Ur. 68. Erscheint lägltch außer Montag». Pret» pränumerando: Viertel- jährlich 8,30 Mark, monalitch 1,10 MI, wöchentlich 28 Pfg frei in'» Hau». Einzelne Nummer 6 Psg. Sonntag»-Nummer mit Uiuslr. Sonntag»-Beilage„Neue Welt" 10 Psg. Post-Abonnement: 3,80 Ml. pro Quartal. Unter Kreuz- band: Deutschland u.Oeilerreich, Ungarn 2 Mk., für das übrige Ausland 3 Ml.pr.Monat. Eingeir. in der Post-Zeitung»-Preisliste sür 18»» unter Nr.«708. Berliner 10. Jahrg. Jnsertlons-Eebuhr beträgt sür die fünsgespaltene Peritzeile oder deren Raum 40 Psg., für Vereins- und Aertainmlung»- Anzeigen 20 Psg Inserate für die nächste Nummer müssen bi» 4 Uhr Nachmittag» in der Srpedition abgegeben werden. Tie Srvedition ist an Wochen» tagen bis 7 Uhr Abends, a» Sonn- und Festtagen bis s Uhr SSot» mittag» geöffnet. {»f« sprich A» Ich 1 ii t Amt I. ilr.»180, Zeiltralorgan der s ozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: 8V.19. Beuth-Straße 2. Dienstag, den AI. Marz 1893. ßrpedition: 8V. 13, ZZeuty-Straße Z. Die Verhältniste der Landarbeiter im ostelbischen Deutschland. n. Die„deutsche Landwirthschaft*, nämlich der Großgrund- besitz— aus andern, hier nicht hergehörenden Gründen übrigen erst recht der bäuerliche Besitz— ist wirklich in einer„Nothlage". Wir sind die letzten, die das abstreiten nur, daß wir freilich aus der Thatsache andere Schlüsse ziehen, wie die Agrarier. Wenn die Entwickelung ihren ruhigen Fortgang nähme, so würde offenbar die Umwandlung der noch relativ selbständigen ländlichen Arbeilerkategorien in besitz- lose Proletarier stattfinden— eine Umwandlung, die übrigens durchaus nicht an sich den be- treffenden zum materiellen Nachtheil zu gereichen braucht—, und die deutschen Proletarier würden durch polnische und russische, von Ungeziefer starrende und von Buttermilch und kalten Kartoffeln lebende Arbeiter ersetzt werden. Indessen, die gegenwärtige Form der Landwirthschaft ist in ihrem Bestand bedroht, und wird es schwerlich erleben, daß jene Umwandlung stattfindet. Der Großgrundbesitz im Osten Deutschlands in seiner gegenwärtigen Gestalt entwickelte sich seit dem letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts durch den Export von Korn, Wolle und Holz nach England. Vorher war kein Markt vorhanden gewesen, und die Güter stellten im wesentlichen eine autarkische Wirthschaft vor, in der die Produkte nur ausnahmsweise Waare wurden. Als die Möglichkeit des Absatzes gegeben war, wurde natürlich der durch den Verkauf der als Waaren produzirten Stoffe erzielte Reingeivinn der Hauptfaktor der Wirthschaft. So lange noch die Leib- eigenfchaft bestand, wurde die jetzt von den gebundenen Arbeitern besorgte Arbeit von ähnlichen Arbeiterkategorien geleistet, die der gegenwärtigen freien Arbeiter durch die Hand- und Spanndienste der Bauern. Die napoleonischen Kriege und die Kontinentalsperre, welche den Markt verschlossen, verursachten eine schwere Krisis der Landwirth- schast; die sogenannte Bauernbefreiung war für die Ritter- güter zwar vortheilhaft, die Vortheile konnten aber wegen der schlechten Geschästskonjunkturen nicht ausgenutzt werden. Erst seit 1850 begann wieder ein Aufschwung, der bis etwa 1870 anhielt. Seit 1370 beginnt nun die Nothlage, zuerst unmerkbar, dann immer schwerer werdend. Denn jetzt macht sich die überseeische Konkurrenz fühlbar. Der deutsche Produzent kann diese Konkurrenz unmöglich aushalten; nicht weil der amerikanische Boden so viel ertragfähiger ist oder weil die amerikanische Landwirthschaft bis jetzt noch im wesentlichen ohne Dünger auskommt, den sogenannten„Raubbau" treibt, mit welchem sich die deutschen Landwirthe trösten; das sind nur sekundäre Momente. Die Hauptsache ist: das amerikanische Getreide wird mit Maschinen produzirt, und in den Produktions- Jsemllekcm. NaAtiua v, ibolen.l {44 Die Laufbahn eines Nihilisten. Von S. Stepniak. Autorisirte Uebersetzung. Frei ins Deutsche übertragen von Bertha Braun. Als Wassilij dies Andrej sagte, stimmte dieser, wie geistesabwesend, bei, schien es aber nicht eilig zu haben, aus dem Gesagten Nutzen zu ziehen. „Heute ist Illumination und Feuerwerk in der Stadt", fügte Wassilij hinzu.„Annie möchte sich das ansehen, und Dich abholen." Andrej zuckte mit den Achseln. Er versicherte, daß er gar kein Interesse an der Illumination und dem Feuer- werk habe. „Ich werde das Zimmer bewachen. Es ist kein Grund vorhanden, ans dieses unschuldige Vergnügen zu verzichten," fügte Andrej hinzu. „Geh', und dann wirst Du mir erzählen, was ich da- durch verloren habe, daß ich zu Hause blieb." Das wollte aber Wassilij nicht. „Ich kann nicht mit Annie Wulitsch gehen," erwiderte er,„denn ich habe mit Sina für heute Abend eine Verab- redung getroffen." Er ging sofort weg, obgleich er wußte, daß fer eine Stunde vor der Zeit an den Ort des Zusammentreffens kommen würde. Das Mädchen mußte bald kommen, und kosten für amerikanisches Getreide steckt nur ein minimaler Betrag sür Grundrente. Das Ucbcrraschende ist, daß nicht der amerikanische Großgrundbesitzer die gefährliche Konkurrenz ist, sonder» der amerikanische Bauer. Dieser Bauer arbeitet nur mit Maschinen, die er sachverständig zu behandeln versteht, da er ja für sich selbst arbeitet und in seinem eigenen Interesse schafft. Wohlverstaude», es ist hier von der Feldmaschiue die Rede, nicht von Dreschmaschinen u. dergl. Die Behandlung der Feldmaschine erfordert viel Sorgfalt und einen hohen Grad von Intelligenz, da sie sehr komplizirt gebaut ist. Versuche haben nun gezeigtzdaß der deutsche Großgrundbesitz mit diesenMaschiuen nicht arbeiten kann, da der Arbeiter bei ihm nicht das nöthige Juteresse und die richtige Aufmerksamkeit bei der Arbeit hat; und während in Amerika der Farmer seine Ernte macht, indem er unter einem Sonnenschirm, die Zigarre im Mund, behaglich ans seiner selbstbindenden Mäh- Maschine sitzt, muß der deutsche Großgrundbesitzer ernten, indem er wie vor hundert Jahren die Schnitter mähen und die Frauen die Garben binden läßt. Es ist dasselbe Verhältniß zwischen dem deutschen Landarbeiter und dem amerikanischen Farmer, wie zwischen Sklave und freiem Arbeiter. Indem die Grundbesitzer durch Lohudruck und Herbei ziehen billigerer Arbeiter aus Polen und Rußland mit der amerikanischen Maschine zu koukurriren suchen, sind sie ganz in der Lage des Handwebers, welcher gegen die Maschine ankämpft, indem er hungert. Der zweite Grund sür die Unmöglichkeit der Konkurrenz ist die Grundrente. Die Güter sind gekauft nach Preisen, welche durch die Reinerträge der Jahre 1850—1870 be- stimmt waren. Die Besitzer müssen diese Ankaufssummen natürlich verzmsen und auf den Scheffel Getreide außer den gewöhnlichen Produktionskosten auch noch die Zinsen sür das betreffende Stück Land, aus dem es geivachsen ist, rechnen. Thun sie das nicht, so arbeiten sie offenbar mit Schaden und setzen zu. Nun kann man in Amerika Land umsonst oder zu äußerst billigen Preisen bekommen; der amerikanische Produzent braucht also nicht diese Zinsen in Rechnung zu stellen und kann auch aus diesem Grunde billiger licsern. Bekanntlich haben sich die Großgrundbesitzer durch die Schutzzölle zu retten gesucht. Dadurch sollte der Preis des Getreides in Deutschland so hoch gehalten werden, daß sie auf ihre Kosten kamen. Es war das niöglich geworden, weil Teutschland seit Mitte der siebziger Jahre nicht mehr Getreide exportirte, sondern importirte. Indessen läßt sich der Entrüstung des Volkes gegenüber das Mittel nicht lange aufrecht erhalten. Außerdem entwickelten sich, unter freundlicher Beihilfe des Staates, die landwirthschaftlicheu Industrien der Zucker- und Schnapsproduktion, und wegen der staatlichen Subvention konnten die deutschen Groß- gruudbesitzer in diesem Artikel den Weltmarkt beherrschen. Allein auch diese Subventionen werden einmal ein Ende haben müssen, und wahrscheinlich ein Ende mit Schrecken. er hielt es für rathsamer, zu gehen und sie allein zu lassen. Er hoffte, daß es ihr besser gelingen würde, auf Andrej's düsteren Gemüthszustand einzuwirken. Wassilij's Güte und Bescheidenheit waren in der That die besten Rathgeber. Bei einer Gemüthsverdüstcruug, wie die, unter welcher Andrej litt, ist die Freundschaft einer Frau zweifellos der beste Arzt. Denn ein Mann wird einem anderen nie die Herzenswunde zeigen, die er vor einer Frau offen darlegt. Nach der Entdeckung, die Andrej bei dem Picknick ge- macht hatte, suchte er nicht Aunie's Gesellschaft, vermied sie aber auch nicht. Sie hatten an ernstere Dinge zu denken, als an ihre Herzensangelegenheiten, und das Mädchen hätte sich auch beleidigt gefühlt, wenn er anders gehandelt hätte. Sie sahen sich indeß häufig genug, um eng befreundet zu werden. Als das Mädchen kam und die Tagesneuigkeiteu berichtet hatte, brachte Andrej die Unterhaltung zuerst auf persönliche Angelegenheiten. „Sie sehen, Annie," sagte er,„Sie irrten sich, als Sie mir damals Erfolg prophezeiten." Er spielte auf die Worte an, welche sie bei dem Duborow'schen Picknick im Walde gesagt. „Ich irrte mich jedenfalls nicht, was den einen Theil anbetrifft," bemerkte das Mädchen.„Wie steht es aber mit Ihrer Wunde? Wassilij sagte, daß es nichts Erhebliches sei, Sie sehen jedoch schlecht aus." Andrej versicherte sie mit einer Handbewegung, daß die Wunde nicht der Rede werth sei. Er würde mit einem Dutzend solcher Wunden so fröhlich wie eine Lerche sein, wenn die Sache nach Wunsch ausgefallen wäre. In einem Tone, den Andrej Wassilij gegenüber nie an- geschlagen hätte, sprach er von dem, was ihn quälte. Er Und dann steht der deutsche Großgrundbesitz thatsächlich vis-ä-vig du rien. Die UnHaltbarkeit des kapitalistischen Systems zeigt sich bei ihm am ersten. politische lieberNcht. Berlin, den 20. März. Aus dem Reichstage. Eine solche dritte Lesung des Etats,— welche nach der Geschäftsordnung mit einer Generaldebatte eingeleitet wird— wie wir sie heute hatten, ist im Reichstag wohl noch nie dagewesen. Herr Ahlwardt selbst und die ihn» zugethaue Presse hatte' schon vorige Woche angekündigt, daß bei dieser Gelegenheit der„Juden- flinten-Prozeß" aufgerollt werden soll, und die Folge davon waren vollbesetzte— Tribünen. In der Debatte begründete zunächst Liebknecht in kurzer Rede den ablehnenden Stand- punkt unserer Partei dem ganzen Etat gegenüber. Darauf hielt Ahlwardt seine längst annoncirte Rede. Es war die erste größere rednerische Leistung, welche heute der in letzter Zeit vielgenannte Mann dem Hause bot, und er fiel voll- ständig damit ab. Ahlwardt mag für seine blindgläubigen Anhänger ein recht brauchbarer Versammlungsredner sein, für das Parlament, wo Leute sitzen, welche nicht blos glauben sondern urtheilen können, hat er sich als ein hohler Schwätzer entpuppt. Wir haben über die Praktiken, wie sie in der Löwe'schen Fabrik unter der Leitung des Herrn Kühne geübt wurden, unsere besondere Meinung und wir wissen, was von dem Lobe dieser Fabrik in gewissen freisinnigliberalen Zeitungen zu halten ist. Aber Herr Ahlwardt schüttet nicht nur das Kind mit dem Bade aus; seine Art des Angriffs führt nur dazu, daß die wirklichen Mißstände unter dem Wüste von Nebensächlichem und Unwahrem ver- schwinden können. So hatte auch Herr Richter— der, gleich wie früher schon die„Freisinnige Zeitung" mit wahrer Begeisterung für die Löwesche Fabrik eintrat— leichtes Spiel. Er setzte den Rektor a. D. auf den Sand, wie nur je ein konfuser Kops im parlamentarischen Kampfe auf den Sand gesetzt worden ist. Daß auch vom Kriegsminister und dem Reichskanzler die Ahlwardt'schen Behauptungen zurück- gewiesen wurden, versteht sich nach den früher von dieser Seite abgegebenen Erklärungen von selbst. Viel geschickter wie Ahlwardt operirtc Liebermann von Sonnenberg. Derselbe schüttelte zunächst Ahlivardt von seinen Rockschößen, gab aber dann so viele Bosheiten über den langsamen Gang der Untersuchung in der Judenflinten- Affäre, die Reklame für die Löwe'sche Fabrik durch die Interpellation Dr. von Buhl- Marqnardsen, den Brief Löwe's an Bou- langer ec. zum besten, daß gewissen Herren dabei ersichtlich recht unangenehm zu Muthe wurde. Speziell Herr Dr. Bnhl, der vor seiner Interpellation mit Herrn Löwe im Foyer des Reichstages im eifrigen Gespräch ge- sehen wurde, und der heute den Löwe'schen Brief sprach offen über seine Reue u«d die bitteren Selbstanklagen. Des Mädchens warme und heftige Einwendungen ver- änderten nichts an seiner Meinung. Gleichwohl that es ihm gut, sie so denken zu sehen, obgleich sie Unrecht hatte. „Befinden sich unsere Flüchtlinge noch in Ihrem Hause?" fragte er. „Nein, sie reisten gestern nach Odessa ab. Die Stadt hat sich wieder ganz beruhigt. In den Straßen erblickt man nichts Besonderes. Sie sollten nicht länger zu Hause bleiben, das könnte Verdacht erregen." Sie bat ihn, sie znr Illumination zu begleiten, und zu ihrem Entzücken willigte er ein. „Ich habe fast vergessen, Jhuen Sina's Botschaft zu über- Mitteln, derentivegen ich eigentlich kam," sagte Annie Wulitsch, ihn, als sie auf der Straße waren, unterfassend.„Ihre St. Petersburger Freunde schreiben, daß ein Mädchen Ihrer Bekanntschaft von Gregor als neues Mitglied vorgeschlagen wurde. Gregor fragt nun an, ob Sina und Sie sich für sie verbürgen wollen." „Wie heißt das Mädchen?" fragte Andrej, während ihm eine plötzliche Röthe ins Gesicht stieg. Er wußte nur zu gut, wer das Mädchen war. Nur niit einem Mädchen, das Gregor vorschlagen konnte, waren alle drei bekannt. „Tanja Repina," antwortete Annie Wulitsch, ihn arg- wöhnisch anblickend. „Ah, Repina! Und Gregor stellt den Autrag?" sagte Andrej immer verwirrter. Die Hand des Mädchens, die auf seinem Arm ruhte, zitterte und wurde dann steif, als ob sie erstarrt wäre. „Wer ist diese Tanja Regina?" fragte sie mit erstickter Stimme. fln Boulanger vertheidigte, war ersichtlich in einer� recht gereizten Stimmung. Richter und � die Antisemiten sprachen, übrigens so lange und so oft, bis schließlich das ganze Hans unruhig wurde und besonders Ahlivardt niemand mehr anhören wollte. In der Spezialdisknssion frng Richert, was an den Gerüchten von der Stockung der Verhandlungen über den russischen Handelsvertrag und dem angeblichen Gegensatz zwischen dein Rcichskanzlcramt und dem Minister Miguel Wahres sei. Kurz und bündig erklärte der Kanzler, daß die Verhandlungen mit Rußland noch schweben, und daß die Angaben über Differenzen im Ministerium jeden Grundes entbehreil. Diese Erklärung konnte niemanden überraschen, aber überzeugen dürfte sie auch wenige. Die Beschwerden des Abgeordneten Dr. Hirsch über die Verschleppungen einzelner Bezirksregiernngen bei Bestäti- gung abgeänderter Statuten freier Hilfskasscn, beantwortete Staatsminister von Bötticher mit der Zusicherung, daß er „Dampf dahinter machen werde".— Die Militärvorlage ist in der Kommission zwar ver- worfen, aber damit ist ihr Schicksal noch nicht besiegelt. Zwischen Kommisston und Plenarsitzung ist noch ein weiterer Abstand als zwischen„Lipp' und 5kclchesrand", zumal wo die Unentschlossenheit nur auf einen günstigen Zufall harrt, der ihr den Kelch noch von der Lippe wegzieht. Die Klagen freisinniger und nltramontaner Blätter darüber, daß Herr von Caprivi nichts das kleinste Zngeständniß macht und zu keinem Kompromißchen die Hand auch nur um ein Haarbreit näher bringt, beweisen nur zn gut die Geneigtheit zu einem„Umfall" und die Sehnsucht, unter Wahrung der jüngserlichcn Prüderie den Widerstand aufzugeben.— Der Ahlwardt und der Liebermann sind fürchter- liche Zuchtrnthen geworden für die konservative Partei. Als die beiden Biedermänner heute im Reichs- tag am Pranger standen und sich selber abhalfterten, schwitzten die Herren Konservativen Blut. Das waren ihre Schützlinge, ihre Zöglinge, ihre Lieblinge von gestern! Und wie heißt� doch das Sprichwort?„Sage mir, wer Dein Freund ist, und ich sage Dir, wer Du bist." Die armen Konservative»! Sie sind hart gestraft, so hart, daß. man fast Mitleid mit ihnen empfinden könnte.— Das preußische Wahlrechts-Gesetz erregt die Eni- rüstnng der national liberalen Presse und zwar vor allem der„Kölnischen Zeitung". Nicht etwa deshalb, weil es das Schwergewicht mehr nach den großen Massen verlegt; diese werden durch daS Wahlgesetz nach wie vor von jedem selbständigen Einfluß auf die preußischen Landtagsivahlen ausgeschlossen; nur eine kleine Verrückung innerhalb der Bourgeoisie findet statt. Die Leute mit den Millionen- Einkommen werden auf die annähernd gleiche Stufe gestellt mit den gewöhnlichen Millionären. Die„Kölnische Zeitung", die jeder Gewaltsmaßregel der Regierung gegenüber sich als die willfährigste Helfershelferin zeigte, hat gegenüber der neuen Einkomniensteuer-Abschätzung die verbissenste Opposition hervorgckehrt,«nd gegenüber der jetzigen Wahlgcsctz-Aendcrung stößt sie den Wehruf aus:„Mehr Steuern und weniger politi- schen Einfluß!" Herrn Miquel, der Fleisch vom Fleische der Nationalliberalcu ist, treffen jetzt'am meisten die national- liberalen Angriffe, während die„Kreuz- Zeitung" so un- willig sie auch Herrn v. Caprivi gegenübersteht, mehr und mehr das Lob Miquel's singt. Ja, selbst auf freisinniger Seite ist die Furcht vor dem zunehmenden Einfluß Miquel's so groß, daß die„Nation" selbst eingesteht, daß ihr die Ablehnung der Militärvorlage schon deshalb sehr schwerfalle, weil ein Kanzlerwechsel den Miqucl'schen Einfluß noch mehr steigern könnte.— Das Gesetz betreffend die Verlegung des Büß- tages ist im„Äeichs-Anzeiger" heute publizirt worden. Da das Gesetz mit dem 1. April in Kraft tritt, so fällt für Preußen der auf den 26. April angesetzte Bußtag fort. Dieser findet von nun an den Mittwoch vor dem letzten Trinitatis- Sonntag statt, also in diesem Jahre am 22. November.