Nr. 3. Abonnements- Bedingungen: bonnements Preis pränumerando Bierteljährl. 8,30 t, monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Big. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage Die Neue Belt" 10 Big. Bost Abonnement: 1,10 Mart bro Monat Eingetragen in die Boft- Beitungs Breisliste. Unter Kreuzband Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland & Mart pro Monat. Vostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz Ericheint täglich außer Montags. für Vorwärts Berliner Volksblaff. 26. Jahrg. Die Infertions Gebühr Beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder beren Raum 50 Bfg., für bolitische und gewerffchaftliche Vereins. und Berfammlungs- Anzeigen 30 Bfg. Kleine Anzeigen", bas erfte( fett. gedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 10 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition i bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Die Arbeitslofenzählung am 17. November in Berlin und 27 Vororten. Dienstag, den 5. Januar 1909. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. zahlung aber hat ihre Zahl festgestellt. Sie war nicht minder langen, daß sie die Zählung nach einem brauchbaren System erschreckend hoch als die der völlig Arbeitslosen. Für Groß- Berlin vornimmt. Und bon den Verwaltungen der Vororta ergab die Zählung im Jahre 1902 nicht weniger als 58098 gemeinden haben die meisten bereits erklärt, daß Arbeiter mit vertürzter Arbeitszeit, die wöchentlich sie nicht mehr nach dem Meldesystem, sondern nur mittels einen Ausfall von 694 576 Arbeitsstunden hatten, das find pro Hauslisten zählen lassen würden. Daß dieses dieses Verlangen Das letzte Gemeindeblatt bringt als Sonderbeilage den Bericht Person und Woche 13 Stunden. Wenn man in Rechnung stellt, nicht allein von sozialdemokratischer Seite aus gestellt wird, beweist des Statistischen Amts der Stadt Berlin über die daß auf einen voll beschäftigten Arbeiter wöchentlich 60 Arbeits- auch ein Artikel in Nr. 11 der Sozialen Bragis", in dem es Arbeitslosenzählung im November, die, wie erinnerlich, in der Weise stunden kommen, so repräsentieren die 694 576 Arbeitsstunden, welche ausdrücklich heißt, alle Arbeitslosen feststellen kann man nur vorgenommen wurde, daß sich die Arbeitslosen in 3ählbureaus jene teilweise Arbeitslosen weniger beschäftigt waren, 11 576 völlig nach der" hausierenden Zählung", d. h. wenn man in zu melden hatten. Die Bedenken, welche wir von vornherein Arbeitslose, die noch zu der Verschlechterung der Wirtschaftslage bei- jede Wohnung einen Zähler schickt, der nach Arbeitslosen fragt und gegen die Unzuverlässigkeit dieser Methode aussprechen mußten, tragen. Man sieht, wie wichtig also für eine richtige Beurteilung den Fragebogen entweder sofort felbst ausfüllt oder nach einiger Zeit haben sich leider als nur allzu sehr berechtigt erwiesen. Das des Arbeitsmarktes auch die Zählung der teilweise Arbeits- abholt." Resultat dieser Meldezählungen entspricht nicht der Wirklichkeit; es losen ist. Die Arbeiter Berlins erwarten mit Bestimmtheit, daß Stadta hat sich etwa ein Drittel der Arbeitslosen nicht freiwillig gemeldet. Die jetzt nach dem Meldesystem gewonnenen Nefultate find also verordnete und Magistrat die nächste Zählung nach diesem„ hausieEs beträgt nämlich das Gesamtergebnis der Zählung für viel zu niedrig! Man kann auf Grund der früheren Zählungen renden System" vornehmen lassen, das nicht wie das Meldesystem Groß- Berlin 40212 Arbeitslose, davon 1631 annehmen, daß die Zahl der völlig Arbeitslosen um ein Drittel den furchtbaren Notstand nur bertuscht, statt, wie es Aufgabe weibliche. Schon die lächerlich geringe Zahl der letzteren bis einhalb größer ist, als sich jetzt ergab! der Statistik ist, flar und deutlich darzulegen. zeigt, daß die Zählmethode falsch ist; die Scheu, welche Aber trotzdem zeigt auch diefe viel zu geringe Ziffer ein erso viele männliche Arbeitslofe abhielt, in die Schullokale schreckendes Bild der Not und des Elends! Fast die Hälfte( 48,2 Proz.) zu gehen, dort ihre Papiere vorzulegen und Auskunft zu der gezählten Arbeitslosen war berheiratet. Mit ihnen litten geben, hat erst recht die Arbeiterinnen zurückgeschredt. Das also auch Frauen und Kinder Not! Demgemäß fann man trop der ist bedauerlich und nicht zu billigen, aber sehr begreiflich. Viele viel zu geringen Ergebnisse dieses Meldesystems auf rund 100000 Aus akademischen Streifen erhalten wir folgende Buschrift: Arbeitslose macht eben ihr trauriges Schicksal so mutlos und gleich- Personen schäßen, die infolge der Arbeitslosigkeit nicht wissen, In Nr. 1 des„ Vorwärts" vom 1. Januar 1. J. ist über das gültig, daß sie sich zu einem solchen Wege nach dem Zählbureau woher fie die Eristenzmittel nehmen sollen! fozialistentöterische Berhalten des Bonner Universitätsreftors Erd. nicht aufzuraffen vermögen. Ihre Zahl ist nur durch eine Zählung mann berichtet worden, der der Bonner Freien Studentenschaft festzustellen, bei der die Klassengenossen der Armen, die verbot, einen Vortrag des Genossen Erdmann- Köln über die deutsche Arbeiter, als Zähler in Tätigkeit sind und von Haus zu Gewerkschaftsbewegung anzuhören. Es wäre aber verfehlt, wenn Saus, von Stube zu Stube geben, jeden Arbeiter befragen man hier nur das Vorliegen eines Ginzelfalles annehmen wollte. und ihm bei Ausfüllung der Zählkarten behilflich sind. Unsere Vielmehr handelt es sich um eine planmäßige brutale Stadtverordnetenfrattion hat deshalb beantragt. Niederknüppelung sozialistischer Ideen durch die daß die nächste, für den 16. Februar geplante Zählung nach dem deutschen Hochschulen. Daß Sozialisten nicht auf den LehrSystem dieser Hauszählung, nicht nach dem Meldesystem vor Der Höchstbetrag der männlichen Arbeitslosen Berlins ergibt stühlen deutscher Universitäten geduldet werden, ist ja so bekannt, daß genommen werde. Der Antrag steht auf der Tagesordnung der fich für das Baugewerbe mit 31,42; es folgen mit 13,82 davon nicht weiter die Rede zu sein braucht; es sei nur an die Fälle nächsten Sigung am Donnerstag, Metallverarbeitung, mit 8,2 Proz. Industrie der Arons und Schmidt Berlin und Wiche Is. Marburg erinnert. Ueber die Berufsgliederung der Arbeitslosen teilt das Statistische Amt folgendes mit: Von den 28 006 Berliner Arbeitslosen waren 17 813 63,62 Broz. qualifizierte Arbeiter, die eine Zätigkeit aus übten, welche eine bestimmte Berufsausbildung voraussetzt, während 10 19337,4 Proz. zuletzt als Arbeiter, Wächter, Kutscher usw. beschäftigt waren. Hochschule und Sozialdemokratie. Die Beweise, welche für die Unzulänglichkeit des Meldesystems Maschinen, Werkzeuge usw. Die Holzindustie ist mit Aber die frankhafte Rotschen unserer Herren Professoren, die nicht erbracht werden können, find so stichhaltig, daß die Stadtverordneten- 9,98 Broz. beteiligt, das Handelsgewerbe mit 6,3 Broz, gerade allzu viel Mut und Vertrauen auf die Werbefraft der eigenen versammlung und der Magiftrat unferem Antrag beipflichten müßten, Beherbergung und Erquicung mit 4 Proz., Verkehrs- Jdeen verrät, treibt noch absonderlichere Blüten: man verbietet wenn sie nicht abfichtlich einer zuverlässigen, die bolle Wahrheit er- gewerbe mit 3,7, Papier und Lederindustrie mit systematisch( wenigstens in preußischen Hochschulen), daß Sozialgebenden Zählung aus dem Wege gehen wollen. Hier fei nur auf 3,2 Broz. demokraten Vorträge vor Studenten halten. Die Infektionsgefahr einige Ziffern hingewiesen, die für den Antrag unserer Genossen Die Ziffern über die weiblichen Arbeitslosen find, scheint zu groß.... Das Vorgehen des verflossenen Berliner wie schon gezeigt, völlig irreführend, viel zu niedrig; das Be- Neftors Stumpf, das bekanntlich sogar zu der Auflösung ber tleidungsgewerbe ist, mit 21,4 Broz. beteiligt, dann folgt Berliner Freien Studentenschaft führte, ist ja noch in frischer, wenn die Gruppe der persönlichen Dienstleistungen mit 19,9, auch nicht gerade rühmlicher Erinnerung. das Handelsgewerbe mit 10,6, Papier- und Lederindustrie mit 9,1, Maschinen, Werkzeuge usw. mit 8,9 Proz. sprechen. In Berlin allein wurden am 17. November 1908 nach dem Meldesystem gezählt: 28.006 Arbeitslose, davon 1138 weibliche. Bei den rund 2,1 Millionen Einwohnern, die Berlin Aber man begnügt sich nicht damit, die Hochschulen ängstlich um jene Zeit hatte, sind dies 1,3 Proz. Arbeitslofe. vor dein Eindringen des gefährlichen bacillus socialisticus zu bes Nun hat aber die durch das Reich veranstaltete Arbeits- Von den 28 006 männlichen und weiblichen Arbeitslosen Berlins hüten.-Man greift zu noch unfeineren Mitteln: man ber losenzählung, die im Anschluß an die Volkszählung, am waren 1527 Rentenempfänger, ferner 1138 tveibliche Arbeitslofe, Leumbet die Ausgeschlossenen in den Vorlesungen in einer Weise, 2. Dezember 1895 stattfand, ergeben, daß bei einer Bevölkerung 17 087 männliche und 726 weibliche qualifizierte und 9781 die dem Reichsverband alle Ehre machen würde. Auf dem von rund 1%, Million 58 073 Arbeitslose, davon 20 799 Strante, männliche und 412 weibliche nicht qualifizierte Arbeiter. legten Hochschullehrertag erflärte ein österreichischer Profeffor, der gezählt wurden, fodaß also 37 274 arbeitsfähige Arbeits- Unter den Vororten hat die größte Zahl der Arbeitslofen noch nicht jedes Gefühl für politischen und wissenschaftlichen Anstand Lose vorhanden waren, darunter 9267 arbeitsfähige Rigdorf, nämlich 3681, ihm folgt Charlottenburg 1948, verloren hatte: er fei zwar ein Gegner des Margismus, aber er Arbeiterinnen. Das sind also 2 Broz. Arbeitslose! Lichtenberg 998, Schöneberg 934, Weißensee 673, geniere sich, in seinen Vorlesungen gegen die Dabei war zur Zeit jener Zählung teine besondere. Spandau 596, Boghagen- Rummelsburg 588, Köpenid Margisten zu polemisieren, weil sich ja die Andurch eine serisis bedingte Arbeitslosigkeit vorhanden. Dagegen 369, Wilmersdorf 314, Pankow 225, Reinickendorf gegriffenen in den Hochschulen nicht verteidigen war die Methode der Zählung eine zuverlässigere als das 203, Steglit 199, Ober- Schöneweide 181, Adlershof könnten. Meldesystem, da bei jener Volkszählung in der üblichen Weise 154, Treptow 143, Mariendorf 141, Brig 138, Tegel Fragebogen jedem Einwohner Berlins wie des ganzen Reiches vor- 120, Nieder Schönhausen 88, Tempelhof 82, 2anfwig gelegt wurden, deren Ausfüllung die Zähler kontrollierten, soweit 74, Johannisthal und Rosenthal je 35, Stralau 33, überhaupt sich eine solche Zählung kontrollieren läßt. Daß in Berlin Dahlem 4. Die Mehrzahl der deutschen Universitätsprofessoren kennt jedoch derartige Gewissensffrupel nicht: im Stampfe gegen die verhaßte Sozialdemokratie ist den Herren jedes Mittel recht.. Und zwar nicht erst in neuerer Zeit. Es fei nur an Herrn Brentano erinnert, damals, 9267 weibliche arbeitsfähige Arbeitslose gezählt wurden Von den 26 868 männlichen Arbeitslosen Berlins standen 9882, der bekanntlich 1872 in dem Berliner Fabrikantenorgan„ Concordia" gegenüber den diesmal gezählten 1138, zeigt allein schon, wie d. i. 36,8 Proz., im Alter von 20-30 Jahren, während 22,7 Proz. in anonymen Artikeln gegen Karl Marx den Vorwurf der„ Ungänzlich unbrauchbar die lettere Ziffer für die Beurteilung der 30-40, 15,7 Prog. 40-50, 9,6 Prog. 50-60, 3 Proz. über ehrlichkeit", der" frechen Werlogenheit" uft. erhob. Wirtschaftslage ist. 60 Jahre, während 9,6 Proz. 16-20 Jahre alt waren. Und an den Jubelgreis Schmoller, der in feinen Vorlesungen Entsprechend der jetzt vorhandenen Bevölkerungszahl von Arbeitslos in Berlin waren bis zu 1 Woche 12,06 Broz. über Allgemeine Volkswirtschaftslehre" verkündet, Karl Mary Habe 2,1 Millionen Einwohnern in Berlin und von 3 Millionen in der Gezählten, bis zu 2 Wochen 12,02 Proz., bis zu 3 Wochen es stets verstanden, rechtzeitig zu verschwinden, wenn eine Gefahr Groß- Berlin hätte die Zahl der Arbeitslosen im Verhältnis zu dem 11,07 Proz., bis zu 4 Wochen 7,99 Broz, bis zu 5 Wochen drohte. Resultat der Hauszählung von 1895 ergeben müssen für Berlin 8,05 Broz, bis 6 Wochen 6,55 Broz. und bis 7 Wochen 6,50 Proz Ein typischer akademischer Sozialistenfresser ist der Münchener 46.000, für Groß- Berlin 66.000 Arbeitslose, während die Der Gesamtanteil der seit längstens ein Vierteljahr Profeffor afferra b. Dieser erglierifale Patriot erklärte gleich Zählung nach dem Meldesystem nur ergeben hat: für Berlin beschäftigungslosen Männer beträgt vier Fünftel! bei Beginn feiner Borlesungen über Sozialpolitit", er werde nicht 28 006 und für Groß- Berlin 40 212! Nachstehende Uebersicht zeigt, wie viel Arbeitslose in den umhin können, auch der Leser erschrecke nicht! hier und da einzelnen Berufsgruppen sowohl in Berlin wie in Groß- Berlin ge- die Sozialdemokratie zu erwähnen; denn und nun kommt die zählt wurden: Als Probe auf die Richtigkeit dieses Erempels fann die Zählung dienen, die am 1. februar 1902 ohne städtische Hilfe von den Gewerkschaften Berlins vorgenommen wurde und zwar, trotzdem die Arbeiter außer der Mühe noch die bedeutenden Unkosten auf sich nehmen mußten, nach dem System der Hauszählung. Dabei erstreďte sich aber diese Zählung nicht auf all die Vororte, welche diesmal zur Zählung herangezogen waren. Und doch ergab sich damals bei dieser mit Hilfe von 13 000 organisierten Arbeitern ausgeführten Zählung ein Resultat von 72 795 Arbeits. lofen in Groß- Berlin, darunter 13 295 weibliche. ind zwar entfielen damals auf Berlin 59 638 Personen, davon 11 287 weibliche. Es waren also damals zur Zeit der Krisis den etwa 2% Millionen Einwohnern in Groß- Berlin von 2,6 Prozent arbeitslos, während die jeßige Zählung nach dem Meldesystem bei einer nicht geringeren, sondern noch größeren Krisis nur 1,3 Broz. Arbeitslose gezählt wurden das ist weniger als die Hälfte, die bei einer Krisis in Betracht kommen! Baugewerbe Metallverarbeitung Holz- und Schnigstoffe Groß- Berlin Berlin 13 664 8451 5 246 3743 3771 2 694 Maschinenindustrie. 8 143 2308 Handelsgewerbe 2 843 1820 Nahrungs- und Genußmittel 1817 1 486 Verkehrsgewerbe 1 339 994 Papier und Leder 1 297 966 Beherbergung und Erquidung Bekleidung. 1 285 1 108 1070 887 860 687 618 488 401 802 Polygraphische Gewerbe Steine und Erden. Persönliche Dienstleistungen Obwohl diefe Zahlen bereits einen schlimmen Notstand kennzeichnen, zu dessen Bekämpfung die Gemeinden wie der All diese Tatsachen zeigen, daß das System, wie es vom Staat verpflichtet sind, geben sie, wie schon dargelegt, mur Statistischen Amt Berlins vorgeschlagen und von Stadtverordneten- ein unvolltommenes Bild. Das Meldesystem hat seine versammlung und Magistrat befchloffen wurde, völlig unbrauchbar Unbrauchbarkeit bewiesen. Das wäre weggeworfenes Geld ist, um wirklich die Zahl der völlig arbeitslosen zu wie vergendete Mühe, wenn nochmals nach diefem unbrauch faffen. Nun find aber zur Beurteilung des Arbeitsmarktes außer baren System gezählt werden sollte. Um zu prüfen, ob das diesen auch die teilweise Arbeitslosen zu beachten, welche bei Meldesystem nicht vielleicht doch genügt, haben bei der legten Bäh verkürzter Arbeitszeit und dementsprechend geringeren Löhnen lung die organisierten Arbeiter Berlins in jedes der über 200 3ählcbenfalls der Not preisgegeben find. Diese teilweisen Arbeits- bureaus Vertreter gesendet. Aber daß fie noch einmal folch verlofen tönnen aber beim Meldesystem gar nicht berücksichtigt gebene Müthe fich machen werden, ist nicht anzunehmen. Die Arbeiter werden. Die von den Gewerkschaften 1902 vorgenommene Haus Berlins haben ein Recht, ben der Stadtverwaltuna zu ver " Hauptsache was man bekämpfen wolle, müsse man doch tennen!! Herr Wasserrab sezt also als selbstverständlich voraus, daß es die Aufgabe jedes Akademikers sei, die Sozialdemo tratie zu bekämpfen. Mit welchen Mitteln der wohlgesinnte Mann diesen Kampf führt, dafür nur ein Beispiel: um zu beweisen, daß die Sozialdemokratie ihre Ziele mit Gewalt erreichen will, führte er den bekannten Beschluß des Wydener Kongresses an das Wort gesetzlichen" aus dem Programm zu streichen. Daß aber dieser Beschluß unter dem Schandgefeye gefaßt wurde, daß damals jede sozialistische Agitation ungefeßlich war, daß es also, wie es in dem Kongreßprotokoll heißt, ein Nonsens gewesen wäre, das Wort„ gefeßlich" im Programm stehen zu lassen das verschwieg Herr Wafferrabl Ein anderer profefforaler Anwurf ist unlängst in der„ Neuen Beit") niedriger gehängt worden: Die im Druck erschienene Prorektoratsrede des Herrn v. Schulze Gävernig Freia burg, betitelt Mary oder Kant", die von Beschimpfungen der fozialistischen Führer- fogar der lebenden!- starrt." " Diefe Beispiele dürften genügen. Und die Stubenten? was sagen sie zu diesem akademischen Verleumdungs. feldzuge gegen die Sozialdemokratie? In ihrer übergroßen Mehrzahl sind sie völlig damit einverstanden! Sie, die die Söhnchen der Herrschenden, sind von demselben sozialisten. fresserischen Geiste erfüllt wie ihre Lehrer, uur daß ihre Ver *) 27. Jabrgang, Bb. I, Nr. 12. G. 444, stZndnislosigkeit auf politischem und sozialökonomischem Ge biete natürlich noch größer ist. als die ihrer Professoren. Und die sogenannten„Freistudenten" sind zum größten Teil genau so arbeiterfeindlich, genau so rotscheu wie die Mitglieder der Wer bindungen. Ein freistudcntischer„Führer", Herr Dr. S s y m a n k, schreibt in seiner Broschüre:„Die Reformbedürftigkeit der Gesetz gcbung für Studierende"**):.... Die Hochschulen sind... Ein- richtungen des Staates und werden auf dessen Kosten unterhalten. Der Staat hat infolgedessen ein beträchtliches Interesse daran, daß außer den Zwecken der Hochschule auch die seinen beachtet werden, und daß insbesondere alle sein Dasein untergrabenden feindlichen Tendenzen nicht etwa durch liebevolle Pflege und Agitation einen günstigen Nährboden in der Hochschuljugend finden."(S. 7.) Aehnlich schreibt ein anderer freistudentischer Führer, Herr Ingenieur Joseph Nu mann- Pasing, der Per- traiiensmann der Münchener Freien Studentenschaft, in Nr. 3 der .Münchener Hochschulzeitnng", der Staat müsse„darauf halten, daß die Hochschule nicht zu einer Be- schützerin staatsfeindlicher Bestrebungen wird." Also bei Professoren wie bei Studenten derselbe Geist der Sozialistenfeindlichkeit. Die Arbeiterschaft möge daraus ersehen, daß die Universität heutzutage nichts anderes ist, als eine Waffe der herrschenden Klassen gegen das sozialistische Proletariat zur Aufrechterhaltung deS kapi- talistischen Plünderst) st emS! Huf dem Biege nach MeMna. Neapel, 1. Januar.(Eig. Ber.) Ter Anblick von Neapel gibt eine schwache Vorstellung von dein Grauen, das uns in Messina erwartet. Die große, sonst so lebensfrohe Stadt ist. wie ich schon telegraphierte, ein Krankenhaus. Da ist kein Automobil, kein Wagen in der Stadt, der jetzt nicht Samariterdienste täte. Seit zwei Tagen fahren Hunderte von Automobilen, von den Besitzern geführt, vom Hafen zu den Hospitälern, mit ihrer traurigen Ladung von Bahren und Verwundeten. Die Menge bildet Spalier, stumm-erschüttert. Fast alle Läden sind geschlossen wegen Landestrauer. Und an einem einzigen Tage hat Neapel 600 000 Lire für die Opfer gegeben. Die Samm- lungen übersteigen bereits 3 Millionen. Schon über 70 000 Verwundete hat Neapel in seinen Hospitälern, in den Privat- Häusern, im königlichen Schloß. Es hat mir unendliche Mühe gekostet, die Erlaubnis zur Uebcrfahrt von der Präfektur zu erwirken:„Wir brauchen Aerzte, Krankenpfleger und Arbeiter, die die Verschütteten ausgraben— Journalisten nicht!" Während wir unter- handeln, kommt ein Beamter. Er hat telegraphische Order vom Minister des Innern, sich sofort nach Messina zu begeben — man verweigert ihm die Erlaubnis zur Ueberfahrt. Man braucht keinen Mund, der den Opfern da? Brot wegißt, keinen, der den Hilfsbedürftigen auch nur eine Decke fürs Nachtlager entzieht. Nur Soldaten und Sanitätskolonnen, nicht einmal die Aerzte. die Verwandte in Messina haben. dürfen sich einschiffen, wenn sie nicht einer autorisierten Sani- tätsfolonne angehören. Endlich, um 7 Uhr früh, am Neujahrstage, erhalten wir die Erlaubnis, uns um 12 Uhr einzuschiffen an Bord der .„N ord-Amerik a". Alle Ueberseedampfer, die disponibel waren, sind requiriert worden: sie bringen Brot, Wasser, Decken und Soldaten nach Messina und führen Ver- wundete zurück. Sterbende, verwaiste Kinder, Verstümmelte. dem Wahnsinn verfallene Mütter— eine furchtbare Ladung des Elends, eine Ladung, die die Hölle ausgespicn zu haben scheint: all es Menschenleid, das Leib und Seele tragen können. Fast alle Verwundete haben Kopfwunden. Be- sonders entsetzlich sind die Kinder anzuschauen, mit den dunklen südländischen Gesichtern in den weißen Verbänden, starr und abwesend wie Schlafwandelnde, auf den Armen von Soldaten. Polizisten oder Aerzten. Wer hört, daß wir nach Messina reisen, gibt uns Auf- träge. Ein Mann bittet mich umetnWerkderVarm- Herzigkeit: um Nachricht von den Seinen, seiner ganzen Familie. Er schreibt mir 12 Namen auf, seine Eltern, seine Geschwister, feine zum Weihnachtsfest nach Messina gereisten Kinder! Er hat niemanden mehr und keine Nachricht. Und er hofft, daß sich aus dem Lcichenfeld von Messina, auS dem größten Trümmerhaufen, von dem die Geschichte weiß, Nach- richt verschaffen kann, die Kunde, daß ihm wenigstens einer geblieben ist.... Neue Listm werden mir gegeben, immer neue verzweifelte Augen sehen mich an, Augen, die längst keine Tränen mehr haben. Jnzwischm sausen die Automobile vor- bei, eins nach dem anderen, ohne Unterbrechung, und bringen Bahren, Bahren, nichts als Bahren. Es ist wie eine Vision aus der Hölle— was wird Messina sein?! *« j�eue BtöDc. Die Erdstöße in Messina dauern noch an«nd rnfen große Be- ingstigun» hervor. In Montcleone wurden neue heftige Erdstöße verspürt. In der Nacht vom Sonntag auf Montag wurden nicht weniger alS hundert gezählt! Die Bevölkerung ist von neuem Entsct?en verfolgt. Auf der Insel Stromboli wurde Sonntag 5 Uhr 22 Minuten ein mehrere Sekunden anhaltendes Erdbeben wahrgenommen. Der Bulkan zeigte eine starte Tätigkeit. Der Bevölkerung bemächtigte fich eine große Panik. Die Zahl der eingestürzten Häuser beträgt vierzig. Trotz der empfindlichen Trmpcraturverminbcrung kampiert alles im Freien. Der Panzer„Jameguibrmi" erhielt einen BereitschaftSbefehl nach Messina. Messina. Die„Tribuua" meldet auS Messina summarisch folgende Ver- kuste: Getötet das ganze 83. Regiment, alle Karabinieri» alle Zoll- Wächter, die ganze Mannschaft deS TrajektschiffeS, baS ganze Seminar, sämtliche Gemeinderäte. Der Erzbischof weigert sich fort- gesetzt, den Palast zu Verlasien, wo ein einziges Gemach erhalten ist und aus dem Erdgeschoß Leichengeruch zu ihm empordringt. Die Zahl der W a h n s i n n i g e n ist ungeheuer, darunter befindet fich der Abgeordnete Ludovico Fulci.— Unter den Trümmern des Herr- lichen Doms liegt der Kirchenschatz, desien Wert auf fünfzig Millionen angegeben wird. Der amerikanische Konsul in Messina, Doktor Cheney, ist samt seiner jungen Gattin tot. Von der Familie des russischen Konsuls ist nur die Frau am Leben geblieben. Reggio. Aus Reggio werden fortwährend grausige Einzelheiten berichtet. Eine junge Dame war vom Balkon gesprungen, blieb aber im Gartengitter stecken, wo sie vier Tage lang gepfählt blieb. Der •) Akademischer Berlag, München ISVS. Kopf hing nach unten, ihr Nachtgewand wurde vom Sturme zer- zaust. Die Tote war ganz schwarz geworden wie Mumien in den Katakomben von Palermo.— Po» einer durch die Gewalt des Erd- beben? in die Tiefe geschleuderten und dort durch Trümmer fest- gebannten Frau lief das Blut in Strömen auf ihren Mann und die Kinder herab, die genau unter ihr erdrückt lagen. Die Uitglücktiche ist gerettet worden, aber sie wurde wahnsinnig. Die Journalisten haben den Schauplatz der Erdbeben Verlasien wegen der Unmöglichleit, von hier aus zu telegraphieren. Vesorgsnilation. Wie wir schon andeuteten, ließ und läßt auch weiter noch die Organisation des Hilsswesens leider recht viel zu wünschen übrig. Das wird jetzt immer deutlicher. Es häufen sich die Klagen über Mangel an Ucberblick und Dispositionstalent bei denjenigen Stellen, die berufen wären, in der allgemeinen Verwirrung den Kopf oben zu behalten und die Schwierig- keiten so gut wie möglich zu bezwingen. Tie Berichterstatter oller italienischen Blätter beklagen die Unordnung im Rettungsdienst: Mit Hilfsmatcrial beladene Schiffe kommen an, während niemand die Löschung befiehlt und Hunderte von Menschen sozusagen angesichts der Vorräte, die für sie be- stimmt sind, vor Kiilte oder Hunger sterben. Trotzdem der Ehef des Generalstabs Bettolo die Vorwürfe des Abgeordneten Colajanni in einer Unterredung mit einem Vertreter des „Corriere della Sera" als unbegründet„nachweist", wollen die Stimmen, die diese Anschuldigungen bestätigen, nicht schweigen. Im Gegenteil: die Mitteilungen über ungenügende Beteiligung der italienischen Marine werden von immer neuen Augenzeugen b e st ä t i g t. So wird behauptet, daß die italienischen Kriegsschiffe, da sie keine Ermächtigung der vor- gesetzten Behörden besaßen, Hundertc von Flüchtlingen zurück- gewiesen hatten, die dann von russischen Kreuzern auf- genommen wurden II Der Bürgermeister der Stadt Milazza, die an der Nordküste, nicht weit von Messina, liegt, hatte den Vorschlag gemacht, der notleidenden Bevölkerung täglich frische Lebensmittel zu liefern, wenn diese von einem Torpedoboot abgeholt würden. Mit der Ausflucht, daß hierzu erst die Erlaubnis des Marineministerinms erlangt werden müßte, wurde dieser vernünftige Vorschlag abgewiesen, während der Hunger die Ueberlebcnden vernichtete! Der Berichterstatter der„Corriera della Sera" tele- graphiert aus Messina,„es fehlt immer noch an Schiffen!" Die Barken sind voll von Flüchtlingen, irren um den Hafen umher und werden zurückgewiesen, weil�alle Schiffe schon überfüllt sind. Tausendc von Begrabenen hätten befreit werden können, wenn rechtzeitig 10 000 statt nur 5000 Soldaten am Platze gewesen wären. Sechs-bissieben- tausend hungrige Ueberlebende erwarten Brot und Schiffe. „In Palmi," so drahtet ein anderer Korrespondent des- selben Blattes,„liegen seit vier Tagen 500 Leichen unbestattet, und der Ausbruch von Epidemien ist unvermeidlich." Nicht nur der Deputierte Colajanni. auch sein Kollege Marchese di Bugnano und verschiedene Journalisten behaupten, daß die italienischen Schiffe Flüchtlinge zurückgewiesen hätten, die dann von russischen Kreuzern aufgenommen wurden. In Reggio ereignen sich zahlreiche Fälle, daß noch lebende Verwundete zwischen Trümmern ihrem Schicksal preisgegeben werden,„weil ihre Rettung noch schwere Unglücksfälle ver- Ursachen würde". Diesen Aermsten wird sogar keine Nahrung gereicht» damit ihr Todeskampf nicht länger andauere.... Charakteristisch für die Konsusion und bureaukratische Pedanterie in der italienischen Marine sind die Erzählungen des offiziösen Journalisten Wadala, des römischen Stadt- verordneten Rossi Daria und des schon aenannten Deputierten Marchese di Bugnano, die alle darin übereinstimmen, daß die Pflicht der reinen Menschlichkeit unter Berufung auf daS Fehlen von höheren Aufträgen hintangesetzt wurde.. Der Hunger treibt die Bevölkerung(von Reggio zum Beispiel) zur Wildheit. Ganze Scharen Halbverhungerter strecken an den Straßen drohend die Hand aus. In den zer- störten Städten brechen Meutereien gegen die Soldaten aus, die ihre bescheidenen Rationen verteilen. Das Bahnpersonal läuft von seinem Posten, um zu den Familien zu eilm. Die zahlreich eintreffenden freiwilligen Hilfskolonncn bilden trotz ihres guten Willens ein Hindernis, da das Wichtigste. Zelte und Lebensmittel, fehlen: viele Kolonnen mußten deshalb schon umkehren. Wie sinnlos gestraft wird, geht aus einer Meldung hervor, nach der Leuten, die mit„verdächtigen" Bündeln betroffen werden, ohne große Prüfung ihre Bündel abgenommen und ins Meer geworfen wurden! Auch die Tatsache, daß die Fleischpreise in Neapel— wegen der Ueberfüllung der Stadt mit Flüchtlingen— um 25 Centisinn pro Pfund erhöht wurden, zeigt, mit welcher Skrupel- und Gedankenlosigkeit das„barmherzige Samariter- werk" besorgt wird. Bei dieser Lage der Dinge ist es nicht zu verwundern. daß Akte der Verzweiflung begangen werden von Männern und Frauen, die um jeden Preis Brot für ihre Kinder haben wollen. Diesen halbirrsinnigen Hungernden gegenüber scheint die„Energie" nicht zu versagen, die bei der Organi- sation der Hilfstätigkeit im Großen besser am Platze wäre.... Die Kriegsgerichte arbeiten und leisten sich suntmarische Massenaburteilungcn, bei denen gewiß mancher Gerechte mit den Sündern leiden muß. Ein Major, der mit einer Ab» teilung Soldaten die Straßen MessinaS bewacht, bemerkte einen Mann, der sich unter den Trümmern eines Hauses zu schaffen machte. Befragt, was er dort suche, antwortete der Mann: „Das hier ist mein Haus!" Ohne ihn auch nnr weiter auSznhören, wurde der Mann hinter eine Mauer geführt und auf der Stelle«iedergefchossenki Die Rüfstätigbeit Die„Frankfurter Zeitung" übersandte heute auS ihrer Tamm- lung als erste Rat« 30 000 Are an den Ministerpräsidenten Giolitti und 10 000 Lire an den deutschen Konsul Lselmeyer in Neapel. Der amerikanische Kongreß wird einen Kredit von b 00 000 Dollar zur Beschaffung von Lebensmitteln und Kleidungsstücken genehmigen. Die englische Subskriptionsliste erreichte 600 000 Mark. Der Gemeindcrat von Madrid beschloß, dem italienischen Ge- sandten 20 000 Fr. zu überreichen. Zahlreiche Gemeinderäte tu den anderen spanischen Städten organisterten Festlichkeiten, deren Ertrag für den gleichen Zweck bestimmt ist. Der Gemeinderat von Athen bewilligte 10000 Fr. Die kretische Regierung hat 20 000 Frank bewilltgt. Der Chefarzt der Wiener Rettungsgesellschaft Charitas hat sich Sonntagabend mit drei Feldküchen nach dem Erdbebengebiet begeben. Die Wiener Bevölkerung