Nr. 4. Abonnements- Bedingungen: bonnements. Brets. pranumerando? Bierteljährl. 8.30., monatl. 1.10 möchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Big. Boft. Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Bost- Beitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Bortugal, Rumänien, Schweben und die Schweiz Erideint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Dolksblaff. 26. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel. geile oder deren Raum 50 Bfg., für bolitische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Anzeigen". das erste( fett. gedruckte) Bort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Bort 5 Bfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Der gelbe Sumpf. Der Leitung des Metallarbeiterverbandes ist ein ansehnliches Bündel Briefe zugeflogen, welche der bekannte journalistische Führer der gelben Arbeiter, Rudolf Rebius, in der Zeit vom Herbst 1907 bis zum Sommer 1908 im Interesse der gelben Organisation und des von ihm herausgegebenen gelben Blattes Der Bund" geschrieben hat. Der Metallarbeiterverband hat diese Briefe in einer Broschüre beröffentlicht. Sie dienten auch in den gestern abend abgehaltenen Gewerkschaftsversammlungen als Material zur Kennzeichnung dessen, der sich als das Haupt der gelben Arbeiterbereine aufspielt und eifrig bemüht ist, diese zu einer einWas jedem träglichen Erwerbsquelle für sich zu gestalten. Renner der gelben Vereine längst bekannt ist, das wird durch die Lebius- Briefe in jeder Hinsicht bestätigt: Die gelben Vereine wirken nicht für die Interessen der ihnen angehörigen Arbeiter, sondern fie fördern die Interessen und das Wohl der Unternehmer. Das ist der einzige 8wed der gelben Vereine und die Absicht ihrer Gründer und Leiter. Die gelben Vereine werden deshalb mit Geldmitteln der Unternehmer ausgehalten und die betörten Arbeiter, welche den Lockrufen der gelben Häuptlinge folgen, find nichts anderes als Werkzeuge in den Händen der Söldlinge des Unternehmertums. Es ist eine elende Lüge, wenn behauptet wird, die gelben Vereine verdanken ihre Existenz der Initiative von Arbeitern, die sich bewußt und aus eigenem Antriebe von der Sozialdemokratie und den freien Gewerkschaften abwandten und die nun, weil sie im Frieden mit den Unternehmern ihr Heil erbliden, die freien Gewerkschaften bekämpfen. Ga existiert nicht ein einziger gelber Verein, dessen Gründung auf das Betreiben von Arbeitern zurüdzuführen ist. Soweit Arbeiter bei der Gründung und Leitung gelber Vereine überhaupt in die Erscheinung treten, sind sie nur Strohmänner, nur vorgeschobene Personen, hinter denen direkt oder indirekt die Unternehmer als treibende Kräfte stehen, und auf diese Weise ihre eigenen Interessen zum Nachteil der Arbeiter um so wirksamer wahrnehmen zu können. Aus den 2ebius- Briefen sehen wir, wie die Gründung gelber Vereine zustande kommt. Mit der Rührigkeit und der Reklamesucht eines geriebenen Geschäftsmannes wendet sich Sebius an die Leitungen großindustrieller Etablissements und sucht sie für die Gründung gelber Vereine zu gewinnen. Bebius schreibt an die Direktion der Harpener Bergbaugesellschaft in Dortmund, an die Direktion der Hibernia- Bergwerksgesellschaft in Herne, an den in Essen, an die in Hörde, an die Bergbaulichen Berein Direktion bes Hörber Bereins Direktion der Aktiengesellschaft für Bergbau und Hüttenbetrieb Phönig“ in Hörde, an die Gelsenkirchener Bergwerksgesellschaft in Gelsenkirchen mit dem Ersuchen, sie möchten doch gelbe Werksvereine ins Leben rufen. Um den arbeiterfeindlichen Leitern der westfälischen Gruben- und Hüttenindustrie die Gründung gelber Vereine empfehlenswert erscheinen zu lassen, prahlt Bebius in seiner aufschneiderischen Weise: Mittwoch, den 6. Januar 1909. setzt werden können, wenn ihre Teile, nämlich die für den gelben Verein bestimmten Arbeiter sähen, daß die Vereinsgründung von den Unternehmern selbst ausgeht. Um die Arbeiter zu täuschen, müssen also Strohmänner vorgeschoben werden. Wie das zu machen ist, das sagt ebius in diesem Briefe: An die Direktion der Aachener Stahlwarenfabrik, Aachen. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. einen Vortrag im gelben Verein zu halten, und teilt ihm mit, Herr Direktor Peierls bom Kabelwerk ,, hatte die Güte, keinen Einspruch gegen Ihr Referat zu er heben." In einem anderen Briefe ersucht Rebius den Direktor Peierls, die von einem gelben Vorstandsmitglied angezweifelte Rechnungsführung des Vereinskassierers durch einen Werksbeamten nachprüfen zu lassen. Auf Ihr wertes Schreiben vom 5. dieses Monats erwidere ich Ihnen ergebenst, daß die Anregung zur Vereinsgründung feines falls von Ihnen ausgehen soll. Bei den Siemenswerken gab Der Firma Schreiber u. Beuster in Charlottenburg teilt ein Meister einem ihm als zuverlässig bekannten Lebius mit, daß sein damaliger Freund Beiersdorf zum Arbeiter die Anregung. Bei den R. Wolfschen Werken, Agitationsbeamten für den Bund der gelben Vereine gewählt Magdeburg- Buckau, ging die Anregung von dem Leiter des worden sei, weil er talentvoll sei. Weiter berichtet Bebius an Lohnbureaus aus. Dieser Herr besprach die gelbe Vereins- den Unternehmer, daß sein talentvoller Freund Beiersdorf gründung mit einem sehr talentvollen Arbeiter( Buchbinder), der viele Fehler Hake, besonders den, daß er zu schnell Freundschaft den Verein bereits auf 750 Mitglieder gehoben hat. Die Ar- schließe. Nachdem Lebius seinen gelben Bundesgenossen in dieser beiter müssen natürlich den Entschluß zur Gründung eines solchen Weise angeschwärzt hat, läßt er seinen Brief in den Sah ause Vereins selbst fassen, die Anregung dazu kann aber ganz gut von einem unteren Beamten ausgehen. Mit vorzüglicher Hochachtung Rudolf Lebius." Nicht nur die Industriearbeiter, sondern auch die Privatbeamten möchte ebius für seine gelben Vereine einfangen. Er schreibt: Herrn Syndikus Karl König, Nürnberg. Bezugnehmend auf Ihren Artikel in der letzten Nummer der Arbeitgeberzeitung" möchte ich ergebenst anregen, ob man vielleicht für die Techniker und Privatbeamten eine gelbe Arbeitnehmerorganisation schaffen sollte. Ich würde meine Unterstüßung gern dazu leihen. Hochachtungsvoll Rudolf Lebius. Die Privatindustrie genügt dem Führer der Gelben nicht. Er bemüht sich, daß ihm auch die im Dienste des Staates beschäftigten Arbeiter zugeführt werden, wie folgender Brief zeigt: An die Königliche Eisenbahndirektion, Schöneberger Ufer 1/4. Da die Königliche Eisenbahndirektion doch wohl der größte Arbeitgeber in Deutschland ist, so wäre mir sehr daran gelegen, den zuständigen Dezernenten über Wesen, Biel und Erfolge der gelben Arbeiterbetvegung einen kurzen Vortrag halten zu dürfen. Ich bemerke, daß wir in den letzten 2 Jahren in Berlin ettva 25 000 Mitglieder neu gewonnen haben. Mit vorzüglicher Hochachtung Rudolf Lebius. Wenn es gilt, irgendwo einen gelben Verein zu gründen, ist Lebius sogar bereit, persönliche Opfer" zu bringen. In einem Briefe an den Direktor Karl Roderburg in Hagen erbietet sich ebius, behufs Gründung eines gelben Vereins nach Hagen zu reisen, wenn ihm das Fahrgeld 3. Klasse erstattet wird. Man denke: Bebius, dessen Frau eine komfortable Wohnung in feinster Gegend Charlottenburgs inne hat, ist sogar bereit, in der dritten Wagenklasse zu reifen, wie zu jener Zeit, wo er noch in so bescheidenen Verhältnissen lebte, daß ihm eine Eiertiste als Speiseschrank diente.- Welche Opferwilligkeit! Wir haben gesehen, daß die Gründung der gelben Bereine lediglich auf Betreiben der Unternehmer erfolgt. Weitere Lebius Briefe zeigen uns, daß auch die Verwaltung und Bei tung der gelben Vereine nicht durch diese selbst, sondern durch die Unternehmer, wenn nicht direkt, so doch unter Vormundschaft derselben ausgeübt wird. Einem Spediteur Frik Bäte in Hannober empfiehlt Rebius eine geeignete Kraft zur Leitung der gelben Bewegung in Hannover, doch fragt er zunächst bei Herrn Bäte an, welches Gehalt er für den gewünschten Mann" aus " Durch die gelbe Arbeiterbewegung haben bereits im letzten gesetzt hat. Herr Bäte scheint keinen bestimmten Vorschlag geJahre die sozialdemokratischen Gewerkschaften in Berlin um macht zu haben, deshalb teilt ihm Lebius mit, daß in Berlin biele tausend Mitglieder abgenommen. Wir hoffen im Laufe der gelbe Sekretär der Metallarbeiter monatlich 200 M. erhält, eines halben Jahrzehnts die Sozialdemokratie um die Hälfte während der Sekretär der gelben Holzarbeiter mit 150 m. abihrer Mitglieder gebracht zu haben." gefunden wird. Natürlich weiß Lebtus, daß das Ziel, welches er den Unternehmern in Aussicht stellt, nicht aus eigener Kraft der für die gelben Vereine eingefangenen Arbeiter erreicht werden kann. Deshalb läßt er seinen reklamehaften Verheißungen die eindringliche Mahnung folgen: " Freilich ist es nötig, daß wir bei diesem Werke bei den Arbeitgebern auf Verständnis und Unterstütung stoßen." Dem Geheimen Kommerzienrat Baare In richtiger Würdigung des Umstandes, daß die Funktionäre der gelben Vereine Vertrauense männer der Unternehmer sind, schreibt Lebius an den Betriebsdirektor der Union" in Dortmund: „ Es würde mich sehr freuen, wenn Sie wenigstens für Ihre Vertrauensleute einige Eremplare des Bund" bestellen würden." solche Zuwendungen einen bestimmenden Einfluß auf den Verein sichern. So schreibt Lebius an den Arbeitgeberschutzverband deutscher Glasfabriken in Dresden: Das Ersuchen um Abonnements auf sein Blatt„ Der Bund" sowie die Bettelei um Geldzuwendungen an die gelben Vereine in Bochum, einem hervorragenden Vertreter der nadten Unter- seitens der Unternehmer kehrt in vielen Briefen wieder. Manchnehmerinteressen, sucht Rebius flarzumachen, daß die Förderung mal auch mit der Versicherung, daß die Unternehmer sich durch der christlichen Arbeiterbewegung nicht im Interesse der Unternehmer liege. Deshalb möge der Herr Geheimrat seine Arbeiterorganisationen etwas modernisieren: " Ich würde Ihnen vorschlagen" schreibt Lebius" ganz allmählich lieber eine gelbe Organisation in Ihrem Werke zu befördern. Das würde ungefähr auf dasselbe hinauskommen, als wenn ein weitschauender Fabrikant seine noch nicht ganz veralteten Maschinen durch moderne Maschinen ersetzt und mit " Dadurch, daß Sie dem Verein eine laufende Beihilfe geben, die gar nicht groß zu sein braucht, gewinnen Sie ein dauerndes Aufsichtsrecht über den Verein." Also, der Judaslohn, für den die Gelben an die Unternehmer verkauft werden, braucht gar dieser Maßnahme nicht bis zu dem Zeitpunkt wartet, wo ihm nicht groß au sein. Solche schmutzigen Geschäfte werden das Feuer unter den Nägeln brennt." Hierdurch gibt also Lebius mit zynischer Offenheit zu, daß zu den niedrigsten Preisen abgeschlossen. Daß sich die er feine gelben Vereine als Maschinen betrachtet, die sich ein fluger Unternehmer in seinem Geschäftsinteresse beiWeltfirma Siemens u. Halste zeiten anschaffen muß.- Recht schmeichelhaft für die Arbeiter, durch eine Spende von 8400 M. der Dankbarkeit Bebius verwelche sich von den gelben Drahtziehern einfangen lassen. sichert hat, haben wir schon gestern mitgeteilt. flingen: Wenn Sie mit Beiersdorf nicht zufrieden sein sollten oder sonst Anlaß zur Beschwerde haben, bitte ich Sie ergebenst, mich zu benachrichtigen. Ich werde umgehend für Abhilfe sorgen." Wie man sicht, sind im Hause der Gelben die Unternehmer die Herren und Rebius erscheint in der Rolle des Hausknechts, welcher umgehend für Abhilfe sorgt", wenn sich im Hause jemand bemerkbar macht, der den Hansherren nicht paßt. Bei seinen Bemühungen um die Ausbreitung der gelben Vereine konnte ebius natürlich an einem so bekannten Vertreter furzsichtiger Unternehmerinteressen, wie es der Obermeister Ra hardt ist, nicht vorübergehen. Er schreibt: Herrn Obermeister Rahardt, Aleranderstr. 31. Sehr geehrter Herr Obermeister! Der gelbe Arbeitsbund hat den Meinkeschen Handwerkers schutzverband in seinem Arbeitsnachweis, Chausseestraße 9, gern Unterkunft gewährt. Im Vergleich zu unseren blühenden gelben Arbeitervereinen in der Metallindustrie führt nun der gelbe Tischlergesellenverein ein gar gräßliches Dasein. Wir glauben, daß es möglich wäre, auch den Tischlergesellenverein in die Höhe zu bringen. Wir wären Ihnen sehr dankbar, wenn Sie einigen unserer Bundesvorstandsmitglieder gestatten würden, bei Ihnen vorzusprechen, um die Maßnahmen zur Hebung des Tischlergesellenvereins zu erörtern. Mit vorzüglicher Hochachtung Rudolf Lebius. Aus einem anderen Briefe geht hervor, daß Obermeister Ra. hardt sich für den von Rebius gemachten Vorschlag zugäng lich gezeigt hat. Wenigstens haben beide eine Unterredung mit einander gehabt. Rebius scheint auch Einfluß auf den Obera meister gehabt zu haben, denn in einem dritten Briefe fordert er bereits, daß meinte, ein bekanntes Faktotum im Dienst des Arbeitgeberverbandes in der Holzindustrie, sein Amt niederlegen müsse, weil meinte eine Beleidigungsklage, welche er gegen den" Borwärts" erhob, vor der Verhandlung zurückgezogen hatte. Wenn Lebius mit regem Eifer für die Gründung gelber Vereine tätig ist, so will er als guter Geschäftsmann auch einen klingenden Erfolg seiner Bemühungen einstreichen, die er den Unternehmern geleistet hat. Nicht nur, daß bei jeder Neugründung eine entsprechende Anzahl von den Unternehmern bezahlter Abonnements auf den" Bund" herausspringen, sondern er läßt sich die Gründung eines Vereins auch noch besonders honorieren. Warum auch nicht. Verlangt doch jeder Agent feine Provision, wenn er ein Geschäft abgeschlossen hat, welches seinem Auftrag= geber Gewinn bringt. Und was anders ist denn die Gründung eines gelben Vereins, als ein Geschäft zum Nußen der Unternehmer. Also verlangt Lebius seine Provision: Herrn Baumeister Heuer, NW., Flotomstraße 4. Als wir im August v. J. über die Gründung des gelben Bauarbeiterbundes verhandelten, hatten Sie die Güte, mir ein Honorar von 200 M. in Aussicht zu stellen. Da der Verein nunmehr gegründet ist und von mir auch kräftig unterstützt wird, so darf ich Sie wohl höflichst an Ihr Versprechen erinnern. Den Sigungen des Vereins wohnt regelmäßig unser Herr Dr. Nathanson bei. Außerdem habe ich Herrn Buchholz unseren Arbeitsnachweis nebst Telephon zur Verfügung gestellt und Herrn Buchholz auch sonst unter die Arme gegriffen. So zahlte ich ihm im Dezember 30 M. für Miete. Herr Buchholz meinte, Sie würden wohl das Geld vergüten. Ich stelle Ihnen anheim, ob Sie mir diese 30 M. zurückgeben wollen. In den letzten Wochen ist der Verein sehr in die Höhe gegangen. Trotzdem habe ich meine Zweifel, ob Buchholz der richtige Mann ist. Ich glaube, es müßte Ihnen doch ein leichtes fein, einige geeignete Vereinsleute ausfindig zu machen. Mit vorzüglicher Hochachtung Rudolf Lebius. Die 200 M. Provision hat Lebius erhalten. Er bestätigt den Empfang derselben in einem Briefe an den Verband der Baugeschäfte. Den weiteren Anforderungen hinsichtlich Gelda zuwendungen an den Verein und Bezahlung von Abonnementsgeldern scheint der Verband nicht in dem von Lebius erwarteten Umfange entsprochen zu haben. Lebius verlangt dann, daß gelben Mauver die geistige Nahrung", welche ihnen bis dahin auf der gelbe Maurerverein selber die Abonnements bezahle. Ob die Kosten der Unternehmer aus der Lebiusschen Küche geliefert wurde, der Bezahlung aus ihrer eigenen Tasche für wert hielten, geht aus der Korrespondenz nicht hervor. Mehr Gegenliebe wie bei den Berliner Bauunternehmern scheint Rebius anscheinend bei der Hamburg- Amerika- Linie Die von Lebius konstruierten gelben Vereinsmaschinen Wenn Lebius den Unternehmern verspricht, daß sie sich durch setzen sich allerdings nicht aus leblosem Material, sondern aus leib- Geldzuwendungen dauernde Aufsichtsrechte über die gelben Verhaftigen Menschen zusammen, die das Nachdenken noch nicht ganz eine erfaufen fönnen, so hält er in dieser Hinsicht sein Versprechen. gefunden zu haben. Mit dieser Schiffahrtsgesellschaft hat verlernt haben. Die Maschinen würden wohl nicht in Gang ge- Einen Herrn Pappendorf in Ober- Schöneweide ladet er ein, Bebius einen Vertrag abgeschlossen, wonach ihm die Gesellschaft eine Subvention zahlt, und er der Gesellschaft dafür die vierte Seite dcS„Bundes" einräumt. Aber L e b i u s rechnet der Ge- sellschaft vor, daß er bei diesem Vcrtragsverhältnis kein gutes Ge- schüft macht. Er ersucht deshalb einen höheren Angestellten der Hamburg-Amerika-Linie, Oberleutnant Hahn, ihm ein Inserat für den„Bund" zuzuweisen, denn„so würde dann wieder der not- Wendige Profit zustande kommen". Der hier genannte Oberleutnant Hahn ist Vorsteher der „sozialpolitischen Abteilung" der Hamburg-Amerika-Linie. Seine Beziehungen zu L e b i u s haben aus bestimmten Gründen ein besonderes Interesse. Herr Hahn war früher bei der Karl-Zcitz- Stiftung in Jena angestellt. Damals galt er als einsichtiger Sozialpolitiker. Deshalb konnte er sich auch» auf einer General- Versammlung des Deutschen Metallarbeiterverbandes als Kor- referent an der Erörterung des Prämienlohnsystems beteiligen. Er trat bei jener Gelegenheit als Vermittler zwischen den ent- gegenstehcnden Interessen der Arbeiter und der Unternehmer auf. Dieser Mann hat sich also zur Bundesbriiderschast mit Lebius durchgemausert. Das sagt genug.— Wie aus weiteren LebiuS-Briefen hervorgeht, ist Hahn ein so eifriger Mitarbeiter des„Bundes", daß Lebius ihn ersuchen mußte, mit der Zusendung von Manuskript eine Zeitlang einzuhalten.— In einem Briefe an Hahn ist auch die Rede von einer geplanten nichtöffentlichen Konferenz von Ver-' tretern gelber Vereine. Hierzu bemerkt Lebius: „An eineni öffentlichen Kongreß wollen vir unS auf keinen Fall beteiligen, weil wir nicht glauben, daß wir schon soweit sind, um vor der Oeffentlichkeit paradieren zu könne n." Dies offene Geständnis entspricht augenscheinlich der Wahr- heit. Damit ist aber als unwahr bewiesen, was Lebius in seinen Bettelbriefen an die Unternehmer behauptet: Die gelben Vereine hätten in Deutschland bv 000 Mitglieder, davon IS 000 in Berlin. Wenn Lebius sich wirklich auf solche Zahlen berufen könnte. dann würde er mindestens den Versuch machen, damit in der Oeffentlichkeit zu paradieren. Da er von solchem Versuch ängstlich abrät, muß man annehmen, daß er den von ihn: angegebenen Mit- gliederzahlen mindestens eine Null hinzugeflunkert hat. Wie auS mehreren Briefen hervorgeht, leidet der„Bund" nicht nur Mangel an Abonnenten, sondern eS fehlen ihm auch Mit- arbeiter, die bereit sind, unter dem gelben Banner für die Unter- nehmer gegen die Arbeiterbewegung zu kämpfen. Um diesem Mangel abzuhelfen, wendet sich Lebius an den, Chefredakteur der„Post". Herrn Kronsbein, mit dem Ersuchen, ihm Mitarbeiter zuzuweisen. Sie sollen ein Zeilenhonorar von 10 Pf. erhalten. Das ist im Lebiusschen Tarif der mittlere Satz. Einem Dr. Schellwien stellt Lebius IS Pf. pro Zeile in Aussicht, während er Arbeiter, die für den „Bund" schreiben, mit S Pf. pro Zeile entlohnt. Daß LebiuS und seine Bestrebungen von den Unternehmern mit klingender Münze unterstützt werden, ist selbstverständlich. LebiuS glaubt aber ein Anrecht auf Geldunterstützungen auch bei solchen Leuten zu haben, die auS allgemeinen politischen Gründen Unterstützungen an„nationale" Arbeitervereine geben. Als LebsuS von einer derartigen Gruppe nicht» Wtom, schrieb er diesen Brief: Herrn General v. Loebell, S1V., Hafenplatz 10. Sehr geehrter Herr Generali Am Sonnabend hielt ich in Magdeburg einen Vortrag in einem unserer dortigen gelben Arbeitervereine und erfuhr bei dieser Gelegenheit, daß der Förderungsausschuh den Vater- ländischen Arbeitervereinen bereits 24 000 Mk. zugeführt hat. Den gelben Arbeitervereinen hat der Förderungsausschuß bisher noch nicht mit einem Pfennig ausgeholfen. Nicht einmal ein Darlehen von S000 bis 6000 Mk. hat der Förderungsausschuß übrig, um den Führer der gelben Gewerkschaften von seinen sozialdemokratischen Peinigern zu befreien, obgleich das Darlehen in spätestens zwei Jahren zurückbezahlt worden wäre. Unter solchen Umständen danken wir Ihnen verbindlichst für die Uebersendung Ihrer Korrespondenz. Gleichzeitig erlaube ich mir zu bemerken, daß der För» derungSausschuß unter solchen Umständen nicht die Behauptung aufstellen kann, daß er unparteiisch die junge nationale Arbeiter- bewegung fördert. Mit vorzüglicher Hochachtung Rudolf LebiuS. Dem Förderungsausschuß mag di« gelbe Arbeiterbewegung und ihr Führer doch Wohl so anrüchig erscheinen, daß er eS für ratsam hält, den Betteleien der Gelben seine Kasten zu verschließen. Aber waS tutP, wenn man einmal abblitzt. Lebius sucht neue Verbindungen. Er knüpft überall an, wo sein GeschäftSintereste eine Verbindung erwünscht erscheinen läßt. Er versucht, den„Bund" in Oesterreich einzuführen, er freundet sich an beim Reichsverband gegen die Sozialdemokratie, er tritt dem Deutschen Flotten- verein und der Deutschen Kolonialgesellschaft bei, und er sucht sein Werk dadurch zu krönen, daß er— wie wir gestern schon durch einen LebiuS-Brief nachwiesen— seine gelben Arbeitervereine unter der falschen Firma„nationaldemo- kratisch" der nationalliberalen Partei, also der politischen Interessenvertretung der Grohlnbustrtellen» zuzuführen beabsichtigt. LebiuS hält seine Gefolgschaft für so beschränkt, daß sie das schändliche Spiel, welches er mit den gelben Arbeitern treibt, gar nicht merken. LebiuS behandelt die Ar- heiter, welche ihm folgen, als Drahtpuppen, die er beliebig diri- gieren kann, wie es seine Geschäftsinteressen und der Vorteil der Unternehmer erfordern. Hoffentlich wird die Veröffentlichung der Lebius- Briefe auch manchem, der im Lager der Gelben steht, die Augen öffnen über daS schamlose Treiben ihres Führers. Für die Anhänger der klassenbewußten Arbeiterbewegung bietet der Blick hinter die Kulissen der gelben Bewegung nichts Uebex. raschendes. Sie haben längst gewußt, was dort vorgeht. Sie haben längst gewußt, daß die gelben Vereine nichts anderes sind und ihrer Natur nach nicht anderes sein können als eine Schutzwehr, hinter der sich die Unternehmer verschanzen, um vor den Forde- rungen der nach Verbesserung ihrer Lage strebenden Arbeiter sicher zu sein. Weil die gelben Vereine sich zu einer Schutzgarbe im Dienste der Unternehmer gegen die berechtigten Forderungen der Arbeiter degradieren, deS- halb wird die Zugehörigkeit zu einem gelben Verein von jedem anständigen Arbeiter als unehrenhaft betrachtet. Gewiß sind viele, die heut unter dem gelben Banner marschieren, nicht auS eigenem Antriebe, sondern unter dem Druck der Verhältnisse in jene Reihen getreten. Das ist erklärlich. Wird doch in vielen Betrieben die Erlangung einer Arbeitsstelle abhängig gemacht von der Zuge- Hörigkeit zum gelben Verein. Aber auch das ist eine Untreue gegen die Arbeitsbrüder. Hoffen wir. daß dies aus Anlaß der vor- liegenden Enthüllungen wenigstens denen zum Bewußtsein kommt, die ohne Ueberlegung den verhängnisvollen Schritt inS gelbe Lager getan haben. Wenn sie zu besserer Einsicht kommen und zu ihren Klassengenossen zurückkehren, dann wird bald der JudaS allein stehen, der seine Gefolgschaft für klingenden Lohn an ihre natür- lichen Gegner zu verkaufen bereit ist. Die gestrigen Versammlungen, welche einberufen waren, um das lichtscheue Treiben des gelben Häuptlings vor der Oeffent- lichkeit zu beleuchten, waren massenhaft besucht. Selbst die größten Säle reichten kaum aus, um allen Platz zu gewähren, die gekommen waren, um teilzunehmen an der öfsentlichen Verurteilung einer schändlichen Verräterei der Arheitersachc.— Lebi�, der geistige Leiter und geschäftliche Ausbeuter der gelben Bewegung stand vor der breitesten Oeffentlichkeit am Schandpfahl, und mit ihm jene Elemente aus Arbeiterkreisen, die teils in böser Absicht, teils in kurzsichtiger Verblendung sich von ihren Arbeitsbrüdern getrennt haben, um zum Nutzen der Unternehmer die eigenen Klassengenossen zu bekämpfen.— Daß die Enthüllungen der Kulissengcheimnisse des gelben Regisseurs bei den Zuhörern besonderes Aufsehen er- regt hätten, kann man gerade nicht sagen. Dieser Mensch ist den klassenbewußten Arbeitern ja kein Unbekannter. Sie wissen, wessen man sich von ihm zu versehen habe, deshalb konnte die Bekanntgabe seines Treibens niemanden überraschen. Wohl aber machte sich bei den Massen ehrliche Entrüstung über die verräterischen Machi- Nationen im gelben Hauptquartier bemerkbar. In spontanen Aeutze- rungen kam diese Entrüstung oft zum Ausdruck, besonders dann, wenn die Redner die markantesten Handlungen der Arbeiter- Verräter in kräftigen Worten kennzeichneten.— Die gelben Vereine sind ja längst Gegenstand wohlverdienter Verachtung in den Reihen aller ehrenhaft denkender Arbeiter. In den gestrigen Versamm- lungen aber wurde ein geradezu vernichtendes Urteil über diese Arbeitcrverräter, Führer wie Verführte, gesprochen.— Mit seinen eigenen Werken wurde ein Arbeiterverräter geschlagen und in den Augen aller anständigen Leute gerichtet. Der wird seine Rolle als Führer der Gelben ausgespielt haben. Leute, die nicht jedes An- standsgefühls entbehren, befassen sich nicht mehr mit ihm. Eine Ueberraschung erwartete die Besucher der Versammlung im Moabiter Gesellschaftshaus. Herr Lebius selbst war er- schienen und war bald der Gegenstand allgemeiner Aufmerksamkeit. Adolf Cohen, der Redner des Abends, ließ sich die gute Ge« legenheit nicht entgehen, Herrn Lebius vor der Versammlung zu kennzeichnen, daß wahre Beifallsstürnw losbrachen, als Cohen mit beißendem Witz und unerschütterlicher Ruhe Herrn Lebius das Fell gerbte. Dieser war dreist genug, zuerst Cohens Rede mit allerlei Zurufen zu unterbrechen, aber er wurde immer stiller und ver» stummte schließlich, als Cohen sein erdrückendes Material gegen ihn anhäufte. Die helle Entrüstung der Versammlung wandte sich gegen Lebius, der sogar den— sagen wir—Mut hatte, das Wort zu ergreifen. Donnernder Beifall begleitete den Schluß von Cohens wirkungsvoller Rede. In Ober-Schöneweide, in dessen Riesenbetrieben die Züchtung gelber Vereine ebenfalls betrichen wird, hatte die Er- Wartung der kritischen Stäupung des gelben Generals große Ar- beitermassen zusammengeführt. Der sehr geräumige Saal des Etablissements„Wilhelminenhof" füllte sich bald nach 8 Uhr bis zum letzten Platz. Viele mußten stehen. Schon vor Beginn der Verhandlungen kam es zu einem Vorfall, der für die Bedeutung der Versammlung charakteristisch war. Der zur Ucberwachung er- schienene Gendarmeriewachtmeister durcheilte den Saal und kon- fiszicrte die ominösen gelben Broschüren, die ein Genosse ver- kaufte. Alle Vorstellungen nutzten nichts. Der Genosse wurde notiert. Die Verfammelten quittierten mit Zurufen:„Die letzte Reklame! Jetzt werden Lebius' Briefe erst recht gelesen!" Dann nahm Genosse Eckert das Wort. Seinem„Spaziergang durch den gelben Sumpf", wie er eS nannte, folgten die Anwesenden mit der größten Aufmerksamkeit, die nur vorübergehend abgelenkt wurde durch den Herrn— Wachtmeister, der vom hohen Podium sich wieder in den Saal hinabbegab und auf einen zweiten Broschüren- Verkäufer Jagd machte. Das veranlaßte große Unruhe und eine Unterbrechung. Der Beamte glaubte auflösen zu sollen. Der Vor- sitzende rettete aber die Versammlung durch eine schnelle Vertagung. Als die Vertagung festgestellt war— der Beamte unten im Saal hatte sie überhört, der andere Beamte auf dem Podium sie aber gehört— durfte weitergetagt werden. Genosse Eckert führte seine schneidige Kritik des Lebius und seiner Helfer zu Ende. Langanhaltender stürmischer Beifall folgte seinen Ausführungen. Daran knüpfte sich eine längere lebhafte Debatte. in der noch manches scharfe Wort der Kritik gesprochen wurde.