— Wie„große" Blätter berichten. Die„Vossische Zeitung" bringt einen Bericht über den ersten Ver- Handlungstag des V e r e i n s für Sozialpolitik, über den wir an anderer Stelle referiren. Ju der„Vossischen" heißt es u. a.:„Graf von Kanitz-Podangen berichtete über die ländliche Arbeiterfrage vom praktischen Stand' punkte aus." Nun stand dies zwar auf der Tagesordnung, aber der Vorsitzende theilte mit, daß der edle Agrarier es vorgezogen hat, nicht zu reden, da er angeblich einen von ihm eingebrachten Antrag im Reichstag zu vertreten hatte. Der phantasievolle Berichterstatter der gründlichen Tante Voß, der offenbar die Gabe des zweiten Gesichts hat, küm- wert sich um diese Bagatelle nicht, und der Herr Graf redet— in der„Vossischen". Es wäre anmuthiger gewesen, wenn er in dem Auclitorium maximum gesprochen hätte.— Ter Anrst von Bulgarien ist krank. Und es heißt, er sei da? Opfer eines Attentats geworden. Da der„russische Rubel" auf Reisen ist und Bulgarien ganz besonders gern heimsucht, so ist dem Gerücht die Wahrscheinlichkeit nicht abzusprechen.— Herr Crispi in Schwnlitäten. In den Papieren des französischen Panama- Häuptlings Rcinach hat sich ein Posten von 50 000 Fr. gefunden, die Herr C r i s p i, der italienische Bismarck, empfangen. Die Sache stimmt, und sintemalen sie schwarz ans weiß steht, giebt es kein Ableugnen. Da behauptet denn nun der genannte Bieder- mann, er sei der Advokat Reinach's gewesen und habe die 50 000 Fr. als Bernfshonorar erhalten. Nun— die Herren Clemenceau und Konsorten haben auch blas„Berufs- Honorar" erhalten.— In ähnlicher Lage wie Crispi be- findet sich ein anderer italienischer Exminister: N i c o t e r a, der aber nicht beim französischen, sondern beim einheimischen „Panama" Kostgänger war. Er hat von Tanlongo, dem berüchtigten Direktor der Römischen Bank, Geld erbettelt und Geld erhalten— das ist durch seine Unterschrift fest- gestellt. Er versichert aber, es seien blos Vorschüsse für die „geheimen Staatsfonds" gewesen, und das Geld sei wieder zurückgezahlt worden. Genau so wie Rouvier in Frank- reich. Inzwischen wehrt Giolitti nach wie vor mit eiserner Stirn die Forderung nach einer parlamentarischen Enquete ab, und die brave Dame Justiz ist taub und blind.— Ueber Malou's Befinden wird uns mitgctheilt, daß der Heilungsprozeß durch ein Geschwür, das sich an der Wunde gebildet hat, gestört aber doch nicht aufgehalten wird. Die Aerzte geben sich der Hoffnung hin, daß die Genesung bald eintreten und zn voller Gesundung führen wird. Möge sich diese Hoffnung erfüllen!— Jules Jerry war einer der„drei bösen Jules": I u I e S F a v r e, der Paris kapituliren ließ, Jules Simon, das Ex-Mitglied der Internationalen Arbeiter- assoziation, und Jules Ferry, der Tonkinese. Alle drei brandmarkten sich durch ihre Thcilnahme an den Blnt- orgien nach dem Fall der Kommune. Als verdienstvoll muß bei Ferry aber seine Thätigkeit für die französische Schulreform bezeichnet werden. Er hat die französische Volksschule begründet, und sie zum großen Theil— leider nicht ganz— dem Einfluß der Kirche entrissen.— Belgien. Die Kammerdebatten über die Verfassungs- revision dauern fort und sie werden beherrscht von dem Haß gegen das allgemeine Wahlrecht und von der Furcht vor demselben. Der Arbeiter soll nicht der Gleichberech- tigte des Bourgeois sein. Bei Vielen freilich ist's die schlotternde Angst, welche das allgemeine Stimmrecht für die Entfesselung der„blutigen Revolution" hält, während thatsächlich das Umgekehrte wahr ist.— Zum großen Schrecken der Herren Reaktionäre zeigt die Armee sich im- mer unzuverlässiger. Nachdem vor Kurzem in Tournai eine Anzahl sozialistischer Soldaten entdeckt ivorden, kommt jetzt aus Mecheln die Schreckenskunde, daß sechs Unter- ofstziere verhaftet wurden, weil sie mit Soldaten einen sozia- listischen Klub gebildet hatten.— In zahlreichen Arbeiterversammlungen ist der all- gemeine Streik für den Fall der Ablehnung des all- gemeinen Stimmrechts beschlossen worden.— England. G l a d st o n e hat einen Stockschnupfen und seine Homerule-Bill auch. Durch ein komisches Zusammen- treffen ist Lord S alis bury, der Führer der Opposition, ebenfalls von der unbarmherzigen Grippe gepackr worden. Am gefährlichsten ist die Krankheit für die Homerule- Bill, deren Aussichten von Tag zu Tag schlechter werden.— In Dayomeh laboriren die Franzosen an den üblichen Kolonialschmerzen. Sie haben so glorreich gesiegt, daß sie nicht wissen, wie sie aus dem Land wieder hinauskommen sollen. Der sechsmal geschlagene„König" Behanzin hat die Unverschänitheit, sich nicht für geschlagen zu halten;— er steht im Feld, lockt die Franzosen immer tiefer ins Land, und wartet nur die Regenzeit ab, wo alles versumpft ist, um über die Sieger herzufallen, die ob dieser unkommentmäßigen Handlungsweise sittlich entrüstet sind.— Die Zandarbeiterfrage im Verein fiir Sozialpolitik. V e r l i n. 20. März 1893. In einem Saale der hiesigen Universität begannen heute die Verhandlungen des Vereins für SozialpoliUk über die Landarbeiterfrage. Es sind ca. 200 Theilnehmer von hier und aus- wärts, meist Univerntätsdozenten, erschienen. Prof. Schmoll er- Berlin eröffnet als Vorsitzender des Vcreinsausschusses die Sitzung. wird dann auch zum Präsidenten der Generalversammlung durch Akklamation gewählt und nimmt dankend mit folgender An- spräche an. Prof. Schmoller: Wir haben dieses Jahr die Land- arbeiterfragz� auf die Tagesordnung gestellt, nachdem wir vor zwei Jahre» die gewerbliche Arbeiterfrage behandelt hatten. Das, was in den Publikationen vorliegt und in den Ver- Handlungen gesprochen werden wird, kann nicht darauf rechnen, nach allen Seiten hin zu befriedigen. Wir wollen ja über den politischen Parteien und über den Klasseninteressen stehen. Wir wollen ausklären, Mißverständnisse beseitigen, und versuchen, die richtige Linie einer maßvollen Sozialpolitik zu finden. � Wir kämpfen für den Sieg wissenschasllicher Erkenntnis! in der öffentlichen Meinung. Seit 20 Jahren besteht der Verein und ist stets fiir die Hebung der arbeitenden Klassen eingetreten. Wir fassen auch die sozialdemokratische Bewegung als einen geschichtlich noth- wendigen Faktor auf, nicht als ein Unglück, ohne uns mit ihr zu iventisiziren. Andererseits sind die Leidenschaften entfacht, man appellirt an die niederen Leidenschaften, und wir müssen gegen jede revolutionäre Tendenz Front machen. Der Sieg der extremen Demokratie hat stets für das betreffende Land einen tiefen kulturellen Schaden bedeutet. Ick bin stolz darauf, wenn ich von reckts und links geschmäht werde, das beweist, daß wir auf dem richtigen Wege sind. In solchen Zeiten ist eine starke monarchische Gewalt im Staate nothwendig. In diesen Ueber- zeugungcn stehe ich hier, und würde nicht hier stehen, wen» ich sie nicht hätte.(Mäßiger Beifall.) Als erster Referent spricht Professor Dr. Knapp-Straß- bürg, der erklärt, daß er zivar au? die Ausklärung der Entstehung der heutigen Verhältnisse einige Mühe verwendet habe, aber über die heutige Lage zu wenig informirt sei. Dafür habe der Verein die Verhandlungen durch wissenschaftliche und umfangreiche Ver- vffcutlichungeu besser als je vorbereitet. Der flüchtige Gesannnt- eindruck der Erhebungen des Vereins auf ihn sei, daß stch dle ländlich- ArbeitZverfassnng in Norddeutschland nach vier groven Bezirken unterscheide. In Westfalen ist der Heuerling Vtr Ar- heiter des geschlossenen Bauernhofes, in Hannover der gaiiz sinne Eigenthüiner der Tagelöhner des Bauern in der Dorfversasiung, in Mecklenburg, Pommern und Preußen der Jnstmann und seine Familie auf den Großgüter», der immer mehr alw einem patriarchalisch mit seinem„Herrn" verbundenen zu einem bloßen Lohnarbeiter wird, wenn er auch noch weit besser gestellt tstj als der industrielle Arbeiter. Das Jnstverhältniß hat keine Zukunft mehr. Mit dem niedrigsten Geldlohn nehmen aber die russischen und polnischen Wanderarbeiter vorlieb, und es liegt im Interesse des Gutsbesitzers, sie heranzuziehen. Welche Maß- regeln sind nun gegen den Verfall des palriarchalischen Arbeit»- Verhältnisses im Osten zu ergreifen? Hier greift die tnnere Kolonisation ein, die mit dem Gesetz von 1886 einsetzt, welche» der preußischen Regierung die große Summe von 100 Millionen Mark zur Verfügung stellte, damit drei Dingen in Posen abgeholfen werden sollte: der Vielheit der polnischen Riitergutsbesttzer. und dem Mangel an Bauern und Arbeitern. Durch das Renten- giitergesetz von 1890 bezw. 1891 sollte die Form zur Schaffung neuer Verhältnisse gegeben werden. Die Arbeiterverhältniqe übernahin man, wie sie waren. Jsolirte Arbeiterkolonien haben sich nicht bewährt. Die Beschränkung der Freizügigkeit wurde nichts nützen; dazu darf sich der Staat nicht hergeben. � der Ansiedlung von Bauern halte man dagegen mehr Erfolg. In dieser Beziehung scheinen die Aussichten sogar noch besser bleiben zu sollen. Aber der Gutsbesitzer, der„Junker"? Wird er dahin sinken? Redner glaubt es nicht. Es sind schon größere Sturmfluthen, als niedrige Ge- treidepreise und Arbritermangel über die Landwirthschaft gebraust, 1807 hat in einer so„unmöglichen" Stadt wie Tilsit(Heiterkeit) ein Friedensschluß stattgefunden, weil eine fremde Invasion bis in die östlichen Provinzen vorgedrungen war, und das Grund- besitzerthum hat sich doch wieder aufgerichtet.� Der Osten wird sich durch die neueren Verschiebungen dem Westen mehr nahern, eine mannigfaltigere Arbeitsverfassung erhalten,� sich kulturell mehr heben, ivas er ja sehr nölhtg hat(Heiterkeit). Der Aus- blick aus die Zukunft ist also nicht so trübe, als es augenblicklich den Anschein hat(Beifall). Hierauf berichtet Unterstaatssekretär a. D. von M a y r- Strasburg über Binnenwanderungen. Redner konstatirt aus einer ihm von der preußischen Verwaltung zur Verfügung gestellten Statistik«inen Rückgang der Sachsetigänger und des Zuzuges russischer und polnischer Arbeiter in verschiedenen öst- liche» Provinzen. Er wüiischt eine Vervollkommnung dieser Statistiken. Die bisherigen Nachweise ergeben bereits eine starke Mobilisirung der inneren Bevölkerung. So hatte z. B Ost- Preußen von 1872—1880 einen Auswanderungsverlust von 3 pro Mille. 1885—1890 aber schon von 13 pro Mille. Aehnlich Posen und Schlesien. Auf grund der neuesten Volkszählung vom 1. De« zember 1890, deren hier in Betracht kommendes Ergebniß der Versammlung durch das Entgegenkommen des Kaiserlichen Statistischen Amtes vorliegt, ergiebt sich eine sehr»vesent- liche Steigerung des Verlustes durch innere Wanderungen von 1335 auf 1890 in Ostpreußen z. B. von 74 auf 122, in West- preußen von 38 auf 66, in Posen von 65 auf 96, in Schlesien von 53 auf 73, in Pommern von 72 auf 97 pro Mille. Nun fehlt noch die genaue Feststellung der kleinsten Bezirke, die Menschen produziren, und derjenigen, die Menschen konsumiren. Erst dann eriahrcn wir Alles und das Interessanteste, das detail- geographische Material ist in den Volkszählungen vollständig vor- Händen. Privatdozent Dr. Weber: Ich will mir eine Art Anregung zur Diskussion geben, eine Art enkant torribls für die etwa an- wesenden Landwirthe sein. Die Enquete ist eine Arbeitgeber- enquete, aber darüber sollte nicht mehr viel gesprochen werden. Der evangelisch-soziale Kongreß macht eben Erhebungen bei den Arbeitern mittels der Geistlichen, es sind schon 3—400 Berichte eingelaufen, aber die Sache war sehr schwierig, die Geistliche» wurden vielfach als Sozialdemokraten verdächtigt, und das will auf dem Lande nichts Geringes beißen. Bebel hat mir eben- falls geschrieben, daß seiner Partei, die ja allerdings handgreif- liche Schwierigkeiten bei der Annäherung an die Land- arbeiter gehabt hat, gute Beschreibungen der Landarbeiter-Ber- Hältnisse auch noch nicht gelungen seien. Redner beschränkt sich dann im Wesentlichen auf die östlichen Arbeiterverhällnisse. Dreschmaschine und Rübe haben die dortige Landivirthschast revolutionirt und die Menschenarbeit ist in der Hauptsache nur noch im Sommer nothwendig. Dafür braucht aber der Unter- nehmer nur billige wandernde Kräfte, und die Billigkeit zerstört die höhere Lebenshaltung. Nur in Mecklenburg und Pommern findet man noch etwas höhere Lebenshaltung; namentlich in Schlesien aber finden wir den Landarbeiter von heute als kartoffel- essenden Proletarier. Neber kurz oder lang wird die Polonisirung des Ostens Thatsache sein, denn der Landarbeiter giebl im Osten den Ausschlag für den nationalen Charakter der Bevölkerung. Das heißt aber eine Erniedrigung des Niveaus der dortigen Militärkraft und Lebenshaltung. 1386 wurde die russisch- polnische Zuwanderung verdolen, 1390 wieder gestattet, seitdem ist schon wieder eine Riesenwelle polnisch-russtscher Arbeiter nach Deutschland geflulhet. Redner stellt die nationale Schädigung in den Vordergrund. Die Enquete gebe allerdings kerne Aus- kunsl über die eigentliche Lage der Arbeiter, in ihr solle auch nicht die Arbeiternoth der Grundbesitzer behandelt werden, es handele sich um eine volilische Sraalsaufgabe im Osten. Redner wolle den Grundbesitzerstand und seine historischen Leistungen nicht verherrlichen, das sei ihm falsch gedeutet worden. Im Gegentheil, er trete für«inen Wieder- ausschluß der polnischen Arbeiter ein. Von der Intensität des Deuiichthums im Osten hängt die Höhe der Lebenshaltung der deutschen Landarbeiter ab. Dagegen ist Redner gegen städtische Einzugsgelder. An der preußischen Gesinde- ordnung sei das Schlimmste ihre Buntscheckigkeit in de» verschiedenen Provinzen. Landwirthschastliche Schieds- gerichte sind nicht nothwendig. eine Organisation der Landarbeiter kaum möglich, da die Interessen der einzelnen Kategorien zu weit auseinander gehen. Die Anfledelungslhätigkeit im Osten schafft doch auch nur polnische Büdnerstellen; die Gefahr liegt nahe, daß schließlich alle Intelligenz in die Städte strömt. Wie erhalten nun die Gutsbesitzer wieder gute Arbeiter? Durch An- legung von Pächtern auf abgezweigtem Areal; vielleicht geht die Domänenverwaltung mit gutem Beispiel voran. Sie kann auch gutes Lohnlifteninaterial schaffen. Mißlinatjene innere Kolonisation. so haben wir wenigstens unsere Schuldigkeit gethan. Thut vollends der Staat noch seine Schuldigkeit, so würde er zum ersten Mal zur rechten Zeit eingreifen(Beifall). Professor Faalbek-Stockholm als Gast schildert die schwedi- schen Landarbeiterverhältniffe. Herr Dr. Quarck bedauert zunächst, daß jetzt die Redezeit verkürzt worden sei, sodaß er zur Kritik der deutschen Landarbeiter- enqueie nur etiva 15 Minuten habe, nachdem über die schwedischen Arbeiterverhältnisse beinahe eine Stunde gesprochen worden sei. Anzuerkennen sei ja, daß man sich endlich der Landarbeiterfrage nach langer Vernachlässigung zu- gewandt habe. Leider sei aber die große dreibändige Enquete sehr ungenügend und einseitig ausgefallen; das habe auch den bisherigen Verhandlungen den Stempel aufgedrückt. Man habe über die innere Kolonisation, Binnenwanderungen und die Arbeiternoth der Grundbesitzer sowie einiges andere mehr, nur nicht über die Lage der Arbeiter selbst gesprochen. Im ersten Enquetezirkular habe es noch geheißen, daß die Mißstände iw Arbeiisverhältniß au-geveckt werden sollten; wegen mangelhafte» Aussühruiig der Enquete habe man dieses Ziel auch nicht entfernt erreicht. Wie sei es nur möglich gewesen, bei einer Arbeiter- enquete die Unternehmer allein zu fragen? Würde man „Eine Freundin von uns, die Tochter Repins, des Advokaten," antwortete Andrej, gerade vor sich hinblickend. Die kleine Hand krampfte sich nervös in seinen Arm hinein, dann lehnte sich das Mädchen langsam zurück, als ob sie ihn besser vrüfeu wollte. „Eine Freundin, sagen Sie?" „Natürlich, eine Freundin," autivortete Andrej, für einen Moment dem Blick des Mädchens beaegnend. Annie's Gesicht verdunkelte sich. Ihre glänzenden Augen nahmen einen Ausdruck der Feindseligkeit, ja fast des Hasses an. „Es ist nicht wahr, Sie lieben Sie!" schrie sie fast, seinen Arm von sich schleudernd. Andrej wandte sich ihr ärgerlich zu. Welches Recht, dachte er, hat das Mädchen, in Geheimnisse einzudringen, die er nie jemandem enthüllt hutte? Für einen Moment kreuzten sich ihre Bicke, wie zwei glänzende Schwerter in einem Duell. Aber Andrej wandte seinen Kopf ab. So gingen sie einige Schritte schweigend dahin. Als er sie wieder anblickte, war ihr Gesicht nicht mehr erregt, sondern traurig. „Nun... ja, ich liebe sie," sagte er.„Sind Sie jetzt zufrieden gestellt?" „Und sie, sie liebt Sie?" flüsterte das Mädchen, das Haupt senkend. „Nein, sie liebt mich nicht, wenn Sie es wissen wollen." Das Mädchen beugte ihr Haupt noch tiefer und ver- suchte mit der Spitze des Regenschirmes etwas von dem lackirten Obertheil des Schuhes zu entfernen. „Aber warum nicht?" fragte sie, sich aufrichtend. Es lag eine naive, selbstverrät herische Verwunderung in ihrem To», daß Andrej lächelte. (Fortsetzung folgt.) jemals daran denken, bei Erhebungen über die industriellen Ar- beiterverhältuisse ein solches Verfahren einzuschlagen? Habe man vergessen, wie Thun. Sax. Lange und Herkner die Erhebungen zu ihren Schilderungen der Arbeiterlage gemacht hätten? Diese Schüler verschiedener Professoren, die im Saale anwesend seien, hatten doch auch nicht bei den llntcrnehmern allein angefragt. Die Gründe gegen die Anhörung der Arbeiter feien sehr hin- fallig. Geh. Rath Thiel habe geschrieben, der ländliche Arbeiter sei zn»ngebtldet und zufrieden. Dabei habe doch ein Be- arbeiter die Enquete versucht, mit den Arbeitern Fühlung zu be- koniinen, der müsse also anderer Meinung sein. Dann habe man die Kosten der Arbeiterbefragnng vorgeschützt. Aber wenn der Ausschuß vom landwirlhschastlichen Mi- nifterium löOl) M. habe bekommen können, hätte er auch noch die Koften für die Arbeiterbefragung ausbringen müssen. Auch wäre es de» vielen im Verein befindlichen Dozenten ein Leichtes ge- wesen, ihre Seminaristen und Doktoren auss Land schicken und dort die Arbeiterverhältnisse ordentlich studiren zu lassen. Alles d,es habe man eben offenbar nicht gewollt. Auf den Titel des jetzt herausgegebenen Enquetewerks hätte man dann wenigstens letzen sollen:„nach den Auskünften der Unternehmer".