nicht mehr, da die trauerei von Hennig inzwischen selbst erfahren halte, daß alles chwindek war. Hennig selbst hatte für K. die GaSkaukion von 40 M. gezahlt, wofür ihm der Angeklagte zwei völlig wertlose Aktien aufschivatztc. Ein Klavier, das sich K. von dem Kaufmann Gruban zur Einweihung seines Lokals geliehen hatte, wurde von dem Angeklagten noch an demselben Tage verkauft. Schließlich unterschlug Frau K. noch einen Zwanzigmarkschein, den ein Kauf- mann A. beim Skaispielen in ihrem Lokal versehentlich hatte liegen lassen. Der Staatsanwalt beantragte gegen Kitschmann 2V(! Jahre Gefängnis, gegen Frau K. 8 Monate und gegen Endemann 10 Monate Gefängnis. Das Olcrich« hielt es nicht für angebracht, dem Ehemann K. bei seinen Vorstrafen und den überaus raffi, nicrtcn Betrügereien noch mildernde Umstände zuzubilligen. Gegen ihn lautete das Urteil auf 2Vs Jahre Zuchthaus. 600 M. Geldstrafe und 5 Jahre Ehrverlust, gegen Endemann auf 10 Monate und gegen Frau K. auf 0 Monate Gefängnis. Letztere wurde aus der Unter- suchungshaft entlasten." Bauschwindef. Wegen Untreue usw. ist am l2. Juni vom Landgericht! in Berlin t«r Kaufmann Hartwig Schiff zu längerer Strafe verurteilt worden. Er befaß einen mit Hypotheken belasteten Bauplatz, auf den er je»ach den, Forlschreiten deö Baues«ocitere Baugeldcr hypothekarisch geliehen erhalten sollte. Einem unerfahrenen Geld. wanne, dessen Interessen er wahrnehmen sollte, entlockte er 9000 M., die angeblich vor einer anderen Hypothek cingelragen werden sollten, aber tatsächlich untenan kamen. Als nun Schiff die 9000 M. in Händen hatte, hörte er aus weiter zu bauen. Schließlich wurde das Grundstück subhastiert und die 9000 M. sowie andere Forde- rungen sielen aus.— Die Revision Schiffs wurde am Montag vom Reichsgericht verworfen._ «Manne" und„Waldmann" als Zeugen vor Gericht. Eine ergötzliche Episode spielte sich vor der Siraskammer des Landgerichte II ab. Eine Frau SÄ. fuhr eines Tages in Be- gleilung Ihrer Mutler und zwei allerliebster kleiner Dackel von Friedrichshagen nach Rahnsdorf. Auf dem Bahnhos wurde sie von einem Bahnbediensteten daran behindert, mit den beiden Hunden ei» Kupee zweiter Klaffe zu besteigen, da diese nicht mehr nach Ansicht des Bahnbeamte» als Schoßhunde anzusehen wären. Frau Sch. erhob energisch Protest dagegen, daß man ihre kleinen Dackel als Ziehhunde oder etwas ähnliches ansehe» wolle und bestieg trotzdem ein Abieil zweiter Klaffe. Auf dem Bahnhof Rahnsdorf nahte sich ihr jedoch die hohe Bahngerechtigkeit, da nach der Station Rahnsdorf telegraphiert worden war, um die Attentäterin hier feststellen zu lasten. Die Folge war, daß Frau Sch. mit einem Strafmandat wegen Uebertretung der bahnpolizeilichen Verordnungen bedacht wurde. Sie erhob Widerspruch, der auch zu einer Freisprechung vor dem Schöffengericht führte. Hiergegen legte wiederum die Staatsanwaltschaft Berufung ei», so daß sich nunmehr die Strafkammer mit diesem hochnätpeinlichen Verfahren zu befassen hatte. Die beiden Hunde waren zu der Verhandlung als„Zeugsn" geladen, um ad ocuIos,(»bor den Augen", also: durch ihre Inaugenscheinnahme) zu beweisen, daß sie sehr wohl ein An« recht haben, als Schoßhunde bezeichnet zu werde». Anfänglich de- »ahmen sich Männe und Waldmann sehr manierlich. Als ihnen aber das auch von Menschen als sehr lästig empfundene lange Warten unangenehm wurde, gaben sie gewisse Laute von sich, die »Steine erweichen. Meiische» rasend mawen können". Als sie dann bei Aufruf der Sache in den Saal geführt wurden, bewiesen sie, daß sie es uiit ihrer Zeugenpflicht sehr ernst nahmen. Sie ver- hielte» sich einigcrmaße» ruhig, waren dann jedoch gar nicht doniit einverstanden, als.Frauchen" dann allein im Gerichtösaa! zurück» bleiben mußte. Erst als ihnen klar gemacht wurde, daß nach der Etrafprozeßocdniing die Zeugen während der Vernehmung der An- geklagten abgeführt werden müssen, verließen die Dackel unter Nachhilfe der Hundeleine den Gerichtssaal, um dann aber vor der Saaltür ein Konzert anzustimmen. Als dann die beide»„Zeugen" aufgerufen wurden, bewiesen sie dem Gericht sehr wenig Achtung. Sic stürmten mit freudigem Bellen und Schwanzwedeln auf ihr „Frauchen" zu und sprangen an ihr hoch, so daß diese sich bald nicht mehr retten konnte. Einer der Dackel mußte wohl hinter dem Richiertisch einen Leckerbissen aufgestöbert haben: denn er bewies sofort seine Raffenechtheit dadurch, daß er— trotz allen Riifenö— nicht kani. Der Eindruck, den das Gericht von der Schönheit und Zierlichkeit der beiden Dackel geioonnen hatte, war der, daß unter dem freudigen DonkcSgebcll von Waldmann und Manne die Freisprechung der Angeklagten verkündet wurde. Männe und Waldmann bleiben mitnehmefähigc Schoßhunde. Tie heilkräftigen Insekte». Vom Landgerichte Deggendorf ist am 22. August der Heil- Praktiker Michael Sckollcr wegen Körperverletzung in zwei Fällen zu 2 Monaten 20 Tagen Gefängnis verurteilt worden. Seit seinem 17. Jahre behandelt er gewerbsmäßig Arm- und Beinbrüche. Er hat nur bei seinem Vater gelernt. Seine anatomischen urck> physto- logischen Kenntniffe sind sehr gering. Von Anti- und Asepsis weiß cr gar nichts, heißt cS im Urteile. Der Gcmeindeschreiber B. hatte eine Entzündung an einem Finger der linken Hand. Als die Schwellung schon sehr groß war, zog er den Angetlagten zu Rate. Einen Arzt wollte er nicht nehmen, sowohl wegen der weiten'En:, fcrnung. alL weil er sich vor dem Schneiden fürchtet«. Der An- geklagte versprach Heilung in vier Wochen und gab eine ölige Flüsjigkcit zum Einreiben, auch ein Rezepi zur Bereitung einer Salbe von Wachs, Rindsmark usw. Als Sch. zum dritten Male kam. war die Beule aufgegangen. Er drückte den Eiter heraus und crkläric das Leiden für Brand. Dieser werde aber bald heilen. Dann verschrieb Sch. Milchbäder. Er erklärte auch, daß ein Finger wohl steif bleiben werde. Als er zum vierten und letzten Male kam, brachte er eine Flüssigkeit mit. in die er zur Erhöhung der Heilkraft zwei glänzende Insekten gesteckt hatte. Wegen der großen Schmerzen, konnte die Flüssigkeit nicht angewendet werden, schließ- iich zog B. doch einen Arzt zu Rate, der Eiter und wildes Fleisch. beseitigte und dadurch die Schmerzen erträglich machte. Sämrliche Finger der Hand sind unbeweglich geworden infolge dauernder Ver- irachsung und Verzerrung der Sehnen. Die ganze Behandlmig des Angeklagten, so heißt es im llrteile, war wertlos; seine Mittel schadete» und nutzten nichts. Das einzig wirksame Mittel wäre gewesen, einen Einschnitt zu mache». Tann wären Schmerzen und Geschwulst sofort geschwunden und die Heilung wäre oh»? Ver- krümmung von statten gegangen. Bei einer tociblichen Person halte der Angeklagte die Heilung eines zersplitterten Oberschenkel- kröche, iS übernommen und die Heilung dadurch verzögert, daß er das Bein zulange im Perbande liegen ließ, In seiner Revision machte der Angeklagte geltend, er habe nicht zu der Einsicht ge- langen können, daß er die Behandlung nickt übernehmen dürfe.— Das Reichsgericht hielt die Fahrlässigkeit für ausreichend festgestellt und verwarf am Montag die Revision. Sozialdemokratischer Lese-«»d DiskutierNnb„Heinrich Heine". Heut- abend S Uhr bei Bolze, Rodenbergstr. S- Sitzung. emgegangene Druchfcbriften. Von der.Neuen Zeit-(Eluttgart. Paul Singer)«st soeben das 14. Hell des 27. Jahrgangs ciichieue». ES bm solgeiiden Infinit: Vor sünfjlg Johie».— Der Gesetzeulwurs zur Bekomplung de, Kur- psulcherei und des Aeheimmiltelschwiiidels. Von Dr. med Georg Wagner iHmiau).— Aibeitenvanderungen. Aon Hermann Ilipde sKönlgSfierg,.— Die Eiiifübrung der Veihöllniswabl fiel den sozlalpolllilchen Jnstltuton. Von Friede. KleeiS(Würzen).- Änntskys KapilMbegriss. Bon Ed. Bern- siein.— Lilerarische Nundschau- Die«ieuerpolilik des Zentrums— TaS lozigldemokratilche Steuerprogramm. Von fäuflnu Hoch. Dr. E G. Greve, Das Profilen, der Bücher- und Lesehallen. Von kl. A Haefsner, Das inbii'ti'ictle Beomtenlum Von einem Ingenieur. Wosis J.ihrduch fö» die deutschen Attienbraueret« und Altienmalzlabrilen. Von od. de.— Zeit- fchrlsleiischau.. � Die.Neue Zell" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen. Pvstaiistallen und Kolvorleure zum Preise von llplb M. pro Quartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal ahoiuiierl werden. Das einzelne Hell kostel 2S Ps. Probeiiummeni steben jederzeit zur Bersüguiig. Mouatsoefte für graphisches Knustgewerbe. Heft L. Heraus- aeder A. Knob. C. Flemming, Berlin IV. bl>._„ Die Nebervölterniig Druischlands und ihre Bekampsting. Vau Dr. F Goldstern. 123 Sellen. E. Reinhard in München. Die Vergangenheit des Krieges und die Zukunst de» Friedens. Von Dr. Eh. Richer 4 M. H. Haessel in Leipzig.»„„ Polis. Nr. 4. Sozialpnjchologische Rundschau. Herausgeber N. D. gülicher. Zürich, ftirchgofse 16.. Reue Weltanschauung. Hess 12. Red. Dr. E Breileiibach. Monatlich ein Heft. 4 M. jährlich. F. Lehmann. Etuilaart. Gedichte und Skizzen. Von kl. Moeglich. 65 Seiten. Deutscher Roland, Wiesbaden. Ter Krater. Bon E. Mühsam. 148 Sellen..Morgen".Verlag, Berlin W. 9„ Dos Einküchenhaus und seine VerwirNIchuna als Weg zu etner neuen Heim-Kuilur. 18 Seilen. EiiilücheuhauSgeselllchalt der Berliner Vor- orte. Berlin KW. ,1..„. Der Rlusitialon. Nr. 1. Jntennitionale Zeilichrist fto Milfik und Gesellschast. Herausgeber M. Lubowskl. Berlin. Uhlandslr. Ivb. Brnmaften der Redahtton. Sie(iirtftlfrfic eprcchslnnve finSci Ltudcnttraste Re. 9, zweiter dos, dritter Ginnaug, vier Treppen. BdC- Fabrktnftt"MW luoitKiunglitb avenvs von?'