Nr. 5. RlennrffltntS'lkdinouiwa: TOotmcmmM. Pret» ctftmnnettmto r ISintffläfitl 830 Bit, monatl. 1,10 BS, wöcheiulich 28 PIz. fiel in« Haut. Einzelne Nummer S Pfg, Sonmag«. nummer mit wuslrierler SonniaaS- Beilage.Die Reue Seil' 10 Pfa, Bast. «bannemeM: l,!0 Mark rro Monat. Eingetragen tn die BasI> Zeitung«. BreiAIist«. Unter ttreuzband Mi Deutschland und Oeslerreich. Ungarn 2 Mart, fflr da» übrige Ru« laich 8 Mart pro Monat. Bostabonnementt nehmen im: Belgien. Dänemark. iiumäaien. Schweben und'die Sch»ch»> I»»«■«tut. LS. Jahrg. Verlinvv Vollwblakk. �entralorgan 6er fosialäemokratitcken Partei VeutscklanÄs. ltte lnkerNonz-Ledüd? tttrLgl für die iechsgefpaltene«oloilti- »eile oder deren Baum SO Pfg., für politische und gewerkschaftliche Verein?. und BerfaminlungS. Anzeigen SO Big. „Kleine Hnitigoi", da« erste(fett- gedruckte!«ort 20 Pfg.. jede« weitere «ort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- ftellen-Anzeigen da« eilte Wort 10 Pfg., jede« weitere vor! 6 Pfg. Worte über IS Buchilaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen dl« it Uhr nachmittag« in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bi« 7 Uhr abend« geöffnet. Telegramm,«drefl«! aStxUiiUDOkni lull»". fUdabtiont 8 Tl. 68, LineUnstraese 69. Sern sprecher- dm« IV, Str. 1983. I Donnerstag, den 7. Januar tttOS. I 6xp(dltiont STl. 68, Lindcnstraeec 69* Sern spreche»: Amt KT. Nr. 1984. Die Agrarier und die Dachlaö- fteuer. Der Kampf der Agrarier gegen die Nachlaßsteuer scheint Erfolg zu haben. Im Reichsschatzamt wird, wie konservatwe Blätter behaupten, ernstlich erwogen, ob nicht die Ausdehnung der Erbschaftssteuer auf Kinder und Ehegatten aus dem Sydowschen Nachlaßsteuerplan entfernt und dafür das mobile Großkapital durch eine Coupon-, Dividenden- oder Bankumsatz steuer kräftiger zur Deckung des Reichsdefizits herangezogen werden könnte. Herr Sydow hat allerdings, als er vor drei Monaten seine Steuerprojekte in der„Deutschen Rundschau" schilderte, erklärt: „Ich für meine Person bin fest davon überzeugt, daß eine Finanzresorm lediglich auf Verbrauchsabgaben hin ein Ding der Unmöglichkeit ist, und daß die Hinzufügung der all gemeinen Nachlaßsteuer ein« conditio sine qua noi für da« Zustandekomme« der Reich«fiuanzr«form bildet." Und als trotzdem am 12. Oktober die„Kreuzzeitung" und die„Deutsche Tageszeitung" andeuteten, daß es dem Reichsschatzamte weniger auf die Nachlaßsteuer selbst, als auf eine„ausgiebige Besteuerung mittlerer und größerer Ver mögen" ankomme, da erwiderte mit der ihr eigenen Prinzipien� festigkeit die„Nordd. Allgem. Zeitung": „ES liegt nicht der mindeste Grund zu der Annahme vor, daß irgend welche Veränderung dieses Standpunktes bei den Bunde«» regierungen eingetreten oder zu erwarten ist... Somit steht für die Heranziehimg des Besitze? neben einer vielleicht möglichen mäßigen Erhöhung der Matnkularbeiträge bei der Reuregelung der Reichsfinanzen eine andere Form als die allgemeine Nachlaß st euer nicht zur Ber- fügung. Der Gedanke, fie ganz oder teilweise durch eine Ber» mögenssteuer zu ersetzen, hat keineAuSsicht aufErfolg." Seitdem hat auf Anzapfungen der Agrarkonservativen das Kanzlerblatt verschiedentlich in ähnlicher Form erklärt, daß die Regierung an ihren tm Nachlaßsteuerentwurf auf- gestellten Forderungen festhalte, da sie die den Wohlhabenden durch die Nachlaßsteuer auferlegte Abgabe gewissermaßen als einen Ausgleich der den sogen, unteren Volksschichten durch die geplanten Brau» und Tabaksteuerhöhungen sowie durch daS Branntweinhandelsmonopol aufgebürdeten Lasten betrachte. Doch wenn es in Preußen-Deutschland, wie die Geschichte deS Mittellandkanalprojektes beweist, schon recht einfältig ist, sich auf Königsworte zu verlassen, so haben Kanzler» und Ministerworte noch einen viel problematischeren Wert. Und nun gar erst die Versicherungen eines Blattes von der Qualität der„Nordd. Allgem. Ztg.", dessen Dementis so oft durch die späteren Ereignisse Lügen gestrast worden sind, daß nur noch politische Kinder seinen Erklärungen und Berichtigungen Be- dcutung beimessen. Bisher haben die Herren Agrarier, wenn für sie eine einigermaßen wichtige Frage auf dem Spiele stand, stets in ihrem geschäftsführenden Jnteressenausschuß. den man Ministerium> nennt, ihren Willen durchgesetzt, und die Wortverpfändung Sydows, des Mannes, der ohne eigenes Ressort, lediglich als Bülowschcr Bureauchef fungiert, wird sie schwerlich daran hindern. auch diesmal ihrem Willen Geltung zu verschaffen, zumal die Mehrheit des Zentrums und ein Teil der Nationalliberalen die Nachlaßsteuer ebenfalls verwerfen. Damit soll nicht gesagt sein, daß die Lasten, die den Herren Großgrundbesitzern durch die geplante Nachlaßsteuer auserlegt werden, so beträchtliche sind, daß sie diese nicht be- guem, ohne irgend welche Einschränkung ihrer bisherigen Lebenshaltung zu tragen vermöchten. Macht dach die Nachlaß- steuer nur einen ganz geringfügigen Prozentsatz des Gold- segens aus, der den Agrariern durch die Gesetzgebung des letzten Jahrzehnts, besonders die Zollgesetzgebung, auf Kosten der ärmeren Volksklassen in den Schoß gefallen ist. Nimmt man die Pachtpreiserhöhungen deS letzten Jahres als Grundlage der Rechnung an, dann ergibt sich, daß der Wert der größeren Landgüter in Qstelbien durch den Zolltarif vom 25. Dezember 1902 und die ihm folgenden Handelsvertragsabschlüsse um mindestens 15 bis 20 Prozent gestiegen ist. Die Nachlaßsteuer beträgt dagegen für die Rittergüter nur 2— B Pro 3. des Wertes, und diese Steuer soll nach dem Entwurf nicht vom wirklichen Verkaufswert der Güter, sondern von einem auf Grund des Reinertrages berechneten, weit unter dem Verkaufspreis stehenden fiktiven Ertragswert bezahlt werden, von dem außerdem noch verschiedene Abzüge gemacht werden dürfen. Es ist also nur ein geringer Teil des der Volksmasse durch die Zölle abgezwackten und den„Notleidenden" über- mittelten Nationalgeschenkes, den diese in Gestalt einer Nach- laßsteucr auf dem Altar des„teuren Vaterlandes" opfern sollen. Doch der vielgerühmte vaterländische Opfersinn der Junkerkaste vermag sich selbst zu diesen bescheideneu Leistungen nicht aufzuschwingen. Großmütig, wie die Edelsten der Nation sind, überlassen sie es den ärmeren Volksschichten, die Mittel aufzubringen, die sie generös für ihre Jnteresseninstitutionen. für Heer, Marine. Kolonien. Gebaltsausbesjerlmse» der hohen Bureaulratte«s». bewilligt haben. Wie sehr ihnen sonst die moderne Industrie verhaßt ist. tn bczug auf die Steuerpolitik sind sie fiir streng durchgeführte Arbeitsteilung. Für sich beanspruchen sie nur das schwere vaterländische Opfer, der Regierung die von dieser geforderten Mttel zu bewilligen, die Pflicht, diese �Mittel aufzubringen, überlassen sie gern dem„unmündigen" und deshalb in Preußen größtenteils politisch entrechteten Volke. Von vornherein auf die Interessen der Junkerkaste zu geschnitten, stellt das Sydowsche Nachlaßsteuerprojekt an die Großgrundbesitzer so bescheidene Steuerforderungen, daß sie im Vergleich zu den hohen Steuersätzen des englischen und stanzösischen Erbschastssteuergesetzes geradezu lächerlich er scheinen. Die Höhe der Steuer beträgt nämlich bei einem reinen Wert des Nachlasses von: Der Steuersatz ist also weit niedriger als in England, wo er sich für die von ihren Eltern erbenden Kinder bei einem Vermögensobjett von einer Million Mark bereits auf 5 Proz. stellt und bis beinahe 15 Proz. steigt, oder in Frankreich, wo bei ewem Erbschaftswert von einer Million Mark Kinder 3 Proz.» Ehegatten 7 Proz. an Nachlaßsteuer zu zahlen haben. Zudem ist aber die Regierung darauf bedacht gewesen, ihren Spezialschutzbefohlenen, den Agrariern. ebenso wie bei der Reichserbschaftssteuer eine Reihe Extra• Ermäßigungen und- Vergünstigungen zu gewähren, so daß die Junker tatsächlich nur einen Teil der rechtmäßigen Steuer zu zahlen haben. Beim Eintritt eines Lehens- oder Fideikommißfalles soll z. B. die Nachlaßsteuer nicht unter Zugrundelegung des Wertes des Vermögens, sondern nach dem Werte der vom Besitznachfolger zu ziehenden Nutzungen berechnet werden. Aber auch bei der Vererbung eines nicht fideikommissarisch festgelegten Grundvermögens soll die Steuerberechnung nicht nach dem wirklichen Verkauftswert der vererbten Grundstücke erfolgen, sondern nach einem fikttven Ertragswert, der dadurch gewonnen wird, daß der sogenannte Jahresreinertrag der Güter mit20multipliziert wird. Mit anderen Worten: die Erben, denen Landgüter zufallen, haben nicht die Steuer vom wirklichen Wert dieser Güter zu zahlen, sondern nur von einem Teile dieses Wertes; denn nirgends, wenigstens nicht in Preußen, erreicht der auf die angegebene Weise ermittelte Ertragswert den Verkaufswert. Die Reinertrags- berechnung tn Preußen ist eine so eigenartige, daß selbst große Landgüter, deren Besitzer sich eines behäbigen Wohl- standek. erfreuen, als nur ganz geringe Reinerttäge liefernd angesehen werden. So hat z. B. erst jüngst das preußische Statistische Landesanit hcrausgercchnet, das; selbst die mittel- großen Bauern Preußens mit einem durchschnittlichen Grund- besitz von 14,7 Hektar lzirka 56 preußische Morgen) nur ein Nettoeinkommen von 1022 Mark, die Großbauern mit einem durchschnittlichen Grundbesitz von 37,1 Hektar nur ein Ein- kommen von 1905 Mark und die Rittergutsbesitzer mit einem durchschnittlichen Grundbesitz von 298,8 Hektar nur ein Durch- schnittseinkommen von 9855 Mark haben. Damit aber selbst unter Zugrundelegung dieser preußischen Rechnungsmethode die unglücklichen Erben großer Rittergüter nicht doch vielleicht zu viel Steuern in die Reichskasse zahlen könnten, wird weiterhin festgesetzt, daß dann, wenn sich der Ertragswert höher stellen sollte als der vorher zum Zwecke der Beleihung von öffentlich-rechtlichen Kreditanstalten oder Behörden er- mittelte Schätzungswert, nicht der Erttagswert, sondern der niedrigere Schätzungswert für die Steuer- gesetzgebung in Bettacht gezogen werden soll. Von diesem derartig ermittelten fiktiven Ertragswert darf dann noch der Erbe abziehen: den Wert des tm Herrenhause vorhandenen Hausgerätes, der Wäsche, der Luxusgegen- stände usw., ferner außer den auf dem Gute lastenden Schulden auch die weiteren Verpflichtungen des Erblassers, die Kosten der Bestattung des Erblassers, der Lcichenfeierlich- ketten, des Grabdenkmals usw., weiter die Kosten der Nachlaß- regelung, der Inventaraufnahme, der Wertabschätzung und schließlich, wenn der neue Erbe vor dem Erbantritt wegen der Erbmasse prozessiert haben sollte, auch noch die Kosten des Rechtsstreites. Von dem. was nach allen diesen Subtraktionen noch übrig- bleibt, muß dann der bedauernswerte Erbe bis 3 Prozent Nachlaßsteuer bezahlen, jedoch nur wenn der Erblasser das Gut mindestens schon vor 10 Jahren geerbt hat. Ist da- gegen das Gut vom Erblasser erst im Laufe der letzten fünf Jahre ererbt und damals von ihm bereits schon einmal eine Nachlaßsteuer entrichtet worden, dann zahlt der neue Erbe keinen Pfennig, auch wenn sein Erbe Millionen wert ist; und selbst dann, wenn der frühere Steuerfall 5 bis Ü) Jahr« zurückliegt, darf dt« Steuer nur zur Hälfte erhoben werden. Doch damit noch nicht genug; auch dann, wenn ein Nachlaß an einen gemeinschaftlichen Abkömmling aus der Ehe mit dem vorverstorbenen Ehegatten des Erblassers fällt, wird auf die Nachlaßsteuer derjenige Betrag in Anrechnung ge- bracht, der vorher von dem Erblasser beim Tode seines Ehe- gatten für das ihm zugefallene Erbe an Steuer enttichtet worden ist, und zwar selbst dann, wenn solcher Erbfall Jahr- zehnte zurückliegt. Nur ausnahmsweise hat also nach dem RegienmgS- entwurf der Erbe die volle Nachlaßsteuer zu entrichten. Selbst in diesem Fall ist aber keineswegs der neue Besitzer des Gutes zur sofortigen Zahlung der Steuersumme verpflichtet. Er kann sie sich bis zu 10 Jahren, ohne dafür Zinsen zahlen zu müssen, stunden laffen, sie in Raten zahlen oder sie auch unter Berechnung einer vier- prozenttgen Verzinsung als amortisationspflichtige Grundschuld auf sein Gut einttagen lassen. Nehmen wir ein Beispiel: Ein Sohn erbt von seinem Vater ein prächtiges Rittergut mit Inventar im Kaufwerte von Vl3 Millionen Mark: der nach dem Reinertrage berechnete fiktive Erttagsivert oder der von einer ritterschaft- liehen Kreditanstalt oder Hypothekenbank zum Zweck der Be- leihung abgeschätzte Nominalwert stellt sich jedoch nur auf 1 Million Mark. Belastet ist dieses Gut mit 750000 M. Dann beträgt der versteuerbare Nachlaß nur 250000 M., doch gehen von dieser Summe noch ab: der Wert des HauS gcrätes, die Kosten der„angemessenen Bestattung" des Erb- laffers nebst Grabkapelle usw., der Inventaraufnahme, Erbschaftsregelung usw., ferner verschiedene persönliche Schulden des Verstorbenen, auszuzahlende Verpflichtungen usw., inS gesamt, wie wir annehmen wollen, ca. 50000 M. Das der- steuerbare Vermögensobjett beträgt also 200000 M., und der Steuerbettag 4000 M. Aber diesen Vettag hat der neue Erbe keineswegs unter allen Umständen zu entrichten. Hat B. sein Vater das Gut erst vor neun Jahren geerbt, dann dürfen nur 2000 M. Erbschaftssteuer erhoben werden; hat ferner sein Vater vor fünf, sechs, acht Jahren seine Frau verloren, diese beerbt und damals für fem Erbteil Nachlaßsteuer bezahlt, vielleicht 500 M., dann darf der neue Erbe auch nodi diese Summe abziehen. Er hätte also nur 1500 M. an Nach laß st euer zu entrichte n. Doch nehmen wir das ungünstigste Verhällnis an: der neue Besitzer sollte 4000 M. zahlen. Dann steht ihm frei, diesen Betrag sofort aus der Erbschaftssumme bar auszu- zahlen; er kann sich jedoch auch den Betrag 10 Jahre stunden lassen und ihn tn jährlichen Raten zu 400 M. bezahlen; oder er kann auch, wenn es ihm vorteilhafter erscheint, eine Hypothek aufnehmen, den Steucrbettag sofort abwerfen und jährlich dafür 160 oder 180 M. Zinsen zahlen. Und durch solche Ausgaben von 400 oder 160 M. jährlich wird der neue Besitzer des 1'/» Millionen Mark- Rittergutes in den Ruin getrieben und die deutsche Landwirtschaft rücksichtslos zur Vernichtung verurteilt? Eine albernere Behaupttmg hat sich die agrarische Presse nie geleistet, obgleich sie sicher auf dem Gebiete verlogener Rabulistik und unfreiwilliger Komik schon bisher recht ansehnliche Erfolge aufzuweisen hatte. Wenn den nach Ansicht der agrarischen Wortführer so tief bedauernswerten Erben großer Rittergüter nicht ibr Renn- sport, ihre Maittessen oder die Vorliebe für das Jeu ruinieren, die Ausgabe der 160 oder 300 M. jährlich tvird sie gewiß nicht zum Ruin tteiben. Sie können diese Ausgabe leicht wieder einbringen, wenn sie einen Teil ihrer Jagd ver- pachten, die eingeladenen Jagdgesellschaften weniger splendid bewirten, einmal weniger zu den winterlichen Hoffestlichkeiten der nächsten Residenzstadt fahren oder sich ein Luxuspserd weniger halten. Jedenfalls beträgt die ratenweise Wtragnng der Nachlaßsteuer nur einen geringen Teil der Mehr- einnahmen, die die Großagrarier infolge der letzten Zollgesetz- gebung heute auL den von ihnen zum Verkauf gebrachten landwirtschaftlichen Produkten lösen. 6)0 Cyriher der tiienichenichlächterei. Die Kronsbcinsche„Post" hat, während sie sonst gewöhnlich im Interesse ihrer großindujtriellen Gönner aus der Stahlindustrie die Kriegsposaune bläst, diesmal in der Weihnachts- und Silvester. stimmung mit erquältem dithyrambischen Schwung den Segen der Friedenspolitik gefeiert. Das scheint in gewissen freikonservativen Kreisen verstimmt zu haben, und Graf Otto Moltte, preußischer LandtagSabgcordnetcr, Propst des adeligen Klosters in Uetersen und Oberstleutnant a. D., glaubte die Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen lassen zu sollen, um sich bei den kriegslustigen Ele- menten der Armee in empfehlende Erinnerung zu bringen. Er schrieb also an die„Post" einen laugen politischen Brief, eine Paraphrase der bekannten Acußcrung des Feldmarschalls Mottle: „Der ewige Friche ist nur ein Traum— und nicht einmal ein schöner!" im lyrischen Garde'grcnadicrstil— und die„Post" druckte pflichtschuldigst diese schristjtellcrische Leistung ihres Partei- genossen ab. Wir haben bisher von diesem schönen Erguß einer tatendrangs- lustigcn, über die Beaufsichtigung eines adligen Frauenllosters hinausstrebenden Seele keine Notiz gienonimen. Weder die politische Bedeutung der„Post", noch die des gräflichen KlosterpropsteL aus Uetersen rechtfertigte die Beschäftigung mit der eigenartigen KuegSphilofophie, die letzterer sich leistet. Aber neuerdings g» Bfnni di« Sache dadurch ein anderes Gesicht, daß verschieden? koN- servativ« Blätter, darunter auch die„Kreuzzeitung', die Apologie des Herrn Grafen Otto von Moltke abdrucken, und' zwar ohne Kommentar. Sie sind also im wesentlichen mit den Ausführungen des kriegslustigen Klosterpropstes in Uetersen einverstanden. Herr Graf von Moltke schreibt: „Ein künstlich und— man könnte versucht sein, zu sagen — gewaltsam aufrechterhaltener Friede ist nur ein verdeckter Krieg und immer eine mißliche Sache. Schon deshalb, weil er erschlaffend aus Nerven und Konstitution des Volkes wirkt, selbst eines sonst gesunden. Ich müßte mich sehr täuschen, wenn wir die nun ein Menschenalter dauernde Friedensära. wenn wir ihren phänomenalen wirtschaftlichen Aufschwung, wenn wir unsere materielle Verstärkung und die gewaltig« Expansion auf fast allen Gebieten nicht bezahlt hätten mit einer gewissen inneren Erschlaffung und Selbstberäucherung. Der Zustand der Verdauung hat lange genug angeholten, um auf der anderen Seite eine gewisse verdrießlich-apathische Stimmung, namentlich in politischen Dingen, zu erzeugen, die nur gelegent- lich eruptiven Ausbrüchen Platz macht. Die ernste, stetige, ge- räuschlose, pflichttreue Arbeit ist gewiß nicht verschwunden, aber sie tritt oft. zu oft hinter dem lärmenden, prunkhaften Bombast des Tages zurück und wird nicht überoll mehr nach Verdienst ge- wertet. Der altvreußische Sinn— an sich unverändert— hat sich in die Stille und hinter den Vorhang der Weltgeschichte zu- rückgezogen: er kann dereinst wieder hervortreten, wenn man etwas weniger von Weltpolitik und Weltwirtschaft reden' und träumen wird, dafür sich etwas mehr auf das besinnt, was uns wirklich groß gemacht hat und was uns jetzt oft fehlt: Einfach. heit der Linie und Entschlossenheit deS Willens zur Tat Mit einem Wort: Der lange Friede mit seinem golde- uen Zepter und seinem schimmernden, glück. haften Purpurgewand— ist er wirklich ein« Hymne wert, oder hat er uns innerlich merklich versimpelt?... Wir Deutschen, speziell wir Preußen, haben uns großgekämpft und großgehungert; wir haben wenig oder gar kein Talent, das Leben nur zu genießen, und unser Bestes ist immer unser Schwertschlag und unsere Arbeit gewesen. Jedesmal, wenn wir auf Bärenhäuten lagen, Met tranken und � einschlummerten, folgte ein grausame? Erwachen. Besser: Die Wehr zur Hand, in der anderen den Pflug oder den Hammerl Jene aber ist da, um sie zu rechter Zeit zu gebrauchen, nicht um sie nur zu polieren und schön blank zu erhalten.' Neu sind diese Anschauungen nicht. Sie sind schon wiederholt hervorgetreten, sowohl innerhalb bestimmter feudaler militärischer Kreise, als in gewissen. Fabrikate für die Kriegsführung produ- zierenden Industriezweigen. Nach außen geben sich diese An schau» ungen als hockpatriotische; in Wirklichkeit find sie jedoch zu mindestens Üb Proz diktiert von dem Wunsch nach schnellerem Avancement, einer Stärkung des Militarismus und Zurück. drängung der demokratischen Tendenzen durch den sogenannten rauhen Soldatengeist oder durch die Sucht, die industriellen Profite bestimmter Kreise von Großindustriellen zu steigern. ES verlohnt sich deshalb auch nicht, auf die patriotische KriegSbeyeisterung des Herrn Grafen von Moltke einzugehen, der der dänischen Linie derer von Moltke entstammt und dessen Vorfahren sich keineswegs in Preußen„großgekämpft'' und.großgehungert' haben. sondern in Dänemark AmtS- und Offiziersstellen bekleideten. Kenn. zeichnend ist aber, daß leitende konservative Blätter die gräfliche Kriegsepistel abdrucken, nachdem sie eben erst am WeihnachtSfest in allen Tonarten den BibelverS„Friede auf Erdenk' variiert und die deutsche Auslandßpolitik als Friedenspolitik gefeiert haben. Allerdings, in gewisser Hinsicht mag der Uetersener Kloster- Propst..