(Heiter- tut.) Tie Bearbeitung der drei Bände lasse Manches zu wünschen übrig und sei so unlesbar und unübersichtlich wie möglich. Einige Bearbeiter geständen zu, daß die Guts- bezitzer ihre eigenen Arbeiterverhältnisse nicht kännten. Es wimmle von unzulässigen Verallgemeinerungen, Schön- sarbereren und Schimpfereien gegen die sozialdemo- krakische Bewegung; vorhin habe Professor Schmoller verlichert, daß man der Sozialdemokratie objektiv gegenüberstehe: weshalb drucks der Verein also in seiner Enquete diese öben Ächlmp,ereie» ab ohne irgend einen Zusatz? Die Herren Unter- nehmer schrieben in einem äußerst gevilvelen Tone: einer berichte wörtlich, daß er.„um der erhöhten Selbständigkeit seiner Arbeiter Rechnung zn tragen", nicht mehr sage.„Du Schafskopf", sondern „Sie Schafskopf"(große Heiterkeit). Und diese Herren führten Me„Unbildung" ihrer Arbeiter stetig im Munde. Ueber die Ernährungs- und Kleidunasverhältnisse der Leute enthielten die drei Bände wenig, über ihre elenden Wohnungen fast gar nichts. Die Arbeitszeiten seien regelmäßig zu kurz angegeben, von der Gelindeordnung heiße es nur immer, sie möge ja nicht abgeändert werden, weil sonst die Gutsbesitzer noch schlechter fahren würden. Das zeuge nicht von gutem Gewissen. Redner weist an einigen weiteren SetspnUn nach, daß die Unternehmer der Provinz Sachsen die -Verhältnisse rosig schilderten, während abgedruckte Arbeits- Verträge einen Blick in das Elend der Arbeiter thun ließen. Auf grund eines solchen Materials seien natürlich die Bearbeiter zu den ungereimtesten Schlußfolgerungen gekommen, die fich gegen- seitig wiedersprächen; der eine stemple die ländliche Arbeiler- srage zur Unternehmerfrage, der andere müste die Proletarifirung zugeben. Es lohne sich deshalb nicht, bei allem Fleiß der Be- arbeiter, fich mit ihren Schlußfolgerungen abzugeben; die En« quete bringe ein verzerrtes Bild der Arbeiterverhältnisse und man könne nur sagen: es muß von vorn angefangen werden. Herr Dr. Kaerger bezeichnet die Ergebnisse als vorzüglich; der Vorredner habe nur Kleinigkeiten daran getadelt. Wichtiger sei sein Angriff ailf die Schlußfolgerungen; natürlich male sich das Ergebniß in verschiedenen Köpfen verschieden. Als Redner halb und halb für die Einsuhr von Chinesen und Negern als periodischen Ersatz für deutsche Landarbeiter plädirt, entiteht große Unruhe in der Versammlung und der Redner geht mit Beifall und Zischen ab. Herr Landtags- Abgeordneter Sombart: Allerdings hätte man die Arbeiter fragen sollen; wenn sie nur nicht so mißtrauisch wären. Aerzte und Geistliche hätte nian fragen sollen. Er sei gegen das Polenverbot. Herr Landrath v. P e r n a- Halle: In seinem Bezirk sei der Uebergang von Landwirthschaft zur Industrie noch leichter als anderswo, und bei der intensiven Wirthschaft der Arbeiter- Mangel besonders groß. Was gegen die Enquete gesagt worden sei, könne auch gegen den„Unternehmer-Verband zur Verbesserung der ländlichen Arbeiterverhältniste für Halle nnd Umgegend" gesagt werden, dem er vorstehe. Dieser Verband behandle jedoch den Arbeiter durchaus auf dem Fuße der Gleichberechtigung. Der kleine Landwirth sei am schlimmsten mit den Arbeitern daran. Allerdings habe am Kontraktbruch auch der Arbeitgeber Schuld, und zwar derjenige, welcher dazu verleite. Beim letzten Hallenser Ersatzgeschäft seien unter G50 Tauglichen nur 150 ländliche Arbeiter gerne) en: so demoralisire die Industrie die Arbeiter. Der Verband habe einen Gesetzentwurf iu Arbeit, der die Abspenstig- machung der Arbeiter bestrafe. �Professor Conrad- Halle: Er habe die drei Enquetebände noch gar nicht gelesen(Heilerkeit), wolle aber aus seinen eigenen Ersahrungen aus dem Osten mittheilen, daß es so schlinim mit den ländlichen Arbeitern nicht stehe, als Dr. Weber es geschildert iabe.� Vielfach sei eben der Pole und Russe strebsamer als der )eut)che. Vom polnischen Adel studirten mehr Landwirthschaft in Halle als deutsche Aristokraten. Der Großgrundbesitz müsse sich etwas beschränken, die große Entfernung läßt die Rente sür ent- sernle Grundstücke nicht mehr herauskommen. Gäbe er etwas ab, so könnte er die Getreidezölle ganz gut entbehren. Der Ver- dienst der Sachsengänger beruhe nicht auf Illusionen, wie Dr. Wever gemeint habe. Herr Dr. Schoenlank: Meine Herren k Es mag paradox klingen, wenn ich Ihnen erkläre, daß mich die Enquete des Ver- eins sür Sozialpolitik befriedigt hat. Nicht etwa als eine Darstellung der ländlichen Arbeiterzustände. Darüber herrscht kein Widerspruch, und Herr Weber hat eS in seiner Monographie ausdrücklich festgestellt, daß von der Enquete die Feststellung der L a g e, � in welcher sich die Landarbeiter zur Zeit t h a t s ä ch l i ch objektiv befinden, nicht erwartet werden dürfe. Aber die Erhebung ist nur werthvoll als eine urkundliche Sammlung von Bekenntnissen schöner Unternehmerseelen, die zum großen Theil mit herz- erfrischender Naivetät sich ausgesprochen haben. Kein Zweifel, die Großgrundbesitzer erscheinen für die Enquete in großer Toilette, in Eskarpins und Schnallenschuhen. Und haben sie nicht schön gefärbt, so schildern sie die Sachlage doch oouleur äo rose(rosenfarbig). Es versteht sich, daß die Er- Hebung, legt man an sie den Maßstab der wissenschaftlichen Methodologie, durchaus unzureichend, daß sie verfehlt ist. Aber dieser mißlungene Versuch erinnert daran, daß es die dringende Pflicht des Reichs, oder Preußens, des größten Bundesstaats, schon lange gewesen ist. eine wirklich brauchbare Enquete nach englischem Muster mit kontradiktorischem Verfahren u. f. w. zu veranstalten. Trotz alledem enthält die aus Unternehmerquellen geschöpste Darstellung eine solche Fülle schwerer Mißstände, eine so beklagenswerthe Situation der deutschen Landarbeilerschast, daß die Verbesserung der Lage des landarbeitenden Volks als eine dringendste, rascheste Lösung heischende Auf- gäbe sich darstellt. Herr Dr. Weber hat die Auffassung vertreten, worauf es ankomme, sei nicht dies, ob es den Landarbeitern etwas besser oder schlechter gehe, vielmehr handle es sich vor Allem um die Staats raison. Ja, meine Herren, was Staatsraison ist, darüber fällt das Urtheil verschieden aus je nach der staats- philosophischen Richtung, die man vertritt. Die herrschende Staat-raison, die ausschlaggebende im Junkerstaat, bedeutet nun nicht mehr und nicht weniger als Verewigung und Stei« gerung der Vorrechte und Machtvollkommen- Helten des Besitzes, in erster Reihe des Groß- grundbesitzesl Demgegenüber muß mit um so größerer Schärfe der Grundsatz der sozialen Reform, des Landarbeiter-Schutzes, betont werden. Der Herr L a n d r a t h des S a a l k r e i s e s hat den „Verband zur Besserung der ländlichen Ar- beiterverhältnisse der Provinz Sachsen", an dessen Spitze er steht, gefeiert als«in Unternehmen, dessen Grundlage die Gleichberechtigung des Arbeiters und Unter- nehmers, der freie Arbeltsvertrag sei. Jndeß die That- fachen stehen in unlösbarem Widerspruch mil dieser schönen Theorie. Wie kann die Rede sein auch von einer nur formalen Gleichstellung, wo der Arbeiter steht unter dem Zwange der G e- sinde-Ordn ung, die ihn der„väterlichen Züchtigung" des Guts- Herrn überantwortet, unter dem Zwange der kriminellen Ahndung des K o ii t r a k t s b r u ch s, unter dem Zivangc eines harten Koalitionsverbotes? Der„Verband" hat Musler entworfen für Kontrakte, für Verpflichtungsscheine länd- sicher Arbeiter, worin es ausdrücklich heißt, daß der Arbeiter sich der örtlichen Gesinde-Ordnung zu unterwerfen hat, worin ein Hagel von Strafen niedergeht, worin der Gutsherr die zahl- reichsten und wohlfeilsten Gründe zur sofortigen Ent- l a s s u n g sich zusichert. So, wenn der Arbeiter zweimal nicht dem Herrn oder seinen Beauftragten nnbedingteii Gehorsam im Dienste leistet, so— welch christliche Humanität!— wenn eine ledige Arbeiterin niederkommt, so, wenn ein Ar- beiter„aufwiegelt". Dem Gutsbesitzer wird Jeder als„Auf- wiegler" gelten, der seine Kameraden auffordert, höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen zn erstreben. Nun hat Dr. Weber, dessen zum großen Theil vorzüglichen Ausführungen ich in vielen Punkten beistimme, als ein bedeut- sanies Mittel zur Beseitigung der zu Tage getretenen Uebel den Ausschluß der polnischen Arbeiter von den deutsche» Grenzen gefordert. Nun, meine Herren, diese Polensperre ist ein Gegenstand, über den man diskutiren kann. Es versteht sich, daß ich hier meine private Ansicht ausspreche. Aber es läßt sich geltend inachen, daß die nordanierikanischen Arbeiter in ihrer großen Mehrheit für die C h i n e s e n b i l l eingetreten sind, weil sie in den gelbhnutigen Kulis Lohndrücker erblickten, die in die Union eingeführt wurden, um ihnen Schmutzkonknrr enz zu machen. Jedoch, Herr Weber, Ihr Register hat ein Loch. Ihre Polensperre ist ein Messer ohne Klinge, wenn die noth- wendige Ergänzung fehlt, die Koalitionsfreiheit der Landarbeiter und die Beseitigung, die radikale Beseitigung der Gefinde-Ordnung. Tbatkräftige Interessenvertretung durch straffe Organisation und Fortfall jenes fendalen Gesinde-Ordnungs-Wesens, das eine Schmach für unser Jahrhunderl ist, das nicht hineingehört in das Zeit- alter der allgemeinen Wehrpflicht, der allge- meinen Schulpflicht, des allgemeinen Stimm- rechts, das sind die nächsten Ziele der Land- arbeiter-Politik. Herr Weber hat eingewendet, die Land- arbeiter, zerspalten in so mannigfallige Gruppen, seien nicht orgaiiisationssähig, Insten, Einlieger, Deputanten u. s. w. hätten verschiedenartige Interessen. Nun, die Sorge für eine zweckmäßige Organisation überlasse inan nur ruhig den Landarbeitern selbst, die sich ihre Fachverbände schon schaffen werden, ist ihnen erst das Koalitions- recht gesetzlich gewährleistet. Es wird sich sür sie bald heraus- stellen, daß die vitalen, die großen Interessen aller Landarbeiterschichten dieselben sind. Die herrschende Klasse in den Parlamenten, vor allem der Großgrundbesitz, wird sich dagegen sperren. Aber, meine Herren, so gut der Widerstand des großgewerblichen Unternehinerthums gegen Maximalarbeitstag und Jndiistrie-Arbeiterschutz in den ver- schiedenen Kulturstaaten gebrochen wurde und wird, so wird auch das Klasseninteresse des Großgrundbe- sitzes überwunden werden durch die elemeu- lare Macht der sozialen Bewegung, durch de» Willen des Volkes. Herr Geh. Rath Thiel-Verlin(schwer verständlich): Der ländliche Arbeiter hat nichts vom Koalilionsrecht zu erwarten, weil er sehr leicht gleichzeitig zum Unternehmer gemacht werden kann. Das Koalitionsrecht ist kein Segen sür den Arbeiter, es ist besser wenn es vermieden wird. Besser sind patriarchalische Beziehungen. Man soll mehr Eigenkäthner mit nicht zu großem Areal schaffen, damit keine Kollision der Interessen im Betrieb entsteht. Was die Angriffe Dr. Quarcks auf die Enquete angehe, so stehe er auf dem Kärger'schen Standpunkt: die länd- liche Arbeitersrage sei nur eine Frage, die den Unternehmer angehe. Generalsekretär B u e ck- Berlin: Die Arbeitszeit sei nicht so schlimm, wie sie Dr. Quarck geschildert. Er sei selbst früher Landwirth gewesen, habe beobachtet, wie die Jnstleute schon seit 1848 abgenommen und den Deputanten Platz gemacht hätten. Sie gehörten schon damals zu den-Unruhigen. Herr Dr. S u ch s l a n d- Halle freut sich auch über die Enquete, aber im enlgegeugesetzten Sinne, wie Dr. Schönlank: sie zerstöre die Legende von den Hungerlöhnen auf dem Lande und sei ganz zuverlässig(Redner ist Geschäfts- fährer des Hallenser Unlcrnehinerverbandes). Die viel- geschmähte Gesinde-Ordnung, sowie die Arbeitsverträge feien ganz gut. Das Koalitionsrecht habe bei der Jntereffengemein- schast zwischen ländlichem Unternehmer und Arbeiter keinen Sinn. Die Arbeiter auf dem Lande würden nicht als Waare behandelt, wie bei der Industrie. Man benöthige Heimstälten, die nicht einmal Eigenthum der kleinen Leute zu sein brauchten. Herr Professor Knapp- Straßburg verzichtet bei der vor- gerückten Zeit auf's Wort. Herr Dr. Quarck: Die Arbeitszeit auf dem Lande ist buchstäblich so lang, als ich behauptete, von Sonnenausgang bis Sonnenuntergang(Redner verliest eine Schilderung des 5ireis- physikus Dr. Richter in Groß- Wartenberg(Schlesien) aus der „Zeitschrift für Medizinalbeamte" der dies bestätigt.) Professor Conrad hat ja bestätigt, daß man die Arbeiter hören müßte, eine Reihe anderer Redner auch. Ihr Mißtrauen läßt sich überwinden, wenn man ihnen ehrlich entgegenkommt. Ich.stehe weder aus dem Standpunkt, daß man sich über das Mißglücken der Enquete freuen soll, noch vermag ich sie zu rühmen: für so wichtige Fragen muß es heißen: Das beste Bersahren ist gerade gut genug! (Bravo.) Herr Profeffor Adolph Wagner-Berlin verwahrt sich energisch im Namen einer großen Anzahl von Mitgliedern gegen den Import von Kulis und Negern nach Deutsch- land, von dem Dr. Kärger gesprochen hat. Daß fremde Raffen, in Masse importirt, den Standard of life unserer Arbeiter herabdrücken, davor behüte uns Gott. Wir wollen unsere Jiitercssen- kämpfe auf deutschem Boden zwischen Deutschen ausjechten. (Großer Beifall.) Ii, seinem Schlußwort als Referent wendet sich Herr Dr. Weber gegen die Kritik der Enquete; dieselbe habe doch noch Niemanden korrumpirt und die Meisten hätten sie ja nicht gelesen.(Zwischenruf: Desto schlimmer!) Man könne sie ja fort- setzen. Mil Dr. Qunrck hoffe er morgen noch zu debattiren oder er hoffe, daß derselbe seine Kritik noch literarisch ausfähre. Der Siandpunkt von Dr. Schönlank sei ihm sympathischer. Gegen das Koalilionsrecht habe er nichts einzuwenden; auch die Gesinde- Ordnung könne fallen und müsse nur sür das Haiisgesinde bleibe». Redner gehl nocb ausführlich auf die Veränderung der Arbeits- Verfassung im Osten ein und erklärt, bei seinem Stundpunkt ver« harren zu müssen. Er könne den blöden Haß seiner liberalen Partei- genossen gegen den östlichen Großgrundbesitz nicht theilen, seinJnrereffe für den letzteren sei allerdings mehr ästhetischer Natur. Mit Entstehung des ländlichen Großindustriellenthums sei die schlechtere Qualität der Arbeiter und ihr Proletariat gekominen. Diese Ver- änderungen seien tiefgreisender Natur und von höchster nationaler Bedeutung.(Beifall.) Damit war der erste Verhaudlungstag beendet. Dem grüßten Theil der Sitzung wohnten der preußische Landwirthschaslsminister v. d. H e y d e n und der Finanzminister Dr. M i q u e l bei. �*. VÄvketnsihvtshkeHr. An die Parteigenosse»! Von der Broschüre„Dev sozialdemokratische„ Z u k u n f t s st a a t". Verhandlungen des Deutschen Reichstags am 31. Januar, 3., 4., 6. und 7. Februar 1893, veröffentlicht nach dem offiziellen stenographischen Bericht. 123 Seiten, geheftet 15 Pf. Verlag des„Vorwärts. Berliner Volksblatt" ist auch die dritte Auflage bereits voll- ständig vergriffen; damit sind 00 000 Exemplare abgesetzt. Die Herstellung einer vierten Auflage wird sofort in Angriff genommen. Wir ersuchen die Parteigenossen, so weit sie ihren Bedarf noch nicht gedeckt haben, uns umgehend ihre Bestellungen einzusenden, damit wir die Auflagehöhe des Neudruckes festsetzen und allen Nachfragen nach dieser Broschüre prompt gerecht werden können. Alle Aufträge sind nur an die Adresse der Parteibuch- Handlung, Verlag des„Vorivärts", Berliner Volksblatt, Berlin LW, Beuihstr. 2, zu richten. Der Gedenktag der Märzrevolution ist in allen Orten, wo es Organisationen deutscher Sozialdemokraten giebt, in er« hebender Weise begangen worden. Protest-Versammlungen* gegen die Militarvorlage sind weiter abgehalten worden in Ohrdruf(Ref. Reichstags- Abgeordneter B o ck- Gotha), Weil im Dorf(Ref. K o w a l d- Stuttgart), Steinhaufen(Ref. H u g- Bant), Winterbek bei Kiel(Ref. L e g i e n- Hamburg), Euba in Reuß(Ref. Reichstags-Abgeordneter �W u r m). � Reichstagskandidatur.