— Die Broschüre wurde nunmehr auf Beschluß des anwesenden Ge- Werkschaftskartells unentgeltlich verteilt. Die Verschärfung der ßalhanltrlte. Die Rede des serbischen Ministers des Auswärtigen und der Beschluß der Skupschtina, der für Bosnien und die Herze- gowina die Autonomie unter europäischer Kontrolle fordert, haben die Situation auf dem Balkan neuerlich verschärft. Hatte die serbische Regierung sich zunächst damit begnügt, für die Annexion Bosniens territoriale Kompensationen, vor allem die Abtretung eines Gebietsstreifens für eine Ver- bindung Serbiens mit Montenegro und damit für einen direkten Zugang zum Meere zu fordern, so steigert sie jetzt diese von Oesterreich zurückgewiesenen Ansprüche durch das Verlangen der Autonomie für die annektierten Provinzen vollends inö Unerfüllbare, während Minister und Abgeordnete eine Sprache führen, die sonst nur unmittelbar vor Ausbruch des Krieges gehört wird. Noch überboten wird das Verhalten der Abgeordneten durch die Haltung der Presse. So erklärt das Organ der serbischen Kaufmannschaft, daß Europa sich nicht wundern dürfe, daß. da Oesterreich die serbischen Forderungen nicht erfülle, demnächst die serbischen Komitatschis. die Bandenkämpfer, ihre patriotische Arbeit damit beginnen werden, daß sie in— Wien Bomben»verfen. So wahn- witzig solche Drohungen klingen, so entbehren sie doch nicht jeder Grundlage. Daß Serbien zum Bandenkriege rüstet, ist gewiß, und glaubhafte Nachrichten versichern, daß im staat- lichen Arsenal Tag und Nacht an der Herstellung von Bomben gearbeitet wird. Daß der serbische Kronprinz sein altes Hand- werk der Kriegshetze in verstärktem Maße wieder aufgenommen hat. sei nur nebenbei bemerkt. Die österreichische Regierung hat gegenüber den serbischen Drohungen zu ernsten diplomatischen Vorstellungen gegriffen. Ihr Gesandter hat von dem Minister Milowanowitsch zunächst den authentischen Wortlaut der Rede verlangt, um, falls der telegraphische Bericht richtig wäre, Aufklärungen und Ent- schuldigungen zu verlangen. Die Wiener offiziösen Blätter erklären, daß Oesterreich die serbischen Heraus- forderungen nicht länger dulden könne, und die christlich- soziale„Reichspost" kündigt bereits ein österreichisches Ultimatum als bevorstehend an. Auf jeden Fall wäre ein Ueberschreiten der Grenzen durch serbische Banden für Oesterreich ein Kriegsfall. Die Demission des serbischen Kabinetts hat die kritische Situation nur noch weiter zugespitzt. Die Demission wurde ausdrücklich damit motiviert, daß das Kabinett das Vertrauen der Skupschttna nicht in einem solchen Maße besitze, wie es für die gegenwärtigen ernsten Verhältnisse notwendig sei. Der König nahm aber die Demission nicht an, da die Skupschtina nicht versammelt sei und die Krise daher nicht in parlamentarischer Form gelöst werden könne. Die Nichtannahme der Demission bedeutet aber, daß Milowanowitsch für seine herausfordernden Aeußerungen voll verantwortlich bleibt und die serbische Regierung damit vor die Frage gestellt ist, ob sie dem österreichischen Verlangen willfahren oder aber wirklich das Land in einen wahnwitzigen Krieg stürzen will, der die Gefahr in sich birgt, zu einem europäischen zu werden. Vorläufig scheint allerdings noch die Aussicht auf Erhaltung des Friedens zu überwiegen. Die Stelle in der Rede des serbischen Ministers, die in Oesterreich am meisten Anstoß er- ergt hatte, lautete nach. den ersten Berichten:„Während Oester- reich- Ungarns erster Schritt am Balkan darin bestand, daß er das Volk zweier serbischer Länder zu Sklaven machte". Im offiziellen Text lautet dagegen diese Stelle folgender- maßen:„Oesterreich- Ungarn, das die von Serben be- wohnten Provinzen sich zu eigen gemacht hat". Der offizielle Text lautet daher ganz anders als die tele- graphierte Stelle. Es mag sein, daß dies nachträglich hineinkorrigiert worden ist. Allein für den friedlichen Verlauf der Reklamation des österreichisch-ungarischen Ge- sandten ist es von Bedeutung, daß der offizielle Text die be- leidigenden Ausdrücke nicht in solcher Weise enthalten hat, wie sie im telegraphierten Text mitgeteilt worden sind. Aber diese Stelle ist nur eine von vielen, und es bleibt unsicher, ob auch die anderen Herausforderungen mehr oder weniger zurück- genommen werden, da Milowanowitsch auf die österreichischen Vorstellungen noch nicht geantivortet hat. Sind so die Beziehungen Oesterreichs zu Serbien äußerst krifische, den Frieden unmittelbar bedrohende geworden, so sind auch die zur T ü r k e i fortdauernd schlecht. Die Ver- Handlungen rücken nicht von der Stelle und der Boykott, der dem österreichischen Handel schwere Wunden schlägt, dauert in unverminderter Stärke fort. Auch hier ist eine Besserung noch gar nicht abzusehen. Es ist ohne weiteres klar, daß die gereizte Feindseligkeit und der hartnäckige Widerstand, dem die österreichische Politik, so sehr sie diesen auch durch die Dummheit der Annexion herausgefordert hat, begegnet, weniger gefährlich und leichter zu überwinden wäre, wenn nicht hinter den kleinen Balkan- staaten und der Türkei Großmächte stünden, die ein Interesse daran haben, den Konflikt am Balkan fortdauern zu lassen. Serbien und Montenegro sind nur die Werkzeuge der russischen Diplomatte. die, gestützt auf das Bündnis mit Frankreich und England, ihre Rolle als Protektorin der Balkanslawen wieder aufgenommen hat und den Ein- fluß des alten österreichischen Rivalen auf dem Balkan vollends vernichten will. England hat w der Türkei Deutschland aus der führenden Stellung verdrängt und will Oesterreich beweisen, daß ohne englische Zusfimmung jedes erfolgreiche Vorgehen unmöglich ist. Die beiden Mächte aber, die nur finanzielle und handelspolifische Interessen auf den Balkan zu verfolgen haben, D e u t s ch l a n d und F r a n k r e i ch sind durch ihre verderbliche Marokkopolitik getrennt, durch ihre Bundesgenossen gehemmt und unfähig zu einer energischen Initiative zur Aufrechterhaltung des bedrohten Friedens, deren Notwendigkeit sich gerade jetzt so geltend macht. So besteht der Konflikt auf dem Balkan in stets sich steigernder Schärfe fort und bedroht nun schon seit Monaten den Frieden Europas. Die europäische Diplomatte hat zum Teil nicht den Willen, zum andern Teil nicht die Fähigkeit, selbst für ein verhältnismäßig so kleines Prodleni die Lösung zu finden. Die Balkan- krise wäre nicht so gefährlich, wäre die europäische Bourgeoisie durch ihre imperialistische Polifik nicht in so heftige Gegensätze geraten, daß jeder an sich noch so unbedeutende Konflikt den Anstoß zu einem Weltbrand werden kann. Es ist das Pro- l e t a r i a t. dem jetzt allein die Aufgabe zugefallen ist. über die Aufrechterhaltung des Friedens zu wachen. Es war der„Vater- landslose", unser Genosse Kazlerovic, der inmitten des natio- nalistischen Wahnsinns, der die serbische Skuptschina und das serbische Volk ergriffen hat» gegen die Kriegshetze zu pro- testteren den Mut hatte. Aber als der serbische Sozial- demokrat als einziger für den Frieden sprach, da sprach er als Vertreter der Millionen Proletarier, die heute überall in der Welt mit starker Hand den Frieden schützen. Me Novelle Culenburg. Die„Kölnische Zeitung' hat. wie wir in der SonntagSnummcr schon telegraphisch gemeldet haben, offiziös bestätigt, daß eine Novelle zum Strafgesetzbuch ausgearbeitet ist und denr- nächst dem Bundesrat zugehen toll. WaS sie über den Inhalt des Entwurfs mitteilt, rechtfertigt die scharfe Kritik, die wir schon in der Nr. 804 deS verflossenen Jahres auf Grund der An- deutungen der Scherlpresse an dem neuesten Machwerk der reaktionären Justizbureaukratie geübt haben. Die mehr ins einzelne gehenden Angaben des rheinischen Blattes bringen nur zwei neue Momente, Einnial wird unter den Delikten, für die eine Milderung der Strafbestimmungen eintreten soll, auch der Arreslbruch genannt, Wichtiger ist, was die„Kölnische" über die geplanten Acnderungen der BeleidigungS Paragraphen mitzuteilen hat. Sie schreibt dazu: „Dem Vernehmen nach will der jetzige Entwurf nur ein- greifen, um den Beleidigten, der Schutz gegen die Verletzung seiner Ehre sucht, in dem Strafversahren vor neuen Kränkungen zu bewahren, denen er zufolge der Zulassung des Wahrheitsbeweises jetzt leicht ausgesetzt ist. In Anlehnung an einen in vielen Gesetzgebungen des AuSlanoeö anerkannten, in neuester Zeit amt, bei unS in der Oeffentlichkeit häufig empsohlenen Grundsatz, soll der Wahrheitsbeweis gegen- über der öffentlichen Verbreitung solcher Tatsachen eingeschränkt werden, die ausschließlich daöPrivatleben betreffen und daS öffentliche nicht berühren. Außerdem wird von dem Entwurf eine beträchtliche Erhöhung der für die öffentliche üble Nachrede vorgesehenen Geldstrafe und der dem Beleidigten zulommenden Buße in Aussicht genommen, um ähnlich wie in anderen Ländern iür Ehrabs, hneidungen. die tief in die bürgerliche Exss'tenz der davon betraffeiten Personen einschneiden, eine dem öffenltichen Rech.ogesiihl mehr entsprechende Ahndung zu schaffen." Die Novelle ist also im Geiste jener reaktionären Anschauung gehalten, wonach die Ehre eines Menschen davon abhängt, daß seilt Beleidiger sich entweder der Pistole oder dem Degen des Beleidigten stellt oder von Staats wegen hart an Geld oder Freiheit gebüßt wird. Daß wahre Ehre von solchen Bedingungen niemals abhängen kann, daß zur Vernichtung ehrenkränkender Behauptungen, zur Herstellung der in Frage gestellten Ehre nichts besser ist als der Wahrheits- beweis, das versteht sich für jeden, der nicht an erkünstelten unnatürlichen Ehrbegriffen leider, an, Rande. Gerade den Wahrheitsbeweis aber will die Novelle nach Möglichkeit unterdrücken! Um den Beleidigten„im Strafverfahren vor neuen Kränkungen � zu bewahren". Hm I Und das Recht des Angeklagten, zu beweisen, daß er nicht beleidigt, daß er die Wahrheit gesagt hat? Die offiziöse Begründung ist um eine Rechtfertigung und Beschönigung nicht verlegen. Der Wahr- heitSbeweis soll nur unterdrückt werden, wenn die Beleidigung in der Behonptnng von Tatsachen gefunden wird, die ,a u S s ch l i e ß- lich daS Privatleben betreffen und daS öffentliche Interesse nicht berühren". Wir verteidigen gewiß nicht die ekle Beschäftigung der Sen- sations- und Klatschpresse. Tatsachen de» Privatlebens, die die Oeffentlichkeit nichts angehen, I andern nur die niedrigen Instinkte eines verlotterten Lesepubtikums kitzeln, ans Licht zu zerren. Aber auch die ernste Presse kann gezwungen sein, Tatsachen des Privat- lebens zu enthüllen, weil sie öffentliches Interesse haben. Das ist z. B. der Fall, wenn das Privatleben einer in der Oeffentlichkeit wirkenden Persönlichkeit im Gegensatz steht zu den Grundsätzen, die sie öffentlich verficht, wenn sie gar heimlich das tut. dessen sie jene, die sie bekämpft, unberechtigterweise beschuldigt. Wie das ja bei Sozialistenvernichtern, die nicht genug zu schimpfen wutzten über die von der Sozialdemokratie angestrebte Karnickelwirtschaft und Teilerei auf Kosten der anderen, oft genug schon vorgekommen ist. Wer entscheidet nun, wenn die Novelle Gesetz wird, in solchen Fällen darüber, ob öffentliches Interesse vorliegt, ob der Wahrheits- beweis erlaubt ist oder der angebliche Beleidiger ohne weiteres verurteilt werden mutz? Zunächst die Staatsanwaltschaft; die politische Behörde, die auf Befehl von oben einzuschwenken hat. Endgültig die Richter, von deren.Objektivität", von deren durch Klassenvorurteile getrübten Blick gerade die Urteile in BeleidigungSprozeffen so mancherlei wenig Schmeichelhaftes erzählen I Der Kautschukbegriff.öffent- liches Interesse" wird sie zu den verwegensten Rechts- auSlegungen geradezu anreizen! Denn, wie ein Staatsanwalt auf dem letzten Juristentage zugestand, niemand weist, was dies berühmte„öffentliche Interesse" eigentlich ist, und die Staatsanwälte machen daraus, was sie wollen! Was zudem der Gang der Haiden- Prozesse erst vor einem Jahre jedem, der sehen will, mit schier auf- dringlicher Deutlichkeit gezeigt hat. Der Plan auf Unterdrückung de? Wahrheitsbeweises, der Ver« such, den Kautschukbegriff des„öffentlichen Interesses" als Füstangel in den Beleidigungsparagraphen des Strafgesetzbuchs auszulegen, ist ein unerhörter Angriff auf das Recht der Kritik, auf die Freiheit der Presse insbesondere. Und zugleich ein Eingeständnis, dast die herrschende Klasse, die„gute Gesellschaft" den Wahrheitsbeweis zu scheuen hat I Seit den Eulenburg-Prozessen sitzt ihr diese Erkenntnis in den angstschlotternden Gliedern. Seitdem ist der Ruf der Reaktionäre nach vermehrtem Schutz für die xartiss honteuses der Gesellschaft zun, lauten Schrei ge- worden. Nieder mit der Kritik, nieder mit der Wahrheit! ist ihre Losung. Und die gehorsame Regierung präsentiert sogleich zwei lossss Eulenburg— die eine in den Absätzen des neuen StrafprozestordnungSentwurfes, die den Umfang der Beweisaufnahme in die Willkür des Gerichts legen und die Oeffentlichkeit des Versahrens einschränken sollen, die andere in der jetzt angekündigten Strafgesetznovelle! IZwei leZos Eulenburg auf einen Schlag! Wie dringend must daS Bedürfnis sein! Wie schlecht das Gewissen I �# Die übrigen Mitteilungen der«Köln. Ztg." bestätigen, bah die Hulnanität deS RcichsjustizamtS bezw. des preußischen Justizministeriums, als deren Erzeugnis die Novelle gepriesen wird, nicht zu Vorschlägen langt, die die Straflosigkeit der unter dem unwider- stehlichen Zwange der Not verübten Diebstähle kleiner Quantitäten geringwertiger oder gar wertloser Gebrauchsgegenstände vorsehen. Es soll lediglich die Geldstrafe für solche Fälle vorgesehen werden. Die Geldstrafe, die die Aermsten der Armen, und solche fast aus- schliestlich begehen ja solche Delikte, schliestlich doch absitzen müssen. Wir haben in Nr. LOt vor. Jahres schon ausgeführt, was zu solcher„Re- form" zusagen ist und wollen hier nur noch daraufhinweisen, dast in Oesterreich Freisprechungen in solchen Fällen mit der Begründung des unwiderstehlichen Zivanges nichts Seltenes sind 1 Die Vorschläge der Novelle zum ErpresiungS Paragraphen sollen, wie die«Köln. Ztg." erklärt, auf eine Einschränkung deS ErpressuugsbegriffeS hinauslaufen, so dost also künftig Arbeiter und Arbcitervertreter, die einem bockbeinigen Unternehmer den Streik in Aussicht stellen, nicht mehr als Erpresser bestrast werden könnten. Es ist abzuwarten, ob die Vorschläge der Novelle Brauchbares bieten. Erbitterung must es indessen in den Reihen der Arbeiterschaft wecken, wenn das Blatt der rheinischen Kapitalisten sich stellt, als ob die jetzige Auslegung des Begriffs Erpressung auch die Unternehmer treffe, die Arbeiter mit Aussperrung bedrohen, falls sie nicht Lohnkürzungen hinnehmen. ES ist ja gerade das ungeheuerlich Aufreizende an dieser Blüte klassenstaatlicher Rechtsprechung, dast sie fleistig gegen Arbeiter, dagegen so gut wie niemals gegen Unternehmer ihre giftigen Düfte entsandt hat! Was der Gleichheit vor dem Gesetz natürlich keinen Eintrag tut. Wenigstens nach der Logik beamteter deutscher Juristen!__ politilcke GebcrHcbt. Berlin, den 5. Januar 1909, Wilhelm II- und die kommandierenden Generale. Unsere liberale Presse ist überglücklich darüber, daß Wilhelm II. in den letzten Wochen keine öffentlichen Ansprachen mehr gehalten hat. Als ob die öffentlichen Ansprachen, die sofort kommentiert werden, denen entschieden entgegengetreten werden kann, die schlimmsten waren! Daß aber Wilhelm II. auf Ansprachen überhaupt ver- zichtet, davon kann keine Rede sein! So hat er am' Neu- jahrstage den kommandierenden Generälen' eine Rede gehaltem in der er sich nicht etwa auf �militärisch- technische Dinge beschränkte, sondern auch allgemein politische Fragen erörterte. Wenn mau aber keine Militärdespotie will, muß man verlangen, daß der „oberste Kriegsherr" allgeniein politische Fragen entweder nur in vollster Oeffentlichkeit oder überhaupt nicht im Kreise seiner obersten Generäle zu erörtern hat! Nach dem„B e r l. T a g e b l.", das augenscheinlich über die Vorgänge bei der Neujahrsansprache sehr genau unter- richtet ist, hat Wilhelm II. sich besonders mit einem Artikel des ehemaligen Chefs des Generalstabes, Generalobersten Graf S ch l i e f f e n. identifiziert, der in der Januariiummer der„Deutschen Revue" erschienen ist. Dieser Artikel behandelte nicht nur militärische prägen, sondern auch das internationale Problem in scharf pointierter Form. So hieß es in dem Artikel: „Der gewaltige Aufschwung seiner Industrie und seines Handels hat Deutschland einen weiteren unversöhn- l i ch e n Feind eingebracht. Der Hast gegen den früher ver- achteten Konkurrenten lästt sich weder durch Versicherungen auf- richtiger Freundschaft und herzlicher Svmpathie mildern noch durch aufreizende Worte verschärfen. Nicht Gefühlsregungen, sondern das Soll und Haben bestimmen die Höhe des Grolls____" „Trotz der viel günstiger gewordenen Lage scheinen die Feinde ringsumher immer noch nicht zu den Waffen greifen zu wollen. Die vielen Bedenken sind noch nicht beseitigt. Auch nach der Trennung sind Oesterreich wie Deutschland noch immer zu stark. Sie sollen zunächst durch inneren Zwie- spalt geschwächt werden. In Oesterreich wird der Nationalitätenhadcr durch freundschaftliche Vorstellungen der Diplomatie, durch zum Kampf erniutigende Abordnungen und durch die Schlachtrufe der Presse emsig geschürt. Wie in Deutschland dergleich« Zweck mit einem kurzen Zeitungsartikel, mit hinterlistig zusammen- ge sie Ilten verjährten Anklagen zu erreichen i st, hat sich erst kürzlich gezeigt. Und doch ist für den ferneren Kampf, er mag mit den Waffen in der Hand oder mit anderen Mitteln geführt werden, wenigstens nach austen hin ein „einig Volk von Brüdern" nötig sowie eine große, starke, mächtige Armee, die von einer festen Hand ge- führt wird und von unbedingtem Vertrauen er- füllt ist." Wilhelm II. hat sich also durch die rühmende Zitierung und Glossierung des Schlieffenschen Artikels erneut auf den höchst bedenklichen Standpunkt gestellt, daß die Mächte nmd- um von Eifersucht und Feindschaft gegen Deutschland erfüllt seien, und daß das einzige Mittel, dieser Antipathie der Mächte zu begegnen, das sei, sich auf eine»große, starke, mächtige Armee"(und Flotte!) zu stützen,»die von einer festen Hand geführt wird!" Wilhelm II. hat also die Klagen unseres Liberalismus über das persönliche Regiment und seine schädlichen Aeuße- rungen damit beantwortet, daß er sich seinen obersten Gene- rälen gegenüber zu der Theorie des monarchischen Militär- absolutismus bekannte!_ Gegen die Belastung des Tabaks. � Eine von Zentrumsseite einberufene Protestversammlung der Tabakintereffenten des ganzen Riedcrrheins und des angrenzenden Westfalens fand in Rccd a. Rh. statt. Die Versammlung war von Arbeitern, Händlern und Fabrikanten austerordentlich gut besucht, auch wohnte ihr der Zentrumsabgeordnete des Kreises, Juftizrat Fritzen, bei. Nach einer gründlichen Aussprache wurde eine Rcso- lution angenommen, der wir folgendes entnehmen: ..... Die Versammlung wendet sich insbesondere mit allem Nachdruck gegen d-ie in letzter Zeit mehrfach aufgetauchte Mei- nung, es handle sich nur insoweit um eine Gefahr für die Tabak- industrie, als die Banderole als Bcstcuerungsform gewählt wird. Eine jede Steuererhöhung, die ein irgendwie gröstercs sinan- zielles Ergebnis zeitigen soll, trifft nachgewiesenermaßen den Massenverbrauch, da bekanntlich 62'A Proz. des Gesamtkonsums aus Zigarren entfällt, die bis zu 7 Pf. kosten. Es ist auch weiter- hin mit unanfechtbaren, stichhaltigen Gründen nachgewiesen, daß die Konsumenten die große Ausgabe, da ihnen auf einmal bis zu 25 Proz. Mehrbelastung zugemutet wird, nicht tragen werden. Ein massenhafter Aerbrauchsrückgang wird eintreten...... Die bisherige Erfahrung und die gegenwärtige, gewist nicht be- sonders günstig gestaltete Lage des TabakarbeiterstandeS lehrt aber weiter, dast— entgegen verschiedentlich geäußerten Mei- nungcn eine Steuerform, die den Arbeiter nicht in letzter Linie am härtesten trifft, nicht gefunden werden kann. Es ist daher auch ein Irrtum, wenn verschiedene, dem Arbeiterstande sonst nicht abgeneigte Kreise glauben, eine irgend ertragreiche Steuer- form finden zu können, die nur auf den Fabrikanten oder sonstigen Interessenten, ohne Einschluß der Arbeiter, lasten werde. Die Versammlung faßt daher ihre Meinung in folgender Weise zusammen: 1. Von den verschiedenen Steuermöglichkeiten kommen die Einführung und der Ausbau der Flächen- und Materialsteuer aus den verschiedensten Gründen, besonder? wegen ihrer leicht zu ungerechten Härten fiihrenden Erhebungs- und Einschätzungs- crschwerung und auch wegen ihrer ungenügenden Ertragsmöglich- ketten nicht in Betracht. In besonderem Maße wendet sich die Versammlung gegen die von verschiedenen Seiten in Vorschlag gebrachte Erhöhung des Rohtabakzolles und die bei ihm in mannigfacher Beziehung undurchführbare Wertstaffelung. 2. Die Fabrikatstcucr in jeder Form, besonders aber in der von der Regierung gewählten Bcsteuerungsart, der Banderole, ist aus den in durchschlagender Weise von allen objektiven Sach- verständigen, auch von verschiedenen Rednern deS Reichstage» dargelegten Gründen so schädigend und vielfach vernichtend für die gesamte Tabakindustrie,-besonders aber für die in ihr be- schäftigte Arbeiterschaft, dast sie unmöglich eingeführt werden darf, wenn nicht unabsehbare verheerende Folgen eintreten sollen. 3. Aus den bereits betonten Gründen erwartet die Ver- sammlung von dem hohen Reichstage, daß er alle Versuche und Vorschläge, eine höhere Besteuerung des Tabaks herbeizuführen, ablehnen wird. Die mehr als 200 000 deutschen Tabakarbeiter, die vielfach ein kleines Gütchen haben, das aber einen indu» striellen Haupterwerb notwendig niacht, könnten eS nicht verstehen, wenn der Reichstag einer Steuer zustimmen würde, die Zchntausende von ihnen schädigen müßte infolge von Arbeits- losigkeit, Lohndruck, notwendig werdender Verschleuderung kleiner Heimstätten usw., da ein Wegzug unvermeidlich würde, weil die Tabakindustrie vielfach in solchen Gegenden verbreitet ist, wo sonst keine Erwerbsmöglickffeit besteht. Unsagbare Not müßte infolgedessen eintreten. Wir richten daher die ergebenste Bitte an den hohen Reichstag, unsere Industrie von jeder weiteren Be- lastung zu verschonen und bei der Negierung Verwahrung gegen die fortwährende Beunruhigung durch immer wiederkehrende Steuerpläne einzulegen."_ Preußische Sparsamkeit. Im Bezirke der Eiscnbahndirektion Essen war es bisher üblich, dem im Fahrdienst beschäftigten Personal eine Neujahrsgratifika- tion in Höhe von 30 M. pro Kopf zu gewähren. Diese Gratifikation ist dieses Jahr in Wegfall gekommen; ob auch für die Bureau- bamten, ist uns nicht bekannt. Jedenfalls fängt aber die Spar- samkeit im Reich und in Preußen sehr vielversprechend an.— Minister v. Breitenbach spart bei den unteren Beamten— und Staatssekretär v. Tirpitz hat damit mit seiner Sparsamkeit be- gönnen, daß er die Verwendung von teuren Stahlfedern unter- sagte.__ Der Besuch des Königs von England in Berlin. Der nach langem Bemühen und nach diversen Fehlschlägen endlich in Aussicht stehende Besuch des Königs von England in Berlin gibt der bürgerlichen Presse Anlaß zu lebhafter Diskussion. Englischen Zeitungen ist von Berlin aus berichtet lvorden, daß der König von England eine besonders warme Ausnahme kaum finden dürfte. Die Scherl- Presse beeilt sich, dies mit aller Entschiedenheit zu bestreiten, und sie kann das, denn eS dürfte nicht schwer halten, einige tausend Menschen, die nichts zu tun haben, auf die Straße zu bringen, damit sie beim Einzug des Königs von Eng- land aus Leibeskräften schreien. Auch der Oberbürgermeister Kirschner ist bereits wieder beauftragt worden, den König von England unter freiem Himmel mit dem Hut in der Hand zu be- grüßen._ Ein Erfolg der deutschen Diplomatie. Unsere vom Pech offenbar stark verfolgten Diplomaten können auf einen Erfolg zurückblicken. Dr. Zintgraff, der bisher Geschäfts- träger am Hofe des Kaisers von Abessinien war, ist nach Deutschland zurückgekehrt. Der Kaiser Menelil verlieh dem deutschen Diplo- maten den Salomonsorden und ernannte ihn zum Dedschaßmadsch, welcher Titel dem Grad eines Herzogs entsprechen soll.— Das ist zwar nicht besonders viel, aber in der an Erfolgen so armen Zeit mutz man für alles dankbar sein. „Schinderknechte". Unter dieser Ueberschrift brachte der„Vorwärts" am 4. August einen Leitartikel, der sich in scharfer, aber treffender Weise gegen die Soldatcnmitzhandlungcn im Heere richtete. Der Artikel ist von einer Reihe Parteiblätter, unter anderem auch von der Dort- munder«A rbei t e r-Z e i trrn g", zum Abdruck gebracht worden. Gegen diese Blätter ist aus Antrag des Kriegsministers wegen angeblicher Beleidigung der sämtlichen Offiziere und Unteroffiziere des Heeres Strafantrag gestellt worden. Eine Verband- lung, die wenige Tage vorher bor dem OberkriegSgericht in Berlin stattgefunden, hatte den äußeren Anlaß zu dem Artikel gegeben. In dem Prozeß wurden unglaubliche Mißhandlungen von Soldaten durch sechs Unteroffizier in mehreren hundert Fällen festgestellt. Einem Soldaten war durch einen Schlag das Trommelfell geplatzt. Ein anderer Gardist war öfter als 100 mal geschlagen worden. Der Artikel knüpfte an diesen Fall an und legte die Rechtlosigkeit des gemeinen Soldaten gegenüber solch flegelhaften Vorgesetzten dar. Der Artikel kritisierte besonders, daß den Soldaten auch gegen die gemeinsten Angriffe der mißhandelnden Vorgesetzten nicht einmal das Recht der Notwehr zuerkannt werde. Pflicht des Proletariats sei es. die in den Kasernen gröblich besudelte Menschenwürde aufzurichten. Schon am Montag sollte wegen des Artikels gegen den Ge- nassen Nottebohm, Redakteurs der Dortmunder„Arbeiter- zeitung", vor der Dortmunder Strafkammer verhandelt werden. Genosse Nottebohm ließ aber durch seinen Verteidiger Rechts- anwalt Frank- Dortmund diejenigen Mitglieder des Gerichtshofes, die Reserveoffiziere sind, als befangen ablehnen. Außerdem beantragte der Verteidi- ger die Ladung des Kriegsministers von Einem, des Erb- Prinzen von Meinrngen, sowie der Mikitärschriftsteller Gaedtke, von Miller, Goldbeck und K r a f f t. sämtlich frühere Offiziere. Das Gericht erklärte den Ablehnungsantrag für begründet und beschloß aus diesem Grunde die Vertagung. Der Verteidiger wurde vom Vorsitzenden ersucht, die angekündigten Beweisanträge schriftlich einzureichen. Ucber die Ladung der Zeugen soll dann beschlossen werden. Der Jahresbericht der Hamburger Handelskammer. Wie die schriftstellerische Leistung eines Scharfmacherhaus- knechts liest sich der Jahresbericht der Hamburger Handelskammer für 190 8. Im ersten Teile deS Berichts wird geklagt über die schweren Wirkungen der finanziellen Krisis Ende des Jahres 1907, wodurch Hamburgs Handel und Reederei stark in Mitleidenschaft gezogen worden seien. Ter Wirkungen der hohen Zölle wird nur in wenigen Zeilen gedacht, weil die Han- delsbammer ganz einseitig den Standpunkt der Export- i n d u st r i e vertritt. „Gerade seit dem Niedergange der Konjunktur wird der Druck, den die hohen Zölle aus die Halbfabrikate verarbeitenden Indu- strien ausüben, wesentlich stärker empfunden, und machen sich die Nachteile des neuen Zolltarifs empfindlicher als bisher geltend." Daß es außer den Handelsherren und Reedern auch noch andere Leute mit Konsumcnteninteresse gibt, daran scheint � die Handelskammer gar nicht gedacht zu haben. Dieser egoistische Jnteresscnstandpunkt wird bei allen Betrachtungen weiter ge- spönnen; alles darf eben nur den Handels- und Schiffahrtsinter- essen dienen. Im Kapitel«Sozialpolitik" geht der Geist der Bueck,- Beumer, ReiSwitz, Tille und Genossen um. Es wird dort vor einer Ueberspannung sozialpolitischer Maßnahmen gewarnt, durch die das deutsche Wirtschaftsleben bedroht, die deutschen Industriellen in ihrer Konkurrenz auf dem Weltmarkte geschwächt sein sollen. Neue soziale Lasten zu tragen sei die gesamte Produktion nicht imstande! Daß sich trotz der«sozialen Fürsorge" der Wert der Einfuhr Deutschlands in den letzten 20 Jahren beinahe verdreifacht und der Wert der Ausfuhr mehr als verdoppelt hat, davon weiß der Bericht nichts mitzuteilen! Dann wendet sich der Bericht gegen eine weitere Gewährung von Rechten an die Arbeiter auf sozialpolitischem Gebiete, wie er solche von einer Vereinheitlichung der Arbeiter- Versicherung befürchtet. Ferner wird Trübsal geblosen über dir geplante Witwen- und Waisenversorgung, wobei der Hoffnung Ausdruck gegeben wird, daß unter dem Druck des De- fizits im Reichshaushalt die Bestimmungen des neuen Zolltarif. gesetzcs abgeändert werden könnten. Die öffentlich-rechtliche Vertretung der Ar- bei t er in Gestalt von Arbeits kam mein lehnt dir In- dustriekommission der Handelskammer rundweg ab, denn:', «Die Vertretung der Gesamtproduktion liegt in den Händen der auf gesetzlicher Grundlage beruhenden Landwirtschafts-, Handels- und Handwerks-(bezw. Gewerbe-jkammern; aus ihrem Vorhandensein kann nicht auf die Notwendigkeit der Errichtung von Vertretungen für die Interessen der Arbeiter geschlossen werden, da die Arbeit als Glied der Produktion bereits in den bestehenden, gesetzlich berufenen Organisationen mit vertreten ist. Die besonderen Interessen der Arbeitnehmer finden einerseits in den privaten Arbeitnehmerorganisationen in vollkommen zu- reichendem Umfange Vertretung; andererseits dürfte die in der kaiserlichen Botschaft von 1890 gegebene Zusage bereits in hin- reichendem Maße in den durch die soziale VersicherungSgesctz-, gebung, Gcwerbegerichte usw. geschaffener» Arbeitnehmervcr- tretungen erfüllt sein." Auf diese„Mitvertretung" verzichtet die Arbeiterschaft. Ein weiteres Wort der Kritik an diesem Erguß schöner Seelen halten wir für überflüssig. In hellen Zorn versetzt ist die Handelskammer durch den Be- schluß des Kaufmannsgerichts zu Hamburg vom S. Oktober 1903, eine Aendcrung der Gewerbeordnung anzuregen, wonach in Ergänzung des s 1S3 der Gewerbeordnung bestimmt werden soll, daß unter Androhung der Straf- b e st i m m u n g im ß 1 S 3 den Arbeitgebern in Handel, Industrie und Gewerbe untersagt sein solle, Angestellte oder Ar- beiter wegen ihrer Zugehörigkeit zu Bcrufsvcr- einen durch Eintragung in schwarze Listen oder Einrich. tungen anderer Art um ihre Stellung zu bringen oder sie aus diesem Grunde oder anderen Gründen an der Erlangung einer neuen Stellung zu hindern. Aus den gegen diesen Selbst- verständliches enthaltenden Beschluß borgebrachten„Argumenten" ist ersichtlich, daß die Prinzipale sich das Recht der Maßregelung nicht nehmen lassen wollen. Was die Rcichsfinanzreform anlangt, so ist der Be- richt mit der stärkeren Steuerbelastung des Bieres, Branntweins und Tabaks und ebenso einer Heranziehung des Weines e i n v e r- st a n d e n, nur gegen die Formen werden Bedenken geäußert. Die Erhebung der Nachlaßsteucrn müsse den Einzelstaatcn vor- behalten bleiben. Wie in den vorher erwähnten Punkten, so kommt auch in diesem kein einziger liberaler Gedanke zum Vorschein. In der Jahresversammlung„Eines Ehrbaren Kaufmannes zu Hamburg" wurde dieser Bericht in allen Teilen von einigen wirklich liberalen Kaufleuten scharf kritisiert, während die von Scharsmacherallüren befallenen«Ehrbaren" ihn verteidigten! Die Gas- und Elektrizitätssteuer im hessischen Landtag. Darmstadt, den 6. Januar. In der Zweiten Kammer richteten Abgeordneter Pagenstecher und Genossen eine Anfrage an die Re- gierung wegen ihrer Stellungnahme zur Gas- und Elektrizitäts- ltcuer im Bundesrat. StaatSministcr Ewald führte aus, obgleich die Absicht, die Produktionsmittel einseitig mit einer Steuer zu be- legen, grundsätzlich bedenklich erscheine, so habe doch das unabwcis» bore Bedürfnis des Reiches nach Erschließung neuer Steucrquellcn und, der völlige Diangel an geeignetem Ersatz genötigt, den Vor- schlag einer Gas- und Elektrizitätssteuer nicht von der Hand zu Weisem Zugunsten dieser Steuer spreche ferner die verhältnismäßig niedrige Belastung des Einzelnen, für die sich wieder ein Ausgleich finden lasse. Insbesondere wäre zu berücksichtigen, daß von den vorgeschlagenen Verbrauchssteuern die hier in Rede stehende am meisten die Erwartung erfüllen würde. Erträgnisse zn liefern und zur Gesundung der Rcichsfinanzen beizutragen. Schließlich müsse in Betracht gezogen werden, dag bei dieser Steuer im Gegensatz zur Weinsteuer besondere Interessen des Großhcrzogtums nicht in Frage kämen. Deshalb habe die Regierung im Bundesrate für den Entwurf einer Gas- und Elektrizitätsstcuer gestimmt. Nach Beratung einer Adresse zur Beantwortung der Thronrede vertagte sich die Kammer auf unbestimmte Zeit. Genosse Rohhaupter, bayerischer Landtagsabgeordneter und bisher Eisenbahnbeamter in der Zentralwerkstätte der bayerischen Staatsbahnen, ist aus seinem Arbeitsverhältnis zum Staat ausgeschieden und hat das Amt eines GewerkschaftssekretärS übernommen. Im Hinblick auf die Matz- rcgeluug des sozialdemokratischen Lehrers und Landtagsabgeordneten Hoffmann nahm die bürgerliche Presse an, daß auch Rotzhaupters Ausscheiden aus dem Staatsdienst nicht ganz frei williig er- folgt sei. Die»Fränkische Tagespost" zu Nürnberg erklärt dagegen: „Wir können den Herrschaften die Versicherung geben, daß auf den Abgeordneten Noßhaupter von keiner Seite eingewirkt wurde, seinen Beruf aufzugeben. Auch nicht der leiseste Druck wurde auf unseren Genoffen von irgendeiner Seite ausgeübt. mit Ausnahme seiner Organisation, die sich die erprobte agitatorische Kraft uneingeschränkt sichern wollte. Die anderen bayerischen Parteiblätter haben sich zu der Sache noch nicht geäußert. Die Vermutungen der bürgerlichen Presse zeigen, wie sehr be- denklich das VertuschungSsystem ist, das die meisten bayerischen Parteiblätter beim Fall Hoffntann belieben. Arm und reich in Württemberg. Aufschluß über die Einkommensverhältnisse der verschiedenen Bevölkerungsschichten in Wüttent- b e r g gibt eine»Statistik der württembergischen Einkommensteuer für 1906", bearbeitet im Auftrage des Finanzministeriums und des Steuerkollegiums, veröffentlicht im f. Heft der„Wllrttembergischen Jahrbücher für Statistik und Landeskunde", Jahrgang 1998. Ein paar sttter- essante Angaben seien hier wiedergegeben. Vorweg sei bemerkt, daß in Württemberg Einkommen von 500 Mark an zur Steuer veranlagt werden, daß das Einkommen von Mann und Frau zu sa nun engerechnet wird. um eine möglichst hohe steuerpflichtige Summe herauszubekommen: sogar das Einkommen der unter elterlicher Gewalt stehenden Kinder, soweit dasselbe nicht aus eigener ErwcrbStätigkeit der Kinder fließt oder der Nutznießung des Familienoberhauptes sonst entzogen ist, ist dem Einkommen des Familienhauptes zuzurechnen, die Gesamtsumme als Einheit zu versteuern. Unfall- und Invalidenrenten, Weihnachtsgeschenke der Dienstboten, Trinkgelder usw. sind ebenfalls dem Einkommen zuzurechnen. Selbstverständlich gilt auch der Mietswert der Wohnung im eigenen HauS, gelten die zum eigenen Bedarf des Steuer- Pflichtigen verbrauchten Erzeugnisse des eigenen lano- und forst« wirtschaftlichen Betriebes ustv. als geldwerte Einkommensteile. Steuerermäßigung genießen Steuerpflichtige mit einem steuerbaren Einkommen von weniger als 2000 M.. wenn sie ver- heiratet sind und einen gemeinsamen Haushalt führen oder wenn sie verwitwet sind und Kinder unter 13 Jahren zu unterhalten haben. Sie werden um eine Steuerstufc herabgesetzt, bei drei und mehr Kindern um zwei Stufen. 