«cht Haben, Weng, er meint, daß die FxiedcnSjahre zur BlrimnelÄ'' mid Selbstberäucherüng, zunf LüiKell VÜ&ft haut und zum Mettrinken geführt haben. Nur gilt das nicht von der ganzen Nation, sondern nur von bestimmten Kreisen des Hjlfftngtnms und des Feudatadels. Ihnen hat.dte�wirtschaftspoli., tische Gesetzgebung ohne ihre Arbeit so viele Reichtümer ein- getragen, daß tatsächlich in diesen Kreisen die vom Grafen Moltke verspürte„innere Erschlaffung'«inen beträchtlichen Um- fang erreicht zu haben scheint. Di« werktätigen Schichten des Volks haben dagegen in dieser Zeit hart arbeiten müssen, mußten sie doch das mit erwerben, waS den Junkern infolg« der„vaterländischen' Zollgesetzgebung mühelos al» Extrareven« zufloß. Schoo«leckes io ssoteo! Der liberale Traum von einer Aenderung unserer inter- nationalen Politik, einem Zurücktreten des persönlichen Re- giments und dem Verzicht auf Reden von unberechenbarer Tragweite ist noch rascher zerronnen. alS selbst Pessimisten glauben mochten! Wilhelm l I. hat am Neujahrstage wiederum eine sensationelle Ansprache gehalten, die Deutschlands Isolierung vollenden. das Mißtrauen der Mächte steigern und das deutsche Volk selbst im höchsten Grade beunruhigen muß! Wenn die„Deutsche Tageszeitung' aus dieser kaiserlichen A n t- wort auf die Vorstellungen der Volksver- t r e t u n g letzten Endes nur die eine Notwendigkeit folgert, daß künftig die Veröffentlichung solcher nicht für die Oeffentlichkeit bestimmten Reden unmöglich gemacht werden müsse, so kann sich der Liberalismus nicht mit einer solchen Nutzanwendung begnügen I Das hieße doch der Presse, der Oeffentlichkeit das Schloß vor den Mund legen, das einen ganz anderen Zweck erfüllen sollte I Die unheilvolle Wirkung deS persön- lichen Regiments ging doch nicht von dem Widerhall au3, den die kaiserlichen Kundgebungen fanden, sondern von diesen Kundgebungen selb st I Ja. mehr noch: wenn bisher Wilhelm II. seine Auffassung öffentlich darlegte, konnte das Volk widersprechen, im Lande selbst und dem Ausland gegenüber bezeugen, daß es anders denkt. Wenn aber Wilhelm Hl. die obersten Generale mit einer hoch> politischen Ansprache bedenkt und sich umgekehrt von diesen obersten Leitern unseres Heeres eine besondere Ver- trauenskundgebung bereiten läßt— ist das nicht eine viel schlimmere Betätigung des persönlichen Regiments, eine bedrohlichere Bekundung de? Milttärabsolutismus, als wenn er in ö f f e n t- l i ch e r Rede eine bedenkliche Ansicht vorgetragen? Ganz abgesehen davon, daß solche Reden im enaeren Zirkel sich niemals verheimlichen lassen werden und daß ihr Bekanntwerden gegen die Absicht Wilhelms II. und seiner Intimeren noch einen viel sensationelleren und peinlicheren Eindruck machen mutz, als früher. Ent- weder Wilhelm II. ist konstitutioneller Fürst und überläßt alle Politik der verantwortlichen Regierung, oder aber er ist persönlicher Herrscher, der seine persönlichen Ansichten in der Politik zur Geltung zu bringen sucht und die Minister nur als Handlanger seines Willens betrachtet. Wie die Verfassungsverhältnissc in Deutschland liegen, wird ein selbstbewußter, energischer, für die Politik interessierter Kaiser st e t s persönliche Politik zu treiben suchen, und unsere Junker werden stets bestrebt sein. dies persönliche Regiment zu st ü tz e n und zu hätscheln, um durch den Einfluß des Monarchen ihre InLeregen fetfochloe p fe&m Aber unser famoser Liberalismus stellte sich blind und hoffnungsseltgl Jetzt hat er die Bescherung I Wilhelm II. hat nach den Mitteilungen des„Berliner Tageblatts"— und die R i ch ti gke i t dieser Mitteilungen wird von konservativer Seite bestätigt!— sich die Auffassung S ch l i e s f e n s völlig zu eigen gemacht. daß England Deutschlands unversöhnlicher Feind, daß Deutschland von den Mächten eingekreist ist und sein einziger Schutz gegen die es gierig umlauernden Feinde in einem noch forriertereu Rüsten besteht I Welchen Eindruck muß das nach außen machen I Und welche Aussichten eröffnet dies kaiserliche Bekenntnis, daß nur im anuoter. brochenen, anabsehbaren Wettrüsten das Heil Deutschlands liege, für unsere ganze innere Politik t Wir sind neugierig, mit welchen Verlegenheitsausflüchten der Liberalismus die Massen wiederum einzulullen suchen wird I UnS selbst brachte die peinliche Neujahrssensation freilich keine Ueberraschung. Die Sozialdemokratie hatte ja mit dem erdenklichsten Nachdruck immer betont, daß die einzige Schutzwehr gegen daS persönliche Regiment in der Einführung demokratischer Garantie» und Institutionen bestehe l Herrschte bei unS das Volk, so könnte man Wilhelm II reden lassen, was und so viel ihm beliebte. Weil aber alle Welt weiß, daß nicht des Volkes Wille, sondern der Wille jener kleinen, aber mächtige» Privilegierten- käste der Kraut- und Schlotjunker, deren Auffassung sich mit der Wilhelms II deckt, das höchste Gesetz in Deutschland ist, deshalb würde das Mißtrauen im In- und Ausland auch dann nicht schwinden, selbst wenn es gelänge, alle Ansprachen Wilhelms II. der Oeffenttichkett vorzuenthalten! gas Lrdbeben. Messina» 6. Januar.(Privatdep. des„Vorwärts".) Die Erdstöße dauern immer weiter fort. Unter den Trümmern werden auch jetzt noch Lebende aufgefunden. Am Rrttungs- werke arbeiten Matrosen oller Nationen. Die Notlage hier ist unermeßlich, noch schlimmer als i» Messt«« selber i» de« kleiucre« Orten der Umgebung. Der Berliner Korrespondent de?„Giornale d'Jtalia', Cabastno, ein geborener Sizilianer. gibi ein« erschütternde Schilderung seiner Eindrücke aus Messina. AuS dem Ruinenhiizcl ragt ganz un. versehrt einzig und allein die Neptunstatue, die wie höhnisch auf all das Elend herabschaut. Reben der Statue liege» Hunderte von Menschen, die ave» Unbilden der Witterung ausgesetzt sind und unerbittlich der Lungenrntjündung zum Opfer fallen. Zwischen den Sterbenden und Toten spielen Kinder, die bald herumtollen und lachen und bald in bitteres Weinen ausbrechen. Vor dem RathauS fand Cabasino einen weißhaarigen Portier, der mitten im Regen stand und wartete, daß man ihm die Schlüssel bringe, um das Gittertor deS zerfallenen Gebäudes abzuschließen. Der Greis war verrückt geworden. Die zyklopischen Monolithsäulen deS Domes find zerbrochen, als wären sie Gips; die gotischen Portale, die zwölf Kapellen, der Hochaltar mit seinen herrlichen Bronzen sowie der wundertwlle Chor, alles, alleS ist unter dem Schutt verschwunden und wohl für immer dahin. Die Einwohner sind so bizarr gekleidet wie die armen Krieger der„Grande Armee' llllL. Em alter Mann trägt auf dem Kopfe ein Artilleriekäppi, ist in einen Frauenschal gehüllt und stützt sich auf«inen Alpenstock. Wi�sünger Mann tragt einen eingedrückten Zvlinderhllt ttttd"«itttw wertvollen Damenpelz, die Beine sind mit einer Federboa um- wickell. Eine Frau Hot ein« Kotzabinieri-Uniform an, eine andere, dje�im Hempc ist,., drückt ein Huhn, ihr einziges Bejitztup,. zärtlich» ans Herz. Viele'Frauen tragen Vogelkäfige in den Händen. Alle sind von oben bis unten mit Schmutz und Blut bedeckt; man glaubt, m ein Irrenhaus versetzt zu sein. Die neuesten Meldungen aus Messina lauten schauerlich. stSttll Mann Truppen sind dort. Fälle von Typhus und Te- tanus(Starrkrampf) kommen vor. Andere Infektionen werden befürchtet. Trotz der Abschiebungen wächst die Be- völkerung der Trümmerstadt wieder, da die Bauern der Um- gegend kommen, um an den Liebesgaben Anteil zu nehmen. Viele Einwohner richten aus den Trümmern Baracken her. Der Direktor des Museums von Palermo ist in Messina ein- aetroffen. um Vorkehrungen zur Rettung der Kunstwerke zu treffen. Der Millionenschatz der Madonna della Lettere, der Patronin der Stadt, wird von Soldaten bewacht. Nach dem „Mattino' wird das gesamte amerikanische Geschwader von 23 Schiffen, das sich ursprünglich aus mehrere Häfen des Mittelmeeres verteilen sollte, nach Messina und Reggio gehen. Zwei der in der Meerenge von Mcssina liegenden Kabel sind wiederhergestellt, die telegraphisch« Verbindung zwischen Rom und Sizilien ist dadurch erleichtert. DaS Marineministerium hat Vorkehrungen' getroffen, um die Schiffahrt in der Straße von Mcssina wieder. aufzunehmen Da die Leuchttürme und Signal. stationen zerstört find, wird«an provisorisch Sicherheitsmaßnahmen treffen. Ein Telegramm meldet: Messina, ö. Januar. ES ist de» italienischen Behörden nun- mehr möglich geworden, einen ausreichenden(?) Hilfsdienst an den vom Erdbeben heimgesuchten Küsten der Straße von Mesfina zu organisieren. Die russischen Kriegsschiffe haben Messina ver- lassen, die englischen und französischen beabsichtigen dies gleichfalls. zu tun. Der deutsche Kreuzer.Hertha' ist gestern mit dem Konsul Jakob nach Catania gegangen, während die„Viktoria Luise' vor Eanzirri zur Hilfeleistung lag. » Im Bordergrund« deS Interesse? steht jetzt die Frage, ob Mesfina wieder aufgerichtet werden soll oder nicht. Dr. Faranda, Deputierter für Messina, erklärt« in Catania. daß die Stadt sich unbedingt aus ihren Trümmern wieder erheben müsse und erheben werde. Der Vizepräsident des Stadtrats von Messina be. rief für Mittwoch alle noch»m Leben befindlichen Mitglieder de« Stadtrats zu einer Konferenz im Bahnhofe von Mefsina. Die Mitglieder de« Rate« sind ängstlich bemüht, die Provinzialverwal. tung, die ihr Zentrum in Mcssina hatte, wieder einzurichten. In Catania ist unterdessen der Zudrang von Flüchtlingen ein ganz ge» waltiger. Die fortgesetzten Erdstöße in Mcssina lassen die Neber» lebenden der Katastrophe der letzten Woche nichi zur Ruhe kommen. Im Hospital von Catania wurden 9000 Verletzt« behandelt, von denen sich am«. Januar noch Mv in Pfleg« befanden. Sieben er» lagen ihren Wunden, drei wurden wahnsinnig. Es fehlt so sehr an Raum, daß man dir weniger schwer Verletzten in de» Ge- f ä n g n i s s e n untergebracht hat. Der Senator Paterno erklärte in einem Interview, man habe seine Meinung gestern falsch wiedergegeben. Er befürwortet wegen de? Hafen» den Wiederanfba» von Messina(aber nach der wissenschaftlichen Erforschung des Bau- grundeS) und vi« Wahl eine» bessere» Bau- material». Professor Branca äußerte sich zu dieser Frage folgendermaßen: „Die Zentren und Epizentren der Erdbebengebiete wechseln sehr stark; es besteht daher keine Garantie dafür, daß «n Ctstdebei?«ach eiaiats Lahre»»icht bid* Weist» wob de» Schauplatz 8es früheren Erdbebens auftrikk. Daher wiir?« für die Messinesen die Sicherheit nicht größer werden, wenn die neue Stadt vielleicht einige Meilen von der alten enl- fernt aufgebaut werden würde. In Erdbebengebieten spielt die Bauart der Häuser die größte Nolle. Beim Aufbau der verwüsteten Städte muß hieraus in erster Linie Rücksicht ge- nommen werden. Die Katastrophe hätte gewiß nicht so viele Opfer verschlungen, wenn die Häuser in Messina und Ca- labrien aus elastischem Holze gebaut sein würden. Statt dessen tragen die meisten Häuser Steindächer, die infolgs ihrer ringen Elastizität den Erdstößen einen zu großen Widerstand entgegensetzen und beim Zusammenstoße alles unter sich be- graben. Wären die Häuser im italienischen Erdbebengebiete aus Holz gebaut und ähnlich eingerichtet�wie die Häuser in den gefährdeten Gebieten Japans und Südamerikas, dann wäre den Bewohnern hinreichend Zeit geblieben zu flüchten, ehe ihre Behausungen über ihnen zusammenstürzten.� Die letzte Erdbebenkatastrophe ist die furchtbarste der Neuzeit und dürfte auch unter den bekannten Erdbeben des Altertums, was Verlust an Menschenleben betrifft, nur noch hinter der von Antiochia zurückstehen. Letztere soll mehr als 200 000 Menschenleben vernichtet haben. Die Wissenschaft kennt leider immer noch kein sicheres Mittel, das das Naben einer Erderschütterung anzeigt. Dagegen scheinen gewisse Tiere schon tagelang vorher die Katastrophe vorauszuahnen. Man hat beobachtet, daß kurz vor Erdbeben Erdtiere ihre Löcher verlassen, Wasservögel unruhig hin und her fliegen, Hühner ihre Schlafstellen aufsuchen und Hunde ein aufgeregtes Wesen zur Schau tragen. Wenn man diesem Verhalten ge- wisser Tiere in Erdbebengebieten größere Aufmerksamkeit schenken würde, könnten sich die gefährdeten Menschen in vielen Fällen rechtzeitig in Sicherheit bringen," Reggio. Rcggi»(Celabeiea), 5. Januar. Ja vergangeaer Nacht ist der Belagerungszustand in sämtlichen Gemeinden der Provinz proklamiert worden.(!) Ueber eine seltsame Erdbilduvg bei Reggio meldet der Draht: Zwischen dem Fort und dem Bahnhos von Reggio ist ein eigenartiges Naturereignis beobachtet worden. Die Erde hat sich dort geöffnet, und eine Schlucht von beträchtlicher Größe hat sich gebildet. Es ist nicht möglich, bis aus den Grund dieser Schlucht zu sehen, aus der von Zeit zu Zeit Flammen »nd Rauch schicßru. Man glaubt allgemrm, daß sich durch das Erdbeben dort ei» ueuer Krater gebildet hat. Caftro Reale. Milazzo, 5. Januar. Meldungen auS Castro Reale erklären die Nachricht, daß die Stadt zerstört sei, für unrichtig; es feien nur mehrere Häuser beschädigt, deren Ausbesserung demnächst vor« genomme» werden wird. Spenden. Die Stadtverordnetenversammlung von Frankfurt a. Ml be« willigte 6000 M. Die Subskription deS Londoner Lord-Mayor» hat bereits die Summe von 60 000 Pfimd Sterling überschritten. In Venedig ersuiyten die Sträflinge den Geföngnisdirektor, die HSlfle ihre? Verdienstes für die durch das Erdbeben Geschädigten zu verwenden. Die Sträflinge de» Gefängnisses i» Bulmous haben eine Summe von 700 Lire gespendet. � � � Sammlung de» Hamburger Hilftkowitee» hat bisher 0» 000 M. ergeben. Wie der-Transkotinentalen Korrespondenz' auS New Dork gemeldet wird, hielt Taft eine Rede, in der er darauf hinwies,.daß das reiche Amerika mehr als jede andere Nation berufen fei, den von der Erdbebenkatastrophe geschädigten Bewohnern Siziliens Hilfe und Beistand zu gewähren, denn kein anderes Land der Welt beherberge so viele italienische Abkömmlinge wie gerade Amerika. Die Amerikaner sollten sich nicht durch den Umstand beirren lassen, daß Präsident Roosevelt seinerzeit gelegentlich deS Erdbebens in San Francisco fremde Hilfe dankend ablehnt«, denn erstens fei Amerika reicher al« Italien und könne sich selbst genügen und zweiten? wurde die Hilfe ja angeboten, gelt« also als ge- währt. Außer den durch den Kongreß bewilligten Geldern müsse die private Wohltätigkeit Amerikas eiligst eingreifen, denn riesig! Summen wären erforderlich, um das heimgesucht« Sizilicu«iniger- maßen, wenn auch nicht zu Wohlstand zu bringen, doch ein wenig zu unterstützen. Er rechne bestimmt damit, daß die«rueri'anu en Hilfsgelder mindestens eine Kapitalshöhe von 4 Millionen Dollar erreichen würde».(>)_ politifcbe deberfiebt. Berlin, den 6; Januar 1909. Die Einnahmen aus der Tabakbestcvernng stellen sich nach einer Aufstellung der„Süddeutschen Tabakzeitung' für die letzten zehn Jahre auf 702 8l>b60M. Sie sind von 06 760 000 M. im Johre l808/00 aus 70 491 052 M. im Jahre 1007/08 gestiegen, wobei aber das Jahr l 006/00 wegen der da» maligen Borverzollungen mit einem Ertrag von 82 157 446 M. über das gewöhnliche Niveau hervorragt. Die Einnahmen aus der Zigarettensteuer find dabei nicht mit» gerechnet. Sie haben im Rcchnungsjnhre 1900/07 11 005 472 M. und im Rechnungsjahre 1907/08 15 212 005 M. betragen. Außerdem traten noch hinzu die Zolleinnahmen von eingeführten Tobak- fabrikoten, so daß sich für 1907/08 ein Gesamtertrag von rund 100 Millionen Marl ergibt. Den weitaus größten Teil dieser Einnahmen liefert natürlich der ausländisch« Tabak. Aus inländischen Tabak wurden im letzten Steuerjahre nur 11 039 200 M. Steuer und aus Tabaksurrogate 07 621 M. Steuer erhoben. Auch die Zigarettensteuer fällt nauir« gemäß vorwiegend auf ausländischen Tabak. Sollte die von der Regierung vorgeschlagene Banderol-nsteiicr aus Zigarre» und andere Tabokiabrikate Besetz werden, so würde davon nicht nur der ausländische. sondern auch der inländische Tabak getroffen werden. So soll z. B. die Zigarre, die im Kleinverkaus bis zu 4 Pf. das Stück kostet und die wohl zum größten Teil au« inländischem Tabal besteht, nach der Regierungsvorlage mit einer Banderolensteuer von 4 M. pro lOOO Stück belastet werden. Zigarren tm Kleinverkaufspreise von über 4 Pf. bis zu 7 Pf. da» Stück, die auch noch einen guten Teil inländischen Tobak enthalten, sollen 8 M. pro 1000 Stück zahlen. Diese Belastung ist derart, daß fie aller VorauSstcht nach auf den Konsum und somit auch auf de» in« ländischeu Tabakbau einschränkend wirken wird. Reichstagswahlkampf im Siegerlande. Der Wahlkampf im RcichstagSwahlkreise Siegen- Wittgen» st ein- Biedenkopf um daS Erbe des Hofpredigers S t ä ck« r hat nunmehr den Höhepunkt seiner Schärfe erreicht. In der Agitation wird noch in den wenigen Tagen bis zum 11. Januar, dem Wahl« tage, geleistet was zu leisten ist. Nicht weniger als sechSParteien treten im ersten Wahlgange mit eigenen Kandidaten auf. Nur die totale politische Rückständig« t«it der üeüöLUiuac. �»uptiäckuich jedoch da Arbeiter,«nackt diese» Wahlunfug möglich. Wirtschaftlich ist die Beböllerung de? Wahl- kreise? geteilt in kleine Schollenbauern, die westfälischen„Brunnen- kötter", die sich von früh bis spät auf ihrer Scholle abrackern, um eben so viel zu ernten, daß sie ihr Leben fristen können, und in Berg- und Hüttenarbeiter, die zu den niedrigsten Löhnen schuften. Die„Brunnenlötter" haben von der landwirtschaftlichen Schutzzoll- Politik nicht nur keinen Vorteil, sondern vielfach direkten Schaden, find deshalb Gegner de? Bundes der Landwirte und bilden die Anhängerschaft des Freisinns. Die Berg- und Hüttenarbeiter leben in politischer Umnachtung«ind gewerkschaftlichem Jndifferenttsmus dahin und bildeten die Wählermassen für die„Christlichsozialen". So viel UnheU Stöcker der deutschen Arbeiterschaft zugefügt hat oder hat zufügen Helsen, so wird er dennoch von diesen irregeleiteten und betörten Werkssklaven abgöttisch verehrt. Dazu kommt noch, daß die Bevölkerung in der grohen Mehrheit evangelisch vermuckert ist; nur wenige Ortschaften mit katholischer Bevölkerung gibt es, die man im Volksmunde.Negerdörfer'' nennt, für die das Zentrum den Lrbeiterfekretär S k e r n i tz e l aus Köln aufgestellt hat, für den Reichstogsabgeordneter Trunborn Propaganda macht. Da es nicht möglich war, Stöcker zu stürzen, so macht man jetzt um so grötzere Anstrengungen, dem politischen Adoptivsohn Stöckers, dem Liz. Mumm, den Wahlkreis zu entreißen. Da die Kandidatur des Nattonalliberalen, Berghauptmann a. D. Vogel, allgemein, auch unter der Arbeiterschaft, großes Ansehen genießt, entfalten die Mummiten eine geradezu verzweifelte und nicht minder gemeine Agitatton. Sie haben den Wahlkreis mit folgenden Personen überschwemmt: Reichstagskandidat M u m m, Reichstags- abgg. Behrens. Raab, Burjckhardst, Schock, Lattmann. Böhme und Liebermann v. Sonnenberg. Außerdem: W e i g e l t, Rüffer. Rafslenbeul, Meißner, Lic. Weber. Schla- bach, Dr. Oe st reicher und Oester, also lö Hauptredner und noch«ine Menge„Kleiner". Die Nattonalliberalen marschieren außer ihrem Kandidaten mit folgenden Poraderednern auf: den Reichstagsabgeordneten Basiermann, Stresemann und Dr. Osann. Außerdem: Dr. I a k o b i, Dr. Hugo, Lummel- Essen, K o e st e r- Saarbrücken, Breithaupt. Berlin, Jung. Funke und Kreuz. Vom Freisinn wandern durch den Wahlkreis Reichstags- abgeordneter Bürgermeister Tu n o«Hagen, Kandidat Nu schke- Kassel. Dr. Potthoff, Landtagsabgeordneter Hof. Redakteur Erdmannsdorf- Berlin, Sekretär Jacobs- Essen, Sekretär Z i e g l e r usw. Dann hat der Sicgerländer christlich-nattonale Bergarbeiterverband noch eine Sonderkandidatur in dem Bergmann Schneider aufgestellt, dem Redner von Namen und Rang nicht zur Verfügung stehen; unser« Partei endlich hat als gählkandidaten d« Parteisekretär Rogowski aufgestellt. So wühlen denn sechs Parteien mit wohl bv Rednern in dem Wahlkreis, die statt polittscher Aufklärung nur Wirrwarr schaffen. Unserer Partei allein ist es nicht möglich, eine intensive und wirkliche Agitation zu beweiben, da uns io ganzen Wahlkreis nicht ein ein- ziges Lokal zur Verfügung steht. Unsere Redner haben zum ersten Male in der gegnerischen Versammlung lö Minuten Redezeit er- halten, um dann freilich von den.Christlichsozialen" im Schlußwort nach Reichsverbandsmethode abgewürgt zu werden. Do die National- liberalen und Freisinnigen anständiger find, haben unsere Genosien beschlossen, den christlichsozialen Versammlungen fem zu bleiben. dafür nur noch in den liberalen und freisinnigen Versammlungen daS Wort zu ergreifen. Die Mumm- Versammlungen gestalten sich eine wie die andere zu einer lächerlichen und widerlichen Komödie. Betritt der„Gottes- mann" im Pelzkragen dcS Ben'ommwngslokäl,' ttb'ekst'sich sM'ab- ge?cmdter Statist und ruft:„Unser sehr verehrter Herr Reichstags- kandidat Liz. Mumm soll leben hoch! Hochs hoch I" Ist das Hoch beendet.-steht Mumm aus der BüWe' MV�itlkvM??.BesM' Dan!, meine Herren I Lasten Sie uns nun des Mannes gedenken, der der Paladin de? großen Kaisers gewesen ist und ein Menschenalter hindurch die christlichsoziale Fahne vorangewagen hat, Herr Dr. Stöcker soll leben" usw. Diesem Hoch folgt dann noch ein Kaiserhoch, und dann eine nichtssagend-, von Bemeinplätzchen gespickte Rede, berechnet auf die niedrigsten Instinkte der Masse. Zu keiner politischen Frage nimmt Mumm klare Stellung, läßt alle an ihn gestellten Fragen entweder gänzlich unbeantwortet oder windet sich mit einer pfäffischen Redensart durch. Dafür erzählt er von dem guten, christlichen Sinn der Sicgerländer, wie er in den Brbeiterhäusem mit den Arbeitem gemeinschaftlich das Tischgebet verrichtet hat. vergleicht Stöcker mit Julius Cäsar usw. Ueber Finanzreform. Wahlrechtsfragen, Kolouialpolttik, Armee und Manne redet er gar nichts. und von der Sozialgesetzgebung weiß er nur, daß die Sozialdemokraten— dagegen stimm t-rn Seine Partei vergleicht er mit dem kleinen David, die den Riesen Goliath(die Sozialdemowatte) bezwingen werde. Die Nationalliberalen hoffen mit den Christlichsozialen in Stichwahl zu kommen. Ob sich ihre Hoffnung erfüllen wird, steht dahin.__ Deutsche Negersoldaten als Freibeuter. Dem„Leipziger Tageblatt" geht aus Handclsweifen eine Mit- teiluno zu, die geeignet ist, Aufsehen zu erregen. Danach haben Negenoldaien in Süd-Kamerun von den Häuptlingen Elefanten, Zähne und Gummi eingetrieben, bei welcher Gelegenheit sie einen der HSuvtlingr schwer mißhandelten, ihm Pfeffer in die Wunden sweuten. sodaß der Mann starb. Einem anderen Häuptling schlugen sie ein Ohr ab und stießen ihm ein Auge auS. Die Missetäter sind zwar arretiert worden, wurden dann aber wieder freigelassen; sie hotten lediglich den Auftrag erhalten, die Eingeborenen an der Elefantenjagd zu verhindern.— Ob es bei diesem einzelnen Falle von Ausschreitungen geblieben ist, steht nicht fest; jedenfalls aber wird im Reichsinge über diesen Vorfall Auskunft verlangt werden müssen. Bei dieser Gelegenheit sei daran erinnert, daß der alldeutsche Schriftsteller Dr. S l a m a s s a vor einiger Zeit in Ost- afrika einen Eingeborenen erschossen hat— angeblich aus Versehen. Dr. Slamassa. ist unterdeffen nach Berlin zurückgekehrt und es ist bis jetzi noch nichts darüber verlautet, daß er wegen Tötung eine« Menschen vor Gericht gestellt worden wäre.