*Jn Stralsund stellte eine Volksversammlung als Kandidaten für diesen Wahlkreis em- stimmig den Genossen B r i n g m a n n aus Hamburg auf. Dem Verhalten der Fraktion bei der ZnkuuftSstaats- Debatte im Reichstage sprach in Kötzschenbroda bei Dresdm eine öffentliche Versammlung ihre volle Zustimmung aus, mit der Aufforderung, die Fraktion möge auch serner sür die Arbeiterinteressen so energisch eintreten wie bisher. Bei der Stadtverordneten-Wahl in dem mecklenburgischen Städtckien Boizenburg kam der sozialdemokratische Kandidat Garbe zweimal in Stichwahl, unterlag jedoch. Trotzdem ist das Ergebniß der Wahl für unsere Partei kein unerfreuliches, denn die Zahl der sozialdemokratischen Stimmen hat sich seit dem vorigen Jahre fast verdoppelt, und Genosse Garbe bekam in den Stichwahlen nur 12 und 9 Stimmen weniger, als seine beiden Gegner. � � Der anhaltische Landtag'ist über die vom Redakteur des „Volksblatts für Anhalt", Genossen S ch o e p s, im Namen der übrigen Sozialdemokraten Anhalts eingereichte Petition um Ab- änderung des Verein sgefetzeS zur Tagesordnung übergegangen. In der Hauptsache verschanzte sich diese„Volks- Vertretung" hinter Formalkram; die Petenten hätten den In- stanzenweg nicht eingehalten, weil die Petition erst der Regierung hätte vorgelegt werden müssen, was nicht geschehen ist, weil die Abänderung eines Gesetzes natürlich dem Landtag zunächst zu- steht. Ein Abgeordneter meinte, das anhaltische Vereinsgesetz könne nicht eher geändert werden, bis Preußen und das Reich eine Regelung der Vereins- und Versammlungsmaterie belieben würde. Und was der Ausreden mehr sind. Die anhaltischen Sozialdemokraten haben natürlich nicht die mindeste Lust, von ihrem Plan abzulassen, sie wollen so lange fortpetitioniren, bis der Landtag miirbe wird. Das erfordert einige Geduld, hat aber den nicht zu unterschätzenden praktischen Werth, daß den Arbeitern und Kleinbürgern Anhalts dadurch fortgesetzt vor Augen geführt wird, welcher Partei sie ihre Stimmen zu geben haben, wenn sie wollen, daß bessere polltische Zustände eintreten sollen. Maifeier. Die Parteigenossen in Bremen beschlossen, das Fest in folgender Weise zu begehen: Am Abend des 1. Mai sollen mehrere große Volksversammlungen zu gunsten des Acht- stundentaaes und am Sonntag nach dem 1. Mai in acht Lokali» täten große Festlichkeiten� abgehalten werden. Eine sozialdemokratische'Konferenz für die Wahlkreise Bingen-Alzey und Mainz-Oppenheim findet am 26. März, Nachmittags 1 Uhr im„Gasthaus zum Vater Rhein" in Kempten bei Bingen a. Rh. statt. Auf der Tagesordnung stehe» die nächsten Wahlen zum hessischen Landtag(Referent: Genosse Jöst-Mainz), die Organisation der Partei und die Presse (Referent: Genosse Ulrich-Offenbach). Nachmittags 6 Uhr findet eine Volksversammlung statt, worin die beiden Abgeordneten Jöst und Ulrich über dk Militärvorlage reseriren werden. Bon der Agitation. Die' Broschüre über die Zukunsts« staats-Debatte wurde weiter verthetlt in Strelitz, Fürstensee, Wokuhl, Grammeiltin in Mecklenburg, Graben, Rußheim, Liedolsheim, Welsch- und Deutsch-Neureuth in Baden, Zwei- brücken, Landkreis Bonn, Landkreis Sorau, Mülheim a. Rh. Ueber die wirthschastliche und politische Lage sprach am Mittwoch Abend Reichstagsabgeordneler Liedknecht im Adlersalon zu Hannover unter fast endlosem Beifall. Die Zahl der Besucher der Versammlung schätzt der„Volkswille" auf etwa 8000. Im Saal zur Eremitage in Neudorf-Straßburg im Elsaß referirte am Montag voriger Woche Genosse B ö h l e in überfüllter Volksversammlung über das Thema:„Die Sozial- demokratie und ihre Gegner." Seine Ausführungen fanden großen Beifall. Von der Wirkung der imposanten Versammlung sagt selbst die g e g n e r i s ch e„Bürgerzeitung":„Die Volks- Versammlung nahm einen für die(sozialdemokratische) Partei glänzenden Verlaus und dürft« derselben zahlreiche Rekruten ge- worden haben." Im Auftrage des rheinischen Agitationskomitees unternimmt Frau Klara Zetkin aus Stuttgart eine Agitationstour durch die Rheiuproviuz. Sie wird nur in ösfent lichen Frauen« und Männerversammlungen spreche». Briefe in dieser Angelegen» heit sind an den Genossen H. Grimpe in Elberseld, Kleine Klotzbahn 10, zu richten.� Todtenliste der Partei, �jn Dresden ist der Zimmerer Heinrich G ä b l e r im Alter von ziemlich 60 Jahren ge- starben; in M a g d e b u r g der Genosse Wolter; in O b e r- s e m b a ch bei Langenzenn der Landwirth Joh. Reuz? in A u g s b u r g der Schuhmachermeister Athanasius Hohen- reiner. 64 Jahre alt; in F r e i>v a l d a u in Oesterreich der Genosse August Rück er t, im Alter �von 53 Jahren, Polizeiliches, Gerichtliches ie. In der Prozeßsache wegen Beleidigung der Breslauer Schutzmaanschast wurde der Redakleur der„Volksivacht", Genosse Karl Thiel, vom Landgericht kostenlos sreigesprochen und damit die Berufung zurückgeipiesen, die vom Staatsanivalt gegen das im September v. I. ergangene freisprechende Urtheit ein- gelegt worden war. In dem inkriminirten Artikel der„Volks- wacht" hatte es sich um eine Kritik des erweislich ungehörigen Verhaltens eines Schutzmannes gehandelt; zum Schluß war gesagt:„das sind ja herrliche Zustände!" Daraus hatte der Polizeipräsident eine Beleidigung der Gesammtheit der Schutzleute gefolgert. Das Gericht fand aber in diesen Worten weder eine Beleidigung eines noch aller Schutzleute. — Genosse Leven, früherer Redakteur der„Thüringer Tribüne" in Erfurt, jetzt Redakleur der„Reuß. Tribüne" in Gera, war von der Anklage der Beleidigung der Lehrerin Stephani freigesprochen worden. Der Staatsanwalt legte dagegen Be« rusung«in, di«se wurde jedoch vom Reichsgericht verworfen. Aiir den Inhalt der Inserate über- nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Dienstag, den 2l. März. Gpernhaus. Die Hexe. Schauspirlhans. Vasantasena. Deutsches Theater. Zwei glückliche Tage. Serlinrr Theater. Uriel Acosta. Lesstng-Thcater. Die Tragödie ves Menschen. Mallner- Theater. Die Orientreise. Sroll'v Theater. Der wilde Jäger. Kestden)• Theater. Die beiden Champignol. DiKtoria-Theater. Die Reise um die Welt in achtzig Tage». Gtenes Theater. Tosca. Friedrich zvilhelmSädt. Theater. Der Betlelstudent. Adolph v-rnst-Thrater. Modernes Babylon. Thomas- Theater. Lmnpaci Baga- bundus. National» Theater. Dorf u. Stadt. Aleranderplatz-Theater. Die Kon- fekiioneuse. Apollo- Theater. Spezialitäten- Borstelluna. Theater der Deichohalle». Spezialitäten-Vorstellung. Kaufmann s Dariötv. Spezialitäten- Vorstellung. Gebrüder Dichter'« Dariotö. Spe- zialitäten-Vorstellnng. Winter-Garten. Spezialitäten-Vor« slellung. Lrnst> Ilieater. Zum 83. Male: Modernes Babylon. Gesangsposse in 3 Alten v. Ed. Jacobson und W. Mannstädt. Couplets theilweise von G. Qörss. Musik von 6. Stelions. In Szene gesetzt von Adolph Ernst. Anfang TVa Uhr. American-Theater. Novität! Novität! Der Dussel (liulpus) Parodistisch-realistischer Vorgang in der Dachkammer, frei nach Ibsen und Tolstoi von Oscar Wagner. (Klemm- Eds.. Martin Bendiz.) Alfred Bender in seinem neuesten Originalvortrag Der Msllunld iu Berlin. Blank, der beste Bauchredner. Anhaltender Erfolg. Die Iroetawolmer. Castan's Panoptikum. Große Ausstellung lebensgroßer Wachsfiguren u. Gruppen. Nne Ncha: giMIiiiiu. Andere Illusionen. Fantoche-Theater. Castan's Irrgarten. Schre ckonskammer. Passage- Panopticum. Neu! TaS unerklärliche Verschwinden eines frei in der Luft hängend. Mädchens. Cipcus Renz. (Karlstraße.) Dienstag, 21. März, Abends 7V4 Uhr: Große außerordentliche Vorstellung. � Ein KönßlerA Sj roue Ausstattungs-Panwnnme. Neue Einlagen mit"überraschenden Wasser- u.Lichteffecten.Stinberordjcfier neu besetzt; neue Musik. Ballet von 100 Damen. Glänzeuder Blumeucorso. Grosses Brülant-Fenerwerk. Außerdem: SfiV Mr. James Fillis mit dem Sdiitlpjetbc Germinal. TB® Grande Quadrille de la haute equi- tation. EMf Das boxende Känguruh. Cavallerie zu Fuss ee. Morgen, Mittwoch, Abends 71/' Uhr: Er. Vorstellung. Gin Künftlerfelt. Billel-Vorverkauf an der Zirkuskasse u. beim„Jnvalidendank", Markgrasen« straße 51a, _ Fp. Renz, Direktor. Feen Palast Jeden Tag:* Gr. SMMten-Mßellllllg. Passepartouts u. Bons haben Giltigkeit. Unserm Vorsitzenden Paul Bensckke zu seinem heutigen Geburtstage ein dreimal donnerndes Hoch.(19-185 Die Mitglieder de» Gesangvereins . der Metallarbeiter„Osten". Todes-Anzeige. Den Mitgliedern des Uutersiüizuugs- Vereins Deutscher Hutmacher(Filiale Berlin) zur Nachricht, daß der Kollege Paul Bdmeidor gestorben ist. Die Beerdigung findet Dienstag, den 21. März, Nachmittags 1 Uhr, vom Trauerhause, Prinzen-Zllleo 33, nach dem St. Pauls- Kirchhof(Plötzensee) aus statt. 175/2 Um zahlreiche Betheiligung ersucht Orr Vorstand. Moritz- Ftadlissement Moritz- Platz. Buggenliagen. yia*- Täglich; I»Kr»mental-Kon?ert. Großer Früh Büchs- u. Wittags- tisch. Spezial-Ausschank von Vatzen- hofer Lagerbier, hell und dunkel. WW An Sonn- und Festtage» findet das Konzert in den oberen Säle» statt. Entree Wochent. 10 Pf. Sonnt. 25 Pf. Säle für Versammlungen, Kommerse, _ Festlichkeiten ee._ Qratweil's Bierhalleu Kommandantenstraße 77—79, Täglich: Gemania-Konz-ert- n, Kouplet-Sänger sowie großartige Bravourleistungen des von Pertusio, italienische Man- dolinen- und Serenaden-Sänger. EßSf Zwei Säle"MG zu Versammlungen und Vergnügungen, sowie S Billards und 3 Kegelbahnen. P. Sodtke. 15. April. Sonnabend umständehalber noch frei. Iö65b* C. Joel, Andreasstr. 21. ' Dr. Hoesch, Homöopath. Arzt, Linienstr. 149. ö-10, 5-7, Sonnt. 3-10. Todes- Anzeige. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß mein guter Mann, der Arbeiter Dustav Zutz im Alter von 32 Jahren am 18. d. M. an der Proletarierkrankheit gestorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch Nachmittag um 4 Uhr, vom Kranken- Hause Am Urban. Grimmstr., aus nach dem Emmaus-Kirchhof statt. sl942b Die trauernde Wittwe nebst Sohn. Verein st. Lithographen, Steindrucker u. Berufs- genossen Deutschlands. (Filiole Llerlin.) Mittwoch, den S£. März, Abends S'/a Uhr, im Lokale des Herrn Philipp. Rosenthalerstr. 38: VeckWellsmmier-NerMitll. Wir ersuchen darum, daß jede Druckerei k. ihren Vertrauensmann sendet. 208/13 Die Verwaltung Berlin. Achtung, Rixdorf! Meinen Bekannte». sowie einer werthen Nachbarschaft zur Nachricht, daß ich vom heutigen Tage hier, Steinuretzstr.»4, t. L, eine Wasch- U. Plöttänstalt eröffnet habe und bitte bei Bedarf mich zu berücksichtigen. Hochachtungsvoll Smil Neumann. Größtes Lager Berlins »Andreas Kr. Ält. Hp Vtreill zur Regeluilg der gtiverbl. lerpnifc der Töpfer Berlins und Umgegend. Außerordentliche Mitglieder-Versammlung am Mittwoch, den ÄS. März, Abends S Uhr, im Lokale des Herrn Philipp, Rosenthalerstr. S8. Tagesordnung: I. Fortsetzung der Statutenberathung. 2. Stellungnahme zur l. Mai- seier. 3. Wichtige gewerkschaftliche Angelegenheiten. 324/1' Um zahlreichen Besuch wird gebeten.?er Klarstand. ?opk, Gipsstraße 3. Versand nach Auswärts. „Zum Prophet" Weltstlms |für Herren- und Knaben-Garderoben.� Etage. Am Döuhoffplatz. eJU Ecke Leipziger- und Kommandanten-Straße. Kaufmanns Variete Am Stadtbahnhof Alezanderplatz. Graste SpeziMtell-Vchellllllg. Nallfländig neues prosrainn». rorn. Bölling, Original-August. Vmppe Bngoston, Akrobaten. Kolling Müller. Wasserkünstler. The Matinos, Exentries. Geschw. Taclanu, Tuettistinnen. Heinr. Bender, Humorist. Miss Victoria, Jongleuse und preisgekrönte Schön heir. Bigö Mano, Ungarischer National� Sänger, sowie sämmtl. engag. Spezialitäten Ankang Vochentags 3 Uhr. Entree 50 Pf._ AbtH. � Herretl-Nuziige m 0 Mark an M bis t» den feinsten('Qualitäten uarräthig. i. Anzüge II. Salon-Anzüge III. stammgar» u IV. Tnchhofen V. Paletots VI. Schlafröcke Vll. Westen Vllia. Knaben-Anziige Vlllb. S urschen-„ VIIlc. Jünglings-„ sonst 13— 43M. von 9M. an 39— 60„„ 20„„ 48-55„„ 32„. 6-26„. 21/a. 20-54„„ 9.. 16-36„„ 9„„ 6-13„„ l'/a. 4-10„„ 2„„ 0— 18>,•®«» 15— 30_ ,» B„„ Mein großer San! ist noch einige Sonnabende u. Sonn- läge im April und Mai zu vergeben. I Reinhold Krösche.Fichtrftr. 29. j Einsegmmgs-Anzüge in fitoRnvlIet. An»«nI,I von U M. an bis zn den ckkA! MF" Versand gegen Nachnahme."WfB Sszickemckatisllier Wahloereia für den 4. Berliner Reichstags-Wahlkreis. V o r F« m»»r l u n g am Dienstag, de» 21. März d. I., Abends � Uhr, im Lokale Wrangelstraße 0— 10. T.-O.: 1. Vortrag des Genossen Reichstägsabgeordneten Molkenbuhr. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Gäste willkommen. Neue Mitglieder werden in der Versammlung auf- genommen. Eintrittsgeld wird nicht erhoben. Der monatliche Beitrag kostet 20 Pf. Arbeitslosigkeit und Krankheit entbindet von dieser Zahlung. Das Vereinsvergnügen findet am 2. April(1. Osterfeiertag), Nach- mittags 4 Uhr, im Lokale Königsbank", Große Frankfurterstraße 117, statt. Billets i Person 20 Pf. sind auf den Zahlstellen, in den mit Plakaten ver- sehenen Geschäften, sowie in den Vereinsversammlungen zu haben. Hierzu ladet alle Genossinnen und Genossen ein 376/16 Der Vorstand. Lejfelltliche Volks-Versamiillililg für den 5. Berliner Reichstags- Wahlkreis am Donnerstag, den 23. März, Abends 8 Uhr» im Schüizenhause, Linienstrasse 5. Tages-Ordnung: 1. Stellung zur diesjährigen Maifeier. Referent: Reichstags-Abgeordneter Förster. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Festkomitees. Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. 351/2* Die N/s Uhr, bei Hoffmann, Oranienstraße 130: Versammlung."MG Tagesordnung: 1. Vortrag. Referent Dr. Lütgenan. 2. Diskussion. 3. Verbands- angelegenheiten. 4. Verschiedenes. 317/13* VorstandSsitznng am Donnerstag, den 23. März bei Schöning, Stall- schrciberstraße 29. Die Ortsverwaltnng. 36371.' Mnsik-Jnstrumente. Größtes Lager in Zithern, Violinen, Guitarreu, allen Blasinstrumenten, sowie Harmonikas jeder Art. 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Liebknecht: Ich habe nicht die Absicht, die allgemeine Lage zu besprechen oder gar Zukunftsmusik zu treiben, wie das Mode geivvrden ist, die Aufmerksamkeit des deutschen Volkes ist heule und für die nächste Zukunft auf einen einzigen Punkt ge- richtet: die Militärvorlage. Alle die Einwendungen, die wir bei der ersten Lesung des Budgets über diesen militaristischen Etat gemacht haben, bestehen noch heute in aller Kraft. Es sind vom Etat in der zweiten Lesung allerdings 16 Millionen abgestrichen worden, aber was bedeutet das bei einem Milliarden-Etat?! Die Militärvorlage hängt wie eine Wetterwolke über uns. Während das Volk die Entscheidung forderte, hat man sich hier wochenlang mit allen möglichen überflüssigen Dingen beschäftigt, nur um die Entscheidung über die Militärvorlage hinauszuschieben und eine weitere Möglichkeit zu Konipromissen zu erhalten. Jeder von uns ist des Redens müde, und ich habe das Wort n»r ge- nommen, um die Aufmerksamkeit des Volkes auf die Militär- vorläge hinzuweisen. Das deutsche Volk steht jetzt an einem Wendepunkte. Es bat energisch, fast einstimmig Protest erhoben gegen diese neue Mehrbelastung, die ihm zugemuthet worden ist. Alle Verhandlungen in der Militärkommission, alle Flugblätter zur Verlheidigung der Militärvorlage haben das Urtheil des denkenden Volkes nicht beeinflussen können. Gefährliche, politische Verhältnisse bestehen heute so wenig wie im vorigen Jahre. Diese Malaise, dieses Mißbehagen liegt in den allgemeine» Ver- Hältnissen, und wird durch den Militarismus durch die großen Armeen nicht beseitigt sondern vermehrt. Man hat auch nicht widerlegen können, daß bei der ganzen Situation Deutschland einen Krieg nach zwei Fronten nicht zu erwarten hat. Rußland ist militärisch überhaupt nicht zu fürchten, es ist Bankrott nach jeder Richtung hin. In Frankreich sind durch den Panama- skandal gerade diejenigen Parteien und Personen todt gemacht, welche der Revanchepolitik gehuldigt haben. Frankreich hat jetzt für sich genug zu thun, die politische Lage ist also für Deutsch- land günstig. Und wkrd etwa der Scharnborst'sche Gedanke durch die Militärvorlage durchgeführt? Mit Nichten. Wollen Sie den Scharnhorst'schen Gedanken wirklich durchführen, dann müssen sie zu dem Milizsystem übergehen, zu einem besseren meinetwegen als es in der Schweiz besteht. Der Grundunterschied zwischen unserer Weltanschauung und dem Militarismus trat scharf hervor bei der Frage der Militär- Mißhandlungen. Grauenhaste Thatsachen sind hier enthüllt worden. Daß sie nicht Ausnahmen sind, kann ich als Redakteur des„Vorwärts" am besten beurthcilen; ich kann den mir zu- gehenden Stoff kaum bewältigen. Nicht Ausnahme, sondern Regel ist, was wir an den Pranger gestellt. Die Wahrheit ist nicht mehr zu vertuschen. Wir alle haben entweder selbst der Armee angehört oder haben unsere Söhne oder sonst Angehörige darin. Man kann also die Militärverhältnisse nicht mit einer undurchsichtigen Glocke zudecken. Der Kasernenhof hat keine Ge- Heimnisse inehr. Wir zweifeln nicht an den Willen der Militär- behörde, Abhilfe zu schaffen, aber der Weg zur Hölle ist be- kanntlich mit guten Vorsätzen gepflastert. Diese Vorkommnisse liegen in dem System des heutigen Militarismus. Wo blinder Gehorsam verlangt, die Individualität de- Menschen erdrückt wird, kann keine Gerechtigkeit für den untenstehenden Menschen sein. Ich will hoffen, daß es nicht gelingt, die Aufmerksamkeit des Volkes abzulenken von der Frage, die jetzt allein für uns Interesse hat. Man will die Osterferien benutzen, um weitere Kompromisse zu schließen. Mögen solche Hoffnungen zu Schanden werden. Mein Hauptzweck ist es, die Wähler auf den Entscheidungskampf aufmerksam zu mache». Ich will hoffen, daß zeder Abgeordnete, der in bezug aus die Militärvorlage schwankt, von seinen Wählern ins Gebet genommen wird. Die Wähler müssen verhüten, daß die Schwache» umfallen, sie müssen ihren Abgeordneten das Rückgrat stärken und dafür sorgen, daß o. der Abstimmung hier im Hause der Militärvorlage mit einem massenhaften überwältigenden Nein entgegengetreten wird. Kommt dann die Auflösung, dann werden fa die„Vcrnichter" der Sozialdemokratie Gelegenheit haben Auge in Auge zu stehen mit der„vernichteten" Sozialdemokratie. Es ist für mich kein Zweifel, wer siegen wird, und daß das Volk bei den allgemeinen Wahlen der Militärvorlage gegenüber ein ebenso donnerndes und gewaltiges Nein aussprechen wird, als wir Sozialdemokraten hiermit«in entschiedenes Nein aussprechen gegenüber dem Gesammtetat.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Ahlwardt(Antisemit): Ich muß der Frage der Militärvorlage gegenüber auch Stellung nehmen und zwar bin ich ganz entgegengesetzter Meinung wie Herr Liebknecht. Ich illaube grade, daß die erschütterte Lage in Frankreich am leichte- ten zu einem Kriege führen kann, wie es in Frankreich imnier Mode war, innere Schwierigkeiten durch Diversionen nach außen zu überwinden. Auch mit der Ungesährlichkeit Ruß- lands ist es eine eigene Sache. In feinen unteren Schichten ist Rußland jedenfalls sehr vorwärts gekommen; namentlich seitdem es sich von dem Volksstamme zu besreien an- gefangen hat, der ihm verderblich ,var.