/- die»'/, Uvr trat«. weöilnet 7 Üb* Seuiiaficnde veginn» die Cvrcaidunde um i! iidr. Jeder 2tuirag» ist etu Buchuade und eint ,'sabl als D.ertzeiche» beiziitiigen BetetNlde«niwort mir»»ich« erteil,. Bis zur Beantmvrtuug im Briestafteu iiluucn 14 Tage bcrgebcii. Saline Fraae» iraoc aicu tn der Svrechiiuude out. P. B. 44. 1. Nicht nötig, aber zweckmähig. 2. Ein schrlslllcher Nu- Sache« zu..... m____»>>W Obei staaiSanivallschasl des Slammergerichts imiethulb 14 Tauen utile» Darlegung des Sachverhalts und Angabe des AlienzelcheuS Beschwerde ein- legen. Den Bescheid brauchen Sie nicht eilizuseiidea.— E. it. 1. Wenn au» der Unisahsteueroednung und dem Kaujvertrag sich nichts G-gen- leilige» ergeben sollte: nel». 2. Sandelt eä(ich um einen von der Berujs- geuossenschast zu zahlenden Unfall, so joll die Frau noch jetzi schleunigst HInIerdliebeneiireiile beauUagen. Handel! es sich um einen vor den gewöhnlichen Gerichten zu enilcheidenden Unfall,|o wäre eine weitere Klage auosichisloS.!>. Dem Magistrat gegenüber hat die grau dasselbe Reckt wie jeder Arme— Rt. Z.»78. t. Ja. 2. Ist nicht zulässig. — R. S. titS. t und 2. Ja. 3. Nein. I Da» Testaine»! hat bi» zum Ableben eine» der Testame'USeüisetzer Gültlgrelt. Eine Wlederholung ist nicht erjorderlich.— R. I»». Nach der jetzigen Rechtslage hastet bei Ueberjahren durch ein Proichkenauto in der Regel nur der Führer, nicht der Besitzer.— Ä. ff. 10«. 1. Rein, lolange nicht die Heirat erfolgt ist. Die Minier könnte möglicherweise sich an das Voramnd>chusiSgericht mit dem Antrag wenden, das ktind ihr herauszugeben. 3. Zur Alinienlen- zahlung würden SI« auf Klage be» Vormundes hin verurlctU werdet«. 3. Rein.— H. P. 24. 1. Die Grotzjähngkeit tritl mü dem voll- endeien einuudzivanzlgiien Jahre ein. Aus Antrag kann das Bor- muiidschastsaerichl junge Leute bereits nach rem vollendeten acht- zehnten Lebensjahre für volljährig erklären. 2. Ja.— 31. 10. Nein. — Söder. L Falls die Baubehöide das Zimmer abgenommen und nicht etwa e»(ich um Cdamdregarniilen handelt, ja. 2. und ll. Das Volizeireoter ist zuständig. Wegen der vierten Frage erhalten Sie Antwort durch die Expedition.— G. S. LS, U Udorf. Der Vertrag würde bis zum I. Oktober nächsten Jahre» gellen, wenn nicht etiva, Iva» unwahrlchetnlich. vom Richter angenommen werden sollte, datz die mündliche Abrede noch nicht gültig lein, vielmehr erst der schrisiliche Vertrag gelten solle.— Kau- frftipn 20. Die Forderung kann fiel dem Amtsgericht eingeklagt werden; autzerdrm dürste ein Strasanlrag wegen Beleidigung und wegen Fiecheits- beraubung am Platze sein.— O. 1000. Da» lst leider nichi ber Fall. SvasterstandS-Narti richten da LanbeSanttalt für«ewSsie, künde, mitgeteilt vom Berliner Welierbureau Tasi erstand M e m e t. TUstt Vregel, gnfterburg Weicht el, Thon, Oder. Ratifior , Krollen , grniitiurt Warthe. Schrimm , Lanssberg Netze, Vordamm S I b e, Lettmeritz , Dresden , Barbv , Magdeburg am 28.12. oni ÜW) t?«> 44 j) 80*) 63') 71') 44») 4< 214-1 15'°, 42") —22 +20 —8 +5 -4 —6 -2 — 6 -20 —8 —ii —3 Wasserstand Saale. Krochlitz Havel, Svandau� , Rathenow-) Spree, Svremderg-) , BeeSkow Weser. Münden , Rinden Rhein, WaximilianSau , Kaub , Köln Neckar, Heilbron» Main. Werlheim Mojel. Trier am 28 IL. VN» 66 b8 40 70 72-) t>3") .2»--) 314 10Ö tot 50 Is letl 27.12. ovo») -12 +4 0 0 -28 —7 +2 —4 -7 +1 -3 1+ bedmtet Such».— Fall.—*) Unlerveael.— f) GSstand. *) GrundelStrelben.—*) EiStrelben tn zwei Drittel Sli ombrelte.—*) Grund- eis.— H Starke» GnmseiS.—*) Grundetsgang.—-) Treibet«.— 'ch Starkes Treibeis.—") Schwaches Gründels.— f) Schwaches Erund- elStretbeil.______ Wttterunaöüberslch» vom SV Dezember IN0K. morgen» 8 ltdr. Wetterprognose kür Mittwoch, den 30. Dezember 190». Zeitweise heiter, aber veränderlich mlt leichten Schneejüllen, siumgrm Frost und z'.cnilich schaile» östlicheu Winden. Berlioer vrtlrrdurcau, Invltngs-Kranktllkasst d« Tischler- Innung. Wahl drr Brrtrrter z« de» Gencralversammlougeu für 1M9 ond l»I0. Tie Dahl lür die KasjenmUglteder filldei am Freitag, den 9. Januar 1909. von 8 vis 9 Uhr abends ftatt. 1. DiejentgenMilglleder, weiche rechts der Spree beschästtgl smd. wählen Alexanderftr. 37 im Englischen Earten; die Zahl der /u wählen- den Vertreter u'I 136. 3. Diejenigen tililglieder, welche linlS der Spree bclchäittg! sind, wählen ivr Gewertichasisliause. Engel- nfrr\h; die Zahl der zu wählenden Vertreter ist SS. L. Die Jnnungsnritgliedcr, welche .eiasienmitgliede, bcschästigen und Beiträge für dieselben aus eigenen Milteln zahlen, wählen am 8. Januar 1999, abends von 8 bis 9 Uhr. Vrricken- strahevb, Ichuitlieihaussch.ink j die Zahl der zu wählenden Ber- trelcr ist 93. Wahlberechtigt und wählbar sind nur diejenigen, welche das 31 iledens- jahr zurückgelegt haben und im Be- iixe der bürgerlichen Ehrenrechte sind. Für Stuhcnmilglieder ist das lüuiitungsbuch zur Legitimation un. bedingt erforderlich. Um pünttliches Erscheinen wird ersucht. 296/5 Dv>- Vorstand. Bekanntmachung. Dritt» Abänderung des Statuts der Orts- Krankentasse der zu Berlin vom Dezember 1903. -s Iii, Ziffer 3. Im Falle der Erwerbsunfähigkeit dom ernen Tage nach dem Tage der E> krankung ab für irden Tag mit Ausnahme der Sonnlage ein Kranken- geld in Höhe der Häisie des im§ 12 iestgesetzleii durchschnittlichen Tagelohns der fraglichen Klasse. 30bb Vorstehende Abänderung irltt mit dein Tage der Bekanntmachung inKrasi. Berlin, den 15. Aooember 1993. Der Borsranv. L. sinoitt. emtl Sebmiilt, Vorsitzender. Schi istfüd' er Die Nachträge find im ftasscnlokal zu haben._ OOOOOOOOOOOOOCSOOOOOOOCJOCOOOOOOOOOOOOOOCCSOOO Unsere Preise«9 d»Mst s»» fOrwanWinterkleidung jjfä. 46 eigene Dampfer, lM-lcueii-jUii. warm fafuttorl t8» 13, 10, | öio» Bezug,«OweSt Vorrat 6.-. ___ ig >30,27, Itei-PM 8 rfi 36, 30, 24, 18, 18, 12, W.J« M. »[■itßi 71 Hasninsaern.... 80, 24, fiaZ.1-"* 5� ÜZt tmftatfoe. soweit Vorrat 2 0,120,65, KT Zill ö, 6. 4, tf.LU.VL Mal* ei Si o Iii Silvester-Karpfen offeriert zu den bill. Martthallenpreiscn V1«vl>I«andInnL* Metideisjohnsir. 1, Ecke Linienslrafie. 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Entseyli» der Iaminer. den abermals das Elemem in diesem von der Ratur so reich gesegneten Sizilien verursacht. Erderschütterungen und die durch das Seebeben hervorgerufenen Flutwellen haben ein ungeheueres ZerflSrungSwerk angerichtet. Noch liegen abschließende Meldungen nicht vor, indeS was bisher bekannt, genügt, um sich ein Bild von den Verheerungen zu machen, die die neueste Katastrophe angerichtet bat. Im Anschluß an unsere Mtteilungen in der gestrigen Nummer liegen weitere Meldungen vor: Rom, SS. Tezember Tie ersten radiotelegraphischen Meldungen bestätigen die erschüttcinden Nachrichten ans Mesfiua. Die Dörfer in der Umgebung MessinaS sind zerstört. Der Ministerpräsident Giolitti Hot 100000 Fr. an den Präfclien von Neapel gesandt für eine HilsSexpiedilion nach Messina und Reggio. Die Regierung trifft eifrig Maßnahmen zur Hilseleislung und hat auch die SchiffahrlS- geiellschasten aufgefordert, der Regierung Daintffer zur Verfügung zu stellen. Ein fliegendes Gelchwadcr ist in Messina angekommen. Die Blätter in Rom veröffentlichen die folgenden Einzelheiten über das Erdbeben in Äalabricn: In Catanzaro wurden um b Uhr 80 Minuleu früh drei sehr stark« Erdstöße veripürt Die Bevölkerung eilte fast unbekleidet aus du Straße und nes die Hilfe der Schutz- heiligen der Stadt an. Nachrichten aus Monteleone besagen, daß in den Gemeinden von Mileto Joladi. Majorats und Stafaconi ein ungeheurer Schaden verursach« wurde; zahlreiche Menschenleben sind zugrunde gegangen. Em fürchterlicher Regenguß, der gleich- zeitig mit dem Erdbeben erfolgte, vermehrte die Panik. I» Monteleone stürzte das Gerichtsgedäude ein. Im dichten Dunkel spielten sich herzzerreißende Szenen ab Männer, Weiber und Kinder eilten, von wahnfinnigew Schrecken erfaßt, durch die Gaffen. Im Gefängnis stürzten die aus dem Schlaf gestörten Sträflinge zu den Fenster» und schrien um Hilfe. Auch im Dom von Calanzaro sind schwere Beschädigungen zu beklagen. Das Erdbeben dauerte fast eine Minure 53 Sekunden, und als das Beben aufhörte, bot ein großer Teil, vielleicht der größte Teil der schönen Insel ein Bild der schrecklichsten Zerstörung. Die Stadt Meisina war in einen Trünimerhaufen verwandelt worden. Große öffentliche Gebäude. Kirchen. Schulen und Wohnhäuser stürzten wie Kartenhäuser ein. und die Einwohner fanden unter den Trümmern ihrer Wohnstälten ihr Grab. Unter den eingestürzten Gebäuden befinden sich nach vor- liegenden Nachrichten daS Hotel Trinaciva. Unter den Trümmern dieses vornehmsten, an der Hauptstraße gelegenen Hotels sollen über hunder« Gäste und fast daS gesamte Personal deS Hotels begraben sein. Such das Rathaus, das Postgebäude, mehrere Kasernen und die Bölie MessinaS sind der Zerstörung zum Opfer gefallen. Such daS Meer stürzte«ine ungeheure Woge über die am Hafen gelegenen Teile der unglücklichen Stadt und vernichtete, was Beben und Feuer Verschont hatten. Derjenige Teil der Bevölkerung, der der allgemeinen Vernichtung entging, stürzte in wahnsinniger Angsl in alle Richtungen aue- einander. um daS flache Land außerhalb der Sradt zu erreichen. Derselbe Vorgang spielte sich in anderen Städten ab. Nach laut- loser Ruhe erfolgre das Erdbeben. Städte and Dörfer in allen östlichen TeUen der Insel wurden mit einem Schlage zerstört. Alle Meldungen stimmen darin überein. daß man jetzt noch kein Urleil über den wirklichen Umfang der