— Ein Notschrei der evangelischen Volksseele. Der„Evangelische Arbeiterbote", Organ deö Gesamt- Verbandes evangelischer Arbeitervereine Deutschlands, stellt in einem Rückblick fest, daß eS überall im deutschen Vaterlande mit der evangelischen Arbeiterbewegung kräftig vorwärts geht. Daun aber heißt es: „Weit größer würden unsere Erfolge sein, stände uns eine starke evangelische Presse zur Verfügung. Aber, Gott sei's geklagt, für eine evangelische Presse hat unser evanae- lischeS Bolk fast kein Verständnis. Acngstlich über- wachen unsere Parteiphilister die evangelische Presse, ob sie auch mit keinem Satz oder Wort gegen ein unfehlbares Parteidogma fund Parleidogmen sind immer unfehlbar) verstoßen. Evangelisches Volk! Stelle dich auf«ine höhere als die Parteiwarte und mache endlich Ernst mit deinem evangelischen Bewußtsein; du bist es deiner Kirche und dem Vaterlande schuldig. Denn. Feinde ringsum l" Es wird sodann hingewiesen auf die weite Verbreitung der katholischen Presse, auf die öS sozialdemokratischen Partei« und 81 gewerkschaftlichen Fachblätter, woraus eS dann heißt: „Demgegenüber quäle» sich 11 evangelische TageSzeiwngen, unier großen und schweren Opfern, für die Verbreitung evange- lisch« Gedanken. Und vorm» UtSt vottchwiadeod«mzig« gahl evangelischer Blätter, warum dieses Armutszeugnis? Der„Parteigötze" verlangts l Da muß die Kirche und das evangelische Gewiffcn schweigen. Die Parteiblätter lassen keine rein evangelische Presse zu Blut kommen. Zwar, spielt sich ein Teil dieser Parteiprefse noch als evangelische Presse auf. Daß sich Gott erbarm I Unsere Kirche muß im Hinblick auf diesen Bundes- genossen ausrufen: Bewahre mich vor meinen Freunden, mit meinen Feinden werde ich schon fertig." Das Blatt sollte, statt den„Parteigötzen" anzuklagen, lieber zu- gesteben, daß die Macht des„evangelischen Bewußtseins", wenn sie überhaupt je bestanden hat, längst in die Brücke gegangen ist in- folge des Eifers, mit dem sich die evangelische Kirche in den Dienst der staatlichen Gewalt und der kapitalistischen Interessen gestellt hat. Uebrigens scheint das Jntereffe der evangelischen Arbeitervereinler für die Presse ihres Glaubens auch nicht weit her zu sein, sonst wäre es nicht zu verstehen, daß der Gesamtverband evangelischer Arbeitervereine gl) Ol)» Mitglieder, der„Evangelische Arbeiterbote", daS Organ de? Verbandes, aber nur lö 000 Abonnenten hat.— Nachwehen der letzten Wahlrechtsdemonstrationen in Sachsen. Dresden, den 6. Januar 1909. Nachdem eine Reihe von Wahl- rechtsdemonstranten wegen angeblichen groben Unfugs mit Haft- strafen von fünf und sieben Tagen beglückt worden find, scheint die Justiz auch mit hohen Geldstrafen vorgehen zu wollen. Ein Genosie erhielt einen Strafbefehl von löv M.; er soll am Abend des ls. Dezembers nach den Wahlrechtsversammlungen— ohne Genehmigung der Polizeibehörde— I. einen Aufzug geleitet, 2. vor dem Siegesdenkmal auf dem Mimarlt an eine große Anzahl Demonstranten eine Ansprache gehalten, sonach eine Ver- sammlung unter freiem Himmel veranstaltet und dadurch, wie eS in dem Strafbefehl heißt, den äußeren Bestand der öffentlichen Ordnung erheblich gestört, damit aber groben Unfug verübt haben. Für jeden Fall zu l und 2 wurden dem Sünder wider den Geist der sächsischen Ordnung 75 M., zusammen l&O M. oder vier Woche» Haft zudiktiert. Außerdem sind S,10 M. Kosten zu be- zahlen. Der mit dem Strafbefehl Bedachte hat gerichtlichen Einspruch erhoben. Daß durch solche kleinen gwickereien der Unwille über das grenzenlose Wahlelend nicht geringer wird, ist selbswerständlich.— Ei« sozialdemokratischer Protest l« Hessen. Die sozialdemokratische Fraktion der Zweiten hessischen Kammer hat zu dem Entwurf einer Adresse an den Großherzog, in der im allgemeinen die in der Thronrede an- gekündigten Gesetze zustimmend besprochen Verden, folgenden Zusatzantrag gestellt: Die Zweite Kammer lenkt die Aufmerksamkeit Eurer königlichen Hoheit auf die Tatsache, daß das Ministerium seit langem eine Ver- letzung des Artikels 13 der Verfassung übt, indem es alle Wahle» von Be i g e ord n e t en, die sich zur sozialdemokrattschen Weltanschauung bekennen, nicht bestäligt, lediglich der Weltanschauung der Ge- wählten wegen. Die Zweite Kammer steht in dieser fortgesetzten Ver- letzung eine Gefahr für die Zukunft des Landes und hofft, daß für die Folge auch den Anhängern der sozialdemokratischen Partei gegen- über der Grundsatz:„Alle Hessen sind vor dem Gesetze gleich" gewährleistet wird. Die Beratung dieses Zusatzantrags in der Kammer kann eine interessante Debatte zeitigen. Gespannt darf man sein, wie sich der LcheraliSmuS stellen wird, der sich entschiede» nennt. Di« Reichstagsersatzwahl für de« Wahlkreis Bingen-Alzey,____________— die infolge deS Ablebens des bisherigen Abgeordneten Keller jBund der Landwirte) notwendig wird, ist aus den 16. Februar an- beraumt. � Eine"W-ihIkrASkonferenz der sozialdemokratische» Or, hat als Kandidaten der Sozialdemokratte den Genossen Adelung Mainz ausgestellt._ Die Balkankrise. Oesterreich and Serbien. Der Konflikt zwischen Serbien und Oesterreich dauert fort. Der Minister Milowanowitsch hat auf die Vorstellungen des öfter« reichischen Gesandten erklärt, daß seine Rede von den Stenographen ungenau wiedergegeben sei; der authentische Text werde erst in den nächsten Tagen festgestellt sein. Die österreichische Regierung gibt sich ab« mit diesem Aufschub nicht zufrieden. Der Gesandte hat den Auftrag erhalten, auf sofortige Beantwortung seiner Anfrage zu bestehen; sollte diese verweigert werden, so würde der Gesandte sofort abreisen und die diplomatischen Beziehungen zu Serbien abgebrochen w«den. Was sich die östcrreschische Regierung von dieser Aufbauschung d« Affäre eigentlich verspricht, ist nicht recht einzusehen. Die bulgarisch-türkischcu Berhandlungea. Seitdem die türkische Thronrede so schroffe Töne gegen Bul- garien angeschlagen hat. find die Beziehungen mit der Türkei wieder sehr gespannte geworden. Die Verhandlungen find unterbrochen worden und die Türken haben den Boykott auch auf Bulgarien ausgedehnt. Jetzt läßt die bulgarische Regierung verkünden, daß sie zur Wiederaufnahme der Verhandlungen bereit sei, wenn d« Boykott eingestellt wird. Aber nach den bisherigen Erfahrungen ist eS nicht gerade wahrscheinlich, daß die Türken auf die Anwendung dieser ihr« stärksten Waste so leicht verzichte» werden. Der türkische Standpunkt. Koustantinopel, ö. Januar. Wie verlautet, hat der Präsident des Parlaments Achmed Riza bei einem Pallavicini gemachten Besuche die Polittk zwischen der Türkei»nd Oesterreich eingehend zu erörtern sich bemüht. Achmed Riza vertrat den Standpunkt, daß die Türkei außer der Indemnität auch die Autonomie Bosnien» und der Herzegowina, allerdings unter dem Protektorat des Kaisers Franz Joseph, zur Bedingung für dt» Regelung der verhältniffe stellen muß. fr-rnkreieb. Dir Todesstrafe. Paris, 6. Januar. Der heutige Ministerrat beschäftigte sich eingehend mit dem Kammervotum betreffend die Aufrechterhaltung der Todesstrafe. Trotz gegenteilig« Behauptungen ist eine vollkommene Verständigung der Minister in dieser Frage erzielt worden. Der Kabinettschef Tlemenceau war bekanntlich bisher ein eifriger Befürworter der Abschaffung der Todesstrafe. Er hat die Erklärung abgegeben, daß das Kammervotum nicht beachtet werden dürfe. Der Justizminister hingegen war der Ansicht, daß die öffentliche Meinung in dieser Frage Genugtuung erhalten müsse. Der Präsident der Republik erklärte sich mit der letzteren Auffasiung einverstanden und hob hervor, daß jeder einzelne Fall sorgfältig geprüft werden müsse, aber in allen Fällen darf keine hinreichende Begründung vorliegen, daß von einer Begnadigung abzusehen sei. Man kann mithin auf eine Reihe Hinrich- t u n g e n für die nächsten Tage gefaßt sein, da 28 zum Tode Ver- urteilte ihr Schicksal«warten. perNen. Der Aufstand in Jöpaha». Nach T 2 b r i S hat sich jetzt auch I« p a h a n, die große öasdelsstadt st» Leatru» M Leiche«, tttum ds» veipotismu»«- & hoben und den vom Schah eingesetzten Gouverneur in�k' c 2 Kampfe vertrieben. Der Sieg der Reuoluttonäre ist" t- ihres HälMülg«/, s V;■} j U (ach Haren zu danken, die den Sohn fiä Gouverneur eingesetzt haben. Sie beherrschen jetzt die/Sta�t halten gute Ordnung. Der Schah weigert sich aber, Ä-wchf Khan, den Anführer der Bachtiaren, als Gouverneur anzuer-' kennen. Die britische und die russische Gesandtschast erhoben dringende Vorstellungen, Ruhe und Ordnung wiederherzu- stellen und wieder reguläre Zustände zu schaffen.— Indien. Neue Unruhen. Kalkutta, 6. Januar. Weitere Unruhen unter den Mohammedanern, besonders unter der Fabrikbevölkerung, sind ausgebrochen. Die Polizei mußte einschreiten. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Viele Personen erlitten Verletzungen. Marokko. Ein Dementi. Paris, 6. Januar. Gegenüber der von auswärtigen Zeitungen gebrachten Nachricht aus Rabat, daß französische Truppen an die Nordgrenze des Schaujagebietcs abmarschiert seien und die KaSbah von Schraal besetzt hätten, erklären hiesige Blätter, daß die französische Regierung von einem solchen Vormarsche nichts wisse der übrigens auch in vollkommenem Widerspruch mit den General d'Amade erteilten Weisungen stehen würde. Hmenha. Die Unabhängigkeit Panama?. Washington, 6. Januar.(Meldung des Reuterschest BureauS.) Columbia, Panama und die Vereinigten Staaten haben die zwischen Columbia'und Panama schwebenden Streitfragen durch VerHand« langen gütlich beigelegt. Columbia erkennt die Unabhängig- keit Panamas an, welches dafür 2'/z Millionen Dollars als Anteil an der Staatsschuld vor der Trennung an Columbia zahlt. Dn Vertrag setzt auch eine Grenze zwischen Panama und Columbia fest. In Wirklichkeit wird das kleine Panama damit zu einem Vasallenstaat der Bereinigten Staaten. paHamemarifckes» Falsche Wahlprüfungs-Nachrichten. Irgend ein Schmock scheint sich damit Geld zu verdienen, daß er der bürgerlichen Presse etwa? vorlügt. Am Dienstagabend wurde gemeldet, daß die Wahl- Prüfungskommission des Reichstages das Mandat des Abg. Kapxhengst für ungülttg«klärt hätte. Mittwochabend taucht die Meldung auf, daß auch das Mandat des Abg. Böhle-Straßburg für ungültig er- klärt worden sei.... Beide Notizen beruhen auf Schwindel, denn die Wahlprüfungskommission des Reichstages hat seit dem Beginn der Weihnachtsferien überhaupt keine Sitzung gehalten. Die Akten über die Wahl des Abg. Bühle sind überdies auS Straß- bürg noch gar nicht eingegangen!— Drucksachen. AuS dem Reichstage.(Nr. 1083) Nachwcisung über die gesamten Rechnungsergebnisse der Berufs genossen- s ch a f t e n für das Jahr 1907. (Nr. 1095) Ueberstcht der Einnahmen und Ausgaben der afrilanischen Schutzgebiete, des Schutzgebietes Neu- Guinea, der Verwaltung der Karolinen-, P a lau-,� Marianen- und Marschallinseln sowie des Schutzgebietes S a m o a für das Rechnungsjahr 1906.(nebst Aulagen).«.„,« Bericht über d re Täti gkeit d e r aiiar Auskunftsstelle für Auswanderer für die Zeit vom 1. Oktober 1907 bis 30. September tö03.- lZM.HsuMsnerttag zwischen dem Deutschen' dem Freistaat El Salvador. (Nr. 1099) Nachweisung der Bewilligungen, der der- auSgablen Beträge und der verbliebenen Bestände bei den über- tragbaren Titeln der fortdauernden und bei den ratenweisen Ansätzen der einmaligen Ausgaben des Reichshaushalts für die RechnungL- jabre 1903 bis 1907. (Nr. 1100) Denkschrift über die Ausführung der für die Schutz- gebiete erlassenen Auleihegesetze. Eue der parte!» Eine Revolution lui Frauksurtcr Stadtoerordneiensaal» hat die im November erfolgte Verstärkung der sozial« demokratischen Fraktion von 6 auf 15 Köpfe im Gefolge gehabt. Bisher saßen die bürgerlichen Stadtverordnelen nicht nach Fraktionen, mir die sechs Sozialdemokraten saßen zu- sammen. Als unsere Vertreter im Seniorenkonvent nun auch für die fünfzehnköpfige Fraktion einen zusammen- hängenden Block von lä Sitzen aus der linken Seite des Saales verlangten, stießen sie zunächst auf Widerstand; man wollte einen Teil der Fraltton auf der Linken, den anderen Teil a»f der Rechten placieren, angeblich, weil verschiedene alte Herren ihi�Plntze nicht räumen wollten, in Wirklichkeit, weil Demokralen, Freisinnige und Nationalliberale sich unter sich nicht über die Gruppierung ver- ständigen konnten. Um nun aber der zu erwartenden Ob- st r u k t t o n unserer Fraktion aus dem Wege zu gehen, verfielen die Führer dieser Parteien schließlich aus den Ausweg, die Sitze des Magistrats von der linken Seile des Präsidiums auf die rechte Seite zu verlegen, der sozialdemokratischen Fraktion die bisherigen Magistratsplätze einzuräumen und dann auch die übrigen Stadlverordneten nach Fraktionen zu placieren. Schweren Herzens gab der Mogistrat seine Zustimmung zu seiner Expropriation durch die Sozialdemokratte, denn er wird jetzt direkt uuler der Tribüne plaxiert, wo ihn niemand hört und sieht, während die Plätze, die er räumen muß, direkt der Tribüne gegenüber und unnnttelbar neben dem Präsidium liegen. Die Vergrößerung unserer Fraktion aus lS von 64 Stadtverordneten hat sie an die Stelle der z w e i t st ä r k st e n Fraktion gerückt; neben 17 Demokraten, 12 Freisinnigen und 10 Nattonalliberalen gehören dem Kollegium weiter 7 Mittel- ständler, 1 Antisemit, l gentrumsmann und 1 Wilder an. Unsere Fraktion erhob den ihr zustehenden Anspruch auf den Posten de« zweiten Vorsitzenden, erklärte sich aber auf Grund einer Verständigung im Seniorenkonvent mit der Uebernahme de« 1. Schrift- fiihreramteS einverstanden, nachdem ihr Anspruch auf den Posten deS zweiten Vorsitzenden anerkannt worden war. Der Führer der demokratischen Fraktion, Stadtverordneter Wedel, gab in der ersten Sitzung vom 5. Januar folgende vorher vereinbarte Erklärung über die Besetzung deS Präsidiums ab: Der Seniorenkonvent hat sich wiederholt und eingehend mit der Frage der Besetzung des Präsidiums der Versammlung beschäftigt. Allieittg wurde anerkannt, daß nach parlamenwriichcm Brauch die einzelnen Fraktionen entsprechend ihrer Stärke Anspruch auf die Sitze im Präsidium haben, daß also die demokratische Fraktion als die stärkste Anspruch auf den Posten des 1. Vorsitzenden, die sozial- demokratische Fraktion als die zweitstärkste Anspruch auf den Posten deS 2. Vorsitzenden hat, daß weiter der freisinnigen Fraktion der l. Schriftführer und der nationalliberalen Fraltton der 2. Schrift- führ« zustehe. Es wurde aber von den Vertretern aller Fraktionen weiter an- erkannt, daß unser bisheriger erster Vorsitzender, Herr Dr. Fried- leben, der der freisinnigen Fraktion angehört, die Geschäfte der Ver- sammlung in umsichtiger, sachlicher und unparteiischer Weise ge- leitet hat. Daher verständigten sich die Vertreter der Fraktionen im Sarietodenveat tafew. 6«a» Dr. griefekB*« wiederum«tt erpen nornHeiKen ttt Vorschlag zu Btiitgcit und dann me übrigen Posten des Bureaus nach der Stärke der Fraktionen zu besetzen, natürlich unter Ausscheidung der frei- sinnigen Fraktion. Demnach würde also die demokratische Fraktion den 3. Vorsitzenden, die sozialdemokratische Fraktion den 1. Schrift- lichrer und die nationalliberale Fraktion den 2. Schriftführer zu Itellen haben...." _®-i der Besetzung der Kommissionen ist unsere Fraktion im Ver- haltnis zu ihrer Stärke berücksichtigt worden, lleberall macht sich die Verstärkung unserer Bertretung bemerkbar, sicherlich nicht zum Schaden der Arbeiterschoft._° Zum Projekt eines tägliche» ParteiblatteS in Freiburg i. B. Wird uns ans Baden geschrieben: ... Genosse Parteisekretär Engler-Freiburg agitiert ftir sein Presiprojekt durch ein Zirkular, das er in den sechs ersten Reichstagswahlkreisen Badens verbreitet. Er wünscht, dasi in Mitgliederversammlungen und Wahlkreiskonfercnzen noch vor demPartei- tage dafür Propaganda gemacht wird. Genosse Engler spricht den beiden kleinen Organen in Lörrach und Offenburg die Exislenzmöglichkeit ab, stellt dagegen einem sozialdemokratischen Tageblatt in Freiburg eine sofortige Rentabilität in Sicht. Er erwartet alsbald in Frei- bürg, Stadt und Umgebung, 3(XK> Abonnenten und eine Inseraten- einnähme von 12 000 SR I Eine eigene Druckerei sei für die erste Zeit zu entbehren, da sich in Freiburg schon ein Geschäft finden lasse, welches ein sozialdemokratisches Blatt bei guter Bezahlung übernimmt. Dort gäbe es auch mehr Akzidcnzenorbeit als in Lörrach. wo man das Tagesorgan fürs Oberland wohl auch haben möchte. Wieweit diese Privatdruckarbeiten, welche in einem nicht der Partei gehörigen Geschäft herzustellen wären, dem sozialdemokratischen Presiunternehmcn finanziell günstig sein sollen, ergibt sich nicht auS der umfangreichen Werveschrift für das Englersche'Preßunternehmen. Auch unterläßt er ganz, inBetracht zu ziehen, welch namhafter Abonnenten- Verlust für den„Volksfreund", für unser auch im Oberland obligatorisches Tageblatt entsteht, das augenblicklich, eine nach Tausenden zählende Reduktion seines Abonnentenstandes nicht er- tragen könnte. Engler bedauert an anderer Stelle, daß dem „Volksfreund" durch die beiden kleinen Lokalblätter etliche Abonnenten verloren gingen. Dieses Argument verschweigt er bei der Beurteilung des Freiburger Unternehmens. Auch übersieht Engler die Tatsache, daß der Auswärtsversand eines überwiegenden Teiles der Auflage, wie er auch bei einem Freiburger Oberlandsorgan mit Filialen in sechs Wahlkreisen einträte, wegen der damit verbundenen täglichen außerordentlichen Portokosten und Spesen, der vielen Kassaverlnste' privater Filialen usw. die Ren- tabilität am meisten in Frage stellt. Es wird Aufgabe der Parteileitung sein, diesem Englerschen Gründungseifer mit der Kühle sachlicher Erwägungen entgegen- zutreten und dafür zu sorgen, daß die von unserem Freiburger Parteibeamten betriebene Agitation in den von ihm beeinflußten Parteikreisen nicht in der einseitigen Weise fortgesetzt wird, daß die Genossen nur die Licht- aber nicht die Schattenseiten kennen lernen, ehe sie ein gebundenes Mandat zum Landesparteitag annehmen. Soziales. Fallen Vorarbeiter unter das preußische Ausnahmegesetz? Das preußische Ausnahmegesetz gegen ländliche Arbeiter und das Gesinde vom 24. April 1354 bedroht mit Geldstrafe oder Haft „Gesinde, welches hartnäckigen Ungehorsam oder Widerstand gegen die Befehle der Herrschaft oder der zu seiner Aufsicht bestellten Personen sich zuschulden kommen läßt, oder ohne gesetzmäßige Ursache den Dienst versagt oder verläßt. Für das Strafverfahren erforderlich ist ein zurücknchmbarer Strafantrag der Herrschaft. Außer gegen das Gesinde finden diese Vorschriften nach§ 2 desselben Gesetzes auf Personen Anwendung, welch« von den zu Diensten verpflichteten bäuerlichen Besitzern zur Verrichtung dieser Dienste gestellt werden; ferner auf Jnstleute, herrschaftliche Tage- löhner, Einlieger, Kätcnleute und endlich auf solche Handarbeiter, welche sich zu bestimmten land- und forstwirtschaftlichen Arbeiten, z. B. Erntearbeiten, Holzschlagen verdungen haben. Auf andere ländliche Arbeiter findet das für dieKulturtiefe und innere Schwäche Preußens bezeichnende Ausnahmegesetz keine Anwendung. Trotzdem wird in der Praxis das Gesetz oft zu Unrecht auch gegen andere Landarbeiter in Anwendung gebracht. Einem solchen Miß« brauch trat dieser Tage das Kammergericht entgegen. Der Vor- arbeiter Neitzel sollte des furchtbaren Verbrechen hartnäckigen Ungehorsams sich dadurch schuldig gemacht haben, daß er nach 8 Uhr abends ein eben eingefahrenes Fuder Klee der er- teilten Anweisung zuwider nicht mehr ablud. Die Straf- kammer zu Stolp verurteilte ihn auf Grund des§ 1 des Gesetzes wegen unbefugten Versagens des Dienstes.— Das K a m m e r g e r i ch t hob da? Urteil auf und verwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung an die Strafkammer zurück. Das Gericht nenne den Angeklagten Vorarbeiter und verurteile ihn auf Grund des H 1 des Gesetzes bon 1854, der sich auf Gesinde beziehe. Es habe aber unterlassen darzulegen, weshalb N. zum Gefinde gehören solle. Es müsse nachgeprüft werden, ob er zum Gesinde gehörte. Gelangt das Gericht zur Verneinung dieser Frage, so käme noch in Betracht, ob er zu den im§ 2 des Gesetzes aufgeführten Kategorien ausnahmerechtlich gestellter Arbeiter gehöre. Eine Schmach für Preußen ist das Fortbestehen eine? solchen lediglich Hörigkeitszustände» entsprechenden Gesetzes. Blutopfer auf dem Schlachtfelde der Arbeit. 9815 Tote und 134 888 Schwerverwnndete, darunter 61 449 dauernd in ihrer Erwerbsfähigkeit voll oder zum Teil Beeinträchtigte lautet das amtliche Bulletin vom Schlacht- felde der Arbeit über das Jahr 1907. Nach den dem Reichs- tage soeben zugegangenen Rechnungsergebnissen der Berufs- genossenschaften vom Jahre 1907 erreichte die Zahl der Opfer der Arbeit in dem einen Jahre 1907 die eben genannte grauenvolle Höhe. Als schwer verwundet rechnen wir hierbei diejenigen, bei denen die Folgen des Unfalls über die Zeit von 13 Wochen hinaus sich erstreckten. Die Gesamtzahl der im Jahre 1907 in den der Unfallgesetzgebung unterliegenden Betrieben zur Anmeldung gelangten Unfälle beträgt 662 991! Welche Summe von Elend bergen diese Zahlen in sich I Die Zahlen sind gegen das Vorjahr 1906 erheblich g e- stiegen. Im Jahre 1906 waren Unfälle insgesamt zur Anmeldung gelangt: 645 583, darunter Getötete 9141, schwer Verwundete 130 585. Das Jahr 1907 weist also ein Mehr an Unfällen von 17 318, an Getöteten von 674, an schwer Verwundeten von 4303 auf. Schuld an dieser furchtbaren Zunahme von Unfällen trägt die Nichtberücksichtigung der zur Verringerung der Unfälle seit Jahrzehnten von der Sozialdemokratie gestellten Anträge seitens der Negierungen und der bürgerlichen Mehr- heit des Reichstages._ Aerzte und Versicheruugsgesellschoften. Der Präsident-des Aufsichtsamts für die Privatversicherungen Gruner hat den Streik der Aerzte gegenüber den Versicherte» durch von ihm angebahnte, anfänglich von den Acrzten zurück- gewiesene Aergleichsverhandlungen beendet. Danach würden die Aerzte statt rund 2 Millionen jährlich über 21',* Millionen erhalten. „Der Einigungsvertrag stellt fest, daß keine Maßregelungen erfolgen sollen. Der zwischen beiden Teilen abzuschließende Vertrag soll bis 31. Dezember 1013 unkündbar laufen. Als Honorar sollen gezahlt werden: Für daS sogenannte„kleine Auftcahme- (ßnanla. Redakte«: Haas Weber. Berlin. Inseratenteil verantt».: aiiefU, das nur bei Versicherungen bis 2000 M. Anwendung finden darf, 6 M., bei der„großen Lebensversicherung" für Aufnahme- Untersuchung mit Zeugnis einschließlich Deklaration B. bis COOO M. 12 M., darüber 15 M., für„hausärztliche Zeugniffe" 7,50 M. Die im früheren» Vertrage vorgesehene ständige Kommission ist sofort wieder zu bilden, der Vorsitz soll wechseln. Die Konunisfion hat den Vertrag bis längstens 1. April 1900 fertigzustellen. Die nicht dem Verbände angehörigen, von ihm aber bisher vertretenen Ge- sellschafte» sind berechtigt, dem Abkommen bis zum 15. Januar bei- zutreten."