2000—3200 M. Einkommen und drei unselbständige Kinder begründen die Herabsetzung um eine Stcuersiufe. Diese kurzen Angaben sind zur richtigen Bewertung der Zahlen nötig. Bemerkt sei noch, daß 4033 Personen Vereinigungen und Stiftungen(Aktiengesellschaften, Genossenschaften, Vereine und so weiter) für ein Einkonimen von 44 532 430 M. an Steuern 1 834 190 M. zu entrichten hatten. Bei einer Einwohnerzahl Württembergs von 2 302179 waren zur Einkommensteuer veranlagt 031 030 Einzelpersonen. Das heißt, ihr Jahreseinkommen wurde auf 500 M. und mehr geschätzt. Von den Veranlagten mußte man aber 21444 gänzlich steuerfrei schreiben, weil nach den gesetzlichen Abzügen(für Schuld- zinsen usw.) keine 500 M. Einkommen mehr blieben. Es blieben somit 009 580 wirklich besteuerte Einzelpersonen mit einem Gesamteinkommen von 1030 810 400 M. Nach den gesetzlichen Steuerermäßigungen(für Kinder usw.) blieb noch ein steuerbares Einkommen von 963 210 039 M. Bon den 609 586 Steuerpflichtigen versteuerten ein Einkommen von 500 bis 6.50 M. 120 825 Personezt, von 650 bis 800 M. 88 568 Personen, 800 bis 950 M.(genau 949,99 M.) 75 349 Personen; also fast die Hälfte der Steuerpflichtigen, 293 742 Per- sonen, erreicht trotz der Zusannnenrechnung des Arbeitsverdienstes von Mann, Frau und Kindern, trotz Versteuerung der Trinkgelder, des Ueberstundenverdienstes, der Geschenke usw. noch nicht einmal ein Jahreseinkommen von 950 M.! Nun die Kehrseite: 60 Steuerpflichtige versteuern ein Jahreseinkommen von 200 000 M. u n d mehr im Jahre, insgesamt 20 693 728 M. Ein Einkommen von 30000 M. und mehr haben insgesamt 1117 Personen, die insgesamt 81 496 671 M. Einkommen jährlich vrrsteuern I Bei einem steuerbaren Gesamteinkommen von 1030861406 M. und 609 586 Steuerpflichtigen treffen auf den einzelnen im Durch- schnitt 1091 M. Einkommen. 463 114 Personen, das sind über 75 Proz. der Steuerpflichtigen, erreichen aber dieses Durchschnitts« einkommen nicht! Sie versteuern von 500 bis nicht ganz 1550 M. Sie aste würden also bei einer rohen mechanischen Teilerei, wie sie von den Gegnern der Sozialdemokratie als unser Ziel ausposaunt wird, von 141 bis 1191 M. jährlich an Einkommen aufgebessert werden! Zieht man weiter in Betracht, daß eine nicht geringe Zahl Personen überhaupt nicht zur Steuer ver- anlagt werden kann, weil ihr Einkommen noch unter 500 M. bleibt, so ergibt sich, daß auch bei der rohen mechanischen Teileret mindestens 80 Proz. der Bevölkerung nur zu ge- Winnen hätte!—_ Mitgiftsteuer. In den„Annalen für Gesetzgebung und Verwaltung" empfiehlt ein Dr. Grabowsky zur Beschaffung der Mittel für die Witwen- und Waisenversicherung eine Steuer auf Brautausstattungen. Die Steuer soll bei einem Werte von 3000 M. einsetzen. Damit aber kein Paar, das in den Stand der Ehe tritt, leer ausgeht', soll bei jeder Eheschließung noch eine besondere Steuer erhoben Werden, die mit 20 M. einsetzt und mit der Höhe des Vermögens steigt. Dernburg über seine Kolonialreisen. Staatssekretär Dernburg wird über seine Reisen nach Süd- wcstafrika in der Budgetkonimission des Reichstages einen Vortrag halten. Zu seiner Unterstützung hat er den Gouverneur Schuck- mann, der zcrn von seinem Wirkungskreis in Deutschland auf Ur- loub weilt, beordert. Bei dieser Gelegenheit werden den Mit- gliedern 23 Rohdiamanten gezeigt werden, die angeblich in Süd- westafrika gefunden worden sind. Oefterreick. Ter böhmische Landtag. Prag, 4. Januar. In einer heute abgehaltenen Sitzung der deutschen Landtags- und Rcichsratsabgeord- n e t e n wurde beschlossen, die Obstruktion im böhmischen Landtage f o r z u s« tz c n,— fwmhreicb. Ministerberatung. 'Ptttii, 5. Januar. Der heutige M i n i st c r r a t beschloß, den Kammern bei ihrem Wiederzusammentritt ein A m n e st i e g e s e tz betreffend die Ereignisse in'D r a vc i l— V i g n e u x in Vorschlag zu bringen. Der Minister des Aeutzern P i ch o n machte Mit- teilungen über die auswärtige Lage, namentlich über die Orten t- frage und über die Weisungen, die dem Gesandten Regnault für seine Reise nach Fes zu M u l a y H a f i d gegeben worden sind. Diese Weisungen entsprechen den im Parlament abgegebenen Er- klärungen und atmen den Geist der internationalen Verträge be- treffend Marokko wie der besonderen Uebereinkommen, die Frank- reich mit Marokko abgeschlossen hat. Sie umgrenzen die Bc- dingungen, unter denen die Räumung des Schauja- g e b i e t e s nach und nach erfolgen soll, indem sie Aufklärung geben über den Gebietsumkreis, in dem Mulay Hafid für die Sicherung der Ordnung nach Maßgabe der fortschreitenden Räu- mung zu sorgen haben wird. Außerdem beriet der Ministerrat noch über die Steuerreform und die Frage der Todesstrafe.— Rußland. Die Orgie des Henker». Außer den in Jekaterinoslatv zum Tode ver- urteilten 32 Revolutionären wurden dortselbst vom Militär- gericht noch weitere neun Personen zum Tode ver- urteilt; ferner wurden in Charkow zwei. in Jeka- terinodar sieben, in Lodz fünf und in I e k a t e- r i n o s l a w und Orel je zwei hingerichtet. Ins gesanit wurden an diesem einen Tage, dem zweiten Januar, 50 Todesurteile und 13 Hinrichtungen gemeldet. Der Prozeß in Jekaterinoslaw erfolgte wegen Beteili- gung an dem glorreichen revolutionären Eisenbahner- st r e i k vom Jahre 1905, dessen unmittelbare Folge die Ver- kündigung der Konstitution war. Jetzt nach mehr als drei Jahren hat sich die wieder zur Herrschaft gelangte Ordnungs- kanaille an den Heloten der russischen Freiheit gerächt. Von den zuin Tode Verurteilten haben sich zwei mit Cyankali ver- giftet, um der Hinrichtung zu entgehen. Das mißglückte Attentat. Petersburg, 5. Januar. Die Polizei hat einen jungen Menschen verhaftet, der, wie nunmehr festgestellt ist. daS im Cafü Centtal explodierte Sprenggeschoß dahin gebracht hatte. Cürkeu Vom türkischen Parlament Konstantinopel, 1. Januar.(Eig. Ber.) Das neueste Ereignis des Tages ist, daß das türkische Parlament hoffähig geworden ist. Die Mitglieder der Dcpuiiertcnkammcr waren gestern vom Sultan zu einem Bankett im Jildis eingeladen. Der Präsident Ahmed Risa Bey hielt an der Spitze seiner Getreuen, des jungtürkischen Blocks, seinen Einzug in den Jildis. Abdul Hamid hat diese Stunde für die schönste seines Lebens erklärt und nach dem Beispiele anderer Monarchen eine längere Ansprache gehalten. Abdul Hamid, der schweigsamste, zugeknöpfteste aller Potentaten, ist nun auch unter die Redner gegangen. Das nationalistische Blatt„Der Tanin", dessen temperamentvoller Chefredakteur, der Abgeordnete Hussein Dschahid, besonders von dem Monarchen ausgezeichnet worden zu sein scheint, ist darüber bis in den siebenten Himmel verzückt. Diese Momente, wo man Ahmed Risa dem Monarchen bei Tische in humorvoller Weise die Leiden seines Exils erzählen hörte, waren allerdings ein Ereignis» wie cS die türkische Geschichte noch nicht gesehen hat. Avdul Hamid, der dem Berichte des„Tanin" zufolge vor Freude weint— die Geschichte hat selten eine solche Sinnes Wandlung erlebt. Man steht damit vor einem Rätsel— ein Rätsel, für welches die Zukunft und kommende Ereignisse eine Lösung bereit halten. Die türkische Tcputicrtenkammer hat ihren Frieden mit der Regierung gemacht. Das wird immer deutlicher zutage treten. Von wirklichen politischen Kämpfen ist»och nicht die leiseste An- dcutung zu finden. Selbst der Ansturm gegen das Kabinet Kiamil Paschas beruht auf rein persönlichen Motiven. Der jungtürkische Block läßt keinen Widerstand aufkommen gegen die diktatorische Tätigkeit, welche Ahmed Risa ausübt und voraussichtlich noch schärfer ausüben wird. Die freisinnige Partei des Prinzen Sabaheddin wird mit roher Gewalt bedroht. Das Komitee scheut sich nicht, gegen militärische Mitglieder dieser Partei die ihr zu Gebote stehenden Machtmittel zu gebrauchen und Strafversetzung über sie zu ver- hängen. So erhält der ursprünglich revolutionäre Charakter des Komitees, wie es mit bürgerlichen Revolutionsparteien in anderen Ländern so oft gegangen ist, eine immer mehr nationalistische und chauvinistische Färbung. Mit Spannung wird die Rcchenschafts- ablegung Kiamil Paschas vor der Kammer erwartet. Der jung- türkische Block wird sich mit erdrückender Majorität gegen ihn wenden, wenn man den heftigen Angriffen, die das hiesige jung- türkische Organ„Schnra-i-ümmet" und der„Tanin" gegen ihn unternommen haben, trauen soll. Ein großes Licht in der aus- wältigen Politik ist Kiamil Pascha sicher nicht. Die Türkei ver- dankt ihm den Verlust Ostrumeliens. Was man zu seinen Gunsten sagen kann, ist, daß er der Anhänger einer Friedenspolitik um jeden Preis ist. Ein von ihm abhängiges Blatt, die„Jeni Gaseta", befürwortet die von Rußland angepriesene Idee eines Balkan- bundes.„Der Balkanbund, das ist der Frieden", ist die Parole dieses Flügels der türkischen Liberalen, während daS andere Blatt, das bis jetzt dem Ausdruck der cnglisch-russischen Politik diente, der „Jkdam", jetzt der serbischen Propaganda und dem panslawistischen Locken gegenüber eine vorsichtigere Stellung einnimmt. Es hat so- gar einen Artikel des bulgarischen sozialistischen Blattes„Edinstwo" in Saloniki abgedruckt, welches den unheilvollen Einfluß dynastischer Intrigen und Hoftabalen auf die Politik der Balkanstaaten nach- wies und heftig gegen den Nationalismus zu Felde zog, der jetzt von allen SeTken sein Haupt erhebt. Die großen sozialen Fragen, deren Lösung allein dem Balkan den Frieden bringen kann, werden schwerlich in dieser türkischen Kammer gelöst, ja vielleicht kaum erhoben werden. CKina. Em Aufstand in der Mandschurei. Amoy. 6. Januar. Hier sind amtliche Nachrichten über eine Meuterei unter den chinesischen Truppen in der Mandschurei, in der Nähe von Mulden, eingegangen, wonach am vergangenen Sonntag zwischen tausend aufständischen Soldaten und regierungstreuen Truppen ein Gefecht stattgesundeit hat, bei dem die Aufrührcr geschlagen wurden. Nach Gerüchten, die in Ein- geborenenkreisen umlaufen, sollen die RegierungStruppen geschlagen sein und 60 Mann verloren haben, so daß Ber- stärkungen verlangt werden. Die Aufständischen befinden sich, wie es heißt, in einer uneinnehmbaren Stellung; in Amoy würde für sie geworben und pro Mann und Tag ein Dollar geboten.— Juaushikai» Sturz. London, 5. Januar. Wie das Reutersche Bureau erfährt, hält die englische Regierung die durch den Sturz Duan- shikais geschaffene Lage für ernst, und angesichts der Gefahr für die ausländischen Interessen findet zwischen dem englischen Bot« ichaster und seiner Regierung ein Meinungsaustausch über Vor- stellungen bei der chinesischen Regierung statt. Die Meldung einer englischen Zeitung, daß Duanshikai nach England entflohen sei, wird dementiert. Zuanshikai habe sich nach seiner Heimatsprovinz begeben. Indien. Kämpfe zwischen Mohammedanern und Hindus. Kalkutta, 5. Januar. In Titaghur bei Kalkutta kam e» zu erneuten Zusammenstößen zwischen Mohammedanern und Hindus, wobei eine Moschee angegriffen und teilweise zer- stört sowie mehrere Mohammedaner getötet wurden. Erst durch Einschreiten von Militär gelang es. die Ruhe wieder her- zustellen. Tie Lage ist ernst, da die Mohammedaner wegen der Entweihung ihres Gotteshauses auf die Hindus sehr erbittert sind. Viele Hindus von Titaghur haben sich nach Kalkutta geflüchet.— sraucvmorä in IDerlln so. In ihrer Kellerwohnung Mariannensiraße 30 wurde gestem abend die 34jäbrige Portierfrau Rachut ermordet auf» gefunden. Als Mörder kommt der eigene Mann in Frage, der nach Vcrübung der Tat flüchtig geworden ist. An Einzelheiten werden uns in später Nachtstunde zu dem Verbrechen noch folgende Mitteilungen gemacht: Gleich nachdem die Bluttat zur Kenntnis der Kriminalpolizei kam, eilte die sogenannte Kommission für besondere Angelegenheiten unter Führung deS OberregierungSrates Hoppe nach der Mord« stelle, um den Tatbestand aufzunehmen. Die Leiche der Frau R a ch u t lag in der Schlafftube und wies mehrere Stich- w u n d c n i m G e s i ch t a n f. Da von der Küche nach dem Fundort in der Schlafstube Bluispuren führen, ist anzunehmen, daß der Täter die tödlichen Stiche in der Küche ausführte. Der flüchtig gewordene Mann ist Schleifer und steht im 38. Lebensjahre. Roch gestern früh wurde er in dem Hause Mariannenstr. 30 gesehen, als er die Treppen reinigte. Zur Rede gestellt, warum die Frau die Reinigung nicht besorge wie gewöhnlich, antwortete er, sie sei krank und liege zu Bett. Als der Mann dann am Nachmittag verschwand und die Wohnungstür der Frau Rachut verschlossen war. schöpfte man Verdacht und ließ die Kellerwohtmng gewaltsam öffnen, wodurch die Bluttat aufgedeckt wurde. Trotzdem die Kriminalpolizei sofort die Verfolgung des Mörders aufgenomnien hat, konnte bis Mitter- nacht doch noch keine Spur von ihm gefunden werden. » Amtlich wird über den Mord gemeldet: Die Portierfrau Martha Rachut, eine in den 30er Jahren stehende Frau, ist heute abend in ihrer Wohnung. Mariannen- straße 30, ermordet aufgefunden worden. Der Täter ist der am 20. April 1870 zu Berlin geborene Schleifer Wilhelm Bier- wagen, der mit ihr wieder zusammenlebte, nachdem er von ihr geschieden worden war. Er hatte gestern abend zu verschiedenen Hausbewohnern geäußert, daß seine Frau krank sei und die Hausrcinigung nicht vornehmen könne, so daß er das Gas anstecken müsse. Seit heute vormittag ist er unter Mitnahme seines Fahr» rades verschwunden. Er hat an den Zigarrcnhändlcr Walter in Lankwitz einen Brief hinterlassen, in dem er mitteilt, daß et nicht mehr unter den Lebenden weilen würde. wenn der Brief an Walter gelangt wäre. Bierwagen ist 1.72 Meter groß, kräftig gebaut, hat dunkelblondes Haar, hohe schräge Stirn, braune Augenbrauen, blaue Augen, Nase mit hängender Spitze, auf dem linken Handrücken trägt er eine blaue Tätowierung, einen Totenkopf mit gekreuzten Knochen darstellend. Er trug einen grauen Anzug, sowie eine graue weiche Radfahrermütze. Die Frau wurde in ihren: Bette liegend und nur mit Hemd und Nachtjacke bekleidet, stark mit Blut besudelt aufgefunden. Sie hat einen Stich in der rechten Wange, der ihr m i t einem Küchen- messer, das noch blutig am Küchenbrett hängt, die tätliche Wunde beigebracht, an der sie anscheinend verblutet ist. Ter Mord ist in der Küche begangen, von wo der Täter die Leiche nach dem Bett geschleppt hat. Blutige Schleif- spuren sind deutlich auf dem Fußboden sichtbar. Der Mörder B i e r w a g e n ist ein gewalttätiger vielfach vorbestrafter Mensch. Er ist unter anderem im Jahre 1897 wegen Totschlags eines Wächters in Baumschulenweg zu acht Jahren Zucht» haus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt worden. Letzte Kehrichten und Oepelcben. Wer kaust Diamanten und hat flüssige Gelder? Berlin, 5. Januar.(W. T. B.) Heute ist unter der Firma Koloniale Bergbau-Gesellschaft mit beschränkter Haftung eine Ge- sellschaft mit einem Stammkapital von 109 560 M. und dem Sitze zu Berlin gegründet worden, um die Diamanten-Schürffelder der Gruppe Lenz u. Co., Strauch, Weidtmann und Nissen in Lüderitz- bucht(Deutsch Südwestafrika) zu übernehmen. Die Umwandlung dieses Unternehmens in eine Kolonialgesellschaft mit 1005 000 Mark Grundkapital wird vorbereitet. Der Schrei nach Brot. Leipzig, 5. Januar.(B. H.) Vor dem neuen Olathause versammelten sich gegen 12 Uhr etwa 200 Arbeitslose, durch welche eine Deputation an den Oberbürgermeister Dr. Dittrich entsandt wurde mit der Bitte um Beschäftigung und Arbeit. Dr. Dittrich er- klärte, daß in den nächsten Tagen Notstandsarbeiten in Angriff ge- nommen werden sollev, durch welche einigen hundert Arbeitslosen Beschäftigung gewährt wird._ Zugentgleisung. Groß-Wardein, 6. Januar.(B. H.) Auf der Station FelsesebeS entgleiste ein Personenzug, wobei ein Waggon über den Damm hinabstürzte. Eine Frau wurde tötlich, mehrere andere Passagiere leicht verletzt. Landtage sorzu setzen.—_''--- verantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Ih. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u.VerlagSanstatt Paul Singer Lc Co., Berlin L V. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltung»«. 8t. 4. 26. IahtMK. tüiije des Jornräls" KMtt öolliüliliilt. R».»«-« Das Crdbeben. Einige bürgerliche Blätter scheinen zu bereuen, daß sie in die allgemeine Klage eingestimmt und der italienischen Re- gierung die Desorganisation im Hilfswerk mit vorgehalten haben; sie machen ihren„Fehler" wieder gut. indem sie plötzlich entdecken, daß anfangs wohl dies und das nicht in Ordnung gewesen sein mag, jetzt aber die Verwirrung einem Plan- und zielvollcn Arbeiten gewichen sei.... Wir können in dieses nachträgliche Lob nicht einstimmen; wir müssen bei unserer bereits ausgesprochenen Ansicht be- harren, daß die italienische Staatsmaschinerie ebenso wie die große kapitalistische Gesellschaftsorganisation trotz all ihrer modernen Hilfsmittel versagt hat und daß auch der Riesen körper des italienischen Militarismus nicht so gut und so schnell zu funktionieren vermochte, wie man es wohl hätte erwarten und verlangen dürfen. Auch die Nachbarstaaten Italiens— Frankreich, Deutsch land, Oesterreich, Spanien, die Schweiz— haben versagt: denn es kann doch ganz gewiß keinem Zweifel unterliegen, daß sie alle im Kriegsfalle auf dem Land- oder auf dem Seewege bei weitem schneller Hilfstruppen, Pioniere, Militär ärzte, Krankenträgertransporte nach Italien zu lancieren wüßten.... Die Kopflosigkeit, mit der in Süditalien gearbeitet wird. geht recht deutlich aus einer Nachricht hervor, die das Bureau Herold übermittelt: Mailand, ö. Januar. Der Präfekt von Neapel telegraphierte an das hiesige Hilfskomitee: Lille Verwundelen untergebracht, da'gegen suchen 20 000 Personen Arbeit. Also: in einem Augenblick, wo— wie man annehmen sollte— nicht genug Hände zu haben sind, um all die Arbeit zu leisten, nach der das Land schreit, in diesem Augenblick weiß man in Neapel, also gar nicht weit vom Schauplatz der Katastrophe, nicht für 20000 hungernde Menschen Arbeit und Brot zu schaffen: ein Bild aus dem kapitalistischen Staate, das im Gedächtnis behalten zu werden verdient.— Daß über die Provinzen Mcssina und Reggio der Bc lagerungszustand verhängt worden ist, haben wir bereits gestern gemeldet. Nach neueren Meldungen will man diese Maßregel dermaßen scharf handhaben,'daß auch den aus allen Teilen der Erde herbeiströinenden Berichterstattern der Aufenthalt im Erdbebengebict untersagt werden soll. Das wäre recht augenehm für— die italienische Regierung; denn sie würde mit einem Schlage die ihr unbequemen Kritiker los und könnte nun die berühmte„offiziöse" Berichterstattung spielen lassen. Auch die Art, wie man in Snditalien gegen die „Marodeure" losgeht, läßt weiter an Oberflächlichkeit und törichter Brutalität nichts zu wünschen übrig. Wir wiesen bereits darauf hin, daß man in Süditalicn nach altem Militärbrauch„Plünderer", die auf frischer Tat betroffen werden» ohne viel Federlesen an die erste beste Mauer stellt und totschießt. Wir zeigten, daß bei diesem Vorgehen auch Unschuldige dran glauben müssen, und das„Berliner Tage- blatt" veröffentlicht jetzt einen neuen Fall zu diesem Thema: Der Schriftsteller C i v i n i n i vom„Corriere della Sera" erhebt seine Stimme gegen die sumniarische Erschießung aller nur im geringsten der Plünderung Verdächtigen. Ihm selbst wäre beinahe dieses Schicksal zuteil geworden, wenn ih» nicht ein Kollege agnosziert hätte.(! ff Die Situation in Messina scheint doch nicht ganz so trostlos zu sein, wie die Nachrichten der letzten Woche be- fürchten ließen. Die Regierung trägt sich jedenfalls mit dem Plane, die Stadt doch wieder aus Schutt und Moder neu ersteheu zu lassen. Dabei soll dann auch der heilige Kapitalismus seinen Schnitt machen; wenigstens wird a m t- lich gemeldet, der Justizminister Orlando habe erklärt, j Messina müsse wieder aufgebaut werden, was am 'besten durch Private erfolge(?); der Staat werde hierzu Geld unter äußer st günstigen Bedingungen hergeben.— Auch diese Meldung charakterisiert die Kurzsichtigkcit der italienischen Staatsleitung, die nicht einmal durch ein so entsetzensvolles Nationalunglück aus ihrem Schlendrian zu bringen ist. In diesem Punkte sind alle Berichte und alle Bericht- erstatter einig: die Soldaten aller Nationen, das heißt: die Protetaricr im bunten Rock, sie tun Wunder der Hilfsbereitschaft, an Unerinüdlichkeit und Selbstaufopferung. Der Lohn soll denn auch nicht ausbleiben: man plant bereits, eine-- Medaille für die braven Helfer und Netter zu prägen... l An Einzelmeldungcn registrieren wir heute die folgenden: Mesfiua. Infolge des anhaltenden Regens werden die Bergungsarbeiten immer schlvieriger, obgleich der Rettungsdienst mit jedem Tage besser organisiert wird. Die Hoffnung, unter den Trümmern noch am Leben befindliche Personen zu finden. ver- ringert sich immer mehr. Lebensmittel fließen jetzt reichlich zu, alle einlaufenden Dampfer laden große Mengen Vorräte aus. Der von Indien kommende italienische Dampfer„Rnbattino" ist mit 800 Geretteten, von denen 7S verwundet sind, nach Genua weiter- gefahren. Der Dampfer„Sardegna" ist mit 1200 Soldaten sowie einer großen Menge von Lebensmitteln und Hilfsmaterial an Bord in Mcssina eingetroffen. Die Eisenbahnverbindung mit Palermo ist wiederhergestellt. Im Hafen ist ein beständiges Kommen und Gehen von Dampfern und Kriegsschiffen. An die Bewohner der gänzlich zerstörten V o r st ä d t e wurden Lebensmittel verteilt. Das Innere der Stadt ist weniger verwüstet. Feuerwehrleute aus Palermo, Genua, Mailand und anderen Städten beteiligen sich an dem Rettungswerke. Da die Erdstöße, wenn auch mit verminderter Kraft fortdauern, finden noch fortgesetzt Nachstürze statt. Um den Leichengeruch abzuschwächen, werden die Trümmer mit Karbolsäure begossen. Vor Messina hat sich eine Stadt auS Bahn Waggons gebildet, die den Charakter einer Zigeunerstadt annimmt. Am Ein- gang der Meerenge von Messina ragt rechts doch noch der Leucht- türm von Kap Faro auf, nur ist er schief gelvorden. Unmittelbar hinter dem Leuchtturm stehen, scheinbar unversehrt, die Häuser von Faro; da aber, wo sie mit denen von Pace zusammenstoßen, bc- ginnt rechts das weite Trümmerfeld von Ortschaften und Anwesen, aus deren Ruinen bis weit hinauf zu den fernsten Hängen der Monti Peloritani hie und da Rauchsäulen aussteigen oder auch Flammenznngen auflodern. Zur Linken der Meerenge gähnen leer und verlassen die Ortschaften Cannilello, Pezzo, Villa San Giovanni und Catona. RingShermn sind lnicboch und viele Meter weit Haufen zerschnittener Zitronen und Orangen ausgestreut. Der Saft dieser Millionen von Fruchten, die ans den Markthallen gebracht ivlirden, mußte die ihrer Wasserleitung beraubten Notleidenden erfrischen, bis zu Schiff Wasser aus Neapel kam. Das Aufrätuneu der Trümmerstätte, durch welche zunächst Verkehrs- ivcge zu bahnen sind, besorgen, ebenso wie das Durchwühlen der Schutthaufen, italienische Soldaten und englische, deutsche und russische Matrosen. Der Berichlerstatter de?„Lokal-Anzeiger", der jetzt die Trümmer» statten Italiens besucht, hat zurzeit auch San Francisco nach dem Erdbeben gesehen. Er bestätigt, daß die Hilfstätigkeit in Italien sehr viel zu wünschen übrig läßt und daß der Mut und die Energie der Llmenkaiier bei weitem größer war. Er erzählt u. a.: „In San Francisco wich der Bürgermeister, am Holztischchen auf der Straße in Permanenz amtierend, nur Schritt für Schritt dem Feuer, und mit ihm war im Augenblick des Unglücks Polizist wie Feuerwehrmann auf seinen Posten geeilt. Hier, wo doch nie- wand voin Feuer nach dem Beben bedroht war, hatten sich die städtischen Beamten zunächst davongemacht. Alles, was zur Rettung von Stadt und Bürgern geschah, mußte von außerhalb ein- geleitet werden... Neapel, 5. Januar. Wie aus Messina gemeldet wird, tra, gestern hier ein Dampfer mit Proviant und Bekleidungsstücken ein Die Soldaten gebrauchen Pumpen zur Löschung der hier und d» noch glimmenden Trümmerhaufen. Zum erstenmal erfolgte du Verteilung der Post an die noch lebenden Einwohner. Reggio. Während der Rettnngsarbeiten am Montag sind die noch lmter den Trümmern befindlichen Ueberlebenden hervor- gezogen worden; ihr Znstand war jedoch ein sehr kritischer Viele Ueberlebende lagen unter dem Steinhaufen der anstoßenden Ortschaften. Das ßüfowerh. Der Fonds des Lordmayors von London für die Erdbebenopfer betragt jetzt 40000 Pfd. Sterl.(800 000 M.). Andrew Carnegie steuerte 2000 Pfund bei. Die amerikanische Rote Kreuz-Gesellschaft überwies dem ameri- kanischen Komitee in Rom telegraphisch 390 000 Dollar zur Charterung eines Dampfer-?, der Lebensmittel nach den vom Erdbeben betroffenen Gebieten bringen und Flüchtlinge von dort abholen soll. Die erste Division der amerikanischen Schlachtschiffflotte ist angewiesen worden, nach Neapel zu fahren, um an dem Hilfswerk teilzunehmen. Die anderen Schiffe werden auf verschiedene Punkte des Mittel- ländischcn MccreL verteilt. Der Betrag, den der Kongreß bewilligt hat. beläuft sich insgesamt auf 800 000 Dollar, von denen 300 000 Dollar den Wert der bereits nach Messina gesandten Proviantvorräte usw. darstellen. Die türkische Regierung hat 500 Betten, Aerzte und Kranken- Pfleger nach Messina gesandt und den Auftrag erteilt, dort ein Spital einzurichwn. Zahlreiche türkische Blätter haben eine S u b- s k r i p t i o n eröffnet. „Osservatore Romano" meldet, daß ein französische Abbs, der Direktor eines WaisenhanseS, den Papst habe wissen lassen, daß er soforr 1000 Waisen bis zur Erreichung der Großjährigkeit aufnehmen könne. Der Papst habe das Anerbieten angenommen und bestimmt, daß 500 Kinder ans Sizilien und 500 aus Kalabrien aufgenommen loerden sollen. � 0 Rom ist vollständig in ein Trauerkleid gehüllt, in den Haupt« straßen wehen umflorte Fahnen; an allen Straßenecken sind Tische aufgestellt mit verschlossenen Kassetten, an welchen Hunderte vorüber- ziehen, um ihren Obolus hinein zu werfen. Prälaten, Arbeiter, Brief- träger, Minister, Deputierte, Aristokraten, Stiefelputzer, Demimondänen, alle nehmen an dieser Kundgebung teil. Besonders der italienische Stiefelputzer zeigt sein gutes Herz, fast alle haben eine kleine Kasse neben ihrem Stand mir der Aufschrift„Für die Verunglückten" und liefern alles redlich bei dem Komitee ab. Junge Damen und Stu- deuten durcheilen die Straßen der Stadt und sammeln. » Der Magistrat von Nürnberg belvilligte heute 5000 M. für die Opfer des Erdbebens in Süditalien, die Stadt Leipzig 10 000 M. usw. Natürlich muß auch eine deutsche Blamage mit unterlaufe»: Die„Elsässische Rundschau" in Straßburg beabsichtigte eine Wohltärigleits matinee zugunsten der in Kalabrien und Sizilien Verunglückten zu veranstalten. Das vollkommen unpolitische Programm enthielt lediglich Literaturwerke. Die Leitung hatte ein französischer Deklamationslehrer übernommen. Der Ertrag war für die Sammlung bestimmt, zu der der kaiserliche Statthalter persön- lich ausgefordert hatte II Den Veranstaltern wurde aber vom Ministerium der Bescheid, daß die Erlaubnis zur Veranstaltung einer öffentlichen französischen Vorstellung nicht erteilt werden könne. Eine Begründung war dem Bescheid nicht beigegeben! Ein echt deutsches Schildbürgerstück! •• ♦ Tcktonische Erdbeben�). „Die großartigen Fortschritte, deren sich die geologische Wissen» schaft im Verlaufe der jüngstverflosscncn fünfzig Jahre zu erfreuen kleines feuilleron. Die Photographie eines Bulkanausbruchs. Die schwierige Auf- gäbe, einen Vulkan während des Ausbruchs zu photographicren, hat Frank Davey gelöst, indem er unter höchst gefährlichen Umständen von dem Ausbruch deS Vulkans Makuawcolveo aus der Insel Hawai mehrere Aufnahmen machte. Er gibt im„Wide Worlo Magazine" von dieser kühnen Tat eine lebendig anschauliche Schilderung. Ter Vulkan Matuawcoweo liegt ans dem Gipfel des Mauna-Loa- KraterS, einer vulkanischen Bergmasie, die sich 13 675 Fuß hoch erhebt. Als die Kunde von einem furchtbaren Ausbruch des Vulkans kam, unternahm Tavetz mit dem Geologen Professor Jngalls und vier anderen Begleitern, geleitet von drei Führern, den Aufstieg. Als man sich dem„Gebiet des ewigen Feuers" näherte, tat sich vor dem Blick ein unendliches Lavameer auf, ein Chaos auf- und abwägender Linien mit zerklüfteten Schluchten und messerscharf emporragenden Klippen, in dem die Pferde und Maultiere nicht mehr vorwärts kamen. Inmitten dieses traurigen Labyrinths lag der große Krater des Matuawcoweo, in dessen Tiefe die Bergsteiger mit Schaudern blickten. Ein See von flüssigem Feuer brandete da unten in ewigem Aufruhr und ewigem Wechsel. Bald schoß feurige Gischt daraus hervor in einem blendenden Farbenspiel, bald glühre die Tiefe in rauchumdunkeltcm, unheimlich brennendem Schimmer. Von hier aus konnte man einen Ueberblick über die einzelnen Kegel gewinnen, die �um größeren Teil schon wieder„tot" waren und in majestätischer Ruhe dalagen, während rings um sie das furchtbar? Werk ihrer Zerstörung ausgebreitet war. Einige rauchten noch, aber nur ein einziger war noch in voller Tätigkeit, und seine düster gen Himmel lohende Feuersäule leuchtete nun den Forschern als ersehntes Ziel entgegen. Wie eine Feuerfontäne ließ der Vulkan gewaltige Strahlen rotglühender Lava emporschießen; ein dumpfe? Grollen wie von vielen fernen Kanonenschüssen begleitete daS wundersame, in alle Farben des Regenbogen-? getauchte Schauspiel. „Es ist unmöglich, die Großartigkeit dieses Ausbruchs zu schildern. Einige der emporgeschleuderten Massen hatten die Größe eines Pferdes und waren weißglühend, als sie cmporgeschlcudcrt wurden. Sie flogen so hoch, daß sie sich wahrend der Zeit abkühlten und als schwarze, erstarrte Klumpen herabstürzten. Der Ranch wurde glücklicherweise von dem Mino nach der entgegengesetzten Seite hin- getrieben, so daß wir nach einem Marsch von neun Stunden endlich so nahe an dem Vullan standen, wie es die furchtbare Hitze er» laubte. Ich machte mehrere photographische Aufnahmen. Die Großartigkeit der Szene wuchs noch, als die Sonne sank und am Himmel einen brennenden Hintergrund schuf. Als wir nnö zum Rückweg rüsteten, änderte sich plötzlich die Windrichtung, und zu unserem Entsetzen sahen wir eine Schwefclwolke sich über unseren Weg hiuwälzen. Diese Dampfmassen sind mit Schwefel und giftigen Gasen so ganz erfüllt, daß es für Lebewesen unmöglich ist, darin zu exMieren. Ein Hindurchdringen bedeutete also de» Tod, und wir versuchten daher, nach der anderen Seite hin vorwärts zu kommen, fanden aber die Lava zu heiß. Sie gab unter den Füßen nach und ließ eine unerträgliche Hitze hervordringen, so daß wir den Erstickungstod einem langsamen Verbrennen vorzogen und uns zu der furchtbaren Mauer voll Giftdampf zurückwandten. Wir ver- suchten mehrere Male, hindurchzudringen, aber schauderten, fast erstickt, immer wieder zurück. Vor uns der Schwefel, hinter uns das Feuer! Da, im gefährlichsten Moment sah ich plötzlich in dem Schwcfelrauch durch den Wind eine Oeffnung gebildet, hinter der reine Luft blaute. Ich machte die anderen aufmerksam, und wir rannten über die siedend heiße Lava, so schnell uns unsere Füße trugen, um unser Leben. Glücklich kamen wir durch diesen schmalen Hoffnungsbogen in der Dampfmauer hindurch; dann wälzte der Wind wieder eine giftig dunkle Masse darüber hin." Humor und Satire. Die heiligen drei Könige. Die keiligen drei Könige gehbi heul Ml, Die Nacht ist kalt, die Nacht ist stumm. Sie haben verloren ihren Stern, Und Bethlehem ist so fern, so fern. Und wer sie erblickt im Vorübergeh'n, Dem bleibt vor Schrecken das Herze steh'n. „Erbarm dich unser, Herodcs! Sonst sind wir alle des Todes." Der erste trägt mit des Halles Stumpf Die güldene Krön' auf gebücktem Rumpf: „Was bin ich für ein erbärmlicher Tropf! Ich Hab' eine Krön' und keinen Kopf. Vor 260 Jahren— o GrauS I— Schlug ihn der Henker mitten heran?. Erbarm' dich linier, HerodeS! Sonst sind wir alle des TodcS." Der andere tröstet ihn:„Sire. erlaubt, WaS jammert Ihr um das bißche» Haupt? Das Köpfen wär' nur ein Kinderspiel, Wenn die Krone stets auf die Schultern fiel'. Mir schlugen sie beides herunter fürwahr—— ES find jetzt grad' 116 Jahr'. Erbarni' dich unser. HerodeS! Sonst sind wir alle des Todes." Der dritte wimmerte:„Brüder, schweigt! Euch hat der Henker zur Ruh' gegeigt. Mir aber half niemand, alö ich Tor Ganz von selber den Kopf verlor. Nun rollt— schon morgen kann eS fein— Am Ende die Krone hinterdrein. , Erbarni' dich unser, HerodeS I Sonst sind wir alle des Todes." (Edgar Steiger im„Simplicissimus".) Notizen. — viebig-Abend. Der nächste(eiste) LeseaLend der Neuen freien Volksbühne ist Klara Viebig gewidmet und findet am *) Aus dem Buche„Vulkanische Gewalten der Erde und ihre Erscheinungen" von Professor Dr. H. HacrS.