(Heiterkeit.) Die all- geineine Wehrpflicht ist so lange ein Unrecht, so lange nicht alle gleichmäßig davon betroffen werden. Wir werden mithin ruhig vor unsere Wähler treten und sagen, wir stimmen für die Vor- läge, auch wenn sie eine Erhöhung der Präsenz bedeutet. Aber gegen die beabsichtigte Deckung stimmen wir unbedingt. Gegen eine Schnapssteuer stimmen ivir durchaus, da sie eine ganz ungerechte, fast unsinnige Stei er ist, weil sie den armen Mann 3—100 pCt. des Werlhes als Steuer auferlegt. Desgleichen widersprechen ivir durchaus der Biersteuer, aber wir stimmen ganz und voll für Militärvorlage, wenn die Regierung für anderweitige Beschaffung des Geldes annehmbare Vorschläge macht. Der Kampf um den Zukunjtsstaat in zweiter Lesung war sehr überflüssig. Unsere Nation ist deswegen so unglücklich, weil alles Kapital, alles Geld aus dem Volkskörper heraus- gezogen wird, um eine fremde Nation zu bereicher». Dadurch ist der Volkskörper blutarm geworden. Die Parteien wagen nur nicht, diese Wahrheit auszusprechen, weil ein Theil der Nation den Juden bereits zu sehr verpflichtet ist. Das Milizsystem ist für das Volk das gefährlichste von allen. Die Verluste, welche eine Miliz hat, sind geradezu ungeheuer. Das lehrt das Beispiel Frankreichs nicht minder wie das des nordamerikanischen Sezessionskrieges. Ich komme nun zu etwas anderem(Lachen links). Sie lachen schon wieder, ehe Sie etwas gehört haben(Zuruf links:'Unverschämtheit! Präsident: Ich rüge diesen Zwischenruf und würde den Urheber, wenn ich ihn erkannt hätte, zur Ordnung rufen). Der Reichskanzler hat mich einen Verleumder genannt und ich werde die Gründe für meine Behauptung letzt entwickeln. Wie die jüdischen Firmen es verstanden haben, sich Lieferungen zu verschaffen, haben uns ja die Zahlmeisterprozesse beiviesen. Nachdem die Militärverwal tung auch das Wichtigste, was sie bestellen kann, die neue Waffe, bei einer jüdischen Firma bestellt hatte, wurde mir mitgetheilt, daß dort die gröblichsten Unregelmäßigkeiten vorgekommen seien, welche die Wichtigkeit der Waffe beeinträchtigen müßten. Es fanden sich Hunderte von Personen, welche ihre eidesstattliche Versicherung vor Gericht iviederholen wollten. Diese Ver- sicherungen haben nach dem Reichskanzler keinen Werth. Was hat denn aber noch Werth? Die meisten Leute glauben doch noch an die Heiligkeit des Eides. Unter den Hunderten von Zeugen befanden sich freilich auch einige, deren Vorleben nicht vertrauenswürdig war; einer wollte thatsächlich dadurch nur Geld von der Firma erpressen. Nun stellten sich aber doch Dinge heraus von der allerschlimmsten Art. Es kam zu einem Prozeß, der das Elan plus ultra dessen ist. was in der preußischen Justiz möglich ist. In der Zeit der Sklaverei in Amerika konnte ein Schwarzer gegen den Weißen nicht als Zeuge dienen. Genau so war es hier in diesem Prozeß. Hunderte von Arbeitern meldeten sich; aber sie konnten alle nicht aufkommen gegen einige Sachverständige, welche noch dazu an der Lieferung betheiligt waren. Das sind doch schlimme Zustände. Das allerschlimmste war, daß der „Vorwärts", das sozialdemokratische Blatt, mir Unrecht gegeben und allen den Hunderten von Arbeitern nicht geglaubt hat. Er ging, wo es sich um die Juden handelte, einigermaßen von seinem sonstigen Prinzip ab. Unwiderleglich hat sich herausgestellt, daß die Läufe derart mißhandelt worden sind, daß man sich nicht mehr wundern kann, wenn eine große Zahl von untauglichen Gewehren vorhanden ist. Die Hälfte aller Läufe sind gedrückt worden. Nun hat sich, aber nicht bei diesem Prozeß, der dringende Verdacht herausgestellt, daß eine große Zahl herstanunt von solchen, die die italienische Regierung schon früher zurückgewiesen hatte. Der Kriegsminisler hat auch dies zurückgewiesen, aher er befindet sich in einem großen Jrrthum. Kurz vor dem Prozeß kam ein gewesener Buchhalter der Firma zu mir, der von Rache- gedanken erfüllt war. Herr Koppel in Solingen, ein Jude selbstverständlich, hat erstens eine eigene Fabrik und dann noch eine andere, welche Aktiengesellschaft ist, von der er die meisten Aktien besitzt. Letztere ist für Italien beschäftigt gewesen; 60 000 ihrer Läufe wurden zurückgewiesen. Als die Lieserung der neuen Waffe kam, wurden diese sämml- lichen Läufe nach Suhl geschafft. Der Kriegsminister sagt, die Läufe seien sämmtlich aus Spandau zu Löwe gekommen, Herr- Löwe hat aber eidlich ausgesagt, daß die Läufe theils aus Spandau, theils direkt aus Suhl gekommen seien. Auch hat Herr Löwe einen Meineid geleistet, wenn er sagte, die Kasten hätte sämmtlich die Militärverwaltung zu liefern, während ich einen Vertrag vorlegen konnte, der die Lieferung der Kasten an die Firma Löwe selbst festsetzt.(Vizepräsident Graf Ballestrem: Ich kann nicht zulassen, daß ein Mann, der sich nicht vertheidigen kann, hier des Meineids heschuldigt wird; ich rufe den Redner dafür zur Ordnung!) Dann beschränke ich mich aus die Konstatirung dieser Thatsache und überlasse das Urtheil dem Hause. Wir stoßen also hier auf eine Fülle von Widersprüchen. Die Läufe sind ferner derart geschmirgelt worden, daß ein er- heblicher Metallverlust eintrat; Nachts arbeitete zu diesem Zwecke ein besonderer Balancier. Eine große Zahl von Kolben ist ge- leimt worden. Ferner sind eine Menge Gewehre mangelhaft revidirt worden, weil die zur Revision beorderten Büchsenmacher infolge der Maifeier zu anderen Fabrikarbeilen veranlaßt wurden. Die Sachverständigen haben alles vortrefflich gesunden. Nun wurden bei einer einfachen Landwehrübung, wo nur zwanzig Patronen verschossen wurden, bei einem Bataillon 62ö Gewehre unbrauchbar. Das Bataillon war also doch geradezu wehrlos und könnte im Ernstfall mit Knüppeln todtgeschlagen werden. Wenn schon bei 20 Patronen so viel Stücke herausspringen, was wird erst geschehen, wenn öv oder 100 Patronen in kurzer Zeit verschossen werden? Dann werden wohl nicht mehr viele von den Geivehren brauchbar sein. Es war also wohl angebracht, diese Mißstände zur Sprache zu bringen; dem Vaterlande wird damit nicht geschadet, sondern genützt. Nun hat die Militärver- waltnng durch ihre Sachverständigen zu verhüten gewußt, daß Leute vernommen wurden, die das Gewehr im Kriege erprobt haben. Zintgraff hat selbst mitgetheilt, daß er für seine Expedition um Gottes willen keine Löwe'schen Gewehre mehr haben wolle, die nur ihre eigenen Träger gefährdeten. Eins der Mitglieder dieser Expedition war in Deutschland und bot sich freiwillig zum Zeugniß an; er wurde aber nicht vernommen, und ich muß deshalb einen sehr schweren Vorwurf gegen dieses Verfahren erheben. Einen schweren Vorwurf erhebe ich noch speziell gegen den Kriegsminister. Ein Gespräch zwischen Löwe und englischen Lieferanten, worin es sich darum handelt, schlechtes Material zu liefern und die Verwaltung zu betrügen, war von Graf Hohenihal belauscht und dem Knegsminister gemeldet worden. Aber statt diese Meldung zu verfolgen hat er dazu beigetragen, die Sache zu unterdrücken. Er hätte sie direkt an Sr. Majestät gelangen lassen sollen. Eingabe» von Regimentern über die schlechten Gewehre sind gewiß sehr zahlreich an das Kriegsministerium gekommen; die aus Wesel ist die einzige, die in meine Hände gekommen ist. Ich blicke jetzt mit einer gewissen Hochachtung aus Frank- reich; es ist stark genug, um den Muth zu haben, lim emen un- erhörten Schaden, Oer ihm droht, aufzudecken; ich hätte es wohl gewünscht, wenn in meiner Angelegenheit eine schärfere Unter- suchung erfolgt und die nöthigen Folgerungen gezogen wären. Das Entfernen des Krankheitsstoffes ist die Hauptsache, nicht das Vertuschen desselben. Die Büchsenmacher haben dauernd Geld erhalten und es ist garnicht möglich, daß Herr Löwe davon nicht Kenntniß erhalten hat als Leiter der Fabrik. Daß er die besten Absichten gegen unser Vaterland nicht gehabt, geht doch daraus hervor, daß er in der Zeit des Boulangismus, Ivo alles patriotisch erregt war, Frankreich in den Stand setzen wollte, schneller seine Waffen zu fabriziren, um über uns herzufallen. Noch einige neue Thatsachen. Eine Anzahl neuer.Erklärungen von Arbeitern sind mir zugegangen; alle betonen, wir können nicht mit unserm Namen hervortreten, wir werden brotlos. Einer, der 1 Monate keine Arbeit gehabt hatte, hat sich gestern aus Mangel an Existenzmitteln aufgehängt. Das werden die anderen schließlich auch thun müssen(Heiterkeit links); denn das ist das Ende, für ihre Wahrhaftigkeit wird ihnen die Existenz unmöglich gemacht. Alle Zeugen, die erwas Ernstes aussagen wollten, sind fortgeschafft worden.(Lachen links.) Da ist der Zeuge Krühahn. Er hat eme größere Geldsumme erhalten. Der Fehler ist gemacht worden, daß man ihm nach dem Prozeß kein Geld mehr gegeben hat. Jeder Beweisantrag ist mir ab- geschnitten worden, weil dadurch blos der IZrozeß verschleppt würde. Das ist unerhört. Der Prozeß war ein Zusammenspiel von hinten herum wirkenden Dingen aller Art, und es scheint mir ein Hohn aus die Gerechtigkeit, in diesem Prozeß von Gerechtigkeit zu reden. Ich habe eine Judenfirma angegriffen und habe gezeigt, daß sich der Staat hat belrügen lassen. Das ist noch kein Angriff auf den Staat. Ich habe nur eine Warnung damit ertheilen wollen an den Staat, das war der einzige Zweck. Im übrigen trete ich für die Forderungen ein, welche von Staats- wegen gestellt werden. Ich habe keinen einzigen Offizier ange- griffen. Je edler ein solcher ist, desto leichter kann er von Juden betrogen werden. Deutsche Handwerker, deutsche Innungen, deutsche Kauslente werden bei Lieferungen vielfach übergangen trotz dieser bösen Erfahrungen. Reichskanzler Graf v. Caprivi: Der Umstand, daß der Abg Ahlwardt jetzt Mitglied dieses Hauses ist und die Achtung vor diesem Hause hindern mich, ihm zu erwidern, was ich ihm sonst erwidert haben würde.(Sehr richtig! links.) Vor einigen Tagen habe ich gesprochen über unsere Artillerie in Afrika, die dort in unglaublich kurzer Zeit zu Grunde gegangen ist; es liege das wahrscheinlich an schlechter Behandlung. Ganz dasselbe wird von den Zintgraff'schen Gewehren gelten. Eine Reihe von Beschuldigungen gegen die preußische Militär- undJustizverwaltung hat der Redner ausgesprochen, gegen welche ich Stellung nehmen muß. Die Löive'schen Gewehre sind durchaus gut, habe ich ausgesprochen. Wenn nun heute noch einmal vor dem Auslande unsere Be- waffnung als minderwerthig hingestellt wird, muß ich mir aus Achtung vor dem Hause versagen, diese Sache gebührend zu kennzeichnen. Herr Ahlwardt mag sprechen so viel und so oft er will, niemals wird er im stände sein, das jahrhundertelange Ansehen der preußischen Justiz und des Heeres zu erschüttern. (Beifall.) Kriegsminister v. Kalteuvoru: Wenn die Vorwürfe des terrn Ahlwardt zutreffend wären, so hätten Offiziere und eamte der Heeresverwaltung unverantwortlicher Weise ihre Pflicht verletzt. Aber es ist in keinem einzigen Falle eine solche Pflichlvernachlässiung erwiesen. Wir mußten die Neu- bewaffnung der Infanterie so schnell vollziehen, daß auch die Privatindustrie herangezogen werden mußte, die Firma Löwe war der Verwaltung als leistungsfähig bekannt, und fie hat die 123 000 Gewehre zur höchsten Zufriedenheit geliefert. Die eidesstattlichen Versicherungen haben nach meiner Meinung nicht den Werlh. den der Abg. Ahlwardt ihnen beilegt; vor Gericht haben diese eidesstattlichen Versicherungen keinen Werth. Nach den dienstlichen Meldungen, die ich erhalten habe, sind seitens der Verlheidigung und des Angeklagten die Sach- verständigen und Zeugen, die ich dahin geschickt hatte, ihrerseits wie Verbrecher behandelt worden. Ueber Schmirgeln und Drücken verliere ich kein Wort mehr; was da geschehen ist, ist mit Zustimmung der Behörden und zum Vortheil der Waffen er- folgt. Absolut unrichtig ist, daß irgend eine Solinger Fabrik Gewehre für die Löwe'sche Fabrik geliefert.hat! Daß die Büchsenmacher zur Arbeit kommandirt wurden, ist in dem Sinne nicht ganz zutreffend. Es wurde ihnen infolge der Arbeitseinstellung der Arbeiter gestattet, kleine unwesentliche Reparaturen auf Kosten der Fabrik vorzunehmen. Die große Zahl reparaturbedürftiger Gewehre, welche ein Landwehrbataillon zurücklieferte, wies Fehler an der Kammer auf, welche durch ge- waltsame Untersuchung nach dem Gebrauch entstanden waren. Von der Biittheilung, welche ich erhalten haben soll, weiß ich nichts. Der Offizier, der damals den Dienst hatte, erinnert sich des Falles auch nicht. Die Löwe'schen Gewehre sind in keiner Beziehung weniger gut als die in Staatsfabriken hergestellten. Abg. Richter(dfr.): Die Lieferung an daS Ausland, mit welcher Herr Ahlwardt die Firma Löwe denunzirt, ist von einer anderen deutschen Firma effektuirt worden, ohne daß irgend jemand etwas dagegen einzuwenden gehabt hätte. Die Schichau'sche Werft in Danzig liefert für Rußland Torpedoboote. und der Staatssekretär des Reichsmarine-Amtes hat sich damit in der Bndgetkommission ausdrücklich einverstanden erklärt. Von alle dem, was Herr Ahlwardt als festgestellt erklärt, ist im Pro- zesse das gerade Gegenlheil festgestellt.(Hört! Hört!) Die Ge- schichte mit den 60 000 Geivehren aus Solingen ist vollständig erfunden; darüber haben wir das übereinstimmende Zeugniß des Reichskanzlers, des Kriegsministers und des Herrn Löwe und der Solinger Firma. Ueber die Urkunde, welche seine Behauptungen beweisen soll, hütet sich Herr Ahlwardt näheres anzugeben. Auf solcher Grundlage übernimmt es der Herr, einen Mann außerhalb dieses Hauses eines Verbrechens zu zeihen. Dieses Vorgehen richtig zu bezeichnen, hindert mich die parlamentarische Sitte. Die Kronzeugen des Herrn Ahlwardt hatten vorher 13 000 M. von der Firma verlangt; sie waren abgewiesen worden und stellten sich dann Herrn Ahlwardt zur Verfügung. Was als Unregelmäßigkeit behauptet wurde, ist in vielen Fällen gar keine Unregelmäßigkeit gewesen, so das Schmirgeln; bezüglich der Kriegsbrauchbarkeit konnte dies nicht den minderen Einfluß haben. Auch hatte die Firma nicht das mindeste pekuniäre Interesse an der Vornahme solcher Unregelmäßigkeit. Der Präsident des Gerichtshofes selbst hat Herr» Ahlwardt gesagt, daß die eides- stattlichen Versicherungen nicht die Tinte und das Papier werth seien, aus dem sie geschrieben standen. Herr Ahlwardt beruft sich auf einen gewissen Krähahn, der fortgeschafft worden sei. Ich weiß zufällig etwas von diesem Krähahn. Als die Ahlwardt'sche Broschüre so viel Aufsehen machte, spricht mich aus der Friedrich- straße ein Mann an, den ich nicht kenne. Er sagt: Ich bin Krähahn(Große Heiterkeit)• ich möchte Sie gern sprechen, um einmal den Ahlwardt gründlich zu entlarven.(Heiterkeit.) Ich sagte ihm, er sollte mir, was er wollte, schriftlich schicken. Das ist unterblieben. Dann hat Herr Ahlwardt wieder die Büchsen- macher bezichtigt, daß sie bestochen worden seien. Gerichtlich ist beiviesen, daß die Büchsenmacher mit Zustimmung der vorgesetzten Militärbehörde beschäftigt worden sind in ihren freien Stunden im Dienste dieser Waffenlieferung während der Arbeitseinstellung. In dem gerichtlichen Urtheil heißt es dieserhalb: Es ist kein Wort davon wahr; und gleichwohl nimmt sich Herr Ahlwardt heraus, hier vor dem Deutschen Reichstage etwas zu behaupten, dessen Unwahrheit derartig feststeht. Bewiesen ist, daß Löwe nichts von diesen Unregelmäßigkeiten gewußt hat, und es ist nicht erwiesen, daß Direktor Kühne davon etwas gewußt hat. Die Sprengungen von Gewehren betreffen Ausschließlich solche Gewehre, welche nicht bei Löwe hergestellt sind. Graf Hohen- thal's angebliche Mittheilung ist ja schon Gegenstand des Pro- zesses gewesen; Graf Hohenthal ist vernommen worden und er- klärte, absolut nicht inehr zu wissen, um was es sich bei dem belauschten Gespräche handelte. Ebenso wenig wissen die be- theiligten Offiziere etwas von dem Inhalt dieser Mittheilung, nur Herr Ahlwardt, der nicht dabei war, weiß es noch ganz genau.(Große Heiterkeit.) Die Vernehmung des Generals von Hranckenberg, jetzt in Königsberg, ist vom Gerichtshof ab- gelehnt worden. Herr Ahlwardt redet kraus durcheinander, ob absichtlich oder durch Naturanlage, weiß ich nicht(Heiterkeit); er hält die Thatsachen und die Blüthen seiner Phantasie nicht auseinander. Die höchsten Blüthen derselben, daß die allianco israelite mit diesen Gewehren die Hohenzollern- Dynastie stürzen wolle, hat er allerdings nicht vorgebracht. Durch den Judenhaß allein wird mir seine Aufführung auch nicht verständlich. Jüdisch ist nur der Direktor der Fabrik. Nach dem Wortlaut des Urtheils beleidigt der Angeklagte ge- wissermassen gewerbsmäßig.(Hört! Hört!)„Wenn wir Hunderte von Ahlwardts hier in Berlin hätten, würde sich kein Mensch getrauen, auf die Straße zu gehen, es würde eine allgemeine Unsicherheit Platz greifen."(Hört! Hört!) Diesen Herrn muß man unschädlich machen vor der Oeffenllichkeit. Das ist der Segen des Parlamentarismus, daß er Person und Verhältnisse klar erkennen läßt, was sie tverth sind. Ich werde mich an dieser Klarstellung nach Kräften auch serner betheiligen.(Beifall links.) Abg. Ahlwardt: Der Reichskanzler hat eine so große Achtung vor dem Hanse, daß er die Form der Antwort anders wählt, I ■ s" sonst gewählt haben würde. Seine Logik kann ich nicht kntlsiren. besonders dann nicht, wen» ich bedenke, wer an dieser Stelle früher gesessen hat.(Lachen links.) Aus Achtung �su'ch dieie andere Person hier nicht nennen. Was bei der •öliitgraft scheii Expedition sich ereignet hat oder nicht, darüber wollte ,ch mit dem Reichskanzler nicht debattiren, sondern ich «L J30®&cr betreffende Zeuge nicht vernommen ist. Ich will das Ansehen von Militär und Justiz nicht erschüttern. sondern d,e schliminste» Uebelstände abschaffen. Ich habe nicht gel prochen von Pflichtvernachlässigung, sondern von großer Täuschung der Militärbeamte» und Offiziere. Aus Furcht vor dem Auslände stellt man das Untauglichwerden so vieler Gewehr- als eine Kleinigkeit hin. Nu» sagt man o-!1''ua§ da ausgeführt wurde an den Gewehren, war geboten. 