hat eine Anzahl Konserven für die bei der Katastrophe Geschädigten gespendet. Die drei Feldküchen, die der Chefarzt nach dem Erdbebengebiet mitgenommen hat, können täglich 2b 000 Personen verköstigen. Das traurlge fazit Die Behörden nehmen mit Sicherheit an, daß die Kata- trophe noch weit mehr Menschenleben gekostet hat, als bisher elbst die pessimistischsten Schätzungen angenommen haben. Ver- chiedcne Berichterstatter haben die Umgebung von Mesfinn und Reggio abgestreift, und das Gesamtresultat, das sich ans ihren Berichten ergibt, ist, daß 24 Städte, viele Dörfer und sonstige Ansiedelungen durch die Katastrophe fast vollkommen zer- stört wurde», nämlich B a g n a r a, Serlia Villa Sau Giovanni, Cauitello, Catona, Sgallico, Villa San Giuseppe, Palmi, Gerace, Gallina. Campo Calabro, San Roberti, Santo Stefano, Catasono, Pcllaro Motte, Sazjare, Saline, Montabcllo, Archi, Reggio, Jgonio, Maropa, Sunt Eufemia und Seminar». ».» Dementi. Rom, 4. Januar. Die„Agenzia Stefani" erhielt folgende Note des Ministerpräsidenten zur Deröffentlichung: Einige Journalisten, die sich nicht in dem Gebiete bcS Erd- bebenunglücks befinden, im Gegenteil sehr weit davon entfernt find, senden zurzeit Mitteilungen an ihre Zeitungen, in denen sie die Ereignisse entstellen, phantastische Schilderungen entwerfen, von Maß- nahmen der Regierung sprechen, die in Wirklichkeit nicht getrojfcu wurden, und überhaupt falsche Meldungen jeder Art verbreiten. Hierher gehört u. a. die Meidung von einer beabsichtigten Bombar- dierung Messinas und ReggioS, sowie von dem Tode 6� russischer Soldaten infolge eines Zusammenstoßes mit Plünderern. Solche Nachrichten in dieser schmerzlichen Zeit sind geeignet, die öffentliche Meinung zu beunruhigen und nicht nur in der vom Unglück so grausam geprüflent Bevölkerung, sondern im ganzen Lande lebhafteste Befürchtungen hervorzurufen. Es wird deshalb an den Patriotismus der Schriftsteller aller italienischen Zeitungen appelliert und das Ersuchen an sie gerichtet, Nachrichten nicht aufzu- nehmen, die ernster Begründung entbehren und über deren He» kunst und Glaubwürdigkeit keine Bürgschaft zu erlangen ist.' Letzte J�acbricbtcn. Rom, 4. Januar. Die„Gazetta Uffiziale" veröffentlicht ein Dekret vom 3. Januar, da? über die Gemeinden Messina und die Gemeinden des Kreises Reggio den Belagerungszustand verkündet und den Generalleutnant RSazza zum außerordentlichen bcvoll- mächtigten Kommissar ernennt. Slcggio di Calabria, 4. Januar. Die provisorischen Popämter in der Umgebung des Bahnhofes begannen heute mit der AuL- tvagung der Briefe. Die aus den Trümmern geborgenen Leiche» werden in langen Gräben bestattet und mit Kalk überdeckt. Auch heute noch wurden einige Personen gerettet. Zahlreiche Ueber- lebende sammeln sich um die Berteilungsstellen für Lebensmittel. politische Gcbcrficht. Berlin, den 4. Januar 190®. Eine nicht veröffentlichte Kaiserrede. Das„Verl. Tagebl." meldet: „Am Sonnabend hat, wie schon mitgeteilt wurde, im könig- lichen Schlosse daSüblicheDiner der ko mmandierendeu Generäle stattgefunden. Nach Aufhebung der Tafel hielt der Kaiser einen sachlich militärischen Bortrag über die Aufgaben und Lehren der letzten Manöver. Der Kaiser wies an der Hand von Karten auf diejenigen Momente der Manöver hin, die seiner Meinung nach geeignet sein könnten. anregend und belehrend zu wirken. Am Schlüsse dieses militärtechnischen Vortrages spielte der Kaiser, wie wir hören, mit einigen Worten auf die Vorgänge an. die sich im An- schlug an die Beröffentlichung de» Daily- Telegraph-Jnterviews ereignet. Der Kaiser sprach in sehr ruhiger Weise, und daS. was er sagte, ließ erlennen, daß die letzten Ereignisse einen sehr ernsten Eindruck auf ihn gemacht haben. Er verlas auch einen kürzlich erschienenen Revueartilel und fügte hinzu, daß dieser Artikel ungefähr daS enthalte, was er selbst über die jüngsten Vorgänge sagen könnte. AlS der Kaiser seine Rede geendet, nahm der rang- älteste der anwesenden Generäle das Wort, dankte dem Monarchen und versicherte ihn des rückhaltlosen Lerttauenö der Armee." Auffallend wäre sofern diese Meldung den Tatsachen entspricht— daß der rangälteste der Generäle es für not- wendig gebatten hätte. Wilhelm II. des Vertrauens zu versichern! Im übrigen wäre selbstverständlich zu verlangen, daß alle Reden Wilhelms II., die er außerhalb eines privaten Zirkels hält, auch der Oefsentlichkett mitgeteilt würden! Der Zweck der Militäruiufik. Die„Post" gibt zu. daß der„Vorwärts" durch„so und so viel geschickt gruppierte Einzelheiten' nachgewiesen habe, daß an unserem Moloch Militarismus, selbst vom Standpunkte der An- Hänger unseres heutigen Militarismus au«, durch völlige Beseitigung der Militärmusik erklecklich gespart werden kann. Unsere Argumente find offenbar so durchschlagend, daß die„Post" gegen fie aber auch nichts ins Feld zu führen vermochte. Statt die milttärtiche, strategische Notwendigkeit der Mlltärmusi! uachzu- lveisen, macht fie da» famose Eingeständnis, daß die Militärmusü hauptsächlich den Zweck habe, den Militarismus populär zu machen: „Sehr unangenehm scheint ihm(dem„vorwärts") die offenbare Vorliebe des bürgerlichen Publikums und selbst seiner eigenen Genossen für die M i l i t ä r m u s i k zu sein. weil er— wohl nicht mit Unrecht— befürchtet, daß die Militärmusik ein gutes Teil dazu beittägt. unsere Sol« baten populär und unser Militär überhaupt be- liebt zu machen, was ein nicht zu unterschätzender Faktor auch bei Bewilligungen für HeereSaus- gaben ist. und was deshalb dem„Vorwärts* ein so großer Dorn im Auge ist.* Jetzt weiß man doch, weshalb die nichtbesttzende Klaffe nebe» anderen Ausgaben für den Militarismus auch die für die Militär- nmsik in Gestalt indirekter Steuern aufbringen soll: um dem bürgerlichen Publikum den Militarismus sympathischer zu machen.—-_ Die Hamburger Handelskammer und die Tabaksteuer. In dem soeben veröffentlichten Jahresberichte der Hamburger Handelskammer für 1008 befindet sich unter der Ueberschrist „ReichSfinanzen" der nachstehende Passus: „In Uebereinstimmung mit den Interessenten haben wir uns auch gegen die Zigarrenbanderolestcuer, als die für die Zigarren- Industrie verderblichste, für den Staat überdies kostspieligstc Form der Besteuerung ausgesprochen und dagegen eine Erhöhung des Zolle» und der tnländlschen Tabaksteuer unter Beibehaltung der bestehenden Spannung empfohlen.* Wer sind die„Interessenten* in der Hamburger Zigarren« Industrie, welche durch die Hamburger Handelskammer der Rc. gierung einen höheren Tabakzoll empfehlen? Die Tabakarbeitcr selbstverständlich nicht, ebensowenig die Zigarrmhändler— auch der Hamburger Zigarronfabrtkantenverein hat sich einstimmig in feiner Versammlung«NN v. November nicht nur gegen die Danoeroleflener. sondern gegen jede Mehrbelastung der Industrie ausgesprochen. Bei der eminenten Bedeutung der Sache wäre es Pflicht der Hamburger Handelskammer, die Namen der„Jnter- estentcn" öffentlich bekannt zu geben. Wir bezweifeln, dah das geschehen wird, und können deshalb nur unserer Vermutung dahin Ausdruck geben, dag die„Interessenten" der Hamburger Handels- kammer einige Grogfabrikanten sind, für welche der höhere Zoll bedeuten würde, das; sie mit ihren großen Kapitalien imstande wären, die mittleren und kleinen Zigarrenfabrikanten„an die Wand zu drücken, daß sie quietschen". Der Deutsche Tabakverein, dem diese Herren ohne Zweifel als Mitglied angehören, hat alle Veranlassung, die Hamburger Handelskammer um Aufklärung zu bitten. In Arbeiterkreisen werden Mitglieder, die die Beschlüsse der Gesamtheit zu durchkreuzen suchen, einfach ausgeschlossen. Will sich der Tabakverein nicht mitschuldig machen an den Machen- schatten hinter den Kulissen seitens einiger Millionäre in der Zigarrenindustrie, so darf er eine solche Durchkreuzung seiner Be» schlüsse seitens dieser Herren unter keinen Umständen dulden. Die Hamburger Handelskammer aber hat sich mit ihrer Emp- fehlung eines höheren Zolles auf Tabak zum Sprachrohr des Großkapitals gemacht. Sie hat in höchst einseitiger Weise einer Belastung der großen Massen der Raucher zugunsten der Besitzenden das Wort geredet. Ein höherer Zoll und eine Erhöhung der In» landsteuer würden die billigen Sorten enorm verteuern, während er bei den teuren Sorten, die die besser Situicrten rauchen, einen kaum merklichen Einfluß aus den Preis der Zigarre ausüben wird. Daß die Hamburger Großfabrikanten, welche vorwiegend teure Sor- ten fabrizieren, ein Interesse daran haben, ihre Fabrikate mög- lichst wenig belastet zu erhalten, ist erklärlich;für die gesamte Zigarrenindustrie aber kommt der Massen- konsum in Betracht, nicht das geringe Quan- tum von Zigarren, welches die Besitzenden verbrauchen. Mit ihrer Empfehlung des höheren Zolles und der höheren Jnlandsteuer hat sich die Hamburger Handelskammer also in direkten Gegensatz zu den Interessen der Gesamtindustrie. der Massen der Raucher und vor allem der Tabakarbeiter gesetzt, von welchen infolge der enormen Belastung deS MassenkonsumS Zehntausende brotlos gemacht werden würden. Wie Holle Minister wurde. Da es sich gegenwärtig ja wieder einmal um die Berufung eines neuen Kultusministers handelt, so ist eS nicht uninteressant, zu erfahren, wie im Sommer des Jahres 1907 die Kandidatur deS Dr. Holle eitstanden ist, von der man allgemein annahm, daß sie unter dem Zeichen der Blockpolitik als eine auch, dem Liberalismus genehme gelten sollte. Der damalige Unterstaatssekretär im Ministerium der öffentlichen Arbeiten wurde, so erzählen die„Verl. Neuesten Nachrichten", dem Ministerpräsidenten durch Herrn v. Loebell in Vorschlag gebracht, der diese An- regung wieder von dem Chefredakteur der »Kreuzzeitung", dem früheren Ministerialdirek. tor HermeS, erhielt.„Wir erwähnen", sagt daS konserva- tive Blatt,„diesen— den Tatsachen unzweifelhaft entsprechenden — Vorgang nur, um an einem Beispiel zu zeigen, wie rein persön- liche Einflüsse, die mit der öffentlichen Meinung in keinem Zu- sammenhang stehen, von entscheidender Bedeutung sein können." Das Fiasko der Fahrkartensteuer. In ihrem Jahresüberblick schreibt die„Ztg. des Vereins D. Eisenbahnverwalt." über die Ergebnisse der Fahrkarten- steuer und ihrer Rückwirkung auf den Personenverkehr: Der Personenverkehr lieferte«m letzten Jahre zwar wieder Mehreinnahmen, auch in den Gebieten, in denen mit der Re- form von 1909 die 2 Pf.-K lasse eingerichtet war, aber die Eisen- bahnverwalhinge» wurden sich der Tatsache, daß eine sehr starke Abwanderung auS allen oberen Klassen in die nächstniederen stattgefunden habe, mehr und mehr bewußt.... Da diese Ab- Wanderung überall wahrgenommen ist, muß sie doch wohl zu einem nicht geringen Teil der Fahrkartensteuer und ihren oft er- örterten Mängeln zur Last gelegt werden; denn hier(in Nord- deutschland) bot die Personentarifreform selbst nun zu den nicht so sehr inS Gewicht fallenden Abwanderungen auS der ersten Klasse Anlaß. Bekanntlich soll die Fahrkartensteuer nach den Reformvorschlägen der Reichsregierung aufgehoben werden, und die Eisenbahnen würden es gewiß lebhaft begrüßen, wenn sie von dieser ihnen aufgezwungenen, höchst unbeliebten Steuer be- freit werden. Sollte bei dem großen Widerstand, dem die ge- nannten Reformvorschläge leider in allen ihren Einzelheiten be- gegnen, die 23 Mi Millionen, die die Fahrkartensteuer wohl sicher bringt, vom Reich schließlich doch nicht entbehrt werden können, so wird jedenfalls wenigstens eine Reform der Steuer eintreten, die ihre offensichtlichen schweren Mängel beseitigt. Danach scheint man in den Eisenbahnverwaltungen trotz 6er Zusage des Reichsschatzamtes keineswegs bestimmt mit einer Abschaffung der Fahrkartensteuer zu rechnen, sondern nur mit einer Reform, die die Abwanderung der Reisenden der oberen Klassen in die unteren verhindert oder einschränkt. Soll vielleicht die Fahrkartensteuer für die erste Wagenklasse ermäßigt und für die vierte die Steuer eingeführt werden. Erzberger im Urteil der Zentrumspresse. Die»Kölnische BolkSzeitung", das führende rheinische Zentrumsorgan, schüttelt den rede« und schreiblnstigen Erzberger, der sich neuerdings recht oft im Scherlkchen„Tag" austobt, sehr energisch ab. In einer Polemik gegen Bassermanns„staatsmännischen Neujahrs- ariikel" verweist daS Blatt darauf, daß die Zentrumssraktion außer- ordentlich zurückhaltend sei und Bassermann in den offiziellen Kund- gebnngen der Zentrumspartei keinerlei Anhalt zu seinen prophetischen Expektorationen finde. Und eS führt fort: .Bielleicht wirft man nun aber ein, der Abg. Erzberger rede auch. Ja, Herr Erzberger redet und sch reibt, und er redet und schreibt viel. Aber Herr Erzberger ist eben nicht mir Parlamentarier, sondern auch Journalist, und zwar einer der fleißigsten. Seine Artikel schreibt er aber nicht im Auf« trage der Zentrumssraktion, sondern aus eigene Rechnung und Gefahr. Man mag ihnen Beachtung schenken, soviel man will, aber man darf nicht sagen:„Da redet und schreibt die Zentrumssraktion. Die Fraktion übt zurzeit eine große Zurück- Haltung und sie Hai recht, das zu tun."... Zur Reichstags-Erstchwahl im 6. hannoverschen Wahlkreis haben die Nationalliberalen den Verlagsbuchhändler Dr. Max I ä n e ck e«Hannover, der dem Reichs« tag schon einmal kurze Zeit angehörte, aber ausschied, weil sein Mandat für ungültig erklärt wurde, aufgestellt. Für die Welsen kandidiert der Baron v. L en the- Sch w a rnstc d t, für unsere Parteigenossen dürfte wieder Genosse Hencke-Bremen kan- didieren._ Die zweite Konferenz der sozialdemokratischen Landtags- abgeordneten der Thüringischen Staaten fand am Sonntag, den 3. Januar, in Saalfeld a. d. S. statt. An- wesend waren aus Altenburg zwei. Meiningen sechs, Gotha sechs, Koburg ei», Reuß j. S. zwei, Weimar drei und Rudolstadt fünf Abgeordnete. Der Parteivorstand war durch den Genossen Mollen- buhr vertreten. Nachdem Genosse Leber- Jena einen lleberbllck über die politische Lage in den Thüringer Kleinstaaten gegeben hatte, hielt Genosse Bock-Golha einen insormicrenden Vortrag über daS Thema: »Welchen Einfluß wird die Reichsfinanzreform ans die Finanzen der Thüringer Kleinstaaten ausüben?" Nach lebhasrer Diskussion wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: „Durch die ins Ungeheuerliche wachsenden Ausgaben für den Militarismus. Flotten- und Weltpolitit und die dadurch bedingre finanzielle Auspowerung deS arbeilenden Volkes und völlige Zerrüttung des FinauzwesenS der Kleinstaaten protestiert die Konferenz der Thüringer sozialdemokratischen LandtagSabgeordnelen auf das energischste gegen jede weitere Belastung durch indirekre Steuern. Sie verlangt vielmehr, daß daß gegenwärtige Reichs- defizit— einschließlich der gestundeten Matrikularbetträge— durch eine progressive Reichseinkommensleuer, beginnend von 3000 M. Einkommen an, durch eine Vermögenssteuer, beginnend von 15 000 M. an, gedeckt wird. Ferner fordert die Konferenz, um eine praktischere, zweck- mäßigere, gangbare und billigere Verwalttmg in den Thüringer Staaten zu erreichen, mit aller Energie darauf hinzuarbeiten, daß diese Staaten durch ein Ministerium und eine gesetzgebende Körperschaft verwaltet werden. Schon heute sind diese Kleinstaaten gezwungen, durch gemeinsame Justiz- und Strafdnrchfllhrung, Irren- pflege usw. diesen Weg zu beschreiten. Die gesamte Thüringer Be« völkerung hat ein Jnlerefse daran, daß wir auS dieser politischen und wirtschaftlichen Rückständigkeit erlöst werden." Genosse H o f m a n n- Saalkeld sprach dann eingehend über die Frage:»Liegt in den Thüringer Landtagen die Möglichkeit vor, daß durch Ablehnung des Budgets ein für die Arbeiterichaft schlechteres Budget an Stelle des abgelehnten treten kann?" Nach längerer Debatte wurde folgender Resolution zugestimmt: „Die zweite Konferenz der sozialdeinokratiicheu Abgeordneten der Thüringer Landtage erlrärt, daß sie in der Frage der Budget- bewilligung voll und ganz auf dem Boden der Nürnberger Ne- solutton steht." lieber die Beamtengehältcr in den Thüringer Kleinstaaten referierte Genosse B a u d e r t- Weimar. In der sich anschließenden auS- gedehnten Debatte wurde daS Verhalten etneS großen Teiles der Beamten kritisiert, die durch ihre Haltung und ihren Einfluß bei politischen Wahlen eS mitverschuldet haben, daß eine Politik unter- stützt wurde, die zur Verteuerung der Lebenshaltung führen mußte. Die nächste derartige Konferenz soll in Gotha stattfinden. Den Zeitpunkt setzen die Parteisekretäre fest. AitS dem hessischen Parlament. Darmstadt, 4. Januar. Heute vormittag trat die Zweite Kammer wieder zusammen. Auf eine Anfrage deS Abgeordneten Molthan betreffend die Einführung einer Flaschenweinsteuer erklärte StaatSminister Ewald, die Regierung habe im Bundesrat beantragt, alle Weine. die von Privaten auf Flaschen gefüllt und selbst verbraucht werden, soweit der Preis der Flasche 70 Pfennige nicht über- steigt, von jeder Abgabe freizulassen. Da dieser Antrag ab- gelehnt worden sei, habe die Regierung gegen den ganzen Entwurf gestimmt. Nachdem die Abstimmung bekannt geworden sei. habe die Regierung eine besondere Verwahrung gegen die Steuer im Reichstage nicht für angebracht gehalten. Sie glaube viel- mehr, es den hessischen Reichstagsabgeordneten überlasten zu können, die Berückstchligung der besonderen Verhältnisse Hessens an zuständiger Stelle zu sichern. Der Minister des Innern, Braun, erklärte, daß die Regierung die Aufgabe gehabt hätte, die Vorlage als Ganzes zu prüfen. Auf Enind dieser Prüfung sei sie zu dem ableh- nenden Standpunkt gekommen; denn zweifellos würde ein Teil des Landes durch die Wein st euer schwer be- troffen. Finanzminister Gnauth äußerte sich über die Finanzlage Hessens und berief sich dabei im wesentlichen auf die Ausführungen der Kronräte. Der Minister stellte, falls die Reichsfinanzreform nicht zustande komme, eine Erhöhung der direkten Steuern um2b biS30Proz. für1910 in Aussicht. In Baden wird weiter gemasiregelt. Der Oberschulrat in Karlsruhe hat den Leiter der Lehrer- konferenz in Neckarelz, welche die Resolution gegen die Maß- regelung des Hauptlehrers Rädel gefaßt hat, mit einem ernstenVerweisundSVM. Geldstrafebelegt, wozu noch etwa 100 M. Kosten kommen. Der Bestraste, Hauptlehrer Bähr in Epfenbachbei Heidelberg, soll gegen die Pflichten seines Standes verstoßen haben, als er über die das Verhalten des Oberschulrats mißbilligende Resolution abstimmen ließ. Es wird immer schöner im„liberalen" Baden. Neue Kolonial-Reichtsimer. Wenn eS mit den Meldungen über wertvolle Funde in Süd- Westafrika so weitergeht, dann wird demgegenüber daS biblische Land, in dem der Honig floß, bald als eine jämmerliche Sandwüste erscheinen. Neben den Diamanten hat man jetzt auch 100 Ktlo« meter von Swakopmund entfernt, Tantasit entdeckt. ES ist das ein sehr teures Metall, das in der ElektrizitStSindustrie zur Herstellung von stromsparenden Metallfäden verwendet wird. Die Kolonial- Enthusiasten werden daraus zweifellos neue Hoffnungen schöpfen; eS wird aber doch wohl erst abgewartet werden müssen, was an den neuen Funden Wahres ist. Jedenfalls ist es sehr auffällig, daß in der letzten Zeit gerade Südwestafrikra als begehrenswerte Kolonie geschildert wird. ES läßt sich der Gedanke nicht von der Hand weisen, daß in einem Teil deS deutschen Volkes eine gewisse Hurra- stimmung hervorgerufen werden soll, auf die man sich so schön be- rufen kann, wemi besondere Ausgaben für Südwestafrika gefordert werden.—_ Die Valkankrise. Die serbische Politik. In der serbischen Skupschtina hielt der Minister deS Auswärtigen Dr. Milowanowitsch am 2. Januar eine Rede, in der er seine Politik zu rechtfertigen suchte. Um seine Position gegenüber den chauvinistischen Angriffen seiner Gegner zu stärken, schlug er gegen die österreichische Regierung recht herausfordernde Töne an. So erklärte er, Oesterreich müsse aufhören, eine Rolle als Balkanstaat spielen zu wollen und sich hinter die Donau- und Savegrenze zurückziehen. Bosnien und die Herzogewina müssen die volle oder wenigstens die halbe Souveränität unter der Kon- trolle Europas erhalten. Nicht gegen Rußland, sondern gegen Oesterreich müsse das Gleichgewicht«ruf dem Balkan verteidigt und Oesterreich der Weg zum Aegäischen Meere versperrt werden. Schließlich stellte der Minister, dessen Ausführungen in starkem Gegensatz zu denen Jswolskis stehen, der keinen Zweifel darüber ließ, daß Rußland jetzt für keinen Krieg gerüstet sei, die Per- trauenSfrage. Am Tage darauf nahm die Skupschtina die von der Regie- rung akzeptierte Tagesordnung an, wonach die Skupschtina Ruß- land. England. Italien und Frankreich für ihre Sympathien herz- lichst dankt und von diesen Mächten, besonders vom brüderlichen Rußland, auch sachliche Unterstützung erhofft. Sie erwartet ferner von der serbischen Regierung alle Maßnahmen, die erforderlich sind, um bei der Revision des Berliner Vertrages vollkommene politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit für Serbien und Montenegro zu sichern. Rur der sozial- demokratische Abgeordnete hatte den Mut, den kriege- rischen Reden entgegenzutreten und auch gegen die TageS- Ordnung zu stimmen. In Oesterreich werden die Angriffe des serbischen Ministers von offiziöser Seite scharf zurückgewiesen, wenn auch gleichzeitig betont wird, daß Milowanowitsch seine Angriffe vor allem des- wegen gemacht habe, um seinen Gegnern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Es heißt, daß der österreichische Gesandte in Belgrad von dem Minister Aufklärungen verlangen wird. Demission des serbischen Kabinetts. Belgrad, 4. Januar. DaS Kabinett Welimirowitsch demissionierte, nachdem im Ministerrat der Minister des Innern und der Finanzminister erklärten, keinesfalls das Porte- feuille behalten zu wollen. Kritische Situation. Sofia, 4. Januar. Bei Eröffnung der Verhandlungen über daS Kriegsbudget machte Ministerpräsident Malinow folgende Erklärung: Die heutige Lage ist für den Frieden auf der Valkanhalbinsel kritischer, als sie eS bei dem Ausbruch des gricchisch-türkischcn Krieges und dem mazedonischen Aufstände war. Deshalb müssen wir auf alles vorbereitet sein. Ich kann erklären, daß wir eö auch in diplomatischer Beziehung sind, denn Bulgarien hat trotz allem, was geschehen ist, mehr Freunde bei den Mächten, als manche meinen. Die Sobranje votierte das KrlcgSbudget per Akklamation. Der Boykott. Konstantinopel, 3. Januar. Der diplomatische Agent Bul- garienS erhob gestern bei dem Großwcsir Vorstellungen wegen deS Boykotts gegen bulgarische Waren, ebenso der griechische Gesandte wegen der geplanten Protcstversamm- lungen in der kretensischen Frage. Beide hoben hervor, daß der» artige Kundgebungen did beiderseitigen guten Beziehungen trüben könnten. frankrcich. Die Senatswahlen. Paris, 4. Januar. Bei den Senatswahlen wurden im ersten Wahlgang 23 Republikaner, 24 Radikale, 20 sozialistisch Radikale, S Progressisten und 4 Konservative gewählt. 24 Stich. wählen sind erforderlich Unter den Gewählten befinden sich außer Clemenceau unter anderen DeStournelles, ConstanS, Jean Dupuh, Möline, Pierre Baudin, Sarrien, Frcvcinet, Maujati und Ribot. 15 Deputierte sind zu Senatoren gewählt. Die endgültigen Resultate sind folgende: 29 Re- publikaner, von diesen sind sieben neu gewählt; 31 Radikale, davon 12 neu; 30 Sozialistisch-Radikale, davon die Hälfte neu; ein un- abhängiger Sozialist; 10 Progressisten, wovon 4 neu; V Konservative, davon einer neu gewählt. Die Gesamtzahl der Gewählten beträgt 103. Die Ministeriellen gewannen 15 Sitze. DaS Wahlergebnis wird von der gesamten Presse besprochen. Die konservativen, nationalistischen und gemäßigt-republikanischen Blätter stellen mit Bedauern fest, daß der Radikalismus wettere Fortschritte gemacht habe. Die radikalen Blätter sind von dem Ergebnis außerordentlich befriedigt. Der Sieg sei ein vollständiger und unbestreitbarer. Das Land habe wieder ein- mal gezeigt, daß es auf der Seite der Republik stehe. Die Regie- rung, die bei den Kammertvahlen so große Erfolge errungen habe, triumphiere nunmehr auch bei den Senatswahlen. Nur vergesse« die radikalen Blätter hinzuzufügen, daß die Siege des Radikalis- muS mit der Preisgabe seiner politischen Prinzipien erkauft worden sind._' Eine Nachwahl. PariS» 4. Januar. Im Departement Loir-et-Cher wurde bei der gestrigen Kammerersatzwahl an Stelle deS verstorbenen sozialistisch-radikalen Tassin der sozialistisch-radikale Boncourt, Bu« reaudirektor des Arbeitzministers, mit 12 692 Stimmen ohne Gegenkandidaten gewählt. Rußtanct Em Attentatsversuch. Petersburg, 3. Januar. In der vorigen Nacht explodierte in einem stark besuchten Cafe auf dem NewSkiprospekt eine Bombe, die ein Mann in Studcntenuniform mitgebracht hatte. Ein Kellner wurde getötet. Man vermutet, dah eS sich um die Vor- bereitung eineö Anschlags auf einen hochgestellten Beamten han- delt. Leute früh wurde auf dem NewSkiprospekt ein Mann verhaftet, der der Mitwissenschaft verdächtig ist. perilen. Eine angebliche Niederlage der Revolutionäre. Petersburg, 3. Januar. Wie der Petersburger Telegraphen» agrntur aus T ä b r i S über Dschulfa gemeldet wird, sind in Gorghan die Revolutionär« vollstänoig aufs Haupt ge- schlagen worden. Der Gouverneur von Maroga zieht gegen TäbriS. Neue Unruhen. Teheran» 3. Januar. In Jspahan sind große Ruhe« störungen ausgebrochen. Angehörige deS Stammes der Bakhtiari sind in die Stadt eingedrungen und plündern dort alles aus, was ihnen erreichbar ist. Es kam wiederholt zu Zusammen» stößen. Der Schaden ist bedeutend. Die Unruhen sind durch Feindseligkeit der Bevölkerung gegen den Gouverneur und gewisse von ihm eingeführte Steuern der- anlaßt. Bor zwei Tagen suchten eine Anzahl Priester und Kauf. leute wegen der drohenden Gefahr Zuflucht im britischen Konsulat, der Eintritt wurde ihnen aber verweigert. Dagegen gelang eS ihnen. Unterkunft im russischen Konsulat zu ftnden. Ueber das Ergebnis der Kampfe zwischen den BakHtiaris und dem Militär ist noch nichts bekannt. Die meisten Bazare sollen von den erster«» geplündert sein. Der Gouverneur befindet sich im britischen Kon- sulat. Der russische und der englische Gesandte haben bei der Re- gierung dringende Vorstellungen gemacht und dieselbe für verant- wortlich für Leben und Eigentum ihrer Staatsangehörigen erklärt, China. Auanshikaio Sturz. Die Entlassung und Berbanmmg NuanshikaiS, die gänzlich un« erwartet gekommen ist, hat große Aufregung Hervorgerufen. Duan» schikai war über ein Jahrzehnt der Hauptratgeber der verstorbenen Kaiserin und galt als Haupt der Reformpartei. Er suchte die chinesische Armee nach deutschem Muster zu reorganisieren, die öko« nomische Entwickelung China« zu fördern und sie in kapitalistische Bahnen zu lenken. Verwaltungsreformen einzuführen, das Schul« Wesen zu verbessern und allmählich die Einführung einer Verfassung vorzubereiten, wobei er nichts weniger als radikal zu Werke ging. Sein Sturz erweckt daher die Befürchtung, daß auch mit diesem sehr konservativen Resormsystem gebrochen werde und der Regent Tschim zur alten reaktionären Politik zurückkehren wolle. In Peking glaubt man auch, daß der Rücktritt auf Intrigen reaktionärer MandschuS zurückzuführen sei, die Duanshikai vor allem die Gleichstellung der MandschuS mit den Chinesen nicht ver» zeihen konnten. D!e Folgen der Entlassung Auanshilaiz lassen sich noch nicht Versehen. ES ist vor allem noch ungewiß, ob der bisher fast all- mächtige Minister sich ruhig in die Verbannung schicken lasten wird. In Peking sowohl als in den Provinzen ist vorläufig alles ruhig geblieben. Ebenso ist cS unsicher, ob eine Slendcrung in der ans- wältigen Politik Chinas zu erwarten ist. Die Vertreter der Siid- staaten hatten gestern eine Konferenz, um über etwaige gemeinsame Schritte zu beraten. Es sollen bei der chinesischen Regierung Vor- stcllungen erhoben werden, über deren Inhalt die Konferenzen fort- dauern. IticHeu. Unruhen in Calcutta. Calcutta, 4. Januar. In einer Vorstadt CalcuttaS kam es zwischen Mohamedanern und Hindus zu einem ernsten Zusammenstoß, so daß zur Wiederherstellung der Ruhe Militär herangezogen wurde. Ms darauf beide Parteien sich gegen die Truppen wandten, gaben diese Feuer und töteten bezw. verwundeten verschiedene Personen. Es wurden 200 Verhaf- tun gen vorgenommen. Amerika. Ein Angriff auf Nicaragua. New Dort, 3. Januar. Wie das Blatt„Sun" auö New Varl meldet, werden Truppen aus Honduras, Guatemala und Sal» vador bei Amapala zusammengezogen, um Nicaragua an- zugreifen und den Präsidenten Zelaha zu stürzen. Se�erkfekaMicke�. AuS dem gesben Sumpf. seinem gelben Crgan„Der Bund" cintworiet Herr L e b l u s auf die Kennzeichnung, welche wir in Nr. 292 des „Vorwärts" dem„Geschäftsbetrieb der Gelben zuteil werden ließen. Diese Antwort charakterisiert den geistigen Führer der Gelben in seiner ganzen Größe. Zunächst fühlt sich L e b i u S gedrungen, die Firmen Siemens u. H a l s k e und Siemen s-Schuckert in Schutz zu nehmen gegenüber einigen Bemerkungen, die wir hinsichtlich der„Arbeitcrfreundlichkeit" dieser Firmen, machten. In überschwenglichen Tönen singt L e b i u s ein Loblied auf die Arbeiterfürsorge der genannten Firmen. Herr L e b i u s hat allerdings Ursache, sich für die Firma Siemens u. H a I s k e recht kräftig ins Zeug zu legen, denn er hat ja die „Fürsorge" dieser Firma an seinem eigenen Geld- beute! hinlänglich erfahren. Das beweist der folgende von L e b i u s an die genannte Firma gerichtete Brief: „An die Direktion der Siemens u. Halske-Akt.