Katastrophe soffen kann. Die eingetroffenen Nachrichten find zu spärlich, um ein wahres Bild des angerichteten Schadens wiederzugeben. ES wird Tage und vielleicht Wochen dauern, bis man genau ermitteln wird könne««, wie viele Opfer das Erdbeben geforoert hat. Alle möglichen"Maßregeln werden von der italienischen Regierung getroffen, um die notleidende Bevölkerung von Sizilien zu rette,«. Die Flüchtigen find obdachlos und gänzlich ohne Lebensmittel. Es ist Gefahr vorbanden, daß die Erdbebenkatastrophe durch«ine Hungersnot ergänzt wird und daß noch Erschöpfung und Ent- behrungen unter den Flüchtlingen neue Opfer fordern werden. AuS dem zerstörte» Messina laufen, nach Herstellung einer drahtlosen Verbindung. Nachrichten ein. die an Furchtbarkeit olleS übertreffen, was bereits die ersten Meldungen besagtem Die FeuerSbnmst wütet an allen Ecken und Enden der Stadt, und es unterliegt keinem Zweffel, daß unter den stammende« Trümmern zahlreiche Leichen begraben sind. Man glmibt, daß dir Zahl de« Toten und Schwerverletzte» an lOOOO betrügt. Die Mehrzahl de« Hotels, fast alle öffentlichen Gebäude. RothauS, Börse. Museen sind eingestürzt. Eine Schiffsdivision. bestehend auS zwei Panzerschiffen, ist zur Hilfeleistung abgegangen. DaS vor Auguslo vor Anker liegende russische Geschwader sowie daS englische Geschwader. daS vor Syrakus liegt, sind gleichfalls zur Hilfeleistung nach Messina abgegangen. Die Schiffe führen Proviant mit sich, da sich NahrungSniangel in der Stadt und namentlich unter den auf freiem Felde in der Umgebung kampierenden Flüchtlingen fühlbar «stachte. Rom, 2S. Dezember. Die letzten Nachrichten aus Messina lauten erschreckend. Die Zahl der Opfer wird aus mehrere Tausend per- anschlagt. De, Kommandant des Kreuzer«.Piemonto" ist mit Frau und Kinder» aus der Reede ertrunken. Man glaubt, daß auch bel General Reste, Kommandant der Garnison von Messina, um- gekommen ist. Die Regierung entsendet viertausend Mann Truppen zur Htlfeleistung. Unter den Trümmern ist eine Feucrsbrunst au§- gebrochen, die neue Verheerungen anrichtet. Diebe sind an der Arbeit und plündern die eingestürzten Häuser, weshalb der Be- lagerungSzustand oerhängt wurde. Palrrm», LS Dezember. Ein Torpedoboot hat in Milazzo 00 Brrwuadett auS Mcsfina gelandet. Von Catanio sind mehrere Geschwader zur Hilfeleistung mit den Abgeordneten Carnazzo und Defelice an Bord abgegangen. In Piedtmonte Elneo werden zahl- reiche Tote und Verwundete beklagt, in Giarre vier Tote, in Riposto drei Toie. in Torr« els Tote und 35 Vawundete. in Fiumefreddo zwei Tote. Rom, LS. Dezember. Nach weiteren Meldungen auS Sizilien find auw im Dorf» Hon Filippo in der Provinz Mesfiua infolge des Erdbeben» verschiedene Häuser eingestürzt und mehrere Menschen «U» Leben gekommen. Weitere Verwüstung«». Eatonzar», ZS. Dezember Nochnchten ans Reggio dl CfllaBm Berichten, daß die Stadt dasselbe Schicksal erlitten ha» wir Mrssina. Diese Nachrichten riefen große Bestürzung hervor. Anderen Meldungen »«folge ist die Ortschaft Foroganzirri, welche eine Borstadt Messinas bildet, vollständig verschwunden. Man spricht von Tausrndcu ovn Toten. Genaue Einzelheiten find bisher noch nicht bekannt. Bis jetzt sind fünf Dampfer mit Lebensmitteln abgegangen. Abendblätter von gestern wußten mitzuteilen, daß in Messtna 75«100 und in Calabrien 30 800 Tote gezählt werden Hoffentlich erweisen sich diese furchtbaren Meldungen als unzutreffend. Rettung von Deutschen in Messina. Eine Meldung au? Bremen hierüber besagt: Der nach der Levante bestimmte Dampfer„Therapia" deS Norddeutschen Lloyd hat in Messma die dort befindlichen Deutschen und eine Anzahl anderer Personen aufgenommen und nach Neapel gebracht. Ein fachmännisches Urteil über das Erdbeben. Der„Tägl. Rundschau" wird zu dem Erdbeben geschrieben: Allgemach sind die Erdbeben eine unheimlich vertraute Er- schciiiuug geworden. Die mnuideutichen Erichiitterungen habe» an ihrem Teil auch viel dazu beigetragen, daß weitere Kreise sich mit den geologischen Fragen der Bodeiieischüttcruiigen beschäftigen. Wenn nun schon die Ereignisse deS Vogtlandes manche Gemüter ängstlich machten, so mag dies bei den Nuchrichten aus Süditalien noch mehr der Fall sein. Konnte man doch schon ohnehin die Ansicht hören, wir gingen einem neuen revolutionären Zeitalter unserer alten Erde-nt- gegen, und die zoblreichen Vulkan- und Bedenverhältnisie der letzten Jahre seien nur das Vorspiel noch schlimmerer Er- eigniffe. Do mag denn sogleich entschieden widersprochen werden. Allerdings haben sich die unterirdischen Gewalten letzthin häufiger Kulturmitlelpnnlte zum Schonplatz gewählt, aber doch nur solche. die schon früher von gleichen Ereignissen heimgesucht worden waren. Auch Messina wurde in dem großen kalabrischen Beben von 1733 bereits einmal großenteils zerfförl. Im übrigen aber ist eine Zu- nabine der irdischen Bebenhäufigleit und Bebenstärke für die letzien Jahre nicht nachweisbar. Im Gegenteil. daS jetzt zur Neige gehende Jahr wie« sogar einen Fehlbetrag an Beben auf. der auch durch daS jetzt in Süditalien erfolgte keinen vollen Ausgleich erfährt. Der Vesuv mit seiner Umgebung sowie die vulkanischen Insel- gruppen um Sizilieu und der gewaltige Aetna haben dafür gesorgt. daß uns die vulkanische Tätigkeit der Erdrinde in Italien weil bc- deutungsvoller erschein» als die Erdbeben. Sehr mit Unrecht Von jeher haben die Erdbeben in Süditalien ein Vielfaches der Opfer gefordert und ein Vielfaches au Sachschäden angerichtet gegenüber den immer nur gelegentliwen. aber die Aufmerlsainleit mehr an- ziehenden und in ihren Wirkungen von der Abuosen liebenden Be- vöikerung oft sehr übertriebenen vulkanischen Ausbrüchen. Ob «ich die Berichte von den Opfern und dem Schaden des jetzigen Bebens voll bestätigen werden, bleibt abzuwailen. Im allgemeinen sind erfahrungsgemäß die UnglückSuachrichten meist anfangs stark übertrieben. Aus jeden Fall aber ist der Verlust un- geheuer und gemahnt an die Ereignisse von 1783. Damals war der Miltelpmikt die Gegend der Stadt Oppido. und die Kegend 22 italienische Meilen im Umkreis hatte durch nahezu unmittelbar von unten nach oben erfolgende Stöße die stärksten Zerstörungen erlitten. Dieser Kreis griff auch über die Sizilien vom Festlande trennende Meerenge hinüber und schloß Messina mit ein. Fast alle Städte und Dörfer in diesem Gebiete wurden glatt umgestürzt. während in einem größeren Umkreis von 72 Meilen Halbmesser weitere starke, wenn auch minder verheerende Wirkungen verspürt wurden. Die drahtlichen Nachrichten wußten auch von einem ver- heerenden.Seebeben" bei Mcssina zu melden Wörtlich trifft diese Bezeilbnung wohl nicht zu: denu der AusgangSpunlt der Meeres- erschütterung kann sehr wohl aus dem Festlande gelegen haben,. wie eS auch für das letzte Beben von Kingston aus Jamaika zutraf. Schon l7L3 wurde durch die Erschütterung des Festlandes und Siziliens zugleich die schmale Meerenge in Mitleidenschaft gezogen. Ganz wie wir eben wieder hören, zog sich auch damals das Meer plötzlich vom Ufer zurück, um dann in großer Schnelligkeit als gewaltige Welle zurückzukommen und die Einwohner hinwegzuspülen. die sich aus den zusammenbrechenden Häusern cm die Felsen der Küste geflüchtet hatten. Zugleich wurden die am Ufer verankerten Fahrzeuge in die Tiefe hinabgezogen. Ob die jüngsten Ereiguiffe auch von der Bildung waffererfülltcr Erdfälle, klaffender Spalten und inedcrbrechender Berghänge begleitet waren, wie solche den Beben von»783 ein besonderes Gepräge gaben, wird gar bald zu erfahren sein. Die Ursache der kalabrischen Beben ist leicht zu ersehen in der großen Jugendlichkeit der süditalienischen Rindenbildung und dem gleichfalls erst in letzter geologischer Zeit erfolgten Einbruch der Meeresleile zwischen Sardinien, Sizilien und dein Festlande. Wir dürfen annehmen, daß noch heute die geologische Gestaltung dieser Gebiete nicht zum Abschluß gekommen ist, sich vielmehr noch heilte vollzieht, einmal in der Form von Gcbirgsfaltung. sodann in dem Absinken und gegenseitigen Verschieben der Erdrindenschollen. Ins- besondere läßt sich der südliche Teil des Tyrrhenischeii Meeres auffassen alS ein durch staffelsörmigen Abbruch entstandener Keffel. Erdbeben und Vulkanismus wären demnach aufzufaffen als gleich- zeitige Vegleiterscheinungen umfassenderer Vorgänge in der Erdrinde. Das ist eine Annahme, die auch in anderen Erdteilen eine gute Stütze findet. Berliner JSacbrichten. Die Lust an der Roheit. „Um die Weltmeisterschaft," nämlich im BoxkamHf, über- schreibt die Ullsteinsche„B. Z. an. Mittag" einen langen Sportartikel, den ihr Pariser Spezialkorrcspondent im Zeit- alter der Humanität verzapft hat. Die Sache selbst spielte als Weihnachtsbelultigung in der Hauptstadt Australiens und bietet in ihrer Art nichts Neues. Ein riesiger N«gxr mißt sich mit einem bedeutend schwächeren Weißen im Faustkampf. Trotz der äußeren Ungleichheit des KämpserpaareS gilt der sorgfältiger trainierte Weiße als Favorit. Eine ungeheure Menge füllt die auf freiem Felde errichtete Arena. Enorme Wetten sind abgeschlossen worden. Tie Polizei hat das Tot- schlagsschauspiel skrupellos erlaubt. Dort drüben wiegt ja ein Menschenleben so leicht wie eine Feder. Wenn nur das Publi- kum sein Vergnügen an der brutalen Schlägerei hat. Und nach dem Bericht der genannten Zeitung ist diese Sucht, Blui zu sehen, aus ihre Rechnung gekommen. Wir sind wahrhaftig rncht zimperlich und gerade in Sportsochen. wo Kraft und Geinandlheit entscheiden, an Derbheiten