(Bd. 38 der Samm- lung„Wissenschaft und Bildung", Verlag von Quelle u. Meyer in Leipzig), geheftet 1 M., gebunden 1,25 M.(146 Seiten, 42 Ab- bildungen). Mittwoch, den 6. Januar, abends 8'/z Uhr, im Gewerkschaf iL- hause statt.— Billetts a 20 Pf. sind an der Abendkasse zu haben. — Theater chronik. JbsenS„Gespenster" gehen am Donnerstag zum 60. Male unter der Direktion Brahm in Szene; 25 dieser Aufführungen fanden im Deutschen Theater statt; ebenso- viele im Lessing-Theater. Der große JbsenzykluS beginnt am Freitag, den 22. Januar. — Musikchronik. Der„Verein zur Förderung der Kunst" veranstaltet am Mittwoch, den 6. Januar, im Saale der Gesellschaft der Freunde(Potsdamer Straße 0) einen Musikabcnd, der Meistern des 17. und 18. Jahrhunderls gewidmet ist. — Das deutsche Theatcrjahr 1903. Nach dem deutschen Bühnenspielplan für 1807/08 zählte in der abgelaufenen Bcrichtszeit unter den Klassikern Schiller die meisten Ausführungen (1441), darunter„Tell" 292; Shakespeare erlebte 945 Aufführungen, Goethe 705(„Faust" I. Teil 213), Hebbel 409, Lessing 376, Grill» parzer 363. Von den Modernen marschiert Sudermann mit 1202 Auf- führungen an der Spitze, dem Ibsen mit 876 und Hauptmann mit 476 folgen. Die Schwankfabrikanten haben natürlich gleich hohe und höhere Ziffern, auch die„Husarenstreiche" und„Alt-Heidelberg" zogen immer noch, wurden aber von Wildenbruchs„Rabensteinerin"(938) weit überholt. Die Operette beherrschten«Die lustige Witwe"(1778) und „Ein Walzerttaum"(1741). Von den Opern halte„Carmen" die höchste AufführungSziffer(479). Wagner wurde 1936 mal, Verdi 757, Lortzing 654, Mozart 471 mal, die„Salome" von Strauß 217 mal aufgeführt. — Hamburger Straßenzen für. Die Hamburger Polizei verbot den Straßenverkauf des„Simplicisfilnus". — DaS Ende der Du ncan- Schule. Jsadora Duncan wird ihre Tanzschule, die sie erst diesen Herbst nach Paris verlegte, aus Mangel an weiteren Mitteln auflösen. WaS wird nun auS den Hüpfmädchen? — Deutsche Kunst in Amerika. Jm New Dorker Metropolitan Kunstmuseum wurde am Montag eine deutsche Kunst- ausstellung eröffnet, die in 250 Werken die moderne deutsche Kunst „repräsentieren" soll. Auf der Weltausstellung in St. Louis war die deutsche Kunst derart vertreten gewesen, daß diese Sühne- Ausstellung den Eindruck verwischen und neue Absatzmöglichkeiten erschließen soll. Ob sie wirklich die moderne deutsche Kunst in ihren verschiedenen, auch den mißliebigen, aber künstlerisch um so höher stehenden Richtungen würdig und unparteiisch repräsentiert? — Wilbur Wrights Pläne. Aus Paris wird berichtet: Wilvur Wright hat seine Experimente in Frankreich»unmebr ab- geschlossen. Er begibt sich zunächst nach Pau, um dort einen Monat lang seinen Schülern Unterricht zu erteilen. Alsdann kehrt er nach Amerika zurück, um dort die ofsiziellen Proben abzulegen, die seiner» zeit durch den unglücklichen Sturz seines Bruders Orville abgebrochen werden mußten. Von dem Verlaufe dieser Versuche wird es ab- hängen, ob die Regierung der Vereinigten Staaten die Wrightsche Flugmaschine für Anierika ankauft. Im Frühjahr wird Wilbur Wright. voraussichtlich zusammen mit seinem Bruder Orville, nach Frankreich zurückkehren. Zehabt hat, sind auch auf die weitere Herausbildung der Erdbebcn- runde von gedeihlichem Einfluß gewesen, und wir wissen heutzutage. daß dte Mehrzahl der Erderschütterungen einer Abart angehört, deren Ursache in gebirgSbildenden, in tektonischcn Vorgängen zu suchen ist. Diese tektonischen Erdbeben werden sich daher an denjenigen Stellen vorzugsweise fühlbar machen, wo die gcbirgs- bildende Kraft sich noch vor kurzer Zeit— diese Worte im geo- logischen Sinne gemeint— betätigt hat. also in Gebieten der jüngsten Gebirgsfaltungen und der jüngsten Bruchlinicn. In jung- gefaltete» Arealen treten die Erdbebcnerschcinungen. die sciS- in i scheu Borgänge(vom griechischen Worte S e i s in o S, Er- ichütterung) häufiger auf als in solchen, wo in jüngerer geologischer Zeit nur Brüche zur Ausbildung kamen und keine faltende Be- wegung erfolgt ist. Allerdings gibt es kauni eine Stelle auf der Erdoberfläche, die nich einmal erschüttert würde, und selbst weit- ausgedehnte und bruchfreie Tafelländer werden nicht davon ver- schont, allein die größten und die meisten Eroerschüttcrungen scheinen auf die große» Störungszonen der Erdkruste beschränkt zu sein(Umrandung des Stillen Ozeans, Sundabogen, der Zug junger Kettengebirge von Spanien bis nach Hinterinoicn, der große oft- afrikanische Grabenbruch uss.j. Da auch die Erscheinungen des Vulkanismus im engeren Sinne vorzugsweise an diese gestörten Schollen gebunden sind, so wird auch„die geographische Verbreitung der meist erschütterten Areale in ihren Hauptzügen mir der der Vulkanstriche übereinstimmen"(Lötvl). Wenn man aber, so führt dieser Forscher des weiteren aus, die wichtigsten Vulkan» striche und die Gebiete der häufigsten seismischen Erscheinungei' im einzelnen miteinander vergleicht, so stellt sich heraus, daß ihre Beziehungen bei iveitem keine so einfach zu verstehenden sein können, als man bei einer allgemeinen Uebcrsicht zuerst glauben würde. So sind, um einige Beispiele dafür anzuführen, im„un» ruhigsten Lande der Erde", in Japan, Erdbeben und magmatische Ergüsse dem Raum und der Zeit nach voneinander unabhängig, und auch die Lage der italienischen Vulkane, die alle bis auf einen. oen erloschenen Monte Vulture in der Basilicata, auf der Westseite sieseS Landes stehen, sowie der Ausbruchsstelle von Scmtorin, einer Insel an der Ostküste Griechenlands, gegenüber der von starker Erdbebentätigkcit heimgesuchten Umrandung des Adriatischen Meeres spricht hier für einen Mangel an gegenseitigen engeren Beziehungen zwischen Vulkanen und seismischer Kraft. Löwl stimmt in dieser Ansicht nicht mit derjenigen des großen öfter- ceichischen Geologen Süß überein, der einen engeren Zusammen- )ang der Vulkane auf den Liparischen Eilanden mit seismischen Lorgängen angenommen hat und wie folgt sagt:„Man hat sich «lifo wohl vorzustellen, daß in einem durch die peripherische Linie »on 1783 abgegrenzten Räume(dem Meeresteile zwischen dem Kordostrande Siziliens uno dem Südwestrande Italiens) die Erd- -inde fchüsselförnng sich einsenkt, und daß hierbei radiale Sprünge .ntftehen, welche gegen die Liparen konvergieren.'Diese konver- »ierenden Linien sind in der Nähe dieses Zentrums mit vulkanischen Zlusbruchsstellen besetzt. Jede Gleichgewichtsstörung »er einzelnen Schollen verursacht gesteigerte vulkanische Tätigkeit auf den Inseln und Er- chütterungen des Festlandes auf Sizilien." klehnlich wohl verhalten sich allem Anschein nach die Dinge in Mittelamerika und dem Karaibischen Meere, wo mehrfach Erup- .ionen Erdbeben zu Vorläufern hatten, deren oftmals beträchtliche täumliche Entfernung von der AuSbruchsstelle, gegen 3000 Kilo, neter, allein schon ihren vulkanischen Charakter ausschließen dürfte. vährend noch andere Umstände diese Erschütterungen mit großer Wahrscheinlichkeit in die Abteilung der tektonischen Beben' ver- »eisen. Mit dieser Art von Erderschütterungen zuweilen verbundene Erscheinungen sind Spaltenbildungrn an der Erdoberfläche; die Ränder dieser Klüfte sind manchmal gegeneinander verworfen, der« .irt, daß der eine höher zu liegen kommt, als der andere. Es sind ,lso Verschiebungen von Schollen aneinander, seismische Ver- werfungen, die verhältnismäßig beträchtliche Nivoaudiffe. cenzen herbeiführen können. Am LO. Oktober 1891 hat ein von ungeheurer Zerstörung und Verheerung begleitetes Erdbeben ein etwa 60 Proz. der Gesamtoberfläche vom Mikadoreiche umfassendes Äebiet erschüttert und eine 112 Kilometer lange Spalte im Boden lufgerissen, beren beide Ränder durchschnittlich um 30 bis 60 Zenti- weter, an manchen Stellen sogar um 20 Meter in vertikaler Rick- rmg gegeneinander verschoben waren. Aehnliches. wenn auch nicht in solchem bedeutendem Umfange, ist beim Lokrischen Erdbeben im April 1804 beobachtet worden, dann beim Erdbeben von Alaska an September 1899 usf. Derartiges Aufreißen von Spalten gehört mit zu den ver- HängniSvollsten Wirkungen der seismischen Vorgänge, eineklei zu welcher Abart dieselben zu rechnen sind. Bei einem Erdbeben von Catama auf Sizilien(wohl vulkanischer Natur) riß, wie Branea berichtet, eine schmale Spalte unter einigen Häusern auf. die sich oon oben bis unten spalteten, so daß im Augenblicke der Mond durch alle Wände in die Zimmer schien. Im nächsten Augenblicke aber schlössen sich die Spalten wieder so fest,'daß man von ihnen nichts mehr bemerken konnten. Ganz ungeheuerlich klingen die Schilderungen von dem großen Erdbeben, von dem im Jahre 1783 and in den folgenden Calabrien betroffen worden ist. Da spaltete auf Meilenlänge das Gebirge parallel den Tälern ab. ünd Städte und Dörfer, die oben auf der Höhe standen, sanken in die Tiefe der Täler hinab. Im Jahre 1868 wurde eine ganze Stadt in Ecuador. Cotocachi, von Tausenden und Abertausenden von Spalten verschlungen, die bei der Erderschütterung plötzlich aufklafften. «Bon den meisten Häusern blieb nicht einmal eine Spur zurück." • Einer unserer Mitarbeiter schreibt uns: Bei allen Erdbeben ist eine Beobachtung gemacht worden, die auf einen Zusammenhang zwischen den meteoro« logischen Erscheinungen und erhöhter Erdbeben- gefahr hindeuten: Die Erdstöße setzten mit dem Moment ein, wo ein hohe« barometrische» Maximum von einer außergewöhnlich tiefen Depression abgelöst wurde. Bei dem Erdbeben in Slldspanien im Jahre 1884 herrschte bis unmittelbar vor der Katastrophe das schönst« Wetter bei einem Luftdruck bis zu 770 Millimeter; da erreichte in den letzten Dezembertagen ein Plötzlich auftretendes Minimum mit einem Luftdruck bis zu 720 Millimeter herab die europäischen Küsten des Atlantischen Ozeans und zugleich mit Sturm und Ungewitter setzten auch die Erdstöße ein. Dieselbe Erscheinung wurde bis jetzt mehrfach beobachtet. Nach den Zeitungsnachrichten zu schließen, ging auch jetzt der verheerenden Katastrophe in Sllditalien eine Periode trockenen WetterL vorauf. und zugleich mit dem Erdbeben setzte ein strömender Regen ein, der stets in Begleitung eines barometrischen Minimum» auftritt.— Daß der Lustdruck sehr wohl auf die Borgänge im Erdinnern von Einfluß ist. haben ja auch dte Grubenkatastrophen im Ruhrgebiet und von EourriäreS erwiesen, dte sich ebenfalls bei einer plötzlichen Verminderung des Luftdrucks ereigneten. Jedenfalls dürfte dieser augenscheinliche Zusammenhang dte Forscher von jetzt an mehr als bisher beschäftigen und vielleicht die Grundlage für eine Erdbeben- Prognose abgeben, durch die derartige Katastrophen wie die letzte zwar nicht verhindert, aber in ihren Wirkungen eingeschränkt werden könnten. j�eue CnlftLlZe. Rom, 4. Januar. Die Erdstöße, die vorgestera in Mesfina stattgefunden haben, waren sehr heftiger Natur. Man nimmt a«, daß wieder ia verschiedene« kleinere» Ortschafte» größeres Unheil»«gerichtet ward«. Einzelheiten fehle»»och. Eine andere Meldung lautet: Neue Erdstöße haben in Mefstna Angst«nd Schrecke» ver- breitet. Die wenigen übriggebliebenen Menschen schrieen wie toll. Einige Häuser, die noch standen, brachen kracheud zusammen. In Neggio danern die Erdstöße ebeufalls an. Man zieht immer noch Menschen lebend aus den Trümmern hervor. Reggio di Calobria, S. Januar. Minister Bertolini hatte mit dem mtluärisckien Kommandanlen eine Besprechung: eS wurde beschlossen. ani Wege von Reggio nach Campi und in gehöriger Eni- fernuug von den �iifektionSzentten Baracken zu errichren. Man be- ginnt bereits in jeder der von den italienischen Malrosen erbauten Baracken mehrere Familien umerzubriugen. Rom, 5. Januar. Minister Bertolini richtete an den Minister« präsidemen Giolitli ein Telegiauim, in dem mitgeteilt wird, daß der Minister die talabrische Küste nördlich von Reggio. ferner Villa San Giovanni und Bagnara besucht und überall den Rettungsdienst zusriedenslellend gefunden babe. Dagegen sei die Organisation i» Scylla mangelhaft geioesen, weshalb er den Kreuzer „Lombardia" vermitaßt habe, dorthin zur Hilfeleistung zu gehen Die Bevölkerung in einzelnen Gegenden beginnt wieder Mut zu fassen, wozu die Erklärung des Belngerungsulstcmdes beiträgt, die erst den behördlichen Maßnahmen Wirlsamkeit und Nachdruck ver- icdasst habe; Desinfektionsmittel seien auch bereit? eingetroffen. Der Zerstörer„Granatiere" geht abends mit der geretteten Kasse der Filiale der Banca d'Jtalia in Messtna von Palermo ab. Vie letzten JVaebriebten. Rom, 6. Januar. Die Deputiertenkammer ist zum 8. d. M. zu einer außerordentlichen Sitzung einberufen worden. Zur„eiÄehung" oderschlMher Volksschullehrer. Aus Lehrerkxeisen Oberschles>ien« war im Sommer 1906 eine Zuschrift an uns gelangt, die darüber klagte, daß der Kampf der Regierung gegen die Polen sowie«ine unge- hörige Behandlung der Lehrerschaft durch Kreisschulinspektoren dortigen Lehrern ihre Arbeit erschwere. Durch Veröffentlichung dieses Notschreies im„Vorwärts" Nr. 153 vom 7. Juli 1906 sollte unser Genosse Redakteur Hans Weber einen darin er. tvähnten KreiSschultnspektor Gch. aus Königshütte beleidigt haben oder vielmehr zugleich zwei Kreisschul- inspeitoren Sch. aus Königshütte. Denn obwohl ausdrücklich nur von einem geredet worden war, meldeten sich— einem Wink von „oben" folgend nach einander die beiden dortigen Kreisschul- inspektoren Schwarze und Dr. Schwierzina und erklärten, daß sie sich beleidigt fühlten. Die von der Staatsanwaltschaft erhobene Beleidigungs« klage gegen Genossen Weber wurde am Dienstag vor dem Land- gericht I Berlin(Strafkammer 4) unter Borsitz des Landgerichtsdirektors Lehmann verhandelt. In jener Zuschrift war gerügt worden, daß im Bezirk Oppeln die Regierung die Lehrer durch vertrauliches Zirkular angewiesen habe, den Schulkindern zu verbieten, an Festlichkeiten der Polen sich durch Deklamation polnischer Gedichte zu beteiligen. Den Lehrern werde zugemutet, bei Uebertretung des Verbotes die Kinder wegen Ungehorsam zu bestrafen. Das müsse die Eltern wi« die Kinder verbittern, doch würden hoffentlich unter den Lehrern sich nur wenige oder keine finden, di« das Stockmeisteramt übernehmen wollten. Die Verordnung widerspreche auch den gesetzlich festgelegten Rechten der Eltern. Geklagt wurde ferner in der Zuschrift, daß den Lehrern, die für das Deutschtum wirken sollen, durch klein- lichste Di ahnahmen all« Begeisterung geraubt werde. Von manchen Kreisschulinspektoren würden die Lehrer wie dumme Jungen behandelt, und besonders zeichne sich hierin der KreiSschulinspektor Sch. aus KönigShutte aus. Auch laufe die ganze Arbeit der Schule auf äußeren Drill hinaus. Wer ihn nicht mitmache, bestehe nicht bei den Revisionen und werde geschurigelt. Den Anordnungen revidierender Kreisschulinspektoren, die selber selten oder nie in der Volksschule unterrichtet hätten, dürfe auch von erfahrenen Lehrern nicht widersprochen werden. Wage das ein alter Lehrer, so heiße«S sogleich, er möge sich pensionieren lassen. Der Angeklagte Weber erklärt«, di« Zuschrift sei ihm von einem Lehrer im Auftrage seiner Kollegen übersandt worden. Mit dein„KreiSschulinspektor Sch." sei nichr Schwierzina, sondern Schwarze gemeint. Weber habe gar nicht gewußt, daß neben Schwarze noch ein Schwierzina existiere. Den Namen Schwarze Hab« er durch„Sch." ersetzt, weil nicht eine einzelne Person, sondern das System getroffen werden sollte. Die Frage des Vorsitzenden. warum da» erst jetzt zur Sprache komme, beantwortete Weber mit der Erklärung: mit Aussagen vor dem Untersuchung s. lichter habe er schon recht schlechte Erfahrungen gemacht, nur zu leicht würde die Form, in der sie dann protokolliert wird, vom Staatsanwalt ausgenutzt, wiewohl di« Anschuldigung zuerst unmittelbar vor der Befragung bekannt gemacht wird und man doch unmöglich sofort jeden der tausend Artikel sich voll der- gegenwärtige» könne. Die Beweiserhebung hat anderthalb Jahr« erfordert. Zahlreich« Zeugen außer den beiden Krcisschulinspektoren Schtoarze und Schwierzina auch eine Reihe Lehrer, Lehrerinnen und Lchrcrwitwen aus Königshütte und Umgegend— sind in ihren Wohnorten kommissarisch vernommen worden. Am Dienstag wurden ihre Aussagen verlesen— samt den Gegenäußerungen, zu denen jedesmal der Herr KreiSschulinspektor Eck/warze veranlaßt worden war. Schwierzina und Schwarze haben bestritten, daß die Angriffe des Artikels, mit dem jeder von beiden gemeint zu sein glaubte, berechtigt seien. Schwierzina hob hervor, die Regierungs- berfügung sei den Lehrern nur mündlich mitgeteilt worden, der Verfasser des Artikels müsse bcr Mitteilung mit besonderer Auf- merksamkeit gefolgt sein. Schwarze versicherte, beleidigend sei besonders der Vorwurf, daß er äußeren Drill pfleg«, tn Wirklichkeit bekämpfe«r nichts mehr als Aeußerlichteitcn. � Von den Aussagen der Lehrer usw. interessieren vornehmlich dw über Schwarze. Die einen scknldern ihn als streng, aber gerecht. Andere Aussagen werfen ihm Kleinlichkeit, Be- tonung von A e u ße r l i ch k e i i« n und Schroffheit gegen Lehrer vor. So hat ei« Lehrer Fabian bekundet, Sch. habe selber angeordnet, daß die Deckel der Tinten- fässcr gut geputzt sein müssen. Fabian sei von ihm mit 5 M. Geldstrafe beleg: worden, weil er während des Unterrichts in eine andere Klosse gegangen sei, um ein Buch zu holen, das er brauchte. Sch. hat zu dwser Aussage geäußert, F. sei mit jener Strafe belegt worden unter anderem auch deshalb, tvcil er mit der Zigarre im Munde die Kinder zur Messe geführt habe. Sch. halte auf Sauberkeit, er wisse aber nicht, ob er auch gefordert habe, die Tintenfaßdcckel zu putzen. Ein Lehrer Lüsson hatte in einer Lehrerkonserenz Verwahrung dagegen eingelegt, daß Sch. ihm in eine schriftliche Arbeit hincinkorrigiert und oabei sogar Zitate habe verbessern wollen. Sein Widerspruch habe ihm, so hat er als Zeuge bekundet, eine Strafe von 5 Dt. eingetragen, auf die dann auch noch die Entziehung der„Ost Martenzulage" folgte. Sch.'s Gegenäußerung erklärte die Disziplinierung Lüssons mit„provo- zierendem Auftreten" in der Lehrerkonferenz. Die Entziehung der .Ostmartenzulage" nach Disziplinierungen beruhe quf einem Ministerialerlaß. Einem Zeugen Lehrer Klein war nichts von„Drill" bekannt, auch nichts davon, daß Lehrer wie dumme Jungen behandelt würden. Er wußte aber, daß Sch. nicht beliebt war, nur konnte er nicht angeben, warum. Die Lehrerwitwc Pietzuch hat als Zeugin die Meinung ausgesprochen, ihr an Herzschwäche leidender Mann sei, nachdem Sch. ihn nach einer Re- Vision für laistungöunfähig erklärt hatte, aus Gram hierüber schwer erkrankt und dann gestorben. Sch. hat sich nicht erinnern können, daß er dem Lehrer Pietzuch solchen Vorwurf in solcher Form gemacht habe. Rektor Drobio wurve vom Kreisschulinspektor Sch. nach dem Tode P.'s zu der Witive geschick-, um den über den Anlaß deS Todes umlaufenden Gerüchten auf den Grund zu gehen. Drobig hat als Zeuge bekundet, P. sei in oer Tat lcistungöunfähig gcweseu, der.Herr Kreissämlinspektor habe ihn„c n t s pr e ch e n d kritisiert", aber Verletzendes sei dem Zeugen nicht bekannt geworden. Die Aussage des Lehrers Neumann spricht, ähnlich den Aussagen einiger anderer Zeugen, von einer Verminderung der Beteiligung der Lehrer an dem Fes!- essen, oaS der Hauptkonferenz zu folgen Pflegt. Die Gründe sind ihm nicht bekannt, andere Zeugen aber haben direkt angcgcbei!, daß sie um Schwärze'S willen ferngeblieben seien. Lehrer Barsetzko hat bekundet. Sch.'s Verhalten nehme i'n der Tat dem Lehrer die Berufsfreudigkeit. Sch. hat auf die Aussagen dieses Zeugen mit einem Hinweis auf dessen Personalakten geantwortet. Zeuge Lehrer Paschenda hat mal Sch. bitten müssen, ihm beim Unterricht den Gebrauch eines Buches zur Unterstützung seines Gedächtnisses zu gestatten. Sw. hat ihm zu verstehen gegeben, er solle sich doch pensionieren lassen. Als P. antwortete, der Herr KreiS schulinspek« tor lese ja selber ab, gab eS ein Donnerivctter. Lehrer Schmidt gehört zu denen, die bei der Revision schlecht bestanden. Er wollte sich das nicht gefallen lassen und setzt: nach- träglich durch, daß„die Noten seinen Wünschen entsprechend um- geändert" wurden. Der Herr KreiSschulinspektor hat in seiner Gegcnäußerung diese Aenderungen als einen Ausfluß seines „enigegeniommenden Wohlwollen?" hingestellt. Lehrer Pohl hat, ebenso wie manche oer anderen Zeugen, ausdrücklich hervor- gehoben, auf Schwierzina passe die Schilderung durchaus nichr. lieber Schwarze hat er bekundet, er kümmere sich auch um die Ordnung im Schulschrank, um die Tafeis chwämnie der Kinder, aber allerdings auch um den inneren Gehalt des Unterrichts. Daß Sch. durch Kleinlichkeit und Schroff- heit dem Lehrer die Berufsfreudigkeit nehme, hat Rektor Brommy aus seiner eigenen Erfahrung bekundet. Demgegenüber hat Sch. sich darauf berufen, oaß die Regierung ihm. dem Herrn KreiSschulinspektor, Anerkennung gespendet habe. Einem Lehrer Steiner hatte Sch. vorgehalten, daß er„über- nächtig" aussehe; Sch. meint, es sei seine Pflicht gewesen, ihm das zu sagen. Die Lehrer witwe Hoffmann hat bekundet, ihr verstorbener Mann habe viel über Sch. zu klagen gehabt. Eine Lehrerin Fräulein Knöpfler hatte einmal im Katechismus- Unterricht in Gegenwart des Herrn KreisschulinspektorS Sch. zum Buch gegriffen. Sch. habe, so lautet ihre Aussage, ihr d a s B u ch aus der Hand gerissen mit den Worten, ooS müsse sie auswendig wissen. Der Herr KreiSschulinspektor hat bei seiner Ver- nehmung infolge eines Zufalls nicht Gelegenheit erhalten, auch auf diese Bekundung mit einer Gegenäußerung zu antworten. Zur Kennzeichnung Schwarzes sollte auch ein ihm von Lehrern in die Ferien nachgesandtes Telegramm dienen, das er als einen Beweis der Verehrung angeführt hatte. Es wurde verlesen: in auffallend kühlem Ton wünscht« es ihm„guten Kurerfolg". Die Verteidigung bezog sich demgegenüber auf ano- nyn'e Zuschriften, die Sch. erhalten hat. Darin wird ihm tn allerschärfsien Ausdrücken vorgeworfen, daß er durch seine Art, Lehrer zu behandeln, den vorzeitigen Tod mehrerer Lehrer ver- schuldet habe. Nach dieser Beweisaufnahme hielt Staatsanwalt Steinbrecht die Anklage in allen Punkirn aufrecht wei> beantragte 14 Tage Gefängnis. Beleidigt sei nickt nur Schwarze, sondern anck Schwierzina. Der Wahrheitsbeweis fei nur bezüglich Schwarzes versucht worden, sei aber auch hier mißlungen. In den zwei- sprachigen Gebieten seien besonders tüchtige Beamte nötig, und ein solcher sei Schwarze. Der Schulinspektor fei dazu da, die Lehrer zu kontrollieren, zu verbessern, zu erziehen, nötigenfalls zu st rasen. Das habe Eck. getan, dadurch habe er sich verhaßt gemacht, wie jeder, der strafen müsse. So ergehe eS ja auch dem strafenden Gericht. Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Kurt Rafenfeltz forderte ote Freisprechung de» Angeklagten. Nur Schwarze sei ge- meint gewesen, und auch auf den beziehe sich nur der Satz, daß er die Lehrer wie dumme Jungen behandle. Das sei erwiesen. Erwiesen sei aber ferner, daß auch Sch. zu denen gehöre, die den äußeren Drill pflegen, bei Revisionen die Lehrer schurigeln usw. Unter der Schwierigkeit der Lage in zweisprachigen Gebieten leide gerade der Lehrer, darum dürfe man ihm nicht noch die Arbeit er- schweren. Wie Sch. das getan habe, das sei sogar von solchen Leh- rcrn bekundet worden, die wahrlich nicht aus feiten eine?„Vor- wärts"-RedakteurS stehen würden. Die Aussagen seien übrigens von manchen Zeugen unter deutlichen Zeichen der Angst vor ihren Vorgesetzten gemacht worden, das sei dem Verteidiger. der der Vernehmung beigewohnt habe, sofort aufgefallen. Auf Verlangen der Staatsanwaltschaft sei auch danach gefragt worden, wer dem„Vorwärts" den Artikel über- sandt oder dem Angeklagten das BeweiSmatc» rial geliefert habe. Das habe einschüchternd wirken müssen. Der Verteidiger würdigt dann die Zeugenaussagen im einzelnen und kommt zu dem Schluß, daß hiernach eine Verurteilung un- möglich sei. Dem Angeklagic» sei wiederholt zu erkennen gegeben worden, daß man in Lehrerkretsen des Bezirkes KönigShütte es ihm Dank wisse, einmal diese Dinge zur Sprache gebracht zu haben. Da er hiermit dem Wohle der Schule dienen wollte, so stehe ihm auch§ 193(Wahrnehmung berechtigter Interessen) zur Seite. Der Staatsanwalt antwortete mit der Aufforderung, Weber soll« doch mal den Lehrer nennen, der ih» infor- miert habe, er solle auch sich darüber erklären, ob er einverstanden sei mit dem Hinweis des Verteidigers auf jene anonymen Zu- schriften, die Schwarze bekommen habe. Die Frage nach dem Ver- fasser deS Artikels habe an die Zeugen gerichtet werden müssen, damit eventuell auchdernochzurBerantwortung gezogen werden könne. Der Verteidiger wies scharf die Zumutung zurück, der Angeklagte solle jenen Lehrer durch Nennung des Namens dem strafenden Arm der Behörde ausliefern. Jetzt sehe man übrigen?, warum dieser Prozeß gegen den„Vorwärts" an- g e st r e n g t worden sei. Man habe den Verfasser crmit- teln wollen, das gehe aus den Worten des Staatsanwalts hervor. Schlußwort des Angeklagten. Nach einem erfolglosen Versuch des Staatsanwalt«, die Wir« kung seines ausplaudernden Selbsterkenntnisse« abzuschwächen, er- griff noch Genosse Weber das Wort. Auch er verwahrte sich sehr scharf g«gen die Zumutung, den Einsender jener Zuschrift preiszugeben. Auf anonyme Zuschriften sich zu berufen, halte er da für durchaus zulässig, wo es sich um Angehörige einer Berufsgruppe handle, die nur unter schwerster Gefahr» dung ihrer Existenz offen sprechen könnte» Da» Urteil wurde nach einstündiger Beratung gefällt: c« sprach den Ange- klagten schuldig der Beleidigung nur de» Kreis- schulinspektors Schwarze und verhängte über ihn«ine G e l d st r a f e v o n 5 0 M. ß 193 sei ihm nicht zuzubilligen. Di- Beweisaufnahme habe ergeben, daß Sch. ein strenger und tn der Form schroffer Vorgesetzter sei und in einzelnen Fällen sogar taktlos gehandelt habe, aber das habe de« An- geklagte nicht verallgemeinern dürfen. Von„Drill" sei nicht» oder sehr wenig erwiesen worden, Sch. sei nur sehr penibel, auch m äußeren Dingen, und habe ein starkes Pflichibewußtsein, Aus der Partei. Zum Essener Wahlabkommen schreibt die Arbeiterzeitung" au Gifen gegen die von Dortmund: Unser Bruderblatt täuscht sich, wenn es glaubt, daß der Wunsch, ein Mandat zu bekommen, der besonders entschei dende Grund für unser Abkommen gewesen sei. Wir haben in Effen bei den drei Wahlen, an denen wir uns beteiligten, Erfolge erzielt, mit denen wir in jeder Sinficht zufrieden sein können, und wir hätten die natürliche Entwicklung, die uns in wenigen Jahren Mandate aus eigener Straft bringen wird, gut und gern abwarten fönnen, wenn nicht die eigenartig gelagerten Berhältnisse bei der diesmaligen Wahl uns zu der Bereinbarung geradezu gezwungen hätten. 