-Ges. ZW., Aökanischer Platz 3. Der ergebenst unterzeichnete Vorstand erlaubt sich, der ge- ehrten DirekttSn für die in hochherziger Weise zugesandte Unter- still,, ing von 8400 M. auf ein Jahr seinen verbindlichsten Dank auszusprechen. Wir werden unsere Dankbarkeit auch durch die Tat dadurch zu verwirklichen streben, daß wir getreu unseren Prin- zipien mit aller Kraft für den Frieden in der deutschen Industrie kämpfen werden. Mit vorzüglicher Hochachtung Rudolf Ledius." Natürlich. Wer so anständige Trinkgelder erhält, der kmiß doch auf alle Fälle das Lob seines Wohltäters singen. Ein Unternehincn. welches mit einer Hand 8490 M. verschenkt. verlangt doch auch eine Gegenleistung und erwartet selbstverständlich, daß der Empfänger der Wohltat nach dem Grund- sah handelt: Wes Brot ich esse, des Lied ich singe. Doch weiter. Wir hatten mitgeteilt, daß man die gelben Arbeiter nicht nur aewcrkschaftlich, sondern auch politisch von ihren Klassengenosien absondern will und daß gelbe Führer ihre Anhänger für die jungliberale Bewegung einzufangen suchen. Lebius bestreitet das. Er schreibt im„Bund": es sei ja selbstverständlich, daß Politiker der verschiedensten Nich- tungen Anhänger unter den Arbeitern zu gewinnen suchen. Weiter schreibt Lebius wörtlich: „Aber ebenso selbstverständlich ist es, daß diese Werbungen stets nur von privater Seite stattfinden konnten. Niemals ist irgend ein gelber Verein oder ein gelber Führer offiziell für irgend eine bestimmte Parteirichtung eingetreten. Das würde ja auch eine Verletzung des gelben Programms bedeuten, welches die politische Neutralität der gelben Vereine gegenüber allen nicht sozialistischen Parteien zum Grundsatz erhebt." Also„offiziell" will Lebius seine Gelben keiner be- stimmten Partei zuführen. Offiziell gibt er sich den Anschein, als ob in den gelben Vereinen strengste politische Neutralität gewahrt werde. Aber ganz im geheimen arbeitet Lebius daran, seine gelbe Gefolgschaft den Nationalliberalen oder richtiger der politrschen Interessenvertretung der Groß- industrie zuzuführen. Das beweist dieser Brief: „Herrn Direktor Professor Dr. Budde. In dem letzten Mvntagsblatt des„Berliner Tageblatts" war anläßlich einer Rede des Reichstagsabgeordneten Dr. Strese- mann— in einem Vaterländischen Arbettervercin in Zittau— ein äußerst gehässiger Artikel gegen die gelbe Arbeiterbewegung enthalten. Die Gelben werden als Reaktionäre dargestellt und vor ihnen gewarnt. Ich glaube, daß wir viele stille und offene Gegner entwaffnen würden, wenn wir politisch hervorträten und uns als Jndustriepartei betätigen würden. Ich würde vorschlagen, nnge- fähr nationalliborale Politik zu machen, diese aber national- demokratisch zu nennen. Den Anschluß an die nationolliberale oder freikonservative Partei würde ich praktisch nicht für richtig betrachten. Der größere Teil der ehemaligen Sozialdemokraten versagte uns dann sicherlich aus Vorurteil die Gefolgschaft. Nennen wir uns anders, so sieht es aus, als ob wir ganz neue Bahnen wandeln und die ehemaligen Sozialdemokraten werden «S leichter über sich gewinnen, mitzumachen. ES kommt ja nicht darauf an. wie wir etikettiert sind, sondern was wir in Wirklich- keit sind. Herr Direktor PeierlS hat schon mehrmals darauf aufmerk- sam gemacht, daß wir um die politische Betätigung nicht herum- kommen. Falls die maßgebenden Arbeitgeberkveise damit einverstanden wären, könnten wir vielleicht im Herbste still und un- auffällig mit dem Aufbau der politischen Organisation beginnen. In drei Monaten wären wir dann wohl soweit, um auch an die Oeffentlichkeit treten zu können. Mit vorzüglicher Hochachtung Rudolf Lebius." Wie tief muß doch L e b i u s die Arbeiter einschätzen, die tn seinein Gefolge marschieren. Er glaubt also, er könne sie ohne weiteres als politische Hausknechte der Großindustriellen gebrauchen, wenn er ihnen nur eine falsche Firma an die Mütze schreibt. Das sieht ihm ähnlich. Wir hatten in unserem Artikel auch die Praxis der Gelben gekennzeichnet, welche darin besteht, daß jeder Arbeitsuchende auf dem Arbeitsnachweis der Gelben erst durch Zahlung von 50 Pf. seine Mitgliedschaft bei den Gelben erwerben muß, ehe ihm Arbeit nachgewiesen wird. Lebius entgegnet hierauf, diese Kritik sei dem Aerger Larübcr entsprungen, daß die den Gelben zufließenden "Lerantw. Redakteur: Hans Webet. Berlin. Inseratenteil veräntw.: Jünfzig-Pjennigstücks nicht in der Kasse des Metallarbeiter- Verbandes klimpern.— Eine solche Empfindung des Aergers aus solchen Ursachen mag zum Charakterbild eineS gelben Führers vortrefflich passen. Auf die Leiter freier Gewerk- schaften treffen solche Voraussetzungen aber nicht zu. Um nur beim Metallarbcitcrverband zu bleiben, bemerken wir, daß derselbe Geld von Arbeitslosen in seinen Kassen niemals klimpern hören kann und mag, denn der Deutsche Metall- arbeiterverband handelt nach dem Grundsatz, daß die Arbeiter, wenn sie in Arbeit stehen, sich ihrer Organisation anzuschließen haben. Deshalb nimmt er Arbeitslose überhaupt nicht als Mitglieder auf.— Die Notlage der Arbeitslosen zugunsten ihrer Kassen auszunutzen, das bleibt nach wie vor den gelben Vereinen vorbehalten, die aus diesem und anderen Gründen die tiefste Verachtung aller ehrenwerten Arbeiter verdienen. Bei dieser Gelegenheit möchten wir darauf hinweisen, daß in den heut abend stattfindenden, in der heutigen Nummer unseres Blattes angezeigten Gewerkschaftsversamm- lungen weitere Enthüllungen über das Treiben der Gelbe». ihre Unterstützung und Förderung durch die Unternehmer usw. erfolgen werden. Für heute haben wir nur eine ganz kleine Probe gebracht aus der erdrückenden Fülle von Ma- terial, welches den Referenten in den heut abend in Berlin statt» findenden Gewerkschaftsversammlungen zur Verfügung steht. Ten Versaimnlungsbesuchern werden lehrreiche Einblicke in das arbeiterverräterische Treiben der gelben Führer gewährt werden. Und kein politisch und gewerkschaftlich organisierter Arbeiter sollte die Gelegenheit zu solchen Einblicken vcr- säumen. Serlin unck llmgezenck. Das„gelbe" Klageweib. Der„Bund" dcS Herrn— pcrrdon! der Frau— LebiuS erscheint jetzt ohne die Hamburger Beilage. Die Hamburg-Amerika- Linie will nicht soviel anwenoen und die Inserenten des„Bund" springen massenhaft ab, nachdem sie über das Blatt aufgeklärt worden sind. So schreibt uns die Firma Buer Sohn: „Hierdurch machen wir Ihnen die ergebene Mitteilung, daß wir den Jnsertionsauftrag an die Zeitung„Der Bund" zurück- gezogen haben, und daß demzufolge alle Beziehungen zum „Bunde" gelöst sind." Die Firma Aacr Sohn hat diesen Schritt zweifellos nicht unternommen, ohne sich vorher genau über den Wert und die Be- teutung einer Insertion im„Bund" informiert zu haben. Die in Frage kommenden Geschäftsleute haben alle Veranlassung, uns dafür Dank zu wissen, daß wir sie über den„Bund" und seinen HermiSgeber wahrheitsgemäß aufklärten. Wie Herr Lebius Inserate macht, dafür folgendes Cha- rakteristikuni: An Herrn Oberleutnant Hahn von der Hamburg- Amerika-Lime schreibt er: „Könnten Sie mir nicht vielleicht ein Inserat der Ham- burg-Amerika-Linie zusenden? Da wir 20 000 Abonnenten haben, würde das Inserat seinen Zweck nicht verfehlen und außerdem würde dadurch die Profitrate unserer Hamburger Aus- gäbe eine gesündere werden." Der Liebe Müh war natürlich umsonst. Die Hamburg- Amerika-Linie weiß, wie die„20 000 Abonnenten" aussehen; ste selbst hat 400 Exemplare zur Verteilung au ihre Arbeiter abonniert und weiß, daß beinahe die Gesamtauflage dcö„Bund" aus solchen Abonnenten besteht. Wenn Herr LebiuS 20000 Abonnenten hätte, brauchte er nicht zu den Unternehmern betteln gehen. Eine Wochenschrift in dieser Auflagehöhe rentiert allemal. Aufklärungen dieser Art sind natürlich Herrn Lebius un° angenehm. Er möchte sie durch Klage gegen uns aus der Welt schaffen. Da er selbst jedoch— um mit seinem Freund Beters- d o r f zu reden— sich immer noch finanziell im Stadium der Eierkiste befindet, während für die Bel-Etage in Charlottenburg seine Frau verantwortlich zeichnet, hat sich Frau Martha Lebius als gelbes Klageweib etabliert und verllagt wegen unserer auf- klärenden Artikel unseren Kollegen— Paul John, unseren Vcr- antwortlichen HanS Weber und— damit auch ein paar Leute dabei sind, die was haben— den Verlag des„Vorwärts" sowie die Genossen August Bebel(!), Oskar Jensch(!!) und Paul Singer(!!!) auf Zahlung von 300 M. Entschädigung und 4 Prozent Zinsen deswegen, weil ihre Inserenten sich davon überzeugen ließen, daß Inserate im„Bund" wertlos sind. Ja, Frau Lebius ivill uns zwingen, weitere Artikel, die der Wahrheit nach dieser Richtung hin die Ehre geben, ungeschrieben gu lassen. Aber Martha! Wir werden natürlich mit Vergnügen vor Gericht erscheinen und Frau LebiuS die Vcweislast dafür aufbürden, daß alles, was den Inserenten deS gelben Blattes bei Heranziehung zum In- federen erzählt wurde, reine lautere Wahrheit und daß deswegen niemand von diesen Inserenten das Recht zum Rücktritt von seinen Verpflichtungen hatte!_ Achtung, Töpfer! Da tn der Sitzung vom Sonnabend, 2. Januar, in Spandau, in welcher gemeinsam mit den Unternehmern und den Lokalistcn über die Differenz bei der Firma Schröer, Spandau, verhandelt werden sollte, von den Lokalistcn erklärt worden ist, sie hätten über die Firma Schröer keine Sperre verhängt und unsererseits auch keine Sperre über die Firma besteht, ist somit für uns die dortige Angelegenheit erledigt. Wir können feststellen, daß wir von den Lokalistcn düpiert worden sind, als man uns bat, zu veranlassen, im„Vorwärts" be- kannt zu geben, daß die Firma Schröer seitens der Lokalisten gesperrt ist. S ch r ö e r hat nun aber inzwischen Hirsche eingestellt. Es könne» also unsere Kollegen dort jetzt nickst in Arbeit treten. Alles Nähere darüber im„Töpfer'. Gleichzeitig weisen wir nochmals darauf hin, daß die Firma Habel und Friese noch gesperrt ist. Es kommt noch hinzu der Bau Tolziger Straße._ Die Verbandsleitung. ZwischenmeislerterrorlSmuS! Die Zwischenmeister in der Damenkonfektion, die doch bis zum gewissen Grade selbst weiter nichts als Arbeitnehmer sind und unter dem Druck der Großkonfektionäre leiden, entwickeln nichtsdestoweniger ihren Arbeitern und Arbeiterinnen gegenüber ein ganz besonderes Talent zum Terrorismus. Wiederholt sind dem Vcr- band der Schneider in dieser Hinsicht Klagen zugegangen, so daß es notwendig erscheint, einige krasse Fälle dieser Art der Lvffent- lichkeit zu unterbreiten. Schon vor längerer Zeit haben die Zwischenunternehmer Baruchsohn Le Ebstein, Bernauerstraße, eine Frau entlassen, weil ste eine Sitzung, die von dem Verband der Schneider einbc- rufen war, besucht hatte. Herr Ebstein erklärte der entlassenen Heimarbeiterin: Frauen, die Versammlungen besuchen, könne er nicht beschäftigen. Daß diese Herren eine ganz besondere Angst vor den Zusammenkünften ihrer Arbeiterinnen haben, hat seinen Grund vielleicht darin, daß sie nicht die besten Löhne bezahlen. Wurde doch in der Sitzung von den Heimarbeiterinnen auf die Tatsache hingewiesen, daß die Frau eines ihrer Arbeitgeber Bril- kanten im Haar trage, während sie, die Heimarbeiterinnen, für ein Spottgeld arbeiten müßten. Ein anderer Fall, der sich erst in neuerer Zeit abgespielt hat, betrifft den Zwischrnmeistcr B r e u st, Swincmündcrstraße. Hier hatte der Schnciderverband ebenfalls eine Sitzung der Heimarbeitc- rinnen einberufen. Auch in diesem Falle wurden zwei Frauen entlassen. Durch schmutzige Zuträgerei war der Unternehmer von Zh7Glocke,B-rlm. Druck u. Verlag: vorwärts Buchdr.u.VerlagSanstalt ihrer Anwesenheit in der Versammlung unterrichtet. Nicht genug mit der Entlassung. Herr Brcust hat der einen Frau sagen lassen, sie möge lieber ihre Wohnung reinigen, statt in Versammlungen zu gehen, und, damit gegen die übrigen ein abschreckendes Beispiel gegeben werde, hat Herr B. ein Plakat angefertigt, auf dem ge- schrieben stand:„Frau Sch. und T. sind wegen Besuch einer Ver- sammlung entlassen." Dieses Plakat wurde an auffälliger Stelle aufgehängt, so daß jede Arbeiterin es lesen mußte. Man sieht hieraus, mit welcher Offenherzigkeit und Ungenieriheit die Herren gegen das Koalitionsrccht ihrer Arbeiterinnen vorgehen. Aller- ding», in dem Augenblick, wo die Heimarbeiterinnen in der Kon» fektion sich darauf besinnen würden, daß sie mit Hilfe der Organi» sation ihre jämmerlichen Löhne noch wesentlich verbessern könnten, würde die Zeit, wo die Zwischenmcistcr ihre Arbeit für jeden Preis gemacht bekommen vorbei sein. Jetzt zahlt man 60— 70 Pf. für ein Damenjacket, und wenn es 1,00 bis 1,20 M. gibt, dann ist die Bezahlung schon eine gute. Man kann es daher verstehen, wenn die Herren Zwischcnmcister es nicht gerne sehen, daß sich ihre Arbeite- rinnen in Sitzungen zusammenfinden, um sich über ihre Lage zu besprechen. Wenn sie ihnen aber das Recht, sich zu vereinigen, mit solcher brutalen Rücksichtslosigkeit wehren, so zeigt sick», wie.wenig die Herren der§ 153 der Gewerbeordnung geniert. Arbeiter würden in ähnlichen Fällen sobald von einer Anklage kaum ver» schont bleiben. Die Herren Unternehmer aber fühlen sich sicher. daß ihnen nicht auf die Finger geklopft wird. Wenn man heute noch ab und zu gegen die beabsichtigten Aendcrungcn der Gewerbe- ordnung protestiert, so tut man es nur, uni nicht in den Verdacht zu geraten, daß man sich doch nicht daran kehrt. Die Heimarbeiterinnen aber sollten die Lehre au» solchen Vor» gängen ziehen, sich erst recht der gewerkschaftlichen Organisation an, zuschließen, dann würden die Herren Zwischenmeister nicht nur die Gesetze und Verordnungen mehr beachten, sie würden sich auch hüten, einen solchen Terrorismus, wie hier geschildert, gegen ihre Arbeiterinnen auszuüben._ Der Hirsch-Dunckersche„Gewerkverein" bläst in seiner letzten Nummer zum Kampfe für die Beteiligung an den Krankenkassen- Wahlen. Mit dem üblichen Geschrei leitet man die Sache ein. „Haarsträubende Ungesetzlichkeiten haben sich in mehreren Kassen gefunden. Die Schuldigen waren teilweise die Genossen." Dock Tatsachen un? Beweise sind nicht so leicht beizubringen, wie man „haarsträubende" Behauptungen aufstellt. So also schweigt man sich fein säuberlich aus. Sehr interessant ist u. a. folgende kecke Ausführung:„Da die Genossen sich mit wenigen Ausnahmen tvngcrn, das Berhältniswahlsystein zu den Kranienkassenwahlen einzuführen, wird man im Wahlkampf diesen Prinzipienverrat scharf zu rügen haben." In das Horn„auf zur Wahrung der heiligen Prinzipien der Verhältniswahl" tuten die Hirsch-Duncker- scheu Wahlwächter nur. wenn sie i n der Minderheit sind. Wenn sie selbst in der Majorität sitzen, dann Bauer ist das ganz was anderes. Im der Betriebskranrenkasse der Berliner Straßen- reiniger lehnten die Hirsch-Dunckerschen GewerkvereinSvertreter einen Antrag auf Einführung der Verhältniswahl glatt ab. Begründung war, daß man ia die Majorität habe und die Ver- hältniswahl nickst brauche. Eine Majorität, die nur erobert wird durch den Terrorismus der Vorgesetzten, muß natürlich mit allen Mitteln, auch des Verrats ihrer eigensten Prinzipien, aufrecht- erhalten werden. Und das spielt sich dann als Prinzipicnwächter auf. Politische und gewerkschaftliche Freisinnsmanncn sind eben einander wert. Mit der Gründung einer Pensionskasse für die Angestellten des Druckercibetriebes U l l st e i n u. Co. beschäftigte sich die am Sonntag in der„Neuen Welt" abgehaltene Jahresversammlung des technischen Personals. Nach einer eingehenden Debatte wurde das Projekt, für welches vorher unter bestimmten Arbciierkatcgorien des Betriebes Stimmung gemacht worden war, glatt abgelehnt. Die bisherige Vertretung durch einen besonders zu wählenden Ar» beitcrausschuß wurde nicht weiter beliebt. Die Vertretung der Interessen des Personals soll in Zukunft durch die Vertrauens- Icute und Obleute der einzelnen Abteilungen geschehen. Deurlehes Reick). Wer terririsiert? Die Metallwarenfabrik von August Böhmer u. Co. in Magdeburg-Neujtadt hat für ihren Betrieb die Bestimmung gc- troffen, daß jeder dort in Beschäftigung tretende Arbeiter dem reichstreuen Arbeiterverein oder dem Hirsch-Dunckerschen Gewerk- verein(!l angehören mutz. AIS vor anderthalb Jahren der Schlosser Lehmann bei der Firma Arbeit annahm, erklärte er auf Befragen, daß er Mitglied des Hirsch-Dunckerschen Gewerk- Vereins sei. In Wirklichkeit gehörte er' dem Deutschen Metall, arbeitcrverbande an Kürzlich wurde dies nun der Betriebsleitung bekannt und Herr Böhmer stellte Lehmann die Wahl, entlassen zu werden oder dem reichstreuen Arbeiterverein beizutreten. Lch- mann erbat sich drei Tage Bedenkzeit und erklärte nach Ablauf der» selben, daß er es ablehne, Mitglied des Rcichötreuen zu werden. Daraufhin wurde ihm gekündigt. Aber damit nicht genug, wurden ihm bei der nächsten Lohnzahlung— ohne daß man ihn danach fragte. Eintrittsgeld und ein M o na t sb« i tra g für d-n reichstreucn Arbeiter» verein, zusammen 90 Pfennig, von: Lohn abgezogen! Lehmann protestierte dagegen, aber vergeblich, sodaß er die 90 Pf. beim GÄverbegericht einklagen mußte. DaS Gericht stellte sich auf den Standpunkt, daß die Firma ihr Bertialten in keiner Weise rechtfertigen könne. Sic wurde daher zur Zahlung der 90 Pf. und zur Tragung der Kosten des Rechtsstreits verurteilt. Ter Vertreter der Firma fragte trotz alledem noch, ob er gegen die Entscheidung Be» rufung einlegen könne. Im reichstreucn Arbeiterverein wird mit besonderer Vorliebe und großer Entrüstung immer und immer wieder die„ewige Wahr» heit" verkündet, daß die Mitglieder der freien Gewerkschaften nur durch unerhörten Terrorismus zur Mitgliedschaft gepreßt wordeil seien. Die Art aber, wie er selbst zu seinen Mitgliedern kommt, scheint ihm offenbar ganz einwandfrei. Ter reichstreue Arbeiterverein steht unter dem Protektorat deS Rcichsverbandes gegen die Sozialdemokratie und wird vom Unternehmertum subventioniert. Daß die„Hirsche" ihnen gleich geachtet werden, muß für sie sehr schmeichelhaft sein. Letzte IVacbricbtcni und Depefeben. Ausverkauf im Ramsch. Frankfurt a. M., 4. Januar.(B. H.) Das Rcichskolonlalamt hat einer Berliner Information der.Fr. Ztg." zufolge mit einer Finanzgruppe, der fast alle Großbanken angehören und an der auch die Deutsche Kolonialgesellschaft und die Südwcstafrika- Gesellschaft teilnehmen dürften. inS Benehmen gesetzt wegen des Verlaufs der Diamanien in Südwrpafrika._ Kesselexplosio». Budapest, 4. Januar. In Hungaria-Bab ereignete sich eine Kesselexplosion, bei welcher zwei Arbeiter tödlich verletzt wurden. Kämpfe in Persien. »rtzeran, 4. Januar.(Meldung deS Reuterschen Bureaus.) Während des gestrigen Tages wurde in JSpahan mit zeitweiligen Unterbrechungen gekämpft, bis die Ankunft von Verstärkungen der Bachtiaren, der Partei der Unzufriedenen, ein offenbares Neber- gewicht gab. Eine Anzahl Soldaten suchte im englischen Kon, sulate Zuflucht. Der Palast des Gouverneurs wurde von Ein» wohnern geplündert. Der Gouverneur trat zurück. An seiner Stelle proklamierte sich der Anführer der Bachtiaren zum Gouverneur von JSpahan. PaulSinger Sc Co.. Berlin SW. Hierzu 3 Seikagrn u. sintcrhaltungsbl« 1,3. iumm. i. Ktilage iltg„PoriBartf Kerlilltl Pollislilatt. Das Zahr 1908 In Rallen. Mit kolomalpolitiscken Sorgen ist das vergangene Jahr herauf- gezogen, mit der ungeheuren Tragödie der Erdbebenkalastrophe hat cS geendet. Während die Grenzverletzung in Benadir und der Ueberfall von Lugh zu Anfang des Jahres ihre befriedigende Lösung fanden, blick, man jetzt sorgenvoll auf die rauchenden Trümmerhaufen im Süden des Landes. Eines Ablenkungsmittels für die auswärtigen Wirren bedar man, wie es sonst gewitz der Fall gewesen wäre, jetzt nicht. Nach der Arbeitslosigkeit in Apulien die furchtbare Notlage in Kalabrien und Sizilien, die durch die gewaltige Verwüstung des Erdbebens eine furchtbare Höhe erreicht hat. das sind gewitz Anläsie zu schwerster Besorgnis. Aber es sind dies nicht Besorgnisse der Art, denen man durch auswärtige Abenteuer aus dem Wege geht. Und der innere Wohlstand, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes ist zweifellos weiter im Wachsen. Dafür spricht nicht nur die gute Lage der Staatsfinanzen und des Schatzes, sondern auch vor allem die Tatsache, daß Industrie und Landwirtschaft all die Arbeitskräfte aufzusaugen vermochten, die die nordamcrikanische Krise auf den italienischen Markt zurückgeworfen bat. In Nord- und Mittclitalien macht sich keinerlei Arbeitslosigkeit fühlbar und die über Nord- und Mitteleuropa sich senkende Jndustrickrise erscheint Italien bis jetzt nur als ein aus weiter Ferne drohendes Unheil. Das offizielle Italien ist froh, wenn es von der Hand in den Mund leben kann, ohne sich um fernliegende Drohungen zu sorgen. ES steht weiter im Zeichen Giolittischer Diktatur und diese Diktatur wird um so brutaler, je fchmiegsanicr und fügsamer die Mehrheit ist. Die Bourgeoisie hat in Giolitti ihren berufensten und fähigsten Sachwalter erkannt, aber, im Gegensatz zu den Bourgeosien anderer Länder, stellt sie ihm ihre Angelegenheiten ganz anheim, begiebt sich jeden Rechtes der Leitung und auch nur der Kontrolle. So treibt Giolitti bürgerliche Klasseupolitik mit Zarenallüren. absoluter Herrscher durch das Parlament, und noch dazu ein Herrscher, dem der Zügel des Opportunismus immer mehr zu fehlen anfängt, da ihm offenbar gar nichts mehr an der Herrschaft gelegen ist. Die gesetzgeberische Arbeit des Jahres trägt den Charakter dieser Verhältnisse. Ein Gesetz, das den Beamten die öffentliche Kundgebung regierungsfeindlicher Ansichten bei Strafe der Dienstentlasiung verbietet, ist durchgedrückt worden, dagegen hat man das Gesetz über die zweijährige Dienstzeit auf spätere Zeit vertagt. Die Frage der Abgeordnelendiäten wurde in den Kam Missionen zurückgewiesen und der Antrag der äußersten Linken auf Abschaffung des'Kornzolls niedergestimmt; aber für die Bewilligung von 223 Millionen neuer Militärausgaben fand sich eine grojze Mehrheit. Für ihre Gefälligkeiten bewilligte sich dann die Kammer selbst ihr Trinkgeld, indem sie den Familien der Abgeordneten Gratisbilletts auf den Staatsbahnen zusprach. Auf dem Gebiet der s o z i a l e n G e s e tz g e b u n g ist wenig aber immerhin etwas geschehen. Das Gesetz über die Sonntags- ruhe im Handel ist in Kraft getreten und seine Ausdehnung auf die industriellen Betriebe steht bevor. Weiter hat das Gesetz über das Verbot der Nachtarbeit der Bäcker die Klippe des Senats glücklich passiert, freilich mit nur g Stimmen Mehrheit, und ist in Anwendung gekommen. Mit sozialem Knebelgesetz gegen die Streikfreiheit in öffentlichen Diensten hält die Regierung noch zurück, man weiß aber, datz sie nach dem Herzen Giolittis und seiner Mehrheit sind. Im inneren P a r t e i l e b e n hat das Jahr 1903 wichtige Wendungen gebracht. Vor allem den Sieg der Reformisten auf dem Parteitag von Florenz, der aber bis jetzt in keiner Aenderung der Taktik und deS Verhaltens der Partei zum Ausdruck gekommen ist. Der.Avanli", der nach dem im Mai erfolgten Rücktritt Enrieo Ferris von Morgan geleitet worden war, ist durch Parteitagsmehrheit Genossen Bissolati übertragen worden, ohne darum aus der kritischen finanziellen Lage befreit zu werden, in der Ferri unser Zemralorgan verlassen hatte. Im allgemeinen lenkt unser Parteileben jetzt in ruhigere Bahnen; man ist auf beiden Seiten des langen inneren Zwistes müde und die schon im Jahre 1007 ausgetretenen Syndikalisten haben durch ihre Annäherung an die Anarchisten eine Waffenbrüderschaft gefunden, die ihren Grund- iätzen und ihrem Temperament angemessener ist als die der sozia- listischen Partei. Ein schwerer Verlust hat unsere Bewegung durch den Tod Edmondo de AmiciS getroffen. Dieser Schriftsteller, der vor allem unter der Jugend grotzen Einfluß besaß und noch besitzt, war seit Jahren in unserem Turiner Parteiverband organisiert und die Trauer um ihn war Trauer unserer Partei. kleines feuilleton. Der Siegeszug der Flugmaschine im Jahre 1008. Mit einem neuen Rekord auf dem Gebiete der Flugtechnik hat das alte Jahr abgeschlossen: Noch am letzten Tage hat Wildur Wright in Le Maus einen Flug unternommen, seine letzte Leistung vom 12. Dezember überboten und damit endgültig den Michelin-Preis von 20 000 Franks gewonnen. Trotz der Kälte ließ Wilbur Wright sich von dem Fluge nicht abbringen; in einer Stunde 52 Minuten, 15 Se- künden hatte er 100 Kilometer zurückgelegt, aber entschloß sich die Fahrt fortzusetzen und kam mit seinem Apparat erst nieder, als er zwei Stunden 20 Minuten und 23 Sekunden geflogen war. Nach den offiziellen Messungen hat er in dieser Zeit 124 Kilometer 700 Meter zurückgelegt, in Wirklichkeit eine Strecke von mehr als 150 Kilometern. Damit hat Wriglit seit dem 5. September, an dem er den Preis der Sportkommission von 5000 Franks errang, den fünften Preis gewonnen und in vier Monaten rund 30 000 Franks eingenommen. Der jüngste Erfolg Wrights bildet einen würdigen Abschluß des Jahres 1908, das in der Geschichte der Eroberung der Lüfte allen ersten pessimistischen Zweifeln zum Trotz als eine Zeit der gewaltigen Fortschritte verzeichnet werden muß. Zu Be- ginn des Jahres wußte die Allgemeinheit kaum etwas von dem Stand der Dinge in dem Kampfe um die Eroberung der Lüfte und selbst die Eingeweihten blickten voll Skepsis in die Zukunft. Die unbeglaubigten Nachrichten von den großen Erfolgen der Brüder Wright in Amerika im Jahre 1905 fanden wenig Glauben, Far- mans Maschine war noch so unentwickelt, datz der Ilugtcchniker eine Fahrt von einer englischen Meile noch nicht hätte wagen können, sein Apparat vermochte sich kaum zwei Minuten in der Luft zu halten und nicht viel günstiger schienen die D'nge mit der Lenkbarkeit der Ballons zu stehen. Mit einer fast dramatischen Plötzlichkeit kam dann der Umschwung. Im ersten Monat des JahreL schon errang Farman den Dcutsch-Archdeacon-Preis für den 1 Kilometerflug und nun folgten unaufhaltsam die neuen Siege Farmans und Delagranges in Frankreich und..die ersten öffcnt- licken Flüge der Brüder Wright. In Amerika, wo zu Beginn des Jahres der Einkilometerflug des Farmanschen Aeroplans fast als ein Wunder betrachtet wurde, vermag man heute mit der Flug- Maschine 150 Kilometer zurückzulegen, und der Apparat, der un- sicher nur wenige Minuten in der Luft zu balanziercn vermochte, leistet heute Fahrten von mehr als zwei Stunden Dauer. Ein eng- lisches Blatt gibt eine interessante Zusammenstellung der wichtig- sten Flugversuche des vergangenen Jahres, die einen lehrreichen Ileberblick über das Tempo des Fortschrittes gibt. Am 13. Januar fliegt Farman in 1 Minute 28 Sekunden I Kilometer. Am 31. März vermag er in 3 Min. 33 Sek. bereits 2 Kilometer zurück- zulegen, und am 22. Juni führt Delagrangc seinen großen Flug aus, der l6Va Minuten dauert und bei dem er mit seiner Maschine über 17 Kilometer zurücklegt. Am 9. September erfolgt der große Aufstieg Orville Wrights. wobei er eine Strecke von über 00 Kilo- Die Wahlkämpfe des Jahres sind der sozialistschen Partei günstig i gewesen. So wurde der Wahlkreis von Vigevano im Mai den Kon- Mervativ-m abgenommen und im Dezember hat der sozialistische Protestkandidal Campanozzi in der Stichwahl von Biandrate den RegiemngSkandidaien besiegt. Diesen zwei gewonnenen Wahlkreisen steht freilich ein Verlust gegenüber: Der durch den Tod des Ge- nossen Calvi frei gewordene Wahlkreis von Balenza ist bei der Ersatz- wähl verloren gegangen. Auch bei den kommunalen Wahlen hat die Partei Fortschrille zu verzeichnen, so wurden in Bologna 4 Sitze erobert, in Mailand 5, in Novara 6. in Turin 14, in Alexandria 16 usw. Aber auch diesen Siegen, von denen besonders der von Alexandria geradezu unerhörte Regierungspresflonen ab- getrotzt wurden wurden, steht die Niederlage von San Nemo gegen- über, dessen Stadtverwallung von den Händen der Sozialisten, in denen sie acht Jahre gelegen hatte, in die der Konservaitven überging. Sehr reich an Ereignissen war das vergangene Jahr für die Gewerkschaftsbewegung. Nur über die ersten 9 Monate des Jahres kann man einen Ueberblick über die Streiks gewinnen durch die Berechnung der Angaben des Arbeitsamtes. In diesem Zeitraum wurden 1423 Streiks proklamiert gegen 1802 in dem entsprechenden Zeitraum des Vorjahres. Von 1183(gegen 1417) war die Zahl der Streikenden bekannt und belief sich TTiis 258 537 (gegen 405 413 im Jahre 1907). Die höchste Strcikfrequcnz bot dcx Mai mit rund 70 000 Streikendem Die Landarbeiterstreiks der ersten 9 Monate bcliefen sich auf 180; von 143 war die Zahl der Teilnehmer festzustellen und erreichte die stattliche Ziffer von 104 141. Was den Ausgang dieser Kämpfe betrifft, die wahrlich einen nicht gering anzuschlagenden Kraftaufwand darstellen, so ist er wesentlich ungünstiger als im Vorjahre. Mit vollem Sieg endeten 19 Proz. der Streiks, gegen 21 Proz. im Jahre 1907, mit teilweisem Siege 31 Proz. gegen 32 Proz., ganz verloren gingen 30 Proz. gegen 18 Proz. Die Zahl der Streiks mit unentschiedenem Ausgang— 7 und 6 Proz.