gewöhnt. Aber waS hier mit allen die verrohte Sinnenlust aufpeitschenden Einzel- heilen geschildert wird, soll seinesgleichen in der deutschen Presse erst suchen. Den Ullsteinmännern. die ja freilich schon immer in widerlicher Reklame den Vogel abschössen, muß jedes sittliche Gefühl abgehen, daß sie es wagen, dem deutschen Lese- Publikum solche verrohende Kost zu bieten. Uns hat es. ob- wohl wir im Spiel mit Menschenleben täglich starke Proben menschlicher Verrohung kennen lernen, doch geschüttelt, als uns diese grauenhafte Beschreibung der Berliner Mittags- zeitung zu Gesicht kam. Wenn jener Korrespondent auf eineit Scharsrichterposten reflektierte, würde uns das gar nicht wundern. Vielleicht bewirbt er sich in Rußland um eine ent- sprechende Staatspsründe. Dort kann man solche Leute brauchen, denen es Wollust macht, in Menschenfleisch zu wühlen. Was bezweckt die Kochstraßenpreffe mit der minntiöseu Wiedergabe dieses scheußlichen Geistesprodukts? Will sit Stimmung machen, daß auch bei uns ein„Sport" eingeführt wird, der an Mord grenzt? In Sidney hat der Weiße dafür. daß er sich von dem Neger die Knochen zerschlagen und daS Gesicht verstümmeln ließ, ein Vermögen erworben. Man spricht von über Hunderttausend Mark. Auch der schwarze Satan hat für seine Heldentat, die das nicht gerade zart- besaitete australische Publikum in wahre Raserei des Ent- zückens versetzte, einen Haufen Dollarnoten in die Tasche gesteckt. Die beiden Ehrenmänner haben also auf alle Fälle ein glänzendes Geschäft gemacht und nicht minder die Veranstalter des Weihnachtsmatches. Sie sind weniger schuldig als die Menge, welche an sokfen barbarischen Kampfspielcn Gefallen findet, weniger schuldig als die Polizei, welche in ihrer moralischen Rückständigkeit öffentliche Marterung um Eintrittsgeld zuläßt. Wir glauben ja nun nicht, daß sich heute schon eine deutsche Polizei finden würde, die zu ähnlichcn Roheiten, bei denen Menschenleben den Einsatz bilden, die Hand bietet. Obwohl auch die deutsche Polizei sich mitunter auf das Boren ganz ausgezeichnet versteht. Aber es gibt ein deutsches Publikum, das dafür jederzeit zu haben wäre. In- sofern fällt die Spekulation der Ullsteinpresse auf fruchtbaren Boden. Unsere vornÄmisten Kreise, denen ein Menschenleben aus dein Volke genau wie auf australischer Erde herzlich wenig gilt, würde die Gelegenheit, am modernen Gladiatorcnspicl mit Wonne zuzuschauen, mit Gold aufwiegen und mit dem beseligenden Gefühl zum Diner gehen, daß die Schlächterei. wie die„B. Z. am Mittag" wörtlich schreibt, ein„sehr schöner, lebhafter Vertcidigungskamps" war. Es ist ja an gewissen Stellen Mode geworden, altertüniliche Sitten und Bräuche, die dem Gefühlsverniögon unseres Volkes nimmer zusagen, aus der Versenkung hervorzuholen, liin die erschlafften Nerven zu kitzeln und die Freude am Unmenschlichen zu stacheln. Wanim soll es da nicht möglich sein, daß auch jeneS abschreckende Bild aus barbarischer Vergangenheit empor- steigt, welches die menschenvernichtende Widmung trägt: Die dem Tode Geweihten grüßen euch! Die armen reichen Kinder. Sie hätten vielfach unterni leeren Weihnachtsbaum sitzen müssen, die Kinder der Herrschaften, und das zuckende, blutende Bourgeoismutterherz lzabe es mit Schinerz ansehen müssen, wie die annen Lieblinge sich ihre Herzenswünsche hätten ver- sagen müssen, weil, Mitivelt höre, staune und weine,-weil die Eltern der Kinder einen so„ungewöhnlich hohen Beitrag für die Dienstboten hätten zur Seite legen müssen", wollten sie sich nicht„im Hause und in der Umgebung bekritteln lassen". In den Gxoßstädten variiere das Weihnachtsgeschenk an die Dienstboten zwisil>en 50—100 Mark.„Was bleibe da noch sür die Kinder?" So barmt die gottselige„Staats- bürgerzeitung" in einem Artikel, den sie aus der gesinnungs- verwandten„Post" übernommen hat. Daß das Äeihnachts- geschenk als ein Teil des wohlverdienten Lohnes für die meist übermäßig ausgedehnte Arbeitszeit der Hausangestellten gilt, kommt bei dm Musterblättern. auS deren Klagen die Sucht zu hetzm wohl Heralisklingt, nicht in Betracht. Alle Mittel gelten. wenn sie nur wirken. Ohnedies beträgt in Wirklichkeit der Durchschnitt der Weihnachtsgratifikation 23— 30 M.. und nur in guten Häusern und bei mehrjähriger Dienstzeit erhält ein Mädckm mal ausnahmsweise 100 M. Die Sechsdreierhcrrschaften aber, die selbst nichts zu nagen und zu beißen Haben, brauchen sich keine Dienstboten zu halten und mögen ihren Dreck selbst aufklauben. Dann sparen sie ihr Geld und ihre armen Kinder brauchen nicht unterm leeren Tannenbaum zu sitzen— der Dienstboten wegen._ Die sozialdemokratische Fraktion der Berliner Stadtverordneten- Versammlung hat den folgenden Antrag eingebracht: Die Versammlung ersucht den Magistrat, die am n. Februar in Aussicht genommene Arbeitsloscnzählung nach dem System der Hauslisten vornehmen zu lassen. Dieser Antrag muß auf die Tagesordnung der ersten Sitzung im neuen Jahre gesetzt werden und wird hoffentlich auch zur Ver- haudlung kommen. Die juristische Sprechstunde am Donnerstag, de» ZI. Dezember(Silvester) fällt ans. Reujahrsgrühe als Drucksache«der Postkarte? NeujahrSgrüs� können als Drucksache mit folgenden Einschränkungen So r schick: werden. Auf gedruckten Visitenkarten sowie auf Neujahrs- und Weihnachtskartcn kann die Adresse des Absenders und sein Titel handschristlich hinzugefügt werden. Ferner können gute Wünsche. Glückwünsche, Danksagungen und andere HöflichkeitSsormcn Hand- schriftlich beigefügt werden, wenn sie nicht mehr als fünf Worts umfassen oder in den üblichen Anfangsbuchstaben„U. G. z. w.". „p. f." usw. bestehen. Auf allen Drucksachen kann man den Tag der Absendung, die Unterschrift sowie den Stand und den Wohnort deS Absenders oder des Empfängers handschriftlich angeben oder ab- ändern. Drucksachen dürfet« lt.1 Zentimeter breit und 18,8 Zentimeter lang sein. Karten von wesentlich anderer als rechteckiger Gestalt, z. B. in Form von Flundern, Kleeblättern, Bierseideln, sind zur offenen Versendung nicht geeignet. Offene gedruckte Karten mit der Bezeichnung„Postkarte" sind zur Beförderung gegen die Drucksachentaxe zulässig, wenn sie sonst den Bedingungen als Druck- fachen entsprechen. Büchern. Musikalien, Zeitungen. Zeitschriften, Bildern und Landkarten darf man eine Widmung hinzufügen. Modebilder und Landkarten dürfen ausgemalt werden. Postkarten dürfen in Forn«, Größe und Papierstärke nicht wesentlich.von den amtlichen Formularen abweichen. Die Aufschrift„Postkarte" brauchen sie nicht n«ehr zu tragen. Bilderschmuck und Aufklcbungcn aus der Rückseite und auf dem linken Teil der Vorderseite sind insoweit unzulässig, als dadurch die Eigenschaft als offene Postkarte nicht beeinträchtigt«vird und die ausgeklebten Zettel der ganzen Fläche nach befestigt sind. Warenproben oder ähnliche Gegenstände darf man nicht beifügen. 18 Grad EelsiuS unter Null. Der Temperatursturz hielt auch am gestrigen Tage an und die Quecksilbersäule fiel, wenn auch langsam, so doch ununterbrochen, bis zu einem Tiefstand von IL Grad, den daß«aisirierende Thermometer acltcrn morgen um 8 Mir berzeichnete. I» den?luß>:n5ezir!e» und Vororten werden Temperaturen bis zu M Grad Minus gemeldet. Es ist dies die niedrigste Temperatur, die wir seit Jahrzehnten aufzuweisen haben, und eine strengere Kälte ist nur an einzelnen Tagen in den Wintern der siebziger Jahre des twrigen Jahrhunderts beobachte: worden. Der EiswuchS ist bei dieser Kälte ein ganz enormer. Die ausgeeisten Flächen auf der Uirtersprce froren am gestrigen Tage sofort wieder zu und auf der Havel arbeiteten die Eisbrecher der- geblich, um eine Fahrrinne für die eingefrorenen Zillen zu schaffen. In der Nähe der Rathenower Schleuse blieb ein Dampfer im Eise stecken. Die Eisstärke auf den Gewässern in der Umgebung Berlins wurde gestern morgen auf 4 bis Ei Zoll festgestellt. Ein Opfer des Eissports wurde der 27jährige Handlungsgehilfe Siegfried Haller aus Breslau, der sich besucksweise bei Verwandten in Berlin aufhält und mit diesen einen Ausslug nach der Oberspree unternommen hatte. Die Gesellschaft lief von Friedrichshagen aus auf Schlittschuhen die Spree hinaus bis Zeuthen. Haller blieb unterwegs etwas zurück und versuchte sodann seine Verwandten zu überholen. Hierbei geriet er auf eine dünne Stelle, brach ein und verschwand sofort unter der Eisdecke. Alle Bemühungen, den Verunglückten zu retten, waren vorgeblich; es gelang nicht einmal. die Leiche des jungen Kaufmanns zu bergen. Silvcsternacht-Berkehr auf der Eisenbahn. Zur Erleichterung des VerkebrS in der Silvesternacht wird aus den Siadr-, Ring- und Vorortstrccken eine grostere Zahl von Sonderzüge» befördert. Als «letzte Züge* werden verkehren: ab Friedrich st ratze als volle Sndringe über Charlottenburg l.27 und l.ö? nachts, als volle Südringe über Schlesischen Bahnhof 1.3t und 2.0t nacktS. autzerdein vom Polsdainer Bahnhos über Siidring-Schlesiichen Bahnhos bis Halensee 2.27, bis Charlottenburg 2.57. als volle Südringe über Cbarlottenburg 12.32 und 1.02. ebenso über Schlesischen B.'hnhoi 12.56 und 1 26, outzerdem von Westend über den Nordring-Schles. Bahnhof bis Westend 1.32, 2.02 und 2.32 nachts; ferner nach Kaulsdorf 1.56, nach Lichtenberg- Jnedrich-ffelde 2.20, 2.31 und 8.01, nach Erkner 1.41 und 2.41, nach Nieder-Schöneweidc- Johannisthal 1 16 und 2.16, nach Grünau 1.46 und 2.46, nach Grunewald 2.42 und 2.49; ab Berlin. Görlitzer Bahnhof bis Grünau l.10, bis Königs-Wusterhausen 2.15; aus der W a n n- s e e b a h n verkehren folgende Sonderzüge: ab Berlin, Wannkee- bahnhof: 1.30, 2.10. 