'ff also geboten und verboten ganz gleichbedeutend, denn in der �n>lruktion ist das olles absolut verboten, drücke», schmirgeln ü'' rie Büchsenmacher haben ganz reguläre Arbeiten an o aÄ gemacht. Ter Oberbüchsenmacher hat i» kurzer Zeit 18 000 Gewehr« repanrt, ohne Erlaubniß der Vorgesetzten: es ist nur erklärt worden, er würde dje Erlaubniß erhalten yaben, wenn er darum«ingekommen wäre. Wen sollen denn die Franzosen hoben tvdtschieße» wollen mit den Gewehren, welche �öive ihnen liefern wollte? Löwe's Anerbieten erfolgte in einer Zeit schwerster Krisis, wo eine Kriegserklärung in der Luft lag. Herr Boulanger hat die Offerte nicht angenommen, wahrscheinlich Zouvw er, was das für Gewehre waren.(Große Heiterkeit.) Dt- Ansicht der Arbeiter halte ich für werthvoller als die Be- sireituug der Sachverständigen und sonstigen Belheiligten. (Zwischenruf: Warum sind Sie denn verurthcilt worden?) Ja. Ta müssen Sie den Gerichtshof fragen.(Große Heilerkeit.) Herr Richter macht mir den Vorwurf, ich spräche kraus durcheinander: das liegt dann, daß ich ohne zede Nebenabsicht die Wahrheit will. Dt- Bestrafungen der Zeugen machen die Leute doch nicht ohne wettercs unglaubwürdig. Ist die große Mehrzahl der übrigen Zeugen unglaubwürdig, weil einer von ihnen»inen dummen Streich gemacht hat? Das Schmirgeln ist nicht als erlaubt erwiesen worden; die Sachverständigen waren nur darüber»newig. ob es einmal angewendet, schädlich sei. Daß die Firma tem peukuniäres Interesse haben sollte, ist wohl das Juterestanteste an den Ausführungen des Herr» Richter. Die «idesstattllchen Versicherungen sollen nicht das Papier werth sein, aber wenn sie einen Wahlzettel abgeben, auf dein ,, Richter steht, dann ist es doch etivas anderes. Ob em- seelische Verwandtschaft zwischen Herrn Richter und Plt5\A*0�,L00vIief)t' ,D'[I ich»»untersucht lassen.(Heiler- kett.) Wie ein Ober-Büchseninacher 18 000 Gewehre soll repariren iLiinen, weiß ich nicht, und wie sie haben auf dem bloßen Transport von Martinickenfelde nach Spandau schadhaft werden können, blelbt mir auch unklar. Ich wollte weder Herrn Löwe. noch sonst wen beleidigen; ich wollte nur de» Staat reiten(Ah! links) und habe das Meinig« gethan. Was Herrn Kühne be- trifft, so ist sestgestellt worden, daß er sich von fern hingestellt hat, um zu sehen, ob das drücken auch nicht so ungeschickt ge- macht würde, daß der Revisor die Betreffenden dabei abfaßte; rs war alles so eingerichtet, daß der Fehler immer auf unter- geordnete Organe fallen mußte. Ich habe jetzt Zeugen gesunde», welche wissen, was Graf Hohenthal damals gehört dat. daß verabredet worden wäre, schlecht zu liefern, daß die preußischen Offiziere leicht zu betrügen seien. Der Offizier, der den Grafen damals vernommen hat. hat ihn zu Protokoll vernommen und muß davon wissen. Die weiter- Meldung ist aber an besti»»i>ter Stelle vorschriftswidrig hänge» geblieben. Herr Richter spricht von mmer Phantasie; er drückt Uch damit sehr zart aus. Nackt zutage liegende Thatsachen nicht sehen zu umflesi, wenn es sich vi» Juden handelt, das ist Ihre Kunst- Ich ziehe gar keine Schlüsse daraus, daß Herr von Goßler Einfluß aus die Lieferung der Gewehre haben sollte, daß er sogar ein Schwager des Herrn Brauseivetter sein soll: davon nehme ich keine Notiz. Faualismus kenne ich mcht. Bor dem Ruin kann Deutschland nur eine schleunigste Trennung der beiden Völker rette», von denen jetzt das«ine das andere aussaugt: um diese schleunige Trennung mächte ich auch den Reichstag bitten.(Heiterkeit.) Krlegsminister v. Kaltenborn: Der Oberbüchseumacher Kirch in Spandau hat im Ganzen 400 M. bekommen. Ob das für 18 000 Gewehre ausreicht, überlasse ich dem Urtheil des Hauses. Sächsischer Generalmajor v. Schliebe»: Ich habe der Er- klärmig des sächsischen Kriegsministers bei Gelegenheit der Jnter- pellaliou Buhl nichts hinzuzufüge». Abg. Licbermnmt v. Ronnenberg(Antisemit): Der Abg. Ahlwardt hat über die Mililärvorlage seine eigene Meinung aus- gesprochen. Ich werde erst, wenn unser deutsch-sozialer Parteilag zusammen sein wird, mich äußern und dahin wirke», daß ihre Stellung eine dem Vaterlande nützliche sein wird. Unsere Stellung zu der Judenfliuteusrage war eine andere als die Ahl- wardt's, aber überrascht hat es uns all» auss höchste, daß nickt schleunigst eingeschritten wurde, daß man nicht sofort Ahlwardt, Löwe und Kühne i»S Untersuchungsgefängniß setzte. Dan» wäre die Sache in 14 Tagen abgemacht gewesen. Auch der Gerichtshof hat nicht Verleumdung festgestellt, sondern ihn nur wegen Beleidigung verurtheilt. Sin seiner Gut- gläubigkeit zweiselte weder der Gerichtshof, noch zweifle ich daran. Di» Erklärung des Kricgsministers im„Reichs-Anzeiger" vom 29. Mai v. I. mußte genügen; ein preußischer Kriegsminister kann das nicht aussprechen, wenn es nicht wahr ist. In der ganzen Armee habe ich nirgends einen Anhalt bekommen dafür, daß die Qualität der Geivehre Löwe's anders ist als irgend welche andere. Warum man die Interpellation Buhl damals stellte, ist mir nicht klar geworden. Ein erfreuliches Bild war es mir nicht, als ich an jenem Tage in den Wandelgängen des Hauses die Herren Buhl und Marquardsen mit Herr» Isidor Löwe verhandeln sah. Es hat so ausgesehen, als ob die Juter- pellation lediglich eine Reklame für die Fabrik Löwe sein sollte, und so hieß es denn nachher auch in der Presse. Nun ist doch genug aus dem Prozeß übrig gebliebe». um der Neichsregierung zu sage», daß in der Fabrik doch Sachen vorgekommen sind, die stutzig machen müssen und daß es nicht ganz verständlich ist, wenn der Reichskanzler sagt, der Gedanke sei der Regierung noch nie gekommen, künftig keine Bestellung bei Löwe mehr zu mache». Warum«soll der Fabrikleiter nicht verantwortlich sem für die Fehler, die seine Untergebenen machen? Wird doch der Hauptmann für seinen Kamuiirunterossizier unter allen Umständen verantwortlich gemacht. Ein» Firma, welche die revidirenden Offiziere täuscht, verdient doch nicht daS Zutrauen, daß sie unier allen Umständen so arbeitet, wie man es verlangt. Und wen» nachher die Boulanger» Enthüllung kam. so war diese Sache doch nicht harmlos und ist auch im ganzen Lande nicht als harmlos angesehen worden. Man sollt« darüber nicht so den Mantel der allgemeinen Judenliebe decken. Hier wäre es am Platze gewesen, sich von der Firma loszusagen. Herr Richter hat die Löive- Affäre wohl auch nicht blas wegen der Würde des Reichstages verwerthet; die Fretfinnigen hängen von den» Gelde der Juden ab und müssen sich ihnen jetzt vor de» Wahlen ganz gehorsamst empfehlen. Die Vorkommnisse in der Fabrik sollten doch die maßgebenden Faktoren zu der Erklärung bewegen, daß man sich ferner mit der Firma nicht mehr in Ver- bindung setzen will. �... �- Abg. Buhl(natl.) weist entschieden dl« Insinuation zurück, als ob die vo» ihm und Marquardsen eingebrachte Interpellation bestellte Arbeit gewesen sei. Einen Ehrenmann, wofür ich Herrn Löwe halte(Bravo!), werde ich mir jederzeit, wenn ich es zu meiner Information für nöthig halte, vorstellen lassen. Kriegs», inister v. Kaltenborn: Wenn die Erklärung im .Reichs-Anzeiger" nicht früher erschienen»st, so liegt das daran, daß ich mich erst ganz genau insormiren wollte. Ich habe die Erklärung unverzüglich abgegeben, als ich nach den, Gang der militärgerichtlichen Untersuchung die Sache übersehen konnte. Herr Löwe hat als Leiter der Fabrik nichts mit den Arbeiten selbst zu thun. Die vorgekommenen Unregelmäßigkeiten sind ge rade durch die dorthin geschickten Offiziere aufgedeckt und ab gestellt worden. Abg. Nichter: Herr Ahlwardt schlägt sich selbst, wenn er außsührt, daß Löwe den Franzosen schlechte Gewehre hätte liefern wollen. Das müßte doch als eine patriotische That angesehen werden. Von der Lieferung von Gewehren war keine Rede in jenem Anerbieten; es handelt sich da um die Lieferung von Maschinen. Die Firma, welche die Maschiuenlieferung dann erhallen hat, ist seinerzeit in allen Blättern öffentlich ge- nannt worden. Nicht ich, sondern der Präsident des Gerichts- Hofes hat erklärt, daß die eidessiattlichen Versicherungen der Ahl- wardt'sche» Arbeiter nicht das Papier und die Tinte werth seien. Kühn ist kein sogenannter Nichljude, sondern es ist fest- gestellt, daß unter seinen Vorfahren, so weit er übersehen könne, kein Jude sich befindet. Herr Liebermann von Sonuenderg thut, als ob er wunderbar schttinme Dinge wisse, die er aber hier nicht sagen wolle. Solches Verfahren ist noch weniger moralisch als dasjenige Ahlwardt's. Die Herren sind einander werth. Was wäre das für eine Justiz, wenn Ahlwardt und die Firmeninhaber sofort in das Gefängniß geworfen wurden? Das ist die Justiz der Zukunft, des antisemitischen Zukunstsstaates! Dem zieh« ich denn doch den sozialistischen vor!(Stürmische Heiterkeit.) Hat den» die Erklärung des Kriegsministers das Mindeste an dem antisemitischen Treiben geändert? Die Einbringung der Jnter- pellation war geradezu ein Gebot der patriotischen Pflicht gegen- über den Agitationen ganzer Parteien, die sich nur von Un- wahrheilen nähren. Herr Ahlwardt ist uns in seiner ganzen Haltlosigkeit jetzt offenbar; das ist der Vortheil, wenn man solche Herren zur Diskussion z>vingt. Hat er nicht wider besseres Wiffe» gehandelt, was ich nicht entscheiden will, dann ist es um so schlimmer um die Geiitesversassung dieses Herrn bestellt. Läßt sich die Sache nicht besser vertheidigen, dann steht fest, daß diese ganze Bewegung auch nicht einmal die geringe Be- achlung verdient, welche man ihr hier und da im Lande ge- schenkt hat. Abg. Ahlwardt: Die Zahl 18 000 ist von dem Bücherrevisor aus den Büchern herausgezählt und unter Eid festgestellt worden. Auf die Frage der Gewerbsmäßigkeil kann ich Herrn Richter nicht folge». Herr von Liebermann ist durch die öffent- liche Erklärung im„Reichsauzeiger" überzeugt ivorden. Ich frage nach wie vor, ob er noch inehrere solche Berichte wie aus Wesel erhalten hat. Das Bataillon, welches damals in Wesel übte, war fast ganz mit Lvwe'sche» Gewehren ausgerüstet.(Zuruf links: Welches Bataillon?) lieber die Thatsachen ist niemand i» Deutschland im Unklaren. Die Löwe'schen Gewehre taugen »ichtö. das wissen alle!(Gelächter aus allen Seiten des Hauses.) Herr Löwe hat vor Gericht beeidet, daß ihm kein Schaden aus der Sache erwachsen sei. Als er dies beeidet hatte, bezog sich der Präsident auf amtliche Aktenstücke aus der Reichskanzlei, welche sich auf dieselbe Frage bezogen. Ich bitte das Haus sich darüber ein Urtheil zu bilden. Daß eS sich um Maschinen und »»cht um Gewehre handelte, ist ganz nebensächlich, wenn die Maschinen fest sind, geht es mir ver Herstellung der Gewehre »m so rascher. Ich habe im Gefängniß keine Zeilung erhalten, konnte also auch nicht erfahren, welche Firma die Lieferung später bekommen hat. Herr Richter spricht von meinen Helden- thaten, von nieinen Lorbeeren. Eiuen Lorbeerkranz verdiene ich noch nicht, den will ich erst dann habe», weni, der letzte Jude in Hamburg aufs Schiff gestiegen ist.(Große Heiterkeit.) Abg. Liebermann v. Sounenbera: Ick bin von dem Kiriegsiui, lister mißverflaiiben worden. Wenn Löwe nicht ver- antivortlich ist, so sind darüber die Ansichten verschieden. Ob Löwe Besitzer und Kühne Direktor, ändert doch nichts an der Firma. Der Abg. Buhl hat in meine Worte hineingelegt, was nicht darin lag. Herr Richter hat sicher für die Wahlen sich eineii großen Stein im Brett bei den Juden verschafft, ivenn er sich so energisch ins Zeug für sie gelegt hat. Herr Richter ar- bettet heute mit dem Erkountiiiß eines Gerichtsdlrektors, den er sonst in seiner Zeitung nicht h-slig aeuug angreisen kann und dessen Verfahren auch im preußischen Abgeordnetenhause von den, Justizniinlstsr rcprobirt worden ist. Neue belastende Momente kann ich hier in der That nicht vorbringen, wenn ich meine Zeuaen nicht gleichzeitig nennen darf. Herr Richter stellt es als unerhört dar, daß wir die Absührung der Herren in die Unter- 'uchunachafl gefordert habe». Unschuldige werden alle äugen- lieflich verhaftet.(Widerspruch rechts). Ja, hat man nicht Herrn Paasch wegen Fluchtverdachts sogar aus Leipzig hierher geholt? Die Affäre mit Boulanger ist Jlinen(links) offenbar nicht recht aiigeiichiii. Herr Richter als Schutzpatron der Wahrheit das ist ei» Bild für Götter! Mich werden Sie durch Fhre Angriffe nicht herabsetze». Ich spreche niemals bewußt die Unwahrheit auß. Was Herr Richter mir entgegnet hat, war in mehreren Punkten unwahr.(Präsident v. L e v e tz o w bittet, solche Aus- drücke nicht von Abgeordneten zu gebrauchen). Herr Richter hat dasselbe Wort gebraucht. Er kann mich nicht beleidige»; denn vor Sekundauten schützt er sich hinter Prinzipien.(Unruhe links). Abg. Nichter: Ich möchte mit einer Variation des be- kannten Sprichwortes erwidern: Mit welchen Kollegen muß man sich hier herumschlagen!(Oho! rechts.) Herr Liebermann von Soiineilbcrg hat selbst ösfeiitlich erklärt, daß er für diesen„Herrn" nicht eintreten könne bei der Wahl. Nachher hat er sich für ihn und seine Verlheidiger ins Zeug gelegt. Die Herren suchei, jetzt auf ihrem Rücfziige noch allerlei Seitensprünge; so Herr von Lieberuiaiin, der da sagt, ich weiß elivas, aber ich werde eS nicht sagen. Das ist die Art, wie gewiss» alte Damen- im Kaffee« kränzchen verfahren. Man könnte eine Firma nicht schwerer chädigen, als wenn man in dieser Weise ihre Ehrenhaftigkeit in Ziveifel zog in Broschüren und in der Oeffentlichkeit. Herr von Litbermani» kennt nichts als Wahlagitation, und so ist»hin auch dies nur Wahlagilation. Nicht ich, sondern das Gericht hat Herrn Ahlwardt für einen gewerbsmäßigen Beleidiger erklärt. das Gericht und nicht der Präsident desselben. Herr Ahlwardt weiß noch heute nicht, wie die Vergangenheit beim Weseler Landivehrbataillon nach den Ausführungen des Reichskanzlers iLwese» ist. Gerade dies« Behauptungen Ahlwardt's haben dem lieichSkauzler zu seinen scharfen Braiidunirkunge» Beraiilassiing gegeben. Die Papiere, welche Herrn Ahlwardt hierbei die»«» mußten, wäre» gestohlen. Das Größenbewußlsein dcs Herrn ist unbegrenzt. Das ganze Haus einschließlich des Herrn von Lieber- nioiiil glaubt nichts vo» seinen Behauptungen; und doch schließt dieser Herr damit, die Löwe'schen Gewehre lauge» nichts! Diese taltung verbreitet auch pathologisch über Herr» Ahlwardt völlige larheit. Abg. Liebevlnanu von Sonnenberg verwahrt sich gegen den Ausdruck„Kaffeekränzchen"; wenn er Kaffeeklatsch lesen wolle, nehme er dir„Freisinnige Zeitung". Wenn Herr Richter von Wahlagitation spreche, so mag er doch lieber aus de» Kern- puukt komme», dieser Kernpunkt heißt Boulanger: die Kbeäus, die sftlta!(Heiterkeit.) Abg. Ahlwardt: Zum ersten Mal besteht zwischen mir und Herr», Richter eine aeisnge Verwandtschaft. Als er das Sprich- wort mit der Variation gegen Herrn von Liebermann anwandte, dachte ich genau dasselbe, nur nicht mit der Variation!