_ Gewerk fcbaftUchc� An die gesamte Tabakarbeiterschaft Deutschlands nebst ihren sämtlichen Hilfsgewerbe»! Kollegen und Kolleginnen! Arbeitsgenossen I Der Kongreß der Tabakarbeiter Deutschlands findet am 18. Januar 1999 z« Berlin im Gcwerkschaftshausc, LO. 16, Engelufer 15, statt. Derselbe beginnt vormittags 9 Uhr und wird höchstwahrscheinlich zwei, höchstens drei Tage in Anspruch nehmen, lieber die Dauer desselben bestimmt selbstverständlich der Kongreß selbst. Die seitens der Zentralkommission vorgeschlagene provi- sorische Tagesordnung lautet: 1. Konstituierung des Kongresses./z Jahren geleistete Arbeit werden die deutschen Genossen dem« nächst in einem vom internationalen sozialistischen Bureau in fron- zösischer und deutscher Sprache ausgegebenen Bericht über den Stand der sozialdemokratischen Bewegung seit dem Amsterdamer Kongreß finden, so daß wir uns hier ein Eingehen darauf ersparen können. In der politischen Arbeit des Parteitages steht an erster Stelle die Diskussion über die p o l i t i s ch e S i t u a t i o n in Ruß- land und die Aufgaben der Sozialdemokratie. Obwohl ei» Teil der allgemeinen Sozialdeinokratie Nußlands, muß sich die polnische Sozialdemokratie selbständig auch mit den allgemeinen Fragen_ befassen, denn die allgemeine Situation im Reiche findet in den speziellen politischen Verhältnissen Russisch- Polens eine eigenartige Modisiziernng. Da die Masse der polnischen Genossen die russische Sprache und die russische Parteiliteratur nicht kennt und da die politischen Verhält- nisse ein reges Zusammenleben mit der Gesamtpartei nicht erlauben, müssen die allgemeinen Fragen auf den polnischen Parteilagen selb- ständig erörtert werden. Die Diskussion zeigte, daß die polnischen Genosten dabei zu denselben Resultaten gelangen, wie die Mehrheit der Gesamtpartei Rußlands. Und zwar ist die polnische Sozial- demokratie einig in diesem Standpunkte, während die russische Partei in die Bolschewiki und die Menschewiki gespalten ist. Die Be- urteilung der politischen Situation, wie sie in einer Resolution aus- gesprochen wird, ist die folgende: .Die Revolution ist auf den Kopf geschlagen. Ihre erste Epoche ist zu Ende. Trotz der Herrschaft der Konterrevolution, der Kriegs- gerichte und des Galgens, trotz der Niederiverfung jeder selb- ständigen Aktion der Arbeitermassen. trotz ibrer jetzigen gc- drückten Stimmung, inuß festgestellt werden, daß die Revolution ein großes Werk vollbracht hat. Sie hat die Gesellschaft in verschiedene politische Lager mit widerstreitenden Interessen geteilt, sie hat jhr Verhältnis zum Absolutismus offengelegt, ivodurch sie die Grundlage zum Klassenkampf nicht nur auf ökonomischem Felde schuf. Sie zeigte nicht nur die Schwäche des Absolutismus dem Anprall der Volksmassen gegenüber, sondern auch die Macht der Aktion dieser Massen, speziell die Bedeutung der selbständige» Organisation dc-Z Proletariats. Sie weckte im Proletariat das Bedürfnis der Organisation, gab ihm eine ganze Menge organisa- torischcr und politischer Erfahrung, welche unter der Asche, mit der die Konterrevolution jetzt Rußland bedeckt, glimnien wird, bis sie in günstigeren Verhältnissen dem Proletariat neue Dienste leisten wird. Die Sozialdemokratie ist weit entfernt davon, auö Reaktion gegen den himmelhoch jauchzenden Optimismus, der zur Zeit der Siege der Revolution alle Hindernisse erstürmen wollte, jetzt in eine zu Tode betrübte Stimmung zu verfallen, die auf die von der Nepolntion schon geleistete Arbeit mit Achselzucken blickt. Obwohl augenblicklich die Verhältnisse in Russisch-Polen noch schtvieriger als in Rußland sind, bewahrt sie das Augenmaß und die Ruhe in der Beurteilung der verflossenen Tage und der Zukunft. Sie schließt weder die Augen vor den Handlungen, welche gegen die Wieder- belebung der Revolution sprechen, sie in weite Ferne rücken oder auch verhindern können(die Agrarpolitik der Regierung, die Unterstützung Rußlands durch da? ausländische Kapital usw.), noch läßt sie sich die auf die materialistische GeschichtSanffasiung ge- gründete Erkenntnis rauben, daß die Revolution unumgänglich war: sie veriveist auf den Zusammenprall der Interessen der bürgerlichen Entwickelung mit den gegenwärtigen politischen Formen Rußlands. Im jetzigen Moment ist es dem Theoretiker unmöglich zu prophezeien, zu welchem Ausgange der Gegenstreit dieser Tendenzen führen wird: ob er nach einem längeren oder kürzeren Stillstande zum neuen revolutionären Kampfe der Massen führen wird oder ob die Ent- Wickelung unter furchtbaren Leiden der Volksmassen den Weg der Fkleines feuttleton. Die Banane. Mehr und mehr erobern sich die Erzeugnisse der Tropen den Weltmarkt. Was noch vor ganz kurzer Zeit ein seltenes Genußmittel der begüterten Klassen war. ist vielfach schon auf dem besten Wege, ein Nahrungsmittel des Volkes zu werden. Die Apfel- sine, die noch vor einem Jahrzehnt eine verhältnismäßig teure De- likatesse war, möchte jetzt niemand mehr in den Wintermonalen ent- behren, wo unser einheimisches Obst schon rar geworden ist. Selbst die Ananas dürfte nichte mehr lange den Reichen vorbehalten fein. Vor allem aber ist, wie wir einem Bericht des landwirtschaftlichen Sachverständigen beim kaiserl. Konsulat in Chilago entnehmen, der Apfelsine ein gefäbrlichet Konkurrent in der Banane erwachsen, die im letzten Jahrfünft sich niehr und mehr den Weltmarkt erobert hat. Wenige Früchte schließen so viele Verwendungsmöglichkeiten in sich als die Banane, die neben einem angenehmen Geschmack auch einen bedeutenden Nährwert besitzt. Besonders in England und Nord- amerika ziert die Banane bereits in den mannigfachsten Zu- bereitungen die Speisekarle. Sie wird dort nicht allein roh gegessen, sondern auch gekocht, in Oel gebraten, geröstet. Neuerdings hat man sogar ein Verfahren erfunden, das es ermöglicht, aus dem Frucht- fleisch der Banane ein vorzügliches Mahl herzustellen, das aber zu bestimmten Gebäckcn, besonders Biskuit, sehr geeignet ist, und in der Sagofabrikation einmal eine Rolle spielen wird. Zwar wird das Anbaugebiet der Banane stets ein beschränktes bleiben: selbst im Tropengürtel wächst sie nur in den Gegenden, wo reichliche Bodenfeuchtigkeit und möglichst viele Niederschläge neben einer hohen Jahresdurchschnittstemperatur herrschend sind. Aber in den bevorzugten Gegenden, wie Mittelamerika, Indien und den Kanarischen Inseln, liefert sie überaus reiche Erträge, ohne eine be- sondere Sorgfalt oder viel Arbeit zu erfordern. Die Stecklinge werden in den Boden gepflanzt und sich selbst überlassen. Sie wachsen sehr schnell, in 14 Monaten bereits kann zum ersten Male geerntet werden. Jeder Stamm, der bis zu 4 Meter hoch wird, trägt ein kolbenartigcs Fruchtbündel, an dem IG) bis 150, manchmal mich mehr Einzelfrüchte sich befinden. Der abgeerntete Stamm wird um- gehauen, und aus dem Strunk entwickeln sich ein oder mehrere neue Stämme, die im nächsten Jahre von neuem Früchte tragen. Orkane und Ueberschwemmungen vermögen in den Pflanzungen kaum Schoden anzurichten. Die Hauptarbeit und das Hauptrisiko erwartet den Pflanzer zur Erntezeit. Wie fast alle wopischen Früchte sind auch die Bananen leicht dem Verderben ausgesetzt. Deshalb müssen die Fruchtkolben vor der Reife vom Banme genommen und möglichst schnell zum Versand gelangen: auf der Reise und am Bestimmungs- orte reifen sie dann erst völlig auS. Sie erfordern daher auch eine besondere Verpackung, die sie vor der Hitze schützt. Da? ist auch der Grund, warum der Banauenbau nur auf großen Plantagen betriebe» werden kann, die sich die zum schnellen Versand notwendigen Feldeisenbahnen und Spezial- dumpfer selbst beschaffen können. Die meisten Plantagen sind in der Hand von Aktiengesellschaften, die znr Erntezeit einen besonderen Dampferdienst mit den großen Handelshäfen Europas und Nord- amerikas einrichten. In den Vereinigten Staaten betrng der Import 1897 15 Millionen Fruchtkolben, im Jahre 1907 stieg er „Regenerierung" Rußlands in preußischer Weise nehmen wird. Wenn dies vom theoretischen Standpunkte aus ungewiß ist, so ist es vom Standpunkte der sozialdemokratische» Politik unzweifelhaft, daß die Sozialdemokratie alle ihre Kräfte anspannen muß, um die revolutionäre Tendenz zu (stärken. Einer der wichtigsten Faktoren dieser Tendenz ist der revolutionäre Kamps der Arbeiterklasse und die Sozialdemokratie muß den breitesten Volksmassen immer wieder klarlegen, daß die Erreichung wahrhaftig demokratischer Zustände in Rußland nur auf dem Wege siegreicher Revolution möglich ist, daß der Sieg nur im offenen Kampfe vom Proletariate ausgefochten werden kann. Sie muß ihm klarlegen, daß es in diesem Kainpsc nicht auf die Hilfe der städtischen Bourgeoisie, sondern nur auf die Unter- stntzung der revolutionären ländlichen Demokratie rechnen kann. Und wie komisch es auch in den Ohren liberaler Erfolgspolitiker klingen mag, als Ziel des Kampfes kann nur die Republik init der Auto- noinie Polens gelten.> Die Resolution empfiehlt dem Proletariat die Ausnutzung oller illegalen und legalen Gelegenheiten zum Ausbau der Organisationssormeu, die sich in der Revolution so gut bewährt haben, zum Gebrauch aller bi-herigen Kampfesweiscn je nach den Umständen. Im Zusammenhang mit dieser Stellungnahme steht das Ver- hältnis zu de» beiden Richtungen in der russischen Sozialdemokratie und zur sozialdemokratischen Dumafraktion. Die Sozialdeniokratie Rusfisch-Polcns unterstützte während der ganze» Periode der Rc- Volution die sogenannte Bolschewiki- Richtung. Die Neigung der Bolschewiki für den offeneil Kampf bewaffneter Gruppen gegen die Regierung gefiel der polnischen Sozialdemokratie freilich»ichl, ebensowenig, daß die Bolschewiki die Taktik der Arbeiter- klaffe allzusehr von der Rücksicht auf das Bauerntum bestimmen ließen. Aber diese Disferenzpunkte sind durch die weitere Ent- Wickelung der Bolichewiki immer mehr zurückgetreten, und jetzt konnte der Parteitag feststellen, daß die Sozialdemokratie Polens künftig mit den Bolschewiki Hand in Hand— wenn auch unter Wahrung ihrer Selbständigkeit— gehen kann. An der Tätigkeit der sozialdemokratischen Dumafraktion übte der Parteitag scharfe Kritik; er stellte fest, daß in ihr der sozialdemo- demokratische Charakter zu wenig hervortrat, er bekämpfte die Illusion einer„positiven" Arbeit im Hause der Konterrevolution und forderte die Fraktion zur Entfaltung sozialdemokratischer Agitation in der Duma und außerhalb derselben auf. Er beauftragte den polnischen Parteivorstand, der Fraktion Material über die Verhält- nisse in Russisch-Polen zuzustellen, damit sie auch der polnischen Arbeiterbewegung dienen kann. Der Parteilag verwarf entschieden den Gedanken an die MandatLniederlegnng der Fraktion, der in ge- wissen russischen Parteikreisen Anhänger findet. Die Diskussion über die G e w er k s ch a f t s fr a g e gab ein trauriges Bild der Lage der Gewerkschaften in Russisch-Polen. Zer- trüinmert sind nicht nur die sozialdemokratische» illegalen, sondern auch die von der P. P. S. gegründeten neutralen legalen Gewerk- schaften. Auf dem Platze sind nur die von der Nationaldemokratie gegründeten geblieben und sie haben einen nickt kleinen Mitglieder- stand. Der Parteitag schärfte den Parteigenossen ein, daß es ihre Pflicht ist, alles zu tun, um den Kern unserer Gewerkschaften zu erhalten. Den Gewerkschaften gab er den Rat, ihre llnterstütznngstätigkeit auf Streiks und Inhaftierungen zu be- grenzen. Wenn die Möglichkeit der Legalisation eintreten wird, dann sollen die Gewerkschaften sie sich nach gemeinsamer Beratung und im Kontakt mit den Parteiinstanzen zumitze machen. Der Parteitag erinnerte sie jedoch auch daran, daß sie die Legalisation nicht mit dem Verzicht auf ihren Kampfescharakter erkaufen dürfen. Was die Frage des Verhältnisses der legalisierten Gewerkschaften zur Sozialdeniokratie betrifft, so legte der Parteitag darauf Gewicht, zu erklären, daß das Prinzip einer organisatorischen Verbindung zwischen beiden, das als Konsequenz des Prinzips der Einheit der Arbeiterbewegung noch vor dem Stuttgarter internationalen sozialistischen Kongreß für Polen realisiert wurde, sich vortrefflich bewährt hat, daß auch die legalen Gewerkschaften auf Umwegen eine Verbindung mit der Partei schaffen und sozialdemokratische Agitation treiben müssen. Die Gründung von Genossenschaften wurde von der Mehrheit des Parteitages im jetzigen Moment für Kräftevergeudung erklärt. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen, die das Ver- hältniS der Sozialdemokratie zum linken Flügel der P. P. S. auf 45 Millionen. Vor fünf Jahren war die Banane in Europa noch ziemlich unbekannt, 1907 wurden aber allein nach England 7 Millionen Fruchtbündel eingeführt. Die BUdcrftimoer im Reichstag. Angelo Janks Reichstags- bilder find am Mittwoch aus dem großen Saale entfernt worden— auf Nimmerwiedersehen. Der Seniorenkondent soll es so beschlossen baben, Herr Arendt, der große Kunstbanause, hat also gesiegt. Da die Angelegenheit im Plenum de? Reichstags und auch in der Oeffentlichkeit noch weiter behandelt werden wird, verzichten wir heute darauf, die uns unbekannten Motive des Senioren- konvents zu würdigen. Wenn es aber richtig ist, wie die.Korresp. Woth" behauptet, daß auch Stucks Gobelins in irgend einem Winkel verstauben und daß Janks Bilder dasselbe Schicksal haben sollen, so muß die AusschmückungSioinmission dafür gebührend verantwortlich gemacht werden. Wenn sie ohne Fühlung mit ihren Auftraggebern Bilder usw. in Auftrag gibt und abnimmt, die diesen nachher nickt gefallen, so mag sie sie auch zahlen. Ob im übrigen das Kunstverständnis des Reichstages seine sonstigen Qualitäten über- steigt, soll uns für heute nicht beschäftigen. Kein Bild der Welt wird in den unruhigen Prunk dcS Wallotsaales passen. Ob JankS Bilder schlechter waren als die etwa folgenden? Historische Bilder- bogen zu bestellen, war der erste Fehler, der alle anderen nach sich zog. Man hätte die Künstler zu einer freien Konkurrenz ahne Themen auffordern sollen, vielleicht hätte der Reichstag dann dekorative und monumentale Bilder bekommen. Aber ohne dynastischen Humbug geht'S ja bei uns nicht. Daß man aber in Deutschland über Cr. Sedan stolpern kann, ist das nicht eine nette Ironie? Das vertiefte Familienleben. WaS für gcmütsinmge Geschäftsleute unser deutsches Volk unter sich hat, die seinen gc- heimsten Andachten Ausdruck verleihen(und so herzig), beweist folgendes vom„Kunstwart" veröffentlichte Zirkular: „Sehr geehrte Frau! Gestatten Sie uns, Ihnen die herz- lichsten Glückwünsche zu dem freudigen Ereignisse in Ihrer Familie zu übersenden. Wir haben aus ähnlichem Anlasse eine hochfeine echt goldene Brosche mit eckster Perle und Steinen an- fertigen lassen, welche auf der Rückseite die Inschrift trägt:„Zur Erinnerung an mein Jüngstes". Wir senden Ihnen dieses hübsche Schmuckstück gerne frei zur Ansicht zu und stellen nur die Be- dingung. es unfrankiert zurückzusenden, wenn dasselbe nicht Ihren Beifall findet. Diese Brosche, deren Wert über 16 Mark beträgt, liefern wir im Interesse unserer Bestrebungen zu etiva % des reellen Wertes. Diese Brosche wird auf unsere Anregung in den feinsten Kreisen getragen. Hochachtungsvoll Direktor Otto Rcckentin Bureau zur Vertiefung des Familienlebens Berlin LW., Charlottenstraße 97." Das Bureau scheint uns einem wirklichen Bedürfnisse ab- guhelfen. In der kapitalistischen Hetze haben gar viele Leute keine Zeit und kein Talent mehr, ihre Familienleben selbst zu vertiefen. Da man für Geld alles haben kann, warum nicht auch etwas fürs Gemüt, sagt sich der Mann, der das Nötige dazu hat. Und kauft sich einen Haussegen, die Klassiker oder Otto NeckentinL echten Brujischmuck zu des wirklichen WerteS» (Polnisch-Sozialistiiche Partei) unverändert läßt. Wie bekannt. spcrltete sich die alte P P. S., die das Programm der Unabhängig- keit Polens der Arbeiterklasse aufbürden wollte, in zwei Parteien. Die eine blieb bei der alten Losung und kompromittiert in Polen die sozialistische Fahne durch eine anarchistische Taktik von Ucbcrfällcn auf RegierungSinstitutionen, Kassen usw. Diese Richtung kommt— nach dem Ausdruck der Resolution— als sozialistische Partei überhaupt nicht i» Betracht. Die zweite machte sich viele» ans den Erfahrungen der drei letzten Jahre zu nutze. Sie sah, daß es in Polen keine sozialen Schichten giebt, die für den Kamps um die Unabhängigkeit Polens zu gewinnen wären,»nd sie ließ das Programm der Unabhängigkeit Polens fallen. Sie sah, daß der Kampf gegen den Zarismus nur als Massenkampf siegelt kann und daß die Ueberfallstaktik, das Gründen von Kampfes- organisatienen den Massenkampf schädigt, und sie verwarf diese Taktik, die sie bisher gemeinsam mit dein anderen Flügel befolgte. Sie sah, daß der Kampf die polnische Arbeiterklnsse mit der russischen in eine Armee zusammenschweißt und sie entäußerte sich des nationalistischen Mißtrauens, niit dem die alte P. P. S. der russischen Arbeiterklasse und der russischen Sozialdemokratie gegenüberstand. Aber diese Entwickelung ist doch noch nicht weil genug gediehen, um alle Differenzpunkte zwischen ihr und der sozialdeinokratie Polens aus- zugleichcn. Aus diesem Grunde verwarf der Parteitag der Sozial- demokratie den— übrigens von keinem einzigen Delegierten unter- stützten— Gedanken der Vereinigung mit dem linken Flügel der P. P. S. Schließlich muß noch die Annahme eiuer Resolution über die Frage der Autonomie Russisch-Polens erwähnt werden. Sie er- klärt zur Fordermig der Autonomie im Programm der Sozialdemo- kralie, daß die Autonomie als Konsequenz der kapitalistischen Ent- Wickelung Russisch- Polens zu fordern ist, während die bürgerlichen Parteien und der linke Flügel der P. P.«. die Autonomie als Ab- schlagSzahlnng auf die Unabhängigkeit betrachten. Die Grenzen der Autonomie sieht die Sozialdemokratie Polens in allen ökonomischen, sozialen und politischen Angelegenheiten, die die Grundfragen des staatlichen Lebens und die Interessen dcS ganzen Proletariats Ruß- lands berühren. Das ist in gedrängter Forin die politische Arbeit des 6. Partei- tageS der Sozialdemokratie Russisch-Polens. Wir brauchen kaum zu sagen, daß die Opferwilligkeit der unter den schrecklichsten Um- ständen arbeitenden Genossen die Resultate dieses Parteitages in die Arbeiterwohnungen Russisch-Polens tragen wird, daß die Partei mit Zähigkeit und DhaulwurfSausdaucr weiter arbeiten wird, um die glorreichen Tage des Moskauer Aufstandes— dessen dritten Jahrestag ivir ebeit haben— in größerem Umfange der Welt wieder vor Augen zu stellen. Sic wird die politischen Gedanken, die hier in Grundzügen niedergelegt sind, dem Gehirn des polnischen Proletariats einzriverleiben trachten, damit- es durch Taten der internationalen Arbeiterwelt zeige, baß die totgesagte Revolution lebt. Diese sozialdemokratische Arbeit ist jetzt wieder den Augen der ausländischen Genossen ent- schwunden; sie ist aber nicht verschwunden, sondern nur in die stillen Gänge des unterirdischen Polens hinuntergestiegcn, aus denen sie— wenn die Glocke erklingt— als Arbeiterkraft zun» Licht dcS Tages emporsteigen und die Mauern der Zarenbastille niederreiten wird. Euq Induftm und FtandeL Viehbestand und Schlachtungen in Preußen. Die neuen Handelsverträge haben zweifellos für mittlere und kleinere Viehhaltungen Anreiz zur Steigerung der Viehzucht gegeben. Andererseils veranlaßtcn die gewaltig hinaufgeschnellten Preise ver- mehrt zu Verkäufen von Beständen, die dadurch reduziert wurden. Als Effekt der beiden treibenden Faktoren ergibt sich nach der Vieh- zählung vom 2. Dezember 1907 im Vergleich mit früheren Zähl- ergebnissen eine nur geringe Zunahme, teilweise sogar ein Rückgang der Viehbestände. Am stärksten ist die Zunahme bei Federvieh und den diversen Sorten von Eseln; bemerkenswert ist der Rückgang bei Schweinen, der 1,69 Proz, ausmacht, waö bei gleichzeitigem Wachs- tun» der Bevölkerung eine nicht unwesentliche Verminderung des Bestandes bedeutet. Nachfolgend geben wir eine Zusammenstellung aus den nun veröffentlichten ErhebungSergebnissen. Humor«nd Satire. Ein Sieg der guten Sache. Gegen das Gift der Sozial« demokratie, das leider den Volkskörpcr immer mehr durchseucht, war bisher ein Glied dieses Körpers ganz immun,— die Kriegervereine. Da konnte die Sozialdeniokratie nichts ausrichten, wenn sie mit offenem Visier auftrat. Desto eifriger war eine linterirdische Wühl- arbeit am Werke; man wollte das Gift aus heimlichen Schleich- wegen einschmuggeln, llnd beinah wäre da? lichtscheue Teufels- werk gelungen. Die Kriegervereine haben Fahnen; und wie alle Dinge in der Welt ibre zwei Seiten haben, eine gute und eine schlechte, so auch diese Fahnen. Die gute Seite ist die Haupt- oder Paradeseite, die den preußischen Adler trägt, lind gerade hier setzte die abscheuliche Wühlarbeit ein. Gewisie dunkle Einflüffe machten sich geltend, und ehe man ihren Ursprung erkannte, gelang ihnen an vielen Stellen ihr hämischer Plan: Viele Vereine ließen sich vom Linken umgarnen und be- festigten die Paradeseite ihres Fahnentuches mit dein linken(pfui!) Rande am Fahnentuch. Aber die Frevler wurden bald entlarvt. Jetzt hat eine Kabinettsorder befohlen, daß das Tuch mit dem rechten(dem königstreuen) Rande am Fahnenstock befestigt werden soll. Gott sei Dank l Nenjahrsfeier in Preußen.