12 Daß wir uns über den Charakter der nationallibe: ralen Partei feiner Zäuschung hingeben, brauchen toir wohl nicht erst zu versichern. Aber mit dieser Partei hatten wir im Grunde genommen auch gar nichts zu tun. Das Zentrum hat es durch seinen Hochmut, durch seinen Machthunger, fertiggebracht, daß es zu einer schwarz- blauen Vereinbarung in diesem Jahre nicht fam. Der Nationale Verein" in Essen und die Bürgerund Arbeiterpartei" in Essen- Rüttenscheid suchten den Ausgang des Kampfes mit dem Zentrum und feinem Anhängfel, der Alt städtischen Bürgerpartei, dadurch für sich günstig zu gestalten, daß sie den evangelischen Arbeitern mehr entgegentamen und mehrere von ihnen, davon einen hirsch- dunderisch Organi fierten und mehrere christlich organisierte refp. christlich- foziale Are beiter als Kandidaten in der dritten Abteilung aufstellten. Und als nur solche Kandidaten in die Stichwahl tamen, lag für uns kein Grund vor, uns in der Frage einer Stichwahlvereine barung absolut ablehnend zu verhalten. Wir hatten ja zu wählen zwischen vier Kandidaten des reaktionären Zentrums ( die ohne die Vereinbarung zweifellos gefiegt hätten) und zwischen ben bier anderen Kandidaten. Unseren Kandidaten aus eigener Kraft durchzubringen, wenn wir durch Ablehnung der Verein. barung die evangelischen Arbeiter vor den Kopf stießen, war nicht möglich. Der in Stichwahl stehende Kandidat des Nationalen Ver eins ist vielleicht nationalliberal, vielleicht aber auch als Vorsitzender des evangelischen Arbeitervereins mehr chriftlich- sozial, aber gewerkschaftlich Anhänger der christlichen Gewerkschaften. Von den beiden Stichwahlkandidaten der Bürger- und Arbeiterpartei in Rüttenscheid war der eine ein liberaler Poftunterbeamter, der andere ein christlicher Gewerkschaftler. Die Zentrumskandidaten waren ein Rentier, ein Kesselfabrikant, ein Dottor( Kreisgeschäftsführer des Katholischen Voltsvereins, Windhorstbündler usw.!) und ein Arbeiter. Da fonnte uns die Wahl nicht aweifelhaft sein, wenn der Stichwahlkontrahent uns ein ehrlich gemeintes Ab tommen anbot. Das tat er; das Abkommen wurde schriftlich fiziert, öffentlich von den Kontrahenten vertreten und ehrlich gehalten. Entscheidend war für uns schließlich der Wunsch, auf keinen Entscheidend war für uns schließlich der Wunsch, auf feinen Fall in Essen eine ultramontane Rathausmehrheit zustande kommen au laffen. Drohte uns dieselbe auch diesmal noch nicht, so drohte fie doch für die nächste Wahl. Eine Eingemeindung fonnte eine folche Mehrheit bringen. Daß das Zentrum fyftematisch auf einen folchen Zustand hinarbeitet, beweist sein Versuch, für die Zentrums. bomäne Effen- West auf Grund des Eingemeindungsvertrages eine Erhöhung der Zahl der Stadtverordneten durchzusehen. Das Geringen diefes Verfuches erhoffte das Zentrum von einem Spruch des Oberverwaltungsgerichts. Dies die Grünbe für unser Verhalten. Wir glauben, daß bei ähnlich liegenden Verhältnissen unsere Partei wiederum so handeln würde. Dabei geben wir uns durchaus teinen Ilusionen für die Zukunft hin, wir würden uns nicht einmal wundern über ein schwarz- blaues Bündnis bei kommenden Wahlen, das gar nicht zu den Unmöglich teiten gehört, fofern dabei eine Zentrumsmajorität vermieden wird. Noch viel weniger natürlich hoffen wir auf eine Koalition der Linken von Baffermann bis Bebel", die der hiesige Allgemeine Beobachter" im Geiste schon kommen sah. 13 " Wir machen unsere Mitglieder barauf aufmerksam, daß der einige Forderungen, wie gehnftündige Arbeitszeit und Wochenlöhne Deutsche Metallarbeiterverband auch Lehrlinge gegen geringen von 17 bis 20 M. Die Firma weigerte sich, auf irgendwelche Unter Beitrag als Mitglieder aufnimmt. Da eine solche Mitglied handlungen einzugehen, sie zahlte vielmehr am Weihnachtsabend den schaft wohl keineswegs im Sinne des Lehrherrn liegen kann, er- Rohn nicht aus, und als die Arbeiter am Montag nach den Feiertagen fuchen wir unsere Mitglieder, in alle neu abzuschließen vorstellig wurden, wurde von ihnen verlangt, aus der Organisation ben Lehrverträge unter Besondere Bestimmungen" auszutreten, sonst flögen sie aus der Fabrik hinaus. Als die Araufzunehmen: Die Mitgliedschaft in Klubs und Bereinen ist beiter diefes Anfinnen zurückwiesen, wurde ihnen gekündigt, aber nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Lehrherrn gestattet. sämtliche Arbeiter legten sofort die Arbeit nieder. Auf Berlangen Jede Teilnahme an Verabredungen, Zusammenfünften, die Zu- des Fabrikanten wurde Gendarmerie herangezogen, ohne daß ber gehörigkeit und Beitragsleistungen irgendwelcher Art für gewerk geringste Grund hierzu vorlag. Er benutzt nun die Gendarmen fchaftliche oder politische Zwede ist dem Lehrling, aud) mit als seine Dienstboten, denn er saidte einen solchen Gesezeshüter in Erlaubnis des Lehrberrn( 1), unter feinen Umständen erlaubt das Streitlofal mit der Erklärung, daß er feine Kündigung zurüdund hat die Aufhebung des Lehrverhältnisses durch den ziehen und 1 W. mehr zahlen wolle. Die Streifenden lehnten es Jumungsvorstand zur Folge." jedoch ab, die Vermittelung der heiligen Hermandad anzunehmen. Uebermut des Unternehmertums. Dieser Beschluß bedeutet, da die Ausgelernten, welche dem Verbande schon als Lehrlinge angehörten, wertvolle Anrechte auf hohe Arbeitslosen- und Reiseunterstützung haben, eine direkte schwere Schädigung der Lehrlinge in ihrem späteren Fortkommen. Berlin und Umgegend. Buchbinder- Berband. Die unter den Mitgliedern vorgenommene Urabstimmung über die Erhöhung des Lotalbeitrages für Berlin ergab folgendes Resultat: Ter Antrag, die Beiträge für die Mitglieder der I. und II. Beitragstlaffe um 5 Pf. pro Woche und die Beiträge in der III. und IV. Beitragsklasse um 10 Pf. pro Woche zu erhöhen, wurde mit 1810@timmen gegen 809 Stimmen angenommen. Der Beitrag beträgt demnach vom 15. Januar 1909( der dritten Beitragswoche) ab in der I. Beitragstlaffe 30 f., in der II. Beitragsflasse 40 Bf., in der III. Beitragstlaffe 70 3. und in der IV. Beitragsflajfe 80 3f. pro Woche. Die Ortsverwaltung Berlin. zwingen. J.-Nr. 1972/77. beitern alles bieten zu können. In der Jägerschen Porzellanfabrik Die Unternehmer twittern jest Morgenluft, sie glauben den Ar in Martirebwis wurde vor Weihnachten einer Anzahl von Drehern gefündigt, gleichzeitig aber fuchte die Firma in ber Keramischen Rundschau" neue Arbeitskräfte. Den Leuten, die sich meldeten, wurde ein Fragebogen folgenden Inhalts zur Beantwortung eingefchict: 1. In welcher Fabrif haben Sie gearbeitet? 2. Wann und wie lange? 3. In welchen Artikeln sind Sie eingearbeitet? 4. Gehören Sie einer Organisation an? 5. Berheiratet? Wie groß ist Ihre Familie? 6. Wie alt sind Sie? 7. Wann kann Ihr Giniritt erfolgen? Daraus geht hervor, daß die Firma es darauf abgesehen hat, die Organisation aus ihrem Betriebe zu entfernen. Arbeiter, denen dieses Inserat zu Gesicht kommt, tun gut, gar nicht darauf zu reagieren. Husland. Offizielle Statistit über Arbeiterbudgets. Das staatliche statistische Bureau Dänemarks veranstaltet in Gemeinschaft mit dem Gesamtverband wie mit den Ortskartellen der dänischen Gewerkschaften eine Untersuchung über die Einnahmen und Ausgaben der Arbeiterfamilien im Jahre 1909. Zu diesem Zwecke sind an eine große Anzahl von Arbeiterfamilien Haushaltsbücher verteilt worden, in ble fortlaufend das ganze Jahr über die Einnahmen und Ausgaben in ihren einzelnen Boften gewissenhaft eingetragen werden sollen. Das statistische Material, das auf diese Weise gewonnen wird, soll Auskunft geben sowohl über den Arbeitsverdienst der einzelnen Familienglieder wie über ben Verbrauch für Miete, Nahrung, Kleidung, Bildungszwvede, Steuern, Vereinsbeiträge usw. Da diese Budgetstatistik sich über das ganze Land erstreckt, wird sie auch Auskunft über die Teuerungsverhältnisse an den verschiedenen Orten geben. ähnliche Statistit ist in Dänemark bereits einmal im Jahre 1897 aufgenommen worden. Damals waren es in den Provinzorten namentlich die Schullehrer, die den Arbeiterfamilien Anleitung bei Aufstellung der Budgets gaben. Da inzwischen die Zahl der gewertschaftlich organisierten Arbeiter auf mehr als das Doppelte angewachsen ist, hat man diesmal im ganzen Lande die Bertreter der Gewerkschaften bazu ausersehen, für genaue und gewissenhafte Aufstellungen zu sorgen. Eine Deutfches Reich. Weitere schwarze Listen des Gesamtverbandes deutscher Metallindustrieller. J.-Nr. 1956. Berlin, den 21. Dezember 1908. Rundschreiben Nr. 229 pro 1908. Bei der Firma Sächsische Glasfabrit G. m. 5. S. in Dohma bei Birna a. Elbe drohen Differenzen auszubrechen, die Arbeiterorganisation hat dieses Werk boykottiert, um die Wieder einstellung eines ordnungsmäßig gefündigten Arbeiters zu er Wir bitten deshalb, fämtliche von genannter Firma tommenden Arbeiter bis auf weiteres von der Einstellung auszu schließen. Berlin, den 29. Dezember 1908. Rundschreiben Nr. 230 pro 1908. fadenfabrit Schresbeim in Die Streite bei den Firmen Mechanische Bind Schregbeim bei Dillingen a. D., Lederfabrik Hermann G. Schmid in Reumünster und Strebelwert G. m. b. S. in Mann beim find beendet; es erledigen sich somit unsere Rundschreiben Nr. 171 vom 31. Juli cr., Nr. 185 vom 5. September cr., Nr. 196 vom 5. Oftober, Nr. 200 vom 16. Oftober. Nr. 211 vom 14. No vember und 223/8 vom 2./18. Dezember er. Die amerikanischen Glasarbeiter fireifen, 12 000 an ber Bahl. J.-Nr. 1978. Berlin, den 30. Dezember 1908. Rundschreiben Nr. 231 pro 1908. Die Gewerkschaft hat eine kleine Lohnerhöhung verlangt, die aber Im Anschluß an unser Rundschreiben Nr. 225 vom 14. Dezember hielten eine Zusammenkunft ab und beschlossen, keinerlei Bugeständvon den Fabrikanten abgewiesen worden ist. Die Fabrikanten 1908 teilen wir 36onen hierdurch mit, daß nach Ablauf der Kündigungsniffe zu machen. frist( a m 26. Dezember 1908) und nachdem die gepflogenen Bernisse zu machen. bandlungen teine Verständigung gezeitigt haben, sich die nachstehend genannten Beleuchtungsfabriken: 1. Sirich, Jante u. Co., Weißwasser, D.- 8. 2. Mudra u. Co., Union", Weißwasser, D.-S. D.-L. Soziales. Gewerbegericht. 5. Januar. 3. Joseph Schweig ,, Germania". Weißwasser Rammer 6. Borsigender Magistratsaffeffor Dr. Sedt. Sigung bom 4. Dr. Martin Schweig, Weißwasser, D.- 2. gezwungen sahen, ihre Werte außer Betrieb zu feßen. 1. Unberechtigte Ginbehaltung. Es lagt der Kutscher S. gegen die Engros- Schlächterei von lifter auf Bahlung rüdständigen Sohnes in Betrage von 23 M. Beklagte hat diesen Betrag einbehalten, weil ihr der Kläger durch begangenen Diebstahl Schaden zugefügt habe. Es find airta 800 bis 900 Mann in obigen Werken ausständig Zu der von unserem Dortmunder Bruderblatt angeschnittenen unb bie in Frage kommenden Bersonen besigen sämtlich leinen Ent Frage der Landtagswahltaftit nur wenige Worte. Formelle Wahl- laffungsschein. abmachungen zwischen Zentrum und Sozialdemokratie lagen da Wir bitten Sie nochmals dringend, alle von den genannten Der Kläger ist vom Jugendgerichtshof wegen Diebstahls zu mals zwar nicht vor, aber doch wohl nur beshalb nicht. Firmen kommenden Glasarbeiter bis auf weiteres unbedingt weil es dem Zentrum nie und nimmer einfällt, im Ruhrgebiet von der Einstellung auszuschließen. einem Monat Gefängnis verurteilt worden. Ihm wurde zur Berlin, den 30. Dezember 1908. J. Nr. 1979. Last gelegt, der Beklagten ein Minderviertel und ein formelles Wahlbündnis mit der Sozialdemokratie einzugehen! Rundschreiben Nr. 232 pro 1908. einige Schweinebaden entwendet au baben. Das Minder Daß die Genossen bei der Landtagswahl durch die Beschlüsse der ist wieder in Die Differenzen bei den Firmen Heinrich Blöh u. Co., viertel den Besitz der Beklagten geLandesorganisation gebunden gewesen seien und nur aus Disziplin fo gehandelt hätten, zu diesem Glauben vermögen obl- und Breßglaswert in Ottendorf Dfrilla langt, während die Entwendung der Schweinebacken dem Kläger wir uns allerdings beim besten Willen nicht aufzufchwingen! Wohl bei Dresden, und Sächsische Glasfabrit G. m. b. S. nicht nachgewiesen werden konnte. Das Gericht empfahl deshalb der war die Haltung der Genossen in den in Frage fommenden Kreifen in Dohma bei Birna a. tbe find beigelegt; es erledigen Beklagten, die geforderten 28 M. im Vergleichswege zu zahlen, da bereinbar mit den nicht in allen Bunkten glücklichen Be. sich somit unsere Rundschreiben Nr. 227 und 229 vom 16. und die Wiederklage aussichtslos fei. Die Beklagte nahm den Vergleich an. Die Beklagte hätte auch, wenn der Diebstahl für erwiesen erschlüssen der Landesorganisation, aber sie war nicht absolut 21. Dezember 1908. bedingt durch dieselben." Gesamtverband Deutscher Metallindustrieller. achtet wäre, nicht einbehalten dürfen, weil der Lohn bis zum Jahresbetrage von 1500 m. unpfändbar ist und Aufrechnungen Unsere Toten. Die Königsberger Töpfer stehen unmittelbar vor der Aussper- gegen unpfändbare Lohnbeträge nach§ 344 B. G. B. unzulässig Vor einigen Tagen brachte der Telegraph die erschütternde rung. Die inmitten der Krise besonders harte Maßnahme des rück- find, gleichviel auf welchem Gründe der Gegenanspruch beruht. Kunde, daß der ruffische Genoffe Dibaparibie, der mit den fichtölofen Unternehmertums wird für die betroffenen Arbeiter 2. Die beklagte Oberin. anderen verurteilten Witgliedern der sozialdemokratischen Fraktion noch dadurch verschärft, daß sich sofort wieder eine sogenannte Die Krankenschwester Frl. 3. flagt gegen die Oberin Hedwig der zweiten Duma die Zuchthausstrafe abbüßte, die die Schöpfer beschriftliche" Organisation gefunden hat, die bereit ist, die Aus Kirstein vom Schwesternheim in der Mansteinstr. 2 auf im Gewerbe zu unterstüßen. Es Staatsstreichs vom 16. Juni ihnen auferlegt hatten, an der bestand so lange ein Tarifvertrag zwischen der Töpferinnung unb Sahlung des rädständigen Gehalts von 25 M. Die Beklagte, die Lungenschwindsucht gestorben ist. Seine Angehörigen hatten be den Gefellen, die zu fast gleichen Zeilen im Zentralverband und Juhaberin der Anstalt ist, hat der Klägerin den Betrag einbehalten, reits jeit längerer Beit darum nachgesucht daß er, dessen Gesundheitszustand schon gleich nach der Verhaftung im Lokalverein organisiert sind. Diefer Tarif wurde seitens der weil diese nach ihrer Meinung kontraktbrüchig getvorden sei. Sie zu den ernstesten Besorgnissen Anlaß gab, aus Petersburg nach Arbeitsverhältnis sollten neu vereinbart werden. Es tam auch zu verließ. Die Klägerin bestreitet den Kontraftbruch. Sie habe irrtümlich Meister aufgekündigt und die einzelnen Positionen im Lohn- und stüßt ihre Meinung darauf, daß die Klägerin am 1. April zum 1. Mai 1908 gekündigt habe, aber schon am 15. April die Anstalt einem südlichen Gefängnis übergeführt werde. Dieses Gesuch wurde von der Regierung befriedigt als die Gefängnisärzte den Stranfen Bei Sibungen der Körperschaften, die leider keinen Beschluß her verließ. Die Klägerin bestreitet den Sontraftbruch. Sie habe irrtümlich bereits völlig aufgegeben hatten! Genosse Dshoparidse starb während beiführten. Bei der dritten Verhandlung waren auch schon die angenommen, eine Frist zur Kündigung bestehe, in der Tat fei eine des Transportes im Arreftantenwagen eines Buges, ber ihn nach Christlichen" auf dem Plan und die Arbeitgeber verlangten, daß solche ausgeschlossen gewesen. In 5 der Statuten, die auf alle des Transportes im Arreftantenwagen eines Buges, ber ihn nach bie Gesellen des Zentralverbandes und Lokalvereins mit dieser tommen, heißt es nämlich, daß die Krankenschwestern nicht vor bei der Anstalt beschäftigten Krantenschwestern in Anwendung Bon russischen Parteigenoffen wird über die Persönlichkeit des Unternehmerschußtruppe gemeinsame Sache machen sollten. Gleich lommen, beißt es nämlich, daß die Krankenschwestern nicht vor Toten geschrieben: Mit Dfhaparibie fcheidet eine der marlantesten geitig wollten die Meister einen Tarifvertrag zur Beratung stellen, blauf der Ständigungsfrist entlassen werden, noch ihren Dienst aufgeben dürfen. Geschieht trotzdem die Lösung des Dienstverhältnisses ber gegen den abgelaufenen Vertrag wesentliche Verschlechterungen Figuren der ersten parlamentarischen Fraktion der ruffischen Sozial aufwies. Die Vertreter des Zentralverbandes und des Lotal auf ihren Wunsch, so haben sie eine Afindung von 25 M. zu zahlen. demokratie aus dem Leben. Schriftsteller von Beruf, hat er feit vereins lehnten es einstweilen ab, mit der" Christengruppe" zu Aber im§ 7 heißt es, daß die Schivestern während dem Bestehen der sozialdemokratischen Partei Rußlands in Wort sammenzugehen, da sie hierzu von seiten ihrer Mitgliedschaften auch des ersten Halbjahres ihres Dienstverhältnisses unter und Schrift für dieselbe gewirkt, hat alle Qualen und Entbehrungen gar kein Mandat übertragen bekommen hatten. Da erklärten die 50 m. pro Monat tätig find; erst vom Beginn des zweiten Kündigungsausschluß bei einer Entschädigung von 40 bis an denen das Leben eines„ illegalen" rnssischen Revolutionärs so reich ist, Meister, nun überhaupt nicht mehr verhandeln zu wollen. In der zweiten Duma anbrach, ba hat er feinen Augenblick ben Beschluß, daß sie willens feien, auf Grundlage des alten Monatserften zum Monatsersten ein. Bon da ab gibt es auch kein gewantt, um den Feind von Angesicht zu Angesicht zu Tarifs weiter zu arbeiten, und dieser Beschluß murbe der Löpfer- Gehalt mehr: es verbleiben vielmehr den Schwestern als Einnahmen empfangen, und hat bis zum letzten Moment auf seinem ehrenvollen innung fofort mitgeteilt. Hierauf lief folgende Antwort ein: die von den Patienten zu entrichtenden Pflegegelder, die während Posten ausgeharrt. noch feine fechs Monate in diefem Dienstverhältnis befand, war des ersten Halbjahres an die Anstalt fallen. Da fich die Klägerin also die Kündigungsfrist ausgefchloffen, mithin ihr Anspruch boll berechtigt. Die Beklagte zahlte nach Stlarlegung der Rechtslage durch ben Vorsitzenden die geforderte Summe. und als Genosse Dshaparidse war kein hervorragender Theoretiker, fein glänzender Redner. Was ihm die angesehene Rolle in der Fraktion berichaffte und den Ruf einbrachte, er sei" ber Stopf" der taukasischen Arbeiterdeputierten, das war die tiefe theoretische Ueberzeugung und politische Einsicht, die grenzenlose Hingabe und der glühende Glaube an die Sache des Proletariats, die den Verstorbenen auszeichneten. Einer von denen, die für den Befreiungskampf der ruffischen Arbeiterklasse ihr Leben ließen, wird er im Herzen des internationalen Proletariats ftets ein ehrenvolles Andenken genießen. Auf das Schreiben teilen wir mit, daß die Königsberger Töpfermeister mit den Zöpfergefellen der Hirsch- Dunderfchen Richtung einen Bohntarif bereits abgeschloffen haben. Nach der damaligen Ablehnung wegen des Lohntarifs in Unterhandlung zu treten, gehen wir jetzt auf weiter nichts mehr ein. J. A.: C. Maktowsky, Töpfermeister. Es muß nun einstweilen abgewartet werden, ob dies nun tat fächlich die Teßte Antwort der Meister ist. Aerztestreik bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse in Nathenow. Die vier bei der genannten Kasse zur Zeit verpflichteten Aerate haben am Montag ihre Funktionen für die Kaffe eingestellt. Die Die Tapezierer Königsbergs stehen vor neuen Kämpfen. Bisher Herren verlangen bedingungslose Wiedereinstellung der durch Kündi Personalien. Am 1. Januar bat an Stelle des ausscheidenden mit den vereinigten Möbelfabrikanten ebenfalls eine Tarifgemein- mamm und Dr. Rudolphi. Die Staffe verlangte als Gegenleistung hatten sie mit der Innung der Tapezierer und Dekorateure fowie gung am 1. Januar ausgeschiedenen beiden Kaffenärzte Dr. BeldGenossen ennig Genosse Ernst Däumig. bisher am Bolts- fchaft. Jetzt haben die Unternehmer im Tapezievergewerbe den Verlängerung des bestehenden Aerztevertrages bis Ende 1910. Das blatt für Salle" tätig, die Leitung der" ribüne" au Erfurt alten Tarif zum 1. April d. 3. gekündigt, aber durchaus nicht zu wurde von den Werzten abgelehnt. Seitens der Kaffenleitung eifennen gegeben, ob sie geneigt sind, in Verhandlungen einzu waren alle erdenklichen Schritte unternommen, den Konflift zu ber treten. Selbstverständlich wollen besonders die Innungsmeister büten. dabei im trüben fischen, und die allgemeine Krise dünkt den Herren als die geeignetste Zeit, die Kraft der Arbeiter billig einzukaufen. Die Tapezierer sind in Königsberg gut organisiert und nicht so unbernünftig, zugunsten der Unternehmer fich givet Organisationen zu leisten. Außer dem Verein der Töpfer besteht in Königsberg weiter teine 2olalorganisation. übernommen. Gewerkschaftliches. Jnnungsmeisterterror gegen Lehrlinge. Der Vorstand der Klempner- Innung des Vier städtegebietes Hamburg, Altona, Wandsbeck, Harburg läßt seinen Mitgliedern beim Abschluß von Lehrberträgen folgende Warnung zur Vorsicht zusehen Aus Industrie und Handel. Das Handwerk im Krisenjahre. Als das Jahr 1907 zu Ende ging, befand sich das Handwert Um bas Koalitionsrecht. In der Fränkischen Malzfabrit in infolge der Geldteuerung schon in einer sehr schwierigen Lage, von Mained bei Kulmbach stellten die Arbeiter burch ihren Verband der alle 8weige des Handwerks mehr oder minder start beimgesucht waren. Da» Jahr tSOS hat zwar eine«rmShtgung der GeldsStze gebracht, die auch den Handwerkern zugute gekommen ist, aber auf der anderen Seite türmten sich neue Schwierigkeiten auf, die schließlich ihre Hauptursache darin hatten, daß die Arbeit»- gelegenheit auch für das Handwerk sehr merklich abnahm. Aus dem platten Lande und in Kleinstädten wurde die Beschäftigung kaum ge- ringer, um so empfindlicher aber wirkte der Arbeitsmangel in den Groß- und Mittelstädten sowie in den Jndustrieorten. Hier war namentlich der Teil des Handwerks schlimm daran, der mit der B a u t ä t i g- k e i t verknüpft ist und von ihr seine Arbeitsmenge erhält. Die matte Bautätigkeit verschlechterte die Lage der kleinen Bauttschler, der Dachdecker, Glaser. Maler, Ofensetzer. Tapezierer. Installateure usw. ganz wesentlich. Um nur die Tischler herorzuheben, so hat mancher Meister im vergangenen Jahre seine Selbständigkeit einge- büßt; andere, die vor dem Konkurs standen, sind durch das Ein- greifen ihrer Holzlieferanten weiter über Wasier gehalten worden. befinden sich nunmehr aber in einer ziemlichen Abhängigkeit von dem Holzhandel. Weit weniger stark machte sich in dem handwerksmäßig be- triebenen Bekleidungsgewerbe die Abnahme der Beschäftigungs- gelegenheit bemerkbar: die Schneiderei hatte namentlich in den größeren Orten auch IVVS recht befriedigend zu tun. Ob freilich der kleinere Schneidermeister bei den hohen Spesen in den Städten gegenüber der Ausbreitung der größeren Konfektions- geschäfte noch so vorwärts kommt wie in früheren Jahren, muß bezweifelt werden. Nur zu leicht sinkt der Betrieb des kleinen Meisters zur Reparaturwerkstätte in ähnlicher Weise herab, wie wir es in der Entwickelung des Schuhmacherhandwerks schon früher beobachten konnten. Auch auf dem platten Lande verwandelt sich der Schneider immer mehr in den Händler mit fertigen Kleidern, bei deren systematischem Vertrieb auf mehreren Orten ein besserer Verdienst abfällt als bei Ausführung von Matzarbeit. Die Kon- kurrenz der Konfektionsfirmen im laufenden Jahre hat dafür Sorge gewogen, daß die Maßarbeit immer mehr auch auf dem platten Lande verdrängt wird._ Die neue Börsenordnung bringt die bekannte Affäre Buchwald in gerade nicht angenehmer Weise nochmals in Erinnerung. Sie bestimmt nämlich, daß dem Börsenvorstand das Recht zusteht, den Börsenjournalisten jederzeit.nach freiem Ermessen" die Eintritts- karten zu entziehen. Nach dem Fall Buchwald bekommt die Be- stimmung leicht den Charakter eines Maßregelungsmittels gegen objektive, aber unbequeme Berichterstattung. Dem Ansehen der Börse wäre sicher besser gedient, hätte man auf die Lex Buchwald verzichtet._ Der Arbeitsmarkt für Bauarbeiter. Im Durchschnitt des Reiche? kamen bereits im November auf fe 100 offene Stellen für Bauarbeiter 243,5 Arbeitsuchende, während es im Vergleichsmonat 1S07 mit 159,2 gewesen waren. 1906 hatten sich auf je 100 offene Stellen nur 14l,8 Arbeitsuchende gemeldet. Ganz unvermittelt hat der Andrang in diesem Jahre von Oktober auf November eine besondere Verstärkung erfahren, obwohl die Witte- rung die Bautättgkeit im November kaum stärker beeinträchtigte als im Oktober. Der Andrang stieg nämlich von Oktober auf November um 57,7 Proz. offene Stellen, während er im Vorjahre nur um 41,1 gestiegen war. In fast allen Provinzen Preußens und den anderen Landesteilen des Reiches geht der Andrang erheblich über den des Vorjahres hinaus; in einzelnen Gegenden erreichte er eine außer- gewöhnliche Höhe. So sei nur das Großherzogtum Heffen heraus- gegriffen, wo im November auf je 100 offene Stellen 575,4 Arbeit- suchende kamen gegen 317,9 im Oktober und 304,6 im Vorjahre. Nächst Hessen weisen die Provinzen Posen, Pommern und Schlesien einen ungewöhnlichen Andrang Arbeitsuchender auf; in Posen ging er bis auf 450. in Pommern auf 421 und in Schlesien gar bis auf 474 hinauf. In den nordöstlichen Provinzen war das Ueberangebot nicht ganz so stark; dagegen wies Brandenburg mit 317 auch schon eine sehr hohe Ungunst auf. In Hannover. Rhein- land-Westfalen und Hesien-Nassau ist der Andrang nicht ganz so hoch wie in den östlichen Provinzen; immerhin geht er auch in diesen Provinzen über 200 bczw. 300 hinaus. Recht ungünstig ist auch die Arbeitsgelegenheit für Bauarbeiter im Königreich Sachsen, wo der Andrang bis auf 405 hinaufgegangen ist. In Baden beträgt er 402. Eine starke Verschlechterung gegenüber dem Vorjahre weist der Arbeitsmarft serner in Bayern. Württemberg und Elsatz-Lothringen auf; in Württemberg ging er sogar bis auf 321,2 hinauf. BeteiligangSziffern im Kohleufyndikat. Nach der neuen Aufstellung stellt sich ab 1. Januar 1909, im Vergleich mit den vorjährigen Ziffern, die Beteiligung wie folgt: 1909 1908 in Kohlen auf 77 934 834 Tonnen gegen 76 676 457 Tonnen , Koks. 14 407 350,, 13086 993. . Briketts. 3 483 910,. 2 839 910. Es erhöhten sich also die Beteiligungsziffern für Kohle um 1 258 877 Tonnen, für Koks um 264 500 Tonnen und für Briketts um 276 100 Tonnen. Klus der Frauenbewegung. Arbeitskammern. Ehe das alte Jahr zur Neige ging, ist dem Reichstag wieder ein neuer sozialpolitischer Gesetzentwurf zugegangen, der die Er- richnmg von Arbeitskammern regeln soll. Diesmal sollen auch die Arbeiterinnen das aktive und passive Wahlrecht bekommen, d. h., sie sollen sowohl wahlberechtigt als auch wählbar sein. Dieser Fortschritt sieht auf den ersten Blick wie eine gerechte Anerkennung ihrer sozialen Gleichberechtigung aus; aber wir müßten nicht unsere Regierung kennen, um nicht sofort nach dem Pferdefuß zu schauen. Und in der Tat, im nächsten Satz guckt er schon heraus und schlägt der sozialen Gleichberechtigung des Frauengeschlechts ins Gesicht, indem das aktive Wahlrecht an ein Alter von 25, das passive Wahlrecht sogar an ein Alter von min- bestens 30 Jahren geknüpft ist! Da lag richtig der Knüppel wieder mal beim Hund— denn praktisch hat das nichts anderes zu be- deuten, als daß die übergroße Mehrzahl der Arbeiterinnen sofort wieder vom Wahlrecht ausgeschlossen wird. Anstatt Anerkennung wird ihnen eine dummdreiste Verhöhnung zuteil. Der Wähler muß mindestens 25 Jahre, der zu Wählende min- destens 30 Jahre alt sein. Sobald aber ein Arbeiter oder eine Ar- beiterin längere Zeit arbeitslos ist oder den Berus wechselt oder in einem Ort außerhalb des Arbcitskammerbezirks Arbeit nimmt, dann verwirkt sie die Zugehörigkeit zur Kammer und scheidet aus derselben aus. Da haben die Scharfmacher es ja in der Hand, jeden unbequemen Arbeitervcrtreter aus der Kainmer hinauszu- werfen; sie brauchen ihn nur zu maßregeln und auf die schwarze Liste zu setzen. Die Vorlage zeigt Punkt für Punkt, daß eS der Regierung nur um Dekoration und Schönfärberei handelt. Wer die Rechte der Arbeiterschaft wahren, ihren Kulkurkampf nach Gleichberechtigung stärken will, der mutz auch in der Arbeits- kammetfrage den Standpunkt vertreten: Fort mit der Entrechtung durch paritätische Arbeitskammern I Her mit dem gleichen Recht auf reine ungemischte Arbeiterkammern l Der Kampf hierum ist eine neue Etappe im allgemeinen Kampfe um den Sieg der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung. Sie ringt um die Zukunft, aber auch um die vitalsten Gegenwarts- Interessen der ausgebeuteten Menschheit; sie erstrebt auf allen Ge- bieten das gleiche Recht auch für die Frauenwelt! Deshalb: Arbeiterinnen, strebt vor allen Dingen nach politischer Aufklärunq, stärkt die gewerkschaftlichen und politischen Organisa- tionen— dies muß die Aufgabe aller denkenden Frauen und Mäd- chen sein._ Frauenstimmrccht in der Schweiz. In mehreren Kantonen der Schweiz haben die Frauen die Wählbarkeit in die Schulkommissionen, so z. B. in den Kantonen Zürich und Basel. Jetzt ist sie auch vom Großen Rat des 5kantons Zteuenburg, anläßlich der Revision des Schulgesetzes, auf Antrag der sozialoemokratischen Fraktion, mit 45 gegen 39 Stimmen, be- schloffen worden. Unter den Gegnern befanden sich 30„Radikale" und 9 Konservative. Die minimalen Lehrergehälter wurden dabei von 1600 auf 1800 Frank für die Lehrer und von 1080 auf 1200 Frank für die Lehrerinnen erhöht. Letztere erhalten also für die gleiche Leistung eine erheblich schlechtere Bezahlung. Im Kanton St. Gallen sind 4067 Unterschriften, wovon 1274 männliche und 2793 weibliche, gesammelt worden für eine Eingabe an die Behörden betreffend die Beiziehung der Lehrerinnen fürs die oberen Volks- und Realschulklaffen, sowie die Wählbarkeit der Frauen in die Schulbchörden. Leseabende. Lankwitz. Mittwoch, den 6. Januar, 8 Uhr, bei Ebel, Marienfelder- stratze 9. Versammlungen. Ter Zentralverband der Brauerelarbeiter hatte am Sonntag nach Bökers Saal in der Wcberstraße eine Versammlung ein- berufen, die stark besucht war. T r ö g e r erstattete den Bericht des Arbcitsnachweiskuratoriums. Er sagte unter anderem, die Lage des Gewerbes sei schlechter als je. Ein so ungünstiges Jahr wie 1908 sei noch nicht dagewesen. Auf dem Arbeitsnachweis der Braue- reien mache sich die eigentümliche Erscheinung bemerkbar, daß in Zeiten schlechien Geschäftsganges weniger Arbeitsuchende ein- getragen sind als zu besseren Zeiten. Das erkläre sich wohl daraus, daß die Nachweisbeamten die Arbeitslosen darauf aufmerksam machen, daß sie sehr lange werden warten muffen, bis sie an die Reihe kommen und daß sich die Arbeitslosen dann nicht erst ein- tragen lassen� sondern sich anderweitig nach Arbeit bemühen. Im Jahre 1908 ließen sich 4079 Arbeitslose eintragen. Besetzt wurden 1157 feste und 3158 Vizestcllen. Das sind 2260 feste und 2407 Vize- stellen weniger als im Jahre 1906. Hieraus sei ersichtlich, daß eine große Arbeitslosigkeit im Brauereigcwerbe herrscht. Im Dezember 1908 seien etwa 900 Arbeitslose im Nachweis eingetragen gewesen. Die Einstellung auf Prozentsatz(ohne Vermittelung des Arbeits- Nachweises) sei in schlechten Geschäftszeiten immer verhältnismäßig größer gewesen als in guten. Das Vorgehen des Verbandes gegen die weitgehende Ausnutzung der Prozentsatzeinstellungen seitens der Brauereien habe zur Folge gehabt, daß sich dies Verhältnis zur- zeit günstiger gestaltet habe. Bis zum November 1903 sei die Pro- zcntsatzeinstellung aus 64 zurückgegangen.