(Große Heiterkeit rechts.) Wir sind keineswegs auf der Flucht, sondern»in Vorrücken. Di» Haupifache ist nicht Bou- langer, sondern Löwe. Wenn von 1000 Gewehren 625 schlecht sind, so ist hierüber Klarheit nölhig. Herr Richter spricht das Wort palhalogifch aus(Zurus: Pathologisch! Heiterkeit, die sich wiederholt, als der Redner fortfährt von Pathalogie und pathologisch zu sprechen). Das ist ja immer der Ausweg, wen», die Herren in die Enge getrieben sind, aus das Irrenhaus zu verweisen. Abg. Vuhl(ntl.): Ich»«»»« Herrn Löwe einen Ehren- mann trotz des Vorganges mit Boulanger. In der Budget- Kommission habe ich bezüglich der Torpedoboote aus Anfrage die Antwort erhalten, daß die MarineverwaUung mit der Lieferung derselben seitens der Schichau'schen Werft an Rußland eiuver- standen sei. Diese Lieferung hat mit dem Angebot Läive's genau denselben Werth.. � � Abg. Richter; Was ich über Boulanger sagte, hat Herr Liebermann wohl nur nicht gehört; es deckt sich mit dem, was Herr Buhl darüber gesagt. Abg. Liebermann von Sonneubera: Herr Richter über- sieht die anders liegenden politischen Verhältniffe; wir standei» damals zu Frankreich im allergespann testen Vcrhältniß. Ziemlich einstimmig ist in der gesammten Presse der Firma Löwe der schwerste Vorwurf für dieses Anerbiete» gemacht worden, selbst von der„Vossischen Zeitung" und dem„Tageblatt". Abg. Richter: Als diese Lieferung in Frage kam, stand em Krieg mit Frankreich in keiner Weise vor der Thür. Es war im September- Oktober 1686, der Schnäbele- Fall spielte erst April 1887. Fürst Bismarck hat ausdrücklich die Lieferung an Frank- reich gebilligt. Abg. Liebermann v. Sonneuberg: Daß wir damals mit Frankreich nicht auf gutem Fuße standen, könnt» doch selbst der Abg. Richter wissen. Damit schließt die Geueraldiskussion. In der Svezialdtskusston wird der Etat des Reichstags ohne Debatte bewilligt. Beim Etat des Reichskanzlers fragt Abg. Nickert den Reichskanzler, was an den Zeituugs- gerüchle» sei, die von Erschwerung der Verhandlungen wegen des russifcheii Handelsvertrages berichten. Diese Gerüchte, welche von einer ablehnenden Stellungnahme des preußischen Ministerinnls sprechen, beunruhigen weite Kreise der Bevölkerung. Reichskanzler Graf Caprivi: Die Verhandlungen schweben noch; den beunruhigendeii Gerüchten fehlt jeder Grund. Abg. Gras Mirbach: Wenn das preußische Staats- Ministerium die Interessen der produzirenden Kreise wahrnimmt, so haben weite Kreise der Bevölkerung nur Veranlassung, sich dadurch sehr beruhigt zu fühlen. Der Etat wird bewilligt, desgleichen der Etat für das Auswärtige Amt und der Etat für die S ch u tz g»biete einsckließlich des besonderen Elatsgesetzes s ü r die- selben. Beim Etat des ReichsamtS des Innern bittet Abg. Hirsch um Beschleunigung der Revision und Geneh- miaung der abgeänderten Statuten der freien Hilfskaffen, sur welche Beschleunigung ja ein eigenes Nothgesetz gemacht sei. Staatssekretär von Bötticher: An der Zentralinstan, liegt die Sache nicht. Kaminen die Sachen dahin, so werde» sie mit „Reichsdamps" erledigt werden. Abg. Brömel regt eine Revision der Elbschifffahrts-Akte von 1821 an. Staatssekretär von Bätticher: Das Vedürfniß der Revision ist seit langen Jahren anerkannt; es schweben auch gegenwärtig mit Oesterreich Verhandlungen. Jnzivischen ist, um die Interessen der Elbschiffer zu fördern, eine Elbjchifffahrts-Polizei-Ordnuug in meinem Ressort ausgearbeitet worden und wird auch dem Auswärtigen Amte mitgetheilt werden. Der Etat wird genehmigt und um 61/« Uhr die Fortsetzung der Etatsberathung auf Dienstag 1 Uhr vertagt. Loftirles. Die Gräbev den Märzgefallenen von 1848 waren am Sonntag noch weit zahlreicher besucht, als am 13. März selbst. Bereits Vormittags waren mehr als 10 000 Personen nach dem Friedrichshain gemallfahrtet und ohne Unterbrechung strömten bis zum Abend immer neue Schaaren herbei. Zahlreich waren die Partei-»ind Gewerkschafts-Versammlungen, in denen die Bedeutung des 13. März dargelegt wurde. Bereits am Donnerstag waren die Bäcker zu einer Gedenkfeier versammelt; am Freilag hatten der zweite und der dritte Wahlkreis Versamm- lungen, vo» denen namentlich die erster« mit Bebel als Resereutcu imposant verlief, wogegen am Sonnabend der fünfte Wahlkreis mit Dr. Pinn und der sechste Wahlkreis mit Vogtherr als Redner das Andenken dcs 18. März feierten. Fcrncr haben in Charlolleiiburg und Schöneberg entsprechende Versammlungen mit Liebknecht und Lutgenau als Rcscrenten stattgefunden. Auch die Gumiui-Arbeiter, die Einsetzer, die Bau- Anschläger, wie sonst viele Gewerke feierten am Sonnabend den Gedenklag. Unter den am Sonntag stattgefundenen Versaiiini- lungen sei u. a. die in Stralau stattgefunden mit Stadt- Hagen als Referent erwähnt. Zahlreich besucht war auch die vom Leseklub„Karl Marx" im Feenpalast veranstaltete Gedenk- seier. Es würde zu weit gehen, über jede einzelne Bersau'mluiig insbesondere zu berichten, wir begnügen uns daher mit der Konstatirinig der Thatsachen, daß das Andenken an den Ereig- nissen von 1848 und 1871 am diesjährigen Gedenktage lebendiger wie je in der Berliner Arbeiterwelt zum Ausdruck kam, wie auch in Zukunft das Proletariat stets seiner Vorkämpfer würdig gedenken wird. Freigelassen bis auf zwei Mann wurden am letzten Sonntag sämmtliche Parteigenossen im sechsten Wahlkreis, welche wegen angeblicher Geheimbündelei vor ca. 4 Wochen in Haft genommen. Hoffentlich werden auch die beiden noch in Haft befindlichen Ge- „offen recht bald der„deutschen Reichsfreiheit" wieder zurück flegeben. Gegen mehrer« der inhastirt Gewesenen soll die Unter- uchung wegen Vergehens gegen den Z 123 d. R.St.G. sort- gesührl werden. Die sozialdemokratische» Branergeselleu dcr Vötzow'schen Brauerei hatten am 18. März ebenfalls einen Kranz an den Gräbern der Märzgefallenen mit der Inschrift:„Den Kämpfern für Freiheit und Recht von den sozialdemokratischen Brauern der Brauerei Bötzow" niedergelegt. Tie Lkranzniederleguug der Ar- beiter des Herrn Hoflieferanten hat deuselben böse aufgeregt. Der Braumeister Görner erklärte deshalb dem Brauergeselleu König, welcher den Kranz bestellt und niedergelegt hatte:„M i t solchen rothen Leuten kann ich nicht mehr zu- l ammen arbeiten." König wurde deshalb sofort«»tlasten. — BemerkeliSwerlh ist ferner, daß am Sonnabend auf dem Hofe und in der Kantine des Böhmischen Brauhauses eine große Anzahl von Schutzleuten in Zivil, Uniform und zu Pferde in Bereitschaft gehalten wurde. Herr Stadtrath Hiibner ist, wie wir in den Börsen- zeituligen lesen, von der Generalversamnilling der Asphalt-Gcsell- schaft Jeserich als Aufsichtsrathsniitglied wiedergeivähll worden. Uns will es»mdegreiflich erscheinen, wie ein Mitglied des Magistrats die Interessen der Stadl wahren kann gegenüber einer Gesellschaft, deren Verwaltung er angevört, und welch« fast ausschließlich mit der Stadl Geschäfte zu machen angeiviesen ist. Herr Stadtrath Hübner in der Asphallirungs-Gesellschast, Herr Stadtverordnetenvorfteher-Stellvertreter Dr. Alexander Meyer in der Elektrizitäts-Gesellschajt; wer ist der Dritte im Bunde? Der Untersuchungsrichter hat die H af t en t la s sun g des Kansmanns Karl Paasch gegen 10 000 M. Kaution an- geordnet, obwohl die Staatsanwallschast dem Antrage wider- sprachen hatte. Die Kaution ist eingezahlt und Paasch gestern (Montag) Nachmittag aus der Hast eiltlassen. Die Besitzer vou steuerpflichtigen Hunden, denen bis zum 31. Mai d. Js. die Sleuerquittungen und Hundesteuer- marken für das mit dem I. April beginnende Steuerjahr 1893/94 nicht zur Zahlung vorgelegt sein sollten, niacht die Steuer- und Eiiiquartirungs-Teputalioi, des Magistrats zu Berlin warnend darauf aufmerksam, daß sie sich bei Zeiten bei der Steuer- Annahmestelle ihres Bezirks zu melden und gegen Zahlung der fmnbejteuer die Marlen abzuholen haben. Im UnterlassungZ- falle smd sie nach dem 31. Mai gegen das Aufgreifen ihrer Hunde durch die Fangbeamten des Deutschen Thierschutzvereines dann nicht mehr geschützt. . Zu einem VertrauenSamte kommt, dafür giebt die Ernennung Buchert's zum Rendanten der Orts- itronlenkasie ,n Weißensee unS ein schönes Beispiel: Eine Lokal- Korrewondenz schreibt: Wenn sich der Aorstand der Weißenseeer Orts-Krankenlasse seinerzeit, als die Uebertragung des Rendanten- Pöltens auf Buchert in Frage kam.«ingehend nach Buchert's Borleben erkundigt hätte, wäre derselbe nicht Rendant ge- worden. Buchert hat sein Leben lang nicht viel ciutes gethan. Schon als Schüler aus dem Raibs- und Friedrichs. Gymnasium zu Küstrin zeigte er sich unsieißig und zu schlechten Streichen geneigt, desgleichen am Pestalozzi-Stifte zu Pankow, dessen Zögling er später wurde. Die Eltern ließen rhu dann Kaufmann lernen; doch in keiner Lehre dielt er aus. Daraus trieb er sich mehrere Jahre auf der Wanderschaft umher und brandschatzte, wen er konnte— die diplomatischen Vertreter und Konsuln Deutschlands in Oesterreich. Italien, Spanien und Frankreich nicht zum mindesten. Außerdem mußten feine braven Eltern und verwandten in Berlin mehrmals große Opfer für ihn bringen. Aus Paris mußte er, um dem Strafrichter zu ent- gehen, bei Nacht und Nebel flüchten. So kehrte er Ende der siebziger Jahre nach Berlin zurück, wo er auf Kosten seiner Familie sein leichtsinniges Leben fortsetzte, bis es seinem Slies- natcr, dem ehemaligen Arlillerie-Offizier und damaligen Magistratssekretär Zimmermann gelang, ihm als Diätar im Berliner Magistratsdienst Beschäftigung zu verschaffen. Bald darauf verehelichte sich Buchert mit einer sehr braven, auch etwas Vermögen mitbringenden jungen Dame und zog nach Weißensee, wo er sehr bald vom Vorstände der neu gegründeten Orts Krankenkasse cngagirt wurde. Trotz seines sehr guten Eiukom» mens, ungeachtet der Ermahnungen seiner Ehefrau führte Buchert seinen leichtsinnigen Lebenswandel fort und unterschlug nach und nach, wie nunmehr feststeht, das ganze über 20 000 Mark betragende Vermö gen der Orls-Krankenkasse von Weißensee.— Au der Thürkliuke der Küche aufgeknüpft wurde in der Nacht zu Montag der nahezu sechzig Jahre alte Anbauer Friedrich Kaiser in der Brüderstraße 6 belegenen Wohnung seiner Angehörigen ausgesunde». Die Letzteren hatten einen Sonntags- ansfiug unternommen, und als sie gegen 2 Uhr heimkehrten, fanden sie zu ihrem Schrecken die Leiche des alten Mannes bereits erkaltet vor. Ueber den Beweggrund zur That ist nichts Sicheres zu ermitteln gewesen. Mit de» Fluthen ringend wurde heute Morgen um 7 Uhr ein Mann in der Spree von einem die Moabiterbrücke über- schreitenden Polizeilieutenant gesehen. Ter Beamte veranlaßte die Rettung und Uebersührung des Unbekannten nach der Eharitee. Hier wurde aus milgeführten Papieren entnommen, daß eS sich um den 53 Jahre alten Arbeiter Friedrick Ganschoiv, Dalldorferstr. 44, handelt. Wie et in das Wasser gekommen ist, hat sich bisher nicht ermitteln lassen, da Ganschow noch nicht vernehmungsfähig geworden ist. Neber eine Blutthat, welche wahrscheinlich mit dem Tode eines jungen Mannes enden dürste, wird uns aus der Nacht zum Montag gemeldet: In einer Schankwirthschaft der Weydinger- straße war es am Sonntag Abend gegen II Uhr zwischen mehreren dort verkehrenden Zuhältern zu einem Streit gekommen, im Ber» laufe dessen einer derselben— eine bis jetzt noch nicht ermittelte Person— mit einem massiven eichenen Stuhl dem 19 jährigen Fleischergesellen Karl Paschen, Liedigstr. 45 wohnhaft, einen derartig wuchtigen Hieb über den Kopf versetzte, daß er sofort blutüberströmt zusammenbrach. P., der außer einer schweren Verletzung am Kopse eine schwere Gehirnerschütterung erlitten, niußte, nachdem er einen Nothverband erhalten, nach dem Krankenhause Friedrichshain überführt werden. Die Recherchen der Kriminalpolizei nach dem brutalen Thäter sind bis jetzt erfolglos gewesen. Eine Gasexplosion richtete heute Vornnttag gegen 11 Uhr in der Möbelhanvlung von Heinrich Pfaff, Zimmerstr. öS, arge Verwüstungen an. Infolge eines Rohrbruches hatte sich zwischen dem Fußboden des ersten Stockwerkes und der Decke des zu ebener Erde gelegenen Geschäftsraumes Gas angesammelt, welches explodirle, als der Klempner Wendicke mit einem Lichte das Gas- röhr untersuchte. Glücklicher Weise wurde durch die Explosion Niemand beschädigt, nur zahlreiche Fensterscheiben sielen ihr zum Opfer. Einen traurigen Ausgang hat ein Liebesverhältniß ge nommen, daß die Schneiderin Elise B. mit einem Xylographen angeknüpft hatte. DaS Mädchen halte die Folgen des Verhält- nisses seiner Mutter verheimlicht, und erklärte schließlich dem Liebhaber, sterben zu wollen. Dieser hat seiner Braut zwar ab! geredet, doch hat das Mädchen eine Lösung von Quecksilber- Sublimat zu sich genommen, die der Bräutigam bei sich führte und die ihm nach seiner Angabe von der B. gewaltsam ans der Tasche gezogen worden sein soll. Auch will er das Gift nicht wieder zurückerlangen gekonnt haben. Die B. nahm die Flüssig keit am 19. d. M. zu sich und rst bereits gestorben. Infolge einer Mißhandlung durch seinen Lehrer soll der im achten Jahre stehende Knabe Arthur Zacharias gestorben sein Als ein Sohn der Maler Zacharias'schen Eheleute, Wnßmanw straße 15, besuchte er eine rn der Nähe belegene Gemeindeschnle und empfing seinen Unterricht von einem Lehrer K. Am Dienstag voriger Woche kam das Kind nach Hause, klagte über Nnwohl- sein und theilte schließlich mit, von dem Lehrer aus der Schul- dank gezogen, geschlagen und mit Füßen getreten worden zu sein. Der Knabe wurde zu Bette gebracht, brach sich wiederholt und starb ain Nachmittage des anderen Tages um ä'/a Uhr. Da der behandelnde Arzt das Ableben mit einer Gehirnerschütterung in Zusammenhang bringen zu können glaubte, so wurde der Staats- anwaltschaft Anzeige erstattet, und diese hat die Leiche zwecks gerichtsärztlicher Oeffnung am Sonntag Abend beschlagnahmen lassen. Ob in der That eine Schuld des Lehrers vorliegt, muß die eingeleitete Untersuchung klarstellen. Polizeibericht. Am IS. d. M. Nachmittags wurde eine Arbeiterfrau vor dem Grundstück Mällerstr. 3 durch einen Bier- wagen überfahren und an den Unterschenkeln bedeutend verletzt. — Vor dem Hause Holzmarktstr. 06 siel AbendS ein Kutscher durch eigene Unvorsichtigkeit von seinem Möbelwagen zwischen die Pferde, wurde eine Strecke weit mitgeschleift und gerieth dann unter die Räder. Er erlitt dabei schwere Verletzungen am Kopfe, am Oberarm und an der Hand und mußte nach dem Kranken- hause am Friedrichsdain gebracht werden. In seiner Wohnung in der Kleinen Hamburgerstraße versuchte«in Kellner, sich mittels Revolvers zu erschießen und verletzte sich so schwer am Kopfe, daß seine Uebersührung nach der Charitee er- forderlich wurde.— Auf dem Slraßendamm vor dem Hause Große Frankfurterstr. III wurde der Bademeister Zimmermann anscheinend innerlich schwer verletzt und bewußtlos ausgefunden und nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht. Semer späteren Angabe zufolge ist er durch einen Schlächterwagen über- fahren worden.— Am lS. d. M. Abends wurde ein Arbeiter in feiner Wohnung in der Gartenstraße, am darauf folgenden Tage Nachmillngs«in Maurer in einer Laube in der Nähe der Beussel- brücke und in der Nacht zum 20. d. M. ein Mann in der Wohnung seines Schwiegersohnes in der Brückenstraße erhängt vorgefunden.— Am IS. und 19. d. M. und in der darauf so geaden Nacht fanden fünf kleine Brände statt. Gorickks-�eikuirg. I« vierter Instanz wurde gestern gegen den Inhaber der Waaren-Beleihungs- und Handelsbank Jacques Raphaeli eine Anklage wegen Betruges verhandelt, bei welcher es sich um die Frage handelt, bis zu welchem Grade in, Geschästsleben die Reklametrommel gerührt werden darf. Der Angeklagte veröffent- licht von Zeil zu Zeil größere Reklamen, in welchen er anfäng- lich seine Zigarren, dann aber auch seine Stiefel als erstaunlich billig ankündigte. So bot er u. a. gute tadellöse Stieiel zu 4,50 M. an, während er die Stiefel, die er zu ö M. seilhielt. als ausgesuchte Prima-Waare, die einen Werth von etwa 12 M. hätten, anpries. Zahllose Käufer aus allen Berufskreisen haben diese Stiefel erhalten. Ein auswärts wohnender Arbeiter, dem das Personal des Augeklagten aus Versehen statt 5 Mark- Stiefel solcke zu 4,50 M. zugesandt hatte, beschwerte sich über die Qualität derselben und der Angeklagte erklärte sich zur Rück- gäbe des Geldes bereit, wenn ihm der Käufer die Stiefel zunächst zur Ansicht zustellen würde. Darauf ließ sich der Käufer nicht ein, sondern erstattete Anzeige bei der Staalsanwaitschaft, welche die Anklage wegen vollendeten und versuchten Betruges erhob Das Schöffengericht verurtheilte auch den Angeklagten zu S00 Mark Geldbuße, indem es annahm, daß derselbe minder- wertdige Waare fälschlich als„ausgesuchte Prima-Waare" an- gepriesen habe. Außerdem erachtete das Schöffengericht das bloße Juseriren solcher übervoll tönenden Reklamen schon für einen Betrugsversuch. Dem Staatsanwalt war diese Strafe noch nicht hoch genug und auf seine Berufung er h ö h t e die V. Straf- kammer die Strafe auf 1000 M. Der Angeklagte, welcher selbst sehr lebhaft versichert hatte, daß in seinem Geschäft Alles streng reell zugehe und sein Geschäftspersonal dies auch hatte bezeugen lassen, ließ durch die Rech lsanwülte Dr. Sello und Gerhard Revision beim Kammergericht einlegen, welche auch Erfolg hatte. Das Kamniergericht hielt das erste Urheil für ein rechts- irrthümliches und wies die Sache nochmals vor die V. Straf- kammer. Diesmal erhielt dieselbe ein vollständig anderes Bild. Der eingeklagte hatte Mühe und Kosten nicht gescheut, um ein umfangreiches Entlaüungsmalerial zusammenzudringen. Auf seinen Antrag waren zahlreiche Kunden, welche Stiesel von ihm bezogen, gerichtlich vernommen worden, er selbst haue noch eine große Zahl von Kundenbriefen, darunter von hohen Militärs, Beamten, Abgeordneten beigebracht. Sie alle stimmten darin überein, daß sie die S Mark-Stieiel als ganz vorzüglich befunden. sehr lange getragen und daß sie bis dahin für solcke Stiefel 10 bis 15 M. bezahlt hätten. Auch der sachverständige Schuhmacher- meister, welcher früher die Stieseln als„Schund" bezeichnet hatte, mußte gestern zugeben, daß dieselben mindestens den Werth von 5 M. darstellen. Ein anderer Schuhmacher erklärte. daß er selbst solche Stiesel nicht unter S M. herstellen könnte und aar nicht begreife, wie sie für 5 M. geliefert werden können. Die Beweisausnayme siel diesmal in allen Theilen so zu Gunsten des Angeklagten aus, daß der Staatsanwalt nunmehr selbst die Freisprechung beantragte. Der Gerichtshof kam diesmal zur der Ueberzeugung, daß der Angeklagte falsche Thal fachen nicht vorgespiegelt habe, daß die Stiesel gut und zum allermiudesten den Kauspreis werth waren und daß der An- geklagte von seinem Standpunkt als Kaufmann berechtigt war, da dies ja nur ein allgemeines Urtheil sei. Der Angeklagte, dem dieser Prozeß nach seiner Versicherung über 1000 Mark ge- kostet, wurde freigesprochen und die Kosten der Staatskasse auserlegt. Die erste Strafkainmer des Landgerichts l hatte sich Sester» wieder mit einem Falle zu beschäftigen, worin durch nn- nnig schnelles Fahren seckens des Führers eines Schlächter- wagens ein Unheil angerichtet worden war. Der Kutscher Johann Knappe kam am 12. März mit einem Schlächterwagen von der Bellealltancestraße, passirie die Brücke und bog in die König grätzerstraße ein. Er that dies in so vorschriftswidrig schneller Gangart, daß eine Dame, die den Fahrdamm überschreiten wollte, dem Fuhrwerk nicht rechtzeitig auszubiegen vermochte, sie wurde zu Boden gestoßen und überfahren. Die zum Glück nur leicht Verletzte war eine Dame aus Frankreich, die sich hier besuchsweise aushielt. Das Gericht belegte den Angeklagten mit einer Gefängnißstrase von zwei Monaten. Eine recht niederträchtige Verdächtigung eines nnbe scholtenen jungen Mädchens hat dem Damenschneider Martin Giesccke, welcher gestern vor der ersten Strafkammer des Land gerickts I. stand, eine Anklage wegen wissentlich falscher An schuldigung und Freiheitsberaubung zugezogen. Die Frau des Angeklagten, mit welcher dieser in Unfrieden lebte, beirieb eine Damcnschneiderei in der Nähe deS Schloßplatzes und hielt den Angeklagten mit Geld etwas knapp. Eines Tages hatte ein Kunde der Frau G. die Summe von 175 M. zu bezahlen. Er hatte nur 200 Mk.