„... Und nun, meine Herren, das neue Jahr hurrah! hurrah I hurrnh!" („Jugend'.) Notizen. — M li s i I ch r o n i k. Oskar Fried ist von der Leitung des Blüthner-Orchesiers zurückgetreten.— Die populären Konzerte de» B küthner-Orchesters, die von jetzt ab Sonntag abends stattfinden, werden, wie die Direktion mitteilt, auf Wunsch des Publikums ohne Restaurationsbelrieb vor sich gehen.— Für die SonntagSkonzerte des Charlottenburger Schillertheaters, die am 17. Januar beginnen, werden AbonnenientShefte(5 Konzerte zusammen kür 2 und 3 M.) ausgegeben. — Uhland-Abend. Die diesjährige Reihe der Dichter- und Tondichter- Abende im Charlottenburger Schiller-Saal wird Sonntag, den 10., S'/s Uhr, mit einem Uhland-Abend eröffnet. — Eine gefälschte Geschichtsurkunde. Letzten Sommer machten zwei altägyptische Skaraböen Aufsehen, die auf ihrem Rücken von einer unter König Necho um 600 v. Chr. unternommenen Fahrt um Afrika berichteten. Sie wurden indes auf dem Historikerkongreß, der im Herbst in Berlin tagte. als Fälschungen nachgewiesen. Die Weltgeschichte war um eine interessante Tatsache ärmer, dafür ist die Skandalchronik jetzt um eine pikante reicher geworden. Als Urheber dieser Fälschungen wurden in Paris Frau und Sohn des verstorbenen Aegyptologen Bourriant ermittelt. Sie hatten die Skarabäen— die heiligen Mistkäfer der Acgypter, die ein wohl unterrichtetes Berliner Blatt für Mai- iäfer ausgibt— von einem Pariser Bildhauer anfertigen lassen und dann an dl«.Kg). Brüsseler Museen für 10000 Franken verkanst, natürlich, nicht ohne die sie für echt erklärenden Gutachtea der Pariser ö'.lqdrmie der Jnschrifteu. ES wurden gezählt: frühere Zählung 3 6ü7 316 2 820 006 Gehöfte überhaupt. , mit Viehstand Wiehhaltendr HarlS» Haltungen... Pferde..... Maultiere u. Maulesel..... c?sel..... Rindvieh.... Schafs..... Schweins.... Ziegen..... Federvieh.... Bienenstöcke... 3 662 889 3 018 443 Dezember 1907 3 790 833 3 032 201 8 796 380 3 046 804 Zu«(-}-) oder Abnahme(—) überhaupt in Proz. -\- 133 517 4- 211595 ± 3,65 7,50 t 133 491 27 801 + 3,46 0,92 t -T + 149 1799 364 676 26186 260 105 119169 + 8 882 095 6 906 42,45 38,49 8,18 0,43 1,69 5,63 21,78 0,45 851 500 4 674 6 473 11 640 908 12 011 584 5 435 053 5 408 867 15 855 959 15 095 854 2116 360 2 235 529 33 482 876 46 884 971 1 648 256 1 54) 350 Die frühere Zählung bezieht sich auf Gehöfte überhaupt. Pferde, Rindvieh, Schafe und Schweine auf die Zählung vom 2. Dezember 1906, für Ziegen auf die Erhebung von 1904, für die übrigen Vieh- gatningen auf die Resultate der Zählung im Jahre 1900. Leider ist die Vcrgleichbarkeit der gegebenen Zahlen nur gering; das aber lassen diese Zahlen erkennen: die Zunahme des Viehbestandes hat mit der Bevölkerungszunahme und der Vermehrung der GeHöste und dich- haltenden Haushaltungen nicht gleichen Schritt gehalten. Abgesehen von den zollfreien Eseln, zeigt sich nur bei Ziegen, der Kuh des kleinen Mannes, und bei Federvieh, dessen Zucht in nicht landwirtschaftlichen Haushaltungen ftärler in Aufnahme gekommen ist, eine bemerkenswerte Zunahme des Bestandes. Hält die ungünstige Entwickelung der letzten Zeit als Folge des bohen Preisstandes für Vieh weiter an, dann würden die neuen Handelsverträge auch nach dieser Richtung Wirkungen zeigen, die nicht nur vom allgemeinen sozialen, sondern auch vom sogenannten nationalen Standpunkt bedauert werden müßten. Sicher kann sie nicht als Beleg für die agrarische Behauptung dienen, die deutsche Landwirtschaft sei in der Lage, Deutscklands Bedarf an Agrar- Produkten durch einheimische Kultur zu decken. Wie erinnerlich, war diese Behauptung ein Haupttrumpf der Bündler bei der Forderung höherer Zölle. Aus den Bemerkungen der Statistischen Korrespondenz, durch welche die Entwickelung unseres Erachtens teilweise eine zu opti- mistischs Beurteilung erfährt, sei folgendes bervorgehoben: Beachtung verdient ztinächst die Zunahme der viehhaltenden Haushaltungen. Zur Vergleichung muß man da? Jahr 1900 heran- ziehen, da damals zum letzten Male der Viehstand in demselben Ilmfange wie 1907 ermittelt wurde. Die Zunahme ist nicht sehr bedeutend; sie erreicht nur 3,64 Proz. DaS ist nicht viel, wenn man bedenkt, daß seit 7 Jahren die Zahl der Haushaltungen über- Haupt ebenfalls gestiegen ist. Ferner kann man vielleicht annehmen, daß diese Bcrmehrnng zum guten Teile ans die nur Federvieh (meist.Hühner) haltenden Haushaltungen entfällt; indessen sei darauf hingewiesen, daß von 1902 aus 1906 gleichfalls eine Ver- mehrung der viehhaltenden Haushaltungen festzustellen war. obwohl in beiden Jahren da? Federvieh nicht erhoben wurde. WaS nun die Pferde betrifft, so zeigt sich die stärkste Der- mehrung von 1906 auf 1907 bei den jüngsten Altersklassen; von 1904 auf 1906 war es umgekehrt, allgemein sind indessen die Wer- schiebungen im Pfcrdebestande überhaupt nicht bedeutend. Andererseits haben gerade die jüngsten Altersklassen diesmal eine so geringe Vermehrung(nur 0,72 Proz.) erfahren, daß die Befürchtung vielleicht nicht ungerechtfertigt ist, cS möchte in naher Zukunft an ausreichendein Nachwüchse fehlen. Bemerkenswert ist auch die ziemlich starke Abnahme der 2 Jahre alten und älteren Bullen, Stiere und Ochsen. Auch das läßt sich wohl zum Teil er- klären mit der von 1904 auf 1006 eingetretenen Abnahme des 1 bis noch nicht 2 Jahre alten Jungviehes— die Lücke hat sich jetzt nach/ oben verschoben, lieber die Entwickelung des Bestandes an Milchkühen läßt sich nichts sagen, da sie 1907 zum erstdn Male gezählt wurden. Zu beachten ist, das; der preußische Rindvieh- bestand fast genau zur Hälfte aus Milchkühen besteht; bei der Ae- urteil»!, g dieser Zahl wolle man indessen nicht überschen, baß der Begriff„Milchkuh" örtlich sehr verschieden weit gefaßt wird. Zu warnen ist jedenfalls davor, auf diese Zahl etwa eine Schätzung der Milck?crzeugung gründen zu wollen. Die Schafe haben seit 1906 um ein Geringes abgenommen; jedoch hat sich die süngste Altersgruppe stark vermehrt. Vielleicht liegt darin ein Hinweis darauf, daß die seit Jahrzehnten an- haltende, aber immer langsamer werdende Abnahme des Bestandes an Schafen demnächst zum Stillstande kommen wird; auch die später zu erwähnende Abnahme der Schafschlachtungen deutet darauf hin. Der Rückgang der Zahl der SchJueine betrifft lediglich die jüngste Altersklasse. Sie ist wohl nur eine Folge der Ueberproduk. tion in den Zeiten der rasch steigenden Schweine- und Schweine- fleischpreise und kann nicht ungünstig beurteilt werden. Anders wäre es. wenn die höheren Altersklassen zurückgegangen wären; das ist aber nicht der Fall.... Die Zahl der Ziegen hat seit 1904, wo sie zum letzten Male bor 1907 erhoben wurde, langsam zugenommen; für die Unter- abteilungen fehlt es an einer Aergleichungsmöglichkeit. Das Federvieh hat sich seit 1900 durchweg außerordentlich stark vermehrt. Zum weitaus größten Teile handelt es sich um Hühner, nächstdcm hin Gänse, während Enten und namentlich Truthühner nur schwach vertreten sind. Bei den Bienenstöcken ist zwar ein kleiner Rückgang der Zahl seit 1900 eingetreten; er betrifft aber nur die weit weniger wert- vollen Stöcke ohne bewegliche Waben, ist also nicht sonderlich zu bedauern. Tie Zahl der ertragreicheren Stöcke mit beweglichen Waben hat dagegen eine recht erfreuliche Zunahme erfahren.— Daß eine zieinlich starke Zunahme der Schlachtungen die Ve- stände reduziert hat, ergibt die folgende Zusammenstellung. Es wurden geschlachtet: Zu(-H oder Abnahme(—) Rindvieh Schafe. Schweine Ziegen Stück -1- 228 888 — 81 909 -I- 1 044 179 — 0115 Proz. -j- 5.54 — 3,97 + 8,33 — 0,93 von Dezbr. 03 von Dezbr. 06 -bis Dezbr. 04 bis Dezbr. 07 . 4184 924 4 363 812 . 2 065 722 1 983 753 . 12 528194 13 572 373 660 852 654 737 Die Uebersicht enthält Angaben über die Schlachtungen, die im preußischen Staate in den letzten 12 Monaten vor, der Vieh- zählung stattgefunden haben. Bekanntlich wurde gelegentlich der Viehzählung vom 2. Dezember 1907, wie es auch schon im Jahre 1904 geschah, die Zahl sämtlicher in den letzten 12 Monaten vor der Zählung vorgekommenen sogenannten„Hausschlachtungen" er- fragt. Da nun außerdem eine Statistik der der amtlichen Schlacht- vieb» und Fleischbeschau unterliegenden, sogenannten„gewerblichen" Schlachtungen besteht, die ebenfalls vom Königlich Preußischen Statistischen Landcsamte bearbeitet wird, so war es möglich, die Ergebnisse beider Erhebungen zusammenzurechnen und so einen. Ileberblick über den Fleischverbrauch der Bevölkerung Preußens aus inländischen Schlachtungen zu gewinnen. Bei den gewerblichen Schlachtungen wurden die als zu menschlichem Genutz untauglich verworfenen Tiere abgesetzt. Hm der frauenbewegung. Frauen als Verteidiger in Bayern. kluZ München wird gemeldet: Durch Verfügung de? Justiz- Ministers werden 50 Frauen an den bayerischen Gerichtshöfen zur Verteidigung zugelassen werdein_ DaS HeiratSrecht niederländischer Lehrerin««»» no Einflußreiche Leute de? niederländischen BürgertmfHs�ÄJjtkale und Liberale verschiedener Schattierung, geben jetzt ihr� jtMe�Für- sorge für die Volksschule dadurch kund, daß sie die berheiraieten Lehrerinnen aus den Schulen gänzlich zu verdrängen suchen, unter dem Vorivand, daß Lehrerinnen die verheiratet sind, entweder zu Hause oder in der Schule ihre Pflicht nicht in vollem Maße erfüllen könnten. In den Gemeinden hat man den Ansang damit gemacht. In Rotterdam hat der Gemeinderat beschlosien, daß verheiratete Lehrerinnen in der Regel entlassen werden sollen, jedoch will man von Fall zu Fall entscheiden. Drei Lehrerinnen sind dort bereits entlassen worden, weil sie geheiratet hatten. Ainsterdam wird dem Beispiel folgen. Wenigstens haben dort Bürgermeister und Magistrat dem Gemeinderat bereits den Vorschlag geinachi zu be- schließen, daß Lehrerinnen, ja selbst Helferinnen der städtischen Fröbelschulen, die heiraten, entlassen werden. Der Niederländische Lehrerverband, der �jeyt 5016 männliche und 2494 weibliche Mitglieder zählt, hat sich aus seiner kurz vor Neujahr adgehallenen 83. Jahresversammlung mit allen gegen 2 Stimmen für eine energische Agitation gegen die Entlassung verheirateter Lehrerinnen ausgesprochen. Dieser Verband will mrt allen seinen Orlsabteiluilgen unermüdlich für das HeiratSrecht der Lehrerin ein- treten. ES icheint jedoch vorläufig nicht viel Ausficht auf Erfolg vorhanden zu sein. Die Reakiion ist gegenwärtig in Nicderland oben aus und schwätzt heuchlerisch von Jnleressen des Echulunrer- richts, wenn sie die Lehrerinnen zur Ehelosigkeit zwingen will, ihnen das Recht auf Heirat und Muttcrschast entreißt. Sericdts- Reitling. AuS einer Armcnkommission. Vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte(Abteilung 145, unter dem Vorsitz des Amtsgerichtsrats Wollner) wurde am Mittwoch eine private Beleidigungsklage verhandelt, die durch Streitigkeiten zwischen Mitgliedern der Arinenkoinmission 12öc(Teil vom «Bötzowviertel") veranlaßt worden war. Als Kläger trat auf ein zur Armenkommifsion gehörender Herr Schumacher» der früher Schutzmann war und jetzt wohl ein Zigarrcngeschäft in der Bötzow- straße hat. Verklagt hatte er den Gastwirt Schreiber aus der Allensteiner Straße, der das Amt des Bezirksvorstehers für den Stadtbezirk lL3c hat und als solcher auch zur Armenkommifsion 125c gehört. Schumacher fühlte sich dadurch„beleidigt", daß Schreiber dem Drogenhändler Heinrich aus der Elbinger Straße, der in der Kommission Lorsteher ist, gesagt haben sollte, Schumacher habe in einer Sitzung über Heinrich geäußert, der sei ein abge- briibter Mensch. Weil wegen dieser Äeußerung Schumachers der Versuch gemacht wurde, seinen Ausschluß aus der Kommission durchzusetzen, so stellte bei Schumacher sich das Bedürfnis ein, sich durch eine Gerichlsverhcmdlung zu reinigen. Mit Recht hob der Vorsitzende des Gerichts hervor, daß die Sache wirklich nicht s>ie stundenlange Verhandlung mit ihren umständlichen Zengcnver- nehmungen wert sei. Von Interesse für weitere Kreise ist eigentlich nur der äussere Anlaß des ganzen SlreitcS. Die Kommission hatte über eine arme Frau, die sich für unterstützungsbedürftig hielt, ein Gutachten deS Armenarztes Jungmann II(Bötzowstraße) einholen zu sollen gc- glaubt. Der Arzt kam zu dem Urteil, daß die bereits K7jährigr, an Gicht leidende Frau völlig erwerbsunfähig sei. Hiernach wäre sie unierstützungsbedürfiig gewesen. Aber Herr Schumacher wollte cS besser wissen und behauptete in der Sitzung, die Frau könne sehr wohl noch arbeiten. Die Entscheidung über diese Frage wurde vertagt bis zur nächsten Kommissionssitzung, zu der dann auch der Armenarzt geladen wurde. Der Vorsteher der Kommission bsauf- iragte Herrn Schreiber, über die Angelegenheit zu rcscricren. Als nun Schreiber in seinem Referat die abfälligen Aeußcrungen Schu- machers über das Gutachten des Arztes erioähnte, sprang Schu- machcr erregt auf, rief dazwischen, eS sei eine Unverschämtheit, in Gegenwart de? Arztes das zu erzählen, und forderte, daß dem Redner das Wort entzogen werde. Da der Vorsteher das nicht- t«t und trotz mehrfach wiederholter Aufforderung es immer wieder 'ablehnte, so rief Schumacher ihm zu, dann sei er nicht fähig, die Verhandlungen als Vorsteher zu leiten. Der Vorsteher antwortete, Schumacher? Urteil imponiere ihm nicht. Da schrie Schumacher in die allgemeine Erregung hinein:„Sie sind ein abgebrühter Mensch!" Erst am anderen Tage erfuhr der Vorsteher, daß ihm das gegolten habe. Schreiber,� den er nun aufsuchte, um ihn zu befrage«, was er darüber wisse, bestätigte ihm, daß Schumachers Zuruf dem Vorsteher gegolten habe, im übrigen aber mahnte Schreiber zum Frieden. Herr.Heinrich befolgte diese Mahnung nicht, sondern legte die weltcrschütternde?lngelegenhcit der Kreis- konferenz der Armenvorsteher vor. Es kam zu einem Verfahren gegen Schumacher. Ein Mitglied der Armcssdirektion wurde damit bemüht. Auch der Chef, Stadtrat Münsterberg, mußte einige Tinte verspritzen. Aber schließlich geschah dem Herrn Schumacher gar nichts, und er blieb Mitglied der Kommission. Schlimmer sollte eS, so hoffte er, dem Herrn Schreiber gehen, gegen den er Brleidi- gnngsklage angestrengt hatte. Vor Gericht erschienen beide Par- teien mit ihren Zeugen, mehreren Mitgliedern der Armen- kommission, ihrem Vorstcher. einem Mitglied der Armendirektion, dem Wirt des Sitzungslokales der Kommission usw. usw. Schu- wacher bestritt, dem Vorsteher zugerufen zu haben, er sei ein abge- vrühtcr Röensch. Die BcwciSausnahmc fiel aber sehr zu seinen Ungunsten aus. Das Gericht gelangte zu der Ucberzeugung. Schu- macher habe den Ruf ausgestoßen und den Vorsteher damit gc. meint. Demnach wurde Schreiber freigesprochen, die Kosten des Verfahrens wurden dem klagenden Schumacher aufgelegt. Mancher wird wissen wollen, was schließlich aus"der armen Iran geworden ist, die den unschuldigen Anlas; zu dem gaiizcn Krakeel gebildet hat. Hat man der hilflosen Greisin, die dem Herrn Schumacher als noch erwerbsfähig galt, die Ulitersiützungs- bedurftigkelt zugebilligt oder abgesprochen? Durch die Gerichts- verhcmolung wurde dies: Frag: nicht beantwortet. Verfahren gegen Jugendliche. Seit einiger Zeit sind auch im Moabiter KriminalgerichtS- gebäud« Jugendgerichtshöfe in Kraft getreten, d. h. an bestimmten Tagen werden vor zwei Strafkammern ausschließlich Strafsachen verhandelt, in denen sich die Anklage gegen jugendliche Missetäter richtet. Verhandelt werden hier nur die schwereren Vergehen In- gendlicher, für welch« die Strafkammer zuständig ist, während die leichteren Verstöße gegen das Gesetz vor dem besonderen Jugend- gerichtShof in der Neuen Friedrichstraße zur Verhandlung kommen. In Moabit sind zurzeit zwei derartige Jugcndstrafkaminern vor- Händen, es sind dies die 7. Strafkammer des Landgerichts 1 unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Splettstößer und die 5. Straf- kamnier deS Landgerichts III, in der Landgerichtsdirektor War- natsch den Vorsitz führt.— In der gestrigen Verhandlung vor dem Landgericht III waren Jugendliche in allen Alteröllassen vertreten; von dem gerade strafmündig gewordenen 12jähr>gcn Knirps bis zu dem schon 17jährigen jungen Burschen, der dicht vor der vollen Strafmündigkcit steht. Im Sitzungssaale herrschte ein ganz anderer Ton, der mehr dem ähnelte, in welchem ein Lehrer einen jugendlichen Sünder zurechtweist, während das eigentliche Formelle mehr zurückgedrängt wurde. Die Angeklagten mußten auch nicht die Anklagebank betreten, sondern tonnten vor dem Zeugcntisch flehen bleiben, neben welchem sür die Eltern Stühle aufgestellt waren. Begleitet von seinem Vater betrat ein löjährigcr Dachdecker- lchrling den Saal. Er hatte Kaninchen gestohlen und dabei einen Stall erbrochen. Die beiden Ti«re hatte er weiterverkauft und sich für den Erlös Zigaretten uud sog. Warschauer Kuchen gekauft. Der Junge ist geständig. Der Vater legte für ihn ein gutes Wort ein und erzählte dem Vorsitzenden, daß sein Sprößling für den Dieb- stahl schon dreimal eine„Wucht" von ihm bekommen habe. Bar- sll-enbcr: Na, mit dem Prügeln ist'S nun genug. Prügek allein tut's auch nicht, gütiger Zuspruch hilft oft viel mehr!— Ter junge Mensch wird zu 3 Tagen Gefängnis verurteilt, aber der bedingten Begnadigung empfohlefl. Ter Illjährige Georg Sch. hat mit dem noch prafunmündigcn Schüler W., der jetzt ,'n der Erziehullgsanstalt in Zehkendorf unker» gebracht ist, einen Einbruchsdiebstahl verübt. Die beiden schwäch» lichen Knirpse, die den Eindruck von achtjährigen Knaben machicn» wollten gerne ein Erntefest in Wcißcnsce mitmachen. Die Mutter gab nichts, da sie selbst nichts hatte. Der lOzährige W. aber wußte Rat. Aus dem Patentverschluß einer Bierflasche fertigte er einen regelrechten Dietrich an. Sch. klingelte dann mehrmals an der Wohnungstür des Schankwirts W."und rief dann, als nicht ge- öffnet wurde, seinen noch jüngeren Komplizen. Im HandumdrehZn war die Tür mit dem Dietrich geöffnet und die beiden Einbrecher stahlen dann erst drei Mark und bei zwei weiteren Besuchen in der Wohnung noch zehn Mark. Das Geld wurdz. in Papiermützen zum Erntefest, Feuerwerkskörper und Zigaretten angelegt. In dieser Sache wurde zum ersten Male von einer Bestimmung der Strafprozeßordnung Gebrauch gemacht, nach der auch Landgerichtssekrc- täre als Verteidiger jugendlicher Angeklagter auftreten können. Der als Verteidiger fungierende Landgerichissekretär Ohlensckläger beantragte mit Rücksicht auf die Jugendlichkeit deS Angeklagten eine milde Strafe und Zulassung der dedingten Begnadigung. Das Gericht erkannte auf 1 Woche Gefängnis bei bedingter Wegnadi» gung, so daß der Verurteilte, wenn er sich eine Reihe von Jahren nichts zuschulden kommen läßt, nicht inS Gefängnis wandern muß. An einer anderen Stelle wurde gegen den gerade 12 Javre alten Schüler B. wegen— Sittlichkeitsverbrechen verhandelt. Die Anzeige war von den Eltern feindlich gesinnten Nachbarn erstattet worden. In einer dunklen Hofecks einer Mietskaserne hatte sich der junge Bursche beim Spielen mit kleinen Mädchen Handlnngcn erlaubt, die nach§ 176 Abs. 3-bestraft werden. Der Knirps erzählte ganz treuherzig, was er getan hatte, und brachte den Gerichtshof zu der Ilebcrzeugung, daß in diesem Falle der Angeklagte in seinem jugendlichen Alter noch nicht die Estrsicht besessen hatte, die zur Erkenntnis der Strafbarkeit seiner Handlungsweise erforderlich ist. Der Zwölfjährige wurde freigesprochen. Würden in jedem Falle für die Jugendlichen Verteidiger, und zwar Rechtsanwälte, von der Einleitung des Verfahrens ab, be- stellt und Lehrer zugezogen, so dürfte die Zahl der Verurteilungen erheblich zurückgehen. Den«inen Vorteil hat die seit je möglich gewesene, endlich getroffene Neuerung besonderer Jugend-Stras» abteilungen, nämlich den, daß gegen die jungen Menschen abge- sondert von erwachsenen Angenagten verhandelt wird. Beleidigung des Gewerbegerichts. Schwere Beleidigung des Vorsitzenden des Rixdorfer Gewerbe« gerichtS führte gestern den Kaufmann Grunewald ci n S Ripdorf vor die Strafkammer de? Landgerichts III. Der An- geklagte betreibt seit Jahren ein seiner Frau gehöriges Piitzgeiwäst, in welchem auch Lehrmädchen ausgebildet werden. Mit einem solchen jungen Mädchen geriet er wegen ciyer Lohnzahlungsdifferenz in Höhe von 5 Mark in Streit und wurde von der majorennen Schwester de? Mädchens vor das Rixdorfer Gewerbegericht geladen, welche? am 14. Mai unter Vorsitz des MagistratSassesiors Dr. Litter- scheid seine Sitzung abhielt. Nach Prüfung der ganzen Sachlage entschied das Gewerbegericht e i n st t m m i g zilguusten des Mädchen? und zunngniisten de? Angeklagten, der seine Ehefrau vor Gericht vertrat. Im Unmut über seine Niederlage richtete darauf der Angeklagte an den Magistratsassessor Dr. Litterscheid zwei Schreibest. In dem ersten beschwerte er sich— er behauptet, das Rixdorser Geivcrbegerichr stehe in dem Rufe, mit Vorliebe zugunsten der Arbeitnehmer zu ernscheiden— über Klassenjustiz, in dem zweiten mochte er Herrn Dr. L. den Vorwurf, daß er ihm jeden Beweis abgeschnitten habe, und drohte ihm, daß, wenn Dr. L. nichts gegen ihn veranlaßle, er selbst daS nötige veranlassen und die Sache der Staatsanwaltschaft übergeben würde. Auf Grund dieser Schreiben hatte daö Rixdorfer S w ö ffen g er i cht den An- geklagten wegen Beleidigung zu 40 Mari Geldstrafe verurteilt. Hiergegen hatte sowohl der Angeklagte, als auch der Staatsanwalt Berufung eingelegt. In der gestrigen Verhandlung wurde durch Vernchiuiing des Vorsitzenden und zweier Beisitzer des Gewerbegerichts festgestellt, daß dieses keineswegs einseitig und voreingeiiomm.'N. sondern nach sorgfältiger Prüfung seine Entscheidung gefällt hatte. Der Staatsaiiwall hielt eine Strafe von 40 M. sür unzureichend, da der Angellagte dem Richter den überaus schivcren Vorwurf der Rechtsbeugung gcinnctit habe. Er beantragte drei Monate Ge- f ä n g n i s.'D a S G e r i ch t billigte dem Angeklagten zwar an sich den Schutz de? 8 193 Str.