— ist in beiden Vergleichsperioden fast gleich, da- gegen war im Jahre 1907 die Zahl der noch schwebenden Streiks bedeutend größer. � Die hohe Verhältniszahl der mit einer voll- ständigen Niederlage endenden Streiks ist wohl vor allem auf den größeren Widerstand der Unternehmer zurückzuführen, die ihre Organisationen bedeutend ausgebaut haben. Daß eS sich nicht um eine beginnende industrielle Krise handelt, verbürgt wohl der Umstand, daß von den 1117 Streiks der ersten 6 Monate nur 12 Abwehrstreiks waren; vom 1. Juli an lyit das Arbeitsamt leider die Einteilung in Abwehr- und Angrifssstreiks wegfallen lassen. Als größtem proletarischen Ergebnis des Jahres sei des Par- mancser Agrarstreiks gedacht, der am 1. Mai proklamiert wurde und auf seinem Höhepunkt 30 000 Ausständige umfaßte. Nach 80 Strciktagcn, unermeßlichen Opfern der streikeirden Proletarier und großen Verlusten der Grundbesitzer ist dieser Streik langsam abgeflaut, weil es der sozialdemokratischen Streikleitung an Fähig- keit gefehlt hat, die Kräfte der Ausständigen richtig abzuschätzen und zur rechten Zeit einen Vergleich anzubahnen. Vom 20. bis 24. Juni hat sich an den Agrarstreik ein allgemeiner politischer Ausstand in der Provinz Parma angeschlossen, durch den die Regierung gezwungen wurde, die gesetztvidrigerweise militärisch besetzte Ar- beitSkammer zu räumen und die beschlagnahmten Papiere wieder herauszugeben. Die Rubrik der Prolctariermorde kann auch in diesem Jahres- überblick nicht fehlen. Aus geringfügigem Anlaß wurde in Codogno und in Busto Arsizio auf Landarbeiter geschossen, die gegen eine willkürliche Verhaftung protestierten. Es gab in beiden Fällen je 2 Tote und mehrere Verwundete. In Faenza schoß die Polizei ohne Provokation auf Streikende, von denen einer gelötet wurde. Das Blutbad auf der Piazza del Gesu in Rom ist noch in aller Gedacht- nis: ein Leichenzug, der mit roten Fahnen vor der österreichischen Gesandschaft vorbeiziehen wollte, gab den Anlaß zu einer„Waffen- tat", die vier Menschenleben kostete. An diese Akte der Brutalität reiht sich zwanglos eine rück- blickend« Betrachtung über italienische Rechtspflege an. Da wollen wir des Freispruchs der Generaldirektoren der italienischen Strafanstalten gedenken, die so klug gewesen, einen von ihnen ge- schworenen Meineid verjähren zu lassen. Am gleichen Tage wurden über 16 auf der Piazza de Gesu wahllos aufgegriffene Proletarier 33 Jahre 9 Monate Gefängnis verteilt. Der Staatsanwalt hatte 190 Jahre 5l4 Monate beantragt; das Appellationsgericht reduzierte die Strafe auf 22 Jahre. Das Schandurteil von Erespcllano, der über 20 organisierte Landarbeiter 49 Jahre Gefängnis verhängte, ist von dem Kassationshof annulliert worden. Zu den unscheinbaren Tragödien der Klassenjustiz stellte der Prozeß Nasi das komödicn- meter durchfliegt und mit seinem Apparate 1 Stunde 3 Min. und 15 Sek. in der Luft bleibt. 12 Tage später unternimmt sein Bruder Wilbur in Frankreich einen Ausstieg, der 1 Stunde 31 Min. 24 Sek. dauert und mit einer zurückgelegten Strecke von 90 Kilometer ab- schließt. Am 11. Oktober unternimmt Wilbur Wright zum ersten Male mit einem Passagier einen größeren Flug, der 1 Swnde 0 Min. 45 Set. dauert und bei dem 80 Kilometer zurückgelegt werden. Einen Monat später, am 12. Dezember, bleibt Wilbur Wright mit seinem Apparat fast zwei Stunden, genau 1 Stunde 5-« Min. und 22 Set. in der Luft und die offizielle Messung ergibt eine Strecke von 120 Kilometer, die in Wirklichkeit aber ungleich größer ist. Den Abschluß bildet der i-tzige letzte Rekord Wrights am Silvcstertage, der mit dem 150 Kilometerflug von 2 Stunden 20 Min. und 23 Sekunden bisher die größte Leistung der Flug- Maschine darstellt. Aber diese großen Entfernungen wurden durch Kreisflüge auf einem bestimmten Gebiete zurückgelegt; sie allein würden nicht ausreichen, die praltische Verwendbarkeit des Aeroplans endgültig zu beweisen. Tie Flugtechniker haben sich daher auch nicht darauf beschränkt. Zciirekorde aufzustellen, sondern auch freie Fernflüge veranstaltet. Am 17. Oktober hat Farman den Flug von Reims nach Chalons, rund 27 Kilometer, glücklich zurück- gelegt, einen kürzeren Fernflug unternahm Bleriot mit seinem Monoplan, während Wilbur Wright am 18. Dezember mit seinem überraschenden Höhenflug, der ihn bis zu 120 Meter in die Lüfte cmporführte, einen bisher unerreichten Höhrenrekord aufstellte. Erdbebensichere Bauten. Die furchtbare Katastrophe, die Sizilien und Siiditalien heimgeincht hat, bringt die al:e Frage wieder zur Erörterung, wie sich der Mensch gegen solche Naturgewalten schützen kann. Auf die Erdbeben können wir bislang nicht einwirken, und auch die Erdbebenvoraussage läßt uns bisher keine Hilfe an- gedeihen. Aber die Bauart der Häuser läßt sich derart gestalten. daß die Folgen der Erdbeben in hohem Maße beseitigt oder doch gemildert werden können. In Japan hat man sich die Warnungen der Jahrhunderte viel besser zu Nutze gemacht als in Europa. So sehr man die unschuldigen Opfer deS über alle menschliche Vor- slelliingskraft gehenden fizilianiichen Unglücks beklagen niag, die Tat- fache bleibt bestehen, daß dort die Lebren wiederholter ähnlicher Erdkatastrophen nicht beachtet sind. Messina und die anderen Orte sind nicht das erstemal zerstört worden! Freilich würde die zweck- mäßige Einsühruiig erdbebensicherer Bauten ein ganz anderes Matz gesellichaftlicher Solidarität und VerantworilichkeitsgefühlS voraus- setzen, als eS in einem kapitalistischen Staatswesen aufzubringen ist. Aber vieles bätte auch in Italien geschehen können. In Messina wurden die Häuser so hoch und so luftig gebaut, wie nur irgendwo anders. Eine Zusammenstellung in der„Köln. Ztg." gibt einen Uevcr- blick über die bisherigen theoretischen und praktischen Versuche. erdbebensichere Gebäude zu errichten. AuS den Beobachtuitge» über die Wirkungeii der Erdbeben auf die Gebäude bat man die ver- schiedensten Schlüsse gezogen. Ebenso zahlreich sind die Mittel, die versucht worden sind, um den Gefahren der Erdstöße zu begegnen. hafte Gegenstück. Am Pranger stand da ein Verwaltungsmilicu. dessen Opfer und Nutznießer der Angeklagte war, und das„Kreuzige ihn" erscholl am lautesten aus dem Munde derer, die weiter Nutz- nießer sind und der verrotteten Verwaltung ewige Dauer wünschen. So bemüht sich auch in Italien die Bourgeoisie, durch Gesetz» gebung und Rechtsprechung einen immer festeren Wall um ihre Interessen zu ziehen, während der Proletarier am Ausbau seiner Organisationen arbeitet, langen Kampfes gewärtig und zu. langem Kampfe gerüstet. Eine Stunde der Abrechnung wird das neue Jahr bringen: Die Parlamentswahlen, in denen die italienische Arbeiter- schast zeigen möge, wie übermüde sie ist jenes Servilismus und jener Trägheit, die das Picdcstal bilden für Giolittis Allein- Herrschaft._ Die Strafprozeßordnung vor der ITnter- nationalen krinlnaliftlfcßen Vereinigung. Die internationale kriminalistische Vereinigung, Gruppe Deut- schcs Reich, nahm gestern im Fcstsaal des preußischen Abgeordneten- Hauses unter zahlreicher Beteiligung Stellung zu dem vom Reichs- justizamt veröffentlichten Entwurf einer Strafprozefiorbnung. Das erste Referat hielt Landgerichtsdirektor a. D. Dr. Aschrotk. Der Redner bemerkt, der Entwurf bilde im allgemeinen einen Fortschritt, er enthalte aber eine Reihe von Mängeln. Zu billigen sei die Einschränkung der Oeffentlichkeit bei dem Strafverfahren gegen Jugendliche und beim Privatklageverfahren, und die Ein- führung der Berufungen gegen Straflammerurteile. Ein weiterer f Fortschritt sei die Hinzuziehung der Laien bei der Strafkammer. u wünschen wäre aber auch die Hinzuziehung von Laienrichtern i» den Bcrilfungsinstaiizen. Mit Freuden sei zu begrüßen die Er» Weiterung des Untersuchungsverfahrens. Zu tadeln sei anderer- seits, daß den verhafteten Angeklagten nicht von vornherein ein Verteidiger zur Seite gegeben werde. Das Beschwerderecht gegen die Verhaftung ollein sei keineswegs ouLreichend gegen eine uu- gerechtfertigte Verhaftung. Wenn auch der Entwurf noch so manche Mängel habe, so könne man ihn doch nicht einfach ablehnen. ES würde sich vielmehr empfehlen, an dem Entivurf mitzuarbeiten und soweit als tunlich Verbesserungen einzuführen. Er wolle nicht leugnen, daß diejenigen, die volle Arbeit auf dem Gebiete der Strafprozeßreform erstreben, eine gewisse Selbstentsagung üben, wenn sie den Entwurf annehmen und wenn sie sich bereit erklären, an demselben mitzuarbeiten. Der Entwurf habe derartige Mängel, daß, wenn das neue deutsche Strafgesetzbuch in Geltung treten werde, sich die Notwendigkeit ergeben dürfte, wiederum eine Reihe von Acnderungen in der Strafprozeßordnung vorzunehmen. Man werde also in dem nächsten Jahrzehnt auf dem Gebiete der Straf- Prozeßreform nicht zur Ruhe kommen. Das sei zu beklagen, Schuld daran sei die Regierung. Diese sei vor einer Zerreißung dcv Strafprozctzreform mit dem Strafgesetz hinlänglich gewarnt worden. Es wäre verkehrt, zumal die Regierung und der Reichs- tag dem Entwurf im großen und ganzen geneigt seien, ihn abzu- lehnen. Daniit würde die internationale kriminalistische Vereini- gung ausgeschaltet werden. Die Zustimmung könne jedoch nur eine bedingte sein. Es seien drei Hauptforderungen zu stellen: 1. Die Hinzuziehung von Laien in den Berufungsinstanzen. 2. Die Selbständigkeit des HauplverfahrenS unter vollständiger Abtrennung des akteumäßigen Vorverfahrens. 3. Dir vollkommene Umgestaltung der Verfolgung des Straf- Verfahrens seitens der Staatsanwalt'chaftc». Ohne diese drei Forderungen fei der Entwurf für die inter- nationale kriminalistische Bereinigung unannehmbar. Den Staats- anwaltschaften sei in dem Entwurf eine viel zu große Machtvoll- kommenheit eingeräumt. Im Volke würden gegen dieses Ver- fahren politische Bedenken erhoben werden. Es dürfte dahin führen. daß gewisse politische Uebertretungen verfolgt, andere dagegen nicht verfolgt werden. Der Redner wendet sich alsdann dem Verfahren gegen Jugendliche zu. In dieser Beziehung seien ja auch«och. mehrere Mängel vorhanden, jedoch sei immerhin ein großer Fort- schritt zu verzeichnen. Selbst wenn der Entwurf abgelehnt werden sollte, sei man dieser Einrichtung wegen dem Staatssekretär des Rcichsjustizamtes zu großem Danke verpflichtet. Aus Anlaß der Einführung der Berufung sei die Entscheidung über alle heute von den Strafkammern abgeurteilten Delikte einer ersten Instanzen- stelle und einem Richter als Vorsitzenden und zwei Schöffen als Beisitzern übertragen. Es müsse nun dafür gesorgt werden, daß Die Frage der Grundmailern z. B. ist in sehr radikaler Weise da- durch gelöst worden, daß man auf diese überhaupt verzichtet hat. Man hat nämlich i» Nachahmung der Bauart des japanischen Wohnhauses, das im Grunde genommen ein an den vier Ecken auf großen Steinen ruhender Holzkasten ist, vorgeschlagen, die Häuser aus eiserne Kugeln oder Walzen zu setzen, die sich auf einer Platt- form aus Beton bewegen können; und in der Tat ist dieses eigen- artige Versahren mehrfach bei Häusern von kleinstem Maßstab zur Ausillhrung gekommen. Im Gegensatz hierzu zeichnet sich ein vor einigen Jahren von der Selnon Baku der Kaiserl. russischen technischen Gesellschaft entworfenes«antiseismisches Haus" durch sehr tief herabreichende Grundmauern aus. Da ferner die Dächer oft- mals die Vernichtung der Häuser herbeiführen, hat ein japanischer Architekt eine Art Landhaus entworfen, bei dem die stark geneigten Sparren des Dachstuhls bis zum Erdboden herabreichen' und in diesem fest verankert sind. Wohl am eingehendsten hat sich mit der Frage der erdbeben« sicheren Bauten der Franzose Montessus de Ballore befaßt. Seine Arbeiten erstrecken sich über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten, sie berücksichtigen sämtliche in Betracht kommenden Länder des Erd- balls. Nach Abschluß seiner letzten Studien, die er nach den Ka- tastrophen des Jahres 1906 in Kaliformen und in Chile angestellt hat, glaubte Montessus de Ballore in endgültiger Weise die Grund- züge einer„Erdbebenarchitektur" aufstellen zu können. In einer Mit- teiliiiig an die Pariser Akademie der Wissenschaften wies er nach, daß die Wirkungen der seismischen Kräfte auf die Bauwerke verschieden sind, je nachdem diese auf festem Felsbodcn oder auf weichen, nachgiebigen Sand- und Aufschültungsböden gegründet sind. Im ersteren Falle sind die Häuser raschen Zitterbewegungen ausgesetzt. Weitaus gefährlicher ist dagegen der zweite Fall, da hier der Erd- boden sich bisweilen für kurze Zeit vollständig wie eine Flüssigkeit verhält; cS laufen alsdann sichtbare Wellen über die Erde dahin, die eine Höhe von mehreren Fuß erreichen können, der Erdboden gleicht dem vom Wind bewegten Meere. Um im ersten Fall standzuhalten, müssen die Gebäude einen hoben Grad von Elastizität besitzen, wobei aber eine Haupt- bedingung ist. daß alle Teile des Hauses möglichst gleichzeitig schwingen. Im zweiten Falle muß da« Bauwerk den Charaltcr eines in der Gestalt niiveränderbaren Blocks oder Monolithen erhalten. Unter den Bauweisen, die diesen Ansprüchen genügen, sind zunächst das Barackenhaus und die zusammenlegbaren Häuser zu nennen. Namentlich das erstere hat in den Erdbebenländern schon lange die Aufmerksamkeit erregt. In jüngster Zeit beginnt aber ein neues Bausystem i» raschem Fluge sich auszubreiten, das dem Ideal des„Monolithen" überraschend nahe kommt, der E i s e n b e t o n b a u. Wenngleich heute die praktischen Erfahrungen noch ausstehen, so hat es doch ganz den Anschein, als sei der Eisenbetonbau daS erdbebensichere Gebäude der Zukunft. Bei Verwendung des besten Materials, bei sorgfältiger Beachtung aller Vorschriften dürfte es zu erreichen sein, daß die Gebäude in miildestenS 90 Proz. aller Fälle den Ansturm der unter- irdischen Gewalten überdauern. itt Vorsitzende em tüchtiger Richter sei. Nicht in der Zahl der Richter, sondern in der Richterauswalil liege die Gewähr für eine gute Rechtsprechung. Der tüchtige Richter werde vollständig im- stände fem auch bei schwereren Verfehlungen die Verhandlungen geeignet zu führen; ja, c3 könne nur eine Schwächung seiner Autorität herbeiführen, wenn man ihm einen zweiten rechts- gelehrten Richter zur Seite stelle. Die Fllnfzahl der Kollegien sei für die endgültige Entscheidung zweifellos von großem Wert. Wo keine Berufung vorhanden sei, sei sie eine wertvolle Garantie gegen eine ungerechtfertigte Verurteilung, zumal zum Schuldspruch 4 Stimmen gehören; Ivo jedoch Berufung zugelassen sei, liege diese Garantie in der Berufungsinstanz,(l) Allerdings dürfte man nicht junge Richter oder gar Assessoren zu Vorsitzenden wählen, sondern den Vorsitz älteren Richtern übertragen, die in der Bevölkerung ein gewisses Vertrauen genössen. Redner schliesst, Prof. Dr. Nagler in Bafel sage, der Strafprozeß bilde den Gradmesser für den politi- schen Sinn eines Volkes. Möge das deutsche Volt sich bei der Re- form des Strafprozesses hohe Ziele stecken. Korrcfcrenr ist Geb. Justizrat Professor v. Liszt-Berlin, der folgendes ausgeführt: Wir bedauern auf das lebhafteste, daß von feiten der verbündeten Regierungen dieser Weg der Reform ge- wählt wurde und daß man nicht mit der Reform des Strafrcchts, sondern der des Strafprozesses begonnen hat. Eine Reihe von Schwierigkeiten könnten mit Leichtigkeit gelöst werden, wenn die Sache umgekehrt wäre. Für uns wäre konsequent gewesen zu sagen: wir lehnen den Entwurf ab. wir fordern zunächst eine Re- form des Strafgesetzbuches. Denn der Strafprozeß muß in einigen Jahren, wenn das Strafgesetzbuch umgeändert wird, noch einmal eine gründliche Umänderung erfahren. Es ist zuzugeben, daß in dem Entwürfe eine Reihe von Verbesserungen vorhanden sind. Ent- scheidend für die große Mehrheit der Mitglieder der Vereinigung bezüglich ihrer Stellungnahme zu dem Entwurf ist die tatsächliche Lage. Die Regierung will etwas schaffen und der Reichstag auch. Wenn wir da nicht mittun, schalten wir unseren Einfluß aus. Unsere Zustimmung zu dem Entwürfe ist aber nur eine bedingte. Wir betrachten ihn als eine Grundlage für weitere legislative Ar» beiten unter folgender Voraussetzung: Wenn von feiten des Reichs- tageS nicht die Zuziehung von Laien für die Berufungsinstanz ge- schaffen wird, ist der Entwurf für uns unannehmbar; ferner wenn eS nicht gelingt, die Hauvtverhandlung wirklich unabhängig zu machen von den Akten der Boruntersuchung und dem schriftlichen Verfahren. Gegen den§ lS4, der die Frage des LegalitätSprinzipz oder Opportunitätsprinzips regeln soll, etzheben sich schwere ju- ristische und politische Bedenken. Oberbürgermeister Dr. Adickes-Frankfurt a. M.: Der Entwurf schreibe für die Strafkammern zwei rechtSgclehrte Richter und drei Schöffen vor. Er sei der Meinung, daß em rechtsgelchrter Richter genüge. Dieser müßte allerdings in hoher Stellung sein. Bei zwei Richtern würde einer ein jüngerer Richter sein. Er würde also nicht die erforderliche Autorität genießen. Das Streben ginge doch dahin, den Richter möglichst von unnötiger Arbeit zu entlasten. Die Einführung der Berufung in Strafsachen sei eine ganz neue Sache. Er könne eS nicht billigen, daß in allen Fällen Berufung zulässig sei. Wenn eS sich z. B. um bloße Rechtsfragen handle, da dürste doch die Revision genügen. Nach dem Entwurf sei es aber nötig. erst die Berufung durchzuführen, ehe man Revision einlegen könne. Wenn z. B. wegen einer Polizciverordnung eine Verurteilung erfolge, und eS sich lediglich um die Frage handle, ob die Polizei- Verordnung zu Recht bestehe, sei die Berufung doch vollständig über- flüssig, es genüge vollauf die Revision. Ebenso dürfte eS voll- ständig unnötig sein, bei der Strafzumessung eine Beruiuna emzu- legen. Auch in diesem Falle dürfte die Revision vollständig ge- nügen. Wenn bei der Strafzumessung das Ergebnis der Be. rufungsinstanz sei, daß anstatt auf tl) M. auf 6 M., oder bei schwereren Fällen anstatt auf S Monate auf S oder 4 erkannt werde, so sei daS doch im allgemeinen gleichgültig. Man dürfe auch nicht vergessen, daß durch derartige abweichende Urteile der Bcrufungs- amchte von den unteren Gerichten die richterliche Autorität leioen würde. Die Obergerichte dürften nicht vergessen, daß die Urteile der Unterrichter im Ansehen des Volkes nicht leiden dürfen. Er sei der Meinung, daß, wenn es zur Entscheidung komme, der Entwurf mit einer Reihe von Aenderungcn zur Annahme gelangen werde. Prof. Dr. Lipmann-Kiel: Die Ablehnung der Geschworenen seitens der Staatsanwaltschaft und des Angeklagten in der jetzigen Fassung halte er für vollständig überflüssig. Eine Ablehnung der Geschworenen dürfe nur erfolgen wegen Besorgnis der Befangen- heit, wie eS bereits bezüglich der Richter eingeführt sei. Es sei daher nicht erforderlich, daß 18 Geschworene bei Bildung der Ge. schworcnenbank anwesend seien. Außerdem würde es sich empfehlen. die R«htsbelehrung des Vorsitzenden an den Beginn der VerHand- lungen zu verlegen. Der Vorsitzende müßte den Geschworenen noch vor Beginn der Beweisaufnahme ein klares, unparteiisches Bild über die Sache geben. Es müßte dann, ebenfalls vor der Beweis- aufnähme, dem Staatsanwalt und der Verteidigung das Wort zur Ausführung ihrer Behauptungen gegeben werden. Dadurch kämen die Geschworenen in die Lage, sich ein richtiges Bild über die Sacke selbst zu machen. Sie wüßten alsdann, worauf es un wesentlichen ankomme, und wären in der Lage, geeignete Beweis- antrüge zu stellen. Im weiteren sei nicht zu verkennen, daß die Tätigkeit eines Schwurgerichtsvorsitzenden eine geradezu künst. lerische Befähigung erfordere. Deshalb sei eS notwendig, nicht nach einem gewissen Schema Schwurgerichtsvorsitzende zu ernennen. sondern nur alte, bewährte Richter zu diesem Amte zu berufen. Staatsanwalt Dr. Feisenberger-Magdeburg tritt für Bei- deHaltung der Kollusionshaft ein. Prof. Dr. Frcudenthal-Frankfurt a. M. erachtet es nicht für richtig, in hervorragender Weise Lehrer bei den Jugendgcrichtshöfen als Schöffen heranzuziehen. Lehrer seien wohl Sachverständige. man könne dann aber auch mit demselben Rechte bei Jagdvergehen Förster hinzuziehen. Lehrer dürften wohl oftmals geneigt sein, auf Freisprechung der jugendlichen Verbrecher zu erkennen,(l) Landgerichtsrat a. D. Dr. Lippmana-Berlin: Er stimme dem Herrn Professor Dr. von Liszt bei. daß das Hauptverfahren von dem Vorverfahren streng getrennt werden müsse. Man müsse aber die Betonung auf die Akten legen und darauf hinweisen, in welcher Weise die Akten zustande kommen. Er empfehle ein Vorverfahren, wie es in England sei. wo zunächst ein kontradiktorisches Verfahren vor dem Polizeirichter stattfinde. Der Redner plädierte ferner für ein Kindergesetz und für die bedingte Verurteilung für jugendliche Verbrecher. OberlandeSgerichtspräfident a. D. Wir«. Geh.-Rat Dr. Hamm- Bonn ist im großen und ganzen mit dem Entwurf einverstanden. OberlandeSgerichtsrat Prof. Dr. Harburger-München: In Süddeutschland werde der Entwurf im allgemeinen günstig auf. genommen. Allerdings werden noch verschiedene Bedenken geltend gemacht. Die Kollusionshaft sei seiner Meinung nach nicht zu ent- kehren. In Bayern sei es nur durch Anwendung der Kollusions- Haft möglich gewesen, dem Unfug des Haberfeldtrribens ein Ende zu bereiten. Er erachte es für notwendig, auch bei Strafzumessung Berufung zuzulassen, dagegen halte er im Revisionsverfahren, in dem es sich doch lediglich um Rechtsfragen handle, das mündliche Verfahren für entbehrlich. Justizrat Dr. Mammrot-BreSlau: Es denke niemand daran, einen Schuldigen der Strafe zu entziehen, es sei aber notwendig, die Strafprozeßordnung derartig zu gestalten, daß nicht ein Un- schuldiger verurteilt oder zu scharf bestraft werde. Wenn gesagt worden, der Entwurf gleiche dem Mädchen aus der Fremde, das jedem eine Gabe bringe, so sei das bezüglich der Verteidigung keineswegs der Fall. Vom Standpunkte des praktischen Ber- teidigers könne er sich mit dem Entwurf ganz und gar nicht ein- verstanden erklären. Der Richter der Tatfrage habe eine zu große Macht. Wenn nun aber erst in einer Strafkammer bloß drei rechts- ?;elehrte Richter sitzen, dann werde es dem Angeklagten viel schwerer ein, ein Nichtschuldig zu erzielen. Das Borverfahren sei in keiner Weise geändert. Dem Untersuchungsrichter stehe eine unbeschränkte Macht zu; es gäbe gegen dessen Verfahren kaum eine Beschwerde. Das Beschlverdegericht habe ihm in einem Falle geantwortet: , Segen das Verfahren des Untersuchungsrichters lasse sich nichts dreinreden. Es sei unwahr, daß von Kollusionsverhaftungen nur. in beschränktem Maße Gebrauch gemacht werde. Es kommen zahl- lose ungerechtfertigte Verhaftungen vor, gegen die nur sehr schwer anzukämpfen sei. Dem Verteidiger wäre es auch ungemein er- schwert, mit dem Angeklagten im Untersuchungsversahren zu sprechen. Es werden dem Angeklagten oftmals Zustellungen ge- macht und ihnen eine Frist von 3 Tagen gestellt, ohne daß der Ver- teidiger eine Ahnung davon habe. Bei verhafteten Angeklagten werde es auch erforderlich, dem Verteidiger wenigstens von der Zustellung Kenntnis zu geben. Ein weiterer Mißstand sei, daß über das Wiederaufnahmeverfahren das urteilende Gericht zu be- finden habe. Es sei wider die mcnschhchc Natur, daß ein Richter einsehe, er habe sich geirrt. Deshalb sei es auch zu beklagen, daß das Reichsgericht nur in selteneren Fällen bei Aufhebung einer Sache letztere zur nochmaligen Entscheidung an ein anderes Gericht verweise. Es wäre notwendig, auch praktische Juristen zur Beur- teilung des Entwurfs heranzuziehen. Dr. i»r. Breithaupt-Kasscl: Er sei ebenfalls der Meinung. daß der Strafrichtcr eine zu große Gewalt ausübe. Erforderlich sei es, die Tätigkeit des Strafrichters nicht bloß als Durchgangsstation zu höherem Verwaltungsdienst anzusehen; dadurch erziehe man bloß das Strebertum. Es würde sich dringend empfehlen, spezielle Strafrichter auszubilden und diese lediglich im Strafrechtswesen zu beschäftigen. Geheimer Hosrat Professor Dr. von Lilienthal, Heidelberg. Die Ausführungen des Redners gipfelten in folgenden von ihm befür- worteten Leitsätzen: 1. Die wichtigste Aufgabe des Vorverfahrens ist die Vor- bereitung der Anklage und der Verteidigung für die Hauptverhand. lung. Für die Staatsanwaltschaft geschieht sie am besten dadurch, daß, abgesehen von ganz einfachen Fällen, die Ermittelung per« sönlich geschieht, soweit nicht Voruntersuchung eintritt. Von feiten des Beschuldigten ist dazu erforderlich: 1. Größere Bewegungsfreiheit und deshalb möglichste Ein- schränkung der NntersuchnngShaft besonders wegen Kollusions- gefahr. 2. AuSgicbigc Unterstlltzung durch einen sachkundigen Ver- teidiger und deshalb möglichst häufige Bestellung von Amts- Verteidigern für mittellose Beschuldigte. 8. Unterstützung durch die Behörden bei Vorbereitung deS Cntlastnngsbcweises und deshalb rechtzeitige Bekanntmachung mit dem Belastungsmaterial in einem besonderen Termine, in dem die Anträge des Beschuldigten, auch weitere Beweis«» Hebungen entgegenzunehmen sind. Eine Ablehnung muß begründet und mit der Mitteilung verbunden werden, daß dem Beschul- digten weitere Rechtsbehelfe zustehen. Die im Entwurf vorgesehene Parteienöffcntlichkeit bietet eine weitere, aber für sich allein nicht ausreichende Unterstützung des Beschuldigten bei der Bcweisvorbereitung. 2. Die Anklageschrift deS Staatsanwalts ist spezifiziert ab- zufassen mit genauer Angabe der Beweismittel für die einzelnen tatsächlichen Behauptungen. Der Beschuldigte hat das Recht, in einem besonderen Tcrmme dem Vorsitzenden des erkennenden Gc- richts seine Einwände gegen die Anklageschrift vorzubringen und Beweisanträge au stellen; deren Ablehnung muß begründet und mtt der Belehrung über die weitere Veweisbefugnis verbunden werden. 3. In der Hauptverhandlung hat der Staatsanwalt den Inhalt der Anklageschrift mündlich vorzutragen. Der Beschuldigte ist darüber zu vernehmen, waS er zu seiner Verteidigung vorbringen will. Er ist darauf hinzuweisen, daß er Erklärungen nicht ab- zugeben braucht. Jede inquisitorische Befragung ist verboten. Die Beweisaufnahme leitet der Vorsitzende. Die Akten des Vor- Verfahrens dürfen, abgesehen von antizipierender Beweisaufnahme, dem Gerichte nicht vorliegen. Tie Führung des Entlastungsbeweises darf nicht beschränkt werden. Der Grnndsay des§ 244 Abs. 1 Str.-Pr.-O. ist beizubehalten. Die Zurückweisung von Beweis- antragen ist vurch einstimmigen Gerichtsbeschluß möglich, wenn sie offensichtlich nicht zur Sache gehören, auf Verschleppung der Verhandlungen gerichtet sind, unerreichbare Beweismittel oder Tatsachen betreffen, die das G-wicht schon zugunsten des Angeklagten für erwiesen halt. Unzulässige Beschränkung der Verteidigung bildet einen absoluten Revisionsgrund. Professor Dr. von Lilienthal bezeichnet eS u. a. als erforderlich, daß der Staatsanwalt ebenfalls der Disziplinargewalt des Bor- sitzenden zu unterstehen habe. Es sei bekannt, daß dem Angeklagten zumeist der Staatsanwalt mehr imponiere als der ganze Gerichts- Hof. Er habe seine Ausführungen in den Leitsätzen zusammen- gefaßt. Er wolle nicht, daß eine direkte Abstimmung stattfinde, sondern es genüge ihm, wenn anerkannt werde, daß das, was er m den Leitsätzen niedergelegt, den Bedürfnissen der Rechtspflege entspreche, und daß es erforderlich sei, die Forderung in den Ent- Wurf der Strafprozeßordnung aufzunehmen. Professor Dr. Mittermeier-Gießen ist der Ansicht, daß dem Beschuldigten zu wenig Rechte eingeräumt werden. Auch der Ver- teidigung stehen viel zu wenig Rechte zu. Es sei in dem Entwurf gesagt, den Staatsanwalt könne die Anwesenheit im Vorverfahren beim Untersuchungsrichter gestattet, dem Verteidiger aber brauche sie nicht versagt werden. ES muß zweifellos in oieser Beziehung eine Abhilfe geschehen, denn nach dem Entwurf würde das Vor- verfahren dem Ermessen der Polizei anheimgcstellt werden. Rechtsanwalt Dr. Hugo Hcinemann-Berlin bezeichnet den Ent- Wurf als eine bedeutende Verschlechterung bezüglich der Stellung der Angeklagten. Den Belastungszeugen dürften ihre Vorstrafen nicht mehr vorgehalten werden. Die Beweisaufnahme dürfe be- schränkt werden, den Verteidigern könne die Anwesenheit im Vor- verfahren gestattet werden, der Untersuchungsrichter habe jedoch jederzeit das Recht, den Verteidiger auö dem Zimmer zu weisen, wenn er eine Gefährdung des Untersuchungsverfahvcns durch die Anwesenheit des Verteidigers erblicke. Was habe auch die An- Wesenheit des Verteidigers beim Vorverfahren für einen Sinn. wenn er nicht eingreifen könne. Wenn er Fragen stelle, dann dürfte eö oftmals vorkommen, daß der Untersuchungsrichter sagen werde: Jetzt halte ich eine Gefährdung des Vorverfahrens für vorliegend und fordere Sie auf, das Zimmer zu verlassen. Jeder Rechtsanwalt, der auf seine Würde etwas gebe, werde sich einer solchen Gefahr nicht aussetzen. Zum mindesten sei das Vorver- fahren von der Hauptverhandlung vollständig zu trennen. Amtsrichter Friedeberg-Berlin bezeichnet es als dringend not- wendig, die Vorakten zur Hauptverhandluna heranzuziehen. Im gleichen Sinne sprechen sich OberlandeSgerichtsrat Prof. Dr. Har- burger-München und OberlandesgerichtSpräsident a. D» Wir«. Geh. Rat Hamm-Bonn aus. Jnstizrat Dr. Mamroth-BreSlau: Ein großer Mißstand sei, daß den Verteidigern im Vorverfahren vielfach vie Akten vorent. halten würden. Es halte ungemein schwer, vom Untersuchungs- richter die Akten au bekommen. Die Verteidiger mühten viel Zeit auswenden, um die Alten lesen zu können, selbst wenn daS Ver- sahren bereits erösfnet sei. Die Akten befänden sich alsdann bei der Staatsanwaltschaft und aum Teil in der Gerichtsschrcibcrei. Die Akten werden den Verteidigern vom Staatsanwalt vorenthalten mit der Begründung, daß eine Gefährdung der Untersuchung vor« liege. Worin diese bestehen solle, sei ihm nicht klar. Die Ver« teidiger besuchen oftmals ihre verhafteten Klienten im Gefängnis, dies geschehe aber nur zur Beruhigung derselben, damit die Leute sehen, der Verteidiger interessiere sich für sie. Ohne Kenntnis der Akten könne doch die Verteidigung gar nichts sagen. Die Ge- fahr einer Fluchtbegünftigung sei doch ausgeschlossen. Der Ver- teidiger handle nur im Interesse des Angeklagten, wenn er ihm sage, es liege ein so schweres Delikt vor. daß ein Haftbefehl er- lassen werden könne. In solchen Fällen könne der Angeklagte Dispositionen bezüglich seiner Familie, Geichäftsverhältnisse usw. treffen. In den jetzigen Zeiten des Telephons und des Telegraphen gehöre eine Flucht zu den Seltenheiten. Er sei ganz und gar dagegen, daß die Vorsitzenden in den Hauptverhandlung von den Personalakten Gebrauch machen. Es wurde gesagt, die Personal» akten enthielten nicht nur Belastungs-, sondern auch Entlastungsmomente. Um die entlastenden Momente geltend zu machen, ge- nüge doch schon die Anklageschrift. Der Staatsanwalt babe doch die Pflicht, nicht Nvr die belastenden, sondern auch die entlastenden Momente in der Anklageschrift hervorzuheben. Er stimme dem Professor Dr. von Lilientbal bei, daß der Grundsatz des§ 24 l Abs. 1(Beweiserhebung durch Vernehmung aller geladenen Zeugen) des Entwurfs feftgehalten werden müsse. Das Vertrauen der Be- völkr-ung zur Rcaitsorechnnz sei erschüttert. Es sei dringend not- wendig, daß dies Vertrauen joieder hergestellt werde. Das könne aber nur geschehen, wenn die Angeklagten die Ueberzeugung gewinnen, daß ihre Sache erschöpfend und unparteiisch behandelt worden sei. Wenn ein Angeklagter die Vernehmung seiner Zeugen verlange, dann müsse dies eben geschehen, anderenfalls halte er sich für unschuldig verurteilt. Staatsanwalt Dr. Feisenberger-Magd:- bürg: Er müsse dem Vorredner erwidern, daß jeder anständige Staatsanwalt dem Verteidiger ohne weiteres Einsicht in die Akten geben werbe! Die VcrhaMung wird auf heute, vormittags S'/a Uhr. vertagt. Hud Induftm und Handel Ein Zeiche« der Zeit. Die Schäden der Preispolitik der Rohstoffverbände sind mm nachgerade so offenkundig geworden, der Kreis derjenigen, die durch jene Praxis in Mitleidenschaft gezogen werden, ist so groß, daß jetzt sogar die Essener Handelskammer, wenn auch noch in etwas ver- hülller Form, vor der rücksichtslosen Preistreiberei der Rohstoff- und Halbzeugverbände glaubt warnen zu müssen. In ihrem Jahres- bericht schreibt die Kammer: .Die Kammer ist weit davon entfernt, die Ansicht zu ver- treten, daß unsere Kartellorganisalionen, so wie sie bestehen, fehler- loS seien, daß keine Mißgriffe vorkommen könnten und vorkamen. Davon kann selbstverständtich keine Rede sein. Wohl aber lassen sich nach Ansickt der Kammer gewiffe Mängel, die heute den Kar- kellen noch anhaften und die bei der Handhabung dieser Organisa- tione» hervortreten, beseitigen, so daß das Interesse der Produzenten mit denjenigen der Konsumenten möglichst in Einllang gebracht wird. Werden unsere Kartelle nach diesem Grundsätze des.Lebe» und leben lassenS" weiter entwickelt, so werden sie Bestand haben und segensreich wirken. Dagegen wird eine Neberlreibung des Kartell- Prinzips, die Susnutznng der Macht lediglich zugunsten deS einen Teils, zu einer Dislrrdilierung der gesamten Kartellidee überhaupt und schließlich zum Zerfall silhren»lüsien, eine Ueberzeugung, in der sich die Kammer mit den Leitern unserer großen Karlellorgam- sationcn übrigens völlig eins weiß." In der Essener Handelskammer dominieren einflußreiche Leute aus dem Koblcnsyndikat und Stahlwerksverbande. Die verurteilenden Worte könnten daher zu der Annahme verführen, die Kritik sei der Ausfluß dort nun eingezogener Erkenntnis, von der man auch wohl als erwünschte Frucht das von der verbrauchenden Industrie ge- forderte Entgegenkommen erwarten dürfe. Solcher Optimismus ist durchaus unangebracht; ihn auszulösen und damit der Aktion der Abwehr gegen den EyndikatSterroriSmuS lähmend in die Arme zu fallen, scheint unS ver Zweck der Uebung zu sein. Man soll deshalb die Auslastung der Kannner nicht als Beruhigungspulver wirken lassen, sondern als Argument benutzen. Folgen der Schutzzollpolitik. ES ist zwar nichts Neues, wa» die velteften der Kaufmannschaft von Berlin in ihrem Jahresbericht über die bösen Folgen der neu- deutschen Zollpolitik sagen, aber den Auslassungen deS Ministers Breitenbach gegenüber, der dieser Tage im ,B. T.