Nr. 13. Abonnements- Bedingungen: • abonnements Preis pranumerands, Bierteljährl. 3,30 I., monatl. 1,10 M wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Boft Abonnement: 1,10 Mark bro Monat Eingetragen in die Bost.Beitungs Breisliste. Unter Kreuzband Deutschland und Desterreich. Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz Ericheint täglich außer Montags. für Vorwärts Berliner Volksblatt. 26. Jahrg. Dle Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgefbaltene Rolonel geile oder deren Raum 50 Big., für bolitische und gewerffchaftliche Vereins und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. Kleine Anzeigen", das erste( fettgebructe) Wort 20 Bfg., jedes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erite Wort 10 Big., jedes weitere Bort 6 Bfg. Worte über 16 Buchstaben gählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Rummer müssen Bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Preußische Reminiszenzen. Sonnabend, den 16. Januar 1909. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. und dem Ausbau von Wasserstraßen gemäß Gesez vom 1. April 1905" heißt es: „ Es ist deshalb auch Gorge bafür su tragen, daß die Unternehmer nicht in Fällen von Arbeitermangel durch Aufrufe landwirtschaftliche und sonstige Arbeiter zu ihren Bauten heranloden." Und hat nicht das Hauptbauamt in Potsdam seinerzeit ver fügt, daß bei dem Bau des Großschiffahrtsweges genommen werden dürfen, die in den letzten zwölf Berlin- Stettin deutsche Arbeiter nicht an. Monaten mindestens drei Monate in den Kreisen Teltow, Bauchs lichen Betriebe beschäftigt waren, dessen Siß nicht mindestens 25 Kilometer von der Linienführung der neuen Wasserstraße entfernt liegt? Einfältiges Gerede ist's, daß die deutschen Arbeiter diese Arbeiten meiden, weil sie einfach" und" gewöhnlich" sind. Wenn der Andrang deutscher Arbeiter zu ihnen nicht so groß ist, wie zu anderen Arbeiten, so nur, weil diese Arbeit höhere An= forderungen an die Körperkraft stellt, denen nicht jeder genügen fann, und und weil sie im Verhältnis au ihrer Schwere zu gering entlohnt wird. deutsche Arbeiter, der die Erd- und Kanalarbeiten als minderwertig einschätzt, besteht nur in der agrarischen Phantasie! einschätzt, besteht nur in der agrarischen Phantasie! sinde. Nicht weil ihnen die Arbeit zu gewöhnlich" und zu Genau so wie mit den Arbeitern verhält sich's mit dem Geschmierig", sind Schweinem ägde" am schwersten zu belommen, sondern weil diese Arbeit sehr schwer und gar zu bescheiden entlohnt wird! Aufmarsches desto gewisser zu sein, an die Kurzgewehre der Unteroffiziere bei der Fahne eine Art Astrolabium) schmieden, und was derartige Künsteleien mehr waren. Als York als Oberst sich bei einem Manöver ausgezeich Wenn der deutsche Philister bisher immer noch nicht net hatte, war er von General Rüche I belobt und York an das Vorhandensein einer mächtigen Kriegspartei in antwortete darauf:„ Die Gottheiten teilten dem Deutschland hat glauben wollen, fo werden ihm nunmehr die Genie des Cäsar die Kraft mit, durch zwei Worte Schuppen von den Augen gefallen sein. Diese Kriegspartei die Menschen glüdlich zu machen!" und Rüchel, der sich ist da; sie ist zwar nicht als solche organisiert, aber sie für ein Genie hielt, steckte diese Schmeichelei wohlgefällig ein. geht einmütig vor. Sie geht teils in Uniform, teils in Je höher diese Selbstüberschäßung, desto größer der Bibil, und beide Teile drängen gleichmäßig zum 203: Sturz von dieser Höhe herab, und desto größer die Panit, die schlagen. Man hat vermutet, das ganze Kriegsgefchrei in der schmachvollen Uebergabe der preußischen Festungen Belzig, Niederbarnim usw. usw. in einem landwirtschaft. jei nur ein Manöver, um den gegenwärtigen Reichskanzler durch die dort kommandierenden Junker den Ausdruck fand. zu stürzen und einen starken Mann" an dessen Stelle zu Die Lehren, die aus diesen Erscheinungen zu ziehen schieben. Diese Absicht mag vorhanden sein; sie wurde von wären, sind sehr einfach: Man soll den Paradedriff nicht als der Kriegspartei, falls wir deren oft dunkle Aeußerungen einen maßgebenden Faktor im Kriege betrachten, und man richtig verstanden haben, damit motiviert, daß bei einer foll nicht glauben, der Feind richte sich nach den Plänen, die weiteren Verzögerung des Losschlagens es dahin fommen man ausgehedt hat, um ihn zu besiegen. werde, daß die Armee die Fehler der Diplomatie nicht wieder Aber bezeichend ist es schon, wie immer wieder betont gutmachen könne. Aber darum besteht der Drang zum wird, ein englisches Landheer fäme nicht in Betracht. Rosschlagen doch und es entspricht ganz dem Naturell Wenn wirklich russische Armeen im Osten, franzöfifche des preußischen Junkertums, das durch alle Lehren Armeen im Westen und italienische Armeen im Süden gegen der Geschichte von seiner Selbst überschäzung nicht hat Deutschland vorrücken, dann ist es doch nicht gleichgültig, ob furiert werden können. Graf Schlieffen hat es ja noch die englische Flotte, die alsdann Deutschland im Norden ausdrücklich betont, daß eine Sinschleppung des Strieges bedroht, in Jütland 100 000 Mann ans Land setzt oder mehr als je vermieden werden müsse und daß die Aus- nicht. ficht auf Erringung entscheidender Siege so gut wie früher bestehe". Der frombe Reichsbote" rasselt dazu mit dem Säbel, als könne er gar nicht erwarten, bis die Massenschlächterei losgeht. Dazu hat man in den Kriegsbetrachtungen verschiedener Militärs schon lesen fönnen, beim Aufmarsch der Parteien würde die französische Armee in Frankreich festgehalten" werden und eine englische Landarmee käme bei dem bevorstehenden Kampfe gar nicht in Betracht". " So haben die Herren den Sieg schon sicher, und darum haben sie es auch so eilig mit dem Losschlagen. Da steigen die historischen Erinnerungen herauf, die uns zeigen, wie früher schon das Junkertum den Sieg so sicher hatte und wie es doch ganz anders kam. Weisen wir noch auf eine Charakteristik des genialen" Rüchel hin, wie sie in der„ Galerie preußischer Charaktere" enthalten ist. Es heißt dort: " Inwiefern der Krieg den Staate heilsam sei oder nicht. Inwiefern der Krieg den Staate heilsam sei oder nicht. darüber stellte er feine Untersuchung an. Ueberall betrachtete er die Welt mit den Augen eines Edelmanns, der außer der Ehre keinen Gegenstand des Interesses kennt, und um die Mittel, Ehre zu erwerben, sehr unbekümmert bleibt, vorausgesetzt, daß sie in seiner Bravour enthalten find." Man kennt die Edelleute auch von anderer Seite. Aber es ist gut, daß diese Brabour", die auch heute vorhanden, in etwas gedämpft wird, indem man in nicht allzugroßer Ferne das rote Gespenst" aufsteigen sieht. Agrarische Heuchelei. " Der Und nun gar erst die Damen" der größeren Höfe und Güter"! Schon die Bezeichnung Damen" im Gegensatz zu der Bäuerin" ist bezeichnend. Die" Damen" sollen im Notfall kurz will denn die„ Deutsche Tageszeitung" diesen Bären aufbinden? entschlossen die Arbeit der Schweinemagd übernehmen! Wem Die" Damen" kennen überhaupt keine gröbere landwirtschaftliche Arbeit. Von der Schweinezucht und Schweinemast haben sie keinen blassen Schimmer. Auch ist ihr Körper derartiger Arbeit gar nicht gewachsen; es fehlt ihnen ferner das schlichte, einfache Arbeitsgewand". Am allerwenigsten aber vermögen sie allem Gesinde ein schönes, aber sie tief beschämendes Beispiel treuer Pflichterfüllung und der Wertschäzung einfacher Arbeit zu geben". Um. gekehrt wird ein Schuh daraus! Die Wertschätzung einfacher, niedriger Arbeit" seitens der Agrarier ist eitel Geflunker. Wer die Arbeit, gleichviel welcher Art fie ist, schäßt und ehrt, der ehrt und schäßt auch den, der fie verrichtet: den Arbeiter. Davon aber fann in junterPflicht- lich- agrarischen Kreisen heute weniger denn je die Rede sein. In der Migachtung der Arbeit und der Arbeiter stehen die Agrarier den Schlotbaronen in nichts nach. Die Deutsche Tageszeitung" fingt unterm Strich- das hohe Lied von dem hehren Beispiel treuer erfüllung und der Wertschäzung einfacherer, niederer Arbeit, das der deutsche Bauer und seine Bäuerin" und die Damen größerer In der Geschäftsordnungskommission des Reichs 1792, als sie gegen die französische Republik auszogen, tvaren sie ihrer Sache ebenso sicher. Sie sprachen vom militärischen Spaziergang nach Paris" und die Mamelucken Napoleons III. tamen 1870 nur mit einer Retourtutsche daher, als sie vom Spaziergang nach Berlin" radotierten. Ein preußischer General meinte 1792, die„ Armee der Advokaten" werde bald besiegt sein und er habe drei Rapaunen bei sich; den ersten werde er in Landau, den zweiten Höfe und Güter" dem deutschen Volke geben. Die Geringschäßung der Arbeit ist in den Kreisen des Besizes in Metz, den dritten in Paris verzehren. Eine adelige Nichts hat der Arbeiterbewegung unserer Tage näher ge- überaus weit verbreitet. Das deutsche Bauernwesen" wird daran Offiziersdame zu Magdeburg bat, man möge ihr doch einen tegen, so heulmeiert das Blatt, als„ die einfache Arbeit zu adeln" nichts ändern; sie wird erst schwinden, wenn alle Menschen geFinger von Pétion- dem girondistischen Maire von und damit ihre vornehmste Aufgabe" zu lösen; sie hat es nicht verzwungen sein werden, von ihrer Hände Arbeit zu leben, wenn jede Baris mitbringen. Man war so sicher, daß man in dem berüchtigten Manifest mocht, und wird es auch in absehbarer Zeit nicht vermögen. Bu Arbeit ihren Man nernährt und es als eine Schmach gilt, von der nehmende Bildung und soziale Besserstellung haben, dem Himmel Arbeit anderer zu leben! des Herzogs von Braunschweig den Franzosen„ exemplarische, sei's geklagt, dahin geführt, daß" deutsche Arbeiter für einfache, ewig denkwürdige Strafen" androhte. Aber der kriegerische gewöhnliche Arbeiten, wie Erb- und Kanalarbeiten, überhaupt nicht Genius" des junkerlichen Breußen kam mit hängenden Flügeln mehr au haben find", ſelbſt in einer an Arbeitsgelegenheit to Um das Antragsrecht der finderheit. so zurück; die Armee der Advokaten" blieb siegreich; von den armen Beit als der gegenwärtigen. Der deutsche Arbeiter meidet drei Kapaunen hörte man nichts mehr und die Magdeburger sogar den Umgang von Kanal und Erdarbeitern, die er wegen tags wurde gestern bie Debatte über die Anträge auf Abänderung Dame hat den Finger von Pétion nicht erhalten. ihrer Berufstätigkeit als minderwertig einschäßt". Auch in den 1806 war die Selbstüberschäßung noch größer, trog der breiten Schichten des Bürgertums wird die„ einfache, praktische der Geschäftsordnung begonnen. Zunächst entspann sich eine Aus1792 gemachten Erfahrungen. Damals sollte auch die Armee Arbeit, besonders wenn sie schmutzig ist", und deshalb im schlichten einandersetzung darüber, in welcher Reihenfolge die ver die Fehler der Diplomatie wieder gutmachen. Die preußische Arbeitstittel verrichtet werden muß, gering und minderwertig schiebenen Materien behandelt werden sollen. Der konservative AbKriegspartei fonnte es gar nicht erwarten, bis ihr Gelegen eingeschätzt". Einzig der deutsche Bauer und seine Bäuerin" geordnete Rreth meinte, es sei zweckmäßig, zunächst die unwesent heit gegeben wurde, diesen Höllensohn" Napoleon mit genieren fich feiner Arbeit und sei sie noch so" schmutzig"( 1) licheren Bestimmungen wie den freifinnigen Antrag wegen der „ dem Schwerte Friedrichs des Großen" in die Pfanne zu und nach Ansicht vieler Leute gemein. Keine Arbeit gibt's auf Dringlichkeitsanträge zu erledigen und sich erst zulegt an hauen. Die Königin Louise als Amazone und der Prinz dem Hofe, die der Bauer nicht gern und willig ausführt. Und die Hauptsache, die Bestimmungen über das Interpellationsrecht zu machen. Genosse Ledebour schlug dagegen vor, Louis Ferdinand als miles gloriosus fuchten den nun gar erst die Bäuerin, die Gutsbesikersfrau! Die Bäuerin friegerischen Geist" des Volkes zu entflammen. Ein General- unterzieht sich fast immer der Arbeit im Schweinestall, die den mit der Hauptsache zu beginnen und die Anträge in dieser Reihenstäbler meinte, solche Feldherren wie Herrn Bonaparte Dienstmädchen zu gewöhnlich und schmierig" ist. Nüden den Be- folge vorzunehmen: 1. das Interpellationsrecht; 2. die gebe es in der preußischen Armee mehrere! Was für sikern großer Höfe und Güter nächtlicherweile die verhekten Bestimmungen über die Festsetzung von Tagen zu Anfragen an Leute damals an der Spike der preußischen Armee standen, fremden Arbeitskräfte aus, wozu sie in der Regel recht triftige bie Regierung; 3. die Dringlichkeitsanträge; 4. den Antrag auf beweist die Aeußerung eines Generals, der vor der Schlacht Gründe haben, dann kommt es wohl vor, daß die Damen der Be- Abänderung des§ 48, durch den die Eröffnung der Debatte über von Jena bei Goethe in Quartier gelegen:" Habe den fizer kurz entschlossen die Arbeit der Schweinemagd übernehmen Erklärungen der Regierungsvertreter außerhalb der Tagesordnung Kerl auf den Zahn gefühlt; scheint mir Muden im und damit allem(!) Gefinde ein schönes, aber fie tief be. bedingt werden soll. Kopfe zu haben!" Man vergleiche damit die rückhalt- schämendes( 1) Beispiel treuer Pflichterfüllung und der Wert lose Anerkennung von Goethes Bedeutung durch Napoleon schäzung einfacher Arbeit geben". in Erfurt. Aber sie hatten ja ihr herrliches Kriegsheer, musterhaft gedrillt wie einstens die" Potsdamer Wachtparade", die dem militärischen Europa einst so sehr imponierte! In neuerer Zeit haben militärische Schriftsteller behauptet, Preußens Niederlage bei Jena sei herbeigeführt worden durch den„ groben Materialismus" jener Zeit. Eine faule Ausrede! Der„ militärische Geist" hatte damals doch den Höhepunkt der Drillkunst erflommen. Der befannte ..nationalgefinnte" Historifer Droysen schreibt darüber in feiner Biographie des Feldmarschalls York: Einen solchen Hymnus auf die agrarische Hochschäßung niedriger Arbeit und treuer Pflichterfüllung fann nur anstimmen, wer dem praktischen Leben meilenfern steht, von den Ursachen sozialer Gr. fcheinungen keine blaffe Ahnung hat. Es ist doch einfach nicht wahr, daß deutsche Arbeiter für Kanal. und Erdarbeiten überhaupt nicht zu haben sind. Tausend und Abertausend üben diese Berufstätigkeit aus. Wahrheit dagegen ist, daß die deutschen Arbeiter von diesen Arbeiten gefliffentlich fern. gehalten werden. Beweis: der preußische Minister Breiten. bach hat am 19. April 1907 im Abgeordnetenhause rund heraus erklärt: „ Es find Vereinbarungen mit dem landwirt. schaftlichen und dem Handelsreffort getroffen, um bei dem Bau der Kanäle den Abzug landwirt schaftlicher und gewerblicher Arbeiter zu ber. hindern." " Ohne alle Frage befand sich die Armee in einem Zustand taktischer Vollkommenheit, der selbst die Dressur des alten Dessauers überbot; wahrscheinlich ist nie forretter marschiert, peinlicher die Gleichheit der 3öpfe und der Fußspitzen beobachtet worden, Die Unternehmer bei den Kanalbauten mußten dem als in den tonangebenden Regimentern von Berlin und Potsdam. Man machte, wie es ausgedrückt wurde, die entsprechende Verpflichtungen eingehen. In den„ Grundfäßen für Bataillone zu Linealen, die auf dem Terrain hin das Verfahren bei der Annahme von Arbeitern bei der Herstellung und her geschoben wurden; einige Generalinspekteure, wie Massenbach wenigstens erzählt, ließen, um des senkrechten!*) Astronomisches Meßinstrument. Nachdem sich noch einige andere Redner in diesem Sinne ause gesprochen, wurde diese Reihenfolge gegen die Stimmen der drei konservativen Fraktionen angenommen. In der Reihenfolge der Antragsteller begründete zunächst Bedebour den sozialdemokratischen Antrag mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit, die Erörterung der Interpellationen unter allen Umständen gegenüber der Regierung zu sichern und ebenso das Recht auf Stellung von Anträgen bei Interpellationen ebenso vie bei anderen Anlässen für den Reichstag zu ertvirken. Er schlage deshalb vor, den sozialdemokratischen Antrag zur Grundlage der Verhandlungen zu machen, da der freifinnige wie der national liberale Antrag das Recht auf Stellung von Anträgen durch die Minorität von der Gnade der Majorität abhängig machen wolle und selbst das Recht der Minorität auf Erzwingung der Besprechung einer Interpellation wesentlich einschränke. Das widerstrebe aber dem Wesen des Parlamentarismus überhaupt. Die Abgg. Lind für die nationalliberale Partei und MiIIe s. Meiningen für die freifinnige Partei suchten in ihren Ausführungen die Beschränkung des Minderheitsrechtes zu verteidigen. Herr Müller meinte, bei der Situation im Reichstage werde sich mehr nicht erreichen laffen und deshalb müsse man von vornherein auf cin Kompromiß Bedacht nehmen. Dieser politische Stratege legte sich also von vornherein auf Rompromisse" fest, che noch die Gegen eite ein Angebot gemacht hat. Das ist eine ganz neue Auffassung IDIga Desmond ausgelöst. Durch ein Schreiben ihres Rechts-| Truppe wieder zugeführt. Darauf erfolgte Anklage wegen Wacht. des Begriffs Kompromiß. anwalts erfucht sie den wilden Eiferer gegen die göttliche Institution vergehens, tätlichen Angriffs, Selbstbefreiung, mißbräuchlichen GeAuch die Zentrumspartei fann sich zu einer unbedingten Ver- der Nacktheit um Zurücknahme seiner öffentlichen Beleidigungen oder brauches der Waffen, unerlaubter Entfernung von der Truppe tretung des Rechts der Minderheit nicht aufraffen. Sie afzeptiert, um deren Wiederholung außerhalb des Parlaments. Die usw., die Donnerstag zur Verhandlung kam. Mit ihm war Stephan wie ihr Vertreter, der Abg. Dr. 8 ehnter darlegte, im Brinzip Sentrumspresie höhnt über die empfindliche Dame, die das Frauen angetlagt, weil er dem G. dadurch die Flucht erleichtert haben den nationalliberalen Antrag. Sie will aber noch neben den Inter- zimmer" nicht auf sich figen lassen will. Die im Zeichen der Leg follte, daß er ihm statt des Gesichts den Rüden zugekehrt hatte. pellationen an den Bundesrat noch Interpellationen an den Reichs- Heinze wie in dem des Brotwuchers mit dem Zentrum seelen- Als Motiv feiner späteren Flucht gibt G. die Angst vor Strafe tanzler einführen, auf die dann nach dem Muster des sozialdemo- verwandte Deutsche Tageszeitung" dagegen meint, der an. Wie festgestellt wurde, hat G. den Schuß nicht im Anschlage, fratischen Antrages die Bestimmung Anwendung finden soll, daß die Ausdruck Frauenzimmer" fei doch gar keine Beleidigung, sondern sondern in Hüfthöhe des Gewehres abgegeben. Als Strafe erhielt Geride ein Jahr, 6 Monate und 2 Wochen, Interpellation binnen 3 Tagen auf die Tagesordnung gefegt werden nur ein, alter, guter deutscher Ausdruck". muß, während die liberalen Anträge für alle Interpellationen Stephan 43 Tage Gefängnis. Beantwortungsfristen von 4 Wochen resp. 2 Wochen festsetzen. Der freitonfervative Herr v. Dirksen war leider mit dem Teil der liberalen Anträge, der sich auf die Ansetzung der Befprechung der Interpellationen bezieht, einverstandeu, aber gegen die Stellung von Anträgen bei folchen Gelegenheiten hatte er schwere Bedenken. Er berief fich dabei auf einen Ausspruch Bismarcks, der Interpellationen überhaupt als Afte der Feindseligkeit gegenüber der Regierung betrachtet haben soll, af will sway Der antisemitische Abg. Graf will gwar das Recht auf Anträge dem Reichstag wahren, will aber nach den liberalen Vorschlägen der Majorität die Befugnis zusprechen, über die Zulassung von Anträgen zu entscheiben. Nach seiner Auffassung entspricht eine folche Befugnis der Mehrheit gerade dem Wesen des Parlamentarismus. " " Herr Roeren selbst hat den Ausdrud ja wohl nicht als Schmeichelei aufgefaßt. Wir felbst nehmen ihm die Derbheit der Diebstähle in der Erfurter Gewehrfabrik Rede deshalb nicht allzufehr übel, da er ja seinerzeit den neuen Staatssekretär für das Reichstolonialamt despektierlich als Börsen- famen am Mittwoch vor dem Kriegsgericht der 88. Division in jobber apostrophierte. Dies Recht der Grobheit hat indes nur Erfurt zur Aburteilung. Angeklagt waren der Depotsergeant feine Berechtigung einflußreichen und wehrhaften Ber- Sadwig und der Depotfeldwebel Lüdide, in den Jahren 1907 fonen gegenüber. Da wird die Großheit eventuell zur Tugend. und 1908 Gewehrläufe und andere Gewehrteile aus der Eine Harmlofe Variétéfünftlerin hingegen hätte Herr Roeren lieber föniglichen Gewehrfabril entwendet und durch Vermittelung Erfurter nicht persönlich beleidigen sollen. Das bringt feine Ehren, das ist Unterhändler nach Suhl und Bella- St. Blasii i. Th. verkauft zu haben. a Ilgu wohlfeil und unanständig! Sadivis gibt an, von dem fpäter noch abzuurteilenden Depotfeldwebel Fridert zu diesem„ Nebenverdienst" verleitet worden zu sein. Er soll die zu etwa 10 kompletten Gewehren erforderlichen Teile beiseite geschafft und dafür einige hundert Mark bekommen haben. Die Geldsendungen gingen ebenfalls an die Erfurter Mittelsperson, einen Kaufmann, unter der Bezeichnung:" Für Kolonialwaren" oder:" Für Fleisch- und Wurstwaren". Der Angeflagte, Depotfeldwebel Lüdide, hat Sadwig unterstützt und ist deshalb vegen Hehlerei und Unterschlagung angeklagt. Er hat für über 400 W. Gewehrteile verkauft. Auf der anderen Seite hätte es Fräulein Desmond bei einer öffentlichen Charakterisierung dieser Unfeinheit bewenden laffen sollen. Was will sie sich denn vor Gericht bescheinigen lassen? Ihre anatomische Unschuld"? Solch eifriges Bemühen würde doch nur den abgeschmackten Moralanschauungen der Leg Heinzeriche des Zentrums Waffer auf die Mühle liefern. Die famoje„ Nactfultur" wird immer ridikuler, je mehr sie fich in den zerschliffenen Zugendmantel der kapitalistischen Moral" einzutvideln fucht! Arbeitslosen- und Geistlichen- Fürsorge. Da Zweifel entstanden waren, ob der Ausdruck„ Zuläffigkeit" in den liberalen Anträgen nicht richtiger durch, Zulassung" zu erfegen sei, gab der Abg. Jund die überraschende Erklärung ab, feine Partei habe, als sie von der Entscheidung über die Zulässigkeit" von Anträgen sprach, damit im Auge gehabt, daß nicht gegen die ZuDas Kriegsgericht verurteilte den Angeklagten Sadtvig zu Laffung" einzelner Anträge Widerspruch erhoben werden und dann burch zwei Jahren Gefängnis, den Angeflagten Lübide zu nenn Mehrheitsbeschluß darüber entschieben werden solle. Ihre Absicht ginge vielmehr dahin, daß die Mehrheit das Recht haben solle, an Ms unsere braunschweigische Stadtverordnetenfraktion Notstands Monaten Gefängnis; außerdem wird gegen beide anj läglich einer Interpellation überhaupt die Zulässigkeit" von Ein- arbeiten für die zahlreichen Arbeitslofen forderte, antwortete ihnen Degradation und Verfegung in die zweite Slaffe des Soldatenträgen ganz allgemein zu verbieten. Das fegt denn allerdings der der Oberbürgermeister, daß die Arbeitslosigkeit zwar bedauerlich, standes erkannt. Die in derselben Sache unter Anflage gestellten Zivilpersonen liberalen Achtung vor den Rechten der Minderheit die Krone auf. aber nicht zu ändern sei, man fönne daher außerordentliche AusDer Jundsche Grundfag lautet in anderen Worten: Jch fenne die gaben für die Arbeitslosen- zu Lasten der städtischen Mittelwerden sich in Kürze vor der Straffammer in Erfurt zu ber antworten haben. Anträge der Minderheit zwar nicht, aber ich verbiete ihre Ein- auch nicht machen. bringung! Derselbe Oberbürgermeister vertritt jezt eine Vorlage, in der Eine verhunzte Reform. Sebebour polentisierte gegen die Argumente der Vorreduer, die Mietsentschädigungen file fünf Stadtgeistliche von 1200 auf Die württembergische 2. Kammer richtet die Volksschuldie die Minderheit bezüglich des Rechtes auf Einbringung von An- 1500. erhöht werden sollen. In Braunschweig sind sehr große trägen unter die Vormundschaft der Mehrheit stellen wollen. Die und schöne Wohnungen zum Preise von 600-800 m. in aus- reform schön her. Daß die bürgerliche Pinte es ist, fiaatsrechtliche Theorie des Herrn Graf, daß das Wesen des reichender Bahl zu haben. Die Geistlichen, die ein Gehalt von die im Bunde mit den ärgften Reaktionären jeden entschiedenen Barlamentarismus gerade in einer solchen Vormundschaft beftebe, 4100-6500 m. beziehen, erhalten fonach in der Form der Miets- Fortschritt vereitelt, das kommt leider in den Debatten wenig führe in fonfequenter Durchführung dazu, daß die Einbringung entschädigung noch eine Extrazulage von ganz erheblichem Umfange. zum Ausdrud. Unser Parteiorgan, die Schwäb. Lagaller Anträge von der Genehmigung durch die Mehrheit abhängig Den anderen Stadtgeistlichen hat man gar eigene Wohnhäuser to a cht", hat sich endlich der dankenswerten Aufgabe untergemacht werden müßte. Das Recht der Mehrheit sei vielmehr hin erbaut, die fich für eine Familie auf mindestens 40-50 000 m. 30gen, einmal eine Zusammenstellung der von den Liberalen und Demokraten niedergestimmten fozialdemokratischen Anlänglich dadurch gewahrt, daß sie die Anträge fchließlich anstellen. träge zur Bolfsschulreform zu machen. Wir lesen da; Die volksparteiliche Landtagsfraktion( ein paar Diffidenten ausgenommen) stimmte: • nehmen oder ablehnen fönne. Die Minderheit, die Dppofition, Diefe liebevolle Fürsorge für die Geistlichen steht in shroffftem milffe aber das Recht haben, die Mehrheit vor eine solche Ent- Gegensatz zu der Haltung gegenüber den Arbeitslosen. Begreiflich scheidung zu stellen. Die ganze parlamentarisaje Verhandlung in Rede ist sie freilich vom Standpunkt der bürgerlichen Staats- und Geund Gegenrede beruhe doch auf dem Grundgedanken, daß die eine sellschaftsauffassung. Die Arbeitslosen gefährden schon durch ihre Seite die andere, die Minderheit die Mehrheit durch Gründe von der Richtigkeit ihrer Forderungen zu überzeugen suchen muß. Diesem Grundgedanken des Parlamentarismus widerspricht die geplante Bevormundung bei der Stellung von Anträgen. Dann wurde die Debatte einemt fonservativen Antrage gemäß mit einer Stimme Mehrheit auf eine volle Woche, bis Freitag, den 22. Jamar vertagt. Politifche Ueberficht. Berlin, den 15. Januar 1909. Arbeitskammern. Aus dem Reichstag, 15. Januar. Bielfach geflicht und frisch aufgebügelt ist der Gesetzentwurf über Arbeitsfammern jetzt dem Hause zum zweiten Male vorgelegt und Heute der ersten Lesung unterzogen worden. Er bezweckt die Einrichtung paritätischer, also aus Unternehmern und Ar# bloße Eristeng die heilige bürgerliche Gesellschaftsordnung; die Geistlichen stigen dagegen durch ihre Entfagungspredigten und ihre frommen Bertröftungen auf das Jenseits diese Ordnung- folglich gebührt ihnen auch die zarteste Berücksichtigung ihrer irdisch- materiellen Interessen. Ein deutscher Dampfer beschoffen. Die Agence Havas verbreitet aus Konakry( Franz.- Guinea) folgende Meldung: Das liberianisaje Zolllanonenboot Art hat bor Glocester einen deutschen, Woermann Binie zur gehörigen Dampfer befchoffen. Das Stationsschiff in Kamerun ift nach Liberia abgegangen. Von deutscher Seite liegt über den Vorfall teine Nachricht vor. Bourgeoispolitik. 1. Gegen den sozialdemokratischen Antrag auf Gntfernung des Religionsunterrichta aus ben Lehrplan der Volksschule, 2. Gegen ben sozialdemokratischen Antrag, dem Religionsunterricht die sentrale Stellung im Lehrplan zu nehmen, 3. Gegen den sozialdemokratischen Antrag, die Raumlehre als selbständiges Fach dem Lehrplan einzufügen, 4. Gegen den sozialdemokratischen Antrag auf Einführung der Bürgerkunde in den Lehrplan, 5. Gegen den sozialdemokratischen Antrag auf obligatorische Lernmittelfreiheit, 6. Gegen den sozialdemokratischen Antrag auf völlige Aufhebung des Schulgeldes, also gegen die eigene Programmforderung, 7. Gegen den bom boltsparteilichen Abgeordneten Beb zurüdgezogenen, von der Sozialdemokratie dem Sinne nad wieder aufgenommenen Antrag:" Bum Besuch des Religionsunterrichtes können die Kinder gegen den Willen der Eltern oder sonstiger Erziehungspflichtiger nicht angehalten werden." Die Volkspartei wird auch stimmen 8. gegen den sozialdemokratischen Antrag betr. die Magimalschülerzahlber Volksschulklassen. In der Bremer Bürgerschaft wurde ein Antrag der fozialdemokratischen Fraktion, auf Roften des Staates fleine Wohnungen zu bauen und ohne jeben Gewinn an Arbeiter und Interbeamte zu vermieten, abgelehnt, ebenso ein Antrag, in die Die Prophezeiung unseres Stuttgarter Bruderblattes, Submissionsverträge die Bohntlaufel aufzunehmen, die eine anständige daß die Volkspartei auch gegen den sozialdemokratischen AnBezahlung für die bei den Submissionsarbeiten beschäftigten Artrag betr. Höchst zahl der Volksschulklasse( 40) beiter fordert. Aus dem Kafernenleben. beitern gleichmäßig gleichmäßig zusammengefester Arbeitskammern. Gegen den früheren Entwurf ist es ein Fortschritt, daß das direkte Wahlsystent an Stelle des indirekten gesezt und die Verbindung der Arbeitskammern mit den Berufsgenoffen schaften beseitigt ist. Auch sind die Handwerksbetriebe mitberücksichtigt worden. Troydem ist der Entwurf auch so stimmen werde, hat sich mittlerweile erfüllt. Der Antrag wesentlich dem Interesse der Unternehmer auf den Leib fand nur die Stimmen unserer Genossen. Die Volkspartei zugeschnitten worden. Das fonnte auch Herr v. Bethhatte ihren Kommissionsantrag( Höchstzahl 50), im Plenum mann Hollweg nicht völlig verschleiern, trotzdem er Die Soldatenschindereien nehmen trok aller Berficherungen gar nicht mehr gestellt; sie trat gleich für den nationalliberalen sich sichtliche Mühe gab, durch Ausgießing ergiebiger Lob- der Regierung kein Ende. Heute wird ein Fall aus Düsseldorf Antrag( Höchstzahl 60) ein. Auch dieser von der Kommission reden über die Gewerkschaften die utopische Idee von der vom 14. d. M. gemeldet. Vor dem Kriegsgericht hatte sich der afzeptierte Antrag wäre auf ein Haar gefallen; während ZenHarmonie der Interessen zwischen Arbeitern und Unter- Sergeant Friedrichy Vorhoff vom 159. Inf.- Reg. in Mülheim a. M. trunt und Bauernbund vollzählig zur Stelle waren, von der nehmern, die er zu fördern gedenkt durch die Arbeitskammern, wegen fortgefester Mißhandlung zu verantworten. Bei Schieß- sozialdemokratischen Fraktion nur ein Genosse durch unaufden Arbeitern möglichst schmackhaft zu machen. Das volle übungen mußte die Mannschaft länger als notwendig in liegender schiebbare Geschäfte abgehalten, fehlte, waren von den Unternehmerherz unter der Ministerweste brachte doch den Stellung verharren, wobei Vorhoff die Leute mit seinen schweren Liberalen und Boltsparteilern nicht weniger wie zehn Mund zum Ueberlaufen, als über die Bethmannschen Lippen Stiefeln auf die Hände trat, daß die Haut herunterhing. Fuß- Mann abwesend! Mit 41 gegen 40 Stimmen gelangte der der Sehnsuchtsschrei nach mehr Großindustriellen im Reichs- tritte in den Hintern, in die Kniekehle usw. waren nicht selten. Sommissionsantrag zur Annahme. tag!" quoll. Vorhoff zog die Leute an den Haaren, Bart und an der Nase, daß Unser Bruderblatt wird wohl das Richtige treffen, wei Serr v. Sehl zu Sernsheim unterstützte diesen diefe blutete. Er erklärte in der Verhandlung, cr habe die Leute es fchreibt, daß gegen diefe 3ufammenarbeit Wunsch durch einen begeisterten Zustimmungsruf und sprach nur militärisch heranbilden" wollen. Drei Monate Gefängnis der Linken" bereits die schwersten Bedenken nachher die Anerkennung der Großindustrie für die Beth- leutete das Urteil. Auf Degradation wurde nicht erkannt im Streife der Parteigenoffen laut werden! mannschen Pläne aus. Auch die übrigen bürgerlichen Parteien Aber die Militärgerichte tönnen auch anders. Aus Magdeburg fargten nicht mit ihrem Beifall. Nur das Zentrum, für das Herr Trimborn sprach, legte sich die gewohnte Reserve im Urteil bis zur dritten Rejung auf. wird gemeldet: Eine Notstandsdebatte Das Kriegsgericht verurteilte den Kanonier Wittfolvsky bom spielte sich am Donnerstagabend in den bürgerlichen Stollegien Fuß- Art.- Reg. Nr. 4 wegen tätlichen Angriffs auf einen Borge Stuttgarts ab. Als unsere Genoffen im Herbst des vergangenen Genosse 2egien führte aus, daß die Befürwvorier des fekten, Beleidigung usw. zu 3 Jahren Gefängnis.: Jahres die Angelegenheit zur Sprache brachten, progte die StadtGesetzentwurfs bei ihren Bestrebungen von dem Grundirrtum soll auf dem Heimwege in einer wenig beleuchteten Straße einen verwaltung damit, daß Arbeiten, wohlverstanden reguläre, im Etat vorausgingen, es laffe sich eine Harmonie der Interessen zwischen Unteroffizier angestoßen und ihm Schimpfworte zugerufen haben. gesehene Arbeiten im Gesamtbetrage von 800 000 M. vorhanden feien. Arbeitern und Unternehmern durch solche Einrichtungen her- Nach der Aussage des Unteroffiziers habe dann der Angeklagte un stellt sich heraus, daß ganze 120 Mann beschäftigt werden beiführen. Dem widerstreite der ewige Stampf zwischen den das Seitengewehr gezogen und einige Schläge nach seinem Stopf für einen Rotstandslohn" von 2,50 M., fage und fahretbe a wei beiden Gruppen von Produktionsinteressenten um den Ertrag geführt. Der Angeflagte behauptet dagegen versehentlich den we art fünfzig Pfennig pro Tag! Unsere Genoffen forderten, des Produktionsprozesses. Stun sei es außerordentlich charat Unteroffizier angestoßen, sich aber entschuldigt zu haben. Es sei daß der Minimallohn auf 39. festgesetzt werde. Dieser Antrag teristisch, daß trok der vorgeblichen Harmoniebestrebungen des dann zu einer kleinen Rauferei gekommen, weil der Unteroffizier erfuhr den heftigsten Widerstand feitens der Stadtverwaltung Herrn v. Bethmann- Hollweg der Gesezentwurf die Beamten sein Seitengewehr haben wollte. Das Gericht glaubte natürlich und sämtlicher bürgerlichen Parteien! Man dürfe nur das der Arbeiterorganisationen ausschalten wolle aus der Ver- bem als einzigen Zeugen aufgetretenen Unteroffizier und erkannte Notwendigste gewähren, weil sonst der Andrang zu start werde. tretung in den Arbeitskammern, während die Unternehmer- auf die angegebene, ungeheure Strafe. Der Anklagebertreter hatte auch triebe man den Lohn der bei Privatunterorganisationen wie Landwirtschaftskammern und Hand- nicht weniger als 5 Jahre 6 Monate Gefängnis beantragt, nehmern beschäftigten Arbeiter in die Höhe, werferkammern geradezu ermutigt würden zur Eingliederung obgleich die Verhandlung festgestellt hatte, daß der Unteroffizier wurde gefagt! Unsere Genoffen gingen diefen Gründen" energifd) besoldeter Organisationsbeamten. Berivunderlich sei es ja nicht einmal getroffen, gefchweige denn verlegt worden ist. au Leibe. Es half aber alles nichts. Nur ein oder zwei bürgerweiter nicht, daß die Regierungsvertreter als Glieder der Noch eine andere, unverhältnismäßig harte Strafe fällte das- fiche Vertreter schwangen sich dazu auf, den Antrag unserer Genossen Herrschenden Klassen ganz selbstverständlich ihr Klassenintereffe felbe Magdeburger Kriegsgericht über den Musketier Geride vomt zu unterstützen. Die Herren ,, Demokraten" stimmten mit Konservativen zur Geltung brächten, troß allen Aufpuges mit sentimentalen 26. Juf.