— Das Kuratorium habe im Jahre 1907 nur eine Sitzung abgehalten, um den Jahresbericht f-.stzustellei,. Im Jahre 1908 habe der Obmann Dr. Freund zu diesem Zweck überhaupt keine Sitzung mehr einberufen, sondern den Bericht den Mitglieder des Kuratoriums zur Aeußerung zuge- sandt. Dagegen fanden zwei Sitzungen auf Veranlaffung der Ar- bcitnehmer statt, welche sich aus Anlaß eines besonderen Falles mit verschiedenen älteren Kuratoriumsbeschlüsscn befaßten. Es handele sich um eine Bestimmung, wonach ein Arbeiter, der in einer ring- freien Brauerei eine Vizestellc erhielt, innerhalb vier Wochen nach Beendigung dieses Arbeitsverhältniffcs nicht wieder in derselben Brauerei beschäftigt werden darf. Andere Bestimmungen geben dem Beamten des Arbeitsnachweises das Recht, Arbeiter, die gegen die Hausordnung verstoßen haben, für gewisse Zeit vom Arbeits- Nachweis auszuschließen. Diese und eine Zieihe ähnliche, die Ar- bester benachteiligenden Bestimmungen seien in früheren Jahren beschlossen worden, als die Bundcsgesellen das Kuratorium in Händen hatten. Die jetzigen Arbeitnehmer im Kuratorium haben die Aufhebung dieser Bestlinniungen beantragt und auch die Frage angeregt, ob es nicht an der Zeit sei, den Arbeitsnachweis, der jetzt eine Einrichtung des Vereins der Brauereien darstellt, zu einem wirklich paritätischen zu gestalten, also ihn von dem Verein der Brauereien loszulösen und zu einem Arbeitsnachweis für das ge- samte Braucrcigcwerbe zu gestalten, lieber diese Frage sei aller» dingö noch keine Verständigung mit den Unternehmern herbei- geführt worden. Eine Verhandlung mit ihnen wegen der Prozent- cinstcllung sei zugesagt, jedoch solle dieselbe erst nach Erledigung der Brausteuerfrage stattfinden, also im April oder Mai. Dann werde auch die Frage der Ausgestaltung des Arbeitsnachweises an- geschnitten werden.— Zum Schluß machte der Redner darauf auf- mcrksam, daß am nächsten Sonntag<10. Januar) die Neuwahl des Kuratoriums stattfindet, und daß es Pflicht der Vcrbandsmitgliedcr sei, vollzählig und ohne Ausnahme ihr Wahlrecht auszuüben, so- weit sie in Ringbrauereicn beschäftigt sind. Wahlen seien von großer Wichtigkeit, weil das Kuratorium des Arbeitsnachweises gleichzeitig als EinigungSomt in Tarifstreitigkeiten fungiert. In der Diskussion wurde von mehreren Rednern darüber ge- klagt, daß der Arbeitsnachweisbeamte Schlafitzel die Arbeit- suchenden oft in sehr unangemessener Weise behandele. Die Versammlung beschloß cinstimmig, das Kuratorium möge die Entfernung des Herrn Schlafitzel aus dem Arbeitsnachweis bewirken. Dieser Beschluß soll dem Obmann des Kuratoriums, Dr. Freund, übermittelt werden. Als Kandidaten für die Wahl des Kuratorium? wurden folgende Personen aufgestellt: Für die Brauer: Als Mitglieder Tröger und Schwendler; als Ersatzmänner Großfuß, Gabriel, Werth, JunghanS.— Für sonstige Arbeitnehmer: AlS Mitglieder Bierfahrer Jurisch, Flaschenkeller- arbeiter Person; als Ersatzmänner Bierfahrer Drieschner, Hofarbeiter Wcinschenk, Handwerker Jakob, Flaschenkcllcr» arbeiter Hübncr. AJANDORF&C 0 Spittelmarkt Belle Alliancestrasse Grosse Frankfurterstrasse Brunnenetrasee Kottbueer Damm H«m« Bedeutende Preisermässigung in allen Abteilungen Sie brauchen nur 10 Pfg., um einen Versuch zu machen mit Kathreiners Malzkaffee, dem besten und wohlschmeckendsten Familiengetränk für Gesunde und Kranke, Erwachsene und Kinder. Nur echt in geschlossenen Paketen(ganzen, halben und viertel) mit Bild und Namenszug des Pfarrers Kneipp und der Firma Kathreiners Malzkaffee- Fabriken. Lerautwortt icher Redakteur: Hans Weber. Berlin. Für dcnJnscratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Borwärt» Buchdruckerei u. LerlagSanstalt Panl Singer& Co» Berlin SW. • Nr. 4. 26. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Internationale kriminalistische Vereinigung. Der internationale kriminalistische Kongreß schloß gestern mit einstimmiger Verurteilung einer Reihe Verschlechterungen, die die Strafprozeßreform anstrebt, und mit der Forderung einiger Befferungen. 1. Die Vorschläge des Entwurfs zur Gerichtsorganisation find im allgemeinen als eine brauchbare Grundlage für die neue Organisation anzusehen. 2. Doch muß a) die Zuständigkeit des ohne Zuzichung von Schöffen entscheidenden Amtsrichters auf Nebertretungen beschränkt werden, Mittwoch, 6. Januar 1909. Oberlandesgerichtsrat a. D. Wirkl. Geh. Rat Dr. Hamm- Bonn: Nach Einführung der Berufungen dürften sich letztere häufen. Es müsse aber trotzdem dafür gewirkt werden, daß nicht eine reformatio in pejus eintrete, d. h. daß der Angeklagte, der allein Instanz erhalten könne. Berufung eingelegt habe, eine höhere Strafe als in der ersten Geh. Justizrat Kammergerichtsrat Dr. Kroneder- Berlin: Gr halte es für vollständig falsch, wenn ein Vorsitzender dem Zeugen fortwährend seine früheren Aussagen aus dem Protokoll vorhalte. Der Einwand, daß es unmöglich sei, ohne Vorakten zu verhandeln, sei vollständig hinfällig. Eine Ueberweisung der Berufung an die Oberlandesgerichte halte er nicht für tunlich, da die Angeklagten und Zeugen vielfach nicht in der Lage sein dürften, das Reisegeld zu bezahlen. Ebensowenig sei er für eine leberweisung der Berufung an detachierte Strafkammern. Die Juristerei laffe fich nicht im Umherziehen betreiben. Der Richter, der im Hotel wohnen müsse, dem keine Bibliothek zur Seite stehe usw., tönne nicht derartig arbeiten, als wenn er in seinem ständigen Wohnsiß sei. Die Bevölkerung habe auch nur zu den heimischen Richtern Vertrauen. Deshalb empfehle es sich, die Berufungen an die Landgerichte zu Oberlandesgerichtsrat Rosenberg, Colmar i. E., bespricht das Die Stellung der Staatsanwaltschaft im Strafprozeß Der Redner legte seinen Ausführungen folgende Beitsätze I. Das Legalitätsprinzip ist als gefeßliche Regel beizubehalten. II. Bei Bergehen und lebertretungen kann die Staatsanwaltschaft in besonders leichten Fällen von einer Strafverfolgung absehen. In diesem Falle ist jeder, der ein berechtigtes Interesse an der Strafverfolgung nachweist, zur Erhebung der fubfidiären Privatklage befugt. berweisen. Thema: zugrunde: III. Bei Vergehen und lebertretungen, welche von jugendlichen Personen begangen werden, wird die öffentliche Klage nur dann erhoben, wenn diese im öffentlichen Interesse liegt. IV. Die Fälle der Privatklage sind zu vermehren. V.§ 154 und§ 157 des Entwurfs sind zu streichen. VI. In dem Gerichtsverfassungsgesetz(§ 147) ist zum Aus druck zu bringen a) daß die dienstlichen Anweisungen der Vorgeseßten mit dem Legalitätsprinzip nicht in Widerspruch stehen dürfen; b) daß die dienstlichen Anweisungen der Vorgesetzten sich nicht auf die tatsächliche Würdigung des Beweismaterials in der Hauptverhandlung erstrecken dürfen, VII. In der Strafprozeßordnung(§ 162 des Entwurfs) ist zum Ausdruck zu bringen a) daß im Ermittelungsverfahren alle wichtigen Erhebungen durch die Beamten der Staatsanwaltschaft persönlich bewirkt werden sollen; hinzuzuziehen. Er halte dies aber für bedenklich. Der Assessor werden. Für Leute in behaglicher Vermögenslage feien 50 M. fönnte Einfluß auf die Schöffen gewinnen oder, wenn er nicht an bielleicht eine Bagatelle, nicht aber für unbemittelte Beute. der Beratung teilnehme, dann sei seine Stellung doch eine wenig Geh. Justizrat Prof. Dr. v. Liszt- Berlin: Er sei damit ein verlockende. Die Hinzuziehung von Schöffen zu den Straffammern verstanden, daß die erste Instanz lediglich aus Amts- und Schwurwerde selbst von den rabiatesten Anhängern der rechtsgelehrten gerichten bestehe. Die Berufung wäre lediglich dem Landgericht zu Richter, wie z. B. von dem bekannten Landgerichtsdirektor Schu- überweisen. Er halte es für richtig, daß das große Schöffengericht bert- Königsberg, befürwortet. Es sei vorgeschlagen worden, die aus einem rechtsgelehrten Richter und vier Schöffen bestehe, da Straftammern aus drei Richtern und zwei Schöffen zusammen- awei rechtsgelehrte Richter verschiedener Meinung sein und somit zusehen, weil eine Reihe juristischer Fragen vorkommen, für die nicht die volle Autorität über die Schöffen erlangen dürften. die Schöffen nicht das nötige Verständnis haben dürften. Er halte Prof. Dr. v. Hüppel- Göttingen: Er fönne fich durchaus für Verurteilt wurde die schwere Beeinträchtigung der Rechte brohung, eine Beleidigung, eine schwere oder gefährliche Störper- Einzelrichter ohne Schöffen zu überweisen. Dies Verfahren würde das für falsch. Die sogenannten juristischen Fragen, ob eine Bes den Vorschlag nicht erwärmen, sogenannte Bagatellsachen dem des Angeklagten, die in der Neuerung liegen würde, daß verlegung vorliege, seien mehr Tatfragen als juristische. Er selbst wohl eine Beschleunigung herbeiführen, entspräche aber nicht dem das Gericht in einem noch weit größeren Maße wie heute, fei Referendar bei einem alten Richter gewesen. Dieser habe ihm Grundsatz der Gerechtigkeit. Wo Freiheit und Ehre und die soziale den Umfang der Beweisaufnahme bestimmen einmal gesagt:„ Wenn ein Mann aus dem Volte äußert, ich Stellung eines Menschen in Frage komme, könne von einer Bagakönnte, insbesondere die Beweisaufnahme nicht mehr schlage Dir den Bregen ein, so bedeutet es etwa dasselbe, als wenn telle keine Rede sein. auf die sämtlichen vorgeladenen Zeugen und Sach- ich zu Ihnen sage: Ich bin anderer Meinung als Sie."( Große verständigen zu erstrecken hätte. Bemerkenswert ist auch Seiterkeit.) Die Schöffen seien schon deshalb notwendig, weil sie die Stellungnahme des angesehenen Juristenkongresses im öffentlichen Leben stehen und die Volkssprache besser kennen gegen das Inquisitorium der Zeugen und An- als die rechtsgelehrten Richter. Es sei der Vorschlag gemacht getlagten durch den Gerichtsvorsitzenden. Wer auch nur schworenengerichten das erste juristische Examen abgelegt habe. Ein getlagten durch den Gerichtsvorsitzenden. Wer auch nur worden, möglichst dahin zu wirken, daß der Obmann bei Gean einem Lage Moabit durchwandert, wird darüber erstaunt alter Schwurgerichtsvorsitzender habe geäußert, er habe als Obfein, wie polizeiliche und sonstige unverantwortliche Vet- mann unter den Geschworenen einen ehemaligen Referendar genehmungen von Zeugen und Angeklagten von manchen Vor- habt und dadurch seien sehr vernünftige Geschworenensprüche herfizenden benutzt werden. Die größte Zahl der Zeugen wird beigeführt worden. Er müsse jedoch einwenden, daß auch Ob dadurch verwirrt: an Stelle des mündlichen Verfahrens wird männer, die nicht das erste juristische Gramen abgelegt haben, berso indirekt von hinten herum der mittelalterliche schriftliche ständige Sprüche herbeigeführt haben. Daß zu dem bereinigten Inquisitionsprozeß wieder eingeführt. Für die Notwendigkeit 2. und 3. Straffenat des Reichsgerichts bei Aburteilung von Hocheiner stärteren Heranziehung von Laien, und Landesverratssachen Schöffen hinzugezogen werden, sei nicht insbesondere in der diskutierbar(!). Dagegen empfehle sich dringend die Hinzuziehung Berufungsinst an 3, von Schöffen auch bei den Berufungsſenaten, ganz besonders bei wurden gewichtige gewichtige Stimmen laut. Es erfuhr auch polizeilichen Nebertretungen. Gerade in dieser Beziehung sei es die Leichtigkeit der Beeinträchtigung der persönlichen notwendig, daß Leute, die im öffentlichen Leben stehen, urteilen. Freiheit durch willkürliche Haft und die Schutz- Die kleinen Berufungskammern, die jetzt über Uebertretungen in Tosigkeit des Jnhaftierten scharfe Beleuchtung. zweiter Instanz urteilen, werden im Berliner Boltsmund Barm. Der Versuch, die ihrer Natur nach parteilichste Behörde, die herzige Brüder genannt( Heiterkeit), da sie oftmals schablonenhaft Staatsanwaltschaft, zur noch unbeschränkteren die Strafe herabseßen. Gerade bezüglich der Uebertretungen Herrin des Strafverfahrens zu machen, wurde von ver- fomme es vor, daß die Frage zu entscheiden sei, ob eine Sonntagsschiedenen Seiten herb getadelt und sonst fiel noch manch demokratischer Flugschriften auf der Straße getroffen werde, so entheiligung vorliege. Wenn ein Mann mit einem Bäckchen sozialtreffendes Wort über das voll berechtigte Mißtrauen gegen sei es wohl noch nicht vorgekommen, daß dieser wegen Sonntagsdie heutige Justizpflege. entheiligung angeklagt worden sei.( Aber! Die Red.)( Heiterkeit.) Aber die eigentliche Ursache der heutigen Klassenjuftiz Es tomme z. B. zur Entscheidung der Vertretungsinstanz, ob ein wurde nicht bloßgelegt, nur von einigen Rednern ganz sanft Schußmann das Recht habe, einen Streitposten von der Straße gestreift. Wie weltfremd mutet es den Leser an, daß wegzuweisen, ob die Milch den nötigen Fettgehalt habe, ob es eine ein Richter wie der Rammergerichtsrat Kroneder, Sonntagsentheiligung sei, wenn ein Bursche auf der Straße ein der offensichtlich bestrebt ist, Grundlagen für für Ge- widerspenstiges Pferd zur Raison bringen wolle usw. Der verrechtigkeit in der Strafrechtspflege zu schaffen, unter storbene Abgeordnete Landgerichtspräsident Beder- Oldenburg, habe Heiterfeitsbezeugungen erklären konnte: noch nie sei ein Sozial- Verminderung von Polizeiübertretungen, als die Schwurgerichte einmal gesagt, die Schöffengerichte hätten bedeutend mehr für die demokrat wegen Flugblatttragens am Sonntag angeklagt für die Verminderung von Verbrechen gewirkt.( Große HeiterUnd doch zählen nicht nur solche, dem Rechtsbewußtsein ins feit.) Der Redner faßt schließlich seine Ausführungen dahin zuGesicht schlagende, den Stempel der Parteilichkeit an der sammen: Stirn tragende Anklagen nach Hunderten. Nein, es ist ja gerade das Kammergericht, welches in solchen Fällen sogar solche Urteile in Dußenden von Fällen bestätigt hat. Bestätigt, nachdem der Kammergerichtsrat v. Havenstein deshalb abgesägt war, weil er solchen und anderen Fehlsprüchen mit Erfolg entgegengetreten war. Völlig vorbei ging die Versammlung an der durch die Gerichtsorganisation, die b) auch für die Berufungsinstanz die Zuziehung von Disziplinargeseze und deren Handhabung betätigte TatSchöffen erfolgen. sache, daß es ein unabhängiges Richtertum in Deutschland Prof. Dr. Graf Dohna- Potsdam: Wenn die Berufung einnicht gibt, nicht geben kann, zu dem allein Vertrauen vor- geführt werden soll, dann empfehle es sich, die erste Instanz auf die handen wäre. Die Legende von der Unabhängig- Amtsgerichte zu beschränken und die Straffammern nur als Befeit des richterlichen Beamten gilt als unantaft. rufungsgerichte bestehen zu lassen. bar. Kriegsgerichtsrat Dr. Steidle: Die Reform bezüglich der Was würden die besten Institutionen nügen, solange Ariegsgerichte jei noch nicht abgeschlossen. Die Kriegsgerichte diese von Beamten zu handhaben sind, die infolge des Ge- dürften jedoch für die bürgerlichen Gerichte insofern ein Vorbild fezes nicht unabhängig sein können, weil eine Verwaltungs- fein, als die Kriegsgerichte aus 5 Richtern, d. h. gewöhnlich aus Der Redner führt aus, es werden in Deutschland allein jährlich behörde in ihr Verfahren eingreifen kann, und weil ihre An- einem rechtsgelehrten Richter und vier Offizieren bestehen. Nur über 10 Millionen Polizeistrafen verhängt. Das komme daher, weil ftellung, Beförderung und Absetzung wiederum von Organen bei schweren Fällen sizen rechtsgelehrte Richter und drei Offiziere wegen der geringsten Vergehen, die eigentlich keine Vergehen seien, abhängig ist, für die weniger Legalität als Opportunität die zu Gericht. Man werde einwenden, das Offiziersmaterial der Polizeistrafen erlassen werden müßten. Es wären Polizeistrafen Richtschnur bildet. Ließen sich aber auch diese Momente durch Gesetz Kriegsgerichte sei ein qualifiziertes. Er fei jedoch der Meinung, erlassen wegen Bettelns. aus Not, wenn nicht ein diretter Notfall beseitigen, so bleibt die stärkste Abhängigkeit des richterlichen daß auchy bei bürgerlichen Gerichten es möglich sein werde, qualifi- nachgewiesen sei, wegen des geringsten Verstoßes gegen die StraßenFunktionärs übrig seine Abhängigkeit von dem die Reform noch nicht abgeschlossen. Den Kriegsgerichten werden mädchens usw. Es werden Strafen erlassen gegen Fremde, die von zierte Schöffen zuzuziehen. Bezüglich der Oberkriegsgerichte sei polizeiordnung, wegen verzögerter Anmeldung eines Dienst Ideenkreis und den Interessen feiner selbst die schwierigsten Fälle wie Mord, Hochverrat gegen Kaiser den polizeilichen Vorschriften keine Ahnung haben können. Wenn Klasse. Davon kann der Beste sich nicht loslösen. Unab- und Reich zugewiesen. Er sehe nicht ein, weshalb man die fost ein Radfahrer an einem Tage 10 Orte durchfahre, so könne er zehnhängige Richter können deshalb nur durch Kollegien gebildet spieligen und schwerfälligen bürgerlichen Schwurgerichte noch mal wegen der ihm unbekannten Polizeivorschriften bestraft iverden, die lediglich aus Richtern bestehen, welche vom Volk weiter wolle bestehen lassen. Er sei der Meinung, man könnte werden. Er könne bestraft werden, wenn er z. B. zu einer Stunde aus allen Streisen der Bevölkerung durch diese selbst ge- auch die Kapitalverbrechen von großen Schöffengerichten aburteilen einen Weg durchfahre, den er nur zu einer anderen Zeit befahren wählt sind. Mag ein gewählter oder angestellter Richter die laffen, zumal man doch eine Berufungsinstanz einrichten wolle. dürfe. Der Einwand, daß er die polizeilichen Vorschriften nicht Leitung haben die Urteils fällung darf, wenn sie Er halte die Schwurgerichte nicht für den Felsen, wie gestern ge- gekannt habe, sei bekanntlich wirkungslos. Unkenntnis der Gefeße, heißt es auch in diesem Falle, schüße vor Strafe nicht. Der auf Anerkennung im Volte zählen will, nur durch solche fagt wurde, an dem man nicht rütteln dürfe. Oberlandesgerichtsrat Dr. Harburger- München: Er halte es Droschkentutscher wird bestraft, wenn er wohl eine Legitimation bei Richter erfolgen. Ohne diese Grundlage nüßt selbst eine Kleinig- für am ersprießlichsten, die Straftammern aus drei rechtsgelehrten sich hat, aber die Legitimation feines Gauls in einem anderen Rock feiten beffernde Reform blutwenig. Eigenartig auf den ersten Richtern und zwei Schöffen zu bilden und die Berufung an die babe stecken lassen. Er wird bestraft, wenn er in seiner Droschke Blick ist, daß für die Militärstrafrechtspflege gelehrte Urteilsfäller Oberlandesgerichtssenate zu verweisen. Ob dazu ebenfalls inen Augenblick schlafe, wenn er sich einen Augenblick von seiner überflüssig erscheinen, aber in der bürgerlichen Strafrechts- Schöffen hinzuzuziehen wären, sei eine spätere Frage. Jedenfalls Droschke entferne, um ein natürliches Bedürfnis zu verrichten. pflege vonnöten sein sollen. Dort hat man durch die Aus sei es nicht gut, wenn das Laienelement im Kollegium überwiege. Natürliche Bedürfnisse seien für den Droschkentutscher durch polizeiwahl der Richter genügend dafür gesorgt, daß das Klassen. Es sei nur erforderlich, daß die Stimme der Laien im Kollegium liche Verordnung gesetzlich ausgeschlossen. Es werden Polizeiftrafen verhängt, wenn jemand ohne Erlaubnis im Besize eines interesse im Verfahren gewahrt wird. Nicht anders steht zum Ausdrud täme. Landgerichtsdirektor Dr. Aschrott: Er müsse dem Herrn Revolvers getroffen wird. Ein Afrikareisender, der von Genua es mit Laienrichtern, solange diese nicht aus allen Zeilen Kriegsgerichtsrat Dr. Steidle erwidern, das Urteil über die nach Berlin fuhr, wurde, als er auf dem Bahnhof in Hagen ausder Bevölkerung durch diese selbst bestimmt sind. Hieran Striegsgerichte sei noch nicht abgeschlossen. Es liegt keine Ber- steigen wollte, im Befiße eines Revolvers betroffen. Er mußte be mangelt es im bestehenden Verfahren, und würde es auch anlassung vor, sich das Militärgerichtswesen zum Vorbild zu straft werden, da er nicht die Erlaubnis der verschiedenen Bolizeifehlen, wenn einige gar zu frasse Ungerechtigkeiten durch ein nehmen. Das niedrige Kriegsgericht bestehe lediglich aus Offi- behörden eingeholt hatte. Die Bevölkerung sieht in den Polizeivaar Pflästerchen vermindert werden. zieren. Ein Gerichtsoffizier habe ihn, Redner, vor einiger Zeit strafen ein unabwendbares Berhängnis, wie Gewitter, Hagel ufw. Den ersten Punkt der Tagesordnung bildet über eine ganz einfache Rechtsfrage um Auskunft gebeten, so daß Dadurch wird die Autorität des Gesetzes im Volke erschüttert. In die Organisation der Strafgerichte unter Berücksichtigung der Eins er sich ungemein gewundert habe, zumal der betreffende Gerichts- fleineren Orten wird von den unteren Polizeiorganen ftreng darauf führung der Berufung. offizier schon zweimal Vorsitzender dieses Gerichtshofes war. Auf gehalten, daß die Polizeistunde in den Lokalen, in denen das ges seine Frage, wie er es denn sonst mache, wenn er über juristische wöhnliche Bolt verkehrt, genau innegehalten wird, in den Lokalen, Geh. Justizrat, Kammergerichtsrat Dr. Kroneder- Berlin: Er Fragen nicht Bescheid wisse, antwortete der Gerichtsoffizier es in denen der Bürgermeister, die Offiziere, der Amtsrichter versei Mitglied der Strafprozeßkommission, müsse es aber ablehnen, war in einem sehr kleinen Orte dann gehe er zu dem am Orte kehren, kennen die unteren Polizeiorgane keine Polizeistunde. In für alle Beschlüsse der Kommission verantwortlich gemacht zu wohnenden Anwalt. Diesmal habe er es nicht tun können, da der dieser Beziehung müßte Wandel geschaffen werden. Der Oberwerden; er sei nur ein einundzwanzigstel der Kommission. Die betreffende Anwalt zufällig der Verteidiger des Angeklagten war. präsident von Köller habe ihm einmal gesagt, er habe in seiner Reformvorschläge feierten bereits ihr 25jähriges Jubiläum( Heiter( Heiterfeit.) Es würde sich empfehlen, wie es ja auch bereits zu früheren Eigenschaft als Polizeipräsident von Frankfurt a. M. teit). Schon 1883 machten Mundel und andere Vorschläge für die gesagt sei, den Schöffen Diäten zu geben. Wenn die Schöffen ent- einmal einen ganzen Berg von Anzeigen der Schußleute wegen Einführung der Berufung gegen Strafta merurteile. Vom Publi- schädigt würden, dann wäre es sehr leicht möglich, Schöffen mehr Bagatellen unter den Tisch geworfen, einfach, weil er es nicht für fum und der Presse werde die Einführung der Berufung verlangt. als fünfmal im Jahre heranzuziehen. Es empfehle fich, gewisser- angezeigt hielt, wegen solcher geringfügiger Vergehen Strafbefehle Er gehe weiter, er verlange die Vernehmung seiner Zeugen. Damit maßen ein dauerhaftes Schöffenmaterial zu beschaffen, da die zu erlassen.( Buruf: Ist das schon verjährt?") Oberlandgerichtssei selbstverständlich nicht die wenig beliebte Revision, sondern die Schöffen sich erft einarbeiten müßten und erst nach mehrmaliger rat Rosenberg: Jawohl!( Große Heiterkeit.) Erforderlich sei es, Berufung gemeint. Selbstverständlich müsse die Berufung auch Hinzuziehung ihre Aufgabe voll erfaßt haben. Es sei aber ein die Amtsanwaltschaft aus den Händen der unteren Polizeibeamten dem Staatsanwalt zustehen.( Selbstverständlich? Auch Mundel vollständiger Irrtum, wenn man glaube, daß die Schöffen milder zu nehmen, und möglichst die Amtsanwälte durch Staatsanwälte mar entgegegengesetzter Ansicht. Die Red.) Bei der Strafzumessung, urteilen als der Richter. Vielfach höre man von Schöffen die zu ersehen. Es werde eingewendet, daß dadurch das Legalitätswo es sich um geringfügige Geldstrafen handele, wäre die Berufung Aeußerung: An dem Kerl muß ein Erempel statuiert werden. Be- prinzip der Staatsanwaltschaft in der Lage sei, mißliebige politische auszuschließen. Es sei anzunehmen, daß sowohl von seiten der kanntlich habe der jüngste Schöffe den Vorschlag bezüglich der Höhe Persönlichkeiten durch Anklagen und Polizeistrafen anzugreifen. Staatsanwaltschaft als auch von seiten der Angeklagten in reich des Strafmaßes zu machen. Er, Redner, sei lange Jahre Schöffen- Soweit ihm bekannt sei, sei das nicht der Fall.(!) Er könne im lichem Maße von der Berufung werde Gebrauch gemacht werden. gerichtsvorsitzender gewesen. Es sei kaum glaublich, welch hohe Namen der jezigen und ehemaligen Staatsanwälte sagen, daß so Die Berufung kommt, und die Schwurgerichte bleiben. Mit dieser Strafen oftmals von Schöffen vorgeschlagen werden. Ein Schöffe etwas nicht vorkomme, sonst müßte es den Staatsanwälten doch Tatsache müsse man rechnen. Es entstehe nun die schwierige Frage, habe einmal eine folch fürchterlich hohe Strafe vorgeschlagen, daß bekannt sein.( Heiterkeit.) Der Redner verwies zum Schluß auf foll zu dem fleinen Schöffengericht und dem Schwurgericht noch er fich sagte, wenn er den anderen Schöffen nicht zu einer anderen seine Leitsäße und ersuchte hinter II hinzuzufügen: dieses Verein Mittelbing, etwa eine Straffammer hinzutreten? Er müsse Meinung bewege, ein blödsinniges Urteil herauskommen müffe. Er fahren findet auf politische Delikte keine Anwendung. Im übrigen diese Frage bejahen. Es gäbe doch eine Reihe sehr schwieriger halte es für erforderlich, daß der Vorsitzende ein älterer erfahrener erfuche er, über die Leitsäße nicht abzustimmen. Fälle und auch eine Reihe schwieriger juristischer Fragen, wobei Richter sein müsse, wenn die Bevölkerung wiederum zu den Rich Staatsanwalt Dr. Feisenberg, Magdeburg, tritt mit großer ein weiterer rechtsgelehrter Richter unentbehrlich sei. Er sei lange tern Vertrauen haben solle. Wenn eine Berufung lediglich aus Entschiedenheit für Beibehaltung des Legalitätsprinzips cin. Ueber Jahre Schöffenrichter gewesen und habe alles Vertrauen zu den Rechtsgründen eingelegt werde, dann müßte sie als Revision be- das, was öffentliches Interesse sei, werden die Ansichten stets ausSchöffen, aber über schwere juristische Fragen könne doch ein Laie handelt werden. Dagegen könne er der Ansicht nicht beipflichten, einandergehen. Das Ansehen der Staatsanwaltschaft im Bublifum im allgemeinen nicht ein richtiges Urteil abgeben. Man habe vor- daß bei Geldstrafen von 30 bis 50 M. Berufung nicht zulässig sein wird aber erschüttert, wenn die Staatsanwaltschaft die Erhebung Beschlagen Affefforen au Beisigern bei großen Schöffengerichten follc. Das würde mit Recht als Bourgeoisstandpunkt bezeichnet der Anklage in den fällen ablehnt, in denen fie vom Bublikum b) daß an denjenigen Orten, an welchen besondere Kriminalabteilungen bestehen, ein unmittelbarer Geschäftsverkehr zwischen den Vorstandsbeamten dieser Abteilung und der Staatsanwaltschaft stattfinden soll. ertvartet wird. Das Legalitätsprinzip lasse sich nur dann ab schaffen, wenn, was allerdings in unabsehbarer Ferne liege, die Staatsanwaltschaft in eine Verwaltungsbehörde verwandelt werde und ebenso wie eine Verwaltungsbehörde die Anklage erhebe. Hierbei wäre das Vorverfahren trotzdem, schon im Interesse der Angeklagten, aufrechtzuerhalten. Staatsanwalt Dr. Klee: Das Ansehen der Staatsanwaltschaft im Volte leide dadurch, weil das große Publikum der Meinung sei, es würden alle Anzeigen verfolgt. Man wisse aber nicht, daß eine große Reihe von Anzeigen von der Staatsanwaltschaft abgewiesen werden. Er sei deshalb nicht für das Legalitäts-, sondern für das Opportunitätsprinzip. Profeffor Dr. Goldschmidt, Berlin: Er sei der Meinung, daß vorläufig am. Legalitätsprinzip festgehalten werden müsse. Man werde ja schließlich dahin kommen, daß die Staatsanwaltschaft zur Partei werde. Dann werde die Staatsanwaltschaft unter das Minifterium des Innern gestellt werden und mit der Kriminalpolizei in engste Verbindung treten. Vorläufig sei aber an eine solche Parteistellung noch nicht zu denken. Geheimer Justizrat Professor Dr. von Liszt- Berlin: Gr glaube, Herr Oberlandesgerichtsrat Rosenberg sei niemals im preußischen Often tätig gewesen, er würde alsdann nicht sagen können, daß zwischen den politischen Parteien kein Unterschied ge= macht werde. Dem Redner seien mehrere Fälle bekannt, in denen Sozialdemokraten und Freifinnige in anderer Weise von den Staatsanwaltschaften behandelt worden seien, als Konservative. Aber im Westen sei es nicht besser. Wenn heute ein Mann aus der guten Gesellschaft zum Staatsanwalt tomme und bitte, machen Sie meine Tochter nicht unglücklich, und im anderen Augenblick ein Sozialdemokrat, der vielleicht die Bergarbeiter aufgehezt habe, dann sei es ihm sehr zweifelhaft, ob der Staatsanwalt beide Fälle mit gleicher Unparteilichkeit behandeln werde. Trotzdem sei er der Meinung, daß vorläufig das Legalitätsprinzip nicht durchbrochen werden solle. Es sei eingewendet worden, man könne die Entscheidung über das, was im öffentlichen Interesse liege, nicht den Gerichten unterbreiten, denn alsdann würden die Gerichte zu einer Parteibehörde herabsinken. Es sei jedoch von hoher Seite die Berficherung gegeben worden, die Staatsanwaltschaft sei die objektivste Behörde der Welt. Wenn jedoch lediglich die Staatsanwaltschaft zu entscheiden habe, was im öffentlichen Interesse liege, dann sinte diese zur Parteibehörde herab. Es sei dringend erforderlich, dahin zu wirken, daß politische und Klassengegensäße nicht in die Rechtsberfolgung und Rechtsprechung hineingetragen würden. Professor Dr. Freudenthal- Frankfurt a. M. tritt mit großer Entschiedenheit für das Legalitätsprinzip ein, ebenso Oberlandes gerichtsrat Dr. Harburger. Oberlandesgerichtspräsident a. D. Dr. Hamm- Bonn bezeichnete es als erforderlich, die Strafanträge abzuschaffen und das Recht der Privattlage auszudehnen. Amtsgerichtsrat Hartmann- Charlottenburg trat für Beschrän= fung des Legalitätsprinzips ein. Wenn die Staatsanwälte nicht das alleinige Monopol der Anflage haben werden, dann werde wieder frische Luft wehen. Ganz besonders müsse für Uebertretung die Popularanklage gefordert werden, erst dann werde die Sinnlosigkeit solcher Strafanzeigen eingesehen werden. Rechtsanwalt Dr. Löwenstein- Berlin: Deffentliches Interesse heiße sachgemäßes Ermessen" oder mit anderen Worten: Willkür. Heute werde gegen Schulze im öffentlichen Interesse die Anflage erhoben, weil er Frau Müller beleidigt habe, am folgenden Tage liege die Anklageerhebung gegen Frau Müller wegen Beleidigung der Frau Schulze nicht im öffentlichen Interesse. Wenn ein sozialdemokratischer Abgeordneter Schuft, Erpresser und Aufiviegler genannt werde, dann dürfte kaum die Anklageerhebung im öffentlichen Interesse liegen. Wenn an einem Wahltage konservative Wahlschlepper die Friedrichstraße durchrasen und sozialdemokratische ihnen nachfahren, dann dürfte bezüglich der ersteren tein öffentliches Interesse, bezüglich der lekteren dagegen ein öffentliches Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Gin Verantwortung. Theater. Mittwoch, 6. Januar. Anfang 7, Uhr. Königliches Opernhaus. Aïda. Königl. Schauspielhaus. Der Deutsches. Revolution in Sträh. Schlagbaum. winkel. fang 8 Uhr.) Anfang 8 Uhr. Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Israel. Morgen und folgende Tage: Israel. Theater des Westens. Allabendlich 8 Uhr: Der tapfere Soldat. Mittwoch und Sonnabend nachm. 4 Uhr Kleine Preise: Dornröschen. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. einstimmig zur Annahme: Intereffe zur Anklageerhebung vorliegen. Wenn die teppichklopfende, lich bei weitem nicht zur Unterhaltung der Familie aus. Babette die Ruhe eines Ministers oder in einer fleinen Stadt die Folge war, daß die bitterste Not einzog und häufig nicht ein Stück des Bürgermeisters störe, dann dürfte die Anklageerhebung im Brot im Hause war. Vier hungernde Mäuler sollten aber ge öffentlichen Interesse liegen, nicht aber, wenn die Ruhe eines stopft werden, und da Kinder nicht fragen, woher das Brot kommt, Privatmannes gestört werde. Wenn die Privatklageerhebung er- sondern nur verlangen, so war die Mutter manchmal in größter weitert würde, dann dürften nicht so viele Leute zu Verbrechern Verzweiflung. Dieses Elend veranlaßte den jugendlichen Angestempelt werden. geklagten, darüber nachzugrübeln, wie er mit seiner schwachen Staatsanwalt Dr. Hornemann- Berlin und Dr. jur. Breit- Kraft der Mutter noch mehr helfen könnte. Eines Tages fam er haupt- Kassel traten für Beibehaltung des Legalitätsprinzips ein. freudestrahlend nach Hause und erzählte der Mutter; ein un Alsdann gelangte folgende bekannter, eleganter Herr habe ihn auf der Straße angesprochen Erklärung und ihm 80 M. geschenkt, nachdem er ihm erzählt hatte, wie schlecht es zu Hause gehe. Die arme, aber ehrliche Frau tam aber auf einen eigenartigen Verdacht, da sich der Junge doch etwas scheu benahm. Sie nahm ihn ins Gebet und unter Tränen gestand der junge Bursche ein, daß er das Geld gestohlen hatte. Er hatte sich in der Mittagszeit in das Zimmer eines in der Fabrik beschäftigten Chemikers eingeschlichen und das Pult mit einem Schraubenzieher erbrochen. Die Mutter des jugendlichen Diebes brachte das ges ftohlene Geld fofort dem Bestohlenen zurüd. Der Diebstahl war aber inzwischen schon bemerkt und bei der Polizei Anzeige erstattet worden. Vor Gericht erklärte der Angeklagte weinend, daß er nur seiner Mutter und seinen kleinen Geschwistern aus der Not helfen wollte. Die Straffammer erkannte auf eine Woche Gefängnis, beschloß aber, den Angeklagten zur bedingten Bes gnadigung zu empfehlen. Die deutsche Landesgruppe der internationalen kriminali. stischen Vereinigung hält an ihrer Auffassung fest, daß die Besserung unserer Strafprozeßreform nur durch durchgreifende Reform des Strafprozesses in Zusammenhange mit der Reform des Strafrechts vorgenommen werden müßte. Sie fann daher den Entwurf nur als ersten Schritt für die notwendige große Reform bes Strafrechtes, des Strafprozesses und der Strafverfolgung betrachten, erachtet aber folgende Aenderung des Entwurfs für notwendig: 1. Die Hinzuziehung von Laicn in der Be. rufungsinstana ist unerläßlich. Dabei ist an der Möglichteit festzuhalten, daß in der ersten Instanz ein Unter- und ein Obergericht als ausreichend betrachtet werden. 2. Es ist ein unablässiges Erfordernis, die Hauptverhand lung unter Ausschaltung alles inquisitorischen Verfahrens selbständig zu führen. Dabei muß an dem Grundfab des§ 244 Absab 1 der bisherigen Strafprozeßordnung ( Vernehmung aller vorgeladenen und erschienenen Zeugen, auch der Entlastungszeugen) festgehalten werden. 3. Ueber die Entscheidung von Verhaftungen ist eine mündliche Verhandlung erforderlich. Den wegen Verbrechen oder Vergehen Verhofteten ist zugleich ein Ver. teidiger zu stellen. 4. An dem Legalitätsprinzip ist unter besonderen Rautelen festzuhalten. Die Landesgruppe erachtet es außerdem für erforderlich, für Jugendliche ein spezialisiertes Gesetz in formeller und materieller Beziehung zu schaffen. Die Versammlung beauftragt außerdem die in Frankfurt a. M. gewählte Strafprozeßkom mission, die legislative Seite des Entwurfs im Auge zu behalten und, wenn erforderlich, eine außerordentliche Landesversammlung einzuberufen, wenn das aber nicht tunlich, selbständige Schritte vorzunehmen. Gerichts- Zeitung. Eine Woche Gefängnis für Kindesliebe. Aus Liebe zu seiner Mutter und seinen kleinen Geschwistern ist der 15jährige Arbeitsbursche Otto N. zum Diebe geworden. Unter der Anklage des schweren Diebstahls mußte sich der bisher völlig unbescholtene junge Bursche vor der 4. Straftammer des Bandgerichts II verantworten.. Es war wieder eins jener so überaus traurigen Familienbilder, welche erst im Gerichtssaal einen Einblick in das menschliche Elend gestatten, während sonst die bitterste Armut behördlich unentdeckt bleibt. Die Mutter ist eine arme Witwe, die vier unmündige Kinder mit ihrer Hände Arbeit zu ernähren hat. Der Aelteste, der jebige Angeklagte, war als Arbeitsbursche in einer chemischen Fabrik in Grünau beschäftigt und lieferte seinen färglichen Lohn bis auf den letzten Pfennig an die Mutter ab. Der geringe Lohn, den die Mutter durch Aufwartedienste und als Waschfrau verdiente, reichte natürSchiller- Theater. O.( Wallner- Theater.) Mittwoch, abends 8 11 br: Der Richter von Zalamea. Schausp. in 3 Aufzügen von Calderon de la Barca. Deutsch v. Wilbrandt. Donnerstag, abends 8 1hr: Komtesse Guckerl. Freitag, abends 8 Ubr: Komtesse Guckerl. Schiller Theater Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Vater und Sohn. Komödie in 3 Aften von Gustav Esmann. Donnerstag, abends8Uhr: Charleys Tante. Freitag, abends 8 Uhr: Charleys Tante. Zirkus Schumann. Heute Mittwoch, den 6. Januar, abends 7, Uhr: Große brillante Vorstellung! Das Sensationsprogramm 1909! Das Neueste vom Neuen. mit ihren Rammerspiele. Electra. An- Wittivoch, 6. Januar, Unjang 8 Uhr: Miß Smith Seillaufenden Pferden. Leffing. Die Stügen der Gesell schaft. Berliner. Einer von unsere Leut'. Neues Sünde. Husarenfieber. Donnerstag: Husarenfieber. Freitag: Husarenfieber. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Robin Die fon Crusoe. Schauspielhaus. Nachm. 3 Uhr: Schneewittchen. Neues. Jsrael. Kleines. Moral. Romische Oper. Zaza. Hebbel. Der Liebhaber. Residenz. Kümmere dich um melle. Schiller 0.( Wallner beater.) Der Nichter von Zalamea. Schiller Charlottenburg. Bater und Sohn. Friedrich Wilhelmstädt. Husaren fieber. Westen. Der tapfere Soldat. Nachmittags 4 Uhr: Dornröschen. Thalia. Mein Leopold. Luisen. Fliegende Berliner. Bernhard dose. Wally. Die Geher Wilhelm Theater. Die Schöpfung. Luitivielhaus. Die glüdlichste Beit. Trianou. Der Satyr. Neues Operetten. prinzessin. Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Einer von unsere Leut'. Morgen: Einer von unsere Leut'. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Die glücklichste Zeit. Hebbel- Theater Das Tagesgespräch Berlins! Paet, bester vierbeiniger Bicyclekünstler. Ein Wunder der Dressur. Dir. Schumanns neueste Dressuren! Die prächtigste Ausstattungspantomime Uns büntt, es hätte das Gericht ohne Rechtsbeugung auf Freis sprechung erkennen fönnen und sollen, da§ 54 des Strafgesetzbuches borschreibt: Eine strafbare Handlung ist nicht vorhanden, wenn die Handlung außer dem Falle der Notwehr in einem unverschuldeten, auf andere Weise nich. zu beseitigenden Notstande zur Rettung aus einer gegenwärtigen Gefahr für Leib und Leben des Täters oder eines Angehörigen begangen worden ist. Hätte dem Kinde ein sozial empfindender Verteidiger zur Seite gestanden, so wäre das Gericht wohl zu der Feststellung gelangt, Notstand im Sinne ' dieses Paragraphen habe vorgelegen, zum mindesten aber die Annahme eines Notstandes seitens des Kindes habe gefehlt. Die verfolgte Karikatur. Jm Verlage von Hofmann in Berlin erschien ein Werk über die Karikatur bei den europäischen Völkern in zwei Bänden, das nicht beanstandet wurde. Der dritte Band, der unter dem Titel „ Die Erotik in der Karikatur" erschienen war, wurde zwar zunächst beschlagnahmt. In dem gegen den Verleger, den Verfasser und einige Buchhändler eingeleiteten Strafverfahren wurden jedoch vom Landgericht Berlin sämtliche Angeklagte freigesprochen und die Beschagnahme aufgehoben, weil die Merkmale einer unzüchtigen Schrift nicht vorlägen, vielmehr das Buch ein wissenschaftlich und tünstlerisch wertvolles Werk sei. Dies Urteil wurde rechtskräftig. Später erschien im Verlage von C. W. Stern in Wien eine Uebersetzung dieses dritten Bandes in französischer Sprache unter dem Titel„ L'élement érotique dans la caricature". Die Buchhändler S. und H. in Augsburg ließen sich einige Eremplare tommen, welche beschlagnahmt wurden. Die beiden Buchhändler wurden außer Verfolgung geseht, weil dieses Werk nicht objektiv unzüchtig sei und die deutsche Ausgabe freigegeben war. Auch dies Urteil ist rechtskräftig. Nunmehr beantragte der Staatsanwalt die Einziehung und Unbrauchbarmachung der beschlagnahmten Bücher im objektiven Verfahren. Durch Urteil vom 30. Mai v. J. lehnte das Landgericht Augsburg diesen Antrag ab. Die Tat des Buchhändlers H. sei bereits abgeurteilt und es liege keine neue Tat vor; das Verfahren sei also unzulässig. Die Revision des Staatsanwalt wurde am Montag vom Reichsgericht verworfen. Sie scheitere, hieß es in den Gründen, daran, daß der Staatsanwalt nicht nachgewiesen hat, daß es an einem verfolgbaren Täter fehlt. Zirkus Busch. Urania. Heute Mittwoch, den 6. Januar, abends praz. 7½ Uhr: Gr. Gala- Vorstellung. Um 8% Uhr: Miß Surajah, der weibliche Fakir. Das Moto- Baby! Men od. Puppe? Ferner: Das Mascotte Trio. Mr. Boltatszeff. Herr BurckhardtFoottit, Schulreiter. Frl. Martha Mohnke, Schulreiterin. U. 9, U.: ! Barbarossa! Vorher: Das gr. Galaprogramm. Golo, der Seeräuber und Mädchenhändler Folies Caprice. sowie die übrigen erstklassigen Spezialitäten und Attraktionen. 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Franz Sobanski Frl. Bihary, Mig Lola, G. Bonné, Rolf- Roland, The Lockfords, The Sundermanns, Doppel- Red. Am Brunnen vor dem Tore. Liederspiel von Otto Richter. Mittwoch, Sonnabend, Sonntag: Tanz nach der Vorstellung. Casino- Theater Lothringer Str. 37. Täglich 8 Uhr. Noch furze Zeit! Die Dianabäder. Sonntag 4 Uhr: Hotel Klingebusch. Rauchen Sie Phanomen Igaretten! Devise: Qualität ist die beste Empfehlung Passage- Theater. Abends 8 Uhr! Willi Agoston in der tollen Burleske Zentral- Verband der Zimmerer Zahlstelle Berlin und Umgegend. Berlin im L.L. Zwei allgemeine Mitglieder- Versammlungen: ( Berlin im lenkbaren Luftschiff) .: und das grandiose:: Januar- Programm. 10 erstklass. Nummern Passage- Panoptikum. Volkstage! Für die westlichen Vororte Mittwoch, den 6. Januar 1909, abends 8 Uhr, im„ Kaiserhof" zu Groß- Lichterfelde( am Kranoldplay). Hiermit zur Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, der Schloffer Karl Dube nach langem schweren Leiden im 52. Lebensjahre sanft entschlafen ist. Dies zeigt tiefbetrübt an Die trauernde Witwe Martha Dube geb. Kube nebst Sindern. Die Beerdigung findet Donnerstag nachmittags 3, Uhr von der Halle des Jerufalemer Stirchhofs, Hermannstraße, aus statt. Danksagung. 454b Sage allen Verwandten, Freunden und Bekannten sowie dem GesangTagesordnung: 1." Die Bedeutung der Arbeiterschutz- Gesetzgebung". Referent: Genosse Viktor berein Smmergrün", dem RadfahrerBrucks. 2. Diskussion. Für Berlin und die übrigen Vororte berein Einigkeit", dem Verband der Handels, Transport- und BerkehrsArbeiter und Arbeiterinnen, ferner den Familien Dtt und Hochstädter für die zahlreiche Beteiligung und die herrlichen Kranzspenden bei der Jeder Erwachsene ein Kind frei! Donnerstag, den 7. Januar 1909, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause Beerdigung meiner lieben Frau Jedes Kind erhält ein Geschenk! ( großer Saal), Engelufer 15. Geschenke im Werte von über 1000 Mark. Darunter Einzelgeschenke von 20. Mark. Ein Stündchen im Himmelreich. Die singenden Engelsköpfchen. Lebend: Das Bärenweib. Alles ohne Extra- Entree! Stadt- Theater Moabit. Größter und vornehmster Theater faal Moabits. Alt- Moabit 48.( Tel. II 2492.) Donnerstag, den 7. Sanuar 1909: Papageno. Boffe in. 4 Aften von Rudolf Kneifel. Anf. d. Borst. 8, Staffenöffnung 7 Uhr. Stonzert 7, Uhr. Nach der Vorstellung: Ball. Montag, 11. Januar: Soiree der Lustigen Sänger. Bürgerliches Schauspielhaus Kastanien- Allee 7-9. Staatsanwalt Alexander. Schauspiel in 4 Aften von K. Schüler. Anfang 8 Uhr. Morgen: Das Käthchen v. Hellbronn. Freitag zum erstenmal: Die Goldgrube. Palast- Theater Burgstraße 24, 2 Minuten vom Bahnhof Börse. Das Monstre- Januar- Programm. 12 Attraktionen 12 unter anderen: Athos, ber befte Degentünſtler der Welt. Inhaber der Belts meisterschaft u. fgl. Auszeichnungen. Amerikanischer Feffeltünst Morton, ler und seitensprenger. Bum 1. Male in Deutschland. Ada Marcell, Breisgekrönte Schönheit. Am Brunnen vor dem Tore. 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Dietz nebst Stindern. 453b Sozialdemokratischer Wahlverein für den 2. Berliner Reichstags- Wahlkreis. ( Bezirk 70.) Am 3. Januar verstarb unser Mitglied, der Möbelpolierer Max Schwarz Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwochnachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle des Zwölf Apostel Kirchhofes in Schöneberg aus statt. 210/2 Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Sollege, der Möbelpolterer Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiben meines Max Schwarz lieben Mannes sage ich meinen aufrichtigen Dant. 4475 Anna Schommartz geb. Hill. Innungs- Krankenkaffe der Tischler- Innung. Wahl der Vertreter zu den Generalversammlungen für 1909 und 1910. Die Wahl für die Kassenmitglieder findet am Freitag, den 8. Januar 1909, bon 8 bis 9 Uhr abends statt. 1. Diejenigen Mitglieder, welche rechts der Spree beschäftigt sind, wählen Alexanderstr. 27 im Englischen Garten; die Zahl der zu wählenben Vertreter ist 136. 2. Diejenigen Mitglieder, welche links der Spree beschäftigt sind, wählen im Gewerkschaftshause, Engel ufer 15; die Zahl der zu wählenden Vertreter ist 65. 3. Die Jnnungsmitglieder, welche Kaffenmitglieder beschäftigen und Beiträge für dieselben aus eigenen Mitteln zahlen, wählen am 8. Januar 1909, abends von 8 bis 9 Uhr, Brücken. Straße 6b. Schultheißausschant; die Zahl der zu wählenden Ver treter ist 93. Wahlberechtigt und wählbar find nur diejenigen, welche das 21. Lebens. jahr zurückgelegt haben und im Befige der bürgerlichen Ehrenrechte sind. Für Kassenmitglieder ist das Duittungsbuch zur Legitimation unbedingt erforderlich. Um pünktliches Erscheinen wird ersucht. 296/5 Der Vorstand. Kottbuser Sanssouci, Straße 6. Direktion Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: Stets neues Programm. Elite Soireen. Tanzkränzchen bon am 3. Januar gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 6. Januar, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Zwölf- Apostelkirchhofes in Schöneberg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 77/5 Die Ortsverwaltung. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Todes- Anzeige. Am 2. Januar verstarb unser Mitglied 136/1 Louis Ehrlich. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 6. Januar, nachmittags 1 Uhr, von der Leichen halle des Luther Kirchhofes in Lankwiz, Marienfelder Straße, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Allen Kollegen, Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser lieber Sohn, Bruder, Schwager und Dnfel, der Graveur Paul Steuer von der Schriftgießerei Genzsch & Heyse, Hamburg im Alter von 35 Jahren nach furzem, schwerem Strankenlager am 4. Januar in Berlin verstorben ist. Dies zeigen tiefbetrübt an Ludwig Steuer u. Frau. Karl Steuer u.Frau. Emma Steuer. Hans Steuer. P. Schmidt u. Frau. Die Beerdigung wird noch befannt gegeben. 4556 Nach jahrelangem, schwerem Hoffmanns Nordd. Sängern Ceiden verschieb am 4. Januar Beg. Sonnt. 5, wochent. 81. dieses Jahres meine liebe Frau, unfere gute Mutter, Tochter, Schwiegertochter, Schwester und Galzas Deutscher Holzarbeiter- Verhand Zentralverband der Töpfer Deutschlands Martha Enghardt Das vollständig neue Januar: Programm: „ Die tolle Lolo' Bosse mit Gesang in 1 Att. „ Ein Berliner muß es sein" Boffe mit Gefang in 1 Att und die übrigen erstklassigen Spezialitäten. Zahlstelle Schöneberg. Donnerstag, den 7. Januar 1909, abends 8%, Uhr: General- Versammlung in den Neuen Rathausjälen, Meininger Straße 8. Zages Drdnung: 77/4 Fillale Berlin Donnerstag, den 7. Januar, abends 5%, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15( Saal VII): Vertrauensmänner- Versammlung. Tages Drdnung: 1. Die Lage auf den Bauten. 2. Berschiedenes. 1. Staffenbericht vom vierten Quartal. Bericht des Borstandes und 3u„ Verschiedenes" steht eine sehr wichtige AngelegeuAnfang 8, Uhr Sonntags 6 Uhr. Bericht der Kommission. 2. Neuwahl der Drtsverwaltung. 3. Berschiedenes. Reichshallen- Theater Stettiner Sänger. Zum Schluß: Der Kompagnieball Militär. Humoreste von Meyfel. Anfang wochent. 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Berliner Eis- Palast Ständige Eisbahn. Bis 12 Uhr nachts geöffnet. Großes Konzert. ,, Eislauf im Spreewald". Abends 9 und 10 Uhr Auftreten erster Eiskunstläufer und Läuferinnen. Billigste Bezugsquelle gedieg. Trauergarderobe Westmanns Trauer- Magazin Berlin W., Mohrenstr. 37a NO., Gr. Frankf. Str. 115. Genaue Beachtung meiner Firma u. Hausnummer geboten! Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. WESTMANN Elegant Dames bisher • jetzt bis Mk. 36.192/1 heit zur Besprechung. Bertretung sämtlicher Bauten notwendig. Der Vorstand. 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Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kolege Wilhelm Lutze Gitschiner Straße 68 Bezirk 5, verstorben ist. am Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet Donnerstag, den 7. Januar, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Simeons- Kirchhofes in Briz, Tempelhofer Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. 74/1 € 1909 Januar- Angebot Sonderverkauf vom 4. his 16. Januar inkl. Wir erwarben in den letzten Monaten aus allerersten Fabriken sehr große Stofflager weit unter dem normalen Preise. Diese Stoffe verwandten wir zur Herstellung moderner Konfektion, welche in den ersten Tagen des Januars fertig geworden ist. Speziell kommen zum Verkauf: Farbige Sacco- u. Rock- Anzüge in neuester Machart und Form Ulster und Paletots sowohl für den Winter wie für das Frühjahr Beinkleider und Westen sehr preiswert( meistens aus Resten der Maß- Abteilung gefertigt) Ferner: In Jünglings- u. Knabenbekleidung sehr vorteilhafte Angebote. 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Wilh.Bäumler, Martin Lutherstr. 51 Weißensee: R. Fuhrmann, Sedanstr. 105. Jul. Schillert, König- Chaussee 39s Reinickendorf: P. Gurich, Kamefestr. 12. Treptow: R. Gramenz, Stiefbolzstr. 412. 245/2 Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Gr.4. 26. Jahrgang. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Partei- Angelegenheiten. Das Bureau des Verbandes befindet sich von heute ab Lindenstraße 69, Vorderhans 4 Treppen( Fahrstuhl) Telephon: Amt IV, 5023. Für den Verkehr geöffnet an den Wochentagen 9-1 Uhr vormittags, " 4-7 nachmittags. Sonntags geschlossen. Alle Briefe und Mitteilungen sind zu richten Leopold Liepmann, Berlin SW. 68, Lindenstr. 69, Geld und Wertsendungen an Emil Boeske, Berlin SW. 68, Lindenstr. 69. Berbandsbureau sozialdemokratischer Wahlvereine Berlins und Umgegend. Das Parteisekretariat für die Provinz Brandenburg befindet sich von heute an Mittwoch, 6. Januar 1909. unfähigkeit attestiert wäre. Einer Anregung, die Petition eines verbotener Glücksspiele anzeigen lassen und dann den Prozeß für Arbeiters um Wiedereinstellung in den Betrieb einer beschleunigten jeden einzelnen Automaten bis zur letzten Instanz durchführen. Erledigung zu würdigen, stattzugeben, wurde von der Verwaltung Auf diese Weise will man grundsägliche Entscheidungen der Gerichte zugesagt. darüber herbeiführen, welche Automaten als Glücksspiele verboten Das Schicksal des Aquariums soll, wie berichtet wird, besiegelt und welche als Geschicklichkeitsspiele erlaubt sind. Sind diese Ent fein. Da die Verhandlungen mit der Direktion des Zoologischen scheidungen gefallen, so wollen die Interessenten den Betrieb mit Jahres feine Pforten schließen. Es wird mitgeteilt, daß die jetzigen Gartens fich zerschlagen haben, wird das Aquarium im April dieses den für einwandfrei erklärten Automaten wieder aufnehmen. Bestände des Aquariums, unter ihnen die Seewasserbecken, an einige Aquarien in anderen Städten Deutschlands, nach Frankfurt a. M. und Hamburg verkauft werden. Wäre man den Vorschlägen sozialan demokratischer Vertreter bei Beratung der Subvention und Binsgarantie durch die Stadt Berlin gefolgt und hätte das gemeinnügige Institut in eigene Negie genommen, so wäre es der Bevölkerung Berlins erhalten geblieben. Lindenstr. 69, Vorderhaus 4 Tr.( Fahrstuhlbenukung). Alle für das Sekretariat bestimmte Mitteilungen und Geldfendungen sind mit obiger Adresse zu versehen. Stralau. Die Generalversammlung des Wahlvereins findet Sonntag, den 10. d. M., nachmittags pünktlich 2 Uhr, im Lokal von Loete, Alt- Stralau 5, statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und der Funktionäre. 2. Bericht aus der Gemeindebertretung. 8. Neuwahl des Gesamtvorstandes. 3. Vereinsangelegen heiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Berliner Nachrichten. Aus der städtischen Verkehrsdeputation. In der gestrigen Sitzung der städtischen Verkehrsdeputation gelangte zunächst eine Anregung des Polizeipräsidenten zur Herbeiführung einer Verbesserung der Verkehrsverhältnisse auf dem Plak vor dem Brandenburger Tor zur Beratung und mit geringen Aenderungen zur Annahme. Der Verkehrszweckverband, der von den Gemeinden von GroßBerlin angestrebt wird, scheint seiner definitiven Gestaltung näher zu rücken. Im Berliner Rathaus hat am Montag unter dem Vorsiz des Oberbürgermeisters Kirschner eine erneute Sonferenz stattgefunden. Im Gegensatz zu Berlin wollen die Vororte auch den Bau von Schnellbahnen mit in das Programm des Zweckverbandes aufgenommen wissen. Hoffentlich werden die Verhandlungen bea schleunigt und führen baldigst zu einem pofitiven Ergebnis. Das„ Berliner Tageblatt" tritt nun auch für eigene Regie ein, es sei noch nicht zu spät. Es- schreibt: Zu dem Morde der Frau Pagel- Runde wird mitgeteilt, daß die Die Stadtverwaltung von Berlin muß das Aquarium über- Kriminalpolizei einen früheren Schlächter Brint unter dem Verdacht des Mordes verhaftet hat. nehmen und es ihrem gesamten Unterrichtsapparat ebenso an= gliedern, wie das bereits in ähnlicher Weise mit dem städtischen Erfroren aufgefunden wurde gestern auf einem Laubenterrain Schulmuseum geschehen. Der Kostenpunkt darf fein Hindernis sein. am Schmalen Weg der 88 jährige Arbeiter Karl Scholz aus Er wird überdies gar kein so schwerwiegender werden, denn Friedrichshagen. In der Nacht zum vergangenen Sonnabend hatte bei einer zweckmäßigen Verwaltung wird das zukünftige städtische fich Sch. auf freiem Felde niedergelegt und war eingeschlafen. Er Aquarium durch die Eintrittsgelder, Restaurationspacht sicherlich die sollte nicht wieder erwachen; gestern fanden ihn Laubenkolonisten Unterhaltungskosten wieder einbringen. Entscheidend dürfte hierbei tot auf. Der Aermste war erfroren. allerdings die Lösung der Platfrage fein. Soll das städtische Aquarium sich eines zahlreichen Besuches erfreuen, dann muß es Dampfkesselexplosion. In dem Hause Neue Grünstraße 25b eben in einer günstigen Lage erstehen. Aber auch diese wichtige erfolgte Montag abend bald nach 11 Uhr eine heftige Detonation, Frage, an deren zweckmäßiger Löfung schon so manches notwendige die unter den Bewohnern des Hauses große Aufregung hervorrief. Unternehmen scheiterte, bietet diesmal feine unüberwindlichen Wie sich herausstellte, handelte es sich um eine Dampffesselerplosion, Schwierigkeiten dar. Die Stadt Berlin selbst besitzt einen Baugrund, die in dem Keller des Vorderhauses stattgefunden hatte. Dort betwie er günstiger für einen Aquariumbau gar nicht gedacht werden treibt der Klempner Gustav Schalt ein Jnstallationsgeschäft für Gaskann. Wir meinen das jezt freigewordene Friedrich- Werdersche und Wasseranlagen. Montag abend stellte nun in diesem Keller Gymnasium, über das zurzeit unseres Wissens noch nicht Schalt Versuche mit einem Dampffeffet, der zum Auftauen bes anderweitig und endgültig verfügt ist. Zwischen den großen staat- stimmt war, an. Außer ihm befanden sich zu dieser Zeit noch fünf lichen Bildungsanstalten, der Üniversität, der Bibliotbel, dem Personen in dem Arbeitsraum, seine Ehefrau, sein 23jähriger Eohn Museum für Meereskunde, den physikalisch technologischen Werk- Karl, zwei Gehilfen und eine Nachbarsfrau Schiller. Plöglich stätten der Universität gelegen, würde sich das Aquarium eben- explodierte der Kessel und die beißen Dämpfe erfüllten den Raum. bürtig diesen großartigen wissenschaftlichen Instituten ergänzend Während der Geschäftsinhaber unverlegt blieb, trug sein Sohn Karl anschließen. Unsere städtischen Verwaltungskörperschaften follten fchwere Verbrennungen im Gesicht, an den Händen und Füßen mit der Verwirklichung dieser Anregung im Interesse der Be- davon, so daß er nach Anlegung von Notverbänden nach dem völkerung nicht zögern. Es wäre doch in der Tat nicht eben Krankenhause geschafft werden mußte. Auch der Gehilfe Emil Hoffrühmlich, wenn eine so schöne, so lehrreiche Einrichtung wie das mann erlitt umfangreiche Brandwunden und fand in der Charité Aquarium für immer ausgelöscht sein sollte." Aufnahme. Sein Kollege Kulow sowie die Frau Schalt und die in ihren Wohnungen verbleiben, nachdem fie Notverbände erhalten Frau Schiller kamen mit leichteren Verlegungen davon und konnten hatten. Wodurch die Explosion entstanden ist, fonnte noch nicht festgestellt werden. Die alarmierte Feuerwehr brauchte nur kurze Zeit in Tätigkeit zu treten. Die sozialdemokratische Fraktion hat beschlossen, folgende Anträge bei der Stadtverordnetenversammlung einzubringen: 1. Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen, den Magistrat zu ersuchen, nunmehr schleunigst eine Vorlage über die Weitergestaltung des städtischen Rettungswesens zu machen, nachdem er bisher diesem Ersuchen nicht nachgekommen ist. Das Außerdem wurde die Feuerwehr vorgestern abend noch nach der Oudenarder Straße 28/32 gerufen, wo sich die Maschinenabteilung der Bergmann Elektrizitätswerte, AftienBenzin, Bänke usw. in der Dreherei. Um die Gefahr zu beseitigen, gesellschaft, befindet. Es brannten Werkzeugschränke, Kisten mit mußte längere Zeit mit einer Schlauchleitung Waffer gegeben werden. Bei einer Gasexplosion in der heiligegeiste straße 17/18 wurden vorgestern abend zwei Hausdiener verlegt. Der Materialschaden ist nicht bedeutend. Busammenstoß zwischen Feuerwehr und Autobus. Am Montag Der Antrag der Großen Berliner Straßenbahn um dauernde Belassung der nur provisorisch hergestellten Gleisverbindung zwischen der Westseite des Spittelmarktes und den über die Gertraudtenbrücke führenden Hauptgleisen, der die Deputation schon wiederholt beschäftigt hat, führte zu einer größeren Debatte. Jm Verlaufe dieser Aussprache wurde darauf 2. Die Versammlung ersucht den Magistrat, mit der Gese IIhingewiesen, daß der Polizeipräsident der Stadtgemeinde schaft des Aquariums in Verbindung zu treten wegen in der ungewöhnlich breiten und nicht besonders verkehrs- Uebernahme des Institute in eigene Regie. reichen Petersburger Straße im Interesse des Verkehrs das Die Wüstenbahn", wie fie früher einmal ein freifinniger Legen von vier Gleisen verboten hat. Es wird interessant Stadtverordneter bezeichnet, macht weitere Fortschritte. Die Bahl fein, zu verfolgen, wie der Polizeipräsident fich zu dem Ver- der beförderten Personen betrug im November 665 237, im Langen der Großen Straßenbahngesellschaft, stellen wird, das Dezember 688 798, die Einnahme 66 354.95 M. Die Zahl Ser ges in der achten Abendstunde hat sich an der Ede der Friedrich- und darauf hinausläuft, den verkehrsreichsten und engsten Platz im fahrenen Wagentilometer beträgt 127 012, mithin die Einnahme Taubenstraße ein heftiger Zusammenstoß zwischen einer Dampffprize Zentrum Berlins dauernd und endgültig mit vier Gleifen zu pro Wagentilometer 52,25 Pf. Das Neſultat gewinnt an Bedeutung, der Feuerwehr und einem Automobilomnibus der Linie 4 zugetragen. belegen. Die Deputation beschloß, zur endgültigen Ent- wenn man sich vergegenwärtigt, daß es in der Zeit der rückläufigen Der Automobilomnibus fuhr in der Richtung nach dem Halleschen Geschäftskonjunktur erzielt wurde. Es ist außer allem Zweifel, daß scheidung die Verkehrsverhältnisse dort eine Zeit lang bei normalen Geschäftsverhältnissen die Frequenz der Linie eine Tore, während der aus vier Fahrzeugen bestehende 19. Löschzug der genau fontrollieren zu lassen. Der Antrag der Großen Berliner Straßenbahn wegen fortjeßung über die Eberthstraße hinaus gefunden hat. wesentlich höhere sein wird. Dazu kommt, daß die Linie noch keine Feuerwehr( Depot Mauerstraße) die Taubenstraße herunterkam und in die Friedrichstraße einbog. Da sich die Wehr auf dem Wege zu einem Ausdehnung des auf Linie P bestehenden Anschlußbetriebes ist ein Zustand, der auf das schärffte zu Brande befand, fuhr fie mit gewohnter Schnelligkeit, läutete auch fortmißbilligen von der Jerusalemer Straße ab über die von Linie 94 be- ist. Wie die Dinge auch liegen mögen, so hätte doch längst eine während. Die drei ersten Fahrzeuge nahmen die Kreuzung auch ganz fahrenen Straßen bis Rigdorf nach erfolgtem Einbau der Vereinbarung mit der sogenannten Flachbahn erzielt werden glatt, nur die Dampfsprige stieß mit dem Automobilomnibus zu zuvor beantragten Gleisfurvenverbindung an der Ecke der müssen, um die Fortführung der Linie nach dem Görlitzer Bahnhof fammen, weil angeblich der Führer seinen Wagen nicht zum Stehen Zimmer- und Jerusalemer Straße wurde einstimmig zu ermöglichen, eine Verbindung, die schon gleich im Anfang ins gebracht hatte. Der Anprall war so gewaltig, daß der Kutscher der abgelehnt, da die Gesellschaft auch hier den Einheitstarif durch- Auge gefaßt war und die der ganzen Anlage erst so recht ihre Be- Dampfiprize auf den Straßendamm geschleudert wurde. Glücklicherdurch- Auge Beweise Wie verlautet, weise hat er aber nur geringfügige Verlegungen davongetragen. deutung für den öffentlichen Verkehr geben wird. brechen und die Strede nur mit erhöhtem Tarif befahren soll die Hochbahngesellschaft zu hohe Forderungen gestellt haben. Sowohl wie auch der Automobilomnibus wurden start beschädigt und Auch ein Feuerwehrpferd kam schwer zu Schaden. Die Dampfsprite will, der für die ganze Strecke 20 Pf. betragen sollte. Wir sind der Meinung, daß im Intereffe des Verkehrs darüber hinDem Abschluß eines Vertrages mit der Berliner elet- weggefehen werden muß. Die Bevölkerung, die hier in Frage mußten außer Betrieb gesezt werden. Von den Fahrgästen des Automobilomnibuffes wurde niemand verlegt. trischen Straßenbahn Aktiengesellschaft über das gemeinsame fommt, hat ein Recht darauf, zu fordern, daß ihrer VerBefahren von Gleisen wurde die Zustimmung erteilt. nachläffigung endlich ein Ende gemacht wird. Der Hoch Arbeiter- Samariterkolonne. Morgen Donnerstag abend 9 Uhr: Die am der Stralauer Anger geplante städtische bahngesellschaft, fann die Flachbahn gehört, man 3. Abteilung in Schöneberg bei Wieloch, Grunewaldstr. 110: VorHafen und Speicheranlage wird bekanntlich durch sich ja bei einer anderen Gelegenheit erinnern, wenn sie ihr trag des Bahntechnikers Herrn Deinert Schmargendorf über Bahndas Verlangen der Regierung, einen Tunnel unter der Stra- Jutereffe gefördert sehen will. Daß hierbei übrigens Schwierig- und Mundfrankheiten". 