* von einer allgemeinen. alle BevölkermtgSkreise umfassenden Mehrung deS Wohl- standeS philosophierte, verdient daS Urteil doch registriert zu werden. E» lautet: Wenn die deutsche Handels- und Schutzzellpolitik den Zweck hatte, die deuische Arbeit zu schützen, so hat sie andererseits die schutzzöllnerischen Tendenzen in den anderen Ländern geweckt oder verstärkt. Infolgedessen ist der deutsche Export nach dem Aus- lande erschwert und eingeschränkt oder unlohnend gemacht worden. Die Klagen über diese Erschwerung kommen aus unserem Korporationsbezirke von verschiedenen Seiten. Ebenso zahlreich aber sind die Verspiele von Fällen, in denen unsere Industrie, um die Nachteile der hohen Auslandszölle wenigstens einigermaßen auszugleichen. im Auslande Fabriken angelegt oder an solchen sich beteiligt hat. Diese Bewegung war schon vor Abschluß der Handelsverträge im Jahre 1906 bezüglich derjenigen Länder be- merkbar, in denen besonders hohe Schutzzölle bestanden. Nach Abschluß der Handelsverträge hat sich diese Bewegung verstärkr, da in letzteren fast durchweg den VernagSstaaten höhere Einfuhrzölle für unsere Fabrikate zugestanden werden mußten. In diesem Sinne haben sich die beim Abschluß der Handelsverträge aus- gesprochenen Besürchtnngen bewahrheitet. Verschärft ist diese Bewegung noch durch die neuerliche englische Patcntgesetzgebung. Wie aus unserem KorporationSbczirk, so kommen auch aus anderen Teilen Deutschlands ähnliche Meldungen über die Erschwerungen des Exports und die Betätigung unserer Industrie im Auslände, Verschlechterung der Erwerbsverhältnisse für die Jndustric- arbeiterschaft, Vetleuerung der LebenShallung für alle Nahrungsmittel laufenden Konsumenten: das ist ver agrarischen Zoll« Politiker Segen._ LebruSmittelteuerung. DaS Jahr 1907 zeichnete sich aus durch ungewöhnlich hohen Preisstand für Lebensrnittel. Ende 1007 mußten für manchen Artikel bis dahin kaum gekannte Aufwendungen gemacht werden. Jetzt aber, in der Zeit der Krise, wo viele, viele Arbeiter die Geißel deS verminderten Einkommens fühlen, sind teilweise noch höhere Preise zu zahlen als vor einem Jahre. Aus den Berichten der Berliner Markthallendirektion machen wir folgende Aufstellung: ES kosteten: Sl. Dezember Ochsenfleisch la per 60 kg - lila-.» Schweinefleisch Heringe chellfisch. Porree.. Meerrettich. Sellerie.. Mohrrüben Wirsingkohl Rotkohl.. Weißkohl. Grünkohl. Kohlrüben. Zwiebeln. Rote Rüben 1 Schock »/z Kiste 1 Schock . 60 kg ,>1 Schock : so kg , 1 Schock . 50 kg In 1908 mehr-s- oder weniger— M. —1 bis +2. 5 4-11. 10 4-1.— 4-0,50 6i« 1 4-0,506,0,75 4-6 bis— 4-0-26. +2. --5. "6. r"6• 4-025. 4-6. 4-0.60, 6 1 9 8 5,50 8 2 7 8 Prozentual ergeben sich da ganz enorme Steigerungen. Speziell die Gemüsearten haben nun außerordentlich hohe Preise erreicht; Preise, die es ansschließen, daß der arme Teufel, ber nur über be- scheidencS Einkommen verfügt, in die Lage kommt, sich für den not- gedrungenen Verzicht auf Fleischnahrnng an Gemüse zu erlaben. Und da gibt es immer noch Lelite, die von steigender Verbesserung der Lebenshaltung auch der schlecht gelohnten Arbeiter fabeln. ZündhSlzchenmonopol in Oesterreich. Das österreichtsche Abgeordnetenhaus hat in seiner letzten Sitzung ein Gesetz beschlossen, durch welches die Verwendung des weißen Phosphors in der Zündhölzchenindustrie verboten wird. Dieser Be- schluß ist auf die Jnittative der sozialdemokratischen Abgeordneten zurückzuführen. Gleichzeitig tritt die Frage der Einführung des Bindhölzchenmonopols in den Vordergrund, und zwar sowohl in zu flettern. In dem Boote saß u. a. die Schwester des Herrn M. Das Kammergericht hat nunmehr entschieden, daß die wegen Defterreich wie in Ungarn, weil in beiden Staaten die Finanzministe Sie hatte Besorgnis, daß ihr weißes Sommerkleid beschmukt werden Werleitung zum Meineide erkannte und rechtskräftig gewordene in Nöten find. In Ungarn liegen die Dinge für das Monopol ein- fönnte. Um sie von dieser Sorge zu befreien, hielt Herr M. das Buchthausstrafe von 2 Jahren vollstreckbar sei. Es hat sich dabei facher, weil hier die Zündhölzchenerzeugung hauptsächlich in Fabriken Tier vom Boote ab. indem er mit dem Ruder entsprechende Be auf den Standpunkt gestellt, daß mit der Vollstreckung einer Einzelund nicht in der Heimarbeit durchgeführt wird, während in Dester- wegungen im Wasser machte. Die Insassen des Leichterschen Bootes strafe aus einer Gesamtstrafe insoweit begonnen werden könne, als reich neben der Großindustrie zahlreiche mittlere und fleinere Fa- gerieten hierüber in immer größere Erregung. 2., der annahm, ihre Verminderung infolge der Einlegung eines Rechtsmittels nicht briken bestehen und überdies Zündhölzchen auch in der Heimarbeit daß mit dem Ruder nach seinem Liebling geschlagen würde, holte mehr in Frage kommen könne. Diese neue Entscheidung des Gergestellt werden. Die österreichische Großindustrie fordert für den in blindem Eifer plöslich einen Rebelber aus der Tasche, zielte Stammergerichts ist nicht, wie eine Gerichtsforrespondenz annimmt, Fall, daß das Phosphorverbot durchgeführt wird, die Errichtung des damit nach dem anderen Boot hinüber und rief mit dröhnender als ein Produft der schwebenden Verhandlungen über die Reform Monopols, dem die Ablösung der Fabrifen folgen muß, Stimme: Elender Knecht! Wenn Sie das Tierchen nicht zu der Strafprozeßordnung anzusehen. Vielmehr entspricht sie der weil die österreichische Industrie die Kosten der veränderten frieben laffen, schieße ich Sie über den Haufen!" G entwickelte ständigen Rechtsprechung des Kammergerichts. In völlig gleicher Betriebsweise nicht ertragen fönne, wie dies in anderen sich dann eine rasche Folge heftiger Redensarten hinüber und Weise ist in einer Reihe uns bekannter Stammergerichtsbeschlüsse Staaten mit Phosphorverbot der Fall gewesen. Durch das Verbot herüber und das Ende vom Liede war, daß das ermattete Sündchen feit dem Jahre 1894 ständig entschieden worden. würde der Export an Phosphorhölzchen unmöglich gemacht. Und so in das Meyersche Boot gezogen und nun doch das weiße Kleid des Da Dr. Riedel fich nach wie vor in Untersuchung befindet und wie die große würde auch die fleinere und mittlere Industrie schwer jungen Mädchens durchnäßt und beschmutzt wurde. Vor Gericht auch nicht, wie anderweitig gemeldet, ein Wiederaufnahmegetroffen, nicht minder auch die Heimarbeit, der durch Geldunter machte der aus diesem Anlaß mit einer Anklage bedachte 2. geltend, berfahren von der Verteidigung in die Wege geleitet ist, so wird ftügung eine Aenderung der Fabrikationsart ermöglicht oder andere daß er ernste Besorgnis um das Leben feines fleinen Lieblings Dr. Riedel voraussichtlich wieder dem Zuchthause zur StrafvollGriverbsgelegenheiten beschafft werden müßten. Kurz, die Herren gehabt habe, der von ihm in treuer Fürsorge durch eine Reihe stredung überwiesen werden. Der neue Termin gegen Dr. Riedel Unternehmer sind heute schon darauf bedacht, mit ihren Betrieben von Krankheiten glücklich hindurch gebracht worden sei. Das Gericht soll dem Vernehmen nach schon Anfang Februar stattfinden. gute Geschäfte zu machen und die Abfindungssuntmen möglichst hoch berurteilte den Angeklagten nur wegen Beleidigung zu 30 m. zu schrauben. Der Inlandskonfum an Zündhölzchen hat in Dester Geldstrafe. reich und Ungarn zusammengenommen einen Fabrikationswert von zirka 20 Millionen Stronen jährlich. Dabei ist der Engrospreis der Zündhölzchen 1 Heller per Schachtel. Im Falle der Einführung des Staatsmonopols ist eine Erhöhung der Preise in Aussicht geDer fapitalistische Staat ist eben auch profithungrig und der Fiskus will ein Ertrageschäft machen. Man schätzt den möglichen Reingewinn des Monopols in Desterreich und Ungaren auf mehr als 30 Millionen Kronen im Jahre. nommen. Gerichts- Zeitung. Was aus einer friedlichen Gondelfahrt werden kann, geigte eine Anflage wegen Bebrohung und Beleidigung, die den Staufmann Leichter vor die Straftammer des Landgerichts III führte. Der Angeklagte, ein passionierter Ruderer, amüsierte sich eines Sommersonntags mit mehreren Freunden mit seinem Boot auf dem Wasser bei Pichelsberge. Als er mit seinen Genoffen auf kurze Zeit ans Land gestiegen war, ließ er sein ffeines Hündchen dort zurück und lockte es dann, wie er zu tun pflegte, vom Boot aus in das Wasser. Das Tierchen wählte einen ungeeigneten Blab zum Sprung ins fühle Naß; es geriet zwischen zwei dort fahrende Boote und schien, ängstlich geworden, die Absicht zu haben, in das eine Boot, welches von dem Kaufmann Meyer dirigiert wurde, Für den Jubalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Dienstag, 5. Januar. Anfang 7, Uhr. Rönigliches Operubans. Lohengrin. Anfang 7 Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Lärm um nichts. Biel Lärm um nichts. 20 ZUAI Briefkaften der Redaktion. Die inviftife@drechstunde findet Lindenstraße Nr. 3, gweiter Sahrstuhl Geöffnet 7 Hor In der Niebel- Affäre, die erst fürzlich noch viel Staub aufe gewirbelt hat, ist nunmehr eine neue Wendung eingetreten. Be- Sof, dritter Eingang, bier Treppen, fanntlich war Dr. Riedel zur Verbüßung der rechtskräftig gegen womentäglich abende von 7 bis 9% Uhr statt. ihn erkannten Zuchthausstrafe von 2 Jahren wegen Verleitung Sonnabende beginnt die Sprechstunde um 6 hr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Bah! als Wierfzeichen betzufügen. Briefliche Antwort zum Meineide bereits in das Zuchthaus in der Lehrter Straße wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Briefkasten können 14 Tage übergeführt worden, nachdem die von ihm eingelegte Revision bezüge vergeben. Gilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. lich dieses Tells des Urteils der 3. Straftammer vom Reichsgericht Treptower Chauffee 14. Eine Darlehnsforderung verjährt in berworfen worden war. Diese Ueberführung in das Buchthaus 30 Jahren. B. A. 12. 1. Nein. 2. Bis zum 30. Juni. G. 23. 82. beranlaßte die Verteidigung seinerzeit zu einer Beschwerde bei dem 1.- 3. Sie haben Anspruch auf Rückgabe aller Sachen, tönnen auch darauf Kammergericht, welches auch die Entlassung des Dr. Riedel aus flagen. Ferner können Sie auf Herstellung des ehelichen Lebens, nicht aber dem Zuchthause und seine Wiederüberführung in das Unter auf Ehescheidung, mit Aussicht auf Erfolg flagen. 4. Rein. 5. a. J. F. 2. D. Das wäre zmedlos. Danziger Str. 95. Mietsstempel suchungsgefängnis anordnete. Der erwähnte Beschluß der 3. Straf- wird im Januar erhoben und durch den Wirt in einem Mietsstempelbuch kammer des Landgerichts I, durch welchen Dr. Riedel zur Ver- beglichen. Sie ist aber erst bei einer Jahresmiete von 300 M. ab zu zahlen. büßung der rechtsträftigen Strafe von 2 Jahren dem Zuchthause Beträgt Ihre Miete mur 288 M., so hat der Wirt Ihnen die Stempelgebühr überwiesen wurde, veranlaßte die Verteidigung sodann zu den zurückzuzahlen. K. 2. Ja: die Frau könnte aber mit Aussicht auf Erfolg bekannten Ablehnungsantragen gegen den Landgerichtsdirektor Widerspruchsflage erheben. Zwedmäßig ist es, wenn Sie noch jetzt das Lieber und zwei andere Richter, die an der ersten Verhandlung Elgenium Ihrer Frau zu notariellem Protokoll anerkennen. teilgenommen hatten. Außerdem wurde gegen die betreffenden 1. und 3. Das Gesuch richten Sie unter Angabe Ihrer Gründe an das Richter eine Regreßflage anhängig gemacht und selbst eine Straf- Landgericht, das die Ehe geschieden hat. 2. In der Regel einige Monate. G. 104. Der Eigentümer tann über sein Eigentum zu seinen Lebanzeige von der Verteidigung erstattet. Diese ganze Affäre, die zeiten verfügen, wie er will; feinen Erben steht ein Einspruchsrecht nicht von einigen Zeitungen sehr sensationell zugespitzt war, ist nunmehr zu. Hermann 2. 1. Sie hätten die Heiratsurkunde nicht beibringen durch einen neuerlichen Beschluß des Kammergerichts in ein Nichts brauchen. 2. Ja; die Kirchensteuern find in den verschiedenen Gegenden zerronnen. verschieden. 3. Ja; nach Maßgabe der Leistung. 4. Brücken- Allee 26. Urania. Schiller- Theater. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Jerusalem. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Biel Die glücklichste Zeit. Deutsches. Revolution in Krähwinkel. Stammerspiele am Scheideweg. Anfang 8 Ubr. Leffing. Der Biberpelz. Berliner. Der Arzt Hebbel- Theater Königgräger Str. 57/58. Anf. 8 Uhr. Frau Warrens Gewerbe. Neues Operetten- Theater. a. Einer von unfere Leut. Edifbauerdamm 25, Q. b. Quiſenſtr. Menes Schauspielhaus. Sünde. Neues. Jsrael. Kleines. Moral. Komische Oper. Baza. Die Hebbel. Frau Barrens Gewerbe. Residenz. Kümmere dich um An.elte. Schiller 0. Wallner Der Graf von Charolais. 5.beutel.) Abends 8 Uhr: Die Dollarprinzessin. Operette in 3 Atten von Leo Fall. Residenz- Theater. Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Schiller Charlottenburg. Bater ,, Kümmere Dich um Amelle." und Sohn. 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Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 3. 26. AahrMg. z. Srillize des Lmälls" Kcrlim WksdlM Wenstag, Z. Januar 1909. Me Üriie in der hollsnMhen Partei. Von einem holländischen Parteigenossen wird unS geschrieben: In der holländischen Partei baden sich die Gegensätze in der letzten Zeit scharf zugespitzt. Nachdem auf den Kongressen IMä und 1907 die Revisionisten völlig die Oberhand gewonnen hatten, wurde vor gut einem Jahre von einer Gruppe jüngerer Marxisten begonnen, ein Wochenblatt,„De Tribüne", herauszugeben, da-, sich die prinzipielle sozialistische Aufklärung der Arbeiter als Ziel setzte. Diese Aufklärung wurde vom Zentralorgan der Partei, das ganz revisionistisch redigiert wird, vernachlässigt. Die Arbeit der „Tribüne" bestand natürlich nicht in abstrakt-theoretischen AbHand- lungen, sondern in der Behandlung der Tagesfragen, wobei ge° legentlich scharfe Kritik an verschiedenen Auswüchsen d-'s Revisio- nismus in Partei- und Gewerkschaftsbewegung geübt werden mutzte. Auf dem letzten Lsterkongretz 1908 hat dies zu verschiedenen Debatten Anlatz gegeben, doch ging die revisionistische Mehrheit nicht so weit, durch scharfe Maßnahmen die revisionistische Kritik nieder- zuschlagen. Jetzt hat sich da» geändert, seitdem die„Tribüne" bei der- schiedenen Anlässen die Haltung der ParlamcntSfraktion kritisiert hat. Die Parlamcntsfraktion steht in Holland ganz auf revisio- nistischem Boden und hat in ihrer Haltung zu den verschiedensten Angelegenheiten den prinzipiell sozialistischen Standpunkt vermissen lassen. Bei feiner Interpellation über die Krise und die Arbeits- losigkeit z. B. ließ der Führer der Fraktion, Genosse Troclstra, den wissenschaftlichen Sozialismus fallen; der Sozialismus sei, wenn nicht sicher, doch wenigstens möglich, führte er aus; und die Frage, ob die Krisen unter dem Kapitalismus periodisch wiederkehren und schlimmer werden, sei für uns nicht entscheidend. Bei einer anderen Gelegenheit verneinte derselbe Arbeiterführer das Streikrccht für Staatsbeamte. AIS ein konservativer Politiker die in einer vom Genossen Gorter geschriebenen Broschüre auseinandergesetzte historisch-materialistische Auffassung der Ethik angriff— natürlich, indem er die Auffassung, daß cS im Klassenkampf nur eine Klaffenethi! gibt, dahin verdrehte, als empfehlen wir den Arbeitern Treu- losigkeit und UnWahrhaftigkeit— sagte Troclstra sich vom historischen Materialismus los und stellte sich auf den Boden der bürgerlichen Moral. Anstatt die Fälschung des Gegners festzunageln und nachzuweisen, datz wir nur eine historische Tatsache feststellen, wenn wir sagen, datz dem Feinde gegenüber im Klassen- kämpf die Gebote der Moral nicht gelten, schlug er sich auf die Seite de» Gegners, nannte die Darlegungen seines Genossen eine „Karikatur des Marxismus" und versuchte mit einem Satz auS den Statuten der Internationale Mar£ gegen ihn auszuspielen, wobei ihm nur da» Unglück passierte, datz dieser Satz gar nicht von Marx herrührte. Beim Kricgsetat hatte ein Parlamentsmitglied mitgeteilt, datz er als Kommandant in einer wichigen militärischen Stellung eine Mobilisationsordre erkalten und ausgeführt habe gerade zu der Zeit, da Kaiser Wilhelm der Königin Wilhelmina einen Brief geschrieben haben soll. Der damalige Ministerpräsident Kuypcr gab über die Sache sehr zweideutige Erklärungen ab. Es war somit wahrscheinlich, daß die Konstitution verletzt worden war. Trotzdem versäumte die Fraktion durch eine Interpellation volles Licht über die Affäre zu erzwingen. In diesen und mehreren ähnlichen Fällen stellte sich das Be- streben der Fraktion heraus, sich nicht in unversöhnlichen Gegensatz zu dem Bürgertum zu stellen; den großen und prinzipiellen AuS- einandcrsetzungen mit der Bourgeoisie wurde ausgewichen. Datz hier eine Kritik, mitunter eine scharfe Kritik durch die„Tribüne" sehr am Platze war, versteht sich. Der Streit brach dann los, als der Vorstand der Rotterdamer Partciabteilung in einer öffentlichen Versammlung, in der Troclstra reden sollte, den Verkauf der„Tribüne" verbot. In Holland gilt in allen sozialistischen Versammlungen stets unbe- schränkte Kolportagefreiheit; alle Richtungen, Anarchisten so gut wie Klerikale, bieten den BersammlungSbesiichern ihre Zeitungen und Broschüren feil; und von unserer Seite wurde die Obskuranten- taktik der Klerikalen und Liberalen, die in ihren Versammlungen die Kolportage sozialistischer Schriften verbieten, i innrer blutig verhöhnt. Danach läßt sich der Charakter der Maßnahme ermessen, den Verkauf eines sozialistischen Blattes in einer sozialdemo- kratischcn Versammlung zu verbieten, bloß weil darin die Haltung Troelstras in der Ärisendcüatte kritissert wurde! AIS Beispiel der revisionistischen Toleranz, des Respekts bor der Meinungsfreiheit anderer, wo die Revisionisten die Mehrheit besitzen, ist dieser Fall äußerst lehrreich. DaS Verbot entfesselte einen, erbitterten Kampf, wobei auch von den empörten„Tribüne"-Rcdakteuren in allzu heftigen per- fönlichen Angriffen über die Schnur gehauen wurde. Diese An- griffe boten einen gierig aufgegriffenen Vorwand, ein Ausschluß- verfahren gegen die drei Redakteure Wynkoop, Eeton und van Navesteyn einzuleiten, um so die unbequemen Kritiker loszu- werden. Der Parteiborstand, der in der Mehrheit aus Revisionisten besteht, nahm zuerst die Sache in die Hand und beriet darüber, ob ein außerordentlicher Partcikongretz zum Zwecke des Ausschlusses der drei einberufen werden sollte. Die Redakteure der„Tribünne" gaben dann nach einigem Verhandeln die Erklärung ab, datz sie sich weiterhin, namentlich zur Zeit der nächsten Wahlen— die im Sommer 1909 stattfinden werden— der Angriffe auf Partei- organe und Parteigenossen enthalten würden, in der Hoffnung, datz ihnen gegenüber ähnlich verfahren wird, und sie erläuterten diese Erklärung dann in einem zweiten Schreiben dahin, datz sie sich das Recht der Propaganda ihrer Ansichten nicht nehmen ließen, persönliche Angriffe aber vermeiden würden. Nach dieser Er- klärung beschloß dqr Parteivorstand in seiner Sitzung vom 19. De- geinber, von der Einberufung eines besonderen Kongresses Abstand zu nehmen. Damit war aber die Fraktion nicht zufrieden. Sie zog gegen den Parteivorstand los mit dem Hinweis darauf, datz jetzt das Hebel ausgeschnitten werden müsse, bevor es weiter um sich fresse. Die beiden Vertreter der Fraktion im Parteivorstand, Schaper und HelSdingen, reichten ihre Entlassung ein, da sie für die„schlaffe" Haltung d«S Partcivorstandcs kein« Verantwortung tragen wollten. Dieser hat jetzt den Beschlutz gefaßt, die Frage, ob ein Kongreß einberufen werden soll, dem Referendum(Abstimmung durch die Parteimitglieder) zu überlasten. Ter Ausgang dieser Aktion wird einen interessanten Beitrag dazu liefer», wie die Revisionisten, die in Deutschland immer über die bedrohte Meinungsfreiheit schreien, dort, wo sie die Mehrheit haben, die Toleranz den Genossen gegenüber verstehen, die für einen prinzipiellen, klassenbewußten, sozialistischen Kampf des Proletariats eintreten. l Haarscharf weiß ein Richter gut und böse zu scheiden. Denn er hat viele Semester lang vom Baume der Erkenntnis gegessen, und es ist ihm gut bekommen. Stiehlt einer, so sagt der Richter: Dieser ist ein Dieb. Bettelt einer: Dieser ist ein Bettler. Tötet einer: Dieser ist ein Mörder. Der Mörder gehört aufs Schafott. der Dieb ins Zuchthaus, der Bettler ins Gefängnis. Halt— ins Gefängnis? Mit nichten: eine Haftstrafe, keine Gefängnisstrafe bekommt er. Es ist ja alle» so einfach. Man wägt und mißt die Hand- lungen dar Menschen wie der Krämer ein Pfund Wurst oder eine Elle Tuch. Mit gelassener Hand streut man zwischen zweitem Frühstück und Mittagessen ein paar Jahre Haft über einige Dutzend Mitmenschen aus. Wer darf sich da über jene Aerzte entrüsten, die eine Handvoll Menschen auseinanderschneiden und fröhlichen Herzens hinabsteigen zu ihrem Dämmerschoppen? » All diese Typen von Bettlern, Obdachlosen, Trinkern usw. er- regen ebensosehr das Mitleid des fühlenden Zuhörers, wie der Richter und fein Amtsanwalt psychologisches Interesse erwecken. Besonders der Richter glänzt fast bei jedem Falle durch ein charakteristisches Wort. Er spricht es, um den Vorgeführten damit zu kennzeichnen,— und kennzeichnet viel mehr sich selber. Er figuriert hier als Typus des Richters, d. h. eines Mannes, den die Mächtigen einsetzen, um die Schwachen schwach zu erhalten, unter der(meist selbst geglaubten) Vorspiegelung, das Interesse der Machthaber sei gleichbedeutend mit der Gerechtigkeit. Diese Richter sind die Flickschuster der Gesellschaft. Mit den zähen und dehnbaren Pechfäden der Gesetzesparagraphen glauben sie die un- heilbaren Risse und Löcher vernähen zu können. Durchdrungen von der hohen Sittlichkeit und Nützlichkeit ihres Tuns, glauben sie ein gutes und großes Werk zu tun, wenn sie einen hungernden und frierenden Menschen„unschädlich" machen. Sie sind wie Durchschnittßärzte. Daß immer wieder die Krankheit, an der sie hcrunrdoktern, an einer neuen Stelle hervorbricht, beirrt sie nicht. Und der Patient, der nicht leben und nicht sterben kann, zahlt un- crmüdlich das Honorar für diese ärztlichen Bemühungen. Bis der Kadaver eines Tages ganz eingeht. Unrecht aber wäre es, den einzelnen Richter dafür berank wortlich zu machen, datz er nicht die sozialen Zusammenhänge der Straftat aufdeckt. Wie soll das ein Richter können, von dem 40, VO, 60, ja gar 100 Fälle an einem Tage abzuurteilen sind? Eö Kommt hinzu, daß die Gewohnheit hart und unempfindlich macht und daß doch er nicht in der Lage ist, an den sozialen Schäden bessernde Hand anzulegen. Eine wahre Justizrefvrm müßte als erstes Erfordernis auf die Aufdeckung des Zusammenhangs zwischen der Straftat und den sozialen Verhältnissen hinarbeiten. Denn nur dann ist Heilung der Schäden möglich. Das Strafgesetz und die Strafrichter hätten diese Zusammenhänge zu berücksichtigen und sie zum Ausgangspunkt für soziale Besserungen zu betrachten. Das ist aber nur möglich durch eine Reform unserer Prozeßordnung wie unseres Sirafrechts an Haupt und Gliedern. Die Grundlage einer solchen Reform ist Aburteilung durch aus allen Teilen des Volks vom Volk erwählte Richter. Erst dann ist es niög- lich, der Justiz einen sozialen Charakter zu verleihen und zu einer Institution zu machen, die nicht die Schäden der Gesellschafts. ordnung zu verhüllen und die Opfer der Gesellschaftsordnung für das zu strafen hat, was Schuld der Gesellschaft selbst ist, sondern zu einer Institution, die vielmehr den Ursachen der Straftaten nachforscht und die Ursachen durch Aenderung der Gesellschaftsordnung selbst zu beseitigen bestrebt ist. Massenelend vor dem Linaelrichter. iv. Eö tritt ein Alter mit niedrigem, schmutzigem Krägelchen vor, nachdem bereits drei Dutzend abgeurteilt sind, und zum Amts- anwalt neigt sich der Richter: Das ist heute schon der dritte mit'nem Kragen!— Sie sind wegen BettelnS und Obdachlosigkeit vor- bestraft? Nummer 10: I.. i.. ich ha.. ha.. Richter: Warten Sie. Geben Sie her den Zettel.— Hm. Bescheinigung über ArbcitSnachfrage. Können nach Hause gehen. Tun Sie's njcht wieder!— Sozialed« Die natkrliche Bewegung der BevZlkermig. In der„Zeitschrift für soziale Medizin" bespricht der Dresdener Arzt Dr. C RocSle„die natürliche Bewegung der Bevölkerung in den europäischen Staaten" und zieht in den Bereich seiner lescnS- werten Beobachtungen die Ehcschlictzmigrii, Geburten, Sterblichkeit und Gebiirtenübcrichutz. Er betont schon einleiteild, daß als charakteristisches und einheitliches Moment in dem gegenwärtigen Verhalten der die organische Entwickelung der Völker konstituierenden Faktoren der„allgemeine Rückgang der Sterblichkeit" immer deutlicher in Erscheinung trete. Neben dem fortschreitenden Sinken der Sterblichkeit, das wir als„den größten Triumph unserer heutigen Kultur" bezeichnen, mache sich ein„unaufhaltsames Sinken der Fruchtbarkeit" in der Mehrzahl der Staaten be merkbar. In seine» Betr achtungen über die Eheschließungen meint RoeSle „Die moralische G run dla g e für eine gedeihliche Be- Völker» ngSentfaltung sind die Eheschließungen." Eine Tabelle führt uns die Zahle» aus 29 Ländern auf, die unter normalen Verhältnissen, wie der Verfasser bettachtend meint,„eine relative Höhe von 7— S Proz." ergeben. Diese Norm wird nur von den slawischen Ländern und von— Sachsen überschritten. AuS den lehrreichen Zahlen des Jahres 1905 geht dies hervor. Auf je 1000 Einwohner der mittleren Bevölkerung treffen Eheschließungen z. B. in Bulgarien 10,0. Serbien 9.9, Sachsen 8,4. Frankreich 7,7, Schweden 5,8, Irland gar nur 5,2. Der Verfasser meint erklärend: „Nach dem letzten allgemeinen Tiefstand der EheschließungSziffern zur Zeit der wirtschaftlichen K r i s i s in den 80er Jahren vorigen Jahrhunderts hatte sich in den meisten Staaten die Zahl der Eheschließungen langsam, aber ständig, bis gegen Ende des Jahrhmidertö wieder gehoben". Die Statistik lehrt unS auch, daß bis zum Jahre 1901 eine Steigerung eintrat, dagegen 1902/1903 ein plötzlicher Rückgang einsetzte. Dr. RoeSle meint:„Dieser Plötz- liche, nahezu allgemeine Rückgang nach langjährigem, ununter- brochcncm Aufstieg konnte nur durch tieferliegende Ursachen bedingt sein. Als solche müssen wir hauptsächlich den Rückschlag in der industriellen Konjunktur in den Jahren 1902/1903 bezeichnen." Am wenigsten machte sich ein Rückgang der Ehe- schiießnngSziffern in Staaten mit wenig Industrie geltend und meint deshalb der Verfasser:„Der vorübergehende Niedergang der industriellen Konjunktur in dem letzten Jahrfünft machte sich natur- gemäß in diesen vorzugsweise agrarischen Staaten weniger oder gar nicht bemerkbar." Bei den germanischen und romanischen Völkern trete die Abhängigkeit der Ehe- schließungen„von den wirtschaftlichen Verhältnissen" in den Vordergrund,„da die Ehen in diesen Ländern im allgemeinen erst n a ch E r r e i ch u n g eines a u S l ö ni in l i ch e n Erwerbes eingegangen werden". Daher sei die EhesckiließiuigSzister von volkswirti'chastlicher Aedentung und könne man die ökonomische Entwickelung eines Landes danach ermessen. Di« geringen Ziffern nordischen Staaten wie Sibweden, Norwegen usw. erklärt Noesle mit dem„geringen wirtschaftlichen Aufschwünge dieser abseits vom Welt- verkehr liegenden Länder"; der Auswanderung eines Teiles der heiratsfähigen Bevölkerung usw. Ein Widerspruch ergibt sich jedoch ans diesen AuSfühmiigen bezüglich der slawischen Länder, welche die höchsten Ziffern haben. Dies fühlt auch RoeSle und meint deshalb:„Die hohen Ziffern der slaioischen Länder dürfen wir dagegen weniger für einen BeloeiS einer günstigen wirtschaftlichen Entwickelung, sondern mehr für ein Zeichen der dürftigen Lebenshaltung und der geringen LebenSanfprüche dieser Völker ansehen!" Dazu komme noch, daß das HeiratSalter der slawischen Rasse allgemein sehr niedrig sei. Da die A b w a n d e r u n g vom Lande in die Städte gerade im heiratsfähigen Alter am größten ist, so müsse sich auch eine Differenz der EbeschließungSziffern in Stadt und Land ergeben. Dies bestätigen auch folgende Zahle»(auf IG» Einlvohner): in Stadt in Land Preußen.. 