2.30, 2.50 und 3.10 bis Zehlendorf, ab Zehlen- dorf 1.31. 2.01, 2.41, 3.01 und 3.2l vormittags; auf der G r o tz- Lickiterselder Vorortbahn: ab Berlin. Polsdamcr Ringbahnhos 1.25, 2.15 und 2.45, ab Grotz-Lichterfelde-Ost 1.45, 2.05. 2.35 und 3.05; vom Lehrter Bahnhof nach Spandau fährt der letzte Zug 2 20 und von Spandau zurück 3.00 vormittags; auf der Strecke Spandau� Sladlbahn»Strausberg werden folgende Sonderzüge eingelegt: ab Strausberg 10.20 bis Charlottenburg. von dort»ach Spandau 12.42 und 3.30, ab Spandau 1.56, Schlcsiicher Bahnhof 2.42, Strausberg an 3.30 und Spandau ab 2.46 bis Charlottenburg. Die BettiebSlcitung der Berliner elektrischen Straßenbahnen A.-G. fSiemenö u. Halske) teilt mit, datz ül der Silvesternacht auf den Linien Pankow bszw. Nieder-Schönhausen nach Mittelstratze an- schlietzend an den Fahrplan noch folgende Sonderzüge verkehren: ab Pankow Mendelstratze 12.10, 12.30, 12.50, 1.10, 1.80; ab Nieder- Schöuhausen 12.20, 12.40, 1.00, 1.20, 1.40. Ab Mittelsttatze. Ecke Friedrichstrahe: nach Pankow Mendelstratze 1.00, l.20. 1.40, 2.00, 2.20; nach Meder-Scbönhausen 1.10, 1.80, 1.50, 2.10, 2.80; nach Franz. Buchholz, ab Prinzen-Alleeenschaftlichen Bewegung in Berlin. Einer genossenschaftlichen Bewegung in sozialistischem Geiste sind mit der von uns so oft befürworteten, vor Monaten bcschlofienen und nu» Wirklichkeit gewordenen Zentralisation deS Genossenschaftswesens in Berlin die Wege geebnet. Datz dieser Weg der einzig rationelle ist, um der Genossenschaftsbewegung in Berlin einen grötzeren Umfang und größere Leistungsfähigkeit zu geben, hat die erfreuliche Zunahme im Mitgliederbestande in den letzten Monaten bewiesen. Gerade in der jetzigen Zeit der furchtbaren KrisiS ist der Beitritt zur Genossenschaft für unsere Genossen von erhöhtem Vorteil. Aus Grund der Berliner Droschkenordnung war der Droschken- sührer Edel in zweiter Instanz zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Es wurde angenommen, datz er bewutzt Umwege gemacht Hab«, um einen Fahrgast seinem Ziele zuzufahren. Ferner sollte er die Gebühren namentlich dadurch überhoben haben, datz er auch für die Fahrt nach der Polizei, die aus Anlatz der unterivegs cnt- standenen Differenzen verlangt worden war, Geld beanspruchte. Das Kammergericht verwarf die Revision Es. Wenn auch Ae- bührenüberhebung angenommen worden sei, so läge darin kein Rechtsirrtum. Für eine solche Fahrt nach der Polizei könne der .Kutscher nur Geld verlangen, wenn er im Recht sei. Da der Vorderrichter festgestellt habe, datz Angeklagter gemutzt hätte, der Fahrgast habe recht, so hätte er ihn zur Polizeiwache fahre» müssen, ohne dafür etwas zu beanspruchen. Der bestätigte Stadtrat. Die Wahl des Abgeordneten Dr. Otto W i e m e r zum unbesoldeten Stadtrat von Berlin hat die Bestäti- gung deS Lcherpräsidenten gefunden. Die Einführung des Ge- wählten in sein neues Amt soll in der ersten Sitzung des neuen Jcchres stattfinden. Aerztliche Gesinnungsschnüffelei. Von einem hiesigen Arzt wird uns geschrieben:„Eine unglaubliche Leistung hat ein jeden- falls in Berlin oder in einem Vororte ansässiger Aeökulapsjünger vollbracht. Vor einigen Tagen ging mir ein anonymer Brief folgenden Inhalts zu:„Ihr sehnlicher Wunsch. Gewerksarzt zu werden, dürfte ein frommer bleiben, indem der hiesige Magistrat als Aufsichtsbehörde(!) des GewerkSkrankenvereins von der Tatsache Ihrer Mitgliedschaft zum sozialdemokratischen Wahlverein des 2. ReichStagswahlkreises benachrichtigt werden wird. Prognose also sehr ungünstig. N. N." Das miserable Deutsch, in dem der Erguß abgefaßt ist, lätzt cS zwar als unmöglich erscheinen, datz der Versasscr ein Arzt sein kölintc, aber der Ausdruck„Prognose" ist dem Richtmediziner zu wenig geläufig, als datz er von einem solchen gebraucht werden könnte, und schließlich lätzt ja die ganze Tendenz des Schreibens erkennen, daß nur ein Arzt in Frage kommt. Ob der edle Brief- schreibe? seine Absicht ausgeführt hat. entzieht sich meiner Kenntnis und läßt mich im übrigen herzlich kalt. Jedenfalls ist eö inter- cstant, zu sehen, wie der Brotneid in dem„idealen" ärztlichen Berufe seine Orgien feiert und iu welchem Matze Terrorismus und feiges Denunziantentum in den Dienst deS Brotneides gestellt werden. Ich kann zu alledem nur eines bemerken: der Brief- schreiber hat es verdient, Ehrenmitglied des Leipziger Aerzte- Verbandes und des Rcichsoerbandes gegen die Sizialdcmolratie zu werden I" Wie die bürgerliche Presse ihre Leser»interrichtek. Durch zahl. reiche bürgerliche Blätter, wie„Staatsbürger-Zeitung",„Reich „Germania",„Berliner Tageblatt",„Volkszeitung",„Morgcnpost" u. a. geht folgende Notiz: „Der Handelsminister, dem das Fach- und Forsbildungs schulwcsen unterstellt ist, hat in einem Erlatz darauf hingewiesen. datz es vom erzieherischen Standpunkt bedenklich erscheine, die noch in jugendlichem Alter stehenden Schüler für grotzenleilö lediglich aus Unüberlegtheit begangene Verstötze der polizeilichen oder gerichtlichen Hafi zu überliefern, da sie dort verderblichen Einflüssen durch ihre Mitgefangenen ausgesetzt seien und auch leicht für ihr künftiges Leben die Scheu vor der Strafanstalt verlieren könnten, die einem ehrliebenden jungen Menschen sonst natürlich ist. Er hat dafür die Einführung von Arrest- oder Karzerstrafsn für leichtere Fälle der Zuwiderhandlungen emp- fohlen. Die Deputation für das städtische Fach- und Fort- (nürnngsschulwesen hat infolge dieses Erlasses eine entsprechende Aenderung des Ortsstatuts in Aussicht genommen." Diese vom MagistratSoffizlosus verbreitete Notiz ist ent- nommen dem dieser Tage erschienenen Verwaltungsbericht für das Fach- und FortbildungSschulwcsen. Sie kommt aber sehr pos: festuni, Der Erlatz des HandclSministers, von dem hier die Rede ist, datiert vom 5. Dezember 1906 und hat bereits Berücksichtigung gefunden in dem neuen Ortsstatut. Wenn es in der Notiz heiht, datz die Deputation für das städtische Fach- und Fortbildungsschulwesen infolge dieses Erlasses eine entsprechende Aenderung des Orts- statuts in Aussicht genommen habe, so ist daraus hinzuweisen, datz diese Absicht bereits in dem Ende April von der Stadtverordneten Versammlung beschlossenen neuen OrtSstatut ihre Berwirklichung gesunden hat. Durch die Fassung der obigen Notiz werden die Leser der genannten Zeitungen in den Glauben versetzt, als handele es sich um etwas ganz Neues. Was natürlich grundfalsch ist! Aehnliche falsche und schiefe Nachrichten gerade über Vorgänge im kommunalen Leben Berlins finden wir sehr l)äufig in den bürgerlichen Zeitungen und man kann eS deshalb begreifen, wenn bei der vorjährigen Beratung des städtischen Etats im Etats ausschusie ein freisinniger hausagrarischer Stadtverordneter— wenn auch mit Bedauern— rund und nett erklärte: Wenn man sich über kommunalpolitische Vorgänge Berlins richtig und gewissen- hast informieren wolle, gäbe es in Berlin nur ein Blatt und dieses Blatt sei der„BorwärtS". Was wir hiermit, ohne uns zu loben, registrieren wollen._ Kinberbescherung. Ein hübsches Weihnachtsfest für die Kleinen mit anschlietzendcr Bescherung fand am Montagnachmittag unter der rührigen Leitung des Frauen- und Mädchenbildungsvereins in den„Klubsälcn" in der Kvmmandantenstratze statt. Zahlreich waren die Eltern mit ihren Kindern, die mit Ungeduld den Tag erwartet hatten, er- schienen. Märchenvorlesung und gesangliche Vorträge wechselten mit musikalischen Darbietungen und Aufsagen von Gedichten ab. Für Rezitationen und Märchenvorlcsung war Fräulein W ä l l y Kussel, als treffliche Heinc-Rezitatorin in Berliner Gcnösten- kreisen wohlgeschätzt, gewonnen worden. Fräulein.Kussel gelang es, in ihren glücklich gewählten und mit zartem Empfinden wieder- gegebenen Märchen und Erzählungen sich ganz dem Verständnis und der Vorjtellungöwclt der kleinen Dreiläsehochs. die mit glühenden Bäckchen lauschten, anzupassen und auch das regste Interesse der Erwachsenen zu gewinnen. Die Erzählung von der„Stopfnadel" und das prächtige, ewig neue Märchen von„Schneewittchen" gefielen besonders gut. Als vielversprechendes Talent überraschte Fräulein Erna Schneider-Zucht mit ihren gesanglichen Darbietungen, und das wohlklingende Organ im Verein mit der natürlichen Frische und der warmbeseelten Kraft deS Vortrages vermochte selbst unter den äutzerst ungunstigen akkustischen Verhältnissen veö Raumes bei den anwesenden Erwachsenen eine tiefe Wirkung und reichen Applaus auöZ-ulöien. Große allseitige Anerkennung fand ein lebendes Bild:„Schnee» wittchen mit den 7 Zwergen", von Kindern dargestellt und sehr niedlich arrangiert. � Nachdem noch das kleine Töchterchen einer Genossin mn von dieser verfaßtes Weihnachtsgedicht recht wirkungsvoll vorgetragen hatte, fand die Bescherung der Lttnder und der Jugendabteilung statt, woran sich noch eine Verlosung schloß. Noch ein Stündchen behaupteten die Kleinen das Feld, dann kam die erwachsene Jugend zwischen 16 und 60 zu ihrem Rechte und schwang nach den munteren Weisen da» Tanzbein, bis die vor- gerückt: Abendstunde dem genutzrcicheu Feste ein Ende gebot. Aus der Klinik für Unfallverletzte, die sich im Hause Mariannenufer 2 befindet und mit der Unfallstation lll verbunden ist, hatten wir über Zustände berichtet(in Nr. 300). die von dort untergebrachten Patienten und Patientinnen als ungehörig empfunden worden waren. Das Kuratorium der Unfall- st a t i o n e n lehnte die Verantwortung ab und verwies darauf (in Nr. 301). daß die Klinik— die, nebenbei bemerkt, mit der Un- fallstation eine und dieselbe Wohnung teilt— Privateigentum der Aerzte Dr. Stabcl und D r. Joseph sei. Nunmehr haben auch diese beiden Herren sich gemeldet und unS eine» langen Brief Übersandt, dessen Abdruck auf Grund deS Prctzgesetzes sie fordern, obwohl er nicht im entferntesten den Vorschriften deS Prctzgesetzes entspricht. Dr. Stabe! und Dr. Joseph„halten es für ausgeschlossen", datz wir..gegen sie persönlich eine feindliche Gesinnung haben könnten". Das ist sehr richtig vermutet. Wir kennen die Herren überhaupt nicht, und sie selber sind uns sehr gleichgültig. Aber nicht gleichgültig ist uns ihre Klinik, in der von Bcrufsgenossenschaften Arbeiter und Arbeite- rinnen mit Unfallverletzungcn untergebracht werden. Dr. St. und Dr. I. teilen uns mit, daß sie keinen Patienten haben ermitteln können, der zu unserem Artikel in irgendeiner Beziehung stehe. Daraus ziehen sie dann den Schluß, datz wir nicht durch Patienten ihrer Klinik, sondern— sie deuten das ziemlich unverblümt an— durch einen Bewohner des Hauses Mariannenufer'2 informiert worden seien. Dies« Annahme der beiden Herren ist— mit Ver- laub— eine Keckheit. AusderKlinik selber waren Klagen an unS gelangt, und bei den angestellten Ermittelungen sind wir durch eine mehr als ausreichende Zahl Patienttn und Patientinnen informiert worden. Die Denun- ziationen, die gegen die Klinik von dem in demselben Hause wohnenden Gastwirt in Uebereinstimmung mit dem Besitzer des HauseS, so schreiben die Herren Dr. St. und Dr. I., bei der Polizei eingereicht worden sein söllen, um ihnen den weiteren Aufenthalt in dem Hause zu verleiden, gehen uns nichts an. Dr. St. und Dr. I. heben hervor, die Behörde habe daraufhin vor einigen Wochen eine Revision abgehalten, bei der alle Punkte der Denunziation sich als gegenstandslos erwiesen. Auch seien bisher niemals, trotz regel- matziger Kontrolle durch die Behörde, irgendwelche Mißstände gerügt worden. Das ist allerdings sehr interessant. Die Zuschrift nennt es dann eine..objektive Unrichtigkeit", daß man in den .Hauptkorridoren„die Hand nicht vor den Augen sehen kann". Eine obiektive Unrichtigkeit ist die Unterstellung, datz das im..Vorwärts' gesagt worden sei. Im»Vorwärts" war gesagt worden, datz man auf dem Korridor des unteren Stockwerks„knapp die Hand vor Augen sehen kann, wenn alle Türen geschlossen sind". Wer„be- richtigen" will, mutz mindestens aufmerksam lesen und wortgetreu zitieren. Lediglich das untere Stockwerk hatten wir ge- schikdert. Darum ist cS überflüssig, datz die Zuschrift erzählt, die ganze Klinik habe 4 Klosetts und 2 Badewannen. Für dag untere Stockwerk stehen nur 2 Kl Fetts und 1 Badewanne zur Ver- fügung. Datz die Patienten. Männer wie Frauen, nur das eine Klosett benutzen können, weil ihnen das andere als für das Per» sonal reserviert gilt, bestreitet die Zuschrift nicht. Dieses andere ist. wle wie berichteien. in dem für Männer und für Feanen ve- stimmten Badcraum untergebracht und wird Von der Bade- wanne nur durch eine etwas über mannshohe Bretterwand gc- trennt. Hierzu schreiben die Scrren Dr. Et. und Dr. I.:„Es ist bei uns Vorschrift, datz das Badezimmer bei Benutzung von dc» Badende», bezw. dem Pflegepersonal von inner verschlossen wird. so datz eine Belästignng des Badenden ausgeschlossen ist. Wenn l?ierdurck, das hinter dem Baderaum befindliche Klosett unzugäng» lich ist, stehen dem Arzt und dem Personal noch drei Klosetts zur Verfügung, so datz dadurch keine Verlegenheit enistehen kann." Da- hinter steht dann noch ein Satz, der nachträglich durckißcstrichcn wurde, weil die Briefschreiber seine Veröffentlichung nicht wünschten. Er lautet:„Wenn der Arzt, wie Sie erwähnen, dcn Raum detreten hat, während jemand badete, so ist dies nur dadurch möglich gewesen, daß diejenige Person, welche badete, die Vorschrift, den Raum abzuschließen, außer Acht gelassen hat." Also: der Arzt ist schuldlos. Wir wollen hier noch einmal feststellen, datz der badende„Jemand" eine Frau war. Was tat übrigen? der Arzt, als er diesen„Jemand" bemerkte? Verließ er sofort den Raum? Ter Brief sagt hierüber nickts. Dr. St. und Dr. I. schlietzen: „Was unteren Assistenten, Herrn Dr. H e n z e, betrifft, so fühli sich derselbe durch die Form, in welcher sein Verhalten gegeunber lociblichen Patienten in Ihrer Zeitung dargestellt wird, be» l e i d i g t. Nach seiner Meinung bat er sich niemals etwas zu» schulden kommen lassen, was gerechtfertigte, ihn in diesen Weife öffentlich bloßzustellen. Er ist deshalb zu unserem Bedauern gc- nötigt, zur Klarstellung gegen die verantwortliche Redaktion Ihres Blattes Strafantrag zu stellen." Herr Dr. Henze fühlt sich schon dadurch beleidigt, datz wir sagten, von einer badenden Frau sei sein Erscheinen in dem Badsraum als sehr überflüssig emp- funden worden und seine gemütliche Art, sich zu geben, dünke der einen und der anderen der Patientinnen doch ein bigchen zu un- gezwungen. Er will eine Klarstellung herbeiführen durch eine Ge- rtcbtsverhandlung. in der unsere Zeuginnen ihm gegenübcrtrcten iverden. Tie Herren Dr. St. und Dr. I. bedauern das. Wir nicht. Bei einem Brande erstickt. Ein Brandunglück hat sich gestern früh in der Dresdener Stratze 57 zugetragen. Bei der Familie Kunze wohnte don seit längerer Zeit im vierten S:ock des Vorderhauses der 25jährigc Reisende Rudolf Pcrsch. Ter junge Mann entfernte sich vorgestern abend um 7 Uhr aus seineni Zimmer und kehrte erst nach Mitternacht nach Hause zurück. Niemand hat sich dann um ihn gekümmert, bis gegen 6 Uhr früh sich plötzlich ein starker Brandgeruch bemerkbar machte. Als man die Stubentür zu dem Zimmer des Persch öffnete, stcllle sich heraus, datz daS ganze Zimmer total oerqualmt war. Die sofort alarmierte Feuerwehr drang In den Raum ein und sorgte für de» schleunigen Abzug deS Rauche». Nachdem sich dieser einigermaßen verzogen hatte, fand man den Reisenden aus dem So'a sitzend leblos vor. Fcuermannschaften trugen den Verunglückten ins Freie und stellten sofort Wiederbelebungsversuche an. Leider waren aber alle Bemühungen umsonst. Persch hatte schon den Erstickungstod erlitten. Die Leiche wurde nach dem Krankenhaus« Bethanien geschafft. Der Wohnungsbrand, der Möbel, Decken, Betten und den Fußboden ergriffen hatte, konnte bald abgelöscht werden. Das Feuer hätte bald noch ein zweites Opfer fordern können. In dem zweiten Borderzimmer, das ebenfalls aus« gebrannt ist. wohnte der 22jährige Reisende Walter Blumenthal. der sich während der Feiertage bei seinen Eltern in Schlesien auf» ehalten hatte und zum Glück erst kurz nach Ausbruch des jeuers nach der Dresdener Stratze zurückgekehrt war. Zu dem unaufgeklärten>T»de->fall an der Fischerbrücke wirb miigetcilt. datz die Leiche der Helene Rzetkowska gestern nachmittag obduziert wurde. Der Kellner Manelt, auf den der verhaftete Schneider Haeske sich beruft, ist noch nicht ermittelt. In Friedenau, lvo er wohnen sollte, ist er ebenso wenig zu finden wie bei den Kellncrkont rollen. Ein Maler, der unter HaeSle in einem Räume mit allerhand Gerümvel hauste, bekundet, daß der Schneiher keine Geliebte iviederbokt tnitzhanvckt hakl Gib Mtsse? vmr.'Kt rüher bei Haeske wohnte, ist unbekannt verzogen und nicht zu er» Mitteln. Eine weitere Nachricht besagt: Aus der Haft entlassen wurd« der Schneider Julius HaeSke von der Fischerbrücke 3. Die Ob» duttio» der Leiche der Helene Rzettowska, die gestern nachmittag vorgenommen wurde, ergab keinerlei Anhalt für ein Verbreche», Das Mädchen ist vielmehr an einer Lungenentzündung gestorben. Brandstiftungen und kein Ende. Während der verflossenen Feiertage sind in Berlin mehrfach Brandstiftungen von der Feuer- wehr festgestellt und Personen unter dem Verdacht der Brandstiftung 'estgenoinmen worden. Gestern konnte schon wieder eine vorsätzliche Brandstiftung konstatiert loerdem Auf dem Boden dys HauscS Neue Friedrichstr. 70(Ecke Älosterstratze) brannten abend» ein Strohsack und anderes, das mit Petroleum begossen und dann an- gezündet worden war. Die Feuerwehr war aber so schnell zur Stelle, datz cS möglich wurde, den Brand auf seinen Herd zu be« chränken. Von dem Täter fehlt noch jede Spur. Etwas später kam in der städtischen Gemeindeschule Greifcnhagener Stratze 7L/b2 Feuer auf, da» schnell um sich griff. In dieser Gemeindedoppel« 'chulc ist, die 249. Mädchen- und die 261. Knabenschule untcrgebraclst; ie wird nur von einem Schuldicner bewohnt. Dieser bemerkte die Gefahr erst, als die Flammen aus den Fenstern schlugen. Oben war au» noch nicht ermittelter Ursache der Fußboden in großer Aus« debnung in Brand geraten, so daß die Feuerwehr mit mehreren Schlauchleitungen kräftig Wasser geben mutzte, um deS Feuers Herr zu werden. Der Scheden ist bedeutend. In der Langcnstr. 43 mutzte ein grötzerer Kellerbrand gelöscht werden, der bei Ankunft der Feuerwehr schon eine geraume Ausdehnung erlangt hatte. Wegen eines Schaufensterbrandcs erfolgte ein Alarm nach der Rosenthaler Stratze 43 und wegen eines Tischlercibrande» nach der Oranienstr. ö. Zwei Küchenbrände mutzten fast gleichzeitig in der Gneiscnaustr. 30 und Linienstr. 131 gelöscht werden. In der Älosterstr. 25(Ecke Kvnigstratze) brannten Futzt-öden und anderes, und gleichzeitig Kopcrnikusstr. 27 Gardinen iind Möbel. Außerdem liefen noch Feuermeldungen aus der Bendlerstr. 