-G.-B. zu. da er sich objektiv benachteiligt gefühlt haben mag. erhöhte aber doch die Strafe aus 150 M ar i Geld strase event 30 Tage Gefängnis. Zentralverband der Handlungsgehilfe« und Gchilsinne« Teutschlands. Bezirk Westen. Heute abend 9 Uhr Altes Bürger« tasino. Schvneberg, Hauvtstr. lv7: Vortrag. Gälte willkommen. Verband der Friseurgehilfen Teutschlands. Zweigverein Berlin und Vororte. Heute abend ä'l, Uhr Rosenthal er Straße 11/12: Ver- sammlung und Dortrag. Freie Jugendorganisation, Abteilung Weißensee. Heute abend 8'/, Uhr bei Weber, griedrichslr. 37: Mitglied-rv-rsammlung. Vortrag. Neuwablen. Lese- nud DtSkutierklnb„Wilhelm Liebluecht". Heule abend 9 Uhr bei Eichhorn, Danziger Str. SS. Gäste willkommen. Trutscher Arbeiter-Abstiurnten-Uund. Ortsgruppe Berlin. Freitag abend pünllllch S Uhr im tSewerlschaslShans, Engeluser 15:®e< iieralveriammimig. Mitgliedsbuch legitimiert. Singegangene Druchrdmften» Von der„Neuen Zeit"(Stuttgart, Paul Singer) Ist soeben das 15. Hcst des 27. Jahrgangs erschienen. Es Hai solgenden Inhalt: An dcr JahreZiuende.— Die elektrotechnische Revolution der Gegen- wart. Dan M. Rachiiuson.— Abichastüng aller indirekten Steuern auch für die Gemeinden. Von Karl Ulrich(Osscnbach a. M.).— Zur Rcfonn der Swasprozeßordnung. Von Hugo.s'eincmann.— Literarhchc Rundschau: Dr. Ludwig Reinhardt, Vom Nebelslea zum Menschen. Band l: Die Gc- schichte dcr Erde. Band II: DaS Leben dcr Erde. Von e-.v. 3. Prokopo» witsch, llabotsoheje dwisohoDijo w Germanii. Von Rjasanofj. Georges Sorel, l-n ä'ecoiupovitioo du Marxisme. Von A. P. Hcinr Hnfncr, feie Arbeitersraae. Von K. K.— Notizen: Ulisallrisiko und Maichinenarbelt. Von Richard Woldt.— Zeitichristenschau. Die„Reue Zelt" erscheint wöchentlich einmal und Ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstallcn und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu bezichen: jedoch kann dicieibc bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne 5:est kostet 25 Ps. Probemunmern stehen jederzeit zur Versügung. Bon dcr„Gleichheit", Zeilschrist sür die Interessen der Arbe!ter!nam (Stuttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. 7 des IS. Jahr- gange» zugegangen. Sie hat solgenden Inhalt: Zu neuem Sturmlaujl — Dcr Ardeilerinnenlchutz im Plenum deS Reichstags. II. Bon gh.— Deutschland im Jahre 1903. l. Von ll. Ii.— Großsladtiugend uud Groß- sladtclend. Von m. w.— Zur Lage der weiblichen und jugendlichen Ar- beilskräjte in Baden. III. Bon TV. H.— Die PrometheuSsragc. Von G. G.— Zur Lage dcr Arbcitcrinncn in der Schokolade- und Zucker- Ivarcniudustrie. Von II. IV.— Aus dcr Bewegung: Von der Agitation. — Politische Rundschau. Von H. B.— Gcwcrkschaslllche Rundschau.— Vom Verband der Buch- und SteindnickereihllsSarbeitcr und-arbeitcrinnen. — Nosizenlcil: Dicnslbotrnsragc.— Flauenarbeit aus dem Gebiete der In- duslric, des Handels- und Verkehrswesens.— Arbeitsbedingungen dcr Ar- bcilcrinnen.— Sozialistische Frauenbewegung im Ausland.— Frauen« ftimmrecht.— Die Frau in öffenllichen Aemlern. Fiir unsere Müller und Haussraucn: Hoch auf schwindeligen Stegen. Von Franz Grillparzer.— Gchirnsorschung und Schuld slichibeginn. Von M. H. Barge.— Ueber Zähne und Zahnpslcge. Von fer. Karl Stein.— Die Müller als Erzieherin.— Fcuillelon: Vorgcalmt. Von Franz Diederich. — Die Schlacht bei Sempach. Von Philipp Langmann. Für unsere Kinder: Fünf Dinge. Von Woljg. Goethe.(Gedicht.)— Neusahrsnacht. Von Brand.— HanS Jörg. Von E. Prcczang.(Gedicht.) — Räuber und Soldaten. Von Ernst AinSloh.— Der Wind und die Fensterstheibe. Ein Märchen von Eugen Lewin.— Geselliges Leben der Tiere.— Zucker laden. Von Friedrich Güll.(Gedicht.) Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal Preis der Nummer 10 Ps., durch d'.e Post bezogen beträgt dcr AbonncinciitSPieis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Ps., unter Kreuzband 85 Ps. Jahresabonnement 2.60 M. Kolonial-HandelS-Adrestbuch IVOS. Herausgegeben vom Kolonial- lvirtschajUichen Komitee. 2,50 M. Berlin, Unter den Lind» 43, ' UllttpatentgestH tmft Erfiudernotwehr. SerauZgeg.: Mgem. Er» »Wbcrverband. 1,80 M..Kapital und Ersindung". Schöneberg, Prinz- Kc-, �slraxe. Die 2oz!alde«nokratil! im bad. Landtag 1907/03. Handbuch siir die LStdlagsivahlen 1909. 132 Seiten. Druck: Geck u. Cic., Karlsmhe i. B. Aus Wald und Heide. Von H. Löns. 110 Seilen. U. Sponholtz, �H H Glästand. Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion Für den � Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung �Kearer. Donnerstag, 7. Januar. Ansang 7'/, Uhr. Königliches Opernbaus. Cavalle- ria rusticar.a. Versiegelt, KSuigl. Schauspielhaus. Macbeth. Deutsches. Revolution in Kräh« winket. Kammerspiele. Der Gras von Gleichen.(Ansang 8 Uhr.) itnsang 8 Uhr. Lesflng. Gespenster. Berliner. Einer von unsere Leut'. Arnes Schauspielhaus. RabagaS, Neues. Israel. Kleines. Moral. Komisch? Oper. HoffmannS Er- zählungen. Hebbel. Erde. utsiidenz. Kümmere dich um Amelie. Schiller«».>üV»llner- Tvearer.) Zkomlefle Guckerl. Sch»e> telmrtotteuburg. Ehar- leyS Tante. Friedrich-Wilhelmftädt. Husaren- sieoer. kVesten. Der tapfere Soldat. Thalia. Mein Leopold. Luise». Die Kind» de» Kapitän Grant. Beruhard Rose. Briiderlein fein. Wilhelm-Theater. Die Schöpfung. Lni«!Uirihaiis. Die olückttchste Zeit. Drianou. Der Satyr. NeaeS Operette». Di» Dollarprinzessin. Berliner Operetten-Dheater S'N. Von Stufe zu Stufe.(Ansang 8'/- Uhr.) (Tarl Havelland. Spezialitaten. Gastspiel- Theater. Zaza.(Ans. 8>/z Uhr) Büraerl. Schauspielhaus. DaS KSthchcn von Heilbronn.(Ans. (Sebrüser Herenfeld. Die beiden BindelbandS. AP»»«. Onkel Kasimir. Spezialitäten. Metropol. Donnerwetter— tadel- los, Wintergarten. Spezialitätm. Paiiage. Spezinliläten Kasino. Die Dianabäder. Spezia- litälen, Reichsiiallcn. Stcilker Sänger. Walhalla. Sveziatitäien. Folie s Gaprice. Servus Pschesina. Lustige Ehemann. Kuirnv Bebreus. Die tolle Lolo. Ein Berliner muß e» sein. Spezialitäten. Parodie. 2X3=7. Die Zauderflöte. Ansang 8'/, Uhr. Urania. T->»brustraste IK/19. Abend» 8 Uhr: Eine Niljahrl bis zum zweiten Kataralt. Stcr»iv»r»e. Juvatidenstr, 57/62. tieuez sdeitler. Anfang 3 Uhr. Israel. Morgen und folgende Tage: Idesler lies Äeslevs. Allabendlich 8 Uhr: Der tapfere Soldat. Mittwoch und Sonnabend nachm. 4 Uhr llcine Plcise: Dornröschen. Friedricti-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Donnerstag, 7. Januar. Ans. 8 Uhr: Hnsarensteber. Donnerstag: Husarcnsieber. treilag: Husarensicber. onnabcnd nachm. 4 Uhr: Robm» Crn'oe. ilbendS: Husarensieber. Lsrlwer Theatsr. Heute 8 Uhr: Einer von unsere l-ent'. Morg.: Herodea und Mariaume. Hebbel-Theater Königgrätzer Str. 57(58. Ans. 8 Uhr. E p oi e. JVenea Operetten-Theater. Schtljbauerdamm 25, a, d. Luiseustr. Abends 8 Uhr: »i« Ooilarprin-esuln. Operette in 3 Allen von Leo Fall, ß.us�SpiSkksus. Abends 8 Uhr: Die glücklichste Zeit. Urania. Wiesenschaftlichea Theater. Taabenstrafle 43/49. Abends 8 übr: Eine Nilfahrt bis zum zweiten Katarakt. Residenz-Theater. — Direltton: Richard Aiaxander.— Abends 8 Uhr: „KOniinera Dich um Amelie." Schwant in drei Allen(vier Bildern) von Georges Feydeau. Morgen u. folgende Tage: Kümmere nioti um Amelie. Sonntag, 10. Jan., nachm. 3 Uhr: Der Floh im Ohr. Csaswpid-Thsstsr Küpenickor Straße 68. S'/i Uhr: Gastspiel Frl. Hedv/ig Larj«: Zaza. Luisen-Thealer. Abend» 8 Uhr: Die Kioiier des KapilHo Graol Freitag: Fliegende Berliner. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Frau Holle. Abends: Die Kinder des Kapitän Graut. Sonntag nachm. 3 Uhr: Othello. Abends: Fliegende Berliner.. Montag: Fliegende Berliner. 8 zz »WMkltMi Ar. Fraullnrter Str. 132, Abends 8 Uhr: Sruderltill fein. VolkSsiück mit Gelang in 5 Akten von M> MMU Musik von Leo Fall. Seh Ilier-Tlieater. 0.(Wallner-Theater.) Donnerstag. abendS8Uhr: Komtr�Ke Ouckerl. Lustspiel in 8 Alten von Franz von Schönthan und Franz Koppct-Ellsetd, Freiing, abend» S Udr: Iloiiiteui.e t-neherl. Son ii avend. abend»«Ubr: »le Braut von Zleiiiina. Schiller-Theater Charlottenburg. Donnerstag, abend«8Uhr! CharleyK Tante. Schwank in 3 Allen von Brandon Thoma». Frettag, avend» 8 Uhr: Charley« Tante. Sonnabend, abends 8 ll h ri Kin Tolkstelnd. Zirkus Sekaraanu. Dcnte Donnerstag, den 7. Januar, abends 7'/,(Jhr: Gr. brillantes Galaprogramm.— Sensation über Sensation. j jP(3©'iL� j der unübertreffliche vierbeinige Bedfahr-Champion. Miß Smith mit ihren einzig dastehenden selllaafenfieii Pferden. vir, Schumanns neueste Originalüressuren I SäratL neuen SpezialitSten n. AltrakL Z. Schluß: Der Clou der Saison I Das Prachlinanegeschaustück 4*o2o, der Seeräuber und Mädchenhändler Grand- Hotel Am Alexanderplatz. Festsäle B. iehmlich. Anfang Sonni Vorzugskarten Jeden Sonntag und Dienstag:[2161b+[ I i O'/j Uhr, wochentags 8 Uhr. i aben wochentags Gültigkeit, f Hamburger Sänger. Brauerei Friedrichshain. MM Heute Donnerstag und folgende Tage:] Große Münchener Bockhierlsste ItfluncBien isi Berlie voranstaltet von dem berühmten, best- 1 bekannton Festwirt Schorsch Ehrengruber aus Mürchen. Original-Oberiand'ler. Schuhplattlerotc. Bedienung durch zirka 25 Oberbayr. Mad'ln in Nationaltracht. äJPP Neuestes: Schorscb I mit dem Riosemuftbollon„Zeppelin".| Anfang 8 Uhr. Entree«t?aidsT Slandtge Eisbahn.— Bis 12 Uhr nacht» geöstnct. Grolles Konzert.„Eislauf im Spreewald". Abend» 9 und 10 Uhr Austreten erster EiskunsUäuser und-Läuserimten. 8'/, Uhr: Seit Jahren der gröhte und stärkste Schlager l Vnkvi! Casimiis Operette von Wax Winlerseld. Dazu ab 8 Uhr: Das AttraktionS- Programm mit ha belle Alexia. Pilu 7 7? Goldene Armbinde v. Berlin, internationales Radrennen unter dem Proteltorat von Prosessor I. Boele. Siadt-Theater Mgabil. Größter und vornehmster Theater- saal iNoabits. Alt-Monblt 48.(Tel. II 2492.) Donnerstag, den 7. Januar 1909: Posie In 4 Alten von Rudolf Knelsel. Auf. d. Borst. 8, Kasscnöfsnung 7 Uhr. Konzert 7'/« Uhr. Nach der Vorstellimg: Ball. Montag, 11. Januar: Soiree der Luitigen Sänger._ Ciebriidcr Herrnfeld- Anfang Thnatap Vorvcrk. 8 Uhr. IllCttlCr. 11-2 Uhr. 67 Kommandantenstr. 67. und der neue Künstler-Teil. Sonnabend: BFeat-Voruloilang. W! Zum tOO. Mate: Die beiden Bindelbands. Sonnabend, den 9. Januar, abends S'i, Uhr, im Gewerkschaf tMbaaee. Einige Neumeldungen zu den Nachmittags- • Abteilungen werden noch in den Zablsteuen angenommen. G Aufführungen: «A Xachmittags:| Abends: G Neues Schauspielhaus: ftabagas. I Die Sünde. Nächste Serie im Herrnfeld-Theater: §Ber frobakandiilat Drama in 4 Aufzügen von Max Dreyer. Der Vorstand. 240/1 In Vortr.: G. Winkler. X IV. Saison! Zirkus Busch.l Donnerstag, den 7. Januar 1909, 1 abends präz. 7'/, Uhr: Große Gala-Woliliütigkeitg- —— Vorstellung.— Um 8'/. Uhr: Z Lebendig begraben! A Miß Surajnh, der weibliche 1 tu Iii r I JJenes Programm I Fragson der polyglotte Vortragskünstler am Klavier in seinem Repertoire. Olga Desmond die Berühmtheit der Schönheite- abonde in ihr. neuen Schöpfung. u. 10 auserlesene Januar-Attraxtianen Sonntag, den 10. Januar: Nachmittags- Vorstellung, Kleine Preise. An f. 3 Diu*. &|alast-?heateir jj Burgstraße 24, 2 Minuten vom " Bahnhos Börse. jDasMonstre-Januar-Programm. 12 Attraktionen 12 unter anderen: öer beste Degenkünstler der All) vi», Welt. Inhaber der Welt- meistcrschast u. kgl. Ai:szclchnungen. W«tt4glt Amerikanischer Fessellünst. ztlvllvll,[er„nd Ketlensprcnger. Zum 1. Male in Deutschland. Ada Mamtl, UM-» Am Ammeu aar dem Tan. VoltSstück mit Gesang in l Alt. BCT" Familienkarten, halbe Preise, wochentags überall gratis. Od beginnt heute« 6- -♦o I Weinbergsweg 19/20, Rosenth Tor . Zlbends 8 Übt: Die glänzenden j Januarspezialitäten. Der amerlt. I Radfahrer Dieoii, Salto Mortale lüber eine mit Personen besetzte Droschke u. d. übrige gr. Programm. Im Tunnel: Regimentskapelle. Theatei beincher Hab. freien Eintritt Singer Nähmaschinen. Ciusachc Haiidbabnitg! 676212* Grof/e Haltbarkeit! Hohe Arbeitsleistung! Wolttusstelluna Ctt-nnrl Di«iv Wellausstellung Pari» tOOO: virUnU rFlA St. Loul»»804. 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Sonnt. 5, wachen!. 8 U. KSnkgstadt- Kasino« Holzniarktslr. 72. Das Rlescn-ianuar-Programm! OsJT Franz MobuusUi' PMßA Frl. Dihary, Miß Lola, G. Bourö, Rolf-Roland, The Lockiord», The Lundermanns, Doppel-Reck. Arn Ilrni.nen vor den» Tore. Liedcrsptel von Otto Richter. Mittwoch, Sonnabend, Sonntag: Tanz nach der Vorstellung. Tolies Capriee. Durchschlagender Erfolg J| Ei» lchiger EHtmau». Zliifaug 8'/, Uhr. Metropol-Thealer Tägilch 8 Uhr: Donnerwelfer- tadellos! HevuoinlOBildem y. Jul. Freund. ilusik von Paul luncke. Regie Direktor Schulte. Sonnabend, den 9. Januar 1909; Gustav Behtens- Thealer. KV" Das vollstdudig»eue Januar- Programm: „IZIv tvllv Rdvl«" Posse mit Gesang in 1 Akt. „Ein Kerliver muß es sein" Posse mit Gesang in 1 Akt «nd die übrigen erstklassige» Tpezialitäten. Anfang 8'/, Ulsr. Sonntags 6 Uhr. Beieiialialleii-IIiöstek ölettme? Uwx. Zum Schlug: Oer Militär. Humoreske von Mcyscl. Ansang wochcnt. 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Kruiilie»- und Stelbekusse aller gmerblilheu Arbciter für ZWueberg und Kerlin. ((?. H.-K. 115.) Sonntag, den 17. Jannar IVVl). vormittags v'/� tthr: tzanersl-Versümmlung in den neue» Rnthaussälen. Mcininger Strafte 8(Tunnel). Tages- Ordnung: 1. Abänderung des§ 9 zum 7. Nachtrag. 2. Bericht des Vor» ftandes. I. Jährlicher Kassenbericht. 4. Ne wähl des gesamten Vorstandes. 5. Verschiedene 5tassenangelcgcnheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Der wichtigen T-igeSorbnnng wegen wird ein vollständiger Besuch der Mitglieder erwartet 280/3" Der Vorstand. I.A.: G. Jaenicke. 4. Hygienisch� Beaui�arilual. JXeuest. Katalog X Einpfehl- viel. Aerzte u.Prof. grat. N. ünger, Onmmiwarenfcbr& Goriin WÄ« FnedrichsiraBse 91/93 mi SEM! jfeuß feil.SS, Tom 10. Jannar bis 31. llärz täglich: ♦ Or. balrlscli. Bockbierfest. Baron üfackr« Max vom Heedes Bauenikapelle. Tyrolertruppe. W* SeasstioDelie PräniiieFiuigen und Gralis-�rlosüngen. 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Die übrigen Heste behandeln: kjeit i: Lie erzie Mise dm UuglüLkLfßüe» von or. ehkMekitk. lllllS In Fatrilien, UerWUtten, auf Bauplätzen vorbanden Uln. kiekt 2: Das ersle Seliensjahr von Vf. Sikdefiteko. Zeder jungen Mutter zur Nnlchallunz zu empledien. üett s- lillumIdeitzxjlöM lleZMrveuzgzlMZ von vk.külkchiskk. iiter leine Nerven gdund erhalten will, tele diele Anleitung. kiekt i: Der jlchtsluudeutag von Vf. 22 M. ein« Zrzlllch« Begründung der lozlaldemoliralilchen Forderung. kiekt 5: ülkoholfrage und ilrbelierklassc—«on vf. fföbus. eine empfehlenswerte AgUationsbrcIcbürc. kiekt 6: Qus Schulkind• v.v.v.v.v;:. von Vf. Lildefkkew. vis fiinder vor Scbulkrankheüen Imützen, III ZweA des Büchleins kiekt 7: ßeschlßcterkehr uud ßeschlechtskraukheilen ciie«: Belehrend über diele für jeden Menlcben wichtige Frage. kiekt 8: MNlNkZ BUd LNkÜllrUNg � � von Dr. Cljaies, ein wichtiges Kapitel für leden Arbeiter und(eine Familie. neft 9: Wie sollen wir uns Mdeu?------ von vr. p. üciancm. Cine belehrende Abhandlung Qbtr dleie wichtige Frager Kekt io: fler /Irlieiterschuiz---------------------- von vr. tu. cpitein, Ulli besonderer Berücktlchtigung der UerkUatthygiene. lieft u; Traueuleiden und deren Verhütung von vr. i. zaiJei!. Mit einem Anhang; Die Verhiituna derSchwanaerlihall.(Cext-Illuitr.) kiekt i2: Vom ruedlziuischen Bberglauden von Vf. e. Iheliog. ein« lehrreiche Abhandlung Tür jedermann. kiekt i3: ßasWasserlieilBsrfaliren in derfiesundheilspflegedes Arbeiters von Dr. s. munter. DU Anwendung des ütallers in gclundcn und kranken tagen. kiekt Ii: Verhiilung und Keilung des SSoltems von Uohlt einer Einleitung des Bcrausgehers über SpraJje'uncl sprach- ItSrungcn mit 5 Ccxt-XHuilrationen, Bcft is: Gesehlechlliclie Srzietog in der Arbeiter-Jamilie von Vr. Julian iiiarhufe kiekt i6: Zähne und Zabllpfiöga- vo» LertruS ketvaitl Mit zahlreichen lllultrationcn. neft 17: Lau und Menstätigkeit des tueuschliehen Körpers Mit Xlluitratlonen. von Dr. Chfiktelker. = Ieäes ßeft hostet 20 pfenntg------- Diele Abhandlungen lind für ledermann verständlich geschrieben und sollten in keiner Familie fehlen. CzepecktwA dee„Verwarte** Berlin SW. 68, Lindeitstraße 69, Laden. Allen Parteigenossen, Freunden und Befannten die ergebene SDütteilung, daß ich Im Hause Sehosilemstr. S4 ew Sigarrengesshaft eröffnet habe. Um gütigen Zuspruch bittet Trlt� Schwemkc. SozlaWemDkratlscIiepffalilyehi fUr den 12. (Bezirk 229.) Den Mitgliedern zur Nachrschf, I dag unser Miigiicd, der Gastwirt i MsibVßsn? i verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am I Donnerstag, den 7. Januar, nach- I mittags 3'J2 Uhr, von der Leichen- balle des«imeons-Kirchhoses in | Britz, Tempel hoser Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 1210/3 Der Vorstand Yertisnil der Wäseiie- uüd iKrawattenarbeiter Deulschlands. Todes- Anzeige. . Den Mitgliedern zur Nachricht, ] dag unser Mitglied, die Näherin Alma Scholz 1 an der Lungenschwindsucht im 1 20. Lebensjahre gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am I Donnerstag, den 7. Januar, nach- I mittags 3 Uhr von der Leichen- I Halle des Kirchhofes der Zions- 1 gemeinde in Nordend aus statt. Um rege Beteiligung ersucht vis Ortsverwaitung Berlin III. Nerbmid der Maler, Fadiierer.Anlirtkchkrusio. Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Maler kertkold Krenz am 3. Januar verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet heute, Donnerstag, 7. Januar, nachm. 2'/t Uhr, aus dem Zentral-Zriedhos in Friedrichsselde statt. Um rege Beteiligung ersucht 128/1 Bis Ortsverwaltung. Danksagung. Sage allen Beteiligten bei der Beerdigung meines lieben Mannes meinen besten Dank. 5754Ü Angnste Schossaa. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzeoslr. 41, ÄÄ. 10— 2. 5— 7. Sonntags 10— 12. 2—4 Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.j das ersle Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 13 Buchstaben zählen doppelt. ] Kleine Anzeigen ANZEIGEN für die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt-Expedition, Llndenstrasse 09. bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. Teppiche mit Farbsehlern, seltener Gelegenheitskaus. direkt aus dem Fabriklager Mauerhoff, Große Frank- silrierstrabe 9. Flureingang. IböOK* Steppdecken billigst Fabrik Groge Franiiurierstrage 9, Flnreingang. Mauerhoff. 1 393x1* Gordinenreste, 2— 4Fcnster,Groge Fraufjurterstrage 9, Flureingang. Mancrhofi._ 13843t* Verbreche» und Prostitution als soziale Krankheitserscheinungen von Paul Hirsch. Preis 2,— Mark, geb. 2,50 Mark. Expedition Vorwärts, Lindenstragc 09. 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Verlag: Vorwärts Buchdrucker ei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Eo, iSetlin SW, Nr. 5. 26. Jahrgang. 2. KcilM i>ts.lonüätlö" ßftlinft öollüililiitt. Domtrstag. 7. lanuar 1909. ISiEB Partei- �ngelegenkeiten. Zur Lokalliste. Am Sonnabend, den S. Januar, veranstaltet der NanchMnb„ Bude rbund" im„Aaiserhof" in Zchlendorf(T.-B.) einen Maskenball; ein gleiches Fest arrangiert am 20. Januar die.Sparkasse der T.- A.- W."(Arbeiter der Telegraphen-Apparat-Werkstatt des Reichspostamts) im.Lands- berger Kasino'. Berlin, Landsberger Slr. 39. Beide Lokale stehen der Arbeiterschaft zu Versammlungen nicht zur Verfügung und ersuchen wir, dieö bei etwaigem Billettangcbot genau zu beachten. Die Lokalkommission. Grünau. Sonnabend, den 9. d. M., abends 9 Uhr, im Lokale dcö Genossen Franz, Köpenickerstr. 88: Generalversammlung. Aus der Tagesordnung steht: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Bericht des Vorstandes und der Funktionäre. 3. Neuwahl deS Vorstandes nnd sämtlicher Funktionäre. 4. Wereinsangelegenheiten. 