-Scheine bei sich und übergab diese dem Geschäflesührer, welcher wieder eine der angestelllen Schneiderinnen beauftragte. den einen Schein bei einem im Haufe wohnenden Bankier zu wechseln. Als das Mädchen aus dem Bankgeschäft heraustrat, stand der Angeklagte, der schon den ersten Hundert- markschein dem Geschäftsführer entrissen hatte, vor ihr und ver- langle die Herausgabe des Geldes. Als das Mädchen sich dessen weigerte, rief er den auf dem Schloßplatz stehenden Schutzmanns- Posten herbei, behauptere, daß das Mädchen ihm das Geld ge- stöhlen und veravlapte die Sistirung des Mädchen. Dasselbe hat IVs Stunden auf der Polizei zubringen müssen, ehe die Beschuldigung als eine Frivolität fonder gleichen festgestellt werden konnte. Der Gerichtshof sah nur das offene Geständniß des Angeklagten als Milderungsgrund an und verurtheilte ihn zu zwei Monaten Gesängniß. Vevsatttittluitgen. Der Verein deutscher Schuhmacher, Filiale I, halte am 12. März eine Versammlung, in welcher Herr Lothar über den Kampf ums Dasein einen interessanten Vortrag hielt. In der Diskussion sprach C. Fleischer. Hieraus wurde die Abrechnung vom 4. Quartal verlesen. Nachdem dieselbe von den Revisoren bestätigt worden war, ertheilte die Versammlung dem Kassirer Techarge. Eine rege Debatte entspann sich über die Arbeits- Verhältnisse in der Filzschuhfabrik von Krause, Weinbergsweg 3. Dorlseldst sind vier liollegen gemaßregelt worden, welche den Versuch des Prinzipals, einen erheblichen Lohnabzug zu machen, zu vereiteln gesucht halten. Ferner berichtete Fleischer über den Verlauf der Arbeitsniederlegung in der Fürstnheim'schen Schuh- fabrik. Dort sei in Anbetracht, daß kaum sder zehnte Theil der Kollegen organisirt war, auf eine gütliche Einigung eingegangen worden. Weiler wurden über den aus dem Ausstande in der Mau'schen Fabrik als Slreikbrecher bekannt gewordenen Gut- tcsell einige für die Mitglieder interessante Mittheilungen gemacht. Zer Vorsitzende forderte die Kollegen, welche Karlen zum Masken- ball und Streiklisten in Händen haben, jauf, dieselben bis zum 27. d. M. abzuliesern. Zum Schluß wurde bekannt gegeben, daß am 20. März eine Versammlung der Filiale II bei Keller. Bergstr. 03, und am 27. eine Versammlung der Filiale I bei Henke, Vlumenstr. 3L stattfindet. Ferner tagt am 3. Osterseiertag bei Joel, Andreasstraße, eine öffentliche Schuhmacherverfammlung� Eine öffentliche Branerverfammlung tagte am Sonntag Vormittag in den Konkordiasälen. Der grobe Saal war voll« tändig besetzt und auch eine Anzahl Braucreidirettoren war der Einladung gefolgt, da es sich um die Berathung eines neuen Statuts des Brauer- Arbeitsnachweises handelte. Brauer Steiner erörterte die Schäden und Mängel des zur Zeit be- stehenden Statuts und war der Meinung, daß dasselbe einer zeit- gemäßen Umänderuug zu unterziehen sei. Redner führte noch einige Uebelstände, welche durch die Bestimmungen des Arbeits- Nachweises in einzelnen Brauereien hervorgerufen ivürden, an. Diese Darlegungen gaben dem Generaldirektor Rösicke Veranlassung zu der Erklärung, daß er und seine Berufsgenossen nicht deshalb in der Versammlung erschienen seien, um die Miß- stände in den Brauereibetrieben kennen zu lernen; sollten weitere Angriffe erfolgen, so würden er und seine Kollegen den Saal verlassen. Sie wünschten vielmehr, daß durch die Statuten- berathung ihnen Klarheit verschafft werde über die Wünsche der Brauergesellen. Brauer Hilpert bedauerte, daß die Brauereieie jüngere Leute mit Vorliebe einstellen; ein älterer Brauergeselle finde immer schwerer Arbeit, es müßte auch hierin Wandel geschaffen werden. Auf seinen Wunsch, daß die anwesenden Herren Direktoren und Brauereibesitzer doch auch dazu sprechen möchten, erklärte Herr Rösicke im Namen seiner Freunde, daß sie sich nicht an der Diskussio» betheiligen würden. Die vereinigten Brauereien würden, erst nachdem die Brauer« gesellen Beschlüsse gefaßt hätten, prüfen und eventl. andere Vor- schlüge machen. Nach erfolgter Verlesung und Diskussion wurde das Statut mit einigen Abänderungen nach den Vorschlägen der Statutenberathungskommission angenommen. Hervorzuheven ist, daß nach diesen Abänderungen die Brauereien, welche ihre Leute nicht vom Arbeitsnachweis entnehmen, für jeden derselben an die Kasse des Arbeitsnachweises 10 M. zahlen sollen. Beantragt war 20 M. Zum zweiten Punkt berichtete Steiner über die Vorschläge des Magistratsassessors Dr. Freund in Sachen der Arbeitsnachweise-Statistik. Nach einer kurzen Diskussion wurde dem Vorschlage, an der Aufstellung der Statistik theilzunehmen, durch eine Resolution zugestimmt. Der Berein oft- und Ivestpreustischer Sozialisten hatte kürzlich eine Bersammlung, in welcher der Kassenbericht verlesen und gutgeheißen wurde. Ein zugesagter Vortrag konnte wegen anderweitiger Verpflichtung des Referenten nicht gehalten wer- den. Zum Schluß wurden einige Bereinsangelegenheiten erledigt; unter anderem wurde bestimmt, den Märzgefallenen einen Kranz zu widmen. In der Versammlung der Freien Vereinigung der Getreideträger, die am 12. März tagte, hielt S a s s e n b a ch einen mit Beifall aufgenommenen Vortrag über die heilige In- quisition. Nach beendigter Diskussion wurde von Sauer und Münch der f. Z. im„Vorwärts" erlassene Aufruf erläutert und ergänzt. Beutler tadelte das Verhalten der Streik-Kontroll- konumssion in der Agitatlon als zu lau. Zum Schluß bestimmte die Versaminlung, daß am 1ö. März im Friedrichshain ein Kranz niedergelegt werden soll. Der Verband der Bäcker und verwandten Berufsgenossen (Mitgliedschaft Berlin) halte am 14. März eine Mitglieder- Versammlung, in welcher Kretschmer über Genossenschaftswesen sprach. Der Redner führte in feinem Vortrage aus, daß Ge- »ossenschaften nur dann grundsätzlich zu unterstützen seien, wenn die Gewerkschaft selber sie in's Leben rufe; alsdann ständen sie auch aus dem Boden der Resolution des Berliner Parteitages. Alle anderen Gründungen von Genossenschaften seien verfehlt, iveil sie den Keim der Zwietracht in sich trügen und vielenthells das Streberthum groß zögen. Die Versammlung nahm den Vor- trag beifällig auf und stimmte einer Resolution im Sinne des- selben zu. Ferner wurde ein Antrag angenommen, welcher be- sagt, daß der Vorstand der Mitgliedschaft in der Angelegenheit betreffend das Urtheil der Slreik-KontroUkommission bei der dem- nächst stattsiildeuden Generalversammlung der Genossenschasts- bäckerei weitere Schritte zur Einstellung der Entlassenen unter« nehmen soll. Kausdiliicr, 41>»l>or und Serufoglnoss«». iilllcki Berfauimlung. Tagesordnung: Vorirag 8 s de»«eretneges-tzeS und wie stellen sick Leute Tienstaz, große des Herrn Th. Elocke ..______—--------- � die Hausdiener zu dem «. Mai? Uatlonal, kaufmlinnifche Kranken- und Sterbekasse(E. H.?l), Bureau Holzmarttstr. 67. Dienstag, den ai. März, AdendS sX Uhr, im Restaurant des Herrn P. Bodenburg,«ommandantenftr. io—ii, Borllands- Sttzung. Zentraloereil, ber KUdI,aii«r Deutschland«, Sauverein Berlin. Versammlung am Dienstag, den ai. März, Abend« Sjs Uhr, Anncnstraße ic. Tagesordnung: Besprechung über Modelleur-Angelegenheiten. Borlesung aus Pfau'S Schriften über..Kunst und Politik". Deutscher Senesclder Kund, Mirgliedschafl Berlin. Heute Abend s Uhr im Restaurant Siölltg. Reu: Fri-drichstr. Milgltsderversammlung. Tagesordnung: Wahl eines VorstandLmiigliedeL. Kese-«»d Dislinttrkinb„Sand in Kanb". Jeden Dienstag, Abends sz Uhr. bei Tripte. Rstchenbergerstratze 4?. Mitglieder werden ausgenommen. Säfte haben Zutritt. K.rs»üg,»,«»verein Kerolina,»hemai» KoMsch,«a»,schiiler. Slhung lebe» Dienstag Abend s Uhr im Restaurant Pro», Annenstraße s. Gäste willtomme». »rbeiter KitbungsschnIe. Dienstag Abend ef;— lltf Uhr: E ü d f ch ul e, HagelSbergerstr.«s: Unterricht in Deutsch(mlltlereS und unteres,: S ll d o st- S ch ule.Reichenbergerstr. tS">-.......-- w ww.«, las; Unterricht in Deutsch(mittleres und unteres): Ost-Schule, Martusstr. 81: Unterricht in Dsuisch(»ltttlere« und»nteress: N o r d- S ch u le, MMerstr. I78a: Seschlchte(neue). Hausmännisches Rechnen, Wechsclrecht und Korrespondenz. Schnlerinusn, auch seht tm Lau. und Aiskntirblub«. rieht tm Lauf« t- und Kiskntirblud«. Behrcnd, Blumenthalstr. o. n allen Fächer» können noch Schüler und iiS Semesters,«tntreten. Dirnssag.„Empor", Abend««Zs Uhr, Ztrb>i»«r-Sii»o»rd,»,b Berlin» und Umgegend. Alle Aenderungen im vereinSlalcnder stnd ,u richten an Friedr.Kortum, Manteufselstr. 70. vtruliaa, AbdS.» Uhr, UebungSstunde. Aufnahme neuer Mttglteder.— Freundschast i, bei Oswald Berltner, Brunnenstraße tis.— Olympia, Alte Jalobslr. 88 bei Richter.— Sch tldhorn, Nsedomstr. 88 bei Miete.— A lle gro, Wrangelsir. Ui, bei Schmidt.— Alpenglocke, Grüner Weg 29, bei Saeger.— Bruderherz, Manteufselstr. 9 bei Nowack.— Ihn' scher Humor, Strauß« bergerstraße 8 bei Birk.— U nverzag t a, Moabit, Kronen-Brauerei.-- Hoffnung a. Deutsch- Wilmersdorf, Brandendurgstraße bei Gräh.— Waldtapelle, Retchendergerstr. 19 bei Roscher.— Ar Vetter- Mai» d>1 n d, RowaweS, Wallstraße bei Gärtner.— Sängerkette, Sräfestr. 84 bei Plötz.— Kreuzberg, Lichterfeldsrstraße Nr.?— s bei Winter.—Alle Linde, Reichenbergerstraße 89 bei Fürstenau.— Vorwärts 4, Rathenow, Rcstauraut Zur Erholung bei W. Frieieeke.— Ei»ig reit 2, Landsveraer- straße si bei Musevold.— Sorgenlos, KöSlinerstr 17 bor Mendt.— Gesangverein der Böttcher Steineiche. Jüdenstr. 65 bei Trteschmann.— Vorwärts 8, Marwitz, bei Wilhelm Nolle.— Htlarta, Blumenstraße 4« bei Wenl Sänger-Chor der Töpfer, Neue Frledrichstr. 44, bei Köllig.— Wiederhall, Elseudahnstr. 29 bei Siegmund. Gesangverein S e n e f- l d e r, Fischerslr. 41 bei S-idemann.- I o h a» n i, Ostbahnhos 7 bei Schulz.— Vorwärts 8, Friedcichsfelde, Wilhelmstr. l» bei Momber.— Gesangverein Rothe Nolle 2, bei Rabe, Ruppiner- und Schönholzerstraßen- Ecke.— Schneeglöckchen i, Rtxdorf, Berliner- straße 186 bei Kummer.— Gesangverein«in t räch t, Nieder-Schömveide, Siestaurant Hinz.- Mohr'scheS Doppelquartelt. FriedrichSdergerstr. 19. - Gesangverein Frohsinn in Stralau bei Gaster.- Deutsch- Lieder läse l. Grüner Weg 29 bei Säger.- Sängergruß. Friedrlchshagen. Blanl'S Restaurant.— BorwärtS 7, Rummels- bürg, bei Borginann.— E p h e u, Ackerstr. 128 bei Erämle.- Wesana«-erein ..Freiheit i", Culmstr. 86 bei Naumann.— Gesangverein„Echo 2" 9 Uhr AvendS UebungSstunde bei Reimann, Alle Schönhaufersir. 42.— Gesaugverein Gerechttg teil Westen, Steinmetzftraße 86a bei Bredlo«.— ArbeÄer- Mannergelangverein„S ä n g e r l r e i«" W-ißens-e, KönigS-Ehaussee eu. bei Brennerl.— Gesang- und Theateroerein„Aeaete"(gemisch. Ehi»>. Stalttzcrstr. 64, bei A. Henle.— Arbeiter-Gesangverein Freiheit 2, Adlerv- Hof Restaurant Kuhle.- Freies Lied i. Frtedrichsberg, Friedrich Karl- straße ll bei Heinecke.— Wacht auf Wörther- und Rückerstraßen-Ecke bei Schmidt.— G iühlicht(gem. Ehor) Perlebergerstr. 28.— Freiheit;) » Schützenhau«.— Freie Glocken, Mariannenstraße si— ss VN Dooersteln. .... Ku»b der-iseUige» Arbeiter»»».',,», Serlius Uild Ilmgegeiid. Alle Zuschriften, den Bund betreffend, find z» richten an P H e» l« I, Bera»iannstrabe 2l, Hof 8 Tr. Dienstag. SkatNud Kr euz- So l o bei Stecher.«ndreaSslr. l«. AbendS s-io Uhr.- Thearerverein Blu me nlese bei Sommer, Slallschreiderstr. 68.- Geselliger Berein Hoffnung bei Nemitz, Lebuserstr. 6. allei4 Tage.- Tambourverein Wirbel, bei Müller, wartenstr.62.- Geselliger Berein Mehr Licht bei Goltz. Gr. Franlsurter- straße 188.- Louisenstädltscher verein Frohsinn bei Möhring. Admiral- sttaße 18c.— Tambourverein Deutsche Eiche beiNiederschuh, Fürbrtnger- !!r- Tambour- Berel» Borussia bei Scholz, Wetdenweg, Ecke Mag- linerstraße.— BergnüguugSverein Klimbim bei Bredlow, Bülowstr. 65.— BerguügungLverein Amor II bei Bergemann. Prinzen-Alloe 10.— Tambourverein Ruf bei Sperling. Jnselstr. l.— Mustl-erein Hoff- nu»g, bei Dreßler, Eisenbahnstr. o.— Bergnüguagsoeret» Alpen- Veilchen im S-fellichaftShauS Ostend, RüderSdorferstr. 46.— Schützen- verein F r- i l u g e l bei Henle, Stalitzerstr. 6«. ««sang-, Kuru- und gesellig» Derei»». Dienstag. Gesangverein An alreon, Abends o— n Uhr, bei Keßner, Annenstraße 10.— Mustlveretn Nord s!(— u Uhr, Wriczenerstr. e, bei Seudle. Turnverein Gesundbrunnen. Die l. Männer-Abtheilung turnt von »Z-l»tl Uhr in der Turnhall« de»«esstng-Gymnasiuin», Panlsiraß« o-io.- Berliner Turngen olsenschaft. Die 9. Männerabiheilung lurnt jeden Dienstag und Freitag in der Gemeindeschnle, Bliunenstr.«8 a. Theater-Berein Othello 8 AbendS»Uhr, bei TägerS, Gartenstr. 18-1«. - Brivat-Thealer-Gesellschaft Berlin, rHitmor,«dend»» Uhr,«öpnlcker- ftvase lS» bei Buchz.— Privatthealervsrein Crescendo. Nbends. bei Nicolay Eltsabelhlirchslr. i,.-.Theoterverein Vulkan ia bei Taaer Vulkania s Abends sx Uhr Acker- straße 14« Vorstadtisches Kasino. D-u-sch-r N°ichs°dI-r Beusselstr.-7- BergnstgüngsoVrein's°... r n a l i°" ~ VergnuaungSverein F td e li o. Alle Dlenitag Abends j Uhr Sitzung mit Damen bei Seifert, Oraniensiraße 21.— r o l i n a, ehem. Boll'sche Tanzschüler, Abends s Uhr, ��ltauran. Pro« Annenstr.».- Geselliger Verein„Mehr L i cht �„®�6e Frarksurtersir. 103 bei Golds.— Souriftenflub 7air0m«J?. e r NI e i st e r Kl?- II' i n a<> r Der ßum Zeitgeist. Beriiauerstr. 72.— Rauchllub Unverzaat bei Müller,-"»georneie"" r g e r»I e t sl e r Tic e II, l n g er. s.er ■-----------■ Blcdermann, der natürlich auch em großer Sozialtstensresser war, ist beschuldigt, städtische Einrichtungen und Gerechtsame zu gunsten seines Privatsäckels in Anspruch genommen zu haben. Eine musterhafte Pfaffenfamilie. Der Gerichtshof in Budapest verurtheilte den gricchisch-oricntalischen Pfarrer Joh. German», der sich durch Wucher und sonstige„inkorrekte" Hand- hingen ein Vermögen von ISVOlX) fl. zusammengegaunert hatte, wegen Urkundenfälschung und falscher Zeugenaussage, schwerer Körperverletzung, Wuchers und Diebstahls zu 4'/z Jahren Kerker, dessen Gattin zu 2''s und den Sohn zu drei Wochen Gefängniß. Bei dem Berhör der Matrosen der„Thekla", die des Kannibalismus angeklagt sind, behaupteten in EHristiania diese mit Bestimmtheit, daß der getödlete und verzehrte Holländer freiwillig gestattet habe, ihn zu tödten, nachdem er zweimal durch das Loos zum Opfer ausersehen war. Zwei Acrzte wurden mit der Untersuchung des Geisteszustandes der Matrosen beaustragt. _ Der„Lebenslängliche" von Fürfeld, Oberamt Heilbronn, Schultheiß Philipp Berg, wurde von der Strafkammer Heilbronn ivegen Privaturkunden- Fälschung, versuchten Be- trug?, Unterschlagung und Untreue zu 1 Jahr 2 Monaten Ge- fängniß veruriheilt. Wegen weiterer Anklagen hat sich Berg vor dein nächsten Schwurgerichte zn verantworten. Die„deutsche" Partei verliert in ihm eine treue Stütze; Berg kam es in der Ausführung gewisser Wahlerlasse auf die Mittel nicht so genau an. Fast dci jeder Reichstagswahl suchte er die Demokraten da- durch zu bekämpfen, daß er die Zettelvcrtheiler am Wahllokal unter Arrestandrohung vertrieb und bei Nichtbefolgung ver- haftete. Fruchlstraße Nr. l— 2.— Rauchklub Portorico, Koh".. Wrauaclstraöe Nr. im.- Nauchklub G emüt h li ch kei t- Abends 9 Uhr bei Achsel, Köpenick-rstraß- III.- Rauchllub Blaue Luft Abends 9 Uhr bei Aredia, v. Bnlowstr. 05.— Rauchklub Sl Haust, 8* Uhr, b" Schulze, Weberstr. in.- Altdeutscher Rauchllub. Jeden Dlensiag bei Wume. Graudeuzerstr. ü.— Rauchklub Abguß». Abends sl Uhr bei Nawrod Markusstr. 29. . Tainbourverein Rothe Nelke, Dienstag und Freitag, Zlbends 9 Uhr. bei Thiele, Brandenburgstr. ea.— Tambourverein Viktoria, Uebungsstundc Dienstag und Freitag, Aufnahme nur geübler Mitglieder. Slümle's Nestau� rant. Acker, tr. i-a.- Kegelllnb Fidelis i, Klubhaus Süd-Ost. F-lck-nsteim straße«>. ,ede>i Dienstag»ji Uhr. Schliyenverein„Frei luge l". Jeden Dienstag vor dem». und IZ. jeden Monats. Zldimralst raste bei Laloiv. Literarisches. Sozialpolitisches Zentralblatt(herausgegeben von Dr Heinrich Braun, Verlag von I. Guttentag in Berlin). Die soeben erschienene Nummer 26 hat folgenden Inhalt: Der Gesetz entwurf zu gunsten des Koalitionsrechtes vor dem französischen Senate. Von Leo Frankel.— Die Achtundvierzig-Stunden- Woche.— Städtische Apotheken.— Zur Lage der irischen Pächter.— Organisationen von Staatsarbeitern.— Zentral- verband deutscher Industrieller und die Bestrafung des Kontrakt- bruches.— Westfälisches Kakssiindikat.— Zur Sonntagsruhe in der deutschen Industrie und im Handwerk.— Petitionen zur Sonntagsruhe im Handelsgewerbe/— Zur Frage der Arbeits- Ordnungen.— Arbciterimienschntz in der Schweiz.— Zur Fabrik- aussicht der Berufsgenossenschaflen.— Die Altersrenteueinpfänger von 1891.— Zur Reform der berufsgenossenschaftlichen Schieds- gerichle. Bon Ernst Lange.— Arbeilerversicherung und Armen- pflege.— Vorläufige Statistik der deutschen Krankenversicherung. — Konferenz der Vertreter der Landes-Versichernngsämler und der Jnvaliditäts- und Landes-Verstchernngsanstalten.— Die nichtständigen Mitglieder des Reichs-Versicberungsamtes.— Zur Frage der Arbeitslosenversicherung in der Scknveiz.— Die No- velle zum Unterslützungswohnsitz-Gesetz.— Speise-Anstalten für Arbeiter.— Die Kurtaxe. Vom Privatdozeute» Dr. I. Jastrow. — Die Kunstbildung des Volkes und der Sonntag.— Gewerb- liche Fortbildung in Preußen. Abdruck sämmtlicher Artikel ist Zeitungen und Zritschristen gestattet, jedoch nur niit'Angabe der Quelle. Von der„Neuen Zeit"(Stuttgart, I. H. W. D i e tz' Verlag) ist soeben das LS. Heft des II. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Entiveder— Oder.— Tech- uisch-ökonoinischer und �sozial-ökonomischer Fortschritt. Von rnstein. 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