17, Neuen König- straße 46 und anderen Stellen ein. In der Deutsch-Kroner-Stratze Nr. 7 ist der Händler I. MatheS und seine Ed'trau festgenommen worden, nachdem abends in Abwesenheit der Eheleute in der Woh- nung.Feuer ausgekommen war. das auf vorsätzliche Brandstiftung zuruckge führt wind. Die Kinder wurden von Verwandten aus- genommen._ Vorort- JVachncbtciK Rixdor?. Ein Vauuilfall ereignete sich am 22. Dezember auf etnem Neu» bau in der Scdillerpromenade. Der aus dem Bau als Wasserträger beschäftigte Arbeiter Wilhelm Heidemann. Steinmetzstr. 93 wohnhast. sscl. als er mit Abmachen der Richtschnur beauftragt wurde, aus der Höhe deS zweiten Stockes berab und erlitt schwere Verletzungen- Wie unS mitgeteilt wird, fehlte auf diesem Bau. der von Akkord» maurern ausgeführt wird, an der ersten Eiage die Schutz« Vorrichtung, konst hätte der Unfall nicht so folgenschwer sein können. Als der Polier aus diesen Mangel aufmerksam gemacht wurde- soll er betont haben, datz eine Schuvvorrichtims nicht nötig sei. UnS wird indes versichert, datz im Hose Materialien gelegen haben und schon deshalb ist nach baupolizeilicher Vorschrift eine Schutzvorrichluna alizUbriiigen. Dieier Fall beweist wieder eilmrak, wie sehr oft die Sicher" Vorschriften außer acht gelassen werden. Um mit seinem Bater, dem WahlrechtSattentiiter Herr R a b m i g nicht vcrivechselt zu werden, bittet un» Z Rahmig jun., gigarrenhändler, Prinz-Handjery-Dttoße I wohnhaft, mitzuteilen, datz er nicht Stadtverordneter ist few Vater, der FadrNant Herr Karl Rahmig sen« Prinz- Handjery-Strahe 16 l wohnhaft. Wir komnien diesem Ersuchen um so eher nach, als wir eS verstehen lönnen, wie unangenehm eine derartige Verwechselung empfunden werden kann. Für Herru Rabmig sen. ist es allerdings wenig schmeichelhaft, wenn selbst sein Sohn schon von ihm abrückt. Stralau. Zum Achivhr« Ladenschluß. Die in den letzten Tagen vor- genommene Äbstimmung für den Achlubr-Lademcblutz ergab ein günstiges Resultat. Von 53 Ladeninbabern stimmten 49 für und ü gegen den AcUtuhr-Ladenschlutz. Hoffentlich gelangt derselbe nun bald zur Einführung. Dadurch wäre zugleich das unerouickiiche Verhältnis am Markgrafsndamm beseitigt, wo die Geschälte der Berliner Seite um 8 Uhr geschlossen werden, während auf der Stralauer Seite erst um V Uhr Geschäflsschlug ist. Ober-Schöneweide. Sexuelle Aufklarung in der Fortbildungsschule. Da? Kuratorium der PflichtiortbitdungSjchnle bat bei Feststellung des nächstjährigen Etats für die Schute beschlossen, der Gemeindevertretung folgend:S zur Beschlutzsassung zu empfehlen: Halbjährlich für abgehen>e Schüler durch einen Arzt einen Vortrag hallen zu lassen, welcher Hr die Schüler eine sexuelle Aufklärung darstellen soll. Ferner durch eine aus dem Gebiete erfahrene Person wöchentlich eine Stunde Ge- werbehygiene und Arbeiterversicheruiig lesen zu lasten, und zwar für die drei oberen Klasten. Die benöligle Unterrichtsstunde soll dem Deutschunterricht entzogen werden. Steglitz. Die GewerkschastSkommission für Steglitz und Umgegend nahm in ihrer letzten Sitzung die Wahl des Vorstandes vor. ES wurden gewählt als erster Vorsitzender Richard Hagen. Friedenau. Rhein- slratze lO; als Kassierer Heinrich Pöhlmann. Friedenau, Kirchftr. 3; als Schriflsübrer Fenbte-Sleglitz. gimmermannstr. 23. Die Wahl der Revisoren wurde bis zur nächsten Sitzung vertagt. Die Sitzungen sollen in Zukunft regelmätzig am letzten Montag im Monat stattfinden. Da Friedenau über 20 000 Einwohner zählt, so wurde der Vorsitzende beaustragt, beim Gememdevorstand von Friedenau die Einführung eines GewerbegerichtS zu beantragen. Un° rnlschnldigt fehlten die Delegierten der Buchbinder, Dachdecker, Steinsetzer. Schuhmacher und Zimmerer. Mt-Glieiticke. Eine von etwa 350 Personen besuchte Bolksversammluug be- schäfligte sich am Sonntag im Lokal von TroppcnS mit der Frage der Erhebung von Schullasten, welche All-Glienicke von den Nachbar- gemeinden glaubl fordern zu können. Durch das Bestreben Alt- Glienickes, die Gemeinde Lber-Schöneweide zu den Schullaften heranzuziehen, ist den Arbeitern am Ort die Erlangung von Be- schästigung in Ober-Schöneweide erheblich erschwert'worden. TaS Referat über diese für die Arbeiterschaft höchst wichtige Frage hielt Genosse G r u n o w- Ober-Schöneweide. Redner zeigte treffend, wie durch diese verlehrte Gemeindepolilil in erster Linie die arbeilende Bevölkerung geschädigt wird. Zur Diskussion meldete sich der bürgerliche Gemeindevertreter Dr. Herb ran dt, welcher stch mit den Ausführungen deS Referenten einverstanden erklärte und mitteilte, datz der Antrag der Gemeindevertretung zwecks Heran- ziehung der Gemeinde Ober-Schöneweide zu den Schullasten in der leyien Gemeindevertretersitzung zurückgezogen worden sei. Genosse Dürre betonte, dost es jetzt schon vorgekommen sei. daß in Glienicke wohnende Arbeiter, welche stch bei der A. E.-G. in Ober- Schöneweide um Arbeit bemüht hätten, abgewiesen worden seien. wert Ober-Schöneweide zu den ortlichen Schullasten nicht zahlen wolle. Weihensee. Ein schreckliches BrantmngkSck ereignete sich vorgestern in der Langhansstratze 1t4. Dort kam das Il�jährige Töchterchen des SchniiedemersterS Karl Zeh dem Osenseuer zu nahe, so daß die Kleider deS Kindes in Brand gerieten. Auf das Geschrei des KindeS eilten die Eltern herbei und fanden die Kleine mit schweren Brandwunden vor. Noch ehe dann ärztliche Hilfe zur Stelle war. verstarb das Kind. Röntgental(bei Zepernick� Feuerlärm ertönte in der Nacht vom 27. zum 28. Dezember in unserem Orte. ES brannte ei» von der Berliner Städtlschcn Gas- ansiall in der Bärwaldstraste errichteter Schuppen, welcher zur Auf- bewahrung von Materialien usw. dient, vollständig nieder. Der Wächter war gerade aus seinem Rundgange mit den Lampen, welche sich bei den teilweise sreiliegenden Materialien befinden, beschäftigt. als der Schuppen in Flammen ausging. Entstehungsursache war ein offener Kolskorb, welcher im Innern deS Schuppens brannte und die leicht entzündbaren Materialien in Brand setzte. Trotzdem von dem Feuermelder genügend Feuerlärm geblasen wurde, zeigten sich jedoch von den nächstliegenden Ortschaften keine Feuerwehren. Be» merkt sei noch, dost sich am Orte selbst keine Feuerwehr befindet und es gerade diesem Umstand zuzuschreiben ist, daß der Schuppen Voll- ständig ein Raub der Flammen wurde. Vermischtes. Großfeucr in Bautzen. Nach einer Meldung aus Bautzen brach gestern vormittag in der dortigen Waggon- und Maschinenfabrik Aktiengesellschaft vormals Bu�ch ein Schadenfeuer au«, welches die Slellmacherei, Tischlerei und die HolzbearbeitungSwerkstätten in Asche legte. Mehrere Arbeiter und Feuerwehrleute erlitten Ver- letzungen; ein Wehrmann mußte schwerverletzt in daS Krankenhaus geschafft werden. Der Betried wird aufrechterhalten, auch Arbeiter- entlassnngen finden nicht statt. Entgleist. Au? Freiberg i<3. wird vom gestrigen Tage ge» meldet: Heute morgen in der vierten Stunde entgleiste der Güter« zug 703l nach Dresden bei der Kilometerstalioir US. Mehrere Wagen wurden zertrümmert. Drei Haup lg leise sind gesperrt. Der Perionenverkehr wird durch Umsteige» aufrechterhalten. Verletzt wurde niemand. Der Frost. Lübeck. 29. Dezember. Der Elbe-Trave-Kana! ist seit heule durch Eis gesperrt.— Paris. 29. Dezember. Hier herrscht seit mittag uugewöhillich heftiger Schneefall und große Kälte. Stürme und Hochwasser in Nordspanicn. Ein Telegramm auS San Sebastian belagt: Seit Sonnrag haben heftige Stürme in den Provinze» NordipanienS beträchtlichen Schaden angerichtet. Kn Bilbao sind ganze Stadtviertel überschwemmt. Mehrere Hänier wurden zerstört. Die Flüsse find über die User getreten, die Schisf- fahrt an der kantabrischen Küste ist unterbrochen, Amtlicher Marktbericht der fläMilchen Marktballen-Direktion über den Grohbandcl in den Zentral-Marktballen. Marktlage» Fleische Zulubr genügend. Gclchäst ruhig, Prelle unverändert. Wild: Zusubr un» genügend, Geschäsl sehr rege. Prelle gut. Geflügel: Znluhr genügend. Gelchäjl lebhaft, Preise gut. Bulter und Käje: Gefchäfl. ruhig. Preise unverändert. Eemüle, Obll und Südfrüchte: Zusuhr: mäßig, Geichäst in Gemüse lebhast, tonst still. Prelle behauptet. Für den Intial» der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Vrrantwvrnmg. idealer. Mittwoch, 30. Dezember. Anfang 7'/, Uhr. Königliches cpernhauS. Der flieamde Holländer. Königl. Schauspielhaus. Die Junglrau von Orleans. DeuticheS. Revolution in Kräh. Winkel. RoibmillagS 31/» Uhr: Treulieb und Wunderdold. Kammerspiele. Der Arzt am Scheideweg.(Lins. L Uhr.) Ansang 6 Übt. Lesjing. Daumelster Solnetz. rliuer. HeroUS und Marlamne. Rrues Sd>»»iVielha»S. RabagaS. Nachmittags S Uhr- Schnee- wittchcn. Neues. Israel. kleines. Moral. «omifchr Oper. Zaza. .Hebbel. Tdummelumiea. tttefideuz. Kümmere dich um Amelie. Schiller"*»»>,>,->• tocuiei.) Herr Ministerialdirektor. Sch>r. tkharlotlendurg. Der Famillenlag. Friedrich. trlilhelmftlldt. Madame Bonward. Westen. Der iapfere Soldot. Nachmittags 4 Uhr: Dornröschen. 2I,aIia. Mein Leopold. NachmiitagS 4 Uhr: Hänsel und (Bretel._ Luise». Die Kinder des Kapitän Grant. Berndar» Rose. Die Geyer- Wally. Wilhel,»-Theater. Die Schöpsung. vü»».»rtömiS. Die glücklichste Zeit. 3 rinnen. Der Satyr. Rrars Operetten. Di» Dollar- prinzeisin. Nachmittags 81/, Uhr: Den König drückt der Schuh. Berliner Operetirn-Theater SW. Haoana. Ansang 81/, Uhr. Gast'piel- Theater. Drahtlose Tel graphic. Ansang 8'/, Uhr. Bürgerl. Schauspielhaus. Minna von Barnhelm.