5. Verschiedenes. Das Erscheinen sämtlicher Mitglieder erwartet Der Borstand. Berliner J�acbrichten* Juteruationalc Wohltätigkeit. Die Welt des großen Portemonnaies steuert seit acht �.agcn im Fahrwasicr der Gebclaune. Sie hat die günstige Gelegenheit, sjffentlich mit dem„goldenen Herzen" zu glänzen, beim Schöpfe ergriffen. Die internationale Wohl- tätigkeit, zu prasselndem Vrillantfeuerwerk entfacht, schießt wahre Purzelbäume. Alles, waS auf dem Geldsack sitzt, weit- eifert darin, zu beweisen, was er auf einen Hieb und ohne eigene Schmerzen zur Linderung fremder Schmerzen hergeben kann. Mit einem Schlage hat der Reichtum erkannt und— gezeigt, was er für das grausigste Massenelend leisten kann, wenn er will und wenn von dem Glänze eitlen Goldes noch ein erklecklich Teil reflektiert auf den höchsteigenen Ehrenschild. Das weltberühmte edle deutsche Herz ging wie immer mit Volldampf voraus. Wo„Deutschland über alles" nicht dabei ist, kann heutzutage kein Kraut mehr wachsen. Schon häufeln sich zu kleinen Bergen die guten deutschen Banknoten, die ins„gestrafte" Reich der unsicheren Bundes- kautonisten entführt werden sollen. Oder spricht neben der Sucht, dem lieben Ich zu huldigen, diesmal auch, ganz schüchtern noch ein klein wenig hohe Politik mit? Will man mit Goldlitt den fatalen Riß diesseits und jenseits der Alpen zu- sammenkleistern? Der deutsche Michel wäre ja nicht das erste Mal derjenige, welcher seinem Spottnamen alle Ehre macht.... Werteste Herrschaften, legen Sie gefälligst unserer Moral- predigt keine unedlen Motive unter. Wir, die wir mit jedem Blutstropfen auf dem Boden der Solidarität wandeln, sind die letzten, der soeben üppig emporgeschossenen Hilfsfreudigkeit der ganzen Welt cntgegeneifern zu wollen. Nur dem Ueber- maß an Gebelaue, dem planlosen Zeichen von Summen, die sich zu enormer Höhe türmen und angesichts der Not im eigenen Lande einen Raub an der Heimat be- deuten, gilt unsere ernste Mahnung. Bitte. schlagen Sie sich doch mal an Ihr sogenanntes gutes Herz und fragen Sie sich, ob der empfindlichste aller Muskel auch so wacker geschlagen hat, als deutsche Brüder unter deutschen Trümmern in Sekundenschnelle ihr schauriges Grab fanden. Sie sagen— so etwas Furchtbares hat es bei unS noch nicht gegeben? Ihr Gedächtnis ist zu kurz. Verehrteste, wenn es Arbeitern im Vaterlande gilt, vaterlandölosen Gesellen I Wo blieb da Ihre Solidarität mit dem Menschtum? O ja doch, man hat gegeben und hat geholfen. Es ist noch stets bei jedem Massenunglück, bei dem die Gruben- Magnaten und die Schlotbarone oder auch andere Ge- walten schuld waren, zum Sammeln geblasen und das Massenelend mit goldenen Almosen überbrückt worden. Doch unter denen, die jetzt, wo der Tod keinen mehr zum Leben erweckt, mit„braunen Lappen" herumwerfen, sei eö aus Großtuerei oder aus Furcht vor Vergeltung, waren auch stets solche, die es fertig brachten, den einzelnen Unglücklichen er- barmcnlos von der Schwelle zu jagen, ihn als Bettler und Landstreicher der„ausgleichenden" Staatsgewalt zu überliefern. Das ist eure Wohltätigkeit in der wahren Gestalt, die Maske deS guten Herzens vom Gesicht gerissen. Sollen wir euch an Echterdingen erinnern? Oder an Radbod? Hier fünf Millionen für ein Wrack— dort der fünfte Teil davon für Tausende von Witwen und Waisen und arbeitslosen Familien- Vätern I Dem Genie neiden wir's wahrlich nicht, doch dem Elend der Massen sei dasselbe gegönnt, soll man nicht zweifeln am rechten Wert und an der rechten Absicht der Gabe der Reichen. Hunderttausende sind obdachlos und hungern auch in deutschen Gauen. Nicht von dämonischer Naturgewalt in ihr Elend getrieben— nein, von der schweren, mitleidlosen Hand der Herrschenden. Und WaS die Besitzenden jetzt mit vollen Händen für unglückliche Fremde übrig haben, davon verweigern sie den hundertsten Teil der eigenen Stammes- Verwandtschaft. Fürwahr— das bose, unvergessene Wort von den vaterlandslosen Gesellen— eS rächt sich auch jetzt wieder bitter und trifft haarscharf auf jene Geldsackprotzen zu, die fremde Not, mag sie auch noch so sehr des Mitleids wert sein, über die Not im Vaterlande stellen. Zum Strafregister der PflichtfortbilduagSschule». In Ergänzung de? Artikels»Aus den Strafregistern der Pflichtfortbitdungsichulen" in Nr. 3 sei noch eine Strafart genannt, die in der VI. Pflichtfortbildungsschule und in ihren Filialen von den Lehrern verhängt werden muß und kann. Es ist das NachsitzAi am Schlüsse des Unterrichts, das einmal in jeder Woche stallfindet und zwar nament- lich für Zuspätkommen. Ost kommt es dabei vor, daß ein Schüler ganz schuldlos am Zuspätkommen ist. Wird er vom Herrn Direktor öder vom Dingenten erwischt, so heißt es einfach:»Eine halbe Stunde nachsitzen!" Man bedenke, was das nach vier- ständigem Unterricht für den jungen Mann bedeutet, der dazu vielleicht noch einen weiten Weg nach Hause hat. Ist eS da zu verwundern, wenn er unter Umständen lieber schwänzt, als vielleicht noch unschuldigerweise eine halbe Stunde länger in der Schule zu sitzen. Gleichzeitig ist das Nachsitzen eine Strafe für den Lehrer, der gerade dran ist. die Nachsitzenden zu überwachen. Ordnung muv sein, und zur Pünktlichkeit müssen auch die Pflicht- fortbildungsschüler erzogen weiden, aber angesichts der weiten Schulwege, die infolge der Zentralisation der Schüler nach Berufen viele Lehrlinge zurücklegen müssen, ist ein Zuspätkommen nicht immer zu vermeiden. Sehr viele Schüler niüsieu die Straßenbahnen benutzen, so weit haben sie et, da kommt doch leicht ein Verkehrs- Hindernis vor, oder ein Wagen ist besetzt und der nächste kommt erst in einer Viertelstunde. Ueberhaupt brauchte viel weniger gestrast werden, wenn nicht so viel verbot«» und angeordnet würde. So müjje» z. v. in der IHij,! MH— MB——— H—— MP— IWI■■ Hill VI. Pflichtfortbildungsschule die jungen Leute da» Haupt entblößen, wenn sie das Schulhaus betreten. Wo wird sonst ein solches An sinnen an einen Menschen gestellt. Man nimmt den Hut ab, wenn man in den Klassenraum tritt, das gehört sich, aber auf Treppen und zugigen Korridoren behält sonst jedermann den Hut auf. Dann wird ängstlich darauf gehalten, daß die Schüler das Schulhaus zu Dreien verlassen. Solche pedantischen Anordnungen sind wohl in der Schule am Platze, aber in der Fortbildungsschule könnte man sie sich gern sparen. Man sollte es den jungen Leuten merken lasten, daß man sie nicht mehr wie Schnliuiigen behandeln will, sie werden sich dann schon von selbst für das Entgegenloinmen durch anständiges Betragen dankbar zeigen. Es würde das ein verständiges Eingehen auf die eigentümliche Psyche des Jünglings in de» Jahren, in denen er sich als Mann zu fühlen beginnt, bedeuten. Suchl man ihn aber in dieser Zeit einzuengen, dann sucht der Temperamentvolle zu rebellieren. Das Unterlasten eines liebevollen Eingehens auf das eigentümliche Seelenleben eineS aus der Schule Enilassenen ist ein Grund dafür, daß manche Lehrer zur Prügelstrafe ihre Zuflucht nehmen. Und dann noch einS. Der Lehrer muß seinen Schülern impo nieren durch sein Können und Wissen. Er muß ihnen wirklich etwas bieten können, dann wird er nicht über mangelhafte Disziplin zu klagen haben, und dann wird auch der Pflichtfortbildungsschiiler an seinem Teile mit dazu beitragen, daß er so wenig wie möglich zu fehlen braucht. Und was vom einzelnen Lehrer gilt, das gilt auch von der ganzen Institution. Sobald die Pflichtfortbildungs- schule wirklich ans der Höhe steht, so daß Meister und Lehrlinge durchdnmgen sind von der Ucberzeugung, die Pflichtfortbildungs- schule ist allen Teilen ein Segen, sobald werden sich auch die Strafen erheblich verringern. All die vielen Schreibereien, Termine und Formulare werden dann von selbst unnötig werden. Heute ist hierzu ein Aufwand von Schreiberei und Papier nötig, daß einem ein Grauen ankommen kann._ Die Futtermittel für Kindermilchkühe. Mit Bezug auf Z 13o der Polizeiverordnung de? königlichen Polizeipräsidenten zu Berlin vom 15. März 1992, betreffend den Verkehr mit Kuhmilch und Sahne im Landcspolizeibezirk Berlin, bringt der Polizeipräsident nachstehend das Verzeichnis derjenigen Futtermittel, welche im Jahre 1999 an Kindermilchkühe verabfolgt werden dürfen, zur Kenntnis der beteiligten Kreise: 1. Wiesenheu; es muß gut gewonnen sein, frische Farbe und aromatischen Geruch besitzen, nicht mit giftigen Pflanzen und nicht in nennenswerter Menge mit wenig gedeihlichen. Kräutern durchsetzt. nicht schimmelig, dumpfig, staubig und mit Befallungspilzen über- zogen sein; 2. Stroh von Halmfrüchten; eS darf nicht dumpfigen Geruch besitzen, nicht mit Deiollungöpilzen besetzt und nicht mit schädliche» Kräutern durchmengt sein; 3. gute, unverfälschte und nicht verdorbene Roggen» und Weizen- kleie; 4. gutes, unverfälschtes und unverdorbenes Hafer-, Gersten« und Roggenschrot; 5. Leinsamenmehl in vorzüglicher Qualität; 9. getrockneie Biertreber in vorzüglicher Qualität; 7. Steffens Original-Zuckerschnitzel in vorzüglicher Qualität. Alle anderen Futtermittel sind verboten. Berliner Rsylverein für Obdachlose. Im Monat Dezember 1908 nächtigten im Männer-Aiyl 21 935 Personen, wovon 0925 badeten, im Frauen-Ashl 4552 Perionen, wovon 2370 badeten. Verlängerung einer Straßenbahnlinie. Eine wichsige Linie der Straßenbahn wird am Donnerstag, den 7. Januar, verlängert. Die Linie 78 Frankfurter Allee— Wilmersdorf gehl jetzt über den Pots» damer», Lützow-, Ranke- und Ludwigskirchplatz bis zum Olivaer- Platz. Diese Linie wird durch die Xantener Straße bis zur Ecke der Brandenburgischen Straße verlängert. Der Gesamtfahrpreis beträgt 19 Pf., die Fahrzeit Werktags SS, Sonntags 89 Minuten. Die Abfahrt von der Xantener Straße erfolgt Werktags von 5.47 früh an, von der Frankfurter Allee von 5.61 an. Der letzte Wagen geht von Wilmersdorf 2.92, an Sonntagen 2.13. Weil er zu klein war, deshalb wurde der Arbeiter F., der sich anfangs Dezember bei den slädtischen Gaswerken in Tegel mit andere» Perionen um Arbeit bemühte, abgewiesen. Der Arbeiter F. ist 1,57 Meter groß und hat also reichlich da« Soldatenmaß, macht auch sonst den Eindruck eines recht arbeitsfähigen Manne?. Es wäre interessant, zu erfahren, welche Größe eigentlich in den städtischen Gaswerken ein einzusiellender Arbeiter haben muß. Unserer persönlichen Meinung nach scheint es sich wohl im vor- liegenden Falle um einen Willkürakt des mit der Annahme von Arbeitern betrauten Beamten zu handeln; uns ist nicht bekannt. daß die Verwaltung der städischen Gaswerke besondere Grundsätze bezüglich der Größe der anzunehmenden Arbeiter aufgestellt hat. Arbeitslosigkeit und Steuerbehörde. Staat und Kommune versichern fortgesetzt, nach Möglichkeit alles zu tun, um die Arbeitslosigkeit zu mildern. In der Praxi« ist davon nicht viel zu bemerken. Nn» gehen Mitteilungen zu. ans denen ersichtlich ist, daß von Arbeitslosen die Steuerbeträge ohne viel Federlesens recht rücksichtslos eingetrieben werden und daß auch Ge- suche von Arbeitslosen um Erlaß der Steuer durchaus nicht das Wohlwollen finden, das ma» in der gegenwärtigen Zeit walten lassen will. AuS unserm Leserkreise schreibt man uns hierzu: .Es heißt zwar:„Wer ein steuerpflichtiges Einkommen nicht erreicht, braucht Steuern nicht zu zahlen." Der Weg aber, der zu diesem Ziele führt, ist oft recht dornenvoll und erfordert für die- jenigen, die ihn beschreiten, eine wahre Lammesgeduld. Folgendes Beispiel möge davon Zeugnis ablegen. Ende November v. I. erhielt ich die Aufforde- rung, dio fällige Steuer für das laufende Quartal zu zahlen. Infolge längerer Arbeitslosigkeit— ich hatte seit dem 1. Oktober ganze zwölf Tage gearbeitet— konnte ich diesem Verlangen natürlich nicht nach- kommen, glaubte vielmehr auf Grund dieser unfreiwilligen Muße von der Steuer in diesem Quartal befreit zu werden. Mit diesem Gedanken begab ich mich nach der VeranlagnngSkomniission in der Jttdenstraße und trug dort meine Sache vor. Der Beamte erklärte mir darauf:„Wenn Sie einen Antrag um Erlaß der Steuer stellen wollen, müffen Sie ihn auch genügend begründen können. Das Gesetz aber schreibt i» diesem Falle eine ununterbrochene zebn- wöchciuliche Arbeitslosigkeit vor. Einen solchen Antrag kann ich also nicht ausnehmen, weil die vorgeschriebenen Bedingungen nicht erfüllt sind." Siehst Du, daS schadet Dir nichts, dachte ich mit etwas Selbst- Verachtung, warum bist Du nicht schon länger arbeitslos. Auf meine Bemerkung: daß dann ja nur noch 8 Wochen vom Quartal übrig- bleiben, ein Einkommen von 3 Wocken, das im günstigste» Fall 99 M. beträgt, aber doch unmöglich mit 8 M. besteuert werden kann, antwortete der Beamte:.Es ist leider so. Wenn Sie eS aber wünschen, kann Ihnen die Steuer vielleicht auf 4 Wochen gestundet werden." Eine Galgensrist also von vier Wochen schien mir wenig annehmbar und ich sagte: daß dadurch nichts geholfen sei, weil Aussicht auf Arbeit gegenwärtig wenig vorhanden ist und daß ich es dann auf einem anderen Wege versuchen müßte, zu dem von mir gewünschten Ziel zu kommen..Tun Sie. was Sie nicht lassen könne» I" war die Antwort. Ich ging. Nun wandte ich mich direkt an die Steuerdeputation mit eineiii Schreiben, in dem ich mein« Verhältnisse darlegte und mich erbot, den tatsächlichen Beweis zu erbringen, und ersuchte wiederum um Erlaß der Steuer für das laufende Quartal. Antwort: bis jetzt keine I— Inzwischen ist das Quartal zu Ende gegongen. Per Steuererheber wird immer.aufdringlicher" und mahnt energisch, die Schuld ein- zulösen, bis eines TageS der.blaue Mann" auf der Bildfläche er- jMwt und erklärt:»Entweder zahl« od»-- pfänden." Lille. Vorstellungen helfen nichts, unbarmherzig waltet der Mann seine» Amtes. _ In letzter Stunde wende ich mich an die zuständige Steuerkasst meines Bezirks, trage meine Sache vor, verweise darauf, daß ich mich bereits mit einer Eingabe an die Steuerdeputation gewandt einen Bescheid bisher aber noch nicht erhalten habe, und ob du Sache von hier aus nicht beschleunigt werden kvimte.„Ja, das besorgt die Veranlagungstonimission, da müffen Sie nach der Jüden- siraße gehen I" lauiete die Antwort. Du lieber Himmel, denselber, Weg noch einmal betreten, der mir als aussichtslos bezeichnet wurde; — Unmöglich! Als ich darauf sagte, daß der Vollziehungsbeamte zun Zwecke der Pfändung bereits in meiner Wohnung war, antwortete der Mann:„Da können wir ihnen leider nicht helfen, da müsse:. Sie schon das Schicksal über sich ergehen lasten. Das einzige, waS wir hier tun können, ist, daß Ihnen die Steuer vielleicht auf 14 Tage gestundet wird. Aber da müssen Sie erst einen dementsprechende», schrisilichen Antrag einreichen." Ich dankte für den zweifellos gut- gemeinten Rast, der ebensogut auch keiner war, und ging. Auf dem Heimwege philosophierte ich über das Thema:„Alle eure irdischen Güter werfet von euch»md opfert sie auf dem Altar des Vater- landeS.".._ Die Ehrenbezeugungen der Berliner Schuhleute. Anläßlich der bevorstehenden Uebersicdclung des kaiserlichen Hofhaltes nach Berlin und der damit verbundenen häufigeren Anwesenheit von Würdenträgern und höherer Militärs wird den Schutzleuten die Art der Ehrenbezeugungen ins Gedächtnis zurückgerufen. Nach der Dienstvorschrift machen die Schutzleute„Front" vor dem Kaiser und der Kaiserin, den Prinzen und Prinzessinnen des kaiserlichen Hauses, dem Reichskanzler, dem Ministerpräsidenten, dem Minister des Innern, dem Polizeipräsidenten von Berlin und dessen Stell- Vertreter und vor' dem Kommandeur der Schntzmannschaft. Zu grüßen durch Anlegen der Hand an die Kopfbedeckung sind: der Gouverneur und der Kommandant von Berlin, die Generale und Admirale, die Flügeladjutanten des Kaisers und die dienstlichen Vorgesetzten. Nun braucht man um die Sicherheit in Berlin keine Sorge mehr zu haben, Zu dem Mord in der Mariannenstraße wird mitgeteilt, daß die Leiche der Frau Martha Bierwagen»ach Ausnahme des Befundes in der Nacht um 12 Uhr nach dem Schauhause gebracht wurde. Gegen tausend Menschen hatten sich um diese Zeit vor dem Hause angesammelt. Wie der GerichtSarzt Medizinalrat Dr. Hvffmann feststellte, hat die Ermordete zwei tödliche Messerstiche erhalten. Der eine sitzt unterhalb des linken Schlüsselbeins und hat wahrscheinlich die Lungenspitze getroffen, der andere unter dem Brustbeiltz Der Mörder hat nach den Blutspuren die Frau überfallen, während sie an der Kochmaschine stand. Diese und die Wand sind mit Blut bespritzt. Eine starke Spur des Blutes, das an dem Hemde herunterlief, zeigt den Weg, aus dem die Tote von der Maschine nach dem Bette geschleift wurde. Bierwagen hat sich früher in Holland ausgehalten. Man vermutet deshalb, daß er versuchen wird, donhin zu entkommen. Er ist 1 Meter 721/3 Zentimeter groß und schlank, hat blaue Augen, lückenhafte Zähne und einen rötlich blonden Schnurrbart. Der Mörder hat einen erheblichen Vorsprung, da die Tat nach ärztlichem Gutachten bereits zwölf Stunden vor der Entdeckung verübt worden war. Der Beweggrund ist nach dem Ergebnis der Ermittelungen Streck um Geld. Opfer der Arbeitslosigkeit. Am Treptower Bahnhof erschosien hat sich vorgestern abend der 24 Jahre alte Schneider Hermann Schramm. Sch. war infolge andauernder«rbrckSlofigkrit wohnungSloS geworden. Auf der Suche nach Beschästtgung langte er gestern abend in Treptow an. Am Bahnhof jagte er sich in der Verzweiflung eine Revolver- kugel in die rechte Schläfe und war aus der Stell» tot. EariötöprogrammS. Im Apollotheater hat soeben ei» international«« Rad» rennen um die goldene Armbinde begonnen, zu welchem die be- kanntesten Rennfahrer gemeldet sind, wie Robl, Arend, Jaquelin- Poris, Peter-Berlin. Stedeia-Rußiand, Bader-Berlin u. a. Die Fahrer starten im Hintergründe der Bühne auf Rotationsapparaten, deren Konstruktion es ihnen ennöglicht, ihre ganze Leistungsfähigkeit wie aus dem Flachboden zu enlsaiten. Die Zahl der Umdrehungen ivird durch eine besondere Vorrichtung registriert und durch beweg- liche Figuren dem Publikum der Stand der einzelnen Rennen genau angezeigt. Interesse erregt auch ein gelehriger Hund. Pilu stellt zwei- und dreistellige Zahlen zusammei, und addiert dieselben airf Zurui seines Herrn, der sich im Publikum befindet. Im Walhalla-Variötv-Theater produziert sich Herr D i e k als ein verwegener Radfahrer. Seine halsbrecherischen Produktionen, u. a. sein Saltomortale über eine mit Personen be- setzte Droschke, haben zwar mit Kunst nichts zu tun, bringen aber das Publikum in höchste Extase. Im übrigen reicht daS Programm diesmal nicht üAer daS Mittelmaß hinaus. Im Wintergarten wurde am Dienstag da« Januar» Programm vorgeführt. Es brachte die stehenden Nummern des Variötss: Gesang und Tanz, Gymnastik, ein Stück Zirkus, die burleske Pantomime, halsbrecherische Radsahrersiinste und wohl lebende aber immer noch farblose Bilder des Biographen, der sich diesmal einen Saltomortale des Byzantinismus leistete, indem er die Söhne des Kronprinzen beim Spiel zeigte.(Warum nicht auch die Windeln?) Neu war an dieser Stelle Olga D e s m o n d, die Nackttänzerin der polizeilich entschlasenen Schönheitsabende, die in Schleiern und Hüllen barbeinig tanzte. Der internationale Vortragsttinstler F r a g s o n bewies ausdrucksvolles Mienenspiel und Zungengeläufig- keit, aber sein Repertoire ließ uns kalt. Sehr hübsche farbige Bilder boten die 12 englischen Sonn enschein mädchen in ihren Tänzen. Vortteffttch war der Jockey-Att, ausgelasien und an neuen Tricks reich die Amerikanische Pantomime. Die halsbrecherische Rad» fahrerei aus dem Drahtseile erregte nur Nervenspannung, wie denn schwierige und gefährliche Sachen noch lange nicht die sehenS- wertesten sind. Aber die Konlurrenz führt zu inuner stärkeren Uebertreibungen._ DaS Polizeipräsidium teilt mit: Am 2. Januar früh wurde in der Türnische des Hauses Muskaucr Straße 3 eine unbekannte, an« scheinend dem Arbciterstande angehörende, zirka 59 Jahre alte Frauensperson tot aufgefunden und nach dem Lcichenschauhause geschafft. Bei der Leiche befanden sich vier Schlüssel. Bekleidet war dieselbe mit braun» und schwarzgestreifter Taille, dunkel- braunem Rock und schwarzgrünem Kopftuch, braunen Strümpfen und schwarzen Schnürstiefeln, weißes Hemd ohne Zeichen, ein rosa und ein blauer Unterrock, rot und weiß geblümter Unterjacke und blauer Schürze. Personen, die Angaben machen. können, wollen sich im kgl. Polizeipräsidium, Zimmer 323, melden. Am 31. Dezember 1908 ist in Pritzwalk in einer Feldscheune die Leiche eines anscheinend erfrorenen, unbekannten Mannes aus- gefunden worden. Der Unbekannte ist etwa 59 Jahre alt, 1,69 Meter groß, hat dünnes hellblondes Haar und ebensolchen Schnurr» und Kinnbart und war dem Aussehen nach ein Landarbeiter. Be- kleidet war er mit Lederstieseln, schwarzgrauem Jacketanzug, blauem Ueberzieher und grünem weichen Filzhut. Personen, die über die Persönlichkeit des Unbekannten irgend welche Auskunft geben können, werden gebeten, ihre Wahrnehmungen der Kriminal Polizei oder einem Polizeirevier mündlich oder schriftlich zu den Akten 28. 4. 49. 99. mitzuteilen. Am 4. 11. 1993 sind einem auf der Durchreife befindlichen Ar» beitcr von zwei Bauernfängern seine ganzen Habseligkeiten mit Legitimationspapieren, darunter eine Ouitwngskarte der Alters- und Lnvgl jd itätsversich»rullg auf d«, Namen Robert Schultz, abge» nommen worden. Am 23. II. 1908 ist bermithtst dieser OuittungZ- karte eine silberne Anker-Remontoir-Savonette-Uhr mit Goldrand, Nr. 43 092 verseht worden.. Auf der Innenseite des einen Deckels befindet sich folgende Gravierung: Weltausstellung Amsterdam 1905, Goldene Medaille System Glashütte. Anker, 15 Rubis. Das Zifferblatt trägt arabische Zahlen. Beide äußeren Deckel sind ziseliert. Vermutlich ist diese Uhr einem durchreisenden Arbeiter hier von denselben Bauernfängern abgenommen worden. Rekog- noszenten oder Personen, welche sachdienliche Angaben über den Eigentümer der Uhr machen können, werden ersucht, sich im Zimmer 88z des kgl. Polizeipräsidiums zu melden. Feuerwehrbericht. Ter 10. Zug wurde gestern abend nach der Fennstr. 27 alarmiert, wo in einer Wohnung Gardinen, ein Weih- nachtsbaum u. a. brannten. Ein kleines Kind, das in der Woh- nung ohne Aufsicht geblieben war, wurde zum Glück schnell herausgeholt. Der Brand blieb auf ein Zimmer beschränkt. An der Ecke der Beuth- und Leipziger Straße 00/61, am Spittelmarkt, brannte abends das Zwischengcbälk. Wohnungsbrände mußten in der Seestr. 63. Kesselstr. 23, Gransecr Straße 1, Gartcnstr. 102, v'riedrichstr. 242 und anderen Stellen gelöscht werden. Ein Keller- brand beschäftigte die 4. Kompagnie in der Luisenstr. 42. Ter 19. Zug hatte in der Wilh-ckinstr. 110/120 und 88 mit der Löschung eines Balkenlagcr- und Schaldeckenbrandes zu tun. Sin der Rau- pachstraße 8 standen Fustböden, Balken u. o. än Flammen. Wasser- rohrbrüche wurden aus der Ramlerstr. 2 und anderen Häusern gemeldet. Außerdem liefen noch Meldungen aus der Schlfier- rnacherstr. 21. Markusstr. 25, Prinzcnstr. 