- Reg. Der Mann hatte auf furze Zeit seinen Posten ver- und Nationalliberalen gegen den 3 Mart- Lohn! Just zu 2,70 M. Redensarten. Bisher hätten die Regierung und die bürger- laffen er hatte an den Schießständen auf Posten zu stehen- Minimallohn pro Tag und Einführung von Affordarbeit reichte es lichen Parteien dem Ausbau der Arbeiterorganisationen noch um, wie er angibt, ein Bedürfnis zu verrichten, und sei dann ein noch. Auch Kaffee und Suppe für insgesamt 15 Pfennig sollen die stets schroffen Widerstand geleistet, wie noch jüngst beim geschlafen. Bei der Revision durch den Rondeoffizier habe er sich Arbeiter erhalten. Dafür müssen sich aber Rentenempfänger den Vereinsgesetz. So, wie der Gefeßentwurf befchaffen sei, nicht gemeldet. Dieser hatte dann den Musketier Stephan auf Abzug des Rentenbetrages, der über 80 Pfennig hinausgeht, gemüssen wir ihm ablehnend gegenüberstehen. Boften gelaffen mit dem Befehl, den Geride au arretieren und fallen laffen. Morgen: Fortsetzung der Beratung. Moralischer Wetteifer. Herr Roeren hatte in seiner Moralpaule gegen die, Nadilift and Nadtkultur" die Nadttängerin Desmond wiederholt rauen aimmer" tituliert. Dieser Ausfluß der fittlichen Entrüftung des Herrn Roeren bat mm auch die sittliche Entrüftung des Fräulein das Gewehr abzunehmen. Stephan war erst kurze Zeit allein, als G. erschien und in der vorgeschriebenen Weise festgenommen Kein Bergarbeiterschutz. wurde. Gleich darauf versehte Geride dem neuen Posten einen Wie nach den Reden des preußischen Handelsministers bei der Stoß ins Genid, entriß ihm das scharf geladene Gewehr und Verhandlung der Rad bodinterpellation vorauszusehen, entfloh. Ms Stephan den Flüchtling verfolgte, gab diefer einen soll die angekündigte Berggefeßnovelle feinen wirklichen BergSchuß auf ihn ab, jedoch ohne ihn zu treffen und verschwand. arbeiterschutz bringen, keine Arbeiterkontrolleure, Nach drei Tagen wurde der Angeklagte durch seinen Vater der die den Namen wirklich verdienen! Ueber die„ gene rcüen Grundzüge" der Novelle wurde nZmlich gemeldete Auf jeder Zeche sollen sechs bis zwölf Kontrolleure angestellt sein. Diese dürfen jederzeit in Begleitung eines Zcchenbcamten die Grube befahren. Auf ihr Verlangen inufc im Falle einer Göfahr der Revicrbcamte benachrichtigt werden. Die Arbeiter- i'ontrolleurc bleiben im Ardcitcrvcrhältnis und werden von der Zech« bezahlt. Mit dieser letzteren Bestimmung ist, wie wir hier kürzlich dargelegt haben, dafür gesorgt, dag die Arbeiterkontrolleurc nichts Wesentliches ausrichten können. Tie Zechcnbcsitzer find danach in der Lage, sich jedes Arbeiterkontrolleurs, der ihnen durch energische Kontrolle unbequem wird, im Handumdrehen durch Entlassen aus dem Arbeitsverhältnis zu entledige nl Unternehmerstandpunkt. Bei den letzten Münchener Gemeiudcwahlen wurde als Iioeraler Gemcindebevollmächtigtcr ein Ingenieur Äenne gewäblt. • Ter Herr steht im Diensie der Maschinensabril München. Jetzt hat er plötzlich seine Kündigung erhalten, weil er einer Sitzung d-s� Gemeindekollegiums, noch dazu einer sehr wichtigen, ohne besondere Erlaubnis seines Direktors angewohnt hat. Diese Sünde soll zu allem Ucbcrslutz ohne Verschulden Henncs begangen worden sein; seine wiederholten Versuche, den Direktor zu sprechen, blieben erfolglos: er lieg sich durch einen Kollegen entschuldigen. Geradezu trostlos ist die Haltung der liberalen Preste Mün- chcntz zu diesem Akt des brutalsten UntcrnehmertcrrorismuS. Die „Münchener Neuesten Nachrichten" nehmen unter demütigen Bitten an,„dag es sich bei der Kündigung des Gemeinde bevollmächtigten Ingenieurs Henne tvohl noch nicht um einen endgültigen 'Beschluß der Direktion der Maschinenfabrik München handeln kann,.. zumal da Herr Henne der liberalen Fraktion an- gehört, gerade auch die Interessen dieser Fabrik und ihrer Teil- Haber in sehr vielen Fällen zu vertreten berufen ist." Der Liberalismus erlaubt sich also angesichts dieses Falles brutalen Untcrnehmertcrrorismus submisscst daran zu erinnern, daß er doch für den Kapitalismus ein Mnz brauchbares Werk- zeug ist._ Militärischer Terrorismus. Aus Halle a. S. berichtet man uns unterm lt. Januar: Das biesige Kriegsgericht hat wiederholt sogenannte alte Männer ab- zunrteilen gehabt, die Rekruten im Füsilierregiinent Nr. 36 nachts mit den Klopfpeitschen int Bette überfielen und grausam quälten. Für mehrere Kompagnien des Bataillons in Mersebcrg besteht der„segensreiche" Befehl. daß die Füsiliere dieLatrine mit Litewka und Mütze be- kleidet besuchen sollen. Da es nun abends häufig vorgekommen ist. daß Rekruten„im Drange der Geschäfte" ohne Kopf- bedcckung nach der Latrine gelaufen sind, haben die Männer älteren Jahrganges dem Befehl, dessen Befolgung im Ernstfalle nutzbringend sein dürfte, in folgender Weise Geltung zu verschaffen gesucht. Sie löschten die Lampen aus, stellten sich an der Latrine mit Klopfpeitschen bewaffnet auf und schlugen auf die Rekruten, die nicht der Würde des Befehls entsprechend die Latrine besuchten, blindlings los. Zur heutigen Verhandlung, in der drei alte Füsiliere angeklagt waren, erschienen l6 Zeugen— ein Rekrut war sahnen- -flüchtig geworden. Der Ankläger redete von dem Terrorismus der alten Leute und beantragte gegen die Angeklagten Gefängnis- st r a f e n von z w e i bis drei Monaten. Das Gericht machte es billiger und verurteilte die Terroristen von 1t b i S a u f S Tagen herab._ Notstandsarbeiten. Monatelang sträubte sich der Danziger Magistrat, die besonders uiniaiigreichs Arbeitslosigkeit anzuerkennen. Von BÖÖO gewerkschaftlich organisierten Arbeitern waren nach einer Statistik des GewerkichaftSkartells 622 Arbeiter mit 1187 Kindern durchschnittlich 6,45 Wochen arbeitslos. Demnach schätzt man die absolute Zahl der Arbeitslosen auf rund 5000. Nun endlich sind in der letzten Stadtverordnetenversammlung 25 000 fOl für Erdarbeiten bewilligt worden. Es handelt sich um Vorarbeiten zum Bau einer Eisenbahnwerkstätte in Danzig. Nach den Erklärungen des Magistrats sollen verschiedene andere Arbeiten ebenfalls früher, als beabsichtigt war, begonnen werden Die Balkaukrise. Kreta. Außer dem österreichischen Erfolg kann die jungtürkische Politik noch einen zweiten �buchen. Auch die Abtretung Kretas an Griechenland, die eins notwendige Folge der letzten revo- lutionären Erhebung der Kretenser zu sein schien, bleibt ihr. wenigstens vorläufig, erspart. Wie schon K i a m i l Pascha in seinem Expos» ausführte und jetzt auch der türkische Minister des Aeußenr bestätigt, haben die Schutzinächte Kretas beschlossen, die Regierung auf der Insel wie bisher fortzuführen, Die Kretafrage werde weder jetzt zwischen der türsischcn und griechischen Regierung»och auf einer etwaigen Konferenz behandelt werden. Sämtliche Schutzmächte hätten sich über diesen Punkt bereits geeinigt. Damit behält die Türkei zunächst ihre alten Rechte und allerdings die Schutzmächte ei» unter Umständen wichtiges Pfand für da? türkische Wohl- verhalten._ Der Boykott. In Oesterreich hofft man, daß jetzt nach erfolgter Ver- ständlgung, der Boykott, der dem Handel mit der Türkei so schwere Verluste beigebracht hat, aufgehoben werden, wird. In der Tat hat sich die türkische Regierung auf neuerliche Vorstellungen des österreichffchen Gesandten hin bereit erklärt. Anweisungen zu geben, die cm baldiges Ende des Boykotts erwarten lassen. franhreteb. Die Marokkodebatte. Paris, IS. Januar. Deputiertcnkammer. Daö Haus organn die Beratung der Interpellationen betreffend Marokko und die Nachtragskredite für die dortigen Operationen. JulcS Dela- foss« erklärte, der Triumph Atulay Hafids bedeute eine Niederlage für die sranzösische Politit, die einen der Sultane hätte unterstützen müssen. Redner war der Auffassung, Frankreich müsse die Integrität Marokkos achten, aber es dürfe nicht zulassen, daß eine auswärtige Macht den Keim zu einer künftigen Ävlonie unmittelbar neben Algerien lege. Eine völlige Räumung Marokkos wäre ein schwerer Fehler, die fran- zösischen Kolonien in Afrika seien unentbehrlich für die Zukunft Frankreichs. Zum Schluß empfahl Delasosse eine klarere, festere und entschlossene Politik..... Luden Hubert erklärte, er wollte für die die verlangten Kredite .stimmen, müsse aber auf die Fehler der französischen Politik in Marokko hinweisen. Der Fehler Frankreichs sei gewesen, daß es Abdul Asis in eine schiefe Stellung brachte und Muley Hasid igno- rierte. Die Folge dieser Politik sei gewesen, daß der französische Handel im Jahre 1607 in Marokko um eine Million zurückgegangen fei, während der englische Handel sich um V/j Millionen, der deutsche Handel sich um drei Millionen gehoben habe. Hubert tadelte die Regierung, daß sie eine Zeitlang alle Hoffnung auf Abdul AsiS gesetzt habe, der Frankreich feindlich gesinnt gewesen sei, und Muley Hafid mit den kleinen Prätendenten verwechselt habe, und baß sie endlich Depeschen über angebliche Erfolge Abdul Asis' zu einer Zeit habe veröffentlichen lassen, in der sie bereits gewußt habe, daß sein Fall unabwendbar fei. Portugal. Anschwellen der revolutionären Bewegung. London, 15. Januar.„Daily Expreß" meldet aus Lissabon, daß man einen Handstreich seitens der Republikan befürchket. Zahlreiche Truppe» besetzten die Stadt, viele Haftungen wurden vorgenommen. Im Laufe einer geheimen Konferenz, an welcher der Befehlshaber der Garnison von Lissabon, General Gorajo, sowie der Befehlshaber der Munizipalgarde, der Zivilgouverneur und verschiedene andere hochgestellte Personen teilnahmen, wurde beschlossen, Truppen- abteilungen nach sämtlichen Städten zu entsenden, in denen republikanische Verbände bestehen. Die Garnison von Lissabon ist verstärkt worden, auch Matrosen werden in Bereitschaft ge- halten, um erforderlichen Falles an Land zu gehen. Die Minister hielten gestern abend spät noch einen KabinettSrat ab, in welchem die zu treffenden Maßnahmen verfügt wurden, Maueranschläge be- sagen, daß die Republikaner sich rächen werden und daß der Sturz derMonarchie bevorsteht. Rußland. Roschdjcstwenski. Petersburg, 14. Januar. Vizeadmiral a. D. R o s ch- d j e ft lv e n s k i, der Organisator der Vernichtung der russischen Flotte bei Tshushima, ist heute früh gestorben. parlamentarilekes. Finmizkommission des Reichstags. Die Voranschläge für die Marine gaben dein Llb- geordneten Müller- Fulda am Donnerstag Veranlassung zu der Frage an den SlaatSsekrelär v. Tirpitz: Ob der Bedarf für die Marine noch derselbe sei wie vor zwei Jahren, als das Flottengesetz gemacht wurde! Inzwischen seien PrciSkonjimktureu eingetreten, die ein starkes Sinken der Materialpreise zur Folge gehabt haben. Dem Staatssekretär der Marine gab dte Frage Veranlassung zu einem Vortrag über die Vortrefflichkeit und Tüchtigkeit unserer Marine, den er aber im wesentlichen als vertraulich bezeichnete. Auf die Frage Müller-Fuldas antwortete er, das Sinken der Preis? verringere die Kosten des Schiffbaues nur um ein Geringes. Abg. v. Richthofen sagte, er fühle sich sehr beruhigt durch die Ausführungen des Staats- sekretärs über die Marine. Das Flottengesetz bmde die Kommission an die Ausgaben für die Marine. Müller- Meiningen erwiderte, das Flotlengesetz binde nicht bezüglich der Kosten, und Abg. Mommsen inemte, die Erörterung technischer Ausführungen komme für die Kommission nicht in Betracht: nur mit den Mitteln dafür habe sie sich zu befassen. Nach längerer unwesentlicher Debatte bleiben auch die Voranschläge für die Marine unverändert. Ohne Debatte wurden dann die Etats für Post- und Tele- graphenverwaltung, ReichSkölonialamt, RcichSdruckerci, ReichSrisen- bahnen usw. usw. unverändert gelassen. Das Fazit der Beratungen wollte min der Vorsitzende, Abg. Paasche, durch eine Abstimmung feststellen lassen: Eine Aenderung der Voranschläge sei nicht eingetreten, damit seien die Bedarfs- summen anerkannt... Gegen diese Abstimmung wurde Wider- ipnich von verschiedenen Seilen erhoben, woran sich eine längere GeschästSordnungSdebatte knüpfte, in der Genosse Stadthagen sich ebenfalls gegen die. Vornahme der Abstimmung wendete, die er, falls sie doch unternommen werde, als unverbindlich für fich und seine Fraktionökollcgen. aber auch für die ganze Kominission erklärte, da der Kommission die Befugnis zu einer Aenderung der EtatSsummen nicht zu- gesprochen sei und nicht zustehe. Abg. Arendt meinte: Wenn die Abstimmung nicht erfolge, daim hätte die Beratung keinen Wert gehabt. Denn das Ergebnis fei dann nicht, festgestellt. Genosse Geher erklärte darauffjin, daß tatsächlich der Versuch, den Vedars für die Finanzen des Reick) es durch dies« Untersuchungen festzustellen, vollständig fehlgeschlagen sei, weil der Kommission die Möglichkeit fehle, Aenderungen an den Voranschlägen vorzunehmen. Man habe also nur ein Loch in die Luft geredet. In dieser Voraussicht hätten er und seine FraktionSkollcgen es unterlassen, irgendwelche Anträge zu stellen. Auch die Abgg. Speck und Müller- Fulda(Z.) erklärten: weil die Debatte nicht materiell habe auö- genützt werden können, hätten sie und ihre Freunde cS«nterkassen, weitere Ausstellungen an den EinzeletatS zu machen und weitere Anträge zu stellen! Der Vorsitzende zog darauf seiner. Vorschlag, die Abstimmung vorzunehmen, zurück.... Danach kehrte die Kommission zurück zur Beratung des Finanz- g e s e tz e S zu den Steuervorlagen: sie begann mit 8 2:.Tilgung der Reichsanleihefchuld". Abg. M o m m s e n warf die Frage auf: Ist es richtig, die hohen Tilgnngösätze des ß 2 gesetzlich festzulegen? Ihm schienen die Tilaungssätze zu hoch. Selbst der preußische Finanzminister sei auf so hohe Tilgungssätze nicht verfallen. Staatssekretär S y d o w erwiderte, der ß 2 sei nichts weiter als eine gesetzliche Formulierung dessen, was die Budget- kommissiou beschlossen habe. Trotz dieser Erklärung sprachen Speck(Z.) und andere Abgeordnete Bedenken dagegen aus. die Sätze so hgcki zu. fassen. Die freisinnigen Abgeordneten Wiemer, Mommsen, Miiller-Meiningen stellten den Antrag: Tie Kommission wolle beschließen: im ß 2 Abs. 3: bei a) statt 1,6 Proz. zu setzen: 1 Proz. bei b) statt 3 Proz. zu setzen: 2 Proz. Ber-> ertrag usw. Redner polemisiert gegen Gamp. der die vorzügliche Au?« 'stattung der 4. Wagenklasse gerühmt hatte, und rügte die Ueber- füllung dieser Wagenklasse. Die Schuld an der Fahrkartensteuer trügen die Regierung und die Parteien gemeinsam, die das Geietz gemacht und ihm zugestimmt haben. Der Redner forderte das Zentrum auf, klar zu sagen, worin'die R e s o rm der Fahrkarten st euer bestehen solle. Speck wolle die Abwanderung in die unteren Wagenklassen verhüten, da? könne doch nur durch Besteuerung der Fahrkarten der unteren Wagen- klaffen erreicht werden; Speck wolle auch den früher veranschlagten Ertrag von 50 Millionen durch die beantragte Reform sichergestellt wiffen! DaS alles bedeute doch aber eine ungeheure Steigerung der Steuer und eine Belastung der unteren Kreiie durch Besteuerung der 4. Klasse. Geyer wandte sich auch gegen einen Antrag Gothem, der eine Verschiebung, keine Aushebung der Lasten bringe.. �. In der Abstimmung fiel der Antrag Gothem gegen dre drei Stimmen der Freisinnigen. Der§ 2 der Regierungsvorlage— Aufhebung der Fahrkarten st euer— wurde mit den Stimmen derKonservativen. Nationalliberalen und des Zentrums abgelehnt!: Dafür stimmten Sozialdemolraren, Freisinntge und Antisemiten. Die vorstehend bezeichnete Mehrheit nahm dann dm Antrag Speck und Genossen an. Nächste Sitzung: Dienstag vormittag 10 Uhr: Brannt- w e i u st e n e r v o r l a g e._ In der Fortsetzung der Debatte über die Tilgung der Reichs- schulden— 8 2 des Finanzgesetzes— am Freitag bemerkte Genosse Südekum, die Abänderung de? freisinnigen Antrages, dahin gehend, daß zur Tilgung der Anleihen nur ein Prozentsatz von 1.0 Proz. aufgestellt werde, beseitige die zweierlei Arten von Schuldentilgung, die das Gesetz vorsehe. Zwecklos sei es. zwischen Anleihen für werbende und solche» für n i ch t w e r b e n d e Zwecke zu unterscheiden. Abg. Gamp tritt für hohe Sätze ein, sonst komme man zu einer unsoliden Finanzgebarung wie in Preußen,, wo man Anleihen für Eisenbahnbauten ausiiehme.— Der preußische Eiicnbahnnnnister Breitenbach widerstritt den AuSffihrungen GampS, und Abg. G o t h e i n meinte, die Schulden des Reiches seien nicht erschreckend, ihnen stünden gute Aktiva gegen. über, aber daß man immer mehr Schulden mache, sei unliebsam.— Nach weiteren SuSeinandersetzimgen wurde der Antrag Mommsen abgelehnt und die Regierungsvorlage angenommen. Die Behandlung de»§ 3, der die Frankcnsteinsche Klausel, baS heißt die llcberweisungen an die Eiuzelstaaten aus den Zollerträgcn beseitigen will, wird ausgesetzt und in die Beratung deS 8 4 Aufhebung der Fahrkartcnstcuer eingetreten. Hierzu brachte daS Zentrum den Antrag ein: ..„Die Kommission wolle beschließen: Für den Fall der Ab lehnung des ß 4 des Gesetzentwurfes, betreffend Aenderungen im Finanzwesen, die verbündeten Regiernngeu zu ersuchen, dem ReichSlage einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen eine Reform der Fahrkarlensteuer herbeigeführt wird." Der Abg. Speck sprach sich gegen die Aufhebung der Fahr- kartensteuer aus, während Eisenbahinnimster Breitenbach sich freute. daß die Aufhebung von den verbündeten Regierungen beantragt werde.— In der Debatte schob der Zentrumsredner die Schuld für die unstzmpatischfte Steuer, wie sie der Minister Breitenbach be« zeichnete, der Regierimg zu, wogegen sich RegierungSvertreter verwahrten. Abg. G otheur meinte.' eS sei eingetroffen, was die Gegner der Steuer voraussagten. Er habe Bedenken gegen den ZeiilrumSautrag. der neue Belastungen bringen könne. Abg. Geyer erllärte, er und seine FraktionSkollcgen stimmten für strikte Aufhebung der Fahrkarteusteu«. lleS sei eingetroffen, wä» seine Partei über diese Steuer vor- gesagt habe: Großer Unwille in der Bevölkerung. Abwanderung ~ oberen in die unteren Fahrklassen, schwankender und Minder» Gewerbeordnungsnovelle. Die Kommission zur Beratung der Geloerbcordnungsnovelle verhandelte am Freitag zunächst über solgenda» Antrag unserer Genossen zu 8 122: „Ist vereinbart, daß daS Arbeitsverhältnis ohne Einhaltimg einer KimdiguNgSfrift aufgelöst werde« kann, so gilt daS Arbeits- Verhältnis für den Fall einer Kündigung als am Ende desjenigen Arbeitstages beendet, an lvclchem die Kündigung erfolgt." Der Antrag wird von Stadthagen damit begründet, daß eine Klarheit über die Auslegung des§ 122 erfolgt, denn in der Praxis haben die Gewerbsgerichte fast in der Regel sich im Sinne des Antrages entschieden. Bei der Abstimmung wird der Antrag angenommen. Zu 8 123 stellen unsere Parteigenossen den Antrag, daß bei dem EntlassungSgrund unter Ziffer 8 die Fassung dahin geändert werden soll, daß ohne Einhaltung der Kündigungsfrist ein Arbeiter nicht schon entlassen Wersen kann, wenn er zur Fortsetzung der Arbeit unfähig ist, sondern mir, wenn dauernde Unfähigkeit eintritt....... Genosse Stadthagen weist daraus hin, daß semerzett schon bei Beratung der Novelle im Jahre 1861 die NcichstagSkommission die Abänderung, die jetzt von unseren Parteigenossen beantragt wird, angenommen hatte. Leider ist im Plenum dann daS Won „dauernd" wieder gestrichen worden. Die Abgg. Man»(srs. Bp.). Hitze(Z.). Beck(natl.) und die RegierungSvertreter halten die Festsetzung, ob jemand dauernd arbeitsunfähig, für sehr schwierig und vesürchten hicrauS das Auf- rollen sehr vieler Streitfragen. Der Abg. Becker(Z.) empfiehlt eine andere Fassung deS Antrage», und will an Stelle des Wortes„dauernd" setzen:„vor- aussichtlich für längere Zei t". Bei der Abstimmung wird unter Ablehnung unseres Antrages der Antrag Becker mit 11 gegen 6 Stimmen angenommen. Zu 8 124 Abs. 1 Ziffer 5 beantragen unsere- Parteigenossen, daß der Arbeiter ohne Kündigung die Arbeit aufgeben kann,„wenn der Unternehmer den Vorschriften des 8 120a bis t zuwiderhandelt oder wenn bei Festsetzung der Arbeit das Leben oder die Gesundheit der Arbeiter einer erweislichen Gefahr ausgesetzt sein würde". Genosse Stadt ha gen legt die Entstehungsgeschichte des Para- graphen dar und heb! hervor, daß dieser Antrag die bisherige Be- stimmung in Ziffer 5 beseitige;! will, die besagt, daß der Arbeiter die Arbeit ohne Kündigung nur aufgeben kann, wenn bei Ein- gehen des Arbeitsvertrages die Gefahr nicht zu erkennen war. Besonders ungünstig gestaltet sich der Arbeits- vertrag nach der bisherigen Fassung des Paragraphen für fugend- lich« Personen und Arbeiterinnen, ocnen doch in vielen Fällen die Schädigung an Lel>en und Gesundheit vor Eingehen des Arbeits- Vertrages nicht bekannt war. sondern erst nach Aufnahme der Arbeit zum Bewußtsein kommt. Leben-und(Gesundheit des Ar- beitcrö mühten höher stehen als der Profit. Der Zusatz, daß ein Aufhcbungsrccht auch vorliegen soll, wenn gegen eine Bundesratsverordnung, die zum Schutze der Arbeiter erlassen ist, zuwider- gehandelt wird oder andere Anforderungen, wie sie in den bezeich- neten Paragraphen für den Arbeiterschutz gegeben sind, nicht erfüllt ilrd. befördern den Arbeiterschutz und zeigen, was möglich ist. So ist es jetzt für eine Arbeiterin vor Ein- gehen des Arbeitsverhältnisse» nicht möglich, zu erkennen, daß im Betriebe eine Gefahr für die Sittlichkit vorhanden ist, sie darf aber trotzdem die Arbeitsstätte nicht verlassen.— Die Reglern ngö- Vertreter wenden sich gegen den Antrag, denn in der Regel werde die Gefahr des Betriebes von den Arbeltern zu erkennen sein. Wenn jemand in einer Pulverfabrik Arbeit annimmt, so weiß er vorher, daß der Betrieb Gefahren für Leben und Gesundheit bietet. — Den gleichen Standpunkt vertritt Abg. Hitze sZ.).- Der Antrag sei ihm sympathisch, gehe aber zu weit. Es sei ja bedauerlich, aber nicht gar so schlimm, wenn z. B. eine Arbeiterin 14 Tage ausharren müsse, wiewohl die Airkleideräume nicht getrennt seien. Genosse Molkenbuhr findet es sonderbar, daß die RegierungSvertreter nicht einem Antrag zustimmen wollen, der der Jnnehaltung der Arbeiterschutzbcstimmungeil einen größeren Nachdruck verleihen will. Die Gefahr eines Betriebes wird in vielen Fällen von den Arbeitern nicht zu erkennen sein, oft wechselt auch die Arbeit im Betriebe und man zwingt nun den Arbeiter zur Ausführung einer Arbeits- leistung, die ihm schweren Schaden zufügen kann, und führt er mehvere Fälle aus dem praktische» Leben an. Ein OiegicruwgSver- treter meint, es ließ« sich über den Antrag reden, loenn nur die ßß 1206 bis i angezogen würden, in denen e» sich um be- st i m m t e, von Polizei oder Bundesrat getroffene Anordnungen handle. Nach längerer Debatte beantragen die Abgg. Becker und Hitze(Z.), daß im 8 124 Ziffer ß hinzugefügt wird, daß auch in dem Fall, wenn die Sittlichkeit gefährdet wird, das Ar- beitsüerhältnis ohna Kündigung gelöst lverden kann. Auch soll die Schlutzbcstimmung nach einem Antrag etwas- günstiger für die Arbeiter gestaltet iverden. Bei der Ä b st i m mung wird der Antrag unserer Partei- genossen abgelehnt gegen die Stimmen unserer Genossen, dagegen der Antrag Becker-Lntzs angenommen. Demnach erhält der § 124 Abf. 1 Ziffer 5 folgende Fassung: „Vor Ablauf der vertragsmäßigen Zeit und ohne Aufkündigung können Gehilfen die Arbeit verlassen: 5. wen» bei Fortsetzung der Arbeit das Lcbrn, die Gesundheit odcrdieSittlichkcitdcr Arbeiter einer ertveislichen Gefahr ausgesetzt sein würde, welche st e bei Eingehung des ArbeitSvcr- träges nicht zu erkennen vermochten." Bisher heißt c» am Schluß: „welche bei Eingehung des Arbeitsvertrages nicht zu erkennen war". Sa Verfolg des zu§ 123! angenommenen Antrages wird zu Ziffer 1 gleichfalls bestimmt, daß die Gehilfen die Arbeit verlassen können, wenn sie voraussichtlich für eine längereZeitzur Fortsetzung der Arbeit unfähig werden. Die nächste Sitzung findet am Dienstag statt. Ludgetkommission des Reichstag». (2. Sitzung vom 14. Januar.) Die Beratung begann mit dem Reichsamt des Funern. Herr v. B e t b m a n n- H o l l w e g erhielt sein Gehalt nebst Revräseittationszukage. insgesamt 56 000 M.. glatt bewilligt. DaSseWe Glück hatte sein UnterstaatSiekretär. Und auch die Gehälter der 3 Direktoren sowie daS der 23 vortragenden Räte im ReichSamt des Lnnem wurde glatt bewilligt. Doch schon bei Titel 3 gab eS eine Stockung noch weiter um 1800 M. erhöht. Die Auf Anfrage teilt uns Genosse Cohen mit, daß er am Sonntag zu der Versammlung gehen werde und hoffe, daß diese Versamm lung nicht von der gäynende Leere sein werde, wie dieses bei früheren Bundesversammlungen der Fall war. im Bewilligungseifer, denn der Abg. Erzberger, der Referent ist, verlangte hineingelaffen. Die Beklagte gibt das zu. zu wiffen, warum ein Bureauvorsteher, der 6000 M. Gehalt bezieht Arbeiter feien am Mittwoch nach Ausbruch des Streits alle auf und 900 M. persönliche Zulage erhält, noch mit der Wahrnehmung einmal gekommen, und da 175 Arbeiter von ihr beschäftigt wurden, der Geschäfte für den Bundesrat betraut ist, was sein Einkommen sei die Aushändigung so unmöglich gewesen. Beklagte habe den Der Unterstaatssekretär Arbeitern gesagt, daß sie in kleinen Trupps wiederkommen sollen. Wermut erklärte, der betreffende Beamte müsse, anstatt wie Die Herausgabe der Werkzeuge erfolgte am Freitag oder Sonnabend die übrigen Beamten von vormittags 9 bis nachmittags 4 Uhr, im Kontor. In die Fabrik habe Beflagte die Streifenden nicht bis abends 8 Uhr, mit einer fleinen Bause, im Amte sein. hineingelassen, weil sie einesteils verhindern wollte, daß diese die Er müsse also mehr arbeiten und daher auch mehr bezahlt erhalten. Arbeitswilligen zu sehen bekommen, und sie anderenteils BeschädiAls Singer hierauf verlangte, daß man einen Beamten gungen der Betriebseinrichtungen befürchtete. Jeder Arbeiter habe mehr einstellen solle, weil diefe lange Dienstzeit auf Kosten der das Werkzeug ausgehändigt erhalten, was er als sein Eigentum Gesundheit des betreffenden Bureauvorstehers gehe, erklärte reklamierte. Wenn die Werkzeuge der Kläger dabei zum Teil abder Herr Unterstaatssekretär, die Gesundheit komme handen gekommen sind, so trüge sie daran feine Schuld und halte nicht in Frage, denn man nehme zu solchen anstrengenden Posten sich dafür auch nicht haftbar. nur Beamte mit robuster Gesundheit. Danach zu urteilen, tommt Das Gericht weist die beiden Kläger, die die Aufforderung bei der Besetzung solcher Stellen die geistige Qualififation erst zur Abholung ihrer Werkzeuge erhalten haben, mit der erhobenen in zweiter Linie in Betracht. Der Posten wurde übrigens schließlich lage ab. Sie hätten, da die Beklagte jede Haftpflicht für die bewilligt. Werkzeuge ihnen gegenüber abgelehnt hatte, diese Aufforderung sofort befolgen müssen. Im übrigen wird die Beklagte ver urteilt, den anderen beiden Klägern die abhanden gekommenen Werkzeuge zu bezahlen, da sie, solange die Kläger zur Abholung derselben von ihr nicht aufgefordert werden, haftpflichtig für die Werkzeuge sei. Abnahme der Ausweisungswut. Achtung, Töpfer! Wegen Lohnausfall mußte über die Firma Franz Kreis, Drehseftr. 1, die Sperre verhängt werden. In Frage kommt der Bau Rigdorf, Oberlandstr. 4, Bauherr Julius Groß, Lichtenberg, Gürtelstr. 13. Die Verbandsleitung. Bäckermeister May Hagen und das Koalitionsrecht. Zu der unter dieser Ueberschrift erschienenen Notiz in Nr. 8 des Vorwärts" ersucht uns der Inhaber der Brotfabrik Gebrüder Hagen Nachf. auf Grund des Preßgefezes um sofortige„ Richtig stellung" des Textes und schreibt: Der Saz:" Ich dulde keinen Sozialdemokraten in meinem. Betrieb" ist nicht über meine Lippen gekommen. Ich habe Zeugen, welche alle meine Auseinanderſegungen mit angehört haben, und tönnen dieselben beeiden, daß die von Ihnen gebrachte Redes wendung nicht vorgekommen ist. Mir ist es ganz gleich, welcher politischen Partei meine Angestellten angehören, nur lasse ich mir in meinem Geschäft keine Vorschriften machen." " Zur Unterhaltung des Dienstgebäudes in der Wilhelmstr. 74 und des dazugehörigen Gartens sind, wie alljährlich, 24 000 m. gefordert. Der Berichterstatter hält das für zu hoch. Auch Singer erklärte, nicht mehr bewilligen zu wollen, als gebraucht werde, aber die Summe von 1 Proz. des Wertes gelte für angemessen, um ein Gebäude von der Größe in wohnlichem Zustande zu erhalten. Aber es half nichts die Mehrheit der Kommission ließ von ihrem Was Herr Hagen hier berichtigt, ist allzuwenig, um in den schon in der ersten Sitzung betätigten Grundfag, an kleineren Der Fall des Hauptmanns von Köpenick hat seinerzeit Veran- Augen der Arbeiterschaft als ein besonders empfehlenswerter Ges Dingen zu sparen, nicht ab und strich von dem Bosten 4000 M. Laffung gegeben, den polizeilichen Eifer in der Verhängung von schäftsmann und Arbeitgeber gelten zu können. Er berichtigt nicht, Für die Emrichtung eines wettertelegraphischen Dienstes werden Ausweisungen etwas einzuschränken. Auch die bayerische Regierung gesagt zu haben, daß er den Verband nicht dulde in seinem Be480 000 m.( 40 000 m. mehr als im Vorjahre) gefordert. Bericht hat damals entsprechende Mahnungen an die Polizeibehörden friebe. Im Gegenteil bestätigt er dies in den Worten, daß erstatter Erzberger wendet sich gegen die Mehrforderung: Dem hinausgehen lassen. Deren Wirkung macht sich jetzt in der baye- er sich in seinem Geschäft keine Borschriften machen" lasse. Er übertriebenen Lugus müsse entgegengetreten werden; rischen Ausweisungsstatistik bemerkbar. So betrug in Nürnberg will also der absolute Herr im Hause" sein und nicht überall werden die Wetterberichte angeschlagen, die gar nicht gelesen die Zahl der Ausweisungen im vorigen Jahre 291, gegen 503 im dulden, daß seine Arbeiter und Angestellten von ihrem würden Staatssekretär v. Bethmann Hollweg wendet Vorjahre, sie ist also fast um die Hälfte gejunten. Damit ist natür gefeglichen Stoalitionsrecht irgend welchen zweckmäßigen Gebrauch fich gegen jeden Abstrich. Die Weiterausgestaltung des Wetter- lich noch nicht gesagt, daß überhaupt keine brutalen und under- machen. Er berichtigt auch nicht, was in unserer Notiz über die uns dienstes sei auf Wunsch der Landwirte erfolgt. Der Wetterdienst sei ständigen Ausweisungen mehr vorkommen, aber genügt hat der mäßig lange Arbeitszeit der Kutscher und über ihre Lohnverhältnisse keine Liebhaberei, sondern ein Bedürfnis. Von anderer Seite luftige Gaunerstreich des Schusters Voigt doch etwas. steht. Sollte es wirklich auf einem Irrtum beruhen, daß Herr wird die Ausdehnung des Wetterdienstes gefordert, namentlich Hagen seine Unduldsamkeit noch besonders gegen Sozialdemokraten sei das im Juli und im Oktober notwendig. Gestrichen wurde an fundgegeben hat was ist damit gebessert? Wir können es ihm Aus Induftrie und Handel. diesem Posten nichts, weil die Ausgabe schließlich allgemein als notja gern glauben, daß er nichts gegen einen Arbeiter einzuwenden wendig anerkannt wurde. hat, der seine sozialdemokratischen Ansichten im tiefsten Innern ber birgt, aber nicht nach sozialdemokratischen Grundsäßen handelt, nicht sein Koalitionsrecht fordert und auch stillschweigend auf eine vera Will Herr Hagen fich wirklich rein waschen von Vorwürfen, die er nünftige Regelung seiner Lohn- und Arbeitsverhältnisse verzichtet. selbst offenbar als Beleidigung empfindet, so muß er erst zeigen, daß er auch solche Sozialdemokraten in seinem Betriebe duldet, die in ihrem Arbeitsverhältnis die uneingeschränkte Alleinherrschaft des Unternehmers ebenso scharf bekämpfen wie unsere politische Partei den Kampf gegen den Absolutismus im Staatswesen führt. Für die Unterhaltung verschiedener Kaiserdenkmäler werden 5400 M. gefordert, welcher Betrag auf 3000 m., desgleichen die für das Bismarddenkmal in Berlin verlangte Summe bon 1000 M. auf 500 M. Heruntergesetzt wird. Unter Titel 14 werden 313 250 M. für Entschädigung des Reiches an Preußen für die zur Abwehr der Rinderpest an den Grenzen gegen Desterreich und Rußland angestellten Gendarmen gefordert. Das ist genau die Hälfte der früheren Summe. Abg. Erzberger regt an, die Summe ganz zu streichen: Preußen könne die Untoften aus feiner Tasche decen. Nachdem v. Bethmann- Hellweg erklärt hat, daß dann die Grenze nicht mehr überwacht werde, wird die Summe bewilligt. Berichtigung. Jin Berichte über die erfte Sigung mußte es, wie die Leser wohl schon selber herausgefunden haben, heißen: Die Beamten belamen monatlich 25 und 75 Pfennige Vergütung für Schreibfedern, nicht 25 und 75 M. Aus der Partei. Positive Arbeit der Sozialdemokratie. Die Welterute 1908. Der ungarische Ackerbauminister hat, wie üblich, in ausführlicher Schäzung der Welternte des Jahres 1908 beruht. Die Schlußziffern Weise die Angaben und Grundlagen veröffentlicht, auf denen seine sind im Vergleich mit dem Jahre zuvor folgende: gegen 1907 -O 1908+ oder Millionen Doppelzentner 1907 Weizen 851,98 845,75 Roggen 429,02 395,66 6,23 33,36 Gerste 322,04 343,15 +21,11 Hafer. Mais. 548,54 598,50 49,96 905,79 3057,37 973,20 3156,26 +67,41 98,89 Danach ist die Gesamternte reichlicher ausgefallen als 1907. Es haben aber Roggen und Weizen einen Ausfall zu verzeichnen. statistit für das Jahr 1908 gegenüber, so erhält man folgendes Bild: Stellt man die ungarische Schägung der amtlichen deutschen Ernteungarische amtliche. Schäzung Erntestatistik Weizen 36,0-38,0 Roggen 87,0-95,0 Gerste 27,0-30,0 65,0-75,0 Safer gegen + oder ungar. Schätzung in Millionen Doppelzentnern +1,68 resp. 20,73 3,60 11,95 37,68 107,37 30,60 76,95 " 0,32 12,87 0,60 " 1,95 " Deutfches Reich. Eine von 1500 Arbeitslosen besuchte Bersammlung fand gestern morgen 10 Uhr im größten Saale von Braunschweig statt. Man beschäftigte sich mit den Ursachen der Arbeitslosigkeit und damit, wie den Arbeitslosen zu helfen sei. In der Versammlung sprach Rechtsanwalt Dr. Brade, der als Flottenpatriot mit den auch der fleine Sohn unseres großen Verstorbenen, Wilhelm Brace, der wütendsten Reichsverbändlern und den Unternehmerorganisationen, wie dem Metallindustriellen- Verbande, Sozialpolitit zu machen versucht. Seine Ausführungen wurden jedoch bon den Arbeitslosen recht fühl aufgenommen. Er hatte in Gemein schaft mit einem Pastor Dr. Bec versucht, zu Sonnabend die Arbeitslosen für eine Versammlung einzufangen, in der Tischendörfer Berlin über die Frage: Arbeitsbas Korreferat halten sollte. Der Vorstand des Gewerkschafts. Dem Genossen Rud. Wissell, der bisher Mitglied der Das Mehr gegenüber der Schägung beträgt demnach für losigkeit und Arbeitslosenversicherung sprechen und Dr. Beck Lübeder Bürgerschaft war und der sein Mandat wegen Ueber- Deutschland 14,60-37,96 Millionen Doppelzentner. Unter Berüd fartells ließ Herrn Brade jedoch gründlich abblizen und die siedelung nach Berlin( Bentralarbeitersekretariat) niederlegen sichtigung der amtlichen Statistik für Deutschland sinkt das Minus Arbeitslosenversammlung wählte eine Kommission von fünf Mann, mußte, widmete der Wortführer der Bürgerschaft, Dr. Görk, einen der Welternte auf 30,99 resp. auf 12,63 Millionen Doppelzentner bie dem Oberbürgermeister sofort folgende Resolution als warmen Nachruf, in dem es hieß: Wissell habe in der Bertiefung herab. Wenn man annimmt, daß die Ernteschätzungen für die in den Stoff der Vorlagen hinter feinem Mitgliede zurüdgeftanden. einzelnen Länder von den Sachverständigen des ungarischen Aderbau- Forderung der Arbeitslosen unterbreiten soll: Auf sozialem Gebiet verdanke man ihm manche wertvollen Anregungen. Damit vergleiche man die Schimpfereien, die von Reichsverbandsblättern über die Sozialdemokratie und ihre Tätigfcit veröffentlicht werden. Gänzlich erblindet ist, wie die Schwäb. Tagwacht" einem Privatbriefe entnimmt, Genosse Leßner zu London. Der hochbetagte Veteran der Arbeiterbewegung, der schon in den vierziger Jahren Kampfgenoffe von Marg und Engels war, litt schon seit einigen Monaten an einer schweren Augenerkrankung, die nun diesen traurigen Ausgang genommen. Auch die körperlichen Kräfte des greifen Genoffen haben start abgenommen. In der ganzen Sozial demokratie wird man mit tiefem Mitgefühl das Schicksal des verdienten Kämpfers vernehmen. ministeriums alle etwas niedrig angenommen sind, so kann man die Gesamtwelternte größer als 3 156,26 Millionen Doppelzentner einschäßen. Es ist sonach wohl der Schluß erlaubt, daß aus der neuen Ernte der gesamte Weltbedarf zu decken sein dürfte. Aus der Frauenbewegung. Die Versammlung fordert: Alle schwebenden Gemeindearbeiten fowie überhaupt sämtliche Arbeiten sind schleunigst in Angriff zu nehmen und in eigenener Regie auszuführen, auch wenn die Auss führung derselben zeitlich nicht im Interesse der Gemeinde liegt. Allen bedürftigen Schulkindern ist ein warmes Frühstüd zuzu wenden. Die Kommission wird ersucht, die kommunale Arbeits Losenversicherung nach dem Genter System einzuführen." Husland. Rutscherstreit in Budapest. Der Verein für die Intereffen der Hausangestellten hat für Mittwoch, den 20. Januar, abends 8% Uhr, nach dem„ Königshof", Bülowstr! 37/40, eine große Dienstbotenversammlung einberufen. Genoffin zich spricht über:" Der Dienstboten Leid und Freud." Tagen durch den ausgebrochenen Streit der Schwerfuhrwerts. Jm Betriebe der Hauptstädtischen Dampfmühlen ist in den letzten Die Genoffen und Genofsinnen werden gebeten, für guten Besuch tutscher eine Störung eingetreten. In der Ofen- Bester Dampfmühle der Versammlung agitieren zu wollen und alle ihnen bekannten haben die Kutscher, denen man für den 31. Dezember, den Tag Eine Konferenz für den 6. Hannoverschen Reichstagswahlkreis Dienstboten darauf aufmerksam zu machen. Die Organisierung des allgemeinen Streits, feinen Lohn zahlen wollte, die Arbeit ( Verden- Hoya- Syte) fand am Sonntag in Hemelingen statt. Sie aller Dienenden ist dringend notwendig. Zehntausende von Dienst- eingestellt. Jetzt hat dieser Ausstand an Dimensionen zugenommen, beschäftigte sich vorwiegend mit der durch die Mandatsniederlegung boten stehen uns noch fern, sie alle zu gewinnen bedürfen wir indem sich auch die Kutscher der Automobilfuhrwerts. des bisherigen Abgeordneten Held sich nötig machenden Nachwahl dringend der Mithilfe der Arbeiterschaft. Darum Genossen und Aktiengesellschaft und der Transportfirma Hoffund beschloß einstimmig, wiederum den Genossen Hente- Bremen als Genossinnen, agitiert für die angekündigte Versammlung. Kandidaten aufzustellen. " Polizeiliches, Gerichtliches ufw. Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. Das gelbe" Geschäft. mann den Streifenden angeschlossen haben. Bei diesen Firmen find Vertrauensmänner der organisierten Kutscher entlassen worden, was die übrigen Kutscher veranlaßte, die Arbeit niederzulegen. Da der größte Teil der Zu- und Abfuhr bei den Mühlen von diesen beiden Unternehmern bewerkstelligt wird, sind die Mühlen in arger Verlegenheit. Der Bund" der Frau Lebius bringt mehrere Bornes Letzte Nachrichten und Depeschen. Straffonto der Presse. Eine schwere Geldstrafe verhängte das Schöffengericht Dortmund am Donnerstag gegen den Redakteur ber Dortmunder Arbeiter Beitung", Genossen W. Bromme, der die Redakteure der nationalliberal- scharfmacherischen„ Dortmunder Zeitung"( v. Wildenradt, Thiemt und Hörster) in einer„ Preßgesindel" überschriebenen Polemit beleidigt ausbrüche ihres Herrn Gemahls, denen man das Geleitwort geben haben soll. Die Dortm. 8tg." hatte nach der borjährigen Land- fönnte:" Phantasien eines Verzweifelnden". Das Unglaublichste tagswahl in einer Notiz die Bahl der sozialdemokratischen Wahl wird da zusammengescharrt, worauf im einzelnen einzugehen nicht männer in Berlin als überhaupt abgegebene fozialdemokratische die geringste Veranlassung vorliegt. Denn wenn alles so richtig Stimmen bezeichnet und von einem Rückgang der sozialdemo- wäre, wie der„ Bund" schreibt, was ja schon deswegen nicht der fratischen Stimmenzahl gesprochen, troßdem sich unsere Stimmenzahl in Berlin fast verdoppelte. Genosse Bromme behauptete darum, daß Fall ist, weil es von Herrn Lebius kommt, dann ändert auch das die Amtsblattredakteure jeden Anstandes bar sind. Er und sein Ver- an der Kennzeichnung des Herrn Rebius, wie sie durch die Verteidiger Rechtsanwalt Frant- Dortmund hoben aber hervor, daß öffentlichung der Briefe erfolgt ist, nicht das geringste. der Chef und Feuilletonredakteur der„ Dortm. 3tg.", Herr Herr Lebius ist besonders ergrimmt darüber, daß außer b. Wildenradt( dessen Roman Der Böllner von Clausen" seinerzeit der" Post" keine bürgerliche Zeitung für die gelbe Sache Partei auch die Freien Stunden" abdruckten) nicht in die Polemit einbe- ergreift. Um nun bürgerliche Zeitungen zu zwingen, im Sinne zogen werden fönne, weil die Arbeiter- Zeitung" diesen auch heute der Gelben zu schreiben, greifen die gelben Drahtzieher zu unfairen noch schätzt und achtet. Der Verteidiger wies darauf hin, daß der Angeklagte wegen Beleidigung noch nicht rechtskräftig vorbestraft sei. Trozdem wurde unter dem Vorsiz des Amtsrichters Wehrigs auf 400 Mart Geldstrafe, eventuell 80 Tage Gefängnis erkannt. Gegen das Urteil wird Berufung eingelegt. Soziales. Nachwehen vom Klavierarbeiterstreik bei der Firma Bogs u. Voigt. Berhandlung. Mitteln. So sind bei den Arbeitern der Firma Siemens u. Salske und Siemens- Schudert gebrudte Bettel folgenden Inhalts verteilt: Hiermit bestelle ich die Berliner Morgenpost" wegen des Leitartikels Die gelben Gewerkschaften" in der letzten Sonntagsnummer ab. Name: Wohnung: Gemeint ist ein Artikel der Morgenpost" vom Sonntag, den 10. d. M. Die Sache ist um so interessanter, als die Firma M. Bebius bekanntlich gegen den„ Vorwärts" auf Entschädigung flagt, weil dieser die Arbeiterschaft ersucht hatte, die Inserenten tes Bund" über die Bedeutung dieses Unternehmens wahrheitsgemäß aufzuklären. Im übrigen: Weiß die Direktion der genannten Werke von dieser neuesten Aktion der Gelben und ist sie damit einverstanden? Schätzt sie vielleicht alle bürgerlichen Redakteure an dem Maßstab des Herrn Lebius? Glaubt sie, alle Blätter wären so fäuflich wie der" Bund" und Ungnade könnte sie zur Einkehr bewegen? Vor dem Gewerbegericht flagten vier Klavierarbeiter gegen die Firma Bogs u. Voigt, Pianofortefabrik, Warschauer Straße 70, auf Herausgabe verschiedener Werkzeuge bezw. Schadenersas im Falle diese abhanden gefommen sind. Die Klage tam gestern vor der Stammer 4 unter Vorsitz des Magistratsassessors Schulz zur Am Morgen des O. November v. J., einem Montag, ist bei genannter Firma em Streit plöblich ausgebrochen. Die Kläger waren an demselben beteiligt. Da sie am Sonnabend zuvor noch nicht wußten, daß am Montag gestreift werden wird, ließen sie ihr Werkzeug im Betriebe zurück. Die Beklagte behauptet, sofort nach Ausbruch des Streifs alle Arbeiter mittels Postkarte aufgefordert zu haben, ihr Werkzeug abzuholen. Zwei der Kläger bestreiten, ebius übrigens in den„ Germaniajälen" eine Versammlung Am Sonntag vormittag um 10 Uhr veranstaltet die Firma eine solche Aufforderung erhalten zu haben. Die anderen beiden wenden ein, daß fie der erhaltenen Aufforderung nachgekommen ihrer gelben Kundschaft. Am Schluß des Inserates heißt es: Die Beklagte habe sie aber, als sie ihr berr Cohen ist zu dieser Versammlung ein Werkzeug holen wollten, in die Fabrit nicht geladen." feien. Sieg der Münchener Brauereiarbeiter. München, 15. Januar.( Privatdepesche des Borwärts".) Nach dreiwöchentlichem Kampf gingen die Brauereiarbeiter als Sieger aus dem Kampfe hervor. Neunzehn Tage unter den Trümmern. Messina, 15. Januar.( W. T. B.) Heute ist ein neunjähriger Knabe namens Minissale aus den Trümmern eines Hauses hervors gekommen. Zitternd berichtete er mit schwacher Stimme, seine beiden Schwestern im Alter von 20 und 12 Jahren befänden sich ebenfalls lebend unter den Trümmern. Sogleich wurde das Rettungswert fortgefekt; die beiden Mädchen wurden geborgen und an Bord des Dampfers Savoia" gebracht. Sie erzählten, während 19 Tagen hätten sie von Zwiebeln, Wein, Olivenöl und Waffer gelebt; ihre Mutter sei von den Trümmern erschlagen worden, ihr Vater befinde sich in Amerika. Eine große Menschen. menge umstand den Ort, wo die außergewöhnliche Rettung erfolgt Ivar. Bon der Lawine verschüttet. Innsbrud, 15. Januar.( B. H.) Bei Kajers ging eine mächtige Lawine nieder. Zwei Personen wurden durch sie verschüttet, von denen eine gerettet werden konnte. Von der Befchießung des deutschen Dampfers. London, 15. Januar.( W. T. B.) Zu der Nachricht von der Beschießung eines deutschen der Woermann- Linie gehörigen Dampfers durch das liberianische Kanonenboot Lark erfährt das Reutersche Bureau: Die Lart steht unter dem Kommando des Kapitäns Bugge von der britischen Flottenreserve, die übrigen Offi. ziere und das Maschinenpersonal sind ebenfalls britische Unterkommenden Uebertretungen der Zollvorschriften Einhalt zu tun tanen. Die Lark ist von der Regierung Liberias angekauft und im September 1908 ausgesandt worden, um den beständig bor und zu verhindern, daß die liberianischen Häfen, die dem Welthandel nicht geöffnet sind, von Schiffen angelaufen werden.( Siche piseturs auch Politit.) Verantw. Redakt.: Carl Wermuth, Berlin- Rigdorf. Inserate verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsbl Nr. 18. 26. ZalMsz. 1. KtilU drs ,|»tiiiiitts" ilctlinct �ollisiilult. ZottttilbeO. 16. IflMflt 1909. Reichstag 185. Sitzung vom Freitag, den 15. Januar, nachmittags 1 Uhr. Sm BundeSratStische: v. B e t h m a n n- H o l l w e g. Auf der Tagesordimng steht die erste Beratung des Entwurfes eines Arbeitskammer- gesetzes. Staatssekretär des Innern v.Lethmann-Hollweg: Die Einbringung der Arbeitskannnervorlage vollzieht sich unter einigermaßen eigenartigen Verhälrnisien. So alt die Forderung nach derartigen Organisationen ist, so weit sind von jeher die An- sichten darüber auseinander gegangen, ob sie paritätisch oder im- paritätisch, ob sie fachlich oder territorial gemacht werden sollen, ob■ sie bestehenden Organisationen sich angliedern oder ob neue ins Leben gerufen werden sollen. Auch' über die Grundlagen deS Systems»st eine Einigung nicht herbeigeführt worden. Wenn man die Kritik außerhalb des Hauses hört, so könnte es scheinen, als ob das Interesse daran, daß überhaupt etwas Positives zustande kommt, nachgelassen hat. Es ist aber das Schicksal sehr vieler Regierungsvorlagen, daß ihnen gegenüber eine gewisse Skepsis darüber zum Ausdruck kommt, ob wirklich ein praktisches Bedürfnis vorliegt. Tatsächlich haben Arbeitgeberorganisationen die paritätischen Arbeitskammern grundsätzlich abgelehnt, aber auch Vertreter der Arbeitnehmer haben sie verworfen. Nun könnte man sagen, daß man die Hände davon lassen sollte, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer den Plan verwerfen; denn dann scheinen die Anhänger dieser Idee sozialpolitische Ideologen von professoraler Weltfremdheit zu sein. Wenn ich selbst persönlich das Bedürfnis bezweifeln müßte, so wäre ich der erste, der den Entwurf zurückziehen würde. Aber ich bin noch heute der Ansicht, daß paritätischen und fachlichen ArbeitZkanunern Aufgaben zugewiesen werden können, die für daS gute Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern von größter Bedeutung sind und für deren Lösung eS gegenwärtig an Organen fehlt. Wir haben jetzt eine große Reihe auf freiheitlicher Grundlage beruhender Organisationen, Handelskammern, HandlverkSkaminern usw. Aehnliche Organisationen auf feiten der Arbeitnehmer kennen wir dagegen nicht. Dieser Mangel war der Ausgangspunkt der Forderung der Arbeiterkammern. Man wollte auch die Arbeiter in Kaminen, zu- sammenschließen, wie andere Berufe. Ich kann aber eine solche Analogie nicht anerkennen, denn die Handwerkskammern, Apotheker- kammern usw. sind beruflicher Natur und aus freien Vereinigungen dadurch entstanden, daß sie legalisiert und autorisiert wurden. Den Arbeilerkammerii würde die Berufsgemeinschaft gänzlich fehlen. Nun fragt eS sich, ob man trotzdem solche Arbeiterkaminern, denen ein Gegenstück auf Arbeitgeberseite fehlen würde, einrichten solle. Ob- wohl eine große Anzahl von Arbeitgeberorganisationen solche Kammern zwar nicht unmittelbar empfohlen, aber doch für tolerab el lerträglich) erklärt haben, nmß ich mich doch fragen, ob es sich wirklich empfehlen würde, daß der Staat solche Gebilde schafft. Was in bezug auf die Organisierung der Arbeiter geschehen konnte, ist von den Geiperkschaften in allen ihren Schattierungeu getan worden. Was alles von einer reinen Arbeitervertretung in ihrem Wirkungskreis getan werden konnte, ist tatsächlich von den Gewerkschaften vollführt worden. Keine Arbeiterkammer könnte mit der Umsicht, mit der Energie, mit dem Organisationstalent und auch nicht mit dem rücksichtslosen Draufgängertum der gewerkschaftlichen Bewegung irgendwie in Kon- kurrcnz treten. Was sollen Arbeiterkaminern neben den Gewerk- schaften? Sollen sie neben die Gewerkschaften treten? Dann wären sie von vornherein lebensunfähig. Sieben der ausgebreiteten, bei- nahe erschöpfenden Tätigkeit der gewerkschaftlichen Organisation bliebe ihnen nichts zu tun übrig. Oder sollen die Arbeiterkammern an die Stelle der Gewerkschaften treten? Auch das wäre ein ganz unfruchtbarer Gedanke. Die Arbeiterorganisationen bedienen sich im wirtschaftlichen Kamps der schärfsten Mittel, sie bedienen sich des Boykotts, der Sperren, des Koalitionszwanges usw. Wenn nun auch Streit darüber besteht, inwieweit die Anwendung solcher Mittel zu dulden ist, so besteht doch Uebereinstimmung darüber, daß staatliche Gebilde solche Mittel nicht anwenden dürfen. Kein Staat kami Streik oder Boykott dulden, ebensowenig wie schwarze Listen. Der Staat kamt dem tvirtschastlichen Kanrpfe gegenüber immer nur die Stellung einnehmen, daß cr die Ursachen dieses Kampfes zu beseitigen, seine Formen zu mildern und auf eine möglichst schnelle Beendigung hinzuwirken sucht. Er kann deshalb auch mit staatlicher Autorität nur solche Organe umkleiden, an die Rleines feuilleton. Roer«» und Moltke in England. ES trifft sich gut. daß um die gleiche Zeit ungefähr, da im preußischen Landtage die Philister sich als Verehrer der alten, echten, keuschen usw. Kunst aufspielten, ihnen in England ein auch von ihnen anerkannter Künstler den Text las. Hubert v. Hertomer, der englische Maler deutscher Herkunft, hielt in der Londoner Akademie einen Vortrag über P u r i t a n i s- mus und Kunst. Das vornehmste Kunstwerk, führte er aus, sei die Darstellung des menschlichen Körpers, und gerade im Tressen dcS Fleischtons zeige der Mnler seine Meisterschaft. Entstehe ein solches Kunstwerk, so stehe niemand das Recht zu, danach zu fragen, Ivcr das Modell gewesen und wie es wohl um dessen Moral bestellt sei. Aber gerade daraus machen sich die Puritaner ein Gewerbe. Vor einigen Jahren habe er selbst eine unbekleidete, lebensgroße weibliche Gestalt gemalt, die sich von einem landschaftlichen Hintergründe abhob, und die Zeile deS Dichters daminer gesetzt:„Wunderschön in keuscher Nacktheit". Ms er dies Gemälde für die Ausstellung der königlichen Akademie in London eingesandt habe, sei ihm das Bedauern der Hängekommission ausgesprochen worden, daß man mit Rücksicht auf daS englische Vorurteil dem Bilde nicht den Platz geben könne, den es seinem künstlerischen Werte nach verdiente. Tatsächlich sei der Raum vor dem Bilde stets leer geblieben, während sich sonst in den Galerien der Ausstellung die Menge gedrängt habe. Seinen, Bilde habe man nur über die Schulter herüber verstohlene Blicke zugeworfen und sei dann weiter geeilt. Eines TagcS habe er beobachtet, wie ein Philister, der tapfer vor dem Bilde stehen blieb, von seiner entrüsteten Frau fortgezogcn wurde. Dieser Boykott sei der Ausfluß des Puritanertums, dessen An Hänger die NuditätcnalterMei st er zu verehren vorgebe». Also ganz wie bei uns 1 Der materielle Schaden des ErdbebeuS. Auf Grund der in den zerstörten Provinzen erhobenen Mietsteuern stellt eine italienische Zeitung eine interessante Statistik über den Wert der durch die Katastrophe vernichteten Bauten an. Im Jahre 1907 wurden in der Provinz Reggio Calabria insgesamt 2 059 853 Lire an Mietsteuern erhoben, von denen allein 559 994 Lire auf die Stadt Reggio selbst entfallen. Bei diesen Zahlen ist jedoch zu berücksichtigen, daß die erst vor kurzem eingeführte Steuer noch nicht durchgreifend wirken konnte und daß Steuerverichleieruiigen und Stcuercntziehungcn im Süden einstweilen noch eine sehr erhebliche Rolle spielen. Man wird nicht fehlgehen, wenn man die normale Sollsumme der Steuer auf 3Vz Millionen festsetzt; bei der äußerst mäßigen ZinSannahme von 5 Proz. würde das ein Kapital von 70 Millionen bedeuten. In der Provinz Messina sind die Zahlen erheblich größer. 1907 wurden ö 153 721 Lire Mittsteuern entrichtet, er die Forderung richten kann, in der gleichen Richtung tätig zu sein. Könnte der Staat von imparitätisch gebildeten Arbeiterkammern dies fordern? Würden ihm nicht solche Arbeiterkammern erwidern: wir sind Arbeiter, nichts als Arbeiter; im gegenwärtigen Moment gebietet uns unser Interesse, rücksichtslos gegen die Arbeilgeber zu kämpfen! Und wenn dann auf der anderen Seite der Staat, um die Parität zu wahren, nach dem Vorbilde des Vereins Deutscher Arbeitgeber Arbeitgcberkammern gründete und wenn diese dann genau mit dem- selben Recht sagten, daß sie dazu da seien, die Arbeitgcberinteressen zu schützen, was sollte der Staat dann tun? Um dieien Unmöglichkeiten zu begegnen, hat man sich auch Arbeiterkammern vorgestellt, welche ganz außerhalb des Gebietes liegen sollen, auf dem sich die gewerkschaftlichen Organisationen bewegen. Solche Kammern würden die Interessen des Arbeiter- slandes, wie man sagt, im wesentlichen gegenüber der Sozialpolitik, der Wohlfahrtspolitik, der Verkehrspolitik. der Kommunen usw. zu vertreten haben. Ich kann mich mit dieser Idee nicht befreunden. Der Gedanke geht von der bekannten, aber deshalb noch nicht richtigen Voraussetzung aus, daß sich die ganze Menschheit in zwei Klassen scheiden ließe: Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Der Gedanke treibt den Begriff des KlässenstaaleS auf die Spitze. Aber cr übersieht die mit der wachsenden Emanzi- pation des Arbeiterstandes zunehmende Differcnzierung innerhalb der Arbeiterschaft, cr übersieht die ungeheuren Unterschiede, welche be- stehen zwischen den gut vorgebildeten, hochgclohnten technischen Arbeitern der Großstädte und den ungelernten, mäßig gelohnten Arbeitern, die nichts haben als ihre Arbeitskraft und die Geschicklichkeit ihrer Hände. Er übersieht die großen Unter- schiede, welche bestehen zwischen den seßhaften, vielfach angesessenen Arbeitern und der fluktuierenden Menge derjenigen Arbeiter, die tveder an einen bestimmten Ort, noch an einen bestinnntcn Berns gebunden sind. Würde man in einer solchen Kammer die Gesamt- heit dessen, was„Arbeiter" heißt, zusammen fassen, so erhielte man eine durchaus künstliche Organisation ohne innere Berufs- gemeinsamkeit, lediglich aufgebaut auf den angeblichen Gegen- iatzen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Das würde eine Organisation sein, der ein wirkliches Leben nicht beschieden sein kann. Am schärfsten würde das in die Erscheinung treten in solchen Kammern, die sich auf einen großen Bezirk ausdehnen, bei denen also auch die örtliche Interessengemeinschaft fehlt. Man hat in diesem Zusammenhang auch an Arbeiterkammern gedacht, welche nur für die Zentren der Großindustrie eingerichtet werden sollen. Es würden also gewissermaßen kommunale Arbeiter- kammern sein. Nach meiner Ansicht würde man sich mit ihrer Gründung mit den Prinzipien in Widerspruch setzen, auf denen unsere Konununalverwaltung aufgebaut ist. Sie will alle Stände zu- sammenfassen und überläßt die Vertretung von Sonderinteressen privaten Vereinen. Solche Vereine gibt es sehr viel, vielfach nicht zur Freude der Kommunen und vielfach auch nicht zum besten der Kommunen.(Sehr richtig!) Würde man sie aber staatlich um- kleiden, so würde das zu einer Delomposition unseres gemeindlichen Lebens führen.(Sehr richtig I) Diese Erwägungen führen zu dem positiven Schluß, daß die Ardeitskammeru paritätisch und fachlich gegliedert werden müssen, daß man ihnen als Aufgabe zuweist den Ausgleich der Gegen- s ätze zwischen Arb eitge b eru und Arbeitern.(Sehr richtig!)— Mir sind wegen dieses Zweckes, den ich den Arbeitslammern zuweise, ungeheure Vorwürfe gemacht worden; man mutet mir zu den Traum eines frommen arkadischen SchäferzustandeS zwischen Arbeitgeber- und' Arbeitnehmerschaft.(Heiterkeit.) Zu naiv bin ich nicht, aber ich habe aus eigener Beobachtung an praktischen Verhältnissen wiederholt die Erfahrung gemacht, daß die Gegensätze sich deswegen so ver- tiefen, deSlvegen eine so große Bitterkeit auf beide» Seiten zeitigen, weil sich die beiden Teile nicht finden, weil sie aneinander vorübereilen.(Sehr richtig I) Ich bin durchaus kein Freund davon, daß sich die Organisationen in die individuelle» Verhältnisse von Arbeitgebern und Arbeitnehmern des einzelnen Werkes einmischen, aber man muß bedenken: auf engem Räume sind große Armeen von Arbeitern zusammen- gedrängt im Dienste von Riesenunternehmungeu, die noch unter- einander syndiziert und kartelliert sind. Der AssoziationLgedanke macht sich auf beiden Seiten inuner stärker geltend. und hieraus ergibt sich mit zwingender Notwendigkeit das Bedürfnis, neben die individuellen Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitern in den einzelnen Werken auch noch Beziehungen auf assoziativer Grundlage zu stellen. In zahllosen Fragen besteht zwischen Arbeitgebern und Arbeitern eine schreiende Dissonanz. Die Hauptschuld oder wenigstens einen Teil der Schuld trägt daran, daß sich die beiden Teste nicht mit- von denen 3 086 148 aus die Stadt Mcssina selbst entfallen. Be- rechnet man die Sollhöhe der Stenern ähnlich wie in Calabrien und den veränderten Verhältnissen gemäß den Ertrag mit 6 Proz. kapitalisiert, so ergibt sich ein Häuserwert von 146 Millionen Lire; 87 davon entfallen aus die Stadt Mcssina. Wenn man nun auf Grund dieser sehr niedrigen Berechnungen annimmt, daß der Häuser- wert der Stadt Reggio 26 Millionen, der der Provinz Reggio 50 Millionen, der der Stadt Messina 90 Millionen und der der Provinz Messina 60 Millionen beträgt, und lvenn man weiter an- nimmt, daß in den beiden Städten alle Häuser und auf den: Lande, sehr niedrig gerechnet, die Hälfte der Bauten zerstört wurden, so ergibt sich ein Schaden von rund 165 Mi ll i o n en L i r e. Dabei sind die landwirtschaftlichen Bauten nicht eingerechnet, da zuverlässige Zahlen darüber nicht zu erlangen sind. Diese 165 Millionen würden nur den rein materiellen Schade» an den Bauten darstellen, un- gerechnet die Verluste an Möbeln, Kunstwerken und alle die anderen Werte, die in den Städten aufgehäuft waren. Das Recht zu fliege». Aus London wird berichtet: Die intev nationale Luflschifferkonferenz hat in ihrer letzten Sitzung die Ein- setzung eines Komitees beschlossen. daS über das Recht der Flug Maschine, Grenzen, Städte und Grundstücke zu überstiegen, beraten soll. Jeder aus der Konferenz vertretene Klub wird drei Delegierte ernennen, die mit den betreffenden Regierungen verhandeln sollen. Die interessierten Großstaaten werden durch drei Sachverständige, einem militärischen, einem seemännischen und einen, juristischen, ver- treten sein. Die Frage, wie ein Grundbesitzer zum Schadenersatz kommen soll, wenn em Flugtechniker zum Beispiel da» Dach seines Hauses im Vorbeifliegen beschädigt, wird lebhaft erörtert. Die meisten Delegierten äußerten in Gesprächen die Anschauung, daß Flugmaschinen, die die Grenzen passieren, ein deutlich erkennbares Zeichen ihrer Nationalität tragen müssen.„Bei Nacht", so äußerte sich ein Teilnehmer,„würde jede.Flugmaschine ein sehr starkes weitleuchtendes Licht tragen müssen. Ueber Städten sollte nach Eintritt der Dunkelheit das Fliegen verboten werden, bis die Luftschiffer über genügende Erfahrung verfügen. Man mag sich einmal vorstellen, welche Katastrophe die auf der Erde Wandelnden betreffen würde, wenn über ihnen zwei Flugmaschinen zusammenstoßen." Die Konferenz faßte den Beschluß, einen neuen Fonds für Preise zu schaffen, dessen Höhe auf rund eine Million bemessen wurde. DeS weiteren wurde festgesetzt, daß best» kommenden Gordon-Bcnnett-giennen der Lüfte die Teilnehmer eine Distanz von mindestens 20 Kilometer durchfliegen müssen, wobei die Maschinen bisweilen den Boden berühren dürfen, ohne daß die Teilnehmer dadurch außer Wettbewerb gesetzt werden. Notizen. — Einen Kammer m u s i k- und Liederabend zeit- genössischer Komponisten veranstaltet die Llpbciter.Bil» > u n g s s ch u l e Ä c v l i n gur Feier ihres 18. Stiftungsfestes am einander aussprechen.(Sehr richtig!) In einer Konferenz mit Herren, die den Jytereffen der Arbeiter sehr nahe stehen, wurde mir gesagt: Wenn es nur ermöglicht würde, daß wir uns i.ber diese Fragen einmal mit den Arbeitgebern aussprechen. wenn beide nur einmal an einem und demselbou Tische zu gemeinsamer Beratung zusammensäßen, dann würde sich� bei guten, gegenseitigem Willen manches bessern lassen.(Zuruf: Ohne Gesetz!) Daraus komme ich nachher noch zu sprechen. Man soll Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammenführen, daS ist auch meine Meinung, und auf diesem Gedanke» beruht die Vorlage der verbündeten Regierung!— Allerdings erwächst dabei das Bedenken, daß durch solche Arbeilerkammerii die Reibungsflächen zwischen Arbeit- gebern und Arbeitnehmern noch vergrößert werden könnten, nament- lich wenn ein übermäßiger Drang nach Betätigung mitspielt und wenn es an gutem Willen aus einer von beiden Seiten fehlt. In dieser Be- ziehung sind ja gegenwärtig die Auspizien in keiner Weise günstig. Ich bebaute deshalb— Sie gestatten mir die kleitie Abschweifung, die sich natürlich gegen keine Partei des Hauses richten soll—, daß das G r o ß u n t e r n e h m e r t u m hier im Reichstage doch vielleicht nicht diejenige Vertretung hat. dlo i h n, g e m ä ß s e i n e r V e d e u t u n g für unser gesamtes wirtschaftliches und staatliche» Leben zukäme.— Ich weiß sehr wohl, man wird über diese meine Bemerkung in und außerhalb des Hauses weidlich herziehen, man wird das alte lNärchen von meiner Abhängigkeit vom Zentralverband der Deutsch-Jndustriellen und andere schöne Sachen wieder neu aufwärmen, ohne daß sie da- durch viel schmackhafter werden. Ich nehme das ruhig hin, aber ich frage Sie selbst: würde eS sich bei der Bewegung, die sich draußen im llniernehmcrtuin gegen die Arbeiterkammern geltend macht, nicht von großem Vorteil sein, wenn wir hier im Hause all den Einwendungen, die von jener Seite gemacht werden, gerecht werden könnten? Wenn eine Aussprache zwischen Arbeitgebern und Arbeit- nehinern stattfände, dann könnte auch ein Ausgleich z lv i s ch e n beiden herbeigeführt werden, und ein Zwischenruf bemerkte vor- hin, daß man manches ohne Gesetz regeln könnte. Duriu würde ich einen ungeheuren Fortschritt erblicken. Wir sind gewohnt, in unserer Sozialpolitik abgemeine Vor- schriften zu treffen, ohne zu wissen, ob das Kleid auch für jeden einzelnen paßt. Wir sind eben die deutschen Theoretiker. Das erkannte ich auch, als vor einiger Zeit eine Deputation von englischen Wählern hier in Deutschland war, mit denen ich mich in an- gcrcgiestcr Weise unterhielt. Sie waren höchlich erstaunt, als sie mich baten, die Bestimmungen über die Regelung der Frauenarbeit in den Webereien ihnen mitzuteilen und ich ihnen erwiderte, sie müßten sich die Paragraphen der Gewerbeordnung durchsehen, welche in, allgemeinen auf die Frauenarbeit Bezug haben. Das konnte in de» Sinn der Engländer nicht hinein, die in sehr ae- schicktet Weise ihre Vorschriften nach den einzelnen Berufen differenzieren. Wenn uns nun die Möglichkeit gegeben würde, in beruflich gegliederten Arbeitskammern gewisse strittige Berufsfragen zu be- sprechen, dann würden luir in vielen Fällen der Notwendigkeit cni- gehen, Fragen, die sich eigentlich zur gesetzlichen Regelung nicht eignen, dennoch hier im Reichstag gesetzlich zu regeln. Ich würde darin einen großen Forlschritt erblicken. Es schwebt mir durchaus nicht vor. Arbeitskainmern, lvie sie der Entwurf vorschlägt, schematisch über das ganze Reich auszudehnen und das ganze Gebäude schließlich mit einem ReichsarbcitSamt zu krönen. DaS sind theoretische Vorstellungen, welche den praktischen Bedürfnissen nicht gerecht werden. In dem ersten Entwurf, wo ich eine Anlehnung an die Berufsgcnosscnschaften empfohlen habe, habe ich seinerzeit freilich auch eine Zeitlang an eine solche Regelung ge- dacht. Heute halte ich es für richtiger, daß lvir A r b e i t s k a m in e r rr au Orten errichte», lv o das praktische Bedürfnis dazu tatsächlich in die Erscheinung getreten ist, wo sich die In- dustrie also außerordentlich stark zusammen- g e b r ä n g t hat u u d lv o lv o m ö g l i ch s ch o n p r a k t i s ch e Streitfragen zwischen Arbeitgebern und Ar« b e i t n c h m e r n vorgelegen haben.' Ich denke z. B., ohne mich im einzelnen darauf festlegen zu wollen, au eine Kammer für das Ruhrgebiet, für das Saargebiet, für Oberschlesieu. ich denke an eine Kammer für Metallarbeiter, auch für Rheuilimd» Westfalen. Es wäre falsch, solche Arbeitskammern für zu kleine Gc- biete zu bilden. Dann würden sie sich leicht in die individuellen Verhältnisse der einzelnen Betriebe eiwni'chen(Sehr richtig! rechts), während sie doch nur a l l g e m e i n e Berufsfragen regeln sollen! Günstig wirken können die Arbeitskammern, trotzdem ihnen lveder die Arbeitgeber noch die Arbeitnehmer freundlich gegenüberstehen. Sonntag, den 17. Januar, abends 7 Uhr, in Frcyers Festsälen (Koppcnstraße). Das vielseitige und vielversprechende Programm enthält u. a. BusoniS zweite Sonate für Klavier und Bioline, ein Trio von Saint-Saens, Lieder von Richard Strauß, Kahn, Kann. — Vorträge. Im Institut für Meereskunde (Georgenstr. 84—30) spricht am Dienstag, den 19., Prof. L a a s über die Scgelschiffahrt der Neuzeit, am Donnerstag, den Lt., Dr. v. Z a h n über die europäischen Nebenmeere des Atlanlischen Ozeans. (Beginn 8 Uhr.) Einlaßkarten sind von 12 bis 2 Uhr und an den Vortragsabenden von 6 Uhr ab zu 25 Ps. in der Geschäftsstelle de« Instituts erhältlich. — K n n st ch r o u i k. In der Sezession wird am Sonn- abend die Ausstellung des für Hamburg besiimniten 23 r a h m s« Denkmals von Max Klinget eröffnet. — E r n st v. W i I d e n b r u ch. der Hohenzollcrnsproß und Hohcnzollerndichter, ist Freitag mittag in Berlin gestorben. — Als Zentral organ für Vorgeschichte soll eine neue Zeitschrift unter dem Titel..Prähistorisch: Zeitschrist" cr» scheinen. Zu ihrer Herausgabe haben sich die Deutsche und die Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte mit der Generalverlvaltung der preußischen Museen vereinigt. — D i e Apparate deL Physikers Heinrich Hertz, die er bei scinen Untersuchungen der elektrischen Wellen benutzte, wurden von seiner Witwe dem Deutschen Museum in München überlassen. Mit diesen für die Geschichte der Natur- Wissenschaft und Technik hochinteressanten Apparaten führte Hertz den MchweiS, daß die Elektrizität sich wellenförmig durch den Raum fortpflanzt und daß die Wellen— ähnlich wie die Licht- wellen— reflektiert und gebrochen werden können. Die drahtlose Telegraph ie und Telcphonie beruht auf diesen Wissenschaft- licheu Feststellungen. — Armes München! Die Besorgthcit der Obrigkeit für die Untertanen fängt an, auch die Vergnügungen der landauf und ab als Künst- und Genußstadt hochgeschätzten Stadt Miiichcii�zu bcein- trächtigen. Bislang war es immer Sitte, in die träge Langeweile zwischen beendetem Fasching und noch nicht eröffneter Bocks aison etwas Höhere», Kulturelles, sozusagen Geistiges als heilsamen Gegen- satz zu den materielleren Genüssen einzulegen. Heuer sollte es Ivieder einmal die Schlaftänzerin Madelaine G. sein, die man zunächst einer auserlesenen Gesellschaft vorführen wollte. Vor Jahren hatte sie beinahe soviel Aufsehen gemacht wie in Berlin der kluge Hans. Die Wissenschaft, zu gefälligein Salongebrauch präpariert, hatte in Müll- che» ebenso tiefe Entdeckungen an der Somnambulen gemacht wie in Berlin an dem rechnenden Rosse. Nur daß in der Stadt des Ranonalismus der Pferdeberstand triumphierte, während die Bierstadt sich in Mystizismus berauschte. Damit ist cs nun dieses Jahr nichts. Der Polizeipräsident läßt Madelaine nicht tanzen, und besorgt fragt sich der Kulturmensch, woher er nun die spirituellen Anregungen hernehmen soll. wie die ge im praktischen Leben ich bei dieser Vorlage sie vom Grafen Posadowsky am B Jahren. Und da gibt es noch Ich glaube. Sie haben gesehen, daß ich nicht von sozialpolitischen Phantastereien ausgehe, aber in dieser Beziehung habe ich doch einen gewissen Optimismus. Ich glaube, daß aus dem praktischen Zu- sammenarbeiten doch etwas VernUnstiges herauskommen wird. Wenn ich mit Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer irgendwelche Fragen verhandelt habe hinter verschlossenen Türen. womöglich dann, wenn die Sonne des Journalismus nicht zu den Fenstern hineinschien tGroße Heiterkeit), dann haben wir uns eigent- lich immer ganz verständig unterhalten und die Gegensätze, die hier im Reichstage aufeinanderplatzen, haben sich dann ganz nett be- seitigen lassen. Ich glaube, so wird es auch kommen, wenn nachher wirklich in solchen Arbeitskammern praktisch gearbeitet ivird. Ich habe versucht, Ihnen die Grundziige des Systems zu be- leuchten, wenn ich das auch, trotzdem meine Ausführungen länger als gewöhnlich ausgefallen sind, nicht irgendwie erschöpfend tun konnte. Nehmen Sie darauf bei" Ihrer Kritik Rücksicht. Werfen Sie mir nicht vor, daß ich dies oder jenes über- sehen hätte. Es tun sich bei dieser Frage eine solche Fülle von Gedanken auf, daß mau sie gar nicht alle erörtern kann. sSehr richtig I) Erzielen wir eine Verständigung über die Grundgedanken, so werden wir uiiS auch über das Detail leichter verständigen. Ich bin uberzeugt, daß Arbeitskammern, wie sie der Entwurf vorsieht, kein sozialpolitisches Phantom sind, sondern einem realpolitischcn Bedürfnis entsprechen und daß sie, falls sie von der richtigen Hand und mit richtigem Herzen geleitet werden, ein Werkzeug sind, das die Gegensätze nicht auS der Welt schaffen, wohl aber dazu helfen wird, sie zu überbrücken zum Wohle des Ganzen.(Leb- hafter Beifall.) Mg. Trimborn(Z.): Seit 18 Jahren haben wir eine Vorlage verlangt. Wieviel Geduld muh man doch haben I Das war der erste Gedanke, den hatte. Angekündigt wurde 31. Januar 1904, also vor Leute, die von dem„rasenden Automobiltempo unserer Sozialpolitik reden I Jetzt müsse» wir dafür sorgen, daß auch etwas zustande kommt; deshalb werde ich mich in der Kritik kurz faffen. Die Vor- läge halten meine Freunde für eine Grundlage, um zu einem brauchbaren Gesetz zu gelangen. Daß der Entwurf sich sür Arbeits- kamniern entschieden hat. nicht für Arbeiter kammern, hat unfern Beifall. Denn es ist notwendig, die sich bekämpfenden Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammenzuführen zu gemeinsamer Verhandlung. Ferner meinen wir, daß die Entschließungen und Gutachten und Wünsche einer Arbeitskammer ein ganz anderes Gewicht haben als solche von Vertretungen einer einseitigen Jnieressentengruppe. Selbst Minoritätsvoten, die eventuell aus solchen Kammern heraus- kommen, sind gewichtiger als Voten einseitiger Jnteressentengruppen, Iveil solche MnoritätSvoten ja erst nach der gegenseitigen Aussprache mit dem anderen Teil zustande kommen. Richtig ist auch, was der Staatssekretär ausführte, daß reine Arbeiterkammern neben den Gewerkschaften keine besonderen Aufgaben hätten. Die Einzelheiten der Vorlage entsprechen im ganzen dem Pro- gramm. das zuerst Professor Hitze in der Zeitschrift„Arbeiterwohl" entwickelt hat. Eine Lücke allerdings zeigt der Entwurf: Die Arbeits- kammern dürfen Erhebungen über die Betriebsverhältinsse anstellen, aber nur in behördlichem Auftrage. Wenn aber die Arbeitskammern Wünsche sollen äußern dürfen, so müssen sie auch nach eigenem Ermessen Erhebungen anstellen dürfen. Die Handwerkskammern bestreiten da? Bedürfnis von Arbeits- kammern. Aber gerade in der Schwereiienindustrie und in der Bergwerksindustric' sind die Verhältnisse zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern nicht besser geworden. Stadtrat Flcsch in Frankfurt a. M. hält die Arbeitskammern für überflüssig, weil ja Gewerbeaerichte bestehen. Aber deren Tätigkeit ist wesentlich eine richterliche, und ihre einigungsamtliche Tätigkeit braucht durch die Arbeitskammern nicht berührt zu werden. Ob für die Arbeitskammern die berufliche oder territoriale Gliederung vorzuziehen ist, wird in der Kommission zu prüfen sein: ich bin klug und vorsichtig(Große Heiterkeit) und entscheide mich heute noch nicht. Ob Arbeitskammern zu errichten sind, entscheidet nach dem Ent- Wurf die LandeSzentralbehörde; das mich geändert werden, diese Entscheidung muß dem Bundesrat übertragen werden. Sonst werden Arbeitskammern nur in den Staaten mit einer sozialpolitisch fort- geschrittenen Regierung errichtet, wie Bayern.(Zuruf rechts: Und Preußen?) Ich will Preußen nicht ausnehmen, loenigstenS nicht in diesem Zusammenhange. Das Handwerk sollte in den Kreis der Tätigkeit der Arbeits- kammern einbezogen werden, schon um die Grenzstreitigkeiten zwischen handwerksmäßigem und Fabrikbetrieb auszuschließen. Die Schnelligkeit, mit der der Herr Staatssekretär die Grund- sätze seines erste» Entwurfs ausgegeben hat. muß einem bei einem Staatssekretär imponieren.(Heiterkeit.) Wir billigen, daß die Wahlen zu den ArbeitSkammeru allgemein und geheim sind, und daß ste nach dem Verhältnissystem stattfinden. Die Siegelung des Kosten- puukteS erscheint uns richtig und die Befürchtungen der Handwerker darüber unbegründet. Im ganzen stehen ineine Freunde der Bor- läge freundlich gegenüber und wünschen deren Weiterberatung in einer besonderen Kommission von 28 Mitgliedern.(Bravo) im Zentruin.) Abg. v. Wintexseldt-Mcnki»(kons.): ES ist doch seltsam, daß einem von so idealen Gesichtspunkten geleiteten Gesetzentwurf sowohl von Arbeitnehmern als Arbeitgebern Widerstand geleistet wird. Der Widerstand der erstcren ist allerdings nicht tragisch zu nehmen; auf dem Kölner Gewerkschaftskongreß gelang eS nur der Dialektik des Abg. Huü, die Mehrheit für Arbeiter kammern statt Arbeitskammeru zu gewinne». Auch Eduard Bernstein hat sich in den „Sozialistischen Monatsheften" dahin ausgesprochen, daß die Eutwickelung zu paritätischen Einrichtungen immer mehr hinführt. Für bedeutsamer halte ich den Widerstand der Unter- iiehmer, wie er auch auf dem deutschen Handelstag zum Ausdruck gekommen ist. Wir stehen dem Gedanken des Entwurfs freundlich gegenüber. Unsere Stellung zu den Einzelheiten des Entwurfs behalten wir uns für die Kommission vor.(Bravo I rechts.) Abg. Freiherr Hcyl zu Herrnsheim(natl.): Eine Majorität für paritätische Arbeitskammern ist schon seit 13 Jahren in diesem Hause vorhanden. Wäre eS aber nicht der Fall, so hätten die vorzüglichen Ausführungen des Herrn Staatsselreiärs, die wir Wort für Wort unterschreiben können, diese Majorität sicher geschaffen. Wohl noch nie ist vom Rcgierungstische aus mit solcher Objektivität gesprochen worden.(Bravo I bei den Nationalliberalen.) Auch die sozialdemo- kratische Fraktion hat noch 1904 sich in einem Antrag Auer sür pari- tätische Arbeitskammern mit einem staatlich ernannten Vorsitzenden ausgesprochen. Eö entsprach dies den Vorschlägen, die Herr Bebel bereits 1877 gemacht hatte. Bebel war also der erste, der in solchen paritätischen Arbeitskammern die richtige Interessenvertretung der Arbeiter sah. Wg. Legi«»(Soz.): Der Herr Staatssekretär sagte, die Arbeitskammern sollten dazu dienen, Gegensätze zwischen den Unternehmern und den Arbeitern auszugleichen. Seinen guten Willen, diese Gegensätze auszugleichen, erkenne ich ohne weiteres an, doch fürchte ich, daß sein Bemühen an dem Widerstande der Unternehmer scheitert, genau so, wie daran die Durchführung der kaiserlichen Februar- erlasse gescheitert ist. Diese Gegensätze lassen sich eben nicht durch sentimentale Reden auSglezchen. Sie sind in unserem Wirtschaftsleben begründet, wir müsien uns mit ihnen abfinden und können ste einigermaßen nur dadurch ausgleichen, daß«vir beide Faktoren, Unternehmer und Arbeiter, nach gleichen Grundsätzen be- handeln, ihnen gleiche Rechte einräumen, die ihnen die Möglichkeit geben, gleiche Kräfte zu entfalten. Der kaiserliche Erlaß vom Februar 1890 ist in der Vorlage nicht verwirllickt, denn er verhieß den Arbeitern eine Vertretung, die ihnen die Möglichkeit gibt, ihre Wünsche zum Ausdruck zu bringen. Interessant ist die Stellungnahme der Parteien vor und nach diesem Erlaß. Soweit es sich um positive Lorschlöge handelte, war die Sozialdemokratie die erste, welche Forderungen stellte. Schon 1877 beaniragis sie, paniätisch zusammengeietzte Gewerb ekammern zu schaffen, 1884 beantragte sie Arbeits kammern, 1S8S kam jener Gesetzentwurf. m welchem ein Reichsarbeitsamt. Arbeitsämter und Arbeitskammern gefordert wurden— ein Entwurf, der 1889, 1888, 1839 wiederholt wurde und daim regel- mäßig seit 1898. DaS Zentrum folgte erst 1893/94 mit einem An- trage, der eine Vertretung der Arbeiter forderte: das Zentrum folgte also mit dieser Forderung erst nach dem kaiserlichen Erlaß. Die Freifinnigen traten erst 1893/99 mit der Forderung eines Reichs- arbeitSamteS auf, das aber nicht als Vertretung der Arbeiter, sondern nur sür statistische Zwecke gedacht war. Dann folgten die Nationalliberalen mit der Forderung, Gcwerbegcrichte auszubauen. 1903 beantragten sie, ein Arbeitsamt zu schaffen. Im Jahre 1907, im Jahre deS Heils, in welchem der Block gegründet wurde, wo man erklärte, die Interessen der Arbeiter stärker vertreten zu wollen, erschien auch die Wirtschaftliche Vereinigung mit einem An- trage auf Schaffung von Arbeitskammern. Es bleiben also nur die beiden konservativen Parteien von den größeren Parteien, welche Anträge noch nicht gestellt haben. Im Hause sind die Anträge von den verschiedensten Gesichtspunkten aus gestellt, und die Parteien haben dazu eine sehr verschiedene Stellung eingenommen. Besonders war die Stellung des Zentrums zu unserem ersten Antrage von temer heutigen Stellung sehr verschieden.— 1389 glaubte man im Zentrum den Antrag nicht nur ablehnen, sondern die in der ganzen Sache liegende Idee verhöhnen zu dürfen. Der Frhr. v. Hertlmg war eS. der damals ausführte: Zu Zeiten einer großen Krise, wenn Tausende von Arbeitern feiern, könnten die Arbeitskammern den hungernden Arbeitern ja theoretische Untersuchungen über Handels- und Schiffahrtsverträge und dergleichen bieten, l 993 nahm das Zentrum allerdings eine andere Stellung ein. Da erklärte Herr Triniborn: was man dem Handel, der Industrie, dem Handwerk und der Landwirtschaft gewährt habe, könus man doch den Arbeitern nicht mehr auf die Dauer versagen. Jedenfalls ist nach der Reihen- folge der Anträge festzustellen, daß bei allen Fragen der Sozial- gesetzgebung eS die Sozialdemokratie ist, welche die Initiative er- greift und daß die anderen, die bürgerlichen Partelen, erst viel später nachfolgen. Nun haben sich im Laufe der Jahre fast sämtliche Parteien sür eine solche Organisation der Arbettcrvertretung erklärt, aber das, waS in diesem Gesetzentwurf geboten wird, entspricht durchaus nicht dem, WaS die Sozialdcmokratte im Interesse der Arbeiter schon 1834 gefordert hat. Allerdings enthält der Entwurf wesentliche Verbesserungen gegenüber dem Entwurf vom Februar vorigen JahreS. Die Anlehnung an die Bernfsgenosseuschaften ist sollen ge- lassen, daS indirekte Wahlsystem ist durch daZ direkte und die Verhältniswahl ersetzt und die Handwerker sind neu einbezogen worden. Diese Verbesserungen reiche» aber nicht auS, um eine Zustimmung der sozialdemokratischen Partei zu der Vorlage zu rechtfertigen.— Die bürgerlichen Parteien und die Regierung gehen bei der Beurteilung der ganzen Frage von falschen Gesichtspunkten aus. Sie wünschen, einen Ausgleich der Differenzen zwischen den Arbeitern und den Unternehmern zu er- reichen. So heißt eS im§ 2 z. B.:„Die Arbeitskammern sind berufen, den lvirtschastlichen Frieden zu pflegen" und als eine ihrer ersten Aufgaben wird bezeichnet. daS gedeihliche Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu fördern. AlS mau seinerzeit die Vertretungen der Arbeitgeber, die Land- wirtschaflskammer, die Handwerkerkammern usw. schuf, hat man solche Motive nicht angegeben, damals hat man reine Jnteresicn- Vertretungen geschaffen, denn die Wirksamkeit der Gesellen- auSschüsse ist gleich null, sie stehen rein auf dem Papier. Wir wollen. daß man den Arbeitern jetzt daS gleiche Recht gibt wie den Unter- nehmern. DaS Bestreben, einen Ausgleich zwischen den Fntereffengegen- sätzen herbeizuführen, halten wir für ein vollständig uro- p i st i s ch e s. In der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung ist ein Ausgleich dieser Grgensätze nicht möglich. Die Gegensätze zwischen den Besitzern der Produktionsmittel und den die Arbeit Ausführenden beruhen einfach in dem Streit um den Anteil an dem Ertrage der Arbeit. Aus demselben Streben heraus muß der Unternehmer für eine möglichst ausgedehnte Arbeitszeit und möglichst niedrige Löhne eintreten und umgekehrt der Arbeiter für möglichst hohe Löhne und eine möglichste Verkürzung der Arbeits- zeill Wie tollen in einer Gesellschaftsordnung, die darauf beruht, daß die Arbeiter, die Besitzlosen, genötigt sind, ihre Arbeitskraft zu verkaufen, diese Gegensätze ausgeglichen werden? Beseitigt können sie nur werden, wenn die Arbeit mit dem Kapital verbunden wird, wenn die Arbeiter auch im Besitze der Produktionsmittel sind. lSehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) Ein gewisses Friedensverhältnis zwischen Unternehmern und Arbeitern kann nur dann geschaffen werden, wenn man den Arbeitern die gleichen Rechte einräumt wie den Unternehmern, wenn man die Arbeiterschaft zu einer Macht im Staate werden läßt. Bisher haben die bürgerlichen Parteien und die Regierung den Arbeitern beim Ausbau ihrer Organisationen stets Hiiiderniffe bereitet. ich erinnere nur an das BereinSgesetz. Eine Verständigung ist nur zwischen zwei mächtigen Gegnern möglich. Mit einem Schwachen kann man Mitleid haben und ihm daher gewisse Zugeständnisse mackien, aber verhandeln wird man mit ihm nicht, ihm Rechte zugestehen wird man nicht. Dazu müßte» wir so oute Menschen haben, wie sie in unserer, auf der Ausbeulung des Mensche» durch den Menschen beruhenden Gesellschaftsordnung meiner Ueber- zeugung nach nicht herangezogen werden können. Mit der wachsenden Macht der Arbeiter sind auch Ansätze zu solchen Vereinbarungen in de» Tarifverträgen usw. in die Ericheinmig getreten. Die Macht, die die Arbeiterklasse erreicht hat, ist freilich noch lange keine ausreichende, aber sie kann doch nicht mehr über« gangen werden, man muß mit ihr rechnen. Sie sehen: sobald die Arbeiter eine gewisse Widerstandskraft den Unternehmern gegenüber gewinnen, tritt auch ein gewisses Frieden-Verhältnis ein; man hat ja die Tarifverträge ausdrücklich als „Friedcnödokumente" bezeichnet. Ein friedliches Verhältnis wird aber so lange nicht dauernden Bestand haben, als man die Arbeiterschaft nicht als gleichberechtigten Faktor anerkennt. Das war ja die falsche Voraus- jetzrnig, unter der die Hirsch-Dunckerschev Gewerkveretne seinerzeit gegründet lvurden. WaS in dem Entwurf geboten wird, entspricht durchaus nicht dem. was die Arbeiterklasse heute dank ihrer Macht zu fordern be- rechtigt ist. Ms die zahlreichste Klasse und als diejenige, die durch die indirekten Steuern den größten Anteil zu den Einnahmen des Reichs beitragen muß, hat die Arbeiterklaffe das Recht. zu fordern, daß ihr dieselbe unbeeinflußte Vertretung gewähr- leistet wird, wie sie den Unternehniern heute zusteht. Wollen Sie das, so müssen Sie dem zustimmen, was die sozialdemokratische Partei schon 1884 forderte, und müssen eine Organisation zur Vertretung der Gesamtinteressen der Arbeiter schaffen: Arbeiterkammern, Arbeits- ämtcr und schließlich ein ReichsardeitSamt. Nun hat allerdings die Sozialdemokratie früher an Stelle der jetzt geforderten Arbeiter- kammern Arbeitskaminern verlangt, und diese Forderung sieht auch in einem Gesetzentwurf, der'l90ö auf Antrag des Zentrums der Regierung zur Berücksichtignng überwiesen wurde. Aber nicht nur die Sozialdemokratie, sondern alle Parteien, die sich eiiiaehend mit dieser Materie beschäftigen, haben ihre Meinung bezüglich der zu schaffenden Organisation gewechselt. So brachte daS Zentrum 1831/05 eine Interpellation ein, in der gefragt wurde, ob eme Vorlage bi« treffend Arbeiterkammern zu erwarten sei. Damals erklärte Herr Hitze:... Ich kann sagen, daß ich eS früher auch für richtig hielt, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammen beraten, aber heute bin ich anderer Meinung. Ich lege großes Gewicht darauf, baß die Arbeiter das Gefühl habeil:„Das ist unsere Vertretung, das find unsere Kammern, wie auch die Arbeitgeber ihre Vertretliug haben." (Hört) hört! bei den Sozialdemokraten.)— 1899 forderte dann das Zentrum die Errichtung von Arbeitskammern. Da erklärte Dr. Hitze:„Wir wollen Arbeitskammern, nicht Arbeiterkammern, Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollen in diesen Kammern vereinigt sein, die Arbeiter sollen ihre Jnieressen zugleich mit den Arbeit- gcbern vertreten." Herr Hitze forderte dann auch ein Reichs- arbeitsam t. Davon haben wir hente von Herr» Trimborn nichts mehr gehört. Im Jahre 1901 beantragte daS Zentrum gemeinsam mit den Nationalliberalen einen Ausbau der Gewerbcgcrichtc. Da waren sowohl die Arbeitskammern wie die Arbeiterkammern fallen gelaffeu. Also innerhalb weniger Jahre haben die Anschauungen dieser Partei vollständig gern eck, seit, und ähnlich auch die der anderen Parteien, die sich mit der Frage eingehend beschäftigt haben. Die Frei- sinnigen forderten 1898 ein ReichSarbcitsamt, 1907 Arbeitskammern, während 1905 Herr Dr. Mugdan sich bestimmt für Arbeiter- kammern ausgesprochen hat. Ich führe daS nicht an, um etwa die Schwankung der Sozialdemokratie zu entschuldigen. Von einer Ent- schuldigung kann hier gar nicht die Rede sein, wenn man bei näherer Prüfung zu einer Aenderung seiner Anschauung kommt. In der gegenwärtigen Situation hält eS die Sozialdemokratie eben für die Arbeiter am besten, wenn reine Arbeiterkammern geschaffen werden. In den.89er Jahren würden jedenfalls die Arbeits- kainmern den Arbeitern ebenso dienlich gewesen sein. Mittlerweile sind aber für alle Unternehmerlategorien reine Interessen- Vertretungen geschaffen, die auch durchaus nicht zurückhaltend find. Kein Gesetzentlvurf passiert den Reichstag, zu dem nicht die Hand- Werks- und Handelskaminern Stellung nehmen. Dem Beschluß des Kölner GewerkichaftSkongreffeS glaubte Herr V. Winterfeldt keine große Bedeutung beilegen zu brauchen. Aber der Herr Staatssekretär spendete, meines Wissens heute zum ersten Male, der Tätigkeit der gewerkschaftlichen Organisationen hohes Lob, indem er sagte: Mit der Sachkenntnis, der Umsicht, dem Organisationstalent und dem rücksichtslosen Draufgängertum, das sich in den Gewerffchaften gezeigt hat, könnte kein Gesetzgeber wetteifern." Wenn die gewerkschaftlichen Organisationen und ihre Vertreter solche Sachkenntnis, Umsicht und Organisationstalent be- sitzen, so sind ihre Beschlüsse wohl nicht so bedeutungslos. Herr v. Winterfeldt wies auf die große Minorität hin, die in Köln vorhanden war. Nun. der Beschluß. Arbeiterkammern, nicht Arbeitskammern zu fordern, wurde von 151 Delegierten, die 771 663 Arbeiter vertraten, gegen 48 Delegierte gefaßt, die 379 431 Arbeiter vertraten) Der Beschlutz ist also in weit größerem Maße von den Arbeitern gelragen als die ersten Vorschläge der sozialdemokratischen Orgaiiisationen. ES werden eben immer weitere Arbeiterkreise zur Beratung herangezogen und diese kamen immer mehr zu der Erkenntnis, daß zur Vertretung der Arbeiteriiiteressen Arbeitskammern nicht ausreichend seien. Den Wünschen der 1,8 Millionen gewerlschaftlich organisierter Arbeiter hat sich die sozialdemokratische Fraktion angeschlosien. und �war um so leichter, als sie sich bei näherer Beschäsliguiig selbst uberzeugte, daß eine Jnteresienvertretung der Arbeiter als Unterlage notwendig ist.(Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten.) Die Vorlage gibt daS passive Wahlrecht nur Arbeitern, die zur Zeit derWahl imBezirk der Arbeitskammer beschäftigt sind. Die Zugehörigkeit zur Arbeitskammer e r l i s ch t, wenn der Betreffende aus dem Berufe ausscheidet oder auS dem Bezirke wegzieht. Nun ist eS sehr leicht gesagt, der Arbeiter solle den Mui haben, auch seinem eigenen Unternehmer gegenüber in der Arbeitskammer seine Jntereffen zu vertreten. Wenn dieser Mut nur nicht im Magen liegt' Wenn der Arbeiter nur nicht gemaßregelt wird I(Zurus cechtS.) Die Ersahrungen, die wir darüber haben. Herr v. Oertzeu, füllen Bände. kLcbdaste Zustimmung bei den Sojialdemokraten.) Viele Arbeiter werden, um sich der Gefahr der Mechregelung nicht auszusetzen, iil der ArbeitSkammer dem Arbeitgeber gegenüber die Interessen ihrer Berufstollegen nicht zu vertreten wagen.(Sehr wahr I bei den Sozial- demokraten.) Bei der wirtichaftliitien Abhängigkeit der Arbeiter ist ein von den Unternehmeni unbeeinflntzies Borgehen der Arbeitskammern nicht zu erwarten, und deshalb fordern wir Arbeiter kammern. die gleichwertig sind den Handelskammern und den Landwirtschaitskammern. Die Parität wollen wir nicht anSichließen. die Arbeiterkammern sollen nur die G r u n d l a g e sein, ihnen sollen höhere Instanzen folgen, bei denen die Parität gewahrt bleibt: Ein Gewerbeamt, ein Arbeitsamt, die auch exekutive Gewalt haben sollen. Die Arbeiter- kammern, die wir fordern, sollen keine verwaltungstechnische Tätig- keit üben, sondern nur eine gutachtliche, und solle» die höheren Instanzen der Organisation unterstützen. Da« kann seitens der Arbeiter unbeeinflußt nur in Arbeiter tammern ge- schehen. Aber über sie hinaus verlangen wir höhere Instanzen bis zu einem ReichSarbeitSamt. (Zustimmung bei sden Sozialdemokraten.) Ich verstehe nicht, wie bei den wirtschaftliche» Verhältnissen der Arbeiter, unter denen die christlichen Organisationen genau so zu leiden haben wie wir. die Herren vom Zentrum sich für ArbeitSkaiiliilern erklären können.(Zuruf des Abg. Schiffer: Das tut auch U m b r e i t I) Mein Kollege Umbreit sagt zum Schluß seines Artikels im„Kor- reipondenzblatt":„Wenn den Arbeitskammern nicht verwaltungS- technische Funktionen und exekutive Gewalt gegeben werden, so sind Arbeiterkammern vorzuziehen." Lesen Sie nur diesen Artikel, Herr Schiffer I Auf die Eiuzelheiten der Vorlage werde ich In der Kommission eingehen. Hier will ich nur erklären, daß wir mit der beruflichen Gliederung der Arbeitskammern nicht cinverftanden sind, sondern die territoriale Gliederung wünschen. DaS Beispiel der Zersplittnruna. welches uns die In- nungen geben, sollte uns vor der beruflichen Gliederung warnen. In der ArbeitSkammer solle» ja nicht die einzelnen Berussmteresseii, sondern die allgemeinen Interessen der Arbeiter vertreten werden. Einspruch erheben wir auch dagegen, daß die Arbeiter im Handels-, SchiffahrtS- und Verkehrsgcwerbe ausgeschlossen werden sollen, sowie die Arbeiter in Betrieben, die unter der Heeres- und Marineverwaltung stehen.— Den Ausschluß der H a n d l u n g s- g« h i l f e n erklärt die Begründung damit, daß bei ihnen wesentlich Standesfragen zu erörtern sind. Aber ß 7 nimmt auch die Arbeiter in Apotheken uns Handelsgeschäfte auS! Ich schätze nun die Tätigkeit eineS Packers und AuStänferS gewiß ebenso hoch, als die eines Handlungsgehilfen, WaS er aber für besondere StandeSinter- effen zu vertreten hat, vermag ich nicht einzusehen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Bei den hochqualifizierten Arbeitern der Metallindustrie zum Beispiel könnte man weit eher von Standesfragen sprechen, als bei den HandelSangestelltcn; hier haben wir ja»st nur ein glänzendes Elend. sie werden oft viel schlechter bezahlt als qualifizierte Arbeiter. Wir betrachten jeden als einen Arbeiter, der seine Arbeitskrast gegen Sohn verkauft, sei er nun Werkmeister in einem technischen Betriebe oder hochqualifizierter Arbeiter oder HandelSangrstelltcr. Und deS- halb erheben irnr Widerspruch gegen diesen Versuch, die Arbeiter- schuft wieder zu zersplittern.(Zustimmung bei den Sozialdemo- traten.) Weder in der mündlichen noch in der schriftlichen Begründung deS Entwurfs finden wir einen Grund dafür angegeben, weshalb man durch die Arbeitskammern eine ttinstliche Trennung in die ArbeUerklafse hineintragen will. Warum will man die der Marine» und Militär- Verwaltung unterstehenden Betriebe anders behandeln als alle anderen? Vielleicht, iveil die Vorgesetzten Uniform tragen?— Gerade die mili- täriicho Organisation deä Dienstes hindert nach meinen eigenen Beobachtungen die Marineverwaltttilg an der notweitdigen Sparsam- keit und macht, daß sie teurer tvirtschaftet als der Privatbetrieb- Gerade diese niililärische Organisation sollte beseitigt werden, weil die privaten Schiffswersen auch ohne sie auskommen, oder sind etwa die Arbeiter der Militär- und Marineverwaltuilg von de» Arbeiter- kammern gusgeschloffen, weil sie rücksichtsvoller behandelt werden? Daran glaubt niemand.(Sehr wahr) bei den Sozial- demokraten.) Jahr kür Jahr habm wir dis Klagen aus diesen o mit wenigen Ausnahmen durchgängig mur Handarbeit Herrschte. Eine neue Steuererhöhung würde eine weitere Verschlechterung der Lage der Tabatarbeiter herbeiführen, sie würden durch bermehrte Arbeitslosigkeit und Lohnverschlechterungen zum Hungern verurteilt sein. Indem die heutige Versammlung aus allen diesen Gründen energisch gegen jede weitere Belastung der Tabatindustrie, welche den Ruin derselben zur Folge haben muß, protestiert, fordert sic von den Reichstagsabgeordneten, daß dieselben flipp und flar gogen jede weitere Mehrbelastung der Tabatinbustrie, gleichviel in welcher Form es auch sei, im Reichstage au stimmen haben." Als Delegierte au dem am 18. Januar beginnenden Zabal arbeiterkongreß wurden gewählt: Spielvogel, Matschte, errmann, Marie Ostinde Betrieben hier vorzutragen, und auch bei dem diesjährigen Marine- Herr b. Sent dem Gefeßentwurf und der formbollendeten Rede des etat werde ich dem Staatssekretär der Marine zeigen, daß Staatssetretärs gezollt habe!- In der freisinnigen Fraktionsdiese Arbeiter noch rüdsichtsloser behandelt werden als die gemeinschaft, die neben hervorragenden Sozialpolitikern auch bedeutende Arbeiter der Privatindustrie. Der privatkapitalistische Unter Bertreter des Handels und der Industrie umfaßt, sind gewiffe Meinungsnehmer fucht unmotivierte Differenzen zu vermeiden, weil nuancierungen über die vorliegende Frage vorhanden, aber einer mit dem Verlust feines feines Kapitals au rechnen hat, mütig ist bei uns die Genugtuung darüber, daß nun auch den Arbeitern und er sucht fich feine qualifizierten Arbeiter zu erhalten. Die eine gefeßliche Vertretung gewährt wird. Die Stepsis der Arbeitgeber Bertalter der militärischen Betriebe arbeiten aber nicht mit gegenüber dem Entwurf ist unter den gegenwärtigen Zeitumständen eigenem Kapital, sondern mit den Steuergroichen der Masse des leider berechtigt. Haß und Mißtrauen treten trennend zwischen Arbeitgeber Bolles, und deshalb glauben sie wohl, weniger Rücksicht darauf und Arbeitnehmer. In reinen Arbeiterfammern würde es auch nehmen zu müssen und die qualifizierten Arbeiter rücksichtslos Gegensäge geben. Es würden neben freien Gewerkschaftlern Hirschheraustreiben zu können. Dunderfche, Christliche, vielleicht auch einmal sogenannte„ Gelbe" Uns liegt jezt auch eine Petition der Arbeiterausschüsse der hineingewählt werden. Der Gelbe ist doch fozusagen auch ein Mensch! militärischen Betriebe Deutschlands vor, die gleichfalls Einspruch Etwas reichlich bureaukratisch ist der Entwurf ja. Aber es handelt sich gegen ihren Ausschluß von den Arbeitskammern erheben. Mit Recht um den ersten Versuch. Da darf man teine strengen Ansprüche stellen. Fri, verspottet die Handelstammer der Bergischen Lande diese Vorlage Weil es sich um den ersten Versuch handelt, ist es auch vielleicht gerade wegen des Ausschlusses der Wilitär- und Marinebetriebe: ganz gut, zunächst die technischen Beamten nicht einzubeziehen. man solle doch die Privatindustrie mit Experimenten verschonen, wäre vielleicht auch besser gewesen, das Handwerk wegzulassen und zu deren gutem Ausgang die Regierung felbst so wenig Ver- die Vertretung der Arbeiter im Handwerk lieber an die Handwerkertrauen habe! Wir fordern, daß die Drganisation der Arbeits- fammern anzugliedern. fammern ausgedehnt wird auf alle Arbeiter einschließlich der Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Sonnabend Arbeiter der Landwirtschaft. Alle Arbeiter bilden eine Einheit und ihre organisatorische Vertretung wollen wir auch einheitlich beschaffen Schluß 6 Uhr. wiffen. Wir haben nichts dagegen, daß Unterabteilungen nächst muß die Organisation gesamte Arbeiter fchaft umfassen.( Sehr wahr bei den Goz.) 11 Uhr. Es " 10 ນາ Vermischtes. Die neneste Mordmaschins. A für die einzelnen Branchen gebildet werden, aber du Proteft gegen die Tabakiteuervorlage. auf Stapel gelegt wird, eine Länge von 555 und eine Breite von Wir haben weiter Einwendungen zu erheben gegen die Bestimmungen über die Wahlberechtigung. London, 15. Januar. Daily News" berichtet, daß der neue Kreuzer Indefatigable", der im nächsten Monat in Devonport 80 Fuß erhalten wird. Das Deplacement wird ungefähr 19 000 Die Kommission der Tabatarbeiter hatte am Donnerstag eine Tonnen betragen. Die Maschinen arbeiten mit 45000 PferdeProtestversammlung nach Sellers Saal in der Koppenstraße ein- fräften. Es sind drei Schornsteine vorgefehen. Der Panzergürtel wird were awölfaglige Geſchuige werden zu Baaren um die Länge des Schiffes herumziehen. Acht schwere zwölfzöllige Geschüge werden zu Baaren in gepanzerten Geschüßbänken so gestellt sein, daß sie nach vorn fenern. Im Hinterschiff werden sich sechs, an der Breitſeite acht Geschüße befinden. Ferner werden 12 vierzöllige und 27 fleine Geschüße vorhanden fein. Außerdem ist das Schiff mit zwei unter Waffer befindlichen Torpedorobren versehen. Das Deplacement ist im Vergleich zur Invincible- Stlaffe erhöht. Man erwartet, daß das Schiff einen neuen Geschwindigkeitsrekord für große Schiffe aufstellen wird. Das Ajkaer Grubenunglück. berufen. Die Bersammlung war von Arbeitern und Arbeiterinnen Nach der Vorlage sollen mur diejenigen wahlberechtigt sein, die sowie von sonstigen Interessenten der Tabakindustrie sehr stark fm Berufe selbst tätig sind. Danach müßte ein Arbeiter, der seinen besucht. Berufszweig techielt, fofort aus der Arbeitskammer ausscheiden. Der Referent, Reichstagsabgeordneter Wolfenbuhr, ber Wir halten es im Gegensatz dazu für notwendig, Vorsorge dafür breitete sich mit eingehender Sachkenntnis über die Steuerpolitik zu treffen, daß der Gewählte für die Dauer feiner Wahl der Reichsregierung im allgemeinen und die Besteuerung des Tabats periode Mitglied der Arbeitskammer bleibt. Weiter sind die und der Tabakprodukte im besonderen. Der Redner zeigte, wie Arbeiter, die als Mitglieder der Arbeitstammer frei und offen die das Reich durch die feit jeher fortgesette Steigerung der Ausgaben Intereffen ihrer Kollegen vertreten, stets der Maßregelung aus für Heer und Flotte in eine Finanzflemme geraten ist, die man gefetzt. Bir zweifeln zwar nicht daran, daß es der fortschreitenden zu beseitigen denkt durch Einführung neuer Steuern. Wie schon Gewerkschaftsbewegung gelingen wird, die Unternehmer von diesen bei früheren Gelegenheiten, so ist es auch jest wieder der Tabak, brutalen Gewohnheiten abzubringen. Wir sind fest überzeugt, den die Reichsfinanzkünstler als Heilmittel gegen die Finanzdaß unfere Organisationen so sehr erftarten werden, daß frankheit betrachten. Bis mard erklärte schon, als er nach neuen fie den Unternehmern Maßregelung ihrer Vertrauensmänner boll Steuerquellen suchte, der Tabak müsse bluten. Seitdem hat man ftändig abgewöhnen.( Sehr gut bei den Sozialdemokraten.) in allen Finanznöten versucht, den Tabak bluten zu lassen. Aber Aber das wird noch viele große Opfer toften, und die wer den Tabat tennt, der weiß, daß er ebenso blutleer ist wie die wollen toir, soweit wie möglich, vermeiden. Darum verlangen jenigen, welche ihn verarbeiten. Tatsächlich sind es denn auch die wir, daß gegen die Maßregelungsgefahr Vorforge getroffen Arbeiter und Arbeiterinnen der Labatindustrie, die bei jeder neuen wird und die Arbeiter unabhängig und ungestört ihre In- Belastung des Tabaks durch Zölle und Steuern bluten müssen. Sie teressen wahrnehmen fönnen. Notwendig scheint uns zu dieser find es, die am meisten zu leiden haben unter dem Steuerdruck, Nach einer neueren Meldung aus Wesprim waren 200 Bergs Bertretung im Gegenjaz zu Herrn von Winterfeldt Menkin ber dem Tabat auferlegt wird. Die durch die Steuer verursachte Leute vor der Explosion in das Ajlaer Bergwerk eingefahren. auch die Zulaffung der besoldeten Sekretäre der Arbeiterorgani Preiserhöhung haben die Fabrikanten immer dadurch auszugleichen fationen. Zu den Landwirtschaftskammern find wählbar auch die gesucht, daß fie die Löhne herabdrücken. Wird jetzt die Tabat- 144 Bergarbeiter sind gerettet, von ihnen sind 14 verlegt. AußerBorstandsmitglieder und Beamten landwirtschaftlicher Bereine und industrie aufs neue belastet, so wird die Folge fein Arbeitslosigkeit dem find 40 Leichen geborgen. Man befürchtet, daß die noch in der Genossenschaften, sowie alle Personen, welchen von der Land- und weitere Herabjegungen der Arbeitslöhne der Tabalarbeiter, die Grube eingeschlossenen 16 Bergleute sich nicht mehr am Leben wirtschaftskammer die Wählbarkeit beigelegt wird, um die Land- schon jetzt niedriger find, als die sprüchwörtlichen Weberlöhne in befinden. wirtschaft verdiente Personen und Sachverständige."( Lebhaftes Schlesien. Man kann annehmen, daß, wenn die Pläne der ReDie Ausführungen des Genoffen Moltenbuhr fanden den lebhaftesten Beifall. Der Vorsitzende Borner teilte mit, daß der zurzeit tagende Bundestag deutscher Bigarrenhändler der Kommission 200 m. als Beitrag zu den Agitationstoften gegen die Tabatsteuer eingesandt hat, nebst einem Sympathieschreiben. Wie aus Wes prim hierüber berichtet wird, gelang es nachts, das infolge der Explosion schlagender Wetter im Ajfaer Kohlenbergwerk ausgebrochene Feuer au lokalisieren und sämtliche Eingänge freizumachen. Von 240 eingefahrenen Bergarbeitern sind bisher 16 lebend und 45 tot geborgen worden. Es besteht Hoffnung, die übrigen Arbeiter zu retten. Bierzehn Personen ertrunken. Der Dampfer, Delphine" ist, wie aus London berichtet wird, zehn Meilen von Balia gesunken. Bier. zehn Mann der Befatung sind ertrunken. Wafferftands- Nachrichten der Landesanstalt für Gewäfferfunde, mitgeteilt bom Berliner Wetterbureau. Bafferftand Memel, Tilft Hört hört! bei den Sozialdemokraten.) Ebenso darf die gierung Gesetz werden, 40 000 Arbeiter und Arbeiterinnen der Folgenschwere Dynamitexplosion. Einer Meldung aus Kon Handwerkskammer bis zu ein Fünftel ihrer Mitglieder sich Tabakindustrie brotlos werden, was den Fabrikanten die Herab- ftantinopel zufolge wurden durch vorzeitige Entzündung einer Surch Zuwahl von fachverständigen Personen ergänzen. Die Handels- febung der Löhne natürlich erleichtert. So wird auch über die Dynamitpatrone bei den Arbeiten aur Sprengung eines Schiffs= ſeffen und verloren haben, diese bis zu einem Zehntel ihrer Mit hereinbrechen. Aber bei alledem wird das Reich auch durch diese Gerücht von der Explosion einer Bombe wird als unwahr be glieder auf drei Jahre wieder erteilen. Bie fann mau da den Arbeits- Steuererhöhung nicht aus seiner Finanzklemme befreit. Selbst zeichnet. fammern das gleiche Recht bei der Vertretung der Arbeiterintereffen wenn alle Steuervorlagen der Regierung bewilligt werden sollten, berfagen wollen?( Lachen rechts.) Wenn Sie das noch Gerechtigkeit wird sich die Finanznot nach einigen Jahren wieder bemerkbar nennen, so haben Sie von den Grundfäßen des Rechts eine ganz andere machen, denn die Regierung denkt ja nicht daran, die ungeheueren Auffassung als die Personen, die sonst im öffentlichen Leben stehen. Ausgaben für Heer, Flotte und andere kulturwidrige Zwede einzu( Sehr gut bei den Sozialdemokraten.) Alle drei Unternehmer schränken. Deshalb ist es die Hauptsache, daß das System, aus dem organisationen haben das Recht, sich Sachverständige und besolbete biese Politif entspringt, mit aller Energie bekämpft wird. Zunächst Beamte zuzuwählen, nur wo es sich um die Arbeiter bandelt, gilt es, diese Steuerborlagen zu betämpfen, damit sie verschwinden, wird dieses Recht vorenthalten. Ich weiß nicht, ob dem Staats- wie schon andere derartige Vorlagen verschwunden sind. fetretär die Bestimmungen der Geieße über die fapitalistischen Inter effenvertretungen belannt waren, die ich angeführt habe. 28 aren fie ihm aber befannt, so hätte er den Arbeitern das gleiche Recht einräumen müfien.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Er hat es nicht getan und wird es uns nicht verargen fönnen, ivenn wir danach doch noch daran zweifeln, ob ihm nicht die Interessen der Unternehmer näher liegen als die der Strasser, der Vorsitzende des Bundes deutscher Bigarren Arbeiter. Wir uns darüber regen gar nicht auf und händler, nahm hierauf das Wort. Er wandte sich in längerer Rede machen ihm daraus feinen übermäßigen Vorwurf. Wir wissen, gegen die Steuervorlage und bemerkte, die Händler würden sich in daß, wenn er zu den Arbeitern in den gesellschaftlichen einer Broschüre an das Publikum wenden, um zu begründen, daß Beziehungen stände, in denen er zu den Unternehmern eine Preiserhöhung der Tabatfabrikate nicht von den Händlern gesteht, er die Interessen der Arbeiter bevorzugen würde. Wir konstatieren uur die Tatsache, daß unter den jezigen Berhältnissen tragen werden könne, sondern auf die Konsumenten abgewälzt werden müsse. die Arbeiter in jedem Gesetze benachteiligt werden.( Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Gerade die besoldeten Gewerkschaftsbeamten haben eine weitgehende Sachkunde nicht nur in den allgemeinen Verhältnissen, sondern auch in den betrieblichen Einrichtungen der einzelnen Werke. Der größere Teil der Streits und Aussperrungen in Deutschland wird durch Verhandlungen beigelegt, und schon au diesen müssen die Gewerkschaftsbeamten folche Spezialfenntnisse haben. Warum will man also die Personen, die die besten und eingehendsten Kennt niffe haben, von der Arbeitsfammer ausschließen? Offenbar nur, weil auch hier die Unternehmerintereffen in den Vordergrund gestellt worden sind. Wir wenden uns auch dagegen, daß die großkapitalistischen Unternehmer ein größeres Wahlrecht erhalten sollen als die Kleingewerbetreibenden. Durch dieses Pluralwahlrecht werden die Kleingewerbetreibenden vollkommen einflußlos.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die ganze Organisation der Arbeitstammern ist echt bureaukratisch und ermangelt ganz der Selbstverwaltung: Der Borfizende leitet die Wahlen, beruft und leitet die Sigungen, mietet die Räume, stellt die Hilfskräfte an, die ihm und nicht der Kammer ver antwortlich sind, und entscheidet, ob die Verhandlungen öffentlich oder geheim sein sollen. Die Interessenvertretungen der Unternehmer haben die reine Selbstverwaltung, die der Arbeiter sollen den Gipfel der Bureaukratie bilden. So werden die Arbeiter in jeder Beziehung zurüdgefegt.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Was die Kosten für die Berwaltung anbetrifft, für die Erhebungen usiv., so sollen sie nach einem sehr komplizierten Verfahren auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer verteilt werden. Wir meinen, wo so viele Hunderte und Millionen jährlich für unproduktive 8wede vom Staate ausgegeben werden, sollte man berlangen fönnen, daß der Staat hier auch einmal die Kosten für eine fozialpolitische Ausgabe übernimmt. Ich halte die Belastung der Unternehmer mit der Hälfte der Kosten übrigens für eine Ungerechtigkeit. Sie müssen schon einmal Beiträge leisten zu den Handwerker- und Handelskammern und sollen nun hier nochmals zu Beiträgen herangezogen werden. Daß die Arbeiter zu den Stoften beitragen follen, ist um so weniger angebracht, als fie feinen Einfluß auf die Verwaltung haben.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Das sind die wesentlichen Bestimmungen der Vorlage, gegen die wir uns zu wenden haben. Auf eine Reihe fleinerer Bedenken, wie z. B. gegen die sechsjährige Wahlperiode, erübrigt es sich jetzt einzugehen. Ich glaube, die Vorlage ganz ruhig und nüchtern behandelt zu haben, und bin dabei zu dem Schluß gekommen, daß wir in der Vorlage eine irgendwie ausreichende Vertretung der Arbeiter nicht erbliden tönnen. Wir werden aber in der Kommission versuchen, ebenso nüchtern und ruhig dahin zu wirken, daß der Gefeßentwurf ausgebaut wird, weil wir den lange gehegten Wunsch der Sozialdemokratie, eine Vertretung der Arbeiter zu schaffen, gern erfüllt fehen möchten. Es muß allerdings ein Geseß sein, das der Arbeiterschaft eine wirklich unabhängige, imbeeinflußte Stellung nahme ermöglicht.( Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Bregel, Snsterburg Beichiel, born Oder, Ratibor Stroffen Frankfurt 76+3 70+2 Rathenow³) Spree, Spremberg) Befer, Münden 699+1 -17-21 Beestom am feit am feit 14. 1. 13. 1. Bafferstand 14. 1. 13.1. cm cm³) cm cm) 258 -3 18 7 Saale, Grochlit Savel, Spandau 68 2 64 154 +10 90 +10 152+4 1283)-5 140+4 Minden Landsberg 823) Rhein, Marimiliansau 833+30 11 48 224 Nedar, Heilbronn 18 Main, Bertheim 117+9 26 Mosel, Trier 186+62 . + bedeutet Buchs, Fal. Barthe, Schrimm Nezze, Bordamm E15e, Leitmerit Dresden Barby Magdeburg Einstimmig wurde folgende Resolution angenommen: " Die am 14. Januar 1909 au Berlin, Koppenstr. 29, in Freyers Festsälen stattgehabte Versammlung der Tabalarbeiter, Fabrikanten und Händler protestiert auf das entschiedenste gegen jede Grhöhung der Tabaksteuer, des Tabakzolles, der Einführung der Banderolesteuer auf Zigarren, sowie der Erhöhung der Bi- 9 schwacher Eisgang. garettenbanderolesteuer und gegen jede Art der weiteren BeSteuerung der Tabaffabrikate, und berurteilt aufs schärfste, daß die Reichsregierung trop der im Frühjahr 1906 feitens des Meichstages abgelehnten Belastung der Bigarrenindustrie, es wieder wagt, an den Reichstag aufs neue heranzutreten, trok der zur felben Zeit angenommenen Zigarettenbanderolesteuer, verbunden mit der Zollerhöhung auf Bigaretten und Zigarettentabafe, trob der hierdurch hervorgerufenen folossalen Arbeitslosigkeit der Arbeiter dieser Branche, trotz der im Frühjahr 1906 angekündigten Borlage, welche wegen ihrer Aussichtslosigkeit bei den Reichstags abgeordneten nicht das Tageslicht erblidte, dahingegen selbst den Sturz des damaligen Reichsschatsekretärs v. Stengel herbei führte, trob der enormen Steigerung aller Lebensbedürfnisse, als Brot, Fleisch, Kohlen, Wohnungsmiete usw. usw. Die Regierung behauptet fortgefeßt, daß der Tabat ein entbehrliches Genußmittel sei; für die in der Tabakindustrie be= schäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen ist er der unentbehrliche Rohstoff des Gewerbes. Steuererhöhungen, die eine Verteuerung dieses Genußmittels ungweifelhaft herbeiführen, haben eine Herabdrückung des Konsums zur Folge unb bringen daher für die in der Tabakindustrie und deren Nebengewerben Beschäftigten Arbeitslosigkeit und unberechenbare Lohnabzüge. Die Tabat arbeiter glauben um so mehr berechtigt zu sein zu einem Brotest gegen jede weitere Mehrbelastung der Tabatindustrie: oben und so there zu fein 3 1, weil in der Tabatindustrie eine große Zahl schwächlicher und verkrüppelter Arbeiter Unterschlupf gefunden haben, die in feiner anderen Industrie sich zu ernähren imstande sind, und bei der durch die Steuererhöhung bewirkten Arbeitslosigkeit nur den Gemeinden zur Last fallen würden; 2. weil durch den am 1. März 1906 in Straft getretenen Boll. tarif eine weitere Herabdrückung der elenden Lebenshaltung der Zabalarbeiter bewirft wurde; JEDER Raub Stöln 89+11 63+4 58+13 Unterpegel.) Eisstand. A.B.Koch ARBEITER Kohlen- Groß- Handlung gegründet 1893. Haupt Kontor Berlin 0. 17, Fruchtstraße 75. Fernipr. Ami 7 Nr. 3040 u. 8096. 1. Lagerplay: Ditbahnhof Berlin 0. 34, Bromberger Str. 16. II. Lagerplat: 0.17, Fruchtftr. 13. III. Lagerplak: Bahnh. Weißen. fee, Greifswalder Str. 80a. 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Die alljährlichen enormen Einnahmen, welche das Reich durch die im Jahre 1879 erfolgte Erhöhung des Tabakzolles, der Tabaksteuer und der im Juli 1900 eingeführten Mehrbelastung der Zigarettenindustrie durch Zoll und Banderoles Steuer hat, werden hauptsächlich getragen durch die in der Tabal. industrie und deren Nebengewerben beschäftigten Arbeiter, in Form der damals in großem Umfange vorgenommenen Lohns rebuktionen, die sie über sich ergehen lassen mußten auf Grund der durch das Sosialistengeses herbeigeführten Wehrlosmachung der Arbeiter und durch die in erheblichem Maße betriebene Verlegung der Fabrikation aufs flache Land, sowie durch Ueberhandlumen- u. Kranzbinderei 3th Aug. Krause, Wiener Straße 7, liefert Vereinsfränze usw. billigit. JEDERI HANDWERKER sollte zur Arbeite die Lederhose Herkules tragen. :: Unerreichte a Leistungsfähigkeit Allein- Verkauf. Sehr starkes Leder mit Zwirnkette in grauen und braunen Streifen, auch einfarbig. 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Bahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. 4. Stellungnahme zur Zeitungsspedition 173/4 Am 14. Januar verstarb nach Burzen, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater und Schwiegervater Karl Richter. Die Beerdigung findet am Montag, den 18. Januar, nach mittags 3 Uhr, von der Leichens balle des Emmaus- Kirchhofes in Rigdorf aus ftatt. 58352 Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Am Mittwoch, den 13. Januar. entschlief nach langem schweren Leiben meine liebe Frau und unsere gute Tochter, Schwieger tochter, Schwester, Schwägerin und Zante, 58342 Frau Anna Wienicke geb. Ohnesorge. Um ftille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Sonntag, den 17. Januar, nachmittags 2 Uhr, vom Trauerhause in Lichtenberg. Kronprinzenstr. 9, aus statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und den vielen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau Marie Klinke fage ich allen Berwandten, Freunden und Bekannten meinen herzlichsten Dant 58332 Richard Klinte, Beißenfee. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berliner Reichstagswahlkreis Köpenider Viertel. Begir! Nr. 201, Zeil II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Kutscher Emil Haack Dppeiner Str. 41 geftorben ist. 215/4 Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet aur Sonnabend, den 16. Januar, nach mittags 3, Uhr, von der Leichen halle des Emmaus- Kirchhofes in Rigdorf, Hermannstraße, aus statt. Der Vorstand. Sozialdemokrat. Wahlverein für den 4. Berliner Reichstagswahlkreis. Stralauer Viertel Bezirk Nr. 847, Zeil II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genoffe, der 8igarren händler Karl Richter Gubener Str. 19 geftorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 18. Januar, nam. 3 Uhr, von der Leichenhalle des Hermannstraße, aus statt. 215/5 Der Vorstand. Konsum-, Produktiv- mus. Kirchhofes in Rigdorf, und Sparverein Zehlendorf und Umgegend E G. m. b. H. Sonntag, den 24. Januar, Deutsch.Transportarbeiter Verband General- Versammlung Achtung! Verwaltungsstelle Berlin Il. Berbandsmitglieder! Achtung! Am Sonntag, den 17. Januar, fiber ft Branchenversammlungen: folgende Potsdamer Straße Nr. 25. Zagesordnung: 1. Vierteljahresbericht. 2. Beschlußfassung über Ausgabe von Hausanteilscheinen. 3. Verschiedenes. Der Aufsichtsrat. Otto Jäckel. Otto Steinborn. 103/5 Für die Sektion der in der Metall, und Elektroindustrie Möbelfabrik ,, Fichte". fowie in der Schilderanmacher Branche beschäftigten Kollegen: Bormittags 10 Uhr, in den ,, Musiker- Sälen", Kaiser Wilhelmstr. 18 m( großer Saal). Tagesordnung: 1. Tätigkeitsbericht vom verſloſſenen Jahre. 2. Neu: wahl der Branchenleitung. 3. Kaffenbericht vom Agitationss fonds und Neuwahl des Kaffierers und der Revifionskommiffion. 4. Anträge und Verschiedenes. Sektion der Getreideträger, Speicherarbeiter, Wäger E. G. m. b. H. Sonntag, den 31. Januar, vormittags 10 Uhr, im Geschäftslokal: Außerordl. Generalversammlung. Zagesordnung wird in der Ber fammlung belanntgegeben. 5416 Der Vorstand. Der Vorstand der Gemeinsamen Ortskrankenkaffe für DeutschWilmersdorf und Umgegend bc steht aus folgenden Mitgliedern: Gustav Wegener, Arbeitgeber. Hermann Cohn, und Schipper Berlins: Vormittags 10 Uhr, im„ Eng- Bekanntmachung. lischen Garten", Alexanderstraße 27 c. Zagesordnung: 1. Die Verhandlung der Speicher- Befiher mit der töniglichen Ministerial- Bautaffe betreffs Einführung eines Gebührentarifs für die lagernden Getreide und sonstigen Güter und unsere Stellung hierzu. 2. Diskussion. 3. Tätigkeitsbericht der Sektionsleitung und Neuwahl derselben. 4. Verschiedenes. Für die Mitglieder aus den Bezirken Nirgdorf, Brik und Treptow: Abends 6 Uhr, bei Thiel, Rixdorf, Alfred Riedel, Bergstraße 151-152. Karl Schulze, Tagesordnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten Stoll. Aug. Gebert Wilhelm Seiple, Charlottenburg über: Wer sind die Feinde der Arbeiter? 2. Dis: Kurt Zudermann, tuffion. 3. Berschiedenes. Nach der Versammlung: Gefelliges Otto Bäglow, Beisammensein. August Bludczad, Friedrich Wäsch, Heinrich Wüstenhagen, Rudolf Andrikki, Für die Mitglieder aus den Brauereibetrieben: Abends Sugo Freundt, 6 Uhr, im ,, Englischen Garten", Alexanderstraße 27 c. Großer Lichtbilder Vortrag. Bortragender: Herr Karl Midich: Durch 65/3 bie Polarländer Nordamerikas. 110 Driginal- Lichtbilddarstellungen. Nach dem Vortrag: Gemütliches Beifammensein mit Tanz. Ein tritt einschließlich Tanz 50 Pfennig. Kolleginnen und Kollegen! Sorgt für einen recht guten Besuch der Berfammlungen. Die Verwaltung II. Arbeitnehmer. " Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Mechaniker Albert Gebhardt am 8. d. M. an Lungenleiden ge gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! 110/9 Die Ortsverwaltung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach richt, daß am 14. Januar unsere liebe Mutter, Schwieger. und Großmutter, Frau Auguste Stirtz berto. Reimann Kleine Andreasstraße 6 im 65. Lebensjahre nach schweren Leiden fanft entschlafen ist. Um stilles Beileid bitten Die Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmittags 2, Uhr, von der Leichenhalle des Georgen Kirchhofes, Landsberger Allee, aus statt. Danksagung. 5405 Für die vielen Beweise herzlicher Zeilnahme bei der Beerdigung unseres guten Baters, Großvaters, Schwieger. baters and Bruders Rudolf Dr. Schünemann Preller, fagen allen Freunden 56232 Spezial- Arzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten. Friedrichstr. 203, Ede Schüßenstr. 10-2. 5-7, Sonnt 10-12 Ubr. und Bekannten, den Kollegen der Firma C. Lorenz, Attien- Beleüschaft, dem Gesangverein Vorwärts Süb. Dft" und dem Lottertevercin Fortuna unseren herzlichsten Dant. 5426 Die trauernden Hinterbliebenen. Josephs 90m. Woche EVEN von Sonnabend, den 16., bis Sonnabend, den 23. Januar 1909. In dieser Woche bringen wir in allen Abteilungen praktische Artikel zum Einheitspreise von 90 Pfg. zum Verkauf, welche einen weit höheren Wert repräsentieren. Im Erfrischungsraum während der 90 Pfg. Woche: 1 Tasse Kaffee Ober- und Untertasse ist gratis mitzunehmen. H. Joseph& Co., Rixdorf, Rabatt- Prämien- Marken. 10 Pfg. Berliner Straße No. 54/55. Doppelte Vorteile. Berantwortl. Rebatteur: Carl Wermuth, Berlin- Rigdorf. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Berlagsanstalt Paul Ginger& Co. Berlin SW Nr. 13. 26. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sounabend, 16. Januar 1909. Der Petersprozeß der ,, Münchener Poft sich darauf berufen, daß seine Maximen, bie er in dem Werk über Behntel dem Privatkläger, Dr. Karl Peters auferlegt. ( Telegraphischer Bericht.) Mordbrenner Tod hinauszuschicken. Gewiß kann Dr. Peters mit einigem Recht zu neun Zehnteln dem Beklagten, Redakteur Gruber, zu einen Emin Bascha niedergelegt hat, bekannt gewesen seien, da er sein Die Gründe sind folgende: In den Artikeln der Münchener Buch der Kaiserin gewidmet habe und die Widmung angenommen Best" ist behauptet worden, daß Peters wider besseres Wissen zwet worden war. Aber Lesen ist ja nicht die stärkste Seite des Aus- Neger, weil sie geschlechtlich verkehrt hätten, habe hinrichten lassen, München, 15. Januar. wärtigen Amts! Auch Ihre Majestät die Kaiserin, die sich wegen daß er aus wollüftigen Gefühlen Negermädchen habe unendlich Als letter Zeuge wird Oberleutnant a. D. Landschaftsmaler ihres Mitleids mit allen Leidenden einen guten Namen im deutschen peitschen lassen und daß er geistestrant sei. In dem ersten Artikel Freiherr Bolte erworben hat, hat es sicher nicht gelesen. Wenn man das Buch ist nicht ausdrücklich gesagt, daß der Privatkläger bewußt widerv. Bechmann uest, wird man mit Empörung und Entrüstung erfüllt, wie Dr. rechtlich gehandelt habe, aber es geht das aus dem ganzen Artikel bernommen. Er erklärt, die beiden Hinrichtungen haben in keiner Peters nicht als Kolonisator, sondern als hervor. Schon die Worte Hänge- Peters", Feiger Mörder" ust. Weise irgend welchen Zusammenhang gehabt. Die Situation am sprechen dafür. Aus dem anderen Artikel geht das aber noch deutKilimandscharo war damals sehr tritisch; es war daher notwendig, durch die Lande gezogen ist. Er, der Führer einer Privatexpedition, ähnliche beweisen. Das Gericht ist der Ansicht, daß diese Tatsachen licher hervor, wie z. B. der Ausdruck Scheußliche Perversität" und mit größter Strenge vorzugehen. Warum Bronsart v. Schellendorf, der hat den Eingeborenen nicht ihre Vorräte abgetauft, sondern geraubt, nicht erweislich wahr sind. Der Privattläger Dr. Peters erflärt, Truppenführer war, nicht zum Kriegsgericht zugezogen wurde, weiß und niedergeknallt, was ihm in den Weg kam. Den Dienern gegen- daß er in einem nicht beruhigten Lande zur äußersten ich nicht mehr. Jedenfalls aber ist es nicht absichtlich geschehen. über hat er Strafen ersonnen, die dem Raffinement eines wahn- Strenge verpflichtet gewesen sei, zur Sicherung des Lebens der Bronsart tann auch gar nichts gegen die Hinrichtung gehabt haben; sinnigen Cäsaren alle Ehre machen würden. Die Art des Dr. Weißen und der Station. Die Strafen seien hart, aber notwendig denn als der Sanitätsgehilfe Wieft meldete, daß Mabruk hin- Peters, mit den Wilden und seinen Dienern umzugehen, muß mit gewesen. Ob die Lage am Kilimandscharo damals so drohend gerichtet sei, sagte Bronsart:" Dem Kerl ist ganz recht geschehen!" Abscheu erfüllen. Baumann schreibt, der Peters wäre halb verrüdt; war, darüber gehen die Ansichten der Sachver - Vors.: Erinnern Sie sich auch der Aeußerung von Dr. Peters: der Zeuge v. Pechmann sagt heute, Prügel waren das tägliche ständigen und Zeugen auseinander. Noch mehr gehen die " Ich trinke auf das Wohl des seligen Mabruk!" Brot. Es ist nicht festgestellt, was die Urteile der Disziplinar Ansichten der Zeugen auseinander darüber, ob solche Strafen notBeuge: Deffen erinnere ich mich nicht. Vorf.: Herr Dr.richter erschüttern könnte. Der Reichskommissar, der Sitte und wendig waren. Fast sämtliche Beugen, die in Afrika gelebt Peters, Sie geben diese Aeußerung aber wohl zu? Dr. Peters: Kultur nach Afrika bringen sollte, der seine Vorgesekten belügt, haben, erklärten allerdings, daß fie feinen Fall fennen, in Rein, absolut nicht, das bestreite ich ganz ent- berlangt von seinen schwarzen Dienern Wahrhaftigkeit und verab- dem derartige Strafen verhängt wurden. schieden. Der Vorsitzende ruft dann den Zeugen Wiest folgt ihnen Peitschenhiebe, wenn sie lügen. Einem armen Burschen, ständig geklärt fönnen diese Dinge heute nach 16 bis 18 Jahren vor und fragt ihn, ob er wisse, daß bei der Meldung von der Hin- der sich ein Huhn aneignet, gibt er 25 Siebe und läßt ihn noch ein nicht werden. Das Gedächtnis ist jetzt verwischt. Dazu kommt, richtung des Mabrut eine derartige Aeußerung des Dr. Peters Brechmittel einnehmen. Nach dem Disziplinarurteil muß man an- daß die Verhältnisse ganz verschieden von den unserigen sind, gefallen sei.. Beuge wie st erinnert sich einer solchen Aeußerung nehmen, daß an Mabruk ein Justizmord verübt ist. Es ist gar nicht ferner tommt hinzu, daß sämtliche Aussagen zugunsten oder zunicht. Vors: Bronfart v. Schellendorff erklärt, daß seine erwiesen, daß überhaupt ein Einbruch begangen ist. Der Diener ungunsten beeinflußt sind und daß sie für oder wider Partei find. Aeußerung sich nicht bezogen habe auf die Hinrichtung, sondern auf wollte bei den Mädchen nichts anderes als das, was wir bei uns Aber so viel läßt sich doch feststellen, daß die Hinrichtung der Jadie Prügel, die Mabruf für den Zigarettenbiebstahl bekommen hat. Sammerfensterln" nennen. Ein unter der Folter abgelegtes Ge- godja in keinem Zusammenhang steht mit der ersten Hinrichtung, Beuge Freiherr v. Pechmann: Das kann nicht stimmen. ständnis hat keinen Wert. Nach den Gesezen von Moral und Anstand und daß die Auspeitschung der Weiber auf feine sadistischen Bors.: Grinnern Sie sich, überlegen Sie sich genau, es steht hier war Dr. Peters nicht berechtigt, diese Todesurteile zu vollziehen. Gründe zurückzuführen ist. Dies hat auch heute im Gegensatz zur Eid gegen Eid!- Zeuge v. Pechmann: Ich muß doch an- Nero, Caligula waren auch Herren über Leben und Tod, trotzdem ersten Verhandlung der Angeklagte zugegeben. Anders liegt es nehmen, daß diese Aeußerung sich auf die Hinrichtung bezog, sind sie als die größten Scheusale in der Weltgeschichte gebrand- mit der Hinrichtung des Mabrut. Es waren wohl gedenn die Prügelstrafe kam bei uns und der Schustruppe so oft vor, Station vollzogen hätte, dann hätte er sich ein Verdienst erworben. der Beuge Bronsart v. Schellendorf sagte, nicht in dem Sinne, daß Wenn Dr. Peters die Hinrichtung zur Sicherheit der schlechtliche Dinge dabei mitbestimmend, aber wie Seine Verdienste hat aber Dr. Peters nie unter den Scheffel ge- Dr. Peters eifersüchtig war, sondern weil er in dem Einbruch des stellt. Wenn er eine so verdienstvolle Tat vollbracht hätte, wie die Mabruk bei den ihm reservierten Weibern einen Eingriff in seine Rettung der Station, hätte er gewiß dem Gouverneur ausführlich Autoritätsrechte erblickte. darüber berichtet. Da ist man berechtigt, zu sagen: Es war nicht nur ein Mord, sondern ein feiger Mord! -YO fie war für manche fast wie das tägliche Brot. -O marit. VollNeue Aussage des Leutnants Bronsart von Schellendorff. Hierauf wird das Protokoll der Aussage des am 16. Mai v. J. erneut vor dem kaiserlichen Vizekonsulat in Momboso kommissaBei der Str afabmessung sind bei dem Angeklagten risch vernommenen Leutnants a. D. Frik Bronsart von Gruber verschiedene Momente zu berücksichtigen. Zunächst handelte Schellendorff, zurzeit wohnhaft Löwenhöhe bei Kapiti er in Wahrung berechtigter Interessen, er ging nur in der Form Pluius, verlesen. Der Beuge hat eidlich ausgesagt: Im Jahre Er hat nicht einmal gewagt, seine Tat offen einzugestehen. Me zu weit. Dann schrieb er die Artikel in einer politisch bewegten 1891 fam ich mit Dr. Peters und dem damaligen Hauptmann Jo- Dr. Peters vom Gouverneur zum Bericht gedrängt wurde, hat er eich stage wiederholt ausgesprochen, ohne daß Dr. Peters VerBeit. Dieselben Angriffe wurden in der Presse und im hannes nach Marangu im Gebiete des Kilimandscharo. Einige ihn belogen. Es herrschte Ruhe am Kilimandscharo, und nur anlassung genommen hätte, gegen die Verleumder vorzugehen. Zeit darauf wurde ein Einbruch in das von Dr. Peters weil ihm die Surenwirtschaft durchgegangen war, wenn er auch gegen Reichstagsabgeordnete nicht flagen konnte, bewohnte Haus verübt. Ich habe den Einbruch nicht wurde der Krieg mit alamia angefangen. Die hätte er doch die Presse zur Berantwortung ziehen können. ernst genommen, namentlich ihm keine politische Bedeu- Aussagen der Schwarzen, daß Dr. Peters gesagt habe:" Mabruk ist tung beigemessen. Ich habe auch die Lage am Kili- gehängt worden, weil er mit meinen Bibis geschlafen hat," deckt Dr. Peters hat aber viel durch sein Verhalten selbst ver. mandscharo damals nicht für gefährlich gehalten, sich mit dem, was wir von Baumann, Mittelstaedt, Hermes und schuldet, wenn seine Gegner so aggressiv gegen ihn vorgingen. gebe aber zu, daß Dr. Peters als Nichtsoldat anderer Ansicht sein Bronsart v. Schellendorff gehört haben. Das Disziplinar. Es kommt weiter in Betracht, daß die Laten, die er begangen tennte. Später wurde der Boy des Dr. Peters, Mabruk, dadurch, urteil besteht noch heute zu vollem Recht. Dr. haben soll, das menschliche Gefühl verlegen müffen; namentlich die daß er eine Zigarette von Dr. Peters rauchte, als Verüber des Beters hat seine sämtlichen schwarzen Diener danach prügeln lassen. Auspeitschung der Weiber ist vom europäischen StandEinbruches erkannt. Er erhielt alsbald eine Anzahl von Peitschen- Wenn Dr. Peters das Unglück gehabt hätte, in die Hände eines punkt hieben und bei dieser Gelegenheit habe ich die Aeußerung:" Dem deutschen Staatsantvalts zu fallen, dann wäre er Ser! ist ganz recht geschehen", getan. Vom Mabrut wurde gesagt, abstoßend und grausam, so daß der Angeklagte Gruber empört werden konnte. Grubet fannte die afrikanischen Verhältnisse nicht und es ist begreiflich, daß er den europäischen Maßstab an dieser Handlung anlegte. Da zu kam, daß die Disziplinarurteile unter schärffter Mißbilligung des Verhaltens des Dr. Peters auf dessen Amtsentlassung erkannt hatten. Es ist anzunehmen, daß der angeklagte Redakteur Gruber diese Urteile wenigstens dem Hauptinhalte nach gekannt hatte. Andererseits sind die Beleidigungen die denkbar schwersten, die einem Menschen gemacht werden konnten. Das Gericht hat daher beide Fälle für ziemlich gleichwertig erachtet und für jeden Fall eine Geldstrafe von 200 m. als an= Darauf nahm das Wort Rechtsanwalt Rosenthal: Ich gemessene Sühne erachtet. Was die Strafe bei dem Privatkläger beantrage, die Berufung zu verwerfen. Ich muß ablehnen, darauf Dr. Peters anbetrifft, so ging er straffrei aus, weil auch bei ihm einzugehen, of Dr. Peters gegen§ 243 des Strafgesetzbuchs ver- eine Erwiderung auf der Stelle borlag. stoßen hat. Wenn man in Gegenden kommt, die noch nicht der Kultur erschlossen sind, dann kann man nicht die Bestimmungen des deutschen Strafgesetzbuchs anwenden. Wollte man das, dann fein Land je cine Kolonie erworben Menschenfchindereien in einem Mädchenheim. er habe beim Einbruch die Weiber mit einem Reglatt zu Zuchthaus verurteilt bolber bedroht und versucht, eine zu vergewal worden wegen Vergehens im Amt und Anwendung von Gewalttigen. Ob das auch richtig war, ist mir nicht erinnerlich. Ich mitteln zur Erpressung von Geständnissen. Dr. Peters gibt selbst weiß nur, daß wir gelegentlich darüber debattierten, ob er hin zu, er habe nicht gewußt, ob die Drohung mit dem gerichtet werden müsse; namentlich hatte ich mit von Pechmann, Bombenattentat Ernst oder Scherz sei. Aber in einem der sich für die Hinrichtung aussprach, eine erregte Aus- großen politischen Blatte schreibt er: die Sozialdemokratie in einandersetzung. Ich ging zu Dr. Peters und München habe ihn durch Drohung mit einem Bombenattentat vom trug ihm in bescheidener Weise meine Bedenken Reden abhalten wollen. Die Ausdrücke sind zwar scharf, so daß gegen die etwaige Hinrichtung vor. Ich sagte:" Ich Bestrafung erfolgen müßte. Aber es wäre zu erwähnen, ob sie bin Ihnen gegenüber noch jung, ich bitte Sie aber zu bedenken, nicht durch Kompensation aufgehoben wird. daß es beim Bekanntwerden einen großen Stan dal geben wird." Jch wies darauf hin, daß die Tat doch in feinem Berhältnis zu der beabsichtigten Strafe steht. Da es sich um einen Diener aus einem ganz fremden Volksstamm handelte, so stand er mit der politischen Lage in durchaus keinem Zusammenhang. Ich sagte zu Dr. Peters, er solle fich damit begnügen, Mabrut an die Kette zu legen. würde Dr. Peters nahm meine Vorstellungen freundlich auf. Er sah aber den Fall deshalb so schwer an, weil der Einbruch bei ihm, als haben. Was Dr. Bernheim als Fehler ansieht, das ist das Verdem höchsten Beamten, pajfiert war, dazu mit der Waffe in der dienst der Reichsregierung, daß sie einen Mann hinaus Aus der am Donnerstag erfolgten Beweisaufnahme por der Hand. Auch sah er es offenbar als eine besondere Frech- schickte, der es verstand, das Ansehen des Reiches mit Straftammer zu Jkehoe tragen wir noch folgende Bekundungen heit an, daß der Diener sich an seinen Weibern zu vergreifen Energie zu wahren und einen Kolonialbesitz zu schaffen, der nach. versucht hatte, nicht etwa aus Eifersucht nach europäischen Be- noch größer wäre, wenn nicht vom grünen Tisch gegen Dr. Peters griffen, sondern weil er darin eine unerhörte Verlegung seiner alsbald die Konterminen gelegt worden wären. Alles was günstig Mädchen Margarete Pietsch, die ebenfalls im Glückstadter KrankenEine Frau Meißner bekundet dann in bezug auf ein anderes Autorität fah. Ich gab Dr. Peters zu verstehen, daß ich, wenn er für Dr. Peters ist, wird von der Gegenseite übersehen. Man greift hause an Tuberkulose verstorben ist, daß auch diese, eine Halb. die Hinrichtung vollzichen sollte, meinen Standpunkt immer wieder auf die Disziplinarurteile zurück, man will sich nicht beim Gouverneur vertreten würde. Dr. Peters zeigte erinnern, daß ein Jahr vorher ein Teil dieses Unrechts schwester von ihr, ähnliche Erzählungen über die Zustände im mir ein Schriftstück, nach dem er zur Verhängung von Todes- durch die Gnade bea Kaisers aufgehoben Asyl gemacht habe. Colander habe sie an den Haaren gerissen, urteilen ermächtigt war, und er erklärte: Die Disziplinarurteile sind und bleiben anfechtbar. durch den Saal geschleift, geschlagen, an die Kette gelegt und in Wenn nach dem Reichsbeamtengefeß ein Wiederaufnahmeverfahren den Keller gesperrt. Beuge Stiftenmacher Volkmeyer- Altona ist zulässig wäre, wäre schon längst ein solches mit Erfolg durchgeführt. ein Verwandter der verstorbenen Malvine Kruse. Auch ihm hat Die Disziplinarurteile aber haben bei dem Fall Jagodja geschlecht das Mädchen erzählt, daß sie von Colander geschlagen worden sei, liche Motive glatt verneint, bei Mabruf sie nur als vielleicht mit- bnd zwar mit einer Beitsche. Ihre schwere Ohrverlegung habe sie bestimmend angenommen. Daß die Disziplinarurteile nicht einwandfrei sind, glauben nicht nur diejenigen, die man als Peters- der Frau Colander zu verdanken. Sie habe partei bezeichnet. Es gibt keine Peterspartei, sondern diese an wiederholt bis zu 5 Stunden in gekrümmter Stellung an der gebliche Beterspartei ist nur von der Anti- Petersclique geschaffen, hat Dr. Peters getan, ich weiß nicht, ob unmittelbar auf Sie in jedem ein Mitglied der Peterspartei sehen, der den eldzug Sie habe Hunger und Durst gelitten und als Strafe den schweren Kette angeschloffen gelegen. die Meldung oon der vollzogenen Hinrichtung. gegen Peters als ein Unrecht betrachtet, das an dem größten Ueber die Hinrichtung der Jagodja und die Ereignisse, die zu Förderer der deutschen Kolonialpolitik begangen ist. Wenn man die Anstaltspflug ziehen müssen. Die Händlerin Beisiegel- Altona ihrer Hinrichtung geführt haben, namentlich über ihre Flucht, kann 38 Abgeordneten, die das Gnadengesuch für Dr. Peters eingereicht besuchte mit einem anderen Mädchen zusammen die Malvine Kruse ich aus eigener Anschauung nichts sagen. Ich habe haben, als Peterspartei bezeichnen will, so tann das Dr. Peters im Glückstadter Krankenhause. Auch ihr hat die Totkranke die später in Berlin, soweit ich mich entfinne, 1895, mit dem Maler nur zur Ehre gereichen, denn das waren die Besten des Reich 3- Geschichte mit dem Nachtgeschirr erzählt, und ferner, daß die ZögKuhnert über die Vorgänge am Kilimandscharo gesprochen. Kuhnert tages. Was ist nun hier Neues geboten? Vor allem hat die linge gezwungen worden seien, im Winter im Hemd bei offenen äußerte, daß er selbst ja auch dagegen gewesen sei, und sagte etta: Gegenpartei hier einen Zeugen vorgebracht, der alles, was Dr. Türen und Fenstern ihr Bett zu machen, ebenso im Hemd den im Nachdem Sie weg waren, war ja ungefähr dieselbe Sache, da hat Peters betrifft, von einem ganz engen Gesichtswinkel aus bes er ein Mädchen aufhängen lassen." Ich lege entschieden dagegen trachtet: Herrn von Bennigsen. Nun aber hat Herr von Bennigsen of gelegenen Abort aufzusuchen. Die Dekonomsfrau Ziegler Berwahrung ein, daß ich aus Rache gegen Dr. Peters gegen ihn hier Erzählungen gemacht, ohne Anhaltspunkte dafür vorbringen zu bom Glückstadter Krankenhaus erinnert sich, daß die Kruse viel intrigiert hätte. Ich hatte keinerlei Anlaß zu Rachegefühlen, ich fönnen. Er läßt sich von Jahnte nicht einmal sagen, wie es im von den Zuständen im Asyl„ Blohmésche Wildnis" erzählte. Diese habe erst durch den Münchener Prozeß erfahren, daß Peters einen Kriegsgericht zugegangen ist. In dem neuen Briefe Baumanns Beugin soll auch zu Frau Kruse einmal gesagt haben: Ja, wer vom ungünstigen Bericht über mich geschrieben hat, auf Grund dessen steht nichts davon, daß die Hinrichtung feruelle Motive hatte. Da Afyl ins Krankenhaus hineinkommt, kommt nicht wieder heraus! ich abberufen worden sein soll. Ich habe wohl dienstlich, da ich mir gegen hat Herr von Bennigsen durch Vorlage dieses Briefes einen Die Zeugin kann sich dieser Aeußerung nicht mehr erinnern, Frau in die Leitung der Kompagnie nichts einreden lassen wollte, fleine Beitrag zur glänzenden Rechtfertigung der Politik Peters ge- Struse bleibt aber dabei, daß sie gefallen sei.- Zeugin Margarete Reibereien mit Dr. Peters gehabt, aber persönlich gut mit ihm liefert. In dem Briefe Baumanns heißt es nämlich: gestanden. „ Ich berichte selbstverständlich selbst." Ich war auch stets der Meinung, daß Dr. Peters über den Fall fofort berichtet habe und ich glaubte, da nichts erfolgte, daß der Gouverneur, Freiherr v. Soden, das Verfahren gebilligt hätte. Ich erfahre erst heute, daß Dr. Peters erst auf Aufforderung des Gouverneurs berichtet hat. Die Aeußerung: Ich trinke auf das Wohl des seligen Mabruk" Nachdem Dr. Peters einige Erklärungen zu den Aussagen des Zeugen Bronsart v. Schellendorff gegeben hatte, und der Angeflagte Gruber über die Verfasserschaft der Artikel, wurde die Beweisaufnahme geschlossen. Die Plädoyers. mar. Alle Reger zittern vor Dr. Peters! Das war es aber, was nötig war, um das Ansehen des Reiches aufrecht zu erhalten. Es ist in den Zeitungen gesprochen worden, daß dieser Prozeß der lette Petersprozeß sein würde. Ich hoffe auch, daß es der letzte sein wird und daß das, was in den letzten Jahren angestrebt wurde, nicht vergeblich ist. Die Afrikaner brüben haben tiot Herrn v. Bennigsen anerkannt, was Dr. Peters für den deutschen Kolonialbesitz getan hat. Jebt wird drüben ein Denkmal für Dr. Peters, Da die Berufung des Klägers zurüdgezogen ist, erhält als erfter Rechtsanwalt Bernheim zur Verteidigung des Angeflagten Gruber das Wort: Zu den Charaktereigenschaften des Kolonialhelden" Dr. Peters ist in letzter Zeit ein neues Moment hinsugekommen: die Empfindlichkeit. Als er mit Schimpf und Schande den Schöpfer von Deutsch- Ostafrika, errichtet werden. aus dem Reichsdienst gejagt, und freiwillig in die Verbannung ge gangen war, folgten ihm die Verwünschungen der ganzen Welt. Damals wurde der Ausdruck Hänge- Peters" geprägt. Damals Das Urteil. Dierks hat die Malvine Kruse ebenfalls im Krankenhause aufgesucht. Sie erzählte: Das Mädchen hatte gar kein Fleisch mehr. an sich, sie war nur noch Haut und Knochen. Meine Freundin hob ihr die Bettdecke auf und da sahen wir, daß ihr die Fußzehen zerschlagen waren. Auch ihr schönes volles Haar war ganz fort. Sie erzählte uns, daß sie es verloren habe, als sie den angefrorenen tot herausmachen wollte. Kistenmacher Boltmeyer tritt vor und erklärt, daß er ebenfalls die Aeußerung der Oekonomsfrau Ziegler gehört habe: Wer vom Asyl ins Krankenhaus hereinkommt, kommt nicht wieder heraus. -MO Kolporteur Widdekind Glückstadt hat als Vorsitzender der Rechtsauskunftstelle der freien Gewerkschaften von den Zuständen im Asyl gehört und die verschiedenen Anzeigen veranlaßt, nachdem Das Urteil des Schöffengerichts wird unter Aufhebung der er die Malvine Kruse im Krankenhause vernommen hatte. Das flagte er nicht, denn damals wäre es ein Kinderspiel ge- Biffern 1, 2 und 3 wie folgt abgeändert: Der Angeklagte Martin Mädchen habe einen durchaus glaubwürdigen Eindruck gemacht. wesen, den Wahrheitsbeweis auf Grund der gewiß be- Gruber ist zweier Bergehen der Beleidigung schuldig und wird Er habe aber ihre ungeheuerlichen Angaben zunächst nicht glauben gründeten Disziplinarurteile zu führen. Als dann aber ein neuer zu einer Geldstrafe von Vierhundert Mart verurteilt, im Herr in das Kolonialamt einzog und Peters und seine Freunde Nichtvermögensfalle zu 40 Tagen Gefängnis.( Das Schöffen- fönnen und sei wiederholt in sie gedrungen, ja die Wahrheit zu Morgenluft witterten, tamen ihnen die Angriffe der Mündener gerichts urteil lautete auf 500 Mart.) Der Privatfläger sagen. Mit Ausnahme der Angabe, daß Colander mit einer Boft" sehr ungelegen. Es war ein unverantwortlich grober Fehler, Dr. Karl Peters ist in der Widerklage eines Vergehens der Be- Kinder-, nicht mit einer Hundepeitsche geschlagen habe, sei sie aber einen Mann, wie Dr. Peters, mit Machtbefugnissen über Leben und leidigung schuldig, aber straffrei. Die Kosten werden bei allen ihren Behauptungen verblieben. Sie gab freimütig au. öttec unMmäfctjj gMesen zü sei«, sie sei aber auch danach be- havtelt wachen.„Du AaS mufU krepieren!" habe Golmibcr wieder» holt zu ihr gesägt mch sie dabei mit den Füssen i» die Seite ge- treten., Die"Kost sei bis. auf halbe Tagesportionen herabgesetzt und den MÄdchen bei kalter Witterung oft stundenlang die jllcidung varenthalten wachen. Die Tthwiche sei offenbar eine HelferZ- Helferin� der beiden Angeilagten gewesen. Das Slachtgescksirr habe nur dagestanden, um die Mädchen zu schikanieren. Wer eL benutzte, sei mit dem Kopf htneingestpsie» worden, mußte seinen Kaffee daraus trinken usw. Allen diesen Aussagen gegenüber. bleibt der Angeklagte auf wiederholtes Vorhalten dabei, dasi kein Wort davon wahr sei. Cr habe die Mädchen nie im Hemd gesehen Hin solcher Borwurf kränke ihn am meisten, da ihn dieser Anblick geniert haben wüchc. �Heiterkeit.) Amtsvorstrher Augustin bekundet, das; der Angeklagte Colander rineö Tages mit einem Mädchen Behn bei ihm gewesen fei und daß dieses zu Protokoll gegeben habe, die Hchwicbe habe sie zu einer falschen Aussage gegen Colander verleiteii wollen.>— Glasbläser Schmalfeld, ein Onkel der verstorbenen Kruse, war bei berschicdenen- Unterredungen der übrigen Zeuge,) mit dem- Mädchen zugegen und bestätigt« deren Angaben. Er fügt noch hinzu, daß Colander.die Mädchen mit tcc Drohung erschreckt habe: Wer ausrückt und wiedergebracht wird, ist fertig mit dieser Welt. Bevor die Malvine i«s Astzl gekommen sei, sei sie ein gesüttdes. munteres und anständiges Mädchen gewesen."7- Arbeiter Seemann war 1906 heim Sleubau des Asyls beschäftigt, Er bekundet, daß der Angeklagte' guf Fertigstellung des Anstaltsarrestes drängte, da er. wie er sagte. schon für mindestens 6 Wochen Arreststrafen verhängt habe. Der Zeuge kannte den Anstaltsbetrieb einigernraßcn von früher her und. wunderte sich, daß der junge Angeklagt« so hohe Strafen ver- hängen durfte und die Mädchen schlug. In ronommtstischer Weise habe ihm Colanda dapaaf erklärt, et habe die Befugnis von seinem Bater. dein Korrettionsanstaltsdirektor Colander.(Be- wegung.) Er» Zeuge, sagte: Aber Ihr Vorgänger hatte solche Befugnis nicht, worauf Colander erwidert habe: Seit die Anstalt unte» provinzieller Leitung steht, kann ich' machen was ich will. " Norf.: Und was sagten Sie dazu? Zeuge: . Eigentlich sind Sie doch ein Halunkek (Heiterkeit.) Bors.: Erwiderte der Angeklagte etwas?— Zeuge: Äetn, eS war ihin wohl unangenehm, denn er ging weiter. Später sagte er einotal zu mir. als ich merkte, daß ein Mädchen geschlagen lvorden sei: Wenn so eig Frauenzimmer ausrückt, müssen ihm die Knochen entzwei geschlagen werden, dann gehts bald besser.-- Bori.: Si« sollen auch eimnal gesehen haben, daß Colander und sein Bater gemeinsam ei« Mädchen prügelten.— Zeuge: Ich habe es bloß furchtbar schreien hören. Der Angeklagte sägte selbst, er und sein Bater hätten es geprügelt und sein Bruder habe dabei geholfen. Später Habs ich eiroiwl beobachtet, daß einen; Mädchen nicht He- sfottet' wnrW. einen Abort aufzusuchen und sie eS dann in höchster Aot unter sich machise. Da nahmen di« beiden Angetlagte» es in eine Zelle und bafd darapf hört« ich. Klatschen und Schreien. Co- landen erzählte mir später, das Schwein müsse jetzt seine Sachen auswaschen und dann rjn paar Tage hungern. Dreimal a». Tage seine Notdurft verrichten sei genug. Wenn eine öfter komme, gebe c» Prügel. „Beel Prügel im wenig to eten," taS sei sein Wahlspruch, dann kriege man die Bande am leichtesten llcin.(Bewegung.) Einmal habe eines der Mädchen feine Frau auf den Knien um«in Stückchen Brot angebettelt und es gierig verzehrt. Seine Kleider seien ganz durchnäßt gewesen und es habe über schwere Mißhandlungen geklagt. Er-, Zeuge, habe dem Mädchen geraten, sich doch bei dem Landrat zu beschweren, das Mädchen habe jedoch erwidert: dann bekommen wir noch viel mehr Prügel. TaS Schreiben fei ihnen überhaupt verboten. Nachher kam Colander und fragte, ob das Mädchen dagewesen fei. Als er, Zeuge, das bejahte, habe Colander gesagt, rr solle sich nicht mit den Mädchen einlassen, sonst werde er bestraft. Wenn er sie aber fest- hielte, werde er ihm 0 M. Belohnung aus der Ashlkasse verschaffen. — Ter Angeklagte gibt anf Befragen zu, daß er vielleicht gesagt habe, ihm stehe ein Züchtigungsrecht zu; absolut in Abrede stellte er die Acußerung. daß rr den Mädchen' die Knochen zu zerschlagen pflege. Biel Geschrei sei' im Hofe gewesen, der sei aber von den Mädchen ausgegangen. Ich mutzte wiederholt■ den Herrn Vor- sitzenbej; holen, damit er Ruhe schaffte. Vors.: Eines der von Ihrem Vater crmahnten Mädchen soll in der folgenden Nacht am Blitzableiter heruntergegangen sein.— Angekl.: Ja. Das mit den, davongelaufenen Mädchen' ist richtig, auch daß ich den Zeugen ver- warnte. Mein Vater hat aber nie einen Stock mitgebrächt, wenn ich ihn kommen ließ.— Frau Colander bestreitet ebenfalls die An, gaben der Zeugen. Landwirt Funk und seine Frau sind Nachbarn des Asyls. Sie haben ebenfalls zur Winterszeit Mädchen mit Bettlaken über dem Kopf vordem AnstaltStor stehen sehen. Wiederholt seien Mädchen gekommen und hätten um Brot und Kaffee gebettelt, da sie in der Anstalt hungern müßten. Sie erzählten auch viel von fiirperliche,; Zstchtigmigen.— Fräulein Reust im Stütze der Asylmutter von ,007 bis 1908. Sje bekundet, daß die. verstorbene Kruse und die Dunkel sowie die übrigen in Frage stehenden. Mädchen gutwillig, arbeitsam, sauber, wenn auch vielleicht nicht arbcitsgeivandt ge- w(sen seien.— Bors.: Hat die Schwiebe die.Pädchen geschlagen? -- Zeugin: Ja. ' Die beiden Angcklagten erzählen nun tolle Geschichten von der cngcblichen Ilurcinlichkeit der Asytmädch-n.— Zeugin: Schmutze- reicn sind ja wohl vorgekommen, eS ist auch einmal ein Nachtgeschirr aus dem Fenster gegossen worden.— Vors.: Und da erhielten die Mädchen Schläge?— Zeugin: Ja.— Vors.: Womit?— Zeugin: Mit der Hand.— Vors: Habü; Sie gesehen, daß die Mädchen mit Stöcken, Ketten usw. geschlagen worden sind?— Zeugin: Ja.— Vors.: Haben die Mädchen Hungern müssen?— Zeugin: Ja, wenn sie gestraft werden sollten, erhielten sie weniger zu essen. — Bert.« Haben die Mädchen indessen von solchen Mißhandlungen erzählt, wie sie hier zur Sprache gckommeu sind?— Zeugin: O ja. Landwirt Bloch hat auch einmal gesehen, daß Colander ein Mädchen an den Haaren feschielt und schlug.— Landwirt Möller, ei» Schwager des Ängeklogtai. hat die Schwiebe im Dienst gehabt. — Vors.: Weshalb ging sie von Ihnen weg?—• Zeuge: Sie hat meine Milch zü bl Proz. mit Wasser verfälscht und ich wurde des- halb in Hamburg bestraft. Als sie. das hörte, rückte sie ans. (Heiterkeit.)' In der gestrigen Verhandlung wurde die Veweisauf- nähme fortgesetzt und beendet. Uns geht darüber der nach» folgende telegraphische Bericht zu. Die Beweisaufnahme fördert ein geradezu erschütterndes Bild von Bestialitäten der .�luhverwaltung zutage. Der Versuch einer Reihe noch in der Anstalt befindlichen Mädchen, zugunsten der Angeklagten zu lügen, zeigt, welch' fürchterliche Entmenschung, das auf De- nnitignsig und Selbsterniedrigung der. Fürforgemädchen ge- richtete System der Angeklagten zur Folge hatte. Zur gestrigen Verhandlung war die Arbeiterin Marie Schwiebe «nter Begleitung cineö Altonaer Polizeibeamten erschienen, Kas Mädchen, das inzwischen mit.cincm Kinde niedergekommen ist, wacht einen sehr resoluten Eindruck. In der fortgesetzten Beweisaufnahme wird zunächst Pastor Holst- Glückstadt( vom dortigen Gefängnis als Zeuge vernommen. Cr jst auf Ver- anlassung des Verteidigers geladen, der ihn fragt, ob er die Mädchen nicht öfters aufgefordert habe,, cüvm'ge Klagen vorzubringen, daß' dies aber niemals geschahen sei. Der Zeuge bestätigt dies, fügt aber auf Befragen hinzu, daß trotzdem die Mädchen einen recht ge- drückten Eindruck machten, so dast er allerlei vermutet habe. Er sei seit 1090 Mitglied dcL Direktoriums des Asyls»Blohmüsche WildniS", gemeinsam mit Pastor LakobsciwGlückstadt, Direktor Colander scn. und Bürgermeister Lrmides-Glückstadt,— Vors.: Wußten die Mädchen, daß Sie Mitglied des Direktoriums waren? — Zeuge: Ja. Bei meinen Predigten weinte,; sie sehr viel und machten überhaupt einen so gedrückten Eindruck, daß ich in. der Wcihnachtspredjgt sie. ausdrücklich darauf hinwies, daß auch sie ein lliLckzt darauf hätten, sich zu freuen. Beim Durchwandern des. ÄrbeitSsaales habe ich oft bemerkt, dast Mädchen mit dem Gesicht zur Wand stehe» mustten und dast Colander leicht und gern zu strafeu schien. Die Ehefrau Colander konnte sich nicht in die ihr un-gewokmten Verhältnisse schicken und litt offenbar darunter. Da- gegen machte Colander selbst einen etwas ungünstigen Eindruck.■— Bert,(unterbrechend): Danach habe ich nicht gefragt,— Staats- ainyalt:"Ich bitte den Herrn Zeugen doch ausreden zu lassen.~- Zeuge: Es m.yg sein, daß der aNe Herr Colaichcr mir etzpgs Ani- mojttät gegen den A�etlagten- nachsagt. Allein ich muß- da» bestreiten, da ich hier die Wahrheit zu sagen habe. Und so tanii ich nur- konstatieren, daß ich mich sehr. darüber wunderte, als ich den Angeklagten, einen früheren Schulkauieraden, in einer so schwie- rigen und verantwortungsvollen Stellung wiedersah, zumal Co- laichxr mit seinem Abscheu und Ekel vor seinem Amt mir gegen- über nicht zurückhielt. Was das Prügeln im Asyl anlangt, so sagte der alte Colander einmal zu mir, daß den Hanseltern ausdrücklich jede Züchtigung der Mädchen verboten sei. Bürgermeister Brandes erklärte daraus, er wiss« nicht, warum der Direktor so ganz mr- bedingt die Prügelstrafe im Asyl verwerfe.— Vors.; Welches war Ihre.Meinung über die Zustände im Asyl?-" Zeuge: Ich habe mir die Fürsorgeerziehung immer als en> Werk vorgestellt, an das man mit größter Liebe und Freudigkeit herangehe:: müsse. Statt dessen hatte die Fürsorgeerziehung in der„Blohmescknn Wildnis" stets Starres und Gesängnieartiges an sich. Die Mädchen hatten stets böse, verbissene Gesichter und mächten einen verbitterten Ein- druck, was ich daraus zurückführte, daß sie pst und hart bestraft wurde,;. In der Stadt gingen ja allerlei Gerüchte, aber deswegen allein wollte ich noch keine Schritts tun.-. Ein Beisitzer: Sie sagten, der Angeklagte habe gewissermaßen' zu seinem Antto nicht getaugt.— Zeuge: Er. hatte nicht die Lualifitatton für einen solchen Posten, deswegen herrschte denn auch ein.latente» Gegen- sah zwischen che:; Direkjionsmitaliedern.- Wir Geistlichen standen auf dem Standpunkt,. baß der. Posten in die Hände eines Berufsarbctte'rs. der Innere,; Mission gehöre, konnte:; abov mit• unserer Meinung nicht'durchdringen, well der Bürgermeister und Direktor Colander gegen uns standen und letzterer als Vorsttzendcr stets deck Ausschlag gab.(Bewegung.) Der alte Colander war stets mit der Amtsführung seines Sohnes einverstanden.— Bors.» Wie war der Betrieb der Anstalt selbst? — Zeuge: Sie machte äußerlich stets einen sauberen und ordent- lichcn Eindruck. Das ist ober bei Gefängnissen auch der Fall. Es fragt sich also, auf welchem Wege diese Ordnung erreicht wird, durch pädagogische Mittel oder durch Mittel des Zwanges, der Gewalt. Die Schmutzereien haben die Mädchen offenbar nur begangen, um ihre Wut über die ihnen widerfahrene Behandlung zum Ausdruck zu bringen. Manche Mädchen machten auch einen sehr beschränkten Eindruck, hätten also besonders vorsichtig be- handelt werden müssen.. Ich meine also, daß der Angeklagte es nicht verstanden hat, nlle die Momente in Betracht zu ziehen, die zur richtigen Behandlung von Fürsorgezöglingm erforderlich sind.— Vors.: Also unzureichend in uwralischcr und geistiger Beziehung.'— Zeuge: Ja, aber ich verbinde damit keinen Vori wurf, wie ich.cs auch nicht als � eine« Vorwurf betrachte, daß ich nicht zum Förster taugen würde.(Der Zeuge hat ein lahmes Bein.) Ein rem äußerliches. Moment kommt noch hinzu. Der Angetlagte schielt stark und sein Blick mag daher den Mädchen kein Vertrauen eingeflößt haben.— Angeklagter Colander; Ich stelle entschieden in Abrede, daß ich etwa die Ordnung mehr durch Strenge als durch andere Mittel aufrechtzuerhalten gesucht habe. Jeder Zögling ist mit äußerster Liebe behandelt chördcn.(Heiter, leit.)— Frau Colander: Der Herr Pastor ist nur ab und zu durch das Asyl gegangen und tonnte die tatsächlichen Verhältnisse gar nicht übersehen. Er glaubte, mit biblischen � Worten durch, zukommen.— Zeuge: Dazu kann ich nur sagen, daß Herr Colander sehr unangemessene Redensarten im Munde zu führen pflegte und daß ihm 1907 deswegen auch Vorhaltungen gemacht wurden. Seit jener Zeit ist eS dann auch besser geworden.— Angekl.: Wie die Mädchen die Erziehungsmethode des Herrn Pastor» auffaßten, erhellt wohl am besten daraus, daß sie während seiner Weihnachtspredigt mit den Füßen scharrten, und als er zur Tür hinaus war,, unisono sagten:„Wcrt, will de Klumfoot uns bekehren?"(Bewegung.) Ich muß das anführen, weil der Zeuge sagte, mein Schielen habe auf die Mädchen einen ab- stoßenden Eindruck gemacht.— Der folgende Zeuge Pastor Jakobse»(Vlückstadt) ist Seelsorger an der von dem Vater des Angeklagten geleiteicn Korrektionsanstalt. Auch er hatte von den Zuständen im Asyl den Eindruck des Gefängnismäßigen und hätte persönlich gewünscht, daß das erzieherische, seelsorgerische Moment von den Hauscltern mehr betont worden wäre. TaS gedrückte Wesen der Mädchen sei ihm auch aufgefallen, sie hätten aber trotz seiner Aufforderung niemals bei ihm Klage geführt. Der Landeshauptmann habe bei seinen mehrfachen Besuchen im Asyl betont, daß Züchtigungen der Mädchen zu unterbleibe» hätten. Direktor Colander sen. habe ebenfalls wiederholt gegen das Prügeln im Asyl polemisiert und auch einen Zeitungsartikel zirkulieren lassen, in dem das Prügeln von Fürsorgezöglingm ans erzieherischen Gründen ver- warfen wurde. Auch dem Angeklagten Colander find nach der Erinnerung• des Zeugen dementsprechend«' Weisungen zu- gegangen. In der Regel hat der alte Colander als Vorsitzender deü Direttoriums die ganze Leitung allein in der Hand gehabt und wegen des verwandtschaftlichen Verhältnisses der beiden Colander einmal eine Art Denkschrift über unsere Ansichten von der Handhabung der Fürsorgerziehung ausgearbeitet und-ihm diese überreicht. ES ist aber nichts danach geschehen. Die Minorität verlangte immer eine Trennung der erzieherischen Tätigkeit von der wirtschaftlichen Organisation, weil sich beides nicht miteinander vertrug. Für die erzieherische Seite fehlte die sachverständige Hand. Eine milde Frquenhand hätte der schweren Not der Zöglinge-besser getan: Lknch die.richtigen Gehilfinnen fehlten. Nunmehr sollen-die etwa 20 Fürsorgrzöglinge. die sich jetzt noch in dem Asyl befinden, als Zeuginnen vernommen werden.« Vorher beantragt Staatsanwalt Dr. Richards, diese LerstehmuNgcn in Abwesenheit Eolandcrs und seiner Frau vor« zunehmen, damit die Zeuginnen die Verhältnisse in dcö Anstalt auch so schildern, wie sie wirklich' seien. Tie Zöglinge hätten, bis zum heutigen Tage in enger Gemeinschaft mit beide» Angeklagten gelebt, und gestern sei ausdrücklich von einer früheren Insassin des- Asyls bekundet worden, daß niemand etwas gegen die An- geklagten vorzubringen gewagt habe, weil die Mädchen cd dann nur noch schlimmer gehobt hätten. Das Gericht beschließt, daß' die Angeklagken bor der Ver- nehmung jeder einzelnen Zeugin den Saal, zu perlassen haben. Nachdem sie abgetreten sind, erscheint zunächst das- Jssjährig? Mciercimädchen Helene Behn. das mehrfach im Asyl war und ursprünglich hineinkam, weil sie ihren Eltern davongelaufen war. Sie ist. wegen Bettnässen ge- prügelt worden und soll auch von Eolan.der unier Drohungen und Gewaltanwendung gezwungen worden sein, ihren eigenen Kot auf- zunehmen.— Vors.: Wie war das? Sie sollen vom Vorsteher ge- zwungen worden sein, ihren Kot vom Fußboden mit dem Munde aufzunehmen?— Zeugin: Ja, Ich hatte nicht Hinausgedurst uud auf die Erde gemacht. Da hat sich dw Schwiebe Mit dem Stock hinter mich gestellt und mich wohl 2 Stunden lang geschlagen,' bis ich tat, als ob ich ihn aufnehme.-In Wirklichkeit habg ich ihn aber liegen lassen.— Vors.: War der Vorsteher hierbei zugegen? — Zeugin:. Ja. Er hatte mich. an den Haaren herbeigezogen und blieb noch einige Zeit zugegen.— Vors.: Hat er gehört, waS die Schwiebe von Ihnen verlangte?— Zeugin: Ja. er sagte: die Behn ist imstande und frißt ihren eigenen Kot. Dabei lachte er. (Bewegung)-.— Vors.: Blieb Colander im Saale, bis Sie den Kot aufgenommen hatten?—'Zeugin: Nein, er ging hinaus, und nun schlug die Schwiebe so lange, Ibis ich niederkniete und so tat, als ob ich den Kot in den Mund genommen hätte.— Vors.: Erklärte der Vorsteher sonst nichts?— Zeugin: Nein.— Vors.: Als Colander Wiederkam, was sagte die Schwiebe da zu ihm?-— Zeugin: Sie sagte, ich hätte den Kot aufgeleckt. Als eS aber hell geworden war (die Affäre spielt« an einem Wtntermorgen) da lag mein' Kot noch da, und die Schwiebe sagte eS auch dem Vorsteher.— Vors.: Sag!« der Vorsteher nichts darüber?— Zeugin: Nein.-- Vors.: Bei Ihrer Vernehmung in der Voruntersuchung in Eckernförde haben Sie aber ganz anders ausgesagt. Tort haben Sie angegeben, Colander hätte von Ihnen das Auflecken des Kotes verlangt.-- Zeugin: Nein.— Vors.: Haben Sie auch einmal Arrest bekommen?— Zeugin: Ja, drei Tage bei Wasser und Brot.(Le- wegung.)— Bors.: Wurden Sie auch an die Kette gelegt?— Zeugin: Ja.-- Vors.: Wie wurde das gemacht?— Zeugin: Der Vorsteher Umwickelte uns die Arme mit der Kette, ließ uns dann bückon und trat dann mit dem Fuß auf die-Kettenrnden, damit wir uns nicht rühren konnten, worauf er mit einen; fingerdicken Rohrstock über den Rücken schlug.— Vors.: Hat er Sic auch einmal mit der Kette geschlagen? Zeugin: Ja. Als ich die Hände nicht gutwillig hinhielt, schlug er mir mit der Kette über die 2lrmc. Der Gerichtsdiener muß dann ein Aktenstück bringen und sich von der Zeugin Hände und Arn« so umwickeln lassen, wie der An- geklagte ihr dies mit der Kette getan hat. Dabei hängt ein Stück lang auf den Boden, weshalb der Verteidiger bemerkt, das müsse aber eine sehr lange.Hundekette gewesen sein. So etwas gebe es ja gar nicht.— Ein Beisitzer: Sic kann ja auch ganz kurz gewesen sein, dann mußten sich eben die Mädchen noch tiefer bücken. Tie Zeugin ist dann noch ein zweites Mal gefesselt worden, da fei aber Frau Colander zugekommen und habe zu ihrem Manne gesagt-: Du, laß doch nach.— Vors.: Warum wurden Sic dies zweite Mal gefesselt und geschlagen?— Zeugin: Weil ich meine Kammer beschmutzt haben sollte. Ich sagte zuerst, ich sei es nicht gewesen, und als ich später gestand, kain ich an die Kette,— Bors.: Jst Ihnen sonst noch etwas passiert?— Zeugin: Ja, eines Tages sagte die Schwiebe, Colander habe angeordnet, daß ich mir ein Paket mit Kot, das er in der Müllgrube gefunden hatte, selbst ins Gesicht schmieren sollte(Bewegungs.— Bors.: Wcks geschah darauf?— Zeugin: Ich tat es(große Bewegung). Tann kam ich in Arrest.— Bors.: WaS geschah' nachher?— Zengin: Ich wurde mit Seife und Bürsten abgeschrubbt.— Bors.: Haben Sie— das Gesicht mit dem Kot.beschmiert— 13 Stunden lang vor der Tür stehen müssen?— Zeugin: Nein, aber als ich tzaS Bett naß gemacht hatte, hat die Schwiebe das Laken mir über den Kops gehängt und mir in die Hand einen Bcttsack gegeben. Damit mußte ich von früh K Uhr bis abends K Uhr draußen stehen.— Bors.: Wann war das?— Zeugin: Im Dezember 1907.— Bors.: Hat Colander das angc- ordnet?— Zeugin: Die Schwiebe sagte ja, der Vorsteher habe ihr das geheißene— Bors.: Wo war Colander während dioscr Zeit? —. Zeugin: Er ging früh fort und kam erst abends wieder. Bald nach seiner Rückkehr wurde:ch hineingeruftn.— Vors.: Früher haben Sie viel schärfer gegen Colander und seine Frau ausgesagt. Da haben Sie gesagt, daß Colander die Sache angeordnet und er und seine Frau es mit angesehen hätten.— Zeugin: Nein, nur Frau Colander hat durchs Kücheufenster gesehen.— Bors.: Als sie dann hineinkam, hat Colander da gesagt, daß er es nicht an- geordnet habe?— Zeugin: Neun— Bors.: Als Hie sich das Gesicht mit Kot beschmiert hatten, war Colander da zugegen?— Zeugin: Ja.— Bors.: Hat et irgend etwas gesagt?— Zeugin: Rein.— Ein Beisitzer: Hat Colander gesehen, daß Ihr Gesicht mit Kot be- schmiert war?— Zeugin: Ja. Bors.: Hat Sie die Schwiebe wiederholt geschlagen?— Zeugin: Ja.— Bors.: Wie kam eS, daß Sie sich dies gefallen liehen?— Zeugin: Wir nahmen an. daß Colander cö so wollt«. Er hat nie Einspruch erhoben und daher beschwerten wir uns auch nicht. Der Vorsteher sagte auch, daß er alles Vertrauen zu der Schwiebe habe, sie sei sehr zuverlässig.— Bors.': Hat er Ihnen ausdrücklich gesagt, daß Sie ihm nicht mit Klagen gegen die Schwiebe kommen sollten? — Zeugin: Das weiß ich nicht mehr.— Borst: Sie halten sehr mit Ihren Aussagen zurück. In der Boruntersuchung haben Sie ge- sckgt, Colander habe Sie jeden Morgen geprügelt. Jetzt schieben Sie alles auf die Schwiebe.— Zeugin: Ja, die hat uns morgens geprügelt, oft in Gegenwart der Frau Colander. Frau Colander sagte zwar, sie solle cö lassen, sie schlug uns aber doch.— Bors.: Weshalb beschwerten Sie sich nicht bei Colander?— Zeugin: Wir sollten nicht klatschen.— Borst: Wie ist cS jetzt in der Anstalt?-» Zeugin: Ganz schön.— Borst: Wird noch geschlagen?— Zeugin: Nein.— Vorst: Ist cS richtig, daß Sie beim Prügeln an das Bett geschnallt wurden?— Zeugin: Ja.— Bors.: War die Vorsteherin dabei?— Zeugin: Ja, Sie nahm der Schwiebe den Stock fort, diese holte ihn aber immer wieder und-am nächsten Abend bekam ich Prügel.-7- Bors.: Aus Anordnung der Vorsteherin?— Zeugin: Ja, weil ich ins Bett genäßt hatte.?ln diesem Abend wollte die Schwiebe nicht schlagen, die � Borstrheriu sagte aber, wenn sie eS nicht täte, würde sie, die Schwiebe, selbst die Schläge, bekommen (Bewegung).— Staatsanw.: Wie kam es, daß Sie das Bett näßten?— Zeugin: Infolge Erkältung, es war eine Krankheit.— Staatsanw.: Sie taten cä also nicht mit Absicht?— Zeugin: Nein. Die Zeugm bekundet weiter, baß sie einmal auf direkte Än vrdnung Colanders drei Tage bei Wasser und Brot verbüßt habe. Ter Verteidiger befragt sie dann, ob das Schlagen mit der Kette wirklich schmerzhaft gewesen sei, was die Zeugin bejaht. Hieran• regt der Staatsanwalt die Herbeischaffung der Hundckette an. Das Gericht gibt dem Antrage statt. Tie beiden Angeklagten werden sodann wieder hereingeführt Colandcr bestreitet die Stichtigkeit fast aller Bekundungen des Mädchens und bleibt dabei, daß die Schwiebe, um ihm zu schaden dieses Mädchen nebst anderen gegen ihn beeinflußt habe. Die Zeugin slki nie mit der Kette geschlagen worden und habe ohne sein Wissen vor der Tür mit dem Bettlaken über dem Kopfe gestanden Frau Colander erklärt, ihr Mann habe ihr gegenüber bestritten, daß er das Mädchen hinausgcstellt habe, während die Schwiehe be- haupiete, daß sie auf Anordnung ihres Mannes gehandelt habe — Bars.: Wie können Sie einem solchen Mädchen so einen Ver- trauensposten überlassen?— Frau(lolander: Wir haben ihr dann auch kein Vertrauen mehr geschenkt.— Staatsanw.: Aber am folgenden Tage haben Sie sie trotzdem zur Durchprügelung der Lehn bestellt.— Colauder: Ich habe auch keinem Mädchen verboten, sich über die Schwiebe zu beschweren.— Ei« Beisitzer: Der Angc klagte soll erklären, wie es möglich war. daß die Schwiebe weiter- hin Gehilfin blieb. Es fragt sich dann, ob die Zeugin Behn vereidigt werden soll. ES wird ihr nochmals vorgehalten, daß sie heute sehr zugunsten der Angeklagten ihre Aussagen aus der Voruntersuchung abge- ändert habe, und der Borsitzende warnt sie vor den Folgen einer falschen Aussage. Darauf bricht sie in Tränen aus und ist nicht zu bewegen, den Eid zu leisten. Ihre Vereidigung wird daher vor, läufig ausgesetzt. Im weiteren Verlauf der Verhandlung konstatiert dann ein Beisitzer, daß ein Buch über die gegen Fürsorgezöglinge verhängten Amslstrafen überhaupt nicht gesührt wurde, weder vom Angeklagten noch von dessen Vater. Unter allgemeiner Spannung des Publikums wird dann die fetzige Arbeiterin Marie Schwiebe aus Aliona in den Saal gerufen. Sie ist 22 Jahre alt und bis 1902 im Asyl gewesen. Kach zweijähriger Abwesenheit kehrte sie 1901 wieder dorthin zurück und verblieb in der Anstalt bis zum Tage ihrer Großjährigkeitscrklärung. Der Borsitzende setzt ihre Vereidigung mit dem Bemerken aus, daß sie im Verdacht der Verleitung zum Meineide stehe und verweist sie ferner daraus, daß sie cvcntl. als Mittäter bei den Mißhandlungen in Betracht komme, wcs- halb sie Aussagen hierüber verweigern könne. Er fragt sie dann: Haben Sie von dem Angeklagten Colander und dessen Frau den Auftrag erhalten, die anderen Mädchen zu beaufsichtigend Zeugin: Ja.— Bors.: Hat man Sie auch beauftragt, die Rädchen zu züchtigen, zu strafen, zu schlagen?— Zeugin: Ja.(Bewegung.) — Bors.: Wie oft ist das wohl geschehen?— Zeugin: Ich habe cS «ur ge�an, wenn der«orsteher oder seine Frau es angeordnet hatten oder wenn ich mit ihrer Vertretung beauftragt war. Bors.: Haben Sie auch etwas davon bemerkt, daß der Vorsteher und seine Frau die Mädchen geschlagen haben?— Zeugin: Ja. Ein Mädchen Rosa Greve wurde geschlagen, als sie nach ihrer Flucht wieder in die Anstalt eingeliefert wurde, und zwar mit einem fingerdicken Rohrstock, die Helene Behn weil sie den Saal beschmutzt hatte.— Bors.: Hat auch Frau Colander Schläge aus- geteilt?— Zeugin: Ja.— Bors.: Haben Sie Mädchen im Auftrage und Beisein der Frau Colander geschlagen?— Zeugin: Ja.— Bors.: Auch die Behn? Zeugin: Ja.— Bors.: War die Behn dabei angezogen?— Zeugin: Nein, sie war im Hemd und ich mußte sie auf dos blosie Gesäß schlagen. Frau Colander stand dabei.— Bors.: Weshalb wurden die Mädchen geschlagen?— Zeugin: Sie durften nur selten auf den Wort gehen und da tamcn oft Kotschmutzereien vor. Die Beb» mußte ihren Kot ein- mal mit dem Munde aufnehmen.— Bors: Wer verlangte das? — Zeugin: Ter Vorsteher.— Bors.: Ter Vorsteher? Sie sollen es verlangt haben.— Zeugin: Nein.— Bors.: Sie sollen mit dem Stock dabei gestanden und das Mädchen schließlich durch Schläge gezwungen haben.— Zeugin: Ich kam aus dem Kuhstall dazu. als cS der Vorsteher verlangte. Die anderen Mädchen standen herum und lachten.— Vors.: Befahl ihr der Borsteher ausdrücklich. daß sie es mit dem Munde aufnehmen solle?— Zeugin: Ja. Er sagte, sie solle es auflecken.— Bors.: Ist ein anderer Zögling gc- zwungen worden, auS dem Nachtops Kaffee zu trinken? Zeugin: Ja, die Berta Runge. Ich kam dazu, wie sie vom Vorsteher in Gegenwart der anderen Mädchen dazu aufgefordert ivurde. Sie stand am Fenster, hatte eine Lausekappc auf dem Kopf und trank aus dem Nachtgeschirr Kaffee, den der Vorsteher hincingetan hatte.(Bewegung.)— Bors.: War auch seine Frau zugegen?— Zeugin: Ja. Bors.: Angeklagter Colander, wie ist das?— Angekl.: Ich ließ den Topf holen, der übrigens jeden Morgen rein ausgespült wird und ließ den Kaffee hineintun. Ich schickte die Runge dann ans Fenster, wo sie den Topf ansetzte. Aber sie hat nicht daraus getrunken. Wenigstens hat sie später so zu den anderen Mädchen gesagt. Ich habe sie nicht zum Trinken gezwungen, sondern ihr nur zeigen wollen, wi« eklig es uns sein müßte, aus einem Topf zu essen, in den sie Kot hineingetan hatte.--- Frau Colander: So ist es gewesen. Bors,(zur Zeugin Schwiebe): Wie war eS mit dem Hinaus, stellen d:S Mädchens mit dem Bett?— Zeugin: Ich mußte ihr auf das Geheiß des Borstehers das durchnäßte Bettlaken über den Kopf legen und ihr in jede Hand ein Bettstück geben. Sie sollte solange damit draußen stehen bleiben, bis es trocken war. Ich mußte selbst mitgehen, damit sie nicht etwa davonlief.— Bors: Helene Behn. kommen Sie einmal her. Wie ist das nun?— Zeugin Behn: Eö ist nicht wahr. Ter Borsteher hat nichts von dem Bett gewußt.(Bewegung.)— Bors,(zur Zeugin Schwiebe): Wann wurde die Behn hinausgeschickt?— Zeugin: Um 6 Uhr morgens vom Vorsteher.— Bors,(zur Behn): Colander soll in Ihrer Gcgemvart die Anordnung getroffen haben.— Zeugin: Ich weiß nicht« mehr davon.— StaatSanw.: Ich tonstatirre, daß die heutigen Angaben der Schwiebe sich mit denen der Zeugin Behn in der Boruntersuchung drckrn und daß die Behn heute zugunsten Colanders ausgesagt hat.— Bors.: Allerdings. Sie hat in Eckern- forde weit belastender gegen den Vorsteher ausgesagt. Gegenüberstellung der Zeuginnen. Die beiden Zeuginnen werden dann einander gegenübergestellt. wobei die Behn jedoch nicht dazu zu bewegen ist, der Schwiebe ins Gesicht zu sehen. Die Behn gibt dann an. daß sie am 8. Juli v. I. von der Schwiebe in Alwna auf der Straße gestellt und zu einer falschen Aussage gegen Colander veranlaßt worden sei. Die Zeugin Schwiebe erklärt das für unwahr, da sie am 0. Juli entbunden habe und am 8. Juli im Krankenhaus gelegen habe. Sie habe die Behn nach ihrer Entlassung überhaupt nicht mehr gesehen. Tiefe wird vom Vorsitzenden nochmals energisch crmahnt, die Wahrheit zu sagen, da sie von anderer Seite beeinflußt zu sein scheine, Sie bleibt aber bei ihre» Angabe» Vors.: Zeugin Schlvicbe, haben Sie auch gesehen, daß ein Mädchen sich Kot ins Gesicht schmieren mußte.-- Zeugin: Ja, das ivar auch die Behn. Der Vorsteher ordnete an, daß sie auf den Hof gehen sollte, und hier gab er Paula Dierks den Auftrag es zu tun.(Bewegung.)— Vors.: Habe» Sie oder ein anderes Mäd chen einmal der Dierks einen Nachttopf mit Inhalt über den Kop gestülpt?— Zeugin: Ich nicht, aber der verstorbenen M alpine Kruse mußte die Dierks es einmal tun.— Angekl.: Das ist nicht auf meine Anordnung geschehen.— Zeugin: Doch, die Kruse mußte dann noch draußen stehen, bis ihr die Geschichte angefroren war. Sie mußte sich dann den Kot mit kaltem Wasser abwaschen und kam dann in die Arrestzelle. Es wird hierauf die Berta Runge aufgerufen, die jetzt Dienstmädchen bei dem Schwager des Augs- klagten Colander ist.— Vors.: Sind Sie im Asyl geschlagen tvor den?— Zeugin: Ja, aber ich hatte meine Strafe verdient.(Bc- lvcgung.) Ich war ein böses Lflädchen. Ich hatte keine Erlaubnis zum Austreten bekommen, konnte mich nicht mehr halten und verrichtete meine Notdurft in einen Waschkcsscl. Dafür bekam ich Schläge, aber nur mit öcr Hand.— Bors.: Früher haben Sie ausgesagt mit einem Stock.— Zeugin: Nein, nein.— Bors.: Sonst ist Ihnen nichts geschehen?— Zeugin: Nein.— Bors.: Ist Ihnen nicht einmal zugemutet worden, aus Ihrem Nachtgeschirr Äasfes zu trinken?— Zeugin: Ja, aber nicht vom Vorsteher.(Bewegung/ ES war nur zum Bangemachen.— Vors.: So, nur zum Bange, machen?— Zeugin: Ja, die Schwiebe hat eS dann angestiftet, daß ich es austrinken sollte, aber der Vorsteher Ivar nicht dabei Bors.: Hören Sie, ich habe Sie ernstlich ermahnt, die reine Wahr- heit zu sagen. War der Vorsteher dabei?— Zeugin: Ich erinnere mich nicht mehr so genau.(Bewegung.) t» Vors.: Er kann also dabei gewesen sein?— Zeugin: Ja, er war dabei.(Große Beloc gung.) Aber er hat mich nicht bedroht.— Bors.: Hat die Schwiebe Sie denn bedroht? Hatte sie etwa einen Stock? Zeugin: Nein.— Bors.: In der Voruntersuchung haben Sie ge° sagt, Sie hätten den Topf auf Geheiß des Vorstehers austrinken müssen. Er habe gesagt, Sie bekämen ihn immer wieder vorgesetzt, bis Sie ihn ausgetrunken hätten.— Zeugin: Ich habe nur so getan, als oh ich ihn austränke.— Bors.: Danach habe ich Sic nicht ge- fragt. Haben Sic so getan, weil Sie Angst vor Schlägen oder Arrest hatten?— Zeugin: Nein. Colande» forderte mich auf zu trinken, aber er hat mich nicht bedroht. Ich hatte es ja auch ver, dient, ich war ein böses Mädchen.— Vors.: Wie war eS mit dem Kot, den Sie ins Gesicht geschmiert bekamen?— Zeugin: Den hatte der Vorsteher in der Grube gefunden und behauptete, er wäre von mir. Er sagte dann, ich solle die Wahrheit sagen, sonst würde mir die ganze Geschichte ins Gesicht geschmiert.— Bors.; Ist das dann geschehen?— Zeugin: Ja.(Bewegung.) Marie Schwiebe und noch eine schmierten es mir inS Gesicht.— Bors.: Wurden Sie dann so in den Saal gesiihrt und den anderen Mädchen gezeigt? Zeugin: Ja.— Bors.: Hat das der Vorsteher angeordnet?— Zeugin: DaS weiß ich nicht. Er kam später hinein und hieß mich waschen.— Bors.: War Colander dabei, als die Mädchen Sie ver- unreiniglen?— Zeugin: Nein.— Bors.: Sie sagten aber doch soeben, er hätte Sie ermahnt die Wahrheit zu sagen, sonst würden Sie die Geschichte ins Gesicht kriegen. Als er das sagte, war da die Schwiebe dabei?— Zeugin: Ja.— Vors.: Früher haben Sie ausgesagt: Colander war dabei und lachte. Warum bleiben Sie heute nicht dabei? Hat er dabei gestanden?— Zeugin: Ja. — Bors.: Hat er auch gelacht?— Zeugin: DaS weiß ich nicht mehr. — Bors.: Tann kamen Sie in Arrest. Wer brachte Sie dahin? — Zeugin: Ich weiß nicht genau, ich glaube die Schwiebe.— Bors.: War der Borsteher im Saal, als Sie den anderen Mädchen gezeigt wurden?— Zeugin: Ja.— Bors.: WaS sagte er dabei?— Zeugin (zögernd): Co wie man cS mit mir gemacht habe, würde man cd auch mit anderen machen.— Bors.: Was wissen Sie von dem Fall Behn?— Zeugin: Daß sie die Sache mit dem Munde auf- nehmen sollte.— Vors.: Wer sagte das gu der Behn?— Zeugin: Der Vorsteher.(Bewegung.)— Angekl. Colander: Ich weiß nicht, wie die Sache gemacht worden ist. Die Behn sagt ja selbst, daß sie nur so getan hätte, als ob sie es in den Mund genommen hätte.— Vors.: Wollen Sie dabei bleiben, daß Sie cS nicht ver anlaßt haben?— Angekl.: Jawohl.— Die Zeugin Runge bekundet dann weiter, daß auch sie das Ausgießen des Nachtgeschirrs über die Kruse mitangesehcn habe, und daß diese auch einmal mit der Kette gefesselt worden sei.— Vors.: Weshalb geschah daS?— Zeugin: Weil sie sich dann nicht bewegen konnte, als der Vorsteher ie schlagen wollte.— Bors.: Hat er sie geschlagen?— Zeugin: Das weiß ich nicht mehr.— Bors.: Früher haben Sie ausdrücklich angegeben, daß er sie mit der Kette gefesselt und geschlagen habe. — Zeugin: Ja, die Schläge hat sie bekommen, aber dann ist es auch ihre Schuld gewesen.— Staatsanw.: Auch diese Zeugin sagt wesentlich milder auS als in der Boruntersuchung. Ist sie irgen- wie beeinflußt Worden, den Augeklagten zu schonen?— Zeugin: Nein. Die folgende Zeugin Pauline Dunkel ist früher im Asyl gewesen und jetzt in Kloppenbrügge in Stellung. Sie ist dreimal mit der Kette geschlossen und dann geprügelt worden. Nachher wurde sie mit der Kette am Fcnsterriegel der Arrestzelle angeschlossen. Aon der Frau Colander sei sie mit Ohrfeigen traktiert loorden. Vom Angeklagten Colander sei sie auch mehrfach mit den Zöpfen die Treppe hinaufgcschlcift worden. Oben habe Colander auf ihre Brust gekniet und ihr mit dcn Fäusten in« Gesicht geschlagen. Die Runge habe das Nachtgeschirr mit dem Kaffee tatsächlich ausgetrunken und sie sei dazu von dem Angeklagten gezwungen worden. Die Zeugin entfloh infolge der erlittenen Mißhandlungen und mußte nach ihrer Einlieferung stundenlang eine» Sack mit Steinen vor sich halten. Die folgende Zeugin Minna Green ist noch in der Anstalt und sagt ebenfalls im Gegensatz zu ihren Bekundungen in der Voruntersuchung aus, daß sie nur„gerecht" geprügelt worden sei. Zeugin Brüggemann gibt zu, Arrest bekommen zu haben, fügt aber gleich hinzu: Nicht mit des Vorstehers Erlaubnis— Ein Beisitzer: Woher wissen Sie daS? Ist er zu Ihnen in die Zelle gekommen und hat er Ihnen gesagt, daß Sie zu Unrecht darin sitzen?— Zeugin: Nein, aber die Schwiebe hat mich hineingeführt.— Zeugin Schwiebe: Ja. aber auf Geheiß des Vorstehers.— StaatSanw.: Auch die Zeugin Brüggemann hält heute mit ihren Bekundungen zurück. Haben Sie sich mit den anderen Zöglingen verabredet, heute anders auszusagen als in der Voruntersuchung?— Zeugin: Nein.— StaatSanw.: Schön, aber wie kommt es, daß andere Zeuginnen auch alle diese Ernzelheiten bekundet haben? Sie können sich daS doch unmöglich ausgedacht haben.— Zeugin: Ich weiß eS nicht.— Bors.: Machen Sie sich nicht unglücklich. Kind. Wenn eS wahr ist, was Sie dort ausgesagt haben, und es heute nicht sagen, so gehen Sie großen Gefahren entgegen. Sagen Sie es»ns jetzt in letzter Stunde, was Sie geschW havlD. Tie Zeugin erzahlt dann stockenst. daß unker anderem estsikm Mädchen einmal ein Stein an den Zopf gebunden worden sei und einige weitere Mißhandlungen. Inzwischen ist die Hundckette des Angeklagten aus Glückstodt eingetroffen. Sie geht am Richiertisch von Hand zu Hand und wird auch dcn Zeuginnen gezeigt. Tie folgende Zeugin Streim ist ebenfalls noch im Asyl.— Vors.: Na, wie ist es denn da?«■>* Zeugin: Ich habe eine sehr gute Behandlung gehabt. Ich habe wohl einzelne Ohrfeigen und Arreststrafen bekommen, aber die hatte ich verdient durch Ungehorsam und Aufsässigkeit.(Bewegung und Heiterkeit.)— Bors.: Früher haben Sie ausgesagt, Sie hätten auch manchmal Stockschläge bekommen.— Zeugin: Ja, von Herrn Colander und der Schwiebe. Diese tat es, wenn Herr Colander zu tun hatte.— Vors.: Wie ist es denn mit dem Trinken aus dem Nachtgeschirr?— Zeugin: O, das hatte die Runge wohl ver- dient.(Heiterkeit.) Vors.: Dann hatte es wohl auch die Kruse verdient, daß sie den Nachttopf über den Kopf bekam und in der Kälte draußen stehen mußte, und daß die Behn den Kpt mit dem Munde aufheben mußte?— Zeugin: Das war nur ein Scherz. Der Herr Vorsteher stand ja lachend dabei. Ich muß noch etwas sagen, denn ich fürchte mich nicht, vor aller Welt meine schweren Sünden zu bekennen. Ich war nämlich in dcn letzten Wochen patzig gegen den Herrn Vorsteher, so daß er mich prügeln und förmlich in die Arrestzelle schleppen mußte. Ich hatte dann lauter blaue Flecke, aber es ist nicht wahr, daß sie von Herrn Colander herrühren, sondern die habe ich mir alle selbst beigebracht.(Heiterkeit und Bewegung.)! Ich habe mich auch herunterfallen lassen, damit ich recht zerschundcn aussehe und habe mich auch gekratzt. Aber daran ist niemand schuld als ich allein.—- Staatpanw.: Warum erklären Sie daS, das erst jetzt passiert ist und hier gar nicht zur Anklage steht?— Zeugin: Tie Pauline Dunkel soll hier gesagt haben, sie sei so mißhandelt worden, haß sie Verletzungen davon gehabt habe. Vielleicht hat sie die auch aus diese Weise bekommen.(Heiterkeit und Bewegung.)) Die Zeugin schildert dann des längeren die letzten Stunden einer Schwindsüchtigen im Asyl, die allerdings mit einem Tau an einen Stuhl gebunden worden sei, aber nur, damit sie gerade sitze, und deren letzte Rufe den HauSeltern gegolten hätten, ein Zeichen, wie sehr sie an diesen gehangen habe. Ter Fürsorgezögling Marie Sande» weiß, daß eS Dezember tvar. als die Behn mit dem nassen Bett- laken über dem Kopf« sich vor die Tür stellen mußte. Sie ist von dem Angeklagten mehrfach am Zopf hin- und hergezogen worden« Das Mädchen Reinjes erklärt: Ja, Schläge habe ich wohl bekommen, aber eS waren kiird« liche Strafen, die ich wohl verdient hatte.(Heiterkeit.)— Staats» anwalt: Es fällt mir auf. daß alle diese Mädchen sagen, sie hätten die Strafen verdient, aber nicht mehr wissen, weshalb sie eigentlich geprügelt wurden. Wie kommt diese Zeugin weiter zu dem Aus« druck..tindlick)e Strafen"?>— Ein anderes Mädchen sagt hierauf aus, daß Colander nie mit einem Stock geschlagen habe.— Die 17jährige .... Friha Kühr. g'bt au, der Angeklagte habe sie einmal eine ganze Woche hindurch auf Brettern schlafen lassen, weil sie das Bett genäßt hatte. Die Kette sei benutzt worden, wenn man sich beim Prügeln nicht ordent- lich bückte. Die Kotschmutzereien seien nur vorgekommen, weil man nicht zum Abort durste und in der Angst die dümmsten Sachen gemacht habe, um den Kot zu beseitigen.— Ein Mädchen Ahlert will gut behandelt worden sein, obwohl sie in der Voruntersuchung daS Gegenteil ausgesagt hat, ebenso eine Rosa Greve. die als neues Moment anführt, daß es im Arrest keine Sitz- und Schlaf- gclcgcnhett gab. obwohl Arreststrafen bis zu drei Tagen verhängt wurden. Ein Mädchen Dettingcr bekundet dann, daß sie sich selbst Kot ins Gesicht schmieren mußte, ein Mädchen TalkowSki, daß sie ein* mal 0 Tage bei Wasser und Brot bekommen habe.— Der Angc- klagte Colander lacht bei diesen Bekundungen und gibt zu, daß das richtig sein könne.— Der Borsitzende wird hierüber sehr erregt. Die Zeugin bekundet weiter, daß der Mort morgens barst, ß und im Hemd aufgesucht werden mußte. Der Vorsitzende richtet dann an dcn Landeshauptmann Bachmann noch die Frage, ob auch Kinder dem Asyl überwiesen worden seien.— Zeuge: ES hätte sich nur um unkonsirmierte Mädchen handeln können, die trotzdem schon Unzucht trieben. Aber meiner Erinnerung nach ist ein solches nicht in die Anstalt gekommen. Der arztliche Sachverständig« Geheimer SanitStSrat Dr. Hallinj» bekundet, daß er im Jahre 00- bis lOOnwl in das Asyl gekommen sei und immer alles in bester Ordnung gefunden habe.— Bors.: Es sind aber auffällig viel Todesfälle infolge Tuberkulose borge» kommen. Sind Sic nicht der Meinung, daß solche Dinge, wie siq' hier zur Sprache gekommen sind, das Ucbergießen mit Wasser, das HinauSstellen in die Kälte, die Kostentziehung, das Einsperren in Arrest, das Waschen in der Winterkälte, das zwölfftündige Stehen aus cmem Fleck usw. nachteilig auf kranke Mädchen einwirken muß? — Sachvrrft.: Auf Kranke gewiß, und bei Schwindsüchtigen Ware das, was hier erzählt worden ,st, eine geradezu das Lebe» gc- 'ährdrndc Behandlung.— Bors.: Die Tuberkulose würde doch durch ölche Dinge eine Beschleunigung erfahren haben?— Sachverst.: Gewiß, gewiß! Aber ich habe ja von dem ganzen Kram, der hier zur Sprache gekommen ist. nicht das geringste gewußt. Die Mädchen haben mir auch nie etwas gesagt, lind die Malvine Kruse war doch 0 Monate bei mir im Krankenhausc. Auch die anderen Mädchen lagen bei mir im Krankenhausc. Am Essen hat es jedenfalls nicht gelegen, denn da habe ich genau nachgesehen, und weil die Tubcr- kulose nun einmal den Tuberkel zur Voraussetzung hat, das Fleisch usw. genau untersucht.— Vors.: Haben Sie das Essen auch ein- mal probiert?— Sachverst.(erstannt): Nein.— Staatsanw.: Ist Ihnen der Haarverlust der Malbiue Kruse nicht aufgefallen?— Sachverst.: Nein.— Staatsanw.: Die fünf anderen Mädchen sind edenfalls cm Tuberkulose gestorben?-- Sachverst.: Ja.— Damit ist die Beweisaufnahme beendet. Die Schwiebe und Colander sen. bleiben unvereidigt. Dia Verhandlungen werden auf heute mittag 12 Uhr vertagt. Amtlicher Marktbericht der ftädtssche« Tvarkthallen-DIreNion über den Grobbandel in den Zentral-Marttballcn. Marktlage- Fleisch: Zufndr genügend, Geschäft schleppend. Preise anverändert. Wild: Zichifc genügend, Gcschüst rege, Preise sesl. Äeslügel: gusuhr reichlich, Geschäft nicht lebhaft genug. Preise schwankend. Fische: Znsnhr ge- nügend, E-schäst etwas reger, Karpsen wenig aesragt, Presse der Marktlage entsprechend. Butter und Käse: Geschäst ruhig. Preise unverändert G-müs«. Obst und Südsrüchte: Znsuhr anSreichend, Geschäft ruhig. Preise wenig verändert. D Warenhaus Wilhelm Stein Berlin N. Chausseestrasse 70-71 Hemdentuch.. Hemdentuch. Renforcé Damast Bettbreite Damast Kissenbreite Dimiti Bettbreite Dimiti Kissenbreito Louisiana- Tuch Bettbreite ہے ۔ Unsere WEISSE WOCHE beginnt Sonnabend, den 16. Januar und dauert bis Sonnabend, d. 23. Januar cr. incl.*) Wir bringen zu dieser ,, Weissen Woche" grosse Posten Leinen- und Baumwollwaren, Wäsche, Spitzen, Weisswaren, Gardinen, Damen- u. Kinder- Konfektion, die wir sehr preiswert erstanden, zum Verkauf. Sehenswerte Innen- Dekoration! Bewegl. Schwebebahn, elektrisch beleuchtet. Leinen- und Baumwollwaren. Wäsche- Stoffe. 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Bielfeitiges Adressenmaterial, Außerdem enthält der Kalen ber ein künstlerisch ausgeführtes Marr Porträt. Zu beziehen durch jede Parteibuchhandlung und bei den Rol porteuren. Der Verlag: Buchhandlung Vorwärts Berlin SW. 68. Berantwortl. Redakteur: Carl Wermuth, Berlin- Rigdorf. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drud u. Verlag: VorwärtsBuchdruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. it. 13. 26. Zehrgtts. 3. MM des Lsmarts" Kerllm WiksdlllN. Zslülllbevd, 16. hmt 1909. parte!- Angelegenheiten. Zm Lokallist». Am heutigen Tage findet in Königs Fest» fSItn, KarlShorst, ein Maskenhall statt, zu welchem ein lebhafter Billetwertrieb speziell in Berliner Fabriken inszeniert worden ist. Wir weisen besonders daraus hin, dab uns genanntes Lokal seit Jahren beharrlich verweigert wird, mithin find alle dortigen Ver« anstaltungen zu meiden. Berichtigung: In Schönholz N.»B. ist daS Lokal „Schloß Schöllholz" nach wie vor gesperrt. Die Lolallommission. Achtung; 2. Wahlkreis, Friedrichstadt, Abt HI u. IV. Der Januar. Zahlmorgen für die Druckerei- Nachtarbeiter findet am Sonmag, den 17. d. MtS.. früh'/,? Uhr bei JuL Meyer, Oranien- strafee 108, statt. Referat des Genossen Fritz Zubeil. ZahlreicdeS Erichemen, auch besonders der bei Moste und Ullstein stehenden Ge- Nossen, erwarten Die Bezirksführer. Dritter Wahlkreis. Morgen, Sonntag, den 17. Januar, früh 8 Uhr. findet eine Flugblattverbreitung statt. Die Genossen und Genossinnen werden ersucht, sich recht zahlreich daran zu beteiligen. Am Dienstag, den 19. Januar, abends 8� Uhr, findet in den .Arminhallen Kommandantenstt. 58/59, eine Frauenversammlung statt. Genossin Zietz spricht über:»Der Kampf der Frauen um die politischen Rechte." Der Vorstand. Vierter Wahltreis. Am Sonntag, den 17. Januar, finden zwet Uraniavorstellungen statt. Billetts sind noch im Bureau des Wahl- Vereins, Stralauer Platz 1/2 II, sowie in den Speditionen am Petersburger Platz 4 und Lausitzer Platz 14/15 zu haben. 6. Wahlkreis. Sonnlag. 17. Januar, abends 6 Uhr, findet bei Raabe. Kolberger Straße 23, eine öffentliche politische Versammlung für Männer und Frauen statt Tagesordnung: Vortrag der Genossin Wurm über.Entstehung der Arbeiterklasse". Zu zahlreichem Besuch ladet ein Der Einberufer: E. Emst, Wöhlertstt. 9. Schifferagitation! Die Verbreitung der„Fackel" findet am Sonntagoonnittag statt. Die betreffenden Genossen wollen sich an den ihnen bekannten Stellen einfinden. Die der 6. Abteilung des 6. Kreises bei D a h m s, Schlegelstr. 9. Bezirk Waidmannslust. Am Sonntag, den 17. Januar, nach« mittags 3 Uhr, findet im.Schweizerhaus" zu WaidmaunSlust die Geiieralversommliing des WablvereinS statt. Aus der Tagesordnung stehe» Berichte der Funktionäre und Slatutenberatung. Der Borstand. Reinickendorf-Wrst. Am Dienstag, den 19. d. M., abends S1/« Uhr, findet in den Eichbornsälen sJnh. H. Schiller), Eichborn- ftratze 00, die Generalversammlung des Wohlvereins statt. Tages- ordnung: 1. Berich! des Vorstandes. Bericht des Kassierers, Bericht sämtlicher Funktionäre. 2. Neuwahl des Vorstandes und sämtlicher Funktionäre. 3. Verschiedenes. Der Vorstand. Oranienburg. Den Mitgliedern de? sozialdemokratischen Wahl« Vereins sei hiermit nochmals zur Kenntnis gebracht, daß am Sonn- tag. den 17. Januar 1909. nachmittags 5 Uhr, im Lokal.WaldhanS- Sandhaufen" unsere Generalversammlung stattfindet. Aus der Tagesordnung steht: Bericht und Neuwahl des Vorstandes und der Funktionäre. Die Mitglieder haben ihre Mitgliedsbücher mitzubringe», denn ohne Mitgliedsbuch kein Eintritt. Tegel. Sonntag, den 17. Januar, früh 8 Uhr, findet von den bekannten Bezirtslolalen aus«in« Flugblaltverbreitung statt zu den bevorstehenden Kommunalwahlen. Am gleichen Tage vormittags 10 Uhr: Fortsetzung deS Kursus über soziale Gesetzgebung. Vortragender: Genosse Adolf Ritter. Der Unterricht findet bei Halses, Bninowstr. 23, statt. Arn Dienstag, den 19. Januar, findet bei Jul. Klippenstein. Spandauer Str. 4, die Generalversammlung de« Wahlvereins statt. Tagesordnung: Bericht der Funktionäre und Neuwahl derselben. Kreisstatulenberatung. Friedenau. DienStag. den 19. Januar, abends>/,9 Uhr, im Rheinschloß. Rheinstr. 60, ordentliche Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Unsere nächsten Aufgaben. Referent: Paul Richter. Die bevorstehend« Gemeindewahl. Aufnahm« neuer Mitglieder, ver- schtedeneS. Nieder-Schönhause». Am DienStag. den 19. Januar, abends 8'/, Uhr, findet im Lokal.Schwarzer Adler", Jnh. Ulitz, Blanken- burgcr Straße, eine öffentliche Versammlung statt, in der Genosse ReichSlagSabgeordneter Arlur Stadthagen referiert Zwecks Agitation für diese Versammlung findet morgen, Sonntag, pünktlich um 8 Uhr früh von den Aezirkslokalen aus eine Handzettel- Verbreitung statt. Der Wahlvereinsvorstand. Schenkendorf bei KönigS-Wusterhausen. Am Sonntag, den 17. Januar, abend? 6 Uhr, findet im Lokale von Otto Paetsch die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Jahresbericht. Wahl des gesamten Vorstandes und der Funktionäre. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. Parteiangelegen« heften und Verschiedenes. Brih-Buckow. DienStag, den 19. Januar, findet bei Weniger die Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Bericht dcS Vor- standes und der Funktionare. 2. Neuwahl des Vorstandes und der Funktionäre. 3. Wahl von zwei Delegierten zur Kreisgeneralver- sammlung. 4. Verschiedenes. Trmpclhof. Am Dienstag, den 19. Januar, abends 8�, Uhr, findet im Lokal von Martin Müller die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Jahresbericht. Neuwahl des Vorstandes und sämtlicher Funktionäre. Schöncichr»nd Umgegend. Sonntag, den 17. Januar, nach- mittags 5 Uhr, im„Waldfchlotz Schöneiche". Jnh. Süßmilch: Wahl- Vereinsversammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Stocrmer über: Kirche und Staat. 2. Diskussion. 3. Bericht über die Abrechnung mit FriedrichShagen. 4. Bezirkseinteilung und Wahl von BezirkSführcrn, verschiedenes. Verlegenheit mit klinischem Material geriet. Glaubt die Charit�, durch eine Erhöhung der Kurkostensätze diese Schwierigkeiten überwinden zu können? Viele Kranke und nicht zuletzt die Krankenkassen werden unter solchen Umständen es sich dreimal überlegen, das Institut zu benutzen. Also schon aus eigenem Interesse täte die CharitS gut. von ihrem Vor- haben abzustehen. Außerdem ist es an sich überhaupt nicht zu begründen, daß Kranken, die zugleich als Lehrmaterial dienen müssen, dafür noch Geld abgenommen wird, und es ist zu fordern, daß die Krankenbehandlung in der Charitö gänzlich unentgeltlich erfolgen muß. Hoffen wollen wir außerdem, daß nicht auch noch der Berliner Magistrat diesem schlechten Beispiel der Charits folgt, wie er das vor neun Jahren getan. Berliner JVadrncbten. Die Kurkostensätze in der Charitö. Die CharitS plant wieder einmal eine Erhöhung der Kurkostensätze, um ihre Einnahmen zu erhöhen. Sie hofft, daß die Schwierigkeiten, die sich dieser geplanten Erhöhung entgegenstellen, sich nunmehr beseitigen lassen würden. Die Erhöhung der Sätze soll von 2.69 Ml. pro Tag auf 3 M. für Erwachsene und Kinder erfolgen. Wir möchten dieser Absicht mit aller Entschiedenheit widersprechen. Schon die jetzigen Sätze sind gänzlich ungerecht- fertigt. Die Eharits trägt einen ganz anderen Charakter als unsere städtischen Krankenanstalten. Sie ist erst in zweiter Linie als Krankenhaus anzusprechen». Die Charitö ist ein staatliches Institut, das sich in erster Linie die Ausbildung ärztlickier Kräfte zum Ziel gesetzt hat und somit mehr den Charakter eines Lehrinstituts hat. Um dieser Aufgabe ge- recht werden zu können, benötigt die Charits Krankenmate- rial. Es ist noch gar nicht lange her, da klagte die Eharitä- Verwaltung, daß die Stadt Berlin ihr eine gewisse Klasse Kranken nicht mchr jibenveise, wodurch die Verwaltung in lleber Jugendgerichte und Schuldisziplin sprach auf Veranlassung der.Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur" in einer nach dem Vortragssaal des Rathauses ein- berufenen Versammlung Fräulein L i l l i I a n n a s ch. Die Rednerin legte dar, was der Jugendgerichte Zweck und Ziel ist, und erörterte die Frage, ob durch die herrschende Schuldisziplin diese Bestrebungen gefördert werden. Die Jugendgerichte, bestimmt zur Beurteilung leichter Gesetzesübertretungen jugendlicher Personen, sind in Deutschland erst seit kurzem in Ausnahme gekommen, vorläufig noch nicht durch Gesetz, sondern nur erst durch ministerielle Verordnungen. Sie wollen sich freihalten von schablonenhafter Be- Handlung der Straffälle, lieber den Vormundschafts- rickter als den Strafrichter entscheiden laffcn, die Eigenart der jugendlichen Angeklagten berücksichtigen, mit möglichster Milde richten. ES wird erwartet, daß die Tätigkeit der Jugendgerichte mit dazu beitragen werde, die Gesetzesübertretungen Jugendlicher zu mindern. Wir haben es in diesen Jugendgerichten genau genommen mit einer pädagogischen Institution zu tun. Was leistet nun die Schule, um ihnen die Arbeit zu er> leichtern? Frl. Jannasch führte aus, das Verbrechen beruhe im allgemeinen auf einem Mangel an sozialem Empfinden, daher müsse die Schule, wenn sie den Kampf gegen daS Verbrechen unterstützen wolle, es als ihre Aufgab« ansehen, in den Kindern das Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber der Gesamtheit zu steigern. Leider könne aber die Schule bei dem BureaukratismuS, der auf ihr laste, die hochgespannten An forderungen an die Leistungsfähigkeit der Kinder nur mit ihren üblichen Mitteln der Belohnung oder Bestrafung durch. fetzen. So gelange das Kind allmählich zu einer geschäftsmäßigen Auffassung deS Lebens, indem es bei allem, was es tun solle oder wolle, sich die Frage vorlege: WaS habe ich davon— werde ich belohnt— werde ich bestraft? Dadurch werde die Seele des Kindes geradezu prostituiert. Frl. Jannasch betonte, daß ihre anklagenden Darlegungen sich nicht gegen die Lehrer richten, sondern gegen daS System, unter dem die Lehrerschaft ja selber leide. Deutlich komme die Wirkung deS Lohn, und Straff y st emS zum Ausdruck vor den Jugendgerichten in den Antworten, die die jugendl Angeklagten dem Richter geben. Auf die Frage:„Warum dar man nicht stehlen?" erfolgt fast regelmäßig ganz automatisch die Antwort:..Weil Strafe drauf steht." Es fehle eben den durch die Schule an das Strafsystem gewöhnten Kindern die Emp> findung dafür, daß das Unrechte einen zerstörenden Einfluß au da« ganze Zusammenleben ausübt und andererseits daS Rechte eine aufbauende Wirkung hat. Auf ein Kind, das durch die übliche Schuldisziplin hindurchgegangen sei, müsse die Milde mit der es vom Jugendgericht behandelt werden soll, geradezu ver wirrend wirken. In der Schule werde cS für ganz geringe Ver sehen, für harmloseste Fehltritte hart und empfindlich gestraft. Für Gcsetzcsverletzungen aber, die eS selber als schwer ansehe, werde es vom Jugendrichter milde behandelt, freundlich angeredet, Väter lich crmahnt und schließlich wohl mit einem Verweise entlassen. Die Rcdnerin forderte nicht etwa, daß die Jugendgerichte fidh der SchuldiSziplin anpassen sollten. Vielmehr hob sie nachdrücklich hervor, daß die Schule sich frei machen müsse von ihrem unhaltbaren System des Belohnens oder BestrafenS, den Lobstrick>en und Prämien, den Tadeln, Nach- blcibestunden und Körperstrafen. WaS der Schule not tue, sei eine Reorganisation durch Einführung einer Schulversassung, die— hört es, ihr Stockpädagogen und staunt!— von den Kindern selber unter Mitwirkung der Lehrer ausgearbeitet weiden müsse. Eine Ordnung, die von den Kindern selber ge schassen werde, steigere ihr VeraniwortlichkeitSgefühl. Zum Schluß richtete die Rednerin in gleicher Weise auch an das Elternhaus die Mahnung, mehr dem starken Willen zum Guten zu vertrauen, der ursprünglich in jedem Kinde stecke. Die Diskusfion, die sich an den Portrag anschloß, war nicht sehr fruchtbringend. Getäuscht wurden wir in der Erwartung, daß auch Vertreter der Lehrerschaft sich zu den gegebenen An- regungcn äußern würden. Die Hoffnungen, die die Referentin auf da? Wirken der Jugendgerichte setzt, wurden anscheinend all- gemein geteilt. Niemand schien zu fürchten, daß auch die Jugendgerichte einmal, wenn sie sich erst„eingearbeitet haben, zur Schablone greifen könnten. Werden die Jugend- richtcr auf die Dauer sich frei halten können von jener Klassen- an schau ung, die über GcsetzeSverletzungen edenlo blind wie erbarmungslos aburteilt? Die Erprcsscraffäre. Mit dem wegen Beihilf« zur Erpressung verhasteten und wieder auS der Haft entlassenen Journalisten Dahsel dürfte, wie die„Lib. Korr." schreibt,«in Mann von der Oberfläche deS öffentlichen Lebens verschwinden, der jahrelang eine geheim wirkend«, aber um so gefährlichere Tätigkeit im antisemitischen Parteilager getrieben hat. Bei allen großen antisemitischen Affären der neunziger Jahre, den Prozessen des Karl Paasch und deS inzwischen verstorbenen Erwin Bauer, den Affären Normann- Schumann und Leckert- Lützow wirkte Dahsel mehr oder minder aktiv hinter de» Kulissen mit. In der antisemitischen Presse war er als Kenner aller möglichen intimen Verhältnisse auf politischem Gebiete als Mitarbeiter sehr geschätzt. Insbesondere rühmte sich Dahsel, daß er beim verstorbenen Minister v. Miguel aus- und eingegangen sei, und dieser ihn über seine geheimsten Pläne orientiert habe. Sein Schassen blieb im übrigen vielfach in Dunlel gehüllt. Wenn dermaleinst die Geheiingeschichte der anti- semitischen Geschichte geschrieben werden sollte, dürste der Name Dahsel sehr häufig darin vorkommen. In der neuesten, gestern erschienenen Nummer der„Wahrheit" wird der Erpressungsversuch nicht als schwülstiger Leitartikel be- handelt, sondem auf der zweiten Seite mit 05 gewundenen Druck- zeilen abgetan. Bemerkenswert ist der mehrfach wiederholte Satz. daß Dahsel Mitarbeiter deS BruhnSschen Skandalblattes„war". Man scheint also den bisherigen Leitartikler schleunigst abgesägt zu haben, um die eigene liebe Haut zu retten. Zu diesem schwachen Rettungsversuch stimmt cB auch, daß die Redaktion den Herrn Dahsel als Mitarbeiter der.Deutschen Tageszeitung" sowie der.Täglichen Rundschau" bezeichnet. Geteilter Schmerz ist halber Schmerz, sagt sich Herr Bruhn. Daß die.Wahrheit" jetzt alle diejenigen Blätter anrempelt, welche ihr wieder mal scharf ins Gesicht geleuchtet haben, ist felbswerständlich. Brandstiftung und Selbstmord. In der siebenten Morgenstunde wurde gestern die Feuerwehr nach der Görlitzer Straße 39 gerufen. Als die Löschzüge dort ein- trafen, brannte im vierten Stock deS zweiten OuergebäudeS die Pianofortetischlerei von Hermann Wustrow. Da das Feuer noch nicht allzu weit vorgeschritten war, konnte der leitende Brandoffizier sofort zwei verschiedene Brandherde feststellen, die mit Petroleum und Spiritus begossen waren. Nachdem die Ab- löschungSarbeiten fast beendet waren, fanden Feuerwebrleute, die eine halbe Treppe höher gegangen waren, einen Mann im Blute schwimmen. Man trug den fast leblosen Körper nach dem vierten Stock herab und erkannte nun, daß der Mann mehrere Stiche in der linken Brust aufwies. Da mit einem Verbrechen gerechnet wurde, wurde unverzüglich die Kriminalpolizei benachrichtigt, die sofort die sogenannte Mordkommission unter Leitung des Oberregierungsrates Hoppe nach der Fundstelle entsandte. Auch der Gerichtsarzt Medizinalrat Dr. Hoffmann eilte nach der Görlitzer- straße. Inzwischen war bereits ermittelt worden, daß eS sich bei der auf- gefundenen Person um den 44 jährigen Inhaber der oben erwähnten Tischlerei handelte. Der Mann konnte trotz aller WiedcrbelebungS- versuche nicht wieder ins Leben zurückgerufen werden. Als die Kommisston einttaf, war er bereits eine Leiche. Bei der Unter- suärnng stellte sich heraus, daß der Mann sechs Stiche in der linken Brust aufwies. Bei näherer Betrachcung der Wunden kam aber der Gerichtsarzt zu der Ueberzeugung, daß hier nicht ein Verbrechen, sondern Selbstmord vorliege. Die weiteren Er- Mittelungen der Polizei ergaben denn auch, daß Wustrow in letzter Zeit in schlechte Vennögcnsverhältnisse geraten war und die Tat aus Verzweiflung begangen hat. Es wird angenommen, daß er den Brand erst angelegt und sich dann, als er merkte, daß er zeitig entdeckt wurde, auf dem obersten Treppenabsatz die ivdlichen Stiche beigebracht hat. Er hatte wohl auch die Absicht, sich dann noch aus dem kleinen Treppenfenster auf den Hof hinabzustürzen, doch müssen ihn die Kräfte verlassen haben. Der Körper ist vom Fenster auf die Treppe zurückgefallen. Nachdem die Leiche photographiert worden war, wurde sie noch im Laufe des Vormittags nach dem Schauhause geschafft. Wustrow war verheiratet und hinterläßt seine Frau mit drei Kindern, die im Alter von drei, zehn und fünfzehn Jahren stehen. Die Tischlerei betrieb Wustrow schon seit mehreren Jahren in der Görlitzer Str. 39. Seine Privatwohnung hatte er am Eörlitzer Ufer 22/28. Der Erfolg des Zehupfennigbrirfes nach Amerika. DaS billige Briefporto nach Amerika hat einen unerwartet großen Anklang beim Publikum gestmden. Schon mit dem ersten Dampfer, der derartige Briefe befördert hat, wurden nicht weniger als 35 000 Briefe nach Ainerika gebracht, die in 20 Postsäcken verladen wurden. Der Dampfer war der„Prinz Friedrich Wilhelm", der am 5. Januar von Bremerhaven abging. Nach den früheren Verhältnissen iväre der Dampfer für die Post überhaupt nicht benutzt worden. Sämt- liche Briese, die am 5. Januar vorlagen, wären vielmehr nach Southampton oder Cherboura geleitet lvorden, um dort dem am 0. Januar abgehenden Dampfer der White Star-Linie übergeben zu werden, der am 12. oder 13. in New Dork ist, während der„Prinz Friedrich Wilhelm" erst am 14. dort eintreffen konnte. Das neue deutsch-amerikanische Briefporto ist eine Sondertaxe, wie sie bisher im Verkehr Deutschlands mit keinem anderen Lande be- steht. Wenn sonst in Deutschland Portoermäßigungen für den Briefverkehr bestanden und bestehen, wie mit Oesterreich, Ungarn. den deutschen Kolonien und Postanstalten in China und Marokko sowie Luxemburg, so erstrecken sich die Gebührenermäßigungen auf Briessendungen jeder Art und lehnen sich an de» für den mneren Verkehr geltenden Tarif an. Es ist deshalb nicht verwunderlich, daß im Publikum vielfach der Irrtum entstand, daß das Briefporto allgemein herabgesetzt worden sei und unter anderem auch für Post- karten gelte. So sind dem Postamt 1 in Bremen in de» erste» Tagen de? neuen JahreS 4000 Postkarten zugegangen, die nur mit 5 Pf. frankiert waren. Für Postkarten wie für Drucksachen und Warenproben gilt nach wie vor die Weltposttaxe, auch auf dem direkten Wege. Selbstmord eine» Soldaten. Mit dem Revolver nahm sich kurz nach Mitternacht der Füsilier Böttcher I von der 3. Kam- pagnie des 34. Infanterieregiments im Abortraum des Schlesischen Bahnhofes das Leben. Er schoß sich zwei Kugeln in die rechte Schläfe. WaS den Soldaten zu der Tat veranlaßte, ist noch nicht bekannt. Wieder zurückgenommen. Die polizeiliche Verfügung wegen des Verbots, in den Berliner Markthallen künstlich«, mit Draht gebundene Kränze, Staniol, Wachsblumcn usw. fernerhin fcilzu- halten, ist zurückgenommen lvorden. Zur Frage der„HilfSbereitschnft dcr Nnfallstationcn". lluS Anlaß unserer in Nr. 12 veröffentlichten Notiz über die 11 n f a l l- st« tion am Grünen Weg werden wir im Auftrage dcS Kuratoriums der Unfallstationen vom Direktor Dr. P. Frank auf Grund des PrehgesctzcS ersucht, zu„berichtigen, daß das betreffende Vorkommnis nicht die Unfallstation berührt, sich vielmehr, wenn die zeitlichen Angaben den Tatsachen entsprechen, nur auf der im gleichen Lokal mit der Unfallstation amtierenden SanitätS- loache zugetragen haben kann." Für unsere Leser wollen wir hier zum besseren Verständnis dieser Berichtigung den Zusatz machen, daß mit der Unfallstation am Grünen Weg eine der alten Sanitätswachen zusammengelegt worden ist. Dem Unkundigen wird es bei solcher Vcrkoppelung nicht leicht sein, zu unterscheiden. ob eS ein UnfallftationSarzt oder ein SanitatSwachcnarzt ist, der ihm auf feine Bitte um Beistand mit dem Rat antwortet, lieber zu einem Kassenarzt zu gehen. Ein schwerer Zusammenstoß zwischen einem Straßenbahnwagen «nd einem Automobil, bei welchem vier Personen mehr oder minder schwer verletzt wurden, ereignete sich am gestrigen Freitag nachmittag gegen Uhr in der Mllllerstraß«. Zu dieser Zeit versagte an der den genannten Straßcnzug passierenden Liitomobildroschke Nr. 2275 die Steuerung; infolgedessen sauste der Kraftwagen gegen den Vorder« Perron deS aus entgegengesetzter Richtung kommenden Straßenbahn- Waggon« Nr. 10l2 der Lime 28(Richtung Britz). Durch den mit voller Gewalt erfolgten Zusammenstoß wurden die Insassen der Droschke, Herr Ludwig Lutz nebst Ehefrau auS der Winterfeldstr. 81 und deren Sohn Hugo Lutz. Schöneberg. Meininger Str. 9 wohnhaft, auf die Straße geschleudert. Lutz sen., der von seinen Angehörigen nach der Irrenanstalt Dalldorf übergeführt iverden sollte, erlitt Verletzungen am Kopfe, seine Eheftau einen Bruch des rechten Unter« chenlels, der Sohn mehrere Rippenbrüche. Der Lenker der Kraftdroschke kam mit leichteren Hautabschürftmaen davon und konnte sich, nachdem er auf dcr Unfallstation in der Lindower Straße die erste Hilfe erhalten halte, allein nach seiner Wohnung begeben. Da» Ehepaar Lutz wurde nach dem Rudolf- Birchow-Krankenhause gebracht. Frau L. blieb hier in ärztlicher Behandlung, während der Geisteskranke nach Anlegung von Ver- bänden nach Dalldorf übergeführt wurde. Hugo Lutz wurde auf einen Wunsch nach seiner Wohnung gebracht. Durch den Zu- sammenprall wurde das vordergestell'der Automobildroschle de- moliert, an dem Straßenbahnwagen der Vorderperron stark be- schädigt Gartenstadtbewcgung. In der Wohnungsansiedelung der Bau» genossenschaft„Freie Scholle", nahe Waidmannslust. Iverden zum 1. April d. I. außer den bereits fertiggestellte» 100 EinfamiNen» HSuseni Vetter« 24 Häuser fertig. Jede» Hau» ist mit einem 200 Ouadrattneter groben Zier- und Nutzgarten versehen. Die Wohnungen werden an Mitglieder der Genossenschaft unkündbar und unsteigerbar vermietet. Die Geschäftsstelle der Genossenschast befindet sich Chausseestr. 14. I. Die Redaktion der„Wahrheit�(unterzeichnet Wilhelm Bruhn) schickt unS eine Berichtigung der dem„Berliner Tageblatt" ent- nommenen gestrigen Notiz, in der eS heißt:..In der Nr. 12 dev „BorwärtS" vom Freitag, den Ib. Januar, wird unter der lieber- schrist:.Die Erpresseräfsäre" folgendes angeführt: »Einen BewetS für die Tatsache, daß der von Dahsel ver- fabte Artikel gegen den Grafen F. für das Wochenblatt.Die Wharheit" bestimmt war. liefert folgende Ermittelung: Bereits am 0. Januar erschien in der.Wahrheit" an ziemlich versteckter Stelle unter der Spitzmarke.Auffällig" eine Notiz, die unter Bezug auf einen Todesfall Anspielungen gegen den Grafen F. und dessen Gattin enthielt und die dazu dienen sollte, den Grafen auf die gegen ihn im Gange befindliche Kampagne aufmerksam zu machen." Die in dieser Darstellung enthaltene Behauptung, daß Dahsel zn dem vorstehend angezogenen Artikel der„Wahrheit" m Be- ziehung stehe, ist unwahr. Wahr ist vielmehr, daß Dahsel weder die Notiz geschrieben noch bei deren Aufnahme in die„Wahrheit" in irgendeiner Weise mitgewirkt hat. Der Artikel„Auffällig" in der„Wahrheit" vom 0. Januar behandelt eine ganz andere An- gelegenheit, al» diejenige des Grafen F.. der, da sein Name in die andere, dort erörterte Angelegenheit hineinspielte, nur ganz neben- sächlich genannt war. Die„Wahrheit" hat bei der Veröffentlichung der Notiz nicht das geringste Interesse an der Person deS Grafen F. gehabt. Die„Wahrheit" hat Dahsel niemals den Austrag er- teilt, einen den Grafen F. betreffenden Artikel zu schreiben. Geändert wird durch die Berichtigung deS Herrn Bruhn nicht da? geringste an der Tatsache, daß Dahsel Mitarbeiter der„Wahr- heit" war und eS ist auffällig, daß Herr Bruhn nichts über die andere Behauptung sagt, datz Dahsel politische Leitartikel für die „Wahrheit geliefert hat. Vorort- JVadmehten. Pankow. Die Gcmeindevertreterwahlen in Pankow, die gestern vollzogen wurden, standen unter dem Zeichen eine» leb- haften WahlkampfeS. Die Gegner aller Schattierungen waren unter einen Hut gebracht und arbeiteten mit Hochdruck. Sie hofften auch sicher aus Erfolg. Der gegnerische Wahlausschuß erklärte am Tage vor der Wahl:„Die Pankower Wähler werden hoffentlich den vier kan- vidierenden Genossen zeigen, wo der Zimmermann im Rathause das Loch gelassen hat." Dazu kam, dab auf Grund der vorjährigen Listen gewählt wurde, was zur Folge hatte, daß die Arbeiterwähler im Nachteile waren. Die Demokratische Vereinigung hatte sich dem bürgerlichen Block nicht angeschlossen, trat vielmehr mit eigenen Kandidaten auf den Plan. DaS Resultat ist folgende?: ES erhielten Stimmen: im Bezirk A die Genossen Grobkurt SSV und Schmidt&49 Stimmen, für die Gegner wurden S3l bezw. 628 Stimmen und 26 Forensenstimmen abgegeben. Einige Stinimen waren zersplittert. ES findet in diesem Bezirk Stich- Wahl statt. Im Bezirk B wurden unsere Genossen Winkler und Obier mit 623 bezw. 611 Stimmen gegen 4Sv bezw. 504 Stimmen gewählt. Hohen- Schönhausen. Bus der Gemeindevertretung, llnter Leitung de? neuen Gemeindevorstehers Herrn König beschäftigte sich die Gemeinde. Vertretung mit der Bewilligung von 22V M. für eine Bureaueinrichtung, desgleichen mit der Bewilligung von Mitteln zur besseren Ausstattung des Mtenmaterials. Beide Positionen wurden angenommen. DeS weiteren befahte sich die Gemeinde- Vertretung mit dem Erlaß eineS Ortsstatuts betreffs der Armen- und Waisenpflege. ES sind drei Bezirke unter Leitung je eineS Waisenrates vorgesehen. DaS hierauf bezügliche Ortsstatut fand Annahm«. Ebenfalls wurde die vom Gemeindevorsteher vorgelegte FriedhofSordnung angenommen. Eine längere Debatte entspann sich über dein Antrag, daS Hohenschönhausener Lokalblatst als Publikationsorgan der Gemeinde zu bestimmen. Bei dieser Ge- legenheit stellte Genosse Grütt den Antrag, auch Berichterstatter anderer Zeitungen zuzulassen, um so mehr, als ja Redaktion und Verlag deS Hohenschönhausener Lokalblattes sich auch nicht im Gemeinde-, sondern im Gutsbezirk Hohenschönhausen befinden. Dieser Antrag wurde abgelehnt und das Hohenschönhausener Lokal- blatt zum Publikationsorgan der Gemeinde bestimmt. Zwecks An- kaufeS eines Grundstücks zum Bau eineS Verwaltungsgebäudes verhandelte die Baukommission mit mehreren Besitzern. Es zeigte sich hierbei wieder, daß einige Herren vom Besitz sich recht gut dar- auf verstehen, von der Gemeinde Vorteil« herauszuschlagen, forder. tcn sie doch einen Preis von 120 M. pro Quadratrute, welche für die ortlichen Verhältnisse ein sehr hoher zu nennen ist. Der Bau- kommission ist eS aber noch möglich geworden, ein Angebot von einem Grundstück, und zwar von Wz Morgen, zum Preise von SS M. pro Ouadratrute zu erhalten, obwohl dieses Terrain noch günstiger als das zuerst angebotene liegt. ES wurde beschlossen, dieses Grundstück anzukaufen. DaS Verwaltungsgebäude soll zum 1. Oktober IVOS'beziehbar sein. Die Ausführung wird in Sub- Mission vergeben.„Hierauf geheime Sitzung. Biesdorf. Freisinniger Schwindel. Unter der Spitzmarke„Sozialdemokratischer TerrorismuS" brachte die„Freisinnige Zeitung" in ihrer Nr. b vom 7. Januar folgende Notiz: „In Biesdorf, einem Vorort im Osten von Berlin, hat sich in der neugegründeten Kolonie Biesdorf-Nord ein sozialdemo- kratischer Wahlverein gebildet. Dieser hat gleich den Beruf in sich gefühlt, in unliebsamer Weise von sich reden zu machen und den bisherigen Frieden unter den Geschäftsleuten zu stören. Die Sozialdemokraten stellen nämlich an den Barbier Lehmpuhl die beiden Forderungen: 1. den„Vorwärts" zu halten, und 2. dem sozialdemokratischen Verein als Mitglied beizutreten. Als diese beiden Forderungen von dem Herrn L. abgelehnt wurden, verhängten die Sozialdemokraten, mit den Herren Rodcwald und Bierwirth an der Spitze, den Boykott über sein Geschäft, der auch streng durchgeführt wird. Was würden— fa schreibt man uns dazu— diese Herren wohl sagen, wenn die bürgerlichen Parteien ebenso verführen? Sie hätten eS z. B. sehr leicht in der Hand, der Frau deS obenerwähnten Herrn Rodewald, die durch Wäschoplätten zum Unterhalt der Familie beiträgt, die Kundschaft aufzusagen.— Wir raten daher den DieSdorfer Sozialdemokraten etwas mehr Vorsicht an.„Wer andern eine Grube gräbt, fällt manchmal selbst hinein."" Wie uns mitgeteilt wird, handelt es sich in vorliegender Notiz um ein Lügengewebe. Der Barbier Lehmpuhl wohnt gar nicht in BieSdorf-Nord, sondern im alten Dorf. Ein Genosse N i e t s ch e hat den Barbier L. einmal gefragt, ob er den„Vorwärts" bestellen wolle, sonst nichts. Von klndroynng eines Boykotts kein« Spur, da d«eS schon deshalb Unsinn wäre, weil nur 3 Genossen im Dorfe selbst wohnen. Die Genossen Rodewald und Bierwirth haben von der ganzen Angelegenheit erst Kenntnis durch die erlogene Notiz im Biesdorfer Spießcrblatt erhalten. Der gute Mann, welcher den Schwindel zusammengebraut hat, kann sich zu dauern- dem Aufenthalt nach Wuhlgarten begeben. Dort findet er sicher Verständnis für solche Leistungen. EL sind doch traurige Helden diese„edlen" FreisinnSmannen. DaS Schwindeln können sie nicht lassen, es gehört zu ihrem Handwerk. Wilmersdorf. Die Stadwerordneienversammknng i« WikmerSb'orf stimmte am Freitagabend den Vertragsabänderungen zu, die vom FiskuS in der Angelegenheit des Baues der Untergrundbahn gefordert werden. Danach erhält der§ S des Vertrages den fol- genden Zusatz: „An der Linie Fehrbelliner Platz— Rastatter Platz ist FiskuS Teilhaber an etwaigen Ueberschüssen im Verhältnis seiner Einlage von 2,5 Millionen Mark zu den Gesamttosten dieser Strecke. Um dieses Verhältnis feststellen zu können, hat die Stadt nach Beendigung des Bahnbaues die Kosten dieser Strecke nachzu� weisen; sie dürfen den 7.g Millionen Mark betragenden Kosten anschlug um Höchstens 10 Proz. übersteigen, so datz der fiskalische Anteil mindestens 23,77 Proz. beträgt. Ein Uebcrschutz ist erst vorhanden, wenn die Kosten der Unterhaltung der Strecke in dem Zustande und Umfang, den sie bei Fertigstellung deS BaueS hatte, sowie die Betriebsausgaben einschlietziich der in den ersten Jahren zu erwartenden Betriebszuschüsse und etwaiger Verluste früherer Jahre gedeckt sind. Einen Zuschutz bat Fiskus nicht zu leisten.... Die Stadt ist berechtigt, die Beteiligung deS Fiskus jederzeit durch Zahlung von 25 Millionen Mark abzulösen." Bei der Erörterung wies Stadtv. Leidig nockimalS darauf hin, datz die Stadt rechtzeitig dafür hätte sorgen sollen, daß die nunmehr mit dem Fiskus verbündeten Terraingcsellschasten stärker als geschehen zu den Beiträgen für den Bahnbau herangezogen worden wären. Dadurch, datz dies nicht erfolgt sei und die Ge- sellschasten nur 3V M. pro Quadratmeter ihres Besitzes an Kosten beizutragen brauchten, wo sie 60 M. hätten zahlen können, wäre den Einwohnern bis zu einer Million mehr als sonst an Kosten aufgebürdet worden. Jetzt half kein Wehklagen mehr. Man bitz in den sauren Apfel und stimmte, wie scbon erwähnt, dem Vertrage zu. Die Kurs« der Terraingcsellschasten werden beträchtlich steigen. Auch der Magistratsantrag, über die Abgabe einer rechtSver« kindlichen Erklärung an die Interessenten der Schnell- bahn, wurde der Magistratsvorlage gemätz genehmigt. Danach ist den Interessenten bis zum 20. Januar in rechtsverbindlicher Form die Erklärung zu geben, datz die Stadt Wilmersdorf unabhängig von den Rechten der Stratzenbahngesellschaften unter Uebernahme der sich hieraus ergebenden Konsequenzen die Untergrundbahnstrccke Nürnberger Platz— Rastatter Platz bauen wird. Wie überall, so hat die Grotze Berliner auch im WilmerS- dorfer Fall den Konkurrenzeinwand erhoben. Welche Folgen«ine Klage der Gesellschaft nach sich ziehen wird, ist natürlich nicht abzusehen. Auch in diesem Falle mutzte man wohl oder übel zu- stimmen. Hoffentlich gelingt nunmehr daS bedeutsame Werk deS Bahn. baueS trotz aller Hindernisse. Spandan. Stadtverordnetenversammlung. Zur Beschaffung von Schutz. serum bei Diphtherie bewilligte die Versammlung 300 M. ES sollen in den Familien, wo ein Diphtheriefall vorgekommen, die übrigen Kinder zum Schutze mit einem weniger scharfen Serum geimpft werden.— Der Magistrat hatte einen Nachtrag zur Friedhofs- ordnung eingebracht, dahingehend, datz die Sockel der Denkmäler zu den exhumierten Gräbern nicht größer sein dürfen wie 70 Zenti- meter breit und 40 Zentimeter tief. Wie der Oberbürgermeister K ö l tz e dazu ausführt, seien in letzter Zeit für diese exhumierten Gräber, das sind die Reihengräbcr, große Mauerwerke ausgeführt. Wer daS wolle, der solle sich ein Erbbegräbnis kaufen. Diese Ansicht de? DdagistratS, torlche darin gipfelte, datz auch noch beim Tode der Unterschied im Geldbeutel kraß zur Darstellung gebracht wird, fand jedoch nicht die Zustimmung der Versamlvlung. Sie lehnten die Vorlage glatt ab.— Nach einem Beschluß der Versammlung in der letzten geheimen Sitzung sollen der Gutsbezirk Haselhorst, die Kolonie dortselbst, daS auf dem Eiswerder befindliche Feuerwerks- laboratorium und der Gutsbezirk Sternfelde dem Stadtbezirk von Spandau einverleibt werden. Als Gegenleistung für die in dem Eingemcindungsvertrag vorgesehene Ueberlassung der öffentlichen Gebäude an die Stadt verlangt der FiskuS, daß die Stadt den Anschluß dieser einzugemeindenden OrtSteile an die städtische Kanalisation und Wasserleitung auf ihre Kosten macht. Ueber diese Angelegenheit ist ein besonderer Vertrag aufgestellt, und lag dieser der Versammlung zur Beschlußfassung vor. Erhebliche Bedenken erregte die Abmachung, daß das für die Pumpstation erforderliche Gelände, etwa 1000 Quadratmeter groß, der Stadt gegen Zahlung emeS mäßigen AbschätzungSwertrS und Tragung der Auf- lassungSkostcn übereignet werden soll. Man war seitens eines Teiles der Versammlung der Ansicht, daß die Bezeichnung„mäßiger AbschätzungSwert" ein sehr dehnbarer Begriff sei, und verlangte Festsetzung eineS bestimmt fixierten Preises. Da jedoch der Ent- eignungsvertrag in einer gewissen Abhängigkeit zu der Annahme dieses Antrages steht, außerdem daS Terrain von 1000 Quadrat. meter nicht allzu groß ist, so daß erhebliche Nachteile für die Stadt nicht eintreten können, und weil der Entsestigungsverirag erst nach Annahme des vorliegenden Antrages der Militärbehörde vorgelegt werden kann, der Versammlung aber um eine schnelle Erledrgung zu tun ist. so stimmt sie dem Bertrage zu.— Zur Unterstützung der infolge der Erdbeben in Südiialien Verunglückten bewilligt die Versammlung 2000 M. Der bürgerliche Stadtverordnete Dreher Weng wünscht, daß man für künftige Fälle bei solchen Angelegen- hciten ein Komitee bilden solle, welches freiwillige Sammlungen vornehme. Denn dqdurch, daß die Stadt eine Summe aus den Taschen der Steuerzahler bewillige, werden sich manche reichen Leute, von denen Spandau ja auch eine ganze Anzahl habe, von freiwilligen Gaben drücken. Der Stadtverordnete S i e f e r t. welcher Vorsitzender des hiesigen GrundbesitzervcreinS ist, stellte den Antrag, die Unterstützungssumme«ruf 1000 Mark zu ermäßigen. Die Versammlung ging aber auf diesen Antrag nicht ein.— Ein von den Spandauer Hebammen gestellter Antrag, den HebammenfondS, der bisher 200 M. betrug, auf 500 M. zu erhöhen, ferner die Beiträge zur Kranken- und Altersversicherung von der Stadt zu leisten, dritten?, 15 Exemplare der„Hebammen- Zeitung" auf Kosten der Stadt zu abonnieren, und endlich den Hebammen, die einen Kursus durchmachen müssen, eine Beihilfe zu gewähren, wird ohne Debatte abgelehnt.— Der GaSkostenetat, der in Einnahme und Ausgabe mit 797 826,86 M. balanziert, und über den der Genosse Stadtverordneter Pieck referiert, zeitigt eine längere Debatte. Wie Genosse Pieck hervorhebt, zeigt der Etat ein erfreuliches Bild, denn der an die Stadthauptkasse abzuliefernde Ueberfchuß fei mit 03 357,43 M. eingesetzt. Dieser Ueberschuß sei aber in Wirklichkeit höher, denn eS sind außerdem noch 102 000 M. Einnahmen mehr im Etat eingestellt, die zur besseren Entfaltung der Anstalt wie zur Beschaffung von mehr Licht in den Straßen verwendet werden sollen. Der Gasverbrauch wird für 1900 auf 4 500 000 Kubikmeter geschätzt. In der einsetzenden Debatte wurden .n der Hauptsache Wünsche nach Lichtverbesserung in den einzelnen Straßenteilen vorgebracht. Nu§ der Debatte ist hervorzuheben, datz der Genosse Pieck beantragte, 5000 JW., welche der Magistrat von der für Arbeitslöhne eingesetzten Summe ron 27 967 M. gestrichen, wieder einzustellen. Der Antrag wurde abgelehnt. Genosse Schmidt I bemängelt, daß die Retortenarbeiter den glühenden Koks selber nach dem Hof schaffen müssen. Die GesundheitSverhält- niffe dieser Arbeiter, die infolge der schweren Arbeit schon nicht die besten seien, müssen darunter noch mehr leiden. Ferner be- mängelt der Genosse, daß den Arbeitern, trotzdem die Versammlung d:cS beschlossen, und trotzdem eine Maschine dazu angeschafft sei, den GaSar&citern kein Kaffee verabfolgt werde. DaS Trinkwasser sei schlecht und zeitweise hätten die Arbeiter keinen Dampf und kein Wasser zum Waschen, gehabt. Bezüglich des Kaffees klärt der©aSanstaltZdireltzr die Sache dahin auf. daß er geglaubt habe, eS solle Kaffee nur bei großer Hitze verabfolgt werden. Wenn man aber wünsche, daß die Arbeiter zu allen Zeiten Kaffee erhalten sollen, dann werde er dieS sofort einführen. Merkwürdigerweise hatten die Mitglieder der Gasdcputation keine Kenntnis davon, daß die Arbeiter jetzt keinen Kaffee erhalten. Ter Gasanstalts- direkter K ü tz i n g verlangt, datz die Arbeiter der Gasanstalt, tecn» sie Wünsche haben, sich in erster Linie an ihn zu tv enden habelk. Er muß sich vom Genossen Pieper dahin belehren lassen, daß die Stadtverordneten auch daS Recht für sich in Anspruch nehmen, Wünsche der Arbeiter entgegenzunehmen und in der Versammlcmg vorzutragen. Ter Stadtverordnete Genosse Pieper bemängelt, daß bezüglich des KokSverkaufS die Gasanstalt mit den Kohlen- Händlern größere Abschlüsse mache, so datz schließlich für die kleinen Leute kein Koks mehr zu haben sei. Auch wünscht er eine Koks- Verkaufsstelle in der Wilhelmstadt. Es wird darauf erwidert, daß die Abschlüsse nur in dem Maße erfolgen, daß noch genügend Koks für die kleinen Leute übrig bleibe. Me Einrichtung einer Koks« Verkaufsstelle in der Wilhelmstadt werde den Koks dort teuer machen. Der Gasetat wird schließlich genehmigt. Die vom Magistrat eingebrachte Vorlage betreffend Verkaufsbedingungen für daS Brückenstraßengelände zerfällt in zwei Teile, nämlich in die Ausführung der Charlottenbrücke und der erforderlichen Notbrück«, und in die Preisfrage über das zu verkaufende Gelände. Der erste Teil wird in öffentlicher Sitzung verhandelt, der zweite Teil in geheimer Sitzung. Aus der Debatte über den ersten Teil geht hervor, datz die Frage der Notbrücke bis zum Jahre 1910 oder 1911 geregelt fein soll, daß der Neubau der Brücke etwa 1 bis l�h Jahr dauern und spätestens im Jahre 1914 beendet sein soll. Ueber diese Angelegenheit hat der Baurat einen längeren ErläuterungS- bericht verfaßt, welcher vervielfältigt und den Stadtverordneten wie der Presse zugänglich gemacht werden soll. Es stellt sich aber auch in der Debatte heraus, daß man noch gar nicht genau weiß, wie und wo die Brücke zu liegen kommt, und datz das vor etwa 4— B Jahren erst erbaute Grundstück„Havel-Tcrrasse" bis zur Hälfte des Erdgeschosses eingeschüttet werden muß. Der Stadt- verordnete Rcgierungsbaurat Bender verurteilt in ziemlich scharfen Worten, daß man vom Bauamt nicht dafür Sorge trägt, daß, bevor solche Arbeiten überhaupt in Angriff genommen werden, genau die Höhenlagen festgestellt werden. Er führt als ein weiteres Beispiel für die Unzuträglichkeitcn einer solchen Bauart an, daß eine an der Charlottenburger Chaussee auch kürzlich erst fertig» gestellte Villa ebenfalls bis zum Erdgeschoß eingeschüttet werden mutzte. Man darf wirklich neugierig sein, wieviel EntschädigungS- ansprüche kommen werden, wenn die Brückenstraße und die neue Brücke im Jahre 1914 fertig sein werden. Schließlich wird die Stadt auch noch die andere Seite der Brückenstraße ankaufen müssen. In unglaublich rascher Weise hat man die Häuser der angekauften Seite der Brückenstratze niedergelegt, ohne daß man die genaue Höhenlage wußte und auch heute noch nicht genau weiß, und heute stellen sich Schwierigkeiten beim Verkauf der Baustellen heraus, denn eS wird doch niemand kaufen, bis er genau die Höhenlage weiß. Man hätte ruhig die alten Häuser der Brückenstratze solange stehen lassen sollen, bis die Höhenlage der Brücke genau festgestellt war, dann hatte die Stadt nicht einen so großen ZinSoerlust zu beklagen gehabt. Ein Beschluß über diesen Teil der Vorlage ist noch nicht zu fassen, da die Weiterberatung in der geheimen Sitzung erfolgt.— In die siebcngliederige gemischte Kommission zur Seratung der Angelegenheit betreffend Errichtung einer Krankenkasse für städtische Arbeiter wird u. a. auch der Stadtverordnete Geiwsse Pieper gewählt. Ein ansehnlicher Teil der Vorlagen muß wegen vor- gerückter Zeit vertagt werden. Gerichte- Zeitung. Veruntreuung von LerbandSgelder». Nach der Verschmelzung der Freien Vereinigung der Maurer mit dem Zentralverband der Maurer wurde Gustav Zeglin, welcher der Freien Vereinigung angehörte, im Bureau deS Verbandes an- gestellt. Zu feinen Obliegenheiten gehörte unter anderem die Ent- gcgennahme von Beiträgen, die er durch Einkleben von Mprken in die Mitgliedsbücher zu quittieren hatte. Nachdem Zcglin diese Tätigkeit vier Wochen ausgeübt hatte, entdeckte ern Mitglied dcS Verbandsvorstandes durch Zufall, daß Zeglin entioertete Marken aus alten Büchern gelöst und anstatt gültiger Marken verwendet hatte. Sofort wurde eine Untersuchung angestellt. Sie ergab, daß Zeglin auch noch in anderen Fällen dies Manöver mit den Marken gemacht hatte. In seiner Kasse stellte sich bei der nunmehr vorgenommenen Revision ein Fehlbetrag von 163 M. heraus. Zeglin wurde unverzüglich seines Postens enthoben. Von unbekannter Seite ist später gegen Zeglin Anzeige erstattet worden. Infolge- dessen hat die Staatsanwaltschaft gegen ihn Anklage wegen Betruges und Unterschlagung erhoben. Gestern kam die Sackje vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte zur Verhandlung. Daß er entwertete Marken zur Quittierung von Beiträgen benutzte, gab Zeglin zu, doch bestritt er, daß er daS dafür eingenommene Geld für sich ver» wandt habe. Er behauptet, das Defizit fei ursprünglich noch größer gewesen als 163 M.,«S habe gegen 200 M. betragen. Er könne sich die Entstehung des Defizits nur so erklären, datz ihm Geld oder Marken abhanden gekommen seien. Er habe sich gescheut, seinen Kollegen davon Mitteilung zu machen und sich dadurch selbst der Unfähigkeit zu bezichtigen. Deshalb habe er versucht, zur Deckung des Defizits Geld zu borgen und da ihm dies nicht gelang, habe er die Manipulation mit den Marken vorgenommen, um auf diese Weise daS Defizit nach und nach verschwinden zu lassen. Die Zeugen Wartcnberg(erster Kassierer deS Verbandes) und Metzle(Verbandsangestellter) bezeichneten eS als völlig«möge- schlössen, daß Zeglin durch Verschen oder sonstig« unverschuldete Vorkommnisse innerhalb vier Wochen ein Defizit von 163 M. hätte haben können. Dieser Ansicht schloß sich auch das Gericht cm. ES verurteilte den Angeklagten wegen Betrug und Unterschlagung zu einer Geld. strafe von 150 Mark. Falls die Geldstrafe nicht beizutreibcn ist, tritt an deren Stelle eine Gefängnisstrafe von 1 Tag für je 10 M. Freie Jugendorganisation«kharlottenburg. Abteilung I(Osten). Heute abend 8 Uhr bei Thunack, Wiclandstr. 4: Versammlung mit Vortrag. Neuwahlen. Zcntralverband der freien Händler und Hausierer Deutsch- lands(Essen). Verwaltungsstelle Berlin. Heut« abend 8 Uhr: Ver- sammlung. Kollegen willkommen. Frcirettgtötc» vom IS. Januar iui>v. morgens S Utir. «tattonen S? S 2 ps—l � i c 3 Sf Wetter f rotnembt 1746® Hamburg 1741 S Berlin 1747 33) Frankf.a W.' 748 SS München 1754 3S Wien>756 A 3 bedeckt 5 Regen 2 Regen 6 bedeckt 4 bedeckt 1 Regen aiss ti* Stationen xe x s <= 2 A 5 11 SZ Wetter *9 C"* t" kz Havaranda 753 DSD 2 bedeckt— 8 Petersburg 751 0! l bedeckt—5 Scillh /748WNW 5 wolkig 'Iber de«» Pari» 728WZW! 5 Schnee 749 SA 5 bedeckt Wetterprognose für Sonnabend, den 16. Januar IVOS. Ziemlich milde, zeitweise ausklarend, vorwiegend noch trübe Niederschlägen und sehr lebhaslen westlichen winden. Berliner Vetterburea» ? 1 10 rnQ Für den Inhalt der Inserate bernimmt die Redaktion dem Publitum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Sonnabend, den 16. Januar. Anfang 7, Uhr. Urania. Wissenschaftliches. Theater. Taubenstraße 48/49. Nachm. 4 Uhr: Jerusalem. Abends 8 Uhr: Sizilien. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. B. Donath: Die Erzeugung des Wechselstromes. Schiller- Theater. O.( Wallner- Theater.) Sonnabend, abends 8Uhr: Charleys Tante. Schwant in 3 Alten von Brandon Thomas. Sonntag, nam. 8 Uhr: Ein Volksfeind. Sonntag, abends 8 Uhr: Charleys Tante. Königl. Schauspielhaus. D Dot.DERNHARD ROSE THEATED ontag, abende 8 ubr: Leffing. Der König. Mrs. Deutsches. Revolution in Sträh mintel. Rammerspiele Der Arzt am Scheideweg.( Anfang 8 Uhr.) Anfang 8 Uhr. Berliner. Einer von unsere Leut'. Neues Schauspielhaus. Rabagas. Neues. Jsrael. Kleines. Moral. Komische Oper. Baza. Hebbel. Hohes Spiel. Residenz. Kümmere dich um melle. Schiller 0. Wallner beater.) Charleys Tante. Sche Charlottenburg. Romteffe Guderl. Friedrich Wilhelmstädt. Husaren. fieber. Westen. Der tapfere Soldat. Nachmittags 4 Uhr: Dornröschen. Thalia. Meister Lutti. Luifen. Die Kinder des Kapitan Grant Nachmittags 4 Uhr: Frau Holle. Wilhelm Theater. Die Schöpfung. Gr. Frankfurter Str. 182. Abends 8 Uhr: Brüderlein fein. Bochentagspreise. Rixdorfer Theater Bergstraße 147. Sonntag, den 17. Januar 1909: Jugend von heute. Komödie in 4 Aften von Otto Ernst. 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Sternwarte, Invalidenm. 67/62. Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Israel. Morgen und folgende Tage: Israel. Operette in 1 Aft. Mufil von Mag Winterfeld. Dazu: La belle Alexia. Les Pollos, K. Bernhard, Les fleurs Polonaises. Boltsstid mit Gesang und Tanz. F. Gluth mit eigenen Liedern zur Laute als Ga ft. Men! Ab Freitag, den 22. Januar Neu! ,, Rußland: anf. 8, Uhr. Entree 30 B. Ball. Sonntag 4 Uhr: Mutter Gräbert. Sonntag: Dieselbe Vorstellung. Metropol- Theater Bürgerliches Schauspielhaus Täglich 8 Uhr: Donnerwetter- tadellos! Revue in 10 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Paul Lincke. Regie Direktor Schultz. Massary Holden Giampietro Pfann Perry Bender Kettner Thielscher. WINE BARTEN Beispielloser Erfolg! Fragson Kastanien- Allee 7-9. Heute geschlossen. Morgen Sonntag: Beginn des Klaffiter Zyklus. Nachm. 3 Uhr: Die Räuber. Abends 8 Uhr: Fräulein Doktor Montag: Die Jüdin von Toledo. der polyglotte Vortragskünstler am ff. Klavier in seinem Repertoire. 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