8,9 7,6 Eheschließungen Bayern... 8,6 7,3„ Schweden.. 7,3 5,3„ Die Stadt mit 10,2 auf das Land zu 7,5. Eine Ausnahme hiervon machen wieder die Länber Bulgarien und Serbien. In Buigancn kommen auf 1000 Einwohner 7,5 in der Stadt und 9.3 auf das Land, in Serbien je 7,4. Fast gleich ist die Ziffer in Frankreich mit 7,4. Wie bei den EheschließungSziffern ließe» sich auch bei der Zahl der Geburten gemeinsame Grundströmimgen nachweisen, erklärt weiter Dr. RoeSle. Ein Rückgang der Ziffern während einer Krise, eine allgemeine Zunahme nach Beendigung derselben. Noch größer sind jedoch die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. Wir beben auS den Tabellen des Gelehrten nur folgende Zahlen hervor: Auf je 1000 Einwohner entfallen Lcbendgeborene im Jahre 1900 in Rußland: 48,7: Ungarn: 40,6; Deutschland: 36,1; Schweiz: 27,0; Frankreich: 22,4. Nun wird aber niemand behaupten wollen, daß die hohe Ge« biirtenziffer in Rußland ein Zeichen des„Wohlstandes" fei. Man müßte dann den Geburtenrückgang in Deutschland, Frankreich usw. als ein Zeichen der fortschreitenden Verarniung an» sehen! Während in Bulgarien im Jahre 1900 auf 1000 Einwohner 39,3 Geburten kamen, steigerte sich diese Zahl im Jahre 1903 ans 40,4. In Deutschland sank die Geburtenziffer von 36.1 aus 34.4, in Frankreich von 22,2 auf 21,2. Dr. RoeSle meint deshalb: „Der Fortschritt der Kultur hat die älteren Anschauungen über den Segen des Kinderreichtums in immer weiteren Kreisen erschüttert und zugleich auch dieKenntniS der vorbeugenden Mittel verbreitet!" Uebertriebcn ist jedoch die weitere Behauptung, daß der„zunehmende Wohlstand" der unteren Volksschichten deren Lebenshaltung stark beeinflußt habe, die» selben deshalb dem Beispiele der Wohlhabenden folgend, zu einer allgemeinen Beschränkung der Nachkommenschaft geführt habe!!! Interessant sind dagegen folgende Zahlen über„die Abnahme der ehelichen Fruchtbarkeit und Säuglingssterblichkeit in Preußen": Auf je 100 Frauen kamen Geburten in Stadt Land 1891... 29.7 34.7 1896... 27.9 34.3 1901... 26.6 33.7 Auf je 100 eheliche Geburten kamen Sterbefälle im ersten Jahre in Stadt Land 1891... 20.3 18,7 1396... 19,5 18.5 1901-05.. 18,1 17.8 Die Gesamtsterblichkeit wurde beeinflußt durch hohe Säuglings- sterblichkeit und Infektionskrankheiten. Beide Ziffern feien im Rückgänge begriffen, ein Zeichen des Kulturfortschritts. Rußland weise die höchsten Sterbeziffern in Europa auf, und zwar auf 1000 Ein- wohner 33,8 Todesfälle, wahrend in Deutschland nur 22,2 rcsp. 19,9 im Jahre 1905, in Frankreich nur 19,6 entfallen. Dr. RoeSle weist auf den„heilsamen Einfluß der hygienischen Entwickelung der Städte' hin, dem Aufblühen der Heilkunde usw., die an dem Rückgang der Sterblichkeit beteiligt seien. Fn Deutschland selbst„treffen wir noch immer die Haupt herbe der Säuglingssterblichkeit in Sachsen und Süddeutschland." In weniger kultivierten Ländern und auf dem Lande verhindere die naturgemäßeErnähriing eine größere Kinderstcrbliclckeit. Dies wird wohl bald auch anders sich gestalten. In demselben Heft der Zeitschrift finden wir unter der Rubrik:„SäuglingSfllrsorge- bewegung"(Seite 121) folgenden Satz:„Bezüglich der Ernahrimg der Kinder, besonders auf dem Lande, ist neuerdings von verschiedenen Seiten darauf aufmerksam gemacht, daß sich mit der Zunahme der Molkereien ein Rückgang in der Er- n ä h r u n g und in der körperlichen Entwickelung der ländlichen Bevölkerung anbahne, da durch den V e r- kauf der verfügbaren Vollmilch das Milchbedürfnis des eigenen Haushaltes nicht mehr ausreichend berück- f i ch t i g t und der Genuß gehaltsarmer Magermilch oder minderwertiger Surrogate gefördert werde." Der Artikel jammert bereits über die dadurch entstehende„Abnahme der Wehrkraft" des Volkes! Sind das die Wirkungen der Agrar- Zollpolitik? So wird dem Kleinbauer„geholfen". Dr. RoeSle schließt dagegen seinen Artikel mit dem Hinweis, daß als ursächliche Faktoren der Verminderung der Fruchtbarkeit, sotvie der Sterblichkeit„hauptsächlich der Fortschritt der Kultur und die Ausbreitung des Wohlstandes" in Bettacht komme. Ob er von der herrschenden Krise, Elend, Hunger und Not der arbeitenden Bevölkerung etwa» Näheres weiß? Unberechtigte Entlassmig. Die Firma Obronski, Impekoven u. Cie, Ateliers für DekorationS- und Theatermalerei, Köpenicker Str. 55, engagierte auf ein Bewerbungsschreiben hin den Schneider H. von Dresden probe- weise auf einen Monat als Zuschneider. G, hatte in seinem Be- werbungSschreiben angegeben, daß er die Zuschneideakademie besticht habe und gab außerdem nach Referenzen in Leipzig und Dresden an. Die Firma wandtt sich an die angegebenen Referenzen, die aber G, nicht zu keimen angaben. Darauf fcbrieb die Firma an G, nach Dresden, daß sie daS Engagement dieserhalb zurückziehe. G, kam aber trotzdem nach Berlin und sagte der Firma, daß sich die aliskunfigebendcn Personen geirrt haben müßte», er habe sich bereits selbst an die betreffenden gewandt und die Ant- warten müßten bald eintreffen. G. trat daraufhin am 1. Oktober die Stellung an. Am 3. Oktober ivurde er, ohne daß ihm Lohn gezahlt wurde, wieder entlassen. Er konnte im Geschäft seine Ansprüche nicht geltend machen, weil sick der Prokurist nicht sprechen ließ. Er klagte nun beim Gewerbegcricht auf Lohnentschädigung für einen Monat iin Bettage von 150 M, Am Montag kam die Sache vor der Kammer l unter Vorsitz deS Magistratsassessor Dr, Maguhn zur Verhandlung. Die Beklagte wendete ein, daß zur sofortigen Entlassung folgende Gründe maßgebend gewesen seien: 1. Die von Kläger in Aussicht gestellten AiNwortschretbcn der angegebenen Referenzen seien nicht eingegangen; 2, hat Kläger zwei Modellbilder, die als Geschäftsgeheimnis zu betrachten feien, entwendet und 3. fei er den an ihn gestellten Anforderungen, denen er zu genügen versprach, nicht ge- wachse» gewesen. Auf Befragen gibt Beklagte zu, daß die Eni- lassung nur mir dem Hinweis auf den zweiten EntlassimgSgnmd erfolgi sei. Das Gericht hielt aber, da Kläger die Modellbilder nicht um sie zu entwende», mit nach Hause genommen hat, diesen Grund allein nicht für ausreichend, die sofortige Entlassmig zn rechlfertigen. Die anderen beiden Gründe kämen schon deshalb nicht in Frage, weil die Entlassnng nicht mit dem Hinweis auf sie erfolgt sei. Beklagte wurde zur Zahlung der E»t- schädigung im Betrage von 150 M. verurteilt. Die Entscheidung ist zutteffend, weil die nicht geltend gemachten EntlassungSgründe in der Gewerbeordnniig als solche nicht an- erkannt sind, sondern höchstens als Nücktrittsgninde wegen Irrtums hätten geltend gemacht werden können. Dann hätten sie aber noch § 121 des Bürgerlichen Gesetzbuches unverzüglich geltend gemacht werden müssen. Hus der partei Das Essener Wahlabkommen. Die»Arbeiterzeitung" zu Dortmund schreibt: ,.ES ist nicht angenehm, gegen Parteigenossen polemisieren zu müssen, mit denen man im allgemeinen in derselben Schlachtreih« kämpft, mit denen man sich in allen grundlegenden Fragen des Prinzips und der Taktik durchaus eines Sinnes weih. Wenn wir trotzdem heute uns verpflichtet fühlen, ein kurzes Wort an die Adresse unserer uns sonst so nahe verbundenen Essener Partei. freunde zu richten, so tun wir das ganz und aar nicht auS klein« sicher Norgelsucht, sondern— in aller Freundschaft— nur des« halb, weil wir in ihrem Wahlabkommen mit den Nationalliberalen den Ausfluß einer Stimmungspolitik erblicken, die wir unter keinen Umständen gutheißen können. Es geht auch nicht an, über alles, was im radikalen Parteilager geschieht, den Mantel duldender Liebe zu breiten, während man die Sünden der Re» visionisten schonungslos aufdeckt. Ein solches Messen mit doppeltem Maße würde zu schlimmen Konsequenzen führen. Ließen wir das Borgehen der Essener ungerügt, so würden wir unS damit für die Zukunft selbst des moralischen Rechts begeben, über die Streiche der Badenfer und Bayern zu Gericht zu sitzen. Wie liegen die Dinge? Die Essener Genossen haben mit den Nationalliberalen«in Stichwahlabkommen getroffen, das dahin ging, sich gegenseitig Unterstützung gegen daS Zentrum zu ge, währen. Durch dieses Abkommen erzielten wir den ersten Sitz im Essener Stadtverordnetenkollegium, während wir den National- liberalen zu mehreren Mandaten verhalfen, die sonst dem Zentrum zugefallen wären. Nun wissen wir die psychologischen Beweg« gründe unserer Essener Freund« vollauf zu würdigen: hat man im Hauptwahlkamvfe so günstig abgeschnitten wie die Essener, so hat man den sehr begreiflichen Wunsch, die Mühen auch durch einen Mandats erfolg gekrönt zu sehen, zumal wenn es sich um die erste Bresche in einem Walle handelt, den man bisher vergeblich berannt hat. Da liegt die Versuchung sehr nahe, auch eine sonst gemiedene KampfeStveise zu wählen, wenn sie nur zum Ziel führt. Dazu kommt der ebenso berechtigte wie heftige Groll der Essener Arbeiterschaft gegen die unerträgliche Herrschaft der schwarzen Demagogie. Aver alle diese an sich sehr berechtigten Stimmungen und Empfindungen hätten die Essener Genossen zurückdrängen müssen. Bor die Entscheidung gestellt, jenen Wünschen und diesem Groll zum Durchbruch zum praktischen Erfolge zu verhelfen um den Preis eines Wahlabkommens mit dem Nationalliberalismus, mußten sie sich sagen: dieser Preis ist zu hoch! So hoch wir die Niederringung des Zentrums und die(besonders agita« torischen) WirkungSmöglichkeitcn auch nur eineS sozialdemokra- tischen Vertreters im Essener Stadtparlament einschätzen,— die moralische Einbuße, die unsere Partei dadurch erleidet, daß sie die Arbeiter zur Unterstützung der geschworenen Todfeinde der Ar- beiterklasse, de? großkapitasistifchen Nationalliberalismus, auf. fordert, die Verwirrung, die sie damit in den Köpfen der Arbeiter anrichtet, wiegt schwerer l Ist das Zentrum auf kulturellem Gebiet der weitaus schlimmste Feind der Arbeiterklasse, so ist eS der Nationalliberalisnms auf wirtschaftlichem Gebiets. Ein Abkommen mit dem einen ist für die Sozialdemokratie genau so unzulässig wie mit dem anderen. Daß es sich in Essen bei den nationalliberalen Kandidaten, die wir unterstützten, um politisch farblose Leute handelte, die zudem persönlich keine Großkapitalisten sind, ändert natürlich an dem Wesen der nationalliberalen Partei nicht das mindeste I Es ändert daran ebensowenig, wie uns in Dortmund bei der letzten ReichStagswahl die Tatsache, daß Herr Efferts, der Zentrumskandidat, Bergmann war. daran Hinderte, in ihm ein? Verkörperung des ganzen reaktionären Zentrums zu sehen! Unser Essener Parteiblatt wird uns diesen Ausführungen gegenüber gewiß auf die WaHlhilfe hinweifen, die im letzten Sommer, wie m anderen Äietfen des Ruhrgebiets, so auch im Dortmunder Kreise die Sozialdemokratie dem Zentrum bei der LandtagSwabl geleistet hat. Darauf fei schon jetzt gesagt, daß erstens in diesem Falle keinerlei formelle Wahlabmachungen vor» lagen und daß zweitens die psychologischen Momente, die m Essen gegen das Zentrum wirkten, in mindestens gleicher Stärke in Dortmund gegen den Notionalliberalismus vorhanden waren. Aber diese Erwägungen würden für unS keineswegs ausreichen. die damals in Dortmund geübte und von der»Essener Arbeiter» Zeitung" so scharf getadelte Wabltakttk zu verteidigen. E nt, cheidend»st aliein. daß die Genossen in Dortmund und en anderen in Betracht kommenden Kreisen gebunden waren durch Bes�lüss« der preußischen Landesorgani« sation. Gern haben sie sich die en Beschlüssen gewiß mcht ge» fügt>— das mag man uns in Essen glauben! Aus freien Stücken hätten die Dortmunder Genossen solche Taktik sicher nicht beschlossen— eS galt aber DiS» ziplin zu üben! Trotzdem bestreiten wir natürlich den Essener Genossen durch« aus nicht das Recht, über diese Wahltaktik der Dortmunder Ge- nassen offen ihre Meinung zu sagen. Nur sollten sie. wenn sie tapfer mit Steinen werfen, dafür sorgen, daß sie mcht selbst im Glashause sitzen. Wer aus seines nächsten Auge den Splitter ent« fernen will, achte zunächst einmal auf den Balken«m eigenen Augel' � Wir verstehen die Abneigung der»Dortmunder Arbeiter. zritung" gegen ein Wahlabkommen, das Sozialdemokraten der- pflichtet, und fei«ö auch nur in der Stichwahl, für Nationallibe» rale zu stimmen. In der Einschätzung dieser Partei besteht inner» halb der Sozialdemokratie keine Differenz. Indes vermögen wir trotzdem das Abkommen von Essen— die von Wühlheim a. Rhein und Kalk stehen in derselben Linie— nicht tragisch zu nehmen. Die Essener Genossen und die von Mühlheim a. Rhein und Kalk haben in der Stichwahl für daS kleinere Uebel ge- stimmt. DaS ist in der Partei nichts Unerhörtes, das Neue ist nur, daß Nationalliberale als die Vertreter des kleineren Uebels angesehen werden. Das aber erklärt sich aus einer ganz besonderen, außergewöhnlichen Situation, aus dem Umstände, daß die Ge- nassen jener Orte gegen eine in brutaler und rücksichtslosester Weise ausgeübte kommunale Herrschast des Zentrums zu kämpfen haben. so daß ihnen die Erschütterung dieser Herrschast al» da» zunächst Notwendigste und Dringendste erscheint. So wurden ihnen die Nationalliberalen zum kleineren Uebel. In außergewöhnlichen Fällen sind außergewöhnliche Mittel erlaubt. Daß sie nicht anders als in außergewöhnlichen Fällen angewandt werden, dafür bürgt schon die politisch« EntWickelung. Und deshalb ist eine Verwirrung in den Köpfen der Arbeiter durch solche naturgemäß vereinzelt bleibenden Stichwahlabkommen nicht zu befürchten. Gcmrindewahlen in Württemberg. Nachträglich melden sich noch ein paar Gemeinden, in denen bei den BllrgerauSschußwahlen unsere Genossen Mandate erhielten. In Großgartach wurde der erste Sozialdemokrat in die Gemeinde» demokratische Verein mit auf den Zettel genommen hatte, wurden gewählt. Die in Nummer t des.vorwärts" veröffentlichte Statistik ist also dahin zu ergänzen, daß die Zahl der Gemeinden WürtHmberaS, in denen Sozial» demokraten in die Ccineindevertrctung gewählt wurden, sich erhöht von 82 auf 82; die Zahl rmserer neu- gewählten Vertreter steigt von 101 auf 168. Zweifellos haben aber ein« Anzahl Ort« über den Ausfall der Wahl der Parteipresse keinen Bericht gesandt. Die vom Landesvorstand im vergangenen Jahre aufgenommene Statistik durch Fragebogen, die an die einzelnen Vereine gesandt wurden, hat eine w e s e n t- lich höhere Zahl sozialdemokratischer Gemeindevertreter in Württemberg ergeben, als aus den Zeitungsberichten zu ermitteln war. Die Zahl der neugewählten sozialdemolraiischen Biirgerausschuß- mitgueder dürfte auch diesmal 200 nicht unwesentlich übersteigen. Französische Parteilitcratur. Im Parteiverlag zu Paris erschien soeben: Rapport sur l/cuqluit« agricolo du Parti sooialiste par!s oitoyen Oom p o- Jl o rel.(Bericht über die Agrar- Enquete der sozialistischen Partei. Herausgegeben vom Genossen Compöre-Morel.) Preis 50 Centimes. Die Enquete wurde von einer Kommission aufgenommen, die vom Parteikongreß zu LimogeS eingesetzt wurde. Der Beriwt dieser Kommission, erstattet von dem Genossen Compöre-Morel, wird nun nach dem Beschlüsse des Kongresses von Toulouse in einer starken Broschüre veröffentlicht. Sie soll die Genossen auf die Erörterung der Agrarfrage auf dem Kongreß von 1609 vorbereiten. Die Arbeit dürfte auch die Französisch lesenden deutschen Ge- nassen interesstren, da das Agrarproblem neuerdings auch bei uns wieder erhöhte Beachtung findet. Die Broschüre ist zu beziehen von der Buchhandlung der stan- zösischen Partei, Paris. 18 Rue de la Cordcrie. Vom Fortschritt der Presse. Agitation für die Presse haben verzeichnen. Sie erzielten im Abonnenten. Einen schönen Erfolg in der die Dortmunder Genossen zu vergangenen Jahre BOOS neue Personalien. Aus der Redaktion des.Volksblattes für Halle' ist mit Ende des alten Jahres Genosse Thiele aus- geschieden. Von der alten Redaktion ist nur der Genosse L e o p o l d t geblieben. Neu eingetreten sind am 1. Januar die Genossen Paul H e n n i g(bisher leitender Redakteur der.Tribüne" in Erfurt). Karl Bock(stüher an der.Arbeiterzeitung" in Dortmund) und Otlo Nieduhr(bislang am.Harburger Volksblau"). In die Redaktion der. Arbeiterzeitung" zu Essen ist der Genvsie Wilhelm Neumann als drittes Mitglied eingetreten. poliiclUcdeg, Oerictmlcbea ulw. Auf eine ungemein hohe Geldstrafe erkannte daS Schöffengericht in Stettin gestern gegen den Genossen Redakteur Mehlich vom Ttettiner.Volksboten". Er hatte einen Aufsatz veröffentlicht, wo- nach sich ein Lehrer einer erheblichen Ueberschreitung de» ZüchtigungS- rechtes schuldig gemacht haben sollte. Mchlich hatte einen um- fassenden WahrheuSbeweiS angeboten, eS stellte sich jedoch während der Verhandlung heraus. daß er von seinen GelvährS- leuten in ganz unverantwortlicher Weife an» geschwindelt worden war! Er verzichtete infolgedessen auf wettere Beweisführung. Der Staatsanwalt beantragte vier Monate Gefängnis, das Gericht erkannte zwar die fatale Loge, in die der Angeklagte Mehlich gebracht worden war. an. verurteilte ihn aber trotzdem zu 800 M. Geldstrafe._ Huö der Frauenbewegung. Heimarbeit und Frauenbewegung. »Die Frau gehört ins HauS," lautet der Philister Weisheit Schluß. Die Statistiken weisen aber nach, daß tausende und aber- lausende Frauen in die Fabriken strömen, um zum Unterhalt der Familie beizutragen, ja oft sind sie dieser alleinige Ernähererin. Die Statistik demonstriert weiter die Tatsache, daß zur Zeit der Krise die Frauenarbeit im Verhältnis zur Männerarbett relativ und ab- solut zunimmt. Trotzdem, die Schwärmer werden nicht alle, die von einem glücklichen Heim träumen, in dem die züchtige Hausfrau weise schaltet am eigenen Herd, nur der Sorge für des Mannes Bequem- lichkeit und der Erziehung der Kinder sich widmend. Wie viel solcher trauten Häuslichkeiten gibt eS noch? Nicht alle für den Erwerb arbeitenden Frauen eilen in die Fabrik, ungezählte Tausende schinden zu Hause sich für jämmerlichen Lohn. Ihnen bringt selten ein Feier- tag Ruhe; Tag und Nacht sind diese Aermsten Sklaven der Arbeit. Beide Kategorien Frauenarbeit tragen zweifelsohne nicht zur Gemüt- lichkeit im Hause bei. Die Kinder sind meist sich selbst überlassen. In einem wie im anderen Falle müssen die größeren Kinder das Hauswesen besorgen, die kleineren Geschwister pflegen und erziehen; sind nur kleine Kinder vorhanden, wandern sie zu stemden Leuten oder entbehren oft jeder Aufwartung. Welche freudlose Jugend ha» so ein ormeS Arbeiterkind! Die Sehnsucht nach eiiiem gemütlichen Hauswesen ist unter solchen Umständen schon begreiflich, aber das eherne Muß will es anders. Die Fabrikarbeit verheirateter Frauen weist bei der geringen Arveiterinnenfürsorge zweifellos große Schäden für das Familten- leben auf und doch hat sie auch ihre guten Seiten. Seitdem die Frau am Erwerb teilnimmt. hat sich ihr Selbftbewutztsem gehoben. DaS Weib, früher nur HauSmütterchen, bekam nun Jnter- esse am öffentlichen Leben. Da» Zeitalter der Maschinen, dcS mo- dernen Kapitalismus hat die Frau zu einem selbständtgen Wesen gemacht. Trägt die Frau zum Unterhalt durch eigene Arbelt etwas bei. so hat sie weit größeren Einfluß im Hause; sie ist nicht mehr daS untergeordnete Wesen von ehedem, daS nur zu gehorchen hatte. Aber nicht nur in der Familie spielt jetzt die Frau eine andere Rolle als stüher. Sie. die neben dem Manne in der Fabrik steht, redet auch ein Wort mit, wenn gemeinsame Interessen zu vertreten sind. Eine Frau, die nur Hausfrau ist, kennt die Plackerei in Werkstatt und Fabrik mir vom Hörensagen; sie kann eS nicht verstehen, wenn der Mann oft mißmutig irnb verärgert nach Haute kommt; sie schimpft, wenn durch einen Streik wochenlang der Verdienst geschmälert wird. Ander» urteilt die Frau, die selbst in der Fabrik arbeitet. Die Heimarbeiterin hat weniger Verständnis für die Fragen des öffentlichen Lebens. Sie ist doppelt und dreifach ans HauS ge kette». Sie hat keine Zeit und auch nur wenig Gelegenheit, ihren Gesichtskreis ,u erweitern. Kommt wirllich eine Parteizeitung ins Hau», so wird die Frau in neun von zehn Fällen wenig oder gar nicht darin lesen. Zur Unterhaltting mit dem Manne bleibt eben- falls wenig Zeit. Auch von außen kommt selten mal ein Anstoß, der da» Interesse erweckt. Der einzigste Berührungspunkt mit anderen Arbeiterinnen ist beim Abliefern der Arbeit. Dort werden wohl im geheimen die schlechten Löhne getadelt, ober dabei bleibt eS auch. Die Organisation läßt unter den Heimarbeiterinnen noch sehr zu wünschen übrig, daher gibt eS wenig Aufgeklärt« unter ihnen. Kann eS da wundernehmen, wenn solche Frauen den modernen Arbeiterorganisationen fernstehen? Sie sind auch ein gewaltiger Hemmschuh für die FranenbewegM'g, der politischen wie der gewerk- schaftlichen. Schon von diesem Standpunkte aus ist die Fabrik« arbeit für Frauen der Heimarbeit vorzuziehen, von der hygienischen Seite braucht erst gar nicht geredet zu werden. Unter beiden Arten von Arbeiterinnen gibt eS noch unendlich viele, die tüchtige Pioniere für die Arbeiterbewegung sein können. die nur herausgerissen werden müssen aus der engen Welt, in der sie leben. Immer mehr drängt sich uns die Erkenn tnis auf, daß alle Unterdrückten am Emanzipationskampf der Arbeiterklasse teilnehmen müssen. Immer schroffer stellt sich die Bourgeoisie dem Proletariat gegenüber; immer schärfer werden die Klasiengegensätze. Neben denen, die gleichgülttg dahinleben, gibt e« eine große Anzahl Frauen, die im Bamie einer anderen Weltanschauung stecken, die alles Heil von überirdischen Mächten erwarten. Dies« Schäslein lassen sich schwer belehren: zu tief wurzeln Fanatismus. Unwissenheit und geistige Beschränktheit in ihren Köpfen. Um so mehr ist eS notwendig, alle diejenigen, die empfänglich sind für die sozialistische Lehre, nach Möglichkeit um unsere Fahnen zu scharen, zu kämpfen gegen Ausbeutung und Unterdrückung. Frauenarbeit und Frauenorgauisation in Schweden. Di« starke industrielle EntWickelung Schweden» bringt eS mit sich» daß auch die Frauen in immer größerer Zahl zu Lohnfllavcn des Unternehmertums gemacht werden. Nach der Statistik vom Jahre 1608, der letzten, deren Ergebnisse vorliegen, waren damals schon von den 295 808 in der sckwedischen Fabrikindustrie tätigen Personen nicht weniger als 56 666, also 19,2 Proz. Frauen; die HandiverkSbetriebe waren nicht mitgezählt, z. B. auch die Schneiderei- betriebe nicht; ferner erstreckte die Statistik sich nicht aus die Meiereien und die Bergwcrksindusttie, so daß jene Zahl keines- Wegs die große Masse der Lohnarbciterinnen, sondern nur die der Fabrikarbeiterinnen umfaßte. Deren Zahl ist nicht nur absolut, sondern auch im Verhältnis zur Zahl der männlichen Arbeiter in beständigem Wachstum begriffen. Im Jahre 1901 waren erst 18.7 Proz. Frauen unter der in den Fabriken tätigen Arbeiterschaft. Die immer stärkere Heranziehung der Frauen zur Fabrik- und Lohnarbeit führt auch dazu, daß sie um so leichter ihre Klassenlag« erkennen und dem OrganisattonSgedcrnken sich zugänglich erweisen. Zwar ist in dieser Hinsicht auch in« limed-.n»och sehr viel zu wünschen übrig, doch hat man es so weit gebracht, daß rund 20 000 Arbeiterinnen und Arbeiterfrauen in den politischen und gewerk. schaftlichen Organisationen zusammengeschlossen sind. Gewerkschaft. lich sind die Arbeiterinnen größtenteils gemeinsam mit den Männern organisiert: cv bestehen jedoch auch noch mehrere Gewerk. schaften mit ausschließlich weiblichen Mitgliedern, wie die der Brauereiarbeiterinncn. Bäckereiarbeiterinncn, Wäscherinnen und Plätterinnen, der Badefrauen, der Näherinnen verschiedene» Branchen, die nun durch die Verschmelzung des Frauenfachvcrbondcö mit dem Dchneiderverband größtentetls in diesen Verband über« gehen. Politische Frauenorganisationcn der Arbeiterschaft,„Sozia!« demokratische Frauenklubs", bestehen jetzt bereits in 25 Orten Schwedens und sie umfassen rund 4000 Mitglieder. Die Zahl der Frauen, die der Partei angehören, ist jedoch tatsächlich weit größer, da ja die Gewerkschaften meist der Partei mittels der Arbeiter« kommunen angeschlossen sind und ihre Mitglieder komit indirekt auch als politisch organisiert gelten. Gerichts-2 eirung. UrheberrechiSmanie. Wiederholt haben wir Urteile wiedergeben müssen, die in dem Schutz des sogenannten geistigen Eigentums viel zu weit gingen. Auch am Sonnabend beschäftigte das Reichsgericht ein solches Ur- teil. DaS Reichsgericht mußte das Urteil bestätigen, weil cS bei der vom Landgericht irrig bejahten Frage, ob eine»Ausarbeitung wissenschaftlichen Inhalts" vorliegt, cm die tatsächliche Feststellung der ersten Instanz gebunden ist. Vom Landgerichte Braunschweig ist am 7. August v. I. der Chef« redaktcur der»LandeSzeittmg", Dr. Eugen Sterke, wegen Nach» drucks zu 10 M. Geldstrafe verurteilt worden. Die»Vossische Zci» tung" in Berlin war im Jahre 1907 Abonnentin der von dem Journalisten Zimmermann in Brühl bei Köln herausgegebenen „Gerichtskorrespondenz" und druckte aus derselben einen Bericht ab, welcher eine OberlandeSgerichtSentscheidung über Eau de Co« logne betraf, ohne ihn mit dem NachdruckSvermerk zu versehen. Ein Redakteur der„Braunschweigischen LandcSzeitung sah diese» Bericht als eine vermischt« Nachricht an und druckte sie nach. Her« Zimmermann erfuhr dies und forderte«in Nachdruckshonorar von 20 Pf. pro Zeile, daS sich auf 5 Pf. ermäßigen solle, wenn die „LandeSzeitung" auf seine Korrespondenz abonniere. DaS Honorar wurde ihm gesandt; auch teilte ihm die Redaktion mit, daß sie be« reit sei, auf seine Korrespondenz zu abonnieren. Herr Zimmermann erblickte in dieser Mitteilung wahrscheinlich noch keine Bestellung (der AbonncmentSbetrag war nicht beigefügt) und stellte später Strafantrag wegen Neudrucks. Dr. Sterke übernahm die Verant» Wartung für diese» Delikt und vertrat die Ansicht, daß eS sich hier nicht um eine Ausarbeitung wissenschaftlichen Inhalt» handle. DaS Gericht kam aher zu einer Verurteilung, weil es feststellte, daß der Nebenkläger Zimmermann zwar das Urteil des Oberlandes» gericht» benutzt, aber seinen Artikel nach bestimmten Grundsätzen unter Hervorhebung der wesentlichen Punkte ausgearbeitet und mit einer besonderen Einleitung versehen habe. Dadurch habe die ganze Ausarbeitung einen wissenschaftlichen Charakter erhalten. Wenn sich der Angeklagte hierüber geirrt habe, so sei dies ein NcchtSirrtum, der ihm nicht zugute kommen könne.— Seine Revision gegen das erwähnte Urteil vertrat Dr. Sierk« heute persönlich vor dem Reichsgericht. Er erklärte, cfl handle sich um eine Sache von allergrößter Tragweite. Wenn der Nachdruck von Gerichts» berichten strafbar sein solle, so würden viele Redaktcure es nicht wagen, allgemein interessierende tatsächliche Vorkommnisse auf juristischem Gebiet«, besonders die Urteile der höheren Instanzen, abzudrucken und das Publikum werde dann eine ivertvolle Be« lehrung entbehren müssen. Ueberdies könne man nicht immer er« kennen, ob an einem Artikel alle? Wiedergabe aus dem Prozeß oder eigene, wissenschaftliche Arbeit des Verfassers sei.— De« Reichsanwalt hielt das Urteil in objektiver Beziehung für völlig einwandsfrci, vertrat aber die Ansicht, daß der subjektive Tatbestand ungenügend festgestellt sei, denn offenbar sei der Angeklagte über Tatsachen, nicht über Rechtsfragen im Irrtum gewesen.