32, Zorndorser Straße 5 und anderen Stellen ein. Vorort- JVadmebtetn Nixdorf. Die Hausbesitzer protestieren gegen den Gewaltakt vom 17. Dezember. Nicht nur Kleinbürger, Beamte und Arbeiter sind es, die gegen den von der Rixdorfer Rathausmehrheit unter Mithilfe der fünf liberalen Stadtverordneten vollzogenen Wahlrechtsraub protestieren, selbst eine beträchtliche Anzahl Hausbesitzer raffen sich auf zur energischen Protestaktion. Auck sie erkennen die Kulturfeindlichkcit des von der reaktionären Rathausmehrheit ge- faßten Beschlusses rückhaltlos an. In einem Zirkular wenden sich 20 unterzeichnete unabhängige Hausbesitzer an die Hausbesitzer und Wähler der 1. und 2. Ab- teilung. ES heißt hier: „In großen Versammlungen haben politisch organisierte Bürger Rixdorfs schon protestiert gegen die Wahlrcchtsverschlechtc- rung, die sich die Rixdorfer Stadtverordnetenversammlung zuschulden kommen ließ. Di- unterzeichneten Sausbesitzer halten es für angebracht, daß alle Einwohner Rixdorfs. denen die Zu- lunft der Stadt und ein gedeihliches Arbeiten der Stadt- verordnetenversammlung am Herzen liegt, ohne Rückficht auf ihr politisches Glaubensbekenntnis ihre Stimmen gegen den Beschluß vom 17. Dezember erheben und den Magistrat aufs dringendste ersuchen, ihm nicht Folge zu geben. Gerade auch die Wähler der 2. und i. Abteilung, die unter der Verschlechterung nicht zu leiden haben, sollten deutlich zu verstehen geben, daß' die Stadtvcrordnetenmehrheit weder in ihren. Auftrage noch in ihrem Interesse gehandelt hat, als sie den verhängnisvollen Schritt tat. Die Unterzeichneten sind davon überzeugt, daß nur die Gemeinwesen blühen und ihre Selbstverwaltungsrechte gegen die Eingriffe der Regierung schützen können, in denen nicht für einzelne Berufsstände oder für die Wohlhabenderen Privilegien geschaffen sind. Gerade weil wir das Wohl unserer Stadt wollen, verurteilen wir die Vorrechte, die uns schon unter den bestehenden Wahlrechts- bestimmungen gewährt sind. Um so mehr widersetzen wir uns ihrer Erweiterung und sind überzeugt, daß zahlreiche Mitbürger, denen ihre Besitzverhältnisse gestatten, in der I. oder 2. Klasse zu wählen, unsere Ansicht teilen. Wir protestieren gegen den Beschluß, weil er ungerecht und weil er töricht ist. Er ist ungerecht, weil er sich gegen einzelne Klassen— die Arbeiter und die«mtere Schicht des Mittel- standes•— richtet. Er ist töricht, weil er eine Lähmung unserer städtischen Verwaltung im Gefolge haben mutz und am Ende nur denen dient, die aus egoistischen Gründen den gesunden Fort- schritt unserer Stadt hemmen wollen. Nur der Fortschritt aber macht die Stadt konkurrenz- fähig mit den umliegenden Gemeinden. Kein besser siluierter . Bürger oder Beamter wird in eine Gemeinde mit rück- ständigen Einrichtungen überfiedeln. Wer gerade unter den Haus- und Grundbesitzern und unter den Wählern der 1 und 2. Abteilung unsere Auffassung teilt, der komme in die Versammlung am Freitag, den 8. Januar 1909, abends 8l� Uhr, im Deutschen Wirtshaus, Bergstraße 13 6. Tagesordnung: 1. Wahl- recht und Klasseninteresse. Referent: Stadtverordneter Dr. Paul Nathan, Berlin. 2. Freie Aussprache." Werden die WahlrechtSattcntüter den Mut finden, in jener Versammlung zu erscheinen, um ihr Vorgehen zu rechtfertigen? Zweimal schon haben sie sich feige vor der öffentlichen Ver- antwortung gedrückt._ Lügen haben kurze Beine. Dieser Tendenz müßten auch die hiesigen Wahlrechtsränbcr eingedenk sein, um so mehr, als alle ihre Beschön igungs- und Eiitschuldigungöversuche für die Rechtlosmackung tausender Sieuerzahler eitel Lüge sind. Als Beweis, daß die Rix- dorfer Rathausmehrheit nur auS Furcht vor dem Vordringen der Sozialdemokratie die WahlrechtSvcrichlechternng beschlossen hat, wird uns folgende intercssante Episode mitgeteilt: Fuhr da am 4. Januar ein Parteigenosse aus Rixdorf von Moabit mit der Straßenbahn- linie 12 E in der Richtung nach Rixdorf. An der Jerusalemer Slraße bestieg denselben Wagen ein unserem Genossen un- bekannter Fahrgast, der von einem schon im Wagen befindlichen Herrn freundschaftlichst begrüßt wurde. Räch der Begrüßung stellte der zuerst im Wagen Anwesende an den Hinzukommenden die Frage:„Was habt Ihr denn da in Rixdorf mit der Wahlrechts- geschichte gemacht? Ich befürchte, Ihr habt Euch damit ins eigene Fleisch geschnitten." Antwort des zweiten Herrn:„Ach, das glaube ich nicht, die Sache wird nicht so gefährlich werden." Erster Herr: „Na höre mal. ich kann mir gar nicht denken, daß der Magistrat der Sache zustimmen wird, und dann send Ihr dock die Blamierten. ganz abgesehen davon, daß Ihr durch den Beschluß an sich schon die Stadt kräftig blamiert habt." Zweiter Herr:„Ja, Du sagst das so, wir konnten ja gar nicht anders." Erster Herr: „Du meinst, weil die Sozialdemokraten bei der letzten Wahl drei oder vier Mandate in der zweiten Abteilung gewonnen haben?" Zweiter Herr:„Na, das allein nicht, aber es wären ja doch immer mehr gekommen. Sie haben uns ja auch schon in einem anderen Bezirk der zweiten Abteilung kräftig zu schaffen gemacht. Das konnten wir doch nicht so mit ansehen. Es wären eben immer mehr geworden." Hier konnte sich unser Gewährsmann nicht länger bemeistern, er warf dazwischen:„Ein Bravo den Rixdorfer Arbeitern, daß sie daS getan und Ihnen ordentlich eingeheizt haben." Die beiden Herren waren hiernach sehr verdutzt und setzten nach einigem ver- legenen Räuspern die Unterhaltung nur noch im Flüsterton fort. Plötzlich erhob sich der zuletzt Eingesticgsne mit dem Bemerken, er habe noch einige Dinge in der Gegend zu erledigen und stieg am Moritzplatz aus. Nicht zu dem Zweck, rm, dort Geschäfte zu erledige», sondern lediglich, um aus der unangenehmen Situation heraus- zukommen und möglichst nicht erkannt zu werden. Er bestieg nur einen Wagen der Linie 28 und fuhr damit weiter. Um jedoch fest- zustellen, mit welch hervorragendem Stadtvater es unser Genosse zu tun gehabt, hatte auch er am Hermannplatz den Wagen verlassen; zu seiner Freude konnte er den» auch bald feststellen, daß seine Kalkulation richtig war, denn mit dem nächsteil Wagen kam schon der interessante Herr herangerollt. Er mußte es sich nun trotz seiner Vorsicht gefallen lassen, daß er von dem unangenehmen Zwischenrufer vor seinem Hause, Steinmetzstraße 43, höflichst begrüßt wurde, was ihm er- sichtlich unangenehm war. Durch diese Unterhaltung ist erneut be- wiesen, daß aus ganz einseitigem parteipolitischen Interesse heraus der Wahlrechtsantrag gestellt worden ist und nicht aus Rücksicht auf die Forensen, wie man bei Begründung des Antrages am 17. De- zember v. I. glauben machen wollte. Nicht das wirtschaftliche Interesse der Stadt, wie man später erzählte, hat die Herren zu diesem Antrage gezwungen, sondern ihr eigenes egoistisches Interesse. Die Herren scheinen sich allmählich zu schämen, bei der Wählereiitrechtung mitgewirkt zu haben, weil sie, um nicht erkannt zu werden, schon aus den Straßenbahnen flüchten. In diesem Fall war es einer jener Stadtverordneten, von denen jüngst der Borstand des.Bürgervereins Rixdorf-West" sagte, daß sie sich auch in Zukunft nur dem Richter- amt des eigenen Gewissens unterwerfen wollen. Das böse Gewissen scheint ihn schon aus der Straßenbahn getrieben zu haben. Sache der gesamten Einivohner Rixdorfs muß es sein, jenen Herren das Gewissen noch mehr zu schärfen, damit ihnen in Zukunft die Lust vergeht, die heiligsten Rechte der mittleren und unteren Bevölkerung mit Füßen zu treten. Die Notstandsarvciten zur Fortführung des StichkanalS sie- ginnen, einem Beschluß der Tiefbaudeputation zufolge, am Mon- tag, den 11. Januar. Meldungen werden im städtischen Arbeitsnachweis in der Steinmetzstraße entgegengenommen. Ein- gestellt werden zuerst diejenigen Arbeiter, welche seit dem 1. Oktober 1903 in Rixdorf wohnen, am längsten ohne Arbeit sind und eine starke Familie haben. Werkzeuge, Spaten, sind nicht erforderlich, diese liefert die Stadt. Die Arbeit wird im Akkord ausgeführt, und zwar wird für den Transport des Bodens pro Kubikmeter 0,17 M. (früher 0,15 M.) bezahlt. Eingestellt werden zunächst 100 Arbeiter, bis das bestellte Material an der Baustelle ist; alsdann soll die Einstellung weiterer 300 Mann erfolgen. Schöneberg. Einen erneuten Eingriff in das städtische Selbstverwaltungsrecht hat sich die königliche Regierung, Abteilung für Kirchen- und Schul- wesen, in Potsdam geleistet. Dem Arbeiter-Turn verein war seit ein und einem halben Fahre die Turnhalle der 14. Ge- meindeschule, Berchtesgadener Str. 10/11, zur Benutzung überlassen worden. Am 31. Dezember, also am Schlüsse des Jahres wurde dem Verein von der Regierung folgendes Schreiben zngestellr:„Auf Anordnung der königlichen Regierung, Abteilung für Kirchen- und Schulwesen, in Potsdam ziehen wir die dem Verein erteilte Ge- nehmigung zur Benutzung der Turnhalle unserer 14. Gcmeindeschule, Berchtesgadener Str. 10/11, vom 1. Januar 1909 ab hiermit zurück." — Damit hat die Regierung abermals in ostentativer Weise in das Selbstverwaltungsrecht der Kommune eingegriffen. Die städtische Verwaltung hat gegen diese Anordnung Beschwerde erhoben, ob mit Erfolg, bleibt abzuwarten. Bereits im vorigen Jahre wurde ein ähnlicher Versuch unternommen, dem Verein die Turnhalle zu ent- ziehen; dem energischen Einschreiten des Magistrats war es ge- lungen, daß eS nur bei dem Versuche blieb. In den anderthalb Jahren hat sich der Verein auch nicht das geringste zuschulden kommen lassen. Diese neue Verfugung glaubt man auf die Denunziation irgend eines Neiders zurückzuführen, dem das Aufblühen des Arbeiter- turnvereins ein Dorn im Auge war. Der Erfolg dieser Verfügung wird sein, daß gerade das Gegenteil deffen erreicht wird, was mit derselben beabsichtigt wurde. Die noch nicht der Sozialdemokratie angehörenden Mitglieder des ArbeiterwrnvereinS werden durch diese Degradierung zu Bürgern zweiter Klasse geradezu in die Sozialdemokratie getrieben. Im übrigen wird eS Aufgabe der sozialdemokratischen Vertreter im Stadtparlament sein, darauf zu dringen, daß von der Stadt etwas geschieht, um derartigen Maßnahmen der Regierung ein für allemal einen Riegel vor- zuschieben. Der Turnverein beabsichtigt gegen diesen Willkürakt ebenfalls einen geharnischten Protest einzulegen. Groh-LiSjterfelde. Ein eigenartiges Stückchen hat ein hiesiger Hausbesitzer fertig gebracht. Ein etwas zahlungssäumiger Mieter hatte auf den Exmissionsbefehl des Hauswirts nicht reagiert und kurzerhand griff der Besitzer zu recht seltsamen Gewaltmitteln. Er sperrte dem Mieter die Wasserleitung in der Wohnung ab und ließ ihm die Schornsteine verstopfen. Der Mieter hat den Vorfall bei der Polizei zur Anzeige gebracht; für den Hauswirt dürfte die Angelegenheft noch ein Nachspiel vor dem Strafrichter haben. Eichwalde, Zeuthen, Miersdorf. Der Wahlverein hielt vorige Woche feine gutbesuchte General- Versammlung ab. Aus dem Vorstandsbcricht ist hervorzuheben. daß die Mitgliederzahl um drei gestiegen ist. An der geringen Zu- nähme trägt Zeuthen, wo 14 Genossen zur Abmeldung gelangten, die Hauptschuld. Eichwalde hat ein Mehr von 17 Mitgliedern zu verzeichnen. Während bisher ständig mit einem Defizit abge- schlössen wurde, ist diesmal ein Ueberschuß, von 22, 10 M. vor- handen. Wie von den Bezirksleitern mitgeteilt wurde, haben allein in Eichwalde über 30 Personen ihren Austritt auS der Landeskirche erklärt. Die Neuwahl des Vorstandes hatte folgendes Ergebnis: Genosse Wilhelm Schulz(Miersdorf), 1. Vorsitzender, Genossin Kimm- r i tz(Eichwalde), 2. Vorsitzende, Mahle(Eichwalde), Kassierer, Otto R e u m a n n(Zeuthen), Schriftführer. Als Beisitzer wurden G r ä tz(Eichwalde) und zu Revisoren Seifert, Dammann (Eichwalde) und B e l i n g(Zeuthen) gewählt. Ferner wurde Ge- nasse Witte zum Bibliothekar und Oldenburg zum Spediteur von Eichwalde gewählt. Der Wahlverein ist in drei Agitationsbezirke eingeteilt. AIS Bezirksleitcr für Eichwalde wurde Wilhelm Kimmritz, Jur Zeuthen Ha n d s ch e und für MierSdorf August Schulz gewählt. Als Delegierte zur Krcisgeneralversammlung wurden K i m m r i tz und Seifert gewählt. Ein Antrag der Genossin Kimmritz, an jedem Mittwoch nach dem Zahlabend einen Leseabend für Frauen abzuhalten, wurde dem Vorstand überwiesen. Rosenthal-Wittena«. Gescheitertes Bahuhofsprofekt. Die Verhandlungen einer Anzahl Großgrundbesitzer mit der lönigl. Eisenbahndirektion wegen der Errichtung eines neuen Vorortbahnhoses zwischen den Stationen Reinickendorf und Wittenau aus Rosenthaler Gebiet sind gescheitert. Anläßlich des viergleisigen Ausbaues der Nordbahn zeichneten die Grundbesitzer den von der Eitenbabndirektion geforderten Zuschuß von 300 000 M. Jetzt fordert die Eisenbahndirektion aber nochmals 39 000 M. Sie steht auf dem Standpunkt, daß der Bahnhofbau lediglich im Interesse der Grundbesitzer liegt und keine Staats- mittel dafür ausgegeben werden dürsen. An dieser Nachforderung ist das Projelt nun gescheitert. Versammlungen. Die Isolierer nahmen in ihrer Generalversammlung, die am Sonntag nachmittag bei Wilke in der Brunnenstraße statt- fand, die Berichte des Vorstandes entgegen. Der Kassierer T heuergarten erstattete zuerst Bericht über das 3. und 4. Quartal 1908. Im 3. Quartal betrugen die Einnahmen 2122,95 M,- die Ausgaben 1064,73 M. Am Schlüsse des 2. Ovar- talS war ein Bestand von 526,71 M., am Schlüsse des 3. Quartals ein Bestand von 1584,93 M. vorhanden. Im 4. Quartal betrugen die Einnahmen 1736 M., die Ausgaben 874,63 M. Der Bestand heinig am Schlüsse des 4. Quartals 2446,30 M.— Die Zahl der Mitglieder beläuft sich auf 230. Im Laufe des Jahres 1908 waren 298 Mitglieder zusammen 354 Wochen arbeitslos. T h c u c r- garten wünscht, daß den Kassierern die Unterstützung der Zahl- stellen zur Regelung der Geschäfte mehr als bisher zuteil werden möge; er erinnert auch daran, daß noch eine Reihe von Darlehen ausstehen. Die Jahresübersicht des Kassierers geigte für das Jahr 1908 eine Einnahme von 7006,30 M., vom Jahre 1907 war ein Bestand von 3281,55 M. vorbanden. Die Ausgaben betrugen 7841,55 M. Somit bleibt ein Bestand von 2446,30 M. in der Kasse. Unter den Ausgaben stehen verzeichnet als Zentralisationsbeitrag 1498,65 M., als Streikfondsbeiträgc 919,80 M., für Streiks und Sperren 272,95 M., als Unterstützung an Kollegen 165 M. und an Hinter» bliebcne von Kollegen 70,45 M. Der Kassierer erklärt, daß der Jahresabschluß so ungünstig scheint, weil vom Jahre 1907 her noch viele Rechnungen zu begleichen waren. Der Vorsitzende Beckmann erstattet den Bericht des Vor- standes, in welchem er die im Laufe des Jahres stattgefundenen Versammlungen bespricht. ES fanden 19 Versammlungen statt, darunter 4 Generalversammlungen, 9 regelmäßige Monats- Versammlungen, 4 außerordentliche Versammlungen und eine kom- dinierte Versammlung mit den Steinholzlegern, außerdem 15 Vor» standssitzungen und viele Werkstattversammlungen. Die Neuwahl des V o r st a n d e s ergab das folgende Resultat: 1. Vorsitzender Beckmann, 2. Vorsitzender Jeschke, 1. Kassierer Kotzke, 2. Kassierer SI robin, 1. Schriftführer G. Heinrich, 2. Schriftführer Q u a d e, Beisitzer N i e m u t h, Revisoren Petersen, Heine, Thcuergarten, P. Peters. Als Delegierte zur Gewerkschaftskommission wurden Theuergartcn und Kotzke(Stellvertreter) gewählt. Die Versammlung bewilligte dem I. Kassierer 50 M. als Entschädigung für seine Mühe, dem 2. Kassierer 25 M. und dem 1. Schriftführer 10 M.— Ferner wurde derselbe Antrag wie in der Versammlung der Stcinbolzleger angenommen in bczug auf die Arbeitslosen, die sich im Arbeitsnachweis von 10 bis 11 Uhr vor- mittags oder von 6 bis 7 Uhr abends zu melden haben. Die Steinholzlegcr, organisiert im Verband der Isolierer und Steinholzleger, hielten am Sonnabend ihre Generaloer- s a m m I u n g ab. Der Vorsitzende, S ch i m p k c, erstattete den Vorstandsbcricht. Danach fanden im verflossenen Jahre statt 8 Mitgliederversammlungen, 4 Generalversammlungen, 2 Extra- Versammlungen, 12 Vorstandssitzungen, 2 Extrasitzungcn des Vor- standeS, 2 kombinierte GeschäftZleitungssitzungen, 1 Sitzung mit der Generalkommission und dem Parteivorstand betreffs der Eini- gungsverhandlungen und zahlreiche Besprechungen zur Regelung von Differenzen im Arbeitsverhältnis. Der Vorsitzende warf einen Rückblick auf die Lage im Bertis im Jahre 1903. Das Jahr begann mit sehr trüben Aussichten für die Berufskollegen; erst im Mai wurde die Lage etwas günstiger, und vom August bis November gelang es fast allen Kollegen, Arbeit zu finden. Ende November verschlechterte sich die Konjunktur wieder. Daran waren die Ar- bcitcr zum Teil selbst schuld, indem viel Ueberstundcn gemacht wurden. Scknmpke scbloß seinen Bericht mit der Mahnung, stets die Solidarität hochzuhalten und für diejenigen stets einzustehen, die die Aufgabe übernehmen, die Interessen der Organisation den Arbeitgebern gegenüber geltend zu machen. Der Kassierer Z e u s k e erstattete zuerst den Bericht vom letzten OumKal 1803. Der Bestand der.Kasse am 30. September 1908 betrug 1232,16 M. Im Oktober betrugen die Einnahmen 370,80 M., die Ausgaben 334,60 M. Im November die Einnahmen 193,60 M., die Ausgaben 51,85 M. Im Dezember die Einnahmen 864,50 M., die Ausgaben 266,95 M. Am 31. Dezember war der Bestand 1507,66 M. Der Kassierer gab dann eine kurze Jahres- Übersicht über die Kassenverhältnisse. Am 31. Dezember 1907 war ein Bechand von 1552,82 M. vorhanden. Die Einnahmen während des Jahres 1903 betrugen 8045,80 M.> die Ausgaben 3081,07 M., bleibt somit am Jahresschluß der schon erwähnte Bestand von 1507,66 M. Unter den Ausgaben sind 95 M. für Unterstützung in Notfällen, 230 M. für die streikenden Isolierer in Celle und 1240 Mark für die Zentralisation und Streikfvndsbciträge, an die Ge- schäftsleitung abgeführt, verzeichnet.— Die Mitgliederzahl beträgt 110. Dem Kassierer wurden 30 M. als Entschädigung für seine Müheleistung bewilligt. Die Neuwahl des Eesanrtvorstandes ergab das folgende Resultat: 1. Vorsitzender Arthur Lehmann, 2. Vorsitzender Oswald Münch, 1. Schriftführer Willi Licht, 2. Schriftführer Ernst L a n g h a m m c r, 1. Kassierer G. Z e u s k e, 2. Kassierer H. K rüge r, Beisitzer Zimmermann, Revisoren Zahn, Otto Schulz, Vitzthum, Delegierter zur Gcwerk- schaftskommission Paul Schröder. Auf Antrag des GeschästSleiters Lange beschloß die Ver- sammlung, daß die Arbeitslosen sich im Arbeitsnachweis von 10 bis 11 Uhr vormittags oder von C— 7 Uhr abends zu melden haben. Die Abstemvelung der Karten findet Sonnabends bis 6 Uhr abends statt._ Vermilcbtes. Im Schnellzuge erschossen. AuS Halle a. S. wird gemeldet: In dem Schnellzuge Halle— Leipzig wurde der Kausinann Eugen Engel aus Leipzig erschossen aufgefunden. Eine sofort eingeleitete Unter- suchung ergab, daß Engel Selbstmord begangen hat. Der Grund der Tat ist unbekannt. Die Beulenpcst ist, wie eine Meldung auS Lissabon besagt, au' der Insel Fayal(Azoren) ausgebrochen und in ständiger Zunahme begriffen. Untergang eine? russischen FrachtdampscrS. Wie eine Meldung auS F e o d o s s i a besagt, ist der bier erwartete russische Fracht- dampser„Swjatoslaw" Sonntagnacht auf dem Wege zwischen NoworossiSk und Tuapse nach einem Zusammenstoß mit einem griechischen Dampser gesunken. Vier Personen wurden gerettet, 34 ertranken. 500 000 M. für Tubcrknloseforschung. Andrew Carnegie hat den amerikanischen Botschafter David Jane Hill ermächtigt, dem Koch-Jnstitut für Tuberkuloseerforschung zu Berlin seine Spende im Betrage von 500000 M. zu überreichen. Kriefluften der Redaktion. ®l» fntlftltiflt Tvrcchfmnd» fln»n glnvcnfttafie Nr. 3, zweiter Hol, dritter Kingaiig, vier Treppen, BV Irabrftnh l"VHI tvoArntäflliit) ade»»» von 7'/» bis O'/i Udr ftot». WcöffnH 7 Ubr Tonnabends btfliniit die Evrcchst»»dc"in C Ubr. Jeder Unirng? iii«in tiurtifiob« und eine Ja VI nIS VIertzrilbe» dcizntiigen. öticflidjt Autwort wird nichi erteilt. ÄiS zur Vcnntwortnng im Vrickkafteo könne» 14 Tage vergcbrn. tkiligr graMn«rage man in der Spre-diiuiid« vor. A. K. SO. Der Ausgang der Klage wäre ein recht zweiselhafler. Die letztwillige mündliche Veisügung ist imgüllig. Die Klage halte nur AuS- sicht auj Efiolg, wenn Sic nachweisen, datz die Summe für Sie ausbewahrt wurde. Zweckmätzig erscheint es,, da nachher die Beklagte eventuell den Ucbcrzeugungseid zu leisten hätte, schrislkiche Vergleichsverhandlungen zu führen und dann aus Grund der etwa hierbei erlolglen Anerkenuung zu llagcn.— Z. P. 33. 1. Das ist möglich. L. Nur wenn günstigere Ver- mogeilSoerhäUmsse eintreten. 3. Ja. 4. Keine oder unerhebliche(Be. glaubigungs-) Kosten.— G. Q>u. 1. Für die volle Kontrallsdauer. 2. Die Sachen können retinicrt werden. 3. Die Berpstichtungcn aus dem Vertrag blcii-cn bestehen. 4. Das hängt von dem uns nichl bclannten Wortlaut de» Vertrages ab. 5. Sie müssen zu dem aus Ihren Antrag vom Gericht festznsetzeiiden Termin räumen. 6. Die Forderung der Wirlin gehl stels vor. Suchen Sie eine Einigung nach.— P. L. 6. Ja, die getrosscne Abrede ist gültig.— P. C. 21. 1. Ja, solange der Ehemann nicht auf llnehclichkcilscrklärung mit Erfolg geklagt bat. 2. Es lann nur ein für das Kind zu bestellender Psteger für dieses klagen. 3. Ein Zwang könnte nicht stattsinden. 4. Der Frau sieben Ansprüche nicht zu.— Spremberg. Slrasbar wäre in Ihrem Fall die Eindehallung nicht; es lönnte aber ans Rückgabe geklagt werden.— R. M. 100. 1. Nein. Die Erteilung von Tanzuntcrricht ist nicht lonzessionspflichtig. Sie ist aber zu untersagen, wenn Tatsachen vorliegen, welche die Unzuverlässigleit des Gewerbetreibenden in bczuz aus den Gewcrbcbelrieb dartun. 2. Schankkonzession ist crsorderlich. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für denJnseratenteilvcrantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagSanstait Paul Singer Lc Co» Berlin L1V.