4. Abteilung in Lichtenberg bei Beckmann, lauer Chaussee zu erbauen, sehr erheblich verteuert. Die Mit- feiten entstanden sind, ist um so mehr zu verwundern, da allgemein Samariterſtr. 11: Vortrag des Augenarztes Herrn Dr. Hoffmann teilung, daß die Aeltesten der Kaufmannschaft und die Handels- angenommen wurde, daß zwischen Stadtgemeinde und Hochbahn über„ Augenverlegungen und welche erste hilfe bei solchen zu gesellschaft ein besseres Verhältnis bestehe als zwischen Stadt und leisten ist." fammer ihre Garantieübernahme für die Einkünfte aus dieser Große Berliner Straßenbahn. Wie dem aber auch sei, der BeAnlage entsprechend zu erhöhen bereit sind, wurde daher mit völkerung des Oftens dürfen die Kosten für diese Differenzen nicht Befriedigung entgegengenommen. länger aufgebürdet werden, denn sie ist es, die die Kosten für die erschwerten Verkehrsverhältnisse zu tragen hat. Ein Umstand der um so schwerer ins Gewicht fällt, als fast nur die arbeitende Klasse darunter leiden muß. Die Festsetzung der Gebühren für die Krananlage der Ziegeltransport- Attiengesellschaft auf dem Urbanhafen wurde nach den Vorschlägen des Dezernenten beschlossen. Schöneberg. Vorort- Nachrichten. Die Stadtverordnetenversammlung hielt am Montag ihre erste Sizung im neuen Jahre ab. Die Wahl des Vorstandes ging diesmal glatt von statten. Als Stadtverordnetenvorsteher gegebenen Stimmen. Bisheriger Vorsteher war Stadtverordneter wurde gewählt: Reinbacher( lib. Fraktion) mit 37 von 55 ab ohausen( lib. Vereinig.). Der neugewählte Vorsteher bedauerte Die Buchführung der Postscheckämter. Die Buchführung Die Deputation für die städtische Straßenreinigung hielt gestern der Postscheckämter unterscheidet sich in sehr wesentlichen thre erste Sigung im neuen Jahre ab. Der Arbeitsplan erfuhr eine Punkten von den Einrichtungen der Banken. Jedes einzelne Erweiterung durch die Neuaufnahme dreier Straßen. Eine An- Konto erhält vor allem bekanntlich eine Nummer. Unter frage des Magistrats konnte dahin beantwortet werden, daß der Arbeiterstand unverändert geblieben ist und der Lohn bei kleinen dieser Nummer und nicht unter dem Namen werden die in seiner Antrittsrede die bisherige Situation unter den bürgerBeurlaubungen, sowie bei der Wahrnehmung der Kontrollverfamm- einzelnen Konten geführt und geordnet. Die Führung der lichen Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung und wünscht, lungen und Reserveübungen fortgezahlt wird. Von dem der Konten erfolgt nicht in Büchern, sondern auf lofen Blättern. daß diefelbe durch die Wahl seiner Person zum Stadtverordneten Stadtgemeinde gehörigen Grundstück in Pinnow gebraucht der Fiskus Die Buchführung nach Nummern bietet wohl größere Sicher- vorsteher nicht noch verschärft werden möge. Als Stellvertreter zur Herstellung des Großschiffahrtsweges Berlin- Stettin einen Streifen heit gegen Verwechselungen als die nach Namen, die öfter wurde b. Glafen app( unabh. Bereinig.) gewählt, als Beisiger: von 30 Ar, für die er ein Angebot von 1500 M. gemacht hat. Die sehr ähnlich lauten. Eine weitere Sicherheit gegen Ver- Stellvertreter Knoll( unabh. Vereinig.) und Bismard( lib. Daumig( Soz.) und Brunhuber( lib. Fratt.) und als deren von der Deputation bestellten Tagatoren find zu einer Werttage von wechselungen bietet die Einrichtung die Einrichtung der Postscheckämter, Fraft.). Die liberale Vereinigung hatte aus ihren Reihen keinen 3080 M. gefommen. Zu diesem Preis soll das Grundstück dem Fiskus daß alle Schecks, die ausgegeben werden, mit der Nummer Vorschlag für die Zusammensetzung des Bureaus gemacht. Von überlassen werden. Dabei ist Vorausseßung, daß die Stadtgemeinde des Konto und den Namen von dessen Inhaber bedruckt den bisherigen Mitgliedern des Bureaus ist also nur der sozial. Anlieger am Kanalgelände bleibt.- Für die Dedung des Gummibedarfs der Verwaltung wurde von einer öffentlichen Ausschreibung werden. Es kommen deshalb nur beim Postscheck die Nummern demokratische Vertreter wiedergewählt worden. abgesehen, da doch nur zwei leistungsfähige Firmen in Betracht von 1 bis 50 vor. Falls ein Stontoinhaber zwei Hefte auf Sodann ging die Versammlung an die Bildung des Wahl. fommen. Die Belegung der Walzen der Waschmaschinen wurde einmal erhält, werden diese durch I und II unterschieden. ausschusses, dem seitens der sozialdemokratischen Fraktion die einer hiesigen Firma, und zwar im Abonnement übertragen. Der Wird ein Scheck zur Zahlung oder eine leberweisung zur Ein- Stadtverordneten Obst und Wollermann angehören. Abonnementspreis beträgt pro achtstündige Arbeitsleistung 1,50 M., tragung überreicht, so wird trotzdem jede einzelne Unterschrift Sibungstag wurde wiederum der Montag bestimmt. was gegenüber dem derzeitigen Stande eine Eriparnis von 54 Bf. mit der eingereichten Unterschrift verglichen. Die Zahlkarten Ein dringlicher Antrag des Magistrats forderte die Bewilli pro Tag und Maschine beträgt. Der sonstige Bedarf soll wie seither entsprechen ungefähr den Einzahlzetteln der Banken. Die gung von 5000 m. für die Opfer der Erdbebenkatastrophe Die Benugung der öffentlichen Wasserläufe bei der Schneebeseitigung Bahlkarten find jedoch mit zwei Abschnitten versehen, von daß die sozialdemokratische vaktion für den Antrag stimmen fowie die eigens für diesen Zweck beschafften Narren haben sich be- denen einer für den Kontoinhaber, der andere für die Duittung werde, da sich vorläufig nicht anders helfen laffe. Die letzten Bes währt und sind die die Anschaffungskosten durch die erste bestimmt ist. Ueberweisungsformulare, wie sie die Bost hat, richte haben bewiesen, daß man der Katastrophe völlig hilflos gegenBenutzung bereits zu dreiviertel gedeckt durch die Ersparnis, die durch fehlen in privaten Bankverkehr meist noch. Den Scheckpost- überstehe. Acht Tage sind bereits verflossen und noch immer nicht die verminderte Abfuhr gemacht worden ist. Die Abfuhr hat trop farten Nur zur Verrechnung" entsprechen die Giropostkarten find die Verunglückten unter den Trümmern hervorgeholt. Es wird dem 39 000 M. erfordert. An Arbeitslohn find 6000 M. für 200 der Post zu leberweisungen. Anders als die Banten läßt nicht energisch genug mit der Hilfe vorgegangen. Das Geld allein Lagewerke gezahlt. Um bei der Straßenreinigung die Staub- endlich die Post teine Indossamente zu. Nach jeder Buchung kann nicht helfen. Es wäre notwendig, auf dem nächsten Städte= Staub- endlich tage eine Anregung zu geben, daß Vorkehrungen getroffen werden, entwidelung auf ein Mindestmaß zu beschränken, find Sprengverfuche oder täglich wird ein Kontoauszug erteilt. mit verdünnter Stalilauge gemacht worden, die ein zufriedenstellendes damit ir solchen Fällen die Hilfeleistung stets vorbereitet ist. Ein Resultat geliefert haben. Noch bei 13 Grad unter Null blieb die Die Spielautomatenvariétés, die vor allem auf die Jugend einen großer Teil von Aerzten und sonstigen Hilfsmannschaften hätte Lauge dünnflüssig. Zurzeit finden Proben statt mit einer mit verderblichen Einfluß ausübten, haben nach der Bekanntmachung, die sofort dahin beordert werden müssen. Auch für Lazarette, Zelte, einem Benzinmotor arbeitenden Kehrmaschine und einer Maschine, jüngst Polizeipräsident v. Stubenrauch erließ, jetzt zum größten Teil Nahrungsmittel usw. muß gesorgt werden. Wenn die Städte die die den Arbeitern die unsaubere Hantierung bei der Reinigung der ihre Pforten geschlossen. Nur an zwei Stellen halten Automaten- Mittel für eine derartige Organisation aufbringen würden, so wäre Guilhs abnehmen soll. Einem Arbeiter, der verlegt war durch variétés den Betrieb aufrecht. Hier arbeiten Automaten der ver- damit bedeutend mehr zu erreichen. Auch die Aerzte hätten UrUeberfahren und der nach beendetem Heilverfahren vorläufig auf schiedensten Systeme. Dies entspricht einem Beschluß, den einfache, fich auf ihren Kongressen mit einer derartigen Organisation sechs Monate eriverbsunfähig erklärt ist, wurde die Unterstüßung Stongreß der Automatenintereffenten gefaßt hat. Die Befizer der zu befassen. Was nüßt alles Wehklagen und Mitleid, wenn man bewilligt, die ihm zustehen würde, wenn seine völlige Erwerbs- erwähnten beiden Automatenvariétés wollen sich wegen Duldung das unterläßt, was wirklich notwendig ist. Nachdem auch von auf weitere drei Jahre von der Gothaer Fabrit bezogen werden. in Süditalien. Stadtverordneter Moltenbuhr( Soz.) erklärte, Die weiteren, noch frei gebliebenen Vorstandsposten, sowie die Ber-( Nachfolger Start Schulz), Görlizer Straße 58: Lefe und Diskutierklub„ Südost". Heute abend bei Tolksdorf anderer Seite diefen Ausführungen noch zugeftimmt wurde, be. Als Bezirksführer wurden bestätigt die Genoffen: Jädel, 1 Sozialdemokratischer Lese- und Diskutierklub Karl Marr. willigte die Versammlung einstimmig die 5000 M. Fensti, Jacobs, Leift, Blubszat, Hey, A. Riedel, Heute abend 8, Uhr bei Hummel, Sophienstr. 5: Sizung. Gäste will Gine lange Debatte brachte der Antrag des Magistrats, eine Birnstängel, Moris, Stolbe, Schubert und sinne. fommen. gemischte Deputation zur Revision der Besoldungen und Böhne der städtischen Beamten und Arbeiter ein- trauensperson der Frauen sollen in der nächsten Mitglieder kommen. Sigung. Gäste will zusetzen. versammlung gewählt werden. Unter Geschäftlichem teilte der Vors Sozialdemokratischer Lese- und Diskutierklub Heinrich Heine". Stadtv. Schneider( Unabh. Ber.) hält die Ginseßung einer figende mit, daß der beantragte Ansschluß der bisherigen Mitglieder Heute abend 8 Uhr bei Bolze, Rodenbergstraße 8: Sigung. Gäste will folchen Deputation nicht für richtig. Der Magistrat habe felb- Jachmann und Mehlhase vom Streise vollzogen sei. Ferner, kommen. ständig eine Vorlage auszuarbeiten und diese der Versammlung daß der Vorstand gegen die Wahl des Stadtverordneten letife aus vorzulegen. Redner bezweifelt auch, daß die geplanten Erhöhungen den bereits im Borwärts" mitgeteilten Gründen Protest einerforderlich sind. Die Teuerung sei nicht so groß, daß jest nach gelegt habe. zwei Jahren schon wieder eine Erhöhung der Löhne und Gehälter Rigdorf. notwendig ist. Man soll auch erst abwarten, wie die Besoldungsvorlagen im Reichs- und Landtag verabschiedet werden. Weiter habe man sich auch zu fragen, woher die Mittel zu nehmen sind. Chne eine weitere Belastung der Steuerzahler, namentlich aber der Hausbesizer, wird die Erhöhung nicht vorgenommen werden tönnen. Oberbürgermeister Wilde erklärt darauf, daß es ganz selbst verständlich sei, daß der Magistrat eine Vorlage machen wird. Die Angelegenheit sei aber so wichtig, daß die Vorarbeiten gemeinsam mit der Stadtverordnetenversammlung gemacht werden müssen. Wer der Magistratsvorlage nicht zustimme, sei überhaupt gegen jede Erhöhung der Löhne und Gehälter. Stadtv. Küter( Soz.) tritt namens der sozialdemokratischen Fraktion für die Bildung einer gemischten Deputation ein. Die Gegner einer solchen Deputation haben die Absicht, die ganze Angelegenheit zu verschleppen. Schon im Jahre 1907 haben die städti schen Arbeiter um Erhöhung ihrer Löhne petitioniert, aber bis heute ist diesen Wünschen in teiner Weise entgegengekommen. Gs muß so gearbeitet werden, daß die Lohn- und Gehaltserhöhungen mit dem Beginn des neuen Statsjahres in Kraft treten tönnen. Stadtv. 3obel( Lib. Fratt.) tritt den Ausführungen des Stadtverordneten Schneider entgegen. Die Hausbesizer scheinen sich nach diesen Ausführungen einzubilden, fie ernähren die ganze Stabt. Das Umgekehrte ist aber das Richtigere. Redner ist eben falls für die gemischte Deputation. Stadtv, Moltenbuhr( Soz.): Es handelt sich nicht nur um die Erhöhung der Gehälter der Beamten, sondern auch um die Löhne der Arbeiter. Im letteren Falle brauchen die Berhand lungen im Abgeordnetenhause nicht abgewartet zu werden, denn dort werden die Löhne der Arbeiter durch den Gtat nicht geregelt. Im Staate verfolgt man in dieser Beziehung ganz eigenartige Praktiken, man strebt danach, auf keinen Fall höhere Löhne zu zahlen, wie sie von Privaten bezahlt werden. Die Stadt fönne fich aber auf einen derartigen Standpunkt nicht stellen. Die Löhne, die den städtischen Arbeitern Schönebergs nun aber gezahlt werden, stehen vielfach hinter den Löhnen Privater zurück. Wenn wir uns nicht in einer wirtschaftlichen Krise befänden, so wäre es fraglich, ob die Stadt die nötigen Arbeiter befäme. Man könne den Arbeitern nicht zumuten, daß sie im Interesse der Steuerzahler billiger arbeiten. Die Stadt ist gezwungen, mit der Aufbesserung vorzugehen. Stadtv. Leffig( Unabh. Ver.) hält zwar eine Revision der Löhne und Gehälter der städtischen Arbeiter und Beamten für notwendig, ob aber eine Erhöhung vorzunehmen sei, wäre noch fraglich. Man solle getrost die Vorlage des Magistrats abwarten. Der Kämmerer hält es ebenfalls nicht für zweckmäßig, daß der Magistrat allein arbeitet. Die Angelegenheit würde bedeutend besser gefördert werden, wenn die Borarbeiten gemeinsam mit der Stadtverordnetenversammlung in einer gemischten Deputation gemacht werden. 25 Stimmen beschlossen. Nach einer weiteren Debatte wird die Einsetzung einer gemischten Deputation in namentlicher Abstimmung mit 28 gegen Sodann erfolgte die Beratung der Anfrage der sozial. demokratischen Fraktion, ob es richtig ist, daß der vom Mühlenberge abgefahrene Sand vom Unter nehmerverkauft wird, anstatt ihn in den projektierten Stadt part anzufahren. Der Magistrat antwortete darauf, daß solche Fälle vorgekommen sind, es lasse sich aber nichts Genaues mehr feststellen. Es sei fofort ein Verbot in dieser Beziehung an den Unternehmer ergangen. Zehlendorf. Vermischtes. Das Mitgliedsbuch Nr. 6368 des Wahlvereins Rigdorf ist schrieben: Die Schwaben sind stets trinkfeste Leute geweien, bie Eine burstige Gegend. Sierüber wird uns aus Stuttgart ge verloren gegangen und wird gebeten, dasselbe in der Parteifpedition einen guten Tropfen zu schäzen wußten. Die Söhne und Enkel Nedarstraße 2 abzugeben. machen es den Vorfahren nach. Gine vom Statistischen Landesamt Württembergs angefertigte Berechnung besagt, daß im Jahresdurch schnitt in Württemberg getrunken werden 3 925 215 Heftoliter Bier liter Wein( 22.8 Liter), 1001 448 hektoliter Obftmost( 43,5 Liter), ( auf den Kopf der Bevölkerung kommen 170,5 Liter), 524 897 Hefto354 536 Hektoliter Zibebenmost( 15,4 Liter), 115 109 Hektoliter Branntwein( 5 Liter). Das macht insgesamt 5 921 205 hektoliter, pro Kopf 257 Liter. Der Geldaufwand hierfür wird auf 172 259 437 m. ge ichäßt, 74,82 m. pro Kopf. Es wäre aber unrecht, den Schwaben einen Trinfer zu schelten. Der Obstmost z. B. ist alkoholichwach, er entbält 3-3 Broz. Alfobol, oft auch weniger. Der gibebenmost, aus Rosinen und Korinthen hergestellt, erreicht diesen Alkoholgehalt in der Regel nicht einmal. Der Most ist Hausgetränk, wie in Sachsen reine Schwabenwein ist zwar etwas herb, aber sonst eine gute Gabe der Kaffee. Das Bier brauen die Brauer just dünn genug. Der Gottes. Der Teufelstrant Branntwein macht aber nur 2 Proz. des Getränkekonsums aus. Borsicht mit Gasöfen. Den Tod durch Einatmen von Gas erlitt in der Nacht vom Sonntag zum Montag in dem„ Wirtshaus zur Wolfsschlucht" ein blühender junger Mann, der Kellner Adolf Frömming, während ein anderer schwer frank danieder liegt. Das Wirtshaus liegt am äußersten Ende der Alsenstraße, die von Behlen dorf nach dem Grunewald führt. Rinks, etwa eine Minute davon entfernt, liegt der Schlachtensee, rechts in gleicher Entfernung die rumme Lante. Die reizende Umgebung diefer beiden Grunewald leen wird Sommer und Winter von vielen Ausflüglern besucht, wodurch die in nächster Nähe liegenden Lokale starten Zuspruch baben. Der letzte Sonntag hatte wegen des Eises besonders viele Bergnügungsluftige herbeigelodt. Dadurch hatte auch das Wirts. baus zur Wolfeschlucht" einen ziemlich starken Besuch, und die letzten Gäste verließen es erst furz vor 1 Uhr nachts. Der hier seit etwa fünf Jahren angestellte Kellner Frömming, ein Mann von 25 Jahren, das Wasser aus der Grube Radbod zu heben, ist es noch nicht geNach der Katastrophe von Radbod. Trotz aller Anstrengungen, hatte noch einen Freund genötigt, über Nacht da zu bleiben. Um lungen, die erste Soble freizulegen, auf der sich die Opfer der 22 Uhr etwa begaben sich beide nach dem im ersten Stockwert Explosion befinden. Wie aus Hamm i. W gemeldet wird, fuhr vorbefindlichen Zimmer zur Ruhe. Auf gleichem Korridor wohnt eine gestern abend der Zechendirektor André mit einem Witglied des alleinstehende alte Frau und ein alleinstehender Ingenieur. Der Bergamts in die Zeche, um sich von dem Stand des Waffers in der leptere wollte sich Montag früh um 18 Uhr nach seiner Arbeitsstätte Grube zu überzeugen. Schon vorher hatte man zur Sicherheit, um begeben. Auf dem Korridor empfand er einen starken Gasgeruch, stäfig mit ein paar Mäufen hinuntergelassen, die lebend wieder den Schacht auf das Vorhandensein von Wettern zu prüfen, einen weswegen er feine alte Nachbarin weckte. Beide versuchten nun, herauffamen. Die beiden Beamten fanden, daß das Wasser noch Die jungen Leute, die sich eingeschlossen hatten, durch Klopfen an die mehrere Meter über der ersten Sohle stand, während man ursprüngTür zu weden. Als ihnen dies nicht gelang, alarmierten fie die lich angenommen hatte, daß der Wasserspiegel bereits unter die übrigen Hausbewohner, darunter den Wirt des Hauses. Da dieser Sohle gesunken fei. Ende dieser Woche hofft man die erste Sohle auch keinen Zugang fand, mußte die Tür durch Einschlagen einer zu erreichen. Türfüllung geöffnet werden. Als die Hausbewohner in das Zimmer eintraten, faben sie die Beiden im Bett liegen. Frömming lag veröffentlicht ein tönigliches Dekret: der Regierungsassesser Hans Der Staatsanzeiger für Württemberg" vollständig gekrümmt im Bett und war bereits tot, während der Hartmann von Dw- Wachendorf wird allergnädigst zum„ KammerFreund noch stark röchelte. Zwei schnell herbeigerufene Aerzte futer" ernannt. machten Wiederbelebungsversuche, die bei Frömming ohne jeden Wem's jult, der kraze sich. Erfolg blieben. Bei dem Freunde hatten sie nach stundenlangem auf Ferien weilende Dr. Ferdinand Wallschmidt fand gestern in der Durch Leuchtgas vergiftet. Aus Hanau wird berichtet: Der hier Bemühen das Resultat, daß er schwerkraut und noch immer ohne Wohnung feiner 57jährigen Mutter Lisette Wallschmidt diese und Bewußtsein nach dem Kreiskrankenhause in Groß- Lichter- seine 31 Jahre alte Schwester, eine Telegraphenassistentin, durch felde gebracht wurde. Es ist, wie wir erfahren, atveifel- Leuchtgas vergiftet vor. Db Selbstmord oder Unfall borliegt, steht haft, ob er mit dem Leben davonkommen wird. Wie der noch nicht fest. Ein neues Hofamt. Unfall entstehen konnte, ließ sich nicht feststellen. In dem Ein blutiges Familiendrama hat sich in Mülhausen im Elsaß gimmer befindet sich ein Gasofen, der des Abends von Frömming abgespielt. Der 36 Jahre alte Fabritarbeiter Lug, dessen Ehefrau angesteckt wurde und der oft die ganze Nacht gebrannt hat. Schon fich feit einigen Wochen im Krankenhause befindet, verfolgte feit häufig war F. von den Wirtsleuten gewarnt worden, den Ofen Jullet mit unfittlichen Anträgen. Als er dieser Tage dem Mädchen längerer Zeit feine bei ihm wohnende 19jährige Stieftochter Jda haben könnte. Auch Sonntag soll er noch darauf aufmerksam ge- geriet er derart in Wut, daß er zum Revolver griff und seine Stiefin der Nacht brennen zu lassen, da er dadurch leicht Malheur miederum nachstellte und dabei eine energische Abweisung erfuhr, macht worden sein. Ob nun dieser Rat nicht befolgt worden ist, tochter durch einen Schuß in die linke Brustseite schwer verlegte. oder ob der Hahn des Ofens, nachdem dieser eine Weile gebrannt, Hierauf richtete er die Waffe gegen sich selbst und tötete sich durch zugemacht und dann in Gedanken wieder geöffnet wurde, konnte einen Schuß in den Mund. Das schierverlegte Mädchen starb auf nicht ermittelt werden. Die Nachbarin hörte in der Nacht, wie sich dem Transport zum Spital. die jungen Leute übergeben mußten, nahm aber an, daß sie etwas Im Hafen von Sydney gesunken. Eine Pinaffe des englischen viel getrunken hatten. Sie müssen demnach den Gasgeruch nicht Kreuzers Encounter" ist nach einer Meldung aus Sydney infolge gemerkt oder nicht mehr die Kraft gefunden haben, sich auf andere eines Bufammenstoßes mit einem Kohlenschiff im dortigen Hafen Beise bemerkbar zu machen. Der Name des Freundes ließ sich gefunden. Sechzehn Mann der Befagung sind ertrunken. nicht genau ermitteln. Es scheint, nach bei ihm vorgefundenen Briefen zu schließen, ein Herr Clasmann aus Friedenau oder aus Steglitz zu sein. Der Borfall zeigt aufs neue, welche Vorsicht bei solchen Gasöfen geübt werden muß. Lankwih. Stadtb. Obst( Soz.) erklärt, die Antwort des Magistrats nicht ohne weiteres hinnehmen zu können, da sie den Tatsachen nicht entspricht. Der betreffende Unternehmer hat mit der Großen Ber liner Straßenbahngesellschaft einen Bertrag abgeschlossen, wonach er sich verpflichtete, 1000 Fuhren Sand zu liefern. Tatsächlich haben auch 4-5 Wagen der Straßenbahngesellschaft den Sand täglich abgefahren. Auch an andere Fuhrleute ist der Sand verkauft worden. Es ist bedauerlich, daß der Magistrat nicht besser auf dem Bosten In der Generalversammlung des Wahlvereins erstattete der Vorgewesen ist. Die Stadt braucht den Sand selbst, läßt ihn aber figende Genoffe Dehnst den Bericht des Vorstandes. Er schilderte von dem Unternehmer verkaufen und bezahlt diesem noch obendrein die Entwickelung des Vereins im Laufe des verflossenen Jahres und das Abfahren. Ein ganz unerhörtes Vorkommnis. Auf diese wies auf die großen Aufgaben hin, welche der Vorstand in VerWeise holt der Unternehmer Tausende von Mark aus dem Sand- bindung mit den Genossen zu lösen hatte. Könne man auch mit verkauf noch extra heraus und bezahlt dann nicht einmal den Ar- dem, was geleistet worden, zufrieden sein, so müsse das Interesse beitern die richtigen Löhne. Das Sonderbare ist, daß nach der Genossen an den Parteiarbeiten doch noch reger werden. So dem Berbot des Magistrats immer noch flott weiter verkauft wohl die Zugehörigkeit der Arbeiter zu der gewerkschaftlichen und wurde. Stann denn der Magistrat wirklich nicht energischer vor politischen Organisation, sowie das Abonnement auf die Parteipreffe gehen? Die Stadtverordnetenversammlung hat die Pflicht, sich mit laise noch viel zu wünschen übrig. Dem Wahlverein neu bei der Antwort des Magistrats nicht zufrieden zu geben, sondern der getreten sind im verflossenen Jahre 11 männliche und 49 weibSache noch weiter auf den Grund zu gehen. liche Mitglieder. Gegenwärtig beträgt der Mitgliederbestand 232, Stadtv. Hoffmann( S08.) ergänzte noch diese AusDer Vorsitzende schloß seinen Bericht mit einem Appell an die Geführungen und bringt ebenfalls Beweise, daß vielfach Sand ver- noffen, nicht eher zu raften, bis auch der legte Arbeiter von Lankwitz dem Wahlverein als Mitglied angehört. Der Kassenbericht des Gefauft worden ist. Die Stadtverordneten Treugebrodt( Unabh. Ver.), Ku- nossen Theurig schließt mit einem Defizit von 22,86. nikky( Lib. Fraft.) und Bertelt( Bib. Ber.) sind ebenfalls mit Die hierauf vorgenommene Neuwahl des Vorstandes und der der Antwort des Magistrats nicht zufrieden und erkennen an, daß Funktionäre ergab als 1. Borf.: Debust, 2. Vori: Nadice, Schrift fich die sozialdemokratische Fraktion mit der Angelegenheit ein führer: Kakosch, Kassierer: Reinhold Theurig, Beisiger: Sebastian, großes Verdienst um die Stadt erworben hat. Beifizzerin: Frau Marie Theurig. Als Bezirksführer wurden Da es nach der Geschäftsordnung nicht möglich ist, die Ange. Thesmer, Herold, Anders, Schirm, Wenzel, Scheeler, als Revisoren Legenheit sofort einem Ausschuß zu überweisen, wird dieselbe bis Rüster, Nieg und Wohlleib, als Bibliothekar Nimmig und in die zur nächsten Sizung zurückgestellt und darauf die Sizung geheiten wurden noch einzelne agitatorisch wichtige Anträge und AnLokalkommission Hinze und Ziegs gewählt. Unter Vereinsangelegenfchloffen. regungen diskutiert. 0 Die im vergangenen Sommer in Schöneberg aufgetretene Mitrofporie Epidemie fann, wie der Magistrat belamute Königs- Wusterhausen. gibt, als erloschen betrachtet werden. Seit Mitte Juli ist ein neuer Fall nicht zur Kenntnis gekommen. Die in dem städtischen AugusteBittoria- Krankenhause eingerichtete Zentrale bleibt für Begutachtung und Behandlung etwaiger verdächtiger neuer Fälle noch bis auf weiteres bestehen. Wilmersdorf. Es ent Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen- Direktion über den Großhandel in den Zentral- Marktballen. Warktlage: Fleisch: Zufuhr reichlich, Geschäft schleppend, Breise unverändert. Wild: Zufuhr reichlich, Geschäft flau, Preise nachgebend. Geflügel: Rufuhr genügend, Geichäft rubig, Breise wenig befriedigend. Fische: Zufuhr etwas reichlicher, Geschäft matt, Breise wenig verändert. Butter und Stäie: Geschäft ruhig, Breile unverändert. Gemüse, Obst und Süd. früchte: Zufuhr mäßig, Geschäft schleppend. Preise befriedigend Briefkaften der Redaktion. Die inviftifme Evrechstunde fudet Lindenstraße Me. 3, gweltet sof, Dritter Eingang. bier Treppen, Fahrstuhl wochentäglich abends von 7 bis 9 hr tatt. Geöffnet 7 Uhr Buchstabe und eine Zahl als Wiertzeichen beizuffigen. Briefliche Autwort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Briefkasten können 14 Tage vergehen. Gilige Fragen trage man in der Erechimude var. Sonnabends beginnt die vrechstunde nu 6 hr. Jeder Anfrage ist ein 2. S. 21. Ein Brief von Ihnen vom 23. v. Mts. liegt nicht vor. .. 100. Wenn rechtsfräftige Verurteilung erfolgt ist, so könnten Sie jest Schritte mit Erfolg gegen Ihre Zahlungspflicht nicht unternehmen. es auf eine Klage liegt teine Verurteilung vor, fo laffen Sie antommen. 23. K. 98. 3 M. Geldstrafe. find Sie zur Zahlung verpflichtet. 2. Sie fönnen zum Pfleger bestelli 23. 26. 1. Leider werden. Wegen Geistestranfheit ist die Scheidung nur dann zuläffig, wenn die Geistestrankheit mindestens drei Jahre gedauert und einen solchen Grad erreicht hat, daß die geistige Gemeinschaft zwischen den Ehegatten aufgehoben, auch jede Aussicht auf Wiederherstellung ausgeschlossen ist. Witterungsübersicht vom 5. Januar 1909, morgens 8 Uhr. Stationen Barometer stand mm Wind 7768 777 23 richtung Windstärke Better 8 bebedi 1 Nebel Temp. n. T. 6°. 4° R. Stationen Barometer stand mm Winb4 Daparanda 757 N richtung Windſtärke Better 15° C= 4° R. 2 better 2 3 wolfig 0 775D 774 WSW 1 wolfenl- 1 780 SD 2 bededt 4 bedeckt 8 4 Betersburg 753 N 5 Scilly -1 berbeen -7 Baris 1 1 Nebel 5 Regen Wetterprognose für Mittwoch, den 6. Januar 1909. Ein wenig fühler, zeitweise aufflarend, vorwiegend noch trübe und nebelig bei mäßigen westlichen Winden; feine erheblichen Niederschläge. Berliner etterbureau. Wafferstands- Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerfunde, mitgeteilt bom Berliner Wetterbureau. am feit 4. 1. 3. 1. Der Revolver in Kindeshand. Ein blühendes Menschenleben ist swimenide 774 WNW 3 bedeckt wieder einmal durch die unvorsichtige Spielerei eines Knaben mit Hamburg 779 3 3 bededt der Schußwaffe vernichtet worden. Der 12jährige Schüler Hermann Berlin Ludwig war vor einigen Tagen in Berlin gewesen und batte sich Franti.a M. 781 S hier ohne Vorwissen der Eltern einen fleinen Taschenrevolver ge- Münden 783 SD fauft. Daheim wollte er dann seinen Schulfameraden den Bien Revolver praktisch vorführen. Er gab einge Schüsse daraus ab und In der Generalversammlung des Wahlvereins erstattete der jagte fich dabei selbst eine Kugel in den linken Unterarm. Borsitzende Genosse D. Riedel den Bericht des Borstandes, der stand eine Blutvergiftung, an deren Folgen Ludwig verstarb. fich auf die verflossenen 6 Monate erstrect. Mit der Erledigung Botsdam. der Vereinsgeschäfte befaßten fich 17 Borstandssitzungen, 4 Wit Zu der Bluttat in Lehnin wird mitgeteilt, daß die Schwieger glieder und eine Generalversammlung. Außerdem fanden eine Reihe Flugblatt- und Handzettelverbreitungen statt. Die Mitglieder Raubmörder beigebracht hat, erlegen ist; die junge Frau des BriefMitglieder- mutter des Briefträgers Schulze den Verlegungen, die ihr der zahl erhöhte sich von 442 auf 474, jedoch ist der Beitritt der trägers liegt in den legten Bügen. Die Schwiegermutter hatte fich Genoffinnen nach Auflösung des Frauen und Mädchenbildungs- während des Weihnachtsfestes bei Berwandten in Ruhleben bei vereins weit hinter den gehegten Hoffnungen zurüdgeblieben. Der Kassenbericht, den der staifierer bom vierten Quartal erstattete, Spandau aufgehalten und war erst zu Neujahr in Lehnin einschließt mit einer Gesamteinnahme von 547,48 M., der eine getroffen. Gesamtausgabe von 532,87 m. gegenübersteht, so daß am Zum Barnimer Nanbmord. Das Aufsehen erregende Verbrechen, Bregel, Sniterbirg Drte ein Bestand von 15,56 m. verbleibt. An die Zentraltasse des dem in der Nacht zum 24. September 1908 der Milchhändler Stefan Weisel, Thorn Dder, Natibor Streifes wurden 865,28 M. abgeliefert. Die Stadtverordneten- Haupt- Brenke zum Opfer fiel, dürfte allem Anschein nach feine gerichtliche Stroffen und Stichwahl verursachte einen Kostenaufwand von 782,76 M. Der Sühne finden. Der als Täter verdächtige Arbeiter Anton van Frantiurt Bericht der Speditionskommission schließt mit einem geringen Defigit, Scholten wurde auf Verfügung der Staatsanwaltschaft jetzt auf Barthe, Schrimm das burch verhältnismäßig viele Abonnementsreste entstanden ist. freien Fuß gesezt, da sich die belastenden Indizien als unhaltbar Landsberg Auch ging der Abonnentenstand im Berichtsjahre infolge der herrschen- und zu geringfügig für die Erhebung der Auflage wegen Raub- Rese, Bordamm den Strife von 930 auf 865 zurück. Die Neuwahl des Vorstandes mordes erwiesen haben. Die Recherchen nach einer andern eventuell Ibe, Leitmerit ergab: 1. Borfißender D. Niedel; Schriftführer Tudermann; für die Täterschaft in Betracht kommenden Person find bis jetzt erRassierer R. Goddäns; Beisiger H. Nidler; Revisoren folglos verlaufen. Es zirkulieren wohl allerlei Gerlichte, doch sie Bosl. Beyer und Ggner. AIS Abteilungsführer entbehren jeder Stichhaltigkeit. Wenn nicht der bewährte DetektivStempfer, se ihn und michaelis; Lotalfommission reß zufall die Mordtat aufflärt, wird voraussichtlich das Verbrechen und H. Behrend; Bibliothefare rant und harder. ungefähnt bleiben. Wasserstand Memel, Zilfit cm cm ¹) 178)-6 Bafferstand am feit 4. 1. 3. 1. cm cm³) 70%) Saale, Grochliz Havel, Spandau) Nathenow) Spree, Spremberg³) Beeskow Bejer, Münden Minden 120+2 51 +3 70+8 72 0 -103 4-7 Rhein, Marimiliansau 294+1 Raub Seöln Redar, Heilbronn 113)-8 86 103) 843)+14 0 0 Barby Magdeburg 983)+5 100°)+4 23)-9 105)+10 -39+-16 -2025)+6 -28) 4-6 -6-1 Main, Wertheim Mosel, Trier Dresdeni 56°)+10 85)-120 666)+14 30+11 9) Eisstand. Treibeis. )+ bedeutet Buchs, Fall. 5) Unterpegel. Eisfrei. 5) Wenig Treibeis, Eisstauung beseitigt. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin, Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW,