Nr. 11. Abonnements- Bedingungen: bonnements Breis primumerando? Bierteljährl. 3,30 m, monatl. 1,10 M wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage Die Neue Welt" 10 Bfa. Bost Abonnement: 1,10 Mark pro Monat Eingetragen in die Bost- BeitungsBreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Danemart, Holland, Italien, Luxemburg. Bortugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz B Eribeint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 26. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 50 Pig., für bolitische und gewerkschaftliche Vereins und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Big. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Big., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Zelegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Aint IV. Nr. 1983. Die Cabakfabrikatiteuer. II. Donnerstag, den 14. Januar 1909. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Fabrikanten gezahlt wurde. Die Lohndifferenz in Deutschland Seite 121 Anlage 21 wird mitgeteilt, daß auch Amerika, war eine so große, daß durch Verlegung der Produktion die während des Krieges 1864, eine ähnliche Steuerquote gehabi Mehrausgaben für Zoll und Steuer am Arbeitslohn gespart hat. Aber das Gesetz vom 30. Juni 1864 wurde schon werden konnten. am 3. März 1865 wieder außer Kraft gesetzt. Auf dem Papier Die hauptsächlichste Auswanderung aus dem Norden fällt hat das Gesetz acht Monate bestanden, aber Kenner der VerDie Beweisführung, daß die Tabatarbeiter durch die in die Jahre 1880 und 18-1. Wie groß dieselbe war, läßt sich hältnisse wissen, daß es nie durchgeführt ist und nur darum Zollerhöhung nicht geschädigt sind, baut sich in der Begrün- nicht feststellen, weil 1878 keine Gewerbezählung stattfand. acht Monate formell bestanden hat, weil das Repräsentantendung der Vorlage auf folgende Ziffern auf: 1875 waren in Aber sie wirkte auch später noch, das ergeben die Zahlen von haus nicht versammelt war, um das Ungetüm aus der Welt Deutschland 110 891 Tabatarbeiter beschäftigt. 1882 wurden 1882 und 1895. Wie bereits oben erwähnt, muß man bei zu schaffen. Wirklich angewandt würde das Gesetz den Erfolg 113 396 Tabatarbeiter gezählt. Es war also in dieser Hamburg Ottensen und andere Drte Schleswig- Holsteins, bei gehabt haben, daß Lohnerhöhungen mit Steuersteigerungen Periode, in die die Zollerhöhung fällt, keine Verminderung Bremen Teile Hannovers und Oldenburgs mitzählen. In bestraft und Lohnabzüge mit Steuererlaß belohnt worden wären. der Arbeiter eingetreten. Das Bild wäre aber auf jeden Fall der Anlage 11 der Vorlage werden die Zahlen der Tabak Die Reflame, die man in Deutschland mit dem Worte Sozialein ganz anderes gewesen, wenn 1878 und 1880 gezählt arbeiter in den einzelnen Landesteilen mitgeteilt, aber es find politik treibt, trieben die Yankees nicht, aber ein so arbeiterworden wäre. Wie der normale Zugang zum Gewerbe ist, immer nur ganze Länder und Provinzen angegeben, wodurch feindliches Gesetz wagten sie nicht durchzuführen. Die in der zeigt die Zählung von 1895, als 153 080 Tabatarbeiter in das Bild getrübt wird. Denn das füdliche Hannover und Vorlage in Aussicht genommenen Steuersteigerungen von Deutschland gezählt wurden. Die 18 Jahre zeigen also einen das füdliche Oldenburg waren Einwanderungsgebiete, weil 4, 8, 16 und 32 M. pro Tausend Zigarren sind doch so durchschnittlichen Zugang von 3052 Köpfen pro Jahr. Stellt auch dort niedrige Löhne gezahlt werden. Aber doch war die exorbitant, daß alle Mittel angewandt werden, um den lleberman einen solchen auch für die Jahre 1875 bis 1879 ein, dann gab Abwanderung im Norden Hannovers und Oldenburgs noch gang in eine höhere Steuerklasse zu hindern. So würde z. B. es 1879 123 000 Zabatarbeiter. Rechnet man, daß auch 1880 größer als die Zuwanderung im Süden, und doch geben die eine gangbare Sorte, 3 Stück 20 Pf., also pro Tausend bis 1882 einen solchen Zugang gehabt haben, dann hätten Zahlen noch folgendes Bild: 1882 132 000 Zabatarbeiter sein müssen. Es waren aber nur 113 000. Die fehlenden 19 000 das sind die Opfer, die 1879 auf der Strecke blieben oder zum größten Teil ins Ausland gedrängt wurden. Diese Zahlen haben aber wenig Bedeutung. Denn die Mehrheit der arbeitslos werdenden Bigarrenarbeiter ging nach Amerifa, wo sie bei der damals steigenden Stonjunftur gut Es wurden Tabakarbeiter gezählt: Schleswig- Holstein Hannover . Mecklenburg u. Oldenburg Hanjeſtädte . . 1 666 1882 1895 4.389 3.651 5.925 5544 1493 • 5888 4.802 17 868 15 490 bezahlte Arbeit fanden. Schlimmer erging es den Arbeitern, die beginnende Wiederbelebung fallen und in den genannten Obwohl in der Periode 1882/95 nur die Nachwehen und die zurückblieben. Baden Westfalen • 1882 1895 15 705 28 598 15 117 43 715 9127 24 832 66% M. in der zweiten Klasse Zigarren im Preise von über 4 Pf. bis 7 Pf. das Stück 8 M. Steuern kosten. Der einfache Steueraufschlag würde den Preis auf 742, M. und damit die Zigarren in die nächste Steuerflasse mit 16 M. Steuern bringen und deren Preis auf 82%, M. erhöhen. Das werden Fabrikant und Händler zu verhindern suchen. Sie müssen also auf Mittel sinnen, die 742, Mr. für 1000 Stück auf 70 M. herabzudrücken. Auf zwei Wege weisen die Motive Cohn pro Tausend weniger bedeutet für den Zigarrenarbeiter, hin, etwas Tabat und etwas Arbeitslohn zu sparen. Eine Mark Nach den Büchern von 15 der größten Zigarrenfabrikanten Gebietsteilen auch solche Orte liegen, die wegen der niedrigen der 1500 pro Woche macht, einen Lohnausfall von 78 M. pro Hamburgs ließen diese 1878 100760 Mille Bigarren anfertigen Löhne aufgesucht wurden, so ist doch eine Abnahme von Jahr. Er wird also das einbüßen, was er sich in den letzten und zahlten hierfür einen Lohn von 1831 334 M., also durch- 2378 Arbeitern zu verzeichnen. Wie sah es aber in den Ge- 10 Jahren erobert hat und auf einen Jahreslohn von 523 M. schnittlich pro Mille 18,17 M. Die Motive behaupten zwar, bieten mit ausschließlich niedrigen Löhnen aus? Hier kommen kommen. Es müßten nun noch 32, M. an Labak, Ausdaß man Hamburg und Bremen nicht zum Vergleiche heran- in erster Linie Baden und Westfalen in Betracht. Dort traten stattung und vielleicht Verdienst der Kleinhändler und Fabriziehen kann, weil diese Städte 1879 noch Freihafengebiet waren folgende Veränderungen ein: fanten gespart werden. Im Anfang der Geltungsdauer des und daher nicht vom Zoll getroffen wurden. Wenn hier aber Gesetzes wird der Lohnabzug schon durchzudrücken sein, da von Hamburg und Bremen die Rede ist, dann ist nicht die eine bedeutende Arbeitslosigkeit eintreten wird, weil bicle Stadt, sondern das Wirtschaftsgebiet gemeint. Jeder Kenner Raucher etwas einkaufen werden und nach Infrafttreten des der Verhältnisse weiß, daß um jene Zeit der größte Teil der Gesetzes die Nachfrage sinkt. Die Arbeiter fönnen sich später aber den Lohnabzug nicht zurückerobern, weil mit der PreisHamburger Zigarrenarbeiter in Ottensen oder der Zollvereinsniederlage arbeitete, und der größte Teil der Bremer Bigarren- 18 483 Arbeitern. Da die Lohndifferenz für 1000 Zigarren steigerung von einer Mart eine Steuersteigerung von acht arbeiter in den Fabriken vor dem bunten Zor, in Hemelingen, zwischen Hamburg und Baden 11,57 W. betrug und jeder Mark eintreten würde. So wird das„ gerechte" Steuergesetz Verden, Burgdamm und anderen zum Zollgebiet gehörenden Arbeiter durchschnittlich pro Woche 1500 Zigarren macht, so eine Reichsprämie für Lohnabzüge und ein Strafgesetz für Fabriken arbeiteten. Dieselben Fabrikanten, die 1878 in Ham- tann man ermessen, wieviel der Mehreinnahmen des Reichs Lohnerhöhungen. burg und Umgegend 14 bis 40 m. pro Tausend an Lohn aus Tabakzoll und Steuer aus den Minderausgaben für zahlten, verlegten ihre Fabrikation nach Westfalen, Thüringen, Arbeitslohn gedeckt wurden. Vaden hat seine Anziehungskraft für 1907 arbeiteten in den der Hessen usw. und zahlten dort für dieselben Sorten 5 bis 12 m. Bigarrenfabrikation behalten. pro Tausend. Sie fonnten also diefelben Zigarren für den Fabritinspektion unterstellten Fabriken 39 085 Arbeiter. felben Preis liefern. Da durchschnittlich 8 Stilo Tabak zu Hierzu kommen noch die Hausarbeiter. Die Kinder des tausend Bigarren gebraucht werden, betrug die Zollerhöhung Glends, als solche darf man die Labakarbeiter bezeichnen, 4,88 M. Der Lohnabzug war so groß, daß hieraus nicht haben es in den letzten Jahren durchsetzen können, daß ihre Die Durchschnittslöhne nur die Zollerhöhung, sondern auch die anderen Spesen, Löhne etwas aufgebessert wurden. den Rechnungsergebnissen der Berufs die aus der Verlegung der Fabriken entstanden, gedeckt betrugen nach den wurden. Daraus erflärt sich das Nätsel, daß 1879 genossenschaften: die Zollerhöhung keinen Konsumrüdgang an Zigarren brachte. Anders stand es mit dem Pfeifentabak. Hier fonnte die Steuererhöhung den Arbeitern nicht vom Lohne abgezogen werden. Da trat denn der plötzliche Rückgang im Konsum ein. Diese beiden Gebiete zeigen also eine Zunahme von 1903 531 MR. 1904 543 " 1905 553" 1906 1907 575" 601" Arbeitslosigkeit und Taktkultur. Die Debatte über die Maßnahmen zur Bekämpfung bet Arbeitslosigkeit nahm am Mittwoch noch den größten Teil der Sigung des Abgeordnetenhauses in Anspruch. Das irgend etwas dabei herausgekommen ist, wird selbst der begeistertste Anhänger des Dreiklassenparlaments nicht zu behaupten wagen. Das ist auch kein Wunder, wenn man in Betracht zieht, daß eine Anzahl von Rednern sich zwar in die Liste hatten einzeichnen lassen unter dem Vorwand, zur Frage der Arbeitslosigkeit zu reden, während sie in Wirklichkeit ihre Nedefreiheit zu Angriffen auf die Sozialdemokratie benußten, deren Vertretern dann durch den gewaltsamen Schluß der Debatte die Möglichkeit einer Erwiderung ab geschnitten wurde. Das Ergebnis der Abstimmung war die Ablehnung des freisinnigen Antrages auf schleunige Inangriffnahme öffentlicher Arbeiten zur Hebung des Arbeitsmarktes. Dagegen wurde der Antrag des konservativen Innungsmeisters Na hardt betreffend die schleunige Vergebung öffentlicher Arbeiten angenommen. Der Durchschnittsverdienst aller versicherten gewerblichen Die Leidensgeschichte der Tabatarbeiter ist nicht aufgeschrieben und nicht poetisch dargestellt. Sicher ist, daß Arbeiter betrug 1907 950,7 M. Die Tabafarbeiter haben also Dichter in den Familien der Tabatarbeiter Stoff für Dramen 349 M. weniger als der Durchschnittsarbeiter. hätten finden können, der richtig bearbeitet mindestens so er- Der fachverständige Verfasser der Motive denkt, etwas greifend wirken könnte wie Hauptmanns Weber". Wie auf können die Tabatarbeiter von den eroberten Lohnsteigerungen dem Dlsdorfer Friedhofe bei Hamburg einfache Grabdenkmäler wieder hergeben. Sie sind in den letzten Jahrzehnten so ans von der verheerenden Wirkung der Cholera im Jahre 1892 Hungern gewöhnt, daß sie gar zu üppig leben und mit ihren Von den Rednern, die am Mittwoch zu Worte kamen, wollte Stunde geben, aber nicht die Leiden schildern, die tausende 2 M. Tagesverdienst verschwenderisch werden. In der Be- Abg. Graf Kanit( f.) eine Verpflichtung des Staates zur UnterFamilien ertragen haben, ebenso laffen auch einzelne statistische gründung zu§ 5 wird es zwar ganz verschämt ausgedrückt. stüßung der Arbeitslosen überhaupt nicht anerkennen, Bahlen auf die Leiden der Tabatarbeiter schließen. Es tam Es heißt auf Seite 47 der Motive: nach Annahme der Zollerhöhung 1879 zwar nicht vor, daß den Hamburger Bigarrenarbeitern gesagt wurde, daß sie das Tausend Zigarren 4-5 m. billiger liefern müßten, wenn sie noch ferner Arbeit behalten wollten. Abwehrstreits gab es nicht, denn Bismard hatte ja durch das Sozialistengesetz dafür gesorgt, daß die Arbeiter stillhalten mußten. Aber der direkte Lohnabzug war nur der Anfang. Die Industrie wanderte aus. Hamburger und Bremer Fabrikanten nach Westfalen, aber den Hauptanziehungspuntt bildete Baden. Die Abwälzung der Steuer wird sich, soweit Testere nicht durch Vereinfachung oder Verkleinerung der Form u. a. ausgeglichen werden kann, bei der Erhöhung der Steuersäge durch Erhöhung der derzeitigen Kleinverkaufspreise um ganze und halbe Pfennige leicht ermöglichen lassen." weil dann ja auch die ländliche Bevölkerung die Lasten tragen müßte. Ueberhaupt legte Graf Kaniß auch in dieser Rede wieder ein ganz einseitiges Interesse für die Landwirtschaft an den Tag. Für ihn handelt es sich weniger um einen Arbeitsmangel, als um eine ungenügende Verteilung der Arbeiter, und zwar schließt er das daraus, weil Berliner Arbeitslose sich weigern, in die ostIn erster Reihe steht also die Vereinfachung der Form. elbische Junkersklaverei zu gehen! Genau so agrarisch zeigte Fassons, wofür man niedere Arbeitslöhne zahlt, sollen ein- sich der Zentrumsführer Graf Strach wih, der die Lasten der geführt werden. Gewiß macht die sogenannte schräge Fafson Arbeitslosenversicherung den Arbeitern, den Arbeitgebern und den dem Arbeiter, der sonst nur sogenannte Schlanke gemacht hat, großen Städten aufhalsen und am liebsten die Freizügigkeit beUeber die Löhne in Baden berichtete der Gewerbe- große Schwierigkeiten. Hat er sich aber eingearbeitet, dann seitigen möchte. Diesen Agrariern reihte sich als Sachwalter der inspektor Börrishoffer in seinem Buch:" Die soziale Lage der macht er eben so viel von den Zigarren mit schräger Fasson Großindustriellen des Westens der Nationalliberale a armann Zigarrenarbeiter im Großherzogtum Baden." 1889. G. 51: als er sonst von schlanker Fasson gemacht hat. Weil der würdig an, der des langen und breiten über das durch die Ver= " Für die Zigarrenforten, wie sie hier den ganz überwiegenden Lohn etwas höher ist, verdient er nun mehr als er sonst versicherungsgesetze angeblich erzeugte Simulantentum jammerte, die Teil der Produktion bilden, wird 4,60 bis 5,30 m. pro 1000 dient hat. Die Rückkehr zu der einfacheren schlanken Fasson Arbeiterfürsorge der Großindustriellen über den grünen Klee Stüd bezahlt. Nur an einigen Orten stehen die normalen hat nun den Effekt, daß er weniger verdient. Die lobte und gegen die Sozialdemokraten wetterte, vbwohl er wußte, Preise bis zu 20 und 40 Pf. für die genannte Menge niedriger, befferen Arbeiter verdienen nur so lange mehr, als sie ihren daß nach seiner Rede Schluß gemacht werden sollte! Ritterlich und außerdem wird den Lehrlingen wegen des Verderbens Fähigkeiten entsprechende Arbeit haben. Gibt man dem kann man eine solche Art des Kampfes gerade nicht nennen. von Tabak etwa ein Jahr lang ebenfalls ein geringerer Preis Arbeiter, der die teuersten Sorten für den höchsten Lohn ge- Lebhafter gefesselt wurde die Aufmerksamkeit des Hauses durch als der übliche bezahlt." Er berichtet weiter, daß vereinzelte macht hat, die billigsten Sorten zu machen, dann bleibt er den aweiten Puntt der Tagesordnung, die Interpellation Sorten gemacht werden, wofür 7 M. bezahlt werden. Wird mit seinem Verdienst hinter dem schwächsten Arbeiter zurück, Roeren( 3.) und Genossen über die„ Verhinderung der man den Durchschnittslohn ausrechnen, dann bleibt er unter weil er zwar schönere Zigarren als sein sonst sehr schwacher Schaustellung nadter Personen". Die fogenannten 5 M. pro Tausend, ein Lohn, der hinter den Löhnen, die in Stollege macht, aber der sonst gute Arbeiter macht weniger Schönheitsabende haben es dem frommen Vorkämpfer für Altona im Gefängnis gezahlt werden, zurückbleibt. Denn der und verdient dann auch weniger als der Durchschnittsarbeiter. Sittlichkeit angetan, und mit derselben Zapferkeit, mit der er einst Fabrikant, der dort die Arbeitskraft der Gefangenen gekauft Besonders gefährlich für die Tabatarbeiter ist die im Reichstage für die Lex Heinze gekämpft hat, zieht er jetzt im hatte, zahlte 6 M. pro Tausend. Rechnet man für Baden„ Gerechtigkeit" in dem Gesez. Es klingt ja sehr schön, Landtage gegen die Nacktkultur zu Felde, wobei er nach alter Geeinen Durchschnittslohn von 4,35 M. pro Tausend und 1,65 M. wenn man sagt, daß die Leute, die teurere Zigarren rauchen, wohnheit das Kind mit dem Bade ausschüttet. Die Darbietungen für die Zurichtung des Tabaks, dann ergibt er 6,60 m. pro auch höhere Steuern zahlen sollen. Man will nicht die von Fräulein Olga Desmond, die übrigens der Situng als Zu Tausend, also 11,57 m. weniger als 1878 von Hamburger in Amerika angewandte brutale Gleichheit. Aber auf hörerin beiwohnte, bezeichnet er als Schamlosigkeiten eines nadten Frauenzimmers", und er fordert, daß die Polizei dagegen und es bedarf bei dem Steigen der notwendigen Staatsausgaben wiesen für die nationalliberale Partei der Abg. Görde, einschreite. aller Sorgfalt und des außerordentlichen Mittels einer Steuer- für das Zentrum der Abg. Erzberger solche EtatsüberWeit verständiger als Herr Roeren zeigte sich der Minister erhöhung, um das Gleichgewicht zwischen Staatsausgaben und schreitungen nach. Auch Genosse Noste rügte in scharfen des Innern, Graf Moltke, der ausdrücklich in Abrede stellte, Staatseinnahmen aufrecht zu erhalten. Es liegt daher die ge- Worten diesen eingerissenen Mißbrauch, der ein geregeltes daß es Aufgabe der Polizei sei, die Menschen zu besseren Sitten bieterische Notwendigkeit bor, auf allen Gebieten der Finanzwesen überhaupt unmöglich mache. zu erziehen, im übrigen aber gegen die Schönheitsabende ein Staatsverwaltung die äußerste Sparsamkeit zu Bei Erörterung der Uebersicht über den Kolonialschreitet, weil es sich seiner Ansicht nach nicht um künstlerische Ver- i ben und die Staatsausgaben auf das nötige Maß zu beschränken. etat brachte Erzberger die Ausschreitungen schwarzer anstaltungen handelt. Man kann darüber ja geteilter Ansicht Bon wesentlicher Bedeutung für die künftige Gestaltung der Finanz- Schuhtruppensoldaten gegen Eingeborene in amerun sein; unserer Meinung nach hat sich die Polizei um derartige Dar- lage ist vor allem der Umstand, in welchem Maße die Bundes zur Sprache. Herr Dernburg meinte, das ſei unbietungen überhaupt nicht zu kümmern, ebensowenig wie wir ihr staaten noch weitere Mehr belastungen für das Reich zu vermeidbar, da die Negersoldaten häufig allein in den ein Zensurrecht zugestehen können. Auf keinen Fall hat der übernehmen haben werden. Eine Steigerung der Leistungen an das Busch geschickt werden müßten und dann leicht zu AusMinister die scharfen Angriffe verdient, die namens der Kon- Reich wäre bei den derzeitigen Verhältnissen für Württemberg nur schreitungen sich hinreißen ließen. Genosse Noske wies mit servativen der Abg. Henning gegen ihn richtete. Der fon- in beschränktem Umfange und nur mit schwer- Recht darauf hin, daß das keine Entschuldigung sei. Dam servative Redner suchte es so darzustellen, als ob der Minister durch wiegenden Opfern durch weitere Anforderungen an solle man lieber auf solche Buscherpeditionen überhaupt verden Einfluß maßgebender Persönlichkeiten gehindert werde, zu die Steuerkraft des Landes ermöglicht." zichten. sagen, was er sagen will ein Vorwurf, den der Minister sofort entschieden zurüdwies. So belanglos dieser Zwischenfall auf den ersten Blick auch scheinen könnte, so ist es doch nicht ausgeschlossen, daß hinter dem konservativen Angriff mehr steckt. Vielleicht handelt es sich um einen mit voller Absicht unternommenen Vorstoß. Die Zeit wird es lehren. Nachdem noch ein nationalliberaler und ein freikonservativer Redner im Sinne des Interpellanten gesprochen hatten, würde Die Besprechung vertagt. Wann fie fortgesetzt wird, läßt sich heute noch nicht übersehen. In der nächsten Sihung, am Montag, beginnt die Etatsberatung. Der württembergische Etat. Zunächst bekommt die Volksschule die äußerste Sparsam- Die Etatsübersichten wurden dann der Rechnungskommission feit" zu spüren, und zwar bei der Beratung der Volksschulnovelle überwiesen. im Landtage. Der äußerst sparsame Betrieb bei den Eisenbahnen Die erste Lesung des Geseßentwurfs über die Einhat, abgesehen von den Lohnreduzierungen, bereits zwei Beamten wirkung der Armen unterstütung auf öffent. das Leben gekostet. Bei der Post wird an Personal gespart, daß liche Rechte wurde begonnen, aber nicht zu Ende gebracht. fich die Briefboten die Schwindsucht errennen können. So sehen Die Debatte foll morgen weitergeführt werden. die herrlichen Tage" aus, denen das deutsche Volt entgegengeführt worden ist. Eine Malsenaktion Verschleppung der Wahlrechtsdebatte? für die Proportionalwahl. weder während der kurzen Sommertagung noch auch vor Weihnachten Zürich, 11. Januar.( Eig. Ber.) " Es scheint abermals beabsichtigt zu sein, die Beratung der Wahirechtsfrage in Breußen so lange als möglich zu verschleppen. Es war schon unerhört, daß diese wichtigste Frage der preußischen Politik auf die Tagesordnung gesezt tourde. So ist seit den Neuwahlen bereits ein gutes halbes Jahr verstrichen, ohne daß es zur In der" Tonhalle" in Zürich waren gestern 1000 stimm- Besprechung des Wahlrecisantrages gekommen wäre. Dafür hat Bitter rächt sich die Finanz- und Wirtschaftspolitik des Reiches, berechtigte Bürger aller Parteien versammelt, um durch eine man Zeit gefunden, die lächerliche Interpellation des Zentrums in sie agrarische Zollgesetzgebung, die weltpolitische Abenteuerpolitik, Massenkundgebung sich endgültig für die Initiative betreffend die Sachen der Nachtkultur" zur Beratung zu bringen! Da es nun in verbunden mit einem alles Maß übersteigenden Wettrüsten zu Baffer roportionalwahl des Nationalrates zu ent- der nächsten Woche nach Erledigung der ersten Lesung des Etats und zu Lande, an den Finanzen der Einzelstaaten. Der am scheiden. direkt an Beratungsstoff mangelt, hatten wir als selbstMontag im, Staatsanzeiger für Württemberg" ber- Namens des Initiativkomitees eröffnete unser Genosse Dr. verständlich angenommen, daß dann die Beratung des Wahlrechtsöffentlichte zweite Teil des Begleitvortrages des Finanzministers Studer- Winterthur die Versammlung mit einer längeren An- antrages zur Verhandlung gelangen würde. Die, Germania" zum Entwurf des Finanzgesetzes und des Hauptfinanzetats sprache, in der er die gegenwärtige Situation als den günstigsten jedoch behauptet, daß die Tage der nächsten Woche, die die Etatsfür die Finanzperiode vom 1. April 1909 bis Zeitpunkt für die Inszenierung der Initiative bezeichnete. So- beratung nicht in Anspruch nehme, frei gelassen werden sollten, 31. März 1911 läßt flar erkennen, wie verheerend das persönliche lange Tausende umsonst stimmen, solange große Boltskreise damit dem Hause die Möglichkeit gegeben sei, den Bericht der Regiment, getragen bon dem Eigennutz der Junker und von politischen Behörden ausgeschlossen sind, solange ist Budgetkommission über die Beamtenbesoldung zu studieren. Als der Profitfucht der Schlot- und Kohlenbarone, wirkt. Der Glaube an ein Wahlrecht ein leerer Wahn. Redner hofft, ob nicht jeder Interessent längst Gelegenheit gehabt hätte, sich über Die Finanzen der Einzelstaaten geraten in die größte un- daß der heutige Tag zum Markstein werde in der politischen Ge- die Beschüsse der Kommission und ihre Motive zu informieren! In ordnung, obgleich die Steuerkraft der Bewohner bis aufs äußerste schichte; mit der Verhältniswahl wird man erst zur wirklichen Wirklichkeit scheint man lediglich die Beratung des Wahlrechtsantrages angestrengt wird. Kulturelle Aufgaben können nicht erfüllt werden, Wolfsvertretung gelangen.( Bravo.) abermals verschleppen zu wollen! die wirtschaftliche Entwickelung wird unterbunden, die Krise ber Das Hauptreferat hielt sodann der St. Galler Demokrat Die Beschleppungstaktiker werden freilich genötigt werden, längert und verschärft, Arbeitslosigkeit und Not gesteigert. Nationalrat Scherrer Füllemann, der zutreffend aus- Farbe zu bekennen. Nicht nur der Freisinn, sondern auch das führte, daß das politische Wahlrecht genau so wie andere In- 3entrum und die Nationalliberalen werden vor aller ftitutionen dem Gesetze der Entipidelung unterliege und sich daher Deffentlichkeit zeigen müssen, ob sie das reaktionäre Verschleppungsden veränderten Verhältnissen anpassen müsse. manöver begünſtigen! Als das allgemeine Stimme und Wahlrecht erobert wurde, da erschien es selbstverständlich, daß bei allen Wahlfragen das absolute mehr entscheiden sollte. Es war das Faustrecht, womit die Wahlmassen die alte aristokratische Herrschaft niedergezwungen haben. Beute ist es anders: alle schweizerischen Boltsteile wollen im Nationalrate eine entsprechende Vertretung erhalten. Im Zeit alter der sozialen Bewegungen darf man die sozialistischen Parteien nicht mundtot machen ohne Gefahr für den Staat. = Wie bereits gemeldet, sieht der württembergische Etat für 1909 einen Bedarf von 97 475 396 M., für 1910 einen folchen von 99 197 128 M. vor. Die Mehrausgaben gegenüber 1908 betragen fürs erste Jahr 5 749 673., für das zweite Jahr 7.471 405 M. An Mehreinnahmen sind mur vorgesehen im ersten Jahre rund 1 Millionen Mart, im zweiten Jahre 8,78 Millionen Mart. Für den Mehrbedarf fallen hauptsächlich ins Gewicht die Bedürfnisse der Staatsschuld, der Pensionen, der Departements sowie die Leistungen für das Reidj. Eine Berücksichtigung der Ergebnisse der in Behand Tung befindlichen Reichsfinanzreform hat bei Aufstellung des Etats nicht stattgefunden, die Regierung behält sich die Einbringung eines Nachtrages vor. Der Mehrbedarf soll nach dem Vorschlag der Regierung durch Der Weg der freiwilligen Proportionalität hat nicht zum eine zwölfprozentige Steuererhöhung bei der Ein- Ziele geführt. An die Stelle loyaler Berücksichtigung ist in tommensteuer, der Grund, Gebäude und Gewerbesteuer und der Kapitalsteuer aufgebracht werden. Der Ertrag der Landessteuern wird berechnet für 1909 auf 48 004 290 M. ( gegen 1908 mehr 3 880 930 m.), für 1910 auf 48 553 090 M.( mehr 4420 730 W.). Die zwölfprozentige Erhöhung der Einkommensteuer soll ein Mehr erbringen im ersten Jahre von 2 208 000 m., im zweiten Jahre von 2 224 000 M., die Grund, Gebäude- und Gewerbesteuer ein Mehr( abgesehen von der natürlichen Steigerung des Steuerertrages) von 706 800. beztv. 711 600 W., Kapitalsteuer 414 000 m. beztv. 432 000 m. Die Stadt Stuttgart mit ihren 263 000 Einwohnern hat rund ein Drittel der Einkommensteuer des ganzen Landes aufzubringen, fast 6 Millionen Mark. Die beantragte Steuererhöhung vergrößert diese Laft um etwa 750 000 M.; rechnet anan die Erhöhung der Grund, Gebäude- und Gewerbesteuer hinzu, fo tommt man auf eine Reubelastung von rund 11 Millionen Mart, die die Einwohnerschaft der Innenstadt mit etwas über einer Viertelmillion Einwohner zu übernehmen hat. Auf den einzelnen Steuerzahler Stuttgarts treffen etwa 14 M. neuer Staatssteuern. Man wird einwenden, die Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer belaste nur eine gewisse Schicht der Steuerzahler, diese allerdings um so härter. Das ist aber nur teilweise richtig, denn die Steuer auf Grund und Boden wie auf die Gebäude wird abgewälzt auf die Mieter und Nugnießer. Bei der Gewerbesteuer ist es ähnlich. S Die Einkommensteuer wird bereits von einem Einkommen von 500 M. erhoben. Unsere Genoffen im Landtage werden zweifellos alle Straft daran segen zu verhüten, daß auch die untersten Steuerstufen von der Steuererhöhung betroffen werden. Sie werden verTangen, daß die starken Schultern entsprechend belastet werden. Wit welchem Erfolge, steht dahin. Wahlprüfungen im Abgeordnetenhause. Die Wahlprüfungskommission des preußischen Abgeordnetenhauses ist auf Freitag zu einer Sigung einberufen. Die ersten Wahlen, deren Gültigkeit geprüft werden soll, find die der sozialdemokratischen Abgeordneten Borgmann, Heimann, Hirsch und Hoffmann, gegen die bekanntlich von freisinniger Seite Einspruch erhoben ist. Der Vorsizende der Kommission hat sich einen sehr netten Witz geleistet, er hat zum Berichterstatter den Abg. Fischbeck ermandjen Stantonen das schonungslose Recht des Stärkeren ge- nannt, der dadurch in die für ihn höchst peinliche Situation treten Es macht sich darum bei den. Minderheitsparteien eine verfekt wird, u. a. auch die Gültigkeit der Wahl seines niederbrüdende Stimmung geltend, wenn man sie fühlen läßt, Freundes Hoffmann beantragen zu müssen. daß sie von der Gnade der Mehrheitsparteien abhängig sind. Die Die Proteste selbst stüßen sich auf ganz allgemeine Befreiwillige Proportionalität muß zur Degradierung führen. Wir hauptungen, die Wahlen unserer Genossen sollen angeblich wollen rüdenstarte Minderheiten im Ratssaale. Die nur durch sozialdemokratischen Terrorismus zustande gelezten Zeiten haben gezeigt, wie notwendig es ist, uns von den kommen sein. Nun, die Landtagsmehrheit kann ja die Probe Fesseln des jetzigen Systems zu befreien. Eine Gefeßesinitiative aufs Exempel machen, sie mag getrost unsere Genossen aus soll das besorgen. Der Redner begründete sodann eingehend das Initiativ. dem Hause hinauswerfen, die Wähler werden die Antwort erbegehren in formeller Beziehung, namentlich die vorgesehene Be- teilen, die darin bestehen wird, daß die Sozialdemokraten Stimmung, daß jeder Kanton ein Wahlkreis sein soll, und er schloß mit um so größerer Stimmenzahl wieder einziehen. Zur Bemit den Worten, daß es ein stolzeres Bewußtsein ist, mit dem lebung der Wahlagitation, vor allem zur Belebung der AgiRechte zu fallen, als mit dem Unrecht zu siegen. Vorwärts benn tation für das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlzum Stampf für ein gerechteres Wahlverfahren! recht wäre ein solcher Gewaltstreich gar nicht so unübel. An das mit wohlverdientem, lebhaften Beifall aufgenommene ausgezeichnete Referat knüpfte sich eine rege Distuffion, an der sich Vertreter aller Parteien beteiligten, so daß die Versammlung Stunden dauerte. 3 Zum Schluffe wurde einstimmig nach dem Vorschlage des Initiativkomitees das Initiativbegehren in dieser Form beschlossen: Art. 73 der Bundesverfassung ist aufgehoben und wird durch folgenden Artikel ersetzt: Die Wahlen für den Nationalrat sind direkte. Sie finden nach dem Grundsatz der Proportionalität statt, wobei jeder Kanton und jeder Halbtanton einen Wahlkreis bilden. Die Bundesgesetzgebung trifft über die Ausführung dieses Grundsabes die näheren Bestim= mungen.( Wortlaut der Initiative von 1900.) Bis zum Erlaß eines Bundesgesetzes wird die Ausführung durch eine Verordnung des Bundesrates geregelt. Das proportionale Wahlverfahren findet zum ersten Male für die Gefamterneuerung des Nationalrates im Jahre 1911 statt."( Neu.) Hierauf wurde ein neues Initiativkomitee von 170 Mitgliedern bestellt. Vorläufig ist damit zu rechnen, daß die neue Steuerbelastung eine ganze Reihe Gemeinden veranlassen wird, dringende kulturelle Aufgaben wie Verbesserung des Schulwesens usw. zurückzustellen. Weiter muß in Aussicht genommen werden, daß die Neubelastung Wir begrüßen freudig die neue Proporzinitiative und wünschen der Industrie und des Gewerbes die Krifo verschärfen, die Unter- ihr vollen Erfolg, damit endlich der brutalen Vergewaltigung der nehmungslust eindämmen, die Arbeitslosigkeit verlängern wird. Die Minderheitsparteien, insbesondere der sozialdemokrati. Lebenshaltung der breiten Masse des Bolles wird herabgedrückt, die schen, durch die herrschende freisinnige Partei ein Steuerkraft der Bevölkerung geschwächt, während die Laften steigen. Ende gemacht werde. Es ist eine blutige Verhöhnung des gleichen" Der Mehraufwand wird, wie an verschiedenen Stellen des Be- Wahlrechts, wenn auf je 14 285 fozialdemokratische Stimmen ein gleitvortrags bemerkt wird, zum großen Teil verursacht durch die Nationalrat kommt und auf je 1875 bürgerliche Stimmen ebenfalls Berteuerung der Lebenshaltung, die weit höhere Aus einer. Gin Wahlrecht, das solche Früchte seitigt, ist ein politi gaben für Gehälter und Löhne notwendig machte. Der Mehrbedarf ich es taubsystem, das je schneller, desto besser bean Pensionen allein beziffert sich auf 1232 830 97. für 1900, seitigt werde. Jest gilt es nun, die erforderlichen 50 000 Unterschriften zu 1814 130 M. für 1910. Allerdings wirkt hier die Uebernahme der Interftügungstaffe, für Angestellte der Verkehrsanstalten mit. Das sammeln. Aber es sollten 100 000 und noch mehr aufgebracht Steigen der Hafer- und Gutterpreise macht sich beim Etat des werden, um von vornherein der Initiative mehr politisches GeLandesgestüts geltend. lleber 100 000 m. jährlich müssen für wicht zu verleihen. Die sozialdemokratische Partei wird, wie Kirchen mehr aufgewendet tverden. Der Mehraufwand ist bei immer, ihre Pflicht erfüllen, beiden Kirchen im wesentlichen durch die notwendig gewordene der Kostpreise filz die Seminare und Konvitte infolge der Steigerung der Lebensmittelpreise, bei der katholischen Kirche sodann durch den Mehrbedarf an Besoldungen der katholischen Kirchendiener infolge höherer Etatspreise für die Früchte veranlaßt." Erhöhung Politifche Ueberficht. Berlin, den 13. Januar 1909 Etatsüberschreitungen. Block und Zentrum. So oft die Blodparteien störrisch zu werden drohen, wird von besorgten Blockpolitikern das Gespenst der Rückkehr des Zentrum? zur Regierungsmacht an die Wand gemalt, und namentlich bei den Freisinnigen wird stets damit die gewünschte Wirkung erzielt. nicht übel spottet die Köln. Volksztg.": Das ausgeschaltete" Zentrum steht heute beim Wiederbeginn der Neichstagsverhandlungen mehr im Mittelpunkt des politischen Parteiengetriebes, als vielleicht jemals zur Zeit seiner ausschlaggebenden" Stellung. Man kann es eine Fronie des Schidfals nennen oder eine Folge der Zentrumsfcheu, tatsächlich ist der Einfluß des Zentrums und das Gewicht seiner Haltung heute, wo die Partei ausgeschaltet" fein soll, für die Blodparteien be ängstigend groß. Der Hinweis auf das Zentrum ist heute die Peitsche, mit der die Blockparteien namentlich der linken Seite zu jedem Beschluß, zu jedem Umfall getrieben werden können. Diese Beitiche wirkt stärker als Parteigrundsäge, als der Wille der liberalen Wähler und als die Erinnerung an eine liberale Vergangenheit. Das Wort Zentrum ist beim Block rein zum Zaubermittel geworden, das alles fertig bringt. Wenn der Blodwagen im Reichstag einmal stille stehen will, dann braucht sein Fahrer blos Sentrum" zu rufen und mit verdoppelten Kräften und im Galopp ziehen die Blodgäule die Starre aus dem tiefsten Sumpf." Nur schade, daß das Zentrumsblatt hinzuzufügen unterläßt, daß diese Manöver weniger erfolgreich wären, wenn nicht gerade die Sentrums politit selbst sie so begünstigte. Wäre das Zentrum: nicht so sehr bereit, in eine reaktionäre Negierungsmajorität eingutreten und selbst den Konservativen zu leisten, was der Blockfreisinut verfagen möchte, so würde die Drohung mit dem Zentrum weniger schrecken. Für die reaktionärsten Blodtaten trägt so die Zentrumspolitik trog allen scheinoppofitionellen Gehabens ein vollgerüttelt Teil der Mitschuld. Die Köln. Wolfsztg. hat auch durchaus nicht den Wunsch, die Angst vor dem Zentrum zu bannen. Ihr ist es nur nicht recht, daß durch das allzu geschäftige Gehaben einiger Zentrumsjournalisten, vor allem des draufgängerischen Erzbergers, den Blockpolitikern das Spiel erleichtert werde. Gie predigt mehr 8urida haltung". Denn so lange so unangenehme Dinge wie die Reichsfinanzreform zu erledigen sind, läßt sichs für das Zentrum in der Oppofition besser leben als in der Majorität. Die Herren fönnen warten und sie wissen, daß fie trotz aller freisinnigen Verrätereien sich rechtzeitig mit ihren reaktionären Brüdern, den Konservativen, verständigen werden. Die Kehrseite: Der Reinertrag der Eisenbahnen, 1909 Aus dem Reichstage, 18. Januar. Die erste 17 902 100 9., 1910 18 678 600 9., bleibt hinter dem zehnjährigen Lesung der Rechnungsübersichten über den Reichsetat für 1907 Durchschnittsertrag 1898-1907 zurück, und zwar 1909 um 812 000 9., und den Kolonialetat für 1906 gab Anlaß zu einer scharfen 1910 um 86 400 M. Der Eisenbahnreferbefonds, rund 21%, Millionen Rüge der Etatsüberschreitungen, die in allen Ressorts im Mart, wird für das Jahr 1908 noch aufgebraucht werden. Beim Ueberriaß vorkommen. Betragen doch die Etatsüberschreitungen Beginn der neuen Finanzperiode ist fein Pfennig mehr vorhanden. für 1907 nicht weniger als 78 Millionen Mark, von denen Der Finanzminister schließt seinen Vortrag mit den Worten: 32 Millionen durch Mehreinnahmen gedeckt werden, so daß Im Anschluß an die allgemeine wirtschaftliche Lage macht sich die noch immer 46 Millionen zu decken bleiben. Der Militäretat absteigende Bewegung in den Finanzen in erheblicher Weise fühlbar, allein ist mit 18 Millionen daran beteiligt. An Einzelheiten drei Sozialdemokraten durch die Zentrumsstadtver Zentrumsrache. Aus dem Rheinland wird uns geschrieben: Die ungültigkeitserklärung der Wahl bon ordnetenmehrheit in Mülheim a. Rhein stellt sich als cin forgfältig vorbereiteter Streich heraus. Wie wir schon mitteilten, wurde die Üngültigkeitserklärung hauptsächlich durch eine falsche Auslegung des bekannten Hausbesikerparagraphen der Städteordnung erreicht. Die Zentrumsmehrheit behauptete, es genüge nicht, daß der Gewählte Hausbefiber im gewöhnlichen Sinne sei, sondern er müsse Allein= befizer sein, das heiße, er dürfe nicht ein Haus zusammen mit seiner Ehefrau besigen. Es wäre dem Mülhauser Zentrum ganz unmöglich gewesen, auf Grund dieser blödsinnigen Auslegung des Hausbesitzerparagraphen seine Absicht zu erreichen, wenn es nicht in einer bisher im politischen Leben noch nicht dage= wesenen tüdischen Weise vorgegangen wäre. Daß das Zentrum die Wahl anfechten wolle, war bekannt geworden, auch daß man hervorragende Kölner Zentrumsjuristen( Kaufen, Trimborn) zu Rate gezogen hatte. Auf welche Gründe aber das Zentrum seinen Protest stützen wolle, darüber brachte die Zentrumspresse kein einziges Wort. Als unser Parteiblatt feiner Verwunderung über dieses Verhalten Ausdruck gab, wurde es von dem Mülheimer Zentrumsorgan verhöhnt und ihm geantwortet, seine Neugier" werde schon befriedigt werden. Mit raffinierter Berechnung tam man mit der Begründung erst in der Stadtverordnetenfibung her aus, die zugleich über die Gültigkeit der Wahl entscheiden sollte. Und diese Begründung ist nichts als ein Taschenspielertrick. Denn man unterschob ihr eine Oberverwaltungsgerichtsentscheidung, die fich auf genossenschaftlichen und handelsgesellschaftlichen Hausbesitz bezieht und darlegt, daß der Mitbesi an genossenschaftlichem Hauseigentum noch nicht den Hausbesizer im Sinne der Etädteordnung mache. Dagegen hat das Oberverwaltungsgericht bezüglich der Hausbesizereigenschaft im Sinne der Städte ordnungen entschieden, daß der Ehemann schon dann im Sinne des§ 16 der Städtcordnung ein in die Klasse der Hausbesitzer zu zählender Nießbraucher ist, falls seine Ehefrau das Eigentum an einem Hause nachweisen kann." ( Entscheidung vom 26. 9. 02 Nr. II 1536; Pr.-V.-BI. Bd. XXIV G. 603.) Also der Ehemann braucht nicht nur nicht Alleinbesizer, er braucht überhaupt nicht eigentlicher Befißer, sondern nur Nießbraucher des Hauses seiner Ehefrau zu sein, um dem Hausbesitzer=" paragraphen zu genügen. Wäre die Begründung" des Protestes vorher bekannt geworden, so wäre der Zentrumsmehrheit ihr Streich nicht möglich gewesen. " Montenegro müßten gleichfalls Stompensationen erhalten, Das gegen scheint die russische Regierung im Bewußtsein ihrer Schwäche der Uebereinkunft kein Hindernis in den Weg gelegt zu haben. Denn aus Konstantinopel wird gemeldet, der russische Botfchafter Sinowiew habe auf der Pforte erklärt, daß sich Rußland feineswegs mit Serbien identifiziere und wünsche. hat dem Reichstage erzählt, daß eine deutsche Firma in der Lüderitzbucht bereits täglich 200 Karat Diamanten erwerbe. Daß auch am Kap derartige kleine Steine massen haft gefunden werden können, wenn die ganze Art der Förderung nicht zu fostspielig wäre. hat er allerdings nicht gefagt. Daß derartige teine Diamanten, wie sie jest an der Lüderizbucht gefunden wurden, bei einem rationellen Betriebe die Untosten kaum decken würden, ist unbedingt die Erhaltung des Friedens auf der Balkanhalbinsel ebenfalls bon Herrn Dernburg nicht nicht gesagt worden. Die Kimberley- Minen haben, trotzdem daß sie Diamanten förderten, jahrelang vegitiert und feine Erträgnisse gezahlt. Die Diamantproduktion hat sich in den legten zehn Jahren in unangemessenen Proportionen sehr schnell entwickelt. Die Nach frage bleibt heute schon weit hinter dem Angebot zurück, und die Borräte vermehren sich zusehends. Die Lage, schon so prefär in diesem Augenblick, verschärft sich noch, wenn erst Deutschland als Konkurrent ernsthaft auf dem Plane erscheint. Unter diesen Umständen ist es wenig wahrscheinlich, daß daß die Diamantindustrie jemals wieder ihre alte Prosperität finden Auf der Tagesordnung stand die Interpellation an den Großund ungeachtet der übermenschlichen Anstrengungen des allmächtigen Syndikats ihren alten Kurs wiedersehen wird. Dies mögen fich diejenigen vor Augen halten, die fich der gefährlichen Illusion hingeben, als sei mit dem Auffinden einiger Diamanten in unseren Kolonien eine nie versiegende Quelle des Reichtums und Wohl standes erschlossen worden." Oesterreich will übrigens Serbien durch Abschluß eines Handelsvertrages entgegenkommen und auch eine Bahnverbindung zugestehen, die Serbien mit Montenegro und der Adria verbindet. Allerdings soll diese Bahn durch österreichisches Gebiet geführt werden. Gebietsabtretungen werden entschieden abgelehnt.-. Ob Dattelpalmen, ob Diamanten-, ob Baumwollmärchen- der deutsche Spießer will nun einmal getäuscht werden. Wofür hätte denn Deutschland die vielen hundert Millionen für seine Kolonien berpulvert, die auch das Zentrum bewilligen half, wenn man den Dernburg- Märchen nicht Glauben schenkte! Kameruner Zustände. Ein Vertrauensvotum für den Großwefir. Konstantinopel, 13. Januar. Deputiertentammer. wefir über die innere und äußere Politik der Regierung. Haus und Tribünen waren überfüllt. Am Ministertische saßen der Minister des Innern, der Handelsminister und der Marineminister. Die Diplomatenloge war dicht besetzt. Der Großwesir, ein 88jähriger Mann und schlechter Redner, ließ seine Darlegungen verlesen. Die Stelle über die auswärtige Politik lautet: die in grandioser Form erfolgte Stundgebung einer auf der natio " Die Wiederherstellung einer fonftitutionellen Regierung und nalen Straft aufgebauten politischen Existenz wurden von allen Mächten mit achtungsvoller und aufrichtiger Sympathie begrüßt. Der erste befriedigende Erfolg bestand darin, daß Rußland und die anderen, an den mazedonischen Reformen beteiligten Mächte Wir hatten kürzlich bereits das in Kamerun übliche System, auf ihre speziell für die drei Vilajets aufgestellten Vorschläge ver zichteten und die Reformien abwarteten, welche die konstitutionelle eingeborene Schustruppenmannschaften ohne ottomanische Regierung selbst durchführen werde. Wie schon in der weiße Zeitung zu Strafexpeditionen zu entfenden, aufe schärfste Thronrede erklärt wurde, hat Bulgarien, während die Pforte mit der Organisation des neuen konstitutionellen Regimes beschäf= gerügt. Jegt wird auch dem„ Berl. Tagebl." dazu geschrieben: „ Es ist um so mehr zu bedauern, daß Vorfälle dieser Art sichtigt war, erklärt, daß es seine Unabhängigkeit proklamiert habe, immer wieder in Gebieten ereignen, die wie die in Frage und unmittelbar darauf hat Oesterreich- Ungarn kundfommenden längst durch den Handel eröffnet sind, und in denen gegeben, daß es unter Zurüdziehung seiner Truppen aus dem von Urzuständen feine Rede mehr sein kann! Der schwarze Sandschak Novibazar, der sich unter seiner Offupation befand, sich Soldat hat sich, sobald er unbeobachtet ist und weiß, daß die entschlossen habe, Bosnien und die Herzegowina anzugliedern Wir haben, heißt es in dem Exposé weiter, gegen diese beiden Nachprüfung seiner Schandtaten mit Schwierigkeiten verknüpft ist, als durchaus unzuverlässig gezeigt. Es ist nicht zuviel Eingriffe protestiert, diese Angelegenheit den anderen Großgesagt, wenn behauptet wird, daß von fünf Patrouillen mächten zur Kenntnis gebracht und den Zusammentritt einer mindestens vier sich lebergriffe zuschulden Konferenz verlangt, um über die bulgarische Angelegenheit eine tommen lassen, sei es nun ein Hühnerdiebstahl oder ein Entscheidung herbeizuführen. Die Großmächte haben anerkannt, bißchen Beiberraub. Daß diefe Uebergriffe nicht immer angezeigt daß diese Verlegungen illegal feien, mit dem Berliner Vertrag tverden, beruht in den Kameruner Verhältnissen. Die einzelnen Dorf im Widerspruch stünden, und haben sowohl Bulgarien als auch Es wurde von den ältesten unterlassen die Anzeige aus Furcht vor den Desterreich- Ungarn Ratschläge erteilt. Kameraden des Täters, und die Kaufleute tun es nicht Mächten anerkannt, daß es sich bei der Wiedererlangung dieser aus leicht begreiflichen Gründen: es ist nicht jedermanns Sache, Rechte um eine Angelegenheit handle, die die Türkei betrifft, und als„ Stänker" verschrien zu werden. Und so läßt man die Fünf daß der Beistand der Mächte sich auf diplomatische Schritte beöfter gerade fein, als es für die Kolonie zuträglich erschien. Die schränken würde. Ferner zogen die Mächte die Schwierigkeiten fundamentalste Forderung, um endlich solche Vorfälle unmöglich in Betracht, die sich ergeben würden, wenn die befreundeten Mächte zu machen, ist, daß Patrouillen ohne Führung eines es unternehmen würden, das fait accompli mit der Lage und Europäers unbedingt folange es fich nicht um friegerische den Interessen der Türkei in Einklang zu bringen. Aus diesen Ereignisse handelt berboten werden müffen." Gründen fanden sie, daß es vorzuziehen sei, ein Arrangement Daß die schwarzen Soldaten sich dergleichen Uebergriffe ges durch finanzielle Stompenfationen zu suchen, und haben diese Art der Beilegung der Angelegenheiten empfohlen. Da aber die öfter= wie Hunde auf ihre Staffengenossen abgerichtet. Ohuehin ist der ovibazar für eine hinreichende Stompensation betrachtete, sich nicht reichisch- ungarische Regierung, welche die Räumung des Sandschafts foldatische Drill nicht geeignet, humane Wirkungen auszuüben darauf einlich andere Entschädigungen zu bewilligen, hatten wir wie sollten es da die schwarzen Polizeifoldaten bei Strafexpeditionen beschlossen, daß zur Herbeiführung eines gerechten Einvernehmens allzu genau nehmen. Geradezu ungeheuerlich ist es uns, daß man, mit der genannten Macht wir unseren Protest aufrechterhalten, wie schon Herr Rohrbach vor längerer Zeit es schilderte, diefe Bosnien und die Herzogewina als unter der Ottupation und profchwarzen Mannschaften ohne jede Kontrolle durch einen weißen visorischen Verwaltung Desterreich- Ungarns stehend betrachtet, und Der nationalliberale Reichstagsabgeordnete Rimpau Offizier auf Strafegpeditionen ausfchicte! Das Gouvernement daß iene Personen, welche aus diesen beiden Bilajets dämen, wie hat fürzlich den Empfang einer Stommiffion Halberstädter Tabalder Proklamierung der Unabhängigkeit Bulgariens wurde die arbeiter abgelehnt. Er erklärte einem Mitgliede der Kommission, trägt in letzter Linie die volle Verantwortung für alle andere türkische Untertanen behandelt werden sollten. Schon vor bulgarische Armee auf Kriegsstand gefeßt, und nachher haben wir das ihn zu bewegen fuchte, die Tabalarbeiter wenigstens anzuhören, effe und ihre Folgen! wahrgenommen, daß Bulgarien große Striegsvorbereitungen durch fchließlich: Truppen- und Munitionstransporte treffe. Keine Preisgabe der Gesellschaftssteuer. Die Norddeutsche Allgemeine 8eitung öffentlicht folgende offiziöse Erklärung: berDie Zeitungsnachricht, die Regierung beabsichtige die Gesellschaftssteuer zurüdzuziehen und durch eine Erhöhung der Stempelsteuer zu erfegen, entspricht nicht den Tatsachen. Die Regierung hält vielmehr an dem Plane einer Gesellschaftssteuer fest, und wenn die Erhöhung einiger Positionen des Stempelsteuertarifes erwogen statten, braucht nicht wunderzunehmen. Man hat diefe Leute ja wird, so ist dies notwendig, um den Mehrbedarf zu decken, der nach dem bisherigen Verlaufe der Verhandlungen in den Kommissionen des Abgeordnetenhauses voraussichtlich an Befoldungen der Beamten und Lehrer fich ergeben wird. Der Patriotismus der Reichen. Die badische Lehrerschaft in der Prüfung. Was wollen Sie denn? Sie wollen doch weiter nichts, als Die Zentrumspresse jubelt über die Entscheidung des daß ich gegen die Tabaksteuer stimmen soll und das kann ich nicht. Wir fönnen doch unser Baterland nicht zugrunde Ministeriums, welches den Oberschulrat gegen Rödel und feine Im Geiste sieht Herr Wader den Beitgehen lassen. Es ist immer dasselbe Bild, sobald ein Steuer- Berteidiger deckt. gefez erscheint, tommen die Interessenten und sagen: Wir fönnen punkt schon nahe, to infolge diefer dem Liberalismus bereiteten bas nicht tragen, sondern laßt die anderen bezahlen. Das ist Niederlage die dirigierende Zentrumsfraft im Oberschulrat auch formell nichts weiter als traffer Egoismus, denn der Tabat ist schon lange die Oberleitung erhält. Und Her Oberschulrat Schmidt ist heute geschont worden. Run werden Sie aber einwenden, laßt doch die schon eine einflußreiche und oben beliebte Persönlichkeit. Bereits Reichen bezahlen, die haben es doch. Ja, diefe würden aber stellt die Zentrumspresse fest, daß im Seekreis feit Bekanntwerden dann unfer Waterland verlassen, denn jegt fchon des ministeriellen Entscheides die Lehrerschaft in zwei Versammlungen, ziehen die reichen Beute von Berlin woeg, um sich für den Meßkircher und Stockacher Kreis, versagt hat, einer außerhalb anzufiedeln und die hohen Steuern nicht zu Vertrauensfundgebung für Rödel zuzustimmen. In dem einen Falle bezahlen." begeht die Zentrumspresie sogar die Denunziation, den Namen des Vorsitzenden der Kreisversammlung zu nennen, welcher eine Refolution borlegen wollte. Der Erfolg wird sein, daß diefer Hauptlehrer gleich feinem Odenwälder Kollegen in eine Disziplinarstrafe genommen wird. Beginnt die bisherige Phalang der badischen Lehrerschaft zu weichen, dann blüht der Weizen des Zentrums, das bisher mit der Gründung einer katholischen Landesorganisation der Schrer nur geringen Gr folg hatte.Herr Rimpau hat nichts Neues verraten, als er erklärte, daß der Patriotismus der Reichen vor ihrem Geldbeutel Halt macht. Aber wesentlich ist, daß ein Nationalliberaler es fagt. Konstantinopel, 13. Januar. Nachdem der Großwesir Kiamil Bascha sein Exposé beendet hatte, sprach die Stammer ihm ihr unbedingtes Vertrauen aus. Ein türkisch- bulgarischer Zwischenfall. Ranftantinopel, 18. Januar. Nach amtlichen, von türkischen Blättern veröffentlichten Depeschen wurden ein türkischer Unteroffizier und ein türkischer Soldat, als sie vorgestern die Grenzlinie beim Blockhaus Eszabet Kaza Djumabala überschritten, von bulgarischen Truppen angegriffen. Der türkische Solbat wurde getötet, der Unteroffizier verwundet. Eine türkische Abteilung unter dem Kommando cines Seutnants wurde abgesandt. frankreich. Imperialismus gegen Sozialpolitik. " Zur Charakteristik der Strafprozeßpreform. Die blodfromme liberale Presse, die nach dem Vorbilde des Paris, 13. Januar. Der Rappel", das Blatt der antis großen Demofraten Bayer den Strafprozeßordnungsentwurf einen wesentlichen Fortschritt" nennt, hat in lebhaften Farben auch die Der erste Sozialdemokrat im Braunschweiger Landtag. ministeriellen Radikalen, schreibt anläßlich der morgigen Debatte Größe des Zugeständnisses geschildert, das die Regierung in diesem Zu der schon gemeldeten Wahl des Genoffen Dr. Jasper in über die Marottonachtragskredite: Wenn die Kammer Entwurfe durch die Aufhebung des Zeugniszwangs für fortfährt, das Budget Frankreichs mit neuen, durch das marokkanische die Presse dem deutschen Wolfe gewähre. Wir haben im Gegen- den braunschweigischen Landtag wird noch gemeldet: Für die Erfazwahl im 3. Wahlkreife der Stadt Braunschweig, Unternehmen verursachten militärischen Ausgaben zu belasten, dann fatz dazu betont, daß der deutschen Preise die schlimmsten Blüten des Zeugniszwangs durch den Entwurf forgfam erhalten bleiben. Die durch den Tod des bisherigen Vertreters notwendig wurde, verhindert sie den Senat, die Frage der Arbeiter= waren von bürgerlicher Seite zwei Kandidaten aufgestellt, der eine pensionen zu lösen. Das Parlament muß zwischen einer Die Kreuz- 8tg." liefert jetzt einen sprechenden Beleg dafür. Sie hatte dieser Tage gefordert, daß die Person ausgeforscht von den Industriellen, der andere von den Mittelständlern. Im imperialistischen und einer sozialen politik wählen. tverde, die die Neujahrsansprache des Kaifers in die Deffentlichkeit ersten Wahlgang der Abgeordnetenwahl, der am 18. Dezember Frankreich hat nicht die Mittel, fich fostspielige Expeditionen in Nun macht sie ein Leser darauf aufmerksam, stattfand, erhielt der Kandidat der Industriellen 34, der Afrika und gleichzeitig Ruhegehälter für seine alten Arbeiter zu gebracht habe. Leisten. daß diese Ermittelung ohne Anwendung des Zeugniszwangs nicht Mittelständler und Genosse Rechtsanwalt Dr. Jasper je 31 Wahl- Afrika und gleichzeitig Ruhegehälter für feine alten Arbeiter zu gelingen fönne; da aber die Regierung im Strafprozeßorönungs- männerſtimmen. entwurf den Redakteuren das Recht der Zeugnisverweigerung gebe, so könne sie dies Mittel nicht gut mehr anwenden. Worin der gut gezogene Kreuzzeitungsleser natürlich einen Beweis erblidt, zu welchen Schäden eine durch nichts gerechtfertigte Ausnahmestellung der Zeitungsredakteure führen fann". Die Kreuz- Zeitung" aber ist in der glüdlichen Lage, ihre beforgten Lejer beruhigen zu können. Denn wie sie am Wortlaut des § 49 des Entwurfs nachiveist, erkennt dieser ein Recht auf Zeugnisverweigerung nur zu, wenn es sich um Artikel strafbaren Inhalts handelt. Artikel anderen Inhalts find durch die Vorschrift nicht gedeckt, weder im Sivilprozeffe, 3. B. bei einer Forderung auf Schadenersatz, noch im Disziplinarberfahren, wenn es sich darum handelt, den Verfasser einer an sich nicht strafbaren, aber nur durch) Bruch des Amtsgeheimnisses in die Presse gelangten Mitteilung zu ermitteln. In dem hier in Rede stehenden Falle handelt es sich nicht um einer Artifel strafbaren Inhalts. Die Regierung brauchte also bei der Anwendung des Zeugniszwanges in diesem Falle gar nicht schärfer zu verfahren, als fie es in dem neuen Entwurfe vorgesehen hat. Die Bahn zur Anwendung der Zeugnisfolter im Disziplinarberfahren wider Unbekannt ist also frei. Und wird auch unter der Geltung der neuen Strafprozeßordnung, wie sie die Regierung plant, frei bleiben! Wer zweifelt noch, daß der Strafprozeßordnungsentwurf eine liberale Errungenschaft erster Ordnung ist, würdig, dem Reichsvereinsausnahmegesetz zur Seite zu treten! Dernburg- Märchen. Der Germania" wird geschrieben: Db unter dem Sande wirkliche Diamanterde, der sogenannte blue ground" vorhanden ist, ist noch ungewiß und hat naturgemäß der Herr Staatssekretär während seiner Anwesenheit dort in der kurzen Zeit nicht feststellen können. Herr Dernburg Am Dienstag wurde die Stichwahl zwischen den drei Kandi daten vorgenommen, da das braunschweigische Wahlgefeß ein Auslofen der Kandidaten mit gleichen Stimmenzahlen nicht kennt. Diesmal war der Genosse Dr. Jasper mit 39 Stimmen gewählt. Der Kandidat der Industriellen erhielt 84, der der Mittelständler 24 Stimmen. Aus eigener Straft ist der Sieg der Sozialdemokraten nicht errungen, das ist aber bei dem elenden Landtagswahlrecht Braunschweigs( indirektes Dreiflaffenfystem) auch faum möglich. Eine Abmachung zwischen der Sozialdemokratie und den Mittelständlern bestand nicht. Von diesen stimmten einige für den sozialdemokratischen Kandidaten, um den verhaßten Kandidaten der Großfapitalisten durchfallen zu laffen. Gegen den Gewaltstreich des Zentrums zu Mülheim a. Rhein. Gegen die Ungültigkeitserklärung der drei sozialdemokratischen Stadtverordnetenmandate wird der Sozialdemokratische Verein zu Mülheim das Verwaltungsstreitverfahren einleiten, da, wie der Be schluß besagt ,,, der Verwaltungsgerichtsbehörde Gelegenheit zur Prüfung der juristischen Ungeheuerlichkeiten der Zentrumsmehrheit gegeben werden muß". Die Balkankrise. Die Todesstrafe. Paris, 13. Januar. Auf Antrag mehrerer Abgeordneten der Sinken wird ein Geschentwurf in der Kammer eingebracht werden, wonach die Hinrichtung der zum Tode Verurteilten nur nocy dann ausgeübt werden darf, wenn der Angeklagte von den Geschworenen mindestens mit 3 weidrittelmehrheit schuldig befunden wird bezw. acht von den zwölf Gefchivorenen für die Vollziehung der Todesstrafe sich ausgesprochen haben. Das Kammerpräsidium. Paris, 18. Januar. An der Wahl des Präsidenten der Kämmer nahmen 360 Deputierte teil. Henri Brisson wurde mit 314 Stimmen wiedergewählt. Die Kammer wählte auch ihren Schriftführer und drei Vizepräsidenten und zwar Etienne, Berteaug und Elementel. Für die Stelle des vierten Vizepräsidenten finder eine Stichwahl statt, die auf Donnerstag vertagt wurde. Belgien. Liberale Heuchelet. Brüffel, 10. Januar.( Eig. Ber.) Jm Genter Gemeinderat hat sich fürzlich ein Vorfall Die österreichisch- türkische Vereinbarung. ereignet, ber eine von den oft merkwürdigen politischen Kom Die Meldung von der Verständigung zwischen Desterreich und binationen aufzeigt, die in Belgien zur Durchseßung bestimmter der Türkei wird fast überall mit Befriedigung aufgenommen., Nur Reformen oft nötig sind. Da die Sozialisten bei ihrer Reformin Serbien feßen die Zeitungen ihre Kriegshehe fort, zu der politik, je nachdem einmal die Merifalen, einmal die Liberalen in sich jetzt die Beschuldigungen gesellen. Die Türkei hätte die slawische ihr Lager bekommen, so ergibt es sich von selbst, daß einmal die Sache schmählich verraten. Auch die russische Presse, allen lerifale Bresse über die 2iberaleu jammert, die sich von den voran die reaktionäre." Nowoje Bremja", ist unzufrieden und er- Noten" ins Schlepptau nehmen lassen und ein anderes Mat, wie lärt, daß das Uebereinkommen die Rechte der an dem Berliner beim Genter Borfall, die liberale Presse loslegt, daß die Klerikalen Vertrage interessierten Mächte nicht befeitige. Serbien und lfo charaktertos find, mit den Rollektivisten" gemeinsame 33 Sache zu machen. Daß die Ursache dieser Kombinationen immer darin liegt, daß eben weder klerikale noch Liberale nach einem zielbewußten, ehrlichen Reformprogramm arbeiten, fondern nur ihren politischen Geschäftsstandpunkt verteidigen, wenn fie für irgend eine fortschrittliche Sache eintreten, davon wird weder die klerikale noch liberale Presse je etwas sagen. Amerita 1900 3,3 Deutschland 5,4 1901 3,0 4,8 1902 2,5 6,5 1903 4,0 6,4 1904 4,9 6,9 1905 5,3 10,9 1906 12,1 1907 11,1 aller in Betracht tommenden Arbeitgeber aus, einerlei, ob es Fadj oder Kaufleute sind. Betont wurde, daß die geplante Tarife gemeinschaft ein rasches, solidarisches Handeln erfordert. Die in Graudenz fürzlich gegründete Ortsgruppe der Schubvereinigung westpreußischer Betriebe und Arbeitgeberverbände, welche die Kreise Graudenz- Stadt und Land, Schweh, Marienwerder und Stuhm umfaßt, soll angeblich den Zweck haben, die Herbeiführung friedfertiger und ge ordneter Verhältnisse zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmerit. Singungen, Arbeitseinstellungen, deren Ursachen, Dauer, Umfang und Verlauf. Ferner Veranstaltungen städtischer Erhebungen über Arbeitsbe Besonders sind jedoch die Mitglieder der Vereinigung ver pflichtet, teine Arbeiter zu beschäftigen, die in der letzten Arbeitsstelle„ bertragsbrüchig" geworden oder in einen unberechtigten Streit" eingetreten sind. Gegen den Jnnungsmeisterterror. Ueber die Schärfe der Kämpfe in den einzelnen Industrien Amerikas gibt die folgende Tabelle Auskunft. Sie erstreckt sich auf die Jahre 1881-1905. Die größte Zahl der Ausperrungen und auch der Streiks- wurden im Baugewerbe Industrie der Nahrungs- und Genußmittel und des Be- geplante rigorose Vorgehen der Innungen beim Abschlusse von durchgeführt. Dies trifft auch für Deutschland zu. Kleidungs- und Reinigungsgewerbes kommen dem am nächsten. Zehriontrakten. Am Schluß des Aufrufes heißt es: Im einzelnen ist das Bild das folgende: Industriegruppen Die Die Jugendfommission in Kiel erläßt einen Aufruf gegen das „ Die Gesellen und Lehrlingsausschüsse müssen 1881-1905 Ausgesperrte verlangen, daß ihnen diese Kontraktformulare ur Genehmigung Zahl der von sämtlich. vorgelegt werden. Sie müssen diese ungeheuerlichen Bestimmungen Aus- Aus- Kämpfenden in ihren Sizungen sowie durch Eingaben an Magistrat und Handelssperrungen gesperrten in% faminer bekämpfen. 256 221 164 215 Die Krise im Genter Gemeinderat war für die Juustrierung dieser Tatsache geradezu ein Klassisches Beispiel. Es handelte sich nämlich um die Votierung eines von den Liberalen vorWenn auch in beiden Ländern die Zahl der Fälle steigt, geschlagenen Kredits von 5000 Fr. als Subvention für die so hat Amerika noch nicht mal die Hälfte der deutschen Höhe Ausspeisung von Schulkindern. Demgegenüber hatten die erklommen, trotzdem im erstgenannten Lande bedeutend mehr Sozialisten einen Antrag gestellt, der diese Summe Schulküchen zuwenden will, die allen im Schul- gestreift worden ist. alter stehenden Kindern, ohne Rücksicht darauf, ob fie eine Schule besuchen oder nicht( bekanntlich hat Belgien keinen Schulzwang) und gleich viel, ob sie eine tommunale oder eine sogenannte„ freie" Schule besuchen, zugänglich sein soll. Die Dottrinärliberalen, die bisher ihre Gemeindepolitit mit den Kleritalen gemacht hatten, wenn fie nicht gerade der Unterstützung der Sozialisten bedurften für Pläne, für die wieder ihre fleritalen Freunde nicht zu haben waren, tun nun sehr entsetzt über das klerikal- sozialistische" Bündnis, das einzig eine Konsequenz ihrer Engherzigkeit ist, denn der sozialistische Antrag wurde angenommen und die dottrinäre Gruppe demissionierte daraufhin. Neben Baugewerbe. dem Radikalen Cambier wurde Genosse Anseele zum Stadtrat gewählt. Die„ Etoile belge", die wohl die wunderlichste Sorte von „ Liberalismus“ verschleißt, sieht in dem Beschluß bereits die Götterdämmerung der privatkapitalistischen Gesellschaft und sie ruft halb spöttisch, halb schreckerfüllt den Klerikalen zu, daß das Prinzip der allgemeinen Ausspeisung unfehlbar zum Stollektivismus führe! Das ,, liberale" Blatt höhnt sogar, daß jetzt nur noch die unentgeltliche Verteilung von Kleidern fehle! Eine Rolle spielt natürlich, daß die Ind. 6. Holz- und Schnitzstoffe Liberalen bom Schlage der„ Etoile“ diese überflüssigen Bergbau Geldausgaben fürchten. Und folche Leute heißen fich Textilindustrie stolz Schulfreunde" und ihr Programm ziert ein umfangreiches TransportgewerbeSchulreformprogramm. Der Genter Stadtrat bestand übrigens Leder und Lederwaren seit dem Jahre 1895 ausschließlich aus Liberalen, dant der Unter- Papierindustrie. stügung, die die Gruppe der Doktrinärliberalen von den Stleritalen erfuhren. Im Gemeindefollegium find zurzeit 14 Sozialisten. Neben Anseele und dem Radikalen Cambier sind nach der Demissionierung der Doktrinäre noch zwei Stlerifale als Stadträte gewählt worden. Der liberale Stadtrat de Bruyne verblieb auf seinem Posten. " Türkei. Ein reaktionäres Komplott. Konstantinopel, 12. Januar. In der Redaktion des reaktionären Hukuku Ummumije" wurden heute nachmittag gegen 30 Mitglieder des Komitees Fedataren( d. h. für die Nation Opfernde) verhaftet und verschiedene Papiere beschlagnahmt Angeblich handelt es sich um ein Komplott gegen die bestehende Regierung. Perfien. Eine englisch- russische Intervention? Petersburg, 13. Januar. Zwischen der russischen und britischen Petersburg, 13. Januar. Zwischen der russischen und britischen Regierung wurden bezüglich der Intervention in Persien Vereinbarungen dahin getroffen, daß dem Schah englische und russische Bibilbeamte beigegeben werden, die ähnliche Funktionen auszuüben haben, wie die bisherigen Zibilagenten in Maze donien. Diese Beamten sollen dem Schah behilflich sein, Ordnung zu schaffen. Amerika. Keine Tarifrevision. New York, 13. Februar. Wie einige Blätter wissen wollen, befürworten die republikanischen Mitglieder des Tariffomitees eine Bestimmung in der neuen Tarifbill, derzufolge ein Abkommen, wie das mit Deutschland, unmöglich.aemacht wird. Gewerkschaftliches. Das Land der Scharfmacher Deutschland! In Nr. 3 unserer Zeitung brachten wir statistische Ergebniffe der Streits und Aussperrungen in den Bereinigten Staaten, die, soweit als es möglich war, in Vergleich gestellt wurden mit den Zahlen der deutschen Arbeitskämpfe. Als wichtigstes Resultat dieser Zusammenstellung ergab sich, daß die deutschen Aussperrungen in ihrer Zahl und ihrem Umfang die amerikanischen seit der Jahrhundertwende überflügelt haben. Daß dieser Maßstab der wirtschaftlichen Einsicht und sozialen Rücksichtslosigkeit des Unternehmertums unwiderlegbar ist, ganz gleich ob die Zahl der Aussperrungen oder die Summe der betroffenen Personen zum Vergleich herangezogen werden, zeigt die folgende Zusammenstellung. Bon hundert an Arbeitskämpfen beteiligten Personen wurden durch die Aussperrungen betroffen( in abgerundeten Zahlen): 215RIS Amerika Deutschland 1900 1901 4 17 1902 1903 20 37 1904 11 1905 36 29 1906 29 1907 31252225 37 Industrie der Nahrungs- und Ges nuẞmittel Bekleidungs- u. Reinigung- gelverbe Ind. der Steine und Erben Druckerei und Verlag. Metallverarbeitung · Jud. d. Maschinen, Instr. und Apparate.. 19 80 186 210 118 988 16,3 13,7 149 52 386 11,9 121 8371 15,1 117 31 739 7,4 103 19 298 96 33 546 · 7,7 11,7 73 65561 55 45 881 11,9 42 16 332 3,2 26 8848 21,7 4 823 26,6 3,1 Wenn auch die Papierindustrie unter 100 Kämpfenden rund 27 Ausgesperrte zählt, so kann sie bei ihrer geringen Ausdehnung doch nicht als die Industrie gelten, in der die Unternehmer am aussperrungswütigsten waren. Dasselbe gilt von den Gewerben unter Leder und Lederwaren. Bergbau und Transportgewerbe erscheinen mit auffallend wenig Ausgesperrten, dies kann aber nicht als Zeichen des sozialen Friedens betrachtet werden, da dies Resultat erscheint durch die Riesenzahl der Streifenden, 2 Millionen bei den ersteren und 2 Million bei den letteren. Berlin und Umgegend. Die Gewerkschaften müssen ihre Mitglieder gegen dieses Vorgehen mobil machen. Die Lehrlinge müssen sich in Protestversammlungen zur Wehr sehen und alles tun, was sie tun können, um ihr Recht zu vertreten. Alle Eltern aber müssen sich weigern, Lehrlings= berträge abzuschließen, in denen dem Lehrling sein gutes Recht auf Bewegungsfreiheit außerhalb der Arbeit und auf allgemeine Bildung genommen wird. Wir fordern, da Gefahr im Verzuge ist, alle be teiligten Kreise auf, sofort das Aeußerste zu tun, um das Attentat der Innungskrauter, die sich eine absolut willenIose Kreatur auf drei oder vier Jahre zur profitlichen Ausbeutung sichern wollen, zuschanden zu machen. Auf zum Kampf für das Recht der Jugendl Ausland. Ganz wie in Preußen- Deutschland! Vom Maurerstreit in Karlsbad wird berichtet: Die Streife posten werden systematisch verhindert, die fremd ankommenden Arbeiter über den Streit zu informieren, während die„ nationalen" Arbeiter die volle Freiheit haben, den Arbeitswilligen auseinander zusetzen, daß eine Arbeitseinstellung nicht vorhanden sei und daß fie unbedenklich Arbeit annehmen dürfen. Am Freitagbor mittag tamen im Zentralbahnhof 14 Arbeiter an, um an einer von der Organisation angekündigten Versammlung teilzunehmen. Die Bahnverwaltung berhinderte jedoch die Arbeiter, auszusteigen, und hielt sie solange fest, bis die herbeigerufene Gendarmerie, die hierbei gar nichts zu tun hatte, Die Versicherungsgesellschaft Victoria" und die Gewerkschaften. erschien. Ein streifender Maurer, der von einem Bahnhofsfenster hinunterfah, wurde berhaftet. Die Erbitterung der Die Versicherungsgesellschaft Victoria" in Berlin hatte es be- arlsbader Bauarbeiter ist ebenso begründet wie groß; fanntlich abgelehnt, wegen Arbeitsbedingungen ihrer Angestellten trotzdem verlief die am Freitagabend in Szene gefebte mit dem gewerkschaftlichen Zentralverband der Handlungsgehilfen Straßendemonstration in vollster Ruhe; nicht so wie und Gehilfinnen zu verhandeln, weil sie keine„ Ginmischung bei einer fürzlich stattgefundenen nationalen" Demonstration, wo fremder Glemente" wolle. Mit diesem gewerkschaftsfeindlichen Fensterscheiben eingeschlagen und sonstiger Unfug getrieben wurde. Verhalten der„ Victoria" haben sich in lezter Beit verschiedene alles verlief in bester Ordnung. Trokdem nehmen die bürgerlichen Gewerkschaftskartelle beschäftigt, und der Zentralverband der Hand- Blätter, das„ Karlsbader Tageblatt" und das Badeblatt", die lungsgehilfen und Gehilfinnen veranstaltet in allen größeren Straßendemonstrationen zum Anlaß, um von den Behörden ver Orten Bersammlungen, in denen bisher gewöhnlich nachstehende stärkten Schuß zu verlangen. Das ist eine um so größere Unver Resolution einstimmig angenommen wurde: schämtheit, als die Streifenden in jeder Weise behindert werden, " Die Versammlung nimmt Kenntnis davon, daß die Gewährend die Streitbrecherorganisation im Bahnhof und auf den halts- und Arbeitsverhältnisse bei der Versicherungsgesellschaft Straßen alles tun kann, was ihr beliebt. Victoria" in Berlin durchaus verbesserungsbedürftig sind. Gee hälter von 100 M. und darunter für Angestellte, die schon länger bei der Gesellschaft in Arbeit stehen, müssen bei der gegenwärtigen Teuerung der Lebensbedürfnisse als durchaus unzulänglich bezeichnet werden. Die sogenannten Wohlfahrtseinrichtungen der Victoria" können um so weniger als ein Ausgleich für die geringen Löhne vieler Angestellten angesehen werden, als die Angestellten darauf keinen Rechtsanspruch haben und sie dauernd mit der Kündigung des Arbeitsverhältnisses rechnen müssen. Das Urteil gegen Gompers und Genossen hat eine Sensation erregt, die den amerikanischen Politikern sehr unangenehm geworden ist. Präsident Roosevelt hat mit dem Generalanwalt Bonaparte eine Konferenz in dieser Angelegenheit abgehalten. Man möchte etwas tun, um den bösen Eindruck des Urteils auf die Arbeitermassen abzuschwächen. Wollten die Verurteilten um Gnade bitten, würde ihnen sofort die Strafe erlassen werden. Gompers Die Versammlung protestiert ferner gegen das gewerk. wird zwar von Roosevelt seiner politischen Gegnerschaft wegen schaftsfeindliche Verhalten der Victoria", welches darin zum gehaßt, aber Mitchell, der Vizepräsident des Arbeiterbundes, Ausdruck kommt, daß sie die Vertretung der von den Angestellten genießt großes Ansehen bei ihm und ist oft Tischgast bei Roofe geäußerten Wünsche durch den Zentralverband der Sandlungs. belt gewefen. In Arbeiterkreisen ist die Entrüstung sehr groß gehilfen und Gehilfinnen als eine Einmischung fremder Elemente und Massenversammlungen zum Protest werden abgehalten. In zurückwies, obwohl sie früher wiederholt mit diesem Verband ver- den Bureaus des Arbeiterbundes liegen ganze Stöße von Telehandelt hat. grammen mit Ausdrücken der Sympathie aus allen Teilen des Die Wirkung dieses gewerkschaftsfeindlichen Verhaltens hat Bandes. Auch W. J. Bryan, das Haupt der demokratischen die Victoria" schon verspürt; denn sie hat auf Anfrage ihren Partei, hat telegraphisch seine Trauer über die Verurteilung" Agenten mitgeteilt, daß sie die diesbezüglichen Nachrichten der kundgegeben. Die Aufregung in den Arbeitermassen wird sich so Arbeiterzeitungen totschweigen möchten. Verschiedentlich haben bald nicht beschwichtigen lassen, denn es kann zwei Jahre dauern, Arbeiter erklärt, daß sie ihre Versicherungen nicht eher weiter. bis das Oberbundesgericht die endgültige Entscheidung in dieser zahlen würden, bis die" Victoria" den gewerkschaftlichen Zen Sache treffen wird. tralverband der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen als Ber- Die brasilianischen Angestellten der Great Western Railway treter ihrer Angestellten anerkenne. Die Versammlung freut sich Company sind in den Ausstand getreten. Die antienglische Stimdieses solidarischen Verhaltens der Arbeiterschaft, möchte den mung ist im Wachsen begriffen. Die Polizei rüdte zur Aufrechta Versicherten aber empfehlen, sich durch den Vorfall nicht abhalten erhaltung der Ordnung aus, war aber nicht imftande, einen Ueberzu lassen, auf lange bestehende Policen weiterzuzahlen. Der fall der Streitenden auf die Hauptbureaus der Gesellschaft zu berVerzicht auf länger bestehende Versicherungen schädigt die be- hindern. Die Ausständigen haben das rollende Material in Händen treffenden Versicherten selbst, trifft aber die Gesellschaft nicht; und sind tatsächlich im Besiz der Bahnstationen. Weitere Gewaltdie empfindliche Stelle der„ Victoria" wird nur dann getroffen, tätigteiten sind zu befürchten. Die Truppen werden in Bereits wenn neue Bersicherungen mit ihr nicht abgeschlossen werden." schaft gehalten. Deutfches Reich. Sparsamkeit in der Heeresverwaltung. Rach einem Telegramm aus New York ist es zwischen den Ausständigen und den brasilianischen Truppen zu einem Zu fammenstoß gekommen, bei dem zwei Personen getötet und sechzig verwundet wurden, unter letzteren mehrere Offiziere und Soldaten, Die auf der Reichstagstribüne feierlichst verkündeten Sparfamkeitstheorien in die Wirklichkeit umzusehen, wandelt die Heeresverwaltung fonderbare Bahnen. Sie gibt jährlich viele Tausende Geschoßförbe in Auftrag und diese staatlichen Lieferungen haben für die Glendsindustrie, die Korbmacherei, erhebliche Letzte Nachrichten und Depefchen. at Die 1905 in Amerika plöglich emporschnellende Zahl be- deutung, um so mehr, als bisher die Rörbe, noch leiblich bezahlt deutet in Wirklichkeit keine Steigerung der Aussperrungen, wurden. Jezt hat man aber die Sparwut bekommen und da muß Das Blümlein Rührmich nichtan. fie haben sich gegen 1904 in Zahl und Größe nicht abnorm natürlich bei den Korbmachern mit Sparen angefangen werden. Für die zuleht zur Ausgabe gelangten Lieferungen sind um fast Raffel, 18. Januar.( B.$.) Das Oberlandesgericht verwvarf verändert; dagegen ging die Summe der an Streits be- die Hälfte niedrigere Preise als bisher angesezt worden. Der Er- die Revision des Volksblattredakteur Hauschild, der gegen das teiligten Personen um mehr als die Hälfte gegen 1904 zurück; folg dieser Maßnahme ist, daß die Fabrikation aus den bisherigen dies ergibt die plögliche Steigerung. Es ist ohne weiteres Fabrikationsorten nach den Gebieten der Heimarbeit mit den Landgerichtserkenntnis, durch das er wegen Beleidigung der Orts. ersichtlich, daß in Deutschland seit 1900 von dieser Zeit rüdständigsten Arbeitsbedingungen gedrängt wird. Das berüchtigte gruppe des Reichsverbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie an existiert sicheres Material unter hundert durch Arbeits- 3wischenmeistersystem mit allen Schäden der Hausindustrie broht zu 500 M. Geldstrafe verurteilt worden war, eingelegt hatte. fämpfe feiernden Proletariern eine bedeutend größere Anzahl in die Geschoßkorbfabritation einzubringen. Dagegen wollen sich Ausgesperrter sind als in Amerika. Also, als in dem Lande, den 17. Januar, sind an allen für die Korbmacherei in Bedie Norbmacher, und zwar mit Recht, wehren. Für Sonntag, welches man gern als die Heimat des krassesten und schärfsten tracht kommenden Orten Korbmacherversammlungen einberufen, Unternehmertums dem braven Michel zum Gruseln vorhält, in denen gegen ein solches Sparverfahren Protest erhoben, werden Almafsyschacht des Stohlenbergwerts fand eine Gasausströmung Refieza( Kom. Krasso- Szoerenh), 13. Januar.( W. T. B.) Im mit der stillen Absicht, daß er sich dadurch wieder die glückliche soll. Man beabsichtigt, eine Petition an die Heeresverwaltung zu ftatt, wodurch zehn Arbeiter getötet wurden, zwei Mann werden Zufriedenheit an den deutschen Verhältnissen holt. beschließen, in der gefordert wird, neben der Verpflichtung zur bermißt. tarifmäßigen Bezahlung das Ausschalten der Zwischenmeister in die Lieferungsbedingungen aufzunehmen. Auf diese Versammlungen wollen wir die Korbmacher allerorts aufmerksam machen. - Auch wenn von dem Standpunkt ausgegangen wird, daß volkswirtschaftlich nicht die Zahl der kämpfenden Personen, sondern die Häufigkeit der Fälle von Arbeits-, d. h. Produk tionshemmung, rechnet, ergibt sich die Bestätigung der obenstehenden Tabelle. Neue Scharfmachergründungen. Der Tob in der Grube. Rorruption. Belgrab, 13. Januar.( W. T. B.) Der Vorstand ber artillerie. technischen Sektion des Kriegsministeriums Oberst Wlajitsch und Auf Betreiben des geschäftsführenden Vorstandes des„ Alge- der Direktor der Pulverfabrik in Obilicewo Oberstleutnant StanoDie Zahl der Aussperrungen unter hundert Arbeits- meinen Deutschen Arbeitgeberverbandes für das Schneidergewerbe", jewitsch wurden durch königlichen Utas zur Disposition gestellt. fämpfen zeigt genau dasselbe Bild. Das deutsche Unter- Siz München, ist in Ibing die Gründung eines Arbeitgeber Gegen beide Offiziere hatte die Stampa" vor mehreren Wochen nehmertum ist dem amerikanischen in der Aussperrungsroheit verbandes für das Schneidergewerbe erfolgt. Die gründende schwere Anklagen wegen großer Mißbräuche bei Erzeugung und Arbeitgeberversammlung sprach sich für festen Zusammenschluß Lieferung des Gewehrpulvers für die serbische Armee erhoben. Berantw. Rebatteur: Hans Weber, Berlin. Inferatenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsbl weit voraus. " Nr. 11. 26. Jahrgang. Reichstag. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Donnerstag, 14. Januar 1909. 188. Gigang bom Mittwoch, den 13. Januar, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstische: Sydowo, Dernburg. Debattelos wird die Denfschrift über die Ausführung der seit dem Jahre 1876 erlaffenen Anleihegefege entgegengenominen. Es folgt die nicht wegen der Höhe des Objekts, sondern weil ein solcher Titel im ihnen paßt, und soviel Geld ausgeben, als sie wollen. Und zwar Etat nicht vorhanden ist und deshalb die Marineverwaltung nicht tun das alle Ressorts! Die Serechtigt ist, den Mannschaften folche Zuwendungen aus Anlaß der Anwesenheit des Kaisers zuzuwenden. Beim Etat des Kolonialamts Abg. Noste( Soz.): Ueberschreitungen finden wir Etatsüberschreitungen wie faum bei einem anderen Etat. beginnen schon beim Auswärtigen Amt, dafür herrscht in diesem Amt Ueberschreitungen von 45 Broz., 70 Proz., 95 Proz. finden wir ja auch große Ordnung, wie die bekannte Pfenniggeschichte beweist. hier bei den einzelnen Titeln! Für den kaufmännischen Geist des( Heiterfeit.) Das Auswärtige Amt hat eine erstaunlich große Zahl Leiters des Kolonialamts ist das kein gutes Zeichen.( Sehr wahr! von Minderausgaben aus dem Grunde, weil eine große Zahl von Stellen nur kommissarisch oder gar nicht besetzt sind. Da müssen im Zentrum.) Staatssekretär des Reichsamts des Innern v. Bethmann- Hollweg: vir doch fragen, ob diese Stellen überhaupt notwendig sind. Ich finde es begreiflich, daß der Reichstag erstaunt ist, daß für die( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Freilich befindet sich ein erste Beratung des Gefeßentwurfs betr. die Kontrolle des Reichs- Instandsetzung meiner Dienstwohnung 130 000 M. ausgegeben sind. erheblicher Teil der Beamten des Auswärtigen Amtes stets auf haushalts, des Landeshaushalts von Elsaß- Lothringen und des Haus- Einstweilen will ich nur bemerken, daß in der Wohnung feit Umzügen, wie aus dem Kapitel über die Umzugskosten zu halts der Schutzgebiete für das Rechnungsjahr 1908. 20 Jahren nichts geschehen war. Ein beträchtlicher Teil der Aus- ersehen ist. Der Herr Staatssekretär v. Bethmann Hollweg Abg. Dr. Mugdan( frs. Vp.): Seit Jahren tommt eine folche gaben bezieht sich übrigens nicht auf die Wohnung, sondern auf die hat versichert, daß ihm die Ueberschreitung in Höhe von Borlage von den Verbündeten Regierungen ohne Begründung an Arbeitsräume, für die ein Anbau geschaffen wurde. 130 000. unangenehm ist. Wir glauben ihm das. Aber auf eine In der den Reichstag und wird debattelos angenommen. Daraus darf Kommission werde ich die Ausgaben im einzelnen spezialisieren, und fo folossale Ueberschreitung muß man hier aufmerksam machen. Bei aber nicht geschlossen werden, daß das Provisorium, das wir auch auch von den Chefs der übrigen Verwaltungen werden die not- den Umzugskosten haben wir Ueberschreitungen im Betrag von 285 000. Das ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, daß die jest wieder für ein Jahr beschließen, ein zufriedenstellender Zustand wendigen Aufklärungen dort gegeben werden. Ernennung des Petersburger Gesandten zum Minister auch Vers ist. Daß 38 Jahre nach der Gründung des Reiches das Reich noch einer geordneten eigenen Instanz zur Kontrolle seiner Rechnungen fegungen in München, Haag und Stockholm zur Folge gehabt hat. Es wäre interessant, zu wissen, wie tener uns das Vergnügen ges entbehrt, ist ein Mißstand. Wir müssen verlangen, daß das Deutsche Der Abg. Görde hat auch den unangenehmsten Dingen noch worden ist, Herrn von Schoen hier begrüßen zu können. Für DeReich statt der preußischen Oberrechnungskammer, deren Befugnisse eine angenehme Seite abgewonnen, indem er sich zum Schluß seiner peschen und Porti hat das Auswärtige Amt 754 000 M. ausgegeben. durch eine Kabinettsorder aus dem Jahre 1825, also aus der Ausführungen darüber freute, daß die riesigen Etatsüberschreitungen Das abfolutistischen Zeit geregelt sind, eine eigene Instanz zur doch wenigstens zu einem Teil durch Mehreinnahmen ausgeglichen( Sehr ist eine Folge unserer Regierung im Umherziehen. richtig! bei Kontrolle feiner Rechnungen erhält. Wir erwarten einen entsprechen- find. Im Gegensatz zu ihm halte ich die vorliegende Uebersicht für politik den Freifinnigen schmackhaft zu machen, hat Herr v. Bülow den Sozialdemokraten.) Um die Blockden Gelegentwurf noch in dieser Session.( Bravo!) Abg. Dr. Görde( natl.): Der Reichstag hat bereits wiederholt ganz außerordentlich ungünstig. Schon im Jahre 1907 war die 1907 Ersparnisse versprochen. Als der Kriegsminister wegen dieser ein Stomptabilitätsgefeg verlangt. Ich bereite foeben eine Resolution Finanzlage recht ungünstig, und der Etat konnte nur durch einen Ersparnisse befragt wurde, hat er auch Ersparnisse nicht für unmög vor, den Reichskanzler um ein solches Gefeß, wie es der Abg. Mugdan Einnahmen sind sehr unerfreulich geworden, obwohl doch das Jahr 1907 Ansicht über Sparfamkeit. Er hat nämlich nicht etwa weniger Geld bohen Anleihebetrag balanciert werden. Die Schlußzahlen über die lich erklärt. Die vorliegende Uebersicht zeigt aber seine besondere wünscht, zu ersuchen. Damit schließt die Beratung. Da eine Kommiffion nicht bean- noch nicht so sehr unter der wirtschaftlichen Kriſe litt wie das ausgegeben, sondern ganz horrende Ueberschreitungen gemacht. Nur Jahr 1908. Deshalb sehen wir bei den Zöllen im Jahre 1907 auch einige Beispiele will ich dafür anführen. Zweifellos wurde einem tragt ist, findet die zweite Beratung im Plenum und zwar eine Mehreinnahme von über 44 Millionen. Die neuen Steuern besonders dringenden Notstande abgeholfen, indem für die Adjutanten sofort statt. dagegen zeigten eine Mindereinnahme von 48 Millionen. Die des Kaifers, reine Paradeoffiziere, für die bereits der Eiat eine Debattelos wird der Gefeßentwurf und die inzwischen ein Ueberschüsse der Post haben eine große Enttäuschung bereitet. Der Ausgabe von 118 164 M. vorjah, 20 696 M. mehr ausgegeben wurden. gegangene Resolution Görde und Genoffen( natl.) angenommen. Staatssekretär des Reichspostamts hat die Verteuerung des Ver-( hört! Hört! bei den Sozialdemokraten.) Daß für Naturalien einige Nächster Gegenstand der Tagesordnung ist die tehrs mitgemacht. Als Resultat zeigt sich eine Mindereinnahme Millionen Mark mehr ausgegeben sind als im Etat vorgesehen, muß erste Beratung der Uebersicht der Reichs- Ausgaben und Einnahmen von 13 Millionen gegenüber dem Etatsanfage. Es wird in der Hauptsache ruhig hingenommen werden, weil es eine Folge für das Rechnungsjahr 1907. hier namentlich in der letzten Zeit so oft davon ge- der Bollpolitik ist, die von der Mehrheit des Reichstags betrieben Abg. Görde( natl.) bemängelt eine Reihe von Etatsüberschreitungen; iprochen, daß die Reichsregierung daß die Reichsregierung möglichst einheitlich. fein wird.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Bei den Unters der Titel zur Unterstüßung der Familien der eingezogenen Reservisten foll: Die vorliegende Rechnungsübersicht zeigt zeigt von diefer offizierprämien fehen wir Ueberschreitungen von fast 1 Millionen ist um 30 Proz. überschritten. Man sollte doch erwarten, daß gerade Einheitlichkeit, namentlich zwischen dem Reichsschazzamt und den Mart. Auf die Ueberschreitungen bei den Manöverunkosten in diese Ausgabe von der Heeresverwaltung vorher genau berechnet anderen Ressorts, gar nichts. Bevor der Etat an den Reichstag Höhe von 1 Million Mark Hat Herr Erzberger mit Recht hinwerden könnte. Für die Dienstwohnung des Staatssekretärs des gelangt, steht das Reichsschazamt mit den anderen Refforts in Ver- gewiefen. Die Militärverwaltung hat 1907 gewußt, daß mit einem Junern finden wir 130 000 m. verausgabt; dafür tann man schon bindung, sobald aber der Etat verabschiedet ist, scheinen diefe Defizit zu rechnen ist. Da sollte es doch ganz selbstverständlich sein, ein sehr schönes Familienhaus bauen.( Heiterfeit.) Verbindungsdrähte zerschnitten. Sonst wäre es gar nicht erklärlich, daß sie nicht mehr Geld ausgibt, als bewilligt ist. Davon ist aber Abg. Erzberger( 3.): Es ist feltfam, daß bei der Beratung der daß bei der Notlage des Reiches und bei den Klagen des Reichs- nichts zu spüren. Bei der Brüfung der Rechnungen ist es schwierig, Uebersicht der Ausgaben die Chefs der Reichsämter nicht anwefend schazsekretäre diese Ueberschreitungen gemacht werden. Besonders einen tieferen Blick in das Getriebe der Verwaltung zu tun. Aber au find; sie erscheinen hier nur, wenn ihnen die Gelder bewilligt werden bei der Marineverwaltung ist jede Rücksichtnahme auf die einem Beispiel fann ich nachweisen, daß das Kriegsministerium schon follen, nicht aber, wenn sie Rechnung legen sollen über die Ver- Lage des Reiches zu bermissen. Daß Etatsüberschreitungen bei der Etatsaufstellung mit Ueberschreitungen rechnet. Im Jahre wendung der bewilligten Gelder. Das Bild, das die Zahlen er vorkommen, ist ja ganz felbstverständlich, aber dagegen 1907 ist bei den Remontenkäufen für das Pferd ein Durchschnittsgeben, ist ein sehr trauriges, die Ueberschreitungen des Etats wachsen muß der Reichstag fich wehren, daß so riefengroße Ueber- faz von 970 M. in den Etat aufgenommen, bezahlt wurde von Jahr zu Jahr; der Heeresetat ist um 13,8 Millionen, der schreitungen vorkommen, wie es im Jahre 1907 und auch 61% M. mehr! Im Jahre 1908 ist in den Etat trotzdem nur ein Marineetat um 5,8 Millionen überschritten. Das zeugt nicht von früher bei einer Reihe von Verwaltungen der Fall war. Durchschnittsfag von 980 m. eingesetzt, wir werden also auch hier ciner sparsamen Wirtschaft. Daß 130 000 m. für die Instandsezung der Freilich zeigt eine Reihe von Bofitionen auch Minderausgaben, eine gewaltige lleberschreitung zu erwarten haben, eine leberDienstwohnung, nicht des Gebäudes, sondern der Wohnung des Herrn wenn man aber das Resultat anfieht, so findet man niemals, daß schreitung, mit der das Kriegsministerium also schon bei der Aufv. Bethmann- Hollweg ausgegeben sind, zeigt, daß in den maßgebenden etwa weniger Geld ausgegeben ist, als der Reichstag bewilligt ftellung des Etats gerechnet hat. Unter folchen Umständen kann Stellen der Geist der Sparsamkeit nicht herrscht. Wäre diese hat. Hat etwa das Reichsschazamt es im Jahre 1907 verabsäumt, natürlich nicht Ordnung in unsere Finanzen tommen.( Zustimmung Summe für diesen Zwed in einem Nachtragsetat gefordert worden, die einzelnen Verwaltungen darauf aufmerksam zu machen, daß bei den Sozialdemokraten.) Das Beispiel des Kriegsministeriums so wäre sie hier sicher von niemand bewilligt worden.( Lebhafte äußerste Sparfamkeit geboten sei, oder ist solche Mahnung wirkt auch auf die Marineverwaltung. Die Durchberatung einer Zustimmung.) Die Gründe von Etatsüberschreitungen, die in die ergangen und im Kriegsministerium und im Reichsmarineamt ganzen Reihe von Titeln im Reichstage ist zwecklos, wenn in den Wind geschlagen worden? Bei Millionen gehen, werden uns nicht mitgeteilt; aber wenn die Heeres- einfach allen biefe Verwaltung so verfährt, wie die Uebersicht zeigt. verwaltung eine Ersparnis von einem Biennig gemacht hat, wird uns Refforts haben wir gewaltige Etatsüberschreitungen. Die Mehr- follte man der Marineverwaltung lieber ein Bauschalquantum bedas mit einer eingehenden Begründung mitgeteilt.( Seiterfeit.) ausgaben übertreffen die Minderausgaben um 46 Millionen Mart. willigen und sie wirtschaften lassen, wie sie will, natürlich auch mitDringend notwendig ist ein Gesetz über die Statsbewirtschaftung; Wenn Ordnung in die Finanzen gebracht werden soll, darf es sich dem Recht der Etatsüberschreitung.( Heiterfeit.) Der Offiziers aber mit den Etats überschreitungen fönnte auch ohne folches der Reichstag nicht gefallen lassen, daß in der Weise über die Vor- pensionsfonds zeigt eine lieberschreitung von 100 000 Marf, eine Gefez aufgeräumt werden, wenn der Reichstag sich entschließen anschläge des Etats hinausgegangen wird.( Rustimmung bei den Eriparnis dagegen von 158 000 Mark zeigt der Titel Mannschaftswürde, Etatsüberschreitungen und außeretatsmäßige Ausgaben Sozialdemokraten.) Mit heißem Bemühen arbeitet man bier, um pensionen.( Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Bei den ganz oder teilweise abzulehnen. Ganz formell beanstande ich die Ersparnisse bei der Etatsaufstellung zu machen. Sobald aber der armen und franken Leuten wird gespart, Hunderttausende dagegen Ausgabe von 12 000 9. als Revuegeschenke an die Mannschaften". Etat fertiggestellt ist, fehen wir, daß die einzelnen Refforts tun, was werden für gefunde Offiziere ausgegeben, | die gegen ihren bon Kleines feuilleton. für einer ihnen dt. Humor und Satire. Notizen. Dann Der im Programmheft abgedrudte Artikel gab die beruhigende Gewißheit, daß, was auf der Bühne vorgetragen wurde, jedenDas neue Theaterstück. Erzählen Sie mir etwas von falls den Wert besige, sich dem Rahmen der historischen Tatsachen getreulich einzufügen. Wie der Bauliche, hat auch der dem neuen Theaterstück, das Sie gesehen haben," bat die junge Der Kampf um die Bivisektion. Mehr Gerechtigkeit gegenüber wirkliche Dänenfönig Christian II., ein Beitgenoffe der deutschen Ne Dame. Wie man fagt, ist der Schluß des dritten Artes besonders der Vivisektion und ihren Gegnern fann man von einem Arzt formation, ein holländisches Bürgerfind zur Liebsten gehabt; hat großartig. Würden Sie mir den nicht mal beschreiben?"" Sehr wirklich nicht verlangen, als sie der berühmte Pariser Phyſiologe auch der wirkliche nach ihrem Tode in eifersüchtigem Wahn Befehl gern," entgegnete der junge Mann mit den geplakten Handschuhen Charles Richet in einem jezt veröffentlichten Werke übt, das nicht zur Hinrichtung des Schloßherrn Torben Ore erteilt; war er ein grimmigen Tones. Die Heldin trat langsam auf und kniete, den in franzöfifcher, fondern in englischer Sprache erschienen ist, iähzornig grausamer Despot, der durch gehäufte schnöde Untaten das Dolch in der Hand, hinter einem Haufen rosa Seidenband nieder. wahrscheinlich um die in heimischen unterworfene Schweden wie den dänischen Adel in den Aufstand trieb. Dann tauchte der Held aus einem großen Büschel purpurner England befonders Feinde der Bivisektion zu einem vernünftigen Maß der Ueber- Auch der wirkliche ließ sich, so lange ihm die Krone blieb, von der Blumen auf, und sie ficl, fobald sie ihn bemerkt hatte, über ihn legung zurückzuführen. Profeffor Richet erkennt ohne weiteres herrschfüchtigen Intrigantin Siegbrit Willums, der Mutter der Ge- her, stach zweimal mit einer wunderschönen Sutnadel nach, thur, an, daß die Antivivisektionisten der allgemeinen Moral einen liebten, leiten und büßte hier fein Wilfürregiment mit fiebzehn vorauf er in eine hübsche weiße Reiherfeder zurüdfiel."- Wovon wirklichen Dienst damit erwiesen haben, daß sie die öffentliche Auf- jähriger Gefangenschaft. Al das und eine große Menge anderer in aller Welt reden Sie denn da eigentlich?" rief seine holde Zu" Ja, sehen Sie," versezte der Erzähler, die Dame merksamkeit auf die früher von manchen Leuten in der Vivisektion Details kann man aus diesem Stücke lernen, wodurch es freilich hörerin aus. begangenen Ausschreitungen gelenft haben. Sie fönnen fich auch nicht interessanter wird. Wohllos schiebt Paul mal diefe mal jene vor mir weigerte sich, ihren Hut abzusehen, und dies ist daher die ( Answers.) felbst dazu beglückwünschen, daß sie mit ihren Predigten Erfolg ge- Sigur je nach Belieben vor. Zu den wenigen Perfonen, die Art, wie mir die Szene erschienen ist." habt haben, aber sie haben sich leider von Ueberschreitungen nicht nicht vergiftet, gehängt, enthauptet und verbrannt werden, gehört fern gehalten und wollen mehr erreichen, als der bucklig lahme Hofnarr, der aber offenbar nur darum diefem die der Wissenschaft, oder Schicksal entgeht, weil er dem legten Afte, für den sonst jeder Indie Gefundhaltung Heilung der Menschheit verantwortlich ist, zugebilligt werden halt fehlt, ein Shakespearefches Relief von Narrentieffinn geben soll. - Vorträge. Die Vortragszyllen( Einführung in die Erd. fann. Es wird nicht jeder bereit fein, bei den Operationen Dabei ist sein Gerede womöglich noch trivialer als das der übrigen. Herr Werner mimte den tollernden Jähzorn Christians so funde und über Astronomie), die in den Urania- Instituten an mitzuwirken, die an einem Pferd zur Gewinnung von Heilſerum übrigens fein Schade gefündigt waren, werden bis Mitte Februar verschoben, da Dr. P. gegen Diphtheritis vorgenommen werden müssen, auch wenn er sich natürlich, daß ein gutes Teil der Säge eine vernünftige Einsicht in die Notwendigkeit dieser Tierquälerei" unverständlich blieb. Mit der undantbaren Rolle des Narren mußte Schwahn in das Erdbebengebiet von Messina abgereist ist. Die be abringt. Richet macht die erstaunliche Mitteilung, daß durch die Herr Lettinger fich abfinden. Am annehmbarsten tamen noch reits gelösten Abonnementskarten behalten ihre Gültigkeit oder werden Benuzung des Serums während der letzten fünfzehn Jahre die beiden Holländerinnen, Mutter und Tochter, im Spiel von Marie zurückgenommen. Die Neue freie Voltsbühne veranstaltet am Sonn in Frankreich 1350 000 Kinder vom Tod durch Diphtheritis Immisch und Frl. Heisler heraus. Das Publikum trieb die tag abend im Blüthnersaal für ihre Mitglieder einen Schumann gerettet worden sind. Angesichts derartigen Tatsache Geduld so weit zu flatschen. Berlioz- Abend mit dem verstärften Blüthner- Orchester unter Ostar crscheint es verständlich, daß der Physiologe fagt: Diese Gastspiel Theater( Köpenider Straße): Der fogenannte Menschlichkeit der Antivivisektionisten scheint mir Pfennigreiter". Schauspiel von E. v. Wald- Zedtwis Frieds Leitung. Auf dem Programm steht u. a. die Symphonie der Gegensatz von Menschlichkeit zu sein." Es ist auch ver- und A. Bernstein- Sawersfy. Der nicht gewöhnliche Titel fantastique von Berlioz. Bilder aus Oberägypten, aufgenommen nach dem mutlich unrichtig anzunehmen, daß Tiere in gleichem Grade unter des Stückes wird von den Verfassern motiviert durch einen alten Krankheiten leiden wie der Kulturmensch. Der Umstand, daß auch Brauch. Bor vielen hundert Jahren hat ein Vorfahre des photographischen Dreifarbenverfahren, wiedergegeben durch den Dreiunter den Menschen ganz außerordentlich große Verschiedenheiten in holsteinischen Grafen Soeren das Unglück gehabt, bei einer Jagd in farben Projektionsapparat, führte Professor Dr. Miethe am Die Bilder geben Landschaftsbilder der förperlichen Leidensfähigkeit vorhanden sind, kann diesen Schluß einen Sumpf zu geraten. Einem feiner Bauern verspricht er, wenn Dienstag in der Urania vor. nur bestärken, ebenso die geschichtliche Wahrheit, daß noch vor er ihn rettet, den ganzen Eichkamp( Wald) unter der Bedingung, und Einzelmotive aus dem fruchtbaren iltal und den öden wenigen Jahrhunderten, als die Chirurgie noch in ziemlicher daß der Retter alljährlich eine Handvoll Pfennige als 813 reitend Ebenen der lybischen Wüste. Zahlreiche Aufnahmen aus den Dunkelheit lag, Operationen am völlig bewußten Menschen vor- auf ungefatteltem Pferde ins Schloß zu bringen habe. Daß ihm Ruinen von Asinan und Theben gaben eine anschauliche Vorstellung genommen wurden, die heute ohne Betäubung undenkbar erscheinen jedesmal die Gräfin einen Ehrentrunt tredenzen müsse, ist die bom von der Großartigkeit altägyptischer Bauwerke, deren Reste fid) Stetter gestellte Bedingung. Das ist so bis heute gewesen. Die nnter dem Schutt von Jahrtausenden erhalten haben und erst in Verhältnisse haben sich jedoch geändert. Die Nachkommen des jüngster Zeit wieder zutage gefördert sind. Alle diese SchönBauern find wohlhabend geworden, die gräfliche Familie ist beiten einer fremden Welt wurden uns vor Augen geführt nicht Auf Friedrich Wilhelmstädtisches Schauspielhaus: degeneriert". diesem Hintergrunde spielt sich das nur in greifbar scheinender Plastit, sondern auch in einer über Zwischen dem Sohne des König Christian II.", Schauspiel von Adolf Paul. Adolf Schauspiel ab. Pfennigreiters" raschenden Frische und Natürlichkeit der Farben, wie sie nur die Paul, ein schwedischer, seit vielen Jahren in Berlin ansässiger und der jungen Komtesse fnüpft sich ein Liebesband. Methode des Dreifarbenverfahrens wiederzugeben vermag. Hervor Schriftsteller, hatte in seiner Doppelgängerfomödie" und" Teufels- Jugendfreundschaft besteht auch zwischen dem jungen Grafen und der ragend schön wirkten die Aufnahmen von Dämmerungserscheinungen Er ist aber in der arabischen Wüste. Man konnte glauben, die leuchtende Glut firche" wenn auch nicht Gestaltungsvermögen, so doch Eigenart der Tochter des Pfennigreiters. Mehr noch: sie liebt ihn. Seinetwegen des Abendhimmels wirklich vor sich zu sehen, so natürlich war die geistigen Physiognomie gezeigt. Er schien ein Mann von baroden ein leichtlebiger Schuldenmacher und Schürzenjäger. Einfällen, der abseits von der ausgetretenen Heerstraße nach neuen hat sich ein Arbeitermädchen ertränkt. So rollt sich denn die Hand- Wiedergabe der Farben. Pfaden sucht. Daß er als junger Mensch ein Ding wie diesen lung auf, in deren Verlauf allerlei Auftritte und Explosionen sich Christian verbrochen, wäre an sich nicht verwunderlich. Schlimmer begeben. Am Schlusse stürzt sich der vom Vater verstoßene Grafen ist es, daß er an dieser Ausgeburt der Leere so viel Gefallen fand, sohn ins Wasser usw. Leider haben die Autoren nur ein Stohfeuer um fie der Deffentlichkeit zu präsentieren; am schlimmsten und ver- angezündet. Sht Schauspiel" erweist sich, bei Lichte befehen, als wunderlichsten aber, daß er auch jest nod) so wenig Urteil über sie eine hohle, nur äußerlich theatermäßig aufgedonnerte Mache voller besigt, um eine Aufführung zu gestatten. Formlos, ohne irgend Albernheiten und Unmöglichkeiten. Wehr lohnt es nicht zu fagen. cinen persönlichen Ansatz in der Behandlung des Stofflichen, ja selbst Das Stüd war nicht übel inszeniert. Zwei Mitwirkende fielen durch ohne den Versuch, die" Handlung" zu irgend einer allgemeinen achtbare darstellerische Leistungen auf, nämlich Ernst ehlau als Darstellungen von Büffeln, Pferden, Hirschen und eines Fisches. Idee in Beziehung zu feßen, reiht er Szene an Szene. Länger als Johannes Erbe und Paul Herbig als Befiger des Pfennigkamps". e. k. dreieinhalb Stunden dauerte das Spiel. würden. Theater. " " Neuentbedte Höhlenmalereien in Spanien. Der Direktor der Schule der Wissenschaften und Künste von Torre lavega berichtet von der Auffindung prähistorischer Malereien in den Grotten von Bindal, Loja, Santian und Clotilde. Die interessantesten Beispiele prähistorischer Stunft fanden sich in der Grotte von Bindal; in den merkwürdigen Darstellungen fah man einen Elefanten, Belle, bei denen der Stiel anders gefärbt war als die Stlinge, fowie Durch die neuaufgefundenen Grotten wächst die Zahl dieser mit Zeugnisfen der prähistorischen Kunft gefchmidten Söblen auf 85 an. Willen pensioniert werden. /Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Auch der Kolonialetat lveist Uebcrschreitungen auf, toie bereits Kollege Erzbcrger hervorgehoben hat. Die Hoffnungen, die man auf das »cue Regime Dernburg gesetzt hat, haben sich als trügerisch er- iviesen. Beim Pqstetat sind die Ueberschreitungen besonders enorm, so dah dieser Etat, toie er vom Reichstag festgestellt ist, nur den Wert elneS Voranschlags hat. An sich sind ja Ueberschreitungen beim Postetat noch am begreiflichsten; aber wenn sie in einer solchen Fülle und Höhe vorkommen, so sind die Plenar- und Kommisfionöberatmigen über den Postetat die reine Komödie.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wozu berät dann die Budgelkoinmission wochenlang über die Details des Postetatö'i(Sehr wahr!) Wenn der Reichstag auf sein Be- willigungSrecht Wert legt, darf er sich diese Wirtschaft nicht länger gefallen lassen. Ich freue mich, daß man jetzt auch von anderer Seite mit Besserungsvorschlägen kommt. Ich verspreche mir aber nicht allzuviel von diesen Vorschlägen und sehe in der energischen Handhabung deS Ablehnungsrechts das beste Mittel, das Veivilligungsrecht zu wahren.(Lebhafter Beifall bei den Sozial- demokräten,) Abg. Hug(Z.)(auf der Tribüne schwer verständlich) scheint gleichfalls die Etatsüberschrcitungen zu tadeln. Generalmajor v. Lochow erklärt, dag er die Rede des Abg. NoSke zwar nicht gehört habe, jedoch die Richtigkeit der Ausführungen über die Remontepferdc und die Offiziers- und MannschaftSpensionen bestreiten müsse. Abg. Noske(Soz.): ES ist allerdings ein mißlich Ding, wenn man, wie der Vorredner, auf eine Rede antworten will. die man nicht gehört hat.(Sehr gut! bei den Sozialdemo- traten.) Ich habe durchaus keine«Unterstellungen" gemacht, sondern Tatsachen angeführt und zahlenmäßig belegt. Die Ueber- schreitungen beim Ankauf der Remontepferdc waren durchaus über- flüssig; die Festsetzung der Preise liegt völlig in der Hand der Miliiarverwaliung.— Ich habe durchaus nicht behauptet, daß den Mannschafts), Pensionen widerrechtlich vorenthalren werden: ich habe nur die Tatsache angeführt, daß dic Offizierspcnsionen den Voranschlag weit"überschritten haben, die Mann- s ch a f t S p e n s i o n e n hinter dem Voranschlag zurück» geblieben sind! Daö beweist, daß die— meist unfreiwilligen— Verabschiedungen von Offizieren sich wieder stark vermehrt haben. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Generalmajor v. Lochow bestreitet erneut, daß man sich beim Ankauf der Remontepferde genau an den Boranschlag halten könne und daß ein innerer Zusammenhang zwischen den Offiziers- und den MannschaftSpensionen bestehe. Abg. Noske(soz.): Jeder Sachkenner weiß, daß die Militär- Verwaltung die Preiic für Remontepferdc selbst festsetzt und daß diese Preise höher sind als die Marktpreise.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Diskussion. Die Vorlage wird an die R e ch n u n g S k o m m i s s i o n verwiesen. Es folgt die erste Lesung der Ucbersicht über die Eimmhmcn und Ausgaben der Kolonien für daS RcchnnngZjahr 1907. Abg. ErzSergrr(I.) erkennt mit Befriedigung an, daß die Schlnßsummcn bei den Einnahmen und Ausgaben der Kolonien durchweg innegehalten seien. Im einzelnen sind freilich allerhand llcberschreitnngen vorgekommen. Die Offiziere werden durchweg viel zu früh für tropenunfähig erklärt. Daß man in Uganda ein Kranken- Haus ohne Wasserleitung gebaut, war ein rechtes Schildbürgerstück. — Die Schutzlruppe erlaubt sich oft solche Ausschreitungen, daß mau auf Maßregeln zum Schutze der Eingeborenen gegen die Schutz- rruppc denken sollte. Im allgemeinen ist für die gerügten Mißstände die frühere und nicht die jetzige Kolonialverwaltung verantwortlich. Staatssekretär Dcrnbnrg: Die Nachrichten über die Mißhandlung von Kameruner Haupt- singen durch Schutztrnppen werden geprüft werden. Eine Unter- suchung ist eingeleitet. UebrigenS besteht die Kameniner Schutztruppe aus schwarzen Soldaten. Direktor im Kolonialamt Conze tritt verschiedenen Ausführungen ErzbergerS entgegen. Abg. NoSke(Soz.)i Die Erklärung des Staatssekretärs über die Scheußlichkeiten, die don Schutztrupplern begangen sind, kann eine besondere Befriedigung nicht auslösen. Als Entschuldigung der Vorkommnisse kann eö nicht angesehen werden, wenn der Staatssekretär sagt, die dortigen Soldaten betragen sich, wem, sie losgelassen werden, genau so wie ihre Landsleute. Das glaube ich wohl, ja zum Teil werden sie sich noch schlimmer betragen, weil ihnen em übertriebener Machtkitzel ihren Landsleuten gegenüber beigebracht ist.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.)' Aber die Offiziere müssen eben dafür sorgen, daß diese Leute nicht losgelassen werden,(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) uiid deshalb frage ich. was mit den Offizieren geschehen ist. denen jene Schutztruppe unterstellt war?(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Bei der Rechnungsübersicht über Kiautschou betrachte auch ich es als einen Fortschritt, daß sie uns schon nach 2 Jahren, statt wie früher, nach 10 Jahren vorgelegt ist. Das Lob, das hierfür dem Kolonialsekretär zu spenden ist, ist aber doch sebr einzuschränken; «ine ganze Reiche der früher hier gerügten Uebelslände dauern fort. Sehr bedenklich ist die Einnahme, welche von den unterworfenen Eingeborenen eingetrieben ist; denn nach der Niederwerfung des Aufstandes befanden sich die Eingeborenen in einem ganz elenden Zustande. Nutcr den EtatSübcrschrcitungeu finden wir auch einen Posten von Iii 000 Mark, der dadurch veranlaßt ist, daß der Gouverneur v. Puttkamer ein ganzes Jahr in Berlin weilte und sein Gehalt hier in die Tasche steckte; diese Ausgabe wird im Lande mit gemischten Gefühlen aufgenommen werden.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Bei der Uebcrficht für Südwestafrika zeigt sich sogar ein N e b e r s ch u ß. Aber über die Verwendung von 7ö Millionen Mark fehlt jedes Wort. Da kann man überhaupt nicht von einer Ab- rechnung sprechen, wie wir sie verlangen müssen.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Arning(natl.): Wenn daS HauS früher mehr für die Kolonien bewilligt hätte, so wären die Ueberschreitungen nicht vor- gekommen. Abg. Erzberger(Z.) polemisiert gegen die Ausführungen des Direktors im Konialantt Conze. Staatssekretär Dernburg: Daß die Eingeborenen Südwest- aftikaS, wie Herr NoSke bemängelt hat, zu der Entschädigung der dortigen Weißen herangezogen worden sind, entspricht einen, aus- drücklichen NeichStagsbetchluß von 1900. Daß bei der Uebersicht für Südwestafrika der Ueberschuß kein wirklicher, sondern nur ein etats- tcchnischer ist, gebe ich zu. Abg. Noske(Soz.): Bei meiner Kritik der Auflage an die Eingeborenen habe ich mich auf die Denkschrift der Regierung gestützt, in der die Lage der Eingeborenen als ganz trostlos geschildert ist. Bei der Abrechnung für Südwestafrika wiederhole ich, daß über 75 Millionen Mark gar nicht Rechnung gelegt ist, und daS ist eben keine Abrechnung. Damit schließt die Beratung. Die Vorlage geht an dir RechnungsprüfungSkommisfioir. ES folgt die erste Beratung de-? GesctzenUvnrfeS betreffend die Wcchfclstewpelstener. Der Entwurf sieht Milderimacn in den Strasbestimmungen des WechselstempelsteuergeletzeS vor lowie Erleichterungen in bezug auf die Verjährung und Hastung der Beteiligten. Abg. Dr. Dvve(frs. Vg.) begrüßt den Entwurf mit Freude, weil er den Wechselverkehr erleichtert. Damit schließt die Beratung. Da die Verweisung an eine Kommission nicht beantragt ist, wird die zweite Beratung„n Plenum stattfinden. Nächster Gegenstand der TageSordntp'g ist die erste Beratung -des Gesetzentwurfs betreffend die Einwirknug von Armenunterstützung auf öffentliche Rechte. Der Entwurf bestimmt, daß alö Armenunterstützung, die den Verlust öffentlicher Reckte bedingt, nicht anzusehen ist: 1. die Krankenunterstützung; 2. die einem Angehörigen wegen körperlicher oder geistiger Ge- brechen gewährte AnstaltSpflege; 3. Unlerstützuiigen zum Zwecke der Erziehung oder der AuS- bildung für einen Beruf; 4. sonstige Unterstützungen, wenn sie nur in der Form ver- einzclter Leistungen zur Hebung außerordentlicher Notlage gewährt sind; 5. Unterstützungen, die erstattet sind. Staatssekretär v. BethmamuHollweg: DaS vorliegende Gesetz entspricht einem wiederholt geäußerten Wunsche deS Reichstags. Ich beschränke mich heute auf kurze Bemerkungen: Durch unsere soziale Gesetzgebung ist der Begriff der Armenunterstützung modifiziert worden. Anderen'eitS hat die Rechtsprechung Verpflegung in Kranken- Häusern usw. unter den Begriff der Arn, ei, Unterstützung gebracht, waS der modernen Auffassung widerstreuet. Daher haben die ver- bündele,, Regierungen diesen Gesetzentwurf eingebracht, dessen nega- tive Fassung sich aus der Schwierigkeit oder Unmöglichkeit ergab, eine positive Fassung zu finden. Abg. Dr. Mayer-Kaufbeuren(Z.): Entgegen den, Pessimismus deS Ministers Halle ich an der Hoffnung fest, daß sich eine positive Fassung an Stelle der negativen wird finden lassen. Der Gesetz- entivurs geht über die vom ReichSlage geäußerten Wünsche sogar noch hinaus und. wenn er auch am Prinzip festhält, daß Wirtschaft- lichc Selbständigkeit die Vorbedingung der Teilnahme am politischen Leben sei. so durchlöchert er doch das Prinzip derart, daß praktisch nur wenig von ihm übrig bleibt. Italien und namentlich Frankreich sind noch weiter gegangen. Vielleicht empfiehlt es sich, nach italienischem Muster auch dauernde kleine Unterstützungen, wenn sie unverschuldet sind, zu den Zuwendungen hinzuzufügen, die nicht alS Armenunterstützung angesehen werden sollen. Abg. Gras Westarp(kons.) steht dem Entwurf im allgemeinen sympathisch gegenüber, fürchtet aber, daß man in der Auslegung schließlich so weit gehen werde, jede Arinenunterstützung unter daö Gesetz zu bringein Die Konservativen sind, gleich dem Zentrum, bereit, dem Gesetze eventuell auch ohne KommissionSberaimig zu- zustimmen, werden ober andererseits einem Antrag auf Kommissions- beratung nicht widersprechen. Abg. Everling(natl.): Meine politischen Freunde begrüßen die in diesem Gesctzenlwurf gegebene Interpretation, welche Härten bei der Auslegung deS Begriffes der Armenunterstützung zu beseitigen geeignet ist. Aber die prinzipielle Frage, ob zwischen verschuldeter oder unverschuldeter Armenimlerstützung unterschieden werden soll, ist nicht so leicht zu entscheiden. Die Stimmung, die in den Schillerschen Worten zum Ausdruck kommt: „Hat der Bettler eine Wahl? Er mutz dem Mächtigen, der ihn bezahlt, Fllr Brot und Stiefel seine Stimm' verkaufen' ist eine wohlberechtigte. Indes find wir bereit, dem Gesetz unsere Zustimmung zu geben; es ist geeignet, gewisse Härten, namentlich zu Zeiten einer großen ArbeitSlosigkett, zu beseitigen, während solchen Personen die öffentlichen Aechte genommen bleiben, die dauernd der öffentlichen Armenpflege zur Last fallen. Abg. Kacinps(fr. Vp.); Wir sind im allgemeinen mit dem Eni- lvurs einverstanden, erwarten aber, daß die Grundsätze deS Entwurfes auch in allen LaudeSgesetzen, wo das noch nicht der Fall ist, zum Ausdruck kämmen werden. Gegen eine Kommissionsberatung haben wir nichts, hoffen aber, daß dadurch nicht etwa die Erledigung der Bor- läge verzögert wird. Hierauf vertagt das HauS die Weiterberatimg auf DomerStag 1 Uhr. (Außerdem weitere kleine Vorlagen.) Schluß ö Uhr. Mgeoränetenkaus. ts. Sitzung, Mittwoch, den 13. Januar tvos, Vormittags 11 Uhr. Am Ministertische: Dr. Delbrück. Die Besprechung der Jnterpellatioa Trlmboru(Z.) über die Arbeitslosigkeit in Verbindung mit der Berahmg der Anträge Aronsohn(frs. Vp.) und R a h a r d t(k.) betreffend schleunige Inangriffnahme öffent- sicher Arbeiten zur Hebung deS ArbeitsmarkteS wird fortgesetzt. Abg. Graf v. Kunitz(f.); ES handelt sich weniger um einen Arbeitsmangel, als um eine ungenügende Verteilung der Arbeiter, wie der Arbcitermangel aus dem Lande beweist. Eine ArbeitSlosenzühlung macht deshalb so große Schwierigkeit, weil es fast unmöglich ist, die arbeitswilligen Arbeitslosen von den Arbeitsscheuen zu trennen.(Sehr richtig! rechts.) Es müßten bei einer Zählung besonders behandelt werden die Saisonarbeiter, welche der höhere Verdienst im Sommer für die mangelnde Arbeitsgelegenheit un Winter entschädigt; dann die Arbeiter, die wegen Einführung don Feierschichten arbeitslos gc- worden sind, die auch auf Unterstützung keinen Anspruch machen könnten. Ferner diejenigen, welche durch eigene Schuld arbeitslos geworden sind, in erster Linie durch Streiks.(Sehr richtig? rechts.) Ich erinnere auch erneut daran, daß cS dem Magistrat von Berlin nicht möglich war, Arbeiter für die Rieselgüter um Berlin zu bekommen, obgleich bis 4 Mark Lohn ge- boten wurde. Ferner kommen in Betracht die Rentenempfänger, die es nicht nötig haben, zu arbeiten, sich aber gleichwohl in die Listen der Arbeitslosen einschreiben lassen. Eine zu weitgehende AuS- aestaltung der Arbeitsnachweise könnte leicht zur Folge haben, daß bei aufsteigender Konjunktur noch mehr Leute als bisher vom Lande in die Industrie abwandern. Eine Verpflichtung des Staates zur Unterstützung der Arbeitslosen kann ich nicht anerkennen, weil dann auch die ländliche Bevölkerung die Lasten mit- tragen müßte, die selbst unter großem Arbeitern, angel leidet. Vielmehr dürften die Kommunen dazu berufen sein, für die Arbeitslosen zu sorgen. Die Arbeitslosenversicherung hat seinerzeit der verstorbene Parteigenosse des Herrn Gyßling im Reichstage, Herr Lenzmann, mit Recht als eine Prämie auf die Faul- h ei t bezeichnet! Der Arbeitslose ist vielfach sogar in einer besseren Lage als der Arbeitende, weil er spazieren gehen und sich die Zeit angenehm vertreiben kann.(Sehr richtig! rechts.) Zur Durchführung einer solchen Versicherung gehörte ein ungeheurer Beamtenapparat, während wir in Preußen bereits viel zu viel Beamte haben. (vj-ehr richtig I rechts.) Vielmehr sollten wir nach den Ursachen der Arbeitslosigkeit suchen. Hier kommt vor allem daS Verhalten der Kartelle in Betracht. Eine Kartellgesetzgebung, wie sie Präsident Roosevelt in Amerika empfohlen hat, wäre auch bei uns sehr an- gebracht. Die Praxis der Kartelle beleuchtet z. B. die Tatsache, daß Lokomotivkohlen. also eine bessere Kohle, nach Oesterreich er- heblich billiger geliefert werden, als unsere Eisenbahn- Verwaltung bezahlen muß!(Hört I hört!) Handelsminister Dr. Delbrück stellt gegenüber dem Vorredner fest, daß die fiskalischen Gruben in Oberschlcsien nicht Kohlen nach dem Auslände billiger liefern als nach dem Jnlande.' Abg. Graf v. Sttachwitz(Z.) betont gegenüber dem Abgeordneten Graf Kamtz, daß die obcrschlcsischen Bergwerke auf die Ausfuhr nach dem Auslände angewiesen wären. Zur Beseitigung der Leutenot der Landwirtschaft muß dem Staate ein gewisser Einfluß auf die Art der Freizügigkeit gewährt werde». Eine Arbeitslosenversicherung müßte von denen getragen werden, die dies angeht. Arbeiter, Arbeitgeber und die großen«tädte könnten sehr wohl die Lasten einer solchen Versicherung unter Aufsicht des Staates tragen.(Bravo! im Zentrum.) Abg. Haarmmm(natl.) bestreitet gegenüber dem Abgeordneten GiesbcrtS, daß die westliche Industrie durch trügerische Vorsviegelungcn Arbeiter auS dem Osten anlockt, und wendet sich gegen eine Arbeits- losenversicherung. D i e Leute, die in den Krankassen das Geld auszahlen, denken über die Simulation ganz anders als Herr GieSbertS. Seitdem die Arbeiterversicherung in Kraft ist, hat sich eine ganz besondere Krankheit ausgebildet, die„Rentcnkrankhcit" oder„Rcntcii- hystcrie". Die mageren positiven Vorschläge des Herrn Borgmann sollten wohl nur als Folie dienen für das von ihm zitierte reich- haltigo Mein,.(Heiterkeit.) Herr Borgmann hat überhaupt sehr übertrieben. Auf der Grube Konkordia find nicht so viel h u n d c r r Arbeiter entlassen worden, wie nach Hern, Borgmann T a u i e n d c entlassen worden sein sollen.(Hört! hört!) Die Angriffe des Grafen Kamtz gegen das Kohlensyndikat sind von berufenen Leuten längst widerlegt. Hierauf wird ein Schlußantrag angenommen! Es folgen persönliche Bemerkungen. Abg. Borgmann(Soz.)(persönlich) bemerkt, baß er die don Herrn Haarmann krittsierten Zahlen der„Sozialen Praxis" entnommen habe. Graf Könitz hat sich gewundert, daß ich es nicht beklagt habe, wenn Arbeiter aus den Rieselwerken zu einem festen Lohn von 3—4 M. nicht zu haben gewesen wären. Von einen, f e st e n Lohn ist keine Rede gewesen, sondern eS ist behauptet worden, daß im Akkord solche Löhne verdient werden könnten. Abg. Lciiiert(Soz.): Ich will zur Geschäftsordnung nur bemerken, daß mir durch den Schluß der Debatte die Möglichkeit genommen worden ist. auf die Ausführungen zu antworten, die be- antwortet werden mußten und die von Haß erfüllt gewesen sind gegen die Arbeiter und die Arbeiterorganisaiionen. Die folgenden Schlußworte des Abgeordneten Rahardt(k.) und Gyßling(Fn Vp.) bleiben in der Unruhe des HanseS völlig unver- ständlich. Die Unruhe ist dadurch entstanden, daß Fräulein Olga D e S m o n d auf der Tribüne erscheint. Die große Mehrheit der Abgeordneten, namentlich deS Zentrums, wendet sich mit dem Rücken nach dem Redner der Tribüne zu und starrt hinauf. In der Abstimmung wird hierauf der Antrag Aronsohn«6» gelehnt, der Anttag Rahardt angenommen. ES folgt die Interpellation Roeren/,3 Uhr stattfindende Generalversammlung hin. Der Vorstand. Neuenhagen und Umgegend. Am Sonntag, den 17. Januar, nachmittags 4 Uhr, findet im Lokal A. Wünsche, Neuenhagen, Bahn- Hosstrahe, die Generalversammlung deS Wahlvereins statt. Tages- ordnung: Bericht deS Vorstandes und Neuwahl. Verschiedenes. Pankow. Heute abend 8 Uhr finden zwei öffentliche Wähler- Versammlungen bei Roczycki, Kreuzstrahe 3— 4 und bei Grohkurl, Berlincritrahe 27 statt. 'Die Genossen, welche sich für den Wahltag zur Verfügung stellen, wollen sich in der Versammlung bei Grahkurt einfinden Alle anderen Genossen, welche im Laufe des Wahltages verfügbar werden, vcrsanniieln sich, nachdem sie geivähli haben, im Zentral» wahlbureau.Zum Kuriürsten", Berlinerstrahe 102, vorderes Restaurant. Der Vorstand. WikhelmSrnh-Niedcr-Schönhausen-West. Sonntag, den 17. Januar, mittags 12% Uhr. finde! im Lokale von Kollinann, Kronprinzen- strahe 2, die Gcneralversaiinnlung des WnhlvereinS statt. Tages- ordnung: 1. Bericht des Vorstandes und der Funktionäre. 2. Neu- wähl des Vorstandes und der Funktionäre. 3. BereinSangelegen- heilen. 4. Verschiedenes. Die Generalversammlung wird Punkt 12'/, Uhr eröffnet, da der Saal um 4 Uhr frei sein muh. _ Der Vorstand. Berliner JVacbrlcbtens Im ZeitungSviertel. Einen Teil des 2. Berliner ReichStagswahlkreises bildet die südliche Friedrichstadt, mit der Friedrichstrahe als Hauptverbin» dung zwischen dem Süden und Norden Berlins. Die vielen Neben- und Querstraßen der Friedrichstrahe waren ehemals mit kurz- frontigcn niedrigen Häusern bebaut und dahinterliegeirden Gärten. Dieser Stadtteil hat in den letzten IS Jahren ein ganz anderes, neues Aussehen bekommen. Nach und nach sind die kleinen Häus- chen mit den traulichen Wohnungen verschwunden; grohe moderne GeschäftSpa laste sind an ihrer Stelle erstanden, in denen viele Personen arbeiten, aber niemand wohnt. Besonders die graphische Branche hat sich hier festgesetzt, Buch- und Zeitungsdruckereien beherrschen ganze Straßen, wie die Koch-, Zimmer-, Wilhelm-, Jerusalemer- und Lindenstrahe. Ehemals kleine Betriebe, haben sie sich mit kapitalkräftiger Hilfe und gcschäftspolitischer RücksichtSIosig» kcit zu ganz gewaltigen Riesenbetrieben ausgebildet, von denen die bedeutendsten mit ihren Besitzern Scherl, Ullstein und Mosse eine eigene Klaffe innerhalb des KveiseS ihrer Konkurrenztollegen darstellen., In allen diesen ZeitungShäusern entwickelt sich besonder? auf» fällig zur Abendzeit ein ficberartig hastiges geschäftliches Treiben AutoS, Radfahrer, Dcpeschenboten bringen eilfertig die neuesten und wichtigsten Berichte, die Grundlage des modernen ZeitungS- trefens. Nachdem die Redakteure. Setzer, Korrektoren, Stereotypeure ihres Amtes gewaltet haben, beginnt der Druck der Zeitung und damit die Tätigkeit der Druckereinachtarbciter. Riesige Rotations« Maschinen neuester Systeme, von Maschinenmeistern und HilfS« arbeitern bedient, müssen in wenigen Nachtstunden Auflagen von Hunderttausenden von Exemplaren fertig drucken. Von der Auf- merksamkeit und Geschicklichkeit deS Maschinenpersonals hängt das rechtzeitige Erscheinen der Zeitung ab. Wenn frühmorgens der Vertrieb der Zeitungen beginnt, ist die Arbeitszeit der Nacht- arbeiter beendet, für sie wird dann der Tag zur Nacht.— Diese nächtliche Arbeitszeit, die abends 8 bis S Uhr beginnt tmb morgens um 5 bis 6 Uhr endet, behindert aber diese Kategorie von Spezialarbeitern fast an jeder Betätigung im öffentlichen, besonders am politischen Leben; ihnen, die gewerkschaftlich durchweg gut organisiert sind, ist die Möglichkeit der politischen Betätigung ganz versagt. Und viele möchten sich gern betätigen, wie ihre am Tage arbeitenden Kollegen. » Mit dem Abriß der alten Häuser in der Friedrichstadt ver- schwanden die kleinen Wohnungen und mit ihnen ihre Bewohner, zu einem guten Teil sogenannte Friedrichstadt-Schneider, Heim- arbeiter für bessere Maßarbeiten, aus deren Reihen sich unser einziger Parteianhang in diesem Viertel rekrutierte. Das Arbeiten unserer Bezirksführer wurde immer schwieriger, die Zahl der Helfer ging ständig zurück, und doch sollten alle Parteiaktioncn prompt erledigt werden. Not macht erfinderisch und bringt frische Gedanken und Einfälle. Tausende von Druckereiarbeitern sind in Druckereibetriebcn der Friedrichstadt beschäftigt, Tausende von ihnen sind politisch zur Untätigkeit verurteilt; an sie wendete man sich Mit Hilfe und bereitwilligster Unterstützung der in Betracht kommenden Organisationsleitungen und der Werkstattvertrauens- leute wurden Besprechungen abgehalten, die zu einer zeitgemäßen Neueinrichtung führten: Für die Nachtarbeiter der Druckereien wird ein Zahlmorgen eingeführt, der allmonatlich am Sonntag nach dem Zahlmitt. woch im Restaurant Julius Meyer. Oranienstr. 103, abgehalten Wird, �icr wird die Einkassierung der Monatsbeiträge vor- genom: n, alle laufenden Parteifragen Groß-Berlins kommen zur Aesprecünng usw. Lebhaft gewünscht wurde bald die möglichst regel- mäßige Abhaltung von geeigneten Referaten, ein etwas schwie- riger Punkt, wenn man berücksichtigt, daß die eventuellen opfer- willigen Referenten am Sonntag früh 7 Uhr zur Stelle sein müssen. Für den kommenden Sonntag hat als erster der Genosse Fritz L u b c i l schon zugesagt. Zwei Zahlsonntage haben nun schon stattgefunden. Die Be- teiligung an der Neueinrichtung war eine ganz rege und es ist zu hoffen, daß die Beteiligung baldigst noch erheblich steigt, 1 lieber die Schwierigkeit der Referentenfrage hoffen die Genossen der Fricdrichstadt hinwegzukommen; sie vertrauen aus die Bereitwilligkeit der einsichtsvollen Referenten, die im 2. Kreis selbst wohl genügend vorhanden sind und sich sicher gern und frei- willig unseren Bezirksführern in der Friedrickistadt zur Verfügung stellen werden. Wie die Pflegeanstaltrn ihre Toten begraben. Schon wieder wird uns gemeldet, daß von einer öffentlichen Pflegeanstalt aus ein Verstorbener beerdigt worden ist, ohne daß die Angehörigen von Dem Ableben des Kranken Kenntnis erhalten hatten. Diesmal handelt es sich um einen Fall aus dem sogenann- ten Arbeits Haushospital der Stadt Berlin, das sich in Rummelsbürg befindet. In diesem Hospital war seit 1836 ein siecher Mann untergebracht, ein gewisser T., der früher Schneider gewesen war. Er wuroe oft besucht, namentlich von seiner ver- heirateten Tochter, sowie später auch von den Enkelkindern. Ende November 1968 war die Tochter wieder bei ihm. Sie schrieb ihm ihre genaue Adresse auf einen Zettel, weil der alte, nun im 79. Lebensjahr stehend« Mann bereits gedächtnisschwach war. Der Vater legte diesen Zettel in seinen Tischkasten zu anoeren Sachen, die ihm gehörten. Am ersten Weihnachtsfeiertag schickte die Tochter ihre Kinder nach dem Hospital, damit sie dem Großvater, wie all- j-chrlich, seine Weihnachtsgabe überbrächten. Als die Kinder den Namen oes Großvaters dem Pförtner angaben, sah der in seiner Liste nach und antwortete dann, bei T. stehe ein' Kreuz, der sei tot, schon am 14. Dezember sei er gestorben. Die bestürzten Kinder sagten, es sei doch keine Todesnachricht gekommen. Da belehrte sie der Pförtner, nur nächsten Ver- wandten werde eine solche zugesandt. Wie wenn eine Tochter nicht zu den nächsten Verwandten geHörtel Die Kinder wurden dann zu einem anderen Beamten geführt, anscheinend zum Hausvater. Von oiesem wurde ihnen gesagt, jetzt in den Feiertagen könne die Sache nicht sofort untersucht werden, er werde sie aber melden. Die Tochter hat seitdem gelvartet, daß vom Hospital aus noch irgend. ein« Zuschrift au sie gelangen werde— und sie wartet noch immer. Gilt im Hospital die Ansicht, daß man nicht nötig habe, der Tockster des verstorbenen Hospitaliten den Tod ihveS DaterS durch amtliches Schreiben mitzuteilen? Ein anderer Fall dieser Art, der nur noch schlimmer liegt, ist kürzlich in der Irrenanstalt„M a i so n de Santa" in Schöneberg vorgekommen. Dort befand sich seit 1873 ein Herr W.. ein früherer Naschmacher, den die Jrrenpflege der Stadt Berlin in der genannten Privatanstalt untergebracht hatte. In den letzten drei Jahren unterblieben allerdings auf den Rat eines Beamten der Anstalt die persönlichen Unterredungen mit dem Kranken, weil sie diesen zu sehr aufregten. Doch zogen die An- gehörigen auch jetzt noch von Zeit zu Zeit Erkundigungen über ihn cin, so daß man in der Anstalt wissen mußte, daß W. nicht von seiner Familie schon vergessen worden war.?coch Anfang Oktober 1393 fragte Frau W. in der Anstalt nach dem Befinden ihres nun 73jährigen Mannes. Sie bekam von eiriem Wärter die Antwort, der Krank« sei noch sehr rüstig, er mache ja noch all« Tage die Betten. Frau W. wies daraufhin, daß be~ feinem hohen Alter doch mit der Möglichkeit eines plötzlichen EnoeS zu rechnen sei. Sie bat, bei etwa eintretendem Tode ihr sofortig« Nachricht zu- kommen zu lassen, und schrieb ihre genaue Adresse auf einen Zettel, den sie dem Wärter ubergab. Am dritten Weihnachtsfeiertage wurde wieder nach dem Kranken gefragt, diesmal von einem Sohn und einer Tochter. Als sie in der Anstalt den Namen W. nannten. wurden sie an das Bett einer ihnen fremden Person geführt, eines 28jährigen Mannes, der gleichfalls W. hieß. Jetzt stellte sich heraus, daß der 73jährige W. verstorben war,— ütft zwar nicht erst kürzlich, sondern bereits vor ziemlich einem Jahre, am 17. Januar 1998. Die Leiche war ohneWisfenderAn- gehörigen beerdigt worden und moder5e~1angst auf dem Armenfriedhof. Eine Pflegeschtoester versicherte, Frau W. sei rechtzeitig benachrichtigt worden, doch habe man sie nicht sinden können, weil sie die Wohnung gewechselt hatte. Es scheint, daß man damals in den Bureaus der Anstalt„Maison de Santö" bezw. der Jrrenpflege Berlins sich sehr rasch über'die Nichtauffindung der Witwe beruhigt und den als unbestellbar zürückgelieferten Brief gleichmütig zu den Akten gelegt hat. Weiß man denn dort nicht, daß eS in Berlin noch ein Einwohnermeldeamt gibt? UebrigenS hatte auch W.'s Sohn der Anstalt seine Wohnung mitgeteilt, so daß auch durch dessen Vermittelung die Todesnachricht an die Witwe hätte gesandt werden können, wenn jemand sich noch diese Mühe hätte machen wollen. Fast amüsant ist die Sicherheit, mit der noch Anfang Oktober der Wärter über den bereits im Januar verstorbenen Kranken die Auskunft gab. der sei noch sehr rüstig und mache noch die Betten. Frau W. meint, es hätte zum mindesten damals, wo ja ihre gegenwärtige Adresse in der Anstalt bekannt geworden war, ein« nachträgliche Todesnachricht an sie geschickt werden inüssen. Das ist aber bis heute noch nicht geschehen. Noch jetzt, 14 Tag« nach jenem Weihnachtsbesuch, drei Monate nach Ueberreichung der neuen Adresse, fast ein volles Jahr nach dem Tode des Kranken, wird darauf gewartet, daß eine amtliche Todesnachricht kommt._ Behördliche Neugier. Jeder Mensch kann einmal in die Lage kommen, eine Vor- ladung zur„verantwortlichen" Vernehmung in Strafsachen zu er- halten und jeder, der nicht gerad« der Denkfähigkeit beraubt ist, wird sich dabei Gedanken gemacht haben, fn welchem Zusammen- hang wohl die meisten Fragen, die einem da vorgelegi werden, mit der Strafsache selbst stehen. In der Tat. wenn jemand ein« Uhr gestohlen oder einen Meineid geleistet hat. ist«8 ganz gleichgültig, ob seine Mutter eine geborene Lehmann oder Schulze war. wo sein Vater wohnt, wieviel Kinder er hat und dergleichen. Trotzdem ge- hört es einmal zum preußischen Schematismus, daß diese Fragen gewissenhaft beantwortet werben. Indessen die behördliche Neugier geht noch etwa? weiter und gerade das erscheint der Beachtung sehr wert. Ein Journalist schreibt uns hierzu: „Em behelmter Mann der Ordnung legte mir kürzlich einen Fragebogen des Staatsanwalts vor. in welchem in einer Strafsache. die natürlich noch gar nicht spruchreif ist. folgende Fragen zur Be- antwortung gestellt werden: 1. Wieviel Staatseinkommensteuer zahlt der Angeschuldigte jährlich? 2. Welches Gehalt. Diensteinkommen oder sonstige Einkommen bezieht der Angeschuldigte? 3. Besitzt der Angeschuloigte, dessen Ehegatte oder beiderseitige Eltern Grundstücke, außenstehende Forderungen oder sonstiges Vermögen? 4. Ist der Angeschuldigte nach Ansicht der Behörde in der Lage Kosten oder Geldstrafen sofort zu bezahlen? V. Hat der An. geschuldigte eine Erbschaft in Aussicht oder eine ander. weite Verbesserung seiner Vermögenslage? Ich muß gestehen, daß ich über diesen Grad behördlicher Neugier doch etwas starr war. wenn man auch bei uns an alles mögliche gewöhnt ist. Mein Erstaunen war aber nicht allein den Fragen selbst ge- widmet, sondern den Zwecken, die mit diesem Fragebogen wohl ver- bunden sein könnten. Woher weiß erstens die Staatsanwaltschaft, daß ich verurteilt werde, also in die Lage kommen kann, Kosten oder Strafe zu be- zahlen? Soll das Verfahren vielleicht danach eingerichtet werden, so etwa, daß bei einem vermögenden Angeklagten auf Geldstrafe plädiert wird, bei einein armen Teufel aber. o«r kein Geld hat. auf Gefängnis? DaS ist bei der bekannten Objektivität der Staats- anwaltschast nicht gut anzunehmen. Was hat dann aber die ganze Fragerei für einen Zweck? Es kann und muß der Behörde ganz gleichgültig sein, ob sie es mit einen? vermögenden oder armen An- geschuldigten zu tun hat, denn für die Beurteilung der Strafsache— es handelt sich nebenbei bemerkt um ein angebliche? Preßvergehen j — kommt die Vermögenslage gar nicht in Frage. Gesetzt aber den Fall, es wäre unumgänglich notwendig zu wissen, ob der An'ge- schuldigte, falls er verurteilt wird, Kosten und Strafe zahlen kann, wozu dann fünf Fragen statt einer? Es gibt doch dann nur eine Frage: Kann der Mann zahlen oder nicht? Ob er später, wenn es soweit ist, zahlen will, selbst wenn er kann, oder ob er es vor- zieht, die Sache„abzusitzen", geht doch ohnehin aus den Fragen nicht hervor und ebenso wenig wird die Behörde wohl durch ihre Fragestellung ermitteln können, ob der Angeschuldigte auch dann noch in der Lage ist, zu zahlen, wenn das Verfahren zu Ende ist. ES soll vorgekommen sein, daß Angeklagte während des Ver- fahrens gestorben oder unheilbar krank geworden sind oder daß sie ihr Vermögen verloren; in diesen Fällen dürfte der schöne Frage- bogen seinen Zweck gründlich verfehlen und eine Menge Schreib- arbeit umsonst geleistet werden. Und das trotz der vom Fürsten Bülow empfohlenen Sparsamkeit! Damit wird aber immer noch nicht klar, was die beiderseitigen Eltern und der Ehegatte bezw. deren Vermögen, Grundstücke, aus- stehende Forderungen usw. mit der Sache zu tun haben. Da die Ehefrau nicht für die Schulden des Mannes haftet und da es nicht unbedingt Regel ist, daß Eltern ihren Kindern Geld zur Be- streitung von Geldstrafen oder Gerichtskosten geben, so ist diese Frage zum mindesten überflüssig. Genau so überflüssig wie die fünfte, ob der Angeschuldigte eine Erbschaft zu erwarten hat oder eine sonstige Aufbesserung seiner Vermögenslage. Jeder Mensch wartet auf eine solche Aufbesserung, sogar der Staatsanwalt, denn der will auch einmal in die höhere Gehaltsklasse einrücken. Was folgt denn aber daraus für die Strafsache? Gar nichts. Trotz etwa einer bevorstehenden Erbschaft kann das Gericht niemanden zwingen, eine Geldstrafe zu bezahlen, wenn der Betreffende nicht zahlen will. Wozu belastet man also die Beamten mit unnützen Schreibereien? Wäre der Gedanke nicht absurd, so könnt« man glauben, der erwähnte Fragebogen sei gar kein staatsanwaltliches Aktenstück, sondern eine Maßnahme der Steuereinschätzung. Eindringlicher kann die Steuerbehörde nicht gut nach dem Vermögen der Zensiten forschen, als es hier die Staatsanwaltschaft tut, nur mit dem Unterschiede, daß die Steuerbehörde schließlich eine gewisse Be- rechtigung dazu hat, während dem Staatsanwalt die Sache nicht das geringste angeht. Weil aber diese Fragen überflüssig sind, sollte jeder die Beantwortung einfach verweigern. Mit der Folter kann ja bei uns niemand mehr gezwungen werden, eine unbe- rechtigte behördliche Neugier zu stillen, wie denn überhaupt kein Angeschuldigter gezwungen werden kann, Aussagen zu machen, noch dazu, wenn sie mit der Sache selbst in gar keinem Zusammenhang stehen. Zur Ermittelung der Vermögenslage der Bürger haben wir die Steuereinschätzung, aber nicht den Staatsanwalt. Wenn dieser etwa die Einleitung eines Verfahrens danach einrichten will, ob der Jnkulpat Geld hat oder nicht, d. h. ob bielleicht die Kosten der Staatskasse zur Last fallen, so wäre das im Interesse der Staatskasse zwar sehr liebenswürdig, aber nicht im Interesse des Rechtes. Für daS Gesetz gibt eS nur eine Klasse Menschen, ganz gleich, ob sie oder ihre Ehegatten und Eltern vermögend sind oder nicht. Folglich hat keine Gerichtsbehörde vor Fällung eines Urteils danach zu fragen. Geschieht das trotzdem, so wird damit cin Odium erweckt, das man unter allen Umständen vermeiden sollte." Wir können den vorliegenden Darlegungen nur zustimmen, und das umso mehr, da wir selbst in der gleichen Weise belästigt worden sind._ AuS der Wärmehalle. Die vergangenen Tage mit ihrer grimmigen Kälte habm all den Heimat- und Obdachlosen, deren Zahl in Berlin Tausende beträgt, hart mitgespielt. Mancher von ihnen ist, wie aus der Tageschronik zu ersehen ist, in irgendeiner Haus- türnische oder auch direkt im Freien erfroren. Kein Wunder, wenn die Aermsten bei Tage sich dort in Massen versammelten, wo ihnen der Aufenthalt im geheizten Räume gestattet wird, nämlich in den Wärmehallen. Ueber schlechten Besuch während der schneidenden Kälte hatten diese sich nicht zu beklagen. Eng zusammengepreßt, sitzen sie in der langgestreckten, zwar geheizten, aber sonst düsteren und unfreundlichen Halle. Manche erzählen sich mit gedämpfter Stimme ihre kleinen Tageserlebnisse, andere stieren in dumpfem Brüten vor sich hin und einzelne löffeln gierig aus den großen Näpfen ihre Suppe. Der Anblick dieser Elendschar fällt dem Ungewohnten unangenchm auf die Nerven. Soviel Jammer, Armut und Verkommenheit auf einem Haufen müßte selbst den Gläu- bigsten, sofern er logisch zu denken vermag, irre werden lassen an einer göttlichen Weltordnung. Ein großer Teil derer, die dahin kommen, hat abgeschlossen mit jeglicher Hoffnung auf eine günstige Wendung in diesem Leben, und da sie nach allem, was sie erlebt, an ein Leben im Jenseits nicht glauben können, so bleibt ihnen nichts übrig als stunipfe Resignation, was gleichbedeutend ist mit immer tiefer sinken ins moralische und physische Elend.„Alles selbst verschuldet." erklärte uns ini vorigen Jahre einer der Wärter, in dem Bewußtsein, eine tiefgründige Lebensweisheit aus- gesprochen zu haben.„Alles selbst verschuldet", damit tröstet man sich auch in weiten Bolkskreisen, eine Phrase, mit der man auf billige und bequeme Weise daS eigene und das soziale Gewissen beruhigt. Uebrigens wurden über die Umgangs- formen und das Auftreten des Personals, insbesondere des Oberinspektors, gegenüber den Gästen der Wärmehalle vom Alexanderplatz verschiedentlich Klagen geäußert, und zwar von Leuten, deren Aeußeres einen durchaus Vertrauens- erweckenden Eindruck machte. Unter anderem sollte einigen Besuchern der Halle vom Alexanderplatz das Lesen von,Zei- tungen von dem Inspektor untersagt worden sein. Wir machten nun selbst die Probe aufs Exempel, um uns von dieser aller- dings fast unglaublichen Maßregel durch eigenen Augenschein zu überzeugen und setzten unS längere Zeit, den„Vorwärts" studierend, mitten mang die Obdachlosen. Jedoch ließen uns sowohl der Herr Inspektor als auch die übrigen Angestellten gänzlich unbehelligt. Was uns aber auffiel, das war die Art, wie ein Wärter einen Mann hinauSbugsierte, indem er ihn, im Genick fassend, unter Schütteln und Stoßen auf eine mehr als unsanfte Weise hinausbeförderte. Es war dies um so weniger angebracht, als die Ursache ein kleiner Wortwechsel war, wie er unter solchen Verhältnissen und an einem der- artigen Otte erklärlich ist, andererseits wäre, unseres Er- achtens, der Mann auch von selbst hinausgegangen, und der ganze Vorgang hätte somit vermieden werden können. Es ist selbstverständlich, daß besonders an einem solchen Orte, wo die verschiedenartigsten Elemente zusammenkommen, strenge Ordnung herrschen muß. Deshalb braucht man aber den Bogm nicht zu überspannten und kann in der Wahl der Mittel immer eine gewisse Ruhe und Bedacht walten lassen. Und nach dieser Richtung scheinen die Beschwerde-» nicht ganz unberechtigt zu sein.__ Die Plakatausstellung, die der BilduugScuiSschuß der Berliner Lithographen. Stemdrucker und verwandten Berufe am 16. und 11. Januar im Saal III de? Gewerkschaftshauses veranstaltet hatte. erfreute sich eines sehr starken Besuches. Sie demonstrierte anschau- lich den erzieherischen und geschmackbildenden Einfluß, den das künstlerische Plakat oder eine Zusammenstellung künstlerischer Plakate auf großen PlakaUafeln auszuüben vermag. Die Gefahren, die der Plakatkunst und dem graphischen Gewerbe durch die geplante Anzeigeiq'teuer drohen, wurden durch Steuerberechnungen Veranschaulicht, die auf kleinen, einigen Plakaten angeheftete» Zetteln zu lesen waren. Bekanntlich will man für ausgehängte Plakate je tXrch der Größe des OrteS. in dem sie ausgehängt werden, eine «Steuer von 1, 2 und 3 Pfennigen für je tausend Quadrat» zent»n.eter erheben. Ein Plakat in der Größe 70 X 100 Zentimeter, d. h. also mit Flächenraum von 7000 Quadratzentimeter, würde dem- nach in Großstädten mit mehr als 100000 Einwohner» für jedes ausgehängte Exemplar, dessen Herstellungspreis vielleicht 15 Pf. bc trägt, allein 7 X 3= 21 Pf. Steuer kosten I Ein großes Plakat in der Größe von 130 X 200 Zentiineter oder mit einem Flächenraum von 20 000 Quadratzentimeter kostete dann pro Exemplar 20 X 3--- 78 Pf. Steuer. Wenn also von diesem Plakat nur 1000 Exemplare in Großstädten ausgehängt werden sollten, würden allein 780 M.. d. h. mehr als die Herstellungskosten betrogen, als Steuer zu entrichten sein. Die gauze Unvernunft und der volle, gewerbe- schädigende Charakter dieser Steuer wurde durch die lehrreiche Aus- stellung klar veranschaulicht._ Ein Gemcindeschulrektor, dem man'S„nicht übelnehmen darf". In unseren Gemcindeschulen kommt es nicht selten zu erregten Auftritten zwischen Lehrpersonal und Eltern. Das Gesetz gewährt der Lehrerschaft einen erhöhten Schutz gegen Beleidigungen: schon mancher Vater und manche Mutter haben cS hart büßen müssen, daß sie einem Lehrer oder einer Lehrerin allzu deutlich ihre Meinung gesagt hatten. Wer einem Lehrer oder einer Lehrerin Anlaß gibt, sich beleidigt zu fühlen, wird nur zu rasch vor Gericht geschleppt und hat empfindliche Strafe zu ge- wärtigen. Nun müßten unseres Erachtens die Lehrpersonen aus dem besonderen Schutz, den das Gesetz ihnen gewährt, für sich auch eine besondere Pflicht herleiten, ihrerseits rm Verkehr mit den Eltern möglichst alles zu vermeiden, was zu einer unfreundlichen Auseinandersetzung führen und die Eltern zu strafbaren Beleidigungen verleiten könnte. Es scheint aber, daß das Gefühl einer solchen Pflicht leider nicht überall in der Lehrerschaft stark genug entwickelt ist. Immer wieder gelangen an uns Beschwerden und Klagen darüber, daß Lehrer oder Lehrerinnen gegen- über den Angehörigen ihrer Zöglinge einen un- nötig schroffen Ton anschlagen, der verletzend wirken muß und zu ähnlich verletzenden Gegen- äußerungen reizen kann. Letzthin wurde in der 244. M ä d ch en- G em e i n d e s ch u l e (am Leopoldplatz) von dem Herrn RektorKöhne einer Frau H. eine derartige(%ne bereitet. Frau H. kam zu ihm im Auftrage ihrer erkrankten Sckstvester Frau C., um für deren kränkliche Tochter eine Dispensierung vom Schulbesuch zu erwirken. Das Kind hatte bereits vier Monate hindurch in einer Lungenheilstätte geweilt, war zu Neujahr nach Hause entlassen worden, wurde aber von den Anstaltsärzten als noch der Schonung bedürftig bezeichnet. Als Frau H. dem Rektor Köhne ihr Anliegen vortrug und auf Befragen angab, daß sie nicht die Mutter des Kindes sei, warf der Herr Rektor erregt die Arme in die Höhe:„Na, so was! Hat die Frau nicht mal so viel Zeit, selber hierher zu kommen und das Kind zu entschuldigen l" Frau H. antwortete, Frau C. sei plötzlich er- krankt, so daß man einen Arzt habe holen müssen.„Ist gut, ist gut!" beendete der Rektor kurz angebunden die Unterredung. Da Frau H. nicht sofort erkannte, was er damit sagen wollte, so blieb sie unschlüssig vor ihm stehen.„Machen Sie doch, daß Sie rauskommenl" rief ihr der Rektor zu. Frau H. wollte jetzt gehen, aber sie wandte sich noch einmal um und fragte, ob denn nun der Herr Rektor das Kind dispensieren werde cHer ob sie zu diesem Zwecke einen Schularzt aufsuchen solle.„ES ist gut," wieder- holte der Rektor in grobem Tone,„die Sache ist erledigt, das Kind ist bis Ostern dispensiert." Nunmehr erntsernte sich Frau H. mit den Worten:„So was ist mir ja bisher noch nicht passiert." Do lief ihr der Herr Rektor nach und schrie hinterher:„Wenn S i e nicht bald machen, daß Sie gehen, dann lasse ich Sie durch den Schnldiener wegbringen." Ehe Frau H. da? Schnlhaus verlies, beklagte sie sich über diese BeHand- lung noch bei einer Lehrerin. Von ihr bekam sie die tröstende Antwort, sie solle es dem Herrn Rektor Köhne nicht übelnehmen, der sei sehr nervös. Am anderen Tage lief bei Frau C. eine Postkarte ein, durch die der Herr Rektor die Dispensierung bestätigte. Der Schluß seiner Zuschrift lautete: „Aber schicken Sie mir, bitte, nicht wieder irgendeine mir un- bekannte Frau." Dieser Satz klingt fast wie eine Entschuldigung des Herrn Rektors, dem wohl inzwischen klar geworden war, daß er am Tage vorher die nötige Besonnenheit hatte vermissen lassen. Bielleicht hat die Lehrerin recht, die von ihm sagte, man dürfe «s ihm nicht übelnehmen. Sollte er tatsächlich„sehr nervös" sein, so läge darin allerdings eine gewisse Entschuldigung, aber nur für ihn, nicht für die Schulverwaltung. Daß ein Rektor nervös ist— nervöser, als sich mit seinem Amte verträgt—. das kann doch den zu seiner Beaufsichtigung bestellten Instanzen nicht lange verborgen bleiben. Einen solchen Rektor sollte man, wenn nicht schon in seinem eigenen Interesse,, so doch im Interesse der Schule schleunigst beurlauben, damit er sich auskurieren kann. Nervöse Lehrpersonen können der Schule keinen Segen bringen und sollten schon deshalb genötigt werden, sich einer Kur zu unterziehen. Sie bilden auch eine Gefahr für die Eltern, die mit ihnen verhandeln müssen, wobei es dann nur zu leicht zu Zu- sammenstößen kommt. In dem vorliegenden Falle handelt eS sich nicht um Vater oder Mutter, sondern um die Tante einer Schülerin, aber auf die betreffende Frnnilie hat die Manier des Herrn Rektors deshalb nicht weniger verstimmend gewirkt. Solche Austritte sind wahrlich nicht geeignet, die Beziehungen zwischen Schule pnd Haus freundlicher zu ge° stalten. Rektor Köhne hat cS nur der Besonnenheit der Frau H. zu danken, daß hier nicht, wie man zu sagen pflegt,„auf einen groben Klotz ein grober Keil" gesetzt wurde. Wäre das geschehen, so wäre freilich das Ende vom Liede wohl wieder mal eine Beleidigungsklage gctvesen, die der durch den Rektor gereizten Fran noch eine Strafe eingetragen hätte. Werde ich Soldat? Diese Frage beschäftigt wohl zurzeit Tausende von jungen Militärpflichtigen. Hier hofft einer wegen Kurzsichtigkeit frei zu kommen, e,n anderer, weil er eine schwache Brust hat. dieier wegen Herzklopfen, jener weil er schielt oder gar krumme Beine hat. Ans den folgenden Zeilen sollen nun die Militärpflichtigen einen Ueberblick gewinnen, welche körperlichen Fehler die Fähigkeit zum Dienst mit Waffe nicht ausschließen.— Vorausgeschickt sei noch, daß das g e r i n g st e Maß der Körpergröße, soweit die Infanterie und die Ersatzreserve in Betracht koinmen, IZS Meter beträgt und daß der Brustumfang in der Regel die Hälfte der Körperlänge betragen soll. 1. Allgemeine Fehler: Gutartige Hautausschläge, kleine Geschwüre, danach zurückgebliebene Narben, kleine gutartige Ge- schwülste oder Knochenauswüchse, gut geheilte Knochenbrüche. 2. Auge: Geringes Schielen, Hornhautflecke. Herabsetzung der Sehschärfe, solange sie aus dem besseren Auge mehr als'/s beträgt, Kurzsichtigkeit, ausgleichbar durch Hohlgläser bis 0,5 Meterlinsen, so- lange die Sehschärfe aus dem besseren Auge mehr als beträgt. Farbenblindheit. 3. Q h r: Geringe Schwerhörigkeit auf einem Qhre. die eine Hörweite von 4 Meter abwärts bis höchstens 1 Meter umfaßt. 4. Nase: Verengerung der Nasenhöhle ohne wesentliche Störung der Atmung. v. Mund: Schlechte Zähne, geringes Stammeln, nicht auf- fallende, anderweitig fehlerhafte Sprache. 0. Hals- und Wirbelsäule: Leichter Kropf, der bei ge- ringem Druck keine Atembeschwerden verursacht, in bekleidetem Zustande nicht auffallende Schiefheit des Halses, Erhöhung einer Schulter oder Hüfte, geringe Abweichung der Wirbelsäule. 7. Brust: Unregelmäßig gedaute Brust(z. D. Hühnerbrust) bei sonst kräftigem Brustkorb. 3. Unterleib: Die als Bruchanlage bezeichnete bloße Er- Weiterung des äußere» Leistenringes oder Hervorwölbung der ver- dünnten Bauchwand in der Gegend des LeistenlanalS bei Husten- stößen. 9. Obere Gliedmaßen: Verunstaltungen des Schlüsselbeins, die das Tornistertragen hindern, machen untauglich für Truppen, die einen Tornister tragen; Verlust eines Gliedes an einem Finger bei voller Gebrauchsfähigkeit der Hand, Verkiüppelung der Fingernagelglieder mit erhaltener Beweglichkeit, Krümmung der kleinen Finger im zweiten und dritten Gelenk bei vorhandener Be- weglicbkeit des Fingers im ersten Gelenk. 10. Untere Gliedmaßen: Geringe X- oder v-Beine, geringe Erweiterung der Blutadern an den Beinen, unausgebildeter Plattfuß, sogen. Breit- oder Hohlfuß, stark gekrümmte oder sich zum Teil deckende Zehen gestatten meist nicht den Dienst zu Fuß. Verlust einer Zehe oder eines Zehengliedes(ausgenommen die große Zehe), Verwachsung einzelner Zehen miteinander, Ueberzahl einer durch ihre Stellung nicht hinderlichen Zehe. Revolverjournalisten. Kann man sich neben den Zuhältern, die ans der Schande der Prostitution Vorteile ziehen, eine verächtlichere Menschensorte denken als die Rcvolverjournalisten, die die Kenntnis der persönlichsten und privatesten Angelegenheiten ihrer Nebenmenschen dazu benutzen, sie öffentlich zu verwerten und so für sich Geld herausschlagen wollen? Wohl kaum! Der Revolverjournalist will Geld verdienen, viel Geld. Um zu diesem Ziele zu kommen, ist ihm jedes Mittel recht und sei es das verwerflichste. Skrupel kennt er nicht. Er läßt sich zu allem gebrauchen, wenn es ihm nur recht viel einbringt. Er zerrt die privatesten Angelegenheiten auf den öffentlichen Markt, nur um Geld zu machen, kurz, er ist für alles feil. Gibt ihm jemand viel Geld, unterläßt er das auch. Solche ekelhafte Kreaturen können nur ihr Wesen treiben durch die Existenz einer Presse, die diesem Treiben dient. Und leider gibt eS derartige Preßerzeugniffe, die die Revolverjournalistik zum Geschäft erhoben haben; auch Berlin verfügt über solche Blätter. Schweres Unheil ist durch dieses Erpreffergesindel schon angerichtet worden und wird noch angerichtet. Gestern wurde ein derartiger Journalist verhaftet, der eS auf einen hiesigen Aristokraten abgesehen hatte. Eine Frau Schuwardt, in Schöneberg wohnhast, erschien vorgestern am Telephon, um den Genannten, einen schlesischen Magnaten, um eine Unterredung zu ersuchen, eS handle sich um eine Preßangelegenheit. Frau Sch. wurde in die Wohnung des„hohen Herrn", eines Grafen F.. dessen Gattin bürgerlicher Herkunst ist, bestellt. Sie teilte mit, einer ihrer Freunde, ein Redakteur, der zu allen großen Blättern Beziehungen habe, befitze über ihn und seine Gattin eine Fülle von Material, dessen Veröffentlichung ihm sehr peinlich sein würde. Der Freund wäre aber bereit, die Artikel nicht zu schreiben. wenn... na, wenn er entsprechend entschädigt würde. ES fand noch eine zweite Unterredung statt, die von Kriminalbeamten be lauscht wurde, bei welcher der eventuell zu veröffentlichende oder zu unterdrückende Artikel zur Stelle war. 1000 Mark sollte die Summe bettagen, für welche die NichtVeröffentlichung feil war. Das Ende vom Liede war die Verhaftung der Frau Sch., die im Verlaufe ihres Verhörs als den eigentlichen Spirittiv rector den Redakteur Dahsel, Kulmstraße 4, angab. Auch Dahsel wurde verhaftet. Wie sich herausstellt, hatte Dahsel tatsächlich zu Blättern Beziehungen, die ihre Spalten derartigen persönlichen Jnvektiven und Sensationen öffnen. Er war Mit arbeiter der„Wahrheit". Die Redattion der„Wahrheit" (Wilhelm Bruhn) hält es für nötig, der Presse mitzuteilen, daß Herr Dahsel nicht Redakteur der„Wahrheit", wohl aber Mitarbeiter der„Wahrheit" ist. Will die„Wahrheit" durch diese Mitteilung von Herrn Dahsel besonders abrücken? Warum auf einmal so zimperlich, wo man sich doch sonst in dieser Redaktion keine besonderen Skrupel in der Verwertung privater Angelegenheiten in der Qcffentlichkeit macht und Existenzen, wie Dahsel eine ist, den Boden bereiten hilft? Im übrigen teilt die„Tägliche Rundschau" mit, daß Herr Dahsel früher Redakteur der„Staatsbllrger-Zeitung" gewesen sei War das zu Ihrer Zeit, Herr Bruhn? Pom städtischen RettnngSwesen. Die MagisttatSkommission für die Sieugestaltung deZ Berliner Rettungswesens hat am Mittwoch unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Dr. Reick« ihre Beratungen beendet und wird nunmehr das Ergebnis derselben dem Magistrat in der nächsten Sitzung unterbreiten. Zu dieser endliche» Beschleunigung hat wohl der sozialdemo- kratische Anttag, der heute in der Stadtverordnetenversammlung zur Verhandlung steht, nicht zuletzt mit beigetragen. Wegen der polizeilichen Verfügung über da? Verbot, in den städtischen Markthallen künstliche mit Draht gebundene Kränze und andere Waren ferner feilzuhalten, worüber wir bereits berichteten, ist gestern früh eine Deputation beim Oberbürgermeister Kirschner vorstellig geworden. Die aus Markthallenstandiuhabern bestehende Kommission hofft auf tatkräftige Unterstützung in der die Interessen der Stadt und der gesamten Bürgerschaft aufs schwerste be- rührenden Sache. Zn dem schweren Betriebsunfall im Eispalast, über den wir gestern berichteten, wird uns mitgeteilt, daß der Maschinist Albert Wittmanu, der in ein Kettengetriebe geraten war. gestern im Krankenhause verstorben ist. Durch die Geistesgegenwart der Schauspieler und der anwesenden Feuerwache ist Dienstag abend im Neuen Qperetten-Theater am Schiffbauerdamm 25 eine Panik verhütet worden. Während der Vorstellung der.Dollarprinzessin" entstand im Regulatorenraum im letzten Akt durch Herabfallen eines Drahtschutzkorbes auf einen Hebelausschalter Kurzschluß zwischen dessen beiden Polen unter starker Flammen- und Funkenbildung. Etwa 10 Minuten sprühten die Funken auf die Bühne und in den Kulissenraum. Die Feuer- wache beseitigte bald eine etwaige Gefahr. Die Schauspieler be- wahrten in dieser kritischen Situation ihre volle Ruhe und spielten weiter. Dies beruhigte das Publikum. Nur einzelne im Parkett verließen das Theater. Als dann der Drahtschutzkorb entfernt war, fiel etwas später ein kleines Metallplättchen, das am Schaltbrett be- festigt war, auf zwei Hebelausschalter, wodurch ein zweiter Kurz- schlich verursacht wurde. AnS diesmal blieb das Publikum ruhig. Eine ttmirige Aufklärung hat das Verschwinden des 24 jährigen Dienstmädchens Marie Kühnhold aus der JoachimSthaler Straße 13 gefunden. Bor einigen Tagen entfernte sich die K. von ihrer Herrschaft und blieb seitdem spurlos verschwunden. Gestern wurde die Vermißte als Leiche aus dem Landwehrkanal gelandet. Zweifellos liegt Selbstmord vor. Die Gründe, die das lebeuslustlge junge Mädchen in den Tod gettieben haben, sind unbekannt. Die Verschmelzung der beiden am hiesigen Orte bestehenden Konsumorgaiiisationcn wurde von Mitgliedern und Angestellten am Sonnabend, den 9. Januar, durch eine besondere„Hochzeitsfeier" in„Kellers Festsälen" begangen. ES war eine regelrechte Hochzeit inszeniert worden. Sie unterschied sick von einer lirchlichen allerdings dadurch, daß angesichts des Geistlichen und des Brautpaares nicht Kirchenlieder, sondern„Wir winden Dir den Jungsernkranz" gesungen wurde. Der Polterabend, der um 9 Uhr begann und durch allerlei Volksbelustigungen und besonders durch Vorträge beS .Berliner Ull-TrioS" amüsant gestaltet wurde, endete gegen Vsl2 Uhr. Dann wurde gerüstet zinn Einzüge de? Hochzeitspaares. Nachdem der Prolog, der lurz die Berliner GenossenjchastSbewegung zeiwnete, gesprochen, öffneten sich die Saallüren und herein fuhr im„Auto" das Paar. Er. ein Vertreter der Genossenschaft, Sie, die Vertreterin des Konsumvereins, begleitet von ihren in wilder Ehe gezeugten Kindern, den 40 Verkanfsstellen. Das Lied:„Wir winden Dir," gesungen von den 40 Kindern und eine kernige Ansprache des Hoch- zeitsvaterS beschloß die eigentliche Feier. Dann blieb man noch im festlich geschmückten Saale, obwohl bei beängstigender Fülle, in echter Hochzeitsstiummng bis zum frühen Mvrgen beim Tanz bei- fanlmen. Der eingegangene„Genossenschastspionier" war in einer Extra- Nachansgabe nochmals herausgekvinmen, um mit einigen saden Wttzen zur„Verschönerung" des Festes beizutragen. Wir wollen hoffen, daß es nun lräftiger vorwärts gebt und die GenoffenichaftSbewegung von den Berliner Arbeitern die Förderung erfährt, die sie verdient. Fcuerwehrnachrichten. Am Dienstag abend kam in einer Werlstatt auf dem Hofe Zimmerstraße 92/93 Feuer aus Ein Aittomobil brannte dort. Dem 17. Zuge gelang eS, die Fm.nmen schnell zu löschen. Der 1. Zug hatte in der Büschingstraße 11 zn tun, wo die Frau Göntz Brandwunden ersten Grades im Gesicht und Schnittwunden durch Glassplitter an beiden Armen bei der Explosion einer Lampe erlitten hatte. Die Verletzungen wurden durch Sama- riter verbunden. In einem Fabrilraum Krausenstr. 33 brannte der Fußboden und in einer Werkstatt Luisenstt. 18 das Zwischengebälk, Am Friedrichsgraben 13 mußte ein Kellerbrand gelöscht werden. Ferner hatte die Feuerwehr in der Hagelbergeistraße, Gcrichlstr. 50, Rigaer Straße 03, Danziger Straße 03 a und in der Schinkestr. 22 in Rixdors zu tun. In der Hagelberger Straße 53 mußte die Feuerwehr einen großen Kellerbrand löschen und mit 2 Schlauch- leitungen längere Zeit Wasser geben. Vorort- jVacdricdten. Lichtenberg. Die Stadtverordneten ttaten am Dienstag zu. ihrer ersten Tagung im zweiten Geschäftsjahr zusammen. Der Stadtverord- nctenvorsteher gedachte in einem kurzen Rückblick der Geschehnisse des ersten Jahres städtischer Verfassung und gab der Meinung Ausdruck, daß sich niemand nach den früheren Verhältnissen zurück- sehne. Von der Tätigkeit der Stadtverordneten sei hier erwähnt, daß diese 29 Vollsitzungen und zahlreiche Deputations- und Kom- missionssitzungen zur Erledigung ihrer Geschäfte bedurften.— Die Wahlen des Vorstehers, seines Stellvertreters, zweier Beisitzer und deren Stellvertteter, eines Schriftführers und Stellvertreter? er» gab die Wiederwahl der bisherigen Mandatsinhaber. Der Vor» steher, Herr Bankdirektor Plonz, wurde mit 30 von 45 und sein Vertreter. Herr Kaufmann Hirsch, mit 39 von 47 abgegebenen Zetteln gewählt. Der aus 9 Mitgliedern bestehende Wahlausschuß verblieb in seiner alten Zusammensetzung, nur tritt an Stelle des Stadtver- ordneten Dr. Bokofzer der Stadtv. Moldner. Unsere Genossen Brühl, Düwell und Grauer gehören dem Ausschuß an, während die Genossen Spieckermann und Seile! dem Bureau der Stadtverordneten als Beisitzer bezw. Stellvertreter verblieben sind. Die Fortsetzung der Besprechung der Jnter» pellation der Stadtvv. Abraham und Genossen über Vergebung von Bauarbeiten bei dem Neubau des Elektrizitätswerks der Stadt wurde auf Antrag des Genossen Grauer von der Tagesordnung abgesetzt, da das vom Magisttat zugesagte Material noch nicht in den Händen der Stadtverordneten ist.— Der Magistrat ersucht« um die Nachbewilligung von 900 M. für den Titel Unterhaltung der Schulgebäude usw. Die Versammlung trat der Vorloge bei. An den Rechnungsausschnß verwiesen wurden die Vorlagen des Magistrats auf nachträgliche Bewilligung von 4597,87 M. für Aufstellung einer Cholerabaracke auf dem Grundstück de? Armen» hauseS. Ferner die Nachbewilliguna einer Kostenüberschreitung um 45 933,91 M. bei dem Bau der Gemeindeschul« in der Schorn» weberftraße, dessen Gesamtkosten auf 390 933,91 M. veranschlagt waren. In der lebhaften Debatte über biefe_ beiden Vorlagen wurde zur Begründung vom Magistrat angeführt, daß bei der Cholerabaracke Gefahr im Verzuge geweesn sei. Wenn die Be» toilligung erst jetzt, nach einem halben Jahre, nachgesucht würde. so ttügen die Lieferanten die Schuld, weil die Abrechnungen erst jetzt zustande gekommen seien, auch sei bei dem Neubau der Schule das Gemeindebauamt ohne verantwortlichen Leiter gewesen, Kosten- anschlag und Projekt sind von einem Privatarchltekten geliefert worden. Unsere Genossen Düwell und Grauer ließen durch ihre Ausführungen beim Magistrat keinen Zweifel darüber auf» kommen, daß in Zukunft die Nichtachtung der Stadtverordneten- Versammlung und deren Budgetrecht wirksam hintcnan gehalten werden sollen. Auch die Bürgerlichen machten einige Bemerkungen, die darauf schließen lassen, daß im Ausschuß„deutlich" geredet werden soll.— Eine Vorlage über Ergänzung bezw. Abänderung de? Eingemeindnngsvertroges wurde einer Kommission überwiesen. Auch die Vorlage über die Erbauung eines Schulgebaudes für die höhere Mädchenschule geht an die Baulommission zurück.— Für das Vermessungsamt und zur Beförderung der Beschaffung besseren Kartenmaterials wurden auf Antrag des Magistrats drei Beamten- stellen neu geschaffen.— Die Kosten der Umpflasterung des Weißenseer Weges wurden mit 33 350,48 M. festgesetzt und be- willigt. In geheimer Sitzung wurde beschlossen, zur Vorbearbeitung der 127 Offerten, die für die ausgeschriebene Stadtbauratstelle ein- gegangen sind, eine Kommission einzusetzen, deren Wahl in der nächsten Versammlung erfolgen soll.— Ein Antrag Abraham und Genossen(Soz.) ersucht die Stadtverordnetenversammlung, sich an der Arbeitslosenzählung, die von Berlin für den 10. Februar ge- plant ist, zu beteiligen und fordert vom Magistrat die Bereit- stellung der Mittel. Der Antrag wünscht, daß die Zählung nach dem Hauslistensystem vorgenommen werde. Ein weiterer Antrag unserer Genossen ersucht die Versammlung um die Einsetzung einer Kommission, die die Frage der Arbeitslosenfürsorge prüfen und geeignete Vorschläge der Stadtverordnetenversammlung machen soll. Der Genosse Brühl begründete im Auftrage der Fraktion beide Anträge. In recht wirksamer Weise und mit reichlichem Material versehen führte der Redner den Hörern den ganzen Jammer vor Augen, der sich infolge der Arbeitslosigkeit dartut. Der Redner sagte aber auch der Majorität, daß in der Arbeitsloscnfürsorge bisher leider Lichtenberg noch recht wenig oder gar nichts getan habe. Ja nicht einmal habe es der Magisttat von Lichtenberg für notwendig erachtet, bei der Konferenz, die unter dem Vorsitz des Direktors des Statistischen Amtes der Stadt Berlin sich mit der Frage der Arbeitslosenzählung beschäftigte, durch ein Magistrats- Mitglied vertteten zu lassen. Ein Bureaubcamter sei der Ver- treter der Stadt Lichtenberg gewesen. Der Magistrat habe auch nicht einmal zu verhindern gewußt, den in städtischen Betrieben beschäftigten Arbeitern den Jammer der Arbeitslosigkeit zu er- sparen. In den letzten Monaten seien mehr als 190 städtische Ar- veiter der Sucht, möglichst große Ueberscküsse aus den städtischen Werken zu erzielen, durch Entlassung aus den Betrieben wegen an- geblichen Arbeitsmangels zum Opfer gefallen. Ter Redner be- zündete das System der Hauslistenzählung im besonderen damit, )aß ersichtlich mehr als 1000 Arbeitslose, wie bei der Meldczählung im November gezählt sind, vorhanden sind, und daß der Magistrai und die Stadtverordnetenversammlung dann erkennen würden; daß unmöglich, wie bisher, die Nrbeitslosenfürsorge als Nebensache be- bandelt werden könne. Als Redner der bürgerlichen Majorität waren es die Herren Rechtsanwalt Schachtel und Sanitätsrat Dr. Wolf, die bestritten, daß eine Verpflichtung dieser Fürsorge in bezug auf die Arbeitslosen bestände. Sanitätsrat Dr. Wolf im besonderen betonte, daß es eigentlich Uebertreibung sei, wenn man heute noch von der AkSglichkeit de? Hungertyphus rede. Der Verdienst der Arbeiterschaft habe sich gegen früher, wo ein TyphuS infolge Unterernährung, nicht aber ein Hungertyphus, zu ver» zeichnen gewesen sei, so wesentlich gebessert, daß ihm tn seiner langen Praxis als Arzt ein Kall von HungertyvhuS nie begegnet fei. Herr Schachtel brachte das sozialpolitische Bekenntnis der bürgerlichen Mehrheit in folgendem Satz zum Ausdruck:„Meine Herren! Sie werden durch die sich immer wiederholenden An- regungen in bezug auf die Arbeitslosenfürsorge, bei der mehr oder weniger durch das Fenster hinausgesprochen wird, nur das eine erreichen, daß wir, die Majorität, Sie in Zukunft über die Dinge ruhig reden lassen, daß wir aber in unseren Beschlüssen durch Ihre Reden nach keiner Ricktung hin beeinflußt werden." Die Genossen Brühl, Düwell und Grauer würdigten die Haltung der Majorität in ihrer ganzen Tragweite. Grauer führte im be- sonderen der Majorität vor Augen, daß sie in ihrer Vernacklässs- gung der Arbeitslosenfürsorge nichts anderes tue, als ihrem Klaffeninstinkt Rechnung z» tragen, daß sie den besten und edelsten Bürgern der Stadt, den Arbeitern, die auf Grund der heutigen anarchischen Produktionsweise dem Elend überantwortet sind, nichts weiter zu bieten habe als den Rat: Geht betteln! Nach langer, stellenweise recht erregter Debatte, wurde der Antrag auf Anteil- nähme an der Arbeitslosenzählung durch Hauslistensystem in namentlicher Abstimmung mit L? gegen 16 Stimmen abgelehnt. Der Antrag auf Einsetzung einer Kommission aus 9 Mit- gliedern, die die Arbeitslosenfürsorge in die Reihe ihrer Betrach- tungen zu ziehen habe, wurde mit 25 gegen 20 Stimmen angc- nommen. Genosse Düwell nahm noch Gelegenheit, das frohe Lächeln, daß sich bei dieser so hochernstcn Auseinandersetzung der Direktor der städtischen Werke, �Herr Tasch, und der Herr Stadtrat Bleckmann nicht zu verbergen wußten, in recht ernster Weise einer Kritik zu unterziehen, und auch diese Art der Anteilnahme an dem Geschick der Arbeitslosen dem Forum der Oeffentlichkeit zur Be- urteilung zu unterbreiten. Nach Schluß der Sitzung eilte die bürgerliche Majorität zu dem im„Schwarzen Adler" arrangierten Festessen ä Kuvert 3 M. ohne Weinzwang, das als Abschiedsfeier für den aus dem Gemeindedienst scheidenden Stadtbaurat Knipping veranstaltet war. Was muß die Stadtverwaltung zur Bekämpfung der Arbeits- losigkeit tun? Diese Frage wird in einer heute, Donnerstag, abends 8 Uhr im.Kronprinzengarten", Frankfurter Chaussee 128, von der Gewerljchaftskommission, dem Vorstand des sozialdemokra- tischen WahlvereinS und dem Verband der Gemeinde» und Staats- arbeiter einberufenen öffentlichen Protestversammlung behandelt werden. Referent ist Stadlverordneter Genosse Brühl. Desgleichen wird über Masicnentlassung auf den städtischen Werken gesprochen werden. In Anbetracht der gegenwärtigen Arbeitslosigkeit wird er- sucht, rege für den Besuch der Versammlung zu agitieren. Nixdorf. Den WahlrechtSraub der bürgerlichen Mehrheit hat ein humoristisch veranlagter Parteigenosse in launiger Weise illustriert und im Lokal von Hoppe ausgestellt. Die erste Zeichnung, ein Reliefbild, soll, wie die Inschrift, die eine Parodie auf die bekannte Kamelinschrist darstellt, andeutet, zur Ausschmückung unseres entweihten neuen Stadtverordneten-SitzungSsaaleS dienen. Die zweite Zeichnung zeigt einen WahlrechtSräuber an der Himmelstür. den aber PelruS ab- winkt— weil zu.rahmig". Eine zahlreich besuchte Versammlung der städtischen Arbeiter tagte am Dienstag im großen Saale von Thiel, Bergstraße. Die- selbe beschäftigte srch mit der Ablehnung der Anträge der Arbeiter zum Etat durch den Magistrat. Hierzu referierte Polcnske. Er führte aus, daß die ohne jegliche Begründung erfolgte Ablehnung die größte Erbitterung unter den Arbeitern hervorrufen müsse, da zur gleichen Zeit, als der Magistrat die Ablehnung beschloß, den städtischen Beamten in Rücksicht auf die allgemeine Teuerung die Summe von 40 000 M. als Vorschuß auf eine Neuregelung der Gehälter bewilligt und diese Summe unter Zustimmung des Stadt. verordnetenkollegiums bereits zur Auszahlung gelangt sei. Dies Messen mit zweierlei Maß sei der Verwaltung einer Arbeiterstadt wie Rixdorf unwürdig. Die Arbeiter werden die Ablehnung ihrer berechtigten und wohlbcgründeten Anträge nicht ruhig hinnehmen. Die Ablehnung unter den gegebenen Umstänovn müsse als Provo- kation der Arbeiter bezeichnet werden. An der lebhaften Debatte beteiligten sich neben einer Anzahl städtischer Arbeiter, die sämtlich im Sinne des Referenten sprachen, noch die Genossen Kwasnick, welcher namens des Allgemeinen Deutschen Gärtnervereins sprach und besonders die Entlassung von 15 Parkarbeitern brandmarkte, und Stadtverordneter Pagets. Rachstehende Resolution fand«instimmige Annahme: .Die am 12. Januar 1909 im großen Saale von Thiel, . Bergstraße 151/152, zahlreich versammelten Arbeiter aller städti» schen Betriebe erheben entschiedenen Protest gegen die Ablehnung ihrer Anträge auf Einführung der acht- bezw. neunstündigen Arbeitszeit und Regelung der Löhne durch den Magistrat. Die Versammelten sind über diese Ablehnung um so mehr empört, als die Gründe, welche für ihr« bescheidenen Forderungen maßgebend waren, von Magistrat und Stadtverordnetenkollegium dadurch— und mit Recht— anerkannt wurden, daß die städti. schen Beamten in Rücksicht auf die immer schwieriger werdenden Existenzbeoingungen. Vorschüsse auf die in Kürze stattfindenden Gehaltsaufbesserungen erhielten. Unter der gleichen Wirtschaft- lichen Notlage leiden in noch erheblicherem Maße die schlecht ent. lohnten städtischen Arbeiter mit ihren Familien; es erheben die Versammelten daher energischen Protest gegen die dürft) nichts zu rechtfertigende aÄveichende Behandlung bezw. Nichtachtung der Arbeiterwünsche. In der Erwägung, daß die Lebenslage der städtischen Arbeiter durch die dauernde Teuerung der Existenzmittel eine unhaltbare ist und eine Lohnaufbesserung unumgänglich nötig macht, halten die Versammelten an den aufgestellten Anträgen unbedingt fest, und beauftragen die Sektionsleitung des Verbandes der Ge- meinde- und Staatsarbeiter, unverzüglich die Anträge erneut dem Magistrat und der soziafoemokratischen Fraktion zu übermitteln." Nachdem beschäftigte sich die Versammlung noch mit der Ver- schlcppung der Arbeiterausschußtoahlen in der Tiefl>auverwaltung. Die Debatte über diesen Punkt endete mit der Annahme folgender Resolution: „Die am 12. Januar 1909 bei Thiel. Bergstraße 151/152. versammelten städtischen Arbeiter bedauern lebhaft, daß dem § 43 der Allgemeinen Arbeitsordnung, betreffend Bildung uno Wahl von Arbeiterausschüssen, in einer Anzahl städtischer Be- triebe noch nicht Rechnung getragen werde. Desgleichen, daß ihren Anträgen vom Juni 1908 auf Ein- berufung einer Sitzung des„Gemeinsamen Arbeiterausschusses" bisher nicht Folge gegeben wurde.(§ 44 der Arbeitsordnung.) Die Versammelten protestieren ganz entschieden gegen diese Verschleppung und erivarten, daß der Magistrat die Durch- sübrung der Bestimmungen der Allgemeinen Arbeitsordnung baldigst veranlaßt. Sic beauftragen das Bureau der Versammlung, diese Reso- lution dem Magistrat zu überreichen." Mord»der Selbstmordversuch. Ein Vorfall, der noch der Auf- klärung bedarf, wird uns vom Köllnischen Ufer gemeldet. Vor dem Grundstück Nr. 24 bemerkten Passanten in der sechsten Abendstunde im Schiffahrtskannl eine weibliche Person, die vergeblich versuchte, sich an der Oberfläche zu halten. Es wurde sofort ein Rettungsboot flott gemacht und nach der betreffenden Stelle gerudert. Noch im letzten Augenblick konnte die dem Tode des Er- trinkenL preisgegebene Person ergriffen und aus dem Wasser herausgeholt werden. Die Unbekannte hatte be- reitS daS Bewußtsein verloren. Es handelt sich um ein etwa 20 Jahre alles Mädchen. Die Fremde wurde in einer Droschke nach dem städtischen Krankcnhause in der Cannerstraße gebracht, wo sie auf kurze Zeit die Besinnung wieder erlangte. Sie konnte an- geben, daß sie nicht in selbstmörderischer Absicht in den Kanal ge- sprungcn sei, sondern andere Personen hätten sie gewaltsam ins Wasser gestoßen, um sie aus diese Weise umS Leben zu bringen. Die Täter seien dann fortgelaufen und hätten sie ihrem Schicksal über- lassen. Ihren Namen vermochte sie nicht mehr anzugeben« Charlottenburg. Das Ergebnis der ArbeitSlosenzählung vom 17. November borigen Jahres liegt für Charlottcnburg in fertiger Bearbeitung durch das Statistische Amt der Stadt jetzt vor. Die Aufrechnung ist ziemlich umfangreich und sie gewährt— soweit das die bei der Zählung gestellten Fragen ermöglichen— einen recht interessanten Einblick in die Art der Arbeitslosigkeit, ihrer Ausdehnung auf die einzelnen Berufe und zum Teil auch in die persönlichen Ver- hältniffe der Arbeitslosen. Wir können uns nur darauf beschränken, aus dieser Bearbeitung das Wichtigste hervorzuheben. Um die Uebcrsicht der Tabellen zu erleichtern und um die Art der Arbeits- losigkeit besser beurteilen zu können, sind die Arbeitslosen geteilt in gelernte Arbeiter, ungelernte Arbeiter und Arbeiterinnen. Für die gelernten Arbeiter sind 133 einzelne Berufe angeführt, die ungelernten Arbeiter sind über 78 besondere Tätigkeitsfächer berteilt, und von den Arbeiterinnen kommen 18 Berufe für gelernte Arbeiterinnen und 12 für ungelernte Ar- bciterinnen in Betracht. Insgesamt betrug die Ziffer der gemeldeten Ar- beitslosen 1948. Das sind 0,7 Proz. der Gesamtbevölkerung Charlottenburgs im Oktober 1908. Von den 1948 gemeldeten Ar- beitslosen waren 69 Arbeiterinnen, so daß 1879 männliche Arbeits- lose bleiben, die 1,5 Proz. der männlichen Bevölkerung Charlotten- burgs zum Beginn Oktober 1998 ausmachen. Von der Gesamtzahl der Arbeitslosen werden 1989 als gelernte und 868 als ungelernte Arbeiter resp. Arbeiterinnen bezeichnet. Es trifft also nicht zu, was allgemein behauptet wurde, daß der ungelernte Arbeiter stärker unter der Arbeitslosigkeit zu leiden hat als der qualifizierte Arbeiter. Den Hauptteil der Arbeitslosen stellen die Bauarbeiter. Die Bearbeitung des Statistischen Amts führt dafür 22 einzelne Berufe an. Aber will man die Wirkungen der Arbeitslosigkeit im Baufach einigermaßen richtig abschätzen, dann müssen zu den Bau- arbeitern auch die Bildhauer. Schlosser und T a p e» z i e r e r gerechnet werden. Dann ergeben sich aber 635 arbeitS- lose gelernte Bauarbeiter und 363 ungelernte Bauarbeiter, zu- sammen 993 oder 53.1 Proz. der sämtlichen gemeldeten Arbeits- losen.— Daß es sich bei diesen Zahlen aber durchaus nicht um die saisonmäßige Arbeitslosigkeit der Bauarbeiter handeln kann, beweist, daß bereits 636 von den arbeitslos gemeldeten Bau- arbeitern vor dem 1. November arbeitslos waren. Den Bauarbeitern folgen die Angehörigen der Metall- i n d u st r i e. Da meldeten sich 342 Arbeitslose, gleich 18,2 Proz. der Gesamtarbeitslosenzahl. Dann wurden 111 arbeitslose Holz- arbeiter und nur 34 arbeitslose Angehörige im Handel sgewerbe gezählt. Schon diese beiden Zahlen be- weisen zur Genüge, daß diese Zählung äußerst lückenhaft gewesen sein muß. Noch mehr aber sprechen für diese Unbollkommenheiten der Zählung die ermittelten 69 weiblichen Arbeitslosen. Gelernte Arbeiterinnen wurden 42 gezählt. Darunter befinden sich jedoch 21 Ausübende hausdienstlicher Tätigkeit, so daß unter Außer- achtlassung einer arbeitslosen Lehrerin und einer beschäftigungs- losen Hilfsarbeiterin in der Gemeindeverwaltung nur 19 sonst gewerblich beschäftigte arbeitslose Arbeiterinnen gezählt wurden. Daß diese Zahlen sehr weit von der Wirklichkeit abweichen, braucht wohl nicht noch des näheren bewiesen zu werden. Der Grund der Arbeitslosigkeit war in 1739 Fällen Arbeitsmangel, 31mal Frost und Kälte, 31 Kündigungen wurden gezählt, 5mal wurden Streitigkeiten angegeben, in 98 Fällen ver- anlaßten Krankheiten die Arbeitslosigkeit, 15 Personen ivaren seit ihrer Entlassung vom Militär noch beschäftigungslos, 12mal waren andere verschiedene Gründe angegeben, und in 17 Fällen fehlte die Angabe des- Grundes der Arbeitslosigkeit. Ueber die Dauer der Arbeitslosigkeit lassen sich nur wenige summarische Angaben machen. 1029 Arbeitslose waren unter vier Wochen ohne Beschäftigung, 673 Arbeiter hatten seit länger als vier Wochen keine Arbeit, über ein Vierteljahr wurden 151, über zwei Vierteljahre 37 und über drei Vierteljahre 23 Ar- heiter arbeitslos gezählt. Verheiratet waren von den gemeldeten Arbeitslosen 975 und ledig 919, die anderen waren getrennt, verwitwet oder ge- schieden. Von den arbeitslosen Familienvorständen, deren Zahl leider nicht angegeben ist, mußten insgesamt 1510 Kinder unter 16 Jahren versorgt werden. Ein wesentlicher Mangel, der dieser Zählung anhaftete, war aber, ganz abgesehen von dem System und der Art der Zählung, die Unterlassung der Frage nach der Zahl der Tage der Arbeitslosigkeit. Diese für die richtige Würdigung der Arbeitslosigkeit so ungemein wichtige Auskunft fehlt, sie ergibt sich auch nicht aus der Berechnung, daß die Dauer der Arbeitslosig- kcit von einer Wache zur anderen angegeben wurde. Fehlen aber die Tage der Arbeitslosigkeit, so ist auch eine auch nur annähernd zutreffende Schätzung der Einbuße der Arbeitslosen durch den ent- gangenen Arbeitsverdienst vollkommen ausgeschlossen. Aber erst an der Summe des ausgebliebenen Arbeitsverdienstes läßt sich der Grad der für den einzelnen und für die Gesamtheit aus der Ar- beftslosigkeit sich ergebenden Folgen erkennen. Doch alle diese Mängel der Zählung können nicht verhindern, daß schon das vorliegende Resultat zeigt, wie dringend notwendig ein schleuniges umfangreiches Eingreifen der städtischen Behörden gegen die weiteren Folgen der Arbeitslosigkeit ist. Wenn nur immer gezählt werden und doch nichts geschehen soll, dann kann man den Unwillen der Arbeitslosen gegen jede weitere amtliche Zählung wohl verstehen. Köpenick. Der Entwurf zum Etat der Stadtgemeinde für 1909, welcher gegenwärtig öffentlich ansliegt, weist in Einnahme und Ausgabe 1 664 957 M. auf. Die Gemeindesteuern sollen 170 Proz. Zuschlag betragen. Hierin sind 37 Proz. Kreissteuern sl38 000 M.) einbegriffen. Von den übrigen Steuern sollen bringen: Gemeinde- Grundsteuer 241 000 M.; Gewcrbesteuerzuichlag<250 bezw. 180 Proz.) 73 430 M.; Betriebssteuerznschlag 4734 M.; Bürgerrechtsgeld 3800 M.; Umsatzsteuer 45 000 M.; Lustbarkeitssteuer 5500 M.; Biersteuer 24 000 M. Die allgemeine Verwaltung macht eine Aus- gäbe von 178 204,48 M. nötig, demgegenüber ist eine Einnahme von l 1 662.02 M. zu verzeichnen. Bei der Polizeiverwaltung betrug die Einnahme 10 701 M., die Ausgabe 68 462 M.; Forstverwaltung: Einnahme 55 538 M., Ausgabe 14 667 M. Die Schulverwaltung er- fordert einen städtischen Zuschuß von 374 714.52 M. Die KirankenhauS Verwaltung hat eine Einnahine von 7010 M., eine Ausgabe von 18 313 M. Die Unterhaltung der Straßen und Brücken kostet 91 273 M. Dieser Ausgabe steht eine Einnahme von 8050 M. gegen- über. Ans den Kapitalien und Schulden sollen 521 362 M. einkommen, denen Ausgaben von 667 352 M. gegenüberstehen. Kanalisation und Wasserwerk benötigen 37 333 M. städtischen Zuschuß; das Elektrizitätswerk soll einen Ueberschuß von 100 000 M. bringen, die Ein nahmen an Pacht aus RestaurationSgrimdstücken belaufen sich auf 3l3g7M.; im Vorjahr rund 29 000 M. An laufendpn Ausgaben bei der Armenverwaltung sind 36 000 M. in Anrechnung gebracht: an einmaligen Unterstützungen usw. sind außerdem noch 15 193 M. vorgesehen. Die Einnahme der Armenverwallung selbst bringt 3350 M. Zur Unterhaltung der Anlagen sind 11 801 M. eingestellt. Die Straßenbeleuchtung kostet der Stadt 46 611 M. Friedrlchshagen. Der hiesige ArveiterbilduiigSauSschuß veranstaltet, wie bereits mitgeteilt wurde, einen vierteiligen Vortragszyklus mit Lichtbildern über das Thema.Vom Urtier zum Menschen".- Die Borträge finden Ereitag, 15. Januar, 29. Januar, 12. Februar und 19. Februar in erches Vürgeriälen. Friedrichitr. 112(Rundteil), statt. Als Vor- tragender wurde der Dozent für Biologie an der Freien Hochschule Berlin, Herr M. H. Baege, gewonnen. Teilnehmerkarten für den ganzen ZykluS sind �um Preise von 1 M. in LercheS Vürgersälen, in den bekannten Bezirlslokalen und für Schöneiche und Umgegend bei Herrn HanS Rühle in Schöneiche zu haben. Der erste am 15. Januar stattfindende Lichtbildervortrag wird „Die Entstehungsgeschichte der Erde" behandeln. Die Titel der anderen Vorträge lauten:„Sind die Lebewesen geschaffen oder ge- worden?"—.�Welches sind die Ursachen und treibenden Kräfte der Entivickelung?"—.Woher stammen die Menschen?"— Die Be- teiligung an jedem einzelnen Vortrage kostet 30 Pf.; Einzelkarten nur in LercheS Bürgersälen und an der Abendkasse. Nieder-Schöneweide. In der gutbcsuchtcn Generalversammlung des Wahlvereins er» stattete nach Erledigung von zehn Aufnahmen der Vorsitzende Genosse Dehme! den Jahresbericht. Danach fanden 19 Vorstandssitzungen, 6 Mitgliederversammlungen, 4 Generalversammlungen und 5 öffent- liche Versammlungen statt. Die Mitgliederzahl ist von 72 ans 100 gestiegen, darunter sind 16 weibliche. Der„Vorwärts" wird in 170 Exemplaren gelesen. Die Neuwahl des Vorstandes ergab folgendes Resultat: 1. Vorsitzender: Paul Bengsch; 2. Vor- sitzender: Paul Gräbnitz; Kassierer: Voß; Schriftführer: Land; Beisitzer: RamSperger; Revisoren: Matern, Wrede und Schuffelhauer; Bibliothekar: Krone. In die Lokal- kommission wurden Weißschnur, GroniuS und Fr i e d r i ch, als Zeitnngsspediteur vom 1. Februar an Bengsch gewählt. Zu Delegierten der Kreisgcneralversammlung wurden Bengsch und G r ä b n i tz und als Ersatzmann D e h m e l, für die General- Versammlung von Groß-Berlin Voß, W e i ck und Wrede als Ersatzmann gewählt. Unter Verschiedenes wurde vom Genossen Gräbnitz die Vermehrung der Gemeindevertretung angeregt und be« schlössen, sich zu diesem Zweck an die Gemeindevertretung zu wenden. Wilhelmsruh. Zu der Exmission des taubstummen Ehepaares H. aus dem Hause Fonlanestr. 32 ersucht uns die Besitzerin deS HauseS mit« zuteilen, daß sie zu derselben hätte schreiten müssen, da die Rück- stände des Hsschen Ehepaares eine sehr erhebliche Höhe erreicht hätten und sie doch genötigt sei, auch ihren Verpflichtungen nachzukommen. Weiter teilt unS Frau Brückner mit, daß sie wiederholt von Mielern insultiert worden sei, insbesondere von der Frau H. Sie behauptet, in Notwehr gehandelt zu haben, als sie gegen Frau H. und deren Sohn tätlich geworden sei; einen Gummischlauch habe sie nicht bei sich gehabt. Wir haben geglaubt, von dieser Erklärung Notiz nehmen zu sollen, um auch die angegriffene Seite zum Wort kommen zu lassen, verhehlen aber nicht, daß die Verletzungen, die Frau Brückner der Frau H. beigebracht hat, nach dem ärztlichen Attest doch sehr erheb- liche sind und daraus schließen lassen, daß Frau Bruckner in der Tat recht deutlich handgreiflich geworden sein muß. Bernau. DaS Unwetter, welches am Dienstag gegm Mittag über unsere Stadt zog und von einem heftigen Wirbelsturm begleitet war, hat hier und in der Umgegend erheblichen Schaden angerichtet. Be- sonders die Laubenkolonien und freistehenden Häuser hatten unter dem enormen Sturm zu leiden. So wurde unter anderem von dem Neubau des Kretskrankenhauses an der Ladeburger Chaussee, auf welchem Zimmerer mit dem Bau des DachstuhlS beschäftigt waren, ein Teil desselben mit solcher Gewalt von dem Sturm herunter- gerissen, daß fast sämtliches Holz wie GlaS zerbrach. Glücklicherweise hatten Maurer und Zimmerer den herannahenden Sturm be- merkt und sich in Sicherheil gebracht, so daß größeres Unheil dadurch verhütet wurde. Votsdam. Zum Nanlnnord i« Lchnin— 1000 M. Belohnung. Wie die Staatsanwaltschaft am hiesigen kgl. Landgericht mitteilt, hat sie ans die Ermittelung des Lehniner Raubmörders eine Prämie von 1000 M. ausgesetzt. Demnach scheint man an maßgebender Stelle von der Schuld des verdächtigten 13 Jahre alten AmtsschreiberS Otto Schulze nicht überzeugt zu sein. Der Verdächtigte wurde einem zweistündigen Verhör unterzogen, in dessen Verlauf er von heftigen Krämpfen befallen wurde. Ein hier wohnender Bruder deS Sch. hält den Otto Sch. der Tat nicht für fähig. Von einer Andeutung der sterbenden Mutter über die Person des Täters ist ihm ebenfalls nichts bekannt. Infolge Mangel» an Aufträgen hat auch der ReichStagZabge» ordnete des Wahlkreises Potsdam-Spandau-Osthavelland, der kon- servative Tischlermeister Pauli in Potsdam, in seiner Tischlerei die Hälfte seines Personals entlassen. Unter den Entlassenen befinden sich Gesellen, die schon 17 Jahre bei P. beschäftigt waren. Den Junkern wäre eine Aufklärung ihres Fraktionsgenossen auS eigener Erfahrung über die Arbeitslosigkeit sehr zu empfehlen. Vermischtes. Die Grubcnkatastrophe in Westvirginia. Ueber die bereits in unserer gestrigen Nummer gemeldete Grubenkatastrophe wird weiter aus Blufield(Westvirginia) berichtet: Es bestätigt sich, daß durch die Explosion auf der Lickbranch-Kohlenmine mindestens hundert Arbeiter ums Leben kamen. Zehn Leichen wurden bereits geborgen. Infolge schädlicher Gase ist eS unmöglich, in die Grube einzudringen. Ueber daS vorgestrige Unwetter in Schleswig-Holstein wird noch auS Kiel gemeldet: Die durch da? gestrige stürmische Wetter in Schleswig-Holstein verursachten Störungen des Telephonverkehrs sind zum Teil noch nicht behoben. Die direkte Verbindung mit Berlin, Hamburg und dem Norden ist noch unterbrochen. eingegangene Vfudtfckriften. Aus Natur und Geistcswelt. Dd. 81.— Schopenhauer von ß Richert. Bd. 238,— Friedrich Hebbel von A. Schapirc. Neurath. Bd. 244. Byzantinische Charakterköpfe von K. Diederich.— Bd. 24g DaS Wahlrecht von O. Poensgen. Einzelb. geh. 1 M., geb. 1,25 01 B. G. Tcubuer, Leipzig. Soziale Kultur. Von Pros. Dr. F. Hitze und Dr. W. Hohn. 64 S. DolksvereinS-Verlag, M.-Glndbach. Süddeutsche Akonatöliefte. Hest 2. Herausgeber! P. N. Coßmann. 1.50 M. Selbstoerlag in Biünchcn. Nord n»d Süd. Heft 382. Deutsche Monatsschrift. Organ der neuen Kunswereinigung der Genossenschast deutscher Schriststeller usw. S. Schott» länder, Breslau._ Amtlicher Marktbericht der städtischen Marllhallcli-Direktio» übet den Großhandel in de» Zentral-Marktballcn. Marktlage: Fleisch! Zufuhr schwach, Geschäst flau, Preise unverändert. Wild: Zufuhr nick« genügend. Geschält ziemlich lcbhast, Preise besriedigcnd. G c s l ü g c I; Zufuhr nicht ausreichend, Geschäst flau. Preise wenig verändert. Fische: Zusuhr mäßig, Geschäst ruhig, Karpfen ohne jede Nachfrage, Preis» im allgemeinen wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte- Zufuhr genügend, Geschäst still, Preise gedrückt. WttternngSüberstch» vom 13. Januar 1909, morgen» 8»Hr. Etattonen �wtnembe Hamburg Berlin Franks.« M München Wien 750 WSW 754 WSW 755 W 753 S 751 SW 760 W Wette, 4 heiter 5 bedeckt 3 bedeckt I bedeckt 2 Schnee 4 heiter am c% f* hS> 0 1 1 — 0 1 2 Etattonen Savaranda 735 still �cterSburg 740 SSO Sctllh .'lberdeen Part» 754 WNW 747 SSW 756 SSO Wetter tt Ii Mä Halb bd,— 11 2 bedeckt 4 bedeckt 2 bedeckt llRegen Wettcrproguose für Donnerstag, den 14. Januar 1909. Etwas wärmer, veränderlich, vorwiegend trübe mtt Rtederschläacn und ziemlich lebhasten südwestlichen Winden. verltoervetterboroo» 2. Ziehung 1. Kl. 220. Kgl. Preuss. Lotterie, 143852[ 100] 2467 470 630 633 703 858 144118 227 Ziehung vom 13. Januar 1909, vormittags. Nur die Gewinne über 50 Mark sind den betreffenden Numunern in Klammern beigefügt. ( Ohne Gewähr.) ( Nachdruck verboten.) 290 450 507 24 86 763 965 94 1560 2027 360 551 57 676 3001 44 116 662 747 811 22 95 4005 42 108 526 51 624 757 965 5104 59[ 20 000] 276 382 617 90 734 68 865 72 937 75 6199 260 301 486 96 634 819[ 100] 7081 262 398 409 77 862 920 8018 258 81 303[ 300] 573 865 999 9119 718[ 100] 48 78 805 29 980 10181 203 334 423 514 75 668 70 897 988 11149 53 201 309 470 699 873 12295 329 53 71 635 868 904 85 97 13130 61 374 622 836 955 14165 67 87 905 25 15015[ 300] 30 342 653 766 856 16008 83 84 208 339 82 403'88 519 755 95 17175[ 100] 90 219 72 89 316 36 464 65 719 801 12 16 73[ 100] 919 94 18107 408 529 634 41 77 748 55 877 934 19216 26 304 740 890 20056 85 89 264 321 621[ 200] 96 858[ 200] 21157 226 46 302 407 523 935 38 22106 542 603 70 725 23278 354 94 507[ 100] 46 71 680 732 24020 34 153 668 81 96 735[ 100] 49 90 864 977[ 100] 25116[ 200] 84 308 46 63 454 640 814 69 26154 658 87 27110 218 70 322 458[ 100] -612 631 716[ 100] 57 90 28021 287 823 559 64 71 715 23 29104 9 513 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Ziehung 1. KI. 220. Kgl. Preuss. Lotterie ,, 23 42 71 53 487 958 145068 65 546 715 951 146514 69 Ziehung vom 13. Januar 1909, nachmittags. Nur die Gewinne über 50 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. ( Nachdruck verboten.) ( Ohne Gewähr.) 184 283 310 611 911 44 1109 45 218 346 656 79 87 944 2164 691 735 971 3014 65 166 204 368 404 24 655 70 87 733 54 899 968 91 4167 256 90 460 97 [ 40 000] 592 750 5055 320 615 16 897 6009 140 61 943 7034 36 213[ 300] 70 661 94 757 95 825 8894 416 700 885 9029 118[ 200] 418[ 100] 542 786 814 953 10026 109 68 375[ 100] 76 607 862[ 100] 946 97 11067 266 492 98 591 878 925 12156 81 476 646 731 932 13037 127 59 68 206 884 14004 131 64 221 440 572 777 943 87 94 15217[ 100] 510 831 85 89 16040 94 225 412 720 831 99 900 17867 18289 393 405 34 60 568 19010 60 75 150 876 917 30 90 20181 699 923 65 21191 881 641 772 971 22017 507 20[ 200] 944 23004 47 161 338 454 800 901 24267 83 471 503 62 96 656 768 987[ 100] 25017 396 528 49 874 26020 273 515 716 892 27000 50 82 140 327 66 78 496 521 98 847 28228 99 774 75 843 29072 78 370 483 99 597 686 714 77 806 982 30294 488 31102 219 58 313 407 532 966 32013 92 131 597 646 840 42 33050 250 446 678 752[ 100] 845 67 910 61 34291 98 508 711 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Klasse 220. Königl. Preuss. Klassen- Lotterie findet am 12. u. 18. Februar 1909 statt, Verkäufe. Gardinenhans, Große Frant furterstraße 9, Flureingang. 16135* Klaffiter- Ausgaben, Goethe, Heine, Reuter, Schiller, Shakespeare, je bier 5,00 prachtvolle Betten, 9,00, Bände 6,- Mart. Eichendorff, Hauff, Bauernbetten, nur Pfandleihe An- je zwei Bände 3,50 Mart. Bürger, dreasstraße achtunddreißig... 1597 Seleift, Lenau, Uhland, Wieland und Landbett, zwei Dedbetten, zwei andere, je ein Band 1,75 Mart. ErStiffen, zweischläfrig 18.00, große pedition, Lindenstraße 69, Laden. Lafen 1,00, Daniaftbezüge. 1598* Bauerndeckbett, Unterbett, amei Stiffen 26,00, Pfandleihe Andreasftraße achtunddreißig. Annoncen Geschäftsverkäufe. Gornikiewicz Co., Dranien Möbelhalle Norden", Thiele, Aderstraße 120( Gartenplag). Filiale: Invalidenstraße. 118( Stettinerbahn), Speicher. Riesenauswahl bürger licher Wohnungs- Einrichtungen von 200 bis 3000 Mart. Gelegenheitstäufe gebrauchter wie neuer Möbel, spottbillig. 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