(Ans. 8'/, Uhr.) Gebiüder Herrusetd. Die bewen BindetbandS. StP""». Mizi Glzl Siegwart Gentes. Niet ooot. Donnerwetter— tadellos. Wintergarten. Spezialitäten. •i'r.i'ngr. Spezialitäten Kasino. Die Dianabäder. Spezla- litälen. Reichs allen. Elettwer Sänger Walhalla. Svezialttäten. Folics Gaprice. servuS Pschestna. Lustige Ehemann. Gui.av Behren». Der Oberstetger. Apczialilälcn. Gar«.iravertaad. Spezialitäten. Parodie. 2X3—7. Die Zauberstöte. Ansang 82/, Uhr. Urania. T».......»raste Stt 4t» Nachmittags 4 Uhr: An den Seen OberilalienS. Abend« 8 Uhr: Am Golj von Neapel. Gter»».»rte. Knvalidenttr. 67/82. Heues Thealer. Anfang 8 Uhr. Israel. �onnerSIag Ansang 7 Uhr; JSrael 'tag: Jslael.__ 'öes Thealer. Ansang 8 Uhr. loral. Tbealer des Westens. Allabendlich 8 Ubr: Der tapfere Soldat. Mittwoch und Sonnabend nachm. 4 Uhr kleine Preise: voeneSsoken. fMek-WitoelmsMiHtigi Schauspielhaus. Mittwoch, SO. Dez, Ansang 8 Uhr: Madame Bonivard. Donnerstag: Madame Bonivard. Freitag nachm. 3 Uhr: Madame Sans-Qtne. Abends 8 Uhr: Husaren- fieber. Serliner Theater. Heute 8 Uhr: Herodca und Harlamne. Morgen 7 Uhr: Einer von unsere Laut'. Residenz-Theater. — Direktion: fliehard Alexander.— Abends 8 Uhr: „KQmmere Dich um Amelie." Schwank In drei Akten(vier Bildern) von Georges Fevdeau. Freitag, l. Jan., nachm. 3 Uhr: Ganz der Papa. Sonntag, 3. Jan., nachm. 3 Uhr: Habe» Sie nichts zu verzollen? yastspiet- Theater Küpenickor Straße 68. 8'/, Uhr: Gastspiel Frl. Hedwig Lange: Diahllose Telegtaphie. Luisen-Theater, Ad-ndS 8 Uhr: Die KiDder des Kapitän Graut. Donnerstag: Große Silvefterseier, Theater, Konzert. Ball. Einheit- ltchcr Preis 75 Pf. Freitag nochm 3 Uhr: Der Sonnen wen! hos. Abends: Die Kinder deS Käp tön Grant:_ Rixdorfer Thealei Bergstraße 147. Freitag(AeujahrStag), d l. Januar: Der Mtg\m gerzk». Lustspiel in 4 Akten v. A. L'Arronge. Ansang Tl, Uhr._ WIMM IHM Gr. Frantwner Str.>32 Abends 3 Uhr Dir Gkiier-Ually Schauspiel in 5 Akten von Dllhelmine _ v. Hlllern. py ZZochentagSprelse. Bürgerliches Schauspieiiicjs Kastanien-Allee 7—0. Minna von Barnhelm. Lustspiel in 5 Allen von Lessing. Ansang 8>/, Uhr. ?lvis k Morgen keine Vorstellung sondern: Graste TIlvefterfeier in den Räumen deS Berliner Prater- Tbealers. Puhlmanns Theater (trüb. Fröbel. Jnh.: 1. LeRckIcowsItl). 8trl,«ssil>aa-.rr.Llloo I4i8. Morgen Donnerstag im vollständig renovierten Saal: Große Silvesterfeier. Gelchenkoert eilung, Polonäse. Vor« träge, Begrüßung deS neuen JahreS. Anfang S Uhr. Ende il SUvr-VlRe»t«i'. O. lWallner-Zbealer.) Mittwoch, abends 8 Uhr: ver Herr Ministerialdirektor. Lustspiel in 3 Allen von Alcrandre Bisson und Fabrice Carre. Donnerstag, abendSstUbr: Zum l. Male: Charleys Tante. Freitag nachm. 3 Uhr: Wilhelm Teil. Freitag, odend»" Uhr: Ohai-Ie»;-» Tantv i Schiller-Tdeater Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Dpr Faniillenlac. Lustspiel inZAlten v. Gustav Kadelburg. Donnerstag. abendSvUhr: Zum l. Male: Komteaav Gucbprl. Fieitagnachm. 3Uhri Web' dum, der lügt. F r e> t a g. abends 8 Udo Komtesse Ourkcrl. Zirhns Schuniana. Heute Mittwoch, den 30. Dezember, abends präzise T'/s Uhr: Grande 8olr£e �queatre. Elite-Programm u. um 8 Uhr: DacaJt der beste vierbeinige Bycycle-Kiinstler. Ein Wunder ■«StSCj der Katur. Um O1/. Uhr: I»a»«rtlllte and elünsendate Prnoht-3Iancgen-Schan»(ück Oolo, der Seeräuber u. Mädclienhändler. U. a.: Hitcbater Trlninph der Technik, Abatura e 1"k" i'<'r an Tp r" 1' höchsten Spitze d. Berges. Achtung! Freitag, den 1. Janaar 1909: 2 Voratcllungen. in beiden Vorstellnngen: Golo. Nachm. ein Kind frei. iir Donnerstag, den 81. Dezember 1008 Silvester-Vorstellung und«Feier Anfang 8 Uhr. Das Riesenprogramm mit Otto Rentier n. d. 10 Sternen am Dezember- Ulmmel. Gastspiel des bleuen Operetten- Theaters(Direktion Viktor Falfi). II. Akt der Operette Die Dollarprinzessin* Musik von Leo Fall Üllitar-Konzert ausgeführt von der Kapelle des Kais.-Aloxand.- Garde-Orenadier-Regts. No. 1 unter persönlicher Leitung des Stabshoboist Kenmann. Der Vorverkauf findet statt: an der Theaterkasse vormittags 9';, Uhr den ganzen Tag. in i den Warenhäusern A. Wertheira, Leipzigers Str. 132, Kosenthaler Str. 29, Oranienstr. 52 und deren Billettverkaufs-Filialen: Kantstraße 3, Schicklerstr. 4, Kathenower Str. 8, Blücherplatz 4 u. Schönebere, Hauptstx. 1 U. Invaliden-. dank, Unter den Linden 24. Grand- Hotel- Festsäle Am Aleranderplatz.__ B. Jehmiich. Jeden Sonntag und Dienstag: I2l6lbf Hamburger Sänger. Anfang Sonntags Sst, Uhr, wochentags 8 Chr. Vorzugskarten haben wochentags Gültigkeit. Metropol-Theater TUglich 8 Ehr Donnerweiter-(adellos. Revuein lOBildern v. Jul. Freund. Musik von Paul Lincke. Regie Direktor Schultz. Freitag, den 1. u. Sonntag, 3. Januar, nachmittags 3 Uhr: Darctalaucht Ratliesclien. Oonnerslag, den 31. Dezember: Große Silvesterfeier. Lustspielhaas* Abends 8 Uhr: Die glücklichste Zeit. Hebbel-Theater Königgrätzer Str. 67,58, Ans. 8 Uhr. Thummelumsen. Xrn.-s Opcrctten-Thcatcp, Schinbaurrdanim 25, a. d. Luilcnstr. 3'/, Uhr: von König drückt der Schuh. Abend» 3 Uhr: vi« OoliarprlnseMla. XIV. Halnon i Zirkus Busch.| Mittwoch, den 30. Dezember, abendS präz. 7'/, Uhr: Gala-VorMellnng. amca9.ul,tDas Molo-Baby! Um SV. Uhr: ! Barbarossa! Besonders hervorzuheben: Das grelle Turnier und die FecMer- produktionen zu Füll u. zu Pferde. Freitag, den 1. Januar(909: S tir. anUerordcntllche Ciula- Vorstellungen. 4 tt. 71/j Uhr: In beiden Vorstell.: BarbaroKHa. i Passage-Theatsr. i Bozens Bradsky> und das koloMwale i Dezember• Programm.| < Donnerstag, den 31. Dezember:> J Berlins größte I * Silvesterfeier mit Ball| J A der für diese eine Nacht, ll U' � t,s � < € !• « ! » vereinigt. Etablissements, Passage sTheater J Linden« Kabarett i Biers Kabarett| Eintrittspreis 5 M.» Näheros die Plakate. 1 Passage-Panoptikum. Volkstage! Jeder Erwaebsone filtl Killd Ir6i! jedes Kind erhall ein Geschenk! Geschenk« im Werte von über IOOO Mark. Darunter Einzel- gesehenste von SO Hark. Ein Stttndohen Im Hlmraclpetcb. 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Jan., nachm. 3>/, Uhr Familien-Vorstellung. 4»ebeU«>ee Berriilelll- Anlang Tbanto» Vorverst. g l uvalri. ,,.2vdr. 57 Kommandantenstr. 57. Gr. Bllvesler-Peler ron 8 Uhr abds. bis 4 Uhr früh. DAM" Zum HO Male:-WM Die beiden Bindelbands. Vorher: O Spczlnllttttcn. 6 Hardinis, Mirzl von Wenzl. Lea Rhyants, Lona Hegyi, Lindsfrllm- Terzett, Odo Otto, Bernabs et Chivo, Vinccnza, Toaka-Trio. Punkt 12 Uhr: Anbruch einer neuen Zeit. Groß an das Nene Juhr von Hugo Pollak. Fanfarenklänge kÄS Gr. Volkssänger-Soiree nach alter Wiener Art arrane. von Anton and Donat Herrnfein. Stegreif-Vorlrttge folgender Künstlet: Carla Mutzbauer, Grete Rogte, Kalhi Dreher, Julie Torelli, Emst Groll, Eugen Meutert, Hugo Dublin, Jaquea Glaser, Emst Eckhoff. Casino-Theafep Solhringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Das glänzende Dezember- Programm Jubelnder Locherfolg! Die Dianabäder. Freitag 4 Uhr: Reezengasse 8a. Sonntag 4 Uhr: Hotel Klingetausob Königstadt» Kasino* Solzmarklfir. 72. TägNch: Gr. 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Nm rege BeteMgimg ersucht 232/3 Ose Vorstand Zentr-alveM der Maseliiiiisteo liod Beizer sowie BerolsienosseDOeutscbl. Verwaltungsstelle GroB-Serlls. Todes- A nselge. (Im 28. Dezember verstarb da» Mitglied. Kollege Triton Bossard (fbet seinem Rnbenten! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 30. b. M., nach. mittags 3 Uhr. vom Trauerhause. Lichtenberg. Blumenthalitr. 7, aus nach dem Kirchhol in Wilhelms- berg statt. Um zahlreiche Beteiligung ersticht 146/5 Die Ortsvermaltuug. Beutseltei' Holzarbeiter-Verband! Den Mitgliedern zur«ochricht. Satz unser Kollege, der Maschinen- arbeit« Bernhard Katschke am 28. Dezember gestorben ist. GHro keinem Andeuten! Die Beerdigung findet am DomierStag, den 31. Dezember, nachmittags 8 Uhr, von der Leichenhalle des Michael-KirchhoseS am Mariendorser Weg auS statt Nm reg« Beteiligung«sucht 35/13 91» 9etsverwaltung. Deutscher Buchbinder- Verband. ?BtilztelI« Berlin. Am 27. Dezember verstarb nnl« MttgNed, die Falzerin Anna Raffkes «vre ihrem Andenken 1 Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 2. Januar, nach. mittag« 3>/» Uhr. von der Leichen- balle de» Luisenstädttschen Kirch- Hose», Bergmann stratze, au» statt Zahlreiche Beteiligung erwarte! 25/2 Die Drlsverwslluog Nachruf. Allen Kollegen und Kolleginnen zur Räch>icht, datz am 24. d. M. unsere Mitarbeit erw. Frau E-Ise Tiepke verstorben ist. Wir werben derselben stet» ew ehrendes Andenken bewahren Das Personal der vnchdruckerei H. S. Hermann. Hillen Verwandten. Freunden und �4 Befannien sowie den Kollegen der Deutschen Massen- MunttlonL- sabrif, die meiner lieben Frau, unserer guten Mutter, Schwester und Schwägerin Frida Schuch geb. Wunderlich die letzte Ehre erwiesen haben, sagen wir unseren herzlichsten Dank Ran Sehueh liebst Kindern, 55642 GotzfowSkystr. 12. Danksagung. Allen Kollegen und Sekannlen, die meinem lieben Sohn, unfern Bruder Ccorx Geudert die letzte Ehre erwiesen haben, sagen wh hiermtt unlcrn herzlichen Danf. 3545 Leins Maller und Brüder. Danhsugung. Sag« allen Beteiligten bei der Beerdigung meines lieben Manne» sowie sür die reichen Kranzspenden meinen besten Dank. I61b Albertlne von»». t i Billigste BezaaROnelle I igedieg. smergmeinde' iWeslraannsl Trauer-Magazin { Berlin W., Mohrenstr 87a s | NO., Gr. Frankl. Str. ttS 1 Genaue Beachtung | meiner Firme u. Haus numiaer geboten! vkiantwortlicher Redakteur: Kans ZSeber, Merlin. Aür den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Luchdruckerei n. Verlaaeanstalt Paul Singer Lr Co., Berlia L