— DaS Reichsgericht erkannte jedoch auf Verwerfung der Revision, da eS annahm, daß hier kein tatsächlicher, sondern ein RcchtSirrtum vor» gelegen habe, der den Angeflagten nicht strafstei mache. Eigenartig ist eS, daß daS Reichsgericht cS als fehlsam er» achtete, gerichtliche Urteile als wissenschaftliche Leistungen zu betrachten, die Wiedergabe eines Urteils aber als Ausarbeitung wissenschaftlichen Inhalts anerkennt. Dem gesunden Rechts. empfinden widerspricht eine Bestrafung in solchem Fall unbedenk- lich. Die Beseitigung solcher Möglichkeit durch Streichung deS strafrechtlichen Schutzes auf diesem Gebiet liegt im allgemeinen Jnter» esse. Diese Straftechtsbestimmungen des Urheberrechtsgesetzes haben eine recht bedenkliche Urheberrechtsmanie großgezogen. Amtlicher Marktbericht der städtischen Martthollen-Direktion üdn den Grohbandel in den Zenttal-Marktballen. Marktlage» Fletscht Zusubr stärk, Geschäft lebhast, Presse unverändert, für Schweinefleisch an» zlehend� Wild: Zufuhr reichlich, Geichäst ziemlich lebhast, Preis« be« sriediaend. Geslügeli Zuluhr gentlgend, Gekchäsl zicmlich reg«. Preise defrifdlgend. Fisch«: Zuiuhr mätzig, Geschäft ruhig, Preise im all. gemeinen bcsricdilzend. Bulter und Käs«: Geschält ruhig, Preii« un» verändert, Gemüse, Obst und Süds rü cht«: Zufuhr genügend, Teschäst still, Preise wenig verändert. «vasierstandS-Nachrtchtr» der LandeSanstatt für«ewälsertunde. mitgeteilt vom Lerlwer Wetterbureau. Tasserstand M- m e l. Tilsit Dregel, Jnsterburg Weichsel, Thor» Oder. Natibor , Kroffen , Kr-nkiurt Warthe, Schrimm , Landsberg Rehe, Dordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Larby , Magdeburg Wasserstand Saal«, Grochlttz Havel, Svandaufl , Rathenow') Spree, Svremberg') , Biestow Weser. Münden , Minden Rhein, MazümAanSau , Kaub » Köln Neckar, Heilbronn Main. Wertheün Mosel. Trier -s- bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unterpegel.— •) Gründels.—°) Treibeis,—•) Eisstauung,—•) Treibet» Sozialdemokratischer Wahlverein für den 2. Berliner Reichstags- Wahlkreis. ( Bezirk 81.) Am 2. Januar verstarb unser Mitglied, der Maurer Louis Ehrlich. Ehre feinem Aubenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 6. Januar, nach mittags 1 Uhr, von der Leichenhalle des Luther Kirchhofes in Lankwitz, Marienfelder Straße, aus statt. 210/1 Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Sozialdemokratisch. Wahlverein des 6. Berl. Reichstagswahlkreises. Todes- Anzeige. Um 31. Dezember 1908 verstarb unser Mitglied, der Gastwirt Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und zahlreichen Krangspenden bet der unjeres guten Vaters Beerbigung meines lieben Mannes, Otto Schwefler sagen wir allen Freunden, Verwandten, Bekannten, seinem Herrn Chef, feinen Kollegen, dem Wahlverein Bohnsdorf, sowie den Laubenfolonisten des Bauvereins Paradies" 443b unseren innigften Dank. Marie Schwefler geb. Kohlmann. Lucie Schwefler. Oskar Thomas. Helene Thomas geb. Schwefler. a Danksagung. Für die rege Teilnahme und die reichen Strangfpenden bet der Beerdigung meines lieben Mames, fage ich allen Verwandten und Bekannten, insbesondere dem Gefangverein i Deutscher Holzarbeiter- Verband. Ortsverwaltung Berlin. Mittwoch, den 6. Januar, abends 8 Uhr: Vertrauensmänner- Versammlungen der Bezirke und Branchen. Tages Drdnung: 1. Ausgabe der neuen für das Jahr 1909 gültigen Vertrauensmännerkarten. 2. Kontrolle und band der Bauarbeiter und dem Babl dorfer Männerchor", dem Zentralver Feststellung der in den Betrieben beschäftigten und organisierten Holzarbeiter. 3. Jahresbericht des Obverein meinen innigten Dant. 4426 mannes. 4. Bericht der Vertrauensleute. 5. Werkstatt- Angelegenheiten und Verbands- Angelegenheiten. Alle Werkstätten müssen vertreten sein. Wwe. Margarete Heidemann. Dr. Simmel Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden. dicht am Karl Pietsch Prinzenstr. 41, Moritzplatz, Rösliner Straße 6. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 5. Januar, vor10-2.5-7. Sonntags 10-12. 2-4 Mitgliedsbuch legitimiert. Tischler. Orts- Krankenkasse Süd- Westen bei Habel, Bergmannstr. 5/7. mitags 9 ′ Uhr, auf dem ſtädtischen für das Gewerbe der Verfertigung Süden bei Gliesing, Waffertorstr. 68. Friedhof in Friedrichsfelde statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Allen Bekannten die traurige Nachricht, daß am 3. Januar nach furzer fchwerer Krankheit unser lieber Sohn und Bruder Erich Wiegand im Alter von 5 Jahren 11 Monaten geftorben ist. 4406 Dies zeigt mit der Bitte um stille Teilnahme an Hugo Wiegand nebst Frau und Tochter. Die Beerdigung findet am 6. Jamuar, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Reinickendorfer Friedhofes aus statt. Allen Bekannten und Kollegen bie traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, der Möbelpolierer Max Schwarz nach langem Leiben am 8. Ja. nuar gestorben ist. 4415 Die Beerdigung findet am Mittwochnachmittag 4 Uhr bon der Leichenhalle des Zwölf apoftellirchhofes in Schöneberg aus statt. Witwe Erneftine Schwarz. Danksagung. Für die liebevolle Beteiligung bei dem Begräbnis meines lieben Mannes Paul Fellmer Die Versammlungslokale find folgende: von Musikinstrumenten. Südosten I u. II in ben Naunyn- Festsälen, Naunynftr. 6, Bekanntmachung. Osten I( 8wifchen Zentrum und Fruchtstraße) bei Walter, Die von den Generalversamm Andreasstr. 21. Maschinenarbeiter Engelufer 14, parterre, im Arbeitslosensaal. MusikinstrumentenArbeiter lungen am 25. April und 21. No: Osten II( awischen Fruchtstraße und Friedrichsberg) bei Pirnan, um 8 Uhr abends im Gewerkschaftshause, Engelnfer 15, bember 1908 beschlossene und vom Bezirksausschuß am 30. Dezember Frankfurter Allee 106. 1908 genehmigte zweite Abänderung Oestliche Vororte bei des Statuts( enderung der Alters. flaffen in Lohnklaffen, Erhöhung der durchschnittlichen Tagelöhne, fo wie Stassenleistungen und Beiträge) tritt vom 4. Januar 1909 in Straft. Der Vorstand. R. Blank, Borsigender. Ju Serian Hindaw Warfareshrift für Arbeiterfamilien Gaft 10 Pfg Wildner in Friedrichsberg, Friedrich- Karlstraße 11. Nordosten bet Boeker, eberstr. 17. Jebe Sargtischlerei muß einen Vertrauensmann nach dieser Versamm lung senden. Saal 8. Kammacher bei Lehmann, Neue Friedrichstr. 1. Bodenleger bei Obiglo, 270/3 Rosenthaler u. Schönhauser Vorstadt webterstr.23. im Gewerkschaftshause, Engelufer 15. sage ich allen Freunden und Be fannten fowie der Firma Remak u. Bu beziehen durch alle Kolporteure Silber und dem Personal meinen und die Expedition des Vor Herzlichsten Dant. 57442 wärts", Berlin SW. 68, LindenFrau Fellmer geb. Specht. Straße 69, Laden. Dr. Schünemann Spezial- Arzt für 56232 Gesamteinrichtung aum Schankbetrieb, auch Billard, Hant- und Harnleiden, Spielautomat werden gerichtlich Franenkrankheiten. am Mittwoch, den 6. Januar, vor Friedrichstr. 203, Ecke Schügenstr. mittags 11 Uhr Usedomstraße 22 10-2, 5-7, Sonnt. 10-12 Uhr. I versteigert. 4456 Berlin SO. 16, H.& P. Uder, Engel- Ufer 5. Tabak- Großhandlung und Tabaktabrik. Rauch, Kau-, Schnupftabake, Zigarren, Zigaretten. Vorteilhafteste Bezugsquelle für Wiederverkäufer. Größte Auswahl gelagerter Zigarren in allen Preislagen. Sämtliche bezu Originalpreisen. Amt IV, 3014. kannten Marken Zigaretten Wedding u. Moabit: bet Fahrow, Ravenéftr. 6. Bautischler. Stellmacher bel Hahn, Rosenthaler Vereinshaus, Rosenthaler Straße 57. Kistenmacher bet Baudach, Breslauer Straße 28. Süden, Westen, Südosten, Bez. 1: bel Möhring bmiralstrake 180. Osten, Bez. 2: bei Zietz, Warschauer Str. 61. Norden, Bez. 3: bei Karl Hube, Kopenhagener Str. 74. Wedding u. Moabit, Bez, 4; bei Sachse, indower Str. 26, bei Eichhorn, Roppenstraße 47. Bahnhof Wedding Drechsler, Treppengeländer- und Luxusmöbelbranche Norden bei Döhling, Brunnenstr. 70. Osten bei Schneider, Friedenstr. 67. Südosten u. Südwesten bei Stramm, Ritterstr. 123. Modell- und FabrikTischler Korbmacher Bürstenmacher bei Preuß( Silfebein- Ausschant), Holzmarktstraße 65. Vergolder bei Merkowski, Andreasftr. 26. Jalousie- Arbeiter bei Walter, Adalbertstr. 62. Perlmutt-, Horn- u. Steinnußarbeiter 6% Uje bei Ernst Thomas, Melchiorfir. 5. Uhr im Berbandshause der Gattoirtsgehilfen, Große Samburger Bilderrahmenmacher Straße 18/19. Möbelpolierer, Beizer und Magazinarbeiter. Osten bei Boeker, Weberstr. 17. Südosten im Märkischen Sof", Admiralstr. 18 c. Norden bei Günther, Brunnenstr. 96. bei Natteroth, Ritterstr. 32. Diese Versammlung beginnt um 6 Uhr. Stockarbeiter bei Lehmann, Neue Friedrichstr. 1. Diese Versammlung beginnt um 16 Uhr. Einsetzer. Die Tischler werden gebeten, die Polierer ihrer Werkstatt auf Abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 7. diese Versammlung aufmerksam zu machen. Die Kommissionsmitglieder müssen um 7 Uhr erscheinen. Die Kollegen werden darauf aufmerksam gemacht, daß in dieser Woche die Abonnements auf das Würzburger Hühneraugenmittel, agblatt der Holzarbeiter" erneuert werden müssen. Bestellungen werden von allen Beitrag bon Dr. H. Unger. Gegen 30 Pfennig auf 10 Bf. Anweisung fret. fammlern entgegengenommen. Die Zustellung erfolgt durch die Werkstatt- Bertrauensmänner, welche für die Dhne Zweifel die bequemste u. wirksamste Hilfe. Der Schmerz ist in 5 Min. fort. Das Hühnerauge felbft in 3 Tagen.( Enthält Salicylsäure u. indischen Kollegen ihrer Werkstatt die Bestellung ausführen. Probenummern liegen in den Zahlstellen ans. Die vollgeklebten Mitgliedsbücher können in den Zahlstellen abgeliefert werden. Die Dr. H. Unger in Würzburg. In Berlin( 20 p.): Salomon- Apotheke, Charlottenstraße 54. Greif. Kollegen werden ersucht, auch die früheren Bücher mit abzugeben, damit die Markenzahl richtig festgestellt Apotheke, Barnimstraße 33. Stutt werden kann. gart: Hirsch- Apotheke. 110/ 1* Hanfextraft.) München: Schützen- Apotheke. Breslan: Victoria- Apotheke. Carmen Sylva Cigaretten Beste Qualitäten Die Aktien- Gesellschaft Schloßbrauerei Schöneberg Schöneberg- Berlin W. empfiehlt zur diesjährigen Saison ihr vorzügliches Kronen- Bockbier in Flaschen, Siphons und Gebinden. Der Ausstoß hat begonnen. Telephon: Amt VI, Nr. 9122. 5592L 77/8 Die Ortsverwaltung. Zentral- Verband der Zimmerer Husten Zablftelle Berlin und Umgegend. Zwei allgemeine Mitglieder- Versammlungen: Für die westlichen Vororte Mittwoch, den 6. Januar 1909, abends 8 Uhr, im„ Kaiserhof" zu Groß- Lichterfelde( am Kranoldplay). Sie, 50 nehmen Sie die Kaiser's ärztlich erprobten Brust Karamellen. 5500 not. begl. Zeugn. bew, den vorzügl. Erfolg bei Husten, Heiserkeit, Keuchhusten. Paket 30 Pf., Kaiser's Brust- Extrakt Flasche 90 Pf. Zu haben in Apotheken und Drogerien. Zu Engrospreisen Tagesordnung: 1. Die Bedeutung der Arbeiterschuh- Gesekgebung". Referent: Genoffe Viktor fauft man bireft in einer Herrenkleibers Brucks. 2. Disfuffion. Für Berlin und die übrigen Vororte fabrit Winterpaletots und Anzüge wegen vorgerückter Saifon und Umzugs. Die Fabrik hat sonst nur engros an bedeutende Herren tonfettionsgeschäfte Berlins verlauft, Donnerstag, den 7. Januar 1909, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause baber diese diskrete Bekannt ( großer Saal), Engelufer 15. Tagesordnung: 1. Die Verschärfung der Gegensätze im Klassenstaat. Referent: Reichstags: Abgeordneter Genoffe D. Stücklen. 2. Distuffion. Kameraden! Sorgt dafür, daß diese Versammlungen gut besucht werden. Der Vorstand. 254/ 1* machung. Bet schriftlichen Anfragen unter A. 1 an die Haupt- Expedition des Borwärts wird Ihnen diese vorteilhafte Bezugsquelle umgehend angewiesen. Auch über die Maßanfertigung viele Anerkennungs fchreiben vorhanden. Sieben große Gewerkschaftsversammlungen Dienstag, 5. Januar 1909, abends 8 Uhr, 1 Moabiter Gesellschaftshaus Wielefstraße 24. in den Sälen: 2. Ballschmieder, Badstraße 16. 3. Groterjan, schönhauser Allee 129. 4. Kellers Festsäle( Inhaber Freyer), Koppenstraße 29. 5. Gewerkschaftshaus, Engelafer 15. 6. Hoppe, Rixdorf, Hermannstraße 49. 7. Wilhelminenhof, Ober- Schöneweide. Zages Ordnung: Der gelbe Sumpf: Ein Blick hinter die Kuliffen der gelben Vereine. Referenten: Adolf Cohen, Adolf Ritter, Otto Handke, Otto Wels, Hermann Zernicke, W. Eggert, Willi Siering. Arbeiter, Partei- und Gewerkschaftsgenossen! Erscheint alle in den Versammlungen, um die neuesten Enthüllungen aus den Kreisen der Gelben kennen zu lernen. Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommiffion J. A.: A. Körften, Engelufer 10. 300/1 Verband der Maler, Lackierer, Auftreicher c. General- Versammlung Filiale Berlin. Bureau: Melchiorstr. 28, parterre. Fernsprecher: Amt IV, 4787. Donnerstag, den 7. Januar 1909, abends 8%, Uhr: General- Verfammlung der Sektion der Lackierer im, Gewerkschaftshanje", Engelafer 15. Tages Drdnung: 1. Jahresbericht. 2. Neuwahl des Vorstandes, der Bibliothekare und der Agitationskommission. 3. Verschiedenes. 127/1 Die Kollegen werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Mitgliedsbnch legitimiert! Die Abrechnung der verkauften wie nichtverkauften Billetts findet am Mittwoch, den 3. Februar, abends 8 1hr, bei Dietrich, Buttmannftraße 5, statt. Die Sektionsleitung. der Sterbe- und Liepner fchen SterbeKranken- Unterfügungskaffe Nr. 23 am Mittwoch, den 13. Januar 1909, abends 8 Uhr, lim se affenlotal, Linienſtr. 8. Tagesordnung: Humboldt- Akademie Volkshochschule. Das neue Lehrquartal beginnt: Donnerstag, 7. Januar, und bietet 0 160 gemeinverständliche Vortragszyklen aus allen Gebieten des Wissens, Unterrichtskurse in klassischen und modernen Sprachen etc.. Das vollständige Vorist für lesungsverzeichnis 10 Pf. u. a. in folgenden Verkaufsbureaus zu haben: Invalidendank, U. d. Linden 24; Buchhdlg. E Haase, Potsdamer Str. 116a; Gsellius, Mohrenstraße 52; Kaufhaus des Westens, am Wittenbergplatz; S. Hahne, Prinzenstr. 54; Th. Fröhlich, Landsberger Str. 32; Sicker, Gipsstr. 18; Förster u. Mewis, Kantstr. 14 etc. Das Zentralbureau befindet sich: Potsdamer Straße 27 b, Villa 2. Bureauzeit 1-3 Uhr. Bruch- Pollmann empfiehlt sein Lager in Bruchbandagen, Leibbinden, Geradehaltern, Spritzen, Suspensorien fowie sämtliche Artikel zur Krankenpflege. Eigene Werkstatt. Lieferant für Drts- und Hilfs- Krankenkaffen. Berlin N., jett Lothringer Straße 60. Alle Bruchbänder mit elastischen PeLoten, angenehmt u, weich am Körper. + Hygienische Bedarisartikel. Neuest. Katalog D. Empfehl.viel. Aerzie u.Prof. grat. uf 1. Unger, Gummiwarenfabrik Berlin NW.. Friedrichstrasse 91/92 Stolas, Kolllers, Krawatten, Muffen, Herren- u. Kinder- Garnituren, Pelzjacken, Pelze, garnierte Pelzhüte, Baretts, Pelzdecken, nur eigenes Fabrikat, in größt. Answahl, aus bestem Material. Kein Zwischenhändler, daher Fabrikpreise. Kein Laden! Sonntags geöffnet. 1. Nedenschaftsbericht der Rebiforen. 2. Neuwahl des ausscheidenden Bor den Revisors. 4. Besprechung über stehers. 3. Neuwahl des ausscheidenbas technische Gutachten 5. Be F. Kalman, Kürschnermstr. sprechung über§ 34 der Sakung. 4446 Der Vorstand. Kommandantenstr. 15, Tel.: I, 3917, gegenüber Beuthstr., vorn 1Tr. MANOLI Cigarettes Abbas 3 Pig. Chic 4 P Gibson Girl 5pfg. Bei Bleichsucht und Blutarmut. Appetitmangel und Schlaflosigkeit empfiehlt es sich, HYGIOPON, das neue auf elektrischem Wege hergestellte Eisenpräparat zu gebrauchen. Hygiopon wird von ärztlichen Autoritäten als hervorragendstes blutbildendes Kräftigungsmittel warm empfohlen. Originalflaschen M. 1,75 und M. 3,- in den Apotheken erhältlich. General- Depot für Deutschland: Dr. Wasserzug, Frankfurt a. M., Theaterplatz 1. Depots: Viktoria- Apotheke, Dr. Laboschin, Friedrichstr. 19. Apotheke zum gekr. schwarzen Adler, Auguststraße 60. Jungs Apotheke zum schwarzen Adler, Neue Königstr. 50. Dr. Kortums St. Georgen- Apotheke, L. Wollenberg, Landsberger Straße 39. Roland- Apotheke, N. Bermann, Turmstr. 18. 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Die Zahl der Arbeitshausinfassen ist in den letzten Jahren uns nicht erschöpft. Nach einer Reichsgerichtsentscheidung stehen alle Die Strafarten der Pflichtfortbildungsschule sind hiermit noch ausgesetzt zurückgegangen; sie wird jest wieder steigen, Zuchtmittel der Boltsschule auch den Fortbildungsschulen zu Gebote, Pankow. Am Mittwochabend 7 Uhr Flugblattverbreitung. infolge dieser weisen" " weisen" Maßregel. Wir sind daher der also auch die Prügelstrafen Sie wird in den PflichtfortIm Anschluß Extra- Bahlabend." Der Vorstand. Meinung, das freiwillige Arbeitshaus fann nicht als ein Mittel, die bildungsschulen Berlins flott angewendet; denn nur zu groß Nieder- Schöneweide. Am Freitag, den 8. Januar, abends Arbeitslosigkeit zu beseitigen angesprochen werden und ist feine ist an diesen Anstalten die Zahl der Lehrer, denen die Befähigung 82 Uhr, findet die Generalversammlung des Wahlvereins beim soziale Tat, auf die die Stadt Berlin stolz sein kann. Wir find fehlt, mit 14-17jährigen jungen Leuten ohne Ohrfeigen und Stoc Genossen Fichtner, Ede Hasselwerder- und Fennstraße statt. Tages gewiß, daß die Stadtverordnetenversammlung die Tragweite der hiebe fertig zu werden. Für die Volksschulen besteht die Vorordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Vorstandsbericht. Vorlage erkennt und nicht ohne gründliche Prüfung dieser Vorlage, gebucht werden muß, damit festgestellt werden kann, was die einschrift( oder ist sie schon wieder aufgehoben?), daß jeder Schlag 3. Neuwahl des Vorstandes. 4. Vereinsangelegenheiten und Ver- die einer Ueberrumpelung gleichkommt, ihre Zustimmung erteilt, so zelnen Bädagogen leisten. Es wäre nur konsequent, wenn auch schiedenes. Der Vorstand. sehr wir den dringenden Wunsch haben, daß die Stadt Berlin für die Pflichtfortbildungsschulen die Buchung der Prügel bor Potsdam. Die Wahlvereinsversammlung findet am Mittwoch, schleunigst Maßregeln zur Milderung der Arbeitslosigkeit treffen geschrieben würde. Wenn sie es nicht etwa schon ist, so sollte sie den 6. d. Mis., bei Füller, Kaiser- Wilhelm- Straße statt. Tages- möge. Aber solche Maßregeln müssen auch dem Zwecke dienen. von der Deputation baldigst angeordnet werden. Und die Depuordnung: Aufnahmen, Bildungsangelegenheiten, Vereinssachen und tation sollte es dann nicht unterlassen, das Zahlenergebnis zu verVerschiedenes. Der Vorstand. öffentlichen, damit alle Welt fieht, auf welcher Höhe die Berliner Fortbildungsschulpädagogik steht Berliner Nachrichten. In Bodelschwings Spuren. Woran erkennt man eine Königin? Aus der Elendsstatistik. Ungewöhnlich hoch ist die Zahl der Opfer, die der letzte Frost gefordert hat. Heute wird uns wieder über mehrere Fälle berichtet, von denen vier einen tödlichen Verlauf genommen haben. So wurde in der Türnische des Hauses Muskauer Straße 3 eine etwa 50 Jahre alte, anscheinend dem Arbeiterstande an Die Antwort auf diese Frage ist der in Serbutismus und Byzantinismus ersterbende Berliner Lofalanzeiger" schuldig geblieben, als er in seiner letzten Sonnabend- Abendausgabe in bezug auf das entsetzliche Unglück in Sizilien die köftliche Stelle brachte: Das war Messina! Gott sei Dant, daß der König Auf der ersten Tagesordnung der Berliner Stadtverordnetens da ist. Sein Beispiel wird wenigstens anfeuern, das Unglück zu bersammlung im neuen Jahre befindet sich ein Antrag des Magistrats mildern, wenn das möglich ist. Auch die Königin hilft überall ,, betreffend die Bewilligung außerordentlicher Mittel zur Beschäftigung mit. Sie ist einfach wie ein Ladenmädchen gekleidet, aber man von Arbeitslosen auf den städtischen Rieselgütern". Der Magistrat erkennt doch die Königin in ihr." begründet die Borlage damit, daß von der Deputation für das rühmten Umfragen, der die Preisfrage:" Woran erkennt man eine nahen Rettungswache geschafft. Vielleicht veranstaltet Scherl in nächster Zeit eine seiner be- gehörige Frau in erstarrtem Zustande aufgefunden und zur Man konnte bei der Aermsten städtische Arbeitshaus und das städtische Obdach an die Deputation Königin, die einfach wie ein Ladenmädchen gekleidet ist?" zugrunde aber leider nur noch den Tod infolge Erfrierens feststellen. für die städtischen Kanalisationswerke und Nieselfelder das Er- liegt. Dieser Preisfrage, deren Antworten gewiß hochinteressante Die Leiche wurde zur Rekognoszierung nach dem Schauhauſe fuchen gerichtet worden sei, eine größere Anzahl arbeits- Einblicke in das Geistesleben des Scherfpublikums gewähren gebracht. Den Tod durch Erfrieren hat anscheinend auch der Lofer Berliner Arbeiter auf den städtischen Rieselgütern unter- würden, wäre die zweite, nicht minder interessante Frage:" Woran 45 Jahre alte wohnungslose Arbeiter Julius Jacoby gefunden. zubringen und zu beschäftigen. Schon am 22. Dezember erkennt man ein einfaches Ladenmädchen, das wie eine Königin ge- 3. wurde von einem Schußmann des 24. Polizeireviers auf der vorigen Jahres, also vor acht Tagen, inklusive Feiertage, habe bom fleidet ist?" anzuschließen. Obdach die Ueberweisung von 51 Arbeitslosen nach Sputendorf ſtatt- bonnenten, daß selbst die Schauer eines so entfeglichen Unglüds, Es ist charakteristisch für die deutsche Klatschpresse sowie deren gefunden, eine weitere Unterbringung in Buch stehe bevor. In wie das von Messina, die Speichelleckerei nicht einmal auf furze Sputendorf ist hierzu eine Häuslingsbarade, in Buch eine Schnitter Beit zurüddrängen fönnen und daß dieses gräßliche Ereignis noch barade bereitgestellt. Auch auf den übrigen Gütern sollen sofort au tollen byzantinischen Orgien herhalten muß. Daß das Königsfobiel Arbeitslose als möglich eingestellt werden, da bis zum Früh- paar nach Kräften hilft, ist menschlich schön, aber nichts Besonderes, jahr geeignete Arbeit für eine größere Anzahl derselben vorhanden sondern nach Lage der Sache ganz selbstverständlich. ist. Als solche Arbeiten werden genannt: Steineflopfen, Anlegung befestigter Wege, Erdarbeiten wie Nagolen und Anlegung von Weidenfulturen, Herrichtung von Fischteichen, Vorbereitungsarbeiten für wird in dem neuesten Jahresbericht der Deputation für die FachAufforstungen, Behandlung von Wiesen und ähnliche Meliorations- und Fortbildungsschulen, den wir bereits besprochen haben, eine Busammenstellung veröffentlicht, die recht lehrreich ist. Der Bericht arbeiten. Aus den Strafregistern der Pflichtfortbildungsschulen -dem Revier. Er hatte sich in etwas angetrunkenem Zustande auf Straße aufgefunden und bald nach seiner Einlieferung starb er auf die Straße niedergelegt und war eingeschlafen. Ein Opfer des Froftes ist ferner ein etwa 60 Jahre alter unbekannter Mann geworden, der auf der Chauffee bei Eberswalde in trostlosem Zustande entdeckt wurde. Der Körper des Unglücklichen war durch die Einwirkung des Frostes bollständig steif geworden. Der Tod war schon seit mehreren Stunden eingetreten. In halb erfrorenem Zustande wurde der 64 Jahre alte Asylist Julius Habermann in der Nähe des Zentralviehhofs aufgefunden und nach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. erstreckt sich auf das Schuljahr 1907-1908. Schließlich wird uns noch über einen vierten Fall berichtet, An Tagelohn sollen die Arbeiter erhalten 2 M. nebst freier endete. Der Schiffer Wohnung und Beköstigung. Legtere soll die Deputation schriften des Ortsstatuts In diesem Zeitraum wurden wegen Uebertretung von Vor- der mit dem Tode des Betroffenen für die Pflichtfortbildungsschule Kandereit aus Alt- Hartmannsdorf, der mit einem Lastkahn, für das Arbeitshaus und Obdach gegen Verrechnung liefern, des- 1005 Strafanzeigen erstattet, davon 580 gegen Schüler, 370 von Berlin fommend, bei Schmöckwitz festlag, wurde auf gleichen Wäsche, Bettzeug ust. Zur Durchführung werden zunächst gegen Arbeitgeber, 55 gegen Eltern. Es handelt sich um Ueber- der Eisdecke in der Nähe seines Fahrzeuges in völlig 50 000 M. gefordert. Ueber die Arbeitszeit ist in der Vorlage nichts tretung derjenigen Vorschriften, die zur Sicherung des regelmäßigen erstarrtem Zustand aufgefunden und in das Krankenhaus in Königsgefagt. Gegenüber den sonstigen Lohnverhältnissen auf den Riesel- Besuches der Fortbildungsschule durch die dazu Verpflichteten, jo- Wusterhausen eingeliefert, wo er aber bald starb.- Am Friedhofwie zur Aufrechterhaltung der Ordnung in der Schule erlassen gütern ist die Entlohnung gut zu nennen, denn die Schnitter er worden sind. Sie sind niebergelegt in den§§ 6-9 des Ortsstatute. portal erschossen hat sich ein unbekannter, etwa 27 Jahre alter halten vom 1. April bis 1. Juli auch nur 2 M. und nur freie Woh- Von den 580 Strafanzeigen gegen Schüler betrafen 565 den§ 6 Lebensmüder. Der Fremde, anscheinend ein Berliner, jagte sich am nung, Feuerung und Lagerstroh, Betten müssen sie selbst mit Abschnitt 1, welcher lautet:" Die zum Besuche der Fortbildungs- Portal des Grünauer Begräbnisplages eine Revolverfugel in die bringen. Pro Woche und Kopf erhalten sie außerdem 12 Kilo- schule verpflichteten Personen müssen sich zu den für sie be- Schläfe und brach auf der Stelle tot zusammen. Die Leiche wurde gramm Kartoffeln. Alles übrige müssen fie felbst bestimmten Unterrichtsstunden rechtzeitig einfinden und müssen an gleich nach der nahen Halle übergeführt. Anscheinend handelt es sich schaffen. Die Gutsverwaltung bezahlt den Tagelohn für die diesen Stunden bis zum Schlusse teilnehmen." Die übrigen 15 An- hier um die Berzweiflungstat eines Arbeitslosen, denn in dem Besiz Kochfrau( 1,40-1,60 m.), aber nur an den Wochentagen. Die zeigen gegen Schüler wurden veranlaßt durch Uebertretung des des Toten wurden nur noch 30 Pf. vorgefunden. Schnitter müssen ihr Handwerkszeug, Spaten, Schippen, Haden,$ 6 Abschnitte 5 und 6, die so lauten: 5. Während des UnterSensen, Forten, Kochgeschirr selbst mitbringen und instand halten. nach der Schule haben sie sich jedes Unfugs und Lärmens zu ent- der Tischler Bruno Wermuth, der in dem vom 14. bis richts und in den Erholungspausen sowie auf dem Wege von und Das erste Opfer der Wahlrechtsdemonstration am 12. Januar, Die Arbeitszeit beginnt morgens 5 Uhr bis abends 8 Uhr oder halten, das Rauchen innerhalb des Schulgrundstückes ist verboten; 16. April vor dem hiesigen Landgericht verhandelten Prozeß zu sechs bis Sonnenuntergang, je 1 Stunde Frühstück und Vesper und 6. ohne besondere Erlaubnis seitens des Schulleiters ist es nicht monaten Gefängnis verurteilt wurde, hat am 30. Dezember seine 1 Stunde Mittag. Die Obdachlosen sind also besser gestellt als gestattet, während des Unterrichts oder in den Bausen das Schuldie geübten berufsmäßigen Landarbeiter. Den Schnittern wird von grundstück zu verlassen." Mit keiner einzigen Anzeige gegen Schüler Strafe im Strafgefängnis Tegel angetreten. Das Urteil haben wir ihrem Verdienst eine Raution in Höhe von 30 M. einbehalten, diese sind beteiligt die folgenden Abschnitte des§ 6: 2. Sie( die Schüler) bereits bei seiner Fällung als Fehlurteil schlimmster Art gekenn verfällt, wenn sie die Arbeit eigenmächtig verlassen müssen sauber und in reinlicher Kleidung erscheinen; 3. sie haben zeichnet, woran auch nichts geändert wird, daß das Reichsgericht die oder wenn sie wegen ungebührlichen Benehmens die ihnen als nötig bezeichneten Lehrmittel in ordentlichem Zu- gegen dasselbe eingelegte Revision verworfen hat. An der Tatentlassen werden. Ferner enthält der Schnittervertrag folgende selben ist der Arbeitgeber verantwortlich; 4. Beschädigungen der stande in den Unterricht mitzubringen, für die Beschaffung der- sache der politischen Entrechtung des preußischen ProleBestimmung: Ungefeßliches, ungebührliches und ungehorsames Schulräume oder der Lehrmittel find zu unterlassen, sollten solche tariats wird durch das das Urteil nicht im mindesten ge Betragen seitens der Leute gegen die Vertreter der Gutsverwaltung, vorkommen, so ist der Schuldige erfaßpflichtig; 7. Dem Reiter rüttelt. Nach wie tie bor wird der Kampf gegen deren Aufsichtsbeamte sowie gegen den Vorschnitter, zieht sofort die und den Lehrern der Schule müssen sie stets mit der nötigen das Dreiflaffenparlament geführt werden, immer weitere Entlassung nach sich. Die bis dahin seit der letzten Lohnzahlung Achtung und Ehrerbietung entgegenkommen und ihnen Gehorsam Kreise des preußischen Volkes werden die Unhaltbarkeit des Dreivon den betreffenden Arbeitern gelieferte Arbeit wird nur mit leisten." Abschnitt 3 des§ 6 richtet in seinem zweiten Teil sich an klassenwahlrechts erkennen und mit Zähigkeit und Ausdauer für ein 1 Mart für den Tag bezahlt. Auch kann ihm die Reise- die Arbeitgeber, für Beschaffung der Lehrmittel sind sie gerechtes Wahlrecht zum preußischen Landtage kämpfen. Urteile, wie oergütigung abgezogen/ werden." Der Obdachlose steht sich also besser. berantwortlich. Von den 370 Anzeigen gegen Arbeitgeber wurden das obige eins ist, sind nicht geeignet, diesen Kampf erlahmen zu Das gibt doch zu denken, namentlich wenn man sich vergegenwärtigt, übrigen 367 betrafen Verlegung der§§ 7 und 8, die so lauten: führen. Die Opfer, die in diesem Kampfe fallen, bedauern zwar nur 3 durch Außerachtlassung dieser Vorschrift herbeigeführt. Die lassen, sondern werden dazu führen, ihn mit aller Schärfe fortzudaß diese Maßnahme durch die Verwaltung des Arbeitshaufes und§ 7. Die Arbeitgeber haben ihre schulpflichtigen Arbeiter spätestens auch wir; sie werden aber nicht umsonst gebracht sein. Die Drachendes städtischen Obdachs erfolgt( denn die Riefelder- Verwaltung ist am sechsten Tage nach der Annahme bei der vom Magistrat be- auch wir; sie werden aber nicht umsonst gebracht sein. Die Drachenhier mal wieder das Mädchen für alles). Das Arbeitshaus liefert tanntgemachten Stelle anzumelden und, wenn sie dieselben aus faat, die damit gesät wird, wird aufgehen und ihre Früchte tragen. befaat, auch das Essen jedenfalls so wie für die Häuslinge. der Arbeit entlassen, spätestens am dritten Tage ebendaselbst wieder Was aber besonders stugig macht, ist das Tempo, in welchem abzumelden. Sie haben die zum Besuche der Fortbildungsschule Januar wöchentlich einmal unentgeltlicher Unterricht in SäuglingsIn der Säuglingsfürsorgestelle I, Blumenstr. 78, findet im die neue soziale Tat" in Szene gesetzt wird. Bekanntlich wurde Verpflichteten so zeitig von der Arbeit zu entlassen, daß diese ge- pflege mit praktischen lebungen statt. Meldungen hierzu schriftlich Anfang November magistratsoffiziös behauptet, daß alles getan§ 8. Die Arbeitgeber haben einem von ihnen beschäftigten Arbeiter, links, parterre, vom Dienstag, den 5. Januar, bis zum Sonnabend, waschen und umgekleidet rechtzeitig im Unterricht erscheinen können. oder mündlich im Bureau des Kinderhauses, Blumenstr. 78, born wurde, um Arbeitslose auf die Rieselfelder zu ziehen; jedoch nicht der durch Krankheit am Besuche des Unterrichts behindert gewesen den 9. Januar, täglich von 2-4 Uhr. einmal aus dem Obdach sei es gelungen, die Leute hinaus zu ist, bei dem nächsten Besuche der Schule eine Bescheinigung darüber bringen. Jetzt hat man am 22. Dezember, alfo zwei Tage vor den mitzugeben. Dehnt sich die Erkrankung länger als eine Woche Das plötzliche Tauwetter hat manche Hoffnungen zu Wasser ge Feiertagen, 51 Mann nach Sputendorf gebracht. Es drängt sich die aus, so ist die Bescheinigung sofort nach Ablauf dieser Woche an macht. Mit den Aussichten der Tausende von Arbeitslosen, durch Frage auf: Hat man in dieser furzen Zeit, während der Festtage, den Leiter der Fortbildungsschule einzureichen. Von der Wieder erhöhten Schneefall ein paar Mark zu verdienen, war es wieder mal bei 20 Grad Kälte solche gute Erfahrungen gemacht, die aufnahme der Arbeit hat der Arbeitgeber Meldung zu machen. nichts. Dafür hat die milde Witterung das Gute, daß die Obdachdie Unterlage bieten für ein Vorgehen im großen Stil? Wünscht der Arbeitgeber aus besonderen Gründen eine Befreiung losen ihr Elend nicht mehr so hart empfinden wie in den strengen Wir halten dies für unmöglich, sind vielmehr der Meinung, dem Leiter vorher mitzuteilen und dessen Genehmigung einzu- es schon am Sonntag so ziemlich zu Ende. Auf den Natureisbahnen für einzelne Stunden, so hat er dies unter Angabe des Grundes Stältetagen der Neujahrswoche. Mit den künstlichen Eisbahnen ging daß hier der große Sozialpolitiker" Fischbeck am Werke ist, der das, holen. Die inzwischen von den Gemeindebehörden beschlossenen aber, befonders auf dem Müggelsee, huldigte man dem Wintersport was er von Bodelschwing gelernt hat, in die Praxis umzusetzen Aenderungen des Ortsstatuts verpflichten zum Besuch der Fort noch im vollsten Maße. Viele Tausende waren aus Berlin und Umsucht. Die Sache gestaltet sich so: Den Besuchern des bildungsschule auch die beschäftigungslos gewordenen Schüler, fo- gegend herbeigeströmt, um das herrliche Vergnügen für längere Zeit Obdachs wird Arbeit angeboten; nehmen sie die weit diese in Berlin wohnen. Infolgedessen hat§ 8 den Zusak vielleicht zum letzten Male zu genießen. Schon heute steht vielfach selbe nicht an, so wandern sie ins Arbeitshaus erhalten:" Diejenigen Schulpflichtigen, welche vorübergehend Wasser auf dem Eise, und auch die Schiffahrt dürfte, wenn das oder sie verschwinden. Das Obdach wird leer, die Häus- arbeitss, dienst- oder beschäftigungslos find, haben im Falle einer Tauwetter anhält, bald wieder frei sein. lingsbaracen werden gefüllt und die Arbeitslosigkeit, nach Fischbed, Unterrichtstage Meldung zu machen. Will ein solcher Arbeiter aus Erkrankung dem Leiter der Fortbildungsschule bis zum zweiten beseitigt. Der größte Teil der Obdachbesucher sind durch Gebrechen besonderen Gründen eine Befreiung für einzelne Stunden, so hat und durch Alkoholgenuß körperlich so heruntergekommen, daß er vorher von dem Leiter unter Angabe der Gründe die Genehmivon Arbeitsfähigkeit vielfach keine Rede mehr sein kann. gung einzuholen." Fortan sind also aus§ 8 auch Strafanzeigen Können diese Leute tein Unterkommen im Obdach finden, gegen Schüler möglich. An die Eltern usw. richtet sich§ 9: dann verkriechen sie sich eben, so lange es geht, in Stellern Eltern oder Vormünder dürfen ihre Söhne bezw. Mündel nicht Böden, Buden, Winkeln; namentlich die Vororte werden aufgesucht von dem Besuch der Schule zurückzuhalten." Aus diesem Parawerden. Es wird eine böse Zeit für diese Glenden werden; der graphen wurden gegen Eltern usw. 55 Anzeigen erstattet. Lange Fischbed ist hinter ihnen! Bu Straffest feßungen fam es in 886 Fällen; fie werden bekanntlich von dem Polizeipräsidenten besorgt. Verfügt Ja, wird der Spießbürger fagen, die Leute mögen doch die wurden gegen 526 Schüler 500 Geldstrafen, 25 Haftstrafen, ein gutbezahlte Arbeit annehmen, da können sie ja noch Geld sparen. Verweis, gegen 810 Arbeitgeber nur Geldstrafen, gegen 50 Eltern Oberflächlich betrachtet, scheint es so, aber wenn schon die Vor- usw. 48 Geldttrafen und zwei Haftstrafen. Die beschlossenen schriften für die Schnitter solche drakonischen Bestimmungen ent- Aenderungen des Ortsstatuts bezweden für die Schüler auch mög halten, wie mögen die für diese Arbeiter aussehen? lichste Ersetzung der bisher von der Polizei verhängten Strafen Und die Vorschriften für die Schnitter stehen nicht bloß auf dem durch bloßen Arrest, den als Strafe für leichtere Bergehen der Papier. Aus einer einzigen Kolonne haben dieses Jahr vier ihre Kaution verloren, zwei sind entlassen, darunter einer wegen Tierquälerei; zwei sind selbst gegangen. Schulleiter verhängt. Siernach wäre für die Schüler eine Ver minderung der Polizeistrafen zu erwarten. Entzieht sich aber ein Schüler der Verbüßung eines Schularrestes, so wird nach wie vor gegen ihn die Polizei angerufen und um Straffestsetzung ersucht. Die fogenannte Disziplin wird aufrechterhalten sein, und der Schularrest war übrigens auch bisher schon neben den Polizeigutbezahlte Arbeiter wird sich in einem freigewählten Gefängnis ftrafen üblich. Im Vorwärts" wurde wiederholt berichtet, daß befinden, deffen Borschriften er gar nicht alle im Kopfe behalten einer der Herren Direktoren Arreststrafen in Masse und aus ge Pflichtfortbildungsschule und Deutscher Jugendbund. Kürzlich erschien im Rokal- Anzeiger" ein Aufruf zur Förde cung des neugegründeten" Deutschen Jugendbundes". Der Aufruf ist interessant genug, um ihn hier im Wortlaut festzuhalten; er lautet: Wer die Jugend hat, der hat die Zukunft. Diesem Wort gemäß sucht die Sozialdemokratie die schulentlassene Jugend für ihre Organisationen einzufangen, um dieselbe hier früh geitig mit ihrem Gift zu erfüllen. Pflicht jedes deutschen Mannes, jeder deutschen Frau muß es demgegenüber sein, helfend der Jugend beizustehen, um sie vor der sozialdemokratischen Verhebung zu bewahren. Daher wenden sich die Unterzeichneten an alle edeldenkenden Freunde der Jugend mit der Herzlichsten Bitte, den neugegründeten Deutschen Jugendbund" ( streng national) durch freundliche Beiträge zu unterstüßen. ( Sehr willkommen sind( gebrauchte] Bücher, Zeitschriften, Unterhaltungsspiele usw.) Die Geschenke sind zu richten unter der leberschrift Deutscher Jugendbund" an das Bundesheim Lei Arndt, hier, Roßstr. 6, oder an die Unterzeichneten, die auch zu näheren Auskünften gern bereit sind. Herter, Hamptmann a. D., Gr.- Lichterfelde, 2. Werner, Reichstagsabgeordneter, Charlotten. bura, E. Holt, fiädtischer Lehrer, Berlin, Chodowiedistr. 21." fällt auf, daß ein städtischer Lehrer, der besonders dazu leitungen vorgegangen. Die Löscharbeiten gestalteten sich aber faum Schriftführer Herr Fenger wiedergewählt und zum Stell berufen ist, die Jugend fortzubilden, den Aufruf unterzeichnet hat. recht schwierig, da sich eine starke Rauchentwickelung geltend vertreter Herr Buchner. Als Protokollführer fungiert Herr Jütner Es muß Wunder nehmen, daß sich auch Lehrer an Agitationen machte. Die Rohrführer mußten mehrmals gewechselt werden. und als Stellvertreter Herr Siebefe. solcher politischer Parteien beteiligen, von denen sie Förderung Nach einstündiger Arbeit war die Gewalt des Feuers gebrochen. Mit Ueber Verkehrsverhältnisse im Monat November veröffentlicht Durch eine Koksgasvergiftung um das Leben gekommen ist der bas Statistische Amt der Stadt Berlin soeben folgende Daten: Be 73 Jahre alte Bauwächter August Linke aus der Schöneweider fördert wurden durch die Straßenbahnen 39 524 227( 39 285 437) Straße 20. Der alte Mann hatte einen Neubau in der Neuter Personen, davon famen 31 885 848( 32 503 993) auf die Große Berstraße 84 zu bewachen. Hier fand man ihn vorgestern morgen im liner Straßenbahn, durch die Hoch- und Untergrundbahnen( ein- dritten Stock des Quergebäudes in einem Raume, in dem ein Kotes schließlich Spreetunnelbahn) 4517 783( 3 660 375), auf den Omni- ofen brannte, tot auf. Wahrscheinlich hat er sich wärmen wollen, ist buslinien mit Pferdebetrieb 8 200 471( 9 701 373) Personen, davon dabei eingeschlafen und von den giftigen Gasen erstickt. Man brachte zu 5 f. 6 608 784( 8 251 382), zu 10 f.( einschl. der Abonnenten ihn nach der nächsten Unfallstation. Hier konnte aber der Arzt nur usw.) 1591 687( 1 449 991). Ferner wurden durch die Kraftomni- noch den Tod feststellen. buslinien 1925 997( 1 177 439) Personen befördert. eine ihrer eigenen Standesinteressen nicht zu erwarten haben. Ganz der vollständigen Ablöschung des Brandes hatte die Behr aber noch Hohen- Schönhausen. ungehörig ist aber die Agitation für den Deutschen Jugendbund" bis gegen 4 Uhr nachmittags zu tun. Bon dem großen Dachstuhl Zum befoldeten Gemeindevorsteher wurde am 18. Dezember det in unserer Pflichtfortbildungsschule, wie dies tatsächlich geschehen ist nur wenig gerettet. Leider hat sich bei dem Brande der Portier Weißenseer Gemeindefekretär König unter 134 Bewerbern gewählt. ist durch Aufforderung zu Ausflügen und Teilnahme an den Ver- des Hauses, Wilhelm Bierwagen, der sich vor Ankunft der Feuer- Am 2. Januar d. J. erfolgte seine Einführung. Genosse Thiele sammlungen des Jugendbundes von seiten eines an der VI. Pflicht wehr längere Zeit auf dem Boden aufhielt, eine starte Rauch nahm hierbei Gelegenheit, den neugewählten Vorsteher an die Worte fortbildungsschule tätigen Lehrers in der Pflichtfortbildungsschule vergiftung zugezogen, die seine leberführung nach dem städtischen zu erinnern, welche er bei seiner Vorstellung der Gemeindevertretung selbst, denn dadurch wird mehr oder weniger ein Drud auf die Krankenhause nötig machte. Lebensgefahr scheint aber nicht vorzu- gegenüber gebraucht hatte:„ Nur den Interessen der Allgemeinheit Schüler ausgeübt, insofern als charakterlose Schüler durch Befol- liegen, da sich der Mann nach Behandlung mit Sauerstoff einiger zu dienen" und verficherte, wenn es dem Herrn Gemeindevorsteher gung der Einladung sich lieb Kind bei dem Lehrer zu machen maßen wieder erholt hat. nunmehr mit feinen damaligen Ausführungen ernst sei, er die drei fuchen. Rigdorf. Vertreter der breiten Masse, die Sozialdemokraten, stets auf seiner Seite haben würde. Unter Verschiedenem gab der Gemeindevorsteher bekannt, daß es ihm nicht möglich fei, einen geeigneten Bureauraum zu erhalten. vertretenden Vorsteher Schöffen Giese das Ersuchen, ihm die Er stellte an den bisherigen stellvon ihm bisher innegehabten Räume zu überlassen. Herr Giese forderte aber für einen zweifenstrigen Raum die horrende Summe bon 42 Mart pro Monat, was allgemeine Empörung in der Vertretung hervorrief. Auch Genosse Thiele nahm Gelegenheit, das von Herrn Giese hierdurch befundete Allgemeiniutereffe" zu fennzeichnen. Das Bureau wird provisorisch Drte ab. Die Pferde des Brotwagens Nr. 16 der Berliner Ge- gebracht. Ein aufregender Borgang spielte sich am Sonnabendabend am im Haufe des Herrn Gastwirt Robert Schulze, Hauptstr. 8, unters noffenfchaftsbäderei aus der Gerichtsstr. 23 zu Berlin wurden, als Ferner teilte der Gemeindevorsteher mit, daß die Zuschläge zur fie vor einem Hause in der Steinmegstraße hielten und der Kutscher Einkommensteuer nicht erhöht werden können, sondern eher herabEin schwerer Zusammenstoß, bei dem eine Person ge- zu Kunden Brot austrug, scheu. Die Tiere rasten die steile, ab- gefegt werden müssen, da bei dem bisherigen Satz von 170 Broz. tötet wurde, ereignete fich gestern früh kurz vor 6 Uhr an der schüssige Straße hinunter und stießen mit voller Kraft gegen einen ein Zuzug nach Hohen- Schönhausen nicht zu erwarten fei. Es würde Ede der Gneisenau- und Zoffener Straße zwischen einem Auto- Plattenwagen. Hierdurch kamen die Pferde zu Fall, sprangen jedoch daher notwendig sein, um die erhöhten Unkosten der Gemeinde zu mobil, einer Droschte und einem Müllwagen. Die drei Gefährte sofort wieder auf und stürmten, immer den schweren Brotwagen decken, eine höhere Besteuerung des Grundbefizes vorzunehmen. fuhren mit solcher Gewalt ineinander, daß man sie nur mit Hilfe hinter sich herziehend, in die um diefe Abendstunde besonders be- Diefe Ausführungen riefen bei den bürgerlichen Vertretern lange lag vollständig unter dem Automobil begraben. Auch der Fahrgast lich; da, im Moment der höchsten Gefahr, rannten die wie toll ge- Grütt den Gemeindevorsteher, den Arbeitern auch des Sonntags Geder Feuerwehr auseinander bekommen konnte. Das Droschtenpferd lebte Berliner Straße hinein. Ein großes Unglück schien unvermeid- Gefichter hervor. Bezüglich der Auslegung der Gemeindewählerliste ersuchte Gen. der Droschke, der 24jährige Schlosser Wilhelm Koch aus der wordenen Tiere feitwärts gegen einen vollbesetzten StraßenbahnLehniner Straße 9 wurde mit schweren Verlegungen unter den wagen, wobei eins der Pferde erheblich verlegt wurde. Jetzt legenheit zu geben, dieselbe einsehen zu fönnen. Der Vorsteher verTrümmern aufgefunden. Der Unglückliche fand im Strantenhause sprangen einige beherzte Männer hinzu und es gelang ihnen, die sprach, dem Wunsche nachzukommen. Am Urban die erste Hilfe, verstarb aber bald nach der Einlieferung. fehr aufgeregten Tiere zu beruhigen. Glücklicherweise sind Menschen Votsdam. Das Pferd konnte unversehrt unter dem Automobil hervorgeholt nicht zu Schaden gekommen. werden. Wen die Schuld an dem Zusammenstoß trifft, fonnte noch nicht mit Sicherheit festgestellt werden. Charlottenburg. Soweit der Omnibusbetrieb in Betracht kommt, sei besonders darauf hingewiesen, daß der Berliner Spediteuerverein seit dem 15. November seinen Omnibusbetrieb eingestellt hat. trachtet. fügen wird. Eichwalde. Die Behandlung der Arbeitslosenfrage seitens der Stadtverwaltung gibt hinsichtlich der Einstellung Arbeitsloser und der denselben gezahlten Löhne noch immer zu Klagen Anlaß. Indes, die Petition des Gewerkschaftskartells ist nicht unfruchtbar geblieben. Allerdings wird dies erst im laufenden Jahre in die Erscheinung treten. Neben dem verschiedentlichen Landerwerb in der legten Zeit feitens der Stadt für eigene notwendige Bauten sind die Bebauungspläne für Berliner Vorstadt gegen die gewohnte Arbeitsweise in der Bauden Küffel auf dem Tornom und für die Straßen 34 und 35 in der abteilung bedeutend schneller fertiggestellt, so daß sich nach Genehmigung derselben gerade die im letzten Jahre in Potsdam bes sonders ungünstige Lage wieder heben wird. Wie günstig würde aber erst die Mitarbeit sozialdemokratischer Stadtverordneter auf die Entwickelung der Stadt sein. Zwanzig Wafferrohrbrüche. Der plöhliche Witterungswechsel Einen großen Dachstuhlbrand hatte die Charlottenburger Fener hat gestern überall in Berlin zu Wasserrohrbrüchen geführt, die wehr am Sonntag früh Hertha- und Dernburgstraße Ede zu löschen. teilweise große Ueberschwemmungen im Gefolge hatten. In nicht Das mächtige Eckhaus brannte nach 8 Uhr an mehreren Stellen. weniger als zwanzig Fällen mußte sogar die Hilfe der Feuerwehr Wegen der großen Berqualmung der Treppenaufgange wurden an angerufen werden. Unter anderem hatte die Wehr auch im Hygieni- beiden Seiten des Hauses mechanische Leitern aufgerichtet und über schen Institut der Universität, Hessische Straße 4, und im Marine- fonnte die Feuerwehr wieder abrücken. Der Schaden ist ganz erheb diese sechs Schlauchleitungen vorgenommen. Erft gegen Mittag tabinett, Boßftr. 25, Wassergefahr zu beseitigen. Eine zweistündige Verkehrsstörung gab es gestern früh im Berlich, der Dachstuhl ist bernichtet und haben die oberen Stockwerke liner Straßenbahnbetriebe. An der Ede der Königstraße hatte sich nehmen Brandstiftung an. durch das eindringende Waffer etwas gelitten. Die Hausbewohner in einer Weiche die Spiralfeder festgeklemmt, so daß ein Stellen der Weiche unmöglich war. Die Linien 16 und 19 fonnten infolgedessen Lankwik. die Weiche volle zwei Stunden nicht befahren, sondern mußten über Zum Achtuhr Ladenschluß. Eine auf Veranlassung des den Moltenmarkt abgelenkt werden. Gegen 20 Uhr war die Zentralverbandes der Handlungsgehilfen und anwaltschaft. Zur Ermittelung des Täters holte sie am Sonn Ein doppelter Raubmordversuch beschäftigt die hiesige Staats Störung behoben. Gehilfinnen Deutschlands vorgenommene Stimmen abend zwei Berliner Kriminalhunde heran, fiber deren Arbeit" Aus der Reichsdruckerei. Am 1. Mai tritt der Direktor der fammlung für den Achtuhr- Ladenfchluß ergab, daß sich von wie folgt berichtet wird: Reichsdruckerei, Geh. Regierungsrat Landbed, in den wohlver- 81 Gewerbetreibenden 68 für Einführung des Achtuhr- Ladenschlusses Schulze mit seiner Frau und einem vierjährigen Töchterchen das In Lehnin bewohnt der Briefträger bienten" Ruhestand. Mit ihm scheidet ein Reaktionär und Bureaukrat erklärten. Das Material ist sofort dem Oberpräsidenten zugesandt Untergeschoß eines Häuschens in schwärzester Art aus dem Dienst. Er glaubte einen Fabritbetrieb worden, der hoffentlich schnellstens den Achtuhr- Ladenschluß ver- Feiertagen war feine Schwiegermuttter der Ackerstraße. Zu den zu Besuch gekommen. mit 2500 Seelen vom grünen Tisch aus leiten zu können. Ihm wird Während der Mann Dienst hatte, wurden in der Nacht zum Sonn nachgerühmt, daß sein Urteil nie von Fachkenntnis getrübt war. abend seine Frau und Schwiegermutter im Schlaf in ihren Betten Wenn je einer, so habe er bewiefen, daß der Direktorposten überEine entwürdigende Behandlung der Landarbeiter ist nicht nur in den verwundet. Die junge Frau erhielt drei Hiebe über den Kopf, ihre von einem Räuber überfallen und mit einem Beile lebensgefährlich flüssig sei. Hoffentlich wird der Bosten nunmehr mit einem jungen, tatkräftigen und fachmännisch vorgebildeten Manne befest, nicht aber Gefilden Ostelbiens, sondern auch vor den Toren Veriins au finden. Mutter je einen über Stirn und Nase. Beiden wurde das Gehirn von einem alternden Beamten, der diese Stelle als Ruheposten be- Ein Beweis hierfür ist folgender Vorfall: Am dritten Weihnachts- bloßgelegt. Während der Räuber dann eine Holzlade erbrach und daraus feiertage früh erschien die Frau eines auf einem benachbarten Gute 200 m. erbeutete, erwachte das Töchterchen und ging, als es Mutter beschäftigten Arbeiters am Billettschalter des hiesigen Bahnhofs, um und Großmutter bluten sah, weinend zu den Leuten im Obergeschoß Bei einer Benzinexplosion verunglückt. In dem Drogenkeller der sich eine Starte nach Berlin zu lösen. In dem Augenblide trat der hinauf. Diese holten die Polizei und den Arzt, der furchtbare VerDrogenhandlung von Bruno Schlegel in der Lindenstraße 10 fam nipeltor des Gutes an die Frau heran und fragte fie in barschem legungen feststellte. Zur Aufklärung des Verbrechens nahm Staatsgestern abend gegen 5 Uhr durch eine Benzinerplosion ein gefähr Zone, wohin sie wolle. Als die Frau erwiderte, daß sie nach Berlin anwalt Guishard aus Potsdam zwei Berliner Beamte mit ihren licher Brand zum Ausbruch, bei dem der 17jährige Hausdiener Willi zu fahren beabsichtige, stellte ihr der Jnspektor die weitere Frage, Kriminalhunden Schnauzer und Frad mit hinaus. Nach Aufnahme Rettig aus der Neuenburger Str. 10 ganz erheblich verletzt wurde. was fie in Berlin wolle und fügte hinzu, ob sie nicht die des Tatbestandes, bei der man das Mordwerkzeug nicht fand, wurde Der junge Mann hatte den Auftrag erhalten. im Keller Benzin ab- Feiertage Beit genug gehabt habe, um nach Berlin zu fahren; zunächst Schnauzer an die erbrochene Lade geführt. Das junge zufüllen. Er benutte hierbei ein offenes Licht, das er allerdings im übrigen tönne fie gleich dableiben. in einiger Entfernung von dem Benzinballon aufstellte. Troydem Verhalten des Inspektors so eingeschüchtert, daß fie die Sperre erst an einer Querstraße. Frad, der nun auf die Fährte gefeßt wurde, Die Frau war durch das Tier verfolgte eine Spur durch verschiedene Straßen, verlor fie aber entzündeten sich die Benzindämpfe plöglich, und im nächsten gar nicht zu paijieren wagte. Augenblick stand der Keller in Flammen. Ehe Rettig flüchten und ihres Mannes Existenz. Auf Befragen gab die Frau an, daß Hauptstr. 12, wo die Mutter eines 25 Jahre alten Buchhalters Alfred Sie hatte offenbar Angst um ihre schlug denselben Weg ein und ging dann weiter bis an das Haus konnte, hatte er schon schwere Verbrennungen an beiden Beinen, an ihr Mann in der Brennerei arbeitet und während der Feiertage Supatt wohnt. Frack durchschnüffelte die Wohnung, stellte eine den Oberschenkeln und an einem Arme erlitten. Die Feuerwehr, die Dienst gehabt babe. Verwundert muß. man sich fragen, wo der alsbald mit zwei Löschzügen aus der Hauptfeuerwache zur Stelle Inspektor das Recht herleitete, diese Frau in so unqualifizierbarer dose, die an der Wand hing, und ging dann durch die war, schaffte den Verunglückten nach der nahen Privatklinik des Beise zur Nede zu stellen. Fürchtete er vielleicht, die Frau fönne Hintertür nach dem Sofe, wo Sintertür nach dem hofe, wo feine Spur endete. Die Dr. Ruben in der Neuenburger Straße 14, wo er schwer danieder durch ihre Berührung mit der Großstadt bem gutsherrlichen Geifte ose gehört Alfred Kupatt, der der wegen Erpreffung, Körperliegt. Der Kellerbrand, der neben Benzin auch Lacke ergriffen hatte. gefährlich werden? wurde dann mit einer Schlauchleitung gelöscht. Ein giveiter eines oftelbischen Juspettors geschildert. Auch sonst wird dieser Herr als das Muster" berlegung und Diebstahls mehrfach bestraft ist. hielt frische Blutflecke. Die Flede rühren auch von Menschengrößerer Kellerbrand beschäftigte die Feuerwehr gestern längere Zeit jedenfalls, daß die elende Behandlung der Landarbeiter nicht nur, bei Verübung des Verbrechens, sondern später herangekommen. Dieses Beispiel beweist blut her, der junge Mann behauptet aber, sie seien nicht etwa in der Ritterstraße 90. Hier hatten sich große Bosten Stroh und wie die Agrarier behaupten, in den Köpfen der sozialdemokratischen Nach Bekanntwerden der Tat fei auch er zu Schulzes, mit Holzwolle entzündet. Heßer" besteht. Bei einer elenden Entlohnung und entwürdigenden denen er bekannt war, hingegangen, um zu helfen. Dabei Behandlung muß selbst dem rüdständigsten Arbeiter die ländliche müsse er fich die Beinkleider mit Bint befledt haben. Ein Scholle zu heiß werden. Alibibeweis, den Kupatt sofort antrat, muß noch in EinzelSteglitz. heiten nachgeprüft werden. Als wahr erwies fich, daß er bei einem schon überschritten hat, haben wir noch feine Berufsfeuerwehr, Schnaps geholt, aber fein Geld gehabt. Am anderen Tage ließ er Unsere Feuerwehr. Trotzdem unfer Dorf die 50 000 Einwohner Gastwirt Taege abends gewesen sei. Dort hat er für 30 f. sondern der Verein der freiwilligen Feuerwehr sorgt nach wie vor ein Fünfmarkstück wechseln, ohne in der Zwischenzeit irgendwo gefür die Feuersicherheit unseres Örtes, wenn auch naturgemäß die arbeitet zu haben. Dieses und anderes bedarf noch der Aufklärung. Gemeinde einen beträchtlichen Zuichuß leisten muß, der z. B. für Kupatt bestreitet jedoch die Tat entschieden und wurde auf freiem bas laufende Jahr 34 000 m. beträgt. Die Wehr besteht aus einem Fuß belassen, weil die Verdachtsgründe zur Verhaftung nicht ausOberbrandmeister, drei Brandmeistern, zwei Feldwebeln, fieben Obers reichen. Die überfallenen Frauen sind noch befinnungslos. feuermännern und 44 Mann, also im ganzen 57 Röpfe. Im bergangenen Jahre wurde sie bei 44 Bränden innerhalb des Ortes in Anspruch genommen; davon waren zwei Groß-, fechs Mittelnnd 36 Sleinfeuer. Außerdem wurden 208 Kranfentransporte und Zeugen, welche am 6. November 1908, abends zwischen und 19 Uhr mit der Straßenbahn( Linie 9) die Turmstraße passierten, auf der vorderen Blattform standen und mit ansahen, wie ein Mann beim Absteigen vor dem Strantenhause unter den Wagen geriet, werden höflichst gebeten, ihre Adresse abzugeben bei Gustav Schwarz in Berlin, Drehsestr. 3, rechter Seitenflügel IV. Schöneberg. Vorort- Nachrichten. Vermischtes. Sie ent Der Bau der Untergrundbahn liegt der Witterung wegen still. Trotzdem nehmen die technischen Arbeiten ihren Fortgang. Wit den Vermessungen vom Rollendorfplatz durch die Moz- und Münchener Straße, wo die Untergrundbahn durchführt, wird jezt begonnen. 176 Desinfektionen ausgeführt. Die Unfallstation auf der ständigen Gasvergiftung in der Bochumer Gaszentrale. Aus Bochum wird Bei günstigerer Witterung, ungefähr im März, soll mit der Unter- Feuerwache wurde von 132 Verletzten in Anspruch genommen. Auch hierüber vom 4. Januar gemeldet: Gestern gegen 10%, Uhr vortunnelierung der Straßenzüge angefangen werden. Eine Kleine als Lebensretter bewährte sich die Feuerwehr: es gelang den mittags wurden in der neuen Gaskraftzentrale des Bochumer Umänderung hat der Bahnhof Bayerischer Blazer Samaritern durch Anwendung des Sauerstoffapparates sechs Berfonen Vereins für Gußstahlfabrikation feche Monteure, die mit Reparatur fahren; dieser Bahnhof, der ursprünglich an der Grunewald- ins Leben zurückzurufen. Daß sich für das Mädchen für alles" auch arbeiten beschäftigt waren, durch Ausströmen giftiger Gafe bewußt straße geplant war, soll nach dem Platz, dessen Namen noch sonstige Gelegenheiten boten, tatkräftig einzugreifen, versteht sich los. Zwei andere Monteure erlitten bei dem Bestreben, Hilfe zu er trägt, hin verlegt werden, um auch den Zwischen von selbst. Eine fürzlich neu angeschaffte Gasiprize dürfte zur Erleisten, durch Einatmen der giftigen Gafe den Tod. Die fechs raum der einzelnen Stationen gleichmäßiger zu gestalten. Die höhung der Schlagfertigkeit der Behr wesentlich beitragen steht doch Monteure find teils leichter, teils schwerer erkrankt ins Krankenhaus Stoften, die daraus entstehen, hat die Baugelellichaft zu tragen und nunmehr ein Löschzug mehr zur Verfügung. Eine Berstärkung des gebracht worden. zwar bis zur Höhe von 30 000 M. Der füdliche Teil der Strede aktiven Storps und der ständigen Feuerwache ist in Aussicht ge= ist bis zum neuen Stadtpark freigelegt, da der Mühlenberg, so weit nommen. Wenn die freiwillige Feuerwehr bisher die ihr gestellten wie notwendig, ausgeschachtet und die vorhandenen Hindernisse be- Aufgaben lösen fonnte, so ist das wohl hauptsächlich dem Umstande seitigt sind; dagegen find die Arbeiten nach der südöstlichen Seite zu verdanken, daß eine ganze Anzahl der bei der Gemeinde bedes Parts noch nicht in Angriff genommen. fchäftigten Arbeiter zu den aktiven Mitgliedern zählt. Denn nur das Der Finanzminister, ebenfalls der Landwirtschaftsminister haben durch ist es möglich, eine ständige Brandwache au stellen und der entschieden, daß die Schnellbahn, die von der Domäne Dahlem nach Allgemeinheit die oben bezeichneten weiteren wertvollen Dienste zu Berlin führt, nicht an die Schöneberger Untergrundbahn angeschlossen leisten. Bei der rapiden Entwickelung von Stegliß wird sich über wird, sondern an die von Wilmersdorf. Damit würde für die Stadt furz oder lang die Notwendigkeit einer Berufsfeuerwehr ergeben, der bie Frage zu regeln sein, ob Dahlem als die Endstation zu be- dann die freiwillige Organisation das Feld räumen wird mit dem trachten ist, oder ob nicht darüber hinausgegangen werden foll. Bewußtsein, stets nach Kräften ihre Pflicht getan zu haben. Die Bau- und Terraingesellschaften nehmen, nachdem fie die Beide Trebbin( Kreis Teltow). abgegraft. eine abwartende Stellung ein. Als die Entscheidung fiel, In der Stadtverordnetenversammlung am 2. Januar wurde Herr wußten sie den Grund und Boden in ihren Besitz zu bringen, sie Schurig, bisher Ratmann, in fein neues Amt als Beigeordneter biftierten neue Preise, um möglichst hohen Gewinn herauszuschlagen. eingeführt. An feine Stelle als Ratmann wurde Herr Rathenow Abgestürzt. Nach einer Wieldung aus Dresden sind genern nach mittag vom Gansfelfen in der Sächsischen Schweiz zwei Dresdener Touristen abgestürzt. Der eine, ein 20 jähriger Mann, wurde mit zerschmettertem Kopfe tot aufgefunden; der andere fam ohne fchwere Verlegungen davon. Lagerhalter, Lagerhalterinnen! Dienstag, den 5. Januar, nach mittags 3 Uhr, Bersammlung im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. Witterungsübersicht vom 4. Januar 1909. morgens 8 Uhr. Stationen Berlin Wetter Stationen 3 bebedt 778329 778 35 4 bedeckt 783 D 8 bebedt Better Temp. n. C. 5°.= 4°. wollenl-6 8 bedeckt 2 Schnee 1 1 8 molten! 8 4 Haparanda 748 Still 3 Betersburg 758 8 Scilly 779 GSD 1 Nebel 0 Aberdeen 747 S 4 Mebel-7 Baris 781 D 1 Nebel-1 781 Still bebedt-1 Wetterprognofe für Dienstag, den 5. Januar 1909. Die Deputation für die Untergrundbahn beschäftigt sich eingehend gewählt. Derfelbe will jedoch in den nächsten Tagen eine Erklärung mit der Schnellbahn, ebenso liegen auch jetzt die Modelle der Bahn- über die Annahme oder Richtannahme der Wahl abgeben. In den Swinembe 775 S wagen, die mit den praktischsten Neuerungen versehen sind, zur Vorstand der Schulsparkasse wurde der Stadtverordnete Wichert ge- Camburg Ansicht und Begutachtung aus. wählt. Unsere Genoffen hatten einen Antrag eingereicht, wonach Jufolge eines Dachstuhlbrandes wurde gestern gegen 1, 10 Uhr bei der demnächst bevorstehenden Stadtverordnetenerfahwahl die Sünden bormittags die Schöneberger Feuerwehr nach der Rembrandtstr. 8, Wahlzeit der dritten Abteilung in die Abendstunden von 5 bis Bien Ede Menzelfiraße, alarmiert. Als Branddirektor Flöter mit den 7 Uhr verlegt werden soll. Nach eingehender Begründung des AnLöschzügen dort anrückte, brannte der Dachstuhl des Hauses in trages durch unsere Genossen beschloß die Versammlung einstimmig, Ein wenig fühler, teilweise aufflarend, vorwiegend noch trübe mit gee ganzer Ausdehnung. Da das Feuer einen recht gefährlichen Charakter die Wahlzeit dem Magistrat zu empfehlen. Zum Stadtverordneten ringen Niederschlägen und ziemlich frischen westlichen winden. anzunehmen drohte, wurde unverzüglich mit acht Schlauch vorsteher wurde Herr F. Stöppen, zum Stellvertreter Herr C. Binge, Berliner Wetterbureau. Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.:£ b. Glode, Berlin. Drud u. Verlaa: Vorwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Baul Sinaer& Co., Berlin SW,